Decision ID: 376746f8-70fe-42b8-962c-5e9a5b87ca14
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung
Berufungen gegen ein Urteil des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Bülach vom 22. März 2016 (FE130220-C)
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Rechtsbegehren der Klägerin: (Urk. 76; Urk. 152)
1. Es sei die Ehe der Parteien gestützt auf Art. 114 ZGB zu .
2. [Elterliche Sorge, gegenstandslos] 3. [Besuchsrecht, gegenstandslos.]
4. [Offenlegung Einkommensverhältnisse und , gegenstandslos]
5. [Kinderunterhalt, gegenstandslos] 6. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin für sie persönlich
monatliche und nach Vorliegen des Beweisergebnisses zu  Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, zahlbar jeweils am Ersten jedes Monats im Voraus ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis und mit dem Monat des Eintritts ihres ordentlichen AHV-Alters, mindestens jedoch Fr. 7'620.–.
Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin von allen  Boni die Hälfte zu bezahlen und sie unaufgefordert innert  Woche nach Bekanntgabe über die Höhe zu informieren und ihr innert gleicher Frist nach Auszahlung eine Kopie der  Lohnabrechnungen zukommen zu lassen.
Es sei festzustellen, dass der gebührende Bedarf der Klägerin in der Höhe von Fr. 3'950.– nicht gedeckt ist.
7. Die Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffer 6 Abs. 1 hievor seien  zu indexieren;
8. Es seien die Gütermassen der Parteien, insbesondere die Höhe des Gesamtgutes, zu ermitteln und es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung wie folgt vorzunehmen:
- a) Die Liegenschaft C._ (Kat. Nr. 1, Plan ..., GB 2) sei ins Alleineigentum der Klägerin zurück zu übertragen, und es sei das Grundbuchamt vom Gericht anzuweisen, den Grundbucheintrag entsprechen zu ändern;
- b) Es seien der Klägerin nach Vorliegen des  zu beziffernde Ersatzansprüche zuzusprechen,  jedoch Fr. 518'554.–;
- c) Die Liegenschaft in Kanada sei auf Anrechnung an die  Ersatz- und/oder Ausgleichsansprüche in das Alleineigentum der Klägerin zu übertragen;
- d) Es seien die eingelagerten Möbel unter den Parteien nach deren Absprache aufzuteilen bzw. der Beklagte zu , für deren Verkauf und, soweit nötig, Entsorgung besorgt zu sein, wobei der Nettoerlös aus dem Verkauf für die  allfälliger Lager-, Transport- und Entsorgungskosten
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und, soweit er diese übersteigt, für die Schuldentilgung zu verwenden sei;
- e) Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin eine nach Vorliegen des Beweisergebnisses zu beziffernde  Ausgleichszahlung zu bezahlen, mindestens  Fr. 132'142.–;
9. Es sei gestützt auf Art. 122 ZGB das während der Ehe geäufnete Pensionskassenguthaben der Parteien hälftig zu teilen, und es sei die Pensionskasse des Beklagten anzuweisen, den hälftigen  auf ein von der Klägerin noch zu bezeichnendes Freizügigkeitskonto zu übertragen;
ein Antrag auf einen zu Gunsten der Klägerin vom Prinzip der hälftigen Aufteilung abweichenden BVG-Ausgleich in analoger Anwendung von Art. 123 Abs. 2 ZGB bleibt nach Vorliegen des Beweisergebnisses für den Fall, dass die güterrechtlichen - und Ausgleichsforderungen der Klägerin nicht  werden können, ausdrücklich vorbehalten;
10. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten des Beklagten.
Rechtsbegehren des Beklagten: (Urk. 82; Prot. I S. 90; Urk. 155/1; sinngemäss)
1. Es sei die am tt. Mai 1989 vor dem Zivilstandsamt ... [Ort] ZH  Ehe der Parteien zu scheiden.
2. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis längstens zwei Jahre nach Rechtskraft monatlich im Voraus einen angemessenen monatlichen  von CHF 1'000.– zu bezahlen. Erzielt die Klägerin im Durchschnitt eines Kalenderjahres ein CHF 2'500.–  monatliches Nettoeinkommen, so sei der Unterhaltsbeitrag gemäss vorstehender Ziff. 6 um die Hälfte des CHF 2'500.–  Teils zu reduzieren. Die Klägerin sei zu verpflichten, dem Beklagten unaufgefordert jeweils im Januar den  des vergangenen Jahres zuzustellen.
3. Die Unterhaltsbeiträge seien gerichtsüblich zu indexieren;
4. Die Unterhaltsbeiträge an die Klägerin sollen entfallen, sofern sie länger als sechs Monate mit einer anderen Person in einer  gewohnt hat.
5. Es seien die Gütermassen der Parteien zu ermitteln und es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung wie folgt vorzunehmen:
- Die Liegenschaft C._ (Kat. Nr. 1, Plan ..., GB 2) sei ins Alleineigentum der Klägerin zurück zu übertragen, und es
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sei das Grundbuchamt vom Gericht anzuweisen, den Grundbucheintrag entsprechen zu ändern;
- Es seien keine Ersatzansprüche gegenüber dem Beklagten zuzulassen.
- Es sei der Verkaufswert des Schmuckes anhand der letzten zugänglichen Versicherungspolice zur Berechnung der  zu ermitteln. Der berechnete Wert soll geteilt und ins jeweilige Alleineigentum übertragen werden.
- Es sei die Klägerin zu verpflichten, die von ihr unter  der Kontodaten erhaltene Versicherungsleistung der D._ vom 7. Oktober 2012 von CHF 68'000.– auf das Postcheckkonto ... lautend auf B._ zwecks  zurückzubezahlen.
- Es sei die Klägerin zu verpflichten, eine Verkaufsvollmacht für die Liegenschaft in Kanada an den Beklagten  und zu unterschreiben. Der Beklagte sei zu verpflichten, mit dem Verkaufserlös die Hypothek in Kanada in der Höhe von CAD 104'443.51 auszulösen und die ausstehende Steuerschuld gegenüber dem Steueramt E._ in der  von CHF 92'512.85 per 10.12.2014 zu tilgen. Ein  Überschuss sei nach Berechnung der Verkaufs- und Auflösungskosten sowie der Kapitalgewinnsteuer Kanada und der aufgelaufenen Zinsen der Steuerschuld E._ hälftig zu verteilen.
- Es seien die bei der "F._ GmbH" eingelagerten Möbel zu entsorgen, unter Kostenfolgen zulasten der Klägerin.
6. Es sei das während der Ehe geäufnete Pensionskassenguthaben des Beklagten per 1.1.2013 hälftig zu teilen. Die zur genauen  des zu teilenden Betrages erforderlichen Belege seien durch das Gericht einzuholen;
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin.
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Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 22. März 2016 ( Urk. 224 = Urk. 240):
1. Die Ehe der Parteien wird geschieden.
2. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin gestützt auf Art. 125 ZGB ab
Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zu seiner ordentlichen Pensionierung
monatliche Unterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 5'011.– zu bezahlen,
zahlbar jeweils im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
3. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin ab Rechtskraft des Scheidungs-
urteils bis zu seiner ordentlichen Pensionierung von allen künftig anfallenden
Boni die Hälfte zu überweisen und die diesbezüglich relevanten Unterlagen
der Klägerin jeweils unaufgefordert bis 31. März eines jeden Jahres zukom-
men zu lassen.
4. Das Begehren der Klägerin um Feststellung des gebührenden Bedarfs der
Klägerin in der Höhe von Fr. 11'569.– wird abgewiesen.
5. Das Begehren des Beklagten um eine Konkubinatsklausel wird abgewiesen.
6. Die Unterhaltsbeiträge gemäss Dispositivziffer 2 werden gerichtsüblich inde-
xiert; sie basieren auf dem Landesindex der Konsumentenpreise des Bun-
desamtes für Statistik, Stand per Ende Dezember 2015 (97.3 Punkte; Basis
Dezember 2010 = 100 Punkte).
Sie werden jeweils jährlich auf den 1. Januar dem Indexstand vom vorange-
gangenen 30. November proportional angepasst. Eine Erhöhung der Unter-
haltsbeiträge unterbleibt in dem Masse, als die unterhaltspflichtige Partei
nachweist, dass sich ihr Einkommen nicht entsprechend der Teuerung er-
höht hat. Demnach berechnen sich die Unterhaltsbeiträge wie folgt:
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Neuer Unterhaltsbeitrag = alter Unterhaltsbeitrag x neuer Index
alter Index
7. Die Pensionskasse der G._ Gruppe, ... [Adresse] wird angewiesen, mit
Rechtskraft des Scheidungsurteils vom Vorsorgekonto des Beklagten
(geb. tt. Juli 1963, whft. ... [Adresse], BVG-Anteil: ..., AHV-Nr. ...)
Fr. 610'189.– zugunsten der Klägerin (geb. tt. November 1964, whft. ... [Ad-
resse], AHV-Nr. ...) der Freizügigkeitsstiftung der Zürcher Kantonalbank,
Postfach, 8010 Zürich, zuhanden des Sammelkontos Nr. ... (BC 700), zu
überweisen.
8. Die Parteien werden verpflichtet, die bei "F._ GmbH" eingelagerten
Möbel gemeinsam zu veräussern und/oder zu entsorgen. Mit einem allfälli-
gen Erlös sind zunächst die Lager-, Transport- und Entsorgungskosten zu
begleichen und anschliessend der übrige Gewinn oder die restlichen Kosten
unter den Parteien hälftig zu teilen.
9. Das Begehren der Klägerin auf Ersatzansprüche gegen den Beklagten aus
dem Verkauf der Liegenschaften in H._, Kanada, und E._ wird ab-
gewiesen.
10. Die heute auf den Namen beider Parteien als Gesamteigentümer im Grund-
buch eingetragene Liegenschaft an der I._-Strasse ... in C._,
Grundbuchblatt 2, (Kataster Nr. 1, Plan ...) geht mit Rechtskraft des Schei-
dungsurteils ins Alleineigentum der Klägerin über.
11. Das Grundbuchamt C._ wird angewiesen, A._, geb. tt. November
1964, whft. I._-Str. ..., C._, als Alleineigentümerin des in Disposi-
tivziffer 10 erwähnten Grundstückes im Grundbuch einzutragen.
12. Die Liegenschaft an der ... [Adresse], civic number ..., Kanada, ist öffentlich
zu versteigern. Die Parteien werden verpflichtet, die dazu erforderlichen
Handlungen vorzunehmen sowie die erforderlichen Erklärungen und Unter-
schriften zu leisten.
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Vom Versteigerungserlös sind primär die Kosten für die Versteigerung sowie
die auf der Liegenschaft lastende Hypothek zu begleichen. Weiter sind den
Parteien Auslagen und Aufwendungen, die sie nach dem 30. Juli 2013 für
die Liegenschaft getätigt haben zu ersetzen. Ein verbleibender Gewinn oder
Verlust ist unter den Parteien hälftig zu teilen.
13. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin unter güterrechtlichem Titel eine
Ausgleichszahlung von Fr. 117'576.80 zu bezahlen.
14. Die Parteien werden verpflichtet, die per Rechtskraft des Scheidungsurteils
noch vorhandenen Steuerschulden 2011 je zur Hälfte zu bezahlen.
15. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 13'000.– festgesetzt. Allfällige weitere Aus-
lagen bleiben vorbehalten.
16. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
17. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
18. (Schriftliche Mitteilung)
19. (Berufung)
Berufungsanträge der Klägerin:
zur Erstberufung (Urk. 239):
" 1. Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Urteils vom 22. März 2016 des Bezirksgerichts Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei aufzuheben und der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der  gestützt auf Art. 125 ZGB ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zu seiner ordentlichen Pensionierung monatliche  in der Höhe von CHF 7'467 zu bezahlen, zahlbar jeweils im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
2. Dispositiv-Ziff. 3 [recte: 4] des angefochtenen Urteils vom 22. März 2016 des Bezirksgerichts Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei aufzuheben und es sei der gebührende Bedarf der  auf CHF 11'569 festzusetzen.
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3. Dispositiv-Ziff. 9 des angefochtenen Urteils vom 22. März 2016 des Bezirksgerichts Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei aufzuheben und der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 486'760.70 zu bezahlen.
4. Dispositiv-Ziff. 14 des angefochtenen Urteils vom 22. März 2016 des Bezirksgerichts Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei ; der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, sämtliche noch vorhandenen Steuerschulden 2011 vollständig selber zu bezahlen.
Eventualiter sei Dispositiv-Ziff. 14 des angefochtenen Urteils vom 22. März 2016 des Bezirksgerichts Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) aufzuheben; und die Parteien zu verpflichten, die im Zeitpunkt des Eintritts der Rechtskraft der Anordnung des  Unterhalts an die Berufungsklägerin (obiger Antrag Ziff. 1) noch offenen Steuerschulden 2011 je zur Hälfte zu . Die Berufungsklägerin sei für berechtigt zu erklären, an dem auf sie fallenden Anteil für den Zeitraum von Januar 2013 bis und mit August 2015 CHF 400, danach CHF 550 abzuziehen, für jeden Monat für den der Berufungsbeklagte es unterlassen hat, die (ihm anlässlich des Massnahmeverfahrens im Bedarf angerechnete) Steuerschuld in der Höhe von CHF 800 bzw. von CHF 1'100 effektiv zur Steuertilgung zu verwenden.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Berufungsbeklagten."
zur Zweitberufung des Beklagten (Urk. 259/251):
"1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen."
zur Anschlussberufung (Urk. 259/251):
"2. Der Berufungskläger sei zu verpflichten, der Berufungsbeklagten CHF 20'993.50 zu bezahlen, zahlbar innert 10 Tagen ab  des Obergerichtsurteils, dies zusätzlich zu den bereits gestellten güterrechtlichen Ansprüchen.
3. Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Urteils vom 22. März 2016 des Bezirksgerichts Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei aufzuheben und der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der  gestützt auf Art. 125 ZGB ab Rechtskraft des  bis zu seiner ordentlichen Pensionierung monatliche Unterhaltsbeiträge in der Höhe von CHF 7'807.85 zu bezahlen, zahlbar jeweils im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
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4. Dispositiv-Ziff. 13 des Urteils vom 22. März 2016 des  Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei aufzuheben und der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin unter güterrechtlichen Titeln eine Ausgleichszahlung von CHF 144'376.80 zuzüglich der Hälfte gemäss den zu edierenden Kontoauszügen der Raiffeisenbank und der weiteren Konten des Berufungsbeklagten per Stichtag Gütertrennung (30.7.2013) befindliche Guthaben, zu bezahlen. Die genaue Bezifferung wird bis zum Vorliegen der zu edierenden Belege ausdrücklich vorbehalten.
5. Dispositiv-Ziff. 12 des Urteils vom 22. März 2016 des  Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei aufzuheben und die heute auf den Namen beider Parteien als Gesamteigentümer lautende Liegenschaft ... [Adresse], civic number ..., Kanada, sei unter Anwendung von Art. 245 ZGB auf Anrechnung oder unter Anrechnung der von der Berufungsbeklagten getätigten  in ihr Alleineigentum zu übertragen. Der Berufungskläger sei zu verpflichten, sämtliche dafür notwendigen Handlungen vorzunehmen.
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Berufungsklägers."
Ergänzung der Anträge gemäss Eingabe vom 2. Oktober 2017 (Urk. 305):
"[D]er Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, sämtliche Steuerschulden des Kt. Waadt für die Zeit des Zusammenlebens zu übernehmen und zu bezahlen (mit Regressrecht der Berufungsklägerin, falls sie Zahlungen ans Steueramt gestützt auf die Betreibung machten sollte).
[eventualiter:] Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin einen monatlichen Betrag von CHF 1000 zusätzlich zum beantragten Unterhalt während 41 Monaten seit Rechtskraft der Anordnung zu bezahlen."
Berufungsanträge des Beklagten:
zur Erstberufung der Klägerin (Urk. 251; sinngemäss):
Die Erstberufung sei abzuweisen.
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zur Zweitberufung (Urk. 259/239):
"1. Ich beantrage der Klägerin ab Rechtskraft der Scheidungsurteils für die Dauer von fünf Jahren monatliche Unterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 4'000.00 zu bezahlen, zahlbar jeweils auf den Ersten eines jeden Monats.
2. Ich beantrage der Klägerin ab Rechtskraft der Scheidungsurteils für die Dauer von fünf Jahren von allen künftig anfallenden Boni die Hälfte zu überweisen.
3. Ich beantrage, dass die Unterhaltsbeiträge an die Klägerin entfallen sollen, sofern sie länger als sechs Monate mit einer anderen  in einer Lebensgemeinschaft wohnt.
4. Ich beantrage die bei "F._ GmbH" eingelagerten Möbel ins  der Klägerin übergehen zu lassen.
5. Ich beantrage die Liegenschaft an der ... [Adresse], civic number ..., Kanada, öffentlich zu versteigern. Die Klägerin wird verpflichtet eine entsprechende Vollmacht an den Beklagten auszustellen.
Vom Versteigerungserlös sind primär die Kosten für die  sowie die auf der Liegenschaft lastende Hypothek zu . Weiter sind den Parteien Auslagen und Aufwendungen, die sie nach dem 1. Januar 2013 getätigt haben zu ersetzen. Ein  Gewinn oder Verlust ist unter den Parteien hälftig zu .
6. Ich beantrage die Klägerin zu verpflichten, dem Beklagten unter güterrechtlichen Titeln eine Ausgleichszahlung von Fr. 51'638.15 zu bezahlen.
7. Ich beantrage die Gerichtskosten zu drei Vierteln der Klägerin und zu einem Viertel dem Beklagten aufzuerlegen.
8. Ich beantrage eine Parteientschädigung von Fr. 15'000.–  zu erhalten."
Zur Anschlussberufung der Klägerin (Urk. 269 sinngemäss):
Die Anschlussberufung sei abzuweisen.
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Erwägungen:
I.
1. Die Parteien heirateten am tt. Mai 1989. Aus ihrer Ehe gingen die beiden
Söhne J._, geb. tt. Oktober 1994, und K._, geb. tt. November 1996 her-
vor (Urk. 16). Mit öffentlich beurkundetem Ehevertrag vom 9. Juli 1993 begründe-
ten die Parteien als neuen Güterstand die allgemeine Gütergemeinschaft im Sin-
ne von Art. 221 ff. ZGB, insbesondere Art. 222 ZGB (Urk. 17).
2. Die Parteien leben gemäss übereinstimmender Darstellung seit spätes-
tens April 2011 getrennt (Prot. I S. 8, Urk. 25 S. 2). Die Klägerin präzisierte, sie
sei damals nach C._ gezogen. Offiziell seien sie getrennt, seitdem sie die
Liegenschaft in E._ verkauft hätten (Prot. I S. 8). Dieser Verkauf erfolgte im
März bzw. Juni 2012 (Urk. 19/11). Die Parteien wurden im Jahre 2011 denn auch
noch gemeinsam besteuert (Urk. 19/5+6). Mit Eingabe vom 26. Juli 2013 (Post-
stempel 30. Juli 2013) reichte die Klägerin bei der Vorinstanz die Ehescheidungs-
klage ein und ersuchte um Erlass vorsorglicher Massnahmen (Urk. 1). Ein Ehe-
schutzverfahren ging nicht voraus.
3. Der Beklagte war bis 30. September 2011 bei der L._ angestellt
(Urk. 13/5, Urk. 19/31, Urk. 24/7), nachdem er bereits per Ende September 2010
freigestellt worden war (Prot. I S. 29). Vom 1. Oktober 2011 bis 28. Februar 2013
war der Beklagte arbeitslos (Urk. 8 S. 6, Urk. 23 S. 9). Ab 1. März 2013 versah er
eine Anstellung bei der M._ Ltd. (Urk. 8 S. 6, Urk. 13/10, Urk. 85/1). Seit
1. Mai 2015 steht der Beklagte in einem Arbeitsverhältnis mit der Bank G._ &
Co. AG im Range eines Direktors (Urk. 138/1).
Die Klägerin bezieht gemäss Verfügung der IV vom 18. September 2015 mit
Wirkung ab 1. April 2014 eine Dreiviertel-Invalidenrente (Urk. 182/2).
4. Der genaue Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens kann dem angefoch-
tenen Urteil vom 22. März 2016 entnommen werden (Urk. 240 S. 4 ff.). Der Kläge-
rin musste erstmals mit Verfügungen der Vorinstanz vom 1. Dezember 2014 und
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6. Januar 2015 eine Vertretung im Sinne von Art. 69 ZPO (Unvermögen einer
Partei) beigegeben werden (Urk. 105, Urk. 114). Auch der jetzige Vertreter der
Klägerin, Rechtsanwalt X._, wurde von der Vorinstanz mit Verfügung vom
5. Februar 2016 gestützt auf Art. 69 ZPO ernannt (Urk. 218). Im erstinstanzlichen
Verfahren wurden in der Hauptsache folgende Parteivorträge gehalten:
− Klagebegründung der Klägerin vom 13. Juni 2014 (Urk. 76)
− Klageantwort des Beklagten vom 12. September 2014 (Urk. 82) − Hauptverhandlung vom 30. April 2015 mit je zwei Parteivorträgen (Prot.
I S. 86 bis S. 111, Urk. 152, Urk. 154), wobei der Beklagte auf Duplik verzichtete (Prot. I S. 103)
Nachdem am 12. August 2014 zur Instruktionsverhandlung (Vorbereitung der
Hauptverhandlung ohne Parteivortrag / Vergleichsverhandlung) vorgeladen wor-
den war (Urk. 81), erstattete die Klägerin "im Hinblick auf eine Gesamtlösung" und
"ausserhalb des ordentlichen Schriftenwechsels" eine Noveneingabe (Urk. 91),
die dem Beklagten anlässlich der Instruktionsverhandlung zwar übergeben (Prot. I
S. 66), zu der er aber nie zur Stellungnahme aufgefordert wurde.
Am 13. August 2015 erging die Beweisverfügung (Urk. 162). Am 5. Novem-
ber 2015 wurden die Parteien im Sinne von Art. 191 ZPO befragt (Prot. I S. 137
ff.) und die Beweisverfügung vom 13. August 2015 ergänzt (Prot. II S. 160). Der
Beklagte reichte seinen Schlussvortrag am 10. November 2015 ein (Urk. 187).
Der Schlussvortrag der Klägerin datiert vom 18. Januar 2016 (Urk. 204). Am 22.
März 2016 fällte die Vorinstanz das eingangs im Dispositiv aufgeführte Urteil
(Urk. 224 = Urk. 240).
5. Gegen das Urteil der Vorinstanz erhoben beide Parteien Berufung, die
Klägerin mit Eingabe vom 4. Mai 2016 (Urk. 239; gleichentags zur Post gegeben)
und der Beklagte mit Eingabe vom 30. April 2016 (Urk. 259/239; zur Post gege-
ben am 4. Mai 2016). Für die Berufung der Klägerin (Erstberufung) wurde die Ge-
schäfts-Nr. LC160031 angelegt. Für die Berufung des Beklagten (Zweitberufung)
wurde die Geschäfts-Nr. LC160032 vergeben. Mit Beschluss vom 25. Juli 2016
wurde das Gesuch der Klägerin um einstweilige Befreiung von der Leistung eines
Kostenvorschusses abgewiesen und die Klägerin zur Leistung eines Kostenvor-
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schusses von Fr. 12'000.– aufgefordert (Urk. 244), der fristgerecht geleistet wurde
(Urk. 248). Mit Beschluss vom 20. September 2016 wurde dem Beklagten im Ver-
fahren LC160032 die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 118 Abs. 1
lit. a und b ZPO gewährt (Urk. 259/250).
6. Mit Eingabe vom 15. Oktober 2016 erstattete der Beklagte die Erstberu-
fungsantwort (Urk. 251). Die Zweitberufungsantwort der Klägerin datiert vom
26. Oktober 2016; darin erhob die Klägerin Anschlussberufung (Urk. 259/251). Mit
separater Eingabe vom gleichen Tag stellte die Klägerin ein Begehren um Abän-
derung der vorsorglichen Massnahmen und ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Urk. 259/257). Mit Beschluss vom 18. November 2016 wurde das
Gesuch der Klägerin um unentgeltliche Rechtspflege für das Massnahme- und für
das Berufungsverfahren abgewiesen und die Klägerin zur Leistung von zwei wei-
teren Kostenvorschüssen von insgesamt Fr. 4'000.– aufgefordert (Urk. 259/260),
die fristgerecht geleistet wurden (Urk. 259/266). Mit Beschluss vom 13. Dezember
2016 wurde das Zweitberufungsverfahren mit der Geschäfts-Nr. LC160032 mit
dem Erstberufungsverfahren mit der Geschäfts-Nr. LC160031 vereinigt und unter
dieser Nummer weitergeführt; zugleich wurde die Rechtskraft der Dispositiv Zif-
fern 1 (Scheidungspunkt), 7 (Vorsorgeausgleich), 10 und 11 (Übertragung des
Liegenschaft in C._ in das Alleineigentum der Klägerin) des vorinstanzlichen
Urteils vorgemerkt und dem Beklagten Frist angesetzt, um Anschlussberufung
und Massnahmebegehren zu beantworten (Urk. 261). Mit Eingabe vom 6. Januar
2017, zur Post gegeben am 31. Januar 2017 und eingegangen am 1. Februar
2017, reichte der Beklagte die Anschlussberufungsantwort ein (Urk. 269).
7. Mit Eingabe vom 7. Februar 2017 änderte der Beklagte seinen Beru-
fungsantrag Ziffer 1 und stellte seinerseits ein Begehren um Abänderung der vor-
sorglichen Massnahmen (Urk. 271, Urk. 276). Nach Einholung einer Stellung-
nahme der Klägerin (Urk. 280) zog der Beklagte seine Anträge mit Eingabe vom
9. Mai 2017 wieder zurück (Urk. 288). Mit Beschluss vom 27. Juli 2017 wurde der
Beklagte in Abänderung von Dispositiv Ziffer 1 Abs. 1 der Verfügung des Bezirks-
gerichts Bülach (Einzelgericht) vom 12. November 2015 verpflichtet, der Klägerin
ab 1. November 2016 für die weitere Dauer des Verfahrens über die Scheidungs-
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folgen für sich persönlich monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 4'735.– (statt wie
bisher Fr. 4'323.–) zu bezahlen (Urk. 299). Die bisherige Bonusregelung gemäss
Dispositiv Ziffer 1 Abs. 2 der genannten Verfügung – wonach der Beklagte ver-
pflichtet bleibt, der Klägerin für die Dauer des Scheidungsverfahrens von allen
künftig anfallenden Boni die Hälfte zu überweisen (Urk. 188 S. 13) – wurde vom
Abänderungsentscheid nicht tangiert. Dieser Beschluss konnte dem Beklagten
nicht zugestellt werden, gilt aber als dem Beklagten am 9. August 2017 zugestellt
(Urk. 300; Art. 138 Abs. 3 lit. a ZPO).
8. Mit Eingabe vom 2. Oktober 2017 ergänzte die Klägerin ihre Berufungsan-
träge zum Güterrecht und zum nachehelichen Unterhalt; am 4. Oktober 2017 folg-
te eine weitere Noveneingabe der Klägerin (Urk. 305, Urk. 310 und Urk. 312). Der
Beklagte reichte seinerseits am 4. Oktober 2017 neue Urkunden ein (Urk. 308,
Urk. 309/1). Nachdem der Beklagte um unentgeltliche Rechtsverbeiständung er-
suchte (Urk. 317), wurde die ihm mit Verfügung vom 10. Oktober 2017 angesetzte
Frist zur Stellungnahme mit Verfügung vom 25. Oktober 2017 wieder abgenom-
men (Urk. 319). Am 1. November 2017 beantragte der Beklagte die Abänderung
der vorsorglichen Massnahmen und die Festsetzung eines vorsorglichen Unter-
haltsbeitrages von Fr. 4'360.50 (Urk. 322). Am 2. November 2017 reichte die Klä-
gerin eine weitere Stellungnahme mit Beilagen ein (Urk. 325 bis Urk. 327). Am
27. November 2017 erstattete der Beklagte eine Noveneingabe zum Massnah-
megesuch (Urk. 332). Am 3. Dezember 2017 erfolgte eine Noveneingabe der
Klägerin (Urk. 333). Am 9. Januar 2018 erstattete die Klägerin eine weitere No-
veneingabe (Urk. 337). Mit Schreiben vom 11. Januar 2018 reichte die Klägerin
weitere Beilagen ein, "die bereits bei den Akten liegen" (Urk. 340, Urk. 342/1-4).
Am 24., 26. Januar und 1. Februar 2018 gingen drei weitere Noveneingaben der
Klägerin ein (Urk. 343, Urk. 346, Urk. 351).
9. Mit Beschluss vom 7. Februar 2018 wurde das Massnahmegesuch des
Beklagten abgewiesen. Zugleich wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu ge-
nau bezeichneten neuen Behauptungen und Urkunden Stellung zu nehmen
(Urk. 356). Die Klägerin nahm mit Eingabe vom 5. März 2018 Stellung; zugleich
machte sie unter Berufung auf das Novenrecht neue Bedarfspositionen geltend
- 15 -
(Urk. 360). Die Stellungnahme des Beklagten datiert vom 8. März 2018
(Urk. 366). Am 3. März 2018, zur Post gegeben am 6. März 2018, verfasste der
Beklagte persönlich eine weitere Noveneingabe (Urk. 363), die er am 8. März
2018 noch ergänzte (Urk. 369). Mit Verfügung vom 13. März 2018 musste der
Klägerin daher erneut Frist angesetzt werden, um zu genau bezeichneten Be-
hauptungen und Urkunden Stellung zu nehmen (Urk. 371). Am 9. April 2018 er-
stattete sie ihre Stellungnahme (Urk. 372). Mit Beschluss vom 12. April 2018 wur-
de den Parteien angezeigt, dass die Sache in die Phase der Urteilsberatung gehe
und ein Urteil frühestens am 4. Mai 2018 ergehen wird (Urk. 375). Am 23. April
2018 und am 28. Mai 2018 erstattete die Klägerin weitere Noveneingaben
(Urk. 376, Urk. 390).
10.1 Nach Vereinigung der beiden Berufungsverfahren (Beschluss vom
13. Dezember 2016) gilt die dem Beklagten im Verfahren LC160032 gewährte
unentgeltliche Prozessführung ohne weiteres auch für das Verfahren LC160031
(vgl. bereits Urk. 356 S. 7), für das er ebenfalls die unentgeltliche Prozessführung
beantragte (Urk. 254).
10.2 Dem Beklagten wurde am 7. Februar 2018 einstweilen beschränkt auf
die Stellungnahme vom 8. März 2018 (Urk. 366) und am 12. April 2018 mit Wir-
kung ab 8. März 2018 Rechtsanwältin Y._ als unentgeltliche Rechtsbeistän-
din bestellt (Urk. 356, Urk. 375). Der klägerische Rechtsvertreter fungiert als amt-
licher, nicht aber als unentgeltlicher Rechtsvertreter (Art. 69 Abs. 1 ZPO). Die Par-
teivertreter haben ihre Honorarnoten eingereicht (Urk. 383 bis Urk. 386; den Par-
teien zur Kenntnisnahme zugestellt).
II.
1. Die Vorinstanz griff zur Berechnung des nachehelichen Unterhaltsan-
spruchs der Klägerin (Art. 125 ZGB) auf die Methode der Existenzminimumsbe-
rechnung mit hälftiger Überschussverteilung zurück, wobei sie die betreibungs-
rechtlichen Existenzminima bis zum familienrechtlichen Grundbedarf erweiterte
(Urk. 230 S. 10 f.). Sie ermittelte in der Folge ein monatliches Nettoerwerbsein-
- 16 -
kommen des Beklagten von Fr. 9'794.45 und ein monatliches Erwerbsersatzein-
kommen des Klägerin (IV-Rente) von Fr. 1'035.– (Urk. 230 S. 13). Die nacheheli-
chen Bedarfe veranschlagte die Vorinstanz auf Fr. 4'955.– (Klägerin) und
Fr. 3'693.– (Beklagter). Daraus ergab sich folgende Unterhaltsberechnung:
Bedarf Klägerin Fr. 4'955.–
Anteil Freibetrag (1/2 von Fr. 2'182.–) Fr. 1'091.–
abzüglich Einkommen - Fr. 1'035.–
Unterhaltsanspruch Fr. 5'011.–
Die Vorinstanz sah weiter eine hälftige Teilung eines allfälligen Bonus des
Beklagten vor mit der Begründung, dieser gehöre ebenso zum Einkommen
(Urk. 240 S. 22). Die (indexierte) Unterhaltsverpflichtung befristete sie bis zur or-
dentlichen Pensionierung des Beklagten (Urk. 240 S. 22 f.). Von einer Konkubi-
natsklausel sah die Vorinstanz ab (Urk. 240 S. 24)
Den Antrag der Klägerin auf Feststellung eines gebührenden Unterhalts von
Fr. 11'569.– wies die Vorinstanz ab. Als Basis für den gebührenden Unterhalt be-
zeichnete die Vorinstanz die Leistungsfähigkeit beider Ehegatten und den wäh-
rend der Ehe gelebten Standard. Die Parteien hätten – so die Vorinstanz weiter –
nach ihren übereinstimmenden Ausführungen jahrelang einen geradezu luxuriö-
sen Lebensstil mit mehreren Liegenschaften, teurem Schmuck, Ferien und weite-
ren Annehmlichkeiten geführt. Dabei hätten sie jedoch auch – wie das vorliegen-
de Scheidungsverfahren auf drastische Weise zeige – über ihren Verhältnissen
gelebt. Mit der "zweiten Arbeitslosigkeit" des Beklagten habe der vormalige Le-
bensstil definitiv nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Folglich poche die
Klägerin vergeblich auf den während den guten Ehejahren gelebten Standard. Die
Verhältnisse der Parteien hätten sich seit 2012 denn auch grundlegend verändert.
Beide Parteien seien gesundheitlich angeschlagen, die Klägerin sei sogar invalid.
Der Beklagte habe erst nach längerer Arbeitslosigkeit wieder eine Anstellung ge-
funden, die infolge seiner zweimaligen Arbeitslosigkeit und seines Alters deutlich
schlechter bezahlt sei. Es sei unwahrscheinlich, dass er bis zu seiner voraussicht-
lichen Pensionierung in zwölf Jahren noch einen merklichen Karrieresprung ma-
- 17 -
che und eine massgebliche Verbesserung seines Salärs erfahren werde. Hinge-
gen seien aufgrund der Scheidung und der zwei Haushalte die Lebenshaltungs-
kosten merklich gestiegen. Der für die Klägerin errechnete Bedarf und der ent-
sprechend festgelegte Unterhaltsbeitrag seien vor diesem Hintergrund durchaus
als gebührend zu erachten. Es hätten nicht nur die für eine Einzelperson an der
oberen Grenze liegenden Wohnkosten von Fr. 1'776.– sondern auch die VVG-
Prämien und die laufenden Steuern berücksichtigt werden können. Zudem ver-
bleibe der Klägerin ein Freibetrag von Fr. 1'091.–. Mit einem Unterhaltsbeitrag
von Fr. 5'011.– stünden der Klägerin insgesamt Fr. 6'046.– zur Verfügung, im Fal-
le eines Bonus des Beklagten sogar noch mehr (Urk. 240 S. 23 f.).
2. Die Vorinstanz nahm die Auflösung des Güterstandes der allgemeinen
Güterverbindung per 30. Juli 2013 vor (Urk. 240 S. 27). Sie ermittelte für dieses
Datum das folgende Gesamtgut (Urk. 240 S. 53):
Gesamtgut im Eigentum des Beklagten: Anteil
Mercedes ML: Fr. 4'680.– 1/2 Fr. 2'340.–
Kontokorrent Raiffeisenbank: Fr. 35'446.08 1/2 Fr. 17'723.05
Wertschriftendepot Raiffeisen: Fr. 66'514.05 1/2 Fr. 33'257.–
Bargeld: Fr. 50'000.– 1/2 Fr. 25'000.–
Postkonto: Fr. 76'573.03 1/2 Fr. 38'286.50
Postkonto mit Partnerin: Fr. 2'917.95 1/4 Fr. 729.50
Mietzinsdepot mit Partnerin: Fr. 5'436.10 1/4 Fr. 1'359.–
Total: Fr. 241'567.21 Fr. 118'695.05
Gesamtgut im Eigentum der Klägerin:
UBS Konti Fr. 2'236.51 1/2 Fr. 1'118.25
Nach Verrechnung des Anspruchs der Klägerin von Fr. 118'695.05 mit dem
Anspruch des Beklagten von Fr. 1'118.25 verpflichtete die Vorinstanz den Beklag-
ten, der Klägerin eine güterrechtliche Ausgleichszahlung von Fr. 117'576.80 zu
bezahlen.
3. Die Parteien verfügten bzw. verfügen über Liegenschaften in
N._/Kanada, E._/VD, O._/Kanada und C._/ZH. Die Liegen-
- 18 -
schaft in N._ wurde von der Klägerin und von der Vorinstanz (insbesondere
in Dispositiv Ziffer 9) auch als Liegenschaft in H._ bezeichnet (Urk. 76 S. 19
f., Urk. 152 S. 18, Urk. 240 S. 57).
Die Liegenschaft in N._ wurde 2006 für CAD 1'100'000.– verkauft, wo-
bei gemäss Vorinstanz vom Nettoerlös der Klägerin Fr. 150'000.– zugestanden
hätten (Urk. 240 S. 32 f.). Die Liegenschaft in E._ veräusserten die Parteien
2012, wobei gemäss Vorinstanz vom Nettoerlös der Klägerin Fr. 135'900.70 zu-
gestanden hätten (Urk. 240 S. 33 f.). Für die Verkäufe erteilte die Klägerin dem
Beklagten jeweils eine Vollmacht (Urk. 77/10, Urk. 28/5 = Urk. 77/11). Die Vor-
instanz kam aufgrund der Steuererklärungen 2007 bis 2012 und der Ausführun-
gen der Parteien zum gehobenen Lebensstil zum Schluss, dass die Gelder aus
den beiden Hausverkäufen – wie vom Beklagten geltend gemacht – für den lau-
fenden Unterhalt der Familie aufgebraucht wurden. Dabei hielt sie dafür, dass es
nicht einzig Verfehlungen des Beklagten gewesen seien, die zum beinahe voll-
ständigen Vermögensverzehr beigetragen hätten, sondern dass sich die Parteien
gemeinsam, zumindest konkludent, für einen fortlaufenden Einkommensver-
brauch zugunsten des Lebensstils unter Inkaufnahme von Schulden geeinigt hät-
ten, wovon die ganze Familie jahrelang profitiert habe. Entsprechend seien der
Klägerin keine Ersatzforderungen (Art. 231 Abs. 1 ZGB, Art. 195 Abs. 1 ZGB) aus
den Verkäufen der Liegenschaften in N._ und E._ zuzusprechen
(Urk. 240 S. 30, S. 34 ff.).
Bezüglich der Liegenschaft in C._ waren sich die Parteien einig, dass
diese entschädigungslos ins Alleineigentum der Klägerin zu überführen war
(Urk. 240 S. 42, S. 49 f.). Die entsprechenden Dispositiv-Ziffern 10 und 11 blieben
denn auch unangefochten.
Bezüglich der in Kanada gelegenen Liegenschaft in O._ prüfte die Vo-
rinstanz zunächst ihre Zuständigkeit aufgrund des IPRG. Sie bejahte diese und
sprach sich für die Anwendbarkeit des schweizerischen Rechts aus (Urk. 240
S. 45 ff.). Sie erwog, eine Zuweisung der Liegenschaft ins Alleineigentum der
Klägerin gestützt auf Art. 205 Abs. 2 ZGB komme nicht in Frage, da die Klägerin
weder über die nötigen Mittel noch über ein überwiegendes Interesse an der Lie-
- 19 -
genschaft verfüge. Entsprechend sei die Liegenschaft gestützt auf Art. 654 Abs. 2
ZGB in Verbindung mit Art. 651 Abs. 2 ZGB öffentlich zu versteigern. Da ein
schweizerisches Gericht gegenüber den Behörden in Kanada keine Weisungsbe-
fugnis habe, sei lediglich festzuhalten, dass die Liegenschaft öffentlich zu verstei-
gern sei, wobei die Parteien zu verpflichten seien, die zur Versteigerung erforder-
lichen Handlungen vorzunehmen und die erforderlichen Erklärungen und Unter-
schriften abzugeben. Ein nach Ablösung der Hypothek, nach Deckung der Ver-
steigerungskosten und nach Ersatz der von den Parteien nach dem 30. Juli 2013
getätigten Auslagen und Aufwendungen verbleibender Gewinn sei unter den Par-
teien hälftig aufzuteilen (Urk. 240 S. 45 ff., S. 50 ff.)
4. Die Vorinstanz verpflichtete die Parteien dazu, die bestehenden Steuer-
schulden 2011, die sich per 30. Juli 2013 auf Fr. 162'912.85 beliefen, je zur Hälfte
zu bezahlen. Der Ansicht der Klägerin, der Beklagte habe die Steuerschulden
bzw. zumindest die Verzugszinsen selbst zu tragen, da er trotz hinreichender Mit-
tel die Steuern 2011 nicht rechtzeitig bezahlt habe, folgte die Vorinstanz nicht. Die
Parteien hätten sich – so die Vorinstanz – gemeinsam entschieden, primär ihren
Lebensstil zu finanzieren und allfällige Schulden hinten anzustellen bzw. sich für
ihren Lebensstil gar zu verschulden. Entsprechend habe die Klägerin die Hälfte
der Schulden inklusive der aufgelaufenen Zinsen zu tragen. Die bisher geleisteten
Abzahlungen seien indes dem Beklagten im Rahmen vorsorglicher Massnahmen
für die vollständige Dauer des Scheidungsverfahrens in seinem Bedarf angerech-
net worden. Entsprechend habe auch die Klägerin die Belastung der Ratenzah-
lungen getragen, indem sie zunächst ein Manko getragen und nach der Mündig-
keit des Sohnes K._ einen geringeren Freibetrag erhalten habe. Folglich sei
es angemessen, dass die Parteien die (per Rechtskraft des Scheidungsurteils
noch vorhandenen) Steuerschulden 2011 je hälftig tragen würden (Urk. 240 S. 52
f.).
5. Schliesslich verpflichtete die Vorinstanz die Parteien, die bei "F._
GmbH" eingelagerten Möbel gemeinsam zu veräussern und/oder zu entsorgen
und einen allfälligen Erlös/Verlust nach Begleichung der Lager-, Transport- und
Entsorgungskosten hälftig zu teilen (Urk. 240 S. 42).
- 20 -
III.
1. Erst- und Zweitberufung sowie Anschlussberufung wurden form- und frist-
gerecht erhoben. Sie richten sich gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid in
einer nicht vermögensrechtlichen Angelegenheit. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kann eine Partei, die teilweise Berufung gegen das erstinstanzli-
che Urteil erhoben hat, zusätzlich Anschlussberufung erheben, wenn die Gegen-
partei Berufung erhebt (BGE 141 III 302). Auf die Berufungen ist – unter dem
Vorbehalt hinreichender Begründung – einzutreten (Art. 308 und Art. 311 ZPO).
2. Das Berufungsverfahren stellt keine Fortsetzung oder gar Wiederholung
des erstinstanzlichen Verfahrens dar, sondern ist nach der gesetzlichen Konzep-
tion als eigenständiges Verfahren ausgestaltet (BGE 142 III 413 E. 2.2.1 S. 414
m.Hinw. auf die Botschaft zur Schweizerischen ZPO, BBl 2006 S. 7374). Es
zeichnet sich dadurch aus, dass bereits eine richterliche Beurteilung des Rechts-
streits vorliegt, und sein Gegenstand wird durch die Berufungsanträge und die Be-
rufungsbegründung umrissen.
3. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine unrich-
tige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO); die
Berufungsinstanz verfügt über eine vollständige Überprüfungsbefugnis der Streit-
sache, mithin über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen. In
der schriftlichen Berufungsbegründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) ist im Sinne einer
Eintretensvoraussetzung hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstin-
stanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten
ist, d.h. an einem der genannten Mängel leidet. Die Begründung muss ausrei-
chend explizit sein, damit die Berufungsinstanz sie einfach verstehen kann. Dies
setzt voraus, dass der Berufungskläger im Einzelnen die vorinstanzlichen Erwä-
gungen bezeichnet, die er anficht, und die Aktenstücke nennt, auf denen seine
Kritik beruht (BGE 138 III 374 E. 4.3.1 S. 375; 141 III 569 E. 2.3.3 S. 576). Diese
Begründungsanforderungen gelten sinngemäss auch für die Berufungsantwort,
wenn und soweit der vorinstanzliche Entscheid (auch) darin beanstandet wird
(BGer 5A_660/2014 vom 17. Juni 2015, E. 4.2 m.w.Hinw.; 4A_258/2015 vom 21.
Oktober 2015, E. 2.4.2; 4A_580/2015 vom 11. April 2016, E. 2.2); auch in deren
- 21 -
Rahmen geht es daher nicht an, frühere Ausführungen einfach zu wiederholen
oder zum integrierenden Bestandteil der Eingabe zu erklären. Die Berufungs-
instanz hat sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf
die Beurteilung der Beanstandungen zu beschränken, die in der Berufungsschrift
(oder in der Berufungsantwort) in rechtsgenügender Weise erhoben werden (vgl.
BGE 142 III 413 E. 2.2.4 S. 417 m.w.Hinw.; BGer 5A_111/2016 vom 6. Septem-
ber 2016, E. 5.3; 4A_258/2015 vom 21. Oktober 2015, E. 2.4.3; 4A_290/2014
vom 1. September 2014, E. 3.1 und E. 5). Insofern erfährt der Grundsatz "iura no-
vit curia" (Art. 57 ZPO) im Berufungsverfahren eine Relativierung (BK ZPO I-
Hurni, Art. 57 N 21 und N 39 ff.; Glasl, DIKE-Komm-ZPO, Art. 57 N 22). In diesem
Rahmen ist auf die Parteivorbringen einzugehen, soweit sie für die Entscheidfin-
dung relevant sind (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 m.w.Hinw.).
4. Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfah-
ren nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt wer-
den, d.h. wenn sie – kumulativ – ohne Verzug vorgebracht wurden (lit. a) und trotz
zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten
(lit. b). Dabei hat, wer sich auf (unechte) Noven beruft, deren Zulässigkeit darzu-
tun und ihre Voraussetzungen notwendigenfalls zu beweisen (BGE 143 III 42
E. 4.1 S. 43; BGer 5A_86/2016 vom 5. September 2016, E. 2.1, je m.w.Hinw.).
5. Die Beanstandungen am angefochtenen Entscheid haben die Parteien in
der Berufungs- bzw. Berufungsantwortfrist vollständig vorzutragen; ein allfälliger
zweiter Schriftenwechsel oder die Ausübung des Replikrechts dienen nicht dazu,
die bisherige Kritik zu vervollständigen oder gar neue vorzutragen (BGE 142 III
413 E. 2.2.4 S. 417 mit weiteren Verweisen). Zulässig sind nur Vorbringen, zu de-
nen erst die Ausführungen in der Berufungsantwort Anlass gaben oder die echte
Noven darstellen. Auf den vorliegenden Fall übertragen bedeutet dies, dass die
Klägerin mit der Zweitberufungsantwort (Urk. 259/251 S. 4 bis S. 20) ihre Erstbe-
rufung und der Beklagte mit seiner Erstberufungs- und Anschlussberufungsant-
wort (Urk. 251 und Urk. 269) seine Zweitberufung grundsätzlich nicht verbessern
kann. Entsprechend gilt dies auch für weitere Stellungnahmen der Parteien (vgl.
- 22 -
beispielhaft Urk. 325 lit. a betreffend Steuerschulden der Parteien oder Urk. 360
S. 1 f., Urk. 366 S. 2 f. und Urk. 372 S. 2 f. betreffend Repräsentationsspesen).
6. Nicht einzutreten ist auf die von der Klägerin persönlich verfassten Einga-
ben. Die Klägerin verfügt über einen aufgrund von Art. 69 ZPO bestellten Vertre-
ter (Urk. 218, vgl. bereits Urk. 105 und Urk. 114). Wird das Unvermögen einer
Partei, den Prozess selbst zu führen, mittels prozessleitender Verfügung festge-
stellt, so sind in der Folge die von dieser Partei selbständig vorgenommenen Pro-
zesshandlungen vor Gericht unbeachtlich, mithin nichtig (Hrubesch-Millauer, in:
Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO],
2. Aufl. 2016, Art. 69 N 9; BSK ZPO-Tenchio, Art. 69 N 21). Die von der Klägerin
persönlich verfassten Eingaben (vgl. Urk. 245, Urk. 259/254, Urk. 283, Urk. 290,
Urk. 296, Urk. 301, Urk. 331, Urk. 382, Urk. 387, Urk. 394), die ab Urk. 301 an die
Klägerin retourniert wurden (vgl. Urk. 302, Urk. 303), gelten als nicht erfolgt. Dies
gilt auch für persönliche E-Mails und "Memoranden", welche die Klägerin über ih-
ren Rechtsvertreter einreichen liess (Urk. 313, Urk. 327/7, Urk. 339/4, Urk. 345/3,
Urk. 353/3, Urk. 362/9, Urk. 374/3).
7. Mit Beschluss vom 12. April 2018 wurde den Parteien der Übergang in die
Phase der Urteilsberatung angezeigt (Urk. 375; der Klägerin zugestellt am 13. Ap-
ril 2018). Nach Übergang in die Urteilsberatungsphase ist es den Parteien ver-
wehrt, echte oder unechte Noven vorzubringen (BGE 142 III 413 E. 2.2.5 S. 418).
Die am 23. April 2018 zur Post gegebene Noveneingabe (Urk. 376), mit der sich
die Klägerin auf das Urteil der Kammer vom 10. April 2018 beruft, muss daher
ausser Betracht bleiben. Ohnehin kann die Klägerin aus den mit dieser Eingabe
eingereichten Beweismitteln (insb. Urk. 378/1+3) nichts zu ihren Gunsten ableiten
(vgl. unten E. IV/A/2.9 und 2.10, IV/C/5.7 und V/A/5.15). Unbeachtlich sind eben-
so die mit Eingabe vom 28. Mai 2018 übermittelten "echten Noven" (Urk. 390 bis
Urk. 393). Diese Eingabe ist der Gegenpartei mit dem heutigem Entscheid zuzu-
stellen.
- 23 -
IV. (Güterrecht)
A. Erstberufung der Klägerin und Noveneingaben vom 2. Oktober 2017, 9.
Januar 2018, 31. Januar 2018 und 23. April 2018
1. Die Klägerin ist der Auffassung, ihr stünden aus dem Verkauf des Hauses
in N._ Fr. 350'860.– und aus dem Verkauf des Hauses in E._
Fr. 135'900.70, total also Fr. 486'760.70, zu, weshalb der Beklagte zu verpflichten
sei, ihr diesen Betrag zu bezahlen (Berufungsantrag Ziffer 2). Eventualiter sei wei-
terhin von einem Ersatzanspruch von Fr. 285'900.70 (Fr. 150'000.– "aus N._"
zuzüglich Fr. 135'900.70 "aus E._") auszugehen (Urk. 239 S. 16 ff.).
1.1 Die Klägerin rügt, die Vorinstanz gehe fälschlicherweise davon aus, dass
aus dem Verkauf des Hauses in N._ lediglich ein Reingewinn von
CAD 352'510.82 und ein Ersatzanspruch der Klägerin von Fr. 150'000.– resultie-
re. Die Vorinstanz bringe von den Kaufpreiszahlungen von CAD 561'663.10 und
CAD 104'739.72 zu Unrecht die Rückzahlung einer Hypothek an die Banque
L._ SA in der Höhe von Fr. 300'000.– bzw. CAD 313'892.– in Abzug. Bei den
Fr. 300'000.– habe es sich nicht um eine Hypothek, sondern um ein gewöhnli-
ches, mit der Liegenschaft nicht im Zusammenhang stehendes Darlehen gehan-
delt. Demzufolge sei dieses Darlehen nicht vom Reingewinn aus dem Verkauf der
Liegenschaft abzuziehen, womit der Reingewinn CAD 666'402.82 und der Er-
satzanspruch der Klägerin CAD 333'201.41 bzw. zum damaligen Wechselkurs
Fr. 350'860.– betrage (Urk. 239 S. 16 ff. Ziff. 38 ff.).
1.2 Die Vorinstanz befand, die Parteien hätten mit dem Verkauf des Hauses
in N._ einen Gewinn von CAD 352'520.82 erzielt, sich aber nachträglich auf
einen Gewinnanteil der Klägerin von Fr. 150'000.– geeinigt (Urk. 240 S. 33 mit
Verweis auf Urk. 76 S. 20, Urk. 152 S. 18 und Urk. 77/11; vgl. auch Urk. 82 S. 14
Ziff. 8.3.2). Auf diese Erwägung geht die Klägerin in ihrer Berufung mit keinem
Wort näher ein. Sie hält lediglich fest, eventualiter sei weiterhin von einem Ersatz-
anspruch von Fr. 150'000.– "aus N._" auszugehen (Urk. 239 S. 18 Ziff. 44).
Damit kommt die Klägerin ihrer Begründungspflicht nicht nach. Bereits aus die-
- 24 -
sem Grunde muss es diesbezüglich beim vorinstanzlichen Urteil sein Bewenden
haben und kann nicht von einem "Ersatzanspruch" der Klägerin von
CHF 350'860.– (Urk. 239 S. 18 Ziff. 44) ausgegangen werden.
1.3 Der klägerischen Argumentation könnte im Übrigen nicht gefolgt werden:
Zutreffend ist zwar, dass der Beklagte einräumte, bei den Fr. 300'000.– habe es
sich um ein Darlehen und nicht um eine Hypothek gehandelt (Prot. I S. 95). Die
Klägerin vermag daraus aber nichts zu ihren Gunsten abzuleiten, hat sie vor Vor-
instanz doch ausdrücklich eingeräumt, dass der Beklagte die Hypothek von
Fr. 300'000.– im Jahre 1999 "für die Finanzierung der Liegenschaft" (in N._)
via seine vormalige Arbeitgeberin Banque L._ SA aufgenommen habe
(Urk. 152 S. 18). Die Vorinstanz brachte das im Jahre 2011 zurückbezahlte Dar-
lehen daher zu Recht vom erhaltenen Verkaufserlös von CAD 666'402.82 in Ab-
zug. Für die güterrechtliche Auseinandersetzung per 30. Juli 2013 ist im Übrigen
irrelevant, ob ein Darlehen oder eine Hypothek zurückbezahlt wurde und ob das
Darlehen für den Erwerb der Liegenschaft aufgenommen worden war. Die zu-
rückbezahlten Fr. 300'000.– waren bei Auflösung des Güterstandes so oder an-
ders nicht mehr vorhanden. Im Gegenzug verminderten sich die Passiven um
Fr. 300'000.–.
1.4 Die Vorinstanz betrachtete die Beträge von Fr. 150'000.– und
Fr. 135'900.70 entgegen der von ihr gewählten (missverständlichen) Formulierung
(Urk. 240 S. 33: "Entsprechend stehen der Klägerin aus dem Verkauf der Liegenschaft
in N._, Kanada, diese Fr. 150'000.– zu"; Urk. 240 S. 34: "wovon der Klägerin
grundsätzlich die Hälfte, mithin Fr. 135'900.70 zusteht") als rein rechnerische Werte.
Sie kam zum Ergebnis, die Mittel aus den beiden Hausverkäufen seien bis zum
30. Juli 2013 vollständig verbraucht worden, "weshalb der Klägerin keine Ansprü-
che aus den Verkäufen der Liegenschaften in N._ und E._ zuzuspre-
chen [seien]" (Urk. 240 S. 38). Zu teilen ist das im Zeitpunkt der Auflösung des
Güterstandes vorhandene Gesamtgut (Art. 236 Abs. 3, Art. 242 Abs. 2 ZGB). Die
gegenseitigen Ansprüche sind im Zeitpunkt der Auflösung des Güterstandes zu
berechnen (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 236 ZGB N 28). So betrachtet
kommt der Frage, wie hoch die in den Jahren 2006 und 2012 erzielten Erlöse wa-
- 25 -
ren, gar keine Bedeutung zu. Es stellt sich lediglich die Frage, über welche Ver-
mögenswerte (Gesamtgut) die Parteien am 30. Juli 2013 (noch) verfügten, denn
nur diese fallen den Ehegatten je zur Hälfte zu (Art. 242 Abs. 1 ZGB).
1.5 Die Vorinstanz kam zum Schluss, die Gelder aus den Liegenschaftsver-
käufen seien, wie vom Beklagten geltend gemacht, für den laufenden Unterhalt
der Familie aufgebraucht worden (Urk. 240 S. 37), wobei dem Beklagten keine
mangelnde Sorgfalt vorgeworfen könne (Urk. 240 S. 37 f.). Die Klägerin rügt, die-
se Behauptung des Beklagten sei völlig unsubstantiiert geblieben und nicht an-
satzweise bewiesen worden. Sie habe stets bestritten, dass das Geld aus dem
Verkauf der Liegenschaften für den Lebensunterhalt der Familie aufgebraucht
worden sei. Der Beklagte sei seiner Behauptungs- und Substantiierungslast nicht
nachgekommen und habe weder dargelegt noch bewiesen, inwiefern Gewinne
aus dem Verkauf der Liegenschaften für die Deckung des hohen Lebensstan-
dards verwendet worden seien. Die Vorinstanz gehe zu weit, wenn sie von sich
aus die Steuererklärungen 2007 bis 2012 analysiere, obwohl der Beklagte mit
keinem Wort vorgebracht habe, aus den Steuererklärungen seien die hohen Aus-
lagen der Parteien ersichtlich. Die Vorinstanz führe damit faktisch den Beweis für
den Beklagten. Die Klägerin habe dadurch auch nie Gelegenheit erhalten, dazu
Stellung zu nehmen. Mit ihrem Vorgehen habe die Vorinstanz die Verhandlungs-
und Dispositionsmaxime verletzt. Aber selbst wenn die Parteien tatsächlich über
ihren Verhältnissen gelebt hätten, sei dadurch noch lange nicht bewiesen, dass
der Erlös aus dem Verkauf der beiden Liegenschaften auch effektiv für die Finan-
zierung ihres hohen Lebensstandards verwendet worden sei (Urk. 239 S. 18 ff.
Ziff. 45 ff.).
1.6 Die Klägerin geht von einer falschen Verteilung der Behauptungs- und
Beweislast aus. Die Parteien unterstehen dem Güterstand der Gütergemeinschaft
(Art. 221 ff. ZGB). Massgebend für die Zusammensetzung des Gesamtgutes ist
der Zeitpunkt der Güterstandsauflösung (Art. 236 Abs. 3 ZGB), also der 30. Juli
2013. Die Frage, ob ein Vermögenswert, der während des Güterstandes zum Ge-
samtgut gehört hat, bei der Auflösung noch vorhanden ist, richtet sich nach den
allgemeinen Beweislastregeln (Art. 8 ZGB). Soll ein Vermögenswert in die güter-
- 26 -
rechtliche Auseinandersetzung einbezogen werden, genügt es nicht darzutun,
dieser habe einmal zum Gesamtgut gehört. Vielmehr muss bewiesen werden,
dass er bei der Auflösung des Güterstandes noch vorhanden gewesen ist (BK-
Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 226 ZGB N 20, mit Verweis auf BGE 118 II 28;
BSK ZGB I-Hausheer/Aebi-Müller, Art. 226 N 4 S. 1290). Demnach oblag es der
Klägerin zu behaupten und zu beweisen, dass der Erlös aus den Liegenschafts-
verkäufen am 30. Juli 2013 noch vorhanden war. Weder kann gesagt werden, der
Beklagte sei seiner Behauptungs- und Substantiierungslast nicht nachgekommen,
noch kann der Vorinstanz eine Verletzung der Verhandlungs- und Dispositions-
maxime vorgeworfen werden.
1.7 In ihrem ersten Parteivortrag hat sich die Klägerin im Zusammenhang
mit den beiden Liegenschaftsverkäufen freilich gar nicht auf einen Gesamtgutsan-
teil im Sinne von Art. 242 Abs. 2 ZGB berufen, sondern vielmehr Ersatzansprüche
aus Verantwortlichkeit des Beklagten als Verwalter des Gesamtgutes geltend ge-
macht (Art. 231 Abs. 1 bzw. Art. 195 ZGB). Mit Bezug auf die Liegenschaft in
N._ hätten sich die Parteien im Jahre 2010 auf einen Betrag von
Fr. 150'000.– geeinigt, den die Klägerin auf ihr Konto hätte erhalten sollen, was
aber in der Folge nicht geschehen sei, obwohl die dafür notwendigen Mittel
durchaus vorhanden gewesen wären. Diese Unterlassung – so die Klägerin weiter
– begründe einen Anspruch im Sinne von Art. 195 bzw. Art. 231 Abs. 1 ZGB.
Auch der hälftige Anspruch der Klägerin aus dem Verkauf des Hauses in E._
von Fr. 135'894.48 werde als Forderung im Sinne von Art. 195 bzw. Art. 231
Abs. 1 ZGB geltend gemacht, da zu jenem Zeitpunkt genügend Geld vorhanden
gewesen sei. Auch hier sei vereinbart worden, dass die Klägerin vom Nettoerlös
die Hälfte hätte erhalten sollen (Urk. 76 S. 22 ff.).
Auch die Voraussetzungen für einen Ersatzanspruch im Sinne von Art. 231
bzw. Art. 195 ZGB, die beide auf das Auftragsrecht verweisen, wären von der
Klägerin zu behaupten und zu beweisen gewesen (BK-Fellmann, Art. 398 OR
N 332). Inwiefern die unterlassene Überweisung der Hälfte der Verkaufserlöse auf
ein (alleiniges) Konto der Klägerin (Urk. 76 S. 22: "ihr Konto") eine sorgfaltswidri-
ge Verwaltung des Gesamtgutes darstellt, führte die Klägerin nicht näher aus und
- 27 -
ist auch nicht ersichtlich, zumal bei der Gütergemeinschaft das Gesamtgut beiden
Ehegatten ungeteilt gehört und während der Gütergemeinschaft kein Anspruch
auf eine Gesamtgutteilung besteht (BSK ZGB I-Hausheer/Aebi-Müller, Art. 222
N 18). Dergleichen macht die Klägerin im Berufungsverfahren denn auch gar nicht
geltend. Von unterlassenen Überweisungen bzw. von einem Ersatzanspruch im
Sinne von Art. 231 oder Art. 195 ZGB ist in der Erstberufung nicht mehr die Rede,
auch wenn die Klägerin von einem "anderweitigen Verbrauch" spricht und dem
Beklagten "mangelnde Sorgfalt" (gemeint wohl: in der Verwaltung der Verkaufser-
löse) vorwirft (Urk. 239 S. 23 f. Ziff. 56 f.). Aus dem alleinigen Umstand, dass die
Verkaufserlöse am 30. Juli 2013 nicht mehr vorhanden waren, kann aber nicht auf
eine unsorgfältige Vermögensverwaltung des Beklagten und einen Ersatzan-
spruch der Klägerin geschlossen werden.
1.8 Die Klägerin macht indes geltend, sie habe in ihrer mit Blick auf die In-
struktionsverhandlung vom 6. Oktober 2014 getätigten Noveneingabe vom 2. Ok-
tober 2014 "in beeindruckender Weise" vorgebracht, dass auf dem gemeinsamen
Konto der Parteien bei der P._ am 31. März 2007 lediglich noch
CAD 130'028.91 vorhanden gewesen seien, nachdem am 12. Juli 2006 und am
2. Februar 2007 insgesamt CAD 666'402.82 auf das Konto geflossen seien, was
belege, dass die Mittel nicht für die laufenden Lebenshaltungskosten der Parteien
verwendet worden seien. Vielmehr müsse der Beklagte die Differenz von über ei-
ner halben Million CAD auf ein ihr unbekanntes, auf seinen alleinigen Namen lau-
tendes Konto weitergeleitet haben. Da die kanadischen Banken eine Aktenaufbe-
wahrungspflicht von lediglich sieben Jahren kennen würden und die Klägerin die
Kontoauszüge im Jahre 2014 nur auf sieben Jahre zurück habe herausverlangen
können, sei nicht mehr nachweisbar, wohin der Beklagte das Geld aus dem Ver-
kauf des Hauses in E._ (recte: N._) transferiert habe. Immerhin sei dar-
aus ersichtlich, dass der Beklagte das Vermögen auf dem Konto innert weniger
Monate massiv reduziert habe. Damit sei zumindest der Verkaufserlös der Lie-
genschaft in N._ aktenkundig in wenigen Monaten verschwunden und zwar
in einem Zeitpunkt, als es den Parteien noch finanziell gut gegangen sei. Folglich
könne der Beklagte den Verkaufserlös der Liegenschaft aus der Liegenschaft in
N._ unmöglich für die Finanzierung des Lebensunterhaltes der Parteien ver-
- 28 -
wendet haben. Demzufolge habe der Beklagte dieses Geld lange vor dem Beginn
finanzieller Probleme anderweitig verbraucht, weshalb der Klägerin nicht vorge-
worfen werden könne, sie hätte ihre Ausgaben anpassen müssen. Aber auch der
Verbrauch des Verkaufserlöses der Liegenschaft in E._ für den Lebensstan-
dard der Parteien sei nicht nachvollziehbar. Der Beklagte habe weder substanti-
iert behauptet noch belegt, wofür er den Verkaufserlös verwendet habe. Der Be-
klagte habe den Erlös aus dem Verkauf der Liegenschaft in N._ innert kurzer
Zeit "verschwinden lassen" und könne in keinster Weise belegen, dass er den Er-
lös aus dem Verkauf der Liegenschaft in E._ effektiv für den Lebensstandard
der Parteien verwendet habe. Entsprechend gehe die Vorinstanz fälschlicher-
weise von einem Verbrauch der Gelder aus dem Verkauf der Liegenschaften für
den laufenden Unterhalt der Familie aus. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz
müsse dem Beklagten mangelnde Sorgfalt vorgeworfen werden. Da aus der von
ihr erteilten Vollmacht entgegen der Auffassung der Vorinstanz auch kein Auf-
schub ihres Gewinnanteils hervorgehe, stünden ihr somit insgesamt
Fr. 135'900.70 aus dem Hausverkauf in E._ und Fr. 350'860.– aus dem Hau-
verkauf in N._ zu (Urk. 239 S. 24).
1.9 Vor Vorinstanz hatte die Klägerin noch keine so weitgehenden Behaup-
tungen aufgestellt:
In der Klagebegründung vom 13. Juni 2014 führte die Klägerin aus, sie wis-
se nicht, was mit dem Erlös aus dem Verkauf des Hauses in H._ von
CAD 1'100'000.00 passiert sei. Der Beklagte habe Auskunft zu erteilen und die
betreffenden Unterlagen, namentlich die Kontounterlagen, zu edieren. Die für den
Erwerb des Hauses bei der Bank L._ SA aufgenommenen Fr. 300'000.–
seien erst im Jahre 2011 zurückbezahlt worden (Urk. 76 S. 21). Der Beklagte ent-
gegnete, er habe die Belege aus dieser Zeit nicht mehr zur Hand und könne sie
auch nicht mehr beschaffen (Urk. 82 S. 14).
In ihrer Noveneingabe vom 2. Oktober 2014 wies die Klägerin darauf hin,
dass sie "ganz neu" Unterlagen vom damals zuständigen Notar erhalten habe,
wonach zwei Checks über insgesamt CAD 666'402.82 ausgestellt und bei der
P._ eingelöst bzw. offenbar einem gemeinsamen Konto der Parteien gutge-
- 29 -
schrieben worden seien. Sie wisse nicht, was danach mit dem auf das gemein-
same Konto überwiesenen Geld passiert sei; in Kanada betrage die Aufbewah-
rungspflicht lediglich sieben Jahre. Die Differenz zum Kontosaldo per 31. März
2007 von CAD 130'028.91 sei "zumindest erklärungsbedürftig". Der Beklagte ha-
be die Transaktionen abgewickelt, die Klägerin habe ihm vertraut und sich damals
nicht darum gekümmert. Damit ein Vergleich geschlossen werden könne, müsse
dieser Punkt geklärt werden (Urk. 91 S. 2).
An der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 wiederholte die Klägerin, dass
laut den von ihr erhältlich gemachten Unterlagen zwei Checks über insgesamt
CAD 666'402.82 ausgestellt, am 12. Juli 2006 und am 2. Februar 2007 bei der
P._ eingelöst bzw. offenbar einem gemeinsamen Konto der Parteien gutge-
schrieben worden seien. Von diesem Geld stehe der Klägerin die Hälfte zu. Dass
der Beklagte die nämlichen Unterlagen nicht mehr habe oder beschaffen könne,
sei allerdings unglaubhaft. Eventualiter fordere sie Fr. 150'000.–, die in der Voll-
macht für den Verkauf der Liegenschaft in C._ vom 23. Februar 2010 verein-
bart worden seien (Urk. 152 S. 18). Der Beklagte hielt dem entgegen, es sei
nichts übrig geblieben. Sie hätten Schulden in der Schweiz gehabt und Eigenkapi-
tal einbringen müssen. Es könne sein, dass zwei Checks über CAD 666'402.82
auf das Konto überwiesen worden seien bzw. aus dem Verkauf des Hauses resul-
tiert hätten. Anhand der Kontoauszüge sehe man, was mit diesem Geld gesche-
hen sei. Die Klägerin habe schon lange Zugang zu diesem Konto (Prot. I S. 95).
Dazu liess sich die Klägerin nicht mehr vernehmen (Prot. I S. 99 ff.).
1.10 Die in der Erstberufung erhobene Behauptung, der Beklagte habe den
Erlös aus dem Verkauf des Hauses in N._ verschwinden lassen bzw. auf ein
ihr unbekanntes, auf seinen alleinigen Namen lautendes Konto weitergeleitet, er-
weist sich als neu und unzulässig (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Zudem blieb die Erklä-
rung des Beklagten, die Parteien hätten Schulden in der Schweiz gehabt und Ei-
genkapital benötigt, unbestritten. Kaum zutreffen kann die Behauptung der Kläge-
rin, dass die im Jahre 1999 für den Erwerb der Liegenschaft in N._ bei der
Bank L._ SA aufgenommene "Hypothek von Fr. 300'000.–" erst im Jahre
2011 zurückbezahlt wurde (Urk. 152 S. 18). Gemäss Steuererklärung 2007 betrug
- 30 -
die Schuld bei der Bank L._ SA am 31. Dezember 2007 gerade einmal noch
Fr. 110'059.–, bei gesamten Schulden von Fr. 2'362'059.– (Urk. 24/10 S. 3;
Urk. 240 S. 34).
Aus dem Umstand, dass die Klägerin die Bankauszüge aus den Jahren
2006 und 2007 nicht mehr erhältlich machen kann, vermag sie nichts zu ihren
Gunsten abzuleiten. Das Konto bei der P._ lautete auch auf die Klägerin
(Urk. 77/15). Sie hätte sich innerhalb der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von
sieben Jahren die entsprechenden Kontoauszüge selber beschaffen können. Das
Scheidungsverfahren wurde am 30. Juli 2013 eingeleitet. Die Klägerin hat einen
allfälligen Beweisnotstand selber zu vertreten. Zudem bezeichnete es die Klägerin
vor Vorinstanz lediglich als unglaubhaft, dass der Beklagte nicht mehr über diese
Kontoauszüge verfüge. Sie macht aber im Berufungsverfahren nicht geltend, die
Vorinstanz habe von ihr gestellte Beweisanträge übergangen. Sie stellt auch im
Berufungsverfahren weder ein Editionsbegehren noch andere Beweisanträge,
welche die Existenz weiterer Aktiven im Zeitpunkt der güterrechtlichen Auseinan-
dersetzung belegen könnten. Letztlich anerkennt denn auch die Klägerin, dass
der Erlös aus dem Verkauf der Liegenschaft in N._ – wenn auch anderweitig
als für den Lebensunterhalt – verbraucht wurde (Urk. 239 S. 24 Ziff. 57).
Die Tatsache, dass sich am 31. März 2007 lediglich noch CAD 130'028.91
auf dem gemeinsamen Konto befanden und der Verbleib bzw. Verbrauch des Dif-
ferenzbetrages zu den gelösten CAD 666'402.82 nicht mehr genau nachvollzogen
werden kann, beweist noch keine unsorgfältige Verwaltung des Gesamtgutes
durch den Beklagten.
1.11 Damit sind mit der Vorinstanz weder weitere Aktiven in die güterrechtli-
che Auseinandersetzung miteinzubeziehen noch Ersatzansprüche im Sinne von
Art. 231 bzw. Art. 195 ZGB ausgewiesen. Der Erstberufungsantrag Ziffer 3 ist ab-
zuweisen und Dispositiv Ziffer 9 des vorinstanzlichen Urteils zu bestätigen.
2.1 Die Vorinstanz hat die Parteien verpflichtet, die per Rechtskraft des
Scheidungsurteils noch nicht bezahlten Steuerschulden aus dem Jahre 2011 je
zur Hälfte zu bezahlen (Dispositiv Ziffer 14). Sie erwog, die Schulden hätten per
- 31 -
30. Juli 2013 Fr. 162'912.85 betragen; der aktuelle genaue Betrag sei nicht be-
kannt, weshalb der Beklagte zu verpflichten sei, der Klägerin die Höhe per
Rechtskraft des Scheidungsurteils auszuweisen (Urk. 240 S. 52 f.).
Bei diesen Steuerschulden handelt es sich um die direkten Bundessteuern
und die Einkommens- und Vermögenssteuern des Kantons Waadt für das Jahr
2011. Der Ausstand bei den direkten Bundessteuern, an die der Beklagte regel-
mässig Teilzahlungen leistete, betrug gemäss Kontoauszug vom 26. Januar 2018
noch Fr. 24'546.15 (Urk. 353/2). Der Ausstand bei den Einkommens- und Vermö-
genssteuern betrug gemäss Abzahlungsplan vom 10. August 2016 Fr. 40'866.70
(Urk. 286). Über den Betrag von Fr. 40'866.70 (nebst Zins) wurde die Klägerin mit
Zahlungsbefehl vom 8. März 2017 betrieben (Urk. 339/1 S. 2). Per 6. April 2017
betrug der Ausstand Fr. 40'970.– (Urk. 309/1).
2.2 Die Klägerin wiederholt vor Berufungsinstanz, der Beklagte habe trotz
ausreichender Mittel und einem Kontosaldo von Fr. 288'446.42 per 27. März 2012
bzw. Fr. 206'357.63 per 30. August 2012 die Steuern nicht bezahlt. Sie habe be-
reits vor Vorinstanz in der Klagebegründung ausgeführt, es gehe nicht an, dass
der mit der Verwaltung des Vermögens betraute Ehemann trotz entsprechender
Möglichkeit die Steuern nicht bezahle. Indem der Beklagte diese Behauptung vor
Vorinstanz nicht bestritten habe, habe er anerkannt, die Steuerschulden 2011 al-
leine zu übernehmen. Die Vorinstanz habe dies verkannt und damit die Dispositi-
ons- und Verhandlungsmaxime verletzt (Urk. 239 S. 24 f. Ziff. 61).
2.3 Entgegen der Auffassung der Klägerin hat der Beklagte in der Klageant-
wort die Ausführungen in der Klagebegründung zu den Steuerschulden sehr wohl
bestritten, was die Klägerin an anderer Stelle denn auch ausdrücklich anerkennt
(Urk. 82 S. 15 Ziff. 8.6.4; Urk. 239 S. 25 Ziff. 64). Zudem führte der Beklagte aus,
er habe die Steuerschulden immer soweit getilgt, wie das finanzielle Fortbestehen
der Familie es erlaubt habe (Urk. 82 S. 3; vgl. auch Urk. 152 S. 23 Rz 45 und
Prot. I S. 97 "Zu Ziff. 45"). Im Übrigen handelt es sich bei der Frage, wer die
Steuerschulden 2011 zu bezahlen hat bzw. wie güterrechtlich mit den offenen
Steuerschulden zu verfahren ist, im Wesentlichen um eine Rechtsfrage, die nicht
anerkannt werden kann. Aus dem Umstand, dass die Steuern vom Beklagten
- 32 -
nicht bezahlt wurden, folgt nicht automatisch, dass er sie alleine tragen muss. Ei-
ne Verletzung der Dispositions- und Verhandlungsmaxime liegt nicht vor.
2.4 Die Klägerin macht berufungsweise zudem geltend, die Parteien hätten
in der Vollmacht vom 23. Februar 2010 betreffend den Verkauf der Liegenschaft
in E._ vereinbart (Urk. 28/5), dass der Beklagte auch die Steuerschuld 2011
übernehme, weshalb sich die Klägerin nicht an der noch offenen Steuerschuld zu
beteiligen habe. Da der Verkauf der Liegenschaft in E._ laut Vollmacht unbe-
strittenermassen einzig den Zweck verfolgt habe, Schulden zu tilgen, sei davon
auszugehen, dass darunter auch sämtliche Steuerschulden fallen würden und der
Verkaufserlös zu deren Tilgung bestimmt gewesen sei. Die Parteien hätten in der
Vollmacht zudem unmissverständlich festgehalten, dass "[e]twelche Restschulden
[...] zu Lasten des Bevollmächtigten B._" gehen würden (Urk. 239 S. 25 f.
Ziff. 65). Die Klägerin will sich in diesem Zusammenhang bereits vor Vorinstanz
auf die Vollmacht vom 23. Februar 2010 berufen haben. Sie verweist auf ihre
selbst verfasste Eingabe vom 23. Oktober 2013 (Urk. 21) und auf die Einigungs-
verhandlung vom 21. März 2014 (Prot. I S. 52). Damals sei sie noch nicht postula-
tionsunfähig gewesen (Urk. 239 S. 25 Ziff. 62 f.).
2.5 Die damals durch Rechtsanwältin X1._ vertretene Klägerin nahm
mit ihrer selbst verfassten Eingabe vom 23. Oktober 2013 unaufgefordert zur Ein-
gabe des Beklagten vom 13. September 2013 mit Blick auf die Einigungs- und
Massnahmeverhandlung vom 30. Oktober 2013 Stellung (Urk. 5/1 und 5/2,
Urk. 20, Urk. 21, Prot. I S. 8). Auf S. 16 dieser Eingabe hielt die Klägerin dafür,
dass die Steuerschulden das Problem des Beklagten seien, da er diese nicht ge-
tilgt habe, obwohl er über die Mittel dafür verfügt habe; zudem besage "der be-
glaubigte Notarvertrag" vom 23. Februar 2010 eindeutig, dass "etwelche Rest-
schulden zu Lasten des Beklagten gehen" würden (Urk. 21 S. 16). Im Rahmen
der Massnahmeantwort ging der Rechtsvertreter des Beklagten auch auf die von
der Klägerin persönlich verfasste Eingabe ein (Prot. I S. 16). Anlässlich der zwei-
ten Einigungsverhandlung führte die Klägerin am 21. März 2014 aus, der Beklagte
habe sich ja nicht einmal an "die Verträge" gehalten, nach welchen er sie hätte
auszahlen müssen (Prot. I S. 52 ff.). Mit "den Verträgen" sei – so die Klägerin in
- 33 -
ihrer Berufung – die Vollmacht vom 23. Februar 2010 gemeint gewesen (Urk. 239
S. 25 Ziff. 63).
2.6 In der Klagebegründung führte die Klägerin zu den Steuerschulden der
Parteien aus, es stelle sich die Frage nach der Haftung, wenn der mit der Verwal-
tung des Vermögens betraute Ehemann trotz entsprechender Möglichkeit die ge-
meinsamen Steuern nicht bezahle, jedoch das während der Trennungszeit vor-
handene Barvermögen praktisch restlos aufbrauche. Der Beklagte habe darüber
Auskunft zu geben, weshalb er die Steuern nicht im Jahr 2012 oder bereits 2011
bezahlt habe, als das notwendige Geld noch vorhanden gewesen sei. Die Voll-
macht vom 23. Februar 2010 bzw. eine darin enthaltene Vereinbarung über
Schulden erwähnte die Klägerin in diesem Zusammenhang mit keinem Wort
(Urk. 76 S. 31 ff. Ziff. 8.6.4).
Im zweiten Parteivortrag verwies die Klägerin auf die Klagebegründung, wo-
rin sie hinreichend ausgeführt und belegt habe, dass im Jahr 2011 mehr als ge-
nügend Mittel vorhanden gewesen seien, um die Steuern zu bezahlen bzw. die
provisorischen Rechnungen zu begleichen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die
Familie seit 2009 vom Sozialamt hätte leben müssen, wenn der Beklagte die
Steuerschulden 2011 bezahlt hätte. Das Verhalten des Beklagten, der sich stets
und ausschliesslich um die finanziellen Belange der Familie gekümmert habe,
mithin mit der Verwaltung des Gesamtguts betraut gewesen sei, stelle ein pflicht-
widriges Unterlassen dar, für das er "analog Auftragsrecht" hafte. Als Folge davon
habe er die Verzugszinsen alleine zu tragen. Zudem sei zu berücksichtigen, dass
im Rahmen der vorsorglichen Massnahmen mit Wirkung ab Januar 2013 monat-
lich Fr. 800.– zur Tilgung der Steuerschulden in den Bedarf des Beklagten aufge-
nommen worden seien. Dieser Betrag sei bis zum Zeitpunkt der rechtskräftigen
Erledigung der Scheidung aufzusummieren und – da vermögensbildend und den
Unterhaltsanspruch der Klägerin vermindernd – von der güterrechtlich zuzuwei-
senden Schuld abzuziehen (Prot. I S. 87; Urk. 152 S. 23). Auch an der Hauptver-
handlung vom 30. April 2015 berief sich die Klägerin nicht ansatzweise auf eine in
der Vollmacht vom 23. Februar 2010 enthaltene Übernahme der Steuerschulden
durch den Beklagten.
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Die Vorinstanz setzte sich bei der Zuweisung der Steuerschulden 2011 fol-
gerichtig denn auch nicht mit der Vollmacht vom 23. Februar 2010 auseinander.
Sie wies die Steuerschulden den Parteien je zur Hälfte zu mit der Begründung,
die Parteien hätten gemeinsam entschieden, primär ihren Lebensstil zu pflegen
und Schulden hinten anzustellen bzw. sich für ihren Lebensstil gar zu verschul-
den. Für die bisher, nach Auflösung des Güterstandes vom Beklagten geleisteten
Abzahlungen sah sie von einer Ersatzpflicht der Klägerin ab mit dem Hinweis,
diese Raten seien in seinem Bedarf eingerechnet worden mit der Folge, dass die
Klägerin einen tieferen Unterhaltsbeitrag erhalten habe (Urk. 240 S. 52 f.). Mit
dieser Begründung wiederum setzt sich die Klägerin in der Berufung nicht sub-
stantiiert auseinander. Soweit sich die Klägerin in der Berufung auf die Vollmacht
vom 23. Februar 2010 beruft und daraus ableitet, der Beklagte habe darin auch
die offenen Steuerschulden übernommen, stützt sie ihren behaupteten Anspruch
auf ein völlig neues Tatsachenfundament. Ihre Ausführungen sind verspätet und
damit unbeachtlich (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Darauf kann nicht eingetreten werden.
2.7 Die Klägerin kann im Übrigen aus der Vollmacht vom 23. Februar 2010
nichts zu ihren Gunsten ableiten. In dieser Vollmacht bevollmächtigte sie den Be-
klagten zum Verkauf der im Gesamteigentum stehenden Liegenschaft in E._,
wobei der Verkaufserlös wie folgt verwendet werden sollte (Urk. 28/5): "Verwendung des Verkaufes: 1. Hypothekenablösung 2. Pensionskassenrückführung 3. Schuldentilgung 4. Erlös halbe/halbe Aufteilung 5. Etwelche Restschulden gehen zu Lasten des Bevollmächtigten B._"
Die Unterschriften der Parteien wurden notariell beglaubigt, die Vollmacht
bzw. das Vereinbarte selber aber nicht öffentlich beurkundet, worauf der Beklagte
bereits vor Vorinstanz hinwies (Urk. 82 S. 14). Eine identische Vollmacht wurde
auch bezüglich des Verkaufs der Liegenschaft in C._ ausgestellt (ebenfalls
Urk. 28/5). Diese Liegenschaft wurde indes nicht verkauft und befindet sich heute
im Alleineigentum der Klägerin.
Die Vorinstanz hat das Gesamtgut der Parteien per 30. Juli 2013 hälftig ge-
teilt, wobei sie missverständlich vom "Gesamtgut im Eigentum der jeweiligen Par-
- 35 -
tei" sprach, obwohl das Gesamtgut beiden Ehegatten ungeteilt gehört (Art. 222
Abs. 2 ZGB), und zwar über die Auflösung des Güterstandes hinaus bis zur Tei-
lung (BSK ZGB I-Hauseer/Aebi-Müller, Art. 240 N 1). Die per 30. Juli 2013 beste-
henden Schulden, bestehend in der Steuerschuld des Jahres 2011 in der Höhe
von Fr. 162'912.85 (Stand: 30. Juli 2013) hat die Vorinstanz den Parteien eben-
falls je zur Hälfte zugewiesen, wobei sie die Klägerin lediglich verpflichtete, die
Hälfte der per Rechtskraft des Scheidungsurteils noch vorhandenen Steuerschul-
den zu bezahlen, und damit zugunsten der Klägerin von einer Ausgleichsforde-
rung des Beklagten für die von ihm nach Auflösung des Güterstandes bezahlten
Raten absah. Im Ergebnis teilte die Vorinstanz das per Auflösung des Güterstan-
des vorhandene Gesamtgut (Aktiven des Gesamtgutes abzüglich der Passiven)
somit je zur Hälfte, wie dies Art. 242 Abs. 2 ZGB vorsieht (BSK ZGB I-
Hausheer/Aebi-Müller, Art. 241 N 7). Indem sie das Gesamtgut als "im Eigentum
des Beklagten" bzw. "im Eigentum der Klägerin" bezeichnete, wies sie implizit die
entsprechenden Vermögenswerte einer der beiden Parteien zu.
Würden die Steuerschulden nun vollumfänglich dem Beklagten zugewiesen,
würde dies auf eine Abänderung des gesetzlichen Teilungsschlüssels (Art. 242
Abs. 2 ZGB) hinauslaufen. Vereinbarungen über die Änderung der gesetzlichen
Teilung gelten aber nur, wenn der Ehevertrag dies ausdrücklich vorsieht (Art. 242
Abs. 3 ZGB). Die Klägerin behauptet nicht, dass dies vorliegend erfolgt wäre.
Auch können die Ehegatten für Vollschulden, für die jeder Ehegatte mit seinem
Eigengut und dem Gesamtgut haftet, untereinander keine von Art. 233 ZGB ab-
weichende Regelung treffen (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 233 und 234
ZGB N 54). Und schliesslich bietet auch Art. 224 Abs. 1 ZGB keine Grundlage,
um die Steuerschulden vollumfänglich dem Beklagten zuzuweisen. Laut dieser
Bestimmung können die Ehegatten durch (öffentlich beurkundeten; Art. 184
Abs. 1 ZGB) Ehevertrag bestimmte Vermögenswerte von der Gütergemeinschaft
ausschliessen. Weder stellt die Vollmacht vom 23. Februar 2010 einen öffentlich
beurkundeten Ehevertrag dar (nur die Unterschriften wurden beglaubigt), noch
handelt es sich bei Schulden um Vermögenswerte im Sinne dieser Bestimmung.
- 36 -
2.8 Damit erweist sich die Berufung gegen Dispositiv Ziffer 14 als unbegrün-
det. Soweit die Klägerin in ihrer Eingabe vom 2. November 2017 nicht nur zum
Schreiben des Beklagten ans Steueramt Q._ vom 2. Oktober 2017 (Urk. 308)
Stellung nimmt, sondern ihre Ausführungen zur Aufteilung der Steuerschulden er-
gänzt (Urk. 325 lit. a), erweisen sich ihre Vorbringen als verspätet und damit un-
beachtlich (vgl. bereits E. III/5).
2.9 Die Klägerin stellt aber auch noch einen Eventualantrag (Urk. 239 S. 2).
Zu dessen Begründung trägt sie vor, es sei falsch, wenn die Vorinstanz die per
Rechtskraft des Scheidungsurteils noch ausstehende Steuerschuld aufteile, weil
die offene Steuerschuld unmittelbar mit der Rechtskraft der nachehelichen Unter-
haltsregelung zusammenhänge. Solange diese nicht in Rechtskraft erwachse, be-
zahle der Beklagte weiterhin Unterhaltsbeiträge gemäss dem letzten Massnah-
meentscheid vom 12. November 2015. Demzufolge sei dem Beklagten ein monat-
licher Betrag von Fr. 1'100.– im Bedarf für die Abzahlung der Steuerschuld zuge-
standen worden. Entsprechend reduziere sich die Steuerschuld noch solange, als
dass der Beklagte Unterhaltsbeiträge gemäss dem Massnahmeentscheid bezah-
len müsse. Insofern seien die Parteien zu verpflichten, die im Zeitpunkt des Eintritt
der Rechtskraft der nachehelichen Unterhaltsregelung noch offenen Steuerschul-
den 2011 je zur Hälfte zu bezahlen. Darüber hinaus entziehe es sich ihrer Kennt-
nis, ob der Beklagte die ihm im Bedarf eingerechneten Steuerraten tatsächlich für
die Tilgung der Steuerschuld 2011 verwendet habe (Fr. 800.– seit dem 1. Januar
2013, Fr. 1'100.– seit 1. September 2015). Sollte dies nicht der Fall sein, müsse
sie berechtigt sein, von der auf sie entfallenden Steuerschuld Fr. 400.– (1/2 von
Fr. 800.–) für den Zeitraum von Januar 2013 bis und mit August 2015, danach
Fr. 550.– (1/2 von Fr. 1'100.–) abzuziehen (Urk. 239 S. 26).
Die Vorinstanz begründete die Aufteilung der Steuerschuld per Rechtskraft
des Scheidungsurteils damit, dass dem Beklagten die bisher geleisteten Abzah-
lungsraten im Rahmen vorsorglicher Massnahmen für die vollständige Dauer des
Scheidungsverfahrens jeweils in seinem Bedarf eingerechnet worden seien. Ent-
sprechend habe auch die Klägerin die Belastung der Ratenzahlungen über ein
Manko bzw. einen geringeren Freibetrag mitgetragen (Urk. 240 S. 52). Die Kläge-
- 37 -
rin beanstandet diese Erwägung im Kern nicht, sondern wendet einzig ein, die
vorsorglichen Massnahmen würden bis zu deren Ablösung durch den nacheheli-
chen Unterhalt gelten. Der Beklagte beantragte zwar die Bestätigung der vor-
instanzlichen Regelung, machte aber zum Eventualantrag der Klägerin und zu
den Erwägungen der Vorinstanz keine Ausführungen (Urk. 251 S. 5).
Die vorsorgliche Unterhaltspflicht lief während des Berufungsverfahrens wei-
ter. Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle zu bemerken, dass dem Beklag-
ten laut Beschluss vom 27. Juli 2017 ab 1. November 2016 lediglich noch
Fr. 600.– für die Steuern des Jahres 2011 im Bedarf angerechnet wurden
(Urk. 299 S. 8), was aber nichts daran ändert, dass sich der Anteil der Klägerin
am Überschuss im entsprechenden (hälftigen) Umfang reduziert (Urk. 299 S. 9).
Da nachehelicher Unterhalt und Güterrecht mit dem heutigen Berufungsentscheid
geregelt werden, sind die Parteien somit zu verpflichten, die per Rechtskraft des
Berufungsentscheids noch bestehenden Steuerschulden des Jahres 2011 je zur
Hälfte zu bezahlen.
Die von der Klägerin gewünschte Abzugsberechtigung kann indes nicht er-
teilt werden. Sie zielt wohl auf eine nichthälftige Teilung in dem Sinne, als dem
Beklagen mehr und der Klägerin weniger als die Hälfte der Steuerschuld zuzu-
weisen sei. Dazu müsste aber bereits heute bekannt sein, in welchem Verhältnis
die ausstehenden Steuern aufzuteilen bzw. welche ziffernmässig bestimmte
Schulden (exakte Beträge) wem zuzuweisen sind. Diese Abrechnung kann nicht
über eine Abzugsberechtigung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Letztlich macht die Klägerin geltend, sie habe in der Vergangenheit allenfalls (falls
der Beklagte nicht alle Steuerraten bezahlt habe) zu wenig Unterhalt erhalten,
was nunmehr güterrechtlich auszugleichen sei. Dabei ist aber nicht ersichtlich, auf
welche rechtliche Grundlage sich die Klägerin überhaupt stützt. Die Klägerin be-
hauptet nicht, der Beklagte habe die in seinem Bedarf berücksichtigten Abzah-
lungsraten nicht regelmässig bezahlt. Als Mitschuldnerin hätte sie selber in Erfah-
rung bringen können, welche Ratenzahlungen der Beklagte in der Vergangenheit
an das Steueramt des Kantons Waadt leistete bzw. nicht leistete.
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Welche Abzugsbeträge die Klägerin genau geltend machen will, ergibt sich
auch nicht aus ihrer Noveneingabe vom 31. Januar 2018. Darin führt die Klägerin
unter Hinweis auf einen jüngst angeforderten ("selon votre demande") Kontoaus-
zug der direkten Bundessteuern 2011 vom 26. Januar 2018 einzig aus, der Saldo
sei tiefer als die Forderung, der Beklagte habe im "Eheschutzurteil" einen deutlich
höheren Betrag für die Tilgung der Steuerschuld erhalten, nämlich Fr. 1'100.–, of-
fen seien per Januar 2018 aber Fr. 24'546.15 (Urk. 351). Was das im vorliegen-
den güterrechtlichen Zusammenhang bedeutet, bleibt vollkommen unklar, und
auch die Klägerin leitet daraus lediglich ab, dem Beklagten könne in seinem Be-
darf keine Steuertilgungsrate mehr angerechnet werden, da er vertragsbrüchig sei
und "[g]emäss den beglaubigten Notarverträgen vom Februar 2010" für alle Rest-
schulden alleine aufkommen müsse (Urk. 351). Aus dem Kontoauszug
(Urk. 353/2) ergibt sich im Übrigen, dass der Beklagte die ihm im Massnahmeent-
scheid vom 27. Juli 2017 ab 1. November 2016 zugebilligte Steuerrate von
Fr. 600.– lückenlos bezahlte. Welche früheren Raten nicht geleistet wurden, hätte
die Klägerin – wie bereits ausgeführt – aber längst in Erfahrung bringen können
und überdies genau substantiieren müssen, zumal sie bereits mit ihrem Mass-
nahmebegehren vom 26. Oktober 2016 einen Kontoauszug mit allen bis Septem-
ber 2016 erfolgten Zahlungen einreichte (Urk. 259/257 S. 4, Urk. 259/259/2.1). In-
soweit kann sie sich nicht auf das Novenrecht und den Kontoauszug vom 26. Ja-
nuar 2018 berufen. Als verspätet sind auch die in der Noveneingabe vom 23. April
2018 gemachten ergänzenden Angaben über die vom Beklagten in den Jahren
2013 bis 2016 bezahlten Steuerraten zu betrachten (Urk. 376 S. 1 f.).
2.10 Mit Noveneingabe vom 2. Oktober 2017 beantragte die Klägerin "[i]n
Ergänzung des güterrechtlichen Antrages", "der Berufungsbeklagte sei zu ver-
pflichten, sämtliche Steuerschulden für die Zeit des Zusammenlebens zu über-
nehmen und zu bezahlen (mit Regressrecht der Berufungsklägerin, falls sie Zah-
lungen ans Steueramt gestützt auf die Betreibung machen sollte)." Es sei belegt,
dass der Beklagte diese Steuerschuld vertraglich (im Innenverhältnis gegenüber
seiner ehemaligen Gattin) übernommen habe, weshalb er verpflichtet sei, diese
Steuerschuld zu bezahlen, mitsamt Verzugszinsen, Betreibungskosten etc. Der
Gesamtbetrag gemäss (unbegründetem) Rechtsöffnungsurteil vom 25. Septem-
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ber 2017 belaufe sich auf Fr. 40'866.70 (Urk. 305). Mit Noveneingabe vom 9. Ja-
nuar 2018 reichte die Klägerin das am 4. Januar 2018 zugestellte begründete
Rechtsöffnungsurteil ein, bei dem es sich um ein echtes Novum handle (Urk. 337,
Urk. 339/1). Mit Noveneingabe vom 23. April 2018 reichte die Klägerin den Be-
schwerdeentscheid der Kammer vom 10. April 2018 "als beachtenswertes echtes
Novum" ein, wonach nunmehr klar sei, dass sie dem Kanton Waadt eine Summe
von Fr. 36'152.90 nebst Zinsen zu 3% seit 12. Juni 2013, Fr. 4'392.95 (Verzugs-
zins auf Akontozahlungen), Fr. 320.85 (Ausgleichszins) sowie Betreibungskosten
schulde und diese Schuld von über Fr. 46'000.– vollstreckbar sei (Urk. 376,
Urk. 378/1).
Soweit der ergänzte güterrechtliche Antrag vom 2. Oktober 2017 über den
Erstberufungsantrag Ziffer 4 hinausgeht, d.h. mit Bezug auf das einzuräumende
Regressrecht, wurde er verspätet gestellt (Art. 317 Abs. 2 ZPO). Die Klägerin
zeigt nicht auf, inwiefern das von ihr beantragte Regressrecht auf neuen Tatsa-
chen und Beweismitteln beruht. Das Rechtsöffnungsurteil datiert zwar vom
25. September 2017 (Urk. 311). Der Klägerin war aber schon länger bekannt,
dass sie aufgrund der solidarischen Haftung vom Kanton Waadt in Anspruch ge-
nommen werden kann, der Kanton Waadt gegen sie die Betreibung einleitete und
ein Rechtsöffnungsverfahren drohte (Urk. 259/257 S. 6 Ziff. 16). Auch legt die
Klägerin nicht dar, dass sie tatsächlich über ihren hälftigen Anteil hinausgehend in
Anspruch genommen wird bzw. über ihren hälftigen Anteil hinausgehend Zahlun-
gen an das Steueramt des Kantons Waadt leistet. Sie kann deshalb auch kein
Regressrecht beanspruchen. Der Entscheid der Kammer vom 10. April 2018, mit
welchem die Beschwerde gegen das Rechtsöffnungsurteil abgewiesen wurde
(Urk. 376 S. 1, Urk. 378/2), vermag am Gesagten nichts zu ändern.
2.11 Zufolge Verspätung (Art. 317 Abs. 1 ZPO) und Postulationsunfähigkeit
(E. III/6) ist auf die von der Klägerin persönlich verfasste Darstellung "wie es zur
vertraglichen Übernahme der Steuerschulden durch Herr B._ kam und dass
er dafür haftet", nicht weiter einzugehen (Urk. 337, Urk. 339/4).
2.12 Gläubiger der Steuerforderung – auch hinsichtlich der Bundessteuern –
ist der Kanton Waadt (BGer 5P.417/2000 vom 19. Februar 2001 E. 5). Demzufol-
- 40 -
ge ist Dispositiv Ziffer 14 des vorinstanzlichen Urteils in dem Sinne zu bestätigen,
als die Parteien zu verpflichten sind, die gegenüber dem Kanton Waadt per
Rechtskraft des Berufungsentscheids noch vorhandenen Steuerschulden des
Jahres 2011 (Impôt fédéral direct 2011, Impôt sur le revenu et la fortune 2011) je
zur Hälfte zu bezahlen.
B. Zweitberufung des Beklagten und Noveneingabe des Beklagten vom 8.
März 2018
1. Der Beklagte beantragt mit seiner Zweitberufung, die Klägerin sei zu ver-
pflichten, ihm unter güterrechtlichem Titel eine Ausgleichszahlung von
Fr. 51'638.15 zu leisten (Urk. 259 S. 6, S. 11). Vor Vorinstanz hat der Beklagte
keine solche Ausgleichszahlung gefordert. An der Hauptverhandlung vom 30. Ap-
ril 2015 erklärte der Beklagte vielmehr, dass die Parteien mit Ausnahme der Lie-
genschaften in Kanada und C._, einer an die Klägerin ausbezahlten Versi-
cherungsleistung von Fr. 68'000.– und des zu teilenden Schmuckes, bereits voll-
ständig auseinandergesetzt seien (Prot. I S. 90 mit Verweis auf Urk. 155/1 S. 3).
Der Beklagte will laut Berufungsbegründung den Schmuck der Klägerin zwar nach
wie vor in die güterrechtliche Auseinandersetzung einbeziehen und zu diesem
Zweck eine Wertschätzung vornehmen, die dem Gericht vorzulegen sei. Gleich-
zeitig ist ihm aber bewusst, "dass dieser Punkt nicht erfüllt werden kann"
(Urk. 259/239 S. 11). In seiner Berechnung des güterrechtlichen Ausgleichsbe-
trags von Fr. 51'638.15 spielt der Schmuck – im Gegensatz zur Versicherungs-
leistung von Fr. 68'000.– – denn auch keine Rolle mehr. In Anlehnung an das vo-
rinstanzliche Urteil macht der Beklagte folgende Aufstellung (Urk. 259/239 S. 17),
wobei die Änderungen gegenüber der Vorinstanz kursiv hervorgehoben sind:
Gesamtgut im Eigentum des Beklagten: Anteil
Mercedes ML: Fr. 0.– 1⁄2 Fr. 0.–
Kontokorrent Raiffeisenbank: Fr. 35'446.08 1⁄2 Fr. 17'723.05
Wertschriftendepot Raiffeisen: Fr. 66'514.05 1⁄2 Fr. 33'257.–
Bargeld: Fr. 0.– 1⁄2 Fr. 0.–
- 41 -
Postkonto: Fr. 0.– 1⁄2 Fr. 0.–
Postkonto mit Partnerin: Fr. 0.– 1⁄4 Fr. 0.–
Mietzinsdepot mit Partnerin: Fr. 0.– 1⁄4 Fr. 0.–
Total Beklagter: Fr. 101'960.13 Fr. 50'980.05
Gesamtgut im Eigentum der Klägerin:
UBS-Konti Fr. 2'236.51 1⁄2 Fr. 1'118.25
Verschobene UBS-Werte 2012/2013* Fr. 203'000.00 1⁄2 Fr. 101'500.00
Total Klägerin Fr. 205'236.51 1⁄2 Fr. 102'618.25
* Der genaue Betrag kann laut Beklagtem erst bei Eintreffen des Auszuges ermittelt und die  Schlussabrechnung zu diesem Zeitpunkt vorgenommen werden.
Aus der Gegenüberstellung des hälftigen Anteils von Fr. 102'618.25 und des hälf-
tigen Anteils von Fr. 50'980.05 errechnet der Beklagte einen güterrechtlichen An-
spruch von Fr. 51'638.15. Die Versicherungsleistung von Fr. 68'000.– ist zwar in
den "verschobenen UBS-Werten" von Fr. 203'000.– enthalten (Urk. 259/239
S. 12). Trotzdem ist es vom Streitgegenstand her nicht das Gleiche, ob der Be-
klagte von der Klägerin eine Ausgleichszahlung aus Güterrecht von Fr. 51'638.15
fordert oder eine Rückzahlung der von der Klägerin "unter Abänderung der Kon-
todaten erhaltenen Versicherungsleistung der D._ vom 7. Oktober 2012 von
CHF 68'000.–" an ihn zwecks Schuldentilgung verlangt (Urk. 82 S. 6 Ziff. 8). Der
Beklagte forderte vor Vorinstanz auch keine Ausgleichszahlung von Fr. 51'638.15,
nachdem die Klägerin mit Eingabe vom 14. September 2015 zu verstehen gege-
ben hatte, dass sie die von ihr einverlangten Kontoauszüge der UBS für die Peri-
ode vom 1. Mai 2012 bis 30. Juli 2013 nicht einreichen werde (Urk. 174,
Urk. 187). Soweit mit dem Zweitberufungsantrag Ziffer 6 über die Aufhebung der
vom Beklagten zu leistende Ausgleichszahlung hinausgegangen wird (indem der
Beklagte seinerseits Ausgleichsansprüche erhebt), kann darauf nicht eingetreten
werden, zumal der Beklagte die Voraussetzungen für eine Klageänderung im Be-
rufungsverfahren nicht nachweist (Art. 317 Abs. 2 ZPO).
2.1 Der Beklagte bringt vor, der Verkaufserlös des in Kanada für
CAD 6'000.– (umgerechnet Fr. 4'680.–) verkauften Mercedes ML 430 sei auf das
gemeinsame Konto bei der P._ einbezahlt und zur Sicherstellung der Hypo-
- 42 -
thekenzahlung der Liegenschaft in Kanada verwendet worden. Dieser Betrag sei
deshalb nicht in die güterrechtliche Auseinandersetzung einzubeziehen
(Urk. 259/239 S. 11, Urk. 242/3).
2.2 Die Vorinstanz betrachtete den im März 2014 vom Beklagten für
CAD 6'000.– verkauften Mercedes ML 430 (Urk. 85/59) als Gesamtgut und be-
rücksichtigte für die Teilung des Gesamtgutes den Gegenwert von Fr. 4'680.–
(Urk. 240 S. 40 f.). Für die Zusammensetzung des Gesamtgutes und des Eigen-
gutes ist der Zeitpunkt der Auflösung des Güterstandes (30. Juli 2013) massge-
bend (Art. 236 Abs. 3 ZGB). Massgebend für den Wert des bei Auflösung des Gü-
terstandes vorhandenen Gesamtgutes ist der Zeitpunkt der Auseinandersetzung
(Art. 240 ZGB). Wird nach Auflösung des Güterstandes Gesamtgut gegen Entgelt
veräussert, tritt der Erlös an die Stelle der Gesamtgutsbewertung (BSK ZGB I-
Hausheer/Aebi-Müller, Art. 240 N 5). Wohin der Erlös fliesst, wofür der Erlös ver-
wendet wird oder ob der Erlös im Zeitpunkt der Auseinandersetzung noch vor-
handen ist, ist entgegen der Auffassung des Beklagten nicht relevant. Die Beru-
fung ist insoweit unbegründet.
3.1 Der Beklagte macht geltend, er habe weder die Hälfte des Kontokorrent-
kontos noch die Hälfte des Wertschriftendepots bei der Raiffeisenbank zu teilen,
da es die Klägerin trotz Aufforderung durch das Gericht in der Verfügung vom
13. August 2015 unterlassen habe, die Kontoauszüge ihrer beiden Konten bei der
UBS für die Dauer von 1. Mai 2012 bis 30. Juli 2013 beizubringen. Auf diese Kon-
ten seien im Jahre 2012 seitens des Beklagten Fr. 125'000.– und in den Jahren
2009 und 2012 seitens der Versicherung Fr. 78'000.–, total also Fr. 203'000.–,
überwiesen worden. Er beantrage die Edition besagter Kontoauszüge und die An-
rechnung von mindestens Fr. 203'000.– im Güterrecht (Urk. 259/239 S. 12 f.).
3.2 Die bei der Raiffeisenbank gelegenen Vermögenswerte sind unabhängig
davon, ob weitere Fr. 203'000.– als Gesamtgut bei der güterrechtlichen Ausei-
nandersetzung zu berücksichtigen sind (vgl. dazu auch unten Erw. IV/B/8), als
Gesamtgut zu betrachten und in die hälftige Gesamtgutsteilung einzubeziehen.
Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Die Berufung ist auch insofern un-
begründet.
- 43 -
3.3 Die Klägerin weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Be-
klagte den Kontoauszug (samt Depot) per 30. Juli 2013 zu edieren habe, was er
bis anhin trotz mehrfacher Aufforderung unterlassen habe. Die Klägerin gehe da-
von aus, dass sich am 30. Juli 2013 noch mehr Geld auf dem Konto befunden
habe als am 31. Juli 2013 (Urk. 259/251 S. 15 Ziff. 42 und 46).
Da die Berufung des Beklagten bereits aus anderen Gründen abzuweisen
ist, braucht darauf nicht näher eingegangen zu werden. Die Klägerin brachte ihren
Hinweis denn auch lediglich im Rahmen "der anwaltlichen Sorgfaltspflicht" an
(Urk. 259/251 S. 14 Ziff. 39 a.E.). In der Stellungnahme zum Beweisergebnis hat
die Klägerin im Übrigen die Höhe der von der Vorinstanz berücksichtigten Vermö-
genswerte (die auf dem Kontosaldo per 31. Juli 2013 und dem Verkaufspreis der
Apple-Aktien beruhen; Urk. 173/6 und Urk. 240 S. 44) anerkannt (Urk. 204 S. 5
Rz 9: "Die Klägerin geht davon aus, dass diese Beträge auch am 30. Juli 2013 vorhan-
den waren", S. 8). Der Editionsantrag lit. d ist abzuweisen (Urk. 259/251 S. 3).
4.1 Die Vorinstanz hat ein Barvermögen der Parteien von Fr. 50'000.– ange-
nommen. Die Klägerin habe vorgebracht, der Beklagte habe in der Steuererklä-
rung 2012 Fr. 50'000.– an Bargeld, Gold und Edelmetallen ausgewiesen. Der Be-
klagte bestreite nicht, über diese Barmittel verfügt zu haben, gebe jedoch an, die-
se für seinen Anwalt und zur Begleichung der von der Klägerin angehobenen Be-
treibungen verwendet zu haben, um seine Stelle bei der Bank antreten zu kön-
nen. Diese Vorbringen seien indes nicht zu hören. Der Beklagte habe seinen An-
walt mit Vollmacht vom 15. April 2013, mithin dreieinhalb Monate vor Klageeinrei-
chung, mandatiert, wobei in dieser Zeit noch keine allzu hohen Kosten angefallen
sein könnten, zumal schliesslich die Klägerin das Verfahren eingeleitet habe. Die
erste namhafte Eingabe des Anwalts des Beklagten sei erst am 13. September
2013 erfolgt. Die vor dem 30. Juli 2013 entstandenen Anwaltskosten könnten die
Barreserve von Fr. 50'000.– also höchstens angekratzt haben. Der Beklagte be-
ziffere die vor Klageeinleitung entstandenen Anwaltskosten nicht. Auch die Be-
zahlung der in Betreibung gesetzten Forderungen könne erst nach dem Stichtag
erfolgt sein, datiere die erste Betreibung doch vom 21. März 2013. Folglich sei
- 44 -
davon auszugehen, dass der Beklagte per Stichtag noch über ganze Fr. 50'000.–
an Barreserven verfügt habe (Urk. 240 S. 44 f.).
4.2 Der Beklagte trägt dagegen vor, beim in der Steuererklärung aufgeführ-
ten Barvermögen handle es sich um frei angenommene Beträge, die sich aus Uh-
ren und dem Schmuck (Eigengut) und den Barreserven bei der Raiffeisenbank
zusammensetzten. Eine solche Angabe in der Steuererklärung sei nicht auf einen
früheren oder späteren Stichtag anwendbar, handle es sich dabei doch um eine
ungefähre Zahl. Er habe bis weit über den Stichtag der Einreichung der Klage die
vollen Kosten der ganzen Familie getragen. Die erste Konvention betreffend vor-
sorgliche Massnahmen vom 30. Oktober 2013 sei erst anfangs 2014 in Kraft ge-
treten und habe eine rückwirkende Aufrechnung seiner Aufwendungen bis zum 1.
Januar 2013 vorgesehen. In der Folge seien diese Aufrechnungen von der Kläge-
rin bis vor Obergericht angefochten worden. Die Steuererklärungen 2012 und
2013 würden die Umstände erhellen. Die Fr. 50'000.– seien deshalb nicht in die
güterrechtliche Auseinandersetzung einzubeziehen (Urk. 259/239 S. 14).
4.3 Die Klägerin entgegnet, der Beklagte habe vor Vorinstanz nicht bestrit-
ten, über die in der Steuererklärung aufgeführten Barmittel von Fr. 50'000.– ver-
fügt zu haben. Entsprechend seien diese Fr. 50'000.– in die güterrechtliche Aus-
einandersetzung miteinzubeziehen. Daran ändere nichts, dass der Beklagte über
den Stichtag der güterrechtlichen Auseinandersetzung hinaus Kosten der ganzen
Familie getragen haben wolle, was bestritten werde. Im Gegenteil habe der Be-
klagte stets nur für sich geschaut und der Klägerin gesagt, dass sie verhungern
solle (Urk. 259/251 S. 16).
4.4 Die Ausführungen des Beklagten in tatsächlicher Hinsicht sind neu und
unzulässig. Insbesondere hat der Beklagte nie behauptet, es gehe hier um
Schmuck und Uhren (vgl. Urk. 82 S. 15, Prot. I S. 96). Um "Barreserven bei der
Raiffeisenbank" kann es sich auch nicht handeln, versteht der Beklagte darunter
doch sein Guthaben bei der Raiffeisenbank (Prot. I S. 167; vgl. auch Prot. I S. 96
[Zu Ziff. 36]). Der Einwand, dass eine Angabe in der Steuererklärung 2012 nicht
geeignet ist, Gesamtgut per 30. Juli 2013 zu belegen, betrifft hingegen die Be-
weislastverteilung und die Beweiswürdigung und ist zu beachten.
- 45 -
4.5 Soll ein Vermögenswert in die güterrechtliche Auseinandersetzung ein-
bezogen werden, genügt es nicht darzutun, dieser habe einmal zum Gesamtgut
gehört. Vielmehr muss bewiesen werden, dass er bei der Auflösung des Güter-
standes noch vorhanden gewesen ist (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 226
ZGB N 20, mit Verweis auf BGE 118 II 28; BSK ZGB I-Hausheer/Aebi-Müller,
Art. 226 N 4 S. 1290). Demnach oblag es der Klägerin zu behaupten und zu be-
weisen, dass am 30. Juli 2013 Bargeld von Fr. 50'000.– vorhanden war. Die Vor-
instanz verkennt mit ihren Erwägungen, dass die Behauptungs- und Beweislast
der Klägerin obliegt.
4.6 In der Klageschrift verlangte die Klägerin, der Beklagte habe über das
Vorhandensein eines allfälligen Banksafes und dessen Inhalt Auskunft zu erteilen.
Immerhin weise die Steuererklärung 2012 (Urk. 13/19) unter der Rubrik "Bargeld,
Gold und andere Edelmetalle" einen Betrag von Fr. 50'000.– aus; dieses Geld
werde der Beklagte kaum in seiner Wohnung aufbewahren. Als Beweismittel be-
zeichnete sie die Vorlage einer Bestätigung der Raiffeisenbank ... [Region] über
das allfällige Vorhandensein eines Banksafes (Urk. 76 S. 27). In der Klageantwort
bestritt der Beklagte diese Vorbringen pauschal (Urk. 82 S. 15 [zu 8.6.1.3]). An
der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 ging die Klägerin davon aus, dass es
sich bei den in der Steuererklärung 2012 deklarierten Fr. 50'000.– um Barmittel
handle. Der Beklagte habe in der Klageantwort, Ziff. 8.6.1.6, den Besitz von Bar-
mitteln eingeräumt. Ausserdem werde auf die eingereichte Tonbandaufnahme
(Urk. 92/5) verwiesen. Der Beklagte habe zu belegen, was mit diesem Geld bis
am 30. Juli 2013 geschehen sei. Bis dahin gehe die Klägerin davon aus, dass es
immer noch vorhanden sei, weshalb sie einen Anspruch aus Gesamtgut auf
Fr. 25'000.– als ihre Hälfte am nämlichen Gesamtgut erhebe (Urk. 152 S. 20). Der
Beklagte erklärte darauf, es sei klar, dass das Geld irgendwann aufgebraucht sei,
wenn jeden Monat ein Manko von Fr. 2'000.– bis Fr. 4'000.– bestehe. Es sei rich-
tig, dass er über keine weiteren Barreserven verfüge. Er habe mit seinen Geldre-
serven die Anwaltskosten bezahlt und die Schulden, für die er von der Klägerin
betrieben worden sei, damit er die Stelle bei der Bank bekomme. Er habe über-
dies ein Darlehen von seiner Partnerin erhalten, damit er alle diese Auslagen ha-
- 46 -
be decken können. Daher seien mittlerweile alle Barreserven aufgebraucht. Auch
bei der Klägerin seien Barreserven vorhanden gewesen (Prot. I S. 96).
4.7 Entgegen der Auffassung der Klägerin, kann die Antwort des Beklagten
auf die Frage, von welchem Konto er 2013 die Anwaltsrechnungen bzw. die Vor-
schüsse an seinen Rechtsvertreter überwiesen habe (Urk. 82 S. 15: "Durch die
Unterstützung von Freunden und Bekannten und mit meinen letzten Barmitteln."),
nicht als Anerkennung gewertet werden, dass am 30. Juli 2013 noch Fr. 50'000.–
vorhanden waren.
4.8 Der von der Vorinstanz mit Beweisverfügung vom 13. August 2015 for-
mulierte Beweissatz r) lautete wie folgt (Urk. 162 S. 8 f.):
"Der Beklagte verfügte per 30. Juli 2013 über Barreserven in der Höhe von Fr. 50'000.–, mit welchen er Zahlungen für die Hypothekarzinsen der  in C._, an das Betreibungsamt R._-... und für einen  tätigte."
Als Hauptbeweismittel der Klägerin liess die Vorinstanz die Urkunden 92/5 und
153/41-43 sowie die Parteibefragung der Klägerin und des Beklagten zu. Der Be-
klagte bezeichnete keine Beweismittel.
4.9 Bei Urk. 92/5 handelt es sich um eine CD mit einer vom Beklagten auf
dem Telefonbeantworter der Klägerin hinterlassenen Nachricht, "die sich auf die-
se Reserven bezieht" (Urk. 91 S. 3). Die CD wurde aber im Zusammenhang mit
einem Konto des Beklagten bei der Raiffeisenbank eingereicht (Urk. 91 S. 3). Of-
fenbar verstand auch die Klägerin "Barreserven" (Urk. 91 S. 3) als flüssige Mittel
und nicht als Bargeld im Sinne der Steuererklärung. Wann diese Mitteilung erfolg-
te, ist nicht bekannt. In der Parteibefragung erklärte der Beklagte, es sei um die
Reserve von Fr. 250'000.– bei der Raiffeisenbank gegangen (Prot. I S. 158). Die-
se Reserve wurde unbestrittenermassen je zur Hälfte auf die Parteien aufgeteilt
(Urk. 259/251 S. 14 Ziff. 40; Prot. I S. 100). Die CD ist nicht geeignet, den Nach-
weis für das Vorhandensein von Fr. 50'000.– in bar per 30. Juli 2013 zu leisten.
4.10 Bei Urk. 153/41 handelt es sich um eine Gutschriftsanzeige der Mig-
rosbank zugunsten der Klägerin vom 4. Februar 2015. Demzufolge zahlte der Be-
klagte zugunsten der Klägerin Fr. 1'441.40 bar bei der Post mit dem Zweck "Ver-
- 47 -
billigung CSS" ein. Der Beklagte sagte dazu aus, dies müsse das Geld gewesen
sein, das aufgrund der Verbilligung der CSS an ihn direkt vom Pöstler in bar zu-
rückbezahlt und von ihm am Postschalter bar einbezahlt worden sei (Prot. I
S. 158). Bei Urk. 153/42 handelt es sich um eine Bestätigung von zwei Hypothe-
karzinszahlungen (Einzahlungsschein oder Schaltereinzahlung) vom 22. April
2015 über je Fr. 3'125.–. Der Beklagte sagte dazu aus, er wisse nicht mehr, bei
welcher Bank er das Geld bezogen habe, um die Hypothekarzinse zu begleichen.
Es könne bei der Bank Raiffeisen gewesen sein. Das Geld für den Dezember ha-
be er bestimmt von seiner Partnerin erhalten; woher das Geld für den März
stamme, müsste er nachschauen (Prot. I S. 158 f.). Die beiden Urkunden vermö-
gen somit den Nachweis für das Vorhandensein von Fr. 50'000.– in bar per
30. Juli 2013 nicht zu erbringen. Das Gleiche gilt für die WhatsApp-Nachricht vom
3. April 2015 (Urk. 153/43), worin der Beklagte seinem Sohn K._ mitteilt,
dass er für zwei Wochen in einer Erholungs- und Fastenkur sei.
4.11 Die Klägerin sagte aus, sie wisse nicht, wie sie auf die Fr. 50'000.– ge-
kommen seien. Sie wisse nur, dass der Beklagte Fr. 250'000.– im Kuvert gehabt
habe (Prot. I S. 152 f.). Wovon die Klägerin da sprach und ob sie damit die "Bar-
reserve" (Notgroschen) von Fr. 250'000.– ansprach, die aufgeteilt wurde
(Urk. 13/27 S. 87; vgl. auch E. B/8.6), bleibt ebenso unklar wie der Zeitpunkt, auf
den sich ihre Aussage bezieht, zumal im Schlussvortrag zu Beweissatz r) nicht
Stellung genommen wurde (Urk. 204 S. 6). Die Klägerin konnte damit das Vor-
handensein von Fr. 50'000.– in bar per 30. Juli 2013 ebenfalls nicht bestätigen.
4.12 Der Beklagte gab auf die Frage, wie hoch seine Barreserven per
30. Juli 2013 gewesen seien, zu Protokoll, er habe über Fr. 98'537.25 gemäss
den Belegen des Raiffeisenkontos verfügt. Für die Begleichung der per 31. De-
zember 2014 und 31. März 2015 fälligen Hypothekarzinse habe er Geld von der
Bank abgehoben und dann einbezahlt (Prot. I S. 157). Andererseits erklärte der
Beklagte, er habe sicher auch immer Barreserven in der Höhe von Fr. 5'000.– zu-
hause für solche Sachen gehabt (Prot. I S. 159).
4.13 Weder die Klägerin noch der Beklagte bringen vor, die Vorinstanz hätte
rechtzeitig bezeichnete Beweismittel nicht abgenommen oder Auskunftsersuchen
- 48 -
übergangen (vgl. auch Prot. I S. 159). Die abgenommenen Beweismittel lassen
den Schluss nicht zu, es sei per 30. Juli 2013 Bargeld von Fr. 50'000.– vorhanden
gewesen. Der Beklagte ist indes auf der Aussage zu behaften, dass er immer
Barreserven von Fr. 5'000.– bei sich zu Hause aufbewahrt hat, um Einzahlungen
zu tätigen. Das Gesamtgut verringert sich somit um Fr. 45'000.–. Bei diesem Er-
gebnis kann offen gelassen werden, ob die Fr. 50'000.– später für die eheliche
Gemeinschaft verbraucht wurden oder der Verbrauch persönlichen Interessen
diente (BSK ZGB I-Hausheer/Aebi-Müller, Art. 240 N 5 S. 1330).
5.1 Die Vorinstanz berücksichtigte das auf den Beklagten allein lautende
Konto ... bei der Postfinance mit dem per 30. Juli 2013 ausgewiesenen Konto-
stand von Fr. 76'537.03. Den Einwand des Beklagten, es handle sich dabei um
ein reines Transitkonto und folglich um einen Zwischensaldo, wies sie zurück mit
der Begründung, für die güterrechtliche Auseinandersetzung sei einzig der Saldo
per Stichtag massgebend (Urk. 240 S. 45).
5.2 Der Beklagte ficht diesen Punkt an mit der Begründung, dieses Konto
habe als "Transit- bzw. Zahlungskonto" für die gesamten Zahlungen der Familie
herhalten müssen. In diesem Fall sei der Stichtag "nicht anwendbar", da er sich
bis weit in das Jahr 2014 hinein noch um die Familienfinanzen gekümmert und bis
weit über den Stichtag hinaus die vollen Kosten der Familie getragen habe. Die
erste Konvention betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 30. Oktober 2013 sei
erst anfangs 2014 in Kraft getreten und habe die rückwirkende Aufrechnung sei-
ner Aufwendungen bis zum 1. Januar 2013 vorgesehen. Konkret habe er von die-
sem Konto am 10. September 2013 Fr. 60'000.– an das Steueramt E._
überwiesen. Wie diese Zahlung zeige, mache es keinen Sinn, für dieses Konto
einen bestimmten Stichtag anzunehmen. Er beantrage, dieses Konto nicht in die
güterrechtliche Auseinandersetzung einzubeziehen oder wenigstens die Teilrück-
zahlung der Steuerschulden zu berücksichtigen (Urk. 259/239 S. 14). An anderer
Stelle weist der Beklagte darauf hin, dass er im September 2013 eine Schulden-
tilgung von Fr. 60'000.– vorgenommen habe, die im angefochtenen Urteil nicht
erwähnt werde. Diese Schuldentilgung sei aus den Akten der Vorinstanz ersicht-
- 49 -
lich und sei ausserhalb der Bedarfsberechnung getätigt worden (Urk. 259/239
S. 16)
5.3 Die Klägerin hält dagegen, dass der Beklagte vor Vorinstanz nie vorge-
bracht habe, dass sein Guthaben auf dem Postkonto nicht in die güterrechtliche
Auseinandersetzung miteinzubeziehen sei. Darüber hinaus vermische er in sei-
nen Ausführungen vermögensrechtliche mit unterhaltsrechtlichen Belangen. Für
die güterrechtliche Auseinandersetzung sei nicht massgebend, ob es sich beim
Postkonto um ein "Transaktionskonto" gehandelt habe. Fakt sei, dass sich darauf
per Stichtag der güterrechtlichen Auseinandersetzung Fr. 76'573.03 befunden
hätten. Dieser Betrag sei – wie die Vorinstanz zutreffend erkannt habe – massge-
bend (Urk. 259/251 S. 17). Der Beklagte habe vor Vorinstanz nie vorgebracht,
Fr. 60'000.– zur Schuldentilgung bezahlt zu haben; überdies sei nicht klar, welche
Schulden der Beklagte damit habe abbezahlen wollen (Urk. 259/251 S. 19).
5.4 Massgebend für den Wert des bei Auflösung des Güterstandes vorhan-
denen Gesamtgutes ist der Zeitpunkt der Auseinandersetzung (Art. 240 ZGB).
Wird Gesamtgut nach Auflösung des Güterstandes verbraucht, erübrigen sich
Teilung und Bewertung. Dabei bleibt es auf jeden Fall, wenn der Verbrauch der
ehelichen Gemeinschaft diente und einverständlich bzw. im Rahmen von Art. 166
ZGB erfolgte. Lag dagegen der Verbrauch im ausschliesslich persönlichen Inte-
resse eines Ehegatten, bleibt zu prüfen, ob dem anderen Ehegatten in Analogie
zu Art. 231 ZGB ein Verantwortlichkeitsanspruch zu steht (BK-Hausheer/Reusser/
Geiser, Art. 240 ZGB N 9; BSK ZGB I-Hausheer/Aebi-Müller, Art. 240 N 5
S. 1330; CPra Matrimonial-Guillod, Art. 240 CC N 8). Somit kann der Vorinstanz
nicht beigepflichtet werden, dass für die güterrechtliche Auseinandersetzung "ein-
zig der Saldo per Stichtag massgebend" ist.
5.5 Nicht einzutreten ist auf die Berufung insoweit, als der Beklagte vor-
bringt, er habe bis weit über den 30. Juli 2013 hinaus die vollen Kosten der Fami-
lie getragen. Weder beziffert er die einzelnen Kosten, noch zeigt er im Einzelnen
auf, welche Aufwendungen für die Familie vom Postkonto getätigt wurden. Zudem
wurde auf das besagte Postkonto auch der Lohn überwiesen (Urk. 242/7 S. 4
[25.09.13]), wovon primär der laufende Unterhalt der Familie zu decken war. An-
- 50 -
ders verhält es sich mit den am 10. September 2013 dem Steueramt E._
überwiesenen Fr. 60'000.–, mit denen gemeinsame Steuerschulden des Jahres
2011 teilweise beglichen wurden (Urk. 259/242/7).
5.6 Es trifft zu, dass der Beklagte nie explizit vorbrachte, sein Guthaben auf
dem Postkonto bzw. der dem Steueramt im September 2013 überwiesene Betrag
von Fr. 60'000.– sei nicht in die güterrechtliche Auseinandersetzung miteinzube-
ziehen. An der Hauptverhandlung führte der Beklagte dazu aus, es sei richtig,
dass das fragliche Konto am 30. Juli 2013 den Saldo von Fr. 76'573.03 ausge-
wiesen habe. Zugleich wies er aber darauf hin, dass über dieses Konto sämtliche
Zahlungen wie Unterhaltszahlungen, Hypotheken etc. abgewickelt worden seien.
Daher könne anhand eines Zwischensaldos nichts belegt werden; es sei ein rei-
nes Transitkonto (Prot. II S. 97). Insofern bestritt der Beklagte, dass der Saldo von
Fr. 76'573.03 für die Gesamtgutsbewertung und für die Teilung massgebend sei.
5.7 Der Beklagte brachte schon in seiner ersten Eingabe an die Vorinstanz
vom 13. September 2013 vor, die Parteien hätten Steuerschulden aus dem Jahre
2011 in der Höhe von über Fr. 162'000.–. Die Steuerverwaltung sei mit einer ers-
ten Anzahlung von Fr. 60'000.– bis 10. September 2013 einverstanden, wobei er
diese Zahlung bereits geleistet habe (mit Verweis auf Urk. 13/17+18). Für die
restlichen Fr. 102'912.85 hätten die Parteien bis spätestens 15. November 2013
einen Abzahlungsvorschlag einzureichen (Urk. 8 S. 6).
Anlässlich der Einigungs- und Massnahmeverhandlung vom 30. Oktober
2013 erklärte der Beklagte, der aktuelle Saldo seiner Bankkonten betrage ca.
Fr. 5'000.–. Seit Einreichung der Unterlagen seien noch Fr. 60'000.– an Steuern
für E._ bezahlt worden. Das sei eine Abmachung mit der Steuerbehörde
E._ gewesen (Prot. I S. 32).
Mit Eingabe vom 15. November 2013 reichte der Beklagte eine Vielzahl wei-
terer Unterlagen zwecks Nachweises der von ihm geleisteten, an den vorsorgli-
chen Unterhaltsbeitrag ab 1. März 2013 anrechenbaren Direktzahlungen ein
(Urk. 29), darunter auch den Kontoauszug seines Postkontos vom 1. bis 30. Sep-
tember 2013 (Urk. 30/152). Demzufolge wurden dem Postkonto am 10. Septem-
- 51 -
ber 2013 Fr. 60'000.– belastet (Urk. 30/152 S. 2). Dieser Kontoauszug entspricht
dem mit der Berufung eingereichten Kontoauszug (Urk. 242/7).
In der Klageschrift vom 13. Juni 2014 warf die Klägerin dem Beklagten vor,
er habe seit Jahren die Steuern stets zu spät bezahlt und dadurch unnötige Ver-
zugszinsen verursacht. Die Gesamthöhe der derzeitigen Steuerschulden sei der
Klägerin nicht bekannt. Der Beklagte sei zur Edition der aktuellen Belege bzw.
Bestätigungen der zuständigen Steuerämter betreffend die noch vorhandenen
Restschulden der vergangenen Jahre zu verpflichten (Urk. 76 S. 32). In der Kla-
geantwort vom 12. September 2014 stellte sich der Beklagte auf den Standpunkt,
die Verkäufe, Rückzahlungen, Geldflüsse und Belege seien soweit vorhanden be-
reits ediert worden (Urk. 82 S. 12). Sodann verwies er auf zusätzliche Beilagen
wie Abzahlungsvereinbarungen und Korrespondenz mit den Steuerbehörden
(Urk. 82 S. 14 und S. 16, Urk. 85/8-14). An der Hauptverhandlung wiederholte die
Klägerin den Vorwurf, dass im Jahr 2011 mehr als genügend Mittel vorhanden
gewesen seien, um die Steuern bzw. die provisorischen Rechnungen zu bezahlen
(Urk. 152 S. 23).
5.8 Aufgrund des soeben Ausgeführten kann weder davon ausgegangen
werden, der Beklagte habe den Wert von Fr. 76'573.03 anerkannt, noch gesagt
werden, der Verbrauch von Fr. 60'000.– für die Tilgung der Steuerschulden und
die entsprechenden Beweismittel seien "nicht schon vor erster Instanz vorge-
bracht [worden]" (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Auf die Rüge des Beklagten ist daher ein-
zutreten.
5.9 Gemäss "Plan de recouvrement" vom 2. September 2013 stellte das
Steueramt des Kantons Waadt dem Beklagten Fr. 60'000.– für die Steuern 2011
in Rechnung, zahlbar bis 10. September 2013, nachdem der Beklagte dem Steu-
eramt mitgeteilt hatte, ihm würden aktuell Fr. 70'000.– auf einem gemeinsamen
Konto mit seiner Frau zur Verfügung stehen und er schlage vor, sofort
Fr. 60'000.– und danach den Rest gemäss Entscheidung des Richters zu bezah-
len (Urk. 13/16, Urk. 13/17). Am 10. September 2013 überwies der Beklagte dem
Steueramt vom Postkonto ..., dessen Saldo per 31. August 2013 noch
Fr. 69'250.73 betragen hatte, Fr. 60'000.– (Urk. 13/18, Urk. 30/152 S. 1 [31.08.13]
- 52 -
und S. 2 [10.09.13]). Ab November 2013 bezahlte der Beklagte monatliche Raten
von Fr. 800.– an das Steueramt (Urk. 85/10), die auch in seinem monatlichen Be-
darf berücksichtigt wurden (Urk. 59 S. 2).
5.10 Für die Restschuld wurden seitens des Beklagten ab November 2013
Ratenzahlungen von Fr. 800.– geleistet, die in seinem Bedarf berücksichtigt wur-
den. Demnach steht fest, dass der Beklagte vom Gesamtgut der Parteien
Fr. 60'000.– für gemeinsame Steuerschulden und damit für die eheliche Gemein-
schaft verbrauchte. Ohnehin hätten – zumindest in diesem bezifferten Umfang –
die auf dem Gesamtgut lastenden Schulden (Art. 238 Abs. 2 ZGB) abgezogen
werden müssen, da lediglich der Nettowert des Gesamtgutes hälftig auf die Ehe-
gatten aufzuteilen ist (BSK ZGB I-Hausheer/Aebi-Müller, Art. 241 N 7). Damit ver-
ringert sich das Gesamtgut um Fr. 60'000.– und sind lediglich Fr. 16'573.03 als im
Zeitpunkt der Teilung noch vorhandenes Gesamtgut zu betrachten.
6.1 Die Vorinstanz berücksichtigte weiter die auf den Beklagten und seine
Lebenspartnerin lautenden gemeinsamen Konti (Postkonto Nr. ... [Urk. 173/8] und
das Mieterkautionskonto bei der Bank Clientis [Urk. 173/9]) je zur Hälfte. Der Be-
klagte macht geltend, am 31. Juli 2013 sei vom Postkonto, das am Stichtag einen
Saldo von Fr. 2'917.95 aufgewiesen habe, der monatliche Mietzins von Fr. 2'791.-
bezahlt worden. Das Konto werde jeweils am 26. des Monats mit dem erforderli-
chen Geld für die Miete und den Lebensunterhalt gespiesen und bis zum nächs-
ten Monat aufgebraucht. Dies sei ein übliches Vorgehen in einer Partnerschaft.
Das Postkonto und das Mieterdepot habe er aus dem ihm aus der Bedarfsbe-
rechnung zustehenden Grundbetrag und den Wohnkosten (monatlich Fr. 2'250.–)
bestritten und nicht, wie vom Gericht angenommen, von seinen Einkünften und
seinem Vermögen. Seine Partnerin habe die andere Hälfte einbezahlt. Bei diesem
Konto und dem Mieterdepot mache die Anwendung des Stichtages keinen Sinn,
weshalb die Werte nicht in der güterrechtliche Auseinandersetzung einzubeziehen
seien (Urk. 259/239 S. 15).
6.2 Aus dem in der Bedarfsaufstellung enthaltenen Grundbetrag und den
Wohnkosten kann der Beklagte – wie die Klägerin zu Recht vermerkt – diese Kon-
ten gar nicht geäufnet haben, handelt es sich bei Grundbetrag und Wohnkosten
- 53 -
doch um reine Rechnungspositionen. Vielmehr muss es sich bei den Guthaben
um Einkünfte oder Vermögenswerte des Beklagten handeln, die in der allgemei-
nem Gütergemeinschaft zum Gesamtgut vereinigt werden (Art. 222 Abs. 1 ZGB).
6.3 Weder vor Vorinstanz noch im Berufungsverfahren machte der Beklagte
einen Verbrauch des Mieterdepots geltend. Die Vorinstanz hat den hälftigen Anteil
des Beklagten daran zu Recht als Gesamtgut betrachtet.
6.4 Der Beklagte machte an der Hauptverhandlung vom 30. August 2015
geltend, es sei absurd, dass die Klägerin einen Anspruch auf einen Viertel des
Positivsaldos des Postkontos haben solle. Es handle sich um ein gemeinsames
Konto von ihm und seiner Partnerin. Jeder bezahle pro Monat Fr. 500.– Essens-
geld auf dieses Konto ein. Über dieses Postcheck-Konto würden die gemeinsa-
men Einkäufe bezahlt sowie die Miete (Prot. I S. 97). In der Stellungnahme zum
Beweisergebnis präzisierte der Beklagte, beim Postkonto ... handle es sich um
ein Konto, das der reinen Abwicklung der hälftigen Lebenskosten mit seiner Part-
nerin diene. Es sei am 6. August 2012 eröffnet worden und habe ab Juli 2013
auch zur Bezahlung der Miete gedient (Urk. 172 S. 4 mit Verweis auf Urk. 173/8).
Auf diese Stellungnahme wird vom Beklagten in der Berufung verwiesen
(Urk. 259/239 S. 15).
6.5 Aus dem eingereichten Kontoauszug (6. August 2012 bis 31. Juli 2013)
geht mit hinreichender Deutlichkeit hervor, dass das besagte Postkonto der Be-
streitung des laufenden Unterhalts und der Bezahlung des Mietzinses diente. Der
Beklagte und seine Lebenspartnerin leisteten hälftige Beiträge für die laufenden
Ausgaben und den Mietzins. Am 30. Juli 2013 betrug der Saldo Fr. 2'917.95. Am
31. Juli 2013 erfolgten zwei Belastungen über Fr. 80.– und Fr. 2'711.–, nachdem
am 25. und 26. Juli 2013 zwei Gutschriften über Fr. 1'395.50 mit den Mitteilungen
"Miete R._" bzw. "Anteil Miete S._" eingegangen waren (Urk. 173/8).
Dem Beklagen waren im Rahmen der vorsorglichen Massnahmen (basierend auf
einer von den Parteien abgeschlossenen Konvention) Fr. 1'400.– für Miete und
Nebenkosten eingerechnet worden (Urk. 59 S. 17). Damit wurden vom Gesamtgut
von Fr. 1'458.97 (1/2 von Fr. 2'917.95) Fr. 1'395.50 verbraucht. Und zwar erfolgte
dieser Verbrauch im Rahmen der laufenden Bedürfnisse der Familie (wozu auch
- 54 -
die Wohnkosten des Beklagten zählen) bzw. einverständlich. Damit sind lediglich
Fr. 63.47 (1/2 von Fr. 126.95) als im Zeitpunkt der Teilung noch vorhandenes Ge-
samtgut zu betrachten.
7. Damit verringert sich das Gesamtgut "im Eigentum des Beklagten" von
Fr. 237'390.20 um insgesamt Fr. 106'395.50 (Fr. 45'000.– zuzüglich Fr. 60'000.–
zuzüglich Fr. 1'395.50) auf Fr. 130'994.70 bzw. gemäss der Aufstellung der Vor-
instanz (Urk. 240 S. 53) von Fr. 241'567.21 um Fr. 107'991.– (Fr. 45'000.– zuzüg-
lich Fr. 60'000.– zuzüglich Fr. 2'791.–) auf Fr. 133'776.21. Der Anteil der Klägerin
würde noch Fr. 65'497.30 und die Ausgleichszahlung noch Fr. 64'379.05
(Fr. 65'497.30 abzüglich Fr. 1'118.25) betragen (vgl. Aufstellung in E. IV/9.1).
8.1 Die Vorinstanz stellte (ohne weitere Erwägungen) fest, dass die Klägerin
per Stichtag, 30. Juli 2013, auf ihren beiden UBS-Konti (... und ...) über insge-
samt Fr. 2'236.51 verfügt habe, wovon dem Beklagten die Hälfte, Fr. 1'118.25,
zustehe (Urk. 240 S. 45). Weiteres "Gesamtgut im Eigentum der Klägerin" führte
sie nicht auf (Urk. 240 S. 53); sie bemerkte aber in anderem Zusammenhang, die
Klägerin habe es trotz Aufforderung des Gerichts unterlassen, ihrerseits Auszüge
ihrer beiden UBS-Konti für das Jahre 2012 einzureichen, wodurch sie eine kon-
krete Überprüfung der hälftigen Aufteilung des Notgroschens von Fr. 250'000.–
verunmöglicht habe, was ihr anzulasten sei (Urk. 240 S. 43 f.).
8.2 Der Beklagte rügt, die Klägerin habe trotz mehrfacher Aufforderung zur
Edition die detaillierten Kontoauszüge der beiden UBS-Konten von Ende 2012 bis
30. Juli 2013 nicht beigebracht. Die Klägerin sei mit Verfügung der Vorinstanz
vom 13. August 2015 aufgefordert worden, den Auszug der beiden Konten bei der
UBS für die Periode vom 1. Mai 2012 bis 30. Juli 2013 einzureichen. Sie habe
weder den Auszug für die besagte Periode eingereicht noch eine Begründung für
die verweigerte Mitwirkung geliefert. Die Vorinstanz halte selber fest, dass die
Klägerin dadurch eine konkrete Überprüfung verunmögliche und ihr dies anzulas-
ten sei, ziehe daraus aber keine Schlüsse. Vor Einreichung der Scheidungsklage
habe er der Klägerin am 21. Mai 2012 die Hälfte der Barreserven von
Fr. 250'000.– auf ihre UBS-Konten überwiesen. Zusätzlich seien für einen Versi-
cherungsfall am 24. September 2009 Fr. 10'000.– und am 20. November 2012
- 55 -
Fr. 68'000.– "diesem Konto" gutgeschrieben worden. Damit hätten Ende 2012
bzw. kurz vor Einreichung der Scheidungsklage Fr. 203'000.– auf den besagten
Konten gelegen. Das Geld könne bis zu diesem Zeitpunkt nicht ausgegeben wor-
den sein. Einerseits sei er für die laufenden Kosten aufgekommen und anderer-
seits sei die Klägerin zu diesem Zeitpunkt vom Sozialamt C._ unterstützt
worden. Er fordere erneut die Edition der Auszüge der beiden UBS-Konten für die
Periode 1. Mai 2012 bis 30. Juli 2013. Er habe seine Konten offengelegt und solle
nun für seinen Teil des "geteilten Geldes" nochmals die Hälfte teilen, was nicht
richtig sei. Er beantrage die Festlegung des Saldos der beiden UBS-Konten auf
mindestens Fr. 203'000.– bis zum Eintreffen der Auszüge. Entsprechend sei ihm
die Hälfte, mithin Fr. 101'500.–, zuzusprechen. Ein darüberhinausgehender Aus-
gleich sei nach Eintreffen der Auszüge zu berechnen und hälftig zu teilen
(Urk. 259/239 S. 12 f. und S. 16).
8.3 Die Klägerin hält dafür, der Beklagte habe vor Vorinstanz nie in substan-
tiierter Weise behauptet, es seien auf Seiten der Klägerin mindestens
Fr. 203'000.– zu berücksichtigen. Sie habe die Vorinstanz bereits mit Schreiben
vom 14. September 2015 (Urk. 174) auf diesen Umstand hingewiesen. Es könnte
der Klägerin aufgrund des luxuriösen Lebensstils der Parteien im Übrigen nicht
angelastet werden, wenn sie die am 21. Mai 2012 überwiesenen Fr. 125'000.– bis
zum 30. Juli 2013 ausgegeben hätte, zumal die Klägerin vom Beklagten seit De-
zember 2012 in keiner Weise mehr finanziell unterstützt worden sei. Trotzdem
habe sie sich und ihre Familie irgendwie ernähren und die laufenden, "sehr teuren
Kosten" begleichen müssen. Die Versicherungssumme von Fr. 68'000.– sei Er-
satz für ihr Eigengut (Kleider und Schuhe) gewesen und angesichts des "akten-
kundig luxuriösen Lebensstandards der Parteien" und den überaus hohen Kosten
der Klägerin bis zum 30. Juli 2013 ebenfalls verbraucht worden. Die Behauptung
des Beklagten, er sei für alle laufenden Kosten aufgekommen, sei neu und unzu-
treffend. Auch von den Guthaben des Beklagten von Fr. 250'000.– bei der Raiffei-
senbank seien am 30. Juli 2013 nur noch Fr. 18'000.– übrig gewesen
(Urk. 259/251 S. 17 f. Ziff. 54 ff., S. 15 f. Ziff. 44 f.).
- 56 -
8.4 Die Parteien erlitten am 8. August 2007 in ihrer Liegenschaft in E._
einen Wasserschaden, der laut Klägerin einen Schaden von Fr. 320'000.– verur-
sachte. Die D._ ersetzte davon in der Folge wegen massiver Unterversiche-
rung lediglich Fr. 100'000.–, wobei die erste und dritte Rate von Fr. 10'000.– und
Fr. 68'000.– auf das Konto der Klägerin ging (Urk. 23 S. 23 f., Urk. 85/54). Die
Klägerin machte an der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 geltend, bei der
ausbezahlten Versicherungssumme handle es sich um Ersatz für Eigengut, da sie
damit für ihre persönlichen Gegenstände, namentlich für ihre Kleider entschädigt
worden sei, wie sich aus der bei den Akten liegenden Schadensliste (Urk. 24/22)
ergebe (Prot. I S. 99). Dies blieb seitens des Beklagten unbestritten (Prot. I
S. 103; vgl. auch Urk. 82 S. 3, Urk. 154 S. 3). Aus der Schadensliste ergibt sich,
dass überwiegend Kleidungsstücke der Klägerin angegeben wurden (Urk. 24/22).
Die der Klägerin von der Gesamtentschädigung von Fr. 100'000.– ausbezahlte
Teilentschädigung von Fr. 78'000.– wurde damit für persönliche Gegenstände der
Klägerin geleistet.
8.5 Gemäss Art. 225 Abs. 2 ZGB sind Gegenstände, die einem Ehegatten
ausschliesslich zum persönlichen Gebrauch dienen, Eigengut. Zu den persönli-
chen Gebrauchsgegenständen zählen insbesondere auch Herren- bzw. Damen-
kleidung und Wäsche (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 198 ZGB N 16). Die
von der Versicherung geleistete Entschädigung für Eigengut ist wiederum als Ei-
gengut zu betrachten (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 225 ZGB N 7).
Fr. 78'000.– fallen damit als Gesamtgut von vornherein ausser Betracht.
8.6 Damit stellt sich nur noch die Frage, wie mit den Fr. 125'000.– zu verfah-
ren ist, die am 21. Mai 2012 auf zwei UBS-Konten der Klägerin (IBAN CH... und
IBAN CH...) überwiesen wurden (Urk. 13/27 S. 87). Der Beklagte stellte bereits
mit Eingabe vom 13. September 2013 einen umfassenden Auskunfts- und Editi-
onsantrag unter Vorbehalt der nachträglichen Bezifferung der güterrechtlichen An-
träge (Urk. 8 S. 2). In der Klageantwort vom 12. September 2014 wies der Beklag-
te darauf hin, dass die "lückenlose Editierung der Konten der Klägerin bei der
UBS für die Jahre 2011 bis Ende 2013 [...] mehrfach erfolglos eingefordert" wor-
den sei (Urk. 82 S. 15). Die Klägerin habe detaillierte Kontoauszüge der Jahre
- 57 -
2011, 2012 und 2013 der beiden Konten bei der UBS zu edieren (Urk. 82 S. 16).
An der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 verlangte der Beklagte die Edition
"SBG 2011 bis Heute CH... Sparkonto / CH... PK [...] im Gegenzug zum Raiffei-
senauszug". Weiter legte er dar, dass folgende Überweisungen auf das Konto
bzw. die Konten der Klägerin bei der UBS erfolgt seien:
− am 21. Mai 2012 Fr. 125'000.– auf die Konten bei der UBS
− am 20. November 2012 Fr. 68'000.– auf das Konto bei der UBS − am 24. September 2009 Fr. 10'000.– auf das Konto bei der UBS
Allein diese Zahlungen hätten Fr. 203'000.– ausgemacht, die bis heute nicht
sichtbar gewesen seien (Urk. 154 S. 4). Sodann rekapitulierte der Beklagte, dass
die Parteien bei der Raiffeisenbank über eine Barreserve im Sinne eines Notgro-
schens in der Höhe von Fr. 250'000.– verfügt und diese Barreserve aufgeteilt hät-
ten. Der hälftige Anteil der Klägerin sei auf ein oder zwei Konti bei der UBS über-
wiesen worden (Prot. I S. 96). Auf den Einwand der Klägerin, der Beklagte lege
nicht dar, was er mit den verlangten UBS-Kontoauszügen beweisen wolle bzw.
welche Ansprüche er daraus ableite, weshalb keine Pflicht zur Edition bestehe
(Urk. 152 S. 23 Rz 47), entgegnete der Beklagte: "Im Zusammenhang mit dem
UBS-Konto habe ich bereits erläutert, dass ich wissen möchte, wo diese
Fr. 200'000 bis Fr. 300'000.– geblieben sind." (Prot. I S. 97). Auf Nachfrage des
Gerichts wiederholte der Beklagte, dass er die Kontoauszüge der beiden UBS-
Konti von Ende 2012 bis heute sehen möchte (Prot. I S. 98).
Die Klägerin behauptete an der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 dem-
gegenüber, die Fr. 125'000.– seien zwischenzeitlich vollständig verbraucht wor-
den. Sie habe ihre Kontoauszüge oder Saldobestätigung der UBS bereits einge-
reicht. Es werde bestritten, dass sie irgendwelche Gelder auf die Seite gezügelt
haben solle (Prot. I S. 100).
8.7 Die Vorinstanz formulierte in der Beweisverfügung vom 13. August 2015
folgenden Beweissatz v) (Urk. 162 S. 10):
"Die Klägerin verfügte per 30. Juli 2013 auf ihren Konti bei der UBS AG (IBAN: CH... und IBAN: CH...) über ein Guthaben von Fr. 203'000.–."
- 58 -
Zu diesem Beweisthema wurde folgendes Hauptbeweismittel des Beklagten
zugelassen (Urk. 162 S. 10):
"Auszug aus den Konti bei der UBS AG (IBAN: CH... und IBAN: CH...) von 1. Mai 2012 bis 30. Juli 2013 (Edition durch die Klägerin)"
In Dispositiv Ziffer 3 forderte die Vorinstanz die Klägerin auf, innert 14 Tagen
Auszüge der genannten beiden Konten bei der UBS AG von 1. Mai 2012 bis
30. Juli 2013 einzureichen. Zudem wurde sie aufgefordert, gegebenenfalls Aus-
kunft über den Verbleib der Urkunden oder Verweigerungsgründe geltend zu ma-
chen. Auch wurde sie darauf hingewiesen, dass bei unberechtigter Verweigerung
das Verhalten bei der Beweiswürdigung berücksichtigt wird (Urk. 162 S. 11).
8.8 Mit Eingabe vom 14. September 2015 nahm die Klägerin auf den Be-
weissatz v) Bezug und erklärte, es sei nicht nachzuvollziehen, in welcher seiner
Eingaben oder Parteivorträgen der Beklagte diese (zum Beweis verstellten) Tat-
sachenbehauptungen rechtsgenügend aufgestellt und wo er dargelegt habe, wel-
che Rechte er daraus ableite. Es sei auch nicht ersichtlich, wann und wo er dazu
die durch die Klägerin zu edierenden Kontoauszüge für die Periode 1. Mai 2012
bis 30. Juli 2013 als Beweismittel offeriert habe und inwiefern diese Kontoauszü-
ge beweisrelevant seien. Es hätten in diesem Zusammenhang sowie unter Be-
rücksichtigung der im Güterrecht geltenden Verhandlungsmaxime lediglich Stich-
tagsbescheinigungen per 30. Juli 2013 als Beweismittel zugelassen werden dür-
fen. Aus diesen sei ersichtlich, dass die Klägerin über Guthaben von Fr. 386.25
und Fr. 1'850.26 zuzüglich aufgelaufene Sollzinsen verfügt habe (Urk. 174,
Urk. 175/1+2). Wie bereits erwähnt (E. IV/B/8.3) stimmt die Klägerin in der Zweit-
berufungsantwort den Ausführungen ihrer früheren Rechtsvertreterin zu und wie-
derholt, der Beklagte habe nie in substantiierter Weise behauptet, es seien auf
Seiten der Klägerin mindestens Fr. 203'000.– zu berücksichtigen (Urk. 259/251
S. 18).
8.9 In seinem Schlussvortrag vom 10. November 2015 beschwerte sich der
Beklagte darüber, dass die Klägerin trotz mehrfacher Aufforderung zur Edition un-
ter anderem die detaillierten Kontoauszüge der beiden UBS-Konten von Ende
2012 bis heute nicht beigebracht habe, was insofern wichtig gewesen wäre, als
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dadurch den fehlenden Fr. 203'000.– nicht nachgegangen werden könne
(Urk. 187 S. 3).
8.10 Gemäss Art. 170 ZGB kann jeder Ehegatte vom andern Auskunft über
dessen Einkommen, Vermögen und Schulden verlangen und das Gericht kann
den andern Ehegatten oder Dritte verpflichten, die erforderlichen Auskünfte zu er-
teilen und die notwendigen Unterlagen vorzulegen. Im Rahmen des Scheidungs-
prozesses bzw. der güterrechtlichen Auseinandersetzung besteht sodann ein An-
spruch darauf, Auskunft über den Verbleib von Errungenschaftswerten im einzel-
nen und damit über die Verwendung jedes Betrages zu erhalten. Eine Auskunfts-
verweigerung kann das Gericht bei der Beweiswürdigung berücksichtigen mit der
Folge, dass das Gericht die Überzeugung gewinnt, die Behauptungen des die
Auskunft verweigernden Ehegatten seien ganz oder teilweise falsch bzw. dass es
den Angaben des andern Ehegatten glaubt (BGE 118 II 27 E. 3.a S. 29). Was das
Bundesgericht für Errungenschaftswerte entschieden hat, muss auch für Gesamt-
gutswerte gelten. Zudem sieht Art. 164 ZPO vor, dass eine unberechtigte Verwei-
gerung der Mitwirkung vom Gericht bei der Beweiswürdigung berücksichtigt wird.
8.11 Der Beklagte hat wiederholt Auskunft über die beiden auf die Klägerin
lautenden UBS-Konten und über den Verbleib der auf diese Konten überwiesenen
Beträge von Fr. 125'000.–, Fr. 10'000.– und Fr. 68'000.– verlangt. Er hat auch die
Vorlage von entsprechenden Kontoauszügen beantragt. Zudem hat der Beklagte
an der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 zur "Situation von A._" explizit
die drei Überweisungen aufgeführt und dazu bemerkt: "[E]s bestand schon ein
Saldo, allein diese Zahlungen machen CHF 203'000.00 aus die bis heute nicht
sichtbar waren." (Urk. 154 S. 4). Wenn die Vorinstanz gestützt darauf gefolgert
hat, es sei strittig, ob am 30. Juli 2013 auf den beiden UBS-Konten Fr. 203'000.–
lagen, stellt dies keine Verletzung des Verhandlungsgrundsatzes (Art. 277 Abs. 1
ZPO) dar. Der Beklagte musste daraus keinen güterrechtlichen Anspruch ablei-
ten. Er konnte sich damit begnügen, die von der Klägerin erhobenen Ansprüche
abzuwehren.
8.12 Gestützt auf die Vorbringen und die Editionsanträge des Beklagten hat
die Vorinstanz die Klägerin zu Recht verpflichtet, die fraglichen Kontoauszüge
- 60 -
vorzulegen. Die Klägerin hat in der Folge lediglich Stichtagsbescheinigungen per
30. Juli 2013 eingereicht (Urk. 175). Mit ihrer Weigerung, die verlangten Konto-
auszüge vorzulegen, hat die Klägerin unberechtigterweise ihre Pflicht, Auskunft
zu erteilen und bei der Beweiserhebung mitzuwirken, verletzt. Die Klägerin hat es
zu vertreten, dass dem am 21. Mai 2012 auf das Konto CH... überwiesenen Be-
trag von Fr. 50'000.– und dem am 21. Mai 2012 auf das Konto CH... überwiese-
nen Betrag von Fr. 75'000.– (Urk. 13/27 S. 87) nicht nachgegangen werden kann.
Die Klägerin hat die Kontoauszüge auch im Berufungsverfahren nicht eingereicht.
Es genügt in dieser Hinsicht nicht, einfach auf den äusserst luxuriösen Lebensstil
der Parteien und hohe Kosten zu verweisen, wie die Klägerin dies tut
(Urk. 259/251 S. 16 Ziff. 45 f.). Der Verbrauch durch die Klägerin bis zum 30. Juli
2013 kann damit nicht als erstellt gelten. Im Gegenteil ist davon auszugehen,
dass statt Fr. 2'236.51 noch die gesamten Fr. 125'000.– per 30. Juli 2013 vorhan-
den waren. Sie sind als Gesamtgut zu betrachten und in die Auseinandersetzung
miteinzubeziehen.
9.1 Die Aufstellung der Vorinstanz ist damit wie folgt zu korrigieren (Ände-
rungen gegenüber der Vorinstanz fett):
Gesamtgut im Eigentum des Beklagten: Anteil
Mercedes ML: Fr. 4'680.– 1⁄2 Fr. 2'340.–
Kontokorrent Raiffeisenbank: Fr. 35'446.08 1⁄2 Fr. 17'723.05
Wertschriftendepot Raiffeisen: Fr. 66'514.05 1⁄2 Fr. 33'257.–
Bargeld: Fr. 5'000.– 1⁄2 Fr. 2'500.–
Postkonto: Fr. 16'573.03 1⁄2 Fr. 8'286.50
Postkonto mit Partnerin: Fr. 126.95 1⁄4 Fr. 31.75
Mietzinsdepot mit Partnerin: Fr. 5'436.10 1⁄4 Fr. 1'359.–
Total Beklagter: Fr. 133'776.21 Fr. 65'497.30
Gesamtgut im Eigentum der Klägerin:
UBS-Konti und ehemalige UBS-Werte Fr. 125'000.– 1⁄2 Fr. 62'500.–
Total Klägerin Fr. 125'000.– 1⁄2 Fr. 62'500.–
Der Anteil der Klägerin verringert sich somit auf Fr. 65'497.30 und der Anteil des
Beklagten vergrössert sich auf Fr. 62'500.–. Die Ausgleichszahlung beträgt noch
- 61 -
Fr. 2'997.30 (Fr. 65'497.30 abzüglich Fr. 62'500.–). Die Berufung des Beklagten
ist teilweise begründet. Der Beklagte ist damit zu verpflichten, der Klägerin unter
güterrechtlichen Titeln eine Ausgleichszahlung von Fr. 2'997.30 zu erbringen.
9.2 Die Vorinstanz hat das oben aufgeführte Gesamtgut nicht explizit in das
Alleineigentum einer der Parteien übertragen bzw. eine der Parteien als neuen
Rechtsträger bestimmt. Sie hat vielmehr das im "Eigentum des Beklagten" und
das im "Eigentum der Klägerin" stehende Gesamtgut im Einzelnen aufgeführt.
Damit hat sie aber implizit die im Gesamtgut stehenden Vermögenswerte der ei-
nen oder anderen Partei zugewiesen. Dies ist als genügend anzusehen. Was die
ehemaligen UBS-Werte anbetrifft, die im Umfange von Fr. 125'000.– in die Auf-
stellung einbezogen wurden, ist festzuhalten, dass diese ebenfalls der Klägerin
zugewiesen werden.
10.1 Die Vorinstanz erwog, die Parteien hätten Möbel eingelagert, die zum
Gesamtgut gehörten und gemäss dem übereinstimmenden Willen der Parteien zu
entsorgen bzw. zu veräussern seien. Entsprechend seien die Parteien zu ver-
pflichten, die bei der "F._ GmbH" eingelagerten Möbel gemeinsam zu ver-
äussern und/oder zu entsorgen und mit einem allfälligen Erlös zunächst die La-
ger-, Transport- und Entsorgungskosten zu begleichen und anschliessend den
übrigen Gewinn oder die restlichen Kosten unter den Parteien hälftig zu teilen
(Urk. 240 S. 42; Dispositiv Ziffer 8).
10.2 Der Beklagte beantragt, die bei "F._ GmbH" eingelagerten Möbel
ins Eigengut der Klägerin übergehen zu lassen. Diese Möbel seien auf ausdrück-
lichen Wunsch der Klägerin bei der Hausräumung in E._ eingelagert worden.
Er habe schon bei der Einlagerung erklärt, dass er nichts von diesen Gegenstän-
den behalten wolle. Sie hätten zum Gesamtgut gehört und seien ins Eigengut der
Klägerin übertragen worden. Demzufolge würden die Lagergebühren wie auch die
Kosten oder der Gewinn der Weiterverwertung der Gegenstände bei der Klägerin
anfallen (Urk. 259/239 S. 9, S. 11).
10.3 Die Klägerin entgegnet, der Beklagte habe die Möbel einlagern und die
Kosten dafür auf sich nehmen wollen. Er habe vor Vorinstanz nicht vorgebracht,
- 62 -
dass er mit den Möbeln nichts mehr zu tun haben wolle, sondern noch Geld ge-
fordert. Der Entscheid der Vorinstanz sei korrekt (Urk. 259/251 S. 14 Ziff. 38).
10.4 Der Beklagte beantragte in der Klageantwort, die eingelagerten Möbel
und Gegenstände seien zu entsorgen und die Entsorgungskosten zu teilen
(Urk. 82 S. 6). An der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 legte er eine Schei-
dungsvereinbarung vor, die vorsah, die eingelagerten Möbel bis 1. August 2015
zu entsorgen und die Kosten der Klägerin zu belasten (Urk. 155/1 Ziff. 9.3). Die
Behauptung der Klägerin, es handle sich um Gesamtgut und der Beklagte habe
"Anteil an den eingelagerten Möbel" (Urk. 152 S. 19 Rz 34), bestritt der Beklagte
indes nicht. Er führte lediglich aus, er habe die Einlagerung der Möbel veranlasst,
der Klägerin von Anfang an gesagt, sie könne alle diese Möbel haben, und aus
Goodwill lange die Hälfte der Einlagerungskosten bezahlt (Prot. I S. 96). Die Klä-
gerin brachte darauf vor, die Einlagerung sei in gegenseitiger Absprache erfolgt
(Prot. I S. 102).
10.5 Der Beklagte behauptet erstmals im Berufungsverfahren, dass die ein-
gelagerten Möbel Eigengut der Klägerin darstellen. Alle Vermögenswerte gelten
als Gesamtgut, solange nicht bewiesen ist, dass sie Eigengut eines Ehegatten
sind (Art. 226 ZGB). Eigengut entsteht durch Ehevertrag, durch Zuwendung Drit-
ter oder von Gesetzes wegen (Art. 225 Abs. 1 ZGB). Der Beklagte legt nicht nä-
her dar, auf welche Weise die eingelagerten Möbel ins Eigengut der Klägerin
übergingen. Zwar kann ein Ehegatte aus dem Eigengut oder dem Gesamtgut Zu-
wendungen ins Eigengut eines Ehegatten vornehmen (BK-Hausheer/Reusser/
Geiser, Art. 225 N 11). Der Beklagte hat dies aber nicht behauptet, sondern ledig-
lich ausgeführt, die Klägerin könne alle diese Möbel haben. Von einer ehevertrag-
lichen Vermögenszuwendung, welche die Klägerin angenommen hätte, kann nicht
gesprochen werden, zumal sich die Parteien über die Entsorgungskosten streiten.
Damit bleibt es bei der von der Vorinstanz in Dispositiv Ziffer 8 getroffenen Rege-
lung. Die Berufung ist in dieser Hinsicht unbegründet.
11.1 Die Vorinstanz hat die öffentliche Versteigerung der Liegenschaft in
O._ (Kanada) angeordnet und die Verwendung bzw. Aufteilung des Verstei-
gerungserlöses geregelt. Sie hat zu diesem Zweck die Parteien verpflichtet, die
- 63 -
für eine Versteigerung erforderlichen Handlungen vorzunehmen und die erforder-
lichen Erklärungen und Unterschriften zu leisten (Dispositiv Ziffer 12).
11.2 Der Beklagte beantragt, die Klägerin sei zu verpflichten, eine entspre-
chende, auf ihn lautende Vollmacht auszustellen. Zur Begründung führt der Be-
klagte aus, die bisherigen Kaufangebote seien samt und sonders von der Klägerin
ignoriert worden. Der Weigerung führe zu massivem Mehraufwand und zu einem
Wertverlust der brachstehenden Liegenschaft. Die öffentliche Versteigerung
scheine ihm nicht das geeignete Mittel zu sein, um den Verkauf der Liegenschaft
realisieren zu können. Da die Klägerin sich weiterhin weigern werde zu kooperie-
ren, beantragte er "die gerichtliche Ausstellung einer Verkaufsvollmacht auf mei-
nen Namen" (Urk. 259/239 S. 9 f.).
11.3 Der Beklagte beantragte bereits vor Vorinstanz die Ausstellung und Un-
terzeichnung einer Verkaufsvollmacht mit der Begründung, die Klägerin habe sich
nicht an die in der Konvention betreffend vorsorgliche Massnahmen (Urk. 27) ver-
einbarte Regelung, die Liegenschaft schnellstmöglich zu verkaufen, gehalten
(Urk. 82 S. 3, S. 6, S. 14; Urk. 155/1 Ziff. 9.1). Soweit der Beklagte indes die "ge-
richtliche Ausstellung einer Verkaufsvollmacht" und damit konkrete gerichtliche
Vollstreckungsmassnahmen verlangt, ist sein Antrag neu. Darauf kann nicht ein-
getreten werden (Art. 317 Abs. 2 ZPO).
11.4 Die Klägerin beantragt, die Liegenschaft sei in ihr Alleineigentum zu
übertragen (dazu unten E. IV/C/5.1). Zudem habe der Beklagte die Klägerin mit
Verkaufsvollmachten für die Liegenschaften in N._ und E._ ausgenützt
und der Klägerin den ihr zustehenden Anteil nicht überwiesen. Bestritten sei, dass
der Beklagte Verkaufsanstrengungen unternommen und die Klägerin Kaufange-
bote ignoriert habe. Das Begehren sei abzuweisen (Urk. 259/251 S. 12).
11.5 Die Vorinstanz erklärte sich auch insoweit für die güterrechtliche Ausei-
nandersetzung zuständig, als die Liegenschaft in O._ betroffen ist. Sie hielt
weiter dafür, aufgrund des Wohnsitzes der Parteien in der Schweiz komme "für
die güterrechtliche Auseinandersetzung beider Liegenschaften" (O._ und
C._) Schweizer Recht zur Anwendung (Urk. 240 S. 46 f. mit Verweis auf
- 64 -
BGer 5A_248/2010 und Widmer Lüchinger/ Grolimund, Scheidungen in internati-
onalen Verhältnissen, in: Büchler/Schwenzer/ Cottier [Hrsg.], Sechste Schweizer
Familienrecht§Tage, S. 221 ff.). Dies wird von keiner Seite in Frage gestellt.
11.6 Die Vorinstanz erwog, eine Zuweisung an die Klägerin komme nicht in
Betracht, weshalb die Liegenschaft gestützt auf Art. 654 Abs. 1 ZGB in Verbin-
dung mit Art. 651 Abs. 2 ZGB öffentlich oder unter den Parteien zu versteigern sei
(vgl. auch Art. 246 ZGB). Da keine der Parteien in der Lage sei, einen auch nur
annährend angemessenen Preis zu bezahlen, sei die öffentliche Versteigerung
anzuordnen. Da sich die Liegenschaft in Kanada befinde, seien die dortigen Be-
hörden für die Versteigerung zuständig. Da diesen gegenüber keine Weisungsbe-
fugnis bestehe, sei lediglich festzuhalten, dass die Liegenschaft öffentlich zu ver-
steigern sei. Die Parteien seien zu verpflichten, die zur Versteigerung notwendi-
gen Handlungen vorzunehmen und die erforderlichen Erklärungen und Unter-
schriften abzugeben (Urk. 240 S. 51).
11.7 Der vom Beklagten aufgezeigte Weg zur Veräusserung der Liegen-
schaft widerspricht der von der Vorinstanz dargelegten gesetzlichen Ordnung
(Art. 651 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 654 Abs. 2 ZGB). Mit diesen Erwägungen
setzt sich der Beklagte nicht rechtsgenügend auseinander. Insoweit ist auf seine
Berufung nicht einzutreten.
11.8 Nicht einzutreten ist auf die Berufung auch insoweit, als der Beklagte
beantragt, vom Versteigerungserlös seien den Parteien die Auslagen und Auf-
wendungen, die sie nach dem 1. Januar 2013 (statt 30. Juli 2013) für die Liegen-
schaft getätigt haben, zu ersetzen. Er begründet dies einzig mit dem Hinweis auf
die am 30. Oktober 2013 abgeschlossene Konvention betreffend vorsorgliche
Massnahmen, welche Auslagen rückwirkend bis 1. Januar 2013 berücksichtigt
habe. Erstens hat der Beklagte vor Vorinstanz noch keinen Antrag auf Auslagen-
ersatz per 1. Januar 2013 gestellt (Urk. 82 S. 6, Urk. 155/1 Ziff. 9.1), weshalb aus
novenrechtlichen Gründen darauf nicht eingetreten werden kann. Zweitens bezog
sich die Anrechnung von ab 1. Januar 2013 direkt bezahlten Rechnungen auf die
Unterhaltsregelung bzw. die erstmals per 1. Januar 2013 geschuldeten Unter-
- 65 -
haltsbeiträge und nicht auf die Veräusserung der Liegenschaft in O._
(Urk. 27 S. 2 f.).
11.9 In seiner Noveneingabe vom 8. März 2018 beantragte der Beklagte "die
Vollstreckung des schnellstmöglichen Verkaufs der Liegenschaft in Kanada, wie
in der Berufungsantwort ausformuliert". Sollte dies nicht erfolgen, beantrage er
"die Übertragung auf Frau A._ und Teilung des Steuerwertes der Liegen-
schaft per 2018. Dieser betrage CAD 393'100.– oder rund Fr. 300'000.–. Die Hälf-
te davon, Fr. 150'000.–, seien ihm somit güterrechtlich aufzurechnen (Urk. 369
S. 2). Aus welchen Gründen diese Anträge in diesem späten Prozessstadium
noch zulässig sein sollen, legt der Beklagte nicht dar und ist auch nicht ersichtlich.
Darauf ist nicht einzutreten (Art. 317 Abs. 1 und 2 ZPO).
C. Anschlussberufung und Noveneingabe der Klägerin vom 25. Januar 2018
und 23. April 2018
1.1 Die Klägerin verlangt "zusätzlich zu den bereits gestellten güterrechtli-
chen Ansprüchen" die Verpflichtung des Beklagten zur Zahlung von Fr. 20'993.50
(Urk. 259/251 S. 2 Ziff. 2). Zur Begründung führt sie aus, der geltende Massnah-
meentscheid verpflichte den Beklagten, über sein Einkommen Auskunft zu geben
und ihr die Hälfte seines Bonus zu bezahlen. Die dem Beklagten im Januar 2015
von der M._ Switzerland Ltd. ausbezahlte Abgangsentschädigung von
Fr. 41'987.– sei "als eine Art Bonus" zu sehen und deshalb zu teilen. Es sei davon
auszugehen, dass bei der Berechnung der Abgangsentschädigung auch berück-
sichtigt worden sei, dass der Beklagte keinen Anspruch auf einen Bonus mehr
gehabt habe. Den massgebenden Lohnausweis habe sie erst unter den vom Be-
klagten zur Begründung seines Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege einge-
reichten Unterlagen (Steuererklärung 2015) entdeckt (Urk. 259/253/1 =
Urk. 259/249/6b).
1.2 Der Beklagte wendet ein, bei der Abgangsentschädigung handle es sich
nicht um einen Bonus. Die Entschädigung hätte dazu gedient, die durch die Ar-
beitslosigkeit verursachten Mindereinnahmen abzufedern. Darum habe sie weder
- 66 -
mit dem laufenden Verfahren noch mit dem Massnahmeentscheid etwas zu tun
(Urk. 269 S. 2 f.).
1.3 Mit Verfügung vom 15. Oktober 2014 war der Beklagte verpflichtet wor-
den, der Klägerin für die Dauer des Scheidungsverfahrens von allen künftig anfal-
lenden Boni die Hälfte zu überweisen und ihr die diesbezüglich relevanten Unter-
lagen jeweils unaufgefordert bis 31. März eines jeden Jahres zukommen zu las-
sen (Urk. 94). Diese Bonusregelung wurde von den Massnahmeentscheiden vom
12. Mai 2015, 12. November 2015 und 27. Juli 2017 nicht berührt (Urk. 150,
Urk. 188 und Urk. 299 S. 9 f.). Nach Auffassung der Klägerin fällt die im Januar
2015 angefallene Abgangsentschädigung unter die Bonusregelung. Dann aber ist
über den Anteil der Klägerin bereits rechtskräftig entschieden worden. Der Kläge-
rin fehlt das schutzwürdige Interesse an einer nochmaligen Beurteilung und der
Verpflichtung des Beklagten. Auf ihren Anschlussberufungsantrag Ziffer 2 ist nicht
einzutreten (Art. 59 Abs. 1 und 2 lit. e ZPO).
2. In Dispositiv Ziffer 13 verpflichtete die Vorinstanz den Beklagten, der Klä-
gerin unter güterrechtlichen Titeln eine Ausgleichszahlung von Fr. 117'576.80 zu
bezahlen. Anschlussberufungsweise fordert die Klägerin unter güterrechtlichen Ti-
teln eine Ausgleichszahlung von Fr. 144'376.80 zuzüglich der Hälfte der Gutha-
ben gemäss den zu edierenden Kontoauszügen der Raiffeisenbank und der wei-
teren Konten des Beklagten per Stichtag Gütertrennung (30. Juli 2013), wobei sie
sich die genaue Bezifferung bis zum Vorliegen der zu edierenden Belege aus-
drücklich vorbehalten will (Urk. 259/251 S. 2). Vor Vorinstanz hatte die Klägerin
den Differenzbetrag von Fr. 26'800.– noch als Ersatzanspruch im Sinne von
Art. 195 ZGB, Art. 231 Abs. 1 ZGB und Art. 394 ff. OR aus dem Verkauf des Mer-
cedes ML 430 geltend gemacht (Urk. 152 S. 23, Urk. 204 S. 8).
3.1 Die Vorinstanz betrachtete den erst im März 2014 vom Beklagten für
CAD 6'000.– verkauften Mercedes ML 430 (Urk. 85/59) als Gesamtgut und be-
rücksichtigte für die Teilung des Gesamtguts den Gegenwert von Fr. 4'680.–
(Urk. 240 S. 40 f.). Die Klägerin ist der Auffassung, der Beklagte habe das Fahr-
zeug unter Wert verkauft, da der Wert noch mindestens Fr. 26'800.– betragen ha-
be, wie ein vor Vorinstanz eingereichtes Inserat betreffend ein gleichwertiges
- 67 -
Fahrzeug belege. Zudem stelle das Fahrzeug – wie ausgeführt und vor Vo-
rinstanz mehrfach substantiiert vorgebracht und belegt – Eigengut dar. Entspre-
chend sei die güterrechtliche Ausgleichszahlung um Fr. 26'800.– (eventualiter im
Falle der Annahme von Gesamtgut um Fr. 13'400.–) zu erhöhen (Urk. 259 S. 22
ff. Ziff. 73 bis 79).
3.2 Die Vorinstanz hat im Detail begründet, dass der Mercedes nicht aus-
schliesslich der Klägerin zum persönlichen Gebrauch gedient habe und deshalb
als Gesamtgut zu qualifizieren sei (Urk. 240 S. 40 f.). Mit diesen Erwägungen
setzt sich die Klägerin nicht ausreichend auseinander, wenn sie behauptet, sie
habe vor Vorinstanz mehrfach substantiiert vorgebracht und belegt, das Fahrzeug
sei ihr Eigengut (Urk. 259/251 S. 24 Ziff. 78). Mit dem Angebot eines Mercedes-
Benz ML 430 auf Scout24 vermag die Klägerin den von ihr behaupteten Wert des
Fahrzeugs nicht zu belegen, was nur schon daraus ersichtlich wird, dass das an-
gebotene Fahrzeug über einen Kilometerstand von 16'000 km und das verkaufte
Fahrzeug der Parteien damals über einen Kilometerstand von 70'000 km verfügte
(Urk. 77/14 und Urk. 85/59). Ohnehin ist für den Wert des bei Auflösung des Gü-
terstandes vorhandenen Gesamtgutes der Zeitpunkt der Auseinandersetzung
massgebend (Art. 240 ZGB). Wird nach Auflösung des Güterstandes Gesamtgut
gegen Entgelt veräussert, tritt der Erlös an die Stelle der Gesamtgutsbewertung
(BSK ZGB I-Hausheer/Aebi-Müller, Art. 240 N 5), was die Vorinstanz zutreffend
erkannte (Urk. 240 S. 41). Damit hat die Vorinstanz zu Recht auf den von der
Klägerin eventualiter geltend gemachten Gegenwert des Verkaufspreises von
Fr. 4'680.– (Urk. 152 S. 17 Rz 27; Urk. 153/38) abgestellt. Die Berufung ist in die-
sem Punkt unbegründet.
4. Die Klägerin bekundet ihre feste Überzeugung, dass der Beklagte über
weitere Konten verfüge, obwohl er vor Vorinstanz und auch heute noch bestreite,
über weitere Konten und Kreditkarten zu verfügen. Das auf diesen Konten befind-
liche Guthaben sei der Klägerin hälftig zuzusprechen (Urk. 259/251 S. 24 f.
Ziff. 80 und 85).
Soweit mit der Anschlussberufung mehr als die von der Vorinstanz zuge-
sprochenen Fr. 117'576.80 verlangt wird ("zuzüglich der Hälfte [der Guthaben]
- 68 -
gemäss den zu edierenden Kontoauszügen der Raiffeisenbank und der weiteren
Konten des Beklagten per Stichtag Gütertrennung"), kann darauf nur eingetreten
werden, sofern die Voraussetzungen für eine Klageänderung erfüllt sind, hat die
Klägerin vor Vorinstanz doch lediglich eine Ausgleichszahlung von Fr. 116'355.–
(ohne Mercedes ML 430) verlangt (Urk. 204 S. 8). Diese Voraussetzungen sind
nur in einem Punkt erfüllt (E. IV/C/4.4). Da aber aufgrund der Zweitberufung des
Beklagten die güterrechtliche Ausgleichszahlung nur noch Fr. 2'997.30 betragen
würde, sind die Anschlussberufungsgründe rein defensiv dennoch zu prüfen.
4.1 Die Klägerin behauptet, sie könne "heute" belegen, dass der Beklagte
über eine Cumulus-Mastercard verfüge. Wie dem vom Beklagten mit seinem Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege eingereichten Beleg (Mahnung der Cembra
Money Bank) zu entnehmen sei, verfüge der Beklagte anscheinend über ein Kon-
to bei der Cembra Money Bank. Dieser Beleg stelle ein echtes Novum dar und sei
deshalb im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen. Allenfalls habe der Be-
klagte bei diesem Finanzinstitut ein Bankguthaben. Er habe die entsprechenden
Unterlagen zu edieren. Der Beklagte sei deshalb zu verpflichten, einen Kontoaus-
zug der Cembra Money Bank (früher: GE Money Bank) per Stichtag Gütertren-
nung (30. Juli 2013) einzureichen. Da der Beklagte bisher immer wieder versucht
habe, die Klägerin und die Gerichte zu täuschen, sei die Cembra Money Bank so-
dann direkt vom Gericht nach den entsprechenden Kontoauszügen zu fragen
(Urk. 259/251 S. 24). Der Beklagte erwidert, die Karte sei aktenkundig (Urk. 269
S. 9).
Der Beklagte hat bereits in der Klageantwort vom 12. September 2014 ein-
geräumt, dass er über eine Kreditkarte "M-Cumulus" bei der GE Money Bank (die
neu "Cembra" heisse) verfüge. Entsprechende Auszüge der GE Money Bank sei-
en bereits ediert worden (Urk. 82 S. 15). Den nun gestellten Editionsantrag hätte
die Klägerin somit bereits vor Vorinstanz stellen können, zumal sie an der Haupt-
verhandlung vom 30. April 2015 anerkannte, "dass die Cumulus-MasterCard von
der GE Money bzw. heutigen Cembra Money Bank herausgegeben wird"
(Urk. 152 S. 19 Rz 35). Im Berufungsverfahren kann sie sich daher nicht mehr auf
Kontoauszüge der Cembra Money Bank bzw. GE Money Bank berufen (Art. 317
- 69 -
Abs. 1 lit. b ZPO). Dem dahingehenden Editionsantrag lit. f (Urk. 259/251 S. 3) ist
nicht stattzugeben.
4.2.1 Die Klägerin bringt weiter vor, sie habe bereits vor Vorinstanz einge-
hend dargelegt, dass der Beklagte über eine Amexco-Kreditkarte (American Ex-
press-Kreditkarte) verfüge. So seien über das Konto bei der Bank L._ bis zu
dessen Aufhebung Ende 2011 regelmässig "Zahlungen Amexco" getätigt worden.
Es sei daher davon auszugehen, dass der Beklagte auch nach Aufhebung des
"L._-Kontos" noch über die Kreditkarten verfügt habe. Der Beklagte habe
schon immer über eine Amexco-Kreditkarte verfügt und der Vorinstanz einen Kon-
toauszug der Amexco-Kreditkarte eingereicht, ohne indes das Belastungskonto
anzugeben. Aus diesen Gründen verlange die Klägerin noch einmal die Edition
der Amexco- und Visa-Abrechnungen sowie Kontoauszüge der entsprechenden
Belastungskonten per 30. Juli 2013 (Urk. 259/251 S. 25).
4.2.2 An der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 anerkannte die Klägerin,
dass sowohl die mit der Cumulus-Mastercard (herausgegeben von der GE Money
Bank bzw. Cembra Money Bank) als auch die mit der Kreditkarte der American
Express getätigten Ausgaben dem Postkonto ... des Beklagten belastet worden
waren (Urk. 152 S. 19 Rz 35). Die Vorinstanz führte sogar einzelne Belastungen
des Kontos bei der Postfinance auf, die zugunsten der Swisscard AECS AG vor-
genommen wurden (Urk. 240 S. 42 mit Verweis Urk. 85/24 und Urk. 85/40). Der
per 30. Juli 2013 ausgewiesene Saldo dieses Kontos floss aber in die Berech-
nung des Gesamtgutes ein (Urk. 240 S. 45).
4.2.3 Wieso die Klägerin zusätzliche Informationen über Visa-Abrechnungen
und entsprechende Belastungskonten verlangt, wird in der Anschlussberufung
nicht ausreichend dargelegt (Urk. 82 S. 25 Ziff. 82). Die Vorinstanz hat sich mit
den Kreditkarten des Beklagten auseinandergesetzt (Urk. 240 S. 42 f.). Der Hin-
weis, sie verlange "[a]us diesen Gründen" "noch einmal" die Edition der Amexco-
und Visa-Abrechnungen sowie Auszüge der entsprechenden Belastungskonten,
setzt keine Auseinandersetzung mit dem vorinstanzlichen Entscheid dar, zumal
die Klägerin vorbringt, der Beklagte habe über eine Amexco-Kreditkarte verfügt.
Eine unrichtige Rechtsanwendung oder unrichtige Sachverhaltsfeststellung durch
- 70 -
die Vorinstanz wird nicht aufgezeigt. Insofern ist die Anschlussberufung nicht ge-
nügend begründet worden.
4.2.4 An der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 vertrat die Klägerin im
Übrigen die Auffassung, es ergäbe sich aus den Belastungen der Kontos bei der
Postfinance zugunsten der Swisscard AECS, dass der Beklagte über weitere
Kreditkarten verfüge. Swisscard AECS gebe unter anderem die Kreditkarten Ame-
rican Express, SWISS Miles and More und Coop SUPERCARDplus heraus.
Wenn der Beklagte an seiner Behauptung, dass er über keine weiteren Kreditkar-
ten verfüge, tatsächlich festhalten wolle, müsse er erklären, weshalb er Swisscard
AECS in regelmässigen Abständen Geld überweise (Urk. 152 S. 19 Rz 35, Prot. I
S. 88). Der Beklagte räumte daraufhin ein, eine American Express-Karte zu besit-
zen; er verneinte indes über Kreditkarten "Swiss Miles and More" und "Coop Su-
percard Plus" zu verfügen (Prot. I S. 96). In der Beweisverfügung vom 13. August
2015 erklärte die Vorinstanz die Klägerin dafür beweispflichtig, dass der Beklagte
über die Kreditkarten American Express, SWISS Miles and More und Coop SU-
PERCARDplus verfügt, und verpflichtete den Beklagten, Abrechnungen der Kre-
ditkarten American Express, SWISS Miles and More und Coop SUPERCARDplus
von 30. Juli 2013 bis 30. Juni 2015 einzureichen (Urk. 162 S. 7 f., S. 12). Im
Schlussvortrag 18. Januar 2016 bemängelte die Klägerin, dass der Beklagte "sei-
ne Abrechnungen für die Kreditkarten Swiss Miles and More und Coop SUPER-
CARD trotz Aufforderung des Gerichts nicht eingereicht habe, was im Rahmen
der Beweiswürdigung zu seinen Lasten zu gewichten sei (Urk. 204 S. 5).
Von Visa-Abrechnungen bzw. von Kontoauszügen eines entsprechenden
Belastungskontos, die durch den Beklagten herauszugeben seien, war nur in der
Klagebegründung vom 12. Juni 2014 explizit die Rede (Urk. 76 S. 26). Die Kläge-
rin behauptete damals, der Beklagte habe stets über eine Visacard und eine
Amexco-Kreditarte verfügt, wobei sie ihren Editionsantrag mit den bis Ende 2011
vom P._-Konto und vom L._-Konto regelmässig getätigten Zahlungen
an die Viseca Card Services SA begründete, die ab Ende 2011 von Zahlungen an
die GE-Money-Bank, die möglicherweise Kreditkartenabrechnungen beträfen, ab-
gelöst worden seien (Urk. 76 S. 26). In der Folge bestätigte sich, dass der Beklag-
- 71 -
te über zwei Kreditkarten verfügt, nämlich eine Cumulus Mastercard (mit Zahlun-
gen über das Postkonto an GE Money Bank bzw. Cembra Money Bank) und eine
American Express-Kreditkarte (mit Zahlungen an Swisscard AECS GmbH). Auch
wenn die Klägerin an der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 an "den gemach-
ten Ausführungen und Beweisanträgen" festhielt (Urk. 152 S. 19 Rz 19), ist es
doch so, dass für den hier relevanten Zeitpunkt (30. Juli 2013) die Existenz von
VISA-Abrechnungen und das Vorhandensein eines unbekannten Belastungskon-
tos eine reine Vermutung darstellen. Eine Edition kann aber nur hinsichtlich sol-
cher Urkunden angeordnet werden, von denen einigermassen feststeht, dass sie
bestehen und demzufolge auch herausgegeben werden können (Gäumann/Mar-
ghitola, Editionspflichten nach der eidgenössischen Zivilprozessordnung, in: Jus-
letter, 14.11.2011, Rz 10 und Rz 22). Was Visa-Abrechnungen und Kontoauszüge
entsprechender Belastungskonten angeht, besteht diese Wahrscheinlichkeit für
den Zeitpunkt der Auflösung des Güterstandes nach dem oben Ausgeführten in
nicht hinreichendem Masse. Wie bereits erwähnt wurde, behauptet die Klägerin
im Berufungsverfahren einzig, der Beklagte habe über eine Amexco-Kreditkarte
verfügt (Urk. 259 S. 25 Ziff. 82). In ihrem Schlussvortrag vom 18. Januar 2016
stellte die Klägerin denn in dieser Hinsicht auch keine mangelnden Beweiserhe-
bungen fest (Urk. 204).
4.2.5 Dem Editionsantrag lit. e, der Beklagte habe "Amexco- und Visa-
Abrechnungen sowie Kontoauszüge der entsprechenden Belastungenskonten per
Stichtag Gütertrennung" zu edieren (Urk. 259/251 S. 3), ist daher nicht stattzuge-
ben.
4.3 Der Beklagte sei – so die Klägerin weiter – "noch einmal" aufzufordern,
seine Bankbeziehung zur "P._ ... [Ort], Nassau, Bahamas und Dubai sowie
zur L._ Bank H._" offenzulegen, wie die Klägerin schon vor Vorinstanz
beantragt habe. Der Beklagte habe endlich darüber Auskunft zu erteilen und die
entsprechenden Belege per Stichtag Gütertrennung (30. Juli 2013) einzureichen.
Das auf diesen Konten befindliche Guthaben sei hälftig der Klägerin zuzuspre-
chen (Urk. 259/251 S. 25 Ziff. 84 f.). Die Klägerin zeigt nicht auf, wo sie vor Vo-
rinstanz dieses Auskunfts- und Editionsbegehren bereits einmal gestellt und be-
- 72 -
gründet hätte. In der Klageschrift führte sie lediglich aus, sie nehme an, der Be-
klagte habe in Dubai, Taipeh etc. Konten eröffnet, was indes schwierig zu bewei-
sen sein werde (Urk. 76 S. 26). Die "Edition der Kontoauszüge sämtlicher Konten
bei der Privatbank L._ ab 2004" verlangte die Klägerin im Zusammenhang
mit der Geltendmachung von Verantwortlichkeitsansprüchen im Sinne von
Art. 195 bzw. Art. 231 Abs. 1 ZGB (Urk. 76 S. 19 Ziff. 8.3 und S. 22 Ziff. 8.3.2.1
"BA 12"). Diese wurden im Rahmen der Erstberufung abgehandelt (E. A/1).
Zwecks Nachweises von weiterem Gesamtgut hat die Klägerin keinen dahinge-
henden Beweisantrag gestellt (Urk. 76 S. 25 ff. Ziff. 8.6 ff.).
4.4.1 Die Klägerin stellt endlich den Antrag, der Beklagte habe den Konto-
auszug betreffend den Zahlungseingang der Abgangsentschädigung der Bank
M._ von Fr. 41'987.– zu edieren (Editionsantrag lit. g; Urk. 259/251 S. 3).
Aus dem vom Beklagten im Berufungsverfahren zur Begründung seines Gesuchs
um unentgeltliche Rechtspflege eingereichten Lohnausweis 2015 (Urk. 259/253/1
= Urk. 259/249/7 [Lohnausweis]) habe sie erstmals ersehen können, dass der
Beklagte im Januar 2015 eine Abgangsentschädigung erhalten habe. Aus keinem
der vom Beklagten eingereichten Kontoauszüge werde diese Zahlung ersichtlich.
Der Beklagte habe darzulegen, auf welches Konto diese Zahlung erfolgt sei und
den entsprechenden Beleg zu edieren (Urk. 259/251 S. 4 f. Ziff. 12, S. 25 Ziff. 83).
Für den Beklagten hat das klägerische Auskunfts- und Editionsbegehren "[k]eine
Relevanz mit dem laufenden Berufungsverfahren" (Urk. 269 S. 9).
4.4.2 Der Klägerin wurde das fragliche Aktenstück am 7. Oktober 2016 zu-
gestellt (Urk. 250 [angehefteter Empfangsschein]). Die in der darauffolgenden
Rechtsschrift vom 26. Oktober 2016 enthaltene Berufung auf die Abgangsent-
schädigung, das entsprechende Auskunfts- und Editionsbegehren und die damit
zusammenhängende Klageänderung ("zuzüglich der Hälfte [der Guthaben] ...") ist
als umgehend erfolgt und damit als zulässig zu betrachten (Art. 317 Abs. 2 ZPO).
Indes zeigt die Klägerin nicht auf, wo sie sich vor Vorinstanz mit hinreichender
Bestimmtheit (und nicht nur vage und spekulativ) darauf berufen hätte, der Be-
klagte verfüge über weitere Konten.
- 73 -
4.4.3 Zutreffend ist, dass die Abgangsentschädigung der Bank M._ von
Fr. 41'987.– brutto, die dem Beklagten zufolge seines Ausscheidens per 31. Ja-
nuar 2015 ausgerichtet wurde, nicht auf dem Lohnkonto des Beklagten erscheint
(Urk. 85/40, Urk. 259/249/8 [insbesondere Kontoauszug 01.01.2015-31.01.2015]).
Mit einem Kontoauszug, der im Januar 2015 einen Zahlungseingang belegt, kann
indes nicht rechtsgenügend bewiesen werden, dass der Beklagte im Zeitpunkt der
Auflösung des Güterstandes (30. Juli 2013) über weitere Konten verfügte. Der
verlangte Kontoauszug ist untauglich zum Nachweis weiterer Vermögenswerte
am güterrechtlichen Stichtag. Seine Herausgabe kann daher unterbleiben.
5.1 Die Klägerin beantragt die Übertragung der Liegenschaft in O._ in
ihr Alleineigentum. Die Vorinstanz verkenne, dass sie ein überwiegendes Interes-
se im Sinne von Art. 245 ZGB habe und die Liegenschaft in finanzieller Hinsicht
tragen könne. Wie sie bereits vor Vorinstanz ausgeführt habe, wolle sie inskünftig
in Kanada leben; dies nur schon deshalb, weil dort die Lebenshaltungskosten
günstiger seien. Zudem würde angesichts des heruntergekommenen Zustandes
der Liegenschaft und der bei einem Verkauf anfallenden Steuern und Gebühren
ein Verkauf zu einem Verlustgeschäft führen. Derzeit sei das Haus schlicht unver-
käuflich. Bei Gutheissung der Berufung stünden ihr nach Rechtskraft des Schei-
dungsurteils Fr. 500'000.– zur Verfügung. Das Grundstück in Kanada hätten die
Parteien für CAD 230'000.– gekauft, was rund Fr. 171'000.– entspreche. Heute
belaufe sich die Hypothek, die von der Klägerin amortisiert werde, noch auf knapp
Fr. 90'000.– (Urk. 259/251 S. 20 f. Ziff. 66 ff.). Mit ihrer Noveneingabe vom
25. Januar 2018 reichte die Klägerin einen Bankauszug vom 20. Juni 2014 bis
31. Dezember 2017 zum Nachweis ein, dass sie "namentlich die Hypothekarzin-
sen und diverse Nebenkosten für die kanadische Liegenschaft regelmässig be-
zahlt hat" (Urk. 346, Urk. 348/1). Zugleich bekundet sie erneut ihr Interesse an der
Zuweisung der Liegenschaft.
5.2 Die Vorinstanz erwog, der Klägerin sei es nicht möglich, den Beklagten
"auszuzahlen". Zudem fehle es auch an einem überwiegenden persönlichen Inte-
resse. Die Klägerin begehre die Liegenschaft als Abgeltung ihrer Haftungsan-
sprüche gegenüber dem Beklagten aus den früheren Liegenschaftsverkäufen
- 74 -
(N._ und E._). Zudem sei die physisch und psychisch angeschlagene
Klägerin nicht in der Lage, sich um eine zweite grosse Liegenschaft im Ausland
zu kümmern. Weder verfüge die Klägerin über die Mittel für den laufenden Unter-
halt, noch sei eine Auswanderung nach Kanada wahrscheinlich (Prot. I S. 50).
5.3 Weist ein Ehegatte ein überwiegendes Interesse nach, so kann er ver-
langen, dass ihm auch andere Gegenstände (als Wohnung und Hausrat) auf An-
rechnung zugeteilt werden (Art. 245 ZGB). Das überwiegende Interesse ist auf-
grund der konkreten Umstände durch Interessenabwägung zu ermitteln. Ein
überwiegendes Interesse ist anzunehmen, wenn ein Ehegatte einen besonderen
Bezug zur Sache hat. Ist aber der Ehegatte, der ein besonderes Interesse geltend
macht, nicht in der Lage, die Entschädigung zu leisten, ist von einer Zuweisung zu
Alleineigentum abzusehen (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 205 N 49 ZGB,
Art. 245 N 15 ZGB).
5.4 Die Vorinstanz hat zu Recht von einer Zuweisung der Liegenschaft an
die Klägerin abgesehen. Die Klägerin erhält unter güterrechtlichen Titeln lediglich
eine Ausgleichszahlung von Fr. 2'997.30. Ersatzansprüche stehen ihr nicht zu.
Über weitere freie Mittel verfügt die Klägerin nicht. Auch wenn der heutige Wert
der Liegenschaft nicht bekannt ist, behauptet die Klägerin nicht, sie könne unter
diesen Voraussetzungen die Liegenschaft auf Anrechnung übernehmen.
5.5 In Ziffer 3 der "Konvention vorsorgliche Massnahmen" vom 30. Oktober
2013 vereinbarten die Parteien, "die Liegenschaft in Kanada, bei O._"
schnellstmöglich zu verkaufen und mit dem Nettoerlös die Steuerschulden 2011
zu begleichen (Urk. 27). Danach rückte die Klägerin einseitig von dieser Position
ab: An der Einigungsverhandlung vom 21. März 2014 erklärte die Klägerin, sie
habe sich zur Unterzeichnung der Konvention gezwungen gefühlt (Prot. I S. 42 f.).
Sie machte einerseits geltend, in Kanada leben zu wollen. Andererseits betrachte-
te sie die Liegenschaft als (einziges verbleibendes) Haftungssubstrat für ihre Er-
satzansprüche gegenüber dem Beklagten (Prot. I S. 42 f., S. 52). Mit Verfügung
vom 1. April 2014 wurde die "Konvention vorsorgliche Massnahmen" vom 30. Ok-
tober 2013 genehmigt (Urk. 59); eine Anfechtung von Ziffer 3 seitens der Klägerin
unterblieb (Urk. 87 S. 4). In der Klageschrift vom 13. Juni 2014 beantragte die
- 75 -
Klägerin die Übertragung der Liegenschaft mit dem Argument, der Beklagte ver-
füge ansonsten nicht über das notwendige Bar- und Wertschriftenvermögen, um
ihre Haftungsansprüche abzugelten (Urk. 76 S. 24; vgl. auch Urk. 152 S. 19). An
der Instruktionsverhandlung vom 6. Oktober 2014 gab die Klägerin zu Protokoll:
"Weil ich noch nicht beweisen konnte, dass der Beklagte mir Geld gestohlen hat,
möchte ich diese Liegenschaften in meinem Eigentum wissen" (Prot. I S. 70).
Ähnlich äusserte sich die Klägerin an der Hauptverhandlung vom 30. April 2015
(Prot. I S. 107).
5.6 Wenn die Vorinstanz schloss, zur Abgeltung ihrer Haftungsansprüche
könne die Klägerin die Liegenschaft nicht beanspruchen, ist dies nicht zu bean-
standen. Ein besonderer Bezug zur Sache ist damit noch nicht dargetan, zumal
die Klägerin mit ihrer Berufung gegen Dispositiv Ziffer 9 des vorinstanzlichen Ur-
teils betreffend Ersatzansprüche nicht durchdringt. Die Auswanderungspläne der
Klägerin blieben wiederum sehr vage und unbestimmt und ein Affektionswert wird
in der Berufung auch nicht behauptet. Die Klägerin argumentiert widersprüchlich,
wenn sie einerseits behauptet, nach Kanada ziehen zu wollen, und andererseits
von Unverkäuflichkeit und Renovationsbedürftigkeit der Liegenschaft spricht
(Urk. 259/251 S. 20: "Das Haus ist heruntergekommen und verfügt weder über Licht
noch Wasser. Das Grundstück ist dermassen verwachsen, dass der Makler nicht einmal
bis zum Haus vordringen konnte. [...] Weiter stehen diverse Renovationen an, ohne wel-
che sich das Haus nicht verkaufen lässt."). Für Renovationen aber fehlt der Klägerin
nach eigenem Bekunden das Geld (Prot. I S. 107, zuletzt Urk. 325 S. 4). Auch
genügt es nicht, auf das Einkommen (Unterhalt und IV-Renten) zu verweisen, um
glaubhaft zu machen, die Mittel für den laufenden Unterhalt seien vorhanden
(Urk. 259/251 S. 21). Die Vorinstanz hat zu Recht ein überwiegendes Interesse
der Klägerin an der Zuweisung der Liegenschaft verneint. Die Anschlussberufung
der Klägerin ist auch in diesem Punkt abzuweisen und Dispositiv Ziffer 12 zu be-
stätigen.
5.7 Was die Klägerin aus den mit Noveneingabe vom 23. April 2018 einge-
reichten Rechnungen der Gemeinde O._ vom 10. April 2018 (Urk. 378/3) ab-
leiten will, wird nicht klar. Sie führt in diesem Zusammenhang lediglich aus, jede
- 76 -
Zahlung für die kanadische Liegenschaft sei ihr zur Hälfte gegenüber dem Be-
klagten gutzuschreiben, da Miteigentümer Auslagen zur Hälfte zu bezahlen hätten
und wer mehr bezahle, über einen entsprechenden Regressanspruch verfüge
(Urk. 376 S. 4). Gemäss Dispositiv Ziffer 12 sind den Parteien Auslagen und Auf-
wendungen, die sie nach dem 30. Juli 2013 für die Liegenschaft getätigt haben,
vor Aufteilung des Versteigerungserlöses zu ersetzen. Damit erübrigen sich weite-
re Ausführungen.
V. (Nachehelicher Unterhalt)
A. Erstberufung und Noveneingaben der Klägerin vom 2. Oktober 2017,
4. Oktober 2017, 2. November 2017, 3. Dezember 2017, 9. Januar 2018, 23. Ja-
nuar 2018, 31. Januar 2018, 5. März und 23. April 2018
1. Die Klägerin beantragt mit der Erstberufung einen um Fr. 2'456.– höheren
Unterhaltsbeitrag. Ihrer Berechnung legt sie mit der Erstberufung einerseits ein
um Fr. 1'287.– höheres Einkommen des Beklagten und andererseits einen um
Fr. 3'284.– höheren eigenen Bedarf und einen um Fr. 342.– tieferen Bedarf des
Beklagten zugrunde.
2.1 Die Vorinstanz ist beim Beklagten aufgrund der Lohnabrechnung vom
August 2015 von einem Bruttolohn von Fr. 11'666.65 und von einem Nettolohn
von Fr. 9'795.– ausgegangen (Urk. 240 S. 11, S. 22). Die Klägerin erblickt darin
eine Verletzung von Art. 229 ZPO. Sie habe an der Hauptverhandlung vom
30. April 2015 gestützt auf den neuen Arbeitsvertrag des Beklagten (Stellenantritt
1. Mai 2015) einen Grundlohn von Fr. 10'270.– (exkl. Spesen, Sondervergütung
und Bonus) behauptet, was unbestritten geblieben sei. Erst rund vier Monate spä-
ter habe der Beklagte die Lohnabrechnung August 2015 eingereicht. Die Vo-
rinstanz hätte auf diese verspätete Eingabe nicht mehr abstellen dürfen (Urk. 239
S. 4 f.).
2.2 Die Klägerin führte an der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 aus,
das Fixsalär des Beklagten betrage an der neuen Arbeitsstelle wiederum
- 77 -
Fr. 140'000.–. Ausgehend von Sozialabzügen in ungefähr der gleichen Höhe wer-
de sein zukünftiger monatlicher Grundlohn deshalb wiederum rund Fr. 10'270.–
betragen. Nebst dem Arbeitsvertrag mit der Bank G._ & Co. AG berief sich
die Klägerin ausdrücklich auf die Lohnabrechnungen "ab Mai 2015", die vom Be-
klagten "dereinst" zu edieren sein werden (Urk. 152 S. 5 f. Rz 10). Der Beklagte
bestätigte, dass er eine neue Stelle gefunden habe, wo er monatlich ca.
Fr. 10'270.– verdienen werde (Prot. I S. 91).
2.3 Bei den von den Parteien genannten Fr. 10'270.– handelte es sich dem-
nach mangels genauer Kenntnis der Lohnabzüge um einen approximativen Be-
trag. Der Beklagte hat damit keinen Nettolohn von Fr. 10'270.– anerkannt. Wenn
die Vorinstanz auf die mit Eingabe vom 26. August 2015 mit den übrigen zu edie-
renden Unterlagen eingereichte Lohnabrechnung August 2015 (Urk. 173/3) ab-
stellte, ist dies nicht zu beanstanden. Einerseits handelte es sich bei der Lohnab-
rechnung tatsächlich um ein neues Beweismittel, das umgehend eingereicht wur-
de und den Nettolohn ab August 2015 zu belegen imstande ist. Andererseits be-
rief sich die Klägerin selbst auf die Lohnabrechnungen ab Mai 2015 als Beweis für
ihr Vorbringen. Dem Beklagten konnte es daher nicht verwehrt werden, sich eben-
falls auf die Lohnabrechnung August 2015 zu berufen (Urk. 172 S. 2). Die Beru-
fung erweist sich insoweit als unbegründet.
2.4 Die Klägerin hat sich im Berufungsverfahren auf die aktuellen Lohnaus-
weise und Lohnabrechnungen des Beklagten berufen (Urk. 239 S. 7 f., Urk. 305
S. 2; vgl. auch Urk. 259/251 S. 2 f. Editionsanträge lit. a und b). Es sei willkürlich,
so die Klägerin, wenn sich das Obergericht im Massnahmeentscheid vom 27. Juli
2017 (Urk. 299) noch auf völlig veraltete Grundlagen gestützt habe (Urk. 305
S. 2). Mit Noveneingabe vom 11. Januar 2018 reichte die Klägerin selber "als Be-
lege" die Lohnabrechnung Februar 2017 und die Übersicht über die jährliche Ge-
samtvergütung mit den ab 1. März 2017 in Kraft tretenden Änderungen ein
(Urk. 340, Urk. 342/4).
Die Klägerin verlangte auch die Edition der neuen Vertragsbedingungen per
1. März 2016 gemäss Schreiben der Bank G._ vom 1. Februar 2016 (Urk.
239 S. 7 f. Ziff. 24, Urk. 241/2; vgl. auch Urk. 259/251 S. 3 Editionsantrag lit. c).
- 78 -
Dabei handelt es sich um ein Missverständnis. Das Schreiben vom 1. Februar
2016 bzw. die Übersicht über die Gesamtvergütung enthält bereits die neuen An-
stellungsbedingungen. Die Übersicht mit den ab 1. März 2017 in Kraft getretenen
Änderungen hat die Klägerin – wie vorstehend erwähnt – selber eingereicht (Urk.
340, Urk. 342/4). Insofern ist dieser Editionsantrag obsolet geworden.
2.5 Mit Beschluss vom 7. Februar 2018 wurden die vom Beklagten im Rah-
men seines Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege am 1. November 2017 ein-
gereichten Lohnunterlagen als Beweise erhoben und den Parteien Gelegenheit
gegeben, zum Lohnausweis 2016, zu den Lohnabrechnungen Januar bis Oktober
2017 und zur Übersicht über die jährliche Gesamtvergütung Stellung zu nehmen
(Urk. 356 S. 12 f.). Die Stellungnahmen der Parteien datieren vom 5. März 2018
(Urk. 360) und 8. März 2018 (Urk. 366), wobei der Beklagte die Lohnabrechnun-
gen Oktober 2017 bis Januar 2018 einreichte (Urk. 368/1-4), wozu die Klägerin ih-
rerseits nach erfolgter Fristansetzung (Urk. 371) Stellung nehmen konnte
(Urk. 372 S. 2 f.).
2.6 Aufgrund der neuesten Lohnbelege geht die Klägerin von einem Ein-
kommen inkl. Kinderzulagen und Spesenpauschale von Fr. 11'344.– netto aus
(Urk. 360). Der Beklagte beziffert sein Nettoeinkommen (exkl. Kinderzulagen und
Pauschalspesen) auf Fr. 9'705.90 (Urk. 366 S. 2).
2.7 Das Bruttogehalt des Beklagten beträgt ohne Spesen und Kinderzulagen
Fr. 142'000.– pro Jahr oder Fr. 11'833.35 pro Monat (Urk. 330/4, Urk. 330/3, Urk.
368/1/1-4). Das Nettogehalt (ohne Kinderzulagen und Spesen) beläuft sich ge-
mäss Lohnabrechnung vom Januar 2018 (mit den aktuellsten Lohnabzügen) auf
Fr. 9'709.– (Urk. 368/1/4: Fr. 10'209.– netto abzüglich Fr. 500.– Kinder-
/Ausbildungszulage). Das Jahressalär und die Spesenpauschale werden in zwölf
monatlichen Raten ausbezahlt (Urk. 138/1).
3.1 Die Vorinstanz hat die monatlichen Pauschalspesen von Fr. 700.– unter
Hinweis auf das vom Beklagten erwartete, besonders gepflegte Erscheinungsbild
und das Zusatz-Spesenreglement für Direktionsmitglieder (Urk. 173/1), wonach
dem Beklagten vermehrt Auslagen für Repräsentation sowie Akquisition und Pfle-
- 79 -
ge von Kundenbeziehungen entstünden und mit der Pauschale kleinere Auslagen
bis Fr. 50.– pro Ereignis abgegolten seien, nicht als Lohnbestandteil betrachtet
(Urk. 240 S. 12 f.).
3.2 Die Klägerin beanstandet, dass die Vorinstanz die monatlich ausgerich-
teten Pauschalspesen von Fr. 700.– nicht als Einkommen qualifizierte. Der Be-
klagte, der für effektive Auslagen beweispflichtig sei, habe weder konkrete Be-
rufsauslagen behauptet noch entsprechende Belege eingereicht. Der Verweis auf
das Spesenreglement (Urk. 173/1) vermöge den Nachweis für effektive Auslagen
nicht zu ersetzen. Die erstmals in der Eingabe vom 26. August 2015 (Urk. 172)
aufgestellte Behauptung, die Spesen von Fr. 700.– würden keinen Lohn darstel-
len, sei verspätet und unsubstantiiert. Die Vorinstanz unterstelle ihr zu Unrecht,
nicht vorgebracht zu haben, die Pauschale sei zu hoch und dem Beklagten ver-
bleibe ein Überschuss. Dies ergebe sich bereits implizit aus ihrer an der Haupt-
verhandlung aufgestellten Behauptung, wonach die ausbezahlten Spesen zum
Einkommen hinzuzurechnen seien (Urk. 239 S. 5 f. Rz 16 ff.). Der Beklagte äus-
serte sich in seiner Erstberufungsantwort dazu nicht (Urk. 251 S. 4). Nicht weiter
einzugehen ist auf seine später erfolgten Ausführungen dazu (Urk. 366 S. 2 f.)
und auf die diesbezüglichen Ergänzungen der Klägerin (Urk. 360 S. 1 f., Urk. 372
S. 2 f.; vgl. E. III/5.).
3.3 Der Beklagte brachte bereits an der Hauptverhandlung vom 30. April
2015 vor, bei den Pauschalspesen handle es sich um Repräsentationsspesen, die
nicht als Lohn zu betrachten seien (Prot. I S. 91).
3.4 Zum Nettoeinkommen gehören nicht nur der feste Lohnbestandteil, son-
dern auch effektiv bezahlte Provisionen, Gratifikationen bzw. Boni, Verwaltungs-
rats- oder Delegiertenhonorare, Trinkgelder, aber auch Spesenentschädigungen,
soweit ihnen keine tatsächlichen Auslagen gegenüberstehen (BGer 5A_686/2010
vom 6. Dezember 2010, E. 2.3, 5D_167/2008 vom 13. Januar 2009, E. 5 und
5A_373/2007 vom 30. Oktober 2007, E. 3.2, je mit weiteren Hinweisen). In dem
von der Klägerin zitierten Entscheid 5D_167/2008 liess das Bundesgericht blosse
Pauschalspesen von Fr. 3'600.– pro Jahr unter Willkürgesichtspunkten unberück-
sichtigt, da der Beschwerdeführer keine tatsächlichen Auslagen zum Beweis ver-
- 80 -
stellt oder urkundenmässig belegt hatte. Dies geschah indes vor dem Hinter-
grund, dass der unterhaltspflichtige Beschwerdeführer nicht in der Lage war, auch
nur annähernd bedarfsdeckende Unterhaltsbeiträge für seine Ehefrau und die drei
unmündigen Kindern zu bezahlen (E. 5). Solche Verhältnisse liegen hier nicht vor.
Bei der Bemessung des Unterhaltsbeitrages hat der Richter seine Entscheidung
nach Recht und Billigkeit zu treffen (Art. 4 ZGB). Er hat dabei alle sachlich we-
sentlichen Umstände des konkreten Falles zu berücksichtigen.
3.5 Die Klägerin verkennt, dass der Beklagte an der Hauptverhandlung vom
30. April 2015 noch gar nicht in der Lage war, konkrete Auslagen zu behaupten
und zu belegen, trat der Arbeitsvertrag mit der Bank G._ & Co. AG doch erst
am 1. Mai 2015 in Kraft (Urk. 138/1). Als "Head Logistics & Facility Management"
hatte der Beklagte bei der M._ Ltd. lediglich eine Verpflegungspauschale be-
zogen (Urk. 85/1, Urk. 13/10-15). Vom Beklagten bei jeder einzelnen Auslage ei-
ne Noveneingabe zu verlangen, erscheint überzogen, zumal mit der Spesenpau-
schale gemäss Zusatz-Spesenreglement für Direktionsmitglieder auch Kleinaus-
gaben bis max. Fr. 50.– (inkl. Einladungen von Geschäftspartnern zu Verpflegun-
gen zu Hause, Beiträge an Institutionen und Vereine etc., und Geschäftsfahrten
mit dem Privatwagen im Ortsrayon bis 30 km) abgegolten werden. Vielmehr muss
es zulässig sein, die Aufwendungen des Beklagten zu schätzen (vgl. dazu auch
Johannsen/Henrich/Hammermann, Familienrecht, 6. Aufl., Vor § 1361 BGB Rz 8).
Dabei fällt zunächst ins Gewicht, dass das (vom Steueramt des Kantons Zü-
rich genehmigte) Reglement ausdrücklich bescheinigt, dass dem Beklagten im
Rahmen seiner geschäftlichen Tätigkeit (als "Director" und "Business Continuity
Manager"; Urk. 138/1) unter anderem vermehrt Auslagen für Repräsentationen
sowie Akquisition und Pflege von Kundenbeziehungen erwachsen, was von der
zuständigen Steuerbehörde akzeptiert wurde (Urk. 173/1 Ziff. 2 und Ziff. 4). Die
Klägerin anerkennt denn auch, dass der Beklagte über Kunden verfügt, auch
wenn sie in Abrede stellt, dass ihm Kosten für Geschenke und Kaffees entstün-
den, und behauptet, Kaffee gebe es in der Bank umsonst (Urk. 239 S. 6 Ziff. 19).
Das Gegenteilige (nämlich vermehrte Auslagen) bescheinigt indes ausdrücklich
die Arbeitgeberin. Die Klägerin hat sich explizit auf das Reglement als Beweismit-
- 81 -
tel berufen (Urk. 152 S. 6 Rz 11) und die Vorinstanz hat dessen Herausgabe
durch den Beklagten angeordnet (Urk. 162 S. 2 und S. 12). Nach Genehmigung
durch die Steuerbehörden kann jedenfalls nicht gesagt werden, dass die von der
Arbeitgeberin ausbezahlten Pauschalspesen die arbeitsbedingten Aufwendungen
offensichtlich übersteigen.
Die Vorinstanz hat zudem auf das gepflegte Erscheinungsbild (Anzüge,
Hemden, Krawatten und Schuhe) verwiesen, das vom Beklagten als höherem
Bankmitarbeiter verlangt wird, und die dafür anfallenden Kosten als Berufsausla-
gen anerkannt. Dies ist nicht zu beanstanden, nachdem im Bedarf des Beklagten
lediglich zusätzliche Auslagen für Verpflegung und Mobilität berücksichtigt wurden
(Urk. 240 S. 20) und die Klägerin ihrerseits einräumte, der Beklagte benötige An-
züge, Hemden und Krawatten (Urk. 152 S. 6 Rz 11, Urk. 204 S. 4 f.), was für die
Bankbranche auch als allgemein-notorisch gelten kann. Mit dem betreibungs-
rechtlichen Grundbetrag von Fr. 850.– lässt sich eine solche Garderobe indes
nicht finanzieren. Bei der Klägerin fallen diese Mehrauslagen für eine besonders
gepflegte Erscheinung am Arbeitsplatz nicht an. Nachdem der Beklagte der Klä-
gerin mehr als die Hälfte seines Fixlohnes von rund Fr. 9'700.– netto und die Hälf-
te des Jahresbonus (zuletzt ca. Fr. 7'000.– netto) als Unterhaltsbeitrag abzuge-
ben haben wird, kann er diese Berufsauslagen auch nicht ohne weiteres aus sei-
nem Freibetrag von rund Fr. 900.– bestreiten, ohne an anderen Orten Einschrän-
kungen zu machen. Entgegen der Klägerin (Urk. 239 S. 5 Ziff. 21) sprechen ihre
eigenen Aussagen in der Parteibefragung zu Spesenentschädigungen "bei frühe-
ren Anstellungen" nicht gegen tatsächliche Aufwendungen für Kleidung (Prot. I
S. 138: "Ich würde nicht sagen, dass diese Spesen genau für das waren. Wenn er etwas
brauchte, dann hat er das gekauft. Das war einfach vom Lohn. Ob es ein neuer Anzug
war oder was auch immer."), auch wenn sie dem Beklagten lediglich zwei bis drei
Anzüge und ein paar klassische schwarze Schuhe zubilligen wollte (Prot. I
S. 139).
Unter diesen Umständen liess die Vorinstanz die Pauschalspesen unter-
haltsrechtlich zu Recht unberücksichtigt. Eine unrichtige Feststellung des Sach-
- 82 -
verhaltes oder eine unrichtige Ermessensausübung durch die Vorinstanz ist nicht
ersichtlich.
4.1 Zusätzliches Einkommen erblickt die Klägerin darin, dass dem Beklagten
weitere Sondervergütungen ausgerichtet würden, die von der Vorinstanz fälschli-
cherweise nicht als Lohn angerechnet worden seien. Anlässlich der Parteibefra-
gung habe der Beklagte einräumt, dass ihm Fr. 740.– an das Abonnement des öf-
fentlichen Verkehrs bezahlt würden und er pro Jahr für Fr. 400.– Reka-Checks im
Wert von Fr. 1'000.– beziehen könne. Dadurch erhöhe sich der Lohn des Beklag-
ten um weitere Fr. 1'340.– jährlich bzw. Fr. 112.– pro Monat (Urk. 239 S. 7 Ziff.
23). Der Beklagte äusserte sich wiederum nicht dazu (Urk. 251 S. 4).
4.2 Vor Vorinstanz hat die Klägerin lediglich geltend gemacht, die dem Be-
klagten gemäss Zusatzdokument "Fringe Benefits" (Urk. 173/2) für die Benützung
des öffentlichen Verkehrs ausbezahlten Fr. 700.– pro Jahr stellten Lohn dar
(Urk. 152 S. 7 Rz 13, Prot. I S. 87, Urk. 204 S. 4 Rz 3). Das Bezugsrecht für Re-
ka-Checks muss daher von vornherein ausser Betracht bleiben. Davon abgese-
hen kann die blosse Möglichkeit zum Bezug von Reka-Checks nicht als lohnwirk-
sam betrachtet werden (vgl. Prot. I S. 154: "Ich glaube, ich könnte pro Jahr für einen
Gegenwert von Fr. 400.– Fr. 1'000.– in Reka Checks beziehen"), zumal die Klägerin
nicht behauptete, der Beklagte mache von diesem Angebot tatsächlich Gebrauch.
Dem Beitrag der Arbeitgeberin an die Mobilität von Fr. 700.– wird auf der Be-
darfsseite des Beklagten Rechnung zu tragen sein. Es bleibt somit bei einem Ein-
kommen von Fr. 9'709.–.
5.1 Die Klägerin verlangt eine Erhöhung ihres Bedarfs von Fr. 4'955.– auf
Fr. 8'239.–. Der gebührende Unterhalt entspricht der Lebenshaltung, welche die
Eheleute während ihres Zusammenlebens erreicht und entsprechend ihrer Über-
einkunft gepflegt und auf deren Weiterführung sie im Rahmen ihrer finanziellen
Möglichkeiten auch nach der Scheidung einer lebensprägenden Ehe Anspruch
haben. Im hier zu beurteilenden Fall reicht das Einkommen der Parteien zur Fi-
nanzierung des gebührenden Unterhaltes beider Parteien nicht aus (Urk. 239
S. 14 Ziff. 31, Urk. 251 S. 4, Urk. 240 S. 23 f.). Die Parteien trennten sich spätes-
tens im April 2011 (E. I/2). Im Jahre 2010 erzielte der Beklagte ein Nettoeinkom-
- 83 -
men von Fr. 308'584.– (Urk. 19/4), in den ersten neun Monaten des Jahres 2011
inklusive Abgangsentschädigung von Fr. 200'000.– brutto ein solches von
Fr. 485'688.– (Urk. 13/5, Urk. 19/31). Die Vorinstanz hat bei dieser Sachlage zu
Recht auf die Methode des erweiterten Existenzminimums mit hälftiger Über-
schussverteilung zurückgegriffen und auf die Richtlinien für die Berechnung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums vom 16. September 2009 (fortan Richt-
linien) verwiesen (Urk. 240 S. 10 f.). Ist angesichts der scheidungsbedingten
Mehrkosten (oder infolge Verminderung der Leistungsfähigkeit eines oder beider
Ehegatten) die Fortführung des in der Ehe zuletzt gelebten Standards nicht mög-
lich, so haben die Parteien Anspruch auf denselben Lebensstandard (BGE 141 III
465 E. 3.1 S. 468; 137 III 103 E. 4.2.1.1 S. 106 f.; CHK-Freiburghaus, Art. 125
N 6). Die Parteien haben mit anderen Worten in gleicher Weise Abstriche an der
bisherigen Lebenshaltung hinzunehmen. Dies verkennt die Klägerin ganz grund-
sätzlich, wenn sie für sich einen Bedarf von Fr. 8'239.– reklamiert und dem Be-
klagten einen solchen von bloss Fr. 3'351.– zugesteht (Urk. 239 S. 8).
5.2.1 Die Vorinstanz hat der Klägerin Wohnkosten (inklusive Nebenkosten)
von Fr. 1'776.– und dem Beklagten solche von Fr. 1'400.– zugebilligt. Der Betrag
von Fr. 1'776.– setzt sich zusammen aus dem Hypothekarzins (Fr. 1'041.65), den
Nebenkosten (Fr. 422.–), den Kosten für den laufenden Unterhalt (Fr. 300.–) und
die Gartenpflege (Fr. 12.50).
5.2.2 Die Klägerin wirft der Vorinstanz vor, sie habe eine Rechnung aus dem
Jahr 2004 über Fr. 364.– (Urk. 19/9) für das Rückschneiden der Bäume unbe-
rücksichtigt gelassen. Die Liegenschaft in C._ verfüge über einen Garten mit
Bäumen, womit zum Unterhalt auch die Gartenpflege zähle. Die in der gleichen
Beilage (Urk. 19/9) befindlichen Fotos vom September 2013 würden belegen,
dass die Bäume erfahrungsgemäss mindestens zweimal im Jahr durch einen
Spezialisten geschnitten werden müssten, was monatlich Fr. 60.– ausmache
(Fr. 728.– geteilt durch 12). Somit seien für die Gartenpflege mindestens Fr. 60.–
monatlich zu berücksichtigen.
5.2.3 Die Klägerin zeigt nicht auf, wo sie die entsprechenden Behauptungen
bereits im erstinstanzlichen Verfahren aufgestellt hat. Nur weil die Vorinstanz eine
- 84 -
Rechnung für das Schneiden eines Baumes aus dem Jahre 2004 nicht berück-
sichtigte, liegt keine unrichtige Sachverhaltsfeststellung vor. Das Vorbringen der
Klägerin ist sodann unsubstantiiert. Sie legt nicht dar, über welche Bäume sie ver-
fügt und welche Baumarten ein zweimaliges Rückschneiden pro Jahr erforderten;
mit den "in der gleichen Beilage befindlichen Fotos", die sie im September 2013
an ihre damalige Rechtsvertreterin übermittelte, wird auch nicht belegt, dass die
Klägerin die Bäume tatsächlich regelmässig schneiden lässt und ihr entsprechen-
de Kosten anfallen. Schliesslich kann die Gartenpflege ganz grundsätzlich keine
Aufnahme in das erweiterte Existenzminimum finden, zumal der Beklagte über
keinen Garten verfügt.
5.2.4 Die Klägerin wirft der Vorinstanz vor, ein Betrag von Fr. 300.– für den
laufenden Unterhalt sei unangemessen tief. Die Vorinstanz verkenne, dass sie in
einer sehr alten Liegenschaft mit Baujahr 1975 wohne, die jahrelang nur mangel-
haft bis gar nicht unterhalten worden sei. Die Vorinstanz ziehe richtigerweise in
Erwägung, es handle sich beim Merkblatt des kantonalen Steueramtes über die
steuerliche Abzugsfähigkeit von Kosten für den Unterhalt und Verwaltung von
Liegenschaften vom 13. November 2009 nur um eine Richtschnur. Angesichts
des Alters und der Renovationsbedürftigkeit des Hauses rechtfertige sich "ohne
Weiteres" die Anrechnung von Fr. 750.– für den Unterhalt der Liegenschaft (Urk.
239 S. 9).
5.2.5 Vor Vorinstanz hat die Klägerin pauschal für "laufenden Unterhalt /
Rückstellung Renovationen" Fr. 750.– gefordert (Urk. 152 S. 10). Dieser Betrag ist
völlig unsubstantiiert geblieben. Die Vorinstanz erwog, die von der Klägerin einge-
reichten Belege seien wenig aussagekräftig, da sie nur einzelne Reparaturarbei-
ten in den letzten zwei Jahren betreffen würden. Eine Richtschnur bilde hingegen
der steuerliche Pauschalabzug für Unterhaltskosten von Liegenschaften im Kan-
ton Zürich (Urk. 240 S. 16). Mit dieser Erwägung setzt sich die Klägerin nicht aus-
einander. Gemäss den Richtlinien (Ziff. III/1.3) sind die durchschnittlichen not-
wendigen Unterhaltskosten zu berücksichtigen. Die Klägerin tut nicht dar, dass
diese Kosten die von der Vorinstanz veranschlagten Fr. 300.– pro Monat über-
- 85 -
steigen. Es rechtfertigt sich nicht, "ohne weiteres" pauschal Fr. 750.– in den klä-
gerischen Bedarf aufzunehmen.
5.3.1 Die Vorinstanz hat der Klägerin für die Gesundheit nebst der Kranken-
kassenprämie weitere Fr. 328.– (Fr. 245.– für Jahresfranchise und Selbstbehalte
und Fr. 83.– für nicht von der Krankenkasse gedeckte Gesundheitskosten ge-
mäss "Abrechnung der CSS Versicherung 2014" [Urk. 153/15]) zugebilligt (Urk.
240 S. 17 f.).
5.3.2 Die Klägerin trägt vor, der Beklagte habe – worauf auch die Vorinstanz
hinweise – die Höhe der von ihr geltend gemachten Gesundheitskosten nicht be-
stritten. Damit hätte die Vorinstanz Fr. 400.– für weitere (nicht versicherte) Ge-
sundheitskosten inkl. Zahnarzt und Optiker, also total Fr. 645.–, in ihrem Bedarf
berücksichtigen müssen. Indem sie nur einen Teil in ihren Bedarf aufgenommen
habe, verletze sie die Verhandlungs- und Dispositionsmaxime (Urk. 239 S. 9).
5.3.3 Dieser Einwand verfängt nicht. Der Beklagte hat den gesamten gebüh-
renden Bedarf der Klägerin ausdrücklich bestritten (Prot. I S. 92), auch wenn er
später hinzufügte, die weiteren Gesundheitskosten sowie die Franchise und der
Selbstbehalt gehörten nicht in den Grundbedarf (Prot. I S. 93), was die Vorinstanz
fälschlicherweise zur Bemerkung veranlasste, der Beklagte bestreite lediglich,
dass die Gesundheitskosten in den Grundbedarf gehörten (Urk. 240 S. 17). Da-
von abgesehen können ohnehin nur bevorstehende grössere notwendige Ausla-
gen für Arzt, Zahnarzt, Arzneien und dergleichen als Zuschlag zum monatlichen
Grundbedarf geltend gemacht werden (Richtlinien Ziffer III/5.3). Inwiefern die im
Auszug der Gesundheitskosten der CSS Versicherung für das Jahr 2014 aufge-
führten nicht versicherten Kosten von total Fr. 991.95 (Urk. 153/15) notwendiger-
weise auch heute noch unmittelbar bevorstehen bzw. regelmässig anfallen, ist
nicht dargetan und nicht ersichtlich.
5.3.4 Die Vorinstanz erwog, die eingereichten Abrechnungen der ... Optik
(Urk. 19/18, Urk. 153/17) würden sich auf nicht medizinisch notwendige Arbeiten
wie das Verzieren der Brille mit Perlen oder den Aufwand für Kontaktlinsen bezie-
- 86 -
hen, wobei es der Klägerin zugemutet werden könne, eine normale Brille zu tra-
gen (Urk. 240 S. 17).
5.3.5 Die Klägerin rügt, sie sei aus medizinischer Sicht auf eine Brille ange-
wiesen. Aus der Rechnung vom 17. November 2011 sei ersichtlich, dass sie die
Brille in einer Aktion gekauft und nur Fr. 528.– für das Brillengestell bezahlt habe.
Auch bei den notwendigen Gleitsichtgläsern (2 x Fr. 622.–) habe die Klägerin von
einem Rabatt von 50% profitiert. Insofern würden sich die von ihr eingereichten
Belege sehr wohl auf medizinisch notwendige Belange beziehen. Sie müsse die
Gläser alle ein bis zwei Jahre aufgrund der Veränderung der Sehschärfe aus-
wechseln, was eine notorisch bekannte Tatsache sei. Insofern seien zumindest
die Kosten für die Brille und die Brillengläser im Bedarf zu berücksichtigen. Aus-
gehend von alle zwei Jahre anfallenden Kosten von Fr. 1'364.– (Gleitsichtgläser à
Fr. 622.– zuzüglich Montage à Fr. 80.– zuzüglich Service à Fr. 40.–) ergebe dies
ein monatlicher Betrag für die Brille von Fr. 57.– (Urk. 239 S. 9 f.).
5.3.6 Wie bereits ausgeführt, können nur bevorstehende grössere notwendi-
ge Auslagen berücksichtigt werden. Die neue Behauptung, die Klägerin benötige
alle ein bis zwei Jahre neue Gläser ist unzulässig (Art. 317 Abs. 1 ZPO) und zu-
dem unbelegt. Die letzten Rechnungen für Gläser stammen aus dem Jahre 2011
(Urk. 19/18). Um eine notorisch bekannte Tatsache handelt es sich dabei offen-
sichtlich nicht. Die Berufung ist insoweit abzuweisen.
5.3.7 Die Klägerin hält weiter dafür, die Vorinstanz lasse die von ihr geltend
gemachten Kosten für die Dentalhygiene ausser Betracht. Es sei gerichtsnoto-
risch, dass diese Kosten regelmässig anfallen würden. Da die Klägerin sehr viel
Zahnstein habe, würden jährlich Kosten von zweimal Fr. 200.– oder Fr. 35.– pro
Monat anfallen (Urk. 239 S. 10 unter Verweis auf Urk. 19/17 und Urk. 153/16).
5.3.8 Die Vorinstanz hat sich zur Dentalhygiene nicht geäussert, obwohl die
eingereichten und zum Beweis angerufenen Rechnungen für Dentalhygiene (be-
treffend die Behandlungen vom 5. November 2012, 24. Juli 2013, 7. April 2015)
nicht auf der "Abrechnung der CSS Versicherung 2014" figurieren. Die Notwen-
digkeit von zwei Sitzungen (aufgrund von viel Zahnstein) pro Jahr ist weder recht-
- 87 -
zeitig behauptet noch belegt worden. Üblich bzw. notwendig ist vielmehr eine jähr-
liche Behandlung. Für die Dentalhygiene (inkl. zwei Röntgenaufnahmen) können
pro Jahr lediglich Fr. 201.40 (53 Taxpunkte à Fr. 3.80) berücksichtigt werden (Urk.
153/16). Monatlich schlägt diese Auslage mit Fr. 16.80 zu Buche.
5.3.9 Die Klägerin beanstandet ferner, dass die Vorinstanz dem Beklagten
Gesundheitskosten zubilligte. Er habe nie solche behauptet, geschweige denn be-
legt. Davon gehe auch die Vorinstanz aus. Weshalb sie trotzdem Kosten für Fran-
chise und Selbstbehalt (Fr. 83.–) berücksichtige, sei nicht nachvollziehbar und
stelle eine Verletzung der Verhandlungs- und Dispositionsmaxime dar. Dem Be-
klagten seien keine Gesundheitskosten zuzugestehen (Urk. 239 S. 10).
5.3.10 Die Vorinstanz erwog, auch der Beklagte sei gesundheitlich ange-
schlagen, weshalb ihm im Zuge der Gleichbehandlung der Parteien die Kosten für
Franchise und Selbstbehalt im Bedarf anzurechnen seien. Sie hat ihm dann aber
– wohl versehentlich – nicht Franchise und Selbstbehalt von Fr. 183.– pro Monat
(Franchise von Fr. 1'500.– gemäss Versicherungspolice [Urk. 13/53] und maxima-
ler Selbstbehalt von Fr. 700.–) sondern die nicht versicherten Kosten der Klägerin
von Fr. 83.– im Bedarf eingestellt (Urk. 240 S. 18).
5.3.11 Soweit es um die konkrete Höhe einer Bedarfsposition geht, handelt
es sich um eine Tatfrage. Ob (festgestellte) Aufwendungen im Rahmen der Be-
darfsberechnung zu berücksichtigen sind, stellt eine Rechtsfrage dar (BGer
5A_435/2011 vom 14. November 2011, E. 9.1). Für den nachehelichen Unterhalt
gilt die Verhandlungsmaxime (Art. 272 ZPO). Das Bundesgericht hat es indes
nicht dabei bewenden lassen. Es bezeichnete die Sachverhaltsfeststellung, dass
einem aktuell über keine gesundheitlichen Beschwerden klagenden Mann nach
dessen Pensionierung bis zu dessen 77. Altersjahr monatliche Gesundheitskos-
ten von Fr. 50.– (für Minimalfranchise und Selbstbehalt von 10%) anfallen wür-
den, als offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 105 Abs. 1 BGG. Unter Rückgriff
auf das allgemein zugängliche und damit auch vom Bundesgericht zu berücksich-
tigende Statistische Lexikon der Schweiz des Bundesamtes für Statistik (BfS) be-
richtigte es den Sachverhalt unter Verweis auf die für die betreffenden Altersgrup-
pe massgebenden Gesundheitskosten. In der Folge rechnete es dem Beschwer-
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deführer für Franchise (Fr. 300.–) und 10% Selbstbehalt durchschnittliche Ge-
sundheitskosten von (wie vor Obergericht beantragt) Fr. 150.– pro Jahr an (BGer
5A_435/2011 vom 14. November 2011, E. 9.3).
5.3.12 Anders als in den Massnahmeverfahren (Urk. 27 S. 2, Urk. 187 S. 2)
hat der Beklagte im Hauptverfahren vor Vorinstanz für die Gesundheit nebst den
Versicherungsprämien für die Krankenkasse in der Tat keine zusätzlichen Ausla-
gen in Form von Selbstbehalten, Franchisen oder nicht versicherten Kosten be-
hauptet (Prot. I S. 90 und Urk. 155/1 S. 2 Ziff. 5 und Excel-Beilage). Dies tat er of-
fensichtlich deshalb, weil er der Auffassung war, die Prämien für Privatversiche-
rungen, weitere Gesundheitskosten sowie Franchise und Selbstbehalt würden
nicht in den Grundbedarf gehören (Prot. I S. 93). In dieser Konstellation wäre es
aber Sache der Vorinstanz gewesen, den nicht rechtskundig vertretenen Beklag-
ten zur Bezifferung weiterer Gesundheitskosten anzuhalten für den Fall, dass sei-
ner Rechtsauffassung nicht gefolgt würde (Art. 56 ZPO). In seiner Zweitberufung
pocht der Beklagte nun "im Zuge der Gleichbehandlung der Parteien" auf einen
Betrag von Fr. 250.– für Franchise und Selbstbehalt (Urk. 251 S. 4, Urk. 259/239
S. 8). Dieser Antrag kann nach dem Gesagten nicht infolge verspäteter Geltend-
machung (Art. 317 Abs. 1 ZPO) zurückgewiesen werden.
5.3.13 Die Klägerin stellt nicht in Frage, dass auch der Beklagte gesundheit-
lich angeschlagen ist. Der Beklagte ist heute 55 Jahre alt und wird bis zum Eintritt
ins AHV-Alter weiter arbeiten müssen, um auch im Interesse der Klägerin Unter-
haltsbeiträge bezahlen zu können. Hiezu muss er gesund bleiben. Laut der all-
gemein zugänglichen und damit auch im Berufungsverfahren zu berücksichtigen-
den Zusammenstellung "Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens 2015"
des BfS (Tabelle 14.05.01.04; "Gesundheitskosten nach Alter und Geschlecht
(Schätzung)"; abrufbar unter https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/ home/statisti-
ken/gesundheit/kosten-finanzierung.assetdetail.3662022.html) betrugen die jährli-
chen Gesundheitskosten eines männlichen Einwohners im Jahre 2015
Fr. 10'188.– (56-60 Jahre) und Fr. 12'720.– (61-65 Jahre). Bei Kosten in dieser
Höhe ist vom Beklagten sowohl die Jahresfranchise von Fr. 1'500.– (Urk. 13/53)
als auch der maximale Selbstbehalt gemäss KVG von Fr. 700.– (Art. 64 Abs. 2
- 89 -
und 3 KVG; Art. 103 Abs. 2 KVV) zu bezahlen. Der monatliche Aufwand für Fran-
chise und Selbstbehalt beträgt Fr. 183.30 (Fr. 2'200.– : 12). Die Berufung der Klä-
gerin, die auf die Streichung der Fr. 83.– abzielt, ist daher abzuweisen.
5.3.14 In ihrer Noveneingabe vom 4. Oktober 2017 informierte die Klägerin,
der Beklagte habe in der Zwischenzeit eine billigere Krankenkasse (Urk. 312).
Mangels näherer Bezifferung und Nachweises ist darauf nicht weiter einzugehen.
5.4.1 Die Klägerin rügt, die Vorinstanz habe dem Beklagten in Verletzung
der Verhandlungs- und Dispositionsmaxime Fr. 20.– für eine Haftpflicht- und Mo-
biliarversicherung zugesprochen, obwohl er dafür keine Kosten geltend gemacht
habe (Urk. 239 S. 10).
5.4.2 Die Rüge geht fehl. Der Beklagte hat an der Hauptverhandlung vom
30. April 2015 in seiner Bedarfsaufstellung allein für die Hausratversicherung
Fr. 25.50 geltend gemacht (Urk. 155/1 S. 2 Ziff. 5 und Excel-Beilage). Wenn die
Vor-instanz den bereits in der Konvention betreffend vorsorgliche Massnahmen
für die Haftpflicht-/Mobiliarversicherung zugebilligten Betrag von Fr. 20.– in den
nachehelichen Bedarf übernahm (Urk. 27 S. 2, Urk. 240 S. 18), stellt dies keine
Verletzung der Dispositions- und Verhandlungsmaxime dar.
5.5 Die Vorinstanz nahm für Kommunikation und Medien inkl. Billag-
Gebühren einen "gerichtsüblichen Pauschalbetrag" von Fr. 120.– (Klägerin) bzw.
Fr. 80.– (Beklagter, in Lebensgemeinschaft) in den Bedarf auf (Urk. 240 S. 18 und
S. 21). Die Klägerin behauptet, der gerichtsübliche Betrag für Kommunikation und
Medien betrage Fr. 139.–, nämlich Fr. 39.– Billag-Gebühren und Fr. 100.– für Te-
lefon und Internet (Urk. 239 S. 11). Mit dieser kurzen Begründung legt die Kläge-
rin nicht dar, inwiefern der von ihr beanspruchte Betrag gerichtsüblich sein soll
und mit den von der Vorinstanz veranschlagten Fr. 120.– ihre tatsächlichen Auf-
wendungen für Billag, Telefon und Internet nicht gedeckt werden können.
5.6.1 Die Vorinstanz nahm für die Mobilität bei der Klägerin Fr. 180.– und
beim Beklagten Fr. 200.– in den jeweiligen Bedarf auf. Sie sprach dem von der
nicht erwerbstätigen Klägerin beanspruchten Fahrzeug den Kompetenzcharakter
- 90 -
ab und hielt fest, es sei der Klägerin zuzumuten, ihre täglichen Besorgungen und
Arztbesuche auf den öffentlichen Verkehr abzustimmen. Zudem hegte sie auf-
grund des Medikamentenkonsums der Klägerin Zweifel an der Fahrtüchtigkeit
(Urk. 240 S. 19).
5.6.2 Die Klägerin beanstandet mit ihrer Berufung, es hätten ihr während
des Zusammenlebens stets ein oder mehrere Fahrzeuge zur Verfügung gestan-
den, obwohl sie nicht erwerbstätig gewesen sei. Ein Fahrzeug gehöre daher zum
ehelichen Lebensstandard. Zwar verfüge der Beklagte heute über ein deutlich tie-
feres Einkommen als zu seinen besten Zeiten. Trotzdem verbleibe nach Abzug
des Bedarfs der Parteien von ihrem Einkommen ein genügend hoher Überschuss,
um das Fahrzeug des Klägerin weiter zu finanzieren. Den geltend gemachten Be-
trag von Fr. 700.– habe der Beklagte nie bestritten. Davon abgesehen sei die
Klägerin für Einkäufe, Transporte, Therapie- und Arztbesuche sehr wohl auf ein
Fahrzeug angewiesen. Es könne ihr nicht zugemutet werden, Einkäufe zu Fuss
zu tätigen, da die nächste Einkaufsmöglichkeit über einen Kilometer von ihrem
Zuhause entfernt und sie teilinvalid sei (Urk. 239 S. 11).
5.6.3 Wird der nacheheliche Unterhalt der Klägerin anhand der Methode des
erweiterten Existenzminimums mit hälftiger Überschussverteilung (E. 5.1) ermit-
telt, kann sich die Klägerin nicht einfach darauf berufen, dass sie während des
ehelichen Zusammenlebens immer über ein Auto verfügt habe. Welche Aufwand-
positionen in das erweiterte Existenzminimum aufgenommen werden, ist eine
Rechtsfrage. Gemäss Ziffer 3.4 lit. e der Richtlinien sind Kosten für ein Auto ledig-
lich dann zu berechnen, wenn ein Auto zur Ausübung des Berufes oder für die
Fahrten zum Arbeitsplatz benötigt wird. Dies ist hier mangels Erwerbstätigkeit der
Klägerin und mangels Kompetenzqualität des Fahrzeugs gerade nicht der Fall.
Die weiteren Darlegungen der Klägerin zur angeblichen Angewiesenheit sind neu
und damit unzulässig (vgl. Urk. 76 S. 15 und Urk. 152 S. 11). Zudem vermag die
Klägerin mit ihren Ausführungen nicht dazutun, dass es ihr aus medizinischen
Gründen geradezu nicht möglich wäre, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu
Fuss Ärzte und Therapeuten aufzusuchen und Einkäufe zu besorgen (vgl. auch
Prot. I S. 145). Es bleibt damit bei den von der Vorinstanz berechneten Kosten für
- 91 -
ein Abonnement zweiter Klasse des öffentlichen Verkehrs für alle Zonen des Kan-
tons Zürich von Fr. 2'160.– jährlich bzw. Fr. 180.– monatlich.
5.6.4 Die Klägerin beanstandet weiter, sie habe dem Beklagten nur unter
dem Vorbehalt, dass ihm das GA/ZVV-Abonnement nicht arbeitgeberseitig vergü-
tet werde, Fr. 200.– für Mobilität zugestanden. Folglich gehe die Vor-instanz zu
Unrecht davon aus, sie habe Fr. 200.– für Transportkosten anerkannt. Anlässlich
der Parteibefragung habe der Beklagte ausgesagt, er erhalte Fr. 740.– an das
Abonnement bezahlt, wobei es sich gemäss Arbeitsvertrag um die Hälfte der Mo-
bilitätskosten handle. Folglich habe der Beklagte lediglich Transportkosten von
Fr. 740.– pro Jahr oder Fr. 61.– pro Monat zu tragen, sofern ihm der Beitrag des
Arbeitgebers nicht als Einkommen angerechnet werde (Urk. 239 S. 11 f. mit Ver-
weis auf Urk. 152 S. 13, Urk. 204 S. 4 und Urk. 173/2 S. 2). Der Beklagte äusser-
te sich nicht dazu (Urk. 251 S. 4).
5.6.5 Der Einwand der Klägerin ist berechtigt (Urk. 152 S. 13). Der Beklag-
ten hat die ihm von der Klägerin zugebilligten Auslagen für den Arbeitsweg von
Fr. 200.– akzeptiert und hinzugefügt, "[m]it der Subventionierung durch G._
würden diese allenfalls noch ein bisschen reduziert (Prot. I S. 94). Der Beklagte
hat in der Parteibefragung eingeräumt, dass ihm von der Arbeitgeberin Fr. 740.–
an das Abonnement des öffentlichen Verkehrs erstattet werden (Prot. I S. 154).
Indes kann aufgrund des Arbeitsvertrags ("Fringe Benefits") nicht davon ausge-
gangen werden, dass es sich dabei um die Hälfte der Abonnementskosten han-
delt, ist der Beitrag doch auf max. Fr. 700.– beschränkt und gelten für die Stand-
orte Zürich, Genf und Lausanne sinngemäss Sonderregelungen (Urk. 173/2 S. 2).
Die Klägerin ging offenbar selbst von Kosten von Fr. 2'400.– pro Jahr aus (12 x
Fr. 200.–). Nach Abzug des Beitrags des Arbeitsgebers verbleiben Fr. 1'660.–, die
der Beklagte zu bezahlen hat. Damit sind dem Beklagten Fr. 139.– pro Monat für
die Mobilität zuzubilligen. Die vom Beklagten in der Eingabe vom 8. März 2018
(ohnehin verspätet) genannten Fr. 3'671.– (Urk. 366 S. 3) betreffen ein Abonne-
ment der 1. Klasse. Darauf hat der Beklagte keinen Anspruch.
5.7.1 Die Vorinstanz erwog, da dem Beklagten eine Pauschalentschädigung,
die auch kleinere Essen und Snacks abgelte, ausgerichtet werde und ihm eine
- 92 -
Kantine mit vergünstigten Menus zur Verfügung stehe, sei lediglich der von der
Klägerin anerkannte Betrag von Fr. 100.– für auswärtige Verpflegung zu berück-
sichtigen (Urk. 240 S. 20).
5.7.2 Die Klägerin rügt, sie habe diesen Betrag in der Replik lediglich für den
Fall anerkannt, dass dem Beklagten die Pauschalspesen als Lohn angerechnet
würden. Sei dies nicht der Fall, würden dem Beklagten keine Mehrkosten für
auswärtige Verpflegung anfallen (Urk. 239 S. 12 mit Verweis auf Urk. 152 S. 14).
Der Beklagte liess sich dazu nicht vernehmen (Urk. 251 S. 4).
5.7.3 Zutreffend ist, dass die Klägerin den von ihr behaupteten Vorbehalt
gemacht hat (Urk. 152 S. 14). Indes wird die dem Beklagten ausgerichtete Spe-
senpauschale von Fr. 700.– nicht für die regelmässig anfallenden Mehrkosten der
auswärtigen Verpflegung ausgerichtet. Sie soll vielmehr Auslagen für Repräsenta-
tionen sowie Akquisition und Pflege von Kundenbeziehung abgelten (Urk. 173/1
S. 1 f.). Darunter können zwar auch Essen mit Kunden subsumiert werden. Dies
rechtfertigt es aber nicht, dem Beklagten den Betrag von Fr. 100.– für die alltägli-
che auswärtige Verpflegung über Mittag aus dem Bedarf zu streichen.
5.8.1 Die Klägerin machte in der Klagebegründung ein monatliches Vorsor-
gedefizit von Fr. 1'930.– geltend, der in ihren Bedarf aufzunehmen sei (Urk. 76
S. 16). Die Vorinstanz erwog, Vorsorgeunterhalt könne nicht mehr verlangt wer-
den, wenn beim berechtigten Ehegatten der Vorsorgefall – hier: die Invalidität der
Klägerin – bereits eingetreten sei (Urk. 240 S. 21).
5.8.2 Die Klägerin will die Erwägung der Vorinstanz nur bei Zusprechung ei-
ner vollen Invalidenrente gelten lassen. Sie weist darauf hin, dass ihr mit Verfü-
gung vom 18. September 2015 lediglich eine Dreiviertel-Invalidenrente – ausge-
hend von einem Invaliditätsgrad von 60% – zugesprochen worden sei. Dement-
sprechend verfüge sie sehr wohl über ein Vorsorgedefizit, weshalb die geltend
gemachten Fr. 1'930.– in ihrem Bedarf zu berücksichtigen seien (Urk. 239 S. 12).
5.8.3 In der Lehre wird die Auffassung vertreten, dass Vorsorgeunterhalt
(Art. 125 Abs. 1 ZGB) nicht mehr verlangt werden kann, wenn bei der berechtig-
- 93 -
ten Partei der Vorsorgefall bereits eingetreten ist (FamKomm Scheidung/
Schwenzer/Büchler, Art. 125 N 17; BSK ZGB I-Gloor/Spycher, Art. 125 N 5). CR
CC I-Pichonnaz, Art. 125 N 29, definiert den Vorsorgefall als "retraite ou invalidité
totale", was zur Folge hat, dass der Unterhaltsgläubiger keine Altersvorsorge
mehr ansparen kann. Der Invaliditätsgrad der Klägerin beträgt zwar 60%; ihre
Einschränkung im Erwerbsbereich liegt jedoch bei 100% (Urk. 182/2). Insofern
kann doch von einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit infolge von Invalidität ge-
sprochen werden. Die Vorsorge bezweckt, das Erwerbseinkommen zu ersetzen,
wenn jemand wegen einer Invalidität oder wegen Alters nicht mehr einer Erwerbs-
tätigkeit nachgehen kann. Vorsorge kann nur vor dem Eintritt des Vorsorgefalles
betrieben werden, nicht auch nachher (Geiser, Aufbau einer angemessenen Al-
tersvorsorge und Dauer des nachehelichen Unterhalt, in: FamPra.ch 2012
S. 358). Ob von seinem Zweck her Vorsorgeunterhalt geradezu ausgeschlossen
ist, nachdem die Klägerin zu 60% invalid und zu 100% erwerbsunfähig ist, kann
aber aus nachfolgenden Gründen offen gelassen werden.
5.8.4 Die Übernahme des vorinstanzlich geltend gemachten Betrages von
Fr. 1'930.– erscheint von vornherein als verfehlt. Dieser Betrag basierte auf einem
"Gebührenden Bedarf ohne Aufbau Altersvorsorge" von Fr. 7'931.– und einem ei-
genen Einkommen von Fr. 0.– (Urk. 76 S. 15 f.). Die Klägerin geht aber nun von
einem Bedarf (ohne Vorsorgeunterhalt) von Fr. 6'309.– bzw. Fr. 6'572.50
(inkl. Freibetragsanteil) aus (Urk. 239 S. 8, S. 13). Die Vorinstanz errechnete ei-
nen Bedarf (ohne Vorsorgeunterhalt) von Fr. 4'955.– bzw. Fr. 6'046.– (inkl. Frei-
betragsanteil). Zudem erzielt die Klägerin ein Erwerbsersatzeinkommen in Form
einer Dreiviertel-Invalidenrente von Fr. 1'035.–. Wie sich bei diesen veränderten
Vorgaben der Vorsorgeunterhalt errechnet, legt die Klägerin in ihrer Berufung
nicht ansatzweise dar. Wenn sie einfach an den "geltend gemachten CHF 1'930"
festhält (Urk. 239 S. 12), genügt sie ihrer Substantiierungs- bzw. Begründungs-
pflicht nicht. Damit hat es beim vorinstanzlichen Entscheid sein Bewenden.
5.8.5 Davon abgesehen reichen die Mittel der Parteien für einen Vorsorge-
unterhalt gar nicht aus. Die Altersvorsorge wird auf Grund der für die Ehegatten
massgebenden Lebenshaltung (bisheriger Verbrauchsunterhalt) bemessen (BGE
- 94 -
135 III 158 E. 4.4 S. 160). Welche Beiträge der Unterhaltspflichtige an die zweite
Säule leistet, ist demgegenüber irrelevant. Die Methode des erweiterten Exis-
tenzminimums mit hälftiger Überschussverteilung soll vorliegend gewährleisten,
dass beide Parteien in gleicher Weise Abstriche an der bisherigen Lebenshaltung
hinzunehmen haben (Gleiche Lebenshaltung auf entsprechend tieferer Stufe).
Würde der Klägerin Vorsorgeunterhalt zugesprochen bzw. könnte die Klägerin
den Vorsorgeunterhalt vor der Freibetragsaufteilung vorab beziehen, müsste sich
der Beklagte zukünftig in seiner bisherigen Lebenshaltung bedeutend mehr ein-
schränken als die Klägerin.
5.8.6 Die Klägerin beantragt eventualiter die Aufnahme der AHV-Beiträge,
die sie als Nichterwerbstätige trotz IV-Rente zu bezahlen habe, in den Bedarf. Sie
schätzte den Jahresbeitrag zunächst auf Fr. 3'659.25 (Urk. 239 S. 12). Auf den
inskünftig anfallenden Nichterwerbstätigenbeitrag hat die Klägerin, ohne diesen
zu beziffern, bereits vor Vorinstanz im Rahmen der Begründung des Vorsorgeun-
terhalts aufmerksam gemacht (Urk. 76 S. 14, Urk. 152 S. 12). Mit Noveneingabe
vom 3. Dezember 2017, zur Post gegeben am 4. Dezember 2017, reichte die
Klägerin die Nachtragsverfügung der SVA Zürich vom 24. November 2017 Zürich,
wonach sie für das Jahr 2017 Akontobeiträge (inkl. Verwaltungskosten) von
Fr. 2'259.90 zu bezahlen hat, ein (Urk. 335/1). Konsequenz dieser – im Schei-
dungsurteil nicht berücksichtigten – Kosten sei, dass ihr Bedarf um Fr. 190.– zu
erhöhen sei. Die Verfügung sei erst Ende November 2017 bei ihr eingetroffen
(Urk. 333). Das neue Vorbringen erscheint unter novenrechtlichen Gesichtspunk-
ten als zulässig (Art. 317 Abs. 1 ZPO).
Der Beklagte wendet zunächst unter Hinweis auf die Homepage der SVA
ein, die von der Klägerin angeblich zu leistenden AHV-Beiträge würden direkt von
ihrer IV-Rente in Abzug gebracht. Der Beitragssatz betrage lediglich 5.125%,
weshalb von der Klägerin eine neue Berechnung vorzulegen sei (Urk. 366 S. 4).
Der Einwand ist unbegründet. Der Abzug von (hälftigen) Beiträgen bezieht sich of-
fensichtlich auf IV-Taggelder. Die Beiträge von Nichterwerbstätigen werden in
Rechnung gestellt. Nichterwerbstätige Personen bezahlen Beiträge je nach ihren
sozialen Verhältnissen (Art. 10 Abs. 1 AHVG), wobei gemäss Art. 28 AHVV das
- 95 -
Vermögen sowie das (im Sinne einer Kapitalisierung) mit dem Faktor 20 multipli-
zierte jährliche Renteneinkommen (ohne AHV- und IV-Renten) massgebend ist.
Als Teil des Renteneinkommens sind auch vermögensrechtliche Ansprüche des
geschiedenen Ehegatten zu betrachten (Locher/Gächter, Grundriss des Sozial-
versicherungsrechts, 4. Aufl., 2014, § 64 Rz 36 ff.; Kieser, Schweizerisches Sozi-
alversicherungsrecht, 2. Aufl., 2017, S. 192).
Der Beklagte macht weiter geltend, dass es sich bei der vorgelegten "Ab-
rechnung" lediglich um eine Berechnung der SVA handle, die auch provisorisch
sein könne. Die Klägerin habe nicht belegt, dass sie die aufgeführten Kosten auch
tatsächlich bezahlt habe (Urk. 366 S. 4). Auch dieser Einwand ist untauglich. Die
Nachtragsverfügung basiert auf einem Renteneinkommen 2017 von Fr. 56'820.–
(das mit einem Faktor 20 multipliziert wird) und einem Reinvermögen von Fr. 0.–
(Urk. 335/1). Der Beklagte zeigt nicht auf, dass diese Berechnungsgrundlagen
falsch und die Beiträge zu hoch sind. Ein Zahlungsnachweis ist nicht notwendig,
um diese von der Klägerin geschuldeten Beiträge zu berücksichtigen. Im Bedarf
der Klägerin sind wie beantragt monatlich gerundet Fr. 190.– (Fr. 2'259.90 geteilt
durch 12) für AHV-Beiträge einzustellen.
Nicht weiter einzugehen ist auf den verspäteten und nicht weiter begründe-
ten Antrag in der Noveneingabe vom 5. März 2018, es seien für die Zahlungen an
die AHV Fr. 300.– zu berücksichtigen (Urk. 360 S. 3 f.).
5.9 Nicht relevant ist die in der Noveneingabe vom 3. Dezember 2017 ent-
haltene Bemerkung, der Beklagte wohne offenbar mit seiner Partnerin zusam-
men, was seinen Bedarf (Grundbetrag: Fr. 850.–; Wohnkosten Fr. 700.–) deutlich
senke (Urk. 333, vgl. auch Urk. 343). Die Vorinstanz hat dem Beklagten den hälf-
tigen Ehegattengrundbetrag und die hälftigen Wohnkosten angerechnet (Urk. 240
S. 14 ff.).
5.10.1 In der Noveneingabe vom 2. November 2017 weist die Klägerin da-
rauf hin, dass sich die Prämien für die Krankenkasse auf Fr. 825.60 erhöht hätten
(Urk. 325 S. 4). Zum Nachweis reicht sie die Versicherungspolice vom 11. Okto-
ber 2017 mit den ab 1. Januar 2018 gültigen Prämien ein (Urk. 327/6).
- 96 -
5.10.2 Echte Noven sind ohne Verzug geltend zu machen (Art. 317 Abs. 1
lit. a ZPO). Die Klägerin legt nicht dar, wann sie von der neuen Police, ausgestellt
am 11. Oktober 2017, Kenntnis erhielt. Ihr lief indes eine Frist, um zum Schreiben
des Beklagten vom 2. Oktober 2017 Stellung zu nehmen (Urk. 314 und Urk. 318).
Läuft der Partei bereits eine offene Frist für eine Eingabe, soll der Fristablauf ab-
gewartet werden können, da dadurch das Verfahren nicht verzögert wird (BGer
4A_707/2016 vom 29. Mai 2017 E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen). Die neue Prä-
mie wurde damit rechtzeitig geltend gemacht.
5.10.3 Der Beklagte anerkennt die geltend gemachten Kosten für die Kran-
kenversicherung (Urk. 366 S. 3). Die Vorinstanz hat bei beiden Parteien Grund-
und Zusatzversicherung berücksichtigt (Urk. 240 S. 17, Urk. 8 S. 10). Es sind da-
her Auslagen von Fr. 825.60 für die Krankenkasse in den Bedarf der Klägerin auf-
zunehmen (Urk. 327/6).
5.11.1 Die Klägerin macht in ihrer Noveneingabe vom 2. November 2017
geltend, dass ihre Neben- und Reparaturkosten massiv gestiegen seien. Auch
seien die Kosten für den Hund der Klägerin bis anhin nie im Bedarf berücksichtigt
worden. Zudem habe sie seit 2015 Steuerschulden bei der Gemeinde C._
(Urk. 325 S. 4).
5.11.2 Zu den Wohnkosten (Hypothekarzins, Nebenkosten und Unterhalt)
wurde bereits Stellung genommen (E. V/A/5.2). Weder macht die Klägerin in ihrer
Noveneingabe einen bestimmten Betrag geltend; noch substantiiert sie näher,
dass ihre Vorbringen unverzüglich erfolgten. Die beispielhaft eingereichte Rech-
nung der Schreinerei U._ (Urk. 327/8) datiert vom 21. Juni 2017. Das gleiche
gilt für die Kosten für den Hund und allfällige Steuerschulden, die ohnehin nicht in
das erweiterte Existenzminimum bzw. in den laufenden Bedarf gehören. Auf diese
Vorbringen ist nicht einzutreten.
5.12 Keine weiteren Korrekturen im Bedarf des Beklagten ergeben sich auf-
grund der Noveneingabe vom 23. Januar 2018, in der auf die "Berechnung des
Existenzminimums durch das Betreibungsamt R._-..." vom 5. Januar 2018
verwiesen wird mit dem Bemerken, der Beklagte teile seine Wohnkosten (Urk.
- 97 -
343, Urk. 345/2). Dieser Verweis stellt keine Auseinandersetzung mit dem ange-
fochtenen Entscheid bzw. der vorinstanzlichen Bedarfsrechnung dar, nachdem
bereits die Vorinstanz dem Beklagten nur hälftige Wohnkosten angerechnet hat
(E. V/A/5.9).
5.13 Auch die mit Noveneingabe vom 23. Januar 2017 geltend gemachte
Rückerstattungsverpflichtung gegenüber der Gemeinde C._ in der Höhe von
Fr. 29'344.– (zufolge früherer Inanspruchnahme von Sozialhilfe), zu welcher der
Klägerin seitens der Gemeinde mit Schreiben vom 18. Januar 2018 das rechtliche
Gehör gewährt wurde (Urk. 345/1), bleibt auf den laufenden Bedarf und die Un-
terhaltsberechnung ohne Einfluss.
5.14 Der Bedarf der Klägerin erhöht sich damit um Fr. 241.40 (Fr. 16.80 Ge-
sundheitskosten, Fr. 34.60 Krankenkasse, Fr. 190.– AHV-Beiträge). Der Bedarf
des Beklagten verringert sich um Fr. 61.– (Mobilität).
5.15.1 Mit Noveneingaben vom 2. Oktober 2017, 9. Januar 2018 und 23. Ap-
ril 2018 machte die Klägerin geltend, sie werde laut dem Urteil des Bezirksge-
richts Bülach vom 25. September 2017 und dem Urteil der Kammer vom 10. April
2018 verpflichtet, für ausstehende Staats- und Gemeindesteuern des Jahres 2011
Fr. 36'152.90 zuzüglich Zins zu bezahlen, obwohl sich der Beklagte laut Voll-
macht vom 23. Februar 2010 und "[i]m Eheschutzverfahren" verpflichtet habe,
diese Steuern zu bezahlen und ihm im laufenden Bedarf Steuerabzahlungsraten
eingerechnet worden seien (Urk. 305, Urk. 337, Urk. 376 mit Verweis auf Urk. 311
[unbegründetes Urteil vom 25. September 2017], Urk. 339/1 [begründetes Urteil
vom 25. September 2017] und Urk. 378/1 [Beschwerdeentscheid vom 10. April
2018]).
5.15.2 Die Klägerin leitet aus der gegen sie vom Kanton Waadt angestreng-
ten Betreibung ganz verschiedene Unterhaltsforderungen ab:
− In der Noveneingabe vom 2. Oktober 2017 beantragte sie, der Beklagte sei
zu verpflichten, ihr einen monatlichen Betrag von Fr. 1'000.– zusätzlich zum
beantragten Unterhalt während 41 Monaten seit Rechtskraft der Anordnung
- 98 -
zu bezahlen. Um die Gesamtschuld von Fr. 40'866.70 zuzüglich Kosten zu
bezahlen, benötige sie Fr. 1'000.– während 41 Monaten (Urk. 305).
− In der Noveneingabe vom 9. Januar 2018 führte sie aus, falls der Beklagte
weiterhin keinen Beitrag an die Steuerschulden leiste, sondern dies auf die
Klägerin überwälze, beantrage sie eine Erhöhung ihres Bedarfs im Umfang
von Fr. 500.– pro Monat, was zu einem um Fr. 500.– erhöhten Unterhaltsbei-
trag führe (Urk. 337).
− In der Noveneingabe vom 23. April 2018 stellte sich die Klägerin schliesslich
auf den Standpunkt, um eine Kapitalsumme von Fr. 46'000.– in viereinhalb
Jahren (54 Monaten) abzubezahlen, benötige sie eine monatliche Rate von
Fr. 854.–, weshalb sich ihr Bedarf um den Posten "Abzahlung Steuerschuld
VD" in diesem Umfange erhöhe. Die Berufungsanträge Ziff. 1 und 2 würden
demnach neu wie folgt lauten (Urk. 376 S. 3)
"1. Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Urteils vom 22. März 2016 des Bezirksgerichts Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei aufzuheben und der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin gestützt auf Art. 125 ZGB ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zu seiner ordentlichen Pensionierung monatliche Unterhaltsbeiträge in der Höhe von CHF 8321 zu bezahlen, zahlbar jeweils im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
2. Dispositiv-Ziff. 3 [recte: 4] des angefochtenen Urteils vom 22. März 2016 des Bezirksgerichts Bülach (Geschäfts-Nr.: FE130220) sei aufzuheben und es sei der gebührende Bedarf der Berufungsklägerin auf CHF 12'432 festzusetzen."
5.15.3 Rechtsbegehren und Berufungsanträge müssen hinreichend be-
stimmt und beziffert sein. Die Klägerin stellt drei verschiedene (bezifferte) Anträ-
ge. Der zweite Antrag wird zudem von einer Bedingung abhängig gemacht, wobei
die Klägerin selbst einräumt, dass der Beklagte ab 1. September 2016 Ratenzah-
lungen von Fr. 600.– leistet, die ihm im Massnahmebeschluss vom 27. Juli 2017
mit Wirkung ab 1. November 2016 im Bedarf eingestellt wurden (Urk. 376 S. 1 f.,
Urk. 299 S. 9). Auf die Anträge zum erhöhten nachehelichen Unterhalt ist daher
bereits aus diesem Grund nicht einzutreten.
5.15.4 Den Anträgen um erhöhten nachehelichen Unterhalt (und auf Fest-
setzung eines erhöhten gebührenden Bedarfs) kann aber auch von der Sache her
kein Erfolg beschieden sein. Erstens kann sich die Klägerin nicht auf eine vertrag-
- 99 -
liche Übernahme der Steuerschulden durch den Beklagten berufen (E. IV/A/2).
Eine solche Übernahme kann auch nicht darin erblickt werden, dass im Bedarf
des Beklagten im Rahmen vorsorglicher Massnahmen ab 1. Januar 2013 für die
Steuerschulden 2011 Abzahlungsraten aufgenommen wurden (Urk. 27, Urk. 59,
Urk. 188, Urk. 299). Zweitens sind bis anhin keine Zahlungen der Klägerin an das
Steueramt des Kantons Waadt belegt. Drittens betreffen Steuerschulden nicht in
erster Linie den laufenden Unterhalt bzw. können rückständige Steuern (im Ge-
gensatz zu laufenden Steuern) im erweiterten Existenzminimum keine Aufnahme
finden (Hausheer/Spycher [Hrsg.], Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Aufl., Zü-
rich 2010, Rz 03.313). An der Sache vorbei gehen daher auch die Ausführungen
der Klägerin in der Noveneingabe vom 31. Januar 2018 betreffend rückständiger
Steuern (Urk. 351), zumal im Bedarf des Beklagten mit Blick auf den nacheheli-
chen Unterhalt gar keine Steuertilgungsrate angerechnet wird. Zu dem in der No-
veneingabe vom 9. Januar 2018 gestellten Antrag ist ausserdem zu bemerken,
dass die Klägerin nunmehr anerkennt, dass der Beklagte Abzahlungsraten leistet
(Urk. 376 S. 1 f.; vgl. auch Urk. 299 S. 8, Urk. 308, Urk. 353/2). Sollte eine der
Parteien dereinst mehr als die ihr je zur Hälfte zugewiesenen Steuern bezahlen,
kann sie gegenüber der anderen einen Ersatzanspruch geltend machen.
6.1 Die Klägerin beantragte in der Klagebegründung persönliche Unterhalts-
beiträge von mindestens Fr. 7'400.– pro Monat und die Aufnahme eines Erhö-
hungsvorbehalts wie folgt (Ziffer 6 Absatz 3; Urk. 76 S. 3):
"[Es sei] festzustellen, dass der 'gebührende Bedarf' der Klägerin inkl. Aufbau einer angemessenen Altersvorsorge Fr. 9'861.00 pro Monat beträgt, und es sei dementsprechend ein Erhöhungsvorbehalt i.S.v. Art. 129 Abs. 3 ZGB ins Urteil aufzunehmen."
An der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 erhöhte die Klägerin den Un-
terhaltsanspruch auf mindestens Fr. 7'620.– pro Monat; den Erhöhungsvorbehalt
modifizierte sie wie folgt (Ziffer 6 Abs. 3 ; Urk. 152 S. 2):
"Es sei festzustellen, dass der gebührende Bedarf der Klägerin in der Höhe von Fr. 3'950.– nicht gedeckt ist."
Die Vorinstanz wies das Begehren der Klägerin um Feststellung des gebüh-
renden Bedarfs in der Höhe von Fr. 11'569.– ab (Urk. 240 S. 56; Dispositiv Ziffer
- 100 -
4). Sie erwog, der gebührende Unterhalt während der Ehe entspreche nicht dem
gebührenden Unterhalt im Scheidungsrecht, da die mit der Scheidung einherge-
hende Begründung von zwei Haushalten regelmässig Mehrkosten verursache,
weshalb der gebührende Unterhalt nicht im jedem Fall den während der Ehe übli-
chen Lebensstil garantiere. Die Parteien hätten jahrelang einen geradezu luxuriö-
sen Lebensstil mit mehreren Liegenschaften, teurem Schmuck, Ferien und weite-
ren Annehmlichkeiten gepflegt, wobei sie auch über ihren Verhältnissen gelebt
hätten. Mit der zweiten Arbeitslosigkeit des Beklagten habe der vormalige Le-
bensstil definitiv nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Folglich könne die
Klägerin nicht auf den während den guten Ehejahren gelebten Standard pochen.
Die Verhältnisse der Parteien hätten sich seit 2012 denn auch grundlegend ver-
ändert. Beide Parteien seien gesundheitlich angeschlagen. Der Beklagte habe
erst nach längerer Arbeitslosigkeit wieder eine Anstellung gefunden, die infolge
seiner zweimaligen Arbeitslosigkeit und seines Alters deutlich schlechter bezahlt
sei als in früheren Jahren. Es sei unwahrscheinlich, dass es bis zur seiner Pensi-
onierung zu einem Karrieresprung und damit zu einer Verbesserung seines Sa-
lärs komme. Hingegen seien aufgrund der Scheidung und der Führung zweier
Haushalte die Lebenshaltungskosten merklich gestiegen. Der für die Klägerin er-
rechnete Bedarf und der entsprechend festgelegte Unterhaltsbeitrag seien vor
diesem Hintergrund durchaus als gebührend zu erachten. Nicht nur hätten die für
eine Einzelperson an der oberen Grenze liegenden Wohnkosten von Fr. 1'776.–,
die VVG-Prämien und laufenden Steuern berücksichtigt werden können, sondern
es würden der Klägerin vom Freibetrag noch zusätzliche Fr. 1'091.– verbleiben.
Im Falle eines Bonus des Beklagten seien es sogar noch mehr (Urk. 240 S. 23 f.).
6.2 Die Klägerin hält die vorinstanzliche Konkretisierung des gebührenden
Unterhalts für falsch. Sie erachtet für die Festsetzung des nachehelichen Unter-
halts den letzten, vor der Trennung gelebten Lebensstandard für massgebend.
Dieser sei – wie die Vorinstanz zutreffend festhalte – geradezu luxuriös gewesen
und lasse sich mit den heutigen Einnahmen nicht mehr finanzieren, weshalb sie
mit den Unterhaltsbeiträgen den gebührenden Unterhalt nicht zu decken vermö-
ge. Dies sei entsprechend im Urteil festzuhalten.
- 101 -
Den auf Fr. 11'569.– veranschlagten gebührenden Bedarf substantiiert die
Klägerin mit einem Verweis auf ihre vorinstanzlichen Aufstellungen und mit einer
Auflistung der vor Vorinstanz zum Beweis angerufenen Urkunden. Sie ist der Auf-
fassung, der Beklagte habe einerseits diesen gebührenden Bedarf nie substanti-
iert bestritten; andererseits habe er weder substantiiert vorgebracht noch belegt,
über den finanziellen Möglichkeiten gelebt zu haben. Selbst wenn die Parteien
über ihre Verhältnisse gelebt hätten, könnte dies nicht der Klägerin zur Last gelegt
werden, da der Beklagte für die Finanzen zuständig gewesen sei. Die Vorinstanz
verletze damit die Dispositions- und Verhandlungsmaxime, wenn sie ohne ent-
sprechende Behauptungen und Beweise des Beklagten das Begehren auf Fest-
stellung eines gebührenden Unterhalts von Fr. 11'569.– abweise (Urk. 239
S. 13 ff.).
6.3 Der gebührende Unterhalt bemisst sich an dem in der Ehe zuletzt ge-
meinsam gelebten Standard (BGE 141 III 465 E. 3.1 S. 468). Gemäss überein-
stimmender Darstellung der Parteien leben sie seit spätestens April 2011 getrennt
(Prot. I S. 8, Urk. 25 S. 2; vgl. auch E. I/2). Der Beklagte wurde bei der L._
zwar bereits per Ende 2010 freigestellt. Beendet wurde das Arbeitsverhältnis aber
erst per 30. September 2011 (Urk. 19/31). Bis dahin bezog der Beklagte seinen
Lohn von Fr. 308'584.– netto (2010; Urk. 19/4) bzw. Fr. 485'688.– netto (2011;
inkl. Abgangsentschädigung von Fr. 200'000.– brutto; Urk. 13/5). Vom 1. Oktober
2011 bis 28. Februar 2013 war der Beklagte arbeitslos (Urk. 8 S. 6, Urk. 23 S. 9).
Es erweckt daher Bedenken, wenn die Vorinstanz die Klägerin auf die "seit 2012
grundlegend veränderten Verhältnisse" verweisen will. Dennoch kann – wie nach-
folgend zu zeigen ist – dem klägerischen Antrag auf Festsetzung eines gebüh-
renden Bedarfs bzw. Anbringung eines Erhöhungsvorbehalts nicht entsprochen
werden.
6.4 Die Klägerin listete in der Klageschrift vom 13. Juni 2014 15 Positionen
auf, die zu einem gebührenden Bedarf (mit Altersvorsorge) von Fr. 9'861.– führ-
ten, ohne ergänzende Ausführungen zu den einzelnen Positionen zu machen
(Urk. 76 S. 15 f.). Der Beklagte bezeichnete den von der Klägerin berechneten
gebührenden Unterhalt in der Klageantwort vom 12. September 2014 als unhalt-
- 102 -
bar (Urk. 82 S. 12). An der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 aktualisierte die
Klägerin den gebührenden Bedarf und gelangte – wiederum unter Auflistung von
15 Positionen – zu einem Betrag von Fr. 11'569.– (Urk. 152 S. 9). Der Beklagte
bestritt diese Positionen dem Grundsatze und der Höhe nach, mit folgenden Aus-
nahmen (Prot. I S. 92 f., Urk. 154 S. 4): Anerkannt wurden seitens des Beklagten
der Grundbetrag von Fr. 1'200.–, der Hypothekarzins von Fr. 1'042.– und Neben-
kosten von Fr. 422.– (Prot. I S. 93). Diese anerkannten Positionen wurden im Be-
darf der Klägerin bereits von der Vorinstanz berücksichtigt. Für den pauschalen,
nicht näher aufgeschlüsselten Betrag von Fr. 200.– für Telefon, Internet und TV
(Urk. 152 S. 9 und S. 11) ist die ebenso pauschale Bestreitung des Beklagten
(Prot. I S. 92) als genügend anzusehen. Zutreffend ist, dass der Beklagte ein-
räumte, man habe über Putzfrau und Gärtner verfügt (Urk. 154 S. 3: "es war innen
wie aussen schmutzig trotz Putzfrau und Gärtner"). Damit wurde aber weder ein
bestimmter Betrag anerkannt, noch eingeräumt, dass die für die Liegenschaft und
den Vierpersonenhaushalt in E._ geltenden Verhältnisse tel quel auf den Al-
leinhaushalt der Klägerin in C._ übertragen werden können. Der Vorinstanz
kann daher keine Verletzung der Dispositions- oder Verhandlungsmaxime vorge-
worfen werden.
6.5 Die Klägerin hat auch an der Hauptverhandlung nicht durchgängig dar-
gelegt, wie sich die für die einzelnen Positionen eingesetzten monatlichen Beträ-
ge errechnen (Urk. 152 S. 11 f. Rz 16 und Rz 19). Betroffen sind die Positionen
Franchise/Selbstbehalt, weitere Gesundheitskosten inkl. Zahnarzt und Optiker,
Haftpflicht-/Mobiliarversicherung, weitere Versicherungen, Telefon/Internet/TV,
Mobilität und laufende Steuern. Ein gerichtsüblicher Pauschalzuschlag von 20%
für Freizeit/Soziales existiert nicht. Der gebührende Bedarf ist insoweit nicht hin-
reichend substantiiert worden. Hinzu kommt, dass die Klägerin bereits vor Vor-
instanz für ihren gesamten Bedarf (ohne Wohnnebenkosten; dazu unten E.
V/A/6.6) Beweismittel bezeichnete, ohne sie den einzelnen Bedarfspositionen zu-
zuordnen. Als beweisführende Partei hätte sie den einzelnen Sachvorbringen die
jeweiligen einzelnen Beweismittel zuordnen müssen. Einfach sämtliche Beweis-
mittel für alle Bedarfspositionen zusammenfassend aufzulisten, stellt kein formge-
rechter Beweisantrag im Sinne von Art. 152 Abs. 1 ZPO dar (BGer 4A_262/2016
- 103 -
vom 10. Oktober 2016, E. 4.1 und 4A_56/2013 vom 4. Juni 2013, E. 4.4 mit weite-
ren Verweisen; BK ZPO-Brönnimann, Art. 152 N 23; BSK ZPO-Guyan, Art. 152
N 4).
6.6. Für die Wohnnebenkosten hat die Klägerin vor Vorinstanz separat
11 Positionen geltend gemacht (Urk. 152 S. 9 Rz 13). Auch diesbezüglich be-
zeichnete die Klägerin ihre Beweismittel zu allen Positionen, ohne sie einzelnen
Positionen zuzuordnen (Urk. 152 S. 10 Rz 18). Bis zum Zwischentotal von Fr.
422.– (bis und mit Position 8) sind die Auslagen indes anerkannt und von der Vo-
rinstanz berücksichtigt worden (Prot. I S. 93; Urk. 240 S. 16). Die drei weiteren
Positionen (Gärtner/Pflanzen, Securitas/Serviceabonnement Alarmanlage, lau-
fender Unterhalt/Rückstellung Renovationen) hat die Vorinstanz – trotz fehlender
Beweismittelzuordnung – materiell geprüft und im Umfang von Fr. 312.50 für aus-
gewiesen erachtet. Die Beträge von Fr. 422.– (anerkannt) und Fr. 312.50 (ausge-
wiesen) wurden in den Bedarf der Klägerin aufgenommen (Urk. 240 S. 16). Mit ih-
rer Berufung verlangt die Klägerin vergeblich eine Erhöhung der Wohnnebenkos-
ten (E. V/A/5.2).
6.7 Wenn die Klägerin mit ihrer Berufung auf ihre Aufstellung des gebühren-
den Bedarfs "als integrativer Bestandteil der Berufungsschrift" verweist, sämtliche
zum Beweis angerufenen Urkunden nochmals wiederholt und daraus ableitet, der
"gebührende Bedarf" von Fr. 11'569.– sei damit belegt, kann ihr nicht gefolgt wer-
den. Auch wenn die Vorinstanz zu Unrecht zur Bestimmung des gebührenden Un-
terhalts auf die seit 2012 geänderten Verhältnisse abgestellt haben sollte, hat sie
im Ergebnis das Begehren um Feststellung des gebührenden Bedarfs in der Höhe
von Fr. 11'569.– zu Recht abgewiesen. Ein über ihr eigenes Einkommen und den
zuzusprechenden Unterhaltsbeitrag hinausgehender letzter ehelicher Lebens-
standard konnte seitens der Klägerin nicht substantiiert bzw. nicht bewiesen wer-
den. Damit erübrigt es sich, überhaupt einen zur Deckung des gebührenden Un-
terhalts fehlenden Betrag festzuhalten bzw. eine nachträgliche Erhöhung der Ren-
te vorzubehalten.
6.8 Die Berufung der Klägerin scheitert auch aus einem anderen Grund: Die
nachträgliche Erhöhung der Rente nach Art. 129 Abs. 3 ZGB setzt nach wohl
- 104 -
überwiegender Lehre voraus, dass der Umfang des Fehlbetrages – wie in Art. 282
Abs. 1 lit. c ZPO vorgesehen – im Urteil festgehalten wird (BSK ZGB I-Spycher/
Gloor, Art. 129 N 19; Spycher/Hausheer [Hrsg.], Handbuch des Unterhaltsrechts,
2. Aufl., Bern 2010, Rz 09.111; Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen
Scheidungsrecht, Zürich 1999, Art. 143 N 13; CHK ZGB-Liatowitsch/Häring, Art.
129 N 8; KUKO ZPO-van de Graaf, Art. 282 N 9; a.M. FamKomm Schei-
dung/Aeschlimann/Fankhauser, Anh. ZPO 282 N 27; Fankhauser, in Sutter-
Somm et al., Kommentar zur schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl.,
Art. 282 N 13; CR CC I-Pichonnaz, Art. 129 N 79). Durch die ausdrückliche Bezif-
ferung des Fehlbetrags wird die maximale nachträgliche Erhöhung der Rente
festgelegt (Dolge, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivil-
prozessordnung [ZPO], 2. Aufl. 2016, Art. 282 N 8). Die Botschaft vom 15. No-
vember 1995 bezeichnete Art. 143 Ziff. 3 aZGB (neu: Art. 282 Abs. 1 ZPO) als
notwendige Voraussetzung für die Anwendung von Art. 129 Abs. 3 ZGB, da vom
Abänderungsgericht kaum mehr festgestellt werden könne, ob die im Schei-
dungsurteil zugesprochene Rente zur Deckung des gebührenden Unterhalts des
rentenberechtigten Ehegatten nicht ausreichte (BBl 1995 142). Der Abänderungs-
richter ist nicht dafür zuständig, den exakten gebührenden Unterhalt bzw. den zur
Deckung desselben fehlenden Betrag nachträglich zu eruieren. Dies ist Aufgabe
des Scheidungsrichters.
Im hier zu beurteilenden Fall fällt in Betracht, dass die Klägerin vor Vor-
instanz den Antrag stellte, der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin von allen
künftig anfallenden Boni die Hälfte zu bezahlen und sie unaufgefordert innert ei-
ner Woche nach Bekanntgabe über die Höhe zu informieren und ihr innert glei-
cher Frist nach Auszahlung eine Kopie der entsprechenden Lohnabrechnung zu-
kommen zu lassen (Urk. 152 S. 2). Die Vorinstanz verpflichtete den Beklagten
ohne weitere Begründung, der Klägerin ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis
zu seiner ordentlichen Pensionierung von allen künftig anfallenden Boni die Hälfte
zu überweisen und die diesbezüglich relevanten Unterlagen der Klägerin jeweils
unaufgefordert bis 31. März eines jeden Jahres zukommen zu lassen (Urk. 240
S. 23, S. 56). Diese Regelung blieb seitens des Beklagten – was die Dauer von
fünf Jahren ab Rechtskraft des Scheidungsurteils betrifft – unangefochten
- 105 -
(Urk. 259/239 S. 5, S. 9). Soweit die Bonusteilung angefochten wurde, ist sie –
wie noch zu zeigen sein wird – zu bestätigen. Die Klägerin ging dabei auch beim
neuen Arbeitgeber des Beklagten (Bank G._ & Co. AG) von hohen Boni bzw.
einem beträchtlichen Teil des Gesamteinkommens aus (Urk. 152 S. 7 Rz 12).
Über die Auswirkung der Bonusbeteiligung auf die Unterdeckung verliert die Klä-
gerin in der Berufung kein Wort. Partizipiert die Klägerin an den künftig anfallen-
den Boni des Beklagten, steht nicht fest, ob und in welcher Höhe ein Bedarf von
Fr. 11'569.– oder ein allfällig tieferer Betrag ungedeckt bliebe bzw. ob und in wel-
cher Höhe ein Erhöhungsvorbehalt angezeigt wäre. Dieser Umstand steht dem
von der Klägerin geforderten Erhöhungsvorbehalt ganz grundsätzlich entgegen.
Der Antrag auf Festsetzung eines gebührenden Bedarfs bzw. Anbringung eines
Erhöhungsvorbehalts ist somit abzuweisen.
B. Zweitberufung des Beklagten, Noveneingaben des Beklagten vom 3./8.
März 2018 und Stellungnahme des Beklagten vom 8. März 2018
1. Der Beklagte beantragt einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 4'000.– und damit
die Senkung des Unterhaltsbeitrags um Fr. 1'011.– sowie eine Befristung auf fünf
Jahre "ab Rechtskraft des Scheidungsurteils". Seiner Unterhaltsberechnung legt
er mit der Zweitberufung einerseits einen um Fr. 138.– tieferen Bedarf der Kläge-
rin und andererseits ein um Fr. 414.– höheres Einkommen der Klägerin zugrunde,
was einen Unterhaltsanspruch von Fr. 4'551.20 ergebe. Da bei dieser Berech-
nung der Klägerin Fr. 6'000.25 und dem Beklagten lediglich Fr. 5'243.25 zur Ver-
fügung stehen würden, beantrage er einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 4'000.–
(Urk. 259/239 S. 8).
2.1 Der Beklagte macht geltend, der Klägerin sei mit Wirkung vom 1. Januar
2015 nebst einer Invalidenrente von Fr. 1'035.– eine Kinderrente von Fr. 414.–
pro Monat zugesprochen worden, obwohl er vollumfänglich für den Unterhalt des
Sohnes K._ aufgekommen und dieser Ende 2014 ausgezogen sei. Das Ein-
kommen der Klägerin erhöhe sich damit auf Fr. 1'449.–.
2.2 Dem kann nicht gefolgt werden. Die Kinderrente ist für den Unterhalt des
Kindes bestimmt und stellt kein Einkommen der Klägerin für ihren eigenen Bedarf
- 106 -
dar. Der Beklagte hätte den Unterhalt des Sohnes lediglich in dem von der Kin-
derrente nicht gedeckten Umfang bestreiten müssen. Davon abgesehen erlischt
der Anspruch auf Kinderrenten mit dem Ende der Ausbildung (Urk. 182/2). Die
Ausbildung von K._ ist mittlerweile abgeschlossen (Urk. 259/259/7, Urk.
320), weshalb der Anspruch auf die Kinderrente erloschen ist.
3.1 Der Beklagte macht geltend, die Vorinstanz habe sich bei den Gesund-
heitskosten verrechnet. Darüber hinaus ist er der Meinung, es müssten ihm im
Zuge der Gleichbehandlung der Parteien für Gesundheitskosten ebenfalls Fran-
chise und Selbstbehalt, mithin Fr. 250.– statt Fr. 83.–, angerechnet werden. Zu-
dem seien der Klägerin keine von der Krankenkasse nicht gedeckte "Krankheits-
kosten" in der Höhe von Fr. 83.– anzurechnen, da diese nicht anhand eines Jah-
resbedarfs hochgerechnet werden könnten (Urk. 259/239 S. 8).
3.2 Zutreffend ist, dass die Vorinstanz dem Beklagten entgegen ihrer Ab-
sicht im Rahmen der Gleichbehandlung nicht Selbstbehalt und Franchise sondern
die der Klägerin zugestandenen weiteren (nicht versicherten) Gesundheitskosten
von Fr. 83.– zubilligte (Urk. 240 S. 18). In E. A/5.3.10 bis 5.3.13 wurde dargelegt,
dass dem Beklagten für Franchise (Fr. 1'500.–) und Selbstbehalt (Fr. 700.–) mo-
natliche Auslagen von Fr. 183.30 anfallen. Seine Berufung ist insoweit gutzuheis-
sen. Wie der Beklagte auf den Betrag von Fr. 250.– kommt, legt er nicht ansatz-
weise dar. Auch können aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes nicht Be-
darfspositionen (nicht versicherte Kosten) Aufnahme in den Bedarf finden, die der
Höhe nach nicht ausgewiesen sind.
Der Beklagte führt in seiner Noveneingabe vom 3./8. März 2018 aus, er
werde sich im März erneut in psychiatrische Behandlung bei Dr. V._ in
W._ begeben. Er rechne mit verbleibenden Behandlungskosten für 2018 von
mindestens Fr. 2'500.–. Dies entspreche seinem Selbstbehalt in der Grundversi-
cherung (Urk. 363). Aufgrund der erhöhten Franchise erwarte er erhöhte Gesund-
heitskosten von Fr. 210.– pro Monat zuzüglich Selbstbehalte von Fr. 60.– (Urk.
369).
- 107 -
Der Beklagte berief sich auf die Franchise von Fr. 2'500.– gemäss der ab 1.
Januar 2018 gültigen Police erstmals in der Noveneingabe vom 3./8. März 2018.
Das Erstellungsdatum der Police ist der 10. Oktober 2017 (Urk. 370/1). Der Be-
klagte reichte die Police zwar bereits zur Begründung seines Gesuchs um unent-
geltliche Rechtsverbeiständung am 6. November 2017 einmal ein (Urk. 330/6c).
Höhere Gesundheitskosten und eine höhere Franchise erwähnte er damals indes
mit keinem Wort (Urk. 328 S. 2). Gemäss der Police für das Jahr 2017 betrug der
Selbstbehalt bereits ab 1. Januar 2017 Fr. 2'500.– (Urk. 330/6b). Ein Novum
muss ohne Verzug geltend gemacht werden (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Diese Vo-
raussetzung ist vorliegend nicht erfüllt. Für Gesundheitskosten sind dem Beklag-
ten Fr. 183.30 anzurechnen.
3.3 Der Beklagte beantragt die Streichung der nicht versicherten Gesund-
heitskosten von Fr. 992.– pro Jahr bzw. Fr. 83.– pro Monat aus dem klägerischen
Bedarf (Urk. 259/239 S. 8). Die Klägerin trägt an, der Beklagte habe die Höhe der
Gesundheitskosten im vorinstanzlichen Verfahren nicht bestritten und die Vor-
instanz habe die Gesundheitskosten in Übereinstimmung mit der klaren Recht-
sprechung im Bedarf berücksichtigt (Urk. 259/251 S. 7). Die Vorinstanz erwog, so-
fern die Klägerin nicht verschriebene Medikamente konsumiere, sei deren medizi-
nische Notwendigkeit in Frage zu stellen. Es sei daher angezeigt, für "die weiteren
Gesundheitskosten" auf die Abrechnung der CSS Krankenkasse für das Jahr
2014 abzustellen, zumal sich weder der Versicherungsschutz noch der Gesund-
heitszustand der Klägerin seither verändert hätten. Demnach würden der Klägerin
jährliche, von der Krankenkasse nicht gedeckte Gesundheitskosten von Fr. 992.–
pro Jahr erwachsen, was Fr. 83.– pro Monat ergebe (Urk. 240 S. 17 f. mit Verweis
auf Urk. 153/15 [Auszug der Gesundheitskosten 2014 für die Steuererklärung]
und Urk. 182/1 [Versicherungspolice für das Jahr 2016]).
An der Hauptverhandlung vom 30. April 2015 führte die Klägerin aus, sie
hätte 2014 nicht versicherte Gesundheitskosten in der Höhe von Fr. 991.55 zu
tragen gehabt, ohne diese Kosten weiter zu spezifizieren. Daneben machte sie
als separate Position Fr. 560.– für eine Haushaltshilfe geltend, wozu sie vortrug,
mit diesem bescheidenen Betrag könne der Lohn für ca. 4 Stunden pro Woche fi-
- 108 -
nanziert werden; von der Spitex geleistete Hausarbeiten würden entgegen der
Behauptung des Beklagten von der Krankenkasse nicht vergütet, sondern müss-
ten vom Leistungsempfänger selbst getragen werden (Urk. 152 S. 11 Rz 19). Der
Beklagte entgegnete, die weiteren Gesundheitskosten sowie Franchise und
Selbstbehalt würden nicht in den Grundbedarf gehören. Er bestreite weiter, dass
die Klägerin eine Haushaltshilfe benötige. Der überobligatorische Teil (VVG) kön-
ne nicht geltend gemacht werden. Die Prämien der Klägerin seien demnach viel
zu hoch. Warum die Klägerin die Spitex benötige, erscheine ihm fraglich (Prot. I
S. 92 f.). Die Klägerin hat damit die nicht versicherten Kosten von Fr. 991.55 nie
rechtsgenügend substantiiert. Von mangelnder Bestreitung des Beklagten kann
daher nicht die Rede sein.
Immerhin ergeben sich die Rechnungssteller aus dem zum Beweis angeru-
fenen detaillierten Auszug der Gesundheitskosten des Jahres 2014 der CSS Ver-
sicherung (Urk. 153/15 S. 2 f.), auf den die Vorinstanz abstellte. Aus diesem Aus-
zug ist ersichtlich, dass die Rechnungen der Spitex fast vollumfänglich von der
Krankenkasse bezahlt wurden. Von den nicht versicherten Kosten von Fr. 991.55
betrafen Fr. 278.– die Spitex, Fr. 292.65 den AA._ in W._, Fr. 294.40 di-
verse Privatpersonen und Fr. 126.50 das AB._ Sanitätsgeschäft in St. Gal-
len.
Nicht durch Krankenkassen gedeckte Kosten sind zum Unterhalt zu rech-
nen, sofern sie medizinisch notwendig und im Rahmen dessen liegen, was den fi-
nanziellen Verhältnissen der Parteien angemessen ist (Hausheer/Spycher [Hrsg.],
a.a.O., Rz 03.95 f.). Gemäss Ziffer 5.3 der Richtlinien ist unmittelbar bevorste-
henden grösseren notwendigen Auslagen für Arzt und Arzneien im Notbedarf
durch zeitweise Erhöhung des Existenzminimums Rechnung zu tragen. Diese
medizinische Notwendigkeit ist vorliegend – gerade auch mit Blick auf die weitere
Zukunft – nicht dargetan. Der allgemeine Hinweis der Vorinstanz, der Versiche-
rungsschutz und der Gesundheitszustand der Klägerin habe sich seither, d.h. seit
2014, nicht verändert, hilft da nicht weiter. Zur Spitex ist überdies zu bemerken,
dass die Privatklinik Hohenegg von April bis Juni 2014 Fr. 68'945.35 abrechnete,
weshalb es durchaus sein kann, dass die Spitex-Dienste mit der Zeit nach der
- 109 -
Entlassung aus der Klinik in Zusammenhang stehen und mittlerweile nicht mehr
anfallen. In der Parteibefragung sagte die Klägerin am 5. November 2015 denn
auch aus, eine Zeit lang habe sie die Spitex gehabt, aber die Haushalthilfe würde
nicht mehr bezahlt (Prot. I S. 143).
Damit sind die Gesundheitskosten der Klägerin um Fr. 83.– zu reduzieren.
Sie betragen Fr. 261.80 (Fr. 328.– zuzüglich Fr. 16.80 [E. V/A/5.3.8] abzüglich
Fr. 83.–).
3.4 Der Beklagte wies im Zusammenhang mit den neuen Prämien der Klä-
gerin (vgl. E. A/5.10) in der Stellungnahme vom 8. März 2018 darauf hin, dass die
Vorinstanz der Klägerin einen grosszügigen Betrag von Fr. 328.– angerechnet
habe mit der Begründung, dass ihr unter anderem der Selbstbehalt für die Zu-
satzversicherung (VVG) in der Höhe von Fr. 2'000.– jährlich oder Fr. 165.– pro
Monat angerechnet werde. Aus der nunmehr eingereichten Versicherungspolice
(Urk. 327/6) gehe nun aber hervor, dass einzig die Alternativversicherung eine
Jahresfranchise von Fr. 300.– vorsehe. Bei den beiden anderen Zusatzversiche-
rung sei keine Kostenbeteiligung vorgesehen. Demnach seien die von der Kläge-
rin selber zu tragenden Gesundheitskosten im Gegenzug um Fr. 140.– kürzen
(Fr. 2'000.– abzüglich Fr. 300.– geteilt durch 12), zumal die Kostenbeteiligung
mittlerweile offensichtlich nicht mehr bestehe (Urk. 366 S. 3).
Ein Vergleich der Policen der Klägerin zeigt, dass die Jahresfranchisen und
Selbstbehalte nicht verändert wurden (Urk. 182/1 und Urk. 327/6). Die Vorinstanz
berücksichtigte eine Jahresfranchise von Fr. 300.–, einen maximalen Selbstbehalt
bei der Grundversicherung von Fr. 700.– und einen Selbstbehalt bei der Zusatz-
versicherung von Fr. 2'000.– (Urk. 240 S. 17). Der Selbstbehalt von Fr. 2'000.–
ergibt sich aus der Alternativversicherung, die eine Kostendeckung von maximal
Fr. 10'000.– pro Kalenderjahr bei einem Selbstbehalt von 20% vorsieht (Urk.
182/1 S. 2). Die gleiche Kostendeckung und der gleiche Selbstbehalt besteht im
Kalenderjahr 2018 (Urk. 327/6). Damit erweisen sich die Einwände in der Stel-
lungnahme vom 8. März 2018 als unbegründet. Sie sind auch verspätet, hätten
sie doch bereits in der Zweitberufung bzw. Erstberufungsantwort erhoben werden
können.
- 110 -
4.1 Die Vorinstanz erwog, die Haftpflicht- und Mobiliarversicherung sei mit
rund Fr. 110.– monatlich aufgrund der Prämienrechnung ausgewiesen (Urk.
153/19). Inwiefern die Versicherung dabei – wie vom Beklagten moniert werde
(Prot. I S. 93) – von einer zu hohen Versicherungssumme ausgehe, sei nicht er-
sichtlich und werde vom Beklagten auch nicht dargelegt (Urk. 240 S. 18).
4.2 Der Beklagte taxiert die Prämie für die Haftpflicht- und Mobiliarversiche-
rung der Klägerin von Fr. 110.– gemäss Prämienvergleich (Urk. 259/242/0) für
absurd hoch, da dies einem Mobiliarwert von über Fr. 300'000.– entspreche. Er
beantragt eine Kürzung auf Fr. 50.– (Urk. 259/239 S. 6). Der Beklagte legt nicht
dar, wo er sich vor Vorinstanz auf einen Mobiliarwert von Fr. 300'000.– und auf
den eingereichten Vergleich von Hausratprämien der Comparis AG berufen hat.
Seine Vorbringen erfolgen verspätet (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Auch insoweit hat es
beim vorinstanzlichen Entscheid sein Bewenden.
5.1 Die Vorinstanz hat dem Beklagten Fr. 100.– für die auswärtige Verpfle-
gung zugestanden. Sie verwies auf die Pauschalentschädigung, welche kleine
Essen und Snacks abdecke, und auf die Möglichkeit der Kantinenverpflegung mit
vergünstigten Menus. Der Beklagte rügt, die Spesenpauschale decke die auswär-
tige Verpflegung nicht (Urk. 240 S. 20). Es seien Fr. 15.– pro Tag oder Fr. 300.–
pro Monat anzurechnen (Urk. 259/239 S. 8).
5.2 Zutreffend ist, dass die Spesenpauschale nicht für die regelmässige Mit-
tagsverpflegung ausgerichtet wird (Urk. 173/1). Entgegen der Darstellung der
Klägerin hat der Beklagte auch nicht ausgeführt, die Spesenpauschale fliesse in
sein Mittagessen (Urk. 259/251 S. 9; vgl. auch Prot. I S. 155). Dies stellt vielmehr
eine Behauptung der Klägerin dar (Urk. 152 S. 6 Rz 11). Der Beklagte bezifferte
die Preise für Menüs in der ihm zur Verfügung stehenden Kantine mit Fr. 9.– bis
Fr. 14.50.–. Die Getränke sind darin nicht eingeschlossen. Vom Grundbetrag von
Fr. 850.– steht die Hälfte (Fr. 425.–) für die häusliche Verpflegung zu Verfügung
(Ziffer V. der Richtlinien), für die Mittagsverpflegung sind demzufolge bereits rund
Fr. 5.– im Grundbetrag eingeschlossen. Bei 20 Arbeitstagen pro Monat und
durchschnittlichen Auslagen von Fr. 15.– pro Mittag fallen somit Fr. 200.– für die
auswärtige Verpflegung an. Dieser Betrag liegt ihm Rahmen der Richtlinien und
- 111 -
ist einem Bankmitarbeiter im Range eines Direktors, der praktisch den gesamten
Unterhalt seiner geschiedenen Ehefrau zu bestreiten hat, zuzubilligen.
6.1 Mit Noveneingabe vom 3. März 2018 teilte der Beklagte "die Beendigung
seiner Partnerschaft mit Frau AC._, ...-Strasse ..., R._" mit. Der Druck
verbunden mit den offenen Scheidungsverhandlungen der vergangenen Jahre sei
einfach zu gross geworden. Die Aussichtslosigkeit auf ein ruhiges geordnetes Zu-
sammenleben hätten das ihrige beigetragen. An eine gemeinsame Zukunft unter
diesen Umständen sei nicht mehr zu denken. Das gemeinsame Mietverhältnis sei
auf den 1. März 2018 und das gemeinsame Lebenshaltungskonto bei der Postfi-
nance auf den 20. März 2018 gekündigt worden. Die Betreibungen und die letzte
Pfändung durch die Klägerin würden die Wohnungssuche erheblich erschweren.
Er sei AC._ überaus dankbar, dass er in dieser schwierigen Zeit in Untermie-
te verbleiben könne. Er ersuche darum, diese neuen Umstände in der Berech-
nung seines Unterhalts beim Grundbetrag und bei den Wohnkosten zu berück-
sichtigen (Urk. 363).
6.2 Der Beklagte legt in seiner Eingabe nicht dar, welchen Grundbetrag und
welche Wohnkosten er berücksichtigt haben will. Die Grundbeträge ergeben sich
zwar aus den Richtlinien. Unklar ist aber, ob sich der Beklagte – nachdem er wei-
terhin mit AC._ in der gleichen Wohnung lebt – auf den Grundbetrag für ei-
nen alleinstehenden Schuldner in Haushaltsgemeinschaft oder ohne solche
Haushaltsgemeinschaft berufen will. Es ist nicht Sache der Berufungsinstanz,
über diesen Punkt zu spekulieren.
6.3 Werden neue Tatsachen geltend gemacht, so sind diese grundsätzlich
durch Beweismittel wie Urkunden, Augenscheine, Zeugen oder Sachverständi-
gengutachten zu beweisen. Die dazu erforderlichen Beweismittel sind umgehend
vorzubringen (Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO). Zum Nachweis seiner Ausführungen
reichte der Beklagte ein:
− Kündigungsschreiben des gemeinsamen Mietverhältnisses der  und des Parkplatzes ...-Str. ..., R._, per 1. März 2018 vom 26. Februar 2018 (Urk. 365/1)
- 112 -
− Kündigungsschreiben des Kontos ..., lautend auf AC._ und B._ per 20. März 2018 vom 26. Februar 2018 (Urk. 365/2)
− Mietvertrag zwischen AC._ und AD._ AG über die Loft ...- Strasse ... vom 1. März 2018 (Mietbeginn 1. März 2018; Urk. 365/3)
− Mietvertrag zwischen AC._ und AD._ AG über den Parkplatz Nr. 5 (Mietbeginn 1. März 2018; Urk. 365/3)
− Untermietvertrag zwischen AC._ und B._ vom 1. März 2018 betreffend Loft ...-Strasse ... bzw. folgende Teile der Wohnung: 1 Schlafzimmer inklusive Mitbenützung (möbliert) von Küche, Bad/Dusche, Wohnzimmer, TV, Internet, Waschmaschine/Tumbler, Terrasse und Estrich/Kellerabteil (Urk. 365/3)
− Zustimmung der AD._ AG zur Untervermietung vom 1. und 5. März 2018 (Urk. 365/3)
− Schreiben von AC._ an die Berufungsinstanz vom 2. März 2018, in dem sie die Trennung vom Beklagten bestätigt und ausführt, dass sie ihm angesichts der Umstände betr. Betreibungsauskunft etc. die Untermiete "gewähre" (Urk. 356/4)
6.4 Die Klägerin hat die Auflösung der Lebensgemeinschaft bestritten
(Urk. 372 S. 2). Die Aufnahme des halben Ehegatten-Grundbetrages wurde mit
der Zweitberufung nicht angefochten (Urk. 259/239 S. 7). Der Beklagte ist dafür
beweispflichtig, dass die Lebensgemeinschaft, welche die Aufnahme des halben
Ehegatten-Grundbetrages in seinem Bedarf rechtfertigte, nicht mehr besteht. Die
Tatsache, dass das gemeinsame Mietverhältnis durch ein Haupt- und ein Unter-
mietverhältnis ersetzt und das gemeinsame Postkonto aufgelöst wurde
(Urk. 365/1-3), vermag den Beweis für die Beendigung der Partnerschaft mit
AC._ nicht zu erbringen. Es bleibt die schriftliche Bestätigung AC._s
(Urk. 365/4). Diese Urkunde ist keine schriftliche Auskunft im Sinne von Art. 190
ZPO (ZR 115 [2016] Nr. 16 E. 5.2.2d). Sie ist vorliegend nicht ausreichend, um
den schlüssigen Beweis der Trennung zu erbringen. Geht es wie hier um Wahr-
nehmungen zur Sache (hier: Trennung der Parteien, obwohl noch in der gleichen
Wohnung wohnhaft), sieht das Gesetz den Zeugenbeweis vor (Art. 169 ZPO).
Zeugen sind vom Gericht in den Formen von Art. 171 ZPO zu befragen. Das Ge-
richt kann von Privatpersonen zwar schriftliche Auskünfte einholen. Dies ist aber
nur ausnahmsweise zulässig, "wenn eine Zeugenbefragung nicht erforderlich er-
scheint" (Art. 190 Abs. 2 ZPO). Schriftliche Auskünfte kommen namentlich dort in
Frage, wo der private Berichterstatter über klare und eindeutige Lebensvorgänge
- 113 -
berichten soll, die kaum ernsthaft bestritten werden können bzw. wenn von vorn-
herein angenommen werden darf, dass eine förmliche Zeugenbefragung kaum
ein anderes Ergebnis zeitigen würde. Beim Ermessensentscheid, ob eine schriftli-
che Auskunft eingeholt werden soll, ist auch in Rechnung zu stellen, ob die Aus-
kunftsperson als unbefangen gelten kann oder nicht, und ob ein Sachverhalt zur
Beurteilung ansteht, der Ergänzungsfragen der Parteien erwarten lässt (Müller, in:
Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO],
2016, Art. 190 N 16). Diese Voraussetzungen wären hier nicht erfüllt, da von Un-
befangenheit der Auskunftsperson klarerweise nicht gesprochen werden kann.
Umso weniger kann auf eine von der potentiellen Auskunftsperson verfasste Ur-
kunde abgestellt werden.
Der Beklagte hat sich lediglich auf das Schreiben von AC._ berufen.
Diese Bestätigung stellt weder eine schriftliche Auskunft im Sinne von Art. 190
ZPO noch ein Zeugnis dar. Beweismittel wie Parteibefragung, schriftliche Aus-
kunft, Zeugnis oder Augenschein hat der Beklagte nicht angeboten. Die Auflösung
der Lebensgemeinschaft ist nicht rechtsgenügend nachgewiesen. Damit bleibt es
beim Grundbetrag von Fr. 850.–.
6.5 Soweit dem Beklagten gestützt auf den Untermietvertrag vom 1. März
2018 (Urk. 365/3) eine Erhöhung seiner Wohnkosten (wohl auf Fr. 1'448.–) vor-
schwebt (Urk. 363, Urk. 365/3), könnte ihm nicht gefolgt werden. Da die Auflö-
sung der Lebensgemeinschaft nicht erstellt ist, kann auch die darauf basierende
Umwandlung des gemeinsamen Mietverhältnisses in einen Haupt- und Unter-
mietvertrag (Urk. 365/1, Urk. 365/3) nicht anerkannt werden. Zudem sind in den
Bruttomietzins gemäss Untermietvertrag von Fr. 1'448.– der gesamte (bisher ge-
teilte) Mietzins für einen Parkplatz von Fr. 80.– (Urk. 13/51), der (bereits im
Grundbetrag enthaltene) Strom von Fr. 36.– und die (im Bedarf unter "Kommuni-
kation und Medien" separat erfassten) Auslagen für TV/Internet von Fr. 62.– auf-
genommen worden (Urk. 365/3 S. 2).
7. Die Existenzminimumsberechnung mit hälftiger Überschussverteilung
führt nicht dazu, dass dem Unterhaltsgläubiger und dem Unterhaltsschuldner die
gleichen Geldmittel zur Verfügung stehen. Der Unterhaltsbeitrag kann daher nicht
- 114 -
mit der Begründung reduziert werden, der nicht erwerbstätigen Klägerin würden
letztlich mehr Mittel zur Verfügung stehen als dem erwerbstätigen Beklagten
(Urk. 259/239 S. 8 Ziff. 3.4). Dieser Umstand liegt vielmehr im getrennt zu be-
rechnenden, unterschiedlichen Bedarf der Parteien begründet.
8.1 Die Vorinstanz hat die nachehelichen Unterhaltsbeiträge (einschliesslich
der hälftigen Teilung des Bonus) bis zur ordentlichen Pensionierung des Beklag-
ten zugesprochen. Sie erwog, die Parteien hätten eine lebensprägende Ehe ge-
führt und seien seit 26 Jahren verheiratet gewesen. Die Klägerin habe für die Er-
ziehung und Betreuung der beiden Kinder ihre Arbeitsstelle bei der Bank aufge-
geben. Ihre Eigenversorgungskapazität beschränke sich heute auf ihre IV-Rente;
eine wirtschaftliche Verbesserung sei nicht anzunehmen (Urk. 240 S. 22 f.).
8.2 Der Beklagte will die Dauer der nachehelichen Unterhaltspflicht auf fünf
Jahre beschränken, mit folgender Begründung (Urk. 259/239 S. 7 und S. 9):
"Es ist nicht illusorisch, mit 50 Jahren noch eine Anstellung zu finden,  wenig es für Unternehmen unrentabel ist, neue Mitarbeiter einzuarbeiten. Auch das Argument, die KV-Ausbildung sei wertlos, ist nicht haltbar. Die  Gesundheit der Klägerin kann sich jederzeit verbessern. Die  prüft diesbezüglich den Rentenanspruch periodisch und kann jederzeit zu einem andern Schluss kommen. Selbst Personen mit  können einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Der Invaliditätsgrad der Klägerin liegt bei 50% für die Erwerbstätigkeit und 9.5% für den Haushalt."
"Die Eigenversorgungskapazität der Klägerin beschränkt sich heute auf ihre IV-Rente, eine wirtschaftliche Verbesserung ist anzunehmen. Die  Behandlung ist erfolgversprechend. Die IV wird den Rentenanspruch  überprüfen und gegebenenfalls eine Wiedereingliederung ins  vorantreiben. Ein Zeithorizont von 5 Jahren ist ausreichend, um die Klägerin wieder im Arbeitsmarkt integrieren zu können."
8.3 Gemäss Verfügung der IV-Stelle des Kantons Zürich vom 18. September
2015 (Begründung) beträgt die Einschränkung der mittlerweile 53-jährigen Kläge-
rin im Erwerbsbereich 100% (Urk. 182/2). Die Vorinstanz hat zu Recht davon ab-
gesehen, der Klägerin nach fünf Jahren ein hypothetisches Einkommen anzu-
rechnen. Die Erzielung eines Erwerbseinkommens erscheint im heutigen Zeit-
punkt nicht möglich. Wenn die Vorinstanz von einer dauerhaften Erwerbsunfähig-
keit bzw. einem dauerhaften Manko in der Eigenversorgung ausging, kann ihr
keine fehlerhafte Sachverhaltsfeststellung vorgeworfen werden. Auch ist im Lichte
- 115 -
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. die Rechtsprechungsübersicht in
BGer 5A_800/2016 vom 18. August 2017, E. 6) eine fehlerhafte Rechtsanwen-
dung nicht erkennbar. Die Berufung ist unbegründet.
9.1 Die Vorinstanz lehnte das Begehren des Beklagten ab, eine Konkubi-
natsklausel in das Urteil aufzunehmen, mit der Begründung, eine solche hätte le-
diglich im Rahmen einer Einigung berücksichtigt werden können, jedoch nicht in
einem Urteil. Im Urteilsfalle könne eine andauernde, gefestigte Lebensgemein-
schaft der Klägerin mit einer anderen erwachsenen Person einen Abänderungs-
grund (Art. 129 Abs. 1 ZGB) darstellen (Urk. 240 S. 24).
9.2 Der Beklagte bringt in seiner Berufung einzig vor, diese Begründung sei
nicht nachvollziehbar (Urk. 259/239 S. 9). Dies trifft indes nicht zu. Konkubinats-
klauseln sind unter dem Aspekt von Art. 129 Abs. 1 ZGB (Abänderung durch Ur-
teil, veränderte Verhältnisse) und nicht von Art. 126 Abs. 3 ZGB (Modalitäten des
Unterhaltsbeitrags, Bedingung) zu betrachten (FamKomm Scheidung/Schwenzer/
Büchler, Art. 129 ZGB N 17, und FamKomm Scheidung/Liatowitsch/Mordasini-
Rohner, Anh. K N 230, mit weiteren Hinweisen). Die Zweitberufung ist auch inso-
weit unbegründet und Dispositiv-Ziffer 5 des vorinstanzlichen Urteils zu bestäti-
gen.
C. Anschlussberufung der Klägerin und Noveneingaben der Klägerin vom
31. Januar 2018 und 5. März 2018
1. Mit der Anschlussberufung (Antrag Ziffer 3) verlangt die Klägerin noch-
mals um einen gegenüber der Erstberufung Fr. 340.85 höheren Unterhaltsbeitrag
(Fr. 7'807.85 abzüglich Fr. 7'467.–). Zur Begründung verweist sie auf ihre Ausfüh-
rungen in der Zweitberufungsantwort (Urk. 259/251 S. 20 Ziff. 65). Die Klägerin
begründet indes nicht, welche der im Rahmen der Zweitberufungsantwort ge-
machten Ausführungen die Anschlussberufung betreffen bzw. welche Positionen
des Bedarfs sie mit der Anschlussberufung anficht und wie sich der Erhöhungsbe-
trag von Fr. 340.85 errechnet. Damit ist fraglich, ob auf den Anschlussberufungs-
antrag Ziffer 2 überhaupt eingetreten werden kann. Aber selbst wenn auf die An-
schlussberufung eingetreten wird, führt dies zu keinem höheren Unterhaltsbeitrag.
- 116 -
Aus einer Abgleichung der Bedarfe in der Erstberufungsbegründung (Urk. 239
S. 8) und der Zweitberufungsantwort (Urk. 259/251 S. 7) erhellt, dass dem Erhö-
hungsbetrag von Fr. 340.85 ein um Fr. 576.85 erhöhter Bedarf der Klägerin und
ein um Fr. 103.– tieferer Bedarf des Beklagten zugrunde liegt (Urk. 259/251 S. 6 f.
Ziff. 23, S. 11 Ziff. 24, S. 20 Ziff. 65). Im Einzelnen:
2. Die Klägerin macht eine Krankenkassenprämie ab 1. Januar 2017 von
Fr. 804.85 geltend (Urk. 259/251 S. 9, Urk. 259/253/6). Gemäss E. V/A/5.10 ist
ohnehin die ab 1. Januar 2018 gültige Prämie von Fr. 825.60 in den Bedarf der
Klägerin aufzunehmen (Urk. 327/6).
3. Die Vorinstanz erwog, die Haftpflicht-/Mobiliarversicherung der Klägerin
sei aufgrund der Prämienrechnung 2014/2015 über Fr. 1'311.40 mit "rund
Fr. 110.–" ausgewiesen (Urk. 240 S. 18). Die Klägerin macht geltend, die Kosten
für die Haftpflicht- und Mobiliarversicherung seien aufgrund der Prämienrechnung
2016/2017 vom 27. Mai 2016 über Fr. 1'333.60 mit Fr. 112.– zu berücksichtigen
(Urk. 259/251 S. 8 f.). Im Durchschnitt fallen der Klägerin somit nach wie vor "rund
Fr. 110.–" an. Die Veränderung (Fr. 111.15 gegenüber Fr. 109.30) ist vernachläs-
sigbar und rechtfertigt keine Anpassung im Bedarf der Klägerin.
4. Die Klägerin machte mit der Erstberufung Fr. 139.– als gerichtsüblichen
Betrag für Kommunikation und Medien geltend. Nunmehr beansprucht sie einen
"gerichtsüblichen Betrag von CHF 150.–" (Urk. 259/251 S. 10). Wiederum legt die
Klägerin nicht dar, inwiefern der von ihr beanspruchte Betrag gerichtsüblich sein
soll und mit den von der Vorinstanz veranschlagten Fr. 120.– ihre tatsächlichen
Aufwendungen für Billag, Telefon und Internet nicht gedeckt werden können (vgl.
E. V/A/5.5).
5.1 Die Vorinstanz hat beiden Parteien für Steuern einen Betrag von
Fr. 450.– zugebilligt (Urk. 240 S. 20). Dieser Betrag wurde von der Klägerin in den
Bedarf der Erstberufung übernommen (Urk. 239 S. 8 Ziff. 27). Mit der Anschluss-
berufung macht sie geltend, sie müsse Nachsteuern von über Fr. 9'000.– bezah-
len. Entsprechend habe die Vorinstanz den Betrag für die Steuern massiv zu tief
bemessen. Es seien ihr aus diesem Grund Fr. 1'000.– im Bedarf anzurechnen.
- 117 -
Die Klägerin verweist auf die Schlussrechnung der Gemeinde C._ vom 4.
Oktober 2016 für die Staats- und Gemeindesteuern 2015, wonach sie Steuern
von Fr. 13'968.60 und eine Nettosteuerschuld von Fr. 9'272.95 zu bezahlen hat
(Urk. 259/253/9).
5.2 Die Schlussrechnung basiert auf einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 102'700.– und einem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 89'600.–. Wie
die Klägerin bei (damaligen) Unterhaltsbeiträgen von Fr. 4'323.– und einer IV-
Rente von Fr. 1'035.– zu diesen Einkommenszahlen gelangt, legt sie nicht dar,
auch wenn sie den (unbekannten) Eigenmietwert der von ihr bewohnten Liegen-
schaft zu versteuern haben wird. Tatsache ist, dass im Jahre 2015 eine Nachzah-
lung der Invalidenversicherung erfolgte und der Klägerin die IV-Kinderrente für
K._ ausbezahlt wurde (Urk. 182/2 S. 2). Beides fällt in Zukunft nicht mehr an.
Für die zukünftige Steuerbelastung kann daher nicht auf die Staats- und Gemein-
desteuern des Jahres 2015 abgestellt werden. Damit geht der Einwand der Kläge-
rin ins Leere.
5.3 Keine Auseinandersetzung mit dem angefochtenen Entscheid (Urk. 240
S. 20) liegt vor, wenn die Klägerin in ihrer Noveneingabe vom 31. Januar 2018 die
Steuerrechnung 2016 (Staats- und Gemeindesteuern 2016) "zur Kenntnisnahme"
einreicht und dazu lediglich ausführt, für 2016 komme noch die Bundessteuer da-
zu (Urk. 351, Urk. 353/1). Davon abgesehen hätte die Klägerin längst darlegen
können und müssen, aus welchen Gründen die von der Vorinstanz eingesetzte
und von ihr in der Erstberufung (Urk. 239 S. 8) übernommene Steuerbelastung zu
tief bemessen ist. Offenbar beruhen die Staats- und Gemeindesteuern 2016
(Urk. 353/1) auf einer Einschätzung des Steueramtes und wohl auch auf einer
Steuererklärung für das Jahr 2016. Damit hätte das steuerbare Einkommen früher
prognostiziert und eruiert werden können und sich auch die Steuerbelastung frü-
her errechnen lassen. Wann die Steuererklärung eingereicht wurde und die Ein-
schätzung erging, ist unbekannt, so dass nicht dargetan ist, dass die Geltendma-
chung einer erhöhten Steuerbelastung mit Eingabe vom 31. Januar 2018 rechtzei-
tig erfolgte.
- 118 -
Dass ferner die Staats- und Gemeindesteuern 2015, auf welche sich die
Klägerin in der Anschlussberufung berief, nicht repräsentativ sind, wurde bereits
dargelegt (E. V/C/5.1 und 5.2). Eine Überprüfung der Steuerbelastung setzt mit
Blick auf die Festlegung des nachehelichen Unterhalts überdies voraus, dass of-
fengelegt wird, wie die Steuerbehörde zu den Steuerfaktoren gelangt. Die zur
Schlussrechnung gehörige Steuererklärung 2016 oder die Einschätzung des
Steueramtes wurden der Berufungsinstanz aber nicht vorgelegt. Damit bleibt es
beim vorinstanzlichen Betrag von Fr. 450.–.
6.1 Die Klägerin bringt vor, laut dem vom Beklagten zur Begründung seines
Armenrechtsgesuchs eingereichten Formular zur Mitteilung von Mietzinsänderun-
gen per 1. Oktober 2015 betrage die Hälfte der Miete Fr. 1'297.– und nicht
Fr. 1'400.–. Der Beklagte habe vor Vorinstanz falsche Angaben gemacht, und die
Klägerin habe vom effektiven Mietzins keine Ahnung gehabt. Entsprechend stelle
ihr neues Vorbringen ein echtes Novum dar, das zu berücksichtigen sei
(Urk. 259/251 S. 10, Urk. 259/253/8). Der Beklagte nahm dazu nicht explizit Stel-
lung, sondern bestritt pauschal die Bedarfsaufstellung der Klägerin (Urk. 269
S. 3 f., S. 8).
6.2 Die Klägerin akzeptierte vorinstanzlich basierend auf den beiden Miet-
verträgen vom 12. April 2013 einen Mietzins inkl. Nebenkosten von Fr. 1'400.–
(Urk. 152 S. 13). Damals betrug der Bruttomietzins für die Wohnung Fr. 2'711.–
und der Mietzins für den Parkplatz Fr. 80.– (Urk. 13/51). Die Vorinstanz erwog,
der Beklagte wohne mit seiner Partnerin zusammen und beteilige sich zur Hälfte
an den Wohnkosten, die sich somit auf Fr. 1'400.– belaufen würden (Urk. 240
S. 16).
6.3 Die Vorbringen der Klägerin mögen novenrechtlich zulässig sein. Bei ih-
rer Berechnung lässt die Klägerin indes den Mietzins für den Garagenplatz ausser
Acht. Die Miete beträgt daher Fr. 2'674.– (Fr. 2'594.– zuzüglich Fr. 80.–).
6.4 Unabhängig davon ist ständige Rechtsprechung, dass einer Partei für
die Wohnung derjenige Betrag anzurechnen ist, den sie verbrauchen dürfte.
Wenn sich eine Partei bezüglich des Wohnens einschränkt, hat sie Anspruch da-
- 119 -
rauf, den dadurch eingesparten Betrag anderweitig zu verwenden. Dabei sind
auch diejenigen Wohnkosten, die der Gegenpartei angerechnet werden, zu be-
rücksichtigen (ZR 87 [1988] Nr. 114; KassGer ZH AA090001 vom 03.04.2009
E. 3a mit Hinweisen; LGVE 2003 I Nr. 4; ferner Six, Eheschutz, 2. Aufl., 2014,
Rz 2.103, sowie Czitron, Die vorsorglichen Massnahmen während des Schei-
dungsprozesses unter Berücksichtigung des am 1. Januar 1988 in Kraft getrete-
nen neuen Eherechts, des in Revision begriffenen Scheidungsrechts sowie des
Prozessrechts und der Praxis des Kantons Zürich, St. Gallen 1995, S. 70 f.). Da-
bei spielt keine Rolle, ob die Einsparung darauf zurückzuführen ist, dass der Be-
treffende sich die Wohnkosten mit einer anderen Person teilt oder sich (z.B. durch
Wohnen in einem Studio) besonders einschränkt (Hausheer/Spycher [Hrsg.],
a.a.O., Rz 2.34).
6.5 Die Klägerin bewohnt alleine ein Einfamilienhaus, wofür ihr Fr. 1'776.– in
ihren Bedarf eingestellt werden. Der Beklagte bewohnt eine Loftwohnung zu-
sammen mit seiner Lebenspartnerin. Mit Rücksicht auf die Wohnverhältnisse der
Klägerin nehmen sich Wohnkosten von Fr. 1'400.– nach wie vor als bescheiden
aus. Der Betrag ist dem Beklagten trotz der Mietzinsherabsetzung zu belassen,
zumal Mietzinse auch wieder ansteigen können. Ob die Anrechnung der halben
Miet- und anderen Wohnkosten ausserhalb der Verfahren nach Art. 176 und 137
ZGB (heute Art. 276 ZPO) geradezu unzulässig ist, es sei denn man ermögliche
die spätere Anpassung durch Anbringung eines entsprechenden Vorbehalts (so
Hausheer/Spycher [Hrsg.], a.a.O., Rz 2.34), muss hier nicht entschieden werden.
6.6 Nach dem Gesagten ändert es daher nichts, dass sich die Klägerin in ih-
rer Noveneingabe vom 5. März 2018 (Urk. 360 S. 2) auf eine hälftige Miete des
Beklagten von nur noch Fr. 1'275.– beruft, auch wenn dieser Betrag dem aktuel-
len Nettomietzins entspricht (ohne Parkplatz, dessen Miete Fr. 80.– beträgt; Urk.
365/3). Die Klägerin stützt ihre Angabe auf die Berechnung des Existenzmini-
mums des Betreibungsamtes R._-... vom 5. Januar 2018, worin dem Beklag-
ten für "Anteil Wohnung" Fr. 1'275.– zugebilligt wurden (Urk. 362/1). Die Klägerin
hatte davon offenbar vor dem 22. Januar 2018 (Datum der E-Mail an ihren
Rechtsvertreter) Kenntnis, weshalb ihr Vorbringen auch aus novenrechtlichen
- 120 -
Gründen unberücksichtigt zu bleiben hat. Eine Frist lief ihr erst seit dem 13. Feb-
ruar 2018 (Urk. 356). Aus der Berechnung des Betreibungsamtes ergibt sich zu-
dem, dass dem Beklagten bis zum 30. September 2018 der Mietzins (Fr. 185.–)
für einen Bastelraum angerechnet wird. Ein zusätzlicher Raum könnte ihm im fa-
milienrechtlichen Existenzminimum auch auf Dauer kaum verwehrt werden, nach-
dem die Klägerin ein Einfamilienhaus bewohnt.
6.7 Die Klägerin macht mit ihrer Noveneingabe vom 5. März 2018 in ihrem
Bedarf weitere Positionen geltend:
6.7.1 Sie bezahle für den mündigen Sohn J._ ebenfalls Fr. 500.– mo-
natlich; soweit dieser Bedarfsposten dem Beklagten gewährt werde, sei er ihr
ebenfalls zuzugestehen (Urk. 360 S. 2). Wie bereits im Massnahmeentscheid vom
7. Februar 2018 dargelegt wurde (Urk. 356 S. 4 f.), können Unterstützungsleis-
tungen für den mündigen Sohn im Existenzminimum des unterhaltspflichtigen
Ehegatten keine Berücksichtigung finden. Demzufolge sind auch keine entspre-
chenden Auslagen in den Bedarf der Klägerin aufzunehmen.
6.7.2 Die Klägerin beantragt einen Betrag von Fr. 860.– monatlich in ihrem
Bedarf zur Deckung der Auslagen (Nebenkosten, Steuern, Schul- und Gemeinde-
taxen) für die kanadische Liegenschaft (Urk. 360 S. 2 f.). Sie beruft sich dabei auf
Kontoauszüge betreffend "taxe municipale" und "taxe scolaire" und Bankauszüge,
welche die Zahlung der Nebenkosten belegen sollen (Urk. 362/3, Urk. 362/4 und
362/6). Die Klägerin hat vor Vorinstanz und mit der Berufung keine Kosten für die
kanadische Liegenschaft geltend gemacht (Urk. 76 S. 15, Urk. 152 S. 9; Urk. 239
S. 8 Ziff. 27, Urk. 259/251 S. 7). Deren Geltendmachung erfolgt verspätet. Von ei-
nem echten Novum (Urk. 360 S. 3) kann keine Rede sein. Im familienrechtlichen
Existenzminimum haben solche Kosten für eine nicht selbst bewohnte Liegen-
schaft, deren Veräusserung mit dem vorliegenden Urteil zu bestätigen ist und die
überdies im gemeinsamen Eigentum der Parteien steht, ohnehin keinen Platz.
6.7.3 Die Klägerin will weiter rückständige Steuern mit Fr. 550.– und die lau-
fenden Steuern mit mind. Fr. 600.– im Bedarf berücksichtigt wissen. Begründet
wird dies nicht näher bzw. soll aus den beiliegenden Unterlagen (Kontoauszügen
- 121 -
des Steueramts vom 29. Januar 2018) hervorgehen (Urk. 360 S. 3, Urk. 362/8).
Es wurde bereits erwogen, dass rückständige Steuern im erweiterten Existenzmi-
nimum keinen Platz finden können (E. V/A/5.15.4). Für die laufenden Steuern
kann zunächst auf die E. V/C/5.1 bis 5.3 verwiesen werden. Der Vorwurf der Ver-
spätung gilt insbesondere auch für das bereits am 22. Mai 2017 gebuchte Rech-
nungstotal von Fr. 6'545.70 für die Staats- und Gemeindesteuern 2017
(Urk. 362/8), wobei wiederum nicht ansatzweise bekannt gegeben wird, auf wel-
chen Faktoren dieses Rechnungstotal beruht (E. V/C/5.3).
6.7.4 Auslagen von Fr. 250.– für einen Hund, den die Klägerin bereits seit
Oktober 2016 besitzt und für den sie im Massnahmegesuch vom 26. Oktober
2016 (nicht aber in der Anschlussberufung vom gleichen Tag) Kosten geltend
machte (vgl. Urk. 259/257 S. 7 f. und Urk. 259/251 S. 7), können ebenfalls nicht
berücksichtigt werden (Urk. 360 S. 4). Einerseits ist die Voraussetzung der sofor-
tigen Geltendmachung nicht erfüllt. Andererseits gehören Haustiere nicht in das
familienrechtliche Existenzminimum, zumal das Halten eines Hundes nicht zur
ehelichen Lebenshaltung gehörte. Die Klägerin ist diesbezüglich auf den Freibe-
trag zu verweisen.
D. Zusammenfassung und Ergebnis
1. Demzufolge ergibt sich folgender, korrigierter Notbedarf der Parteien (Än-
derungen gegenüber Vorinstanz fett):
Klägerin: Beklagter:
a) Grundbetrag: Fr. 1'200.– Fr. 850.–
b) Wohnkosten inklusive Nebenkosten (jedoch ohne Stromkosten):
Fr. 1'776.– Fr. 1'400.–
c) Krankenkasse: Fr. 825.60 Fr. 510.– d) Gesundheitskosten: Fr. 261.80 Fr. 183.30
e) Haftpflicht-/Mobiliarversicherung: Fr. 110.– Fr. 20.–
f) Kommunikation und Medien: Fr. 120.– Fr. 80.–
g) Mobilität: Fr. 180.– Fr. 139.–
h) Auswärtige Verpflegung: Fr. 0.– Fr. 200.–
i) Laufende Steuerbelastung: Fr. 450.– Fr. 450.–
- 122 -
Klägerin: Beklagter:
j) AHV-Beiträge: Fr. 190.– Fr. 0.–
Total (aufgerundet): Fr. 5'114.– Fr. 3'833.–
2. Bei einem Einkommen des Beklagten von neu Fr. 9'709.– und einem Ein-
kommen der Klägerin von unverändert Fr. 1'035.– ergibt sich ein Freibetrag von
Fr. 1'797.– und damit folgende Unterhaltsberechnung:
Bedarf Klägerin Fr. 5'114.–
Anteil Freibetrag (1/2 von Fr. 1'797.–) Fr. 898.50
abzüglich Einkommen - Fr. 1'035.–
Unterhaltsanspruch Fr. 4'977.50
Kontrollrechnung:
Einkommen des Gesuchstellers Fr. 9'709.–
abzüglich Anteil Freibetrag - Fr. 898.50
abzüglich Bedarf - Fr. 3'833.–
Unterhaltsverpflichtung Fr. 4'977.50
Der Beklagte ist somit zu verpflichten, der Klägerin gestützt auf Art. 125 ZGB
ab Rechtskraft dieses Urteils bis zu seiner ordentlichen Pensionierung monatliche
Unterhaltsbeiträge in der Höhe von (gerundet) Fr. 4'980.– zu bezahlen, zahlbar
jeweils im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats. Die Indexklausel ist den ak-
tuellen Verhältnissen anzupassen. Zu bestätigen ist sodann die Regelung betref-
fend die künftig anfallenden Boni (Dispositiv Ziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils).
3. Gemäss Art. 282 Abs. 1 lit. a ZPO ist im Zusammenhang mit der Unter-
haltsregelung auch anzugeben, von welchem Vermögen der Ehegatten ausge-
gangen wird.
- 123 -
− Auf seiten des Beklagten wird davon ausgegangen, dass er abgesehen
von seinem hälftigen Anteil an der Liegenschaft in O._ über kein
(nennenswertes) Vermögen verfügt (Urk. 249/6b [Steuererklärung
2015]).
− Auf seien der Klägerin wird davon ausgegangen, dass sie abgesehen
von ihrer Liegenschaft in C._ und ihrem hälftigen Anteil an der
Liegenschaft in O._ ebenfalls über kein (nennenswertes) Vermö-
gen verfügt (Urk. 353/1 [Schlussrechnung Staats- und Gemeindes-
steuern 2016 vom 25. Januar 2018]).
VI. (Kosten- und Entschädigungsfolgen)
A. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Vorinstanz teilte die Prozesskosten je zur Hälfte auf die Parteien auf.
Sie stellte fest, dass die Parteien in der Sache selbst und hinsichtlich der Mass-
nahmeverfahren gleichermassen obsiegen und unterliegen würden. Zwar habe
die Klägerin dem Gericht mit ihren Eingaben und Telefonanrufen einen nicht un-
erheblichen Arbeitsaufwand verursacht. Es wäre indes unangemessen, der Klä-
gerin aufgrund ihres psychischen Zustands einen höheren Anteil der Prozesskos-
ten aufzubürden (Urk. 240 S. 54 f.).
2. Die Klägerin ficht diese Kostenverteilung nicht an (Urk. 259/251 S. 19 Ziff.
62). Hingegen beantragt der Beklagte mit der Zweitberufung, die Gerichtskosten
zu drei Vierteln der Klägerin und zu einem Viertel ihm aufzuerlegen. Zudem ver-
langt er eine Parteientschädigung von Fr. 15'000.– bzw. Fr. 20'000.–
(Urk. 259/239 S. 17 f.). Der Beklagte macht geltend, die Klägerin habe das Ver-
fahren in die Länge gezogen, unsinnige Forderungen gestellt und einen nicht un-
erheblichen Arbeitsaufwand verursacht. Unter den von der Vorinstanz aufgeführ-
ten Umständen wäre es angezeigt gewesen, für die Klägerin Schutzmassnahmen
gemäss Art. 69 Abs. 2 ZPO anzuordnen. Sowohl die Verfahrensdauer als auch
die Prozesskosten hätten dadurch deutlich gesenkt werden können. Er habe stets
- 124 -
kooperiert, die Klägerin habe das Verfahren hingegen nach ihren eigenen Geset-
zen geführt. Er sei daher nicht bereit, die Hälfte der Prozesskosten zu tragen
(Urk. 259/239 S. 17 f.).
3. Gemäss Art. 106 Abs. 2 ZPO werden die Prozesskosten nach dem Aus-
gang des Verfahrens verteilt, wenn keine Partei vollständig obsiegt hat. Art. 107
Abs. 1 ZPO erlaubt eine Verteilung nach Ermessen, z.B. in familienrechtlichen
Prozessen oder bei Vorliegen besonderer Umstände. Gemäss Art. 108 ZPO hat
unnötige Prozesskosten zu bezahlen, wer sie verursacht hat.
4. Der Beklagte stellt nicht in Frage, dass eine hälftige Kostentragung vorlie-
gend dem Verfahrensausgang vor Vorinstanz entsprach. Zwar behauptet der Be-
klagte, er habe sich von der Klägerin, die in den stundenlangen Verhandlungen
weder das Gericht noch ihre Rechtsvertretung Ernst genommen habe, Vorwürfe,
Beschuldigungen, Verleumdungen und Falschaussagen anhören und seine wohl-
verdienten Ferien für die Abfassung der Klageantworten aufwenden müssen. Die-
se Vorbringen sind aber nicht geeignet, eine hälftige Kostentragung als geradezu
unbillig erscheinen zu lassen. Auch wird damit nicht konkret aufgezeigt, welche
unnötigen Weitläufigkeiten, trölerischen Begehren etc. ausschliesslich die Kläge-
rin zu verantworten hat. Die hälftige Kostentragung stellt entgegen der Auffassung
des Beklagten keine Abstrafung dar (Urk. 259/239 S. 17). Aufgrund der eigenen
Umtriebe des Beklagten rechtfertigt sich ohnehin keine Abweichung von den Ver-
teilungsgrundsätzen (Art. 106 ZPO).
5. Ist eine Partei offensichtlich nicht imstande, den Prozess selbst zu führen,
so kann das Gericht sie auffordern, eine Vertreterin oder einen Vertreter zu beauf-
tragen, widrigenfalls ihr das Gericht eine Vertretung bestellt (Art. 69 Abs. 1 ZPO).
Die Umstände, die eine ordnungsgemässe Prozessführung verunmöglichen sind
vielfältig. Es kann sich um kulturell, bildungs- oder psychisch bedingte individuelle
Defizite handeln wie Analphabetismus, Unbeholfenheit, störendes Verhalten oder
dergleichen (Staehelin/Schweizer, in: Sutter-Somm et al., a.a.O., Art. 69 N 7). Hält
das Gericht darüber hinaus Schutzmassnahmen für geboten, benachrichtigt es
die Erwachsenen- und Kindesschutzbehörde (Art. 69 Abs. 1 und 2 ZPO). Die Be-
nachrichtigungspflicht besteht insbesondere bei Zweifeln über die Prozessfähig-
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keit einer Partei. Die Vorinstanz bestellte der Klägerin mit Verfügung vom 9. Feb-
ruar 2015 und 5. Februar 2016 eine Vertretung (Urk. 126, Urk. 218), nachdem die
bisherigen Rechtsvertreterinnen das Mandat niedergelegt hatten (Urk. 43,
Urk. 96).
6. Der Beklagte zeigt nicht auf, welche Verfahrensschritte sich bei einer
Meldung an die Erwachsenenschutzbehörde hätten vermeiden lassen. Die (mo-
natelangen) Verzögerungen und unsinnigen Forderungen werden nicht näher
substantiiert. Dass es bei längeren und hart geführten Scheidungsverfahren zu
Anwaltswechseln kommt, ist nichts Aussergewöhnliches. Der Beklagte substanti-
iert auch nicht näher, aufgrund welcher Umstände die Vorinstanz auf eine Hand-
lungsunfähigkeit der Klägerin hätte schliessen müssen. Der pauschale Hinweis
auf den augenfälligen Zustand der Klägerin und beigebrachte Arztzeugnisse ge-
nügt dazu nicht.
7. Die Zweitberufung ist insoweit abzuweisen und die erstinstanzliche Kos-
ten- und Entschädigungsregelung (Dispositiv Ziffern 15 bis 17) zu bestätigen.
B. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Der Streitwert des Berufungsverfahrens berechnet sich wie folgt:
1.1 Die Klägerin beantragte mit ihrer Erstberufung/Anschlussberufung Un-
terhaltsbeiträge von Fr. 7'807.85 bis zur ordentlichen Pensionierung des Beklag-
ten; der Beklagte beantragte mit der Zweitberufung Unterhaltsbeiträge von
Fr. 4'000.– ab Rechtskraft des Scheidungsurteils (gemeint wohl: des nacheheli-
chen Unterhalts) für die Dauer von fünf Jahren. Gerechnet ab Mitte Juni 2018 bis
zum 65. Altersjahr des Beklagten (16. Juli 2028; 121 Monate) ergibt dies einen
Streitwert von Fr. 704'750.– (Fr. 3'807.85 x 60 zuzüglich Fr. 7'807.85 x 61). Hinzu
kommen die mit Noveneingabe vom 23. April 2018 (Urk. 376) verlangten
Fr. 46'116.– (54 x 854.–). Total ist von einem Streitwert von Fr. 750'866.–
(Fr. 704'750.– + Fr. 46'116.–) auszugehen. Umstritten war ferner für die Dauer
von rund fünf Jahren die Aufteilung des Bonus, der zuletzt mit brutto Fr. 8'000.–
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bzw. Fr. 7'110.– zu Buche schlug (Urk. 330/3 [Lohnabrechnung Februar 2017],
und somit weitere Fr. 17'775.– (5 x Fr. 3'555.–).
1.2 Im Güterrecht stellt sich die Situation wie folgt dar:
- Die Ersatzansprüche aus dem Verkauf der Liegenschaften in H._ und
E._ belaufen sich auf Fr. 486'760.70.
- Unter der Annahme, dass der Beklagte weiterhin Raten von Fr. 600.– an die
rückständigen Steuern bezahlt hat, dürften die offenen Steuern per 1. Juni
2018 noch Fr. 62'412.70 betragen (Impôt fédéral direct 2011: Fr. 24'546.–
per 26. Januar 2018 abzüglich 5 x Fr. 600.– [Urk. 353/2]; Impôt sur le revenu
et la fortune 2011: Fr. 40'866.70 [Urk. 339/1]). Der umstrittene hälftige Anteil
der Klägerin beträgt Fr. 31'206.35.
- Die mit dem Anschlussberufungsantrag Ziffer 2 verlangte hälftige Abgangs-
entschädigung beträgt Fr. 20'993.50.
- Die Klägerin verlangt eine um Fr. 26'800.– erhöhte güterrechtliche Aus-
gleichszahlung von Fr. 144'376.80; der Beklagte verlangt eine Ausgleichs-
zahlung zu seinen Gunsten in der Höhe von Fr. 51'638.15. Die Summe der
strittigen güterrechtlichen Ausgleichszahlungen beträgt Fr. 196'014.95.
- Die Klägerin verlangt die entschädigungslose Übertragung der im gemein-
schaftlichen Eigentum stehenden Liegenschaft in O._ in ihr Alleineigen-
tum. Der Beklagte ging diesbezüglich einmal von einem zu teilenden Netto-
verkaufserlös von CAD 215'000.– aus (Urk. 128, Urk. 155/16-19 Prot. I S.
69; vgl. auch Urk. 244 S. 10). Bei einem Umrechnungskurs von CHF 1 =
CAD 1.30 beträgt der Wert des hälftigen Anteils Fr. 82'692.–.
Total ist im Güterrecht von einem Streitwert von Fr. 817'667.– auszugehen.
1.3 Die strittigen Kosten- und Entschädigungsfolgen betragen Fr. 26'500.–
(Fr. 6'500.– zuzüglich Fr. 20'000.–).
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1.4. Die Konkubinatsklausel (Dispositiv Ziffer 5) ist seitens des Beklagten
ebenfalls angefochten worden. Sie ist aber suspensiv bedingt und bei der Streit-
wertberechnung – wie die angefochtene Dispositiv Ziffer 8 betreffend eingelagerte
Möbel – ausser Acht zu lassen.
1.5 Der ursprüngliche und aktuelle Gesamtstreitwert beläuft sich damit auf
Fr. 1'612'808.–. Für die Bestimmung von Obsiegen und Unterliegen ist aber auch
von Bedeutung, dass der Beklagte mit Eingabe vom 30. April 2017 einen Unter-
haltsbeitrag von lediglich noch Fr. 2'958.35 für die Dauer von fünf Jahren bean-
tragte (Urk. 271, Urk. 276). Der Gesamtstreitwert erhöhte sich damit zeitweilig um
Fr. 62'499.– (60 x Fr. 1'041.65) auf Fr. 1'675'307.–. Auch wenn der Beklagte die-
sen Antrag nach Einholung einer Stellungnahme der Klägerin wieder zurückzog
(Urk. 280, Urk. 288), kann er mit Blick auf die Liquidation der Prozesskosten nicht
übergangen werden.
2.1 Im Berufungsverfahren wird die Gerichtsgebühr grundsätzlich nach den
für die Vorinstanz geltenden Regeln bemessen. Die Gebühr bemisst sich nach
Massgabe dessen, was noch im Streit liegt (§ 12 Abs. 1 und 2 GebV OG). In
Scheidungsverfahren nach Art. 274-294 ZPO wird die Gebühr nach § 5 festge-
setzt (§ 6 Abs. 1 GebV OG). Demnach wird bei nicht vermögensrechtlichen Strei-
tigkeiten die Gebühr nach dem tatsächlichen Streitinteresse, dem Zeitaufwand
des Gerichts und der Schwierigkeit des Falles bemessen. Sie beträgt in der Regel
Fr. 300.– bis Fr. 13'000.–. Ist im Rahmen von nicht vermögensrechtlichen Streitig-
keiten auch über vermögensrechtliche Rechtsbegehren zu entscheiden, die das
Verfahren aufwendig gestalten, kann die Gebühr bis zum Betrag erhöht werden,
der für den Entscheid über die vermögensrechtlichen Rechtsbegehren allein zu
erheben wäre (§ 5 Abs. 1 und 2 GebV OG).
2.2 Das Berufungsverfahren gestaltete sich als sehr aufwändig. Es kann auf
E. I/5 bis I/9 verwiesen werden. Bei einem Streitwert von rund Fr. 1.675 Mio. be-
trägt die Gerichtsgebühr Fr. 37'500.– (§ 4 Abs. 1 GebV OG). Bei wiederkehren-
den Leistungen wird die Grundgebühr in der Regel ermässigt (§ 4 Abs. 3 GebV
OG). Es rechtfertigt sich, die zweitinstanzliche Entscheidgebühr auf Fr. 25'000.–
festzusetzen. Die Klägerin hat für die Erstberufung, die Anschlussberufung und
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das Massnahmeverfahren Kostenvorschüsse von Fr. 16'000.– geleistet (Urk. 248,
Urk. 259/266).
3. Die Klägerin obsiegt bei den Unterhaltsbeiträgen mit Fr. 426'299.– (60 x
Fr. 2'021.65 [Fr. 4'980.– - Fr. 2'958.35] und 61 x Fr. 5'000.–) und bei der Bonustei-
lung mit Fr. 17'775.–. Im Güterrecht obsiegt die Klägerin bei der güterrechtlichen
Ausgleichszahlung mit Fr. 54'635.45 (Fr. 2'997.30 + Fr. 51'638.15), ansonsten un-
terliegt sie. Bei den Kosten- und Entschädigungsfolgen obsiegt sie mit
Fr. 26'500.–. Gemessen am Gesamtstreitwert von Fr. 1'675'307.– obsiegt die Klä-
gerin mit Fr. 525'209.– oder mit 31%. Die Klägerin obsiegt ferner mit der Konkubi-
natsklausel und mit der Regelung betreffend eingelagerte Möbel. Im ersten Mass-
nahmeverfahren obsiegte die Klägerin lediglich zu 27% (bisheriger Unterhaltsbei-
trag: Fr. 4'323.–, beantragter Unterhaltsbeitrag: Fr. 5'848.–, zugesprochener Un-
terhaltsbeitrag: Fr. 4'735.–; Urk. 259/257, Urk. 299). Das zweite Massnahmebe-
gehren (des Beklagten) wurde nach einer Stellungnahme der Klägerin zurückge-
zogen (Urk. 271, Urk. 280, Urk. 288, Urk. 299 S. 10). Das dritte Massnahmebe-
gehren (des Beklagten) wurde abgewiesen, ohne dass eine Massnahmeantwort
eingeholt wurde (Urk. 322, Urk. 356 S. 5).
4. Es rechtfertigt sich somit, die Gerichtskosten der Klägerin zu zwei Dritteln
und dem Beklagten zu einem Drittel aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Der An-
teil der Klägerin ist mit den von ihr geleisteten Vorschüssen zu verrechnen und im
Fehlbetrag nach Rechnungsstellung zu bezahlen (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Der An-
teil des Beklagten ist zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einst-
weilen auf die Staatskasse zu nehmen. Die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123
ZPO ist vorzubehalten.
5. Die Klägerin ist weiter zu verpflichten, der unentgeltlichen Rechtsvertrete-
rin des Beklagten (vgl. zu deren Forderungsrecht: OGer ZH PP170047 vom
13.02.2018, E. 3.3.2, mit weiteren Hinweisen) eine auf einen Drittel reduzierte
Parteientschädigung zu bezahlen. Die volle Parteientschädigung für die zeitlich
begrenzte Rechtsvertretung ist aufgrund des bisher angefallenen (10.8 Stunden,
Fr. 40.40 Barauslagen; Urk. 385) und des noch zukünftigen Aufwandes (Studium
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dieses Entscheids und Besprechung mit Klient) auf Fr. 5'400.– (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen (§ 12 Abs. 2 AnwGebV).