Decision ID: 270ce815-3f25-42f1-abf3-1823d0f1050d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufungen und Beschwerde gegen ein Urteil und eine Verfügung des  im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Pfäffikon vom 11. August 2020 (EE190050-H)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin (Urk. 31 S. 2 f.):
" 1. Den Parteien sei das Getrenntleben zu bewilligen und es sei  Vormerk zu nehmen, dass sie bereits seit mindestens dem 1. Januar 2018 getrennt leben.
2. Es sei der Gesuchstellerin der von ihr zur Erzielung ihres  bis anhin genutzte Teil des  Betriebs an der C._-Strasse 1 in ... D._ [Ortschaft] zur Nutzung zu überlassen, dies im Umfang insbesondere der folgenden Einrichtungen, Bereiche und Gebäulichkeiten:
a. Ökonomieteil Hauptgebäude (bestehend aus Tenn inkl. WC, Stallungen und Heustock) inklusive Vorplatz
b. Miststock c. Schopf (ganzes EG sowie das OG im Rahmen der Reitlager
jeweils im Sommer) d. Paddock e. Weiden angrenzend an Paddock (im Umfang und Zustand
wie Anfang März 2020) f. Fahrplatz (im Umfang und Zustand wie Anfang März 2020) g. Sandplatz h. Parkplatz (hinter Ökonomiegebäude) i. Traktor (nur zur Mitbenutzung) 3. Es sei der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchstellerin auf
eigene Kosten Ersatzraum für die ursprüngliche Nutzung von  des Wohnhauses tagsüber als Aufenthaltsraum im Rahmen der Erzielung ihres Erwerbseinkommens zur Verfügung zu , und dabei insbesondere folgende Funktionen resp.  sicherzustellen:
a. Garderobe (beheizbar) b. Pausenraum (beheizbar) c. Wasseranschluss d. Stromanschluss e. WC. 4. Zudem sei der Gesuchsteller, soweit er nach dem 5. März 2020
Veränderungen des ursprünglichen Zustandes des bis anhin von der Gesuchstellerin genutzten Teil des landwirtschaftlichen  an der C._-Strasse 1 in ... D._ vorgenommen hat, zu verpflichten, den Zustand per 5. März 2020 wiederherzustel-
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len, namentlich die verkleinerte Weide wieder zu vergrössern und auf dem ursprünglichen Fahrplatz wieder Graswiese anzusäen.
5. Dem Gesuchsteller sei zu verbieten, durch irgendwelche  den per 5. März 2020 bestehenden Zustand auf dem von der Gesuchstellerin genutzten Teil des landwirtschaftlichen  an der C._-Strasse 1 in ... D._ zu verändern, die Gesuchstellerin in der Nutzung der bislang für den von ihr  Reitschulbetrieb verwendeten Stall- und Hofflächen,  (Traktoren etc.) sowie die landwirtschaftliche  (Futtergewinnung) und Wiese (Trainings- und Fahrschulplatz) einzuschränken.
6. Es sei der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchstellerin rückwirkend per 14. Dezember 2018, ein monatlich im Voraus zahlbarer Unterhaltsbeitrag von mind. Fr. 3'500.– zu bezahlen.
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten des Gesuchstellers."
des Gesuchsgegners (Urk. 33 S. 1):
" 1. Es sei der Gesuchstellerin kein Ehegattenunterhalt zuzusprechen. 2. Die übrigen Anträge der Gesuchstellerin seien abzuweisen oder
darauf sei nicht einzutreten; alles unter Kosten- und  zuzüglich MWST zulasten der Gesuchstellerin.
3. Dem Gesuchsteller sei die unentgeltliche Rechtspflege samt Rechtsvertretung zu gewähren."
Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am  Pfäffikon vom 11. August 2020):
(Urk. 38 S. 24 = Urk. 42 S. 24 = Urk. 59/42 S. 24)
1. Die Gesuche beider Parteien um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege werden abgewiesen.
2. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge-
richt des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, Postfach, 8021 Zürich, erklärt wer-
den. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen.
Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen.
Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO).
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3. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Erkenntnis.
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Pfäffikon vom 11. August 2020:
(Urk. 38 S. 24 f. = Urk. 42 S. 24 f. = Urk. 59/42 S. 24 f.)
1. Auf die Anträge 2 bis 5 der Gesuchstellerin wird nicht eingetreten.
2. Den Parteien wird das Getrenntleben auf unbestimmte Dauer bewilligt, und
es wird vorgemerkt, dass sie seit dem 1. Juni 2012 getrennt leben.
3. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin Unterhaltsbeiträge
in der Höhe von Fr. 1'142.– zu bezahlen; zahlbar monatlich im Voraus, je-
weils auf den Ersten eines jeden Monats, rückwirkend ab 14. Dezember
2018.
Die seit Jahren bestehende Leistung des Gesuchsgegners im Umfang von
monatlich mindestens Fr. 1'800.– sind davon in Abzug zu bringen. Folglich
hat der Gesuchsteller rückwirkend seine Unterhaltspflicht vollumfänglich er-
füllt und erfüllt diese auch weiterhin, solange er diese Leistungen erbringt.
4. Erwirtschaftet die Gesuchstellerin mehr als das hypothetische Einkommen
von monatlich Fr. 3'730.– netto, ist der überschiessende Betrag zur Hälfte
vom Unterhaltsanspruch der Gesuchstellerin abzuziehen.
Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsgegner unaufgefordert
ein durch Zustellung der entsprechenden Unterlagen in Kopie Auskünfte
über Veränderungen ihrer Einkommensverhältnisse zu erteilen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 4'000.–.
6. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
7. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
8. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und die Bezirkskasse.
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9. Eine Berufung gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der  an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge-
richt des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, Postfach, 8021 Zürich, erklärt wer-
den. In der Berufungsschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen.
Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen.
Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO).
Berufungsanträge der Erstberufung:
des Gesuchsgegners und Erstberufungsklägers (Urk. 41 S. 1):
" Ziff. 3 des Urteilsdispositivs betreffend Unterhalt sei aufzuheben, und es seien der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten keine  Unterhaltsbeiträge zuzusprechen; alles unter Kosten- und  zuzüglich MWST zulasten der ."
der Gesuchstellerin und Erstberufungsbeklagten (Urk. 48 S. 2):
" 1. Die Berufung sei abzuweisen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten
des Berufungsklägers."
Prozessuale Anträge (Urk. 48 S. 2): "1. Die beiden Berufungsverfahren LE200061 und LE200062 seien
zu vereinigen. 2. Der Berufungskläger sei zur Leistung eines Prozesskostenvor-
schusses in der Höhe von (vorläufig) CHF 5'000.00 auch für das vorliegende Verfahren zu verpflichten.
Eventualiter sei der Berufungsbeklagten auch für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei ihr in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen."
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Berufungsanträge der Zweitberufung:
der Gesuchstellerin und Zweitberufungsklägerin (Urk. 59/41 S. 2 f.):
" 1. Die Dispositivziffern 1 sowie 3 bis 6 des Urteils vom 11. August 2020 des Einzelgerichts s.V. des Bezirksgerichts Pfäffikon (-Nr. EE190050) seien aufzuheben und es sei wie folgt zu entscheiden:
1.1. Der Berufungsklägerin sei der von ihr zur Erzielung eines  bis anhin genutzte Teil des  Betriebs an der C._-Strasse 1 in ... D._ zur  zu überlassen, dies im Umfang insbesondere der folgenden Einrichtungen, Bereiche und Gebäulichkeiten:
a. Ökonomieteil Hauptgebäude (bestehend aus Tenn inkl. WC, Stallungen und Heustock) inklusive Vorplatz
b. Miststock c. Schopf (ganzes EG sowie das OG im Rahmen der Reitlager
jeweils im Sommer) d. Paddock e. Weiden angrenzend an Paddock (im Umfang und Zustand
wie Anfang März 2020) f. Fahrplatz (im Umfang und Zustand wie Anfang März 2020) g. Sandplatz h. Parkplatz (hinter Ökonomiegebäude) i. Traktor (nur zur Mitbenutzung) 1.2. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin
auf eigene Kosten Ersatzraum für die ursprüngliche Nutzung von Teilen des Wohnhauses tagsüber als Aufenthaltsraum im  der Erzielung eines Erwerbseinkommens zu Verfügung zu stellen, und dabei insbesondere folgende Funktionen resp.  sicherzustellen:
j. Garderobe (beheizbar) k. Pausenraum (beheizbar) l. Wasseranschluss m. Stromanschluss n. WC. 1.3. Zudem sei der Berufungsbeklagte, soweit er nach dem 5. März
2020 Veränderungen des ursprünglichen Zustandes des bis anhin von der Berufungsklägerin genutzten Teil des landwirtschaftlichen Betriebs an der C._-Strasse 1 in ... D._ vorgenommen
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hat, zu verpflichten, den Zustand per 5. März 2020 , namentlich die verkleinerte Weide wieder zu vergrössern und auf dem ursprünglichen Fahrplatz wieder Graswiese .
1.4. Dem Berufungsbeklagten sei zu verbieten, durch irgendwelche Vorkehrungen den per 5. März 2020 bestehenden Zustand auf dem von der Berufungsklägerin genutzten Teil des  Betriebes an der C._-Strasse 1 in ... D._ zu , die Berufungsklägerin in der Nutzung der bislang für den von ihr betriebenen Reitschulbetrieb verwendeten Stall- und , Gegenstände (Traktoren etc.) sowie die  Nutzfläche (Futtergewinnung) und Wiese (Trainings- und Fahrschulplatz) einzuschränken.
1.5. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin rückwirkend per 14. Dezember 2018 bis zur Aufgabe der  auf dem landwirtschaftlichen Betrieb des  ein monatlich im Voraus zahlbarer  von CHF 3'385.00 und danach einen solchen von CHF 4'035.00 zu bezahlen, wobei die Bezifferung nach Vorliegen weiterer Unterlagen zum Einkommen des Berufungsbeklagten ausdrücklich vorbehalten bleibt.
2. Eventualiter seien die Dispositivziffern 1 sowie 3 bis 6 des Urteils vom 11. August 2020 des Einzelgerichts s.V. des Bezirksgerichts Pfäffikon (Geschäfts-Nr. EE190050) vollumfänglich aufzuheben, und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Berufungsbeklagten."
Prozessuale Anträge (Urk. 59/41 S. 4):
" 1. Der Berufungsbeklagte sei zur Leistung eines  in der Höhe von (vorläufig) CHF 5'000.00 für das  Verfahren zu verpflichten.
Eventualiter sei der Berufungsklägerin für das vorliegende  die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei ihr in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher  zu bestellen.
2. Der Berufungsbeklagte sei weiter zur Leistung eines  in der Höhe von (vorläufig) CHF 5'000.00 für das vorinstanzliche Verfahren zu verpflichten."
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des Gesuchsgegners und Zweitberufungsbeklagten (Urk. 59/50 S. 1):
" Die Berufung sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWST zulasten der .
Eventualantrag: Es wird im Eventualfall, nämlich dass der  wider Erwarten verpflichtet wird, für die Zeit, in der die  ihre sieben Pferde auf dem Hof des Gesuchsgegners hält, ihr (mit oder ohne Verrechnung allfälliger, theoretischer Pachtkosten)  Unterhalt zu bezahlen, beantragt, dass – diese  erst zur Zahlung fällig werden, wenn rechtskräftig über eine  Forderungsklage betreffend allfälliger Pachtkosten  ist oder wenn bis Ende Februar 2021 keine entsprechende Forderungsklage des Gesuchstellers gegen die Gesuchstellerin  ist."

Erwägungen:
I. Sachverhalt und Prozessgeschichte
1. Die Parteien haben am tt. Dezember 1996 geheiratet. Der Ehe ent-
sprangen die mittlerweile erwachsenen Söhne E._ (geboren am tt. April
1997) und F._ (geboren am tt. Januar 1999; Urk. 25). Die Parteien lebten auf
dem Bauernhof des Gesuchsgegners, Erstberufungsklägers und Zweitberufungs-
beklagten (nachfolgend: Gesuchsgegner) in D._, wo die Gesuchstellerin,
Erstberufungsbeklagte, Zweitberufungsklägerin und Beschwerdeführerin (nach-
folgend: Gesuchstellerin) eine Reitschule und eine Pferdepension führte (Urk. 31
Rz. 7 und 12; Urk. 33 S. 2) sowie Kutschenfahrstunden erteilte (Prot. I, S. 15;
Urk. 59/50 S. 3). Die Gesuchstellerin betrieb auch Pferdeleistungssport, wobei der
Höhepunkt ungefähr 2008 war (Prot. I, S. 9 f. und 12). Per 1. Juni 2012 zog sie
nach G._ [Ortschaft](Urk. 33 S. 1; Prot. I, S. 15). Dabei kamen die Parteien
überein, die Situation mit den Pferden wie bisher zu belassen (Urk. 31 Rz. 7;
Urk. 33 S. 1). Zudem benutzte die Gesuchstellerin auch nach der Trennung einen
Teil des Wohnhauses des Gesuchsgegners (Urk. 31 Rz. 7; Urk. 33 S. 2); unter
anderem kochte sie darin (Prot. I, S. 19; Urk. 33 S. 2). Per Ende Januar 2020 hat-
te die Gesuchstellerin acht Pferde für die Reitschule und ein Pensionspferd (siehe
Urk. 33 S. 3; Prot. I, S. 14; Urk. 41 S. 3; Urk. 59/44/2).
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2. Mit Eingabe vom 12. Dezember 2019 machte die Gesuchstellerin das
vorliegende Eheschutzverfahren bei der Vorinstanz anhängig (Urk. 1). Noch bevor
die Eheschutzverhandlung vom 15. Mai 2020 (Prot. I, S. 6 ff.) stattfinden konnte,
reichte der Gesuchsgegner am 5. März 2020 beim Bezirksgericht Pfäffikon eine
Scheidungsklage ein (Geschäfts-Nr.: FE200020-H; Urk. 31 Rz. 2; Urk. 41 S. 1).
Im Übrigen kann hinsichtlich der Prozessgeschichte auf den vorinstanzlichen Ent-
scheid verwiesen werden (Urk. 38 S. 4). Am 11. August 2020 erliess die Vorin-
stanz die eingangs wiedergegebene Verfügung und das Urteil in begründeter
Form (Urk. 38 = Urk. 42 = Urk. 59/42). Der Entscheid wurde am 2. November
2020 versandt (Urk. 38 S. 26).
3. Gegen das vorinstanzliche Eheschutzurteil erhoben beide Parteien
fristgerecht (siehe Urk. 39/1–2) Berufung und stellten die eingangs wiedergege-
benen Anträge (Urk. 41; Urk. 59/41). Gleichzeitig beantragte die Gesuchstellerin
im Rahmen einer Beschwerde Folgendes (Urk. 59/41 S. 4 = Urk. 61/1 S. 4):
" Die Verfügung vom 11. August 2020 des Einzelgerichts s.V. des  Pfäffikon (Geschäfts-Nr. EE190050) sei vollumfänglich aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin für das vorinstanzliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei ihr in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen."
4. Mit Verfügung vom 19. November 2020 wurde der Gesuchsgegner auf-
gefordert, einen Kostenvorschuss von Fr. 3'000.– zu leisten; der Vorschuss ging
rechtzeitig hierorts ein (Urk. 45 f.).
5. Am 22. Dezember 2020 stellte die Gesuchstellerin in der Zweitberufung
die folgenden Massnahmebegehren (Urk. 59/46 S. 2):
"1. Dem Berufungsbeklagten sei zu verbieten, bis zum Entscheid der Berufungsinstanz die bestehenden Verhältnisse/Infrastrukturen weiter zu verändern.
2. Zudem sei der Berufungsbeklagte zu verpflichten, die von ihm nach dem Urteil und Verfügung vom 11. August 2020 des  s.V. des Bezirksgerichts Pfäffikon (. EE190050) vorgenommenen Veränderungen (Abbruch der Pferdeweiden [Zäune etc.]) umgehend wiederherzustellen und er sei überdies zu verpflichten, der Berufungsklägerin weiterhin  in ausreichender Menge, d.h. jeweils per Ende Monat 3 Rund-
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ballen Silage oder 4 Rundballen Heu oder eine Kombination der beiden, für die Pferde bereit zu stellen.
3. Dem Berufungsbeklagten [sei] für den Fall der Widerhandlung  Ungehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB anzudrohen und es sei die Berufungsklägerin im Sinne einer Ersatzvornahme für  zu erklären, die Weide(nzäune) auf Kosten des  durch Dritte wiederherstellen zu lassen und in ausreichender Menge Futter für ihre Pferde bei Dritten auf Kosten des Berufungsbeklagten einzukaufen.
4. Die Ziffern 1 bis 3 vorstehend seien superprovisorisch, d.h. ohne Anhörung des Berufungsbeklagten, zu verfügen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Berufungsbeklagten."
6. Mit Verfügung vom 28. Dezember 2020 wurde das Gesuch um Erlass
superprovisorischer vorsorglicher Massnahmen abgewiesen. Gleichzeitig setzte
die Kammerpräsidentin dem Gesuchsgegner Frist an, um die gegnerischen An-
träge betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 22. Dezember 2020 und die
Zweitberufung zu beantworten (Urk. 59/49). Gleichentags wurde auch in der Erst-
berufung Frist zur Berufungsantwort angesetzt (Urk. 47). Die Erstberufungsant-
wort datiert vom 12. Januar 2021 (Urk. 48), die Zweitberufungsantwort (inklusive
Stellungnahme zu den vorsorglichen Massnahmen) vom 18. Januar 2021
(Urk. 59/50). Mit Verfügungen vom 25. Januar 2021 wurden sie der jeweiligen
Gegenpartei zur Kenntnis zugestellt (Urk. 52; Urk. 59/53). Am 2. Februar 2021
reichte die Gesuchstellerin in der Zweitberufung unaufgefordert eine Replik ein
(Urk. 59/54), mit Eingabe vom 4. Februar 2021 replizierte der Gesuchsgegner in
der Erstberufung und stellte die folgenden prozessualen Anträge (Urk. 53 S. 1):
"1. Die beiden Berufungsverfahren LE200061 und LE200062 seien zu vereinigen.
2. Dem Gesuchsteller sei die unentgeltliche Rechtpflege samt Rechtsvertretung für das Berufungsverfahren zu gewähren, und der Antrag der Gesuchstellerin zur Leistung eines  sei abzuweisen."
7. Die Repliken wurden mit Stempelverfügungen vom 8. Februar 2021 der
jeweiligen Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 53; Urk. 59/54). Dies
gilt insbesondere auch für die Gesuchstellerin, deren Rechtsvertreter das Ein-
schreiben nicht abholte (Urk. 57; Art. 138 Abs. 3 lit. a ZPO).
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8. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 1–40). Das Ver-
fahren erweist sich als spruchreif, was den Parteien mit Verfügungen vom 4. März
2021 auch bereits mitgeteilt wurde (Urk. 58; Urk. 59/57).
II. Prozessuales
1. Vereinigung
1.1. Sowohl für die Berufung der Gesuchstellerin als auch für ihre Be-
schwerde gegen die Abweisung ihres Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege wurde ein separates Verfahren angelegt (LE200062-O und
RE200016-O). Gemäss Art. 125 lit. c ZPO kann das Gericht selbständig einge-
reichte Klagen vereinigen. Dies gilt nach der Praxis der hiesigen Kammer auch für
Rechtsmittel (statt vieler: OGer ZH LE190021 vom 01.11.2019, E. 1.2.; OGer ZH
LE200013 vom 27.04.2020, E. II.1.).
1.2. In beiden Berufungsverfahren stehen sich dieselben Parteien in der-
selben Rechtssache gegenüber und beide Berufungen richten sich gegen densel-
ben Entscheid der Vorinstanz vom 11. August 2020 (Urk. 38). Das Berufungsver-
fahren LE200062-O ist deshalb mit dem vorliegenden Verfahren zu vereinigen,
unter der Geschäftsnummer LE200061-O weiterzuführen und als dadurch erledigt
abzuschreiben. Die Akten des Verfahrens LE200062-O sind als Urk. 59/41–58 zu
den Akten des vorliegenden Prozesses zu nehmen.
1.3. Die Berufung und die Beschwerde der Gesuchstellerin betreffen eben-
falls die gleiche Sache. Das Beschwerdeverfahren RE200016-O ist deshalb mit
dem vorliegenden Verfahren zu vereinigen, unter der Geschäftsnum-
mer LE200061-O weiterzuführen und dadurch als erledigt abzuschreiben. Die Ak-
ten des Verfahrens RE200016-O sind als Urk. 61/1–7 zu den Akten des vorlie-
genden Berufungsverfahrens zu nehmen.
2. Verhältnis zwischen Eheschutz und Scheidung
2.1. Gemäss bundesgerichtlicher Praxis ist das Eheschutzgericht für den
Erlass von Massnahmen bis zum Eintritt der Rechtshängigkeit der Scheidung
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kompetent, während das Scheidungsgericht (als Massnahmegericht) ab diesem
Zeitpunkt zuständig wird (BGE 129 III 60 E. 2; BGE 138 III 646 E. 3.3.2; siehe
Art. 276 Abs. 2 ZPO). Die Eheschutzmassnahmen bleiben über die Rechtshän-
gigkeit der Scheidung hinaus in Kraft, bis sie durch vorsorgliche Massnahmen des
Scheidungsgerichts abgeändert werden. Diese zeitliche Zuständigkeitsspaltung
gilt auch, wenn wie vorliegend das Scheidungsverfahren während eines noch
hängigen Eheschutzverfahrens anhängig gemacht wird: In diesem Fall wird das
Eheschutzverfahren nicht einfach gegenstandslos, sondern das Eheschutzgericht
bleibt für Massnahmen bis zur Rechtshängigkeit der Scheidungsklage zuständig,
selbst wenn es erst nach diesem Zeitpunkt darüber entscheiden kann (BGE 129
III 60 E. 2 f.; BGE 138 III 646 E. 3.3.2; BGer 5A_627/2016 vom 28. August 2017,
E. 1.3). Dies gilt auch dann, wenn vor Rechtshängigkeit der Scheidung noch kein
Entscheid über die Benützung der Wohnung vorliegt: So gelten die Eheschutz-
massnahmen während des Scheidungsverfahrens weiter; für die bereits abgelau-
fene Zeit könnte sich sodann derjenige, der die Wohnung benutzt, dem Vorwurf
ausgesetzt sehen, dies ohne Rechtstitel zu tun (BGer 5A_13/2019 und
5A_20/2019 vom 2. Juli 2019, E. 3.3).
2.2. Aus der aus Art. 276 Abs. 2 ZPO resultierenden zeitlichen Zuständig-
keitsspaltung folgt der Sache nach eine Beschränkung der Überprüfungsbefugnis
des Eheschutzgerichts in tatsächlicher Hinsicht. Dies bedeutet, dass es bei einem
Entscheid nach Rechtshängigkeit der Scheidung nur Tatsachen berücksichtigen
darf, die bis zur Rechtshängigkeit entstanden sind, selbst wenn es erst Monate
oder Jahre danach entscheidet. Tatsachen, die sich erst nach der Rechtshängig-
keit des Scheidungsbegehrens (vorliegend dem 5. März 2020 [E. I.2.]) ereignet
haben bzw. erst in einem Zeitpunkt danach wirksam werden, fliessen nicht mehr
in die materielle Beurteilung des Eheschutzgerichts ein (OGer ZH LY190045 vom
15.07.2020, E. II.3.a; Samuel Zogg, "Vorsorgliche" Unterhaltszahlungen im Fami-
lienrecht, FamPra.ch 2018, S. 47 ff., S. 57; siehe OGer ZH LE170039 vom
14.03.2018, E. II.A.3.1. [S. 16]; OGer ZH LE180061 vom 12.09.2019, E. B.7.
[S. 13]; OGer ZH LE180045 vom 13.09.2019, E. I.A.4.). Möchte eine Partei solche
Tatsachen berücksichtigt haben, so muss sie nach Anhängigmachung des Schei-
dungsverfahrens, unabhängig davon, ob der Eheschutzentscheid bereits ergan-
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gen ist oder nicht, ein Begehren um Erlass von vorsorglichen Massnahmen beim
sachlich zuständigen Scheidungsgericht stellen (OGer ZH LE170039 vom
14.03.2018, E. II.A.3.1 [S. 16]; OGer ZH LE180045 vom 13.09.2019, E. I.A.4.).
Wenn der Gesuchsgegner vorbringt, dass die Gesuchstellerin spätestens
seit Anfang August 2020 in H._ [Ortschaft] mit ihrem Lebenspartner zusam-
menlebe, dieser einen Bauernhof führe und die Gesuchstellerin dort zumindest
einen Teil ihres Betriebs als Hobby weiterführen könne (Urk. 41 S. 3; Urk. 59/50
S. 6), ist dies im Rahmen des Eheschutzverfahrens unbeachtlich. Dasselbe gilt
hinsichtlich der aufgrund der neuen Hausgemeinschaft geltend gemachten redu-
zierten Bedarfspositionen (Wohn- und Kommunikationskosten; Urk. 41 S. 4;
Urk. 59/50 S. 6). Im Übrigen bestreitet die Gesuchstellerin, in einer neuen Haus-
gemeinschaft zu leben (Urk. 48 Rz. 38).
3. Prozessuale Vorbemerkungen zum Eheschutzverfahren
Hinsichtlich der verfahrensrechtlichen Prinzipien kann grundsätzlich auf das
vorinstanzliche Urteil verwiesen werden (Urk. 38 E. II.1. [S. 7 f.]). Zu ergänzen ist,
dass der beschränkte Untersuchungsgrundsatz (Art. 272 ZPO) das Gericht prinzi-
piell nicht verpflichtet, eigene Sachverhaltsfeststellungen anzustellen (Samuel
Baumgartner / Annette Dolge / Alexander R. Markus / Karl Spühler, Schweizeri-
sches Zivilprozessrecht mit Grundzügen des internationalen Zivilprozessrechts,
10. Aufl. 2018, Kap. 5 Rn 40). Die subjektive Beweislast, welche die Frage be-
antwortet, wer Tatsachen zu behaupten und Beweisanträge zu stellen hat, entfällt
nur im Bereich der (vorliegend nicht anwendbaren) uneingeschränkten Untersu-
chungsmaxime (Baumgartner / Dolge / Markus / Spühler, a.a.O., Kap. 10
Rn 43 f.). Die Rolle des Gerichts beschränkt sich daher darauf, die Parteien durch
geeignete Fragen und die Aufforderung zur Einreichung fehlender Beweisunterla-
gen zu unterstützen. Auch dies ist indessen zu relativieren: So soll die einge-
schränkte Untersuchungsmaxime ein Machtgefälle zwischen den Parteien aus-
gleichen. Daraus folgt, dass sich das Gericht bei der Feststellung des Sachver-
halts wie im ordentlichen Prozess zurückhalten muss, wenn beide Parteien an-
waltlich vertreten sind (ZK ZPO-Sutter-Somm/Hostettler, Art. 272 N 14; siehe
OGer ZH LE130026 vom 17.09.2013, E. 2.).
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4. Prozessuale Vorbemerkungen zur Berufung und Beschwerde
4.1. Mit der Berufung kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als
auch die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden
(Art. 310 ZPO). Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränkte Kognition be-
züglich Tat- und Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger Ermessensaus-
übung (Angemessenheitsprüfung; siehe BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013,
E. 3.1). Daraus folgt die Zulässigkeit der sog. Motivsubstitution: Die Berufungs-
instanz kann die Berufung auch aus andern als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder den Entscheid mit einer Begründung bestätigen, die von jener
der Vorinstanz abweicht (OGer ZH LB130055 vom 11.09.2014, E. III.1.3. [S. 12];
ZK ZPO-Reetz/Hilber, Art. 318 N 21).
4.2. In der Berufungsschrift (Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzei-
gen, inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als
fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet. Das setzt
(im Sinne einer von Amtes wegen zu prüfenden Eintretensvoraussetzung) voraus,
dass der Berufungskläger die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, die er an-
ficht, sich argumentativ mit diesen auseinandersetzt und mittels genügend präzi-
ser Verweisungen auf die Akten aufzeigt, wo die massgebenden Behauptungen,
Erklärungen, Bestreitungen und Einreden erhoben wurden bzw. aus welchen Ak-
tenstellen sich der geltend gemachte Berufungsgrund ergeben soll. Die pauschale
Verweisung auf frühere Vorbringen oder deren blosse Wiederholung genügen
nicht (siehe BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 5A_247/2013 vom 15. Oktober 2013,
E. 3.2; BGer 5A_751/2014 vom 28. Mai 2015, E. 2.1). Was nicht oder nicht in ei-
ner den gesetzlichen Begründungsanforderungen entsprechenden Weise bean-
standet wird, braucht von der Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden; diese
hat sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die Beur-
teilung der Beanstandungen zu beschränken, die in der schriftlichen Begründung
formgerecht gegen den erstinstanzlichen Entscheid erhoben werden (siehe BGer
4A_290/2014 vom 1. September 2014, E. 3.1 und 5; BGer 4A_258/2015 vom
21. Oktober 2015, E. 2.4.3; BGE 142 III 413 E. 2.2.4 mit weiteren Hinweisen;
BGer 5A_111/2016 vom 6. September 2016, E. 5.3). Insofern erfährt der Grund-
- 16 -
satz "iura novit curia" (Art. 57 ZPO) im Berufungsverfahren eine Relativierung (BK
ZPO I-Hurni, Art. 57 N 21 und 39 ff.; Glasl, DIKE-Komm-ZPO, Art. 57 N 22).
4.3. Die Berufung hemmt grundsätzlich die Rechtskraft und die Vollstreck-
barkeit des angefochtenen Entscheids im Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1
ZPO). Dies gilt indessen nicht, wenn das Anfechtungsobjekt vorsorgliche Mass-
nahmen betrifft (Art. 315 Abs. 4 lit. b ZPO); unter diesen Begriff subsumiert das
Bundesgericht auch Eheschutzsachen (BGE 137 III 475 E. 4.1).
4.4. Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsver-
fahren grundsätzlich nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO be-
rücksichtigt werden, das heisst, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a)
und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden
konnten (lit. b). Vorliegend ist indessen das Scheidungsverfahren bereits hängig,
weshalb Tatsachen, die sich seit dem 5. März 2020 ereignet haben, nicht mehr
beachtlich sind (E. II.2.2.). Im Beschwerdeverfahren kann man neue Anträge,
Tatsachenbehauptungen oder Beweismitteln generell nicht vorbringen (Art. 326
ZPO).
III. Materielle Beurteilung der Berufungen
1. Nutzung eines Teils des landwirtschaftlichen Betriebs
1.1. Die Vorinstanz erwog, dass im Eheschutzverfahren nur Anträge ge-
mäss Art. 176 Abs. 1 ZGB zulässig seien. Sofern die Anträge den Rahmen der
zulässigen Begehren verliessen, wären sie als offensichtlich unzulässig zu qualifi-
zieren, womit nicht darauf eingetreten werden könnte. Die von der Gesuchstellerin
angesprochenen Teile der Liegenschaft an der C._-Strasse 1 in ... D._
müssten unter den Begriff der ehelichen Wohnung fallen, um im Eheschutzverfah-
ren thematisiert werden zu können. Die Gesuchstellerin sei bereits im Juni 2012
aus der Wohnung ausgezogen und habe 2018 ihren rechtlichen Wohnsitz in
G._ begründet. Damit komme der Liegenschaft nicht der Status einer eheli-
chen Wohnung zu. Der Umstand, dass die Gesuchstellerin ihre Arbeit auf dem
Hof verrichte, vermöge daran nichts zu ändern; nach der Arbeit verlasse sie den
- 17 -
Hof umgehend wieder und es finde kein Familienleben statt. Auch aus Art. 159
Abs. 3 ZGB lasse sich keine Rechtsgrundlage für die Anträge 2 bis 5 der Gesuch-
stellerin ableiten, weil die betroffenen Gebäudeteile dem Eigengut des Gesuchs-
gegners zuzuordnen seien (Urk. 38 E. I.2. [S. 5 f.]).
1.2. Die Gesuchstellerin rügt, die Vorinstanz enge die Anwendbarkeit von
Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB in unzulässiger Weise ein. Die vorläufige Zuweisung
beruhe nämlich auf einem Ermessensentscheid und sei grundsätzlich unabhängig
davon, wer Eigentümer oder Mieter sei (Urk. 59/41 Rz. 12). Die Vorinstanz lasse
unberücksichtigt, dass die Gesuchstellerin trotz eigener Wohnung seit 2012 nicht
nur täglich auf dem Hof ihrer Tätigkeit in der Pferdepension und Reitschule nach-
gegangen sei, sondern bis im Frühjahr 2020 auch täglich in der ehelichen Woh-
nung ein- und ausgegangen sei (Urk. 59/41 Rz. 13). Sie wende sodann das Recht
falsch an, wenn sie diesen Umstand unberücksichtigt lasse und sich nicht damit
auseinandersetze, dass die Gesuchstellerin nicht die Zuweisung des gemeinsam
bewirtschafteten Betriebs an sich verlange, sondern in maiore minus lediglich je-
nen Teil, auf den sie zur Erzielung eines Erwerbseinkommens im bisherigen Um-
fang angewiesen sei. Für Art. 159 Abs. 3 ZGB sei sodann die güterrechtliche Zu-
ordnung der ehelichen Liegenschaft gerade nicht von Belang (Urk. 59/41 Rz. 14).
Diese Vorschrift erlaube es, einen Ehegatten zu Leistungen zu verpflichten, die
über den in Art. 163 ZGB umschriebenen Unterhalt hinausgingen (Urk. 59/41
Rz. 15). Trotz räumlicher Trennung habe die Gesuchstellerin den Betriebsteil
"Pferdepension und Reitschule" weiterbetreiben können (Urk. 59/41 Rz. 16). So
hätten die Parteien zusammen vor etwa vier Jahren (und damit nach der räumli-
chen Trennung) den Sandplatz erneuert (Urk. 59/41 Rz. 17). Erst nach Anhän-
gigmachung des Eheschutzbegehrens habe der Gesuchsgegner eigenmächtig
Vorkehrungen getroffen, welche die weitere Aufrechterhaltung des Betriebsteils
"Pferdepension und Reitschule" in Frage gestellt hätten; so habe er etwa eine
grössere Weide, welche die Gesuchstellerin bislang habe nutzen können, auf et-
wa 4'000 Quadratmeter verkleinert und den Fahrplatz umgeackert (Urk. 59/41
Rz. 16).
- 18 -
1.3. Der Gesuchsgegner verweist auf die Erwägungen der Vorinstanz.
Nach dem Auszug der Gesuchstellerin im Jahr 2012 habe es in D._ keine
eheliche Wohnung der Parteien mehr gegeben (Urk. 59/50 S. 1). Eine Zuweisung
von gewissen Betriebsflächen oder Betriebsmitteln sei im Eheschutz nicht vorge-
sehen (Urk. 59/50 S. 2). Die Gesuchstellerin habe in der Zeit von 2015 bis 2018 –
wenn überhaupt – nur für sich allein gekocht. Auch in diesem Zusammenhang
habe der Gesuchsgegner sie aber aufgefordert, die Benutzung der Küche über
Mittag zu unterlassen, was sie aber erst im Jahr 2019 getan habe (Urk. 59/50
S. 2). Der Gesuchstellerin gehe es letztlich darum, ihr Pferdehobby noch mög-
lichst lange gratis auf dem Hof des Gesuchsgegners auszuüben und diesen sowie
die Söhne zu schikanieren. Dabei hätten der Gesuchsgegner und die Söhne sie
schon mehrmals aufgefordert, den Hof zu verlassen (Urk. 59/50 S. 2). Der Ge-
suchsgegner habe beim Sandplatz im Jahr 2016 überhaupt nicht mitgewirkt. Die
Söhne hätten damals die Arbeit für die Mutter gratis erledigt. Der Gesuchsgegner
habe am Ende – entgegen seinem ursprünglichen Willen – Fr. 6'000.– an die
Sandkosten bezahlt, weil die Söhne ihn dazu überredet hätten (Urk. 59/50 S. 2).
Der Reitbetrieb sei auch Thema eines Verfahrens betreffend (landwirtschaftlicher)
Pacht zwischen den Parteien. Der Gesuchsgegner habe das Rechtsverhältnis,
das er und das Bezirksgericht Pfäffikon als unentgeltliche Gebrauchsleihe be-
trachteten, auf Ende August 2020 gekündigt. Die Gesuchstellerin habe diese
Kündigung angefochten. Die Friedensrichterin habe die Klagebewilligung erlas-
sen. Das Bezirksgericht Pfäffikon habe das Verfahren in der Folge sistiert
(Urk. 59/50 S. 2).
1.4. Die Frage, ob Art. 176 Abs. 1 ZGB einen Anspruch vermittelt oder
nicht, ist materieller Natur. Wenn die Vorinstanz der Ansicht war, die von der Ge-
suchstellerin angesprochenen Teile der Liegenschaft an der C._-Strasse 1 in
... D._ fielen nicht unter den Begriff der ehelichen Wohnung, hätte sie keinen
Nichteintretens- (Urk. 38 S. 24), sondern einen Sachentscheid (Abweisung) fällen
müssen. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass Nichteintretensentscheide des
Einzelgerichts in Form einer Verfügung zu ergehen haben (§ 135 Abs. 2 GOG).
- 19 -
1.5.1. Gemäss Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB muss das Eheschutzgericht
auf Begehren eines Ehegatten die Benützung der Wohnung und des Hausrates
regeln. Wie die Vorinstanz korrekt ausführt (Urk. 38 E. I.2.1. [S. 5]), ist mit "Woh-
nung" die eheliche Wohnung nach Art. 162 ZGB und nicht die enger umschriebe-
ne Familienwohnung im Sinne von Art. 169 ZGB gemeint (OGer ZH LY160003
vom 26.08.2016, E. III.B.2.3. mit weiteren Hinweisen; BK ZGB-Hausheer/Reus-
ser/Geiser, Art. 176 N 29; anderer Ansicht ZK ZGB-Bräm, Art. 176 N 36). Die ehe-
liche Wohnung ist der Ort, wo sich nach dem Willen der Ehegatten ihr gemeinsa-
mes Leben abspielt, sie gemeinsam wohnen (Susanne Bachmann, Die Regelung
des Getrenntlebens nach Art. 176 und 179 ZGB sowie nach zürcherischem Ver-
fahrensrecht, Diss. St. Gallen 1995, S. 86; BK ZGB-Hausheer/Reusser/Geiser,
Art. 162 N 11). Handelt es sich um die einzige und gleichzeitig diejenige Woh-
nung, in der das Familienleben stattfindet, kommt ihr auch der Charakter der Fa-
milienwohnung zu (ZK ZGB-Bräm, Art. 162 N 19; siehe Marlies Näf-Hofmann /
Heinz Näf-Hofmann, Schweizerisches Ehe- und Erbrecht, Eine Einführung für den
Praktiker, 3. Aufl. 1998, Rn 54; BK ZGB-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 176
N 29). Der Begriff der Wohnung ist (unabhängig davon, ob sie dem Ehe- oder
Familienleben dient) für Art. 162 ZGB (und damit auch Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB)
sowie Art. 169 ZGB gleich auszulegen. Er ist weit zu verstehen: So kann es sich
beispielsweise um einen einzelnen Raum, ein Schiff oder einen Wohnwagen han-
deln (BK ZGB-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 162 N 11). Auch Häuser fallen da-
runter (BSK ZGB I-Schwander, Art. 169 N 6). Aus dem Zweck der erwähnten
Bestimmungen folgt sodann, dass nicht nur die Räumlichkeiten selbst, sondern
auch der zugehörige Umschwung (z.B. ein Garten oder eine Garage) erfasst sind
(CPra Matrimonial-Barrelet, art. 169 CC N 8; siehe BK ZGB-Hausheer/Reus-
ser/Geiser, Art. 169 N 20; Henri Deschenaux / Paul-Henri Steinauer / Margareta
Baddeley, Les effets du mariage, 3. Aufl. 2017, Rn 196a und 199). Befindet sich
die Wohnung auf einem landwirtschaftlichen Grundstück und lebt der Bauer darin
mit seiner Ehegattin und den Kindern, so handelt es sich beim Grundstück, wo-
rauf sich der Betrieb befindet, als Ganzes um eine Familienwohnung (Marc-Aurèle
Vollenweider, Le logement de la famille selon l'article 169 CC : Notion et essai de
définition, Diss. Lausanne 1995, S. 89; siehe Näf-Hofmann / Näf-Hofmann, a.a.O.,
- 20 -
Rn. 73; Deschenaux / Steinauer / Baddeley, a.a.O., Rn 196a); der gemischte Ge-
brauch zu geschäftlichen und zu Wohnzwecken ändert nämlich nichts an der
Qualifikation als Wohnung (Näf-Hofmann / Näf-Hofmann, a.a.O., Rn. 73;
Deschenaux / Steinauer / Baddeley, a.a.O., Rn 195; BSK ZGB I-Schwander,
Art. 169 N 7). Über einen Geschäftsbetrieb allein kann das Gericht im Eheschutz-
verfahren indessen keine Regelung treffen (Jann Six, Eheschutz, Ein Handbuch
für die Praxis, 2. Aufl. 2014, Rn 2.185 [S. 160 f.]).
1.5.2. Zu prüfen ist nun, ob die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts
bzw. die Aufnahme des Getrenntlebens dazu führt, dass eine Wohnung nicht
mehr als ehelich bzw. nicht mehr als Familienwohnung gilt. Das Bundesgericht
führt aus, dass Art. 169 ZGB während der ganzen Ehedauer anwendbar sei (BGE
114 II 396 E. 5a; BGE 118 II 489 E. 2), und zwar unabhängig davon, ob die Ehe-
gatten zusammenlebten oder nicht (BGE 118 II 489 E. 2; ähnlich BGE 136 III 257
E. 2.1: "Le caractère de logement familial subsiste tant que dure le mariage,
même si les époux sont séparés de fait ou en instance de divorce."). Im Wider-
spruch dazu schreibt es aber auch, dass die Wohnung unter gewissen Umstän-
den den Familiencharakter und damit den Schutz von Art. 169 ZGB verliere; dies
sei unter anderem der Fall, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft aufgehoben
werde (BGE 136 III 257 E. 2.1) oder der gesetzlich geschützte Ehegatte aus frei-
em Entschluss die Familienwohnung definitiv oder auf unbestimmte Zeit verlasse
(BGE 136 III 257 E. 2.1; BGE 139 III 7 E. 2.3.1; siehe BGE 114 II 396 E. 5b). Die-
ser Praxis ist im vorliegenden Kontext nicht zu folgen. Zum einen argumentiert
das Bundesgericht mit dem Sinn und Zweck von Art. 169 ZGB (BGE 114 II 396
E. 5b; BGE 136 III 257 E. 2.1; BGE 139 III 7 E. 2.3.1); zum anderen schreibt es
zum vorliegend einschlägigen Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB, dass der Auszug eines
Ehegatten nicht zur Folge habe, dass er seinen Anspruch auf Zuweisung der ehe-
lichen Wohnung verwirke (BGer 5A_78/2012 vom 15. Mai 2012, E. 3.2). Dass die
Wohnung auch nach Aufhebung des gemeinsamen Haushalts ehelich bleibt,
ergibt sich auch aus der Systematik: So sind Eheschutzmassnahmen abänderbar,
wenn sich die Verhältnisse ändern (Art. 179 Abs. 1 ZGB). Dies gilt auch für die
Wohnung (und den Hausrat) und kann sich beispielsweise bei der Umteilung der
Obhut aufdrängen (Bachmann, a.a.O., S. 232 ff., insbesondere S. 234; ZK ZGB-
- 21 -
Bräm, Art. 179 N 14 und 16). Wenn nach einer gerichtlichen Trennung über das
Schicksal der ursprünglich gemeinsamen Wohnung befunden werden kann, muss
dies a fortiori auch in den Fällen gelten, in denen die Parteien den gemeinsamen
Haushalt aussergerichtlich aufgehoben haben. Auch in diesen Fällen bleibt
Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB somit anwendbar. Der Auszug eines Ehegatten ist im
Rahmen der Interessenabwägung (E. III.1.7.) zu berücksichtigen (siehe BGer
5A_291/2013 und 5A_320/2013 vom 27. Januar 2014, E. 5.4; BGer 5A_298/2014
vom 24. Juli 2014, E. 3.3.2; BGer 5A_823/2014 vom 3. Februar 2015, E. 4.1.1):
Je länger ein Ehegatte freiwillig nicht in der ehelichen Wohnung gelebt hat, desto
geringer erscheint grundsätzlich sein Interesse, dahin zurückzukehren.
1.5.3. Der Begriff "Hausrat" (Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB) ist weit zu in-
terpretieren: Dazu gehören die Gegenstände, die für die gemeinsame Wohnung,
die Hauswirtschaft oder das Zusammenleben bestimmt sind, der Lebensführung
der Eheleute entsprechen und von ihnen beiden ausserhalb der Berufsarbeit re-
gelmässig benützt werden (ZK ZGB-Bräm, Art. 176 N 43); auch ein Auto kann da-
runter fallen (BGE 114 II 18 E. 4). Befindet sich eine bewegliche Sache auf einem
Grundstück, das zu geschäftlichen und zu Wohnzwecken dient, so ist sie aus-
nahmsweise auch dann als Hausrat zu betrachten, wenn sie ausschliesslich oder
überwiegend zu beruflichen Zwecken genutzt wird; es wäre nämlich sachfremd,
über die Nutzung eines Betriebsteils ohne die sich darin befindenden Gegenstän-
de entscheiden zu können.
1.6. Die Parteien lebten vor der Trennung mit den Kindern auf dem Hof des
Gesuchsgegners. Dort befand sich somit nicht nur die eheliche (Art. 162 ZGB),
sondern auch die Wohnung der Familie (Art. 169 ZGB). Dazu gehört nicht nur die
Wohneinheit im engeren Sinn, sondern der gesamte Hof des Gesuchsgegners
einschliesslich des dazugehörigen Landes. Die Trennung der Parteien bzw. der
Auszug der Gesuchstellerin ändert nichts am Charakter des Hofes als eheliche
Wohnung (E. III.1.5.2.). Selbst wenn man der teilweise davon abweichenden bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung zur Familienwohnung folgt, muss man vorlie-
gend zu diesem Ergebnis gelangen: Die Parteien hoben nämlich ihren gemein-
samen Haushalt zu keinem Zeitpunkt vollständig auf. So zog die Gesuchstellerin
- 22 -
im Jahr 2012 zwar aus dem Wohnteil aus, nutzte diesen aber zumindest teilweise
weiterhin; ausserdem führte sie die Reitschule und Pferdepension auf dem Hof
des Gesuchsgegners weiter (E. I.1.). Die Parteien wurden bis und mit 2017 zu-
sammen besteuert (Prot. S. 17 und 31) und erst ab dem 1. Januar 2018 war die
Gesuchstellerin in G._ angemeldet (Urk. 12/7). Auch danach blieb sie indes-
sen mit dem Hof des Gesuchsgegners (sei dies mit oder gegen seinen Willen)
insbesondere durch den Pferdebetrieb so eng verbunden, dass man nicht sagen
kann, der Hof habe aufgrund der Trennung die Eigenschaft als eheliche bzw. Fa-
milienwohnung verloren. Kann man die Zuweisung der ehelichen Wohnung als
Ganzes verlangen, so muss dies a maiore ad minus auch bloss für einen Teil gel-
ten, sofern ein Getrenntleben effektiv noch möglich ist (im Ergebnis gleich Urs
Gloor, Die Zuteilung der ehelichen Wohnung nach schweizerischem Recht, Diss.
Zürich 1987, S. 14; siehe den ähnlich gelagerten Fall [Hof mit Pferden und Kut-
schenbetrieb] in OGer ZH LE170014 vom 02.06.2017, E. I., wo sich die Parteien
indessen einigen konnten; siehe ferner Deschenaux / Steinauer / Baddeley,
a.a.O., Rn 196a). Ist der gesamte Hof als "Wohnung" im Sinne von Art. 176
Abs. 1 Ziff. 2 ZGB anzusehen, so sind die Gerätschaften und Fahrzeuge (insbe-
sondere der Traktor) als "Hausrat" gemäss derselben Vorschrift zu qualifizieren.
Ob sie beruflichen oder privaten Zwecken dienen, spielt in der vorliegenden Kons-
tellation keine Rolle (E. III.1.5.3.). Im Übrigen ergibt sich aus dem Hilfsblatt G der
Steuererklärungen des Gesuchsgegners ("Privatanteil Pferde"), dass die Gesuch-
stellerin die Pferde, für welche sie den Traktor benutzen will, nicht nur zu berufli-
chen, sondern auch zu privaten Zwecken hält (Urk. 21/1–2).
1.7. Über die Zuteilung des Rechts zur Benützung der ehelichen Liegen-
schaft an eine der Parteien entscheidet das Eheschutzgericht nach Zweckmäs-
sigkeit und grundsätzlich unabhängig davon, wer Eigentümer oder Mieter ist.
Bleibt unklar, wem die bisherige Wohnstatt den grösseren Nutzen bringt, so hat
derjenige Ehegatte dem andern das Haus oder die Wohnung zu überlassen, dem
es unter Würdigung aller Umstände eher zuzumuten ist. Haben die Ehegatten
keine Kinder, so stehen Gründe beruflicher und gesundheitlicher Art im Vorder-
grund der Beurteilung, zum Beispiel der Umstand, dass ein Ehegatte in der eheli-
chen Liegenschaft seinen Beruf ausübt oder ein Geschäft betreibt oder dass die
- 23 -
Wohnverhältnisse auf besondere Bedürfnisse eines gebrechlichen oder invaliden
Familienmitgliedes zugeschnitten sind. In zweiter Linie werden Affektionsinteres-
sen berücksichtigt. Darunter fallen die Beziehungsnähe zur ehelichen Liegen-
schaft, deren höherer zeitlicher Nutzungswert oder die Möglichkeit für einen Ehe-
gatten, den Unterhalt persönlich zu besorgen. Führt die Interessenabwägung zu
keinem eindeutigen Ergebnis, ist schliesslich im Zweifel den Eigentums- oder an-
deren rechtlich geordneten Nutzungsverhältnissen Rechnung zu tragen, denen
auch bei voraussehbarer längerer Aufhebung des gemeinsamen Haushalts ein
zusätzliches Gewicht beigemessen wird. Nur ausnahmsweise (zum Beispiel bei
unausweichlich notwendigem Verkauf, in offensichtlichen Mangelfällen und ähnli-
chem) können finanzielle Gründe für die Zuweisung des ehelichen Wohnhauses
entscheidend sein (BGer 5A_766/2008 vom 4. Februar 2009, E. 3.1 f.; BGer
5A_78/2012 vom 15. Mai 2012, E. 3.1).
1.8.1. Die Gesuchstellerin machte vor Vorinstanz geltend, dass sie seit
Jahren einen Teil des Hauses und des Hofes habe mitbenutzen und ihre Pferde-
pension sowie die Reitschule habe weiterbetreiben dürfen (Urk. 31 Rz. 7; siehe
E. I.1.). Eine grössere Weide, welche sie bisher genutzt habe und die der Ge-
suchsgegner auf etwa 4'000 Quadratmeter verkleinert habe, sowie der seit 2004
bestehende Fahrplatz seien für die Aufrechterhaltung des Reitschulbetriebs, des
Fahrsportunterrichts und der Pferdepension unabdingbar (Urk. 31 Rz. 7 f.). Der
Gesuchsgegner habe die fraglichen Flächen seit über 22 Jahren nie anderweitig
genutzt (Urk. 31 Rz. 10). Nun habe er den bestehenden Zustand vor einem Ge-
richtsentscheid eigenmächtig zu seinen Gunsten verändert, obwohl die Gesuch-
stellerin die fragliche Fläche seit Jahren habe nutzen können und darauf zur Er-
zielung eines Erwerbseinkommens dringend angewiesen sei (Urk. 31 Rz. 10). In
der Befragung erklärte die Gesuchstellerin zudem, dass der Vater des Gesuchs-
gegners den Hof bis zu seiner Pensionierung als Milchbetrieb geführt habe; ziem-
lich rasch, nachdem der Vater den Hof übergeben habe, hätten sie den Stall teil-
weise umgebaut. Sodann habe sie im Alter von 20 Jahren ihr erstes Pferd gekauft
(Prot. I, S. 13).
- 24 -
1.8.2. Der Gesuchsgegner brachte vor, er wolle den Betrieb seinen
Söhnen überlassen, die Milchwirtschaft betreiben wollten. Er wünsche endlich ein
Leben ohne die Gesuchstellerin (Urk. 33 S. 2 f.). Letztere werde die Pferde ohne
Gratisbenützung des Hofs wohl weggeben müssen (Urk. 33 S. 3). Im Übrigen
verzichtete der Rechtsvertreter des Gesuchsgegners darauf, sich zu den Anträ-
gen betreffend Nutzung und Wiederherstellung zu äussern (Prot. I, S. 7). In seiner
Befragung gab der Gesuchsgegner zu Protokoll, dass er auf einer Wiese, welche
die Gesuchstellerin teilweise mit ihren Pferden genutzt habe, Kürbisse angesät
habe. Sein Ziel sei es, alles den Söhnen übergeben zu können, wie er es über-
nommen habe. Weiter wolle er eine 2.5-Zimmerwohnung als "Stöckli" bauen,
wozu er mindestens eine SAK [Standardarbeitskraft: Einheit zur Bemessung der
Betriebsgrösse] benötige. Die Kürbiskultur sei diesbezüglich gut bewertet (Prot. I,
S. 27). Die Söhne seien beide Maurer und arbeiteten bei der I._ AG; neben-
bei hätten sie zusammen eine GmbH (Prot. I, S. 29). Der Pferdebetrieb sei nicht
selbsttragend (Prot. I, S. 31).
1.8.3. Die Söhne der Parteien sind erwachsen (E. I.1.). Ihre Interessen
fallen ausser Betracht, da sie keine Kinder mehr sind. Es ist unbestritten, dass die
Gesuchstellerin vor und nach der Trennung auf dem Hof des Beklagten eine Reit-
schule und eine Pferdepension betrieb. Dies war auch nach Einleitung des Ehe-
schutzverfahrens der Fall (E. I.1.). Wie noch zu zeigen sein wird, erzielt der Ge-
suchsgegner sein gesamtes Einkommen einzig mit seiner Festanstellung und
nicht mit dem Betrieb (E. III.2.6.). Vor diesem Hintergrund ist das Interesse der
Gesuchstellerin an der Nutzung der Betriebsteile (exklusive Wohnhaus) höher zu
gewichten als jenes des Gesuchsgegners. Hinsichtlich des Traktors ist festzuhal-
ten, dass der Gesuchsgegner in einem 100 %-Pensum ausserhalb des Hofes ar-
beitet (siehe Prot. I, S. 29 f.) und daher kein Interesse geltend machen kann, das
Fahrzeug alleine zu benutzen. Ein Getrenntleben ist sodann trotz Mitbenutzung
möglich.
1.9. Zusammenfassend ist der Gesuchsgegner in Gutheissung des Zweit-
berufungsantrags 1.1. (entsprechend dem vorinstanzlichen Rechtsbegehren 2
[Urk. 31 S. 2]) zu verpflichten, der Gesuchstellerin den bis anhin genutzten Teil
- 25 -
des landwirtschaftlichen Betriebs (exklusive Wohnhaus) zur Nutzung und den
Traktor zur Mitbenutzung zu überlassen. Da das Scheidungsverfahren bereits
hängig ist, ist im Rahmen des vorliegenden Eheschutzverfahrens nicht über die
Dauer der Nutzung zu befinden (E. II.2.2.).
1.10. Die Gesuchstellerin verlangt mit ihrem Zweitberufungsantrag 1.2. Er-
satzraum für die ursprüngliche Nutzung von Teilen des Wohnhauses (Urk. 59/41
S. 2 f.). Dabei verkennt sie, dass Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB keinen solchen An-
spruch einräumt. Derjenige, dem die eheliche Wohnung zur Benützung zugewie-
sen wird, kann nicht verpflichtet werden, dem anderen Ehegatten unentgeltlich ei-
ne Ersatzwohnung (oder Ersatzräumlichkeiten) zur Verfügung zu stellen. Auch
aus Art. 159 Abs. 3 ZGB lässt sich kein solcher Anspruch ableiten (ausführlich zu
den Beistandspflichten ZK ZGB-Bräm, Art. 159 N 113 ff.); im Übrigen zeigen die
nachstehenden Erwägungen (insbesondere E. V.1.6.), dass der Gesuchsgegner
finanziell gar nicht in der Lage ist, der Gesuchstellerin auf eigene Kosten Ersatz-
raum zur Verfügung zu stellen. Damit ist der Zweitberufungsantrag 1.2. (entspre-
chend dem vorinstanzlichen Rechtsbegehren 3 [Urk. 31 S. 2]) abzuweisen.
1.11. Mit ihrem Zweitberufungsantrag 1.3. verlangt die Gesuchstellerin, dass
der Gesuchsgegner zu verpflichten sei, den Zustand per 5. März 2020 wiederher-
zustellen. Namentlich müsse er die verkleinerte Wiese wieder vergrössern und
auf dem ursprünglichen Fahrplatz wieder Graswiese ansähen (Urk. 59/41 S. 3).
Die Veränderungen bestreitet der Gesuchsgegner nicht. Er anerkennt im Gegen-
teil, dass er auf einem Teil der Wiese Veränderungen vorgenommen (Prot. I,
S. 27) und einen Fahrplatz umgeackert habe (Urk. 53 S. 2). Wenn man verlangen
kann, die Wohnung benutzen zu dürfen (Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB), so impliziert
dies, dass der ursprüngliche Zustand erhalten bleibt. Tatsachen, die sich am
5. März 2020 (Rechtshängigkeit der Scheidung) oder später ereignet haben, dür-
fen vorliegend allerdings nicht berücksichtigt werden (E. II.2.2.). Wenn die Ge-
suchstellerin die Wiederherstellung per 5. März 2020 verlangt, stützt sie dieses
Begehren auf Geschehnisse, die sich nach dem 5. März 2020 verwirklicht haben.
Dafür ist das Scheidungsgericht zuständig. Damit kann auf den Zweitberufungs-
- 26 -
antrag 1.3. (entsprechend dem vorinstanzlichen Rechtsbegehren 4 [Urk. 31 S. 3])
der Gesuchstellerin nicht eingetreten werden.
1.12. Mit ihrem Zweitberufungsantrag 1.4. ersucht die Gesuchstellerin da-
rum, dass dem Gesuchsgegner zu verbieten sei, den per 5. März 2020 bestehen-
den Zustand auf dem von ihr genutzten Teil des landwirtschaftlichen Betriebs zu
verändern oder sie darin einzuschränken (Urk. 59/41 S. 3). Wie erwähnt, impliziert
die Zuweisung der ehelichen Wohnung, dass der Zustand erhalten bleibt. Das
Verbot ist somit bereits im Zweitberufungsantrag 1.1. enthalten, weshalb es
grundsätzlich an einem schutzwürdigen Interesse (Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO) fehlt.
Ob man ein solches aus der Tatsache, dass der Gesuchsgegner in der Vergan-
genheit Änderungen vorgenommen hat (E. III.1.11.), ableiten kann, kann vorlie-
gend offenbleiben; diesfalls wäre nämlich das Scheidungsgericht zuständig, da es
sich um Tatsachen handelt, die sich nach der Rechtshängigkeit der Scheidung
verwirklicht haben (E. II.2.2.). Vor diesem Hintergrund ist auf den Zweitberufungs-
antrag 1.4. (entsprechend dem vorinstanzlichen Rechtsbegehren 5 [Urk. 31 S. 3])
der Gesuchstellerin nicht einzutreten.
2. Einkommen des Gesuchsgegners
2.1. Die Vorinstanz erwog, dass der Gesuchsgegner in einem Vollzeitpen-
sum als Landschaftspfleger bei der J._ arbeite und dabei ein monatliches
Einkommen (inklusive 13. Monatslohn) von Fr. 6'750.– erziele (Urk. 38 E. II.3.4.1.
[S. 14]). Daneben habe der Gesuchsgegner ein weiteres Einkommen aus Land-
und Forstwirtschaft (Urk. 38 E. II.3.4.2. [S. 14]). Dieses sei nicht hinzuzurechnen,
weil beide Parteien ihren Bedarf mit ihren eigenen Einkommen decken könnten.
Zudem werde auch der Gesuchstellerin nur ein 100 %-Pensum angerechnet
(Urk. 38 E. II.3.4.3. [S. 14 f.]).
2.2. Der Gesuchsgegner bringt vor, dass nicht vom aktuellen Einkommen
im Jahr 2020 auszugehen sei. Die Ehegatten hätten Anspruch auf den ehelichen
Standard bzw. – wie vorliegend – auf den Standard der langen Trennung. Spätere
Einkommensverbesserungen aufseiten des Gesuchsgegners hätten daher unbe-
rücksichtigt zu bleiben. Es sei von einem Verdienst von höchstens Fr. 6'500.–
- 27 -
auszugehen. Es könne nicht angehen, dass die Gesuchstellerin von Lohnerhö-
hungen seit 2018 profitieren könne (Urk. 41 S. 3; Urk. 59/50 S. 5). Zu Recht sei
der kleine landwirtschaftliche Nebenverdienst des Gesuchsgegners vorliegend
nicht als Einkommen berücksichtigt worden. Mit seinem Vollzeitpensum von
100 % schöpfe der Gesuchsgegner sein anrechenbares Verdienstpotential im
Gegensatz zur Gesuchstellerin nämlich bereits voll aus (Urk. 59/50 S. 5). Das an-
gebliche Betriebseinkommen von mindestens Fr. 1'800.– werde bestritten; aus
dem steuerrechtlichen Mietwert der Betriebsleiterwohnung entstehe selbstver-
ständlich kein tatsächliches Einkommen (Urk. 59/50 S. 5).
2.3. Die Gesuchstellerin rügt, dass grundsätzlich auf die bisher gelebten
Verhältnisse abzustellen sei, mithin sämtliche Einkommen zu berücksichtigen sei-
en. Es sei unbestritten, dass der Gesuchsgegner unter Mitwirkung der Gesuch-
stellerin während Jahren ein Nebeneinkommen in seinem landwirtschaftlichen Be-
trieb erzielt habe, welches den ehelichen Standard mitgeprägt habe (Urk. 59/41
Rz. 28). Der Gesuchsgegner verdiene aus unselbständiger Tätigkeit Fr. 6'775.45
pro Monat (inklusive Anteil 13. Monatslohn). Hinzu kämen Einnahmen aus dem
landwirtschaftlichen Betrieb von monatlich mindestens Fr. 1'811.15 ([Fr. 6'734.00
{Reineinkünfte} + Fr. 15'000.– {Mietwert der Betriebsleiterwohnung}] / 12). Insge-
samt resultiere ein monatliches Einkommen von rund Fr. 8'600.– (Urk. 59/41
Rz. 29; Urk. 48 Rz. 27 und 29). Das Einkommen aus Landwirtschaft lasse sich
nur bedingt nachvollziehen. So sei das Hilfsblatt G zur Steuererklärung 2018 teil-
weise unleserlich und zu den einzelnen Abzügen fehlten Belege. Zudem lägen
(noch) keine Zahlen für 2019 vor; die Vorinstanz hätte den Gesuchsgegner zur
Edition der entsprechenden Belege auffordern und ihn eingehend zu den einzel-
nen Positionen und zu seinen Privatbezügen befragen bzw. zur Auskunft ver-
pflichten müssen. Dies habe sie in nicht nachvollziehbarer Weise unterlassen. Der
Gesuchsgegner sei deshalb anzuhalten, dies im vorliegenden Verfahren nachzu-
holen (Urk. 59/41 Rz. 29).
2.4. Wenn die Gesuchstellerin der Vorinstanz vorwirft, sie habe den Ge-
suchsgegner nicht zu den einzelnen Positionen und seinen Privatbezügen be-
fragt, verkennt sie, dass es auch im Bereich der eingeschränkten Untersuchungs-
- 28 -
maxime Aufgabe der anwaltlich vertretenen Parteien ist, den relevanten Sachver-
halt darzulegen (E. II.3.). Sie hätte dem Gesuchsgegner anlässlich der Verhand-
lung vom 15. Mai 2020 ohne Weiteres entsprechende Ergänzungsfragen stellen
können, wie es die Gegenpartei auch bei ihr tat (Prot. I, S. 22 ff.). Dies gilt umso
mehr, als die Steuererklärungen 2017 und 2018 des Gesuchsgegners (samt
Hilfsblatt G; Urk. 21/1–2) bereits am 24. Februar 2020 an sie versandt worden wa-
ren (handschriftlicher Vermerk auf Urk. 19). Aus dem gleichen Grund ist die Ge-
suchstellerin nicht zu hören, wenn sie vorbringt, das Hilfsblatt G zur Steuererklä-
rung 2018 sei "teilweise unleserlich" (Urk. 59/41 Rz. 29). Diese Rüge ist im Übri-
gen nicht substantiiert; man hätte angeben müssen, wo sich die fraglichen Stellen
genau befinden. Wenn die Gesuchstellerin pauschal geltend macht, die einzelnen
Abzüge liessen sich ohne entsprechende Belege nicht nachvollziehen (Urk. 59/41
Rz. 29), verkennt sie, dass der summarische Charakter des Eheschutzverfahrens
grundsätzlich kein umfassendes Beweisverfahren zulässt (siehe Urk. 38 E. II.1.
[S. 7]). Auch dazu hätte die Gesuchstellerin dem Gesuchsgegner Ergänzungsfra-
gen stellen können. Es ist jedenfalls nicht Aufgabe des Gerichts, die gesamte
Buchhaltung einer Partei nach allfälligen Unstimmigkeiten zu durchforsten. Solche
hat die Gesuchstellerin vor Vorinstanz (wie übrigens auch im Berufungsverfahren;
Urk. 59/41 Rz. 29) denn auch nicht konkret behauptet (Urk. 31 Rz. 15). Damit
konnte ihrem Editionsbegehren (Urk. 31 Rz. 15) auch kein Erfolg beschieden
sein: Das zivilprozessuale Editionsbegehren zu Beweiszwecken setzt nämlich ge-
hörige Behauptungen darüber voraus, welche Tatsachen die zu edierenden Do-
kumente beweisen sollen. Anders verhält es sich mit dem materiellrechtlichen
Auskunftsanspruch: Dieser kann selbständig eingefordert werden und namentlich
als selbständiger Hilfsanspruch in einer Stufenklage mit dem Hauptanspruch ge-
häuft werden (BGE 144 III 43 E. 4.1). Zwar kann jeder Ehegatte vom anderen
Auskunft über dessen Einkommen, Vermögen und Schulden verlangen (Art. 170
Abs. 1 ZGB); indessen stellte die (anwaltlich vertretene) Gesuchstellerin keinen
entsprechenden (und insbesondere zureichenden) Antrag (siehe Urk. 31 S. 2 f.).
Da die Gesuchstellerin nicht substantiiert dargelegt hat, was sie mit den zu edie-
renden Unterlagen beweisen will, ist ihr Editionsbegehren betreffend Belegen zu
- 29 -
den einzelnen Abzügen und hinsichtlich der Zahlen 2019 im Berufungsverfahren
abzuweisen.
2.5.1. Die Frage, ob auf den ehelichen Standard oder den Standard
während des Getrenntlebens abzustellen sei, wurde bisher soweit ersichtlich nur
im Zusammenhang mit dem nachehelichen Unterhalt behandelt (ausführlich Nora
Hurni, Ehelicher Standard als absolute Obergrenze?, FamPra.ch 2020, S. 119 ff.;
Philipp Maier, Berechnung ehelicher und nachehelicher Unterhaltsbeiträge,
AJP 2020, S. 1276 ff., S. 1286 f.). So hat das Bundesgericht festgehalten, dass
bei einer lebensprägenden Ehe für die Ermittlung des gebührenden [nacheheli-
chen] Unterhalts auf den während der Ehe gelebten Standard abzustellen sei.
Ausnahmsweise sei der während der Trennungszeit gelebte Standard massge-
bend, wenn zwischen der Trennung und dem Entscheid über den Scheidungs-
punkt rund zehn Jahre verstrichen seien (BGer 5A_43/2016 vom 30. Januar 2017,
E. 3.4 mit weiteren Hinweisen). Im Eheschutzverfahren bildet Art. 163 ZGB die
Rechtsgrundlage für den ehelichen Unterhalt, und zwar auch dann, wenn mit ei-
ner Wiederaufnahme des gemeinsamen Haushalts nicht mehr ernsthaft gerechnet
werden kann (BGE 140 III 337 E. 4.2.1; BGer 5A_493/2017 vom 7. Februar 2018,
E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Ausgangspunkt für die Ermittlung des Beitrages
an den Unterhalt des fordernden Ehegatten ist der während des gemeinsamen
Haushaltes zuletzt gelebte Standard, auf dessen Fortführung bei genügenden Mit-
teln beide Teile Anspruch haben (BGE 140 III 337 E. 4.2.1; BGer 5A_876/2014
vom 3. Juni 2015, E. 3.1; siehe OGer ZH LE190006 vom 08.05.2019, E. II.6.4
[S. 20]). Zu berücksichtigen ist aber, dass der Zweck von Art. 163 Abs. 1 ZGB, für
den gebührenden Unterhalt der Familie zu sorgen, im Falle der Aufhebung des
gemeinsamen Haushalts (Art. 175 f. ZGB) einen jeden Ehegatten dazu verpflich-
tet, nach seinen Kräften für die zusätzlichen Kosten aufzukommen, welche die
Führung zweier separater Haushalte nach sich zieht (BGer 5A_493/2017 vom
7. Februar 2018, E. 3.1; BGer 5A_681/2018 vom 1. Mai 2019, E. 5.1).
2.5.2. Aus der Tatsache, dass auf den Standard im Trennungszeitpunkt
abzustellen ist, lässt sich nicht ableiten, dass nicht die aktuellen Einkommen
massgebend wären. So wie sich ein unterhaltsberechtigter Ehegatte finanzielle
- 30 -
Unterstützung eines neuen Partners anrechnen lassen muss (BGE 138 III 97
E. 2.3.1), ist auch auf Seiten des unterhaltspflichtigen Ehegatten ein zwischenzeit-
lich höheres Einkommen zu berücksichtigen, und zwar in dem Ausmass, das nö-
tig ist, um den gebührenden Unterhalt (Art. 163 Abs. 1 ZGB) für sich selbst und
für den anderen sicherzustellen. Wurde aber wie vorliegend ein Scheidungsver-
fahren bereits eingeleitet, so sind Einkommensveränderungen ab Rechtshängig-
keit desselben nicht mehr zu beachten (E. II.2.2.). Massgebend sind somit die ak-
tuellen Erwerbseinkommen (siehe BGer 5A_311/2019 vom 11. November 2020,
E. 7.1) bzw. – wenn der Unterhalt wie vorliegend rückwirkend zu bestimmen ist –
die Einkommen, die in der relevanten Periode bis zur Rechtshängigkeit der
Scheidung erwirtschaftet worden sind. Ein allfälliger Überschuss ist grundsätzlich
hälftig zu verteilen; dies gilt nicht, wenn dadurch Alimente resultieren würden, die
den ehelichen Standard auf Seiten des unterhaltsberechtigten Ehegatten über-
stiegen.
2.5.3. Hinsichtlich der Arbeitspensen von mehr als 100 % zitiert die Vor-
instanz unter anderem ein Urteil der hiesigen Kammer (Urk. 38 E. II.3.4.2.
[S. 14]). Darin wird Folgendes ausgeführt (OGer ZH LY150032 vom 15.09.2015,
E. C.6.5.5. [S. 18]): "Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf von einem
Unterhaltspflichtigen in der Regel kein Arbeitspensum von mehr als 100 % erwar-
tet werden [...]. Von diesem Grundsatz kann das Gericht im Rahmen seines Er-
messens dann abweichen, wenn eine regelmässig ausgeübte Nebenerwerbstä-
tigkeit auch nach Aufhebung des gemeinsamen Haushalts und den damit verbun-
denen Veränderungen noch möglich und unter Berücksichtigung des Alters, des
Gesundheitszustands und der bisherigen Lebensführung zumutbar ist [...]. Die
Berücksichtigung eines überobligatorischen Einkommens ist aber regelmässig nur
dann gerechtfertigt, wenn knappe finanzielle Verhältnisse vorliegen und auch
beim anderen Ehegatten ein überobligatorisches Einkommen berücksichtigt wird
[...]." Es ging dabei um die Frage, ob ein hypothetisches überobligatorisches Ein-
kommen anzurechnen sei (OGer ZH LY150032 vom 15.09.2015, E. C.6.5.
[S. 17 f.]), während der Gesuchsgegner vorliegend tatsächlich mehr als 100 % ar-
beitet (E. III.2.6.). In solchen Fällen ist nach neuster bundesgerichtlicher Recht-
sprechung sämtliches (auch überobligatorisches) Einkommen zu berücksichtigen.
- 31 -
Den Besonderheiten des Einzelfalles ist nicht bei der Einkommensermittlung,
sondern bei der Überschussverteilung Rechnung zu tragen (BGer 5A_311/2019
vom 11. November 2020, E. 7.1). Der Entscheid betrifft zwar die Kinderalimente;
allerdings möchte das Bundesgericht die Methodik zur Bestimmung des gesam-
ten familienrechtlichen Unterhalts vereinheitlichen (BGE 144 III 481 E. 4.1; BGer
5A_800/2019 vom 9. Februar 2021, E. 4.3). Auch im Rahmen des ehelichen Un-
terhalts ist das überobligatorische Einkommen deshalb zu berücksichtigen.
2.6. Die vorinstanzliche Erwägung, wonach der Gesuchsgegner mehr als
100 % arbeite (Urk. 38 E. II.3.4. [S. 14]), blieb unangefochten (siehe Urk. 41 S. 3;
Urk. 59/41 Rz. 29). Allfällige andere Zukunftspläne des Gesuchsgegners haben
vor dem Hintergrund, dass das Scheidungsverfahren bereits hängig ist, unbe-
rücksichtigt zu bleiben (E. II.2.2.). Die Vorinstanz errechnete hinsichtlich der Tä-
tigkeit als Landschaftspfleger gestützt auf die Lohnabrechnungen August 2019 bis
Januar 2020 (Urk. 21/3; 6.5 Monate unter Berücksichtigung des 13. Monatslohns)
korrekt ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen des Gesuchsgegners
(inklusive 13. Monatslohn) von (Fr. 6'200.75 + Fr. 12'826.20 + Fr. 6'236.15 +
Fr. 6'238.05 + Fr. 6'245.55 + Fr. 6'230.55) / 6.5 = Fr. 6'765.73 bzw. (gerundet)
Fr. 6'750.– (siehe Urk. 38 E. II.3.4.1. [S. 14]). Das leicht tiefere Monatseinkommen
von Fr. 6'527.24 gemäss Lohnausweis 2018 (Fr. 78'326.85 / 12 [Urk. 21/1]), wel-
ches für den halben Dezember 2018 (E. III.3.6.) zu berücksichtigen wäre, ändert
daran nichts. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass im errechneten Lohn
Fr. 125.– "Barabgeltung Lunch Checks" enthalten sind (Urk. 21/3; dazu E. III.6.4.).
2017 wurden die Parteien das letzte Mal gemeinsam besteuert (E. III.1.6.). Das
Einkommen des Gesuchsgegners aus Nebenerwerb belief sich gemäss Steuerer-
klärung 2017 auf Fr. 48'567.– (Urk. 21/2). 2018 deklarierte der Gesuchsgegner,
der nun allein besteuert wurde, ein Einkommen aus Nebenerwerb von Fr. 6'734.–
(Urk. 21/1). Vergleicht man die Hilfsblätter G der Steuererklärungen 2017 und
2018, so erkennt man, dass der Gesuchsgegner 2018 im Gegensatz zum Vorjahr
unter den Betriebseinkünften keine Einnahmen aus dem Pferdebetrieb mehr auf-
führte (Hilfsblatt G, Punkt 2.1 c) und bei den Betriebsaufwendungen auch keine
Kosten für Tierhaltung mehr geltend machte (Hilfsblatt G, Punkt 2.2 c). Die fol-
gende Tabelle gibt einen Überblick über die tatsächlichen Einkünfte des Ge-
- 32 -
suchsgegners aus dem Hofbetrieb (ohne Berücksichtigung des Pferdebetriebs).
Der Eigenmietwert für die Betriebsleiterwohnung sowie der Privatanteil für die
Pferde werden in Abzug gebracht, da es sich hierbei nicht um effektive Betriebs-
einkünfte handelt:
2017 2018
1) Total Betriebseinkünfte Fr. 128'696.– Fr. 58'043.–
2) Abzüglich Einnahmen aus dem Pferdebe-
trieb (Punkt 2.1 c)
Fr. 63'694.– Fr. 0.–
3) Abzüglich Eigenmietwert (Punkt 2.1 f) Fr. 6'200.– Fr. 15'000.–
4) Abzüglich Privatanteil Pferde (Punkt 2.1 g) Fr. 5'000.– Fr. 0.–
5) Differenz (Einkünfte des Gesuchsgegners) Fr. 53'802.– Fr. 43'043.–
6) Total Betriebsaufwendungen Fr. 80'129.– Fr. 51'309.–
7) Abzüglich Ausgaben für den Pferdebetrieb
(Punkt 2.2 c)
Fr. 28'856.– Fr. 0.–
8) Differenz (Aufwendungen des Gesuchsgeg-
ners)
Fr. 51'273.– Fr. 51'309.–
9) Reineinkünfte des Gesuchsgegners pro
Jahr (Differenz zwischen 5) und 8)
Fr. 2'529.– - Fr. 8'266.–
Die Differenz zwischen den Reineinkünften 2017 und 2018 des Gesuchs-
gegners (Punkt 9) der Tabelle) von Fr. 10'795.– lässt sich damit erklären, dass die
"Besonderen Leistungen des Bundes und des Kantons" (Hilfsblatt G, Punkt 2.1 d)
im gleichen Zeitraum um Fr. 10'909.– von Fr. 52'602.– (2017) auf Fr. 41'693.–
(2018) sanken. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Gesuchsgegner aus
der Landwirtschaft kein bzw. bestenfalls ein vernachlässigbares geringes Ein-
kommen erzielt. Davon ist auch für 2019 und die ersten Monate des Jahres 2020
auszugehen, weil die behauptungs- und beweisbelastete Gesuchstellerin keine
- 33 -
Tatsachen vorbrachte, woraus sich an anderer Schluss ziehen liesse (siehe
Urk. 31 Rz. 14 f.; Urk. 59/41 Rz. 28 f.). Der Gesuchsgegner machte umgekehrt
nicht geltend, in dieser Zeit einen Verlust erzielt zu haben (Urk. 33 S. 4; Urk. 41
S. 3).
2.7. Im Ergebnis bleibt es beim von der Vorinstanz errechneten Einkommen
von Fr. 6'750.–.
3. Einkommen der Gesuchstellerin
3.1. Die Vorinstanz erwog, dass die Gesuchstellerin eigenständig einen
Pferdebetrieb auf dem Hof des Gesuchsgegners führe. Der Pferdebetrieb umfas-
se die Betreuung von Pensionspferden sowie die Erteilung von Reit- und Kut-
schenfahrstunden. Die Gesuchstellerin arbeite etwa 60 Stunden pro Woche, somit
mehr als 100 %. Zwischen 2015 und 2019 habe sie monatliche Einnahmen zwi-
schen Fr. 1'293.75 (2019) und Fr. 4'047.25 (2017) gehabt. Davon seien die Auf-
wendungen für Stroh, Kraftfutter, Tierarzt und Hufschmied bereits in Abzug ge-
bracht worden. Nicht berücksichtigt seien hingegen die hypothetischen Kosten für
das Heu und die Silage sowie die Pacht des Geländes und der Stallungen. All
dies habe ihr der Gesuchsgegner zu seinen Lasten kostenfrei zur Verfügung ge-
stellt. Würden diese Kostenpositionen miteinbezogen, erscheine es höchst frag-
würdig, ob mit dem Pferdebetrieb in den letzten fünf Jahren überhaupt ein Ein-
kommen hätte erzielt werden können (Urk. 38 E. II.3.3.1. [S. 10 f.]). Die Gesuch-
stellerin habe über Jahre hinweg kein oder zumindest kein bedarfdeckendes Ein-
kommen erzielt und ihren Lebensunterhalt jahrelang mit ihren Ersparnissen be-
stritten. Trotz ihrer erhöhten Arbeitsleistung sei es ihr nicht möglich gewesen, aus
dem Pferdebetrieb ein angemessenes Entgelt zu erwirtschaften, was für sie er-
sichtlich gewesen sei. Bereits zwei Jahre nach ihrem Auszug sei ihr mitgeteilt
worden, sie solle den Hof verlassen. Der Gesuchsgegner habe seiner Forderung
in der Folge immer wieder Nachdruck verliehen. Dennoch habe die Gesuchstelle-
rin ihre Tätigkeit beharrlich weitergeführt. Demzufolge sei es sachgerecht, ihr
rückwirkend ein hypothetisches Einkommen anzurechnen; abzustellen sei mit
Blick auf ihren Antrag für Unterhaltsbeiträge auf den 14. Dezember 2018 (Urk. 38
E. II.3.3.3. [S. 12 f.]). Die Gesuchstellerin sei ausgebildete Plattenlegerin und ver-
- 34 -
füge über einen Führerschein der Kategorie C. Sie könnte daher in ihren gelern-
ten Beruf einsteigen oder eine Zusatzausbildung für gewerblichen Sachtransport
absolvieren. Schliesslich wäre es ihr auch möglich, als angestellte Reitlehrerin, im
Detailhandel oder als Reinigungskraft zu arbeiten. Insgesamt sei ihr ein monatli-
ches Bruttoeinkommen (zuzüglich 13. Monatslohn) von Fr. 4'000.– bzw. netto (in-
klusive 13. Monatslohn) Fr. 3'730.– rückwirkend per 14. Dezember 2018 anzu-
rechnen (Urk. 38 E. II.3.3.4. [S. 13]).
3.2. Die Gesuchstellerin kritisiert, die Vorinstanz habe ihr in "in eklatanter
Missachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung" rückwirkend ein hypothe-
tisches Einkommen angerechnet. Das Bezirksgericht Pfäffikon lasse völlig ausser
Acht, dass die Führung des Pferdebetriebs während Jahren den tatsächlich ge-
lebten Verhältnissen vor und nach der Trennung entsprochen habe, welche der
Gesuchsgegner bis 2019 nie in Frage gestellt habe. Wenn die Vorinstanz ausfüh-
re, letzterer habe der Gesuchstellerin bereits zwei Jahre nach dem Auszug mitge-
teilt, sie solle den Hof verlassen, unterschlage sie, dass es sich dabei um eine
reine (und wiederholt bestrittene) Parteibehauptung des Gesuchsgegners handle
(Urk. 59/41 Rz. 21). Auch nachdem die Parteien auf Veranlassung des Gesuchs-
gegners ab 2019 rückwirkend per 2018 getrennt besteuert worden seien und die
Gesuchstellerin ihre bislang vom Gesuchsgegner getragene Krankenkassenprä-
mie selber habe bezahlen müssen, hätten die Parteien die bestehenden Verhält-
nisse weitergeführt: Die Gesuchstellerin habe wie bis anhin das Heu für die Pfer-
de beziehen können und weiterhin keine Miete für die Stall-, Hof- und Weideflä-
chen, das von ihr bezogene Wasser oder die (Mit-)Benutzung der Traktoren usw.
bezahlen müssen. Der Gesuchsgegner habe für diesen Betriebsteil weiterhin Di-
rektzahlungen bezogen (oder hätte diese beziehen können). Die zusätzlichen
Ausgaben (Krankenkasse, Steuern) hätten sich in der Jahresrechnung niederge-
schlagen, sodass der Gewinn erst ab 2018 entsprechend tiefer ausgefallen sei.
Im April / Mai 2019 habe sich die Situation nochmals verschärft, weil der Ge-
suchsgegner der Gesuchstellerin untersagt habe, das Haus zu benutzen. Sie ha-
be versucht, ihr Einkommen aus dem Betriebsteil "Reitschule / Pferdepension" zu
steigern; dies sei aber unter anderem daran gescheitert, dass der Gesuchsgegner
ihr Steine in den Weg gelegt habe, indem er die bisherige Nutzfläche eigenmäch-
- 35 -
tig verringert habe. Hinzu gekommen seien die Corona-bedingten Einschränkun-
gen, welche zu einem starken Einbruch der erteilten Reitstunden geführt hätten
(Urk. 59/41 Rz. 23). Eine Umstellung der Lebensverhältnisse sei von der Gesuch-
stellerin nie verlangt worden. Die Konflikte zwischen den Parteien hätten sich
nicht auf die Fortführung des Pferdebetriebs, sondern auf die Nutzung der vor-
mals ehelichen Wohnung bezogen. Erst nach Anhängigmachung des Eheschutz-
verfahrens habe der Gesuchsgegner massiv Druck aufgebaut, um die Gesuch-
stellerin vom Hof zu vertreiben (Urk. 59/41 Rz. 24). Sollte die Gesuchstellerin ihre
bisherige Tätigkeit auf dem Betrieb des Gesuchsgegners nicht weiterführen kön-
nen, wäre ihr eine Übergangsfrist von mindestens zwölf bis 18 Monaten einzu-
räumen (Urk. 59/41 Rz. 26). Je nachdem, wie hinsichtlich der Nutzung entschie-
den werde, sei ihr ein Einkommen von Fr. 1'300.– oder aber für die erwähnte
Übergangsfrist gar kein Einkommen anzurechnen (Urk. 59/41 Rz. 27). Das von
der Vorinstanz errechnete hypothetische Einkommen sei im Übrigen viel zu hoch
(Urk. 59/41 Rz. 30).
3.3. Der Gesuchsgegner führt aus, dass die (monatlichen) Einnahmen der
Gesuchstellerin mit der separaten Besteuerung auf rund Fr. 1'500.– im Jahr 2018
und weiter auf rund Fr. 1'300.– im Jahr 2019 gesunken seien (Urk. 59/50 S. 3).
Der Verdienst in diesen Jahren habe wie vorher ihrer Betriebsrechnung entspro-
chen und weder Steuern noch Krankenkasse enthalten. Die gegnerischen Aus-
führungen, wonach ihr Gewinn wegen der Krankenkasse und der Steuern tiefer
ausgefallen sei, stimmten daher nicht (Urk. 59/50 S. 4). Es stimme auch nicht,
dass die Gesuchstellerin versucht habe, ihr Einkommen mit dem Reitbetrieb zu
steigern. Sie habe im Gegenteil ab dem Jahr 2018 ihr Arbeitspensum markant re-
duziert und sei nicht bereit gewesen, eine Ersatzlösung zu suchen (Urk. 59/50
S. 3 f.). Bestritten werde sodann, dass die Gesuchstellerin während der Trennung
von ihrem Ersparten gelebt habe (Urk. 59/50 S. 4). Der Gesuchstellerin sei ab
2015 mehrmals klar mitgeteilt worden, dass sie den Hof mit ihren Pferden verlas-
sen müsse. Seit spätestens Anfang 2019 habe sie sich von Rechtsanwalt
Y._ beraten lassen, sodass ihr auch rechtlich habe klar sein müssen, dass
sie sich umorientieren müsse. Seither seien zwei Jahre vergangen, sodass von
weiteren Übergangsfristen abzusehen sei (Urk. 59/50 S. 4). Die Anrechnung ei-
- 36 -
nes hypothetischen Einkommens spätestens ab Dezember 2018 sei daher abso-
lut angemessen und im vorliegenden Fall richtig (Urk. 59/50 S. 5). Mit der Höhe
des hypothetischen Verdienstes von mindestens Fr. 3'730.– netto pro Monat kön-
ne der Gesuchsgegner im Rahmen des Eheschutzes leben (Urk. 59/50 S. 5).
3.4. Grundsätzlich ist ein hypothetisches Einkommen nicht rückwirkend an-
zurechnen, sondern erst nach Ablauf einer angemessenen Übergangsfrist (OGer
ZH LE180018 vom 16.10.2018, E. III.2.2.). Diese beginnt frühestens mit der erst-
maligen gerichtlichen Eröffnung der Umstellungsfrist zu laufen (OGer ZH
LE150008 vom 26.10.2015, E. III.4.2 [S. 30]). Ausnahmen von diesem Grundsatz
können dann vorliegen, wenn die betreffende Partei nach einem (selbst unfreiwil-
ligen) Stellenwechsel eine Erwerbstätigkeit im erforderlichen Pensum ausübt, sich
aber wissentlich mit einer nur ungenügend erträglichen Tätigkeit begnügt (BGer
5A_341/2011 vom 20. September 2011, E. 2.5.1; BGer 5A_692/2012 vom 21. Ja-
nuar 2013, E. 4.3), oder eine bestehende Tätigkeit im Wissen um die Pflicht zur
Erzielung des fraglichen Einkommens aufgibt (BGer 5A_720/2011 vom 8. März
2012, E. 6.1). In solchen Fällen kann ein hypothetisches Einkommen auch rück-
wirkend, also ohne Übergangsfrist, von einem in der Vergangenheit liegenden
Zeitpunkt an angerechnet werden. Ebenfalls kann von der Übergangsfrist abgewi-
chen werden, wenn die geforderte Umstellung für die betroffene Partei voraus-
sehbar war, was grundsätzlich erst mit der Zustellung des erstinstanzlichen Urteils
der Fall sein kann, nicht hingegen bei blossen Ankündigungen anlässlich einer
mündlichen Verhandlung (OGer ZH LY170039 vom 16.05.2018 E. III.B.3.1.7
[S. 18] mit weiteren Hinweisen; siehe OGer LY190039 vom 09.04.2020, E. IV.2.4.
[S. 45 f.]). Diese Grundsätze gelten sowohl für die Anrechnung eines rückwirken-
den hypothetischen Einkommens beim Unterhaltsverpflichteten (siehe BGer
5A_692/2012 vom 21. Januar 2013, E. 4.3; BGer 5A_59/2016 vom 1. Juni 2016,
E. 3.2) als auch beim Unterhaltsberechtigten (siehe BGer 5A_848/2010 vom
4. April 2011, Sachverhalt sowie E. 2). Kann der betroffenen Partei kein unredli-
ches Verhalten vorgeworfen werden und war eine Umstellung der Lebensverhält-
nisse nicht vorhersehbar, so ist die Anrechnung eines rückwirkenden hypotheti-
schen Einkommens willkürlich; es fehlt nämlich an der realen Möglichkeit der
- 37 -
rückwirkenden Einkommenssteigerung (BGer 5P.79/2004 vom 10. Juni 2004,
E. 4.3).
3.5. Die Gesuchstellerin führte den Pferdebetrieb sowohl vor als auch nach
der Trennung 2012 (E. I.1.). Es ist unbestritten, dass er nie selbsttragend war
(Prot. I, S. 31; Urk. 41 S. 2; Urk. 48 Rz. 14). Die Vorinstanz errechnete gestützt
auf die Arbeitszeiten der einzelnen Tage, dass die Gesuchstellerin 60 Stunden
pro Woche arbeite (Urk. 38 E. II.3.3.1. [S. 10]). Der Gesuchsgegner rügt zwar,
dass die Gesuchstellerin ihr Arbeitspensum ab 2018 markant reduziert und etwa
20 Stunden pro Woche gearbeitet habe (Urk. 41 S. 2; Urk. 59/50 S. 3); er setzt
sich indessen nicht mit der Berechnung der Vorinstanz auseinander, sodass seine
Berufungsschrift in diesem Punkt den Begründungsanforderungen nicht genügt
(E. II.4.2.). Wenn die Gesuchstellerin den Pferdebetrieb über die Trennung hinaus
im gleichen Umfang weitergeführt hat, handelte sie nicht unredlich. Damit ist zu
prüfen, ob eine Umstellung der Lebensverhältnisse für sie voraussehbar war: Die
Vorinstanz erwog, der Gesuchsgegner habe bereits zwei Jahre nach dem Auszug
der Gesuchstellerin gesagt, sie solle den Hof verlassen; in der Folgezeit habe er
seiner Forderung immer wieder Nachdruck verliehen (Urk. 38 E. II.3.3.3. [S. 12]).
Die Aufforderung der einen Partei an die andere, mehr Geld zu verdienen, be-
gründet keine Vorhersehbarkeit; erforderlich ist vielmehr, dass ein Gericht die
Umstellung der Lebensverhältnisse anordnet (E. III.3.4.). Vorher ist nämlich noch
gar nicht ausreichend klar, ob die rechtlichen Voraussetzungen dafür überhaupt
gegeben sind. Damit erweist sich die Anrechnung eines rückwirkenden hypotheti-
schen Einkommens im vorliegenden Fall als willkürlich.
3.6. Die Gesuchstellerin beantragt Unterhalt ab dem 14. Dezember 2018
(Urk. 31 S. 3; Urk. 59/41 S. 3), somit auch rückwirkend für das Jahr vor Einrei-
chung des Eheschutzbegehrens (siehe Urk. 1). Dies ist in Analogie zu Art. 173
Abs. 3 ZGB zulässig (Six, a.a.O., Rn 2.58 mit weiteren Hinweisen). Die Vorinstanz
stellte fest, dass die Gesuchstellerin 2018 monatlich Fr. 1'532.70 und 2019
Fr. 1'293.75 pro Monat verdient habe; dabei seien die hypothetischen Kosten für
das Heu und die Silage sowie die Pacht des Geländes und der Stallungen noch
nicht in Abzug gebracht worden (Urk. 38 E. III.3.3.1. [S. 10]). Dies blieb unange-
- 38 -
fochten (Urk. 41 S. 2; siehe Urk. 59/41 Rz. 23). Auszugehen ist vom tatsächlichen
Einkommen zwischen dem 14. Dezember 2018 und dem 5. März 2020; was da-
nach geschah (insbesondere der plausible Wegfall der Reitstunden aufgrund der
Pandemie [Prot. I, S. 14] und die vorgebrachte teilweise Arbeitsunfähigkeit der
Gesuchstellerin im Januar 2021 [Urk. 48 Rz. 23; Urk. 50/4]), hat aufgrund der
Rechtshängigkeit der Scheidung im Rahmen des Eheschutzverfahrens unberück-
sichtigt zu bleiben (E. II.2.2.). Aus dem gleichen Grund ist der Gesuchstellerin
auch keine Frist zu bestimmen, innert welcher sie ihre Einkommenssituation zu
verbessern hätte. Die (höheren) Einkommen der Jahre vor 2018 müssen sodann
ausser Acht bleiben, weil sie im Ergebnis zur Anrechnung eines rückwirkenden
hypothetischen Einkommens führen würden. Vom 14. Dezember 2018 bis zum
31. Dezember 2018 verdiente die Gesuchstellerin Fr. 766.35 (Fr. 1'532.70 / 2)
und im Jahr 2019 betrug das monatliche Einkommen Fr. 1'293.75. Im Janu-
ar 2020 verblieben der Gesuchstellerin netto Fr. 405.18 (Fr. 1'524.00 -
Fr. 1'118.82), im Februar 2020 Fr. 1'844.46 (Fr. 2'342.00 - Fr. 497.54) und im
März 2020 Fr. 1'393.14 (Fr. 1'994.00 - Fr. 600.86). Dies ergibt ein durchschnittli-
ches monatliches Einkommen von (Fr. 766.35 + 12 x Fr. 1'293.75 + Fr. 405.18 +
Fr. 1'844.46) / 14.5 = Fr. 1'278.70 oder gerundet Fr. 1'300.–. Die in der Rechnung
nicht berücksichtigten wenigen Tage des März 2020 ändern nichts am Ergebnis.
Die Zahlen stützen sich auf die Betriebsrechnungen der Gesuchstellerin
(Urk. 12/1, Urk. 12/10; Urk. 50/8). Wie der Gesuchsgegner zutreffend ausführt
(Urk. 59/50 S. 4), ergibt sich aus diesen Betriebsrechnungen nicht, dass die Steu-
ern und die Krankenkasse über den Betrieb abgerechnet worden wären.
3.7. Zusammenfassend ist für die ganze massgebende Zeitspanne von ei-
nem monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 1'300.– auszugehen. Dabei wurden
allfällige Kosten für das Heu und die Silage sowie die Pacht des Geländes und
der Stallungen (dazu E. III.10.4.) nicht in Abzug gebracht.
4. Gesundheitskosten der Gesuchstellerin
4.1. Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin zusätzliche Gesundheits-
kosten von Fr. 100.– an. Sie erwog, dass sie ein neues Zahnimplantat benötige
und der Kauf einer neuen Brille anstehe (Urk. 38 E. II.3.5.2. [S. 15 f.]).
- 39 -
4.2. Der Gesuchsgegner wendet ein, dass er die ungedeckten Gesund-
heitskosten von Fr. 100.– bestreite. Diese seien nicht belegt und viel zu hoch
(Urk. 41 S. 3; Urk. 59/50 S. 6).
4.3. Die Gesuchstellerin erwidert, sie befinde sich seit Längerem in ärztli-
cher Behandlung, weshalb ihr vom behandelnden Arzt kürzlich eine Arbeitsunfä-
higkeit im Umfang von 50 % attestiert worden sei (Urk. 48 Rz. 23). Die Gesund-
heitskosten würden daher weiterhin im von der Vorinstanz angenommenen Um-
fang anfallen (Urk. 48 Rz. 30).
4.4. Die Gesuchstellerin gab bei der Vorinstanz anlässlich der Verhandlung
vom 15. Mai 2020 zu Protokoll, dass sie das letzte Mal vor etwa 1.5 Jahren in
zahnärztlicher Kontrolle gewesen sei. Ihr Implantat sei inzwischen zwölf Jahre alt
und man müsse dort "dringend etwas machen" (Prot. I, S. 22 f.). Ausserdem be-
nötige sie sehr dringend eine neue Brille, diese liege jedoch nicht drin (Prot. I,
S. 23). Damit hat die Gesuchstellerin nicht glaubhaft gemacht, dass und in wel-
cher Höhe ihr in nächster Zeit ungedeckte Gesundheitskosten anfallen werden.
Zudem würde es sich um Auslagen handeln, die erst nach Rechtshängigkeit der
Scheidung am 5. März 2020 eintreten würden. Sie können daher nicht berück-
sichtigt werden (E. II.2.2.). Für die Zeit davor machte die Gesuchstellerin keine
zusätzlichen Gesundheitskosten geltend (Urk. 31 Rz. 16; siehe auch Urk. 48
Rz. 23 und 30).
4.5. Vor diesem Hintergrund sind der Gesuchstellerin im Rahmen des Ehe-
schutzverfahrens keine ungedeckten Gesundheitskosten anzurechnen.
5. Wohnkosten des Gesuchsgegners
5.1. Die Vorinstanz rechnete dem Gesuchsgegner einen Bedarf von insge-
samt Fr. 4'336.– an, wobei sie Wohnkosten (inklusive Nebenkosten) von
Fr. 1'250.– berücksichtigte; sie stützte sich dabei auf den Eigenmietwert (Urk. 38
E. II.3.5.2. [S. 15 f.]).
5.2. Der Gesuchsgegner bringt vor, er könne im Rahmen des Eheschutz-
verfahrens mit einem minimalen Bedarf von Fr. 4'400.– pro Monat auf seiner Seite
- 40 -
leben. Namentlich seien die Wohnkosten um mindestens Fr. 64.– pro Monat zu
erhöhen (Urk. 41 S. 4; Urk. 59/50 S. 6).
5.3. Die Gesuchstellerin äussert sich ihrer Berufungsantwort soweit ersicht-
lich nicht explizit dazu. Wenn sie aber geltend macht, dass der von der Vorinstanz
angenommene Bedarf von Fr. 4'336.– um die Kosten für die auswärtige Verpfle-
gung (Fr. 210.–) auf Fr. 4'126.– bzw. (gerundet) Fr. 4'130.– zu reduzieren sei
(Urk. 48 Rz. 32), ist davon auszugehen, dass sie keine höheren Wohnkosten an-
erkennt.
5.4. Der Gesuchsgegner begründet nicht, weshalb seine Wohnkosten um
Fr. 64.– höher sein sollten. Er setzt sich in seiner Berufungsschrift sodann nicht
mit den vorinstanzlichen Erwägungen auseinander (Urk. 41 S. 4). Damit genügt er
den Begründungsanforderungen nicht (E. II.4.2.), weshalb es bei den Wohnkos-
ten von Fr. 1'250.– bleibt.
6. Auswärtige Verpflegung des Gesuchsgegners
6.1. Die Vorinstanz rechnete dem Gesuchsgegner für auswärtige Verpfle-
gung Fr. 210.– an, da er Vollzeit arbeite und auswärts esse (Urk. 38 E. II.3.5.2.
[S. 15 und 17]).
6.2. Die Gesuchstellerin wendet ein, dass dem Gesuchsgegner für auswär-
tige Verpflegung nichts anzurechnen sei. Es fielen ihm keine Mehrkosten an, da
er verbilligt Lunch-Checks beziehen könne (Urk. 59/41 Rz. 31; Urk. 48 Rz. 32).
6.3. Der Gesuchsgegner äussert sich soweit ersichtlich nicht explizit dazu
(siehe Urk. 59/50 S. 6). Er macht eine Erhöhung des Bedarfs gemäss Vorinstanz
von Fr. 4'336.– (Urk. 38 E. II.3.5.2. [S. 15]) um Fr. 64.– wegen höherer Wohnkos-
ten auf Fr. 4'400.– geltend (Urk. 59/50 S. 6). Es ist daher davon auszugehen,
dass er an den Fr. 210.– für auswärtige Verpflegung festhalten will.
6.4. Im errechneten Monatslohn des Gesuchsgegners (E. III.2.6.) sind
Fr. 125.– "Barabgeltung Lunch Checks" enthalten, die der Gesuchsgegner zu-
sätzlich zum Grundlohn erhält (Urk. 21/3). Wenn Spesen, denen (was vorliegend
- 41 -
unangefochten blieb) tatsächliche Aufwendungen gegenüber stehen, als Lohnbe-
standteil berücksichtigt werden, sind die tatsächlichen Kosten auch im Bedarf auf-
zuführen. Vor diesem Hintergrund sind die Fr. 210.– für auswärtige Verpflegung
im Bedarf des Gesuchsgegners zu belassen.
7. Zwischenergebnis: Einkommen und Bedarf
7.1. Vorauszuschicken ist, dass allfällige Änderungen seit Rechtshängigkeit
der Scheidung im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden können
(E. II.2.2.). Dies betrifft insbesondere die Fragen, ob und gegebenenfalls wann die
Gesuchstellerin ihren Pferdebetrieb auf dem Hof des Gesuchsgegners einstellen
muss und wie sich das auf die Unterhaltsbeiträge auswirkt.
7.2. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen (E. III.2.7. und III.3.7.) ist
für die massgebende Periode (14. Dezember 2018 bis 5. März 2020) von einem
Einkommen der Gesuchstellerin von Fr. 1'300.– und von einem solchen des Ge-
suchsgegners von Fr. 6'750.– auszugehen. Das Gesamteinkommen beträgt somit
Fr. 8'050.–.
7.3. Im Bedarf sind lediglich die zusätzlichen Gesundheitskosten der Ge-
suchstellerin von Fr. 100.– auf Fr. 0.– anzupassen (E. III.4.5.). Ihr Bedarf beträgt
somit Fr. 3'500.–, jener des Gesuchsgegners Fr. 4'336.– (siehe Urk. 38 E. II.3.5.2.
[S. 15]). Der Gesamtbedarf beläuft sich auf Fr. 7'836.–.
7.4. Es resultiert ein Überschuss von Fr. 214.–.
8. Überschussverteilung
8.1. Die Vorinstanz erwog, dass der Gesuchstellerin bei Einnahmen von
Fr. 3'730.– ein Bedarf von Fr. 3'600.– gegenüberstehe; daraus resultiere ein
Überschuss von Fr. 130.–. Beim Gesuchsgegner stehe den Einnahmen von
Fr. 6'750.– ein Bedarf von Fr. 4'336.– gegenüber, was einen Überschuss von
Fr. 2'414.– ergebe. Der gemeinsame Überschuss von Fr. 2'544.– sei praxisge-
mäss je hälftig den Parteien zuzuteilen, weshalb der Gesuchsgegner zu verpflich-
- 42 -
ten sei, der Gesuchstellerin Ehegattenunterhaltsbeiträge von monatlich
Fr. 1'142.– zu bezahlen (Urk. 38 E. II.4.6.1. ff. [S. 17]).
8.2. Der Gesuchsgegner rügt, die Vorinstanz gehe von einem gebührenden
Unterhalt von Fr. 3'730.– + Fr. 1'142.– = Fr. 4'872.– aus. Einen so hohen Stan-
dard habe die Gesuchstellerin seit der Heirat und auch insbesondere während der
achtjährigen Trennung ab Juni 2012 nie gehabt. Sie habe aber maximal Anspruch
auf den bisherigen ehelichen Standard bzw. – wie vorliegend nach so langer
Trennungsdauer – auf den Standard während der Trennung (Urk. 41 S. 4;
Urk. 59/50 S. 7). Der Gesuchsgegner habe während der Trennungszeit regelmäs-
sig in seine 3. Säule eingezahlt und damit eine Sparquote von rund Fr. 420.– pro
Monat gehabt (Urk. 41 S. 4 f.; Urk. 59/50 S. 7). Die Gesuchstellerin habe während
der Trennungszeit mit ihrem Verdienst von monatlich etwa Fr. 3'000.– ihren Le-
bensunterhalt offensichtlich selbst decken können. Mit dem hypothetischen Ein-
kommen von Fr. 3'730.– könne sie selbst für ihren gebührenden Unterhalt auf-
kommen, sie verfüge über einen Freibetrag von Fr. 240.– bzw. Fr. 940.– ab Au-
gust 2020. Dies rechtfertige eine hälftige Überschussteilung nicht. Jeder Ehegatte
solle vielmehr seinen Überschuss selbst behalten können. Deshalb habe die Ge-
suchstellerin keinen Anspruch auf ehelichen Unterhalt (Urk. 41 S. 5; Urk. 59/50
S. 7).
8.3. Die Gesuchstellerin entgegnet, die Vorinstanz habe die hälftige Über-
schussverteilung zu Recht angenommen. Der Gesuchsgegner beziffere den ge-
bührenden Bedarf der Gesuchstellerin nicht ansatzweise und belege ihn auch
nicht mittels entsprechender Unterlagen (Urk. 48 Rz. 40). Auch die Sparquote,
welche bestritten werde und die im Übrigen, sollte sie überhaupt vorhanden sein,
ohnehin durch die trennungsbedingten Mehrkosten konsumiert würde, belege er
in keiner Weise (Urk. 48 Rz. 40). Dass sich die Gesuchstellerin in den letzten Jah-
ren in ihrer Lebenshaltung eingeschränkt habe, bedeute nicht, dass sie keinen
Anspruch auf den gebührenden Unterhalt habe (Urk. 48 Rz. 41).
8.4. Mit der Verteilung des Überschusses soll beiden Ehegatten ermöglicht
werden, ihren bisherigen Lebensstandard beizubehalten, welcher gleichzeitig die
obere Grenze für die Höhe des Unterhaltsbeitrags darstellt. Sollen beide Ehegat-
- 43 -
ten nach der Trennung den ehelichen Lebensstandard fortsetzen können, muss
auch ein bisher allenfalls Sparzwecken dienender Teil des Einkommens zum
Ausgleich der finanziellen Mehrbelastung herangezogen werden (OGer ZH
LE120084 vom 12.04.2013, E. II.B.7.4.; Six, a.a.O., Rn 2.171 [S. 154 f.]).
8.5. Der Gesuchsgegner kritisiert den von der Vorinstanz errechneten ge-
bührenden Unterhalt von Fr. 4'872.– als viel zu hoch, ohne anzugeben und zu
begründen, wie hoch er denn sein sollte. Damit genügt er den Begründungsanfor-
derungen nicht (E. II.4.2.). Wenn er geltend macht, er habe während der Tren-
nungszeit regelmässig in seine 3. Säule eingezahlt und damit eine Sparquote von
rund Fr. 420.– pro Monat gehabt (Urk. 41 S. 4 f.; Urk. 59/50 S. 7), berücksichtigt
er dabei die trennungsbedingten Mehrkosten nicht. Massgebend ist der zuletzt vor
der Trennung gelebte Standard (E. III.2.5.1.). Damals lebten die Parteien auf dem
Hof des Gesuchsgegners. In der Folge zog die Gesuchstellerin in eine 1.5-
Zimmerwohnung (Urk. 12/6). Verteilt man den vorstehend errechneten Über-
schuss von Fr. 214.– (E. III.7.4.) hälftig, ist jedenfalls im Rahmen der vorliegenden
Berechnung festzustellen, dass damit der bisherige Lebensstandard noch nicht
erreicht wird.
9. Unterhaltsberechnung
9.1. Der eheliche Unterhalt an die Gesuchstellerin beträgt Fr. 3'500.– (Be-
darf) + Fr. 107.– (hälftiger Anteil am Überschuss) - Fr. 1'300.– (eigenes Einkom-
men) = Fr. 2'307.–. Der Gesuchsgegner ist mithin rückwirkend ab 14. Dezember
2018 zu verpflichten, der Gesuchstellerin monatliche eheliche Unterhaltsbeiträge
von Fr. 2'307.– zu bezahlen.
9.2. In den Unterhaltsbeiträgen sind auch die Krankenkassenprämien ent-
halten. Diese musste die Gesuchstellerin indessen erst ab 2019 selber bezahlen
(Urk. 59/41 Rz. 23; Urk. 33 S. 2). Soweit der Gesuchsgegner im massgebenden
Zeitraum (das heisst ab 14. Dezember 2018) dafür aufgekommen ist, ist er be-
rechtigt, die entsprechenden Zahlungen von den Unterhaltsbeiträgen in Abzug zu
bringen.
- 44 -
9.3. Da Tatsachen, die sich ab dem 5. März 2020 ereignen bzw. sich ereig-
net haben, nicht berücksichtigt werden können (E. II.2.2.), besteht vorliegend kein
Raum für die Festsetzung eines Sockelbetrages. Dispositiv-Ziffer 4 des vorin-
stanzlichen Urteils (Urk. 38 S. 25) ist deshalb in Gutheissung der Zweitberufung
ersatzlos aufzuheben.
10. Verrechnung mit eigenen Leistungen und Fälligkeit der Alimente
10.1. Die Vorinstanz erwog, dass die Gesuchstellerin seit dem 14. Dezember
2018 unbestritten regelmässig kostenlos Futter für ihre Pferde erhalten habe. Zu-
dem habe sie nichts für die Benutzung des Stalls, in welchem ihre sowie fremde
Pferde untergebracht seien, bezahlen müssen. Auch die Fläche, auf welcher die
Gesuchstellerin Reitstunden erteile, habe ihr der Gesuchsgegner unentgeltlich zur
Verfügung gestellt. Dies sei nicht marktüblich und stelle eine Leistung an die Ge-
suchstellerin dar, was bei neun Pferden mit Fr. 1'800.– pro Monat zu berücksich-
tigen sei (Urk. 38 E. II.4.7. [S. 18]). Indem der Gesuchsgegner diese Leistung seit
Jahren erbringe, erfülle er seine Unterhaltspflicht von monatlich Fr. 1'142.– seit
dem 14. Dezember 2018 (Urk. 38 E. II.4.8. [S. 18]).
10.2. Die Gesuchstellerin rügt, die Vorinstanz verkenne das Wesen der vor
und nach der Trennung der Ehegatten geübten arbeitsteiligen Bewirtschaftung
des Hofes. So habe die Gesuchstellerin ihre Arbeitskraft eingesetzt, während der
Gesuchsgegner seinen Teil im Rahmen von Naturalleistungen wie Heu, Stroh,
Wasser, Strom, Pferdeboxen usw. erbracht habe. Die Vorinstanz verfalle in Will-
kür, wenn sie rückwirkend im Nachhinein Ausgleichszahlungen konstruiere
(Urk. 59/41 Rz. 34; Urk. 48 Rz. 35). Zudem übersehe sie, dass solche Aus-
gleichszahlungen das Ergebnis des Betriebsteils "Reitschule / Pferdepension" so
stark belasten würde, dass die Gesuchstellerin damit kaum noch ein Einkommen
generieren würde. Wenn überhaupt, wären die Fr. 1'800.– als zusätzlicher Auf-
wand zu berücksichtigen, was zur Folge hätte, dass der Gesuchstellerin kein Ein-
kommen angerechnet werden dürfte (Urk. 59/41 Rz. 34; Urk. 48 Rz. 35). Ferner
habe die Vorinstanz die angeblich erbrachte Leistung in nicht nachvollziehbarer
und damit falscher Weise festgestellt. Aus dem angegebenen Link gehe in keiner
Weise hervor, dass die "Miete einer einfachen Pferdeboxe" Fr. 150.– pro Monat
- 45 -
betrage (Urk. 59/41 Rz. 35; Urk. 48 Rz. 36). Eine Verrechnung sei auch unzuläs-
sig, weil damit ins Existenzminimum der Gesuchstellerin eingegriffen würde
(Art. 125 Ziff. 2 OR; Urk. 48 Rz. 43). Die Unterbringung der Pferde auf dem Hof
des Beklagten sei aus eherechtlicher Sicht zu betrachten, es handle sich nicht um
eine Gebrauchsleihe (Urk. 48 Rz. 44).
10.3. Der Gesuchsgegner bestreitet, dass man den Pferdebetrieb gemein-
sam geführt habe. Die Gesuchstellerin hätte unter Berücksichtigung der Kosten
einer "normalen" Pacht bei einer Drittperson mit weiteren Unterhaltskosten nie ein
Einkommen erzielt. Es habe sich eben um ein Hobby gehandelt, das sie auf Kos-
ten des Gesuchsgegners habe ausüben können. Das System der Parteien habe
darin bestanden, dass die Gesuchstellerin mit ihrem Einkommen aus dem Pfer-
debetrieb ihren gebührenden Unterhalt selber habe tragen können, was ihr bis
und mit 2019 offenbar auch gelungen sei. Der Gesuchsgegner müsse sich ange-
sichts der Situation auch vorbehalten, die Kosten für allfällige theoretische Pacht-
zinsen rückwirkend von der Gesuchstellerin zu fordern, und zwar allenfalls auch in
über ihren allfälligen Unterhalt hinausgehendem Umfang. Die Vorinstanz habe
diesbezüglich für Verwirrung gesorgt. So habe sie anlässlich der Vergleichsge-
spräche die unentgeltliche Gebrauchsleihe erwähnt, ihren Entscheid aber mit der
Verrechnung theoretischer Pachtzinsen begründet (Urk. 59/50 S. 8). Sollte der
Gesuchsgegner wider Erwarten verpflichtet werden (mit oder ohne Verrechnung),
ehelichen Unterhalt zu bezahlen, so werde beantragt, dass dieser erst fällig wer-
de, wenn über eine entsprechende Forderungsklage betreffend allfällige Pacht-
kosten entschieden sei oder wenn bis Ende Februar 2021 keine solche rechts-
hängig sei (Urk. 59/50 S. 8).
10.4. Wie vorstehend erwähnt, ist die Gesuchstellerin gestützt auf Art. 176
Abs. 1 Ziff. 2 ZGB berechtigt, Teile des landwirtschaftlichen Betriebs des Ge-
suchsgegners zu nutzen (E. III.1.5.–III.1.9.). Der Rechtstitel ergibt sich somit aus
dem Familien- und nicht dem Obligationenrecht (anders verhielte es sich allen-
falls, wenn die Parteien einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hätten;
dies wurde indessen weder substantiiert behauptet noch belegt). Ein allfällig ge-
schuldetes Entgelt wirkt sich – auch wenn es vertraglich geschuldet wäre – direkt
- 46 -
auf das Einkommen bzw. den Bedarf der Parteien aus. Es ist daher im Rahmen
der Unterhaltsberechnung zu berücksichtigen. Üblicherweise übernimmt derjeni-
ge, welchem die Wohnung zugeteilt wird, auch die damit zusammenhängenden
Kosten. Vorliegend ist aber zu berücksichtigen, dass der Hof zum Eigengut des
Gesuchsgegners gehört, welche Feststellung unangefochten geblieben ist
(Urk. 38 E. I.2.2. [S. 6]; Urk. 59/41 Rz. 14; siehe Prot. I, S. 25). Der Gesuchsgeg-
ner ist auch Schuldner zweier Hypotheken bei der K._ [Bank] sowie eines
Darlehens über Fr. 60'000.– bei seiner Mutter (Prot. I, S. 28). Das fehlende Ein-
kommen aus Landwirtschaft (E. III.2.6.) ist unter anderem darauf zurückzuführen,
dass er 2018 Schuldzinsen über Fr. 6'177.– als Betriebsaufwand geltend machte
(Urk. 21/1, Hilfsblatt G und Schuldenverzeichnis). Mit anderen Worten flossen die
Kosten, die dem Gesuchsgegner im Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen
Betrieb anfallen (und für die er von der Gesuchstellerin nicht separat entschädigt
wird), bereits in die Berechnung seines Einkommens ein. Dasselbe gilt auch für
weitere "Leistungen" an die Gesuchstellerin. Umgekehrt erzielt sie monatliche
Einkünfte von Fr. 1'300.– vor allem deshalb, weil keine Kosten für das Heu und
die Silage sowie die Pacht des Geländes und der Stallungen berücksichtigt wur-
den (E. III.3.7.). Folgte man der Rechtsauffassung des Gesuchsgegners, wonach
dafür ein Entgelt geschuldet ist, so würde sich das Einkommen der Gesuchstelle-
rin um den entsprechenden Betrag reduzieren, während sich jenes des Gesuchs-
gegners erhöhen würde. Dies hätte höhere Unterhaltsbeiträge zur Folge. Auch
das Vorbringen, wonach sich der Gesuchsgegner vorbehalte, über einen allfälli-
gen Unterhalt hinausgehende Pachtzinsen zu verlangen (Urk. 59/50 S. 8), ist in
diesem Zusammenhang unbehelflich: Daraus würde lediglich ein noch höheres
Einkommen des Gesuchsgegners und ein grösserer Überschuss resultieren, wo-
bei die Gesuchstellerin an letzterem mindestens in dem Umfang partizipieren
könnte, der erforderlich ist, um schuldenfrei zu bleiben. Es wurde nämlich nie gel-
tend gemacht, dass der Lebensstandard so tief gewesen sei, dass sich die Ehe-
leute hätten verschulden müssen. Die Unterhaltsbeiträge würden sich exakt in
dem Umfang erhöhen, in welchem dem Gesuchsgegner ein höheres Einkommen
anzurechnen wäre.
- 47 -
10.5. Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass dem Gesuchsgegner für
die Nutzung seiner Betriebsteile durch die Gesuchstellerin kein Entgelt zusteht
und er ein solches insbesondere auch nicht verrechnungsweise geltend machen
kann. Dies gilt auch für die Zeit vor dem 14. Dezember 2018, weil sich das Nut-
zungsrecht der Gesuchstellerin vorliegend aus dem Familien- und nicht dem Obli-
gationenrecht ergibt. Im Übrigen ist eine Verrechnung mit Unterhaltsbeiträgen ge-
gen den Willen des Gläubigers ohnehin nicht möglich (Art. 125 Ziff. 2 OR). Damit
dringt der Gesuchsgegner mit seinem Eventualbegehren in der Zweitberufungs-
antwort (Urk. 59/50 S. 1) nicht durch. Die Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monat-
lich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats, rückwirkend ab
14. Dezember 2018. Die bis dato ausstehenden Unterhaltsbeiträge werden sofort
fällig (Art. 75 OR).
11. Gesamtergebnis
11.1. In teilweiser Gutheissung der Zweitberufung sind die Dispositiv-Zif-
fern 1 und 3 des Urteils des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Be-
zirksgericht Pfäffikon vom 11. August 2020 aufzuheben und wie folgt neu zu fas-
sen (E. III.1.9.–III.1.12., III.9.1.–III.9.2. und III.10.5.):
"1.1 Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, den von der Gesuchstellerin zur
Erzielung eines Erwerbseinkommens bis anhin genutzten Teil des
landwirtschaftlichen Betriebs (exklusive Wohnhaus) an der C._-
Strasse 1 in ... D._ zur Nutzung zu überlassen, dies im Umfang
insbesondere der folgenden Einrichtungen, Bereiche und Gebäulichkei-
ten:
a) Ökonomieteil Hauptgebäude (bestehend aus Tenn inklusive WC,
Stallungen und Heustock) inklusive Vorplatz
b) Miststock
c) Schopf (ganzes Erdgeschoss sowie das Obergeschoss im Rah-
men der Reitlager jeweils im Sommer)
d) Paddock
- 48 -
e) Weiden angrenzend an Paddock (im Umfang und Zustand wie
Anfang März 2020)
f) Fahrplatz (im Umfang und Zustand wie Anfang März 2020)
g) Sandplatz
h) Parkplatz (hinter dem Ökonomiegebäude)
i) Traktor (zur Mitbenutzung)
1.2 Das Rechtsbegehren 3 der Gesuchstellerin [entsprechend dem Zweit-
berufungsantrag 1.2.] wird abgewiesen.
1.3 Auf die Rechtsbegehren 4 und 5 der Gesuchstellerin [entsprechend
den Zweitberufungsanträgen 1.3. und 1.4.] wird nicht eingetreten.
[Vorinstanzliche Urteilsdispositiv-Ziffer 2]
3. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin rückwirkend
ab 14. Dezember 2018 monatliche eheliche Unterhaltsbeiträge in der
Höhe von Fr. 2'307.– zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus jeweils
auf den Ersten eines jeden Monats. Soweit der Gesuchsgegner im
massgebenden Zeitraum für die Krankenkassenprämien der Gesuch-
stellerin aufgekommen ist, ist er berechtigt, diese von den Unterhalts-
beiträgen in Abzug zu bringen."
11.2. In Gutheissung der Zweitberufung ist sodann die Dispositiv-Ziffer 4 des
Urteils des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Pfäffi-
kon vom 11. August 2020 ersatzlos aufzuheben (E. III.9.3.).
11.3. Der Eventualantrag des Gesuchsgegners betreffend Fälligkeit der Un-
terhaltsbeiträge (Urk. 59/50 S. 1) ist abzuweisen (E. III.10.5.).
IV. Gesuch um vorsorgliche Massnahmen
1. Mit Eingabe vom 22. Dezember 2020 beantragte die Gesuchstellerin,
dass dem Gesuchsgegner superprovisorisch zu verbieten sei, die bestehenden
- 49 -
Verhältnisse / Infrastrukturen weiter zu verändern, und er zu verpflichten sei, die
nach dem vorinstanzlichen Urteil vorgenommenen Veränderungen wiederherzu-
stellen und weiterhin ausreichend Futter für die Pferde bereitzustellen (E. I.5.).
Der Gesuchsgegner habe auch nach dem Entscheid der Vorinstanz Vorkehrun-
gen getroffen, um die Aufrechterhaltung des Betriebsteils "Reitschule / Pferde-
pension" zu verunmöglichen. So habe er am 21. November 2020 eigenmächtig
die Pferdeweide mit dem Holzzaun abgebrochen und weigere sich zudem, der
Gesuchstellerin weiterhin Futter für die Pferde zur Verfügung zu stellen
(Urk. 59/46 Rz. 3). Zudem beabsichtige der Gesuchsgegner, den Betriebsteil
"Reitschule / Pferdepension" aus der Betriebshaftpflichtversicherung streichen zu
lassen, und parkiere sämtliche Parkplätze und den Stalleingang zu, sodass die
Kunden der Gesuchstellerin keine Parkierungsmöglichkeiten mehr hätten und
auch der Zugang zum Pferdestall und den Pferdeboxen nicht mehr ungehindert
möglich sei (Urk. 59/46 Rz. 4 f.).
2. Der Gesuchsgegner erwidert, die Anträge deckten sich nicht mit den
gesetzlich vorgesehenen Eheschutzmassnahmen, weshalb nicht darauf einzutre-
ten sei. Bei den parkierten Autos handle es sich sodann auch um die Fahrzeuge
der beiden Söhne (Urk. 59/50 S. 9).
3. Die Gesuchstellerin stützt ihre Anträge auf Tatsachen, die sich ereignet
haben, nachdem der Gesuchsgegner die Scheidung am 5. März 2020 rechtshän-
gig gemacht hat. Zuständig ist deshalb nicht das Eheschutzgericht, sondern das
Scheidungsgericht im Rahmen vorsorglicher Massnahmen (E. II.2.). Auf das Ge-
such um Erlass vorsorglicher Massnahmen vom 22. Dezember 2020 ist folglich
mangels Zuständigkeit nicht einzutreten.
V. Prozesskostenbeitrag und unentgeltliche Rechtspflege
1. Erstinstanzliches Verfahren
1.1. Die Gesuchstellerin beantragt in der Berufung einen Prozesskosten-
vorschuss, in der Beschwerde die unentgeltliche Rechtspflege (inklusive unent-
- 50 -
geltlicher Rechtsverbeiständung) für das vorinstanzliche Verfahren (Urk. 59/41
S. 4).
1.2. Die Vorinstanz erwog, dass das tatsächliche monatliche Einkommen
der Gesuchstellerin von Fr. 1'300.– unter ihrem erweiterten Notbedarf von
Fr. 3'600.– liege. Sie habe indessen ein Barvermögen von Fr. 17'236.– und eine
Lebensversicherung (Säule 3b) mit einem Rückkaufswert von Fr. 39'221.–; ihr
Vermögen reiche daher zur Deckung der Prozesskosten offensichtlich aus
(Urk. 38 E. II.5.5. [S. 21 f.]). Gestützt darauf wies die Vorinstanz das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab, ohne sich im Dispositiv zum
Prozesskostenbeitrag zu äussern (Urk. 38 S. 24 f.).
1.3. Die Gesuchstellerin rügt, dass sie über keine eigene Altersvorsorge
verfüge, da sie immer im Betrieb des Gesuchsgegners mitgearbeitet habe. Man-
gels Anstellungsverhältnis und mangels selbständiger Erwerbstätigkeit seien seit
der Eheschliessung und damit seit über 20 Jahren keine AHV-Beiträge für sie
einbezahlt worden. Zudem habe sie auch kein eigenes Pensionskassenguthaben.
Abgesehen vom hälftigen Ausgleich der Freizügigkeitsleistung des Gesuchsgeg-
ners im Rahmen der bevorstehenden Scheidung habe sie damit keinerlei Rückla-
gen für das Alter und keinerlei Altersvorsorge. Deshalb und angesichts der ange-
spannten finanziellen Verhältnisse sei es unverhältnismässig und nicht sachge-
recht, von ihr zu verlangen, ihre Lebensversicherung (Säule 3b) aufzulösen und
zur Verwendung der Verfahrens- und Rechtsvertretungskosten zu verwenden
(Urk. 59/41 Rz. 40). Die Vorinstanz habe das Recht falsch angewandt, indem sie
den Verhältnissen des konkreten Falles wie Alter, Gesundheit, fehlende bzw. un-
genügende Altersvorsorge kaum Rechnung getragen habe (Urk. 59/41 Rz. 41).
Die Fr. 17'236.–, welche liquid seien, seien ihr als Notgroschen zu belassen
(Urk. 59/41 Rz. 42 f.).
1.4. Hinsichtlich der Grundlagen für den Prozesskostenvorschuss bzw.
Prozesskostenbeitrag kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 38 E. II.5.3. [S. 19 ff.]). Zu ergänzen ist, dass nach der Pra-
xis der erkennenden Kammer im Eheschutzverfahren mangels gesetzlicher
Grundlage keine vorsorglichen Geldzahlungen angeordnet werden können (OGer
- 51 -
ZH LE110069 vom 08.02.2012, E. 2.4.2). Die gerichtliche Anordnung eines Pro-
zesskostenbeitrags im Eheschutzverfahren ist indessen – anders als die Anord-
nung eines Prozesskostenvorschusses im Scheidungsverfahren – keine vorsorg-
liche Massnahme (OGer ZH RE130016 vom 17.09.2013 E. II.3.c)). Um nicht in
überspitzten Formalismus zu verfallen, ist ein Antrag auf Leistung eines Prozess-
kostenvorschusses im Eheschutz im Zweifelsfall als Antrag auf Leistung eines
Prozesskostenbeitrags im Endentscheid aufzufassen (OGer ZH LE130048 vom
21.10.2013, E. 4. a; OGer ZH LE150038 vom 24.11.2015, E. IV.2.2. [S. 30 f.]). Bei
der Zusprechung eines Prozesskostenbeitrages sind die für die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 117 f. ZPO entwickelten Grundsätze
analog anzuwenden (OGer ZH LE120025 vom 12.06.2012, E. IV.2.; OGer ZH
LE130025 vom 19.08.2013, E. II.C.4.4. [S. 41]; OGer ZH LE150038 vom
24.11.2015, E. IV.2.2. [S. 31]; OGer ZH LE170033 vom 30.10.2017, E. IV.B.2.1.).
Massgebend ist die wirtschaftliche Situation im Zeitpunkt der Einreichung des Ge-
suchs (BGer 5D_49/2016 vom 19. August 2016, E. 2.3; BGer 5A_300/2019 vom
23. Juli 2019, E. 2.1); relevante Veränderungen bis zum Zeitpunkt des Entscheids
dürfen indessen nicht ignoriert werden (Huber, DIKE-Komm-ZPO, Art. 117 N 19).
Aus dem Effektivitätsgrundsatz folgt, dass für die Beurteilung der Mittellosigkeit
nur Vermögen berücksichtigt werden darf, das tatsächlich vorhanden und frei ver-
fügbar oder wenigstens realisierbar ist (BK ZPO-Bühler, Art. 117 N 68; Huber, DI-
KE-Komm-ZPO, Art. 117 N 19). Dies trifft auf den vermögenswerten Streitgegen-
stand des konkreten Verfahrens nicht zu; was streitig ist, ist erst nach gerichtli-
chem Zuspruch und tatsächlicher Erfüllung verfügbar (BK ZPO-Bühler, Art. 117
N 105; siehe Huber, DIKE-Komm-ZPO, Art. 117 N 19). Zur Säule 3b gehören Le-
bensversicherungen, Sparkapital und andere, mit Blick auf die Vorsorge gebildete
Vermögensanlagen (beispielsweise in Aktien oder Liegenschaften), die nicht den
Vorgaben der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge
an anerkannte Vorsorgeformen (BVV 3; SR 831.461.3) entsprechen (Regina E.
Aebi-Müller, Säulen 3a und 3b in der Scheidung, Jusletter vom 22. Februar 2010,
Rn 24). Der Rückkaufswert von Lebensversicherungen ist insofern als Vermögen
anzurechnen, als er den als Notgroschen anerkannten Freibetrag übersteigt
(BGer 4P.261/2003 vom 22. Januar 2004, E. 2.2.2; OGer ZH PC160049 vom
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17.01.2017, E. 6. c; BK ZPO-Bühler, Art. 117 N 77). Die Höhe des Notgroschens
bemisst sich nach den konkreten Verhältnissen, namentlich dem Alter, der Ge-
sundheit, den familiären Verpflichtungen, den Erwerbsaussichten sowie der Mög-
lichkeit einer künftigen wirtschaftlichen Erholung. Die Kantone gewähren Freibe-
träge zwischen Fr. 5'000.– und Fr. 25'000.– (OGer ZH PC160049 vom
17.01.2017, E. 6. c; siehe ZK ZPO-Emmel, Art. 117 N 7).
1.5. Die Gesuchstellerin erwirtschaftet bei einem Bedarf von Fr. 3'500.– ein
Einkommen von Fr. 1'300.– (E. III.7.2. f.). Es resultiert somit monatlich ein Minus
von Fr. 2'200.–. Die ihr mit diesem Entscheid zugesprochenen Unterhaltsbeiträge
(E. III.11.) sind nicht zu berücksichtigen, weil die Gesuchstellerin (zumindest im
jetzigen Zeitpunkt) nicht darüber verfügen kann. Dasselbe gilt für die Freizügig-
keitspolice bei der L._, welche per 1. Januar 2020 einen Wert von
Fr. 15'760.05 aufwies (Urk. 12/2). Per 31. Dezember 2019 hatte die Gesuchstelle-
rin auf ihrem Privatkonto bei der K._ Fr. 13'570.46, auf dem Sparkonto Plus
bei derselben Bank Fr. 767.85, auf dem Eurokonto bei der Bank M._ € 7.61
und auf dem Sparkonto bei der M'._ Genossenschaft (bzw. neu Bank
M._ Genossenschaft) Fr. 3'659.30 (Urk. 12/2), was gesamthaft rund
Fr. 18'000.– entspricht. Hinzu kommt die Säule 3b bei der N._ Personenver-
sicherungen AG mit einem Rückkaufswert per 31. Dezember 2019 von
Fr. 39'221.70 (Urk. 12/2). Insgesamt ist somit von einem verfügbaren Vermögen
per 31. Dezember 2019 von rund Fr. 57'200.– auszugehen. Bei einem Vermö-
gensverzehr von Fr. 2'200.– pro Monat dauert es 26 Monate, bis der Betrag auf-
gebraucht ist, wobei bis zum Entscheid der Vorinstanz vom 11. August 2020 be-
reits mehr als sieben Monate vergangen waren. Die Gesuchstellerin ist am
tt. August 1969 geboren (Urk. 37). Sie ist gelernte Plattenlegerin (Urk. 31 Rz. 12;
Urk. 33 S. 2), arbeitete jedoch seit Jahrzehnten nicht auf diesem Beruf (siehe
Prot. I, S. 13 f.). Die Aussichten, künftig einen Bedarfsüberschuss und damit Er-
sparnisse zu erzielen, sind deshalb als gering einzustufen. Ihr Vorbringen, wo-
nach für sie keine AHV-Beiträge einbezahlt worden seien (Urk. 59/41 Rz. 40), ist
plausibel. Trotz der Einkommensteilung im Rahmen der Scheidung (Art. 29quinquies
Abs. 3 lit. c AHVG) ist von einer minimalen AHV-Rente auszugehen. Vor diesem
Hintergrund kann man von ihr nicht verlangen, die Lebensversicherung vorzeitig
- 53 -
aufzulösen. Im Ergebnis ist die Prozessarmut der Gesuchstellerin zu bejahen.
Wie die vorstehenden Erwägungen zeigen, sind ihre Rechtsbegehren sodann
nicht aussichtslos. Die Gesuchstellerin ist schliesslich auf einen Rechtsbeistand
angewiesen, da auch die Gegenpartei anwaltlich vertreten ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c
ZPO).
1.6. Der Gesuchsgegner erwirtschaftet zwar einen Überschuss, er wird die-
sen aber praktisch ganz der Gesuchstellerin als Unterhalt bezahlen müssen
(E. III.7.2. f. und III.9.1.). Gemäss seiner Steuererklärung 2018 übersteigen allein
die Hypotheken von insgesamt Fr. 330'000.– den Steuerwert seines Hofes von
Fr. 289'000.– (Urk. 21/1; Prot. I, S. 30). Sein einziges Konto bei der K._ wies
per 31. Dezember 2019 einen Saldo von Fr. 16'227.30 und per 30. April 2020 ei-
nen solchen von Fr. 2'212.30 auf (Urk. 34/33–34; Prot. I, S. 30). Dieser Betrag ist
ihm als Notgroschen bzw. zur Deckung der (auch rückwirkend geschuldeten) Un-
terhaltsbeträge zu belassen. Damit ist der Gesuchsgegner nicht in der Lage, der
Gesuchstellerin für das vorinstanzliche Verfahren einen Prozesskostenbeitrag zu
bezahlen. Demzufolge ist das entsprechende Gesuch der Gesuchstellerin abzu-
weisen.
1.7. Da die Gesuchstellerin die Voraussetzungen für die unentgeltliche
Rechtspflege erfüllt, erweist sich ihre Beschwerde als begründet. Ihr ist deshalb
per Einreichung des Gesuchs, mithin ab 11. Februar 2020 (Urk. 18), die unent-
geltliche Rechtspflege (inklusive unentgeltlicher Rechtsverbeiständung) für das
vorinstanzliche Verfahren zu gewähren. Entsprechend ist Dispositiv-Ziffer 1 der
Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht
Pfäffikon vom 11. August 2020 aufzuheben und wie folgt neu zu fassen:
"1.1 Der Gesuchstellerin wird ab 11. Februar 2020 die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt und es wird ihr in der Person von Rechtsanwalt
lic. iur. Y._ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.
1.2 Das Gesuch des Gesuchsgegners um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege wird abgewiesen."
- 54 -
2. Anträge der Gesuchstellerin im Berufungsverfahren
2.1. Die Gesuchstellerin verlangt wie bereits vor Vorinstanz einen Prozess-
kostenvorschuss [recte: Prozesskostenbeitrag] für das Berufungsverfahren und
eventualiter die unentgeltliche Rechtspflege inklusive unentgeltlicher Rechtsver-
beiständung (Urk. 31 S. 3; Urk. 59/41 S. 4; Urk. 48 S. 2).
2.2. Es kann auf die vorstehenden Erwägungen (E. V.1.) verwiesen wer-
den. Zu ergänzen ist, dass sich aus den neu eingereichten Belegen eine erhebli-
che Reduktion der Bankguthaben von Fr. 18'000.– auf rund Fr. 3'600.– per Ende
2020 ergibt (Urk. 50/10–12); die Gesuchstellerin erzielte 2020 sodann (ohne Be-
rücksichtigung der Aufwände für die Monate November und Dezember) ein Ein-
kommen von Fr. 18'313.58 (Urk. 50/8), was rund Fr. 1'500.– pro Monat entspricht.
Vor diesem Hintergrund ist das Gesuch der Gesuchstellerin auf Zusprechung ei-
nes Prozesskostenbeitrags für das Berufungsverfahren abzuweisen; hingegen ist
ihr die unentgeltliche Rechtspflege für das Berufungsverfahren zu bewilligen und
in der Person von Rechtsanwalt lic. iur. Y._ ein unentgeltlicher Rechtsbei-
stand zu bestellen.
3. Antrag des Gesuchsgegners im Berufungsverfahren
3.1. In der unaufgeforderten Replik vom 4. Februar 2021 verlangte auch der
Gesuchsgegner die unentgeltliche Rechtspflege inklusive unentgeltlicher Rechts-
vertretung für das Berufungsverfahren (Urk. 53 S. 1).
3.2. Der Anspruch auf einen Prozesskostenbeitrag geht dem Anspruch auf
unentgeltliche Rechtspflege vor (OGer ZH LE200021 vom 25.06.2020, E. 5.4.2
[S. 19]). Grundsätzlich darf man von einer anwaltlich vertretenen Partei erwarten,
dass sie in ihrem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ausdrücklich darlegt,
weshalb ihrer Ansicht nach auf einen Prozesskostenbeitrag zu verzichten sei
(BGer 5A_49/2017 vom 18. Juli 2017, E. 3.1; BGer 5A_244/2019 vom 15. April
2019, E. 4). Ist die Mittellosigkeit der Gegenpartei aber unbestritten, manifest und
ohne Durchsuchen der Akten greifbar, so ist es überspitzt formalistisch, eine for-
male Erörterung zu verlangen (BGer 5A_244/2019 vom 15. April 2019, E. 4). Die
gesuchstellende Person muss ihre aktuelle finanzielle Situation darlegen und be-
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weisen (BGer 4A_667/2015 vom 22. Januar 2016, E. 3.3; BGer 4A_44/2018 vom
5. März 2018, E. 5.4; siehe Art. 119 Abs. 2 ZPO). Es gilt ein durch die Mitwir-
kungsobliegenheit eingeschränkter Untersuchungsgrundsatz (BGer 4A_274/2016
vom 19. Oktober 2016, E. 2.3; BGer 5A_374/2019 vom 22. November 2019,
E. 2.3). An die klare und gründliche Darstellung der finanziellen Situation durch
die gesuchstellende Person selbst dürfen umso höhere Anforderungen gestellt
werden, je komplexer die Verhältnisse sind (BGE 125 IV 161 E. 4a; BGer
5A_300/2019 vom 23. Juli 2019, E. 2.1; BGer 5A_374/2019 vom 22. November
2019, E. 2.3). Das Gericht hat den Sachverhalt aber immerhin dort weiter abzu-
klären, wo Unsicherheiten und Unklarheiten bestehen, und es hat allenfalls unbe-
holfene Rechtsuchende auf die Angaben hinzuweisen, die es zur Beurteilung des
Gesuchs benötigt. Bei einer anwaltlich vertretenen Partei ist das Gericht
nach Art. 97 ZPO jedoch nicht verpflichtet, eine Nachfrist anzusetzen, um ein un-
vollständiges oder unklares Gesuch zu verbessern. Wenn die anwaltlich vertrete-
ne Partei ihren Obliegenheiten nicht (genügend) nachkommt, kann das Gesuch
mangels ausreichender Substantiierung oder mangels Bedürftigkeitsnachweises
abgewiesen werden (BGer 5A_300/2019 vom 23. Juli 2019, E. 2.1; BGer
5A_374/2019 vom 22. November 2019, E. 2.3).
3.3. Der Gesuchsgegner hat weder einen Antrag auf Zusprechung eines
Prozesskostenbeitrags gestellt noch begründet, weshalb dies vorliegend aus-
sichtslos sei (siehe Urk. 53 S. 2). Letzteres hätte sich aber aufgedrängt, hat er
doch seiner in Zweitberufungsantwort behauptet, die Gesuchstellerin verfüge über
Vermögen (Urk. 59/50 S. 9). Als einziges Beweismittel reichte der Gesuchsgegner
den Steuerausweis seines Privatkontos bei der K._ per Ende 2020 ein, wo-
raus sich ein Saldo von Fr. 7'678.70 ergibt (Urk. 55/2). Er führte sodann aus, dass
bei einem Einkommen von Fr. 6'500.– und einem Bedarf von Fr. 4'400.– ein
Überschuss von rund Fr. 2'100.– verbleibe. Falls der Gesuchstellerin wider Erwar-
ten Unterhalt zugesprochen werde, entfalle auch dieser Überschuss (Urk. 53
S. 2). Die Zahlen entsprechen seinen Ausführungen in der Berufungsschrift: Dort
brachte er vor, dass nicht von seinem aktuellen Einkommen auszugehen und der
kleine landwirtschaftliche Nebenverdienst nicht anzurechnen sei (E. III.2.2.). Der
Gesuchsgegner behauptet somit weder den gegenwärtigen Verdienst noch belegt
- 56 -
er ihn. Insbesondere fehlen Ausführungen und Belege zu seinem Einkommen aus
Landwirtschaft; das neuste Beweismittel ist die Steuererklärung 2018 (E. III.2.6.).
Zudem zahlte der Gesuchsgegner offenbar regelmässig in seine 3. Säule ein
(Urk. 41 S. 4 f.). Das Guthaben wäre zu berücksichtigen, wenn es sich um die
Säule 3b handeln würde (E. V.1.4.). Auch hierzu fehlen Ausführungen. Damit ge-
nügt der Gesuchsgegner seiner Mitwirkungsobliegenheit nicht. Da er anwaltlich
vertreten ist, ist ihm keine Nachfrist zur Verbesserung des Gesuchs anzusetzen.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die unentgeltliche Rechtspflege grund-
sätzlich nicht rückwirkend gewährt werden kann (Art. 119 Abs. 4 ZPO). Gründe,
die vorliegend eine Ausnahme rechtfertigen würden, sind weder ersichtlich noch
dargetan. Selbst wenn dem Gesuchsgegner die unentgeltliche Rechtspflege zu
gewähren wäre, würde diese somit nicht die Aufwendungen seines Rechtsvertre-
ters im Rahmen der ordentlichen Schriftenwechsel umfassen. Hinsichtlich der Ge-
richtskosten ist sodann festzuhalten, dass der Gesuchsgegner zumindest in der
Lage war, den Vorschuss zu bezahlen.
3.4. Im Ergebnis ist das Gesuch des Gesuchsgegners um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsverbei-
ständung für das Berufungsverfahren abzuweisen, soweit überhaupt darauf einzu-
treten ist.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie
auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3
ZPO). Die Vorinstanz setzte die Gerichtsgebühr auf Fr. 4'000.– fest und auferleg-
te die Kosten den Parteien je zur Hälfte; zudem sprach sie keine Parteientschädi-
gungen zu (Urk. 38 E. II.6.3. [S. 24]).
1.2. Die Gesuchstellerin verlangt unter anderem die Aufhebung der Disposi-
tiv-Ziffern 5 (Festsetzung der Gerichtskosten) und 6 (hälftige Auferlegung der Ge-
richtskosten) des vorinstanzlichen Urteils, stellt diesbezüglich jedoch keinen An-
- 57 -
trag in der Sache (Urk. 59/41 S. 2 f.). Aus der Begründung, die zur Interpretation
des Rechtsbegehrens beigezogen werden kann (BGE 137 II 313 E. 1.3), ergibt
sich, dass ausgangsgemäss unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich
Mehrwertsteuer) zulasten des Gesuchsgegners zu befinden sei (Urk. 59/41
Rz. 47). Es ist mithin davon auszugehen, dass die Gesuchstellerin nicht die vorin-
stanzliche Entscheidgebühr von Fr. 4'000.– (Urteilsdispositiv-Ziffer 5) anfechten
will; ihr missfällt, dass die Vorinstanz die Gerichtskosten den Parteien zur Hälfte
auferlegt und keine Parteientschädigungen zugesprochen hat (Urteilsdispositiv-
Ziffern 6 und 7).
1.3. Die Vorinstanz erwog, dass die Prozesskosten in der Regel nach dem
Ausgang des Verfahrens zu verteilen seien (Art. 106 Abs. 1 ZPO). In familien-
rechtlichen Verfahren könne das Gericht aber davon abweichen und die Prozess-
kosten nach Ermessen verteilen (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO). Eherechtlichen Ver-
fahren liege in der Regel ein familiärer Konflikt zugrunde, wofür in den meisten
Fällen beide Parteien zumindest moralische Verantwortung trügen. Zudem seien
Mann und Frau gleichberechtigt. Daher rechtfertige es sich, die Gerichtskosten
den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und die Parteientschädigungen wettzu-
schlagen (Urk. 38 E. II.6. [S. 23 f.]).
1.4. Die Gesuchstellerin setzt sich mit der Argumentation der Vorinstanz
nicht auseinander (siehe Urk. 59/41 Rz. 47). Weil Letztere die Prozesskosten
nicht nach dem Ausgang des Verfahrens, sondern nach Ermessen verteilte, ge-
nügt es nicht, eine Anpassung der Kosten- und Entschädigungsfolgen nach Ob-
siegen und Unterliegen zu verlangen. Die Gesuchstellerin hätte aufzeigen müs-
sen, weshalb die Kosten vorliegend nicht nach Ermessen zu verteilen sind bzw.
inwiefern die Vorinstanz ihr Ermessen unrichtig ausgeübt hat.
1.5. Die Höhe der vorinstanzlichen Entscheidgebühr blieb unangefochten
(E. VI.1.2.). Sie ist daher zusammen mit der Kosten- und Entschädigungsvertei-
lung zu bestätigen. Weil der Gesuchstellerin aber auch für das vorinstanzliche
Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen ist (E. V.1.7.), ist die Dis-
positiv-Ziffer 6 des Urteils des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Be-
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zirksgericht Pfäffikon vom 11. August 2020 dennoch aufzuheben und wie folgt
neu zu fassen:
"Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Der Anteil der Ge-
suchstellerin wird zufolge der ihr gewährten unentgeltlichen Rechtspflege
einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; die Nachzahlungspflicht ge-
mäss Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten."
2. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
2.1. Die Gerichtsgebühr ist in Anwendung von § 12 Abs. 1 und 2 in Verbin-
dung mit § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 2 lit. b GebV OG auf Fr. 8'500.– festzusetzen.
2.2. Hauptthema der vorliegenden Berufungen bildeten einerseits die Zu-
weisung von Teilen des landwirtschaftlichen Betriebs und andererseits der eheli-
che Unterhalt. Es lässt sich angesichts der Anträge und der Ergebnisse nicht ge-
nau bestimmen, welche Partei in welchem Umfang obsiegt hat. Deshalb erscheint
es sachgerecht, die Prozesskosten nicht nach Art. 106 Abs. 2 ZPO, sondern in
Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO nach Ermessen zu verteilen. Die Tat-
sache, dass der Gesuchsgegner mit seiner Erstberufung vollumfänglich unterliegt,
fällt nicht sonderlich ins Gewicht. Er begründet sie nämlich im Wesentlichen da-
mit, dass eine hälftige Überschussverteilung nicht angemessen sei (Urk. 41
S. 4 f.). Indem die Gesuchstellerin die Anrechnung des rückwirkenden hypotheti-
schen Einkommens erfolgreich anficht, entzieht sie der Erstberufung die Grundla-
ge. Von untergeordneter Bedeutung ist ebenfalls das Gesuch um Erlass vorsorg-
licher Massnahmen; es verursachte nur einen geringen Aufwand (siehe E. IV.).
Letzterer ist auf die ursprünglich von den Parteien gewählte Bewirtschaftung des
Hofes und die damit einhergehenden Verflechtungen der Einkommen zurückzu-
führen. Es ist sodann naturgemäss eher schwierig, die Einkommen selbständig
Erwerbender zu bestimmen, sei es die Gesuchstellerin mit ihrem Pferdebetrieb,
sei es der Gesuchsgegner mit seiner Tätigkeit als Landwirt. Vor diesem Hinter-
grund sowie der Tatsache, dass die Gesuchstellerin mit ihrer Zweitberufung nur
teilweise obsiegt, sind die Gerichtskosten für das zweitinstanzliche Verfahren den
Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen. Der Anteil der Gesuchstellerin ist jedoch zu-
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folge der ihr gewährten unentgeltlichen Rechtspflege unter Nachforderungsvorbe-
halt (Art. 123 ZPO) einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Der Anteil des
Gesuchsgegners ist mit seinem Kostenvorschuss zu verrechnen; ein allfälliger
Fehlbetrag ist nachzufordern.
2.3. Aufgrund der hälftigen Verteilung der Prozesskosten sind für das zweit-
instanzliche Verfahren keine Parteientschädigungen zuzusprechen.