Decision ID: 239e0400-8d8e-44e2-a62f-5f67e438d835
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfaches Sich-bestechen-lassen etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom
26. November 2012 (DG110297)
- 3 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 30. Sep-
tember 2011 (Urk. 2) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des mehrfachen Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater
StGB,
− der mehrfachen ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB,
− der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB,
− der Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320 Ziff. 1
StGB.
2. Der Beschuldigte ist freizusprechen vom Vorwurf
− des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB im Zu-
sammenhang mit C._ (Anklageziffer II.),
− des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB im Zu-
sammenhang mit dem Darlehen (Anklageziffer V./63.).
− des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB im Zu-
sammenhang mit den Golfferien nach Mallorca (Anklageziffer VII.),
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 1⁄4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 185 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von
CHF 6'000.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 60 Tagen.
5. Auf die Zivilklage des Privatklägers Kanton Zürich wird nicht eingetreten.
- 4 -
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vor-
handenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 500'000 zu be-
zahlen.
7. a) Die auf dem mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zü-
rich vom 31. Mai 2010 gesperrten Konto Nr. ... bei der AU._ AG
liegenden Vermögenswerten in der Höhe von CHF 68'008 (Stand per
28. September 2011) werden samt den seither darauf angefallenen Er-
trägen zur Kostendeckung (inkl. zur Deckung der Kosten der amtlichen
Verteidigung) herangezogen.
b) Die AU._ AG wird mit Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils ange-
wiesen, die auf dem Konto Nr. ... liegenden Vermögenswerte dem Be-
zirksgericht Zürich, Postfach, 8026 Zürich, auf das Konto bei der
AS._, ... [Adresse], IBAN CH..., zu überweisen. Auf den Zeitpunkt
der Überweisung wird die Sperre dieses Kontos aufgehoben.
8. a) Die auf dem mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zü-
rich vom 27. Mai 2010 gesperrten Konto Nr. ... bei der AV._ ... Ge-
nossenschaft liegenden Vermögenswerte in der Höhe von
CHF 225'131.65 (Stand per 29. September 2011) werden samt den seit-
her darauf angefallenen Erträgen eingezogen und verfallen der Staats-
kasse.
b) Die AV._ ... Genossenschaft wird mit Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils angewiesen, die auf dem Konto Nr. ... liegenden Vermögenswer-
te dem Bezirksgericht Zürich, Postfach, 8026 Zürich, auf das Konto bei
der AS._, ... [Adresse], IBAN CH..., zu überweisen. Auf den Zeit-
punkt der Überweisung wird die Sperre dieses Kontos aufgehoben.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
31. Mai 2010 angeordnete Sperre des Kontos Nr. ... sowie des Depots Nr.
... bei der AU._ AG, lautend auf D._, wird mit Rechtskraft dieses
Urteils aufgehoben.
- 5 -
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
31. Mai 2010 angeordnete Sperre des Kontos Nr. ... sowie des Depots Nr.
... bei der AU._ AG, lautend auf E._, wird mit Rechtskraft dieses
Urteils aufgehoben.
11. a) Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte sowie
der Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. X._, bereit er-
klärten, den Erlös aus dem Verkauf der Liegenschaft des Beschuldigten
in ... (Frankreich) in der Höhe von EUR 385'000 nach Abzug einer Mak-
lerprovision in der Höhe von 6 % des Verkaufserlöses und nach Abzug
der dem Verteidiger in diesem Zusammenhang entstandenen Aufwen-
dungen dem Bezirksgericht Zürich auf das Konto bei der AS._, ...
[Adresse], IBAN CH..., zur teilweisen Erfüllung der dem Beschuldigten
auferlegten Ersatzforderung zu überweisen.
b) Sollte diese Überweisung bis Ende 2012 nicht erfolgt sein, wird die Lie-
genschaft des Beschuldigten in ... [Ort] auf dem Rechtshilfeweg zur Si-
cherung der Ersatzforderung beschlagnahmt. Die Beschlagnahme bleibt
bis zur vollständigen Bezahlung der Ersatzforderung bzw. bis in einem
allfälligen Zwangsvollstreckungsverfahren das zuständige Betreibungs-
amt in der Betreibung hinsichtlich der Ersatzforderung über die Anord-
nung von Sicherungsmassnahmen gemäss Art. 98 ff. SchKG entschie-
den hat aufrechterhalten.
12. Die Beschlagnahme der unter Sachkautionsnummer ... bei der Bezirksge-
richtskasse hinterlegten Gegenstände bleibt zwecks Sicherung der Ersatz-
forderung bis zur vollständigen Bezahlung der Ersatzforderung bzw. bis in
einem allfälligen Zwangsvollstreckungsverfahren das zuständige Betrei-
bungsamt in der Betreibung hinsichtlich der Ersatzforderung über die Anord-
nung von Sicherungsmassnahmen gemäss Art. 98 ff. SchKG entschieden
hat aufrechterhalten.
13. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 5. Juli
2010 angeordnete Beschlagnahme des bei der F._ Zürich, ... [Adres-
- 6 -
se], gelagerten Motorrades Harley Davidson bleibt zwecks Sicherung der
Ersatzforderung bis zur vollständigen Bezahlung der Ersatzforderung bzw.
bis in einem allfälligen Zwangsvollstreckungsverfahren das zuständige Be-
treibungsamt in der Betreibung hinsichtlich der Ersatzforderung über die An-
ordnung von Sicherungsmassnahmen gemäss Art. 98 ff. SchKG entschie-
den hat aufrechterhalten.
14. Die beschlagnahmten und nachfolgend aufgeführten Gegenstände werden
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils der Staatsanwaltschaft III des
Kantons Zürich, Untersuchung Nr. ..., überwiesen:
− HC-Positionen 1/1 und 1/3 bis 1/17 gemäss Beilage zum  vom 26. Mai 2010;
− HC-Positionen 2/1 bis 2/3, 2/14 bis 2/17, 2/20 bis 2/37, 2/39, 2/45 bis 2/52, 2/55 bis 2/56, 2/62 bis 2/64, 2/66 bis 2/69, 2/71, 2/73 bis 2/119, 2/222 bis 2/229, 2/233 bis 2/248, 2/250 bis 2/279 und 2/301 gemäss Beilagen zum Hausdurchsuchungsprotokoll vom 26. Mai 2010 und vom 4. August 2010;
− HC-Positionen 6/1, 6/3, 6/5, 6/14, 6/16 bis 6/36, 6/44 bis 6/46, 6/48 bis 6/49 gemäss Beilage zum Hausdurchsuchungsprotokoll vom 27. Mai 2010;
− HC-Positionen 13/187 bis 13/189 gemäss Beilage zum  vom 16. Juni 2010;
− HC-Positionen 14/1 bis 14/8, 14/10 bis 14/26, 14/29 bis 14/33, 14/38 bis 14/39, 14/41 bis 14/42 und 14/44 bis 14/75 gemäss Beilage zum Hausdurchsuchungsprotokoll vom 16. Juni 2010;
− act. 71/1-2.
15. Die in Verstoss geratenen beschlagnahmten Gegenstände gemäss HC-
Position 2/302 bis 2/307 sowie 14/9, 14/40 und 14/43 werden nach deren
Auffinden der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich, Untersuchung
Nr. ..., überwiesen.
16. Die beschlagnahmten Gegenständen gemäss HC-Positionen 2/70 und 2/72
werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils der G._, Personal-
vorsorge ..., ... [Adresse], auf ihr erstes Verlangen herausgegeben.
17. Die anlässlich der Hausdurchsuchung der Liegenschaft des Beschuldigten in
... (Frankreich) sichergestellten und als HC-Positionen 5/1 bis 5/3 und 5/5
- 7 -
bis 5/7 in das vorliegende Verfahren zu den Akten genommenen Gegen-
stände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf sein ers-
tes Verlangen herausgegeben.
18. Die im Nachgang zur Anklageerhebung von der Staatsanwaltschaft III des
Kantons Zürich dem Gericht überwiesenen und als act. 71/3 zu den Verfah-
rensakten genommenen Aktenstücke werden als Beweismittel bei den Akten
belassen.
19. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 45'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF Kosten der Kantonspolizei
CHF 20'000.00 Gebühr Anklagebehörde
CHF Kanzleikosten Untersuchung
CHF 52'186.45 Auslagen Untersuchung
CHF 42'000.00 amtliche Verteidigung Untersuchung
CHF 42'816.80 amtliche Verteidigung
CHF 14'505.25 Vertretung der Einziehungsbetroffenen.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
20. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (inklusive
diejenigen für die Vertretung der Einziehungsbetroffenen) werden dem Be-
schuldigten auferlegt. Über die Höhe der Kosten für die Vertretung der Ein-
ziehungsbetroffenen wird separat entschieden.
21. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen, sofern sie nicht durch die beschlagnahmten Vermögenswerte ge-
deckt sind; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird separat
entschieden.
- 8 -
22. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Kanton Zürich für das
gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von CHF 36'397.80 zu be-
zahlen.
Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich:
(Urk. 295 S. 9)
1. A._ sei des Sich-bestechen-lassens in Anklageziffer V./63 schul-
dig zu sprechen.
2. Die Ersatzforderung des Staates sei auf CHF 966'161.35 festzulegen.
3. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich zu bestätigen.
b) Des Vertreters des Privatklägers:
(Urk. 296 S. 2 f.)
1. Es sei der gesamte Saldo der auf dem Konto Nr. ... liegenden Vermö-
genswerte bei der AV._ ... Genossenschaft in Abänderung von
Ziff. 8 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 26. November 2012
der Finanzdirektion zu Handen der G._ auszuhändigen, resp. es
sei die AV._ ... Genossenschaft anzuweisen, diesen Saldo mit
Eintritt der Rechtskraft des Urteils der Finanzdirektion zu Handen der
G._ zu überweisen.
2. Es sei der gesamte Verkaufserlös der Liegenschaft des Beschuldigten
in ... (Frankreich) in Abänderung von Ziff. 11 des Urteils des Bezirksge-
richt Zürich vom 26. November 2012 der Finanzdirektion zu Handen
der G._ auszuhändigen, resp. es seien die entsprechenden Ban-
ken anzuweisen, die Saldi der massgebenden Konti mit Eintritt der
Rechtskraft dieses Urteils dorthin zu überweisen.
- 9 -
3. Für den Fall, dass das Obergericht den Anträgen auf Aushändigung
der in Ziff. 1 und 2 hiervor genannten Vermögenswerte nicht entspre-
chen sollte, seien diese Vermögenswerte vollumfänglich einzuziehen.
Erforderlichenfalls ist eine Dritteinziehung gegenüber Frau B._
vorzunehmen.
4. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Staat als Ersatz für nicht
mehr vorhandene, widerrechtlich erlangte Vermögensvorteile
CHF 1'191'293 zu bezahlen, abzüglich den gemäss Ziff. 1 und 2 hier-
vor genannten Vermögenswerte soweit den diesbezüglichen Begehren
auf Aushändigung, resp. eventualiter auf Einziehung, entsprochen wird.
5. Sämtliche Beschlagnahmen gemäss Ziff. 12-15 des Dispositivs des Ur-
teil des Bezirksgerichts Zürich vom 26. November 2012 seien zur Si-
cherung der Ersatzforderung gemäss Ziff. 4 hiervor bis zur vollständi-
gen Bezahlung der Ersatzforderung bzw. bis zu einem rechtskräftigen
Entscheid in einem allfälligen Zwangsvollstreckungsverfahren aufrecht-
zuerhalten.
6. Die Beschlagnahmen gemäss Ziff. 8 und 11 des Dispositivs des Urteils
des Bezirksgerichts Zürich vom 26. November 2012 seien zur Siche-
rung der Ersatzforderung gemäss Ziff. 4 hiervor bis zur vollständigen
Bezahlung der Ersatzforderung bzw. bis zu einem rechtskräftigen Ent-
scheid in einem allfälligen Zwangsvollstreckungsverfahren ebenfalls
aufrechtzuerhalten, soweit den diesbezüglichen Anträgen auf Aushän-
digung oder Einziehung gemäss Ziff. 1 und 2 hiervor nicht stattgegeben
wird.
7. Die Berufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen.
8. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzu-
erlegen.
- 10 -
9. Der Beschuldigte sei zu verurteilen, dem Privatkläger eine angemes-
sene Entschädigung für die notwendigen Aufwendungen im Verfahren
zu bezahlen.
c) Des Beschuldigten persönlich am 28. Mai 2013:
(Urk. 225, vollumfängliche Anfechtung)
Freispruch, evt. mildere Bestrafung
d) Der amtlichen Verteidigung am 3. Juni 2013:
(Urk. 228, sinngemäss)
Dispositiv Ziffer 1 (Schuldpunkt)
Der Beschuldigte sei freizusprechen vom Vorwurf
− des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB im Zu-
sammenhang
− mit H._ (Anklageziffer III)
− mit I._ im Fr. 500'000.– übersteigenden Betrag (Anklageziffer IV)
− mit J._ (ganze Anklageziffer V)
− mit K._ (Anklageziffer VI)
− der mehrfachen ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB
− der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 und 2
StGB.
Dispositiv Ziffer 3
Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten
unter Anrechnung der erstandenen Haft.
Es sei dem Beschuldigten der teilbedingte Strafvollzug zu gewähren, indem
die Strafe im Umfang von 24 Monaten aufzuschieben und im Umfang von 6
Monaten für vollziehbar zu erklären sei, bei einer Probezeit von 3 Jahren.
Dispositiv Ziffer 6
- 11 -
Auf eine Ersatzforderung sei zu verzichten.
Dispositiv Ziffer 7a) und b)
Das gesperrte AU._-Konto ... sei nach Eintritt der Rechtskraft des Ur-
teils freizugeben.
Dispositiv Ziffer 11a)
50 % des Nettoerlöses aus dem Verkauf der Liegenschaft Frankreich seien
von der Einziehung auszunehmen und an die einziehungsbetroffene Ehefrau
des Beschuldigten herauszugeben.
Dispositiv Ziffer 12
Die Beschlagnahme der unter Sachkautionsnummer ... bei der Bezirksge-
richtskasse hinterlegten Gegenstände sei mit Eintritt der Rechtskraft des Ur-
teils aufzuheben.
Dispositiv Ziffer 13
Die Beschlagnahme des Motorrades Harley Davidson sei mit Eintritt der
Rechtskraft des Urteils aufzuheben.
Dispositiv Ziffer 20
Die Kosten (beider Instanzen) seien proportional zum Verhältnis Schuld-
spruch/Freispruch zu verlegen.
e) Der erbetenen Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 299 S. 2 f.)
1. Es seien die Freisprüche gem. Ziff. 2 des Urteils der Vorinstanz zu be-
stätigen, ebenso die aufgehobenen Kontosperren gem. Ziff. 9 und 10.
2. A._ sei im Zusammenhang mit C._ (Anklageziffer II) vom
Vorwurf der ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB frei-
zusprechen.
- 12 -
3. A._ sei im Zusammenhang mit H._ (Anklageziffer III) vom
Vorwurf des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB
freizusprechen.
4. A._ sei im Zusammenhang mit I._ (Anklageziffer IV) vom
Vorwurf des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB
freizusprechen.
5. A._ sei im Zusammenhang mit J._ (Anklageziffer V) vom
Vorwurf des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB
sowie vom Vorwurf der ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314
StGB freizusprechen.
6. A._ sei im Zusammenhang mit K._ (Anklageziffer VI) vom
Vorwurf des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB
sowie des Vorwurfs der Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne
von Art. 320 Ziff. 1 StGB freizusprechen.
7. A._ sei im Zusammenhang mit J._, K._ und I._
(Anklageziffer VII) vom Vorwurf des mehrfachen Sich-bestechen-
lassens im Sinne von Art. 322quater StGB freizusprechen.
8. A._ sei vom Vorwurf der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 1 StGB freizusprechen.
9. Eventualiter sei A._ lediglich wegen zweifacher ungetreuer Ge-
schäftsbesorgung (im Zusammenhang mit C._ und J._) im
Sinne von Art. 158 StGB schuldig zu sprechen und mit einer Freiheits-
strafe von 10 Monaten zu bestrafen.
10. Subeventualiter sei A._ im Sinne der nachstehenden Erwägungen
schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von maximal 42 Mo-
naten, allenfalls verbunden mit einer Busse, zu bestrafen.
11. Es seien CHF 350'000 einzuziehen, eventualiter der Privatklägerin zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes auszuhändigen.
- 13 -
12. Es seien L._ CHF 31'000.00 vom AU._-Konto Nr. ... heraus-
zugeben.
13. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWSt) sind gemäss dem
Ausgang des Verfahrens festzulegen.
14. Allfällige Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens, inkl. die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung, seien im Sinne der nach-
stehenden Ausführungen einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen.
Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gem. Art. 135 Abs. 4 StPO.
15. Die Beschlagnahmungen seien soweit gemäss Entscheid zu Einzie-
hung sowie Kosten- und Entschädigungsfolgen notwendig aufrecht zu
erhalten. In jedem Fall seien A._ von den unter der Sachkautions-
nummer ... bei der Bezirksgerichtskasse hinterlegten Gegenständen
die in der persönlichen Befragung spezifizierten Gegenstände (Gold-
barren, Goldvreneli, Eheringe Eltern, Uhr, Siegelring etc.) heraus zu
geben.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegen das am 28. November 2012 eröffnete, eingangs im Dispositiv wie-
dergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 26. November
2012 (Prot. I S. 43a ff.; Urk. 221) meldeten der damalige amtliche Verteidiger mit
Eingabe vom 3. Dezember 2012 und der Privatkläger mit Eingabe vom 7. De-
zember 2012 rechtzeitig Berufung an (Urk. 127; Urk. 137; Art. 399 Abs. 1 StPO).
Nach Eingang des begründeten Urteils beim Privatkläger am 10. Mai 2013 und
beim amtlichen Verteidiger am 13. Mai 2013 reichten mit Eingabe vom 28. Mai
- 14 -
2013 sowohl der Privatkläger, als auch der Beschuldigte persönlich vorsorglich
sowie mit Eingabe vom 3. Juni 2013 der amtliche Verteidiger rechtzeitig eine Be-
rufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Urk. 224; Urk. 225;
Urk. 228; Urk. 198/2+3; Urk. 222 f.). Mit Präsidialverfügung vom 10. Juli 2013
wurden dem Beschuldigten, der Staatsanwaltschaft und den Einziehungsbetroffe-
nen eine Kopie der Berufungserklärung des Privatklägers zugestellt und dem Pri-
vatkläger, der Staatsanwaltschaft und den Einziehungsbetroffenen Kopien der Be-
rufungserklärungen des Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers. Gleich-
zeitig wurde ihnen eine zwanzigtägige Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu
erheben, oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen
(Urk. 231). Mit Eingabe vom 30. Juli 2013 erhob die Staatsanwaltschaft rechtzeitig
Anschlussberufung (Urk. 232/4; Urk. 235). Der damalige amtliche Verteidiger ver-
zichtete mit Eingabe vom 31. Juli 2013 auf Anschlussberufung (Urk. 236). Glei-
ches tat die Rechtsvertreterin der Einziehungsbetroffenen mit Eingabe vom
2. August 2013 (Urk. 237). Der Privatkläger liess sich dazu nicht vernehmen.
1.1. Nachdem dem Beschuldigten auf seinen persönlichen Antrag vom
15. Mai 2013, das Berufungsverfahren bis zum Entscheid über den von ihm bean-
tragten Wechsel des amtlichen Verteidigers zu sistieren (Urk. 222), mit Schreiben
des Obergerichts vom 22. Mai 2013 mitgeteilt wurde, dass es sich bei der Frist
zur Einreichung der Berufungserklärung um eine gesetzliche Frist handle, welche
weder erstreckt noch neu angesetzt werden könne, indessen mit der Berufungs-
erklärung allenfalls vorsorglich das gesamte vorinstanzliche Urteil angefochten
werden könne (Urk. 223), machte der Beschuldigte mit Eingabe vom 28. Mai 2013
davon Gebrauch und focht mit Blick auf die unklare Verteidigersituation vorsorg-
lich das gesamte vorinstanzliche Urteil an. Er verlangte einen Freispruch, evt. mil-
dere Bestrafung (Urk. 225).
1.2. Die amtliche Verteidigung verlangte einen Freispruch vom Vorwurf des
Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB im Zusammenhang mit
H._ (Anklageziffer III.), mit I._ im Fr. 500'000.– übersteigenden Betrag
(Anklageziffer IV.), mit J._ (ganze Anklageziffer V.), mit K._ (Anklagezif-
fer VI.) sowie von den Vorwürfen der mehrfachen ungetreuen Amtsführung im
- 15 -
Sinne von Art. 314 StGB sowie der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 1 StGB. Die vorsorgliche Berufung des Beschuldigten geht beim
Schuldspruch demnach lediglich hinsichtlich des Sich-bestechen-lassens im Be-
trage von maximal Fr. 500'000.– (Anklageziffer IV.) und der Verletzung des Amts-
geheimnisses im Sinne von Art. 320 Ziff. 1 StGB weiter als jene der amtlichen
Verteidigung (Urk. 228 S. 4 ff.). Bei der Sanktion (Dispositivziffer 3) verlangte die
amtliche Verteidigung eine Freiheitsstrafe von (nicht über) 30 Monaten, mit teilbe-
dingtem Vollzug im Umfang von 24 Monaten und einer Probezeit von 3 Jahren.
Der für vollziehbar zu erklärende Teil von 6 Monaten hätte der Beschuldigte mit-
hin mit der anrechenbaren Untersuchungshaft von 185 Tagen bereits verbüsst.
Die Verbindungsbusse von Fr. 6'000.– und die diesbezügliche Ersatzfreiheitsstra-
fe von 60 Tagen (Dispositivziffer 3 und 4) hat die amtliche Verteidigung nicht an-
gefochten. Bei der Ersatzforderung verlangt die amtliche Verteidigung, wie der
Beschuldigte, einen gänzlichen Verzicht (Dispositivziffer 5) und dementsprechend
auch die Freigabe des gesperrten AU._-Kontos (Dispositivziffer 7a und b).
Weiter hat die amtliche Verteidigung im Gegensatz zum Beschuldigten die Ein-
ziehung der auf dem Konto bei der AV._ liegenden Fr. 225'131.65, samt da-
rauf angefallenen Erträgen, zugunsten der Staatskasse nicht angefochten (Dispo-
sitivziffer 8a und b). Vom Erlös der verkauften Liegenschaft in Frankreich sei die
Hälfte von der Einziehung auszunehmen und an die einziehungsbetroffene Ehe-
frau des Beschuldigten herauszugeben (Dispositivziffer 11 a und b). Bezüglich der
unter Sachkautionsnummer ... bei der Bezirksgerichtskasse hinterlegten Gegen-
stände und der beschlagnahmten Harley Davidson sei die Beschlagnahme aufzu-
heben (Dispositivziffer 12 und 13) und die Kosten beider Instanzen seien propor-
tional zum Verhältnis Schuldspruch/Freispruch zu verlegen (Urk. 228 S. 5 f.).
1.3. Der Privatkläger beschränkte seine Berufung auf die Höhe der Ersatz-
forderung und verlangte die Bezahlung von Fr. 966'161.35 an den Staat (Disposi-
tivziffer 6). Ausserdem beantragte er die Herausgabe der beschlagnahmten Mittel
auf dem Konto Nr. ... des Beschuldigten bei der AV._ ... sowie des (gesam-
ten) Verkaufserlöses der Liegenschaft in Frankreich an den Privatkläger zu Han-
den der Versicherungskasse ... G._ (Dispositivziffer 8 und 11; Urk. 224).
- 16 -
1.4. Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Anschlussberufung im Schuld-
punkt auf den Teilfreispruch wegen Sich–bestechen–lassens im Zusammenhang
mit dem Darlehen vom Mitbeschuldigten J._ (Anklageziffer V.63.; Dispositiv-
ziffer 2 al 2) und die Höhe der an den Staat zu leistenden Ersatzforderung von
Fr. 966'161.35 (Dispositivziffer 6) sowie die damit im Konnex stehenden Be-
schlagnahmen (Urk. 235).
2. Anlässlich der Berufungsverhandlung stellten die Parteien die eingangs
erwähnten Anträge (Prot. II S. 15 ff.). Bezüglich der Dispositivziffern 9 und 10 ver-
langte die erbetene Verteidigung Bestätigung der Aufhebung der Kontosperren
(Urk. 299 S. 2 f.). Obwohl der Beschuldigte mit seiner Berufungserklärung rein
vorsorglich und generell das gesamte vorinstanzliche Urteil angefochten hatte
(Urk. 225), machten anlässlich der Berufungsverhandlung weder er noch der er-
betene Verteidiger irgendwelche Beanstandungen am vorinstanzlichen Entscheid
hinsichtlich der beschlagnahmten Beweismittel (Dispositivziffer 14 bis 18;
Urk. 221 S. 214-216 und S. 239 f.). Daraus ergibt sich, dass diese vorinstanzli-
chen Anordnungen unangefochten blieben (Urk. 299 S. 3; Art. 385 Abs. 1 lit. a
StPO, Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO, Art. 404 StPO).
3. Damit wurden die Berufungen teilweise beschränkt (Art. 399 Abs. 4
StPO). Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
somit die Dispositivziffern 2, Alinea 1 und 3 (Teilfreisprüche vom Vorwurf des
Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB im Zusammenhang mit
C._ [Anklageziffer II.] und mit den Golfferien in Mallorca [Anklageziffer VII.]),
9 und 10 (Kontosperren betr. D._ und E._) sowie 14 bis 18 (Entscheid
über beschlagnahmte Beweismittel) unangefochten blieben, ist mittels Beschluss
festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft er-
wachsen ist.
4. Beweisanträge wurden keine gestellt. Dagegen warf der erbetene Vertei-
diger die Vorfrage im Sinne von Art. 339 Abs. 2 StPO auf, das Verfahren zu sistie-
ren, um die Ehefrau des Beschuldigten im Zusammenhang mit ihrem Miteigen-
tumsanteil an der verkauften Ferienliegenschaft in ..., Frankreich, als Einzie-
- 17 -
hungsbetroffene oder Dritte gestützt auf Art. 105 Abs. 2 StPO in Verbindung mit
Art. 338 Abs. 2 StPO ebenfalls vorzuladen, damit sie ihre Ansprüche am Ver-
kaufserlös geltend machen könne (Urk. 293; Prot. II S. 21). Diesem Antrag wurde
nicht entsprochen und B._, der Ehefrau des Beschuldigten, als Einziehungs-
betroffene, stattdessen mit Präsidialverfügung vom 16. Juni 2014 Frist zur Stel-
lungnahme zu den Anträgen und Ausführungen der Staatsanwaltschaft und des
Privatklägers anlässlich der Berufungsverhandlung vom 10. bis 13. Juni 2014 an-
gesetzt (Urk. 304). Mit Eingabe vom 17. Juli 2014 erfolgte die Stellungnahme der
einziehungsbetroffenen Ehefrau des Beschuldigten, wobei sie zusammengefasst
beantragte, es seien ihr die Vermögenswerte auf dem Sperrkonto Nr. ... bei der
AS._ auszuhändigen (Urk. 317). Mit Präsidialverfügung vom 21. Juli 2014
wurde der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger die Eingabe der Einzie-
hungsbetroffenen zugestellt und ihnen Frist zur freigestellten Vernehmlassung
angesetzt. Innert erstreckter Frist erfolgte die Vernehmlassung durch die Staats-
anwaltschaft am 6. August 2014 (Urk. 325) und jene des Privatklägers am 11.
August 2014 (Urk.327). Die Ehefrau des Beschuldigten ist als Einziehungsbe-
troffene im Rubrum aufzunehmen.
5. Einem Gemeinwesen wie dem Kanton Zürich kommt nur die Stellung ei-
nes Geschädigten, respektive – bei entsprechender Konstituierung – eines Privat-
klägers zu, wenn dieses durch die Straftat wie ein Privater in seinen Rechten ver-
letzt wurde (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, in: Basler Kommentar, Schweizerische Straf-
prozessordnung, 2011, N 39 zu Art. 115 StPO).
5.1. Bestechungsdelikte schützen das Vertrauen der Allgemeinheit in die
Objektivität und Sachlichkeit staatlicher Tätigkeit und damit öffentliche Interessen
(vgl. nachstehend, Erw. III.3.4.2.). Die Interessen des Gemeinwesens werden
durch die Bestechungsdelikte nicht beeinträchtigt, weshalb der Kanton Zürich
durch die Bestechungshandlungen des Beschuldigten nicht in seinen Rechten
verletzt und damit auch nicht geschädigt sein kann (SCHMID, Handbuch des
schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Auflage 2013, N 688 und Fn. 108; MAZ-
ZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N 87 zu Art. 115 StPO).
- 18 -
5.2. Demgegenüber ist dem Kanton Zürich im Zusammenhang mit der ein-
geklagten ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB Geschädigten–
bzw. Privatklägerstellung einzuräumen, da das geschützte Rechtsgut hier das öf-
fentliche Vermögen ist (NIGGLI, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage
2013, N 7 zu Art. 314 StGB) und der Kanton Zürich damit in seinen Rechten wie
ein Privater betroffen wurde (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N 85 zu Art. 115
StPO).
5.3. Beim Tatbestand der Geldwäscherei werden zwar auch individuelle
Vermögensinteressen geschützt, sofern die Vermögenswerte aus Straftraten ge-
gen Individualinteressen herrühren und die Geldwäschereihandlung die Wieder-
beschaffung der privaten Vermögenswerte konkret erschwert hat (MAZZUCCHEL-
LI/POSTIZZI, a.a.O., N 82 zu Art. 115 StPO). Vorliegend geht es beim Geldwä-
schereivorwurf indessen nicht um die Vermögenswerte des Kantons Zürich, wes-
halb dieser auch diesbezüglich nicht in seinen Rechten verletzt und damit Privat-
kläger sein kann.
5.4. Beim Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung kommt dem Kanton Zürich
Geschädigten- resp. Privatklägerstellung zu. Der Geheimnisträger ist in seinen
Rechten geschützt und verletzt (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N 86 zu Art. 115
StPO). Da es bei den vom Beschuldigten bekanntgegebenen Tatsachen auch um
solche ging, an denen der Kanton Zürich ein Geheimhaltungsinteresse hatte, hat
dieser im Zusammenhang mit der Amtsgeheimnisverletzung Geschädigten- bzw.
Privatklägerstellung.
5.5. Der Kanton Zürich ist somit nur im Zusammenhang mit den Vorwürfen
der ungetreuen Amtsführung und der Amtsgeheimnisverletzung antrags- und al-
lenfalls entschädigungsberechtigt.
6. Der Antrag des Vertreters des Privatklägers, wonach sämtliche Beschlag-
nahmen gemäss Ziff. 12-15 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Zürich
vom 26. November 2012 zur Sicherung der Ersatzforderung bis zu deren voll-
ständigen Bezahlung bzw. bis zu einem rechtskräftigen Entscheid in einem allfäl-
ligen Zwangsvollstreckungsverfahren aufrechtzuerhalten seien (Urk. 296 S. 2 f.,
- 19 -
Ziff. 5; Prot. II S. 15 f.), betrifft die hinsichtlich der Dispositivziffern 14 und 15 be-
reits in Rechtskraft erwachsenen Anordnungen des vorinstanzlichen Urteils, wel-
che überdies ohnehin nicht zur Sicherung der Ersatzforderung taugen, weshalb in
diesem Umfang nicht auf den Antrag Ziffer 5 des Privatklägers einzutreten ist.
7. Mit Präsidialverfügung vom 23. Mai 2014 wurde der Beschuldigte auf An-
trag der Staatsanwaltschaft vom 22. Mai 2014 aufgefordert, innert 10 Tagen di-
verse Unterlagen zu seinen aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen einzureichen
(Urk. 279 f.). Mit Eingabe vom 6. Juni 2014 kam die Verteidigung dieser Aufforde-
rung nach (Urk. 291; Urk. 292/1-10). Am 2. Juni 2014 wurde ein aktueller Strafre-
gisterauszug des Beschuldigten eingeholt (Urk. 285).
8. Hinsichtlich des Verfahrensganges im Vorverfahren und vor Vorinstanz
bis zum Erlass des erstinstanzlichen Urteils kann auf die umfassende Darstellung
im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 221 S. 8 ff., S. 10).
9. Mit Schreiben vom 21. Januar 2013 meldete sich Rechtsanwalt lic. iur.
HSG X1._ namens und mit Vollmacht des Beschuldigten vom 17. Januar
2013 und stellte ein Gesuch um Wechsel der amtlichen Verteidigung (Urk. 165 ff.,
170). Mit Verfügung des Vorsitzenden der 9. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich
vom 5. März 2013 wurde das Gesuch abgewiesen (Urk. 182). Die vom Beschul-
digten dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Beschluss der III. Strafkammer
des Obergerichts des Kantons Zürich vom 5. Juni 2013 ebenfalls abgewiesen
(Urk. 216 = Urk. 229). Mit Urteil der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bun-
desgerichts vom 7. Februar 2014 (hierorts eingegangen am 20. Februar 2014)
wurde auch die vom Beschuldigten gegen den vorerwähnten Beschluss der III.
Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich erhobene Beschwerde abge-
wiesen, soweit auf diese einzutreten war (Urk. 260). Nachdem Rechtsanwalt
Dr. X._ mit Präsidialverfügung vom 22. Mai 2014 als amtlicher Verteidiger
bestätigt worden war (Urk. 278), stellte Rechtsanwalt X1._ am 28. Mai 2014
namens des Beschuldigten erneut das Gesuch um Entlassung des amtlichen Ver-
teidigers (Urk. 283). Daraufhin wurde diesem mit Präsidialverfügung vom 30. Mai
2014 abermals die Gelegenheit eingeräumt, Stellung zu nehmen (Urk. 284). Mit
Eingabe vom 2. Juni 2014 beantragte der amtliche Verteidiger im Hinblick auf den
- 20 -
Einsatz eines erbetenen Verteidigers seine Entlassung (Urk. 286). Dem wurde mit
Präsidialverfügung vom 3. Juni 2014 schliesslich entsprochen (Urk. 288).
10. Am 26. Mai 2010, 06.00 Uhr, wurde der Beschuldigte gestützt auf den
Vorführungsbefehl der Staatsanwaltschaft durch Fahnder der Kantonspolizei Zü-
rich an seinem damaligen Wohnort festgenommen und mit haftrichterlicher Verfü-
gung vom 27. Mai 2010 in Untersuchungshaft versetzt, wo er sich bis zur mit Ent-
lassungsbefehl der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 26. November
2010 angeordneten Freilassung während 185 Tagen befand. Mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 26. November 2010 wurden diver-
se Ersatzmassnahmen angeordnet (Urk. 1/315001; Urk. 1/315004 ff.;
Urk. 1/315011 ff.; Urk. 1/315034 ff.; Urk. 1/315058 ff.; Urk. 1/315067;
Urk. 1/315070).
10.1. Mit dringlicher Eingabe an die Vorinstanz vom 28. November 2012 be-
antragte die Staatsanwaltschaft am Tag der Urteilseröffnung, der Beschuldigte sei
bei Ausfällung einer Freiheitsstrafe von mehr als 3 Jahren in Sicherheitshaft zu
versetzen (Urk. 117), weshalb die Vorinstanz an diesem Tag auch über die Frage
der Sicherheitshaft verhandelte und mit Beschluss vom selben Tag Sicherheits-
haft bis zum Strafantritt oder vorerst längstens bis 28. Mai 2013 eröffnete und die
anwesenden Polizeibeamten anwies, den Beschuldigten zu verhaften. Zudem
wurden sämtliche früheren Ersatzmassnahmen aufgehoben und die freiwillige
Abgabe der Reisepässe seiner Familienangehörigen als hinfällig erklärt (Prot. I
S. 44 f., 47 ff., 50). Eine gegen den zweitinstanzlichen Beschwerdeentscheid der
III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 24. Dezember 2012
betreffend Sicherheitshaft (Urk. 164) erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Februar 2013 abgewiesen (Urk. 121).
10.2. Mit Eingabe vom 27. Februar 2013 stellte der Beschuldigte ein Gesuch
um vorzeitigen Strafantritt, welcher nach Verzicht auf Einwände durch die Ankla-
gebehörde mit Präsidialverfügung vom 26. April 2013 durch den vorinstanzlichen
Vorsitzenden bewilligt und die Sicherheitshaft auf den Zeitpunkt des vorzeitigen
Strafantritts aufgehoben wurde. Am 16. Oktober 2013 wurde der Beschuldigte in
- 21 -
die Strafanstalt M._, ... [Ort], versetzt (Urk. 178 f.; Urk. 194; Urk. 202/A;
Urk. 240 S. 2).
11. Die Vorbemerkungen des erbetenen Verteidigers im Berufungsplädoyer
(Urk. 299 S. 4 f.) geben Anlass zu Bemerkungen zur Frage einer allfälligen Be-
fangenheit der urteilenden Richter und der Gerichtsschreiberin. Im Raum stehen
die Vorwürfe des Sich-bestechen-lassens, der ungetreuen Amtsführung und der
Amtsgeheimnisverletzung gegen den Beschuldigten im Zusammenhang mit sei-
ner Tätigkeit als Chef der N._ und der Versicherungskasse ... (G._ Per-
sonalvorsorge ...). Bei der G._ handelt es sich um die Vorsorgeeinrichtung
für die Angestellten ..., mithin auch um die Vorsorgeeinrichtung der am Urteil Mit-
wirkenden. Daraus könnte ein indirektes Interesse des Berufungsgerichts am
Ausgang des Verfahrens und damit seine Befangenheit abgeleitet werden.
11.1. Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass dem Kanton Zürich bzw. der
G._ im vorliegenden Verfahren hinsichtlich der Bestechungsdelikte, wie be-
reits erwähnt, keine Geschädigten- oder Privatklägerstellung zukommt (vgl. vor-
stehend, Erw. I.5.), womit durch den diesbezüglichen Ausgang des Verfahrens
weder die Interessen des Kantons Zürich oder der G._ noch jene ihrer Versi-
cherten tangiert sind. Dementsprechend können auch die Interessen der bei der
G._ ...versicherten Richter nicht tangiert sein, was eine Befangenheit dersel-
ben in diesem Kontext ausschliesst.
11.2. Von einer Befangenheit der am Urteil Mitwirkenden ist nur dann aus-
zugehen, wenn diese durch den entsprechenden Entscheid unmittelbar betroffen
sind. Liegt nur eine mittelbare Betroffenheit vor, so muss die Person so intensiv
tangiert sein, dass eine ernsthafte Gefahr der Unsachlichkeit besteht. Dass das
Verfahren die Interessen der Person bloss in allgemeiner Weise berührt, genügt
nicht (BOOG, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2011,
N 15 zu Art. 56 StPO). Es kann nicht jede denkbare Mitbetroffenheit eines Rich-
ters dazu führen, dass dieser als befangen zu gelten hat. Vielmehr ist, selbst
wenn eine gewisse Mitbetroffenheit der Richter systemimmanent und unvermeid-
lich ist, davon auszugehen, dass ein solcher von der eigenen persönlichen Lage
abstrahieren und objektiv urteilen kann (BGE 136 II 383 E. 4 ff.).
- 22 -
11.3. Auch ein Entscheid über eine allfällige adhäsionsweise geltend ge-
machte Zivilforderung in der Höhe von über Fr. 2 Mio. wird keine konkreten Aus-
wirkungen auf den Rentenanspruch der am Urteil Mitwirkenden haben, weshalb
eine qualifizierte Betroffenheit derselben nicht erkennbar ist und von einer Befan-
genheit des Berufungsgerichts daher keine Rede sein kann. Auch das Eidgenös-
sische Versicherungsgericht hat entschieden, dass die Tatsache, dass die am Be-
rufungsverfahren beteiligten Richter bei der G._ (G._) ...versichert sind,
diese nicht automatisch als befangen erscheinen lässt (Urteil des Eidgenössi-
schen Versicherungsgerichts B 104/03 E. 4 vom 4. August 2004 mit weiteren
Hinweisen).
Eine Befangenheit des Berufungsgerichts liegt damit nicht vor.
II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten A._ wird im Wesentlichen vorgeworfen (Urk. 2
S. 2 ff.), er habe in seiner Tätigkeit und seinen Funktionen ab 1. September 1989
als Sekretär bei der damaligen O._, Abteilung Vermögensverwaltung, bzw.
ab 1. Mai 1995 bis zum 31. Dezember 2003 als direkt dem jeweiligen Vorsteher
der Finanzdirektion unterstellter Chef Vermögensverwaltung, bzw. ab 1. Januar
2004 als direkt dem jeweiligen Chef G._ unterstellter Chef der Abteilung As-
set Management, und ab 1. Juli 2007 als Mitglied der Geschäftsleitung der
G._, welche zugleich das sog. Investment Committee bildete, unter anderem
als für die aktive Bewirtschaftung der Kapitalanlagen der G._ ... (Versiche-
rungskasse ..., nachfolgend G._ genannt), einer unselbständigen Anstalt des
kantonalen öffentlichen Rechts mit Sitz an der ...strasse ... in Zürich, Verantwort-
licher über Kollektivunterschrift zu zweien verfügt.
1.1. Dabei sei er während des gesamten anklagerelevanten Zeitraums für
die operative Anlage des Vermögens der G._ zuständig und für die Erarbei-
tung und Umsetzung des jährlichen Anlagekonzeptes, die Erarbeitung des Anla-
geplans und die Iaufende Vermögensbewirtschaftung nach Massgabe der Strate-
gischen Asset Allokation (SAA) und der Anlagerichtlinien verantwortlich gewesen.
Zuhanden der Finanzdirektion habe er Antrag betreffend die Ausgestaltung bzw.
- 23 -
Abänderung der SAA sowie der Richtlinien für die Bewirtschaftung der Kapitalan-
lagen und auch betreffend das Konzept für die Anlageorganisation und organisa-
torische Massnahmen stellen können. Gemäss Stellenbeschreibung seien ihm im
Bereich Kapitalanlagen der G._ im Rahmen des jährlichen Anlagekonzepts
und der Anlagerichtlinien abschliessende Entscheidungsbefugnisse zugekom-
men, was insbesondere die aktive Bewirtschaftung der Geldmarktanlagen, der In-
landobligationen, der Fremdwährungs-Obligationen, der Direktanlagen Aktien
Schweiz und der Aktien Ausland sowie die Prüfung neuer Anlagemöglichkeiten
und –strategien umfasst habe.
1.2. Vom 1. Mai 1995 bis 31. Dezember 2003 habe der Beschuldigte als
Chef N._ der Finanzdirektion Antrag bezüglich der Inanspruchnahme bzw.
Kündigung von externen Anbietern von Finanzdienstleistungen durch die G._
gestellt und sei für die Erteilung und Spezifikation der Aufträge zuhanden der ex-
ternen Mandatsträger, die Unterzeichnung entsprechender Verträge sowie die In-
struktion und Führung dieser Mandatsträger zuständig gewesen. Ab dem 1. Ja-
nuar 2004, als der Beschuldigte Chef Asset Management gewesen sei, habe über
Entscheide der internen und externen Vermögensverwaltung sowie die Auswahl
von externen Vermögensverwaltern und die Erteilung entsprechender Verwal-
tungsaufträge der Chef G._ und ab 1. Februar 2006 die Geschäftsleitung der
G._, auf Antrag des Beschuldigten, entschieden. Er sei aber für die Planung
und Durchführung zuständig gewesen, während der Entscheid über Evaluation
und Einsatz externer Fachberater der Finanzdirektion vorbehalten gewesen sei
und für die Planung, Antragstellung und Durchführung die Geschäftsleitung
G._. Ab dem 1. Juli 2007 sei das Investment Committee für Entscheide der
G._ betreffend Abschluss und Kündigung von Verträgen mit externen Ver-
mögensverwaltern zuständig gewesen, wobei der Beschuldigte als Chef Asset
Management der G._ Anträge habe stellen können. Für Anpassungen im
Rahmen bestehender Mandate mit externen Mandatsträgern sei wiederum er zu-
ständig gewesen.
1.3. Im Bereich Vermögensverwaltung der G._ habe der Beschuldigte
in diesem Zeitraum aufgrund seiner langjährigen Funktion als Chef Vermögens-
- 24 -
verwaltung bzw. Chef Asset Management der G._, seiner ausgewiesenen
Fachkompetenz und seines damals in Finanz- und Pensionskassenkreisen guten
Rufes, über eine ausgesprochen einflussreiche Stellung verfügt. Überdies sei er
innerhalb der Vermögensverwaltung der G._ bis zum 31. Mai 2009 der einzi-
ge Fachexperte gewesen, was dazu geführt habe, dass seine Meinung bei den
formell mit der Vermögensverwaltung der G._ befassten Organen (Finanzdi-
rektion, Geschäftsleitung der G._, Investment Committee [seit 1.07.2007],
Anlageausschuss der Verwaltungskommission der G._, Investment Control-
ler der G._, der Q._ Investment Controlling AG) grosses Gewicht gehabt
habe. Zudem sei er von seinen Vorgesetzten, insbesondere den jeweiligen Vor-
stehern der Finanzdirektion und dem damaligen Chef G._, R._, als
kompetenter, vertrauenswürdiger und nur schwer ersetzbarer Fachexperte qualifi-
ziert worden, dem im Bereich der Vermögensverwaltung der G._ ein hohes
Mass an Selbständigkeit und ein grosser Ermessens- und Entscheidungsspiel-
raum zugebilligt worden sei, was dazu geführt habe, dass der Beschuldigte wäh-
rend des anklagerelevanten Zeitraums auch in denjenigen Bereichen, in denen er
formell nicht selber habe entscheiden können (Mandatsvergabe an externe Ver-
mögensverwalter und Fachberater, Änderung und Kündigung dieser Mandate),
entweder faktischer Entscheidungsträger oder erfolgreicher Antragsteller bei den
formell zuständigen Organen der G._ gewesen sei. In diesem Zeitraum sei
ihm stets klar gewesen, dass er in seinen Funktionen als Amtsträger öffentliche
Aufgaben erfüllt habe und gemäss einschlägiger Vorschriften keine unentgeltli-
chen, über blossen Bagatellcharakter hinausgehende Zuwendungen im Zusam-
menhang mit seiner amtlichen Stellung von Drittpersonen hätte annehmen dürfen.
1.4. Der Beschuldigte hat diesen Anklagesachverhalt (Ziffern I.1. – 9.) im
Vorverfahren, anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme vom
11. Juli 2011 und vor Vorinstanz vollumfänglich anerkannt (Urk. 1/062049 S. 2 ff.;
Urk. 77 S. 5 f.). Dabei blieb er auch im Berufungsverfahren (Prot. II S. 31). Die
Vorinstanz hat die diversen vorhandenen Beweismittel vollständig aufgeführt und
zutreffend erkannt, dass diese Zugeständnisse des Beschuldigten sich somit auch
mit dem übrigen Untersuchungsergebnis decken und der Sachverhalt insoweit er-
- 25 -
stellt ist (Urk. 221 S. 17 bis 24). Es kann darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO).
2. Im Zusammenhang mit C._ bildet der Anklagevorwurf der unge-
treuen Amtsführung (Urk. 2 S. 10, Anklageziffer II.21.–23.) noch Gegenstand des
Berufungsverfahrens. Dabei wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, er habe
nach entsprechender Bitte von C._ am 25. September 2001 namens der
G._ einen Rahmenvertrag für sog. Repurchase-Geschäfte (kurz: Repo-
Geschäfte) mit der S._ Asset Management AG (S._) abgeschlossen,
wobei er die hierfür erforderliche Zweitunterschrift von T._ eingeholt habe.
Ziel der Repo-Geschäfte sei es gewesen, der S._ zusätzliche Liquidität durch
Fremdkapital von der G._ zur Verfügung zu stellen, indem die S._ als
Geldnehmerin ihr gehörende Aktien der S._ 1 AG sowie der S._ 2 AG
der G._ als Geldgeberin mit der gleichzeitigen Vereinbarung verkauft habe,
diese Aktien in einem späteren Zeitpunkt wieder zurückzukaufen und für die Dau-
er des Geschäftes einen Zins zu bezahlen. C._ und der Beschuldigte hätten
gewusst, dass es sich dabei um einen zusätzlichen und ausschliesslich von der
G._ geleisteten Sanierungsbeitrag gehandelt habe, an welchem die übrigen
Aktionäre der S._ nicht beteiligt gewesen seien. Gestützt auf diesen Rah-
menvertrag und auf die Anweisung des Beschuldigten hätten T._ und
U._ die G._ am 26. September 2001 dazu verpflichtet, der S._ ge-
gen den Kauf von Aktien der S._ 1 AG und S._ 2 AG Fr. 19'999'978.–
zur Verfügung zu stellen. Am 27. September 2001 habe die G._ zu Gunsten
der S._ Fr. 20'000'000.– überwiesen. Zudem habe die G._ am 26. Ok-
tober 2001 im Rahmen eines zusätzlichen Repo-Geschäfts mit der S._ wei-
tere rund Fr. 20'000'000.– an diese Gesellschaft überwiesen und weiter Aktien der
S._ 1 AG und S._ 2 AG entgegengenommen.
2.1. Anfangs Januar 2002 habe der Beschuldigte die Ablösung dieser Repo-
Geschäfte durch ein neues Repo-Geschäft veranlasst, wobei die G._ der
S._ rund Fr. 40'000'000.– zur Verfügung gestellt und im Gegenzug als Si-
cherheit Aktien der S._ 1 AG und S._ 2 AG übernommen habe.
- 26 -
2.2. Nachdem die S._ im Frühling 2002 erneut in die Überschuldung
geraten sei, habe der Beschuldigte auf Anfrage von C._ namens der
G._ mit der S._ 3 (kurz: S._ 3), deren Eigentümer bzw. wirtschaft-
lich Berechtigter C._ selbst gewesen sei, am 18. März 2002 ein weiteres
Repo-Geschäft abgeschlossen. Damit habe sich die G._ dazu verpflichtet, in
Ablösung der beiden zuvor mit der S._ getätigten Repo-Geschäfte der
S._ 3 Fr. 43'500'000.– zu überweisen und im Gegenzug Aktien der S._
1 AG und S._ 2 AG zu übernehmen, wobei sich die S._ 3 zum Rückkauf
dieser Wertschriften zum vorgenannten Preis zuzüglich 10 % Zins p.a. bis 29.
Dezember 2003 verpflichtet habe.
2.3. Der Beschuldigte sei sich beim Abschluss dieser Repo-Geschäfte des
hohen Verlustrisikos der G._ und der dadurch massiven Erhöhung des be-
reits bestehenden Klumpenrisikos der G._ im Zusammenhang mit der
S._-Gruppe bewusst gewesen, zumal er die finanzielle Schieflage der
S._-Gruppe, die Überschuldung der S._ und das schwierige Börsenum-
feld gekannt habe. Ausserdem habe er gewusst, dass die Banken und andere Ak-
tionäre nicht willens gewesen seien, weitere Gelder in die S._ einzuschies-
sen. Ebenso habe er gewusst, dass die im Rahmen dieser Repo-Geschäfte als
Sicherheiten angenommenen Aktien der S._ 1 AG und S._ 2 AG im Fal-
le des absehbaren Scheiterns der Sanierung durch den Kurszerfall an Wert verlie-
ren würden und damit als Sicherheit untauglich gewesen seien. Daher habe der
Beschuldigte pflichtwidrig und entgegen seiner sonstigen Vorgehensweise davon
abgesehen, diese Repo-Geschäfte der Finanzdirektion zur Genehmigung vorzu-
legen, da er damit gerechnet habe, dass diese aufgrund des hohen Verlustrisikos
nicht genehmigt würden. Indem er die Repo-Geschäfte dennoch auf eigene Faust
getätigt habe, habe er seine Kompetenzen überschritten und gegen die Richtli-
nien der Finanzdirektion über die Anlage der Vermögenswerte der G._ vom
21. Januar 1998 bzw. 15. Oktober 2001, gegen § 49 des Personalgesetzes des
Kantons Zürich verstossen und Art. 50 der Verordnung über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge verletzt. Dies habe der Beschuldigte wis-
sentlich und willentlich getan, um der S._ einen unrechtmässigen Vorteil zu
verschaffen. Dabei habe er einen Schaden von Fr. 43'500'000.– zum Nachteil der
- 27 -
G._ zumindest in Kauf genommen, welcher sich in der Folge auch verwirk-
licht habe.
2.4. Bei diesem Anklagevorwurf anerkannte der Beschuldigte sowohl im
Vorverfahren als auch vor Vorinstanz den äusseren, objektiven Sachverhalt und
räumte insbesondere auch ein, dass die G._ ihre Forderungen aus diesen
Repo-Geschäften schliesslich abschreiben musste und einen Gesamtverlust aus
diesem Engagement per 31. Dezember 2002 in der Höhe von Fr. 272'700'000.–
erlitt. Die weiteren Fr. 20'000'000.– seien der Finanzdirektion nicht mehr zur Ge-
nehmigung vorgelegt worden, da es sich um eine Fortsetzung der Sanierungs-
massnahme gehandelt habe (Urk. 1/062049 S. 15 ff., insbes. auch Vorhalt 28;
Urk. 1/062050 S. 2 ff.; Urk. 77 S. 9 ff.).
2.4.1. Bei diesen teilweisen Zugeständnissen blieb der Beschuldigte auch im
Berufungsverfahren (Prot. II S. 32). Im angefochtenen Urteil wurden die entspre-
chenden Beweismittel korrekt aufgeführt und zutreffend erkannt, dass die Aussa-
gen des Beschuldigten sich somit auch mit dem übrigen Untersuchungsergebnis
decken (Urk. 221 S. 62 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Der äussere, objektive Anklage-
sachverhalt ist somit erstellt.
2.4.2. Den subjektiven Sachverhalt hat er mit Ausnahme des ihm bewusst
gewesenen hohen Verlustrisikos dagegen bestritten und geltend gemacht, das
Repo-Geschäft lasse sich nicht den Bestimmungen des Anlagereglements betref-
fend die Vergabe von externen Darlehen unterstellen. Darin habe es keine Be-
stimmung betreffend die Vergabe von Repo-Geschäften, da die G._ bis zur
Transaktion mit der S._ noch nie ein Repo-Geschäft getätigt habe. Er habe
daher weder seine Kompetenzen überschritten, eine Pflichtwidrigkeit begangen
noch jemandem einen unrechtmässigen Vorteil verschafft. Es sei letztlich um eine
Sanierungsmassnahme gegangen (Urk. 1/062049 S. 16 f.; Urk. 1/062050 S. 4 f.;
Urk. 77 S. 9 f.; Prot. II S. 33 f.).
2.4.2.1. Vorab kann auf die zutreffenden und umfassenden Erwägungen der
Vorinstanz zum subjektiven Sachverhalt verwiesen werden (Urk. 221 S. 63 ff.).
Ergänzend bleibt das Nachfolgende beizufügen und herauszustreichen:
- 28 -
2.4.2.2. Die kritischen Äusserungen der erbetenen Verteidigung an der vor-
instanzlichen Beweiswürdigung erweisen sich teilweise als schlichte Bestreitun-
gen und der Behauptung des Gegenteils, ohne eigentliche Auseinandersetzung
mit den durch die Vorinstanz erwogenen Argumenten (Urk. 299 S. 24 ff.).
2.4.2.3. Die Aussagen des Beschuldigten vor Vorinstanz, wonach es ihn be-
lastet habe, diese Entscheide alleine zu fällen, er habe sich keine Rückendeckung
von der Finanzdirektion geholt, weil er davon ausgegangen sei, dass sie sowieso
ja gesagt hätte (Urk. 1/070015 S. 15, Vorhalt 60 ff.; Urk. 77 S. 11; relativierend in
Prot. II S. 33 f.), erweisen sich bei näherer Betrachtung als völlig lebensfremd und
nicht nachvollziehbar. Aufgrund des hohen Verlustrisikos und des Umstandes,
dass die G._ noch die einzige verbliebene Investorin war, lagen vielmehr
gewichtige Gründe und eine dementsprechende Wahrscheinlichkeit vor, dass die
Finanzdirektion die Genehmigung durchaus hätte verweigern können. Wenn die-
se Entscheide den Beschuldigten belastet haben und er verhindern wollte, dass
die Beteiligung der G._ an der S._ einen Totalverlust erleide, hätte es
überdies als aller erstes auf der Hand gelegen, seine Verantwortung mit der vor-
gesetzten Behörde zu teilen oder die Verantwortung durch eine Genehmigung
gänzlich dieser zu überbinden. Seine Beteuerung, auch bei den weiteren Sanie-
rungsbeiträgen die Genehmigung nicht mehr eingeholt zu haben, da die Finanzdi-
rektion ohnehin ja gesagt hätte, entpuppt sich angesichts des von ihm eingeräum-
ten beträchtlichen Verlustrisikos mithin als schlichte, völlig unglaubhafte Schutz-
behauptung. Ganz abgesehen davon, dass der Beschuldigte bei der ihm offen-
kundig vollumfänglich bewussten, weitreichenden Tragweite dieser Entscheide
geradezu gehalten gewesen wäre, sich zur Absicherung bei der Finanzdirektion
Grünes Licht und Rückendeckung zu holen, wie dies bereits die Vorderrichter zu-
recht erkannten und der Beschuldigte ansatzweise sogar selber eingeräumt hatte
(Urk. 221 S. 64; Urk. 1/062048 S. 11 ff.). Hinzu kommt, dass ihn auch die Anlage-
richtlinien dazu veranlasst hätten, bei Verpflichtungen von über Fr. 5 Mio. sicher-
heitshalber eine Genehmigung bei der Finanzdirektion einzuholen (vgl. nachste-
hend, Erw. II.2.4.2.4. f.). Hätte er mit diesen Entscheiden einzig die S._ sa-
nieren und einen Totalverlust der G._ bei diesem Investment vermeiden wol-
- 29 -
len, ist nicht erklär- und nachvollziehbar, weshalb er das Risiko einer möglichen
Nichtgenehmigung durch die Finanzdirektion nicht einfach in Kauf nahm.
2.4.2.4. Wenn die amtliche Verteidigung unter Hinweis auf ausgezeichnete
Arbeitszeugnisse des Beschuldigten (z.B. Urk. 1/313009), seine Qualifikation und
Einsatzbereitschaft darauf schliesst, angesichts dieser Beurteilung seiner Arbeits-
leistung sei grösste Zurückhaltung am Platz, ihn der ungetreuen Amtsführung zu
bezichtigen, und es sei daher a priori sehr unwahrscheinlich, dass ein solcher
Mitarbeiter einen Vorsatz auf ungetreue Amtsführung zulasten des Arbeitgebers
fasse (Urk. 88 S. 13 f.), ist immerhin auch in Betracht zu ziehen, dass dem Be-
schuldigten bei seiner Amtsführung auch einmal ein schriftlicher Verweis erteilt
wurde (Urk. 1/313197; Urk. 1/062033 S. 8, Vorhalt 73) oder dass er beispielswei-
se seine Vorgesetzten nicht über seine freundschaftliche Beziehung zum Mitbe-
schuldigten J._ informierte (z.B. Urk. 1/070018 S. 8). Ebenso führt die vom
Beschuldigten eingeräumte Annahme von Bestechungsgeldern zu einer weit ne-
gativeren Einschätzung.
2.4.2.5. Der vom Beschuldigten geäusserten Auffassung, wonach sich das
Repo-Geschäft nicht den Bestimmungen des Anlagereglements betreffend die
Vergabe von externen Darlehen unterstellen lasse, kann ebenfalls nicht gefolgt
werden. Alleine aufgrund des Umstandes, dass Repo-Geschäfte im Anlageregle-
ment nicht ausdrücklich erwähnt waren, kann dies nicht geschlossen werden. Viel
massgebender ist der Charakter und die Wirkung einer Anlage, als deren aus-
drückliche Bezeichnung. Den Vorderrichtern ist darin zuzustimmen, dass diese
Repo-Geschäfte faktisch der Vergabe von Darlehen in dieser Höhe gleichkamen
(Urk. 221 S. 64 u.). Sie lassen sich daher zwanglos den Bestimmungen des Anla-
gereglementes betreffend die Vergabe von externen Darlehen unterstellen. Im
Übrigen hatte der Beschuldigte gegen Ende des Vorverfahrens sogar selber ein-
mal eingeräumt, dass diese Anlagen "faktisch" unter die erwähnten Bestimmun-
gen subsumiert werden könnten (Urk. 1/062048 S. 23, Vorhalt 97) und sprach in
diesem Zusammenhang selber von Darlehen (zuletzt: Prot. II S. 35).
2.4.2.6. Zwar war der Beschuldigte als Chef der Vermögensverwaltung zu-
ständig für die Vornahme von Vermögensanlagen in Darlehen. Da diese die
- 30 -
Schwelle von Fr. 5'000'000.– bei Weitem überschritten, bedurfte ein regelkonfor-
mes und pflichtgemässes Vorgehen indessen offensichtlich der vorgängigen Zu-
stimmung der Finanzdirektion (Urk. 1/057003 S. 3, Ziff. 5. und S. 9, Ziff. 2.6.;
Urk. 1/057004 S. 3, Ziff. 5. lit. a) und S. 9, Ziff. 2.6.). Ein weiteres Indiz dafür, dass
sich der Beschuldigte der Pflichtwidrigkeit seines Vorgehens bewusst war, ist
auch darin zu erblicken, dass es sich bei diesen Anlagen offenkundig um alles
andere als um Routinegeschäfte handelte und er gemäss eigenem Bekunden
sonst nie anderweitige Repo-Geschäfte in eigener Kompetenz tätigte, auch später
nicht (Urk. 1/062048 S. 10). Dass dabei auch Teilaspekte einer Sanierungsmass-
nahme mitgespielt haben mögen, ändert daran nichts.
2.4.2.7. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte bei diesen äusserst gewichti-
gen Anlagen seine Untergebenen T._ und U._ mit-unterzeichnen liess,
obwohl diese bei nicht alltäglichen Verpflichtungsgeschäften in dieser Grössen-
ordnung gar nicht dazu befugt waren (Urk. 1/077010 S. 10 ff. 38 ff.; vgl. auch
nachfolgend, Erw. II.5.8.4.7. ff., insbes. II.5.8.4.8.2.; Urk. 1/077003 S. 42, Vor-
halt 205). Dem Beschuldigten war als Chef Vermögensverwaltung fraglos be-
wusst, dass dieses Vorgehen nicht pflichtgemäss sein konnte. Auch hier ist nicht
erklär- und nachvollziehbar, weshalb er dieses ungewöhnliche und verdächtige
Vorgehen wählte, obwohl er angeblich einzig eine Sanierung der S._ und
das Verhindern eines Totalverlusts der G._ bei diesem Investment ange-
strebt haben will.
2.4.2.8. Aus diesen auffälligen Unregelmässigkeiten beim Vorgehen wird je-
doch klar, dass der Sanierungsgedanke nicht das primäre Anliegen des Beschul-
digten war, sondern vielmehr das Bemühen, seinem damaligen Freund, C._,
und damaligen Paten seines jüngeren Sohnes (Urk. 1/062005 S. 6 f.;
Urk. 1/065001 S. 4, 12, Vorhalt 40; Urk. 1/062030 S. 31, Vorhalt 236; zum dama-
ligen Verhältnis der beiden auch nachstehend, Erw. II.2.4.2.9. f.), auf dessen Bitte
hin zum Zwecke der Rettung von dessen S._ durch die G._, als einzige,
auf dem Markt noch verbliebene interessierte Investorin (vgl. Urk. 1/052006;
Urk. 1/062048, Vorhalt 68; Urk. 1/070015 S. 14, Vorhalt 57 ff. und S. 17, Vor-
halt 64 f.; Prot. II S. 32 ff.), am Genehmigungserfordernis vorbei, dringend benö-
- 31 -
tigtes Fremdkapital zu verschaffen, ohne diese äusserst gewichtige Investition
richtlinienkonform und pflichtgemäss der Finanzdirektion vorzulegen, sondern in
Umgehung der vorgesetzten Behörde und in Kenntnis des grossen Verlustrisikos,
mithin unter Inkaufnahme des in der Folge eingetretenen hohen Verlustes und
Vermögensschadens zum Nachteil der G._. Entgegen der Auffassung der
Verteidigung hat der Beschuldigte demnach nicht einzig und allein die finanziellen
Interessen der G._ berücksichtigt (Urk. 299 S. 29, Rz 48), sondern offenkun-
dig primär jene von C._ und der S._, mithin G._-fremde Interessen.
2.4.2.9. Dass die Freundschaft zwischen dem Beschuldigten und C._
ab dem Jahre 2000 wegen des Zusammenbruches der Technologiebörsen und
damit der S._-Aktie unter Druck geraten war (Urk. 1/065001 S. 7; Prot. II
S. 36), schliesst das Bestreben des Beschuldigten, zugunsten von C._ und
zum Zwecke der Rettung von dessen S._ dringend benötigte Liquidität zu
verschaffen, entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 299 S. 28) nicht
aus, sondern war vielmehr Ausdruck der bestehenden, wenn auch inzwischen et-
was belasteten Freundschaft, zumal der Beschuldigte sich zu Beginn des Vorver-
fahrens noch an Geldübergaben von C._ an ihn bis Ende 2001 oder gar län-
ger erinnert haben will (Urk. 1/062003 S. 9 ff., insbes. S. 12, Vorhalt 60;
Urk. 1/062004 S. 9; Urk. 1/070001 S. 6 u.; Urk. 1/070015 S. 9, Vorhalt 40 ff. und
S. 18, Vorhalt 71 ff.), was sich vor Vorinstanz aber als teilweise getrübte Erinne-
rung herausstellte und zum rechtskräftigen Freispruch vom Vorwurf des Sich-
bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB im Zusammenhang mit
C._ (Anklageziffer II.) führte (vgl. Urk. 221 S. 39 ff., vorstehend, Erw. I.3.).
2.4.2.10. Dass der Beschuldigte sich auf Ergänzungsfrage seines Verteidi-
gers anlässlich der Berufungsverhandlung nunmehr aber noch genau daran erin-
nern wollte, dass die Freundschaft zu C._ im Zeitpunkt der Repo-Geschäfte
ca. Ende 2001 bereits derart belastet gewesen sein soll, dass das Verschaffen
von Vorteilen ausgeschlossen gewesen sei (Urk. 299 S. 28, Rz 47; Prot. II S. 36),
lässt sich mit seinen früheren Aussagen und den Aussagen von C._ nicht in
Einklang bringen und entpuppt sich daher als durchsichtige, nachgeschobene und
damit unglaubhafte Schutzbehauptung. Dies insbesondere auch, nachdem der
- 32 -
Beschuldigte selber anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 1. Ju-
ni 2010 auf die Frage zu einem Zerwürfnis bzw. einem Streit mit C._ bloss zu
Protokoll gegeben hatte, die gesamte Kursentwicklung und dann aber auch die
Beurteilung von J._, als dieser damals noch bei der Firma S._ Asset
Management AG gearbeitet habe, hätten ihn dann sehr stark an der professionel-
len Umsetzung der Anlagen von S._ zweifeln lassen. Es habe dann ab
2001/2002, als die Kursverluste immer grösser geworden seien, doch zu einer
sehr reservierten Haltung zwischen ihm und C._ geführt (Urk. 1/062004 S. 9,
Vorhalt 49). Während C._ als Höhepunkt der Phase, in welcher er sich inner-
lich vom Beschuldigten getrennt habe, den Jahreswechsel bezeichnete, als der
EURO als alltägliches Zahlungsmittel eingeführt worden sei, mithin beim Jahres-
wechsel 2001/2002 und damit rund ein Jahr nach dem Abschluss der Repo-
Geschäfte Ende 2001 (Urk. 1/065002 S. 4, Vorhalt 7 ff.). Anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Konfrontationseinvernahme mit C._ vom 14. Juli 2000 hatte
der Beschuldigte die Zeit des Zerwürfnisses und den Bruch mit diesem sogar sel-
ber auf "im Verlaufe 2002, Ende 2002, 2003" gelegt, als er sich habe eingestehen
müssen, dass das Geld verloren gewesen sei (Urk. 1/070001 S. 23).
2.4.2.11. Die Verteidigung machte weiter geltend (Urk. 299 S. 29, Rz 49),
der Beschuldigte habe als Sicherheit für die Investition in die Repo-Geschäfte im
Gegenzug Aktien der S._ Gruppe erhalten. Entgegen der von ihr vertretenen
Auffassung trifft die Argumentation der Vorinstanz zu, dass diese Sicherheiten
aufgrund des drohenden weiteren Kurszerfalles untauglich waren, wie dies der
Beschuldigte im Übrigen ausdrücklich anerkannte (Prot. II S. 35).
2.5. Dieser Anklagesachverhalt (Anklageziffer II.21.–23.) erweist sich damit
als erstellt.
3. Dem Beschuldigten wird im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
H._ im Wesentlichen vorgeworfen (Urk. 2 S. 14 ff.), er habe während seiner
Tätigkeit als Chef Vermögensverwaltung (vgl. vorstehend, Erw.II.1. ff.) vom Mit-
beschuldigten H._ Fr. 200'000.– im Zusammenhang mit der Investition der
G._ in die V._ AG angenommen. Dieser habe anfangs 2001 zusammen
mit W._ die V._ AG gegründet und über AA._ Kontakt zum Be-
- 33 -
schuldigten aufgenommen, worauf sich die beiden darüber geeinigt hätten, dass
sich die Beteiligung der G._ an der V._ AG für den Beschuldigten loh-
nen würde. Daraufhin habe der Beschuldigte beantragt, Aktien der V._ AG
zu kaufen, was nach genehmigtem Antrag zum entsprechenden Kauf durch die
G._ geführt habe. Um die Bestechungszahlung diskret abzuwickeln, habe
der Mitbeschuldigte H._ für seine Schwester eine Offshore-Gesellschaft na-
mens AB._ gegründet und über das Konto dieser Gesellschaft das Beste-
chungsgeld bezogen. Die Übernahme desselben durch den Beschuldigten habe
im Januar/Februar 2002 in der AC._ mit der Erklärung von H._ stattge-
funden, dies sei seine Vermittlungskommission, wobei beide gewusst hätten, dass
es sich um eine nicht gebührende Gegenleistung für den besagten Investitions-
entscheid gehandelt habe, welcher durch diesen in Aussicht gestellten Vorteil be-
einflusst worden sei.
3.1. Beim Anklagevorwurf des Sich-bestechen-lassens durch den Mitbe-
schuldigten H._ (Anlageziffern III.25. – 34.) hat der Beschuldigte A._
den objektiven Sachverhalt anerkannt, mit der Einschränkung, dass er sich mit
H._ nicht im Voraus, d.h. vor dem Investitionsentscheid und vor der Geldan-
nahme bereits auf eine Bestechungsvereinbarung geeinigt habe (Urk. 1/062049
S. 21 ff.; Urk. 77 S. 15 f.). Dabei blieb er auch im Berufungsverfahren (Prot. II
S. 38).
3.2. Sein Teilgeständnis deckt sich mit dem übrigen Untersuchungsergebnis,
insbesondere den diesbezüglichen, wiederholt, unabhängig vom Beschuldigten
und übereinstimmend zu Protokoll gegebenen Aussagen des Mitbeschuldigten
H._ (Urk. 221 S. 68 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Insoweit ist der Sachverhalt er-
stellt.
3.3. Die Vorinstanz kam nach umfangreicher Würdigung von Indizien zum
Schluss, dass unüberwindbare Zweifel daran bestünden, dass der Beschuldigte
und der Mitbeschuldigte H._ die Bestechungszahlung vor dem Investitions-
entscheid der G._ vereinbart haben könnten. Dass eine Bestechungszahlung
im Vorfeld vereinbart worden sei, lasse sich nicht erstellen (Urk. 201 S. 71 ff., ins-
bes. 78; Art. 82 Abs. 4 StPO).
- 34 -
3.4. Nachdem die Vorderrichter darauf erkannten, dass der Tatbestand des
Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB unabhängig vom Vorlie-
gen einer vorgängigen Bestechungsvereinbarung erfüllt sein kann, dies bei der
Strafzumessung im Rahmen der Beurteilung des Verschuldens indessen durch-
aus von Relevanz ist (Urk. 221 S. 67, Ziff. 5.3.1.) und die Staatsanwaltschaft die
vorinstanzliche Folgerung, wonach eine solche Bestechungsvereinbarung nicht
nachweisbar sei, mit ihrer Anschlussberufung unbeanstandet liess (vgl. Urk. 235),
soll es aus nachfolgenden Gründen damit sein Bewenden haben.
3.4.1. Sowohl der Beschuldigte als auch der Mitbeschuldigte H._ be-
stritten, je vereinbart zu haben, dass bei einer Investition der G._ in die
V._ AG für den Beschuldigten persönlich etwas abfallen würde (Beste-
chungsvereinbarung gemäss Anklageziffer 30; Urk. 1/064001 S. 2, 4, 9, 23 und
27; Urk. 1/064002 S. 2 f. und 12; Urk. 47 S. 8; Urk. 1/062003 S. 1; Urk. 1/062030
S. 30; Urk. 1/062044 S. 6; Urk. 1/062049 S. 22; Prot. II S. 38; Prot. II S. 18 im
Verfahren SB130234).
3.4.2. Ausgangspunkt sind somit die weitgehend übereinstimmenden Aus-
sagen der beiden Beschuldigten, wonach beide unabhängig voneinander aussag-
ten, dass nach der Fällung des Investitionsentscheids durch die G._ eine
Zahlung erfolgt, diese aber nicht vorgängig vereinbart gewesen sei. Ihre Aussa-
gen decken sich nicht nur in groben Zügen, sondern stimmen auch bezüglich Ein-
zelheiten, insbesondere hinsichtlich des Zustandekommens der Geldübergabe
auf der AC._, überein. So schilderte der Mitbeschuldigte H._ wiederholt
nachvollziehbar und widerspruchsfrei, wie er nach der Zahlung durch die
AD._ Bank und der Bargeldabhebungen für seine Schwester spontan zum
Entscheid gelangt sei, sich beim Beschuldigten im Sinne eines Dankeschöns für
die Investition der G._ erkenntlich zeigen zu wollen. Er erläuterte dadurch
plausibel, dass die Zahlung der AD._ Bank der Auslöser für seinen Ent-
schluss, dem Beschuldigten eine Zahlung zu leisten, gewesen sei (Urk. 1/064002
S. 3; Urk. 1/070011 S. 8; Urk. 47 S. 8; Prot. II S. 15 ff. im Verfahren SB130234).
Weiter legte H._ dar, wie er auf den übergebenen Betrag von Fr. 200'000.–
gekommen war bzw. dass er dem Beschuldigten zunächst nur Fr. 100'000.– habe
- 35 -
übergeben wollen, sich dann aber auf dem Weg zur AC._ geizig vorgekom-
men und nochmals umgekehrt sei, um weitere Fr. 100'000.– mitzunehmen
(Urk. 1/064001 S. 5; Urk. 1/070011 S. 9). Damit einhergehend schilderte der Be-
schuldigte, H._ habe ihn angerufen und ihn treffen wollen. Man habe
schliesslich ein Treffen auf der AC._ vereinbart, da der Sohn von H._
dort sein ...training absolviert habe und der Treffpunkt sich zudem auf seinem
Heimweg befunden habe (Urk. 1/062003 S. 2; Prot. II S. 38).
3.4.2.1. Grundsätzlich spricht dieses übereinstimmende Aussageverhalten
für den Wahrheitsgehalt der Darstellungen, auch wenn beide Beschuldigten ein
erhebliches Interesse daran haben dürften, den Sachverhalt in einem für sie mög-
lichst günstigen Licht darzustellen. Hervorzuheben ist, dass der Detailierungsgrad
der Aussagen bei beiden Beteiligten hoch ist und beide übereinstimmend Einzel-
heiten im Zusammenhang mit der Bargeldübergabe schildern, deren Erwähnen
unwahrscheinlich wäre, wenn sich die Begegnung nicht tatsächlich so zugetragen
hätte. Vielmehr deutet die wiederholte, übereinstimmende und detailgetreue
Schilderung dieses Vorganges auf den Wahrheitsgehalt der Aussagen hin.
3.4.2.2. Schliesslich weisen sowohl die Aussagen des Beschuldigten als
auch jene des Mitbeschuldigten H._ eine emotionale Färbung auf. H._
führte aus, er habe vor dem Treffen den Eindruck gehabt, der Beschuldigte gehe
ihm aus dem Weg, und die Situation bei der Übergabe sei für beide peinlich ge-
wesen (Urk. 1/064001 S. 8; Urk. 1/070011 S. 4 und 9). Damit übereinstimmend
schilderte der Beschuldigte, er habe gegenüber H._ ein ungutes Gefühl ge-
habt und das Treffen mit diesem sei ihm unangenehm gewesen. Nach der An-
nahme habe er gewusst, dass dies seinen Untergang bedeuten könnte
(Urk. 1/062003 S. 2; Urk. 1/062004 S. 7; Urk. 1/062005 S. 8; Urk. 1/062029 S. 7).
3.4.2.3. Diese korrelierenden Aussagen hinsichtlich der gegenseitigen Ge-
fühlslage im Hinblick auf das Treffen sowie während der Geldübergabe lassen
ebenfalls darauf schliessen, dass ihre Darstellungen der Wahrheit entsprechen
und die Bezahlung aufgrund eines spontanen Entschlusses des Mitbeschuldigten
H._ erfolgt war. Schliesslich wäre eine Geldübergabe kaum mit unangeneh-
men gegenseitigen Gefühlen verbunden gewesen, wenn sie schon im Voraus
- 36 -
vereinbart gewesen wäre. Gleichzeitig ist es schwer vorstellbar, dass der Be-
schuldigte und der Mitbeschuldigte H._ sich diese emotionalen Aspekte hin-
sichtlich der Geldübergabe übereinstimmend ausgedacht und unabhängig vonei-
nander in dieser identischen Prägung hätten aussagen können, wenn diese nicht
dem tatsächlich Erlebten entsprechen würden. Insofern spricht das Aussagever-
halten dafür, dass vorgängig keine Bestechungsvereinbarung vorgelegen hat.
Das Gegenteil lässt sich jedenfalls aufgrund ihrer Aussagen nicht rechtsgenügend
nachweisen.
3.4.3. Aus dem Umstand, dass die Geldübergabe auf der AC._ statt-
fand, lässt sich ebenfalls nicht ableiten, dass zwischen ihnen vorgängig eine Be-
stechungszahlung vereinbart worden war. Ein Treffen auf der AC._ mutet
zunächst wohl konspirativ an, beide vermochten aber plausibel zu erklären, wes-
halb die AC._ als Treffpunkt vereinbart worden war (Prot. II S. 39; Prot. II
S. 17 im Verfahren SB130234).
3.4.4. Das Mittagessen im Club AE._, an dem gemäss den überein-
stimmenden Aussagen der Beteiligten der Beschuldigte, sein Vorgesetzter, Re-
gierungsrat und Finanzdirektor Dr. AF._, W._ als Mitbegründer und
Zugpferd der V._ AG und der Mitbeschuldigte H._ teilgenommen haben
(Urk. 1/062003 S. 4; Urk. 1/070011 S. 4 und 7; Urk. 1/077003 S. 20 f.;
Urk. 1/077011 S. 5; Prot. II S. 42; Prot. II S. 16, 20 und 24 im Verfahren
SB130234), lässt sich weder als Beweis für noch als solchen gegen eine vorgän-
gige Bestechungsvereinbarung werten. Zwar haben anlässlich der Berufungsver-
handlung sowohl der Beschuldigte als auch der Mitbeschuldigte H._ überein-
stimmend erklärt (Prot. II S. 42 und 44; Prot. II S. 16, 20 und 24 im Verfahren
SB130234), dass das Treffen im Mai 2001, mithin vor dem Investitionsentscheid,
stattgefunden habe. Allein aus der Anwesenheit des damaligen Finanzdirektors
und der Möglichkeit, dass dieser sich anlässlich des Treffens gegen eine Investiti-
on der G._ hätte aussprechen können, kann nicht auf eine vorgängige Eini-
gung über eine Bestechungszahlung geschlossen werden. Eine Investition der
G._ in die V._ AG wäre ohnehin von der finalen Zustimmung des Fi-
nanzdirektors abhängig gewesen, der Beschuldigte konnte nur einen entspre-
- 37 -
chenden Antrag an diesen richten, hingegen nicht selber einen Investitionsent-
scheid fällen. Auch wenn der faktische Einfluss des Beschuldigten innerhalb der
N._ sehr gross war, hätte der Finanzdirektor seine Zustimmung auch nach
dem besagten Mittagessen noch verweigern und damit das Vorhaben des Be-
schuldigten und des Mitbeschuldigten H._ zu Fall bringen können. Die An-
wesenheit des damaligen Finanzdirektors bei besagtem Mittagessen kann daher
auch nicht als Indiz für das Nichtvorliegen einer vorgängigen Bestechungsverein-
barung gewertet werden. Umgekehrt liefert das Mittagessen im Club AE._
sowie die Anwesenheit des damaligen Finanzdirektors auch keinen schlüssigen
Beweis für das Vorliegen einer solchen Abmachung zwischen dem Beschuldigten
und H._.
3.4.5. Auch die übrigen Beweismittel lassen keine überzeugende Schluss-
folgerung zu. So deuten zwar sowohl der Inhalt der anonymen Anzeige
(Urk. 1/051001) als auch die Aussagen von AG._ (Urk. 1/077004 S. 10) auf
eine vorgängige Bestechungsvereinbarung hin. Indes kann weder auf die anony-
me Anzeige abgestellt noch vorbehaltlos den Aussagen von AG._ gefolgt
werden, wie die Vorinstanz zutreffend ausführte (Urk. 221 S. 75 f.), zumal
AG._ aufgrund der Anzeige des Mitbeschuldigten H._ im Zusammen-
hang mit der AD._-Affaire ein erhebliches Interesse daran gehabt haben
könnte, diesen in einem wenig günstigen Licht darzustellen. Erst recht, nachdem
der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung nunmehr den Vorwurf er-
hob, AG._ selbst habe versucht, ihn mit Optionen günstig zu stimmen
(Prot. II S. 40), sind die Aussagen von AG._ mit Zurückhaltung zu würdigen.
Sie können demnach nicht als den Beschuldigten belastende Beweismittel heran-
gezogen werden. Er konnte sich nicht mehr an die genauen Worte von H._
erinnern, sinngemäss habe ihm dieser aber gesagt, nachgeholfen zu haben. Erst
als er (AG._) selber der Bestechung bezichtigt worden sei, sei ihm klar ge-
worden, was H._ damit gemeint haben könnte, aber genauer könne er sich
nicht mehr daran erinnern (Urk. 1/077004 S. 10). Der alleinige Umstand, dass
AG._ von H._ erfahren haben soll, dass dieser dem Beschuldigten Geld
gegeben habe, lässt nicht automatisch den Schluss zu, dass dies auch vorgängig
so vereinbart gewesen sein musste.
- 38 -
3.4.6. Demnach bestehen zwar durchaus Verdachtsmomente für das Vorlie-
gen einer vorgängigen Bestechungsvereinbarung. Eine solche lässt sich indessen
nicht rechtsgenügend nachweisen.
3.5. Nachdem der Beschuldigte im August 2002 erfolglos einen Antrag beim
damaligen Finanzdirektor gestellt hatte, eine Armbanduhr im Wert von Fr. 2'000.–
bis Fr. 3'000.– annehmen zu dürfen, welche ihm zuvor von einem Geschäfts-
partner der G._ als Geschenk in seine Amtsstube geschickt worden war
(vgl. nachstehend, Erw. II.4.8.3.), muss ihm auch ein halbes Jahr zuvor bestens
bewusst gewesen sein, dass er die ihm vom Mitbeschuldigten H._ als Ver-
mittlungskommission angebotene, viel höhere Bargeldsumme von Fr. 200'000.–,
welche mit dem Aktienkauf der G._, auf welchen er im Rahmen seiner amtli-
chen Tätigkeit in entscheidender Weise hingewirkt hatte, im Zusammenhang
stand, unter keinen Umständen hätte annehmen dürfen. Dafür spricht überdies
die aktive Mitgliedschaft des Beschuldigten als Vertreter der G._ im Stif-
tungsrat der Stiftung "AH._" in den Jahren 2000 bis 2003 (Urk. 1/057049 ff.),
wo er sich offenkundig mit Fragen der Korruption auseinandergesetzt haben muss
(Verhaltenskodex vom 4. Mai 2000: Urk. 1/057053 ff., insbes. Urk. 1/057057,
Art. 7; Urk. 1/313115). Damit erweist sich auch der subjektive Sachverhalt als er-
stellt.
4. Dem Beschuldigten wird im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
I._, den er seit 1970 gekannt habe, mit dem eine langjährige Freundschaft
bestanden habe und dessen Trauzeuge er anlässlich von dessen Hochzeit im
Jahre 2006 gewesen sei, zusammengefasst im Wesentlichen vorgeworfen (Urk. 2
S. 16 ff.), er habe diesem ab ca. 2003 an dessen Firma, der I._ ... AG
(I1._), deren Geschäfte damals schlecht gegangen seien, unter Verletzung
diverser Vorschriften pflichtwidrig namens der G._ in grossem Umfang Man-
date im Bereich des Devisenhandels erteilt. Diese Aufträge hätten rasch zu einem
grossen wirtschaftlichen Erfolg der I1._ und zu einem entsprechenden Ein-
kommen beim Mitbeschuldigten I._ geführt. Nachdem der Beschuldigte ge-
genüber diesem zu verstehen gegeben habe, dass dieser jetzt auch einmal für ihn
schauen könne und gleichzeitig über hohe Auslagen und sein niedriges Einkom-
- 39 -
men geklagt habe, habe er beim Mitbeschuldigten I._ den Eindruck bewirkt,
dieser müsse ihm namhafte Zuwendungen machen, um die Geschäftsbeziehung
der I1._ zur G._ nicht zu gefährden. Daher habe dieser dem Beschul-
digten Ende 2004 vorgeschlagen, ihn rückwirkend ab 1. Mai 2004 mit 7 % an den
Bruttoerträgen, welche die I1._ durch die Mandate der G._ erwirtschaf-
tet habe, zu beteiligen. Der Beschuldigte sei mit diesem Vorschlag einverstanden
gewesen, weshalb der Mitbeschuldigte ihm ab Ende Januar 2005 bis Mai 2010
mehrfach Bargeld in der Höhe von insgesamt Fr. 863'000.– übergeben habe, wo-
bei der Beschuldigte gewusst habe, dass es sich um nicht gebührende, unentgelt-
liche Zuwendungen als Belohnung für die pflichtwidrige Bevorzugung der
I1._ gegenüber anderen Finanzdienstleistern sowie für vergangene und/oder
künftige Geschäftsentscheidungen der G._ zu Gunsten der I1._ gehan-
delt habe, welche er selbst gefällt oder beantragt und in massgeblicher Weise un-
terstützt habe. Dabei sei sich der Beschuldigte bewusst gewesen, dass seine vom
Mitbeschuldigten I._ erwarteten Entscheide und Anträge entweder pflichtwid-
rig sein würden und/oder die Ausübung seines entsprechenden Ermessens durch
die mehrfache Vorteilsgewährung beeinflusst war, so dass die Handlungen des
Beschuldigten nicht mehr unparteiisch und unbefangen erfolgen konnten, womit
durch den Verlust an Objektivität und Sachlichkeit überdies der Grundsatz der
Gleichbehandlung der Geschäftspartner der G._ durch sie verletzt worden
sei (Anklageziffern IV.35.–44.).
4.1. Bei diesem Anklagevorwurf anerkannte der Beschuldigte den äusseren,
objektiven Sachverhalt im Vorverfahren und anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung insoweit (Urk. 1/062045 S. 8 ff.; Urk. 1/062049 S. 26 ff., S. 31;
Urk. 1/070016 S. 18 ff.; Urk. 77 S. 20 ff.; Prot. II S. 52 f.), als er die von ihm mass-
geblich beeinflusste Erteilung der Mandate an die I1._ bestätigte und die Be-
teiligung von 7 % an den Nettoerträgen der I1._ sowie die fraglichen Zahlun-
gen jeweils einräumte, jedoch nicht mehr als insgesamt Fr. 500'000.–. Ebenso
anerkannte er anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung vom
24. November 2010, mithin zwei Tage vor seiner Entlassung aus der Untersu-
chungshaft (Urk. 1/315058) noch, sich in diesem Umfang der passiven Beste-
- 40 -
chung schuldig gemacht zu haben (Urk. 1/062045 S. 10), um in der Folge das Er-
füllen einzelner Elemente dieses Tatbestandes doch wieder zu bestreiten.
4.2. Insbesondere habe er dem Mitbeschuldigten I._ nie zu verstehen
gegeben, dass dieser jetzt auch für ihn schauen könne. Die Initiative zur Erfolgs-
beteiligung an den Bruttoerträgen der I1._ sei von diesem ausgegangen.
Auch habe er nie den Eindruck erweckt, die Weiterführung der Geschäftsbezie-
hung der G._ mit der I1._ könnte ohne finanzielle Zuwendungen an ihn
gefährdet sein. Alsdann bestritt der Beschuldigte auch eine Pflichtwidrigkeit sei-
nes Vorgehens bei der Vergabe der Mandate an die I1._ (Urk. 1/062031
S. 17; Urk. 1/070003 S. 4; Urk. 1/070016 S. 8; Urk. 1/062049 S. 30 f., 33; Urk. 77
S. 24; Urk. 88 S. 7; Prot. II S. 49 u.).
4.3. Bei dieser Darstellung blieb der Beschuldigte auch im Berufungsverfah-
ren (Prot. II S. 46 ff.).
4.4. Sein Teilgeständnis bis zur Höhe von Fr. 500'000.– deckt sich mit dem
übrigen Untersuchungsergebnis, insbesondere den diesbezüglich übereinstim-
menden Aussagen des Mitbeschuldigten I._ (Urk. 1/067001 ff.;
Urk. 1/070003 S. 2; Urk. 1/070016 S. 10).
4.5. Soweit der eingeklagte Sachverhalt vom Beschuldigten bestritten wird
(bez. Anklageziffern V. ff., vgl. nachstehend, Erw. II.5. ff.), sind die betreffenden
Teile des Anklagesachverhaltes mit Hilfe der Untersuchungsakten sowie der Aus-
sagen der Befragten und den weiteren Beweismitteln nach den allgemein gültigen
Beweisregeln zu überprüfen.
4.5.1. In einem Strafprozess sind an den Beweis von Täterschaft und Schuld
hohe Anforderungen zu stellen. Nach der allgemeinen, in Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6
Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 1 StPO statuierten Unschuldsvermutung, hat die
Anklagebehörde die Schuld der beschuldigten Person beziehungsweise die eine
Strafe begründende Tatsache darzutun und nachzuweisen (Urteile des Bundes-
gerichts 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 1P.437/2004 vom
1. Dezember 2004, E. 4.2. f.; Pra 2002 Nr. 2 S. 4 f. und Nr. 180 S. 957 f.;
- 41 -
BGE 127 I 38 ff., 40, BGE 120 Ia 31 ff., 35 f.). Als Beweiswürdigungsregel besagt
die Maxime „in dubio pro reo“ (Art. 10 Abs. 3 StPO), dass sich der Strafrichter
nicht von der Existenz eines für die beschuldigte Person ungünstigen Sachverhal-
tes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob
sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Überzeugung des Richters muss auf
einem verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefan-
genen Beobachter nachvollziehbar sein (SCHMID, Handbuch des schweizerischen
Strafprozessrechts, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 233 ff.). Die Beweiswür-
digungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld der beschuldigten
Person hätte zweifeln müssen (BGE 127 I 38 ff., 41; BGE 124 IV 86 ff., 87 f.).
Wenn erhebliche oder nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der
Sachverhalt so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, so ist die beschuldigte Person
nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ freizusprechen (z.B. SCHMID, a.a.O.,
N 235, m.w.H.). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der
Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren
„Mosaik“ (ARZT, In dubio contra, ZStrR 115 [1997] 197) zu würdigen ist (vgl. dazu
auch Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f. Ziff. 3.4.). Ein
Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld der beschuldig-
ten Person mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, d.h. Beweise dafür vorlie-
gen, dass die beschuldigte Person mit ihrem Verhalten objektiv und subjektiv den
ihr zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann nicht verlangt
werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen As-
pekten unwiderlegbar feststeht (SCHMID, a.a.O., N 227). Es muss genügen, wenn
vernünftige Zweifel an der Schuld der beschuldigten Person ausgeschlossen wer-
den können. Aufgabe des Richters ist es, seinem Gewissen verpflichtet, in objek-
tiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses, zu prüfen, ob er von einem
bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen
Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; ZR 72 [1973] Nr. 80; Pra
2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4.; BGE 124 IV 87 E. 2a; BGE 120 Ia 31 ff., 36 f.). Es
liegt in der Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine abso-
lute Sicherheit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es genü-
gen, dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist
- 42 -
(vgl. Entscheid des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 26. Juni 2003
Nr. 2002/387S, E. 2.2.1, m.w.H.). Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel dür-
fen daher nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind (SCHMID, a.a.O,
N 233 ff.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausgeschlos-
sen werden können, hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrschein-
lichkeit beruhen. Lässt sich ein Sachverhalt nicht mit letzter Gewissheit feststel-
len, was schon im Wesen menschlichen Erkenntnisvermögens liegt, so hindert
dies den Richter nicht, subjektiv mit Gewissheit davon überzeugt zu sein.
4.5.2. Soweit sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten
stützt, sind diese frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher
Umstände, die sich aus dem gesamten Verfahren ergeben, zu untersuchen, wel-
che Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Ge-
halt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben
erfolgen. Bei der Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlich-
keit oder allgemeine Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Ihren
Angaben kommt nicht schon deswegen ein höherer Wahrheitsgehalt zu, weil der
aussagenden Person Strafandrohungen vorgehalten werden. Alleine aus der pro-
zessualen Stellung einer am Strafverfahren beteiligten Person kann nichts hin-
sichtlich deren Glaubwürdigkeit abgeleitet werden. Der allgemeinen Glaubwürdig-
keit eines Zeugen respektive einer einvernommen Person im Sinne einer dauer-
haften personalen Eigenschaft kommt kaum mehr relevante Bedeutung zu. Weit-
aus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist
die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage (BGE 133 I 33 E. 4.3, Urteil des Bun-
desgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Insge-
samt ist daher festzuhalten, dass die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten, und der
weiteren befragten Personen auf der gleichen Stufe anzusiedeln ist.
4.5.3. Massgebend ist mithin die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess
relevanten Aussagen. Diese sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen, wo-
bei auf das Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht
zu legen ist (vgl. BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugen-
aussagen, SJZ 81 [1985] S. 53 ff.; DITTMANN, Zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaus-
- 43 -
sagen, Plädoyer 2/97 S. 28 ff., 33 ff.; BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststel-
lungen vor Gericht, 3. Auflage, München 2007, S. 68 ff., 72 ff.). Die wichtigsten
Realitätskriterien sind dabei die „innere Geschlossenheit“ und „Folgerichtigkeit in
der Darstellung des Geschehnisablaufes“; „konkrete und anschauliche Wiederga-
be des Erlebnisses“ sowie die „Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer
Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selber miter-
lebt hat“; „Kenntlichmachung der psychischen Situation von Täter und Zeuge bzw.
unter Mittätern“; „Selbstbelastung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rol-
le“; „Entlastungsbemerkungen zugunsten des Beschuldigten“, „Konstanz der Aus-
sage bei verschiedenen Befragungen, wobei sich aber sowohl Formulierungen als
auch Angaben über Nebenumstände verändern können“ (HAUSER, Der Zeugen-
beweis im Strafprozessrecht mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich
1974, S. 316).
4.5.4. Andererseits sind auch allfällige Phantasie- oder Lügensignale zu be-
rücksichtigen. Als Indizien für falsche Aussagen gelten „Unstimmigkeiten oder
grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen“, „Zurücknahme oder erhebliche
Abschwächungen in den ursprünglichen Anschuldigungen“, „Übersteigerungen in
den Beschuldigungen im Verlaufe von mehreren Einvernahmen“, „unklare, ver-
schwommene oder ausweichende Antworten“ sowie „gleichförmig, eingeübt und
stereotyp wirkende Aussagen“. Fehlen Realitätskriterien oder finden sich Lügen-
signale, so gilt dies als Indiz für eine Falschaussage.
4.5.5. Was die Aussagen des Beschuldigten anbelangt, so steht grundsätz-
lich nichts im Wege, die erwähnten Kriterien in analoger Weise heranzuziehen,
um Aufschluss über die Glaubhaftigkeit einzelner Angaben zu erlangen. Dabei ist
jedoch zu beachten, dass sich die Motivationslage der beschuldigten Person in
der Regel von derjenigen eines Zeugen unterscheidet. Wer eines Deliktes be-
schuldigt wird, dürfte als direkt Betroffener ein ganz erhebliches, grundsätzlich le-
gitimes Interesse daran haben, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht
erscheinen zu lassen. Daraus darf jedoch nicht bereits der generelle Schluss ge-
zogen werden, die Aussagen einer beschuldigten Person seien deshalb stets mit
grosser oder grösster Zurückhaltung zu würdigen. Dies liefe auf eine rechtsstaat-
- 44 -
lich unhaltbare Benachteiligung der beschuldigten Person hinaus, indem zumin-
dest der Eindruck erweckt würde, man glaube ihr von vornherein weniger als etwa
einem Belastungszeugen. Die besondere Motivationslage ist dennoch insofern
von Belang, als die beschuldigte Person bei einzelnen Sachverhaltsbereichen ein
zusätzliches und offenkundiges Interesse haben kann, nicht die Wahrheit zu sa-
gen, was bei einem unbeteiligten Zeugen in der Regel nicht der Fall ist.
4.6. Die eingeklagte, vom Mitbeschuldigten I._ geltend gemachte, dar-
über hinausgehende Gesamtsumme von Fr. 863'000.– wird neben dessen eige-
nen Aussagen überdies durch die entsprechenden Buchhaltungsunterlagen der
I1._ nachvollziehbar und glaubhaft belegt (vgl. nachfolgend, Erw. II.4.6.1.).
Eine mit Hilfe dieser Unterlagen durchgeführte Berechnung der vom Beschuldig-
ten nicht bestrittenen 7-prozentigen Beteiligung (Urk. 1/070016 S. 10, Vor-
halt 22 f.) am gesamten, mit den G._-Mandaten erzielten Bruttoertrag der
I1._ im relevanten Deliktszeitraum untermauert und bestätigt die eingeklagte
Gesamtsumme. Die vom Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung
erstmals ins Feld geführte Mutmassung, der Mitbeschuldigte I._ könnte mit
den die Fr. 500'000.– übersteigenden Geldern möglicherweise einen unbekann-
ten Dritten auf dem Finanzmarkt bestochen haben (Prot. II S. 53), entbehrt jegli-
cher Anhaltspunkte in den Akten. Einem solchen in keiner Weise begründeten
Vorwurf stehen überdies die Aussagen des Mitbeschuldigten I._ und die
Buchhaltung der I1._ entgegen (vgl. nachstehend, Erw. II.4.6.1. ff.).
4.6.1. Der Bruttoertrag der I1._ aus dem G._-Mandat für das Jahr
2004, und zwar ab 1. Mai 2004, betrug Fr. 1'049'604.–. Daraus ergab sich die ers-
te (noch rückwirkende) Erfolgsbeteiligung von 7 %, aufgerundet Fr. 74'000.–, wel-
che als erstmalige Teilzahlung der insgesamt geflossenen Bestechungsgelder in
der Höhe von Fr. 863'000.– ca. Ende Januar 2005 vom Mitbeschuldigten I._
an den Beschuldigten geleistet worden war (Urk. 1/052013 ff. = Urk. 1/053007 ff.;
Urk. 1/062031 S. 14 Vorhalt 53; Urk. 1/070016 S. 12, Vorhalt 30 ff.). Der gesamte
Bruttoertrag der I1._ aus den G._-Mandaten für den massgeblichen De-
liktszeitraum bis anfangs Mai 2010 betrug Fr. 12'293'478.–. Eine Beteiligung von
7 % daran ergibt Fr. 860'543.50 oder eben die vom Mitbeschuldigten I._ gel-
- 45 -
tend gemachte Gesamtsumme von Fr. 863'000.–, da er bereits die einzelnen
Teilzahlungen jeweils offenkundig aufgerundet hatte (vgl. Urk. 1/052012 –
1/052019 = Urk. 1/053006 –1/053013; Urk. 1/070016 S. 12; Urk. 1/053120 ff.;
Urk. 49/2 betr. 2009 und 2010; vgl. auch Urk. 1/062031 S. 18).
4.6.2. Der Beschuldigte kann sich die Differenz zu den von ihm anerkannten
Fr. 500'000.– selber nicht erklären oder belegen (Urk. 1/070003 S. 4 u., S. 12;
Urk. 77 S. 25; Prot. II S. 52 f.). Nachdem der Mitbeschuldigte I._ die Ge-
samtsumme von Fr. 863'000.– an Bestechungszahlungen mit Urkunden und ohne
irgendwelche Unregelmässigkeiten belegt hat und sich im Sinne einer unvorteil-
haften Selbstbelastung überdies umso stärker selber belastet, je mehr die von
ihm bezifferte Gesamtsumme ausmacht, erweist sich seine Darstellung als glaub-
haft und ist damit erstellt. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte angesichts des
verbleibenden ("bestrittenen") ansehnlichen Differenzbetrages nicht zuletzt auch
im Hinblick auf eine mögliche Einziehung oder Ersatzforderung als auch gegen-
über dem Fiskus, entgegen seinen anders lautenden Beteuerungen
(Urk. 1/062031 S. 18; Urk. 1/062034 S. 4, Vorhalt 13 a.E.) ein nicht unerhebliches
Interesse am tieferen Betrag haben dürfte, was zusätzlich auch seine diesbezüg-
liche Glaubwürdigkeit einschränkt.
4.6.3. Dass der Mitbeschuldigte I._ anfänglich von Fr. 780'000.– und
bisweilen von Fr. 870'000.– gesprochen hatte (Urk. 1/067002 S. 25 f.;
Urk. 1/070003 S. 2) vermag angesichts der vorstehend dargelegten Gründe keine
unüberwindbaren Zweifel an diesem Beweisergebnis zu begründen, bzw. dürfte
beim höheren Betrag daran liegen, dass er, wie soeben dargelegt, gleich wie bei
der Berechnung der einzelnen Teilzahlungen, aufgerundet hat. Demzufolge er-
weist sich der Anklagesachverhalt insoweit als erstellt.
4.7. Zur Bestreitung, dass er nie auf den Mitbeschuldigten I._ zugegan-
gen sei, mit der Aussage, dieser könne jetzt für ihn schauen, und nie willentlich
den Eindruck hinterlassen habe, die Weiterführung der Geschäftsbeziehung der
G._ mit der I1._ könnte gefährdet sein, falls keine finanziellen Zuwen-
dungen an ihn erfolgen würden, die Initiative zur Beteiligung an den Geschäftser-
folgen der I1._ sei vielmehr von I._ ausgegangen, hat sich die Vo-
- 46 -
rinstanz umfassend geäussert und die der Darstellung des Beschuldigten wider-
sprechenden Aussagen der Beteiligten minutiös aufgeführt. Es kann vollumfäng-
lich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 221
S. 80 – 85; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zudem hat der Beschuldigte zumindest teilweise
nicht ausgeschlossen, dass er gegenüber dem Mitbeschuldigten I._ eine sol-
che Äusserung gemacht haben könnte (Urk 1/062031 S. 15 Vorhalt 56, 58, S. 16
Vorhalt 64; Prot. II S. 54 f.).
4.7.1. Verdeutlicht wird dies mit den teilweise nochmals wiedergegebenen
Aussagen des Mitbeschuldigten I._, wonach dieser seinen Stolz habe zu-
rückhaben wollen, den er verloren habe, als er (gemeint der Beschuldigte
A._) ihn zu seinem Sklaven gemacht habe (Urk. 1/067002 S. 1 ff.). Nachdem
die Verträge abgeschlossen gewesen und die ersten Aufträge abgewickelt wor-
den seien, ca. 2004 (Urk. 1/067003 S. 5), habe der Beschuldigte zu ihm gesagt,
er könne jetzt auch zu ihm schauen, weil er ja doch "Frankreich" zu unterhalten
habe, und er verdiene ja nicht soviel (Urk. 65 S. 26 f.). Der Beschuldigte sei mit
seinem Vorschlag der Ertragsbeteiligung einverstanden gewesen. Er wolle dies
noch mit einem Beispiel bekräftigen: Nachdem AI._ bei AJ._ ausgetre-
ten sei, habe dieser ihn mehrfach gefragt, ob er diesen nicht unterstützen könne,
damit dieser ein Mandat von der G._ bekomme. Er habe zwei Mal nein ge-
sagt und beim dritten Mal habe er dies an den Beschuldigten weitergeleitet, wel-
cher sehr wütend geworden sei, einen roten Kopf bekommen und gesagt habe:
"Dem gebe ich gar nichts, der schaut nur für sich selber." Er solle es AI._ mit
diesen Worten sagen (vgl. dazu auch Urk. 1/062036 S. 19, Vorhalt 120). Dies zei-
ge, dass auch er sich genötigt gesehen habe, dem Beschuldigten einen Vor-
schlag zu unterbreiten, wenn er nicht habe Gefahr laufen wollen, sein Mandat
wieder zu verlieren (Urk. 1/067002 S. 1 ff., insbes. S. 7 f. und S. 25;
Urk. 1/070003 S. 3 ff., insbes. 5; Urk. 1/070016 S. 7 ff.; vgl. auch Urk. 1/062031
S. 19 f.). Und die Zahlungen seien ja nicht freiwillig erfolgt, in dem Sinne. "Sie ge-
ben ja niemandem freiwillig Fr. 780'000.–" (Urk. 1/067002 S. 25 f.). Diese ver-
wertbaren Aussagen des Mitbeschuldigten I._ (Art. 146 f. StPO) wirken der-
art authentisch, detailreich und schlüssig, dass sie nicht zum Nachteil des Be-
schuldigten erfunden sein können. Im Übrigen sind auch keine anderen Hinweise
- 47 -
dafür vorhanden, welche den Schluss nahelegen könnten, er habe den Beschul-
digten falsch belasten wollen.
4.7.2. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte bereits früher, d.h. vor dem Jah-
re 2000, gegenüber C._ (S._-Gruppe) laut dessen verwertbaren
(Art. 146 f. StPO), mehrmals wiederholten, glaubhaften Aussagen, vergleichbare
Bemerkungen gemacht haben soll, wonach er gegenüber finanzieller Unterstüt-
zung nicht abgeneigt sein würde. Der Beschuldigte hat überdies mehrmals einge-
räumt, sich 1999/2000 aufgrund von Unterstützungszahlungen an seine (damals)
in einem Pflegheim weilende Mutter und wegen der Hypothekarzinsen für das Fe-
rienhaus in Frankreich (aus seiner Sicht) in einer angespannten finanziellen Situa-
tion befunden zu haben und mit Geschäftspartnern darüber gesprochen zu haben
(Urk. 1/062030 S. 9 ff., insbes. Vorhalt 75 und 81 ff.; Urk. 1/065001 S. 4 ff., ins-
bes. Vorhalt 14; Urk. 1/065004 S. 4 ff.; Urk. 1/065008 S. 9 f; Urk. 1/070001
S. 13 ff., insbes. 15; Urk. 1/070002 S. 4 ff., insbes. 7 ff.). Noch ca. 1998 hatte er
demgegenüber gemäss eigener Angabe (Urk. 1/062030 S. 15; Urk. 1/062038
S. 5) dem Mitbeschuldigten und besten Freund J._ für Fr. 13'000.– oder
Fr. 14'000.– grosszügigerweise eine Harley Davidson als Überraschung zum Ge-
burtstag geschenkt.
4.7.3. Solche Bemerkungen gegenüber seinen bis zu einem gewissen Grad
geschäftlich und wirtschaftlich von ihm abhängigen Geschäftspartnern sind dem
Beschuldigten angesichts der wiederholten, ähnlich lautenden Angaben von meh-
reren dieser Geschäftspartner aus verschiedenen Zeiträumen alles andere als
wesensfremd (vgl. auch vorstehend, Erw. II.4.7.1.). Sie erweisen sich aufgrund
der unabhängig voneinander deponierten Aussagen dieser Geschäftspartner als
glaubhaft und damit als erstellt.
4.8. Schliesslich bestreitet der Beschuldigte im Zusammenhang mit den Ge-
schäften der G._ mit der I1._, dass seine Handlungen und Entscheide
pflichtwidrig gewesen seien (Urk. 1/062049 S. 25 ff.; Urk. 77 S. 20; Urk. 88 S. 7;
Prot. II S. 47 ff.; Urk. 299 S. 43 ff.).
- 48 -
4.8.1. Die Vorderrichter sahen die Pflichtwidrigkeit der Entscheide und
Handlungen des Beschuldigten zurecht im Umstand, dass er bewusst sämtliche
Aufträge an die I1._ vergab, ohne andere Offerten eingeholt und entspre-
chende Angebote mit anderen Finanzdienstleistern verglichen zu haben (Urk. 77
S. 23), wie die Richtlinien der Finanzdirektion über die Anlage der Vermögenswer-
te der Versicherungskasse über das ...personal ... vorgaben und was dem Be-
schuldigten sowohl in seiner Position als Chef der N._ als auch als Chef As-
set Management der G._ bestens bekannt war (Urk. 221 S. 86; Art. 82
Abs. 4 StPO).
4.8.2. Entgegen der Auffassung der erbetenen Verteidigung, welche ledig-
lich partiell und selektiv aus den Richtlinien zitierte (Urk. 299 S. 44 ff.), verlangten
bereits die im Jahre 2003 geltenden Richtlinien der Finanzdirektion über die Anla-
ge der Vermögenswerte der Versicherungskasse ... (G._) vom 15. Oktober
2001 (Urk. 1/057004 S. 16, Ziffer III.3.) bei der Auftragsvergabe an Banken und
Finanzinstitute, dass die Qualität der offerierten Dienstleistungen, die Konditionen,
die Erfahrung und die Präsenz auf dem Markt berücksichtigt würden, was eindeu-
tig bereits damals das Einholen von Offerten implizierte. Bei Gleichwertigkeit der
Kriterien waren die Aufträge an die AS._ oder im Kanton Zürich steuerpflich-
tige Banken und Institute zu vergeben. Diese Vorgaben entsprachen im Übrigen
jenen in den früheren Versionen der Richtlinien (Urk. 1/057002 f.). Insofern wur-
den diese internen Richtlinien vom Beschuldigten bereits verletzt, als er und
T._ am 30. Juni 2003 der I1._ den Auftrag erteilt hatten, bestimmte De-
visenabsicherungsgeschäfte für die auf USD lautenden Geldmarktanlagen der
G._ in Form von Termingeschäften durchzuführen, ohne dass zu diesem
Zwecke vorgängig Offerten von anderen Finanzdienstleistern eingeholt wurden
und überprüft worden war, ob ein anderes Unternehmen diese Dienstleistungen
beispielsweise zu besseren Konditionen hätte erbringen wollen und können
(Urk. 84 S. 61). Ohne vorgängige Einholung von Offerten war – entgegen der im
Zusammenhang mit dem Small and Mid Caps-Mandat geäusserten Auffassung
des Beschuldigten (Prot. II S. 62) – auch bei guten Branchenkenntnissen eine
exakte antizipierte Einschätzung nicht möglich. Gewissheit hätte erst die richtli-
nienkonforme, pflichtgemässe Einholung von Offerten gegeben.
- 49 -
4.8.3. Aus dem geldwerten Vorteil, den der Beschuldigte durch die entge-
gengenommene Beteiligung am Bruttoertrag der I1._ hatte, ergibt sich über-
dies, dass ein latentes Eigeninteresse des Beschuldigten am Wohlergehen der
I1._ und an einer Ausdehnung von deren Auftragsvolumen entstand.
4.8.3.1. Das latente Eigeninteresse am wirtschaftlichen Wohlergehen der
I1._ beeinflusste den Beschuldigten zusätzlich, diese pflichtwidrig nicht dem
Wettbewerb und den Offerten anderer Marktteilnehmer und Anbieter im Devisen-
bereich auszusetzen. Dies wird beispielsweise durch die Aussage des Mitbe-
schuldigten I._ illustriert, wonach das pricing (zwar) marktkonform gewesen,
der Beschuldigte ihm aber auch hätte sagen können, er solle es für die G._
lieber ein "Mü" günstiger machen (Urk. 1/067003 S. 70). Anstatt beispielsweise
bei Vertragsanpassungen darum bemüht zu sein, bei der I1._ durchaus mög-
liche, noch bessere Konditionen auszuhandeln, beliess es der Beschuldigte die-
ser gegenüber bei einem angeblich "marktkonformen Honorar" und steckte statt-
dessen über mehr als fünf Jahre hinweg eine ansehnliche Beteiligung an deren
Bruttoerträgen von Fr. 863'000.– in die eigene Tasche.
4.8.3.2. Unter diesen Umständen war dem Beschuldigten fraglos stets be-
wusst, dass sein Handeln, seine Anträge und Entscheide bei den an die I1._
vergebenen G._-Mandaten nicht gemäss seinen Pflichten erfolgt waren, res-
pektive die entsprechende Ausübung seines Ermessens durch die regelmässig
vom Mitbeschuldigten I._ entgegengenommenen Gelder beeinflusst war, so
dass seine Handlungen nicht mehr unparteiisch und unbefangen erfolgen konn-
ten, wie er teilweise sogar selber ausdrücklich eingeräumt hatte (Urk. 1/062030
S. 41; Urk. 1/062048 S. 43, Vorhalt 178), womit er durch den Verlust an Objektivi-
tät und Sachlichkeit überdies den Grundsatz der Gleichbehandlung von Ge-
schäftspartnern der G._ verletzte (Anklageziffer IV.44. a.E.).
4.8.4. Ebenso war dem Beschuldigten fraglos bewusst, dass es sich bei den
eingesteckten ansehnlichen Bargeldsummen um ihm nicht zustehende, unentgelt-
liche Zuwendungen handelte, nachdem er beispielsweise am 26. August 2002 er-
folglos einen Antrag beim damaligen Finanzdirektor, Regierungsrat AF._,
gestellt hatte, mit dem Ansinnen, eine Armbanduhr im Wert von Fr. 2'000.– bis
- 50 -
Fr. 3'000.– annehmen und behalten zu dürfen, welche ihm zuvor von einem Ge-
schäftspartner der G._ als Geschenk in seine Amtsstube geschickt worden
war (Urk. 1/062030 S. 33 Vorhalt 250 ff.; Urk. 1/313255 f.; Urk. 1/077003 S. 18 f.).
Der Beschuldigte war damit offenkundig genügend sensibilisiert über seine Be-
fugnisse bei unentgeltlichen Zuwendungen im Zusammenhang mit seiner amtli-
chen Tätigkeit. Dies ergibt sich ausserdem aus dem ihm bereits damals bekann-
ten, angeblichen Spruch eines Regierungsrates als "Regelung" beim Kanton, wo-
nach alles, was man an einem Tag fressen und saufen möge, (angeblich) keine
Bestechung sei (Urk. 1/062025 S 9, Vorhalt 51, S. 10, Vorhalt 53 f.) sowie aus
seinen eigenen Aussagen (Urk 1/062033 S. 2). Hinzu kommen die angesichts
seiner eigenen Darstellung konspirativ anmutenden Geldübergaben/-nahmen auf
dem Parkplatz vor Restaurants (Urk. 1/062028 S. 4) und das Verstecken dieser
Bargelder sowie insbesondere die Tatsache, dass er diese Gelder selber mehr-
fach als Bestechungsgelder, bzw. Beamtenbestechungsgelder bezeichnete
(z.B.: Urk. 1/062030 S. 8 f., 36, 38 ff., 42; Urk. 1/062031 S. 12; Urk. 1/070001
S. 16; Urk. 1/070005 S. 10).
4.8.5. Demzufolge verbleiben entgegen der Auffassung der erbetenen Ver-
teidigung (Urk. 299 S. 43 ff.) keinerlei Zweifel daran, dass die Handlungen und
Entscheide des Beschuldigten bei den Geschäften der G._ mit der I1._
pflichtwidrig waren und es sich bei den angenommenen Bargeldsummen um ihm
nicht zustehende, unentgeltliche Zuwendungen handelte, was ihm in der ganzen
Tragweite und über den gesamten Deliktszeitraum hinweg bestens bewusst war,
wie er teilweise sogar selber ausdrücklich anerkannt hatte (Urk. 1/062045 S. 3,
Vorhalt 8), womit sich auch der subjektive Sachverhalt (Anklageziffer IV.44.) voll-
umfänglich als erstellt erweist (vgl. auch nachstehend, Erw. III.6.4. ff.).
5. Im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten J._, den er seit der
gemeinsamen Studienzeit gekannt und mit dem ihn seither eine enge Freund-
schaft verbunden habe, in deren Rahmen sie u.a. Familientreffen und gemeinsa-
me Ferien verbracht hätten, welche ihren Ausdruck überdies auch darin gefunden
habe, dass der Beschuldigte „Götti“ des Sohnes des Mitbeschuldigten J._
und dieser sowie dessen Ehefrau ihrerseits „Götti“ und „Gotte“ des älteren Soh-
- 51 -
nes des Beschuldigten gewesen seien, wird dem Beschuldigten zusammenge-
fasst im Wesentlichen vorgeworfen (Urk. 2 S. 22 ff.), er habe den Mitbeschuldig-
ten J._ 1995 darum gebeten, ein Nummernkonto "AM._" bei der
BP._ in ... für ihn zu errichten, in der Folge zu bewirtschaften und sich dabei
selber als wirtschaftlich Berechtigten zu bezeichnen. Zudem habe er seit 1995
über J._ bzw. die Banken, bei denen dieser tätig gewesen sei, Geschäfte der
G._ abgewickelt. Im Januar 2003 habe der Beschuldigte beschlossen, na-
mens der G._ mit dem Mitbeschuldigten J._ und der damals in Grün-
dung befindlichen AK._ AG zusammenzuarbeiten. Um seine enge persönli-
che Beziehung zu J._ zu verschleiern, habe er gegenüber der Finanzdirekti-
on den Antrag gestellt, AL._ ein Vermögensverwaltungsmandat im Bereich
Small & Mid Caps im Umfang von Fr. 50'000'000.– zu erteilen, welches er nach
der Genehmigung durch die Finanzdirektion jedoch (abweichend von der Geneh-
migung) der AK._ AG erteilt habe. Zudem habe er dieser ein Brokerage-
Mandat erteilt. Dabei habe der Beschuldigte die Richtlinien der Finanzdirektion
über die Anlage der Vermögenswerte der G._ vom 15. Oktober 2001 sowie
§ 49 des Personalgesetzes, wonach er die ihm übertragenen Aufgaben sorgfältig,
gewissenhaft und wirtschaftlich auszuführen sowie die Interessen des Kantons in
guten Treuen zu wahren habe, verletzt.
In der Folge habe er namens der G._ auf Antrag der AK._ AG in
zwei Schritten pflichtwidrig auf sämtliche Retrozessionen aus dem Vermögens-
verwaltungsmandat im Bereich Small & Mid Cap verzichtet, wobei er die notwen-
dige Zweitunterschrift bei seiner Mitarbeiterin und Stiefschwester des Mitbeschul-
digten J._ eingeholt habe, obwohl die Retrozessionen gemäss Vertrag an die
G._ weiterzuleiten gewesen wären und nicht als Entschädigung für die
AK._ AG vorgesehen gewesen seien. Dabei habe er die damals intern gel-
tende Kompetenzregelung mit notwendiger Zweitunterschrift des Chef G._
bei wesentlichen Vertragsänderungen zum Nachteil der G._, die Richtlinien
der Finanzdirektion über die Anlage der Vermögenswerte der G._ vom
15. Oktober 2001 sowie § 49 des Personalgesetzes verletzt. Auf die Retrozessio-
nen habe der Beschuldigte namens der G._ verzichtet, weil er seinem
Freund, dem Mitbeschuldigten J._, bzw. dessen Firma einen unrechtmässi-
- 52 -
gen Vermögensvorteil habe verschaffen wollen, obwohl er gewusst habe, dass
die AK._ AG keinen Anspruch auf diese Entschädigung gehabt habe, weil
die vereinbarte Entschädigung bereits marktkonform gewesen sei und die Firma
im Bereich Small & Mid Caps schlechte Leistungen erbracht habe. Ebenfalls ge-
wusst habe er, dass der G._ dadurch erhebliche Einnahmen entgehen wür-
den. Den damit verursachten Schaden von Fr. 2'272'000.– habe er zumindest in
Kauf genommen.
Trotz der unterdurchschnittlichen Leistungen habe der Beschuldigte namens
der G._ die genannten Verträge mit der AK._ AG im Oktober 2007 er-
neuert. Nachdem er sich ca. anfangs 2005 gegenüber dem Mitbeschuldigten
J._ über finanzielle Probleme beklagt habe, habe ihn dieser für die Berück-
sichtigung der AK._ AG, im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der einträgli-
chen Geschäftsbeziehung mit der G._ und zur längerfristigen Sicherung sei-
ner Gunst, zwischen 2005 und Dezember 2009 an verschiedenen Treffen mit
Bargeld von insgesamt Fr. 180'000.– belohnt. Spätestens nach der ersten Bar-
geldübergabe hätten sie sich konkludent darauf geeinigt, dass sich die Weiterfüh-
rung der Geschäftsbeziehung zwischen der G._ und AK._ AG aufgrund
von regelmässigen Zuwendungen seitens des Mitbeschuldigten für pflichtwidrige
und/oder im Ermessen stehende Handlungen des Beschuldigten auch für diesen
persönlich lohnen würde.
Zudem habe der Beschuldigte vom Mitbeschuldigten über die AK._ AG
im Juli 2005 ein Darlehen von Fr. 130'000.– gegen einen Zins von 4 % gewährt
erhalten. Damit sei ihm ein Vorteil zugekommen, weil er dadurch rasch und recht-
zeitig zu benötigten Geldmitteln gekommen sei, ohne Sicherheiten leisten zu
müssen. Der Umfang der Geschäftsbeziehung sowie die Tatsache, dass die
AK._ AG als Geschäftspartnerin der G._ habe auftreten können, hätten
in den Jahren 2003 bis 2009 einerseits zu einem grossen wirtschaftlichen Erfolg
der AK._ AG und zu entsprechendem Einkommen von J._ geführt, an-
dererseits aber auch zu einer wirtschaftlichen Abhängigkeit von der G._.
Dabei sei dem Beschuldigten bewusst gewesen, dass es sich bei den in der
Form von Bargeld und einem Darlehen entgegengenommenen Vorteilen um ihm
- 53 -
nicht gebührende, unentgeltliche Zuwendungen gehandelt habe, die eine Beloh-
nung für die pflichtwidrige Bevorzugung der AK._ AG gegenüber anderen Fi-
nanzdienstleistern sowie Gegenleistungen für vergangene und/oder künftige Ge-
schäftsentscheidungen der G._ zu Gunsten der AK._ AG dargestellt
hätten. Ausserdem habe er gewusst, dass seine vom Mitbeschuldigten J._
erwarteten Entscheide und Anträge entweder pflichtwidrig gewesen seien
und/oder die Ausübung seines entsprechenden Ermessens durch die mehrfache
Vorteilsgewährung vom Mitbeschuldigten so beeinflusst gewesen sei, dass seine
Handlungen nicht mehr unparteiisch und unbefangen hätten erfolgen können,
womit er durch den Verlust an Objektivität und Sachlichkeit überdies den Grund-
satz der Gleichbehandlung der Geschäftspartner der G._ verletzt habe (An-
klageziffern V.45.–63. und 65.).
5.1. Bei diesen Anklagevorwürfen anerkannte der Beschuldigte sowohl im
Vorverfahren als auch anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erneut
den äusseren Sachverhalt (Urk. 1/062030 S. 27, 41 ff.; Urk. 1/062033 S. 17;
Urk. 1/062034 S. 7 ff., insbes. 12 – 18; Urk. 1/062037 S. 3 ff., insbes. 6 Vor-
halt 29 ff.; Urk. 1/062045 S. 10 ff.; Urk. 1/062047 S. 2 ff.; Urk. 1/062049 S. 33 ff.;
Urk. 77 S. 25 ff.) und akzeptierte den Vorwurf der passiven Bestechung im Zu-
sammenhang mit der Entgegennahme der Bargeldsummen (Urk. 1/062045 S. 13;
Urk. 1/062049 S. 50).
5.1.1. Die Tatsache, dass er das Mandat "Small & Mid Caps" ab den Jahren
2008/2009 entgegen den Empfehlungen des Controllers nicht gekündigt habe, sei
sicher auf seine Subjektivität aufgrund der Freundschaft zurückzuführen. Ein Inte-
ressenkonflikt in seiner Person sei angesichts der Geldübergaben vom Mitbe-
schuldigten J._ nicht von der Hand zu weisen, wobei er dies in der Folge
dennoch wieder herunterspielte und in Abrede stellte (Urk. 1/062037 S. 9 Vor-
halt 41; Urk. 1/062047 S. 3 f.; Urk. 77 S. 33, 36; Urk. 1/070018 S. 36 f.).
5.1.2. Während der Beschuldigte die Geldannahme zunächst noch aus-
drücklich bestritten hatte (z.B. Urk. 1/062036 S. 9), anerkannte er in der Folge le-
diglich zögerlich und schrittweise eine Summe von insgesamt (mindestens)
EUR 35'000 – 45'000 (Urk. 1/062037 S. 6), bzw. bis ca. Fr. 90'000.–
- 54 -
(Urk. 1/062037 S. 6; Urk. 1/062038 S. 2 ff.), bzw. Fr. 80'000.– bis Fr. 100'000.–
(Urk. 1/062045 S. 11; Urk. 1/070005 S. 3 ff.; Urk. 1/070018 S. 28 ff.).
5.1.3. In Bezug auf die Retrozessionen beim Small & Mid Cap-Mandat aner-
kannte er zunächst, dass gemäss Vertrag nur eine fixe Gebühr vorgesehen ge-
wesen sei und die AK._ AG diese Retrozessionen an die G._ hätte wei-
terleiten müssen (Urk. 1/062034 S. 17; Urk. 1/062049 S. 41, Vorhalt 64), um dies
anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 28. Februar 2011 und
in der weiteren Folge entgegen seinen bis dahin deponierten Aussagen in Abrede
zu stellen, respektive sei ihm dies nicht bewusst gewesen. Er übernehme für die-
se "mangelnde Kontrolle" die Verantwortung (Urk. 1/062047 S. 7 ff.; Prot. II
S. 63).
5.1.4. Ferner anerkannte der Beschuldigte, im Zusammenhang mit doku-
mentierten Börsengeschäften auf dem nicht deklarierten AU._-
Nummernkonto "AM._" bei der AU._ ... seine Offenlegungspflichtet ge-
mäss G._-internen Richtlinien umgangen zu haben (Urk. 1/062040 S. 4 f.;
Prot. II S. 58).
5.1.5. Bei diesen Standpunkten blieb er auch im Berufungsverfahren (Prot. II
S. 58 ff.).
5.2. Seine Zugeständnisse decken sich wiederum mit dem Untersuchungs-
ergebnis, insbesondere den diesbezüglich übereinstimmenden Aussagen des
Mitbeschuldigten J._ und den dem Beschuldigten im Vorverfahren vorgehal-
tenen entsprechenden Unterlagen (Urk. 1/063101 S. 2 ff., insbes. 6 ff., 13 f.;
Urk. 1/063102 S. 2 ff., 19 ff.; Urk. 1/063110 S. 1 ff.; Urk. 1/070005 S. 3 ff.;
Urk. 1/070003 S. 2; Urk. 1/070016 S. 10; Urk. 1/050001 f.; Urk. 1/050011 ff.;
Urk. 1/050038; Urk. 1/050052; Urk. 1/050067; Urk. 1/050069; Urk. 1/050158). Der
Beschuldigte ist daher bei diesen glaubhaften und untermauerten Zugeständnis-
sen zu behaften, und es ist auf diese abzustellen, auch wenn er diese in der Fol-
ge teilweise relativierte oder zurücknahm.
- 55 -
5.3. Bezüglich seiner freundschaftlichen Beziehung zum Mitbeschuldigten
J._ schränkte der Beschuldigte ein, es sei keine "bewusste Verschleierung"
gewesen. Man habe "einfach nicht alles auf den Tisch gelegt." (Urk. 1/062049
S. 36; Prot. II S. 59). Die Mandatsvergabe an die AK._ AG im Jahre 2003
habe keiner Ausschreibung bedurft. Mit seinem Vorgehen habe er keine Sorg-
faltspflichten verletzt (Urk. 1/062049 S. 39). Die Entrichtung der Retrozessionen
an die AK._ AG sei angesichts des Dienstleistungsumfanges korrekt gewe-
sen. Er habe seine diesbezüglichen Kontrollaufgaben zu wenig wahrgenommen.
Er bestreite, dass ein Schaden von Fr. 2'272'000.– verursacht worden sei, bzw.
dass ein Kausalzusammenhang bestehe (Urk. 1/062047 S. 16; Urk. 1/062049
S. 41 ff.; Prot. II S. 63). Anlässlich der Berufungsverhandlung anerkannte er dann,
dass sich die vereinnahmten Retrozessionen auf Fr. 2,27 Mio. belaufen hätten
(Prot. II. S. 66). Weder habe er darauf hingewirkt, dass er vom Mitbeschuldigten
finanzielle Vorteile erhalten habe noch habe der Darlehensvertrag für ihn einen fi-
nanziellen Vorteil dargestellt. Weiter bestritt er die ihm vorgeworfene Höhe der
insgesamt entgegengenommenen Gelder von Fr. 180'000.– sowie in rechtlicher
Hinsicht, die Pflichtwidrigkeit seiner Handlungen und den Tatbestand der unge-
treuen Amtsführung erfüllt zu haben. Er habe niemandem einen unrechtmässigen
Vorteil verschaffen wollen. Die Entschädigungshöhe der AK._ AG im Bereich
des Small & Mid Cap Mandates beurteilte er aber schliesslich dennoch als unan-
gemessen und nicht gerechtfertigt (Urk. 1/062037 S. 7; Urk. 1/062047 S. 16;
Urk. 1/062049 S. 46 f., 50; Urk. 88 S. 10 ff.; Urk. 77 S. 25 f.).
5.4. Die bestrittenen Teile dieses Anklagesachverhaltes sind wiederum mit
Hilfe der Untersuchungsakten sowie der Aussagen der Befragten und den weite-
ren Beweismitteln nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu überprüfen (vgl.
vorstehend, Erw. II.4.5.1. ff.).
5.5. Die Höhe der Bargeldannahmen vom Mitbeschuldigten J._ werden
abgesehen davon, dass der Beschuldigte, wie bereits dargelegt (Erw. II.5.1.), die-
se bis zu einem Betrag von ca. EURO 45'000, bzw. bis ca. Fr. 90'000.– selber
anerkannt hat, nach anfänglichem Bestreiten und dem Auftreten von selektivem
Erinnerungsvermögen (Urk. 1/063102 S. 25 ff.; Urk. 1/063104 S. 4 f.) auch durch
- 56 -
die darauffolgenden Aussagen des Mitbeschuldigten J._ bestätigt und von
dessen Bargeldbezügen von zunächst eingeräumten insgesamt Fr. 180'000.– bis
Fr. 250'000.–, dann aber wieder auf ca. Fr. 100'000.– relativierten Gesamtsumme
(Urk. 1/063108 S. 1 ff.) in Teilbeträgen von jeweils über Fr. 10'000.–, von Konten
der Eheleute J._ untermauert (Urk. 1/063104 S. 5 ff., 14 ff.; Urk. 1/070005
S. 5 ff.; Urk. 1/070018 S. 28 ff.; Urk. 1/062038 S. 2 ; Urk. 1/050153).
5.5.1. Der Mitbeschuldigte J._ begründete das Faktum, dass er die Ge-
samtsumme der an den Beschuldigten übergebenen Bestechungszahlungen zu-
nächst mit einem viel höheren Betrag beziffert hatte, wenig überzeugend und un-
glaubhaft mit dem fadenscheinigen Vorwand, damals angeblich in einer nicht nä-
her spezifizierten Stresssituation gewesen zu sein. Anzeichen für eine solche fin-
den sich denn auch im betreffenden Befragungsprotokoll nicht (Urk. 1/063104
S. 5 ff.; Urk. 1/070005 S. 6; Urk. 1/070018 S. 28, 32).
5.5.2. Die anfänglich unvorteilhafte Selbstbelastung durch die Höhe der an
den Beschuldigten geleisteten Zahlungen erhöht die Glaubhaftigkeit der diesbe-
züglichen Aussagen des Mitbeschuldigten J._. Sein darauffolgendes, teilwei-
se auffällig selektives Erinnerungsvermögen in zeitlicher Hinsicht, wie auch hin-
sichtlich der einzelnen Beträge (Urk. 1/062038 S. 3) lassen seine späteren Relati-
vierungen demgegenüber als unglaubhafte Ausreden erscheinen.
5.5.3. Was die fehlenden Erklärungen des Beschuldigten zur Höhe der von
ihm angenommenen Bestechungszahlungen und seine diesbezügliche Glaub-
würdigkeit anbelangt, kann vollumfänglich auf die Erwägungen zu den Vorwürfen
im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten I._ verwiesen werden
(vgl. vorstehend, Erw. II.4.6.2.), da es sich mit den von ihm angenommenen Bar-
geldzahlungen und Überweisungen von J._ im Ergebnis nicht anders verhält
(Urk. 1/062038 S. 5. f.).
5.5.4. Die Vorinstanz erachtete die vom Beschuldigten und dem Mitbeschul-
digten schliesslich übereinstimmend eingeräumte Gesamthöhe an Bargeldzah-
lungen von Fr. 100'000.– als erstellt (Urk. 221 S. 106 f.). Die Staatsanwaltschaft
- 57 -
hat die durch die Vorinstanz als erstellt betrachtete Gesamtsumme nicht zum Ge-
genstand ihrer Anschlussberufung gemacht (Urk. 235).
5.5.4.1. Die dem Beschuldigten in der Anklageschrift unter Ziff. 62 zur Last
gelegten Bargeldannahmen von J._ korrespondieren mit den durch diesen
von seinem Privatkonto und jenem der Ehefrau getätigten Bezügen und sind auf-
grund der entsprechenden Kontounterlagen belegt (Urk. 1/050090; Urk. 1/050094;
Urk. 1/050097 ff.; Urk. 1/050102 f.; Urk. 1/050146). In Bezug auf die Höhe der an-
genommenen Bargelder ist jedoch entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen
auf die ursprünglichen Aussagen des Mitbeschuldigten J._ abzustellen. Sei-
ne nachgeschobenen Erklärungsversuche, wonach er aufgrund einer Stresssitua-
tion fälschlicherweise den entsprechenden Betrag eingeräumt habe (vorstehend,
Erw. II.5.5.1.), sind als Schutzbehauptung zu qualifizieren. Diese Schlussfolge-
rung wird auch durch die Aussage des Beschuldigten untermauert, wonach es
durchaus möglich sei, dass J._ ihm mindestens Fr. 180'000.– übergeben ha-
be (Prot. II S. 68). Die dem Beschuldigten in Anklageziffer 61 zur Last gelegte
Gesamtsumme der vom Mitbeschuldigten J._ angenommenen Bargelder in
der Höhe von insgesamt Fr. 180'000.– ist somit erstellt.
5.5.4.2. Das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) steht dieser
von der Vorinstanz abweichenden Beweiswürdigung nicht entgegen, da sie weder
eine strengere rechtliche Würdigung oder Bestrafung noch höhere geldwerte An-
sprüche gegen den Beschuldigten zur Folge hat (Urteil des Bundesgerichts
6B_375/2013 vom 13. Januar 2014 E. 5.1.2 f.; SCHMID, Handbuch des Schweize-
rischen Strafprozesses, 2. Auflage 2013, N 1489 ff.; ZIEGLER, in: Basler Kommen-
tar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2010, N 3 f. zu Art. 391 StPO; BGE 139
IV 282 E. 2.5 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_772/2013 vom 11. Juli 2014 E. 1.3
f.).
5.6. Laut den übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten mit jenen
des Mitbeschuldigten J._ anlässlich von deren staatsanwaltschaftlichen Kon-
frontationseinvernahmen vom 15. Oktober 2010 und vom 10. Mai 2011 bestand
bereits lange vor der Gründung der AK._ AG, nämlich seit ca. 1994/1995 ei-
- 58 -
ne rege Zusammenarbeit zwischen der G._, mithin dem Beschuldigten und
dem Mitbeschuldigten J._ (Urk. 1/070005 S. 2 f.; Urk. 1/070018 S. 3 f.).
5.6.1. Daneben gab es eine private Zusammenarbeit der beiden im Bewirt-
schaften von zwei am 25. September 1995 eröffneten schwarzen Nummern-
Konten bei der AU._ Filiale ... mit den Decknamen "AM._" und
"AN._", wobei bei beiden Konten der Mitbeschuldigte J._ als wirtschaft-
lich Berechtigter auftrat; beim Konto "AM._", welches ausschliesslich Gelder
des Beschuldigten enthielt, mithin klar tatsachenwidrig. Gemäss ihren überein-
stimmenden Aussagen nahm J._ sowohl Gelder vom Beschuldigten zum
Zwecke der Einzahlung auf dieses Konto entgegen, tätigte bei Bedarf aber auch
Überweisungsaufträge und Bezüge für den Beschuldigten und nahm telefonisch
Börsenaufträge vom diesbezüglich aufgrund seiner beruflichen Nähe zu solcher
Investitionstätigkeit branchen- und szenekundigen Beschuldigten zur Ausführung
bei der AU._ entgegen, welche in der Folge klandestin, d.h. ohne Kenntnis
des Arbeitgebers des Beschuldigten, teils mehr, teils wirtschaftlich minder erfolg-
reich, ausgeführt wurden (vgl. auch Prot. II S. 58). Am 16. April 1999 räumte der
Mitbeschuldigte J._ überdies Rechtsanwalt Dr. AO._, dem gemeinsa-
men Studienfreund der beiden und mitunter auch Berater der G._, eine Voll-
macht für dieses Konto ein. Bis zu dessen Saldierung gingen offenbar ca.
Fr. 911'000.– Eingänge und Fr. 1'068'000.– Bezüge über dieses Konto des Be-
schuldigten. Gespiesen worden war es ursprünglich von seinem früheren, bei
dessen Eröffnung saldierten, ebenfalls schwarzen Konto bei der Bank AP._,
welches seinerseits auch nicht vom Beschuldigten selber bewirtschaftet worden
war, sondern von seinem früheren Mitarbeiter und Stellvertreter in den Jahren
1990 bis 1996 bei der G._, AA._, welcher zu Beginn jener Tätigkeit of-
fenbar ca. Fr. 30'000.– vom Beschuldigten zur Verfügung gestellt erhalten hatte,
welcher Betrag sich dank erfolgreicher Börsen- und Investitionstätigkeit bis zur
Saldierung dieses Kontos schliesslich auf stolze Fr. 666'000.– vermehrt hatte und
in dieser Höhe anlässlich der Eröffnung auf das Konto "AM._" einbezahlt
worden war. Aus dieser Quelle erhielt der Beschuldigte über den Mitbeschuldigten
J._ in der Zeit zwischen September 1996 und Dezember 1999 gesamthaft
ca. Fr. 402'800.– übergeben (Urk. 1/050223 ff.; Urk. 1/063110 S. 10;
- 59 -
Urk. 1/070005 S. 4; Urk. 1/070008 S. 9 ff., 13, Vorhalt 44; Urk. 1/070007 S. 3 ff.;
Urk. 1/070009 S. 7 ff., 11 f.; Urk. 1/070015, S. 5 f.; Urk. 1/070017 S. 5 ff.).
5.6.2. Der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte J._ machten bisweilen
geltend, das Mandat Small & Mid Caps hätte an AL._ vergeben werden sol-
len, und zu jenem Zeitpunkt, als dies von der G._ entschieden worden sei,
habe nicht festgestanden, dass die AK._ AG gegründet würde
(Urk. 1/070018 S. 7; Urk. 77 S. 28 f.).
5.6.2.1. Der Mitbeschuldigte J._ erklärte indessen auf Frage des
Staatsanwaltes, ob die AK._ AG von ihm im Hinblick auf die Übernahme
bzw. Fortsetzung des von der S._ Asset Management geführten Mandats
gegründet worden sei, anfänglich auch (Urk. 1/063101 S. 9, Vorhalt 43), dies sei
in der Hoffnung erfolgt, dass man dieses Mandat erhalten würde. Zudem bestätig-
te er, dass die AK._ AG neben der G._ keine weiteren grösseren Ver-
mögensverwaltungskunden hatte oder gehabt habe. Es sei zutreffend, dass sie
abgesehen vom G._ Mandat keine anderen Mandate gehabt habe und wirt-
schaftlich von der G._ abhängig gewesen sei (ebenda, S. 11, Vorhalt 61 f.;
Urk. 1/063102 S. 9; Urk. 1/063109 S. 9 ff.). Nein, er habe sich gegenüber dem
Beschuldigten aufgrund dieser Mandatsvergabe oder im Hinblick auf deren Wei-
terführung nie erkenntlich gezeigt (ebenda, S. 13).
5.6.2.2. Aus dem vom Beschuldigten unterzeichneten Schreiben der
N._ vom 23. Oktober 2002 geht hervor, dass AL._ das Angebot unter-
breitet wurde, die bisher intern bewirtschafteten Aktienanlagen in der Anlagekate-
gorie "Small & Mid Caps Schweiz" in Form eines persönlichen Verwaltungsman-
dats zu bewirtschaften, wobei dieser gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht
wurde, dass die Übertragung eines solchen Mandates der Zustimmung der Fi-
nanzdirektion bedürfe (Urk. 64/1 im Verfahren SB130233). Mit E-Mail vom
25. Oktober 2002 beantwortete AL._ das Angebot positiv und bat den Be-
schuldigten darum, bei der Finanzdirektion das "O.k." für die Übertragung eines
Verwaltungsmandates einzuholen (Urk. 86/2 im Verfahren SB130233), was dieser
am 10. Januar 2003 mit seinem begründeten Antrag an den Finanzdirektor tat.
Die Genehmigung durch diesen erfolgte am 13. Januar 2003 (Urk. 1/050158). Am
- 60 -
14. Januar 2003 teilte der Beschuldigte die erfolgte Zustimmung der Finanzdirek-
tion schriftlich AL._ mit und orientierte diesen über die Bedingungen des
Mandates (Urk. 1/050052). Dem Vermögensverwaltungsvertrag vom 3. März
2003 ist zu entnehmen, dass das Mandat im Anlagebereich "Small & Mid Caps
Schweiz" entgegen und in Abweichung vom Antrag des Beschuldigten an die Fi-
nanzdirektion nunmehr zwischen der G._ und der AK._ AG abgeschlos-
sen wurde (Urk. 1/050069). Daraus alleine lässt sich aber noch keine Verschleie-
rungsabsicht herleiten, wenngleich es seltsam anmutet, dass der Vermögensver-
waltungsvertrag abweichend von der Genehmigung durch die Finanzdirektion nun
plötzlich mit der vom Studienfreund des Beschuldigten, dem Mitbeschuldigten
J._, gerade neu gegründeten AK._ AG abgeschlossen wurde.
5.6.2.3. AL._ machte geltend, der Beschuldigte habe ihm Ende 2002
eine Offerte für die Verwaltung von Fr. 50 Mio. unterbreitet, worauf der Mitbe-
schuldigte J._ ihm zur Annahme des Mandates geraten habe und die Grün-
dung einer gemeinsamen Firma sowie Hilfe bei der Mandatsausführung angebo-
ten habe. Aus steuerlichen und administrativen Gründen habe er der Gründung
der AK._ AG zugestimmt, wobei das Ganze nachträglich inszeniert wirke.
Beim Abschluss des Vermögensverwaltungsvertrages zwischen der G._ und
der AK._ AG habe man ihm gesagt, die G._ habe die Gründung der
AK._ AG bewilligt, und es sei einfacher, einer juristischen Person ein solches
Mandat zu erteilen, als einer Privatperson (Urk. 1/060101 S. 2 und S. 5 ff.;
Urk. 1/060102 S. 8; Urk. 1/077001 S. 6 ff.).
5.6.2.4. Der Beschuldigte erklärte zur Mandatsvergabe an die AK._ AG,
man habe auf der Seite der G._ vor der Mandatsvergabe mit AL._ und
dem Mitbeschuldigten J._ deren Kapazität, einen solchen Auftrag ausführen
zu können, abgeklärt. Weiter räumte er ein, dass es gut möglich sei, dass die
Gründung der AK._ AG speziell im Hinblick auf die Mandatserteilung der
G._ erfolgt sei. Ausschlag habe aber vor allem die Reputation von AL._
als kritischer Analyst gegeben. Schliesslich sei ein wesentlicher Grund für die
Mandatsvergabe an die AK._ AG auch seine Freundschaft zum Mitbeschul-
digten J._ gewesen. Sein Antrag an Regierungsrat AF._ habe deshalb
- 61 -
nicht auf eine Mandatsvergabe an die AK._ AG gelautet, weil die Firma zu
diesem Zeitpunkt noch nicht gegründet gewesen sei. Es habe sich nicht um eine
bewusste Verschleierung gehandelt, vielmehr habe man einfach nicht alles auf
den Tisch gelegt (Urk. 1/062002 S. 6 f. und 9; Urk. 1/062047 S. 3; Urk. 1/062049
S. 36; Urk. 77 S. 28 f.).
5.6.2.5. Weder aufgrund der Aussagen des Beschuldigten noch aufgrund
von jenen des Mitbeschuldigten J._ lässt sich eine Verschleierungsabsicht
des Beschuldigten nachweisen. Vielmehr erscheint es nachvollziehbar und glaub-
haft, dass der Beschuldigte sich in erster Linie die Dienste AL._s sichern
wollte, was sich auch aus dem Umstand ergibt, dass dieser letztlich noch bis im
Jahr 2007 für die AK._ AG tätig war und das Mandat der G._ betreute.
Auch wenn dem Beschuldigten vorgeworfen werden kann, er habe seine Freund-
schaft zum Mitbeschuldigten J._ nicht offengelegt, so geht es dennoch zu
weit, ihm eine Verschleierungsabsicht und ein Vorschieben AL._s anlasten
zu wollen.
5.6.2.6. Hinzukommend sind die abweichenden Aussagen von AL._ kri-
tisch zu würdigen, da sie aufgrund seiner Entlassung bei der AK._ AG auch
von Groll geprägt gewesen sein dürften (Urk. 1/077001 S. 13). Wohl weisen sie
darauf hin, dass die Gründung der AK._ AG nicht alleine wegen der Möglich-
keit der Einbringung eines Mandats durch ihn erfolgte, sondern vom Mitbeschul-
digten J._ bereits vorgängig ins Auge gefasst worden sein dürfte. Einen
Nachweis für ein Vorschieben AL._s durch den Beschuldigten vermögen sie
aber dennoch nicht zu erbringen.
5.6.2.7. In einem vom Mitbeschuldigten J._ an Rechtsanwalt Dr.
AO._ verfassten und gesandten E-Mail vom 13. Juni 2007 schrieb J._
unumwunden, aber in offensichtlichem Widerspruch zur Darstellung des Beschul-
digten und seiner späteren eigenen Darstellung (Urk. 1/070018 S. 7) sowie der
sich aus der entsprechenden Korrespondenz mit der Finanzdirektion ergebenden
Fakten (vorstehend, Erw. II.4.6.2.2.; Urk. 86/2; Urk. 1/050158; Urk. 1/050052),
dass am 14. Januar 2003 längst entschieden gewesen sei, dass sie eine Firma
gründen würden, und dies der G._ so kommuniziert worden sei
- 62 -
(Urk. 1/050295 ff.; Urk. 1/070017 S. 11 ff.). Auf diese unsteten, verwirrenden Aus-
sagen des Mitbeschuldigten J._ kann demzufolge nicht abgestellt werden.
Die an den Mitbeschuldigten J._ gerichteten Worte von Rechtsanwalt
AO._: "Wahrscheinlich durftest Du noch nicht offen auftreten.", lassen sich
hingegen durchwegs damit erklären, dass zum Zeitpunkt der Antragsstellung des
Beschuldigten an den Finanzdirektor vom 10. Januar 2003 die AK._ AG noch
nicht gegründet war. Deren Gründung erfolgte bekanntlich per 31. Januar 2003
und der Eintrag im Handelsregister am 4. Februar 2003 (Urk. 1/050002;
Urk. 1/050038).
5.6.2.8. Nach dem Dargelegten verbleiben unüberbrückbare Zweifel daran,
dass der Beschuldigte das Small & Mid Caps–Mandat nicht AL._ persönlich,
sondern von Beginn weg der AK._ AG zu vergeben beabsichtigt hatte. Eine
Verschleierung kann dem Beschuldigten entgegen der Vorinstanz nicht nachge-
wiesen werden.
5.7. Der Beschuldigte vertritt stets die Auffassung, seine Mandatsvergabe an
die AK._ AG im Jahre 2003 habe keiner Ausschreibung bedurft. Er habe kei-
ne Sorgfaltspflichten verletzt.
5.7.1. Im Jahre 2003 gab es bei der G._ noch keine ausdrückliche Re-
gelung, welche eine förmliche Ausschreibung solcher Aufträge vorgeschrieben
hätte. So hielt dies auch alt Regierungsrat AF._ in seiner staatsanwaltschaft-
lichen Zeugenbefragung vom 18. September 2010 fest (Urk. 65 S. 25 f.;
Urk. 1/077003 S. 9 Ziff. 42, S. 27, Ziff. 129). Die Pflicht, Offerten einzuholen, wur-
de dabei allerdings nicht thematisiert.
5.7.2. Dies bedeutet indessen nicht, dass der Beschuldigte bei Mandats-
vergaben völlig frei gewesen wäre. Vielmehr musste er sein Handeln nach den
sich aus öffentlich-rechtlichen Normen, wie dem Gesetz über das Arbeitsverhält-
nis des Staatspersonals (Personalgesetz des Kantons Zürich) vom 27. September
1998 (in Kraft seit 1. Juli 1999), Verordnungen, Richtlinien, Dienstanweisungen
oder Pflichtenheften, ergebenden Pflichten, richten.
- 63 -
5.7.2.1. Die im Jahre 2003 geltenden Richtlinien der Finanzdirektion über die
Anlage der Vermögenswerte der Versicherungskasse ... (G._) vom 15. Okto-
ber 2001 (Urk. 1/057004 S. 16, Ziffer III.3.) verlangten bei der Auftragsvergabe an
Banken und Finanzinstitute, dass die Qualität der offerierten Dienstleistungen, die
Konditionen, die Erfahrung und die Präsenz auf dem Markt berücksichtigt wurden,
was offenkundig bereits damals das Einholen von Offerten implizierte. Bei
Gleichwertigkeit der Kriterien waren die Aufträge an die AS._ oder im Kanton
Zürich steuerpflichtige Banken und Institute zu vergeben. Diese Vorgaben ent-
sprachen im Übrigen jenen in den früheren Versionen der Richtlinien
(Urk. 1/057002 f., vgl. vorstehend, Erw. II.4.8.2.).
5.7.2.2. Indem der Beschuldigte im Jahre 2003 ein Mandat an die AK._
AG vergab, ohne (aktuelle) Offerten bei anderen branchenangehörigen Markteil-
nehmern mit entsprechendem Fachwissen und Branchenkenntnissen einzuholen,
verzichtete er auf die Überprüfung, ob ein anderes Unternehmen diese Dienstleis-
tungen beispielsweise zu besseren, kostengünstigeren Konditionen hätte erbrin-
gen können und wollen. Damit missachtete er diese internen Richtlinien und ver-
stiess überdies gegen § 49 des Personalgesetzes des Kantons Zürich, welcher
die Pflicht der Angestellten festhält, sich rechtmässig zu verhalten, die Rechte und
Freiheiten des Volkes zu achten, die ihnen übertragenen Aufgaben persönlich,
sorgfältig, gewissenhaft und wirtschaftlich auszuführen und die Interessen des
Kantons in guten Treuen zu wahren. Unter diesem Blickwinkel war die Mandats-
vergabe entgegen der Auffassung des Beschuldigten (z.B. Prot. II S. 62) nicht
pflichtgemäss erfolgt.
5.7.2.3. Gleich verhält es sich mit dem im Oktober 2007 mit der AK._
AG abgeschlossenen neuen Vermögensverwaltungsauftrag über ein Anlagevolu-
men von weiteren Fr. 79'000'000.– (Urk. 1/050070). Der Anhang 2 zum Anlage-
reglement vom 1. Februar 2006 enthält Richtlinien für Mandatsvergaben der
G._ (Urk. 1/057005.2 S. 5). Unter Ziffer 1.3. sind "Allgemeine Grundsätze"
aufgeführt und in Ziffer 1.3.1. ("Interessen der G._") war festgelegt, dass "für
die Auswahl von externen Mandatsträger einzig die Interessen der G._ mas-
sgebend" sind. "Das Auswahlverfahren beruhte auf dem Prinzip der Konkurrenz
- 64 -
und hatte zum Ziel, für die zu vergebenden Aufträge und Dienstleistungen die ge-
eignetsten Anbieter zu finden und zu beauftragen." Das Prinzip der Konkurrenz
sowie das Ziel, die geeignetsten Anbieter zu finden, verlangt zweifellos ebenfalls
nach der Einholung von Offerten auf dem betreffendem Markt. Dasselbe ergibt
sich aus Ziffer 4.3. "Selektions- und Fachberatung", wo die Zuständigkeit für die
Festlegung des Beratungsaufwandes der GL zugewiesen ist, welche sich hierbei
an marktüblichen Ansätzen zu orientieren und verschiedene Offerten einzuholen
hat.
5.8. Der Beschuldigte stellt sich auf den Standpunkt, die Entrichtung der
Retrozessionen an die AK._ AG sei angesichts des Dienstleistungsumfanges
korrekt gewesen.
5.8.1. Angesichts seiner weitreichenden Zugeständnisse, wonach in Bezug
auf die Retrozessionen beim Small & Mid Cap-Mandat gemäss Vertrag nur eine
fixe Gebühr vorgesehen gewesen sei und die AK._ AG diese Retrozessionen
an die G._ hätte weiterleiten müssen (Urk. 1/062034 S. 17; Urk. 1/062049
S. 41, Vorhalt 64), wie auch aufgrund von anfänglich gleichlautenden Aussagen
des Mitbeschuldigten J._ (Urk. 1/063102 S. 20, Vorhalt 97 ff.), erweisen sich
das spätere Bestreiten und die Beschönigungen des Beschuldigten, selber zu
wenig kontrolliert zu haben, weshalb er dafür die Verantwortung übernehme
(Urk. 1/062047 S. 7 ff., insbes. S. 13 ff.; Prot. II S. 67), als unglaubhafte nachträg-
liche Beteuerungen, welche sein zunächst in mehreren Befragungen glaubhaft
eingeräumtes diesbezügliches Wissen und Wollen nicht ernsthaft ins Wanken zu
bringen vermögen.
5.8.2. Aus den in den Untersuchungsakten befindlichen Belegen geht zwei-
felsfrei hervor, dass die G._ mit der AK._ AG im Vermögensverwal-
tungsvertrag betreffend die Anlagekategorie "Small & Mid Caps Schweiz" vom
3. März 2003 ein Fixhonorar von 0.5 % pro Jahr auf das von der AK._ AG
verwaltete Vermögen vereinbart, über eine allfällige Ablieferung oder Einbehal-
tung von Retrozession hingegen keine Regelung getroffen hatte (Urk. 1/050069
S. 6). Ebenso belegt sind die Retrozessionsvereinbarungen zwischen der
AK._ AG und den vier beteiligten Banken, der AQ._, der AR._, der
- 65 -
AS._ und der AT._ AG sowie die jeweilige Zustimmung der G._ zu
den entsprechenden Vereinbarungen und die mit den Banken vereinbarten Cour-
tagen (Urk. 1/050036; Urk. 1/050036.1; Urk. 1/050036.2; Urk. 1/050036.3). Damit
zusammenhängend erklärte der damalige Finanzdirektor AF._ der AQ._
mit Schreiben vom 21. Juli 2003 seine Zustimmung zur zwischen der AK._
AG und der AQ._ getroffenen Vereinbarung über die Handhabung der Retro-
zessionen (Urk. 1/050068).
5.8.3. Mit Schreiben an die G._ vom 10. Februar 2004 hatten der Mit-
beschuldigte J._ gemeinsam mit AL._ namens der AK._ AG ein mit
dem Betreff "Antrag auf Reduktion der an die Vermögensverwaltung geleisteten
Rückvergütungen bei Transaktionen im Small & Mid Cap Mandat ..." darum er-
sucht, die vereinbarte Rückvergütung auf Wertschriftentransaktionen rückwirkend
ab 1. Januar 2004 auf 25 % reduzieren zu können. Demselben Schreiben ist zu
entnehmen, dass der Beschuldigte am 11. Februar 2004 namens der G._
sich damit einverstanden erklärte und seine Assistentin U._, Halbschwester
des Mitbeschuldigten J._, die Zweitunterschrift geleistet hatte
(Urk. 1/050062). Aufgrund der Aussagen des Mitbeschuldigten J._ anlässlich
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung und einer durch die AK._ AG bzw.
von Rechtsanwalt AO._ erstellten Übersicht über die Ablieferung der Retro-
zessionen an die G._ (Urk. 106/1 S. 9 f.; Urk. 1/050301.1) ist überdies er-
stellt, dass die AK._ AG der G._ anfangs 2006 erneut beantragte, auch
auf die Ablieferung der verbleibenden 25 % der Retrozessionen zu verzichten,
was vom Beschuldigten wiederum gutgeheissen wurde.
5.8.4. Der Umstand, dass im Vermögensverwaltungsvertrag vom 3. März
2003 bezüglich der Einbehaltung von Retrozessionen durch die AK._ AG
nichts geregelt war, bedeutet nicht zwangsläufig, dass als Entschädigung der
AK._ AG einzig ein Fixhonorar von 0.5 % des verwalteten Vermögens pro
Jahr vereinbart war. Ebenso wenig kann angesichts der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung und der geltenden Gepflogenheiten im Zusammenhang mit der
Einbehaltung von Retrozessionen durch Vermögensverwalter zum Zeitpunkt des
Abschlusses des Vermögensverwaltungsvertrages im Jahre 2003 aus dem allei-
- 66 -
nigen Umstand, dass im Vermögensverwaltungsvertrag zwischen der G._
und der AK._ AG bezüglich der Retrozessionen nichts geregelt war, leichthin
geschlossen werden, dass die Parteien von einer Pflicht zur Ablieferung der Ret-
rozessionen an die G._ hätten ausgehen müssen.
5.8.4.1. Zwar lagen bereits damals Lehrmeinungen und höchstrichterliche
Hinweise vor, welche vorbehältlich der vertraglichen Wegbedingung die Pflicht
des Vermögensverwalters zur Ablieferung der Retrozessionen vorsahen
(BGE 132 III 460 E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 112 III 90 E. 4e). Indessen war es im
Jahre 2003 nach wie vor Usus, dass die Vermögensverwalter die Retrozessionen
ohne rechtliche Grundlage nicht an ihre Auftraggeber weiterleiteten. Erst im März
2006 fällte das Bundesgericht den Leitentscheid mit einer grundsätzlichen Pflicht
des Vermögensverwalters zur Ablieferung der vereinnahmten Retrozessionen
(BGE 132 III 460). Insofern kann vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aus dem Umstand, dass es unterlassen worden war, hinsichtlich
der Retrozessionen etwas schriftlich zu regeln, nicht leichthin geschlossen wer-
den, dass diese der G._ zustanden. Aus dem Vermögensverwaltungsvertrag
allein kann mithin nicht abschliessend ergründet werden, was zwischen den Par-
teien hinsichtlich der Retrozessionen vereinbart war, wie bereits die Vorinstanz
zutreffend in Betracht zog (Urk. 221 S. 96 ff.). Das von Rechtsanwalt AO._
im Auftrag der G._ erstellte Memo vom 1. Oktober 2007 im Zusammenhang
mit den Retrozessionen beim G._-SMC-Mandat der AK._ AG und der
verschärften höchstrichterlichen Praxis gemäss BGE 132 III 460 (Urk. 1/050301;
Urk. 1/070017 S. 12 ff.) zeigt im Übrigen, dass der Beschuldigte durchaus über
die sich im Zusammenhang mit Retrozessionen stellenden aktuellen Fragen im
Bilde gewesen sein musste.
5.8.4.2. Ein Indiz dafür, dass die AK._ AG dennoch von Beginn weg
dazu verpflichtet war, die eingenommenen Retrozessionen an die G._ wei-
terzuleiten, ergibt sich aus der feststehenden Tatsache, dass gemäss Buchhal-
tung der AK._ AG zunächst sämtliche im Jahre 2003 eingenommenen Ret-
rozessionen bereits an die G._ weitergeleitet worden waren (Urk. 272/1 S. 6,
15 und 22). Für eine mündliche Vereinbarung zwischen dem Beschuldigten und
- 67 -
dem Mitbeschuldigten J._, aufgrund welcher die AK._ AG entgegen ih-
rem angeblichen Anspruch lediglich für die erste Investitionsphase auf die Einbe-
haltung der Retrozessionen hätte verzichten sollen, liegen dagegen keinerlei Hin-
weise vor, was ebenfalls eher dafür spricht, dass im Vermögensverwaltungsver-
trag vom 3. März 2003 ursprünglich einzig ein Fixhonorar als Entschädigung ge-
meint war.
5.8.4.3. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte mit keinem Wort je eine münd-
liche Vereinbarung mit J._ bzw. AL._ erwähnte, aufgrund welcher in Be-
zug auf die Erstinvestitionsphase eine Sonderregelung hätte getroffen worden
sein sollen. Hätte es tatsächlich eine solche Absprache gegeben, so hätte er sich
mit Bestimmtheit auch an eine solche erinnert, zumal dies zu seinem prozessua-
len Vorteil gewesen wäre. Da es aber keine mündliche Abmachung zwischen ihm
und dem Mitbeschuldigten J._ gab, konnte er auch keine solche erwähnen,
respektive auch nicht konsequent bestreiten, dass die AK._ AG aufgrund des
Vermögensverwaltungsvertrages vom 3. März 2003 gar keinen Anspruch auf die
Einbehaltung der Retrozessionen hatte.
5.8.4.4. Etwas weniger deutlich, aber dennoch in die gleiche Richtung zielen
die Aussagen von AL._. Dieser führte im Zusammenhang mit den Retrozes-
sionen aus, die AK._ AG sei für das Small & Mid Caps–Mandat mit einer
Verwaltungsgebühr von 0.5 % pro Jahr entschädigt worden. Auf die Frage, ob es
eine Vereinbarung über die Verwendung der Retrozessionen gegeben habe, er-
klärte er, gehört zu haben, dass diese Teil des umsatzabhängigen Modells gewe-
sen seien. Zwischen der AK._ AG und der G._ habe eine Kombination
von einem fixen und einem umsatzabhängigen Modell bestanden, wobei er gehört
habe, dass dies von den Banken, dem Regierungsrat und der Treuhandfirma gut-
geheissen worden sei. Der Mitbeschuldigte J._ habe ihm gesagt, dies abge-
klärt zu haben, und Rechtsanwalt AO._ habe die Verträge ausgearbeitet. Er
könne nicht sagen, was zwischen der AK._ AG und der G._ zu Beginn
des Vermögensverwaltungsmandates hinsichtlich der Retrozessionen tatsächlich
vereinbart worden sei, die Vertragsverhandlungen hätten immer nur der Mitbe-
schuldigte J._ und Rechtsanwalt AO._ geführt. Beim Small & Mid Caps–
- 68 -
Mandat sei nur eine Jahresgebühr von 0.5 % erwähnt worden. Er habe keine
Kenntnis davon, was nachträglich noch ergänzt worden sei (Urk. 1/077001
S. 11 f.).
5.8.4.4.1. In seiner zweiten Befragung erklärte AL._, mit dem Retrozes-
sionsmodell nicht einverstanden gewesen zu sein und einen zu hohen Wertschrif-
tenumsatz festgestellt zu haben, wobei er dies damals nicht weiter hinterfragt ha-
be (Urk. 1/077002 S. 3 und 7).
5.8.4.4.2. Auch wenn die Aussagen von AL._ wenig konkret sind und er
kaum auf eigene Wahrnehmungen zurückgreifen konnte, was das Gewicht seiner
Aussagen im Vergleich zu denjenigen von J._ schmälert, lassen seine Aus-
sagen immerhin Zweifel daran offen, dass die Retrozessionen durch die
AK._ AG einbehalten werden durften. Hinzu kommt, dass sich seinen Aus-
sagen nicht abschliessend entnehmen lässt, ab welchem Zeitpunkt zwischen der
AK._ AG und der G._ ein umsatzabhängiges Retrozessionsmodell be-
standen haben soll, er aber offensichtlich mit einem solchen nicht einverstanden
war und entsprechende Informationen ohnehin bloss vom direkt involvierten Mit-
beschuldigten J._ erhalten hatte.
5.8.4.5. Auch der damalige Chef der G._, R._, ging, soweit ihm der
Vermögensverwaltungsvertrag zwischen der AK._ AG und der G._ be-
kannt war, klar davon aus, dass allfällige Retrozessionen der G._ zugstan-
den hätten und keine anderslautende Vereinbarung bestanden habe. So machte
er im Zusammenhang mit den Retrozessionsvereinbarungen zwischen der
AK._ AG und den Banken geltend, diese Vereinbarungen seien in Ordnung,
so lange die entsprechenden Retrozessionen an die G._ weitergeleitet wor-
den seien. Diese würden der G._ gehören (Urk. 1/077013 S. 63). Weiter
räumte er ein, er könne nicht mehr beurteilen, ob eine Entschädigung von 0.5 %
auf das verwaltete Vermögen angemessen und marktkonform gewesen sei. Sollte
dies der Fall gewesen sein, bezeichne er die zusätzliche Einbehaltung von Retro-
zessionen als Abzockerei (Urk. 1/077013 S. 68). Auch diese Aussagen liefern ei-
nen weiteren Hinweis dafür, dass eine Einbehaltung der Retrozessionen durch die
AK._ AG ursprünglich nicht vorgesehen war.
- 69 -
5.8.4.6. Das Schreiben des Beschuldigten an den Finanzdirektor im Zusam-
menhang mit der Mandatsvergabe an die AK._ AG vom 21. Juli 2003 liefert
einen weiteren, gewichtigen Hinweis gegen die Darstellung des Mitbeschuldigten
J._. Er machte darin Angaben zu den Kosten der Dienstleistung der
AK._ AG und erläuterte, die Kosten des Verwaltungsmandates bezifferten
sich laut Vertrag auf 0.5 % des durchschnittlich investierten Kapitals, abzüglich
der Retrozessionen zugunsten der G._ (Urk. 1/050067 S. 4). Darauf ange-
sprochen, erklärte Zeuge AF._, eine Management Fee von 0.5 % sei damals
üblich gewesen, und wenn die Retrozessionen davon in Abzug gebracht worden
seien, dann sei dies korrekt. Er sehe keine Doppelbezahlung, da laut Antrag des
Beschuldigten eine Gebühr von 0.5 % abzüglich der Retrozessionen als Entschä-
digung abgemacht gewesen sei (Urk. 1/077003 S. 28 f.). Auch diesem Schreiben
des Beschuldigten lässt sich letztlich nichts anderes entnehmen, als dass die Ent-
schädigung der AK._ AG ursprünglich nur in einer Gebühr bestand und die
von der AK._ AG vereinnahmten Retrozessionen davon in Abzug zu bringen
waren.
5.8.4.7. Der Umstand, dass der Beschuldigte zur Genehmigung des Antra-
ges der AK._ AG vom 10. Februar 2004 die notwendige Zweitunterschrift
nicht beim damaligen Chef der G._, R._, sondern bei seiner Assistentin
und Halbschwester des Mitbeschuldigten J._, U._, eingeholt hatte, stellt
ebenfalls ein gewichtiges Indiz dafür dar, dass es sich auch aus seiner Sicht bei
diesem Vorhaben um eine delikate Angelegenheit handelte. Aus den glaubhaften
Aussagen von U._ geht plausibel hervor, dass sie sich der Tragweite des-
sen, was genau sie unterzeichnet hatte, nicht bewusst war und sich im Nach-
hinein auch nicht mehr erklären konnte, weshalb sie damals anstelle des zustän-
digen zweiten Unterschriftsberechtigen den Antrag unterzeichnet hatte
(Urk. 1/061117 S. 6 f.). Ausserdem stellte sich auch der damalige Chef der
G._, R._, klar auf den Standpunkt, dass U._ nicht dazu legitimiert
war, einen Verzicht auf Retrozessionen zu unterzeichnen (Urk. 1/077013 S. 66).
Insofern deutet auch dieses äusserst ungewöhnliche und verdächtige Vorgehen
des Beschuldigten bei der Genehmigung des teilweisen Verzichts auf Retrozessi-
- 70 -
onen darauf hin, dass bis zu diesem Zeitpunkt eine Ablieferungspflicht der
AK._ AG bestanden hatte.
5.8.4.8. Das äusserst ungewöhnliche Vorgehen des Beschuldigten bei der
Genehmigung dieses Verzichts erweckt angesichts des Umstandes, dass eine
Einbehaltung von 75 % der eingenommenen Retrozessionen offensichtlich nicht
angemessen und keinesfalls im Interesse der G._ war, fraglos den starken
Eindruck, er habe sich die fehlenden Sach- und Detailkenntnisse seiner Assisten-
tin zu Nutze gemacht und die notwendige Zweitunterschrift bei ihr eingeholt, in der
sicheren Erwartung und Annahme, sie werde entweder die Tragweite und weitrei-
chende Auswirkung ihrer Zweitunterschrift nicht überblicken und höchstwahr-
scheinlich nach der Erstunterschrift ihres Vorgesetzten sowie aufgrund ihrer na-
hen Verwandtschaft zum Mitbeschuldigten J._ aus Gründen des Vertrauens
ohnehin nicht kritisch hinterfragen, wie U._ bei der Polizei im Übrigen auch
bestätigte (Urk. 1/061117 S. 6). Wäre die AK._ AG von Beginn weg berech-
tigt gewesen, die Retrozessionen einzubehalten, hätte keinerlei Grund für ein
solch aussergewöhnliches und verdächtiges Manöver des Beschuldigten bei der
Genehmigung des Verzichts auf dieselben bestanden.
5.8.4.8.1. Zur Illustration der näheren Umstände der Einstellung der Halb-
schwester von J._ bei der G._ dienen die Aussagen des Mitbeschuldig-
ten J._ selber, wonach der Beschuldigte eine Assistentin gesucht und ihn ge-
fragt habe, ob er jemanden kenne. Im Gespräch seien sie dann irgendwie auf sei-
ne Halbschwester gekommen. Dann habe er zum Beschuldigten gesagt, er könne
sie ja mal fragen, da sie damals im Wertschriftenbereich bei der AU._ tätig
gewesen sei (Urk. 1/063102 S. 21, Vorhalt 103 ff.). Daraus erhellt, dass der Be-
schuldigte U._ mit anderen Worten auf Vorschlag des Mitbeschuldigten
J._ bei der G._ als seine Assistentin eingestellt hatte (Urk. 1/062034
S. 11, Vorhalt 42 ff.).
5.8.4.8.2. U._ hatte laut ihren eigenen Angaben anlässlich ihrer polizei-
lichen Befragung vom 8. September 2010 von 1994 bis zur Geburt ihres ersten
Sohnes 2004 als Assistentin des Beschuldigten für die G._ gearbeitet. Ur-
sprünglich verfügte sie über eine Ausbildung als Coiffeurin und Visagistin. Danach
- 71 -
war sie als Datentypistin bei der AU._ beim Börsenhandel tätig. Anschlies-
send arbeitete sie als Assistentin des Produktionsleiters für die Firma AW._
(Wasseraufbereitung) in ... [Ort], bevor sie zur N._ wechselte. Auf diese Stel-
le sei sie durch ihren Halbbruder, den Mitbeschuldigten J._, aufmerksam
gemacht worden. Ihr Vorgesetzter sei A._ gewesen. Sie habe dort alles Ad-
ministrative erledigt und über eine Kollektivzeichnungsberechtigung verfügt. Der
Beschuldigte habe jeweils zusammen mit ihr unterzeichnet. Sie habe generell
ganz wenige Dokumente, welche man an einer Hand abzählen könne, mitunter-
zeichnet (Urk. 1/061117 S. 1 ff.). Der Beschuldigte hat diese Aussagen im We-
sentlichen bestätigt (Urk. 1/062034 S. 11, Vorhalt 47 ff.; Prot. II S. 65 f.). Es
spricht äusserst wenig für einen Zufall, dass er ausgerechnet die hier interessie-
renden bedeutenden Dokumente durch U._ mitunterzeichnen liess.
5.8.4.9. Ein unauflösbarer Widerspruch findet sich in der Begründung des
Mitbeschuldigten J._ für die künftige Einbehaltung der Retrozessionen.
Wenn seiner AK._ AG tatsächlich von Beginn weg zusätzlich zur vertraglich
vereinbarten Managementgebühr auch noch die Retrozessionen zugstanden hät-
ten, sie aber gestützt auf eine angebliche, mündliche Vereinbarung in der An-
fangsphase lediglich auf solche verzichtet hätte (Urk. 106/1 S. 9 f.), ergibt seine
Begründung, wonach die Mandatsführung einen massiv überhöhten Aufwand
verursacht habe, nicht den geringsten Sinn, zumal er einen solchen nicht geltend
zu machen gebraucht hätte, wenn er von Beginn weg der Überzeugung gewesen
wäre, die Retrozession ohnehin und in jedem Fall einbehalten zu dürfen.
5.8.4.10. Der Beschuldigte und seine Verteidiger wandten im Berufungsver-
fahren ergänzend ein, die AK._ AG habe für die G._ zusätzliche Son-
derleistungen erbracht. Dies sei im Zusammenhang mit den Retrozessionen in die
Waagschale zu werfen (Urk. 88 S. 17; Prot. II S. 64, S. 96). Dem ist entgegenzu-
halten, dass der G._ zumindest im Zusammenhang mit der von der
AK._ AG durchgeführten Analyse der Beteiligungsgesellschaft BA._ AG
und dem Studienauftrag über die Anlagen in Commodities Aufwendungen separat
in Rechnung gestellt wurden, womit die Einbehaltung von Retrozessionen nicht
mit einer Abgeltung dieser Aufwendungen begründet werden kann. Der Ertrag der
- 72 -
AK._ AG im Zusammenhang mit diesen Zusatzaufträgen ergibt sich zudem
auch aus dem Bericht des Wirtschaftsprüfers der Staatsanwaltschaft III des Kan-
tons Zürich vom 23. Mai 2011 (insbes. Urk. 1/040005 S. 1 f.). Es kann daher kei-
ne Rede davon sein, dass diese Zusatzaufträge durch die Einbehaltung der Ret-
rozessionen vergütet worden wären. Von der AK._ AG erbrachte Zusatzleis-
tungen haben mit den Retrozessionen, welche durch das SMC-Mandat anfielen,
nichts zu tun. Weitere Sonderleistungen der AK._ AG für die G._ wur-
den vom Beschuldigten nicht geltend gemacht und ergeben sich auch nicht aus
den Akten.
5.8.5. Das Dargelegte lässt demzufolge keinen anderen Schluss zu, als
dass die AK._ AG aufgrund des Vermögensverwaltungsvertrages mit der
G._ vom 3. März 2003 zur Weiterleitung der vereinnahmten Retrozessionen
verpflichtet war. Die gegenteilige Darstellung des Mitbeschuldigten J._, wo-
nach die Retrozessionen in einer ersten Phase bloss aufgrund einer mündlichen
Abmachung mit dem Beschuldigten an die G._ weitergeleitet worden seien
und sie mit dem Antrag vom 10. Februar 2004 lediglich hätten festhalten wollen,
dass diese erste Phase nun abgeschlossen sei, erweist sich in Anbetracht der
aufgeführten Indizien und Beweismittel als unglaubhafte, nachgeschobene
Schutzbehauptung, auf welche nicht abgestellt werden kann.
Der unter den Anklageziffern 48 – 57 dem Beschuldigten zur Last gelegte
Sachverhalt erweist sich als erstellt.
5.9. Der Beschuldigte bestritt bislang konsequent, dass er durch den von
ihm genehmigten Verzicht der G._ zugunsten der AK._ AG auf Abliefe-
rung der Retrozessionen bei der G._ einen Schaden in der Höhe von
Fr. 2'272'000.– verursacht habe (vorstehend, Erw. II.5.3.), anerkannte diesen Be-
trag anlässlich der Berufungsverhandlung nunmehr aber erstmals (Prot. II S. 66).
5.9.1. Der Schaden der G._ lässt sich anhand der Untersuchungsbele-
ge und der als Beweismittel erhobenen Buchhaltungsunterlagen der AK._
AG ermitteln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass keinerlei Anzeichen dafür beste-
hen und auch von keiner Seite geltend gemacht wurde, dass die Buchhaltung der
- 73 -
AK._ AG nicht korrekt geführt worden sein könnte, weshalb auf diese abzu-
stellen ist.
5.9.2. Nachfolgender Tabelle ist unter Hinweis auf die entsprechenden Be-
lege zu entnehmen, in welcher Höhe die beteiligten Banken in der relevanten Zeit
(1. Januar 2004 bis 30. Juni 2007) Retrozessionszahlungen an die AK._ AG
geleistet haben:
AQ._ inkl. MwSt MwSt exkl. MwSt Beleg 1 Q 2004 Fr. 49'747.95 Fr. 3'513.80 Fr. 46'234.15 272/5 S. 2 2 Q 2004 Fr. 4'392.40 Fr. 310.24 Fr. 4'082.16 272/6 S. 1 3 Q 2004 Fr. 44'586.10 Fr. 3'149.21 Fr. 41'436.89 272/6 S. 1 4 Q 2004 Fr. 25'539.70 Fr. 1'803.92 Fr. 23'735.78 272/6 S. 2
- 74 -
1 Q 2005 Fr. 25'487.05 Fr. 1'800.20 Fr. 23'686.85 272/6 S. 2 2 Q 2005 Fr. 1'827.70 Fr. 129.09 Fr. 1'698.61 272/7 S. 1 3 Q 2005 Fr. 11'338.45 Fr. 800.86 Fr. 10'537.59 272/7 S. 1 4 Q 2005 Fr. 6'340.90 Fr. 447.87 Fr. 5'893.03 272/7 S. 1
1 Q 2006
2 Q 2006
3 Q 2006 Fr. 43'575.70 Fr. 3'077.84 Fr. 40'497.86 050219 S. 2; 272/8 4 Q 2006 Fr. 14'259.70 Fr. 1'007.19 Fr. 13'252.51 050219 S. 2; 272/8
1 Q 2007 Fr. 31'710.80 Fr. 2'239.80 Fr. 29'471.00 050219 S. 3; 272/8 2 Q 2007 Fr. 9'615.60 Fr. 679.17 Fr. 8'936.43 050219 S. 3; 272/8
Total Fr. 268'422.05 Fr. 18'989.19 Fr. 249'462.86
AS._ inkl. MwSt MwSt exkl. MwSt Beleg 1 Q 2004 Fr. 66'355.88 Fr. 4'686.85 Fr. 61'669.03 18400062 2 Q 2004
18400062
3 Q 2004 Fr. 49'025.00 Fr. 3'462.73 Fr. 45'562.27 18400062 4 Q 2004 Fr. 44'102.70 Fr. 3'115.06 Fr. 40'987.64 18400062
1 Q 2005 Fr. 91'076.95 Fr. 6'432.95 Fr. 84'644.00 18400062 2 Q 2005 Fr. 92'280.50 Fr. 6'517.96 Fr. 85'762.54 18400062 3 Q 2005 Fr. 121'979.28 Fr. 8'615.64 Fr. 113'363.64 18400062
4 Q 2005 Fr. 100'298.60 Fr. 7'084.29 Fr. 93'214.31 18400062 1 Q 2006 Fr. 150'435.00 Fr. 10'625.52 Fr. 139'809.48 18400062
2 Q 2006 Fr. 94'519.15 Fr. 6'676.08 Fr. 87'843.07 18400062 3 Q 2006 Fr. 138'935.90 Fr. 9'813.32 Fr. 129'122.58 050219; 18400062 4 Q 2006 Fr. 227'349.65 Fr. 16'058.16 Fr. 211'291.49 050219; 18400062
1 Q 2007 Fr. 376'310.78 Fr. 26'579.58 Fr. 349'731.20 050219; 18400062 2 Q 2007 Fr. 262'021.69 Fr. 18'507.12 Fr. 243'514.57 050219; 18400062
Total Fr. 1'814'691.08 Fr. 128'175.26 Fr. 1'686'515.82
AR._ inkl. MwSt MwSt exkl. MwSt Beleg
1 Q 2004 Fr. 19'032.85 Fr. 1'344.33 Fr. 17'688.52 16200421; 16200428
2 Q 2004 Fr. 10'205.65 Fr. 720.85 Fr. 9'484.80 16200423; 16200429
3 Q 2004 Fr. 20'228.35 Fr. 1'428.77 Fr. 18'799.58 16200424; 16200430
4 Q 2004 Fr. 14'121.90 Fr. 997.46 Fr. 13'124.44 16200426; 16200433
1 Q 2005 Fr. 30'915.45 Fr. 2'183.62 Fr. 28'731.83 16200436; 16200444
2 Q 2005 Fr. 4'985.70 Fr. 352.15 Fr. 4'633.55 16200438; 16200445
3 Q 2005 Fr. 2'042.55 Fr. 144.27 Fr. 1'898.28 16200440; 16200446
4 Q 2005 Fr. 4'344.50 Fr. 306.86 Fr. 4'037.64 16200442; 16200449
1 Q 2006 Fr. 56'045.95 Fr. 3'958.64 Fr. 52'087.31 16200452; 16200458
2 Q 2006 Fr. 691.40 Fr. 48.83 Fr. 642.57 16200454; 16200460
3 Q 2006 Fr. 15'256.40 Fr. 1'077.59 Fr. 14'178.81 16200456; 16200461
4 Q 2006 Fr. 3'757.45 Fr. 265.40 Fr. 3'492.05 16200457; 16200464
1 Q 2007
2 Q 2007
Total Fr. 181'628.15 Fr. 12'828.76 Fr. 168'799.39
AT._ inkl. MwSt MwSt exkl. MwSt Beleg
- 75 -
1 Q 2004 Fr. 62'855.10 Fr. 4'439.58 Fr. 58'415.52 16100395; 16100671
2 Q 2004 3 Q 2004 Fr. 63'655.10 Fr. 4'496.09 Fr. 59'159.01 16100401; 16100677
4 Q 2004 Fr. 52'061.20 Fr. 3'677.19 Fr. 48'384.01 16100403; 16100680
1 Q 2005 Fr. 109'591.70 Fr. 7'740.68 Fr. 101'851.02 16100415; 16100699 2 Q 2005 Fr. 11'143.10 Fr. 787.06 Fr. 10'356.04 16100417; 16100701
3 Q 2005 Fr. 36'471.00 Fr. 2'576.02 Fr. 33'894.98 16100426; 16100703
4 Q 2005 Fr. 22'525.00 Fr. 1'590.99 Fr. 20'934.01 16100433; 16100710
1 Q 2006 Fr. 140'356.70 Fr. 9'913.67 Fr. 130'443.03 16100449; 16100763
2 Q 2006 3 Q 2006 Fr. 14'830.50 Fr. 1'047.51 Fr. 13'782.99 16100456; 16100768
4 Q 2006 Fr. 17'536.65 Fr. 1'238.65 Fr. 16'298.00 16100459; 16100771
1 Q 2007
2 Q 2007 Fr. 26'189.80 Fr. 1'849.84 Fr. 24'339.96 16100461; 16100804
Total Fr. 557'215.85 Fr. 39'357.27 Fr. 517'858.58
Dies ergibt zusammengefasst folgende jährlichen Einnahmen der AK._
AG (exkl. MwSt) aus den Retrozessionen:
Jahr AQ._ AS._ AR._ AT._ Total / Jahr 2004 Fr. 115'488.98 Fr. 148'218.94 Fr. 59'097.35 Fr. 165'958.54 Fr. 488'763.81 2005 Fr. 41'816.08 Fr. 376'984.50 Fr. 39'301.30 Fr. 167'036.05 Fr. 625'137.93
2006 Fr. 53'750.37 Fr. 568'066.62 Fr. 70'400.74 Fr. 160'524.02 Fr. 852'741.75 2007 Fr. 38'407.43 Fr. 593'245.77 Fr. 0.00 Fr. 24'339.96 Fr. 655'993.17
 Fr. 249'462.86 Fr. 1'686'515.82 Fr. 168'799.39 Fr. 517'858.58 Fr. 2'622'636.65
5.9.3. Weiter ist nachstehender Tabelle unter Hinweis auf die entsprechen-
den Belege zu entnehmen, in welcher Höhe die AK._ AG Retrozessionsein-
nahmen an die G._ weitergeleitet hat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im
Jahre 2007 keine Weiterleitung von Retrozessionen an die G._ mehr erfolg-
te:
Betrag Beleg Total pro Jahr
1 Q 2004 Fr. 46'001.80 272/1 S. 28 2 Q 2004 Fr. 3'391.75 272/2 S. 3 3 Q 2004 Fr. 41'239.45 272/2 S. 7 4 Q 2004 Fr. 31'558.00 272/2 S. 19 Fr. 122'191.00
1 Q 2005 Fr. 59'728.45 272/2 S. 28; 050277 2 Q 2005 Fr. 21'308.65 272/3 S. 1 3 Q 2005 Fr. 39'918.95 272/3 S. 12 4 Q 2005 Fr. 31'708.00 272/3 S. 22 Fr. 152'664.05
- 76 -
1 Q 2006
2 Q 2006 3 Q 2006 4 Q 2006 Fr. 0.00
1 Q 2007 2 Q 2007 Fr. 0.00
Total
Fr. 274'855.05
5.9.4. Der Schaden berechnet sich somit wie folgt:
Einnahmen AK._ exkl.
MwSt Weiterleitung an G._ Schaden
2004 Fr. 488'763.81 Fr. 122'191.00 Fr. 366'572.81
2005 Fr. 625'137.93 Fr. 152'664.05 Fr. 472'473.88
2006 Fr. 852'741.75 Fr. 0.00 Fr. 852'741.75
2007 Fr. 655'993.17 Fr. 0.00 Fr. 655'993.17
Total Fr. 2'622'636.65 Fr. 274'855.05 Fr. 2'347'781.60
Demnach ist der G._ in der Zeit vom 1. Januar 2004 bis zum 30. Juni
2007 insgesamt ein Schaden in der Höhe von Fr. 2'347'781.60 erwachsen und
erstellt.
5.9.5. Da aufgrund des Anklageprinzips im Sinne von Art. 9 Abs. 1 StPO
dem Beschuldigten nur zur Last gelegt werden kann, was ihm in der Anklage vor-
geworfen wird, ist vom eingeklagten Schaden von Fr. 2'272'011.– auszugehen.
5.9.6. Der subjektive Sachverhalt, wonach der Beschuldigte wissentlich und
willentlich auf die der G._ zustehenden Retrozessionen verzichtete, um dem
Mitbeschuldigten J._, respektive dessen AK._ AG dadurch einen un-
rechtmässigen Vermögensvorteil zu verschaffen und der G._ gleichzeitig er-
hebliche Einnahmen entgingen und er einen entsprechenden Vermögensschaden
von mindestens Fr. 2'272'000.– bei dieser zumindest in Kauf genommen habe
(Urk. 2 S. 28, Anklageziffer 59), betrifft innere Vorgänge, für deren Nachweis sich
das Gericht regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Umstände, Indizien und
auf Erfahrungsregeln stützen kann, welche Rückschlüsse auf die innere Einstel-
lung des Täters erlauben (statt vieler BGE 135 IV 12 E. 2.3.3 m.w.H.).
- 77 -
5.9.7. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwogen hat (Urk. 221 S. 101 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO), zeigt schon der Inhalt des Schreibens des Beschuldigten an
den Finanzdirektor im Zusammenhang mit der Mandatsvergabe an die AK._
AG vom 21. Juli 2003, dass er bereits damals genau wusste, dass sich die Kosten
des Verwaltungsmandates laut Vertrag auf 0.5 % des durchschnittlich investierten
Kapitals, abzüglich der Retrozessionen zugunsten der G._ bezifferten
(Urk. 1/050067 S. 4), weshalb die AK._ AG nicht auch noch zusätzlich An-
spruch auf die Retrozessionen haben konnte (vgl. vorstehend, Erw. II.5.8.4.6.).
5.9.8. Ausserdem lassen auch seine weitreichenden Zugeständnisse, wo-
nach beim Small & Mid Cap-Mandat gemäss Vertrag nur eine fixe Gebühr vorge-
sehen gewesen sei und die AK._ AG die Retrozessionen an die G._
hätte weiterleiten müssen (Urk. 1/062034 S. 17; Urk. 1/062049 S. 41, Vorhalt 64),
keinen anderen Schluss zu, als dass der Beschuldigte mit uneingeschränktem
Wissen über die Tragweite zugunsten der AK._ AG, welche seinem Studien-
freund, dem Mitbeschuldigten J._ gehörte, auf diese Retrozessionen verzich-
tete und der G._ dadurch erhebliche, ihr zustehende Einnahmen entgehen
liess. Demzufolge hat der Beschuldigte den entsprechenden Vermögensschaden
auf der Seite der G._ von mindestens Fr. 2'272'011.– fraglos in Kauf ge-
nommen. Unter diesem Blickwinkel lässt sich seine Aussage, stets der Überzeu-
gung gewesen zu sein, dass die Retrozessionsvereinbarungen im Hinblick auf
den Dienstleistungsumfang korrekt gewesen sei (act. 1/062049 Vorhalt 63), nur
als weitere hilflose Beteuerung qualifizieren. Ebenso verhält es sich mit der im Be-
rufungsverfahren geltend gemachten Unsorgfalt und Naivität, mit der er im Zu-
sammenhang mit den Retrozessionen zu Werke gegangen sein will (Prot. II S. 67;
Urk. 299 S. 82).
5.9.9. Dass das Entgehen der entsprechenden Einnahmen mit dem vom Be-
schuldigten genehmigten Verzicht auf die Retrozessionen zugunsten der
AK._ AG in unmittelbarem Zusammenhang mit dem entsprechenden, bei der
G._ dadurch eingetretenen Vermögensschaden in nämlicher Höhe steht, ist
offenkundig und bedarf keiner weitergehenden Erörterung. Die Bestreitung dieses
Kausalzusammenhanges durch den Beschuldigten erweist sich als völlig unbehel-
- 78 -
flich und entbehrt angesichts seiner bereits mehrfach erwähnten, im selben Zu-
sammenhang gemachten Zugeständnisse jeder Plausibilität.
5.10. Der Beschuldigte besteht weiterhin konsequent darauf, nicht auf den
Mitbeschuldigten J._ eingewirkt zu haben, um finanzielle Vorteile von diesem
zu erhalten.
5.10.1. Die Tatsache, dass er zugunsten der AK._ AG, respektive zu-
gunsten von J._ auf diese ansehnlichen Einnahmen der G._ verzichtete
(vorstehend, Erw. II.5.9. ff.), widerlegt seine Bestreitung bereits bis zu einem ge-
wissen Grad.
5.10.2. Aus den in diesem Kontext gemachten, glaubhaften Aussagen des
Mitbeschuldigten J._ geht hervor, dass der Beschuldigte ihm gegenüber da-
mals immer wieder durchblicken liess, Geld zu benötigen, da es dem Beschuldig-
ten zu jener Zeit finanziell nicht gut gegangen sei. Dies sei ihm, J._, im Zu-
sammenhang mit dem Darlehen aufgefallen. Im Jahre 2005 habe der Beschuldig-
te ihn für die bekannte Kreditvergabe angefragt. Im Widerspruch dazu machte
J._ dann aber auch im Kontext völlig unglaubhaft geltend, der Beschuldigte
habe ihm nie Andeutungen gemacht, Geld von ihm anzunehmen. Für die Über-
weisungen nach Frankreich hatte der Beschuldigte ihm angeblich aber immerhin
seine Kontoverbindung angeben müssen (Urk. 1/063104 S. 5 ff., Vorhalt 29, 33
und 100 ff., 112; Urk. 1/063117 S. 25, Vorhalt 51; Urk. 1/070005 S. 4, 6 f., Vor-
halt 22).
5.10.3. Daraus ergibt sich, dass der Beschuldigte zwar durchaus gejammert
hatte, dies aber angeblich weiter zurücklag, als die Bargeldübergaben. Es bestä-
tigt ausserdem seine Aussage, den Mitbeschuldigten J._ nicht nach Geld ge-
fragt zu haben. Indessen lässt sich entgegen der Auffassung der Vorinstanz, wel-
che den Beteuerungen des Beschuldigten an dieser Stelle Glauben schenkte
(Urk. 221 S. 105 f.), aus den Aussagen von J._ entnehmen, dass er diesem
durch stetes Einfliessen lassen entsprechender Informationen und Bemerkungen,
wie er dies auch bereits beim Mitbeschuldigten I._ und bei C._ zu tun
pflegte, beiläufig und konkludent zu verstehen gab, dass er solches erwarte. Die-
- 79 -
ses Gejammer war dem Beschuldigten mithin alles andere als wesensfremd, wie
sich aus den in die selbe Richtung weisenden Aussagen seiner weiteren Ge-
schäftspartner unschwer ergibt (vorstehend, Erw. II.4.7.2. f.).
Auch dieser Anklagevorwurf (Urk. 2 S. 29, Anklageziffer V.61.) erweist sich
somit – entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 221 S. 105 f.) – wenigstens
insoweit als erstellt, als der Beschuldigte gegenüber dem Mitbeschuldigten
J._ sich über finanzielle Probleme und zu wenig Geld beklagte.
5.11. Beim von der AK._ AG in Anspruch genommenen Darlehen in der
Höhe von Fr. 130'000.– stellt der Beschuldigte weiterhin in Abrede, dadurch einen
finanziellen Vorteil erlangt zu haben (Prot. II S. 70 ff.).
5.11.1. Der vom gemeinsamen Freund aus der Studienzeit (Urk. 1/070017
S. 5), Rechtsanwalt Dr. AO._, aufgesetzte Darlehensvertrag der AK._
AG datiert vom 14. Juli 2005 (Urk. 1/050011; Urk. 1/050044 ff. dazu u.a. auch
Urk. 1/062044 S. 7).
5.11.2. Zu den Konditionen des Darlehens erklärte der Mitbeschuldigte
J._, dass die AK._ AG beispielsweise keine Sicherheiten von Beschul-
digten verlangt habe. Auch er bestritt die Vorteilhaftigkeit des Darlehens mit der
Begründung, es sei ein marktkonformer Zinssatz festgesetzt worden. Da es sich
um ein Darlehen unter Freunden gehandelt habe, sei es nicht notwendig gewe-
sen, Sicherheiten zu verlangen (Urk. 1/063101 S. 13 ff.; Urk. 1/063102 S. 9 ff.;
Urk. 1/063117 S. 26).
5.11.3. Der Beschuldigte hatte demgegenüber ausgesagt, er habe nicht über
genügend Sicherheiten verfügt und der Zins bei der AU._ sei wesentlich hö-
her gewesen. Die Erhöhung der bestehenden Hypothekarschuld beim BB._
hätte überdies des Abschlusses einer Todesfallversicherung bedurft. Die Diskus-
sionen hätten sich daher endlos hingezogen, währenddessen der Notariatstermin
für September 2005 bereits festgestanden habe. Der Beschuldigte hatte m.a.W.
zunächst eingeräumt, dass das Darlehen der AK._ AG für ihn vorteilhaft war,
da er dadurch schnell und effizient zu Geld kam. Anlässlich der Schlusseinver-
- 80 -
nahme bestritt er zwar den finanziellen Vorteil des Darlehens, anerkannte indes-
sen, dass die Darlehensgewährung ihm ermöglicht habe, den Kauf des Anteils
von T._ an der Liegenschaft in Frankreich möglichst schnell über die Bühne
zu bringen (Urk. 1/062002, Vorhalt 76 ff., 81 f.; Urk. 1/062049 S. 47).
5.11.4. In seinem E-Mail an den Mitbeschuldigten J._ vom 14. Juli 2005
hielt der Beschuldigte überdies unter anderem fest, dass er einer allfälligen Mel-
depflicht im vorliegenden Zusammenhang bewusst nicht nachkommen würde
(Urk. 1/050042 f.; Urk. 1/063101 S. 18, Vorhalt 106). Aus einem weiteren E-Mail
von Rechtsanwalt Dr. AO._ an den Beschuldigten und den Mitbeschuldigten
J._ vom 11. Juli 2005 ist ersichtlich, dass AO._ wenige Tage zuvor die
Bedingungen des Darlehens als nicht "at market" bezeichnet hatte und ausdrück-
lich und unmissverständlich auf die problematische Wirkung dieses Darlehens auf
die Unabhängigkeit des Beschuldigten bei der Vergabe von Aufträgen der
G._ an die AK._ AG und obendrein ebenso ausdrücklich auf die diesbe-
zügliche Melde- oder gar Genehmigungspflicht des Beschuldigten bei der
G._ hingewiesen hatte (Urk. 1/050041 ff.).
5.11.5. Der Sachverhalt im Zusammenhang mit der Darlehensgewährung
(Urk. 2 S. 30, Anklageziffer V.63.) ist nach dem Dargelegten ohne Weiteres er-
stellt. Ob die Gewährung des Darlehens durch die AK._ AG einen nicht ge-
bührenden Vorteil (im Sinne von Art. 322quater StGB) darstellt, bleibt im Rahmen
der rechtlichen Würdigung zu beurteilen (Erw. III.3.7.4.2. ff.).
5.12. Das Wissen des Beschuldigten um die Pflichtwidrigkeit seines Vorge-
hens und seiner Handlungen ergibt sich auch beim Anklagevorwurf im Zusam-
menhang mit dem Mitbeschuldigten J._ und der AK._ AG aus den
äusseren Umständen und teilweise auch aus den eigenen Aussagen des Be-
schuldigten.
5.12.1. Dass er offenkundig ausreichend sensibilisiert war über seine Befug-
nisse im Umgang mit unentgeltlichen Zuwendungen im Zusammenhang mit sei-
ner amtlichen Tätigkeit, wurde bereits hinlänglich dargelegt (vgl. vorstehend,
Erw. II.4.8.3. f.; nachstehend, Erw. III.3.6.6.).
- 81 -
5.12.2. Ebenso wurde sein vorhandenes Wissen darum, dass die Genehmi-
gung des Verzichts auf die Retrozessionen nicht mit seinen Amtspflichten in Ein-
klang stehen konnten, bereits eingehend erörtert (Erw. II.5.9.6. ff.).
5.12.3. Überdies hatte der Beschuldigte bereits selber teilweise eingeräumt,
dass die entsprechende Ausübung seines Ermessens durch die regelmässig vom
Mitbeschuldigten J._ gewährten, von ihm angenommenen wirtschaftlichen
Vorteile derart beeinflusst war, dass seine Handlungen nicht mehr unparteiisch
und unbefangen erfolgen konnten (vorstehend, Erw. II.5.1.1.; Urk. 1/062037 S. 9
Vorhalt 41; Urk. 1/062047 S. 3 f.; Urk. 77 S. 33, 36; Urk. 1/070018 S. 36 f.).
5.12.4. Demzufolge erweist sich auch der subjektive Sachverhalt (Urk. 2
S. 31, Anklageziffer V.65.) als vollumfänglich erstellt.
6. Im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten K._, welcher vom
1. Januar 2002 bis 30. April 2006 Investment-Controller bei der Q._ gewesen
sei, und den der Beschuldigte spätestens im Jahre 2005 anlässlich eines gemein-
samen Treffens mit BC._, damaliger Vorgesetzter von K._ und Man-
datsverantwortlicher für die G._, kennengelernt habe, worauf sich eine kolle-
giale Beziehung zwischen ihnen entwickelt habe, wird dem Beschuldigten zu-
sammengefasst im Wesentlichen vorgeworfen (Urk. 2 S. 33 ff., Anklagezif-
fern VI.66.–85.), er habe den Mitbeschuldigten K._ im Hinblick auf die ge-
plante Aufnahme einer Geschäftsbeziehung zwischen der BD._ AG
(BD._) und der G._ im Januar 2006 die vertrauliche Offerte der
BE._ AG (BE._) und den Beratungsvertrag zwischen dieser Gesell-
schaft und der G._ zukommenlassen. Damit habe er wissentlich und willent-
lich geheime Informationen offenbart, bezüglich welcher er zur Verschwiegenheit
verpflichtet gewesen wäre. Zudem habe der Beschuldigte namens der G._
der BD._ diverse Aufträge erteilt bzw. mit der BD._ diverse Verträge
abgeschlossen und dabei verschiedentlich pflichtwidrig gehandelt. Diese Ge-
schäftsbeziehung habe der BD._ zu grossem geschäftlichem Erfolg verhol-
fen, aber auch zu einer wirtschaftlichen Abhängigkeit von der G._ geführt.
Mit der Zeit sei die BD._ vermehrt in die Kritik geraten, weshalb der Beschul-
digte die Q._ ab Mai 2008 darum gebeten habe, ihm die von ihr zu erstellen-
- 82 -
den Monats- und Jahresberichte im Entwurf zukommen zu lassen, und in der Fol-
ge zu Gunsten der BD._ Korrekturen anzubringen. Überdies habe der Be-
schuldigte die Geschäftsbeziehung zwischen der G._ und der BD._ un-
ter Verwendung falscher Angaben verteidigt, womit er diverse Bestimmungen ver-
letzt und pflichtwidrig gehandelt habe.
Im November 2007 habe er sich und seine Familie von K._ zu Ferien in
Mallorca einladen lassen und zwei Mal Golfgutscheine im Betrage von Fr. 2'000.–
und Fr. 3'000.– vom Mitbeschuldigten K._ angenommen.
Im Hinblick auf seine Pensionierung sei ihm vom Mitbeschuldigten K._
ein Konto mit Fr. 120'000.– bzw. Fr. 300'000.– in Aussicht gestellt worden, wobei
dem Beschuldigten bewusst gewesen sei, dass es sich um ihm nicht gebührende,
unentgeltliche Zuwendungen für die Bevorzugung der BD._ gegenüber ande-
ren Finanzdienstleistern sowie Gegenleistungen für vergangene und/oder zukünf-
tige Geschäftsentscheidungen der G._ zu Gunsten der BD._ gehandelt
habe, und seine Entscheide pflichtwidrig oder in seinem Ermessen und durch die
Vorteile beeinflusst gewesen seien.
6.1. Vom Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Anklagevorwurf ge-
mäss Ziffer 69 bestritten geblieben ist, dass er sich bewusst gewesen sei, sich
durch das Aushändigen der Offerten der BE._ AG (BE._) vom 30. Okto-
ber 2003 und des Beratungsvertrages vom 26. November 2003 an den Mitbe-
schuldigten K._ vorsätzlich einer Amtsgeheimnisverletzung schuldig gemacht
zu haben (Urk. 1/062049 S. 52; Urk. 77 S. 37; Prot. II S. 76 f.), mithin der subjek-
tive Sachverhalt. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 221 S. 114 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO). Aufgrund der von den Vorderrichtern aufgeführten Umstände bestehen
keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte entgegen seiner Darstellung wusste,
dass es sich um geheime Dokumente handelte und er diesbezüglich zur Ver-
schwiegenheit verpflichtet war. Der Sachverhalt ist ohne Weiteres erstellt. Dies
ergibt sich insbesondere aus dem Schreiben des Beschuldigten an K._ vom
25. Januar 2006 mit dem Inhalt: "Lieber ... [K._] in der Beilage sende ich Dir
wie versprochen die Offerte bzw. den Beratungsvertrag der BE._ vom No-
- 83 -
vember 2003 mit der Bitte um vertrauliche Kenntnisnahme!" samt Beilagen mit der
Klassifizierung "Vertraulich" (Urk. 1/055177; Urk. 1/055177.1-2).
6.2. Bezüglich der an die BD._ erteilten Aufträge und der mit der
BD._ abgeschlossenen Verträge gemäss den Anklageziffern 70 bis 72 blieb
vom Beschuldigten lediglich bestritten, dass die Mandatsvergaben aus den unter
Anklageziffer 73 aufgeführten Gründen pflichtwidrig zustande gekommen seien
(Urk. 1/062049 S. 53-55; Urk. 77 S. 37; Prot. II S. 77 f.).
6.2.1. Die Vorinstanz erachtet die unter Ziffer 73 der Anklageschrift  Vorgehensweise des Beschuldigten weitgehend als erstellt. Nicht erstellt sei
einzig der Vorwurf, der Beschuldigte habe R._ zumindest anfänglich ver-
schwiegen, dass es sich bei der BD._ um eine in Gründung befindliche bzw.
neu gegründete Gesellschaft gehandelt habe, die von ehemaligen Mitarbeitern
der Q._ gegründet worden sei, zumal sich dies allein aus den Aussagen von
R._, welche im Widerspruch zu seinen Aussagen stünden, nicht zweifelsfrei
ableiten lasse (Urk. 221 S. 117-119).
6.2.2. Die vorinstanzlichen Erwägungen erweisen sich als zutreffend, wes-
halb darauf zu verweisen ist. Anzumerken ist jedoch, dass es sich, soweit die Vor-
instanz sich auf die Aussagen des Beschuldigten beruft, um Urk. 1/070019 anstel-
le der vorinstanzlich teils zitierten Urk. 1/077019 handeln muss. An der Plausibili-
tät ihrer Erwägungen vermag dieses Versehen allerdings nichts zu ändern. Insbe-
sondere vermögen die von der Vorinstanz korrekt angeführten Unterlagen das
Zustandekommen der entsprechenden Mandate zwischen der BD._ und der
G._ umfassend zu belegen.
6.2.3. In Ergänzung zu den vorinstanzlichen Erwägungen ist anzumerken,
dass der Beschuldigte ausdrücklich bestritt, R._ in Bezug auf die berufliche
Vergangenheit der BD._-Gründer und die (damals) erst kürzlich erfolgte
Gründung der BD._ etwas verschwiegen zu haben. Hierfür habe es keinen
Grund gegeben, zudem hätten der Mitbeschuldigte K._ und BF._ an-
lässlich einer Präsentation ihrer Firma auch ihre berufliche Herkunft erläutert. Er
sei zudem der Meinung gewesen, dass ehemalige Mitarbeiter der Q._
- 84 -
durchaus für Professionalität und Qualität stünden, weshalb er keinen Grund ge-
habt habe, ihren beruflichen Hintergrund zu verschweigen (Urk. 1/062049 S. 55,
Urk 1/070019 S. 19). Dem widersprechend gab R._ an, es sei für ihn natür-
lich ein böses Erwachen gewesen, als er erfahren habe, dass sich die BD._
erst in Gründung befunden habe. Er sei darüber erst im Nachhinein, womöglich
erst nach Mai 2010, unterrichtet worden. Im Übrigen sei er aber von der Qualität
der Arbeit der BD._ überzeugt gewesen (Urk. 1/077013 S. 49).
6.2.4. Die Aussagen von R._ vermögen nicht zu überzeugen. Vielmehr
lassen die detaillierten Ausführungen des Beschuldigten Zweifel an dessen Aus-
sagen aufkommen. Es ist jedenfalls schwer nachvollziehbar, weshalb der Be-
schuldigte die berufliche Herkunft des Mitbeschuldigten K._ und seines Part-
ners BF._ hätte verschweigen sollen. Gleichzeitig ist es naheliegend, dass
R._ davon nichts gewusst haben will, andernfalls ihm möglicherweise eine
Mitverantwortung hätte unterstellt werden können. Es lässt sich insofern in Über-
einstimmung mit den knappen, aber zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen
nicht rechtsgenügend erstellen, dass der Beschuldigte gegenüber R._ ver-
schwiegen habe, dass sich die BD._ noch in Gründung befunden habe und
ihre Gründer ehemalige Mitarbeiter der Q._ gewesen seien.
6.2.5. Mit Ausnahme des Vorerwähnten ist damit der Sachverhalt gemäss
den Anklageziffern 70 bis 73 erstellt.
6.3. Der Beschuldigte anerkannte im Zusammenhang mit den Anklagezif-
fern 78 f., dass an der Mandatsvergabe und der Performance der BD._ Kritik
geübt worden war und dass er die BD._ seinen Vorgesetzten und dem Anla-
geausschuss gegenüber wie auch gegenüber dem Investment Committee vertei-
digte (Urk. 1/062049 S. 59). Hingegen bestritt er, sich dabei pflichtwidrig verhalten
zu haben: Er habe die von der Q._ zu erstellenden Monats- und Jahresbe-
richte (Monitors und Investment Audits) nicht "beschönigt". Es sei lediglich darum
gegangen, die wenig sensible Wortwahl der Q._ abzuschwächen. Es sei
zwar zutreffend, dass er und die BD._ Ergänzungen und Korrekturen zu den
Investment Audits der Q._ angebracht hätten, inhaltlich sei aber nichts We-
sentliches geändert worden (Urk.1/062049 S. 59; Urk. 1/070019 S. 45 f.; Prot. II
- 85 -
S. 79 f.). Zudem sei auch die Mandatsvergabe an die BD._ nicht pflichtwidrig
erfolgt, weshalb eine Verschleierung einer pflichtwidrigen Mandatserteilung gar
nicht notwendig gewesen sei. Der Bericht an die Finanzdirektion vom 30. Mai
2008 sei unabhängig davon, ob eine Marktumschau einwandfrei durchgeführt
worden sei, inhaltlich korrekt gewesen (Urk. 1/062049 S. 59).
6.3.1. Die Vorinstanz erachtet die vom Beschuldigten bestrittenen Sachdar-
stellungen als erstellt (Urk. 221 S. 120-125). Um unnötige Wiederholungen zu
vermeiden, kann vorab auf ihre zutreffenden Erwägungen verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO).
6.3.2. Sowohl der Beschuldigte, als auch der Mitbeschuldigte K._ be-
stritten, dass die Beurteilungen der Q._ beschönigt worden seien. Die Ände-
rungen seien vielmehr sachlich gerechtfertigt gewesen, weil die Q._ gewisse
Vorgänge nicht richtig verstanden oder interpretiert habe (Urk. 1/068011 S. 17 f.).
6.3.3. Demgegenüber machte BC._ geltend, man habe im Zusammen-
hang mit den Monitors und den Investment Audits vor allem im Bereich Hedge
Funds gewisse Aussagen im Dialog mit dem Beschuldigten und der BD._
korrigiert, wobei man sich jeweils auf eine Formulierung geeinigt habe. Es sei da-
rum gegangen, gewisse Aussagen der Q._ zu entschärfen. Die Q._ ha-
be dem Beschuldigten die Investment Audits jeweils in einer Vorabversion zu-
kommen lassen, worauf die Kommentare seitens der BD._ und vom Be-
schuldigten eingegangen seien, welche die Q._ in den Audits verarbeitet ha-
be. Diese Vorgehensweise sei für ihn eher unüblich gewesen und habe die Idee
des Investment Controllings teilweise torpediert. Aus diesem Grund habe er auch
die Finanzdirektion über die Anpassungen informiert. Die Finanzdirektion habe die
Information zur Kenntnis genommen, mehr sei aber nicht geschehen. Schliesslich
sei es auch im Zusammenhang mit den Monitors auf Wunsch des Beschuldigten
zu Anpassungen gekommen, allerdings in geringerem Ausmass als bei den Au-
dits (Urk. 1/077017 S. 12 f., Urk. 1/077018 S. 31 ff.).
6.3.4. Aufgrund der Aussagen von BC._ und letztlich auch der Darstel-
lungen des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten K._ ist erwiesen, dass
- 86 -
sich der Beschuldigte die Monitors und Audits vorweg zustellen liess und Ände-
rungen im Zusammenhang mit der Leistung der BD._ anbrachte, welche an-
schliessend von der Q._ übernommen wurden. Weder der Beschuldigte noch
der Mitbeschuldigte K._ bestritten die Vornahme von Korrekturen, sondern
machten einzig geltend, diese seien sachlich gerechtfertigt gewesen bzw. es sei-
en inhaltlich keine Änderungen vorgenommen worden. Ob diese Änderungen und
Korrekturen sachlich gerechtfertigt waren bzw. ob eine "Beschönigung" der Aus-
sagen stattgefunden hat, kann offenbleiben, wie dies im Rahmen der rechtlichen
Würdigung zu zeigen sein wird (vgl. nachstehend, Erw. III.3.8.6.1.). Erstellt ist je-
denfalls, dass der Beschuldigte Korrekturen und Abänderungen an den Monitors
und Investment Audits angebracht hat.
6.3.5. Bestätigt wird dieses Ergebnis auch durch die Traktanden und Notizen
bezüglich der Controlling Audienz vom 3. Juni 2008, wonach erstellt ist, dass von
diesem Zeitpunkt an der Monitor vorgängig zum Versand dem Beschuldigten zu-
gestellt werden sollte, um unnötige Turbulenzen im Anlageausschuss zu verhin-
dern (Urk. 1/057416 S. 6 = Urk. 1/057438 S. 6). Hernach ergibt sich aus diversen
E-Mails des Mitbeschuldigten K._ oder des Beschuldigten an BC._ oder
BG._ von der Q._, dass seitens der BD._ und seitens der G._
Korrekturen und Verbesserungs- bzw. Ergänzungswünsche an die Monitors und
Investment Audits der Q._ angebracht und von dieser übernommen wurden
(vgl. Urk. 1/057424; Urk. 1/057426; Urk. 1/057427; Urk. 1/057446 f.;
Urk. 1/057477 f.).
6.3.6. Der Umstand, dass der Beschuldigte im Schreiben vom 30. Mai 2008
an die (damalige) Finanzdirektorin fälschlicherweise angab, der Vergabe der
Mandate an die BD._ sei eine Marktumschau vorausgegangen, ergibt sich
aus diesem Schreiben selbst (Urk. 1/057111.1). Dass dies nicht der Wahrheit ent-
sprach, räumte der Beschuldigte anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung vom 11. Juli 2012 und im Berufungsverfahren letztlich selber ein (Urk. 77
S. 38 f.; Prot. II S. 81). Die Sachdarstellungen gemäss Anklageziffer 78 sind dem-
nach erstellt.
- 87 -
6.3.7. Ob der Beschuldigte durch sein Vorgehen gemäss erstelltem Sach-
verhalt pflichtwidrig gehandelt hat, ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu
prüfen (vgl. nachstehend, Erw. III.3.8.6.1.).
6.4. Der Beschuldigte bestritt nicht, dass er sich vom Mitbeschuldigten
K._ im November 2007 zu Ferien in Mallorca einladen liess und die
BD._ anschliessend zwei Drittel der Hotelkosten der Familie des Beschuldig-
ten übernahm und dass er vom Mitbeschuldigten K._ im Jahre 2007 und
2008 anlässlich des Jahresschlussessens jeweils Golfgutscheine im Wert von
Fr. 2'000.– bzw. Fr. 3'000.– entgegennahm (Urk. 1/062049 S. 60 f.). Hingegen
liess er bestreiten, mit dem Mitbeschuldigten K._ zumindest konkludent eine
Bestechungsvereinbarung getroffen zu haben (Urk. 88 S. 24; Prot. II S. 81 f.). An-
gesichts dieser Aussagen des Beschuldigten und der entsprechenden Belege
(Urk. 1/055102–1/055113) ist nicht ersichtlich, wo die erbetene Verteidigung in
der Beweiswürdigung durch die Vorinstanz Willkür ausmacht und einen Anwen-
dungsfall des Grundsatzes "in dubio pro reo" erkennt (Urk. 299 S. 67).
6.4.1. Die Vorinstanz kam diesbezüglich zurecht zum Schluss, es sei nicht
erstellt, dass zwischen dem Beschuldigten und dem Mitbeschuldigten K._ ei-
ne Bestechungsvereinbarung vorgelegen habe. Eine solche würde von beiden
Beteiligten bestritten und weitere Aussagen und Beweismittel, welche des Gegen-
teil beweisen könnten, lägen nicht vor. Zudem würden die äusseren Umstände,
welche zum damaligen Zeitpunkt vorgelegen hätte, ebenfalls keinen anderen
Schluss zulassen. Den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen ist beizupflich-
ten (Urk. 221 S. 138; Art. 82 Abs. 4 StGB). Eine Bestechungsvereinbarung lässt
sich nicht nachweisen.
6.4.2. Hinsichtlich der Frage, ob die vorerwähnten Vorteilsgewährungen
durch den Mitbeschuldigten K._ als Belohnung für die Berücksichtigung der
BD._ als Mandatsträgerin der G._ sowie zur längerfristigen Sicherung
der Gunst des Beschuldigten für die Weiterführung und Verteidigung der Ge-
schäftsbeziehung zwischen der G._ und der BD._ erfolgt sind, kann
wiederum auf die korrekten vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden
(Urk. 221 S. 135-137). Es bestehen aufgrund sämtlicher von der Vorinstanz er-
- 88 -
wähnten Umstände entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 299 S. 68 ff.)
keine Zweifel daran, dass die Vorteilszuwendungen durch den Mitbeschuldigten
K._ an den Beschuldigten als Belohnung und zur Sicherung seiner Gunst er-
folgten.
6.5. Im Zusammenhang mit dem Vorwurf gemäss den Anklageziffern 82 bis
84, wonach sich der Beschuldigte vom Mitbeschuldigten K._ das Konto
"BH._" für seine Zeit nach seiner Pensionierung habe versprechen lassen,
anerkannte der Beschuldigte die Sachdarstellungen zunächst ebenfalls vollum-
fänglich (Urk. 1/062049 S. 61 f.), liess an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
allerdings ausführen, der zur Diskussion stehende Anklagepunkt sei völlig unklar
und es handle sich um ein Missverständnis. Es sei nicht plausibel und schon gar
nicht erstellt, dass der Mitbeschuldigte K._ ihm Bestechungsgelder auf die
Pensionierung hin habe garantieren wollen (Urk. 88 S. 8 f.).
6.5.1. Durch die Kontounterlagen (Urk. 1/055076; Urk. 1/055078;
Urk. 1/055079-1/055087) ist ohne Weiteres erstellt, dass der Mitbeschuldigte
K._ gemeinsam mit BF._ bei der BI._ ein Konto mit der Bezeich-
nung "BH._" eröffnete und am 29. August 2008 eine Überweisung von
Fr. 151'823.– (Urk. 1/055080), am 3. Juni 2009 eine solche von Fr. 75'025.–
(Urk. 1/055083) sowie am 5. Februar 2010 eine von Fr. 75'000.– (Urk. 1/055086)
vom Hauptkonto der BD._ mit der Konto-Nr. ... auf das Konto "BH._" mit
der Konto Nr. ... erfolgten (Urk. 1/055165; Urk. 1/055169; Urk. 1/055172).
6.5.2. Den übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und des Mitbe-
schuldigten K._ lässt sich entnehmen, dass der Mitbeschuldigte K._
dem Beschuldigten vor einem gemeinsamen Golfspiel auf dem Golfplatz ... von
einem Konto erzählte und ihm gleichzeitig einen Beleg zeigte, auf welchem für
den Beschuldigten ein Betrag von Fr. 120'000.– ersichtlich war. Weiter ergibt sich
aus ihren Aussagen, dass K._ den Beschuldigten anlässlich eines gemein-
samen Mittagessens im Restaurant ... im Februar 2010 darüber informierte, dass
sich auf dem entsprechenden Konto mittlerweile Fr. 300'000.– befänden (vgl.
nachstehend Erw. II.6.5.4. und Erw. II.6.5.6.1.).
- 89 -
6.5.3. Dass es sich bei diesem Konto um das Konto der BD._ bei der
BI._ mit der Bezeichnung "BH._" handelte, hat der Mitbeschuldigte
K._ letztlich nie bestritten. Allein aufgrund des Umstandes, dass der Be-
schuldigte einmal ausführte, es habe sich möglicherweise um eine Bank in Liech-
tenstein gehandelt sowie der Tatsache, dass der Beschuldigte die ihm vorgehal-
tenen Kontoauszüge des Kontos "BH._" nicht als jene Belege wiedererkann-
te, welche ihm der Mitbeschuldigte K._ gezeigt habe, vermögen keine be-
gründeten Zweifel daran und an seinen bisherigen Aussagen zu begründen. Der
Beschuldigte schwächte seine Aussagen selber ab und legte dar, es handle sich
dabei um eine reine Vermutung seinerseits und er könne sich weder an die Bank
noch an die Kontobezeichnung erinnern (vgl. vorstehend Erw. II.6.5.4.2.). Hinzu-
kommend steht aufgrund der vorliegenden Beweismittel und Aussagen fest, dass
es sich beim Beleg, welchen der Mitbeschuldigte K._ dem Beschuldigten im
Zusammenhang mit dem Konto gezeigt hatte, um einen Buchhaltungsbeleg der
BD._ handelte. Damit lässt sich auch erklären, weshalb der Beschuldigte
nicht in der Lage war, anzugeben, bei welcher Bank sich das Konto "BH._"
befindet.
6.5.4. Im Übrigen verfangen die nachgeschobenen und unbehelflichen Be-
streitungsversuche des Beschuldigten nicht. Vielmehr muss er sich seine eige-
nen, früheren Aussagen entgegenhalten lassen.
6.5.4.1. Am 24. September 2010 räumte er von sich aus ein, es sei zu sei-
nen Gunsten ein Konto für den Zeitpunkt nach seiner Pensionierung etabliert
worden. Der Mitbeschuldigte K._ habe ihm im Sommer 2009 mitgeteilt, auf
diesem Konto befänden sich ca. Fr. 120'000.–. Er wisse nicht mehr, bei welcher
Bank sich das Konto befunden habe und die nähere Kontobezeichnung kenne er
ebenfalls nicht. Der Mitbeschuldigte K._ habe ihm damals vor einem Golf-
spiel auf dem Golfplatz ... aber einen Kontoauszug gezeigt, wobei er einen Betrag
von Fr. 120'000.– gesehen habe. Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft führte er
weiter aus, es habe sich möglicherweise um eine Bank in Liechtenstein gehan-
delt, sicher sei er sich dessen aber nicht. Der Mitbeschuldigte K._ habe ihm
bei dieser Gelegenheit nur gesagt, dass dieses Konto für ihn im Hinblick auf seine
- 90 -
Pensionierung oder seinen Weggang beim Kanton eröffnet worden sei oder be-
stehe. Er habe diesem geantwortet, dies sei schön, aber bis dahin könne noch
sehr viel passieren. Er kenne den Grund nicht, aber er nehme natürlich an, sie,
die BD._, haben ihn im Hinblick auf die Geschäftsbeziehungen günstig stim-
men wollen. Ob BF._ darüber Bescheid gewusst habe, wisse er nicht. Er sei
schon etwas überrascht gewesen, zumal die Beziehung zur BD._ mit Aus-
nahme des Hedge Fund Portfolios sehr zur Zufriedenheit der G._ gelaufen
sei und es daher eigentlich keinen Grund gegeben habe, weshalb man ihn hätte
günstig stimmen müssen. Darüber, wie er das Konto allenfalls zu einem späteren
Zeitpunkt hätte übernehmen sollen, habe er mit dem Mitbeschuldigten K._
nicht gesprochen. Später, das müsse in jenem Jahr (er meinte damit das Jahr der
Einvernahme, demnach 2010) gewesen sein, habe ihm der Mitbeschuldigte
K._ mitgeteilt, auf dem Konto befänden sich mittlerweile Fr. 300'000.–. Er sei
sich nicht mehr ganz sicher, ob dies anlässlich eines der Mittagessen im Restau-
rant ... oder im März, als sie gemeinsam in Mallorca gewesen seien, geschehen
sei. Einen Kontoauszug habe dieser ihm nicht mehr gezeigt. Er habe diese Infor-
mation zur Kenntnis genommen, aber nichts dazu gesagt. Der Mitbeschuldigte
K._ habe auch damals keine besonderen Bemerkungen gemacht. Ihm sei
einfach klar gewesen, dass dieser ein Konto eingerichtet habe, welches ihm zu
einem späteren Zeitpunkt hätte zugutekommen sollen (Urk. 1/062039 S. 2-5,
S. 10 f.).
6.5.4.2. Im Rahmen der ersten Konfrontationseinvernahme des Beschuldig-
ten mit dem Mitbeschuldigten K._ vom 21. Oktober 2010 führte er auf Frage
der Staatsanwaltschaft aus, es gehe einfach um dieses Konto bzw. darum, dass
er bei seinem Weggang oder bei seiner Pensionierung gewisse Mittel hätte zur
Verfügung haben sollen. Er sei zu dieser Einschätzung gelangt, da er einmal ei-
nen Bankbeleg gesehen habe, wobei er allerdings nicht mehr wisse, von welcher
Bank dieser gewesen sei und wie die Kontobezeichnung gelautet habe. Der Mit-
beschuldigte K._ habe ihm den Kontoauszug bei einem gemeinsamen Golf-
spiel gezeigt. Ob dieser dabei etwas gesagt habe, wisse er nicht mehr, allenfalls,
dass in ferner Zukunft bei seiner Pensionierung irgendwelche finanziellen Mittel
vorhanden sein würden. Er könne nicht mehr dazu sagen. Das Ganze habe eine
- 91 -
halbe Minute gedauert. Er habe das Versprechen zur Kenntnis genommen, ohne
dass sich etwas verändert habe, weil die Erfüllung eben noch in weiter Ferne ge-
legen habe. Auf Nachfrage präzisierte der Beschuldigte, er habe die Handlung
des Mitbeschuldigten K._ als Versprechen interpretiert. Es sei möglich, dass
im Zusammenhang mit dem ihm in Aussicht gestellten Konto der Begriff "gemein-
nützig" gefallen sei, ein konkretes Beispiel könne er allerdings nicht nennen. Es
sei auch möglich, dass es sich, wie er in einer früheren Aussage erwähnt habe,
um ein Konto einer Bank in Liechtenstein gehandelt habe, dies sei aber eine reine
Vermutung seinerseits. Möglicherweise habe es sich um einen internen Auszug
gehandelt, und er erinnere sich deshalb nicht mehr an die Bank oder die Bezeich-
nung des Kontos. Jedenfalls habe er nur den Betrag von rund Fr. 120'000.– ge-
sehen. Auf Vorhalt der Kontoauszüge des Kontos "BH._" verneinte er, dass
K._ ihm diese Belege gezeigt habe. Er habe aber keine detaillierte Erinne-
rung mehr an den Beleg. Auf Ergänzungsfrage der Verteidigung des Mitbeschul-
digten K._ erläuterte der Beschuldigte, es sei seiner Erinnerung nach im
Sommer 2009 gewesen, als dieser ihm den Beleg gezeigt habe. Es könne aber
auch Sommer 2008 gewesen sein. Er könne jedenfalls ausschliessen, dass ihm
die soeben vorgehaltenen Kontounterlagen vom Mitbeschuldigten K._ ge-
zeigt worden seien. Auf Nachfrage machte er überdies geltend, er habe keinen
Grund gehabt, daran zu zweifeln, dass das Geld für ihn bestimmt gewesen sei,
zumal der Mitbeschuldigte K._ sein Wort im Gegensatz zu vielen anderen
Leuten halte. Auf die Frage, ob er unter Druck gestanden habe und der Meinung
gewesen sei, er habe der Staatsanwaltschaft noch etwas liefern müssen, sagte
der Beschuldigte, er sei schon unter einem gewissen Druck gestanden, was aber
nicht bedeute, dass seine Ausführungen hinsichtlich des Kontos nicht der Wahr-
heit entsprächen. Aus seiner ursprünglichen Sicht habe es sich nicht um ein delik-
tisches Verhalten gehandelt, weshalb er es zunächst auch nicht erwähnt habe
(Urk. 1/070006 S. 6-12, S. 17, S. 23).
6.5.4.3. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 24. No-
vember 2010 machte der Beschuldigte geltend, er könne nicht mehr mit Sicher-
heit sagen, ob es sich bei jenem Beleg, auf welchem der Betrag von Fr. 120'000.–
ersichtlich gewesen sei, um einen Kontoauszug oder um einen internen Beleg der
- 92 -
BD._ gehandelt habe. Der Betrag von Fr. 300'000.– sei ihm nach einem Mit-
tagessen im Restaurant ... lediglich mündlich mitgeteilt worden, ein Kontoauszug
sei ihm dabei nicht gezeigt worden. Schliesslich könne er nicht mehr mit Sicher-
heit sagen, ob der erste Hinweis auf das Bestehen des Kontos im Jahre 2009 er-
folgt sei oder erst später. Es sei auch möglich, dass es bereits im Sommer 2008
gewesen sei. Das Inaussichtstellen des Kontos habe auf seine Entscheidungen
als Asset Manager der G._ keine Auswirkungen gehabt, zumal dieses Ver-
sprechen noch in weiter Ferne gelegen und für ihn keine Gewissheit bestanden
habe, dass es auch in Erfüllung gehen werde (Urk. 1/062045 S. 14 f.).
6.5.4.4. Im Rahmen der zweiten Konfrontationseinvernahme des Beschul-
digten mit dem Mitbeschuldigten K._ vom 1. Juli 2011 hielt er weitgehend an
seinen früheren Aussagen fest. Ergänzend bestritt er, dass zwischen den Ein-
nahmen der BD._ aus der Geschäftsbeziehung mit der G._ und der
Alimentierung des Kontos "BH._" ein Zusammenhang erkennbar sei
(Urk. 1/070019 S. 62-67).
6.5.4.5. Schliesslich bestätigte der Beschuldigte in der Schlusseinvernahme
vom 11. Juli 2011 die Sachdarstellung im Zusammenhang mit dem Konto
"BH._" im Wesentlichen und gab an, den Vorwurf der Bestechung zu akzep-
tieren. Er präzisierte einzig, nicht sagen zu können, ob es sich um das erwähnte
Konto gehandelt habe und ob die Kontobezeichnung "BH._" gelautet habe.
Auf Nachfrage der Staatanwaltschaft gab er an, er könne sich daran erinnern,
dass der Mitbeschuldigte K._ ihn nach einem gemeinsamen Mittagessen im
Restaurant ... anfangs 2010 darüber informiert habe, dass sich auf dem Konto
Fr. 300'000.– befinden würden. Schliesslich sei er der Meinung, im Zusammen-
hang mit den Dienstleistungen der BD._ keine pflichtwidrigen Handlungen
vorgenommen zu haben (Urk. 1/062049 S. 62 f.).
6.5.5. Beim Aussageverhalten des Beschuldigten ist in Betracht zu ziehen,
dass er das Konto erstmals anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 24. September 2010 erwähnte, ohne dass bereits entsprechende Hinweise
dahingehend vorgelegen hätten oder er nach einem derartigen Konto gefragt
worden wäre. Stattdessen machte er diese Zugabe im Rahmen dieser Einver-
- 93 -
nahme aus eigenem Antrieb. So legte er ausführlich und präzise dar, bei welcher
Gelegenheit er durch den Mitbeschuldigten K._ vom Konto "BH._" er-
fuhr. Auffallend an seinen Aussagen ist, dass er einerseits sehr genaue Angaben
über tatsächliche Gegebenheiten machte, andrerseits aber auch unumwunden
einräumte, wenn er sich an einzelne Details nicht mehr erinnern konnte. So be-
schrieb er beispielsweise genau, dass sich das erste Gespräch mit K._ auf
dem Golfplatz ... abspielt hatte. Gleichzeitig führte er aus, er könne sich an die
Kontobezeichnung nicht mehr erinnern. Dieses differenzierte Aussageverhalten
spricht für wahrheitsgetreue Angaben. Im Übrigen belastete er sich damit selber
erheblich, indem er mit diesen Aussagen eine zusätzliche Vorteilsannahme zu-
gab, welche ihm ohne sein Geständnis wohl nicht hätte nachgewiesen werden
können. Auch dies spricht für den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen anlässlich
der Einvernahme vom 24. September 2010, genauso wie der Umstand, dass er
die beiden Beträge von Fr. 120'000.– und Fr. 300'000.– von sich aus erwähnte,
ohne dass ihm die entsprechenden Kontounterlagen bekannt waren. Von diesen
Kontoständen konnte er mithin einzig vom Mitbeschuldigten K._ wissen.
6.5.5.1. Anlässlich der darauffolgenden Einvernahme, bei welcher der Mit-
beschuldigte K._ anwesend war, gestaltete sich das Aussageverhalten des
Beschuldigten zurückhaltender und ausweichender. Wohl blieb er dabei, dass ihm
von K._ ein Konto in Aussicht gestellt worden sei, schwächte seine früheren
Aussagen aber durchwegs ab. Dennoch vermag dieses zurückhaltende Aussage-
verhalten keine begründeten Zweifel am Inhalt seiner Ausführungen zu wecken.
Im Kern machte er dieselben Sachdarstellungen wie anlässlich seiner ersten Aus-
sage, ohne sich in Widersprüche zu verstricken. Sein zurückhaltendes Aussage-
verhalten ist vielmehr auf die Anwesenheit des Mitbeschuldigten K._ zurück-
zuführen, den er offenkundig nicht unnötig belasten wollte, weshalb es nachvoll-
ziehbar erscheint, dass er in Anwesenheit eines ehemaligen Kollegen seine bis-
herigen, diesen belastenden Aussagen abzuschwächen versuchte. Am Ende der
Einvernahme fasste der Beschuldigte denn auch aus freien Stücken nochmals
zusammen, er habe keinen Grund gehabt, daran zu zweifeln, dass das Konto für
ihn bestimmt gewesen sei, und seine Aussagen entsprächen der Wahrheit. Inso-
fern fehlt es trotz der Zurückhaltung an eigentlichen Lügensignalen, welche Zwei-
- 94 -
fel an der Richtigkeit seiner eigenen, ihn belastenden Darstellung zu begründen
vermöchten.
6.5.5.2. Auch der Umstand, dass der Beschuldigte im Verlaufe des Vorver-
fahrens geltend machte, sich aufgrund dieses Geständnisses eine Haftentlassung
und Rückkehr zu seiner Familie erhofft zu haben, vermag an der Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen nichts zu ändern. Es erscheint nicht nachvollziehbar, dass er
sich diese detaillierte Geschichte mit dem Konto ausgedacht haben könnte, nur
um die Aussicht auf eine Haftentlassung zu verbessern.
6.5.5.3. Endlich ergeben sich aus seinen Aussagen im Rahmen des Vorver-
fahrens und vor Gericht keinerlei Hinweise auf das Vorliegen eines Missverständ-
nisses zwischen ihm und dem Mitbeschuldigten K._. Die Aussagen des Be-
schuldigten sprechen somit dafür, dass der Mitbeschuldigte K._ ihm das
Konto für die Zeit nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst ins Aussicht
stellte.
6.5.6. Den Aussagen des Beschuldigten stehen die Aussagen des Mitbe-
schuldigten K._ und von dessen Geschäftspartner, BF._, gegenüber.
6.5.6.1. Der Mitbeschuldigte K._ bestritt, dem Beschuldigten ein Konto
in Aussicht gestellt zu haben und berief sich zusammengefasst darauf, er habe
das Konto "BH._" gemeinsam mit BF._ eröffnet, um Geld für einen ge-
meinnützigen Zweck anzusparen. Sie seien der Meinung gewesen, es wäre
falsch, sämtliche Einnahmen für sich zu behalten. BF._ habe ein schwer
herzkrankes Kind, weshalb er eine gewisse soziale Einstellung habe. Man habe
zu einem späteren Zeitpunkt eine gemeinnützige Stiftung gründen oder das Geld
für einen gemeinnützigen Zweck spenden wollen. Er habe dem Beschuldigten
den Bankbeleg gezeigt, weil er diesem die Möglichkeit habe geben wollen, Ideen
bezüglich der Verwendung der Gelder anzubringen, schliesslich sei die G._
der grösste Kunde der BD._ gewesen. Er habe allerdings nicht das Gefühl
gehabt, der Beschuldigte sei davon ausgegangen, das Konto sei für ihn, weshalb
er glaube, es handle sich dabei um ein Missverständnis (Urk. 1/068003 S. 2 ff.;
- 95 -
Urk. 1/068004 S. 2 f.; Urk. 1/068011 S. 21 ff.; Urk. 1/070006 S. 6 ff.;
Urk. 1/070010 S. 2; Urk. 1/070019 S. 62 ff.).
6.5.6.2. BF._ führte zusammengefasst durchwegs widerspruchsfrei
aus, das Konto sei für gemeinnützige Zwecke errichtet worden. Der Mitbeschul-
digte K._ und er hätten vereinbart, 10 % ihrer Einnahmen für gemeinnützige
Zwecke zu spenden. Sie hätten dann festgestellt, dass es keinen Sinn mache,
hier und da ein bisschen Geld zu spenden, stattdessen hätten sie irgendwann
einmal eine Stiftung gründen wollen. Das Ganze stehe im Zusammenhang mit
seinem Sohn, welcher 2002 geboren sei und unmittelbar nach der Geburt und an-
schliessend mehrmals am Herzen habe operiert werden müssen. Dies habe ihn
sehr verändert. Er habe viel Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit erfahren. Es sei
ihm daher ein Anliegen gewesen, etwas zurückzugeben. Man habe einfach ver-
sucht, ungefähr 10 % des Gewinns zu überweisen. Manchmal habe er das Geld
in Absprache mit K._ überwiesen, manchmal habe er von sich aus eine
Überweisung vorgenommen. Allerdings könne er nicht ausschliessen, dass der
Mitbeschuldigte K._ sich etwas anderes dabei gedacht habe (Urk. 1/068502
S. 9 ff.; Urk. 1/068503 S. 2 ff.; Urk. 1/068504 S. 14 ff.; Urk. 1/070010 S. 3 und 6).
6.5.6.3. BF._ vermochte mehrmals widerspruchsfrei und plausibel zu
erläutern, weshalb er gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten K._ den Ent-
schluss gefasst hatte, Geld der BD._ für gemeinnützige Zwecke aufzuwen-
den. Die emotionale Verknüpfung seines Entscheids mit den gesundheitlichen
Problemen seines Sohnes ist nachvollziehbar und erscheint nicht zuletzt auch im
Hinblick auf die Tatsache, dass die Eröffnung des Kontos "BH._" zeitlich mit
der letzten Operation seines Sohnes zusammenfällt, nicht unglaubhaft. Weiter
schilderte BF._ ebenso überzeugend und konstant, weshalb das Geld nicht
unmittelbar in gemeinnützige Projekte investiert, sondern zunächst auf einem
Bankkonto geäufnet wurde. Insofern verbleiben keine Zweifel daran, dass
BF._ das Konto "BH._" errichtete, um Geld für einen später zu bestim-
menden gemeinnützigen Zweck anzusparen und deshalb auch die vorerwähnten
Überweisungen tätigte. Er scheint dabei stets davon ausgegangen zu sein, dass
- 96 -
der Entschluss und die Umsetzung auch vom Mitbeschuldigten K._ getragen
würde.
6.5.6.4. Demgegenüber kommt den Aussagen des Mitbeschuldigten
K._ wenig Überzeugungskraft zu. Im Rahmen sämtlicher Einvernahmen be-
schränkte er sich auf gleichförmiges und wenig differenziertes Bestreiten, dass er
dem Beschuldigten gesagt habe, das Konto sei für diesen bestimmt. Stattdessen
machte er durchwegs geltend, man habe das Konto für gemeinnützige Zwecke
eingerichtet. Ausserdem wies er jede Verantwortung von sich, indem er erklärte,
es handle sich um ein Missverständnis zwischen ihm und dem Beschuldigten.
Dabei unterliess er es allerdings, genauere Aussagen dazu zu machen, wie es zu
einem solchen angeblichen Missverständnis hätte kommen können.
6.5.6.5. Dieses Aussageverhalten des Mitbeschuldigten K._ ist als star-
kes Indiz für eine Falschaussage zu werten. Hätte er dem Beschuldigten tatsäch-
lich die Möglichkeit einräumen wollen, an der Zweckbestimmung des geäufneten
Geldes teilzunehmen, hätte er es diesem nicht derart beiläufig mitgeteilt, sondern
den Beschuldigten in einem ausführlicheren Gespräch umfassend darüber infor-
miert. Dass er es dem Beschuldigten quasi en passant schnell vor einem gemein-
samen Golfspiel mitteilte und diesem genau so schnell noch einen Kontobeleg
zeigte, weist doch eher auf ein Geschehen hin, das nicht auffallen sollte, weil es
sich eben um ein unzulässiges Ansinnen handelte.
6.5.6.6. Überdies ergeben die vom Mitbeschuldigten K._ gemachten
Schilderungen schlicht keinen plausiblen Sinn. Weshalb hätte er dem Beschuldig-
ten die Gelegenheit einräumen sollen, eine Idee für einen gemeinnützigen Zweck
anzubringen? Weder die BD._ noch die G._ noch die auf der jeweiligen
Seite Beteiligten hätten einen Nutzen daraus gezogen, wenn dem Beschuldigten
eine solche Mitsprache mit der Begründung ermöglicht worden wäre, die G._
sei der grösste Kunde der BD._.
6.5.6.7. Die Aussagen des Mitbeschuldigten K._ vermögen demnach
an der überzeugenden Darstellung des Beschuldigten (vorstehend,
Erw. II.6.5.4. ff., Erw. II.6.5.5.3.). nichts zu ändern. Zwar ist es durchaus möglich,
- 97 -
dass dieser seinen Geschäftspartner BF._ im Glauben liess, man habe das
Konto für gemeinnützige Zwecke eingerichtet. Hingegen lassen die Ausführungen
des Beschuldigten keinen anderen Schluss zu, als dass der Mitbeschuldigte
K._ ihm das Konto für den Zeitpunkt seiner Pensionierung versprach. Hin-
weise auf das vom Mitbeschuldigten K._ als nachgeschobene Begründung
geltend gemachte angebliche Missverständnis, lassen sich auch in seiner Darstel-
lung nicht finden. Dieses ist vielmehr als Schutzbehauptung und unglaubhafter,
nachträglicher Erklärungsversuch zu qualifizieren. Der Sachverhalt gemäss den
Anklageziffern 82 bis 84 ist somit rechtsgenügend erstellt.
6.6. Beim subjektiven Anklagesachverhalt bestritt der Beschuldigte, sich im
Zusammenhang mit der Geschäftsbeziehung zwischen der G._ und der
BD._ pflichtwidrig verhalten zu haben, mithin sein Wissen hinsichtlich der
Pflichtwidrigkeit seines Vorgehens. Abgesehen davon, anerkannte er den subjek-
tiven Sachverhalt (Urk. 1/062049 S. 62 f.).
6.6.1. Das Wissen des Beschuldigten um die Pflichtwidrigkeit seines Vorge-
hens und seiner Handlungen im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
K._ und der BD._ ergibt sich aus den äusseren Umständen. Es er-
scheint schlicht nicht glaubhaft und ist geradezu unvorstellbar, dass er sich ihm
Rahmen seiner Tätigkeit nicht bewusst gewesen sein sollte, dass die Weitergabe
von vertraulichen Dokumenten, unwahre Angaben in einem Schreiben an die Fi-
nanzdirektion oder die Einmischung in die grundlegenden Arbeiten der Q._
und damit die Untergrabung von ihrer unabhängigen Kontrollfunktion, ein pflicht-
widriges Verhalten darstellt.
6.6.2. Hingegen ist mit der Vorinstanz zugunsten des Beschuldigten davon
auszugehen, dass ihm seine fehlende Kompetenz im Zusammenhang mit der
Vergabe von externen Fachberatungsmandaten und die Dokumentationspflicht
tatsächlich nicht bewusst war (Urk. 221 S. 126). Der subjektive Sachverhalt ist
demnach unter Berücksichtigung dieser Einschränkung ebenfalls erstellt.
7. Einen weiteren Bestechungsvorwurf erhebt die Anklage im Zusammen-
hang mit gemeinsamen Golfferien des Beschuldigten zusammen mit den Mitbe-
- 98 -
schuldigten J._, I._ und K._ in Irland (29. Juni 2008 bis 3. Juli
2008; Fr. 4'228.25) und Marokko (22. März 2009 bis 26. März 2009; Fr. 1'908.50;
Urk. 2 S. 42, Anklageziffer VII.86. f.). Der erstinstanzliche Freispruch im Zusam-
menhang mit Golfferien in Mallorca ist rechtskräftig, weshalb diese nicht mehr
Gegenstand des Berufungsverfahrens sind (vorstehend, Erw. I.1.1.).
7.1. Der Beschuldigte hat diesen Anklagevorwurf sowohl im Vorverfahren als
auch vor Vorinstanz ausdrücklich anerkannt (Urk. 1/062049 S. 64 f.; Urk. 77
S. 41) und blieb auch im Berufungsverfahren bei diesem Standpunkt (Prot. II
S. 82).
7.2. Die Vorinstanz kam mit überzeugender Begründung und unter korrekten
Hinweisen auf die massgeblichen weiteren Beweismittel, wie die Reiseunterlagen,
die betreffenden Abrechnungen und Kostenaufstellungen sowie die bestätigenden
Aussagen des Mitbeschuldigten J._, zutreffend zum Schluss, dass dieser die
Kosten des Beschuldigten für beide Golfferien übernommen hatte und der Ankla-
gesachverhalt demnach erstellt ist. Es kann vollumfänglich darauf verwiesen wer-
den (Urk. 221 S. 139 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Es kann offenbleiben, ob es sich
bei den vom Mitbeschuldigten J._ übernommenen Reisekosten für den Be-
schuldigten um die gesamten Kosten desselben handelte oder ob dieser zusätz-
lich noch einen eigenen Anteil leistete. Fest steht, dass der Mitbeschuldigte
J._ den Beschuldigten A._ eingeladen hat.
8. Schliesslich wird dem Beschuldigten qualifizierte Geldwäscherei vorge-
worfen (Urk. 2 S. 43 ff., Anklageziffern VIII. 1.–4.). Dabei habe er die von
C._, den Mitbeschuldigten H._, I._ und J._ entgegengenom-
menen Bestechungsgelder zwischen August 2001 und Mai 2010 im Umfang von
insgesamt Fr. 700'000.– regelmässig in bar und Teilbeträgen von unter
Fr. 10'000.– auf sein Schwarzgeldkonto bei der AV._ in ... einbezahlt und
anschliessend teilweise für eigene Bedürfnisse verbraucht. So habe er im Jahre
2001 den Umbau und den späteren Unterhalt seines Ferienhauses in Frankreich
finanziert, die Familie seiner Ehefrau in ... [Land in Südamerika] unterstützt und
seine aufwendige Lebensgestaltung, wie teure Ferien in ... [Land in Südamerika],
bestritten. Durch die Entgegennahme dieser Gelder während eines Zeitraumes
- 99 -
von mehr als acht Jahren habe der Beschuldigte regelmässige Einnahmen nach
Art eines Berufes sowie einen Umsatz von mehreren hunderttausend Schweizer
Franken erzielt. Dabei habe er zumindest in Kauf genommen, die Ermittlung der
Herkunft, das Auffinden oder Einziehen dieser Vermögenswerte, welche, wie er
wusste, aus Bestechungshandlungen stammten, zu vereiteln.
8.1. Der Beschuldigte hat sowohl anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Schlusseinvernahme im Vorverfahren, als auch vor Vorinstanz die ihm zur Last
gelegte Entgegennahme der betreffenden Bargeldbeträge, die Gesamtsumme der
angenommenen Bestechungsgelder, deren Einzahlung auf das vorerwähnte
Schwarzgeldkonto und deren Verwendung und Verbrauch vorbehaltlos anerkannt.
Hinsichtlich der subjektiven Sachverhaltsmomente sowie der rechtlichen Qualifi-
kation seines Handelns (Anklageziffern VIII.3. f.) hat er auf seinen Rechtsvertreter
verwiesen (Urk. 1/062049 S. 65 f.; Urk. 77 S. 42 f.). Dabei blieb er auch im Beru-
fungsverfahren (Prot. II S. 83).
8.2. Nachdem der Beschuldigte mit dem vorinstanzlichen Urteil rechtskräftig
vom Vorwurf des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB im Zu-
sammenhang mit C._ freigesprochen wurde (vorstehend, Erw. I.2.), reduziert
sich der hier massgebende Deliktszeitraum auf ca. Februar 2002 (H._) bis
ca. anfangs Mai 2010 und die Gesamtsumme der Bestechungsgelder auf
ca. Fr. 633'300.– (Fr. 700'000.– – Fr. 66'700.–; vgl. Anklageziffer II.17.).
8.3. Die Verteidigung beantragte sowohl vor Vorinstanz, als auch im Beru-
fungsverfahren einen Freispruch vom Geldwäschereivorwurf unter Berufung auf
Lehrmeinungen, wonach der Vortäter als Geldwäscher eine straflose Selbstbe-
günstigung begehe (Urk. 88 S. 2, 18; Prot. I S. 26 ff.; Urk. 299 S. 72 f.). Dies be-
trifft die rechtliche Würdigung und ist demnach unter jenem Titel in Betracht zu
ziehen (Erw. III.6. f.).
8.4. Aufgrund des vom Beschuldigten anerkannten objektiven Sachverhaltes
lässt sich zwanglos auch auf die subjektiven Elemente schliessen. Er war sich der
illegalen Herkunft der Gelder aus Bestechungsdelikten fraglos bewusst, da er
nachweislich selber daran mitgewirkt hatte. Das klandestine Aufbewahren der Be-
- 100 -
stechungsgelder auf einem Schwarzgeldkonto lässt unschwer erkennen, dass er
sich des Unrechts seines Tuns durchaus bewusst war und die Gelder vor den Be-
hörden, sei es vor einer fiskalischen Belastung, oder vor dem Zugriff durch die
Strafverfolgungsorgane zu schützen und zu verstecken beabsichtigte. Als weite-
res Indiz dafür kann auch die von der Staatsanwaltschaft erwähnte Stückelung
seiner Bargeldeinzahlungen in Teilbeträge von weniger als Fr. 10'000.– zum
Zwecke der Umgehung der bankeninternen Kontrollmechanismen (Urk. 85 S. 89)
gewertet werden.
8.4.1. Untermauert wird sein Unrechtsbewusstsein ausserdem durch seine
anfängliche, wahrheitswidrige Aussage, bei diesem Geld auf dem Konto der
AV._ in ... habe es sich teilweise um Ersparnisse seiner Schwiegermutter
aus ... [Land in Südamerika] gehandelt (Urk. 1/062002 S. 13, Vorhalt 79;
Urk.1/311004 S. 3).
8.4.2. Daraus ergibt sich, dass der Beschuldigte ein Vereiteln der Herkunfts-
ermittlung, des Auffindens oder Einziehens zumindest in Kauf nahm, wenn nicht
gar bewusst die erlangten Bestechungsgelder willentlich auf die beschriebene Art
versteckte, verwendete und verbrauchte.
8.4.3. Der eingeklagte Sachverhalt erweist sich somit als erstellt; dies mit
der Einschränkung, dass der Beschuldigte nicht mit dem Vereiteln der Herkunfts-
ermittlung, des Auffindens oder Einziehens der Gelder erheblichen Gewinn oder
einen Umsatz von mehreren hunderttausend Franken erwirtschaftete, sondern mit
der diesen Handlungen vorausgehenden Vortat, wie dies bereits die Vorderrichter
zutreffend erwogen haben (Urk. 221 S. 142, Ziff. 10.3.).
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Anklagebehörde beantragte vor Vorinstanz die Verurteilung des Be-
schuldigten wegen mehrfachen Sich-bestechen-lassens im Sinne von
Art. 322quater StGB, mehrfacher ungetreuer Amtsführung im Sinne von Art. 314
StGB, gewerbsmässiger Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 und 2
- 101 -
StGB sowie wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320
Ziff. 1 StGB (Urk. 85 S. 4).
2. Die Vorinstanz hat den Beschuldigen des mehrfachen Sich-bestechen-
lassens im Sinne von Art. 322quater StGB (Anklageziffern III., IV., V. [ohne V.63.
Darlehen], VI. und VII. [Irland und Marokko]), der mehrfachen ungetreuen Amts-
führung im Sinne von Art. 314 StGB (Anklageziffern II.21.–23., V.53.–59.), der
mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB (Anklagezif-
fer VIII.) sowie der Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320 Ziff. 1
StGB (Anklageziffer VI.69.) schuldig gesprochen. Erstinstanzlich freigesprochen
wurde der Beschuldigte von den Vorwürfen des Sich-bestechen-lassens im Sinne
von Art. 322quater StGB im Zusammenhang mit C._ (Anklageziffer II.10.–20.,
24.), im Zusammenhang mit dem Darlehen des Mitbeschuldigten J._ (Ankla-
geziffer V.63.) sowie mit den Golfferien in Mallorca (Anklageziffer VII.).
2.1. Wie bereits dargelegt (Erw. I.2.), sind die Teilfreisprüche betreffend die
Anklageziffern II. und VII. rechtskräftig. Nachdem im vorinstanzlichen Urteil (zu-
recht: Urk. 221 S. 180) keine Verurteilung wegen des qualifizierten Tatbestandes
der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 StGB erfolgte und die Staats-
anwaltschaft mit ihrer Anschlussberufung nicht an einer strengeren Subsumtion
wegen gewerbsmässiger Tatbegehung festhielt (Urk. 235), steht das Verbot der
reformatio in peius einer strengeren Beurteilung von Vornherein entgegen
(Art. 391 Abs. 2 StPO; BGE 139 IV 282 E. 2.5 f.; Urteil des Bundesgerichts
6B_772/2013 vom 11. Juli 2014 E. 1.3 f.).
2.2. Der Beschuldigte hat abgesehen von den aufgeführten Teilfreisprüchen
den gesamten Schuldpunkt vorsorglich angefochten (Urk. 225). Die Berufungser-
klärung seiner amtlichen Verteidigung geht einzig beim Vorwurf des Sich-beste-
chen-lassens im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten I._ (Anklagezif-
fer IV.) weniger weit, indem die vorinstanzliche Subsumtion bei diesem Tatvorwurf
grundsätzlich anerkannt ist bis zu einer Höhe eines Deliktsbetrages von
Fr. 500'000.– (Urk. 228 S. 3).
- 102 -
3. Das geltende Korruptionsstrafrecht trat am 1. Mai 2000 noch vor den hier
zu beurteilenden Sachverhalten in Kraft (AS 2000 1121-1126). Die rechtliche
Würdigung ist damit nach den geltenden Bestechungstatbeständen (Art. 322ter bis
Art. 322octies StGB) vorzunehmen.
3.1. Des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB macht
sich strafbar, wer als Mitglied einer richterlichen oder anderen Behörde, als Be-
amter, als amtlich bestellter Sachverständiger, Übersetzer oder Dolmetscher oder
als Schiedsrichter im Zusammenhang mit seiner amtlichen Tätigkeit für eine
pflichtwidrige oder in seinem Ermessen stehende Handlung oder Unterlassung für
sich oder einen Dritten einen nicht gebührenden Vorteil fordert, sich versprechen
lässt oder annimmt.
3.2. Der Täter muss somit die Amtsträgereigenschaft aufweisen. Es handelt
sich mithin um ein echtes Sonderdelikt (PIETH, in: Basler Kommentar, Strafrecht II,
3. Auflage 2013, N 1 zu Art. 322quater StGB und N 5 ff. zu Art. 322ter StGB). Das
Strafgesetzbuch enthält in Art. 110 Abs. 3 StGB eine Legaldefinition des straf-
rechtlichen Beamtenbegriffs, welcher sowohl institutionelle als auch funktionelle
Beamte erfasst (vgl. dazu auch BGE 135 IV 198 E. 3.3).
3.2.1. Der Beschuldigte stand zur G._ ... in einem öffentlich-rechtlichen
Dienstverhältnis, zumal er mit Beschluss des Regierungsrates vom 26. April 199j
per 1. Mai 1995 zum Chef der N._ und mit Beschluss des Regierungsrates
vom 22. Oktober 200j per 1. Januar 2004 zum Chef der Vermögensverwaltung
der G._ ernannt wurde (Urk. 1/3131127; Urk. 1/057061.1). Insofern ist der
Beschuldigte gemäss der aktuellen höchstrichterlichen Praxis als institutioneller
Beamter im Sinne von Art. 110 Abs. 3 StGB zu qualifizieren (BGE 135 IV 198
E. 3.3). Aufgrund seiner Qualifikation als institutioneller Beamter ist nicht weiter
relevant, ob er im Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermögens der
G._ öffentliche Interessen oder öffentliche Aufgaben verfolgte. Dies ist für
den institutionellen Beamten nicht von Bedeutung, vielmehr reicht bereits seine
Position, die auf einer institutionellen Bindung zum Gemeinwesen beruht, als sol-
che aus, um dem Beschuldigten Beamteneigenschaft im Sinne des Gesetzes zu
verleihen (JOSITSCH, Das Schweizerische Korruptionsstrafrecht, 2004, S. 313).
- 103 -
3.2.2. Dieses Verständnis des institutionellen Beamtenbegriffs macht mit
Blick auf das durch die Bestechungsdelikte geschützte Rechtsgut, die Objektivität
und Sachlichkeit amtlicher Tätigkeit, Sinn. Geschützt werden soll das Vertrauen
der Bevölkerung in ein korruptionsfreies Handeln einer für sie als Beamter er-
kennbaren Person. Dabei kann es nicht sein, dass sich die Bevölkerung zunächst
Gedanken darüber machen muss, ob eine solche Person denn auch öffentliche
Aufgaben wahrnimmt oder öffentliche Interessen verfolgt. Dies kann gerade des-
halb nicht verlangt werden, weil die Abgrenzung zwischen öffentlichen und priva-
ten Aufgaben zunehmend schwieriger wird. Es muss daher ausreichen, eine Per-
son bereits aufgrund ihrer institutionellen Bindung an das Gemeinwesen als Be-
amten qualifizieren zu können.
3.2.3. Auch wenn Gunther Arzt eine andere Meinung vertritt (vgl. GUNTHER
ARZT, Über Korruption, Moral und den kleinen Unterschied, recht 2001, S. 43, 46)
bleibt festzuhalten, dass abweichende Lehrmeinungen immer zu finden sind. Im
Lichte der inzwischen erfolgten höchstrichterlichen Rechtsprechung ist der Beam-
tenbegriff indessen weitgehend geklärt (BGE 135 IV 198).
3.2.4. Soweit der erbetene Verteidiger eklatante Versäumnisse der Kantons-
regierung moniert, da diese die Verselbständigung der G._ erst mit rund 10
Jahren Verspätung auf den 1. Januar 2014 umgesetzt habe (Urk. 299 S. 15), lässt
er ausser Acht, dass gemäss § 7 Abs. 1 2. Satz des von ihm zitierten Gesetzes
(OS 177.201.1) die Übertragung der Aktiven und Passiven der Versicherungskas-
se auf die Vorsorgeeinrichtung nur zu einem Zeitpunkt hätte erfolgen dürfen, in
welchem der Deckungsgrad der Versicherungskasse aus eigenen Mitteln mindes-
tens 100 % betragen hätte, was nach der Inkraftsetzung dieses Gesetzes vom
1. Mai 2007 rückwirkend auf den 1. Januar 2007 seit dem Jahre 2008 nie der Fall
war (vgl. http://www.G._.ch/...).
3.2.5. Als institutioneller Beamter ist der Beschuldigte nach dem Dargeleg-
ten als Beamter im Sinne von Art. 322quater StGB zu qualifizieren.
3.3. Die Tathandlung im engeren Sinne umfasst ein Fordern, ein Sich–
versprechen–lassen, oder ein Annehmen. Beim Fordern genügt eine einseitige
- 104 -
Willenserklärung des Beamten, welche in irgendeiner Form, auch konkludent, er-
folgen kann. Das Delikt ist vollendet, sobald die Forderung den Adressaten er-
reicht. Nicht notwendig ist, dass der Empfänger die Forderung erfüllt oder dies
auch nur in Aussicht stellt. Unter Sich–versprechen–lassen ist die ausdrückliche
oder konkludente Annahme eines Angebotes eines späteren Vorteils zu verste-
hen. Beim Annehmen handelt es sich um die Entgegennahme des Vorteils zu ei-
gener Verfügungsgewalt (PIETH, a.a.O., N 3 ff. zu Art. 322quater StGB, m.w.H.).
3.3.1. Gegenstand der Leistung und damit Tatmittel ist ein nicht gebühren-
der Vorteil, wobei sämtliche unentgeltlichen Zuwendungen sowohl materieller als
auch immaterieller Natur, zu deren Annahme der Amtsträger nicht berechtigt ist,
erfasst sind. Davon ausgenommen sind Zuwendungen, deren Annahme dienst-
rechtlich erlaubt sind oder die sozial toleriert werden, weil sie von geringfügigem
Wert sind (vgl. Botschaft vom 19. April 1999, a.a.O., BBl 1999 5528 Ziff. 212.22).
3.3.2. Der nicht gebührende Vorteil zugunsten des Beamten oder eines Drit-
ten hat für eine pflichtwidrige oder eine im Ermessen stehende Handlung oder
Unterlassung des Amtsträgers im Zusammenhang mit seiner amtlichen Tätigkeit
zu erfolgen.
3.3.2.1. Von einem funktionalen Zusammenhang zwischen der Handlung
des Amtsträgers und seiner amtlichen Stellung ist auszugehen, wenn dieser eine
Handlung vornimmt, die er lediglich aufgrund seiner amtsinternen Stellung vor-
nehmen kann (vgl. dazu Botschaft vom 19. April 1999, a.a.O., BBl 1999 5530
Ziff. 212.31; TRECHSEL/JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL in: Schweizerisches Strafge-
setzbuch Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, N 7 zu Art. 322ter StGB).
3.3.2.2. Beim Äquivalenzverhältnis stehen sich eine Leistung (das Anbieten,
Versprechen oder Gewähren eines nicht gebührenden Vorteils) und eine Gegen-
leistung (eine pflichtwidrige oder im Ermessen stehende Handlung oder Unterlas-
sung des Amtsträgers) gegenüber (PIETH, a.a.O., N 22 zu Art. 322ter StGB). Von
einem Äquivalenzverhältnis ist auszugehen, wenn die Gegenleistung des Amts-
trägers bestimmt oder bestimmbar und das zur Diskussion stehende Austausch-
verhältnis zwischen den Akteuren soweit konkretisiert ist, dass ein Zusammen-
- 105 -
hang zwischen dem gewährten Vorteil und der betreffenden Handlung oder Unter-
lassung des Amtsträgers erkennbar ist (DONATSCH/WOHLERS, Strafrecht IV, 4. Auf-
lage 2011, S. 611 f.; PIETH, a.a.O., N 47 zu Art. 322ter StGB; JOSITSCH, a.a.O.,
S. 353, 356). Bestimmbar ist eine als Äquivalent zum Vorteil darstellende Hand-
lung, wenn sie zwar im Moment der Korruptionshandlung nicht definiert ist, aber
allgemein umrissen werden kann, so dass immerhin ihr amtlicher oder allenfalls
pflichtwidriger Charakter zum Ausdruck kommt. Ein Äquivalenzverhältnis liegt
demgemäss auch vor, wenn eine Zuwendung erfolgt, ohne dass eine bestimmte
Gegenleistung bereits genau definiert wäre, immerhin aber ein Zusammenhang
zur Amtstätigkeit insofern gegeben ist, als den Beteiligten klar ist, dass der Vorteil
mit Blick auf die amtliche Position ausgerichtet wird. In diesem Sinne ist auch
dann von einem Äquivalenzverhältnis auszugehen, wenn die zur Diskussion ste-
hende Amtshandlung zwar nicht konkret bestimmt ist, immerhin aber ein rechts-
geschäftliches Verhältnis gediehen ist, worin die Absicht, eine Gegenleistung im
Bereich der Amtstätigkeit zu erwirken, ersichtlich ist (JOSITSCH, a.a.O., S. 354 f.).
Entgegen der Auffassung des erbetenen Verteidigers (Urk. 299 S. 91) setzt das
Vorliegen eines Äquivalenzverhältnis somit keine Unrechtsvereinbarung voraus.
Seine Kritik an der Vorinstanz ist unberechtigt.
3.3.3. Art. 322ter und 322quater StGB stellen die Ermessensausübung der
pflichtwidrigen Amtstätigkeit gleich, womit die Bestechungstatbestände auch dann
erfüllt sind, wenn der Amtsträger aufgrund des ungebührenden Vorteils eine in
seinem Ermessen liegende Handlung vornimmt. Demzufolge kann auch eine im
Ermessen des Amtsträgers liegende Handlung strafrechtlich relevant sein. Be-
gründet wird dies damit, dass der Amtsträger zufolge des Vorteils befangen sei.
Entsprechend kann eine Bestechung vorliegen, obwohl die Handlung des Amts-
trägers als pflichtgemäss zu erachten ist. Dies wiederum hat zur Folge, dass bei
Vorteilszuwendung im Falle pflichtgemässen Ermessens die Tatbestände der Vor-
teilsgewährung nach Art. 322quinquies StGB und der Vorteilsannahme nach
Art. 322sexies StGB nicht anwendbar sind, sondern nur bei gebundenem Verwal-
tungshandeln (DONATSCH/WOHLERS, a.a.O., S. 610 f.; BGE 129 II 462 E. 4.5;
PIETH, a.a.O., N 44 f. zu Art. 322ter StGB; JOSITSCH, a.a.O., S. 365).
- 106 -
3.3.3.1. Wird dem Amtsträger ein Ermessen eingeräumt, so steht ihm von
Gesetzes wegen ein Entscheidungsspielraum zur Verfügung. Der Gesetzgeber
überlässt ihm somit die Entscheidung darüber, ob überhaupt eine Rechtsfolge
angeordnet werden soll, respektive räumt ihm die Möglichkeit ein, zwischen ver-
schiedenen Rechtsfolgen zu wählen. Der Amtsträger wird zum sogenannten Er-
messensbeamten. Ein solcher ist beispielsweise der für die Vergabe eines Bau-
projektes verantwortliche Beamte, der zwischen verschiedenen Bewerbern aus-
wählen muss. Das Gleiche gilt, wenn der Betreffende den Entscheid lediglich vor-
bereitet und der Behörde einen Kandidaten vorschlägt. Gebundenes Verwal-
tungshandeln stellt dagegen beispielsweise das Ausstellen von Verkehrsbussen
durch einen Polizeibeamten dar, da hier kein Entscheidungsspielraum besteht.
Gerade dieser Spielraum ist es aber, welcher der Ermessensausübung im Rah-
men der Korruption ihre besondere Bedeutung verleiht. Während der bestochene
Amtsträger im Rahmen des gebundenen Verwaltungshandelns einen eng defi-
nierten Rahmen überschreitet, handelt der Ermessensbeamte, der sich kaufen
lässt, trotz Beeinflussung mittels Korruption unter Umständen, von aussen be-
trachtet, korrekt im Rahmen seines Ermessensspielraums. Es kann daher für das
Korruptionsstrafrecht auch keine Rolle spielen, ob es sich hierbei um Tatbe-
stands- oder Rechtsfolgeermessen handelt. Entscheidend ist einzig, dass der
Amtsträger über Wahlmöglichkeiten verfügt.
3.3.3.2. Eine Rechtsverletzung im Sinne des Verwaltungsrechts liegt vor,
wenn der Amtsträger den Ermessensspielraum überschreitet, unterschreitet oder
missbraucht. Von einer Überschreitung ist auszugehen, wenn das Ermessen in
einem Bereich ausgeübt wird, in dem kein Ermessensspielraum besteht. Eine Un-
terschreitung ist dagegen anzunehmen, wenn sich der Amtsträger trotz vom Ge-
setz eingeräumter Wahlmöglichkeit als gebunden erachtet. Ein Missbrauch
schliesslich ist gegeben, wenn die Grenzen des Ermessensspielraums zwar be-
achtet werden, das Ermessen aber unter unmassgeblichen Gesichtspunkten, ins-
besondere willkürlich oder rechtsungleich betätigt wird. Eine blosse Unangemes-
senheit wird angenommen, wenn wie beim Missbrauch das Ermessen falsch ge-
handhabt wird, der Entscheid indes nicht geradezu unhaltbar erscheint (JOSITSCH,
- 107 -
a.a.O., S. 363; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
6. Auflage 2010, Rz 459b ff.).
3.3.3.3. Dies wird teilweise als einseitige Benachteiligung des Ermessens-
beamten kritisiert, für welche es keine überzeugende Begründung gebe (JO-
SITSCH, a.a.O., S. 365 ff.). Diese Kritik vermag indessen nichts am klaren Geset-
zestext, der ratio legis und an den Intentionen des Gesetzgebers (Botschaft, BBl
1999, 5531 ff.) zu ändern.
3.3.4. Die amtliche Tätigkeit des Beschuldigten beschränkte sich nicht auf
bloss gebundene Verwaltungsaufgaben, wie dies beim blossen Ausstellen von
Bussen beispielsweise der Fall wäre. Bei seiner Mitwirkung an den Mandats-
vergaben an externe Vermögensverwalter, des Umfangs der Mandate sowie bei
der Ausgestaltung der Konditionen, bestanden diverse Wahlmöglichkeiten. Es
kam ihm mithin erhebliches Ermessen zu.
3.3.5. Pflichtwidrigkeit im Sinne der Korruptionsstrafnormen liegt vor, wenn
der Amtsträger mit einer Handlung, die im Zusammenhang mit einer amtlichen
Tätigkeit steht, gegen eine öffentlich-rechtliche Norm, wie Beamtengesetze und
-verordnungen, Richtlinien, allgemeine Dienstanweisungen oder Pflichtenhefte
oder auch das Strafgesetzbuch selbst, verstösst, die sein pflichtgemässes Verhal-
ten umschreibt (PIETH, a.a.O., N 42 ff. zu Art. 322ter StGB i.V.m. N 1 zu
Art. 322quater StGB, JOSITSCH, a.a.O., S. 361 f.). Ebenso begründen alle Arten von
Ermessensfehlern die Pflichtwidrigkeit (dazu vorstehend, Erw. III.3.3.3. f.).
3.4. Das geltende Korruptionsstrafrecht trat am 1. Mai 2000 in Kraft
(AS 2000 1121-1126; Botschaft, BBl 1999 5497 ff.). Nach den seither geltenden
Bestimmungen macht sich ein Amtsträger einer passiven Bestechung im Sinne
von Art. 322quater StGB auch strafbar, wenn er im Nachgang zur betreffenden
Amtshandlung einen Vorteil annimmt, sofern ein Zusammenhang zur Amtstätig-
keit besteht.
3.4.1. Ziel und Zweck der Revision bestanden unter anderem ausdrücklich
darin, dass sich auch derjenige Beamte strafbar macht, der im Nachgang zu einer
- 108 -
Amtshandlung einen Vorteil annimmt oder sich versprechen lässt (Botschaft,
BBl 1999 5497 ff.). Dementsprechend sollte auch die nachträgliche Belohnung
bestraft werden (BBl 1999 5498). Begründet wurde die Reformbedürftigkeit mit
dem Wandel des geschützten Rechtsgutes und der Forderung nach Beweiser-
leichterungen. An die Stelle der Bestrafung des Ungehorsams von Beamten trat
die Sorge um die Sachlichkeit und Objektivität der staatlichen Entscheidungsfin-
dung. Die Bestechungsnormen sollten dem abstrakten Schutz des Vertrauens der
Allgemeinheit in die Sachlichkeit staatlicher Tätigkeit dienen (Botschaft, BBl 1999
5504 ff. Ziffer 114 bzw. 114.1 und 114.2).
3.4.2. Geschütztes Rechtsgut der Bestechungstatbestände ist damit nicht
mehr nur die Objektivität und Sachlichkeit staatlicher Handlungen, sondern bereits
das Vertrauen der Allgemeinheit in die Objektivität und Sachlichkeit staatlicher Tä-
tigkeit (Botschaft, BBl 1999 5523). Angesichts der Tatsache, dass dieses Vertrau-
en des Volkes eine elementare Säule eines funktionierenden Staatssystems dar-
stellt, erscheint diese Erweiterung des Schutzes auf das besagte Vertrauen ge-
rechtfertigt. Dies veranschaulicht das Beispiel, dass das Vertrauen der Allgemein-
heit in die Objektivität staatlicher Entscheidungsprozesse beeinträchtigt ist, wenn
kurz nach der Vergabe eines erheblichen Staatsauftrages auch nicht im Voraus
vereinbarte Fr. 50'000.– auf das Privatkonto des betreffenden Vergabebeamten
überwiesen werden. Daher sei auch die (nachträgliche) Belohnung, bzw. die An-
nahme derselben unter Strafe zu stellen (Botschaft, BBl 1999 5506).
3.4.3. Aus der Botschaft geht überdies eindeutig hervor, dass die Belohnung
bzw. deren Annahme im Nachgang zu staatlichem Handeln nicht unter die Auf-
fangtatbestände der Vorteilsgewährung bzw. -annahme (Art. 322quinquies und
Art. 322sexies StGB) fällt, sondern von den Bestechungstatbeständen (Art. 322ter
StGB und Art. 322quater StGB) erfasst wird. Im Zusammenhang mit den Beste-
chungstatbeständen (Art. 322ter und Art. 322quater StGB) sei inskünftig ausdrück-
lich auf das Tatbestandsmerkmal der Künftigkeit der Amtshandlung zu verzichten
und die Belohnung bzw. die Annahme derselben im Nachgang zu staatlichen Tä-
tigkeiten strafbar (BBl 1999 5532, vgl. auch Amtliches Bulletin 99.026 2122 ff.; so
auch bereits umfassend die Vorinstanz: Urk. 221 S. 154 ff.).
- 109 -
3.5. Bestechungsvorwurf im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
H._ (Anklageziffer III.)
3.5.1. Auszugehen ist vom erstellten Sachverhalt, wonach der Beschuldigte
ca. Januar/Februar 2002 Fr. 200'000.– im Nachhinein als Vermittlungsprovision
vom Mitbeschuldigten H._ entgegennahm, nachdem er sich massgeblich da-
für eingesetzt hatte, dass die G._ 400'000 Aktien der V._ AG zum Preis
von insgesamt Fr. 40'400'000.– erwarb, ohne dass vorgängig eine Bestechungs-
vereinbarung mit H._ bestanden hätte (vorstehend, Erw. II.3. ff.).
3.5.2. Dass die Annahme eines Vorteils für eine bereits vorgenommene Er-
messenshandlung, mithin ohne vorbestehende Bestechungsabrede, den Tatbe-
stand der passiven Bestechung im Sinne von Art. 322quater StGB erfüllen kann,
wurde bereits dargelegt (vorstehend, Erw. III.3.4. ff.). Der objektive Tatbestand
des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB ist somit auch erfüllt,
wenn die Annahme des ungebührenden Vorteils für eine vorgenommene Ermes-
senshandlung erst nachträglich erfolgt ist.
3.5.2.1. Der angenommene Vorteil muss daher auch nicht im Rahmen einer
Unrechtsvereinbarung stehen, das heisst, im Austausch gegen eine Ermessens-
entscheidung erfolgt sein. Dass der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte
H._ keine vorgängige Bestechungsvereinbarung geschlossen hatten, ändert
daran nichts. Das Austauschverhältnis zwischen dem Ermessensentscheid und
dem ungebührenden Vorteil ist dennoch gegeben und von den Beteiligten auch
gewollt.
3.5.2.2. Ihr Vorgehen verletzt das durch das geltende Korruptionsstrafrecht
geschützte Rechtsgut, da das Vertrauen in die Objektivität und Sachlichkeit der
amtlichen Tätigkeit auch durch die erst nachträglich erfolgte Übergabe und An-
nahme des Geldbetrages beeinträchtigt wurde, zumal es sich bei den Beste-
chungsdelikten um abstrakte Gefährdungsdelikte handelt, bei denen eine tatsäch-
liche Verletzung oder eine konkrete Gefährdung des geschützten Rechtsgutes
nicht vorausgesetzt wird (DONATSCH/WOHLERS, a.a.O., S. 597 f.; FLACHSMANN, in:
StGB Kommentar, 19. Auflage 2013, N 1 zu Art. 322ter StGB).
- 110 -
3.5.3. Der massgebliche Einsatz des Beschuldigten dafür, dass die G._
400'000 Aktien der V._ AG zum Preis von Fr. 40'400'000.– erwarb stellte ein
in seinem Ermessen stehendes Handeln dar, welches er in seiner amtlichen
Funktion im Zusammenhang mit seinen beruflichen Aufgaben als Chef der
N._ ausführte.
3.5.4. Gemäss den Richtlinien der Finanzdirektion über die Anlage der Ver-
mögenswerte der Versicherungskasse ... vom 21. Januar 1998 (Urk. 1/057003)
gehörte es zu den Aufgaben des Beschuldigten, das Vermögen der G._ in
Wertschriften und in nicht verbriefte Geld- und Kapitalmarktinstrumente anzulegen
und in den Fällen, in welchen ihm nicht selbständige Entscheidungskompetenz
zukam, der übergeordneten Finanzdirektion entsprechende Anträge zu stellen.
Sein Antrag an den Finanzdirektor für den Erwerb von 400'000 Aktien der
V._ AG war damit Teil seiner Aufgaben als Chef Vermögensverwaltung und
wies einen direkten Zusammenhang mit seiner amtlichen Tätigkeit auf.
3.5.5. Bei den an einem Abend im Januar/Februar 2002 vom Mitbeschuldig-
ten H._ entgegengenommenen Fr. 200'000.– handelt es sich um eine nach-
trägliche Belohnung, ein Dankeschön in der Form einer Vermittlungskommission
(Urk. 1/064001 S. 5, 25; Urk. 1/070011 S. 8), mithin eine unentgeltliche Zuwen-
dung und damit um eine wirtschaftliche Besserstellung des Beschuldigten. Eine
Berechtigung zur Annahme dieser Geldsumme oder gar ein Rechtsanspruch lag
zu keinem Zeitpunkt vor. Vielmehr war es dem Beschuldigten aufgrund von § 50
des Gesetzes über das Arbeitsverhältnis des Staatspersonals des Kantons Zürich
(LS 177.10) untersagt, Geschenke, mit Ausnahme von Höflichkeitsgeschenken
von geringem Wert, anzunehmen. Dass es sich bei einem solchen Betrag nicht
um ein blosses, übliches Höflichkeitsgeschenk handelt, bedarf keiner weiteren
Erörterung. Der Beschuldigte war als Amtsträger nicht zur Annahme berechtigt.
Es handelt sich demnach um einen ungebührenden Vorteil im Sinne der Geset-
zesbestimmung. Mit der Annahme der Geldsumme hat der Beschuldigte überdies
die Tathandlung im engeren Sinne erfüllt.
3.5.6. Ein Äquivalenzverhältnis liegt somit ebenfalls vor (vgl. vorstehend,
Erw. III.3.3.2.2.). Die Gegenleistung des Amtsträgers, der massgebliche Einsatz
- 111 -
des Beschuldigten und sein Antrag an die Finanzdirektion zum Erwerb der
400'000 Aktien der V._ AG durch die G._ ist bestimmbar und steht of-
fenkundig im Austauschverhältnis zur vom Mitbeschuldigten H._ nachträglich
an ihn geleisteten Geldsumme (vorstehend, Erw. III.3.5.4.; so auch die Vor-
instanz: Urk. 221 S. 153 f.).
3.5.7. In subjektiver Hinsicht setzt auch Art. 322quater StGB Vorsatz voraus,
wobei eventualvorsätzliches Handeln genügt. Das Wissen und Wollen des Täters
muss sich dabei auf sämtliche objektiven Tatbestandsmerkmale erstrecken
(PIETH, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, a.a.O., N 49 zu Art. 322ter StGB i.V.m.
N 1 zu Art. 322quater StGB).
3.5.7.1. Beim Vorsatz ist zwischen direktem Vorsatz und Eventualvorsatz zu
unterscheiden. Von einem direkten Vorsatz ist auszugehen, wenn der Täter um
das Vorliegen sämtlicher objektiver Tatbestandsmerkmale weiss und den objekti-
ven Tatbestand willentlich erfüllt, wohingegen vom Vorliegen eines Eventualvor-
satzes auszugehen ist, wenn dieser das Vorliegen bestimmter Tatbestandsmerk-
male in Kauf nimmt und bei seiner Handlung mit der Verwirklichung der entspre-
chenden Merkmale rechnet (DONATSCH/TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre,
9. Auflage 2013, S. 122 f.).
3.5.7.2. Nachdem der Beschuldigte durchaus wusste, dass er die ihm vom
Mitbeschuldigten H._ als Vermittlungskommission für den von ihm im Rah-
men seiner amtlichen Tätigkeit bewirkten Aktienkauf durch die G._ angebo-
tene, hohe Bargeldsumme von Fr. 200'000.– nicht hätte annehmen dürfen (vor-
stehend, Erw. II.3.5.) und er dieses Geld dennoch annahm, erfüllte er auch den
subjektiven Tatbestand des Sich-bestechen-lassens vorsätzlich.
Damit hat der Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand des
Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB erfüllt.
3.6. Bestechungsvorwurf im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
I._ (Anklageziffer IV.)
- 112 -
3.6.1. Die Amtsträgereigenschaft des Beschuldigten ist auch bei diesem An-
klagekomplex gegeben (vorstehend, Erw. III.3.2. ff.).
3.6.2. Der Beschuldigte hat dem Mitbeschuldigten I._ im Jahre 2004
mehrfach zumindest konkludent zu verstehen gegeben, dass er grösseren Geld-
bedarf habe. Der Mitbeschuldigte I._ unterbreitete ihm eine Erfolgsbeteili-
gung von 7 % an den Erträgen der I1._ aus den G._-Mandaten, welcher
der Beschuldigte zustimmte und die daraus über einen Zeitraum von mehr als fünf
Jahren resultierenden Geldzahlungen von insgesamt Fr. 863'000.– in der Folge
annahm, ohne dass er darauf einen Rechtsanspruch gehabt hätte (vorstehend,
Erw. II.4.7. ff.). Damit erfüllte der Beschuldigte alle drei Elemente der Tathandlung
im engeren Sinne, nämlich das Fordern, das Sich–versprechen–lassen und das
Annehmen des nicht gebührenden Vorteils (vgl. vorstehend, Erw. III.3.3.), wobei
der erwähnten Erfolgsbeteiligung an den Erträgen der I1._ die Funktion der
Bestechungsvereinbarung zukommt.
3.6.3. Als Äquivalent zu den vom Mitbeschuldigten I._ angenommenen
Geldzahlungen liegen die vom Beschuldigten in seiner amtlichen Funktion mass-
geblich beeinflussten Erteilungen der Mandate der G._ an die I1._ vor
(vgl. vorstehend, Erw. II.4.1.). Das Äquivalenzverhältnis ist somit ebenfalls gege-
ben (vgl. vorstehend, Erw. III.3.3.2.2.). Die Gegenleistung des Amtsträgers, der
massgebliche Einfluss und Einsatz des Beschuldigten auf die Mandatsvergaben
der G._ an die dem Mitbeschuldigten I._ gehörende I1._ ist be-
stimmbar und steht offenkundig im Austauschverhältnis zu den angenommenen
Geldsummen. Dass diese Geldzahlungen unter den gegebenen Umständen nicht
ernsthaft privater Natur gewesen sein konnten, steht ausser Frage.
3.6.4. Bereits die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass die Pflichtwidrig-
keit der Entscheide und Handlungen des Beschuldigten darin lag, dass er bei der
Vergabe sämtlicher Aufträge an die I1._ bewusst keine anderen Offerten
eingeholt und entsprechende Angebote mit anderen Finanzdienstleistern vergli-
chen hatte (Urk. 77 S. 23), wie es in den Richtlinien der Finanzdirektion über die
Anlage der Vermögenswerte der Versicherungskasse über das Staatspersonal
des Kantons Zürich vorgegeben war, was ihm sowohl in seiner Position als Chef
- 113 -
der N._ als auch als Chef Asset Management der G._ bestens bekannt
gewesen sein muss (Urk. 221 S. 86; Art. 82 Abs. 4 StPO; vorstehend,
Erw. II.4.8.1.).
3.6.4.1. Zwar war keine ausdrückliche Regelung vorhanden, welche eine
förmliche Ausschreibung solcher Aufträge vorgeschrieben hätte. So hatte dies
auch alt Regierungsrat AF._ in seiner staatsanwaltschaftlichen Zeugenbefra-
gung vom 18. September 2010 erklärt (Urk. 65 S. 25 f.; Urk. 1/077003 S. 9
Ziff. 42, S. 27, Ziff. 129). Den Aussagen über seine diesbezüglichen Kenntnisse
kann indessen selbstredend nur Geltung für die Dauer seiner Amtstätigkeit als Fi-
nanzdirektor bis Ende April 20jj zukommen. Die Pflicht, Offerten einzuholen, wur-
de nicht thematisiert (Urk. 1/077003 S. 4). Dies bedeutet allerdings nicht, dass der
Beschuldigte auch zu Beginn der Auftragsvergaben an die I1._ völlig frei ge-
wesen wäre. Vielmehr unterlag auch sein damaliges Handeln den sich aus öffent-
lich-rechtlichen Normen, wie dem Gesetz über das Arbeitsverhältnis des Staats-
personals (Personalgesetz; 177.10) vom 27. September 1998 (in Kraft seit 1. Juli
1999), Verordnungen, Richtlinien, Dienstanweisungen oder Pflichtenheften, erge-
benden Pflichten.
3.6.4.2. Schon die im Jahre 2003 geltenden Richtlinien der Finanzdirektion
über die Anlage der Vermögenswerte der Versicherungskasse ... vom 15. Oktober
2001 (Urk. 1/057004 S. 16, Ziffer III.3.) verlangten bei der Auftragsvergabe an
Banken und Finanzinstitute, dass die Qualität der offerierten Dienstleistungen, die
Konditionen, die Erfahrung und die Präsenz auf dem Markt berücksichtigt wurden,
was entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 299 S. 105 ff.) offenkundig
bereits damals das Einholen von Offerten implizierte. Bei Gleichwertigkeit der Kri-
terien waren die Aufträge an die AS._ oder im Kanton Zürich steuerpflichtige
Banken und Institute zu vergeben. Diese Vorgaben entsprachen im Übrigen jenen
in den früheren Versionen der Richtlinien (Urk. 1/057002 f.). Nachdem der Be-
schuldigte zusammen mit T._ am 30. Juni 2003 der I1._ den Auftrag er-
teilt hatte, bestimmte Devisenabsicherungsgeschäfte für die auf USD lautenden
Geldmarktanlagen der G._ in Form von Termingeschäften durchzuführen,
ohne dass zu diesem Zwecke vorgängig Offerten bei anderen Finanzdienstleis-
- 114 -
tern zur Prüfung eingeholt wurden, ob ein anderer Anbieter diese Dienstleistun-
gen zu besseren Konditionen hätte erbringen wollen und können, verletzte er die-
se verwaltungsinternen Richtlinien sowie § 49 des Personalgesetzes, wonach die
Angestellten u.a. sich rechtmässig zu verhalten, die ihnen übertragenen Aufgaben
persönlich, sorgfältig, gewissenhaft und wirtschaftlich auszuführen und die Inte-
ressen des Kantons in guten Treuen zu wahren haben.
3.6.4.3. Aus dem Anlagereglement der G._ vom 1. Februar 2006 ergibt
sich, dass die Auswahl der externen Vermögensverwalter mit aller Sorgfalt und
nachvollziehbar zu erfolgen hat und die Erwägungen des Auswahlverfahrens zu
protokollieren sind (Urk. 1/057005 S. 6, Ziff. 5.10.). Die Durchführung eines Aus-
wahlverfahrens impliziert wiederum das Einholen von Offerten bei verschiedenen
Anbietern zum Zwecke des Vergleichs. Das Anlagereglement der G._ vom
1. Februar 2006 trat am 1. Februar 2006 in Kraft und ersetzte die vorerwähnten
Richtlinien vom 15. Oktober 2001 (Urk. 1/057005 S. 8).
3.6.4.3.1. Im Anhang 2 zum Anlagereglement vom 1. Februar 2006 sind in
den Richtlinien für Mandatsvergaben der G._ (Urk. 1/057005.2 S. 5) unter
Ziffer 1.3. "Allgemeine Grundsätze" aufgeführt. In Ziffer 1.3.1. ("Interessen der
G._") ist festgelegt, dass "für die Auswahl der externen Mandatsträger einzig
die Interessen der G._ massgebend" sind. "Das Auswahlverfahren beruht auf
dem Prinzip der Konkurrenz und hat zum Ziel, für die zu vergebenden Aufträge
und Dienstleistungen die geeignetsten Anbieter zu finden und zu beauftragen." In
Ziffer 5.10. besagt das Reglement, dass die Auswahl der externen Vermögens-
verwalter mit aller Sorgfalt und nachvollziehbar zu erfolgen habe, und dass die
Erwägungen des Auswahlverfahrens zu protokollieren seien.
3.6.4.3.2. Das Prinzip der Konkurrenz sowie das Ziel, die geeignetsten An-
bieter zu finden, verlangt zweifellos nach der Einholung von Offerten auf dem be-
treffenden Markt. Dasselbe ergibt sich aus Ziffer 4.3. "Selektions- und Fachbera-
tung", wo die Zuständigkeit für die Festlegung des Beratungsaufwandes der GL
zugewiesen ist, welche sich hierbei an marktüblichen Ansätzen zu orientieren und
(ausdrücklich) verschiedene Offerten einzuholen hat. Letztere Regelungen wur-
den durch die Finanzdirektorin am 18. September 2009 mit Wirkung ab 1. Oktober
- 115 -
2009 in Kraft gesetzt und lösten jene vom 1. Februar 2006 ab (Urk. 1/057005.2
S. 13 f.).
3.6.4.4. Bereits erwogen wurde (vorstehend, Erw. II.4.8.2. ff.), dass die An-
nahme des geldwerten, nicht gebührenden Vorteils aus der fortwährenden Betei-
ligung am Bruttoertrag der I1._ überdies ein latentes Eigeninteresse des Be-
schuldigten am wirtschaftlichen Wohlergehen der Firma des Mitbeschuldigten
I._ und an einer steten Ausdehnung von deren Auftragsvolumen entstehen
liess. Dieses latente Eigeninteresse beeinflusste ihn zusätzlich, die I1._
pflichtwidrig nicht dem Wettbewerb und den Offerten anderer Anbieter im Devi-
senbereich auszusetzen, was auch durch die Aussage des Mitbeschuldigten
I._ illustriert wird, wonach das pricing (zwar) marktkonform gewesen sei, der
Beschuldigte ihm aber auch hätte sagen können, er solle es für die G._ lie-
ber ein "Mü" günstiger machen (Urk. 1/067003 S. 70). Anstatt darum bemüht zu
sein, bei der I1._ durchaus mögliche, noch bessere Konditionen auszuhan-
deln, beliess es der Beschuldigte bei einem angeblich "marktkonformen Honorar"
und steckte stattdessen über mehr als fünf Jahre hinweg eine Beteiligung an de-
ren Bruttoerträgen von Fr. 863'000.– in die eigene Tasche. Da der Beschuldigte
bei der Vergabe der Aufträge an die I1._ keine Offerten einholte, handelte er
pflichtwidrig.
3.6.4.5. Die Handlungen und Entscheide des Beschuldigten im Zusammen-
hang mit der I1._ waren in Ergänzung zur vorinstanzlichen Würdigung der-
selben (Urk. 221 S. 161 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO) ab dem Zeitpunkt der ersten An-
nahme einer Geldzahlung, mithin ab Ende Januar 2005 (vgl. vorstehend,
Erw. II.4.6.1.) korrumpiert und damit auch unter diesem Blickwinkel pflichtwidrig,
womit auch das Tatbestandselement der Pflichtwidrigkeit (vorstehend,
Erw. III.3.5.) erfüllt ist.
3.6.5. Da auch die Annahme nachträglicher Geldzahlungen als Belohnung
für bereits in amtlicher Tätigkeit erfolgte pflichtwidrige oder im Ermessen des
Amtsträgers stehende Handlungen tatbestandsmässig ist (vorstehend,
Erw. III.3.4. ff.), erfüllt auch die erste, vom Mitbeschuldigten I._ als rückwir-
kende Erfolgsbeteiligung ab 1. Mai 2004 durch den Beschuldigten angenommene
- 116 -
Geldzahlung von Fr. 74'000.– (vorstehend, Erw. II.4.6.1.) den objektiven Tatbe-
stand.
3.6.6. In subjektiver Hinsicht muss es dem Beschuldigten unter den gegebe-
nen Umständen in der ganzen Tragweite und über den gesamten Deliktszeitraum
hinweg völlig klar und bewusst gewesen sein, dass es sich bei den angenomme-
nen Geldsummen um einen nicht gebührenden Vorteil handelte, wie er teilweise
sogar selber ausdrücklich eingeräumt hatte (Urk. 1/062045 S. 3, Vorhalt 8). Hinzu
kommt, dass er persönlich – nicht zuletzt auch angesichts seiner Mitgliedschaft
als Vertreter der G._ im Stiftungsrat der Stiftung "AH._" im Zeitraum von
Januar 2000 bis September 2003 (Urk. 1/057049 ff.; Verhaltenskodex vom 4. Mai
2000: Urk. 1/057053 ff., Urk. 1/057057, Art. 7; Urk. 1/313115) – offensichtlich aus-
reichend sensibilisiert war über seine Befugnisse bei unentgeltlichen Zuwendun-
gen im Zusammenhang mit seiner amtlichen Tätigkeit (vgl. vorstehend,
Erw. II.4.8.3.). Indem er die Geldsummen dennoch annahm, handelte er mit direk-
tem Vorsatz (vgl. vorstehend, Erw. III.3.5.9. f.).
3.6.6.1. Ebenso bewusst muss ihm gewesen sein, dass sein Handeln, seine
Anträge und Entscheide bei den an die I1._ vergebenen G._-Mandaten
nicht gemäss seinen Pflichten erfolgt waren, respektive die entsprechende Aus-
übung seines Ermessens durch die regelmässig vom Mitbeschuldigten I._
entgegengenommenen Gelder beeinflusst war, so dass seine Handlungen nicht
mehr unparteiisch und unbefangen erfolgen konnten, wie er teilweise sogar eben-
falls selber ausdrücklich eingeräumt hatte (Urk. 1/062030 S. 41; Urk. 1/062048
S. 43). Auch diesbezüglich handelte er somit direktvorsätzlich.
3.6.6.2. Nachdem der Beschuldigte im Jahre 2004 gegenüber dem Mitbe-
schuldigten I._ zumindest konkludent zu verstehen gab, dass er Geldbedarf
habe, worauf der Mitbeschuldigte I._ ihm die besagte Erfolgsbeteiligung von
7 % unterbreitete und er dieser zustimmte (vorstehend, Erw. II.4.7. ff.;
Erw. III.3.6.2.), ergibt sich wiederum, dass er mit Wissen und Wollen handelte,
mithin mit direktem Vorsatz.
3.6.6.3. Somit ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt.
- 117 -
3.6.7. Die gesamte Summe der vom Mitbeschuldigten I._ entgegenge-
nommenen Bestechungszahlungen hatte mit der Vereinbarung einer Erfolgsbetei-
ligung von 7 % eine einheitliche Grundlage und ging daher auf einen einheitlichen
Willensentschluss zurück. Da sich die Gesamtsumme aus Teilzahlungen zusam-
mensetzte, welche im Zeitraum ab Ende Januar 2005 bis zum 3. Mai 2010 in un-
regelmässigen Abständen an verschiedenen Orten in Zürich, hauptsächlich an-
lässlich gemeinsamer Mittagessen in verschiedenen Restaurants durch die Über-
gabe eines Briefumschlages mit jeweils zwischen Fr. 20‘000.– bis Fr. 50‘000.– in
bar erfolgten waren, was der Beschuldigte stets anerkannte (vgl. vorstehend,
Erw. II.4.1.), erscheinen die örtlich und zeitlich weit auseinanderliegenden Geld-
annahmen nicht mehr als einheitliches Geschehen und sind daher nicht als ein-
heitliche Tat zu werten (vgl. BGE 133 IV 256 E. 4.5.3). Es liegt somit mehrfache
Tatbegehung vor.
Damit hat der Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand des
Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB mehrfach erfüllt.
3.7. Bestechungsvorwurf im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
J._ sowie den Golfferien (Anklageziffer V. und VII.)
3.7.1. Die Amtsträgereigenschaft des Beschuldigten ist auch bei diesem An-
klagekomplex gegeben (vorstehend, Erw. III.3.2. ff.).
3.7.2. Der Beschuldigte hat vom Mitbeschuldigten J._ im Zeitraum zwi-
schen ca. 2005 und Dezember 2009 Bargeldzahlungen in Teilbeträgen von
Fr. 10'000.– von insgesamt Fr. 180'000.– angenommen (vorstehend, Erw. II.5. ff.,
Erw. II.1.2., Erw. II.5.5. ff., insbes. 5.5.4.1.). Vom 29. Juni 2008 bis 3. Juli 2008
verbrachte er zusammen mit den Mitbeschuldigten J._, K._ und I._
Golfferien in Irland und vom 22. März 2009 bis 26. März 2009 in Marokko, wobei
er die Bezahlung seines Kostenanteils am ganzen Reisearrangement von
Fr. 4'228.25, bzw. Fr. 1'908.50 jeweils vom Mitbeschuldigten J._ bzw. von
dessen Firma AK._ AG annahm (vgl. Erw. II.7.1. f.). Damit liegt mehrfaches
Annehmen als Tathandlung im engeren Sinne vor.
- 118 -
3.7.3. Indem der Beschuldigte auch gegenüber dem Mitbeschuldigten
J._ ab 2005 immer wieder seinen Geldbedarf beiläufig durchblicken liess, hat
er – in Ergänzung zum vorinstanzlichen Schuldspruch – (vgl. vorstehend,
Erw. II.5.10.2. f.) auch die Tathandlung des Forderns erfüllt. Damit erfüllte er zwei
Elemente der Tathandlung im engeren Sinne, das Fordern und das Annehmen
des nicht gebührenden Vorteils (vgl. vorstehend, Erw. III.3.3.).
3.7.4. Die vom Beschuldigten angenommenen Geldbeträge des Mitbeschul-
digten J._ und die durch diesen, bzw. dessen AK._ AG getragenen Kos-
ten der Golfferien, stellen unentgeltliche Zuwendungen materieller Natur dar. Als
Amtsträger war der Beschuldigte zu deren Annahme nicht berechtigt, zumal diese
nicht bloss aus privater Freundschaft erfolgt waren, sondern in einem offensichtli-
chen Konnex zu seiner amtlichen Tätigkeit mit dem Mitbeschuldigten J._ und
dessen AK._ AG standen (vgl. z.B. vorstehend, Erw. II.5.6.2. ff.;
Erw. II.5.8. ff.).
3.7.4.1. Dass diese Zuwendungen aufgrund ihres materiellen Wertes über-
dies weit entfernt von dienstrechtlich Erlaubtem oder sozial Toleriertem waren,
bedarf keiner weitergehenden Erörterung. Sie stellen fraglos nicht gebührende
Vorteile (vgl. vorstehend, Erw. III.3.3.1.) dar.
3.7.4.2. Beim vom Mitbeschuldigten J._ über dessen AK._ AG im
Juli 2005 dem Beschuldigten gewährten und von diesem angenommenen Darle-
hen in der Höhe von Fr. 130'000.– anerkannte der Beschuldigte, dass das Darle-
hen für ihn vorteilhaft war, da er dadurch schnell und effizient zu Geld kam (vor-
stehend, Erw. II.4.10.2.). Er bestreitet indessen, dadurch einen strafrechtlich rele-
vanten nicht gebührenden Vorteil erlangt zu haben (vgl. vorstehend,
Erw. II.5.11.6.).
3.7.4.2.1. Die Vorrichter kamen zum Schluss, bei diesem Darlehen habe es
sich insgesamt um ein ausgewogenes Geschäft gehandelt, weshalb das Tatbe-
standsmerkmal des nicht gebührenden Vorteils nicht erfüllt sei und es den Be-
schuldigten von diesem Vorwurf freisprach (Urk. 221 S. 152). Die Staatsanwalt-
schaft hat mit ihrer Berufungserklärung beantragt, der Beschuldigte sei im Zu-
- 119 -
sammenhang mit diesem Darlehen wegen Sich-bestechen-lassens schuldig zu
sprechen (Urk. 228). Sie begründete diesen Antrag anlässlich der Berufungsver-
handlung nicht weiter. Die erbetene Verteidigung verneinte einen unrechtmässi-
gen Vorteil und machte unter Verweis auf den vorinstanzlichen Freispruch gel-
tend, beim Darlehen habe es sich um ein ausgeglichenes Geschäft, basierend auf
einer ausschliesslich freundschaftlichen Beziehung, gehandelt (Urk. 299 S. 98 f.).
3.7.4.2.2. Der zwischen dem Beschuldigten und der AK._ AG abge-
schlossene Darlehensvertrag enthielt folgende Bedingungen (Urk. 1/050011): Die
Höhe des Darlehens wurde auf Fr. 130'000.– und die Laufzeit auf 5 Jahre, mithin
auf die Zeit vom 23. August 2005 bis zum 31. März 2010, festgesetzt. Vereinbart
wurde weiter eine quartalsweise Amortisation und Zinszahlung, wobei sich der
Zinssatz auf 4 % pro Jahr belief. Anerkannt ist überdies, dass keine Verpflichtung
des Beschuldigten zur Leistung von Sicherheiten vereinbart wurde. Im vereinbar-
ten Zins von 4 % pro Jahr liegt noch kein eigentlicher Vorteil zugunsten des Be-
schuldigten vor, zumal dieser in einem damals marktkonformen Bereich lag. So
hatte die BJ._ (Suisse) SA beispielsweise einen Zinssatz von 3.38 % pro
Jahr offeriert (Urk. 1/050033 S. 10). Immerhin gab der Beschuldigte aber an, der
Zinssatz bei der AU._ AG wäre damals wesentlich höher gewesen
(Urk. 1/062002 S. 14, Vorhalt 81).
3.7.4.2.3. Die Gewährung des Darlehens ohne das Einfordern von Sicher-
heiten verbesserte die Lage des Beschuldigten insofern, als er sich im Vergleich
zum im Raum stehenden Darlehen der BJ._ (Suisse) SA die Kosten und die
Errichtung einer Lebensversicherung und die damit verbundene vertrauensärztli-
che Untersuchung ersparen und Verzögerungen im Zusammenhang mit dem Er-
werb des Ferienhausanteils vermeiden konnte. Auch dabei lässt sich nicht aus-
blenden, dass J._ indirekt eine Sicherheit durch das von ihm bewirtschaftete
Schwarzgeldkonto des Beschuldigten hatte. Insofern stellt der Verzicht auf kon-
krete Sicherheiten keinen Vorteil dar, auch wenn der Beschuldigte selber ein-
räumte, dass sich seine Lage durch die rasche und unkomplizierte Bereitstellung
des Darlehens durch die AK._ AG erheblich verbesserte und ihm ermöglich-
- 120 -
te, den bereits anberaumten Notariatstermin zeitgerecht einzuhalten (vgl. vorste-
hend, Erw. II.5.11.3.).
3.7.4.2.4. Der Vorteilscharakter des Darlehens der AK._ AG ist somit in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz letztlich zu verneinen, auch wenn der weite-
re Studienfreund und teilweise Rechtsberater des Beschuldigten, Rechtsanwalt
Dr. AO._, das Darlehen insgesamt als nicht "at market" bezeichnet hatte (vgl.
vorstehend Erw. II.5.11.4.; Urk. 1/050041 ff.). Der Vorteil des Beschuldigten ist
letztlich nur ein geringfügiger zeitlicher. Die Darlehensgewährung ist damit als
Freundschaftsdienst des Mitbeschuldigten J._ zu betrachten. Eine Annahme
eines nicht gebührenden Vorteils im Sinne des Tatbestandes ist hingegen nicht zu
erkennen. In Bezug auf die Annahme des Darlehens hat der Beschuldigte den
Tatbestand des Sich-bestechen-lassens somit nicht erfüllt und ist demnach von
diesem Vorwurf freizusprechen.
3.7.4.3. Alle anderen, vom Beschuldigten angenommenen, nicht gebühren-
den Vorteile erfolgten als Gegenleistung für seine pflichtwidrigen Amtshandlungen
bei der Vergabe des Small & Mid Caps-Mandates an die grossmehrheitlich dem
Mitbeschuldigten J._ gehörende AK._ AG (Urk. 1/050038 S. 2) am
3. März 2003, beim Abschluss des neuen Vermögensverwaltungsauftrags über
ein Anlagevolumen von weiteren Fr. 79'000'000.– mit der AK._ AG im Okto-
ber 2007, ohne Offerten einzuholen (Erw. II.5.1.1.; Erw. II.5.6.2.7. f.;
Erw. II.5.7.2.3.).
3.7.4.4. Das Äquivalenzverhältnis ist somit ebenfalls gegeben (vgl. vorste-
hend, Erw. III.3.3.2.2.). Die Gegenleistung des Amtsträgers, der massgebliche
Einfluss und Einsatz des Beschuldigten auf seine Amtshandlungen und Entschei-
de zugunsten des Mitbeschuldigten J._ und dessen AK._ AG ist be-
stimmbar und steht offenkundig im Austauschverhältnis zu den von diesen ange-
nommenen geldwerten Leistungen (vorstehend, Erw. III.3.7.4.).
3.7.4.5. Aufgrund dieser fortwährend vom Mitbeschuldigten J._ ange-
nommenen nicht gebührenden Vorteile entstand auch bezüglich dieser Amts-
handlungen ein latentes Eigeninteresse des Beschuldigten am Erfolg der Firma
- 121 -
seines Studienfreundes J._, was ihn zusätzlich zu pflichtwidrigen, nicht im In-
teresse der G._ liegenden Entscheiden und Amtshandlungen bewegte und
wie er selber einräumte, die entsprechende Ausübung seines Ermessens derart
beeinflusst war, dass seine Handlungen nicht mehr unparteiisch und unbefangen
erfolgen konnten (vgl. vorstehend, Erw. II.5.1.1.; Erw. II.5.12.3.).
3.7.4.6. Daraus ergibt sich, dass seine Amtshandlungen und Entscheide im
Zusammenhang mit der AK._ AG pflichtwidrig waren, auch wenn von seinen
Kompetenzen und Zuständigkeiten her einzelne grundsätzlich in seinem Ermes-
sen lagen (vgl. vorstehend, Erw. III.3.3.3.). Somit ist auch das Tatbestandsele-
ment der Pflichtwidrigkeit (vgl. vorstehend, Erw. III.3.5.) erfüllt.
3.7.5. Beim subjektiven Tatbestand kann vollumfänglich auf die betreffenden
Erwägungen beim Sachverhaltskomplex mit dem Mitbeschuldigten I._ ver-
wiesen werden (vorstehend, Erw. III.3.6.6. ff.). Die dort vorgenommene Sub-
sumtion kommt auch vorliegend uneingeschränkt zum tragen.
3.7.5.1. Dass der Beschuldigte offenkundig ausreichend sensibilisiert war
über seine Befugnisse im Umgang mit unentgeltlichen Zuwendungen im Zusam-
menhang mit seiner amtlichen Tätigkeit, wurde ebenfalls bereits hinlänglich dar-
gelegt (vorstehend, Erw. II.4.8.3. f.; Erw. III.3.3.6.; Urk. 1/057049 ff.; insbes.
Urk. 1/057057, Art. 7).
3.7.5.2. Ebenso wurde sein vorhandenes Wissen darum, dass die Geneh-
migung des Verzichts auf die Retrozessionen nicht mit seinen Amtspflichten in
Einklang stand, bereits eingehend erörtert (Erw. II.5.11.5.; Erw. II.5.9.3. f.).
3.7.5.3. Daraus ergibt sich, dass der Beschuldigte um das Vorliegen sämtli-
cher objektiven Tatbestandsmerkmale wusste und den objektiven Tatbestand wil-
lentlich erfüllte. Er handelte mithin mit direktem Vorsatz (vgl. vorstehend,
Erw. III.3.5.9. f.). Der subjektive Tatbestand erweist sich ebenfalls als erfüllt.
Damit hat der Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand des
Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB abermals mehrfach er-
füllt.
- 122 -
3.8. Bestechungsvorwurf im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
K._ (Anklageziffer VI.)
3.8.1. Die Amtsträgereigenschaft des Beschuldigten ist auch bei diesem An-
klagekomplex gegeben (vorstehend, Erw. III.3.2. ff.).
3.8.2. Auszugehen ist vom erstellten Sachverhalt, wonach der Beschuldigte
sich vom Mitbeschuldigten K._ versprechen liess, dass ihm das Geld auf
dem Konto "BH._", einstweilen Fr. 300'000.–, für die Zeit nach seiner Pensi-
onierung oder nach einem Weggang vom Kanton zur Verfügung stehen werde
und er dieses Versprechen zustimmend zur Kenntnis nahm (vgl. vorstehend,
Erw. II.6.5. ff., Erw. II.6.5.4.1., Erw. II.6.5.6.7.; Urk. 1/062039 S. 2-5, S. 10 f.). Eine
Annahme des Vorteils durch den Amtsträger ist für die Vollendung der Tat nicht
notwendig, wohl aber, dass das Angebot den Adressaten erreicht (PIETH, a.a.O.,
N 34-36 zu Art. 322ter StGB). Mit der zustimmenden Kenntnisnahme durch den
Beschuldigten hat das Angebot des Mitbeschuldigten K._ den Adressaten er-
reicht. Die Objektivität und Sachlichkeit der amtlichen Tätigkeit des Beschuldigten
ist bereits durch das blosse in Aussicht stellen dieses ungebührenden Vorteils
und die Erwartung desselben gefährdet, unabhängig davon, ob eine spätere
Übertragung der Vermögenswerte auch tatsächlich erfolgt wäre. Somit ist die Tat-
handlung im engeren Sinne des Sich-versprechen-lassens erfüllt (vgl.
Erw. III.3.3.). Durch die Annahme von je einem Gutschein von Fr. 2'000.– bzw.
Fr. 3'000.– für ein Golffachgeschäft um die Weihnachtszeit 2007 bzw. 2008 und
der Kosten für Golfferien in Mallorca vom 25. April 2008 bis 2. Mai 2008 für
EUR 7'121 (vgl. Erw. II.6.4.) erfüllte der Beschuldigte zudem mehrfach das An-
nehmen als Tathandlung im engeren Sinne.
3.8.3. Beim vom Beschuldigten zustimmend zur Kenntnis genommenen
Leistungsversprechen über einstweilen Fr. 300'000.– auf den Zeitpunkt nach sei-
ner Pensionierung oder nach einem allfälligen Weggang vom Kanton, handelt es
sich um eine unentgeltliche Zuwendung materieller Natur, mithin um eine objektiv
bezifferbare wirtschaftliche Besserstellung des Beschuldigten. Eine Berechtigung
zur Annahme oder ein Rechtsanspruch darauf lag zu keinem Zeitpunkt vor. Viel-
mehr war es dem Beschuldigten aufgrund von § 50 des Gesetzes über das Ar-
- 123 -
beitsverhältnis des Staatspersonals (Personalgesetz, LS 177.10) untersagt, Ge-
schenke, mit Ausnahme von Höflichkeitsgeschenken von geringem Wert, anzu-
nehmen. Dass es sich bei einem Vermögenswert in dieser Grössenordnung nicht
um ein übliches Höflichkeitsgeschenk handelt, bedarf keiner weiteren Erörterung.
Das Tatbestandsmerkmal des nicht gebührenden Vorteils ist erfüllt.
3.8.4. Den Vorteilsgewährungen durch den Mitbeschuldigten K._ ste-
hen diverse Handlungen und Entscheide des Beschuldigten als Chef der Vermö-
gensverwaltung der G._ gegenüber. Dabei handelt es sich einerseits um die
Entscheide bei der Mandatsvergabe an die BD._, um die darauffolgenden
Investitionsentscheide sowie um seine Handlungen im Zusammenhang mit dem
Ausbau und der Aufrechterhaltung des Mandatsverhältnisses der G._ zur
BD._, welche allesamt Geschäftsentscheide darstellen, die der Beschuldigte
aufgrund seiner Stellung als Asset Manager vornehmen oder so beantragen
konnte, dass sie seinem Antrag entsprechend ausgeführt wurden. Im angefochte-
nen Urteil wurden die einzelnen Handlungen und Entscheide aufgeführt und zu-
treffend erwogen, dass die amtlichen Handlungen des Beschuldigten somit genü-
gend bestimmt bzw. bestimmbar sind (Urk. 221 S. 154; Art. 82 Abs. 4 StPO). Das
Äquivalenzverhältnis zwischen dem nicht gebührenden Vorteil und seiner amtli-
chen Tätigkeit ist somit entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 299
S. 103) gegeben.
3.8.5. Dass auch eine allfällige nachträgliche Annahme eines nicht gebüh-
renden Vorteils für eine bereits vorgenommene Ermessenshandlung, mithin ohne
vorbestehende Bestechungsvereinbarung, den Tatbestand der passiven Beste-
chung im Sinne von Art. 322quater StGB erfüllt, wurde dargelegt (vorstehend,
Erw. III.3.4. ff.). Der objektive Tatbestand des Sich-bestechen-lassens im Sinne
von Art. 322quater StGB ist somit auch dann erfüllt, wenn die Annahme des unge-
bührenden Vorteils für eine bereits vorgenommene Ermessenshandlung erst
nachträglich erfolgt.
3.8.6. Indem der Beschuldigte bei der Mandatsvergabe an die BD._ die
damals wesentlichen Entscheidungsgrundlagen nicht dokumentierte, bei der
Vergabe der Hedge Funds Mandate nicht mehrere Offerten einholte und die von
- 124 -
der BD._ offerierten Gebührenansätze nicht überprüfte, verstiess er gegen
das Anlagereglement der G._ vom 1. Februar 2006 (Urk. 1/057005 S. 6,
Ziff. 5.10., S. 8; Urk. 1/057005.2 S. 5; vgl. auch vorstehend, Erw. II.3.6.4.3. ff.)
und gegen die §§ 49 und 51 des Personalgesetzes des Kantons Zürich (vgl. vor-
stehend, Erw. III.3.3.5. und nachfolgend, Erw. III.4.6. ff., so auch die Vorinstanz,
Urk. 221 S. 167 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO), weshalb diese Handlungen mehrheitlich
pflichtwidrig waren.
3.8.6.1. Ebenso pflichtwidrig handelte der Beschuldigte, indem er verlangte,
dass die Q._ ihm persönlich oder der BD._ ab Mai 2008 die Investment
Audits und Monitors zur vorgängigen Prüfung zukommen liess und er hernach
entsprechende Änderungen vornahm sowie indem er der (damaligen) Finanzdi-
rektorin gegenüber wahrheitswidrig vorgab, der Mandatsvergabe an die BD._
sei eine Marktumschau vorausgegangen, womit er wiederum gegen § 49 Perso-
nalgesetz verstiess (vorstehend, Erw. II.6.3.4. ff.; Urk. 1/057111.1; Urk. 77
S. 38 f.).
3.8.6.2. Die Vorinstanz hat zu Recht offengelassen, ob diese Korrekturen in-
haltlich berechtigt gewesen sein könnten (Urk. 221 S. 172), da aus dem Anlage-
reglement der G._ vom 1. Februar 2006 klar hervorgeht, dass zur Vermei-
dung von Interessenkonflikten eine Aufteilung der Aufgabenbereiche Vermögens-
verwaltung und Investment Controlling vorgeschrieben war (Urk. 1/057005,
Ziff. 5.12). Mit seinem Vorgehen und seiner Einflussnahme missachtete der Be-
schuldigte diese klare Vorgabe offensichtlich und verstiess damit gegen diese
Aufteilung der Aufgabenbereiche. Da sein Vorgehen das Anlagereglement ver-
letzte, ist es als pflichtwidrig zu qualifizieren.
3.8.6.3. Im Übrigen handelte es sich bei den Investitionsentscheiden der
G._ in die Anlagekategorien Commodities, Currency Management und
Hedge Funds sowie bei der Verteidigung der BD._ gegenüber der wachsen-
den Kritik aus dem Anlageausschuss grundsätzlich um Ermessensentscheide des
Beschuldigten.
- 125 -
3.8.6.4. Spätestens ab September 2009 (Erw. II.6.5.4.1. f.; Urk. 1/062039
S. 2-5, S. 10 f.; Urk. 1/070006 S. 6-12, S. 17, S. 23), als der Mitbeschuldigte
K._ dem Beschuldigten vor dem Golfspiel auf dem Golfplatz ... den Konto-
stand mit Fr. 120'000.– erstmals gezeigt und ihm das Konto "BH._" verspro-
chen hatte (vorstehend, Erw. II.6.5.2. ff.), entstand ein latentes Eigeninteresse an
den Geschäften mit der BD._ von K._, was beim Beschuldigten eine la-
tente Befangenheit im Zusammenhang mit diesen Geschäften hervorrief, sodass
fortan auch die in seinem Ermessen liegenden Amtshandlungen korrumpiert und
damit pflichtwidrig waren, da er nicht mehr unparteiisch und unbefangen handeln
konnte (vgl. vorstehend, Erw. III.3.3.3.). Das Tatbestandselement der Pflichtwid-
rigkeit (vgl. vorstehend, Erw. III.3.5.) ist erfüllt.
3.8.7. Beim subjektiven Tatbestand kann erneut auf bereits Dargelegtes
verwiesen werden (vorstehend, Erw. III.3.6.6. ff., vgl. im Übrigen auch vorstehend,
Erw. II.5.9.7.). Dass der Beschuldigte ausreichend sensibilisiert war über seine
Befugnisse im Umgang mit unentgeltlichen Zuwendungen im Zusammenhang mit
seiner amtlichen Tätigkeit, wurde ebenfalls bereits hinlänglich dargelegt (vgl. vor-
stehend, Erw. II.4.8.3. f.; Erw. III.3.3.6.; Urk. 1/057049 ff.; insbes. Urk. 1/057057,
Art. 7). Unter den gegebenen Umständen konnte er sich nicht ernsthaft als be-
rechtigt ansehen, nach seiner Pensionierung oder nach einem Weggang vom
Kanton in den Genuss der versprochenen Fr. 300'000.– zu gelangen.
3.8.7.1. Ebenso muss dem Beschuldigten aufgrund der gegebenen Umstän-
de bewusst gewesen sein, dass die ihm von K._ versprochene Geldsumme
in dieser Grössenordnung einzig einen Zusammenhang mit den von ihm vorberei-
teten und getroffenen weitreichenden amtlichen Entscheide zugunsten der
BD._ (Erw. III.3.8.4.) hatte und mit Sicherheit nicht privater Natur sein konn-
te, auch wenn er das Geld erst nach seiner Pensionierung oder nach einem allfäl-
ligen Weggang vom Kanton physisch angenommen hätte. Dabei konnte ihm auch
der nachträgliche Belohnungscharakter dieser Geldsumme, sowie der Umstand,
dass er ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme des Leistungsversprechens und der
Annahme der Geschenkgutscheine und der Kosten für die Golfferien von K._
auch die in seinem Ermessen liegenden Amtshandlungen im Zusammenhang mit
- 126 -
der BD._ nicht mehr unparteiisch und unbefangen erfüllen konnte (vorste-
hend, Erw. III.3.8.6.4.), nicht verborgen geblieben sein.
3.8.7.2. Da dem Beschuldigten als Chef Vermögensverwaltung G._
(Erw. III.3.2. ff.) überdies die verwaltungsinternen Anlagerichtlinien der G._
bestens bekannt gewesen sein müssen (vgl. vorstehend, Erw. III.3.6.4.3. ff.),
muss ihm entsprechend auch durchaus bewusst gewesen sein, dass eine Man-
datsvergabe an die BD._ ohne Offerten von anderen Marktteilnehmern ein-
zuholen, ohne die wesentlichen Entscheidungsgrundlagen bei der Mandatsverga-
be an die BD._ zu dokumentieren und ohne die von der BD._ offerierten
Gebührenansätze zu überprüfen (Erw. III.3.8.6.), nicht seinen Pflichten entspro-
chen haben konnte, mithin pflichtwidrig (Erw. III.3.3.5.) war.
3.8.7.3. Daraus ergibt sich, dass der Beschuldigte um das Vorliegen der ob-
jektiven Tatbestandsmerkmale wusste und den objektiven Tatbestand willentlich
erfüllte. Er handelte mithin mit direktem Vorsatz (vgl. vorstehend, Erw. III.3.5.9. f.).
Der subjektive Tatbestand erweist sich ebenfalls als erfüllt.
Damit hat der Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand des
Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB ein weiteres Mal mehr-
fach erfüllt.
4. Verletzung des Amtsgeheimnisses im Zusammenhang mit K._
(Anklageziffer VI.69.)
4.1. Der Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320 Ziff. 1
StGB macht sich strafbar, wer ein Geheimnis offenbart, das ihm in seiner Eigen-
schaft als Mitglied einer Behörde oder als Beamter anvertraut worden ist, oder
das er in seiner amtlichen oder dienstlichen Stellung wahrgenommen hat.
4.2. Diese Bestimmung dient dem Schutz der Geheim- und Privatsphäre des
Einzelnen, aber auch der staatlichen Verwaltung. Geschützt werden natürliche
oder juristische Personen vor Eingriffen in ihre Privatsphäre. Ferner wird der un-
gestörte Gang der Verwaltung sichergestellt (OBERHOLZER, in: Basler Kommentar,
Strafrecht II, 3. Auflage 2013, N 1 ff. zu Art. 320 StGB). Bei diesem Tatbestand
- 127 -
handelt es sich wiederum um ein echtes Sonderdelikt. Es kann nur von einem
Behördenmitglied oder einem Beamten erfüllt werden (OBERHOLZER, a.a.O., N 6
zu Art. 320 StGB; OBERHOLZER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Auflage
2013, N 1 ff. zu Art. 110 Abs. 3 StGB).
4.3. Als Geheimnis gilt jede Tatsache, die nur einem beschränkten Perso-
nenkreis bekannt ist und an deren Geheimhaltung der Geheimnisherr ein berech-
tigtes Interesse hat. Massgebend ist ein materieller Geheimnisbegriff. Nicht ent-
scheidend ist, ob die betreffende Tatsache von der zuständigen Behörde geheim
erklärt worden ist oder nicht. Entscheidend ist dagegen, dass es sich um eine
Tatsache handelt, die weder offenkundig noch allgemein zugänglich ist und be-
züglich derer der Geheimnisherr nicht nur ein berechtigtes Interesse, sondern
auch den ausdrücklich oder stillschweigend bekundeten Willen zur Geheimhal-
tung hat. Das Geheimnis muss dem Amtsträger in seiner Eigenschaft als Mitglied
einer Behörde oder als Beamter anvertraut worden sein oder er muss es in seiner
amtlichen Stellung wahrgenommen haben. Zwischen der Kenntnis des Geheim-
nisses und der amtlichen Funktion muss ein Kausalzusammenhang bestehen
(OBERHOLZER, a.a.O., N 8 f. zu Art. 320 StGB; DONATSCH/WOHLERS, Strafrecht IV,
4. Auflage 2011, S. 550 ff.).
4.4. Die Tathandlung besteht im Offenbaren. Der Täter muss das Geheimnis
einer dazu nicht ermächtigten Drittperson zur Kenntnis bringen oder dieser die
Kenntnisnahme zumindest ermöglichen. Auf welchem Weg dies geschieht, ist un-
beachtlich. Es genügt, dass ein Unberechtigter aufgrund des Verhaltens des
Amtsträgers Kenntnis von einer unter den Geheimnisbegriff fallenden Tatsache
erlangt (OBERHOLZER, a.a.O., N 10 zu Art. 320 StGB; DONATSCH/WOHLERS, a.a.O.,
S. 554).
4.5. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich. Eventualvorsatz genügt.
Das Behördenmitglied oder der Beamte muss im Wissen um den Geheimnischa-
rakter die Tatsache offenbart oder dies zumindest in Kauf genommen haben.
Blosse Fahrlässigkeit ist nicht strafbar (OBERHOLZER, a.a.O., N 11 zu Art. 320
StGB).
- 128 -
4.6. Hinsichtlich der Amtsträgereigenschaft des Beschuldigten kann vollum-
fänglich darauf verwiesen werden, was beim Bestechungstatbestand dazu bereits
erwogen wurde (vorstehend, Erw. III.3.2. ff.). Dies kommt auch vorliegend unein-
geschränkt zum tragen. Der Beschuldigte erfüllt die vom Tatbestand der Verlet-
zung des Amtsgeheimnisses vorausgesetzten, bestimmten objektiv-täterschaft-
lichen Merkmale.
4.6.1. Beim Inhalt der vom Beschuldigten an K._ offenbarten Offerte
der BE._ AG (BE._) und dem Beratungsvertrag zwischen der G._
und der BE._ (vorstehend, Erw. II.6.1.) handelt es sich um Daten im Zusam-
menhang mit der Investitionstätigkeit der G._, welche nicht allgemein zu-
gänglich waren und einem allfälligen Adressaten bei Kenntnisnahme einen Infor-
mationsvorsprung gegenüber Dritten im Hinblick auf eigene Investitionen oder
beim Offerieren der Dienstleistungen an die G._ gewährten. K._ und der
BD._ ermöglichte die Kenntnisnahme dieser vertraulichen G._–internen
Informationen einen unredlichen Wettbewerbsvorteil beim Offerieren ihrer Leis-
tungen bei den G._-Mandaten. Dass die G._ als Geheimnisherr ein be-
rechtigtes Interesse daran hatte, dass aussenstehende Auftragnehmer allfällige
Offerten nicht untereinander vergleichen konnten und gestützt auf diese nicht all-
gemein zugänglichen Informationen ihre Konditionen hätten anpassen oder ab-
sprechen können, ergibt sich bereits daraus, dass die G._ und der für sie
handelnde Beschuldigte bei externen Mandatsvergaben gemäss ihren Anlage-
richtlinien auf günstige Konditionen bedacht sein mussten (vgl. vorstehend,
Erw. III.3.6.4.3. ff.).
4.6.2. Zwar wurden diese Unterlagen von der G._ nicht ausdrücklich als
geheim erklärt, aus der Klassifizierung "Vertraulich" (Urk. 1/055177.1-2) geht in-
dessen ein klarer Wille hervor, diese nicht allgemein zugänglich zu machen. Dass
der Beschuldigte diese verwaltungsinternen Informationen als Amtsträger in sei-
ner Eigenschaft als Chef Vermögensverwaltung erlangte, ist ebenfalls evident. In-
sofern liegt auch ein Kausalzusammenhang zwischen seiner Kenntnis dieser nicht
allgemein zugänglichen Informationen und seiner amtlichen Funktion vor. Die ob-
jektiven Tatbestandsmerkmale erweisen sich somit als erfüllt.
- 129 -
4.6.3. Dem Schreiben des Beschuldigten vom 25. Januar 2006 ist unter an-
derem die Bitte an K._ um vertrauliche Kenntnisnahme zu entnehmen
(Urk. 1/055177). Auch aus diesem Schreiben des Beschuldigten geht zweifelsfrei
hervor, dass er klare Kenntnis davon hatte, dass diese Informationen nicht allge-
mein zugänglich gemacht werden sollten, mithin Geheimnischarakter hatten.
Dennoch hat er im Wissen darum diese vertraulichen, verwaltungsinternen Infor-
mationen unberechtigt K._ zur Kenntnis gebracht (so bereits die Vorinstanz:
Urk. 221 S. 114 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte handelte deshalb vor-
sätzlich und erfüllte damit auch den subjektiven Tatbestand.
4.6.4. Somit hat der Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand
der Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320 StGB erfüllt, was
von der Verteidigung bei erstelltem Beamtenstatus im Übrigen auch nicht bestrit-
ten wurde (Prot. II S. 91).
5. Der ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB macht sich
strafbar, wer als Mitglied einer Behörde oder als Beamter bei einem Rechtsge-
schäft die von ihm zu wahrenden öffentlichen Interessen schädigt, um sich oder
einem anderen einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen.
5.1. Art. 314 StGB schützt in erster Linie das Rechtsgut des öffentlichen
Vermögens, daneben aber auch das Vertrauen in die Verwaltung, bzw. allgemei-
ner in die Rechtsstaatlichkeit des Gemeinwesens. Es handelt sich um ein Erfolgs-
delikt, welches mit dem Eintritt der Schädigung öffentlicher Interessen finanzieller
oder ideeller Natur vollendet ist (NIGGLI, in: Basler Kommentar, Strafrecht II,
3. Auflage 2013, N 7 f. zu Art. 314 StGB; DONATSCH/WOHLERS, a.a.O., S. 535).
5.2. Täter kann nur ein Beamter oder ein Behördenmitglied sein. Erfasst sind
somit Beamte und Angestellte öffentlicher Verwaltungen soweit sie amtliche Funk-
tion ausüben. Weiter muss der Täter zumindest über die Befugnis zur rechtsge-
schäftlichen Vertretung des Gemeinwesens verfügen (NIGGLI, a.a.O., N 9, N 11 zu
Art. 314 StGB; DONATSCH/WOHLERS, a.a.O., S. 533 f.). Dabei genügt gemäss ge-
festigter bundesgerichtlicher Praxis die faktische Entscheidkompetenz des Täters
(BGE 114 IV 133 ff.; BGE 135 IV 198). Dass der Beschuldigte als Chef der
- 130 -
N._ diese Voraussetzungen erfüllte, wurde dargelegt (vorstehend,
Erw. III.3.2. ff.).
5.3. Das tatbestandsmässige Verhalten wird vom Gesetz nicht näher um-
schrieben. Erwähnt wird einzig die Schädigung der vom Täter bei einem privat-
rechtlichen Rechtsgeschäft zu wahrenden öffentlichen Interessen. Die Tathand-
lung ist demnach ein gegen die öffentlichen Interessen verstossendes, Schaden
verursachendes Tun oder Unterlassen im Rahmen privatrechtlicher rechtsge-
schäftlicher Tätigkeit, wobei der Schaden als Folge des Rechtsgeschäftes einge-
treten sein muss (DONATSCH/WOHLERS, a.a.O., S. 534 f.; NIGGLI, a.a.O., N 14 ff. zu
Art. 314 StGB).
5.4. In subjektiver Hinsicht ist erforderlich, dass der Täter die öffentlichen In-
teressen mit Wissen und Willen schädigt, in der Absicht, sich oder einem anderen
einen Vorteil zu verschaffen, welcher unrechtmässig sein und sich aus dem
Rechtsgeschäft selbst ergeben muss. Eine solche Absicht ist beispielsweise ge-
geben, wenn im Bewusstsein seiner Rechtswidrigkeit ein Darlehen mit dem Ziel
gewährt wird, finanzielle Unterstützung in Form von Liquidität sicherzustellen, auf
welche kein Anspruch besteht. Eventualvorsatz genügt. Beim unrechtmässigen
Vorteil genügt Eventualabsicht allerdings nicht. Vielmehr muss dessen Erlangung
eigentliches Handlungsziel sein (DONATSCH/WOHLERS, a.a.O., S. 536; NIGGLI,
a.a.O., N 28 ff. zu Art. 314 StGB).
5.5. Ungetreue Amtsführung im Zusammenhang mit C._ (Anklagezif-
fer II.21.–23.)
5.5.1. Die Verteidigung begründete den beantragten Freispruch von diesem
Vorwurf vor der Vorinstanz damit (Urk. 88 S. 15 f.), der in der Anklage aufgeführte
Sachverhalt enthalte keine Handlungen im Sinne von Art. 314 StGB. Der Be-
schuldigte habe die entsprechenden Entscheide zu einem Zeitpunkt gefällt, als es
nicht darum gegangen sei, sich oder andere zu bereichern. Seine Handlungen
seien Rettungsversuche gewesen, deren Risiko ihm durchaus bewusst gewesen
seien. Der Beschuldigte habe keine von ihm zu wahrenden öffentlichen Interes-
sen geschädigt, um sich oder einem anderen einen Vorteil zu verschaffen. Es sei
- 131 -
darum gegangen, Interessen der G._ zu retten, soweit dies noch möglich
gewesen sei. Sofern er dabei interne Regeln der Entscheidungsfindung oder Be-
schlussfassung verletzt haben würde, wäre dies allenfalls disziplinarisch abzu-
handeln gewesen. Seine Handlungen seien an seinem Wissen im Zeitpunkt der
Ausführung zu messen und nicht ex post vom negativen Resultat her.
5.5.2. Bei den mit der S._ Asset Management AG (S._) abge-
schlossenen Repo-Geschäften handelte es sich um privatrechtliche Verträge, mit
denen die G._, in hoheitlicher Funktion handelnd durch den Beschuldigten,
aufgrund seiner Befugnisse als Chef der Vermögensverwaltung, der S._ mit-
tels Erwerb von dieser gehörenden Aktien zusätzliche Liquidität durch Fremdkapi-
tal als Sanierungsmassnahme zur Verfügung stellte, mit der Vertragsklausel, die-
se Aktien in einem späteren Zeitpunkt wieder zurückzugeben und für das tempo-
rär zur Verfügung gestellte Geld einen Zins zu erhalten. Das dabei vom Beschul-
digten zu wahrende öffentliche Interesse an diesen Geschäften ist demnach in ei-
ner möglichst sicheren Anlage der Gelder der Versicherten der G._, mithin
von öffentlichen Geldern, zu möglichst rentablen Konditionen zu erblicken. Durch
diese Repo-Geschäfte ist der G._ schliesslich ein immenser Vermögens-
schaden in der Höhe von Fr. 43'000'000.– entstanden (vorstehend, Erw. II.2. ff.,
insbes. Erw. II.2.4. f.).
Somit ist der objektive Tatbestand der ungetreuen Amtsführung erfüllt (so
auch die Vorinstanz, Urk. 221 S. 147).
5.5.3. Beim subjektiven Tatbestand ist von Bedeutung, dass der Beschuldig-
te das hohe Verlustrisiko der eingegangenen vertraglichen Verpflichtung kannte
(Erw. II.2.4.2. ff.). Dieses Bewusstsein musste sich durch die zweite Investition
von Fr. 20'000'000.– sowie die weiteren darauf folgenden, welche er überdies
pflichtwidrig auch nicht mehr durch die Finanzdirektion genehmigen liess (vorste-
hend, Erw. II.2.4.), und welche auch nicht mehr durch weitere andere Geldgeber,
wie Banken, mitgetragen wurden, noch zementiert worden sein, nachdem die
S._ trotz dieser laufend erneuerten Sanierungsversuche es nicht aus der
Überschuldung schaffte und die als vermeintliche Sicherheit dienenden Aktien
- 132 -
aus dem Portefeuille der überschuldeten Geldnehmerin selber stammten (vgl.
auch Urk. 221 S. 148 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.5.3.1. Angesichts des Umstandes, dass der Beschuldigte mit den Geldern
der G._ ab dem zweiten Repo-Geschäft nur noch der einzige investitionsbe-
reite Geldgeber der S._ war, war ihm zweifellos auch bewusst, dass er der
S._ und C._ damit einen mit nichts zu rechtfertigenden Vermögensvor-
teil ohne adäquate Gegenleistung und ohne taugliche Sicherheiten zukommen
liess, den alle anderen möglichen Investoren, wie Banken oder andere Pensions-
kassen, aufgrund des allseits bekannten übergrossen Verlustrisikos nicht mehr zu
tragen bereit gewesen waren (vgl. vorstehend, Erw. II.2.4.2.8.). Insofern sind auch
das Tatbestandselement des unrechtmässigen Vermögensvorteils und das dama-
lige Wissen des Beschuldigten um die Unrechtmässigkeit desselben sowie der di-
rekte Vorsatz, diesen dennoch zu verschaffen, gegeben.
5.5.3.2. Ebenso war dem Beschuldigten unter diesen Umständen bewusst,
dass der sich ankündigende und alsdann eingetretene Totalverlust den von ihm
als Chef Vermögensverwaltung zu wahrenden öffentlichen Interessen diametral
zuwiderlief. Der Totalverlust hatte sich offenkundig durch die nach jedem weiteren
Repo-Geschäft immer wieder erneut eintretende Überschuldung der S._ ge-
radezu angekündigt. Als ergänzendes Indiz weisen auch die vom Beschuldigten
ab dem zweiten Repo-Geschäft begangenen Pflichtwidrigkeiten (vorstehend,
Erw. II. 2.4.2.2., 2.4.2.4. ff.) auf das Vorhandensein dieses Bewusstseins beim
Beschuldigten hin. Die vom Beschuldigten und seiner Verteidigung immer wieder
ins Feld geführte einzige Absicht, die Investition der G._ zu retten (z.B.
Urk. 299 S. 78, S. 80), findet demnach keinen Halt.
5.5.3.3. Angesichts des ihm bekannten Verlustrisikos hat der Beschuldigte
bei seinem Vorgehen den durch die Repo-Geschäfte verursachten Schaden in
Kauf genommen. Diesbezüglich liegt Eventualvorsatz vor.
5.5.4. Damit hat der Beschuldigte sowohl den objektiven als auch den sub-
jektiven Tatbestand der ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB er-
füllt.
- 133 -
5.6. Ungetreue Amtsführung im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
J._ (Anklageziffer V.53.–59.)
5.6.1. Die Verteidigung begründete den beantragten Freispruch von diesem
Vorwurf vor der Vorinstanz und erneut im Berufungsverfahren im Wesentlichen
damit, der Mitbeschuldigte J._ habe Gegenleistungen erbracht, welche er der
G._ nicht in Rechnung gestellt habe (Urk. 88 S. 17; Prot. II S. 96). Der Be-
schuldigte habe die Veränderungen in der Behandlung der Retrozessionen als
Gegenleistung für die erwähnten Gratisleistungen, welche J._, bzw. dessen
Firma in erheblichem Ausmass erbracht habe, beurteilt. Die Tatbestandselemente
der Bereicherungsabsicht und der unrechtmässigen Vorteilsbeschaffung seien
daher nicht erfüllt. Bei dieser Darstellung blieb er auch im Berufungsverfahren.
5.6.2. Bei den zwei jeweils im Namen der G._ durch den Beschuldigten
abgegebenen Verzichtserklärungen auf die der G._ aus dem Vermögens-
verwaltungsmandat der AK._ AG zustehenden Retrozessionen (vgl. vorste-
hend, Erw. II.5.8.1. ff., insbes. II.5.8.5.) handelt es sich um privatrechtliche Ver-
tragsänderungen, mit denen die G._, handelnd durch den Beschuldigten als
Chef der Vermögensverwaltung, auf ihr zustehende Einnahmen in Millionenhöhe
verzichtete, wodurch der G._ ein Vermögensschaden in der Grössenordnung
von rund Fr. 2.3 Mio. entstanden ist. Dem Mitbeschuldigten J._, respektive
dessen AK._ AG, verschaffte der Beschuldigte dadurch einen unrechtmässi-
gen Vermögensvorteil in entsprechender Höhe (vorstehend, Erw. II.5.9.1. ff.).
5.6.2.1. Daran vermögen von der Verteidigung geltend gemachte, nicht in
Rechnung gestellte Gegenleistungen des Mitbeschuldigten J._, respektive
der AK._ AG (vorstehend, Erw. III.5.6.1.), nichts zu ändern. Dass keine un-
entgeltlichen Leistungen erbracht, sondern die von der AK._ AG durchge-
führte Analyse der Beteiligungsgesellschaft BA._ AG und der Studienauftrag
über die Anlagen in Commodities der G._ separat in Rechnung gestellt wur-
den, wurde bereits dargelegt (vorstehend, Erw. II.5.8.4.10.).
5.6.2.2. Ausserdem wurde vom Beschuldigten zu keinem Zeitpunkt geltend
gemacht, dass sich nicht in Rechnung gestellte Gegenleistungen auch nur an-
- 134 -
satzweise in ähnlicher Höhe bewegt haben könnten, wie die Summe der Retro-
zessionen. Im Übrigen würde die Widerrechtlichkeit des ungetreuen Verhaltens
durch allfällige Gleichwertigkeit von angebotener oder erbrachter Leistung nicht
aufgehoben (BGE 109 IV 170 f.).
5.6.2.3. Das dabei vom Beschuldigten zu wahrende öffentliche Interesse
hätte im Hinblick auf eine möglichst ertragsreiche Investition der öffentlichen Ver-
sicherungsgelder der G._ in einer vertragsgemässen Entgegennahme der
Retrozessionen zuhanden der G._ bestanden. Der objektive Tatbestand der
ungetreuen Amtsführung erweist sich somit als erfüllt (so auch die Vorinstanz,
Urk. 221 S. 147).
5.6.3. Der Beschuldigte hat auch den subjektiven Tatbestand erfüllt, indem
er wissentlich und willentlich auf die der G._ zustehenden Retrozessionen
verzichtete, dem Mitbeschuldigten J._, respektive dessen AK._ AG
dadurch einen diesen nicht zustehenden Vermögensvorteil in entsprechender
Höhe verschaffte, wodurch der G._ gleichzeitig Einnahmen in Millionenhöhe
entgingen und ein entsprechender Vermögensschaden in der Grössenordnung
von rund Fr. 2.3 Mio. bei dieser eintrat (vgl. vorstehend, Erw. II.5.9.5. ff.).
5.6.3.1. Daraus ergibt sich, dass das Verschaffen des unrechtmässigen
Vermögensvorteils beim Mitbeschuldigten J._, bzw. bei der AK._ AG,
das angestrebte Ziel des Beschuldigten war und er demzufolge mit direktem Vor-
satz (vgl. vorstehend, Erw. III.5.4.) handelte.
5.6.3.2. Ebenso war dem Beschuldigten unter den gegebenen Umständen
klar, dass die durch den Verzicht auf die Retrozessionen verursachte Einnah-
meneinbusse bei der G._ den von ihm als Chef Vermögensverwaltung zu
wahrenden öffentlichen Interessen diametral zuwiderlief. Dabei nahm er den ver-
ursachten Vermögenschaden zumindest in Kauf, weshalb diesbezüglich Eventu-
alvorsatz vorliegt.
- 135 -
5.6.4. Damit hat der Beschuldigte sowohl den objektiven als auch den sub-
jektiven Tatbestand der ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB
wiederum erfüllt.
5.7. Da er somit sowohl den Tatbestand des Sich-bestechen-lassens im
Sinne von Art. 322quater StGB als auch den Tatbestand der ungetreuen Amtsfüh-
rung im Sinne von Art. 314 StGB erfüllt hat, ist zwischen echter und unechter
Konkurrenz zu unterscheiden.
5.7.1. Bei echter Konkurrenz erfüllt der Täter mehrere Straftatbestände die
nebeneinander anwendbar sind in strafbarer Weise, so dass er auch für sämtliche
Straftaten schuldig zu sprechen ist. Bei unechter Konkurrenz sind die vom Täter
erfüllten Tatbestände nicht nebeneinander anwendbar, und er ist nur für jenes De-
likt zu bestrafen, welches das vom Täter bewirkte Unrecht voll erfasst. Erfüllt der
Täter die verschiedenen Tatbestände durch mehrere voneinander unabhängige
Handlungen, spricht man von Realkonkurrenz (DONATSCH/TAG, Strafrecht I, Ver-
brechenslehre, 9. Auflage 2013, S. 407 ff., insbesondere S. 412).
5.7.2. Bei den Bestechungstatbeständen ist das geschützte Rechtsgut das
Vertrauen der Allgemeinheit in die Objektivität und Sachlichkeit staatlicher Tätig-
keit (vorstehend, Erw. III.3.4.2.). Das geschützte Rechtsgut beim Tatbestand der
ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB ist demgegenüber in erster
Linie das Rechtsgut des öffentlichen Vermögens, daneben – und darin über-
schneiden sich die geschützten Rechtsgüter der beiden Tatbestände partiell –
aber auch das Vertrauen in die Verwaltung, bzw. allgemeiner in die Rechtsstaat-
lichkeit des Gemeinwesens. Das Erfolgsdelikt ist indessen mit dem Eintritt der
Schädigung öffentlicher Interessen finanzieller oder ideeller Natur vollendet (NIG-
GLI, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage 2013, N 7 f. zu Art. 314 StGB;
vgl. vorstehend, Erw. III.5.1.).
5.7.3. Der Beschuldigte hat die Tatbestände des Sich-bestechen-lassens
und der ungetreuen Amtsführung im Zusammenhang mit dem Mitbeschuldigten
J._ durch voneinander unabhängige Tathandlungen erfüllt. Der Unrechts-
gehalt der Bestechungshandlungen umfasst den Unrechtsgehalt der ungetreuen
- 136 -
Amtsführung nicht, da bei diesem vorliegend der Vermögensschaden im Vorder-
grund steht. Es liegt somit ein Fall von echter Realkonkurrenz vor, weshalb der
Beschuldigte wegen mehrfachem Sich-bestechen-lassens im Sinne von
Art. 322quater StGB und wegen mehrfacher ungetreuer Amtsführung im Sinne von
Art. 314 StGB schuldig zu sprechen und zu bestrafen ist.
6. Der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB macht sich straf-
bar, wer eine Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Ermittlung der Herkunft, die
Auffindung oder die Einziehung von Vermögenswerten zu vereiteln, die, wie er
weiss oder annehmen muss, aus einem Verbrechen herrühren.
6.1. Die Verteidigung macht unter Berufung auf Lehrmeinungen geltend, der
Tatbestand sei nicht erfüllt, da ein Vortäter als Geldwäscher eine straflose Selbst-
begünstigung begehe (Urk. 88 S. 2, 18; Prot. I S. 26 ff.; Urk. 299 S. 108 f.). Mass-
gebend ist die gefestigte Bundesgerichtspraxis (vgl. nachstehend, Erw. III.6.3. f.).
6.2. Die Staatsanwaltschaft stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt,
dass bereits das Einzahlen der Gelder auf ein steuerlich nicht deklariertes
Schwarzgeldkonto eine tatbestandsmässige Handlung darstelle, da dies geeignet
sei, deren Auffinden und Einziehen zu vereiteln (Urk. 85 S. 89 f.; Urk. 300 S. 19).
6.3. Durch Geldwäscherei wird der Zugriff der Strafbehörden auf die Verbre-
chensbeute vereitelt. Strafbar ist die Vereitelungshandlung als solche, unbesehen
eines Vereitelungserfolges. Tatobjekt der Geldwäscherei nach Art. 305bis StGB
sind alle Vermögenswerte, die aus einem Verbrechen herrühren (Urteil des Bun-
desgerichts, 6S.59/2005 vom 2. Oktober 2006 E.6.3.1; BGE 119 IV 242 E. 1b;
BGE 122 IV 211 E. 3b/aa). Vermögenswerte, die aus einem Rechtsgeschäft
stammen, welches mittels Korruption abgeschlossen wurde, rühren aus einem
Verbrechen her, wenn sie zur Straftat in einem natürlichen und adäquaten Kau-
salzusammenhang stehen. Sie brauchen dabei nicht notwendigerweise die direk-
te und unmittelbare Folge der Straftat zu sein (BGE 137 IV 79 E.3).
6.3.1. Den Tatbestand von Art. 305bis StGB kann auch erfüllen, wer Vermö-
genswerte wäscht, die er selber durch ein Verbrechen erlangt hat. Der Täter einer
- 137 -
verbrecherischen passiven Bestechung kann sich mithin unter der Voraussetzung
von Art. 305bis StGB zusätzlich der Geldwäscherei schuldig machen. Täter der
Geldwäscherei kann mit anderen Worten jedermann sein, namentlich auch, wer
das von ihm gewaschene Geld selber durch ein Verbrechen erlangt hat (FLACHS-
MANN, in: Kommentar zum StGB, 19. Auflage 2013, N 9 zu Art. 305bis StGB; PI-
ETH, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage 2013, N 70 zu Art. 305bis
StGB; Urteil des Bundesgerichts, 6S.59/2005 vom 2. Oktober 2006 E. 6.3.1).
6.3.2. Geldwäscherei ist ein Vorsatzdelikt, wobei Eventualvorsatz genügt
(PIETH, a.a.O., N 59 zu Art. 305bis StGB).
6.3.3. Der Tatbestand des Sich-bestechen-lassens wird mit Freiheitsstrafe
von mehr als drei Jahren bedroht (Art. 322quater StGB). Er stellt daher ein Verbre-
chen im Sinne von Art. 10 Abs. 2 StGB dar. Die von Art. 305bis Ziff. 1 StGB ver-
langte objektive Strafbarkeitsvoraussetzung ist somit erfüllt.
6.4. Ausgehend vom durch den Beschuldigten anerkannten Anklagesach-
verhalt, wonach er die im Zeitraum zwischen Februar 2002 und Mai 2010 entge-
gengenommenen Bestechungsgelder im Umfang von insgesamt Fr. 633'000.– re-
gelmässig und in Teilbeträgen von unter Fr. 10'000.– in bar auf sein Schwarz-
geldkonto bei der AV._ in ... einbezahlt hat (vorstehend, Erw. II.8. f.) und
auch immer wieder Bargeldbeträge mit über die Grenze nach Frankreich mitge-
nommen oder diese auf sein dortiges Konto überwiesen hatte (Urk. 1/062003
S. 13; Urk. 1/062025, S. 5; Urk. 1/062030 S. 2 ff., S. 26; Urk. 1/062047 S. 27),
ergibt sich, dass er durch dieses Vorgehen die Ermittlung der Herkunft, das Auf-
finden und Einziehen dieser deliktisch erworbenen Gelder und deren Verfolgbar-
keit jedenfalls erschwert hat. Der objektive Tatbestand ist erfüllt.
6.5. Der Beschuldigte kannte die illegale Herkunft der Gelder, nachdem er
durch die Annahme der Bestechungsgelder nachweislich selber an der Vortat be-
teiligt war. Das klandestine Aufbewahren der Bestechungsgelder auf einem
Schwarzgeldkonto lässt unschwer erkennen und untermauert, dass er sich des
Unrechts seines Tuns, mithin der deliktischen Herkunft der Gelder, durchaus be-
wusst war und diese vor den Behörden, sei es vor einer fiskalischen Belastung,
- 138 -
oder vor dem Zugriff durch die Strafverfolgungsorgane zu schützen und zu ver-
stecken beabsichtigte.
6.5.1. Als weiteres Indiz dafür kann auch die von der Staatsanwaltschaft er-
wähnte weitere Kaschierungshandlung der Stückelung seiner Bargeldeinzahlun-
gen in Teilbeträge von weniger als Fr. 10'000.– zum Zwecke der Umgehung der
bankeninternen Kontrollmechanismen (Urk. 85 S. 89) gewertet werden (vgl. vor-
stehend, Erw. II.8.3. f.; Urteil des Bundesgerichts, 6B_88/2009 vom 29. Oktober
2009, E.4.3), wie dies auch bereits durch die Vorderrichter zutreffend erwogen
wurde (Urk. 221 S. 178 f.).
6.5.2. Daraus ergibt sich, dass der Beschuldigte ein Vereiteln der Herkunfts-
ermittlung, des Auffindens oder Einziehens anstrebte und bewusst die erlangten
Bestechungsgelder willentlich auf die beschriebene Art versteckte, verwendete
und verbrauchte.
6.6. Somit hat der Beschuldigte sowohl den objektiven als auch den subjek-
tiven Tatbestand über einen langen Zeitraum von rund 8 Jahren durch immer
wieder weitere Teilbeträge erfüllt, weshalb er der mehrfachen Geldwäscherei im
Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.
7. Demzufolge hat sich der Beschuldigte
• des mehrfachen Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB
• der mehrfachen ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB
• der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB
• der Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320 Ziff. 1 StGB
schuldig gemacht.
Vom Vorwurf des Sich-bestechen-lassens im Sinne von Art. 322quater StGB
im Zusammenhang mit dem Darlehen (Anklageziffer V.63.) ist der Beschuldigte
wie bereits durch die Vorinstanz freizusprechen.
- 139 -
IV. Strafzumessung
1. Allgemeines
1.1. Die Vorderrichter bestraften den Beschuldigten unter Anwendung des
alten Sanktionenrechts mit 6 1⁄4 Jahren Freiheitsstrafe und mit Fr. 6'000.– Busse
(Urk. 221 S. 183 ff., S. 236), während die Anklagebehörde eine Freiheitsstrafe
von 6 Jahren und eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 80.– beantragt hat-
te (Urk. 85 S. 90 ff.).
1.2. Im Berufungsverfahren hat der amtliche Verteidiger mit der Berufungs-
erklärung wie vor der Vorinstanz (Urk. 88 S. 2) zunächst eine Freiheitsstrafe von
(nicht über) 30 Monaten, mit teilbedingtem Vollzug im Umfang von 24 Monaten
und einer Probezeit von 3 Jahren beantragt. Die Verbindungsbusse von
Fr. 6'000.– und die diesbezügliche Ersatzfreiheitsstrafe von 60 Tagen hat die Ver-
teidigung nicht explizit angefochten (Urk. 228 S. 5; Urk. 299 S. 2 f.).
1.3. Der Beschuldigte persönlich hat mit seiner vorsorglichen Berufungser-
klärung im Falle einer Verurteilung eine mildere Bestrafung verlangt (Urk. 225
S. 2), weshalb auch die Busse als angefochten zu gelten hat.
1.4. Der erbetene Verteidiger beantragte anlässlich der Berufungsverhand-
lung einen integralen Freispruch. Im Eventualstandpunkt verlangte er eine Bestra-
fung mit 10 Monaten Freiheitsstrafe bei einer Schuldigsprechung wegen mehrfa-
cher ungetreuer Geschäftsbesorgung, resp. mit maximal 42 Monaten Freiheits-
strafe, allenfalls verbunden mit einer Busse, gemäss Subeventualstandpunkt, bei
Vorliegen der Beamteneigenschaft (Urk. 299 S. 2 f.).
1.5. Die Staatsanwaltschaft hat die vorinstanzliche Strafzumessung nicht
angefochten (Urk. 235; Art. 399 Abs. 3 und Abs. 4 lit. b StPO).
2. Anwendbares Recht
2.1. Die vom Beschuldigten begangenen Delikte erstreckten sich über einen
ausserordentlich langen Zeitraum von rund 8 1/2 Jahren (ca. September 2001 bis
- 140 -
Mai 2010). Bei der Strafzumessung ist daher besonders zu berücksichtigen, dass
sich die zu beurteilenden Taten teilweise vor und teilweise nach Inkrafttreten des
per 1. Januar 2007 revidierten Sanktionenrechts (AT StGB) ereignet haben.
2.2. Nach geltendem Recht wird grundsätzlich nur beurteilt, wer nach des-
sen Inkrafttreten ein Delikt begangen hat (Art. 2 Abs. 1 StGB). Hat der Täter je-
doch ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten dieses Gesetzes begangen
und erfolgt die Beurteilung – auch im Rechtsmittelverfahren – erst nachher, so ist
das geltende Gesetz anzuwenden, wenn es für den Täter das mildere ist (Art. 2
Abs. 2 StGB). Die Frage, welches Recht das mildere ist, ist nach der konkreten
Methode zu beurteilen. Das Recht bei Begehung und bei Beurteilung wird konkret
verglichen, d.h. der Sachverhalt wird unter je die Gesamtheit der in beiden Zeit-
punkten geltenden Rechte gestellt. Bestandteile des Vergleichs bilden Normen,
welche im aktuellen Fall in Betracht kommen und nur in der Art, wie sie anzuwen-
den sind (POPP/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Auflage 2013,
N 18 zu Art. 2 StGB). Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur ent-
weder das alte oder das neue Recht (Grundsatz der Alternativität). Eine kombi-
nierte Anwendung der beiden Rechte ist ausgeschlossen (BGE 119 IV 145 E. 3c
S. 151; BGE 114 IV 1 E. 2a, je mit Hinweisen).
2.3. Unter altem Recht wäre für die ungetreue Amtsführung kumulativ zur
Freiheitsstrafe eine Busse auszufällen, unter geltendem Recht hingegen tritt ne-
ben die Freiheitsstrafe obligatorisch eine Geldstrafe. Busse und Geldstrafe sind
qualitativ gleichwertig. Beide Sanktionen treffen den Täter im Rechtsgut Vermö-
gen. Sie unterscheiden sich jedoch im System ihrer Bemessung sowie dadurch,
dass nur die Geldstrafe, nicht aber die Busse, bedingt oder teilbedingt verhängt
werden kann. Auch die Bemessung der beiden Vermögenssanktionen kann trotz
ihrer Gleichwertigkeit zu sehr ungleichen Geldbeträgen führen. Wenn eine unbe-
dingt auszufällende Geldstrafe mit einer (unbedingten) Busse zu vergleichen ist,
so entscheidet die konkret ermittelte Höhe des Geldbetrages. Ist die Geldstrafe
jedoch bedingt auszusprechen (Art. 42 StGB), ist sie die mildere Sanktion, weil
sie weniger eingriffsintensiv ist. Dies gilt grundsätzlich unabhängig davon, ob der
ermittelte Geldstrafenbetrag höher liegt als der Bussenbetrag, denn eine bedingte
https://swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReferences=CH%2F311.0%2F2&SP=5|qutbzt https://swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReferences=CH%2F311.0%2F2&SP=5|qutbzt https://swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReferences=CH%2F311.0%2F2&SP=5|qutbzt
- 141 -
Strafe ist gegenüber einer gleichartigen unbedingten Strafe immer die mildere
Sanktion (BGE 134 IV 82 E. 7.2.4).
2.4. Vorliegend ist für die vom Beschuldigten mehrfach begangene unge-
treue Amtsführung neben der Freiheitsstrafe eine bedingte Geldstrafe auszufällen
(vgl. nachstehend, Erw. IV.4.3.12. und 4.4.7. sowie Erw. V.2.), die eine weniger
eingriffsintensive Sanktion im Vergleich zur (unbedingten) Busse darstellt (BGE
134 IV 82 E. 7.2.4 f.). Das geltende Recht ist somit unter diesem Aspekt das mil-
dere und anwendbar.
2.5. Hinzukommend ist auch aus weiteren Gründen das geltende Recht das
für den Beschuldigten mildere: Bei isolierter Betrachtung wäre nach geltendem
Recht eine Geldstrafe anstelle einer Freiheitsstrafe nach altem Recht auszufällen,
was für den Beschuldigten milder ist. Zudem wären für einzelne Taten isoliert be-
trachtet Freiheitsstrafen in der Höhe zwischen 18 Monaten und drei Jahren fest-
zusetzen, wobei nach geltendem Recht diesfalls ein bedingter oder teilbedingter
Vollzug in Frage käme (Art. 42 und Art. 43 StGB), nach altem Recht ein solcher
hingegen nie möglich wäre (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB). Auch unter diesem As-
pekt erweist sich daher das geltende Recht als das für den Beschuldigten mildere.
2.6. Die Strafzumessung hat somit entgegen der Vorinstanz für sämtliche
vom Beschuldigten begangenen Delikte nach geltendem Recht zu erfolgen.
3. Strafzumessungsregeln
3.1. Ausgangspunkt für die Bestimmung einer angemessenen Strafe ist der
ordentliche Strafrahmen der zu beurteilenden Straftat. Das Gesetz sieht beson-
ders aufgeführte Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe vor (Art. 48 ff.
StGB), welche zur Erweiterung des Strafrahmens führen können. Allerdings er-
folgt eine Strafrahmenerweiterung nur unter der eingeschränkten Voraussetzung,
dass eine Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nicht mehr angemes-
sen erscheint. In der Regel führen Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe
nicht zu einer Strafrahmenerweiterung, sondern sind von Amtes wegen zumindest
straferhöhend bzw. strafmindernd zu berücksichtigen (BGE 116 IV 13 f.;
- 142 -
BGE 116 IV 302; MATHYS, Zur Technik der Strafzumessung, SJZ 100 (2004)
S. 179 f.).
3.2. Bei der Bewertung des Verschuldens innerhalb des Strafrahmens ist
zunächst die objektive Tatschwere festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prü-
fen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt
worden ist. Darunter fallen etwa das Ausmass des Erfolges (Deliktsbetrag, Ge-
fährdung/Risiko, Sachschaden etc.) sowie die Art und Weise des Vorgehens. Von
Bedeutung ist auch die kriminelle Energie (TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN, in: Pra-
xiskommentar, 2. Auflage 2013, N 19 zu Art. 47 StGB), wie sie durch die Tat und
die Tatausführung offenbart wird. Auch die Grösse des Tatbeitrages (bei mehre-
ren Tätern) und die hierarchische Stellung sind von Bedeutung.
3.3. In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des subjektiven Verschul-
dens vorzunehmen. Es stellt sich die Frage, wie dem Täter die objektive Tat-
schwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu gehören etwa die Frage der Schuldfä-
higkeit (wer in seiner Einsichts- und/oder Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt ist,
den trifft letztlich ein geringerer subjektiver Tatvorwurf; sein Verschulden ist min-
der, was zu einer tieferen Strafe führen muss) sowie das Motiv. Ferner sind die
weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten wie das Mass an Entscheidungs-
freiheit zu berücksichtigen. Je leichter es für den Täter gewesen wäre, die Norm
zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie (Urteile des
Bundesgerichtes 6S.270/2006 vom 5. September 2006 E. 6.2.1, 6S.43/2001 vom
19. Juni 2001 E. 2 und 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004, E. 1.1; BGE 122
IV 241 und Pra 2001 S. 832 lit. a; STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht,
Allgemeiner Teil II, 2. Auflage 2006, S. 179 N 13; WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Bas-
ler Kommentar, Strafrecht I, 3. Auflage 2013, N 117 zu Art. 47 StGB).
3.4. Schliesslich ist eine vorläufige Gesamteinschätzung vorzunehmen, die
zum Ausdruck bringen soll, ob die festgestellte objektive Tatschwere aufgrund der
subjektiven Beurteilung reduziert, bestätigt oder erhöht werden soll. Damit soll
vermieden werden, dass zwar von einem schweren Verschulden ausgegangen
wird, die Strafe dann aber am unteren oder gar untersten Rahmen angesiedelt
wird (und umgekehrt).
- 143 -
3.5. Bei der Würdigung der Täterkomponente ist die verschuldensangemes-
sene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu tun
haben, gegebenenfalls zu erhöhen oder herabzusetzen. Massgebend hierfür sind
im Wesentlichen täterbezogene Komponenten wie die persönlichen Verhältnisse,
Vorstrafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (HUG, a.a.O., N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
4. Konkrete Strafzumessung
4.1. Der Beschuldigte hat mehrere Delikte, teilweise mehrfach, begangen,
weshalb die Strafschärfungsgründe der Tat- und der Deliktsmehrheit gegeben
sind. Dabei handelt es sich um das mehrfache Sich-bestechen-lassen
(Art. 322quater StGB), die mehrfache ungetreue Amtsführung (Art. 314 StGB), die
mehrfache Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 1 StGB) und die Verletzung des Amts-
geheimnisses (Art. 320 Ziff. 1 StGB).
4.1.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Vorausset-
zungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der
Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen (Art. 49 Abs. 1 StGB).
Ausgehend von der schwersten Tat ist unter angemessener Erhöhung der Strafe
für die übrigen Taten eine Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB festzu-
setzen. Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur
bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind unabhängig vonei-
nander zu verhängen, das Asperationsprinzip greift in diesen Fällen nicht. Die Vo-
raussetzungen für mehrere gleichartige Strafen sind erfüllt, wenn das Gericht im
konkreten Fall für den einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt. Hin-
gegen ist es ausnahmsweise angemessen, die einzelnen Taten in einem Ge-
samtzusammenhang zu betrachten und insgesamt eine Freiheitsstrafe auszufäl-
len, selbst wenn für einzelne Delikte theoretisch ungleichartige Strafen auszufäl-
len wären. Dies ist insbesondere zulässig, wenn die einzelnen Taten Teil eines
zusammenhängenden Vorgehens und gleichgelagerte Einzelhandlungen in einem
Gesamtkontext darstellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_499/2013 vom
22. Oktober 2013 E. 1.7. f.).
- 144 -
4.1.2. Die vom Beschuldigten begangenen schweren Taten sind mit einer
Freiheitsstrafe zu bestrafen (vgl. nachstehend, Erw. IV.4.3.-4.4.7.). Einzelne vom
Beschuldigten begangene Delikte hingegen wären bei einer isolierten Betrach-
tungsweise mit einer Geldstrafe zu ahnden, was der Bildung einer Gesamtstrafe
entgegenstehen würde. Eine derartige losgelöste Betrachtungsweise erweist sich
vorliegend aber als unzweckmässig und nicht sachgerecht. Zwischen sämtlichen
vom Beschuldigten begangenen Delikten besteht ein enger Zusammenhang, zu-
mal jede seiner Tathandlungen ein einzelner Akt in einem System von korrupten
Machenschaften darstellt, welches er sich im Laufe der Zeit im Rahmen seiner
Machtstellung als Chef der Vermögensverwaltung der G._ und gemeinsam
mit seinen Freunden und Geschäftspartnern aufgebaut hat. Dabei stellen die vom
Beschuldigten begangenen Delikte zum grössten Teil den Kern seiner strafbaren
Machenschaften dar (Sich-bestechen-lassen und ungetreue Amtsführung), ande-
re Delikte nehmen eher eine Nebenrolle beim Aufbau der korrupten Beziehung
(Amtsgeheimnisverletzung) oder beim nachträglichen Erschweren der Aufde-
ckung der Delikte (Geldwäscherei) ein. Eine Freiheitsstrafe erweist sich somit ins-
gesamt als schuldangemessene und zweckmässige Sanktion, weshalb im Sinne
von Art. 49 Abs. 1 StGB für sämtliche vom Beschuldigten begangenen Delikte ei-
ne Gesamtstrafe in Form einer Freiheitsstrafe auszufällen ist.
4.2. Das geltende Recht sieht für den Tatbestand des Sich-bestechen-
lassens im Sinne von Art. 322quater StGB eine abstrakte Strafandrohung von Frei-
heitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor und für den Tatbestand der un-
getreuen Amtsführung Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, wo-
bei die Freiheitsstrafe obligatorisch mit einer Geldstrafe zu verbinden ist (Art. 314
StGB).
4.2.1. Die schwerste Tat und Ausgangspunkt der Strafzumessung ist dem-
nach der Tatbestand der ungetreuen Amtsführung, da zusätzlich zur angedrohten
Freiheitsstrafe eine Geldstrafe von höchstens 360 Tagessätzen zu höchstens
Fr. 3'000.– (Art. 314 StGB i.V.m. Art. 34 Abs. 1 StGB) zu verhängen ist. Von den
unter diesem Tatbestand zu subsumierenden Taten, bzw. Tatkomplexe erweist
sich bei konkreter Betrachtung der zweimalige Verzicht auf die Retrozessionen
- 145 -
zugunsten der AK._ AG (Erw. II.5. ff.) als die schwerwiegendere Tat
(vgl. nachstehend, Erw. IV.4.3. ff., Erw. IV.4.4. ff.).
4.2.2. In der Regel ist der ordentliche Strafrahmen auch beim Vorliegen von
Strafschärfungsgründen, wie Deliktmehrheit und mehrfache Tatbegehung, nicht
zu verlassen. Die Strafe ist stattdessen innerhalb des ordentlichen Strafrahmens
zu bemessen. Liegen hingegen ausserordentliche Umstände vor, rechtfertigt sich
eine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens, wobei dieser nicht um mehr als
die Hälfte erhöht werden darf (Art. 49 Abs. 1StGB; vgl. vorstehend, Erw. IV.3.1.).
4.2.3. Aufgrund der Deliktmehrheit und der mehrfachen Tatbegehung sowie
der noch aufzuzeigenden Strafzumessungsgründe (vgl. nachstehend,
Erw. IV.4.12.) liegen ausserordentliche Umstände vor, welche eine Erweiterung
des Strafrahmens gebieten. Der erweiterte Strafrahmen erstreckt sich nach gel-
tendem Recht somit von Geldstrafe bis siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe, wobei
bei der Festsetzung einer Freiheitsstrafe diese obligatorisch mit einer Geldstrafe
zu verbinden ist.
4.3. Verzicht auf Retrozessionen vom 10. Februar 2004 und von Anfang
2006: mehrfache ungetreue Amtsführung
4.3.1. Da die beiden Verzichtserklärungen auf Ablieferung der durch die
AK._ AG eingenommenen Retrozessionen an die G._ in einem engen
sachlichen Zusammenhang stehen, sind sie im Rahmen der Strafzumessung als
Einheit zu behandeln.
4.3.2. Durch den eigenmächtigen und pflichtwidrigen, zweimaligen Verzicht
des Beschuldigten auf die der G._ zustehenden Retrozessionen gegenüber
der AK._ AG verursachte er bei der G._ und deren Versicherten einen
grossen, in einem Zeitraum von beachtlichen ca. dreieinhalb Jahren aufgelaufe-
nen Vermögensschaden von mindestens Fr. 2'272'000.– (Erw. II.5.8.5. ff., ins-
bes. II.5.9.4. f.) und damit eine schwere Schädigung des öffentlichen Vermögens.
Der Beschuldigte hatte nicht aus eigener Initiative auf die Retrozessionen verzich-
tet, sondern jeweils aufgrund eines Antrages seines Studienfreundes und Mitbe-
- 146 -
schuldigten J._, dem, resp. dessen AK._ AG er dadurch einen unrecht-
mässigen Vorteil in der selben Höhe verschaffte. Dabei missbrauchte er das ihm
innerhalb der G._ und der Finanzdirektion entgegengebrachte Vertrauen in
dreister Weise. Sein äusserst ungewöhnliches und raffiniertes Vorgehen bei der
Unterzeichnung der Verzichtserklärungen, das Einholen der notwendigen Zweit-
unterschrift bei einer dazu gar nicht befugten engen Mitarbeiterin, bei der von ihm
selber eingestellten Assistentin und Halbschwester seines Studienfreundes
J._ (Erw. II.5.8.4.7. ff.), zeigt die vom Beschuldigten aufgewendete kriminelle
Energie, um den Verzicht auf die Einnahmen vor der Finanzdirektion zu verber-
gen. Die objektive Tatschwere erweist sich als beträchtlich.
4.3.3. Bei der Gewichtung der subjektiven Tatschwere bestehen keinerlei
Anzeichen für eine eingeschränkte Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit beim Be-
schuldigten im Tatzeitpunkt (Art. 19 StGB). Das Vorgehen des Beschuldigten be-
scherte ihm keine unmittelbaren geldwerten Vorteile, dennoch entschied er sich
völlig frei zu diesem deliktischen Vorgehen. Hinsichtlich des unrechtmässigen
Vorteils handelte er mit direktem Vorsatz, hinsichtlich des Vermögensschadens
mit Eventualvorsatz, was sich diesbezüglich leicht verschuldensmindernd auswirkt
(Erw. III.5.6.3.1. f.). Weiter dürfte die insbesondere im Zeitpunkt des ersten An-
trags durch den Mitbeschuldigten J._ allgemein unsichere Rechtslage hin-
sichtlich der Ablieferung von Retrozessionen durch die Vermögensverwalter dazu
geführt haben, dass die Hemmschwelle für den Beschuldigten, auf die Retrozes-
sionen zu verzichten, nicht allzu hoch war, auch wenn er von der konkreten Ablie-
ferungspflicht der AK._ AG wusste. Die subjektive Schwere seiner Tat ver-
mag sein objektives Tatverschulden nicht spürbar zu mindern. Es bleibt bei die-
sem Tatvorwurf bei einem beträchtlichen Verschulden.
4.3.4. Der Beschuldigte lässt durch seinen Verteidiger ein Mitverschulden
des Privatklägers geltend machen (Urk. 299 S. 120 f.). Dabei wird ausser Acht ge-
lassen, dass der Beschuldigte über einen grossen Einfluss bei der Willensbildung
im Zusammenhang mit den Investitionsentscheiden der G._ und über weit-
reichende Befugnisse verfügte. Ausserdem zeigt sich gerade beim Verzicht auf
die Retrozessionen und bei den Repo-Geschäften, dass er sich beispielsweise
- 147 -
beim Einholen der notwendigen Zweitunterschriften verschleiernder Machen-
schaften bediente, um die vorgeschriebene Genehmigung durch die Finanzdirek-
tion und die dabei vorgegebenen Kontrollmechanismen gezielt zu umgehen. Ob
den Privatkläger allenfalls ein Mitverschulden treffen könnte, hat vorliegend in-
dessen keine Auswirkung, da das Strafrecht keine Verschuldenskompensation
kennt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6S.301/2003 vom 4. November 2003 E. 4
und 6B_184/2011 vom 24. Mai 2011, E. 1.4.2 m.w.H.) und auch kein derart nach-
teiliges Verhalten des Arbeitgebers vorliegt, welches das strafbare Verhalten des
Beschuldigten in den Hintergrund zu drängen vermöchte.
4.3.5. Angesichts der vom Beschuldigten zweimal gewährten Verzichtserklä-
rungen und des während dieses relativ langen Deliktszeitraumes zwischen an-
fangs 2004 bis ca. Mitte 2007 verursachten grossen Vermögensschaden von weit
mehr als Fr. 2 Mio. erweist sich sein Verschulden bei der mehrfachen ungetreuen
Amtsführung insgesamt als beträchtlich.
4.3.6. Die Vorinstanz hat sich im Rahmen ihrer Beurteilung der Täterkompo-
nente nicht mit den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschul-
digten auseinandergesetzt und sich bei ihrer Gesamtwürdigung bei der Festset-
zung der Strafe nicht dazu geäussert, wie diese zu berücksichtigen gewesen wä-
ren (Urk. 221 S. 191 f.).
4.3.6.1. Der Beschuldigte ist im Jahre 1955 in ..., ... (...) [Staat in Afrika],
geboren. Er hat einen ein Jahr älteren Bruder. Sein Vater war Tierarzt (Dr. med.
vet.). Seine Eltern hatten bereits seit 14 Jahren im ... [Staat in Afrika] gelebt, bis
dort im November 1960 der Bürgerkrieg ausbrach, weshalb der Beschuldigte ge-
mäss eigenen Angaben im Alter von 5 Jahren kriegsbedingt mit seinen Eltern in
die Schweiz zurückkehrte. Die ersten zwei Jahre wohnten sie in BK._ und
von 1963 bis 1974 in einer Dienstwohnung beim kantonalen BL._. Von 1974
bis 1985 wohnten sie auf der BM._. Anschliessend wohnte der Beschuldigte
von 1986 bis 1997 in BN._ und seither in .... Von April 1962 bis Oktober 1968
hatte er in BK._ und Zürich die Primarschule besucht und danach bis Sep-
tember 197j das Gymnasium, welches er mit der Matura, Typ B, abschloss. Es
folgten zwei Semester Medizinstudium und der Militärdienst (RS und UOS). Von
- 148 -
197j bis Juli 198j absolvierte der Beschuldigte an der Universität Zürich das Ius-
Studium und promovierte zum lic. iur. Im Rahmen dieses Studiums hatte er sei-
nen langjährigen Studienfreund, den Mitbeschuldigten J._, kennengelernt
(Urk. 1/311004 S. 3; Urk. 1/311024 S. 1 ff.; Prot. II S. 23).
4.3.6.2. Im September 1996 heiratete der Beschuldigte in ..., ... [Staat in
Südamerika]. Aus dieser nach wie vor bestehenden Ehe gingen zwei Söhne,
D._, geboren tt.mm.1997, und E._, geb. tt.mm.1999, hervor. Im Jahre
1997 mietete der Beschuldigte das eheliche Haus an der ...strasse ... in ..., wo er
ab August 1997 zusammen mit seiner Ehefrau wohnte. Im Januar 1999 kaufte der
Beschuldigte zusammen mit seinem damaligen Mitarbeiter, T._, die Ferien-
liegenschaft in ..., in Frankreich. Im Jahre 2000 investierte er ca. Fr. 100'000.– in
einen Umbau derselben, der im Februar 2001 fertiggestellt war (vgl. nachstehend,
Erw. VII.2.5.4.1. f.). Dieses Ferienhaus wurde im Einverständnis des Beschuldig-
ten und seiner Ehefrau Mitte September 2013 für Fr. 382'904.90 freihändig ver-
kauft (beschlagnahmter Nettoverkaufserlös: Fr. 350'382.–, vgl. nachfolgend,
Erw. VII.2.5.1. f.). Die Wohnkosten in der ehelichen Liegenschaft beliefen sich auf
rund Fr. 4'500.– pro Monat. Der Beschuldigte zog mit seiner Familie in eine kos-
tengünstigere Mietwohnung an der ...strasse ..., ... ..., wo die monatlichen Wohn-
kosten Fr. 3'000.– betrugen. Per 1. Mai 2013 ist die Ehefrau des Beschuldigten
zusammen mit den beiden Söhnen in eine 4 1⁄2-Zimmer-Wohnung am ...weg ..., in
..., umgezogen. Die monatlichen Mietkosten betragen nunmehr Fr. 1'691.– inkl.
Nebenkosten. Die beiden Söhne leben nach wie vor bei der Mutter im ehelichen
Haushalt. Seit dem 16. Oktober 2013 befindet sich der Beschuldigte in der Justiz-
vollzugsanstalt M._ in ... im vorzeitigen Strafvollzug (Urk. 1/062025 S. 3 f.;
Urk. 1/062030 S. 3 ff., S. 16; Urk. 1/311004 S. 2; Urk. 1/311024 S. 2 f.;
Urk. 1/313072 f.; Urk. 1/313251; Urk. 1/050284 f.; Urk. 1/10500327 S. 4;
Urk. 1/077010 S. 22 ff.; Urk. 1/10500030; Urk. 251 f.; Urk. 255 f.; vgl. Urk. 292/6
S. 1 und S. 6; Urk. 240; Urk. 77 S. 2 ff.; Prot. II S. 23 ff.).
4.3.6.3. Vom 1. Januar 1983 bis Mitte 1985 war der Beschuldigte im Finanz-
ausbildungsteam der BP._ und in der Folge bis 31. August 1989 als Anlage-
berater tätig, seit Januar 1987 als Handlungsbevollmächtigter. Am 1. September
- 149 -
1989 trat er als Sekretär der O._ in den Dienst der Finanzdirektion des Kan-
tons Zürich ein. Ab 1. Mai 1995 übernahm er die Funktion als Chef der neu ge-
schaffenen Abteilung Vermögensverwaltung und war direkt dem Finanzdirektor
unterstellt. Per 1. Januar 2004 wurde die Abteilung Vermögensverwaltung in die
Personalvorsorge ... (G._) integriert. Seither war der Beschuldigte mit einem
Vollpensum als Chef der Abteilung Asset Management und Mitglied der G._-
Geschäftsleitung angestellt. Zunächst erzielte er beim Kanton Zürich ein Jahres-
einkommen in der Grössenordnung von brutto Fr. 96'000.– bis Fr. 116'000.–. Bis
Mitte 1991 wurde dieses stetig bis auf Fr. 128'000.– angehoben und von da an
auf Fr. 133'000.–. Es erfolgten weitere Stufenanstiege. In der Folge verdiente er
bis Juli 1996 Fr. 184'000.– und von da an Fr. 189'000.–. Sein Jahreslohn als Chef
Vermögensverwaltung G._ ab 1. Januar 2004 betrug Fr. 220'000.–. Im Jahre
2008 betrug dieser Fr. 227'000.– und im Jahre 2010 Fr. 231'000.–, was in etwa
einem monatlichen Nettoeinkommen von 13 x Fr. 15'300.– entsprach. Hinzu kam
die Entschädigung für seine Nebenbeschäftigung bei der BQ._ in der Höhe
von 12 x Fr. 10'900.– netto. Seine diesbezüglichen Angaben in der Berufungsver-
handlung (ca. Fr. 110'000.– Jahresgehalt; Prot. II S. 25) stimmen nicht mit den
aussagekräftigen Aktenstücken überein. Der Beschuldigte erzielte in der Zeit vor
seiner Verhaftung mithin ein monatliches Nettoeinkommen in der Grössenord-
nung von gesamthaft Fr. 27'000.– (x 12). Am 18. Juni 2010 wurde ihm schliesslich
fristlos gekündigt (Urk. 1/311004 S. 2; Urk. 1/311009; Urk. 1/313009;
Urk. 1/313026; Urk. 1/313060; Urk. 1/313074; Urk. 1/313086 f.; Urk. 1/313120 f.;
Urk. 1/313138; Urk. 1/313146; Urk. 77 S. 2 ff.; Prot. II S. 25 f.).
4.3.6.4. Gemäss Steuererklärung 2012 hatte der Beschuldigte noch Arbeits-
losenentschädigung in der Höhe von Fr. 45'263.– erzielt. Seine Ehefrau verdiente
insgesamt Fr. 6'395.– im Nebenerwerb. Der Wertschriftenertrag betrug damals
Fr. 2'956.–. Dies ergab monatliche Einkünfte von rund Fr. 4'500.–. Das Wertschrif-
tenguthaben betrug Fr. 135'710.–. Gemäss Steuererklärung 2013 wurden keine
nennenswerten Einkünfte mehr erzielt. Das Wertschriftenguthaben betrug
Fr. 153'658.– und der Ertrag Fr. 3'063.– (Urk. 292/1). Aktuell erzielt die Ehefrau
des Beschuldigten einen Nebenerwerb von ca. Fr. 1'200.– pro Monat. Sein älterer
Sohn erhält als ...lehrling einen Lehrlingslohn von derzeit Fr. 576.– netto pro Mo-
- 150 -
nat (Urk. 292/2-5). Laut Beschluss der Sozialbehörde ... vom 7. Januar 2014 wird
die Familie des Beschuldigten mit monatlich Fr. 2'607.– weiterhin unterstützt, wo-
bei Wohnkosten von Fr. 1'691.– und die Krankenkassenprämien für die ganze
Familie von insgesamt Fr. 843.– pro Monat berücksichtigt sind (Urk. 1/311024
S. 2; vgl. Urk. 292/6 insbes. S. 6; Urk. 292/8). Die Ehefrau des Beschuldigten ist
mit Hilfe des RAV auf Stellensuche für ein Arbeitspensum von 80 % (Urk. 292/6
S. 1). Schliesslich verfügt der Beschuldigte noch über die Vermögenswerte der 2.
Säule auf seinem Freizügigkeitskonto Nr. ... bei der AS._ in der Höhe von
Fr. 1'161'209.– per 30. November 2010 (Urk. 1/317023), welche sich per 31. De-
zember 2013 auf Fr. 1'201'515.– beliefen (Urk. 292/10).
4.3.6.5. Der Beschuldigte weist gemäss Strafregisterauszug vom 22. Juni
2011 und vom 2. Juni 2014 keine Vorstrafen auf (Urk. 1/311023; Urk. 285). Die
Vorstrafenlosigkeit wirkt sich bei der Strafzumessung grundsätzlich neutral aus.
Sie stellt den Normalfall dar und ist deshalb nicht strafmindernd zu berücksichti-
gen (BGE 136 IV 1 E. 2.6), insbesondere auch nicht – und entgegen der Auffas-
sung der erbetenen Verteidigung (Urk. 299 S. 139 f.) – angesichts des erst mittle-
ren Alters des Beschuldigten zu Beginn seiner deliktischen Aktivitäten.
4.3.6.6. Aus seinen persönlichen Verhältnissen gehen entgegen der Auffas-
sung der Verteidigung vor Vorinstanz und im Berufungsverfahren (Urk. 88
S. 22 ff.; Urk. 299 S. 123 ff.) keine zusätzlichen strafmassrelevanten Umstände
hervor. Insbesondere stellt der Umstand, dass der Beschuldigte im November
1960 im Alter von 5 Jahren zusammen mit seinen Eltern wegen bürgerkriegsähn-
lichen Unruhen im ... [Staat in Afrika] in die Schweiz zurückkehren musste (vgl.
auch vorstehend, Erw. IV.4.3.6.1.) keinen Strafminderungsgrund dar, da kein Zu-
sammenhang zu den vorliegend zu beurteilenden Delikten gegeben ist. Ebenso
wenig kann ihm aufgrund der geltend gemachten Überlastungssituation in den
Jahren 2001/2002 (Urk. 88 S. 23 f.) resp. 2002/2003 (Urk. 299 S. 124 ff.) eine
Strafreduktion gewährt werden, nachdem sich der gesamte, äusserst lange De-
liktszeitraum von ca. September 2001 bis anfangs Mai 2010 über mehr als 8 Jah-
re hinweg erstreckte und ausser bei den Repo-Geschäften keine zeitliche Nähe
zwischen der geltend gemachten Drucksituation und seinem deliktischen Handeln
- 151 -
gegeben ist. Für die von der erbetenen Verteidigung geltend gemachte "ausge-
prägte Alkoholproblematik" (Urk. 299 S. 125, Rz 247) finden sich in den Akten
keinerlei Anzeichen einer strafmassrelevanten Alkoholeinwirkung.
4.3.7. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-
ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue
wirken strafmindernd. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse
können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc).
4.3.7.1. Die Vorderrichter gewährten dem Beschuldigten für sein teilweises
Geständnis ohne eingehendere Begründung für alle Taten pauschal eine Straf-
minderung "in mittlerem Masse" und hielten fest, dass er keine Reue gezeigt habe
(Urk. 221 S. 191 f.). Die erbetene Verteidigung geht zu Unrecht generell von ei-
nem umfangreichen und frühzeitig erfolgten Geständnis des Beschuldigten aus
(Urk. 299 S. 127 ff., insbes. S. 131, Rz 262).
4.3.7.2. Bei der Bewertung der Teilgeständnisse des Beschuldigten ist zu-
nächst zu berücksichtigen, dass sie teilweise nur zögerlich nach belastenden
Aussagen von Mitbeschuldigten erfolgten. Wo einzelne Teilgeständnisse vorlie-
gen, sind diese bei der nachfolgenden Strafzumessung für die betreffenden Taten
und Tatkomplexe beim Nachtatverhalten jeweils zu berücksichtigen.
4.3.7.3. Soweit der Beschuldigte im Zusammenhang mit C._ verjährte
Zahlungen von ca. Fr. 400'000.– bis Fr. 500'000.– freiwillig und frühzeitig einge-
stand (Urk. 299 S. 130 Rz 259 f.), betrifft dies Tatvorwürfe, für welche er rechts-
kräftig freigesprochen wurde (vorstehend, Erw. I.3.; Urk. 221 S. 236). Jene Zuge-
ständnisse können daher keine Wirkung mehr entfalten auf die Strafzumessung
für die dem vorliegenden Schuldspruch zugrundeliegenden Taten.
4.3.7.4. Beim mehrfachen Verzicht auf die Retrozessionen räumte der Be-
schuldigte zu Beginn des Vorverfahrens zwar zunächst ein, beim "Small & Mid
Caps Mandat" sei gemäss Vertrag nur eine fixe Gebühr vorgesehen gewesen und
- 152 -
die AK._ AG hätte diese Retrozessionen an die G._ weiterleiten müssen
(Urk. 1/062034 S. 17; Urk. 1/062049 S. 41, Vorhalt 64), stellte sich aber gleichzei-
tig auf den Standpunkt, die Entrichtung der Retrozessionen an die AK._ AG
sei angesichts des Dienstleistungsumfanges korrekt gewesen. Bereits darin lässt
sich nur ein Teilgeständnis erkennen. Das spätere Bestreiten und die Beschöni-
gungen des Beschuldigten, selber zu wenig kontrolliert zu haben, weshalb er da-
für die Verantwortung übernehme, oder die Entrichtung der Retrozessionen an die
AK._ AG sei angesichts von angeblich erbrachten, der G._ nicht ver-
rechneten "Zusatzleistungen" (vgl. diesbez. vorstehend, Erw. II.5.8.4.10.) rech-
tens gewesen (Urk. 1/062047 S. 7 ff., insbes. S. 13 ff.; Urk. 77 S. 30 ff.; Prot. II
S. 63 ff.; Urk. 299 S. 51, 82), stellen keine prozessentscheidende Anerkennung
dieses Anklagevorwurfes dar, sondern eher ein anfängliches Teilgeständnis, wel-
ches in der Folge wieder relativiert und durch die Einwände des Beschuldigten
von der Wirkung her weitgehend zurückgenommen wurde, was weitreichende und
umfangreiche weitere Untersuchungshandlungen für die Beweisführung notwen-
dig machte. Die teilweisen Zugeständnisse lassen daher lediglich eine eher mo-
derate Strafreduktion zu.
4.3.8. Das Bundesgericht hat bereits unter altem Recht erkannt, dass der
Strafempfindlichkeit eines Täters unter gewissen Umständen Rechnung zu tragen
ist und bei der Festsetzung der Strafe deren Folgen für den Beschuldigten und
dessen soziales Umfeld zu berücksichtigen sind (Urteile des Bundesgerichts
6S.405/2003 vom 5. Februar 2004 und 6S.703/1995 vom 26. März 1996). Da jede
Strafe Folgen für den Täter hat, sind von vornherein nur solche zu berücksichti-
gen, welche den Täter überdurchschnittlich treffen. Beim Beschuldigten liegen
keine aussergewöhnlichen Umstände vor, welche eine besondere Strafempfind-
lichkeit erkennen liessen. Eine besondere Reduktion der Freiheitsstrafe rechtfer-
tigt sich unter diesem Gesichtspunkt demnach nicht.
4.3.9. Eine weitere Strafminderung lässt der Beschuldigte unter dem Titel
mediale Vorverurteilung aufgrund einer massiv überdurchschnittlich intensiven
Berichterstattung in den Medien und wegen Verletzung der Unschuldsvermutung
geltend machen, wobei die Verteidigung indessen teilweise unergiebig vom er-
- 153 -
stellten Sachverhalt abweichende Wertungen geltend macht (Urk. 299 S. 140 ff.;
Prot. II S. 96 u.). Die Gesamtheit der medialen Berichterstattung weist vorliegend
indessen ein überdurchschnittliches Ausmass auf (z.B. Urk. 1/062006 ff.; Prot. II
S. 96). Bei diesem möglichen Strafminderungsgrund dürfen allerdings nicht An-
gehörige "höherer Gesellschaftsschichten" bevorteilt und der Eindruck der Klas-
senjustiz erweckt werden (vgl. WIPRÄCHTIGER/KELLER, a.a.O., N 160 f. zu Art. 47
StGB). Beamtenbestechung ist von allgemeinem Interesse, weshalb dem Tatbe-
stand des Sich-bestechen-lassens ein grosses mediales Echo in gewisser Weise
immanent ist. Es kann nicht sein, dass bei bestimmten Delikten und prominenten
Vorfällen eine übermässige Privilegierung des Täters erfolgt. Insgesamt ist es an-
gezeigt, eine spürbare Strafminderung zu gewähren.
4.3.10. Insgesamt erweist sich für die mehrfache ungetreue Amtsführung im
Zusammenhang mit dem Verzicht auf die Retrozessionen eine Freiheitsstrafe von
2 1⁄2 Jahren obligatorisch verbunden mit 60 Tagessätzen Geldstrafe angemessen.
4.3.11. Bei der Bemessung der Tagessatzhöhe ist vom Einkommen des Be-
schuldigten, das ihm durchschnittlich an einem Tag zufliesst, auszugehen. Davon
abzuziehen sind die üblichen Auslagen für die laufenden Steuern, die Beiträge an
die obligatorische Kranken- und Unfallversicherung, die notwendigen Berufsaus-
lagen und die Unterstützungsverpflichtungen (BGE 134 IV 60 E. 6). Das Vermö-
gen ist bei der Bemessung des Tagessatzes zu berücksichtigen, sofern der Täter
seine Lebenshaltungskosten aus der Substanz des Vermögens bestreitet (Urteil
des Bundesgerichts 6B_681/2011 vom 13. März 2012 E. 5).
4.3.11.1. Der Beschuldigte befindet sich im Strafvollzug und erzielt derzeit
keine nennenswerten Einkünfte. Seine Familienangehörigen werden teilweise von
der Sozialhilfe unterstützt (vgl. vorstehend, Erw. IV.4.3.6.4.). Der Tagessatz für
Verurteilte, die nahe oder unter dem Existenzminimum leben, ist daher in dem
Masse herabzusetzen, dass einerseits die Ernsthaftigkeit der Sanktion durch den
Eingriff in die gewohnte Lebensführung erkennbar ist und andererseits der Eingriff
nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen als zumutbar erscheint.
Als Richtwert nennt das Bundesgericht eine Herabsetzung des Nettoeinkommens
um mindestens die Hälfte. Überdies ist bei einer hohen Anzahl Tagessätze – na-
- 154 -
mentlich bei Geldstrafen von mehr als 90 Tagessätzen – eine Reduktion um wei-
tere 10 - 30 % angebracht, da mit zunehmender Dauer die wirtschaftliche Be-
drängnis und damit das Strafleiden progressiv ansteigt (BGE 134 IV 60 E. 6.5.2).
4.3.11.2. Der Tagessatz darf nicht so weit reduziert werden, dass er lediglich
symbolischen Wert hat, weil die Geldstrafe gleichwertig neben die Freiheitsstrafe
treten soll (vgl. BGE 134 IV 60 E. 6.5 S. 71 ff. mit Hinweisen). Das Bundesgericht
hat entschieden, dass ein Tagessatz unter Fr. 10.– auch für Täter mit niedrigsten
Einkommen als symbolisch zu bezeichnen ist (vgl. BGE 135 IV 180 E. 1.4
S. 184). Um der (schlechten) finanziellen Situation von Straftätern nebst der An-
passung der Tagessatzhöhe an die Einkommensverhältnisse zusätzlich Rech-
nung zu tragen, schuf der Gesetzgeber die Möglichkeit von Zahlungserleichterun-
gen (vgl. Art. 35 Abs. 1 StGB). Dadurch werden Härtefälle auf der Vollzugsebene
weiter abgefedert. Als angemessen erscheint demnach ein Tagessatz in der Höhe
von Fr. 30.–.
4.3.12. Die Einsatzstrafe für die ungetreue Amtsführung im Zusammenhang
mit dem Verzicht auf die Retrozessionen ist damit auf 2 1⁄2 Jahre Freiheitsstrafe
zuzüglich einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– festzusetzen.
4.4. Abschluss bzw. Veranlassung der Repo-Geschäfte mit der S._
Ende September 2001, Ende Oktober 2001, anfangs Januar 2002 und
Mitte März 2002: mehrfache ungetreue Amtsführung
4.4.1. Da die Repo-Geschäfte in einem engen sachlichen Zusammenhang
stehen, ist es angebracht, sie im Rahmen der Strafzumessung als Einheit zu be-
handeln.
4.4.2. Der Abschluss bzw. die Veranlassung dieser Repo-Geschäfte lag
zwar im Zuständigkeitsbereich des Beschuldigten, bei der objektiven Tatschwere
fällt indessen ins Gewicht, dass er seine Kompetenzen massiv überschritt, indem
er ab dem zweiten Repo–Geschäft diese pflichtwidrig nicht mehr der Finanzdirek-
tion zur Genehmigung vorlegte und obendrein Mitarbeitern zur Zweitunterschrift
unterbreitete, welche für ein Geschäft dieser Tragweite gar nicht unterschriftsbe-
- 155 -
rechtigt waren (vorstehend, Erw. II.2.4.2.4. ff.). Dieses Vorgehen zeugt angesichts
des ihm bestens bekannten hohen Verlustrisikos bei diesen Geschäften von ei-
nem offenkundigen Bemühen, diese äusserst risikobehafteten und damit zweifel-
haften Geschäfte gezielt an der Finanzdirektion vorbeizuschleusen, was sein ob-
jektives Tatverschulden noch erhöht. Ausserdem fällt ins Gewicht, dass der Be-
schuldigte in eigener Verantwortung völlig autonom nicht bloss eines, sondern
gleich mehrere solcher Geschäfte mit einer Verpflichtung von gesamthaft
Fr. 43'500'000.– in einem Zeitraum von weniger als einem halben Jahr abschloss.
Zugutezuhalten ist ihm, dass er die Repo-Geschäfte nicht aus Eigeninitiative initi-
ierte, sondern jeweils auf Anfrage von C._. Sein Vorgehen war neben dem
turbulenten Börsenumfeld eine gewichtige Mitursache am von der G._ und
deren Versicherten erlittenen Vermögensschaden in der gesamten Höhe der ein-
gegangenen Verpflichtung. Aus der Höhe des Verlustes ergibt sich eine gravie-
rende Schädigung des öffentlichen Vermögens. Mit diesen Repo-Geschäften ver-
schaffte der Beschuldigte C._ zur Rettung der S._ zu dringend benötig-
ter Liquidität in der Form von der G._ gehörendem Kapital, das die S._
angesichts des grossen Verlustrisikos nicht mehr auf anderem Wege von Dritten
auf dem Kapitalmarkt erlangen konnte. Dem Umstand, dass ein wesentlicher Teil
des Vermögensschadens eine gewichtige Mitursache im nachteiligen Börsengang
hatte, ist indessen deutlich verschuldensmindernd Rechnung zu tragen. Die ob-
jektive Tatschwere ist daher lediglich als mittel einzustufen.
4.4.3. Damit verschaffte er C._ und der S._ direktvorsätzlich einen
unrechtmässigen Vermögensvorteil und nahm den verursachten Vermögenscha-
den der G._ in Kauf (vorstehend, Erw. III.5.5.3.1. ff.), wie auch der Privatklä-
ger anlässlich der Berufungsverhandlung zurecht geltend machen liess. Ein Be-
amter, welcher unter solchen Voraussetzungen im Alleingang hochgradig gefähr-
dete Darlehen gewährt, nimmt einen daraus resultierenden Schaden in Kauf
(Urk. 302 S. 9, 2. Absatz). Der Eventualvorsatz hinsichtlich des eingetretenen
Vermögensschadens ist bei der subjektiven Schwere der Tat ebenfalls deutlich
verschuldensmindernd im Vergleich zu direktvorsätzlichem Vorgehen zu gewich-
ten.
- 156 -
4.4.3.1. Der Beschuldigte befand sich damals zwar in einer gewissen Druck-
situation, als die Börsenkurse bei Titeln, in welche auch die G._ Anlagevolu-
men investiert hatte, ständig sanken. Dies vermag indessen seine eigenmächtige,
massive Kompetenzüberschreitung und das Kaschieren seines pflichtwidrigen
einseitigen Vorgehens zugunsten seines Freundes C._ und dessen S._
durch das nicht autorisierte Gewähren von Liquidität in dieser Grössenordnung
nicht zu entschuldigen. Insofern war der Beschuldigte zwar nicht von geldwerten
Motiven getrieben, was sich moderat verschuldensmindernd auswirkt. Dagegen
sind im Bestreben, C._ und der S._ aus Mitteln der G._ unautori-
siert und eigenmächtig einen immensen geldwerten Vorteil zu verschaffen, wel-
cher diesen beiden nicht zustand, keine verschuldensmindernden Aspekte gege-
ben.
4.4.3.2. Entgegen der Auffassung der Rechtsvertretung des Privatklägers
(Urk. 302 S. 5, 8 f.) lässt sich durch die vom Beschuldigten anerkannte Annahme
von (verjährten) Zahlungen von C._ vor dem 22. Februar 2000 von insge-
samt mehreren hunderttausend Franken (Urk. 1/62003 S. 9 ff.; Urk. 1/62049
S. 11 f.; Urk. 77 S. 5; Urk. 221 S. 30 ff., S. 37 ff., S. 59) bei der Beurteilung des
Verschuldens im Zusammenhang mit den Repo-Geschäften ab September 2001
aus zeitlichen Überlegungen nicht mehr auf ein verschuldensrelevantes Abhän-
gigkeitsverhältnis des Beschuldigten von C._ aufgrund dieser Zahlungen
schliessen, da diese gemäss rechtskräftigem Freispruch der Vorinstanz damals
bereits mindestens mehr als 1 1⁄2 Jahre zurücklagen (Urk. 221 S. 59, 236; vorste-
hend, Erw. I.3.). Geldwerte Motive kommen daher beim Abschluss der Repo-
Geschäfte nicht in Betracht, wie dies bereits gewichtet wurde (vorstehend,
Erw. IV.4.4.3.1.).
4.4.3.3. Anhaltspunkte für eine eingeschränkte Einsichts- oder Steuerungs-
fähigkeit im Tatzeitpunkt (Art. 19 StGB) liegen wiederum nicht vor. Insbesondere
kommt der erwähnten Drucksituation nicht die Intensität einer schweren Bedräng-
nis gemäss Art. 48 StGB zu, zumal der Beschuldigte sich nicht in einer notstand-
ähnlichen Lage befand, aus der er nur durch die an der Finanzdirektion vorbei
abgeschlossenen Repo-Geschäfte und das Gewähren dieser äusserst risikobe-
- 157 -
hafteten Geldleistungen an die S._ wieder herausgefunden hätte (vgl.
TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN, in: Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, N 11 zu
Art. 48 StGB; HUG, in: StGB Kommentar, 19. Auflage 2013, N 2 zu Art. 48 StGB).
4.4.3.4. Angesichts der subjektiven Schwere der Tat ist das Verschulden im
Zusammenhang mit den Repo-Geschäften als keineswegs mehr leicht einzustu-
fen.
4.4.4. Hinsichtlich der Täterkomponente ist auf das bereits Dargelegte zu
verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.6.1. ff.).
4.4.5. Bei den Repo-Geschäften anerkannte der Beschuldigte sowohl im
Vorverfahren als auch vor Vorinstanz den äusseren, objektiven Sachverhalt und
räumte insbesondere auch ein, dass die zweite Investition von Fr. 20'000'000.– in
die S._ der Finanzdirektion nicht mehr zur Genehmigung vorgelegt wurde
und dass die G._ schliesslich einen Gesamtverlust aus diesem Engagement
in der Höhe von Fr. 272'700'000.– erlitt (Urk. 1/062049 S. 15 ff., insbes. auch
Vorhalt 28; Urk. 1/062050 S. 2 ff.; Urk. 77 S. 9 ff.). Bei diesem Teilgeständnis
blieb er auch im Berufungsverfahren (Prot. II S. 32). Den subjektiven Sachverhalt
hat der Beschuldigte mit Ausnahme des ihm bewusst gewesenen hohen Verlust-
risikos dagegen stets bestritten. Er habe daher weder seine Kompetenzen über-
schritten, eine Pflichtwidrigkeit begangen noch C._ oder die S._ bevor-
teilt. Es sei ihm um eine Sanierungsmassnahme gegangen (Urk. 1/062049
S. 16 f.; Urk. 1/062050 S. 4 f.; Urk. 77 S. 9 f.; Prot. II S. 33 f.). Bei diesem Teilge-
ständnis handelt es sich nicht um ein umfangreiches und prozessentscheidendes
Geständnis, da der objektive Sachverhalt aufgrund vorhandener Dokumente be-
reits geklärt war, die verbliebenen Bestreitungen zum subjektiven Sachverhalt je-
doch weitere Untersuchungshandlungen und Abklärungen für die Beweisführung
notwendig machten. Dem Nachtatverhalten ist daher wiederum mit einer eher
moderaten Strafreduktion Rechnung zu tragen.
4.4.6. Hinsichtlich der möglichen weiteren Strafreduktionsgründe der Straf-
empfindlichkeit und der medialen Vorverurteilung kann auf das bereits Dargelegte
- 158 -
verwiesen werden (vorstehend, Erw. IV.4.3.8. f.). Insbesondere die mediale Vor-
verurteilung wirkt sich strafmindernd aus.
4.4.7. Unter Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatschwere
sowie der Täterkomponenten ist die Einsatzstrafe für die mehrfache ungetreue
Amtsführung im Zusammenhang mit den Repo-Geschäften auf 3 1⁄2 Jahre Frei-
heitsstrafe und 90 Tagessätze Geldstrafe zu Fr. 30.– zu erhöhen.
4.5. Annahme der Fr. 200'000.– Bargeld vom Mitbeschuldigten H._ an
einem Abend im Januar/Februar 2002: Sich-bestechen-lassen
4.5.1. Die Bargeldzahlung des Mitbeschuldigten H._ in der Höhe von
stolzen Fr. 200'000.– hatte der Beschuldigte ca. im Januar/Februar 2002 ange-
nommen, ohne diese verlangt zu haben und ohne dass eine vorgängige Beste-
chungsvereinbarung vorgelegen hätte. Die Höhe der ansehnlichen Summe ent-
spricht in etwa dem damaligen Jahreseinkommen des Beschuldigten. Die An-
nahme erfolgte nachträglich als Belohnung und ohne Einfluss auf den im Juni
2001 vom Beschuldigten veranlassten, in seinem Ermessen stehenden gewichti-
gen Investitionsentscheid der G._ über Fr. 40'400'000.– in die Titel der
V._ AG, deren kollektivzeichnungsberechtigter Verwaltungsrat H._ da-
mals war. Die Initiative ging nicht vom Beschuldigten aus. Die objektive Schwere
dieser einmaligen Tathandlung ist daher weniger stark zu gewichten, als bei über
einen längeren Zeitraum hinweg und aufgrund einer Bestechungsvereinbarung
stetig geleisteten Teilzahlungen für mehrere künftige pflichtwidrige, unter der Wir-
kung der Bestechungsgelder stehende Handlungen zugunsten des Bestechen-
den. Dennoch stellt diese einmalige Tathandlung des Beschuldigten eine erhebli-
che Verletzung des Vertrauens der Allgemeinheit in die Objektivität und Sachlich-
keit staatlicher Tätigkeit dar. Das objektive Tatverschulden erweist sich als nicht
mehr leicht.
4.5.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte diese hohe Bargeldsumme mit direktem Vorsatz und in voller Kenntnis
annahm, dazu unter keinen Umständen berechtigt zu sein (vgl. vorstehend,
Erw. II.3.5. m.w.H.). Als Motiv kommen einzig geldwerte Beweggründe in Frage.
- 159 -
Er war in seinem Entscheid völlig frei und hätte sich ohne Weiteres gegen die An-
nahme des Geldes entscheiden können, ohne irgendwelche Nachteile befürchten
zu müssen. Anhaltspunkte dafür, dass er im Deliktszeitraum in seiner Einsichts-
und/oder Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sein könnte, oder andere,
die subjektive Tatschwere mindernde Faktoren, liegen nicht vor. Die subjektive
Schwere der Tat führt zu keiner Änderung in der Bewertung des objektiven Tat-
verschuldens. Es bleibt bei einem nicht mehr leichten Verschulden.
4.5.3. Hinsichtlich der Täterkomponente ist auf das beim Tatbestand der
mehrfachen ungetreuen Amtsführung bereits Dargelegte zu verweisen (vorste-
hend, Erw. IV.4.3.6.1. ff.). Beim Nachtatverhalten zu dieser Tat ist ergänzend in
Betracht zu ziehen, dass der Beschuldigte den Sachverhalt im Wesentlichen an-
erkannt hat (Urk. 1/062049 S. 21 ff.; Urk. 77 S. 15 f.; Prot. II S. 38; vorstehend,
Erw. II.3.1.). Seine Aussagen haben zur Aufklärung dieser Straftat geführt. Dieses
kooperative Verhalten und sein prozessentscheidendes Geständnis (vorstehend,
Erw. IV.4.3.7.) bewirken eine deutliche Strafreduktion.
4.5.4. Nach Art. 48 lit. e StGB hat das Gericht die Strafe obligatorisch zu
mildern, wenn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit
deutlich vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohlverhalten hat. Diese
Tat des Beschuldigten liegt zwar inzwischen rund 12 Jahre zurück. Da er jedoch
stetig weiter delinquierte, kommt dieser Strafmilderungsgrund nicht zum Tragen.
4.5.5. Hinsichtlich der möglichen weiteren Strafreduktionsgründe der Straf-
empfindlichkeit und der medialen Vorverurteilung kann auf das bereits Dargelegte
verwiesen werden (vorstehend, Erw. IV.4.3.8. f.). Insbesondere die mediale Vor-
verurteilung wirkt sich strafmindernd aus.
4.5.6. Für diese einzelne Bestechungstat ist die vorstehend festgesetzte
Gesamtstrafe von 3 1⁄2 Jahren bzw. 42 Monaten unter Berücksichtigung des Aspe-
rationsprinzips auf 46 Monate zu erhöhen.
- 160 -
4.6. Mehrfache Annahme von Bestechungszahlungen vom Mitbeschuldig-
ten I._ ab ca. Ende Januar 2005 bis Mai 2010 mit einer Gesamt-
summe von Fr. 863'000.–: Mehrfaches Sich-bestechen-lassen
4.6.1. Da die mehrfachen Annahmen der einzelnen Teilzahlungen, welche
schliesslich zur Gesamtsumme von Fr. 863'000.– führten, auf dieselbe Vereinba-
rung einer Erfolgsbeteiligung von 7 % und damit auf eine einheitliche Grundlage
zurückgehen (vorstehend, Erw. III.3.6.7.), mithin in einem engen sachlichen Zu-
sammenhang stehen, sind sie im Rahmen der Strafzumessung als einheitlicher
Deliktskomplex zu behandeln.
4.6.2. Die Geldzahlungen des Mitbeschuldigten I._ hatte der Beschul-
digte ab ca. Ende Januar 2005 mit Wirkung ab Mai 2004 als Folge der vereinbar-
ten Beteiligung von 7 % an den Nettoerträgen der I1._ angenommen. Bei der
objektiven Tatschwere fällt daher ganz erheblich ins Gewicht, dass den Zahlun-
gen eine Unrechtsvereinbarung zu Grunde lag, die Annahme der Gelder über ei-
nen sehr langen Deliktszeitraum von mehr als 5 Jahren erfolgte und die Gesamt-
summe sich auf stolze Fr. 863'000.– belief. Zudem fällt erschwerend ins Gewicht,
dass der Beschuldigte dem Mitbeschuldigten I._ im Jahre 2004 auch zu er-
kennen gegeben hatte, dass er Geldbedarf habe. Die Initiative war demzufolge
entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 299 S. 115, Rz 223) vom Be-
schuldigten ausgegangen. Damit erfüllte er alle drei Elemente der Tathandlung im
engeren Sinne; das Fordern, das Sich versprechen lassen und das Annehmen
des nicht gebührenden Vorteils (Erw. III.3.6.2.). Die objektive Schwere der unzäh-
ligen, erst durch seine Verhaftung unterbundenen Tathandlungen und steten
Geldannahmen sowie die dadurch entgegen der Auffassung der Verteidigung
(Urk. 299 S. 116, Rz 224 f.) ab dem Jahre 2005 schwer korrumpierte Geschäfts-
beziehung zu I._ und der I1._ stellen eine gravierende Verletzung des
Vertrauens der Allgemeinheit in die Objektivität und Sachlichkeit staatlicher Tätig-
keit dar. Nur die ersten in seinem Ermessen stehenden Entscheide im Zusam-
menhang mit der I1._ vor dem Jahre 2005 wurden durch die Bestechungs-
gelder lediglich nachträglich belohnt und waren somit noch unbeeinflusst durch
die Wirkung der nicht gebührenden Vorteile zustande gekommen. Die Bewertung
- 161 -
der objektiven Tatschwere führt daher innerhalb des zur Verfügung stehenden
Strafrahmens mit der Vorinstanz (Urk. 221 S. 187 f.) insgesamt zu einem erhebli-
chen objektiven Verschulden.
4.6.3. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der Beschuldig-
te in jeder Hinsicht mit direktem Vorsatz handelte (vorstehend, Erw. III.3.6.6. f.).
Als Motiv kommen einzig egoistische Beweggründe und – angesichts der ganzen
Dimension – schlichte Geldgier in Frage. Anfänglich war der Beschuldigte in sei-
nem Entscheid völlig frei und hätte sich ohne Weiteres gegen eine Unrechtsver-
einbarung entscheiden können. Faktoren, welche die subjektive Tatschwere zu
mindern vermöchten, liegen nicht vor. Die subjektive Schwere der Tat führt zu
keiner anderen Bewertung des objektiven Tatverschuldens. Es bleibt bei diesen
Bestechungshandlungen bei einem erheblichen Verschulden.
4.6.4. Hinsichtlich der Täterkomponente ist wiederum auf das beim Tatbe-
stand der mehrfachen ungetreuen Amtsführung bereits Dargelegte zu verweisen
(vorstehend, Erw. IV.4.3.6.1. ff.). Beim Nachtatverhalten zu diesen Tathandlungen
ist den teilweisen Zugaben des Beschuldigten Rechnung zu tragen.
4.6.4.1. Der Beschuldigte anerkannte den äusseren, objektiven Sachverhalt
im Vorverfahren, anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung und in der Be-
rufungsverhandlung insoweit (Urk. 1/062045 S. 8 ff.; Urk. 1/062049 S. 26 ff.,
S. 31; Urk. 1/070016 S. 18 ff.; Urk. 77 S. 20 ff.; Prot. II S. 52 f.), als er die von ihm
massgeblich beeinflusste Erteilung der Mandate an die I1._ bestätigte und
die Beteiligung von 7 % an den Nettoerträgen der I1._ sowie die fraglichen
Zahlungen jeweils einräumte, jedoch nicht mehr als insgesamt Fr. 500'000.–.
Ebenso anerkannte er anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung vom
24. November 2010, mithin zwei Tage vor seiner Entlassung aus der Untersu-
chungshaft (Urk. 1/315058) noch, sich in diesem Umfang der passiven Beste-
chung schuldig gemacht zu haben (Urk. 1/062045 S. 10), um in der Folge einzel-
ne, wesentliche Tathandlungen doch wieder zu bestreiten. So bestritt er insbe-
sondere, dem Mitbeschuldigten I._ zu verstehen gegeben zu haben, dass
dieser jetzt auch für ihn schauen könne. Die Initiative zur Erfolgsbeteiligung an
den Bruttoerträgen der I1._ sei von diesem ausgegangen. Alsdann beharrte
- 162 -
der Beschuldigte auch hier auf ausschliesslich pflichtgemässem Handeln bei der
Vergabe der Mandate an die I1._ (Urk. 1/062031 S. 17; Urk. 1/070003 S. 4;
Urk. 1/070016 S. 8; Urk. 1/062049 S. 30 f., 33; Urk. 77 S. 24; Urk. 88 S. 7; Prot. II
S. 49 u.; vorstehend, Erw. II.4.1. ff.).
4.6.4.2. Seine Zugaben über Zahlungen des Mitbeschuldigten I._ be-
gannen nicht aus eigener Initiative, sondern erst, als dem Beschuldigten am
1. und am 7. Juli 2010 bislang unerklärte Zahlungseingänge auf seinem
AU._- und AV._ als Beweismittel vorgehalten worden waren. Zunächst
räumte er bloss zögerlich Fr. 30'000.–, dann Fr. 30'000.– bis Fr. 40'000.– pro
Jahr, aber erst ab 2007, ein, bis er aufgrund der ihm vorgehaltenen Kontounterla-
gen schliesslich rund Fr. 500'000.– anerkannte (Urk. 1/062028 S. 2 ff.;
Urk. 1/062030 S. 6 f., S. 38 ff.; vgl. auch Urk. 1/062031 S. 11 ff.). Diese Aussagen
haben zwar einerseits zur Aufklärung der Zahlungen durch I._ geführt, der
diese zunächst noch bestritten, am 14. Juli 2010 dann aber ebenfalls zugegeben
und die Vereinbarung einer Erfolgsbeteiligung von 7 % erstmals offengelegt hatte
(Urk. 1/067001 S. 6 ff., S. 18; Urk. 1/067002 S. 1 ff.). Das Festhalten des Be-
schuldigten an seinen teilweisen Bestreitungen machte andererseits wiederum
weitere umfangreiche Untersuchungshandlungen und Abklärungen für die Be-
weisführung notwendig.
4.6.4.3. Diese Aussagen des Beschuldigten sind daher als Teilgeständnis
bis zur Höhe von Fr. 500'000.– zu werten. Eine merkliche Strafreduktion ist ange-
zeigt.
4.6.5. Hinsichtlich der möglichen weiteren Strafreduktionsgründe der Straf-
empfindlichkeit und der medialen Vorverurteilung kann auf das bereits Dargelegte
verwiesen werden (vorstehend, Erw. IV.4.3.8. f.).
4.6.6. Es ist angemessen, für die Bestechungsdelikte im Zusammenhang mit
dem Mitbeschuldigten I._ die Gesamtstrafe von 46 Monaten auf 58 Monate
Freiheitsstrafe zu erhöhen.
- 163 -
4.7. Mehrfache Annahme der Bargeldzahlungen von insgesamt
Fr. 180'000.– vom Mitbeschuldigten J._ ab ca. anfangs 2005 bis
Mitte Dezember 2009 sowie der Kosten der Golfferien in Irland und Ma-
rokko (29. Juni 2008 – 3. Juli 2008 bzw. 22. – 26. März 2009): Mehrfa-
ches Sich-bestechen-lassen
4.7.1. Die mehrfache Annahme der einzelnen Teilzahlungen und der Kosten
für die Golfferien, welche schliesslich zur Gesamtsumme von Fr. 186'137.– führ-
ten, stehen in einem engen sachlichen Zusammenhang. Sie sind deshalb im
Rahmen der Strafzumessung als einheitlicher Tatkomplex zu behandeln.
4.7.2. Bei der objektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass sich die mehrfa-
chen, jeweils einzeln und spontan über einen wiederum langen Zeitraum von rund
4 1⁄2 Jahren in bar angenommenen Teilbeträge schliesslich auf die vergleichswei-
se hohe Gesamtsumme von Fr. 180'000.– beliefen. Hinzu kommt die Annahme
der Kosten für die Golfferien von insgesamt Fr. 6'137.– (Fr. 4'228.50 +
Fr. 1'908.50; Erw. II.7. ff., Erw. III.3.7.2. ff.). Diese Teilzahlungen waren zwar nicht
vorgängig vereinbart, da der Beschuldigte zu Beginn dieses Zeitraumes gegen-
über J._ aber hatte durchblicken lassen, dass bei ihm Geldbedarf bestehe
(Erw. III.3.7.3. m.w.H.), handelte es sich um ein vom Beschuldigten erbetenes
Vorgehen, womit er zwei Elemente der Tathandlung im engeren Sinne, das For-
dern und das Annehmen des nicht gebührenden Vorteils erfüllte. Auch durch die-
ses Handeln schuf der Beschuldigte über einen langen Zeitraum eine erhebliche
abstrakte Gefahr für Vertrauen der Allgemeinheit in die Objektivität und Sachlich-
keit staatlicher Tätigkeit. Die objektive Tatschwere dieser mehrfachen Geldan-
nahmen von insgesamt Fr. 180'000.– entspricht daher einem keineswegs mehr
leichten Verschulden.
4.7.3. Bei der subjektiven Tatschwere ist zunächst zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte direktvorsätzlich handelte (vorstehend Erw. III.3.7.5.3.). Seine
Beweggründe waren rein geldwerter und egoistischer Natur. Der Beschuldigte
hätte sich ohne Weiteres gegen die Annahme dieser Bargeldzahlungen entschei-
den können, ohne irgendwelche Nachteile zu gewärtigen. Er handelte vollständig
aus eigenem Antrieb und im Bewusstsein, durch die Annahme der Gelder bei
- 164 -
künftigen Amtshandlungen im Zusammenhang mit J._ und der AK._ AG
korrumpiert zu sein. Anhaltspunkte für eine Einschränkung seiner Einsichts-
und/oder Steuerungsfähigkeit im Deliktszeitraum oder andere, das subjektive
Verschulden mindernde Faktoren lagen wiederum nicht vor. Insgesamt führt die
subjektive Tatschwere zu einer moderaten Erhöhung des Verschuldens, was zu
einer Einstufung als mittleres Verschulden führt.
4.7.4. Bezüglich der Täterkomponente ist wiederum auf das bereits Darge-
legte zu verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.6.1. ff.). Beim Nachtatverhalten zu
diesen Tathandlungen ist den teilweisen Zugaben des Beschuldigten Rechnung
zu tragen.
4.7.4.1. Diese Geldannahmen hatte der Beschuldigte anfänglich ausdrück-
lich bestritten (z.B. Urk. 1/062036 S. 9). Bezüglich derer Höhe anerkannte er nur
zögerlich und schrittweise eine Gesamtsumme von zunächst EUR 35'000 bis
45'000 (Urk. 1/062037 S. 6), bzw. bis ca. Fr. 90'000.– (Urk. 1/062037 S. 6;
Urk. 1/062038 S. 2 ff.), bzw. schliesslich Fr. 80'000.– bis Fr. 100'000.–
(Urk. 1/062045 S. 11; Urk. 1/070005 S. 3 ff.; Urk. 1/070018 S. 28 ff.; vorstehend,
Erw. II.5.1.2.). Im Vorverfahren und anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung anerkannte er den äusseren Sachverhalt und akzeptierte im Zusammenhang
mit der Annahme dieser Bargeldsummen den Vorwurf der passiven Bestechung
(vorstehend, Erw. II.5.1. f.). Weitergehende zwischenzeitliche Zugaben zum sub-
jektiven Sachverhalt spielte er in der Folge aber wieder herunter und stellte sie in
Abrede (vgl. Erw. II.5.1.1.). In der Berufungsverhandlung bestritt er nach wie vor,
von J._ irgendwie Geld gewollt zu haben. Dieser habe ihm die Mittel freiwillig
zukommen lassen. Den Betrag wisse er nicht mehr, es könnten Fr. 180'000.– ge-
wesen sein oder auch weniger (Prot. II S. 68). Die Annahme der Kosten für die
Golfferien im Betrage von Fr. 6'137.– hat der Beschuldigte dagegen stets aner-
kannt (vorstehend, Erw. II.7.1.).
4.7.4.2. Dieses zögerliche und unstete Aussageverhalten machte wiederum
weitere umfangreiche Untersuchungshandlungen und Abklärungen für die Be-
weisführung notwendig. Es liegt daher abermals kein prozessentscheidendes Ge-
- 165 -
ständnis vor. Das zögerliche Teilgeständnis bei diesen Tathandlungen führt daher
zu einer mittleren Strafreduktion aufgrund des Nachtatverhaltens.
4.7.5. Bezüglich der möglichen weiteren Strafreduktionsgründe der Straf-
empfindlichkeit und der medialen Vorverurteilung ist wiederum auf das bereits
Dargelegte zu verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.8. f.).
4.7.6. Die Gesamtstrafe ist demnach unter Berücksichtigung der objektiven
und subjektiven Tatschwere sowie der Täterkomponenten auf 66 Monate Frei-
heitsstrafe zu erhöhen.
4.8. Annahme des Zahlungsversprechens über Fr. 300'000.– auf den Zeit-
punkt seiner Pensionierung oder eines Weggangs vom Kanton von
K._: Sich-bestechen-lassen
4.8.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der Beschuldigte
sich in zwei Schritten, zuerst spätestens im September 2009 Fr. 120'000.– und
dann ca. anfangs 2010, die auf ansehnliche Fr. 300'000.– erhöhte Zahlung auf
den Zeitpunkt seiner Pensionierung oder seines Wegganges vom Kanton ver-
sprechen liess, ohne von K._ geldwerte Leistungen verlangt zu haben. Die
Annahme des Versprechens erfolgte mithin spontan, allerdings mit der Wirkung
als nachträgliche Belohnung für bereits getätigte, aber künftige Belohnung für ins-
künftig noch vorzunehmende Amtshandlungen (vgl. vorstehend, Erw. II.6.4.2.).
Verschuldenserhöhend ist zu bewerten, dass auch ein Grossteil der schon getä-
tigten Amtshandlungen, mit Ausnahme der Investitionsentscheide in die Anlage-
kategorien Commodities, Currency Management und Hedge Funds sowie bei der
Verteidigung der BD._ gegenüber der wachsenden Kritik aus dem Anlage-
ausschuss, pflichtwidrig waren (vgl. vorstehend, Erw. III.3.8.6. ff.). Vom Zeitpunkt
der Kenntnis des Zahlungsversprechens an war der Beschuldigte bei Amtshand-
lungen im Zusammenhang mit der BD._ korrumpiert, soweit er durch die An-
nahme der beiden Geschenkgutscheine und der Kosten für die Golfferien nicht
bereits korrumpiert war (vgl. nachstehend, Erw. IV.4.9.). Die Tatsache, dass er
noch nicht in den Genuss des Geldes kam, ist im Vergleich zu den übrigen Beste-
chungshandlungen deutlich verschuldensmindernd zu veranschlagen. Dennoch
- 166 -
liegt wiederum eine erhebliche Verletzung des Vertrauens der Allgemeinheit in die
Objektivität und Sachlichkeit staatlicher Tätigkeit vor. Das objektive Verschulden
ist demnach als gerade noch leicht einzustufen.
4.8.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist das direktvorsätzliche Handeln zu
berücksichtigen (vorstehend Erw. III.3.8.7. ff.). Seine Beweggründe waren rein
geldwerter, egoistischer Natur. Auch dieses Zahlungsversprechen hätte der Be-
schuldigte ohne Weiteres zurückweisen können, ohne Nachteile befürchten zu
müssen. Er handelte vollständig aus eigenem Antrieb. Anhaltspunkte für eine Ein-
schränkung seiner Einsichts- und/oder Steuerungsfähigkeit im Deliktszeitraum,
oder andere, das subjektive Verschulden mindernde Faktoren lagen wiederum
nicht vor. Die subjektive Schwere der Tat führt zu keiner anderen Bewertung des
Tatverschuldens, weshalb dieses insgesamt als gerade noch leicht einzustufen
ist.
4.8.3. Was die Täterkomponente anbelangt, ist auf das bereits Dargelegte
zu verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.6.1. ff.).
4.8.4. Bei dieser Tat ist im Rahmen des Nachtatverhaltens strafmindernd
dem Teilgeständnis des Beschuldigten Rechnung zu tragen. Er anerkannte wie-
derum den objektiven Sachverhalt im Wesentlichen, stellte indessen erneut in Ab-
rede, dass seine Handlungen pflichtwidrig gewesen seien. Dennoch akzeptierte er
den Vorwurf der passiven Bestechung (Urk. 1/062049 S. 61 ff.). Anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung liess er alsdann ausführen, der zur Diskussi-
on stehende Anklagepunkt sei völlig unklar und es handle sich um ein Missver-
ständnis. Es sei nicht plausibel und schon gar nicht erstellt, dass K._ ihm
Bestechungsgelder auf die Pensionierung hin habe garantieren wollen (Urk. 88
S. 8 f.; Prot. II S. 78 ff., insbes. S. 81 f.; vorstehend, Erw. II.6.3.6. ff., Erw. II.6.5.).
Es fehlt dem Beschuldigten an der Einsicht, durch sein Vorgehen Amtspflichten
verletzt zu haben. Eine marginale Reduktion der Strafe erscheint angemessen.
4.8.5. Bezüglich der möglichen weiteren Strafreduktionsgründe der Straf-
empfindlichkeit und der medialen Vorverurteilung ist wiederum auf das bereits
Dargelegte zu verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.8. f.).
- 167 -
4.8.6. Es rechtfertigt sich, die Gesamtstrafe für dieses Delikt auf 69 Monate
bzw. 5 3⁄4 Jahre Freiheitsstrafe zu erhöhen.
4.9. Annahme von je einem Gutschein von Fr. 2'000.– bzw. Fr. 3'000.– für
ein Golffachgeschäft um die Weihnachtszeit 2007 bzw. 2008 sowie
Kosten für Golfferien in Mallorca vom 25. April 2008 bis 2. Mai 2008 für
EUR 7'121 von K._: Mehrfaches Sich-bestechen-lassen
4.9.1. Die mehrfache Annahme der beiden Geschenkgutscheine und der
Kosten für die Golfferien im Gesamtbetrage von Fr. 5'000.– und EUR 7'121 ste-
hen in einem engen sachlichen Zusammenhang. Sie sind deshalb im Rahmen der
Strafzumessung als Einheit zu behandeln.
4.9.2. Die drei einzelnen Annahmen der geldwerten Vorteile im Gesamtbe-
trage von Fr. 5'000.– und EUR 7'121 erfolgten jeweils spontan, ohne dass der
Beschuldigte solche verlangt hätte oder sie vorgängig vereinbart gewesen wären.
Er erfüllte damit (nur) ein Element der Tathandlung im engeren Sinne, das An-
nehmen des nicht gebührenden Vorteils, aber mehrfach (vorstehend,
Erw. III.3.8.2.). Durch diese Tathandlungen schuf er eine vergleichsweise geringe
abstrakte Gefahr für das Vertrauen der Allgemeinheit in die Objektivität und Sach-
lichkeit staatlicher Tätigkeit und war ab dem Zeitpunkt der Annahme dieser geld-
werten Vorteile bei Amtshandlungen im Zusammenhang mit der BD._ kor-
rumpiert. Die objektive Tatschwere erweist sich vergleichsweise als sehr leicht.
4.9.3. Bei der subjektiven Tatschwere ist zunächst zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte direktvorsätzlich handelte (vorstehend Erw. III.3.8.7. ff.). Seine
Beweggründe waren abermals rein geldwerter Natur, und er hätte sich ohne Wei-
teres gegen die Annahme dieser geldwerten Leistungen entscheiden können, oh-
ne Nachteile zu gewärtigen. Er handelte aus eigenem Antrieb und im Bewusst-
sein, bei künftigen Amtshandlungen im Zusammenhang mit der BD._ nicht
mehr unabhängig zu sein. Das subjektive Verschulden mindernde Faktoren lagen
nicht vor. Es bleibt einem angesichts des zur Verfügung stehenden Strafrahmens
sehr leichten Verschulden.
- 168 -
4.9.4. Bezüglich der Täterkomponente ist auf das bereits Dargelegte zu ver-
weisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.6.1. ff.).
4.9.5. Die Annahme dieser geldwerten Leistungen von K._ hat der Be-
schuldigte anerkannt (Urk. 1/062049 S. 60 f.; Urk. 88 S. 24; Prot. II S. 82). Dies
rechtfertigt eine Reduktion der Strafe. Bezüglich der möglichen weiteren Strafre-
duktionsgründe der Strafempfindlichkeit und der medialen Vorverurteilung ist wie-
derum auf das bereits Dargelegte zu verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.8. f.).
4.9.6. Im Rahmen der Asperation fallen diese Delikte nur unmassgeblich ins
Gewicht. Hinzukommend ist das Verschulden als sehr leicht einzustufen und das
Geständnis zu berücksichtigen. Es rechtfertigt sich daher, die Gesamtstrafe bei
69 Monaten bzw. 5 3⁄4 Jahren Freiheitsstrafe zu belassen.
4.10. Herausgabe der vertraulichen Offerte der BE._ AG und des Bera-
tungsvertrages zwischen der BE._ und der G._ am 25. Janu-
ar 2006 an K._: Amtsgeheimnisverletzung
4.10.1. Durch die Herausgabe dieser nicht allgemein zugänglichen und den
privaten Geschäftsbereich der BE._ AG betreffenden Unterlagen mit dem
Vermerk "Vertraulich" (Erw. II.6.1.) hat der Beschuldigte einerseits die privaten,
geschäftlichen Geheimhaltungsinteressen der BE._ AG verletzt und anderer-
seits das öffentliche Interesse an einer ungestörten Erfüllung der Aufgaben der
Verwaltung erheblich beeinträchtigt (vgl. vorstehend, Erw. III.4.2.). Das dem Aus-
senstehenden K._ und der BD._ offenbarte geheime Insiderwissen er-
möglichte diesen einen unberechtigten Informationsvorsprung gegenüber Dritten
im Hinblick auf eigene Investitionen und beim Offerieren ihrer Dienstleistungen
gegenüber der G._ (vorstehend, Erw. III.4.6.1.).
4.10.2. Die Vorinstanz erachtete den Unrechtsgehalt dieser Tathandlung als
bereits im Rahmen ihrer Verschuldensbemessung beim Bestechungsvorwurf im
Zusammenhang mit K._ berücksichtigt (Urk. 221 S. 191). Dabei wurde in-
dessen ausser Acht gelassen, dass die Tathandlung des Beschuldigten nicht
bloss das öffentliche Interesse an einer ungestörten Erfüllung der Aufgaben der
- 169 -
Verwaltung beeinträchtigte, sondern auch das bei den Bestechungstatbeständen
nicht betroffene private Rechtsgut des Einzelnen auf Schutz der Geheim- und Pri-
vatsphäre, welches natürliche und juristische Personen vor Eingriffen in ihre Pri-
vatsphäre schützt (vorstehend, Erw. III.4.2.). Die Verletzung dieses Rechtsgutes
der BE._ AG ist dem Beschuldigten (zusätzlich) anzulasten.
4.10.3. Die objektive Schwere der Verletzung dieses privaten Rechtsgutes
im Rahmen der Verletzung des Amtsgeheimnisses ist als noch leicht zu gewich-
ten.
4.10.4. Bei der subjektiven Tatschwere ist verschuldensmindernd zu kalku-
lieren, dass der Beschuldigte hinsichtlich der Verletzung des privaten Rechtsgutes
der BE._ AG mit direktem Vorsatz handelte. Seine diesbezüglichen Beweg-
gründe sind wenig durchsichtig, aber letztlich in einer einseitigen Bevorzugung
der BD._ als künftige Vertragspartnerin der G._ zu erblicken. Der Be-
schuldigte war auch bei diesem Entscheid völlig frei, ohne irgendwelche äusseren
Einflüsse. Er hätte sich daher gegen die Herausgabe dieser G._–internen In-
formationen entscheiden können, ohne irgendwelche Nachteile befürchten zu
müssen. Weitere, die subjektive Tatschwere mindernde Faktoren liegen nicht vor.
Die subjektive Schwere der Tat führt zu einer Minderung des objektiven Tatver-
schuldens. Das Verschulden bei dieser Tat ist als leicht einzustufen.
4.10.5. Hinsichtlich der Täterkomponente ist auf das beim Tatbestand der
mehrfachen ungetreuen Amtsführung Dargelegte zu verweisen (vorstehend,
Erw. IV.4.3.6.1. ff.).
4.10.6. Beim Nachtatverhalten zu dieser Tat ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte den objektiven Sachverhalt anerkannte, indessen stets bestritt, dies
bewusst und mit Absicht getan zu haben (Urk. 1/062049 S. 52; Urk. 77 S. 37;
Prot. II S. 76 f.). Er stellte mithin wiederum den subjektiven Sachverhalt in Abrede
(vorstehend, Erw. II.6.1.). Aufgrund dieses Teilgeständnisses ist eine mittlere
Strafreduktion zu gewähren.
- 170 -
4.10.7. Bezüglich der möglichen weiteren Strafreduktionsgründe der Straf-
empfindlichkeit und der medialen Vorverurteilung ist wiederum auf das bereits
Dargelegte zu verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.8. f.).
4.10.8. Insgesamt rechtfertigt es sich, die Gesamtstrafe auf 70 Monate Frei-
heitsstrafe zu erhöhen.
4.11. Mehrfaches Einzahlen der Bestechungsgelder in Teilbeträgen von un-
ter Fr. 10'000.–, insgesamt Fr. 633'000.–, auf das Schwarzgeldkonto
bei der AV._, ca. Februar 2002 bis ca. anfangs Mai 2010; Ver-
brauch für eigene Bedürfnisse, die Unterstützung der Familie der Ehe-
frau in ... [Staat in Südamerika] und zur Finanzierung des Ferienhauses
in Frankreich: Mehrfache Geldwäscherei
4.11.1. Die einzelnen Einzahlungen der Bestechungsgelder mit der Gesamt-
summe von Fr. 633'000.– (vgl. vorstehend, Erw. II.8.2.) stehen in einem engen
sachlichen Zusammenhang, weshalb sie im Rahmen der Strafzumessung als ein-
heitlicher Tatkomplex zu behandeln sind.
4.11.2. Die Vorinstanz erwog, die Geldwäschereihandlungen würden beim
Verschulden kaum (mehr zusätzlich) ins Gewicht fallen, da der Beschuldigte be-
reits die Vortaten begangen habe (Urk. 221 S. 191). Die vorinstanzliche Verschul-
densbemessung liess damit aber die gefestigte Bundesgerichtspraxis unberück-
sichtigt, wonach auch der Täter einer verbrecherischen passiven Bestechung sich
unter der Voraussetzung von Art. 305bis StGB zusätzlich der Geldwäscherei
schuldig macht (vorstehend, Erw. III.6.3.1.). Demzufolge ist zwar der Unrechts-
gehalt der Vortaten nicht mehr in die Gewichtung des Verschuldens miteinzube-
ziehen, die eigentlichen Geldwäschereihandlungen indessen sehr wohl.
4.11.3. Bei der objektiven Tatschwere der Geldwäschereihandlungen ist zu
beachten, dass der Beschuldigte bei einem sehr langen Tatzeitraum von gut acht
Jahren (ca. Februar 2002 bis ca. anfangs Mai 2010; vgl. vorstehend, Erw. II.8.2.)
angenommene Bestechungsgelder von insgesamt ansehnlichen Fr. 633'000.– vor
dem behördlichen Zugriff bewahrte und verwendete. Das jeweilige Einzahlen von
- 171 -
Teilbeträgen unter Fr. 10'000.– in bar (Erw. III.6.5.1.), die zeitweilige Mitnahme
von Bargeldbeträgen über die Grenze nach Frankreich sowie die zeitweiligen
Überweisungen auf sein dortiges Konto zum Zwecke der Investition in das Feri-
enhaus (vorstehend, Erw. III.6.4.) fällt hier negativ in Betracht.
4.11.4. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich (vgl. vorstehend,
Erw. III.6.5.2.). Sein Beweggrund war die Sicherung der deliktisch erlangten Gel-
der. Umstände, welche die subjektive Tatschwere mindern könnten, liegen nicht
vor.
4.11.5. Hinsichtlich der Täterkomponente ist wiederum auf das bereits Dar-
gelegte zu verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.6.1. ff.).
4.11.6. Beim Nachtatverhalten zu dieser Tat ist zu würdigen, dass der Be-
schuldigte die Entgegennahme der betreffenden Bargeldbeträge, deren Gesamt-
summe, deren Einzahlung auf sein Schwarzgeldkonto und deren Verwendung
und Verbrauch vorbehaltlos anerkannt hat. Sein Wissen und Wollen räumte er
abermals nicht ein (vorstehend, Erw. II.8.1.). Diesem Teilgeständnis ist mit einer
deutlichen Strafreduktion Rechnung zu tragen.
4.11.7. Bezüglich der möglichen weiteren Strafreduktionsgründe der Straf-
empfindlichkeit und der medialen Vorverurteilung ist wiederum auf das bereits
Dargelegte zu verweisen (vorstehend, Erw. IV.4.3.8. f.).
4.11.8. Für die Geldwäscherei ist damit die Gesamtstrafe auf 72 Monate
bzw. 6 Jahre Freiheitsstrafe zu erhöhen.
4.12. Insgesamt wiegt das Verschulden des Beschuldigten A._ sehr
schwer. Seine Delinquenz erstreckte sich über einen Zeitraum von über acht Jah-
ren. Er hat im erwähnten Deliktszeitraum mit wechselnden Geschäftspartnern
stets neue deliktische Aktivitäten entwickelt. Die insgesamt auch bemerkenswert
grosse Gesamtsumme an Bestechungsgeldern und der im Rahmen der unge-
treuen Amtsführung verursachte grosse Vermögensschaden bei der G._
manifestieren ein ausserordentlich langanhaltendes und ausdauerndes, planmäs-
siges kriminelles Engagement sowie, entgegen der Auffassung der Verteidigung
- 172 -
(Urk. 299 S. 118, Rz 229), ein bemerkenswert hoher Grad an krimineller Energie
beim Beschuldigten. Er ging sehr raffiniert vor, indem er seinen Freunden lukrati-
ve Mandate verschaffte und diese dadurch in eine wirtschaftliche Abhängigkeit
brachte und dann zwar sehr subtil, aber dennoch unverfroren, zumindest gegen-
über den Mitbeschuldigten I._ und J._, seine Begehrlichkeiten kundtat.
Damit hat er seine Machtstellung über Jahre hinweg bewusst und schamlos miss-
braucht, um ein System von Günstlingswirtschaft und Korruption zu schaffen.
Hinzukommend hat er der G._ durch sein Verhalten einen gewaltigen
Imageschaden zugefügt. In subjektiver Hinsicht wiegt überdies äusserst schwer,
dass er als Vertreter der G._ im Stiftungsrat der Stiftung "AH._" von Ja-
nuar 2000 bis September 2003 (Urk. 1/057049 ff.; Verhaltenskodex v. 4. Mai
2000: Urk. 1/057053 ff., Urk. 1/057057, Art. 7; Urk. 1/313115) während des ge-
samten Deliktszeitraumes offensichtlich ausreichend sensibilisiert und bestens im
Bilde über seine Befugnisse bei unentgeltlichen Zuwendungen im Zusammen-
hang mit seiner amtlichen Tätigkeit war. Als Motiv liegen trotz seiner damals
überdurchschnittlich guten Einkommensverhältnisse (vgl. vorstehend,
Erw. IV.4.3.6.3.) überwiegend egoistische Beweggründe und – angesichts der ge-
samten Dimension – schiere Geldgier vor. Aus all diesen Gründen ist es ange-
messen, den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren als Gesamt-
strafe zu bestrafen.
Hinzu kommt die obligatorisch auszufällende Geldstrafe im Zusammenhang
mit der mehrfachen ungetreuen Amtsführung in der Höhe von 90 Tagessätze zu
Fr. 30.– (vgl. Erw. IV.4.3.12. und IV.4.4.7.).
4.13. Einer Anrechnung der erstandenen Untersuchungs- und Sicherheits-
haft sowie des vorzeitigen Strafvollzuges an die Freiheitsstrafe steht nichts entge-
gen (Art. 51 StGB).
- 173 -
V. Vollzug
1. Bei dieser Freiheitsstrafe kommt die Gewährung des bedingten oder ei-
nes teilbedingten Strafvollzugs angesichts von deren Dauer nicht in Betracht
(Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 43 Abs. 1 StGB).
2. Für die Beurteilung des Vollzuges der Geldstrafe ist eine selbständige
Würdigung vorzunehmen. Für Vollzugsfragen ist damit nicht auf die sich aus der
Freiheitsstrafe und der Geldstrafe zusammensetzende Gesamtdauer abzustellen.
Stattdessen sind die Geldstrafe und die Freiheitsstrafe je für sich zu betrachten
(Urteil des Bundesgerichts 6B_165/2011 vom 19. Juli 2011 E. 2.3.4).
2.1. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft und daher in diesem Sinne als
Ersttäter zu bezeichnen. Mit Blick auf die Legalbewährung ist die Wirkung der zu
verbüssenden längeren Freiheitsstrafe auf die Aussicht des Wohlverhaltens wäh-
rend einer Probezeit zu berücksichtigen.
2.2. Es erweist sich daher gerechtfertigt, den Vollzug der Geldstrafe aufzu-
schieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen.
VI. Zivilansprüche
1. Nachdem der Privatkläger die adhäsionsweise geltend gemachte Zivilkla-
ge anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zurückgezogen hatte, trat
die Vorinstanz auf dieselbe nicht ein (Urk. 221 S. 192-194 und S. 236).
2. Weder die Privatklägerschaft noch die Staatsanwaltschaft oder die Vertei-
digung haben den Nichteintretensentscheid der Vorinstanz angefochten
(Urk. 224, Urk. 235, Urk. 228, Urk. 299 S. 2 f.). Hingegen beantragte der Beschul-
digte persönlich vorsorglich eine vollumfängliche Überprüfung des vorinstanzli-
chen Urteils (Urk. 225). Anlässlich der Berufungsverhandlung machte hingegen
weder der Beschuldigte selber noch sein Verteidiger Ausführungen zum Zivil-
punkt.
- 174 -
3. Auch wenn der Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an-
gefochten hat, ist er durch den Nichteintretensentscheid der Vorinstanz auf die Zi-
vilklage des Privatklägers nicht beschwert und dürfte zudem auch kein Interesse
an einem anderslautenden Entscheid haben. Der vorinstanzliche Nichteintretens-
entscheid gemäss Dispositivziff. 5 des Urteils (Urk. 221 S. 236) ist demgemäss zu
bestätigen.
VII. Einziehung / Ersatzforderung / Beschlagnahme
1. Rückerstattung von Vermögenswerten an den Geschädigten
1.1. Der Privatkläger beantragte anlässlich des erstinstanzlichen Verfahrens,
es seien ihm die Vermögenswerte auf dem Konto Nr. ... lautend auf den Beschul-
digten bei der AV._ ..., die Vermögenswerte auf den Konten Nr. ... und Nr. ...
der Söhne des Beschuldigten bei der AU._ AG und der Verkaufs- bzw. Ver-
wertungserlös aus der Liegenschaft des Beschuldigten und seiner Ehefrau in
Frankreich zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes herauszugeben
(Urk. 86/1 S. 23).
1.2. Die Vorinstanz sah von einer Rückgabe der vorgenannten Vermögens-
werte an den Privatkläger mit der Begründung ab, es handle sich dabei um Sur-
rogate der vom Beschuldigten entgegengenommenen Bestechungsgelder. Da
beweismässig nicht feststehe, dass diese Surrogate letztlich aus dem Vermögen
des Privatklägers stammten, seien die Voraussetzungen gemäss Art. 70 Abs. 1
StGB nicht erfüllt. Eine Rückerstattung der Vermögenswerte falle daher ausser
Betracht (Urk. 221 S. 195-198).
1.3. Dagegen appellierte der Privatkläger und beantragte erneut, es seien
ihm zu Handen der Versicherungskasse ... (G._) die Vermögenswerte auf
dem Konto Nr. ... lautend auf den Beschuldigten bei der AV._ ... und der
Verkaufs- bzw. Verwertungserlös der Liegenschaft in Frankreich zur Wiederher-
stellung des rechtmässigen Zustandes herauszugeben. Unangefochten liess der
Privatkläger die Herausgabe der Vermögenswerte auf den Konten der Söhne des
- 175 -
Beschuldigten bei der AU._ AG (Urk. 224 S. 1; Urk. 296 S. 2; vgl. vorste-
hend, Erw. I.2. f.).
1.4. Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass die Restitution von de-
liktisch erlangten Vermögenswerten an den Geschädigten gemäss Art. 70 Abs. 1
StGB letzter Satz einer Einziehung vorgehe und korrekt erwogen, dass sich der
Rückerstattungsanspruch des Geschädigten nicht nur auf Gegenstände, sondern
auch auf Vermögenswerte und deren (unechte) Surrogate beziehen könne. Rich-
tigerweise hält sie fest, eine Rückerstattung von Surrogaten komme nur in Frage,
wenn zwischen dem Originalwert und dem Surrogat beweismässig eine Papier-
spur vorliege und die Surrogate damit als solche bestimmbar seien. Somit bedürfe
es für eine Rückgabe der deliktisch erlangten Vermögenswerte an den Geschä-
digten, dass diese aus seinem Vermögen stammten (Urk. 221 S. 194 f.). Um un-
nötige Wiederholungen zu vermeiden, kann auf diese Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden.
1.5. Der Privatkläger bzw. die G._ wurde durch die Bestechungshand-
lungen des Beschuldigten nicht in ihrem Vermögen geschädigt, da die Beste-
chungsdelikte nicht das Vermögen eines Gemeinwesens schützen. In Bezug auf
die Bestechungsdelikte kommt dem Privatkläger demnach keine Geschädigten-
stellung im Sinne von Art. 70 Abs. 1 StGB letzter Satz zu (vgl. vorstehend
Erw. I.5.), weshalb ihm aus diesem Grund eine Restitution der Vermögenswerte
zu verwehren ist. Eine Vermögensschädigung ist allenfalls durch die Nichtabliefe-
rung der entsprechenden Gelder durch den Beschuldigten erfolgt. Dabei handelt
es sich um einen zivil- oder sozialversicherungsrechtlichen Anspruch des Privat-
klägers und nicht um einen auf strafrechtlichen Grundlagen beruhenden An-
spruch, der über die Restitution gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB letzter Satz durchzu-
setzen ist. Dass dadurch an und für sich zweckgebundene Vermögenswerte nicht
in die G._ zurückfliessen, ist aufgrund der derzeitigen Gesetzgebung in Kauf
zu nehmen.
1.6. Weiter ist eine Rückgabe an den Geschädigten im Sinne von Art. 70
Abs. 1 StGB letzter Satzteil nur bezüglich derjenigen Deliktgegenstände (und de-
liktischen Vermögenswerte) zulässig, welche direkt oder unter dem Nachweis ei-
- 176 -
nes entsprechenden paper trail aus dem Vermögen des Geschädigten stammen
(SCHMID, in: Kommentar Einziehung, organisiertes Verbrechen, Geldwäscherei,
Band I, 2. Auflage 2007, N 70 zu Art. 70-72 StGB). Zurecht hat die Vorinstanz er-
kannt, im vorliegenden Fall lasse es sich nicht nachweisen, dass die vom Be-
schuldigten empfangenen Bestechungsgelder aus dem Vermögen des Privatklä-
gers stammten (Urk. 221 S. 196 f.): So ist nicht feststellbar, ob die vom Mitbe-
schuldigten J._ an den Beschuldigten geleisteten Bestechungszahlungen
aus den durch die AK._ AG unrechtmässig vereinnahmten Retrozessionen
kommen oder der Mitbeschuldigte J._ auch legale Mittel für die Zahlungen
an den Beschuldigten verwendete. Gleiches gilt auch für die vom Mitbeschuldig-
ten I._ geleisteten Zahlungen an den Beschuldigten. Selbst wenn dem Be-
schuldigten 7 % des Ertrages der I1._ aus den Geschäften mit der G._
zugekommen sind, ist nicht nachweisbar, dass die Gelder, welche an den Be-
schuldigten flossen, aus den deliktisch erlangten Erträgen der I1._ herrühr-
ten. Noch eindeutiger zeigt sich die Lage im Zusammenhang mit der vom Mitbe-
schuldigten H._ an den Beschuldigten geleisteten Zahlung. Es lässt sich kei-
ne Verbindung der an den Beschuldigten bezahlten Gelder zum Vermögen des
Privatklägers nachweisen. Gleiches gilt schliesslich auch für die durch den Mitbe-
schuldigten K._ in Form von Golfgutscheinen geleisteten Zahlungen. Ein
Nachweis, dass die an den Beschuldigten geleisteten Bestechungszahlungen aus
dem Vermögen des Privatklägers stammen, kann nicht erbracht werden, was im
Übrigen auch der Privatkläger anerkannte (Urk. 296 S. 11), weshalb eine Rücker-
stattung der Vermögenswerte nicht in Frage kommt. Diese Schlussfolgerung
deckt sich im Übrigen auch mit der Lehrmeinung von Schmid, wonach das Ge-
meinwesen bei Bestechungsdelikten nie Geschädigte im Sinne von Art. 70 Abs. 1
StGB letzter Satzteil sein könne (SCHMID, a.a.O., N 70 zu Art. 70-72 StGB, insbes.
Fn. 392).
1.7. Der Privatkläger stützt seinen Rückerstattungsanspruch auf die sich aus
der erhöhten Treuepflicht eines Arbeitnehmers ableitbaren Pflicht zur Ablieferung
von Bestechungsgeldern an den Arbeitgeber und will die privatrechtlich in
Art. 321b Abs. 1 OR statuierte Ablieferungspflicht auch für öffentlich-rechtliche
Anstellungsverhältnisse analog gelten lassen. Konkret sei der Beschuldigte auf-
- 177 -
grund von § 49 des Personalgesetzes des Kantons Zürich verpflichtet gewesen,
die Bestechungsgelder abzuliefern, weshalb nun ein Anspruch auf Rückerstattung
der Gelder bestehe (Urk. 86/1 S. 5-7; Urk. 296 S. 6 f.). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung begründete der Privatkläger seinen Anspruch zusätzlich mit dem
zweckgebundenen Vorsorgevermögen der G._. Er machte geltend, sein auf
der Treue- und Sorgfaltspflicht des Beschuldigten beruhender Anspruch auf Her-
ausgabe der Bestechungsgelder bzw. ihrer Surrogate sei als solcher ein Teil des
zweckgebundenen Vorsorgevermögens der G._, weshalb durch das Zurück-
halten dieser Vermögenswerte eine unzulässige Zweckentfremdung der Gelder
erfolge. Die vom erstinstanzlichen Gericht erfolgte Auslegung des Einziehungs-
rechts hinke gerade im vorliegenden Bereich des Vorsorgerechts und führe zu ei-
ner Verletzung des bundesrechtlich vorgeschriebenen Grundsatzes der Zweck-
gebundenheit des Vorsorgevermögens (Urk. 296 S. 10-14).
1.8. Dem ist entgegenzuhalten, dass ein Teil der Lehre aufgrund der Materi-
alien davon ausgeht, dass die Herausgabe im Sinne von Art. 70 Abs. 1 StGB letz-
ter Satzteil auf (fortbestehende) dingliche Ansprüche des Geschädigten zu be-
schränken ist (BAUMANN, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Auflage 2013,
N 55 zu Art. 70/71 StGB). Zwar hat das Bundesgericht die Rückerstattung auch
bei unechten Surrogaten zugelassen, solange die Herkunft der Vermögenswerte
klar festgestellt werden kann (BGE 122 IV 365 E. 1a; BGE 128 I 129 E. 3.1.2;
vgl. auch vorstehend Erw. VII.1.4.), de lege lata ist dies allerdings fragwürdig.
Durch die Einräumung eines Zugriffs auf unechte Surrogate wird dem Geschädig-
ten gegenüber anderen Gläubigern des Beschuldigten eine privilegierte Stellung
eingeräumt, um seine auf zivilrechtlichen Grundlagen basierenden Ansprüche
durchzusetzen, wobei dadurch ein Eingriff in die zivilrechtliche Aussonderungs-
und Privilegierungsordnung erfolgt, welche über das zivilrechtlich Vorgesehene
hinausgeht. Insofern wäre es höchst fragwürdig, dem Privatkläger – sofern denn
die Voraussetzungen erfüllt wären – auf dem Weg der Restitution bei der Durch-
setzung eines Anspruchs aus dem Anstellungsverhältnis mit dem Beschuldigten
zu verhelfen.
- 178 -
1.9. Demzufolge ist von einer Rückerstattung der Vermögenswerte auf dem
Konto Nr. ... lautend auf den Beschuldigten bei der AV._ ... und des Ver-
kaufs- bzw. Verwertungserlös der Liegenschaft in Frankreich zur Wiederherstel-
lung des rechtmässigen Zustandes an den Privatkläger abzusehen.
2. Einziehung/ Ersatzforderung/ Beschlagnahme
2.1. Die Verteidigung machte anlässlich der Berufungshandlung geltend, es
seien Vermögenswerte in der Höhe von maximal Fr. 350'000.– einzuziehen
(Urk. 299 S. 3). Im Falle einer Einziehung über diesen Betrag hinaus sei die Wie-
dereingliederung des Beschuldigten ernsthaft behindert, da er und seine Familie
bereits jetzt einen beispiellosen sozialen Abstieg hätten hinnehmen müssen und
seine Aussichten auf eine Arbeitsstelle nach seiner Entlassung faktisch gleich null
seien. Sollte es ihm trotzdem gelingen, eine Anstellung zu finden, sei es wenig
wahrscheinlich, dass er mehr als Fr. 4'000.– bis Fr. 6'000.– monatlich verdienen
werde, wovon er nicht nur sämtliche Schuldenabzahlungen, sondern auch den
Unterhalt seiner Familie bestreiten müsse. Insgesamt gebe es Vermögenswerte in
der Höhe von Fr. 437'000.– zu verteilen, welche sich aus dem Guthaben von
Fr. 225'000.– auf dem AV._, aus dem Anteil des Beschuldigten am Ver-
kaufserlös der Liegenschaft in Frankreich von Fr. 175'000.– und dem Guthaben
von Fr. 68'000.– auf dem AU._-Konto, abzüglich der Fr. 31'000.–, welcher
der Schwiegermutter des Beschuldigten gehörten, zusammensetze. Von diesen
Fr. 437'000.– seien lediglich Fr. 350'000.– einzuziehen, die restlichen Fr. 87'000.–
seien allenfalls zur Deckung der Verfahrenskosten heranzuziehen (Urk. 299
S. 144-147). Schliesslich beantragte die Verteidigung, die Beschlagnahmungen
seien, mit Ausnahme der unter Sachkautionsnummer ... bei der Bezirksgerichts-
kasse hinterlegten und vom Beschuldigten bezeichneten Gegenstände, soweit
gemäss Entscheid zu Einziehung und Kosten- und Entschädigungsfolgen not-
wendig, aufrechtzuerhalten (Urk. 299 S. 3 und S. 152).
2.2. Vermögenswerte auf dem Konto Nr. ... lautend auf den Beschuldigten
bei der AV._ ...
- 179 -
2.2.1. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte mit Verfügung vom 27. Mai
2010 die auf dem Konto Nr. ... lautend auf den Beschuldigten bei der AV._ ...
liegenden Vermögenswerte (Urk. 1/317005.1). Die Vorinstanz entschied, diese
Vermögenswerte seien einzuziehen (Dispositivziff. 8; Urk. 221 S. 198 f. und
S. 237). Gegen den Einziehungsentscheid appellierte sowohl der Beschuldigte
persönlich (Urk. 225) als auch der Privatkläger. Dieser beantragte, es seien ihm
die Vermögenswerte auf dem AV._ herauszugeben (Urk. 224 S. 1, Urk. 296
S. 2).
2.2.2. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Voraussetzung für eine Einzie-
hung vollständig und korrekt dargelegt (vgl. Urk. 221 S. 194). Um Wiederholungen
zu vermeiden, ist auf die vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen.
2.2.3. Vorweg ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen für eine Restituti-
on der Vermögenswerte auf dem Konto der AV._ an den Privatkläger nicht
erfüllt sind (vgl. vorstehend, Erw. VII.1.4.-1.9.) und eine Herausgabe an den Pri-
vatkläger damit nicht in Frage kommt. Der Appellation des Privatklägers ist somit
in diesem Punkt kein Erfolg beschieden.
2.2.4. Die Vorinstanz hat korrekt dargelegt, dass der Beschuldigte insgesamt
rund Fr. 700'000.– der erhaltenen Bestechungsgelder auf das erwähnte Konto
einbezahlt hatte, es sich somit beim auf dem Konto befindlichen Buchgeld um un-
echte Surrogate handelt, welche nachweislich an die Stelle der deliktisch erlang-
ten Originalwerte getreten sind und demnach der Einziehung unterliegen
(Urk. 221 S. 198 f.). Es ist auf diese vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen
und das vorinstanzliche Urteil insofern zu bestätigen, als die sich noch auf dem
mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 27. Mai 2010 (Urk. 1/317005.1) ge-
sperrten Konto Nr. ..., lautend auf den Beschuldigten, bei der AV._ ... befin-
denden Vermögenswerte gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB mit Eintritt der Voll-
streckbarkeit dieses Urteils mit dem dannzumal aufgelaufenen Saldo einzuziehen
sind. Gemäss telefonischer Auskunft belief sich der Saldo auf dem erwähnten
AV._ per 29. September 2011 auf Fr. 225'131.65 (Urk. 1/317005.3).
- 180 -
2.2.5. Die AV._ ... ist somit nach Eintritt der Vollstreckbarkeit dieses Ur-
teils anzuweisen, die auf dem genannten Konto befindlichen Guthaben, inklusive
sämtlicher Zinsen bis zum Tag der Überweisung, der Obergerichtskasse, Post-
checkkonto Nr. 80-10210-7, mit Vermerk der Geschäftsnummer SB130239-O, zu
überweisen. Auf den Zeitpunkt der Überweisung ist die Sperre des Kontos auszu-
heben.
2.3. Vermögenswerte des Beschuldigten bei der AU._ AG
2.3.1. Mit Verfügung vom 31. Mai 2010 liess die Staatsanwaltschaft die auf
den Beschuldigten lautenden Konten bei der AU._ AG, mit Ausnahme des
Kontos Nr. ... (Rubrik Steuern) und des Kontos Nr. ... (Lohnkonto), sperren
(Urk. 1/317001). Die Kontosperre betrifft die folgenden Konten, lautend auf den
Beschuldigten, bei der AU._ AG, auf denen per 28. September 2011 Vermö-
genswerte von insgesamt Fr. 68'008.– lagen (Urk. 1/317026):
- Konto Nr. ....
- Konto Nr. ....
- Konto Nr. ....
- Konto Nr. ....
2.3.2. Die Vorinstanz erwog etwas unpräzise, die Vermögenswerte auf dem
Konto Nr. ... lautend auf den Beschuldigten bei der AU._ AG seien samt der
darauf angefallenen Erträge zur Kostendeckung heranzuziehen (Dispositivziff. 7;
Urk. 221 S. 210 und S. 237). Sowohl der Beschuldigte persönlich wie auch sein
amtlicher Verteidiger haben diesen Entscheid angefochten (Urk. 225 und Urk. 228
S. 3 und 5). Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte durch
seinen erbetenen Verteidiger beantragen, es seien L._ Fr. 31'000.– vom
AU._-Konto Nr. ... herauszugeben (Urk. 299 S. 3, Ziff. 12).
2.3.3. Auch legal erworbene Vermögenswerte können zur Deckung der sich
aus dem Strafverfahren ergebenden finanziellen Forderungen des Staates ge-
genüber der beschuldigten Person in der Form von Verfahrenskosten (Art. 263
Abs. 1 lit. b StPO, Art. 267 Abs. 3 StPO und Art. 442 Abs. 4 StPO) und der Er-
satzforderung (Art. 71 Abs. 3 StGB) herangezogen werden. Punkto Deckungsrei-
- 181 -
henfolge ist auf Art. 442 Abs. 4 StPO zu verweisen, der gegenüber der Grundre-
gel von Abs. 1 dieser Bestimmung, wonach Verfahrenskosten, Geldstrafen, Bus-
sen und weitere im Zusammenhang mit einem Strafverfahren zu erbringende fi-
nanzielle Leistungen (wie z.B. Ersatzforderungen) nach den Bestimmungen des
SchKG einzutreiben sind, eine Ausnahme statuiert: Die Strafbehörden können ih-
re Forderungen aus Verfahrenskosten mit beschlagnahmten Vermögenswerten
verrechnen. Damit privilegiert das Gesetz die Deckung der Verfahrenskosten vor
den übrigen aus dem Strafverfahren resultierenden finanziellen Forderungen, wie
z.B. Ersatzforderungen.
2.3.4. Der Beschuldigte hatte bereits im Vorverfahren sich diametral wider-
sprechende Angaben hinsichtlich der sich zunächst auf den AU._-Konten
und hernach auf dem AV._ befindlichen Gelder gemacht. So erklärte er zu-
nächst, bei diesem Geld auf dem Konto der AV._ in ... habe es sich teilweise
um Ersparnisse seiner Schwiegermutter aus ... [Staat in Südamerika] gehandelt,
um dies in seiner späteren staatsanwaltschaftlichen Befragung zur Person dann
wieder zurückzunehmen und als Lüge zu deklarieren (Urk. 1/062002 S. 13, Vor-
halt 79; Urk.1/311004 S. 3).
2.3.4.1. Als Beleg für die im Berufungsverfahren vom Beschuldigten erneut
erhobene Behauptung, Fr. 31'000.– auf dem auf ihn lautenden AU._-Konto
Nr. ... gehörten L._, seiner Schwiegermutter aus ... [Staat in Südamerika],
liess er eine Kontoübersicht einreichen. Auf dieser ist ersichtlich, dass es sich um
ein Dollarkonto handelt, dessen Saldo in Schweizerfranken per 28. September
2011 Fr. 31'170.– betragen hatte (Urk. 294/1).
2.3.4.2. Auch seine übrigen Aussagen zu den Vermögenswerten auf diesen
Konten waren über die Dauer des gesamten Strafverfahrens hinweg betrachtet
äusserst widersprüchlich. Im Verlaufe des Vorverfahrens hatte der Beschuldigte
u.a. zu Protokoll gegeben, die Mutter der Ehefrau in ... [Staat in Südamerika] je-
weils freiwillig mit monatlich USD 400 unterstützt zu haben (Urk. 1/311004 S. 3).
Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 28. Mai 2010 hatte er
demgegenüber noch erklärt (Urk. 1/062003 S. 14), beim USD-Konto mit der Nr. ...
bei der AV._ (Urk. 1/13100033 ff.) handle es sich um ein gemeinsames Kon-
- 182 -
to seines Schwagers und seiner Schwiegermutter. Da habe er an seinen Schwa-
ger manchmal etwas nach ... [Staat in Südamerika] für die Ausbildung von dessen
beiden Töchtern und als Rente für seine Schwiegermutter geschickt. Dieses USD-
Konto bei der AV._ in ... habe er am 5. Dezember 2009 saldiert, da er dies
dann über die AU._ gemacht habe.
2.3.4.3. In der Berufungsverhandlung machte er geltend (Prot. II S. 29), dies
seien Ersparnisse seiner Schwiegermutter aus ... [Staat in Südamerika], welche
er für diese im Jahre 2008 nach der Finanzkrise aus Sicherheitsgründen in die
Schweiz transferiert habe. "L._" sei ein USD-Konto. Es seien Ersparnisse
seiner Schwiegermutter und seines Schwagers, welche ein gemeinsames Konto
hätten.
2.3.4.4. Diese mehrmals veränderten Angaben zum Inhaber und Zweck der
Gelder auf diesem Konto taugen nicht zum Beweis des geltend gemachten Her-
ausgabeanspruches. Nachdem insbesondere auch aus dem USD-Konto mit der
Nr. ... bei der AV._ (Urk. 1/13100033 ff.) und den früheren Aussagen des
Beschuldigten hervorgeht, dass er sowohl seine Schwiegermutter als auch seinen
Schwager jeweils mit regelmässigen namhaften Beträgen von diesem US-
Dollarkonto unterstützte und dies später vom USD-Konto bei der AU._,
Nr. ..., Bezeichnung "L._", in gleicher Weise weiter so praktiziert hatte
(Urk. 294/1), ergibt sich, dass es der Beschuldigte war, der von diesem USD-
Konto jeweils die Verwandten seiner Ehefrau in ... [Staat in Südamerika] mit
Überweisungen unterstützte und nicht, dass sie diese Vermögenswerte aus Si-
cherheitsüberlegungen in die Schweiz transferiert hätten. Dem Herausgabeantrag
ist somit nicht stattzugeben.
2.3.5. Angesichts des Umstandes, dass sich eine deliktische Herkunft der
Vermögenswerte auf den Konten des Beschuldigten bei der AU._ AG nicht
nachweisen lässt und es sich damit um legal erworbene Vermögenswerte handelt
sowie aufgrund der erheblichen Kosten des vorliegenden Strafverfahrens, recht-
fertigt es sich in Präzisierung der vorinstanzlichen Schlussfolgerung, die auf den
mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 31. Mai 2010 gesperrten Konten
Nr. ...., Nr. ....; Nr. .... und Nr. .... liegenden Vermögenswerte in der Gesamthöhe
- 183 -
von damals Fr. 68'008.– (Urk. 1/317026), samt den seither bis zur Vollstreckbar-
keit dieses Entscheides anfallenden Erträgen zur Deckung der Verfahrenskosten
für das erstinstanzliche Verfahren und das Berufungsverfahren (inkl. der Kosten
der amtlichen Verteidigung) zu verwenden. Der Antrag auf Herausgabe von
Fr. 31'000.– an L._, die Schwiegermutter des Beschuldigten in ... [Staat in
Südamerika], ist abzuweisen.
2.3.6. Die AU._ AG ist nach Eintritt der Vollstreckbarkeit dieses Urteils
anzuweisen, sämtliche auf den genannten Konten befindlichen Guthaben, inklusi-
ve sämtlicher Zinsen bis zum Tag der Überweisung, der Obergerichtskasse,
Postcheckkonto Nr. 80-10210-7, mit Vermerk der Geschäftsnummer SB130239-
O, zu überweisen. Auf den Zeitpunkt der Überweisung ist die Sperre der Konten
auszuheben.
2.4. Freizügigkeitskonto Nr. ... des Beschuldigten bei der AS._
2.4.1. Das Freizügigkeitskonto Nr. ... des Beschuldigten bei der AS._
wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 26. November 2010 als Ersatz-
massnahme im Zusammenhang mit dessen Entlassung aus der Untersuchungs-
haft gesperrt (Urk. 1/317017). Mit Beschluss vom 28. November 2012 wurde der
Beschuldigte in Sicherheitshaft versetzt und die Sperre des besagten Kontos
demnach aufgehoben (Urk. 119). Es erübrigt sich daher, diesbezüglich weitere
Anordnungen zu treffen.
2.4.2. Das Freizügigkeitsguthaben des Beschuldigten ist indes bei der Fest-
setzung der Höhe der ihm gegenüber anzuordnenden Ersatzforderung zu berück-
sichtigen (vgl. nachstehend, Erw. VII.2.6.5.2.).
2.5. Liegenschaft "..." in Frankreich bzw. deren Verkaufserlös
2.5.1. Im erstinstanzlichen Urteil vom 26. November 2012 wurde in Bezug
auf die Liegenschaft "..." in Frankreich davon Vormerk genommen, dass der Be-
schuldigte und sein amtlicher Verteidiger sich bereit erklärten, den Verkaufserlös
abzüglich einer Maklerprovision von 6 % des Verkaufspreises und abzüglich der
dem amtlichen Verteidiger im Zusammenhang mit dem Verkauf der Liegenschaft
- 184 -
entstandenen Aufwendungen dem Bezirksgericht Zürich zur teilweisen Erfüllung
der dem Beschuldigten auferlegten Ersatzforderung zu überweisen. Sollte die
Überweisung bis Ende 2012 nicht stattgefunden haben, sollte die Liegenschaft
auf dem Rechtshilfeweg beschlagnahmt werden (Urk. 221 S. 211-213 und
S. 238).
2.5.2. Am 3. Dezember 2012 liess die Ehefrau des Beschuldigten bei der
Vorinstanz geltend machen, sie stimme einem freihändigen Verkauf der Liegen-
schaft "..." nur zu, wenn ihr 50 % des Verkaufserlöses direkt ausbezahlt würden.
Sie sei Miteigentümerin zur Hälfte an der Liegenschaft und hafte nicht mit ihrem
Anteil (Urk. 131 S. 2). Mit Eingabe vom 19. Dezember 2012 liess die Ehefrau des
Beschuldigten der Vorinstanz den Vorschlag unterbreiten, vom Verkaufserlös sei-
en 50 % der Bezirksgerichtskasse und 50 % auf ein Sperrkonto zu überweisen,
bis ihre Ansprüche geklärt seien (Urk. 154). Nach Rücksprache mit der Staatsan-
waltschaft und der amtlichen Verteidigung (Urk. 155 und Urk. 157) eröffnete die
Kasse des Bezirksgerichts Zürich bei der AS._ ein Konto Nr. 9 mit dem
Vermerk "DG110297", auf welches der Verkaufserlösanteil der Ehefrau des Be-
schuldigten überwiesen werden sollte (Urk. 161). Der Verkauf der Liegenschaft
"..." erfolgte Mitte September 2013 (Urk. 252/1-3), wobei sich der Verkaufserlös
auf EURO 312'634'77 bzw. Fr. 382'904.90 belief (Urk. 252/4-5). Nach Abzug der
Bemühungen und Barauslagen des amtlichen Verteidigers im Zusammenhang mit
dem Verkauf der Liegenschaft in der Höhe von Fr. 32'522.85 (Urk. 253) verblieb
ein Nettoverkaufserlös von aufgerundet Fr. 350'382.10 (Urk. 256), wovon je die
Hälfte (Fr. 175'191.05) an das Bezirksgericht Zürich und auf das eingerichtete
Sperrkonto überwiesen wurde (Urk. 255, Urk. 257/1).
2.5.3. Gegen den vorinstanzlichen Entscheid im Zusammenhang mit der
Liegenschaft "..." bzw. deren Verkaufserlös haben neben dem Beschuldigten per-
sönlich (Urk. 225) und dem amtlichen Verteidiger (Urk. 228 S. 3 f.) auch die
Staatsanwaltschaft (Urk. 235) und der Privatkläger (Urk. 224 S. 1) appelliert.
2.5.4. Es ist zunächst zu untersuchen, ob die Liegenschaft "..." mit delikti-
schen Vermögenswerten des Beschuldigten finanziert wurde:
- 185 -
2.5.4.1. Der Beschuldigte erwarb die Liegenschaft "..." in Frankreich im Jah-
re 1999 gemeinsam mit seiner Ehefrau und T._ zu einem Kaufpreis von
FFR 1'750'000.– (Urk. 1/050284 f.; Urk. 1/10500327 S. 4). T._ gab an, er ha-
be um die Fr. 170'000.– oder Fr. 180'000.– an den Kaufpreis beitragen müssen
und dabei ein Darlehen von Fr. 40'000.– vom Beschuldigten aufgenommen. Da-
von habe er Fr. 20'000.– auf ein AU._-Konto des Beschuldigten zurückbe-
zahlt. Der Rest sei im Jahre 2005 vom Verkaufspreis in Abzug gebracht worden
(Urk. 1/077010 S. 22 ff.). Somit steht fest, dass der Beschuldigte (und seine Ehe-
frau) den restlichen Anteil des Kaufpreises, mithin Fr. 240'000.– bis Fr. 260'000.–
leisteten, wobei sie den Kaufpreis vollständig mittels einer Hypothek bei der
BB._ (Schweiz) AG finanzierten (Urk. 1/10500030). Dies bestätigte der Be-
schuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung, wobei er geltend machte,
das Haus selber sei legal aus seinem Einkommen bezahlt worden. Er habe die
Hypothek abbezahlt und versteuert. Das Haus habe ihn mit der Hypothek, den
Zinsen und dem Anteil von seinem Kollegen ca. Fr. 600'000.– gekostet. Diese
Gelder stammten aus legalen Mitteln (Prot. II S. 27).
2.5.4.2. Der Beschuldigte gab im Vorverfahren an, er habe in der Zeit seit
1998 ca. Fr. 200'000.– bis Fr. 250'000.– in das Ferienhaus in Frankreich inves-
tiert, wobei ein Teil dieser Kosten über das Konto bei der AV._ ... finanziert
worden sei (Urk. 1/062003 S. 13). Das Konto bei der AV._ habe er im August
2001 eröffnet, da er auch Zahlungen habe machen müssen, insbesondere nach
Frankreich, um die laufenden Kosten im Zusammenhang mit dem Haus zu de-
cken (Urk. 1/062025, S. 5). In einer späteren Einvernahme machte er geltend, das
Geld für den Umbau am Ferienhaus in Frankreich hätte teilweise von C._
und ein Teil wahrscheinlich vom Konto bei der AU._ ... gestammt. Zur Be-
gleichung der Rechnung in Südfrankreich Ende 2000 bzw. im Januar 2001 müsse
er unter Vorbehalt des noch bestehenden Saldos auf dem Konto der AU._ in
... Bargeld aus dem Safe genommen haben. Von seinem Lohnkonto habe er kein
Geld dafür genommen. Dieses hätte dafür nicht gereicht (Urk. 1/062048 S. 13;
Urk. 1/070001 S. 28 ff.; Urk. 1/070008 S. 13 und 15; Urk. 1/070009 S. 9 f., 12 f.;
Urk. 1/070015, S. 8 f., 20 f.). Insgesamt seien ca. Fr. 200'000.– aus dem
Schwarzgeld für den Umbau verwendet worden (Prot. II S. 27). Dass der Be-
- 186 -
schuldigte diese Gelder für den Umbau der Liegenschaft in Frankreich von sei-
nem AU._-Schwarzgeldkonto in ... bezahlte, ergibt sich aus den entspre-
chenden Kontounterlagen der AU._ (Urk. 1/16000454, Urk. 1/16001362,
Urk. 1/16001366, Urk. 1/16000448, Urk. 1/16000450). Aus den Kontobelegen ist
ersichtlich, dass die Zahlungen für den Umbau der Liegenschaft "..." allesamt im
Jahre 2001 stattgefunden haben. Die für den Umbau aufgewendeten deliktischen
Gelder können damit einzig von den Bestechungszahlungen durch C._ an
den Beschuldigten herrühren. Alle anderen Mitbeschuldigten haben erst nach
dem Jahre 2001 Zahlungen an den Beschuldigten geleistet. Somit stammen die in
den Umbau investierten deliktischen Vermögenswerte von rund Fr. 200'000.–
ausschliesslich aus Bestechungszahlungen von C._.
2.5.4.3. Für den Anteil von T._ bezahlte der Beschuldigte Fr. 230'000.–
(Urk. 1/10500425). Er gab diesbezüglich an, er habe Fr. 50'000.– aus einer Erb-
schaft geleistet und Fr. 40'000.– von seinem Bankkonto. Für den Rest habe er ein
Darlehen von Fr. 130'000.– benötigt, welches er vom Mitbeschuldigten J._
erhalten habe (Urk. 1/062030 S. 10). Anlässlich seiner Befragung im Berufungs-
verfahren gab er an, dieses Darlehen dann aus seinem Nebenerwerb von der
BQ._ amortisiert zu haben (Prot. II S. 72).
2.5.4.4. Es kann somit zusammengefasst festgehalten werden, dass die
Liegenschaft "..." in Frankreich jedenfalls mit deliktischen Vermögenswerten un-
terhalten und ausgebaut wurde. Der ursprüngliche Erwerb des Liegenschaftenan-
teils des Beschuldigten und seiner Ehefrau im Jahre 1999 und der Erwerb des
Anteils von T._ im Jahre 2005 war hingegen nicht mit deliktischen Vermö-
genswerten erfolgt.
2.5.5. Anteil des Beschuldigten am Verkaufserlös in der Höhe von
Fr. 175'191.05
2.5.5.1. Von einer Rückgabe des Verkaufserlöses aus der Liegenschaft "..."
an den Privatkläger ist abzusehen, da die Voraussetzungen für eine Restitution
nicht gegeben sind (vgl. vorstehend, Erw. VII.1.4.-1.9.). Der Appellation des Pri-
vatklägers ist somit in diesem Punkt kein Erfolg beschieden.
- 187 -
2.5.5.2. Gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB verfügt das Gericht die Einziehung von
Vermögenswerten, die durch eine Straftat erlangt worden sind oder dazu be-
stimmt waren, eine Straftat zu veranlassen oder zu belohnen, sofern sie nicht
dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes ausge-
händigt werden. Sind die Vermögenswerte nicht mehr vorhanden, so erkennt das
Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in gleicher Höhe (Art. 71 Abs. 1
StGB). Gemäss Art. 70 Abs. 3 StGB verjährt das Recht zur Einziehung unabhän-
gig von der Anlasstat grundsätzlich nach sieben Jahren, soweit die Verfolgung der
Anlasstat einer längeren Verjährungsfrist unterworfen ist, findet diese längere
Frist auch auf die Einziehung Anwendung. Diese Verjährungsbestimmungen gel-
ten gleichermassen für die Einziehung, wie für die Anordnung einer Ersatzforde-
rung (BAUMANN, a.a.O., N 63 zu Art. 70/71 StGB).
2.5.5.2.1. Wie aufgezeigt, wurde einzig der Umbau der Liegenschaft in
Frankreich mit deliktischen Vermögenswerten finanziert, die ausschliesslich von
C._ stammten (vgl. vorstehend, Erw. VII.2.5.4.2.). Als Anlasstat für eine Ein-
ziehung des Verkaufserlösanteils des Beschuldigten kommen einzig die Beste-
chungen durch C._ in Frage.
2.5.5.2.2. Die Vorinstanz hat rechtskräftig festgestellt, dass es sich nicht
nachweisen lasse, dass C._ nach Februar 2000 noch Zahlungen an den Be-
schuldigten geleistet hat und die vor Februar 2000 erfolgten Bestechungshand-
lungen bereits verjährt sind (Urk. 221 S. 37-59). Demgemäss ist auch das Recht
zur Einziehung in Bezug auf die aus den Bestechungsdelikten im Zusammenhang
mit C._ stammenden Vermögenswerte verjährt (vgl. vorstehend,
Erw. VII.2.5.5.2.). Der Anteil des Beschuldigten am Verkaufserlös aus der Liegen-
schaft in Frankreich kann daher nicht eingezogen werden.
2.5.5.3. Hingegen können Vermögenswerte des Beschuldigten zur Deckung
von Verfahrenskosten herangezogen werden, wobei das Gesetz die Deckung der
Verfahrenskosten gegenüber den übrigen aus dem Strafverfahren resultierenden
finanziellen Forderungen, wie z.B. Ersatzforderungen, privilegiert (vgl. vorstehend,
Erw. VII.2.3.3.).
- 188 -
2.5.5.3.1. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten belaufen sich auf insge-
samt Fr. 216'508.50 (inkl. Kosten der amtlichen Verteidigung und der Vertretung
der Einziehungsbetroffenen). Davon sind dem Beschuldigten neun Zehntel – so-
mit Fr. 194'857.65 aufzuerlegen (vgl. nachstehend, Erw. VIII.1.3.5.). Angesichts
der Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens und des Berufungsverfahrens sowie
unter Berücksichtigung des Umstandes, dass bislang lediglich Fr. 68'008.– zur
Deckung der Verfahrenskosten herangezogen werden können (vgl. vorstehend,
Erw. VII.2.3.1.), sind die auf dem Konto des Bezirksgerichts Zürich bei der
AS._, IBAN CH ..., liegenden Vermögenswerte (Anteil Verkaufserlös des Be-
schuldigten), samt den seither bis zum Eintritt der Vollstreckbarkeit dieses Ent-
scheides darauf anfallenden Erträgen, zur Deckung der Verfahrenskosten für das
erstinstanzliche Verfahren und das Berufungsverfahren (inkl. die Kosten der amt-
lichen Verteidigung) zu verwenden. Ein allenfalls verbleibender Überschuss ist zur
Sicherung der gegenüber dem Beschuldigten anzuordnenden Ersatzforderung
(vgl. nachstehend, Erw. VII.2.6.) auf dem Konto des Bezirksgerichts Zürich bei der
AS._ zu belassen.
2.5.5.3.2. Die Obergerichtskasse ist mit Eintritt der Vollstreckbarkeit dieses
Urteils anzuweisen, der AS._ den vom Konto des Bezirksgerichts Zürich zur
Kostendeckung zu verwendende und der Obergerichtskasse zu überweisende
Betrag mitzuteilen. Die AS._ ist mit Eintritt der Vollstreckbarkeit dieses Urteils
anzuweisen, den ihr bekanntgegebenen Betrag der Obergerichtskasse, Post-
checkkonto Nr. 80-10210-7, mit Vermerk der Geschäftsnummer SB130239-O, zu
überweisen. In einem darüberhinausgehenden Betrag sind die Vermögenswerte
auf dem Konto bei der AS._ zwecks Sicherung der Ersatzforderung bis zur
vollständigen Bezahlung der Ersatzforderung bzw. bis in einem allfälligen
Zwangsvollstreckungsverfahren das zuständige Betreibungsamt in der Betreibung
hinsichtlich der Ersatzforderung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen
gemäss Art. 98 ff. SchKG entschieden hat, zu belassen.
2.5.6. Anteil der Ehefrau des Beschuldigten am Verkaufserlös in der
Höhe von Fr. 175'191.05
- 189 -
2.5.6.1. Was vorstehend für den Anteil des Beschuldigten am Verkaufserlös
der Liegenschaft in Frankreich ausgeführt worden ist, muss auch für den Anteil
der Ehefrau des Beschuldigten gelten. Da als Anlasstat für eine allfällige Drittein-
ziehung oder die Anordnung einer Ersatzforderung gegenüber der Ehefrau des
Beschuldigten nur die bereits verjährten Bestechungen durch C._ in Frage
kommen (vgl. vorstehend, Erw. VII.2.5.4.2.), ist auch das Recht zur Einziehung
bzw. zur Anordnung einer Ersatzforderung gegenüber der Ehefrau des Beschul-
digten verjährt (vgl. vorstehend, Erw. VII.2.5.5.2.-2.5.5.2.2.). Aus diesem Grund
kann letztlich auch offengelassen werden, ob die Voraussetzungen für eine Drit-
teinziehung oder der Anordnung einer Ersatzforderung gegenüber der Ehefrau
des Beschuldigten erfüllt wären.
2.5.6.2. Der Anteil der Ehefrau des Beschuldigten am Verkaufserlös der Lie-
genschaft "..." kann nicht zur Deckung der Kosten des vorliegenden Strafverfah-
rens herangezogen werden, da dies gemäss Art. 268 Abs. 1 StPO nur mit Ver-
mögenswerten der beschuldigten Person zulässig ist. Der hälftige Verkaufserlös
aus der Liegenschaft steht der Ehefrau als hälftige Miteigentümerin zu und ist ihr
damit herauszugeben.
2.5.6.3. Die Vermögenswerte der Ehefrau des Beschuldigten auf dem Konto
Nr. ... bei der AS._ mit dem Vermerk "DG110297" sind der Ehefrau des Be-
schuldigten herauszugeben. Die AS._ ist mit Eintritt der Vollstreckbarkeit
dieses Urteils anzuweisen, die auf dem Konto befindlichen Vermögenswerte samt
den darauf angefallenen Erträgen auf ein von der Ehefrau des Beschuldigten
noch zu bezeichnendes Konto zu überweisen. Auf den Zeitpunkt der Überweisung
ist die Kontosperre aufzuheben und das Konto zu saldieren.
- 190 -
2.6. Ersatzforderung gegenüber dem Beschuldigten
2.6.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, dem Staat als Er-
satz für den nicht mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil
Fr. 500'000.– zu bezahlen und dabei erwogen, eine höhere Ersatzforderung sei
nicht verhältnismässig und würde die Resozialisierung des Beschuldigten ernst-
lich behindern (Dispositivziff. 6; Urk. 221 S. 199-201 und S. 236).
2.6.2. Die Anordnung einer Ersatzforderung gegenüber dem Beschuldigten
wurde sowohl von diesem persönlich (Urk. 225), von seiner amtlichen Verteidi-
gung (Urk. 228 S. 3), wie auch vom Privatkläger (Urk. 224 S. 1) und der Staats-
anwaltschaft (Urk. 235 S. 1) angefochten. Der Beschuldigte und sein amtlicher
Verteidiger beantragten, auf die Anordnung einer Ersatzforderung sei zu verzich-
ten (Urk. 228 S. 3), die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger verlangten dem-
gegenüber die Festsetzung der Ersatzforderung in der Höhe von Fr. 966'161.35
(Urk. 224 S. 1; Urk. 235 S. 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Be-
schuldigte durch seinen erbetenen Verteidiger beantragen, es seien Fr. 350'000.–
einzuziehen bzw. eine Ersatzforderung in dieser Höhe anzuordnen, eventualiter
seien diese dem Privatkläger zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustan-
des auszuhändigen (Urk. 299 S. 3, Ziff. 11).
2.6.3. Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass das Gesetz die Ersatz-
forderung gemäss Art. 71 StGB als subsidiären Einziehungsmechanismus nach
der Naturaleinziehung im Sinne von Art. 70 StGB vorsieht, welche dann zum Zu-
ge kommt, wenn die der Naturaleinziehung unterliegenden Vermögenswerte
"nicht mehr vorhanden sind". Dies ist auch dann der Fall, wenn eine Papierspur
zwischen dem Originalwert und dem Ersatzwert nicht rekonstruierbar ist (Urteile
des Bundesgerichts 6B_369/2007 vom 14. November 2007, E. 2.1, und
6B_728/2010 vom 1. März 2011, E. 4.4; Urk. 221 S. 194). Von einer Ersatzforde-
rung kann gemäss Art. 71 Abs. 2 StGB ganz oder teilweise abgesehen werden,
wenn diese voraussichtlich uneinbringlich wäre oder die Wiedereingliederung des
Betroffenen ernstlich behindern würde. Bei der Festsetzung der Höhe der Ersatz-
forderung steht dem Gericht ein weiter Ermessensspielraum zu, wobei eine um-
- 191 -
fassende Beurteilung der (finanziellen) Lage des Beschuldigten vorzunehmen ist
(SCHMID, a.a.O., N. 115 ff. zu Art. 70-72 StGB; Urk. 221 S. 199 f.).
2.6.4. Der Beschuldigte hat unrechtmässige Vermögensvorteile in der Höhe
von insgesamt Fr. 1'271'293.– (Fr. 200'000.– vom Mitbeschuldigten H._,
Fr. 863'000.– vom Mitbeschuldigten I._, Fr. 185'400.– vom Mitbeschuldigten
J._, Fr. 16'756.25 von K._ und Fr. 6'136.75 für diverse Golfferien) ange-
nommen, wobei die verjährten Zahlungen durch C._ hierbei nicht zu berück-
sichtigen sind. Der Einziehung unterliegen die Vermögenswerte auf dem Konto
Nr. ..., lautend auf den Beschuldigten, bei der AV._ ..., samt den seither an-
gefallenen Erträgen, im Umfang von rund Fr. 225'000.–, womit für den Restbetrag
von rund Fr. 1.046 Mio. die Anordnung einer Ersatzforderung zu prüfen ist, deren
Höhe den Restbetrag jedenfalls nicht übersteigen darf.
2.6.5. Unter dem Aspekt der Uneinbringlichkeit ist von einer Ersatzforderung
dann abzusehen oder diese zu reduzieren, wenn der Betroffene vermögenslos
oder gar überschuldet ist und zusätzlich erkennbar ist, dass seine Einkommens-
verhältnisse sowie seine übrige persönliche Situation nicht erwarten lassen, dass
Zwangsvollstreckungsmassnahmen gegen ihn in absehbarer Zeit erfolgsverspre-
chend sind (SCHMID, a.a.O., N 120 zu Art. 70-72 StGB).
2.6.5.1. Hinsichtlich der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des
Beschuldigten ist vorweg auf die Erwägungen im Rahmen der Strafzumessung zu
verweisen (vorstehend, Erw. IV.2.6.2.1. ff.). Im Juni 2012 war er ausgesteuert,
worauf er und seine Familie bis im Herbst 2012 von Ersparnissen lebten (Urk. 77
S. 2). Der monatliche Familienbedarf betrug damals rund Fr. 8'440.– (Prot. I
S. 30). Vor seiner Verhaftung anlässlich der erstinstanzlichen Urteilseröffnung be-
absichtigte der Beschuldigte, eine selbständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen
(Prot. I S. 30), wozu es allerdings nicht mehr kam. Derzeit befindet er sich im vor-
zeitigen Strafvollzug und erzielt demzufolge keine nennenswerten Einkünfte. Mit
einer vorzeitigen Entlassung kann er frühestens nach Verbüssung von zwei Drit-
teln der Strafe rechnen (Urk. 240). Seine Aussichten, sich dann wieder ordentlich
in den Berufsalltag einfügen und ein geregeltes Einkommen erzielen zu können,
dürften aufgrund seines Alters und seines ramponierten Rufes in Übereinstim-
- 192 -
mung mit den Ausführungen des erbetenen Verteidigers (Urk. 299 S. 145) eher
gering ausfallen. Auch die Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit dürfte
sich nach rund vier Jahren im Strafvollzug schwierig gestalten. Es ist daher nicht
damit zu rechnen, dass der Beschuldigte nach Verbüssung der Freiheitsstrafe
wieder ein Einkommen erzielen wird, welches ermöglicht, neben der Bestreitung
des Lebensunterhaltes grössere Abzahlungen leisten zu können. Der Beschuldig-
te hat für seine beiden Söhne D._, geboren tt.mm.1997, und E._, gebo-
ren tt.mm.1999, und seine Frau aufzukommen. Zwar wird zumindest der ältere
Sohn dannzumal bereits volljährig sein, nichtsdestotrotz dürfte zumindest der jün-
gere Sohn in diesem Zeitpunkt im Rahmen seiner Ausbildung noch auf Unterstüt-
zung seines Vaters angewiesen sein. Daran ändert auch der Umstand nichts,
dass die beiden Söhne über Vermögenswerte in der Höhe von je rund
Fr. 40'000.– verfügten (Urk. 1/317026). Ein Grossteil dieses Geldes dürfte ohne-
hin dem Sozialamt zur Rückzahlung der Sozialhilfeleistungen zufliessen. Laut Be-
schluss der Sozialbehörde ... vom 7. Januar 2014 wird die Familie des Beschul-
digten mit monatlich Fr. 2'607.– weiterhin unterstützt, wobei die Wohnkosten und
die Krankenkassenprämien berücksichtigt sind (Urk. 1/311024 S. 2; vgl.
Urk. 292/6, 292/8). Die familienrechtlichen Unterstützungspflichten des Beschul-
digten sind bei der Festsetzung der Höhe der Ersatzforderung in jedem Fall zu
berücksichtigen.
2.6.5.2. An Vermögenswerten verfügt der Beschuldigte nur noch über das
mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 5. Juli 2010 beschlagnahmte Motorrad
der Marke Harley Davidson (Urk. 1/317006 f.) sowie über die mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft vom 15. Juli 2011 beschlagnahmten Goldmünzen, Goldbarren
und Manschettenknöpfe (Urk. 1/317024 f.). Schliesslich verfügt er noch über die
Vermögenswerte auf seinem Freizügigkeitskonto Nr. ... bei der AS._ in der
Höhe von Fr. 1'161'209.– per 30. November 2010 (Urk. 1/317023), welche sich
per 31. Dezember 2013 auf Fr. 1'201'515.– beliefen (Urk. 292/10). Über diese
kann jedoch nur unter den gegebenen Voraussetzungen verfügt werden. Für die
Festsetzung der Ersatzforderung nicht als Vermögen zu berücksichtigen sind die
Vermögenswerte auf den gesperrten AU._ Konten des Beschuldigten
(Urk. 1/317026), da diese bereits für die Deckung der Verfahrenskosten heranzu-
- 193 -
ziehen sind (vorstehend, Erw. VII.2.3.) und die Vermögenswerte auf dem Konto
Nr. ... bei der AV._ ..., da diese einzuziehen sind (vorstehend, Erw. VII.2.1.).
Zudem ist der Verkaufserlösanteil des Beschuldigten im Umfang von rund
Fr. 175'000.–, mit Ausnahme eines allfällig verbleibenden Restbetrages, nicht als
Vermögen zu berücksichtigen, da diese Vermögenswerte ebenfalls zur Deckung
der Verfahrenskosten heranzuziehen sind (vgl. vorstehend, Erw. VII.2.5.5.3.).
2.6.5.3. Angesichts der finanziellen Situation des Beschuldigten ist – vergli-
chen mit der Summe der deliktisch erlangten Vermögenswerte – eine Reduktion
der Ersatzforderung geboten. Es erscheint sachgerecht, die Ersatzforderung in
einer Höhe festzusetzen, die sich am geschätzten Verwertungserlös derjenigen
beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte orientiert, die weder einzu-
ziehen noch zur Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden sind. Derzeit ein-
bringlich sind damit Vermögenswerte im höheren fünfstelligen Bereich.
2.6.5.4. Weiter ist für die Festsetzung der Höhe der Ersatzforderung bzw.
deren Einbringlichkeit zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte über ein Freizü-
gigkeitsguthaben bei der AS._ in der Höhe von rund Fr. 1,2 Mio. verfügt (vgl.
vorstehend, Erw. VII.2.4.; Erw. VII.2.6.5.2.), welches es ihm in naher Zukunft und
bei Eintritt der entsprechenden Voraussetzungen ermöglichen wird, zu zusätzli-
chen finanziellen Mittel zu kommen, sei es durch eine einmalige Auszahlung sei-
nes angesparten Vorsorgeguthabens bei Aufnahme einer allfälligen selbständigen
Erwerbstätigkeit, sei es in Form einer monatlichen Rente bei Eintritt des Vorsorge-
falles. Eine monatliche Rente unter Berücksichtigung der geltenden Umwand-
lungssätze dürfte sich in der Grössenordnung von zwischen Fr. 5'000.– bis
Fr. 6'000.– bewegen. Davon wird der Beschuldigte den Lebensunterhalt für sich
und seine Familie zu bestreiten haben. Dem Beschuldigten und seiner Familie ist
das Existenzminimum zu belassen. Ein geringer, darüber hinaus gehender Betrag
ist hingegen zur Bezahlung einer Ersatzforderung heranzuziehen, wobei davon
auszugehen ist, dass der Beschuldigte noch mindestens 15 Jahre lang die Abzah-
lung der Ersatzforderung wird vornehmen können. Es rechtfertigt sich, dies bei
der Festsetzung der Ersatzforderung zusätzlich zu berücksichtigen.
- 194 -
2.6.5.5. Mit Blick auf die Einbringlichkeit rechtfertigt es sich damit, die Er-
satzforderung auf Fr. 200'000.– festzusetzen.
2.6.6. Durch die Verpflichtung des Beschuldigten zur Bezahlung eines Er-
satzes für nicht mehr vorhandene, deliktisch erlangte Vermögenswerte soll das
Ziel der Wiedereingliederung nicht über Gebühr behindert werden. Insbesondere
soll es ihm trotz der Zahlungspflicht möglich bleiben, sich sozial wieder zu integ-
rieren und ein finanziell selbständiges Leben bestreiten zu können. Durch die Er-
satzforderung des Staats soll dem Beschuldigten somit kein unüberwindbarer
Schuldenberg erwachsen, dessen Bewältigung praktisch aussichtslos wäre und
ihn somit nicht nur finanziell, sondern auch psychisch derart belasten würde, dass
eine soziale Reintegration unmöglich wäre (SCHMID, a.a.O., N 121 f. zu Art. 70-72
StGB).
2.6.7. Durch die Festsetzung einer Ersatzforderung in der Höhe von
Fr. 200'000.– ist seine soziale Reintegration nicht übermässig tangiert. Vielmehr
bleibt es ihm trotz der Zahlungsverpflichtung möglich, sich finanziell zu erholen
und sich und seine Familie gebührend zu unterhalten. Dies nicht zuletzt aufgrund
des ihm zur Verfügung stehenden vorerwähnten Freizügigkeitsguthabens. Auch
mit Blick auf seine soziale Wiedereingliederung erscheint die Anordnung einer Er-
satzforderung in der Höhe von Fr. 200'000.– somit als angemessen.
2.6.8. Schliesslich stellt die Anordnung einer Ersatzforderung einen Eingriff
in die Eigentumsgarantie dar, weshalb dem allgemeinen Prinzip der Verhältnis-
mässigkeit Rechnung zu tragen ist. Die Anordnung einer Ersatzforderung muss
geeignet und erforderlich sein, um das im öffentlichen Interesse liegende Ziel zu
verwirklichen und in einem vernünftigen Verhältnis zum Eingriff in die persönli-
chen Interessen des Beschuldigten stehen. Es hat demnach eine Interessenab-
wägung zu erfolgen (BAUMANN, a.a.O., N 62 zu Art. 70/71 StGB).
2.6.8.1. Der Anordnung einer Ersatzforderung liegt das öffentliche Interesse
zugrunde, dass sich strafbares Verhalten nicht lohnen soll. Zudem soll derjenige,
der sich deliktisch erlangter Vermögenswerte entledigt hat, nicht besser gestellt
werden, als jener, der sie behält und bei dem die Vermögenswerte daher einge-
- 195 -
zogen werden können (BGE 123 IV 74). Dem steht das private Interesse des von
der Einziehung betroffenen Beschuldigten gegenüber, keine übermässigen Ein-
griffe in sein Eigentum bzw. in sein Vermögen dulden zu müssen.
2.6.8.2. Der Beschuldigte wird durch die Anordnung einer Ersatzforderung
verpflichtet, einen Ausgleich für die von ihm angenommenen und nicht mehr vor-
handenen Bestechungsgelder zu leisten. Die Anordnung der Ersatzforderung
führt damit jedenfalls dazu, dass sich sein strafbares Verhalten nicht gelohnt hat.
Sie ist damit geeignet, das im öffentlichen Interesse liegende Ziel zu verwirkli-
chen. Zudem erweist sich die Anordnung der Ersatzforderung gegenüber dem
Beschuldigten auch als erforderliche Massnahme. Andere, weniger einschnei-
dende Ausgleichsmassnahmen sind nicht vorgesehen, weshalb die Festsetzung
einer Ersatzforderung des Staates durchaus als Ausgleichsmechanismus erfor-
derlich ist.
2.6.8.3. Durch die umfassende Berücksichtigung der finanziellen und per-
sönlichen Verhältnisse des Beschuldigten und der gestützt darauf erfolgten Fest-
setzung einer reduzierten Ersatzforderung im Umfang von Fr. 200'000.– ist ein
vernünftiges Verhältnis zwischen den öffentlichen Interessen und seinen privaten
Interessen gewährleistet. Ein gänzlicher Verzicht auf die Anordnung einer Ersatz-
forderung würde den gewichtigen öffentlichen Interessen nicht gerecht werden.
Die Festsetzung einer höheren Ersatzforderung käme demgegenüber einem un-
zulässigen Eingriff ins Eigentum des Beschuldigten gleich.
2.6.9. Demzufolge ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Staat als Ersatz
für nicht mehr vorhandene, widerrechtlich erlangte Vermögenswerte Fr. 200'000.–
zu bezahlen.
2.6.10. Die Obergerichtskasse ist anzuweisen, die Ersatzforderung gegen
den Beschuldigten nach Eintritt der Vollstreckbarkeit dieses Urteils beim zustän-
digen Betreibungsamt in Betreibung zu setzen und die für den Fortgang des Be-
treibungsverfahrens erforderlichen Schritte zu veranlassen.
- 196 -
2.7. Motorrad Harley Davidson
2.7.1. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte mit Verfügung vom 5. Juli
2010 das Motorrad der Marke Harley Davidson, Kontrollschild ZH ...
(Urk. 1/317006). Die Vorinstanz entschied, die angeordnete Beschlagnahme sei
zwecks Sicherung der Ersatzforderung bis zur vollständigen Bezahlung derselben
bzw. bis in einem allfälligen Zwangsvollstreckungsverfahren des zuständigen Be-
treibungsamtes in der Betreibung hinsichtlich der Ersatzforderung über die An-
ordnung von Sicherungsmassnahmen gemäss Art. 98 SchKG entschieden hat,
aufrechtzuerhalten (Dispositivziff. 13; Urk. 221 S. 214 und S. 239). Dagegen ap-
pellierten sowohl der Beschuldigte persönlich (Urk. 225), der amtliche Verteidiger
(Urk. 228 S. 4) als auch der Privatkläger (Urk. 224), wobei der amtliche Verteidi-
ger insbesondere im Zusammenhang mit dem Verzicht auf die Anordnung einer
Ersatzforderung auch die Aufhebung der entsprechenden Ersatzforderungsbe-
schlagnahme beantragte.
2.7.2. Auch legal erworbene Vermögenswerte können zur Deckung der sich
aus dem Strafverfahren ergebenden finanziellen Forderungen des Staates ge-
genüber der beschuldigten Person in der Form von Verfahrenskosten (vorste-
hend, Erw. VII.2.3.3.; Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO, Art. 267 Abs. 3 StPO und
Art. 442 Abs. 4 StPO) und der Ersatzforderung (Art. 71 Abs. 3 StGB) herangezo-
gen werden. Über Beschlagnahmungen, welche im Hinblick auf die Durchsetzung
einer Ersatzforderung gemacht wurden, ist im Strafurteil nicht zu befinden. Statt-
dessen ist die Beschlagnahme über die Rechtskraft des Urteils hinaus bis zur Ein-
leitung der Zwangsvollstreckung zur Durchsetzung der Ersatzforderung aufrecht-
zuerhalten (Urteil des Bundesgerichts 6B_694/2009 vom 22. April 2010, E.1.4.2,
sinngemäss; vorstehend Erw. VII.2.5.6.4.).
2.7.3. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz und unter Berücksichtigung,
dass dem Beschuldigten eine Ersatzforderung in der Höhe von Fr. 200'000.– auf-
zuerlegen ist, ist die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 5. Juli 2010 ange-
ordnete Beschlagnahme des bei der F._ Zürich, ... [Adresse], gelagerten
Motorrades Harley Davidson zwecks Sicherung der Ersatzforderung bis zur voll-
ständigen Bezahlung der Ersatzforderung bzw. bis in einem allfälligen Zwangs-
- 197 -
vollstreckungsverfahren das zuständige Betreibungsamt in der Betreibung hin-
sichtlich der Ersatzforderung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen
gemäss Art. 98 ff. SchKG entschieden hat, aufrechtzuerhalten.
2.8. Goldbarren, Goldmünzen, Manschettenknöpfe
2.8.1. Mit Verfügung vom 15. Juli 2011 beschlagnahmte die Staatsanwalt-
schaft diverse Gegenstände wie Goldmünzen, Goldbarren und Manschettenknöp-
fe (Urk. 1/317024 f.). Die Gegenstände sind unter der Sachkautionsnummer ... bei
der Bezirksgerichtskasse Zürich hinterlegt. Die Vorinstanz entschied, die ange-
ordnete Beschlagnahme sei zwecks Sicherung der Ersatzforderung bis zur voll-
ständigen Bezahlung derselben bzw. bis in einem allfälligen Zwangsvollstre-
ckungsverfahren des zuständigen Betreibungsamtes in der Betreibung hinsichtlich
der Ersatzforderung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen gemäss
Art. 98 SchKG entschieden hat, aufrechtzuerhalten (Dispositivziff. 12; Urk. 221
S. 213 und S. 238). Dagegen appellierten sowohl der Beschuldigte persönlich
(Urk. 225), der amtliche Verteidiger (Urk. 228 S. 4) als auch der Privatkläger
(Urk. 224), wobei der amtliche Verteidiger insbesondere im Zusammenhang mit
dem Verzicht auf die Anordnung einer Ersatzforderung wiederum auch die Aufhe-
bung der entsprechenden Ersatzforderungsbeschlagnahme beantragte. Der erbe-
tene Verteidiger beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung demgegenüber
(Urk. 299 S. 3, Ziff. 15; Prot. II. S. 18), die Beschlagnahmungen seien soweit ge-
mäss Entscheid zur Einziehung sowie für die Kosten- und Entschädigungsfolgen
notwendig, aufrechtzuerhalten. In jedem Fall seien dem Beschuldigten von den
unter der Sachkautionsnummer ... bei der Bezirksgerichtskasse hinterlegten Ge-
genständen die in der persönlichen Befragung spezifizierten Gegenstände her-
auszugeben. Der Beschuldigte machte diesbezüglich geltend, ein Teil dieser
Goldvreneli und Goldbarren hätten seine Söhne zur Kommunion resp. zu Weih-
nachten bekommen. Die übrigen Goldmünzen, die zum Beispiel mit "..." ange-
schriebenen, habe er als Kind erhalten. Die Taschenuhr seines Vaters, deren
Wert er nicht kenne, und der Herren-Wappenring, den er ebenfalls von seinem
Vater erhalten habe, hätten für ihn einen ideellen Wert. Weiter wolle er die zwei
- 198 -
Eheringe in der kleinen verschlossenen Kiste als Erinnerung an seine Eltern
(Prot. II S. 29 f.).
2.8.2. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz und mit Verweis auf die be-
reits im Zusammenhang mit dem Motorrad Harley Davidson gemachten Erwä-
gungen (vorstehend, Erw. VII.2.7.2.) sowie unter Berücksichtigung, dass dem Be-
schuldigten eine Ersatzforderung in der Höhe von Fr. 200'000.– aufzuerlegen ist,
ist die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 15. Juli 2011 angeordnete Be-
schlagnahme der unter der Sachkautionsnummer ... bei der Bezirksgerichtskasse
hinterlegten Gegenstände zwecks Sicherung der Ersatzforderung bis zur voll-
ständigen Bezahlung der Ersatzforderung bzw. bis in einem allfälligen Zwangs-
vollstreckungsverfahren das zuständige Betreibungsamt in der Betreibung hin-
sichtlich der Ersatzforderung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen
gemäss Art. 98 ff. SchKG entschieden hat, aufrechtzuerhalten. Die beantragte
Freigabe einzelner Gegenstände kann daher im vorliegenden Verfahren nicht in
Betracht kommen.
3. Verwendung der Ersatzforderung zugunsten des Geschädigten
Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass die Verwendung der Ersatzfor-
derung zugunsten des Privatklägers gemäss Art. 73 Abs 1 lit. c StGB ausser Be-
tracht fällt, da über einen Schadenersatzanspruch des Privatklägers nicht befun-
den wurde, dies aber für die Verwendung der Ersatzforderung zugunsten des Pri-
vatklägers Voraussetzung wäre (Urk. 221 S. 208 f.). Die vorinstanzliche Schluss-
folgerung ist damit ohne Weiteres zu bestätigen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Die Vorinstanz setzte ihre Gerichtsgebühr auf Fr. 45'000.– fest und auf-
erlegte dem Beschuldigten die gesamten Kosten des Vorverfahrens und des erst-
instanzlichen Verfahrens (inklusive Kosten der Vertretung der Einziehungsbe-
troffenen) mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, welche, vorbe-
- 199 -
hältlich ihrer Deckung durch die beschlagnahmten Vermögenswerte und vorbe-
hältlich des Nachforderungsrechts des Staates gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO, auf
die Gerichtkasse genommen wurden. Ausserdem verpflichtete die Vorinstanz den
Beschuldigten, dem Privatkläger für das gesamte erstinstanzliche Verfahren eine
Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 36'397.80 zu bezahlen (Dispositiv-
ziff. 19 bis 22; Urk. 221 S. 216-235 und S. 240 f.).
1.2. Gegen den vorinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsentscheid ap-
pellierte der Beschuldigte persönlich (Urk. 225). Zudem focht die amtliche Vertei-
digung das erstinstanzliche Kostendispositiv an und beantragte, die Kosten seien
proportional zum resultierenden Verhältnis zwischen Schuld- und Freispruch auf
den Beschuldigten und die Staatskasse zu verlegen (Urk. 228 S. 4). Von seinem
erbetenen Verteidiger liess der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung
beantragen, die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien ausgangsgemäss fest-
zulegen und einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen (Urk. 299 S. 3).
1.3. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet
sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO).
1.3.1. Die von der Vorinstanz festgesetzte erstinstanzliche Gerichtsgebühr
von Fr. 45'000.– erscheint unter Berücksichtigung von § 2 Abs. 1 und § 14 Abs. 1
lit. b Gebührenverordnung des Obergerichts des Kantons Zürich vom 8. Septem-
ber 2010 (GebV OG) angesichts der Grösse des Falles und des dadurch entstan-
denen Aufwandes als angemessen und ist nicht zu beanstanden. Dispositivziff. 19
des vorinstanzlichen Urteils ist demnach zu bestätigen.
1.3.2. Die Vorinstanz hat erwogen, dass der Beschuldigte im Zusammen-
hang mit den Sachverhaltskomplexen H._, I._, J._ und K._
vollumfänglich kostenpflichtig ist, da die erfolgten Freisprüche in diesem Kontext
von derart untergeordneter Bedeutung seien, dass sie im Hinblick auf die Kosten-
auflage nicht ins Gewicht fallen (Urk. 221 S. 216). Weiter gelangte die Vorinstanz
zum Schluss, dass dem Beschuldigten auch im Zusammenhang mit dem Sach-
verhaltskomplex C._ trotz des Teilfreispruchs hinsichtlich der Bestechungs-
- 200 -
vorwürfe die Kosten vollumfänglich aufzuerlegen seien. Sie begründete dies mit
dem Schuldspruch wegen ungetreuer Amtsführung und dem Umstand, dass es
sich bei der Annahme von Geldern von C._ um eine zivilrechtlich widerrecht-
liche und vorwerfbare Verhaltensweise des Beschuldigten gehandelt habe, wel-
che die Einleitung und Fortführung des vorliegenden Strafverfahrens verursacht
habe. Den Beschuldigten treffe daher ein prozessuales Verschulden, weshalb ihm
die Kosten trotz des ergangenen Teilfreispruches nach Art. 426 Abs. 2 StPO auf-
zuerlegen seien (Urk 221 S. 216-230).
1.3.3. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten im Zusammenhang mit dem
Sachverhaltskomplex J._ des Sich-bestechen-lassens im Sinne von
Art. 322quater StGB bezüglich des Darlehens freigesprochen (Anklageziffer V.63.;
Dispositivziff. 2; Urk. 221 S. 151 f. und S. 236). Dieser Freispruch wird vorliegend
bestätigt (vgl. vorstehend Erw. III.3.7.4.2.6.). Entgegen den vorinstanzlichen Er-
wägungen ist der Freispruch im Zusammenhang mit dem Darlehen nicht von der-
art untergeordneter Bedeutung, als dass er bei der Kostenauflage gar nicht zu be-
rücksichtigen wäre. Vielmehr sind die Kosten des Vorverfahrens und des erstin-
stanzlichen Verfahrens im Zusammenhang mit dem Darlehen auf die Gerichts-
kasse zu nehmen.
1.3.4. Hinsichtlich der Kostenauflage an den Beschuldigten im Zusammen-
hang mit dem Sachverhaltskomplex C._ ist der ausführlichen und überzeu-
genden Begründung der Vorinstanz zu folgen. In Übereinstimmung mit den vo-
rinstanzlichen Erwägungen rechtfertigt es sich demnach, dem Beschuldigten auch
im Zusammenhang mit diesem Sachverhaltskomplex, trotz des Teilfreispruchs
vom Bestechungsvorwurf, die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzli-
chen Verfahrens vollumfänglich aufzuerlegen.
1.3.5. Gemäss den vorstehenden Erwägungen rechtfertigt es sich, die Kos-
ten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens (einschliess-
lich der Kosten der Vertretung der Einziehungsbetroffenen) in Abänderung von
Dispositivziff. 20 des vorinstanzlichen Urteils zu 9/10 dem Beschuldigten aufzuer-
legen und zu 1/10 auf die Staatskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung sind dem Beschuldigten im gleichen Verhältnis, mithin zu 9/10 aufzuer-
- 201 -
legen, da er durch die beschlagnahmten und sichergestellten Vermögenswerte
über finanzielle Mittel verfügt, diese zu bezahlen. Die dem Beschuldigten aufer-
legten Kosten sind aus den bei der AU._ AG beschlagnahmten und bei der
AS._ (Konto des Bezirksgerichts Zürich bei, IBAN CH ...) sichergestellten
und zur Kostendeckung herangezogenen Vermögenswerten zu beziehen (vgl.
vorstehend Erw. VII.2.3.6. und 2.5.5.3.2.).
1.4. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger für
das erstinstanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 36'397.80 zu
bezahlen (Dispositivziff. 22; Urk. 221 S. 232-235 und S. 241). Dagegen appellierte
der Beschuldigte (Urk. 225). Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der er-
betene Verteidiger geltend, es sei nicht einzusehen, weshalb dem Privatkläger ei-
ne derart hohe Prozessentschädigung zugesprochen werde, zumal auf sein Be-
gehren nicht einmal eingetreten worden sei. Die Entschädigung an den Privatklä-
ger sei daher auf ein absolutes Minimum herabzusetzen (Urk. 299 S. 151).
1.4.1. Hinsichtlich der Begründung der Höhe der Entschädigung des Privat-
klägers kann zunächst auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden
(Urk. 221 S. 233-235).
1.4.2. Im Zusammenhang mit der Stellung des Kantons Zürich als Privatklä-
ger ist ergänzend in Betracht zu ziehen, dass einem Gemeinwesen, wie dem Kan-
ton Zürich, nur die Stellung eines Geschädigten resp. – bei entsprechender Kon-
stituierung – eines Privatklägers zukommt, wenn dieses durch die Straftat wie ein
Privater in seinen Rechten verletzt worden ist (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI in: Basler
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2011, N 39 zu Art. 115 StPO).
Dies ist vorliegend nur gegeben, wo sich der Beschuldigte der ungetreuen Amts-
führung schuldig gemacht hat.
1.4.2.1. Das geschützte Rechtsgut der Bestechungsdelikte ist das Vertrauen
der Allgemeinheit in die Objektivität und Sachlichkeit staatlicher Tätigkeit (vgl.
vorstehend, Erw. III.3.4.2.), womit der Kanton Zürich durch die Bestechungshand-
lungen des Beschuldigten nicht in seinen Rechten verletzt sein kann (vgl. auch
MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N 87 zu Art. 115 StPO).
- 202 -
1.4.2.2. Beim Tatbestand der Geldwäscherei werden zwar auch individuelle
Vermögensinteressen geschützt, sofern die Vermögenswerte aus Straftraten ge-
gen Individualinteressen herrühren und die Geldwäschereihandlung die Wieder-
beschaffung der privaten Vermögenswerte konkret erschwert hat (MAZZUCCHEL-
LI/POSTIZZI, a.a.O., N 82 zu Art. 115 StPO). Vorliegend geht es beim Geldwä-
schereivorwurf indessen nicht um die Vermögenswerte des Kantons Zürich, wes-
halb dieser auch diesbezüglich nicht in seinen Rechten verletzt und damit auch
nicht Privatkläger sein kann.
1.4.2.3. Demgegenüber kommt dem Kanton Zürich im Zusammenhang mit
der vom Beschuldigten begangenen Amtsgeheimnisverletzung eine Geschädig-
ten- resp. Privatklägerstellung zu. Beim Tatbestand der Amtsgeheimnisverletzung
ist der Geheimnisträger in seinen Rechten geschützt und verletzt (MAZZUCCHEL-
LI/POSTIZZI, a.a.O., N 86 zu Art. 115 StPO). Da es bei den vom Beschuldigten be-
kanntgegebenen Tatsachen auch um Fakten ging, an denen der Kanton Zürich
ein Geheimhaltungsinteresse hatte, hat dieser im Zusammenhang mit der Amts-
geheimnisverletzung Geschädigten- bzw. Privatklägerstellung.
1.4.2.4. Ebenso ist dem Kanton Zürich im Zusammenhang mit dem vom Be-
schuldigten begangenen Tatbestand der ungetreuen Amtsführung im Sinne von
Art. 314 StGB Geschädigten- bzw. Privatklägerstellung einzuräumen, da das ge-
schützte Rechtsgut hier das öffentliche Vermögen ist (NIGGLI, in: Basler Kommen-
tar, Strafrecht II, 3. Auflage 2013, N 7 zu Art. 314 StGB) und der Kanton damit in
seinen Rechten wie ein Privater verletzt wurde (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O.,
N 85 zu Art. 115 StPO).
1.4.2.5. Somit kommt dem Kanton Zürich hinsichtlich der Delikte der Amts-
geheimnisverletzung und der ungetreuen Amtsführung Privatklägerstellung zu,
weshalb er auch nur diesbezüglich zu entschädigen ist. Dies ist vor Vorinstanz
unberücksichtigt geblieben.
1.4.3. Der Privatkläger hat einen Anspruch auf Entschädigung gegenüber
dem Beschuldigten, wenn er obsiegt (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Obsiegen be-
deutet die Verurteilung der beschuldigten Person und/oder Obsiegen der Privat-
- 203 -
klägerschaft im Zivilpunkt (WEHRENBERG/BERNHARD, in: Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, 2011, N 6 zu Art. 433 StPO).
1.4.3.1. In Bezug auf den Schuldpunkt obsiegt der Privatkläger hinsichtlich
derjenigen Delikte, bei welchen ihm eine Privatklägerstellung überhaupt zukommt
(vgl. vorstehend, Erw. VIII.1.4.2.5.). Diesbezüglich ist er somit vom Beschuldigten
zu entschädigen. Auf die Zivilklage ist die Vorinstanz hingegen zurecht nicht ein-
getreten, weshalb nicht von einem Obsiegen des Privatklägers hinsichtlich des Zi-
vilpunkts ausgegangen werden kann. Eine diesbezügliche Entschädigung des
Privatklägers ist nicht gerechtfertigt.
1.4.3.2. Aufgrund des vorstehend Ausgeführten rechtfertigt sich eine Reduk-
tion der Entschädigung des Beschuldigten an den Privatkläger, zumal ein Teil der
Aufwendungen des Kantons im Zusammenhang mit der Zivilklage und mit denje-
nigen Delikten steht, bezüglich derer ihm keine Privatklägerstellung zukommt. Der
den Beschuldigten betreffende Teil des vorinstanzlichen Plädoyers des Kantons
Zürich umfasst 24 Seiten, wovon 14, mithin 7/12, im Zusammenhang mit dem
Tatvorwurf der ungetreuen Amtsführung stehen (Urk. 86/1). Zudem ist dem Pri-
vatkläger zuzugestehen, dass gewisse Abklärungen auch im Hinblick auf die wei-
teren, vom Beschuldigten begangenen Delikte zu treffen waren, und welche letzt-
lich auch für die Begründung der Ansprüche im Zusammenhang mit der unge-
treuen Amtsführung sachdienlich waren. Somit erscheint es angemessen, den
Entschädigungsanspruch des Privatklägers um einen Drittel, mithin auf
Fr. 24'265.20 (inkl. MwSt.) zu reduzieren. Dass dem Kanton Zürich auch hinsicht-
lich der Amtsgeheimnisverletzung Privatklägerstellung zuzugestehen ist, hat kei-
nen Einfluss auf die vorstehende Berechnung des Entschädigungsanspruchs des
Privatklägers für das erstinstanzliche Verfahren.
1.4.4. Der Beschuldigte ist demnach in Abänderung von Dispositivziff. 22
des vorinstanzlichen Urteils zu verpflichten, dem Privatkläger für das Vorverfahren
und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren eine reduzierte Prozessentschädigung
in der Höhe von Fr. 24'265.20 zu bezahlen.
- 204 -
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahrens ist nach der Gebüh-
renverordnung des Obergerichts des Kantons Zürich vom 8. September 2010
(GebV OG) festzusetzen. Unter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierig-
keit des Falles sowie des Zeitaufwands des Gerichts (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m.
§ 16 i.V.m. § 2 Abs. 1 lit. b, c und d i.V.m. § 14 GebV OG) ist die Gerichtsgebühr
für dieses Verfahren auf Fr. 45'000.– zu veranschlagen.
2.2. Gemäss Art. 428 Abs 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des
Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens. Der
Beschuldigte unterliegt mehrheitlich, einzig hinsichtlich des Freispruchs im Zu-
sammenhang mit dem Darlehen (vorstehend, Erw. III.3.7.4.2.6.) und der Ersatz-
forderung, welche betragsmässig um rund die Hälfte zu reduzieren ist (vorste-
hend, Erw. VII.2.6. ff., insbes. 2.6.5.3. ff.), obsiegt er teilweise. Die Strafe wurde
um rund drei Monate reduziert, was einem teilweisen Obsiegen zumindest im
Eventualstandpunkt gleichkommt (vgl. vorstehend, Erw. IV.4.12.). Der Privatklä-
ger unterliegt mit seinen Anträgen auf Erhöhung der Ersatzforderung und Rücker-
stattung der beschlagnahmten Vermögenswerte, weshalb ihm ebenfalls ein Teil
der Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen bzw. im Hinblick darauf, dass
es sich beim Privatkläger um den Kanton Zürich handelt, auf die Staatskasse zu
nehmen ist. Insgesamt erscheint es somit angemessen, dem Beschuldigten vier
Fünftel der Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen und einen Fünftel der
Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.3. Im Rahmen des Berufungsverfahrens ist auch über die Kosten- und
Entschädigungsfolgen des Beschwerdeverfahrens der III. Strafkammer, Ge-
schäfts-Nr. UP130016, Beschluss vom 5. Juni 2013 betreffend amtliche Verteidi-
gung, zu entscheiden. Die Gerichtsgebühr für das obergerichtliche Beschwerde-
verfahren wurde auf Fr. 1'200.– festgesetzt (Urk. 229 S. 18), was angemessen
erscheint.
2.3.1. Die Kostentragung im Zusammenhang mit Gesuchen um Bestellung
oder Wechsel der amtlichen Verteidigung folgt analog den Regeln von Art. 426
- 205 -
Abs. 3 lit. a StPO oder Art. 428 Abs. 1 und 2 StPO, sofern ein Verfahrensbeteilig-
ter das entsprechende Gesuch eingereicht hat (DOMEISEN in: Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, 2011, N 30 zu Art. 428 StPO). Nach
Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten im Rechtsmittelverfahren
nach Massgabe ihres Obsiegen und Unterliegens. Beim obergerichtlichen Be-
schwerdeverfahren im Zusammenhang mit dem Gesuch des Beschuldigten um
einen Wechsel der amtlichen Verteidigung handelt es sich um ein solches
Rechtsmittelverfahren, bei welchem der Beschuldigte vollumfänglich unterlag.
Somit sind ihm die Kosten für das obergerichtliche Beschwerdeverfahren zusätz-
lich zu den Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen.
2.3.2. Der Aufwand des amtlichen Verteidigers im Zusammenhang mit dem
Beschwerdeverfahren vor Obergericht und Bundesgericht betreffend den Wechsel
der amtlichen Verteidigung ist im Rahmen der Festsetzung seiner Entschädigung
für das Berufungsverfahren zu berücksichtigen (vgl. nachstehend, Erw. VIII.2.4.).
2.3.3. Im Übrigen sind für das obergerichtliche Beschwerdeverfahren keine
Entschädigungen zuzusprechen.
2.4. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind entsprechend der Aufstel-
lung über die Bemühungen und Barauslagen von Rechtsanwalt Dr. X._ (Urk.
324) auf Fr. 7'230.60 (inkl. MwSt.) festzusetzen. Dabei ist sein Aufwand im Zu-
sammenhang mit dem obergerichtlichen und dem bundesgerichtlichen Beschwer-
deverfahren betreffend den Wechsel der amtlichen Verteidigung berücksichtigt
(Urk. 260 S. 8; Urteil des Bundesgerichts 1B_410/2012 vom 3. Oktober 2012
E. 2). Die Kosten für die amtliche Verteidigung sind dem Beschuldigten im glei-
chen Verhältnis wie die Verfahrenskosten, mithin zu vier Fünfteln aufzuerlegen
und zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.5. Die dem Beschuldigten auferlegten Kosten für das Berufungsverfahren,
das obergerichtliche Beschwerdeverfahren und für die amtliche Verteidigung sind
aus den beschlagnahmten und zur Kostendeckung herangezogenen Vermö-
genswerten zu beziehen (vgl. vorstehend, Erw. VII.2.3.6. und 2.5.5.3.2.).
- 206 -
2.6. Ausgangsgemäss ist dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren ei-
ne reduzierte Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 17'000.– (inkl. MwSt.)
aus der Gerichtskasse zuzusprechen (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429
Abs. 1StPO). Der Anspruch des Beschuldigten ist mit der Forderung des Staats
aus den Verfahrenskosten zu verrechnen (Art. 442 Abs. 4 StPO).
2.7. Dem Privatkläger ist für das Berufungsverfahren keine Entschädigung
zuzusprechen, da er mit seinen Anträgen vollumfänglich unterliegt (Art. 436
Abs. 1 i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO).
2.8. Rechtsanwalt MLaw Y1._ ist für seine Bemühungen im Zusam-
menhang mit der Vertretung der einziehungsbetroffenen Ehefrau des Beschuldig-
ten mit Fr. 14'900.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
2.9. Über eine allfällige Entschädigung von Rechtsanwältin MLaw Y2._
als Vertreterin der Einziehungsbetroffenen D._ und E._ wird separat
entschieden. Die Kosten sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.