Decision ID: 146147c7-9464-4013-a472-c86c9971f3c0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis für die Kategorien B und BE am 2. März 1989. Seit
dem 21. Juli 1998 ist sie zudem für die Kategorie A und seit dem 30. November 2004
für die Unterkategorien D1 und D1E fahrberechtigt. Im Informationssystem über die
Verkehrszulassung (IVZ; früher: Administrativmassnahmen-Register) ist sie nicht
verzeichnet.
B.- Am 5. Februar 2020 um 11.47 Uhr überschritt X in A die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h um 16 km/h (nach Abzug der Messtoleranz). Die
entsprechende Übertretungsanzeige der Polizei wurde am 10. Februar 2020 dem
Fahrzeughalter und Ehemann von X zugestellt, worauf X am 6. März 2020 mitteilte,
dass sie die Lenkerin gewesen sei. Sie wurde mit Strafbefehl des Kantonalen
Untersuchungsamts St. Gallen vom 30. April 2020 der einfachen
Verkehrsregelverletzung schuldig gesprochen und mit einer Busse von Fr. 400.–
bestraft.
Am 26. März 2020 um 7.05 Uhr lenkte X in A einen Personenwagen, als sie nach einer
Strecke von ca. 1,2 km von ihrem Wohnort entfernt von einer Patrouille der Polizei
angehalten wurde. Die Frontscheibe des Fahrzeugs war zu einem grossen Teil mit Eis
bedeckt. Die Polizei bezeichnete die Sicht auf die Strasse oder allfällige Fussgänger als
äusserst eingeschränkt. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts B vom 23. April 2020
wurde sie wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe
von 8 Tagessätzen zu je Fr. 130.– und einer Busse von Fr. 300.– verurteilt.
C.- Wegen des Vorfalls vom 26. März 2020 eröffnete das Strassenverkehrsamt des
Kantons St. Gallen am 23. April 2020 ein Administrativmassnahmeverfahren gegen X,
stellte zufolge mittelschwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
einen Führerausweisentzug für die Dauer von mindestens einem Monat in Aussicht und
gab Gelegenheit zur Stellungnahme. Nachdem das Strassenverkehrsamt von der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 5. Februar 2020 Kenntnis erhalten hatte, teilte es
X am 28. April 2020 mit, dass es eine Gesamtverfügung treffen werde und gewährte ihr
nochmals das rechtliche Gehör, wovon X jedoch keinen Gebrauch machte. Mit
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Verfügung vom 9. Juni 2020 entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis für
die Dauer von zwei Monaten. Es qualifizierte den Vorfall vom 5. Februar 2020
(Geschwindigkeitsüberschreitung) als leichte und den Vorfall vom 26. März 2020
(vereiste Scheiben) als mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften.
D.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 9. Juni 2020 erhob X am 20.
Juni 2020 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK)
mit dem sinngemässen Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die beiden
Sachverhalte seien getrennt voneinander zu beurteilen, und die Dauer des
Führerausweisentzugs sei auf einen Monat herabzusetzen. Das Strassenverkehrsamt
verzichtete am 10. Juli 2020 auf eine Vernehmlassung.

Auf die Ausführungen der Rekurrentin wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekus
vom 20. Juni 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem OBG (Ordnungsbussengesetz, SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Nach der Rechtsprechung müssen beide Voraussetzungen kumulativ gegeben sein
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(BGE 135 II 138 E. 2.2.3). Ist die Verletzung grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Sie stellt einen
Auffangtatbestand dar und liegt vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer
leichten Widerhandlung und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren
Widerhandlung gegeben sind (BGE 135 III 138 E. 2.2.2). Gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG
wird in besonders leichten Fällen auf jegliche Massnahme verzichtet.
Der Rekurs richtet sich in erster Linie gegen die Führerausweisentzugsdauer. Die
Rekurrentin beanstandet die rechtliche Qualifikation des Vorfalls vom 26. März 2020 als
mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften (Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG) nicht. Sie macht aber geltend, die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht
richtig dargestellt. Sie sei nicht mit vereister Front- und Seitenscheibe gefahren,
sondern nur mit einer teilweise vereisten Frontscheibe. Die Seitenscheibe und der
Spiegel seien nicht vereist gewesen. Auf die Einwände gegen den von der Vorinstanz
zugrunde gelegten Sachverhalt (E. 3) und die rechtliche Qualifikation (E. 4) ist vorab
einzugehen.
3.- Ein Strafurteil vermag die Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht zu binden.
Allerdings gebietet der Grundsatz der Einheit der Rechtsordnung, widersprüchliche
Entscheide im Rahmen des Möglichen zu vermeiden, weshalb die Verwaltungsbehörde
beim Entscheid über die Massnahme von den tatsächlichen Feststellungen des
Strafrichters nur abweichen darf, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid
zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, wenn sie zusätzliche Beweise
erhebt oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht
alle Rechtsfragen abgeklärt, namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln
übersehen hat (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_523/2017 vom 20. März 2018
E. 2.1 mit Hinweis auf BGE 136 II 447).
Aus dem Strafbefehl des Untersuchungsamts B vom 23. April 2020 (act. 9/22 ff.), der
sich auf den Polizeirapport vom 6. April 2020 (act. 9/4 ff.) abstützt, geht hervor, dass
die Frontscheibe zu einem grossen Teil mit einer Eisschicht bedeckt und nur auf der
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Fahrerseite ein Guckloch von circa 40 mal 45 Zentimetern vom Eis befreit gewesen sei.
Vor allem die Sicht im rechten Bereich der Frontscheibe sei stark eingeschränkt
gewesen. Die rechte Seitenscheibe sei praktisch komplett mit Eis bedeckt gewesen.
Der Blick zum Seitenspiegel sei knapp möglich gewesen. An diese tatsächlichen
Feststellungen ist die Verwaltungsbehörde gebunden. Entgegen den Ausführungen der
Rekurrentin steht nirgends, dass die Seitenscheibe eisfrei gewesen sei. Zwar beruht
der erlassene Strafbefehl allein auf dem Polizeirapport. Die Rekurrentin musste
allerdings angesichts der Umstände – sie wurde durch die Polizei auf die Mitteilung an
das Strassenverkehrsamt und das Untersuchungsamt hingewiesen und im Verteiler des
Strafbefehls war auch das Strassenverkehrsamt aufgeführt – mit einem
Führerausweisentzugsverfahren rechnen. Unter diesen Umständen war sie nach Treu
und Glauben verpflichtet, allfällige Einwände bereits im Rahmen des (summarischen)
Strafverfahrens geltend zu machen und allenfalls die nötigen Rechtsmittel zu ergreifen
(BGE 123 II 97 E. 3c/aa). Davon sah sie indessen ab und liess den Strafbefehl
unangefochten rechtskräftig werden. Zu eigenen Sachverhaltserhebungen sind die
Entzugsbehörden nur verpflichtet, wenn klare Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die
Sachverhaltsfeststellungen im Strafurteil unrichtig sind (BGer 6A.35/2004 vom 1.
September 2004 E. 3.3 und 6A.68/2002 vom 26. Mai 2003 E. 2.1 mit Hinweisen auf
BGE Ib 158 E. 3c/aa und 103 Ib 101 E. 2b). Solche Anhaltspunkte liegen nicht vor. In
tatsächlicher Hinsicht ist deshalb davon auszugehen, dass die rechte Seitenscheibe
mit Eis bedeckt war, was sich auch aus den Polizeifotos ergibt (vgl. act. 9/8).
4.- Im Unterschied zu den tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters ist die
Verwaltungsbehörde in der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts – namentlich auch
des Verschuldens – frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark von der
Würdigung von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa weil er den
Beschuldigten persönlich einvernommen hat. Auch in diesem Zusammenhang hat sie
jedoch den Grundsatz, widersprüchliche Urteile zu vermeiden, gebührend zu
berücksichtigen (BGer 1C_523/2017 vom 20. März 2018 E. 2.1 mit Hinweis auf BGE
136 II 447). Die Vorinstanz ist von der strafrechtlichen Beurteilung zugunsten der
Rekurrentin abgewichen; namentlich ist sie nicht von einer schweren Widerhandlung
gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG mit einer Mindestentzugsdauer von drei Monaten,
sondern von einer mittelschweren Widerhandlung ausgegangen.
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a) Die Frontscheibe und die rechte Seitenscheibe waren zu einem grossen Teil mit Eis
bedeckt. Auf der Frontschreibe hatte die Rekurrentin auf der Fahrerseite ein Guckloch
in der Grösse von circa 40 mal 45 Zentimetern freigekratzt. Auf der rechten
Seitenscheibe war die Sicht zum (eisfreien) Seitenspiegel knapp möglich. Der Rest der
rechten Seitenscheibe war mit Eis bedeckt. Damit war die Sicht für die Rekurrentin
massiv eingeschränkt. Sie hatte keine freie Sicht auf die Strasse. Insbesondere nach
rechts waren die Sichtverhältnisse schlecht. Von rechts nahende Verkehrsteilnehmer
oder Fussgänger hätte die Rekurrentin wohl nicht gesehen (vgl. Polizeifoto, bei dem
eine Person, die vor dem Fahrzeug auf der Höhe des Beifahrers steht, kaum zu
erkennen ist, act. 9/8). Damit lag eine nicht mehr geringe Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer vor.
Bei der Beurteilung des Verschuldens ist von Art. 29 Abs. 1 Satz 1 SVG auszugehen,
wonach Fahrzeuge nur in betriebssicherem und vorschriftsgemässem Zustand
verkehren dürfen. Gemäss Art. 57 Abs. 1 Satz 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR
741.11, abgekürzt: VRV) hat sich der Führer zu vergewissern, dass das Fahrzeug in
vorschriftsgemässem Zustand ist. Insbesondere müssen nach Art. 57 Abs. 2 Satz 1
VRV die Scheiben sauber gehalten werden. Gegen diese Bestimmung verstösst
beispielsweise, wer mit vereister oder beschlagener Windschutz- und schneebedeckter
Heckscheibe fährt (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band I: Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln,
2. Aufl. 2002, Rz. 474). Auf die für die Verkehrssicherheit zentrale Bedeutung einer
guten Sicht weist auch Art. 71a Abs. 4 der Verordnung über die technischen
Anforderungen an Strassenfahrzeuge (SR 741.41, abgekürzt: VTS) hin, wonach
Scheiben, die für die Sicht des Führers oder der Führerin nötig sind, eine klare,
verzerrungsfreie Durchsicht gestatten müssen. Indem es die Rekurrentin unterliess, vor
der Abfahrt die Scheiben gänzlich zu enteisen, hat sie fahrlässig eine beträchtlich
erhöhte Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf genommen und eine
elementare Verkehrsregel verletzt. Aus dem Einvernahmeprotokoll der Polizei ergibt
sich, dass die Rekurrentin die Scheiben nicht enteiste, weil sie im Stress gewesen sei
und ihren Ehemann nicht habe aufwecken wollen (act. 9/12). Beides vermag das
Verschulden, welches an der Grenze zur Grobfahrlässigkeit anzusiedeln ist, nicht in
einem günstigeren Licht erscheinen zu lassen.
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b) In einem ähnlichen Fall, in welchem die VRK auf eine mittelschwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften erkannte, war die Frontscheibe im untersten
Drittel am meisten, im mittleren Drittel weniger und im obersten Drittel am wenigsten
mit Eis beschlagen, wodurch die Sicht durch das obere Drittel der Frontscheibe wenig
beeinträchtigt, beim mittleren Drittel mehr beeinträchtigt und beim untersten Drittel
ausgesprochen schlecht war (vgl. Entscheid der VRK [VRKE] IV-2010/108 vom
27. Januar 2011 E. 3, im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort
unter Rechtsprechung). Bei kleineren Gucklöchern ist die VRK hingegen von einer
schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften ausgegangen (vgl.
VRKE IV-2017/69 vom 28. September 2017, in welchem bei der Frontscheibe einzig
unten in der Mitte zwei circa 25 mal 25 Zentimeter grosse Flächen durch die
einsetzende Warmluft der Lüftungsanlage vom Eis befreit waren). Unter
Berücksichtigung der gesamten Umstände war ein Abweichen von der strafrechtlichen
Beurteilung des Vorfalls wenngleich nicht unbedingt zwingend, so aber doch
nachvollziehbar, weshalb auch im Rekursverfahren davon auszugehen ist, dass die
Rekurrentin am 26. März 2020 eine mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG begangen hat.
5.- a) Die Vorinstanz beurteilte die weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht
bestrittene Geschwindigkeitsüberschreitung vom 5. Februar 2020 und das Fahren mit
vereisten Scheiben vom 26. März 2020 in einer Verfügung und hielt fest, dass die
Rekurrentin bei beiden Vorfällen schuldhaft Verkehrsregeln verletzt habe. Nach einer
mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften müsse der
Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen werden. Wegen des erheblichen
Verschuldens beim Vorfall vom 26. März 2020 sei eine Erhöhung der Entzugsdauer auf
zwei Monate gerechtfertigt. Eine berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis
habe die Rekurrentin nicht geltend gemacht.
b) Die Rekurrentin hält dem entgegen, dass als Folge der gleichzeitigen Beurteilung der
beiden Verkehrsregelverletzungen das Sanktionsmass deutlich erhöht sei. Die
Geschwindigkeitsüberschreitung stelle eine leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG dar. Wenn die
beiden Sachverhalte getrennt beurteilt worden wären, wäre für das Fahren mit vereister
Scheibe die Mindestentzugsdauer von einem Monat festgesetzt worden. Auch von der
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Polizei sei sie dahingehend informiert worden, dass sie mit einem einmonatigen
Führerausweisentzug zu rechnen habe.
c) Hat die Betroffene mehrere Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften begangen, sind diese gemeinsam zu beurteilen und ist
Art. 49 Abs. 1 des Strafgesetzbuches (SR 311.0; abgekürzt: StGB) analog anzuwenden
(BSK Strafrecht I-Ackermann, Art. 49 N 40; BGer 6A.74/2005 vom 15. März 2006
E. 5.3). Nach dieser Bestimmung ist im Strafrecht ein Täter, welcher durch eine oder
mehrere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, für
die schwerste Straftat zu bestrafen; die Strafe ist angemessen zu erhöhen, jedoch darf
das Höchstmass der angedrohten Strafe maximal um die Hälfte erhöht werden und das
gesetzliche Höchstmass ist zu beachten (BGE 120 Ib 54 E. 2a). Folglich ist nicht für
jede Verkehrsregelverletzung, welche eine gleichartige Strafe zur Folge hat, eine
einzelne Massnahme anzuordnen. Vielmehr ist die für die schwerere oder schwerste
Verletzung verfügte Massnahmedauer angemessen zu verschärfen, um so zu einer
Gesamtmassnahme zu gelangen, welche allen Verfehlungen Rechnung trägt (vgl. BGE
124 II 39 E. 3).
Am 5. Februar 2020 überschritt die Rekurrentin die signalisierte Höchstgeschwindigkeit
innerorts von 30 km/h um 16 km/h. Dies stellt unbestrittenermassen eine leichte
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG dar (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015,
Vorbemerkungen zu Art. 16a bis c SVG, N 14). Wäre diese leichte Widerhandlung allein
sanktioniert worden, hätte sie aufgrund des damals noch ungetrübten
automobilistischen Leumunds eine Verwarnung zur Folge gehabt. Am 26. März 2020
lenkte die Rekurrentin einen Personenwagen mit vereister Scheibe. Die Vorinstanz
beurteilte dies als mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG; eine solche zieht einen
mindestens einmonatigen Führerausweisentzug nach sich (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG).
Für die beiden zu beurteilenden Vorfälle liegen damit zwei unterschiedliche Arten von
Sanktionen vor (Verwarnung und Führerausweisentzug), weshalb das
Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB (Erhöhung der Massnahmedauer für
den Führerausweisentzugsgrund mit der strengsten Massnahmeandrohung, wenn
mehrere Führerausweisentzugsgründe zu beurteilen sind) nicht anwendbar ist (vgl. GVP
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2010 Nr. 34). Entgegen der Ansicht der Rekurrentin erhöhte die Vorinstanz die
Entzugsdauer nicht aufgrund der Tatsache, dass sie zwei Verkehrsregelverletzungen
begangen hatte; einziger Grund war das erhebliche Verschulden beim Vorfall vom
26. März 2020. Für die leichte Widerhandlung vom 5. Februar 2020 wäre grundsätzlich
eine Verwarnung auszusprechen. Das gleichzeitige Aussprechen einer Verwarnung und
eines Führerausweisentzugs macht jedoch keinen Sinn. Namentlich führt eine
neuerliche leichte Widerhandlung auch dann zu einem Führerausweisentzug, wenn in
den vorangegangenen zwei Jahren bereits ein Führerausweisentzug vollzogen wurde
(vgl. Art. 16a Abs. 2 SVG). Die gleichzeitige Beurteilung der beiden Vorfälle in einer
Verfügung hat demnach für die Rekurrentin dann keinen Nachteil, wenn die verfügte
Entzugsdauer für den Vorfall vom 26. März 2020 angemessen erscheint, was im
Folgenden zu prüfen sein wird. Nur in diesem Fall hat sich die zusätzliche
Verwirklichung einer leichten Widerhandlung nicht auf die Entzugsdauer ausgewirkt.
6.- Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Sie beträgt gemäss
Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG nach einer mittelschweren Widerhandlung einen Monat.
Sowohl das Verschulden der Rekurrentin als auch die Gefährdung der
Verkehrssicherheit (vgl. E. 4a) wiegen im Vergleich mit anderen mittelschweren
Widerhandlungen schwerer. Beide Zumessungsfaktoren liegen recht nahe bei einer
schweren Widerhandlung, welche ein schweres Verschulden sowie eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer voraussetzt (vgl. Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Unter
diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz zur
Mindestentzugsdauer einen Monat dazugeschlagen hat. Zu berücksichtigen ist im
Weiteren, dass die Rekurrentin keine berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis
geltend gemacht hat und eine solche auch nicht ersichtlich ist, weshalb die verfügte
Entzugsdauer von zwei Monaten als angemessen erscheint. Aus dem Vorbringen, der
Polizist habe ihr gesagt, dass sie mit einem einmonatigen Führerausweisentzug zu
rechnen habe, kann sie nichts zur ihren Gunsten ableiten. Einerseits ist die Polizei nicht
zuständig, die Führerausweisentzugsdauer festzulegen. Anderseits gingen die
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Polizisten von einer groben Verkehrsregelverletzung aus, weshalb eher
unwahrscheinlich ist, dass sie von einem einmonatigen Führerausweisentzug sprachen.
Insbesondere ist davon auszugehen, dass ein Polizist weiss, dass eine grobe
Verkehrsregelverletzung nicht einen einmonatigen Führerausweisentzug zur Folge hat.
Der Rekurs ist somit abzuweisen.
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.– erscheint
angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 800.– ist damit zu verrechnen.