Decision ID: a392e5d2-2c65-4023-a411-bab4b0dec7a2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 5. November 2013 (DG130026)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 23. Januar 2013 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 30).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 65 S. 96 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
- des Hausfriedensbruches im Sinne von Art. 186 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 27 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 3 Tage
durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (9 Monate), abzüglich 3 Tage, die
durch Untersuchungshaft erstanden sind, wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
4. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ in solidarischer
Haftung mit allfälligen Mittätern Schadenersatz von Fr. 3'840.10 zuzüglich Zins von
5 % ab 2. Juni 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren
des Privatklägers B._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
Es wird Vormerk genommen, dass der Beschuldigte das Schadenersatzbegehren
im Betrag von Fr. 2'000.10 anerkannt hat.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ in solidarischer
Haftung mit allfälligen Mittätern Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 2. Juni 2010 als
Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren des Pri-
vatklägers B._ abgewiesen.
Es wird Vormerk genommen, dass der Beschuldigte das Genugtuungsbegehren im
Betrag von Fr. 500.– anerkannt hat.
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5. Die sich bei den Akten befindliche Schlüsselkette des Privatklägers B._ wird
als Beweismittel bei den Akten belassen.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'400.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung
Fr. 1'321.85 unentgeltliche Rechtsvertretung B._ (= 1/3)
Fr. Kanzleikosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie ein Drittel der
Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers werden dem Beschuldigten
auferlegt, aber einstweilen auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO.
Über die verbleibenden zwei Drittel der Kosten der unentgeltlichen Vertretung des
Privatklägers B._ wird in den Verfahren DG130024 und DG130025 befunden.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 11 ff.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 137 S. 2 f.)
Hauptantrag:
1. A._ sei des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 StGB, des mehrfachen
Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie des Hausfriedensbruchs
im Sinne von Art. 186 StGB frei zu sprechen.
2. Auf die Zivilansprüche der Privatklägerschaft sei nicht einzutreten bzw. diese
seien abzuweisen.
3. Ausgangsgemäss sei A._ für die erlittene Haft angemessen zu ent-
schädigen und die Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfahrens, inkl.
der Kosten des Obergerichts, sowie die Kosten des amtlichen Verteidigers
seien vollständig auf die Staatskasse zu nehmen.
Eventualantrag:
1. Eventualiter sei A._ der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB und des
Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 schuldig zu sprechen. Hinsicht-
lich des angeklagten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB und
des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sei A._
frei zu sprechen.
2. A._ sei mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu CHF 30.00 als Zu-
satzstrafe zum Urteil des OG ZH, unter Anrechnung der bereits erstandenen
Haft zu bestrafen.
3. Die Geldstrafe sei bedingt auszufällen unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren.
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4. Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien im Umfang von CHF 500.00
als Genugtuung und CHF 2000.10 als Schadenersatz zuzüglich Schadens-
zins unter solidarischer Haftung der Mittäter gutzuheissen, im Mehrbetrag
seien die Schadenersatzforderungen ab- bzw. auf den Zivilweg zu verwei-
sen.
5. Die Kosten des Untersuchungs- und des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-
rens, seien A._ anteilmässig – gemäss beantragtem Schuldspruch –
aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie ein Drittel der
Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung bis und mit Urteil des
Bezirksgerichts, seien A._ aufzuerlegen, die Kosten des obergerichtli-
chen Verfahrens seien gemäss Obsiegen zu verlegen und die Kosten der
amtlichen Verteidigung sowie diejenigen der unentgeltlichen Geschädigten-
vertretung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 141 S. 1)
1. Die Beweisanträge des Berufungsklägers seien abzuweisen.
2. Die Berufungsanträge des Berufungsklägers seien abzuweisen.
3. Der Beschuldigte sei des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3
StGB schuldig zu sprechen.
4. Der Beschuldigte sei mit 3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen.
c) Der Privatklägerschaft B._:
1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Ziffer 4 lit. a und b des vorinstanzlichen Urteils seien zu bestätigen.
3. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien ausgangsgemäss festzu-
setzen.
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 5. November 2013 wurde der
Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie des
Hausfriedenbruchs im Sinne von Art. 186 StGB schuldig gesprochen und mit
27 Monaten Freiheitsstrafe bestraft, wovon 3 Tage durch Haft erstanden sind. Der
Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 18 Monaten unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 4 Jahren aufgeschoben und im Umfang von 9 Monaten für voll-
ziehbar erklärt. Weiter wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem Privatkläger in
solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern Schadenersatz von Fr. 3'840.10 und
eine Genugtuung von Fr. 1'500.– zu bezahlen, je zuzüglich 5 % Zins ab 2. Juni
2010. Schliesslich wurden die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen
Verfahrens dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
sowie ein Drittel der Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers
(über die anderen zwei Drittel wurde in den Verfahren gegen die Mittäter ent-
schieden) wurden jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, unter
Vorbehalt der Nachzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO (Urk. 65 S. 96/97).
1.2. Gegen dieses mündlich am 5. November 2013 eröffnete Urteil liess der
Beschuldigte seinen amtlichen Verteidiger noch gleichentags Berufung anmelden
(Urk. 58) und – nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 63/1-3) – dem
Obergericht am 3. Februar 2014 fristgerecht die Berufungserklärung einreichen.
Neben dem Antrag auf einen vollumfänglichen Freispruch wurden darin auch Be-
weisanträge gestellt: Der Beschuldigte beantragte die Befragung von C._
und D._ sowie E._, die bestätigen könnten, dass er sich am Tattag, dem
1. Juni 2010, gar nicht in der Schweiz aufgehalten habe (Urk. 67).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 6. Februar 2014 wurde die Berufungserklärung
in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft und dem
Privatkläger zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder
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Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen sowie zu den Beweisanträgen des
Beschuldigten Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist
angesetzt, um zu seinen finanziellen Verhältnissen Auskünfte zu erteilen und zu
belegen (Urk. 69).
1.4. Am 26. Februar 2014 erklärte die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung
und beantragte, es seien die Beweisanträge des Beschuldigten abzuweisen
(Urk. 71). Hierauf hielt die Verteidigung am 24. März 2014 an ihren Beweisanträ-
gen fest (Urk. 74). Der Privatkläger liess mitteilen, sich diesbetreffend dem Antrag
und der Begründung der Staatsanwaltschaft anzuschliessen (Urk. 76). Es folgte
Korrespondenz zwischen dem Kammerpräsidenten, dem Staatsanwalt und dem
Verteidiger zu Fragen über die allfälligen Modalitäten der beantragten Einvernah-
me der in der Slowakei wohnhaften Zeugen (Urk. 78-82).
1.5. Mit Eingabe vom 7. April 2014 reichte der Verteidiger zudem ein Dokument
ein, welches er vom Beschuldigten erhalten habe und belege, dass sich dieser
am 1. Juni 2010 in Zilina (Slowakei) von F._ habe zahntechnisch behandeln
lassen. Der Verteidiger stellte in den Raum, dass seiner Ansicht nach deshalb
auch F._ rechtshilfeweise befragt werden sollte (Urk. 82; Urk. 84). Daraufhin
beantragte die Staatsanwaltschaft am 30. April 2014 einerseits, es sei die in slo-
wakischer Sprache abgefasste Bestätigung ins Deutsche übersetzen zu lassen,
und andererseits seien bei F._ Originale aus den Krankenakten des Be-
schuldigten einzuholen, welche näheren Aufschluss zur angeblichen Behandlung
am 1. Juni 2010 geben könnten (Urk. 87; vgl. dazu auch der Vertreter des Privat-
klägers in Urk. 92). In der Folge wurde das vom Verteidiger eingereichte Doku-
ment übersetzt (Urk. 88/89) und den Parteien zugestellt (Urk. 90).
Nachdem der Beschuldigte F._ von der beruflichen Schweigepflicht entbun-
den hatte (Urk. 97), wurde F._ mit Präsidialverfügung vom 3. Juli 2014 an-
gewiesen, dem Gericht die vollständige Patientenakte des Beschuldigten im Ori-
ginal einzureichen (Urk. 101; Urk. 103).
1.6. Am 20. August 2014 ging ein Antwortschreiben von F._ ein (Urk. 110
– Übersetzung Urk. 115). Daraus ergibt sich, dass diese als Zahntechnikerin in
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der Privaten Zahntechnik des Gesundheitszentrums der Universität Zilina arbeite
und für Zahnärzte prothetische Arbeiten herstelle. Am 1. Juni 2010
– so führt sie aus – habe in den Nachmittagsstunden ein junger Mann angeklopft
und ihr sein Problem geschildert. Sie habe vermutet, dass er ein ausländischer
Student sei, da er nicht slowakisch gesprochen habe. Weil in der benachbarten
Zahnpraxis der Arzt nicht mehr anwesend gewesen sei, habe sie sich entschlos-
sen, dem Mann zu helfen. Sie habe festgestellt, dass sein Zahnfleisch über der
Krone im oberen Frontalbereich angeschwollen gewesen sei und etwas unter
dem Zahnfleisch gesteckt habe. Es sei ihr gelungen, mit einem dentalen Instru-
ment einen kleinen dünnen Knochen herauszuziehen. Weiter habe sie empfohlen,
am nächsten Tag einen Zahnarzt aufzusuchen. Das sei alles, was sie für den Be-
schuldigten gemacht habe. Er habe ihr auf einem Stück Papier seinen Namen
und den Staat Schweiz aufgeschrieben. Daraufhin habe sie den Namen in das
Tagebuch der Reparaturen der prothetischen Arbeiten eingetragen; darum könne
sie das genaue Datum angeben, das ja schon vier Jahre zurückliege. Weil sie
keine Zahnärztin sei, sondern lediglich eine Zahntechnikerin, könne sie keine Do-
kumentation der prothetischen Arbeit zustellen. Zum Zustandekommen der Bestä-
tigung führt F._ aus, am 27. Februar 2014 sei sie von der Mutter des Be-
schuldigten aufgesucht und darum gebeten worden, schriftlich zu bestätigen, dass
sie deren Sohn behandelt habe. Die Mutter habe ihr auch den Grund genannt,
weshalb sie ein solches Dokument brauche. Auf einem kleinen Formular in der Art
eines Rezeptes habe sie darauf mit ihrer Unterschrift und dem Stempel bestätigt,
dass eine Leistung ohne Anspruch auf Vergütung durchgeführt worden sei
(Urk. 115).
1.7. Mit Präsidialverfügung vom 24. November 2014 wurden die Beweisanträge
der Verteidigung einstweilen abgewiesen, wonach C._ und D._ und
E._ als Zeugen zum Thema einzuvernehmen seien. Anschliessend wurde
zur Berufungsverhandlung auf den 26. Februar 2015 vorgeladen (Urk. 130).
1.8. Angaben und Belege zur finanziellen Situation des Beschuldigten (vgl. da-
zu die Verfügung vom 6. Februar 2014, Urk. 69) gingen bis heute keine ein.
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1.9. Zur Berufungsverhandlung vom 26. Februar 2015 erschienen der zu-
ständige Staatsanwalt, der unentgeltliche Rechtsbeistand des Privatklägers sowie
der Beschuldigte und sein amtlicher Verteidiger (Prot. II S. 11). Es wurde der Be-
schuldigte einvernommen (Urk. 136), und die Parteivertreter hielten ihre Plä-
doyers (Prot. II S. 16 ff.). Insbesondere erneuerte bzw. ergänzte der Verteidiger
aber seine Beweisanträge und forderte die Befragung von C'._ und D'._
(bis dahin unpräzis als "C._ und D._" bezeichnet), E._ sowie
F._ (Prot. II S. 13). Diese Personen könnten allesamt Auskunft über den
Aufenthaltsort des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt geben (Prot. II S. 13/14).
Gleichzeitig reichte der Verteidiger eine handschriftliche Bestätigung von
C'._ und D'._ vom 27. Februar 2014 ein, wonach der Beschuldigte "am
1.6.2010 bei uns war" (Urk. 138).
1.10. Angesichts der gegebenen Ausgangslage erwies sich das Verfahren nach
der Berufungsverhandlung noch nicht als spruchreif. Mit Beschluss vom 9. März
2015 wurden deshalb die Beweisanträge der Verteidigung gutgeheissen und wur-
de die Staatsanwaltschaft mit der Befragung von C'._, D'._, E._
und F._ beauftragt (Urk. 149, vgl. auch Urk. 148).
1.11. Am 1. Juli 2015 erstattete die Staatsanwaltschaft Bericht über die Erledi-
gung der ergänzenden Beweisabnahme: Während F._ und E._ am
30. Juni 2015 unter Wahrung der Parteirechte als Zeugen einvernommen werden
konnten, hatten C'._ und D'._ mitgeteilt, aus gesundheitlichen Gründen
nicht zu einer Reise in die Schweiz in der Lage zu sein und zudem ihre Aussagen
als Verwandte des Beschuldigten gestützt auf Art. 168 StPO zu verweigern. Eine
Dienstreise nach Zilina zur Befragung der beiden – so der Staatsanwalt in seinem
Bericht – erübrige sich aber deshalb, weil C'._ und D'._ das Recht zu-
stehe, im Sinne von Art. 169 StPO das Zeugnis zu verweigern, um sich nicht einer
drohenden Strafverfolgung auszusetzen (Urk. 151).
1.12. In der Folge wurde mit dem Einverständnis der Parteien die schriftliche
Fortsetzung des Berufungsverfahrens angeordnet (Urk. 155) und fand der ent-
sprechende Schriftenwechsel statt (Urk. 166; Urk. 170; Urk. 171; Urk. 173;
Urk. 178; Urk. 181; Urk. 184).
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2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich anfechten
und möchte freigesprochen werden (Urk. 67 S. 2; Urk. 137 S. 2; Urk. 166 S. 2).
Die Staatsanwaltschaft beschränkt ihre Anschlussberufung auf die rechtliche
Qualifikation des Raubs sowie die Sanktion und beantragt, es sei der Beschuldig-
te des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB (statt Ziff. 1) schuldig zu
sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren zu bestrafen (Urk. 71 S. 2;
Urk. 141 S. 1; Urk. 173 S. 1).
2.2. In diesem Sinne ist das vorinstanzliche Urteil grundsätzlich in seiner Ge-
samtheit angefochten. Allerdings wendet sich niemand gegen Dispositivziffer 5,
wonach die Schlüsselkette, welche der Privatkläger zu Vergleichszwecken einge-
reicht hatte (Urk. 65 S. 93/94), als Beweismittel bei den Akten zu belassen sei
(Urk. 65 S. 97). Ebenso beanstandet keine der Parteien die Kostenfestsetzung
gemäss Dispositivziffer 6 (Urk. 56 S. 97). Die beiden genannten Dispositivziffern
bilden demnach nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens und sind in Rechts-
kraft erwachsen. Das ist vorab vorzumerken (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung
mit Art. 402 und 437 StPO, Art. 404 StPO).
3. Beweisanträge/Prozessuales
3.1. Die Parteien sind sich uneinig darüber, wie hinsichtlich C'._ und
D'._ weiter zu verfahren ist.
3.1.1. Wie bereits ausgeführt, wurde die Staatsanwaltschaft in Gutheissung der
entsprechenden Beweisanträge des Verteidigers mit der Einvernahme der beiden
Genannten – der Tante des Beschuldigten und deren Ehemanns – betraut. Am
18./23. März 2015 erliess die Staatsanwaltschaft je eine Vorladung an C'._
und D'._, wonach diese am 30. Juni 2015 in Zürich zur Befragung als Zeu-
gen zu erscheinen hätten. Den (ordnungsgemäss in slowakischer Sprache auf
dem Rechtshilfeweg zugestellten) Vorladungen beigefügt waren verschiedene
Hinweise, unter anderem darauf, dass ein Slowakisch-Dolmetscher anwesend
sein werde, die durch die Anreise entstehenden Kosten durch die Gerichtskasse
ersetzt würden und dass im Krankheitsfall ein ärztliches Zeugnis beizubringen sei.
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Im Weiteren wurden die Wortlaute von Art. 205 StPO, Art. 163 Abs. 2 StPO,
Art. 165 StPO, Art. 168 StPO, Art. 177 StPO, Art. 205 Abs. 4 StPO sowie Art. 307
Abs. 1 StGB wiedergegeben (Urk. 152/12-15). Mit von der Aussage her weitge-
hend gleichlautenden Eingaben vom 29. Mai 2015 (Urk. 152/28, Übersetzung:
Urk. 152/32; Urk. 152/34, Übersetzung: Urk. 152/37) liessen daraufhin C'._
und D'._ der Staatsanwaltschaft je ein "Entschuldigungsschreiben" zukom-
men, in welchen sie unter Beilage ihrer Schwerbehindertenausweise und Darle-
gung ihrer mehrfachen Leiden ausführen, zu einer Reise in die Schweiz sowohl
aktuell als auch in Zukunft nicht in der Lage zu sein. Im Weiteren – so teilten sie
ebenfalls mit – verweigerten sie ihre Aussagen "auch aufgrund der Verwandt-
schaft mit A._ gemäss Art. 168 Abs. 1 lit. c StPO", da der Beschuldigte der
Sohn der Schwester von C'._ bzw. der Schwägerin von D'._ sei.
3.1.2. Ein Zeugnisverweigerungsrecht, wie sie es für sich in Anspruch nehmen,
haben C'._ und D'._ nicht. Ihr Verwandtschaftsgrad ist von den in
Art. 168 StPO genannten Zeugnisverweigerungsrechten aufgrund persönlicher
Beziehungen nicht mehr umfasst. Insbesondere sind sie nicht im Sinne des von
ihnen angerufenen Art. 168 Abs. 1 lit. c StPO in gerader Linie mit dem Beschul-
digten verwandt, und zwar weder C'._ als dessen Tante noch D'._ als
Ehemann der Letzteren.
3.1.3. Entsprechend weist die Verteidigung zu Recht darauf hin, dass C'._
und D'._ bis anhin entgegen dem obergerichtlichen Auftrag von der Staats-
anwaltschaft noch nicht befragt worden sind. Es trifft zu, dass die beiden – jeden-
falls mit Blick auf das von ihnen fälschlicherweise angerufene Zeugnisverweige-
rungsrecht gemäss Art. 168 StPO – zum Zeugnis verpflichtet sind. Und ebenfalls
ist zutreffend, dass die beiden in der Slowakei (z.B. auf dem Wege einer vom Ver-
teidiger vorgeschlagenen Videobefragung) einzuvernehmen wären, nachdem da-
von auszugehen ist, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht zu einer Reise
in die Schweiz in der Lage sind. In diesem Sinne beantragt der Verteidiger denn
auch (weiterhin), es seien C'._ und D'._ per Videokonferenz zur Sache
zu befragen (Urk. 166 S. 3 ff.).
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3.1.4. Wie bereits kurz angetönt, macht die Staatsanwaltschaft dagegen geltend,
es hätten sich C'._ und D'._ "angesichts der bestehenden Sachlage zu
Recht auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen, und zwar jenes im Sinne von
Art. 169 Abs. 1 lit. a StPO, Art. 6 EMRK und Art. 14 Ziff. 3 lit. g des IPBR". Des-
halb sei auf eine Einvernahme zu verzichten (Urk. 173 S. 2). Aus der Eingabe der
Staatsanwaltschaft vom 1. Juli 2015 ergibt sich, dass sie aus der "bestehenden
Sachlage" schliesst, es hätten C'._ und D'._ das Zeugnis verweigert, um
sich nicht der Gefahr einer Strafverfolgung wegen Begünstigung auszusetzen. Es
ergebe sich nämlich aus den erhobenen Beweisen, dass der Beschuldigte und
dessen Mutter die Zeugen "massiv beeinflusst" hätten und die Mutter die Zeugen
zu diesem Zweck auch aufgesucht habe. Das Recht, in einer solchen Situation
das Zeugnis zu verweigern, um sich nicht einer drohenden Strafverfolgung aus-
zusetzen, ergebe sich aus Art. 169 StPO, Art. 14 Ziff. 3 lit. g IPBPR sowie Art. 6
EMRK und gelte auch für die Slowakei (Urk. 151 S. 3/4).
3.1.5. Mit der Verteidigung (Urk. 181 S. 2/3) kann dieser Auffassung nicht gefolgt
werden. Ganz klar haben C'._ und D'._ – wenn auch unberechtigter-
weise – zum Ausdruck gebracht, ihr Zeugnis darum verweigern zu wollen, weil sie
in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Beschuldigten stehen. Dass ihnen
auch ein Zeugnisverweigerungsrecht zusteht für den Fall, dass sie sich mit ihren
Aussagen selbst belasten müssten, dürfte ihnen dagegen kaum bekannt gewesen
sein, zumal der einschlägige Artikel 169 StPO ebenso wenig wie die von der
Staatsanwaltschaft zitierten Artikel aus IPBPR und EMRK in den Hinweisen der
Vorladungen enthalten waren (Urk. 152/12-15). Ihren Schreiben an die Staatsan-
waltschaft wäre denn auch nicht zu entnehmen, dass C'._ und D'._ be-
fürchteten, sich durch ihre Aussagen selbst zu belasten oder gar einer Strafver-
folgung auszusetzen. Was die Staatsanwaltschaft dazu ausführt ist Spekulation.
Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass C'._ und D'._ –
bis anhin – gültig ein Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch genommen hätten.
3.1.6. Allerdings muss das nicht heissen, dass C'._ und D'._ nun jeden-
falls noch einvernommen werden müssten. Wie bereits im Beschluss vom 9. März
2015 erwogen (Urk. 149 S. 4/5) und hinten noch darauf einzugehen sein wird
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(Erw. 5.10.1), ist nämlich unter Umständen zulässig, dass das Gericht in antizi-
pierter Beweiswürdigung auf die Abnahme von Beweisen verzichtet, wenn sich
diese als nicht mehr notwendig erweist. Dies gilt auch dann, wenn das Gericht
zunächst einmal der Auffassung war, ein bestimmter Beweis müsse abgenommen
werden: Beweisanordnungen erwachsen als verfahrensleitende Entscheide nicht
in materielle Rechtskraft und können daher jederzeit in Wiedererwägung gezogen
werden, insbesondere dann, wenn sie veränderten Verhältnissen angepasst wer-
den müssen. Gerade eine solche Sachlage könnte vorliegend gegeben sein:
Während zum Zeitpunkt des Beschlusses vom 9. März 2015 noch gar keine der
vom Verteidiger beantragten Beweise abgenommen waren, liegen nun – da die
Parteien sich (abermals) über die Notwendigkeit der Einvernahmen von C'._
und D'._ nicht einig sind – immerhin schon die Zeugenaussagen von
F._ und E._ vor. Ob C'._ und D'._ heute noch zu befragen
sind, ist deshalb unter Einbezug der aus den Befragungen von F._ und
E._ gewonnenen Erkenntnisse neu zu beurteilen. Darauf kann aber erst hin-
ten im Rahmen der Erwägungen zur Beweislage eingegangen werden.
3.2. Neu beantragt die Verteidigung schliesslich, es sei zusätzlich auch noch
G._, die Mutter des Beschuldigten, zu befragen (Urk. 166 S. 3; Urk. 181
S. 3). Der Verteidiger will damit die Annahme der Staatsanwaltschaft widerlegen,
es sei F._ von der Mutter des Beschuldigten unter Druck gesetzt worden,
den 1. Juni 2010 als Behandlungsdatum anzugeben, ein nicht zutreffendes Re-
zept auszustellen und gegenüber dem Obergericht Zürich tatsachenwidrig schrift-
lich zu berichten (Urk. 166 S. 5/6). Die Staatsanwaltschaft stellt sich gegen diesen
weiteren Beweisantrag (Urk. 173 S. 3). Auch darüber kann erst weiter hinten be-
funden werden.
4. Sachverhalt – Identifikation des Beschuldigten
4.1. Der Beschuldigte bestreitet seit Anbeginn des Verfahrens, diejenige Per-
son zu sein, welche anklagegemäss zusammen mit H._ und
I._ für den Überfall auf den Privatkläger vom 1. Juni 2010 verantwortlich ist.
Er sei nicht dabei gewesen. Die entsprechenden Belastungen durch H._,
I._ und den Privatkläger seien falsch.
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4.2. Auch der Verteidiger hält berufungsweise daran fest, dass aus seiner Sicht
die aus den Aussagen der beiden angeblichen Mittäter und des Privatklägers her-
geleitete Täteridentifikation des Beschuldigten sowohl in formeller als auch mate-
rieller Hinsicht zu bemängeln sei (Urk. 67 S. 3; Urk. 56D S. 3 ff.; Urk. 137 S. 3 ff.).
4.3. Die Vorinstanz kam dagegen nach eingehender Würdigung der Aussagen
aller bis zum Datum der erstinstanzlichen Urteils befragten Personen zum
Schluss, dass die Belastungen durch die beiden Mitbeschuldigten und den Privat-
kläger glaubhaft seien und insbesondere keine Anzeichen für ein Komplott be-
stünden. Es stehe deshalb mit hinreichender Sicherheit fest, dass der Beschuldig-
te der dritte Beteiligte am eingeklagten Vorfall gewesen sei (Urk. 65 S. 63/64).
4.4. Zu dieser Ausgangslage ist zunächst kurz zusammengefasst festzuhalten,
dass der Privatkläger von Beginn weg den ihm schon vorgängig bekannten
H._ als einen der drei Täter bezeichnet hat. Nach dem Überfall vor seiner
Haustür hatte sich der Privatkläger nämlich zusammen mit J._ zu seinen Bü-
roräumlichkeiten an der K._-Strasse ... begeben und war dort mit H._
zusammengetroffen, als dieser aus dem Hinterausgang der Liegenschaft rannte.
H._, am 23. Juni 2010 erstmals befragt, stellte denn auch nicht in Abrede,
den Privatkläger zu kennen und ihn auch schon einige Male in seinem Büro be-
sucht zu haben. Er bestritt indessen über vier Einvernahmen hinweg und ein Jahr
lang, der vom Privatkläger bezeichnete Täter zu sein. Erst nachdem H._ am
9. August 2011 die Ergebnisse der rückwirkenden Telefonkontrolle vorgehalten
worden waren, wonach er am 1. Juni 2010 um 5.00.56 Uhr den Privatkläger kon-
taktiert hat und sein Mobiltelefon anschliessend in der Umgebung der eingeklag-
ten Taten eingeloggt gewesen ist, gab H._ zu, an den Taten beteiligt gewe-
sen zu sein. Im Folgenden schilderte er den Ablauf der Geschehnisse und erklär-
te unter anderem, damals mit I._ und einem Dritten, den er als "Kasten" be-
zeichnete und der von I._ "L._" genannt worden sei, unterwegs gewe-
sen zu sein. Zur möglichen Identifikation dieses Dritten wurden H._ diverse
Fotobogen mit Bildern von insgesamt 54 Männern vorgehalten, worunter H._
einen als den "Kasten" zu erkennen glaubte. Er sei sich zwar nicht zu 100 % si-
cher, aber er denke schon, dass es dieser gewesen sei (Urk. 11/5 S. 5 und Foto-
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bogen 4 Bild 1 – der Beschuldigte befand sich allerdings nicht unter den 54 Män-
nern).
Nach dieser Einvernahme wurde I._ festgenommen und am 16. August 2011
ein erstes Mal befragt. Er stellte eine Beteiligung an der Tat zunächst rundweg in
Abrede und stellte die Sache so dar, dass ihm H._ einmal erzählt habe, wie
er – H._ – mit einem anderen im Büro des Privatklägers ein "Schächteli" ge-
nommen und vom Privatkläger dabei angetroffen worden sei. Er – I._ – habe
damit nichts zu tun (Urk. 12/1 S. 3/4). In der Folge wurde am 7. September 2011
eine Lebendwahlkonfrontation mit dem Privatkläger durchgeführt und erkannte
dieser I._ als Tatbeteiligten (Urk. 16/6 und 16/7). Eine gute Woche später
fand am 16. September 2011 eine Konfrontationseinvernahme zwischen H._
und I._ statt. H._ blieb bei seinen Belastungen und I._ gab dann
zu, beim Vorfall zumindest teilweise anwesend gewesen zu sein. Er stellte aber
einen konkreten Tatbeitrag seinerseits weiterhin in Abrede (Urk. 13/1 S. 8 ff.).
In der Einvernahme von I._ vom 16. August 2011 und in der zwei Tage spä-
ter durchgeführten Hafteinvernahme war der an ihn gerichtete Vorwurf noch ge-
wesen, er habe die Tat mit H._ und einem M._ begangen (mutmasslich
war dieser Name aufgrund der Angaben von H._ in der Einvernahme vom
9. August 2011 ins Spiel gekommen). Danach wurde dieser Name aber wieder
fallen gelassen. Entsprechend war in der vorerwähnten Konfronta-
tionseinvernahme zwischen H._ und I._ am 16. September 2011 bezüg-
lich des dritten Beteiligten dann nur noch – auch von Seiten von I._ – vom
"Anderen" die Rede (Urk. 13/1 passim). In seiner Einvernahme vom 3. Oktober
2011 nannte dann aber I._ von sich aus den Beschuldigten. Auf Vorhalt der
Staatsanwältin, er habe (wohl vor der formellen Einvernahme) gesagt, es sei noch
"ein Typ namens N._" dabei gewesen, bestätigte I._ dies und präzisier-
te, dass dessen richtiger Name A._ sei. Er habe diesen in seinem Telefon
unter "N._" gespeichert. "N._" wohne in der Nähe von ihm in .../..., sei
etwa 25- oder 26-jährig, spreche serbisch und albanisch und fahre einen BMW
330, dunkelblau metallisiert (Urk. 12/3 S. 1/2). Eine Woche später bezeichnete
I._ den Beschuldigten auf einem ihm vorgehaltenen Fotobogen mit 8 ver-
- 16 -
schiedenen Männern zutreffend und ohne zu zögern als denjenigen, der auch da-
bei gewesen sei. Das sei A._, Spitzname N._; er sei sich zu 100 % si-
cher (Urk. 12/4 S. 2 und Fotobogen Bild 3).
Nach diesen Erkenntnissen wurde der Beschuldigte am 18. Oktober 2011 ver-
haftet und ein erstes Mal einvernommen. In der Konfrontationseinvernahme mit
I._ vom 20. Oktober 2011 hielt dieser an der klaren Belastung des Beschul-
digten fest und anerkannte jener zwar, I._ zu kennen. Er stellte aber jegliche
Mitwirkung an der Tat in Abrede (Urk. 13/2). Am 10. Januar 2012 fand deshalb ei-
ne Lebendwahlkonfrontation mit H._ statt, wo diesem 6 Männer präsentiert
wurden, worunter sich auch der Beschuldigte befand. H._ war sich nicht si-
cher und bezeichnete den Beschuldigten nur – aber immerhin – als "möglichen
Täter". Mit Sicherheit schloss H._ aber die weiteren 5 zur Auswahl stehen-
den Männer als Täter aus (Urk. 16/9 S. 4 und 16/10, 3. Konfrontationsblatt). Am
1. Juni 2012 fand auch noch eine Lebendwahlkonfrontation mit dem Privatkläger
statt, wo dieser den Beschuldigten unter 6 verschiedenen Männern als Mittäter
erkannte und sich dabei zu 100 % sicher war (Urk. 16/14 und 16/15 S. 2 ff.). An-
lässlich der Schlusseinvernahme, welche am 22. Oktober 2012 konfrontativ zwi-
schen H._ und dem Beschuldigten durchgeführt wurde, erklärte H._
schliesslich, er habe den Beschuldigten vor der Einvernahme vor dem Haus nun-
mehr "zu 100 %" als den dritten Täter erkannt. An der Lebendwahlkonfrontation
"sei es nicht so hineingekommen" und ziemlich schwierig gewesen (Urk. 13/3
S. 3/4).
4.5. Es dauerte damit etliche Zeit, bis der Beschuldigte als Tatverdächtiger
überhaupt ins Verfahren einbezogen worden war. So vergingen nach dem 1. Juni
2010 nicht weniger als ein Jahr und vier Monate, bis der Name des Beschuldigten
am 3. Oktober 2011 ein erstes Mal fiel. Die entsprechenden Aussagen von
I._ waren danach aber zu überprüfen, insbesondere durch weitere Befragun-
gen von H._ und des Privatklägers. In diesem Sinne wurden im Verlaufe des
Jahres 2012 mit den Genannten Lebendwahlkonfrontationen durchgeführt. An-
lässlich derselben erklärten dann sowohl der Privatkläger als auch H._, im
- 17 -
Beschuldigten den Mittäter zu erkennen. Daran hielten sie fortan fest, insbeson-
dere auch anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung.
4.6. Diese Entwicklung indiziert damit jedenfalls als Solche keine Falschbe-
lastung des Beschuldigten. Weder H._ noch der Privatkläger kannten den
Beschuldigten vor dem 1. Juni 2010, sodass diese zunächst gar nicht in der Lage
waren, den Untersuchungsbehörden mehr als nur eine Täterbeschreibung aus
der Erinnerung zu liefern. Erst nachdem I._ den ihm bekannten Beschuldig-
ten der Täterschaft bezichtigte, konnte dieser tangiert und – auf Fotografien oder
"live" – H._ und dem Privatkläger zur allfälligen Identifikation präsentiert wer-
den. Der Verteidiger kritisiert nun aber die verschiedenen Identifikationen im Ein-
zelnen. Darauf ist im Folgenden einzugehen.
4.7. Hinsichtlich der Aussagen von I._ (dazu der Verteidiger in Urk. 56D
S. 3/4 und Urk. 137 S. 6 ff.; Vorinstanz in Urk. 65 S. 39 ff.) trifft zu, dass dieser in
seinen drei ersten Einvernahmen den Beschuldigten noch nicht genannt hat. Be-
treffend die ersten beiden Einvernahmen kann daraus aber jedenfalls nichts zu-
gunsten des Beschuldigten abgeleitet werden. Hier hat I._ bekanntlich noch
selbst bestritten, überhaupt am Ort des Geschehens anwesend gewesen zu sein.
Dass er unter diesen Voraussetzungen auch keine Angaben zur allfälligen Mit-
täterschaft gemacht hat, ist naheliegend.
Die dritte Befragung I._s fand dann als Konfrontationseinvernahme zusam-
men mit H._ statt, wo sich I._ zunächst ausführlich anhören musste, wie
ihn H._ belastete (vgl. Urk. 13/1 S. 2 ff.). Ganz offensichtlich erschien es
I._ danach nicht mehr tunlich, weiter seine Anwesenheit am 1. Juni 2010 zu
bestreiten, und er verlegte sich darauf, seinen Tatbeitrag als so klein wie möglich
darzustellen. Bezüglich der dritten damals anwesenden bzw. beteiligten Person
sprach I._ – wie vorgängig H._ – jeweils vom "Anderen". Er stellte die-
sen aber – entgegen der Darstellung von H._ – als "ein Kollege von H'._
[d.h. H._]" dar, der mit jenem Serbisch zu sprechen begonnen habe
(Urk. 13/1 S. 8). Dem widersprach dann H._ hingegen sogleich dezidiert:
"Der Andere" sei Albaner und kein Serbe gewesen und er habe den gar nicht ge-
kannt (Urk. 13/1 S. 9). Weiter wurde in jener Einvernahme die Identität des "Ande-
- 18 -
ren" nicht mehr thematisiert. Dass hier I._ den Beschuldigten (noch) nicht ins
Spiel brachte, ist darum ebenfalls ohne Weiteres nachvollziehbar, ist doch der
Beschuldigte ein Kollege bzw. jedenfalls Bekannter von I._ und eben gerade
nicht "ein Kollege von H'._".
In den gut zwei Wochen zwischen der Konfrontationseinvernahme mit H._
vom 16. September 2011 und der nächsten Einvernahme vom 3. Oktober 2011
kam dann I._ aber offensichtlich zum Schluss, dass – wohl angesichts des
"Auspackens" von H._ – seine Version nicht mehr aufrecht zu erhalten war,
wonach "der Andere" ein Kollege von H._ gewesen sei. In dieser Situation
nannte I._ nun den Namen des Beschuldigten. Soweit die Verteidigung kriti-
siert, dass der Name des Beschuldigten erstmals in einem nicht protokollierten
Gespräch gefallen sein müsse (Urk. 56D S. 3/4; Urk. 137 S. 8), ist dem – mit der
Vorinstanz (Urk. 65 S. 57/58) – entgegen zu halten, dass die Vorgehensweise der
Staatsanwältin entgegen der Meinung der Verteidigung gerade keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs darstellt, sondern gegenteils den Verlauf und die Entste-
hung der Aussage höchstmöglich transparent macht. So ergibt sich aus den vom
Verteidiger beanstandeten Passagen des betreffenden Einvernahmeprotokolls
(Urk. 12/3 S. 1 und 2) klar, dass der Name von "N._" offensichtlich schon vor
Beginn der formellen Einvernahme gefallen war, und genau das wird durch die
Protokollierung "Sie haben ausgesagt, ..." und "Ihrem Anwalt sollen Sie gesagt
haben, ..." offen gelegt. Das war fair und korrekt. Dass schliesslich ein "Deal" mit
der Staatsanwaltschaft I._ zu einer (Falsch-)belastung des Beschuldigten
motiviert hätte, um aus der Haft entlassen zu werden (Urk. 56D S. 4), ist eine Un-
terstellung des Verteidigers, für die sich keine Anhaltspunkte finden – ganz davon
abgesehen, dass sich I._ bei der fraglichen Einvernahme gar nicht mehr in
Haft befunden hat (Urk. 12/3 S. 1).
Ebenfalls zu verwerfen sind die Einwände der Verteidigung, wonach die Wahlbild-
identifikation sowie die "Live-Identifikation" des Beschuldigten durch I._ in
formeller Hinsicht nicht verwertbar seien (Urk. 56A S. 4; Urk. 137 S. 7). Insbeson-
dere ist mit der Vorinstanz zu unterstreichen, dass es bei diesen Identifikationen
nicht etwa darum ging, dass ein Zeuge unter vielen verschiedenen Personen den
- 19 -
ihm nicht weiter bekannten Täter identifizieren musste. Vielmehr war ja eigentlich
schon in der Einvernahme vom 3. Oktober 2011 klar, dass I._ mit seiner Be-
schuldigung effektiv den Beschuldigten meinte, nachdem er diesen ja schon seit
längerem kannte und auch verschiedenste genaue Angaben zu dessen Person
und Umfeld machen konnte. Wenn der Verteidiger dies unter anderem mit den
Argumenten bezweifelt, es habe I._ in der Einvernahme nur von
"A._" (ohne Nachname) gesprochen und dessen Alter auf 25 oder 26 Jahre
geschätzt, obwohl der Beschuldigte im Oktober 2011 27 Jahre alt gewesen sei
(Urk. 137 S. 6), sind das gesuchte Spitzfindigkeiten, woraus nichts zugunsten des
Beschuldigten abgeleitet werden kann. Am 3. Oktober 2011 war der Beschuldigte
denn auch gerade einmal seit einer knappen Woche 27- und nicht mehr 26-
jährig... Entgegen dem, was die Verteidigung zu konstruieren versucht, kann
deshalb nicht ernsthaft bezweifelt werden, dass I._ damals vom Beschuldig-
ten sprach. Die Bild- bzw. Lebendidentifikation diente der Staatsanwaltschaft un-
ter diesen Umständen lediglich noch dazu, dies absolut "wasserdicht" zu machen
(vgl. Urk. 65 S. 59). I._ bezeichnete dann auf dem ihm vorgezeigten Foto-
wahlbogen den Beschuldigten auch ohne zu zögern (Urk. 12/4).
Es steht mithin fest, dass I._ den Beschuldigten ganz bewusst und insbe-
sondere ohne jeden Zweifel über dessen Identität belastet. Sollte der Beschuldig-
te in Tat und Wahrheit nicht Täter sein, müsste sich I._ also entweder ge-
täuscht haben oder den Beschuldigten bewusst falsch der Tat bezichtigen. Davon
ist jedoch – mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 45/46, 57-59 und 63/64) – nicht auszu-
gehen. Eine Verwechslung ist auszuschliessen, nachdem sich die beiden schon
seit längerem kennen und, wie gesehen, von Seiten I._s keinerlei Zweifel an
der Identität des Beschuldigten bestehen. Auch wenn I._ zur Tatzeit unter
Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben mag, ist darum nicht vorstellbar,
dass I._ meint, er habe die Tat zusammen mit dem Beschuldigten begangen,
obwohl es effektiv jemand anderer war. Für eine bewusste Falschbelastung be-
stehen sodann keine Anhaltspunkte und wäre insbesondere auch kein Motiv er-
sichtlich. Letztlich macht denn auch der Beschuldigte selbst nicht geltend, I._
würde ihn bewusst falsch anschuldigen; jedenfalls konnte der Beschuldigte
- 20 -
gleichermassen keine Umstände nennen, die I._ zu einer bewussten Falsch-
belastung hätten Anlass geben können (Prot. I S. 48-50; Urk. 136 S. 4).
4.8. H._ – so ist aufgrund der allseitigen Aussagen anzunehmen – kannte
den Beschuldigten dagegen vor dem 1. Juni 2010 nicht. Entsprechend konnte er
anfänglich auch nicht namentlich vom Beschuldigten als dritten Tatbeteiligten
sprechen, so wie er es dann später tat. In der Einvernahme vom 9. August 2011,
als sich H._ zum Geständnis entschloss, sprach er von dieser dritten Person
als einem etwa 24- oder 25-jähriger "Kasten" albanischer Herkunft, der ein dreitü-
riges Auto mit einem ZH- oder SG-Kontrollschild gefahren und von I._
"L._" genannt worden sei (Urk. 11/5 S. 3/4). Das sind zwar noch nicht sehr
spezifische Angaben. Sie grenzen aber den Kreis möglicher Täter gleichwohl be-
reits ziemlich stark ein und treffen im Übrigen alle auf den Beschuldigten zu, mit
Ausnahme des kleinen Unterschieds, dass I._ den Beschuldigten "N._"
und nicht "L._" nannte. Im Rahmen dieser Einvernahme wurden H._
dann auf 7 Fotobogen nicht weniger als 56 Bilder verschiedener Männer vorge-
halten. Der Beschuldigte (zu jenem Zeitpunkt noch nicht tangiert) befand sich
nicht darunter. H._ entschied sich für die Nummer 1 auf dem Bogen 4, wenn
auch mit dem Zusatz, nicht zu 100 % sicher zu sein (Urk. 11/5 S. 5 und Fotobo-
gen 4). Der Verteidigung ist damit Recht zu geben, dass der Mann auf dem er-
wähnten Bild "definitiv nicht A._" ist (Urk. 56D S. 5; Urk. 137 S. 4). Wenn sie
dann aber weiter behauptet, die von H._ bezeichnete Person gleiche dem
Beschuldigen nicht einmal (a.a.O.), so stimmt das offensichtlich nicht: Wenn man
die Fotografie des Beschuldigten (z.B. in Urk. 12/4, Fotobogen Bild Nr. 3) allen 56
H._ vorgezeigten Fotos gegenüber stellt, so springt einem geradezu ins Au-
ge, dass der von H._ bezeichnete Mann auf dem Bild 1 des Fotobogens 4
dem Beschuldigten von allen mit Abstand am ähnlichsten sieht. Wenn jemand das
Gesicht des Beschuldigten in Erinnerung hat und danach über ein Jahr später aus
den 56 H._ vorgehaltenen Bildern dasjenige auswählt, wie es H._ getan
hat, so ist das absolut zwanglos nachvollziehbar – umso mehr, als das Bild des
Beschuldigten eben nicht in der Auswahl zu finden war. Dass H._ das er-
wähnte Bild ausgewählt hat, spricht damit viel mehr dafür als dagegen, dass er
schon damals den Beschuldigten als Tatbeteiligten "im Kopf" hatte.
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Anlässlich der Lebendwahlkonfrontation ein knappes halbes Jahr später, am
10. Januar 2012, wurden H._ 6 Männer gegenüber gestellt. Hier befand sich
der Beschuldigte, der zu jenem Zeitpunkt aufgrund der Angaben von I._ in
das Verfahren miteinbezogen worden war, ebenfalls darunter. H._ war sich
aber nicht sicher. Immerhin bezeichnete er den Beschuldigten als einzige Person,
die als möglicher Täter in Frage komme und schloss die anderen fünf mit Über-
zeugung aus (Urk. 16/9 S. 4 und 3. Beilagenset). Eine Identifikation hat damit –
mit dem Verteidiger (Urk. 56D S. 5; Urk. 137 S. 4) – nicht stattgefunden. Aller-
dings kann aus den Aussagen von H._ auch hier abgeleitet werden, dass er
das Bild des Beschuldigten im Gedächtnis hatte. Denn offensichtlich war ihm
noch immer ein Gesicht in der Art des Bildes 1 von Bogen 4 der Fotowahlkon-
frontation und desjenigen des Beschuldigten in Erinnerung. Anders wäre nicht zu
erklären, dass er den Beschuldigten am 10. Januar 2012 nur – aber immerhin –
als möglichen Täter bezeichnete. Und immerhin waren zum damaligen Zeitpunkt
bereits über anderthalb Jahre seit dem Vorfall verstrichen.
In der Konfrontationseinvernahme vom 22. Oktober 2012 gab dann H._ zu
Protokoll, dass er den dort anwesenden Beschuldigten bereits vor der Einver-
nahme als Mittäter erkannt habe, als dieser mit seinem Anwalt an ihm vorbeige-
gangen sei. Er sei sich zu 100 % sicher (Urk. 13/3 S. 3/4). Wenn der Verteidiger
hierzu rügt, diese Identifikation sei "nicht verwertbar" (Urk. 56D S. 5; Urk. 137
S. 4), so ist dies in formeller Hinsicht sicher nicht richtig: Es ist nicht ersichtlich,
welche prozessualen Vorschriften nicht eingehalten worden wären. Der Skepsis
der Verteidigung ist indessen insoweit recht zu geben, als die Identifikation eines
Täters in einer Foto- oder Lebendwahlkonfrontation im Normalfall sicher aussage-
kräftiger ist als die Bezeichnung einer Person als Täter, die einem bereits als Be-
schuldigter präsentiert wird. So ist die deutliche Bezeichnung des Beschuldigten
als Mittäter durch H._ in der Einvernahme vom 22. Oktober 2012 sicher mit
den nötigen Vorbehalten zu würdigen. Es kann aber der Auffassung der Verteidi-
gung nicht gefolgt werden, "dass H._ einfach unter dem Eindruck, dass
A._ als Mitbeschuldigter in der Lebendwahlkonfrontation und in der Konfron-
tationseinvernahme zuvor mit B._ und ihm zusammen war und B._ dort
A._ als den dritten Täter beschuldigte, dachte, A._ sei tatsächlich der
- 22 -
dritte Täter" (Urk. 56D S. 5; ähnlich in Urk. 137 S. 5). Vielmehr hat nämlich
H._ – wie gesehen – bereits von Beginn weg und noch weit bevor er um die
Belastungen des Beschuldigten durch I._ und den Privatkläger wusste, Tä-
terbeschreibungen und -identifikationen abgegeben, die klar in die Richtung des
Beschuldigten deuteten. So erscheint sein Aussageverhalten vielmehr als zurück-
haltend und vom Willen getragen, keine falsche Person belasten zu wollen. Seine
Aussagen sind glaubhaft und es ist ihm abzunehmen, dass ihm hinsichtlich der
Identifikation des Beschuldigten das Zusammentreffen mit diesem vor der Einver-
nahme vom 22. Oktober 2012 die letzte Gewissheit gegeben hat. Das ist auch
durchaus plausibel, weist doch eine Person viele Wiedererkennungsmerkmale
auf, die in Foto- oder Lebendwahlkonfrontationen nur unzureichend oder gar nicht
zum Ausdruck kommen. Jedenfalls kann eine Person grundsätzlich sicher besser
und zuverlässiger wiedererkannt werden, wenn einem diese Person natürlich be-
gegnet, als wenn einem zur Identifikation nur eine eher statische und stumme
Präsentation oder gar lediglich die Fotografie von Gesichtern zur Verfügung steht.
Das so wahrnehmbare Gesamtbild, inklusive etwa auch dem Gang oder der
Stimme, vermittelt zweifelsohne einen höheren Wiedererkennungswert als ledig-
lich die "fotografierbare" Erscheinung.
Unter diesen Voraussetzungen ist – wiederum mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 39,
55-57 und 63/64) – auch bei H._ davon auszugehen, dass er den Beschul-
digten nicht unzutreffend belastet. Ein Irrtum ist auszuschliessen, da seine Anga-
ben zum dritten Täter von Anfang an konstant und widerspruchsfrei auf den Be-
schuldigten zutrafen und seine schliessliche Identifikation zurückhaltend und
nachvollziehbar ausgefallen ist. Eine bewusste Falschanschuldigung scheidet
auch hier darum aus, weil einerseits keinerlei Motive dafür ersichtlich wären oder
auch nur schon vom Beschuldigten behauptet würden, und andererseits auch aus
den Aussagen H._' nicht auf Solches geschlossen werden könnte: Gegen-
teils ist – wie schon erwähnt – seine Identifikation des Beschuldigten vorsichtig
und zurückhaltend ausgefallen. Hätte er bewusst den Beschuldigten falsch an-
schuldigen wollen, hätte er das schon viel früher tun können und wohl auch spä-
testens bei der Lebendwahlkonfrontation getan.
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4.9. Bezüglich der Aussagen des Privatklägers moniert die Verteidigung zu-
nächst, dass dieser als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 lit. a StPO befragt
und entsprechend gemäss Art. 180 Abs. 2 StPO zur Aussage verpflichtet worden
sei, obwohl ihn die Beschuldigten mehrfach des Verkaufs und der Abgabe von
Kokain bezichtigt hätten und er deshalb nicht hätte zur Aussage verpflichtet wer-
den dürfen. Die Aussagen des Privatklägers seien darum nicht verwertbar
(Urk. 56D S. 5-7; Urk. 137 S. 9). Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass der Privat-
kläger nicht "jeweils" – wie sich die Verteidigung noch in der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung ausdrückte (Urk. 56D S. 5) – unter Aussagepflicht einvernom-
men worden ist. In der polizeilichen Befragung vom 4. Juni 2010 und in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme als Auskunftsperson vom 19. Juli 2010
wurde er ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er die Aussage ohne Angabe
von Gründen verweigern könne (Urk. 9/1 S. 1 und Urk. 9/2 S. 2). Erst ab dem
9. August 2011 erfolgten seine Einvernahmen explizit unter Verweis auf Art. 180
Abs. 2 StPO (Urk. 9/3 bis 9/5). Es kann den Akten nicht entnommen werden, was
der Grund für dieses Vorgehen der Staatsanwaltschaft war. Nachdem sich der
Privatkläger bereits am 11. Juli 2010 (gegen H._) konstituiert hatte (Urk. 6/3),
hätte er nämlich grundsätzlich bereits am 19. Juli 2010 zur Aussage verpflichtet
werden müssen. Dass die Staatsanwältin den Beschuldigten damals nicht unter
diesen Vorzeichen befragt hat, könnte demnach – im Sinne dessen, was die Ver-
teidigung vorbringt – durchaus damit begründet gewesen sein, dass H._ den
Privatkläger vorgängig recht deutlich des (früheren) Kokainverkaufs beschuldigt
hatte (vgl. insbesondere Urk. 11/3). Ein Jahr später sah dann die Staatsanwältin
offenbar die Voraussetzungen von Art. 178 lit. d StPO beim Privatkläger nicht
mehr gegeben und befragte ihn unter Geltung von Art. 178 lit. a StPO und
Art. 180 Abs. 2 StPO, wie das bei Privatklägern eben grundsätzlich zu tun ist. Wie
es sich mit alledem letztlich genau verhält, kann indessen offen bleiben: Tatsache
ist nämlich, dass sich der Geschädigte – wie gesehen – schon in einem sehr frü-
hen Stadium des Verfahrens als Privatkläger konstituierte und Zivilforderungen
stellte, mithin praktisch von Beginn weg zum Ausdruck gebracht hat, sich aktiv am
Verfahren beteiligen und Ansprüche gegen die Täter stellen zu wollen. Entspre-
chend sagte er denn auch in der polizeilichen Einvernahme vom 4. Juni 2010 und
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der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Juli 2010 einlässlich aus, ob-
wohl er dazu von seiner prozessualen Stellung her und im Sinne der an ihn er-
gangenen Hinweise nicht verpflichtet gewesen wäre. Es kann damit fraglos davon
ausgegangen werden, dass der in den Einvernahmen ab dem 9. August 2011 je-
weils unter Hinweis auf Art. 180 Abs. 2 StPO befragte Privatkläger auch dann
ausgesagt hätte, wenn er nicht noch formell zur Aussage verpflichtet worden wä-
re. Und schliesslich ist – mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 61) – festzuhalten, dass in
dieser Konstellation der Beschuldigte ohnehin nichts zu seinen Gunsten aus ei-
nem möglicherweise nicht angebrachten Hinweis nach Art. 180 Abs. 2 StPO ab-
leiten könnte: Nachdem der Privatkläger ja in den ersten Einvernahmen freiwillig
umfassend ausgesagt hatte, könnte sich höchstens dieser selbst darauf berufen,
in den späteren Befragungen zu Unrecht auf Art. 180 Abs. 2 StPO hingewiesen
worden zu sein.
Hinsichtlich des materiellen Gehalts der auf die Identität der Täter zielenden Aus-
sagen des Privatklägers stellt sich die Ausgangslage ähnlich wie bei den dies-
bezüglichen Aussagen von H._ dar: So ist zunächst im Sinne der Vorbringen
des Verteidigers zutreffend, dass der Privatkläger in der Einvernahme vom 9. Au-
gust 2011 den Beschuldigten nicht identifiziert hat (Urk. 56D S. 6; Urk. 137 S. 9).
Allerdings war dieser auf den 56 dem Privatkläger vorgelegten Fotografien (die
gleichen wie bei H._) auch gar nicht zu finden. Im Gegensatz zu H._
war der Privatkläger indessen offensichtlich unsicherer und bezeichnete letztlich
10 Personen, die aus seiner Sicht als Täter in Frage kämen (Urk. 9/3 S. 4/5). Im-
merhin ist aber zu beachten, dass unter diesen 10 Personen auch diejenige war,
die von H._ bezeichnet wurde und die dem Beschuldigten sehr ähnlich sieht.
Auch die Gesamtschau aller vom Privatkläger bezeichneten Fotografien lassen
erkennen, dass er offenbar schon einen Menschentyp als Täter in Erinnerung hat-
te, der mit dem Beschuldigten zumindest vergleichbar ist. So werden auch seine
ersten Aussagen unmittelbar nach der Tat bestätigt, wonach es sich bei demjeni-
gen Täter, den ihn gewürgt habe, um einen ca. 170 cm grossen, ca. 20 bis 25
Jahre alten "Balkantyp" leicht festerer Statur und mit dunkelblonden kurzen Haa-
ren gehandelt habe (Urk. 9/1 S. 2).
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Nachdem der Beschuldigte aufgrund der Aussagen von I._ festgenommen
worden war, wurde mit dem Privatkläger nochmals eine Fotowahlkonfrontations-
einvernahme durchgeführt. Unter den 8 ihm vorgelegten Fotografien erkannte er
hier den Beschuldigten als einen von aus seiner Sicht zwei möglichen Tätern. Er
betonte aber, sich nicht sicher zu sein, und favorisierte schliesslich diejenige Per-
son, bei welcher es sich nicht um den Beschuldigten handelte (Urk. 9/4 S. 2).
Auch hier stimmt damit mit dem Verteidiger, dass keine Täteridentifikation statt-
fand (Urk. 56D S. 6; Urk. 137 S. 9). Auch hier ist aber offensichtlich, dass das Bild
des Täters, wie es der Privatkläger sich vorstellte, durchaus mit demjenigen des
Beschuldigten in Einklang zu bringen ist.
In der am 29. Mai 2012 durchgeführten Lebendwahlkonfrontation identifizierte der
Privatkläger den Beschuldigten als Täter. Er sei sich dessen zu 100 % sicher; er
habe diesen aufgrund der Statur, der Breite, der Grösse, der Haarfarbe und we-
gen des Gesichts sofort klar erkannt (Urk. 16/15 S. 2/3). Die verschiedenen Ar-
gumente der Verteidigung, wonach diese Identifikation nicht verwertbar sei
(Urk. 56D S. 6/7; Urk. 137 S. 9/10), schlagen auch hier nicht durch: Es ist nicht
ersichtlich, welche prozessualen Vorschriften dabei verletzt worden sein sollten.
Im Rahmen der Würdigung der Aussagen des Privatklägers ist indessen durchaus
zu beachten, dass die Lebendwahlkonfrontation erst zwei Jahre nach der Tat
stattgefunden hat und in einer solchen Zeit das menschliche Erinnerungsvermö-
gen verblassen kann. Und ebenso zutreffend ist, dass der Privatkläger eine Foto-
grafie des Beschuldigten (im Rahmen der Fotowahlkonfrontation) schon einmal
gesehen hatte, bevor es zur Lebendwahlkonfrontation gekommen war, sowie
dass anlässlich derselben die zweite Person, die vom Privatkläger in der Foto-
wahlkonfrontation neben dem Beschuldigten als möglicher Täter bezeichnet wor-
den war, sich nicht unter den sechs dem Privatkläger präsentierten Männern be-
fand. Wenn der Verteidiger aber geltend macht, dadurch sei dem Privatkläger in
unzulässiger Weise die Täterschaft des Beschuldigten suggeriert worden, trifft
dies nicht zu: So ist mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 62) darauf hinzuweisen, dass
zum normalen Ablauf gehört, einem Geschädigten oder sonstigen Zeugen bzw.
Auskunftspersonen zur Identifikation des Täters zunächst verschiedene Bilder
vorzulegen und erst nachher – falls nötig – noch eine Lebendwahlkonfrontation
- 26 -
durchzuführen. Deshalb liegt sehr häufig in der Natur der Sache, dass bei der
Identifikation eines Täters bei einer Lebendwahlkonfrontation der Zeuge eine Fo-
tografie des Täters schon vorgängig bei der Fotowahlkonfrontation einmal ge-
sehen hat. Hierin im Sinne der Kritik der Verteidigung aber eine massgebliche
Suggestion zu sehen, ist indessen kaum möglich: Gerade vorliegend wurden ja
dem Privatkläger in den beiden Fotowahlkonfrontationseinvernahmen insgesamt
nicht weniger als 64 Bilder vorgelegt, welche er in seinem Kopf "gespeichert" ha-
ben müsste, um sie – überdies mehrere Monate im Nachhinein – mit den Gesich-
tern der sechs ihm an der Lebendwahlkonfrontation präsentierten Männern zu
vergleichen. Es braucht keine weiteren Erläuterungen dazu, dass jedenfalls der
durchschnittliche Mensch zu Solchem nicht in der Lage ist.
Es bleibt damit die Glaubhaftigkeit der – formell allesamt gültig deponierten – Be-
lastungen des Privatklägers zu überprüfen. Und hier fällt auf, dass er konstant
und widerspruchsfrei ausgesagt hat, die Identifikation des Beschuldigten stetig
präzisierend bis hin zur Wahlkonfrontation vom 29. Mai 2012, wo er den Be-
schuldigten erkannte. Wenn die Verteidigung herausstreicht, dass der Privatklä-
ger einmal gemeint habe, der Täter habe braune Augen, ein andermal aber von
blauen Augen gesprochen habe (Urk. 56D S. 6; Urk. 137 S. 9; vgl. dazu Urk. 9/5
S. 10/11), so kann das nicht entscheidend sein: Insbesondere ist zu beachten,
dass es zur Tatzeit noch dunkel war – worauf gerade in diesem Zusammenhang
im Übrigen auch der Privatkläger selbst hinwies (Urk. 9/5 S. 10). Die Aussagen
des Privatklägers wirken vielmehr vorsichtig und zurückhaltend, vom erkennbaren
Bestreben getragen, niemanden falsch zu belasten. Er legte seine Unsicherheit
von Beginn weg offen und wünschte denn auch von sich aus eine Lebendwahl-
konfrontation (Urk. 9/5 S. 10). Es sind keine Anzeichen dafür ersichtlich, dass er
den Beschuldigten falsch belasten würde; insbesondere liessen seine Aussagen
auch den Schluss nicht zu, er habe sich letztlich einfach für "irgendeinen" Täter
entschieden, um einen Adressaten für seine Schadenersatz- und Genugtuungs-
forderungen zu haben. Für eine bewusste Falschanschuldigung wären schliess-
lich – wiederum mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 64) – keinerlei Motive erkennbar.
Wie schon erwähnt, kannten sich der Privatkläger und der Beschuldigte vor die-
sem Verfahren gar nicht.
- 27 -
4.10. Im Sinne eines Fazits ist damit bis hierhin vollumfänglich auf die vor-
instanzlichen Schlüsse zu verweisen (Urk. 65 S. 63 f.). Der Beschuldigte wird von
drei Personen unabhängig voneinander und übereinstimmend als Täter bezeich-
net: Von seinem – ihm nicht etwa feindlich gesinnten – Kollegen I._ sowie
von H._ und dem Privatkläger, die ihn beide vorgängig nicht kannten. Die je-
weiligen Täterbeschreibungen stimmen untereinander überein und trafen bereits
in der Anfangsphase viel eher auf den Beschuldigten zu, als sie gegen ihn ge-
sprochen hätten. Sie sind allesamt zurückhaltend ausgefallen und enthalten kei-
nerlei Elemente, die auf eine Falschbelastung hindeuten würden. Die letztlichen
Identifikationen sind glaubhaft und in ihren Zustandekommen plausibel zu erklä-
ren. Und während schon bei jedem Einzelnen keinerlei Motiv ersichtlich wäre, den
Beschuldigten bewusst zu Unrecht zu belasten, ist Solches für eine Absprache
untereinander schon ganz auszuschliessen: Es ist nicht vorstellbar, aus welchen
Gründen sich der mit dem Beschuldigten bekannte I._, H._ und der von
diesen überfallene Privatkläger darauf hätten einigen sollen, den Beschuldigten
fälschlicherweise der Mitwirkung an der Tat vom 1. Juni 2010 zu bezichtigen. Im
Übrigen auf die sorgfältigen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwei-
send (Urk. 65 S. 63/64), ist aufgrund der bis hierhin abgehandelten Beweislage
zweifelsfrei davon auszugehen, dass der Beschuldigte am eingeklagten Vorfall
vom 1. Juni 2010 beteiligt war.
5. Sachverhalt – Alibi
5.1. Wie gesehen (vorstehende Erw. 1.2 ff.), macht der Beschuldigte im Beru-
fungsverfahren nun aber geltend, er habe sich am 1. Juni 2010 gar nicht in der
Schweiz aufgehalten, sondern sei in Zilina (Slowakei) gewesen. Selbstredend ist
das eine Behauptung von Relevanz, die es im Folgenden zu überprüfen gilt. Im
Vorfeld der Berufungsverhandlung gingen dazu bereits zwei Bestätigungen von
F._ ein (s. vorstehend Erw. 1.5 f.), und in der Verhandlung selbst legte der
Verteidiger eine Bestätigung von C'._ und D'._ vom 27. Februar 2014
vor, wonach der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihnen gewesen sei (Urk. 138).
Im Rahmen der ergänzenden Beweiserhebungen wurden sodann F._
(Urk. 152/49) und E._ (Urk. 152/57) als Zeugen befragt und gingen – wie be-
- 28 -
reits erwähnt – seitens der ebenfalls zur Einvernahme vorgeladenen C'._
und D'._ die Mitteilungen ein, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht
zu einer Reise in die Schweiz in der Lage seien und im Übrigen mit Blick auf ihr
verwandtschaftliches Verhältnis zum Beschuldigten ohnehin keine Aussagen ma-
chen möchten (Urk. 152/32 und Urk. 152/37).
5.2. Bis in die vorinstanzliche Hauptverhandlung bestritt der Beschuldigte je-
weils kurz und knapp, an der vorliegend zu beurteilenden Tat beteiligt gewesen zu
sein. Der Vorwurf stimme nicht; er könne sich nicht erklären, weshalb er belastet
werde (Prot. I S. 49). In der Berufungserklärung vom 3. Februar 2014 teilte dann
der Verteidiger mit, der Beschuldigte habe herausgefunden, dass er zum Tatzeit-
punkt nicht in der Schweiz, sondern in der Slowakei gewesen sei (Urk. 67 S. 4).
5.3. In der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte dazu befragt. Er er-
klärte, in der Nacht vom 31. Mai 2010 auf den 1. Juni 2010 in Zilina, auch bei sei-
ner Tante C'._ gewesen zu sein. Er sei mit jenen Personen zusammen ge-
wesen, die er im Rahmen seiner Beweisanträge genannt habe. Auch andere Leu-
te habe er besucht; aber wie und wo genau wisse er nicht mehr (Urk. 136 S. 6).
Er meine, Zürich am 31. Mai 2010 am Morgen verlassen zu haben; es könne aber
auch Abend gewesen sein. Soweit er sich erinnere, sei er mit dem Zug gefahren.
Er wisse aber nicht mehr, was für eine Route der Zug genommen habe; er schaue
nicht, wo er durchfahre. Auf entsprechende Nachfrage wusste er auch nicht, wie
oft er schon von Zürich nach Zilina gefahren sei, um welche Zeit er angekommen
sei und wieviel die Reise gekostet habe (Urk. 136 S. 8). In der Slowakei meine er
"nicht lange" geblieben zu sein; vielleicht 3 Tage, "vielleicht aber auch 5, 6 oder 7
Tage". Entsprechend wisse er auch nicht, wann er wieder in Zürich gewesen sei
(Urk. 136 S. 9). Die Rückreise habe er wahrscheinlich mit dem Zug angetreten. Er
wisse aber nicht, ob er habe umsteigen müssen (Urk. 136 S. 16).
Soviel er wisse, habe ihn damals E._ zum Bahnhof gefahren; vermutlich
nach Zürich, "vielleicht aber auch nach ... oder ...", vielleicht am Morgen, viel-
leicht am Mittag oder am Abend. Er wisse auch nicht, wie oft ihn E._ schon
insgesamt zum Bahnhof gebracht habe (Urk. 136 S. 9/10).
- 29 -
F._ habe er damals auf Anraten seiner Tante aufgesucht, weil er etwas zwi-
schen dem Implantat am rechten Schaufelzahn und dem Zahnfleisch gehabt ha-
be. Er wisse allerdings nicht mehr genau, wann das gewesen sei; man müsse da-
für F._ fragen. Er meine, das sei an einem Nachmittag gewesen, wisse aber
nicht, ob er das richtig in Erinnerung habe. F._ habe ihm dann einen Essens-
rest entfernt, und er habe ihr dafür etwa 20 bis 30 Euro gegeben (Urk. 136
S. 10/11). Nach der Herkunft des vom Verteidiger dem Gericht eingereichten "Re-
zepts" befragt, erwiderte der Beschuldigte, das nicht zu wissen. Er habe über sei-
ne Mutter F._ gefragt, vielleicht habe auch seine Tante gefragt. Das interes-
siere ihn nicht. Bezüglich des Inhalts des Berichts von F._ erklärte der Be-
schuldigte wechselweise, nichts zu wissen oder man müsse seine Mutter oder
F._ fragen (Urk. 136 S. 12/13).
C'._ und D'._ habe er bei ihnen zuhause getroffen. Die Adresse und
wann das gewesen sei, wisse er nicht (Urk. 136 S. 13). Auf die Frage nach dem
Grund seiner Reise antwortete der Beschuldigte, er habe weg "von den Leuten
und der Allgemeinheit" gewollt. Es könne nicht sein, "dass man eingesperrt wird,
nur weil jemand etwas behauptet". Er habe dann immer etwas unternommen und
wohl auch noch andere Leute getroffen; er könne sich aber nicht mehr erinnern.
Wo er am 1. Juni 2010 gewesen sei und was er dann gemacht habe, wisse er
"aufgrund der Zeugenaussagen". Er habe es "etwas verschleiert" und "weit weg"
in seinem Kopf (Urk. 136 S. 14).
Auf Nachfrage, ob es möglich sei, dass er zwar irgendwann im Jahre 2010 in
Zilina gewesen sei, aber nicht genau am 1. Juni 2010, erwiderte er, er persönlich
wisse es ja nicht genau, sondern nur "aufgrund der Unterlagen". Es wäre gut
möglich, dass er sich irre; auch die Leute könnten sich irren. "Es kann alles sein"
(Urk. 136 S. 15). Wie häufig er in den letzten Jahren in Zilina gewesen sei, konnte
der Beschuldigte nicht klar sagen. Er müsse lügen, wenn er es genauer sagen
wolle; es sei "eher einmal als fünfmal pro Jahr" gewesen; jedenfalls aber "nicht
mehrmals pro Monat". Er habe keine Agenda, lebe in einer anderen Welt und ha-
be auch nichts, um Aufzeichnungen zu machen (Urk. 136 S. 15). Er wisse auch
- 30 -
nicht, ob er schon mehr als einmal den Zug nach Zilina genommen habe
(Urk. 136 S. 17).
Der Beschuldigte wurde schliesslich gefragt, weshalb ihm erst im Jahre 2014 und
im Rechtsmittelverfahren in den Sinn komme, dass er sich am 1. Juni 2010 gar
nicht in der Schweiz aufgehalten habe, obwohl er bereits über mehrere Jahre
hinweg in der Strafuntersuchung stand und insbesondere auch bereits das erst-
instanzliche Gerichtsverfahren stattgefunden hatte. Er habe nicht gedacht, so der
Beschuldigte, "dass es nötig sei". Vor Bezirksgericht habe man ihn auch nicht ge-
fragt, wo er gewesen sei (Urk. 136 S. 9). Er habe "das mit dem Raub" nicht ernst
genommen, es sei lächerlich. Erst sein Anwalt habe dann Druck gemacht und ge-
sagt, man müsse nun wissen, wo er gewesen sei (Urk. 136 S. 10, 15). Er sei da-
mals aufgrund der Vorkommnisse "gröber neben den Schuhen" gestanden
(Urk. 136 S. 14).
5.4. Am 30. Juni 2015 wurde E._ als Zeuge befragt (Urk. 152/57). Er arbei-
tete zum vorliegend massgeblichen Zeitpunkt mit dem Beschuldigten zusammen
und war mit diesem befreundet. Anschliessend hätten sie aber verschiedene Ent-
wicklungen durchgemacht (der Zeuge ist im Gegensatz zum Beschuldigten ver-
heiratet und hat Kinder). Sie hörten aber immer noch manchmal voneinander.
Nun habe ihn der Beschuldigte im Jahre 2014 einmal angerufen und gefragt, ob
er sich daran erinnern könne, ihn – den Beschuldigten – einmal gefahren zu ha-
ben für eine Reise in sein Heimatland. Die Frage habe keinen Bezug zu einem
bestimmten Datum gehabt; sie hätten einfach diskutiert, wo er ihn überall hin-
gefahren haben könnte. Anlässlich eines Telefonanrufs vor der Einvernahme – so
der Zeuge weiter – habe der Beschuldigte das Datum des 30. Mai 2010 erwähnt;
dieses Datum habe er allenfalls schon damals genannt (Urk. 152/57 S. 3). Er
– der Zeuge – habe versucht, Rückschlüsse zu ziehen. Er sei nämlich die letzten
drei Wochen seines Arbeitsverhältnisses im Mai 2010 in Deutschland gewesen,
und wenn er sich recht erinnere, sei der letzte Arbeitstag der Freitag, 27. Mai
2010, gewesen. Den 30. Mai habe ihm der Arbeitgeber dann "geschenkt". Vor
dem 27. Mai 2010 könne die Fahrt also nicht gewesen sein (Urk. 152/57 S. 5). Ob
es der 27, 28. oder 29. bzw. am 30. oder 31. gewesen sei, wisse er nicht
- 31 -
(Urk. 152/57 S. 3, 4, 8). Er könne sich nicht an das genaue Datum erinnern, an
welchem er den Beschuldigten herumgefahren habe. Er wisse einfach, dass er
am 1. August 2010 die neue Arbeitsstelle angetreten habe und im Juli 2010 mit
seiner Familie vermutlich in den Ferien gewesen sei. Er möge sich aber in ge-
wissen Bildern daran zu erinnern, den Beschuldigten einmal an einem Morgen
früh abgeholt und an den Bahnhof Zürich gefahren zu haben. "Tendenziell" habe
er den Beschuldigten hinter dem Kino ABC oder bei den Taxiparkplätzen aus-
steigen lassen; konkret daran erinnern könne er sich aber nicht. Wahrscheinlich
habe ihn der Beschuldigte gefragt, ob er ihn fahre; er habe auch einmal ange-
sprochen, dass er in seine Heimat gehen wolle (Urk. 152/57 S. 5). Er nehme an,
es sei morgens gewesen, schätzungsweise 8.00 Uhr oder 9.00 Uhr. Es müsste an
einem Sonntag oder Montag gewesen sein (Urk. 152/57 S. 6, 7).
5.5. Ebenfalls am 30. Juni 2015 fand die Zeugeneinvernahme von F._ statt
(Urk. 152/49). Sie bestätigte zunächst kurz zusammengefasst ihr Schreiben vom
20. August 2014 (Urk. 115); der Beschuldigte sei anfangs Juni 2010 nach 16.00
Uhr vorbeigekommen, und sie habe diesem einen abgebrochenen Zahnstocher
aus dem Zahnfleisch gezogen (Urk. 152/49 S. 3/4 – auf Nachfrage: es habe wie
das Ende eines dünnen Knöchelchens ausgesehen, Urk. 152/49 S. 6).
Drei Jahre danach sei sie von der Mutter des Beschuldigten aufgesucht worden.
Diese habe sie gefragt, ob sie eine Bestätigung des Besuchs des Beschuldigten
abgeben könne. Sie – F._ – habe daraufhin ein Rezept geschrieben
[Urk. 88/89] und bestätigt, ohne Entgelt eine Behandlung gemacht zu haben. Hin-
sichtlich des genauen Datums der Behandlung habe sie sich nicht mehr erinnern
können. Die Mutter des Beschuldigten habe sie aber gefragt, ob sie – F._ –
die Bestätigung der Behandlung auf den 1. Juni 2010 datieren könne. Das habe
sie dann gemacht und die Bestätigung auf den 1. Juni 2010 ausgestellt
(Urk. 152/49 S. 4/5). Darauf angesprochen, dass sie in der Bestätigung zuhanden
des Gerichts (Urk. 110 = Übersetzung Urk. 115) geschrieben habe, sie hätte sich
den Namen des Beschuldigten in das Tagebuch der Reparaturen der protheti-
schen Arbeiten eingetragen und könne darum das genaue Datum des 1. Juni
2010 angeben, erklärte F._, nachdem sie von der Mutter des Beschuldigten
- 32 -
kontaktiert worden sei, habe sie sich den Namen des Beschuldigten auf ein Stück
Papier geschrieben. Dieses habe sie dann in das Buch gelegt unter dem Datum
1. Juni 2010, damit sie sich daran erinnern würde, etwas ausgestellt zu haben
(Urk. 152/49 S. 5, 9/10). F._ bestätigte dann nochmals, von der Mutter des
Beschuldigten gebeten worden zu sein, genau das Datum des 1. Juni 2010 auf-
zuschreiben. Diese habe gesagt, es würde ihnen sehr helfen, wenn sie genau
dieses Datum bezeichnen würde (Urk. 152/49 S. 6). Selber erinnere sie sich im-
merhin daran, dass der Besuch ungefähr 2 Wochen vor ihrem 60. Geburtstag am
13. Juni 2010 gewesen sei (Urk. 152/49 S. 7, 8).
Nach der Rückübersetzung und Überprüfung des Einvernahmeprotokolls hielt
F._ nochmals ausdrücklich fest, von sich aus nicht bestätigen zu können, ob
der Besuch des Beschuldigten am 1., 2. oder 3. Juni 2010 stattgefunden habe.
Sie habe anfänglich die Wichtigkeit des genauen Datums nicht erfasst und auf die
Bitte der Mutter des Beschuldigten hin den 1. Juni 2010 geschrieben. Jetzt, da sie
sehe, dass das genaue Datum sehr wichtig sei, müsse sie einräumen, dass es
auch der 2. oder 3. Juni 2010 hätte sein können. Es wäre daher möglich – so
F._ weiter –, dass sie unter dem Druck der Mutter des Beschuldigten den
1. Juni 2010 angegeben habe, obwohl es der 2. oder 3. gewesen sei (Urk. 152/49
S. 12/13; Urk. 152/50).
5.6. Der Verteidiger ist der Auffassung, dass der Alibibeweis für den Beschul-
digten erbracht sei. Es sei auf die entsprechenden Bestätigungen und Aussagen
abzustellen. Sowohl F._ als auch E._ hätten glaubhaft herleiten können,
dass der Beschuldigte kurz vor bzw. am 1. Juni 2010 in Zilina gewesen sei. Das
werde auch durch die Bestätigung des Ehepaars D._/C._ belegt
(Urk. 137 S. 12; Urk. 166 S. 11/12).
5.7. Die Staatsanwaltschaft ist der gegenteiligen Auffassung. Auf die Zeugen
könne von Vornherein nicht abgestellt werden, da der Beschuldigte seit der Haft-
entlassung und der Verkündung des erstinstanzlichen Urteils jede Zeit der Welt
gehabt habe, sich ein Alibi zu verschaffen und sich hiezu mit angeblichen Zeugen
abzusprechen. Die Zeugin hätte sich sodann nicht genau daran erinnern können,
wann sie dem Beschuldigten das Knöchelchen aus dem Zahnfleisch gezogen
- 33 -
bzw. ihn zum Bahnhof gefahren haben. Und nachdem sich F._ sicher sei,
dass der Beschuldigte nach 16.00 Uhr bei ihr erschienen sei, wäre auch möglich,
dass dieser nach Verübung des Raubs um 6.00 Uhr bis nach 16.00 Uhr mit sei-
nem BMW nach Zilina gereist sein könnte (Urk. 141 S. 2/3; Urk. 173 S. 2).
5.8. Verschiedene Umstände lassen hochgradig daran zweifeln, dass der Be-
schuldigte im Sinne seiner Behauptungen zur Tatzeit tatsächlich landesabwesend
gewesen sein könnte:
5.8.1. Zunächst ist schon einmal kaum erklärlich, weshalb der Beschuldigte diese
Behauptung erstmals im Berufungsverfahren, nach seiner erstinstanzlichen Verur-
teilung vorbringt. Zwar stimmt schon, dass er erst am 18. Oktober 2011 verhaftet
und ein erstes Mal befragt worden ist, "weshalb es nach dieser grossen Zeitspan-
ne entsprechend schwierig und langwierig für ihn war, herauszufinden, wo er sich
genau zum Tatzeitpunkt aufhielt" (so der Verteidiger in Urk. 74 S. 2). Ab da stand
er jedoch bis zur Anklageerhebung am 23. Januar 2013 (Urk. 30) bzw. der vor-
instanzlichen Hauptverhandlung am 31. Oktober 2013 (Prot. I S. 12) während
mehr als zwei Jahren im vorliegenden Verfahren, konfrontiert mit dem schwerwie-
genden Vorwurf, am 1. Juni 2010 für einen Raub (mit-)verantwortlich gewesen zu
sein. Dass er da nie auch nur am Rande einmal in den Raum gestellt hat, zur Tat-
zeit möglicherweise gar nicht in der Schweiz gewesen zu sein, ist – wenn es denn
so gewesen wäre – eigentlich fast nicht vorstellbar. Stattdessen verneinte der Be-
schuldigte immer nur ohne jeglichen Erklärungsversuch sehr karg und pauschal,
dabei gewesen zu sein. Das ist prozessual sein gutes Recht. Angesichts der nach
den belastenden Aussagen von I._, H._ und des Privatklägers offen-
sichtlich immer ungünstiger werdenden Beweissituation wäre von ihm indessen
schon zu erwarten gewesen, sich wenigstens im Ansatz etwas einlässlicher zu
entlasten zu versuchen, anstatt sich – faktisch – einfach zu verweigern. Damit
wird nicht etwa eine Beweislastumkehr vorgenommen oder vom Beschuldigten
verlangt, sich selbst zu belasten: Vielmehr erachtet auch das Bundesgericht die
Grenzen des "nemo tenetur"-Grundsatzes als dann erreicht, wenn sich ein Be-
schuldigter weigert, zu seiner Entlastung erforderliche Angaben zu machen,
obschon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweiselemente vernünf-
- 34 -
tigerweise erwartet werden dürfte (Urteile des Bundesgerichts 6B_562/2010 vom
28. Oktober 2010 E. 2.1; 6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011 E. 1.6; Pra
90/2001 Nr. 110 E. 3 und 4; zuletzt in 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4).
Wenn der Beschuldigte während der ganzen Untersuchung und des erstinstanzli-
chen Verfahrens nicht einmal ansatzweise antönte, dass er über ein Alibi verfü-
gen könnte, fällt dies demnach im Sinne der Vermutung zu seinem Nachteil ins
Gewicht, dass es ein solches Alibi eben nicht gibt (Urteil des Bundesgerichts
6B_426/2013 vom 18. Dezember 2013 E. 1 am Schluss).
Was der Beschuldigte in der Berufungsverhandlung zur Erklärung dieses Aus-
sageverhaltens auszuführen versuchte, wirkt sich alles andere als zu seinen
Gunsten aus. Gegenteils liegt fast die Frage nahe, ob er das Gericht für dumm
verkaufen will, wenn er allen Ernstes geltend macht, man habe ihn vor Bezirksge-
richt nicht danach gefragt, wo er gewesen sei (Urk. 136 S. 9). Angesichts des
Tatvorwurfs war ja gerade das Thema der bezirksgerichtlichen Hauptverhandlung,
wo sich der Beschuldigte am 1. Juni 2010 aufgehalten hat. Und – es muss noch-
mals gesagt werden – wenn der Beschuldigte in der Hauptverhandlung auch nur
annähernd daran gedacht haben könnte, am 1. Juni 2010 nicht in der Schweiz
gewesen zu sein, so wäre unerklärlich, dass er das nicht wenigstens in den Raum
gestellt hätte. Soweit der Beschuldigte dazu sagt, er habe nicht gedacht, dass das
nötig sei, und er habe "das mit dem Raub" nicht ernst genommen (Urk. 136
S. 9/10), ist das unplausibel und unglaubhaft. Es sei daran erinnert, dass sich der
Beschuldigte mit einer – nach seiner Darstellung ungerechtfertigten – Anklage
konfrontiert gesehen hat, die eine Verurteilung wegen Raubes, mehrfachen Dieb-
stahls und Hausfriedensbruchs sowie eine Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe
von 3 1⁄2 Jahren forderte. Auch ein Beschuldigter, der "neben den Schuhen" steht,
wird in einer solchen Situation irgendwann im Verlaufe einer mehrjährigen Straf-
untersuchung und nicht erst im Berufungsverfahren nach einem erstinstanzlichen
Schuldspruch zumindest einmal behaupten, er sei gar nicht im Lande gewesen,
wenn das effektiv so gewesen sein könnte.
5.8.2. In materieller Hinsicht tragen die Aussagen des Beschuldigten überhaupt
nichts dazu bei, das einem sein geltend gemachtes Alibi auch nur halbwegs
- 35 -
wahrscheinlich machen würde: In ausreichend konkretem Masse lassen sich dar-
aus einzig die Behauptungen ableiten, er sei – jeweils irgendwann einmal – von
E._ zu einem Bahnhof gefahren worden, habe seine Tante und deren Mann
besucht und sich von F._ einen Fremdkörper aus dem Zahnfleisch entfernen
lassen. Eigentlich auf jede weitere Nachfrage reagierte der Beschuldigte dann
aber mit Nichtwissen und/oder mit dem Verweis, man solle doch seine Mutter,
seine Tante oder F._ fragen. Der Beschuldigte war nicht in der Lage, das
angebliche Reisedatum zu nennen, die ungefähre Tageszeit, den Bahnhof, an
welchen ihn E._ gefahren habe, die grobe befahrene Route und ob er habe
umsteigen müssen, den Fahrpreis, die auch nur ungefähre Aufenthaltsdauer in Zi-
lina, das genaue Datum der zahnärztlichen Behandlung, die Adresse seiner Tan-
te, die Namen der Personen, mit welchen er etwas unternommen habe, die Um-
stände des Zustandekommens der Bestätigungen von C'._, D'._ und
F._. Auch auf Fragen zu Nebenumständen gab er derart nichtssagende Ant-
worten, dass diese jeglicher Überprüfbarkeit entzogen sind: So wollte er in den
letzten Jahren "eher einmal als fünfmal pro Jahr" bzw. "nicht mehrmals pro Mo-
nat" in Zilina gewesen sein und auch nicht mehr wissen, ob er schon mehr als
einmal mit dem Zug nach Zilina gefahren sei. Zwischen "einmal pro Jahr" und
"nicht mehrmals pro Monat" liegt nun schon einmal der Faktor 12, und dass der
Beschuldigte – im Zeitpunkt der Berufungsverhandlung 30-jährig, Absolvent der
obligatorischen Schulen und einer Lehre als Polymechaniker, bei verschiedenen
Arbeitgebern tätig und mit dem Vorsatz, eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen
– nicht mehr wissen will, ob er lediglich einmal oder mehr als einmal mit dem Zug
zu seiner Tante in Zilina gefahren ist, ist wirklich nicht glaubhaft und legt die Ver-
mutung nahe, dass er mehr vertuschen als aufklären will.
5.8.3. Sodann sind auch die Bestätigungen von F._ zweifelhaft:
5.8.3.1. Zunächst fällt auf, dass zwischen der mit "Rezept" überschriebenen Be-
stätigung vom 27. Februar 2014 (Urk. 89) und dem Schreiben vom 13. August
2014 (Urk. 115) dahingehend ein Widerspruch besteht, als im ersten Schriftstück
von der "Korrektur einer prothetischen Arbeit" die Rede ist, während F._ im
späteren Brief schildert, sie habe dem Beschuldigten einen kleinen dünnen Kno-
- 36 -
chen aus dem Zahnfleisch entfernt. Das ist nicht in Einklang zu bringen. Weder
eine Fachperson noch ein Laie spricht von der Korrektur einer prothetischen Ar-
beit, wenn es darum geht, dass eine Zahntechnikerin einem Patienten ein kleines
Knochenstück aus dem Zahnfleisch zieht. Es ist deshalb aufgrund dieser Unterla-
gen nicht klar, was nun F._ am 1. Juni 2010 für den Beschuldigten effektiv
getan haben will.
5.8.3.2. Weiter legen diese Dokumente die Frage nahe, wie sich F._ im Jah-
re 2014 daran erinnern kann, was sie am 1. Juni 2010 getan hat, zumal es offen-
bar kein Patientendossier oder ähnliche Dokumentationen gibt (Urk. 115 S. 2).
Wenn F._ dazu schreibt, sie habe den Namen des Beschuldigten "in das Ta-
gebuch der Reparaturen der prothetischen Arbeiten" eingetragen (a.a.O.) und
könne sich deshalb an das genaue Datum erinnern, so erneuert das vorab den
bereits vorstehend angesprochenen Widerspruch. Sodann blieb mit dem Schrei-
ben vom 13. August 2014 offen, ob es das "Tagebuch der Reparaturen der pro-
thetischen Arbeiten" überhaupt gibt und welche Einträge gegebenenfalls beste-
hen, nachdem F._ weder das Buch im Original noch eine Kopie des angebli-
chen Eintrags einreichte. Beim Wortlaut der Verfügung vom 3. Juli 2014 hätte das
indessen nahe gelegen: Es musste F._ klar sein, dass es angesichts der
Aufforderung, "die vollständige Patientenakte des Beschuldigten A._ im Ori-
ginal einzureichen" (Urk. 101), dem Gericht um schriftliche Beweismittel ging und
deshalb wenigstens eine Kopie des Tagebucheintrags einzureichen angezeigt
gewesen wäre, wenn schon keine "Patientenakte" existiert.
5.8.3.3. Schliesslich schreibt F._, die Mutter des Beschuldigten habe sie am
27. Februar 2014 aufgesucht und gebeten, schriftlich zu bestätigen, dass sie den
Beschuldigten behandelt habe. Dabei habe die Mutter auch den Grund genannt,
weshalb sie ein solches Dokument brauche. F._ schliesst ihren Brief vom 13.
August 2014 mit den Worten, sie sei in ihrer 40-jährigen Praxis noch nie "mit so
einem Problem" konfrontiert worden und es tue ihr sehr leid, "dass dieser junge
Mann grosse Probleme mit dem Gesetz" habe (Urk. 115 S. 2). Das macht schon
etwas stutzig und belegt, dass die Mutter des Beschuldigten F._ zur Ausstel-
lung der ersten Bestätigung veranlasst hat. Was sie allerdings für einen Grund für
- 37 -
diesen Wunsch angegeben hat und aus welchen "grossen Problemen mit dem
Gesetz" F._ dem Beschuldigten mit ihrer Bestätigung zu helfen trachtete,
bleibt angesichts der nebulösen Formulierung des Schreibens wiederum ganz un-
klar.
5.8.3.4. Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 166 S. 7) sind also die
Bestätigungen von F._ alles andere als klar, sondern widersprüchlich und mit
vielen – möglicherweise unbewussten – Relativierungen versehen, nicht zuletzt
auch was das Zustandekommen der beiden Papiere anbelangt.
5.8.4. In Gutheissung des entsprechenden Beweisantrags des Beschuldigten
wurde F._ dann bekanntlich als Zeugin befragt (Urk. 152/49).
5.8.4.1. Nachdem deren Aussagen nicht im vom Beschuldigten erhofften Sinne
ausgefallen sind (vgl. vorstehende Erw. 5.5), macht der Verteidiger dazu nun vor-
ab geltend, es sei die betreffende Einvernahme "aufgrund unzulässiger Beeinflus-
sung durch die Dolmetscherin" nicht zum Nachteil des Beschuldigten verwertbar
(Urk. 166 S. 6/7).
Dieser Einwand ist jedoch zu verwerfen: So beziehen sich die bezüglichen Vor-
behalte des Verteidigers allesamt auf das Geschehen nach der Rückübersetzung
der grundsätzlich abgeschlossenen Einvernahme durch die Dolmetscherin. Dar-
aus ergibt sich, dass im Zuge dieser Rückübersetzung zwischen F._ und der
Dolmetscherin offenbar das Gespräch darauf gekommen ist, wie wichtig das ge-
naue Datum der Behandlung des Beschuldigten ist. Daraufhin betonte
F._ in einer ergänzenden Erklärung, sie könne nicht zu 100 % bestätigen,
dass der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihr erschienen sei, sondern es könne
auch der 2. oder 3. Juni gewesen sein. Auf entsprechende Frage des Verteidigers
bestätigte F._, von der Dolmetscherin auf diesen Punkt hingewiesen worden
zu sein. Allerdings habe sie – F._ – bei der Rückübersetzung selbst gemerkt,
dass sich insbesondere hinsichtlich der vorherigen Fragen 27 und 50 Widersprü-
che ergeben könnten (Urk. 152/49 S. 11-13).
- 38 -
Entscheidend fällt dazu ins Gewicht, dass es sich bei den ergänzenden Einlas-
sungen von F._ nicht etwa um Korrekturen oder Abänderungen von früheren
Aussagen ging, sondern vielmehr um Präzisierungen und Bekräftigungen. Schon
in der Einvernahme vor dem Unterbruch zur Rückübersetzung hatte sie nämlich
alles andere als deutlich bestätigt, dass der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihr
gewesen sei. Bereits auf die erste Frage nach dem konkreten Datum erklärte sie
nämlich wörtlich: "Das weiss ich nicht mehr, aber seine Mutter hat mich angefragt,
ob ich die Bestätigung der Behandlung auf den 1. Juni datieren kann"
(Urk. 152/49 S. 5). Und kurz darauf verdeutlichte sie: "Die Mutter hat mich gebe-
ten, dieses Datum [d.h. den 1. Juni 2010] zu schreiben, da ich mich nicht mehr
genau erinnerte, an welchem Tag ich A._ behandelte. Und die Mutter hat mir
gesagt, das würde ihnen sehr helfen, wenn ich genau dieses Datum aufschreiben
und bezeichnen würde" (Urk. 152/49 S. 6).
Noch eindeutiger konnte F._ nicht kundtun, dass sie die Bestätigungen auf
Wunsch der Mutter des Beschuldigten genau auf den 1. Juni 2010 datierte, sich
selber aber nicht mehr daran erinnern konnte, an welchem Tag der Besuch des
Beschuldigten stattgefunden hat. Daran ändert nichts, dass sie dann später auf
Vorhalt des Zitats aus der Bestätigung durch den Verteidiger "Ich trug den Namen
in das Tagebuch der Reparaturen der prothetischen Arbeiten ein, darum kann ich
das genaue Datum angeben – 1.6.2010" offenkundig in die Enge getrieben
schliesslich sagte: "Ja, das habe ich so geschrieben und jetzt bleibe ich bei dem,
was ich geschrieben habe" (Urk. 152/49 S. 10). Es ist ja nicht so, dass davon
ausgegangen werden müsste, F._ habe bewusst ein unzutreffendes Datum
genannt. Vielmehr wusste sie es eben einfach nicht mehr und bestätigte dem Be-
schuldigten in der ergänzenden Befragung nach der Rückübersetzung des Proto-
kolls denn auch, nicht ausschliessen zu können, dass er am 1. Juni 2010 bei ihr
gewesen sei (Urk. 152/49 S. 11/12).
Von einer unzulässigen Beeinflussung F._s durch die Dolmetscherin kann
deshalb keine Rede sein. Die Aussagen sind damit vollumfänglich verwertbar.
5.8.4.2. In materieller Hinsicht ist aus den Aussagen F._s in Kombination mit
deren Bestätigungen zwar zu schliessen, dass der Beschuldigte sie wohl schon
- 39 -
einmal konsultiert hat. Hinsichtlich des genauen Zeitpunkts ist aber bereits ihr
Rückschluss, es sei ungefähr zwei Wochen vor ihrem 60. Geburtstag am 13. Juni
2010, an einem Montag oder Dienstag gewesen (Urk. 152/49 S. 7), mit einem
Vorbehalt zu versehen, nachdem ihr offensichtlich die Mutter des Beschuldigten
das Datum des 1. Juni 2010 genannt hat. So ist nicht klar, ob sich F._ von
sich aus an einen Besuch des Beschuldigten ungefähr zwei Wochen vor ihrem
60. Geburtstag erinnerte oder ob sie nach der Nennung des 1. Juni 2010 durch
die Mutter des Beschuldigten folgerte, das müsse also ungefähr zwei Wochen vor
ihrem 60. Geburtstag gewesen sein. So krebste sie denn auch nach der Einver-
nahme etwas zurück und musste einräumen, dass es "auch der 2. oder 3. Juni
2010" gewesen sein könnte (Urk. 152/49 S. 12/13).
5.8.4.3. Aufgrund der Aussagen von F._ ist deshalb zwar nicht aus-
zuschliessen, dass der Beschuldigte am 31. Mai oder am 1. Juni 2010 bei ihr ge-
wesen sein könnte. Der positive Schluss, dass der Beschuldigte an einem dieser
Daten in Zilina in der Praxis von F._ war, wie dies der Verteidiger tut
(Urk. 166 S. 8), ist allerdings nicht möglich. F._ hat sich den Besuch des Be-
schuldigten nicht notiert, darüber auch sonst keine Aufzeichnungen erstellt und
vermochte sich von sich aus an den genauen Zeitpunkt nicht zu erinnern, sondern
bekam den 1. Juni 2010 von der Mutter des Beschuldigten genannt, verbunden
mit dem Wunsch, es würde ihnen sehr helfen, wenn F._ genau dieses Datum
bezeichnen würde.
5.8.5. Zu den Aussagen des ebenfalls auf Antrag des Beschuldigten befragten
E._ (s. vorstehende Erw. 5.4) ist Ähnliches zu sagen. Bei ihm war es offen-
kundig ebenfalls so, dass er sich nicht daran zu erinnern vermochte, den Be-
schuldigten zur fraglichen Zeit zum Bahnhof gefahren zu haben. Vielmehr wurde
auch ihm das Datum des 30. Mai 2010 vom Beschuldigten genannt und begann
E._ danach, durch Rückschlüsse insbesondere mit Bezug auf das damalige
Ende seines Arbeitsverhältnisses zu plausibilisieren zu versuchen, ob eine solche
Fahrt stattgefunden haben könnte. Das bejahte er, da er am 27. Mai 2010 aus
Deutschland zurückgekehrt sei; danach könne es gewesen sein. Er wisse aber
nicht, ob es der 28., 29., 30. oder 31. Mai gewesen sei; er habe damals Zeit ge-
- 40 -
habt und sei vor seinen Ferien im Juli auch den Monat Juni noch da gewesen
(Urk. 152/57 S. 4/5). Hinzu kommt, dass E._ zum vom Beschuldigten be-
haupteten Zweck der Fahrt überhaupt nichts bestätigen konnte. So sagte er ledig-
lich sehr allgemein aus, der Beschuldigte habe ihn "auch mal angesprochen, dass
er in seine Heimat gehen wolle", ohne dass er das in konkreten Zusammenhang
mit der zur Diskussion stehenden angeblichen Fahrt gestellt hätte (Urk. 152/57
S. 5). Ebenso konnte er lediglich mutmassen, den Beschuldigten "tendenziell" hin-
ter dem Kino ABC oder bei den Taxiparkplätzen abgesetzt zu haben, und er
wusste auch nicht, was der Beschuldigte nach dem Aussteigen getan hat (a.a.O.).
Angesichts dessen hilft diesem auch nichts, wenn E._ vermutet, die Fahrt
habe an einem Sonntag oder Montag stattgefunden (Urk. 152/57 S. 7).
Aus den Aussagen von E._ lässt sich deshalb ebenfalls nichts zugunsten
des vom Beschuldigten behaupteten Alibis ableiten. Dass im Sinne der Aussagen
von E._ nicht ausgeschlossen werden kann, dass er den Beschuldigten am
30. oder 31. Mai 2010 zum Hauptbahnhof Zürich gefahren hat, ist weit davon ent-
fernt, ein positives Indiz für die Darstellung des Beschuldigten zu sein. Alleine der
Umstand, dass es sein könnte, dass E._ den Beschuldigten an einem jener
Tage zum Bahnhof gefahren hat, wobei der Zeuge überdies nicht bestätigen
kann, ob der Beschuldigte überhaupt den Zug genommen hat und wohin dieser
gegebenenfalls gefahren ist, muss als für den Beweis des vom Beschuldigten be-
haupteten Alibis untauglich bezeichnet werden.
5.9. Bis dahin vermögen also die Ausführungen des Beschuldigten und die von
ihm dafür angerufenen Beweise, er sei zur Tatzeit gar nicht in der Schweiz gewe-
sen, das gemäss Erw. 4.10 feststehende Beweisergebnis nicht im Ansatz zu er-
schüttern. Was der Beschuldigte selber dazu sagt, ist an Unbestimmtheit kaum zu
überbieten. Aus seinen vorab von – angeblichem – Nichtwissen geprägten Ant-
worten ist zu folgern, dass er nicht bereit ist, irgendetwas Konstruktives zu einer
überprüfbaren Darstellung beizutragen. Nur so kann erklärt werden, dass er sogar
auf Fragen keine Antwort wissen wollte, wo das – zumindest mit einem Minimum
an Anstrengung – schlicht nicht sein kann. Dazu passen auch seine wirren Erklä-
rungsversuche zum Umstand, dass ihm erst im Berufungsverfahren in den Sinn
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gekommen sein will, zum Tatzeitpunkt in der Slowakei gewesen zu sein. Aus den
Bestätigungen und Aussagen von F._ bzw. E._ ergibt sich sodann deut-
lich, dass sie sich beide nicht von sich aus daran erinnern konnten, den Beschul-
digten zu der von ihm behaupteten Zeit behandelt bzw. zum Bahnhof gefahren zu
haben. Vielmehr war es in beiden Fällen so, dass ihnen von der Mutter des Be-
schuldigten bzw. von diesem selbst die fraglichen Daten genannt worden waren
und sie danach versuchten, diese mithilfe von Nebenumständen aus dem eigenen
Erleben zu plausibilisieren. Bei Lichte betrachtet ergibt sich als beweismässiges
Ergebnis deshalb lediglich, dass es die beiden Befragten zwar für möglich erach-
teten, den Beschuldigten zu den von diesem behaupteten Zeiten behandelt bzw.
gefahren zu haben. Ebenso gut hätte dies jedoch auch an anderen Tagen der Fall
gewesen sein können. Letztlich fasste der Beschuldigte die diesbezügliche Be-
weislage an der Berufungsverhandlung gleich selbst treffend zusammen: "Ich
persönlich weiss es ja nicht genau. Ich weiss es aufgrund der Unterlagen. Ehrlich
gesagt wäre es gut möglich, dass ich mich irre. Auch die Leute könnten sich irren.
Es kann alles sein." (Urk. 136 S. 15). Wenn der Beschuldigte selbst einräumt,
nicht genau zu wissen, wann er – angeblich – in die Slowakei gereist sei, und er
dafür – unter anderem – auf F._ und E._ verweist, die beide eingestan-
denermassen ebenfalls keine eigene genaue Erinnerung daran haben, so ist mit-
nichten dargetan, dass sich der Beschuldigte zur Tatzeit, am frühen Morgen des
1. Juni 2010, in der Slowakei aufgehalten hat.
5.10. Es bleiben die bisher noch nicht durchgeführten Einvernahmen von
C'._ und D'._ sowie die vom Verteidiger in seiner Eingabe vom 21. Sep-
tember 2015 neu beantragte Befragung von G._, der Mutter des Beschuldig-
ten (Urk. 166 S. 3).
5.10.1. Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte Anspruch auf rechtliches Gehör räumt
dem Betroffenen das persönlichkeitsbezogene Mitwirkungsrecht ein, erhebliche
Beweise beizubringen, mit solchen Beweisanträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweis-
ergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen
(BGE 138 V 125 E. 2.1; 137 I 195 E. 2.2; 135 I 187 E. 2.2). Der Anspruch auf
- 42 -
rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörde die Argumente und Verfahrens-
anträge des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich
hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die Pflicht der
Behörden, ihren Entscheid zu begründen (BGE 127 I 54 E. 2b; 126 I 97 E. 2b;
124 I 49 E. 3a, 241 E. 2, je mit Hinweisen).
Die grundsätzliche Pflicht, die ihr angebotenen Beweise abzunehmen, die sich auf
entscheidwesentliche Tatsachen beziehen, hindert die Behörde indes nicht daran,
auf weitere Erhebungen zu verzichten, wenn sie in willkürfreier Würdigung der be-
reits abgenommenen Beweise zur Überzeugung gelangt, der rechtlich erhebliche
Sachverhalt sei genügend abgeklärt, und sie überdies in willkürfreier antizipierter
Würdigung der zusätzlich beantragten Beweise annehmen kann, ihre Überzeu-
gung werde auch durch diese nicht geändert (BGE 136 I 229 E. 5.3; 134 I 140
E. 5.3; 131 I 153 E. 3; 124 I 208 E. 4a, je mit Hinweisen). Dabei muss die Straf-
behörde das vorläufige Beweisergebnis hypothetisch um die Fakten des Antrages
ergänzen und würdigen. Die Ablehnung des Beweisantrags ist nur zulässig, wenn
die zu beweisende Tatsache nach dieser Würdigung als unerheblich, offenkundig,
der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen anzusehen ist
(vgl. Art. 139 Abs. 2 StPO; Urteile des Bundesgerichts 6B_764/2013 vom 26. Mai
2014 E. 4.3, 6B_358/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.4 sowie 6B_648/2014 vom
28. Januar 2015 E. 2.1 [n.p. in BGE 141 IV 34]). Ebenso kann die Abnahme von
rechtsmissbräuchlich beantragten Beweisen unterbleiben, wenn damit das Ver-
fahren blockiert oder verschleppt werden soll (BSK StPO-Hauri/Venetz, N. 34 zu
Art. 343 StPO mit weiteren Hinweisen).
5.10.2. Die Verteidigung möchte die Mutter des Beschuldigten, G._, zur Fra-
ge einvernommen haben, "wie das angeblich geführte Gespräch mit F._ ver-
lief und ob sie F._ auf irgendeine Weise unter Druck setzte" (Urk. 166 S. 10).
Die Staatsanwaltschaft stellt sich diesem Antrag mit der Begründung entgegen,
es sei die Mutter des Beschuldigten nicht bei dessen Besuch bei F._ dabei
gewesen, weshalb sie über das betreffende Datum nichts sagen könne. Ob mit ih-
rer späteren Vorsprache bei F._ ein Drängen verbunden gewesen sei, könne
offen bleiben, denn jedenfalls habe diese das so empfunden (Urk. 173 S. 3).
- 43 -
Mit der Staatsanwaltschaft ist auf die beantrage Einvernahme zu verzichten; sie
ist unerheblich. G._ kann – was im Übrigen von der Verteidigung auch gar
nicht behauptet wird – aus eigener Wahrnehmung nichts über den Besuch ihres
Sohnes bei F._ aussagen. Und selbstredend würde sie verneinen, F._
unter Druck gesetzt zu haben, den 1. Juni 2010 als Datum der Behandlung anzu-
geben. Das änderte aber nichts daran, dass aufgrund der glaubhaften Aussagen
von F._ jedenfalls davon auszugehen ist, dass sie das erwähnte Datum von
der Mutter des Beschuldigten genannt erhalten hat. Das ist das für die Beweis-
würdigung entscheidende Kriterium. Ob F._ ein Drängen oder gar Unter-
Druck-setzen empfunden hat, ist deshalb irrelevant und überdies eine subjektive
Empfindung ihrerseits, wozu G._ naturgemäss nichts aussagen kann.
5.10.3. Wie bereits vorne erwähnt (Erw. 1.10), erachtete es die Kammer im Be-
schluss vom 9. März 2015 als erforderlich, der Verteidigung folgend C'._ und
D'._ einzuvernehmen. Damals lagen als Beweismittel zum vom Beschuldig-
ten geltend gemachten Alibi allerdings erst die beiden schriftlichen Bestätigungen
von F._ und jene von C'._ und D'._ vor. Nun sind durch die Zeu-
geneinvernahmen von F._ und E._ einige zusätzliche Erkenntnisse ge-
wonnen worden und ist deshalb über die Notwendigkeit der Einvernahmen von
C'._ und D'._ neu zu entscheiden.
5.10.4. Gemäss der Behauptung des Verteidigers würden C'._ und D'._
bestätigen, dass sie den Beschuldigten zum Tatzeitpunkt am 1. Juni 2010 bei sich
in Zilina beherbergt haben (Prot. II S. 14). Wenn keine Befragung erfolge, sei auf
die in der Berufungsverhandlung eingereichte Erklärung des Ehepaars
D'._/C'._ abzustellen, wonach der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei
ihnen gewesen sei (Urk. 166 S. 10; Urk. 138).
Im Rahmen einer antizipierten Beweiswürdigung muss im Sinne der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung – wie gesehen – das vorläufige Beweisergebnis
hypothetisch um die Fakten des Antrages ergänzt und gewürdigt werden. Entge-
gen der Verteidigung verlangt das vom Gericht aber nicht, dass es die mit einem
Antrag auf Zeugeneinvernahme behaupteten Aussagen unbesehen als wahr an-
sehen müsste. Der Verteidiger spricht damit die sog. Wahrunterstellung an, bei
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welcher die Abnahme von beantragten Beweisen unterbleiben kann, wenn an-
stelle dessen die Fiktion tritt, der Beweis sei gelungen. Bei einer antizipierten Be-
weiswürdigung ist dies indes gerade nicht der Fall, sondern es wird angenommen,
dass auch die Abnahme des Beweises am feststehenden Beweisergebnis nichts
zu ändern vermöchte. Antizipierte Beweiswürdigung und Wahrunterstellung dür-
fen nicht verwechselt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_793/2010 vom
14. April 2011 E. 2.3; Beschluss des Kassationsgerichts des Kantons Zürich
AC050002 vom 23. September 2005 E. 8c/bb m.w.H.).
Sofern C'._ und D'._ denn überhaupt Aussagen machen würden, was
angesichts ihrer Erklärungen (Urk. 152/32 und Urk. 152/37) fraglich erscheint, ist
zwanglos anzunehmen, dass sie auch als Zeugen bestätigen würden, es sei der
Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihnen gewesen (vgl. dazu den Inhalt von
Urk. 138). Entgegen der Meinung der Verteidigung und im Sinne des Vorstehen-
den muss das aber nicht a priori als wahr angenommen werden, sondern es ist
diese Aussage vor dem Hintergrund der ganzen derzeitigen Beweissituation zu
überprüfen und zu würdigen.
5.10.5. Hier fällt entscheidend ins Gewicht, dass die aktuelle Beweislage keinerlei
Zweifel an der anklagegemässen Beteiligung des Beschuldigten am Überfall auf
den Privatkläger vom 1. Juni 2010 offen lässt. Der Beschuldigte wurde sowohl
von den Mitbeteiligten I._ und H._ als auch dem Privatkläger klar und
eindeutig identifiziert, und für das vom Beschuldigten behauptete Alibi liegen nach
dessen eigenen Einvernahme und der Befragung von F._ und E._ als
Zeugen keine konkreten Anhaltspunkte vor. Es hat sich ergeben, dass niemand
eine positive Erinnerung daran hat, dass der Beschuldigte zur Tatzeit am 1. Juni
2010 effektiv in Zilina gewesen wäre. Selbst der Beschuldigte räumt ja ein, es sei
durchaus möglich, dass man sich diesbezüglich irren könnte. Hiervon ist ange-
sichts der zweifelsfreien Identifikation des Beschuldigten durch die Tatbeteiligten
denn auch auszugehen. Nachdem sich der Beschuldigte am frühen Morgen des
1. Juni 2010 am angeklagten Raubüberfall beteiligt hat, konnte er sich nicht zur
selben Zeit in Zilina aufhalten. Daran änderte auch nichts, wenn C'._ und
D'._ im Sinne ihrer schriftlichen Erklärung nun noch mündlich bestätigen
- 45 -
würden, es sei der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihnen gewesen. Entweder
irrten auch sie sich, was insbesondere angesichts der ganz vagen Aussagen des
Beschuldigten sowie des Zeitablaufs (bereits die an der Berufungsverhandlung
eingereichte schriftliche Bestätigung datiert mit dem 27. Februar 2014 von 3 Jah-
ren und 8 Monaten nach dem – angeblichen – Besuch) nicht erstaunlich wäre,
oder sie bestätigten den Aufenthalt des Beschuldigten bewusst wahrheitswidrig
falsch, woraufhin deuten könnte, dass sie zumindest gemäss ihrer brieflichen Mit-
teilung nunmehr – angesichts der Interessenlage eher merkwürdig – nicht mehr
bereit seien, ihre schriftliche Bestätigung mündlich zu wiederholen. Schliesslich
könnte aber auch sein, dass der Beschuldigte am 1. Juni 2010 nach der Tat noch
nach Zilina gefahren wäre. Wäre er dort noch gleichentags eingetroffen, was an-
gesichts der frühmorgendlichen Tatzeit bis 24.00 Uhr problemlos möglich gewe-
sen wäre, wäre die Bestätigung von C'._ und D'._ inhaltlich gar richtig,
widerlegte die Täterschaft des Beschuldigten aber nicht. Diese letzte Variante
würde im Übrigen mit der Aussage von I._ übereinstimmen, wonach der Be-
schuldigte nach dem Vorfall in die Ferien gegangen sei (Urk. 12/3 S. 2).
5.10.6. Es ist deshalb entbehrlich, C'._ und D'._ noch als Zeugen zu be-
fragen. Wie sie auch aussagen würden – sofern sie dies denn überhaupt täten –,
könnten ihre Depositionen nichts an der aufgrund des aktuellen Beweisfunda-
ments feststehenden Gewissheit ändern, dass sich der Beschuldigte die anklage-
gemässe Beteiligung am Überfall auf den Privatkläger vom 1. Juni 2010 vorwer-
fen lassen muss.
5.11. Die Darstellung des Beschuldigten, er habe sich zur Tatzeit in Zilina,
Slowakei, aufgehalten, entpuppt sich damit als unbehelfliche Schutzbehauptung
und ändert nichts am unter Erw. 4.10 erstellten Sachverhalt.
6. Sachverhalt – Tathandlung
6.1. Hinsichtlich der dem Beschuldigten vorgeworfenen Tathandlung an der
O._-Strasse ..., dem Wohnhaus des Privatklägers, ist vollumfänglich auf die
ausführlichen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 65
S. 64-68). Insbesondere kann dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden,
- 46 -
dass er den Privatkläger von der zeitlichen und/oder physischen Intensität her er-
heblich mit dessen Schlüsselkette gedrosselt hätte. Es ist zwar dem Privatkläger
nicht zu verargen, dass er den Überfall und das Würgen mit der Kette teilweise in
dramatischen Worten schilderte. Subjektiv ist es zweifellos eine höchst beängsti-
gende Situation, von zwei Personen überfallen und gleichzeitig von einem der
Angreifer mit einer um den Hals gelegten massiven Kette zusätzlich noch gewürgt
zu werden. In objektiver Hinsicht ist aber entscheidend, dass sich der Privatkläger
– auch gemäss eigenen Aussagen – praktisch unmittelbar nach dem Angriff und
nachdem der Beschuldigte und I._ von ihm abgelassen hatten, wieder erho-
ben hat, im Haus nach J._ rufen gegangen ist und mit diesem zusammen
nach Behändigung eines Stockes die Verfolgung der Täter aufgenommen bzw.
sich zu seinem Büro begeben hat, wo er sogleich mit den das Gebäude verlas-
senden H._ und dem Beschuldigten zusammengetroffen ist.
I._ und der Beschuldigte sind von der O._-Strasse ... bis zum Büro des
Privatklägers bzw. zur Tramhaltestelle ... gerannt, und gemäss den Aussagen
von H._ sei der Beschuldigte hernach nur gerade 10 Sekunden im Büro ge-
wesen, als I._ sie bereits schon telefonisch vor dem Eintreffen des Privatklä-
gers und J._ gewarnt habe (Urk. 11/5 S. 4). Es steht damit fest, dass der Pri-
vatkläger nur ganz kurze Zeit nach H._ und dem Beschuldigten beim Büro an
der K._-Strasse eingetroffen ist, obwohl er vorgängig noch im Haus J._
geweckt und zum Mitkommen aufgefordert hat, wobei sich dieser gemäss eige-
nen Aussagen zuerst auch noch habe ankleiden müssen (Urk. 14/1 S. 2). Ange-
sichts dessen ist nicht möglich, dass der Beschuldigte und I._ objektiv stark
auf den Privatkläger eingewirkt haben; eingeschlossen das Drosseln mit der Kette
um den Hals. Das wird auch durch die letztlich nur leichten tatsächlichen Verlet-
zungen erhärtet (vgl. dazu Urk. 65 S. 64/65).
Es ist damit der Schluss der Vorinstanz zu übernehmen, dass zugunsten des Be-
schuldigten davon auszugehen ist, der Privatkläger sei vom Beschuldigten weder
von der zeitlichen noch der körperlichen Intensität her erheblich gedrosselt wor-
den. Wenn die Vorinstanz dann weiter offen lässt, ob beim Privatkläger im Sinne
dessen Schilderungen tatsächlich eine Bewusstlosigkeit vorgelegen habe oder ob
- 47 -
er nicht aufgrund des Schocks oder des Sturzes vorübergehend etwas be-
nommen gewesen sei (Urk. 65 S. 67/68), so muss das – wiederum zugunsten des
Beschuldigten – dahingehend präzisiert werden, dass eine Bewusstlosigkeit nicht
feststeht.
6.2. Bezüglich des weiteren Vorwurfs an den Beschuldigten, am Einbruchdieb-
stahl in den Büroräumlichkeiten des Privatklägers beteiligt gewesen zu sein, ist
wieder auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 65
S. 68). Dieser Tatbeitrag des Beschuldigten wurde von H._ glaubhaft und
anschaulich geschildert, und das wird bestätigt dadurch, dass der Privatkläger
neben H._ auch den Beschuldigten (den er damals noch lediglich als "den
Würger" bezeichnen konnte) aus dem Gebäude fliehen sah. Auch betreffend das
vom Beschuldigten behändigte Deliktsgut ist der Vorinstanz zu folgen. Konstant
und ohne Lügensignale hat der Privatkläger ausgesagt, es seien in seinem Büro
eine Kasse mit Fr. 1'840.– sowie eine Rado-Uhr weggenommen worden.
Zwar stimmt im Sinne der Ausführungen der Verteidigung, dass der Privatkläger
nicht belegen konnte, dass sich damals eine Rado-Uhr in seinem Büro befunden
habe, und ebenso richtig ist, dass weder H._ noch I._ erwähnten, es sei
eine solche Uhr weggenommen worden (Urk. 56D S. 13; Urk. 137 S. 19/20). Der
Privatkläger gab aber ab der Einvernahme vom 19. Juli 2010 konstant an, es sei
neben dem Bargeld auch noch eine Uhr gestohlen worden, und er habe der Poli-
zei die Schachtel gebracht, in welcher die Uhr gewesen sei, wobei die Polizei das
dann aber nicht für nötig befunden habe, weil man auf dem Verpackungsmaterial
keine Spuren sicherstellen könne (Urk. 9/2 S. 4; Urk. 9/5 S. 7, 11). Diese Aussa-
gen erscheinen glaubhaft und erwecken nicht den Eindruck, als ob der Privatklä-
ger falsche Angaben gemacht hätte, um zu einem ungerechtfertigten Vermögens-
vorteil zu kommen. Plausibel und nicht überrissen erscheint sodann der geltend
gemachte Zeitwert von Fr. 500.– (Urk. 5 S. 7). Nachdem eine Armbanduhr (ohne
Schachtel) sehr schnell und unbemerkt etwa in eine Jacken- oder Hosentasche
gesteckt werden kann, ist schliesslich nicht entscheidend, dass weder H._
noch I._ beim Beschuldigten eine solche gesehen haben.
- 48 -
Betreffend das Bargeld spricht dagegen H._ sehr wohl davon, dass der Be-
schuldigte im Büro des Privatklägers ein "Kässeli" (Urk. 11/5 S. 4; Urk. 13/1 S. 5;
Urk. 13/3 S. 6; Prot. I S. 34) genommen habe. Dass es in einem "Kässeli" Geld
hat, ist nun durchaus zu vermuten, und entsprechend sagte der Privatkläger denn
auch ab der ersten Einvernahme aus, es hätten sich Fr. 1'840.– darin befunden.
Dieser "ungerade" Betrag ist ein Wahrheitsindiz und dessen Höhe vermittelt wie-
der nicht den Eindruck, dass sich der Privatkläger einen ungerechtfertigten Ver-
mögensvorteil verschaffen wollte. Dagegen wirkt wenig überzeugend, wenn
H._ erklärt, es habe im "Kässeli" kein Geld gehabt – zumal er zumindest
teilweise auch einräumte, der Beschuldigte habe das Behältnis bei der China-
wiese mit einem Stein lediglich öffnen wollen (Urk. 11/5 S. 4) bzw. dies versucht
(Urk. 13/1 S. 5), und er habe davon "sowieso nichts" gesehen (Urk. 13/1 S. 5; vgl.
auch Urk. 13/3 S. 6).
6.3. Ebenso zuzustimmen ist der Vorinstanz betreffend die Fragen, ob die Mit-
täter gemeinsam den Tatplan gefasst haben, den Privatkläger zu überfallen und
sich durch die Wegnahme der Schlüssel Zugang zu dessen Büro zu verschaffen,
und worauf sich der Vorsatz der drei gerichtet hat. Es steht bei der gegebenen
Beweislage ausser Diskussion, dass sich die drei Mittäter vorgängig abgespro-
chen haben, dem Privatkläger notfalls mittels Gewalt die Schlüssel abzunehmen,
um damit in dessen Büro zu gelangen und dort wohl vor allem Kokain, aber auch
Geld und/oder andere Vermögenswerte wegzunehmen (Urk. 65 S. 68-71).
Wenn der Verteidiger argumentiert, es sei allen Tätern ausschliesslich um Kokain
gegangen (Urk. 56D S. 9-12; Urk. 137 S. 21/22), ist ihm mit der Vorinstanz entge-
gen zu halten, dass zunächst einmal jedenfalls hinsichtlich des Beschuldigten der
tatsächliche Erfolg des Ganzen gerade dagegen spricht. Effektiv hat der Be-
schuldigte "geradezu typischerweise" (Urk. 65 S. 71) eine Geldkassette und eine
Armbanduhr mitgenommen, was schon stark dafür spricht, dass sich der Vorsatz
durchaus nicht nur auf die Wegnahme von Kokain beschränkte, sondern auch da-
rauf, sich Geld oder wenigstens leicht zu versilbernde Vermögensgegenstände
anzueignen.
- 49 -
Sodann hat zwar H._ an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung schon sehr
deutlich ausgesagt, dass es ihnen (nur) darum gegangen sei, beim Privatkläger
bzw. in dessen Büro Kokain zu entwenden (Prot. I S. 32, 33). Noch in der Unter-
suchung tönte das aber noch nicht so klar: Vielmehr sagte H._ in der Einver-
nahme vom 9. August 2011 (nachdem er sich zum Geständnis durchgerungen
hatte) noch aus, der "Kasten" (d.h. der Beschuldigte) habe Kokain kaufen wollen
und der Überfall sei nicht abgemacht gewesen (Urk. 11/5 S. 3). Im Büro des Pri-
vatklägers sei er dann nur ganz kurz an der Tür stehen geblieben. Auch der Be-
schuldigte sei bloss 10 Sekunden im Büro gewesen und habe das "Kässeli" mit-
genommen (Urk. 11/5 S. 4). In der Konfrontationseinvernahme mit I._ vom
16. September 2011 erklärte H._ dann, der Beschuldigte habe gefragt, ob sie
jemanden kennen würden, den man "auseinander nehmen" könne. Auf Nachfrage
präzisierte H._, das heisse, jemandem etwas wegzunehmen (Urk. 13/1 S. 3).
In der Folge sei er zwar zum Privatkläger gegangen, um Kokain zu probieren. Er
habe aber "nicht richtig gewollt", dass der Privatkläger "auseinander genommen"
werde, und das habe der Beschuldigte auch gewusst (Urk. 13/1 S. 4). Beim Büro
des Privatklägers habe er dann vor dem Eingang gewartet und der Beschuldigte
sei bis ganz hinten gegangen, als auch schon das Telefon von I._ gekom-
men sei (Urk. 13/1 S. 5). Er wisse nicht, was es im vom Beschuldigten genomme-
nen "Kässeli" gehabt habe; er glaube fast nichts oder nichts (Urk. 13/1 S. 5). Erst
in der Einvernahme vom 22. Oktober 2012 sagte H._ dann klar, sie hätten im
Büro des Privatklägers ein halbes Kilo Kokain vermutet, "über welches man er-
zählt hat" (Urk. 13/3 S. 5). Im Weiteren habe er – H._ – den anderen gesagt,
der Privatkläger habe nichts zu Hause, sondern im Büro, und sodann sei abge-
macht gewesen, dass man diesem den Schlüssel wegnehme. Im Büro habe er
dann dem Beschuldigten gesagt, wo er nach dem Kokain suchen müsse; nämlich
entweder an der rechten Wandseite bei den DVD-Hüllen oder in der Bürotisch-
Schublade. Genommen habe der Beschuldigte dann aber nichts als die Kasse
(Urk. 13/3 S. 5/6).
I._ erklärte zu diesem Thema in der Einvernahme vom 16. September 2011,
man sei zum Privatkläger gegangen, weil dieser H._ Geld geschuldet habe
(Urk. 13/1 S. 8). Das bekräftigte und präzisierte er in der Einvernahme vom
- 50 -
20. Oktober 2011: H._ habe beim Privatkläger das Geld und etwas Stoff ho-
len wollen (Urk. 13/2 S. 4). Er habe dann aber herausgefunden, dass es gar nicht
stimmte, dass der Privatkläger H._ Geld schulde, und als es begonnen habe
zu eskalieren, habe er sich entfernt. Explizit stellte I._ in Abrede, gehört zu
haben, dass man jemanden habe "auseinander nehmen" wollen (Urk. 13/2
S. 5/6). In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sprach dann I._ davon,
man habe Kokain kaufen wollen. Eine Abrede, dem Privatkläger die Schlüssel zu
nehmen, bestritt I._ ebenso wie überhaupt eine Beteiligung seinerseits am
Überfall (Prot. I S. 36, 37, 40, 41).
Entgegen der Darstellung der Verteidigung ist also keineswegs erstellt, dass es
den Beschuldigten im Zeitpunkt des Übergriffs auf den Privatkläger an der
O._-Strasse einzig darum gegangen sei, an dessen vermutetes Kokain in
den Büroräumen durch die Wegnahme des Büroschlüssels zu gelangen
(Urk. 56D S. 12; Urk. 137 S. 21). So deutlich sagte das nur H._ und überdies
auch erst in der Schlusseinvernahme sowie vor Vorinstanz aus. I._ bestritt
dagegen durchwegs, dass ein Überfall verabredet worden sei, wollte zunächst nur
deshalb zum Privatkläger mitgegangen sein, weil H._ gesagt habe, dieser
schulde ihm Geld, und räumte in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung dann
immerhin ein, dass man beim Privatkläger habe Kokain kaufen wollen. Der Be-
schuldigte will bekanntlich überhaupt nicht zugegen gewesen sein.
Bei dieser Ausgangslage und nachdem der Beschuldigte eben gerade keine Dro-
gen, sondern Bargeld und eine Uhr weggenommen hat, ist es eine unbehelfliche
Konstruktion des Verteidigers, wenn er sagt, der Beschuldigte habe im Zeitpunkt
des Überfalls auf den Privatkläger an der O._-Strasse und der Wegnahme
des Schlüssels einzig und alleine im Sinn gehabt, in den Büroräumlichkeiten an
der K._-Strasse Kokain entwenden zu gehen und – e contrario – allfällige
Wertgegenstände dort zu lassen. Einzig aus den diesbezüglichen Aussagen von
H._ in der Endphase des Verfahrens lässt sich jedenfalls nicht auf einen sol-
chen Vorsatz des Beschuldigten schliessen, nachdem die ganze restliche Beweis-
lage und insbesondere sein tatsächliches Handeln das Gegenteil nahelegt.
- 51 -
7. Rechtliche Würdigung
7.1. Wer mit Gewalt gegen eine Person (...) einen Diebstahl begeht, macht sich
im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB des Raubes schuldig. Einen Diebstahl
begeht, wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt,
um sich oder einen anderen damit unrechtmässig zu bereichern (Art. 139 Ziff. 1
StGB).
7.2. Im Sinne der vorstehenden Erwägungen unter Ziff. 4.3 ist zunächst die Ar-
gumentation der Verteidigung zu verwerfen, es sei vorliegend gar kein Eigen-
tumsdelikt möglich, weil es um illegal erlangte Betäubungsmittel gehe, welche
nicht verkehrsfähig und deshalb der privaten Güterzuordnung entzogen seien
(Urk. 56D S. 15/16; Urk. 137 S. 22; Prot. II S. 26). Wie gesehen, hat der Beschul-
digte eben gerade nicht Kokain aus dem Büro der Privatklägers weggenommen,
sondern Bargeld und eine Uhr, und es bezog sich auch sein Vorsatz darauf. Es ist
deshalb sehr wohl zu prüfen, ob der Beschuldigte ein Vermögensdelikt begangen
hat.
7.3. Der Verteidiger macht geltend, es habe dem Beschuldigten hinsichtlich des
dem Privatkläger weggenommenen Schlüssels eine direkte Bereicherungsabsicht
gefehlt, und eine mittelbare Bereicherung durch eine (fast) wertlose Sache sei un-
ter Berufung auf den Wortlaut von Art. 139 StGB und die Theorie der Stoffgleich-
heit zu verneinen (Urk. 56D S. 15; Urk. 137 S. 22).
7.3.1. Mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 72) steht zunächst fraglos fest, dass der Be-
schuldigte dem Privatkläger mit Gewalt den Schlüssel zu dessen Büro weg-
genommen hat. Die im Tatbestand des Raubs enthaltene Nötigung ist damit er-
füllt. Das anerkennt auch die Verteidigung (Urk. 56D S. 14; Urk. 137 S. 20).
7.3.2. Sodann ist aber auch klar, dass sich der Beschuldigte und seine Mittäter
nicht am Schlüssel selbst bereichern wollten, sondern dass dieser dazu dienen
sollte, ihnen den Zugang zu den Büroräumlichkeiten des Privatklägers zu ermög-
lichen, um dort den "eigentlichen" Diebstahl zu begehen. Entsprechend bestand
am Schlüssel selbst auch kein über diesen Gebrauch hinausgehendes Interesse.
- 52 -
Wie die Vorinstanz richtig erkannt hat, geht es damit um die Fragen der Aneig-
nung und der Bereicherungsabsicht (Urk. 65 S. 72 ff.).
7.3.3. Ohne sich an dieser Stelle im Detail mit den verschiedenen Theorien zum
Gegenstand der Aneignung auseinandersetzen zu müssen (vgl. BSK StGB II-
Niggli/Riedo N. 19 ff. zu Art. 137; StGB Privatkläger-Trechsel/Crameri N. 6 ff. vor
Art. 137), ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass das Vorgehen des Beschuldig-
ten diese Tathandlung erfüllt: Auch wenn sein Wille kaum darauf ausgerichtet
war, den Privatkläger dauernd vom Schlüssel zu enteignen, sondern das Vorge-
hen "nur" das Eindringen in das Büro des Privatklägers am 1. Juni 2010 im Fokus
hatte, kommt gerade in der vorliegenden Konstellation die Art und Intensität des
Gebrauchs der entwendeten Sache einer materiellen Enteignung gleich. Dem
Schlüssel wurde durch die Wegnahme der wesentliche Gebrauchswert faktisch
vollständig entzogen, und zwar völlig unabhängig davon, ob er allenfalls später
wieder einmal zum Vorschein kam oder gar vom Privatkläger wieder übernommen
werden konnte (vgl. dazu die Beispiele bei BSK StGB II- Niggli/Riedo N. 33 zu
Art. 137).
7.3.4. Auch das Kriterium der Bereicherungsabsicht ist erfüllt: Entgegen der vom
Verteidiger zitierten Lehrmeinung von Trechsel/Crameri (Urk. 56D S. 15; Urk. 137
S. 21) bejaht die herrschende Lehre jedenfalls dann eine Bereicherung, wenn die
weggenommene, für sich selbst fast wertlose Sache den direkten Zugang zu aus-
ser ihr liegenden Vermögenswerten ermöglicht (BSK StGB II-Niggli/Riedo N. 82
vor Art. 137 mit vielen Verweisen). Das ist im Falle der Wegnahme eines Schlüs-
sels geradezu in optima forma gegeben.
7.4. Im Übrigen unter Verweis auf die Erwägungen der Vorinstanz hat sich der
Beschuldigte damit des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB schuldig ge-
macht (Urk. 65 S. 72-74).
7.5. Die Staatsanwaltschaft verlangt anschlussberufungsweise wie schon vor
Vorinstanz, es sei der Beschuldigte des qualifizierten Raubes im Sinne von
Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB schuldig zu sprechen: Der Beschuldigte habe – ob-
wohl die Mittäter noch auf den Privatkläger eingeschlagen hätten – anlässlich des
- 53 -
zu dritt begangenen Raubes den Privatkläger von hinten und durchaus mit einer
gewissen Intensität mit einer Schlüsselkette gedrosselt, sodass dieser für kurze
Zeit das Bewusstsein verloren habe. Damit habe der Beschuldigte seine be-
sondere Gefährlichkeit manifestiert, denn es sei allgemein bekannt, wie gefährlich
ein Würgen am Hals sei, zumal noch wenn die Drosselung von hinten mit einer
Kette um den Hals vorgenommen werde, sodass der Kehlkopf unmittelbar zum
Angriffspunkt des Würgens werde (Urk. 71 S. 2; vgl. Urk. 56B S. 9-11; Urk. 141
S. 5 ff.; Prot. II S. 27, 28).
7.5.1. Mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren wird bestraft, wer durch die Art,
wie er einen Raub begeht, seine besondere Gefährlichkeit offenbart (Art. 140
Ziff. 3 Abs. 3 StGB). Nach der Rechtsprechung ist diese Qualifikation nur mit Zu-
rückhaltung anzunehmen. Dies ergibt sich daraus, dass bereits der Grundtatbe-
stand des Raubes einen Angriff auf das Opfer und damit begriffsnotwendig des-
sen mehr oder weniger grosse Gefährdung voraussetzt. Die in Art. 140 Ziff. 3
StGB genannte besondere Gefährlichkeit ist nur zu bejahen, wenn die konkrete
Tat nach ihrem Unrechts- oder Schuldgehalt besonders schwer wiegt. Ob dies der
Fall ist, beurteilt sich aufgrund der gesamten Tatumstände. Die besondere Ge-
fährlichkeit lässt sich namentlich begründen mit der professionellen Vorbereitung
der Tat, dem Überwinden moralischer und technischer Hindernisse sowie der
ausgeprägt kühnen, verwegenen, heimtückischen, hinterlistigen oder skrupellosen
Art ihrer Begehung (BGE 117 IV 135 E. 1a; 116 IV 312 E. 2e; Urteil des Bundes-
gerichts 6B_658/2013 vom 22. Januar 2014 E. 2.2.2).
7.5.2. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügt es zur Erfüllung der
besonderen Gefährlichkeit nach Art. 140 Ziff. 3 StGB, dass der Täter eine konkre-
te Gefahr für das Opfer schafft, auch wenn es dadurch keine Verletzungen davon-
trägt. Wer aus kurzer Distanz eine Pistole auf den Kopf des Opfers richtet, schafft
eine solche Gefahr, auch wenn die Waffe dabei gesichert bzw. nicht durchgela-
den ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_491/2009 vom 26. Oktober 2009 E. 6.3 mit
Hinweis). Im Rahmen der Qualifikation der besonderen Gefährlichkeit berücksich-
tigt die Rechtsprechung auch das Zusammenwirken mehrerer Täter sowie einen
allfälligen Konsum von Alkohol oder Betäubungsmitteln und die sich daraus er-
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22Art.+140+Ziff.+3+Abs.+3+StGB%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-IV-135%3Ade&number_of_ranks=0#page135 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22Art.+140+Ziff.+3+Abs.+3+StGB%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-IV-312%3Ade&number_of_ranks=0#page312
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gebende Möglichkeit unkontrollierter Handlungen (Urteile des Bundesgerichts
6S.250/2003 vom 28. August 2003 E. 1.2 und 6B_658/2013 vom 22. Januar 2014
E. 2.3). Die besondere Gefährlichkeit kann sich schliesslich auch aus der Inten-
sität der gegenüber dem Opfer angewandten Gewalt ergeben; so etwa, wenn die
Schwelle für den Raub mit schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 140
Ziff. 4 StGB knapp nicht erreicht wird oder wenn dem Opfer erhebliche Schmer-
zen zugefügt werden, ohne dass eine grausame Behandlung im Sinne von
Art. 140 Ziff. 4 StGB vorliegt (Urteile des Bundesgerichts 6B_988/2013 vom
5. Mai 2014 E. 1.4.1 und 6B_658/2013 vom 22. Januar 2014 E. 2.2.2 mit vielen
Hinweisen).
7.5.3. Wie vorstehend gesehen (Erw. 4.1), kann dem Beschuldigten weder von
der zeitlichen noch der physischen Intensität her ein erhebliches Würgen des Pri-
vatklägers nachgewiesen werden. Es ist auch nicht erstellt, dass der Privatkläger
– so wie er sagte – kurz bewusstlos geworden wäre. Unzutreffend ist sodann,
wenn die Staatsanwaltschaft ausführt, die Täter hätten den Privatkläger zu dritt
überfallen und der Beschuldigte habe jenen gewürgt, obwohl "die Mittäter" [in
Mehrzahl] auf diesen eingeschlagen hätten. Ebenso nicht nachgewiesen ist, dass
der Privatkläger "ohne weiteres hätte ersticken können oder lebensgefährliche in-
nere Blutungen erleiden können" (so die Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz,
Urk. 56B S. 10). Dass Gerichtsmediziner nur schon das leichte Drosseln als äus-
sert gefährlich betrachteten (a.a.O.), ist sodann eine allgemeine Feststellung, die
für einen konkreten Fall nichts hergibt. Tatsache ist aber, dass der Privatkläger
bereits praktisch unmittelbar nach dem Übergriff im Haus J._ wecken und mit
diesem zusammen sich derart rasch zum Büro begeben konnte, dass er dort
H._ und den Beschuldigten antraf, als diese das Gebäude verliessen, obwohl
diese nur ganz kurz darin verweilt hatten. Im Weiteren sind beim Privatkläger kei-
ne grösseren Würgemerkmale oder Beschwerden entstanden.
7.5.4. Mit der Vorinstanz, auf deren weiteren Erwägungen zu verweisen ist
(Urk. 65 S. 75/76), ist damit keine Intensität gegeben, welche die Anwendung von
Art. 140 Ziff. 3 StGB rechtfertigen würde. Wie gesehen ist diese Bestimmung
– mit einer Mindestfreiheitsstrafe von 2 Jahren – restriktiv auszulegen. Die vorlie-
- 55 -
gend dem Beschuldigten nachgewiesene Handlungsweise ist denn auch nicht mit
jenen zu vergleichen, die in der Vergangenheit von verschiedenen Gerichten als
qualifizierte Raubtaten gewürdigt worden sind (Beispiele aus BSK StGB II-
Niggli/Riedo N. 79 ff. zu Art. 140 StGB): Zutritt verschaffen zur Wohnung eines
bewusst ausgewählten älteren Ehepaars und folgendes brutales Niederschlagen
und Fesseln desselben (N. 79), Mitführen von geladenen Waffen (N. 80-84, 87),
professionell organisierter Überfall auf ein Uhrenfakturmuseum, Fesseln und
Knebeln der einzigen Angestellten, sehr hohe Beute (N. 85), Halten einer Rasier-
klinge sehr nahe an Hals und Gesicht (N. 86). Daneben erscheint das kurzzeitige,
eher leichte Würgen mit einer Kette, über deren konkrete Beschaffenheit zudem
nichts Näheres bekannt ist (vgl. dazu die Vorinstanz in Urk. 65 S. 75 sowie
Urk. 9/6), als von deutlich minderer Qualität.
7.5.5. Es hat damit bei der Verurteilung im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
zu bleiben.
7.6. Keiner weiteren Erläuterung bedarf und vom Verteidiger im Eventual-
standpunkt auch anerkannt ist, dass sich der Beschuldigte durch sein unbefugtes
Eindringen ins Büro des Privatklägers des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB schuldig gemacht hat (Urk. 65 S. 74; Urk. 56D S. 17; Urk. 137
S. 22).
7.7. Gesamthaft ist der Beschuldigte damit des Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie des Hausfriedensbruches im Sinne von Art. 186 StGB
schuldig zu sprechen.
8. Strafzumessung
8.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist, richtig zusammengefasst (Urk. 65 S. 76 ff.). Darauf und auf die aktuelle
Rechtsprechung des Bundesgerichts zu diesem Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.;
BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; BGE 132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen; Urteile des
Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1, und 6B_274/2013 vom
5. September 2013, E. 1.2.2) kann vorab verwiesen werden.
- 56 -
8.2. Auszugehen ist von der Strafe für das schwerste Delikt (Art. 49 Abs. 1
StGB). Vorliegend sieht Art. 140 Ziff. 1 StGB einen Strafrahmen von einer Frei-
heitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen vor.
8.2.1. Betreffend die objektive Erscheinung des vom Beschuldigten und seinen
Mittätern begangenen Raubes ist zunächst von einer nicht unerheblichen Einwir-
kung auf den Privatkläger auszugehen. So wurde dieser von I._ und dem
Beschuldigten, die ihn vor der Haustür abgepasst hatten, zu zweit angegriffen und
geschlagen, und der Beschuldigte würgte ihn sodann noch mit der Schlüsselkette,
wenn auch – relativ gesehen – nur mit eher leichter Intensität. Es steht ausser
Diskussion, dass dies alles den Privatkläger in hohem Masse verängstigt hat.
Physisch erlitt er allerdings nur ganz leichte Verletzungen (Urk. 8/2 und Urk. 46/4
sowie Anklageschrift S. 3: leichter Bluterguss im Bereich des linken Halses,
Druckdolenzen am Hals rechts, im Bereich des rechten Beckenkammes sowie
des rechten Vorderarmes, Bluterguss unter dem rechten Zeigefinger). Eher gering
war sodann mit total Fr. 2'340.– auch der Deliktsbetrag.
8.2.2. Subjektiv fällt das in höchstem Masse egoistische und rücksichtslose Vor-
gehen auf. Mutmasslich weil man kein Kokain und kein Geld mehr hatte, aber
weiterkonsumieren wollte, beschloss man den Privatkläger zu überfallen, bei wel-
chem man das eine oder das andere erbeuten wollte. Dieser Entschluss fiel zwar
relativ spontan. In kurzer Zeit wurde dann aber gleichwohl ein durchaus raffinier-
ter Plan aufgestellt und umgesetzt: So ging H._ zunächst beim Privatkläger
unverdächtig ausloten, ob bei diesem etwas zu holen sei, und er hielt sich dann
beim späteren Überfall bewusst im Hintergrund, damit ihn der Privatkläger nicht
mit der Tat in Verbindung brachte. Gleichwohl attackierten der Beschuldigte und
I._ den Privatkläger dann aber noch in Überzahl, was niederträchtig und fei-
ge ist. Wenn die Vorinstanz dem Beschuldigten aufgrund dessen vorgängigen Al-
kohol- und Drogenkonsums eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit zuge-
billigt hat (Urk. 65 S. 82/83), ist dem praxisgemäss zu folgen. Insgesamt lässt
aber die subjektive Seite das gesamte Tatverschulden nicht in einem milderen
Licht erscheinen.
- 57 -
8.2.3. Wenn die Vorinstanz von einem "nicht mehr leichten" Gesamtverschulden
ausgeht und eine hypothetische Einsatzstrafe "in der Grössenordnung von
18 Monaten Freiheitsstrafe" festsetzt (Urk. 65 S. 83), ist das indessen wider-
sprüchlich: So liegt nach der von ihr verwendeten Tabelle der Verschuldensgrade
(Urk. 65 S. 80) "nicht mehr leicht" am unteren Rand des mittleren Bereichs des
Strafrahmens und müsste demnach – bei einem Strafrahmen zwischen 180 Ta-
gessätzen Geldstrafe und 10 Jahren Freiheitsstrafe – zu einer Einsatzstrafe von
über 3 Jahren führen. 18 Monate ist indessen nur gerade die Hälfte davon. Eine
solche Einsatzstrafe erscheint denn auch als etwas zu tief. Sie liegt nur gerade
ein Jahr über der für einen Raub möglichen Mindeststrafe von 180 Tagessätzen
Geldstrafe und bei gut 10 % der Höchststrafe. Das wird der Tat des Beschuldigten
nicht vollumfänglich gerecht. Insbesondere der körperliche Angriff zu zweit und
der konkrete Tatbeitrag des Beschuldigten unter Zuhilfenahme der Schlüsselkette
machen eine etwas höhere Einsatzstrafe erforderlich. Für das gesamte Tat-
verschulden ist eine solche von 24 Monaten angemessen.
8.3. Wegen des zusätzlich begangenen Hausfriedensbruchs ist diese Einsatz-
strafe in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) angemessen
zu erhöhen. Art. 186 StGB sieht für sich alleine eine Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder Geldstrafe vor. Wenn hier die Vorinstanz auf eine Erhöhung der Ein-
satzstrafe um einen Monat schliesst (Urk. 65 S. 83/84), so ist dies zu über-
nehmen: Insbesondere verweilte der Beschuldigte nur ganz kurz in den Büro-
räumlichkeiten, zu welchen er sich mit dem geraubten Schlüssel Zutritt verschafft
hatte, und er hinterliess dort auch nicht etwa Verwüstung und Unordnung. Das
Verschulden wiegt noch sehr leicht.
8.4. Aus der Biographie des Beschuldigten ergeben sich zunächst keine straf-
zumessungsrelevanten Umstände (vgl. dazu Urk. 65 S. 84/85). Er weist aber im
heutigen Zeitpunkt drei im Strafregister eingetragene Vorstrafen auf (Urk. 132):
- 23. Mai 2007: Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich we-
gen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Motorfahrzeug, qualifizierte Blut-
alkoholkonzentration): 240 Stunden gemeinnützige Arbeit.
- 58 -
- 11. Juni 2013: Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich wegen mehrfa-
cher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Sachbeschädigung
und grober Verletzung der Verkehrsregeln: 180 Tagessätze Geldstrafe zu
Fr. 70.– bedingt (Probezeit von 4 Jahren).
- 8. April 2014: Urteil des Bezirksgerichts Uster wegen Überlassens eines Mo-
torfahrzeugs an einen Führer ohne erforderlichen Ausweis: 20 Tagessätze
Geldstrafe zu Fr. 70.–. Verlängerung der Probezeit gemäss Urteil des Ober-
gerichts vom 11. Juni 2013 um zwei Jahre.
Im Verhältnis zur Situation, wie sie sich noch im Zeitpunkt des erstinstanzlichen
Urteils dargestellt hatte (Urk. 65 S. 85/86), sind nun also zwei Vorstrafen (jene
aus dem Jahr 2004) weggefallen und eine (jene vom 8. April 2014) dazugekom-
men. Zu beachten ist zudem, dass die beiden Strafen aus den Jahren 2013 und
2014 keine Vorstrafen im eigentlichen Sinne darstellen, da der Beschuldigte die
vorliegend zu beurteilenden Taten begangen hat, bevor jene Urteile ergangen wa-
ren. Es ist darum nicht richtig, wenn die Vorinstanz mit Blick auf das Urteil vom
11. Juni 2013 ausführt, der Beschuldigte habe "in Berücksichtigung der Verur-
teilung wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte sogar in einschlägiger Weise
delinquiert" (Urk. 65 S. 86). Als der Beschuldigte den vorliegend eingeklagten
Raub beging, war er – Stand heute – "nur" einmal wegen eines SVG-Delikts ver-
urteilt gewesen. Allerdings können nach ständiger Rechtsprechung auch nicht
einschlägige Vorstrafen straferhöhend berücksichtigt werden (Urteile des Bun-
desgerichts 6B_281/2014 vom 11. November 2014, 6B_495/2012 vom 6. Februar
2013 E. 5.1 und 5.4, 6B_1025/2009 vom 15. März 2010 E. 2.3). Hinzu kommt,
dass der Beschuldigte die vorliegend zu beurteilende Tat begangen hat, obwohl
er bereits im Untersuchungsverfahren stand, welches schliesslich zum Urteil des
Obergerichts vom 11. Juni 2013 geführt hat und in welchem er überdies am
14. Januar 2010 aus einer immerhin 54-tägigen Untersuchungshaft entlassen
worden war (Urk. 50A). Diese Umstände wirken sich deutlich straferhöhend aus.
Vor dem Hintergrund der vorstehenden Erwägungen muss das Mass der Erhö-
hung allerdings geringer ausfallen als im vorinstanzlichen Urteil, wo die Vorstra-
fensituation und das Delinquieren während laufender Untersuchung mit einer Er-
- 59 -
höhung von nahezu 50 % der Einsatzstrafe (8 Monate von 18 Monaten; Urk. 65
S. 83 und 87) zu stark veranschlagt worden ist.
Ein Geständnis liegt nicht vor. Ebensowenig könnte der Beschuldigte Einsicht und
Reue für sich reklamieren.
8.5. Gesamthaft erscheint es damit als angemessen, den Beschuldigten mit ei-
ner Freiheitsstrafe von 32 Monaten zu bestrafen. Davon sind 3 Tage als durch
Untersuchungshaft (Urk. 27/11) erstanden (Art. 51 StGB).
9. Vollzug
9.1. Eine Strafe von 32 Monaten kann nicht vollständig bedingt aufgeschoben
werden (Art. 42 Abs. 1 StGB). Hingegen kommt ein teilbedingter Aufschub des
Vollzugs gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB in Frage. Dabei darf der unbedingt voll-
ziehbare Teil die Hälfte der Strafe nicht übersteigen und muss sowohl der aufge-
schobene wie auch der zu vollziehende Teil mindestens sechs Monate betragen
(Art. 43 Abs. 2 und 3 StGB).
9.2. Grundvoraussetzung für eine teilbedingte Strafe im Sinne von Art. 43 StGB
ist, dass eine begründete Aussicht auf Bewährung besteht. Zwar fehlt ein ent-
sprechender Verweis auf Art. 42 StGB, doch ergibt sich dies aus Sinn und Zweck
von Art. 43 StGB. Wenn und soweit die Legalprognose des Täters nicht schlecht
ausfällt, verlangt die Bestimmung, dass zumindest ein Teil der Strafe auf Be-
währung ausgesetzt wird. Umgekehrt gilt, dass bei einer Schlechtprognose auch
ein bloss teilweiser Aufschub der Strafe nicht gerechtfertigt ist. Denn wo keinerlei
Aussicht besteht, der Täter werde sich in irgendeiner Weise durch den – ganz
oder teilweise – gewährten Strafaufschub beeinflussen lassen, muss die Strafe in
voller Länge vollzogen werden. Die Auffassung, dass die subjektiven Voraus-
setzungen von Art. 42 StGB auch für die Anwendung von Art. 43 StGB gelten
müssen, entspricht ganz überwiegender Lehrmeinung (BGE 134 IV 1 E. 5.3.1 mit
div. Verweisen). Das – unklare – Element des Verschuldens im Wortlaut von
Art. 43 Abs. 1 StGB ist gemäss Bundesgericht mit der – verschuldensmässig er-
mittelten – Strafhöhe verknüpft: Die Notwendigkeit einer teilbedingten Freiheits-
- 60 -
strafe ergibt sich demzufolge – wie vorliegend – als Folge der Schwere des Ver-
schuldens, das sich in einer Strafhöhe zwischen zwei und drei Jahren nieder-
schlägt (BGE 134 IV 1 E. 5.3.3). Das Verhältnis zwischen aufgeschobenem und
zu vollziehendem Strafteil ist nach pflichtgemässem Ermessen so festzusetzen,
dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einerseits und
dessen Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum Ausdruck kommen. Je güns-
tiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat, desto grösser muss
der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein. Der unbedingte Strafteil darf dabei
das unter Verschuldensgesichtspunkten (Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht un-
terschreiten (BGE 134 IV 1 E. 5.6).
9.3. Wie gesehen, weist der Strafregisterauszug des Beschuldigten drei Verur-
teilungen aus. Eine davon datiert aus der Zeit vor den vorliegend zu beurteilenden
Delikten, zwei von nachher. Es kommt hinzu, dass der Beschuldigte am 1. Juni
2010 den Überfall auf den Privatkläger verübte, obwohl er damals bereits in einer
Strafuntersuchung stand. Ungeachtet der im vorliegenden Zusammenhang ge-
führten Untersuchung verstiess er sodann am 26. August 2013 gegen das SVG
und musste deswegen am 8. April 2014 verurteilt werden (Urk. 132). Bei dieser
Sachlage kann sicher nicht von einer vorbehaltlos günstigen Prognose aus-
gegangen werden. Ganz offensichtlich beeindrucken den Beschuldigten Verurtei-
lungen und laufende Strafuntersuchungen (inkl. Untersuchungshaft) nur sehr
mässig und halten ihn nicht wirklich davon ab, Straftaten zu begehen. An der Be-
rufungsverhandlung gestand der Beschuldigte dazu ein, er habe das seinerzeit
nicht ernst genommen. Heute sei er aber ein anderer Mensch und nehme Rück-
sicht auf seine Mitmenschen (Urk. 136 S. 21).
9.4. Auf der andern Seite ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte nun-
mehr zum ersten Mal zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt wird, von welcher
schon von Gesetzes wegen ein Teil zu vollziehen ist. Gerade auch vor diesem
Hintergrund muss ihm keine eigentliche Schlechtprognose gestellt werden, die
den Vollzug der gesamten Strafe erforderte. Vielmehr kann davon ausgegangen
werden, dass er sich durch den Vollzug eines substanziellen Teils der Strafe nun
wirklich von weiteren Delikten wird abhalten lassen. Angesichts dessen, dass
- 61 -
32 Monate im obersten Bereich dessen liegt, in welchem der teilbedingte Vollzug
überhaupt noch möglich ist (Art. 43 Abs. 1 StGB), erscheint damit angemessen,
einen Anteil von 12 Monaten der Strafe zu vollziehen. Entsprechend sind
20 Monate der Strafe bedingt aufzuschieben. Im Sinne der vorinstanzlichen Er-
wägungen muss dem Beschuldigten dafür aber eine längere Probezeit von
4 Jahren angesetzt werden (Urk. 65 S. 89; Art. 44 Abs. 1 StGB).
10. Zivilansprüche
10.1. Nachdem es bei der Verurteilung des Beschuldigten bleibt, kann hin-
sichtlich der vom Privatkläger gestellten Schadenersatz- und Genugtuungsfor-
derungen vollumfänglich auf die einlässlichen und zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 65 S. 89 ff.).
10.2. Betreffend den Schadenersatz hat der Beschuldigte im Eventualstandpunkt
die Fr. 2'000.10 anerkannt, die vom Privatkläger für die Auswechslung der
Schlösser in seinem Büro gefordert werden (Urk. 5 S. 7; Urk. 6 Beilage 6;
Urk. 56C S. 2; Urk. 137 S. 23; Urk. 166 S. 3). Darüber hinaus ist er aber auch
zum Ersatz des gestohlenen Bargelds von Fr. 1'840.– zu verpflichten. Bei der ge-
gebenen Beweislage erscheint erwiesen, dass sich dieser Betrag im entwendeten
"Kässeli" befunden hat und vom Beschuldigten an sich genommen worden ist.
Ebenfalls korrekt hat die Vorinstanz dann aber dem Privatkläger die für den Ver-
lust der Rado-Uhr weiter geforderten Fr. 500.– nicht zugesprochen. Dieser Scha-
den wurde vom Privatkläger nicht genügend substanziert. Entsprechend ist der
Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 3'840.10 zuzüglich 5 % Zins ab 2. Juni 2010 zu bezahlen. Im Umfang von
Fr. 1'840.– zuzüglich 5 % Zins ab 2. Juni 2010 in solidarischer Haftung mit seinen
beiden Mittätern, I._ und H._. Im Mehrbetrag ist der Privatkläger mit
seinem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg zu verweisen.
10.3. Die von der Vorinstanz dem Privatkläger weiter zugesprochene Genugtu-
ung von Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 2. Juni 2010 ist ebenfalls zu bestätigen
(Urk. 65 S. 92/93). Ein solcher Betrag erscheint der vom Privatkläger erlittenen
Persönlichkeitsverletzung angemessen. Auch hier hat die Verpflichtung des Be-
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schuldigten in solidarischer Haftung mit den Mittätern I._ und H._ zu er-
folgen. Im Mehrbetrag ist der Privatkläger mit seinem Genugtuungsbegehren auf
den Zivilweg zu verweisen.
11. Kosten- und Entschädigungsfolgen
11.1. Ausgangsgemäss – es bleibt im Wesentlichen beim vorinstanzlichen
Urteil – ist die Kostenverlegung der Vorinstanz zu bestätigen (angefochtenes
Urteil Dispositivziffer 7).
11.2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend unterliegt der
Beschuldigte mit seiner Berufung vollständig und unterliegt die Staatsanwaltschaft
mit ihrer Anschlussberufung zum grossen Teil. Der Privatkläger beantragte die
Abweisung der Berufung des Beschuldigten und obsiegt entsprechend. In Ge-
wichtung der Berufungs- bzw. Anschlussberufungsanträge (der Beschuldigte woll-
te vollumfänglich freigesprochen werden, die Staatsanwaltschaft beantragte eine
härtere Qualifikation des Raubes und eine höhere Strafe) sind damit die Kosten
des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung
und der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers, zu vier Fünfteln dem Be-
schuldigten aufzuerlegen und zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des
Privatklägers sind zu einem Fünftel definitiv und zu vier Fünfteln einstweilen auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang dieser vier Fünfteln bleibt die Rück-
zahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 sowie Art. 138
Abs. 1 StPO vorbehalten.