Decision ID: 9552d65b-c014-4493-94c4-58e02ef51e98
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
C._ und D._ sind je zur Hälfte Miteigentümer des Grundstücks Nr. F0001,
Grundbuchkreis X._, an der B._strasse. Es liegt gemäss gültigem Zonenplan der
Stadt X._ vom 6. November 2001 in der Wohnzone für zweigeschossige Bauten (W2a)
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und im Perimeter des Überbauungsplans mit besonderen Vorschriften für das Gebiet
beidseits des oberen Abschnittes der B._strasse aus dem Jahr 1955. Es ist mit einem
zweigeschossigen Wohnhaus (Vers.-Nr. F0003) und einem freistehenden Pavillon
(Vers.-Nr. F0004) überbaut.
B.
Mit Baugesuch vom 12. August 2019 beantragten die Grundeigentümer beim Amt für
Baubewilligung der Stadt X._ den Abbruch des Pavillons sowie die Erstellung eines
zweigeschossigen Erweiterungsbaus an der Ostseite des Wohnhauses samt
Umgebungsanpassungen (act. 8/7/22). Das Gesuch lag vom 21. August bis
4. September 2019 öffentlich auf. Gegen das Bauvorhaben erhob A._, Eigentümer des
nordöstlich angrenzenden Grundstücks Nr. F0002 am 29. August 2019 Einsprache
(act. 8/7/20). Am 6. Dezember 2019 erteilte die Baubewilligungskommission der Stadt
X._ die Baubewilligung mit der Verpflichtung, das Dach nicht mit Kupferblech, sondern
mit engobierten Ziegeln in dunkler Farbe einzudecken. Die öffentlich-rechtliche
Einsprache von A._ wurde dementsprechend teilweise gutgeheissen. Die
Baubewilligungskommission kam zudem unter anderem zum Schluss, das Projekt mit
einem minimalen Abstand von 6.8 Metern zur Grenze des Grundstücks des
Einsprechers verletze den gemäss den besonderen Vorschriften des
Überbauungsplans mindestens erforderlichen Grenzabstand nicht, weil die
massgebende Fassadenlänge des Wohnhauses Vers.-Nr. F0003 14.34 Meter und der
erforderliche Mindestabstand deshalb 6.78 Meter – 6 zuzüglich 0.78 Meter (ein Drittel
der 12 Meter übersteigenden Fassadenlänge) – betrage.
C.
Gegen den am 6. Januar 2020 versandten Entscheid erhob A._ am 20. Januar 2020
Rekurs beim Baudepartement des Kantons St. Gallen. Das Baudepartement hiess den
Rekurs am 10. Dezember 2020 gut und hob Baubewilligung und Einspracheentscheid
vom 6. Dezember 2019 auf mit der Begründung, das Projekt halte den mindestens
erforderlichen Grenzabstand nicht ein. Die massgebende ostseitige Fassadenlänge des
Wohnhauses betrage 16.06 Meter und der gemäss den besonderen Vorschriften des
Überbauungsplans geltende minimale Grenzabstand deshalb 7.35 Meter.
D.
C._ und D._ (Beschwerdeführer) erhoben gegen den Entscheid des
Baudepartements (Vorinstanz) vom 10. Dezember 2020 mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 28. Dezember 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit
den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) sei
der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Baubewilligung zu erteilen.
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Eventualiter sei die Sache zum neuen Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Mit Vernehmlassung vom 8. Januar 2021 verwies die Vorinstanz auf den
angefochtenen Rekursentscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die
Politische Gemeinde X._ (Beschwerdebeteiligte) verzichtete am 25. Januar 2021 auf
eine Vernehmlassung. A._ (Beschwerdegegner) beantragte durch seinen
Rechtsvertreter mit Vernehmlassung vom 5. März 2021, die Beschwerde sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) abzuweisen. Die
Beschwerdeführer nahmen am 24. März 2021 Stellung, hielten an ihren Anträgen fest
und reichten zusätzliche Beweismittel ein. Der Beschwerdegegner äusserte sich dazu
mit Schreiben vom 16. April 2021. Die Beschwerdeführer verzichteten am 26. April
2021 ausdrücklich auf eine weitere Stellungnahme.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Vorbringen der
Beschwerdeführer und des Beschwerdegegners zur Begründung ihrer Anträge sowie
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer
sind als Baugesuchsteller und Adressaten des angefochtenen Entscheids, mit welchem
die ihnen von der Beschwerdebeteiligten erteilte Baubewilligung aufgehoben wurde,
zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 10. Dezember 2020 wurde mit
Eingabe vom 28. Dezember 2020 unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes über
Weihnachten und Neujahr rechtzeitig erhoben und erfüllt formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 30
Abs. 1 VRP sowie Art. 145 Abs. 1 Ingress und lit. c der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, SR 272, und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Vorinstanz hat das Baugesuch der Beschwerdeführer mit der Begründung, die
geplante Erweiterung halte den gemäss den besonderen Vorschriften des
Überbauungsplans erforderlichen minimalen Grenzabstand gegenüber dem
Grundstück der Beschwerdegegner nicht ein, als materiell baurechtswidrig beurteilt.
Die Beteiligten gehen übereinstimmend davon aus, dass der Überbauungsplan mit den
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besonderen Vorschriften für das Gebiet beidseits des oberen Abschnittes der
B._strasse aus dem Jahr 1955 (interne Registernummer ...), in dessen Perimeter die
Grundstücke Nrn. F0001 und F0002 liegen, nach wie vor gilt. Er erscheint zwar in der in
der Rechtssammlung der Stadt veröffentlichten Liste nicht. Gemäss Auskunft der
Beschwerdebeteiligten vom 27. Mai 2021 wurde dessen Aufhebung "zurückgestellt",
so dass er weiterhin in Kraft ist. Er ist zudem auch im Geoportal in der Rubrik
"Sondernutzungspläne, Aufarbeitung Gde X._" mit der entsprechenden
Registernummer erfasst.
Dass die besondere Vorschrift des Überbauungsplan zum Grenzabstand im
Widerspruch zum geltenden Bundesrecht steht, wird von keiner Seite vorgebracht und
ist auch nicht ersichtlich. Da er nicht an das am 1. Oktober 2017 in Kraft getretene
Planungs- und Baugesetz angepasst wurde, können dem Überbauungsplan auch die
kantonalrechtlich gemäss Art. 73 ff. PBG vereinheitlichten baurechtlichen Begriffe und
Vorschriften nicht entgegengehalten werden (vgl. Art. 175a Ingress und lit. c PBG). Das
bis 30. September 2017 gültig gewesene Baugesetz aus dem Jahr 1972 (nGS 32-47,
BauG) verlangte zwar eine Anpassung der genehmigten Überbauungspläne mit den
dazugehörenden Vorschriften (Art. 141 Abs. 2 BauG). Es überliess allerdings die
Festlegung minimaler Grenzabstände den Gemeinden (vgl. Art. 56 Abs. 2 Satz 1 BauG)
und enthielt einzig technische Regelungen darüber, wie Grenzabstände zu messen
(Art. 56 Abs. 1 BauG) und allfällige Mehrlängenzuschläge zu berechnen sind (Art. 65
Abs. 1 BauG). Es räumte den Gemeinden zudem die Möglichkeit ein, bei versetzten
Bauteilen Unterschreitungen des Zuschlags bei entsprechendem Flächenausgleich
zuzulassen; eine Verpflichtung zu einer solchen Regelung bestand aber nicht (vgl.
Art. 65 Abs. 2 BauG).
Die Grenzabstandsvorschrift gemäss Art. 5 besV ist deshalb einer autonomen
Auslegung und Anwendung zugänglich. Soweit sich die umstrittenen Rechtsfragen
anhand dieser Bestimmung entscheiden lassen, kann offenbleiben, ob der Verweis in
Art. 1 Abs. 2 besV auf die ergänzend anwendbare "geltende städtische Bauordnung" –
im Zeitpunkt des Erlasses war jene aus dem Jahr 1923 in Kraft – statischer – so die
Auffassung der Vorinstanz – oder dynamischer – so die Auffassung der
Beschwerdebeteiligten – Natur ist.
3.
3.1.
Da das Grundstück Nr. F0001 an einem gegen Süden leicht abfallenden Hang liegt,
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erscheint das obere Geschoss des zweigeschossigen Wohnhauses Vers.-Nr. F0003 auf
der Ebene der nördlich verlaufenden B._strasse als Erdgeschoss. Das
darunterliegende, von Süden her als unteres wahrgenommene Geschoss liegt gegen
Norden teilweise unter dem Terrain. In Übereinstimmung mit den Plänen wird
nachfolgend das obere als Erdgeschoss, das darunterliegende als Untergeschoss
bezeichnet.
Die nordöstliche Grundrisslinie des Gebäudes unter Berücksichtigung der geplanten
Erweiterung verläuft – mit versetzten Bauteilen und grob vereinfacht beschrieben –
ungefähr parallel zur Grenze zum Grundstück Nr. F0002 des Beschwerdegegners. Im
Aufriss setzt sich die Nordostfassade des Erdgeschosses optisch von Süden gegen
Norden entsprechend den Versetzungen aus drei Teilen zusammen, nämlich 6.60
Meter des Erweiterungsbaus, wovon 1.72 Meter gegen Süden über das Untergeschoss
hinausführend, 5.82 Meter des bestehenden Wohnhauses sowie 3.64 Meter der im
Übrigen in das Wohnhaus integrierten Garage, insgesamt 16.06 Meter. Das
Untergeschoss liegt – wie dargelegt – teilweise unterhalb des Terrains und erscheint
gegen Nordosten deshalb lediglich mit zwei Teilen, nämlich 4.88 Meter des
Erweiterungsbaus und 2.7 (unterkant) bis 5.82 Meter (oberkant) des bestehenden
Wohnhauses, zusammen 7.58 bis 10.70 Meter (vgl. dazu act. 8/7/26 und 27).
3.2.
Die Beschwerdebeteiligte hat ohne weitere Begründung (vgl. Ziffer 6 des Beschlusses
der Baubewilligungskommission vom 6. Dezember 2019) für die Ermittlung der Länge
des Gebäudes gegen Osten auf das Erdgeschoss des "Hauptgebäudes" (10.70 Meter,
optisch umfassend 4.88 Meter Erweiterungsbau und 5.82 Meter bestehendes
Wohnhaus) und den nordseitigen "Anbau" (3.64 Meter, Teil der im Übrigen in den
Wohnbereich integrierten Garage) abgestellt. Der das Untergeschoss überragende Teil
des Erdgeschosses des Erweiterungsbaus (1.72 Meter) wurde – ohne weitere
Begründung – nicht berücksichtigt. Die Vorinstanz hat letztere Teillänge ebenfalls
einbezogen mit der Begründung, die Vorbaute im Obergeschoss des geplanten
Erweiterungsbaus im Sinn eines Erkers beinhalte die Wärmedämmung und müsse
deshalb miteingerechnet werden.
Die Beschwerdeführer beanstanden die Ermittlung der Länge der Gebäudefassade in
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verschiedener Hinsicht. Zum einen möchten sie auf den effektiven – und nicht auf einen
projizierten – Verlauf der Fassade abstellen. Deshalb sei von der abgestuften Fassade –
Erweiterungsbau, bestehendes Wohnhaus, überragender Teil der integrierten Garage –
für die Ermittlung des Grenzabstandes die Länge des längsten Abschnittes von 10.70
Meter massgebend. Zum andern machen sie geltend, die Teillänge der nach aussen
führenden Seitenwände von 3.64 Meter der im Übrigen in den Wohnbereich des
Erdgeschosses integrierten Garage sei nicht hinzuzurechnen, weil sie über keinerlei
wärmedämmenden Eigenschaften verfüge. Werde der Begriff der Gebäudefassade
synonym mit jenem der Länge des Gebäudes verwendet, dürften – anders als die
Vorinstanz dies getan habe – Vorbauten, Erker und kleine An- und Nebenbauten nicht
mitberücksichtigt werden. Der 1.72 Meter über das Untergeschoss hinausreichende
Teil des Erdgeschosses sei als Erker des Erweiterungsbaus privilegiert und falle für die
Bemessung der Länge des Gebäudes nicht in Betracht.
3.3.
Nach Art. 5 besV ist – soweit im Überbauungsplan nicht Abstände festgelegt sind – ein
Grenzabstand von sechs Metern zu wahren (Satz 1); ist die Gebäudefassade länger als
zwölf Meter, wobei eingeschossige Anbauten eingerechnet werden, so erhöht sich der
einzuhaltende Grenzabstand um ein Drittel der Mehrlänge; er muss jedoch nicht mehr
als zehn Meter betragen (Satz 2). Der Begriff der "Gebäudefassade" steht im
Zusammenhang mit dem mindestens einzuhaltenden Grenzabstand. Der Grenzabstand
steht in Relation zur Höhe und Länge eines Gebäudes (vgl. B. Heer, St. Gallisches Bau-
und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 626). Art. 65 Abs. 1 BauG, welcher den Begriff des
"Mehrlängenzuschlags" definierte, knüpfte denn auch am Begriff der "Gebäudelänge"
an. Von einem längenbezogenen Begriff der "Gebäudefassade" gehen auch die
Beschwerdeführer aus (vgl. Ziffer 4 der Beschwerde).
Von diesem längenbezogenen Begriff der "Gebäudefassade" in Art. 5 besV und dem
Begriff der "Gebäudelänge" in Art. 65 Abs. 1 BauG ist der Begriff der "Fassade", wie
ihn die kantonalen Regeln zur Messung des Grenzabstandes von Gebäuden
verwenden, zu unterscheiden. Nach kantonalem Recht gilt als Grenzabstand von
Gebäuden die kürzeste im Grundriss gemessene Entfernung zwischen Grenze und
Fassade (vgl. Art. 56 Abs. 1 BauG und Art. 92 Abs. 1 PBG). Der Begriff der Fassade
wird hier nicht in seiner längenbezogenen Bedeutung verwendet, sondern legt den
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Anknüpfungspunkt für die Messung der Entfernung der Gebäudefassade zur Grenze
fest. Insoweit ist die Rechtsprechung zum Begriff der Fassade – Umhüllungslinie,
statisch tragende Funktion, Wärmedämmung (vgl. VerwGE B 2020/86 vom 6.
November 2020 E. 3.2 und 4.1 mit Hinweisen) – für die Auslegung der Begriffe der
"Gebäudefassade" und "Gebäudelänge" unbehelflich. Von Bedeutung kann der Begriff
der "Fassade" allenfalls insoweit sein, als Teile, welche nicht als Fassade im Sinn von
Art. 56 Abs. 1 BauG und der dargelegten Rechtsprechung gelten, innerhalb des
minimalen Grenzabstandes liegen dürfen, mithin ein Abstandsprivileg gilt. Aus dem
Umstand, dass ein Bauteil – wie eine Sonnenstore, eine Anbaute oder eine Vorbaute –
den minimalen Grenzabstand allenfalls nicht einhalten muss, kann aber noch nicht
geschlossen werden, dass er bei der Ermittlung der Gebäudelänge im Sinn von Art. 5
besV und Art. 56 Abs. 1 BauG nicht zu berücksichtigen ist.
3.4.
Bei der Auslegung und Anwendung des Begriffs der "Gebäudefassade" im Sinne der
Länge des Gebäudes sind Sinn und Zweck sowohl des Erlasses eines
Überbauungsplans als auch der Festlegung minimaler Grenzabstände zu
berücksichtigen. Ein Überbauungsplan soll eine architektonisch und wohnhygienisch
gute, der baulichen und landschaftlichen Umgebung angepasste Überbauung,
Gestaltung und Erschliessung zusammenhängender Flächen ermöglichen (vgl. VerwGE
B 2005/99 vom 6. Dezember 2005 E. 3a mit Hinweis). Der minimale Grenzabstand soll
einerseits die Einflüsse von Bauten auf Nachbargrundstücke mindern, wie Entzug von
Licht und Sonne, Beeinträchtigung der Aussicht und anderseits im öffentlichen
Interesse die Ästhetik sowie gesundheits- und feuerpolizeiliche Anliegen fördern (vgl.
BGer 1C_396/2007 vom 5. Mai 2008 E. 4.5.3). Er liegt also nicht nur in einem
allgemeinen öffentlichen Interesse, sondern hat regelmässig auch eine
nachbarschützende Funktion und umschreibt insoweit auch die rechtlich geschützte
Sphäre der Nachbarn (vgl. BGer 1C_93/2020 vom 19. Juni 2020 E. 4.3.3 mit Hinweis
auf BGE 127 I 44 E. 2d). Im Vergleich zur Regelbauweise grosszügigere Grenz- und
Gebäudeabstände dienen der weiterreichenden Gewährleistung der Aussicht und der
Sichtbezüge für die benachbarten Grundstücke (vgl. dazu BGer 1C_108/2018 vom
26. Oktober 2018 E. 6.4.2).
Bei den für die Ermittlung der Gebäudelänge im Zusammenhang mit der Bestimmung
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des minimalen Grenzabstandes zu berücksichtigenden Gebäudeteilen rechtfertigt es
sich deshalb, auf den nach aussen in Erscheinung tretenden, oberirdischen
Gebäudekörper abzustellen (vgl. dazu BGer 1C_76/2014 vom 1. September 2014
E. 2.3). Lediglich – wie es den Beschwerdeführern vorschwebt – auf eine Teillänge
eines gegenüber der Grenze aus versetzten Baukörpern bestehenden Gebäudes
abzustellen, fällt deshalb von vornherein ausser Betracht. Da die äussere Erscheinung
massgebend ist, rechtfertigt es sich, für die Ermittlung der Länge der Gebäudefassade
die Fassaden der einzelnen abgesetzten Baukörper senkrecht auf eine Gerade zu
projizieren (vgl. VerwGE 2013/50 und 51 vom 8. Juli 2014 E. 3.2.2). Art. 5 besV selbst
sieht sodann vor, dass für die Länge der massgebenden Gebäudefassade auch
eingeschossige Anbauten mitzuberücksichtigen sind. Da ein Überbauungsplan nach
der Rechtsprechung Abweichungen von der Grundordnung nicht nur hinsichtlich
Massen und Ziffern, sondern unter Beibehaltung der Zweckbestimmung der Zone auch
hinsichtlich der Handhabung von Begriffen zulässt (vgl. VerwGE B 2005/99 vom
6. Dezember 2005 E. 3b/bb und 3e/dd), ist der Einwand der Beschwerdeführer, bei der
Auslegung und Anwendung des Begriffes der Gebäudefassade müsse auf jenen der
Länge des Gebäudes wie ihn die städtische Bauordnung verwende, abgestellt werden,
unbehelflich. Dass für die Ermittlung von Gebäudelänge und Gebäudetiefe nach der
Grundordnung allenfalls andere Regeln gelten, also beispielsweise Anbauten oder
Vorbauten nicht berücksichtigt werden, ist deshalb für die Auslegung und Anwendung
des Begriffs der "Gebäudefassade" in Art. 5 besV nicht von Bedeutung. Der gegen
Süden 1.72 Meter über das Untergeschoss hinausführende Teil des Erweiterungsbaus
auf der Ebene des Erdgeschosses erscheint abgesehen davon nicht als Vorbaute und
insbesondere nicht als Erker, sondern macht den wesentlichen Teil dieses
Wohngeschosses aus. Die Fläche des Zimmers von 10 Quadratmetern würde sich
ohne diesen Teil auf rund die Hälfte verringern (vgl. act. 8/7/26). Ob der auf die Garage
entfallende Abschnitt von 3.74 Metern als "wärmegedämmt" zu bezeichnen ist, ist –
wie dargelegt – für den längenbezogenen Begriff der "Gebäudefassade" nicht von
Belang. Damit erübrigt es sich auch, ein Gutachten zur Isolation dieses Abschnitts
einzuholen.
3.5.
Art. 5 besV stellt darauf ab, in welcher Länge ein Gebäude von aussen wahrgenommen
wird. Das Wohnhaus der Beschwerdeführer erscheint von Osten her nur teilweise als
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zweigeschossig, da der nördliche Teil des Untergeschosses unter Terrain verläuft.
Prägend ist die Länge, in welcher die Baukörper des Erdgeschosses aus der Sicht des
Nachbargrundstücks wahrgenommen wird. In ihrer Erscheinung hebt sich weder der
auf die Garage entfallende Abschnitt von der weiteren Fassade des bestehenden
Wohnhauses noch der über das Untergeschoss hinausreichende Abschnitt von der
Fassade des Erweiterungsbaus ab. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht auf die von
Osten wahrgenommene Länge des Erdgeschosses von insgesamt 16.06 Metern
abgestellt. Die Beschwerdebeteiligte hat im Beschwerdeverfahren auf eine
Vernehmlassung und auch auf die Stellung eines Antrags verzichtet. Sie macht
insbesondere nicht geltend, der Entscheid ihrer Baubewilligungskommission, die von
einer massgebenden Länge des Gebäudes von 14.34 Metern ausging, geniesse den
Schutz ihrer Gemeindeautonomie.
Die Beschwerdeführer bringen – zu Recht – nicht vor, die Berechnung des mindestens
einzuhaltenden Grenzabstands von 7.35 Metern stimme nicht mit der Vorgabe von
Art. 5 besV überein oder widerspreche der kantonalen Regelung zur Ermittlung des
Mehrlängenzuschlags gemäss Art. 65 Abs. 1 aBauG. Sie gehen mittlerweile auch nicht
mehr davon aus, der Grenzabstand sei eingehalten, weil der Abstand parallel zum
Bauvorhaben 7.35 Meter betrage (vgl. Plan zum Baugesuch, act. 8/7/25) und nicht
senkrecht zur Grenze (vgl. Art. 56 Abs. 1 aBauG) zu messen sei. Die Vorinstanz hat
deshalb zu Recht festgestellt, der von den Beschwerdeführern projektierte
Erweiterungsbau halte den erforderlichen minimalen Grenzabstand – zumindest
teilweise – nicht ein. Die Beschwerdeführer machen schliesslich – ebenfalls zu Recht –
weder für den projektierten Erweiterungsbau insgesamt noch insbesondere für die den
erforderlichen minimalen Grenzabstand nicht einhaltenden Teile davon ein
Abstandsprivileg geltend. Die Beschwerde erweist sich damit insgesamt als
unbegründet. Sie ist abzuweisen.
4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 3'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist mit dem von den Beschwerdeführern
in der gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.
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Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beschwerdeführer den
Beschwerdegegner für deren ausseramtliche Kosten zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1
und Art. 98 VRP). Dessen Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Ein
pauschales Honorar von CHF 4'000 erscheint angemessen (vgl. Art. 19 und Art. 22
Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO). Hinzu kommen
Barauslagen von CHF 160 (vier Prozent von CHF 4'000; Art. 28 HonO) und die
Mehrwertsteuer von CHF 320.30 (7,7 Prozent von CHF 4'160; Art. 29 HonO).