Decision ID: ec98f36c-fbbe-43a0-9180-0ad7ba3afa84
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 6'168'713.35 nebst Zins zu 5% p.a. seit 10. Februar 2010 zu bezahlen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (einschliesslich MwSt) zu Lasten der Beklagten."
Anlässlich der Replik modifiziertes Rechtsbegehren: (act. 18 S. 2)
" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 6'167'566.22 nebst Zins zu 5% p.a. seit 10. Februar 2010 zu bezahlen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (einschliesslich MwSt) zu Lasten der Beklagten."
Inhaltsverzeichnis
A. SACHVERHALTSÜBERSICHT ........................................................................................................................................... 3 a. Parteien und ihre Stellung ........................................................................................................................................... 3 b. Streitgegenstand ......................................................................................................................................................... 3
B. PROZESSVERLAUF ........................................................................................................................................................ 4 C. WESENTLICHE PARTEISTANDPUNKTE............................................................................................................................. 7
1. Formelles..................................................................................................................................................................... 8 1.1. Anwendbares Recht .............................................................................................................................................. 8 1.2. Zuständigkeit ......................................................................................................................................................... 8 1.3. Partieller Klagerückzug.......................................................................................................................................... 9
2. Materielles ................................................................................................................................................................... 9 2.1. Rechtliche Grundlage / Haftungsvoraussetzungen ................................................................................................ 9 2.2. Unbestrittener Sachverhalt .................................................................................................................................. 10 2.3. Geschuldeter Erfolg ............................................................................................................................................. 11
2.3.1. Parteistandpunkte ...................................................................................................................................... 11 2.3.2. Vertragsauslegung ..................................................................................................................................... 14 2.3.3. Fazit ........................................................................................................................................................... 16
2.4. Kausalverlauf ....................................................................................................................................................... 16 2.4.1. Voraussetzungen / Beweismass ................................................................................................................ 16 2.4.2. Parteibehauptungen ................................................................................................................................... 18 2.4.3. Beweisführung und -würdigung .................................................................................................................. 23
2.4.3.1. Beweislastverteilung und zugelassene Beweismittel......................................................................... 23 2.4.3.2. Gutachten von Dr. D._, E._ ............................................................................................... 24 2.4.3.3. Inspection Visit Report von F._ vom 4. März 2010 (act. 3/27) ................................................... 31 2.4.3.4. Report G._ vom 25. März 2010 (act. 3/31) ................................................................................ 32 2.4.3.5. Bericht H._ AG (act. 3/14) ......................................................................................................... 35 2.4.3.6. First Report I._ (act. 3/32) ......................................................................................................... 37 2.4.3.7. Parteigutachten J._ (act. 3/33) .................................................................................................. 38
2.4.4. Gesamtbetrachtung .................................................................................................................................... 42 2.5. Auskunftshaftung ................................................................................................................................................. 45 2.6. Zusammenfassung .............................................................................................................................................. 46
3. Prozesskosten .......................................................................................................................................................... 47 Beschluss und Urteil............................................................................................................................................49
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Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in .... Ihr Zweck besteht in der
Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von Anlagen zur Produktion von Tam-
pons für die Monatshygiene. Die Tamponmaschinen der Klägerin werden weltweit
vertrieben (act. 1 Rz 17).
Bei der Beklagten handelt es sich ebenfalls um eine Aktiengesellschaft mit Sitz in
Zürich. Ihr Zweck besteht im Angebot von Verpackungen aller Art, insbesondere
mit VCI-Produkten zum Schutz vor Korrosion (VCI = volatile corrosion inhibitor;
VpCI [= Vapor phase corrosion inhibitors] ist eine Marke der Herstellerin namens
K._) (act. 11 S. 9; act. 11 Rz 9 und 23).
Auf Bestellung der L._ (L._), einer Kundin der Klägerin, sollten Ende
des Jahres 2009 fünf von der Klägerin spezialangefertigte Tamponmaschinen
nach Australien verschifft werden (act. 1 Rz 19). Entsprechend wurde die Beklag-
te im November 2009 beauftragt, die fünf Tamponmaschinen seetüchtig zu ver-
packen (act. 1 Rz 27). Als Frachtführerin für den Seetransport von Zürich nach
Melbourne wurde die Gesellschaft M._ AG (M._) beauftragt, wobei die-
se gegenüber der Klägerin verpflichtet gewesen ist, eine Transportversicherung
abzuschliessen (act. 1 Rz 21). Diese Transportversicherung wurde sodann von
der M._ namens und in Vertretung der Klägerin bei der N._ Versiche-
rung (Schweiz) AG (N._) abgeschlossen. Hinsichtlich der Versicherungen
verfügte die Klägerin im Übrigen über eine Betriebshaftpflichtversicherung bei der
O._ Versicherung AG (O._), während die Beklagte etwaige Haftungen
aus Betriebsschäden bei der C._ AG (C._) versichert hatte (act. 1 Rz 21
f.).
A. Sachverhaltsübersicht 3 B. Prozessverlauf 4
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C. Wesentliche Parteistandpunkte 7
b. Streitgegenstand
Nach Ankunft der fünf Tamponmaschinen in Australien bzw. bei der Abnehmerin
L._ am 8. bzw. 9. Februar 2010, stellte diese beim Auspacken gravierende
Korrosionsschäden an den Geräten fest, worüber sie die Klägerin am 10. Februar
2010 informierte. Gleichentags leitete die Klägerin die Beanstandung von L._
telefonisch an die Beklagte weiter und orientierte diese über den an den Maschi-
nen eingetretenen Schadensfall (act. 1 Rz 8 ff.). Diese Situation führte zur heute
zu beurteilenden Streitigkeit.
Die vorliegend zu beantwortende Frage dreht sich primär um den von der Kläge-
rin geltend gemachten Mangel an der von der Beklagen geschuldeten Verpa-
ckung. Konkret stellt sich die Frage, ob der von der Klägerin behauptete Mangel
einerseits vorgelegen hat und andererseits ob dieser Mangel überhaupt für den
Korrosionsschaden ursächlich war. Dies ist nachfolgend zu beurteilen.
B. Prozessverlauf
Mit Eingabe vom 6. September 2011 (Datum Poststempel) machte die Klägerin
die vorliegende Klage am hiesigen Gericht anhängig (act. 1). Den mit Verfügung
vom 12. September 2011 vom Gericht geforderten Vorschuss für die Gerichtskos-
ten in der Höhe von CHF 110'000.– bezahlte die Klägerin fristgerecht (Prot. S. 2;
act. 5). Daraufhin wurde der Beklagten mit Verfügung vom 19. September 2011
Frist zur Erstattung der Klageantwort angesetzt (Prot. S. 4), welche mit Eingabe
vom 21. November 2011 fristgerecht dem Gericht überbracht worden ist (act. 11).
Die mit Klageantwort erklärte Streitverkündung der Beklagten an die C._ AG
wurde mit Präsidialverfügung vom 22. November 2011 vorgemerkt; ein Prozess-
beitritt der Streitberufenen unterblieb jedoch (act. 11 Rz 6; Prot. S. 5). Am
23. April 2012 fand sodann eine Vergleichsverhandlung statt, anlässlich welcher
die Parteien dem Gericht gemeinsam beantragten, den Prozess bis zum 23. Mai
2012 zwecks Weiterführung der Vergleichsgespräche informell zu sistieren
(Prot. S. 7). Mit Schreiben vom 23. Mai 2012 teilte die Klägerin dem Gericht mit,
dass die Vergleichsgespräche zu keiner Einigung geführt hätten; sie ersuchte um
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Fortsetzung des Prozesses (act. 15). Entsprechend wurde die Klägerin mit Verfü-
gung vom 24. Mai 2012 aufgefordert, die Replik innert Frist zu erstatten
(Prot. S. 8). Mit Eingabe vom 27. August 2012 kam die Klägerin dieser Aufforde-
rung fristgemäss nach (act. 18). Schliesslich wurde der Beklagten Frist angesetzt,
um ihre Duplik einzureichen (Prot. S. 9). Mit Eingabe vom 7. November 2012 er-
stattete auch diese ihre zweite Rechtsschrift innert Frist (act. 21).
Mit Eingabe vom 21. Dezember 2012 reichte die Klägerin ohne Aufforderung ihre
Stellungnahme zur Duplik ein (act. 25). Diese wurde jedoch mit Verfügung vom
17. Januar 2013 aus dem Recht gewiesen, mit der Begründung, dass die Stel-
lungnahme weitschweifig im Sinne von Art. 132 Abs. 2 ZPO sei und es die Kläge-
rin unterlassen habe, allfällige von ihr angerufene Noven im Einzelnen zu be-
zeichnen und sich zu deren Zulässigkeit zu äussern (Prot. S. 20). Der Klägerin
wurde jedoch die Möglichkeit geboten, zu den einzelnen Dupliknoven innert Frist
kurz Stellung zu nehmen (Prot. S. 17). Hiervon machte die Klägerin Gebrauch
und reichte am 12. Februar 2013 ihre modifizierte Stellungnahme zu den Duplik-
noven erneut ein (act. 34).
Mit Beschluss vom 8. Juli 2013 wurde das beschränkte Beweisverfahren zum
Thema des Kausalzusammenhangs eröffnet. Hierzu wurde insbesondere die Ein-
holung eines gerichtlichen Gutachtens beschlossen (Prot. S. 19). Auf entspre-
chende Aufforderung schlugen die Parteien verschiedene Experten zur Erstattung
des Gutachtens vor, worauf den Parteien mit Verfügung vom 2. September 2013
Frist angesetzt wurde, um gegen die vorgeschlagenen Experten etwaige Einwen-
dungen zu erheben und zu begründen (Prot. S. 21 f. und 23). Nach Einsicht in die
Eingaben der Parteien vom 30. September 2013 (act. 45 und 46) wurde mit Ver-
fügung vom 18. Oktober 2013 Dr. D._ von der Eidgenössischen Materialprü-
fungs- und Forschungsanstalt E._ mit der Erstellung des gerichtlichen Gut-
achtens beauftragt. Hierzu wurde die Klägerin aufgefordert, innert Frist den Bar-
vorschuss für das Gutachten in der Höhe von CHF 10'000.– zu leisten, welcher
Aufforderung die Klägerin fristgerecht nachgekommen ist (act. 54). Mit Verfügung
vom 7. November 2013 wurde den Parteien der Fragekatalog für den Gutachter
zugestellt und die Parteien aufgefordert, sich innert Frist zur Fragestellung zu
äussern und begründete Änderungs- und Ergänzungsanträge zu stellen (Prot.
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S. 27 und act. 56). Mit Eingaben vom 28. November 2013 beantragten die Partei-
en jeweils Ergänzungen bzw. Änderungen des Fragekatalogs (act. 58 und 59).
Diese Eingaben wurden jeweils den Gegenparteien zur Kenntnis- und Stellung-
nahme unter Fristansetzung zugestellt (Prot. S. 28). Diese Stellungnahmen vom
16. Dezember (act. 62 und 63) wurden je der betreffenden Gegenpartei zur
Kenntnis gebracht (Prot. S. 29). Mit Schreiben vom 13. Januar 2014 erkundigte
sich Dr. D._ beim Gericht, ob es möglich sei, ein Referenz-Muster des VCI-
Schaumstoffes zu verlangen und ob es noch weitere Proben von korrodierten Me-
tallbauteilen der betreffenden Maschinen gebe (act. 66). Mit Schreiben vom
30. Januar 2014 teilte der Instruktionsrichter – nachdem in diesem Zusammen-
hang zwischenzeitlich die Parteien kontaktiert wurden (vgl. Prot. S. 30-33) –
Dr. D._ mit, dass das bei den Akten liegende VCI-Schaumstoffmuster
(act. 12/8) von der Beklagten gemäss Rechtsschrift als "Beispiel eines VCI-
Schaumstoffes" zu den Akten gereicht und auch als solches Beispiel zu behan-
deln sei. Das Stoffmuster stamme somit nicht aus dem konkreten Schadensfall.
Den Vorschlag der Beklagten, einen neuen VCI-Schaumstoffstreifen zu den Akten
zu nehmen und zu analysieren, da das Haltbarkeitsdatum des bei den Akten lie-
genden Streifens tendenziell abgelaufen sei, habe die Klägerin abgelehnt. Im
Weiteren wurde gegenüber Dr. D._ festgehalten, dass keine Proben aus den
korrodierten Maschinen mehr vorhanden seien und das Gutachten daher auf
Grund der Akten zu erstellen sei (act. 68).
Mit Verfügung vom 2. April 2014 wurde den Parteien je ein Exemplar des schriftli-
chen Gutachtens von Dr. D._ vom 28. März 2014 (act. 70) zugestellt. Gleich-
zeitig wurde den Parteien Frist angesetzt, um zum Gutachten Stellung zu nehmen
und allenfalls eine Erläuterung des Gutachtens oder Ergänzungsfragen zu bean-
tragen. Während die Beklagte auf eine Stellungnahme verzichtete (act. 74) bean-
tragte die Klägerin, das Gutachten aus dem Recht zu weisen bzw. ein Obergut-
achten einzuholen und zwei Zeugen zu befragen (act. 75). Diese Eingabe wurde
der Beklagten zugestellt, mit der Aufforderung, innert Frist zu den klägerischen
Anträgen Stellung zu nehmen (Prot. S. 36). Diese Stellungnahme reichte die Be-
klagte innert Frist am 12. Juni 2014 ein (act. 80). Da die Klägerin dem Gutachter
mangelnde Sachkunde vorwarf, wurde dem Gutachter mit Verfügung vom 17. Ju-
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ni 2014 Gelegenheit gegeben, sich zum klägerischen Vorwurf zu äussern (Prot.
S. 38). Diese Stellungnahme wurde vom Gutachter am 18. Juni 2014 eingereicht
(act. 85) und sogleich den Parteien zur Kenntnisnahme zugestellt (Prot. S. 39).
Mit Verfügung vom 25. Juni 2014 und unter Hinweis auf Art. 233 ZPO wurden die
Parteien auf die Möglichkeit eines Verzichts auf Durchführung der Hauptverhand-
lung aufmerksam gemacht, mit dem Hinweis, dass bei Stillschweigen Verzicht der
jeweiligen Partei angenommen werde. Mit Eingaben vom 7. Juli 2014 bzw. 8. Juli
2014 erklärten die Parteien ihren Verzicht auf Durchführung einer Hauptverhand-
lung (act. 89 und 90). Mit Verfügung vom 9. Juli 2014 wurde den Parteien Frist zur
Einreichung ihrer Schlussvorträge angesetzt (Prot. S. 40 f.). Mit Eingaben vom
1. bzw. 2. September 2014 erstatteten die Parteien ihre schriftlichen Schlussvor-
träge (act. 93 und 94), welche den jeweiligen Gegenparteien zur Kenntnisnahme
zugestellt wurden (Prot. 42).
Das Verfahren erweist sich als spruchreif. Die Abnahme weiterer Beweismittel er-
übrigt sich, wie nachfolgend zu zeigen sein wird.
C. Wesentliche Parteistandpunkte
Die Klägerin wirft der Beklagten im Wesentlichen vor, bei der Verpackung der fünf
Tamponmaschinen Fehler gemacht zu haben. Konkret macht die Klägerin gel-
tend, dass die Verpackung der Beklagten keinen genügenden Korrosionsschutz
geleistet habe, indem einerseits eine ungenügende Anzahl an VCI-Spendern (al-
so Schaumstoffstreifen, die VCI abgeben) verwendet und andererseits die VCI-
Schutzfolie so befestigt worden sei, dass diese auf der Plexiglashaube der Ma-
schine zum Aufliegen gekommen sei, wodurch das Eindringen des VCI in das
Maschineninnere verunmöglicht worden sei und der vorliegende Korrosionsscha-
den resultierte. Im Übrigen habe die Beklagte die Herstellerrichtlinien missachtet
(act. 1 Rz 150). Eventualiter liege eine Haftung für falsche Auskunft vor, da die
Beklagte auf explizite Nachfrage ein Einsprühen der Maschinen mit VCI-Öl als
nicht notwendig erachtet und die Klägerin entsprechend informiert habe (act. 18
Rz 420).
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Die Beklagte weist demgegenüber sämtliche Vorwürfe von sich. Sie bestreitet, für
den geltend gemachten Schaden haftbar zu sein, da die Allgemeinen Geschäfts-
bedingungen (AGB) der Beklagten anwendbar seien, die einen vorliegend ein-
schlägigen Haftungsausschluss vorsehen würden. Weiter stellt sie sich zusam-
mengefasst auf den Standpunkt, die Verpackung vertragsgemäss, also seetüch-
tig, besorgt zu haben. Selbst bei Gelingen des Beweises der Verwendung einer
kleineren Anzahl VCI-Streifen, als die Beklagte behauptet, sei der Korrosions-
schutz gewährleistet gewesen, so dass die von der Klägerin vorgebrachte Argu-
mentation nicht als für den Schaden ursächlich bezeichnet werden könne.
Schliesslich macht sie geltend, dass die Klägerin darüber hinaus ihrer Prüfoblie-
genheit nicht nachgekommen sei, weshalb das Werk als genehmigt zu betrachten
sei (act. 11 Rz 414 ff.). Eine Haftung für falsche Auskunft bestreitet sie und stellt
sich zusammengefasst auf den Standpunkt, dass die Auskunft in keiner Weise
falsch gewesen sei (act. 21 Rz 291).

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Anwendbares Recht
Am 1. Januar 2011 ist die eidgenössische Zivilprozessordnung (ZPO) in Kraft ge-
treten. Das vorliegende Verfahren wurde im September 2011 rechtshängig ge-
macht, so dass die eidgenössische Zivilprozessordnung entsprechend Anwen-
dung findet.
1.2. Zuständigkeit
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts Zürich ist gestützt
auf Art. 31 ZPO sowie Art. 6 Abs. 1 und 2 ZPO unbestrittenermassen gegeben
(act. 1 Rz 2 ff.).
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1.3. Partieller Klagerückzug
Die Klägerin reduzierte ihre Forderung replicando gemäss Ziffer 1 ihres modifi-
zierten Rechtsbegehrens von CHF 6'168'713.35 auf CHF 6'167'566.22 (act. 18
S. 2). Die Beschränkung des Rechtsbegehrens wird nicht als Klageänderung be-
handelt, sondern kommt einem teilweisen Klagerückzug gleich und ist jederzeit
zulässig (FRANK/STRÄULI/MESSMER, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozess-
ordnung, § 107 Rz 7). Somit ist die Klage im Umfang von CHF 1'147.13 als durch
Rückzug erledigt abzuschreiben.
2. Materielles
2.1. Rechtliche Grundlage / Haftungsvoraussetzungen
Die vorliegende Streitigkeit entspringt aus einem Vertragsverhältnis zwischen den
Parteien, wobei sich die Beklagte zur Herstellung einer "seetüchtigen Verpa-
ckung" für fünf Tamponmaschinen inklusive Korrosionsschutz und die Klägerin im
Gegenzug zur Leistung eines entsprechenden Entgelts verpflichtet hatte. Verein-
bart wurde somit eine körperlich fassbare und durch ein bestimmtes Ergebnis de-
finierte Leistung, also ein Erfolg, und nicht bloss ein sorgfältiges Tätigwerden, so
dass die vorliegend geltend gemachten Ansprüche auf der Grundlage des Werk-
vertragsrechts gemäss Art. 363 ff. OR zu prüfen sind. Auch die Parteien halten
die genannten Bestimmungen für die anwendbare Haftungsgrundlage (act. 1
Rz 209 ff.; act. 11 Rz 312).
Insbesondere sind die von der Klägerin geltend gemachten Ansprüche, wie sie
selber darlegt (act. 1 Rz 197; act. 18 Rz 270 ff.), als Mangelfolgeschäden auf der
Grundlage von Art. 368 OR zu prüfen, denn es handelt sich hierbei nicht um
Schäden am Werk, also der Verpackung, sondern an den verpackten Tampon-
maschinen. Somit hat die Klägerin darzutun, dass an der Verpackung, welche die
Beklagte erstellt hat, ein Mangel bestand, welcher zum vorliegend geltend ge-
machten Korrosionsschaden geführt hat. Insbesondere muss zwischen Ursache
und Schaden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang vorliegen und
ein etwaiger Mangel der Beklagten vorwerfbar sein.
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2.2. Unbestrittener Sachverhalt
Die Parteien sind sich grundsätzlich einig, dass die Parteien aufgrund der Offert-
stellung Nr. ... (act. 3/8) der Beklagten vom 23. November 2009 und der Bestel-
lung Nr. ... (act. 3/9) der Klägerin vom 24. November 2009 vereinbart haben, dass
die Beklagte eine seetüchtige Verpackung für die fünf Maschinen inkl. Korrosi-
onsschutz mit VCI-Folie und -Spendern nach IPPC Standard (International Plant
Protection Convention, act. 21 Fn 70) zu erstellen hatte (act. 1 Rz 35 ff.). Die Par-
teien kamen überein, dass der von der Beklagten vorgeschlagene Korrosions-
schutz mit VCI-Folie und -Spendern grundsätzlich geeignet war, die Maschinen
gegen Korrosion zu schützen, zumal die Parteien nicht zum ersten Mal Maschi-
nen der Klägerin mit dieser Methode verpackt und in der Folge auch spediert ha-
ben (act. 1 Rz 24). Weiter sind sich die Parteien einig, dass die VCI-Folien grund-
sätzlich eine Wirkungstiefe (Abstand zum VCI-Spender, in welchem das VCI noch
Wirkung entfaltet) von 30 cm (act. 1 Rz 77 e contrario, Rz 114 und 219; act. 11
Rz 36) aufweisen, während die Wirkungsweise der Folien je nach örtlicher Ver-
wendung (z.B. Auflage der Folien auf zu schützender Oberfläche) zwischen den
Parteien teilweise strittig ist. Weiter herrscht Einigkeit in der Frage, welches Vo-
lumen ein VCI-Schaumstoff zu schützen vermag. Hierzu wird – unter Hinweis auf
die Empfehlungen der VCI-Herstellerin K._ – festgehalten, dass ein VCI-
Schaumstoffstreifen mit einer Grösse von 0.3m2 ein Volumen von 1m3 zu schüt-
zen vermag (act. 1 Rz 114; act. 11 Rz 57).
Die vorliegend zu klärende Frage ist diejenige nach dem "Warum". Die Parteien
stimmen überein, dass die Schutzschicht, welche durch die VCI-Produkte hätte
gebildet werden sollen, nicht genügend vorhanden gewesen ist, andernfalls es
nicht zu einem Korrosionsschaden, wie dem streitgegenständlichen, gekommen
wäre. Die Parteien sind sich indessen uneinig, welche Ursache zu dieser mangel-
haften Schutzschicht geführt hat.
Der klägerische Vorwurf gegen die Beklagte zielt auf die Anwendung der VCI-
Folien und -Spender. Konkret wirft die Klägerin der Beklagten Anwendungsfehler
in zweierlei Hinsicht vor. Einerseits macht sie geltend, dass die Beklagte eine un-
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genügende Anzahl an VCI-Spendern verwendet habe und andererseits die VCI-
Folie auf der Plexiglashaube der Maschine aufliegend befestigt habe, so dass ein
Eindringen des VCI in das Maschineninnere verunmöglicht worden sei (act. 1
Rz 150). Ferner habe sie mehrfach gegen die Herstellerrichtlinien verstossen
(act. 1 Rz 76).
Im Zentrum der klägerischen Argumentation steht der Vorwurf an die Beklagte,
sie habe zu wenige VCI-Streifen in die Verpackung eingebaut, namentlich nur de-
ren vier, während nach Ansicht der Klägerin mindestens acht solche Streifen not-
wendig gewesen wären. Dies wird von der Beklagten bestritten. Sie behauptet
vielmehr, dass sie 7 VCI-Streifen eingebaut habe und dies in Relation zum zu
schützenden Volumen auch ausreichend gewesen sei. Die Beklagte vermutet
vielmehr eine andere Ursache für den Korrosionsschaden, wie zum Beispiel eine
Verschmutzung oder die Anwesenheit von Chloriden, welche die Wirkungsweise
der VCI-Produkte teilweise verhindert hätten.
Wie erwähnt, hat zwischen dem behaupteten Mangel und dem konkret eingetre-
tenen Schaden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang vorzuliegen,
was von der Klägerin zu beweisen ist (mehr dazu nachfolgend). Ohne an dieser
Stelle auf die Frage einzugehen, wie viele VCI-Streifen in die Container hätten
eingebaut werden müssen bzw. tatsächlich eingebaut worden sind, ist nachfol-
gend – neben der Frage des vertraglich geschuldeten Erfolgs – zunächst auf die
Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs einzugehen, wobei dieser unter
Berücksichtigung beider Standpunkte zu beurteilen ist (4 oder 7 VCI-Streifen).
2.3. Geschuldeter Erfolg
2.3.1. Parteistandpunkte
Der Werkmangel, der die Mängelhaftung des Unternehmers begründet, besteht in
einer Abweichung des Werkes vom Vertrag. Mit anderen Worten fehlt jedem
Werk, das mangelhaft ist, eine Eigenschaft, die es nach dem Vertrag hätte haben
sollen (PETER GAUCH, Der Werkvertrag, 5. Aufl., Rz 1355 f.).
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Die Klägerin behauptet die mangelhafte Vertragserfüllung der Beklagten und führt
zunächst aus, dass die Verpackung der Beklagten nicht den vertraglichen Vorga-
ben einer "seetüchtigen" Verpackung für die Reise nach Australien entsprochen
habe (act. 1 Rz 35 ff. und 78). Eine "seetüchtige" Verpackung beinhalte den
Schutz gegen Spritzwasser, weshalb die Verpackung der Beklagten als mangel-
haft zu bezeichnen sei (act. 1 Rz 78). Replicando geht die Klägerin sodann einen
Schritt weiter und spricht verschiedentlich von einer Zusicherung, welche die Be-
klagte abgegeben habe (act. 18 Rz 54 ff.). So behauptet sie, dass sich die Be-
klagte anlässlich der Besprechung vom 25. Februar 2010 dazu bekannt habe, die
Maschinen so zu verpacken, dass sie in Melbourne in demselben Zustand hätten
ausgepackt werden können, wie sie bei der Klägerin in ... abgeholt worden seien
(act. 18 Rz 54). Die Klägerin habe schliesslich mit Erstaunen zu Kenntnis ge-
nommen, dass die Beklagte keine eigenständige Garantie habe übernehmen wol-
len, so die Beklagte in der Klageantwort (act. 18 Rz 55). Der vorliegend geschul-
dete Erfolg des Werkvertrags bestehe unter anderem im zugesicherten Schutz
vor Korrosion (act. 18 Rz 59). Darüber hinaus habe die Zusicherung der Beklag-
ten, für eine Verpackung besorgt zu sein, die es erlaube, dass die Maschinen in
demselben Zustand ankommen, wie sie bei der Klägerin abgeholt wurden, den bis
anhin zwischen den Parteien geschlossenen Vereinbarungen entsprochen
(act. 18 Rz 67). Die Beklagte habe versichert, dass der von ihr zu erstellende Kor-
rosionsschutz ausreiche, um einen Korrosionsbefall der Maschinen auf der See-
reise nach Australien wirksam zu verhindern und dass weitere Massnahmen nicht
notwendig seien (act. 18 Rz 72). Schliesslich behauptet die Klägerin, dass die
Beklagte – hätte sie einen Korrosionsschutz nicht zusichern wollen – auf den er-
teilten Ratschlag hinsichtlich des Einsprühens der Maschinen mit Korrosions-
schutz-Öl hätte zurückkommen und der Klägerin mitteilen müssen, dass keine
Zusicherung des Korrosionsschutzes bestehe. Dies habe die Beklagte jedoch
nicht getan (act. 18 Rz 78). Die einzige Bedingung der Klägerin sei jedenfalls der
tadellose Zustand der Maschinen bei ihrer Ankunft in Melbourne gewesen (act. 18
Rz 79). Schliesslich weist die Klägerin auf ihre Besprechung mit der Beklagten
vom 25. Februar 2010 hin, anlässlich welcher ausdrücklich und vorbehaltlos fest-
gehalten worden sei, dass sich die Parteien einig seien, "dass es in der Verant-
wortung der B._ lag und liegt, dass das zu transportierende Gut so verpackt
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wurde, dass es in Melbourne in demselben Zustand ausgepackt werden kann, wie
es in ... abgeholt wurde" (act. 18 Rz 81).
Die Beklagte hingegen bestreitet das Vorliegen einer Zusicherung. Sie führt aus,
dass zwischen den Parteien eine "seetüchtige Verpackung für die 5 Anlagen, inkl.
mit Korrosionsschutz mit VpCI-Folie und -Spendern" vereinbart worden sei
(act. 11 Rz 341). Sie stellt duplicando klar, dass sie dabei nicht auch die Pflicht
übernommen habe, zu garantieren, dass die verpackten Maschinen tatsächlich
ohne Korrosion an ihrem Bestimmungsort in Australien hätten ankommen sollen
(act. 21 Rz 11). Das geschuldete Werk habe in der Verpackung bestanden. Diese
habe seetüchtig und mit einem Korrosionsschutz versehen sein müssen (act. 21
Rz 12). Der Erfolg habe dabei gerade nicht darin bestanden, dass der Werkge-
genstand unversehrt bleibe, sondern dass die Verpackung sorgfältig und gemäss
den vertraglichen Pflichten erstellt werde (act. 21 Rz 13). Das Werk, also vorlie-
gend die Verpackung, sei einzig so zu erstellen gewesen, wie es üblicherweise
erwartet werden durfte und musste und habe für den Gebrauch tauglich sein
müssen (act. 21 Rz 75). Die Verpackung habe gemäss Vertrag seetüchtig und mit
Korrosionsschutz versehen sein müssen (act. 21 Rz 76). Raum für vorausgesetz-
te Eigenschaften bestehe mithin nicht, auch eine Vertragsergänzung sei nicht nö-
tig (act. 21 Rz 76). Die Klägerin habe – so die Beklagte weiter – implizit verlangt,
dass der betreffende beklagtische Mitarbeiter die Aussagen im Besprechungspro-
tokoll dahingehend hätte relativieren müssen, als dass die Verpackungen nur
dann in demselben Zustand in Australien ankommen würden, wenn einerseits die
Maschinen im gleichen Zustand wie bis anhin der Beklagten übergeben worden
seien und andererseits keine ausserordentliche resp. unübliche Vorkommnisse
während der Seereise aufgetreten seien, was lebensfremd sei (act. 21 Rz 91). Ei-
ne solche Aussage sei überdies erst nach Vertragsschluss gemacht worden und
müsste daher als nachträgliche, einseitig erklärte Zusicherung oder Garantie qua-
lifiziert werden, was die Beklagte bestreitet. Die Abgabe einer solchen Erklärung
durch P._ oder Q._ sei schon deshalb nicht möglich, da beide nicht über
eine Einzelzeichnungsberechtigung verfügten (act. 21 Rz 92). Der Arbeitserfolg
bestehe vorliegend nur im sorgfältigen und richtigen Verpacken des Transport-
guts. Dieser sei geschuldet und der Erfolg sei insofern auch eingetreten (act. 21
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Rz 93). Eine Zusicherung, wie sie die Klägerin verstanden haben wolle, sei auch
deswegen nicht abgegeben worden, weil die Beklagte Umstände der Seereise
sowie den Zustand des Transportgutes nicht habe beeinflussen können (act. 21
Rz 97).
2.3.2. Vertragsauslegung
Von zentraler Bedeutung sind vorliegend die vereinbarten Eigenschaften, die das
Werk hätte aufweisen müssen bzw. aufgewiesen hat und worüber sich die Partei-
en streiten. Fehlt dem Werk eine vereinbarte Eigenschaft, so ist es mangelhaft.
Ob und welche Werkeigenschaften aber durch eine entsprechende Abrede ver-
einbart worden sind, ist im Einzelfall durch Vertragsauslegung zu ermitteln, die
auch stillschweigend vereinbarte Willensinhalte festzustellen hat (Urteil des Bun-
desgerichts 4C.130/2006 vom 8. Mai 2007 E. 3.1).
Die Klägerin geht soweit, dass sie behauptet, die Beklagte habe eine (qualifizier-
te) Garantie bzw. Zusicherung derart abgegeben, dass die fünf Tamponmaschi-
nen korrosionsfrei – also im selben Zustand wie bei der Versendung in ... – hätten
ankommen sollen. Die Beklagte hingegen verneint eine solche Zusicherung und
stellt sich auf den Standpunkt, lediglich eine "seetüchtige Verpackung mit Korro-
sionsschutz" vereinbart zu haben, wobei sie nicht dafür garantiert habe, dass die
Maschinen auch korrosionsfrei in Melbourne ankommen würden.
Eine Zusicherung, wie sie die Klägerin mit der Beklagten vereinbart haben will,
besteht somit in der Zusage einer bestimmten Werkeigenschaft und der Haf-
tungsübernahme im Fall des Fehlens der zugesicherten Eigenschaft (GAUCH,
a.a.O., Rz 1382). Die kausale Haftung für Mangelfolgeschäden darf jedoch nur
mit Zurückhaltung angenommen werden; sie setzt eine eindeutige Abrede voraus
und ist im Zweifel zu verneinen (ZK-JÄGGI/GAUCH, Art. 18 N 447 f.). Versteht der
Besteller die Zusicherung anders, als der Unternehmer sie tatsächlich meint, so
beurteilt sich ihr Sinn nach dem Vertrauensprinzip (BGE 104 II 267).
Die Klägerin stützt ihre Behauptungen zunächst auf die Offerte der Beklagten vom
23. November 2009 (act. 3/8) sowie ihre Bestellung ... vom 24. November 2009
(act. 3/9). Damit wurde zwischen den Parteien die Erstellung einer "seetüchtigen
- 15 -
Verpackung für die 5 Anlagen, inkl. Korrosionsschutz mit VpCI-Folie und -
Spendern, IPPC Standard, wägen, markieren" vereinbart. Ferner zieht die Kläge-
rin auch das Besprechungsprotokoll vom 25. Februar 2010 (act. 3/5) heran, in
welchem nochmals festgehalten wurde, dass ein Vertrag "für eine professionelle
Herstellung einer seetüchtigen Verpackung mit Korrosionsschutz dieser 5 Ma-
schinen [...]" abgeschlossen worden ist und sich die Parteien einig darüber wa-
ren, "dass es in der Verantwortung von B._ lag und liegt, dass das zu trans-
portierende Gut so verpackt wurde, dass es in Melbourne in demselben Zustand
ausgepackt werden kann, wie es in ... abgeholt wurde".
Nach dem Vertrauensprinzip sind Willenserklärungen so auszulegen, wie sie vom
Empfänger in guten Treuen verstanden werden durften und mussten (BGE 128 III
422; 129 III 122; 130 III 424). Für die Feststellung dieses Sinnes hat sich der Aus-
legende in die Lage des Empfängers zu versetzen; er hat zu ermitteln, wie der
Empfänger – im damaligen Zeitpunkt und unter Würdigung aller ihm erkennbaren
Umstände – das Erklärungsverhalten in guten Treuen verstehen durfte und muss-
te (Urteil des Bundesgerichts 4A_437/2007 vom 5. Februar 2008 E. 2.4.1). Dem-
nach ist es klar, dass die Offerte nur – aber immerhin – eine Verpackung inklusive
Korrosionsschutz mit VCI-Folien und -Spendern nach IPPC Standard umfasste,
also eine Verpackung, die vor Korrosion schützt. Ein anderer Erklärungsinhalt wä-
re dann zu erblicken, wenn die Beklagte eine korrosionsfreie Ankunft bzw. eine
Verpackung, die eine korrosionsfreie Ankunft gewährleisten würde, offeriert bzw.
zugesichert hätte. Hiervon kann vorliegend jedoch keine Rede sein. Auch das Be-
sprechungsprotokoll der Sitzung vom 25. Februar 2010 lässt keinen Rückschluss
zu, der dem klägerischen Verständnis entsprechen würde. Anlässlich dieser Sit-
zung wurde lediglich übereinstimmend festgehalten, dass es in der Verantwortung
der Beklagten lag, dass die Maschinen in Melbourne in demselben Zustand aus-
gepackt werden kann, wie sie in ... abgeholt wurden. Mit anderen Worten war die
Beklagte dafür verantwortlich, die Verpackung mit einem Korrosionsschutz zu
versehen, der eine Korrosion, wie sie auf dem Seeweg nach Australien eintreten
können und dem üblichen Lauf der Dinge entsprechen würde, verhindert. Darin
kann jedoch keine weitergehende Zugabe gesehen werden, dass die Beklagte mit
dieser Aussage etwa eine absolute Garantie für eine korrosionsfreie Ankunft
- 16 -
übernommen hätte. Wie erwähnt ist es ein Unterschied, ob ein genügender Kor-
rosionsschutz gewährleistet oder aber eine Garantie der korrosionsfreien Ankunft
übernommen wird. Hätte die Beklagte eine korrosionsfreie Ankunft garantiert, wä-
re damit eine Haftung für sämtliche Dritteinflüsse einher gegangen. Dies kann
nicht im Sinne der beklagtischen Vertragsverhandlungen gewesen sein. Auch
sind keine weiteren Umstände ersichtlich, die ein entsprechendes Verständnis der
Klägerin rechtfertigen könnten.
2.3.3. Fazit
In Anbetracht dieser vertraglichen Grundlage und vor dem Hintergrund, dass eine
(qualifizierte) Zusicherung ohnehin nur zurückhaltend anzunehmen ist, rechtfertigt
es sich vorliegend, eine Zusicherung der Beklagten – wie sie von der Klägerin gel-
tend gemacht wird – zu verneinen. Geschuldet war demgegenüber aber eine see-
tüchtige Verpackung der fünf Tamponmaschinen mit VCI-Folien und -Spendern
nach IPPC Standard, jedoch keine korrosionsfreie Ankunft in Melbourne.
2.4. Kausalverlauf
2.4.1. Voraussetzungen / Beweismass
Ohne an dieser Stelle die Frage der tatsächlich verwendeten Anzahl VCI-Streifen
abschliessend zu beurteilen, ist zunächst auf den Kausalzusammenhang einzu-
gehen. Die Klägerin macht vorliegend eine Schadenersatzpflicht der Beklagten
nach Art. 368 Abs. 1 und 2 OR geltend, also einen Mangelfolgeschaden (act. 1
Rz 231). Zwischen der von der Klägerin behaupteten Vertragsverletzung und dem
bei ihr behaupteten Schaden muss demnach ein natürlicher und adäquater Kau-
salzusammenhang bestehen. Nach Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht an-
ders bestimmt, jene Partei das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu
beweisen, die aus ihr Rechte ableitet. Entsprechend obliegt der Klägerin im vor-
liegenden Fall der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs. Die Überprü-
fung der Adäquanz ist hingegen eine Rechtsfrage (GAUCH/SCHLUEP
/EMMENEGGER, a.a.O., Bd II, Rz 2959).
- 17 -
Der natürliche Kausalzusammenhang ist dann zu bejahen, wenn die behauptete
Ursache nicht weggedacht werden kann, ohne dass der konkret eingetretene
Schaden entfallen würde (conditio sine qua non, GAUCH/SCHLUEP/EMMENEGGER,
a.a.O., 296, m.w.H.). Vorliegend wird von der Klägerin behauptet, dass der vor-
handene und durch die Beklagte erstellte Korrosionsschutz nur 4 VCI-Streifen
enthalten habe und daher ungenügend gewesen sei. Entsprechend hiesse die
Formel auf den vorliegenden Fall angewendet, dass wenn ein Korrosionsschutz,
wie von der Klägerin geltend gemacht, mit mindestens 8 VCI-Streifen, vorhanden
gewesen wäre, der vorliegend eingetretene Schaden hätte entfallen müssen. Es
ist somit ein hypothetischer Kausalverlauf zu beweisen.
Hinsichtlich des Beweismasses stellen sich beide Parteien übereinstimmend und
zu Recht auf den Standpunkt, dass beim Nachweis des natürlichen Kausalzu-
sammenhangs entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorliegend
nicht zugemutet werden kann, einen strikten Beweis zu verlangen. Im Schadener-
satzprozess braucht der natürliche Kausalzusammenhang – wenn er nicht durch
strikten Beweis belegt werden kann – nur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
dargelegt zu werden (BGE 132 III 715 S. 720; ROGER GRONER, Beweisrecht –
Beweise und Beweisverfahren im Zivil- und Strafrecht, S. 186). Die Beweiserleich-
terung setzt demnach eine gewisse Beweisnot voraus. Diese Voraussetzung ist
erfüllt, wenn ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich oder nicht
zumutbar ist, insbesondere wenn die von der beweisbelasteten Partei behaupte-
ten Tatsachen nur mittelbar durch Indizien bewiesen werden können (BGE 130 III
321 S. 324). Zwar kann eine Beweisnot, die durch das Verpassen der Beweissi-
cherung begründet ist, nicht dazu führen, dass die beweispflichtige Partei in den
Genuss einer Lockerung des Beweismasses kommt. Vorliegend ist jedoch zu-
gunsten der klagenden Partei festzuhalten, dass sie insofern eine gewisse Be-
weisnot erfährt, als für die Erbringung des strikten Beweises die konkreten Um-
stände der Seereise und die Verpackung erneut nachgestellt werden müssten,
was für die Parteien – nur schon aus finanziellen Gründen – unzumutbar wäre.
Entsprechend rechtfertigt es sich, vorliegend das Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit anzuwenden. Also würde vorliegend der Beweis, dass eine
etwaige Verwendung von nur 4 VCI-Streifen bzw. deren falsche Platzierung für
- 18 -
den Rostbefall verantwortlich gewesen sei, als erbracht gelten, wenn für die Rich-
tigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige
Gründe sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht
massgeblich in Betracht fallen (BGE 130 III 321 S. 325). Mit anderen Worten kann
die Gegenpartei im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, wel-
che die Glaubwürdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an
der von ihm geschilderten Variante erwecken. Gelingt der Gegenpartei dieser
Gegenbeweis, würde der Hauptbeweis als gescheitert gelten, womit es sein Be-
wenden hätte (BGE 130 III 321 E. 3.4).
2.4.2. Parteibehauptungen
Losgelöst von der Frage, wie viele VCI-Spender grundsätzlich und theoretisch
notwendig gewesen wären, stellt sich die Klägerin auf den Standpunkt, dass die
Beklagte lediglich 4 anstatt 8 VCI-Spender jeweils im Inneren einer Maschine
verwendet habe (act. 1 Rz 152). Dabei habe man vor Ort festgestellt, dass sich
zwei im oberen Maschinenraum und weitere zwei auf der VCI-Folie unter der Ma-
schine befunden hätten (act. 1 Rz 152). Selbst wenn man der beklagtischen Ar-
gumentation folgen würde – so die Klägerin weiter – seien zu wenig Spender,
nämlich nur deren 6 wirksame eingebaut worden, denn der angeblich siebte
Spender sei ausserhalb des zu schützenden Volumens platziert worden (act. 1
Rz 162). Die Klägerin macht weiter geltend, dass die von ihr aufgefundenen 4
Spender pro Maschine den falschen Berechnungen entsprechen würden, die Herr
P._ von der Beklagten anlässlich einer Besprechung vom 14. Juni 2010 ge-
genüber den Vertretern der Klägerin angestellt habe (act. 1 Rz 163). Richtiger-
weise weist die Klägerin darauf hin, dass danach zu fragen ist, ob der gleiche
Schaden auch dann eingetreten wäre, wenn die Beklagte die von der Klägerin als
notwendig behauptete Anzahl VCI-Spender richtig berechnet, tatsächlich einge-
setzt und richtig platziert hätte (act. 1 Rz 240 f.). Die Klägerin stützt sich hierzu auf
die verschiedenen, von beiden Parteien eingereichten Expertisen, die zum
Schluss gekommen seien, dass – so die klägerische Behauptung – der Schaden
an den Maschinen durch Kondensation entstanden sei. Bei richtiger Verwendung
der VCI-Streifen – also bei Verwendung einer ausreichenden Anzahl Spender –
hätte die VCI-Methode durch freiwerdende VCI-Dämpfe die zur Korrosion führen-
- 19 -
den elektrochemischen Prozesse unterbunden, womit die Korrosionsschäden
entsprechend hätten vermieden werden können (act. 1 Rz 241). Externe Einwir-
kungen seien von den Experten nicht als ursächlich bezeichnet worden (act. 1
Rz 242).
Diese Behauptungen und Argumentationen werden von der Beklagten bestritten
(act. 11 Rz 65 und 81 ff.). Die Beklagte habe in der Tat sieben VCI-Schaumstoffe
pro Maschine verwendet. Sie weist dabei auf die Tatsache hin, dass die zuständi-
gen Mitarbeiter der Beklagten auf dem Formular "Arbeitsauftrag" jeweils hand-
schriftlich eine Liste all derjenigen Materialien erstellten, die sie für eine Verpa-
ckung verwendeten (act. 11 Rz 66). Unter Hinweis auf die Arbeitsaufträge macht
die Beklagte geltend, dass unter dem Stichwort "Material" "VCI-137-Schaumstoff-
Spender, 1370x220mm 7 STK" festgehalten worden sei (act. 11 Rz 70). Hinsicht-
lich des Kausalzusammenhangs stellt sich die Beklagte auf den Standpunkt, dass
selbst bei Verwendung von weniger als der von ihr behaupteten 7 VCI-Streifen ein
ausreichender Korrosionsschutz vorhanden gewesen wäre. Sie geht dabei soweit,
dass sie behauptet, dass selbst mit den von der Klägerin behaupteten 4 verwen-
deten VCI-Streifen ein Korrosionsschutz von 58% vorhanden gewesen und immer
noch ausreichend gewesen wäre (act. 11 Rz 118). Entsprechend bestreitet die
Beklagte den Kausalzusammenhang zwischen der von der Klägerin behaupteten
Ursache, nämlich die Verwendung von lediglich 4 VCI-Streifen, und dem eingetre-
tenen Korrosionsschaden.
Die Beklagte stützt ihre Behauptungen zunächst auf den 1. R._ Bericht (An-
hang zum 1. J._ Bericht [act. 3/33]), wonach weitere Analysen von R._
durchgeführt und im 2. R._ Bericht festgehalten worden seien (act. 11
Rz 109). Für die Analyse habe R._ drei Proben von Stahlteilen und zwei Öl-
proben aus den Maschinen genommen, welche der Experte J._ bestimmt
und die Klägerin ihm ausgehändigt habe (act. 11 Rz 110). Die Proben seien so-
dann einerseits einer VCI-Menge ausgesetzt worden, die 37% der von K._
vorgeschriebenen Menge entspreche (act. 11 Rz 111). Andererseits seien die
Proben einer 100%igen Konzentration an VCI ausgesetzt worden, also derjenigen
Menge, die gemäss den K._/... Empfehlungen und nach Ansicht der Klägerin
für den Korrosionsschutz ausreichend hätte sein müssen (act. 11 Rz 112). Die
- 20 -
Rahmenbedingungen seien dabei mit einer Luftfeuchtigkeit von 75% und einer
Temperatur von 23 bis 25°C vergleichbar zu denjenigen der Seereise von Ant-
werpen nach Melbourne nachgestellt worden (act. 11 Rz 113). Die Beklagte
macht nun geltend, dass gemäss dem Test eine starke Korrosion nur dann habe
festgestellt werden können, wenn die Proben in eine Natriumchlorid-
Kontamination eingetaucht worden seien. Bei allen anderen Proben, selbst bei
Proben bei welchen nur eine VCI-Konzentration von 37% simuliert worden sei, sei
es zu keiner resp. mittlerer Korrosion auf der Unterseite resp. Spuren von Korro-
sion im Bereich der Auflage gekommen (act. 11 Rz 117). Damit stehe fest, dass
die Korrosion nicht auf eine mangelnde Anwendung von VCI-Produkten und ins-
besondere nicht auf eine angeblich zu geringe Anzahl verwendeter VCI-
Schaumstoffe zurückzuführen sei, und zwar nicht einmal dann, wenn von einer
blossen VCI-Konzentration von 37% ausgegangen würde (act. 11 Rz 118). Die
Beklagte macht weiter geltend, dass der gleiche Schluss gezogen werden müsse,
wenn von einem zu schützenden Volumen von 7,658 m3 – wie dies von der Klä-
gerin berechnet worden sei – ausgegangen werde, denn selbst dann sei bei Ver-
wendung von vier VCI-Schaumstoffstreifen von einer VCI-Abdeckung von 50%
auszugehen, was immer noch viel mehr sei, als die von R._ getesteten 37%
(act. 11 Rz 120).
Unter Berufung auf den 2. J._ Bericht zweifelt die Beklagte an, dass bei einer
58%-igen VCI-Konzentration ein derart starker Rostbefall eingetreten sei, wie der
vorliegend geltend gemachte. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der Korro-
sionsverlauf atypisch gewesen sei, und zwar derart, dass Korrosion an Stellen
entstanden sei, die im unmittelbaren Wirkungskreis eines VCI-Spenders gelegen
hätten (act. 11 Rz 130). Weiter weist die Beklagte darauf hin, dass das in der
Wanne im unteren Bereich der Maschine vorhandene Öl eine hohe Neutralisati-
onszahl aufgewiesen habe und dass das sich darin befindende Zahnrad stark kor-
rodiert sei (act. 11 Rz 133). Entsprechend zieht die Beklagte den Schluss, dass
das Öl in der Wanne die erwartete Wirkung der VCI-Produkte unterbunden haben
könnte (act. 11 Rz 133). Des Weiteren weist die Beklagte auf lackierte Stellen an
den Maschinen hin, welche ebenfalls korrodiert seien und macht geltend, dass
dies sehr aussergewöhnlich sei, denn ein Lack bilde grundsätzlich eine undurch-
- 21 -
lässige Schicht und biete daher schon einen Korrosionsschutz (act. 11 Rz 146).
Schliesslich hebt die Beklagte hervor, dass alle Oberflächen, die nicht Teil der
Maschine gewesen seien (wie z.B. Auslaufbänder oder Ersatzteile), keine Korro-
sionserscheinungen aufgewiesen hätten, und zieht den Schluss, dass die Kläge-
rin möglicherweise die fünf Maschinen mit einem Mittel oder Stoff vorbehandelt
oder sonst etwas damit gemacht habe, was schlussendlich die Wirkung des VCI
unterbunden haben könnte (act. 11 Rz 147). Zusammengefasst stützt sich die
Beklagte auf die Feststellung, wie sie anlässlich der Sitzung vom 25. Februar
2010 festgehalten worden sei und wonach die gleichen Komponenten an den ver-
schiedenen Maschinen auf Grund der gleichen Legierung dieselben Schäden hät-
ten aufweisen müssen, was aber nicht der Fall gewesen sei (act. 11 Rz 148).
Die Klägerin hingegen bestreitet die Verwertbarkeit des 2. R._-Berichts
(act. 18 Rz 237 ff.). Sie macht dabei geltend, dass die Testbedingungen in we-
sentlichen Bereichen so stark von den effektiven Bedingungen während der See-
reise abgewichen seien, dass die Testresultate nicht verwertbar seien (act. 18
Rz 238). So führe der Test zu völlig inkohärenten und nicht nachvollziehbaren,
willkürlichen Resultaten (act. 18 Rz 239). Sie bringt vor, dass der Test lediglich 14
Tage gedauert habe, während die Tamponmaschinen tatsächlich mindestens 55
Tage auf der Reise gewesen seien (act. 18 Rz 240). Weiter würden die Tempera-
turen der Versuchsanlage mit 23-25°C nicht stimmen, hätten die Container doch
einer starken Temperaturschwankung unterlegen, so dass die Temperaturen auf
dem Pier in Singapur bis auf 55-60°C gestiegen seien (act. 18 Rz 241). Auch ha-
be es hinsichtlich der Luftfeuchtigkeit auf der Seereise starke Schwankungen ge-
geben, während die relative Luftfeuchtigkeit im Test stets 75% betragen habe
(act. 18 Rz 241). Entsprechend seien die Resultate nicht nachvollziehbar, denn es
seien unter den erwähnten Laborbedingungen trotz einer VCI-Sättigung nach
K._ Spezifikation und ohne Anwesenheit eines anderen Faktors Spuren von
Korrosion im Bereich der Auflage vorgefunden worden, während bei einer Sätti-
gung von lediglich 37% VCI-Sättigung unter den gleichen Bedingungen keine Kor-
rosion entstanden sei (act. 18 Rz 243). Die Klägerin zieht sodann den Schluss,
dass unter der Annahme, dass die VCI-Methode bei richtiger Anwendung verläss-
lich sei, die Ergebnisse der Testreihe nicht korrekt sein könnten, denn andernfalls
- 22 -
hätte die Verlässlichkeit der VCI-Methode bei 100%iger VCI-Sättigung und ohne
weitere Faktoren bestätigt werden müssen und es hätte keine Korrosion auftreten
dürfen (act. 18 Rz 245). Hinsichtlich der Tests, bei denen Öl verwendet wurde,
bringt die Klägerin vor, dass bei lediglich einem Test pro Versuchsanordnung kei-
ne statistische Signifikanz erreicht werden könne, denn bei gerade 3 von 6 Tests
mit Öl habe Korrosion festgestellt werden können. Dies entspreche einer Chance
von 50:50 (act. 18 Rz 247). Weiter will die Klägerin einen Widerspruch im zweiten
J._ Bericht sehen und macht geltend, dass im ersten Bericht ausgeführt wor-
den sei, dass die verminderte Menge VCI-Spender für die entstandene Korrosion
(mit)verantwortlich gewesen sei. J._ habe jedoch unter Verweis auf den
R._ Bericht festgehalten, dass selbst eine VCI-Konzentration von 37% für
den Korrosionsschutz genügt hätte (act. 18 Rz 520). Die Korrosion an den Tam-
ponmaschinen habe vielmehr aufgezeigt, dass eine VCI-Sättigung von unter
100% ungenügend sei und Korrosion nicht verhindere (act. 18 Rz 521).
Hinsichtlich der Analyse der Korrosionsspuren macht die Klägerin geltend, dass
es sich nicht um Salzwasser-Rückstände habe handeln können, sondern dass es
sich um Süsswasser gehandelt habe (act. 18 Rz 198). Unter Hinweis auf den Be-
richt von S._ der H._ AG verweist sie auf runde oder punktartige Rost-
stellen, die auf ein Einwirken durch Kondenswasser hindeuteten (act. 18 Rz 199).
Im Übrigen sei der Korrosionsverlauf nicht atypisch, sondern von den Experten
nachvollziehbar gewesen (act. 18 Rz 522).
Die Beklagte hält duplicando jedoch an ihrer Argumentation fest und macht gel-
tend, dass die Testbedingungen analog der Seereise nach Australien simuliert
worden seien. Es sei dabei irrelevant, ob der Test lediglich 14 Tage gedauert ha-
be, denn, sollten die VCI-Streifen nicht haben wirken können, wäre dies schon
nach wenigen Tagen deutlich erkennbar gewesen (act. 21 Rz 226). Die Tempera-
tur sei bei den Tests insofern relevant gewesen, als warme Luft mehr Feuchtigkeit
aufnehmen aber auch wieder abgeben könne und es für den Test wichtig gewe-
sen sei, eine gleichbleibende Feuchtigkeit für alle Versuchsanordnungen einzu-
stellen, denn bei gleichbleibender relativer Feuchtigkeit von über 65% führe dies
zu Korrosion, weshalb bewusst eine hohe Luftfeuchtigkeit von 75% bei einer
Temperatur zwischen 23 und 25°C eingestellt worden sei (act. 21 Rz 227).
- 23 -
Schliesslich hält die Beklagte fest, dass erst und nur dann, wenn die Konzentrati-
on der in Lösung gegangenen VCI für die Bildung einer flächendeckenden
Schutzschicht ungenügend sei, die Kondensatmenge zum Problem werden kön-
ne. Andernfalls, also wenn die VCI-Schutzschicht gegeben ist, habe das Vorhan-
densein von Kondensat oder dessen Menge keinen Einfluss, denn Korrosion kön-
ne sich diesfalls gerade nicht bilden (act. 21 Rz 233).
Schliesslich hält sie fest, dass es zu korrodierten Oberflächen in unmittelbarer
Nähe eines VCI-Spenders gekommen sei (act. 11 Rz 397 und 21 Rz 60). In Anbe-
tracht der Tatsache, dass ein VCI-Schaumstoff rund 10 Mal mehr VCI enthalte als
die übrigen VCI-Produkte, sei das eingetretene Schadensbild der korrodierten
Oberflächen, die lackiert oder brüniert gewesen seien, äusserst ungewöhnlich
(act. 21 Rz 61). Entsprechend würden diese Umstände belegen, dass die von der
Klägerin geltend gemachten Schadensursachen verdrängt worden seien und die
behauptete Kausalität unterbrochen worden sei (act. 11 Rz 397 und 21 Rz 61).
Zusammenfassend hält die Beklagte fest, dass es nach dem natürlichen Lauf der
Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung absolut unwahrscheinlich sei, dass
die von der Klägerin vorgebrachten Behauptungen zutreffend seien, wonach die
Beklagte zu wenig VCI-Schaumstoffe pro Maschine verwendet und die Hersteller-
richtlinien von K._ mehrfach verletzt habe und so die eingetretene Korrosion
bei den Maschinen verursacht habe (act. 21 Rz 62).
2.4.3. Beweisführung und -würdigung
2.4.3.1. Beweislastverteilung und zugelassene Beweismittel
Die Klägerin hat ihre Behauptungen, woraus sie die Schadenersatzpflicht der Be-
klagten ableitet, zu beweisen. Konkret trägt sie den Beweis dafür, dass die einge-
tretene Korrosion auf eine (von der Beklagten zu vertretende) mangelhafte Ver-
packung zurückzuführen ist.
Wie bereits erwähnt, ist bei der Frage eines hypothetischen Kausalverlaufs nicht
ein strikter Beweis zu erbringen, sondern es reicht, wenn der natürliche Kausalzu-
sammenhang mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargelegt wird.
- 24 -
Mit Beweisbeschluss vom 8. Juli 2013 wurde die Einholung eines gerichtlichen
Gutachtens sowie die Zulassung der klägerischen act. 3/14, 3/27, 3/31, 3/32 und
3/33 zum Beweis beschlossen. Der Beklagten stand der Gegenbeweis offen.
Hierzu wurden mit gleichem Beschluss die von der Beklagten offerierten
act. 12/19, 22/3, 22/4, 22/11 und 22/12 zugelassen. Auf diese Beweismittel ist
nachfolgend, soweit nötig, einzugehen.
2.4.3.2. Gerichtliches Gutachten von Dr. D._, E._
Wie bereits erwähnt (vgl. lit. B), wurde Dr. D._, E._, mit Verfügung vom
18. Oktober 2013 als leitender Gutachter mit der Erstellung eines Gutachtens zur
Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs beauftragt (Prot. S. 26). Zwar wur-
de seitens der Klägerin moniert, dass Dr. D._ der spezifisch notwendige
Sachverstand fehle, denn bei der vorliegend zu klärenden Frage gehe es nicht um
die Beurteilung einer Materialeigenschaft, sondern es seien sowohl Fachkennt-
nisse als auch praktische Erfahrung mit Bezug auf Verpackungen für den inter-
kontinentalen Seetransport von Maschinen gefragt (act. 46 Rz 1 und 3). Der von
der Beklagten vorgeschlagene Gutachter Dr. D._ sei ein auf das Bauwesen
spezialisierter Korrosionsexperte. Es würden sich in seinen Publikationen keine
Erfahrungen oder Berührungspunkte mit dem Korrosionsschutz oder den klimati-
schen Bedingungen auf einem Schiffstransport erkennen lassen (act. 46 Rz 8), so
dass er für die Beklagte für die Erstellung des vorliegend fraglichen Gutachtens
als ungeeignet erscheine.
Mit Verfügung vom 18. Oktober 2013 wurde hierauf Dr. D._ trotz klägerischer
Einwendungen mit der Erstellung des Gutachtens beauftragt, mit dem Hinweis,
dass den klägerischen Einwendungen insofern begegnet werden könne, als es
Dr. D._ freistehe, für etwaiges spezifisches Fachwissen Hilfspersonen beizu-
ziehen. Zum Lebenslauf des Gutachters ist zu bemerken, dass er über ein Hoch-
schulstudium in Chemie verfügt, welches er mit einer Dissertation abgeschlossen
hat. Seit dem Jahr 1990 arbeitet er an der E._ als wissenschaftlicher Mitar-
beiter in der Abteilung Fügetechnologie und Korrosion. Der überwiegende Teil
seiner Tätigkeit besteht dabei in der Untersuchung von Schadensfällen im Zu-
sammenhang mit Korrosion aus den verschiedensten Bereichen, wie die chemi-
- 25 -
sche Industrie, das Bauwesen, die Haustechnik, den Maschinenbau und die Me-
dizinaltechnik. Während er die jährlich stattfindende 3-Länder-Korrosionstagung
mitorganisiert, ist er auch noch Lehrbeauftragter zum Themenbereich Korrosion
am International Packaging Institut in .... Der Gutachter steht mit den Parteien
weder in einer geschäftlichen noch persönlichen Beziehung, so dass er als Gut-
achter sowohl fachlich wie auch persönlich als bestens geeignet erscheint (Prot.
S. 25, act. 70).
Dem Gutachter standen sämtliche Prozessakten zur Verfügung (act. 70 Ziff. 2.1).
Auf die Frage des Gutachters, ob ein VCI-Streifen beigezogen werden könne und
korrodierte Maschinenteile aus dem konkreten Schadensfall vorliegen würden, die
untersucht werden könnten, konnten sich die Parteien – wie eingangs bereits er-
wähnt (vgl. unter lit. B) – auf keine Vorgehensweise bezüglich des Beizugs eines
weiteren VCI-Streifens einigen, so dass dem Gutachter keine zusätzlichen VCI-
Streifen zur Verfügung standen. Hinsichtlich der Maschinenteile wurde seitens der
Beklagten mitgeteilt, dass solche nicht mehr vorliegen würden (Prot. S. 30-33).
Unter hauptsächlicher Berücksichtigung der von den Parteien angerufenen Be-
weismittel kommt das Gutachten zusammengefasst zum Schluss, dass keine An-
zeichen dafür bestehen, dass die an den Maschinen festgestellten Korrosions-
schäden auf die Verpackung zurückzuführen seien (act. 70 S. 15). Vielmehr liege
die Ursache für die Korrosionsschäden in einer mangelnden oder gestörten Inhi-
bierung der metallischen Bauteile im Gasraum der verpackten Maschinen. Da in 3
von 4 untersuchten Korrosionsprodukten Chloride in deutlichen bis grossen Men-
gen festgestellt worden seien – so das Gutachten weiter –, sei davon auszuge-
hen, dass diese zumindest für diese Bauteile eine erhebliche Rolle an den Korro-
sionsvorgängen gespielt hätten. Das Gutachten stellt klar, dass Chloride die Kor-
rosionsvorgänge begünstigen und diese durch eine VCI-Inhibierung nicht verhin-
dert werden können. Hinsichtlich der Art der Verpackung gemäss der K._
Richtlinien beurteilt das Gutachten die Verpackung der Maschinen als seetüchtig,
unter der Voraussetzung, dass die Verpackung den Richtlinien entspricht (act. 70
S. 15). Zur umstrittenen Frage der Anzahl verwendeter VCI Streifen hält auch der
Gutachter fest, dass sich aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht mehr eruie-
ren lasse, ob nur 4 oder aber 6+1 Spender eingebaut worden seien, leitet daraus
- 26 -
jedoch keine Schlussfolgerung ab (act. 70 S. 13). Der Gutachter will auf den Fo-
tos erkennen, dass die Maschinen auf eine VpCI-126 Folie gestellt und mit einer
Kopffolie aus demselben Material umhüllt worden seien. Diese sei mit Klebeband
an der unteren Folie befestigt worden und den Maschinen sei zudem der VpCI-
137 PU-Schaumstoff hinzugefügt worden. Die so vorbereiteten Maschinen seien
sodann in eine Holzkiste verpackt und diese während der Schiffsreise in einem
Stahlcontainer platziert worden. Der Gutachter hält fest, dass diese Verpackungs-
art den Richtlinien für die Verpackung von Gütern für den Seetransport entspre-
che; ein Schlitzen der Bodenfolie erachtete er als nicht notwendig, könne jedoch
als sinnvoll angesehen werden (act. 70 S. 13).
Hinsichtlich der Inhibierung hält der Gutachter fest, dass selbst bei Verwendung
von relativ wenig Spendern nach einer Lagerungszeit von einer Woche alle Ober-
flächen inhibiert sein sollten (act. 70 S. 13). Da die VCI-Methode – so das Gutach-
ten weiter – einen aktiven Korrosionsschutz darstelle, sollte es bei Bildung von
Kondenswasser auf den Oberflächen nicht zu Korrosion kommen. Für diese Situ-
ation sei die VCI-Methode entwickelt worden. Die Folie diene dabei hauptsächlich
als passiver Korrosionsschutz, um den zu inhibierenden Gasraum von der Aus-
senwelt abzutrennen und als Kontaktinhibitor. Alle Bauteile, die mit der Folie in
Kontakt seien, würden entsprechend geschützt. Die im Innenraum liegenden VCI-
Spender würden dabei die Aufgabe übernehmen, die innen liegenden Metallteile
zu schützen und zwar über die Dampfphase. Deshalb sei es nicht nötig, einen
Abstand zwischen Maschine und der Umhüllungsfolie herzustellen. Hinsichtlich
der korrodierten Stellen hält das Gutachten fest, dass davon ausgegangen wer-
den könne, dass es an den betroffenen Bauteilen zu einer nicht vollständigen In-
hibierung von Korrosionsprozessen gekommen sei. Hierfür könnten verschiedene
Umstände ursächlich sein. Entweder (1) sei nicht genügend Inhibitor auf den
Oberflächen vorhanden gewesen, z.B. durch eine zu geringe Spendermenge,
oder (2) der Inhibitor sei durch Stoffe, wie z.B. Öl, absorbiert worden, so dass er
in nicht mehr genügender Konzentration vorhanden gewesen sei. Oder (3) es sei-
en korrosionsfördernde Verunreinigungen auf den Metalloberflächen vorhanden
gewesen, deren Korrosivität durch die Dampfphasen-Inhibitoren habe unterdrückt
werden können oder durch diese sogar gefördert worden sei (act. 70 S. 13).
- 27 -
Unter Hinweis auf die 4 untersuchten Korrosionsprodukte führt der Gutachter aus,
dass die Analyse der Korrosionsprodukte die Stütze jeder Schadensanalyse bei
Korrosionsschäden sei. Ziel dabei sei die Ermittlung der genauen Spezies, die die
Korrosion hervorgerufen habe. Die Untersuchungen – so das Gutachten weiter –
hätten ergeben, dass bei drei von vier untersuchten Ablagerungen das Element
Chlor in Konzentrationen von 0.4 bis 0.75% nachgewiesen worden sei. Dabei dür-
fe man davon ausgehen, dass das gefundene Element als Chlorid vorgefunden
worden sei. Bei diesen gefundenen Chloridmengen handle es sich in korrosions-
chemischer Hinsicht um deutliche bis grosse Mengen. Daraus könne geschlossen
werden, dass zumindest bei den untersuchten Proben Chloride eine entscheiden-
de Rolle beim Korrosionsprozess gespielt hätten, denn Chloride gelten – so das
Gutachten weiter – als sehr korrosionsfördernd und sollten auf den zu schützen-
den Oberflächen nicht in so grossen Mengen vorkommen. Bei den genannten Un-
tersuchungen sei eine Chloridbeaufschlagung von ca. 30 μg/cm2 berechnet wor-
den, wobei Werte über 10 μg/cm2 auf die Einwirkung von chloridhaltigen Stoffen
hindeuten würden. Dieser Wert werde allgemein als Grenzwert für Beaufschla-
gungen bei un- bzw. niedriglegierten Stählen angesehen (act. 70 S. 14). Zur Her-
kunft der Chloride führt das Gutachten aus, dass dies nachträglich nicht mehr er-
mittelt werden könne. Der Gutachter tendiert jedoch zum Schluss, dass die Chlo-
ride bereits vor Herstellung der Verpackung auf die Oberflächen gelangt seien
(act. 70 S. 14 Mitte). Weiter seien auch teilweise grössere Mengen des Elements
Kohlenstoff gefunden worden, die zu organischen Stoffen gehören dürften. Dabei
könne es sich – so das Gutachten – um Fett oder Öl auf den Oberflächen han-
deln. Weshalb es an diesen Stellen trotzdem zu Korrosion gekommen ist, wo die-
se Stoffe eher einen Korrosionsschutz für die unlegierten Stellen darstellen, kön-
ne nicht mehr ermittelt werden. Denkbar sei jedoch, dass die Chloride bereits auf
der Metalloberfläche vorhanden gewesen seien, so dass die Fette die Korrosion
auch nicht mehr hätten verhindern können (act. 70 S. 15).
Nach dieser klaren Einschätzung des Gutachters Dr. D._ zulasten der Kläge-
rin erhob diese mit Eingabe vom 8. Mai 2014 Vorwürfe gegen das Gutachten bzw.
den Gutachter in formeller und materieller Hinsicht (act. 75). Einerseits sei das
Gutachten unvollständig und enthalte verschiedene nicht nachvollziehbare und
- 28 -
teilweise aktenwidrige Annahmen und unbelegte Schlussfolgerungen. Anderer-
seits lasse der Gutachter einseitig wesentliche Umstände unbeachtet und verwer-
fe von ihm erkannte Unstimmigkeiten in seinen Ausführung mit willkürlichen Mut-
massungen (act. 70 Rz 1 ff.). Entsprechend beantragt die Klägerin, das Gutach-
ten entweder aus dem Recht zu weisen oder aber ein Obergutachten einzuholen.
Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gutachten der freien richterlichen Be-
weiswürdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden die Vollständigkeit, die
Nachvollziehbarkeit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu
prüfen, ob das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden
Sachverhalt stützt und den Befund ausreichend begründet. In Sachfragen weicht
der Richter jedoch nur aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab.
Die Beweiswürdigung und die Beantwortung der sich stellenden Rechtsfragen ist
Aufgabe des Richters. Dieser hat zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Be-
weismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die
Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm die
Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat er nöti-
genfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben (Urteil des
Bundesgericht vom 6. Dezember 2012, 4A_505/2012).
Zu den (weitschweifigen) klägerischen Vorbringen ist lediglich zu bemerken, dass
das Beweisthema einstweilen auf die Frage des Kausalzusammenhangs be-
schränkt worden ist. Dabei ist die Frage, ob die Verpackung in Bezug auf die ver-
wendete Anzahl VCI-Streifen nun mangelhaft war oder nicht, zunächst nicht von
Belang. Hinsichtlich der K._-Richtlinien ist die Aussage des Gutachters inso-
fern klar, als er in der Antwort zu Frage 3 klar aussagte, dass die K._-
Richtlinien geeignet seien, um eine seetüchtige Verpackung für Maschinen herzu-
stellen (act. 70 S. 15). Entgegen der klägerischen Auffassung ist die von ihr zitier-
te Stelle im Gutachten nicht als eine Aussage des Gutachters zu verstehen, son-
dern als Interpretation des K._ Bestätigungsschreibens vom 16. Mai 2012
(act. 70 Ziff. 2.9). Dies verkennt die Klägerin. Insofern traf der Gutachter weder
falsche noch willkürliche Annahmen. Somit hat der Gutachter weder seinen Auf-
trag überschritten noch basiert das Gutachten auf einer falschen Ausgangslage.
Auch der klägerische Vorwurf, der Gutachter habe mehrfach festgehalten, dass
- 29 -
sich gewisse Umstände, wie die Anzahl verwendeter VCI-Streifen und deren Plat-
zierung innerhalb der Verpackung nicht mehr nachvollziehen lassen würden, wo-
raus eine Befangenheit abzuleiten sei bzw. dieser sein Gutachten voreingenom-
men gestellt habe, ist deplatziert und falsch. Eine ungünstige Beweislage ist Teil
des Prozessrisikos der betreffenden Partei. Zudem wäre es wohl bzw. sicherlich
auch an der Klägerin gewesen, diese Umstände und Beweise entsprechend zu
sichern.
Art. 188 Abs. 2 ZPO besagt, dass das Gericht ein unvollständiges, unklares oder
nicht gehörig begründetes Gutachten auf Antrag einer Partei oder von Amtes we-
gen ergänzen oder erläutern lassen oder eine andere sachverständige Person
beiziehen kann. Von einem unvollständigen oder unklaren Gutachten kann vorlie-
gend nicht die Rede sein, werden die vom Gericht gestellten Fragen unter Ziffer 7
des Gutachtens vollständig und klar beantwortet (act. 70). Aufgrund der von Sei-
ten der Klägerin erhobenen Vorwürfe der mangelnden Sachkunde, wurde der
Gutachter nachträglich auf diese Behauptung angesprochen. Zudem unterbreitete
das Gericht dem Gutachter zwei weitere Dokumente (act. 76/2 und 76/3), mit der
Frage, ob diese Unterlagen an der Einschätzung des Gutachters etwas ändere
(act. 83).
Mit Schreiben vom 18. Juni 2014 verneinte der Gutachter die Ergänzungsfragen
klar und begründete dies damit, dass zwar von T._ richtig bemerkt worden
sei, dass die Anwesenheit von Öl bei genügendem Inhibitorangebot alleine nicht
ausreichen dürfte, um die beobachteten Schäden hervorzurufen. So sei die er-
wähnte Feststellung, also das Vorhandensein von Öl im Gutachten auch nicht als
Ursache berücksichtigt worden. Vielmehr sei als im Vordergrund stehende Ursa-
che das Vorhandensein einer relativ hohen Chloridkonzentration erwähnt worden.
Dabei stellte der Gutachter primär – mangels weiterer aussagekräftiger Beweise –
auf die Experimente im bei den Akten liegenden R._-Gutachten ab. Dabei sei
– wie bereits zuvor ausgeführt – bei einer Chloridbeaufschlagungsmenge vor der
VCI-Behandlung von 30 μg/cm2, wie dies vom R._ Bericht berechnet worden
sei, von einem hohen Chlorid-Wert die Rede. Es handle sich dabei nicht um typi-
sche Verunreinigungen wie sie bei einer normalen Handhabung vorkommen kön-
ne. Diese Experimente hätten klar gezeigt, dass eine Vorbelastung mit Chlorid zu
- 30 -
Korrosion geführt habe, obwohl die Proben im Experiment mit ausreichend VpCI-
Spendermaterial behandelt worden seien. Die Aussage von T._ sei nur in
Bezug auf eine normale Chloridverunreinigung richtig, nicht jedoch bei Vorliegen
einer deutlich höheren Konzentration als normal. So stellt der Gutachter erneut
fest, dass von zwei verschiedenen Stellen (gem. act. 12/28 und act. 3/33) in den
Korrosionsprodukten Chloride festgestellt worden seien, die nicht als normale
Verunreinigungen eingeschätzt werden könnten, sondern als hoch zu bezeichnen
seien. Zudem sei von R._ durch Experimente mit VCI-Spendern gezeigt
worden, dass Chloride, die vor der VCI-Behandlung auf der Oberfläche vorhan-
den waren, Korrosion an Stahl hervorrufen konnten, obwohl die Proben in einer
Atmosphäre mit VpCI-Spendern genügend hoher Konzentration gelagert worden
seien (act. 85 S. 4). Schliesslich stellt sich der Gutachter auf den Standpunkt,
dass an den Resultaten der Chloridanalysen nicht gezweifelt werden könne
(act. 85 S. 4).
Hinsichtlich des Schreibens der K._ Corporation vom 6. Mai 2014 in wel-
chem die K._ ausführt, dass sowohl K._ VpCI 137 als auch K._
VpCI 126 bei Vorliegen von Chloriden die Korrosion nicht beschleunige, sondern
die Produkte eine beginnende Korrosion hemmen oder sogar stoppen könnten,
erwidert der Gutachter, dass diese Eigenschaft durch den Hersteller der Produkte
lediglich behauptet sei. Eine wissenschaftliche Prüfung oder Bestätigung dieser
behaupteten Eigenschaft gebe es indessen nicht, weshalb nicht davon ausge-
gangen werden könne (act. 85 S. 5).
Insgesamt verneint der Gutachter den Kausalzusammenhang zwischen der Ver-
packung und dem Korrosionsschaden klar. Vielmehr erachtet er starke Chlorid-
Verunreinigungen als für den Schaden ursächlich. Diese Aussagen sind klar, wi-
derspruchsfrei und nachvollziehbar. Im Übrigen deckt sich die Aussage des Gut-
achters, dass nicht die Verpackung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Ur-
sache für den Schaden ist, – wie nachfolgend zu zeigen sein wird – mit der übri-
gen Aktenlage. Es besteht daher keine Notwendigkeit zur Einholung eines Ober-
gutachtens.
- 31 -
2.4.3.3. Inspection Visit Report von F._ vom 4. März 2010 (act. 3/27)
Die Schadensexperten der F._ wurden von der Klägerin damit beauftragt, die
beschädigten Maschinen zu besichtigen und eine Schadenaufnahme vorzuneh-
men, wobei die Beklagte – nach unbestritten gebliebener klägerischen Darstel-
lung – in die Beauftragung der F._ involviert gewesen ist (act. 1 Rz 80). Die
Fragen, welche durch die F._ hätten beantwortet werden sollen, wurden so-
wohl von der Klägerin wie auch von der Beklagten zusammengestellt (act. 1
Rz 82). Wie die Parteien übereinstimmend ausführen, blieb der Fragenkatalog der
Parteien durch die F._ weitgehend unbeantwortet (act. 1 Rz 83; act. 11
Rz 210). Die Beklagte geht dabei soweit, dass sie behauptet, man könne aus dem
Bericht weder etwas zugunsten der Klägerin noch zu Lasten der Beklagten ablei-
ten (act. 11 Rz 210).
Das von der Klägerin eingereichte Gutachten ist als Privatgutachten zu wür-
digen. Einem Privatgutachten ist jedoch keine höhere Beweiskraft zuzuschreiben,
als einem Parteivorbringen, so dass nicht ohne Weiteres – sofern dieses Vorbrin-
gen bestritten ist – darauf abgestellt werden darf (BGE 132 III 83 S. 88). Hinsicht-
lich der Fachkenntnisse des mit der Begutachtung betrauten Mitarbeiters der
F._ weist die Beklagte auf einen – von der Klägerin eingereichten – E-Mail-
Kontakt hin, in welchem U._ der V._ Holding AG Herrn P._ der Be-
klagten mitgeteilt hat, dass sich anlässlich der Besichtigung in Australien heraus-
gestellt habe, dass der von der F._ mandatierte Schadensexperte nicht über
die erforderlichen Fachkenntnisse für die Begutachtung verfügt habe; entspre-
chend habe er sich auf die Begutachtung des Zustandes der Maschinen und nicht
der Verpackung beschränkt (act. 11 Rz 214; act. 3/28). Insofern gilt es, den Be-
richt mit der gebotenen Zurückhaltung zu würdigen.
Der Bericht stellt hinsichtlich der Schadensart fest, dass kein offensichtlicher
Rostschaden auf den Auslaufbändern und den Ersatzteilen ersichtlich gewesen
sei, sondern nur auf den Tamponmaschinen (act. 1 Rz 86; act. 3/27). Zu Recht
wirft die Beklagte diesbezüglich die Frage auf, ob – sollte die Verpackung tatsäch-
lich fehlerhaft gewesen sein – nicht auch die Steuerschränke, Auslaufbänder und
die Ersatzteile hätten korrodiert sein müssen. Dass ein solches Schadensbild ein
- 32 -
gewisses Erstaunen auslöst, hielten die Parteien anlässlich ihrer Besprechung
vom 25. Februar 2010 protokollarisch eigens fest (act. 1 Rz 64; act. 3/5). Im
F._-Bericht ist weiter zu lesen, dass im oberen und unteren Bereich der
Tamponmaschinen jeweils nur zwei, insgesamt also vier VCI-Streifen aufgefun-
den worden seien (act. 3/27 Ziff. 17). Daraus ist jedoch nicht ersichtlich, ob diese
Aussage auf einer unmittelbaren Wahrnehmung beruht, oder aufgrund des Hö-
rensagens, nämlich aufgrund der Aussagen der mit dem Auspacken beschäftigten
Mitarbeiter der L._ in Australien, zustande gekommen ist. Stellt man die Gut-
achten einander gegenüber, so muss davon ausgegangen werden, dass die
Tamponmaschinen im Zeitpunkt der Begutachtung durch die F._ bereits
schon vollständig ausgepackt waren, denn die zeitlich vor oder gleichzeitig zum
F._-Bericht erstellten Gutachten hielten explizit fest, dass die Maschinen im
Begutachtungszeitpunkt bereits vollständig ausgepackt gewesen waren (act. 3/32
S. 3; act. 3/147 S. 4). Entsprechend muss davon ausgegangen werden, dass die-
se Aussage des Mitarbeiters der F._ aufgrund des Hörensagens zustande
gekommen ist und nicht auf einer eigenen unmittelbaren Wahrnehmung gründet.
Zur Schadensursache hält der Bericht lediglich fest, dass sowohl die Holzverpa-
ckung wie auch die Container keine offensichtlichen Salzwasserspuren oder -
flecken aufwiesen (act. 3/27 Ziff. 12 und 13). Auf die Frage, ob an den Maschinen
Spuren von Verschmutzungen zu finden gewesen waren, wird im Bericht jedoch
überhaupt nicht eingegangen.
Insgesamt ist der Beklagten insofern Recht zu geben, als dass der Bericht der
F._ nur wenig zum Schadensbild und der -ursache aussagen kann. Eine so
konkrete Aussage, wie sie die Klägerin hinsichtlich der Schadensursache macht,
kann dem Bericht jedenfalls nicht entnommen werden. Als Indiz für einen über-
wiegend wahrscheinlichen hypothetischen Kausalverlauf taugt der Bericht an sich
jedenfalls nicht.
2.4.3.4. Report G._ vom 25. März 2010 (act. 3/31)
Der Report der G._ (G._ (act. 3/31)) wurde von W._, ein Mitarbeiter
der G._, angefertigt. Den Auftrag hierzu erteilte die AA._ GmbH, die
wiederum von der Klägerin beauftragt worden war, die Verpackung sowie die
- 33 -
Schadensursache der beschädigten Tamponmaschinen detailliert zu begutachten
(act. 1 Rz 91). Nach klägerischer Darstellung wurde das Gutachten somit von ihr
in Auftrag gegeben und ist ebenfalls lediglich als Privatgutachten zu würdigen.
Auch die klägerischen Vorbringen, dass die Beklagte über die beabsichtigte Be-
auftragung des Gutachtens informiert und zur Teilnahme und Mitwirkung an der
Begutachtung eingeladen worden sei (act. 1 Rz 92 ff.), können daran nichts än-
dern, steht es der Beklagten doch frei, an solchen Begutachtungen teilzunehmen
oder nicht. Eine entsprechende Pflicht besteht vorliegend jedenfalls nicht.
W._ wurde beauftragt, eine Inspektion der fünf streitgegenständlichen Ma-
schinen durchzuführen und dabei die Ursache für den Rost- und Korrosionsbefall
zu ermitteln. Dabei sollte er insbesondere untersuchen, ob das verwendete VCI-
Verpackungsmaterial aufgrund der Art und Weise, wie die Maschine und die wei-
teren Inhalte der Container verpackt worden waren, in seiner Funktionsweise be-
einträchtigt war, die Verpackungsmethode zu begutachten und zu beurteilen, ob
diese in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der VCI-Materialhersteller um-
gesetzt worden war, sowie die Ingenieure des Empfängers zu befragen, welche
die Container ausgepackt und die interne Verpackung und den Zustand der Ma-
schine gesehen haben (act. 3/31 S. 2). Der Bericht hält fest, dass im Zeitpunkt der
Begutachtung die Maschinen bereits vollständig ausgepackt gewesen waren, so
dass W._ die Verpackung und den Inhalt der Verpackung nicht selber gese-
hen haben kann. Entsprechend sind die Befunde aufgrund des Hörensagens
(Aussagen Dritter) bzw. der von L._ angefertigten Fotos zustande gekom-
men (insbesondere die Aussage zur Anzahl verwendeter VCI-Spender und mögli-
chen äusseren Einwirkungen).
Die fachliche Qualifikation des Gutachters zur Beurteilung der Verpackung bzw.
des Korrosionsschutzes, kann vorliegend nicht abschliessend beurteilt werden.
Die Klägerin bringt hierzu vor, dass W._ ein unabhängiger und neutraler
Schadensachverständiger bzw. -experte sei und dass die AA._ bzw. die
G._ über spezifische Fachkenntnisse in Bezug auf die von der Beklagten
verwendete Verpackungsmethode verfügten (act. 1 Rz 91), während die Beklagte
dies in Frage stellt (act. 11 Rz 220). Festzuhalten ist jedenfalls, dass sich der Be-
richt auf tatsächliche Feststellungen beschränkt. Eigenständige Untersuchungen
- 34 -
oder aufgrund der Feststellungen gemachte Rückschlüsse lässt der Bericht je-
doch vermissen. Insbesondere hinsichtlich der Frage nach allfälligen Verschmut-
zungen oder (Salz)Wassereinfall verweist der Bericht auf die Untersuchungen der
I._ (act. 3/31 Ziff. 8.1.). Ob die Feststellungen von W._ durch die Versi-
cherungen (von welchen?) als verbindlich anerkannt worden sind – so die klägeri-
sche Behauptung (act. 1 Rz 91) –, kann für die vorliegende Würdigung jedenfalls
keine Rolle spielen.
Weiter ist festzuhalten, dass der Bericht ganz offensichtlich schon auf der erteilten
Information beruht, dass die Klägerin von einer fehlerhaften Verpackung ausge-
gangen ist, denn das Deckblatt des Berichts hält als "Supposed Cause" bereits
schon "Faulty packing" fest (act. 3/31). Daraus ist zu schliessen, dass der Mangel
von vornherein an der Verpackung gesucht wurde, andere Feststellungen, die ei-
nen Korrosionsschutz hätten verhindern können, jedoch nicht gemacht wurden.
Der Bericht kommt sodann zum Schluss, dass die Verwendung von vier VCI-
Spender pro Maschine möglicherweise ungenügend gewesen sei ("It is possible
that using up to 4 VpCI foam dispensers for each main machine may have been
insufficient for the internal volume of the machine"; act. 3/31 S. 33). Dass es sich
dabei aber um die überwiegend wahrscheinliche Ursache handeln soll, kann dem
Bericht nicht entnommen werden. W._ macht Feststellungen, aufgrund wel-
chen er jedoch keine Schlussfolgerungen auf die möglichen Ursachen ziehen
kann. Dass es zu Transportschweiss gekommen ist, der schliesslich zur Korrosion
geführt haben könnte, stellt nicht nur dieser Bericht fest. Zu klären wäre in diesem
Fall jedoch, warum der Korrosionsschutz gegen diesen Transportschweiss gerade
nicht gegriffen hat. Als Schlussfolgerung hält der Bericht drei verschiedene mögli-
che Ursachen fest, die möglicherweise zu einer Korrosion geführt haben könnten
("Based on the evidence made available, the corrosion of the nature as noted can
occur if the affected machines ..."; act. 3/31 S. 33). An jenen Stellen, wo der Be-
richt jedoch Feststellungen macht, die tatsächlich zu einer möglichen Ursache
führen könnten (Unterschiede zwischen US-Batches und deutschen Batches),
wurden sodann keine weiteren Untersuchungen angestrengt; vielmehr verweist
der Bericht auf eine weitergehende Prüfung durch K._ selber (act. 3/31
S. 33).
- 35 -
Der Bericht nennt insgesamt verschiedene Aspekte, die zwar auf eine mangelnde
Verpackung als Ursache hindeuten könnten, eine klare Aussage hinsichtlich einer
Ursache lässt sich dem Bericht jedoch nicht entnehmen. Als Indiz für einen natür-
lichen Kausalzusammenhang bzw. für das Vorliegen einer überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit hierfür taugt der Bericht für sich alleine jedenfalls nicht.
2.4.3.5. Bericht H._ AG (act. 3/14)
Die H._ AG verfasste im Auftrag der N._ Versicherung einen Bericht,
welcher sich zur Art des Schadens sowie zur Schadensursache äussern sollte.
Die Besichtigung fand am 3. und 4. März 2010 in Anwesenheit von AB._,
Mitarbeiter der Klägerin und AC._, Vertreter der L._, statt. Der Bericht
wurde von S._ der H._ AG verfasst. Auch hier gilt es festzuhalten, dass
die klägerischen Vorbringen, dass die Beklagte gegenüber der Klägerin die Fach-
kenntnisse von Herrn S._ anerkannt habe (act. 1 Rz 105), nichts an der Tat-
sache ändern, dass der Bericht der H._ AG "nur" ein Parteivorbringen dar-
stellen kann. Entsprechende Zurückhaltung ist bei der Würdigung des Berichts
geboten. Zwar ist die klägerische Aussage, dass der Bericht von der N._ und
somit einer nicht am Verfahren beteiligten Partei in Auftrag gegeben wurde, rich-
tig, jedoch ist hierzu zu bemerken, dass die N._ als Auftraggeberin gleichzei-
tig die Versicherung der Klägerin ist und damit indirekt durchaus ein Interesse am
Ausgang des Verfahrens hat bzw. haben könnte. Insofern kann die N._ nicht
als eine absolut neutrale Auftraggeberin betrachtet werden.
Das Gutachten kommt zum Schluss, dass der Korrosionsangriff an den Maschi-
nen durch einen unzureichenden Korrosionsschutz mit VCI verursacht worden sei
(act. 3/14 S. 11). Dies lasse sich dadurch begründen, da es bei den erheblich tie-
feren Produktionseinheiten im Kernbereich derselben zu starker Korrosion an den
unbeschichteten Teilen der Produktionseinheiten gekommen sei. Dass jedoch
bloss vier VCI-Streifen eingebaut worden seien, konnte der Gutachter auch nur
berichtenderweise feststellen, also aufgrund von Erzählungen Dritter, die mit dem
Auspacken der Maschinen beschäftigt gewesen seien. Ob sich die vier VCI-
Streifen haben raumfüllend entfalten können, konnte der Bericht jedoch nicht si-
cher feststellen ("muss ebenfalls bezweifelt werden"; act. 3/14 S. 12). Der Bericht
- 36 -
nennt ferner noch weitere mögliche Ursachen, wie das Verschweissen der Folie
sowie die Vorkehren, die das Ablaufen von Kondenswasser ermöglicht hätten
(act. 3/14 Ziff. 8.1). Festzustellen ist jedoch, dass sich der Bericht sehr stark auf
die Verpackung und die Untersuchung der noch vorhandenen Teile der Verpa-
ckung konzentriert und Feststellungen macht, aber eine Schlussfolgerungen auf
die überwiegend wahrscheinliche Ursache schlussendlich nicht klar daraus her-
vorgeht. Dass die Anzahl VCI-Streifen einen Einfluss auf den Korrosionsschutz
hat, stellte der Bericht grundsätzlich fest, jedoch bleibt die konkrete Schlussfolge-
rung, ob die 4 VCI-Streifen ausreichend gewesen sind oder nicht, aus ("muss be-
zweifelt werden", act. 3/14 S. 12). Im Fazit erwähnt der Bericht vor allem die Art
und Weise, wie die Folie verschlossen wurde, als Ursache für den Korrosions-
schutz. So kommt der Bericht zum Schluss, dass das nicht hermetische Ver-
schweissen der Folie wohl dazu geführt habe, dass sich die VCI-Inhibitoren nicht
vollständig im Innenraum der Produktionseinheiten haben ausbreiten können
(act. 3/14 S. 13). Eine Prüfung etwaiger anderer Ursachen, wie z.B. eine Ver-
schmutzung etc., wird vorliegend indessen überhaupt nicht thematisiert. Insge-
samt nennt der Bericht somit mindestens zwei verschiedene mögliche Ursachen,
die er unter dem Titel "ungenügender Korrosionsschutz" zusammenfasst.
Zu Recht weist die Beklagte auf gewisse Widersprüche gegenüber anderen Be-
richten hin (act. 11 Rz 239); allerdings betreffen diese Aussagen nicht direkt die
möglichen Ursachen. Immerhin können solche Widersprüche zur Folge haben,
dass die Glaubwürdigkeit des betreffenden Berichts dadurch entsprechend beein-
trächtigt wird.
Insgesamt liefert der Bericht im Endergebnis aber zumindest ein Indiz dafür, dass
ein Kausalzusammenhang zwischen dem aufgetretenen Korrosionsschaden und
der verwendeten Anzahl VCI-Streifen bzw. dem von der Beklagten angefertigten
Verpackung grundsätzlich möglich ist. Ob dies jedoch für sich alleine oder im Ge-
samtbild mit den anderen Gutachten zu einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit
für die klägerische Argumentation ausreichen kann, ist nachfolgend im Rahmen
der Gesamtwürdigung der Berichte zu beurteilen.
- 37 -
2.4.3.6. First Report I._ (act. 3/32)
Die I._ wurden als Erste nach Kenntnisnahme des Schadensfalles von der
N._ beauftragt, die Maschinen vor Ort zu begutachten und eine Analyse der
Schadensursache vorzunehmen. Entsprechend kann auf die Ausführungen zum
H._ Bericht verwiesen werden. Zwar können die I._ als unabhängige,
neutrale Schadenssachverständige betrachtet werden, jedoch wurden auch sie
von der N._, also der Versicherung der Klägerin beauftragt und stehen in ei-
nem gewissen Näheverhältnis zu einer der involvierten Parteien bzw. Versiche-
rungen. Somit ist auch dem Bericht von I._ kein höherer Beweiswert beizu-
messen, als einem Parteivorbringen. Hinsichtlich der fachlichen Qualifikation der
Schadensachverständigen ist festzuhalten, dass die Sachverständigen offensicht-
lich mit dem K._ Produkt nicht vertraut waren ("Not being familiar with the
K._ line of anti-corrosion products..."; act. 3/32 S. 4).
Mit Bezug auf die Schadensursache hält der I._-Bericht als Fazit fest, es sei
unklar, was die Korrosion letztlich verursacht habe ("the mechanism that caused
the corrosion is not known."; act. 3/32 S. 5). Möglicherweise komme eine nicht
vollständig luftdicht versiegelte Verdunstungsfolie als Ursache für die Korrosion in
Betracht. Allenfalls sei die Korrosion auch auf die relative "green-ness" des Ver-
packungsholzes zurückzuführen, was aber nicht bestätigt werden könne (act. 3/32
S. 5). Neben der Art und Weise, wie die Folien zu verschliessen sind, soll – so der
I._-Bericht – also auch das Holz einen Einfluss gehabt haben. Dabei ist zu
bemerken, dass diese Ursache kein anderer Gutachter so festgestellt oder auch
nur annähernd in Betracht gezogen hat. Im Bericht werden also verschiedene
mögliche Ursache erwähnt ("in Anbetracht der verschiedenen Möglichkeiten ist es
wahrscheinlich..."), wobei die Verdunstungsfolie bloss als eine mögliche wahr-
scheinliche Ursache in Frage komme (act. 1 Rz 120; act. 3/32 S. 5). Der Bericht
kommt schliesslich – so auch das dazu angehängte Schreiben von AD._ –
zum Ergebnis, dass der Schaden durch Kondensation unter Ausschluss anderer
Einflüsse während des Schifftransports entstanden sein müsse (act. 1 Rz 124).
Der Bericht lässt jedoch insbesondere die Frage offen, ob die Korrosion zufolge
Kondensation aufgrund einer ungenügenden Anzahl VCI-Streifen eingetreten o-
der aber auf einen anderen Einfluss, wie zum Beispiel einer Verschmutzung, die
- 38 -
geeignet ist, die Wirkungsweise der VCI-Streifen zu unterbrechen, zurückzuführen
ist. Hinsichtlich einer Verschmutzung durch Chloride hält der Bericht fest, dass
solche nicht aufgefunden worden seien. Begründet wurde dies mit einem Silberni-
trattest, der durchgeführt worden sei (act. 3/32 S. 4).
Insofern liefert der Bericht auch nur Mutmassungen, jedoch keinerlei Begründun-
gen oder Darlegungen, weshalb die Korrosion zu einer überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit auf der (ungenügenden) Anzahl verwendeter VCI-Streifen oder der
VCI-Folie basieren soll. Festzuhalten ist hingegen, dass aus dem Schreiben von
AD._ hervorgeht, dass Spuren von Chloriden an den Maschinen gefunden
worden seien (act. 3/32 3. Anhang Seite 1), was der Bericht von I._ hingegen
verneint. Insofern widersprechen sich die Berichte hinsichtlich wesentlicher Fakto-
ren, die einen erheblichen Einfluss auf die Korrosionsbildung hätten haben kön-
nen. Hinsichtlich des durchgeführten Silbernitrattests bemerkte der Gutachter
D._ insbesondere, dass mit einem solchen Test zwar Chloride nachgewiesen
werden können, die Korrosionsprodukte jedoch erst in Lösung gebracht werden
müssen, bevor sie vom Test erfasst werden können (act. 70 Ziff. 2.5.1.). Insofern
könnten die genannten Testresultate im vorliegenden Fall nicht als verlässlich an-
gesehen werden (act. 70 Ziff. 2.5.1.).
Eine klare Aussage hinsichtlich einer überwiegend wahrscheinlichen Ursache, wie
sie von der Klägerin behauptet wird, lässt sich dem Bericht ebenfalls nicht ent-
nehmen, weshalb auch er nicht geeignet ist, die von der Klägerin behauptete Ur-
sache als die überwiegend Wahrscheinliche erscheinen zu lassen.
2.4.3.7. Parteigutachten J._ (act. 3/33)
Beim Gutachten von J._ handelt es sich um einen von der C._ Versi-
cherung (Versicherung der Beklagten) in Auftrag gegebenen Bericht (act. 11 Rz
251). Der Bericht beruht auf der Grundlage einer Besprechung, an welcher Per-
sonen von beiden Parteien wie auch deren Anwälte anwesend gewesen sind.
Weiter fand am 21. Juni 2010 ein Besuch des Gutachters bei der Klägerin statt,
anlässlich welchem der Gutachter J._ die Gelegenheit erhielt, ein Modell der
streitgegenständlichen Maschinen zu begutachten (act. 3/33 S. 3). Insofern kann
die Instruktion zum Gutachten nicht durch eine Partei einseitig erfolgt sein, son-
- 39 -
dern der Experte konnte sich ein Bild beider Standpunkte machen. Die Behaup-
tung der Klägerin, sie hätte im Rahmen dieser Begutachtung keine Möglichkeit
erhalten, Fragen zu stellen, erscheint unter diesen Umständen nicht nachvollzieh-
bar. Nichtsdestotrotz wurde das Gutachten an die Adresse der Beklagten gerich-
tet. Ob ein solches Exemplar auch an die Klägerin versandt wurde oder sogar
beide Parteien zusammen und in gleicher Weise auf die Erstellung des Gutach-
tens hingewirkt haben, geht aus den Akten nicht hervor. Schliesslich ist auch die-
ses Parteigutachten lediglich als Parteivorbringen zu werten. Insofern ist der Be-
richt ebenfalls mit der notwendigen Zurückhaltung zu würdigen.
Der Bericht ist – im Gegensatz zu den anderen Gutachten – erst ein paar Monate
nach Feststellung des Schadens, nämlich Ende des Jahres 2011, und zwar basie-
rend auf zwei Berichten der R._ ... AG, erstellt worden. Der mit dem Bericht
betraute Gutachter J._ hatte dabei jedoch – wie bereits die anderen Experten
– ebenfalls keine Möglichkeit, die Verpackung mit eigenen Augen zu betrachten
(act. 3/33 S. 3 ff.).
Der Experte J._ hält in seinem Bericht zunächst fest, wie der VCI-Schutz
theoretisch funktioniert. Insbesondere weist er darauf hin, dass "nebst qualitativen
Anforderungen an die Metalloberfläche für den Korrosionsschutz auch eine quan-
titative Bedingung zu erfüllen sei, nämlich dass eine genügende Menge an Mole-
külen verfügbar ist, um die zu schützende Metalloberfläche vollständig damit zu
bedecken" (act. 3/33 S. 4). Entgegen der klägerischen Darstellung wird dies vom
Experten J._ durchaus erkannt. Entsprechend kommt auch das von der Be-
klagten angerufene Gutachten zum Schluss, dass die Anzahl verwendeter VCI-
Streifen grundsätzlich einen Einfluss auf die Wirksamkeit des gesamten Korrosi-
onsschutzes gehabt haben kann (act. 3/33 S. 5).
Im Bericht wird sodann ausgeführt, dass die Untersuchung der Korrosionsproduk-
te einzelner Teile notwendig geworden sei, da eine unsichere Situation im Zu-
sammenhang mit korrodierten Maschinenteilen an Lagen bestanden habe, welche
eindeutig durch die eingelegten VCI-Spender hätten geschützt sein sollen
(act. 3/33 S. 4). Die Klägerin bezeichnet diese als falsche, vorgefasste Auffassung
des Experten J._ (act. 1 Rz 128). Dies stehe in krassem Widerspruch zu den
- 40 -
Befunden der übrigen Expertisen, die allesamt zum Schluss gekommen seien,
dass ein ungenügender Korrosionsschutz bestanden habe und dass kein Meer-
wasser in die Container habe gelangen können (act. 1 Rz 129). Diesbezüglich ist
der Klägerin zu widersprechen. Der Experte J._ hat sich in diesem Moment
wohl noch nicht auf eine Ursache festgelegt. Vielmehr ist diese Aussage so zu
verstehen, dass er einen Befund gemacht hat, welchen es näher abzuklären gilt,
um anschliessend einen Rückschluss auf eine etwaige Ursache ziehen zu kön-
nen. Dabei wurde noch nicht ausgeschlossen, dass die Ursache auch auf die An-
zahl verwendeter VCI-Streifen zurückgeführt werden könnte. Richtigerweise – und
in Übereinstimmung mit den übrigen Expertisen – hält der Bericht J._ fest,
dass zum heutigen Zeitpunkt die genaue Anzahl verwendeter VCI-Streifen nicht
mehr eindeutig eruiert werden könne, zumal bei denjenigen Expertisen die von
vier VCI-Streifen ausgegangen sind, diese Feststellung einzig auf den Aussagen
von Dritten und nicht auf eigenen unmittelbaren Wahrnehmungen beruht, so dass
eine entsprechende Sicherheit dafür fehlt.
Der Bericht J._ geht bei den Untersuchungen und Überlegungen sogar noch
einen Schritt weiter und berechnet die VCI-Konzentrationen bei Verwendung von
sieben bzw. vier VCI-Streifen und in Bezug auf die unterschiedlichen Volumina-
Berechnungen. Wie viele Spender eingebaut wurden bzw. ob die verwendete An-
zahl VCI-Spender ausreichend gewesen ist, kann jedoch – wie nachfolgend zu
zeigen sein wird – offen bleiben.
Bemerkenswert sind jedoch die Feststellungen des Experten J._ vor allem
hinsichtlich der Lage der korrodierten Teile. So stellt J._ fest, dass eine Kor-
rosion des Antriebsrades und die Korrosionsspuren auf den am Rahmen ver-
schraubten brünierten Teilen nicht hätte eintreten dürfen, da sich diese Teile im
unmittelbaren Wirkbereich der Folie befunden hätten, die auf dem Holzboden un-
ter dem offenen Maschinenrahmen ausgebreitet worden sei (act. 1 Rz 60; act. 11
Rz 130; act. 3/33 S. 9; act. 12/19 Rz 37 ff.). Nach den Feststellungen des Exper-
ten J._ sind Korrosionserscheinungen an Stellen festgestellt worden, wo die
Beklagte nachweislich einen VCI-Spender in unmittelbarer Nähe eines Metallteils
der Maschine platziert hat. Diese Erscheinung – so die Ausführungen des Gut-
achters J._ – sei atypisch für die VCI-Anwendung und könne nur dadurch er-
- 41 -
klärt werden, dass die monomolekulare Schicht an diesen Stellen nicht habe ge-
bildet werden können (act. 12/19 Rz 37 f.). Diese Feststellung führt somit zur Fra-
ge, weshalb es zu einer Korrosion in einem Bereich gekommen ist, in welchem
unbestrittenermassen der VCI-Schutz hätte gewährleistet sein müssen (Wir-
kungsbereich = 30 cm gemäss K._/...-Empfehlungen act. 3/14 Anhang 1;
act. 21 Rz 236; act. 1 Rz 114; act. 18 Rz 184). Handelte es sich um Kondenswas-
ser, so hätte der VCI-Schutz im Wirkungsbereich eines Radius von 30 cm gerade
greifen sollen, denn der Gutachter J._ führt dazu aus, dass ein wirksamer
VCI-Schutz Wasser auf der zu schützenden Oberfläche unterwandere (act. 3/33
Ziff. 2.2). Entsprechend wirft er die Frage auf, ob es zum Eintritt eines Stoffes ge-
kommen sein könnte bzw. sich Stoffe bereits auf der Oberfläche der Maschinen
oder an Teilen der Maschinen befunden haben, die die Wirkungsweise des VCI-
Schutzes beeinträchtigt oder unterbunden haben könnten. Der Experte J._
hält hierzu fest, dass es bekannt sei, dass verschiedene Flüssigkeiten VCI Inhibi-
toren absorbieren können, so dass die absorbierten Inhibitoren nicht mehr für den
Korrosionsschutz verfügbar seien (act. 3/33 S. 10). Dass es zu einer Beeinträchti-
gung der Wirkungsweise des VCI-Schutzes kommen kann, wenn die Oberflächen
vorbehandelt oder verunreinigt sind (sei es durch verschmutztes Öl oder Chlori-
de), wird auch – worauf sich die Klägerin selber mehrfach beruft – in den Herstel-
ler-Empfehlungen festgehalten (act. 3/23 S. 5), so dass das Aufwerfen der betref-
fenden Frage von Gutachter J._ durchaus begründet und nachvollziehbar ist.
Nach dem Korrosionstest der R._ ... (act. 3/33 2. Anhang) soll das Vorhan-
densein einer Chloridkontamination den grössten Einfluss auf die Ausbildung von
Korrosion haben. Weiter kommt das Gutachten zum Schluss, dass die Menge an
vorhandenem VCI insbesondere dann von Bedeutung ist, wenn noch zusätzlich
Öl vorhanden ist, das einen Teil des VCI absorbiert und damit unwirksam macht.
Schliesslich hält das Gutachten fest, dass ohne absorbierendes Öl die in der
Transportverpackung vorliegende Menge VCI ausreichend zu sein scheint, um ei-
ne signifikante Korrosion zu unterbinden. Zu bemerken gibt das Gutachten, dass
die Aussagen allesamt nicht eindeutig oder absolut sind. Zwar zeigt die Tabelle
der Proberesultate auf, dass bei einer VCI-Konzentration von 37% keine Korrosi-
on aufgetreten ist, auch nicht im Bereich der Auflage. Gleichzeitig ergibt der Kor-
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rosionstest jedoch auch Spuren von Korrosion im Bereich der Auflage, wenn die
vom Hersteller empfohlene Menge an VCI (d.h. 0.3m2/m3 Volumen) verwendet
wird. Dies würde bedeuten, dass die geringere Menge an VCI zu einem besseren
Testresultat geführt hätte, als wenn strikte den Herstellerempfehlungen entspre-
chend verfahren worden wäre. Dies erscheint nicht nachvollziehbar, weshalb Vor-
behalte in Bezug auf die Testanalage anzubringen sind. Diese Testanlage zeigt
jedoch klar auf, dass eine starke Korrosion – und die streitgegenständlichen Ma-
schinen sind ja unbestrittenermassen stark korrodiert, indem geradezu ein Total-
schaden resultierte – dann zu verzeichnen ist, wenn die zu schützende Oberflä-
che durch NaCl kontaminiert ist. Insofern kann man sich die Frage stellen, ob bei
den Maschinen eine Kontamination – ob durch NaCl oder eine andere Substanz –
stattgefunden hat; Spuren von NaCl wurden jedenfalls festgestellt (vgl. dazu 1.
und 2. Bericht von AD._; act. 12/26 und 28). Insgesamt lassen weder die
Ausführungen des Experten J._ noch die Feststellungen der R._ ... ei-
nen eindeutigen Schluss zu, werfen jedoch zusätzlich wichtige Fragen auf.
2.4.4. Gesamtbetrachtung
Von beiden Parteien wurden verschiedene Berichte und Gutachten zur Darlegung
des Kausalzusammenhanges angerufen. Die von den Parteien eingereichten Be-
richte sind jedoch – wie vorstehend ausgeführt – allesamt als Privatgutachten und
damit als Parteivorbringen zu würdigen, so dass sich im Endresultat bloss die be-
treffenden Parteibehauptungen gegenüber stehen. Demgegenüber bezog der ge-
richtlich bestellte – und damit unabhängige – Gutachter eine klare Position. Ohne
eine überwiegend wahrscheinliche Ursache zu nennen, schloss er eine mangel-
hafte Verpackung als überwiegend wahrscheinliche Ursache für die Korrosions-
schäden unmissverständlich aus.
Mit Bezug auf die diversen Expertenberichte fällt nicht nur auf, dass diese teilwei-
se – insbesondere hinsichtlich der Anzahl eingebauter VCI-Streifen – von unter-
schiedlichen und ungenügend gesicherten Annahmen ausgegangen sind; bemer-
kenswert sind auch die völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen, zu denen die
verschiedenen Experten hinsichtlich der Frage der Ursache der Korrosionsschä-
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den gelangt sind, wobei die Aussagen der Experten dazu in keinem Fall einheit-
lich und klar, sondern vielmehr vage ausfielen.
Festgestellt werden kann jedenfalls, dass grundsätzlich mehr als nur eine mögli-
che Ursache in Frage kommen kann. In diesem Sinne wurde auch die von der
Klägerin genannte Ursache, nämlich die zu geringe Anzahl verwendeter VCI-
Streifen bzw. die ungenügende Platzierung dieser Streifen, zwar von einem Teil
der Experten durchaus als in Frage kommende Möglichkeit erwähnt. Gleichzeitig
wiesen diese aber auch auf weitere mögliche Ursachen hin, wie etwa auf das für
die Kisten verwendete Holz.
In Anbetracht der Tatsache, dass den für die F._- und I._-Berichte ver-
antwortlichen Experten das notwendige Fachwissen in Bezug auf die VCI-
Korrosionsschutzmethode offensichtlich fehlte und der G._-Bericht sich auf
keine klare Aussage beschränken konnte, sondern mehrere mögliche Ursachen
nannte, kann zugunsten der klägerischen Argumentation bloss der H._-
Bericht als Indiz für ihre Behauptung, es seien zu wenige VCI-Spender verwendet
worden bzw. es sei die Verdunstungsfolie nicht richtig verschweisst worden, be-
rücksichtigt werden. Zwar nennt auch dieser Bericht mehrere mögliche Ursachen
für den Korrosionsschaden, jedoch werden diese vom Gutachter allesamt unter
dem Titel "ungenügender Korrosionsschutz" subsumiert.
Um von einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit zugunsten der klägerischen Ar-
gumentation sprechen zu können, taugen die von den Parteien eingereichten Be-
richte jedoch allesamt weder für sich alleine noch in der Gesamtbetrachtung. Die
vagen und offenen Formulierungen vermögen das Gericht nicht hinreichend zu
überzeugen. Von klaren und übereinstimmenden Aussagen der verschiedenen
privaten Experten hinsichtlich der seitens der Klägerin behaupteten Schadensur-
sache kann vorliegend nicht die Rede sein. Vielmehr werden bestehende Zweifel
an der klägerischen Darstellung durch das gerichtlich eingeholte Gutachten inso-
fern zusätzlich gestärkt, als der Gutachter klar, überzeugend und nachvollziehbar
festhält, dass die tatsächliche Ursache zwar kaum noch festgestellt werden kön-
ne, dass aber – und dies ist entscheidend – eine mangelhafte Verpackung jedoch
nicht als überwiegend wahrscheinliche Ursache in Betracht komme. Folglich muss
- 44 -
das überwiegend wahrscheinliche Vorliegen des von der Klägerin behaupteten
natürlichen Kausalzusammenhangs verneint werden.
Hinzu kommt, dass die Beklagte mit der Berufung auf die J._- und R._-
Berichte – wie vorstehend erwähnt – Fragen aufwirft, die die klägerische Argu-
mentationslinie insofern erschüttern, als eine überwiegende Wahrscheinlichkeit
der klägerischen Argumentation ohnehin verneint werden müsste. Die Beklagte
bringt Gegenargumente vor, welche in Bezug auf die Verursachung des Korrosi-
onsschadens nicht minder wichtig bzw. wahrscheinlich zu sein scheinen als die
von der Klägerin vorgebrachten Argumente. Dass es in unmittelbarer Nähe zu
den VCI-Streifen zu Korrosionsschäden gekommen ist, lässt tatsächlich darauf
schliessen, dass es eine oder mehrere andere Ursachen gab, die nicht zwingend
dem Verantwortungsbereich der Beklagten zuzuordnen sind.
Das weitere klägerische Vorbringen, dass etwaige Eventualursachen, welche von
der Beklagten geltend gemacht wurden (Öl, Verschmutzung oder unterlassene
vorgängige Reinigung), ebenfalls der Beklagten anzulasten seien (act. 1 Rz 247),
greift insofern ins Leere, als dies vorliegend eben gerade nicht festgestellt werden
kann bzw. keine der möglichen Ursachen als überwiegend wahrscheinlich im Sin-
ne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erscheint. Folglich kann die Beklagte
auch nicht a priori für sämtliche möglichen Ursachen verantwortlich gemacht wer-
den, zumal die möglichen Einflüsse nicht zwingend von der Beklagten ausgegan-
gen sein müssen, sondern auch auf dem Transportweg oder durch Dritteinflüsse
bzw. Einflüsse der Klägerin verursacht worden sein könnten. Damit erübrigen sich
auch weitere Ausführungen zu etwaigen Strassenzuständen und Wetterlagen, wie
dies von der Klägerin in ihrer Noveneingabe vom 8. Juli 2014 geltend macht (vgl.
act. 90 und 91).
Weil vorliegend somit nicht auszumachen ist, welche der in Frage kommenden
möglichen Ursachen inwieweit den Korrosionsschaden bewirkt hat, kann die Be-
klagte für den eingetretenen Schaden auch nicht aufgrund des Werkvertrags-
rechts verantwortlich gemacht werden, weshalb dieser Anspruch abzuweisen ist.
Fragen wie die Anwendbarkeit der AGBs oder die tatsächlich verwendete Anzahl
VCI-Streifen können somit offen bleiben.
- 45 -
2.5. Auskunftshaftung
Eventualiter macht die Klägerin eine Haftung der Beklagten aus falscher Auskunft
geltend und bringt hierzu vor, dass die Beklagte der Klägerin explizit davon abge-
raten habe, die Maschinen mit Korrosionsschutz-Öl einzusprühen und so für ei-
nen Korrosionsschutz zu sorgen. Damit habe die Beklagte das Vorhandensein ei-
nes wirksamen Korrosionsschutzes bekräftigt und eine zusätzliche, eigenständige
Haftungsgrundlage geschaffen (act. 18 Rz 420 f.).
Die Beklagte hingegen weist auch den Vorwurf einer Haftung unter diesem Titel
von sich (act. 21 Rz 288). Sie wirft der Klägerin einerseits mangelnde Substantiie-
rung vor (act. 21 Rz 289), andererseits ist sich die Beklagte keiner Schuld be-
wusst. Sie bzw. ihr Mitarbeiter habe keine falsche Auskunft erteilt (act. 21
Rz 291). Dass ein Einsprühen der Maschinen mit VCI-Öl nicht notwendig sei, ha-
be zudem auch die Herstellerin K._ ausdrücklich bestätigt (act. 21 Rz 290
i.V.m. Rz 101).
Das Bundesgericht anerkennt unter gewissen Voraussetzungen eine Haftung ba-
sierend auf dem Grundsatz von Treu und Glauben durch schuldhaftes Verletzen
eines geweckten Vertrauens. So hält das Bundesgericht fest, dass derjenige, der
über Verhältnisse befragt wird, in die er Kraft seiner Stellung besonderen Einblick
besitzt, wahrheitsgetreu Auskunft zu geben hat, sofern für ihn erkennbar ist, dass
diese für den Adressaten voraussichtlich folgenschwere Bedeutung hat oder ha-
ben kann. Er darf nicht absichtlich falsche Tatsachen behaupten oder leichtfertig
Angaben machen, deren Unrichtigkeit oder Ungenauigkeit ihm ohne lange Prü-
fung in die Augen springen muss (BGE 111 II 471; BGE 57 II 86; BGE 41 II 82).
Der Angefragte handelt dabei nicht bloss widerrechtlich, wenn er wider besseres
Wissen oder leichtfertig unrichtige positive Angaben macht, sondern ebenso,
wenn er Tatsachen verschweigt, die ihm bekannt sind und von denen er sich sa-
gen muss, dass ihre Kenntnis den in Frage stehenden Entschluss beeinflussen
könnte (BGE 80 III 54).
Die Klägerin stellt sich also auf den Standpunkt, dass die von der Beklagten erteil-
te Auskunft, dass das Einsprühen der Maschinen mit VCI-Öl nicht notwendig sei,
falsch gewesen sei. Mit anderen Worten leitet die Klägerin daraus ab, dass die
- 46 -
richtige Auskunft die Bejahung des Einsprühens mit VCI-Öl gewesen wäre und
dies in der Folge zu einer Verhinderung des Korrosionsschadens geführt hätte.
Diese Behauptung, dass diese Auskunft falsch gewesen ist, wird von der Beklag-
ten bestritten (act. 21 Rz 291). Diese macht geltend, dass dieser Umstand auch
von der Herstellerin K._ als korrektes Vorgehen bestätigt worden sei (act. 21
Rz 101; act. 22/4).
Dass es sich bei der von der Klägerin geltend gemachten Auskunft um eine fal-
sche Aussage gehandelt habe, die auch noch zur Geltendmachung einer Aus-
kunftshaftung qualifiziert, wäre von der Klägerin zu beweisen. Die Klägerin nennt
zu dieser Behauptung jedoch keine Beweismittel (act. 18 Rz 420 ff.).
Nach Art. 229 ZPO und dem Konzentrationsgrundsatz sind Tatsachen und die
dazugehörigen Beweismittel und ganz allgemein Angriffs- und Verteidigungsmittel
wie Bestreitungen und Einreden grundsätzlich zu Beginn des Verfahrens vorzu-
bringen (LEUENBERGER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-
Kommentar, Art. 229 N 1). Nach Abschluss des zweiten Schriftenwechsel und ei-
ner Instruktionsverhandlung können neue Angriffs- und Verteidigungsmittel nur
noch unter Berücksichtigung des Novenrechts in den Prozess eingebracht wer-
den. Entsprechend ist die Klägerin zu dieser Behauptung von der Einführung von
Beweismittel in den Prozess nach Aktenschluss ausgeschlossen. Somit trifft die
Klägerin zur Frage der falschen Auskunft die Folgen der Beweislosigkeit, so dass
der von der Klägerin geltend gemachte Anspruch auch unter dem Titel der Aus-
kunftshaftung abzuweisen ist.
2.6. Zusammenfassung
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Klägerin mit beiden Begründungen, mit wel-
chen sie den Schaden von der Beklagten ersetzt haben will, nicht durchdringt. Die
Hauptbegründung, dass die Verpackung mangelhaft gewesen sei, indem zu we-
nige VCI-Spender verwendet worden seien bzw. die Streifen nicht richtig platziert
worden seien und die Folie nicht richtig verschlossen worden sei, greift ins Leere,
da die Expertisen allesamt keine dahingehende hinreichend klare Aussage ma-
chen konnten. Zudem ist es der Beklagten gelungen, mit dem von ihr angerufe-
nen Gutachten J._ weitere mögliche Schadensursachen zu benennen – wel-
- 47 -
che vom gerichtlich eingeholten Gutachten bestätigt wurden – und damit die klä-
gerische Argumentation ernsthaft zu erschüttern. Entsprechend der Rechtspre-
chung zum Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist somit der klä-
gerische Hauptbeweis als gescheitert zu betrachten, weshalb die Klage diesbe-
züglich nicht geschützt werden kann und damit abgewiesen werden muss.
Auch der klägerische Eventualstandpunkt der Auskunftshaftung greift ins Leere.
Zwar macht die Klägerin geltend, dass die Beklagte bzw. einer ihrer Mitarbeiter
eine falsche Auskunft erteilt habe. Die Beklagte hat diese Behauptung duplicando
jedoch bestritten, weshalb diese Vorbringen von der Klägerin zu beweisen gewe-
sen wäre. Mangels Benennung von Beweismitteln wurde dieser Beweis indessen
nicht erbracht, weshalb die Klage auch unter diesem Titel abzuweisen ist.
3. Prozesskosten
Die Prozesskosten sind gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO der unterliegenden Partei
auferlegt. Da die Klägerin vollumfänglich unterliegt, wird sie entsprechend kosten-
und entschädigungspflichtig.
Die Höhe der Gerichtgebühr bestimmt sich dabei nach der Gebührenverordnung
des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG; Art. 96 ZPO i.V.m. Art. 199
Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem
tatsächlichen Streitinteresse, dem Zeitaufwand des Gerichts sowie der Schwierig-
keit des Falles (§ 2 Abs. 1 lit. a, c und d sowie § 4 und 5 Abs. 2 GebV OG). Vor-
liegend beträgt der Streitwert CHF 6'168'713.35. In Anwendung von § 4 und 5
GebV OG, unter Berücksichtigung des Umfanges der Akten, der mehreren ge-
richtlichen Verfügungen, der Komplexität der Fragestellungen und in Anbetracht
des durchgeführten Beweisverfahrens rechtfertigt es sich, die Gerichtsgebühr auf
CHF 165'000.– festzusetzen.
Entsprechend der Kostenverteilung hat die Klägerin der Beklagten eine volle Par-
teientschädigung zu bezahlen. Die Parteientschädigung wird nach Ermessen
festgesetzt. Die Grundgebühr ist mit der Klagebegründung verdient; für die Refe-
rentenaudienz und jede weitere Rechtsschrift ist ein Zuschlag zu gewähren (§ 6
Abs. 1 lit. a und c AnwGebV). Insgesamt rechtfertigt es sich – insbesondere auf-
- 48 -
grund der von der Klägerin verursachten zusätzlichen Stellungnahmen –, der Be-
klagten eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 155'000.– zuzusprechen.