Decision ID: 36ef2ea0-d492-413f-8704-57cf135cdaf2
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
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M._ meldete sich am 9. September 2005 zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr. med.
A._ berichtete der IV-Stelle am 22. September 2005, am 24. Februar 2005 sei es zu
einem Status epilepticus mit Restschäden im Cerebrum gekommen. Aktuell bestünden
vor allem noch starke Sehstörungen, so dass die Versicherte nicht lesen könne.
Aufgrund des cerebralen Schadens und ihrer massiven Sehstörungen könne die
Versicherte knapp ihren Haushalt machen. Die gesamte Leistungsfähigkeit für die
berufliche Tätigkeit und den Haushalt betrage ungefähr 50%. Dr. med. B._ von der
Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen teilte am 18. November 2005 mit, rechts sei
kein Lesevisus erreichbar, links nur mit Vergrösserungshilfe. An der Arbeitsstelle als
Lageristin könne die Versicherte die meisten Arbeiten selbständig ausführen. Sobald
sich die Verpackungen der Produkte ähnelten, müsse sie aber die Lupe zu Hilfe
nehmen, was die Arbeit wesentlich verlangsame. Beim Verkauf an einer zweiten
Arbeitsstelle brauche die Versicherte mehr Zeit und Konzentration, um die Münzen zu
unterscheiden. In sämtlichen Tätigkeiten, die sie mit der bestehenden Sehkraft
durchführen könne, sei die Versicherte vollumfänglich arbeitsfähig. Dr. med. C._ vom
RAD hielt am 10. Januar 2006 fest, die Alkoholproblematik sei ungenügend geklärt.
Deshalb sei eine polydisziplinäre Begutachtung erforderlich.
B.
B.a Das ärztliche Begutachtungsinstitut ABI führte in seinem Gutachten vom 6. Juli
2007 aus, der psychiatrische Sachverständige habe einzig die Diagnose einer
Alkoholabhängigkeit gestellt. Es handle sich um eine primäre Abhängigkeit. Hinweise
auf irreversible oder psychische Schäden nach langjähriger Abhängigkeit gebe es
nicht. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte voll leistungsfähig, wenn sie auf den
Alkoholkonsum verzichte. Der neurologische Sachverständige habe festgestellt, dass
die Versicherte sich von dem im März 2005 erlittenen prolongierten
Durchgangssyndrom im Rahmen eines Status epilepticus und mit Auftreten eines
wahrscheinlich malignen neuroleptischen Syndroms sehr gut erholt habe. Mit
Ausnahme der Visusverminderung sei die Versicherte beschwerdefrei. Der
Untersuchungsbefund sei unauffällig. Es bestehe aber eine weiterhin aktive Epilepsie.
Unter der Therapie sei die Versicherte nicht ganz anfallsfrei (Verkrampfen und Zittern
der Hände, eingeschlafenes Gefühl im Gesicht, Dauer ca. eine Minute,
Bewusstseinsstörungen). Gemäss den Angaben der Versicherten komme es etwa alle
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drei Tage zu derartigen kleinen Störungen. Die grossen Anfälle seien im vergangenen
Jahr ca. alle sechs Monate aufgetreten. Die Therapieeinstellung sollte durch den
behandelnden Neurologen verbessert werden. Aus somatisch neurologischer Sicht sei
die Versicherte unter einer adäquaten antiepileptischen Therapie voll arbeitsfähig. Von
Seiten der Epilepsie bestünden aber Einschränkungen (keine Bedienung gefährlicher
Maschinen, keine Arbeit auf Leitern oder Gerüsten, keine anderweitige
Gefahrenexposition, nicht fahrtauglich). Der ophthalmologische Sachverständige hielt
fest, es bestehe eine ausgeprägte Sehminderung am rechten und eine leichtere
Einschränkung am linken Auge. Berücksichtige man die Sehminderung und den
Gesichtsfeldausfall beidseits, so bestehe keine Invalidität für Tätigkeiten, die keine
grossen Ansprüche an das räumliche Sehen oder an das Erkennen von kleinen
Buchstaben oder Zahlen stellten. Dabei sie die Versicherte verlangsamt, da sie zum
Lesen eine Lupe benötige. Wegen der Gesichtsfeldeinschränkung sei die Versicherte
sturz- und stolpergefährdet.
B.b Zusammenfassend hielten die Sachverständigen des ABI fest, die Versicherte leide
an einer deutlich eingeschränkten Sehfähigkeit (V. a. Tabak-Alkohol-Amblyopie rechts
mehr als links, starke Sehbehinderung rechts mehr als links bei Pupillenatrophie,
Quadrantenausfall jeweils im nasalen unteren Quadranten unklarer Genese) sowie –
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an Epilepsie (wahrscheinlich symptomatisch mit
sekundär generalisierten Anfällen, St. n. seriellen epileptischen Anfällen 3/05, DD:
Alkoholentzug, Status epilepticus 12/06 nach Absetzen der Antiepileptika), St. n.
prolongiertem Durchgangssyndrom (V. a. malignes neuroleptisches Syndrom) und
Alkoholabhängigkeit (derzeit anamnestisch abstinent, labormässig ohne Hinweis auf
erhöhten Konsum). Für die Tätigkeit im Verkaufslager sei die Versicherte aufgrund der
Sehschwäche zu 50% arbeitsfähig. Eine reine Verkaufstätigkeit sei nicht möglich.
Medizinisch-theoretisch sei eine der Sehkraft angepasste Tätigkeit mit einem vollen
Pensum möglich. Für die Haushaltarbeit betrage die Arbeitsfähigkeit 70%.
C.
Die Versicherte füllte am 13. Oktober 2007 den Fragebogen zur Haushaltsabklärung
aus. Dabei gab sie u.a. an, ohne die Behinderung würde sie zu 80% einer
Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Haushaltsabklärung fand am 18. November 2007
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statt. Dabei gab die Versicherte an, dass sie früher immer zu 100% erwerbstätig
gewesen sei. Die Abklärungsperson betrachtete diese Aussage später als widerlegt
und ging in – nach ihrer eigenen Auffassung - grosszügiger Weise von einem
Erwerbsanteil von 50% und dementsprechend von einem Haushaltsanteil von ebenfalls
50% aus. Bei der Haushaltsführung wurde keine Einschränkung festgestellt. In allen
anderen Bereichen der Haushaltsbesorgung bestanden gemäss den Angaben der
Versicherten erhebliche Einschränkungen, die von der Abklärungsperson alle unter
Berufung auf die angebliche Schadenminderungspflicht durch die Mithilfe von
Familienangehörigen stark herabgesetzt wurden, so dass schliesslich nur eine
Einschränkung im Haushalt von 18,19% übrig blieb. Die Abklärungsperson hielt fest, es
sei gut, dass der Ehemann beim Gespräch dabei gewesen sei, denn die Versicherte
habe oft Dinge behauptet, die nicht der Realität entsprochen hätten, vor allem was die
Erwerbstätigkeit angehe. Die Versicherte sei finanziell nicht auf die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit angewiesen.
D.
Mit einem Vorbescheid vom 4. Dezember 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
sie beabsichtige, das Rentenbegehren abzuweisen, da der Invaliditätsgrad nur 9%
betrage. Die Versicherte wandte am 18. Januar 2008 ein, sie wäre bei guter Gesundheit
zu 80% als Verkäuferin, im Büro etc. tätig. Es sei ihr aufgrund der Angst vor neuen
epileptischen Anfällen, vor dem Stürzen wegen der stark eingeschränkten Sehfähigkeit,
wegen der Unsicherheit, der Müdigkeit usw. unmöglich, auch nur zu 50% einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Bei der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens müssten zusätzlich mindestens 20% abgezogen werden. Ihr
Ehemann habe gesundheitliche Probleme und die Tochter habe keine Zeit, um im
Haushalt mitzuhelfen. Im übrigen hätte es bei der Haushaltsabklärung ausschliesslich
um ihre persönliche behinderungsbedingte Einschränkung gehen müssen. Die IV-Stelle
wies das Rentenbegehren mit einer Verfügung vom 23. Januar 2008 ab. Zur
Begründung wies die IV-Stelle darauf hin, dass die Versicherte keine Einwände gegen
den Bericht über die Haushaltsabklärung erhoben habe. Die Versicherte habe nur bis
1994 zu 100% gearbeitet. Nachdem die Tochter selbständig geworden sei, habe die
Versicherte – vor Eintritt des Gesundheitsschadens – das Pensum nicht erhöht.
E.
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Die Versicherte erhob am 18. Februar 2008 Beschwerde gegen diese Verfügung. Sie
beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung an die IV-Stelle zur
weiteren Abklärung, eventualiter die Zusprache einer Rente bei einem Invaliditätsgrad
von 40% oder mehr. Die Begründung entsprach der Stellungnahme zum Vorbescheid.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 21. April 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte
aus, die Versicherte habe vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens keine
Bemühungen zur Stellensuche unternommen, obwohl davon auszugehen sei, dass die
Tochter damals bereits mehr oder weniger selbständig gewesen, womit die Möglichkeit
zu einem höheren Arbeitspensum bestanden hätte. Auch jetzt könne die Versicherte
keine Nachweise für Stellenbemühungen vorlegen. Deshalb sei eine Erwerbsquote von
80% nicht glaubhaft. Die Versicherte habe auf eine Erhöhung ihres Arbeitspensums
verzichtet, weil sie finanziell nicht auf ein Erwerbseinkommen angewiesen sei. Es sei
überwiegend wahrscheinlich, dass die Versicherte zu 50% teilerwerbstätig wäre. Im
übrigen wäre auch mit einem Beschäftigungsgrad von 80% keine Rente geschuldet.
Ein zusätzlicher Abzug vom Invalideneinkommen sei nicht angebracht. Die
Berücksichtigung der Mithilfe von Ehemann und Tochter im Haushalt entspreche der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung.
G.
Die Versicherte wandte am 15. Mai 2008 ein, ihr Ehemann habe aufgrund
gesundheitlicher Probleme eine halbe Invalidenrente erhalten. Jetzt sei er seit Anfang
2008 Altersrentner. Sie habe ausschliesslich vom Einkommen ihres Mannes gelebt.
Aufgrund ihres Gesundheitszustandes sei ein Pensum von 80% nicht mehr möglich.
Deshalb habe sie sich seit dem Beginn der Einschränkungen nicht mehr um einen
Arbeitsplatz mit einem solchen Pensum beworben. Im Haushalt komme es
behinderungsbedingt zu einem unzumutbaren Mehraufwand, weshalb sie innerhalb der
Normalarbeitszeit nicht mehr alle Arbeiten bewältigen könne. Ihr Ehemann habe
aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme nur punktuell und zeitweise im Haushalt
mithelfen können. Ihre Invalidität könne sich nicht verändern, nur weil ihr Ehemann und
ihre Tochter mehr oder weniger im Haushalt mithelfen könnten. Sie legte ein Zeugnis
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von Dr. med. D._ bei, laut dem der Ehemann der Versicherten vor allem für
mittelschwere und schwere Haushaltsarbeiten deutlich in seiner Leistungsfähigkeit
eingeschränkt war.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 9. Juni 2008 auf eine Stellungnahme.
I.
Am 9. Februar 2009 gab die Versicherte an, der Gesundheitszustand ihres Ehemannes
habe sich derart verschlechtert, dass er selbst bei kleinsten Anstrengungen in Atemnot
gerate und mehrmals eine Pause einlegen müsse.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten im
Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV).
Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. Gemäss Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn
anzunehmen ist, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In
bis
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ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls
in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im
Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen Verhaltensweise der
versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren berufliche Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei auf die hypothetischen
Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt
entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen hält sich seit dem Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2007 (I
126/07) an diese Methode, obwohl es nach wie vor überzeugt ist, dass Art. 8 Abs. 3
ATSG eine Invaliditätsbemessung anhand der behinderungsbedingten Einschränkung
im Aufgabenbereich (Haushalt) nur zulässt, wenn und soweit einer versicherten Person
die Ausübung einer Erwerbstätigkeit im hypothetischen "Gesundheitsfall" objektiv nicht
zumutbar ist (vgl. etwa die Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 30. Nov. 2007, IV 2006/175, vom 22. April 2008, IV 2006/257, vom 16. Juli 2008,
IV 2007/85, vom 13. August 2008, IV 2007/40, und vom 26. November 2008, IV
2007/332).
2.
Bei einer Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis kommt es auf jeden Fall zu einer
Anwendung der gemischten Methode. Es stellt sich nur die Frage nach der
Erwerbsquote der Beschwerdeführerin. Während die Beschwerdeführerin selbst eine
Erwerbsquote von 80% angibt, betrachtet die Beschwerdegegnerin eine solche von
50% noch als grosszügig. Die Beschwerdegegnerin begründet ihre Auffassung
ausschliesslich mit dem Verhalten der Beschwerdeführerin in der Vergangenheit. Sie
macht nämlich geltend, die Beschwerdeführerin hätte bereits vor ihrem Anfall am 24.
Februar 2005 eine Erwerbstätigkeit zu 80% aufgenommen, wenn sie das tatsächlich je
gewollt hätte, denn die Tochter sei damals bereits ausreichend selbständig gewesen,
um tagsüber ohne die Mutter zurechtzukommen. Die Tochter der Beschwerdeführerin
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ist 1990 geboren. Sie müsste also im Jahr 2004 fähig gewesen sein, tagsüber allein zu
sein, zumal der Vater nicht vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachgegangen ist. Die
Beschwerdegegnerin setzt voraus, dass der Wunsch der Beschwerdeführerin nach der
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bereits früh sehr dringend hätte sein müssen, so dass
die Beschwerdeführerin ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt eine Arbeitsstelle gesucht
bzw. angetreten hätte. Nur dann sei die Behauptung der Beschwerdeführerin glaubhaft,
dass im fiktiven Gesundheitsfall eine 80%ige Erwerbstätigkeit ausgeübt würde. Diese
Argumentation der Beschwerdegegnerin lässt die konkreten Umstände weitgehend
ausser Betracht. Es ist nämlich nicht bekannt, ob die Tochter der Beschwerdeführerin
bereits mit 14 Jahren ausreichend selbständig gewesen ist. Diese Frage kann offen
bleiben, denn die Glaubhaftigkeit der Aussage der Beschwerdeführerin hängt entgegen
der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht davon ab, dass die Beschwerdeführerin
sich schon vor dem 24. Februar 2005 um eine Arbeitsstelle hätte bemühen müssen. Es
hängt ausschliesslich von der subjektiven Einschätzung der Beschwerdeführerin ab,
von welchem Zeitpunkt an sie ihre Tochter für reif genug gehalten hat, um tagsüber
selbständig zu sein. Das Verhalten der Beschwerdeführerin vor dem 24. Januar 2005
wäre also nur dann ein für den fiktiven Gesundheitsfall wichtiges Indiz, wenn die
Beschwerdeführerin bereits 2004 zu 80% erwerbstätig gewesen wäre. Dass sie das
nicht getan hat, spricht entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht gegen
einen späteren Wunsch nach der Aufnahme einer 80%gen Erwerbstätigkeit im fiktiven
Gesundheitsfall. Dasselbe gilt für den Umstand, dass die Familie der
Beschwerdeführerin nicht auf ein zusätzliches Erwerbseinkommen angewiesen ist. Die
Beschwerdeführerin hat nämlich darauf hingewiesen, dass es darum gegangen wäre,
mittels eines eigenen Erwerbseinkommens wirtschaftlich selbständig zu sein, d.h. nicht
vom Einkommen ihres Ehemannes leben zu müssen. Dabei handelt es sich um ein
durchaus glaubhaftes Motiv für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Die
Auseinandersetzung über die Höhe des Beschäftigungsgrades im fiktiven
Gesundheitsfall zeigt, dass die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage gewesen ist,
sich in diese fiktive Situation hineinzuversetzen. Auch wenn die Protokollierung der
entsprechenden Fragen und Antworten anlässlich der Haushaltsabklärung in keiner
Weise den Anforderungen entspricht, kann also davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin überzeugend einen fiktiven Beschäftigungsgrad von 80%
angegeben hat, während sich die – angeblich grosszügige – Annahme der
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Beschwerdegegnerin, der fiktive Beschäftigungsgrad belaufe sich auf 50%, nicht
nachvollziehen lässt. Bei der Anwendung der gemischten Methode nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist deshalb davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall zu 80% erwerbstätig wäre.
3.
Der Invaliditätsgrad für den erwerblichen Teil ist durch einen Einkommensvergleich zu
ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Ausschlaggebendes Element der Bemessung des
Invalideneinkommens bildet in aller Regel die Arbeitsfähigkeitsschätzung.
3.1 Bei ihrem als Teil der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung angestellten
Einkommensvergleich ist die Beschwerdegegnerin von einer Erwerbsquote von 50%
ausgegangen. Sie hat deshalb nicht entscheiden müssen, ob die mögliche und
zumutbare Invalidenkarriere diejenige einer Lageristin im Detailhandel (mit einer auf
50% reduzierten Arbeitsfähigkeit) oder diejenige einer Hilfsarbeit sei, bei der die
bestehende Sehkraft ausreicht, um alle Aufgaben ohne Einschränkung erledigen zu
können (Arbeitsfähigkeit 100%). Bei beiden Varianten hat die Beschwerdegegnerin
nämlich – entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur gemischten
Methode (vgl. insbesondere BGE 125 V 146 ff.) – davon ausgehen können, dass die
Beschwerdeführerin bei der Ausübung einer 50%igen Erwerbstätigkeit nicht
eingeschränkt sei. Nun ist aber von einer Erwerbsquote von 80% auszugehen, so dass
bei einer Tätigkeit als Lageristin und damit einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% eine
behinderungsbedingte Erwerbseinbusse und damit eine anteilige Invalidität resultieren
würde, während bei einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer der geschwächten
Sehkraft vollumfänglich entgegen kommenden Erwerbstätigkeit keine Erwerbseinbusse
entstehen und damit auch keine anteilige Invalidität vorliegen würde. An der
Überzeugungskraft der Aussagen der Ärzte zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit und in einer ideal behinderungsadaptierten Tätigkeit (50% und 100%) hat die
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Beschwerdeführerin zu Recht nicht gezweifelt. In bezug auf die Auswirkungen der
Sehbehinderung auf die Erwerbstätigkeit haben die Augenklinik des Kantonsspitals St.
Gallen und der Sachverständige des ABI inhaltlich übereinstimmende Angaben
gemacht, auch wenn die Augenklinik irrtümlicherweise die Verlangsamung bei der
Arbeit als Lageristin durch die Verwendung einer Lupe nicht in ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung hat einfliessen lassen. Übereinstimmend haben die
ophthalmologischen Sachverständigen angegeben, dass in einer der Sehbehinderung
vollkommen adaptierten Erwerbstätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Auch in
bezug auf die Auswirkungen der Epilepsie liegt eine überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung vor, denn es muss davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin adäquat therapiert wird. Die aufgrund der Epilepsie nicht mehr
möglichen Tätigkeiten (wie z.B. Autofahren) sind solche, die auch aufgrund der
Sehbehinderung für die Beschwerdeführerin nicht mehr in Frage kommen. Deshalb
besteht für eine durch die Reduktion der Sehleistung nicht tangierte Erwerbstätigkeit
keine zusätzliche qualitative Einschränkung durch die Epilepsie. Damit bleibt die Frage
zu beantworten, ob es auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
überhaupt Arbeitsplätze gibt, an denen die Beschwerdeführerin trotz ihrer
Sehbehinderung und trotz der Epilepsie eine volle Leistung erbringen könnte. Diese
Frage ist zu bejahen, denn es gibt selbst für blinde Personen geeignete Arbeitsplätze
(z.B. Telephonistin). Da zudem Hilfsmittel für stark sehbehinderte Personen zur
Verfügung stehen, ist von einer Invalidenkarriere an einem geeigneten Arbeitsplatz und
nicht als Lageristin auszugehen. Das Invalideneinkommen ist deshalb anhand einer
vollen Arbeitsfähigkeit zu ermitteln.
3.2 Die Beschwerdeführerin, die nur eine Anlehre als Verkäuferin absolviert hat, ist in
bezug auf ihre Invalidenkarriere als Hilfsarbeiterin zu qualifizieren. Das zumutbare
Invalideneinkommen ist deshalb praxisgemäss anhand des statistischen
Durchschnittslohns der Hilfsarbeiterinnen gemäss der Tabelle TA1 der vom Bundesamt
für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung 2006 zu ermitteln. Massgebend
ist das Durchschnittseinkommen aller Branchen, da Arbeiten, wie sie die
Beschwerdeführerin noch ausführen könnte, nicht branchenspezifisch sind. Gegenüber
gesunden Hilfsarbeiterinnen hätte die Beschwerdeführerin erhebliche
Konkurrenznachteile in Kauf zu nehmen, da sie für einen ökonomisch denkenden
potentiellen Arbeitgeber ein markant erhöhtes Risiko von Krankheitsabsenzen
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darstellen würde und da sie weit weniger flexibel als eine gesunde Hilfsarbeiterin
einsetzbar wäre. So könnte sie beispielsweise nicht kurzfristig und vorübergehend an
einem anderen, nicht für sie eingerichteten oder geeigneten Arbeitsplatz eingesetzt
werden. Ausserdem bedürfte sie aufgrund ihrer ausgeprägten Sehschwäche
besonderer Rücksichtnahme seitens der anderen Arbeitnehmer und der Vorgesetzten.
All diese Nachteile müssten durch einen unterdurchschnittlichen Lohn kompensiert
werden, d.h. es kann der Beschwerdeführerin nicht ein anhand der Löhne gesunder
Arbeitnehmerinnen ermitteltes Durchschnittseinkommen angerechnet werden. Eine
Reduktion des Durchschnittslohns um 15% trägt diesen Konkurrenznachteilen
Rechnung. Die von der Beschwerdeführerin früher erzielten Einkommen sind nicht
ausreichend dokumentiert. Da die Beschwerdeführerin ihre Arbeitskraft im fiktiven
Gesundheitsfall in praktisch allen Branchen verwerten könnte, ist auch das
Valideneinkommen anhand des Durchschnittslohns von Hilfsarbeiterinnen zu ermitteln.
Damit kann der Einkommensvergleich für den Erwerbsteil auf einen Prozentvergleich
beschränkt bleiben. Der anteilige Invaliditätsgrad entspricht dem – fälschlicherweise so
genannten –Leidensabzug von 12%.
4.
Bei der Haushaltabklärung hat die Beschwerdegegnerin in einem ganz erheblichen
Ausmass die Mithilfe des Ehemannes und der Tochter berücksichtigt. Dadurch hat sie
nur eine geringe Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Haushalt ermittelt (wobei aber durchaus fraglich ist, ob die Selbstangaben der
Beschwerdeführerin, in deren Protokollierung sich die Abklärung erschöpft hat, nicht
allzu pessimistisch gewesen sind). Ob die Beschwerdegegnerin damit die
Leistungsfähigkeit des Ehemannes und der Tochter überschätzt hat, wie die
Beschwerdeführerin geltend macht, kann offen bleiben. Nach der Rechtsprechung des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen gibt es keine Schadenminderungspflicht
durch den Beizug von Familienmitgliedern zur Erledigung der Haushaltsarbeiten, weil
die haushaltspezifische Invalidität der Beschwerdeführerin und nicht die
Leistungsfähigkeit ihrer Familie im Haushalt massgebend ist (vgl. zu dieser Frage das
Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Oktober 2009, IV
2008/235, Erw. 4 a.E. unter Verweis auf Hardy Landolt, Hauswirtschaftliche
Schadenminderungspflicht von Angehörigen bei der Invaliditätsbemessung, in:
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Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2007, S. 115 ff.). Die
Invaliditätsbemessung im Haushalt muss also immer anhand der Einschränkung der
versicherten Person allein bei all jenen Haushaltsarbeiten erfolgen, die sie im fiktiven
Gesundheitsfall selbst ausführen würde. An sich müsste die Sache deshalb zur neuen
Haushaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden. Nun macht
der Haushaltanteil aber nur 20% aus. Selbst wenn die Beschwerdeführerin im Haushalt
vollständig invalid wäre, würde ihr Gesamtinvaliditätsgrad also nur 32% ausmachen, so
dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehen würde. Unter diesen Umständen
kann eine Abklärung des effektiven Invaliditätsgrades der Beschwerdeführerin im
Haushalt aus verfahrensökonomischen Gründen unterbleiben. Es steht fest, dass die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Im Ergebnis erweist
sich die angefochtene Verfügung also als korrekt.
5.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Die
vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin trägt die Gerichtskosten. Diese
bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Der Aufwand
rechtfertigt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Diese ist durch den von der
Beschwerdeführerin geleisteten Vorschuss im gleichen Betrag gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG