Decision ID: af05b73a-df9d-5898-bbce-ce0c16ee7c73
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Die aus der Türkei stammende F._ (geb. [...], nachfolgend: ) reiste am 28. Dezember 2002 mit einem für 22 Tage gültigen Besuchervisum in die Schweiz ein und hielt sich auch nach Ablauf des Visums weiterhin im Lande auf. Am 11. April 2003 heiratete sie im Kanton Zürich einen Schweizer Bürger. Gestützt auf diese Ehe erhielt sie eine Aufenthaltsbewilligung. Bereits anfangs August 2003 wurde die eheliche Lebensgemeinschaft wieder aufgehoben; am 7. Juni 2006 erfolgte die Scheidung.
B. Mit Verfügung vom 23. Januar 2007 lehnte das Migrationsamt des  Zürich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab und forderte sie auf, den Kanton bis zum 30. April 2007 zu verlassen. Ihr gegen diese Verfügung gerichteter  wurde vom Regierungsrat des Kantons Zürich am 7. November 2007 rechtskräftig abgewiesen. Die kantonale Migrationsbehörde  der Betroffenen daraufhin eine neue Frist zum Verlassen des  bis zum 31. März 2008.
Während des hängigen Aufenthaltsverfahrens wohnte die  vorübergehend bei einem in der Schweiz niedergelassenen Landsmann, mit welchem sie befreundet und der zeitweilig auch ihr Arbeitgeber war. In jener Zeit wurde sie Opfer physischer Gewalt  ihres damaligen Partners. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis sprach Letzteren deswegen der einfachen Körperverletzung, der  sowie der Tätlichkeiten schuldig und belegte ihn mit einer  und einer Busse. Zwischen den Parteien ist zudem eine  Auseinandersetzung vor dem Zürcher Arbeitsgericht im Gange.
C. Am 15. Januar 2008 teilte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin mit, aufgrund eines entsprechenden kantonalen Antrags erwäge sie, die kantonale Wegweisung auf das Gebiet der Schweiz und des  Liechtenstein auszudehnen und gewährte ihr hierzu das  Gehör. Mit Stellungnahme vom 8. Februar 2008 machte der Rechtsvertreter von dieser Äusserungsmöglichkeit Gebrauch. Hierbei gab er an, seine Mandantin fürchte sich im Falle einer Rückkehr in die
Seite 2
C-1879/2008
Türkei vor Racheakten ihres ehemaligen Partners und Arbeitgebers bzw. dessen Familie und Freunden. Als alleinstehende Frau könne sie in ihrem Heimatland nicht auf den Schutz durch staatliche Stellen . Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin an  leide und eine Operation in der Schweiz vorgesehen sei. Der  erweise sich damit als unzumutbar, weshalb seine Mandantin vorläufig aufzunehmen sei.
D. Mit Verfügung vom 6. März 2008 dehnte die Vorinstanz die vom Kanton Zürich verfügte Wegweisung auf das ganze Gebiet der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein aus. Zur Begründung führte sie aus, dass die kantonale Wegweisungsverfügung in Rechtskraft erwachsen sei und die Ausländerin in keinem anderen Kanton eine  besitze. Aus diesen Gründen rechtfertige sich ihr weiterer Aufenthalt in der Schweiz nicht mehr. Was die Rückenprobleme , so könne einem Bericht von Dr. med. K._ vom 2. Februar 2008 entnommen werden, dass die geplante Operation auch in der Türkei durchführbar und die Beschwerdeführerin  sei. Wohl empfehle der behandelnde Arzt wegen der nicht  postoperativen Nachbehandlung im Heimatland der Patientin, die Operation in der Schweiz vorzunehmen. Das BFM habe in diesem Zusammenhang aber keine Kompetenz, den Kanton zu einer  Regelung oder auch nur zur Duldung einer ausländischen Person anzuhalten. Der Beschwerdeführerin stehe es jedoch offen, bei der kantonalen Migrationsbehörde ein entsprechendes  einzureichen. Auch sonst ergäben sich aus der  des Parteivertreters vom 8. Februar 2008 keine Umstände, die gegen den Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz sprächen. Die Furcht der Beschwerdeführerin vor Racheakten erweise sich als ; vor allem erscheine nicht nachvollziehbar, weshalb die  Gefahr in der Türkei höher sein sollte als in der Schweiz, halte sich die hauptbelastete Person doch weiterhin hierzulande auf. Im Übrigen bestünden keine Anzeichen dafür, dass die türkischen  nicht in der Lage oder nicht gewillt wären, der  den notwendigen Schutz zu gewähren. Der Wegweisungsvollzug sei vorliegend zulässig, zumutbar und möglich.
E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 20. März 2008 beantragt der  die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung
Seite 3
C-1879/2008
der Unzulässigkeit bzw. Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, um Anordnung eines einstweiligen Vollzugsstopps und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Wegen einer  Auseinandersetzung und eines Beziehungsstreits sei die Beschwerdeführerin am 11. Februar 2007 und am 17. Februar 2007 Opfer schwerer Übergriffe durch den damaligen Partner . Diesen habe man dafür strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen. Am 30. November 2007 habe sie gegen ihn beim Arbeitsgericht des Kantons Zürich wegen ausstehender Lohnzahlungen ausserdem eine Klage eingereicht. Nach der Verhandlung habe der Beklagte das  wutentbrannt verlassen und ihr in der Folge über Dritte ausrichten lassen, sie werde die ihm zugefügte Schmach bitter . Überdies habe sie von der Absicht des Ex-Partners erfahren,  finanzieller Schwierigkeiten vorübergehend in die Türkei . Die der Beschwerdeführerin von ihm und seinen  drohenden Misshandlungen könnten ein Ausmass , welches die Rückführung in ihre Heimat im Kontext von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verböte. Der von der Vorinstanz angesprochene Schutz durch die Polizei sei in der Türkei bloss virtuell vorhanden. Die türkische Polizei sei stark vom kulturellen und gesellschaftspolitischen Hintergrund einer Männergesellschaft . Die aktuelle politische Entwicklung im Herkunftsland mit der Tendenz hin zu einer Islamisierung der Gesellschaft erschwere es  alleinstehenden Frau dort zusehends, zu ihrem Recht zu kommen. In der Schweiz wäre die Beschwerdeführerin nur schon aufgrund der polizeilich aktenkundigen Vorkommnisse besser geschützt. Wegen der erwähnten Bedrohung sei die Betroffene konkret an Leib und Leben gefährdet und der Wegweisungsvollzug unzumutbar. Hinzu komme, dass sich die Beschwerdeführerin am 31. März 2008 wegen starker Rückenschmerzen einer schweren Operation unterziehen müsse.  Zustand mache sie momentan, aber auch nach der Operation noch während Monaten reiseunfähig. Wegen der unklaren Auswirkungen des Eingriffs auf die Gesundheit seien die Rückenbeschwerden  für die Frage der Zumutbarkeit der Rückkehr und nicht nur für eine allfällige Ausreisefristerstreckung relevant.
Dazu legte der Parteivertreter ein Schreiben von Dr. med. W._
Seite 4
C-1879/2008
vom 26. Februar 2008 und einen Bericht von Dr. med. K._ vom 19. März 2008 vor.
F. Mit Zwischenverfügung vom 28. März 2008 wies das  das Migrationsamt des Kantons Zürich an, einstweilen auf Vollzugsmassnahmen zu verzichten.
G. Auf Verlangen der Instruktionsbehörde machte der Rechtsvertreter am 10. April 2008 zusätzliche Angaben zur arbeitsrechtlichen Streitigkeit sowie zur finanziellen Situation seiner Mandantin und reichte am 16. April 2008 einen vom 9. April 2008 datierenden ärztlichen Bericht von Dr. med. W._ ein.
Am 30. Juni 2008 bzw. 9. Juli 2008 ergänzte der Parteivertreter seine Vorbringen u.a. mit einem „Austrittsbericht Physiotherapie“ der Zürcher Höhenklinik Davos vom 28. April 2008, einem ärztlichen Zeugnis  Klinik vom 29. April 2008 und einer Behandlungsbestätigung von Dr. med. W._ vom 8. Juli 2008.
H. Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2008 hiess das  das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen  gut und setzte den bisherigen Rechtsvertreter als  Rechtsbeistand ein.
I. Mit Eingabe vom 17. Juli 2008 aktualisierte der Parteivertreter seine Vorbringen mit einem Sprechstundeneintrag von Dr. med. W._ vom 8. Juli 2008 und einer Mitteilung des gleichen Arztes vom 9. Juli 2008 betreffend Reisefähigkeit.
J. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 15. August 2008 auf Abweisung der Beschwerde.
K. Der Parteivertreter verzichtete mit Schreiben vom 22. September 2008 auf die Ausübung des Replikrechts.
Seite 5
C-1879/2008
L. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den  eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden  Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer der in Art. 33 und Art. 34 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen auch Verfügungen des BFM, welche die  betreffen. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in  Bereich endgültig (Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 lit. c Ziff. 4 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz keine  Bestimmungen vorsieht (Art. 37 VGG).
1.3 Als Adressatin der Verfügung ist die Beschwerdeführerin zu deren Anfechtung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und  eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 49 ff. VwVG).
2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des  Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist  Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht  und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Urteils 2A.451/2002 vom 28. März 2003).
Seite 6
C-1879/2008
3. 3.1 Am 1. Januar 2008 trat das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) mit seinen Ausführungsverordnungen in Kraft, u.a. der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201). Es löst das Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer ab (ANAG, BS 1 121; zum vollständigen Quellennachweis vgl. Ziff. I des Anhangs zum AuG), unter dessen Geltung das der angefochtenen Verfügung vom 8. März 2008 zugrunde liegende kantonale Wegweisungsverfahren  wurde.
3.2 Art. 126 Abs. 1 AuG enthält die intertemporalrechtliche Grundregel des neuen Rechts mit Bezug auf das materielle Recht. Sie besagt, dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes  wurden, das bisherige Recht anwendbar bleibt. Entsprechend  Auslegung durch das Bundesverwaltungsgericht ist es jedoch ohne Belang, ob das Verfahren auf Gesuch hin oder von Amtes wegen  wurde (vgl. BVGE 2008/1 E. 2 mit Hinweisen). Die  für die Nachwirkung des alten Rechts sind in der vorliegenden Streitsache erfüllt. Demgegenüber findet das neue Verfahrensrecht  (vgl. Art. 126 Abs. 2 AuG).
4. Gemäss Artikel 1a ANAG ist eine ausländische Person dann zur  in der Schweiz berechtigt, wenn sie über eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung verfügt oder nach dem Gesetz keiner solchen bedarf (zum Letzteren vgl. Art. 2 ANAG und Art. 1 der  vom 1. März 1949 zum Bundesgesetz über  und Niederlassung der Ausländer [ANAV, AS 1949 I 228]). Besitzt sie keine Bewilligung und kann sie sich auch nicht auf ein gesetzliches Bleiberecht berufen, so ist ihr Aufenthalt illegal und sie kann jederzeit zur Ausreise aus der Schweiz verhalten werden (vgl. Art. 12 Abs. 1 ANAG, ferner den Tatbestand des illegalen Aufenthaltes im Sinne von Art. 23 Abs. 1 ANAG, sowie: NICOLAS WISARD, Les renvois et leur  en droit des étrangers et en droit d’asile, Basel/ Frankfurt a.M. 1997, S. 102).
4.1 Abgesehen von der Konstellation, dass von vornherein kein  besteht, ist eine ausländische Person u.a. auch dann zur Ausreise verpflichtet, wenn ihr eine Bewilligung oder die Verlängerung
Seite 7
C-1879/2008
einer solchen verweigert wurde (Art. 12 Abs. 3 Satz 1 ANAG). Die  bestimmt in diesem Fall die Ausreisefrist. Ist die Behörde eine kantonale, so hat die ausländische Person aus dem Kanton, ist die  eine eidgenössische, so hat die Person aus der Schweiz  (Art. 12 Abs. 3 Satz 2 und 3 ANAG). Ein  steht der Behörde dabei nicht zu (vgl. dazu NICOLAS WISARD, a.a.O., S. 130).
4.2 Vor diesem Hintergrund ist die Wegweisung kein Eingriff in ein  geartetes Anwesenheitsrecht, sondern eine exekutorische Massnahme zur Beseitigung eines rechtswidrigen Zustandes (vgl. ANDREAS ZÜND, Beendigung der Anwesenheit, Entfernung und , in: Uebersax/Münch/Geiser/Arnold [Hrsg.], Ausländerrecht.  und Ausländer im öffentlichen Recht, Privatrecht, , Steuerrecht und Sozialrecht der Schweiz, Basel/Genf/München 2002, Rz. 6.53 mit Hinweisen) und zugleich dessen logische und nicht in Frage zu stellende Konsequenz. Die Wegweisung kann in dieser Konstellation namentlich nicht dadurch in Frage gestellt werden, dass die Ausreisepflicht thematisiert wird, beispielsweise durch Berufung auf ein überwiegendes privates Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz. Derartige Vorbringen sind im kantonalen  oder – nach Verweigerung der Bewilligung – in dem dafür  Rechtsmittelverfahren geltend zu machen (vgl. Urteil des  C-3083/2008 vom 9. September 2008 E. 4.2 mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 14a ANAG.
4.3 Allenfalls kann gegen die Ausdehnungsverfügung eingewendet werden, dass in einem Drittkanton um die Erteilung einer Bewilligung nachgesucht wurde. Diesfalls wird praxisgemäss von einer  der kantonalen Wegweisung abgesehen, wenn der Drittkanton zur Aufenthaltsregelung bereit ist bzw. der ausländischen Person für die Dauer des Bewilligungsverfahrens die Anwesenheit auf seinem Gebiet ausdrücklich gestattet (vgl. Urteile des  C-5031/2007 vom 20. Juni 2008 E. 3, C-644/2006 vom 26.  2008 E. 3, C-2276/2007 vom 24. November 2007 E. 4 und E. 7  mit Hinweisen). Derartiges wird weder behauptet noch finden sich entsprechende Hinweise in den Akten. Nachdem das kantonale Aufenthalts- und Wegweisungsverfahren rechtskräftig abgeschlossen wurde (vgl. vorstehend Bst. B des Sachverhaltes), ist die vorliegende Ausdehnungsverfügung grundsätzlich zu Recht ergangen.
Seite 8
C-1879/2008
5. Unabhängig von der Bestätigung der Ausdehnungsverfügung bleibt zu prüfen, ob dem Vollzug der Wegweisung Hindernisse entgegenstehen (Art. 14a Abs. 2 bis 4 ANAG) und das zuständige Bundesamt deshalb gestützt auf Art. 14a Abs. 1 ANAG die vorläufige Aufnahme hätte  müssen (vgl. ALAIN WURZBURGER, La jurisprudence récente du  fédéral en matière de police des étrangers, in: Revue de droit administratif et de droit fiscal [RDAF], September 1997, S. 306). In  Zusammenhang gilt es darauf hinzuweisen, dass die vorläufige Aufnahme als Ersatzmassnahme für den Vollzug der Wegweisung  ist. Sie tritt neben die Wegweisung, deren Bestand sie nicht tangiert, sondern vielmehr voraussetzt (BBl 1990 647; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, S. 200).  vermögen somit die Ausdehnungsverfügung als  nicht in Frage zu stellen (vgl. Verwaltungspraxis der  [VPB] 62.52).
6. Der Vollzug der Wegweisung ist nicht möglich, wenn die ausländische Person weder in den Herkunfts- oder in den Heimatstaat noch in einen Drittstaat verbracht werden kann. Er ist nicht zulässig, wenn  Verpflichtungen der Schweiz (beispielsweise jene der EMRK oder des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) einer Weiterreise in den Heimat-, - oder Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann insbesondere nicht zumutbar sein, wenn er für die ausländische Person eine  Gefährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 bis 4 ANAG).
6.1 Dass einer Rückkehr der Beschwerdeführerin keine technischen Hindernisse im Wege stehen, ist unbestritten. Aus den Akten ergeben sich ebenfalls keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder  drohen würde. Gemäss Praxis der Strassburger Organe  jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die  in einer Konstellation wie der vorliegenden (die Betroffene hat nie ein Asylverfahren durchlaufen) eine konkrete Gefahr nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Falle einer Rückkehr Folter oder  Behandlung drohten (siehe Urteile des  C-644/2006 vom 26. Februar 2008 E. 7.1 oder D-3797/2006 vom 20. Juni 2007 E. 4.2). Mit allgemeinen Hinweisen auf kulturelle Eigenheiten der Türkei und gesellschaftspolitische Tenden-
Seite 9
C-1879/2008
zen in diesem Land wird den genannten Anforderungen in keiner  Genüge getan. Die diesbezüglichen, vom Parteivertreter hilfsweise bzw. ergänzend auch unter der Unzulässigkeit des  geltend gemachten Einwände sind jedoch unter dem  der Zumutbarkeit zu prüfen. Nach dem Gesagten ist der  deshalb als zulässig zu erachten.
6.2 Konkret gefährdet im Sinne von Art. 14a Abs. 4 ANAG sind in  Linie Gewaltflüchtlinge, das heisst Personen, welche Unruhen,  und allgemeiner Missachtung der Menschenrechte entfliehen wollen, ohne bereits individuell verfolgt zu sein. Ferner  die Bestimmung Anwendung auf Personen, die nach ihrer  ebenfalls einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten  oder – aus objektiver Sicht – wegen den herrschenden  im Heimatland mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer  ihres Gesundheitszustandes, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C-2799/2007 vom 26. Februar 2008 E. 6.1, C-7523/2006 vom 6.  2007 E. 7.3 [mit Hinweisen]).
6.2.1 Im Südosten der Türkei bestehen zwar noch einige , ansonsten herrscht im Heimatland der Beschwerdeführerin weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (Urteil des  C-6405/2007 vom 28. Februar 2008 E. 6.2). Wie , wendet der Parteivertreter in diesem Zusammenhang denn hauptsächlich ein, seine Mandantin fürchte sich vor Racheakten ihres letzten, ebenfalls aus der Türkei stammenden Partners. Es ist jedoch in der Tat nicht einzusehen, weshalb sich die Beschwerdeführerin in der Türkei mehr vor ihm fürchten sollte als bei einem weiteren  hierzulande, lebt dieser Ex-Freund doch mit einem gefestigten  (Niederlassungsbewilligung) in der Schweiz. Zu  wäre an dieser Stelle, dass er diesen Status bei schwerer Straffälligkeit im In- oder Ausland auf's Spiel setzen würde (vgl. Art. 62 u. 63 AuG). Die angebliche Absicht desselben, sich vorübergehend in die Türkei zu begeben, änderte daran nichts, sieht man einmal davon ab, dass es sich um eine blosse, nicht näher belegte Parteibehauptung handelt. Was die Vorbringen zur türkischen Polizei und deren  anbelangt, beschränken sie sich auf allgemeine Ausführungen und Einschätzungen. Diese beruhen auf unzulässigen Verallgemeine-
Seite 10
C-1879/2008
rungen der heterogenen, stark von Region, Herkunft und Bildung  gesellschaftlichen Realitäten in der Türkei. Auf  wird jedenfalls nichts Konkretes oder Substanzielles , das zur Annahme berechtigte, die türkischen Behörden seien a priori nicht gewillt, einer alleinstehenden Frau den notwendigen Schutz zu gewähren. Im Falle der Beschwerdeführerin kommt hinzu, dass sie in ihrem Heimatland – anders als in der Schweiz – nach wie vor über intakte familiäre Beziehungen verfügt. Ihre diesbezüglichen Kontakte zu Verwandten und Bekannten hat sie während ihrer Anwesenheit hierzulande, wie die ihr ausgestellten Rückreisevisa offenbaren,  erhalten (zum Ganzen siehe den Beschluss des Regierungsrates des Kantons Zürich vom 7. November 2007 oder die herangezogenen kantonalen Akten). Von daher bietet der Beschwerdeführerin, welche bis zu ihrem 39. Lebensjahr stets in der Türkei gelebt hat, nur schon das dort bestehende familiäre und soziale Netz einen gewissen Schutz. Unter diesen Umständen kann nicht auf eine konkrete  im Sinne von Art. 14a Abs. 4 ANAG geschlossen werden.
6.2.2 Für die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen nach Auffassung des Rechtsvertreters sodann die Rückenschmerzen seiner Mandantin. Wie oben ausgeführt (E. 6.2), kann sich eine  Gefahr im Sinne von Art. 14a Abs. 4 ANAG auch aus der  Situation der weggewiesenen Person ergeben. Dies setzt voraus, dass die vorgesehene Behandlung notwendig, wesentlich und im Heimatland nicht erhältlich ist (Urteil des  E-5105/2006 vom 4. September 2007 E. 6.2). Entscheidend ist dabei nicht, ob die medizinische Versorgung im Zielland des  einem Vergleich mit schweizerischen medizinischen Standards standhält. Als massgebend erweist sich vielmehr, ob die  medizinischen Behandlungsmöglichkeiten vor Ort  kurzer Zeit und mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine  oder gar lebensbedrohliche Verschlechterung des  erwarten lassen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C-2799/2007 vom 26. Februar 2008 E. 6.3 und C-2276/2007 vom 24. November 2007 E. 8.2).
6.2.3 Nach Angaben der behandelnden Ärzte leidet die  an einer isthmischen Spondylolisthese (Kreuz-, Lenden- und Rückenschmerzen). Sie wurde deshalb am 31. März 2008 in der Klinik Zollikerberg am Rücken operiert (sog. Repositionsspondylodese) und befindet sich nun in der Phase der Rehabilitation. Im Verfahren vor
Seite 11
C-1879/2008
dem Bundesverwaltungsgericht wurde eine Reihe von ärztlichen  und Zeugnissen vorgelegt, die sich zu Diagnose, Notwendigkeit des operativen Eingriffs, eigentlicher Operation sowie postoperativem Verlauf äussern. Aus den diesbezüglichen Unterlagen ergibt sich, dass die Operation komplikationslos verlaufen ist und die wichtigsten  inzwischen abgeschlossen sind (siehe die ärztlichen Zeugnisse von Dr. med. W._ vom 9. April 2008 und 8. Juli 2008 oder den „Austrittsbericht Physiotherapie“ und das ärztliche Zeugnis der Zürcher Höhenklinik Davos vom 28. bzw. 29. April 2008). Dies deckt sich mit den fachärztlichen Erfahrungswerten, wonach die Phase der intensiven Physiotherapie und der Erschwernisse im alltäglichen Leben bei einem Eingriff wie der Spondylodese zwischen vier und sechs Monaten dauert (vgl. den zu Handen des Parteivertreters verfassten Bericht von Dr. med. K._ vom 19. März 2008). Die Beschwerdeführerin ist laut einer Mitteilung von Dr. med. W._ vom 9. Juli 2008 ebenfalls wieder voll reisefähig. Die entsprechenden Ausführungen des Rechtsvertreters in der Rechtsmitteleingabe vom 20. März 2008 sind durch die dargelegte Entwicklung der Ereignisse mithin weitgehend überholt. Dasselbe gilt hinsichtlich der Durchführbarkeit besagten operativen Eingriffs in der Türkei und der dortigen Möglichkeiten der unmittelbaren postoperativen Nachsorge. Wohl hat sich die Genesung nach dem operativen Eingriff verzögert und die Patientin ist weiterhin nicht beschwerdefrei, indessen besteht aufgrund der Akten kein Anlass für die Annahme, dass die  im jetzigen Stadium auf eine notwendige medizinische  angewiesen ist, welche in ihrem Heimatland nicht erhältlich wäre. Allenfalls zu Ende zu führenden Therapien oder  (laut einer Behandlungsbestätigung vom 8. Juli 2008 rechnete der behandelnde Arzt damals mit einer Behandlung bis zum 23.  2008) kann die kantonale Migrationsbehörde bei der  der Vollzugsmodalitäten Rechnung tragen. Alles in allem sind die verbliebenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht als derart  zu erachten, dass von einer konkreten Gefährdung für die  im Fall einer Rückkehr auszugehen wäre.
6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der Wegweisungsvollzug bei der Beschwerdeführerin als möglich, zulässig und zumutbar  (Art. 14a Abs. 2 bis 4 ANAG).
7. Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bun-
Seite 12
C-1879/2008
desrecht nicht verletzt (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
8. 8.1 Da der Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung des  vom 11. Juli 2008 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist sie von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu  (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
8.2 Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistandes wird auf Fr. 1'200.- festgesetzt (Art. 65 Abs. 2 und 3 VwVG i.V.m. Art. 9, 10, 12 und 14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Dispositiv Seite 13
Seite 13
C-1879/2008