Decision ID: 2276395e-7ecd-5dad-b34d-8a973d3e61ff
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland bewilligte der D._ AG /
E._ AG mit Gesamtbauentscheid vom 30. April 2015 den Rückbau des
bestehenden Wohnhauses und aller Nebenbauten, das Verlegen der bestehenden
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Wasser- und Abwasserleitung sowie den Neubau von vier Mehrfamilienhäusern (Häuser A,
B, C und D) mit Tiefgarage auf den Parzellen Fraubrunnen Grundbuchblatt
Nrn. F._ und G._. Die Parzellen liegen in der Dorfkernzone DK2. Diese
Baubewilligung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
In der Folge erwarb die Beschwerdegegnerin die Bauparzellen. Mit Baugesuch vom
15. Juli 2016 beantragte sie die Bewilligung einer nachträglichen Projektänderung
betreffend zwei oberirdische Motorfahrzeug-Abstellplätze, Neueinteilung der
Dachflächenfenster, grössere Fensterflächen in der Ost- und Westfassade, Änderungen in
den Wohnungsgrundrissen, Pelletheizung statt Erdsonden mit Wärmepumpen, Verzicht auf
ein Untergeschoss bei Haus C und Neuanordnung der Räume in Erdgeschoss und
Einstellhalle. Den Einsprechenden und Rechtsverwahrenden des ersten
Baubewilligungsverfahrens, darunter die Beschwerdeführenden, wurde die
Projektänderung mitgeteilt.1 Die Beschwerdeführenden erhoben gegen die
Projektänderung Einsprache. Sie bemängelten insbesondere den Standort der
Pelletheizung.
Das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland holte im Baubewilligungsverfahren einen
Fachbericht des beco2 zum Thema Immissionsschutz ein, welcher insbesondere auch die
Pelletheizung behandelt. Danach müssen die Emissionsbegrenzungen nach Ziff. 52 von
Anhang 3 LRV3 eingehalten werden. Die im Bauprojekt vorgesehene Kaminhöhe von 1 m
über First entspreche den einschlägigen Empfehlungen. Bei der Konstruktion der
Feuerungsanlage müsse eine geeignete Stelle für Emissionsmessungen geschaffen
werden. Die Einhaltung der Emissionsbegrenzungen müsse mit einer Abnahmemessung
und anschliessend mit periodischen Messungen überprüft werden.4
Mit Gesamtbauentscheid vom 19. Dezember 2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Bern-Mittelland dem Projekt die Baubewilligung. Es erklärte u.a. den Fachbericht
Immissionsschutz des beco zum Bestandteil der Gesamtbaubewilligung und verpflichtete
die Beschwerdegegnerin zur Einhaltung der entsprechenden Nebenbestimmungen. Die
1 Vorakten, pag. 41 2 Amt für Berner Wirtschaft, Kanton Bern 3 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1) 4 Vorakten, pag. 122
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Einsprache wies es als unbegründet ab; in Bezug auf die privatrechtlichen Aspekte verwies
es die Beschwerdeführenden auf den Zivilweg.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 18. Januar 2017 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
sinngemäss die Ergänzung des Gesamtbauentscheides vom 19. Dezember 2016 mit
Auflagen. Es sei anzuordnen, dass die geplante Heizung resp. der Kamin einen grösseren
Abstand zu ihrem Grundstück einhalten müsse, bspw. durch Verlegung in das Haus C oder
D. Eventuell sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, jegliche Geruchsbelästigung der
Beschwerdeführenden zu vermeiden resp. den entsprechenden Nachweis zu erbringen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet5, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Das Regierungsstatthalteramt
verzichtete unter Verweis auf die Akten auf eine Stellungnahme. Auch die Gemeinde
Fraubrunnen verzichtete auf Äusserungen zur Beschwerde.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG6. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG7 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen
und Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen und Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden
5 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 6 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 7 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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sind Eigentümer des an die Bauparzellen angrenzenden Grundstücks Nr. H._. Da
ihre Einsprache abgewiesen wurde, sind sie durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
formell und als Nachbarn auch materiell beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz habe ihre wesentlichen
Einsprachepunkte nicht berücksichtigt und zu ihren Argumenten, namentlich bezüglich die
geltend gemachte Geruchsbelästigung, nicht Stellung genommen.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG8 gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern.
Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG muss eine Verfügung eine Begründung enthalten. Eine
Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.9
c) Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Entscheid ausführlich zum Vorbringen der
Beschwerdeführenden, wonach die vorgesehene Pelletheizung zu unzulässigen
Immissionen führe, geäussert. Auf Seite 7 oben des angefochtenen Entscheids erwähnte
sie, wohl irrtümlich, die "Pelletheizung im Haus C". Aufgrund der Überschrift "B.
Unzulässige Immissionen durch den Betrieb der Pelletheizung im Haus B" ging jedoch gut
verständlich hervor, dass die Vorinstanz sich in den fraglichen Abschnitten mit dem
Anliegen der Beschwerdeführenden, wonach die im Untergeschoss des Hauses B geplante
Pelletheizung zu unzulässigen Immissionen führen könnte, auseinandersetzte. Die
8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 9 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5
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Vorinstanz verwies auf die zustimmenden Fachberichte des beco betreffend
Immissionsschutz und der Gemeinde bezüglich Brandschutz und führte aus, dass keine
Gründe für ein Abweichen von diesen Fachberichten ersichtlich seien. Die
Beschwerdeführenden müssten nicht mit Beeinträchtigungen rechnen, die mit den bau-
und umweltrechtlichen Vorschriften im Konflikt stünden. Die Begründung des
angefochtenen Entscheids ist im Hinblick auf den Schutz des rechtlichen Gehörs und die
Begründungspflicht nicht zu beanstanden.
3. Emissionen aus der Pellet-Heizanlage
a) Die Beschwerdeführenden befürchten Geruchsimmissionen von der Pelletheizung,
die gemäss Baugesuch in Haus B, nahe an der Liegenschaft der Beschwerdeführenden,
erstellt werden soll. Auf dem Plan "Niveau 0" vom 15. Juli 201610 ist ersichtlich, dass in
Haus B im Untergeschoss auf der Ostseite neue Räumlichkeiten für Schnitzellager und
Technik vorgesehen sind. Von diesem Gebäudeteil führt gemäss dem Plan "Fassaden"11
entlang der Ostfassade ein Kamin, der südlich des Firsts über das Dach hinausragt. Der
Kamin befindet sich demnach über der Dachfläche, die der Liegenschaft der
Beschwerdeführenden zugewandt ist. Das Haus B und das Wohngebäude der
Beschwerdeführenden liegen jeweils wenige Meter von der gemeinsamen
Grundstücksgrenze entfernt.
b) Die projektierten Wohnbauten sind in der Dorfkernzone DK2 zonenkonform (Art. 30
GBR12). Die Beschwerdeführenden weisen darauf hin, dass ihre direkt an die
Baugrundstücke angrenzende Parzelle in der Wohnzone W2 liegt. Gemäss Art. 24 Abs. 2
BauG sei im Grenzbereich gegenüber Wohnzonen auf diese Rücksicht zu nehmen. Da es
sich beim Bauprojekt um eine Gruppe von Wohngebäuden handelt und solche auch in der
Wohnzone W2 zulässig sind13, lassen sich aus dem Vorliegen eines Zonengrenzbereichs
jedoch hier keine Schlüsse ziehen. Die Beurteilung der Emissionen aus der Pelletheizung
10 Vom Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland gestempelt am 19. Dezember 2016 11 Plan "Fassaden" vom 15. Juli 2016, vom Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland gestempelt am 19. Dezember 2016 12 Baureglement der Einwohnergemeinde Fraubrunnen vom 15. Oktober 2009, vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) genehmigt am 1. März 2010 13 Art. 29 GBR
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richtet sich nicht nach den Zonenvorschriften, sondern nach der
Umweltschutzgesetzgebung des Bundes.14
c) Die Baute mit der Pelletheizung stellt eine ortsfeste Anlage im Sinne von Art. 7 Abs. 7
USG15 und Art. 2 Abs. 1 LRV dar. Von solchen Anlagen ausgehende Emissionen wie
namentlich Luftverunreinigungen und Geruchsstoffs-Emissionen sind gemäss Art. 11
Abs. 2 USG im Rahmen des Vorsorgeprinzips zunächst unabhängig von der bestehenden
Belastung soweit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar ist. Wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter
Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden, sind die
Emissionsbegrenzungen zu verschärfen (Art. 11 Abs. 3 USG).
Der Bundesrat hat gestützt auf Art. 13 und 14 USG in der Luftreinhalteverordnung und
deren Anhängen Vorschriften zur vorsorglichen und verschärften Emissionsbegrenzung bei
Luftverunreinigungen erlassen. Die Anforderungen an neu errichtete Feuerungsanlagen
gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 LRV sind in Anhang 3 LRV definiert. Ziff. 52 des Anhangs 3
LRV regelt die Anforderungen an Holzfeuerungen und legt in Ziff. 522 die diesbezüglichen
Emissionsgrenzwerte für Schadstoffe fest. Die Emissionen sind möglichst nahe am Ort
ihrer Entstehung möglichst vollständig zu erfassen und so abzuleiten, dass keine
übermässigen Immissionen entstehen (Art. 6 Abs. 1 LRV). Immissionen sind übermässig,
wenn sie die Immissionsgrenzwerte nach Anhang 7 LRV überschreiten.
Das beco hat in seinem Fachbericht darauf hingewiesen, dass die streitige Heizanlage die
Emissionsbegrenzungen der LRV einhalten muss und dass dies mit einer
Abnahmemessung und mit periodischen Messungen überprüft werden muss. Der
angefochtene Entscheid erklärt diesen Fachbericht zum integrierenden Bestandteil. Damit
wird die Beschwerdegegnerin zur Einhaltung der Emissionsvorschriften für Schadstoffe
verpflichtet. Anzeichen dafür, dass diese mit der streitigen Heizung überschritten werden,
bestehen nicht und werden auch von den Beschwerdeführenden nicht behauptet. Mit den
vorgeschriebenen Messungen gemäss Fachbericht Immissionsschutz wird sichergestellt,
dass eine allfällige Überschreitung im Betrieb der Heizung festgestellt würde und deren
Beseitigung angeordnet werden könnte. Die Einhaltung der Emissionsvorschriften für
Schadstoffe ist damit gewährleistet und erheischt keine zusätzlichen Anordnungen.
14 URP 1998 S. 162 E. 6 15 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01)
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d) Die Beschwerdeführenden weisen darauf hin, dass der streitige Kamin nicht über den
First ihres Hauses hinausrage.
Die Emissionen müssen in der Regel durch Kamine oder Abluftkanäle über Dach ausge-
stossen werden (Art. 6 Abs. 2 LRV). Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat Empfehlungen
über die "Mindesthöhe von Kaminen über Dach" (Kamin-Empfehlungen)16 herausgegeben.
Die erforderliche Kaminhöhe richtet sich für die vorgesehene Pelletheizung mit einer
Leistung von 100 kW17 nach den Bestimmungen von Ziff. 4.2 der Kamin-Empfehlungen.
Danach muss der Kamin den höchsten Gebäudeteil (z.B. Dachfirst) um mindestens 1 m,
die Gebäudehöhe um das 0,2-fache der Gebäudebreite, höchstens jedoch um 5 m oder
das Immissionsniveau um 1 m überragen, wobei der höchste dieser Werte als Minimalwert
gilt. Art. 89 Abs. 3 BauV18 erklärt diese Kamin-Empfehlungen als verbindlich.
Das beco hat in seinem Fachbericht festgehalten, die in den Baugesuchsunterlagen
angegebene Kaminhöhe von 1 m über First entspreche den Vorgaben der Kamin-
Empfehlung. Gemeint ist der First des Bauprojekts. Nach der erwähnten Ziff. 4.2 der
Kamin-Empfehlungen muss ein Kamin zudem das Immissionsniveau um 1 m überragen.
Das Immissionsniveau bestimmt sich bei einer Holzfeuerungsanlage mit einer Leistung von
100 kW innerhalb eines Kreises von 15 m Radius um die Kaminmündung.19 Nach den
Plänen liegt das Gebäude der Beschwerdeführenden nicht innerhalb dieses Radius.
Entsprechend kann dessen First nicht als Immissionsniveau gelten, d.h. es besteht keine
Vorschrift, dass der Kamin den First des Gebäudes der Beschwerdeführenden überragen
muss. Die Kaminhöhe gemäss Bauplänen entspricht den Vorschriften.
e) Die Beschwerdeführenden sind der Ansicht, dass jegliche Geruchsbelästigung
ausgeschlossen werden müsse. Für Geruchsimmissionen bestehen keine Grenzwerte.
Geruchsemissionen gelten als übermässig, wenn sie Menschen, Tiere, Pflanzen, ihre
Lebensgemeinschaften oder ihre Lebensräume gefährden, wenn aufgrund einer Erhebung
feststeht, dass sie einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden
16 2013, publiziert auf www.bafu.admin.ch unter der Rubrik Publikationen/Luft 17 Vgl. Baugesuch, Formular 4.0 "Betreiben, Einrichten, Umgestalten von Betrieben und Anlagen", Vorakten, pag. 9 18 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 19 Ziff. 6.1 und 6.2 Kamin-Empfehlungen
http://www.bafu.admin.ch
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erheblich stören, wenn sie Bauwerke beschädigen oder wenn sie die Fruchtbarkeit des
Bodens, die Vegetation oder die Gewässer beeinträchtigen (Art. 2 Abs. 5 LRV).
Ein Anspruch der Nachbarn auf vollständige Abwesenheit von Immissionen ergibt sich
daraus nicht. Nach der verwaltungs- und bundesgerichtlichen Praxis gilt nicht ein
ungestörtes Wohnen oder das vollkommen geruchsfreie Funktionieren einer Anlage als
Massstab. Verhindert werden sollen nur Störungen, die das Wohlbefinden erheblich
beeinträchtigen, denn jedem Menschen wird zugemutet, dass er ein gewisses Mass an
Immissionen aus üblicher Tätigkeit duldet.20 Die Beheizung von Wohnliegenschaften ist für
deren bestimmungsgemässe Benützung unverzichtbar und stellt damit eine übliche
Tätigkeit im Sinne dieser Praxis dar. In Anbetracht dessen, dass beim Betrieb der streitigen
Heizanlage die Emissionsgrenzwerte für Schadstoffe eingehalten werden müssen und dies
durch entsprechende Prüfmassnahmen sichergestellt wird, ist auch in Bezug auf die beim
Betrieb freigesetzten Geruchsstoffe davon auszugehen, dass sie das übliche, zumutbare
Mass nicht überschreiten.
f) Im Rahmen des Vorsorgeprinzips (Art. 11 Abs. 2 USG) sind Massnahmen zur
Emissionsbegrenzung unabhängig von der Belastung anzuordnen, soweit solche technisch
und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar sind. Vorliegend ist nicht ersichtlich, wie
die Emissionen zusätzlich begrenzt werden könnten. Eine zeitliche Begrenzung21 ist bei
einem Heizsystem nicht möglich. Eine Verlegung der Heizung bzw. des Kamins in ein
anderes der vier geplanten Gebäude würde nicht dazu führen, dass die Emissionen
verringert werden. Bewirkt würde lediglich, dass Immissionen an anderen Standorten bzw.
bei anderen Betroffenen auftreten. Die Beschwerdegegnerin führt dazu aus, infolge der
Hanglage der Bauparzellen sei der Standort des Kamins so gewählt worden, dass er sich
möglichst am höchsten Punkt der Siedlung befinde. Dies kann anhand des Plans
"Fassaden" nachvollzogen werden. Eine Verschiebung in ein anderes Haus würde daher
bewirken, dass der Kamin an einem weniger hoch gelegenen Standort errichtet würde. Die
Verschiebung würde daher zwar möglicherweise für die Beschwerdeführenden Vorteile
bringen, dem Sinn und Zweck der Luftreinhaltevorschriften aber nicht dienen, sondern eher
zuwiderlaufen. Auch aus dem Vorsorgeprinzip können die Beschwerdeführenden zudem
20 VGE 2010/120 vom 8. März 2011 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 1A.135/2006 vom 2. Mai 2007 E. 3.3 mit Hinweisen 21 Vgl. Entscheide der BVE RA Nr. 110/2015/48 vom 19. August 2015 sowie RA Nr. 110/2014/75 vom 26. März 2015
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keinen Anspruch auf vollkommene Geruchsfreiheit ableiten, denn dies wäre beim Betrieb
der Pelletheizung technisch und betrieblich nicht möglich. Die Verknüpfung einer
Baubewilligung mit Auflagen kommt nur in Betracht, wenn ein Bauvorhaben je nach seiner
Gestaltung oder Einrichtung oder je nach Art der Nutzung oder Betriebsführung
gesetzeskonform oder gesetzeswidrig sein kann. Das streitige Vorhaben hält die
gesetzlichen Vorgaben auch ohne die von den Beschwerdeführenden beantragten
Auflagen ein. Die Baubewilligung ist daher ohne diese Auflagen zu erteilen.
4. Vorzeitiger Baubeginn
Die Beschwerdeführenden machen darauf aufmerksam, dass die Beschwerdegegnerin den
Heizungsraum bereits erstellt habe. Die Beschwerdegegnerin bestreitet nicht, dass
Bauarbeiten im Untergeschoss des Hauses B vorgenommen wurden. Soweit dies die im
Plan "Niveau 0" als neu (rot) verzeichneten Räumlichkeiten betrifft, führt die
Beschwerdegegnerin damit Arbeiten an einem Bauvorhaben aus, das noch nicht
rechtskräftig bewilligt worden ist. Die Beschwerdegegnerin räumt ein, dass ihr kein
vorzeitiger Baubeginn bewilligt worden ist. Im Beschwerdeverfahren hat das Rechtsamt mit
Verfügung vom 24. Januar 2017 ausdrücklich auf die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde und die Unzulässigkeit der Ausführung des Bauvorhabens hingewiesen.
Wenn ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer Baubewilligung
ausgeführt wird, ist dagegen baupolizeilich vorzugehen (Art. 45 f. BauG). Dafür ist die
Gemeinde zuständig.
5. Ergebnis und Kosten
Nach dem Gesagten erweisen sich die Rügen als unbegründet und die Beschwerde ist
abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden.
Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt
auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 1 GebV22). Parteikosten sind nicht angefallen.
22 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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