Decision ID: 33be6f4f-61b7-421d-8868-9de0e1ee246f
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 19.04.2011 Art. 43bis Abs. 1 AHVG: Indirekte Hilfe bei der Lebensverrichtung des Essens. Rückweisung zur Abklärung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. April 2011, AHV-H 2010/4). Abteilungspräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Miriam Lendfers, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Fides Hautle Entscheid vom 18. April 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch ihren Sohn, gegen Ausgleichskasse C._, Beschwerdegegnerin, betreffend Hilflosenentschädigung zur AHV Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde am 28. Mai/2. Juni 2010 zum Bezug einer Hilflosenentschädigung der
AHV angemeldet. In dem von der Tochter ausgefüllten und von Tochter und Sohn
unterzeichneten Formular (act. 1) wurde angekreuzt, die Versicherte benötige beim An-
und Auskleiden, bei der Körperpflege (Waschen, Baden), bei der Verrichtung der
Notdurft (Körperreinigung/Überprüfung der Reinlichkeit) und bei der Fortbewegung (im
Freien sowie bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte) der Hilfe Dritter. Beim Essen
wurde bei der Frage, ob sie nur spezielle Nahrung zu sich nehmen könne, angegeben,
sie vertrage nicht mehr alles, was sie essen möchte; sie sei Diabetikerin. Unter
Fortbewegung wurde erklärt, die Versicherte gehe noch allein auf die Toilette, sei aber
wacklig auf den Beinen. Bezüglich des Aufstehens/Absitzens/Abliegens wurde
vermerkt, dies werde sie vermutlich auf längere Zeit hinaus nicht mehr allein tun
können; sie stehe nicht mehr freiwillig auf. Zur medizinisch-pflegerischen Hilfe wurde
angegeben, die Versicherte bedürfe dieser tagsüber dauernd. Es müssten ihr die
Medikamente verabreicht und die Mahlzeiten für sie zubereitet werden und es müsse
mit ihr zusammen gegessen werden. Die Hilfe leisteten der Sohn der Versicherten und
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eine Drittperson. Die Versicherte müsse tagsüber und nachts persönlich überwacht
werden, denn sie verwechsle Tag und Nacht und stehe nur auf, wenn man sie hole
oder wenn sie auf die Toilette müsse. Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH,
bescheinigte am 26. Mai 2010, es lägen bei der Versicherten eine fortschreitende
Demenz, eine präterminale chronische Niereninsuffizienz, eine koronare und
hypertensive Herzerkrankung, ein St. n. 5-fach-Bypass-OP 2002, ein Diabetes mellitus
II (insulinpflichtig) und arterielle Hypertonie vor. Die Angaben im Formular deckten sich
mit seinen Befunden.
A.b Am 21. Juni 2010 befragte eine Abklärungsperson der Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle des Kantons St. Gallen telefonisch die Tochter der Versicherten. Es wurde
schriftlich unter anderem festgehalten, der Sohn, der im gleichen Haus im oberen
Geschoss lebe, bringe der Versicherten morgens das Frühstück in ihre Wohnung.
Mehrheitlich verzichte sie jedoch auf das Frühstück und verbringe die Zeit am Morgen
im Bett. Die Partnerin des Sohnes verabreiche vor dem Mittagessen die Medikamente
und übernehme die Hilfe beim Ankleiden. Dann werde beim Sohn das Mittagessen
eingenommen. Zweimal pro Woche komme die Spitex und übernehme die
Körperpflege. In diesem Bereich sei die Versicherte seit Mai 2009 hilflos, beim An- und
Auskleiden sowie bei der Fortbewegung seit Dezember 2009. Beim Aufstehen/
Absitzen/Abliegen sei die Versicherte selbständig. Teilweise müsse sie sich beim
Aufstehen an Gegenständen festhalten. Auch beim Essen sei sie selbständig. Sie
könne die zubereiteten Mahlzeiten selbständig einnehmen und der Umgang mit Messer
und Gabel sei noch möglich. Es müsse wegen des Diabetes auf die Nahrung geachtet
werden. In der Regel gehe die Versicherte selbständig auf die Toilette. Sie trage
Windelhosen, die sie selbständig wechsle. Sie reinige sich nach dem Stuhlgang
indessen nicht gründlich, lasse aber keine Hilfe zu. Teilweise sei sie nach der
Verrichtung der Notdurft nicht korrekt angezogen. Einer ständigen persönlichen
Überwachung bedürfe die Versicherte nicht. Sie könne für eine gewisse Zeit allein
gelassen werden. Da sie die Zeit mehrheitlich im Bett verbringe, bestehe auch keine
Selbstgefährdung. Am 25. Juni 2010 unterzeichnete der Sohn das Protokoll und merkte
an, die Versicherte müsse jeden Tag mit dem Mittag- und dem Abendessen versorgt
werden. Sie könne nicht mehr kochen. Es müssten ihr Medikamente und Insulin
bereitgestellt werden und es sei erforderlich zu überwachen, dass sie diese nehme.
Das Haus selbständig zu verlassen (und einzukaufen), sei nicht mehr möglich. Ohne
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tägliche Unterstützung und Betreuung könnte sie nicht mehr zuhause leben (act. 7). Die
Tochter unterzeichnete den Bericht am 26. Juni 2010 ohne Anmerkungen (act. 6).
A.c Mit Verfügung vom 8. Juli 2010 wies die Ausgleichskasse C._ das Gesuch der
Versicherten ab. Die Versicherte sei in den Bereichen An- und Auskleiden, Körperpflege
und Fortbewegung auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen, bei den
andern Lebensverrichtungen nicht. Eine persönliche Überwachung sei ebenfalls nicht
erforderlich (act. 10 f.).
A.d Am 27. Juli 2010 erhob ihr Sohn für die Versicherte Einsprache und beantragte, die
Anspruchsvoraussetzungen seien erneut zu prüfen, bei Bedarf an Ort und Stelle. Ohne
Überwachung würde die Versicherte weder essen noch trinken. Auch die
Medikamenteneinnahme müsse überwacht werden, ebenso, dass sie ab und zu
aufstehe und nicht den ganzen Tag im Bett verbringe sowie dass sie abends zu Bett
gehe. Die einzige Lebensverrichtung, welche sie noch selber mache, sei diejenige der
Notdurft, und auch diese bereits mit Einschränkungen. Wie im Antrag erwähnt, könnten
Rückfragen bei Dr. B._ und bei den Spitexdiensten gemacht werden. Er frage sich,
wie professionell die Abklärungen gemacht worden seien (act. 12).
A.e Mit Entscheid vom 17. September 2010 wies die Ausgleichskasse C._ die
Einsprache unter Hinweis auf die Stellungnahme der IV-Stelle vom 13./17. September
2010 ab (act. 19). In dieser Stellungnahme (act. 18 bzw. 19-3 bis 5) hatte die IV-Stelle
festgehalten, unbestrittenermassen bedürfe die Versicherte bei der Verrichtung der
Notdurft keiner erheblichen Hilfe. Bei der Lebensverrichtung des Essens sei dessen
Zubereitung nicht zu berücksichtigen. Gemäss dem unterzeichneten Abklärungsbericht
müsse die Versicherte beim Essen nicht überwacht werden. Das gelegentliche
Aufmerksam-Machen auf das Essen und Trinken entspreche keiner erheblichen
Hilfestellung. Gemäss der Abklärung müsse sich die Versicherte einzig beim Aufstehen
gelegentlich an Gegenständen halten. Bei der Abklärung seien die in der Einsprache
erhobenen Einwände nicht vorgebracht worden. Eine gewisse Überwachung stelle
keine erhebliche Dritthilfe dar. Die Überwachung und Verabreichung der
Medikamenteneinnahme werde einzig bei der Prüfung der schweren Hilflosigkeit unter
dem Titel der dauernden Pflege berücksichtigt. Weil sie nicht in allen sechs
Lebensverrichtungen hilflos sei, habe sie auf eine Entschädigung wegen schwerer
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Hilflosigkeit von vornherein keinen Anspruch. Sie sei vielmehr nur in drei
Lebensverrichtungen hilflos und habe keinen Anspruch.
B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Sohn für seine Mutter am
6. Oktober 2010 (Poststempel: 11. Oktober 2010) erhobene Beschwerde. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt sinngemäss Aufhebung des
Entscheids und Zusprechung einer Hilflosenentschädigung. Seit der Einsprache habe
sich der Zustand der Beschwerdeführerin weiter verschlechtert. Unter anderem müsse
ihr am Mittag und am Abend gesagt werden, dass es Zeit zum Aufstehen und zum
Mittag- bzw. Abendessen sei. Morgens bleibe sie im Bett, bis die Spitex - mittlerweile
jeden Tag von Montag bis Freitag - zur Körperpflege komme. Es werde dann darauf
geachtet, dass sie etwas esse oder einen Kaffee trinke und die Medikamente
einnehme. Das Mittag- bzw. Abendessen nehme sie mit den Angehörigen zusammen
ein und es müsse darauf geachtet werden, dass sie nicht alles stehen lasse. Die
Beschwerdeführerin trage bei Tag und Nacht Windelhosen. Es komme vor, dass sie ab
und zu selbständig zur Toilette gehe. Normalerweise würden die Hosen zwei- bis
dreimal pro Tag gewechselt. Wie im Abklärungsbericht erwähnt, könne die
Beschwerdeführerin aufstehen, absitzen und sich hinlegen. Beim Aufstehen und Sich-
Hinlegen müsse sie sich allerdings an Gegenständen festhalten. Ihr Gang sei sehr
unsicher und sie sei inzwischen schon zweimal gestürzt. Sie stütze sich beim Gehen an
Türrahmen und Möbelstücken ab. Unzutreffend sei, dass die Beschwerdeführerin bei
der Verrichtung der Notdurft nicht der erheblichen Hilfe bedürfe. Es sei schon
vorgekommen, dass sie die Windelhosen im Wohnzimmer ausgezogen und die
Exkremente dort verteilt habe. Man müsse ferner die Mahlzeiten mit ihr zusammen
einnehmen und sie immer wieder darauf hinweisen, dass sie essen und trinken müsse.
Ohne Überwachung würde sie weder das eine noch das andere tun, auch wenn sie das
Besteck noch einigermassen handhaben könne. In welchem Grad sie hilflos sei, sei
bezüglich der lebensnotwendigen Medikamenteneinnahme nicht relevant;
entscheidend sei, dass sie die Medikamente täglich zu sich nehmen müsse und dies
ohne Überwachung nicht täte. - Dr. B._ attestierte auf der Beschwerde am
6. Oktober 2010, dass die Beschwerdeführerin ohne Hilfe von Angehörigen und Spitex
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im Pflegeheim leben müsste. Sie sei schwer pflegebedürftig und auf
Hilflosenentschädigung angewiesen.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 17. November 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf das entsprechende Schreiben der IV-Stelle
vom 3. November 2010 die Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:
1.
1.1 Da ein Einspracheentscheid vom 17. September 2010 betreffend einen im Jahr
2010 gestellten Anspruch zur Beurteilung steht, rechtfertigt es sich, auf die bis zum
31. Dezember 2010 gültig gewesene Rechtslage (im Folgenden zitiert) und nicht auf die
mit dem Bundesgesetz über die Neuordnung der Pflegefinanzierung auf den 1. Januar
2011 eingetretene Rechtsänderung abzustellen.
1.2 Im Streit liegt der Entscheid, mit welchem die Beschwerdegegnerin eine
Einsprache gegen ihre Verfügung vom 8. Juli 2010 abgewiesen hat. Damit hatte sie das
Gesuch der Beschwerdeführerin um eine Hilflosenentschädigung der AHV abgelehnt.
2.
2.1 Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung haben Bezüger von Altersrenten oder
Ergänzungsleistungen, die in schwerem oder mittlerem Grad hilflos sind (vgl. Art. 43
Abs. 1 AHVG). Als hilflos gilt nach Art. 9 ATSG eine Person, die wegen der
Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe
Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf. Für die Bemessung der Hilflosigkeit
sind nach Art. 43 Abs. 5 AHVG die Bestimmungen des IVG sinngemäss anwendbar
und nach Art. 66 Abs. 1 AHVV Art. 37 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a und b IVV.
2.2 Die Hilflosigkeit gilt als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist,
d.h. in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die
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Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies dauernd der Pflege oder der persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 IVV). Nach der Praxis sind sechs alltägliche
Lebensverrichtungen massgebend, nämlich Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen,
Absitzen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung,
Kontaktaufnahme (BGE 121 V 90 E. 3a). Eine mittelschwere Hilflosigkeit liegt vor, wenn
die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten (d.h. in vier der
sechs, vgl. Rz 8009 des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen
Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH,
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 29. August 2006,
I 866/05) alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die
Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV) oder wenn sie in mindestens zwei
alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (Art.
37 Abs. 2 lit. b IVV).
2.3 Hilflos in einer dieser Lebensverrichtungen ist eine versicherte Person bereits
dann, wenn sie für eine Teilfunktion regelmässig in erheblicher Weise auf Dritthilfe
angewiesen ist (Rz 8011 KSIH). - Erheblich ist die Hilfe gemäss Rz 8026 KSIH, wenn
die versicherte Person mindestens eine Teilfunktion einer einzelnen Lebensverrichtung
nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise (ZAK
1981 S. 387) selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne
besondere Aufforderung nicht vornehmen würde. Indirekte Hilfe von Drittpersonen ist
gegeben, wenn die versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar
funktionsmässig selbst ausführen kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu
Unzeiten tun würde, wenn sie sich selbst überlassen wäre (ZAK 1984 S. 354, ZAK 1980
S. 60; Rz 8029 KSIH). Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich
benötigt oder eventuell täglich nötig hat (ZAK 1986 S. 484; Rz 8025 KSIH).
2.4 Dauernd persönlich überwachungsbedürftig ist nach der Rechtsprechung, wer in
regelmässigen Abständen persönlich kontrolliert werden muss oder wer darauf
angewiesen ist, dass in einer unvermittelt entstehenden Bedarfssituation eine
Drittperson kontrollieren und nötigenfalls eingreifen kann. Ein dauernder persönlicher
Überwachungsbedarf liegt vor, wenn mehrmals täglich eine Kontrolle erfolgen muss,
wenn die versicherte Person also nicht vom Aufstehen bis zum Zubettgehen oder nicht
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die ganze Nacht ohne Kontrolle bleiben kann (nicht veröffentlichter Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S Erbengemeinschaft W. vom 29. Juni
2004 [AHV-H 2004/2], bestätigt durch den Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 7. Juni 2005, H 163/04). Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts (bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht)
bezieht sich der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung nicht auf die
alltäglichen Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte
Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden
haben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins
Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine medizinische und pflegerische Hilfeleistung
zu verstehen, welche infolge des physischen und/oder psychischen
Gesundheitszustandes der versicherten Person notwendig ist. Um als
anspruchsrelevant gelten zu können, muss die persönliche Überwachung eine gewisse
Intensität erreichen (Bundesgerichtsentscheid i/S L. vom 31. Januar 2008, 9C_608/07).
- Die Notwendigkeit, täglich Medikamente zu verabreichen, ist als Teil der persönlichen
Pflege zu betrachten (BGE 107 V 139 E. 1b; ZAK 1990 S. 46 E. 2;
Bundesgerichtsentscheid i/S S. vom 3. September 2003, I 214/03, E. 1.2). Die
persönliche Pflege führt ihrerseits nur dann zu einer - diesfalls schweren - Hilflosigkeit,
wenn sie dauernd erforderlich ist und daneben ein Hilfsbedarf in sämtlichen der
genannten relevanten Lebensverrichtungen besteht (Art. 37 Abs. 1 IVV; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S D. vom 21. November 2006, H 4/06).
3.
Die Beschwerdegegnerin hat nach der Aktenlage zu Recht anerkannt, dass die
Beschwerdeführerin beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege und bei der
Fortbewegung auf regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen ist. Eine
Überwachungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin
verneint. Strittig ist insbesondere der Hilfsbedarf beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen,
beim Essen und beim Verrichten der Notdurft
4.
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4.1 In der Anmeldung wurde vermerkt, die Beschwerdeführerin könne nur spezielle
Nahrung zu sich nehmen, denn sie vertrage wegen des Diabetes nicht mehr alle
Speisen. Dieser Umstand begründet keine Hilflosigkeit im Sinne der gesetzlichen
Bestimmungen. Schon in der Anmeldung wurde allerdings vermerkt, man müsse für sie
die Mahlzeiten zubereiten und mit ihr zusammen essen. In den im Abklärungsbericht
wiedergegebenen Schilderungen wiederum war als einzige Einschränkung davon die
Rede, dass wegen des Diabetes auf die Nahrung geachtet werden müsse. Im Übrigen
wurde bestätigt, dass die Beschwerdeführerin bei der Nahrungsaufnahme als solcher
selbständig sei. In der Einsprache gab der Sohn der Beschwerdeführerin dann an, ohne
Überwachung würde sie weder essen noch trinken. In der Beschwerde bestätigte er
dies und ergänzte, man müsse darauf achten, dass sie nicht alles stehen lasse.
4.2 Nach Angaben ihres Sohnes in der Beschwerde hat sich im Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin seit der Einsprache eine Verschlechterung ergeben. Diese
zeichnet sich nach der Aktenlage darin ab, dass inzwischen an fünf Tagen pro Woche
Spitexdienste in Anspruch genommen werden. Es ist nicht ersichtlich, ob die
Schilderungen bezüglich des Bedarfs an indirekter Hilfe bei der Lebensverrichtung des
Essens eine solche Verschlechterung anzeigen oder ob es sich lediglich um eine
detailliertere Begründung des früher schon bestehenden Hilfsbedarfs handelt.
4.3 Die Beschwerdeführerin kann nach der Aktenlage offenbar täglich eine
Hauptmahlzeit im familiären Rahmen einnehmen. Dass sie an den Tisch begleitet
werden muss, ist nach Rz 8019 KSIH in diesem Zusammenhang unbeachtlich, weil
dieser Umstand schon bei der Lebensverrichtung der Fortbewegung berücksichtigt
werden kann (vgl. ZAK 1983 S. 72). Anders wäre es, wenn aufgrund des
Gesundheitszustandes - objektiv betrachtet - eine der drei Hauptmahlzeiten ans Bett
gebracht werden müsste (ZAK 1985 S. 401), was hier aber nicht der Fall ist.
4.4 Würde sich die Beschwerdeführerin aber, wäre sie sich selbst überlassen, aus
Gründen eines beeinträchtigten Gesundheitszustands nicht (oder nicht genügend)
ernähren, so ist sie als in dieser Lebensverrichtung hilflos zu betrachten, auch wenn sie
funktionsmässig ohne weiteres selber essen kann. Ob dies der Fall sei, kann der
Aktenlage allerdings nicht ausreichend beweiskräftig entnommen werden.
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4.5 Dass die Beschwerdeführerin auf das offenbar in einer ersten Phase noch vom
Sohn in ihre Wohnung gebrachte Frühstück mehrheitlich verzichtete, lässt noch nicht
darauf schliessen, dass sie die Lebensverrichtung des Essens ohne Unterstützung aus
gesundheitlichen Gründen unterlassen würde. Zu ihrem Gesundheitszustand liegt zwar
die Diagnoseliste und die pauschale Angabe einer Übereinstimmung mit den Angaben
in der Anmeldung vor, aber keine weitergehende ärztliche Beschreibung zu
krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen. Eine Stellungnahme des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) der Invalidenversicherung, wie sie in Rz 8129 KSIH
vorgesehen ist, wurde nicht eingeholt. Auch Angaben der Spitex sind nicht vorhanden,
aus denen Rückschlüsse auf das Essverhalten gezogen werden könnten. Es scheinen
ergänzende Abklärungen zur diesbezüglich erforderlichen Hilfestellung am Platz zu
sein. Zu erheben ist auch, wann gegebenenfalls ein erheblicher Hilfsbedarf entstanden
ist und wie er sich allenfalls im Zeitablauf entwickelt hat.
5.
5.1 Was die Verrichtung der Notdurft betrifft, wurde in der Anmeldung zwar bei der
Körperreinigung/Überprüfung der Reinlichkeit das Feld für Hilfsbedürftigkeit markiert,
beim Ordnen der Kleider und der unüblichen Art der Verrichtung indessen kein
Hilfsbedarf angegeben. Die Beschwerdeführerin gehe noch allein zur Toilette. Im
Abklärungsbericht wurde dagegen festgehalten, teilweise sei sie nach der Verrichtung
nicht korrekt angezogen. Sie lasse bei der Reinigung, die selbständig ungenügend sei,
keine Hilfe zu. Gemäss der Einsprache gelingt die Notdurftverrichtung als einzige
Lebensverrichtung noch allein, wenn auch bereits mit Einschränkungen. In der
Beschwerde wurde angegeben, die Beschwerdeführerin gehe noch ab und zu
selbständig zur Toilette, und es wurde ein Zwischenfall der unüblichen Verrichtung
geschildert. - Die gegenwärtige Aktenlage lässt darauf schliessen, dass (selbst bei
Berücksichtigung einer gewissen Verschlechterung im Zeitablauf) im vorliegend zu
beurteilenden Zeitraum diesbezüglich jedenfalls keine Dritthilfe erforderlich war, welche
die Schwelle der Erheblichkeit (und Regelmässigkeit) überschritten hätte.
5.2 Bezüglich des Aufstehens/Absitzens/Abliegens wurde in der Anmeldung
geschildert, diese Verrichtung werde die Beschwerdeführerin vermutlich auf längere
Zeit hinaus nicht mehr allein vornehmen; sie stehe nicht mehr freiwillig auf. Sie stehe
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nur auf, wenn man sie hole oder wenn sie auf die Toilette müsse. Gemäss den im
Abklärungsbericht festgehaltenen Angaben ist die Beschwerdeführerin hierbei
selbständig und muss sich lediglich beim Aufstehen teilweise an Gegenständen
festhalten. In der Einsprache wurde vorgebracht, es müsse überwacht werden, dass
die Beschwerdeführerin ab und zu aufstehe und nicht den ganzen Tag im Bett
verbringe und dass sie abends zu Bett gehe. In der Beschwerde wurde angegeben,
man müsse der Beschwerdeführerin am Mittag und am Abend sagen, dass es Zeit zum
Aufstehen und Essen sei. - Einerseits reicht ein Bedarf an indirekter Hilfe aus,
anderseits erscheint auch in dieser Hinsicht die Erheblichkeit der Hilfestellung fraglich,
zumal sie ohne weiteres anlässlich der anerkannten Hilfe bei der Körperpflege oder bei
der Fortbewegung erfolgen kann.
5.3 Einen unabhängig von den Lebensverrichtungen bestehenden
Überwachungsbedarf hat die Beschwerdegegnerin nach der gegenwärtigen Aktenlage
zu Recht verneint, bezieht sich doch die Überwachung bei der Medikamenteneinnahme
nach dem oben Dargelegten auf den Gesichtspunkt der dauernden Pflege, welche
rechtlich allein im Zusammenhang mit schwerer Hilflosigkeit von Bedeutung ist.
5.4 Sind - wie gezeigt - ergänzende Abklärungen erforderlich und ist die Sache
deswegen zurückzuweisen, so könnten sich auch unter den vorgenannten drei
Aspekten weitere Erkenntnisse ergeben, welche den Sachverhalt in dem hier zu
beurteilenden Zeitraum (bis 17. September 2010) betreffen. Zu beachten sein werden
bei der erforderlichen Neuverfügung wie erwähnt eine allfällige Veränderung des
Sachverhalts im Lauf der Zeit sowie ausserdem der Umstand, dass dannzumal
(Verfügungszeitpunkt nach dem 1. Januar 2011) die Gesetzesänderung
(Entschädigungen auch für leichte Hilflosigkeit) von Einfluss sein kann.
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 17. September 2010 teilweise zu schützen
und die Sache ist zu ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP