Decision ID: cd557ee0-c5a8-5b88-80cf-53e352c7b0af
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 30. April 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Die Versicherte arbeitet seit 1974 als Kitterin
für die B._ AG. Ab November 2008 war sie während drei Monaten zu 100%
arbeitsunfähig; seit Februar 2009 ist sie noch zu einem 50%-Pensum tätig (IV-act.
28-1; act. 14-1 ff.).
A.b Bereits im Dezember 2006 war die Versicherte in der Rheumatologie J._ durch
Dr. med. C._, Facharzt Innere Medizin FMH, rheumatologisch beurteilt worden. Es
wurde damals eine seit etwa dem Jahr 2000 bestehende rheumatoide Arthritis
beschrieben. Weiter wurden ein beidseitiges, linksbetontes CarpaltunneIsyndrom,
beginnende Fingerpolyarthrosen, ein chronisches Panvertebralsyndrom, eine
rezidivierende Cephalea/Migräne, eine arterielle Hypertonie, eine Adipositas sowie ein
Zustandsbild nach rezidivierender Nephrolithiasis angegeben (IV-act. 9-9 ff.). Im Mai
2007 wurde von der Klinik D._ ein wahrscheinlich primäres Fibromyalgiesyndrom, ein
Sicca-Syndrom, beginnende Fingerpolyarthrosen, eine arterielle Hypertonie, eine
Adipositas sowie ein Zustandsbild nach rezidivierender Nephrolithiasis diagnostiziert.
Das Vorliegen einer rheumatoiden Arthritis wurde als unwahrscheinlich erachtet (IV-act.
9-13ff.). Dr. med. E._, Facharzt medizinische Radiologie FMH, führte am 25.
November 2008 eine lumbale-vertebrospinale Kernspintomographie durch. Er
befundete eine mittelgradige Spondylarthrose L4/5 und eine rechtsforaminale
Diskushernie mit Kompression der L4-Nervenwurzel rechts im foraminalen Verlauf, eine
leichtgradige L4-Nervenwurzelkompression rechts recessal bei kleiner rechts
recessaler Diskusherniekomponente L3/L4, eine leichtgradige linksforaminale Enge L3/
L4 ohne Nervenkompression, eine Degeneration der Bandscheiben L12-L3 je mit
kleiner Protrusion ohne Nervenkompression sowie eine leichtgradige Osteochondrose
und Spondylose Th11/Th12 (IV-act. 9-17). Am 27. April und 3. Mai 2009 wurden in der
Klinik D._ weitere ambulante Untersuchungen durchgeführt (IV-act. 12-7ff.). Im
Arztbericht vom 3. Juni 2009 nannten die Klinikärzte als Diagnose mit Auswirkung auf
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die Arbeitsfähigkeit ein Fibromyalgiesyndrom, wahrscheinlich primär. Als Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sind aufgeführt: Sicca-Syndrom; beginnende
Fingerpolyarthrose; arterielle Hypertonie; Adipositas; Status nach rezidivierender
Nephrolithiasis. Unter physiotherapeutischen Massnahmen werde eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit von 50% auf 75% und 100% erwartet. Es bestünden somit keine
relevanten Einschränkungen in der bisherigen Tätigkeit (IV-act. 12-1 ff.). Der Hausarzt
der Versicherten, Dr. med. F._, stellte in seinem Arztbericht zuhanden der IV-Stelle
vom 2. Juni 2009 die Diagnosen Fibromyalgiesyndrom, Diskushernie rechts,
generalisiertes Schmerzsyndrom, arterielle Hypertonie, Status nach Nephrolithiasis (IV-
act. 9-1 ff.). Im Verlaufsbericht vom 26. August 2009 gab der Hausarzt sodann an, dass
der Gesundheitszustand der Versicherten stationär sei bzw. sich keine Änderung der
Diagnosen ergäbe. Es müsse weiterhin von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus
gegangen werden (IV-act. 15).
A.c Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen veranlasste am 26. November 2009 eine
medizinische Abklärung (IV-act. 21). Am 18. Januar 2010 erfolgte eine internistische/
rheumatologische Untersuchung durch Dr. med. G._, Spezialarzt FMH für Innere
Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, und eine psychiatrische Untersuchung durch
Dr. med. H._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie. Gemäss dem
Gutachten vom 15. Februar 2010 könne die bisherige Arbeit der Versicherten mit
Gewährung vermehrter Kurzpausen, allenfalls leicht verkürzter Arbeitszeit, im Ausmass
von 80% Arbeitsfähigkeit weiterhin zugemutet werden. Im Haushalt sei ebenfalls nur
eine leichtgradige, höchstens 20%ige Einschränkung anzunehmen (IV-act. 28-11).
A.d Mit Vorbescheid vom 6. August 2010 stellte die kantonale IV-Stelle der
Versicherten in Aussicht, ihr Leistungsbegehren werde abgewiesen. Die Abklärungen
hätten ergeben, dass sowohl in der angestammten wie auch in jeder adaptierten
Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Da der Invaliditätsgrad somit unter
40% liege, bestehe kein Rentenanspruch (IV-act. 41).
A.e Die Versicherte erhob mit Schreiben vom 6. September 2010 Einwand. Sie sei mit
dem Vorbescheid nicht einverstanden. Die Befunde des IV-Arztes würden nicht mit
denen anderer Fachpersonen übereinstimmen. Bei der letzten Untersuchung in der
Klinik D._ vom 27. April 2009 sei eine Steigerung der körperlichen Belastbarkeit
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erwartet worden. Es sei dann allerdings eher das Gegenteil eingetroffen. Sie habe in
den letzten 1.5 Jahren mehrere Kurorte bzw. Rehabilitationskliniken besucht. Sie sei
aus medizinischen Gründen lediglich in der Lage, ein Arbeitspensum von max. 50% zu
erbringen (IV-act. 42). Auf Aufforderung der IV-Stelle reichte die Versicherte einen
Arztbericht einer Rehabilitationsklinik im Land I._ nach, wo sie vom 15. bis 22.
August 2010 in Behandlung war. Der Bericht nennt als neue Diagnose namentlich eine
Depression. Durch die Behandlung sei es zu einer leichten Verbesserung des Zustands
gekommen. Die Versicherte sei jedoch unfähig, jegliche Arbeit auszuüben (IV-act.
44-3).
A.f Die IV-Stelle forderte den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) auf, zum Bericht der
Klinik in I._ Stellung nehmen. Der RAD führte aus, die Ergebnisse des Berichts
stünden in krassem Widerspruch zur Tatsache, dass die Versicherte einer 50%igen
Erwerbstätigkeit nachgehe. Eine Verschlechterung seit der Begutachtung sei nicht
plausibel (IV-act. 45).
A.g Am 22. Oktober 2010 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-act.
46).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Versicherten - vertreten durch
Rechtsanwalt Andreas Fäh - eingereichte Beschwerde vom 23. November 2010. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge beantragt sie, es sei die Verfügung vom 22. Oktober
2010 aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin eine halbe Rente zuzusprechen.
Zur Begründung wird ausgeführt, die Schmerzen, welche sie in der Ausführung ihrer
feinmotorischen Tätigkeit behinderten, würden ohne weiteres auf eine rheumatoide
Arthritis passen. Nachdem diese nicht ausgeschlossen werden könne und selbst das
Gutachten, auf welche sich die Rentenverfügung im Wesentlichen stütze, eine solche
nicht ausschliesse, sei der medizinische Sachverhalt noch nicht genügend festgestellt.
Diesbezüglich seien weitere medizinische Abklärungen zu tätigen. Was die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit betreffe, seien die Ergebnisse des Gutachtens,
wonach der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit zu 80% zumutbar sei, nicht
nachvollziehbar. Der behandelnde Arzt kenne seine Patientin am besten. Es sei deshalb
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von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen und die Zusprechung einer halben
Rente damit ohne weiteres gerechtfertigt (act. G1).
B.b Am 20. Mai 2011 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Beschwerdeantwort ein.
Darin beantragt sie, die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung führt sie aus,
einem Gutachten, welches auf umfassenden Kenntnissen des Sachverhalts basiert,
komme gegenüber den Berichten der behandelnden Ärzte Priorität zu; bei letzteren
stehe die Zusprache von Sozialversicherungsleistungen und nicht die objektive und
unabhängige Ermittlung des Sachverhalts im Vordergrund. Das Gutachten entspreche
den Anforderungen der Rechtsprechung. Die von der Beschwerdeführerin eingebrachte
rheumatoide Arthritis werde von den Gutachtern als verlaufsmässig möglich und wenig
aktive, seronegative, nicht erosive Arthritis beschrieben. Die Arthritis sei im Gutachten
bereits bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung gewürdigt worden. Da sie als wenig aktiv
und mit geringer Entzündungsaktivität beschrieben werde, dürfte sie sich auch nicht
weiter einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Sodann sei zu beachten, dass
die Gutachter grundsätzlich keine Differenz zwischen ihrer eigenen Beurteilung und
jener der Klinik D._ bzw. der Rheumatologie J._ feststellten. Dr. K._ von der
Klinik D._ habe gar eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf bis zu 100% für möglich
gehalten. Gesamthaft sei mit dem Gutachten davon auszugehen, dass bei der
Beschwerdeführerin eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (act. G 11).
B.c Mit Replik vom 16. September 2011 führte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin aus, auch Gutachter würden die Interessenlage ihrer
Auftraggeberin nicht gänzlich aus den Augen verlieren, deshalb könne die
Einschätzung der Gutachter nicht als sakrosankt gelten. Sodann sei aktenkundig, dass
die Beschwerdeführerin sowohl gegenüber den Gutachtern als auch im Assessment-
Gespräch vom 10. Juni 2010 über regelmässige Erschöpfungszustände geklagt habe.
Diese seien weder von gutachterlicher noch hausärztlicher Seite diagnostisch
eingeordnet bzw. überhaupt diskutiert worden, obwohl sie mutmasslich sehr erhebliche
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hätten. Die Versicherte
habe am 2. Mai 2011 nach einem Bewusstseinsverlust am Arbeitsplatz notfallmässig im
Spital Z._ behandelt werden müssen. Es sei vom Spital eine hypertensive und
valvuläre Herzkrankheit diagnostiziert worden. Zudem werde wegen der ständigen
Müdigkeit der Beschwerdeführerin nach ersten Abklärungen ein obstruktives
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Schlafsyndrom vermutet. Aufgrund dieser neuen Diagnosen sei nicht auszuschliessen,
dass die schon lange aktenkundig beklagten Erschöpfungszustände krankheitsbedingt
seien. Eine krankheitsbedingte Erschöpfung könnte auch die Ursache für das gemäss
Gutachten nicht erklärbare Schmerzempfinden der Beschwerdeführerin sein. Nebenbei
sei darauf hinzuweisen, dass Bewusstseinsverluste bereits früher eingetreten seien,
seitens der Klinik D._ jedoch kein Grund dafür eruierbar gewesen sei. Aufgrund der
neuen Diagnosen, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit die Arbeitsfähigkeit im
Verfügungszeitpunkt betroffen hätten, sei die Angelegenheit zur ergänzenden
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 17). Die Versicherte
legte der Replik einen provisorischen Arztbericht des Spitals Z._ über die
Hospitalisation vom 2. bis 5. Mai 2011 bei (act. G 17.1).
B.d In ihrer Duplik vom 3. Oktober 2011 erklärte die Beschwerdegegnerin, sie halte an
ihren Ausführungen in der Beschwerdeantwort und an ihrem Antrag vollumfänglich fest
(act. G 19).

Erwägungen:
1.
1.1 Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin streitig.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
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50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
2.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Die
Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar
erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten,
die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V
351 E. 3b/bb). Insbesondere ist zu beachten, dass es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten (BGE 124 I
175 E. 4) nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder
ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E.
2.2.1 mit Hinweisen).
2.2
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2.2.1 Die Verfügung vom 22. Oktober 2010 basiert in medizinischer Hinsicht auf
dem Gutachten von Dr. med. G._ (internistisch/rheumatologischer Teil) und Dr. med.
H._ (psychiatrischer Teil) vom 15. Februar 2010. Darin werden als Diagnosen
interdisziplinär mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit genannt: Generalisierte
Schmerzstörung seit 2000 mit objektiv fassbaren Befunden nicht erklärt; DD
anamnestische Fibromyalgie (ICD-10: F45.4) derzeit nicht nachweisbar; leichtgradiges
spondylogenes Cervicalsyndrom bei diskreter Chondrose C5/6, Spondylose C6/7
(ICD-10: M47.8, M50.3); geringgradiges lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
(ICD-10: M51.3, M47.8); leichtgradige Retropatellärarthrose beidseits, klinisch
weitgehend indolent (ICD-10: M17.0). Aus psychiatrischer Sicht bestünde keine
Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Unter den Diagnosen ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit sind aufgeführt: Subjektiv CTS verdächtige Fingerparästhesien,
verlaufsmässig klinisch nicht bestätigt; diskrete Heberdenarthrosen beidseits (ICD-10:
M19.0); rezidivierende Cephalea, Migräne; Hypertonie, medikamentös behandelt seit
1999 ohne Komplikationen; rezidivierende Nephrolithiasis 1999 und 2004; Adipositas,
leichtgradig, BMI 33,5 kg/m ; Status nach Nephrolithiasisabgang 2002; Statuts nach
zwei Geburten 1969 und 1979. Die bisherige Arbeit könne der Versicherten mit
Gewährung vermehrter Kurzpausen, allenfalls verkürzter Arbeitszeit im Ausmass von
80% Arbeitsfähigkeit, weiterhin zugemutet werden. Im Haushalt sei ebenfalls nur eine
leichtgradige, höchstens 20%ige Einschränkung anzunehmen (IV-act. 28-10 f.). Die
beiden Gutachter setzen sich mit den rheumatologischen und psychiatrischen Kriterien
des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin differenziert und in
nachvollziehbarer Weise auseinander. Aufgrund der umfassenden Würdigung dieser
Aspekte kommt dem Gutachten gegenüber den Einschätzungen der behandelnden
Ärzte rechtsprechungsgemäss Priorität zu, d.h. es kann grundsätzlich zur Beurteilung
des Leistungsanspruchs darauf abgestellt werden. Es stellt sich vorliegend jedoch die
Frage, ob die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht wirklich
abschliessend bzw. umfassend beurteilt wurde. Diesbezüglich ist auf die Vorbringen
der Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Replik vom 16. September 2011 hinzuweisen.
Demgemäss hatte diese am 2. Mai 2011 an ihrem Arbeitsplatz einen
Bewusstseinsverlust erlitten und musste notfallmässig ins Spital eingeliefert werden. Im
(provisorischen) Arztbericht vom 5. Mai 2011 sind als Diagnosen genannt: 1. Synkope
unklarer Ätiologie (DD im Rahmen von 3., vasovagal); 2. Arterielle Hypertonie; 3.
2
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Hypertensive und valvuläre Herzkrankheit (leichtes kombiniertes Aortenvitium); 4.
Verdacht auf obstruktives Schlafapnoesyndrom; 5. Verdacht auf Diabetes mellitus
Typ2. Die zur Abklärung der Synkope durchgeführte Diagnostik lasse am ehesten den
Schluss zu, dass die Ursache in der hypertensiven Herzkrankheit oder einer
vasovagalen Reaktion begründet sei. Die Echokardiographie habe das in der
Auskultation gehörte Systolikum bestätigt, welches sich auf die degenerativ veränderte
Aortenklappe zurückführen lasse. Der Bericht erwähnt sodann auch, dass die
Beschwerdeführerin bereits vor sieben Jahren einmalig synkopiert habe mit Vorstellung
im Kantonsspital und Diagnose eines Hypertonus. In Bezug auf das seit drei Jahren
bestehende allgemeine Schwächegefühl ist von einer Anstrengungsdyspnoe NYHA II
die Rede (act. G 17.1).
2.2.2 Gemäss den vorstehenden Ausführungen kann die diagnostizierte
hypertensive und valvuläre Herzkrankheit primär wohl nicht als Ursache für den am 2.
Mai 2011 erlittenen Bewusstseinsverlust bei der Beschwerdeführerin angesehen
werden. Es stellt sich aber gleichwohl die Frage, ob diese neue Diagnose
Auswirkungen auf ihre Arbeitsfähigkeit hat. Von Interesse sind diesbezüglich die von
der Beschwerdeführerin geklagten Erschöpfungszustände. Die Beschwerdeführerin
wies gegenüber den Gutachtern darauf hin, dass sie nicht in der Lage sei, mehr als ca.
200 m zu gehen, dies wegen Knie- und Lumbalschmerzen sowie "totaler Müdigkeit".
Aus dem Bericht der Klinik D._ geht hervor, dass es zufolge der
Erschöpfungszustände bereits in der Vergangenheit dreimal zu Stürzen gekommen sei,
dannzumal jedoch ohne Bewusstseinsverlust. Der Grund dafür sei nicht eruierbar
gewesen (IV-act. 12-2). Die Beschwerdeführerin vermutet einen direkten
Zusammenhang zwischen der Herzerkrankung und den Erschöpfungszuständen. Ein
solcher ist vorliegend jedenfalls nicht auszuschliessen - insbesondere auch nicht
aufgrund des rheumatologisch-psychiatrischen Gutachtens. Es besteht mit anderen
Worten durchaus die Möglichkeit, dass den Erschöpfungszuständen ein Krankheitswert
zukommt, wie er bislang nicht erkannt worden ist und der bereits vor dem
Verfügungszeitpunkt bestanden hat. Es drängen sich zu dieser Frage weitere,
fachkardiologische Abklärungen und damit eine neuerliche Prüfung durch die
Beschwerdegegnerin auf. Zu prüfen sein werden allenfalls auch die weiteren im
provisorischen Arztbericht genannten Diagnosen (Verdacht auf obstruktives
Schlafapnoesyndrom und Diabetes mellitus Typ2).
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3.
3.1 Damit ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung vom 22. Oktober 2010 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden
medizinischen Abklärung und Neuverfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er
scheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin voll
umfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss wird zurückerstattet.
3.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der Be
deutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine Parteient
schädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP