Decision ID: c441f4f1-0837-4482-8f2f-c93b9dd5f92d
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war seit 1994 beim Hotel B._ als Zimmerfrau angestellt und dadurch bei
der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (Mobiliar) gegen die
Folgen von Unfällen versichert, als sie am 11. Juli 2011 in C._ als Beifahrerin einen
Verkehrsunfall mit einem Personenwagen erlitt, wobei das Fahrzeug von der Strasse
abkam und zuerst mit einem Strommast und dann mit einem Baum kollidierte. Die
Versicherte wurde in C._ hospitalisiert und es wurde ein Gipskorsett angepasst.
Danach wurde sie mit der Rega repatriiert. Vom 27. bis 31. Juli 2011 war die
Versicherte im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) hospitalisiert, wo eine inkomplette
Berstungsfraktur LWK 1 und eine Sternumkontusion nach Autounfall mit Anpassung
eines Gipskorsetts in C._ diagnostiziert wurden (UV-act. 3, 33-34, 60). Das Röntgen
in der Nachkontrolle im KSSG am 1. September 2011 ergab einen Kyphosewinkel LWK
1 von 19° (UV-act. 35). Am 11. Oktober 2011 wurde das Gipskorsett im KSSG entfernt.
Die Versicherte klagte über lumbale Schmerzen sowie partiell auch noch rechtsseitig im
Bereich der Hüfte (UV-act. 36).
A.b Am 5. Dezember 2011 wurde die Versicherte im KSSG aufgrund von MRI
Befunden (nicht abgeheilte, subakute Fraktur) und der klinisch persistenten
Schmerzsituation sowie des konventionell radiologisch bestehenden Kyphosewinkels
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des Wirbelkörpers operiert (Vertebroplastie LWK1 und Schutzvertebroplastie BWK12).
Die postoperative Röntgenkontrolle habe eine regelrechte Zementposition gezeigt. Die
Mobilisation sei im Verlauf problemlos gelungen (UV-act. 39-40; 42-43). Anlässlich der
Nachkontrolle vom 17. Januar 2012 habe die Versicherte nach wie vor über
persistierende Schmerzen im Bereich der Fraktur geklagt. Gemäss den Ärzten rührten
die Schmerzen vermutlich von der Muskulatur her (Bericht des KSSG vom 19. Januar
2012, UV-act. 48-49). Auch in der Nachkontrolle vom 28. Februar 2012 klagte die
Versicherte über persistierende vor allem bewegungsabhängige Beschwerden. Beim
Röntgen hätten sich stationäre ossäre Verhältnisse ohne Nachweis einer Einsinterung
oder sichtbaren Anschlussfraktur im thorakolumbalen Übergang gezeigt (Bericht des
KSSG vom 1. März 2012, UV-act. 72). Am 9. März 2012 wurde im KSSG aufgrund der
persistierenden Beschwerdesymtomatik und um eine mögliche Physiotherapie zur
Kräftigung der Rückenmuskulatur zu optimieren, eine diagnostisch-therapeutische
Facettengelenksinfiltration BWK 11/12, BWK 12/L1, L1/2 beidseits durchgeführt (UV-
act. 73). Gemäss Bericht von Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin, vom 1.
Mai 2012 brachte die Facettengelenksinfiltration keine erhebliche Verbesserung der
Symptomatik (UV-act. 74). Auch anlässlich der Nachkontrolle im KSSG vom 12. Juni
2012 habe die Versicherte weiterhin über immobilisierende Schmerzen geklagt,
wodurch die aktive Teilnahme an einem Arbeits- respektive regulären Tag kaum
möglich sei (UV-act. 80).
A.c Im Bericht vom 28. Januar 2013 führte Dr. med. E._, Facharzt FMH für
orthopädische Chirurgie, Wirbelsäulenzentrum F._, aus, die Versicherte weise eine
muskuläre Insuffizienz nach an und für sich adäquater Behandlung der
Wirbelsäulenfraktur, aber ohne entsprechendes Muskelaufbautraining auf. Sie werde
jetzt in der Physiotherapie vorsichtig ein isometrisches Rumpfmuskeltraining lernen
(UV-act. 102). Im Bericht vom 14. Mai 2013 berichtete Dr. E._ von einem sehr
enttäuschenden langwierigen Verlauf. Nach einem gynäkologisch-chirurgischen Eingriff
vom 8. Mai 2013 sei der Versicherten gesagt worden, sie solle sich drei bis vier
Wochen streng schonen. Dadurch sei sie in ihrer Schonhaltung bestärkt. Obwohl er ihr
gesagt habe, sie solle trotzdem ihre einfachen Rückenmuskelübungen im Liegen
machen, werde sie sehr wahrscheinlich in den vier Wochen nach dem Eingriff
Rückschritte machen (UV-act. 116). Im Bericht vom 3. Juli 2013 hielt Dr. E._ fest,
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dass die Versicherte in den vergangenen zwei Monaten keine Fortschritte gemacht
habe. Es sei nun der Zeitpunkt für eine stationäre Reha gekommen (UV-act. 123).
A.d Vom 21. August 2013 bis 10. September 2013 war die Versicherte in der Klinik
G._ hospitalisiert. Beim Austritt habe die Versicherte keine Veränderung der
Schmerzsymptomatik beschrieben. Aus interdisziplinärer Sicht seien die
Schmerzangaben nicht hinreichend objektivierbar gewesen. Eine Ausweitung der
Leistungsfähigkeit erscheine aus medizinisch-therapeutischen Gesichtspunkten
grundsätzlich weiterhin als realisierbar (UV-act. 140-141).
A.e Im Auftrag der IV-Stelle wurde beim Medizinischen Gutachtenzentrum Region St.
Gallen GmbH (MGSG) ein polydisziplinäres orthopädisch-psychiatrisches Gutachten
mit internistischer Beurteilung sowie eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) an der Orthopädie und Physiotherapie H._ durchgeführt. Im
Gutachten vom 25. Juni 2014 wurde keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden ein
Thorakolumbovertebrales Syndrom bei Status nach Vertebroplastie L1 und
Schutzvertebroplastie Th12 nach inkompletter Berstungsfraktur L1 im Dezember 2011,
eine laterale Bandinstabilität am oberen Sprunggelenk links, eine Präadipositas, leichte
chronische depressive Stimmungsschwankungen (Dysthymie) bei Zustand nach
Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion, bestehend seit etwa Januar
2012, eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen, eine
arterielle Hypertonie, ein Status nach Pulmonalisvenenisolation 2003 wegen
paroxysmaler AV-Tachykardie und ein Status nach LEEP-Konisation und CK-Curettage
wegen persistierendem PAP III 2013 diagnostiziert. Die Arbeitsfähigkeit als Zimmerfrau
betrage gesamthaft bei voller Stundenpräsenz eines normalen Pensums seit April 2012
100%. Im Rahmen der posttraumatischen respektive postoperativen Rehabilitation
habe die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von Juli 2011 bis März 2012 0%
betragen (UV-act. 195-276, insb. 234 f.).
A.f Dr. med. I._, Facharzt für Chirurgie, wurde von der Mobiliar beauftragt, Stellung
zur Frage eines möglichen Integritätsschadens zu nehmen. In der Beurteilung vom 18.
August 2014 führte dieser aus, es müsse von einem 10%igen Integritätsschaden
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ausgegangen werden. Mit weiteren Behandlungsmassnahmen könne der Zustand nicht
mehr namhaft verbessert werden; der Schaden sei definitiv (UV-act. 282-283).
A.g Mit Schreiben vom 22. August 2014 teilte die Mobiliar der Versicherten mit, dass
die Taggeldleistungen und sämtliche Pflegeleistungen und Kostenvergütungen per 30.
Juni 2014 eingestellt würden. Zudem werde basierend auf einem Integritätsschaden
von 10% eine Integritätsentschädigung von Fr. 12‘600.-- geleistet (UV-act. 284-286).
A.h Mit Schreiben vom 3. Oktober 2014 machte die Versicherte unter anderem
geltend, das MGSG-Gutachten sei nicht verwertbar und es sei zusätzlich eine
rheumatologisch/neurologische Begutachtung vorzunehmen (UV-act. 296-300).
A.i In der ärztlichen Beurteilung vom 25. März 2015 hält Dr. I._ fest, dass sich keine
Anhaltspunkte für eine zusätzliche rheumatologische und neurologische Begutachtung
ergeben. Bei der Versicherten sei eine erhebliche Symptomausweitung festgestellt
worden. Im MGSG-Gutachten sei jedoch der organische Kern des 1. Lendenwirbels mit
einem Frakturwinkel von 19° nicht ausreichend berücksichtigt worden. Es könne davon
ausgegangen werden, dass bei einer erhöhten Wirbelsäulenbelastung mit repetitiver
Flexion tatsächlich muskulär bedingte Rückenschmerzen erwartet werden könnten. Die
Versicherte könne aber durchgehend ganztägig mit vollem Rendement Arbeiten durch-
führen, die nicht mit einer Zwangshaltung der Wirbelsäule verbunden seien (UV-act.
313-331, insb. 314).
A.j Mit Verfügung vom 1. April 2015 stellte die Mobiliar die Taggeldleistungen sowie
sämtliche Pflegeleistungen und Kostenvergütungen per 30. Juni 2014 ein. Zudem
wurde ein Invaliditätsgrad von 0% ermittelt und somit ein Rentenanspruch abgelehnt.
Weiter wurde der Versicherten bei einem Integritätsschaden von 10% eine
Integritätsentschädigung von Fr. 12‘600.-- zugesprochen (UV-act. 332-337).
B.
B.a Mit Einsprache vom 7. Mai 2015 beantragte die Versicherte die Aufhebung der
Verfügung und die Ausrichtung eines Taggeldes von mindestens 50% über den 30.
Juni 2014 hinaus. Eventualiter sei ab 1. Juli 2014 eine UVG-Invalidenrente von
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mindestens 50% auszurichten. Subeventuell sei die Verfügung aufzuheben und eine
umfassende polydisziplinäre Begutachtung vorzunehmen (UV-act. 344-348).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 12. Oktober 2015 wies die Mobiliar die Einsprache
ab. Das Resultat der medizinischen Abklärungen zeige, dass die Versicherte in einer
leidensangepassten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei. Das entsprechende
Zumutbarkeitsprofil sei von Dr. I._ definiert worden (UV-act. 366-375).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
18. November 2015. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des
Einspracheentscheids und die Ausrichtung von UVG-Taggeldern in der Höhe von
mindestens 50% über den 30. Juni 2014 hinaus. Eventualiter sei ab 1. Juli 2014 eine
UVG-Invalidenrente von mindestens 50% auszurichten. Subeventuell sei eine
umfassende, polydisziplinäre Begutachtung vorzunehmen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. Februar 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
C.c Mit Replik vom 7. April 2016 hält die Beschwerdeführerin unverändert an ihren
Anträgen fest (act. G 11). Auch die Beschwerdegegnerin erneuert mit Duplik vom 9.
Mai 2016 ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. G 13).

Erwägungen
1.
1.1 Streitig und vorliegend zu prüfen ist die Einstellung der Taggeldleistung und der
Heilbehandlung per 30. Juni 2014 sowie die Ablehnung des Rentenanspruchs durch
die Beschwerdegegnerin. Betreffend die Integritätsentschädigung ist die Verfügung
vom 1. April 2015 unangefochten geblieben und damit rechtskräftig geworden.
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1.2 Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss den
Übergangsbestimmungen werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor
Inkrafttreten der Änderung ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Nachdem vorliegend
die Folgen eines Unfalls aus dem Jahr 2011 zu beurteilen sind, finden die bis 31.
Dezember 2016 gültig gewesenen Bestimmungen Anwendung.
1.3 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Als Unfall gilt nach Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den
Tod zur Folge hat. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person nach einem
Unfall Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie zufolge
Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid
(Art. 8 ATSG), hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der
Unfallversicherer hat jedoch für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu
erbringen, als dieser nicht nur in einem natürlichen, sondern auch in einem adäquaten
Kausalzusammenhang zu einem versicherten Ereignis steht (BGE 119 V 338 E. 1).
1.4 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Gericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweisen).
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2.
2.1 Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung des Sachverhaltes erlaubt.
2.2 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der Verfügung und im Einspracheentscheid
im Wesentlichen auf das MGSG-Gutachten und auf die ärztliche Beurteilung von Dr.
I._.
2.3 Die Beschwerdeführerin erachtet das MGSG-Gutachten als nicht beweistauglich.
Die orthopädische Beurteilung inklusive Übersetzung habe lediglich 55 Minuten
gedauert und das Gutachten habe sich über den extremen Kyphosewinkel
ausgeschwiegen. Zudem werde auf die Ansichten anderer Ärzte verwiesen, welche das
Verbleiben von Schmerzen, welche belastungsabhängig auch anstiegen, grundsätzlich
aber immer vorhanden seien, bestätigen würden. Auch die durchgeführte EFL wird
kritisiert, da die Beschwerdeführerin mit drei Tests von je eineinhalb Stunden am
selben Tag körperlich und mental überfordert worden sei und so auch keine
verlässliche Antwort zur funktionellen Leistungsfähigkeit habe liefern können. Weiter
wird kritisiert, dass im MRI-Bericht vom 14. April 2014, welcher im Gutachten erwähnt
wurde, die stationäre Verlagerung von LWK1 in den Spinalkanal um 6 mm nicht
erwähnt worden sei. Das MGSG-Gutachten leide auch an inneren Widersprüchen, so
werde beispielsweise erklärt, vorgeneigte Haltungen seien zu vermeiden und trotzdem
sei in der angestammten Tätigkeit in der Zimmerreinigung eine volle Arbeitsfähigkeit
bescheinigt worden. Ein weiterer innerer Widerspruch liege beim Untersuchungsbefund
vor, wonach bei der paravertebralen Muskulatur beidseits keine palpablen Myogelosen
festzustellen seien und gleich darunter ausdrücklich von der myogelotisch veränderten
paravertebralen Muskulatur beidseits gesprochen werde. Zusammenfassend sei das
MGSG-Gutachten nicht verwertbar, da es zum Teil in sich widersprüchlich sei,
insbesondere aber unhaltbare Schlussfolgerungen gezogen worden seien (act. G 1, S.
4 f.).
2.3.1 Orthopädisch wurde im MGSG-Gutachten keine Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit gestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein
thorakolumbovertebrales Syndrom bei Status nach Vertebroplastie L1 und
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Schutzvertebroplastie Th12 nach inkompletter Berstungsfraktur L1 12/2011, eine
laterale Bandinstabilität am oberen Sprunggelenk links und eine Präadipositas
diagnostiziert. Nachdem die Schmerzen am BWS/LWS-Übergang und die
demonstrierten pathologischen Untersuchungsbefunde deutlich mit dem nicht sehr
auffälligen MRI-Befund der Wirbelsäule kontrastierten, bestehe spätestens seit April
2012 eine volle Arbeitsfähigkeit als Zimmerfrau. Vorangehend habe die Arbeitsfähigkeit
von Juli 2011 bis März 2012 im Rahmen der posttraumatischen respektive
postoperativen Rehabilitation 0% betragen. Nachdem sämtliche
Behandlungsmassnahmen erfolglos gewesen seien und die Beschwerden nicht hätten
objektiviert werden können, könne kein weiterer Therapievorschlag unterbreitet
werden, ausser einer deutlichen Gewichtsreduktion und Tonisierung der
paravertebralen Muskulatur. Die Prognose sei bei Fixierung auf die Beschwerden und
mangelnder Motivation ungünstig (UV-act. 258, 270). Die durchgeführte Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit habe eine erhebliche Symptomausweitung ergeben.
Infolge von Selbstlimitierung und mässiger Inkonsistenz seien die Resultate der
physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nicht
verwertbar (UV-act. 259). Im polydisziplinären Konsens halten die Gutachter fest, dass,
nachdem die subjektiven Beschwerden und demonstrierten pathologischen objektiven
Befunde nicht nachvollzogen werden könnten, aus den Beschwerden keine
Funktionseinschränkung in der bisherigen Tätigkeit als Zimmerfrau resultiere (UV-act.
235).
2.3.2 Dr. I._ hält in seinem Bericht vom 25. März 2015 fest, dass im MGSG-
Gutachten der organische Kern des Unfallschadens nicht berücksichtigt worden sei.
Eindeutig ergebe sich aus den radiologischen Beurteilungen, dass es zu einer
Impressionsfraktur gekommen sei, die mit einem Frakturwinkel von 19° ausgeheilt sei.
Damit bestehe eine leichte Fehlstellung der Wirbelsäule. Oberhalb von LWK1 sei die
Wirbelsäule frakturbedingt verstärkt nach vorne inkliniert. Damit bestehe zwangsläufig
permanent ein höheres ventrales Drehmoment. Diese pathologische Flexionsneigung
könne nur muskulär kompensiert werden. Die aufgrund der normalerweise
physiologischen doppel-S-förmigen Krümmungen autostatische Ausbalancierung der
Wirbelsäule sei nicht mehr gegeben. Die Rückenmuskulatur werde zwangsläufig stärker
beansprucht. Insofern seien Arbeiten, die mit einer zusätzlichen Flexionskomponente
verbunden seien, kontraproduktiv. Selbstverständlich könne die Wirbelsäule aber
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sporadisch flektiert werden, ohne dass damit muskuläre Beschwerden ausgelöst
würden. Im Stammberuf als Zimmerfrau würden aber permanent ungünstige Arbeiten
anfallen, die mit einem verstärkten ventralen Drehmoment verbunden seien, was vor
allem durch die Rückenmuskulatur kompensiert werden müsse. Es liege ein
Tätigkeitsprofil vor, dass nicht adäquat sei zum organischen Kern. Der orthopädische
Gutachter habe ausschliesslich auf die erhebliche Symptomausweitung abgestellt,
ohne den organischen Kern zu berücksichtigen. Er habe sogar dokumentiert, dass eine
Keilwirbelbildung L1 vorliege, ohne aber den Winkel zu berücksichtigen. Wenn er zum
Schluss komme, dass die Lendenwirbelsäule quasi normal sei, entspreche dies nicht
der Realität. Mit dem Frakturwinkel von 19°, der in seinem Gutachten nirgends erwähnt
werde, ergebe sich zwangsläufig eine Fehlstellung der Wirbelsäule mit verstärkter
Flexionskomponente. Repetitiv beugende Arbeiten, wie sie in der Tätigkeit als
Zimmerfrau wiederholt anfallen würden, seien damit kontraproduktiv. Das heisse, für
die Stammtätigkeit als Zimmerfrau bestehe damit ein inadäquates Belastungsprofil,
sodass die Aussagen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit als Zimmerfrau nicht vollständig
seien, da die Fehlstellung nicht miteinbezogen worden sei. Einerseits bestehe zwar eine
erhebliche Symptomausweitung, andererseits aber auch ein organischer Kern, der trotz
der erheblichen Symptomausweitung gutachterlich hätte berücksichtigt werden
müssen. Zusammenfassend sei im MGSG-Gutachten der organische Kern des 1.
Lendenwirbels mit einem Frakturwinkel von 19° nicht ausreichend berücksichtigt
worden. Dass aufgrund des damit verbundenen erhöhten ventralen Drehmoments die
Rückenmuskulatur verstärkt beansprucht werde, liege auf der Hand. Insofern könne
davon ausgegangen werden, dass bei einer erhöhten Wirbelsäulenbelastung mit
repetitiver Flexion tatsächlich muskulär bedingte Rückenschmerzen erwartet werden
könnten (UV-act. 314-315).
2.3.3 Aufgrund dieser ausführlichen und nachvollziehbaren Kritik von Dr. I._ am
MGSG-Gutachten und insbesondere der offensichtlichen Nichtberücksichtigung des
organischen Kerns des Unfallschadens bestehen doch erhebliche Zweifel an der
Beurteilung durch die MGSG-Gutachter, weshalb nicht auf deren
Arbeitsfähigkeitsschätzung, insbesondere nicht auf die Verneinung von
Einschränkungen bei der angestammten Tätigkeit als Zimmerfrau, abgestellt werden
kann.
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2.4 Weiter wurde von der Beschwerdeführerin das Fehlen einer rheumatologisch/
neurologischen Beurteilung bemängelt. Die entsprechende Untersuchung in der Klinik
G._ vermöge dies nicht zu ersetzen. Eine solche Begutachtung sei unabdingbar, da
die Beschwerdeführerin über elektrisierende Schmerzen klage, wie auch über
schmerzhafte Vorgänge im Bereich der BWS. Ein Thema seien auch immer wieder die
ausstrahlenden Schmerzen in den rechten Fuss, respektive ein Kraftverlust im rechten
Bein, dessen Ursache bis heute nicht klar sei. Die reine Aktenbeurteilung von Dr. I._,
welcher die Notwendigkeit entsprechender rheumatologischer und neurologischer
Beurteilungen verneine, reiche nicht. Insgesamt sei zwingend ein neues
polydisziplinäres Gutachten durchzuführen (act. G 1, S. 6 ff.).
2.4.1 Im Austrittsbericht der Klinik G._ vom 22. September 2013 wird nicht näher
auf rheumatologische und neurologische Untersuchungen eingegangen. Einzig im
Zusatzblatt (UV-act. 139) werden in je einem Absatz der Rheumastatus und der
Neurostatus festgehalten. Die Ärzte halten insgesamt fest, im Rahmen der
Physiotherapie habe initial eine kurzfristige Steigerung der Geh- und Velostrecke
erreicht werden können, die im weiteren Verlauf stagniert habe. Bei der
einzeltherapeutischen Rückenschulung sei ein Heimprogramm für die Rumpfkräftigung
und Beweglichkeit erarbeitet worden. Wiederholte Versuche, die Aktivitäten im
therapeutischen Rahmen weiter zu steigern, hätten nicht erfolgreich durchgeführt
werden können. Da sich die strukturellen Korrelate für die Symptomatik klinisch nicht
vollumfänglich hätten nachvollziehen lassen, seien auch wiederholt Versuche zur
Reduktion der Schmerzmedikation vorgenommen worden, was ebenfalls ergebnislos
verlaufen sei. Bei Austritt habe die Beschwerdeführerin keine Veränderung der
Schmerzsymptomatik beschrieben; aus interdisziplinärer Sicht seien die
Schmerzangaben nicht hinreichend objektivierbar gewesen. Eine Ausweitung der
Leistungsfähigkeit erscheine aus medizinisch-therapeutischen Gesichtspunkten
grundsätzlich weiterhin als realisierbar. Der Austritt erfolge in die gewohnte Umgebung
bei gegenwärtig 100%iger Arbeitsunfähigkeit und der Empfehlung zur Weiterführung
der Physiotherapie im ambulanten Rahmen (UV-act. 139-141).
2.4.2 Dr. I._ hielt in seinem Bericht vom 25. März 2015 diesbezüglich fest, aus
dem Austrittsbericht der Klinik G._ ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin sowohl
rheumatologisch (Rheumastatus) wie auch neurologisch (Neurostatus) abgeklärt
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worden sei. Rheumatologisch habe sich der seit zwei Jahren bestehende Befund einer
schmerzbedingt eingeschränkten Beweglichkeit der BWS und LWS ergeben.
Neurologisch hätten sich keine Auswirkungen der Fraktur auf die Peripherie ergeben.
Das heisse, sowohl die rheumatologischen wie auch die neurologischen
Befunderhebungen seien ohne neuen Hinweise auf weitere unfallbedingte Schäden
durchgeführt worden. Insofern müsse nicht erneut ein interdisziplinäres Gutachten mit
Beizug eines Rheumatologen und Neurologen durchgeführt werden. Dr. I._ kommt
schliesslich zum Schluss, dass eine rheumatologische und/oder neurologische
Begutachtung auch deshalb sinnlos seien, da keine neurologische Klinik vorgelegen
habe (UV-act. 317). Diese Einschätzung ist plausibel. Entgegen der Darstellung der
Beschwerdeführerin (act. G 1, S. 6 f.) fehlt es in den Akten an differenzierten oder
wiederholten präzisen Angaben über Schmerzausstrahlungen in das rechte Bein bzw.
den rechten Fuss. Dr. E._ hatte am 28. Januar 2013 noch explizit festgehalten, dass
keine Ausstrahlung bestehe (UV-act. 102). Bildgebend wurden an der unteren
Wirbelsäule keine Nervenkompressionen oder sonstigen Pathologien sichtbar, die eine
Schmerzausweitung ins Bein erklären könnten. Dr. I._ verneinte im Übrigen
nachvollziehbar, dass solche Bein-/Fussschmerzen in natürlichem
Kausalzusammenhang mit der LWK1-Fraktur stehen könnten, wenn eine Beteiligung
des Myelons ausgeschlossen worden sei (UV-act. 317). Seitens der Klinik G._ waren
auch beim Neurostatus keine Ausstrahlungen erwähnt worden. Bezüglich der von der
Beschwerdeführerin geklagten subjektiven muskulären Erschöpfung nach 15-30
Minuten Gehzeit war nur festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin "in diesem
Zustand" eine Supinationstendenz des rechten Fusses erwähne (UV-act. 139). Weder
daraus noch aus sonstigen allfälligen Schmerzangaben schlossen die Klinikärzte aber
auf weiteren Abklärungsbedarf in neurologischer oder rheumatologischer Hinsicht.
Auch Dr. E._ veranlasste nach Lage der Akten keine diesbezüglichen weiteren
Abklärungen. Konkrete Hinweise auf unvollständige Untersuchungen finden sich damit
nicht. Zusammenfassend erscheint eine weitere rheumatologisch/neurologische
Beurteilung nicht angezeigt.
3.
3.1 Zur Beurteilung von Dr. I._ führt die Beschwerdeführerin aus, dass dieser mit der
Aussage, eine Schmerzkupierung sei das Ziel der Vertebroplastie gewesen, selber
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bestätige, dass eben Schmerzen (sowohl belastungsabhängige wie auch
belastungsunabhängige) zurückbleiben würden. Diese Ansicht habe er auch bei der
Bemessung der Integritätsentschädigung vertreten. Es werde zu wenig in Betracht
gezogen, dass die pathologische Flexionsneigung in der BWS/LWS nur muskulär
kompensiert werden könne, ein normales Rückentraining aber gerade wegen dieser
pathologischen Flexionsneigung und der künstlichen Versteifung schmerzbedingt nicht
möglich sei. Da keine muskuläre Kompensation stattfinden könne, würden benachbarte
Bereiche überbeansprucht, weshalb die erst später manifestierten elektrisierenden
Schmerzen respektive auch die Ausstrahlungen ins rechte Bein ohne weiteres denkbar
seien. Zudem genüge die reine Aktenbeurteilung von Dr. I._ für die Abklärung der
vorliegenden Problematik nicht (act. G 1, S. 7 f.).
3.2 Die Ausführungen von Dr. I._ lassen allerdings nicht darauf schliessen, dass die
Pathologie, konkret der Frakturwinkel bzw. die Kyphose, eine muskuläre Stabilisation
des unteren Rückens derart verhindern könnte, dass auch nicht rückenbelastende
Tätigkeiten nur noch eingeschränkt möglich wären. Dr. I._ sah aufgrund der Kyphose
nur bei beruflich erhöhter Wirbelsäulenbelastung mit repetitiver Flexion unzureichende
muskuläre Voraussetzungen und damit ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von
Rückenschmerzen. Er hielt fest, dass die Wirbelsäule "selbstverständlich" sporadisch
flektiert werden könne, ohne dass damit muskuläre Beschwerden ausgelöst würden
(UV-act. 315). Die Behauptung der Beschwerdeführerin, dass schmerzbedingt kein
Rückentraining möglich sein sollte, ist ferner nicht belegt, finden sich in den Akten
doch nicht nur von den Gutachtern (vgl. etwa UV-act. 226, 258), sondern auch von den
behandelnden Ärzten Empfehlungen zur Verbesserung des Muskulaturaufbaus (etwa
UV-act. 101, 116, 141). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin steht ferner der
Umstand, dass Dr. I._ seine Einschätzung ausschliesslich auf Grundlage der Akten
abgab und die Beschwerdeführerin nicht selbst untersuchte, deren Beweiswert
grundsätzlich nicht entgegen. Die direkte ärztliche Auseinandersetzung mit der zu
begutachtenden Person rückt dann in den Hintergrund, wenn es im Wesentlichen nur
um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts geht und sich
neue Untersuchungen erübrigen; in einem solchen Fall kann auch ein reines
Aktengutachten voll beweiswertig sein. Für die Beweistauglichkeit entscheidend ist
aber, dass genügend Unterlagen von persönlichen Untersuchungen vorliegen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juni 2012, 8C_681/2011 E. 4.1 mit Hinweisen;
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RKUV 1988 Nr. U 56 S. 370 E. 5b). Vorliegend gab Dr. I._ seine Beurteilung in
Kenntnis der Vorakten ab und legte die Anamnese lückenlos dar. Er setzte sich zudem
detailliert mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin sowie auch kritisch mit der
Beurteilung der MGSG-Gutachter auseinander. Dr. I._ legte nachvollziehbar und
überzeugend dar, dass die Beschwerdeführerin durchgehend ganztätig mit vollem
Rendement Arbeiten durchführen könne, die nicht mit einer Zwangshaltung der
Wirbelsäule verbunden sind. Sie könne sporadisch 10 kg tragen. Sinnvoll seien
Arbeiten in Wechselposition. Mit weiteren Behandlungsmassnahmen könne der
Zustand nicht mehr namhaft verbessert werden (vgl. UV-act. 282 und UV-act.
312-331). Insgesamt sind die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht geeignet, die
überzeugende Beurteilung von Dr. I._ in Zweifel zu ziehen (vgl. entsprechend den
Entscheid IV 2015/281 vom 7. September 2018).
3.3 Zusammenfassend ist die Einstellung der Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen
per 30. Juni 2014 nicht zu beanstanden, da gestützt auf die Beurteilung von Dr. I._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von keiner namhaften Verbesserung des
Gesundheitszustandes durch weitere Behandlungsmassnahmen ausgegangen werden
konnte. Hinsichtlich des Einkommensvergleichs (vgl. UV-act. 333 f.) ergibt sich bei
unterdurchschnittlichem Valideneinkommen selbst unter Vornahme einer allfälligen
Parallelisierung und selbst unter Berücksichtigung eines allfälligen Tabellenlohnabzugs
von höchstens 10% kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Damit ist auch die
Abweisung des Rentenanspruchs nicht zu bemängeln.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).