Decision ID: 3bfcf520-5899-4bc2-bdb4-1ea0721bdf3a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1986, war seit 1. April 2014 als Sani
tär
installateur bei der Y._ AG angestellt und bei der Schwei
zerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtbe
rufsunfällen versichert, als er am 20. Januar 2015 mit dem Fahrrad stürzte und sich dabei Prellungen der Handgelenke, des linken Knies und der linken Zehen zuzog (Urk. 7/1 und 7/6). Der Versicherte setzte in der Folge weder die Arbeit aus noch suchte er einen Arzt auf (vgl. Urk. 2 S. 2 und Urk. 7/1 S. 2).
Am 1. April 2015 liess sich der Versicherte wegen beidseitiger Handgelenksbe
schwerden in der Z._ Klinik untersuchen (Urk. 7/5). Es wurde ihm für die Zeit vom 1. bis 15. April 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bescheinigt (Urk. 7/4).
Mit Schadenmeldung vom 28. April 2015 (Urk. 7/6) wurde der SUVA der Unfall vom 20. Januar 2015 gemeldet. Nach entsprechender kreisärztlicher Beurteilung des Dossiers (vgl. Urk. 7/7) verneinte die SUVA ihre Leistungspflicht mit Schrei
ben vom 13. Mai 2015 (Urk. 7/8) mit der Begründung, dass zwischen den ge
klagten Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem Ereignis vom 20. Januar 2015 kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang bestehe. Der Versi
cherte war mit dieser formlosen Leistungsablehnung nicht einverstanden (vgl. Urk. 7/10). Gestützt auf die Beurteilung von Kreisarzt Dr. med. A._, Fach
arzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom 15. Juli 2015 (Urk. 7/18), hielt die SUVA an der Verneinung ihrer Leistungspflicht mit Verfü
gung vom 28. Juli 2015 (Urk. 7/20) fest. Die dagegen erhobene Einsprache des Versicherten vom 30. August 2015 (Urk. 7/23) wies die SUVA mit Entscheid vom 18. Januar 2015 (richtig: 2016 Urk. 2 = Urk. 7/26) ab.
2.
Mit Sendung vom 16. Februar 2016 (Urk. 3) übermittelte das Verwaltungsge
richt des Kantons Zürich dem Sozialversicherungsgericht die Eingabe des Versi
cherten vom 12. Februar 2016 (Urk. 1), mit welcher er Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 18. Januar 2016 erhob mit den sinngemässen Anträ
gen auf Aufhebung des angefochtenen Entscheids und Zusprechung der gesetz
lichen Leistungen. Die SUVA schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 22. März 2016 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, wovon dem Versicherten Kennt
nis gegeben wurde (vgl. Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erfor
derlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e contrario).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög
lich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen Einspracheentscheid (Urk. 2
) ihre Leistungspflicht in Bezug auf die vom Beschwerdeführer geklagten Handgelenksschmerzen im Wesentlichen gestützt auf die Beurteilungen von Kreis
arzt Dr. A._, wonach zwischen diesen Beschwerden und dem Unfaller
eignis vom 20. Januar 2015 kein natürlicher Kausalzusammenhang bestehe. Jedenfalls sei ein solcher Zusammenhang nicht überwiegend wahrscheinlich. Das Vorbestehen von Handgelenksbeschwerden, die Latenzzeit zwischen dem Unfall und dem Aufsuchen eines Arztes beziehungsweise der Arbeitsunfähigkeit sowie der feh
lende Nachweis von unfallbedingten strukturellen Schäden würden gegen die Annahme eines Kausalzusammenhangs sprechen (vgl. auch Urk. 6).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, die Be
schwerdegegnerin habe ihre Leistungspflicht zu Unrecht verneint. Sie habe ver
kannt, dass das Unfallereignis (auch) nach einer gewissen Zeit (Inkubation) zu Schmerzen geführt habe. Die kreisärztliche Beurteilung sei nicht zutreffend; sie sei nicht zu berücksichtigen. Schliesslich stellte der Beschwerdeführer die Frage, ob er als benachteiligt angesehen werde (Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht zu Recht verneint hat, weil zwischen dem Unfallereignis vom 20. Januar 2015 und
den vom Beschwerdeführer später geklagten Handgelenksbeschwerden kein natür
licher Kausalzusammenhang besteht.
3.
3.1
Die stellvertretende Oberärztin B._ und der Leitende Arzt Dr. med. C._ vom Muskulo-Skelettal-Zentrum der Z._ Klinik untersuchten den Be
schwerdeführer am 1. April 2015 in ihrer handchirurgischen Sprechstunde. Im Bericht vom 2. April 2015 (Urk. 7/5) diagnostizierten sie unklare, diffuse Hand
gelenksschmerzen links mehr als rechts, akzentuiert linksseitig nach Velosturz im Januar 2015. Der Beschwerdeführer habe angegeben, seit August 2014 diffuse Handgelenksbeschwerden zu haben. Nach dem Sturz vom 20. Januar 2015 hätten sich die Beschwerden am linken Handgelenk - gemäss anamnes
tischer Angabe - verstärkt. Die Röntgen- und Bildverstärkeruntersuchung habe eine re
gelrechte Artikulation und keine Hinweise auf arthrotische Verände
rungen er
geben. Bei der dynamischen Untersuchung habe sich kein Hinweis auf eine SL-Band-Läsion gezeigt. Sonographisch hätten weder Hinweise auf ein Ganglion im Bereich des SL-Intervalls beidseits noch auf eine Tendovaginitis de
Quervain beidseits gefunden werden können. Strukturell finde man keine Ursache
für die Handgelenksschmerzen. Man empfehle eine konservative Therapie mittels
handgelenksstabilisierender Massnahmen sowie Anpassen lederner Handge
lenks
manschetten. Es sei eine Ergotherapie verordnet worden. Der Beschwerde
führer sei für zwei Wochen arbeitsunfähig. In drei Monaten sei eine klinische Kontrolle in der Sprechstunde vorgesehen.
3.2
Kreisarzt Dr. A._ verneinte am 7. Mai 2015 die ihm gestellte Frage, ob die Handgelenksbeschwerden auf den Unfall vom 20. Januar 2015 zurückzuführen seien. Es sei sehr fraglich, ob dieser Unfall zu einer Verschlimmerung von vor
bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigungen geführt habe („Vorbeschwerden, kein Unterbruch bei Schwerarbeit, delay bis 1. Arztkonsultation und Schaden
meldung, keine unfallkausalen Befunde am 1.4.15“). Insgesamt handle es sich wohl um einen rein bagatellären Schaden (Urk. 7/7).
3.3
Nach entsprechenden Angaben des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 7/12), wonach er bereits vor dem Unfallereignis wegen Handgelenksbeschwerden in ärztlicher Behandlung gewesen sei, gelangte die Beschwerdegegnerin an Dr. med. E._, Fachärztin FMH für Allgemeinmedizin. Dr. E._ erklärte am 15. Juni 2015, dass der Beschwerdeführer sie vom 3. Oktober bis 5. November 2014 drei Mal wegen Handgelenksbeschwerden aufgesucht habe. Sie habe ihn bei Dr. med. F._, Facharzt FMH für Chirurgie und Handchirurgie, angemeldet. Der Be
schwer
de
führer habe diese Anmeldung aber offenbar nicht wahrgenommen; ein Bericht von Dr. F._ liege nicht vor. Für sie seien die Beschwerden „krankheitshalber bedingt” (Urk. 7/14).
3.4
Gemäss Angaben der Z._ Klinik sei der Beschwerdeführer am 24. Juni
2015 nicht zur vereinbarten Kontrolluntersuchung (vgl. E. 3.1 hievor) erschienen
(Urk. 7/16).
3.5
Kreisarzt Dr. A._ führte in seinem Bericht vom 15. Juli 2015 (Urk. 7/18)
aus, dass die Unfallkausalität der Behandlung vom 1. April 2015 und der Ar
beits
unfähigkeit vom 1. bis 15. April 2015 nicht mit der notwendigen Wahr
schein
lichkeit belegt sei. Er begründete dies damit, dass bereits seit August 2015 (richtig: 2014 E. 3.1 hievor) vorbestehende Handgelenksbeschwerden vorhanden gewesen seien und der Be
schwerdeführer deshalb bei Dr. E._ behandelt worden sei. Nach dem Fahrrad
sturz vom 20. Januar 2015 habe der Beschwerdeführer ohne Unterbruch weiter
arbeiten können, und zwar in einer manuell anforde
rungsreichen Tätigkeit als Sanitärinstallateur. Erst mit zweimonatigem Verzug sei es dann zu einer ersten ärztlichen Beurteilung gekommen. Anlässlich der eingehenden Abklärung vom 1. April 2015 in der Z._ Klinik (inklusive
radiologischer und sonogra
phischer Bildgebung) hätten die spezialisierten Hand
chirurgen keine unfallkau
salen strukturellen Schäden feststellen können. Sie hätten deshalb die Be
schwerden als unklar, diffus, links mehr als rechts be
zeich
net. Das Ereignis vom 20. Januar 2015 müsse als bagatellär gewertet werden.
Die Beeinflussung der früher bestehenden Beschwerden erscheine allerhöchstens als möglich. Ohne nach
gewiesene organische Schädigung und mit dem zweimona
tigen Aufschub bis zur ersten ärztlichen Beurteilung sei dies aber nicht mit der nötigen Wahrschein
lichkeit der Fall. Er rate der Administration, die Kostenüber
nahme abzulehnen.
4.
4.1
Im vorliegenden Fall sind die medizinischen Akten nicht sehr umfangreich. Grund dafür ist jedoch nicht, dass der medizinische Sachverhalt nicht genügend abgeklärt worden wäre, sondern vielmehr, dass der Beschwerdeführer wegen der von ihm geklagten Handgelenksbeschwerden nach dem Unfallereignis nur einen einzigen Arzttermin wahrnahm. Unmittelbar nach dem Unfallereignis vom 20. Januar 2015 nahm er gar keine medizinische Behandlung in Anspruch. Die erste (und einzige) Konsultation in der Z._ Klinik fand erst am 1. April 2015 statt (Urk. 7/5). Zu einer vereinbarten Kontrolluntersuchung erschien er unentschuldigt nicht (vgl. Urk. 7/16; vgl. für die Zeit vor dem Unfall auch Urk. 7/14 und E. 3.3).
Die einzigen ärztlichen Beurteilungen, die sich explizit mit der Kausalitätsfrage beschäftigen, stammen von Kreisarzt Dr. A._. Er zeigte - wie oben dargelegt (vgl. E. 3.5) - auf, weshalb seines Erachtens mit überwiegender Wahrscheinlich
keit kein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Handge
lenksbeschwerden und dem Unfallereignis vom 20. Januar 2015 besteht. Zur Begründung führte er aus, dass beim Beschwerdeführer ein entsprechender Vorzustand vorhanden gewesen sei, dass er nach dem Unfall seine manuell an
spruchsvolle Arbeit als Sanitärinstallateur nicht habe aussetzen müssen, dass er erst nach mehr als zwei Monaten nach dem Unfall einen Arzt aufgesucht habe und dass keine unfallbedingten strukturellen Schäden hätten festgestellt werden können. Dr. A._ hält auch eine negative Beeinflussung der vorbestehenden Beschwerden durch das wohl eher bagatelläre Ereignis vom 20. Januar 2015 für unwahrscheinlich.
Die Einschätzung von Kreisarzt Dr. A._ ist nachvollziehbar und einleuch
tend. Seine Schlussfolgerung (Verneinung des natürlichen Kausalzusammen
hangs) ist überzeugend. Dabei ist zu berücksichtigen, dass insbesondere auch die Handchirurgen der Z._ Klinik keine unfallbedingte Gesundheitsbe
einträchtigung (etwa eine Läsion) erkennen konnten, und zwar weder klinisch noch bildgebend. Deshalb wurden lediglich „unklare, diffuse Handgelenksbe
schwerden“ diagnostiziert (vgl. E. 3.1). Dem Bericht der Hausärztin ist sodann zu ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfallereignis über weiter abklärungsbedürftige Handgelenksbeschwerden klagte (E. 3.3).
4.2
Zusammenfassend ergibt sich, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da
von auszugehen ist, dass zwischen dem Unfallereignis vom 20. Januar 2015 und den geklagten Handgelenksbeschwerden kein natürlicher Kausalzusam
menhang besteht. Auch eine bloss vorübergehende Verschlimmerung der vor
bestehenden Beschwerden durch den erlittenen Unfall ist - gestützt auf die überzeugende kreisärztliche Einschätzung - mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auszuschliessen.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist.