Decision ID: 0a4e7511-acd2-5447-b5ec-2297b0e12985
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus Albanien stammende Beschwerdeführer 1 reiste im März 2010 im
Familiennachzug in die Schweiz ein, nachdem er am 26. August 2009 in
seinem Heimatland die Schweizer Bürgerin E._ geheiratet hatte.
Seither lebt er in der Schweiz. Die Ehe blieb kinderlos.
B.
Gestützt auf die Ehe ersuchte der Beschwerdeführer 1 am 26. November
2014 um erleichterte Einbürgerung. Die Ehegatten unterzeichneten im
Rahmen des Einbürgerungsverfahrens am 18. Mai 2016 eine Erklärung,
wonach sie in einer tatsächlichen, ungetrennten und stabilen ehelichen Ge-
meinschaft an derselben Adresse zusammenleben und weder Trennungs-
noch Scheidungsabsichten bestehen würden. Gleichzeitig nahmen sie un-
terschriftlich zur Kenntnis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht möglich
ist, wenn vor oder während des Einbürgerungsverfahrens einer der Ehe-
gatten die Trennung oder Scheidung beantragt hat oder keine tatsächliche
eheliche Gemeinschaft mehr besteht, und dass die Verheimlichung solcher
Umstände zur Nichtigerklärung der Einbürgerung führen kann.
C.
Mit Verfügung vom 23. Mai 2016 bürgerte die Vorinstanz den Beschwerde-
führer 1 erleichtert ein. Mit dem Schweizer Bürgerrecht erwarb er die Bür-
gerrechte des Kantons (...) und der Gemeinde (...).
D.
Am 12. Juli 2017 teilte die Einwohnerkontrolle der Gemeinde (...) der Vo-
rinstanz mit, der Beschwerdeführer 1 habe am 11. Mai 2017 gemeldet,
dass sich das Ehepaar per 1. Mai 2017 freiwillig getrennt habe und er
umgezogen sei. Die Behörde bat die Vorinstanz zu prüfen, ob ein Miss-
brauch im Einbürgerungsverfahren vorliege.
E.
Mit Urteil vom 5. September 2017 genehmigte das Richteramt (...) des
Kantons (...) die Vereinbarung der Ehegatten vom 16. Juni 2017 über die
Scheidungsfolgen und schied die Ehe auf Antrag beider Parteien.
F.
Am 23. November 2017 heiratete der Beschwerdeführer 1 die albanische
Staatsangehörige D._. Am 27. November 2017 ersuchte er das
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Migrationsamt des Kantons (...) (nachfolgend: Migrationsamt) um die Be-
willigung des Nachzugs seiner Ehefrau. Das Migrationsamt stellte Letzterer
am 23. Januar 2018 eine Aufenthaltsbewilligung aus.
G.
Am 10. Dezember 2017 ging aus der Ehe zwischen dem Beschwerdefüh-
rer 1 und D._ die Beschwerdeführerin 2, die Tochter B._ her-
vor. Am 2. März 2020 kam der der Beschwerdeführer 3, der Sohn
C._ zur Welt.
H.
Am 12. März 2018 ersuchte der Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst des
Kantons (...) die Vorinstanz zu prüfen, ob die erleichterte Einbürgerung
nichtig erklärt werden könne. Das SEM tätigte daraufhin verschiedene Vor-
abklärungen. Am 18. Mai 2018 zeigte es dem Beschwerdeführer 1 die Er-
öffnung eines entsprechenden Verfahrens an. Im Laufe desselbigen unter-
breitete es dem Beschwerdeführer 1 und seiner Ex-Ehefrau einen Fragen-
katalog und zu einem späteren Zeitpunkt verschiedene Ergänzungsfragen.
Es nahm zudem Einsicht in die Ehescheidungsakten.
I.
Mit Verfügung vom 18. Mai 2020 erklärte die Vorinstanz die erleichterte
Einbürgerung des Beschwerdeführers 1 für nichtig und stellte fest, die
Nichtigkeit erstrecke sich auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bür-
gerrecht auf der für nichtig erklärten Einbürgerung beruhe. Dabei handle
es sich um die Beschwerdeführerin 2.
J.
Mit Eingabe vom 29. Mai 2020 liess der Beschwerdeführer 1 für sich und
die Beschwerdeführerin 2 gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht erheben. Er beantragte, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben.
K.
Am 24. Juni 2020 forderte das Bundesverwaltungsgericht den Beschwer-
deführer 1 auf, einen Kostenvorschuss in der Höhe der mutmasslichen Ver-
fahrenskosten zu leisten. Dieser Aufforderung kam er fristgerecht nach.
L.
In ihrer Vernehmlassung vom 13. August 2020 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde. Weiter führte sie aus, die Nichtigerklärung
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erstrecke sich gemäss der angefochtenen Verfügung auch auf den Be-
schwerdeführer 3.
M.
Replizierend hielten die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 28. Au-
gust 2020 an ihrem Beschwerdeantrag fest.
N.
Mit ergänzender Vernehmlassung vom 15. September 2020 hielt die Vo-
rinstanz an ihrem Verfahrensantrag fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört als
Behörde nach Art. 33 VGG zu den Vorinstanzen des Bundesverwaltungs-
gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32
VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich für die Be-
urteilung der vorliegenden Sache zuständig.
1.2 Der Beschwerdeführer 1 hat als Partei am Verfahren vor der Vorinstanz
teilgenommen. Er ist durch die angefochtene Verfügung besonders betrof-
fen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung. Er ist folglich zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1
VwVG). Für die minderjährigen Beschwerdeführenden 2 und 3 als eben-
falls Verfügungsbetroffene amtet er zusammen mit seiner Ehefrau als ge-
setzlicher Vertreter. Auch diesen kommt – entgegen der bisherigen Be-
handlung im vorliegenden Verfahren – Parteistellung zu (vgl. Urteile BVGer
F-6657/2017 vom 8. November 2019 E. 1.3 f.; C-5250/2014 vom 25. April
2016 E. 1.3). Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer 3 in der an-
gefochtenen Verfügung nicht erwähnt wird, bezieht sich diese doch explizit
auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürgerrecht auf der für nichtig
erklärten Einbürgerung beruht.
1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht und der Ge-
richtskostenvorschuss fristgerecht beglichen (Art. 50 Abs. 1 VwVG, Art. 52
Abs. 2 VwVG, Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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1.4 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz, soweit das Verwaltungsge-
richtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
2.
2.1 Am 20. Juni 2014 verabschiedete die Bundesversammlung das total
revidierte Bundesgesetz über das Schweizer Bürgerrecht (Bürgerrechtsge-
setz, BüG, SR 141.0). Per 1. Januar 2018 trat dieses in Kraft und hob das
Bundesgesetz vom 29. September 1952 über Erwerb und Verlust des
Schweizer Bürgerrechts (aBüG, AS 1952 1087) auf (vgl. Art. 49 BüG i.V.m.
Ziff. I Anhang BüG). Nach Art. 50 BüG wirkt das neue Gesetz – den allge-
meinen Grundsätzen folgend (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemei-
nes Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 269) – nicht rückwirkend. So rich-
ten sich Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts gemäss Art. 50
Abs. 1 BüG nach dem Recht, das bei Eintritt des massgebenden Tatbe-
standes in Kraft steht beziehungsweise stand. Der massgebende Tatbe-
stand in diesem Sinn muss verstanden werden als der Zeitpunkt, in dem
das SEM objektiv betrachtet in der Lage war, den Sachverhalt zu erfassen
und basierend darauf ein Verfahren zur Nichtigerklärung der erleichterten
Einbürgerung einzuleiten (vgl. Urteile des BVGer F-809/2021 vom 23. Au-
gust 2021 E. 3.4; F-1034/2019 vom 7. Dezember 2020 E. 3.6 f. m.w.H.).
Anzumerken ist, dass in Bezug auf die Gründe für die Nichtigerklärung der
erleichterten Einbürgerung keine übergangsrechtliche Problematik be-
steht, weil die entsprechenden materiellen Voraussetzungen sich nicht ge-
ändert haben (vgl. Urteil des BVGer F-6354/2018 vom 8. Juli 2020 E. 1.1).
2.2 Vorliegend informierte die Einwohnergemeinde (...) die Vorinstanz am
12. Juli 2017 darüber, dass der Beschwerdeführer 1 und seine Ex-Ehefrau
sich per 1. Mai 2017 freiwillig getrennt hatten (Akten der Vorinstanz [SEM-
act.] 2). Das SEM tätigte basierend auf dieser Mitteilung jedoch keine Ab-
klärungen und eröffnete kein Verfahren. Nachdem im September 2017 die
Ehescheidung und im November 2017 die Neuverheiratung des Beschwer-
deführers 1 erfolgt sowie im Dezember 2017 aus dieser Ehe die Beschwer-
deführerin 2 hervorgegangen war, bat der Zivilstands- und Bürgerrechts-
dienst des Kantons (...) die Vorinstanz mit Schreiben vom 12. März 2018
darum, zu prüfen, ob die erleichterte Einbürgerung nichtig erklärt werden
könne (SEM-act. 3). Mit dieser Eingabe verfügte die Vorinstanz über den
nötigen Kenntnisstand, um ein entsprechendes Verfahren einzuleiten, was
sie in der Folge am 18. Mai 2018 auch tat (SEM-act. 7). Unter diesen Um-
ständen gelangt das BüG zur Anwendung.
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Seite 6
3.
3.1 Gemäss Art. 21 Abs. BüG kann eine ausländische Person nach der
Eheschliessung mit einer Schweizerin oder einem Schweizer ein Gesuch
um erleichterte Einbürgerung stellen, wenn sie seit drei Jahren in ehelicher
Gemeinschaft mit dem Ehemann oder der Ehefrau lebt (Bst. a) und sich
insgesamt fünf Jahre in der Schweiz aufgehalten hat, wovon ein Jahr un-
mittelbar vor Einreichung des Gesuchs (Bst. b). In allgemeiner, für alle For-
men der erleichterten Einbürgerung geltenden Weise setzt Art. 20 Abs. 1
BüG mit Verweis auf Art. 12 Abs. 1 und 2 BüG voraus, dass die Integration
erfolgreich verlief. Eine erfolgreiche Integration zeigt sich insbesondere im
Beachten der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (Bst. a); in der Respek-
tierung der Werte der Bundesverfassung (Bst. b); in der Fähigkeit, sich im
Alltag in Wort und Schrift in einer Landessprache zu verständigen (Bst. c);
in der Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung (Bst. d)
und in der Förderung und Unterstützung der Integration der Ehefrau oder
des Ehemannes, der eingetragenen Partnerin oder des eingetragenen
Partners oder der minderjährigen Kinder, über welche die elterliche Sorge
ausgeübt wird (Bst. e). Die erleichterte Einbürgerung setzt zusätzlich vo-
raus, dass die Bewerberin oder der Bewerber die innere und äussere Si-
cherheit der Schweiz nicht gefährdet (Art. 11 Bst. c BüG). Alle Einbürge-
rungsvoraussetzungen müssen sowohl bei Einreichung des Gesuchs als
auch anlässlich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt es daher im
Zeitpunkt des Einbürgerungsentscheids an der ehelichen Gemeinschaft,
darf die erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden (BGE 140
II 65 E. 2.1 m.H.).
3.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft bedeutet nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung mehr als nur das formelle Bestehen einer Ehe.
Verlangt wird vielmehr die tatsächliche Lebensgemeinschaft, getragen vom
beidseitigen Willen, die Ehe auch künftig aufrechtzuerhalten. Mit Art. 21
Abs. 1 BüG wollte der Gesetzgeber dem ausländischen Ehegatten eines
Schweizer Bürgers die erleichterte Einbürgerung ermöglichen, um die Ein-
heit des Bürgerrechts der Ehegatten im Hinblick auf ihre gemeinsame Zu-
kunft zu fördern. Zweifel am Willen der Ehegatten, die eheliche Gemein-
schaft aufrechtzuerhalten, können sich dann ergeben, wenn kurze Zeit
nach der erleichterten Einbürgerung die Trennung erfolgt oder die Schei-
dung eingeleitet wird (BGE 135 II 161 E. 2 m.H.), der Gesuchsteller wäh-
rend der Ehe ein aussereheliches Kind zeugt (vgl. Urteil des BGer
1C_27/2011 vom 21. März 2011 E. 6.4.1) oder eine Zweitehe schliesst, der
Prostitution nachgeht oder sich in einer anderen Weise verhält, die in gro-
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bem Widerspruch steht zum traditionellen Bild der Ehe als einer ungeteil-
ten, von Treue und Beistand getragenen Geschlechtergemeinschaft zwi-
schen Mann und Frau (vgl. Urteil des BVGer F-3142/2018 vom 10. August
2020 E. 5.2 m.H.). Eine Ehe kann demgegenüber trotz bestehender Bezie-
hungsprobleme als intakt bezeichnet werden. Diese Annahme rechtfertigt
sich nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung dann, wenn es den Ehe-
gatten gelingt darzutun, dass sie sich nachweislich darum bemühten, die
Eheprobleme zu überwinden, etwa durch das Besuchen einer Paarthera-
pie (vgl. Urteil des BGer 1C_431/2020 vom 10. November 2020 E. 4.5.1
m.w.H.).
4.
4.1 Die erleichterte Einbürgerung kann nichtig erklärt werden, wenn sie
durch falsche Angaben oder Verheimlichung erheblicher Tatsachen erschli-
chen (Art. 36 Abs. 1 BüG), das heisst mit einem unlauteren und täuschen-
den Verhalten erwirkt wurde. Arglist im Sinne des strafrechtlichen Betrug-
statbestandes ist nicht erforderlich. Es genügt, dass der Betroffene be-
wusst falsche Angaben macht beziehungsweise die mit dem Einbürge-
rungsbegehren befasste Behörde bewusst in einem falschen Glauben lässt
und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen zu haben, über eine er-
hebliche Tatsache zu informieren (BGE 135 II 161 E. 2 m.H.).
4.2 Weiss die betroffene Person, dass die Voraussetzungen für die erleich-
terte Einbürgerung auch im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so
muss sie die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung
der Verhältnisse orientieren, von der sie weiss oder wissen muss, dass sie
einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem
Grundsatz von Treu und Glauben nach Art. 5 Abs. 3 BV und aus der ver-
fahrensrechtlichen Mitwirkungspflicht nach Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die
Behörde ihrerseits darf sich darauf verlassen, dass die vormals erteilten
Auskünfte bei passivem Verhalten der gesuchstellenden Person nach wie
vor der Wirklichkeit entsprechen (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 m.H.).
4.3 Die Täuschungshandlung der gesuchstellenden Person muss sich auf
einen erheblichen Sachverhalt beziehen. Erheblich im Sinne von Art. 36
Abs. 1 BüG ist ein Sachverhalt nicht nur, wenn seine pflichtgemässe Of-
fenlegung dazu geführt hätte, dass die mit der Einbürgerung befasste Be-
hörde das Vorliegen einer Einbürgerungsvoraussetzung verneint und die
Einbürgerung verweigert hätte. Es genügt, wenn der Sachverhalt, wäre er
der Behörde bekannt gewesen, begründete Zweifel am Vorliegen einer sol-
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chen Voraussetzung geweckt und die Einbürgerung ernsthaft in Frage ge-
stellt hätte beziehungsweise eine solche nicht ohne weitere Beweismass-
nahmen hätte verfügt werden können (vgl. Urteil des BVGer F-2375/2016
vom 29. März 2018 E. 5.3 m.H.).
4.4 Die Möglichkeit der Nichtigerklärung geht durch Zeitablauf unter. Nach
Art. 36 Abs. 2 BüG kann die Einbürgerung innert zwei Jahren, nachdem
das SEM vom rechtserheblichen Sachverhalt Kenntnis erhalten hat, spä-
testens aber innert acht Jahren nach dem Erwerb des Schweizer Bürger-
rechts nichtig erklärt werden. Nach jeder Untersuchungshandlung, die der
eingebürgerten Person mitgeteilt wird, beginnt eine neue zweijährige Ver-
jährungsfrist zu laufen. Während eines Beschwerdeverfahrens stehen die
Fristen still. Vorliegend sind die Fristen von Art. 36 Abs. 2 BüG – sowohl
die zweijährige relative als auch die achtjährige absolute – eingehalten.
5.
5.1 Das Verfahren auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung
richtet sich nach dem VwVG (vgl. Art. 1 Abs. 1 und 2 Bst. a VwVG). Es gilt
namentlich der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG). Die Behörde hat
von Amtes wegen zu untersuchen, ob der betroffenen Person die Täu-
schung über eine Einbürgerungsvoraussetzung vorgeworfen werden kann.
Dazu gehört insbesondere die Existenz eines beidseitig intakten und ge-
lebten Ehewillens. Da die Nichtigerklärung in die Rechte der betroffenen
Person eingreift, liegt die Beweislast bei der Behörde. Allerdings geht es in
der Regel um innere, dem Kern der Privatsphäre zugehörige Sachverhalte,
die einem direkten Beweis naturgemäss kaum zugänglich sind. Sie können
regelmässig nur indirekt durch Indizien erschlossen werden. Die Behörde
kann sich darüber hinaus auch veranlasst sehen, von bekannten Tatsa-
chen (Vermutungsbasis) auf unbekannte (Vermutungsfolge) zu schliessen.
Solche sogenannten natürlichen beziehungsweise tatsächlichen Vermu-
tungen stellen eine besondere Form des Indizienbeweises dar und können
sich in allen Bereichen der Rechtsanwendung ergeben, namentlich auch
im öffentlichen Recht. Dabei handelt es sich um Wahrscheinlichkeitsfolge-
rungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezogen werden. Die be-
troffene Person ist bei der Sachverhaltsabklärung mitwirkungspflichtig
(vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2; 135 II 161 E. 3, je m.H.).
5.2 Die natürliche Vermutung gehört zur freien Beweiswürdigung (Art. 19
VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den
Bundeszivilprozess [BZP, SR 273]). Sie stellt eine Beweiserleichterung dar,
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indem eine bereits vorhandene, aber nicht mit letzter Schlüssigkeit mögli-
che Beweisführung unterstützt wird. Eine Umkehr der Beweislast hat sie
nicht zur Folge. Wenn daher bestimmte Tatsachen – bspw. die Chronologie
der Ereignisse – die natürliche Vermutung begründen, dass die erleichterte
Einbürgerung erschlichen wurde, muss die betroffene Person nicht den Be-
weis für das Gegenteil erbringen. Sie bringt die natürliche Vermutung be-
reits mit dem Gegenbeweis zu Fall (vgl. HANS PETER WALTER, Berner Kom-
mentar, 2012, N. 476 zu Art. 8 ZGB). Hierfür genügt es, dass sie einen
Grund anführt, der es dem Gericht plausibel erscheinen lässt, dass sie die
Behörde nicht getäuscht hat. Bei diesem Grund kann es sich um ein aus-
serordentliches, nach der erleichterten Einbürgerung eingetretenes Ereig-
nis handeln, das zum raschen Scheitern einer vormals intakten Ehe führte,
oder die betroffene Person kann plausibel darlegen, dass sie die Ernsthaf-
tigkeit ehelicher Probleme nicht erkannte und den wirklichen Willen hatte,
mit dem Schweizer Ehepartner auch weiterhin in einer stabilen ehelichen
Gemeinschaft zu leben (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 m.H.).
5.3 Bezogen auf den Bestand einer intakten Ehegemeinschaft lautet der
auf dem zeitlichen Ablauf der Ereignisse basierende Erfahrungssatz, wel-
cher der natürlichen Vermutung zugrunde liegt, folgendermassen: Ausser-
ordentliche Umstände vorbehalten führen Probleme zwischen Ehegatten
nicht innerhalb weniger Monate zum definitiven Scheitern einer zuvor in-
takten Ehe. Bis der Punkt erreicht ist, an dem die Ehe augenfällig als ge-
scheitert betrachtet werden muss, bedarf es gewisser Zeit. Die natürliche
Vermutung ist demnach umso überzeugender, je kürzer die Zeitspanne
zwischen dem Einbürgerungszeitpunkt und der Trennung der Ehegatten
beziehungsweise der Einleitung der Scheidung ausfällt. Die aktuelle Recht-
sprechung geht von einer hinreichend raschen chronologischen Verkettung
der Ereignisse aus, wenn zwischen dem Einbürgerungszeitpunkt und der
Trennung der Ehegatten beziehungsweise der Einleitung der Scheidung
bis zu 20 Monate vergehen, wobei der Schwerpunkt bei einigen wenigen
Monaten liegt (vgl. Urteil des BVGer F-2236/2020 vom 18. Februar 2021
E. 9.1 m.H.). Als nicht mehr ausreichend um die natürliche Vermutung zu
begründen, dass die erleichterte Einbürgerung erschlichen wurde, ist dem-
gegenüber eine Differenz von mehr als zwei Jahren zwischen der Erklä-
rung der Ehegatten über eine tatsächliche eheliche Gemeinschaft und ihrer
Trennung einzustufen (vgl. Urteil des BGer 1C_377/2017 vom 12. Oktober
2017 E. 2.2; Urteil des BVGer F-809/2021 vom 23. August 2021 E. 4.8 und
6.1.2 m.w.H.).
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Seite 10
6.
6.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer 1 und seine
Ex-Ehefrau am 26. August 2009 heirateten. Am 23. Mai 2016 wurde er er-
leichtert eingebürgert. Am 16. Juni 2017 schlossen die damaligen Eheleute
eine Vereinbarung über die Scheidungsfolgen, welche das Richteramt (...)
am 5. September 2017 genehmigte und gleichzeitig die Ehe schied (SEM-
act. 8 S. 57 f.). Zwischen der Erklärung betreffend das Bestehen einer
stabilen ehelichen Gemeinschaft vom 18. Mai 2016 (SEM-act. 1 S. 6) und
der rechtskräftigen Scheidung verstrichen demnach rund 16 Monate. Die
Trennung soll gemäss Angaben der Einwohnergemeinde (...) sowie des
Beschwerdeführers 1 vier Monate früher, per 1. Mai 2017 erfolgt sein
(SEM-act. 2, Akten des BVGer [BVGer-act.] 1 S. 3). Gegenüber der Vo-
rinstanz führten beide Ehegatten sodann aus, sie hätten seit Beginn des
Jahres 2017 wohnungsintern getrennt gelebt (SEM-act. 8, 12 S. 111). Der
Beschwerdeführer 1 machte weiter geltend, seinem Auszug im Mai 2017
sei eine mehrmonatige Wohnungssuche vorausgegangen (SEM-act. 8).
Dieser zeitliche Ablauf ist nach Massgabe der vorstehend dargestellten
Rechtsprechung ohne Weiteres geeignet, die tatsächliche Vermutung zu
begründen, dass die Ehe des Beschwerdeführers 1 bereits zum Zeitpunkt
der erleichterten Einbürgerung nicht mehr intakt war und er die Vorinstanz
über diesen Umstand getäuscht hat (vgl. E. 5.3). Weiter erhärtet wird diese
Vermutung durch seine schnelle Wiederverheiratung am 23. November
2017 und die aus dieser Ehe bereits am 10. Dezember 2017 hervorgegan-
gene Beschwerdeführerin 2 (SEM-act. 27 S. 195 ff.). Im Ergebnis trennten
sich die Eheleute rund ein halbes Jahr nach der erleichterten Einbürgerung
räumlich innerhalb der gemeinsamen Wohnung. Die definitive Trennung
erfolgte nach rund elf Monaten. 19 Monate nach der Einbürgerung war der
Beschwerdeführer 1 rechtskräftig geschieden und erneut verheiratet sowie
Vater einer aus der zweiten Ehe hervorgegangenen Tochter, wobei er die
Kindsmutter gemäss seinen Angaben im kantonalen Familiennachzugsver-
fahren seit der Kindheit kennt, den Kontakt zu ihr stets aufrecht erhielt und
sie immer getroffen zu haben scheint, wenn er nach Albanien reiste (SEM-
act. 27 S. 200).
6.2
6.2.1 Die natürliche Vermutung, dass die Ehe des Beschwerdeführers 1 mit
seiner ersten Ehefrau zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung nicht
mehr intakt war, ist nach dem Ausgeführten überzeugend. Gleichermassen
überzeugend muss ein Grund sein, der es dem Bundesverwaltungsgericht
als plausibel erscheinen liesse, dass der Beschwerdeführer 1 die Vo-
rinstanz hierüber nicht getäuscht hat.
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Seite 11
6.2.2 Der Beschwerdeführer 1 sieht diesen Grund auf Beschwerdeebene
in der von seiner Ex-Ehefrau ausgelösten Ehekrise. Er habe nicht wissen
können und habe auch nicht vermuten müssen, dass sie sieben Monate
nach der Einbürgerung in eine Midlife-Crisis rutschen und den Drang ver-
spüren werde, einen neuen Mann kennenzulernen. Die Vorinstanz habe
selbst festgehalten, dass den beiden zum Zeitpunkt der Einbürgerung wo-
möglich noch nicht bewusst gewesen sei, dass es Probleme gegeben habe
beziehungsweise geben könnte. Damit fehle es an einem Tatbestands-
merkmal von Art. 36 BüG, nämlich dem bewussten Täuschen der Behörde.
Es gebe kein vorwerfbares Verhalten, welches zur Nichtigerklärung führen
dürfe. Er und seine Ex-Ehefrau hätten plausibel dargelegt, dass die Tren-
nung im Jahr 2017 schlicht eine Wirrung des Lebens gewesen sei (BVGer-
act. 1 S. 7 f.).
6.2.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, dass die Midlife-
Crisis der Ex-Ehegattin unbemerkt geblieben sei, scheine nicht glaubwür-
dig. Vielmehr werde damit die in der Verfügung bereits erwähnte fehlende
offene Kommunikation und das kontinuierliche Auseinanderleben der Ehe-
gatten im Sinne eines schleichenden Prozesses unterstrichen. Die Gefühle
für den Ehepartner würden erfahrungsgemäss nicht erst bei der Aufnahme
einer ausserehelichen Beziehung erkalten sondern in einem länger dau-
ernden Prozess. Für den Beschwerdeführer 1 müsse diese Entwicklung
erkennbar gewesen sein. Er könne nicht glaubhaft darlegen, dass er die
Ernsthaftigkeit der ehelichen Probleme im Zeitpunkt der Unterzeichnung
der Erklärung zur ehelichen Gemeinschaft sowie im Zeitpunkt der erleich-
terten Einbürgerung nicht erkannt und den wirklichen Willen gehabt habe,
auch weiterhin mit der Schweizer Ehegattin in einer stabilen ehelichen Ge-
meinschaft zu leben (BVGer-act. 7 S. 3 f.).
6.2.4 Replizierend hält der Beschwerdeführer 1 den Ausführungen der Vo-
rinstanz entgegen, hätten die beiden Ex-Ehegatten versucht, die Behörden
zu täuschen, wäre wohl besser vorgesorgt worden. Was das SEM unkom-
mentiert lasse, sei, dass die Nichtigerklärung nur rechtmässig sei, wenn
die Behörde zum Zeitpunkt der Einbürgerung über wesentliche Umstände
getäuscht worden sei. Die Vorinstanz lasse auf weiter Strecke eine einge-
hende Begründung diesbezüglich vermissen (BVGer-act. 9).
6.2.5 In freier Würdigung der bekannten und von der Vorinstanz ausführlich
dargelegten Tatsachen kommt das Bundesverwaltungsgericht vorliegend
zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer 1 mit seinen Ausführungen
nicht gelingt, die überzeugende tatsächliche Vermutung zu erschüttern,
F-2832/2020
Seite 12
dass seine Ehe mit seiner ersten Ehefrau bereits zum Zeitpunkt der erleich-
terten Einbürgerung nicht mehr intakt gewesen ist und er die Behörde über
diesen Umstand getäuscht hat. Das Gericht verkennt nicht, dass vor allem
die rasche chronologische Verkettung der Ereignisse diese Vermutung be-
gründet. Der dargestellte Geschehensablauf (vgl. E. 6.1) erweist sich nach
der allgemeinen Lebenserfahrung aber als exemplarisch für das rechts-
missbräuchliche Erlangen einer Staatsbürgerschaft. Dass der Beschwer-
deführer 1 sodann bereits zu Beginn des Jahres 2017 unbestrittenermas-
sen räumlich getrennt lebte von E._, auf Wohnungssuche war so-
wie für allfällige davor gelegene Bemühungen zur Überwindung der
Eheprobleme keinerlei Belege vorbringen kann – das Gleiche gilt für seine
Ex-Ehefrau – fällt dabei massgeblich zu seinen Ungunsten ins Gewicht.
Die Ausführungen über ein für ihn vermeintlich völlig unvorhersehbares
Scheitern der Ehe müssen gesamthaft betrachtet als Schutzbehauptung
eingestuft werden. Auch der Umstand, dass E._ diese Vorbringen
im vorinstanzlichen Verfahren im Wesentlichen gestützt hat (vgl. SEM-
act. 12, 14), vermag kein anderes Ergebnis herbeizuführen. Das Bundes-
verwaltungsgericht räumt den diesbezüglichen Aussagen der Ex-Ehefrau
ein untergeordnetes Gewicht ein, zumal sie noch in gutem Einvernehmen
mit dem Beschwerdeführer 1 und damit in einem gewissen Näheverhältnis
zu ihm zu stehen scheint (vgl. zur Frage der Beweiswürdigung etwa Urteil
des Bundesgerichts 2C_1033/2014 vom 29. April 2015 E. 3.2.2). Insofern
kann der Beschwerdeführer 1 nicht plausibel darlegen, dass er die Ernst-
haftigkeit der ehelichen Probleme im Zeitpunkt der erleichterten Einbürge-
rung nicht erkannte und den wirklichen Willen hatte, mit seiner damaligen
Ehefrau auch weiterhin in einer stabilen ehelichen Gemeinschaft zu leben.
7.
Im Ergebnis ist die Vorinstanz zu Recht von der Vermutung ausgegangen,
dass die Ehe des Beschwerdeführers 1 mit E._ im Zeitpunkt der
Einbürgerung am 23. Mai 2016 nicht mehr stabil und zukunftsgerichtet war
und dass er, indem er am 18. Mai 2016 eine gegenteilige Erklärung abge-
geben hat (SEM-act. 1 S. 6), die erleichterte Einbürgerung erschlichen hat.
Dem Beschwerdeführer 1 gelingt es im Beschwerdeverfahren nicht, diese
Vermutung zu entkräften. Die materiellen Voraussetzungen für die Nichti-
gerklärung seiner erleichterten Einbürgerung sind somit erfüllt. Gründe, die
es rechtfertigen würden, ermessensweise von dieser Regelfolge des
Rechtsmissbrauchs abzuweichen (vgl. BVGE 2020 VII/6 E. 12.1.1), sind
nicht ersichtlich.
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8.
8.1 Gemäss Art. 36 Abs. 4 BüG erstreckt sich die Nichtigerklärung auf alle
Kinder, deren Schweizer Bürgerrecht auf der nichtig erklärten Einbürge-
rung beruht. Ausgenommen sind Kinder, die im Zeitpunkt des Entscheids
über die Nichtigerklärung das 16. Altersjahr vollendet haben sowie die
Wohnsitzerfordernisse nach Art. 9 und die Eignungsvoraussetzungen nach
Art. 11 erfüllen (Bst. a); oder durch die Nichtigerklärung staatenlos würden
(Bst. b). Damit hat der Gesetzgeber die Rechtsprechungspraxis zu Art. 41
Abs. 3 aBüG – der Vorgängerbestimmung von Art. 36 Abs. 4 BüG – auf
Gesetzesstufe konkretisiert (vgl. Urteil BVGer F-3522/2018 vom 24. Sep-
tember 2020 E. 9.3; BVGE 2020 VII/6 E. 12).
8.2 Im vorliegenden Fall erwarben die Beschwerdeführenden 2 und 3 das
Schweizer Bürgerrecht durch Abstammung auf den Zeitpunkt ihrer Geburt
hin. Die Vorinstanz ordnete im Dispositiv der angefochtenen Verfügung in
allgemeiner Weise an, dass sich die Nichtigerklärung auf alle Kinder be-
ziehe, deren Schweizer Bürgerrecht auf der nichtig erklärten Einbürgerung
des Beschwerdeführers 1 beruhe. Weiter führte sie aus, dabei handle es
sich um die Beschwerdeführerin 2. (SEM-act. 28 S. 10). Den Beschwerde-
führer 3 bezog die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 13. August
2020 in die Nichtigerklärung mit ein (BVGer-act. 7 S. 2).
8.3
8.3.1 Das Vorgehen der Vorinstanz wird von den Beschwerdeführenden
nicht beanstandet und ist im Ergebnis rechtmässig. Die Beschwerdefüh-
renden 2 und 3 befinden sich mit einem beziehungsweise vier Jahren nicht
in einem Alter, das dem Einbezug in die Nichtigerklärung der erleichterten
Einbürgerung im Sinne von Art. 36 Abs. 4 Bst. a BüG entgegensteht. Die-
ser gesetzliche Hinderungsgrund ist vorliegend nicht einschlägig.
8.3.2 In Bezug auf das Risiko einer Staatenlosigkeit gemäss Art. 36 Abs. 4
Bst. b BüG wird aus den Akten nicht ersichtlich, ob die Beschwerdeführen-
den 2 und 3 über eine andere als die Schweizer Staatsbürgerschaft verfü-
gen. Eine drohende Staatenlosigkeit machen sie nicht geltend. Von der
Gefahr einer solchen ist im Ergebnis nicht auszugehen. Vielmehr dürften
die Beschwerdeführenden 2 und 3 die albanische Staatsangehörigkeit
durch Geburt über ihre Mutter erworben haben (vgl. Art. 19 Abs. 1 der al-
banischen Verfassung von 1998; dazu ausführlich WOLFGANG STROPPEL,
in: Bergmann/Ferid/Heinrich (Hrsg.), Internationales Ehe- und Kindschafts-
recht, Frankfurt am Main/Berlin, Albanien, Stand: 1 Oktober 2020, S. 9 f.).
Das Gleiche ergibt sich aus Art. 5 des albanischen Gesetzes Nr. 113/2020
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über die Staatsangehörigkeit vom 29. Juli 2020 (in deutscher Übersetzung
zu finden in: STROPPEL, a.a.O., S. 11 ff.). Eine zweite Staatsbürgerschaft
stellt nach den Art. 12-15 dieses Gesetzes zudem keinen Verlusttatbestand
für die albanische Staatsangehörigkeit dar.
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte
von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen
ist.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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