Decision ID: c2f9551c-382c-5483-80f6-9732f6492235
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, ist seit dem 1. Januar 2011 bei der
Mutuel
Assurance
Maladie
SA (nachfolgend:
Mutuel
) obligatorisch
krankenpflegeversi
chert
(Urk. 11/3). Aufgrund unbezahlter Prämien der obligatorischen
Kranken
pflegeversicherung
für die Monate April bis Juni 2012
im Betrag von
Fr.
583.50
leitete die
Mutuel
gegen den Versicherten am 4. September 2012 eine Betrei
bung beim Betreibungsamt
Y._
ein
(Urk. 11/20). Gegen den Zahlungs
befehl
des Betreibungsamts
Y._
in der Betreibung Nr.
Z._
erhob der Versicherte am 11. September 2012 Rechtsvorschlag (Urk. 11/21), woraufhin die
Mutuel
mit Verfügung vom 19. September 2012 (Urk. 11/22) den Versicherten zur Bezahlung von total Fr. 816.50 verpflichtete und den Rechtsvorschlag in diesem Umfang beseitigte.
Mit Urteil des Konkursgerichts
des
Bezirksgericht
s
Y._
vom 8. November 2012 wurde über den Versicherten mit Wirkung ab 8. November 2012, 07.30 Uhr, der Konkurs eröffnet (Urk. 11/23). Das Verfahren wurde
auf Antrag des Konkursamtes mit
Urteil vom 27. Mai 2013 mangels Aktiven einge
stellt, nachdem kein Gläubiger innert der publizierten Frist die Durchführung des Verfahrens verlangt und den notwendigen Kostenvorschuss geleistet hat
te
(
vgl.
Urk. 11/26). Daraufhin zog die
Mutuel
die Betreibung Nr.
Z._
am 21. Oktober 2013 zurück (Urk. 11/28).
1.2
Am 24. Oktober 2013 stellte die
Mutuel
ein Betreibungsbegehren
beim Betrei
bungsamt
A._
und forderte erneut die Bezahlung von ausstehenden Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung für die Zeit von April bis Juni 2012 im Betrag von Fr. 583.50 zuzüglich 5 % Zins seit 31. August 2012 sowie Fr. 180.-- Gebühren und Fr. 53.-- für bisherige Betreibungskosten (Urk. 11/29). Gegen den Zahlungsbefehl
des Betreibungsamts
A._
vom 25. Oktober 2013 (Betreibung Nr.
B._
) erhob der Versicherte am 28. Oktober 2010
wiederum
Rechtsvorschlag (Urk. 11/30).
Mit Verfügung vom 6. November 2013 verpflichtete die
Mutuel
den Versicher
ten zur Bezahlung von Fr. 869.50 (Forderungssumme von Fr. 583.50,
Dossierer
öffnungskosten
von
Fr. 90.--,
Aufforderungskosten von
Fr. 90.--, 1.
Zustell
kos
ten
von
Fr. 53.-- und
aufgelaufene Betreibungskosten von Fr. 53.
)
und
hob den Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr.
B._
auf (Urk. 11/31). Die gegen die Verfügung vom 6. November 2013 erhobene Einsprache des Versicherten
vom
7.
November 2013
(Urk. 11/32) wies die
Mutuel
mit
Einspracheentscheid
vom 21. November 2013
ab
(Urk. 11/33 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 21. November 2013 (Urk. 2) erhob der Versi
cherte am 5. Dezember 2013 Beschwerde und beantragte sinngemäss die
Abweisung, da die
Mutuel
unter anderem
Forderungen
doppelt fakturiert habe (Urk. 1 S. 1
f.
).
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2013 (Urk. 6) reichte der Beschwerdeführer wei
tere Unterlagen ein (Urk.
7/
1-2).
Am 3. Februar 2014 schloss die
Mutuel
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10), was dem Beschwerdeführer mit Mitteilung vom 5. Februar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in
die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
- Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.2
Die Beschwerdegegnerin hat
mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
1.
November 2011 (
Urk.
2)
einen Entscheid betreffend die ausstehenden Prä
mien von April bis Juni 2012 samt Zusatzkosten und Beseitigung des Rechts
vorschlages erlassen,
womit
durch das Gericht
lediglich
über
prüfbar ist,
ob die betreffenden Prämien samt Zusatzkosten zu Recht in Betreibung gesetzt worden sind.
Hingegen fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand (
Einspracheentscheid
) und damit an einer Sachurteilsvoraussetzung in Bezug auf die Begehren der
Konto
aufstellung
über Selbstbehalte gemäss
den
Rechnungen
von
Dr.
C._
sowie
d
i
e Zusendung einer aktuellen Kostenübersicht (Urk. 1 S. 2). Darauf kann man
gels Anfechtungsobjekt nicht eingetreten werden (BGE 125 V 414 E. 1a in Ver
bindung mit BGE 116 V 248 E. 1a).
Sodann ist in Anwendung von §
2
GSVGer
,
welcher die sachliche Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts regelt, auf die vom Beschwerdeführer erhobenen Anträge auf richterliche Einstellung und Aufh
ebung der Betreibung (Urk. 1 S.
2) mangels sachlicher Zuständigkeit von vorneherein nicht einzutreten.
3.
3.1
Reicht die Konkursmasse voraussichtlich nicht aus, um die Kosten für ein sum
marisches Verfahren zu decken, so verfügt das Konkursgericht auf Antrag des Konkursamtes die Einstellung des Konkursverfahrens (Art. 230 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs, SchKG). Nach der Einstellung kann der Schuldner während zwei Jahren auch auf Pfändung betrieben werden (Art. 230 Abs.
3
SchKG). Die vor der Konkurseröffnung eingeleiteten Betreibun
gen leben nach der Einstellung des Konkurses wieder auf. Die Zeit zwischen der Eröffnung und der Einstellung des Konkurses wird dabei für alle Fristen dieses Gesetzes nicht mitberechnet (Art. 230 Abs. 4 SchKG).
3.2
Das Recht des Gläubigers, im Betreibungsverfahren das Fortsetzungsbegehren zu stellen, erlischt ein Jahr nach Zustellung des Zahlungsbefehls. Ist Rechts
vorschlag erhoben worden, so steht diese Frist zwischen der Einleitung und der Erledigung eines dadurch veranlassten Gerichts- oder Verwaltungsverfahrens still (Art. 88 Abs. 2 SchKG). Wenn der Gläubiger seinen Pfändungsanspruch nicht innerhalb der genannten Frist seit Zustellung des Zahlungsbefehls geltend macht, verwirkt er dieses Recht: Der Zahlungsbefehl verliert seine Gültigkeit und die Betreibung fällt dahin (BGE 125 III 45
E
. 3).
3.3
Nach der Rechtsprechung kann ein Gläubiger, der ohne vorgängigen
Rechtsöff
nungstitel
die Betreibung eingeleitet und danach auf Rechtsvorschlag hin nach Massgabe von Art. 79 SchKG auf dem Wege des ordentlichen Prozesses einen definitiven Rechtsöffnungstitel erlangt hat, direkt die Fortsetzung der Betrei
bung verlangen, ohne dass er das Rechtsöffnungsverfahren nach Art. 80 SchKG zu durchlaufen hätte. Gleiches gilt, wenn ein Entscheid im Sinne von Art. 79 SchKG von einer Behörde oder einem Verwaltungsgericht des Bundes bezie
hungs
weise desjenigen Kantons stammt, in welchem die Betreibung angehoben worden ist (BGE 107 III 60 E. 2a mit Hinweisen). Betrifft die Betreibung eine im öffentlichen Recht begründete Forderung, über die eine Verwaltungsbehörde zu befinden hat, so ist unter dem Betreten des ordentlichen Prozesswegs gemäss Art. 79 SchKG die Geltendmachung der Forderung vor dieser Behörde zu ver
stehen (BGE 75 III 44 mit Hinweisen). Auf dem Gebiete der Sozialversicherung ist dabei die erstinstanzlich verfügende Verwaltungsbehörde, das kantonale Ver
sicherungsgericht beziehungsweise das Bundesgericht ordentlicher Richter
im Sinne von Art. 79 SchKG, der zum materiellen Entscheid über die Aufhe
bung des Rechtsvorschlags zuständig ist.
Aus dem Gesagten ergibt sich für die Kranke
nkassen, dass sie für ihre Geld
for
de
rungen gemäss allgemeinem betreibungsrechtlichem Grundsatz auch ohne rechtskräftigen Rechtsöffnungstitel die Betreibung einleiten, im Falle des Rechts
vorschlags nachträglich eine formelle Verfügung erlassen und nach Ein
tritt der Rechtskraft derselben die Betreibung fortsetzen können. Voraussetzung für eine direkte Fortsetzung der Betreibung ohne Durchlaufen des
Rechtsöff
nungsverfahrens
nach Art. 80 SchKG ist allerdings, dass das Dispositiv der Verwaltungsverfügung mit Bestimmtheit auf die
hängige
Betreibung Bezug nimmt und den Rechtsvorschlag ausdrücklich als aufgehoben erklärt, sei es vollumfänglich oder in einer bestimmten Höhe. Die Verwaltungsbehörde hat demnach in ihrer Verfügung nicht bloss einen sozialversicherungsrechtlichen Sachentscheid über die Verpflichtung des Versicherten zu einer Geldzahlung zu fällen, sondern gleichzeitig auch als Rechtsöffnungsinstanz über die Aufhebung des Rechtsvorschlags zu befinden (BGE 119 V 329 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 121 V 109 E. 2).
3.4
Wenn der Krankenversicherer schon vor Einleitung der Betreibung im Besitze einer rechtskräftigen Verfügung ist, ist eine direkte Fortsetzung der Betreibung ohne Erwirkung eines Rechtsöffnungsentscheides gemäss Art. 80 SchKG nicht zulässig (RKUV 1984 Nr. K 577 E. 2a). Ebenso hat ein Versicherer nicht die Möglichkeit, bei gleicher Sachlage nach der rechtskräftigen Erledigung eines Versicherungsfalles durch voraussetzungslosen Erlass einer zweiten, das gleiche Rechtsverhältnis betreffenden Verfügung dem Versicherten erneut den
Rechts
mittelweg
zu eröffnen (BGE 116 V 62 E. 3a mit Hinweisen). Diese Verfahrensre
geln können auch nicht dadurch umgangen werden, dass ein Versicherer nach Erhebung eines Rechtsvorschlages durch den Erlass einer zweiten Verfügung im gleichen Sinne über denselben Streitgegenstand nochmals entscheidet, um den Rechtsvorschlag zu beseitigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_
90
3/2009 vom 11. Dezember 2009 E.
2.1).
4.
4.1
Streitgegenstand im ersten Betreibungsverfahren (Nr.
Z._
) waren die ausste
hen
den Prämien der Monate April bis Juni 2012 im Betrag von Fr. 583.50 inklusive
Dossiereröffnungskosten
von Fr. 90.--, Aufforderungskosten
von
Fr. 90.-- und aufgelaufene
Betreibungskosten (Zahlungsbefehlskosten) von Fr. 53.-- (Urk. 11/22).
Gegen die eingeleitete Betreibung erhob der Beschwerdeführer fristgerecht Rechtsvorschlag.
Da Krankenkassen gestützt auf Art. 49 ATSG befugt sind, über ihre Forderunge
n eine Verfügung zu erlassen
und
weil
solche Verfügungen
-
wie dargelegt (vgl. vorstehend E.
3.3
)
-
voll
streckbaren gerichtlichen
Urteilen gleichgestellt sind,
war die
Beschwerdegeg
nerin
berechtigt, mit
Verfügung vom 19. September 2012
eine
n
materiellen Entscheid
betreffend
die ausstehenden Prämien
von April bis Juni 2012 zu fäl
len, den
Rechts
vorschlag aufzuheben und sich somit definitive Rechtsöffnung zu erteilen
. Dabei nahm sie ausdrücklich auf die Betreibung Bezug und erklärte den Rechtsvorschlag des Beschwerdeführers als aufgehoben
(Urk. 11/22)
. Damit fällte die Beschwerdegegnerin einen Sachentscheid und handelte gleichzeitig auch als Rechtsöffnungsinstanz (BGE 119 V 329 E. 2b).
Aus
den
Akten geht so
dann nicht hervor, dass der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Einspra
che erhob hat, weshalb diese rechtskräftig wurde.
D
er Beschwerdegegnerin
wäre es demnach
nach der Konkurseinstellung man
gels Aktiven (vgl.
Urk.
11/26)
offen gestanden
,
das Fortsetzungsbegehren zu stellen, da gemäss Art. 230 Abs. 4 SchKG die vor der Konkurseröffnung einge
leiteten Betreibungen wieder
aufleben. Sie hätte ohne neuen Zahlungsbefehl die Fortsetzung der Betreibung auf Pfändung verlangen können
, zumal es
sich
in zeitlicher Hinsicht nicht um diejenige Betreibung
handeln konnte
, welche die Eröffnung des Konkurses eingeleitet hat
(d
as Konkursgebegehren wurde
bereits
am 22. August 2012 gestellt, vgl. Urk. 11/23 S. 2 oben)
und deswegen nicht mehr wieder aufleben kann
(
Lustenberger
, in: Basler Kommentar zum Bundes
gesetz über Schuldbetreibung und Konkurs I, 2. Aufl., Basel 2010, Art. 230 N. 18
, N 18c
). Stattdessen zog
die Beschwerdegegnerin
die Betreibung mit Schreiben vom 21. Oktober 2013 zurück (Urk. 11/28), um ein neues
Betrei
bungs
verfahren
für die gleiche Forderung beim Betreibungsamt
A._
ein
zuleiten (Betreibung Nr.
B._
). Den am 28. Oktober 2013 erhobenen Rechts
vorschlag (Urk. 11/30) hob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 6. November 2013 (Urk. 11/31) auf und bestätigte diese mit
Einspracheentscheid
vom 21. November 2013 (Urk. 2).
4.2
Gegenstand des
Einspracheentscheids
vom 21. November 2013 (Urk. 2) und der ihm zugrunde liegenden Verfügung vom 6. November 2013 (Urk. 11/31) ist aufgrund des vorstehenden Sachverhalts die gleiche Forderung,
über
die bereits mit Verfügung vom 19. September 2012 materiell rechtskräftig befunden wor
den war. Mit der Verfügung vom 6. November 2013 und dem sie bestätigenden
Einspracheentscheid
vom 21. November 2013 hat die Beschwerdegegnerin den Rechtsvorschlag in der erneuten Betreibung
(Nr.
B._
)
aufgehoben.
D
ie
Be
schwerdegegnerin
ist jedoch
, wenn ihre Forderung aufgrund einer rechtskräfti
gen Verfügung bereits feststeht, nicht mehr befugt, in einer neuen Betreibung selber den Rechtsvorschlag zu beseitigen, sondern es ist dazu der
(ordentliche)
Rechtsöffnungsrichter zuständig (Art. 54 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 80 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG; vgl. BGE 134 III 115 E. 4.1.2), an welchen sich die Beschwerdegegnerin hätte wenden sollen (vgl. vorstehend E. 3.4).
Aufgrund dieser Sach- und Rechtslage
sind
der angefochtene
Einspracheent
scheid
vom 21. November 2013 und die ihm zugrundeliegende Verfügung vom 6. November 2013 aufzuheben, und auf die Beschwerde ist materiell nicht ein
zutreten.