Decision ID: a43915e3-a05c-5889-9bc6-74f9881f6460
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1979 geborene
X._
ist gelernter Detailhandels-Verkäufer und
arbeitete
- nach verschiedenen Anstellungen in diversen Berufen -
vom 1. Mai 2006 bis August 2008 als Personalmanager bei der
Y._
AG, vom 1. Januar bis April 2009 bei der
Z._
AG als Personalberater und zuletzt vom 1.
Februar bis 24.
September 2010 bei der
A._
AG als Personalberater, jeweils bei einem 100%-Pensum (Urk. 7/9 und Urk. 7/17). Am 11. Oktober 201
0
wurde der Versicherte durch die
Krankentag
geld
ver
sicherung
Zürich Versicherungs-
Gesellschafts
AG bei der
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Früherfassu
ng gemeldet (
Urk. 7/2). Auf deren Aufforderung hin, meldete sich
X._
am 3. Februar 2011 (Eingangsdatum) bei der IV-Stelle wegen
„
Burnout (physisch und psychisch)
“
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/9). Die IV-Stelle tätigte darauf
hin medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess den Versicherten durch
Dr.
med.
dipl.
-psych.
B._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 30. August 2011, Urk. 7/30).
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahren
s
(Urk. 7/35)
auferlegte die IV
Stelle
X._
eine Schadenminderungspflicht
im Sinne der Fort
führung einer fachärztlichen Psycho- und Pharmakotherapie
(Urk. 7/3
3
). Mit
Verfügung vom 16. Januar 2012 (Urk. 7/41 in Verbindung mit Urk. 7/46
50)
wurde
dem Versicherten mit Wirkung ab 1. August 2011 eine ganze Invalidenrente zu
gesprochen
.
1.2
Mit Schreiben vom
3. Juli 2012 bat
X._
, der seit Herbst 2011 als Kartenleger und Spielleiter bei der
C._
GmbH bei einem 30
40%
Pen
sum arbeitet und in einem Job Coach-Programm der
D._
teilnimmt -
die IV-Stelle um Unterstützung bei der Wieder
eingliederung (Urk. 7/54-55).
Im Rahmen der amtlichen Revision (Urk. 7/57-61) klärte die IV-Stelle wiederum die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab und liess den Versicherten durch med.
pract
.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) psychiatrisch untersuchen (RAD-Unter
suchungsbericht vom 29. Mai 2013, Urk. 7/73).
Mit Vorbescheid vom 7. Juni 2013 (
Urk.
7/76) wurde
X._
die rückwirkende Aufhebung seiner Rente per 30. November 2011 in Aussicht gestellt, wogegen er am 3. Juli beziehungsweise 9. September 2013 Einwand erhob (Urk. 7/83 und Urk. 7/87). Daraufhin veranlasste die IV-Stelle eine weitere psychiatrische Begutachtung des Versicherten bei
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (psychiatrisches Gutachten vom 26. März 2014, Urk. 7/92)
und kündigte mit Vorbescheid vom 7. August 2014 (Urk. 7/98) die
wieder
erwägungsweise
Aufhebung der Verfügung vom
12. Januar 2012 (r
ichtig
:
16. Januar 2012
)
an. Dagegen erhob der Versicherte am 11. August beziehungs
weise 18. September 2014 erneut Einwand (Urk. 7/100 und Urk. 7/106, unter Nach
reichung einer Stellungnahme von
Dr.
F._
vom 13. Oktober 2014, Urk. 7/109). Mit Verfügung vom 17. Dezember 2014 hob die IV-Stelle wiedererwägungsweise die bisherige ganze Invalidenrente auf (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2. Februar 2015 Beschwerde und beantragte, es sei ihm unter Aufhebung der Verfügung vom 17. Dezember 2014 weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 11. März 2015 auf Abweisung der Beschwerde
(
Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-117)
, was dem Beschwerdeführer am 12. März 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weit
gehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer
Gesundheits
schaden
führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Ein
kommens
vergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Ändert sich der Grad der Invalidität eines Rentenbezügers oder einer
Renten
bezügerin
in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so ist die Rente laut
Art.
17
Abs.
1 ATSG für die Zukunft entsprechend zu erhöhen, herab
zusetzen oder aufzuheben. Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E.
2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Ver
waltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die
Revisions
vor
aussetzungen
des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Nach der Recht
sprechung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Vor
aus
setzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Massgebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen
)
.
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erle
digen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammen
hänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrer Verfügung (Urk. 2) die
wieder
erwägungsweise
Aufhebung der Verfügung vom 16. Januar 2012 damit,
dass auf das
psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
vom 30. August 2011, worin basierend auf der Diagnose einer anhaltenden mittel- bis
schwergradigen
depressiven Episode mit somatischem Syndrom im Rahmen einer depressiven Entwicklung (ICD-10: F 32.11 und F. 32.21) eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert worden sei
, nicht hätte abgestellt werden dürfen. So sei das Gutachten aus diversen Gründen nicht nachvollziehbar: der Beschwerdeführer weise ein hohes Aktivitätsniveau aus, die Diagnose einer depressiven
Episode nach ICD
10: F 32.11/
F 32.21
sei ein
vorübergehendes Leiden das durch psycho
soziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden
sei, wobei
unklar
sei
, inwiefern diese bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit miteingeflossen seien
. Daher
erweise sich
die Verfügung vom 16. Januar 2012
als
zweifellos unrichtig
(S. 2-
3). Auch unter Berücksichtigung der aktuellen medizinischen Aktenlage zeige sich die Überwind
barkeit des psychischen Leidens. So seien die von Dr.
F._
gestellten Diagnosen einer kombinierten
anankastischen
und ängstlich (ver
meidenden) Persönlichkeitsstörung sowie einer mittelgradigen depressiven Epi
sode nicht nachvollziehbar.
Es sei vielmehr gemäss RAD-Arzt
E._
davon auszugehen, dass gegenwärtig eine leichtgradige depressive Episode und somit
kein invalidisierender Gesundheitsschaden nach Art. 8 ATSG vorliege (S. 3-5).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1) geltend, die ursprüngliche Verfügung sei nicht zweifellos unri
chtig gewesen.
Das G
ut
achten von
Dr.
B._
sei vollständig
, schlüssig und d
er
Gesundheits
schaden
sowie
die daraus resultierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien aus
gewiesen. Dies habe auch RAD-Arzt
Dr.
G._
in seiner Stellungnahme vom 15. September 2011 festgestellt. Aufgrund dieser übereinstimmenden medizi
nischen Aktenlage
sei die damalige Beurteilung der materiellen Anspruchs
voraussetzungen absolut vertretbar
gewesen (S. 4-8, Ziff. 1).
Gestützt auf das
beweiskräftige
p
sychiatrische Gutachten von Dr.
F._
vom 26. März 2014 sei keine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustandes im Sinne von Art. 17 ATSG
ausgewiesen (S. 8-12, Ziff. 2). Dagegen sei
der
Unter
suchungsbericht von RAD-Arzt
E._
vom 29. Mai 2013 mangelhaft, wes
halb nicht darauf abgestellt werden dürfe (S. 14-15).
2.3
Strittig
und zu prüfen ist, ob die ursprüngliche
Leistungszusprache
zweifellos unrichtig gewesen und damit ihre wiedererwägungsweise Aufhebung zulässig war
.
3.
3
.1
Der ursprünglichen
Zusprache
einer g
anzen Rente mit Verfügung vom 16
. Januar 2012 (
Urk.
7/
4
1 und
Urk.
7/
46-50
) lag das psychiatrische Gutachten
von
Dr.
B._
vom
30. August 2011
(Urk. 7/30) zugrunde,
worin als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
anhaltend mittel- bis
schwer
gradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom im Rahmen einer depressi
ven Entwicklung (ICD-10: F 32.11 und F 32.21) genannt
wurde. Als Nebendiagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit führte er akzentuierte (rigid-
anankastische
und narzisstisch-selbstunsichere) Persönlichkeitsanteile (ICD-10: Z 73.1) auf. Die Hauptsymptome, die nach ICD-10 für die Diagnose einer depressiven Störung gefordert seien, seien feststellbar: depressive Stimmung, Interessenverlust, deutliche Minderung der emotionalen Reagibilität sowie eine Antriebsminderung. An sogenannten Zusatzsymptomen zeigten sich in der Untersuchung eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, Gefühl von Sinnlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Schlafstörungen und Insuffizienzgefühle.
„Somatische“
Symptome seien in der U
ntersuchung in Form einer verminderten Reagibilität auf sonst freudige Ereignisse, eines morgendlichen Stimmungstiefs, Antriebsminderung,
A
ppetit
min
de
rung
(ohne Gewichtsverlust) und
Libidominderung
feststellbar. Die Diagnose
n
ständen
weitgehen
d
im Einklang mit den vorliegenden
Arztbe
richten
, die den Verlauf der Erkrankung dokumentierten. Subjektiv beschreibe der Beschwerde
führer ein ausgeprägtes gehemmt-depressives Syndrom. Hin
sichtlich des Tagesabla
ufs sei ein eher tiefes Aktivitätsniveau mit Rü
ckzug
explorierbar
. Das Ausmass und die Dauer der festgestellten depressiven Ver
stimmung sprächen differentialdiagnostisch gegen das Vorliegen einer reinen Anpassungsstörung, auch wenn aus dem
Beginn und dem Verlauf eine reak
tive Komponente (Arbeitsplatzprobleme) als Ausgangspunkt anzunehmen sei.
Diff
e
rential
diagnostisch
sei auch eine organisch bedingte
depressive Störung, eine
dysth
y
me
Störung, eine bipolar affektive Störung, eine
schizoaffektive
Störung oder eine Persönlichkeitsstörung zu erwägen. Für die aufgeführten Kriterien seien die Diagnosen nach ICD-10 nicht erfüllt. Akzentuierte Persönlichkeitszüge (rigid-
anankastisch
, narzisstisch-selbstunsicher) lägen vor, sie seien per se nicht krankheitswertig, wirkten sich aber ungünstig auf den Behandlungs- und Heilungsverlauf aus. Hinweise für eine willentliche Herbeiführung oder massive Verdeutlichung psychischer oder körperlicher Störungen im Sinne einer Aggravation oder Simulation zeigten sich ebenfalls nicht.
Auf der psychisch geistigen Ebene werde die Leistungsfähigkeit durch die dargestellten affektiven, psychomotorischen, kognitiven, formal gedanklichen
und vegetativen Symptome erheblich beeinträchtigt. Auf der psychiatrisch
kör
perlichen Ebene bestehe eine ausgeprägte Störung der Vitalgefühle, die die psychophysische Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers zum
Untersuchungs
zeitpunkt
deutlich einschränke. Im Hinblick auf die soziale Interaktion sei der Beschwerdeführer durch die Antriebsminderung und durch einen erheblichen sozialen Rückzug deutlich in seiner psychosozialen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Es bestehe eine
Aggressionshemmung, mangelnde
D
urch
setzungs
fähigkeit
, Entscheidungsschwäche und geringe
Frustrations
toleranz
im Rahmen der akzentuierten Persönlichkeitsanteile. Zum
Unter
suchungs
zeitpunkt
liege im angestammten Beruf oder vergleichbaren Verweistätigkeiten eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund de
s
vorliegenden mittel- bis
schwergradig
depressiven Zustandsbildes vor.
Aus psychiatrischer Sicht sei die attestierte Arbeitsunfähigkeit seit Juli 2010 ausgewiesen.
Angesichts des weiterhin mittel- bis
schwergradig
ausgeprägten depressiven Syndroms sei von einer geringen Belastbarkeit auszugehen. Es sei leicht vorstellbar, dass der Beschwerdeführer in psychosozialen Belastungssituationen schnell mit Überforderung und Zunahme der depressiven Symptomatik reagieren werde. Eine Arbeitsrehabilitation (Belastbarkeitserprobung, Arbeitstraining) sollte parallel zu den intensivierten ambulanten Massnahmen in einem zunächst geschützten Umfeld, das heisst in ruhiger stressarmer, emotional wenig belastender, gut strukturierter, nicht monotoner und unterstützender Arbeitsatmosphäre mit geringer Mitarbeiterzahl erfolgen, beginnend mit einem Pensum von 50 % (4 Stunden täglich) und schrittweiser Steigerung nach Verlauf in den nächsten 6-9 Monaten. Nach beruflicher Stabilisierung seien berufliche Massnahmen angezeigt.
Invaliditäts
fremde
Faktoren (Arbeitslosigkeit, ungewisse berufliche Zukunft, finanzielle Pro
bleme,
Dekonditionierung
, sekundärer Krankheitsgewinn [Entlastung], laufen
des versicherungsrechtliches Verfahren) seien dabei berücksichtigt worden und von invaliditätsbedingten Befunden abgegrenzt und nicht in die Beur
teilung der medizinisch-theoretischen Zumutbarkeit einer Tätigkeit
mitein
geflossen
.
Unter
Berücksichtigung des bisherigen schon deutlich prolongierten Verlaufs sei von einem weiteren längeren Behandlungs- und Heilverlauf aus
zugehen. Deswegen und auch aufgrund der interagierenden akzentuierten rigid-
anankastischen
, narzisstisch-selbstunsicheren Persönlichkeitsanteile müsse im Falle des Beschwerdeführers das
Chronifizierungsrisiko
als erhöht beurteilt werden. Die Fortführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sowie Intensivierung der medikamentös-antidepressiven Therapie sei indiziert. Dabei sei auch eine stationäre oder tagesklinische Behandlung zu erwägen, doch seien die Erfolgsaussichten aufgrund der regressiven Tendenz und der ablehnenden Haltung des Beschwerdeführers eher reduziert.
3
.2
Dr.
med.
G._
, Facharzt Allgemeinmedizin, zertifizierter Gutachter SIM, vom RAD nahm am 15. September 2011 Stellung (Urk. 7/32/3) und hielt fest, dass das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
vom 30. August 2011 (Urk. 7/30) vollständig und schlüssig sei. Der relevante Gesundheitsschaden bestehe in einer mittel- bis
schwergradigen
depressiven Episode, womit eine 70%
i
ge Arbeitsunfähigkeit in jeder Erwerbstätigkeit seit Juli 2010 ausgewiesen sei.
Es sei eine Schadenminderungspflicht im Sinne einer nachhaltigen fachärztlichen Psycho- und Pharmakotherapie, vorzugsweise im tagesklinischen Rahmen, aufzuerlegen. Spätestens nach 9 Monaten sei erneut medizinisch zu beurteilen. Die Voraussetzungen für
eine
berufliche Integration nach Art. 14a IVG seien weiterhin erfüllt. Dabei gelte das Belastungsprofil
gemäss
Punkt 6 des Gutachtens.
4
.
4
.1
Im Rahmen
des amtlich eingeleiteten Revisionsverfahrens
wurden folgende medizinische Abklärungen vorgenommen:
4
.2
Anlässlich der Untersuchung vom 1. Februar 2013 (
RAD-Untersuchungsbericht vom 2
9.
Mai 2013,
Urk. 7/73) stellte RAD-Arzt
E._
als Hauptdiagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine mittelgradige Depression remittiert mit einer Restdepression leichten Grades aufgrund der Psycho- und Psychopharmakotherapie fest.
Aufgrund dieser Diagnose bestehe eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit und es sei ein
G
esundheitsschaden ausge
wiesen. Dieser habe sich im Verlauf der Therapie wesentlich verbessert. Die nächtlichen Tätigkeiten behinderten eine Zunahme der Arbeitsfähigkeit am Tage. Am Tage sollte eine Steigerung um 10 % pro Monat möglich sein, ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 40 % ab 1. Februar 201
3.
Es bestehe eine leichte Störung des Antriebs und eine schnelle Ermüdbarkeit und damit eine eingeschränkte Durchhaltefähigkeit. Aufgrund der mittelgradigen Depression habe von Mitte 2010 bis Mitte 2012 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden. Von Mitte 2012 bis zum Untersuchungszeitpunkt habe eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
In bisheriger Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % und in angepasster Tätigkeit eine solche von 50 %.
Die Arbeitsfähigkeit könne durch eine tagesstrukturierende Tätigkeit unter Beibehaltung der Psycho- und Psychopharmakotherapie verbessert werden. Beim Abbau der antidepressiven Medikation müsse mit einer kurz
fristigen Reduktion der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden.
Nach Eingang des Laborbefundes müsse hinzugefügt werden, dass der Beschwerdeführer so gut wie keine der ihm vorgeschriebenen Antidepressiva
einnehme. Entsprechend verfalle der Passus bei Abbau der Medikamente. Eine Schadenminderungspflicht bezüglich der Medikamenteneinnahme sollte erwo
gen werden.
Unter Vermeidung von Schicht- und Nachtarbeit müsse mit Hilfe der bis jetzt offensichtlich nicht eingenommenen Medikamente in spätestens 6 Wochen nach Medikamentenstart eine 80-100%ige Tätigkeit bisherig oder angepasst erreichbar sein, da dann die Medikamente ihre Wirksamkeit entfalten könnten
(vgl. Stellungnahme vom 26. April 2013 im Feststellungsblatt, Urk. 7/75/5).
4
.3
4
.3.1
Dr.
med.
H._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
welche den
Beschwerdeführer seit dem
1.
Oktober 2010 behandelt hatte (
Urk.
7/25/1),
führte in ihrem Bericht vom 9. Juli 2013 (Urk. 7/86/1-
2) aus,
es sei
aus psychiatrischer Sicht für die Genesung und Stabilisierung des B
eschwerdeführers am wichtigsten
, dass er eine Tagesstruktur habe und er sich beruflich wieder inte
grieren könne. Er habe eine Arbeit gefunden, bei der er mit niedrigem Pensum habe einsteigen können und bei der die Anforderungen an Belast
barkeit, Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer gering und häufige Pausen möglich seien. Diese Tätigkeit sei behinderungsangepasst und nicht mit seiner ange
stammten Tätigkeit in der Personalvermittlung zu vergleichen.
Zudem habe der Beschwerdeführer aus eigenem Antrieb um Unterstützung bei der berufli
chen Integration gebeten. Gleichzeitig habe er sich für das Forschungs
pro
gramm „
Supported
Employment
“ an der
D._
angemeldet und nehme seither regelmässig Termine mit einem Job-Coach wahr.
De
r Beschwerdeführer habe
sich an die
mit Schadenminderungspflicht auf
erlegte Fortführung der Psycho- und Pharmakotherapie so ge
halten
, wie es ihm aufgrund seiner psychischen Erkrankung möglich gewesen sei.
So leide er an einer schweren ko
mplexen psychischen Störung
,
das heisse nebst
eine
r rezidi
vierenden depressiven
St
örung mit anhaltender ausgeprägter Depression (Symp
tome sind unter anderem Antriebsmangel, Konzentrationsstörungen, Miss
trauen und Mühe bei Entscheidungen) an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.
Aufgrund dieser Persönlichkeitsstörung liege eine schwere Beeinträchtigung im inneren Erleben und Verhalten vor und er sei krankheitsbedingt nicht in der Lage, sich so zu verhalten, wie man es von ihm erwarte.
Wenn der Beschwerde
führer die antidepressive Medikation phasenweise unregelmässig eingenommen habe, lägen krankheitsbedingte Ursachen
(sowohl depressive Symptomatik, wie auch Erlebens- und Verhaltensstörungen aufgrund der Persönlichkeitsstörung
)
vor und es handle sich nicht um Böswilligkeit. Sein oberstes Ziel sei nämlich
,
wieder gesund und von IV-Leistungen unabhängig zu sein.
4
.3.2
Im Schreiben vom
1.
September 2013 zuhanden der Rechtsvertreterin des Be
schwer
de
führers nannte
Dr.
H._
- unter Beantwortung der gestellten Fra
gen - (Urk. 7/86/3-6)
als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradig bis schwere depressive Episode (ICD-10: F 33.1) und eine narzisstische
Persönlich
keits
störung
(ICD-10: F 60.8). Die aktuelle Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit b
e
trage 20-30 %. Wichtig wären regelmässige Pausen (alle 1 bis 2 Stunden) und höchstens 4 bis 5
Arbeitsstunden pro Tag. In einer
behinderungs
angepassten
Tätigkeit bestehe eine 40-50%ige Arbeitsfähigkeit mit häufigen Pausen und höchstens 5 bis 6
Arbeitsstunden täglich.
Die Aussage von RAD-Arzt
Dr.
E._
, dass seit November 2012 bei regel
mässiger Medikamenteneinnahme eine volle Arbeitsfähigkeit hätte erreicht werden können, sei wissenschaftlich nicht haltbar. Bei der medikamentösen antidepressiven Behandlung gebe es eine hohe Non-
Responder
-Rate (20-30 %) und viele Patienten mit nur einer Teil-Response; so sei es auch beim Beschwerdeführer zu einer Zustandsverbesserung gekommen, welche jetzt aller
dings durch die Stresssituation gefährdet sei.
4
.4
Dr.
F._
führt in seinem psychiatrischen Gutachten
vom 26. März 2014 (Urk. 7/92)
aus, dass der Beschwerdeführer in der Folge einer länger anhalten
den Überlastung im Jahre 2010 eine Erschöpfungsdepression entwickelt habe, die seither anhalte und aktuell das Ausmass einer mittelgradigen depressiven Episode erfülle (ICD-10: F 32.1). So lägen folgende depressive Symptome nach ICD-10 vor:
-
Depressive Stimmung, klinisch jedoch nur leichtgradig
-
Deutlich erhöhte Erschöpfbarkeit
-
Klagen über Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
-
Minderung des S
elbstvertr
a
uens und Selbstwertgefühls
-
Schuldgefühle würden berichtet, seien jedoch selten und im Hintergrund
-
Schlafstörungen
-
Subjektiver Appetitverlust, jedoch ohne entsprechenden Gewichtsverlust
-
Psychomotorische Hemmung; unklar sei, ob diese depressionsbedingt sei
oder eher im Rahmen der kombinierten Persönlichkeitszüge längerfristig
bestanden hätten
Bei einer reinen Addition der Kriterien ohne ihre Gewichtung müsste sogar eine schwere Depression erwogen werden. Klinisch liege diese aber nicht vor und einzelne Kriterien seien nur sehr gering ausgeprägt, sodass gesamthaft von einer mittelgradigen Depression auszugehen sei. Dies werde auch durch die Schilde
rungen des Beschwerdeführers von verschiedenen Verbesserungen im Verlauf
der letzten Zeit gestützt. Wenngleich sich im Vergleich z
u
m Vorgutachten von
Dr.
B._
eine leichte Verbesserung der Depression eingestellt habe, so sei diese nicht so weitgehend, wie sie von RAD-Arzt
E._
(nämlich als leichtgradig) eingeschätzt worden sei. Ferner bestehe eine kombinierte
anankastisch
e
und ängstlich(
-vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 60.1).
Schon sehr früh seien von der behandelnden Psychiaterin
selbstun
sichere
und perfektionis
tis
ch-akzentuierte Persönlichkeitszüge beschrieben wor
den. Im Gutachten habe
Dr.
B._
diese als rigid-
anankastisch
und
narzisstisch-selbst
unsicher
beschrieben. Zwischenzeitlich habe die
Behandlerin
aufgrund der sich zunehmend in der Therapie zeigenden Beziehungsstörungen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert und eine des
wegen resultierende verminderte
Therapierbarkeit dargestellt. In der Untersuchung fielen sie sowohl in Körperhaltung, verbalem und paraverbalem Verhalten, vermindertem Sich-Einlassen auf
Ideen Dritter auf. Hier zeige si
ch psycho
pathologisch kulturell abweichende Erlebnis- und Verhaltensweisen in Kognition, Affektivität, Beziehungsgestaltung, Impulskontrolle und Bedürfnis
befriedigung (ICD
Kriterium für Persönlichkeitsstörung G1). Diese sei mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit nicht situativ durch die Gutachtenssituation erklärbar. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass solche unzweckmässigen und unflexiblen Verhaltensweisen im Arbeits-, und im privaten Kontext zu ver
mehrten
interpersonnellen
Konflikten oder zum Rückzug Dritter prädispo
nierten (Kriterium G2).
Daraus resultiere e
in negativer Einfl
uss auf die so
ziale Umgebung, die sich wiederum in der sozialen und arbeitsbezogenen Desinte
gration des Beschwerdeführers äussere. Ob er dabei ein Leidensgefühl habe, sei schwer einzuschätzen, aber zu vermuten (Kriterium G2). Die Entwicklung des Beschwerdeführers in Kindheit und Jugend wirke im ersten Moment wenig auffällig. Es frage sich aber, ob dies die realen Verhältnisse widerspiegle oder ein Artefakt aufgrund der ausgeprägten Hemmungen des Beschwerdeführers sei, „Schwächen“ zuzugeben. Es zeige sich aber in jedem Fall eine zunehmend
rand
ständige
soziale Position bereits in der Jugend. So gebe er an, vor dem Wegzug des Freundes seien sie im Doppelpack beliebt gewesen. Anschliessend sei er an den Rand der Klasse gerutscht. Die wahrscheinlichste Interpretation sei, dass der Beschwerdeführer
das Glück gehabt habe, einen sozial attraktiven Freund zu haben und in dessen „Kielwasser“ Kontakte pflegen zu können. Die
Erwerbs
biographie
sei durch
einige Stellenwechsel gekennzeichnet. Ob diese sämtlich durch wirtschaftliche Dynamiken im engeren Sinne zustande gekommen seien, müsse aufgrund der Beziehungsgestaltung im therapeutischen Raum stark bezweifelt werden. Es müsse also davon ausgegangen werden, dass die Abweic
hungen stabil und von langer D
auer seien und bereits in der späten
Kindheit und Jugend begonnen hätten (Kriterium G 4). Diese Abweichungen im Erleben und Verhalten könnten weder durch eine an
dere psychische (Kriterium G 5)
noch durch eine organische Störung (Kriterium G 6) erklärt werden. Gut nachvollziehbar sei die Beschreibung von Erleben und Verhalten als
anankastisch
, worauf das beobachtbare Verhalten in der Gutachten
ss
ituation hinweise. Insbesondere zeigten sich
(a)
Rigidität und Eigensinn,
(b)
unbe
gründete Abneigung dagegen, andere etwas machen zu lassen und
(c)
unver
hältnismässige Leistungsbezogenheit unter Vernachlässigung von Ver
gnügen und zwischenmenschliche Beziehungen. Für eine zumindest partielle ängstlich (vermeidende) Persönlichkeit
s
störung sprächen
(a) die übertriebene Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden, (b) persönliche Kontakte nur eingegangen werden, wenn Sicherheit bestehe, gemocht zu werden und (c) ein ei
n
geschränkter Lebensstil wegen der Bedürfnisse nach körperlicher Sicherheit. Die narzisstische Problematik sei klinisch-intuitiv zwar gut nachvollziehbar, bilde sich aber in der (inkompletten) ängstlich (ver
meidenden) Persönlichkeitsstörung ab. Die Kriterien der ICD-10 für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung seien jedoch nicht gegeben: (a)
Grössen
gefühl
in Bezug auf die eigene Bedeutung, (b) Beschäftigung mit Fantasien über unbegrenzten Erfolg, Macht, Scharfsinn, Schönheit oder idealer Liebe, (c) Überzeugung, „besonders“ und einmalig zu sein und nur von anderen besonderen Menschen oder solchen mit hohem Status verstanden zu werden oder mit diesen zusammen sein zu können, (d) Bedürfnis nach übermäss
i
ger Bewunderung,
(e)
Anspruchshaltung; unbegründete Erwartung besonders günstiger Behandlung oder automatisc
he Erfüllung der Erwart
ungen, (f
) Aus
nutzung von zwischenmenschlichen Beziehungen,
Vorteilsnahme
gegenüber anderen, um eigene Ziele zu erreichen, (g) Mangel an Empathie; Ablehnung, Gefühle und Bedürfnisse anderer anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identi
fizieren, (h) häufiger
Neid
auf andere
oder Überzeugung, andere seien neidisch auf die Betroffenen, (i) arrogante, hochmütige Verhaltensweise und Attitüden. Da die Kriterien sowohl für die
anankastische
als auch die ängstlich (ver
meidende) Persönlichkeit weitgehend, aber nicht vollständig (gefordert seien min
destens 4 spezifische Kriterien)
vorlägen, sei aktuell eine kombinierte
anankastische
und ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 60.1) zu diagnostizieren.
Dies könne sich in Zukunft ändern, sowohl bei Bekanntwerden neuer Kriterien oder bei einer Befundverschlechterung, sodass gegebenenfalls zwei
komorbide
Persönlichkeitsstörungen diagnostiziert werden müssten. Bei einer Verbesserung unter Psychotherapie könne idealerweise die Persönlichkeitsstörung remittieren. Zusammen mit der Depression führe die Persönlichkeitsstörung zu dem prolongierten, ungünstigen Verlauf und
e
r
schwere die Therapierbarkeit in der therapeutischen Sitzung sowie selbst die Umsetzung von therapeutischen Impulsen in das Alltagsleben.
Die in der RAD-Untersuchung vorgefundenen tiefen Konzentrationen der Anti
depre
s
siva im Blut würden angesichts des ungünstigen beziehungsweise ver
längerten Verlaufs natürlich Fragen aufwerfen. Diese sollten aber gemeinsam mit dem Beschwerdeführer und der
Behandlerin
beantwortet werden.
Der Beschwerdeführer gebe in der aktuellen Untersuchung an, seine Vergesslichkeit, die im Rahmen der depressiven Störung zumindest plausibel sei, könne zu den verminderten Serumspiegeln beigetragen haben. Zwischenzeitlich habe er Konsequenzen daraus gezogen und sich einen
Dispenser
gekauft. Ausserdem nehme er die
Cipralex
jetzt mittags ein, um dies immer zuverlässig und regelmässig zu tun. Hierbei handle es sich natürlich um eine Behauptung, die im Rahmen des Gutachtens aufgrund organisatorischer Gründe (fehlendes Labor) nicht sinnvoll überprüft werden könne. Es sei überwiegend wahr
scheinlich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Medikamente min
destens unmittelbar
vor der Untersuchung einnehme, unabhängig vom sonstigen Konsum. Neben einer Vergesslichkeit gebe es auch die Möglichkeit eines Widerstandsphänomens im Rahmen der kombinierten
anankastischen
und ängstlich (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung. Die AWMF-Leitlinie
Per
sönlich
keits
störungen
benenne entsprechend folgende Problembereiche als typisch für eine
anankastische
Persönlichkeitsstörung: (a) Störung der Arzt-Patient-Beziehung durch Perfektionismus, (b) Schwierigkeiten in der Akzeptanz der Patientenrolle, (c) Schwierigkeiten in der Akzeptanz
von Nebenwirkungen von Pharmakotherapie. In jedem Fall sei der erniedrigte Blutspiegel mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Ausdruck der störungsbedingten
Be
handlungs
schwierigkeiten
.
Es stelle sich damit di
e
Frage, wie Therapie und Rehabi
litation intensiviert werden könnten. Aufgrund der therapeutischen Schwierigkeiten kämen aus gutachterlicher Sicht stationär am ehesten die Klinik
I._
, Station
J._
, infrage. Bei einer tagesklinischen Behandlung wäre in erster Linie an die Tagesklinik
K._
des Zentrums für Depressionen, Angsterkrankungen und Psychotherapie der
D._
zu denken. Ein realistischer Zeitrahmen wäre 2 bis 6 Monate. Anschliessend sei aus gutachterlicher Sicht das
Auftrainieren
der Arbeitsfähigkeit möglich
, dies im Sinne einer Integrationsmassnahme zur beruflichen Eingliederung (am besten im kaufmännischen Bereich)
. Rein medi
zinisch-theoretisch sollte es innerhalb
eines
Jahres möglich sein, die Arbeitsfähigkeit von initial 30 % auf 80-100 % zu erhöhen. Aufgrund der in der gutachterlichen Untersuchung und
in der Therapie sehr ausgeprägten
Beziehungs
störung
aufgrund
der kombinierten
anankastischen
und ängstlich
(vermeidenden) Persönlichkeitsstörung sei eine geschützte Institution indiziert. Der
Beschwerdeführer
sei aufgrund der
Erschöpfungsdepression nicht meh
r in der Lage gewesen, seine Tätigkeit fortzusetzen. Seither stünden ausgeprägte Beziehun
gs-, Erlebens- und Verhaltensstör
ungen im Vordergrund, die sowohl die Arbeitsfähigkeit als auch di
e Zu
mutbarkeit für ein Umfeld wesentlich einsc
hränkten. Er führe ein sozial e
her zurückgezogenes Leben, in dem er konfliktträchtige Beziehungen vermeid
e. Im Rahmen des Gutachtens hätten diese aber nicht mehr detailliert erhoben werden können.
In seiner bisherigen Tätigkeit als Personalvermittler sei der Beschwerdeführer zu 20 % arbeitsfähig. Auch in einer angepassten Tätigkeit in der freien Wirtschaft bestehe eine 20%ige Arbeitsfähigkeit. Nach einer mehrmonatigen stationären oder tagesklinischen Behandlung sollte er - am ehesten in einer geschützten Institution initial zu 30 % arbeitsfähig sein.
Im Idealfall wäre die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nach diesen Massnahmen 100 %. Aufgrund der sich zunehmend abzeichnenden massiven Auswirkungen der kombinierte
n
anankastischen
und ängstlich (
vermeidenden) Persönlichkeitsstörung sei jedoch zu befürchten, dass diese nicht nur die Therapiefähigkeit minderten, sondern auch die Fähigkeit des Beschwerdeführers, sich an einer einmal angetretenen Stelle zu halten.
Die im Jahr 2010 eingetretene Erschöpfungsdepression habe sofort zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt. Obwohl
das klini
sche Bild fluktuiert und sich gesamthaft verbessert habe, habe er bislang lediglich im Rahmen der
Tätigkeit
als Kartenleger und Spielleiter eine Arbeitsfähigkeit von 30 % erreichen können.
Die Diag
nose und daraus abgeleitete
Arbeitsfähigkeit von RAD-Arzt
E._
sei aus gutacht
e
rlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Derzeit liege immer noch eine mittelgradige depressive Episode vor. Die kombinierte
Persönlichkeits
störung
sei von ihm nicht beschrieben worden, sei aber für Verlauf und Schwere der Symptomatik essentiell. Diese begründe, warum die initiale mittel
gradige oder mittelgradig bis schwere Depression sich nicht - wie es oft der Fall sei - innerhalb von wenigen Monaten zurückgebildet habe. Die Arbeitsfähigkeit könne nicht
,
wie von ihm angenommen
,
direkt gesteigert werden, sondern bedürfe aufgrund der Symp
t
omatik
und der kombinierten
Persönlichkeits
störung
überwiegend wahrscheinlich einer Steigerung im geschützten Rahmen.
4.5
RAD-Ärztin
Dr.
med.
L._
, FMH Arbeitsmedizin und FMH Allge
meinmedizin, hielt in ihrer Stellungnahme vom 3. April 2014 (Urk. 7/107/3-4)
fest, das
s das Gutachten von
Dr.
F._
die gestellten Fragen umfas
send beantworte, die geklagten B
eschwerden berücksichtige, in Kenntnis un
d
in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt worden se
i und in der Darlegung der mediz
i
ni
schen
Zusammenhänge einleuchtend sei. Ebenso seien die gezo
genen Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise hergeleitet worden.
Als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine kombi
nierte
anankastische
und ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung. Ohne dauerhaften Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblei
b
e die mittelgradige depressive Episode. Beim Beschwerdeführer wirkten sich Beziehungs-, Erlebens- und Verhaltensstörungen einschränkend aus. In seiner bisherigen Tätigkeit im Büro und im Verkauf bestehe weiterhin eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit. Ent
sprechend sei keine Verbesserung im Vergleich zum Jahr 2011 feststellbar. In einer angepassten Tätigkeit
bestehe dieselbe Arbeitsunfähigkeit von 70 %. Der Gesundheitszustand könne sich nicht wesentlich ändern. Weitere medizinische Massnahmen entfielen, wobei die bereits auferlegte Schadenminderungspflicht krankheitsbedingt nicht erfüllt worden sei beziehungsweise sei von einer krankheitsbedingten Non-Compliance auszugehen.
4.6
Dr.
F._
äusserte sich im Nachgang zum ergangenen Vorbescheid vom 7. August 2014 (Urk. 7/98) zur vorgesehene wiedererwägungsweisen
Renten
aufhebung
und hielt im Schreiben vom 13. Oktober 2014 (Urk. 7/109) fest, dass er sich der Beurteilung des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin, wonach kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege, aus psychiatrisch-gut
achterlicher Sicht nicht anschliessen könne
(S. 1)
.
So fänden sich aus psychiatrischer Sicht keine Hinweise für eine Simulat
ion
oder eine Aggravation. Die bestehenden invaliditätsfremden Gründe (Arbeits
losigkeit, ungewisse berufliche Zukunft, finanzielle Unsicherheit,
Dekondi
tionierung
etc.) wirkten sich zwar ungünstig auf die Störung aus, doch ständen haupt
sächlich die Auswirkungen der kombinierten
anankastischen
und ängstlich (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 60.1) im Vorder
grund. Daraus resultiere ein vermindertes Ressourcenprofil und vermehrte Schwierigkeiten in therapeutischen und interpersonellen Beziehungen
(S. 2)
.
Entgegen der Behauptung im Vorbescheid, dass der Beschwerdeführer eine durch
gängige Erwerbsbiographie habe, sei aus psychiatrischer Sicht zu bemerken, dass er sich nicht längerfristig an einer Stelle habe halten können. Er habe nicht nur die Stellen gewechselt, sondern sogar die Branchen und habe einmal sogar als Hilfsm
aler arbeiten müssen. Selbst nac
h Besuch der Hand
els
schule habe sich eine zunehmend instabile Erwe
r
bsbiographie
ent
wickelt
. So habe der Beschwerdeführer in den Personalbereich gewechselt, habe an
schliessend im Aussendienst gearbeitet und sei dann in den
Personal
bereich
zurückgekehrt. Selbst bei heute zunehmend flexibleren
Arbeits
biographien
sei dies aus psychiatrischer Sicht auffällig und in der Regel durch die Per
sönlichkeit des Arbeitnehmer
s
begründet, selbst wenn in Zeugnissen meist strukturelle Gesichtspunkte genannt worden seien, da die Arbeitgeber gehalten seien, die Mitarbeiter in den Zeugnissen möglichst positiv darzustellen.
Dass der Beschwerdeführer selbst seine Erwerbsbiographie ebenfalls problemlos darstelle beziehungsweise schönt, ist (mindestens) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Resultat des Bemühens, ein möglichst gutes Bild abzugeben
(S. 2-3)
.
Überdies sei zu berücksichtigen, dass sich eine Persönlichkeitsstörung ent
wickeln könne. Sie könne sich im Jugendalter anders darstellen als im frühen und späteren Erwachsenenalter. Beim Beschwerdeführer sei zu sehen, dass er sich als Kind unter einer günstigen Bedingung (im „Kielwasser eines sozial attraktiven Freundes
“
) habe gut integrieren können. Unter ungünstigeren
Kon
text
bedingungen
(Wegzug des Freundes) habe er aber nicht über ausreichend Ressourcen verfügt, dies auszugleichen und sei so in eine soziale Randposition geraten. Auch die Stellenwechsel und seine berufsbegleitenden Ausbildungen und Tätigkeiten stellten Belastungen dar, die die vorbestehende
Persönlichkeits
störung
zunehmend unter Druck gebracht und die Entwicklung in Richtung unflexiblerer, unangepasster und dysfunktionaler
Verhaltensweisen gefördert und damit zur Intensivierung der Persönlichkeitsstörung geführt hätten. Unter Überarbeitung,
Burnout und Arbeitslosigkeit habe sich die
Persönlichkeits
störung
in Wechselwirkung mit der Depression verfestigt. Dadurch sei eine komplexe, nur schwer therapierbare Störung entstanden
(S.
2
3)
.
Die interne ärztliche RAD-Unters
uchung sei nur mangelhaft erfolgt und genüge den fachlichen Anforderungen an ein Gutachten nicht, weshalb aus gut
achterlicher Sicht
nicht
darauf abgestellt werden könne (S. 3-4).
Hinsichtlich der Frage der Überwindbarkeit des psychischen Leidens habe sich die Symptomatik der Persönlichkeitsstörung übereinstimmend sowohl in der gutachterlichen Untersuchungssituation, in der differenzierten und gut nach
vollziehbaren Beurteilung durch den Vorgutachter
Dr.
B._
, in den
Fremd
anamnesen
gleich mehrerer
Behandlerinnen
und in den anamnestischen Anga
ben gezeigt. Es habe sich diagnostisch das Bild einer komplexen psychiatrischen Symptomatik ergeben, die aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht die
Be
h
a
ndlungs
- und Rehabilitationsschwierigkeiten
erkläre. Damit ginge
n ver
minderte Ressourcen einher, welche hier aber nicht als dauerhaft invalidi
sierend angesehen würden. Sie rechtfertigten aber die bescheinigte vorübergehende Arbeitsunfähigkeit und erforderten aus klinischer Sicht geradezu ein intensi
veres
und koordiniertes Vorgehen, das am ehesten Erfolg haben werde, wenn sich die Beschwerdegegnerin daran konstruktiv und aktiv beteilige (S. 5-6).
5
.
5
.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die mit der
angefochtenen Verfügung vom 17.
Dezember 2014 (
Urk.
2) erfolgte wiedererwägungsweise Aufhebung der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 1
6.
Januar 2012 (
Urk.
7/41 in Verbindung mit
Urk.
7/46-50) unter den einschränkenden Voraussetzungen, dass die Verfügung vom 1
6.
Januar 2012 zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (vgl. auch SVR 2005 EL Nr. 3 S. 10 E. 3.3, BGE 122 V 168 E. 2c), rechtens ist. Ohne Weiteres ist dabei mit Blick auf den Ch
arakter der mit Verfügung vom 1
6.
Januar 2012 zugesprochenen Invalidenrente als periodischer Dauerleistung die Voraussetzung der erheblichen Bedeutung der Berichtigung zu bejahen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_342/2008 vom 2
0.
November 2008 E. 5.1 mit Hinweisen). Zu prüfen
bleibt, ob die Verfügung vom 1
6.
Januar 2012 zweifellos unrichtig und daher der erfolgten Wiedererwägung zugänglich war.
5
.2
Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass der Entscheid unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – möglich. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn die gesetzeswidrige
Leistungs
zusprechung
aufgrund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Invaliditätsbemessung, Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendiger
weise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung solcher
Anspruchs
vor
aussetzungen
(einschliesslich ihrer Teilaspekte wie etwa die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_421/2010 vom
1.
Juli 2010, E. 3 mit Hinweisen).
5
.3
Die erstmalige
Rentenzusprache
mit Verfügung vom 16. Januar 2012 (Urk. 7/41 in Verbindung mit Urk. 7/46-50) mit Wirkung ab 1. August 2011 erfolgte aus rein psychiatrischen Gründen gestützt auf die E
inschätzung des Psychiaters Dr.
B._
vom August 2011 (vorstehend E. 3.1). Dieser ging bei diagnosti
zierter anhaltend mittel- bis
schwergradiger
depressiver Episode mit somati
schem Syndrom im Rahmen einer depressiven Entwicklung (ICD-10: F 32.11 und F 32.21)
von einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit explizit auch in einer angepassten Tätigkeit aus. Gleichzeitig führte er als Nebendiagnose
ak
zentuierte
(rigid-
anankastisch
e
und narzisstisch-selbstunsichere) Persönlichkeitsanteile (ICD-10: Z 73.1)
an.
5.4
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin wurde die Rente mit Ver
fügung vom 16. Januar 2012 aufgrund einer durchaus vertretbaren medizi
nischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zugesprochen. Im psychiatri
schen Gutachten
von
Dr.
B._
vom 3
0.
August 2011
(Urk. 7/30)
wurden die
Vor
akten
berücksichtigt und
gewürdigt. Des Weiteren fanden die Angaben des Beschwerdeführers sowie sein Verhalten anlässlich der persönlichen Unter
suchung Eingang in die gutachterlichen Beurteilungen. Die im Gutachten hinsichtlich Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit gezogenen Schlussfolge
rungen leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
(vgl. E. 1.6)
. Davon ging auch RAD-Arzt
Dr.
G._
aus (vgl. vorstehend E. 3.2).
In Würdigung der gesamten medizinischen Aktenlage - insbesondere auch des psychiatrischen Gutachtens von
Dr.
F._
vom 26. März 2014 (Urk. 7/92), welches ebenfalls den erforderlichen Kriterien entspricht (vgl. E. 1.6) - zeigen sich keine überzeugenden Zweifel an der Vertretbarkeit der
damaligen fach
ärztli
chen Einschätzung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Vielmehr bestätigt
auch
Dr.
F._
die damalige
im Juli 2010 aufgrund einer
Erschöpfungs
depression
eingetretene Arbeitsunfähigkeit
und kommt unter Berücksichtigung des
weiteren
Verlaufs der Erkrankung ebenfalls zum Schluss, dass der Beschwerdeführer nach wie vor sogar zu 80% arbeitsunfähig ist
. Dabei argumentiert er differentialdiagnostisch ausführlich und legt nachvollziehbar dar, dass beim Beschwerdeführer die kombinierte
anankastische
und ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung im Verhältnis zur Depression vorder
gründig ist und so zu einer komplexen, erschwert therapierbaren Störung geführt hat.
5.5
5.5.1
Die
Beschwerdegegnerin
bringt vor
,
dass
die von
Dr.
B._
diagnostizierte anhaltend mittel- bis
schwergradige
depressive E
pisode nach ICD-10: F 32.11/
F. 32.21 vor der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach eine Episode definitionsgemäss nur vorübergehend
(durchschnittlich 6 Monate und selten länger als 1 Jahr dauernd)
sei und deshalb keine invalidisierende Wirkung habe, nicht Stand halte (Urk. 2 S. 2
und S. 4
)
.
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit steht jedoch mit der facettenreichen Recht
sprechung zur Auswirkung einer mittelgradigen Depression auf die Arbeits
fähigkeit
nicht in Widerspruch
. So
wurde beispielsweise
im Urteil des Bundes
gerichts 8C_808/2009 vom
4.
Januar 2011 festgehalten
, dass sogar eine
lediglich
leichte depressive Episode im Einzelfall die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigen könne, wenn sie zusammen mit anderen Befunden – wie etwa einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung – auftrete (E. 4.3). Gemäss Urteil des Bundesgerichts 9C_1041/2010 vom 3
0.
März 2011 erscheint es nicht
bundes
rechtswidrig
, eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wegen einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode anzunehmen (E. 5.2). Auch im Urteil 9C_210/2012 vom
9.
Juli 2012 äusserte sich das Bundesgericht dahin
gehend, eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung sei, sofern sie nicht bloss eine Begleiterscheinung einer
Schmerz
krankheit
darstelle, nicht von vornh
erein auszuschliessen (E. 4.2).
Der aufgezeigte Verlauf der Erkrankung seit Juli 2010 trotz konsequenter und adäquater
Psycho-
und Pharmakot
herapie
- im Rahmen der
krankheits
bedingten
Möglichkeiten des Beschwerdeführers
- ohne
mindestens
phasen
weiser Besserung der Störung
im Sinne einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F. 33)
spricht für eine
erhebliche
mittelgradige depressive Episode
, die
n
ach dem Gesagten
jedenfalls
Raum lässt, um eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in releva
ntem Ausmass zu berücksichtigen,
insbesondere, da sie zusammen mit einer kombinierten Persönlichkeitsstörung besteht.
5.5.2
Ausser Frage steht auch, dass die vorhandenen psychosozialen
Belastungs
faktoren
(Arbeitslosigkeit, ungewisse berufliche Zukunft, finanzielle Probleme,
Dekon
di
tionierung
, sekundärer Krankheitsgewinn und laufendes
versicherungs
rechtliches
Verfahren) bei der Entstehung und Aufrechterhaltung beziehungs
weise Verschlimmerung des aktenkundigen psychischen Beschwerdebildes eine massgebliche Rolle spielten. Der Gutachter
Dr.
B._
hält diesbezüglich in seinem psychiatrischen Gutachten ausdrücklich fest, dass diese
invaliditäts
fremden
Faktoren berücksichtigt worden und von invaliditätsbedingten Befunden abgegrenzt und nicht in die Beurteilung der medizinisch-theoreti
schen Zumutbarkeit einer Tätigkeit miteingeflossen seien (Urk. 7/30 S. 11 und S. 14). Entsprechend verneint er
- entgegen dem von der Beschwerdegegnerin vorgebrachten Einwand (Urk. 2 S. 2
f.)
-
nachvollziehbar
eine relevante Über
lage
rung der psychischen Erkrankung durch psychosoziale Belastungsfaktore
n, weshalb es
sich um einen selbständigen und invalidisierenden
Gesundheits
schaden
handelt.
5.5.3
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S. 2) reichen die beim Beschwerdeführer vorhandenen Ressourcen (hohes Aktivitätsniveau
und soziale Kontakte
)
vorerst
nicht, um die vorliegende Störung zu überwinden. So
führt
Dr.
F._
aus, dass die vorhandenen verminderten Ressourcen nicht
dauerhaft invalidisierend seien, dass es aber zur Überwindbarkeit aus klinischer Sicht
eines intensiveren und koordinierten Behandlungsprogrammes bedürfe (vgl. E. 4.6).
Dieser ärztlichen Einschätzung kann angesichts des bisher pro
trahierten Behandlungs- und Heilungsverlaufes aufgrund der vorliegenden kombi
nierten Persön
lichkeitsstörung jedenfalls soweit gefolgt werden, dass sie nicht als
z
weifelsohne unrichtig zu betrachten ist.
5.5.4
In Bezug auf die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachte durchgehende Erwerbsbiographie, weshalb eine Persönlichkeitsstörung nicht nachvollziehbar sei (Urk. 2 S. 3), ist hauptsächlich auf die überzeugenden Ausführungen von Dr.
F._
in seiner ergänzenden und im
Rahmen des
Einwandverfahrens
eingereichten Stellungnahme vom 7. August 2014 (vgl. E. 4.6) zu verweisen, worin er die instabile und psychiatrisch auffällige Arbeitsbiographie
- so habe sich
der Beschwerdeführer n
ie längerfristig an einer Stelle halten können -
widergibt und durch
dessen
gestörte
Persönlichkeit begründet
. Dass es zu einer weiteren Intensivierung der vorbestehenden Persönlichkeitsstörung in Wechsel
wirkung mit der Depression gekommen ist, erscheint angesichts der geschil
derten Umstände plausibel.
5.5.
5
Auf den RAD-Untersuchungsbericht von RAD-Arzt
E._
kann entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S. 3-5) nicht abgestellt werden. Sowohl das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
von 2011 als auch dasjenige von
Dr.
F._
von 2014 überzeugen in ihrer Ausarbeitung sowie in ihren Schlussfolgerungen (vgl. E. 5.4). Die unterschiedlichen Diagnosen zeigen dabei die Entwicklung der psychischen Erkrankung auf, wobei gemäss beiden Gutachtern übereinstimmend eine depressive Symptomatik sowie eine gestörte Persönlichkeit zur eingeschränkten Arbeitsfähigkeit führen. Die Beurteilung des RAD vermag
diese
überzeugenden psychiatrischen Einschätzungen der Gut
achter
Dr.
B._
und
Dr.
F._
nicht
umzustossen
; dabei ist insbesondere auf die Kritik von
Dr.
F._
bezüglich der RAD-Untersuchung zu verweisen (vgl. Urk. 7/109/4-5).
6.
6.1
Zusammenfassend ist der ursprüngliche Rentenentscheid nicht zweifellos un
richtig. Damit erweist sich die wiedererwägungsweise Aufhebung der
Leistungs
zusprache
als nicht gerechtfertigt. Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben, was zum Wieder
aufleben der Verfügung vom 16. Januar 2012 (Urk. 7/41 in Verbindung mit Urk. 7/46-50) führt.
6.2
Auch der Schutz der angefochtenen Verfügung mit der substituierten Begrün
dung der Revision
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_555/2012 vom 25. Juli 2013
E. 4.1)
drängt sich vorliegend nicht auf, da auch der aktuelle medizinische Sachverhalt
- insbesondere gestützt auf das psychiatrische Gut
achten von
Dr.
F._
vom 26. März 2014 (Urk. 7/92) - auf keine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers hinweist. Zwar hält
Dr.
F._
eine leichte Verbesserung der Depression seit dem Vorgutachten von
Dr.
B._
fest, doch führt diese im Zusammenwirken mit der verfestigten kombinierten Persönlichkeitsstörung, welche sich im weiteren Verlauf der psychischen Erkrankung deutlicher zeigte, weiterhin zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit im Umfang von 80 % (gemäss Vorgutachten 70%ige Arbeitsunfähigkeit). Der codierungsmässige Unterschied betreffend Diagnosen ist am Ende nicht von Bedeutung, da sich die beiden Gutachter bezüglich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen
decken
.
RAD
Ärztin
Dr.
L._
kam in ihrer Stellungnahme vom 3. April 2014 ebenfalls zum Schluss, dass keine (anspruchserhebliche) Verbesserung im Vergleich zum Jahr 2011 vorliegt (vgl. vorstehend E. 4.5).
6.3
Folglich hat es mit der Aufhebung der angefochtenen Verfügung sein Bewenden.
7.
7.1
Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 600.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei aufzuerlegen.
7.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeiten des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
V
orliegenden erscheint eine
Prozessent
schädigung
von Fr. 1‘800.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.