Decision ID: eef24475-1f67-4569-9903-912399dec205
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1993, schloss die Primarschule ab und begann anschliessend das Langzeitgymnasium, welches er 2009
unter anderem aufgrund von dauernden Kopfschmerzen, häufigen Krankheitsabsenzen und persönlichen Problemen
abbrach. Von Januar bis Mai 2010 besuchte er das Wirtschafts
gym
nasium, das er
aus den gleichen Gründen
nicht beendete
. Schliesslich begann er im August 2012 eine Lehre als Polymechaniker
EFZ
, wobei es im Dezember 2012
wiederum
aus gesundheitlichen Gründen
zum
Lehrabbruch
kam
.
Danach
bereitete er sich im Heimstudium auf die Matura vor, welche er jedoch nicht abschliessen konnte (Urk. 7/16/1, Urk. 7/19/1
, Urk. 7/29/2
).
Am
8. Februar 2013 (Eingangsdatum, Urk. 7/14/1
)
meldete er sich unter Hin
weis auf Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizüberflutung
und
mit
der Bemerkung
, er wolle keinen Kontakt zu Menschen, bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an (Urk. 7/14). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, prüfte
daraufhin Eingliederungsmassnahmen. Sie führte mit dem Versicherten zwei Standortgespräche durch (Urk. 7/19, Urk. 7/29), holte Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 7/21, Urk. 7/62) und
führte zusam
men mit Dr. med.
Y._
, Fachärztin für Kinder- und Jugend
medizin
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), ein Assessment durch (Urk. 7/
29 f.). Hernach erteilte sie dem Ver
sicherten am 27. März 2014 eine Kostengut
spra
che für die erstmalige berufliche Ausbildung
in der Form
der eidgenössischen gymnasialen Matura beim
College
Z._
ab dem 11. März 2014 bis voraussichtlich 11. September 2017 (Urk. 7/35).
Zudem richtete sie ihm ein Taggeld aus (Urk. 7/36).
Am 29. Septem
ber 2017 verlängerte die IV-Stelle die Kostengutsprache bis zum 28. Februar 2018,
wobei der Versicherte die Schule ab diesem Zeitpunkt im Selbststudium weiter
führte (Urk. 7/47).
Nachdem sie die Kostengutsprache noch zweimal, jeweils bis zum 31. August 2018 res
pektive 28. Februar 2019 verlängert hatte, berichtete der Versicherte
am
25. Febru
ar 2019
über einen psychischen Einbruch (Urk. 7/60/1 f.
und 8
).
Am 14. März 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
da er die Matura
prü
fung
gesundheitsbedingt nicht habe
ablegen
können, werde sie
die be
rufli
chen Massnahmen
abschliessen
und die Rentenprüfung
einleiten
(Urk. 7/61/1
).
Am 28. Mai 2019 holte
sie
eine Stellungnahme
von
RAD-Ärztin Dr. med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ein (Urk. 7/70/ 4 f.).
Hernach stellte sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom 6. Juni 2019 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/66). Dagegen erhob der Versicherte am 8. Juli 2019, ergänzt am 22.
August
2019
,
Einwand (Urk. 7/67, Urk. 7/69). Mit Verfügung vom 27. September 2019
verneinte
die IV-Stelle
einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 4 %
(Urk. 7/74 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der
Versicherte am 30. Oktober 2019 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
es sei
ihm mit Wirku
ng ab dem 1. März 2019 eine ganz
e Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt vertieft abkläre, um hernach erneut über den Leistungsanspruch zu entscheiden.
Sub
even
tualiter
seien ihm weiterführende berufliche Massnahmen unter Beigabe eines Coaches zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er zudem um Be
willigung der unentgeltlichen Prozessführung sowie Bestellung eines unentgelt
lichen Rechtsbeistandes in der Person von Rechtsanwalt Stephan Kübler (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle
schloss
mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2019
auf
Abweisung der Beschwerde
(Urk 6)
. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2019 wurde dem Beschwerdeführer antragsgemäss die unentgeltliche Prozessführung sowie Rechtsvertretung bewilligt (Urk. 8). Am 31. Januar 2020
erneuerte
der Be
schwerdeführer seine
Rechtsbegehren
(
Replik,
Urk. 10). Die Beschwerde
geg
nerin verzichtete am 2. März 2020 auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 12)
, wovon dem Beschwerdeführer am 3. März 2020 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 13)
.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter legte schliesslich am 29. Juli 2020 seine Honorar
note auf (Urk. 14, Urk. 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich
einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu
namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte ge
hören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer vor den Maturaprüfungen im Winter 2018 einen Einbruch erlitten habe und sich nicht dazu habe durchringen können, die Prüfungen ab
zulegen.
Daher seien die
beruflichen Massnahmen abgeschlossen und die Renten
prüfung eingeleitet worden
(Urk. 2 S. 1). Nach durchgeführtem Einkommensver
gleich ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 4 %, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe.
Es sei nicht nachvollziehbar, wes
halb zum jetzigen Zeitpunkt eine psychiatrische Begutachtung stattfinden solle. Der Beschwerdeführer befinde sich nicht in regelmässiger Behandlung, weshalb davon auszugehen sei, dass keine invalidisierende Einschränkung bestehe. Der Beschwerdeführer habe sich selbst nicht mehr arbeitsfähig gefühlt. Es sei ihm jedoch aus objektiver Sicht zumutbar gewesen, die Maturaprüfungen abzulegen. Da er diese jedoch nicht angetreten habe, seien keine weiteren Massnahmen mehr angezeigt. Der Beschwerdeführer sei seit dem Jahr 2013 ausreichend unterstützt
worden, damit er im Arbeitsmarkt bestehen könne. Für eine weitere Unter
stützung sei
nicht mehr die Invalidenversicherung
zuständig. Es bestehe daher kein Anspruch auf Rentenleistungen (Urk. 2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
er leide an einem im Juni 2012 erstmals diagnostizierten Asperger-Syndrom, Problemen mit Bezug auf die soziale Umgebung, hoher Intelligenz sowie einer mittelgradigen depressiven Episode.
Aufgrund des Asperger-Syndroms sei
en
ihm weder der Ab
schluss einer Lehre noch der Matura möglich gewesen. Die Beschwerdegegnerin habe zu Recht festgehalten, dass sein Gesundheitsschaden einen deutlich erhöh
ten Betreuungsaufwand bewirke und im Verlauf der Berufsberatung abgeklärt werden müsse, ob dies im geschützten Rahmen geschehen müsse oder
ob
ein Jobcoach ausreiche. Gleichwohl habe er weder einen erhöhten Betreuungs
auf
wand noch einen Jobcoach erhalten
(Urk. 1 S. 4
f.
).
Er habe daher
–
auf sich alleine gestellt
–
die Matura nicht geschafft. Trotz unvollendeter beruflicher Mass
nahmen habe die Beschwerdegegnerin diese kurz vor Erreichen des Ziels abgebrochen, ohne zu prüfen, mit welchen zusätzlichen Massnahmen das Ziel doch noch hätte erreicht werden können.
Er habe nicht die Absicht gehabt, sich den Zugang zum Studium mit dem Nichtablegen der Maturaprüfung zu verbauen. Es sei die Folge seiner Krankheit gewesen, dass er diese nicht habe ablegen können. Der deutlich erhöhte Betreuungsaufwand sei spätestens Anfang 2019 geschuldet gewesen, um die berufliche Massnahme kurz vor dem Ziel zu Ende zu führen. Die Beschwerdegegnerin habe den Grundsatz «Eingliederung vor Rente» verletzt, was zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen müsse.
Sie
habe es sodann unterlassen, abzuklären, weshalb es bei ihm Anfang 2019 zu einem psychischen Zusammenbruch gekommen sei (Urk. 1 S. 5).
Die Mutmas
sungen des Kundenberaters, wonach er einer Tätigkeit nachgehen könne, seien nicht
beweiskräftig
. Zudem
vermöge
die RAD-Aktenbeurteilung, die im Wesent
lichen auf der Aktenlage aus dem Jahr 2013 basiere, nicht zu überzeugen (Urk. 1 S. 6 f.). Die Beschwerdegegnerin
sei
vielmehr gehalten gewesen, den medizini
schen Sachverhalt lege artis abzuklären, wohl mittels eines Gutachtens. Indem sie den medizinischen Sachverhalt nicht bis zum Verfügungserlass abgeklärt habe, habe sie Bundesrecht verletzt (Urk. 1 S. 7).
Ferner sei nicht nachvollziehbar, wie
die Beschwerdegegnerin auf das errechnete Invalideneinkommen komme (Urk.
7
f.
). Ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 4 % widerspreche im Übrigen der Auffassung der Berufsberatung vom Mai 2013. Es stehe ihm daher eine ganze Rente ab 1. März 2019 zu (Urk. 1 S. 8).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2019 ergänzte die Beschwerdegegnerin, Streitgegenstand im gerichtlichen Verfahren bilde die angefochtene Verfügung.
Damit sei einzig über den
Rentenanspruch
entschieden worden, wohingegen Eingliederungsmassnahmen nicht Gegenstand der Verfügung bildete
n
. Es stehe dem Beschwerdeführer frei, diesbezüglich ein neues Gesuch zu stellen.
Anzu
merken sei, dass die Kundenberaterin dem Beschwerdeführer mehrmals ein Lern
coaching angeboten habe, was dieser jedoch abgele
hnt habe (Urk. 6 S. 1).
Die RAD-Ärztin habe zwar keine eigene medizinische Exploration vorgenommen,
sie
habe sich jedoch mit den erhobenen Befunden auseinandergesetzt und gestützt darauf eine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen
, wobei sie ein Belas
tungsprofil erstellt habe, welches dem Krankheitsbild Rechnung trage
. Es gebe keine Hinweise darauf, dass über das Asperger-Syndrom hinaus invalidenver
si
cherungsrechtliche Einschränkungen bestünden. Auch der Hausarzt erhebe keine objektiven Befunde, welche bisher nicht berücksichtigt worden seien. Ausserdem befinde sich der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2014 nicht mehr in psychia
trischer Behandlung. Daher seien keine weiteren medizinischen Abklärungen angezeigt. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit. Das Invalideneinkommen stütze sich auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE), TA1 Total über alle Ziffern 5-96, Kompetenzniveau 2, was dem hohen Intelligenzquotienten (IQ) des Beschwerdeführers Rechnung trage. Abgesehen davon
werde
der für eine Rente erforderliche Grad der Invalidität auch nicht erreicht, wenn man von einer Hilfsarbeitertätigkeit ausginge (Urk. 6 S. 2).
2.4
Replicando
hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest und
zog in Erwägung,
die Ausführung
en
der Beschwerdegegnerin, wonach sie ihm einen Lerncoach angeboten habe, seien aktenkundig unzutreffend und würden vollum
fänglich bestritten.
Ein Lerncoaching sei nie zur Diskussion gestanden. Er habe sich selbst Nachhilfeunterricht in Mathematik organisiert (Urk. 10 S. 2).
Ohne
eigene Untersuchung habe die RAD-Ärztin gar kein Belastungsprofil erstellen können. Die gestützt auf die RAD-Stellungnahme und die spärlichen Angaben des Hausarztes getroffene Annahme, es bestehe keine invalidisierende Einschrän
kung, sei willkürlich. Da seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht rechts
genüglich abgeklärt worden seien, könnten auch keine Folgeabschätzungen be
tref
fend die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit getroffen werden (Urk. 10 S.
3). Bevor ein Zumutbarkeitsprofil feststehe, könne das Invalideneinkommen nicht festgesetzt werden. Im Übrigen könne er die Berechnung desselben gestützt auf die LSE 2016 immer noch nicht nachvollziehen (Urk. 10 S. 4).
2.5
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat.
3
.
3
.1
Im
Bericht vom 20. März 2013 nannte der behandelnde Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und P
sychotherapie, Oberarzt an der i
ntegrierten Psychiatrie
C._
,
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit ein Asperger-Syndrom (ICD-10 F84.5, Erstdiagnose [ED] Juni 2012), Probleme mit Bezug auf die soziale Umgebung (ICD-10 Z60.8), eine hohe Intelli
genz (Gesamt-IQ 126) sowie eine mittelgradige depressive Episode mit somati
schem Syndrom (ICD-10 F32.11, ED Juni 2012, Urk. 7/21/2). Dazu ergänzte er,
der Beschwerdeführer berichte, dass er seit der Kindheit ein Einzelgänger sei und viele Schwierigkeiten gehabt habe. In der Schule sei er oft verprügelt worden, wobei er Zähne verloren und Gehirnerschütterungen davongetragen habe. Mit 15 Jahren habe er einen Suizidversuch durch Erhängen unternommen. Als Grund
dafür
habe er den sexuellen Missbrauch durch einen früheren Psychotherapeuten sowie
schwierige
Lebensumstände (Schule, Eltern) genannt (Urk. 7/21/3). Die Prognose der depressiven Erkrankung sei günstig. Sie sei eine Folge des Asperger-Syndroms und seine
r
speziellen Probleme, sich integrieren zu können. Aufgrund seiner hohen Intelligenz, Spezialinteressen sowie seiner speziellen Art sei eine reguläre Arbeitsstelle oder ein Schulbesuch (Matura) ohne Anpassung an seine Beeinträchtigungen nicht möglich.
Mit
eine
r
Unterstützung durch einen Jobcoach (Vermittlung in sozialen Situationen) könnten die Schwierigkeiten bewältigt werden. Bei der Teilnahme an einem regulären Arbeitstraining oder Arbeits
pro
jekt sehe er eine intellektuelle Unterforderung, die zu Langeweile und Desin
te
resse führe. Die Gefahr
des
Abbruchs einer solchen Massnahme sei hoch. Er sehe eine berufliche Massnahme, die speziell auf die Möglichkeiten des Beschwerde
führers abgestimmt sei, als erfolgsversprechen
d an (Urk. 7/21/4). Beim Beschwer
deführer
bestünden gesundheitliche Einschränkungen im Sinne einer
hohe
n
Intelligenz mit Spezialinteressen (Historisches, Dinge, Sachverhalte, Messer), eine
r
erhöhte
n
sensorische
n
Sensibilität (Geräusch- und Lichtempfindlichkeit, taktile Hyperempfindlichkeit), eine
r
Störung der sozialen Kommunikation (Inter
aktion), eine
r
reduzierte
n
Anpassungsfähigkeit durch eine Vorliebe für Routine, eine
r
geringere
n
Stresstoleranz und eine
r
rasche
n
Reizüberflutung
. Seine hohe Intelligenz sei eine Ressource, hingegen müsse er neue Situationen jeweils erlern
en. Hierbei sei ein Vermittler notwendig.
Grundsätzlich
habe der Beschwerde
führer die
Fähigkeit, mit Unterstützung eine Ausbildung (Wildhüter, Detail
han
del) oder die Matura für ein Studium zu absolvieren
. Die Leistungsfähigkeit sei im Allgemeinen reduziert, jedoch nicht in den Spezialinteressen. Ab sofort sei eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 60 % in einer behinderungsangepassten Tätigkeit möglich, wobei eine berufliche Abklärung empfohlen werde
(Urk. 7/21/5).
Die Arbeitsfähigkeit könne gesteigert werden. Der
Arbeitsplatz müsse ruhig und überschaubar sein und die Arbeitsfähigkeit solle schrittweise gesteigert werden (Urk. 7/21/6).
3
.2
Im Rahmen des Assessm
ents erfolgte am 29. Mai 2013 eine Aktenbeurteilung
durch RAD-Ärztin Dr.
Y._
. Sie wiederholte die Diagnosen der
C._
vom 20. März 2013
sowie
die dortigen Feststellungen und erklärte, darauf könne abgestellt werden. Der Gesundheitsschaden bewirke bei einem eidgenössischen Berufsattest (
ebA
) einen deutlich erhöhten Betreuungsbedarf. Ob dies im ge
schützten Rahmen geschehen müsse oder
ob
ein Jobcoach ausreiche, müsse im Verlauf der Berufsberatung entschieden werden. Gewisse soziale Fähigkeiten schienen durchaus vorhanden zu sein. Wichtig sei eine ruhige Umgebung mit einem kleinen, konstanten Team. Komplizierte Kundenkontakte müssten gemie
den werden. Die Intelligenz
des Beschwerdeführers
solle als Ressource genutzt werden. Aus medizinischer Sicht sei auch ein weiterer Schulbesuch allenfalls sinnvoll, um diese wirklich nutzen zu können (Urk. 7/30/1).
3
.3
Dr.
B._
von der
C._
hielt mit Abschlussbericht vom 30. Juli 2014 wiederum die Diagnosen des Asperger-Syndroms, der hohen Intelligenz und der mittelgradigen depressiven Episode fest. Zudem ergänzte er den Verdacht auf ein Mikroadenom der Adenohypophyse gemäss Magnetresonanztomographie (MRI) vom 13. Juli 2012 (Urk. 7/62/7). Der Beschwerdeführer präsentiere sich wach und bewusstseinsklar. Er sei zeitlich nicht voll orientiert, hingegen bestehe eine volle Orientierung hinsichtlich Ort, Person und Situation. Im Kontaktverhalten sei er auskunftsbereit, der Blickkontakt sei flüchtig. Er schaue auf die Stirn oder den Mund. Die Konzentration sei leicht vermindert. Auffassung und Gedächtnis seien grob unauffällig. Im formalen Denken sei er leicht umständlich und er grüble. Es bestehe kein Misstrauen und Beziehungsideen seien vorhanden. Der affektive Rapport sei herstellbar. Im Affekt sei er ängstlich, habe eine innere Unruhe, sei leicht gereizt und leicht hoffnungslos. Der Antrieb sei leicht gesteigert. Psycho
motorisch sei er logorrhoisch. Es sei
en
ein sozialer Rückzug und ein starkes Krankheitsgefühl, jedoch keine Suizidalität vorhanden (Urk. 7/62/7 f.).
Aus soma
tischer Sicht bemerkte Dr.
B._
, der Beschwerdeführer leide an Hyper
somnie bis
Hyposomnie
, Magenschmerzen und Migräneanfällen (Urk. 7/62/8). Nach der psychiatrischen Abklärungsphase sei ein Asperger-Syndrom diagnos
tiziert worden. Zusätzlich sei
en
eine Leistungsdiagnostik (WIE) und ein neuro
kognitives
Testing
durchgeführt worden. Nachdem der diagnostische Prozess abgeschlossen
worden
sei
, sei
von Dezember 2012 bis Januar 2013
eine anti
de
pressive Medikation
(
Venlafaxin
)
verordnet worden. Diese sei vom Beschwerde
führer regelmässig eingenommen
, jedoch wegen einer
Verschlechterung
wieder abgesetzt worden. Auch ein Behandlungsversuch mit ei
nem Stimulans (Methyl
phenidat) zur Behandlung von
Kon
zentrationsstörungen und Ablenkbarkeit (ADHS) sei
infolge Ausbleibens des
erhofften Erfolg
es
abgesetzt worden. Der Beschwerdeführer sei supportiv psychotherapeutisch begleitet worden und habe
die Termine
regelmässig und zuverlässig wahrgenommen. Eine therapeutische Beziehung habe sich gut entwickeln können und so seien Themen
wie
Familie, Alltagsbewältigung, Beziehungsgestaltung und psychosoziale Themen im Vor
der
grund gestanden. Das psychische Zustandsbild
des Beschwerdeführers
habe sich verbessert und stabilisiert. Die Behandlung sei erfolgreich abge
schlossen worden. Die vorbestehenden psychosozialen Belastungsfaktoren (Tagesstruktur, Wohnen, Finanzen) seien aufgegleist und zum Teil umgesetzt worden. Der Be
schwerdeführer erhalte eine Rente der Invalidenversicherung (richtig: ein Tag
geld, vgl.
Urk. 7/41/1
),
habe eine Wohnung mit seiner Freundin zusammen und besuche seit Januar 2014 die
Z._
mit dem Ziel, die Matura abzuschliessen (Urk. 7/62/8).
3
.
4
Dr. med.
D._
, Facharzt für Neurologie,
stellte am 26. Februar 2018 die Diagnosen
der chronischen Kopfschmerzen, Differentialdiagnose (DD) chroni
fi
zierte Migräne
,
sowie des Verdachts auf ein Mikroadenom der Adenohypophyse (weiterhin asymptomatisch, Zufallsbefund bei der MRI-Untersuchung des Schädels vom 12. Juli 2012
, Urk. 7/62/13
). Er fügte an, der Beschwerdeführer sei bereits im Juli 2012 aufgrund
seiner
chronischen Kopfschmerzen neurologisch abgeklärt worden. Anlässlich dieser Abklärung sei auch eine MRI-Untersuchung des Schädels durchgeführt worden, bei welcher sich als Zufallsbefund ein Mikro
adenom der Adenohypophyse gezeigt habe. Die Bestimmung der Hormone habe jedoch keine Hinweise auf ein hormonaktives Adenom geliefert und auch der weitere Verlauf spreche nicht dafür.
Die klinisch neurologische Untersuchung sei unauffällig. Der Beschwerdeführer führe die Beschwerden auf die immer noch vorhandene
,
belastende, multifaktorielle psychosoziale Situation zurück. Es sei eine entsprechende Medikation eingestellt worden
(Urk. 7/62/14).
Gemäss MRI-Bericht vom 6. März 2018 habe sich das Mikroadenom anlässlich der Untersuchung vom 5. März 2018 im Vergleich zu den Befunden aus den Jahren 2012 und 2013 unverändert gezeigt. Auch im Übrigen
habe
sich das Gehirn altersentsprechend und regelrecht dar
gestellt
(Urk. 7/62/15).
3.
5
Am 22. März 2019 berichtete der Hausarzt
,
Dr. med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
,
der Beschwerdeführer sei aus seiner Sicht soma
tisch gesund und habe einen auffälligen Lebenslauf sowie eine psychiatrische Vorgeschichte (Urk. 7/62/ 2 f.).
S
einer Meinung nach sei eine psychiatrische respektive neuropsychologische
Reevaluation
notwendig. Offenbar sei diesbezüg
lich seit 2014 nichts mehr unternommen worden (Urk. 7/62/5).
3
.
6
In ihrer Stellungnahme vom 28. Mai 2019 nannte
die
RAD-Ärztin Dr.
A._
das Asperger-Syndrom
(ICD-10 F84.5) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Dem Status nach mittelgradiger depressiver Episode
(2012)
sowie den chronischen Kopfschmerzen (
DD
chronifizierte Migräne) mass sie keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei. Ferner erklärte sie, beim Beschwerde
führer bestünden
mit Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Maturand
mittelgradige
Einschränkungen
in der Fähigkeit zur
Planung und
Strukturierung (Hilfebedarf bei der Tagesstruktur, dem Wohnen, den Finanzen und der Ausbildung)
.
Ferner
seien die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit durch stereotype Verhaltens
muster
reduziert. Die Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompetenzen sei ebenfalls eingeschränkt (die Anmeldung zur Prüfung sei bisher nicht erfolgt, frühere Aus
bildungen seien nicht beendet worden). Des Weiteren sei die Selbstbehaup
tungs
fähigkeit deutlich reduziert. Es bestünden ferner erhebliche Einschränkungen in der Kontaktfähigkeit zu Dritten und in der Gruppenfähigkeit. Die Fähigkeit zu familiären respektive intimen Beziehungen sei reduziert, es bestehe jedoch Kontakt zu Kollegen und eine langjährige Beziehung. Die sozialen Interaktionen würden ihm schwerfallen und das Kommunikationsverhalten sei eingeschränkt. Als Belastungsprofil formulierte die RAD-Ärztin einen Arbeitsplatz mit konstan
ten, regelmässigen Abläufen, die möglichst auch herausfordernd seien
,
sowie ein ruhiges Umfeld. Das Arbeiten ohne oder mit wenig Kundenkontakt, in einem kleinen, ruhigen Team oder alleine sei möglich. Die Arbeit solle klar strukturiert und ohne Zeit- oder Termindruck sowie möglichst interaktionsarm sein. Die Auf
fassungsgabe und das Konzentrationsvermögen seien ungestört, selbständiges Arbeiten gelinge gut. Die Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit be
trage 0 %. Da bisher keine Erwerbstätigkeit vorgelegen habe, solle der Arbeits
einstieg langsam ansteigend von 50 % über zirka sechs Monate erfolgen und eng begleitet werden.
(Urk. 7/70/4).
Das selbständige Lernen sei gut gelungen. Eine Prüfungsanmeldung habe nicht erreicht werden können. Unter dem Druck abzu
schliessen, sei es zu einem psychischen Einbruch mit massiven Schlafstörungen gekommen. Eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes oder der funk
tionellen Leistungsfähigkeit sei auch unter psychiatrischer und psychothera
peu
tischer Hilfe nicht zu erwarten. Ein besserer Umgang mit der Erkrankung und Ängsten könne jedoch durch die ambulante Psychotherapie erreicht werden. Die funktionellen Leistungseinschränkungen würden alle Lebensbereiche betreffen. Die medizinischen Unterlagen seien konsistent. Insgesamt sei von keinem Ge
sundheitsschaden auszugehen, welcher zu Leistungen der Invalidenversicherung berechtige (Urk. 7/70/5).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf
die Aktenbeurteilung von RAD-Ärztin Dr.
A._
(Urk. 7/70/4-5).
Diese attestierte dem Beschwerdeführer
eine
100%ige Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Zudem ergänzte sie, da bisher keine Erwerbstätigkeit vorgelegen habe, solle der Arbeitseinstieg langsam ansteigend von 50 % über zirka sechs Monate erfolgen und eng begleitet werden (Urk. 7/70/4).
Daraufhin nahm
der
Kundenberater der Beschwerdegegnerin Rück
sprache mit der Berufsberatung.
Diese
führte aus, aus
ihrer
Sicht sei eine Ein
schränkung möglich, jedoch nicht sehr ausgeprägt. Der Beschwerdeführer sei auch in den Gesprächen nicht extrem auffällig gewesen. Es sei jedoch wiederholt vorgekommen, dass er Gespräche verpasst habe. E
r
sei nicht in Behandlung und es sei auch nicht Aufgabe der Beschwerdegegnerin, die Abklärungen zu machen. Aufgrund des hohen
IQ
’s
sei es auch nachvollziehbar, dass
er
eine
r
Tätigkeit nachgehen könne.
Gestützt darauf zog die Beschwerdegegnerin das Fazit, dem Beschwerdeführer sei eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt vollständig zumutbar, weshalb kein Anspruch auf Rentenleistungen bestehe (Urk. 7/70/5).
4.2
D
as Abstellen auf die Einschätzung der RAD-Ärztin
vermag
nicht zu überzeugen.
Ins Gewicht fäl
lt
zunächst
, dass die RAD-Ärztin den Beschwerdeführer
nicht untersucht hat
und sie
dementsprechend
ihre
Einschätzung auch nicht auf eigene
Untersuchungsbefunde abstützen
konnte, obwohl die Aktenlage
damals – wie der Beschwerdeführer zu Recht anmerkt (Urk. 1 S. 6 f.) –
spärlich und nicht aktua
lisiert
war. Denn
der RAD-Ärztin lag
en
im Zeitpunkt der Aktenbeurteilung
vom
28. Mai 2019
aus psychiatrischer Sicht
lediglich
die
Bericht
e
der
C._
aus den Jahren 2013 und 2014 vor, wenn man vom
Formularb
ericht des Hausarztes aus dem Jahr 2019 absieht, der zwar aktuell ist, jedoch keine Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit enthält und auch
in psychiatrischer
Hinsicht
nicht aussagekräftig ist (Urk. 7/62
/1-6
). In seinem Bericht vom 20. März 2013
gelangte der behan
delnde Arzt
der
C._
sodann
zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in einer Ver
weistätigkeit zu 60 % arbeitsfähig
,
und er empfahl eine berufliche Abklärung
(Urk. 7/21/5).
Mit dieser anderslautenden Einschätzung
setzte sich die RAD-Ärztin
in ihrer Aktenbeurteilung nicht auseinander.
Dabei
erscheint
es
wider
sprüchlich, dass sie
dem Beschwerdeführer
einerseits
eine deutlich höhere Arbeits
fähigkeit
bescheinigte
,
andererseits jedoch
festhielt, die medizinischen Unterlagen seien konsistent (Urk. 7/70/5).
Des Weiteren merkte sie zwar an, dass der Beschwer
de
führer unter dem Druck, die Matura abzuschliessen,
Ende 2018
/
Anfang 2019
einen psychischen Einbruch mit massiven Schlafstörungen
erlitten
habe (Urk. 7/70/5). Allerdings unterliess sie es, dies in ihre medizinische Beurteilung miteinzubeziehen, indem sie
in diagnostischer Hinsicht lediglich den Status nach mittelgradiger depressiver Episode aus dem Jahr 2012 festhielt (Urk. 7/70/4)
. Der Beschwerdeführer führt
e
diesbezüglich
bereits im
Vorbescheidverfahren
folge
richtig
aus, es sei unklar, ob es sich
dabei
um eine akute Reaktion auf die Prü
fungssituation gehandelt habe oder ob er dauerhaft eingeschränkt sei (Urk. 7/69/3)
.
Soweit die Berufsberaterin der Beschwerdegegnerin
schliesslich
aufgrund ihrer eigenen nicht-medizinischen Einschätzung davon ausgeht, auf
grund des hohen
IQ’s
des Beschwerdeführers sei es nachvollziehbar, dass er einer Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nachgehen könne (Urk. 7/70/5), kann ihr nicht gefolgt werden. Denn
es ist
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesund
heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen,
in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE
125 V 256 E. 4)
.
4.
3
Damit
bestehen Zweifel an der RAD-Aktenbeurteilung sowie der attestierten Arbeitsfähigkeit. Zusammenfassend
ist
somit
festzuhalten, dass
sich die Akten
lage für eine abschliessende Beurteilung des
psychischen
Gesundheitszustand
es
des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
als unzureichend erweist
.
Um über den Leistungsanspruch befinden zu können, sind weitere Abklärungen
in der Form eines
psychiatrischen
Gutachten
s notwendig
, welches sich gegebenenfalls
zu den entsprechenden Standardindikatoren zu äussern
hat
(vgl. BGE 143 V 409, 143 V 418).
Ferner ist insbesondere der zeitliche Verlauf der Arbeitsfähigkeit näher zu untersuchen.
4.4
Schliesslich sollen
gemäss dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente»
Renten
leistungen erst dann allenfalls zur Ausrichtung
gelangen, wenn keine zumutbaren
Eingliederungsmassnahmen
(mehr) in Betracht fallen. Der Anspruch auf eine Rente ist daher nicht zu prüfen und eine Rente kann nicht zugesprochen werden, solange Eingliederungsmassnahmen in Betracht fallen können (Urteil des
Bun
desgerichts 9C_108/2012 vom
5. Juni 2012 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Eine Invalidenrente soll also erst und nur dann zugesprochen werden, wenn die Mög
lichk
eiten ausgeschöpft sind, welche
Eingliederungsmassnahmen
zur Verbesse
rung der gesundheitsbedingt beeinträchtigten Erwerbsfähigkeit bieten (Urteil des Bundesgerichts 8C_187/2015 vom 20.
Mai 2015 E. 3.2.1, vgl. auch
Meyer/Reich
muth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rz
1 z
u Art. 1a und
Rz
7 zu Art. 28). Je nach Ergebnis der psychiatrischen Begutachtung ist daher nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer erneut Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen hat, zumal
bereits
die RAD-Ärztin
Dr.
Y._
im Assessment-Protokoll vom 13. November 2013 festhielt, der Gesundheitsschaden
des Beschwerdeführers
erfordere
einen deutlich erhöhten Betreuungsbedarf. Ob dafür ein Jobcoach ausreiche oder ein geschützter Rahmen notwendig sei, müsse im
Verlauf der Berufsberatung entschieden werden (Urk. 7/30/1).
In den Akten finde
n
sich jedoch kein
e
Hinweis
e
darauf, dass die Beschwerdegegnerin abge
sehen von der finanziellen Unterstützung weitere Massnahmen in der genannten Form getroffen hätte. Zwar
brachte
sie
in ihrer Beschwerdeantwort vor
, die Kundenberaterin habe dem Beschwerdeführer mehrmals ein Lerncoaching ange
boten, was dieser jedoch abgelehnt
habe
(Urk. 6 S. 1.). Allerdings
bestreitet der Beschwerdeführer, je ein Lerncoaching angeboten bekommen zu haben
(Urk. 10 S. 2).
Zudem lässt sich
auch
weder
der Zielvereinbarung
betreffend die erstmalige berufliche Ausbildung
noch
dem
Verlaufsprotokoll der Berufsberatung
entneh
men
, dass die Beschwerdegegnerin ihm ein solches in Aussicht gestellt hätte
(Urk.
7/43
,
Urk. 7/60)
.
Die angefochtene Verfügung ist demnach aufzuheben und
die Sache an die Be
schwerdegegner
in
zurückzuweisen, damit diese
nach ergänzender Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und anschliessend über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
Damit kann einstweilen dahingestellt bleiben, ob die Beschwerdegegnerin den Einkommensvergleich korrekt
durchgeführt
hat
, wobei immerhin
erläuterungsbedürftig
zu sein
scheint
, weshalb bei der Ermitt
lung des
Valideneinkommens
auf Art. 26 Abs. 1 IVV und nicht auf Ar
t.
26 Abs.
2 in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 IVV abzustellen sei (
vgl.
Urteil des Bundes
ge
richts
9C_795/2012
vom 9. Juli 2013 E. 2.1.2 f.)
.
Bei der Festsetzung des
Invali
deneinkommen
s
bleibt sodann fraglich, ob die
Anwendung von Kompetenz
ni
veau 2 einzig aufgrund der hohen Intelligenz des Beschwerdeführers gerecht
fertigt
ist
(
vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_386/2013 vom 15. Oktober 2013 E. 6.2 und I 667/704 vom 5. April 2005 E. 4.1
)
.
Die Beschwerde ist
in
diesem S
in
ne gutzuheissen.
5.
5.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von Leistungen der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
in
Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
häng
ig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- fes
tgelegt und vorliegend auf Fr. 7
00.-- festgesetzt.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Ausserdem steht
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
,
Rechtsanwalt
Stephan Kübler
, eine Prozessentschädigung zu.
Diese ist nach Art. 61
lit
.
g ATSG in Verbindung mit § 34
Abs. 3
des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deu
tung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den
Barauslagen zu bemessen.
Mit Honorarnote vom 22. Juli 2020 machte
Recht
sanwalt Stephan Kübler
für den Zeitraum vom 3. Oktober 2019 bis 22. Juli 2020
(inkl. eine Stunde Urteilsstudium)
einen Aufwand von 13 St
unden und 25 Minu
ten à Fr. 220.--
und Barauslagen von Fr. 53.10, zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 % geltend, was gesamthaft einem Betrag von Fr. 3'236.20 entspricht (Urk. 15).
D
ieser
geltend gemachte Aufwand
ist zwar im oberen Bereich anzusiedeln, jedoch der S
treitsache und der Schwierigkeit des Proze
sses
gerade noch angemessen.
Die Beschwerdegegnerin hat diesen Betrag dem unentgeltlich
en Rechtsvertreter zu bezahlen.