Decision ID: 1eb66784-13ba-4676-9a6c-7c95d9b9b25c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1977 geborene
X._
arbeitete zuletzt in einem Pensum von 100 % als
Fachleiterin Verkauf
bei der Genossenschaft
A._
(
Urk.
6/17
Ziff.
2.8
)
. Am 3. April 2009
(
Urk.
6/2)
meldete sie sich unter Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung, die eventuell auf das Immunsystem zurückzuführen sei, bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug
(Massnahmen für die berufliche Eingliederung)
an. Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte daraufhin Abklärungen in erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht. Mit Mitteilung vom 23. Juni 2009 (
Urk.
6
/15) wurde
die Versicherte
darüber informiert
, dass berufliche Massnahmen (Arbeits
platzerhalt/Arbeitsvermittlung) abgeschlossen würden.
Im Auftrag der IV-Stelle führte die Rehaklinik
B._
am 1
5.
und 1
6.
Dezember 2010 eine Eva
lu
ation der funktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL)
durch (
Urk.
6
/30), am 10. August 2011 erstattete die Klinik
C._
sodann ein psychiatrisches Gutach
ten (
Urk.
6
/36). Gestützt auf diese Grundlagen sprach die IV-Stelle der Versicher
ten mit Verfügung vom 12. Juni 2012 (
Urk.
6
/50
und
Urk.
6/46
) rückwirkend ab 1. August 2010
gestützt auf einen ermittelten Invaliditätsgrad von 100 %
eine ganze Invalidenrente zu.
Eine im Jahre 2013 eingeleitete revisionsweise Überprü
fung der Invalidenrente
(
Urk.
6/51)
zeigte keine Veränderung
, weshalb mit Ver
fügung vom 2
5.
Juni 2013 (
Urk.
6/64) die Weiterausrichtung der bisherigen In
validenrente bestätigt wurde. Gleichzeitig wurde ein
in diesem Rahmen gestelltes Wiedererwägungsgesuch betreffend die rentenzusprechende Verfügung vom 12. Juni 2012 abgewiesen.
1.2
Im Jahre 2014 leitete die IV-Stelle eine erneute Rentenrevision ein
, wobei die Versicherte eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes geltend machte
(
Urk.
6
/6
8
). Wiederum tätigte
die IV-Stelle
Abklärungen in erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht. Am
29. Februar
2016
(
Urk.
6
/94
f.
)
erstatteten
die
Dres
.
D._
, Facharzt für
Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie
Rheu
matologie
,
und
E._
, Facharzt für P
s
ychiatrie und Psychotherapie, im Auf
trag der IV-Stelle ein
bidisziplinäres
Gutachten.
Nach Stellungnahme des Regio
nalen Ärztlichen Dienstes (RAD) zum m
edizinischen Sachverhalt (
Urk.
6
/97)
hob
die IV-Stelle
nach durchgeführtem
Vorb
escheid
verfahren
(
Urk.
6
/98)
die
bishe
rige ganze Invalidenrente
mit Verfügung vom 15. Dezember 2016 (
Urk.
2)
auf
.
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 31. Januar 2017 (
Urk.
1) Be
schwerde und stellte folgende Anträge
(S. 2)
:
«
1.
Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdefüh
rerin weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten.
2.
Eventualiter, falls die Revisionsvoraussetzungen als erfüllt betrachtet werden, sei der Beschwerdeführerin noch eine halbe Invalidenrente zuzu
sprechen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerde
gegnerin.»
In ihrer Beschwerdeantwort vom 8. März 2017 (
Urk.
5) beantragte die Beschwer
degegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom
28. April 2017
(Urk. 9) hielt
die Beschwerdeführerin
an
ihren
An
trägen fest.
Am
7. Juni 2017
(Urk. 11)
teilte die Beschwerdegegnerin
d
en Verzicht auf die Einreichung einer Duplik mit,
was
der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
8. Juni 2017 (
Urk.
12)
zur K
enntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (
BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen
). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 m
it Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächli
cher Hinsicht umfassend («
allseitig
»
) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhaltes - bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvoll
ziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Re
ntenberechtigung beweisend wäre
, mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber aus
spricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattge
funden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass sich die gesundheitlich
en Verhältnisse verändert haben
(Urteil des Bundesgerichts 8C_889/2015 vom 29. September 2016
E. 3.2 mit Hinweisen)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte die bisherige ganze Invalidenrente der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom 15. Dezember 2016 (
Urk.
2)
mit der
Begründung ein, die
Rentenzusprache
sei aufgrund des psychischen Zustandes rückwirkend auf das Jahr 2010 erfolgt. Um den Gesundheitszustand im Rahmen der im Juni 2014 geltend gemachten Verschlechterung abklären zu können, sei ein Gutachten in den Bereichen Psychiatrie und Rheumatologie in Auftrag gegeben worden. Gemäss diesem Gutachten vom 29. Februar 2016 und der Beurteilung des RAD sei es zu einer Verbesserung des Gesundh
e
itszustandes gekommen.
Aus psy
chiatrischer Sicht bestünden demnach keine E
inschr
ä
n
kungen mehr, die eine Ar
beitsunfähigkeit hervorrufen würden
,
und auch aus rheumatologischer Sicht be
stehe eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit. Diese Angaben würden sowohl für die bisherige als auch für eine angepasste Tätigkeit gelten. Die Verbesserung sei mit grösster Wahrscheinlichkeit s
eit Februar 2015 gegeben (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 8. März 2017 (
Urk.
5)
begründete die Beschwerde
gegnerin ergänzend, weshalb aus psychiatrischer Sicht in Würdigung der gesam
ten Umstände
überwiegend wahrscheinlich
auf eine Verbesserung
des Gesund
heitszustandes der Beschwerdeführerin
zu schliessen
sei
.
Weiter legte sie noch
mals dar, weshalb auch aus rheumatologischer Sicht nicht
von
eine
r
Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit
auszugehen sei
. Am
verfügungsw
ei
se
erstellten Ein
kommensvergleich hielt sie schliesslich unter Verneinung eines leidensbedingten Abzuges fest.
2.2
Die Beschwerdeführer
in
beanstandete
mit
Beschwerdeschrift vom 31. Januar 2017 (
Urk.
1) dagegen im Wesentlichen das Vorliegen eines Revisionsgrundes nach Art. 17 Abs. 1 ATSG. Weder in rheumatologischer noch in psychiatrischer Hinsicht sei auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes zu schliessen (S. 7 f.). Sollte dennoch von einem verbesserten Gesundheitszustand ausgegan
gen werden, so sei gestützt auf die gutachterliche Beurteilung von einer Ein
schränkung von gesamthaft 30 % für eine leichte Tätigkeit auszugehen. Zudem
sei ein leidensbedingter Abzug von mindestens 10 % zu gewähren, was zu einem Invaliditätsgrad von (mindestens) 53 % führen würde (S. 8 f.).
In ihrer Replik vom 28. April 2017 (
Urk.
9) wiederholte die Beschwerdeführerin unter Bezugnahme auf die Beurteilung des behandelnden Psychiaters, dass nicht auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes geschlossen werden könne
, son
dern von einer unterschiedlichen Beurteilung des gleichen Sachverhalts auszuge
hen sei.
Es könne
sich auch um einen fluktuierenden Verlauf einer langjährigen depressiven Erkrankung handeln, die sich zum Zeitpunkt der Zweitbegutachtung
im Frühjahr 2016 besser präsentiert
habe
als im September 2016, als die Be
schwerdeführerin auch in somatischer Hinsicht mit einer Beschwerdezunahme konfrontiert gewesen sei. Auch dies würde gegen eine anhaltende Verbesserung des Gesundheitszustandes aus psychiatrischer Sicht sprechen. Die Voraussetzun
gen einer Rentenrev
ision seien daher nicht erfüllt
.
In somatischer Hinsicht sei sodann
mit
Dr.
D._
von einer persistierenden Problematik auszugehen und auf
seine
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
sei
abzustellen (S. 2). Sollte tatsächlich von ei
ner Verbesserung aus psychiatrischer Sicht ausgegangen werden
,
sei der
gut
achterlicherseits
attestierten
30%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
zu fol
gen
, was den Anspruch auf eine halbe Invalidenrente begründe (S. 2 f.).
3.
Die
Rentenzusprache
an die Beschwerdeführerin erfolgte gestützt auf
den Bericht der
B._
betreffend
EFL vom
5. Januar 2011
(
Urk.
6/30
) sowie das psychiatrische Gutachten der Klinik
C._
vom
10. August 2011
(
Urk.
6/36
).
Die
B._
schloss aufgrund der seitens der behandelnden Fachärzte gestellten Diagnosen einer
symmetrischen
Oligoarthritis
unklarer Ätiologie sowie einer ar
teriellen Hypertonie (medizinisch behandelt)
auf eine fehlende Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführer
in
in ihrer angestammten Tätigkeit als
stel
lvertretende Filialleiterin
.
In leidensangepasster Tätigkeit schätzten die Gutachter die Beschwerdeführerin zu sechs Stunden pro Tag arbeitsfähig
ein
(
Urk.
6/30
S. 1,
S. 4).
Im Gutachten der Klinik
C._
(
Urk.
6/36)
wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, differentialdi
a
gnostisch eine
schizoaffektive
Störung, gegenwärtig de
pressiv, festgehalten (
S. 7).
Dr.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, schloss aufgrund des Ausmasses der Einschränkungen auf eine fehlende Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt.
Er führte aus, d
em Leiden ideal angepasste Tätigkeiten stellten
i
m derzeitigen Zu
stand der Beschwerdeführerin allenfalls Tätigkeiten
i
m Rahmen einer geschützten Beschäftigung
dar (
S. 8 f.).
4.
Der Aufhebung der Invalidenrente
mit Verfügung vom 15. Dezember 2016 (
Urk.
2)
lag in medizinischer Hinsicht das
bidisziplinäre
Gutachten
D._
/
E._
vom
29. Februar 2016
(
Urk.
6/94 f.)
zugrunde. Darin
wurden fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten (
Urk.
6
/94 S. 17,
Urk.
6
/95 S. 8
):
-
Remittierte
Oligoarthritis
(
Coxitis
beidseits
) und Polyarthralgien unklarer Ätiologie (Beginn 2008)
-
Chronisches Schmerzsyndrom mit psychischen und somatischen Faktoren
-
Depressive Episode, seit Frühjahr 2015 leichtgradig
Aus rheumatologischer Sicht wurde die Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätig
keit mit 50 % beziffert und als Hausfrau sowie in einer leidensangepassten
, kör
perlich leichten, wechselnd belastenden
Tätigkeit mit 80 %
. Ergänzend
hielt
Dr.
D._
fest
, nur nach dem aktuellen klinischen Bild, ohne Kenntnis der um
fangreichen Vorgeschichte mit einer Vielzahl von Abklärungen und Behandlun
gen, wäre die Beschwerdeführerin für
ihn
voll arbeitsfähig
(
Urk.
6/94 S. 19)
.
Die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
gelte
zumindest seit Februar 2015
(
S. 24
).
Dr.
E._
schloss aus psychiatrischer Sicht darauf, dass bis Frühjahr 2015 eine
etwa
40%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter sowie leidensangepasster Tä
tigkeit vorgelegen habe, seither liege diese unter 20 % (
Urk.
6
/95 S. 17).
Aus interdisziplinärer Sicht
hielten die Gutachter fest
, für die bisherige berufliche Tätigkeit
habe
bis Frühjahr 2015 eine Arbeitsunfähigkeit
von 70 % vorgelegen
. Es werde berücksichtigt, dass sich die psychosomatischen und die somatischen Befunde partiell über
deckten. Seit Frühjahr 2015 lieg
e bei der bisherigen berufli
chen Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % vor. Für eine angepasste beruf
liche Tätigkeit habe die Arbeitsunfähigkeit bis Frühjahr 2015 bei etwa 50 % ge
legen. Seither betrage hier die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 30 % (
Urk.
6
/95 S. 19).
5.
Der Beweiswert des
bidisziplinären
Gutachtens
D._
/
E._
(E. 4.)
wird nicht bestritten. Strittig und damit zu prüfen ist dagegen, ob
im vorliegend massgebli
chen Vergleichszeitraum seit der
Rentenzusprache
mit Verfügung vom 12. Juni 2012 (
Urk.
6/50)
auf eine wesentliche Veränderung des Gesundhe
itszustandes
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG (E. 1.3)
z
u schliessen ist (
Urk.
1 S. 7 f.;
Urk.
9
S. 2
).
Eine solche müsste evident sein, d
a
sich das Gutachten
D._
/
E._
nicht zur Frage der Veränderung äussert (E. 1.4).
In diesem Zusammenh
a
ng
ist
nachfolgend
der psychiatrische Gesundheitszustand einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
5.
1
5.
1
.1
Im
Gutachten der Klinik
C._
vom
10. August 2011 (
Urk.
6/36) wurde die
Di
agnose einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen, dif
ferentialdiagnostisch eine
schizoaffektive
Störung, gegenwärtig depressiv, ge
stellt (S. 7). Dieser Diagnose lag folgender Befund zugrunde
(S. 6)
:
«Die Versicherte erscheint in Begleitung ihres Ehemannes pünktlich zum verein
barten Termin. Der Pflegezustand der Versicherten ist unauffällig. Bei Erstkontakt
nimmt di
e
Versicherte keinerlei Blickkontakt auf, begibt sich mit deutlich ver
langsamten Bewe
g
ungen und schleppendem Gangbild ins Untersuchungszimmer. Frau
X._
sitzt mit ins Leere gerichtetem Blick in ihrem Sessel, knetet ihre Hände, der Mund ist halb geöffnet, der Blick wechselnd ins Leere gerichtet und auf ihre Hände starrend, die die Versiche
r
te unablässig knetet. Die Antworten kommen verzögert, die spontane Sprachproduktion imponiert reduziert. Dabei zeigt sich die Versicherte bewusstseinsklar. Bezü
glich der zeitli
chen Orientierung zeigen sich Auffälligke
iten (Versicherte nennt den 09.
April als Tagesdatum, tat
sächlich ist der 1
2.
Mai). Die situative Orientierung ist auf Nachfrage gegeben. Des Weiteren ist die Explorandin örtlich ausreichend und autopsychisch voll orientiert. Bezüglich Aufmerksamkeit und Gedächtnis zeigen sich Auffassungs
störungen und
eine deu
tlich herabgeminderte Konzentrationsfähigkeit. Der for
male Gedankengang ist verlangsamt, umständlich und eingeengt. Es besteht eine Tendenz zur Perseveration.
Grübelneigung
und teilweise auftretendes Vorbeire
den ist beobachtbar. Inhaltlich bestehen Hinweise auf Zwangsgrübeln und Zwangsimpulse. Des Weiteren sind Hinweise a
uf ein
halluzinatorisches
Gesch
e
hen im Sinne
von
Stimmen hören (
Stimmen sagen «Mutter») sowie Hinweise auf optische und taktile Halluzinationen («da ist etwas auf meiner Hand, da ist ein Buckel, manchmal ist meine Hand als wäre sie nicht mehr da»)
erhebbar
. Mit zunehmender Dauer der Exploration zeigen sich Hinweise auf Ich-Störungen im Sinne einer Wahnstimmung bei
Derealisationserleben
(«es ist sonderbar, ich sehe Schatten»). Im affektiven Bereich besteht eine depressive Grunds
timmung, die Modulationsfähigkei
t ist weitgehend aufgehoben. Die Stimmungslage ist gekenn
zeichnet durch Hoffnungslosigkeit, geminderte Vitalgefühle sowie Insuffizienz
gefühle und Schuldgefühle, die in ihrer Qualit
ät an einen Schuldwahn grenzen (
»ich bin an allem schuld, ich bi
n
schuld, dass ich krank bin»). Die Antriebslage der Explorandin imponiert reduziert, die Psychomotorik deutlich akzentuiert, phasenweise bizarr anmutend. Der Gesamteindruck imponiert inadäquat. Moto
risch Unruhe bei ständigem
k
neten und reiben der Hände und häufigerem Auf
stehen während der Exploration mit anschliessendem Herumlaufen im Untersu
chungszimmer ist beobachtbar. Es bestehen Hinweise auf
Lebensüberdrussgedan
ken
, Hinweise auf akute Suizidalität zeigen sich nicht
»
.
5.
1
.2
Demgegenüber
diagnostizierte
Dr.
E._
in seinem Teilgutachten vom
29. Februar 2016 (
Urk.
6/95)
ein
chronisches Schmerzsyndrom
mit psychischen und somatischen Faktoren sowie
eine
depressive
Episode, seit Frühjahr 2015 leichtgradig (S. 8)
.
Dabei
zeigten sich die
folgenden
psychiatrischen
Befund
e
(S. 6 ff.)
:
«
Erscheinen: Frau
X._
erscheint zur vereinbarten Zeit zum Untersuchungster
min.
Sie wird zuerst rheumatologisch
untersucht, anschliessend findet die psy
chiatrische Untersuchung statt. Die Versicherte wird vom Ehemann mit dem Auto nach Bern gefahren.
Bewusstseinsstörungen: Das Bewusstsein ist weder vermin
dert noch eingeengt. Orientierungsstörungen: Die Orientierung ist in zeitlicher, örtlicher und situativer Hinsicht ungestört. Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisstöru
ngen:
D
ie Versicherte wirkt
phasenweise unkonzentriert und schlapp. Mehrmals ist sie voll konzentriert,
insbesondere
wenn sie argumentiert, warum sie nicht ins Labor gehen kann. Kurz- und Langzeitgedächtnis sind nicht eingeschränkt. Formale Denkstörungen: Das Denken ist weder gehemmt noch umständlich. Inhaltliche Denkstörungen sind nicht feststellbar. Befürchtungen und Zwänge: Ein Zwangsverhalten besteht nicht. Sie äussert keine hypochondri
schen Befürchtungen und wirkt teilweise auf ihre Schmerzen fixiert. Die Schmer
zen schildert sie monoton und unpräzise, was wenig überzeugend wirkt. Wahn: Frau
X._
ist nicht wahnhaft, sie äussert keine Schuldgefühle. Halluzinationen werden verneint. Sinnestäuschungen: Nicht vorhanden. Ich-Störungen: Nicht vorhanden. Störungen der Affektivität: Die Versicherte ist eher mürrisch, es liegt eine gewisse Somnolenz vor, möglicherweise auch ein Desinteresse. Frau
X._
wirkt unfreund
l
ich. Die Stimmungslage ist nicht stark gedrückt. Keine Suizidali
tät. Störungen des Antriebs und der Psychomotorik: Der Antrieb ist nicht ver
mindert, die Psychomotorik ruhig. Zirkadiane Besonderheiten: Nicht vorhanden. Andere Störungen: Schlafstörungen. Äusseres: Schlanke, etwas düster aber ge
pflegt gekleidete Frau. Augenkontakte sind vorhanden, insgesamt altersgemässe Erscheinung. Sie geht hinkend und wird am Schluss der Untersuchung vom Ehe
mann aus der Praxis geführt. Kontaktverhalten: Der affektive Rapport ist etwas erschwert herstellbar, möglicherweise auch wegen der grippalen Erkrankung. Die Versicherte scheint nicht sonderlich motiviert beim Untersuchungsgespräch mit
zumachen. Ihre Angaben machen
einen
demonstrativen Eindruck. Intelligenz: Das Intelligenzniveau wirkt unter Berücksichtigung der schulischen und berufli
chen Bildung sowie des klinischen Eindrucks durchschnittlich
. Sprache, Spre
chen: Frau
X._
spricht fliessend Hochdeutsch und Mundart, sie versteht die schweizerdeutsche Sprache gut. Motivation: Die Versicherte glaubt, nicht arbei
ten zu können. Persönlichkeit: Es liegen keine Symptome einer Persönlichkeits
störung vor (nicht dissozial, nicht emotional instabil). Schmerzanalyse: Frau
X._
kommt von sich aus kaum auf die Schmerzen zu sprechen und wirkt auf diese wenig fixiert. Sie äussert keine hypochondrischen Befürchtungen. Zurzeit sind die Schmerzen nicht quälend. Die Versicherte
aggraviert
in deutlichem Aus
mass. Laboruntersuchung
:
Eine Laboruntersuchung lehnt die Versich
erte ohne nähere Begründung ab»
.
5.
1
.3
Beim Vergleich der beiden
psychiatrischen
Gutachten fällt vorab auf, dass diese sich in diagnostischer Hinsicht unterscheiden: Während
seitens der
Klinik
C._
noch auf eine schwere depressive Symptomatik geschlossen
worden war
,
beur
teilte
Dr.
E._
diese bei seiner Begutachtung
nur noch
als
leichtgradig. Die Diagnosen korrelieren
sodann
jeweils
mit entsprechend
unterschiedlichen
Befun
den
:
So zeigte die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung in der Klinik
C._
insgesamt ein auffälliges Verhalten
hinsichtlich der Kontaktaufnahme
(Blickkontakt)
, der Sprache, dem formale
n Denken sowie der Orientierung.
S
olche Auffälligkeiten
waren
im Rahmen der Begutach
tung durch
Dr.
E._
im We
sentlichen
nicht
mehr
festzustellen
.
Die Konzentrationsfähigkeit war
sodann
2011 noch deutlich herabgemindert.
Dr.
E._
konnte
dagegen
nur noch eine pha
senweise Unkonzentriertheit feststellen.
Weiter
hatten
im Jahre 2011 Hinweise auf Zwangsgrübeln und Zwangsimpulse sowie Halluzinationen
bestanden
.
D
iese waren durch
Dr.
E._
nicht mehr
zu eruieren
. Auch ursprünglich vorhande
ne
Hinweise auf Ich-Störungen
zeigten sich 2016 nicht mehr
. Während schliesslich ursprünglich eine depressive Grundstimmung mit weitgehend aufgehobener Mo
dulationsfähigkeit bestand
en hatte
und die Stimmungslage
durch Hoffnungslo
sigkei
t, geminderte Vitalgefühle sowie Insuffizienz- und Schuldgefühle geprägt
gewesen
war,
bestanden anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
E._
keine Schuldgefühle mehr und
die Stimmun
gslage war nicht stark gedrückt
.
Auch
lag
en
keine
reduzierte Antriebslage sowie
keine
akzentuierte Psychomotorik
mehr vor.
Insgesamt erscheint mit Blick auf das Dargelegte eine erhebliche Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes evident
:
Während ursprünglich mit Blick auf die Befunderhebung
auf
eine schwere depressive Symptomatik zu schliessen war, war diese anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
E._
nur n
och leicht
gradig
ausgeprägt.
5.1.4
An dieser Beurteilung vermögen auch
die Vorbringen
der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 7 f.
,
Urk.
9 S. 2
) nichts zu ändern:
Zwar kritisierte
Dr.
E._
das Gutachten der Klinik
C._
hinsichtlich der Diagnosestellung (
Urk.
6/95
S. 9, S. 11).
Doch liess er ausser Acht,
dass die jeweils erhobenen unterschiedlichen Befunde klar für eine Verbesserung des psychiatrischen Gesundheitszustandes im Zeitraum zwischen der Begutachtung durch die Klinik
C._
und
durch
Dr.
E._
sprechen. Weiter ka
nn
mit Blick auf die objektive Befundlage
o
ffenbleiben, ob die Beschwerdeführerin
selbst
ihren Gesundheitszustand ebenfalls als seit Frühjahr 2015
verbessert bezeichnete.
Die Befundaufnahme durch
Dr.
E._
war
sodann
sehr ausführlich
. Eine Untersuchungsdauer von einer Stunde - wie
im Teilgutachten
angegeben (
Urk.
6/95 S. 2
) - erscheint
insgesamt
plausibel.
Dass nur wenige pathologische Befunde erhoben werden konnten, liegt
offenkundig
am
verbesserten
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. Der geltend ge
machte Zusammenhang zur Untersuchungsdauer ist nicht ersichtlich.
Hierzu bleibt ohnehin festzuhalten,
dass die Untersuchungsdauer bei umfassender Be
funderhebung
– wie vorliegend -
nicht von entscheidender Relevanz ist (Urteil
des Bundesgerichts
8C_47/2016
vom 15. März 2016 E. 3.2.
2.
mit Hinweis
).
Dass
weiter
der behandelnde Psychiater
von einem stationären Verlauf
einer
chronifizierten
rezidivierenden depressiven Störung mittelgradigen bis schweren Ausmasses
ausgeht
(
Urk.
6/108)
,
überzeugt nicht. Seine Einschätzung
vermag die aufgrund der
seitens der Gutachter erhobenen Befunde
offensichtlich eingetrete
nen Veränder
ungen nicht in Frage zu
stellen, da die
gutachterlicherseits
erhobe
nen Befunde nicht bestritten wurden und sich die Angaben des behandelnden Psychiaters in allgemeinen, wenig konkreten Beschreibungen erschöpfen.
Für eine Verbesserung
spricht im Übrigen auch der Vergleich der Behandlungs
frequenzen
(i
m Zeitpunkt der Begutachtung durch die Klinik
C._
befand sich die Beschwerdeführerin noch einmal pro Woche in fachärztl
ich-psychiatrischer Behandlung [
Urk.
6/36 S. 6
]
;
g
egenüber
Dr.
E._
gab sie dagegen an, sich
etwa
alle drei Wochen in psychi
atrische Behandlung zu begeben [
Urk.
6/95 S. 5
]
) und des 2016
im Vergleich zu 2011
deutlich
ausgeprägteren
Aktivitätsniveaus (
zurückgezogen, kaum Aussenkontakte, kaum in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen; neu: selbständiges Einkaufen, spazieren, Kontakte mit Nach
barn, Ferien;
vgl.
Urk.
6/36 S. 5, 6/95 S. 5 f.
)
.
Auf die Angaben des Stadtspitals
G._
im Bericht vom 27. September 2016 (
Schwer depressiv
Urk.
6/106 S. 7 f.)
kann
schliesslich
nicht abgestellt werden,
da
der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin dort nicht
durch Fachärzte
abgeklärt
wurde und
dem Bericht
im Übrigen auch
keine
Befunderhebung zu entnehmen ist
, welche den Schluss auf
eine
relevante depressive Symptomatik
zulassen würde.
5.
2
Die veränderte Befundlage in psychiatrischer Hinsicht
mit daraus folgender un
terschiedlicher Diagnosestellung
stützt
den Schluss auf eine wesentliche Verän
derung
des Gesundheitszustandes
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
(E. 1.3)
.
Of
fen gelassen bleiben kann damit die Frage, ob es auch in somatischer Hinsicht zu einer wesentlichen Veränderung gekommen ist (
Urk.
1 S. 7
,
Urk.
9 S. 2
).
Der In
validitätsgrad
ist
na
c
h
dem Dargelegten
auf der Grundlage eines richtig und voll
ständig festgestellten Sachverhalts neu und ohne Bindung an frühere Invalidi
tätsschätzungen zu ermitteln (
E. 1.3
).
Hierzu
zog
die Beschwerdegegnerin in me
dizinischer Hinsicht zu Recht das beweiswertige
bidisziplinäre
Gutachten
D._
/
E._
vom
29. Februar 2016
heran
(
E. 4.
).
6.
Zu prüfen bleibt, wie sich die Beschwerden
aktuell
auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken
(
Urk.
1 S. 8,
Urk.
9 S. 3)
.
Die Beschwerdegegnerin beurteilte die Beschwerdeführerin in Abweichung
von
der gutachterlichen Beur
teilung
(E. 4.)
als voll arbeitsfähig in angestammter und leidensangepasster Tä
tigkeit
(
Urk.
2 S. 2
)
.
6.1
In diesem Zusammenhang stellt sich
in einem ersten Schritt
die Frage, ob der
seitens
Dr.
E._
attestierte
n
unter 20%ige
n
Einschr
ä
nkung der Arbeitsfähig
keit in angestammter sowie angepasster Tätigkeit gestützt auf die Diagnosen ei
nes chronischen Schmerzsyndroms mit psychischen und somatischen Faktoren sowie einer depressiven Episode, seit Frühjahr 2015 leichtgradig (
E. 4.
)
,
zu folgen ist.
6.
1.
1
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen nor
mativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich ge
forderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatri
schen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2).
Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein
wie vorliegend grundsätzlich beweiskräftiges Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
9C_
1
06/20
1
5 vom
1
. April 20
1
5 E. 6.3
).
6.
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatri
sche Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2;
ferner BGE 143 V 409
E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in ei
nem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funk
tionel
len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls ge
wisser Anpas
sungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärun
gen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Um
fang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheb
lichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidensdruck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
be
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
las
tete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
Die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach dem dargelegten Prüfungsraster erübrigt sich
rechtsprechungsgemäss
, wenn Ausschlussgründe vorliegen, etwa wenn die
Leistungseinschränkung überwiegend auf Aggravation
oder einer ähnlichen Erscheinung beruht, welche die Annahme einer gesundheit
lichen Beeinträchtigung von vornherein
ausschliessen
(BGE 141 V 281 E. 2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.1
).
6.
1.3
Dr.
E._
führte in seinem Teilgutachten (
Urk.
6/95)
im Rahmen der Be
funderhebung z
ur Schmerzanalyse aus, die Besch
werdeführerin komme von sich aus kaum auf die Schmerzen zu sprechen und wirke auf diese wenig fixiert. Sie äuss
ere keine hypochondri
schen Befürchtungen. Zurzeit seien die Sc
hmerzen nicht quälend. Die Besch
werdeführerin
aggraviere
in deutlichem Ausmass (S. 8). I
m Zusammenhang mit der Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde
legte er dar
, die
se
seien anlässlich der aktuellen Untersuchung am 18. Februar 2016 auf psychiatrischem Gebiet leichtgradig. Die Beschwerdeführerin leide sub
jektiv an starken Schmerzen, es dürfte eine psychosomatische Überlagerung im Sinne eines
chronischen Schmerzsyndroms bestehen. Allerdings sei die psycho
somatische Störung nicht ausgeprägt, da die Beschwerdeführerin keine hypo
chondrischen Befürchtungen zeige. Zudem sei zu beobachten, dass sie über quä
lende Schmerzen spreche, ohne emotional zu reagieren. Es lägen also sogenannte Ausschlussgründe vor.
Dr.
D._
habe aus rheumatologischer Sicht eine gewisse Aggravationstendenz beobachten
können (S. 12). Weiter beschrieb
der Gutachter
,
die Besc
h
werdeführerin beklage einen negativen Einfluss auf den Gebieten Haus
haltstätigkeiten, Freizeit und Berufsleben. Psychiatrisch könne dies nicht nach
vollzogen werden (S. 12). Im Zusammenhang mit der Frage nach Ausschluss
gründen führte
er
aus, es lasse sich bei der aktuellen Untersuchung eine Diskre
panz beobachten (Schilderung von quälenden Schmerzen, dabei gefühlsmässig unbeteiligt wirkend; S. 13).
Betreffend die Wechselwirkungen
der Diagnosen hielt er
schliesslich
fest, es liege eine Wechselwirkung zwischen der chronischen Schmerzsituation und krankheitsfremden Faktoren
vor. Die leichtgradige depres
sive Episode führe nicht zu negativen Auswirkungen im Beruf oder im Haushalt (S. 15).
6.1.4
Auch
wenn
Dr.
E._
gewisse Inkonsistenzen in der Beschwerdeschilderung darlegte, nahmen diese nicht ein Ausmass an, dass er auf eine vollständige Ar
beitsfähigkeit schloss. Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von unter 20
%
, was in Ergänzung zur Arbeitsfähigkeit von 20
%
aus organischen Gründen zu einer Gesamtarbeitsunfähigkeit von 30
%
führte. Nach wie vor finden sich bei der Be
schwerdeführerin pathologische Muster. Dies im Rahmen einer psychosomati
schen Überlagerung im Sinne eines chronischen Schmerzsyndroms, auch wenn dieses nicht ausgeprägt ist (
Urk.
6/95/12). Diese wirken sich offenkundig im Zu
sammenspiel mit der organischen Erkrankung aus.
6.1.5
Die Prüfung der einschlägigen Indikatoren ergibt Folgendes:
Die diagnoserelevanten Befunde sind nicht besonders ausgeprägt. In organischer Hinsicht ist die
Oligoarthritis
remittiert, es bestehen noch Polyarthralgien unkla
rer Ätiologie sowie eine
fibromyalgieforme
Panalgie
mit Polyarthralgien ohne erkennbare somatische Ursachen (
Urk.
6/94/17). In psychiatrischer Hinsicht wur
den die Beschwerden als nicht ausgeprägt geschildert, die Untersuchung zeigte nur geringe Auffälligkeiten und der Gutachter erkannte nur eine marginale Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/95/17).
Der Behandlungserfolg ist bei der Beschwerdeführerin ausgewiesen. Die im Vor
dergrund stehende psychische Verfassung hat sich unter Therapie massgeblich gebessert. Die schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen liegt nicht mehr vor, es besteht nur noch eine leichte depressive Episode.
Eine Komorbidität ist gegeben, indessen je mit nur geringer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Als persönliche Ressourcen fällt vorweg die intakte Familienstruktur in Betracht, mit der sie in die Ferien reist; auch mit den Eltern und drei Geschwistern hat sie Kontakte, was sich positiv auswirkt. In der
A._
hatte sie eine Stelle mit Lei
tungsfunktion, was selbstredend ein gewisses intellektuelles Leistungsvermögen voraussetzt. Damit sind gewisse Ressourcen erkennbar.
Der soziale Kontext, in dem sich die Beschwerdeführerin bewegt, erscheint als intakt. Die Ehe verläuft zufriedenstellend, der Ehemann ist voll arbeitstätig, den beiden Kindern geht es gut, sie hat Kontakte zu den Eltern und drei in der Nähe wohnhaften Geschwistern.
Unter dem Gesichtspunkt der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsni
veaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen fällt auf, dass der Tagesablauf der Beschwerdeführerin praktisch unauffällig ist. Sie erledigt die Haushaltarbeiten, was meist gut geht. Sie tätigt Einkäufe, spaziert gerne und pflegt Kontakte zur (erweiterten) Familie sowie Nachbarn. Sodann verreist sie in die Ferien und be
nützt öffentliche Verkehrsmittel. Einschränkungen bestehen aufgrund vom Schmerzen teilweise bei der Haushaltpflege sowie beim Sporttreiben, was ihr nicht möglich ist (
Urk.
6/95/5-6). Damit zeigen sich die Einschränkungen im Frei
zeitverhalten nicht im geltend gemachten Ausmass (vollumfängliche Arbeitsun
fähigkeit).
Zum behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidens
druck ergibt sich, dass sich die Beschwerdeführerin alle drei Wochen in psycho
therapeutische Behandlung begibt (
Urk.
6/95/5). Dies entspricht einer nicht sehr intensiven Frequenz, was jedenfalls nicht auf einen ausgeprägten Leidensdruck schliessen lässt. Gleiches ist aus dem Austrittsbericht der Klinik
H._
vom 2
3.
April 2015 (
Urk.
9/90) zu schliessen, wo sie die stationäre Therapie vorzeitig abbrach und nicht dafür gewonnen werden konnte, die Behandlung weiterzufüh
ren (S. 3).
Zusammenfassend ergibt sich, dass die funktionellen Auswirkungen anhand der Standardindikatoren nicht schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Damit bleibt die (marginale) Einschrän
kung aus psychiatrischer Sicht invalidenversicherungsrechtlich ohne Relevanz.
6.2
In somatischer Hinsicht fällt auf, dass
Dr.
D._
in seinem Teilgutachten aus
führte, die Beschwerdeführerin wäre für ihn nur nach dem aktuellen klinischen Bild, ohne Kenntnis der umfangreichen Vorgeschichte mit einer Vielzahl von Ab
klärungen und Behandlungen, voll arbeitsfähig (E. 4.).
Hierauf stützte sich die Beschwerdegegnerin ab und ging von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit aus (
Urk.
6/112/3-4 und
Urk.
2).
Auch wenn
Dr.
D._
in der rheumatologischen Untersuchung keine Hinweise auf ein entzündliches rheumatisches Geschehen feststellen konnte und das Vor
liegen von Gelenksveränderungen ausschloss (
Urk.
6/94/18), beurteilte er die Ar
beitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gesamthaft doch als lediglich im Umfang von 80
%
gegeben, und dies in einer körperlich leichten, wechselnd belastenden Tätigkeit. In der bisherigen Tätigkeit schloss er auf eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Auf dieses Ergebnis kam er
erklärtermassen
aufgrund der umfangreichen Vorgeschichte mit einer Vielzahl von Abklärungen und Behandlungen (
Urk.
6/94/19), was einem Qualitätsmerkmal der Expertise (Berücksichtigung der
Vorakten
) entspricht. Für eine nicht vollumfängliche Arbeitsfähigkeit spricht auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin wegen der
Oligoarthritis
unter Dauermedikation steht und im September 2016 einen Schub hatte, welcher aller
dings rasch kontrolliert werden konnte. Die Ärzte des Stadtspitals
G._
be
schrieben eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit (
Urk.
6/106/8).
Bei dieser Aktenlage ist auf die plausiblen Angaben des Gutachters abzustellen, wonach die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit im Umfang von 80
%
arbeitsfähig ist.
7.
Die Beschwerdegegnerin ging von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auch in der angestammten Tätigkeit aus und führte demgemäss keinen Einkommens
vergleich durch. Beim vorliegenden Ergebnis einer lediglich 80%igen Arbeitsfä
higkeit in angepasster Tätigkeit ist dies nachzuholen. Angesichts der Umstände, welche kein eindeutiges Resultat erkennen lassen, rechtfertigt sich eine Rückwei
sung in diesem Punkt an die Beschwerdegegnerin.
In diesem Sinn ist die Beschwerde gutzuheissen.
8.
8.1
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
8.2
Der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin ist sodann eine Prozessentschä
digung zuzusprechen, welche unter Berücksichtigung der massgeblichen Kriterien (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht) auf
Fr.
2'200.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzulegen ist.