Decision ID: d9744740-7ba9-5b09-b270-22b434d5af09
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
1. Dr. A._,
2. Dr. B._,
3. C._,
4. D._,
Kläger,
alle vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Hubatka, Seestrasse 6, 8027 Zürich,
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gegen
Stadt E._,
Beklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ueli Kieser, Kieser Senn Partner, Ulrichstrasse 14,
8032 Zürich,
betreffend
Freizügigkeitsleistung aus Ruhegehaltsordnung
Sachverhalt:
A.
A.a Anlässlich der Sitzung vom 4. Juni 1992 erliess das Gemeindeparlament der Stadt
E._ ein Ruhegehaltsreglement, das am 1. Januar 1993 in Kraft trat (nachfolgend
Reglement; act. G 1.5). Dieser Ruhegehaltsregelung konnten sich die vollamtlichen
Mitglieder des Stadtrates der Stadt E._ auf freiwilliger Basis anschliessen. Gestützt
auf einen Nachtrag vom 28. August 2008 konnten sich ab 1. Januar 2009 neu auch
Mitglieder des Stadtrates anschliessen, deren Beschäftigungsgrad mindestens 50 %
betrug (act. G 1.8). Bestandteil der Ruhegehaltsregelung war ein Fonds, der durch
Beiträge der Versicherten und der Politischen Gemeinde geäufnet wurde. Als
versichertes Ereignis galt primär das Ausscheiden aus dem Amt.
A.b Dr. A._ (nachfolgend Destinatär 1) und Dr. B._ (nachfolgend Destinatärin 2)
waren seit dem Jahr 2001 vollamtlich als Stadtrat tätig und der Ruhegehaltsordnung
angeschlossen. C._ (nachfolgend Destinatär 3) und D._ (nachfolgend Destinatär 4)
waren seit dem Jahr 2009 zu 60 % als Stadtrat tätig und der Ruhegehaltsordnung
angeschlossen.
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A.c Mit Bericht vom 23. September 2010 beantragte der Stadtrat dem Stadtparlament,
das Ruhegehaltsreglement samt Nachtrag 1 sei rückwirkend auf den 31. Dezember
2009 aufzuheben und das angesparte Kapital sei vollumfänglich an die Mitglieder des
Stadtrates auf ein jeweiliges Freizügigkeitskonto auszuzahlen (act. G 1.10). Die
vorberatende Geschäftsprüfungskommission (GPK) stimmte der Aufhebung zu, machte
jedoch geltend, es könne keine vollständige Auszahlung des jeweilig angesparten
Kapitals stattfinden. Es seien die ganzen Arbeitnehmerbeiträge, jedoch nur ein Teil der
Arbeitgeberbeiträge an die Destinatäre auszurichten. Der restliche Teil der
Arbeitgeberbeiträge sei für die Sanierung der Pensionskasse Wil zu verwenden.
Daraufhin beantragte der Stadtrat die Absetzung des Geschäfts (act. G 1.11).
A.d Mit Schreiben vom 8. Februar 2011 erklärte die GPK, sie unterstütze nach wie vor
die Aufhebung des Ruhegehaltsreglements, halte jedoch an den Anträgen zur nicht
vollständigen Ausrichtung der angesparten Kapitalien fest (act. G 1.12). Mit Schreiben
an das Präsidium des Stadtparlaments vom 21. Februar 2011 beantragte der Stadtrat
den Beizug einer externen Fachperson und erklärte, der Bericht inkl. des Antrags
würde zurückgezogen (act G 1.13). Die GPK holte in der Folge eine Stellungnahme von
Rechtsanwalt Markus Joos, St. Gallen, ein und stellte diese am 21. April 2011 dem
Stadtrat zu (act. G 1.15). Daraufhin veranlasste der Stadtrat ein Rechtsgutachten durch
Rechtsanwalt Peter Rösler, St. Gallen (act. G 1.16).
A.e Am 6. September 2011 reichte die GPK eine Motion ein und beantragte, das
Ruhegehaltsreglement sei rückwirkend per 31. Dezember 2009 aufzuheben. Es sei
zudem eine Auszahlung der Arbeitgeberbeiträge gemäss Art. 3 des Reglements
vorzunehmen und es sei dem Parlament bis Ende 2011 Bericht und Antrag zu diesem
Geschäft zu unterbreiten (act. G 1.18). Das Stadtparlament F._ erklärte die Motion
der GPK in der Folge für erheblich (act. G 1.20).
A.f Mit Anfrage vom 9. November 2011 bat der Stadtrat die GPK um Konkretisierung
der ihrer Meinung nach auszurichtenden Beiträge. Mit Schreiben vom 16. November
2011 teilte die GPK mit, dass für die Destinatäre 1 und 2 lediglich 50 % der
Arbeitgeberbeiträge und für die Destinatäre 3 und 4 keine Arbeitgeberbeiträge
auszuzahlen seien (act. G 1.21).
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A.g Daraufhin beantragte der Stadtrat am 1. Februar 2012, das Reglement sei samt
Nachtrag per 31. Dezember 2012 aufzuheben, das angesparte Kapital sei
vollumfänglich an die Destinatäre auszurichten und die Motion der GPK sei
abzuschreiben (act. G 1.22). Die vorberatende GPK stellte daraufhin den Antrag, das
Reglement sei auf den 8. Juni 2012 aufzuheben und die Sparkapitalien seien nach Art.
3 des Reglements auszurichten. Der Stadtrat passte seine Anträge daraufhin
dahingehend an, dass das Reglement entsprechend dem Antrag der GPK per 8. Juni
2012 aufzuheben und die Auszahlung der Sparguthaben gemäss Freizügigkeitsgesetz
vorzunehmen sei (vgl. Zusammenfassung der Parlamentssitzung vom 07.06.2012; act.
G 1.6).
A.h Anlässlich der Sitzung vom 7. Juni 2012 entschied das Stadtparlament im Sinne
der GPK, dass das Reglement per 8. Juni 2012 aufzuheben und die Auszahlung der
angesparten Kapitalien gemäss Art. 3 des Reglements vorzunehmen sei (vgl.
Zusammenfassung der Parlamentssitzung vom 07.06.2012; act. G 1.6).
B.
B.a Am 18. Dezember 2012 reichten die Destinatäre, vertreten durch Rechtsanwalt
Martin Hubatka, Zürich, Klage ein (act. G 1), mit den Anträgen: Die Beklagte sei zu
verpflichten, 1. Dem Kläger 1 Fr. 238'000.30 samt Zins von 5 % seit dem 1. Januar
2013 auf ein vom Kläger 1 zu bezeichnendes Konto bar zu leisten. 2. Der Klägerin 2
Fr. 238'000.30 samt Zins von 5 % seit dem 1. Januar 2013 auf ein von der Klägerin 2
bezeichnetes Freizügigkeitskonto zu leisten. 3. Dem Kläger 3 Fr. 42'707.30 samt Zins
von 5 % seit dem 1. Januar 2013 auf ein vom Kläger 3 bezeichnetes
Freizügigkeitskonto zu leisten. 4. Dem Kläger 4 Fr. 42'707.30 samt Zins von 5 % seit
dem 1. Januar 2013 auf ein vom Kläger 4 bezeichnetes Freizügigkeitskonto zu leisten.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten. Zur Begründung
brachte der klägerische Rechtsvertreter im Wesentlichen vor, dass durch das
Reglement sowohl die Risiken Tod und Invalidität, aber auch das Risiko Alter versichert
seien und in diesen Vorsorgefällen ein Leistungsanspruch der Versicherten bestehen
würde. Der Leistungsanspruch ergebe sich direkt gegenüber dem Arbeitgeber, d.h. der
Beklagten, da sich der Ruhegehaltsfonds im Vermögen der Beklagten befände und es
sich nicht um ein aus der Stadtrechnung ausgegliedertes Vermögen handeln würde.
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Mit der Auflösung des Fonds würden die Austrittsleistungen fällig. Die Beklagte habe
dabei nicht nur die Sparbeiträge der Kläger, sondern auch die vollen Sparbeiträge des
Arbeitgebers, d.h. der Beklagten, zuzüglich die aufgelaufenen Zinsen an die Kläger
auszurichten. Eine rückwirkende Aufhebung des Reglements auf einen willkürlich von
der Legislative gesetzten Zeitpunkt würde gegen den Grundsatz von Treu und Glauben
verstossen und sei darum nicht statthaft. Die Amtsperiode ende per 31. Dezember
2012. Es erscheine als offensichtlich, dass die Kläger ein halbes Jahr vor Ende damit
rechnen dürften, dass die nun 20 Jahre bestehende Ruhegehaltsordnung erst auf das
Ende der Amtsperiode aufgehoben werde. Zu ergänzen sei dabei, dass zu diesem
Zeitpunkt auch ein erheblicher personeller Wechsel im Stadtrat G._ stattfinde. Auch
dies spreche für eine Aufhebung des Reglements auf Ende der Amtsperiode.
B.b Die Beklagte reichte mit Eingabe vom 10. April 2013, vertreten durch Rechtsanwalt
Ueli Kieser, Zürich, die Klageantwort ein (act. G 9), mit dem Antrag, es sei die Klage
vom 18. Dezember 2012, soweit darauf einzutreten sei, abzuweisen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klagenden. Die Beklagte bestritt die sachliche
Zuständigkeit des Versicherungsgerichts St. Gallen für die vorliegend zu beurteilende
Klage. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass die Zahlungen im
Rahmen der Ruhegehaltsordnung nach unbestrittener Auffassung zum massgebenden
Lohn gehörten und auch nicht steuerbefreit seien. Es handle sich nicht um Beiträge im
Rahmen der beruflichen Vorsorge und die Streitigkeit beziehe sich nicht auf eine
berufsvorsorgerechtliche Angelegenheit, sondern auf andere Aspekte. Das Reglement
sei auf den 8. Juni 2012 aufgehoben worden. Damit sei zugleich die rechtliche
Grundlage für den bestehenden Ruhegehaltsfonds wie auch für allfällige weiterlaufende
Beiträge ersatzlos weggefallen. Die Berechnung der an die Kläger auszurichtenden
Beiträge habe in Anwendung von Art. 3 des Ruhegehaltsreglements zu erfolgen. Die
Aufhebung des Ruhegehaltsreglements sei zudem schon lange beraten worden,
weshalb schon allein aus diesem Grund nicht von einer rückwirkenden Aufhebung
gesprochen werden könne.
B.c Mit Schreiben vom 12. April 2013 stellte das Versicherungsgericht den Klägern die
Klageantwort zu und teilte ihnen mit, dass das Gericht vorerst über seine Zuständigkeit
befinden werde. Gleichzeitig eröffnete das Gericht den Klägern die Möglichkeit, im
Sinne einer auf diese Rechtsfrage beschränkten Replik, Stellung zu nehmen (act. G 10).
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Mit Replik vom 21. Mai 2013 (act. G 13) hielt der klägerische Vertreter an der
Zuständigkeit des Versicherungsgerichts fest. Zur Begründung brachte er im
Wesentlichen vor, es handle sich um eine Streitigkeit aus einer öffentlich-rechtlichen
Versicherung für Behördenmitglieder und öffentliche Angestellte.
B.d Mit Datum vom 6. Juni 2013 reichte der Vertreter der Beklagten die auf die Ein
tretensfrage beschränkte Duplik ein (act. G 15). Darin hielt er an seinem Standpunkt,
dass das Versicherungsgericht für die vorliegende Streitsache sachlich nicht zuständig
sei, fest.
B.e Mit Schreiben vom 9. Januar 2014 stellte der Abteilungspräsident unter Bezug
nahme auf mit den Parteivertretern geführte Telefongespräche (act. G 17) fest, dass die
Parteien für den Fall des Eintretens auf die Klage auf weitere Stellungnahmen
verzichteten und der Schriftenwechsel damit abgeschlossen sei (act. G 18).

Erwägungen:
1.
In der vorliegenden Streitsache sind Ansprüche der Kläger gegenüber der Beklagten,
die aufgrund der Aufhebung des Ruhegehaltsreglements entstanden sind, zu
beurteilen. Vorab erscheinen einige einleitende Feststellungen angezeigt. Unbestritten
ist, dass vor dem 8. Juni 2012 bei keinem der Kläger ein Versicherungsfall eingetreten
ist, insbesondere war keiner von ihnen zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Amt
ausgeschieden. Im Weiteren steht gestützt auf eine Arbeitgeberkontrolle der
Sozialversicherungsanstalt (SVA) St. Gallen vom Januar 2010 fest, dass es sich beim
Ruhegehaltsreglement nicht um eine gebundene Altersvorsorge gemäss den
gesetzlichen Vorgaben der beruflichen Vorsorge (BVG) handelte, was unter anderem
auch dazu führte, dass die Beiträge weder AHV- noch steuerbefreit waren (vgl. act. G
1.10, S. 3). Nach Art. 56 lit. e des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer
(DBG; SR 642.11) wäre für eine solche Steuerbefreiung erforderlich gewesen, dass die
Einlagen ausschliesslich und unwiderruflich der beruflichen Vorsorge dienten, was hier
angesichts der Rückfallklausel gemäss Art. 3 Abs. 1 letzter Satz des Reglements sowie
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der Barauszahlung auch bei Arbeitslosigkeit in Form einer Überbrückungsrente gemäss
Art. 4 Abs. 2 des Reglements offensichtlich nicht der Fall war.
2.
2.1 Die Beklagte bestreitet die sachliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts
St. Gallen für das vorliegende Klageverfahren. Die Kläger begründen diese
insbesondere mit Art. 65 lit. e des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP;
sGS 951.1). Nach dieser Bestimmung beurteilt das Versicherungsgericht Streitigkeiten
aus öffentlich-rechtlichen Versicherungen für Behördenmitglieder, Beamte und
öffentliche Angestellte. Bei der im Reglement vorgesehenen Ruhegehaltsordnung
handelte es sich zweifellos um eine öffentlich-rechtliche Versicherung für
Behördenmitglieder (teilamtliche und vollamtliche Mitglieder des Stadtrates), wobei als
versichertes Ereignis das Ausscheiden aus dem Amt galt. Während das
Ruhegehaltsreglement vor allem den beruflichen Wiedereinstieg bzw. eine
Überbrückung bis zur ordentlichen Pensionierung erleichtern wollte (vgl. dazu act. G
1.7 S. 2), waren die Kläger für die Risiken Alter, Invalidität und Tod zur Hauptsache der
Pensionskasse der Stadt E._ angeschlossen. Es ist somit
davon auszugehen, dass es sich beim gestützt auf das Ruhegehaltsreglement bei der
Beklagten geäufneten Vermögen nicht um eine Vorsorgeeinrichtung handelt. Für (nicht
registrierte) Vorsorgeeinrichtungen würde sich das Verfahren im Falle einer Liquidation
gestützt auf Art. 23 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit in der
beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (FZG; SR 831.42) nach Art.
53c und 53d des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge (BVG; 831.40) richten, d.h. zuständig wäre diesfalls für die
Genehmigung des Verteilplans die Aufsichtsbehörde BVG und deren Entscheid könnte
mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 74
BVG). Nachdem jedoch in Übereinstimmung mit dem Entscheid der SVA nicht von
einer gebundenen Altersvorsorge im Sinne des BVG auszugehen ist und mit dem
Ruhegehaltsreglement primär das Risiko des Ausscheidens aus dem Amt abgesichert
wurde, ist die sachliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts St. Gallen gestützt
auf Art. 65 lit. e VRP zu bejahen.
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2.2 Der von den Klägern geltend gemachte Anspruch richtet sich gegen die Stadt
E._ und damit gegen ein Gemeinwesen. Eine solche Klage kann erst erhoben
werden, wenn die oberste in der Sache zuständige Verwaltungsbehörde des
Gemeinwesens den Anspruch abgelehnt hat (vgl. Art. 67 VRP). An seiner Sitzung vom
7. Juni 2012 lehnte das Stadtparlament die beantragten Ansprüche der Kläger ab. Es
liegt damit ein ablehnender Beschluss der obersten in der Sache zuständigen
Verwaltungsbehörde vor.
3.
Bestandteil der Ruhegehaltsregelung der E._ war ein Fonds, der durch Zahlungen
der Kläger und durch doppelt so hohe Zahlungen der Beklagten geäufnet wurde. Als
versichertes Ereignis galt – wie erwähnt - das Ausscheiden aus dem Amt. Die
Auflösung der Ruhegehaltsordnung ist unbestritten, wurde seitens der Kläger auch
ausdrücklich beantragt und schliesslich durch das Stadtparlament anlässlich der
Sitzung vom 7. Juni 2012 auch tatsächlich beschlossen (act. G 1.6). Umstritten ist
jedoch die Art und Weise der Liquidation, insbesondere die Verteilung der angesparten
Kapitalien. Während die Kläger das angesparte Kapital vollumfänglich bar ausbezahlt
oder dem jeweiligen Freizügigkeitskonto zugewiesen haben wollen, will die Beklagte
einen Teil der Arbeitgeberbeiträge als Sanierungsbeitrag für die Pensionskasse
verwenden.
4.
4.1 In Art. 1 FZG ist der Anwendungsbereich dieses Gesetzes geregelt. Gemäss Art. 1
Abs. 2 FZG sind dessen Bestimmungen anwendbar auf alle Vorsorgeverhältnisse, in
denen eine Vorsorgeeinrichtung des privaten oder öffentlichen Rechts aufgrund ihrer
Vorschriften (Reglement) bei Erreichen der Altersgrenze, bei Tod oder bei Invalidität
(Vorsorgefall) einen Anspruch auf Leistungen gewährt. Da es sich, wie voranstehend
festgestellt, bei der zu liquidierenden Ruhegehaltsordnung nicht um eine
Vorsorgeeinrichtung im Sinne des BVG handelt, kommt das FZG nicht direkt zur
Anwendung. Art. 1 Abs. 3 FZG erklärt das Gesetz hingegen für sinngemäss anwendbar
auf Ruhegehaltsordnungen, nach denen die Versicherten im Vorsorgefall Anspruch auf
Leistungen haben. Diese Regelung zielt namentlich auf den Fall von
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Ruhegehaltsordnungen von hohen Beamten oder Kadern ab, bei denen der
Arbeitgeber das Vorsorgeversprechen erteilt hat. Auch diese Personen müssen vom
Erhalt eines Teils ihrer Vorsorge profitieren können, auch wenn ihre Rechte nicht der
klassischen Struktur des Vorsorgeversprechens einer Vorsorgeeinrichtung entsprechen
(vgl. Jacques-André Schneider, in: Schneider/Geiser/Gächter, Handkommentar zum
BVG und FZG, Art. 1 FZG, N 11 mit Hinweisen). Art. 3 und 4 des Reglements enthalten
die versicherten Leistungen. Es handelt sich dabei um Leistungen im Vorsorgefall.
Gemäss Art. 1 Abs. 3 FZG kommt dieses Gesetz auf die vorliegende Streitsache somit
sinngemäss zur Anwendung.
4.2 Die Austrittsleistungen in einem Freizügigkeitsfall sind in Art. 2 FZG geregelt. Als
Freizügigkeitsfall gilt dabei das Verlassen der Vorsorgeeinrichtung bevor ein
Vorsorgefall eintritt (Art. 2 Abs. 1 FZG). Art. 17 FZG enthält zudem eine Regelung der
Mindestansprüche auf Freizügigkeitsleistungen. Art. 3 des Reglements enthält ebenfalls
eine Regelung für den Fall, dass ein Versicherter vor Eintritt des Vorsorgefalls aus der
Vorsorgeordnung ausscheidet. Durch die Regelung in Art. 3 des Reglements werden
die Mindestansprüche gemäss Art. 17 FZG jedoch nicht gewahrt. Da das FZG
hingegen nur sinngemäss zur Anwendung gelangt und Art. 3 des Reglements eine
Spezialregelung enthält, ist diese für Austrittsleistungen bei Verlassen der
Ruhegehaltsordnung vor Eintritt des Vorsorgefalls als massgebend zu betrachten. Die
sinngemässe Anwendung des FZG schliesst eine Abweichung von den in Art. 17 FZG
geregelten Mindestansprüchen nicht aus. Festzuhalten ist zudem, dass der Anschluss
an die Ruhegehaltsordnung auf absoluter Freiwilligkeit beruhte und die Kläger im
Zeitpunkt ihres jeweiligen Anschlusses Kenntnis von dieser Regelung hatten. Es
erschiene deshalb unbillig, bei gesetzlich vorgeschriebener nur sinngemässer
Anwendung des Freizügigkeitsgesetzes von einer Ungültigkeit des Art. 3 des
Reglements auszugehen. Im Unterschied zum Entwurf des Bundesrats hat denn auch
der Gesetzgeber entschieden, andere analoge Regelungen, die beim Eintreten eines
Vorsorgefalls Leistungen gewähren, vom Geltungsbereich des Gesetzes
auszuschliessen. Damit wollte der Gesetzgeber dem Arbeitgeber die Möglichkeit
wahren, individuelle, an den Arbeitsvertrag gebundene Begünstigungen in Abgeltung
der Treue des Arbeitnehmers zu gewähren (vgl. J.-A. Schneider, a.a.O., Art. 1 FZG, N
12 mit Hinweisen). Die Bestimmung in Art. 3 des Reglements ist damit nicht
bundesrechtswidrig.
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5.
5.1 Vorliegend ist kein Freizügigkeitsfall, sondern die Auflösung der
Ruhegehaltsordnung zu beurteilen. Weder dem FZG noch dem Reglement können
Bestimmungen betreffend die Auflösung der Vorsorgeordnung entnommen werden.
Wie vorstehend ausgeführt, sind zudem das BVG und insbesondere die in Art. 53c ff.
BVG enthaltenen Bestimmungen betreffend die Liquidation einer Vorsorgeeinrichtung
auf die vorliegende Streitsache nicht anwendbar. Da für die Liquidation der
Vorsorgeregelung der Stadt E._ somit keine anwendbaren gesetzlichen oder
reglementarischen Bestimmungen vorliegen, ist nach einer sachgemässen Lösung zu
suchen. Das Reglement entspricht dem zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der
Ruhegehaltsordnung bestehenden politischen Konsens und es lassen sich daraus die
der Regelung zu Grunde liegenden Absichten ableiten. Sachgemäss ist daher diejenige
Lösung, die dem Sinn und Zweck des Reglements am besten entspricht.
5.2 In der Ruhegehaltsordnung der Stadt E._ war vorgesehen, dass die
Versicherten unabhängig vom Grund ihres Ausscheidens die versicherten Leistungen
erhalten sollen. Art. 3 Abs. 1 des Reglements enthielt die Regelung für den Fall, dass
ein Versicherter vor Eintritt eines Vorsorgefalles aus der Ruhegehaltsordnung
ausscheidet. Die Höhe des Anspruchs auf Auszahlung war dabei an die Anzahl
Amtsdauern geknüpft. Dabei war es unerheblich, aus welchem Grund der Versicherte
ausscheidet (Nicht-Wiederwahl, Rücktritt oder Pensionierung). Neben Art. 3 des
Reglements enthält dieses keine Bestimmungen für den Fall eines Ausscheidens vor
Eintritt des Vorsorgefalls. Jedenfalls bietet das Reglement keinerlei Grundlage für die
Annahme, dass im Falle der Auflösung der Ruhegehaltsordnung den Versicherten das
angesparte Kapital vollumfänglich ausbezahlt werden soll. Ebenfalls sind im Reglement
keine Bestimmungen enthalten, nach denen die Versicherten ihre sich aus Art. 3 des
Reglements ergebenden Anwartschaften verlieren könnten. Es erscheint somit dem
Sinn und Zweck des Reglements zu entsprechen, Art. 3 auf alle Fälle anzuwenden, in
denen ein Versicherter vor Eintritt des Vorsorgefalls aus der Vorsorgeordnung austritt
oder ausscheidet. Die vorliegend zu beurteilende Liquidation der Ruhegehaltsordnung
führt ebenfalls zu einem vorzeitigen Ausscheiden der Versicherten. Damit erscheint es
als sachgerecht, die Auszahlung der Beitragszahlungen anlässlich der Auflösung der
Ruhegehaltsordnung gemäss Art. 3 des Reglements vorzunehmen. Der anlässlich der
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Sitzung des Stadtparlaments vom 7. Juni 2012 angenommene Vorschlag der GPK
berücksichtigt diese Anwartschaften und ist daher als angemessen zu beurteilen.
6.
6.1 In der Klageschrift vom 18. Dezember 2012 (act. G 1) stellten sich die Kläger
zudem auf den Standpunkt, dass eine rückwirkende Aufhebung auf einen willkürlich
von der Legislative vorgesehenen Zeitpunkt gegen den Grundsatz von Treu und
Glauben verstosse und die Auflösung auf das Ende der Amtsperiode per 31. Dezember
2012 zu erfolgen habe.
6.2 Der Stadtrat selbst beantragte ursprünglich eine rückwirkende Aufhebung auf den
31. Dezember 2009 (act. G 1.10). Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Aufhebung
der Ruhegehaltsordnung seit der Arbeitgeberkontrolle durch die SVA St. Gallen im
Januar 2010 zur Diskussion stand. Über die Tatsache, dass es zu einer Auflösung der
Ruhegehaltsordnung kommt, bestand denn auch von Beginn weg Einigkeit. Einzig die
genauen Modalitäten, insbesondere die Höhe der Rückzahlung der geleisteten
Beitragszahlungen, gab zu Diskussionen Anlass. Somit war den Klägern schon lange
bewusst, dass es zu einer Auflösung der Ruhegehaltsordnung kommen wird. Es kann
damit nicht als treuwidrig angesehen werden, wenn das Stadtparlament den Zeitpunkt
auf den 8. Juni 2012 festsetzte. Dies umso mehr, als der Stadtrat sich, gemäss den
anlässlich der Parlamentssitzung vom 7. Juni 2012 geänderten Anträgen, ebenfalls mit
einer Auflösung per 8. Juni 2012 einverstanden erklärte. Mit diesem Beschluss lag
zudem einzig eine sofortige, nicht aber eine rückwirkende Aufhebung des Reglements
vor. Die durch das Stadtparlament beschlossene Aufhebung auf den 8. Juni 2012 ist
demgemäss nicht zu beanstanden.
6.3 Obwohl die Auflösung der Ruhegehaltsordnung auf den 8. Juni 2012 beschlossen
wurde, hatte sich die Beklagte entschlossen, bis Ende 2012 die bisherigen Beiträge
weiter zu bezahlen und den Ruhegehaltsfonds vorderhand faktisch nicht zu liquidieren
(vgl. Klageantwort vom 10. April 2013, S. 4 f.; act. G 9). Es ist somit unbestritten, dass
bis zum 31. Dezember 2012 der Fonds weiterhin mit Beitragszahlungen der Kläger und
der Beklagten geäufnet wurde. Da die Ruhegehaltsordnung jedoch gemäss Beschluss
des Stadtparlaments auf den 8. Juni 2012 aufgehoben worden war, erfolgten diese
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Beitragszahlungen ohne rechtliche Grundlage. Aus diesem Grund werden die nach
dem 8. Juni 2012 getätigten Beitragszahlungen wohl zurückzuzahlen sein. Da sich die
vorliegende Streitsache hingegen auf die Liquidation der Ruhegehaltsordnung
beschränkt, sind die nach dem Auflösungszeitpunkt noch getätigten Zahlungen nicht
Gegenstand dieses Verfahrens.
7.
Zusammenfassend ist im Sinne der vorstehenden Erwägungen festzuhalten, dass die
Beschlüsse des Stadtparlaments F._ vom 7. Juni 2012 betreffend Auflösung der
Ruhegehaltsordnung (act. G 1.6) nicht zu beanstanden sind. Die beschlossenen
Auszahlungen wurden durch die Beklagte denn auch nie in Frage gestellt und sind
somit anerkannt. In dem den anerkannten Umfang übersteigenden Teil der Anträge
wird die Klage abgewiesen. Es liegt insofern ein Überklagen seitens der Kläger vor.
Demgemäss ist die Klage vollumfänglich abzuweisen.
8.
8.1 Die vollumfängliche Abweisung der Klage hat zur Folge, dass die Kläger
kostenpflichtig werden. Wie voranstehend ausgeführt handelt es sich vorliegend um
eine Streitigkeit aus einer öffentlich-rechtlichen Versicherung für Behördenmitglieder,
Beamte und öffentliche Angestellte gemäss Art. 65 lit. e VRP und nicht um eine
Angelegenheit des BVG. Damit kommt die in Art. 73 Abs. 2 BVG vorgesehene
Kostenlosigkeit des Verfahrens nicht zum Tragen. Vielmehr kommen auf das Verfahren
die Bestimmungen des VRP zur Anwendung und damit auch die Kostenregelung in Art.
94 ff. VRP. Die vollumfängliche Abweisung der Klage hat zur Folge, dass die Kläger
kostenpflichtig werden (Art. 95 VRP). Gemäss der Regelung in Art. 7 Ziff. 122
Gerichtskostenverordnung (sGS 941.12) besteht für einen Endentscheid der
Verwaltungsgerichtsbarkeit ein Kostenrahmen von Fr. 500.00 bis 15'000.00. Die
Gerichtskosten werden auf Fr. 4'000.00 festgelegt und den Klägern unter solidarischer
Haftung auferlegt (Art. 96 VRP).
8.2 Gestützt auf Art. 98 VRP besteht in verwaltungsrechtlichen Klagefällen ein
Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten, die gemäss den am Verfahren
bis
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Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt werden (Art. 98 VRP). Im
Klageverfahren, wo sich wie im Zivilprozess zwei Parteien gegenüberstehen, wird auch
dem Gemeinwesen ein Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung zuerkannt (vgl.
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz.
361; Rebecca Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 177). Gemäss den vorstehenden
Erwägungen ist die Klage vollumfänglich abzuweisen und damit haben die Kläger die
ausseramtlichen Kosten zu tragen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar
vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.00 bis 12'000.00. Der
Bedeutung und Komplexität der vorliegenden Streitsache sowie dem mutmasslichen
Aufwand des Rechtsvertreters angemessen erscheint eine Parteientschädigung von
pauschal Fr. 4'000.00 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP