Decision ID: 4d5fdf04-49e1-445e-be63-99ede0112fbf
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1973 geborene
X._
meldete sich am 11. Juni 2012
-
unter Hin
weis auf eine
n
am 19. Juli 2011
erlittenen
U
nfall -
zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an (Urk. 7/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf daraufhin berufliche, erwerbliche
sowie medizinische Abklärungen und zog die
Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) bei (Urk. 7/14).
Am 21. November 2012
und am
9. Januar 2013
erteilte sie Kostengutsprache für
Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Deutschkurses (Urk. 7/18
, Urk. 7/23
,
Urk. 7/25
).
Unter Hinweis darauf, dass Eingliederungsmassnahmen nach An
ga
ben der Versicherten aus gesundheitlichen
Gründen
derzeit nicht möglich seien, schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung am 10. Juli 2013 ab (Urk. 7/28).
In der Folge liess sie die Versicherte im Frühjahr 2014 von den Ärzten der MEDAS
Y._
polydisziplinär untersuchen (vgl. Gutachten vom 25. Juni 2014, Urk. 7/48). Daraufhin verfügte sie am 8. Dezember 2014 - in Bestätigung ihres Vorbescheids vom 25. August 2014 (Urk. 7/51)
-
die Abwei
sung des
Leistungs
begehrens
(Urk. 2).
1.2
Die
SUVA, die im Zusammenhang mit einem von der Versicherten am 19. Juli 2011 erlittenen Unfall
Taggelder erbracht hatte und für die
Heilbehandlungs
kosten
aufgekommen war
(
vgl. Urk. 9/32-35
im Prozess Nr. UV.2013.00177
)
, ver
fügte am 30. August 2012
-
unter Hinweis darauf, dass die
(
organisch nicht hinreichend nachweisbaren
)
persistierenden Beschwerden in keinem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall stünden
-
die Einstellung ihrer Leistungen per 30. Juni 2012
(Urk. 9/89
im Prozess Nr. UV.2013.00177
).
Die vo
n der
Versi
cherten
hiegegen
erhobene
Einsprache (Urk. 9/97
im Prozess Nr. UV.2013.00177
)
wies
sie am 13. Juni 2013 ab (Urk.
2
im Prozess Nr. UV.2013.00177
).
Betreffend die von
X._
am 12. Juli 2013 im Prozess Nr. UV.2013.00177 gegen diesen Entscheid
am hiesigen Gericht
erho
bene Beschwerde ergeht ebenfalls mit heutigem Datum das Urteil.
2.
Gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 8. Dezember 2014 (Urk. 2) liess die Ver
si
cherte am 21. Januar 2015 mit folgendem Antrag Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu gewähren, insbesondere eine Invalidenrente auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegeg
nerin
(inkl. 8 % MWST).“
Die IV-Stelle schloss am 27. Februar 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Beschwerdeantwort, Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 4. März 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zu
gehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
blei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
tels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes
Invalidenein
kommen
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte
, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkom
men
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkom
mensdifferenz
der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommens
ver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ent
sprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter anderem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode be
stimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.5
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.6
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesge
richts 8C_730/2008 vom 23. März
2009 E.
2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität füh
ren, indem sie einen ver
selbst
ändigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
2
8.
Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinwei
sen
).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Leistungsverweigerung
-
unter Hinweis auf das
Gut
achten der MEDAS vom 25. Juni 2014 (Urk. 7/48) -
damit, dass
die Beschwer
deführerin keinen invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Gesund
heits
scha
den
aufweise (Urk. 2, Urk. 6).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
, die Exper
tise der MEDAS vom 25. Juni 2014 (Urk. 7/48) sei aufgrund verschiedener Mängel nicht beweistauglich
(Urk. 1 S. 4 ff.). Auf die bereits im
Vorbescheid
verfahren
geäusserte Kritik daran sei die Beschwerdegegnerin in der angefoch
tenen Verfügung nicht eingegangen. Tatsächlich sei sie nach wie vor
-
zumin
dest teilweise - in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt und unmittelbar nach dem Unfall vom 19. Juli 2011 für längere Zeit gänzlich arbeitsunfähig gewesen, weshalb sie jedenfalls vorübergehend Anspruch auf eine Rente habe (S. 3).
3.
3.1
Die am 20. Juli 2011 notfallmässig (ambulant) konsultierten Ärzte des
Z._
Krankenhauses in
A._
gaben in ihrem (undatierten) Bericht (Urk. 7/14 S. 129) an, die Beschwerdeführerin habe ein zerrissenes Augenlid sowie Hämatome am Hals und an anderen Körperteilen aufgewiesen. Man habe ihr ein Anti-Tetanus-Serum verabreicht und das rechte Augenlid genäht. Die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar und räumlich wie auch zeitlich orien
tiert gewesen. Aufgrund des Hämatoms am Hals sei die Halsbeweglichkeit schmerzbedingt eingeschränkt gewesen. Die radiologische Untersuchung des Kopfs und der HWS habe einen normalen Befund ergeben. Es sei eine medika
mentöse Therapie verordnet worden. Im Falle einer Persistenz der Beschwerden sei eine Kontrolluntersuchung indiziert.
3.2
In ihrem Bericht vom „20.07.2011 - 22.07.2011“ (Urk.
7/14 S.
125
) diagnos
tizier
ten die Ärzte des
Z._
Krankenhauses, Neurologische Abtei
lung, eine posttraumatische
Zephalea
beziehungsweise Kopfschmerzen. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, bei einem Unfall ein kraniales Trauma er
litten zu haben. Sie habe sich aufgrund von Turbulenzen während eines Flugs am rechten frontal-parietalen Bereich des Kopfs, am Hals und am rechten Arm verletzt. Sie habe weder das Bewusstsein verloren noch erbrechen müssen. Aus ihrem linken Nasenloch, nicht aber aus den Ohren, habe sie geblutet. Sie klage über Kopfsch
m
erzen im Bereich des Hinterkopfs und über Halsschmerzen. Es seien
periorbitale
Hämatome rechts, eine
Lateration
in der Nähe der rechten
Augenbraue und eine Rötung des rechten parietalen Bereichs festgestellt wor
den.
Ödeme hätten keine bestanden. In Rahmen der neurologischen Untersu
chung habe sich die Beschwerdeführerin bewusstseinsklar sowie räumlich und zeitlich orientiert gezeigt. Motorische oder sensorische Defizite seien keine nach
ge
wiesen worden. Das MRI des Kopfs und der HWS habe unauffällige Befunde ergeben. Es sei eine medikamentöse Behandlung verordnet worden.
3.3
Die MRI-Untersuchung der HWS und des Schädels vom 19. August 2011 zeigte im Bereich der HWS ein diskretes
Bulging
der leicht signalalterierten Band
scheibe C2/3 und einen geringen Signalverlust im Sinne einer leichten Degene
ration der Bandscheibe C1/2 bei ansonsten unauffälligem Befund. Der
bildge
bende
Befund betreffend das
Neurokranium
wurde als altersnormal beurteilt (Bericht Spital
B._
, Institut für Radiologie, vom 22. August 2011, Urk.
7/14 S. 113-115
).
3.4
Die Sonographie des linken Schultergelenks vom 23. September 2011 ergab einen unauffälligen Befund (Bericht Spital
B._
, Institut für Radiologie, vom 23. September 2011, Urk.
7/14 S. 103
).
3.5
Dr. med.
C._
, Facharzt für Neurologie, gab i
n seinem Bericht vom 5. Oktobe
r
2011 an, die Beschwerdeführerin leide an diversen Beschwerden im Sinne einer Funktionsstörung, die durch psychogene Faktoren als
Folge
be
schwerden
einer am 19. Juli
2011 in einem Flugzeug erlittenen Commotio cerebri verstärkt wür
den. Die Beschwerdeführerin sei beim fraglichen Ereignis auf der Toilette des Flugzeugs aus ihrer sitzenden Position geschleudert worden, habe möglicher
weise mit dem Kopf zuerst gegen die Decke geschlagen, sei wahrscheinlich für kurze Zeit bewusstlos gewesen und habe sich eine
Riss
quetschwunde
an der rechten Augenbraue zugezogen (
Urk. 7/14 S. 105
). Sie habe danach
Nacken
schmerzen
, ein Hitzegefühl im Kopf und möglicherweise Herzklopfen verspürt; für kurze Zeit habe ihre Nase geblutet. Die
Riss
quetsch
wunde
sei bei einer Zwi
schenlandung im Flugzeug versorgt worden. Am Reise
ziel sei die Beschwerde
führerin dann im
Z._
Krankenhaus unter
sucht und kurz behandelt worden. Die Beschwerdeführerin sei imstande, den Unfall genau zu schildern. Es bestehe keine fassbare retro-
anterograde
Amnesie. Die sicherheitshalber durch
geführte MRI-Untersuchung des
Neurokraniums
und
der Halswirbelsäule (HWS) habe einen unauffälligen Befund ergeben (vgl. Bericht Spital
B._
, Institut Radiologie, vom 22. August 2011; Urk.
7
/14
S.
102
).
Es hätten sich ein diskretes
Bulging
C2/C3 und eine leichte Degeneration der Band
scheibe C1/2 gezeigt. Die Beschwerdeführerin klage derzeit über
Nacken
schmerzen
links sowie immer wieder auftretende Schmerzen, Verspannung und Blockierungsgefühle im linken Arm. Seit dem Unfall fühle sie sich nicht mehr
wohl, ängstlich, unsicher, immer wieder müde und
-
vor allem beim Auto
-
fahren
-
schreckhaft (
Urk. 7/14 S. 106
).
Die aus subjektiver Sicht bestehenden funktionellen Beschwerden seien zweifel
los Folge des Unfalls, der zu einer Commotio cerebri mit Beteiligung der HWS geführt habe. Es bestünden keine objektivierbaren neurologischen Befunde. Dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach dem nicht so schwerwie
gen
den Unfall persistierten und dass im Laufe der Zeit sogar noch weitere Beschwerden zur bestehenden Symptomatik hinzugekommen seien, sei mit den schwierigen Lebensumständen der Beschwerdeführerin, die als
hauptverant
wort
liche
Person einer vierköpfigen [richtig: fünfköpfigen] Familie seit Jahren unter enormer Belastung stehe, zu erklären
(Urk. 7/14 S. 106)
. Der nicht schwerwiegende Unfall habe ihr schon fragiles Gleichgewicht gestört und zur Entgleisung mit den geschilderten und bis anhin therapieresistenten Beschwer
den geführt. In erster Linie seien daher eine psychiatrische Behandlung und ins
besondere eine Entlastung im Alltag erforderlich. Weitere neurologische Abklä
rungen beziehungsweise Kontrolltermine seien nicht erforderlich
(Urk. 7/14 S. 107)
.
3.6
Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, hielt am 12. Oktober 2011 fest, die Beschwerdeführerin sei am 19. Juli 2011 während eines Flugs bei ei
nem heftigen Gewitter in der Toilette zu Boden geschleudert worden. Dabei habe
sie sich eine Rissquetschwunde über dem rechten Auge und eine Commo
tio cerebri zugezogen. Seit dem Unfall stünden Nacken- und Kopfschmerzen im Vordergrund. Das MRI des Schädels und der HWS vom 22. August 2011 (Urk.
7/14 S. 102
) habe einen normalen Befund ergeben. Im Rahmen der klini
schen Untersuchung vom 29. September 2011 habe die Beschwerdeführerin Druck
schmerzen über den unteren Facettengelenken der HWS links, über der paravertebralen zervikalen Muskulatur links, über der 1. Rippe links, über dem
Musculus
supraspinatus
sowie über der ventralen Schultermuskulatur links im
Bizepsbereich
angegeben. Die HWS-Rotation sei beidseits bis 65° und die HWS-Lateralflexion links bis 45° und rechts bis 30° möglich gewesen. Der Kinn-Jugulum-Abstand habe maximal 14 cm und minimal 3 cm betragen, und die Schulter-Anteversion und
-
Abduktion links sei bis 150° möglich gewesen (Urk.
7/14 S. 101
).
3.7
Am 8. Dezember 2011 stellte Dr.
D._
folgende Diagnosen (Urk.
7/14 S. 74
):
Commotio cerebri am 19. Juli 2011 mit
HWS- und Schädelkontusion
Facettengelenksirritation HWS links
begleitenden muskulären Verspannungen zervikal
schmerzhaften
Myogelosen
der Schultermuskulatur
Nach einem Wechsel der Physiotherapeutin sei subjektiv eine Besserung ein
getre
ten. Objektiv bestünden noch deutlich schmerzhafte Facettengelenke im Bereich der HWS links und eine starke Verspannung der
Nacken-Schultermus
kulatur
. Die belastende familiäre Situation wirke sich auf den Heilungsverlauf aus. Die Beschwerdeführerin unterziehe sich einer Physio- und einer Psycho
therapie; die Dauer der Behandlung sei noch unklar. Es sei kein aus dem Unfall resultierender bleibender Nachteil zu erwarten.
3.8
Dr. med.
E._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diag
nostizierte in ihrem Bericht vom 4. Januar 2012 eine Anpassungsstörung. Die Beschwerdeführerin sei am 19. Juli 2011 aufgrund von Turbulenzen derart in der Flugzeugtoilette herumgeschleudert worden, dass sie mit dem Kopf gegen Decke und Wände geschlagen und schliesslich am Boden gelegen habe. Zwei Nächte nach dem Unfall sei das ganze Ereignis wieder wie ein Film vor ihren Augen abgelaufen. Ein von ihr konsultierter Arzt habe ihr dann einen Halskra
gen verordnet. Sie habe in den Tagen darauf nicht mehr aufstehen können und an extremen Schmerzen am Hinterkopf gelitten, die über den Nacken bis hin zur Brustwirbelsäule (BWS) ausgestrahlt hätten. Anlässlich der Erstkonsultation vom 18. Oktober 2011 habe die Beschwerdeführerin über andauernde starke Schmerzen im Bereich der Schultern, des Hinterkopfs, des Nackens und der
BWS, über häufiges Weinen, Abgeschlagenheit, schmerzbedingt gestörten Schlaf
, starke Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und teilweise fehlende Orien
tierung geklagt
(Urk. 7/14 S. 70)
. Mitte November 2011 seien wiederholt heftige Drehschwindelattacken sowie ein einmaliger nächtlicher Zustand mit Schreien, Weinen und Angst aufgetreten, für den die Beschwerdeführerin selbst eine Amne
sie aufweise. Es
fänden
eine Gesprächstherapie sowie eine anxiolyti
sche medi
kamentöse Behandlung statt, wobei medikamentös eine Linderung der Verspannungen und der Schulterschmerzen sowie eine gute Schlafqualität hät
ten erreicht werden können. Seit mindestens 18. Oktober 2011 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 7/14 S. 71)
.
3.9
Dr.
D._
berichtete am 5. Februar 2012, die im Vordergrund stehenden Nacken- und Kopfschmerzen beeinträchtigten das Befinden nach wie vor erheb
lich. Wenn sich die Beschwerdeführerin körperlich anstrenge, ermüde sie rasch und habe nur wenig Kraft. Die Schmerzen könnten durch die Physiothe
rapie
jeweils für zwei bis drei Tage deutlich reduziert werden. Nach der
Trigger
punkt
therapie
sei die Muskulatur nach Angaben der Beschwerdeführerin jeweils weicher, und die Schmerzen verschwänden. Es sei eine
chiropraktische
Behand
lung indiziert. Bis zur Mitte Februar 2012 vorgesehenen Nachkontrolle bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk.
7/14 S. 63
).
3.10
Nachdem sich die Beschwerdeführerin vom 14. März bis 23. Mai 2012 stationär in der
Klinik F._
hatte behandeln lassen, stellten die Ärzte im
Aus
trittsbericht
vom letztgenannten Datum nachstehende Diagnosen (Urk.
7/14 S. 33
):
Unfall vom 19. Juli 2011: Schädelkontusion durch Flugturbulenzen
mögliche leichte traumatische Hirnverletzung (LTHV)
Schädel- und HWS-Kontusion
Rissquetschwunde Augenbraue rechts
daraus resultierend:
-
Facettengelenksirritationen HWS links
-
undifferenzierte
Somatisierungsstörung
, ICD-10 F45.1
-
subsyndromale
posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Bei Klinikaustritt hätten folgende Probleme bestanden:
Diffuse Schmerzen im linken Arm, Kopf- und Nackenschmerzen bis in die BWS ausstrahlend
Ängstliche Anspannung
Allgemeine Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsmangel
Klagen über multiple wechselnde körperliche Symptome
Arterielle Hypertonie
Die neurologische Untersuchung habe einen unauffälligen Befund ergeben. Aus
löser der aus psychiatrischer Sicht bestehenden
Somatisierungsstörung
sei die seit Jahren bestehende schwierige psychosoziale Belastungssituation in der Familie. Mit dem Unfall sei es zu einem zusätzlichen Stressereignis gekommen; die bishe
rigen Bewältigungsstrategien („D
urch
h
alten“, „
S
ich mehr anstrengen“) hätten in der Folge nicht mehr geholfen.
Aufgrund der psychischen Störung von Krankheitswert bestehe eine leichte Leistungsminderung; aus neuropsy
chologischer Sicht und aus physischen Gründen bestehe keine arbeitsrelevante Einschränkung. Die Arbeit als Verkäuferin und jede andere Tätigkeit mit (vor
derhand) leichten kognitiven Anforderung seien der Beschwerdeführerin an sich wieder zu 100 % zumutbar; allerdings sei ein gestufter Wiedereinstieg zu emp
fehlen. Der Fall könne abgeschlossen werden. Der Beschwerdeführerin sei die Anmeldung beim zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) empfohlen worden
(Urk. 7/14 S. 34)
. Es seien eine ambulante, psychiatrisch ausgerichtete Ergotherapie zur positiven Aktivierung und Unterstützung in der
Entwicklung einer Tagesstruktur sowie die Fortführung der psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung indiziert
(Urk. 7/14 S. 33)
.
3.11
In seiner gestützt auf die Akten verfassten Beurteilung gelangte Dr. med.
G._
, Facharzt FMH für Chirurgie, Kreisarzt der SUVA, am 4. Juni 2012 zum Schluss, dass keine somatischen Unfallfolgen mehr vorlägen und die Beschwerdeführerin wieder zu 100 % arbeitsfähig sei
(Urk. 7/14 S. 26
).
3.12
Das native
multiplanare
MRI der HWS und des
kraniozervikalen
Übergangs vom 24. August 2012 ergab gemäss Dr. med.
H._
, Fachärztin FMH für Radiologie und Neuroradiologie,
I._
, eine sehr diskrete Flüssigkeitsansammlung im Facettengelenk C3/C4 links im Bereich der posttraumatischen (13 Monate nach dem Trauma) intraartikulären und
periarti
kulären
Hämorrhagie. Der Befund sei demnach als
traumabedingt
zu interpre
tieren. In der Medulla
spinalis
auf Höhe C5/C6 fänden sich zudem zwei
punkt
förmige
Mikroblutungen. Der
kraniozervikale
Übergang sei unauffällig; eine wesentliche Segmentdegeneration der HWS bestehe nicht (vgl. Bericht vom 24. August 2012, Urk.
7/32 S. 20
).
3.13
Der Neurologe Dr.
C._
gab in seinem Schreiben an die IV-Stelle vom 1. September 2012 an, die Beschwerdeführerin leide an erheblichen psychischen Beschwerden, die durch den kleinen Unfall verschlimmert worden seien. Die SUVA habe ihre Leistungen verständlicherweise per 30. Juni 2012 eingestellt; nicht nachvollziehbar sei indes, dass der Beschwerdeführerin, als wäre sie arbeitsfähig, nahegelegt worden sei, sich ans RAV zu wenden. Der dadurch bedingte zusätzliche enorme psychische Druck habe noch zu einer weiteren Ver
schlechterung des psychischen Zustandes geführt. Die Beschwerdeführerin sei
-
krankheitsbedingt - weiterhin in erheblichem Ausmass arbeitsunfähig (Urk.
7/15
S. 1).
Sie sei seit Jahren aus verschiedenen Gründen einer enormen psychischen Belastung ausgesetzt und habe deswegen eine - zunächst
lat
-
ente
-
De
pression mit deutlicher Reduktion der Belastbarkeit und der Vitalkraft ent
wickelt
. Trotz
dem habe sie weiter funktionieren müssen, um ihrer Ver
antwor
tung gegenüber ihrer Familie gerecht zu werden. Der kleine Unfall im Flugzeug sei dann der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Nach dem fraglichen Ereignis seien die psychischen Besch
werden dann deutlich manifest geworden und in der Folge therapieresistent geblieben (S. 2).
3.14
Dr.
D._
hielt am 17. Oktober 2012 fest, gemäss Dr.
H._
sei die i
m MRI vom 24. August 2012 (
Urk. 7/32 S. 20
) festgestellte Hämorrhagie auf Höhe C3/C4 zweifelsfrei schon auf den initialen MRI-Bildern dargestellt worden, auch wenn die Blutung von den damals beurteilenden Radiologen nicht beschrieben worden sei. Die diskrete Flüssigkeitsansammlung im Facettengelenk C3/C4 links könne als Ausdruck einer beginnenden Facettengelenksarthrose in diesem Bereich gewertet werden. Dies erkläre die Schmerzen der Beschwerdeführerin (Urk. 9/104 S. 1
im Prozess Nr. UV.2013.00177
).
3.15
Nach Einsichtnahme in die bildgebend dargestellten Befunde der MRI-Untersu
chungen vom 19. August 2011 (Urk.
7/14 S. 102
) und vom 24. August 2012 (Urk.
7/32 S. 20
) gelangte Prof. Dr. med.
J._
, Facharzt FMH für Radiolo
gie, Chefarzt
Klinik K._
, in seiner im Auftrag der SUVA (Urk. 9/120
im Prozess Nr. UV.2013.00177
) verfassten Beurteilung vom 28. Dezember 2012 (Urk. 9/123
im Prozess Nr. UV.2013.00177
) zum Schluss, dass sehr diskrete degenerative Veränderungen der HWS mit einer kleinen
Dis
kusprotrusion
C3/C4 links ohne Beeinträchtigung neurogener Strukturen vorlä
gen. Diskrete Degenerationen der Facettengelenke C3-C6 auf der linken Seite seien möglich. Eine intraartikuläre und
periartikuläre
Hämorrhagie im Bereich des Facettengelenks C3/C4 links lasse sich nicht erkennen; eine solche sei nach einer Latenz von 13 Monaten nach dem Trauma auch hochgradig unwahr
scheinlich. Die MEDIC-Sequenz sei bezüglich
Hämosiderin
-Ablagerungen auf
grund der Artefakte nicht verwertbar.
3.16
Der SUVA-Kreisarzt Dr.
G._
gelangte - nach Kenntnisnahme der Einschät
zung von Prof. Dr.
J._
vom 28. Dezember 2012 (Urk. 9/123
im Prozess Nr. UV.2013.00177
) und unter Hinweis auf den Austrittsbericht der
Klinik F._
vom 23. Mai
2012 (
E. 3.
10
) - in seiner Stellungnahm
e vom 8. Januar
2013 (Urk. 9/125 im Prozess UV.
20
13.00177
) zum Schluss, dass keine somatischen Unfallfolgen mehr vorlägen, der Endzustand erreicht und die Beschwerdeführe
rin aus medizinischer Sicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wieder voll arbeitsfähig sei.
3.17
Gestützt auf die Ergebnisse des MRI der HWS vom 19. August 2011 (Urk.
7/
14
S. 102
), des MRI der HWS und des hochauflösenden MRI des
kraniozervikalen
Übergangs vom 24. August 2012 (
Urk. 7/32 S. 20
), der wiederholten Medic-
Gradientenechosequenz
vom 18. Januar 2013 und des nativen CT der HWS vom 19. Januar 2013 hielt Dr.
H._
am 29. Januar 2013 fest, das MRI des Schädels vom 19. August 2011
(Urk. 7/14 S. 102
) zeige zwar keine strukturellen Verän
derungen des Hirnparenchyms. Kleine
Hämosiderinablagerungen
liessen sich indes nur in einer
Gradientenechosequenz
(am ehesten in einer
SWI-Gradien
tenechosequenz
) beweisen beziehungsweise ausschliessen. Da diese Sequenz
nicht durchgeführt worden sei, könnten
traumabedingte
Veränderungen im Hirnparenchym, wie alte Mikroblutungen, nicht sicher ausgeschlossen werden. Das Vorliegen einer
intramedullären
Mikroblutung auf Höhe C5/C6 habe in der wiederholten Medic-
Gradientenechosequenz
nicht reproduziert werden kön
nen, insofern sei dieser Befund
zu revidieren. Richtigerweise bestehe demnach kein Verdacht auf eine alte Mikroblutung in der Medulla
spinalis
auf Höhe C5/C
6.
Nach wiederholtem kritischem Anschauen der Region des
Facettenge
lenks
auf Höhe C3/C4 auf der linken Seite stehe eindeutig fest, dass sich in die
sem Bereich eine
lineariforme
, intraartikuläre (im Gelenkspalt) und eine
periar
tikuläre
(lateral vom Gelenk) Einblutung finde, am ehesten bei Status nach Riss der Gelenkkapsel (STIR-Sequenz Bild 1 und transversale
Gradientenechosequenz
Bild 31). Diese Diagnose werde durch die in der STIR-Sequenz vom 24. August 2012
festgestellte schmale Flüssigkeitsansammlung im selben Gelenkspalt un
terstützt. Für eine Demonstration dieses eindeutigen,
traumabedingten
Befundes stehe sie
-
Dr.
H._
-
gerne zur Verfügung. Das CT der HWS vom 29. Januar 2013 schliesslich habe einen unauffälligen Befund ohne nachweisbare Frakturlinie ergeben (Urk. 9/129
im Prozess Nr. UV.2013.00177
).
3.18
Dr.
D._
gab in seinem Schreiben vom 3. März 2013 an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Urk. 9/132
im Prozess Nr. UV.2013.00177
) an, diese sei am 19. Juli 2011 während eines Flugs aufgrund eines starken Gewitters mit Windböen zu Boden geschleudert worden. Dabei habe sie sich am Kopf und am Nacken verletzt und eine Commotio cerebri erlitten. Seither stünden Nacken- und Kopfschmerzen im Vordergrund und belasteten das Befinden und den All
tag erheblich. Neben diesen körperlichen Beeinträchtigungen bestünden
-
un
fallbedingt
-
auch psychische Beschwerden (S. 1). Zwar habe die klinische Untersuchung eine leichte Verbesserung der HWS-Beweglichkeit in den letzten zwölf Monaten gezeigt, es persistierten indes erhebliche Beschwerden. Als Ursa
che der anhaltenden Symptomatik habe Dr.
H._
strukturelle Veränderungen im Bereich der Facettengelenke links auf Höhe C3/C4 ausmachen können, die die genannte Ärztin als Ausdruck eines
-
eindeutig
traumabedingten
-
Gelenk
kapselrisses
gewertet habe. Die chronischen Schmerzen im Nackenbereich und die darauf zurückzuführenden Konzentrationsstörungen seien demnach
bildge
bend
erklärbar. In einer leichten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 75 % arbeitsunfähig (S. 2).
3.19
PD Dr. med.
L._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
Versicherungs
medi
zin
der SUVA, hielt in seiner auf den Akten beruhenden Beurteilung vom 6. Juni 2013 (Urk. 9/140
im Prozess Nr. UV.2013.00177
) fest, die Einschätzung von Prof.
Dr.
J._
vom 28. Dezember 2012 (Urk. 9/123
im Prozess
Nr. UV.2013.00177
) werde durch die Beurteilung von Dr.
H._
vom 29. Januar
2013 (Urk. 9/129
im Prozess Nr. UV.2013.00177
) nicht entkräf
tet. Das
Unfall
ereignis
vom 19. Juli 2011 habe mit überwiegender Wahrschein
lichkeit keine strukturellen Verletzungen im Bereich der HWS verursacht. Gestützt auf den schlüssig und nachvollziehbar begründeten Austrittsbericht der
Klinik F._
vom 23. Mai 2012 (Urk.
7/14 S. 33-44
) sei aus physischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 6).
3.20
Im Auftrag des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin wurde diese am 22. April
2013 von Dr. med.
M._
, Facharzt FMH für Neurologie sowie für Physika
lische Medizin und Rehabilitation, untersucht. In seinem Gutachten vom 31. Mai
2013 (Urk. 14
im Prozess Nr. UV.2013.00177
) stellte dieser folgende Diagnosen (S. 7):
Status nach multiplen Kontusionen, Schädel- und HWS-Trauma bei
Flug
turbulenzen
am 19. Juli 2011 mit
durchgemachter MTBI (leichte traumatische Hirnverletzung) nach EFNS-Guideline
HWS-Distorsion mit Gelenksläsion C2/3 links
Rissquetschwunde rechte Augenbraue
leichter kognitiver Beeinträchtigung mit Gedächtnisstörungen
leichten Gleichgewichtsstörungen
chronischem
Zervikovertebralsyndrom
chronischer depressiver Symptomatik, wahrscheinlich im Rahmen einer posttraumatischen Anpassungsstörung mit häufigen Albträumen seit dem Unfall
Die in ausgeprägter Form anhaltenden Beschwerden hätten eine erhebliche orga
nische Komponente (S. 8) und seien zum überwiegenden Teil direkte Folgen des Unfalls. Die überlagerten psychoreaktiven Befunde würden wahrscheinlich
durch die unfallfremde langjährige psychosoziale Belastung mitverursacht. Ohne
den fraglichen Unfall hätten sie sich indes mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit nicht eingestellt (S. 9). Seit rund einem halben Jahr sei die Beschwer
deführerin als Verkäuferin und in jeder andern Tätigkeit wieder zu 40 % arbeitsfähig; im Haushaltsbereich sei das Leistungsvermögen etwa um 40 % reduziert (S. 8 und S. 10). Der Endzustand sei
-
insbesondere hinsichtlich der psychischen Symptomatik
-
noch nicht erreicht. Betreffend die HWS-Prob
lematik seien wahrscheinlich noch längerfristig physiotherapeutische Behand
lungen mit Lockerung, Entspannungsübungen und stabilisierendem Muskeltrai
ning erforderlich. Der Integritätsschaden betrage für die HWS-Problematik mit
mässigen Dauerschmerzen bei nachgewiesener Gelenksaffektion 10 %. Die
-
bis anhin nicht quantifizierten - kognitiven Beeinträchtigungen, vor allem im Gedächtnisbereich, seien wahrscheinlich Folge der leichten traumatischen
Hirn
verletzung
und der Depression. Da betreffend letztere noch auf eine Verbesse
rung zu hoffen sei, sei der diesbezügliche Integritätsschaden erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund einer neuropsychologischen Untersuchung zu bezif
fern (S. 10). Die medizinisch-theoretische Invalidität betrage 15 bis 20 % (S. 11).
3.21
Dr.
D._
stellte in seinem Bericht vom 16. September 2013 (Urk. 7/32
S. 1-5
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
Status nach Flugunfall vom 19. Juli 2011 mit
Commotio cerebri, HWS- und Schädelkontusion
lineariformer
, intraartikulärer (im Gelenkspalt liegender) und
periartiku
lärer
(seitlich des Gelenks gelegener) Einblutung, am ehesten bei Status nach Riss der Gelenkkapsel (MRI vom 29. Januar 2013)
begleitenden zervikalen muskulären Verspannungen
schmerzhaften
Myogelosen
der Schultermuskulatur beidseits
depressiver Entwicklung, Konzentrationsstörungen
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkei
t hätten nachstehende Diagnosen:
O
ligosymptomatische
gastroösophageale
Refluxerkrankung
kleine
Hiatushernie
(Gastroskopie vom April 2007)
Unterschenkelvarikosis
beidseits
Status nach
Fissurektomie
am 19. Juni 2008 bei chronischer Analfissur bei 6 Uhr SSL
aktuell Verdacht auf rezidivierende anale Fissur
Status nach temporärer Druck- und Hitzesensation im Ohrbereich rechts im Oktober 2008
Verdacht auf funktionelle Störung; differentialdiagnostisch neurogen,
zervikogen
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kleiderverkäuferin habe vom 1. September 2012 bis 9. Juni 2013 eine 70%ige, vom 10. Juni bis 4. Juli 2013 eine 60%ige und vom 5. Juli bis 22. September (ab dem 1. September 2013 wegen einer Schnittverletzung) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Ab
dem 23. September 2013 und bis auf
Weiteres
sei die Beschwerdeführer
in
zu 70 % arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit sei
ab diesem Zeitpunkt
(S. 5)
-
ohne Leistungseinbusse -
wieder
im Pensum von 30 bis 40 % zumutbar. Die Konzentrationsfähigkeit sei deutlich beeinträchtigt. Während der Arbeit falle die Beschwerdeführerin durch gehäufte Fehlleistungen, welche
teilweise auch mit den chronischen Kopfschmerzen erklärt werden könnten, auf
. Aus physischer Sicht
wirkten sich
die chronischen und bei körperlichen Belastungen
verstärkten Nacken- und Kopfschmerzen
einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus
(S. 4).
3.22
Dr. med.
N._
,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. phil.
klin
. psych.
O._
, Klinischer Psychologe und Supervisor,
P._
, stellten in ihrem Bericht vom 15. Oktober 2013 nachstehende Diagnosen (Urk. 7/33 S. 5):
Mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen, ICD-10 F32.01; bestehend seit Ende 2011
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung, ICD-10 F45.4; bestehend seit Ende 2011
Status nach Flugunfall am 19. Juli 2011 mit Kopfanprall, Bewusstlosig
keit, mit/bei
Status nach HWS-Distorsion, ICD-10 S13.4
Die infolge der chronischen Schmerzen entwickelte depressive Symptomatik sei massiv; es bestünden vor allem kognitive Defizite sowie ein Verlust der Selbst
sicherheit und des Selbstwertgefühls.
Die betreffend die physischen Beschwer
den durchgeführten therapeutischen Massnahmen (Physiotherapie, Medikation, Massage) hätten bis anhin kaum eine anhaltende Besserung gebracht; insofern sei von einer drohenden
Chronifizierung
auszugehen.
Die Prognose sei ungüns
tig (S. 6). Die angestammte Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin aufgrund ins
besondere kognitiver Defizite (Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Gedächt
nisstörung) noch maximal während drei Stunden täglich beziehungs
weise höchstens im Pensum von 30 % zumutbar. In einer
behinderungsange
passten
Tätigkeit bestehe ab sofort eine 50%ige Arbeitsfähigkeit.
Neben der Arbeit müsse sich d
ie Beschwerdeführerin, da ihr kranker Ehemann sie nicht unter
stütze, allein um die drei Kinder und den Haushalt kümmern (S. 7).
3.23
Nachdem sie
die Beschwerdeführerin Ende März
und Anfang April 2014
polydis
ziplinär
untersucht hatten, stellten die Ärzte der MEDAS in ihrem Gut
achten vom 25. Juni 2014 (Urk. 7/48) folgende
-
sich nicht auf die Arbeitsfä
higkeit auswirkende -
Diagnosen
mit Krankheitswert
(S.
26):
Status nach Kopfanprall am 19. Juli 2011 mit Schädelprellung rechts,
Riss
quetschwunde
an der Augenbraue rechts, mit möglicherweise leich
ter traumatischer Hirnverletzung sowie mit Traumatisierung der HWS, im WC eines Flugzeuges bei Turbulenzen
chronisches, therapierefraktäres, zervikales,
zervikothorakales
und mög
liches
zervikozephales
Schmerzsyndrom, linksbetont (möglicher
weise mitbeeinflusst durch das spätere HWS-Distorsionstrauma in
folge Heckauffahrunfall am 25. November 2013)
Fraglich diskret subluxiertes
Sternoklavikulargelenk
rechts
Metatarsalgie
links bei Senk-Spreiz-Füssen
Beginnende Fingerendgelenksarthrosen
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen,
histrionisches
Verhalten
,
ICD-10 Z73.1
Aktenanamnestisch Hinweise auf
Somatisierungsstörung
und Depres
sion
,
ICD-10 F45
und F32
testmässig verminderte ko
gnitive Leistungsfähigkeit,
differentialdiag
nostisch
am ehesten durch die
psychische Störung bedingt
Anamnestisch chronischer Eisenmangel unklarer Genese
Anamnestisch Rhinitis
all
ergica
, wahrscheinlich Gräser-Al
lergie
Zudem bestünden ein
Status nach Operation
im Jahr 2010
wegen Hämorrhoiden und rezidivierender Analfissur
sowie eine a
usgeprägte Besenreiser-
Varikosis
.
Die Beschwerdeführerin, die aktuell im Rahmen eines 50%-Pensum
s
ein
Pflege
praktikum
in einem
Betagtenzentrum
absolviere, obwohl sie aufgrund ihrer Wesensart nicht geeignet sei für einen Beruf im Pflegebereich, sei in den
bis
herigen Tätigkeiten als Mitarbeiterin eines Call
-Center
s beziehungsweise als
Hilfs
ver
käuferin
und in jeder
körperlich leichte
n oder
mittelschwere
n
Verweis
t
ätig
keit
zu 100 % arbeitsfähig (S. 26).
Diese Arb
eitsfähigkeit gelte nach einer „
Karenzfrist“ von rund drei Monaten nach dem Heckauffahrunfall vom 25. November 2013, mithin ab Anfang März
201
4.
Die
immense
Diskrepanz zwischen der sich aufgrund der
im Rahmen der Begutachtung erhobenen
Befunde ergebenden Arbeitsfähigkeit und der subjektiven Befindlichkeit sei vor dem Hintergrund des enormen psychosozialen Drucks, unter dem die Exploran
din stehe und der sie wohl hauptsächlich einschränke, zu sehen.
Medizinische Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit seien nicht indiziert. Sinn
voll erscheine indes eine Abklärung der gesamten psychosozialen Situation der Beschwerdeführerin und ihrer Familie vor Ort
(S. 27).
4.
Sofern und soweit die IV-Stelle den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtli
ches Gehör
(Art. 29
Abs.
2 der Bundesverfassung [BV])
verletzt hat, indem sie sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) nicht im Detail mit der im Einwand vom 29. September bezi
ehungsweise 29. Oktober 2014
(
Urk.
7/52,
Urk.
7/57)
ge
äusserten Kritik am Gutachte
n
der MEDAS vom 25. Juni 2014 (
Urk.
7/48) auseinandersetzte (Urk. 1 S. 3), ist festzuhalten, dass nach der Recht
sprechung
e
ine - nicht beson
ders schwerwie
gende - Verletzung des recht
lichen Gehörs als geheilt gelten
kann
, wenn die betroffene Person die Möglich
keit erhält, sich vor einer Beschwer
deinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei über
prüfen kann. Die Heilung eines - allfälli
gen - Mangels soll aber die Aus
nahme bleiben (BGE 127 V 431 E.
3d/
aa
mit Hin
weisen). Von der Rückweisung der Sa
che an die Verwaltung zur Gewährung
des
rechtlichen Gehörs ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtli
chen Gehörs nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem forma
lis
tischen Leerlauf und
damit zu unnöti
gen Verzöge
rungen führen würde, di
e mit dem der Anhörung gleichge
stellten Interesse an einer möglichst
beför
der
lichen
Beurteilung des
Leistungsanspruchs nicht zu ver
einbaren ist (vgl. BGE
132 V E.
5.1
). Angesichts des Umstands, dass d
i
e Beschwerdeführer
in
im Rahmen
dieses Ver
fahrens Gelegenheit hatte, sich vor einem Gericht, dem in der strei
tigen Angele
genheit eine umfassende Kogni
tion zusteht (
Art.
61
lit
. c
ATSG
), zu äussern, kann
die Gehörsverletzung
als geheilt betrachtet werden. Es wider
spräche der Verfahrensökonomie, wenn die Beschwerdegegnerin einen neuen, im Ergebnis gleich lautenden
E
ntscheid zu erlassen hätte. Von einer
Rück
weisung
der Sache an die Verwaltung aus for
mellen Gründen ist daher abzu
sehen
, zumal die
Beschwerdeführer
in
dies auch gar nicht beantragt hat.
5.
5.1
Nach Lage der Akten steht fest, dass
sich
die Beschwerdeführerin
beim Unfall im Flugzeug vom 19. Juli 2011 Verletzungen im Bereich
des Kopfs und des Nackens zuzog und
seither über verschiedene therapieresistente Beschwerden klagt
.
5.2
Die IV-Stelle ging gestützt auf das Gutachten der MEDAS vom 25. Juni 2014 (Urk. 7/48) davon aus, dass
die
Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
in der angestammten beziehungsweise generell in einer
körperlich leichten bis mittel
schweren Tätigkeit
weder aus physischen noch aus psychischen Gründen ein
geschränkt sei
. Die Expertise der MEDAS enthält eine um
fassende Stellung
nahme zu den vorhande
nen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.
7/48 S. 26
f.
), beruht auf einer fun
dierten
allgemeininternistischen (Urk. 7/48 S.
19
f
.), (auch bildgebenden [vgl. Urk. 7/48 S.
28
]) rheumatologischen (Urk.
7/48 S.
22 f.
und S. 30 ff.
), neurolo
gischen (Urk.
7/48
S.
23
und S. 41 ff.
)
, neuropsychologischen (Urk. 7/48
S. 23 und
S. 43 ff.)
und psychiatrischen (Urk.
7/48 S.
23 ff.
und S. 53 ff.
) Untersu
chung, berücksichtigt die geklagten Beschwerden (Urk.
7/48 S.
15 ff.
) und ergin
g in Kenntnis der
Vorakten
(Urk.
7/48
S.
1
ff.
; zum Beweiswert eines medi
zinischen Gutachtens vgl. BGE 125 V 351 E.
3a,
122 V 157 E. 1c).
5.3
Was
den p
hysische
n Gesundheitszustand
anbel
angt, legten die Gut
achter der MEDAS einleuchtend dar, dass
den von der Beschwerdeführerin geklagten somatischen Beschwerden kein objektivierbares org
anisches Substrat zugrunde liegt
(
Urk. 7/48 S. 22
f.
)
.
Zu diesem Schluss waren
-
gestützt auf die Ergebnisse
der unmittelbar nach de
m
fraglichen Unfall durchgeführten MRI-Untersuchung von Kopf
und
HWS
-
bereits
die Ärzte des
Z._
Krankenhauses in
A._
(Urk. 7/14 S. 125 und S. 129) und
-
aufgrund des erneuten MRI d
es Schädels und der HWS vom 19.
August 2011
- auch die
Radiologen des Spitals
B._
(Urk. 7/14 S. 113-115)
gelangt.
Dass die Beschwerdeführerin, wie dies ausschliesslich Dr.
H._
annahm,
eine (traumatisch bedingte)
lineariforme
, intraartikuläre und
periartikuläre
Einblu
tung
in
der Region des Facettengelenks auf Höhe C3/C4 aufweist (Urk. 7/32 S. 20 und Urk. 9/129 im Prozess Nr. UV.2013.00177),
erscheint nicht als über
wiegend wahrscheinlich
. So legte
Prof.
Dr.
J._
am 28. Dezember 2011 einleuchtend dar, dass
die
bis dahin erfolgten
bildgebenden Untersuchungen keinen
relevanten Schaden im Bereich der HWS
gezeigt h
a
tten
(Urk. 9/123 im Prozess Nr. UV.2013.00177)
, und auch aufgrund der (erneuten) radiologischen Untersuchung im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS liess sich
der gemäss
Dr.
H._
im Bereich des Facettengelenks auf Hö
he C3/C4
vorhandene
pathologische Befund
nicht
bestätigen (Urk. 7/48 S. 22 und S. 28 f.).
Anhalts
punkte dafür, dass die bildgebenden Abklärungen der Experten der MEDAS (
und auch diejenigen
der
Ärzte des
Z._
Krankenhauses in
A._
und des Spitals
B._
)
aus einem falschen Blick- und Schnittwinkel bezie
hungsweise
mit veralteten Geräten durchgeführt
worden
und deshalb qualitativ ungenügend
wären
(Urk. 1 S. 4 f.)
, gibt es keine.
Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang darauf, dass sowohl Prof.
Dr.
J._
als auch die Experten der MEDAS Kenntnis davon hatten, dass Dr.
H._
von einer
Einblutung im Bereich des Facettengelenks auf Höhe C3/C4
ausging, diesen Befund indes
ein
hellig
für unzutreffend hielten.
D
r.
H._
anerkannte am 29. Januar 2013 im Übrigen selbst, dass ihre Einschätzung vom
24. August 2012
(
Urk. 7/32 S. 20
)
zumindest
insofern
unrichtig s
ei, als sie damals noch
(vorbehaltlos)
von zwei
Mikroblutungen
in der Medulla
spinalis
auf Höhe C5/C6
ausgegangen sei
(Urk. 9/129 im Prozess Nr. UV.2013.00177)
.
Gestützt auf die im Einklang ste
henden Beurteilungen sämtlicher weiterer Radiologen ist daher davon auszuge
hen, dass den von der Beschwerdeführerin geklagten
anhaltenden
Beschwerden kein objektivierbares strukturelles Korrelat zu Grunde liegt.
Angesichts dieses Ergebnisses kann offen bleiben, ob eine
lineariforme
, intra
arti
kuläre und
periartikuläre
Einblutung
in
der Region des Facettengelenks auf Höhe C3/C4, wie sie Dr.
H._
annahm (Urk. 7/32 S. 20 und Urk. 9/129 im Prozess Nr. UV.2013.00177), überhaupt zu einer (hinsichtlich der Arbeitsfähig
keit in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit
bedeutsamen
)
wesentlichen funktionellen Einschränkung führen könnte.
Am Fehlen
anspruchs
relevanter
organischer Schäden
änderte
schliesslich
auch eine
allfäl
lige
Sub
luxa
tionsstellung
des
Sterno
k
lavi
k
ulargelenks
, wie sie die Radiologen des
Q._
am 1. April 2014
-
bei ansonsten unauffälligem Untersuchungsergeb
nis
-
nicht gänzlich ausschliessen konnten (Urk. 7/48 S. 28 f.)
,
nichts. Eine der
artige Ver
änderung wäre
nämlich
gemäss den genannten
Ärzten
lediglich
leichtgradig
(Urk. 7/48 S. 29)
und vermöchte
, wie die Gutachter der MEDAS unter Hinweis auf die sowohl
klinisch als auch radiologisch sehr diskreten
ent
sprechenden Befunde einleuchtend dartaten, die persistierende Symptomatik jedenfalls nicht zu erklären
(Urk. 7/48 S. 22). Dass d
ie
Experten der MEDAS
von einer zusätz
lichen
Untersuchung der
Sterno
klavik
ulargelenke
mittels CT absa
hen, ist daher nicht zu beanstanden (Urk. 1 S. 5).
5.4
Hinsichtlich der von den Ärzten verschiedentlich in Betracht gezogenen MTBI ist festzuhalten, dass es sich dabei um
ein durch Kontaktkräfte (Kopfanprall, Schlag auf Kopf) oder Akzeleration b
eziehungsweise
Dezeleration
bedingtes kraniales Trauma, das zu einer Unterbrechung der zerebralen Funktionen führt
, handelt
. Die Diagnose setzt entweder eine Episode von Bewusstlosigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmittelbar vor oder nach dem Unfall ode
r eine Bewusstseinsstörung (zum Beispiel
Benommenheitsgefühl, Desorien
tierung) im Zeitpunkt der Verletzung voraus. Anderseits darf die Störung nicht mit einer Bewusstlosigkeit von mehr als 30 Minuten, einem Wert nach der Glasgow
Coma
Scale
(GCS) von 13 bis 15 nach 30 Minuten oder einer post
traumatischen Amnesie von mehr als 24 Stunden verbunden sein. Die MTBI-Diagnose erfolgt aufgrund bestimmter Symptome nach kranialen Traumen und bedeutet nicht schon, dass eine objektiv nachweisbare Funktionsstörung vor
liegt
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_902/2010 vom 6. April 2011 E. 6.1.3 mit Hinweisen)
.
Dass
die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 19. Juli 2011
eine
MTBI
erlitt
en hat
(Urk. 1 S. 6)
,
lässt sich zwar aufgrund der
Akten nicht auszuschliessen, erscheint aber nicht als überwiegend wahrscheinlich. So verneinte sie eine Bewusstlosigkeit ursprünglich klar (zum Beweiswert der Aussagen der ersten Stunde vgl. BGE 121 V 45 E. 1
a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis)
und die
unmittelbar nach dem Unfall behandelnden Neurologen des
Z._
Kran
kenhauses in
A._
gelangten, nachdem sie die Beschwerdeführerin radiolo
gisch und klinisch untersucht hatten, zum Schluss, dass diese nach dem von ihr geschilderten kranialen Trauma (ausschliesslich) an einer posttrau
matischen
Ze
phalea
leide (Urk. 7/14 S. 125).
Unter Hinweis darauf, dass die (erneute)
bildge
bende
Untersuchung einen unauffälligen Befund ergeben habe und die Beschwerdeführerin
, die
imstande
sei, das
Unfall
geschehnis
genau
wiederzuge
ben
,
keine retro-
anterograde
Amnesie aufweise, gelangte in der Folge auch der Neurologe Dr.
C._
zum Schluss, dass
der
Unfall lediglich eine Commotio
cerebri zur Folge gehabt habe
.
Dass die Beschwerden seither persi
stierten und es sogar zu einer Symptomausweitung gekommen sei, erklärte der genannte Arzt
einleuchtend
mit
(auch in den weiteren Arztberichten und den sonstigen Akten dokumentierten) massiven
ungünstigen psychosozialen Fak
toren in Form schwieriger Lebensumstände beziehungsweise einer belastenden familiären Situation (vgl. Bericht vom 5. Oktober 2011 [Urk. 7/14 S. 105 f.] und auch Schreiben an
die
IV-Stelle vom 1. September 2012 [Urk. 7/15]).
Auch der Haus
arzt Dr.
D._
ging in seinen Berichten stets von einer Commotio cerebri aus
(Urk. 7/14 S. 4 und S. 63, Urk. 7/32 S. 2 sowie Urk. 9/104 und Urk. 9/132
im Prozess Nr. UV.2013.00177
)
. Die Gutachter der MEDAS hielten eine MTBI
-
in
Übereinstimmung mit den Ärzten der
Klinik F._
(Urk.
7/14 S. 33
)
-
zwar
für möglich, gingen aber
(
ebenfalls im Einklang mit den Ärzten der
Klinik F._
[
Urk. 7/14 S. 34
]
)
davon aus, dass diese keine
arbeitsrele
vante
Ein
schränkung zeitige (Urk.
7/48 S. 26).
Dr.
M._
hielt eine MTBI zwar
-
anders als sämtliche anderen untersuchenden und beurteilenden Ärzte
-
für ausge
wiesen, begründete die Diagnose beziehungsweise die erhebliche „organi
sche Komponente“ (Urk. 14 S. 8 im Prozess Nr. UV.2013.00177) der Beschwer
den indes nicht schlüssig und legte auch nicht dar, aufgrund welcher funktio
neller Einschränkungen er der Beschwerdeführerin
-
entsprechend deren im Zeitpunkt seiner Untersuchung effektiv im Pensum vom 40 % ausgeübten Erwerbstätig
-
keit
- eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich und eine 40%ige
Leis
tungseinschränkung
im Haushalt attestierte. Insofern kann auf seine Beur
teilung nicht abgestellt werden. Festzuhalten ist immerhin, dass auch er die fest
gestellten kognitiven Defizite - zumindest teilweise - auf die psychische Symptomatik zurückführte (Urk. 14 S. 10 im Prozess Nr. UV.2013.00177).
Dass die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung
, auf die sich die MEDAS-Ärzte in ihrer Beurteilung stützten,
nich
t aussagekräftig seien, weil die
fragliche Exploration
an einem einzigen Termin durchgefü
hrt worden
sei (Urk. 1 S. 6), ist unzutreffend.
Vorhandene
Defizite
treten nämlich
im Rahmen eine
r
ein
maligen längeren
(
vorliegend
fast dreistündigen) Abklärung deutlicher zu Tage, als wenn die
erforderlichen
Testun
gen
etappenweise
durchgeführt werden
und zwischen den einzelnen Terminen immer
wieder längere Erholungsphasen liegen
. Zudem stimmt das Ergebnis der neuropsychologischen Begutachtung durch die MEDAS im Wesentlichen mit der
Beurteilung
der
Klinik F._
überein
, welche
auf den Beobachtungen
der Ärzte und Therapeuten
dieser Kli
nik
während des über zwei Monate dauernden stationären Aufenthaltes
der Beschwerdeführerin
beruht (Urk. 7/14 S. 33 f.).
Nachdem sowohl die Ärzte der
Klinik F._
als auch die Gutachter der MEDAS gestützt auf die Ergebnisse ihrer fundierten entsprechenden Abklärun
gen mit
überzeugender Begründung zum Schluss gelangten, dass die - sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende
-
(leicht) verminderte kognitive Leistungsfähigkeit vor dem Hintergrund der psychischen Beeinträchtigung zu sehen sei (Urk. 7/14 S. 33, Urk. 7/48 S. 26)
und auch die behandelnde Psychia
terin Dr.
N._
die psychische Störung für ursächlich für die kognitiven Defizite hielt (Urk. 7/33 S. 6
)
,
ist eine objektivierbare Funktionsstörung jeden
falls zu verneinen.
5.5
Was schliesslich die
psychische Symptomatik
anbelangt, taten die Gutachter der MEDAS
-
unter Hinweis auf
verschiedene Verhaltensauffälligkeiten und
auf
Inkonsistenzen in den aktenkundigen und den anlässlich der Begutachtung gemachten Angaben -
einleuchtend dar
, dass die Beschwerdeführerin an einer Akzentuierung von Persönlichkeitszügen
mit
histrionischem
Verhalten leide, wobei zudem
-
ausschliesslich aktenanamnestisch
-
Anhaltspunkte für eine
Somatisierungs
- und eine depressive Störung bestünden (Urk. 7/48
S. 26
und S. 57 f.).
Unter Berücksichtigung der Kriterien des Mini
-
ICF-Ratingbogens (Urk. 7/48 S. 56) gelangten sie, wie schon die Ärzte der
Klinik F._
(Urk. 7/14 S. 33), zum Schluss, dass
aus
psychischer Sicht
eine
100%
ige
A
rbeitsfähig
keit bestehe.
Was die Beschwerdeführerin
hiegegen
vorbringt (Urk. 1 S. 5), ist nicht stichhal
tig.
So vermag die von ihr für (zu) kurz befundene Dauer der psychiatrischen Begutachtung (eine Stunde vierzig Minuten [Urk. 7/48 S. 53]) an sich jedenfalls noch keine Zweifel an der
Zuverlässigkeit des Gutachtens
zu begründen (
vgl.
hiezu
etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_365/2012 vom 30. Juli 2012 E. 6.3 mit Hinweisen).
Hinsichtlich der von Dr.
E._
am 4. Januar 2012 festge
stellten
Anpassungsstörung
(Urk. 7/14 S. 70)
ist
sodann
festzuhalten, dass sich angesichts der von den Gutachtern der MEDAS erhobenen Befunde
(Urk. 7/48 S. 56 f.)
keine Anhaltspunkte für eine derartige
-
auch von der behandelnden Psychiaterin Dr.
N._
nicht bestätigte
(Urk. 7/33 S. 5)
-
Störung erge
ben. Dass in der Folge (als einziger Arzt) auch der Neurologe Dr.
M._
in
seinem (Partei-)Gutachten vom 31. Mai
2013 (Urk. 14 im Prozess Nr. UV.2013.00177
)
differentialdiagnostisch von einer
posttraumat
ischen
Anpass
ungsstörung
ausging
, ist insofern nicht von Belang, als dieser die
-
nicht in seinen Fachbereich fallende
-
fragliche
Diagnose
lediglich mit von den Beschwerdeführerin angegebenen Albträumen begründete beziehungsweise in erster Linie auf
die langjährige
psychosoziale
Belastungssituation
zurückführte.
Dass die
Gutachter
der MEDAS eine Persönlichkeitsstörung
nach ICD-10 F68
nicht in Betracht zogen
(Urk. 1 S
.
5), stellt ebenfalls keinen Mangel
der Exper
tise
dar, äusserte doch keiner der seit Juli 2011 behandelnden und beurteilenden Ärzte je auch nur
den
Verdacht
auf eine entsprechende Störung.
Anzumerken bleibt, dass eine
allfällige
psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
ohnehin keinen Leistungsanspruch zu begründen vermöchte. Aus den zitierten medizinischen Beurteilungen
ist nämlich zu schliessen
, dass das psychische Leiden der Beschwerdeführerin
mit
ungünstigen psychosozialen Faktoren
zu
erklären ist
(vgl. insbesondere
Berichte Dr.
C._
vom 5. Oktober 2011 [Urk. 7/14
S. 106 f.] und vom 1. September 2012 [Urk. 7/15], Bericht Dr.
D._
vom 8. Dezember 2011 [Urk. 7/14 S. 74]
, Austrittsbericht
Klinik F._
vom
23. Mai 2012 [Urk. 7/14 S. 34],
Expertise
Dr.
M._
vom 31. Mai 2013 [Urk. 14
im Prozess Nr. UV.2013.00177]
und Gutachten MEDAS vom 25. Juni 2014 [Urk. 7/48
S. 9, S. 21,
S.
25 und S. 27]
)
.
Die Gutachter der MEDAS gingen denn auch davon aus, dass sich eine gesundheitliche Verbesserung am ehesten durch eine Veränderung der psychosozialen Situation und nicht etwa mittels medi
zinischer Massnahmen erzielen lasse (Urk. 7/48 S. 27
)
, und auch Dr.
C._
hielt insbesondere eine Entlastung im Alltag für indiziert (Urk. 7/14 S. 107).
Da
ein klinisches Beschwerdebild, das (einzig) von belastenden
psychosoziale
n
und soziokulturelle
n
Faktoren
herrührt,
rechtsprechungsgemäss
nicht als
invaliden
versicherungsrechtlich relevante
Beeinträchtigung zu verstehen ist
, vermag die psychische Störung der Beschwerdeführerin, welche - wie dar
gelegt - durch ungünstige
psycho
soziale Umstände verursacht wird und bei Wegfall der Belas
tungsfaktoren nach Lage der Akten mit überwiegender Wahrschein
lichkeit wieder
verschwände, auch keinen Rentenanspruch zu begründen (
E. 1.6)
.
5.6
Nach dem Gesagten
ging die
IV-Stelle zu Recht davon aus, dass die Beschwer
de
führerin keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden aufweis
t
. Dass diese in der Zeit zwischen dem Unfall vo
m 19. Juli 2011 und Anfang März
2014
-
in Anspruch zumindest auf eine befristete Rente begründender Weise
-
arbeits
unfähig gewesen sei (Urk. 1 S. 3), ist unzutreffend. So anerkannten die Gutach
ter der MEDAS
zwar eine nach der Auffahrkollision vom
25. November 2013
(Urk. 7/48 S. 16)
, die
nach Lage der Akten abgesehen von einer
Untersu
chung am
Unfalltag zu keinen weiteren medizinischen Abklärungen oder thera
peu
tischen Massnahmen
Anlass gab
(Urk. 7/48 S. 16)
,
vorübergehend -
für eine „Karenzfrist“ von drei Monaten
-
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Dass eine solche schon in der Zeit vor dem fraglichen Verkehrsunfall bestanden hätte, geht indes weder aus dem Gutachten selbst hervor noch ist es aus den weiteren medizinischen Akten zu schliessen, die einen im Wesentlichen seit dem Unfall vom 19. Juli 2011 unveränderten Gesundheitszustand dokumentieren.
Für die Zeit vom 19. Juli 2011 bis 30. November 2012 fällt ein Rentenanspruch im Übrigen schon deshalb ausser Betracht, weil sich die Beschwerdeführerin erst am 11. Juni 2012 zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 7/
4
; vgl. Art. 29 Abs. 1
und Abs. 3 IVG). Die Leistungsverweigerung der Beschwerdegegnerin erweist sich demnach als rechtens. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
6.
Gemäss
Art.
69 Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten
um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV-Leistun
gen abweichend von Art. 61
lit
.
a
ATSG vor dem kan
tonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streit
wert im Rahmen von Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die
Gerichtskosten in Höhe von Fr.
1‘0
00.-- de
r Beschwerdeführerin aufzuerlegen.