Decision ID: f2c66bb3-1040-5df5-824b-169351a49528
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 22. Oktober
2019 in die Schweiz und suchte am gleichen Tag um Asyl nach.
B.
Am 30. Oktober 2019 wurde er zu seiner Person sowie dem Reiseweg be-
fragt (Personalienaufnahme). Am 2. Dezember 2019 wurde er vertieft zu
seinen Asylgründen angehört.
Der Beschwerdeführer nannte als Fluchtgrund im Wesentlichen persönli-
che sowie seine soziale Umgebung betreffende Probleme. Insbesondere
habe sein Leidensdruck im Zuge einer unglücklichen Beziehung mit seiner
damaligen Partnerin begonnen. Zunehmend hätten Aussenstehende in
seine zwischenmenschliche Beziehung eingegriffen und es sei zu Beschat-
tungen, mysteriösen Unfällen und Verunglimpfungen seiner Person ge-
kommen. In dieser Zeit habe das Phänomen begonnen, dass er auf der
Strasse von unzähligen unbekannten Menschen mit hasserfüllten oder
spöttischen Blicken drangsaliert worden sei. Diese hätten auch seinen Klei-
dungsstil nachgeahmt. Eines Tages habe er zwei Molotov-Cocktails gegen
französische Polizisten geworfen. Man habe ihn aber strafrechtlich nicht
belangt, sondern in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, von wo aus
er nach einigen Wochen nach Spanien verlegt worden sei. In der Psychi-
atrie habe er sich regelmässig wie ein Tier behandelt gefühlt. Schlimm sei
auch gewesen, dass seine Warnungen und Beanstandungen bei diversen
Behörden nicht ernst genommen worden seien.
Aus diesen Gründen habe er sein Hab und Gut aufgegeben und sei aufge-
brochen. Er sei aber auch in die Schweiz gelangt, um die hiesigen Behör-
den zu warnen, dass in naher Zukunft grosse Probleme in Bezug auf die
Telekommunikation beziehungsweise die globalen Informationssysteme
anstünden. Insbesondere stünden ein Cyberangriff und eine schwerwie-
gende Betrugsaffäre im Bereich der Kryptowährungen bevor.
Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte zu den Akten.
C.
Am 10. Dezember 2019 unterbreitete das SEM der Rechtsvertretung des
Beschwerdeführers den Entscheidentwurf zur Stellungnahme. In der Stel-
lungnahme vom 10. Dezember 2019 führte der Beschwerdeführer aus,
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dass er damit einverstanden sei, dass seine Vorbringen den Anforderun-
gen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten würden. Er wolle je-
doch die Schweiz auf die Gefahren der Cyberkriminalität aufmerksam ma-
chen.
D.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2019 (Eröffnung am selben Tag) stellte
das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfüllt, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an.
E.
Am 11. Dezember 2019 legte die zugewiesene Rechtsvertretung ihr Man-
dat nieder (Art. 102h Abs. 4 AsylG [SR 142.31]).
F.
Mit Eingabe vom 18. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen
die Verfügung des SEM vom 11. Dezember 2019 Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung
von Asyl. Eventualiter sei eine vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung ersucht.
Er brachte im Wesentlichen vor, dass seine Menschenrechte in Spanien
verletzt würden. Der Beschwerde lagen ein ausgedrucktes Foto sowie Aus-
züge einer Website bei.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
23. Dezember 2019 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
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von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.3 An dieser Stelle ist der Ordnung halber festzuhalten, dass trotz Hinwei-
sen auf mögliche medizinische respektive psychologische Probleme auf-
grund der Aktenlage insgesamt kein Anlass zur Annahme besteht, der Be-
schwerdeführer wäre in seiner Prozessfähigkeit eingeschränkt.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
Das SEM begründete seine Verfügung in zutreffender Weise damit, dass
vom Beschwerdeführer bei objektiver Betrachtung lediglich ein rein
subjektives Gefühl des Verfolgtseins ersichtlich gemacht wird, welchem
keine asylrechtliche Relevanz zukommt, zumal sich den Schilderungen
keine objektivierbaren Anhaltspunkte für das Vorliegen einer tat-
sächlichen Verfolgungssituation aus einem flüchtlingsrechtlich rele-
vanten Motiv entnehmen lassen. Es spricht insgesamt nichts dafür, dass
der Beschwerdeführer in seiner Heimat aus einem flüchtlingsrechtlich
relevanten Grund – wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politi-
schen Anschauungen – gezielt gegen seine Person gerichteten Verfol-
gungshandlungen ausgesetzt wäre. Gleichzeitig besteht auch kein
Anlass zur Annahme, er hätte aus irgendwelchen anderen Gründen
ernsthaft mit Nachstellungen zu rechnen. Das SEM hat somit zu Recht
die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer ist nicht im Besitze einer Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung. Praxisgemäss wird eine Wegweisung auch dann
nicht verfügt, wenn eine asylsuchende Person grundsätzlich über einen
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Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verfügt und diesbe-
züglich ein Gesuch bei der zuständigen kantonalen Ausländerbehörde be-
reits hängig ist. Der Beschwerdeführer ist Bürger der Europäischen Union,
weshalb er nach den Bestimmungen des Abkommens zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Ge-
meinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit
(Freizügigkeitsabkommen [FZA], SR 0.142.112.681) grundsätzlich über
das Recht auf Einreise und Aufenthalt in der Schweiz wie auch über eine
Anspruchsgrundlage für die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verfügt.
6.3 Allerdings steht diese Tatsache der Anordnung der Wegweisung vorlie-
gend nicht entgegen, da sich aus dem Umstand, dass er bislang kein Ge-
such um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung eingereicht hat, schliessen
lässt, dass er sich nicht aus einem der im Freizügigkeitsabkommen ge-
nannten Gründe in der Schweiz aufhält, sondern einzig zwecks Einrei-
chung eines Asylgesuches in die Schweiz eingereist ist. Die Anordnung der
Wegweisung aus der Schweiz ist demnach zu bestätigen.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich in Beachtung der massgebli-
chen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig (Art. 83
Abs. 3 AIG), da nach vorstehenden Erwägungen weder Hinweise auf eine
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung (Art. 5 Abs. 1 AsylG) bestehen,
noch konkrete Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung
im Sinne von Art. 3 EMRK ersichtlich sind.
7.3 Im Weiteren ist auch von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges
auszugehen (Art. 83 Abs. 4 AIG), da weder die in Spanien herrschenden
allgemeinen Verhältnisse noch individuelle Umstände gegen eine Rück-
kehr sprechen.
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7.4 Schliesslich ist ohne Weiteres von der Möglichkeit des Wegweisungs-
vollzugs nach Spanien auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 102m AsylG sind abzuwei-
sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt
– als aussichtlos zu bezeichnen sind, weshalb die Voraussetzungen für die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind.
9.2 Die Kosten des Verfahrens sind daher dem Beschwerdeführer aufzu-
erlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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