Decision ID: 4f5d5dc0-0d36-5ce4-907a-dfe667cb1f5e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Selbstkündigung)
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 23. Mai 2012 beim RAV zur Arbeitsvermittlung an und
erhob ab 1. Juni 2012 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (act. G 5/3 und act. G
5/8).
A.b Die Versicherte hatte gemäss Arbeitgeberbescheinigung am 27. Februar 2012 per
31. Mai 2012 ihre Stelle als Kundenberaterin und Reinigungskraft bei der B._
gekündigt, wo sie seit Juni 2008 gearbeitet hatte (act. G 5/10, act. G 5/16).
A.c Nachdem die Kantonale Arbeitslosenkasse die Versicherte aufgefordert hatte,
zum Kündigungsgrund im Rahmen der Verschuldensabklärung Stellung zu nehmen
(act. G 5/12), antwortete sie mit Schreiben vom 20. Juni 2012. Sie zählte dabei diverse
Gründe für ihre Selbstkündigung auf. Insbesondere habe sie viele Überstunden leisten
müssen (vgl. act. G 5/20) und habe diese nicht kompensieren können; dennoch sei ihr
(Teilzeit-)Pensum trotz ihren Bitten nicht an die tatsächlichen Arbeitszeiten angepasst
worden, was bei der Berechnung des versicherten Lohns für sie negative Folgen
gezeitigt habe. Zudem sei der Umgang mit dem Personal in dieser Region eine
Katastrophe. Des Weiteren lüge der Agenturleiter und fälsche Abschlusszahlen und
Termine. Würde man den Agenturleiter auf die aktuellen Probleme ansprechen, würde
man aus der Stelle gemobbt. Der Agenturleiter und der Regionalverkaufsleiter würden
immer wieder verhindern, dass der Hauptsitz vom Ausmass der genannten Probleme in
dieser Region erfahre. Ferner bestehe eine hohe Arbeitsbelastung (Telefone, Schalter,
Betreuung von 4 Geschäftsstellen etc.). Diese Aufgaben müssten zu zweit mit einem
Pensum von insgesamt 150% bewältigt werden. Der psychische und physische Druck
seien kaum mehr auszuhalten, weshalb es kaum jemand länger als ein bis zwei Jahre
bei der B._ aushalten würde. Die Versicherte habe aufgrund dieser Umstände noch
48 kg gewogen und Haare auf dem Kopf verloren. Zudem sei ihr vom Arbeitgeber in
direkt nahe gelegt worden, die Stelle zu kündigen. Des Weiteren hätte sie eine Stelle
bei der C._ während der Kündigungsfrist bereits in Aussicht gehabt. Da sich aber die
Firmen "getrennt" hätten, sei diese Anstellung leider in der Folge nicht zustande
gekommen (act. G 5/21 und act. G 5/23).
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A.d Mit Verfügung vom 29. Juni 2012 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse die Ver
sicherte aufgrund ihrer Selbstkündigung ab 1. Juni 2012 für 31 Tage in der
Anspruchsberechtigung ein. Die schwierige Zusammenarbeit und die vielen
Überstunden würden die Unzumutbarkeit der Stelle nicht belegen. Es hätte ihr
zugemutet werden können, das Arbeitsverhältnis bis zum Auffinden einer neuen
Dauerstelle fortzuführen. Da die Versicherte die Dauerstelle zu Lasten der
Arbeitslosenversicherung aufgegeben habe, müsse ihr ein schweres Verschulden an
ihrer Arbeitslosigkeit angelastet werden (act. G 5/25).
A.e Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 28. Juli 2012 Einsprache. Die
Überstunden alleine seien nicht für ihre Selbstkündigung verantwortlich, vielmehr seien
die internen Probleme Auslöser dafür gewesen. Beispielsweise betrüge und belüge ihr
Vorgesetzter den Hauptsitz, die Mitarbeiter und die Kunden. Diese Fakten seien durch
diverse Mitarbeiter dem Regionalverkaufsleiter zugetragen worden, mit dem Resultat,
dass niemand mehr von ihnen bei B._ arbeite. Ihr Chef trage fiktive Termine in seinen
Kalender, habe diese Leute aber nie kontaktiert. Zudem füge er Kunden in den Stamm
ein und kassiere Provisionen dafür, was alles bis ins Detail bewiesen werden könne.
Ferner habe die Versicherte, nachdem sie die Probleme dem Regionalverkaufsleiter
unterbreitet habe, eine schlechte Mitarbeiterbewertung erhalten, obwohl sie teilweise
nachts für ihren Chef zu Kunden gefahren und jederzeit für die Firma eingestanden sei.
Als sie angedeutet habe, die genannten Umstände am Hauptsitz zu melden, sei ihr die
Kündigung nahegelegt worden. Sie habe aufgrund krimineller Machenschaften und
Mobbing durch die Vorgesetzten kündigen müssen. Eine mündliche Zusage für eine
neue Stelle bei der D._ GmbH und der C._ ab dem 1. Juni 2012 hätte sie bereits
gehabt, leider sei dies aber noch nicht in einem schriftlichen Arbeitsvertrag festgehalten
worden. Unglücklicherweise seien die beiden Firmen ab Mai 2012 getrennte Wege
gegangen, weshalb ihre zugesagte Stelle hinfällig geworden sei. Sie sei
alleinerziehende Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern und werde spätestens im
August 2012 das Sozialamt um finanzielle Hilfe bitten müssen. Sie bitte daher die
Sachlage nochmals zu überprüfen, sie akzeptiere die 31 Einstelltage auf keinen Fall
(act. G 5/32).
A.f Am 27. Juli 2012 nahm die ehemalige Arbeitgeberin zur Kündigung der
Versicherten Stellung. Die von der Versicherten gemachten Aussagen träfen teilweise
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zu. Allerdings erscheine ihr das Vorgehen der Versicherten als eine persönliche
Abrechnung. Der Versicherten sei nie nahe gelegt worden, die Stelle selbst zu kündigen
(act. G 5/30).
A.g Nachdem die Arbeitslosenkasse die Versicherte mit Schreiben vom 20. August
2012 (act. G 5/35) aufgefordert hatte, zu den Äusserungen der Arbeitgeberin Stellung
zu nehmen, antwortete sie mit Schreiben vom 2. September 2012. Insbesondere
betonte die Versicherte, dass denjenigen, die Kritik am Agenturleiter geäussert hätten,
früher oder später gekündigt worden sei. Der Regionalverkaufsleiter habe ihr durchaus
die Kündigung nahegelegt, indem er erklärt habe, wenn sie eine haltlose Abmahnung
nicht unterschreibe, müsse sie sich neu orientieren. Die Probleme in dieser Agentur
seien auch am Hauptsitz klar, jedoch sei da kaum etwas zu machen, da die Hierarchien
zusammenhalten würden. Die Versicherte betonte, dass es sich bei ihrer
Selbstkündigung nicht um eine "Abrechnung" handle, sie habe lediglich keine Nerven
mehr gehabt, um sich bis zum Hauptsitz gegen beide Chefs durchsetzen zu können.
Zudem sei in den letzten Jahren überhaupt nichts von all den Versprechen einer
Verbesserung der Situation eingetroffen (act. G 5/42).
A.h Mit Einspracheentscheid vom 10. Oktober 2012 hiess die Kantonale
Arbeitslosenkasse die Einsprache teilweise gut und reduzierte die Anzahl Einstelltage
auf 20. Im Wesentlichen begründete die Arbeitslosenkasse dies damit, dass unstreitbar
eine Situation eingetreten sei, die nicht Folge eines ihr vorwerfbaren Verhaltens sei. Im
Ergebnis seien nachvollziehbare Gründe für ihre Selbstkündigung erkennbar gewesen
(act. G 5/65).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 12. November 2012 (Datum Postaufgabe) gelangt die
Beschwerdeführerin ans Versicherungsgericht. Im Wesentlichen macht sie geltend,
dass sie kein mittleres Verschulden, sondern lediglich ein leichtes Verschulden an der
Arbeitslosigkeit treffe. Sie habe ihre Vorgesetzten immer wieder auf die Missstände
hingewiesen. Zudem finde sie ihre Kündigung ohnehin gerechtfertigt, da es ethisch
nicht vertretbar gewesen sei, auf diese Art und Weise in der Agentur zu arbeiten.
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Zudem seien durch die "Unterdeckung der ALV" finanzielle Probleme aufgetreten, da
die Überstunden nicht zum versicherten Verdienst zählen würden (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 21. Januar 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Bezüglich Sachverhalt und Begründung werde auf
den Einspracheentscheid vom 10. Oktober 2012 verwiesen. Im Rahmen der Reduktion
der Einstelltage von 31 auf 20 Tage sei dem gespannten Arbeitsverhältnis bereits
Rechnung getragen worden. Der versicherte Verdienst sei nicht Gegenstand des
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens und habe auch keinen Einfluss auf die Höhe der
Einstellung (act. G 5).
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtet auf eine Replik (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheids vom 10. Oktober 2012 ist die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin für 20 Tage
aufgrund einer Selbstkündigung.
2.
2.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne
dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der
Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe findet demnach das
sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip seine Grenze bei der
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Zumutbarkeit. So kann es der versicherten Person nicht zugemutet werden, eine Stelle,
die im Sinn von Art. 16 Abs. 2 AVIG unzumutbar und damit von der Annahmepflicht
ausgenommen ist, beizubehalten.
2.2 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit dürfen bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten
Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden;
insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der
versicherten Person zu berücksichtigen (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen werden, wenn eine
versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die
Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall, da
die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag
(BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
3.
3.1 Vorliegend ist umstritten, ob die Beschwerdeführerin im Sinn des zitierten
Abkommens legitime Gründe für die Kündigung der Arbeitsstelle vorbringen kann bzw.
ob sie unfreiwillig die Beschäftigung aufgegeben hat, weil sie durch die Entwicklung am
Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wurde. Die Beschwerdeführerin nennt als Gründe
für ihre Kündigung Mobbing, Stress, Überstunden, hohe Personalfluktuation und
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angespanntes Arbeitsklima (vgl. act. G 5/21, act. G 5/23 und act. G 5/46). Im Rahmen
der Abklärung hat die Arbeitgeberin eingeräumt, dass die Vorwürfe teilweise zutreffen
würden. So hätten z.T. Fehlbesetzungen zu Mehrstunden geführt. Hingegen habe die
Beschwerdeführerin nie "mittelmässige" Beurteilungen erhalten. Die Arbeitgeberin
bestreitet auch nicht, dass die Beschwerdeführerin sich bei ihren direkten Vorgesetzten
auf der Agentur bzw. beim Regionalverkaufsleiter vor der Kündigung um Aussprachen
bemüht hat. Allerdings habe sie erst nach dem Austritt die gesammelten Unterlagen an
zwei GL-Mitglieder am Hauptsitz zugestellt, ohne zu erklären, was ihre persönlichen
Gründe dafür seien. Die Vorwürfe der Beschwerdeführerin würden aber ernst
genommen; die Anschuldigungen in "dieser Dimension über etliche Jahre hinweg"
bedürften einer umfassenden Prüfung (act. G 5/31). In der Beschwerde macht die
Beschwerdeführerin zusätzlich geltend, inzwischen seien zwei ihrer Vorgesetzten, die
sie auf die Missstände immer wieder hingewiesen habe, entlassen worden. Es braucht
nicht weiter abgeklärt zu werden, ob diese Entlassungen (u.a.) darauf zurück zu führen
sind, dass sich die Vorwürfe der Beschwerdeführerin als zutreffend erwiesen haben.
Bereits die vorhandenen Akten zeigen auf, dass von einer freiwilligen Kündigung nicht
gesprochen werden kann bzw. dass die Beschwerdeführerin für die Kündigung legitime
Gründe geltend machen kann. So ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin
während längerer Zeit erhebliche Mehrstunden leisten musste, sei es nun wegen der
von der Arbeitgeberin eingeräumten Fehlbesetzungen, sei es wegen der schweren
Erkrankung des vorgesetzten Agenturleiters ab Herbst 2011 (vgl. act. G 5/30 S. 2). So
hat die Beschwerdeführerin gemäss Arbeitgeberbescheinigung im Jahr 2010 Fr.
37'487.65 (ab Juni), im Jahr 2011 Fr. 62'121.30 und im Jahr 2012 Fr. 26'075.85 (bis
Ende Mai) verdient (act. G 5/16). Der durchschnittliche Monatslohn betrug mithin Fr.
5'355.40 im Jahr 2010, Fr. 5'176.80 im Jahr 2011 und Fr. 5'214.20 im Jahr 2012.
Gemäss Arbeitsvertrag war demgegenüber ab 1. Juni 2008 ein Pensum von 50% bzw.
ein Monatslohn von Fr. 3'025.-- (zuzüglich 13. Monatslohn = Fr. 3'277.10) vereinbart
gewesen (act. G 5/5 und 5/16). Zwar wurde der Beschäftigungsgrad wiederholt
befristet auf 60% bzw. einmal auf 70% erhöht (vgl. act. G 5/4, 5/6, 5/20). Es verbleiben
dennoch erhebliche Überstunden (vgl. auch Darstellung der Beschwerdeführerin in act.
G 5/20), die unbestrittenermassen nicht kompensiert werden konnten. Nachdem kein
Abrufverhältnis vereinbart war, bleibt fraglich, ob eine solche Arbeitssituation auf
längere Dauer zumutbar ist, zumal Überstunden weder bei der Pensionskasse noch bei
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der Arbeitslosenversicherung versichert sind. Offenbar liess sich die Situation während
des Arbeitsverhältnisses nicht bereinigen, obwohl die Beschwerdeführerin
unbestrittenermassen seit 2009 um ein "korrektes" Pensum gebeten habe (vgl.
konkrete Rückfrage der Beschwerdegegnerin und fehlende Äusserung dazu seitens der
Arbeitgeberin, in act. G 5/28 und 5/30 f.). Es frägt sich zudem, ob die Arbeitgeberin
nicht von sich aus verpflichtet gewesen wäre, für Abhilfe zu sorgen, nachdem der
direkte Vorgesetzte "seit Herbst 2011" schwer erkrankt und ganz oder teilweise
arbeitsunfähig war, wie die Arbeitgeberin erklärte (act. G 5/30). Unbestritten ist sodann,
dass die Beschwerdeführerin wiederholt auf Missstände hingewiesen und sich insoweit
für eine Verbesserung der Verhältnisse eingesetzt hatte. Freilich ohne Erfolg, vielmehr
führten die Reklamationen dazu, dass die letzte Mitarbeiterqualifikation im Jahr 2011
eher zurückhaltend ausgefallen war (vgl. act. G 1.2). So ist in dieser Beurteilung - von A
(Übertrifft die Anforderungen) bis E (Erfüllt die Anforderungen nicht) - keine Bewertung
über C (Erfüllt die Anforderungen) ausfindig zu machen. Damit ist entgegen der
Bestreitung der Arbeitgeberin von einer mittelmässigen Qualifikation auszugehen, die
sich mit vorangehenden Mitarbeiterbeurteilungen insoweit nicht deckt, als die
Arbeitgeberin bei der Verschuldensabklärung explizit erklärte, dass die
Beschwerdeführerin "immer" gute bis sehr gute Leistungen erbracht habe (act. G 5/30).
Die letzte Qualifikation lässt auch die Behauptung der Beschwerdeführerin glaubhaft
erscheinen, wonach der Regionalverkaufsleiter ihr implizit die Kündigung nahegelegt
habe, als sie auf eine dubiose Sache aufmerksam gemacht und sich erlaubt habe, ihn
zu fragen, wer von den beiden Vorgesetzten lüge (act. G 5/48). Auch wenn die
Beanstandungen wohl nicht immer im richtigen Ton erfolgt sind, wie aus der
Beschreibung des persönlichen Verhaltens intern in der Mitarbeiterqualifikation (act. G
1.2) geschlossen werden kann, so ist aufgrund der untergeordneten Stellung der
Beschwerdeführerin und der offenbar in der Vergangenheit bereits erfolgten
Personalwechsel nachvollziehbar, wenn die Beschwerdeführerin ihre Stelle als
ernsthaft gefährdet ansah und nicht jene ihrer Vorgesetzten. Die Arbeitgeberin hat denn
auch im Fragebogen zur Verschuldensabklärung ausgeführt, dass eine
Weiterbeschäftigung der Beschwerdeführerin "unter bestimmten Umständen" zwar
möglich gewesen wäre, dass aber eine Firma nicht ihre Unternehmensstrategie um
stossen und die Führungskader entlassen könne (act. G 5/30).
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3.2 Die Rechtsprechung wendet bei der Frage hinsichtlich der Unzumutbarkeit, am
bisherigen Arbeitsplatz zu verbleiben, einen strengen Massstab an. Aus
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht reichen in diesem Sinn Spannungen am
Arbeitsplatz nicht aus, eine bisherige Stelle als unzumutbar erscheinen zu lassen. Nach
dem Gesagten liegen im vorliegenden Fall mehr als bloss Spannungen am Arbeitsplatz
vor. Die geschilderten belastenden Verhältnisse am Arbeitsplatz der
Beschwerdeführerin sind glaubhaft dargetan und namentlich was die Mehrstunden
betrifft ausreichend belegt. Auch wenn die von der Beschwerdeführerin geltend
gemachte gesundheitliche Beeinträchtigung (vgl. act. G 5/32) nicht ärztlich bestätigt ist,
da sie offenbar wegen hoher Franchisekosten keinen Arzt aufsuchte, so muss doch
insgesamt von einer untragbaren Situation ausgegangen werden. In der Einsprache hat
die Beschwerdeführerin sodann unwidersprochen darauf hingewiesen, dass der
mittlerweilen schlechte Ruf der ehemaligen Arbeitgeberin sogar ihre Stellensuche
behindere (act. G 5/32).
3.3 In einer Gesamtbetrachtung der Umstände ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin im Sinne des zit. Abkommens unfreiwillig die Beschäftigung aufge
geben bzw. legitime Gründe für die Kündigung vorgebracht hat. Es ist daher im Lichte
des Übereinkommens von der Unzumutbarkeit der Fortführung des
Arbeitsverhältnisses auszugehen. Eine Einstellung nach Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in
Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV fällt somit ausser Betracht.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und der
Einspracheentscheid vom 10. Oktober 2012 aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP