Decision ID: 18cb3e9a-016d-43f6-b714-a1e921c993ce
Year: 2017
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

vorgebracht, was diesen Sachverhalt in Frage stellen würde.
Insbesondere werde nicht behauptet, das Ehepaar hätte sich in den
Jahren 2014 und 2015 jeweils mehr als 183 Tage in der Schweiz
aufgehalten. Die gesundheitliche Situation des Ehemannes sei zu
pauschal ausgeführt, als dass sich daraus ableiten liesse, er hätte sich
deshalb mehr als 183 Tage im Jahr im Ausland aufhalten müssen. In der
Befragung sei im Gegenteil behauptet worden, der Ehemann hätte sich
ein Mal pro Jahr zur Kontrolle ins Kantonsspital Graubünden in die
Schweiz begeben. Diese Angaben seien von der Ehefrau schriftlich
bestätigt worden. Es handle sich dabei um die Aussage der ersten
Stunde. Es liege keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.
4. Mit Beschwerde vom 17. August 2016 beantragte A._ (hiernach
Beschwerdeführer) dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Er
begründete seinen Antrag damit, dass die Verfahrensregeln verletzt
worden seien. Der Sachverhalt sei falsch und unvollständig festgestellt
worden. Das materielle Recht sei ebenfalls falsch angewendet worden.
Der Beschwerdeführer habe an der Anhörung vom 18. Januar 2016
wegen schwerer Krankheit nicht anwesend sein können. Er besitze kein
Haus, welches auf seinen Namen laute. Er lebe vorübergehend im
Ausland beim Schwiegervater, für den er verpflichtet sei, Unterhalt zu
zahlen. Im angefochtenen Entscheid stehe nicht, welcher Reisepass – der
des Beschwerdeführers oder derjenige seiner Ehefrau – kopiert worden
sei. Bei der Befragung der Ehefrau wäre ein Dolmetscher nötig gewesen,
weil die Ehefrau nicht gebildet sei. Es bleibe umstritten, warum der
Beschwerdeführer und die Ehefrau zur Anhörung eingeladen worden
seien und der Beschwerdeführer nicht befragt worden sei. Unklar sei
auch, wann und ob die Behörde die An- und Abmeldungen in den Jahren
2014 und 2015 geprüft habe. Der Beschwerdeführer bitte das Gericht, die
- 4 -
medizinische Dokumentation zu berücksichtigen. Er und seine Ehefrau
hätten keine schlechten Absichten gehabt, sie hätten die Schweizer
Gesetze respektiert und immer fleissig gearbeitet.
5. In der Vernehmlassung beantragte die AHV-Ausgleichskasse
(Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. In der
Beschwerde würden keine neuen rechtserheblichen Tatsachen geltend
gemacht, weshalb hier auf Wiederholungen verzichtet werde. Zur
Begründung verweise sie daher unverändert auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid.
Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel wird, soweit erforderlich, im
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 25. Juli 2016. Gegen solche Entscheide
kann gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Ergänzungsleistungen (ELG; SR 831.30) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) Beschwerde erhoben
werden. Gemäss Art. 58 Abs. 2 ATSG gilt bezüglich der Zuständigkeit
was folgt: Befindet sich der Wohnsitz der versicherten Person oder des
Beschwerde führenden Dritten im Ausland, so ist das
Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem sich ihr
letzter schweizerischer Wohnsitz befand oder in dem ihr letzter
schweizerischer Arbeitgeber Wohnsitz hat; lässt sich keiner dieser Orte
ermitteln, so ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig,
in dem das Durchführungsorgan seinen Sitz hat. Der Beschwerdeführer
wohnt heute unbestritten im Ausland, davor wohnte er zusammen mit
- 5 -
seiner Ehefrau im Kanton Graubünden, womit das Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde örtlich zuständig ist. Dessen sachliche und funktionelle
Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Damit ist
die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts für die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde zu bejahen. Als formeller und materieller
Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer davon überdies berührt und weist ein schutzwürdiges
Interesse an dessen gerichtlicher Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Seine
Beschwerdelegitimation ist demnach zu bejahen. Auf die zudem frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten (Art. 1 ELG
i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. a ATSG).
2. a) Streitig und zu prüfen ist hier, ob die Aberkennung des Anspruchs des
Beschwerdeführers auf Ergänzungsleistungen rückwirkend ab dem 1.
Januar 2014 durch die Beschwerdegegnerin zu Recht erfolgte oder ob
dies nicht der Fall ist und somit auch keine gültige Rückforderung für zu
viel bezahlte Ergänzungsleistungen für den Zeitraum ab dem 1. April
2014 bis zum 31. Dezember 2015 im Umfang von Fr. 20'160.-- besteht.
b) Nach Art. 2 Abs. 1 ELG gewähren Bund und Kantone Personen, welche
die gesetzlichen Voraussetzungen nach Art. 4 bis Art. 6 erfüllen,
Zusatzleistungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs in Form von
Ergänzungsleistungen, wenn die gesetzlich anerkannten Ausgaben (Art.
10 ELG) die anrechenbaren Einnahmen (Art. 11 ELG) übersteigen. Die
Gewährung dieser Leistung setzt unter anderem voraus, dass die
anspruchsberechtigte Person in der Schweiz wohnt und dort ihren
gewöhnlichen Aufenthalt hat (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3.
Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 13 N. 22). Mit der Verlegung des
Wohnsitzes ins Ausland oder dem Wegfall des gewöhnlichen Aufenthalts
in der Schweiz erlischt der Anspruch auf Ergänzungsleistungen
- 6 -
zumindest vorübergehend (RALPH JÖHL/ PATRICIA USINGER-EGGER,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: ULRICH MEYER [Hrsg.]:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR XIV], Soziale
Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 1729 Rz. 31; vgl. Wegleitung über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV [WEL], gültig ab 1. April 2011,
Stand 1. Januar 2016, Rz. 2310.01 f., 2330.01 ff.).
c) Nach Art. 13 ATSG bestimmt sich der Wohnsitz einer Person nach Art. 23
bis Art. 26 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 220). Laut
den fraglichen Regelungen befindet sich der Wohnsitz einer
handlungsfähigen Person grundsätzlich an jenem Ort, wo sie sich mit der
Absicht des dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1 ZGB). Für die
Begründung dieses Wohnsitzes müssen somit zwei Merkmale vorliegen,
nämlich aus objektiver Sicht der physische Aufenthalt und aus subjektiver
Sicht die Absicht des dauernden Verbleibens. Da der Wohnsitz nicht nur
für die betroffene Person, sondern auch für Dritte und das Gemeinwesen
von Bedeutung sein kann, ist die innere Absicht des dauernden
Verbleibens allerdings nur insofern von Bedeutung, als sie in nach aussen
erkennbarer Weise in Erscheinung tritt. Massgebend ist folglich, wo die in
Frage stehende Person nach den erkennbaren Umständen den
Mittelpunkt oder Schwerpunkt ihrer Lebensbeziehungen hat. Der
Lebensmittelpunkt bestimmt sich folglich nach der Gesamtheit der
objektiven, äusseren Umstände, aus denen sich die Lebensinteressen
erkennen lassen und nicht bloss nach den erklärten Wünschen einer
Person (BGE 138 V 23 E.3.1.1, 136 II 405 E.4.3, 133 V 309 E.3.1, 127 V
237 E.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_713/2014 vom 4. Mai 2015 E.3.2).
Der Mittelpunkt der Lebensbeziehungen befindet sich im Normalfall am
Wohnort, d.h. dort wo man schläft, die Freizeit verbringt, sich die
persönlichen Effekten befinden und wo man üblicherweise einen
Telefonanschluss und eine Postadresse hat. Bei verheirateten Personen
ist der Wohnsitz für jeden Ehegatten gesondert zu ermitteln. Indessen
befindet sich der Lebensmittelpunkt beider Ehegatten üblicherweise am
- 7 -
Ort der ehelichen Wohnung (Urteil des Bundesgerichts 8C_713/2014 vom
4. Mai 2015 E.3.2; DANIEL STAEHLIN, in: HONSELL/VOGT/GEISER [Hrsg.],
Balser Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1-456 ZGB, 4. Aufl., St. Gallen
2010, Art. 23 N. 10, je m.w.H.). Nach schweizerischem Privatrecht kann
jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt nur an einem einzigen Ort seinen
Wohnsitz haben. Dabei bleibt der einmal begründete Wohnsitz bis zum
Erwerb eines neuen Wohnsitzes erhalten (Art. 24 Abs. 1 ZGB).
d) Wohnt eine Person in der Schweiz, so kann sie freilich nur
Ergänzungsleistungen beanspruchen, wenn sich ebenfalls ihr
gewöhnlicher Aufenthalt in der Schweiz befindet (vgl. E.2b hiervor).
Gemäss Art. 13 Abs. 2 ATSG liegt der gewöhnliche Aufenthalt einer
Person an dem Ort, an dem sie während längerer Zeit lebt, selbst wenn
diese Zeit zum Vornherein befristet ist. Nach der Rechtsprechung ist für
den gewöhnlichen Aufenthalt der tatsächliche Aufenthalt in der Schweiz
und der Wille, diesen Aufenthalt aufrechtzuerhalten, massgebend;
zusätzlich dazu muss sich der Schwerpunkt aller Beziehungen in der
Schweiz befinden (BGE 119 V 98 E.6c, 111 E.7b, 112 V 164 E.1a; Urteil
des Bundesgerichts 9C_729/2014 vom 16. April 2015 E.3). Die in
objektivem Sinne zu verstehende Voraussetzung des tatsächlichen
Aufenthalts wird in der Regel nach der Ausreise ins Ausland nicht mehr
erfüllt. Bei vorübergehendem Aufenthalt ohne Absicht, die Schweiz für
immer zu verlassen, lässt das Aufenthaltsprinzip jedoch
rechtsprechungsgemäss die beiden Ausnahmen des "voraussichtlich
kurzfristigen" und "voraussichtlich längerfristigen Auslandaufenthaltes" zu.
Im erstgenannten Fall bleibt der gewöhnliche Aufenthalt in der Schweiz
bestehen, wenn und soweit der Auslandaufenthalt sich im Rahmen des
allgemein Üblichen bewegt. Der kurzfristige Auslandaufenthalt muss aus
triftigen Gründen (wie zum Beispiel zu Besuchs-, Ferien-, Geschäfts-,
Kur- oder Ausbildungszwecken) erfolgen und darf drei Monate (92 Tage)
nicht übersteigen. Der Ausnahmegrund eines "voraussichtlich
längerfristigen Auslandaufenthaltes" liegt vor, wenn ein grundsätzlich als
- 8 -
kurzfristig beabsichtigter Auslandaufenthalt wegen zwingender
unvorhergesehener Umstände, wie etwa Erkrankung oder Unfall, über ein
Jahr hinaus verlängert werden muss oder wenn von vornherein
zwingende Gründe wie Fürsorgemassnahmen, Ausbildung oder
Krankheitsbehandlung einen voraussichtlich überjährigen Aufenthalt
erfordern (BGE 111 V 180 E.4, Urteil des Bundesgerichts 9C_166/2011
vom 24. Oktober 2011 E.3.2, Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts P 25/06 vom 23. August 2007 E.4.1). Die
fraglichen Zeitlimiten von drei Monaten bzw. einem Jahr sind nicht als
schematische Kriterien zu verstehen, sondern stellen lediglich eine
Richtschnur dar, an der sich das Gericht zu orientieren hat, um eine
rechtsgleiche Behandlung zu gewährleisten. Davon darf im Einzelfall bei
Vorliegen besonderer Umstände abgewichen werden (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_345/2010 vom 16. Februar 2011 E.5.1, 9C_696/2009
vom 15. März 2010 E.3.3; URS MÜLLER, in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 4 N. 26).
3. a) In sachverhaltsrechtlicher Hinsicht steht fest, dass sich der
Beschwerdeführer am 19. Januar 2016 bei der Gemeinde X._
abmeldete und ins Ausland wegzog (vgl. beschwerdegegnerische Akten
[Bg-act.] 70 S. 4). Strittig und zu prüfen ist hier, wie es sich bezüglich des
Wohnsitzes bzw. Aufenthaltes und Lebensmittelpunkts in den
vorangegangenen Jahren 2014 und 2015 verhalten hat. Ausgangspunkt
für die Beurteilung dieser Frage sind vorliegend die Befragung bzw. das
Evaluationsgespräch der Ehefrau des Beschwerdeführers vom 18. Januar
2016 (Bg-act. 61 S. 1-6) und die von der Fachstelle für Bekämpfung von
Versicherungsmissbrauch (BVM) zusammengestellte
Aktendokumentation (s. Inhaltsverzeichnis zu den BVM-Aktendossiers 1-7
vom 23. August 2016). Wie die Auswertung dieser Beweismittel gleich
zeigen wird, ist gestützt darauf nicht ersichtlich, inwiefern die
Beschwerdegegnerin bestimmte Verfahrensregeln verletzt, den
- 9 -
Sachverhalt falsch oder unvollständig festgestellt sowie das Recht
unzutreffend angewendet haben soll. Wie der Einladung vom 23.
Dezember 2015 zum Besprechungstermin am 13. Januar 2016
entnommen werden kann (Bg-act. 60 S. 1), wurde der Beschwerdeführer
schon dort offen und umfassend über den Sinn und Zweck dieser
Befragung (Ermittlung der aktuellen Lebenssituation) informiert und
gebeten, die entsprechenden Dokumente als Beleg für die gemachten
Selbstangaben mitzubringen. Zur Korrektheit der durchgeführten
Befragung gilt es festzuhalten, dass die am 18. Januar 2016 alleine
erschienene Ehefrau des Beschwerdeführers auf entsprechende Anfrage
(Bg-act. 61 S. 1 Frage 1) noch ausdrücklich verneinte, dass sie aus
Sprach- oder Verständigungsgründen auf einen Übersetzer angewiesen
sei. Der Einwand des Beschwerdeführers, dass seine Ehefrau 'nicht
gebildet' sei und daher für die Befragung einen Dolmetscher benötigt
hätte, erweist sich damit als unbegründet. Weiter wurde der Ehegattin
schon zu Beginn der Befragung der Grund für die Einladung
(Auskunftserteilung betreffend EL-Leistungen an Ehemann
[Beschwerdeführer]) genannt und die anwesende Ehefrau erklärte sich
uneingeschränkt zur Auskunft bereit (Frage/Antwort 2). Zur Absenz ihres
Ehemannes (Beschwerdeführer) hielt sie fest, dass dieser krank
geworden sei und er sich aktuell zu Hause im Ausland aufhalte
(Fragen/Ant-worten 3/4). Sie seien letztmals im Oktober 2015 in der
Schweiz gewesen, um die Aufenthaltsbewilligung im Kanton Graubünden
zu verlängern (Antwort 5). Laut den mitgebrachten Reisepassdokumenten
dauerte dieser Aufenthalt rund zwei Wochen vom 4. bis 17. Oktober 2015
(Antwort 6; vgl. Passeinträge in Bg-act. 61 S. 8 für Ehemann; Bg-act. 61
S. 11 für Ehefrau; Fahrkartenbescheinigungen Bg-act. 61 S. 13 und Bg-
act. 61 S. 16; vgl. auch Beilagen zur Befragung der Ehefrau vom 18.
Januar 2016 in BVM-Aktendossier 4). Diese Selbstangaben wurden am
Ende des Protokolls von der Ehefrau noch unterschriftlich bestätigt,
nachdem sie zu Beginn der Befragung korrekt auf die Wahrheitspflicht
bezüglich ihrer freiwillig gemachten Auskünfte hingewiesen wurde (Bg-
- 10 -
act. 61 S. 1). Soweit der Beschwerdeführer dennoch geltend macht, es
bleibe umstritten, weshalb er nicht persönlich befragt worden sei, ist ihm
auch die Aktennotiz der Beschwerdegegnerin zum Telefongespräch vom
7. Januar 2016 mit der Ehefrau entgegenzuhalten, wonach diese
unmissverständlich erklärte, es wäre gut, wenn ihr Ehemann aus
gesundheitlichen Gründen nicht mitkommen müsste, zumal sie ebenfalls
alle Angaben machen könne (BVM-Aktendossier 3). Die
verfahrensrechtlichen Einwände des Beschwerdeführers gegen das
konkrete Vorgehen und Verhalten der Beschwerdegegnerin sind daher
allesamt unbegründet.
b) In materieller Hinsicht gilt es zu den allenfalls anspruchsbegründenden
Aufenthalten des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau in der Schweiz
in den beiden hier allein interessierenden Kalenderjahren 2014 und 2015
was folgt festzuhalten: Auf die Frage nach ihrem Lebensmittelpunkt
anlässlich der Befragung vom 18. Januar 2016 antwortete die Ehefrau,
dass ihr Ehemann und sie im Ausland in einem grossen Haus lebten,
welches ihrem Vater gehöre (Bg-act. 61 S. 3 Frage 12). Im Jahre 2015
hätten sie für ca. 2-3 Monate auch noch in Wien, Österreich, bei ihrem
Sohn gelebt (Antwort auf Frage 13). Eigentlich möchten sie altersbedingt
künftig im Ausland bleiben. Im Jahre 2015 hätten sie sich ebenfalls ca. 2-
3 Monate in der Schweiz bei ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn in
deren Mietwohnung in X._ (BVM-Aktendossier 2; Familienwohnung
für 3 Personen im Parterre) aufgehalten. Im Jahre 2014 könne sie sich
nicht mehr erinnern, wann und wo sie gewesen seien, da ein ständiges
"hin und her" geherrscht habe (Antwort auf Frage 14). Auf den Vorhalt,
dass 2014 kein Passstempel für eine Einreise des Ehemannes
(Beschwerdeführers) in die Schweiz existiere (BVM-Aktendossier 4; s.
Eintrag im Pass des Beschwerdeführers auf Seite 09, der letzte
Stempeleintrag vor 2015 datiert danach vom 15. November 2013),
antwortete die Ehefrau, dass ihr Ehemann jedes Jahr mindestens einmal
zur Kontrolle ins Kantonsspital Chur gehe. Sie seien aber nie für 5-6
- 11 -
Monate aneinander, sondern bloss für einzelne Wochen, in der Schweiz
gewesen (Antwort auf Frage 15). Auf die Feststellung, wonach weder ihr
Ehemann noch sie anlässlich einer Anwesenheitskontrolle am 22.
Dezember 2015 am vermeintlichen Wohnort in X._ angetroffen
werden konnten (BVM-Aktendossier 1 mit Ermittlungen wegen
Verdachtsmomenten auf längere Auslandaufenthalte), antwortete die
Ehefrau, dass sie zusammen bei ihrer Tochter und dem Schwiegersohn in
X._ wohnten, wobei die Tochter die Wohnung gemietet habe und
auch den Mietzins dafür bezahle. Wenn sie könnten, würden sie aber Fr.
550.-- pro Monat an die Tochter überweisen (Antwort auf Frage 18). Der
Lebensmittelpunkt des Ehemanns und von ihr befinde sich heute
wiederum im Ausland (Antwort auf Frage 19). Nach der Pensionierung
ihres Ehemanns – vermutlich also ab dem Jahre 2010 – hätten sie sich
immer mehr im Ausland aufgehalten (Antwort auf Frage 20). Eventuell
werde sie dereinst das Haus ihres Vaters erben (Antwort auf Frage 21).
Mit dem Geld aus dem Freizügigkeitskonto in der Höhe von Fr. 35'144.05
habe ihr Ehemann bereits 2007 ein kleines Grundstück mit Wald im
Ausland gekauft (Antwort auf Frage 28). Die im Jahre 2009 ausbezahlten
Pensionskassengelder in der Höhe von Fr. 17'304.35 (Februar) bzw. Fr.
10'914.75 (April) seien zur Renovation des Hauses im Ausland verwendet
worden (BVM-Aktendossier 4 mit Anhang/Foto vor und nach der
Hausrenovation). Seither hätten sie im Ausland gelebt (Antwort auf Frage
29). In Würdigung der soeben zitierten Auskünfte der Ehefrau des
Beschwerdeführers sowie der gesamten Aktenlage steht für das
streitberufene Gericht fest, dass sich der Beschwerdeführer und seine
Ehefrau spätestens seit dem 1. Januar 2014 nicht mehr überwiegend –
will heissen mehr als 183 Tage im Jahr – in der Schweiz bzw. bei ihrer
Tochter in X._ aufgehalten haben bzw. seither nicht mehr mit der
Absicht eines dauerhaften Verbleibs in der Schweiz gewohnt haben.
c) Diesen klaren Erkenntnissen stehen vorliegend auch die geltend
gemachten Gesundheitsprobleme des Beschwerdeführers nicht im Wege,
- 12 -
weil die letzte Operation aufgrund eines Leistenbruchs am 25. Januar
2012 schon länger zurückliegt (Bg-act. 61 S. 2 Antwort auf Frage 3) und
auch aus den vom Beschwerdeführer eingereichten medizinischen
Dokumenten (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2 und 3 –
'Laborwerte' in Tabellenform vom Mai und August 2016; Bf-act. 4 und 5,
worin Dr. med. B._ beim Beschwerdeführer am 5. Februar 2016 eine
Hüftarthrose und eine Kniegelenkarthrose diagnostizierte und im
Kontrollbericht vom 11. August 2016 weitere Angaben dazu machte) nicht
ersichtlich ist, inwiefern diese Arztberichte für den hier massgebenden
Zeitraum von 2014 bis 2015 von beweisrechtlicher Bedeutung sein
könnten. Als zwingende krankheits- oder unfallbedingte Ursachen in der
Person des Leistungsansprechers gelten praxisgemäss nur die
Behandlung einer Krankheit im Ausland, wenn diese in der Schweiz nicht
möglich ist, im Ausland erlittene Unfälle oder Krankheiten, ein
Gesundheitszustand, der keine Rückkehr in die Schweiz erlaubt oder
Tatbestände aus dem Bereich der höheren Gewalt, die zum längeren
Aufenthalt geführt haben (vgl. vorne E.2d). Im konkreten Fall wurden
solche Gründe weder vom Beschwerdeführer geltend gemacht noch sind
solche aus den Akten noch aus den mit Beschwerde eingereichten Labor-
und Arztberichten ersichtlich. Mit diesen viel zu pauschalen Dokumenten
kann jedenfalls mit Sicherheit noch nicht hergeleitet werden, dass sich der
Beschwerdeführer einzig wegen seiner gesundheitlichen Probleme zur
ärztlichen Betreuung in seine Heimat begab und sich nur wegen der
Schwere seiner Leiden im Jahre 2014 überhaupt nicht bzw. im Jahre
2015 nur während rund zwei Wochen im Oktober 2015 in der Schweiz
aufhielt. Anlässlich ihrer Befragung gab die Ehefrau diesbezüglich
vielmehr noch an, dass sich der Beschwerdeführer jedes Jahr zumindest
einmal zur Kontrolle ins Kantonsspital Chur begebe (Bg-act. 61 S. 3
Antwort 15), womit auch unter rein medizinischen Gesichtspunkten nicht
nachvollziehbar ist, was mit den vier selbst nachgereichten medizinischen
Akten bewiesen werden sollte.
- 13 -
d) Zusammengefasst ergibt sich, dass der Lebensmittelpunkt und somit der
Schwerpunkt des persönlichen sowie sozialen Lebens des
Beschwerdeführers und seiner Ehefrau seit mindestens 1. Januar 2014
nicht mehr in der Schweiz liegt. Die Verneinung des umstrittenen EL-
Anspruchs des Beschwerdeführers rückwirkend ab diesem Zeitpunkt
infolge Nichterfüllens der Wohnsitz- und Aufenthaltsvoraussetzungen im
Sinne von Art. 13 ATSG gibt daher auch zu keinen Korrekturen Anlass.
e) Entsprechend Art. 24 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur
AHV/IV (ELV; SR 831.301) besteht im Bereich der EL eine strenge
Meldepflicht. Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten
(Art. 25 ATSG). Mit jeder EL-Verfügung wird darauf hingewiesen, dass
Auslandaufenthalte, welche pro Jahr länger als zwei Monate dauern,
mitzuteilen sind. Gemäss EL-Bundesweisung entfällt der EL-Anspruch für
das gesamte Kalenderjahr, wenn sich eine Person im selben Kalenderjahr
insgesamt mehr als sechs Monate bzw. 183 Tage im Ausland aufhält (vgl.
WEL Rz. 2330.02). Im Jahre 2014 hat sich der Beschwerdeführer wohl
die gesamten 365 Tage in seiner Heimat und im Jahre 2015 unbestritten
mindestens 9 Monate bzw. rund 270 Tage nicht in der Schweiz
aufgehalten, ohne dass er den Behörden jemals seine Abwesenheit
gemeldet hätte. Die Rückforderung für zu Unrecht ausgerichtete
Ergänzungsleistungen im Zeitraum ab dem 1. April 2014 bis zum 31.
Dezember 2015 im Umfang von Fr. 20'160.-- ist daher zu Recht erfolgt,
zumal der Beschwerdeführer weder deren Höhe noch deren Bestand
jemals bestritten oder angezweifelt hat.
f) Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass für den
Beschwerdeführer selbstverständlich – wie bereits in der Verfügung vom
21. Januar 2016 (Bg-act. 64 S. 3) darauf hingewiesen – die Möglichkeit
besteht, ein begründetes Erlassgesuch bezüglich der Rückforderung für
die zu viel bezahlten Ergänzungsleistungen seit dem 1. April 2014 bis
- 14 -
zum 31. Dezember 2015 in der geschuldeten Höhe von Fr. 20'160.-- zu
stellen.
4. a) Der angefochtene Einspracheentscheid vom 25. Juli 2016 ist demnach
rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde vom 17. August 2016 führt.
b) Gerichtskosten werden nicht erhoben, weil das vorliegende
Beschwerdeverfahren grundsätzlich kostenlos ist (Art. 61 lit. a ATSG). Die
obsiegende Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).