Decision ID: 26901aa2-0f4a-4d4f-93e5-d2b6750ffba7
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 11. Mai 2021
wurde A. (Beschwerdeführer) wegen mehrfacher Verleumdung und mehr-
facher Verletzung des Berufsgeheimnisses zu einer bedingten Geldstrafe
von 60 Tagessätzen à Fr. 570.00, Probezeit 2 Jahre, sowie zu einer Busse
von Fr. 6'800.00 (ev. 12 Tage Ersatzfreiheitsstrafe) verurteilt.
1.2.
Mit Eingabe vom 20. Mai 2021 erhob der Beschwerdeführer Einsprache
gegen diesen Strafbefehl.
1.3.
Am 2. Juli 2021 überwies die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau den
Strafbefehl zur Durchführung des Hauptverfahrens an das Bezirksgericht
Aarau.
2.
2.1.
Mit Eingabe vom 6. August 2021 gab der Beschwerdeführer bekannt, dass
er aufgrund einer gravierenden Erkrankung und deren Folgen bzw. den
Folgen der Behandlung massiv in seiner Verhandlungsfähigkeit einge-
schränkt sei, und ersuchte um Sistierung des Verfahrens bis zum Ab-
schluss der Behandlung.
2.2.
Mit Verfügung vom 2. September 2021 wies der Präsident des Bezirksge-
richts Aarau den Antrag des Beschwerdeführers auf Verfahrenssistierung
ab.
2.3.
Mit Eingabe vom 13. September 2021 wies der Beschwerdeführer darauf
hin, dass er aufgrund der Behandlung seiner Erkrankung über kein funkti-
onierendes Immunsystem verfüge, weshalb er bei einer Verhandlung in na-
her Zukunft in einem separaten Raum untergebracht werden müsse und
die Befragung per Übertragung durchzuführen sei.
2.4.
Am 21. Oktober 2021 wurde der Beschwerdeführer unter Hinweis auf die
Erscheinungspflicht und Säumnisfolgen zur Hauptverhandlung vom 17. Ja-
nuar 2022 vor dem Präsidenten des Bezirksgerichts Aarau vorgeladen.
- 3 -
2.5.
Mit Eingabe vom 4. Januar 2022 ersuchte der Beschwerdeführer im Zu-
sammenhang mit seinem Verteidigerwechsel und der vom neuen Verteidi-
ger benötigten Einarbeitungszeit um Verschiebung der Hauptverhandlung.
2.6.
Mit Verfügung vom 10. Januar 2022 wies der Präsident des Bezirksgerichts
Aarau das Gesuch um Verschiebung der Hauptverhandlung ab.
2.7.
Mit Eingabe vom 13. Januar 2022 stellte der Beschwerdeführer erneut ein
Gesuch um Verschiebung der Hauptverhandlung und führte als Begrün-
dung an, dass er trotz dreifacher Impfung keine Antikörper gegen das
Coronavirus habe aufbauen können, weshalb die Durchführung der Ver-
handlung für ihn angesichts der "Omikron-Welle" lebensgefährdend sei.
Zudem teilte er die Beendigung des Mandats durch seinen (neuen) Vertei-
diger mangels Möglichkeit zur Einarbeitung mit. Er legte seiner Eingabe ein
ärztliches Attest vom 12. Januar 2022 bei.
2.8.
Mit Verfügung vom 13. Januar 2022 wies der Präsident des Bezirksgerichts
Aarau das Gesuch um Verschiebung der Verhandlung ab und hielt fest,
dass sich der Beschwerdeführer während der gesamten Verhandlung al-
leine in einem separaten, desinfizierten Raum aufhalten und via technische
Hilfsmittel an der Verhandlung teilnehmen könne. Er werde gebeten, sich
um 14.05 Uhr draussen vor dem Gerichtsgebäude einzufinden und werde
durch das Gericht in die entsprechenden Räumlichkeiten geleitet.
2.9.
Am 17. Januar 2022 fand die Hauptverhandlung statt. Der Beschwerdefüh-
rer blieb der Verhandlung fern.
2.10.
Mit Verfügung vom 17. Januar 2022 schrieb der Präsident des Bezirksge-
richts Aarau das Verfahren ST.2021.107 infolge Rückzugs der Einsprache
als erledigt von der Kontrolle ab und stellte fest, dass der Strafbefehl
ST.2018.5883 der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 11. Mai 2021
in Rechtskraft erwachsen sei.
3.
3.1.
Mit Eingabe vom 11. Februar 2022 erhob der Beschwerdeführer Be-
schwerde gegen diese ihm am 2. Februar 2022 zugestellte Verfügung und
stellte die folgende Anträge:
- 4 -
" 1.
Es sei festzustellen, dass die Einsprache gegen den Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 11. Mai 2021 nicht als zurück-
gezogen gilt.
2.
Die Verfügung des Präsidiums des Bezirksgerichtes Aarau vom 17. Ja-
nuar 2022 sei aufzuheben.
3.
Das Präsidium des Bezirksgerichtes Aarau sei anzuweisen, die Haupt-
verhandlung im Verfahren ST.2021.107 (STA-Nr. STA1
ST.2018.58839) neu anzusetzen und durchzuführen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7% MWST) zu
Lasten des Staates."
Zudem stellte er folgende prozessualen Anträge:
" 1.
Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren.
2.
Es seien die Strafakten ST.2021.107 beizuziehen."
3.2.
Mit Verfügung vom 14. Februar 2022 erteilte der Verfahrensleiter der Be-
schwerde die aufschiebende Wirkung.
3.3.
Mit Eingabe vom 15. Februar 2022 erstattete die Staatsanwaltschaft Lenz-
burg-Aarau die Beschwerdeantwort und beantragte die kostenfällige Ab-
weisung der Beschwerde.
3.4.
Mit Eingabe vom 17. Februar 2022 teilte der Zivil- und Strafkläger 1 mit,
sich nicht aktiv am Beschwerdeverfahren zu beteiligen, bat jedoch unter
Verweis auf die drohende Verjährung beim Ehrverletzungsdelikt um einen
raschen Entscheid.
3.5.
Mit Eingabe vom 28. Februar 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Stel-
lungnahme ein.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Verfügungen erstinstanzlicher Gerichte sind - mit Ausnahme verfahrenslei-
tender Entscheide - gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO mit Beschwerde
anfechtbar. Vorliegend angefochten ist eine das erstinstanzliche Verfahren
abschliessende Verfügung (vgl. Art. 80 Abs. 1 StPO) des Präsidenten des
Bezirksgerichts Aarau. Es liegen keine Beschwerdeausschlussgründe
i.S.v. Art. 394 StPO vor. Die Beschwerde ist damit zulässig.
Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung in seinen
rechtlich geschützten Interessen betroffen (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die
form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist damit einzutreten (Art. 396
Abs. 1 StPO).
2.
2.1.
Der Präsident des Bezirksgerichts Aarau begründet die angefochtene Ver-
fügung damit, dass der Beschwerdeführer unentschuldigt nicht zur Haupt-
verhandlung erschienen sei und sich auch nicht habe vertreten lassen, wo-
mit er bewusst auf den ihm zustehenden Rechtsschutz verzichtet habe und
die Einsprache gegen den Strafbefehl gemäss Art. 356 Abs. 4 StPO als
zurückgezogen gelte.
2.2.
In der Beschwerde wird im Wesentlichen vorgebracht, dass der Beschwer-
deführer mit Verschiebungsgesuch vom 13. Januar 2022 darauf hingewie-
sen habe, dass er an einer Blutkrebserkrankung leide und unter onkolo-
gisch-medikamentöser Therapie stehe. Er habe ein ärztliches Attest beige-
legt, gemäss welchem er trotz dreifacher Covid-Impfung keine Antikörper
habe aufbauen können, weshalb die Durchführung der Verhandlung für ihn
in Anbetracht der täglich massiv steigenden Ansteckungszahlen im Zuge
der Omikron-Welle lebensgefährdend sei. Das Verschiebungsgesuch des
Beschwerdeführers vom 13. Januar 2022 sei ohne jede fachärztliche oder
amtsärztliche Prüfung abgewiesen worden. Damit habe der Präsident des
Bezirksgerichts Aarau sein Ermessen überschritten und habe ermessens-
missbräuchlich und willkürlich gehandelt. Die Frage einer lebensgefährli-
chen Exposition erfordere medizinisches Fachwissen. Es sei notorisch,
dass Ansteckungen nicht nur durch persönliche Kontakte möglich seien,
sondern insbesondere auch durch infektiöse Aerosole in Innenräumen. Zu-
dem sei das Ansteckungsrisiko in Innenräumen wesentlich höher als in
Aussenbereichen. Durch das Zurverfügungstellen eines separaten Raums
und die Befragung durch Videoübertragung habe der bestehenden Gefahr
damit nicht genügend begegnet werden können. Eine Verschiebung der
Verhandlung um einige Wochen bis zum Abflachen der Ansteckungszahlen
hätte keinerlei Nachteile für die betroffenen Parteien mit sich geführt. Die
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Güterabwägung falle fraglos zugunsten des Schutzes des eigenen Lebens
aus, weshalb der Beschwerdeführer nicht unentschuldigt der Hauptver-
handlung ferngeblieben sei. Die Nichtteilnahme sei vielmehr das einzige
mögliche und adäquate Mittel gewesen, um der konkreten Lebensgefahr
zu begegnen. Daraus auf ein Desinteresse am weiteren Gang des Straf-
verfahrens zu schliessen, gehe fehl und sei nicht haltbar. Gemäss bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung sei eine mittels ärztlichem Attest belegte Ver-
hinderung nicht rechtsmissbräuchlich, da der Verhinderungsgrund offen-
sichtlich ohne Verschulden eingetreten sei.
Eventualiter wird angeführt, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Ver-
schiebungsgesuchs vom 13. Januar 2022 und des als Beilage eingereich-
ten Arztzeugnisses von der Teilnahme an der Hauptverhandlung hätte dis-
pensiert werden müssen. Der angefochtene Entscheid hätte sich nicht nur
mit Art. 114 Abs. 1 StPO (Verhandlungsfähigkeit) befassen müssen, son-
dern auch mit Art. 336 Abs. 3 StPO (Dispens von der Hauptverhandlung)
und hätte darlegen müssen, weshalb die Anwesenheit des im Zeitpunkt der
Verhandlung vom 17. Januar 2022 nicht mehr anwaltlich vertretenen Be-
schwerdeführers trotz der geltend gemachten akuten Gesundheitsgefähr-
dung zwingend erforderlich sei.
Der Beschwerdeführer habe zu keinem Zeitpunkt angedeutet oder zum
Ausdruck gebracht, dass er am Fortgang des Verfahrens desinteressiert
sei. Es sei offensichtlich darum gegangen, das Verfahren gemäss Art. 356
Abs. 4 StPO abschreiben zu können, was sich als überspitzt formalistisch
erweise, weil die Voraussetzungen für einen Dispens von der Hauptver-
handlung fraglos gegeben gewesen wären und Ausführung im angefochte-
nen Entscheid hierzu gänzlich fehlen würden.
2.3.
Die Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg wies darauf hin, dass für den Be-
schwerdeführer (entsprechend den Ausführungen im ärztlichen Attest vom
12. Januar 2022) ein separater Raum reserviert worden sei, damit er – wie
von ihm beantragt – mittels technischer Übertragung und ohne Kontakt zu
den weiteren Teilnehmern - an der Verhandlung hätte teilnehmen können.
Mit Verfügung vom 13. Januar 2022 sei das Verschiebungsgesuch des Be-
schwerdeführers abgelehnt worden, unter Mitteilung des vorgesehenen
Ablaufs mit Aufenthalt in einem separaten Raum. Der Beschwerdeführer
habe diese Verfügung im Wissen um die Folgen bei unentschuldigtem
Nichterscheinen nicht angefochten.
Im Übrigen liege der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau ein durch den Be-
schuldigten ausgestelltes Arztzeugnis vom 21. Januar 2022 vor, welches
nahelege, dass der Beschuldigte kurz nach der Verhandlung vom 17. Ja-
nuar 2022 wieder ärztlich tätig gewesen sei und Personen habe untersu-
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chen können. Er sei damit sehr wohl physisch in der Lage gewesen, in ei-
nem separaten Raum an der Verhandlung vom 17. Januar 2022 teilzuneh-
men.
2.4.
Hierzu führte der Beschwerdeführer aus, dass er seine letzte Operation am
1. November 2021 durchgeführt habe. Die letzte Sprechstunde habe er un-
ter erweiterten Sicherheitsmassnahmen wie 4 Meter Distanz, FFP 2 Maske
und permanent offener Terrassentüre am 15. Dezember 2021 abgehalten.
Als sich die sehr ansteckende Omikron-Variante durchgesetzt habe, habe
er die Sprechstundentätigkeit aufgegeben und nur noch Online-Konsultati-
onen für den bestehenden Kundenstamm angeboten. In diesem Rahmen
habe er auch am 21. Januar 2022 das von der Staatsanwaltschaft Lenz-
burg-Aarau genannte Arbeitsunfähigkeitszeugnis für einen Patienten aus-
gestellt.
Es sei ihm zwar ein Spezialraum mit Videoschaltung angeboten worden, er
habe aber in keiner Weise sichergehen können, dass die Durchlüftung si-
chergestellt bzw. der Raum frei von Aerosolen gewesen sei. Man könne
ihm eine schwere psychische Überlastungssymptomatik vorhalten. Er habe
jedoch aufgrund seiner medizinischen Situation einfach Angst um sein Le-
ben.
3.
3.1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Vorinstanz das Verfahren gestützt
auf Art. 356 Abs. 4 StPO als durch Rückzug der Einsprache erledigt abge-
schrieben. Gemäss dieser Bestimmung gilt die Einsprache einer Person als
zurückgezogen, wenn diese der Hauptverhandlung unentschuldigt fern-
bleibt und sich auch nicht vertreten lässt.
Das Bundesgericht hat dazu in konstanter Rechtsprechung festgehalten,
ein konkludenter Rückzug der Einsprache dürfe nur angenommen werden,
wenn sich aus dem gesamten Verhalten des Betroffenen der Schluss auf-
dränge, er verzichte mit seinem Desinteresse am weiteren Gang des Ver-
fahrens bewusst auf den ihm zustehenden Rechtsschutz. Der an das un-
entschuldigte Fernbleiben geknüpfte (fingierte) Rückzug der Einsprache
setzt deshalb voraus, dass sich der Beschuldigte der Konsequenzen seiner
Unterlassung bewusst ist und er in Kenntnis der massgebenden Rechts-
lage auf die ihm zustehenden Rechte verzichtet. Zu verlangen ist, dass der
Betroffene hinreichend über die Folgen des unentschuldigten Fernbleibens
in einer ihm verständlichen Weise belehrt wird. Die Rückzugsfiktion kann
sodann nur zum Tragen kommen, wenn aus dem unentschuldigten Fern-
bleiben nach dem Grundsatz von Treu und Glauben auf ein Desinteresse
am weiteren Gang des Strafverfahrens geschlossen werden kann (BGE
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140 IV 82 E. 2.3; BGE 140 IV 86 E. 2.6; BGE 142 IV 158 E. 3.1 und 3.3;
BGE 146 IV 30 E. 1.1.1).
3.2.
3.2.1.
Dem Beschwerdeführer werden mit den Tatvorwürfen der mehrfachen Ver-
leumdung gemäss Art. 174 Ziff. 1 StGB und der mehrfachen Verletzung
des Berufsgeheimnisses gemäss Art. 321 Ziff. 1 StGB Vergehen vorgewor-
fen. Es bestand damit eine Pflicht zur persönlichen Teilnahme an der
Hauptverhandlung (Art. 336 Abs. 1 lit. a StPO).
3.2.2.
Die Vorladung zur Hauptverhandlung wurde dem Beschwerdeführer ge-
mäss der angefochtenen Verfügung am 23. Oktober 2021 zugestellt (un-
bestritten, Zustellnachweis nicht in den Akten). Die Vorladung enthielt An-
gaben zur Erscheinungspflicht und den Säumnisfolgen. Insbesondere
wurde darauf hingewiesen, dass der Vorladung gemäss Art. 205 Abs. 1
StPO Folge zu leisten sei, eine Verhinderung schriftlich begründet und so-
weit möglich belegt mitzuteilen sei (Art. 205 Abs. 2 StPO) und bei Fernblei-
ben der Einsprache erhebenden Person trotz Vorladung die Einsprache als
zurückgezogen gelte (Art. 356 Abs. 4 StPO).
3.2.3.
Der Beschwerdeführer ersuchte mit Eingabe vom 13. Januar 2022 um Ver-
schiebung der Hauptverhandlung und führte zur Begründung an, dass er
aufgrund seiner Blutkrebserkrankung und der onkologisch-medikamentö-
sen Therapie trotz dreifacher Impfung keine Antikörper gegen das Corona-
virus habe aufbauen können. Er legte seiner Eingabe ein ärztliches Attest
vom 12. Januar 2022 bei, nach welchem die Teilnahme an einer Gerichts-
verhandlung in einem engen Saal mit vielen Leuten ohne die entspre-
chende Lüftungstechnik für ihn lebensgefährdend sei.
Mit Verfügung vom 13. Januar 2022 wies der Präsident des Bezirksgerichts
Aarau das Gesuch um Verschiebung der Verhandlung ab und hielt fest,
dass der Beschuldigte sich während der gesamten Verhandlung alleine in
einem separaten, desinfizierten Raum aufhalten und via technische Hilfs-
mittel an der Verhandlung teilnehmen könne. Er werde gebeten, sich um
14.05 Uhr vor dem Gerichtsgebäude einzufinden. Dort werde er durch das
Gericht in Empfang genommen und in die entsprechenden Räumlichkeiten
geleitet.
Der Beschuldigte erschien am 17. Januar 2022 trotz der mit Verfügung vom
13. Januar 2022 bekräftigten Erscheinungspflicht und ohne Reaktion hie-
rauf nicht zur Hauptverhandlung (Protokoll vom 17. Januar 2022). Sein
Nichterscheinen ist damit als unentschuldigt i.S.v. Art. 356 Abs. 4 StPO zu
bezeichnen.
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Die mit Verfügung vom 13. Januar 2022 angesichts der Erkrankung des
Beschwerdeführers festgelegten Schutzmassnahmen entsprechen dem
Ersuchen des Beschwerdeführers vom 13. September 2021, ihn bei einer
Verhandlung angesichts seines fehlenden Immunsystems in einem sepa-
raten Raum unterzubringen und die Befragung per Übertragung durchzu-
führen, und begegnen damit angemessen der im ärztlichem Attest vom
12. Januar 2022 geschilderten Lebensgefahr bei Aufenthalt in einem en-
gen, nicht durchlüfteten Saal mit vielen Leuten. Dass der Beschwerdeführer
trotz dieser (den ärztlichen Vorgaben Rechnung tragenden) Massnahmen
nicht zur Hauptverhandlung erschien, ohne etwa zuvor seine gemäss den
Ausführungen in der Beschwerde bestehenden Ängste betreffend Aerosole
kundzutun und sich beispielsweise über die konkreten Lüftungsmöglichkei-
ten zu erkundigen, kann nach Treu und Glauben nicht anders als ein Ver-
zicht auf den weiteren Fortgang des Verfahrens gewertet werden.
3.2.4.
Zum Einwand des Beschwerdeführers, der Präsident des Bezirksgerichts
Aarau hätte ihn von der Teilnahme an der Hauptverhandlung dispensieren
müssen, ist festzuhalten, dass die Dispensation von der Erscheinungs-
pflicht gemäss Art. 336 Abs. 3 StPO ein entsprechendes Gesuch der be-
schuldigten Person voraussetzt. Der Beschwerdeführer ersuchte jedoch
einzig (mit jeweils unterschiedlicher Begründung) um Sistierung des Ver-
fahrens (Eingabe vom 6. August 2021) bzw. um Verschiebung der Haupt-
verhandlung (Eingaben vom 4. Januar 2022 und 13. Januar 2022), nicht
jedoch um Dispensation. Gründe, aufgrund welcher seine Eingabe vom
13. Januar 2022 als Dispensationsgesuch hätte entgegengenommen wer-
den müssen, sind nicht ersichtlich, zumal der Beschuldigte auch bei dieser
Eingabe anwaltlich vertreten war und die Eingabe keinerlei Ausführungen
dazu enthielt, dass er auf eine Anwesenheit bei der Verhandlung verzichten
wolle bzw. inwiefern (wie in Art. 336 Abs. 3 StPO vorausgesetzt) seine An-
wesenheit nicht erforderlich sei. Auch nach Abweisung des Verschiebungs-
gesuchs mit Verfügung vom 13. Januar 2022 ging kein weiteres Gesuch
des Beschwerdeführers um Dispensation von der Erscheinungspflicht ein.
Vielmehr liess er sich (wie in E. 3.2.3 dargelegt) nicht mehr vernehmen und
erschien nicht zur Hauptverhandlung. Es ist daher nicht zu beanstanden,
dass die Dispensation des Beschwerdeführers nicht geprüft wurde.
3.3.
Zusammenfassend ist die Verfügung des Präsidenten des Bezirksgerichts
Aarau vom 17. Januar 2022 nicht zu beanstanden, womit die Beschwerde
abzuweisen ist.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem vollständig un-
terliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
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