Decision ID: 8d0fa523-81bb-54c9-b5e0-ddd615eb35bc
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie aus B._ (Bezirk C._), gelangte am 11. April
2016 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.
A.b In der Befragung zur Person (BzP) vom 15. April 2016 und in der An-
hörung vom 14. Juni 2016 machte der Beschwerdeführer geltend, er habe
ab 2013 respektive 2014 Spendengelder von ehemaligen Mitgliedern der
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) entgegengenommen und damit
Kriegsversehrte und Hilfsprojekte in Sri Lanka unterstützt. Aufgrund dieser
Tätigkeiten sei er am 5. März 2016 von Angehörigen des CID (Criminal In-
vestigation Department) zu Hause aufgesucht und am 7. März 2016 eine
Nacht inhaftiert worden. Sein Vater und mehrere Verwandte seien ebenfalls
für die LTTE tätig gewesen.
A.c In der Anhörung vom 14. Juni 2016 machte der Beschwerdeführer
erstmals geltend, dass er von den Behörden im Januar 2016 zu Hause
aufgesucht und auf der Strasse mehrfach schikaniert und im März 2016 mit
dem Tod bedroht worden sei. Zudem hätten ihn die Behörden verdächtigt,
für das Verschwinden einer Buddha-Statue aus einem Tempel mitverant-
wortlich gewesen zu sein. Er sei am 14. März 2016 von Colombo aus auf
dem Luftweg legal mit eigenem Pass aus seinem Heimatland ausgereist,
nachdem er von der Grenzpolizei gründlich kontrolliert worden sei.
B.
Mit Verfügung vom 6. August 2019 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch
ab. Zugleich verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
den Vollzug der Wegweisung an. Die dagegen erhobene Beschwerde wies
das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4565/2019 vom 8. Oktober
2019 ab.
C.
Am 9. Dezember 2019 liess der Beschwerdeführer beim SEM eine als
"Asylgesuch respektive Mehrfachgesuch, eventualiter qualifiziertes Wie-
dererwägungsgesuch, subeventualiter einfaches Wiedererwägungsge-
such" bezeichnete Eingabe bei der Vorinstanz einreichen. Dabei machte
er im Wesentlichen geltend, aufgrund der Machtübernahme des Rajapa-
ksa-Clans am 17. November 2019 sei die Überprüfung der Asylgesuche
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aller tamilischer Gesuchsteller, insbesondere des seinigen, zwingend er-
forderlich. Der Rajapaksa-Clan gehe schonungslos gegen Gruppierungen
vor, welche den tamilischen Separatismus unterstützen würden. Dass die
Rajapaksa-Brüder keine Opfer scheuen würden, zeige die Entführung ei-
ner Angestellten der Schweizer Botschaft in Colombo am 25. November
2019. Vor diesem Hintergrund seien sämtliche durch das SEM bisher her-
angezogenen Berichte nicht mehr aktuell und könnten keine Entschei-
dungsgrundlage bilden.
Daneben hielt er an den im ersten Asylverfahren geltend gemachten Vor-
fluchtgründen fest und reichte diverse Beweismittel ein, um seine individu-
elle Gefährdung zu belegen. Sein Bankbüchlein der (...) zeige, dass er am
21. August 2015 LKR 90000 vom Ausland erhalten und am gleichen Tag
wieder abgehoben habe. Dem Bankbüchlein der (...) sei zu entnehmen,
dass er am 9. Juni 2015 LKR 120000 einbezahlt und eine Woche später
abgehoben habe. Diese Beträge seien für die Versorgung von verwunde-
ten beziehungsweise körperlich eingeschränkten ehemaligen LTTE-Kämp-
fern benutzt worden. Die für sri-lankische Verhältnisse sehr hohen Beträge
auf einmal abzuheben, sei äusserst ungewöhnlich. Es sei demnach nach-
gewiesen, dass diese Beträge aus dem Ausland als Spendengelder über-
wiesen worden seien, um Arztrechnungen et cetera zu bezahlen. Weiter
sei einer Vorladung vom (...) 2019 zu entnehmen, dass er sich am (...)
2019 im "4. Stock" des Polizeipräsidiums in Colombo für eine Befragung
hätte melden müssen und ein Haftbefehl erlassen werde, sollte er nicht
zum Termin erscheinen. Ferner würden unterschiedliche Bestätigungs-
schreiben seine Verfolgung belegen. So halte der Vorstand eines Tempels
in B._ mit Schreiben vom 5. Oktober 2019 (recte: 15. Oktober 2019)
fest, dass er (der Beschwerdeführer) nach dem Krieg den körperlich ein-
geschränkten früheren Mitgliedern der LTTE geholfen habe, indem er ihnen
finanzielle Hilfe geboten habe, die er von ausländischen LTTE-Mitgliedern
bekommen habe. Das Behördenmitglied D._ bestätige, dass er (der
Beschwerdeführer) vorerst von den "Freiheitskämpfern" unterrichtet wor-
den sei und später mit Geldern aus der tamilischen Diaspora behinderte
LTTE-Kämpfer unterstützt habe. Er werde deshalb von der Armee und dem
CID gesucht. Überdies zeige das Schreiben des Parlamentsmitglieds
E._ vom 25. Oktober 2019, dass seine Verwandten LTTE-Mitglie-
der gewesen seien. Das Schreiben von F._ vom 5. November 2019
belege, dass der Onkel väterlicherseits im Krieg als LTTE-Kämpfer getötet
worden sei. Schliesslich belege das Schreiben des sri-lankischen Roten
Kreuzes (vom 4. November 2019), dass er Mitglied sei, sich sehr engagiere
und eine vertrauenswürdige Person sei.
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Insgesamt wäre er bei einer Rückkehr massiv gefährdet, da er der Sicher-
heitsbehörde als LTTE-Unterstützer bekannt sei, unter anderem weil er jah-
relang von LTTE-Mitgliedern ausgebildet worden sei, LTTE-Kämpfer mit
Einschränkungen unterstützt und Geld aus der tamilischen Diaspora erhal-
ten habe sowie weil viele seiner Familienangehörigen der LTTE angehört
hätten und deshalb vom Staatsapparat getötet worden seien. Er wäre folg-
lich einer Reflexverfolgung ausgesetzt und würde bereits bei der Einreise
am Flughafen verhaftet und verhört. Auf diese Weise könne der sri-lanki-
sche Staatsapparat durch ihn auch an andere (in der Schweiz wohnhafte)
LTTE-Unterstützer oder -anhänger gelangen. Mit seiner Vorgeschichte be-
ziehungsweise der Registrierung als verdächtige Person, der neuen Ereig-
nisse und dem mehrjährigen Auslandaufenthalt falle er nun in die Kategorie
der vulnerabelsten Personen, die bei einer Einreise unverkennbar einer
konkreten Folter- und Todesgefahr ausgesetzt seien. Selbst wenn die Vor-
fluchtgründe nach wie vor als nicht glaubhaft erachtet würden, sei anhand
der neu eingereichten Beweismittel über die Sicherheitslage belegt, dass
er zum jetzigen Zeitpunkt bei einer Rückkehr verfolgt würde. Er gehöre zur
sozialen Gruppe der abgewiesenen Asylgesuchsteller mit tamilischer Ab-
stammung (und LTTE-Verbindungen).
D.
D.a Mit Verfügung vom 18. Dezember 2019 wies die Vorinstanz das Wie-
dererwägungsgesuch ab. Im Weiteren erklärte sie die Verfügung vom
6. August 2019 als rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Gebühr von
Fr. 600.– und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine auf-
schiebende Wirkung zu.
D.b Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 22. Januar
2020 hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-435/2020 vom
20. Februar 2020 im Sinne der Erwägungen teilweise gut und wies das
SEM an, die Eingabe vom 9. Dezember 2019 (soweit darin eine nachträg-
lich veränderte Sachlage geltend gemacht wird, welche zu einer asylrecht-
lich relevanten Gefährdung des Beschwerdeführers führen soll; Anm. des
Gerichts) als Mehrfachgesuch anhand zu nehmen und zu prüfen. Im Übri-
gen wurde die Beschwerde abgewiesen. Dabei würdigte das Bundesver-
waltungsgericht auch die im Rahmen des zweiten Asylgesuchs eingereich-
ten neuen Beweismittel (vgl. Sachverhalt Bst. C) und gelangte zum
Schluss, diese seien nicht geeignet, seine Vorverfolgung glaubhaft zu ma-
chen.
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E.
Mit Verfügung vom 31. März 2020 – eröffnet am 2. April 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung
aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
F.
Der Beschwerdeführer liess gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
4. Mai 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und be-
antragen, die Verfügung des SEM sei vollumfänglich aufzuheben, seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu ge-
währen, eventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder die Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu
verfügen. Subeventualtier sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde bean-
tragt, es sei ihm die umfassende unentgeltliche Rechtspflege unter Beiord-
nung des Unterzeichnenden als amtlichen Anwalt zu bewilligen.
G.
Am 5. Mai 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwer-
deführer den Eingang seiner Beschwerde vom 4. Mai 2020.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Juli 2020 bestätigte der Instruktionsrichter
des Bundesverwaltungsgerichts dem Beschwerdeführer, er könne den
Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies er die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtliche
Verbeiständung ab und forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum
31. Juli 2020 zugunsten der Gerichtskasse einen Kostenvorschuss von
Fr. 2'000.– zu leisten, dies verbunden mit der Androhung, auf die Be-
schwerde werde nicht eingetreten, falls der Kostenvorschuss innert Frist
nicht bezahlt werde.
I.
Der Beschwerdeführer zahlte den Kostenvorschuss am 28. Juli 2020 ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Hinsichtlich der Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts für die Be-
handlung der vorliegenden Beschwerde, der Legitimation des Beschwer-
deführers, der Einhaltung der Beschwerdefrist und der Formerfordernisse
sowie der Kognition des Bundesverwaltungsgerichts ist auf die Zwischen-
verfügung vom 16. Juli 2020 zu verweisen. Nachdem der Kostenvorschuss
fristgereicht eingezahlt wurde, ist die Beschwerde materiell zu behandeln.
2.
2.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung vom 31. März 2020
aus, es sei nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka aufgrund der aktuellen Entwicklung in den Fokus der
Behörden und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Auch die am
16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem Sieg von Gota-
baya Rajapaksa vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. Mit sei-
ner Wahl sowie ersten Anzeichen der Zunahme von Überwachungsaktivi-
täten würden zwar Befürchtungen von mehr Repression und Überwachung
von Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppositionellen, regierungs-
kritischen Personen und Minderheiten einhergehen. Dennoch gebe es zum
jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur Annahme, dass ganze Volksgruppen
kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Voraussetzung für die
Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen
vom 16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden
Person zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Ein derartiger
persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zur Präsidentschaftswahl und
dessen Folgen sei nicht gegeben, da ihm seine Vorfluchtgründe aufgrund
der Erläuterungen in den Verfügungen des SEM und der Urteile des Bun-
desverwaltungsgerichts nicht geglaubt werden könnten, und folgerichtig
auch keine persönlichen Gründe und auch sonst keine Hinweise ersichtlich
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seien, weshalb er aufgrund der aktuellen Lage in der Heimat individuell
gefährdet sein sollte.
4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, das SEM
habe in seiner Verfügung die politischen Veränderungen in Sri Lanka nicht
gebührend berücksichtigt, womit es das Untersuchungsgebot nach Art. 12
VwVG verletzt habe. Dass der Beschwerdeführer heute – nach der Macht-
übernahme durch Gotabaya Rajapaksa – zu den exponierten Personen
gehöre – werde auch durch die fotographisch belegte Razzia im Hause der
Eltern des Beschwerdeführers im Februar 2020 sowie die Vorsprache ei-
nes Polizeibeamten im März 2020 verdeutlicht.
5.
5.1 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung vom 31. März 2020 hin-
länglich klar und nachvollziehbar begründet, weshalb die in den Eingaben
vom 9. Dezember 2019 und 22. Januar 2020 (neu) geltend gemachten
Vorbringen des Beschwerdeführers nicht geeignet seien, dessen Flücht-
lingseigenschaft zu begründen. Diesbezüglich kann auf die ausführlichen
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. auch E. 4.1 vorstehend)
verwiesen werden. Die Einwände in der Beschwerde, wonach das SEM
den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig festgestellt,
eine willkürliche Sachverhaltswürdigung vorgenommen und den Untersu-
chungsgrundsatz verletzt habe (vgl. BS 4), treffen offensichtlich nicht zu.
Allein aus dem Umstand, dass das SEM die aktuelle Situation in Sri Lanka
hinsichtlich einer möglichen Gefährdung von Asylsuchenden im Falle der
Rückkehr anders einschätzt als Beschwerdeführer beziehungsweise sein
Rechtsvertreter, lässt sich weder auf eine unrichtige Sachverhaltsfeststel-
lung noch auf eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes oder eines
Verstosses gegen das Willkürverbot schliessen.
5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits in zwei Vorverfahren
– Urteil D-4565/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.1 [vgl. auch Verfügung des
SEM vom 6. August 2019 E. II] sowie Urteil D-435/2020 vom 20. Februar
2020 E. 5.und 6.1 [vgl. auch Verfügung des SEM vom 18. Dezember 2019
E. IV] – dargelegt, weshalb es die Asylvorbringen des Beschwerdeführers
als unglaubhaft beziehungsweise die dazu eingereichten Beweismittel als
unerheblich erachtet. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist auf die dies-
bezüglichen Erwägungen zu verweisen.
5.3 Die unter Erwägung 4.1 erwähnte Beurteilung des SEM deckt sich im
Ergebnis mit der Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach
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die jüngsten politischen Entwicklungen nicht zu einer Situation geführt ha-
ben, die zu einer Änderung der im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 (E. 8) entwickelten Risikoprofile Anlass geben könnte und diese auch
nach dem Machtwechsel vom November 2019 Gültigkeit haben (vgl. Urteil
des BVGer E-723/2020 vom 4. März 2020 E. 6.3). Die Schlussfolgerung
des SEM in der angefochtenen Verfügung, wonach, ohne einen konkreten
Bezug zur Person des – bisher nicht verfolgten – Beschwerdeführers dar-
zutun, allein mit dem Hinweis auf die jüngste politische Entwicklung in Sri
Lanka und daraus abgeleiteten hypothetischen allgemeinen Gefährdungs-
szenarien das Mehrfachgesuch nicht hinreichend begründet sei, erweist
sich vor dem Hintergrund der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts auch
im vorliegenden Fall als zutreffend (vgl. Urteile des BVGer E-723/2020 vom
4. März 2020 E. 6, E-910/2020 vom 16. März 2020 E. 8.1, D-76/2020/ vom
16. April 2020 E. 5, D-622/2020 vom 24. April 2020 E. 6 und 7 und
D-1658/2020 vom 29. Juni 2020 E. 4.2.3). Auch wenn mit dem aufgrund
der Präsidentschaftswahl erfolgten Machtwechsel von einer möglichen Ak-
zentuierung der Gefährdungslage von Personen mit einem Risikoprofil im
Sinne des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (E. 8) auszuge-
hen ist, besteht zum heutigen Zeitpunkt kein Grund zur Annahme, dass
ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt
wären. Der Beschwerdeführer konnte im Rahmen von bereits zwei Vorver-
fahren eine asylrechtlich relevante Verfolgung nicht glaubhaft machen und
er vermag weder im Gesuch vom 9. Dezember 2019 noch in der vorliegen-
den Beschwerde hinreichend individualisiert zu begründen, inwiefern er
aufgrund der seit dem Urteil des BVGer vom D-4565/2019 vom 8. Oktober
2019 in Sri Lanka erfolgten Entwicklung und insbesondere der sich auf-
grund der Präsidentschaftswahl ergebenden Situation persönlich betroffen
und nunmehr konkret gefährdet sein soll. Die mit den im Rahmen des vor-
liegend zu beurteilenden Gesuchs erwähnten Berichten dokumentierte
Entwicklung verdeutlicht lediglich, dass die im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 erwähnten Risikofaktoren, die zu einer asylrechtlich re-
levanten Gefährdung von nach Sri Lanka zurückkehrenden tamilischer
Personen führen können, nach wie vor aktuell und dementsprechend wei-
terhin zu prüfen sind. Mit der auf den entsprechenden Berichten basieren-
den, von der aktuellen Rechtsprechung abweichenden These, jeder nach
Sri Lanka zurückgeschaffte tamilische Gesuchsteller – dies vor allem im
Lichte der Machtergreifung von Gotabaya Rajapaksa – werde mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit jederzeit Opfer einer Verhaftung und von Ver-
hören unter Anwendung von Folter (vgl. Beschwerde BS 5 Bst. e), wird zur
Begründung des Gesuchs vom 9. Dezember 2019 eine Auffassung vertre-
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015
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ten, die sich als solche letztlich nur in appellatorischer Kritik an der aktuel-
len Rechtsprechung zu Sri Lanka erschöpft. Als solche kann sie jedoch
nicht Grundlage einer erneuten Überprüfung des Asylgesuches des Be-
schwerdeführers im Rahmen eines Mehrfachgesuchs bilden. An der dies-
bezüglichen Einschätzung vermögen auch die zwei mit der vorliegenden
Beschwerde eingereichten Beweismittel, zwei Fotos, die erste angeblich
eine Militärrazzia im Februar 2020, die zweite einen angeblichen Besuch
eines Polizeibeamten im Haus der Eltern des Beschwerdeführers im März
2020 dokumentierend, nichts zu ändern, da sie keine schlüssigen Hinweise
auf eine gezielte behördliche Suche nach ihm enthalten.
5.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM in seiner Verfügung vom
31. März 2020 zu Recht festgestellt hat, es lägen keine persönlichen oder
individuellen Gründe vor, und es seien auch sonst keine Hinweise ersicht-
lich, weshalb der Beschwerdeführer aufgrund der aktuellen Lage in seiner
Heimat gefährdet sein sollte. Das SEM hat demzufolge die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch
abgelehnt.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die vom SEM
verfügte Wegweisung steht daher im Einklang mit Art. 44 AsylG.
6.2 Das SEM hat zutreffend festgestellt, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen sei, hinreichend darzulegen, inwiefern er aufgrund der
jüngsten politischen Entwicklung in Sri Lanka gefährdet sein soll. Es ist
auch sonst nicht ersichtlich, inwiefern sich die Sachlage seit dem Urteil
D-4565/2019 vom 8. Oktober 2019 dergestalt geändert haben soll, dass
nunmehr davon auszugehen wäre, der Vollzug der Wegweisung sei im
Sinne von Art. 83 Abs. 2–4 AIG unzulässig, unzumutbar oder unmöglich.
Diesbezüglich kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochte-
nen Verfügung verwiesen werden.
6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM die Wegweisung aus der
Schweiz und deren Vollzug zu Recht verfügt hat. Die Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 2'000. – dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zu deren Begleichung ist der am 28. Juli
2020 eingezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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