Decision ID: 61314e17-88d6-5c86-bfff-9cdf202366a1
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerinnen reichten am 9. September 2013 beim
Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland ein Baugesuch ein für eine Strassensanierung
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kombiniert mit Wasser- und Kanalisationsleitungsersatz sowie für das Erstellen eines
schwenkbaren Geländers auf den Parzellen Mattstetten Grundbuchblatt Nr. C._
und D._ sowie auf den Parzellen Urtenen-Schönbühl Grundbuchblatt Nr.
E._, F._ und G._. Das Bauvorhaben dient zusammen mit
verschiedenen, separat verfügten Verkehrsbeschränkungsmassnahmen der Umsetzung
eines gemeindeübergreifenden Verkehrskonzepts. Geplant ist unter anderem eine
Sperrung der H._strasse, so dass ab der I._strasse (Kantonsstrasse) nur
noch zur J._ AG gefahren werden kann. Gegen das Bauvorhaben erhob der
Beschwerdeführer Einsprache. Das Baubewilligungsverfahren wurde unter anderem
wegen den Beschwerden gegen die Verkehrsbeschränkungsmassnahmen sistiert. Mit
Urteil vom 29. November 2016 wies das Verwaltungsgericht die Beschwerden ab.1
Nachdem dieses Urteil in Rechtskraft erwachsen war, beantragten die
Beschwerdeführenden die Wiederaufnahme des Baubewilligungsverfahrens. Zudem
änderten sie das Bauprojekt mit Eingabe vom 2. August 2017 insofern ab, als sie anstelle
des schwenkbaren Geländers einen Pfosten auf der H._strasse vorsahen. Mit
Gesamtentscheid vom 27. Oktober 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Baubewilligung.
2. Gegen die Baubewilligung vom 27. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer am
14. November 2017 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt sinngemäss, das Setzen eines Pfostens auf der
H._strasse sei nicht zu bewilligen.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. In seinem Schreiben vom 8. Dezember
2017 beantragte das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werde. Zur Begründung verwies es auf seinen
Entscheid sowie die Amts- und Fachberichte. In ihrer Beschwerdeantwort vom 22.
Dezember 2017 beantragten die Beschwerdegegnerinnen die vollumfängliche Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung wiesen sie insbesondere darauf hin, das
1 VGE 2015/180/181/186 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Verkehrsregime H._ diene der Entlastung der Wohngebiete der
Beschwerdegegnerinnen von Schleich- und Durchgangsverkehr. Auf die Rechtsschriften
und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Der Beschwerdeführer wohnt an der Strasse, die für den Durchgangsverkehr
gesperrt werden soll. Nach der Sperrung wird er nicht mehr auf dem kürzesten Weg auf
das übergeordnete Strassennetz fahren können. Er ist somit unbestritten unmittelbar in
eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen und hat sich zulässigerweise als Einsprecher
am Baubewilligungsverfahren beteiligt (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Da seine Einsprache
abgewiesen worden ist, ist er durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und
daher zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerde ist innert
der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 BauG).
c) Parteieingaben müssen gemäss Art. 32 Abs. 2 VRPG5 bestimmten
Mindestanforderungen an die Form genügen. Antrag, Begründung und Unterschrift
gehören zu den eigentlichen Gültigkeits- und Prozessvoraussetzungen. An Laieneingaben
sind dabei keine hohen Anforderungen zu stellen. Es ist ausreichend, wenn sich aus dem
Zusammenhang sinngemäss ergibt, was beantragt wird. Die unrichtige Bezeichnung einer
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Eingabe darf nicht schaden.6 Was die Begründung betrifft, so muss sinngemäss erkennbar
sein, welche Rechtsnorm oder Grundsätze der Ermessungsausübung nach Auffassung der
opponierenden Partei verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente unrichtig oder
unvollständig festgestellt worden sind7. Die Beschwerde enthält zwar keinen
ausdrücklichen Antrag und ist bloss summarisch begründet. Aus der Eingabe kann jedoch
geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer insofern die Aufhebung des Entscheids
beantragt, als die H._strasse mit einem Pfosten gesperrt werden soll, und dass er
sinngemäss geltend macht, dass das Gebot der Rechtsgleichheit verletzt werde. Die
Beschwerde entspricht deshalb den Formvorschriften. Es kann grundsätzlich darauf
eingetreten werden.
2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gilt somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.8
b) Die Beschwerde richtet sich einzig gegen die Bewilligung für das Setzen eines
Pfostens. Im Übrigen ist die Bewilligung für die Strassensanierung mit Wasser- und
Kanalisationsleitungsersatz sowie für das Erstellen zweier Trottoirteilstücke nicht
umstritten. Insoweit ist der Gesamtentscheid vom 27. Oktober 2017 unangefochten in
Rechtskraft erwachsen.
c) Der Beschwerdeführer wirft die Frage auf, ob der Zaun (Mauer mit Bretterverschlag)
bei der Ausfahrt in die I._strasse den Vorschriften entspreche. Die fragliche
Sockelmauer mit Bretterwand auf dem Grundstück Urtenen-Schönbühl Grundbuchblatt
Nr. K._ verläuft entlang der H._strasse bis zur Einmündung in die
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 10 ff 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8
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I._strasse. Es handelt sich um eine bestehende Baute auf einem
Nachbargrundstück, die nicht Gegenstand des vorliegenden Baubewilligungsverfahrens
bildet. Ob sie den massgeblichen Vorschriften entspricht, kann deshalb nicht zum
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens gemacht werden. Insoweit kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.
d) Der Beschwerdeführer macht unter anderem geltend, dass die Grundbucheintragung
eines Wegrechts auf seiner Liegenschaft verweigert werde. Was er genau damit meint,
erschliesst sich der BVE nicht, da die Beschwerde keine weiteren Angaben dazu enthält.
Gemäss Angaben der Beschwerdegegnerinnen könnte es darum gehen, dass die
J._ AG dem Beschwerdeführer zwar gestattet, gelegentlich über ihr Areal auf die
I._strasse zu fahren, dass sie jedoch die Errichtung eines dinglichen Wegrechts
verweigert. Diese Frage kann jedoch offengelassen werden, da im Baubewilligungs- und
Baubeschwerdeverfahren grundsätzlich nicht über privatrechtliche Verhältnisse
entschieden wird. Die Behörden haben lediglich zu prüfen, ob ein Bauvorhaben den bau-
und planungsrechtlichen Vorschriften und den nach andern Gesetzen im
Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entspricht (Art. 2 Abs. 1 BauG).
Zudem bildete das fragliche Wegrecht auch nicht Gegenstand des vorinstanzlichen
Entscheides. Die Eintragung eines Wegrechts ins Grundbuch kann deshalb nicht zum
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens gemacht werden. Insoweit kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.
3. Sperrung der H._strasse
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, der angefochtene Entscheid unterstelle den
langjährigen Anwohnern der H._strasse, bei der Einfahrt
H._strasse/I._strasse ein Sicherheitsrisiko zu sein. Dies im Gegensatz
zur teilweise ortsfremden Kundschaft des N._betriebes. Dies sei ungerecht. Er
fordert gleichberechtigte Strassenverkehrsverhältnisse auf der H._strasse
zwischen der I._- und der L._strasse. Zudem wirft er die Frage auf, wie
die von den Behörden verordneten Umwege gegenüber dem erklärten Klimaziel vertretbar
seien.
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b) Die H._strasse ist eine Gemeindestrasse im Sinn von Art. 8 SG9. Laut Art.
65 Abs. 1 SG dürfen die öffentlichen Strassen im Rahmen ihrer Zweckbestimmung, ihrer
Gestaltung, der örtlichen Verhältnisse und der geltenden Vorschriften von allen
unentgeltlich und ohne besondere Erlaubnis benutzt werden. Der Gemeingebrauch kann
im überwiegenden öffentlichen Interesse beschränkt oder aufgehoben werden (Art. 65
Abs. 2 SG). Es gibt keinen bundesverfassungsrechtlichen Anspruch darauf, dass
bestimmte Verkehrsanlagen gebaut oder bestimmte Flächen dem Verkehr zur Verfügung
gestellt werden. Das Gemeinwesen ist verfassungsrechtlich auch nicht verpflichtet, die
bestehenden Strassenflächen im bisherigen Umfang dem Verkehr zu erhalten. Sofern es
sich nicht um Durchgangsstrassen handelt (Art. 2 Abs. 1 Bst. a und Art. 3 Abs. 3 SVG10),
kann das zuständige Gemeinwesen eine Fläche, die bisher dem Verkehr gewidmet war,
einer anderen Zweckbestimmung zuführen.11 Im Allgemeinen wird für die Entwidmung oder
Umwidmung ein entsprechendes (überwiegendes) öffentliches Interesse vorausgesetzt
bzw. verlangt, dass das öffentliche Interesse, das Voraussetzung für die seinerzeitige
Widmung war, untergegangen ist (bspw. weggefallene oder verminderte
Verkehrsbedeutung) oder jedenfalls gegenüber jenem an der Ent- oder Umwidmung als
untergeordnet erscheint. In der neueren Rechtsprechung wird vermehrt auch den privaten
Interessen der durch die Einschränkung oder die Aufhebung des Gemeingebrauchs
betroffenen Anstösserinnen und Anstösser Rechnung getragen. Bei der Änderung der
Widmung ist das Gemeinwesen daher, anders als bei der erstmaligen Widmung, nicht
frei.12 Anstösserinnen und Anstösser dürfen insbesondere nicht vom Zugang zu einer
Strasse abgeschnitten werden, ohne dass ihnen zum Ersatz ein anderer Zugang eröffnet
wird. Hingegen besteht kein Anspruch auf unverändertes Beibehalten einer wirtschaftlich
vorteilhaften Verkehrssituation.13
c) Dem Baugesuch liegt ein gemeindeübergreifendes Verkehrskonzept zugrunde, das
der Lösung der Verkehrs- und Erschliessungsprobleme im Gebiet H._ dienen soll.
Dieses Konzept sieht unter anderem ein Fahrverbot für Motorwagen und Motorräder, mit
Ausnahmen auf der M._gasse, die (beidseitige) Sperrung der H._strasse
9 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 10 Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01) 11 BGE 122 I 279 E. 2 c, mit weiteren Hinweisen 12 André Werner Moser, Der öffentliche Grund und seine Benützung, Diss. Bern 2011, S. 114 f. 13 Fritz Gygi, Verwaltungsrecht, 1986, S. 238 f.
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sowie die Signalisation der H._strasse als Sackgasse vor.14 Gemäss Angaben der
Beschwerdegegnerinnen wird mit dem Verkehrskonzept beabsichtigt, die Wohngebiete von
Mattstetten und Urtenen-Schönbühl vom Schleichverkehr von und nach Jegenstorf
weitgehend zu entlasten. Urtenen-Schönbühl soll zudem vom Durchgangsverkehr von und
nach Münchringen und Mattstetten entlastet werden. Mattstetten soll im Gegenzug vom
Schleichverkehr von Urtenen-Schönbühl von und nach Münchringen und Hindelbank oder
Jegenstorf entlastet werden. Neben den Fahrverboten ist auch eine Sperrung der
H._strasse vorgesehen. Dazu planen die Beschwerdegegnerinnen, rund 20 m von
der Einmündung in die Kantonsstrasse entfernt einen Pfosten mitten auf der
H._strasse zu setzen. Diese Massnahme hat nicht nur verkehrslenkende Funktion,
sondern sie dient auch der Verkehrssicherheit. Dem angefochtenen Entscheid lässt sich
entnehmen, dass die Sichtweiten im Knoten H._/I._strasse
(Kantonsstrasse) nicht den Anforderungen der einschlägigen VSS-Norm entsprechen. Aus
diesem Grund verlangte der Oberingenieurkreis III entweder die entsprechende Anpassung
des fraglichen Einmündungsbereichs oder die Sperrung der H._strasse mittels
Setzens eines Pfostens.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass bei der fraglichen Einmündung die Sichtweiten
nicht eingehalten sind. Er macht auch nicht geltend, er werde vom Zugang zum
öffentlichen Strassennetz abgeschnitten. Hingegen bemängelt er, dass die Sperrung der
H._strasse Umwege zur Folge haben wird. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt,
ist ein Verkehrsknoten, bei dem die Sichtweiten nicht eingehalten sind, nicht
verkehrssicher. Er kann zu gefährlichen Situationen oder sogar Unfällen mit
Personenschaden führen. Mit der Sperrung der H._strasse kann die
Verkehrssicherheit beim fraglichen Knoten verbessert werden. Die Verkehrssicherheit stellt
ohne Zweifel ein wichtiges öffentliches Interesse dar. Es ist zwar verständlich, dass der
Beschwerdeführer auch weiterhin auf möglichst kurzem, direktem Weg auf das
übergeordnete Strassennetz gelangen möchte. Dieses private Interesse hat jedoch
gegenüber dem gewichtigen öffentlichen Interesse der Verkehrssicherheit zurückzutreten.
Hinzu kommt, dass die Sperrung der Strasse Teil eines Verkehrskonzepts ist, das dazu
dient, Wohnquartiere von Durchgansverkehr zu entlasten. Eine Beschränkung des
Gemeingebrauchs durch Sperrung der H._strasse mittels Setzen eines Pfostens
ist deshalb im überwiegenden öffentlichen Interesse. Wie die Vor-instanz ausführlich und
14 Vgl. VGE 2015/180/181/186 vom 29.11.2016 E. 2.2
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zutreffend ausführt, ist die fragliche Massnahme auch verhältnismässig. Insbesondere
kann die Sichtweite beim Knoten H._/I._strasse nicht ohne weiteres
angepasst werden, müsste doch dafür eine bestehende Sockelmauer mit Lärmschutzwand
auf dem Grundstück Urtenen-Schönbühl Grundbuchblatt Nr. K._ abgebrochen
oder versetzt werden.
d) Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, die Sperrung der
H._strasse verstosse gegen das Gebot der Rechtsgleichheit, da die J._
AG nicht von der Sperrung betroffen sei. Das Gebot der Rechtsgleichheit gemäss Art. 10
KV15 und Art. 8 BV16 ist verletzt, wenn ohne sachlichen Grund zwei tatsächlich gleiche
Situationen von der rechtsanwendenden Behörde rechtlich unterschiedlich behandelt
werden.17 Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt. Anders als die Liegenschaft des
Beschwerdeführers befindet sich die J._ AG direkt an der I._strasse.
Bereits aufgrund der unterschiedlichen Lage liegt somit keine gleiche Situation vor. Zudem
würde eine Sperrung der H._strasse direkt bei der Einmündung in die
I._strasse dazu führen, dass die Hauptzufahrt zur J._ AG nicht mehr
direkt ab der Kantonsstrasse erreichbar wäre. Dies würde zu Mehrfahrten über die
L._strasse und die H._strasse führen. Dies würde dem Ziel des
Verkehrskonzepts, die Wohngebiete zu entlasten, entgegenstehen. Somit bestehen
sachliche Gründe für eine Ungleichbehandlung des Beschwerdeführers im Vergleich mit
der J._ AG. Es liegt somit keine Verletzung der Rechtsgleichheit vor. Die
Beschwerde erweist sich deshalb als unbegründet.
e) Was der Beschwerdeführer zu den Klimazielen vorbringt, ist nicht im
Baubewilligungsverfahren zu prüfen. Die Umsetzung des Verkehrskonzepts führt zu einer
Verkehrsverlagerung. Insbesondere soll der Durchgangsverkehr aus den Wohnquartieren
auf die Kantonsstrassen gelenkt werden. Ob das neue Verkehrsregime gesamthaft
betrachtet zur Folge hat, dass eine grosse Anzahl Autofahrerinnen und Autofahrer
Umwege fahren müssen, ist allerdings fraglich. Die Sperrung der H._strasse hat
aber zweifellos zur Folge, dass der Beschwerdeführer künftig einen Umweg fahren muss.
Es ist jedoch nicht vorgesehen, die Einhaltung der Klimaziele mittels Verzicht auf
verkehrslenkende Massnahmen zu erreichen. Es trifft zwar zu, dass der Sektor Verkehr am
15 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 16 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 17 Allgemeines Verwaltungsrecht, § 23, Rz. 11
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meisten Treibhausgasemissionen verursacht. Hier sollen die Emissionen durch eine
Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Treibstoffen sinken. Parallel dazu ist geplant, die
CO2-Emissionsvorschriften für neue Fahrzeuge im Einklang mit denjenigen in der
Europäischen Union schrittweise weiter zu verschärfen.18
4. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat deshalb
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'000.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV19).
b) Laut Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei
grundsätzlich die Parteikosten zu ersetzen. Den obsiegenden Beschwerdegegnerinnen
sind zwar Parteikosten im Sinne des Gesetzes entstanden, da sie anwaltlich vertreten
waren (vgl. Art. 104 Abs. 1 VRPG). Behörden im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG
haben aber in der Regel keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 4 VRPG).
Praxisgemäss werden dem Gemeinwesen die Parteikosten ausnahmsweise ersetzt, wenn
es nicht in erster Linie hoheitliche Interessen wahrt, sondern wie eine Privatperson
betroffen ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn eine Gemeinde als Bauherrin auftritt
oder als Grundeigentümerin berührt ist.20 Gemäss verwaltungsgerichtlicher
Rechtsprechung ist eine Gemeinde aber nicht wie eine Privatperson betroffen, wenn sie als
Bauherrin eines Strassenbauvorhabens an einer Strasse im Sinne der
Strassengesetzgebung auftritt.21 Aus diesem Grund sind keine Parteikosten zu sprechen.