Decision ID: b16458fe-78fe-5609-a05f-713ceeda911b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ O. M., geb. 1966, ist thailändische Staatsangehörige. Sie reiste am 13. März 2004
auf Einladung eines mit einer Thailänderin verheirateten Schweizers mit einem
Touristenvisum in die Schweiz ein. Am 14. Mai 2004 heiratete sie den in St. Gallen
wohnhaften Schweizer Bürger Ernst G., geb. 1963. Dieser war bereits von 1999 bis
2002 mit einer thailändischen Staatsangehörigen verheiratet gewesen. Das
Ausländeramt des Kantons St. Gallen erteilte O. M. G. eine Aufenthaltsbewilligung im
Rahmen des Familiennachzugs bzw. zum Verbleib beim Schweizer Ehegatten. Im Juni
2005 gaben die Eheleute die gemeinsame Wohnung auf. Die Ehefrau nahm Wohnsitz in
Wil, während der Ehemann aufgrund von familiären Angelegenheiten nach Thailand
zog. Die Ehegatten teilten dem Ausländeramt im August/September 2005 mit, sie
hätten keine geeignete Wohnung gefunden und sich deshalb vorübergehend getrennt.
Am 27. März 2007 reichte O. M. G. ein Gesuch um Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung ein. Am 4. Juni 2007 hielt sie fest, sie verbringe jeweils
zusammen mit ihrem Mann die Wochenenden in Wil oder Zürich. Ihr Mann sei zur Zeit
nicht auffindbar. Die Gründe kenne sie nicht; möglicherweise seien es finanzielle
Probleme. Sie möchte sich nicht scheiden lassen. Der Ehemann teilte dem
Ausländeramt durch seinen Rechtsvertreter am 14. Mai 2007 mit, seine Ehefrau habe
offenbar nie die Absicht gehabt, eine ernsthafte Ehe einzugehen, weshalb er sich
scheiden lassen wolle.
Mit Verfügung vom 6. November 2007 wies das Ausländeramt das Gesuch von O. M.
G. um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab mit der Begründung, die
Gesuchstellerin halte in rechtsmissbräuchlicher Weise an der Ehe fest.
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B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob O. M. G. durch ihren
Rechtsvertreter mit Eingaben vom 21. November und 4. Dezember 2007 Rekurs, der
vom Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 22. Januar 2008
abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 7. und 27. Februar 2008 erhob O. M. G.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Verfügung des
Ausländeramts vom 6. November 2007 sei aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung
sei zu verlängern, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im
wesentlichen vorgebracht, die Beschwerdeführerin habe rund ein Jahr mit ihrem
Ehemann zusammen in der Schweiz gelebt. Nach einer gewissen Zeit sei es je länger je
mehr zu Schwierigkeiten gekommen, welche letztlich zur Trennung geführt hätten. Die
Beschwerdeführerin habe alles versucht, um die Beziehung zu retten, was ihr jedoch
nicht gelungen sei. Sie lebe nun seit immerhin beinahe vier Jahren in der Schweiz und
fühle sich hier heimisch. Auch wenn die eheliche Gemeinschaft nicht die gesetzlich
geforderten drei Jahre gedauert habe, seien wichtige persönliche Gründe für einen
weiteren Aufenthalt in der Schweiz gegeben. Es könne nicht sein, dass das Scheitern
der Ehe allein der Beschwerdeführerin angelastet werde. Die weiteren Vorbringen
werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen dargelegt und
gewürdigt.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 29. Februar 2008 unter Hinweis
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 7. und 27. Februar
2008 wurden rechtzeitig eingereicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1
VRP).
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Das Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin lautet, die Verfügung des Ausländeramts
vom 6. November 2007 sei aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu
verlängern, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Anfechtungs-objekt im
Beschwerdeverfahren kann aber ausschliesslich der Rekursentscheid vom 22. Januar
2008 sein. Beim Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin handelt es sich offenbar um
eine versehentliche Bezeichnung des Anfechtungsobjekts, da in Ziff. II/1 der
Beschwerdeergänzung ausdrücklich auf den Rekursentscheid hingewiesen wird. Da
die Beschwerdeergänzung eine Darstellung des Sachverhalts und eine Begründung
enthält, ist auf die Beschwerde einzutreten (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP).
2. Am 1. Januar 2008 trat das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) in Kraft. Gemäss Art. 126 Abs. 1 AuG bleibt für Gesuche,
die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes eingereicht worden sind, das bisherige Recht
anwendbar. Das Verfahren richtet sich dagegen nach dem neuen Recht (Abs. 2). Im
vorliegenden Fall ist die Abweisung eines vor dem 1. Januar 2008 gestellten Gesuchs
streitig, weshalb die Sache nach früherem Recht zu beurteilen ist.
2.1. Nach Art. 7 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(BS 1, 121 mit seither ergangenen Änderungen, abgekürzt ANAG) hat die ausländische
Ehegattin eines Schweizer Bürgers Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Kein Anspruch besteht nach Abs. 2 dieser Vorschrift, wenn die
Ehe eingegangen worden ist, um die Vorschriften über Aufenthalt und Niederlassung
von Ausländern und namentlich jene über die Begrenzung der Zahl der Ausländer zu
umgehen. Erfasst wird davon die sog. Scheinehe bzw. Ausländerrechtsehe, bei der die
Ehegatten von vornherein keine echte eheliche Gemeinschaft beabsichtigten
(BGE 128 II 151, 127 II 55 mit Hinweisen). Auch wenn die Ehe nicht bloss zum Schein
eingegangen worden ist, heisst dies nicht zwingend, dass der ausländischen Ehegattin
der Aufenthalt ungeachtet der weiteren Entwicklung gestattet werden muss. Zu prüfen
ist insbesondere, ob sich die Berufung auf die Ehe nicht anderweitig als missbräuchlich
erweist (BGE 128 II 151).
2.2. Rechtsmissbrauch liegt vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur
Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen
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will (BGE 128 II 151, 127 II 56 je mit Hinweisen). Im Zusammenhang mit Art. 7 ANAG ist
dies dann der Fall, wenn sich der Ausländer in einem fremdenpolizeilichen Verfahren
auf eine Ehe beruft, welche nur noch formell und ohne Aussicht auf Aufnahme bzw.
Wiederaufnahme einer ehelichen Gemeinschaft besteht (BGE 128 II 151 mit Hinweis
auf BGE 127 II 56, 123 II 50 f.). Ein Rechtsmissbrauch darf nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht leichthin angenommen werden, namentlich
nicht schon deshalb, weil die Ehegatten nicht mehr zusammenleben oder ein
Eheschutz- oder Scheidungsverfahren eingeleitet worden ist (BGE 128 II 151).
Erforderlich sind konkrete Hinweise darauf, dass die Führung einer
Lebensgemeinschaft nicht mehr beabsichtigt und nicht mehr zu erwarten ist
(BGE 128 II 151, 127 II 57). Wie es sich damit verhält, entzieht sich in der Regel dem
direkten Beweis und ist oft nur durch Indizien zu ermitteln (BGE 128 II 152, 127 II 57).
Daher ist aufgrund objektiver Anhaltspunkte zu prüfen, ob ein Ehewille tatsächlich noch
besteht und deswegen das Interesse am Bestand der Ehe schützenswert ist.
2.3. Die Eheleute heirateten am 14. Mai 2004. Im Juni 2005 gaben sie ihre gemeinsame
Wohnung auf. Aufgrund der Akten sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass sie sich
aktiv um eine Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft bemühten. In der
Beschwerde werden keine entsprechenden Vorkehrungen dargelegt. Die
Beschwerdeführerin hält fest, es sei ihr nicht gelungen, die Ehe zu retten. Am
13. November 2007 verlangten die Eheleute mittels gemein-samen Begehrens vor dem
Kreisgericht St. Gallen die Scheidung. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.
Die Eheleute trennten sich bereits rund ein Jahr nach der Heirat. Engere persönliche
Kontakte nach der Trennung sind nicht aktenkundig. Die Beschwerdeführerin hielt
gegenüber dem Ausländeramt am 4. Juni 2007 fest, ihr Mann sei aus ihr unbekannten
Gründen unauffindbar. Vorkehrungen für eine Wiederaufnahme der ehelichen
Gemeinschaft wurden nicht getroffen. Aufgrund der vorliegenden Umstände konnte die
Beschwerdeführerin spätestens ein Jahr nach der Trennung in objektiver Hinsicht nicht
mehr damit rechnen, dass das eheliche Zusammenleben nochmals aufgenommen wird.
Wenn sich die Beschwerdeführerin unter diesen Umständen auf die nur noch formal
bestehende Ehe beruft, um die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu erwirken,
handelt sie nach der Praxis des Bundesgerichts rechtsmissbräuchlich. Art. 7 ANAG will
die Führung des Familienlebens in der Schweiz, allenfalls auch in einer
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vorübergehenden Krisensituation, ermöglich und absichern, jedoch nicht einem
missbräuchlichen, ausschliesslich ausländerrechtlich motivierten Festhalten an einer
klar gescheiterten Ehe Vorschub leisten (BGE 130 II 113 E. 9.5). Wer die Trennung zu
verantworten hat und welches die Gründe für die Trennung sind, ist im vorliegenden
Fall nicht entscheidend (BGE 130 II 113 E. 4.2; BGE 2A.389/2005 vom 6. September
2005, E. 2.2.2). Daraus folgt, dass die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen ist, die
Beschwerdeführerin halte in rechtsmissbräuchlicher Weise an der Ehe fest. Gestützt
auf Art. 7 Abs. 1 ANAG steht ihr kein Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung zu (BGE 128 II 254 und 127 II 59).
2.4. Die Berufung der Beschwerdeführerin auf Art. 50 AuG ist unbegründet. Die
Voraussetzungen nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG sind nicht gegeben, da die eheliche
Gemeinschaft lediglich rund ein Jahr bestanden hat. Auch liegen keine wichtigen
persönlichen Gründe für einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz im Sinn von Art. 50
Abs. 1 lit. b AuG vor. Ein Aufenthalt von rund vier Jahren in der Schweiz vermag keine
tiefgreifende Integration bzw. keine starke Verwurzelung in der Schweiz zu begründen,
welche eine Rückkehr in den Herkunftsstaat als unzumutbar erscheinen lässt. Auch
liegen aufgrund der Akten keine Anhaltspunkte vor, dass die Beschwerdeführerin die
eheliche Gemeinschaft aufgrund häuslicher Gewalt oder ähnlicher Umstände auflöste.
Ebenso bildet das Alter der Beschwerdeführerin - sie wurde 1966 geboren - keinen
besonderen Grund für einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz. Selbst wenn somit die
in Art. 50 AuG festgelegten Kriterien für die Bewilligung eines weiteren Aufenthalts nach
Auflösung der ehelichen Gemeinschaft im Sinne einer Vorwirkung des neuen AuG
angewendet würden, liesse sich kein Rechtsanspruch der Beschwerdeführerin auf
Verbleib in der Schweiz begründen.
2.5. Der Entscheid über die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung stand somit im
Ermessen der Verwaltung. Nach Art. 4 ANAG entscheidet die Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt oder Niederlassung. Das Verwaltungsgericht übt
lediglich eine Rechtskontrolle aus (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Somit kann nur geprüft
werden, ob die Verwaltung ihr Ermessen überschritten oder missbraucht hat und damit
rechtswidrig handelte, als sie die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigerte
(GVP 1996 Nr. 9 und 1998 Nr. 71).
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Nach der Praxis des Ausländeramts zu Art. 4 ANAG wird die Aufenthaltsbewilligung in
gewissen Fällen zwar auch nach der Auflösung der Ehe bzw. der ehelichen
Gemeinschaft verlängert. Als massgebend werden dabei nach den Weisungen des
Bundesamts für Migration (Ziff. 654) unter anderem die Dauer der Anwesenheit in der
Schweiz, insbesondere wenn Kinder vorhanden sind, die berufliche Situation, die
Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage sowie das Verhalten und der Integrationsgrad
betrachtet. Zu berücksichtigen sind ferner die Umstände, die zur Trennung geführt
haben. Bei einer Dauer der ehelichen Gemeinschaft von fünf Jahren und mehr wurde in
der Regel eine Jahresaufenthaltsbewilligung nicht mehr widerrufen (ABl 2001 S. 32).
Auch nach neuem Recht besteht wie erwähnt kein Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn die eheliche Gemeinschaft weniger als drei Jahre
bestanden hat (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG).
Vorliegend dauerte die eheliche Gemeinschaft lediglich etwas mehr als ein Jahr. Die
Ehe blieb kinderlos. Die Beschwerdeführerin hält sich seit März 2004 und damit erst
relativ kurze Zeit in der Schweiz auf. Die Beschwerdeführerin übt nach eigenen
Angaben eine Tätigkeit als Thai Masseuse aus. In wirtschaftlicher und
arbeitsmarktlicher Hinsicht bestehen keine Gründe, welche eine Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nahelegen. Bei einem Aufenthalt von rund vier Jahren kann
noch nicht von einer fortgeschrittenen Integration der Beschwerdeführerin gesprochen
werden. Eine Rückkehr in den Herkunftsstaat ist daher zumutbar. Insbesondere liegen
keine Anhaltspunkte vor, dass die Rückkehr eine übermässige Härte darstellen würde.
2.6. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde abzuweisen ist.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht
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