Decision ID: f6e75fbb-6ef4-5638-ab92-fba2a0c8aa68
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung des SEM vom 31. März 2016 wurde die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers anerkannt und ihm in der Schweiz Asyl ge-
währt.
B.
B.a Am (...) 2018 kam die Tochter des Beschwerdeführers in der Schweiz
zur Welt.
B.b Mit Schreiben vom 6. Dezember 2018 ersuchte die Kindsmutter, eben-
falls eritreische Staatsangehörige, um Einbezug der Tochter in die Flücht-
lingseigenschaft ihres Vaters (Beschwerdeführer).
B.c Mit Verfügung vom 14. Januar 2019 verweigerte das SEM den Einbe-
zug der Tochter in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers. Es
begründete die ablehnende Verfügung im Wesentlichen damit, dass die El-
tern getrennt voneinander leben würden, die Tochter bei der Kindsmutter
lebe und derzeit eine künftige Beziehung zwischen Tochter und Vater ge-
mäss Aussage der Mutter unsicher sei. Der Vater sei gemäss ihren Anga-
ben in Eritrea noch verheiratet, weshalb ein gemeinsames Familienleben
derzeit nicht möglich sei. Das SEM hielt fest, dass kein intaktes, tatsächlich
gelebtes Familienleben bestehe.
C.
C.a Mit Eingabe vom 27. März 2019 ans SEM stellte der Beschwerdeführer
ein Familiennachzugsgesuch für seine Ehefrau B._. Dazu reichte
er eine Kopie der Heiratsurkunde sowie eine Kopie seiner Aufenthaltsbe-
willigung B ein.
C.b Mit Schreiben vom 18. September 2019 forderte das SEM den Be-
schwerdeführer mit diversen Fragen auf, innerhalb eines Monates die Um-
stände ihrer Beziehung zu konkretisieren und weitere Dokumente einzu-
reichen.
C.c Dieses Schreiben blieb vom Beschwerdeführer unbeantwortet.
D.
Mit Verfügung vom 31. Oktober 2019 lehnte das SEM das Gesuch um Fa-
milienzusammenführung ab.
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Seite 3
E.
Mit Beschwerde vom 2. Dezember 2019 liess der Beschwerdeführer die
Verfügung durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht
anfechten. Er beantragte, die Verfügung des SEM vom 31. Oktober 2019
sei aufzuheben und zwecks nachvollziehbarer Begründung und zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei dem Fami-
liennachzugsgesuch stattzugeben und der Ehefrau B._ die Einreise
in die Schweiz zu bewilligen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um
die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um die Bestellung
der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin sowie um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.
Mit der Beschwerde wurde die Stellungnahme des Beschwerdeführers
zum Schreiben des SEM vom 18. September 2019 unter Beilage zweier
Passfotos der Ehefrau zu den Akten gereicht.
F.
Mit Schreiben vom 5. Dezember 2019 bestätigte das Gericht den Eingang
der Beschwerde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2019 gewährte die Instruktions-
richterin die unentgeltliche Prozessführung, verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und ordnete die Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, sich
zur Beschwerde vernehmen zu lassen.
H.
Mit Eingabe vom 18. Dezember 2019 reichte die Rechtsvertreterin die Ver-
tretungsvollmacht sowie erneut die Stellungnahme des Beschwerdeführers
zum Schreiben des SEM vom 18. September 2019, diesmal mit der Unter-
schrift des Beschwerdeführers versehen, nach.
I.
In seiner Vernehmlassung vom 20. Dezember 2019 hielt das SEM fest, die
Beschwerdeschrift enthalte keine erheblichen Tatsachen oder Beweismit-
tel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Es
verwies auf die Erwägungen seiner Verfügung, an denen es vollumfänglich
festhielt.
E-6345/2019
Seite 4
J.
Die Vernehmlassung des SEM wurde dem Beschwerdeführer am 8. Januar
2020 zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen (Familienasyl).
Wurden die anspruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt
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und befinden sie sich im Ausland, ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu be-
willigen (Art. 51 Abs. 4 AsylG).
3.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt
gemäss konstanter Rechtsprechung eine vorbestandene Familiengemein-
schaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die fest beabsich-
tigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus (BVGE 2012/32 E. 5).
Zentrale Bedingung für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft im
Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist, dass bereits vor der Flucht aus dem
Verfolgerstaat eine Familiengemeinschaft zwischen der gesuchstellenden
und der anspruchsberechtigten Person bestanden hat. Das Familienasyl
dient insbesondere nicht der Aufnahme von vor der Flucht noch gar nicht
gelebten familiären Beziehungen oder der Wiederaufnahme von zuvor ab-
gebrochenen Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2 m.w.H.).
3.3 Der Erteilung einer Einreisebewilligung dürfen sodann keine besonde-
ren Umstände entgegenstehen. Dem Einbezug in die Flüchtlingseigen-
schaft und der Asylgewährung entgegenstehende besondere Umstände
sind gemäss der Rechtsprechung unter anderem dann anzunehmen, wenn
das Familienleben während einer längeren Zeit nicht gelebt wurde und er-
kennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie
zusammenzuleben (BVGE 2012/32 E.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Das SEM führte in seiner ablehnenden Verfügung im Wesentlichen
aus, dass der Beschwerdeführer nach seiner Ausreise aus Eritrea und
nach der Regulierung seines Aufenthaltes in der Schweiz keinen Willen,
als Familie zusammenleben zu wollen, habe erkennen lassen. Ihm sei be-
reits im April 2016 in der Schweiz Asyl gewährt worden, er habe es aller-
dings während dreier Jahre unterlassen, ein Einreisegesuch für seine Ehe-
frau zu stellen. Dies lasse erkennen, dass während mehrerer Jahre kein
Bedürfnis bestanden habe, mit seiner Frau zusammenzuleben, ansonsten
angenommen werden könne, dass er sich schon zu einem früheren Zeit-
punkt um einen Familiennachzug bemüht hätte. Vielmehr lasse der Sach-
verhalt darauf schliessen, dass aufgrund der geschilderten neuen Um-
stände eine Familienvereinigung derzeit für ihn opportun erscheine. Hätte
er seit seiner Ausreise das andauernde Bedürfnis gehabt, mit seiner Frau
zusammenzuleben und wäre die Beziehung zu seiner Frau stets gelebt und
intakt gewesen, wäre zu erwarten, dass er eine schnellstmögliche Wieder-
vereinigung angestrebt hätte. Zudem habe er nie mit seiner Frau in einem
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gemeinsamen Haushalt gelebt. Sie hätten zwar nach der Hochzeitsfeier in
Eritrea drei Wochen lang bei seinen Eltern gelebt, dies erfülle jedoch den
Anspruch an einen gemeinsamen Haushalt nicht.
Damit widerspreche die Sachlage dem Grundgedanken der in Art. 51
AsylG geregelten Familienvereinigung und es liege ein besonderer Um-
stand vor, welcher zur Ablehnung des Gesuchs führe. Die eingereichte Hei-
ratsurkunde vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Im Übrigen
habe er das Instruktionsschreiben des SEM vom 18. September 2019 in
Bezug auf seine Beziehung mit seiner Frau unbeantwortet gelassen. Dem-
zufolge sei das Gesuch um Familienzusammenführung gemäss Art. 51
Abs. 1 und 4 AsylG abzulehnen.
4.2 In der Rechtsmitteleingabe führte der Beschwerdeführer zunächst aus,
er habe das Instruktionsschreiben des SEM vom 18. September 2019 auf-
grund mangelnder Deutschkenntnisse nicht beantwortet.
Die Eheleute seien durch die Flucht getrennt worden und es sei ihnen des-
wegen nicht möglich gewesen, in einem eigenen Haushalt zu leben. Sie
hätten jedoch nach der Hochzeit zwei Monate – und nicht wie von der Vor-
instanz angenommen nur drei Wochen – bei den Eltern des Beschwerde-
führers gelebt. Sie hätten die finanziellen Mittel für eine eigene Wohnung
nicht aufbringen können. Dies stelle jedoch keinen besonderen Umstand
dar, sondern es sei ausschlaggebend, ob eine tatsächlich gelebte, im Rah-
men des Möglichen gepflegte und schützenswerte Beziehung vorliege,
was hier der Fall sei. Die Vorinstanz habe ausser Acht gelassen, dass der
Beschwerdeführer aus seinem Heimatland habe fliehen müssen. Die Ehe-
frau habe erst im Jahr 2019 aus Eritrea fliehen können, aus diesem Grund
habe der Beschwerdeführer erst im März 2019 ein Gesuch um Familienzu-
sammenführung gestellt.
Der Beschwerdeführer habe eine Tochter in der Schweiz, welche am
(...) 2018 zur Welt gekommen sei. Zwischen ihm, der Tochter und der
Kindsmutter habe jedoch nie eine intakte, tatsächlich gelebte Familienbe-
ziehung bestanden, weshalb das Gesuch um Einbezug der Tochter in die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers abgelehnt worden sei. Er
habe seine Ehefrau informiert, dass er in der Schweiz ein Kind mit einer
anderen Frau gezeugt habe. Seine Frau habe sich nicht von ihm getrennt
und wünsche sich nach wie vor, eine Beziehung mit ihm in der Schweiz zu
führen. Ausserdem könne nicht das Gesuch um Einbezug des Kindes in
seine Flüchtlingseigenschaft mit der Begründung, es bestehe keine intakte
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Familiengemeinschaft, abgelehnt werden und gleichzeitig auch das Einrei-
segesuch der Ehefrau nicht bewilligt werden, weil er in der Schweiz ein
Kind mit einer anderen Frau habe. Schliesslich sei zu erwähnen, dass der
Beschwerdeführer seine Ehefrau bei den Befragungen des SEM zu seinen
Asylgründen erwähnt habe, was er nicht getan hätte, hätten sie sich nach
seiner Flucht getrennt. Es wäre überdies unwahrscheinlich, dass die Ehe-
frau in die Schweiz würde kommen wollen, obwohl er hier ein Kind habe,
wenn die Eheleute keine Beziehung führen würden. Insgesamt würden
keine besonderen Umstände vorliegen, welche gegen das Familienzusam-
menführungsgesuch sprechen würden.
5.
Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung des SEM im Ergebnis zu bestätigen ist.
5.1 Zunächst ist fraglich, ob zum Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerde-
führers aus Eritrea überhaupt eine Familiengemeinschaft im Sinne des
Art. 51 Abs. 4 AsylG bestanden hat und ob die Familie durch die Flucht
getrennt wurde.
5.1.1 Von der Eheschliessung des Beschwerdeführers mit der nachzuzie-
henden Person B._ kann gemäss Aktenlage ausgegangen werden.
Der Beschwerdeführer hat von Beginn seines Asylverfahrens an angege-
ben, er habe im Jahr 2013 eine Frau namens B._ in Eritrea gehei-
ratet (SEM Akte A7, Ziff. 1.14, A21, F16-F18). Die Kopie der eingereichten
Heiratsurkunde bestätigt seine Aussagen. Vom Bestehen einer gültigen
Ehe – nach dem Recht des Staates, in dem die Eheschliessung erfolgte
(vgl. Art. 43 ff. IPRG [SR 291]) – kann somit ausgegangen werden.
5.1.2 Nach der Eheschliessung im Juli 2013 hatte der Beschwerdeführer
vom eritreischen Nationaldienst einen Urlaub von drei Wochen (SEM Akte
A21, F53). Zwei Monate nach der Heirat (SEM Akte A7, Ziff 7.02) bezie-
hungsweise im Oktober 2013 (SEM Akte A7, Ziff. 5.01; Beschwerdeschrift
Beilage 3, Stellungnahme zum Schreiben des SEM vom 18. September
2019 [nachfolgend: Beschwerdeschrift Beilage 3], F2) habe er Eritrea ver-
lassen. Das SEM ging darauf basierend davon aus, dass die Eheleute le-
diglich drei Wochen in einem gemeinsamen Haushalt gelebt hätten, was
den Anspruch an einen gemeinsamen Haushalt nicht erfülle. In der Be-
schwerde wird demgegenüber vorgebracht, die Eheleute hätten nach der
Heirat zwei Monate in einem gemeinsamen Haushalt gelebt, nämlich bei
den Eltern des Beschwerdeführers. Danach habe die Ehefrau nochmals
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bei ihren Eltern gewohnt, was in Eritrea üblich sei. Die Eheleute hätten so-
mit für zwei Monate – bis einen Monat vor seiner Flucht – zusammengelebt
(Beschwerdeschrift Beilage 3, F2). Durch die Flucht seien sie sodann un-
freiwillig getrennt worden. Praxisgemäss reicht indes auch eine Dauer von
zwei Monaten des Zusammenlebens – unabhängig, ob dies in einem eige-
nen Haushalt oder im Haus der Eltern des Beschwerdeführers erfolgt ist –
in der Regel nicht aus, um von einer vorbestandenen Familiengemein-
schaft zum Zeitpunkt der Flucht im Sinne des Art. 51 Abs. 4 AsylG auszu-
gehen. Es kann jedoch gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts gleichwohl von einer vorbestandenen Ehegemeinschaft ausge-
gangen werden, wenn zwingende Gründe für das Getrenntleben in der Hei-
mat vorgelegen haben, die Eheleute während der räumlichen Trennung in
regelmässigem Kontakt gestanden haben und ein Wille zur schnellstmög-
lichen Widervereinigung nach aussen erkennbar ist. Zwingende Gründe für
das Getrenntleben sind etwa dann gegeben, wenn der Anspruchsberech-
tigte nach der Heirat aufgrund dauernder Militärdienstpflicht gezwungener-
massen in seiner Heimat weitgehend getrennt von seiner Ehefrau habe
leben müssen (BVGE 2018/VI/6 E.5.2 f. mit Hinweis auf Urteil des BVGer
D-982/2016 vom 10. September 2018 E. 5.2.1). Ob die Eheleute aufgrund
des Nationaldienstes des Beschwerdeführers oder lediglich wegen des in
der Beschwerde vorgebrachten eritreischen Brauches, dass die Ehefrau
nach zwei Monaten des Zusammenlebens wieder für einen Monat zu den
Eltern gehe, und dann wieder zum Ehemann zurückkehre (Beschwerde-
schrift Beilage 3, F2), vor seiner Ausreise getrennt gelebt haben, wird aus
den Akten nicht deutlich. Inwiefern die Eheleute nach ihrer räumlichen
Trennung und vor der Ausreise des Beschwerdeführers aus Eritrea in re-
gelmässigem Kontakt gestanden sind, lässt sich anhand der Akten eben-
falls nicht beurteilen. Auch äussert sich der Beschwerdeführer nicht dazu,
weshalb die Eheleute nicht gemeinsam ausgereist sind beziehungsweise
ob er die Ausreiseabsichten mit seiner Ehefrau geteilt hat. Der Umstand,
dass er kurze Zeit nach seiner Heirat ohne seine Ehefrau ausgereist ist, ist
indes ein Indiz, welches gegen eine ausgeprägte emotionale Bindung zwi-
schen den Eheleuten zum Zeitpunkt der Flucht spricht. Ferner hat der Be-
schwerdeführer keinerlei Fotografien zur Hochzeit oder zum gemeinsamen
Eheleben eingereicht. Seine Aussage, er habe keine Fotos einreichen kön-
nen, da diese bei einem Brand vernichtet worden seien, überzeugt nicht
(Beschwerdeschrift Beilage 3). Da er gleichzeitig angab, es hätten etwa
200 Personen an der Hochzeitsfeier teilgenommen (a.a.O., F9), wäre zu
erwarten, dass es ihm möglich gewesen wäre, zumindest Fotos der Hoch-
zeit einzureichen. Ins Bild passt schliesslich, dass er auch auf Beschwer-
deebene sein Eheleben in Eritrea nicht weiter substanziiert hat. Anhand
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der Akten kann zwar nicht abschliessend beurteilt werden, ob eine tatsäch-
lich gelebte und alleine durch die Flucht getrennte Familiengemeinschaft
der Eheleute in Eritrea bestanden hat. Nach dem Gesagten bestehen je-
doch erhebliche Zweifel, ob es sich um eine Ehegemeinschaft im Sinne
des Art. 51 Abs. 4 AsylG gehandelt hat. Diese Frage kann jedoch aufgrund
nachfolgender Erwägungen letztlich offen blieben.
5.2 Ausserdem sind nämlich nach der Flucht des Beschwerdeführers aus
Eritrea besondere Umstände hinzugekommen, welche ebenfalls gegen
eine tatsächlich gelebte Beziehung sprechen.
5.2.1 Das SEM stützt sich in seiner ablehnenden Verfügung im Wesentli-
chen auf das Argument, der Beschwerdeführer und seine Ehefrau hätten
seit seiner Ausreise aus Eritrea keinen Willen erkennen lassen, als Familie
zusammenleben zu wollen, weshalb von besonderen Umständen im Sinne
des Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG auszugehen sei. Um eine Familiengemein-
schaft bejahen zu können, wird eine glaubhaft gemachte und nach aussen
erkennbare Aufrechterhaltung der ehelichen Verbindung auch nach der
Flucht vorausgesetzt. Wurde das Eheleben nach der Flucht während einer
längeren Zeit und ohne nachvollziehbare Gründe nicht mehr gelebt, ist dies
als ein besonderer Umstand, welcher gegen eine Wiedervereinigung der
Eheleute spricht, zu werten (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.1). Vorliegend ist der
Beschwerdeführer im Oktober 2013 aus Eritrea ausgereist. Im Juli 2014
reiste er in die Schweiz ein und erhielt schliesslich im März 2016 Asyl. Das
Familiennachzugsgesuch für seine Ehefrau stellte er im März 2019, mithin
drei Jahre später. Aus den Akten kann nicht abschliessend beurteilt wer-
den, ob die Eheleute während der nun bereits mehr als sechs Jahren an-
dauernden Trennung in regelmässigem, engen Kontakt gestanden sind. In
der Anhörung zu den Asylgründen vom Februar 2016 gab der Beschwer-
deführer an, er habe Kontakt mit seiner Frau, sie würden telefonieren und
über ihre Zukunft sprechen (SEM Akte A21, F9-F12). Mit der Rechtsmitte-
leingabe beantwortete der Beschwerdeführer die vom SEM gestellten Fra-
gen vom 18. September 2019 und führte aus, er habe mit seiner Frau, seit
sie sich in Äthiopien aufhalte, etwa drei Mal wöchentlich Kontakt. Als sie
noch in Eritrea gewesen sei, seien sie auch im Kontakt gestanden, aber
die Kontaktaufnahme sei schwierig gewesen (Beschwerdeschrift Beilage
3, F18). Weitere Rückschlüsse, ob die Eheleute in engem Kontakt gestan-
den sind, lassen sich aus den Akten nicht ziehen. Es kann jedoch festge-
stellt werden, dass der Beschwerdeführer zum Kontakt der Eheleute seit
seiner Ausreise keine substanziierten Angaben gemacht und diesen auch
nicht weiter belegt hat.
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Bei einem seit seiner Ausreise bestehenden engen Kontakt wäre indes an-
zunehmen, dass der Beschwerdeführer nicht erst drei Jahre nach seinem
positiven Asylentscheid ein Gesuch um Familienzusammenführung gestellt
hätte. Einen Willen zur schnellstmöglichen Wiedervereinigung mit seiner
Ehefrau liess er durch sein Vorgehen jedenfalls nicht erkennen. Der Be-
schwerdeführer führte hierzu zwar in der Beschwerde aus, dass er erst ein
Gesuch um Familienzusammenführung gestellt habe, nachdem seine Frau
Eritrea verlassen habe. Wann genau seine Frau Eritrea verlassen habe,
geht jedoch aus den Akten nicht hervor. Der Beschwerdeführer gab ledig-
lich an, sie sei «dieses Jahr» (2019) ausgereist (Beschwerdeschrift Beilage
3, F16). Auch wenn davon auszugehen wäre, dass die Einreise der Ehe-
frau in die Schweiz schwierig zu organisieren wäre, wenn sich diese noch
in Eritrea befände, wäre immerhin zu erwarten gewesen, dass der Be-
schwerdeführer sich diesbezüglich ans SEM gewandt hätte. Ausserdem
hat er das Schreiben des SEM vom 18. September 2019 nicht beantwortet
und die Frist, ohne zumindest ein Fristerstreckungsgesuch einzureichen,
verstreichen lassen. Das Argument in der Beschwerde, er habe mangels
Deutschkenntnissen das Schreiben nicht beantworten können, kann nicht
gehört werden. Da er aufgrund der Einreichung des Gesuchs um Familien-
zusammenführung damit hat rechnen müssen, dass ein Schreiben vom
SEM im Zusammenhang mit dem Gesuch steht, wäre er angehalten gewe-
sen, sich rechtzeitig die entsprechende Hilfe zu holen. Seiner Pflicht, an
der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken, ist er nicht nachgekom-
men. Insgesamt ist ein ernsthafter Wille zur schnellstmöglichen Wiederver-
einigung mit seiner Frau und zur Aufrechterhaltung der Ehe nicht ersicht-
lich.
5.2.2 Ausserdem ist nachvollziehbar, dass das SEM vom Vorliegen von be-
sonderen Umständen im Sinne des Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG ausgegan-
gen ist, da der Beschwerdeführer in der Schweiz eine Tochter mit einer
anderen aus Eritrea stammenden Frau gezeugt hat. Der Beschwerdeführer
führte diesbezüglich in der Beschwerde aus, zwischen der Mutter des Kin-
des und ihm habe nie eine intakte, tatsächlich gelebte Familiengemein-
schaft bestanden. Mangels Anhaltspunkten enthält sich das Gericht Aus-
führungen, ob zwischen den Eltern eine Familiengemeinschaft bestanden
hat. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer mit einer anderen Frau ein
Kind hat, kann jedoch als weiteres Indiz dafür, dass die Verbindung zwi-
schen den Eheleuten aufgegeben wurde, herbeigezogen werden. Aus dem
Umstand, dass das SEM den Einbezug seiner Tochter in seine Flüchtlings-
eigenschaft mit dem Argument abgelehnt hat, es bestehe keine tatsächlich
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gelebte Familiengemeinschaft, kann der Beschwerdeführer nichts zu sei-
nen Gunsten betreffend das vorliegend zu beurteilende Familienzusam-
menführungsgesuch ableiten. Aus der damaligen Verneinung einer Famili-
engemeinschaft mit der Kindsmutter und dem Kind lässt sich nicht der Um-
kehrschluss ziehen, dass mit seiner Ehefrau B._ eine Familienge-
meinschaft bestanden hätte. Vielmehr hätte der Beschwerdeführer diese
gemäss Art. 7 AsylG glaubhaft machen müssen, was ihm nicht gelungen
ist.
5.2.3 Nach dem Gesagten ist insgesamt kein ernsthafter Wille zur Auf-
rechterhaltung der ehelichen Verbindung nach seiner Flucht erkennbar.
Dessen ungeachtet, dass die Ehe rechtlich noch besteht, sind besondere
Umstände im Sinne des Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG vorhanden, welche –
sofern überhaupt eine vorbestandene Ehegemeinschaft bejaht werden
könnte (vgl. E.5.1) – gegen einen Familiennachzug sprechen.
5.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Voraussetzungen von
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt sind, weshalb das SEM das Gesuch
um Bewilligung der Einreise von Frau B._ in die Schweiz und um
Familienzusammenführung mit dem Beschwerdeführer zu Recht abge-
lehnt hat.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass es dem Beschwer-
deführer offen steht, bei den dafür zuständigen kantonalen Migrationsbe-
hörden ein Gesuch um Familiennachzug für seine Frau gestützt auf Art. 44
AIG (SR 142.20) einzureichen (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 3.1 m.w.H.; Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2002 Nr. 6, EMARK 2006 Nr. 8).
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenver-
fügung vom 11. Dezember 2019 wurde indes das Gesuch um Gewährung
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der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen. Eine allfällige Verände-
rung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers geht aus den Akten
nicht hervor. Dem Beschwerdeführer sind deshalb trotz Unterliegens keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen.
8.
Infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist der eingesetzten
Rechtsvertretung ein amtliches Honorar zu entrichten. Es wurde keine Kos-
tennote eingereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich auf-
grund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung
einer Honorarnote verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE).
Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren sowie der
Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen (Art. 9–13 VGKE) ist für die
fünfseitige Beschwerdeschrift sowie die zweiseitige Stellungnahme (Be-
schwerdeschrift Beilage 3) und ausgehend von einem Stundenansatz von
Fr. 150.– ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 525.– (inkl. Auslagen)
zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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