Decision ID: 8d427a66-2399-5ac0-863d-fb88b652f8e7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 20. Februar 2015 in der Schweiz um
Asyl nach und wurde am 3. März 2015 zu seiner Person befragt sowie am
26. Juni 2015 einlässlich zu seinen Gesuchsgründen angehört. Dabei
machte er im Wesentlichen geltend, turkmenischer Ethnie zu sein und be-
reits im Jahr 1992 aus Syrien nach Turkmenistan ausgereist zu sein. Auf-
grund von Diskussionen über ein Massaker sei es zu Verhaftungen von
Studienkollegen gekommen und er habe keinen Militärdienst leisten wol-
len. Im Jahr 2001 sei er nach Russland gegangen, wo er im Jahr 2006 eine
russische Staatsbürgerin geheiratet habe. Aufgrund dessen habe er eine
zeitlich begrenzte Aufenthaltsbewilligung erhalten, welche er jedoch ab
2011 nicht mehr habe verlängern können, da die syrische Botschaft seinen
Pass aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeit nicht mehr verlängert habe.
In der Folge habe er sich illegal in Russland aufgehalten und sich in den
Jahren 2011 und 2012 exilpolitisch gegen das syrische Regime engagiert
(er habe an Demonstrationen teilgenommen, bei der Organisation mitge-
wirkt und anlässlich eines runden Tisches einen beziehungsweise zwei Re-
debeiträge gehalten). 2015 habe er Russland verlassen und sei in die
Schweiz gereist, da ein Verbleib in Russland aufgrund der guten Beziehun-
gen des Landes zu Syrien nicht mehr möglich gewesen sei.
A.b Mit Verfügung vom 20. Januar 2017 verneinte das SEM die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Der Wegweisungsvollzug
wurde aufgrund der Unzumutbarkeit der Wegweisung zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme aufgeschoben. Das SEM befand sowohl seine Vor- als
auch seine Nachfluchtgründe für asylirrelevant, insbesondere liessen seine
geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten nicht auf eine besondere Ex-
poniertheit schliessen.
A.c Hiergegen gelangte der Beschwerdeführer mit Beschwerde vom
20. Februar 2017 an das Bundesverwaltungsgericht. Mit dem Urteil
E-1087/2017 vom 13. Oktober 2017 wies das Gericht die Beschwerde ab.
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II.
B.
B.a Mit einer als «zweites Asylgesuch» betitelten Eingabe vom 24. Januar
2019 gelangte der Beschwerdeführer an die Vorinstanz. Darin machte er
im Wesentlichen Folgendes geltend:
Sein exilpolitisches Engagement habe sich in den letzten Monaten massiv
erhöht. Er gehöre nun zum Kader der (...) Bewegung (nachfolgend: die
Bewegung). Im (...) 2018 sei er von der Bewegung zum Medienbeauftrag-
ten gewählt worden und dafür zuständig, die Aktivitäten der Bewegung un-
ter anderem in den sozialen Medien in verschiedenen Sprachen zu ver-
breiten. Zu seinem Aufgabengebiet gehörten auch die Teilnahme an Talk-
shows und Gesprächsrunden. Das Ziel sei, die Anliegen der Bewegung auf
internationaler Ebene bekannt zu machen. Dabei exponiere er sich als Mit-
glied der Opposition, indem er in den (sozialen) Medien aktiv sei, übersetze
und an Hilfsaktionen teilnehme. Dies werde vom (...) Rat bestätigt, welcher
Mitglied der Nationalen Koalition der Revolutionären Kräfte der syrischen
Opposition sei. Die freie syrische Armee (nachfolgend: FSA) bestätige
ebenfalls, dass er aktuell Medienarbeit für die Opposition gegen das As-
sad-Regime leiste.
Mit seinem Gesuch reichte er folgende Beweismittel zu den Akten:
– Ausdruck des Profilbildes auf Facebook
– Schreiben der FSA vom (...) Oktober 2018
– Schreiben der Bewegung vom (...) Oktober und (...) November 2018
– Schreiben des (...) Rats vom (...). November 2018
– Schreiben des B._
– Schreiben von C._ vom (...) Oktober 2018
– Youtube-Video einer Sitzung der syrischen Opposition in D._
– Fotoaufnahme mit C._ in Russland (2011)
– Fotoaufnahme der Pressekonferenz betreffend den Start der Initiative
«(...)»
– Ein Zeitungsartikel der (...) sowie zwei Zeitungsartikel des (...)
– Russische Übersetzung einer Sitzung von 2011
– Einladung der «National Commission for Syrian Jurists»
– Einladung zur Sitzung der Opposition in den Niederlanden
– Dank- und Anerkennungsschreiben der Bewegung aus der Türkei
– Ein Arbeitszeugnis
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B.b Am 25. September 2019 wurde der Beschwerdeführer zu den neuen
Asylvorbringen angehört.
C.
Mit Verfügung vom 30. März 2020 – eröffnet tags darauf – verneinte das
SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers (Dispositivziffer
1), lehnte sein Mehrfachgesuch ab (Dispositivziffer 2) und ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositivziffer 3), wobei es die am
20. Januar 2017 angeordnete vorläufige Aufnahme bestätigte (Dispositiv-
ziffer 4). Gleichzeitig wies es sein Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten
ab (Dispositivziffer 5) und erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.–
(Dispositivziffer 6).
D.
Mit Eingabe vom 29. April 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 1 bis
3 sowie 5 und 6, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie eventu-
aliter der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. In prozessualer Hin-
sicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung in-
klusive Kostenvorschussverzicht sowie die Beiordnung des rubrizierten
Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
Der Beschwerdeführer reichte zwei Schreiben der Bewegung vom
(...) März 2020 (mit Übersetzung) und (...) März 2020 (ohne Übersetzung),
Fotos eines Vortrags von E._ an der Universität Zürich sowie zwei
Veranstaltungseinladungen ins Recht.
E.
Mit Schreiben vom 31. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt dem Beschwerdeführer den Eingang seiner Beschwerde.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe gel-
tend (vgl. Art. 54 AsylG). Als subjektive Nachfluchtgründe gelten beispiels-
weise illegales Verlassen des Heimatlandes (sogenannte Republikflucht),
Einreichung eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der hei-
matlichen Behörden unerwünschte exilpolitische Betätigung, wenn sie die
Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründet. Subjektive Nachflucht-
gründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3
AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls
(Art. 2 AsylG). Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nach-
fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge
vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 und E. 7.1 sowie
2009/28 E. 7.4.3, beide mit weiteren Hinweisen).
4.
4.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, dass den
Akten keine konkreten Hinweise auf eine qualifizierte exilpolitische Betäti-
gung zu entnehmen seien. Bereits im Urteil E-1087/2017 vom 13. Oktober
2017 habe das Bundesverwaltungsgericht festgehalten, dass sein exilpoli-
tisches Engagement verhältnismässig niedrig profiliert sei. Weder die nun
neu vorgebrachte Tätigkeit als Medienbeauftragter der Bewegung, noch
seine Teilnahme an einem Treffen der syrischen Opposition in D._,
seine Kontakte zu C._, F._ oder dem G._ (recte:
B._), noch sein Facebook-Auftritt begründeten ein Profil, dass ge-
eignet wäre, die Aufmerksamkeit der syrischen Geheimdienste auf sich zu
ziehen. Weder Form noch Inhalt seiner neuen Aktivitäten liessen auf eine
derart erhebliche öffentliche Exponiertheit seiner Person schliessen, die
ihn als Individuum aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen her-
ausheben und als ernsthaften und potentiell gefährlichen Regimegegner
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erscheinen liesse. Es bestünden auch keine Hinweise dafür, dass die syri-
schen Behörden von seinen Aktivitäten Kenntnis erhalten oder ihn als Re-
gimegegner eingestuft und identifiziert hätten. Namentlich habe er auch
nicht geltend gemacht, dass seine in Syrien lebenden Verwandten seinet-
wegen in irgendeiner Weise behelligt worden wären. Die diesbezüglich gel-
tend gemachten Nachstellungen seines (...) und der (...) müssten bei ge-
nauer Betrachtung als haltlose Behauptungen zurückgewiesen werden.
Ferner deckten sich seine Schilderungen bezüglich des exilpolitischen En-
gagements in der Anhörung in Kernpunkten nicht mit dem schriftlichen
Mehrfachgesuch. Seine Ausführungen zum exilpolitischen Engagement
seien in weiten Strecken unsubstanziiert, gehaltlos, realitätsfremd und wi-
dersprüchlich ausgefallen. Im Mehrfachgesuch sei von ihm das Bild des
Medienvertreters der Bewegung in der Schweiz gezeichnet worden, der für
diese an Talkshows, Gesprächsrunden und in den sozialen Medien auf-
trete. Er sei angeblich sogar ein Kadermitglied der Bewegung, weshalb er
ins Visier der syrischen Behörden geraten sei. Dem gegenüber habe er an
der Anhörung dargelegt, dass die Bewegung in der Schweiz – nebst ihm –
keine weiteren Mitglieder umfasse. Auf konkrete Nachfrage habe er klar
verneint, eine Kaderposition inne zu haben und erklärt, ein einfaches Mit-
glied zu sein. Weiter habe er angegeben, dass der Präsident der Bewe-
gung als Medienbeauftragter und Mediensprecher walte und eine Beteili-
gung an Hilfsaktionen auf Nachfrage zurückgewiesen. Das im Mehrfach-
gesuch dargelegte politische Profil müsse als überzeichnet bewertet wer-
den. Dasselbe gelte für seine Darlegungen zu Teilnahmen an einer Sitzung
der syrischen Opposition in D._ und seinen gewichtigen Kontakten.
Schliesslich seien die eingereichten Unterstützungsschreiben allesamt als
Gefälligkeitsschreiben zu beurteilen und demnach von geringem Beweis-
wert. Auch Fotos mit bekannten Personen der syrischen Opposition ver-
mögen bestenfalls ein Zusammentreffen zu belegen; ein eigenes exilpoliti-
sches Engagement sei daraus nicht zu entnehmen. Sein Profil in den sozi-
alen Medien weise keine Inhalte auf, aufgrund welcher er als exponierter
Regimegegner wahrgenommen werden könnte.
4.2 Zur Begründung seiner Beschwerde rügte der Beschwerdeführer zu-
nächst die Einschätzung der Vorinstanz zum Ausmass seines exilpoliti-
schen Engagements. Angesichts der eingereichten Schreiben der Bewe-
gung sei unbestritten, dass er dort Mitglied sei und in regelmässigem Kon-
takt zu H._, dem Führer der Bewegung, stehe. Die Bewegung sei
Teil der syrischen Opposition und als solche im Syrian National Council
vertreten, womit er Mitglied einer bekannten oppositionellen Partei sei und
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deren Interessen in der Schweiz vertrete. Im (...) 2018 sei er zum Medien-
beauftragten gewählt worden. Dass die Bewegung in der Schweiz keine
weiteren Mitglieder verzeichne bedeute vielmehr, dass er für das syrische
Regime in noch grösserem Masse als exponierter Gegner wahrgenommen
werden müsse. Die Bewegung sei eine bedeutende Oppositionsbewegung
mit vielen Anhängern in zahlreichen Ländern. Hinzu kämen seine Kontakte
zu weiteren prominenten Exponenten der syrischen Opposition, nament-
lich C._, F._ und B._. Aufgrund seiner Vernetzung
werde er eigentlich regelmässig zu Veranstaltungen der Opposition in ganz
Europa eingeladen, an denen er aufgrund seines Aufenthaltsstatus in der
Schweiz jedoch nur selten teilnehmen könne. Seine Position innerhalb der
exilpolitisch tätigen Opposition könne als gefestigt und seine Tätigkeit als
intensiv qualifiziert werden. Angesichts des Umstands, dass das Regime
weite Teile des Landes wieder unter Kontrolle habe, sei zu erwarten, dass
sich der Fokus der Überwachung und Verfolgung stärker auf die im Ausland
agierende Opposition richten werde. Bereits heute würden Berichten zu-
folge regelmässig Rückkehrer bei Ankunft in Syrien incommunicado ver-
haftet und gefoltert. Aus den eingereichten Schreiben gehe deutlich hervor,
dass er auf einer Liste gesuchter Personen vertreten sei. Weiter sei im
Nachgang der Veröffentlichung seines Interviews in der (...) auf einem ara-
bischen Nachrichtenportal sein (...) in Syrien von Sicherheitskräften be-
sucht und befragt worden. Die Befragung seines (...) sei ein Indiz dafür,
dass sich das Regime der exilpolitischen Aktivitäten bewusst sei und er
nach wie vor beobachtet werde. Ihm würde daher bei einer Rückkehr die
sofortige Inhaftierung und Folter drohen.
Hinsichtlich der von der Vorinstanz geltend gemachten Widersprüche zwi-
schen dem schriftlichen Mehrfachgesuch und der Anhörung machte der
Beschwerdeführer Folgendes geltend: Dass die Bewegung in der Schweiz
ausser ihm keine Mitglieder besitze, spreche nicht gegen eine Exponiert-
heit. Die Bewegung selbst sei bekannt. Als Vertreter der Bewegung in der
Schweiz komme ihm eine gewisse Publizität zu, dies umso mehr, als er
mittlerweile auch für die Medienarbeit zuständig sei. Er sei entsprechend
exponiert und es sei für das Regime ein Leichtes, ihn zu identifizieren und
im Falle einer Rückkehr nach Syrien zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem
habe er seine Arbeit für die Bewegung nicht erst – wie von der Vorinstanz
angeführt – im Jahr 2018 begonnen. Dies ergebe sich nicht aus der vom
SEM zitierten Beilage 6 des Mehrfachgesuchs; vielmehr stehe dort, dass
er seit Ausbruch der Revolution im Jahr 2011 aktiv sei. Die Bestätigung
datiere vom Jahr 2018, da er erst in diesem Jahr darum ersucht habe.
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Er sei aufgrund seiner exilpolitischen Aktivitäten in seinem Heimatland we-
gen seiner Rasse (Ethnie der Turkmenen) sowie seiner politischen An-
schauung an Leib und Leben und in seiner Freiheit gefährdet, weshalb er
als Flüchtling gestützt auf Art. 83 Abs. 8 AIG vorläufig aufzunehmen sei.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Mehrfachgesuch des Beschwerdeführers
zu Recht abgelehnt hat. Sie hat den Sachverhalt richtig und vollständig ab-
geklärt und in der angefochtenen Verfügung zutreffend erwogen, dass die
vorgebrachten exilpolitischen Aktivitäten eine begründete Furcht vor flücht-
lingsrelevanter Verfolgung nicht zu begründen vermögen. Die Entgegnun-
gen des Beschwerdeführers und die angerufenen Beweismittel vermögen
zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen.
5.2 Gemäss Rechtsprechung betätigen sich die syrischen Geheimdienste
in verschiedenen europäischen Ländern, um regimekritische Personen
oder Gruppierungen zu identifizieren, wobei die Überwachung gezielt und
selektiv erfolgt. Es erscheint wenig wahrscheinlich, dass die syrischen Ge-
heimdienste über die logistischen Ressourcen und Möglichkeiten verfügen,
um sämtliche regimekritischen exilpolitischen Tätigkeiten syrischer Staats-
angehöriger oder staatenloser Kurden syrischer Herkunft im Ausland sys-
tematisch zu überwachen. Zudem kann gemäss der nach wie vor gelten-
den Rechtsprechung davon ausgegangen werden, dass durch den Über-
lebenskampf des Regimes die syrischen Geheimdienste ohnehin primär
auf die Situation im Heimatland konzentriert sind (vgl. Referenzurteil D-
3839/2013 vom 28. Oktober 2015, E. 6.3.5 sowie kürzlich D-2638/2018
vom 12. März 2020 E. 7.2 und D-1600/2017 vom 16. April 2020 E. 6.1.5).
Die Annahme, die betroffene Person habe die Aufmerksamkeit der syri-
schen Geheimdienste in einer Weise auf sich gezogen, die auf eine be-
gründete Furcht vor Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten schlies-
sen lässt, rechtfertigt sich deshalb nur, wenn diese sich in besonderem
Mass exponiert. Dies ist dann der Fall, wenn sie aufgrund ihrer Persönlich-
keit, der Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit
abgegebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, sie werde aus Sicht des
syrischen Regimes als potentielle Bedrohung wahrgenommen (vgl. Urteil
des BVGer D- 5862/2018 vom 19. Februar 2019, E. 6.3.2 und 8.5.1).
5.3 Die exilpolitische Exponiertheit des Beschwerdeführers wurde in sei-
nem Mehrfachgesuch – wie vom SEM zu Recht erkannt – offensichtlich
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überzeichnet. Auf Beschwerdeebene war er nicht in der Lage, hierfür eine
befriedigende Erklärung zu liefern.
5.3.1 Im Mehrfachgesuch wurde unter anderem ausgeführt, dass der Be-
schwerdeführer im (...) 2018 von der Bewegung zum Mediensprecher ge-
wählt worden sei und zu seinen Aufgaben Auftritte an Talkshows, Ge-
sprächsrunden und in den sozialen Medien gehörten. Als aktives Kader-
mitglied der Opposition sei er in den Medien aktiv, übersetze und nehme
an Hilfsaktionen teil (vgl. vorinstanzliche Akte B1). An der Anhörung nahm
er viele im Mehrfachgesuch angeführten Aspekte zu seiner exilpolitischen
Tätigkeit jedoch beinahe vollumfänglich zurück.
Er erschien zwar anfänglich jeweils bemüht, seine Rolle in der exilpoliti-
schen syrischen Opposition als gewichtig darzustellen, er war jedoch nicht
in der Lage, diese auf Nachfragen des SEM auszuführen oder zu konkre-
tisieren. Zunächst führte er aus, dass der Präsident der Bewegung in eige-
ner Person als Medienbeauftragter respektive Mediensprecher der Bewe-
gung walte (vgl. Akte B6, F90). Im weiteren Verlauf der Anhörung darauf
angesprochen, führte er aus, dass er zwar von der Bewegung zu diesem
Zweck beauftragt worden sei und ein Projekt vorbereite, um ein klares Bild
von der Situation in Syrien für die westliche Welt und vor allem in Russland
zu publizieren. Dies relativierte er aber sogleich wieder, indem er sinnge-
mäss ausführte, hauptsächlich nur mit der Arbeitssuche beschäftigt gewe-
sen zu sein und dass er eigentlich gar nicht viel Zeit in dieses Projekt habe
investieren können (vgl. B6 F116 sowie F82 f.,F89, F109). Danach gefragt,
ob er an den Sitzungen der syrischen Opposition in D._ und
I._ eine Aufgabe gehabt habe, führte er zunächst aus, dass sie die
Medien hätten ausnutzen sollen, «um solche Sachen zu publizieren» (vgl.
Akte B6 F77). Auf die Nachfrage des SEM, ob er solche Sachen publiziert
habe, was das für Sachen gewesen seien und wo er diese publiziert habe,
antwortete er, überhaupt nichts schriftlich publiziert zu haben, sondern le-
diglich «mündlich». Auf weitere Nachfrage brachte er schliesslich vor, über
diese Sachen lediglich mit Leuten zu sprechen und wich sodann der Frage
aus, indem er aussagte, nicht nur mit der Opposition zusammenzuarbeiten,
sondern auch noch ein Privatleben und einen Beruf zu haben (vgl. Akte B6
F78 f., F82). Im Weiteren verneinte er, bisher in offiziellem Auftrag für die
Bewegung je in öffentlichen und den sozialen Medien aufgetreten zu sein
– dies, nachdem er zunächst geltend machte, die Bewegung im Ausland
zu vertreten (vgl. Akte B6 F86 ff., F118). Anlässlich seiner Teilnahme an
einer Sitzung in D._ sei er auch bloss einmal von einem Reporter
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eines arabischen Nachrichtensenders gefragt worden, zu welcher Bewe-
gung er gehöre, weitere solcher Auftritte für die Medien habe es nicht ge-
geben (vgl. Akte B6 F87 f.). Zudem verneinte er im Widerspruch zu den
Ausführungen im Mehrfachgesuch ausdrücklich, innerhalb der Bewegung
eine Kaderposition innezuhaben (vgl. Akte B6, F98 und F115) und an Hilfs-
aktionen teilzunehmen (vgl. Akte B6, F102 und F119 f.).
Nach dem Ausgeführten relativierte der Beschwerdeführer an der Anhö-
rung sämtliche Vorbringen im Zusammenhang mit seinen exilpolitischen
Tätigkeiten, mit denen er sein Mehrfachgesuch begründet hat. Die diesbe-
züglichen Beschwerdeausführungen betreffen lediglich den Aspekt der Ex-
poniertheit im Zusammenhang mit der Zahl der Mitglieder der Bewegung
in der Schweiz und im Ausland. Zu den weiteren Diskrepanzen zwischen
der Anhörung und dem Mehrfachgesuch äusserte er sich auf Beschwerde-
ebene nicht. Zwar ist ihm insofern zuzustimmen, als sich entgegen der An-
sicht des SEM aus dem mit dem Mehrfachgesuch eingereichten Bestäti-
gungsschreiben der Bewegung nicht ergibt, er sei erst ab dem Jahr 2018
für die Bewegung tätig gewesen (vgl. Beilage zum Mehrfachgesuch Nr. 6).
Dennoch vermochte der Beschwerdeführer nicht zu erklären, weshalb er
Facebook erst im (...) 2018 – mithin knapp vier Jahre nach Ankunft in der
Schweiz – beigetreten ist (vgl. B6 F113). Im Übrigen erscheint auch die
geltend gemachte angebliche «intensive» exilpolitische Tätigkeit insofern
widersprüchlich, als der Beschwerdeführer an der Anhörung an mehreren
Stellen als Erklärung für seine faktisch begrenzten exilpolitischen Tätigkei-
ten in wenig überzeugender Weise seine private (berufliche) Situation vor-
schob (vgl. B6 F79, F89, F97, F118). Somit ist mit dem SEM festzustellen,
dass insgesamt der Eindruck einer offensichtlich überzeichneten exilpoliti-
schen Aktivität im Hinblick auf die Einreichung eines Mehrfachgesuchs be-
steht.
5.3.2 Dieser Eindruck wird zusätzlich noch dadurch bestärkt, dass die vom
Beschwerdeführer zur Untermauerung seiner Vorbringen eingereichten
Beweismittel Auffälligkeiten aufweisen, welche das Gericht weiter am Aus-
mass der von ihm geltend gemachten Tätigkeiten zweifeln lässt. Zum einen
sind die in den eingereichten Bestätigungsschreiben verwendeten Formu-
lierungen – trotz unterschiedlicher Urheber und soweit sich dies auf Grund-
lage der Übersetzung beurteilen lässt – teilweise identisch (vgl. Bestäti-
gungsschreiben von J._, (...), C._ sowie der Bewegung
[entsprechende Beilagen des Mehrfachgesuchs Nr. 2, 3, 4 und 6]). Damit
an der Anhörung konfrontiert führte er lediglich aus, dass alle diese Grup-
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pen zur Opposition gehörten und über eine Liste gesuchter Personen ver-
fügten (vgl. Akte B6 F105 f.) – dies vermag jedoch die identischen Formu-
lierungen überhaupt nicht zu erklären. Weiter handelt es sich bei den (auch
auf Beschwerde eingereichten) Beweismitteln nicht um Originale (kopierte
Stempel und Unterschriften; mit Ausnahme des Referenzschreibens von
F._ [vgl. A15, Beweismittel Nr. 9], dessen Unterschrift nicht kopiert
wurde). Die Beweismittel weisen somit keinerlei Sicherheitsmerkmale auf,
womit deren Echtheit nicht überprüft werden kann. Es ist kein Grund er-
sichtlich, weshalb der Beschwerdeführer diese extra für sein Asylverfahren
beantragten Bestätigungsschreiben nicht im Original einreichte. Diesen
Beweismitteln, welche ohnehin als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren
sind, kommt daher lediglich ein äusserst geringer Beweiswert zu. Dasselbe
gilt auch für die eingereichten Veranstaltungseinladungen, welche nicht ge-
eignet sind, ein persönliches Engagement des Beschwerdeführers zu be-
legen, zumal er selber ausführte, daran aufgrund seines Aufenthaltsstatus
in der Schweiz meist gar nicht teilnehmen zu können.
Weiter ist die von ihm geltend gemachte Verbindung zur FSA logisch in
keiner Weise nachvollziehbar, zumal die FSA als bedeutende Konfliktpartei
im Syrienkonflikt wohl kaum ausgerechnet den Beschwerdeführer kontak-
tieren würde, um der russischen Regierung ihre Verhandlungsbereitschaft
zu signalisieren (vgl. B6 F99). Dies ist lebensfremd. Demzufolge sind an
der Echtheit des Schreibens der FSA erhebliche Zweifel anzubringen.
5.3.3 Nach dem Ausgeführten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelun-
gen, eine aktive und wichtige Position innerhalb der Bewegung im Spezi-
ellen und der exilpolitischen syrischen Opposition im Allgemeinen glaub-
haft zu machen.
5.4 Zu prüfen bleibt nachfolgend, ob dem Beschwerdeführer bei einer all-
fälligen Rückkehr nach Syrien aufgrund der unbestritten Aspekte – nament-
lich das im Internet publizierte Interview in der (...), seine (teilweise im In-
ternet dokumentierte) Teilnahme an Treffen der exilpolitischen syrischen
Opposition in der Schweiz sowie seines Facebook-Auftritts – in Syrien den-
noch eine begründete Furcht vor Verfolgung hätte. Um dies zu bejahen
müssten über die theoretische Möglichkeit hinausgehende konkrete An-
haltspunkte vorliegen, die den Schluss zulassen, dass er tatsächlich das
Interesse der syrischen Behörden auf sich gezogen und als regimefeindli-
ches Element namentlich identifiziert und registriert wurde (vgl. Urteil D-
3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3.2 m.w.H. sowie kürzlich Urteil D-
6344/2018 vom 26. Mai 2020 E.5.3.2.1.).
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5.4.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, dass das Interview in der (...)
und dessen Veröffentlichung auf einem arabischen Nachrichtenportal zur
Befragung seines (...) durch den Geheimdienst in Syrien geführt habe (vgl.
Akte B6 F58 ff.). Aus diesem Artikel vom (...) respektive (...) April 2019 ge-
hen die oppositionelle Haltung des Beschwerdeführers sowie entspre-
chende Tätigkeiten in Russland sowie seine Demonstrationsteilnahmen in
seiner Studienzeit hervor (vgl. Akte B3, Beilage 1). Seine exilpolitischen
Tätigkeiten in Russland wurden jedoch bereits mit dem Urteil E-1087/2017
für unglaubhaft respektive flüchtlingsrechtlich irrelevant befunden (vgl.
a.a.O. E. 4.6). Dass der Beschwerdeführer auch in der Schweiz weiterhin
exilpolitisch tätig ist, geht aus dem Artikel nicht hervor. Alleine aufgrund des
Inhalts des Artikels ist somit nicht anzunehmen, dass er aus Sicht des sy-
rischen Regimes und im Sinne der nach wie vor geltenden Rechtsprechung
(vgl. oben E. 5.2) als potentielle Bedrohung wahrgenommen wird. Der Be-
schwerdeführer erwähnte zwar anfangs der Anhörung, dass die Veröffent-
lichung des Artikels auf dem arabischen Nachrichtenportal sein Leben und
dasjenige seiner Familie gefährdet habe (vgl. Akte B6 F34), kam aber erst
nach dreimaligem Nachfragen des SEM nach konkreten Problemen seiner
Familie auf eine angebliche Befragung durch den syrischen Geheimdienst
zu sprechen (vgl. Akte B6 F58 ff.). Seine Aussagen hierzu blieben äusserst
substanzarm. Diesbezüglich führte er lediglich aus, dass er von seinem in
der Türkei wohnhaften Bruder angeblich gehört habe, dass es seinem in
Syrien verbliebenen (...) gelungen sei, sich gegenüber dem Geheimdienst
vom Gedankengut des Beschwerdeführers zu distanzieren. Zudem dienten
zwei seiner (...) im syrischen Militär, weshalb der Familie nichts geschehen
sei (vgl. B6 F60 ff.). Es wäre zu erwarten gewesen, dass er zu diesem für
sein zweites Asylgesuch zentralen Geschehen weitaus substanziierter und
ausführlicher hätte berichten können. Folglich handelt es sich dabei um
eine unbelegt gebliebene Behauptung, welche der Beschwerdeführer nach
dem Gesagten auch nicht glaubhaft hat darlegen können.
5.4.2 Im Weiteren geht aus seinen Eingaben nicht hervor, dass er sich an-
lässlich der von ihm besuchten (öffentlichen) Veranstaltungen in der
Schweiz überhaupt in irgend einer Form öffentlich exponiert hätte oder gar
als Mediensprecher der Bewegung in Erscheinung getreten wäre. Es erge-
ben sich aus den Akten auch keine Hinweise darauf, dass er anlässlich
solcher Veranstaltungen von den syrischen Behörden gar als regimefeind-
lich identifiziert und registriert worden wäre. Er verneinte anlässlich der An-
hörung denn sogar explizit, je eine Beobachtung durch die syrischen Be-
hörden bemerkt zu haben oder in diesem Zusammenhang irgendwelche
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Reaktionen erlebt zu haben (vgl. B6 F91 ff.). Auch seinem Facebook-Auf-
tritt ist eine derartige Exponiertheit nicht zu entnehmen.
Insbesondere ergibt sich dies auch nicht aus seinem Vorbringen, vom sy-
rischen Regime namentlich mit Eintrag in einer Fahndungsliste gesucht zu
werden. Nach Kenntnis des Gerichts haben verschiedene Medien (etwa
Kurdwatch, Al Jazeera oder die Internet-Plattform "Zaman al-Wasl") in der
Vergangenheit mutmassliche (geleakte) Suchlisten syrischer Behörden pu-
bliziert, die bis zu 1,5 Millionen Einträge enthalten sollen. Die Authentizität
und Aktualität der Daten lässt sich nicht mit Bestimmtheit beurteilen, zumal
die betreffenden Medien nur sehr spärlich Informationen über ihre Quellen
preisgeben (vgl. hierzu bspw. das Urteil des BVGer E-1241/2020 vom
20. März 2020 E. 10.3.1). Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH)
schätzt die Daten von Zaman al Wasl als grundsätzlich zuverlässig ein (vgl.
SFH, Syrien: Fahndungslisten und Zaman al Wasl, 11. Juni 2019,
https://www.fluechtlingshilfe.ch/assets/herkunftslaender/mittlerer-osten-
zentralasien/syrien/190611-syr-zaman.pdf, abgerufen am 28. Mai 2020).
Zur Untermauerung dieses Vorbringens reichte der Beschwerdeführer kei-
nerlei (direkte) Beweismittel ein. Stattdessen verwies er hierzu lediglich auf
die eingereichten Bestätigungsschreiben, welche eine angebliche Listung
bestätigen würden. Angesichts des – wie in E. 5.3.2 ausgeführt – grund-
sätzlich sehr geringen Beweiswerts dieser Bestätigungsschreiben sowie
der vom Gericht geäusserten erheblichen Zweifel an deren Authentizität
handelt es sich beim Vorbringen der Listung im Resultat um eine unbelegt
gebliebene Parteibehauptung. Es wäre dem Beschwerdeführer mit Hilfe
seines Rechtsanwalts sowie seiner angeblichen einflussreichen Kontakte
sicherlich ohne grosse Schwierigkeiten möglich gewesen, einen Auszug
einer solchen Liste zu beschaffen und einzureichen. Da er dies unterlassen
hat und eine Beschaffung eines solchen Beweismittels – soweit aus den
Akten ersichtlich – nicht einmal angestrebt hat, ist kaum davon auszuge-
hen, dass sein Name auf der Fahndungsliste der syrischen Behörden er-
scheint.
5.5 Zusammenfassend gibt es bei dieser Aktenlage keine konkreten An-
haltspunkte für die Annahme, der Beschwerdeführer hätte bei einer hypo-
thetischen Rückkehr nach Syrien eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zu gewärtigen. Das SEM hat so-
mit zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Mehrfachge-
such abgewiesen.
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6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 30. März 2020 die am 20. Ja-
nuar 2017 angeordnete vorläufigen Aufnahme bestätigte, erübrigen sich
praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des
Wegweisungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten dem mit
seinen Begehren unterlegenen Beschwerdeführer zu überbinden (Art. 63
Abs. 1 und 5 VwVG). Da der Beschwerdeführer jedoch bedürftig ist und
sich zudem die Beschwerde zum Zeitpunkt der Einreichung nicht als aus-
sichtslos präsentierte, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und auf die Er-
hebung von Verfahrenskosten zu verzichten.
10.
10.1
Der Beschwerdeführer stützt sein Gesuch um unentgeltliche amtliche
Rechtsverbeiständung auf aArt. 110a Abs. 1-3 AsylG. Seiner Ansicht nach
sei die Ausnahmeregelung in Abs. 2 für Mehrfachgesuche nicht anwend-
bar, da für Wiedererwägungs- und Mehrfachgesuche mit den Art. 111b und
Art. 111c AsylG explizite Rechtsgrundlagen geschaffen worden seien. So-
mit sei aArt. 110a Abs. 3 AsylG vorliegend anwendbar. Diese Auffassung
ist unzutreffend. Ein Mehrfachgesuch kann unbesehen seiner expliziten
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gesetzlichen Regelung dennoch ein Verfahren auslösen, das wie vorlie-
gend in einen Entscheid nach aArt. 110a Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 31a (in
casu Abs. 4) und Art. 44 AsylG mündet. Im Übrigen verlöre die erwähnte
gesetzliche Ausnahmeregelung für Mehrfachgesuche seine Daseinsbe-
rechtigung, würde der Rechtsauffassung des Beschwerdeführers Folge
geleistet. Bei einem Mehrfachgesuch ist eine unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung auf Beschwerdestufe somit einzig auf der Grundlage von Art. 65
Abs. 2 VwVG möglich.
10.2 Gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wird einer mittellosen Partei, soweit es
zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, in einem nicht aussichtslosen Ver-
fahren eine Anwältin oder ein Anwalt bestellt. Ausschlaggebend für die Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65
Abs. 2 VwVG ist das Kriterium, ob die beschwerdeführende Partei zur
Wahrung ihrer Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen
Hilfe eines Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f.;
122 I 49 E. 2c S. 51 ff.; 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche – wie
das vorliegende – vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind
strenge Massstäbe an die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung
anzusetzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10). Im
asylrechtlichen Beschwerdeverfahren sind besondere Rechtskenntnisse
zur wirksamen Beschwerdeführung im Regelfall nicht unbedingt erforder-
lich. Aus diesen Gründen wird die unentgeltliche Verbeiständung im Sinne
von Art. 65 Abs. 2 VwVG praxisgemäss nur in den besonderen Fällen ge-
währt, in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwie-
rigkeiten bestehen (vgl. statt vieler: Urteil E-4667/2018 des BVGer vom
22. Januar 2020, E. 13.2.). Das vorliegende Verfahren erscheint weder in
tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besonders komplex, zumal der
Beschwerdeführer im Wesentlichen lediglich eine Intensivierung seiner
exilpolitischen Aktivitäten geltend machte. Das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung ist deshalb gestützt auf Art. 65 Abs. 2 VwVG abzu-
weisen.
(Dispositiv nächste Seite)
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