Decision ID: cc514553-b1eb-5c83-bc94-02041dd13af9
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (im Folgenden: Beschwerdeführerin) erlangte im Jahr 1981 ein
Diplom als Physiotherapeutin in Polen. Am 20. Januar 1993 wurde die Be-
schwerdeführerin vom Schweizerischen Roten Kreuz (im Folgenden: Vo-
rinstanz) als diplomierte Physiotherapeutin registriert. Sie führt seit 1998
eine Physiotherapiepraxis in der Schweiz.
Im Jahr 2015 beurteilte die Beschwerdeführerin als begleitende Fachper-
son den Anpassungslehrgang einer Physiotherapeutin (B._) mit ei-
nem in Deutschland erworbenen Diplom. Mit Verfügung vom 2. März 2016
anerkannte die Vorinstanz diesen Ausbildungsabschluss.
Vom 1. Februar bis 31. Juli 2019 beurteilte die Beschwerdeführerin als be-
gleitende Fachperson den Anpassungslehrgang von C._, einem
Physiotherapeuten mit einem in Italien erworbenen Diplom. Mit Entscheid
vom 18. September 2019 wies die Vorinstanz das Gesuch von C._
um Anerkennung dieses Anpassungslehrgangs ab, mit der Begründung,
die Beschwerdeführerin erfülle die Voraussetzungen an eine geeignete Be-
gleitperson nicht.
Die Beschwerdeführerin ersuchte die Vorinstanz mit E-Mail vom 26. Sep-
tember 2019 um Überprüfung der Anerkennungsgesuche von zwei ihrer
Angestellten, die sich derzeit im Anerkennungsverfahren befänden.
Mit E-Mail vom 8. Oktober 2019 teilte die Vorinstanz der Beschwerdefüh-
rerin mit, sie könne auch aufgrund der eingereichten Unterlagen nicht als
Begleitperson für einen Anpassungslehrgang akzeptiert werden. Die
Grundvoraussetzungen für eine Begleitung des Anpassungslehrgangs
seien die Berechtigung, den geschützten Titel "Bachelor of Science" in der
entsprechenden Fachrichtung zu führen, der Besitz eines schweizerischen
Diploms mit nachträglichem Titelerwerb oder der Besitz der entsprechen-
den Anerkennungsverfügung der Vorinstanz auf dem Niveau Fachhoch-
schule (im Folgenden auch: FH). Die Beschwerdeführerin erfülle keines
dieser Kriterien. Sie habe die Möglichkeit, eine Anerkennung auf Niveau
Fachhochschule zu beantragen.
Mit E-Mail vom 8. Oktober 2019 wandte die Beschwerdeführerin ein, der
Vorwurf, ihre Nachweise würden den Erwerb von Kenntnissen im wissen-
schaftlichen Arbeiten nicht belegen, sei angesichts ihres Masterstudiums
B-603/2021
Seite 3
an einer staatlichen Universität in Polen unzutreffend, und ersuchte um
eine Neubeurteilung.
Mit E-Mail vom 11. Oktober 2019 teilte die Vorinstanz der Beschwerdefüh-
rerin mit, anhand der von ihr eingereichten Nachweise sei der Erwerb von
Kenntnissen des wissenschaftlichen Arbeitens nicht nachgewiesen.
Die Beschwerdeführerin ersuchte mit E-Mail vom 24. Oktober 2019 um
eine erneute Prüfung.
Mit E-Mail vom 1. November 2019 wies die Vorinstanz erneut auf ihre An-
forderungen an die Begleitperson für einen Anpassungslehrgang hin. Sie
sei bereit, auf Anfrage und "sur Dossier" zu prüfen, ob die Anforderungen
erfüllt seien, auch wenn die Beschwerdeführerin nicht über den geschütz-
ten Schweizer Titel "Bachelor of Science" oder über eine Anerkennung auf
der FH-Stufe verfüge oder im Besitz eines schweizerischen Diploms mit
nachträglichem Titelerwerb sei.
Mit E-Mail vom 15. November 2019 wandte die Beschwerdeführerin ein,
sie erachte es aus Sicht der Rechtssicherheit als problematisch, dass ihr
die von der Vorinstanz vorgenommene Praxisänderung nicht kommuniziert
worden sei.
Mit E-Mail vom 26. November 2019 gestand die Vorinstanz zu, dass der
durch die Beschwerdeführerin im Jahr 2015 begleitete Anpassungslehr-
gang mangels konsequenter Überprüfung akzeptiert worden sei, obwohl
die Beschwerdeführerin die damals gültigen Bedingungen ebenfalls nicht
erfüllt habe.
Mit E-Mail vom 20. September 2020 wies die Beschwerdeführerin darauf
hin, dass ihr anlässlich des Anpassungslehrgangs von Frau B._ im
Jahr 2015 von der Vorinstanz telefonisch zugesichert worden sei, dass sie
aufgrund ihrer im Hochschulstudium verfassten Masterarbeit und dem im
Jahr 2002 erfolgreich abgeschlossenen Nachdiplomstudium die Anforde-
rungen eines Praxisbegleiters erfülle und befugt sei, die wissenschaftliche
Arbeit von Frau B._ zu begleiten. Sie habe inzwischen ein zweites
Nachdiplomstudium im Umfang von 350 Lektionen abgelegt und eine wis-
senschaftliche Arbeit geschrieben.
Die Vorinstanz informierte die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 23. Sep-
tember 2020 darüber, dass sie die Möglichkeit habe, ihre Diplome und Zer-
B-603/2021
Seite 4
tifikate sowie die Ausbildungsbestätigungen der von ihr absolvierten Wei-
terbildungen einzureichen, damit die Vorinstanz prüfe, ob die Anforderun-
gen an die Kompetenzen in wissenschaftlichem Arbeiten erfüllt seien. Falls
dies der Fall sei, könne sie die Beschwerdeführerin "sur Dossier" als Be-
gleitperson zulassen. Die Beschwerdeführerin könne aber auch ein neues
Anerkennungsverfahren auf der Stufe Fachhochschule beantragen.
Mit Schreiben vom 8. Oktober 2020 ersuchte die Beschwerdeführerin bei
der Vorinstanz um "Anerkennung auf dem Niveau Fachhochschule. Zulas-
sung 'sur dossier' als Begleitperson" und reichte Unterlagen zu von ihr ab-
solvierten Weiterbildungen ein.
B.
Mit Schreiben vom 20. November 2020 lehnte die Vorinstanz das Gesuch
um Aufnahme als Begleitperson für Anpassungslehrgänge auf dem Niveau
FH ab.
Zur Begründung führte sie aus, während der Ausgleichsmassnahmen
müssten Gesuchstellende im Anerkennungsverfahren in der Regel Lücken
im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens kompensieren. Dabei müsse
die begleitende und beurteilende Fachperson insbesondere im gleichen
Unternehmen arbeiten, im Besitz eines Schweizer Titels "Bachelor of Sci-
ence" in der entsprechenden Fachrichtung, eines Schweizer Diploms der
entsprechenden Fachrichtung mit nachträglichem Titelerwerb oder eines
ausländischen Diploms der entsprechenden Fachrichtung mit Anerken-
nung durch die Vorinstanz auf Niveau Fachhochschule sein. Die Beschwer-
deführerin könne dieses Profil nicht nachweisen, weshalb die Vorinstanz
die von ihr eingereichten Fort- und Weiterbildungsnachweise geprüft habe.
Leider habe sie in den Unterlagen keine vergleichbaren Inhalte im Bereich
des wissenschaftlichen Arbeitens gefunden, die Kenntnisse und Fähigkei-
ten umfassten, wie sie an den schweizerischen Studiengängen in Physio-
therapie vermittelt würden.
C.
Mit E-Mail vom 30. November 2020 erkundigte sich die Beschwerdeführe-
rin, bei welcher Instanz und innert welcher Frist sie gegen den negativen
Entscheid der Vorinstanz rekurrieren könne.
Die Vorinstanz teilte der Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 4. Dezember
2020 mit, die Zulassung "sur dossier" sei keine Dienstleistung im Rahmen
des gesetzlich geregelten Anerkennungsverfahrens. Sie erbringe diesen
B-603/2021
Seite 5
Mehraufwand freiwillig und kostenfrei, zudem bestehe kein Anspruch auf
Zulassung. Daher existiere weder die Möglichkeit, gegen den Entscheid
Beschwerde einzulegen, noch gebe es eine zuständige Instanz.
D.
Mit Eingabe vom 17. Januar 2021 erhebt die Beschwerdeführerin beim
Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation Beschwerde ge-
gen den Entscheid der Vorinstanz vom 20. November 2020, welche am
9. Februar 2021 zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht
weitergeleitet wird.
Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin aus, die Vorinstanz habe ih-
ren negativen Entscheid einzig damit begründet, dass die Beschwerdefüh-
rerin nicht 10 ECTS-Punkte im wissenschaftlichen Arbeiten nachweisen
könne. Dies sei doppelt so viel, wie von Personen mit Schweizer Diplomen
ohne Bachelortitel erwartet werde. Sie rügt, ihre zwei Nachdiplomstudien
seien nicht akzeptiert und die wissenschaftlichen Arbeiten aus ihrem Mas-
terstudium und Nachdiplomstudium nicht berücksichtigt worden. Sie er-
achte das Vorgehen und den Entscheid der Vorinstanz als willkürlich und
diskriminierend.
E.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 9. April 2021, auf
die Beschwerde sei nicht einzutreten. Die Beschwerdeführerin sei nicht zur
Beschwerde legitimiert. Die Vorinstanz verzichte daher darauf, sich zu den
materiellen Vorbringen (Willkür, Diskriminierung) zu äussern und hole dies
nach, falls das Bundesverwaltungsgericht auf die Beschwerde eintreten
sollte.
Zur Begründung führt sie aus, seit dem 1. Januar 2014 werde die Physio-
therapeutenausbildung bundesweit ausschliesslich auf Fachhochschulni-
veau angeboten. Seither würden in allen Ausbildungen die Grundlagen des
wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt. Die Vorinstanz habe am 1. Mai
2017 ihre Praxis geändert. Seither könnten nur noch Physiotherapeuten
als "qualifizierte Berufsangehörige" für die Begleitung eines Anpassungs-
lehrgangs gelten, die selber über ausreichend Kenntnisse im Bereich des
wissenschaftlichen Arbeitens verfügten. Im Falle des Anerkennungsverfah-
rens von C._ habe die Beschwerdeführerin mit ihrer Unterschrift im
Qualifikationsbogen fälschlicherweise bestätigt, dass sie die Anforderun-
gen an die begleitende beziehungsweise beurteilende Fachperson erfülle.
B-603/2021
Seite 6
Sie verfüge aber nur über eine Anerkennung als diplomierte Physiothera-
peutin aus dem Jahr 1993 und erfülle damit die auf dem Merkblatt und auf
dem Qualifikationsbogen ausdrücklich aufgeführten Voraussetzungen
nicht.
Es existiere kein Zulassungsverfahren für Begleitpersonen. Die Vorinstanz
prüfe im Einzelfall "sur dossier" und gestützt auf die aktuelle Gesetzgebung
und interne Praxis, ob eine Person als qualifizierte Fachperson für die Be-
gleitung eines Anpassungslehrgangs im Sinne der Richtlinie 2005/36/EG
in Frage komme. Sie habe mehrfach versucht, der Beschwerdeführerin
darzulegen, dass sie keine "Anerkennung als Begleitperson" durchführe,
dass die Anerkennung der Beschwerdeführerin zusammen mit der von die-
ser absolvierten Weiterbildung für die Begleitung von Anpassungslehrgän-
gen auf Niveau Fachhochschule nicht genüge und dass für Personen mit
anerkannter ausländischer Ausbildung die Rechtsgrundlage für den nach-
träglichen Titelerwerb nicht anwendbar seien. Herr C._ habe seine
Anerkennung in der Zwischenzeit erhalten. In Bezug auf jenes Anerken-
nungsverfahren fehle daher ein praktischer Nutzen, den die Beschwerde-
führerin aus der Änderung des angefochtenen Entscheids ziehen könnte.
Auch könnte sie den angestrebten Erfolg, die Begleitung von Anpassungs-
lehrgängen im Anerkennungsverfahren von Physiotherapeuten, auf ande-
rem Weg erreichen. Entsprechend sei auf ihre Beschwerde mangels Be-
schwerdelegitimation nicht einzutreten.
F.
Die Beschwerdeführerin beantragt mit Replik vom 9. Mai 2021 die Aufhe-
bung des Entscheids vom 20. November 2020. Sie rügt eine Verletzung
ihrer Grundrechte, weil die Vorinstanz ihr jegliche Beschwerdemöglichkeit
verweigert habe. Das Verfahren "sur dossier" verletze die verwaltungs-
rechtlichen Grundrechte und ermögliche eine willkürliche Beurteilung. Die
Anforderungen, welche an sie gestellt würden, seien höher als diejenigen
an Personen mit gleichwertigen Schweizer Diplomen im Rahmen des
nachträglichen Titelerwerbs. Sie bestreite, dass ihre Anerkennung zusam-
men mit ihrer Weiterbildung nicht für die Begleitung von Lehrgängen ge-
nüge. Auch sei sie zur Beschwerde legitimiert. Ihre Beschwerde beziehe
sich auf den Entscheid vom 20. November 2020, mit welchem ihr Gesuch
vom 8. Oktober 2020 abgelehnt worden sei. Sie habe ein schutzwürdiges
Interesse an der Aufhebung des Entscheids, da ihr darin die Aufnahme als
Begleitperson für Anpassungslehrgänge auf dem Niveau FH verweigert
worden sei. Als Verfügungsadressatin sei sie stärker betroffen als ein be-
liebiger Dritter, weshalb nicht von einer Popularbeschwerde gesprochen
B-603/2021
Seite 7
werden könne. Auch stelle die Vorinstanz den praktischen Nutzen eines
positiven Entscheids zu Unrecht in Frage. Als Praxisinhaberin und -leiterin
sei es von existentieller Bedeutung, dass sie Therapeuten mit ausländi-
schen Diplomen in ihrem Anpassungslehrgang betreuen könne.
G.
Mit Duplik vom 9. Juni 2021 hält die Vorinstanz an ihrem Antrag auf Nicht-
eintreten fest. Sie beantragt eventualiter, sich zu den aufgeworfenen ma-
teriell-rechtlichen Fragen äussern zu können, falls das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerdelegitimation bejahen sollte.
H.
Auf die weiteren Eingaben der Parteien wird in den Erwägungen eingegan-
gen, soweit sie relevant sind.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Angefochten im vorliegenden Fall ist das Schreiben der Vorinstanz vom
20. November 2020, mit dem diese das Gesuch der Beschwerdeführerin
vom 12. Oktober 2020 (recte: 8. Oktober 2020) um Zulassung als Begleit-
person Anpassungslehrgang Physiotherapie Niveau Fachhochschule ab-
lehnte.
Die Vorinstanz beantragt, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, da die
Beschwerdeführerin nicht zur Beschwerde legitimiert sei. Eventualiter be-
antragt sie, sich zu den materiellen Vorbringen der Beschwerdeführerin
erst äussern zu können, falls das Bundesverwaltungsgericht auf die Be-
schwerde eintreten sollte.
Sinngemäss beantragt sie damit einen gesonderten Zwischenentscheid
zur Eintretensfrage.
1.1. In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht nicht geson-
dert über die Prozessvoraussetzungen, sondern erst im Rahmen des Ent-
scheids in der Sache. Es kann sich jedoch aus prozessökonomischen
Gründen rechtfertigen, über diese Frage in einem selbständig anfechtba-
ren Zwischenentscheid zu befinden. Werden die Eintretensvoraussetzun-
gen verneint, führt dies sofort zu einem Endentscheid. Werden sie dagegen
B-603/2021
Seite 8
bejaht, kann der entsprechende Zwischenentscheid selbständig beim Bun-
desgericht anfechtbar sein, sofern die Gutheissung der Beschwerde dage-
gen sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden
Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren erspa-
ren würde (Art. 93 Abs. 1 Bst. b des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni
2005 [BGG, SR 173.110]; FELIX UHLMANN, in: Basler Kommentar zum Bun-
desgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, Art. 93 N. 19 ff.). Ob diese Voraussetzun-
gen vorliegend gegeben sind, erscheint zwar als fraglich, doch ist es nicht
Sache des Bundesverwaltungsgerichts, darüber zu entscheiden, ob die
Eintretensvoraussetzungen für eine Beschwerde an das Bundesgericht ge-
geben sind oder nicht. Dass diejenige Partei, welche das Nichteintreten
beantragt, einen selbständigen Zwischenentscheid wünscht, reicht daher
aus, um einem entsprechenden Begehren nachzukommen.
1.2. Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 (VwVG, SR 172.021) (Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.3]).
Als Verfügungen gelten gemäss Art. 5 Abs. 1 VwVG Anordnungen der Be-
hörden im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stützen
und zum Gegenstand haben: Begründung, Änderung oder Aufhebung von
Rechten oder Pflichten (Bst. a); Feststellung des Bestehens, Nichtbeste-
hens oder Umfanges von Rechten oder Pflichten (Bst. b); Abweisung von
Begehren auf Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von
Rechten oder Pflichten oder das Nichteintreten auf ein solches Begehren
(Bst. c).
Die Vorinstanz hat das angefochtene Schreiben vom 20. November 2020
nicht ausdrücklich als Verfügung bezeichnet. Das Schreiben trägt die Über-
schrift "Gesuch um Zulassung sur Dossier als Begleitperson Anpassungs-
lehrgang Physiotherapie Niveau Fachhochschule", bezieht sich in der Be-
gründung dann ausdrücklich auf das entsprechende Gesuch der Be-
schwerdeführerin vom 12. Oktober 2020 (recte: 8. Oktober 2020) und en-
det mit der Aussage: "Aus diesem Grund müssen wir Ihr Gesuch um Auf-
nahme als Begleitperson für Anpassungslehrgänge auf dem Niveau FH ab-
lehnen". Das Schreiben trägt weiter die Unterschrift der Leiterin Expertise
Anerkennung Ausbildungsabschlüsse der Vorinstanz.
Die Vorinstanz ist zuständig für die Anerkennung von ausländischen Diplo-
men (Art. 10 Abs. 3 des Gesundheitsberufegesetzes vom 30. September
B-603/2021
Seite 9
2016 [GesBG, SR 811.21] i.V.m. Art. 2 Abs. 1 der Gesundheitsberufeaner-
kennunsgverordnung vom 13. Dezember 2019 [GesBAV, SR 811.214]), ge-
gebenenfalls unter der Bedingung von zuerst absolvierten Ausgleichsmas-
snahmen (Art. 10 Abs. 4 GesBG). Die Vorinstanz ist daher auch zuständig
für den Entscheid darüber, welchen Anforderungen derartige Ausgleichs-
massnahmen zu genügen haben, beispielsweise in Bezug auf die beglei-
tende und beurteilende Fachperson. Die Ablehnung des Gesuchs der Be-
schwerdeführerin um Zulassung als derartige Begleitperson stellt insofern
eine autoritative, einseitige, individuell-konkrete Anordnung der für die be-
treffende Anordnung zuständigen Behörde dar und ist daher als Verfügung
im Sinn von Art. 5 Abs. 1 Bst. c VwVG einzustufen.
Verfügungen sind als solche zu bezeichnen und den Adressaten schriftlich,
begründet und mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen zu eröffnen
(Art. 34 f. VwVG). Formvorschriften sind allerdings nicht Voraussetzung für
die Einstufung eines Entscheids als Verfügung, sondern deren Folge; wird
eine Verfügung zu Unrecht nicht als solche bezeichnet, so stellt dies einen
Formfehler dar, hat aber keine Auswirkung auf die Qualifikation als Verfü-
gung. Dass die Vorinstanz die angefochtene Verfügung nicht als solche
bezeichnet und sie auch nicht mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen,
sondern auf konkrete Anfrage der Beschwerdeführerin die Möglichkeit ei-
nes Rechtsmittels verneint hat, ist daher in diesem Zusammenhang nicht
relevant.
1.3. Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen der Vorinstanz (Art. 33 Bst. h VGG; vgl.
Zwischenentscheid des BVGer B-1813/2020 vom 26. Februar 2021
E. 2.2.4).
1.4. Die Vorinstanz bestreitet die Beschwerdelegitimation der Beschwerde-
führerin. Diese habe ein schriftliches Gesuch um Zulassung "sur Dossier"
als Begleitperson Anpassungslehrgang Physiotherapie Niveau Fachhoch-
schule gestellt und darauf einen negativen Entscheid erhalten. Indessen
existiere gar kein Zulassungsverfahren für Begleitpersonen. Die Vorinstanz
prüfe im Einzelfall ("sur dossier") und gestützt auf die aktuelle Gesetzge-
bung und interne Praxis, ob eine Person als qualifizierte Fachperson für
die Begleitung eines Anpassungslehrgangs im Sinne der Richtlinie
2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. Septem-
ber 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (ABl. L 255/22
vom 30. September 2005) in Frage komme. Die Prüfung im Einzelfall ("sur
dossier") sei immer an ein konkretes Anerkennungsverfahren – vorliegend
B-603/2021
Seite 10
an das Anerkennungsverfahren von C._ – gekoppelt. Insofern
handle es sich im vorliegenden Fall um eine Beschwerde eines Dritten, der
nicht Verfügungsadressat sei. In einem derartigen Fall müsse der Drittbe-
schwerdeführer neben der spezifischen Beziehungsnähe auch einen prak-
tischen Nutzen aus einer allfälligen Aufhebung oder Änderung des ange-
fochtenen Entscheids ziehen können. Dies könne die Beschwerdeführerin
aber nicht. C._ habe seine Anerkennung in der Zwischenzeit erhal-
ten. In Bezug auf dessen Anerkennungsverfahren fehle daher ein prakti-
scher Nutzen, den die Beschwerdeführerin aus der Änderung des ange-
fochtenen Entscheids ziehen könnte. Sie könnte den angestrebten Erfolg
(Begleitung von Anpassungslehrgängen im Anerkennungsverfahren von
Physiotherapeuten) auf anderem Weg erreichen.
1.4.1. Zur Beschwerde ist legitimiert, wer am vorinstanzlichen Verfahren
teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme hatte, durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt ist und zudem ein schutzwür-
diges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung hat
(Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.4.2. Zwar ist unbestritten, dass das Gesuch der Beschwerdeführerin vom
8. Oktober 2020 durch die von der Vorinstanz verweigerte Anerkennung
des Anpassungslehrgangs von C._ ausgelöst wurde. Begleitperson
dieses Lehrgangs war die Beschwerdeführerin gewesen, was von der Vo-
rinstanz als Grund für die Verweigerung der Anerkennung angeführt wor-
den war. Angefochten ist im vorliegenden Fall indessen nicht die an
C._ adressierte Verfügung vom 18. September 2019, mit der die
Vorinstanz die Anerkennung seines Anpassungslehrgangs verweigert
hatte, sondern, wie dargelegt, die Verfügung der Vorinstanz vom 20. No-
vember 2020, mit der diese das Gesuch der Beschwerdeführerin vom
12. Oktober 2020 (recte: 8. Oktober 2020) um Zulassung als Begleitperson
Anpassungslehrgang Physiotherapie Niveau Fachhochschule ablehnte.
Adressatin dieser Verfügung war die Beschwerdeführerin, nicht
C._. Von einer Drittbeschwerdeführung kann daher keine Rede
sein.
1.4.3. Als Gesuchstellerin, die mit ihren Anträgen vor der Vorinstanz nicht
durchgedrungen ist, ist die Beschwerdeführerin durch die angefochtene
Verfügung offensichtlich besonders berührt. Sie macht auch konkret gel-
tend, dass sie ein wirtschaftliches Interesse daran habe, bereits im Voraus
zu wissen, dass Anpassungslehrgänge, welche sie in ihrer Praxis begleite,
anschliessend auch von der Vorinstanz anerkannt würden. Dieses Inter-
B-603/2021
Seite 11
esse wird von der Vorinstanz nicht bestritten und ist nachvollziehbar. Die
Beschwerdeführerin hat insofern auch ein schutzwürdiges Interesse an ei-
ner Änderung der angefochtenen Verfügung.
1.4.4. Die Beschwerdeführerin ist daher zur Beschwerde legitimiert.
1.5. Die Beschwerde wurde zwar erst kurz nach Ablauf der Beschwerde-
frist eingereicht (vgl. Art. 50 Abs. 1 VwVG i.V.m Art. 22a Abs. 1 VwVG). Zu
berücksichtigen ist indessen, dass die angefochtene Verfügung nicht nur
keine Rechtsmittelbelehrung enthielt, sondern dass die Vorinstanz die Be-
schwerdeführerin auf deren diesbezügliche Anfrage hin mit E-Mail vom
4. Dezember 2020 noch die unzutreffende Auskunft erteilte, es existiere
weder die Möglichkeit, gegen den Entscheid Beschwerde einzulegen, noch
gebe es dafür eine zuständige Instanz. Nach dem Prinzip von Treu und
Glauben kann eine Vertrauensgrundlage beachtlich sein, wie sie unter an-
derem durch eine falsche Rechtsmittelbelehrung entstehen kann, so dass
dem Rechtssuchenden daraus kein Nachteil entstehen darf. Vorausset-
zung ist, dass die fehlerhafte Rechtsmittelbelehrung von der zuständigen
Stelle ausging und die Partei die Unrichtigkeit auch bei gebührender Auf-
merksamkeit nicht erkennen konnte (BGE 135 III 374 E. 1.2.2.1, BGE 138
I 49 E. 8.3). Im vorliegenden Fall sind keine Umstände ersichtlich, aus de-
nen die nicht rechtskundige und rechtlich nicht vertretene Beschwerdefüh-
rerin noch vor Mitte Januar hätte erkennen müssen, dass entgegen der
unzutreffenden Auskunft der Vorinstanz eine Anfechtung möglich war. Die
Beschwerdeerhebung erst am 17. Januar 2021 ist daher als fristgerecht
einzustufen.
1.6. Die Formvorschriften sind gewahrt (vgl. Art. 52 Abs. 1 VwVG) und der
Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG).
1.7. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Über die Kosten für den vorliegenden Zwischenentscheid ist mit dem Ent-
scheid in der Hauptsache zu befinden.
B-603/2021
Seite 12
Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Auf die Beschwerde wird eingetreten.
2.
Über die Kostenfolgen des vorliegenden Zwischenentscheides wird mit
dem Entscheid in der Hauptsache befunden.
3.
Dieser Entscheid geht an:
– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Gerichtsurkunde)
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:
Eva Schneeberger Beatrice Grubenmann
B-603/2021
Seite 13