Decision ID: 9fe6e009-a3c7-5d7c-9e09-11c0411a8856
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 8. Dezem-
ber 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl ersuchte.
B.
Er wurde am 7. Januar 2016 zu seiner Person, dem Reiseweg sowie sum-
marisch zu den Gründen der Flucht befragt (Befragung zur Person [BzP]).
Eine eingehende Anhörung zu den Fluchtgründen fand am 20. Dezember
2017 statt. Am 13. Dezember 2018 wurde er ergänzend angehört.
Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, dass er aus dem
syrischen Militärdienst desertiert sei.
C.
Mit Verfügung vom 9. Juli 2019 (Eröffnung am 11. Juli 2019) stellte das
SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
fülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an. Gleichzeitig nahm es ihn wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs vorläufig auf.
D.
Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechts-
vertreters vom 12. August 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er be-
antragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz. Eventualiter sei die Verfügung aufzuhe-
ben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Even-
tualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Flüchtlingseigenschaft fest-
zustellen.
Dem Beschwerdeführer sei vollumfängliche Einsicht in die bei der Anhö-
rung erstellte Skizze zu gewähren. Eventualiter sei das rechtliche Gehör
zur Skizze zu gewähren. Nach Gewährung der Akteneinsicht respektive
des rechtlichen Gehörs sei eine Frist zur Ergänzung der Beschwerde an-
zusetzen. Ferner sei die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG zu gewähren.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2019 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht den Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gut und lud die Vorinstanz, unter dem Hinweis, dass sich die in der
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Anhörung erstellte Skizze nicht in den Akten befinde, zur Vernehmlassung
ein.
F.
Mit Vernehmlassung vom 18. September 2019 äusserte sich das SEM zur
Beschwerdeschrift, worauf der Beschwerdeführer am 7. Oktober 2019
replizierte.
G.
Mit Eingabe vom 16. Oktober 2019 wies der Beschwerdeführer auf die
volatile Lage im Zusammenhang mit dem türkischen Einmarsch in Nordsy-
rien hin und ersuchte um Fristansetzung zur Aktualisierung des Dossiers,
sobald sich die Lage stabilisiert habe.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Der Antrag auf Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung, so-
bald sich die Lage in Syrien stabilisiert habe, ist abzuweisen, zumal das
Verfahren spruchreif ist.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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5.
5.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er sy-
rischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie sei und aus B._ in der
Provinz C._ (Syrien) stamme, wo er bis zu seiner Ausreise gelebt
habe.
Am (...) sei er in den Militärdienst eingezogen worden. Nachdem er seinen
Militärdienst im (...) abgeschlossen habe, habe er für ein Jahr als Reservist
in D._ gedient und in einer Einheit für (...) gearbeitet. Er sei aber
auch als (...) tätig gewesen. Im (...) 2012 sei er desertiert. Dafür habe ihm
sein Bruder Kleider geschickt, worin er seine Identitätskarte versteckt habe.
Er sei damals krank gewesen und habe für eine Stunde Urlaub erhalten,
um sich Medikamente zu beschaffen. Mit einem Passierschein habe er die
Kaserne verlassen können. Mit dem Bus seien er und zwei weitere Deser-
teure nach C._ gefahren. Auf dem Weg dorthin sei er an mehreren
Kontrollposten kontrolliert worden und einer seiner Begleiter habe an ei-
nem Kontrollposten aussteigen müssen; er wisse nicht, was mit ihm ge-
schehen sei. In C._ angekommen, sei er mit einem Taxi nach
Hause gelangt und nach einem kurzen Aufenthalt in den E._ aufge-
brochen. Nachdem er das Land verlassen habe, hätten Beamte einmal zu-
hause nach ihm gesucht.
Als Beweisdokumente reichte er im vorinstanzlichen Verfahren eine Kopie
seines Familienbüchleins, eine Personalienbestätigung, eine Kopie seiner
Identitätskarte sowie diverse Fotos ein.
5.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass die Vorbringen des
Beschwerdeführers nicht glaubhaft seien. Seine Ausführungen seien wi-
dersprüchlich. Er habe in der Anhörung ausgesagt, zwei oder drei Tage
nach der Desertion ausgereist zu sein, während er in der ergänzenden An-
hörung von ungefähr fünf oder sechs Tagen gesprochen habe. Gemäss
Ausführungen in der ergänzenden Anhörung habe er einen grünen Reser-
vistenausweis erhalten. Dieser sei ihm zwar entzogen worden. Er habe da-
für aber einen anderen Ausweis erhalten, welchen er nicht auf sich getra-
gen habe. Vielmehr habe er einen Waffenausweis dabeigehabt. Im Wider-
spruch dazu habe er in der ersten Anhörung ausgeführt, er habe keine
grüne Identitätskarte erhalten und sich nur mit der Militärnummer, die er bei
Bedarf aufgesagt habe, identifiziert. Gemäss Aussagen in der ersten An-
hörung habe die Grundausbildung bloss zwei (statt vier) Monate gedauert,
während er in der ergänzenden Anhörung von vier Monaten gesprochen
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habe. Ebenfalls unstimmig ausgefallen seien seine Angaben zu Kriegsein-
sätzen. In der ersten Anhörung habe er zu Protokoll gegeben, einmal an
Gefechtshandlungen teilgenommen zu haben. In der zweiten Anhörung
habe er zunächst von einem oder zwei Einsätzen gesprochen, um dann –
bestimmter – von zwei zu sprechen. Ferner habe er in der zweiten Anhö-
rung bei der Frage, ob er nach der Ausreise von den Militärbehörden ge-
sucht worden sei, auf ein Telefonat verwiesen, welches seine Schwester
beantwortet habe, sei den Detailfragen dann aber ausgewichen. In der ers-
ten Anhörung habe er demgegenüber ausgeführt, die Militärpolizei sei bei
ihm zuhause vorstellig geworden. In der zweiten Anhörung habe er seinen
Einsatz am Wachposten an einer Kreuzung so beschrieben, als habe er
regelmässig an solchen teilgenommen. Dagegen habe sich diese Wache
gemäss der ersten Anhörung auf einen eintägigen Einsatz beschränkt.
Seine Ausführungen zur militärischen Aushebung seien ausweichend und
oberflächlich, was hinsichtlich der Wichtigkeit des Ereignisses kaum ver-
ständlich sei. Die Erklärungen zur Grundausbildung seien ebenfalls karg
ausgefallen und es mute insbesondere sonderbar an, dass er als Mitglied
einer Einheit für (...) keine Ausbildung an entsprechenden Geräten erhal-
ten habe.
Er habe zwar präzise angegeben, wann er Syrien verlassen habe. Sowohl
in der ersten als auch der zweiten Anhörung habe er jedoch eine wider-
sprüchliche Dauer zwischen Desertion und Ausreise angegeben. Er sei
nicht imstande gewesen, ausgehend vom Tag der Ausreise auszuführen,
an welchem Datum er ungefähr desertiert sei. Obwohl er sowohl den An-
fang des Dienstes sowie zumindest den Monat der Desertion habe benen-
nen können, sei kaum nachvollziehbar, weshalb er die genaue oder min-
destens die ungefähre Dauer des Dienstes nicht habe angeben können. In
der ersten Anhörung habe er von (...) 2010 bis (...) 2011 gesprochen und
angefügt, danach noch ungefähr ein Jahr als Reservist gedient zu haben.
Auch in der zweiten Anhörung sei er nicht in der Lage gewesen, die annä-
hernd genaue Gesamtdauer des Dienstes anzugeben.
Dagegen lese sich die Passage, die ganz auf die Desertion aus dem Re-
servedienst fokussiere, von der Vorbereitung derselben bis zur Ankunft in
C._, namentlich der Teil, als er im Bus gesessen habe, derart leb-
haft und spannend, detailreich, ungezwungen und mit nachvollziehbaren
Schilderungen psychischer Vorgänge, dass diese Reise als glaubhaft zu
erachten sei. Der Unterschied zu den übrigen Aussagen sei aber derart
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frappant, dass sich die Frage aufdränge, ob die Reise tatsächlich die De-
sertion darstelle oder in einem anderen Zusammenhang erfolgt sei. Andere
Passagen seien kürzer ausgefallen, mit Ausnahme namentlich der aus
dem Zivilleben stammenden Arbeit als Kellner.
Der Stilbruch, die widersprüchlichen und knappen Aussagen zur Aushe-
bung und zum Militärdienst sowie die detailreiche Erzählung zur Busfahrt
würden unweigerlich auf einen konstruierten Teil der Vorbringen hinweisen,
und das Erzählverhalten erwecke den Eindruck, dass er sich für die Anhö-
rung gezielt auf die Desertionsproblematik vorbereitet habe. Es sei folglich
zwar nicht gesagt, dass die Busfahrt so nicht stimme, indes seien die übri-
gen Vorbringen zu oberflächlich ausgefallen, als von einem erzähllogi-
schen korrekten zeitlichen Zusammenhang zwischen Reservedienst, Vor-
bereitung zur Desertion und zur eigentlichen Desertion auszugehen sei,
weshalb die Desertion nicht glaubhaft sei und deren Asylrelevanz nicht ge-
prüft werden müsse.
Die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, den Militärdienst zu
belegen. Er habe kein einziges schriftliches Beweismittel der fast dreijähri-
gen Dienstzeit einreichen können. Dafür habe er Fotos der angeblichen
Reservistenzeit eingereicht. Darauf sei zwar zu erkennen, dass er eine
Waffe trage. Indes sei sowohl aufgrund der abgebildeten Umgebung wie
auch der getragenen (zivilen) Kleidung nicht zwingend auf einen Militär-
oder Reservistendienst zu schliessen.
5.3 Diesen Erwägungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegnet, das
SEM habe das Recht auf Akteneinsicht respektive den Anspruch auf recht-
liches Gehör verletzt, indem es in die anlässlich der Anhörung erstellten
Skizze keine Einsicht gewährt habe. Dies müsse zur Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung führen.
Das SEM habe es unterlassen, abzuklären, wann der Beschwerdeführer
der Fernmeldetruppe zugeteilt worden sei. Es gehe nicht an, einen Sach-
verhaltsaspekt nicht abzuklären und daraus gleichzeitig eine entspre-
chende Unglaubhaftigkeit zu konstruieren. Das SEM habe die Anhörung
jahrelang verschleppt. Die erste Anhörung habe erst über zwei Jahre nach
der Gesuchseinreichung stattgefunden und die zweite Anhörung rund ein
Jahr später. Es gehe nicht an, ein Verfahren zu verschleppen und dann mit
angeblich fehlender Substanziiertheit und Widersprüchlichkeit zwischen
den viele Jahre auseinanderliegenden Anhörungen zu argumentieren. Fer-
ner sei der Beschwerdeführer in der Anhörung mehrmals unterbrochen
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worden, was ebenfalls die Abklärungspflicht verletze. Weiter wiege schwer,
dass die ergänzende Anhörung von einem anderen SEM-Mitarbeitenden
durchgeführt worden sei. Dadurch habe das SEM den Sachverhalt unrich-
tig und unvollständig abgeklärt.
Es verletze Art. 7 AsylG und den Grundsatz von Treu und Glauben, ein
Verfahren zu verschleppen und gleichzeitig mit mangelnden Details und
einem geringfügigen Widerspruch hinsichtlich des Zeitraums zwischen De-
sertion und Ausreise zu argumentieren. Das SEM begründe auch nicht,
welche Aussagen markant kürzer ausgefallen seien, als diejenige zur Bus-
fahrt. Dem Beschwerdeführer seien nur zwei offene Fragen gestellt wor-
den. Der Vorwurf des SEM betreffend das angeblich ausweichende Ant-
wortverhalten beziehe sich auf zwei Fragen, in welchen vier respektive drei
Teilfragen verpackt worden seien und es sei absurd, mehrere Fragen auf
einmal zu stellen und es dann als unglaubhaft zu bezeichnen, wenn die
Antwort darauf laute, der Beschwerdeführer könne sich nicht mehr daran
erinnern. Ferner treffe es nicht zu, dass sich der Beschwerdeführer ledig-
lich auf eine Erinnerungslücke berufen habe. Vielmehr habe er die Folge-
fragen allesamt konkret beantwortet. Die Aussagen zum grünen Ausweis
seien nicht widersprüchlich.
Zur Dauer der Grundausbildung habe er sich nicht widersprüchlich geäus-
sert. Vielmehr würden sich die genannten vier Monate auf die grundsätzli-
che Dauer beziehen, welche im Falle des Beschwerdeführers aufgrund der
Temperaturen aber auf zwei gekürzt worden sei.
Hinsichtlich seiner Teilnahme an Gefechtshandlungen habe er stets ange-
geben, an einem oder zwei Einsätzen teilgenommen zu haben; eine klare
Abgrenzung von Kriegshandlungen lasse sich nicht vornehmen.
Die Behauptung, er sei in der zweiten Anhörung Detailfragen zu einem Te-
lefonat und der Suche nach seiner Person ausgewichen, sei unzutreffend,
da der Beschwerdeführer bei seiner ersten Antwort zum Telefonat unter-
brochen worden sei und ihm anschliessend die konkrete Frage gestellt
worden sei, wer angerufen habe. Diese Frage habe er beantwortet. Wei-
tere Fragen zum Telefonat seien nicht gestellt worden. Anschliessend habe
er die Suche nach seiner Person glaubhaft und in Übereinstimmung mit
der ersten Anhörung beschrieben.
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Zur Tätigkeit beim Kontrollposten an der Kreuzung habe er übereinstim-
mend angegeben, dass er mehrere eintägige Einsätze geleistet habe. Das
SEM verwechsle hier die Einsatzdauer mit der Häufigkeit.
Die Schilderung zur Aushebung und zum Militärdienst seien substanziiert.
Die Behauptung des SEM, es mute sonderbar an, dass er keine Ausbildung
(...) erhalten habe, blende aus, dass seine Grundausbildung verkürzt wor-
den sei und es auch möglich sei, dass diese Fachausbildung erst nach der
Grundausbildung erfolge. So habe der Beschwerdeführer ausgesagt, die
Ausbildung wäre erst später erfolgt; er selbst sei aber (...) verlegt worden.
Zur Dienstdauer habe er übereinstimmend ausgesagt, dass diese etwas
weniger als drei Jahre gewesen sei. Die Beschreibung der Reise beziehe
sich auf die Desertion und nicht eine Reise als Zivilist. Der vom SEM kon-
struierte Stilbruch sei nicht ersichtlich. Der Vorwurf des SEM, er habe sich
für die Anhörung gezielt auf die Desertionsproblematik vorbereitet, sei ab-
surd.
Die Ausführungen würden schliesslich viele Realkennzeichen enthalten,
wie beispielsweise die Schilderung, wie er sich habe anmelden müssen
und wie seine Militärnummer gelautet habe. Weitere Realkennzeichen wür-
den sich in den Erläuterungen zu den Sitzungen, den Befehlen, (...) und
der Auflistung verschiedener Bataillone finden. Ebenso detailliert und
glaubhaft seien die Aussagen zum Erlangen des einstündigen Urlaubs und
dem Absetzen nach B._.
Mit den eingereichten Fotos sei ein objektiver Beweis für den Militärdienst
erbracht. Der Vorwurf, er habe keine Beweismittel betreffend den Militär-
dienst eingebracht, sei unzutreffend, da er Fotos eingereicht habe. Ferner
forme das SEM dadurch den Glaubhaftigkeitsmassstab zu einem Be-
weiserfordernis um. Er habe zu den Fotos nachvollziehbar erklärt, wieso er
teilweise in Zivil abgebildet sei. Für die Glaubhaftigkeit spreche auch die
anlässlich der Anhörung erstellte Skizze.
Wegen seiner Desertion aus dem Reservedienst sei der Beschwerdeführer
asylrelevant gefährdet. Sein Profil werde durch den Umstand, dass er
Kurde sei, zusätzlich geschärft. Ein weiteres Gefährdungselement stelle
die illegale Ausreise dar.
5.4 In der Vernehmlassung erwiderte das SEM, die an der Anhörung er-
stellte Skizze sei nicht mehr auffindbar. Nichtsdestotrotz sei das Skizzierte
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detailliert beschrieben worden, weshalb deren wesentlicher Inhalt rekon-
struiert werden könne. Zwar wäre die Skizze eine zusätzliche graphische
Abbildung der Beschreibung der Kaserne gewesen. Indes würden auch die
besagten protokollierten Antworten, welche sich auf die Skizze beziehen
würden, nicht genügen, um die wesentlichen Unglaubhaftigkeitsmerkmale
in Bezug auf den Militärdienst umzustossen.
Der grössere Zeitraum zwischen der Gesuchseinreichung und der Anhö-
rung sei auf die überdurchschnittlich hohen Neueingänge während der
Asylkrise 2015 zurückzuführen. Gerade die Durchführung einer ergänzen-
den Anhörung könne sich aber kaum unter eine Verletzung der Abklärungs-
pflicht subsumieren lassen. Dasselbe gelte für die Unterbrechungen. So
sei es gerade Sinn einer ergänzenden Anhörung, spezifische Lücken zu
füllen und dem Beschwerdeführer sei nach den Unterbrüchen jeweils ge-
nügend Raum für Erklärungen gegeben worden. Der Stilbruch lasse sich
auch an weiteren Stellen in den Protokollen ersichtlich machen; so etwa
bei den Fragen 30 ff. und 54 der ersten Anhörung. Zwar sei auch dort nicht
wirklich nachgehakt worden. Aber bei Frage 74 sei ebenfalls nicht nachge-
fragt worden und der Beschwerdeführer habe spontan eine fast dreiseitige
Antwort abgeben können. Dies sei übrigens die einzige Frage, welche er
derart detailreich beantwortet habe, als käme es in der Anhörung für die
Glaubhaftmachung nur darauf an, eine Wegbeschreibung von D._
nach C._ zu geben, was aber in einer Gesamtschau nicht genüge.
Eine Desertion könne nur glaubhaft sein, wenn sie an ein glaubhaftes Vor-
bringen, zuvor im Militärdienst gewesen zu sein, anknüpfen könne.
Es treffe nicht zu, dass das SEM nur zwei offene Fragen gestellt habe. In
Frage 11 der zweiten Anhörung seien zwar tatsächlich vier Teilfragen ent-
halten, was aber nicht mangelhaft sei, was sich bereits daraus ergebe,
dass der Beschwerdeführer diesen Fragenkomplex sinngemäss habe be-
antworten können.
6.
6.1 Diesen Erwägungen wurde in der Replik entgegnet, dass es eine
schwerwiegende Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör dar-
stelle, dass sich die Skizze nicht in den Akten befinde. Die Beschreibung
in der Anhörung mache die Skizze auch nicht obsolet. Vielmehr sei es so,
dass eine ausführliche Beschreibung nicht nötig sei, wenn eine Skizze er-
stellt worden sei.
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Die Asylkrise 2015 sei kein sachlicher Grund für die Verschleppung des
Verfahrens. Die Durchführung einer ergänzenden Anhörung sei treuwidrig,
wenn sie mit einer jahrelangen Verschleppung verbunden sei, da damit
faktisch Unglaubhaftigkeit provoziert werde.
Unterbrechungen bei Antworten würden es nicht ermöglichen, Lücken
nachzugehen. Vielmehr würden solche dadurch gerade erst geschaffen.
Die Ausführungen zum Stilbruch seien nicht nachvollziehbar. Das SEM be-
ziehe sich auf zwei Aktenstellen. Es handle sich um konkrete, nicht offene
Fragen, welche konkret beantwortet worden seien. Die Behauptung, bei
Frage 74 sei auch nicht wirklich nachgefragt worden, verkenne, dass es
sich dabei um eine offene Frage betreffend die zentrale Fluchtursache ge-
handelt habe. Das SEM verkenne den Unterschied zwischen offenen und
konkreten Fragen.
Das SEM demonstriere durch seine komplizierte Argumentation, dass es
sich dabei um Konstrukte handle und die Ausführungen seien durch Befan-
genheit geprägt.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer erhebt die formelle Rüge, das SEM habe die
Aktenführungspflicht verletzt, da die in der Anhörung erstellte Skizze nicht
zu den Akten genommen wurde. Die Aktenführungspflicht ergibt sich aus
dem Akteneinsichtsrecht, welches in Art. 26 ff. VwVG geregelt ist und einen
Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör darstellt (vgl. dazu ausführ-
lich BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Die Aktenführungspflicht beinhaltet insbeson-
dere die geordnete Ablage, die Paginierung und die Registrierung der voll-
ständigen Akten im Aktenverzeichnis. Es ist zwar bedauerlich, dass die an-
lässlich der Beschreibung der Kaserne erstellte Skizze in Verstoss geraten
ist. Dennoch stellt dieser Umstand keine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs dar, da sich der Inhalt der Skizze vorliegend aus den diesbezüglichen
Ausführungen rekonstruieren lässt. Ihr kommt deshalb – abgesehen von
der im Protokoll verbrieften Feststellung, dass eine solche erstellt worden
ist – inhaltlich kaum eigenständige Bedeutung zu, zumal deren Inhalt in
den entsprechenden Beschreibungen aufgeht.
7.2 Der Vorwurf einer mangelhaften Sachverhaltsermittlung respektive
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes betreffend die Zuteilung zu den
(Truppengattung) ist unbegründet, zumal das SEM dem Beschwerdeführer
hinreichend Raum zur Darlegung seiner Truppenzugehörigkeit und der da-
mit zusammenhängenden Ausbildung und Tätigkeit gegeben hat.
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7.3 Es besteht ferner keine Pflicht, die Anhörung innerhalb einer gewissen
Dauer nach Einreichung des Gesuchs durchzuführen, den Beschwerde-
führer in den Anhörungen nicht zu unterbrechen und sämtliche Anhörungen
von derselben Person durchführen zu lassen, weshalb auch die diesbe-
züglichen Rügen nicht verfangen. Der grosse Zeitraum zwischen den Be-
fragungen ist zwar bedauerlich, stellt jedoch keine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs dar. Allerdings ist dem Umstand, dass die erste Anhörung erst
rund zwei Jahre nach der Gesuchseinreichung respektive der BzP stattge-
funden hat und auch bis zur zweiten Anhörung wiederum ein Jahr verstri-
chen ist, bei der Glaubhaftigkeitsprüfung Rechnung zu tragen.
8.
8.1 Das SEM hat die Vorbringen des Beschwerdeführers zu Recht für un-
glaubhaft befunden. Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG
bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweis-
mass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den
Vorbringen. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der
Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers sprechen, überwiegen
oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine we-
sentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungs-
schicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im
Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten
Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlit-
tenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei-
chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine
Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch-
lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei-
lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele-
mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub-
stanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit
usw.), die für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaft ist
eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen.
Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt
der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte
wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach-
verhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2).
8.2 Wie bereits das SEM bemerkte, weisen die Ausführungen des Be-
schwerdeführers Widersprüchlichkeiten auf, die sich durch den Zeitablauf
zwischen den Befragungen nicht vollends erklären lassen. So sagte er
zwar in der ersten Anhörung aus, zwei bis drei Tage nach seiner Desertion
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ausgereist zu sein (vgl. act. A16 F14), während es gemäss zweiter Anhö-
rung fünf oder sechs Tage gewesen seien (vgl. act. A19 F97). Wie in der
Beschwerde zu Recht eingewendet wurde, handelt es sich dabei aber um
einen geringfügigen Widerspruch. Anders verhält es sich jedoch im Zusam-
menhang mit seinen Angaben zu seinen militärischen Ausweisen. Diesbe-
züglich führte der Beschwerdeführer in der ersten Anhörung aus, dass er
und die anderen Mitglieder der Küchenabteilung keine grünen Ausweise
erhalten hätten (vgl. act. A16 F80). In der zweiten Anhörung gab er dem-
gegenüber zu Protokoll, er habe einen grünen Ausweis erhalten, welcher
ihm aber entzogen worden sei, woraufhin er einen anderen Ausweis erhal-
ten habe. Er habe diese Ausweise aber nicht auf sich getragen, da er auch
einen Waffenausweis besessen habe (vgl. act. A19 F92). Dieser Wider-
spruch ist nicht unerheblich. Die Dauer der Grundausbildung gab er in der
ersten Anhörung mit zwei Monaten (vgl. act. A16 F83) und in der zweiten
Anhörung mit vier Monaten an (vgl. act. A19 F18). Der Einwand auf Be-
schwerdeebene, bei den genannten vier Monaten habe es sich stets um
die grundsätzliche Dauer gehandelt, welche im Falle des Beschwerdefüh-
rers aber gekürzt worden sei, findet in den entsprechenden Protokollstellen
keine Stütze. In der ersten Anhörung führte er aus, einmal in F._ an
Gefechtshandlungen teilgenommen zu haben (vgl. act. A16 F41 f.), wäh-
rend er in der zweiten Anhörung geltend machte, einen oder zwei Einsätze
in F._ gehabt zu haben (vgl. act. A19 F28 und F85). Der Einwand,
eine genaue Abgrenzung von Kriegshandlungen sei nicht möglich, wes-
halb kein Widerspruch vorliege, überzeugt nicht. In der ersten Anhörung
schilderte er einen eintägigen Einsatz an einem Checkpoint bei der
G._ (vgl. act. A16 F66 f.), während er gemäss Aussagen in der
zweiten Anhörung mehrmals am Kontrollposten zum Einsatz gekommen
sei (vgl. act. A19 F27 und F83 f.). Der Einwand, das SEM verwechsle die
Häufigkeit (mehrmals) mit der Einsatzdauer (jeweils einen Tag) wider-
spricht dem Wortlaut des Protokolls der ersten Anhörung, wonach er "ein-
mal daran teilgenommen habe" (F66) und zwar einen Tag (F67). Gemäss
Aussage in der ersten Anhörung habe sich das Militär einmal telefonisch
nach ihm erkundigt und anschliessend habe die Militärpolizei einmal bei
ihm zuhause nach ihm gesucht (act. A16 F91). In der zweiten Anhörung
erwähnt er lediglich einen Anruf, welcher seine Schwester entgegenge-
nommen habe (vgl. act. A19 F79), nicht aber den Besuch der Militärpolizei.
Auf entsprechende Nachfrage, ob er wisse, ob er gesucht worden sei, er-
widerte er ausweichend, dass er sich sicher sei, gesucht worden zu sein,
ohne jedoch konkrete Angaben dazu zu machen (vgl. act. A19 F81 f.). Der
Einwand, der Beschwerdeführer sei in der zweiten Anhörung bei seiner
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Antwort zum Telefonat unterbrochen worden und habe anschliessend er-
wähnt, dass er gesucht worden sei, vermag nicht zu erklären, wieso er auf
die entsprechenden Fragen den Besuch der Militärpolizei nicht erwähnt
hat.
8.3 Hinsichtlich der Substanziiertheit der Aussagen zeigt sich ein differen-
ziertes Bild. In Übereinstimmung mit dem SEM ist festzuhalten, dass sich
die Ausführungen zur Desertion (Erhalt der Identitätskarte des Bruders und
der anschliessenden Busreise) hinsichtlich Detailliertheit und Originalität
markant von den übrigen Aussagen abheben (vgl. act. A16 F74). Die Bus-
reise ist somit in Übereinstimmung mit dem SEM für glaubhaft zu erachten.
Andere Sachverhaltsaspekte wurden weit weniger detailreich beschrieben.
Insbesondere die Aussagen zur militärischen Aushebung blieben trotz
mehrmaliger Nachfrage blass (vgl. act. A19 F11 bis F17) und der Be-
schwerdeführer machte mehrmals geltend, sich nicht mehr daran erinnern
zu können, was den Eindruck einer Ausflucht erweckt. Die Schilderung der
Tätigkeit im Militär ist ebenfalls eher oberflächlich, indem er angab, zuerst
(...) gearbeitet zu haben und nach Ausbruch des Bürgerkriegs auch andere
Aufgaben erhalten zu haben. Nebst der Teilnahme am Einsatz in
F._ und am Kontrollposten nannte er aber keine weiteren Beispiele
(vgl. act. A19 F18 f.). Die Beschreibung der Grundausbildung beschränkte
sich auf die Nennung von Schlagworten, ohne persönliche Färbung (vgl.
act. A16 F83 und A19 F21 bis F25). Demgegenüber enthalten seine Schil-
derungen zum Militärdienst an anderen Stellen durchaus Realkennzei-
chen. So war er in der Lage, die Kaserne zu beschreiben, wozu er auch
eine Skizze erstellte (vgl. act. A19 F33 bis F35 und F42 bis F45) und jeweils
Kontextinformationen zu den einzelnen Gebäuden gab (vgl. act. A19 F35).
Ferner benannte und beschrieb er einzelne Befehle (vgl. act. A19 F52 bis
F54) und gab die Namen und Dienstgrade seiner Vorgesetzten an (vgl. act.
A16 F97). Aber auch diese Passagen unterscheiden sich in ihrem Detail-
reichtum, der Lebhaftigkeit und der Originalität von der Beschreibung der
Busreise, was Zweifel aufkommen lässt, ob sie – wie die Busreise – eben-
falls auf tatsächlichen Erlebnissen beruhen.
8.4 Zu den eingereichten Fotos ist zu bemerken, dass diese keine Rück-
schlüsse auf eine Desertion zulassen. Diese Fotos stellen somit nur ein
schwaches Indiz für deren Glaubhaftigkeit dar.
8.5 In Würdigung dieser Elemente ist zwar für glaubhaft zu erachten, dass
der Beschwerdeführer Militärdienst geleistet hat. Demgegenüber ist die
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Desertion aufgrund der vorhandenen Widersprüchlichkeiten und des Stil-
bruchs für unglaubhaft zu erachten, da diese Unglaubhaftigkeitselemente
gegenüber den Elementen, welche für die Glaubhaftigkeit sprechen (teil-
weise vorhandenen Realkennzeichen in den Schilderungen und Fotos mit
geringem Beweiswert), überwiegen.
Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer einen bis zum
9. September 2015 gültigen syrischen Laissez-passer vorlegte, als er im
Jahre 2015 bei der Schweizerischen Vertretung in H._ um die Aus-
stellung eines humanitären Visums ersuchte (vgl. act. A6 Ziff. 4.04). Es ist
nicht plausibel, dass ihm die syrischen Behörden ein solches Dokument
ausgestellt hätten, wäre er tatsächlich als Deserteur gesucht gewesen. Die
Aussage des Beschwerdeführers in der BzP, wonach er nie ein solches
Dokument besessen habe, ist als Schutzbehauptung zu werten.
Das Gericht hat seinem Urteil die Sachlage zugrunde zu legen, wie sie sich
im Entscheidzeitpunkt präsentiert (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). Für die Be-
urteilung der begründeten Furcht vor einer Verfolgung ist somit die aktuelle
Situation ausschlaggebend. Aufgrund des Alters des Beschwerdeführers
ist zwar nicht ausgeschlossen, dass er bei einer Rückkehr in den Militär-
dienst eingezogen würde. Aber auch im Falle einer Weigerung, in den
Dienst einzutreten, ist die Angst vor einer asylrelevanten Bestrafung zu ver-
neinen. Denn eine Bestrafung wegen Dienstverweigerung wäre asylrecht-
lich nur dann von Relevanz, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mithin die betroffene Person aus den in
dieser Norm genannten Gründen wegen ihrer Wehrdienstverweigerung
eine Behandlung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss
Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). Bezogen auf
die spezifische Situation in Syrien könnte dies etwa dann der Fall sein,
wenn ein Wehrdienstverweigerer oder Deserteur einer oppositionell akti-
ven Familie entstammt und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksam-
keit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen hat (vgl.
a.a.O. E. 6.7.3). Wie bereits erwähnt, ist es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen, seine Desertion glaubhaft zu machen, und es wurde auch nicht
dargelegt, dass die syrische Armee in der Zwischenzeit nach ihm gesucht
hätte. Da er darüber hinaus nie behauptet hat, jemals politisch aktiv gewe-
sen zu sein, wäre eine etwaige Bestrafung wegen Dienstverweigerung
nicht asylrelevant.
Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das
Asylgesuch abgelehnt.
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9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
Es bleibt anzumerken, dass sich vorliegend nicht der Schluss ergibt, der
Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt in seinem Heimatstaat nicht
gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdung im Falle des Beschwerde-
führers ausschliesslich auf die allgemeine in Syrien herrschende Bürger-
kriegssituation zurückzuführen, welcher durch die Vorinstanz im Rahmen
der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen wurde.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Zwischen-
verfügung vom 21. August 2019 die unentgeltliche Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden ist, sind keine Kosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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