Decision ID: 3cbe71cc-a3c8-4672-8ba0-1b573c6f5c3c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Rechtsanwalt
Dr.
X._
wandte sich am 1
7.
Juni 2014 brieflich an den Regionalen Ä
rztlichen Dienst Nordostschweiz/
die Sozialversicherungsanstalt des Kant
ons Zürich („RAD Nordostschweiz/
SovaZH
“) mit dem Gesuch um Vorlage der Liste aller Ärztinnen und Ärzte im sogenannten
Gutachterpro
gramm
des RAD (
Urk.
2/2/11/04/01). Ebenfalls am 1
7.
Juni 2014 wandte er sich per Mail
(
info@svazurich.ch
)
an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
(SVA)
und ersuc
hte um Zustellung einer mit der
Y._
abgeschlossenen Vereinbarung samt allenfalls dazuge
hörenden Kommentaren / Handhabungsrichtlinien (
Urk.
2/2/11/05/01).
Nach und nebst verschiedenen anderen Vorkehren (vgl.
Urk.
1 S. 3 f.
Ziff.
II) erhob der Antragsteller am 2
4.
März 2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich (
Urk.
2/1). Dieses verneinte mit Beschluss vom
1.
Oktober 2015 seine Zuständigkeit und überwies die Sache an das hiesige Gericht (
Urk.
1).
2.
Das hiesige Gericht teilt
e
am 2
7.
Oktober 2015 d
en
Verfahrensbeteiligten den am 2
6.
Oktober 2015
erfolgten Eingang des Geschäfts mit (
Urk.
3).
Es folgten weitere Eingaben des Beschwerdeführers am
2.
November 2015 (
Urk.
4) und 1
2.
November 2015 (
Urk.
8), je mit Beilagen (
Urk.
5/1-2,
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Beschwerdeführer verlangt Zugang zu den folgenden bei der oder im
Verant
wortungsbereich
der IV-Stelle liegenden Akten (
Urk.
2/1 S. 8
Ziff.
2.1.1):
(aktuelles) Verzeichnis der e
xternen medizinischen Gutachter/
Gutachterin
nen
Zusammenarbeitsvertrag/
Begutachtungsvertrag mit der
Y._
gemäss Jahresbericht 2013
1.2
Die Liste gemäss (a) ist auf
der Website der SVA publiziert (
Urk.
10). Ausgehend vom Portal
www.svazurich.ch
erscheint sie als erster Treffer bei Eingabe des Begriffs „Gutachterinnen“ im Suchfeld. Alternativ führt der Pfad „Produkte > IV > Regionaler Ärztlicher Dienst > Externe Gutachten“ ebenfalls zur genannten Liste (und weiteren möglicherweise interessierenden Dokumenten).
Bei
dieser Sachlage
dürfte
bezogen auf (a) im heutigen Zeitpunkt
das
Rechts
schutzinteresse
dahingefallen sein
.
1.3
Zu (b) ist darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer im ursprüngli
chen Einsichtsbegehren (Mail vom
1
7.
Juni
2014) auf den Jahresbericht der
Y._
, in der aktuellen Beschwerde
(
Urk.
2/1 S. 8
Ziff.
2.1.1)
hingegen
auf den Jahresbericht der SVA
bezogen hat. Es darf angenommen werden, dass den Verfahrensbeteiligten trotzdem klar ist, welches Dokument gemeint ist.
2.
2.1
Gemäss
Art.
6
Abs.
1 des Bundesgesetzes über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ; SR 152.3
) hat jede Person das Recht,
amt
liche Dokumente einzusehen und von den Behörden Auskünfte über den Inhalt amtlicher Dokumente zu erhalten. Der Begriff der amtlichen Dokumente wird in
Art.
5 BGÖ näher umschrieben.
2.2
Art.
2 BGÖ regelt den Geltungsbereich
des Gesetzes:
Gemäss
Abs.
1 gilt das Gesetz für die Bundesverwaltung (
lit
. a) und für Organi
sa
tionen und Personen des öffentlichen oder privaten Rechts, die nicht der Bundesverwaltung angehören, soweit sie Erlasse oder erstinstanzlich Verfü
gun
gen im Sinn von
Art.
5 des
Bundesgesetz
es
über das Verwaltungsverfahre
n (
VwVG
)
erlassen (
lit
. b), sowie die Parlamentsdienste (
lit
.
c).
Gemäss
Abs.
2 gilt das Gesetz nicht für die schweizerische Nationalbank und die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht.
Gemäss
Abs.
3 kann der Bundesrat weitere Ausnahmen vom Geltungsbereich vorsehen. Die Verordnung
über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeits
verordnung
,
V
BGÖ; SR 152.3
1
)
enthält keine Bestimmungen mit Bezug auf
Art.
2 BGÖ,
mithin keine weiteren Ausnahmen vom Geltungsbereich.
2.3
Im
bundesrätlichen
Entwurf (
BBl
2003 2047 ff.) war
Art.
2
Abs.
2 BGÖ noch anders formuliert: Während
lit
. a inhaltlich dem heutigen
Abs.
2 entsprach, wurden weitere Stellen vom Geltungsbereich des Gesetzes ausgenommen, so in
lit
.
c unter anderem die IV-Stellen.
In der parlamentarischen Beratung
nahm der Nationalrat
auf Antrag der
vorbe
ra
tenden
K
ommission
Art.
2
Abs.
2 BGÖ in der Fassung
an
, die lediglich die
(
in
lit
. a
des Entwurfs
vorgesehene
)
heute geltende Ausnahme enthielt, während
lit
.
b
bis
lit
. d des Entwurfs mit den darin genannten Ausnahmen fal
len gelassen wurden (AB 2004 N 1256 f.).
Im Rahmen der Differenzbereinigung
stimmte der Ständerat der vom Nationalrat beschlossenen
Fassung von
Art.
2
Abs.
2 BGÖ zu
(AB 2004 S 592).
2.4
Die Entstehungsgeschichte macht
somit
deutlich, dass
die Nichterwähnung
(unter anderem)
der
IV-Stellen
bei den
vom Geltungsbereich des Gesetzes aus
genommen
Stellen
ein qualifiziertes Schweigen darstellt, was bedeutet, dass das BGÖ (auch) auf die IV-Stellen Anwendung findet.
2.5
Das Verfahren für den Zugang zu amtlichen Dokumenten ist in Abschnitt 3 des Gesetzes (
Art.
10 ff. BGÖ) geregelt. Es ist in zwei Hauptteile gegliedert, ein Gesuchs- und Schlichtungsverfahren einerseits, und ein Verfügungs- und Beschwerdeverfahren andererseits (Botschaft 03.013 vom 1
2.
Februar 2003,
BBl
2003 1963 ff. 2018
Ziff.
2.3.1).
2.6
Wird einem Zugangsgesuch nicht, nicht vollumfänglich, oder nicht innert Frist entsprochen, ist gemäss
Art.
13
Abs.
2 BGÖ der oder dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten
ein Schlichtungsantrag zu stellen. Dies wurde in der Botschaft (a.a.
0.
2029
Ziff.
2.4.1) wie folgt erläutert:
Dem oder der Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten kommt eine fun
damentale Rolle im Verfahren um Zugang zu amtlichen Dokumenten zu. Als Schlichtungsorgan hat er oder sie die Aufgabe, eine rasche Einigung zwischen der Person, die Zugang zu amtlichen Dokumenten wünscht, und der Behörde, die der Meinung ist, dass sie den Zugang verweigern muss, oder sich weigert, Auskünfte über deren Inhalt zu geben, zu erzielen. Seine oder ihre Rolle ist aber nicht auf jene des Schlichters beschränkt. Er oder sie hat auch die Funk
tion eines Beratungsorgans zu übernehmen, an welches sich Behörden wie auch Privatpersonen wenden können, um Auskünfte über die Modalitäten des Zugangs zu amtlichen Dokumenten unabhängig eines konkreten Falles zu erhalten. Ihm oder ihr kommt zudem auch die Funktion einer Art «
Kompetenz
zentrum
» für Fragen in Zusammenhang mit dem Öffentlichkeitsprinzip zu.
2.7
Mit erfolgreicher Schlichtung gilt das Verfahren als erledigt (
Art.
13
Abs.
3 BGÖ).
Kommt keine Schlichtung zustande, so gibt die oder
der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte
eine Empfehlung ab (
Art.
14 BGÖ). Darauf folgt unter bestimmten Umständen der Erlass einer Verfügung durch die Behörde (vgl.
Art.
15 BGÖ) und ein Beschwerdeverfahren nach den allgemeinen Bestimmungen über die Bundesrechtspflege (
Art.
16
Abs.
1 BGÖ), wobei
das Gesetz bis Ende 2006 die Eidgenössische Datenschutz- und
Öffentlichkeitskom
mission
als Beschwerdeinstanz nannte, von der die Botschaft zum BGÖ im Jahr 2003 in Aussicht stellte, sie werde in das (damals neu zu schaffende) Bundes
verwaltungsgericht integriert (Botschaft a.a.
0.
2018
Fn
. 110).
3.
3.1
Aus der dargelegte
n
Rechtslage ergibt sich, dass
im Zusammenhang mit
Zugangs
begehren
zu amtlichen Dokumenten das BGÖ auch für die IV-Stellen gilt (vorstehend E. 2.4).
Zudem hat d
er Gesetzgeber
das Verfahren gemäss BGÖ
mit Absicht s
o ausge
staltet
, dass für Fragen des Öffentlichkeitsprinzips der oder dem Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten eine Schlüsselrolle zukommt, dies auch im Hinblick auf die Entwicklung eines entsprechenden Kompetenzzentrums (vorste
hend E. 2.6). Da es bei den betreffenden Verfahren regelmässig nicht um Fragen des entsprechenden materiellen Rechtsgebietes geht, sondern um die sich unab
hängig vom materiellen Recht stellenden spezifischen Fragen rund um das Öffentlichkeitsprinzip, darf dies als
eine
ausgesprochen zweckmässig
e Lösung
gelten, was ein (weiteres) starkes Indiz dafür ist, dass sie so vom Gesetzgeber intendiert
worden
ist.
3.2
In Anwendung von
Art.
13 BGÖ hat somit, soweit dem Gesuch (
Art.
10 BGÖ) des Beschwerdeführers nicht entsprochen worden ist, das Schlichtungsverfahren stattzufinden.
Auf die beim hiesigen Gericht eingereichte Beschwerde ist dementsprechend mangels Zuständigkeit nicht einzutreten. Die Sache ist nach Eintritt der Rechts
kraft dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten zur Behandlung als Schlichtungsantrag überweisen.
Das Gericht beschliesst
:
1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
Die Sache wird nach Eintritt der Rechtskraft an den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten überwiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Dr.
X._
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
10
IV-Stelle Kanton Zürich
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich
Regionaler Ärztlicher Dienst Nordostschweiz RAD-NOCH
Kantonales Sozialamt
Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter
,
Feldeggweg
1, CH - 3003 Bern
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, VB.2015.00185, Militärstrasse 36, Post
fach, 8090 Zürich
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.