Decision ID: 4f852df9-6392-5aff-b56a-d46941219ff9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin und ihre Söhne verliessen Afghanistan eigenen
Angaben zufolge ungefähr Ende (...) 2017 und gelangten am 25. Juli 2019
in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Nach ihrer Zu-
weisung in das Bundesasylzentrum (BAZ) D._ fanden am 31. Juli
2019 die Personalienaufnahmen (PA; Protokolle in den SEM-Akten act.
1047117-18/6 und act. 1047117-19/7, nachfolgend act. 18/6 und act. 19/7)
statt. Die Anhörung der Beschwerdeführerin vom 20. August 2019 musste
abgebrochen werden, weil sie vor der Mittagspause zusammenbrach und
vorsorglich mit der Ambulanz ins E._ gebracht werden musste. Am
4. September 2019 wurde die Anhörung der Beschwerdeführerin vom
20. August 2019 fortgeführt und der ältere Sohn B._ zu seinen Asyl-
gründen angehört (Anhörung; Protokolle in den SEM-Akten act. 1047117-
32/20 und 1047117-33/14, nachfolgend act. 32/20 und act. 33/14).
Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte sie im Wesentlichen aus, sie sei
afghanische Staatsangehörige und ethnische Turkmenin. Nach ihrer Heirat
habe sie zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Kindern in F._
und G._ gelebt. Die letzten vier Jahre vor der Ausreise aus Afgha-
nistan habe sie in F._ gewohnt. Sie habe die Schule bis zur neun-
ten Klasse besucht und sei erst kurz vor ihrer Ausreise einer bezahlten Ar-
beit als (...) bei (...) nachgegangen. Ihr Ehemann habe für die Regierung
gearbeitet und für die Familie gesorgt. Er sei Oberhaupt eines Clans und
Vorsteher des Rates H._ gewesen. (...)mal habe er fürs Parlament
kandidiert. Er sei zudem im Handel tätig gewesen. Vor seinem Verschwin-
den im (...) 2017 habe er während längerer Zeit einen besorgten Eindruck
auf sie gemacht. Er sei nachts oft sehr spät oder gar nicht nach Hause
gekommen. Oft habe er das Haus bereits frühmorgens wieder verlassen.
Er habe Andeutungen gemacht, nicht immer auf sie und ihre Kinder auf-
passen zu können. Sie müsse gleichzeitig die Mutter-und Vaterrolle über-
nehmen, er könne kein Vater mehr sein. Er habe ihr jedoch nicht gesagt,
was los gewesen sei. Einmal sei er bei einer Schiesserei durch die Splitter
einer (...) verletzt worden. Er habe gesagt, Räuber hätten (...) überfallen
und er sei zufällig getroffen worden. Nach dem Verschwinden des Ehe-
mannes hätten unbekannte Personen wiederholt bei ihr zuhause nach ihm
gefragt und ihr angedroht, man würde sie und Ihre Kinder entführen, wenn
sie nicht sage, wo er sei. Ungefähr zweieinhalb Monate vor ihrer Ausreise
sei sie von einem ihr unbekannten Mann und einer Frau in ein Haus gelockt
worden. Dort sei sie von zwei anderen Personen zuerst bewirtet und dann
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bedroht sowie misshandelt worden. Sie hätten sich nach dem Verbleib ih-
res Ehemannes erkundigt und ihr gesagt, er habe bei ihnen Schulden. Da
sie nichts gewusst habe, sei sie wieder freigelassen worden. Die Drohun-
gen seien nach diesem Ereignis jedoch weitergegangen. Auch zwei ihrer
Töchter seien nach dem Verschwinden ihres Ehemannes angegriffen wor-
den. Ihre (...) Töchter seien zuerst in die Schweiz gereist. Sie und ihre bei-
den Söhne seien später nachgekommen.
Der ältere Sohn B._ führte aus, er und seine Familie hätten Afgha-
nistan verlassen, weil seine Mutter viel geweint habe. Sie habe Angst ge-
habt und ihm sowie seinen Schwestern verboten, das Haus zu verlassen.
B.
Am 27. August 2019 traf der Austrittsbericht des E._ vom 20. Au-
gust 2019 betreffend die Beschwerdeführerin beim SEM ein.
C.
Am 9. September 2019 reichte die damalige Rechtsvertretung einen Arzt-
bericht vom 5. September 2019 zu den Akten. Darin wurden bei der Be-
schwerdeführerin unter anderem (...) diagnostiziert.
D.
Am 10. September 2019 teilte das SEM der Rechtsvertretung mit, im Asyl-
verfahren seien weitere Abklärungen erforderlich. Das Asylgesuch werde
fortan gestützt auf Art. 26d AsylG (SR 142.31) im erweiterten Verfahren
behandelt. Die Beschwerdeführerin und ihre beiden Söhne würden dem
Kanton D._ zugewiesen. Mit Eingabe vom 11. September 2019
teilte die damalige Rechtsvertretung dem SEM mit, das Mandatsverhältnis
sei beendet.
E.
E.a Mit Schreiben vom 23. Oktober 2019 gewährte das SEM dem älteren
Sohn B._ das rechtliche Gehör zum Ergebnis eines vom Staatssek-
retariat in Auftrag gegebenen Altersgutachtens vom 18. September 2019,
das bei ihm zum Zeitpunkt der Untersuchung ein vollendetes (...)zehntes
Lebensjahr ergab.
E.b Mit Schreiben vom 22. November 2019 teilte das SEM dem älteren
Sohn mit, die I._ habe in ihrer Eingabe vom 12. November 2019
darauf hingewiesen, dass sie keine Kopie des Altersgutachtens habe. Eine
Stellungnahme liege deshalb noch nicht vor. Das anonymisierte Altersgut-
achten werde seiner Rechtsvertretung nachgereicht, sobald das SEM eine
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Vollmacht erhalten habe. Sein im ZEMIS (Zentrales Migrations- und Infor-
mationssystem) voreilig geändertes Geburtsdatum werde auf das angege-
bene Alter korrigiert. Das SEM werde sich im Rahmen des Asylentscheides
abschliessend zu seinem Alter äussern.
F.
Mit Eingabe vom 19. Februar 2020 reichte der Rechtsvertreter ein weiteres
ärztliches Schreiben des E._ vom 13. Februar 2020 zu den Akten.
G.
Mit am 13. Oktober 2020 eröffneter Verfügung vom 2. Oktober 2020 stellte
das SEM fest, die Beschwerdeführenden und ihre Söhne erfüllten die
Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche vom 25. Juli 2019 ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Weg-
weisung schob es zufolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen
Aufnahme auf.
Zur Begründung wurde ausgeführt, die Vorbringen vermöchten den Anfor-
derungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen. Insbesondere habe die
Beschwerdeführerin widersprüchliche Angaben zur Identität der ihr nach-
stellenden Personen gemacht. Des Weiteren seien ihre Aussagen zu den
Fluchtgründen und ihren Lebensumständen äusserst substanzarm ausge-
fallen. So sei es unerwartet, dass sie zwar eine Bedrohung geschildert,
aber nicht habe sagen können, weshalb und von wem sie bedroht worden
sei. Des Weiteren habe sie ihren Arbeitgeber und dessen Tätigkeiten nicht
benennen können. Sie habe auch kaum Auskunft über die Aktivitäten ihres
Ehemannes und den Rat geben können, dem er vorgestanden sei. Es er-
staune, dass sie abgesehen von ihren Aussagen, er habe (...)mal erfolglos
für das Parlament kandidiert, ihre finanzielle Situation habe sich wegen des
teuren Wahlkampfes verschlechtert, er habe Interviews gegeben und sei in
den Medien erwähnt worden, und er habe viel mit Leuten von draussen
gesprochen und ihnen Essen verteilt, keine weiteren Angaben zu seiner
politischen Tätigkeit habe machen können. Gleich verhalte es sich mit ihren
Schilderungen zur Organisation ihrer Ausreise aus Afghanistan. Ihre Erklä-
rung, ihr Bruder habe alles organisiert, überzeuge nicht.
Auch der Sohn B._ habe zu keinen Lebensbereichen substanziierte
Angaben machen können. Sein Geburtsdatum habe er zwar im gregoria-
nischen Kalender, aber nicht im afghanischen Kalender nennen können.
Zudem habe er nicht gewusst, von wann bis wann er wo wohnhaft gewesen
sei. Es erstaune, dass er nicht gewusst habe, weshalb es seiner Mutter
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psychisch schlecht gegangen sei und sie ständig Angst gehabt habe. Es
habe den Zeitpunkt des Verschwindens seines Vaters nicht nennen kön-
nen, sondern auf mehrmalige Nachfragen hin lediglich angegeben, dies sei
schon lange her, er wisse nichts über seinen Vater, weil er nicht oft zu
Hause gewesen sei. Er habe auch nicht gewusst, mit welcher Tätigkeit sein
Vater Geld verdient habe. Angesichts seines Alters im Zeitpunkt des Ver-
schwindens seines Vaters hätten detailliertere Angaben von ihm erwartet
werden können.
Des Weiteren sei anzumerken, dass die Asylgesuche der (...) Töchter
ebenfalls abgelehnt worden seien, weil sie nicht imstande gewesen seien,
mit dem zu erwartenden Detailreichtum über das Verschwinden ihres Va-
ters und die darauffolgenden Nachstellungen zu berichten.
H.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 28. Oktober 2020 gelangte die Beschwerde-
führerin durch ihren Rechtsvertreter an das Bundesverwaltungsgericht und
beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz zwecks weiterer Abklärungen und Neu-
beurteilung. Eventualiter sei Asyl zu gewähren oder jedenfalls die Flücht-
lingseigenschaft festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt
sie Einsicht in sämtliche Asylakten, insbesondere in die Protokolle der An-
hörungen. Des Weiteren sei unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ihr die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung in der Person ihres Rechtsvertreters
zu gewähren. Als Beilagen liess sie eine Vollmacht vom 23. Oktober 2020
und eine Unterstützungsbestätigung vom 28. Oktober 2020 einreichen.
Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit für den Entscheid
relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
I.
Am 29. Oktober 2020 bestätigte das Gericht dem Rechtsvertreter den Ein-
gang der Beschwerde.
J.
Mit Eingabe vom 30. Oktober 2020 liess die Beschwerdeführerin einen wei-
teren ärztlichen Bericht des E._ vom 28. Oktober 2020 einreichen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit Beschwerde an
das Bundesverwaltungsgericht können gemäss dieser Bestimmung die
Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschrei-
tung des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden.
3.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–33 VwVG kon-
kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst das Recht, mit eige-
nen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und
zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu
können. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachauf-
klärung und stellt anderseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs-
recht der Parteien dar. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs beinhaltet,
dass die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffe-
nen sorgfältig sowie ernsthaft geprüft und in der Entscheidfindung berück-
sichtigt werden (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Zudem müssen die angebotenen
Beweismittel abgenommen werden, wenn sie zur Abklärung des Sachver-
halts tauglich erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). Daraus folgt die grund-
sätzliche Pflicht der Behörden, sich mit den wesentlichen Vorbringen des
Rechtssuchenden zu befassen und Entscheide zu begründen (Art. 35
Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst
sein, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. In diesem Sinne
müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, die für den
Entscheid bedeutsam sind (vgl. BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter dieser Norm aufgelisteten
Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts in Verletzung der Untersuchungspflicht bildet einen
Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-
haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wird; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.2 Vorliegend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin im Verlaufe des
erstinstanzlichen Asylverfahrens mehrere ärztliche Berichte zu ihrem Ge-
sundheitszustand eingereicht hat, die vom SEM in das Aktenverzeichnis
aufgenommen worden sind. In der angefochtenen Verfügung werden sie
jedoch weder im Sachverhalt erwähnt noch findet überhaupt eine Ausei-
nandersetzung mit diesen Beweismitteln statt. Insbesondere wird im ärztli-
chen Schreiben des E._ vom 13. Februar 2020 unter anderem aus-
geführt, die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem 7. Oktober 2020
(recte wohl: 7. [...] 2019) aufgrund von (...) in (...) Behandlung im (...). Bei
ihr bestehe (...). In der Beschwerde wird denn auch zu Recht ausgeführt,
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die Vorinstanz habe dadurch, dass sie diese Beweismittel mit keinem Wort
gewürdigt habe, den Sachverhalt unvollständig respektive unrichtig festge-
stellt, zumal diese (...) Beeinträchtigungen durchaus einen Einfluss auf ihr
Aussageverhalten bei der Anhörung insbesondere auch im Asylpunkt ha-
ben konnte. Unerwähnt bleibt in der angefochtenen Verfügung ebenso,
dass die erste Anhörung vom 20. August 2019 abgebrochen werden
musste, weil die Beschwerdeführerin vor der Mittagspause zusammen-
brach und vorsorglich mit der Ambulanz in das E._ gebracht werden
musste. Damit hat das SEM die zur Abklärung des Sachverhalts tauglich
erscheinenden Beweismittel nicht abgenommen.
4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Sachver-
halt unvollständig respektive unrichtig festgestellt hat. Gleichzeitig hat sie
auch das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt.
5.
5.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-
lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden,
wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint; sie muss dies aber nicht. Einer Kassation und Rückweisung
kommt unter Umständen auch die Funktion zu, die Vorinstanz auf ihre ver-
fahrensrechtlichen Pflichten aufmerksam zu machen (vgl. BVGE 2012/21
E. 5).
5.2 Es kann nicht Aufgabe des Gerichts sein, vom SEM nicht abgenom-
mene Beweismittel zu prüfen und solch grundlegende Fragen zum Sach-
verhalt als erste Instanz zu klären. Darüber hinaus fällt ins Gewicht, dass
die Partei eine Instanz verlöre, wenn das Gericht die Grundlagen des
rechtserheblichen Sachverhalts nicht nur ergänzen, sondern gleichsam
wie eine erste Instanz erheben würde. Das Bundesverwaltungsgericht hat
demnach von eigenen Sachverhaltsfeststellungen, die über eine blosse Er-
gänzung und Erwahrung des rechtserheblichen Sachverhalts hinausrei-
chen, abzusehen (BVGE 2012/21 E. 5; ferner Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts E-1511/2018 vom 1. Mai 2018 E. 4.2, E-4220/2015 vom
7. Dezember 2017 E. 6.2 und E-1254/2015 E. 5.2 vom 9. November 2017).
Die Vorinstanz wird deshalb angewiesen, die von der Beschwerdeführerin
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eingereichten Beweismittel zu prüfen und gestützt darauf erneut zu ent-
scheiden. Das Ergebnis dieser Prüfung hat sie in ihrem Entscheid festzu-
halten.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung
vom 2. Oktober 2020 ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen sowie
richtigen Feststellung des Sachverhaltes, zur anschliessenden Neubeur-
teilung und zu neuem Entscheid an das SEM zurückzuweisen.
6.2 Angesichts der Rückweisung der Sache an die Vorinstanz erübrigt sich
eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen in der Beschwerde und
dem mit Eingabe vom 30. Oktober 2020 eingereichten ärztlichen Bericht
des E._ vom 28. Oktober 2020, zumal sie ebenfalls Gegenstand
des wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens sein werden und
die Vorinstanz sich damit zu befassen haben wird. Für den Antrag auf Ein-
sicht in sämtliche Asylakten, insbesondere in die Protokolle der Anhörun-
gen, ist die Beschwerdeführerin an das dafür zuständige SEM zu verwei-
sen.
7.
Mit vorliegendem Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses hinfällig.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), womit der Antrag auf Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstands-
los wird.
8.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in
Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Damit wird
auch der Antrag auf amtliche Rechtsverbeiständung im Sinne von
Art. 102m Abs. 1 AsylG hinfällig. Es wurde keine Kostennote zu den Akten
gereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu be-
stimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die von der Vorinstanz zu ent-
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richtende Parteientschädigung wird in Anwendung der genannten Bestim-
mungen und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfak-
toren demnach von Amtes wegen auf Fr. 800.– (inkl. Auslagen) festgelegt.
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