Decision ID: 84542108-6fc6-47ff-a92e-c669f944bf67
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980, Mutter von zwei Kindern (geboren 2004 und 2010
)
, war
zuletzt vom 16. Dezember 2010
bis
31. Mai 2011
bei
der Putzfrauenagentur Y._ GmbH, in einem Teilzeitpensum als Reinigungsmit
arbei
terin angestellt
, w
obei der letzte Arbeitstag am 3. Februar 2011
war (
Urk. 9/7 Ziff. 2.1, Ziff. 2.3, Ziff. 2.7 und Ziff. 2.9
). Unter Hinweis auf
einen seit 2005 bestehenden Bandscheibenvorfall und eine Nervenwurzelverdickung
meldete
sich
die Versicherte am
28. Juni 2011
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk. 9/3 Ziff. 6.2-3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbl
iche Situation ab, zog
Akten der Krankentaggeldversicherung bei (
Urk.
9/12) und holte ein bidiszi
plinäres Gutachten ein, wobei das psychiatrische Teilgutachten am 2
1.
Januar 2013 und das bidisziplinäre Gutachten am 1
7.
Juli 2013 erstattet wurde
(vgl. Urk. 9/53, Urk. 9/61
).
Sodann veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeits
fähigkeit in Beruf und Haushalt, über welche am 27. Mai 2014 Bericht erstattet wurde (Urk. 9/93). Mit Vorbescheid vom 19. Juni 2014 (Urk. 9/82) stellte die IV-Stelle die Ausrichtung einer von 1. Februar bis 31. Oktober 2012 befristeten Zu
sprache einer Dreiviertelsrente in Aussicht. Nach am 23. und am 28. Juli, am 13. August und am 13. Oktober 2014 von der Versicherten dagegen erhobenen
Ein
wänden (Urk. 9/96, Urk. 9/99, Urk. 9/105, Urk. 9/109) veranlasste die IV-St
elle ein Verlaufsgutachten, wovon das psychiatrische Teilgutachten am 30. Okto
ber 2015 und das bidisziplinäre Gutachten am 27. Januar 2016 erstattet wurde (Urk. 9/139, Urk. 9/142). Am 11. April 2016 machte die Versicherte weitere Einwände geltend (Urk. 9/149). Mit Verfügung vom 13. Juni 2016 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine vom 1. Februar bis 31. Oktober 2012 befristete Dreiviertelsrente zu (Urk. 9/152 und Urk. 9/161 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 12. August 2016
Beschwerde gegen die Verfügung
vom 13. Juni 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei teilweise aufzuheben (abz
u
än
dern),
und es sei
en ihr die gesetzlichen Leistungen in der Form einer unbefristeten ganze Rente ab 1. Februar 2012 zuzusprechen. Eventuell sei zur Klärung der Frage ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
ein gerichtliches Gut
ach
ten einzuholen und dann über den Anspruch auf Leistungen der Inva
liden
versicherung neu zu entscheiden. Subeventuell sei die Sache zur weiteren
medi
zi
nischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S.
2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 21. September 2016 (Urk. 8)
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 8. November 2016
wurd
en antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Besch
werdeantwort zugestellt (Urk. 11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psy
chiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Inva
lidi
tätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
ver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig si
nd,
wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs. 2 IVG
festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditäts
grad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter anderem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermit
tel
ten und gewichteten Teilinvaliditäten ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.6
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte
Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung
. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen,
wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des ana
log anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E.
6b/dd mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstu
fung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E.
4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die
unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blei
ben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen).
Die gerichtliche Prüfung hat viel
mehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeit
raum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.7
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.8
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des
Art.
69
Abs.
2 IVV; vgl. auch Rz. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar (Urteil
des Bundesgerichts
9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86). Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
füh
rung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer ver
sicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
träch
tigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und
in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft
all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S.
218 E.
2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundes
gerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfah
ren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Grund
sätzlich jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, das heisst wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht (AHI 2004 S. 137 E. 5.3). Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärzt
lichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (Urteile des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1,
9C_986/2009 vom 11. November
2010 E. 7.2 und 9C_631/2009 vom 2. Dezember 2009 E. 5.1.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrer Verfügung (Urk. 2) die vom 1. Febru
ar bis 31. Oktober 2012 befristete Zusprache einer Dreiviertelsrente damit, die Beschwerdeführerin
sei seit dem
7.
Februar 2011
(Beginn der ein
jährigen Wartezeit) in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. O
hne Gesund
heitsschaden würde sie in
einem Pens
um von 50 % und ab April 2013 in
einem Pensum von 70
%
einer Erwerbstätigkeit nachgehen und die restlichen 50
%
beziehungsweise 30
%
en
tfielen auf den Aufgabenbereich
.
Nach Ablauf des Wartejahres am
7.
Februar 2012 sei die Beschwerdeführerin bis zum 1
3.
Oktober 2012 zu 100
%
in der Erwerbsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Auch im Haushaltsbereich sei sie zu 36.45
%
eingeschränkt gewesen. Ab Okto
ber 2012 sei ihr die Ausübung einer angepassten Tätigkeit zu 75
%
zumutbar. Bei weiterhin bestehender Einschränkung im Haushaltsbereich von 36
%
resul
tiere sowohl bei einer Qualifikation als zu 50
%
Erwerbstätige wie auch bei einer als zu 70
%
Erwerbstätige ein rentenanspruchsausschliessender Invalidi
täts
grad
(Begründung der Verfügung S. 2 ff.)
.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (Urk. 1) geltend,
sie leide unter erheblichen Rückenbeschwerden, die seit Jahren persistierten, un
d sie sei bereits mehrfach
am Rücken operiert worden. Die Operationen führten jedoch zu einer massiven Verschlechterung. Sie sei seit dem
7.
Februar 2011 erheblich in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt und zu 100
%
arbeitsu
nfähig (S. 3 f. lit. A). Auf die
Einschätzung
in den Gutachten könne nicht abgestellt werden
, vielmehr
sei diejenige der behandelnden Ärzte der Z._ und der A._, wonach keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei, zu berücksichtigen (S. 10 f. Ziff. 14-17). Die Haushalts
ab
klärung sei veraltet, und es sei bei der Berechnung des Invaliditätsgrades fälsch
licher Weise kein leidensbedingter Abzug gewährt worden (S. 11 Ziff. 18-19).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine unbe
fristete ganze Invalidenrente ab dem 1. Februar 2012.
3.
3.1
Dr. med. B._, Oberarzt Neurochirurgie/Wirbelsäulenchirurgie, C._ Klinik, stellte in seinem Bericht vom 19. September 2012 (Urk. 9/47/7-8) folgende Diagnosen (S. 1)
:
-
Dekompression der Nervenwurzel S1 und TLIF L5/S1 von rechts, fecit Dr. B._, 13. April 2012
-
Rezidiv-Diskushernie und perineurale Vernarbung sowie Destruktion Facettengelenk L5/S1 rechts mit
-
S1 Wurzelreizsyndrom rechts
-
Status nach zweimaliger Bandscheibenoperation L5/S1 rechts (D._ vom 8. Februar und vom 22. März 2011) mit axonaler Schädigung der Nervenwurzel S1 rechts (EMG vom 22. Juni 2011)
Als Nebendiagnosen nannte Dr. B._ eine
Depression
, eine Migräne und einen Status nach einer Zyste am Eierstock (S. 1).
Aufgrund der radiologischen Befunde könne eine direkte Nervenkompression durch das eingebrachte Implantat ausgeschlossen werden.
Bei stabilem Sitz der Schraube sei eine segmentale Instabilität eher unwahrscheinlich. Dr. B._ führte aus, er denke, dass mit operativen Massnahmen keine Symptomver
besse
rung erreicht werden könne, vielmehr müsse weiterhin versucht werden, mit inten
siver Physiotherapie die Schmerzsituation zu verbessern.
Er empfehle zudem eine Vorstellung in einer Schmerzklinik zur schmerztherapeutischen Betreuung. Aufgrund einer deutlich
en
psychischen Überlagerung sei auch eine
psychiatrisch/psychologische Betreuung der Patientin absolut notwendig (S. 1 f.)
3.2
Die Ärzte der E._ stellten in ihrem Bericht vom
2
5.
September 2012 (
Urk.
9/46)
folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41
)
-
Lumboischialgie rechts
-
Dekompression der Nervenwurzel S1 und TLIF L5/S1 von rechts, fecit Dr. B._, 13. April 2012
-
Rezidiv-Diskushernie und perineurale Vernarbungen sowie Destruk
tion Facettengelenk L5/S1 rechts mit S1 Wurzelreizsyndrom rechts
-
Status nach zweimaliger Bandscheibenoperation L5/S1 rechts (D._ vom 8. Februar und vom 22. März 2011) mit axonaler Schädigung der Nervenwurzel S1 rechts (EMG vom 22. Juni 2011)
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig (ICD-10 F33.1)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
Die Ärzte führten aus, die Patientin sei vom 20. August bis 14. September 2012 bei ihnen zur psychosomatischen Rehabilitation hospitalisiert gewesen (S. 1).
Bei der Patientin bestünden chronische lumbale Schmerzen nach mehrfachen
Diskushernien und Dekompressionen mit anschliessenden rezidivierenden depres
si
ven Episoden und Hinweisen für eine
mögliche posttraumatische Belastungs
störung nach früheren Erfahrungen, die die Patientin jedoch hinter sich lassen und nicht mehr thematisieren wolle
. Während des stationären Aufenthaltes
habe sicherlich eine gewisse psychophysische Rekonditionierung erreicht werden kö
nnen mit psychischer Aufhellung und Verbesserung des Gangbildes, so dass die Beschwerdeführerin ohne Rollator mobil gewesen sei. Es sei zu einer Ver
besserung der Schmerzen unter gesteigerter analgetischer Therapie gekommen (S. 3 Mitte).
Die Ärzte führten aus, es sei bis zum
3
0.
September 2012 eine Arbeitsun
fähigkeit
attestiert worden. Anamnestisch sei für den 18. September 2012 eine Bildgebung der Lendenwirbelsäule (CT oder MRI) vorgesehen. Die Arbeitsfähig
keit sollte auch anhand der dann erhobenen Befunde und Beurteilung der nach
behandelnden Neurochirurgen erfolgen. Die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit sei ihres Erachtens kurz- bis mittelfristig aufgrund der Schmerzen noch nicht realistisch, hier sei auch der weitere psychotherapeutische Verlauf abzuwarten (S. 3 unten).
3.3
Die Beschwerdegegnerin veranlasste eine bidisziplinäre Begutachtung der Be
schwer
deführerin. Die psychiatrische Begutachtung erfolgte durch Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt Klinik
G._
. Die so
matische Untersuchung fand im H._
statt.
Am 21. Januar 2013 erstattete Dr. F._ das von der Beschwerdegegnerin ver
anlasste psychiatrische Gutachten (Urk. 9/53). Nach Untersuchung der Beschwer
de
führerin am 11. Januar 2013 konnte Dr. F._
keine psychiatrische Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nennen (
S. 1 und
S. 5
Ziff.
5.1).
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine An
passungsstörung mit Wut, Aggressionen, Anspannung, Stimmungseinbrüchen und Ängsten (ICD-10 F43.23) sowie eine Akzentuierung der Persönlichkeitszüge (S. 5
Ziff.
5.2).
Dr. F._ führte aus, die Beschwerdeführerin sei sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in jeder angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Sie sei aus psychiatrischer Sicht nie über längere Zeit arbeits
un
fähig gewesen, und aus psychiatrischer Sicht bestehe kein Bedarf nach adap
tierten Tätigkeiten (S. 6 Ziff. 7.1-4).
Eine depressive Störung könne nicht bestätigt werden, ebenso wenig eine post
traumatische Belastungsstör
ung (S. 7 Ziff. 8.6).
Aufgrund der anamnestischen Angaben seien weder eine genetische Vulner
abi
li
tät noch Persönlichkeitsfaktoren für die Entwicklung psychiatrischer Erkran
kungen festzustellen. Prämorbide psychische Probleme mit Krankheitswert inklu
sive eine Persönlichkeitsstörung auch im Erwachsenenalter könnten klar ausgeschlossen werden. Aufgrund der anamnestischen Angaben sei es bei der Explorandin seit Januar 2012 zu einer Verschlechterung ihres psychischen Zustandes gekommen, welcher seitdem geprägt sei durch emotionale Labilität, Wut gegenüber Chirurgen, anhaltende Anspannungen und Ängste sowie durch schmerzbedingte Schlafstörungen.
Dr. F._ hielt fest,
die geklagten Beschwerden der Explorandin könnten
jedoch bei erhaltenen mnestischen Funktionen, fehlenden Antriebsstörungen u
nd Störungen der Psychomotori
k und fehlender anhaltend
gedrückter Stimmung nicht einer depressiven Störung zugeordnet werden. Die vordergründig besteh
ende Affektlabilität, Wut und Resignation könnten damit einer Anpassungs
stö
rung mit Störung anderer Gefühle (ICD-10 F43.34) sowie Akzentuierung der Persönlichkeitszüge zugeordnet werden (S. 6
Ziff.
6).
Zum psychiatrischen Befund führte Dr. F._ aus, die Beschwerdeführerin wirke ordentlich
gepflegt, bewusstseinsklar und sei allseits orientiert. Während des Gespräches habe sie auf die gestellten Fragen ohne Verzögerung geantwor
tet, was auf unauffällige mnestische Funktionen hindeute. Im formalen Denken sei sie geordnet, wenngleich ausgeprägt einge
engt auf die angeblichen Fehler
während der zweiten Operation. Inhaltlich hätten sich keine Hinweise auf Wahn
ideen, Halluzinationen oder Ich-Störungen ergeben (
S. 5 Ziff. 4.1).
3.4
Das bidisz
iplinäre Gutachten des H._ vom 17. Juli 2013 (Urk. 7/61
) ist von PD Dr.
med.
I._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabili
tation und für Rheumatologie,
Dr. F._ und J._, Physiotherapeut,
unterzeichnet. Die somatisch
e Abklärung fand am 17. und 18. Januar 2013
im
H._
statt, wobei zusätzlich eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt wurde (S. 1).
Die Gutachter stellten zusammenfassend folgende Diagnose (S. 9 Mitte):
-
chronisches, aktuell pseudoradikuläres lumbales Schmerzsyndrom mit sekundärer Ausweitung zu einem generalisierten Schmerzsyndrom
-
Status nach Diskushernienoperation L5/S1 im Februar sowie März 2011, Status nach Fusion mit Cageeinlage L5/S1 Mai 2011
-
epidurale narbige Veränderungen
-
bei mediolateraler Diskushernie L5/S1 rechts und S1-Reizsyndrom rechts
-
Osteochondrose L5/S1 mit begleitender Spondylarthrose
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter
ein dysfunktionelles Krankheitsverhalten, anamnestisch eine chronische Migräne
, eine Ausweitung zu einem generalisierten Schmerzsyndrom, eine Anpassungs
störung mit Wut, Aggressionen, Anspannung und Stimmungseinbrüchen und
Ängsten (ICD-10 F43.24) sowie eine Akzentuierung der Persönlichkeitszüge (S. 9
unten).
Die Gutachter führten zur
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
aus, aus interdisziplinärer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 40 %, entspre
chend einer Arbeitsfähigkeit von 60 % (S. 10 f. Ziff. 5.1).
Eine angepasste leicht bis knapp mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit mit nur kurz dauerndem Stehen in vorgeneigter Stellung und Überkopf könne auf
grund objektiv struktureller Veränderungen auch aus medizinisch-prognos
ti
scher Sicht nicht vollumfänglich ausgeübt werden.
Es bestehe hier eine Notwen
digkeit von zwei Stunden vermehrter Pausen pro Tag.
Entsprechend bestehe aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht
unter Annahme einer Ganztagestätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Ein
schrän
kung. In diesem Sinne sei die zur Ausübung der zumutbaren Arbeitstätig
keit notwendige Willensanstrengung zur Überwindung der Schmerzen auch aus psychiatrischer Sicht zumutbar. Entsprechend bestehe auch aus interdiszipli
nä
rer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
in einer angepassten Tätigkeit
(S. 11 Ziff. 5.2).
Die Gutachter führten aus, ein allfälliges arbeitsrelevantes Problem habe nicht erhoben werden können, da das Schmerzvermeidungsverhalten mit Selbstlimi
tie
rung der Beschwerdeführerin während der Tests im Vordergrund gestanden habe. Ihre Leistungsbereitschaft sei als nicht zuverlässig zu beurteilen
. Die Beobachtungen bei den Tests hätten auf eine deutliche Selbstlimitierung hin
ge
wiesen, und die Konsistenz bei den Tests sei schlecht gewesen. Infolge erheb
licher Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resul
tate der Belastbarkeitstests für die Beurteilung nicht verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei gutem Effort mehr leisten könnte, als das, was sie bei den Leistungstests gezeigt habe
(S. 10 Ziff. 4.1.1).
Die ab
sch
l
iessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolge daher aus ärztlich-medi
zinischer Sicht (S. 10
Ziff.
4.1.2)
.
3.5
Zum zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit führte PD Dr. I._ am 19. Dezember 2013 ergänzend aus (Urk. 9/64), unter Berücksichtigung der operativen Eingriffe
vom 7. Februar und 31. Mai 2011 und der Spondylodese vom 13. April 2012 und
der andauernden medizinischen Behandlung habe aktengestützt eine
kontinu
ier
liche 100%ige Arbeitsunfähigkeit in den angestammten Tätigkeiten bestan
den.
Maximal sechs Monate nach der Spondylodese sei aus rheumatologisch-ortho
pädischer
Sicht mit dem Erreichen der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähig
keit von 60
%
auszugehen.
Dies stimme zeitlich in etwa mit der Entlassung aus der Rehaklinik K._ überein. Überwiegend wahrscheinlich respektive prak
tisch sicher wären sechs Monate nach der Spondylodese, das heisse ab dem 14. Oktober 2012, die angestammte Tätigkeit zu 60 % und eine angepasste Tätig
keit zu 75 % zumutbar gewesen (S. 1).
Soweit im
Rehabericht
K._
vom 2
5.
September 2012 eine Arbeitsaufnahme aufgrund der Schmerzen als kurz- und mittelfristig no
ch nicht realistisch betrach
ten
und ausgeführt worden sei, das Ergebnis der Psychotherapie müsse noch abgewartet werden, müsse dies insofern entkräftet werden, als sich seither keine Veränderung subjektiv und objektiv ergeben habe
. Aus psychiatrischer Sicht habe nie eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden (Dr. F._). Damit sei die Willensanstrengung zur Überwindung der Schmerzen bei einer Arbeitsaufnahme auch zumutbar gewesen (S. 2).
3.6
Dr. med.
L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte
in ihrem Bericht vom 11.
April 2014 (
Urk.
9/76)
folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1)
:
-
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2)
-
chronische Schmerzstörung (ICD-10 F45.41)
-
Verdacht auf Persönlichkeitsänderung bei schweren chronischen Schmerzen (ICD-10 F62.8)
Dr. L._ führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 2.
Oktober 2012
bei ihr in Behandlung, und die letzte Kontrolle habe am 11. April 2014 statt
gefunden (Ziff. 1.2).
Der Patientin gehe es sehr schlecht, sie habe massive Schmer
zen
,
und es sei zu einem grossen Gewichtsverlust gekommen
. Zum ärzt
lichen Befund führte Dr.
L._
aus, die Beschwerdeführerin liege seit einige
n Wochen praktisch nur noch im Bett. Die Prognose sei schlecht (Ziff. 1.4). Die Patientin müsse stationär behandelt werden (Ziff. 1.5). Bis sie etwa Mitte Juni 2014 aus der Klinik zurück sei, sei keine abschliessende Aussage möglich (Ziff. 1.11).
3.7
Die Fachpersonen der
A._
, Zentrum für Verhaltensmedizin,
M._
, stellten in ihrem Bericht vom 15. Mai 2014 (Urk. 9/79) folgende Diag
no
sen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0)
-
andauernde Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerz
syn
drom
(ICD-20 F62.8)
-
latrogen induzierte Opiatabhängigkeit, da als Schmerzmittel verordnet (ICD-10 F11.2)
-
Lumboischialgie rechts
-
Status nach Dekompression der Nervenwurzel S1 und TLIF L5/S1 rechts am 13. April 2012 (D._)
-
Rezidiv-Diskushernie und perineurale Vernarbung sowie Destruktion des Facettengelenk L5/S1 rechts mit S1 Wurzelreizsyndrom rechts
-
Status nach zweimaliger Bandscheibenoperation L5/S1 rechts (D._ vom 8. Februar und 22. März 2011) mit axonaler Schädigung der Nervenwurzel S1 rechts.
-
Migräne
Die Fachpersonen führten aus, die Patientin habe sich vom 15. April bis 10. Mai 2014 stationär in ihrer Rehabilitationsbehandlung befunden (S. 1). Aus der Zusam
menschau der Befunde, in Anbetracht der andauernden Persönlichkeits
veränderung und den damit nicht gegebenen Voraussetzungen zur Bewältigung der schweren Depression und der Schmerzstörung und aufgrund der Beobach
tungen und Erfahrungen, die sie bei der Patientin im stationären Rahmen gemacht hätten, sei von zahlreichen und gravierenden Einschränkungen auszu
gehen. Die allgemeine Belastungsfähigkeit der Patientin, ihre Stresstoleranz und
ihr Durchhaltevermögen seien neben sicherlich zudem vorhandenen somati
schen
Einschränkungen derart vermindert, dass aus
ihrer Sicht von einem aufgeho
be
nen beruflichen Leistungsvermögen ausgegangen werden müsse
(S. 10 Ziff. 10).
Die Fachpersonen hielten fest, das vorliegende Beschwerdebild habe sich vor dem Hintergrund einer belasteten Biographie mit wohl traumatisch verarbei
te
ten Kriegserlebnissen und weiteren familiären Belastungen und dem somatisch chronischen Krankheitsverlauf nach Bandscheibenoperation entwickelt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer bestehenden Persönlichkeitsveränderung falle es der Patientin schwer, sich adäquat mit ihrer Situation und der Schmerz
problematik auseinanderzusetzen (S. 9 Mitte).
3.8
Die Ärztinnen der Z._ stellten in ihrem Bericht vom 8. September 2014 (Urk. 9/106/2-10) folgende Diagnosen (S. 7 Mitte):
-
rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode
(ICD-10 F33.2)
-
Verdacht auf andauernde Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung und bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.0, F62.8)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide; Abhängigkeits
syn
drom unter Analgetika-Therapie (ICD-10 F11.2)
-
Lumboischialgie rechts
-
Migräne
Die Ärztinnen der Z._ führten aus, die Versicherte habe sich am 19. August 2014 zum ambulanten psychiatrischen Assessment in ihrer Klinik vorgestellt (S. 1). In der angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin sei die Beschwerde
führerin zu 100 % arbeitsunfähig. Eine Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit erscheine aktuell und bis auf weiteres vor dem Hintergrund der depressiven und der somatischen Erkrankung nicht realistisch (S. 8 Mitte).
Bei der Hamilton-Depressions-Skala habe die Beschwerdeführerin insgesamt 31 Punkte erreicht, was als schwere Depression gewertet werden könne. Auch das Beck-Depressions Inventar habe auf eine schwere depressive Symptomatik hingewiesen, und auch
das MINI-ICF-APP Rating habe massive Einschrän
kung
en gezeigt (S 5 f. Ziff. 1-3).
Die Ärztinnen der Z._ führten aus, die Versicherte leide unter Anhedonie, Affektinkontinenz, Interessenverlust, Antriebsarmut, rascher Ermüdbarkeit und unter sozialem Rückzug. Das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl seien reduziert. Gefühle von Hoffnungslosigkeit, negative Zukunftsperspektiven und Lebensüberdruss bestimmten ihr Denken. Die auffälligen kognitiven Defizite seien nur zum Teil im Rahmen der depressiven Erkrankung zu werten und teilweise auch auf die medikamentöse Therapie mit Opioid-Analgetika zurück
zu
führen.
Differenzialdiagnostisch könne eine Erkrankung aus dem somatoformen Spektrum (ICD-10 F45) diskutiert werden
. Ein Zusammenhang zwischen
dem
Auftreten der Symptomatik und unangenehmen Lebensereignissen, Schwierig
keiten oder Konflikten könne im Rahmen des Assessments
jedoch
nicht nach
gewiesen werden. Hartnäckige Forderungen nach weiteren Abklärungen oder ein aufmerksamkeitssuchendes Verhalten der Beschwerdeführerin stünden eben
falls weniger im Vordergrund (
S. 6 Mitte).
Ebenfalls zu diskutieren sei die vorbeschriebene Verdachtsdiagnose einer Per
sön
lichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) beziehungsweise eine andauernde Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8). Die Versicherte habe sich während der Exploration auffallend dysphorisch gereizt, agitiert, affektinkontinent und mit inhaltlicher Einengung auf den ihr durch die operierenden Ärzte zugefügten gesundheitlichen Schaden gezeigt. Ein geordnetes Gespräch und somit eine umfassende Exploration sei nicht möglich. Eine abschliessende Persönlichkeitsdiagnostik sei im Rahmen eines ambulanten dreistündigen Assessments kaum möglich, und eine korrekte diagnostische Einschätzung erst nach längerer Behandlung und dem Aufbau einer therapeutischen Beziehung (S. 6 unten). Die in den Vorbefunden beschrie
bene Verdachtsdiagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) nach Kriegserlebnissen habe sich im Rahmen ihrer Begutachtung nicht eindeutig klären lassen. Aus der Exploration hätten sich keine Anhaltspunkte für Flashbacks oder Albträume ergeben (S. 7 oben).
3.9
Dr.
F._
nannte in seinem Verlaufsgutachten vom 30. Oktober 2015 (Urk.
9/139) nach Untersuch der Beschwerdeführerin am 21. Oktober 2015 (S. 1) als Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf
eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F 43.
2
1).
Er konnte keine Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nennen (S. 7 Ziff. 5.1-2). Bei der Explorandin sei aus psychiatrischer Sicht keine Einschrän
kung in der Arbeitsfähigkeit objektivierbar (S. 9 Ziff. 7.1-2).
Dr. F._
führte aus, seit der An
fang 2013 erfolgten ersten
Begutachtung werde eine deutliche Verschlechterung vor allem des psychiatrischen Gesund
heitszustandes postuliert
(S. 7 Ziff. 6). Während des Gespräches habe die
Beschwerdeführerin keine Gedächtnisstörungen, Auffassungsstörungen, Merk
fähig
keits
störungen oder Konzentrationsstörungen aufgewiesen. Im formalen Denken sei sie leicht verlangsamt gewesen, was mindestens teilweise auf eine Medikamentenüberdosierung beziehungsweise -übersedierung zurückzuführen sei.
Die Explorandin habe
über optische und akustische Halluzinationen be
richtet, sei aber der mehrmaligen direkten Frage, ob
sie
die Halluzinationen als realistisch oder als realitätsfremd bewerte, ausgewichen. Auch während der Schilderung der Halluzinationen während der Untersuchung seien bei der Explo
randin keine geistige Abwesenheit
und auch keine vegetativen Reaktionen beobachtet worden, was gegen ein psychotisches Erleben spreche. Auch eine Ängstlichkeit während der Schilderung habe gefehlt. Die Explorandin sei im Affekt vordergründig resigniert und dysphorisch gereizt.
Die affektive Schwing
ungsfähigkeit sei reduziert, was auch teilweise auf die Medikamentenüber
do
sierung zurückzuführen gewesen sei
. Die Beschwerdeführerin habe über Suizid
gedanken und geplante Suizidhandlungen berichtet, was bei fehlender Psycho
pathologie allerdings nicht auf eine psychiatrische Krankheit zurückzuführen sei (S. 8 oben).
Dr. F._
hielt fest, auch der von der Explorandin geschilderte Tagesablauf habe einige Widersprüchlichkeiten aufgewiesen. Einerseits habe sie sich äusserst unbeholfen präsentiert, andererseits sei sie aber in der Lage, morgens regel
mässig um 7.00 Uhr aufzustehen und ihre Kinder für die Schule vorzubereiten. Bei inkonsistentem Verhalten der Explorandin und festgestellter Medikamen
tenübersedierung
sei es ihm mit bestem Wissen und Gewissen nicht möglich, das effektive Leiden der Beschwerdeführerin genau zu eruieren und mit einer Diagnose zu erfassen. Die erhobenen anamnestischen Angaben anlässlich der Untersuchung durch den Referenten am 11. Januar 2013 und am 21. Oktober 2015 schlössen bei der Beschwerdeführerin sowohl eine genetische Vulnerabili
tät als auch Persönlichkeitsfaktoren für die Entwicklung psychiatrischer Er
krankungen aus. Auch ein Ausbruch einer Persönlichkeitsstörung im frühen Erwachsenenalter könne bei ihr ausgeschlossen werden. Damit könne bei ihr aus dem psychiatrischen Fachgebiet in diagnostischer Hinsicht nach einer schmerzbedingten Verschlechterung der Lebenssituation höchstens von einer Anpassungsstörung, initial mit Wut, Aggressionen, Anspannungen und Stim
mungs
einbrüchen und Ängsten sowie seit der ersten Begutachtung beim Refe
renten am 11. Januar 2013 aktenmässig von einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion ausgegangen werden (S. 8 Mitte).
Die Schilderung der Explorandin bezüglich der psychotischen Symptome sei als nicht plausibel anzunehmen
. Es ergäben sich weiterhin keine Hinweise (anam
nestisch und aktenmässig) auf schwerwiegende bewusste/unbewusste emotio
nale Konflikte oder auf eine schwerwiegend belastende psychosoziale Situation, womit ihr auch keine Störung aus dem somatoformen Formenkreis postuliert werden könne. Auch die postulierte andauernde Persönlichkeitsänderung bei jahrelangen chronischen Schmerzen (ICD-10 F62.8) könne nicht bestätigt werden, weil die Explorandin anlässlich der Exploration depressive und psy
chotische Symptome und nicht ihre Behandlung eines chronischen Schmerz
syndroms in den letzten zwei Jahren als Hauptproblem angegeben habe.
Dr. F._ führte aus, zusammenfassend könne bei der Explorandin aufgrund der anamnestischen Angaben und aktenmässig beanspruchter therapeutischer Massnahmen von einer gegenwärtigen Anpassungsstörung mit längerer depres
siver Reaktion ausgegangen werden, was aber ihre Arbeitsfähigkeit nie nach
haltig eingeschränkt habe (S. 8 unten).
Im Falle einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion benötige die Explorandin eine fachgerechte psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung inklusive einer Gesprächspsychotherapie und Psychopharmakotherapie. Die derzeitige psychopharmakologische Behandlung habe zu der festgestellten Medikamentenübersedierung geführt, weshalb eine dringend eine Optimierung vorzunehmen sei.
Eine antidepressive Behandlung mit Cymbalta 60 mg täglich rechtfertige die postulierten schweren depressiven Episoden und von der Explo
randin zusätzlich geschilderten psychotischen Symptome nicht
(S. 9 Ziff. 8.1).
Objektiv könne bei der Explorandin keine schwere depressive Symptomatik bestätigt werden, unter anderem weil auch die durchgeführten medikamentösen Behandlungen den Vorschriften von Behandlungen schwerer depressiver Episoden nicht entsprächen (S. 9 Ziff. 8.4).
Die Explorandin fühle sich zu 100 % arbeitsunfähig, wobei bei ihr aus psy
chiatrischer Sicht keine objektiven Tatbestände festzustellen seien, welche für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sprächen (S. 10 Ziff. 8.5).
3.10
Die Ärzte der N._ stellten in ihrem Bericht vom 2. November 2015 (Urk. 9/148) folgende Diag
nosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
-
Lumboischialgie rechts, Status nach mehrfachen Rücken-Operationen seit April 2014
Die Ärzte der N._ führten aus, die Beschwerdeführerin sei vom 10. September bis 3. Oktober 2015 in ihrer Klinik gewesen. Die Zuweisung sei freiwillig durch die Hausärztin der Patientin erfolgt. Sie leide seit Jahren unter einem chroni
schen Schmerzsyndrom nach mehreren Rückenoperationen. Seit einem Monat habe sie aus unklaren Gründen verstärkte Kopfschmerzen sowie drängendes Stimmenhören mit Aufforderung zum Suizid (S. 2 oben).
Zum
Psychostatus führten die Ärzte aus, die Patientin sei wach, bewusstseins
klar und zu allen Qualitäten orientiert. Aufmerksamkeit, Gedächtnis und forma
les Denken seien unauffällig.
An Sinnestäuschungen bestehe seit Jahren ein rezidivierendes Stimmenhören, welches kommentierend sei, oder optische Halluzinationen (Chirurg, welcher sie erstmalig operiert habe, nähere sich ihr mit bedrohlichen Gebärden). Es bestehe kein Hinweis auf Ich-Störungen. Der Affekt sei von Hoffnungs- und Freud
losig
keit geprägt. Der Antrieb sei subjektiv und objektiv stark reduziert (S. 2 Mitte).
Die Beschwerdeführerin habe sich im Rahmen der Therapien insgesamt fixiert und überwältigt von ihrer körperlichen Symptomatik gezeigt, habe sich jedoch
phasenweise interessiert auf spezifische Inhalte und Tätigkeiten einlassen können
.
Zu Beginn der Behandlung hätten eine psychopathologische Antriebslosigkeit mit starker innerer Unruhe und Gedankendrängen bei dysphorischer und gereiz
ter Stimmung im Vordergrund gestanden. Die aktenanamnestische genannte Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung habe nach der Exploration eher unwahrscheinlich geschienen. Auch für eine posttraumatische Belastungsstörung hätten die entsprechenden Symptome gefehlt.
Die psychotische Plussymptomatik mit Stimmenhören und optischen Halluzinationen sei am ehesten im Rahmen einer depressiven Symptomatik mit wahnhafter Verarbeitung zu interpretieren. Auf dringlichen Wunsch der Patien
tin sei eine antipsychotische Medikation angesetzt worden, worunter sich bei einer Maximaldosis eine für sie zufriedenstellende Reduktion der Wahndynamik und der dysphorischen Stimmung gezeigt habe. Die Beschwerdeführerin habe auf eigenen Wunsch in deutlich stabilerem Allgemeinzustand wieder nach Hause entlassen werden können
(S. 2 unten).
3.11
Das bidisz
iplinäre Verlaufsgutachten des H._ vom 27
. J
anuar 2016
(Urk.
9/142
) ist von PD Dr.
I._
, Dr.
F._
und O._, Physiotherapeut und Ergotherapeut,
unterzeichnet.
Die somatische Abklärung fand am 14. und 15. September 2015 im
H._
statt, wobei zusätzlich eine
EFL
durchgeführt wurde (S. 1).
Die Gutachter stellten zusammenfassend folgende Diagnosen (S. 9 oben):
-
chronisches, aktuell pseudoradikuläres lumbales Schmerzsyndrom mit sekundärer Ausweitung zu einem generalisierten Schmerzsyndrom
-
Status nach Diskushernienoperation L5/S1 im Februar sowie März 2011, Status nach Fusion mit Cageeinlage L5/S1 Mai 2012
-
bei Status nach mediolateraler Diskushernie L5/S1 rechts und S1-Reizsyndrom rechts
-
Osteochondrose L5/S1 mit begleitender Spondylarthrose sowie epidurale Narbenveränderungen ohne eindeutige neuropathische Schmerzzeichnung
-
Verdacht auf Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein dys
funktionelles Krankheitsverhalten und anamnestisch eine chronische Migräne (S. 9 oben).
Die Gutachter führten zur Zumutbarkeit der angestammten beruflichen Tätigkeit als Reinigungsfachfrau aus, aufgrund der ausgeprägten Selbstlimitierung könne anhand der Tests alleine keine Aussage bezüglich der Arbeitsfähigkeit gemacht werden. Die abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolge daher aus ärztlich-medizinischer Sicht (S. 9 Ziff. 4.1.2). Es ergäben sich aufgrund der heutigen Abklärung aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht keine Gründe, von der anlässlich der letzten im Juli 2013 eingeschätzten Arbeitsfähigkeit abzuweichen. Die damalige Beurteilung sei nochmals überprüft und auch aus heutiger Sicht plausibel beurteilt worden. Die Funktionsstörung habe keine namhafte Veränderung erfahren, und es bestünden nach wie vor Inkonsistenzen und Inkohärenzen in Bezug auf Verhalten und Angaben, obwohl die Versicherte ein etwas realistischeres Verhalten gezeigt habe, als anlässlich der Erstunter
suchung.
Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich eine Revision der Diagnose. Die Funk
tionsfähigkeit und auch die bereits bei der Erstuntersuchung beschriebenen Inkohärenzen blieben aber nach wie vor bestehen und hätten auch unter An
wendung aktueller Kriterien zu keiner Veranlassung geführt, die Arbeits
fähig
keit gegenüber der Beurteilung von 2013 zu revidieren. Auch aus interdiszi
plinärer Sicht werde die Arbeitsfähigkeit aus heutiger Sicht gleich beurteilt und der Gesundheitszustand als stabil (S. 10 Ziff. 5.1). In bisheriger Tätigkeit bestehe aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 60 %. In einer angepassten ganztägigen Tätigkeit mit zwei Stunden vermehrten Pausen bestehe eine 75%ige Arbeitsfähigkeit (S. 11 Ziff. 7 Mitte).
3.12
Dr. med. P._, Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 2. Februar 2016 (Urk. 9/150/4-5) aus, das vorliegende bidisziplinäre Gutachten vom H._ vom 27. Januar 2016 sei umfassend, beruhe auf allseitigen Untersuchungen, berück
sichtige die beklagten Beschwerden und sei in Kenntnis der Vorakten erstellt worden. Das Gutachten sei nachvollziehbar und plausibel in seinen Schluss
folge
rungen, und es könne darauf abgestellt werden. Als Diagnosen mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehe ein chronisches lumbales Schmerz
syndrom und ein Verdacht auf eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21). In der bisherigen Tätigkeit in der Unterhaltsreinigung sei keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht eingetreten. Der aktenmässig verschlechterte Gesundheitszustand aus psychiatrischer Sicht lasse sich im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung nicht bestätigen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine schwere depressive Symptomatik. In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 60 %. In einer leichten bis knapp mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit bestehe ein vermehrter Pausenbedarf von zwei Stunden und damit eine Arbeitsfähigkeit von 75 % seit 2013.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die Gutachten
von Dr. F._ vom Januar 2013 und vom Oktober 2015 (vgl. vorstehend E. 3.3 und E. 3.9) und vom H._
vom Juli 2013 und Januar 2016
(vgl. vorstehend E. 3/4-5 und E. 3.11
) davon aus, dass die Beschwerdeführerin nach Ablauf des Wartejahres am
7.
Februar 2012
bis zum 13. Oktober 2012
zu 100
%
in der Erwerbsf
ähigkeit eingeschränkt gewesen, danach jedoch von einer Arbeitsfähigkeit in den ange
stammten Reinigungstätigkeiten von 60 % und in einer behinderungsan
ge
passten Tätigkeit von 75 % auszugehen sei (vgl. vorstehend E. 2.1).
4.2
Die genannten Gutachten
des H._
und
von Dr.
F._
basieren auf den erforderlichen allseitigen fachärztlichen Untersuchungen und wurden in Kennt
nis der und Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben. Die Gutachter
h
a
ben detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mi
t diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin
auseinander
gesetzt. Zudem
h
a
ben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt. Die Gutachten
des H._
und
von Dr.
F._
erfüllen demnach die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweiskräftige ärzt
liche Entscheidungsgrundlagen (vgl.
vorstehend E. 1.
7
)
, sodass grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
4.3
Gemäss Dr.
F._
war die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht zu keiner Zeit in ihrer Arbeitsfähigkeit ei
ngeschränkt (vgl. vorstehend E. 3.3 und E. 3.9
).
Bereits nach Untersuchung der Beschwerdeführerin im Januar 2013 konnte er weder eine depressive Störung noch eine posttraumatische Belas
tungsstörung bestätigten. Das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung schloss er aus und ordnete die festgestellte Affektlabilität, die Wut und Resignation einer Anpassungsstörung mit Störung anderer Gefühle (ICD-10 F43.34) sowie einer Akzentuierung der Persönlichkeitszüge zu.
In seinem Verlaufsgutachten vom Oktober 2015 konnte Dr. F._ die seit seiner letzten Begutachtung anfangs 2013 angeblich eingetretene Verschlech
terung in psychiatrischer Hinsicht nicht bestätigen. Dr. F._
wies auf Wider
sprüchlichkeiten und ein inkonsistentes Verhalten
der Beschwerdeführerin hin und erachtete ihre
Schilderung bezüglich der psychotischen Symptome für nicht plausibel.
Dr. F._ begründete
ausführlich, weshalb er die erstmals von
Dr. L._
in ihrem Bericht vom April 2014 (vgl. vorstehend E. 3.6) diagnostizierte schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2), welche sowohl von den Fachpersonen der
A._
im Mai 2014 (vgl. vorstehend E.
3.7) als auch von Seiten der Ärztinnen der
Z._
im September 2014 (vgl. vorstehend E.
3.8)
und nach Klinikaufenthalt der Beschwerdeführerin vom 10. September bis 3. Oktober 2015 auch von den Ärzten der N._ (vgl. vorstehend E. 3.10)
bestätigt worden ist
,
nicht feststellen konnte.
Dr. F._
konnte weder
das Vorliegen von Ge
dächtnisstö
rungen noch von
Auffassungsstörungen, Merkfähigkeitsstörungen oder Konzentrationsstörungen
feststellen
. Dass die Beschwerdeführerin anläs
s
lich der Untersuchung im formalen Denken leicht verlangsamt gewesen war, führte er auf die Medikamentenübersedierung zurück.
Weiter wies er darauf hin, dass
die verordnete antidepressive Psychopharmakotherapie nicht der Therapie einer schweren depressiven Störung entsprach.
Dem Bericht der
Ärztinnen der
Z._
vom September 2014 lässt sich entnehmen, dass sie die
Diagnose einer schweren depressiven Symptomatik primär auf von ihnen durchgeführt
e psychodiagnostische Testungen stützten. Hierbei ist jedoch zu beachten,
dass diese Testmethoden, wie namentlich der
erwähnte
Hamilton
-Test, nur beschränkt aussagekräftig sind, da sie sich primär auf die
subjektiv
en Angaben der Testpersonen stützen.
Ei
n
hergehend mit
Dr. F._
konnten
die Ärztinnen der
Z._
jedoch das Vor
liegen sowohl einer
andauernden Persönlichkeitsänderung bei schweren chro
nischen Schmerzen (ICD-10 F62.8) respektive nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0)
als auch
einer postt
raumatischen Belastungsstörung und einer Störung aus dem somatoformen Spektrum (ICD-10 F45) nicht bestätigen. Ebenfalls führten die Ärztinnen einen Teil der kognitiven Defizite auf die medikamentöse Opioid-Analgetika-Therapie zurück.
In nachvollziehbarer Weise legte Dr. F._ auch dar, weshalb er dem im Be
richt der Ärzte der N._ vom November 2015 (vgl. vorstehend E. 3.10) beschrie
benen Stimmenhören der Beschwerdeführerin keinen Krankheitswert beimass.
4.4
Was die Einschätzungen der Gutachter des H._ vom Juli 2013 und
Januar 2016
(vgl. vorstehend E. 3.4 und E. 3.11) anbelangt, so liegen keine medizini
schen Berichte vor, die auf eine andere Einschätzung der Situation schliessen lassen würden. Hingegen ist zum vom PD Dr. I._ in seinem Schreiben vom Dezember 2013 (vgl. vorstehend E. 3.5) festgesetzten Zeitpunkt, ab wann von der festgelegten Arbeitsfähigkeit von 60 % in der angestammten und 75 % in jeder angepassten Tätigkeit ausgegangen werden könne, auszuführen, dass sich die von PD Dr. I._ ab Mitte Oktober 2012 festgesetzte massgebliche Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin und damit einhergehende Steigerung der Arbeitsfähigkeit nicht im Bericht der Ärzte der E._ vom September 2012 wiederspiegelt, welche eine Wieder
aufnahme einer beruflichen Tätigkeit zum Austrittszeitpunkt kurz- bis mittel
fristig aufgrund der Schmerzen noch nicht für realistisch erachteten (vgl. vor
stehend E. 3.2). Demnach ist der Zeitpunkt, ab wann von der von PD Dr. I._ festgesetzten Arbeitsfähigkeit auszugehen ist, auf den Zeitpunkt seiner Begutachtung Mitte Januar 2013 zu setzen, wovon im Übrigen auch RAD-Arzt Dr. P._ in seiner Stellungnahme vom Februar 2016 (vgl. vorstehend E. 3.12) ausgegangen ist.
4.5
Aufgrund der beweiskräftigen medizinischen Aktenlage besteht – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – auch kein weiterer Abklärungsbedarf (
antizipierte
Beweiswürdigung; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2007 vom 6. Dezember 2007 E. 5.2.2 mit Hinweisen
).
4.6
Zusammenfassend ist demnach der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten, dass die Beschwerdeführerin
nach Ablauf des Wartejahres
im Februar 2012 zu 100 % sowohl in ihrer angestammten, als auch in einer angepassten Tätigkeit eingeschränkt war und seit
dem Zeitpunkt der somati
schen Untersuchung am H._
Mitte Januar 2013
gestützt auf
die
Gutachten
von Dr.
F._
und vom H._
davon auszugehen ist
, dass in der angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin
eine Arbeitsfähigkeit von 60 % und in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine solche von 75 % besteht.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf den Haushaltabklärungsbericht vom
27. Mai 2014 (Urk. 9/93
)
und die nach eingeholten Verlaufsgutachten bei Dr. F._ und beim H._ ergänzenden Stellungnahme der Abklärungsperson vom 4. März 2016 (Urk. 9/146)
davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin gemäss der Beurteilung der einzelnen Tätigkeiten im Haushaltsbereich eine Einschränkung von
36.45
% bestehe (vgl. vorstehend E. 2.1).
5.2
Nach der Rechtsprechung stellt der durch die IV-Stelle eingeholte Bericht über die Abklärung vor Ort eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage zur Ermittlung des Invaliditätsgrades von im Haushalt tätigen Versicherten dar.
Massgebend für die Feststellung der Behinderung Nichterwerbstätiger im an
erkannten Aufgabenbereich ist nicht die medizinisch-theoretische Arbeits
fähig
keit, sondern wie sich der Gesundheitszustand in der nichterwerblichen Betä
tigung konkret auswirkt, was durch die Abklärung an Ort und Stelle im Haus
halt der versicherten Person erhoben wird.
Für den Beweiswert eines entsprechenden Berichtes ist analog auf die Recht
sprechung zur Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 352 E. 3a und b, BGE 122 V 160 E. 1c) zurückzugreifen. Sind die entsprechenden Kriterien
(vgl. vor
stehend E. 1.8)
erfüllt, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift diesfalls in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar fest
stellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklä
rungsresultate (zum Beispiel infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklä
rungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht.
5.3
Die Abklärungsperson führte am 14. Mai 2014 die Haushaltabklärung an Ort und Stelle durch.
Sie hat dabei unter Berücksichtigung der von der Beschwer
deführerin geklagten Leiden und Behinderungen sowie der Familiengrösse, der Wohnverhältnisse, der technischen Einrichtungen und der örtlichen Lage
die
Einschränkung
en
der Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich festgestellt.
Der von der Abklärung
sperson verfasste Bericht vom 27
.
Mai
2014 befasst sich umfassend mit den einzelnen Haushaltsbereichen und deren prozentualer Ge
wichtung und umschreibt die zu verrichtenden Tätigkeiten sowie die an Ort und Stelle festgestellten Einschränkungen in diesen Bereichen. Ebenfalls
berück
sichtigt wurde
n
die Mitwirkungspflicht des Ehemannes
und die Übernahme kleinerer Tätigkeiten durch den älteren Sohn
.
Der Abklärungsbericht ist sodann schlüssig und in nachvollziehbarer Weise begründet. Es sind vorliegend keine besonderen Umstände gegeben, welche den Abklärungsbericht als mangelhaft oder ungeeignet erscheinen liessen; vielmehr entspricht dieser den an ihn gestellten Anforderungen, so dass für die Ent
scheid
findung grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
Dem Umstand, dass sich die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes anlässlich der Verlaufs
gut
achten bei Dr. F._ respektive am H._ nicht hat bestätigen lassen, trug die Abklärungsperson in ihrem Schreiben vom 4. März 2016 Rechnung, indem sie die im Abklärungsbericht vom 27. Mai 2014 basierend auf den Angaben der Beschwerdeführerin ab April 2013 festgehaltene erhöhte Einschränkung im Haushaltsbereich revidierte und eine gleichbleibende Gesamteinschränkung vom 36.45 % seit dem Jahr 2013 bestätigte (vgl. Urk. 9/146).
Dass der Haushaltabklärungsbericht im Mai 2014 erstellt worden ist, wie die Beschwerdeführerin rügte (vgl. vorstehend E. 2.2), ändert in Anbetracht der
seither gleichgebliebenen gesundheitlichen Situation (vgl. vorstehend E. 4) ni
chts. Auch in familiärer Hinsicht brachte die Beschwerdeführerin keine Gründe vor, die auf eine andere Einschätzung der Situation schliessen lassen würden.
5.4
Aufgrund des Gesagten ist gestützt auf den Haushaltabklärungsbericht vom 27. Mai 2014 und die ergänzende Stellungnahme der Abklärungsperson vom 4. März 2016 (Urk. 9/142) sowie in Anbetracht der medizinischen Aktenlage (vgl. vorstehend E. 4.6) von einer Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haushalt von 36.45 % seit dem Jahr 2013 auszugehen.
6.
6.1
Ob der Beschwerdeführerin ein Anspruch auf eine Invalidenrente zusteht, hängt in entscheidendem Masse davon ab, in welchem Umfang sie ohne Gesund
heits
schaden erwerbstätig wäre.
Massgebend für die Qualifikation der Beschwerdeführerin ist die Frage, in welchem Umfang sie eine Erwerbstätigkeit ausüben würde, wenn keine gesund
heitliche Beeinträchtigung bestünde. Dabei sind im Besonderen ihre persön
lichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Bega
bungen zu be
rücksichtigen (
vorstehend E. 1.5).
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög
lich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
6
.2
Die
Abklärungsperson
begründete in ihrem Haushaltabklärungsbericht vom 27. Mai 2014 (Urk. 9/93) ausführlich, weshalb sie die Aussage der Beschwerde
führerin, sie wäre im Gesundheitsfall s
icher ab
dem
Zeitpunkt, wenn auch das jüngere Kind in den Kindergarten gekommen wäre (August 2014)
,
einem Voll
zeitpensum nachgegangen, nicht für plausibel hielt. Als Gründe hierfür nannte die Abklärungsperson einerseits das Alter der Kinder, andererseits verwies sie auf die Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin, welche gemäss
IK-Auszug
(vgl. Urk. 9/9) seit Beginn einer Erwerbstätigkeit
im Juni 2006
nie
ein Ein
kommen erzielt hatte
, welches
die Annahme
eine
r
Arbeitstätigkeit von über 50
%
rechtfertig
t
e
. Weiter wies die Abklärungsperson auch darauf hin, dass
die telefonische
Rücksprache mit der
letzten Arbeitgeberin
vom 2
2.
Mai 2014
ergeben habe, dass die Angaben der Beschwerdeführerin zur geplanten Pen
sumserhöhung nicht
stimmten
.
Hingegen berücksichtigte die Abklärungsperson die finanziellen Einbussen im Zusammenhang mit den Unterhaltszahlungen des seit März 2013 nicht mehr im gleichen Haushalt lebenden Ehemannes in einer Erhöhung des Arbeitspensums ab April 2013 auf insgesamt 70 % (vgl. Urk. 9/93 S. 4 f. Ziff. 2.5, vgl. auch Urk. 9/77-78). Zusammenfassend ging die Abklärungsperson bis März 2013 von
einer Qualifikation
der Beschwerdeführerin als zu
50
%
Erwerbstätige und 50
%
im Haushalt Tätige und ab April 2013 von einer Qualifikation von
zu
70
%
Erwerbstätige und 30
%
im Haushalt Tätige aus (
Urk. 9/93
S. 4 f.
Ziff.
2.5).
Diese Feststellung erscheint plausibel und nachvollziehbar begründet, weshalb darauf abgestellt werden kann.
6.3
In Anbetracht der gesamten Umstände ist vorliegend davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bis März 2013 als zu 50 % im Haushalt und 50 % im Erwerbsbereich Tätige und ab April 2013 als zu 30 % im Haushalt und zu 70 % im Erwerbsbereich Tätige zu qualifizieren ist.
Demnach ist im Folgenden die Invalidität in Anwendung der gemischten Methode (Art. 28a
Abs.
3 IVG) zu bemessen
.
7.
7.1
Da die Beschwerdeführerin als Teilerwerbstätige zu qual
ifizieren ist (vorstehend E. 6.3
), ist die
gemischte
Methode
der Invaliditätsbemessung anwendbar. Damit ist zunächst die Invalidität im erwerblichen Bereich zu prüfen. Nach der R
echt
sprechung
(
vgl.
vorstehend E. 1.
4-
5)
ist die Einschränkung im erwerblichen Bereich nach der
Methode
des Einkommensvergleiches auf Grundlage der Teil
erwerbstätigkeit, welche die Beschwerdeführerin ohne Behinderung ausüben würde (vorliegend:
bis März 2013 50 %
und ab April 2013
70
%
),
zu ermitteln.
Diese Einschränkung im erwerblichen Bereich ist anschliessend bei der Fest
setzung der Gesamtinvalidität mit dem hypothetischen Teilzeitpensum entspre
chenden Anteil (vorliegend: 50 %
respektive 70 %
) mit zu berücksichtigen (BGE 125 V 152 E. 4).
7.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des früh
estmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kom
mens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt
worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit e
rstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
7.3
Für die Vornahme des Einkommensvergleiches ist grundsätzlich auf die Gege
benheiten im Zeitpunkt des (hypothetischen) Rentenbeginns abzustellen (BGE 128 V 174, BGE 129
V 222), mithin auf das Jahr 2012.
Da die Beschwerdeführerin in der angestammten
Reinigungstätigkeit
und in jeder angepassten Tätigkeit im Zeitraum ab hypothetischem Rentenbeginn ab 1.
Februar 2012
(vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) bis
Januar 2013
gleichermassen
zu
100
%
eingeschr
änkt war (vgl. vorstehend E. 4.6
),
resultiert
bei der Gewichtung des Erwerbsbereiches mit 50 % für den Zeitraum von Februar 2012 bis Januar 2013 ein Teilinvaliditätsgrad im erwerblichen Bereich von 50 % (100 x 0.
5
).
Bei der ab Januar 2013 wiedererlangten Arbeitsfähigkeit in den angestammten Reinigungstätigkeiten im Umfang von 60
%
und in jeder angepassten Tätigkeit im Umfang von 75
% resultiert bei einer Qualifikation als zu 50 % Erwerbs
tätige bis März 2013 ein Teilinvaliditätsgrad von 0 %.
Da sie mit ihrer Tätigkeit in der Reinigung lediglich geringe Einkommen erzielte und mehrfach arbeitslos war (vgl. IK-Auszug; Urk. 9/9), erscheint es vorliegend für die Berechnung des Teilinvaliditätsgrades ab April 2013 gerechtfertigt, sowohl hinsichtlich des Validen- als auch des Invalideneinkommens auf die vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebene Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen.
Dabei ist hinsichtlich
der bislang ausgeübten
Reinigung
stätigkeiten als Aus
gangslage für die Berechnung des Valideneinkommens von einem Lohn für Frauen bei der Erbringung von sonstigen Dienstleistungen von Fr. 3‘708.
—
aus
zugehen (
LSE
2012
S. 35, Tabe
lle TA1, Ziff. 94-96, Niveau 1).
Hinsichtlich des Invalideneinkommens ist von einem Lohn von Fr. 4‘112.-- und damit einem höheren Lohn auszugehen, da der Beschwerdeführerin sämtliche angepasste leichte Tätigkeiten weiter zumutbar sind, und auf den standardisierten Durch
schnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten in sämtlichen Wirtschafts
zweigen des privaten Sektors abzustellen ist (
LSE
2012
,
S. 35, Tabelle TA1, Total, Niveau 1). Da
damit
das mögliche Invalideneinkommen im Ausgangswert der Berechnung bereits höh
er ist als das Valideneinkommen und ein zusätz
licher leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn vorliegend aufgrund der Um
stände nicht gerechtfertigt erscheint, resultiert bei einer möglichen Arbeitsfähig
keit von 75 % in einer angepassten Tätigkeit und einer Steigerung des Pensums auf 70 % ab April 2013 ein Teilinvaliditätsgrad von 0 %.
Würde die gemischte Methode in der nach Suter/Leuzinger modifizierten Hand
habung angewendet (vgl. - nicht rechtkräftiges - Urteil des hiesigen Gerichts IV.2016.00548 vom 19. Mai 2017), so wäre
das Valideneinkommen mit Fr. 46
‘
610
.--
(12 x Fr. 3708.-- : 40 x 41.9) und das Invalideneinkommen mit Fr. 38‘581.-- (12 x Fr. 4‘112.-- : 40 x 41.7 x 0.75)
einzusetzen, womit die Einkommenseinbusse Fr.
8‘029
.-- und die Einschränkung
17.2
% betrüge, was einen Teilinvaliditätsgrad von
12
% (
17.2 % x 0.7
) ergäbe.
7.4
Betreffend den Haushaltsbereich ist nach dem Gesagten (vgl. vorstehend E. 5
.4
) davon auszugehen, dass im Zeitraum ab hypothetischem Rentenbeginn ab 1.
Februar 2012
bis
Januar 2013 ebenfalls
eine Einschränkung von 100 % be
standen hat und demnach ein Teilinvaliditätsgrad von 50 % resultiert (100 x 0.5).
Danach ist b
ei der Gewicht
ung des Haushaltsbereiches mit 5
0 %
bis Ende März 2013
(vgl. vorstehend E. 6
.3
)
für diesen Zeitraum von einem Teilinvaliditätsgrad von 18.22 % (36.45 x 0.5) und bei einer Gewichtung des Haushaltsbereiches mit 30 % ab April 2013 von einem Teilinvaliditätsgrad von 10.93 % (36.45 x 0.3) auszugehen.
7.5
Nach Addition der Teilinvaliditätsgrade im Erwerbs- und Haushaltsbereich resul
tiert demnach in Anwendung von Art. 88a Abs. 1 IVV von
Februar 2012
bis Ende
März 2013
(
Januar 2013
zuzüglich drei Monate) bei einem Inva
lidi
tätsgrad von 100 % (50 % + 50
%) ein
befristet
er
Anspruch der Beschwerde
führerin auf eine ganze Invalidenrente.
Ab 1.
April 2013
besteht bei einem im Erwerbsbereich resultierenden Teilin
validitätsgrad von 0 %
beziehungsweise 12 % (vgl. E. 7.3)
und einem im Haus
halt resultier
enden Teilinvaliditätsgrad von 10.93
% ei
n Gesamtinvaliditätsgrad von rund 11
%
beziehungsweise 23 % (11% + 12 %)
, bei welchem Ergebnis kein Anspruch auf eine Invalidenrente mehr besteht.
7.6
Aufgrund des Gesagten bes
teht von 1. Februar 2012 bis 31
.
März 2013
ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente.
8.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde
ist die Verfügung vom 13
. J
uni
201
6
(Urk. 2) dahingehend abzuändern, dass vom 1.
Februar 2012
bis zum 31.
März 2013 ein Anspruch der Beschwerdeführerin
auf eine ganze Invalidenrente besteht.
9
.
9
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen und ausgangsgemäss zu einem Drittel der Be
schwer
de
gegnerin und zu zwei Dritteln der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, wobei d
er Anteil der Gerichtskosten der Beschwerdeführerin
infolge Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen i
st.
9
.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der seit
1.
Juli 2011 in Kraft stehenden Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
9
.3
Der von Rechtsanwalt
Urs Schaffhauser
mit Eingabe vom
16. August 2016 (Urk. 16)
geltend gemachte Aufwand von
13.85
Stunden ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere au
fgrund der Tatsache, dass er die
Beschwerdeführer
in
schon im Vorbe
scheid
verfahren vertrat und di
e Akten somit bekannt waren. Namentlich erscheinen
ein Aufwand von
rund 9
Stunden für di
e Beschwerdeschrift und ein Korres
pondenzaufwand mit der Klientin von rund 1.8
Stunden als überhöht.
Angesichts der zu studierenden Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der etwa
elfseitigen Rechtsschrift
, den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Ge
such um unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowie der in ähnliche
n Fällen zugesprochenen Beträge
ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Urs Schaff
hauser
bei Anwendung des gerichtsübl
ichen Stundenansatzes von Fr. 22
0.-- (zuzüglich
Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘400.--
(inklusive Barauslagen u
nd Mehr
wertsteuer) festzusetzen,
wobei die Beschwerdeg
egnerin zu verpflichten ist, dem
u
nentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführerin
hie
r
von einen Drittel, also Fr. 800.--, als reduzierte Prozessentschädigung zu bezahlen. Im weiter
geh
enden Umfang von Fr. 1‘600.--
wird diese
r
aus der Gerichtskasse ent
schä
digt.
9.4
Die
Beschwerdeführer
in
ist auf
§
16
Abs.
4 GSVGer hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern
sie
dazu in der Lage ist.