Decision ID: fea01ce4-465b-411c-b1fe-bb3f8131263c
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1969 geborene X._ hat in ihrem Heimatland eine Aus
bil
dung zur Sekretärin absolviert, ist Mutter von vier Kindern (geboren 1993, 1999, 2001) und arbeitete nach ihrer zweiten Einreise in die Schweiz am
1. Juli 2008
zuletzt vom 1. August resp. 1. September 2012 bis am 30. September 2013 stundenweise als Reinigungskraft bzw. Haushaltsangestellte bei verschiedenen Arbeitgebern (Urk. 7/13, Urk. 7/75). Ab 1. November 2013 war sie krankge
schrie
ben (Urk. 7/15). Am 29. Oktober 2013 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hinweis auf
seit 14 Jahren bestehende
Rückenschmerzen und eine Depres
sion bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Be
zug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 7/9). Zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse zog die IV-Stelle einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 7/14) bei und h
olte
einen
Arbeitgeberbericht (Urk.
7/17
)
sowie Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk. 7/24-25, Urk. 7/27, Urk. 7/31, Urk. 7/39)
ein
. Am 21. Januar 2015 auferlegte die IV-Stelle der Ver
sicherten eine Schadenminderungspflicht und hielt sie zwecks Erhaltung des
Gesundheitszustands zur Fortführung der fachärztlichen Therapien an (Urk. 7/42
). Gleichentags erging ein Vorbescheid, mit welchem der Versicherten die Ver
neinung des Leistungsanspruchs in Aussicht gestellt wurde (Urk. 7/43). Dagegen erhob die Versicherte mit Unterstützung ihres behandelnden Allgemein
medi
ziners Einwände (Einwand vom 6. Februar 2015 [Urk. 7/46], begründeter Ein
wand vom 19. März 2015 [Urk. 7/52]). Im Rahmen der weiteren medizinischen und erwerblichen Abklärungen liess die IV-Stelle bei der Medas Y._ ein polydisziplinäres Gutachten erstellen (Gutachten vom 23. November 2015 [Urk. 7/74]) und klärte die Verhältnisse vor Ort ab (Abklärungsbericht betreffend die beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vom 8. Juni 2016; Urk. 7/75).
Gestützt darauf sowie auf das polydisziplinäre Gutachten verneinte die IV-Stelle, ausgehend von einer 80%igen Erwerbs- und einer 20%igen Haus
haltstätigkeit im Gesundheitsfall und einem Gesamtinvaliditätsgrad von 21 %, einen Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2 [= Urk. 7/87]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 10. Oktober 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen und zur Durchführung beruflicher Massnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; eventuell sei der Be
schwerdeführerin ab dem frühesten Zeitpunkt eine Invalidenrente zuzusprechen. Ferner ersuchte sie um unentgeltliche Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwer
deantwort vom 18. November 2016 beantragte die IV-Stelle Abweisung der Be
schwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 29. Novem
ber 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts
8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der ver
sicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.1.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
to
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesge
richt wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
so
urcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015
vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
benbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitge
stal
tung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozia
len Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schrän
kungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehl
enden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzu
führen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der ver
si
cherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsi
sten
tes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung
(BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni
2016 E. 4.1.2).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwer
defall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verun
möglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialver
sicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.5
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3
IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerb
s
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter anderem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und erwerb
lichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Auf
gabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamt
invalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten Teilinvaliditäten ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.6
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mass
gabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; vgl. auch Rz. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesund
heitlichen Einschränkung im Haushalt dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_201/2011
vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86). Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
füh
rung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer ver
sicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
träch
tigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Be
richt aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E.
2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundes
gerichts I 733/03 vom 6. April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Haus
pflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinde
rung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklä
rungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit
von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesund
heitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai
2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb
seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren
kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Grund
sätzlich jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, das heisst wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht (AHI 2004 S. 137 E. 5.3). Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellung
nahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsab
klä
rung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschrän
kungen zu erkennen (Urteile des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1,
9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 7.2 und 9C_631/2009 vom 2. Dezem
ber 2009 E. 5.1.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, die Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden weiter
hin ihrer Tätigkeit als Haushaltsangestellte in einem Pensum von 80 % nach
gehen und die restlichen 20 % auf den Aufgabenbereich fallen würden. Aus ärztlicher Sicht sei der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätigkeit zu 60 % zumutbar. In Anwendung der gemischten Methode ergebe sich ein Invalidi
täts
grad von 21 % (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde dagegen vor, auf das poly
disziplinäre Gutachten der Medas Y._ dürfe nicht abgestellt werden, da darin mit Blick auf die Schmerzproblematik lediglich zu den Foerster-Kri
te
rien Bezug genommen werde und
das chronifizierte fibromyalgieforme Ganz
kör
perschmerzsyndrom zu Unrecht nicht als sich auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirkend qualifiziert worden sei. Zudem fehle eine Konsensbeurteilung und sei kein Arbeitsprofil formuliert worden. Die Anwendung der gemischten Methode verstosse gegen die EMRK, wie dies im Di Trizio-Urteil des EGMR festgestellt worden sei. Ohnehin sei der Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ verletzt, da der Beschwerdeführerin nicht bei der Stellensuche geholfen worden sei. Ausser
dem wäre die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall heute nicht mehr als Haus
angestellte tätig und würde mehr als nur im 80%-Pensum arbeiten (Urk. 1).
3.
3.1
Dem polydisziplinären Gutachten der Medas Y._ vom 23. November 2015 (Urk. 7/73) können folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit entnommen werden (Urk. 7/73/23-24):
-
chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom
-
Fehlstatik mit Haltungsinsuffizienz, Kopfpropulsion und Schulter
pro
traktion mit muskulärer Dysbalance sowie Dekonditionierung
-
Segmentdegeneration C3/C4, C4/C5, C5/C6 mit
-
Osteochondrosen C3/C4 und C4/C5 sowie Unkosen und Spon
dyl
arthrosen C3 bis C6
-
kleiner Diskushernie C3/C4 und C4/C5 sowie Diskusprotrusion C5/C6 und C6/C7
-
degenerativ bedingte segmentale Gefügelockerung mit Antepo
sition C3 gegenüber C4 und C4 gegenüber C5
-
degenerativ vorwiegend ossär bedingte Neuroforaminalstenosen beidseits C4/C5, C5/C6 beidseits rechtsbetont sowie degenerativ bedingte osteodiskale, relative Spinalkanaleinengung C3 bis C6
-
Status nach BV-gesteuerter, diagnostischer Wurzelinfiltration C4 und C5 rechts 11.
Dezember
2014
-
Status nach BV-gesteuerter, diagnostischer Wurzelinfiltration C4, C5 und C6 links 15.
Dezember
2014
-
Status nach BV-gesteuerter, diagnostischer Infiltration der med
ial
branches C5 bis C7
beidseits 29.
Dezember
2014
-
Status nach BV-gesteuerter, diagnos
tischer Infiltration der medial
branches C2 bis C4 links 10.
April
2015 und rechts 17.
April
2015
-
chronisches thorakovertebrales Schmerzsyndrom
-
Fehlstatik mit Haltungsinsuffizienz, flachbogiger thorakaler Kyphos
ko
liose sowie muskulärer Dysbalance und Dekonditionierung
-
multisegmentale degenerative Veränderungen, hauptbefundlich im mittleren thorakalen Abschnitt
-
Osteochondrosen
-
medio-rechtslaterale Diskushernie Th7/8 ohne Neurokompression
-
Diskbulging Th5/6, Th6/7 und Th8/9 ohne Neurokompression
-
Status nach CT-gesteuerter epiduraler Infiltrationsbehandlung Th7/8 von rechts 12.
Juni
2009
-
BV-gesteuerte Radiofrequenzablatio der medial branches Th9 bis Th11
und Th12 rechts 22.
Mai 2
014
-
Status nach Radiofrequenzablatio Th8 rechts 3.
Juni
2014
-
Status nach BV-gesteuerter und Ultraschall kontrollierter
Radiofre
quenzablatio des medial
b
ranch
Th8 links 10. Juni
2014
-
regrediente Impingementsymptomatik der rechten Schulter
-
Tendinitis calcarea der Supraspinatussehne ansatznah rechts mit kleinen bursaseitigen und gelenksseitigen Partialrupturen, Tendino
pathie des kranialen Anteils der Subscapularissehne sowie Luxation der langen Bizepssehne nach medial (Pulley-Läsion) und Bursitis subacromialis (MRI 13.
Januar
2014)
-
rezidivierende kurze depressive Episoden (ICD-10 F38.10), gegenwärtig atypische leichte depressive Störung
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Experten eine Bursitis subglutea trochant
erica beidseits (MRI Hüfte 23. März
2015), einen Status nach sonogesteuerter, therapeutischer Infiltration der Bursa subtro
chanterica rechts 26.
März
2015 und links 7.
April
2015, ein chronifiziertes thera
pierefraktäres fibromyalgiformes Ganzkörperschmerzsyndrom ohne hierfür adä
qua
tes organisches Korrelat am Bewegungsapparat, eine beginnende Finger
poly
arthrose, Morton-Neurome intermetatarsal II/III und III/IV rechts
(
kernspin
tomographisch nachgewiesen, derzeit asymptomatisch
)
, eine Nikotinabhängig
keit, gegenwärtiger Substanzgebrauch (15 Zigaretten
täglich, etwa 12 pack
years), einen Verdacht auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) von verschiedenen Medikamenten und
ein
Verdacht auf Arzneimittelinteraktionen (Urk. 7/73/24).
Die Gutachter hielten sodann fest, bezüglich der anamnestisch und aktenmässig im Vordergrund stehenden polytopen Schmerzsymptomatik leide die Beschwer
de
führerin gemäss aktueller fachärztlicher rheumatologischer Einschätzung, nebst einem therapierefraktären chronifizierten, fibromyalgiformen Ganzkörper
schmerzsyndrom ohne hierfür adäquates organisches Korrelat am Bewegungs
apparat, vor allem an einem chronischen zervikospondylogenen und thorako
vertebralen Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen sowie an einer regredienten Impingementsymptomatik der rechten Schulter. Der sicherlich verminderten körperlichen Belastbarkeit wegen (Wirbelsäule/Schulter rechts) seien der Beschwerdeführerin lediglich noch körperlich leichte, gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten, ohne häufige Verrichtungen über Kopf mit elevierten Armen und reklinierter Halswirbelsäule, ohne monotone, stundenandauernde Zwangshaltungen in sitzender oder stehender Position, nicht mit feucht-kalter Witterungsexposition und nicht auf vibrierenden Maschinen, uneingeschränkt (Arbeitsfähigkeit 100 %) zumutbar; die angestammte Tätigkeit als Haushalts
hilfe dürfte dieses Anforderungsprofil kaum vollumfänglich erfüllen, bei fehlen
dem detailliertem Arbeitsplatzprofil seien diesbezüglich präzisere Angaben nicht
möglich. Betreffend geklagter psychischer Beeinträchtigungen leide die Beschwer
de
führerin aufgrund der anlässlich der jetzigen fachärztlichen psychia
trischen Exploration erhobenen Befunde vor allem an rezidivierenden, kurzen depressiven Episoden (ICD-10 F38.10), gegenwärtig einer leichten atypischen depressiven Störung entsprechend, sowie an einer anhaltenden, somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Aufgrund der Depression und der Schmerzen seien Ausdauer, Selbstvertrauen, kognitive Fähigkeiten, vor allem Konzentra
tions
fähigkeit und Gedächtnisfunktion, Arbeitstempo sowie Antrieb beein
trächtigt. In zusätzlicher Berücksichtigung der Schlafstörungen mit vermehrter Müdig
keit und Kraftlosigkeit sowie eingeschränkter Regenerationsfähigkeit sei der Beschwerdeführerin lediglich noch eine 60%ige Arbeitsfähigkeit (tägliche Präsenzzeit 6,5 Stunden [80 %] mit rund 25%iger Leistungseinschränkung) für jede aus somatischer Sicht in Frage kommende Tätigkeit, die keine erhöhten Anforderungen an die psychische Belastbarkeit oder besondere psychi
sche Fähig
keiten verlange, zu attestieren (Urk. 7/73/22-23). Zusammenfassend seien bezüglich der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit als Haus
haltsangestellte, bei fehlendem detaillierte
n
Arbeitsprofil, aus somatischer Sicht wohl keine präziseren Angaben möglich, aufgrund der verminderten psychi
schen Belastbarkeit wäre der Beschwerdeführerin diese – wie auch jede andere allenfalls in Frage kommende Tätigkeit ohne besondere Anforderung an die psychische Belastbarkeit und nicht besondere psychische Fähigkeiten verlan
gend - zu 60 % der Norm zumutbar. Aufgrund vorliegender Akten, erhobener Befunde sowie anamnestischer Angaben könne keine Aussage gemacht werden, zu welchem
genauen
Zeitpunkt sich der Gesundheitszustand verschlechtert habe - auch wenn davon auszugehen sei, dass die Arbeitsfähigkeit seit der IV-An
meldung vom 28.
Oktober 2013 überwiegend wahrscheinlich stets zwischen 50 und 70 % geschwankt sei (Urk. 7/73/23).
3.2
Im Abklärungsbericht vom 8. Juni 2016 (Urk. 7/75
) notierte die Abklärungs
person
, die Beschwerdeführerin habe anlässlich des Hausbesuchs erklärt, dass
sie ihre beiden letzten Anstellungen in Privathaushalten (ca. 4 bis 6 Stunden pr
o
Woche
)
im September 2013 aus gesundheitlichen Gründen habe aufgeben müsse
n.
Seither
sei sie arbeitsunfähig geschrieben
und fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig. Vor der Krankschreibung habe sie dem Sozialamt Stellenbe
müh
ungen von 60-70 % vorlegen müssen. Aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse
und aber auch fehlender Berufserfahrung in der Schweiz habe sie trotz inten
si
ver
Stellensuche leider nie eine Anstellung erhalten. Sie lebe aktuell mit den Zwil
lingen (Jahrgänge 2001) und dem
1999 geborenen Sohn in einer 4,
5-Zim
mer
wohnung. Der älteste Sohn (Jahrgang 1993) sei ausgezogen (Urk. 7/75/3)
.
Zur Frage, wie die berufliche Situation ohne Gesundheitsschaden wäre
,
hat die Beschwerdeführerin laut Angaben der Abklärungsperson
ausgeführt, dass sie bei guter Gesundheit aufgrund des für sie zu erwartenden Einkommens als unge
lernte Hilfskraft sicher 80 % ausserhäuslich erwerbstätig sein müsste. Zusam
men mit den Lehrlingslöhnen ihrer Kinder könnte sie mit diesem Pensum die Lebensunterhaltskosten decken. Jetzt wo alle drei Kinder aus der Schule seien, würde auch das Sozialamt von ihr verlangen, dass sie mindestens eine 80%ige
ausserhäusliche Erwerbstätigkeit aufnehmen würde, respektive sie müsste in diesem Rahmen Stellenbemühungen vorlegen (Urk. 7/75/3).
Die Abklärungsperson hielt ferner fest,
die
47-jährige alleinerz
iehende Mutter von vier Kindern
(
drei von ihnen lebten noch zu Hause und stünden in Aus
bildung
)
sei im Jahr 2008 von Brasilien zum zweiten Mal in die Schweiz ein
gereist. Aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse und fehlender Berufserfah
run
g habe sie jedoch im Erwerbsleben nie recht Fuss fassen können. Sie habe bis zur Erkrankung im Jahr 2013 ca. 13 % in zwei verschiedenen Haushalten gearbeitet und habe dem Sozialamt Stellenbemühungen von 60-70 % vorlegen müssen. Da die Kinder nun ausgeschult seien, seien die Angaben der Beschwerdeführerin, dass sie heute bei guter Gesundheit aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verhält
nissen mindestens einer 80%igen ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen müsste
,
durchaus plausibel und nachvollziehbar. Auch würde das Sozialamt von ihr in dieser Höhe Stellenbemühungen verlangen (Urk. 7/75/4). Die Abklärungsperson ging gestützt auf ihre Erhebungen von einer im Gesundheitsfall 80%igen Erwerbstätigkeit und einer 20%igen Tätigkeit im Aufgabenbereich aus (Urk.
7/75/3).
Unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht
und der zumutbaren Hilfe
der Kinder der Beschwerdeführerin
stellte die Abklärungsperson eine
mit 20 % gewichtete Einschränkung
im Wohnungspflegebereich
von 25 %
und
– im Sinne einer Teilsumme – eine 5%ige Behinderung
fest
(Urk. 7/75/6).
Im
Bereich Wäsche und Kleiderpflege hielt die Abklärungsperson fest
, es bestehe eine 20%ige Einschränkung in diesem Teilbereich, weshalb der Beschwerdeführerin bei 20%iger Gewichtung eine 4%ige Behinderung angerechnet werden könne (Urk. 7/75/7).
4.
4.1
4.1.1
Das
polydisziplinäre
Gutachten (Urk.
7/73
) vom
23. November 2015
basiert auf fach
ärztlichen Untersuchungen, wurde in Kenntnis der und Ausei
nanderset
zung mit den Vorakten sowie insbesondere auch unter Berücksichti
gung der geklag
ten Beschwerden erstattet. Die Gutachter
haben
die medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schluss
folge
rungen nachvoll
ziehbar begründet.
Entgegen der Ansicht
der Beschwerdeführerin beruht die Schlussbesprechung auf einem vorgängig im Zirkulationsverfahren erarbeiteten Konsensfindungsprozess aller beteiligten Fachleute (Urk. 7/73/21).
Das polydis
ziplinäre Gutachten der Medas
Y._
erfüllt dem
na
ch alle recht
sprechungsgemässen Kriterien für eine beweistaugliche medizi
nische Entschei
dungs
grundlage, weshalb ihm grund
sätzlich volle
r Beweiswert zukommt (vgl. E. 1.4
).
4.1.2
Zunächst ist festzustellen, dass
es entgegen der von der Beschwerdeführerin offen
bar vertretenen Auffassung in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beein
trächtigung, also auch bei - nicht von der Rechtsprechung des Bundesgerichtes
zu den soma
toformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosoma
ti
schen
Störungen (BGE 130 V 352 [bisherige Rechtsprechung], BGE 141 V 281 [am 3. Juni 2015 geänderte Rechtsprechung]) erfassten – Depressionen und Persön
lich
keits
stö
rungen, keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Fall gut
achtlich befassten Arztpersonen ist, selber abschliessend und für die rechts
anwendende
Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medi
zinisch fest
gestellte Leiden zu einer andauernden oder vorübergehenden Arbeitsun
fähig
keit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Dies unter ande
rem deshalb, weil die
Arbeitsunfähigkeit ein unbestimmter Rechtsbegriff des formellen Gesetzes (Art. 6
ATSG) ist, dessen praktische Handhabung im Einzel
fall der rechtsanwendenden Stelle obliegt, welche den durch Gesetz und Recht
sprechung gezogenen norma
tiven Rahmen zu berücksichtigen hat (BGE 140 V 193 E. 3.1; vgl. E. 1.7). Aufgrund der in diesem Leitentscheid näher umschrie
benen tatsächlichen und rechtlichen Gegebenheiten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Inva
liditätsbemessung wie folgt verteilt. Sache des (begut
ach
tenden) Mediziners ist es, den Gesund
heits
zustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst, mit den Mitteln fachgerechter ärzt
licher Untersu
chung, unter Berücksichtigung der sub
jektiven Beschwerden, Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht zuständig sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesund
heitlichen Beeinträch
tigungen kommt der Arztperson hinge
gen keine abschlies
sende Beur
teilungs
kompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arzt
person zur Arbeits
unfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie mög
lich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grund
lage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeits
leistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwender prüfen dabei die medizinischen Angaben frei, insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich
an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben. Das heisst
, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), und ob die versicherungsmedizinische Zumutbar
keits
beur
teilung auf ob
jek
tiver Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; BGE 141 V 281 E. 5.2.2 mit Hinweisen). Die Ärzte und die Organe der Rechts
anwendung prüfen demnach die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_901/2015 vom 8. Juli 2016 E. 3.1).
4.1.3
Ob die vorliegend zur Diskussion stehenden Diagnosen einen invalidisierenden Ge
sundheitsschaden darstellen, ist eine Rechtsfrage. Aus rechtlicher Sicht kann
von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen we
rden, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichtes 8C_283/2015 vom 24. Juni 2015 E. 2 mit Hinweis).
4.1.4
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin setzt sich das psychiatrische Teil
gutachten eingehend mit den in BGE 141 V 281 E. 4.3.1 als massgeblich erach
teten Indikatoren (vgl. E. 1.1.3) auseinander (vgl. Urk. 7/73/53 ff.). Ausserdem würde das nach altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se seinen Beweiswert verlieren (BGE 141 V 281 E. 8, 137 V 210).
4.2
Dem
psychiatrischen Teilg
utachten vom
21. September
201
5
(
Urk.
7/
73/50 ff.
) ist zu ent
neh
men, dass die
vom psychiatrischen Konsiliarius attestierte 40%ige Arbeitsunfähig
keit mit einer rezidivierenden kurzen Episode (ICD-10 F38.1), gegenwärtig atypische leichte depressive Störung, sowie einer anhaltenden, somatoformen Schmerzstörung begründet wird (Urk. 7/73/53).
Indes führte der psychiatrische Gutachter in Bezug auf den Einfluss der verschiedenen Störungs
bilder aus, dass die Depression bei den bisherigen Tätigkeiten als Putzfrau und/oder in der Kinderbetreuung die Leistungsfähigkeit nur wenig (unter 20 %)
einschränken würde; hätte die Beschwerdeführerin keine Schmerzen, würde man
aus therapeutischer Sicht prioritär eine rasche Wiederaufnahme der Arbeit unter
stützen und auf berufliche Massnahmen drängen, da ihr dies Tages
struk
tur, Bestätigung und Kontakte geben würde, was die Heilung der Depression unterstützte (Urk. 7/72/58). Es sind nach Ansicht des Gutachters demzufolge vor allem die Schmerzen, welche sich durch die Konzentrationsstörungen, die Ver
langsamung, die Schwankungen der Leistungsfähigkeit, die Schlafstörungen mit der erhöhten Tagesmüdigkeit und dem vermehrten Pausenbedarf auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, wobei er einräumte, auch hier gelte, dass eine erfolgreiche und befriedigende Arbeit sich günstig auf ihren Gesundheits
zu
stand auswirken würde, indem sie die Beschwerdeführerin von den Schmerzen ablenken und ihre Schlafstörungen positiv beeinflussen dürfte (Urk. 7/73/58 f.). Ferner wies der psychiatrische Gutachter darauf hin, dass die Schmerzen die depressive Symptomatik verstärken könnten (Urk. 7/73/59) und bei der Diskus
sion der Diagnosen, dass, würden die durch die Schmerzen erklärbaren Symp
tome in den Depressionsskalen (nach ICD-10 F.32) nicht mitgezählt, die Werte unter dem Schwellenwert für eine Depression liegen würden, weshalb er die klinische Beurteilung als entscheidend erachtete (Urk. 7/73/55). Hierbei räumte er ein, die Diagnose einer atypischen, leichten depressiven Störung lasse sich nicht eindeutig stellen und die depressive Verstimmung sei vorwiegend eine Folge der Schmerzen und der belastenden sozialen Situation, verstärke jedoch ihrerseits wieder die Schmerzen, weshalb er auch in Frage stellte, ob man sie als eigenständige Krankheit qualifizieren könne (Urk. 7/73/56). Massgeblich ist jedoch, dass invalidenversicherungsrechtlich eine leichte depressive Episode nur dann von Relevanz ist, wenn sie sich trotz konsequenter Therapie ausnahms
weise als therapieresistent erweisen würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_35/2017 vom 4. August 2017 E. 3.3 mit Hinweis). Aufgrund der gutachter
lichen Ausführungen über einen dringend notwendigen Therapiewechsel (Urk. 7/73/60) und der lediglich niederfrequentigen Konsultationen beim behan
deln
den Psychiater, vorwiegend zur Medikamentenabgabe (vgl. Urk. 7/73/18,
Urk. 7/73/50), kann von einer konsequenten Depressionstherapie indes keine Rede
sein, weshalb offenbleiben kann, ob der eigenständige Krankheitswert der depressiven Störung ausgewiesen ist; dies auch angesichts der vom psychia
tri
schen Gutachter wiederholt genannten (Urk. 7/73/54, Urk. 7/73/57-58), die Sympto
matik schwerwiegend beeinflussenden sozialen Umstände (Erwerbs
losig
keit infolge ungenügender Sprachkenntnisse und Berufsausbildung, Alter und
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt sowie familiäre Belastung einschliesslich gesund
heitlicher Probleme dreier Kinder, Migrationshintergrund mit unsicherem Auf
ent
haltsstatus, Sozialhilfeabhängigkeit), wobei deren Wegfall bzw. die Auf
nahme
einer Erwerbstätigkeit einen günstigen Einfluss auf die Depressionserkrankung
hätten. Ein invalidenversicherungsrechtlich massgebender Einfluss der atypi
schen
leichten depressiven Störung auf die Arbeitsfähigkeit ist daher zu verneinen.
4.3
Die Beschwerdegegnerin prüfte die von der Rechtsprechung massgeblichen Indi
ka
toren und wertete die Auswirkungen der somatoformen Schmerzstörung als beachtlich (Urk. 7/85/4f.), weshalb sie gestützt auf die Schlussfolgerung des MEDAS-Gutachtens vom 25. November 2015 von einer 25%igen Leistungsein
busse bei einer zumutbaren Präsenzzeit von 80 % und damit von einer Arbeits
unfähigkeit von 40 % ausging. Hierbei beachtete sie den Umstand, dass dem chronischen zervikospondylogenen sowie thorakovertebralen Schmerzsyndroms organische Leiden zugrunde liegen, die Schmerzen täglich vorhanden sind und sich daher bezüglich Ausdauer, kognitiver Fähigkeiten, Arbeitstempo, Antrieb und im Sinne von Schlafstörungen mit vermehrter Müdigkeit, Kraftlosigkeit und
eingeschränkter Regenerationsfähigkeit auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Hie
r
bei erachtete die Beschwerdegegnerin die Ressourcen als eingeschränkt. Bei diese
r Beurteilung stützte sich die Beschwerdeführerin auch auf die Stellungnahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes, pract. med. Z._, Facharzt für Arbeitsmedizin, vom 28. November 2015 (Urk. 7/85/4). Insbesondere beantwor
tete er die von den Gutachtern letztlich unbeantwortete Frage nach der Arbeits
(un)fähigkeit in der vormals ausgeübten Tätigkeit einer Hausangestellten, und erachtete diese Tätigkeit aus arbeitsmedizinischer Sicht für nicht angepasst.
4.4
Der Gutachter ging höchstens von einem unvollständigen sozialen Rückzug aus (Urk. 7/73/52: „sie habe Freundinnen, auch wenn sie weniger Kontakt habe und weniger aktiv [sei]“; ausserdem gehe sie einkaufen, erledige den Haushalt mög
lichst selbständig, führe den Hund einer Kollegin aus, unternehme Spazier
gäng
e). Hierbei ist auch zu beachten, dass die Beschwerdeführerin erst seit 2008 in der Schweiz wohnt, ausser ihren Kinder sich keine weiteren Familien
an
ge
hörigen hier aufhalten und sie nur wenige Jahre und für wenige Wochen
stunden in Privat
haushalten tätig gewesen war, weshalb insgesamt ihre sozialen Kontakte
auch aus invaliditätsfremden Gründen eingeschränkt erscheinen und der gut
ach
terliche Psychiater nicht explizit einen Rückzug feststellte. Ferner fand er durc
h
aus persönliche Ressourcen und verneinte das Vorliegen auffälliger Persönlich
keitszüge oder gar einer Persönlichkeitsstörung (Urk. 7/73/54). Insofern scheint der funktionelle Schweregrad hinsichtlich Persönlichkeit und sozialem Kontext (E. 1.1.3) wenig ausgeprägt. Wenn indes die Beschwerdegegnerin infolge der Aus
prägung der Schmerzsymptome und deren Behandlungsresistenz die inva
lidenversicherungsrechtliche Relevanz der Schmerzstörung bejahte, besteht kein
Anlass des Gerichts, in diese Beurteilung einzuschreiten, zumal - wie die fol
ge
n
den Ausführungen zeigen - dies ohnehin keinen Einfluss auf das Ergebnis hätte.
4.5
Zusammenfassend ist daher mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer ihrer körperlichen Konstitution und dem Schmerzeinfluss angepassten Tätigkeit zu 40 % arbeitsunfähig ist, wobei die Arbeitstätigkeit im zeitlichen Rahmen eines 80%igen Pensums mit einer Leis
tungseinbusse von 25 % zumutbar ist. Damit sind sämtliche, invaliden
ver
siche
rungsrechtlich beachtlichen, sich allenfalls auf den Lohn auswirkenden Ein
schrän
kungen bereits erfasst. Für einen weiteren Abzug vom hypothetischen Invalidenlohn (vgl. E. 6.3) besteht entgegen den Vorbringen der Beschwerde
führerin (Urk. 1 S. 8 Ziff. 5) kein Anlass.
Ferner ist nach diesen Erwägungen - entgegen den Vorbringen der Beschwer
de
führerin (Urk. 1 S. 4) - auch keine weitergehende, über die von den Gut
achtern eingeschätzte Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen und es besteht kein weiterer Abklärungsbedarf. Insbesondere wären von einer Abklärung der Leistungs
fähig
keit mittels einer funktionellen Evaluation (Urk. 1 S. 5) keine neuen Erkennt
nisse zu erwarten, weshalb auch die ärztlichen Gutachter eine solche nie in Erwägung zogen. Denn hinsichtlich der somatischen funktionellen Einschrän
kungen besteht weitestgehend eine übereinstimmende medizinische Aktenlage.
Ferner kann offen bleiben, ob
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Haushalts
hilfe/Babysitterin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit besteht, was RAD-Arzt med. pract. Z._ trotz fehlendem Arbeitsplatzprofil bejahte (E. 4.3). Die Gutachter konnten keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit in diesem Beruf machen, vermuteten jedoch, dass diese Arbeitsstelle nicht in allen Teilen dem medi
zinisch zumutbaren Belastungsprofil entsprochen habe, weshalb sie von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit ausgingen. Soweit der Arbeitsplatz einer Haushaltshilfe und Kinderbetreuerin indes dem Anforderungsprofil (körperlich leichte, gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten, ohne häufige Verrichtung über Kopf mit elevierten Armen und reklinierter Halswirbelsäule, ohne monotone, stundenandauernde Zwangshaltung in sitzen
der oder stehender Position, nicht mit feucht-kalter Witterungsexposition und nicht auf vibrierenden Maschinen) entsprechen würde bzw. nicht zumutbare Tätig
keiten (beispielsweise schwere Putzarbeiten) entfallen könnten, ist auch von einer massgeblichen Arbeitsfähigkeit im bisherigen Erwerbsbereich auszu
gehen. Angesichts der möglichen Vielfalt in der Ausgestaltung insbesondere ein
er Betreuungshilfe auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt scheint die voll
ständige
Arbeitsunfähigkeit in diesem Erwerbsbereich fraglich, kann indes eben
falls offe
n
gelassen werden.
5.
Strittig und zu prüfen bleibt die Statusfrage.
5.1
Die Abklärung der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt vom
10. Mai 2016 (Urk. 7/75)
wurde
in Kenntnis der Diagnosen und Beschwerden der Beschwerdeführerin
(chronifizierte zervikospondylogene/thorakovertebrale Schmerzsyndrome, regrediente Impingementsymptomatik der rechten Schulter, rezidivierende kurze depressive Episoden [ICD-10 F38.1], anhaltende somato
for
me Schmerzstörung [ICD-10 F45.4] sowie weitere Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit)
vorgenommen. Der Bericht enthält eine eingeh
ende Abklärung der Wohnverhältnisse sowie der im Haushalt der Beschwerdeführerin anfallenden Tätigkeiten. In Übereinstimmung mit der diesbezüglichen Verwal
tungspraxis wurden darin die im Haushalt anfallenden Tätigkeiten in sieben Aufgabenbereiche aufgeteilt (Haushalt
s
führung, Ernährung, Wohnungspflege, Ein
kauf, Wäsche und Kleiderpflege, Betreuung von Kindern oder anderen Fami
lienangehörigen, Verschiedenes). Die sieben Aufgabenbereiche wurden nach deren prozentualen Gewichtung im Vergleich zu sämtlichen anfallenden Tätig
keiten bewertet. Die Abklärungsperson ermittelte sodann für jeden der sechs Bereiche die konkrete Behinderung, woraus ges
amthaft eine Einschränkung von 9
% resultierte
,
wobei i
n den
Bereich
en
Haushaltsführung
, Ernährung, Einkauf und weitere Besorgungen sowie Betreuung von Kindern oder anderen
keine Ein
schränkungen angenommen wurden. Die Abklärungsperson berücksichtigte dabei
die Angaben der Beschwerdeführerin und begründete ihre Einschätzung aus
führlich, pla
usi
bel und nachvollziehbar. Der Abklärungsbericht ist entsprechend voll beweis
kräftig (vgl. E. 1.6). Hinsichtlich der Einschränkung im Aufgaben
bereich sind sich die Parteien einig und es besteht kein Anlass zu einer weiteren Prüfung.
5.2
Obwohl die Beschwerdeführerin in der Schweiz nie in einem höheren Pensum als 4 bis 6 Stunden pro Woche erwerbstätig gewesen war (vgl. auch Urk. 7/14), ging die Abklärungsperson aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin, dem Alter der Kinder, der beruflichen Möglichkeiten, der finanziellen Verhältnisse
sowie des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin dem Sozialamt Stellen
be
müh
ungen im Umfang von 80 % vorlegen müsste, davon aus, dass die Beschwer
deführerin bei guter Gesundheit eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit im Pen
sum von 80 % aufnehmen würde (Urk. 7/75/3-4). Diese Annahme erweist sich ebenfalls als schlüssig begründet und stimmt mit den Angaben der Beschwerde
führerin anlässlich der Abklärung vor Ort überein.
Die Beschwerdeführerin bringt beschwerdeweise vor, sie würde im Gesundheits
fall ein Pensum von mehr als 80 % ausüben. Dies begründet sie damit, dass das Alter ihrer Kinder keine Tagesbetreuung mehr erfordere und ein höheres Pen
sum auch aus finanziellen Gründen notwendig wäre. Den Akten sind vorliegend allerdings keine Gründe oder Indizien dahingehend zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ein Vollpensum ausgeübt hätte.
Wohl sind mittlerweile Betreuungspflichten weggefallen, die Beschwerdeführerin lebt jedoch nach wie vor mit drei ihrer vier Kinder, welche sich in Ausbildung befinden, zusammen, hat demnach einen Vierpersonenhaushalt zu bewältigen, und könnte ihren eige
nen Angaben zufolge mit einem 80%-Pensum den Lebensunterhalt zusammen mit den Lehrlingslöhnen decken. Allein aufgrund bescheidener finanzieller Ver
hältnisse (Sozialhilfeabhängigkeit) darf ohnehin nicht auf eine volle Erwerbs
tätigkeit geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_286/2013 vom 28. August 2013 E. 4.4). Ebenso spricht die fehlende berufliche Erfahrung und Qualifikation gegen eine im Gesundheitsfall effektiv ausgeübte, vollzeitliche Erwerbstätigkeit.
5.3
Nach dem Gesagten ist mit dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwer
deführerin ohne Gesundheitsschaden heute
nicht
einem
vollzeitlichen
Pensum nachgehen würde. Die Qualifikation der Beschwerdeführerin als Teilzeiterwerbs
tätige mit Betätigung im Aufgabenbereich eines Vierpersonenhaushaltes (20 %) erfolgte demnach zu Recht.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin bemass sowohl das Valideneinkommen wie das Inva
liden
einkommen anhand der Tabellenlöhne gemäss den
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
(vgl. Urk. 7/84). Dies ist nicht zu beanstanden, insbesondere auch nicht hinsichtlich des Valideneinkommens, welches von der Beschwerdeführerin pauschal als zu tief angesetzt moniert wird (Urk. 1 S. 7 Ziff. 4).
6.2
Die Arbeitsverhältnisse in Privathaushalten entsprachen Kleinstpensen im Stun
den
lohn. Diese Arbeitsstellen boten sich nicht zu einem Pensum von 70 % oder mehr an und es ist nicht ausgewiesen, dass die Arbeitsverhältnisse auf ein 80%-Pensum hätten aufgestockt werden können. Der dabei erzielte Lohn kann daher auch nicht ohne weiteres auf ein Pensum von 80 % oder mehr umgerechnet
werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei erfol
g
reicher Arbeitssuche eine Hilfstätigkeit (allenfalls auch im Haushalt) zum Pen
sum von 80 % angenommen hätte. Ein höheres Valideneinkommen ist ange
sichts der in der Schweiz verwertbaren beruflichen Erfahrung nicht ausgewie
sen
.
6.3
Hinsichtlich des Valideneinkommens berücksichtigte die Beschwerdegegnerin einen Abzug von 10 %, was angesichts der bereits in einer Leistungseinbusse von 25 % berücksichtigten Arbeitsunfähigkeit nicht angezeigt, jedoch ohne Belang für das Ergebnis ist.
6.4
Anzumerken ist, dass die gemischte Invaliditätsbemessungsmethode nicht per se konventionswidrig ist, sondern nur dann, wenn die revisionsweise Herabsetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente infolge Statuswechsel allein aus familiären Gründen (wie die Geburt von Kindern und die damit einhergehende Reduktion des Erwerbspensums) in Frage steht. Namentlich hat das Bundesgericht diese Methode der Invaliditätsbemessung weiterhin für anwendbar erklärt in Fällen der erstmaligen Zusprechung einer Rente an eine während des massgebenden Beurteilungszeitraums als teilerwerbstätig (mit Aufgabenbereich) zu qualifizie
rende versicherte Person (vgl. Urteil 9C_90/2017 vom 4. Juli 2017, E. 4 mit wei
te
ren Hinweisen).
6.5
Die Invaliditätsbemessung der Beschwerdegegnerin ergab einen nicht renten
begründenden Invaliditätsgrad von 21 %, was im Ergebnis nicht Anlass zur Kor
rek
tur gibt. Demzufolge wurde der Anspruch auf Invalidenrente zu Recht ver
neint.
7.
7.1
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf berufliche Mass
nah
men hat.
7.2
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zu
ständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung beziehungsweise eines Einspracheentscheids – Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmt die Verfügung beziehungsweise der Einspracheentscheid den beschwe
r
de
weise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein Einspracheentscheid ergan
gen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
7.3
Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildete lediglich der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente. Soweit beschwerdeweise auch die Zusprache von beruflichen Massnahmen beantragt wird, ist mangels eines An
fech
tungsgegenstands auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Zu einer allfälligen Verletzung des Anspruchs auf Eingliederung vor Rente, bleibt anzumerken, dass die IV-Stelle zu Recht erkannt hat, dass der Beschwer
deführerin auch ohne Eingliederungsmassnahmen genügend Tätigkeiten offen stehen, um ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Die sprachlichen Barrieren sind nicht gesundheitlich bedingt und somit für den Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht massgebend.
8.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung, mit welcher
der Anspruch auf eine Invalidenrente
verneint wurde, nicht zu beanstanden. Die Be
schwer
de ist daher abzu
weisen
, soweit darauf einzutreten ist.
9.
9
.1
Mit Beschwerde vom
10. Oktober 2016
ersuchte die Beschwerdeführerin um Ge
währung der unentgeltlichen
Rechtspflege
(Urk. 1
S. 2
). Vorliegend sind die Vor
aussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVG
er) erfüllt (vgl. Urk. 3). Antragsgemäss ist der Beschwerdeführerin deshalb die unent
gelt
liche Prozessführung zu bewilligen und Advokatin Karin Wüthrich, Procap, Olten, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren zu bestellen
.
9.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- fes
tzusetzen und ausgangsge
mäss der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
, zufolge Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
9.3
Advokatin Karin Wüthrich machte mit ihrer Honorarnote vom 14. Dezember 2016 einen Aufwand von 9,45 Stunden à Fr. 170.-- sowie Barauslagen von insgesamt Fr. 479.10 geltend (Urk. 10).
Der Arbeitsaufwand erscheint der Bedeutung und der Schwierigkeit der Streit
sache angemessen (9,45 Stunden à Fr. 170.--).
Fotokopien werden mit Fr. 0.50 pro Kopie entschädigt
(vgl. den Leitfaden Amtliche Mandate der Oberstaats
anwalt
schaft des Kantons Zürich vom
1.
Oktober 2016, S. 57 ff.).
Unklar ist vorliegend, weshalb die Rechtsvertreterin 462 Kopien angefertigt haben soll. Vor dem Hin
tergrund, dass die Beschwerdeschrift lediglich 9 Seiten umfasst, ist keine Notwendigkeit ersichtlich, zumal
die gesamten Verwaltungsakten
von der Beschwerdegegnerin
bereits zur Verfügung gestellt worden waren [Urk. 7/90]).
Die Rechtsvertreterin erläutert auch nicht, wie dieser hohe Kopierbedarf ent
standen sein soll. Angemessen erscheinen unter Berück
sichti
gung des Umfangs der Rechtsschriften sowie der Schreiben an die Be
schwer
deführerin maximal 50 Kopien, womit Auslagen in der Höhe von ins
ge
samt rund Fr. 42.10 (Porto für die Briefe und Eingaben, Telefonate sowie Foto
kopien) zu berücksichti
gen sind. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin ist daher eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 1‘780.50 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichts
kasse zuzusprechen.
9.4
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinge
wiesen, wonach sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Gerichtskosten
und der Entschädigung an die unentgeltliche Rechtsvertretung
ver
pflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.