Decision ID: 25c823f8-b2e4-52b8-9c31-41bcea478213
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Eigenen Angaben gemäss verliess der Beschwerdeführer, ein  Staatsangehöriger kurdischer Ethnie aus Sulaymaniya, seinen Heimatstaat am 2. Mai 2002 und gelangte am 31. Mai 2002 in die Schweiz. Gleichentags ersuchte er in der damaligen Empfangsstelle des Bundesamtes für Flüchtlinge (BFF, seit 1. Januar 2005 Bundesamt für Migration [BFM]) in Chiasso um Asyl. Am 10. Juni 2002 wurde er in der Empfangsstelle kurz befragt und am 5. August 2002 durch die  kantonale Behörde angehört.
Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei der einzige Sohn eines zwischenzeitlich verstorbenen Richters von . Im Jahre 1999 habe sein Vater vier beziehungsweise  Islamisten, welche eine bewilligte kommunistische Feier gestört hätten, zu zwei- bis dreijährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Am 15. März 2002 sei er, der Beschwerdeführer, auf dem Marktplatz von  angegriffen und geschlagen worden, weil sich diese an ihm - an Stelle seines Vaters - hätten rächen wollen. Am 2. April 2002 habe er zudem einen von Islamisten verfassten Brief erhalten, wonach er sich in deren Lokal in Halabja hätte melden sollen. Aus Angst, von  umgebracht zu werden, habe er sich dort nicht gemeldet, sondern in Sulaymaniya versteckt und bei der PUK und der Polizei eine  eingereicht. Weil diese nichts unternommen hätten, habe er mit  Schlepper Kontakt aufgenommen, welcher seine Ausreise  habe.
B. Mit Verfügung vom 23. August 2002 lehnte das BFF das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und verneinte die Flüchtlingseigenschaft. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Entsprechend ordnete das BFF die  sowie deren Vollzug an, wobei gemäss Ziffer 4 des  eine Wegweisung in den zentralstaatlich kontrollierten Teil des Irak ausgeschlossen wurde.
C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. September 2002 Beschwerde bei der damals zuständigen Schwei-
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zerischen Asylrekurskommission (ARK) und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Diese  wurde mit Urteil vom 3. Oktober 2002 abgewiesen.
D. Mit Verfügung vom 13. Mai 2005 hob die Vorinstanz Ziffer 4 der  vom 23. August 2002 infolge Gegenstandslosigkeit auf und setzte dem Beschwerdeführer eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz.
E. Nachdem der Beschwerdeführer diese Verfügung mittels Beschwerde bei der ARK angefochten hatte, wurde er von der Vorinstanz mit  vom 12. Oktober 2005 in teilweiser beziehungsweise  Wiederwägung ihrer Verfügungen vom 23. August 2002 und 13. Mai 2005 zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  aufgenommen.
F. In der Folge schrieb die ARK mit Beschluss vom 13. Oktober 2005 die Beschwerde vom 10. Juni 2005 zufolge Gegenstandslosigkeit ab.
G. Mit Schreiben vom 15. November 2007 teilte das BFM dem  mit, es erachte nach einer Analyse der Sicherheits- und  im Irak den Wegweisungsvollzug in die drei  Provinzen Dohuk, Sulaymaniya und Erbil zur Zeit als  zumutbar, gewährte ihm das rechtliche Gehör zur  Aufhebung der vorläufigen Aufnahme und dem damit verbundenen Wegweisungsvollzug.
H. Am 26. November 2007 nahm der Beschwerdeführer Stellung und , aufgrund der angespannten und unsicheren Lage im Nordirak sei von einer Aufhebung der vorläufigen Aufnahme abzusehen.
I. Mit Verfügung vom 11. Januar 2008 hob das BFM die vorläufige  des Beschwerdeführers auf und forderte ihn unter Ansetzung einer Frist zum Verlassen der Schweiz - unter Androhung von  im Unterlassungsfall - auf.
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J. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 28. Januar 2008 beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung des BFM vom 11. Januar 2008 sei aufzuheben und die vorläufige Aufnahme sei . In verfahrensrechtlicher Sicht ersuchte er unter Beilage  Fürsorgebestätigung um Gewährung der unentgeltlichen . Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit , in den Erwägungen eingegangen.
K. Mit Verfügung vom 13. Februar 2008 bewilligte das  das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen  und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31); das Bundesverwaltungsgericht  in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine form- und und  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 50 ff. VwVG).
1.3 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und  des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige  des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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2. 2.1 Das BFM hebt die vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der Weg- oder Ausweisung an, wenn die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind (Art. 84 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die  und Ausländer vom 16. Dezember 2005 [AuG, SR 142.20]). Die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme sind nicht mehr , wenn der Vollzug der rechtskräftig angeordneten Wegweisung  (Art. 83 Abs. 3 AuG) und es der ausländischen Person möglich (Art. 83 Abs. 2 AuG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AuG) ist, sich  in ihren Heimat-, in den Herkunftsstaat oder in einen Drittstaat zu begeben.
Gemäss den Anträgen der Beschwerde wird nicht geltend gemacht, der Vollzug der Wegweisung sei unzulässig beziehungsweise  im Sinne von Art. 83 Abs. 2 und 3 AuG. Gegenstand des  Beschwerdeverfahrens bildet entsprechend den  somit lediglich die Frage, ob die von der Vorinstanz  vorläufige Aufnahme infolge weiterhin bestehender  des Wegweisungsvollzugs andauern soll.
2.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder  auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
2.2.1 In der angefochtenen Verfügung hielt die Vorinstanz fest,  der Sicherheits- und Menschenrechtslage herrsche in den drei von der kurdischen Regionalregierung kontrollierten nordirakischen Provinzen Dohuk, Erbil und Sulaymaniya keine Situation allgemeiner Gewalt. Auch wenn in letzter Zeit einzelne gewaltsame Zwischenfälle (Anschläge in Erbil und auf einen christlichen Spirituosenladen in ) zu verzeichnen waren, sei die Sicherheitslage in den  Provinzen als stabil einzuschätzen. Der  sei daher grundsätzlich zumutbar. Dies gelte insbesondere für aus dieser Region stammende Männer, welche sich alleine in der Schweiz aufhielten und in einer der genannten drei Provinzen über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügten. Zudem teilten auch andere
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Staaten (Schweden, Niederlande, Deutschland, Grossbritannien,  und Dänemark) die Einschätzung des BFM, wonach der  in die drei genannten Provinzen grundsätzlich  sei. Ausserdem trage das BFM mit seiner heutigen  und der Einzelfallprüfung individuellen  gemäss den Empfehlungen des UNHCR Rechnung.
Schlussendlich sprächen im vorliegenden Fall auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
Im Übrigen sei mit Verfügung vom 23. August 2002, welche in  erwachsen sei, festgestellt worden, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, und das Asylgesuch sei  worden.
Der Beschwerdeführer sei im Alter von rund 24 Jahren in die Schweiz eingereist und habe somit den grössten Teil seines Lebens,  die prägenden Kinder- und Jugendjahre, in der Provinz  verbracht. Damit sei er mit Sprache, Kultur, Lebens- und  an seinem Herkunftsort bestens vertraut. (Angaben zur persönlichen Situation) Der Beschwerdeführer verfüge über eine gute Schulbildung und über Dank seinem sozialen Beziehungsnetz und den Hilfsorganisationen vor Ort, die ihn bei der Wiedereingliederung stützen könnten, sei, trotz der momentan schwierigen Verhältnisse in seiner Herkunftsprovinz, davon auszugehen, dass er nicht in eine Existenz bedrohende Situation geraten würde. Damit sollte er in der Lage sein, nach der Rückkehr in seinen Heimatort im Irak eine Basis für eine wirtschaftliche Existenz schaffen zu können. Aus den Akten gäbe es keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer an gesundheitlichen Beschwerden leiden würde. Zudem verfüge er mit seinen nach wie vor in der Provinz Sulaymaniya wohnhaften Familienmitgliedern (Mutter, Onkel, Tanten) über ein soziales , das ihm in der Anfangsphase unterstützend zur Seite stehen könne. Aufgrund der Sachlage sei folglich davon auszugehen, dass die Reintegration des Beschwerdeführers an seinem Herkunftsort keine Schwierigkeiten bereiten sollte. Überdies könne der  bei fristgemässer Ausreise vom Angebot der Rückkehrhilfe Gebrauch machen, welche ihm die Reintegration im Heimatland  dürfte.
2.2.2 Der Beschwerdeführer weist in seiner Rechtsmitteleingabe -  Bezugnahme auf Analysen und Berichte verschiedener NGOs -
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darauf hin, dass sich zwar die Sicherheits- und Menschenrechtslage in den drei nordirakischen Provinzen verbessert habe, jedoch auch dort nach wie vor von einer Situation allgemeiner Gewalt auszugehen sei. Zudem sei die Entwicklung in den nächsten Monaten - welche  sei von einer Vielzahl von Faktoren - nicht voraussehbar. Überdies erwähnt er mehrere Zwischenfälle mit teilweise zahlreichen , zu welchen es in den vergangenen zwei Jahren gekommen sei.
Ferner macht der Beschwerdeführer geltend, sich bei einer Rückkehr nach wie vor vor einer Verfolgung durch Anhänger der „X._“ zu fürchten, und legt dar, dass seine Mutter zwar noch in Sulaymaniya im väterlichen Haus lebe, diese jedoch verwitwet sei und ihm bei einer Wiedereingliederung keine Unterstützung bieten könne.
2.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist in einem Grundsatzurteil vom 14. März 2008 (E-4243/2007; voraussichtlich BVGer 2008/5) aufgrund einer umfassenden Beurteilung der aktuellen Situation in den  Provinzen Dohuk, Sulaymaniya und Erbil zum Schluss , dass in den drei kurdischen Provinzen keine Situation  Gewalt herrscht und die dortige politische Lage nicht dermassen angespannt ist, als dass eine Rückführung dorthin als generell  betrachtet werden müsste. Zudem ist - entgegen den  in der Beschwerde - die Region mit Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarstaaten erreichbar. Damit entfällt das Element der unzumutbaren Rückreise via Bagdad und anschliessend auf dem Landweg durch den von Gewalt heimgesuchten Zentralirak.
Zusammenfassend wurde im erwähnten Entscheid festgehalten, dass die Anordnung des Wegweisungsvollzugs in die drei kurdischen  des Nordiraks (Dohuk, Erbil und Sulaymaniya) unter der  zumutbar ist, wenn die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt oder längere Zeit dort gelebt hat und über ein soziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis) oder über Beziehungen zu den herrschenden Parteien verfügt. Für  Frauen und für Familien mit Kindern, sowie für Kranke und Betagte ist bei der Feststellung der Zumutbarkeit des  jedoch grosse Zurückhaltung angebracht (vgl. a.a.O. E. 7.5 und insbesondere 7.5.8).
2.2.4 Der Beschwerdeführer stammt aus der Provinz Sulaymaniya, wo er von Geburt bis zu seiner Ausreise im Mai 2002 gelebt hat. Gemäss
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eigenen Angaben hat er dort die obligatorische Primarschule  und ein Jahr die Sekundarschule besucht. (Angaben zur  Situation). Angesichts des Alters des Beschwerdeführers, der Schulbildung und der Berufserfahrung ist davon auszugehen, dass er sich in seiner Heimat in den Arbeitsmarkt wieder wird integrieren können. Seine in Sulaymaniya lebenden Familienangehörigen (Mutter, allenfalls auch Onkel und Tante) werden ihm, sofern erforderlich, bei einer Wiedereingliederung im Heimatland behilflich sein können. Gemäss Akten hat seine Mutter beim Tod des Vaters relativ viel Geld erben können (vgl. A 9 S. 7). Die Rückkehrhilfe der Schweiz wird ihm überdies einen Wiedereinstieg in seiner Heimat ebenfalls erleichtern können. Schliesslich sind keine weiteren individuellen Gründe ersichtlich, aufgrund derer allenfalls geschlossen werden müsste, der Beschwerdeführer, welcher frei von familiären Verpflichtungen und gemäss Akten gesund ist, gerate im Falle der Rückkehr in die Heimat in eine existenzbedrohende Situation, weshalb der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu bezeichnen ist.
2.2.5 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er müsse sich bei einer Rückkehr nach Sulaymaniya vor einer Verfolgung durch Anhänger der "X._" fürchten, war schliesslich bereits im Rahmen des ordentlichen Asylverfahrens als offensichtlich unglaubhaft qualifiziert worden.
3. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  ist demnach abzuweisen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aufgrund der bereits mit Verfügung des  vom 13. Februar 2008 gewährten unentgeltlichen Rechtspflege ist jedoch auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten.
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