Decision ID: 081a0f75-dc93-4ce8-be73-0456516a6ab1
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) I.W., geboren 21. August 1980, stammt aus Uganda. Im Alter von zehn Jahren
kam er in die Schweiz. Er zeigte bereits in der Schule Verhaltensauffälligkeiten. 1995
wurde er wegen seiner Verhaltensstörungen aus der Sonderklasse entfernt und in der
Folge im kantonalen Jugendheim Platanenhof sowie in anderen
Jugenderziehungsheimen untergebracht.
b) Im Alter von fünfzehn Jahren beging I.W. einen Raub. Am 25. September 2001
sprach ihn das Untersuchungsamt Gossau der einfachen Körperverletzung, der
mehrfachen Tätlichkeiten und der versuchten Entwendung eines Fahrrads zum
Gebrauch sowie der mehrfachen Uebertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig
und verurteilte ihn zu zehn Wochen Gefängnis. Am 1. Juli 2003 sprach ihn das
Kreisgericht Alttoggenburg-Wil der mehrfachen Körperverletzung, der mehrfachen
Tätlichkeiten, der Beschimpfung, der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte und der mehrfachen Uebertretung des
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Betäubungsmittelgesetzes sowie der mehrfachen Uebertretung des Transportgesetzes
schuldig und bestrafte ihn mit zehn Monaten Gefängnis sowie einer Landesverweisung
von vier Jahren. Am 23. Oktober 2003 trat I.W. in den Strafvollzug. Zusätzlich zu den
erwähnten Gefängnisstrafen musste er Haftstrafen von insgesamt 77 Tagen aus
Bussenumwandlungen absitzen. Die Strafen endeten am 16. Januar 2005; zwei Drittel
waren am 18. August 2004 verbüsst gewesen.
c) Mit Verfügung vom 30. Juli 2004 ordnete das Justiz- und Polizeidepartement an, I.W.
werde bei weiterhin klaglosem Verhalten bedingt aus dem Strafvollzug in der
Strafanstalt Saxerriet entlassen, wenn und sobald er ausgeschafft werden könne,
frühestens aber am 18. August 2004. Die Probezeit wurde auf zwei Jahre festgesetzt.
Der Vollzug der gerichtlichen Landesverweisung von vier Jahren wurde nicht
aufgeschoben; das Justiz- und Polizeidepartement ordnete an, I.W. werde am
Entlassungstag aus der Schweiz ausgeschafft.
B./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 16. August 2004 erhob I.W. Rekurs bei
der Regierung mit dem Antrag, die Verfügung des Justiz- und Polizeidepartements vom
30. Juli 2004 sei aufzuheben, er sei per 18. August 2004 bedingt aus dem Strafvollzug
zu entlassen und von der Verknüpfung der bedingten Entlassung mit dem Vollzug der
Landesverweisung sei abzusehen, ausserdem sei der Vollzug der Landesverweisung
probeweise aufzuschieben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Ferner beantragte
er, dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, soweit ihm diese nicht von
Gesetzes wegen zukomme. I.W. machte geltend, die bedingte Entlassung dürfe nur
aus guten Gründen verweigert werden. Solche lägen nicht vor. Das Abhängigmachen
der bedingten Entlassung vom Vollzug der Landesverweisung sei gesetzwidrig.
Ueberdies seien seine Resozialisierungschancen in der Schweiz eindeutig besser als in
Uganda.
Die Regierung wies den Rekurs an ihrer Sitzung vom 25. Januar 2005 ab. Sie erwog,
der Entscheid über die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug und den
probeweisen Aufschub der unbedingten Landesverweisung stünden in engem
Zusammenhang und verfolgten im wesentlichen das gleiche kriminalpolitische Ziel,
dem Verurteilten Gelegenheit zu bieten, sich während der Probezeit in Freiheit zu
bewähren und sich wieder in die Gesellschaft einzuordnen. Entscheidend sei der
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Resozialisierungsgedanke, nämlich die Frage, ob die Schweiz oder das Heimatland die
günstigere Voraussetzung für eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft biete. Dabei
seien namentlich die persönlichen Verhältnisse, die Beziehungen zur Schweiz bzw. zum
Ausland, die Familienverhältnisse, die Arbeitsmöglichkeiten und die soziale Integration,
nicht aber die Schwere der Tat zu berücksichtigen. Die Regierung hielt fest, in einem
psychiatrischen Gutachten vom 11. November 2002 der psychiatrischen Dienste
Thurgau werde ein kausaler Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitsstörung von
I.W. und seinen Straftaten festgestellt. Die dissoziale Persönlichkeitsstörung stelle
jedoch kein psychiatrisch behandelbares Leiden dar. Der Gutachter vermute, dass
höchstens eine bessere soziale Integration an der Deliktsneigung von I.W. etwas
ändern könne. Die Strafanstalt Saxerriet stelle ihm ein schlechtes Zeugnis aus. Der
Betroffene habe sich bereits mehrere Male zur Verbüssung von Freiheitsstrafen im
Strafvollzug befunden. Die Chance eines Aufenthalts in einer Arbeitserziehungsanstalt
habe er nicht genutzt. Der Führungsbericht der Strafanstalt belege die Unfähigkeit,
selbst in den klaren Strukturen des Strafvollzugs Regeln zu respektieren und
einzuhalten. Der Betroffene habe sich weder mit seinen Taten auseinandergesetzt noch
Einsicht und Reue gezeigt. Das soziale Netz in der Schweiz sei erwiesenermassen nicht
tragfähig genug gewesen, um ihn während seines bisherigen Aufenthalts von der
Begehung zahlreicher Delikte, darunter auch Gewaltdelikte, abzuhalten. Aufgrund
seines Vorlebens, seiner Persönlichkeit, seinem Verhalten und seiner Einstellung sowie
den nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnissen bestehe eine hohe
Wahrscheinlichkeit, dass I.W. erneut straffällig werde. Im übrigen seien die Anordnung
einer Schutzaufsicht oder die Erteilung von Weisungen nicht als wirksame
Massnahmen zu betrachten, um eine erneute Straffälligkeit zu verhindern. Dagegen
habe I.W. bei einer Rückkehr nach Uganda höhere Bewährungschancen. Dort sei er die
ersten zehn Jahre seines Lebens aufgewachsen. Die Lebensumstände und die
zahlreichen Delikte legten eine mangelnde Fähigkeit dar, sich in der Schweiz zu
integrieren. Seit I.W. in der Schweiz lebe, seien diverse Versuche zur Integration
unternommen worden. Weder seine Aufenthalte in verschiedenen
Jugenderziehungsheimen noch im Gefängnis noch der Arbeitsversuch in einem
Integrationsprojekt hätten zum Ziel geführt. Sämtliche bisherigen Integrationsversuche
seien gescheitert. Seine Resozialisierungschancen in der Schweiz seien somit als
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äusserst gering einzuschätzen. Dagegen bestehe die Möglichkeit, dass sich I.W. in
seinem Herkunftsland Uganda integrieren und deliktfrei zu verhalten vermöge.
C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 16. Februar und 16. März 2005 erhob
I.W. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid der
Regierung vom 25. Januar 2005 sei aufzuheben und der Vollzug der vom Kreisgericht
Alttoggenburg-Wil am 1. Juli 2003 verhängten Landesverweisung sei probeweise
aufzuschieben, sodann sei im Sinn einer vorsorglichen Massnahme der Vollzug der
Landesverweisung bis zum Eintritt der Rechtskraft des Beschwerdeentscheids
auszusetzen, sofern der Beschwerde nicht ohnehin diese Wirkung zukomme, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. In der Beschwerde wird geltend gemacht, der
Regierungsbeschluss verletze Art. 55 Abs. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(SR 311.0) sowie Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101) und Art. 8 Ziff. 1 der
Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK), indem zu
Unrecht der probeweise Aufschub des Vollzugs der Landesverweisung verweigert
worden sei. Die Argumentation im Entscheid der Regierung beziehe sich grösstenteils
auf die Schilderungen der Schwierigkeiten des Beschwerdeführers in der Schweiz,
während die angeblich höheren Bewährungschancen im Heimatland nur kurz
abgehandelt würden. Es fehle an einer nachvollziehbaren Begründung, weshalb die
Resozialisierungschancen in Uganda besser sein sollten als in der Schweiz. Der
Beschwerdeführer leide an einer Erkrankung, so dass die ihn begleitenden grossen
Schwierigkeiten auf diese Erkrankung respektive seinen Geisteszustand
zurückzuführen seien. Die Aussage im psychiatrischen Gutachten, wonach die
dissoziale Persönlichkeitsstörung kein psychiatrisch behandelbares Leiden darstelle,
widerspreche der Fachliteratur. Das Leiden des Beschwerdeführers sei klar
behandelbar, wobei langfristige Therapiepläne und abgestufte
Rehabilitationsmassnahmen entscheidend seien. Auf die weiteren Vorbringen in der

Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 7. April 2005 auf Abweisung der
Beschwerde.
Am 20. Mai 2005 reichte der Beschwerdeführer Unterlagen ein, woraus hervorgeht,
dass er bei der Vormundschaftsbehörde ein Begehren um Verbeiständung gestellt hat.
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Er hält fest, falls eine Beschwerdegutheissung wider Erwarten noch nicht möglich
erscheine, erachte er es als notwendig, das Beschwerdeverfahren zu sistieren, bis klar
sei, ob und welche vormundschaftliche Massnahme verfügt werde.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 16. Februar und 16.
März 2005 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
Der Beschwerdeführer hat ein Gesuch um Verbeiständung gestellt. Eine Sistierung des
Beschwerdeverfahrens bis zum Entscheid darüber ist allerdings nicht angezeigt.
Dadurch würde der Entscheid über den Vollzug der ausgesprochenen Nebenstrafe
ungebührlich verzögert. Der Beschwerdeführer hat denn auch kein förmliches
Sistierungsbegehren gestellt, sondern lediglich bei der Einreichung des Begehrens um
Verbeiständung vermerkt, er erachte eine Sistierung allenfalls als notwendig.
2./ Hat der zu Zuchthaus oder Gefängnis Verurteilte zwei Drittel der Strafe, bei
Gefängnis mindestens drei Monate, verbüsst, so kann ihn die zuständige Behörde
bedingt entlassen, wenn sein Verhalten während des Strafvollzugs nicht dagegen
spricht und anzunehmen ist, er werde sich in der Freiheit bewähren (Art. 38 Ziff. 1 Abs.
1 StGB).
Die zuständige Behörde prüft von Amtes wegen, ob der Gefangene bedingt entlassen
werden kann. Sie holt einen Bericht der Anstaltsleitung ein. Sie hört den Verurteilten an,
wenn er kein Gesuch gestellt hat oder wenn auf Gesuch hin eine bedingte Entlassung
nicht ohne weiteres gegeben ist (Art. 38 Ziff. 1 Abs. 3 StGB).
Gemäss Art. 55 Abs. 1 StG kann der Richter einen Ausländer, der zu Zuchthaus oder
Gefängnis verurteilt wird, für drei bis fünfzehn Jahre aus dem Gebiet der Schweiz
verweisen. Wird der zu einer unbedingten Freiheitsstrafe Verurteilte bedingt aus dem
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Strafvollzug entlassen, so entscheidet die zuständige Behörde, ob und unter welchen
Bedingungen der Vollzug der seinerzeit ausgesprochenen unbedingten
Landesverweisung nachträglich doch noch probeweise aufgeschoben werden soll (Art.
55 Abs. 2 StGB).
a) Die Strafvollzugsbehörde hat nach Art. 38 Ziff. 1 und Art. 55 Abs. 2 StGB folgende
Möglichkeiten: Sie kann die bedingte Entlassung gewähren und mit dem probeweisen
Aufschub der Landesverweisung verbinden oder aber bei der Gewährung der
bedingten Entlassung den probeweisen Aufschub der Landesverweisung verweigern.
Sie kann ausserdem die bedingte Entlassung unter der Bedingung des Vollzugs der
Landesverweisung gewähren, aber auch die bedingte Entlassung verweigern mit der
Folge des Vollzugs der Landesverweisung nach Verbüssung der ganzen Freiheitsstrafe.
Im vorliegenden Fall hat die Strafvollzugsbehörde die bedingte Entlassung unter der
Bedingung des Vollzugs der Landesverweisung gewährt. Diese Verknüpfung von
bedingter Entlassung und unbedingter Landesverweisung ist nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung unter dem Gesichtswinkel der Prognose zulässig,
zumal sie für den Verurteilten günstiger ist als die Verweigerung der bedingten
Entlassung mit der Folge, dass der Verurteilte die Strafe vollständig verbüssen müsste
und am Ende der Strafe aus der Schweiz verwiesen würde. Wird also eine günstige
Prognose für den Verbleib in der Schweiz verneint, kann die bedingte Entlassung mit
der unbedingten Landesverweisung verbunden und vom Vollzug der
Landesverweisung abhängig gemacht werden (BGE 6A.67/2003 vom 1. Oktober 2003
mit Hinweisen). Die Vorinstanz hat daher die Zulässigkeit der Verknüpfung von
bedingter Entlassung und unbedingter Landesverweisung bejaht.
Wird die bedingte Entlassung unter der Bedingung des Vollzugs der Landesverweisung
gewährt oder die bedingte Entlassung verweigert mit der Folge, dass der Vollzug der
Landesverweisung nach Verbüssung der gesamten Freiheitsstrafe erfolgt, so kann
ausschliesslich die Frage streitig sein, ob am betreffenden Stichtag die bedingte
Entlassung zu gewähren ist bzw. war oder ob sie im Rahmen des Ermessens ohne
Rechtsfehler verweigert werden kann bzw. konnte. Legt die Strafvollzugsbehörde ohne
Rechtsfehler dar, dass die bedingte Entlassung an sich zu verweigern ist, so kann sie
anstelle dieser Rechtsfolge auch die Gewährung der bedingten Entlassung unter der
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Bedingung des Vollzugs der Landesverweisung als mildere Rechtsfolge aussprechen.
Die Frage der bedingten Entlassung wird durch die Verbüssung der gesamten
Freiheitsstrafe während des Rechtsmittelverfahrens nicht gegenstandslos, und im
Beschwerdeentscheid ist in Anwendung von Art. 38 Ziff. 1 StGB zu prüfen, ob die
Voraussetzungen für die bedingte Entlassung gegeben sind bzw. gegeben waren.
Der Beschwerdeführer argumentiert - nach der Verbüssung der gesamten
Freiheitsstrafe - auf der Grundlage, dass die bedingte Entlassung ohne weiteres
gewährt worden wäre und nunmehr ausschliesslich noch zu prüfen sei, ob die Chancen
für eine Bewährung in der Schweiz oder in Uganda besser seien. Damit wird aber die
Bedingung, welche die Strafvollzugsbehörde bei der Gewährung der bedingten
Entlassung gestellt hat, aufgelöst, und zwar allein aufgrund des Zeitablaufs während
des Rechtsmittelverfahrens und obwohl die Verknüpfung der bedingten Entlassung mit
dem Vollzug der Landesverweisung zulässig war. Somit ist nicht zu prüfen, ob in
Anwendung von Art. 55 Abs. 2 StGB die Chancen für eine Bewährung in der Schweiz
oder in Uganda grösser sind, sondern ob per 18. August 2004 die Voraussetzungen der
bedingten Entlassung gemäss Art. 38 Ziff. 1 StGB verneint werden durften.
b) Die bedingte Entlassung ist die vierte Stufe des Strafvollzugs und deshalb in der
Regel anzuordnen. Davon darf nur aus guten Gründen abgewichen werden. Wie bei der
Zubilligung des bedingten Strafvollzugs ist auch bei der bedingten Entlassung für die
Beurteilung des künftigen Wohlverhaltens eine Gesamtwürdigung durchzuführen, um
eine möglichst zuverlässige Grundlage für die Prognose zu erhalten. Es sind somit das
gesamte Vorleben, die Täterpersönlichkeit, das deliktische und sonstige Verhalten des
Täters sowie vor allem die neuere Einstellung, der Grad der Reife einer allfälligen
Besserung und die nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnisse des Täters
zu prüfen (BGE 124 IV 193 ff.).
Das Bundesgericht hat die beiden gesetzlichen Voraussetzungen, das "nicht gegen die
bedingte Entlassung sprechende Verhalten des Verurteilten während des Strafvollzugs"
und "die Annahme, er werde sich in Freiheit bewähren", kurz als "günstige Prognose"
umschrieben. Diese günstige Prognose stehe aber im Spannungsfeld zwischen
einerseits dem spezialpräventiven Imperativ der bedingten Entlassung als letzter Stufe
des Strafvollzugs, dass die Freiheit nur "in Freiheit" erlernt werden könne, und
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anderseits dem Anspruch der Allgemeinheit auf Rechtsgüterschutz. Bei realistischer
Betrachtung müsse man in den meisten Fällen der Entscheidung über die bedingte
Entlassung bei zeitlich befristeten Freiheitsstrafen annehmen, dass sich am Zustand, in
dem sich der Täter nach der Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe befinde, während
des restlichen Drittels im Vollzug nicht mehr allzu viel ändern werde. Der vagen
Hoffnung eines Fortfalls der Gefährlichkeit in dieser Zeit aus Gründen, die nicht
sichtbar seien, stehe mindestens gleichrangig die Verschärfung der Gefahr durch die
Situation des Vollzugs und die Fernhaltung des Täters vom Leben in Freiheit
gegenüber. Die weitere Verbüssung der Strafe tauge damit nicht zur Vermeidung
etwaiger Straftaten. Sie tauge zwar allenfalls zur Vermeidung während der restlichen
Zeit der Verbüssung, verschiebe im übrigen das Problem möglicher
Straftatenbegehung bloss auf einen späteren Zeitpunkt (BGE 124 IV 198 f.).
c) Die Vorinstanz hat im wesentlichen auf die psychiatrische Begutachtung des
Beschwerdeführers sowie auf den Führungsbericht der Strafanstalt Saxerriet vom 16.
Juni 2004 abgestellt. Der Gutachter hielt fest, im Hinblick auf die Vorgeschichte mit
ihren zahlreichen Rechtsverletzungen auch gewalttätiger Art könne eine erhöhte Gefahr
neuerlicher Straftaten nicht in Abrede gestellt werden. Im Hinblick auf die
Persönlichkeitsstruktur des Exploranden und seine ungesicherte Lebenssituation seien
in erster Linie Gewalttaten und Eigentumsdelikte, daneben laufende Verstösse gegen
das Betäubungsmittelgesetz zu erwarten. Es sei durchaus ein kausaler Zusammenhang
zwischen der Persönlichkeitsstörung des Beschwerdeführers und seinen Straftaten zu
sehen, wobei die Suchtkomponente (Alkohol- und Cannabismissbrauch) als
determinierender Faktor weit hinter seine schwer dissoziale Persönlichkeitsstruktur
zurücktrete. Eine dissoziale Persönlichkeitsstörung stelle kein psychiatrisch
behandelbares Leiden dar. Eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung
habe keine grossen Aussichten, die Wahrscheinlichkeit weiterer Straftaten zu
vermindern. Zum einen gebe es keine spezifische psychiatrische Therapie gegen diese
Persönlichkeitsvariante, zum andern habe sich bei der ausführlichen Untersuchung im
April 2002 gezeigt, dass der Explorand aufgrund seiner Mentalität und
Ausdrucksmöglichkeiten für ein psychotherapeutisches Verfahren kaum in Frage
komme. So müsse vermutet werden, dass höchstens eine bessere soziale Integration
an der Deliktneigung des Exploranden etwas ändern könnte, wobei allerdings kritisch
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einzuwenden sei, dass auch diesbezüglich verschiedene Versuche völlig im Sande
verlaufen seien.
Der Beschwerdeführer wendet ein, es widerspreche der Fachliteratur, dass die
dissoziale Persönlichkeitsstörung kein psychiatrisch behandelbares Leiden darstelle.
Diese Rüge erscheint nicht stichhaltig. Selbst wenn im allgemeinen die Behandelbarkeit
dissozialer Persönlichkeitsstrukturen kontrovers beurteilt würde, ist im vorliegenden
Fall ausschlaggebend, dass der Gutachter den Beschwerdeführer aufgrund seiner
Mentalität und Ausdrucksmöglichkeiten als weitgehend therapieunfähig qualifiziert.
Im weiteren begründete die Vorinstanz ihren Entscheid mit dem negativen Bericht der
Strafanstalt Saxerriet. Diese hielt in ihrer Stellungnahme zu einer allfälligen bedingten
Entlassung fest, das Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber Personal und
Mitinsassen werde als sehr schwierig beschrieben. Das Einhalten von Regeln und
Weisungen falle ihm speziell schwer. Seine reduzierte Verfassung habe sich im Verlauf
des Vollzugs wenig verbessert und stabilisiert. Seine Kontakte mit dem zuständigen
Sozialarbeiter seien jedoch in einer konstruktiven Atmosphäre verlaufen. Der
Beschwerdeführer habe seine beiden Ausgänge in Buchs verbracht. Er sei rechtzeitig
wieder zurückgekehrt, aber beide Male alkoholisiert gewesen, worauf weitere
Ausgänge storniert worden seien. Die Vollzugsziele in den Bereichen Pünktlichkeit und
Hygiene seien nicht erreicht worden. Der Beschwerdeführer habe mindestens
zwanzigmal wegen Verschlafens diszipliniert werden müssen. Zudem habe er
Haschisch und zweimal Alkohol konsumiert. Von Anfang an habe der
Beschwerdeführer beim anstaltsinternen Programm zur Wiedergutmachung
mitgemacht. Er habe sich an den Gesprächen beteiligt und zehn Prozent seines
kärglichen Pekuliums an eine gemeinnützige Institution entrichtet. Der
Beschwerdeführer möchte eigentlich unverändert in seine alten Verhältnisse
zurückkehren.
Der Beschwerdeführer ist mehrfach vorbestraft und verbüsste mehrere Freiheitsstrafen.
Die Chance eines Aufenthalts in einer Arbeitserziehungsanstalt nutzte er nicht, sondern
versäumte unentschuldigt ein entsprechendes Vorstellungsgespräch. Aufgrund des
Führungsberichtes der Strafanstalt ist der Beschwerdeführer nicht willens oder fähig,
die Regeln und Strukturen des Strafvollzugs einzuhalten. Der Psychiater geht von einer
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fehlenden Fähigkeit zur sozialen Integration und einer hohen Rückfallgefahr aus. Die
Verbüssung mehrerer Freiheitsstrafen bewirkte bislang keine Aenderung seines
Verhaltens. Aufgrund dieser Umstände durfte die Vorinstanz zur Recht davon
ausgehen, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Beschwerdeführer
erneut straffällig wird und weder eine Schutzaufsicht noch die Erteilung von Weisungen
geeignet erscheinen, um dies zu verhindern. Es kann diesbezüglich auf die
zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid (E. 2 f und g) verwiesen werden.
Auch aufgrund des zuhanden der IV-Stelle Thurgau erstatteten Gutachtens ergibt sich,
dass eine Eingliederung des Beschwerdeführers in die Gesellschaft praktisch
ausgeschlossen erscheint. Der Gutachter qualifizierte seine Arbeitsfähigkeit und
namentlich -motivation als völlig ungenügend. Er hielt insbesondere fest, es scheine die
Arbeit selbst zu sein, welche den Beschwerdeführer in seiner Befindlichkeit derangieren
könne, scheine er doch die Rolle des Arbeitsnehmers zumindest auf lange Sicht eher
Ich-dyston zu erleben. Diese Aussage kann nur dahingehend interpretiert werden, dass
der Beschwerdeführer als arbeitsscheu betrachtet werden muss.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Psychiater eine erhöhte Rückfallgefahr
feststellte den Beschwerdeführer als nachgerade therapieunfähig qualifizierte. Auch der
Bericht der Strafanstalt lautet überaus negativ. Die wenigen positiv lautenden Bereiche
des Strafvollzugs sind nicht geeignet, das Gesamtbild eines zur Einsicht und zur
Eingliederung in die Gesellschaft weitgehend unfähigen bzw. nicht gewillten Mannes zu
ändern. Es sind keine hinreichenden Anhaltspunkte vorhanden, dass der
Beschwerdeführer seine Einstellung geändert hat und sich künftig bemüht, sich
rechtskonform zu verhalten. Daher durfte die Strafvollzugsbehörde eine günstige
Prognose für einen Verbleib in der Schweiz ohne Rechtsverletzung verneinen. Es war
daher zulässig, anstelle dieser Rechtsfolge auch die Gewährung der bedingten
Entlassung unter der Bedingung des Vollzugs der Landesverweisung auszusprechen.
Dabei erübrigt sich eine nähere Prüfung, ob die Resozialisierungschancen in der
Schweiz oder im Herkunftsstaat besser sind. Auf die entsprechenden Ausführungen
der Beschwerde ist daher nicht weiter einzugehen. Festzuhalten bleibt immerhin, dass
entgegen der Feststellung der Vorinstanz keine Anhaltspunkte bestehen, dass der
Beschwerdeführer die Sprache seines Herkunftslandes nicht bzw. nicht mehr
beherrscht. Es widerspricht einerseits der allgemeinen Lebenserfahrung, dass jemand,
der seine Muttersprache während der ersten zehn Jahre seines Lebens gesprochen hat
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und anschliessend zeitlebens mit seiner aus dem selben Land stammenden Mutter
zusammenlebt, seine Muttersprache vollumfänglich vergisst. Ausserdem ist Englisch
offizielle Landessprache in Uganda, und in der psychiatrischen Untersuchung vom April
2002 äusserte der Beschwerdeführer denn auch, seine Muttersprache sei englisch. Vor
dem Einzelrichter der Verwaltungsrekurskommission hielt er ausserdem fest, er habe
vor etwa fünf bis sechs Jahren seine Grosseltern in Uganda besucht. Er habe sich mit
ihnen jeweils in Afrikanisch oder Englisch unterhalten. Das Afrikanische habe er in den
letzten Jahren etwas verlernt. Zudem äusserte er selbst gegenüber dem Gutachter, er
könne sich ein Leben in Uganda vorstellen.
d) Die Berufung auf Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101) und Art. 8 der
Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) geht fehl.
Selbst wenn sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur auf ein
Abhängigkeitsverhältnis zu seiner in der Schweiz niedergelassenen Mutter berufen
könnte, wäre ein Vollzug der Landesverweisung im Lichte der in Art. 8 Ziff. 2 EMRK
aufgeführten Voraussetzungen für die Einschränkung des Rechts auf Familienleben
rechtmässig. Aufgrund des gewichtigen öffentlichen Interesses am Vollzug der
Landesverweisung können die entgegenstehenden privaten Interessen nicht als
überwiegend qualifiziert werden. Auch geht der Einwand fehl, der Beschwerdeführer
wäre in seinem Herkunftsland völlig auf sich allein gestellt. In der Beschwerde blieb
unbestritten, dass drei seiner Cousins im Herkunftsland leben, ebenso seine
Grossmutter. Damit verfügt der Beschwerdeführer noch über ein persönliches Umfeld,
das ihm die Rückkehr in den Herkunftsstaat erleichtert.
e) Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde als unbegründet
abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend werden die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer auferlegt (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).