Decision ID: 1312c250-f884-4c1b-a2f8-997ffb6fc7bf
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a H._, Jahrgang 1958, meldete sich im April 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an und beantragte eine Rente (IV-act. 1). Dr. med. A._,
Facharzt FMH für Neurologie, nannte im Arztbericht vom 7. März 2005 insbesondere
die Diagnosen chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom, Panvertebralsyndrom bei
Wirbelsäulen-Fehlhaltung und adipösem Abdomen, diffuse Hand-/ Armparästhesien
ungewisser Ursache bei Karpaltunnelsyndrom und Kleinwuchs (IV-act. 10-10). Der
Hausarzt des Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, gab
am 15. April 2005 an, der Versicherte könne jegliche körperlich leichtere bis
mittelschwere Arbeiten mindestens halbtags ausführen. Noch könne nicht definitiv
Stellung zur Arbeitsfähigkeit genommen werden (IV-act. 10-7).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle begutachtete die MEDAS Zentralschweiz den Versicherten.
Im polydisziplinären Gutachten vom 14. Dezember 2006 finden sich mit Einschränkung
der zumutbaren Arbeitsfähigkeit insbesondere die Diagnosen
Ganzkörperschmerzsyndrom und plantare Hyperkeratose beidseits. Die angestammte
Tätigkeit als Färber in einer Textilfirma sei nicht mehr zumutbar. Körperlich leichte bis
gelegentlich mittelschwere und vorwiegend sitzende Tätigkeiten seien dem
Versicherten ohne zeitliche und leistungsmässige Einschränkungen zumutbar (IV-
act. 22-10 f.).
A.c Gestützt auf dieses Gutachten errechnete die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von
0% und stellte mit Vorbescheid vom 20. Februar 2007 die Rentenverweigerung in
Aussicht (IV-act. 27). Am 2. April 2007 verfügte sie gemäss Vorbescheid (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die für den Versicherten eingereichte
Beschwerde von Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng vom 11. Mai 2007. Er beantragt
deren Aufhebung. Dem Beschwerdeführer sei eine ganze Invalidenrente ab wann
rechtens zuzusprechen. Eventualiter seien weitere Abklärungen im Sinn der
nachfolgenden Erwägungen vorzunehmen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
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Für das Beschwerdeverfahren sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Das MEDAS-Gutachten vermöge nicht zu
überzeugen (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 23. Juli 2007 lässt der
Beschwerdeführer die Zusprache mindestens einer Dreiviertelrente beantragen. Dr.
B._ habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50%, bestehend mindestens seit 1. November
2004, attestiert. Die Untersuchungen durch Dr. B._ und Dr. A._ seien durch
sprachliche Schwierigkeiten erschwert gewesen. Daran liege es wahrscheinlich auch,
dass diese beiden Ärzte eine Aggravation für möglich hielten. Aufgrund seiner
mangelnden Deutschkenntnisse sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage, seine
gesundheitlichen Beschwerden adäquat zu schildern. Nicht verständlich sei, weshalb
Dr. B._ dem Beschwerdeführer ein Antidepressivum verschrieben habe, ohne
gleichzeitig eine Depression zu diagnostizieren und den Beschwerdeführer an einen
Facharzt der Psychiatrie zu überweisen. Die psychiatrische MEDAS-Begutachtung
habe zwei Stunden gedauert, bei der rheumatologischen Untersuchung sei keine
Zeitdauer aktenkundig. Weiter sei nicht aktenkundig, ob er bei der rheumatologischen
Untersuchung mittels eines Übersetzers seine Beschwerden adäquat habe übermitteln
können. Die Frage, ob der Beschwerdeführer die Schmerzen im von ihm geschilderten
Ausmass tatsächlich habe oder dies nur vorgebe, könne ein Arzt erst dann zuverlässig
beurteilen, wenn er eine versicherte Person einige Zeit habe beobachten können. Nicht
nachvollziehbar sei sodann, dass keine Anpassungsstörung vorliegen solle, weil das
belastende Ereignis, die Situation oder Lebenskrise fehle. Der Kleinwuchs stelle für den
Beschwerdeführer eine Lebensherausforderung dar, die ihn lange nicht behindert habe.
Wenn er in der Vergangenheit Strategien gehabt habe, die ihm ermöglicht hätten, diese
Behinderung einigermassen im Griff zu haben, so heisse dies noch lange nicht, dass
sich die einmal entwickelten Strategien ein ganzen Leben lang und in sämtlichen
möglichen Situationen bewähren würden. Im Übrigen habe der Beschwerdeführer beim
früheren Arbeitgeber giftige Dämpfe eingeatmet. Die MEDAS habe kein neurologisches
Konsilium durchgeführt. Auch aufgrund der übrigen Aktenlage sei nicht ersichtlich,
dass die Beschwerdegegnerin der Frage, ob diese Dämpfe allenfalls eine toxische
Polyneuropathie verursacht haben könnten, rechtsgenüglich nachgegangen sei
(act. G 8). Am 29. August 2007 liess der Beschwerdeführer das ausgefüllte
Gesuchsformular für die unentgeltliche Prozessführung samt Beilagen einreichen (act.
G 12).
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 20. September
2007 die Abweisung der Beschwerde. Die Dauer einer Untersuchung sei bei einer
Begutachtung nicht massgebend. Sowohl das psychiatrische als auch das
rheumatologische Konsilium seien ausführlich abgefasst, und es fänden sich keine
Hinweise, dass die Untersuchungen zu oberflächlich durchgeführt worden seien. Eine
Anpassungsstörung könne durch ein belastendes Ereignis ausgelöst werden. Der
Kleinwuchs des Beschwerdeführers sei demgegenüber ein Zustand, der bereits seit
seiner Jugend andauere. Im MEDAS-Gutachten werde die Diagnose der
Anpassungsstörung somit zu Recht verworfen. Betreffend Polyneuropathie verweist die
Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) vom 12. September 2007, in der diese Diagnose verworfen wurde (act. G 14).
B.c Am 24. September 2007 und 10. Januar 2008 liess der Beschwerdeführer Akten
betreffend seine Rechtsschutzversicherung einreichen, die die Kostengutsprache für
das Beschwerdeverfahren verweigert hatte (act. G 16, 23). Mit der Eingabe vom
10. Januar 2008 legte er zudem einen Bericht des Chiropraktors Dr. C._ vom
25. September 2007 ins Recht, der die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers auf
50% schätzte (act. G 23.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 18. Januar 2008 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 25).
B.e Der zuständige Abteilungspräsident des Versicherungsgerichts teilte dem
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 22. und 29. August 2008 betreffend das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit, dass er davon ausgehe, dass
Versicherungsdeckung seitens der Rechtsschutzversicherung bestehen müsste. Er
forderte den Rechtsvertreter auf, diesbezüglich nochmals bei der Versicherung zu
insistieren, und setzte den Entscheid über die unentgeltliche Prozessführung vorläufig
aus (act. G 30, 32). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am 6. März
2009 ein Schreiben der Rechtsschutzversicherung vom 13. Februar 2009 ein, in dem
diese an ihrer Verweigerung der Kostengutsprache festhielt (act. G 33). Am 1. April
2009 legte er ein Schreiben der Ombudsfrau der Privatversicherung und der Suva vom
25. März 2009 ins Recht (act. G 34). Der Abteilungspräsident forderte den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 13. Mai 2009 auf, einen
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Verjährungsverzicht bei der Rechtsschutzversicherung einzuholen und eine
Abtretungserklärung zuhanden des Kantons St. Gallen, vertreten durch das
Versicherungsgericht, abzugeben (act. G 35). Die unterschriebene Abtretungserklärung
ging dem Gericht am 18. Mai 2009 zu (act. G 36). Der Abteilungspräsident bewilligte
die unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) am 19. Mai 2009 (act. G 38). Mit Schreiben
vom 26. Mai 2009 reichte der Rechtsvertreter die Erklärung des Verjährungsverzichts
seitens der Rechtsschutzversicherung vom 25. Mai 2009 ein (act. G 39, 40).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben, und weil bei
der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
vom 2. April 2007 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 132 V 215 Erw. 3.1.1;
Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, Erw. 3), sind vorliegend die bis zum
31. Dezember 2007 in Kraft gestandenen materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
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nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
3.
Nachfolgend ist auf die medizinische Aktenlage einzugehen.
3.1 Dr. A._ hielt die diagnostizierte Pantalgie am ehesten für weichteilrheumatischer
und/oder somatoformer und die demonstrierten Schwächen sowie
Bewegungsstörungen für funktioneller Natur. Das Panvertebralsyndrom sei wohl durch
die Wirbelsäulenfehlhaltung mit Rücklage des Oberkörpers und Hyperlordose sowie
das Abdomen mitbedingt. Neurographisch sei ein leichtes linksbetontes
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Karpaltunnelsyndrom objektivierbar. Die Ausdehnung der Parästhesien und
angegebenen Gefühlsstörung auf die ganzen Arme sei vermutlich ebenfalls funktionell.
Für andere Ursachen wie Neuritiden, eine Polyneuropathie und Polyradiculitis, Brachial-
bzw. Lumbosacralplexusaffektionen sowie zerviko- bzw. lumboradikuläre und
zentralnervöse Ursachen ergäben sich keine Hinweise (IV-act. 10-12 f.).
3.2 Dr. B._ wies am 15. April 2005 darauf hin, das Ausmass der Beeinträchtigung sei
aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten und möglicherweise auch durch eine
gewisse Aggravation schwierig zu beurteilen. Der Beschwerdeführer könne mindestens
halbtags einer leichten bis mittelschweren Arbeit nachgehen. Er arbeite halbtags bei
der Stiftung für Arbeit und sei nicht motiviert, länger zu arbeiten. Für die Beschwerden
bestehe mit Ausnahme des Karpaltunnelsyndroms kein organisches Korrelat. Er denke,
dass zur Arbeitsfähigkeit noch nicht definitiv Stellung genommen werden könne (IV-
act. 10-6; 10-8). Im Verlaufsbericht vom 5. August 2005 hielt Dr. B._ fest, halbtags
könne der Beschwerdeführer eine körperlich leichte Arbeit durchaus ausführen.
Möglicherweise sollte eine medizinische Abklärung zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
durchgeführt werden (IV-act. 14-2).
3.3 Dr. med. D._, Facharzt FMH für Rheumatologie, wies in seinem MEDAS-
Teilgutachten vom 27. September 2006 darauf hin, dass für das Ganzkörper-
Schmerzsyndrom kein adäquates organisches Korrelat am Bewegungsapparat habe
gefunden werden können. Zu erwähnen seien ein neurologisch verifiziertes
Karpaltunnelsyndrom beidseits rechtsbetont sowie ausgeprägt schmerzhafte
Hyperkeratosen am Hallux und der Ferse beidseits. Aufgrund der Aktenlage und der
Angaben des Beschwerdeführers sowie der Befunde handle es sich um das klassische
Bild chronifizierter Rückenschmerzen mit Zeichen der sekundären
Symptomausweitung, wobei als Hinweise auf die nicht-organische Genese des
Schmerzsyndroms die fehlende Schmerzmodulation, die völlige Therapieresistenz
sowie das deutlich gesteigerte Krankheitsgebaren unübersehbar seien. Für adaptierte
Tätigkeiten bescheinigte Dr. D._ keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit.
Aufgrund der Hyperkeratosen an den Füssen sei eine vorwiegend stehende oder
gehende Tätigkeit zurzeit nicht zumutbar (IV-act. 22-17 f.).
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3.4 Die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin Dr. med. E._, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, erlebte die Schilderung der Beschwerden und das
Verhalten des Beschwerdeführers als divergierend. Er erwecke den Eindruck, er
übertreibe stark. Auf die Bitte um eine detaillierte Beschreibung der Schmerzen gehe er
nicht ein und sage, dass ihm alles weh tue. Die Übertreibungen und undifferenzierten
Angaben würden bewirken, dass allfällige tatsächliche Beschwerden kaum erkannt
würden. Die psychiatrischen Symptome Schlafstörungen und Albträume sollten
allerdings ernst genommen und therapeutisch angegangen werden (IV-act. 22-26).
3.5 Insgesamt erscheinen die Schlussfolgerungen der Teilgutachter wie auch jene im
Gesamtgutachten als nachvollziehbar und plausibel. Sie beruhen auf allseitigen
Untersuchungen, soweit solche denn durchführbar waren. Weder der behandelnde
Hausarzt Dr. B._ noch Dr. A._ lieferten Hinweise, die die Einschätzung der MEDAS-
Gutachter als unzutreffend oder auch nur zweifelhaft erscheinen liessen. Dr. B._
äusserte sich stets nur sehr vorsichtig zur Arbeitsfähigkeit und unterstützte jedenfalls
eine umfassende Begutachtung. Die MEDAS-Gutachter gaben die geklagten
Beschwerden wieder und gingen darauf hinreichend ein.
3.6 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers behauptet, dieser sei aufgrund seiner
mangelhaften Deutschkenntnisse nicht in der Lage gewesen, seine gesundheitlichen
Beschwerden adäquat zu schildern. Dass die MEDAS-Begutachtung aufgrund von
Verständnisschwierigkeiten nicht lege artis hätte durchgeführt werden können, ist
jedoch nicht belegt. Die psychiatrische Begutachtung wurde unter Beizug eines
Dolmetschers durchgeführt. Bei der rheumatologischen Begutachtung war dies
offensichtlich nicht nötig. Dr. D._ konnte die Anamnese erheben, ohne dass er von
gravierenden Verständnisproblemen berichtet hätte. Die Beschwerdegegnerin verweist
zutreffend darauf, dass der Gutachter die Frage, ob eine medizinische Abklärung unter
Beizug eines Dolmetschers im Einzelfall geboten sei, im Rahmen seiner sorgfältigen
Auftragserfüllung zu entscheiden hat (vgl. den Entscheid I 506/05 des Bundesgerichts
[bis Ende 2007: Eidgenössisches Versicherungsgericht] vom 1. März 2006, Erw. 4.3).
Offensichtlich sah Dr. D._ keine Veranlassung, einen Dolmetscher beizuziehen, was
seitens des im Zeitpunkt der Begutachtung seit 28 Jahren in der Schweiz lebenden
Beschwerdeführers im Rahmen der Begutachtung nicht bemängelt worden war. Das
MEDAS-Gutachten liefert darüber hinaus keine Anhaltspunkte dafür, dass die Experten
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wegen Verständigungsschwierigkeiten Fragen hätten offen lassen müssen oder
hinsichtlich der Befunde oder Schlussfolgerungen Unsicherheiten bestanden. Der
Beschwerdeführer legt nicht dar, inwiefern ihn die Begutachtenden missverstanden
haben sollten (vgl. den Entscheid I 382/06 des Bundesgerichts vom 5. April 2007,
Erw. 5.1).
3.7 Nicht zu überzeugen vermag im Weiteren das Argument des Beschwerdeführers,
man hätte ihn während eines längeren Zeitraums begutachten müssen. Er macht
geltend, die zweistündige psychiatrische Begutachtung reiche nicht aus. Das
Eidgenössische Versicherungsgericht erkannte mit Urteil I 719/05 vom 17. November
2006, eine lediglich 20 Minuten dauernde psychiatrische Exploration zeige nicht von
vornherein eine Sorgfaltswidrigkeit des Gutachters an (vgl. auch Urteile I 842/05 vom
1. Juni 2006, Erw. 2.2.4, und I 954/05 vom 24. Mai 2006, Erw. 3.2.1). Für den
Aussagegehalt eines Arztberichts könne es nicht auf die Dauer der Untersuchung
ankommen. Massgeblich sei vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im
Ergebnis schlüssig sei (Erw. 3; vgl. auch die Präzisierungen den Entscheid I 1094/06
vom 14. November 2007, Erw. 3.1.1). Aus der Zeitdauer der psychiatrischen
Exploration lassen sich keine direkten Schlussfolgerungen auf eine mangelhafte
Begutachtung ziehen, zumal andere Anhaltspunkte für eine Mangelhaftigkeit des
Teilgutachtens fehlen. Eine Beobachtung der zu begutachtenden Person über einen
längeren Zeitraum ist nach der Rechtsprechung nicht angezeigt, zumal die Gutachter
sich mit der Anamnese und der Historie der medizinischen Vorakten
auseinandersetzten. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wirft weiter die Frage
auf, weshalb Dr. B._ dem Beschwerdeführer das Medikament Remeron
verschrieben, aber keine Depression diagnostiziert habe. Gemäss Bericht vom
5. August 2005 verschrieb Dr. B._ das Medikament wegen der Klagen des
Beschwerdeführers über schlechten Schlaf und Albträume (IV-act. 14-2). Von einer
Depression berichtete er nicht. Eine solche könnte er als Allgemeinmediziner auch nicht
ohne weiteres diagnostizieren. Auch das Gutachten von Dr. E._ lässt auf keine
derartige Erkrankung schliessen. Sie erlebte den Beschwerdeführer als einen lebhaften
Mann, der vehement seine Ansichten vertrete. Die Psychiaterin konnte auch handfeste
Zeichen von Ärger erkennen (IV-act. 22-26). Hinweise auf das Vorliegen einer
Depression liefern die Akten insgesamt nicht. Dr. E._ empfahl ein Umstellen des
Remeron auf ein anderes Schlafmedikament (IV-act. 22-27). Die Tatsache, dass
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Dr. B._ dem Beschwerdeführer Remeron verschrieb, lässt bei diesem Hintergrund
nicht auf eine Depression schliessen. Ebenso unzutreffend erscheint der Schluss des
Vertreters des Beschwerdeführers, Dr. B._ stelle die gesundheitlichen Probleme des
Beschwerdeführers wohl fest, bekomme diese aber nicht richtig zu fassen. Auch
Dr. B._ erkannte nichts, das auf eine massgebliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit schliessen lässt.
3.8 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bezeichnet es als nicht
nachvollziehbar, dass keine Anpassungsstörung vorliegen sollte. Der Kleinwuchs stelle
eine Lebensherausforderung dar. Wenn er in der Vergangenheit Strategien gehabt
habe, die ihm ermöglicht hätten, diese Behinderung einigermassen in den Griff zu
kriegen, so heisse dies noch lange nicht, dass sich die einmal entwickelten Strategien
ein ganzes Leben lang und in sämtlichen möglichen Situationen bewähren würden.
Dr. E._ hatte in ihrem Gutachten festgehalten, für die Diagnose einer
Anpassungsstörung fehlten das "belastende Ereignis, die Situation oder Lebenskrise".
Der Kleinwuchs sei eine Lebensherausforderung, die den Beschwerdeführer lange Zeit
nicht behindert habe (IV-act. 22-26). Bei Anpassungsstörungen handelt es sich gemäss
der von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegebenen ICD-10-
Klassifikation um Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler
Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern
und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden
Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten. Die
Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive Stimmung, Angst oder Sorge
(oder eine Mischung von diesen). Ausserdem kann ein Gefühl bestehen, mit den
alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen, diese nicht vorausplanen oder
fortsetzen zu können. Vorliegend erachtete die Gutachterin den Kleinwuchs nicht als
geeignetes "Ereignis", das eine Anpassungsstörung auslösen könnte. Diese
Einschätzung ist für den medizinischen Laien ohne weiteres plausibel, zumal die
Kleinwüchsigkeit selbst ein Zustand ist, der beim Beschwerdeführer immer schon
bestand. Andere psychiatrische Akten, die eine Anpassungsstörung plausibilisieren
würden, sind nicht vorhanden.
3.9 Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, er habe an seinem letzten
Arbeitsplatz giftige Dämpfe eingeatmet. Das Bestehen einer toxischen Polyneuropathie
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sei nicht hinreichend abgeklärt worden. Entgegen dieser Ansicht hatte jedoch Dr. A._
entsprechende Abklärungen vorgenommen. In seinem Bericht vom 7. März 2005 hielt
er fest, für eine Polyneuropathie und Polyradiculitis etc. ergäben sich keine Hinweise.
Diffuse Hand-/Armparästhesien wurden teilweise durch ein Karpaltunnelsyndrom
erklärt (IV-act. 10-13). Eine darüber hinausgehende neurologische Problematik konnte
auch anlässlich der MEDAS-Begutachtung nicht erkannt werden. Dr. B._ und der
Allgemeinmediziner Dr. F._ erkannten ebenfalls keine Anhaltspunkte für das
Vorliegen einer Polyneuropathie. Der zuständige Arzt des RAD, Dr. med. G._, hielt in
seiner Stellungnahme zur Frage des möglichen Vorliegens einer Polyneuropathie am
12. September 2007 fest, anamnestisch würden sich nur die Kribbelparästhesien an
den Händen/Armen, nicht hingegen konkrete, objektiv erfassbare Ausfallsymptome
oder indirekte Zeichen davon (z.B. Muskelatrophie für Kraftverlust) finden. Es wäre zu
erwarten, dass nach über 20 Jahre dauernder Exposition und acht Jahre nach dem
Wegfall dieses Reizes sich eine relevante Polyneuropathie auch in klaren
neurologischen Symptomen äussere. Von ärztlicher Seite sei nie eine Polyneuropathie
vermutet oder gar diagnostiziert worden. Es bestehe auch keine Veranlassung, deren
Ätiologie aufzuklären (IV-act. 45). Diese sorgfältige Beurteilung vermag zu überzeugen.
Die neurologischen Abklärungen durch Dr. A._ erscheinen in Bezug auf die geklagten
neurologischen Symptome als adäquat; Veranlassung zur Vornahme ergänzender
Abklärungen ist nicht gegeben.
3.10 Der Allgemeinmediziner Dr. F._ hielt im Bericht vom 1. Mai 2007 fest, er halte
den Beschwerdeführer wie bereits sein früherer Hausarzt Dr. B._ für leichte Arbeit zu
50% arbeitsfähig (act. G 1.3). Der Chiropraktor Dr. C._ erwähnte im Schreiben vom
25. September 2007, er könne sich Dr. B._ und Dr. F._ anschliessen, die eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% bescheinigten (act. G 23.1). In keinem der beiden Berichte
wird begründet, weshalb die Arbeitsfähigkeit auf 50% beschränkt sein sollte. Das
jeweilige Abstützen auf die Einschätzung von Dr. B._ vermag jedenfalls keine
taugliche Grundlage zu bilden, zumal dieser seine Schätzung nur unter Vorbehalt
abgegeben und zur definitiven Festlegung der Arbeitsfähigkeit eine Expertise für nötig
erachtet hatte. Im Übrigen ist die Divergenz von medizinischem Behandlungs- und
Abklärungsauftrag zu beachten. Das Bundesgericht will u.a. der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen. Im Hinblick
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auf einen möglichen Ziel- und Interessenkonflikt (Behandlung versus Begutachtung) gilt
das auch für Spezialärzte. Namentlich in umstrittenen Fällen kann nicht ohne weiteres
auf die Angaben eines behandelnden Spezialarztes abgestellt werden (EVGE I 814/03
vom 5. April 2004, Erw. 2.4.2). Insgesamt bringen Dr. F._ und Dr. C._ nichts vor,
das die Einschätzung der MEDAS-Gutachter in Zweifel zu ziehen vermöchte. Die
Veranlassung weiterer Abklärungen erscheint nicht als angezeigt.
3.11 Insgesamt ergibt eine Würdigung der vorhandenen medizinischen Unterlagen,
dass in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich auf die
Schlussfolgerungen im MEDAS-Gutachten abgestellt werden kann, wonach die
körperlich mittelschwere bis schwere letzte Tätigkeit als Färber nicht mehr möglich sei,
eine adaptierte, körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere und vorwiegend
sitzende Tätigkeit jedoch voll und ohne leistungsmässige Einschränkungen zumutbar
sei (IV-act. 22-11). Das Vorliegen einer rentenbegründenden Invalidität ist folglich
jedenfalls zu verneinen.
4.
4.1 Gemäss den oben stehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 11. Mai 2007
gegen die Verfügung vom 2. April 2007 mangels rentenbegründender Invalidität
abzuweisen.
4.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung am 19. Mai 2009 bewilligt. Wenn seine wirtschaftlichen
Verhältnisse es gestatten, kann er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten, der
Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet
werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
4.2.1 Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung
zu befreien.
4.2.2 Der Staat ist zufolge unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für
die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Die Höhe der
Parteientschädigung ist vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
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Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen ist ein
Honorar von pauschal Fr. 3'500.- inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer. Im Rahmen
der unentgeltlichen Prozessführung wird dieses Honorar um 20% reduziert (Art. 31
Abs. 3 des Anwaltsgesetzes). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ist somit
mit Fr. 2'800.- zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG