Decision ID: 91fb4798-3fe9-4992-9b45-eea142e561d2
Year: 2005
Language: de
Court: VS_TC
Chamber: VS_TC_001
Canton: VS
Region: Région lémanique
Law Area: 

Gekürzter Sachverhalt
A. B. ist Eigentümer zweier Häuser, die er als Ferienwohnungen bewirtschaftet. Im Februar 2004 stellte er beim örtlichen  den Antrag, die Kurtaxe für seine beiden Gebäude in Form von  zu entrichten, was ihm dieser und anschliessend der
63
ceg Texte tapé à la machine KGVS A1 05 166
ceg Texte tapé à la machine
Gemeinderat verfügungsweise verweigerte. A.B. führte dagegen am 15. April 2005 beim Staatsrat Beschwerde, der diese am 06. Juli 2005 mit der Begründung abwies, der Gesetzgeber habe die Möglichkeit der Jahrespauschale für die Kurtaxenabrechnung einem klar definierten Personenkreis vorbehalten und nicht für einzelne Objekte. Um diesem Kreis anzugehören, müssten die Personen entweder eine dauernde Anwesenheit aufweisen, Besitzer oder Eigentümer des Gebäudes sein und aufgrund dieser Stellung einen Anspruch auf eine  haben. Da A.B. die Häuser nicht für sich, sondern  für Drittvermietung als Ferienwohnung bewirtschafte, seien diese Voraussetzungen in seinem Fall nicht erfüllt. Das  hiess die von A.B. am 29. August 2005 eingereichte  am 21. Oktober 2005 gut.

Erwägungen
4. Gemäss Art. 17 des Gesetzes über den Tourismus vom 09. Februar 1996 (GTour) wird von den Gästen, die im Einzugsgebiet eines anerkannten Verkehrsvereins übernachten, eine Kurtaxe erhoben und nach 21 Abs. 2 GTour ist der Beherberger von kurtaxenpflichtigen Gästen verpflichtet, die Kurtaxe einzukassieren und dem  zu überweisen. Im Unterlassungsfall ist er selber für die  verantwortlich. Auch ein der Kurtaxenpflicht unterworfener Eigentümer und Dauermieter hat die Pflicht zur Überweisung.
Auf Begehren können Beherberger, kurtaxenpflichtige Eigentümer oder Dauermieter die Kurtaxe in Form einer Jahrespauschale . Auf Antrag des Verkehrsvereins setzt der Gemeinderat unter Beachtung des durchschnittlichen Besetzungsgrades der  Beherbergungsform am Ferienort die pauschale Anzahl der Übernachtungen fest (Art. 21 Abs. 3 GTour). Die gleiche Möglichkeit für die pauschale Abrechnung besteht im Übrigen auch für die  (Art. 25 Abs. 3 GTour).
4.1 Das GTour unterscheidet grundsätzlich zwei Taxen, einmal die Kurtaxe (Art. 17 - 22), die vom Gast bezahlt (Art. 17) und in seinem Interesse verwendet werden muss (Art. 22), dann die  (Art. 23 - 26), die der Beherberger schuldet (Art. 23) und in  Interesse eingesetzt werden muss (Art. 26), wobei an Stelle der Beherbergungstaxe die Tourismusförderungstaxe (Art. 27 - 31) treten kann. Vorliegend geht es um die Kurtaxe, die zwar vom Gast , für deren Bezahlung aber der Beherberger verantwortlich ist.
64
4.2 Gemäss Art. 21 Abs. 1 GTour wird die Kurtaxe je Übernachtung erhoben und somit je Übernachtung abgerechnet. Art. 21 Abs. 3 sieht jedoch die Möglichkeit der Bezahlung der Kurtaxen mittels einer  vor. Zu diesem Zweck ist ein Gesuch an den  zu richten, der dem Gemeinderat einen entsprechenden Antrag stellt. Der Gemeinderat ist zuständig, die Jahrespauschale . Er hat die Höhe „unter Beachtung des durchschnittlichen  der entsprechenden Beherbergungsform am Ferienort» festzulegen.
5. Vorliegend hat ein Beherberger einen entsprechenden Antrag für die Jahrespauschale gestellt und der Verkehrsverein, Gemeinde und Staatsrat weigerten sich, eine solche festzusetzen, weil die  für die Jahrespauschale nicht erfüllt seien. Nach Ansicht des Verkehrsvereins und der Gemeinde gingen Einnahmen verloren, die Logiernächte-Statistik würde verwässert und der  Aufwand vergrössert, wenn die „Kurtaxenpauschale Schule machen würde». Der Staatsrat will die Pauschale auf einen „klar  Personenkreis» beschränken und definiert diesen Kreis so, dass die Personen „entweder eine dauernde Anwesenheit aufweisen, Besitzer oder Eigentümer des Gebäudes sind und aufgrund dieser  Anspruch auf eine Pauschalabrechnung haben.»
5.1 Der Gesetzgeber führt als mögliche Antragsteller für eine  die Beherberger und die kurtaxenpflichtigen Eigentümer oder Dauermieter (le logeur, le propriétaire assujetti ou le locataire à long terme) an. Kurtaxenpflichtige Eigentümer oder Dauermieter sind solche, die nicht Wohnsitz in der entsprechenden Gemeinde haben (vgl. Art. 18 Abs. 1 lit. a GTour), sich dort aber entweder in ihrer  oder in der dauerhaft für sich gemieteten Wohnung  und damit kurtaxenpflichtig werden. Als Beherberger im Sinne des GTour gilt, wer Gäste gegen Entgelt beherbergt (Art. 23 GTour). Diese Aufzählung zeigt, dass drei verschiedene Personenkategorien die Jahrespauschale verlangen können. Die vom Staatsrat  Definition bezieht sich auf die beiden letztgenannten , unter die der Beschwerdeführer offensichtlich nicht fällt.
5.2 Das Gesetz räumt aber auch dem Beherberger ausdrücklich das Recht ein, einen Antrag auf Jahrespauschale zu stellen. In der  zum GTour vom 11. Januar 1995 (Bulletin des Séances du Grand Conseil [BSGC] der verlängerten Novembersession, Februar 1995,
65
S. 293) hat der Staatsrat auf die administrative Vereinfachung bei der Erhebung der Kur- und Beherbergungstaxen durch die „Einführung einer freiwilligen Pauschale» verwiesen, ohne dass er hier eine  auf die Eigentümer oder Dauermieter vorgenommen hat. Bei der Eintretensdebatte hat Grossrat Felix Zurbriggen auf die  Pauschalierung der Kur- und Beherbergungstaxe Bezug  und für die Festlegung auf die Problematik hingewiesen, „dass der gute Vermieter pauschal abrechnen will und derjenige, dem das Vermietungsglück weniger hold ist effektiv abrechnet, was im  weniger Geld einbringt und auch die Statistik gemäss Art. 35 zur Alibiübung macht» (BSGC, a.a.O., S. 350). Die beiden Grossräte Hubert Imhof (BSGC, a.a.O., S. 355) und Serge Solliard (BSGC, a.a.O., S. 358) haben ganz allgemein eine vermehrte Pauschalierung für die Taxen verlangt. Der zuständige Staatsrat Raymond Deferr verwies beim  darauf, man habe »aussi introduit des forfaits, qui ne peuvent être que volontaires, mais l’on sait que lorsqu’ ils existent et que les gens en sont informés, ils vont volontiers dans cette direction» (BSGC, a.a.O., S. 370). In der Detailberatung hat der Berichterstatter der  Kommission, Grossrat Maurice Chevrier, bei der Behandlung der Jahrespauschale der Kurtaxe erklärt, « l’article 20  deux nouveautés facilitant la perception des taxes de séjour: (- la première ........) - la seconde par l’introduction du forfait, valable aussi bien pour les propriétaires d’appartements que d’hôtels ou d’ collectifs, qui devrait être favorisée par les communes par l’introduction d’une mesure incitative. En effet, l’introduction du  supprimera les tracasseries administratives pour les communes et pour les logeurs, et permettra aux SD un encaissement facilité en début d’année» (BSGC, a.a.O., S. 612).
5.3 Aufgrund dieser Ausführungen bei der Beratung des Art. 20 GTour, in der Endfassung Art. 21 geworden, und des klaren Wortlauts der gesetzlichen Bestimmung ist eine Einschränkung der  auf Personen, die sich als Eigentümer des Gebäudes oder als Dauermieter am Ferienort aufhalten, nicht haltbar. Vielmehr zeigt bereits die Aufzählung im Gesetz, aber auch die Beratung im  Parlament klar den Willen des Gesetzgebers, die Jahrespauschale bei der Kurtaxe, aber auch bei der Beherbergungstaxe, als  der Erhebung fakultativ, aber generell einzuführen. Das  sah sie sogar als die wünschenswerte Erhebungsart an und war sich der negativen Konsequenzen auf die Einnahmen und die  durchaus bewusst.
66
5.4 Diese Schlussfolgerung lässt sich auch nicht mit dem Hinweis verneinen, mit der pauschalen Abrechnung sei es möglich, dass ein Berherberger Taxen bei den Gästen einkassiere und diese nicht an die Gemeinde weiterleite, was der Grundidee der Kurtaxe widerspreche. Einmal ist darauf hinzuweisen, dass die Taxen oftmals im Preis () inbegriffen sind. Zum anderen nimmt der Gesetzgeber dies in Kauf und ist selbstverständlich auch der gegenteilige Fall denkbar. Zum andern hat der Gesetzgeber den Beherberger für die Bezahlung der Taxe gegenüber der Gemeinde verantwortlich gemacht und es somit diesem überlassen, ob er überhaupt und wie die Taxe beim Gast einkassieren will. Damit überlässt er das Verhältnis zwischen  und Gast dem Belieben der Beteiligten. Zu guter Letzt muss auch darauf hingewiesen werden, dass die Beträge, die allenfalls bei einem Gast einkassiert und nicht weitergeleitet werden könnten, betragsmässig marginale Bedeutung haben.
67