Decision ID: c0cf1de1-0685-4044-b11f-329fa18bbb25
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für Personenwagen seit dem 25. Januar 2001. Bei
einer Hausdurchsuchung am 28. April 2016 an seinem damaligen Wohnort in A stiess
die Kantonspolizei St. Gallen auf eine Indoor-Hanfanlage mit 24 Cannabispflanzen, 90
Stecklingen und 150 Gramm Marihuana. Bei X wurde die Entnahme einer Blut- und
Urinprobe angeordnet. Das Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen
(IRM) ermittelte im Blut einen mittleren Tetrahydrocannabinol(THC)-Gehalt von 7,4 μg/l
und einen THC-Carbonsäuregehalt von 49 μg/l. Der Urin war zudem positiv auf
Cannabis. Im daraufhin eröffneten Strafverfahren gab X zu Protokoll, von den seit
November 2014 gewonnenen 4,8 Kilogramm Marihuana insgesamt 4 Kilogramm in
Kleinportionen für insgesamt Fr. 24'000.– auf der Gasse verkauft zu haben. Seinen
Eigenkonsum bezifferte er mit monatlich 20 bis 30 Gramm Marihuana.
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung
Administrativmassnahmen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt), eröffnete aufgrund
dieses Vorfalls gegenüber X am 29. Juli 2016 ein Administrativmassnahmeverfahren.
Mit Zwischenverfügung vom 23. August 2016 ordnete es eine verkehrsmedizinische
Untersuchung an. Diese fand am 12. Dezember 2016 beim IRM statt. Im Gutachten
vom 27. Februar 2017 schloss die Oberärztin bei X auf das Vorliegen einer
Cannabismissbrauchsproblematik. Die Fahreignung könne unter entsprechenden
Abstinenzauflagen (Einhalten einer Cannabisabstinenz mit suchttherapeutischer
Beratung für die Dauer von eineinhalb Jahren) befürwortet werden. Gestützt darauf
versah das Strassenverkehrsamt den Führerausweis von X mit den Auflagen einer
vollständigen kontrollierten Cannabisabstinenz (Suchtfachstelle und Arzt, Ziff. 1a) und
halbjährlichen Berichten (Ziff. 1b). Weiter wurde festgehalten, dass diese Auflagen auf
unbestimmte Zeit Gültigkeit haben und frühestens in eineinhalb Jahren geprüft werden
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können (Ziff. 1c). Das Strassenverkehrsamt entzog einem allfälligen Rekurs die
aufschiebende Wirkung (Ziff. 2).
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 6. April
2017 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben; ferner sei dem Rekurs aufschiebende
Wirkung zu erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz liess sich
mit Schreiben vom 27. April 2017 vernehmen. Auf die Ausführungen der Beteiligten

wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Mit Verfügung vom 10. Juli 2017 wies der Verfahrensleiter das Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung ab.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 6. April 2017 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In materieller Hinsicht ist die Anordnung von Abstinenzauflagen wegen
Cannabiskonsums umstritten.
a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, die Gutachterin habe somatisch und
psychisch einen absolut unauffälligen Befund bestätigt. Mangels Hinweises auf den
Konsum anderer Drogen sei auf eine Haaranalyse verzichtet worden. Trotz dieser
klaren Befunde und der seit April 2016 problemlos eingehaltenen Abstinenz sei die
Gutachterin fälschlicherweise von einer Cannabismissbrauchsproblematik
ausgegangen. Eine solche lasse sich anhand der Akten nicht erhärten. Er habe in den
letzten Jahren zwar regelmässig, aber stets kontrolliert Cannabis konsumiert, jeweils
am Abend und nur zu Genusszwecken. Es gebe keine Hinweise auf einen massiven
bis
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Cannabiskonsum, er sei nie süchtig gewesen. Die Hanfanlage habe er nicht für seinen
eigenen Konsum betrieben. Der Führerausweis sei ihm sodann im Jahr 2003 nicht
wegen Cannabiskonsums, sondern wegen Alkohols entzogen worden. Der Fall liege
mittlerweile ohnehin 14 Jahre zurück und sei in den vorinstanzlichen Akten nicht mehr
vermerkt. Seither habe er sich stets wohlverhalten sowie Fahren und Cannabiskonsum
strikt trennen können. Andere Drogen oder Alkohol habe er nie zu sich genommen.
Seine jetzige Arbeitgeberin führe bei ihren Mitarbeitern regelmässig Drogen- und
Alkoholkontrollen durch. Er könne es sich nicht leisten, seinen Beruf unter
Cannabiseinfluss auszuüben. Er sei zudem darauf angewiesen, auf dem Firmengelände
Motorfahrzeuge lenken zu können. Die Straf- und Administrativmassnahmeverfahren
hätten ihn bereits über Fr. 15'000.– gekostet. Die Motivation, den Cannabiskonsum
einzustellen, komme daher von innen. Da ein schlüssiger Nachweis für einen
verkehrsrelevanten Cannabismissbrauch fehle, könnten auch keine entsprechenden
Abstinenzauflagen verfügt werden.
Dem hält die Vorinstanz entgegen, das Gutachten sei schlüssig, nachvollziehbar und
widerspruchsfrei. Beim Rekurrenten sei von einem langjährigen und regelmässigen
Cannabismissbrauch auszugehen. Die Fahreignung könne bedingt befürwortet werden.
Diese Massnahme sei auch verhältnismässig, nachdem der Rekurrent offensichtlich
nicht bereit sei, vollständig auf den Konsum von Cannabis zu verzichten.
b) Führerausweise dürfen nicht erteilt werden, wenn der Bewerber an einer die
Fahreignung ausschliessenden Sucht leidet (Art. 14 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Der Führerausweis wird
entzogen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung
nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Wegen fehlender Fahreignung
wird einer Person der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer
Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG).
Drogensucht wird bejaht, wenn die Abhängigkeit von Drogen derart ist, dass der
Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem
Zustand ans Steuer eines Fahrzeugs zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr
gewährleistet. Allgemein darf auf fehlende Fahreignung geschlossen werden, wenn die
Person nicht (mehr) in der Lage ist, Drogenkonsum und Strassenverkehr ausreichend
auseinanderzuhalten, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht, dass sie im akuten
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Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt (BGE 129 II 82 E. 4.1; 127
II 122 E. 3c mit Hinweisen). Ein regelmässiger, aber kontrollierter und mässiger
Cannabiskonsum erlaubt für sich allein noch nicht den Schluss auf eine fehlende
Fahreignung. Von Bedeutung sind die Konsumgewohnheiten der Person, ihre
Vorgeschichte – namentlich hinsichtlich einschlägigen Drogenmissbrauchs im
Strassenverkehr – und ihre Persönlichkeit (BGE 128 II 335 E. 4a mit Hinweisen, 127 II
122 E. 4b). Wer gelegentlich Cannabis konsumiert, ist in der Lage, den gestellten
Anforderungen zum Führen von Motorfahrzeugen gerecht zu werden, wenn er Konsum
und Fahren trennen kann, wenn kein zusätzlicher Gebrauch von Alkohol oder anderen
psychoaktiv wirkenden Stoffen und keine Störung der Persönlichkeit und kein
Kontrollverlust vorliegen (vgl. E. Stephan, Begutachtung bei Drogenauffälligkeiten aus
psychologischer Sicht, in: Madea/Musshoff/Berghaus [Hrsg.], Verkehrsmedizin, 2. Aufl.
2012, S. 523 ff.).
Nach allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen ist es im Rahmen der
Verhältnismässigkeit zulässig, aus besonderen Gründen den Führerausweis mit
Auflagen zu versehen, wenn diese der Sicherstellung der Fahreignung und damit der
Verkehrssicherheit dienen sowie mit dem Wesen der Fahrerlaubnis im Einklang stehen.
Die Anordnung von Auflagen kommt dann in Frage, wenn der Lenker die gesetzlichen
Anforderungen an die Fahreignung bei Einhaltung bestimmter Massnahmen erfüllt; ein
Entzugsgrund nach Art. 16 SVG muss dabei nicht gegeben sein. Erforderlich ist zudem,
dass sich die Fahreignung nur mit dieser Massnahme aufrechterhalten lässt und die
Auflagen erfüll- und kontrollierbar sind (BGE 131 II 248 E. 6). Dass ein Fahrzeuglenker
zum Missbrauch von Substanzen, welche die Fahrfähigkeit beeinträchtigen, neigt, stellt
einen besonderen Grund dar, der Auflagen rechtfertigt (zum Alkoholmissbrauch vgl.
BGE 131 II 248 E. 6.3). Ein solcher besonderer Grund liegt bei einem Konsumverhalten
vor, bei welchem es überwiegend wahrscheinlich ist, dass der Betroffene ausser
Stande ist, eine drogenkonsumbedingte zeitweilige Fahruntüchtigkeit rechtzeitig als
solche zu erkennen oder trotz einer solchen Erkenntnis von der aktiven Teilnahme am
Strassenverkehr abzusehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.11/2006 vom
13. April 2006 E. 3.2). Personen, die zwar nicht drogensüchtig, aber nachweislich in
erheblichem Ausmass suchtgefährdet sind, kann der Führerausweis deshalb unter
einer Abstinenzauflage erteilt werden (Ph. Weissenberger, Administrativrechtliche
Massnahmen bei Alkohol- und Drogengefährdung, in: Jahrbuch zum
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Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004, S. 134 f.). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung können bei bloss einmaligem oder gelegentlichem Cannabiskonsum
nicht ohne weiteres entsprechende Auflagen angeordnet werden. Es entspreche zwar
gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis, dass der Cannabisrausch die Fahrtüchtigkeit
beeinträchtige. Der gelegentliche Cannabiskonsument, der nicht mit Alkohol oder
anderen Drogen mische, sei jedoch in der Regel in der Lage, konsumbedingte
Leistungseinbussen als solche zu erkennen und danach zu handeln. Demgegenüber sei
bei andauerndem, regelmässigem und gleichzeitig hohem Cannabiskonsum von einer
geringen Bereitschaft und Fähigkeit auszugehen, zuverlässig zwischen dem
Drogenkonsum und der Teilnahme am Strassenverkehr zu trennen (BGer 6A.11/2006
vom 13. April 2006 E. 3.3).
Das verkehrsmedizinische Gutachten unterliegt der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kommt ärztlichen Gutachten Beweiswert zu,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 123
V 331 E. 1c). In Sachfragen weicht der Richter nur aus triftigen Gründen von einer
gerichtlichen Expertise ab. Er prüft, ob sich auf Grund der übrigen Beweismittel und
der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der
gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm die Schlüssigkeit eines
Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat er nötigenfalls ergänzende
Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben (vgl. BGE 133 III 385 mit weiteren
Hinweisen).
c) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 27. Februar 2017 (act. 8/21 ff.) stützt sich
auf die Vorgeschichte gemäss Akten, die verkehrsmedizinische Untersuchung,
Fremdauskünfte und die Resultate der Laboruntersuchungen. Der Rekurrent gab zu
seinem Konsumverhalten in der verkehrsmedizinischen Untersuchung am 12.
Dezember 2016 an, er habe stets Cannabis und nie irgendwelche anderen Drogen zu
sich genommen. Der erste Versuch sei im Alter von 16 oder 17 Jahren erfolgt. Während
der Lehre habe er im Ausgang an den Wochenenden öfters Cannabis konsumiert, stets
in Form von Joints. Nach einem Vorfall im Jahr 2003, als er ein Fahrzeug unter dem
Einfluss von Alkohol und Cannabis gelenkt habe, habe er den Cannabiskonsum ganz
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eingestellt. Im Jahr 2008 habe er nach einem heftigen Streit mit seiner damaligen
Freundin wieder damit begonnen. Da es von Cannabis jeweils keine Katersymptome
gebe, habe er es dem Alkohol vorgezogen. Wegen Geldproblemen habe er später
selbst Cannabis angebaut. In den letzten Jahren habe er täglich konsumiert; die Menge
sei verschieden gewesen, je nach Arbeit. Er habe stets am Abend geraucht. An einer
Party habe er mehr konsumiert, bis zu fünf Joints am Tag. Er sei nicht süchtig
gewesen. Wenn er den Konsum einmal eingestellt habe, seien keine Entzugssymptome
oder Schlafstörungen aufgetreten. Er habe den Geschmack gemocht, Kiffen sei für ihn
ein Genuss gewesen. In den letzten Jahren habe er sich zurückgezogen und
überwiegend alleine zuhause konsumiert. Seit der Einstellung des Konsums fühle er
sich viel aktiver und gehe wieder mehr unter die Leute. Er habe die Abstinenz bisher
problemlos einhalten können. Er trinke auch keinen Alkohol. Seit August 2016 gebe er
beim Hausarzt Urinproben ab und mache eine Fachtherapie. Aus seiner Sicht sei alles
besprochen, er benötige keine Therapie mehr. Zur Abgabe weiterer Urinproben sei er
hingegen bereit.
Die körperliche Untersuchung verlief verkehrsmedizinisch ebenso unauffällig wie die
Prüfung des Urins auf Cannabis, Kokain sowie zahlreiche weitere Betäubungsmittel
und psychotrope Wirkstoffe. Gemäss den Fremdauskünften des Hausarztes seien beim
Rekurrenten keine verkehrsmedizinisch relevanten Erkrankungen und keine
Suchtmittelproblematik bekannt. Die alkoholrelevanten Laborparameter seien
unauffällig ausgefallen. Im Zeitraum August bis September 2016 seien fünf Urinproben
abgegeben worden, allesamt mit Cannabis-Werten von weniger als 20 ng/ml. Der
Suchtberater berichtete, dass der Rekurrent einen stabilen und gesunden Eindruck
mache. In den bisherigen Gesprächen habe ein Beziehungsaufbau erfolgen können.
Die Hintergründe des Cannabiskonsums seien aber noch nicht hinreichend erarbeitet
worden. Die aktuelle Abstinenz erscheine primär von aussen motoviert. Da dem
Rekurrenten die Abstinenz aber mühelos gelinge, erachtet der Therapeut die
Fahrfähigkeit unter Auflagen für gegeben.
In der Beurteilung hält die Gutachterin fest, Anlass für die verkehrsmedizinische
Untersuchung sei ein Strafverfahren wegen Betäubungsmittelhandels und -konsums.
Der automobilistische Leumund des Rekurrenten sei mit einem neunmonatigen
Führerausweisentzug im Jahr 2003 belastet. Damals habe er ein Fahrzeug unter dem
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Einfluss von Alkohol und Cannabis gelenkt. Körperlich habe sich der Rekurrent beim
Untersuch in einem guten Allgemeinzustand präsentiert. In psychischer Hinsicht sei er
stabil und bewusstseinsklar gewesen. Die Urinanalyse sei durchwegs negativ verlaufen.
Auch die beim Hausarzt seit August 2016 durchgeführten Laborkontrollen seien weder
in Bezug auf Alkohol noch Cannabis auffällig. Zusammenfassend könne beim
Rekurrenten von einem vormals jahrelangen regelmässigen Cannabiskonsum und
damit von einer Missbrauchsproblematik ausgegangen werden. Gemäss eigenen
Angaben sei er im Jahr 2003 mit Cannabis verkehrsauffällig geworden. Die Indoor-
Hanfanlage dürfte er für den Eigenkonsum und den Handel betrieben haben.
Labormässig hätten sich keine Hinweise für einen fortgesetzten Cannabiskonsum und
ebenso keine Anhaltspunkte für einen Konsum anderweitiger illegaler psychotroper
Substanzen ergeben. Es gebe auch keine Hinweise auf eine Alkoholproblematik.
Konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Drogenabhängigkeit hätten sich
anhand der anamnestischen Angaben zwar nicht erhärten lassen, es müsse jedoch von
einem zumindest verkehrsrelevanten Drogenmissbrauch ausgegangen werden. Das
frühere Konsumverhalten zeige klare Hinweise auf ein damals starkes Verlangen nach
der Substanz auf. Aus dem Bericht der Fachtherapie gehe hervor, dass die
Weiterführung der Therapie notwendig und eine noch tiefergehende
Auseinandersetzung mit der Drogenproblematik erforderlich sei. Die
Abstinenzeinhaltung dürfte hauptsächlich von äusseren Umständen beeinflusst sein.
Die Fahreignung könne unter Abstinenzauflagen befürwortet werden, namentlich
Einhaltung einer Cannabisabstinenz für die Dauer von eineinhalb Jahren und
Durchführung einer suchttherapeutischen Beratung (Fachtherapie).
d) Gemäss eigenen Angaben konsumierte der Rekurrent ab 2008 regelmässig
Cannabis, in den letzten Jahren täglich. In der polizeilichen Befragung gab er an,
monatlich jeweils 20 bis 30 Gramm Cannabis konsumiert zu haben. Gegenüber der
Gutachterin erklärte er, die Menge sei sehr unterschiedlich gewesen, je nach Arbeit. An
einer Party habe er beispielsweise mehr konsumiert, bis zu fünf Joints pro Tag. Er habe
immer abends konsumiert, was jedoch im Widerspruch zur polizeilichen Einvernahme
vom 28. April 2016 steht, als der Rekurrent angab, den letzten Joint am Morgen jenes
Tages konsumiert zu haben. Da er seinen Konsum nicht mehr finanzieren konnte, ging
der Rekurrent sogar soweit, das Betäubungsmittel ab November 2014 selbst
anzubauen. Damit machte er sich zusätzlich strafbar. Auch sonst wirkte sich der
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intensive Cannabiskonsum schädlich auf sein Sozialleben aus. Seinen Angaben zufolge
zog er sich damals sehr zurück. Ohne Cannabis fühlt er sich demgegenüber heute viel
aktiver und geht wieder mehr unter die Leute. Dass die Gutachterin vor diesem
Hintergrund davon ausging, beim Rekurrenten habe bis zum Frühjahr 2016 ein
jahrelanger regelmässiger Cannabiskonsum und damit ein Missbrauch vorgelegen,
erscheint nachvollziehbar und schlüssig. Gemäss den aktuellen Richtlinien der
Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) zu Cannabis und Fahreignung
wird ein Cannabiskonsum von bis zu zweimal pro Woche als gelegentlich und von
mehr als zweimal pro Woche als mehr als gelegentlich oder häufig bezeichnet (vgl. B.
Liniger, Cannabis und Fahreignung: Die aktuellen SGRM-Richtlinien, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2014, Bern 2014, S. 329). Darauf deuten auch die Blutwerte
vom 28. April 2016 hin. Die damalige Blutentnahme wurde im Rahmen einer (nicht
angekündigten) Hausdurchsuchung angeordnet und traf den Rekurrenten
unvorbereitet. Die nachgewiesene Konzentration von THC-Carbonsäure im Blut von 49
μg/l lag über dem Grenzwert zum häufigen Konsum von 40 μg/l THC-Carbonsäure (vgl.
Liniger, a.a.O., S. 329). Der THC-Gehalt im Blut überschritt den Grenzwert für Fahren in
fahrunfähigem Zustand von 1,5 μg/l (vgl. 31 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 2 der
Verkehrsregelnverordnung [SR 741.11] und Art. 34 lit. a der Verordnung des ASTRA zur
Strassenverkehrskontrollverordnung [SR 741.013.1]) mit 7,4 μg/l um ein Mehrfaches.
Die Neigung, unter Substanzeinfluss zu fahren, verstärkt sich mit zunehmendem
Konsum. Deshalb kann regel- oder gar gewohnheitsmässiger Cannabiskonsum
zumindest berechtigte Zweifel an der Fahreignung begründen, die sowohl weitere
Abklärungen wie auch Auflagen rechtfertigen. Beim Rekurrenten lag
zugegebenermassen ein langandauernder gewohnheitsmässiger Cannabiskonsum vor.
Er rauchte während mehrerer Jahre täglich Cannabis, gemäss eigenen Angaben bis zu
fünf Joints pro Tag und 20 bis 30 Gramm pro Monat. Bei einem solchen
Konsumverhalten ist es überwiegend wahrscheinlich, dass der Betroffene ausser
Stande ist, eine drogenkonsumbedingte zeitweilige Fahruntüchtigkeit rechtzeitig als
solche zu erkennen oder trotz einer solchen Erkenntnis von der aktiven Teilnahme am
Strassenverkehr abzusehen, und zwar unabhängig davon, ob er bereits einmal ein
Fahrzeug unter Drogeneinfluss gelenkt hat oder nicht. Es spielt deshalb keine Rolle, ob
der Rekurrent beim Vorfall im Jahr 2003 Cannabis konsumiert hatte oder nicht.
Immerhin hat er dies der Gutachterin gegenüber selbst so zu Protokoll gegeben.
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Schliesslich vermag auch der Umstand, dass der Rekurrent den Cannabiskonsum
Ende April 2016 gemäss eigenen Angaben ohne grössere Probleme einstellte und
seither abstinent lebt, nichts daran zu ändern. Es ist nämlich zu berücksichtigen, dass
diese Abstinenz unter dem Eindruck der hängigen Verfahren – sowohl straf- als auch
administrativmassnahmenrechtlicher Natur – erfolgte und damit primär von aussen
motiviert war. Ob es für den Rekurrenten auch ein Leichtes wäre, nach Abschluss
sämtlicher Verfahren weiterhin auf den Konsum von Cannabis zu verzichten, lässt sich
daraus deshalb nicht zwingend ableiten.
e) Insgesamt erscheint das Resultat des Gutachtens, wonach eine
Cannabismissbrauchsproblematik vorliege, als widerspruchsfrei, nachvollziehbar und
schlüssig. Damit ist ein besonderer Grund für die Verbindung des Führerausweises des
Rekurrenten mit Auflagen gegeben. Ohne die Anordnung von Auflagen wäre seine
Fahreignung nicht gewährleistet und damit die Verkehrssicherheit gefährdet.
3.- Zum Inhalt und zur Dauer der Auflagen macht der Rekurrent keine Ausführungen.
Die Verhältnismässigkeit der Massnahmen ist jedoch von Amtes wegen zu prüfen.
Angesichts der festgestellten Cannabismissbrauchsproblematik entspricht die
Einhaltung einer vollständigen kontrollierten Cannabisabstinenz mittels monatlicher
Urinproben auf unbestimmte Zeit der geltenden Praxis. Eine mildere Massnahme ist
nicht möglich. Zur Aufarbeitung der jahrelang bestehenden Problematik, deren
Hintergründe mit dem Rekurrenten gemäss Bericht des Suchtberaters offenbar noch
nicht hinreichend bestimmt werden konnten, erscheint auch die Anordnung einer
Suchtberatung angemessen. Aus der Verfügung geht sodann hervor, dass die Berichte
des Arztes und der Suchtfachstelle jeweils im Juni und im Dezember einzureichen sind
und die Auflagen frühestens nach eineinhalb Jahren aufgehoben werden können. Sie
ist damit hinreichend klar formuliert. Dass der Rekurrent bereits seit August 2016
monatliche Urinkontrollen abgibt und auch eine Fachtherapie besucht, wurde bei der
Mindestdauer von eineinhalb Jahren berücksichtigt. Der Rekurs ist demzufolge
abzuweisen.
4.- Mit den Auflagen soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der
Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer nur in fahrfähigem Zustand ein
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Motorfahrzeug lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste er diese Auflagen während
eines Beschwerdeverfahrens nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb
die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 51 VRP).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (samt den Kosten für die Zwischenverfügung zur aufschiebenden Wirkung
vom 10. Juli 2017, vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.