Decision ID: e62e172d-443c-50a9-a150-1c71ee4430b8
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1981 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich am
15. Februar 2010 aufgrund von einer Blockade im Kreuz, welche dazu führte, dass weder
ein Aufrichten noch eine Belastung des linken Beines mehr möglich war, bei den
Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden (damals noch: IV-Stelle Appenzell
Ausserrhoden, nachfolgend: Vorinstanz) zum Leistungsbezug an (IV-act. 8). Bereits zuvor
hatte die Vorinstanz von den den Beschwerdeführer behandelnden Ärzten eine Meldung
zur Früherfassung erhalten und ihn am 26. Januar 2010 zu einem Gespräch aufgeboten
(IV-act. 2), anlässlich welchem der Beschwerdeführer die Vorinstanz ersuchte, zu prüfen,
ob er Anspruch auf berufliche Massnahmen in Form einer Umschulung auf eine
rückenschonende Tätigkeit habe (IV-act. 6, S. 2), nachdem die Arbeit als Freileitungs-
monteur längerfristig aufgrund von Rückenbeschwerden nicht mehr möglich sein werde.
B. Gemäss Arztbericht von Dr. B_ vom 14. Juli 2010 (IV-act. 19), welcher beim
Beschwerdeführer ein Lumbovertebralsyndrom mit Diskopathie L5/S1 und Pseudospon-
dylolisthesis L5/S1, sowie dadurch verursachte Einengung des Foramens L5/S1 rechts
mehr als links diagnostizierte, war die bisherige Tätigkeit als Freileitungsmonteur dem
Beschwerdeführer nur noch bedingt zumutbar. Zwar sei er eigentlich nie arbeitsunfähig
gewesen, da er immer wieder trotz den Rückenbeschwerden mit Analgetika und Therapien
die Arbeitsfähigkeit erzwungen habe, es wäre aber im jetzigen Zeitpunkt eine Umschulung
zu einer körperlich weniger belastenden Tätigkeit angezeigt (IV-act. 19). Im RAD-Bericht
vom 23. September 2010 erachtete Dr. C_ den Anspruch auf berufliche Massnahmen
infolge der nachvollziehbaren drohenden Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als
ausgewiesen (IV-act. 24).
C. In der Folge gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 5. Oktober 2010
berufliche Massnahmen in Form von Berufsberatung und Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act. 26). Eine Fachperson der Berufsberatung der
Vorinstanz besprach mit dem Beschwerdeführer die Möglichkeit einer Umschulung zum
Techniker HF (IV-act. 29) und erteilte ihm am 17. Februar 2011 eine Kostengutsprache (IV-
act. 31) für diese Umschulung beim ZbW, Zentrum für berufliche Weiterbildung in
St. Gallen.
Nachdem der Beschwerdeführer die Ausbildung per 25. August 2011 abbrach, bot die
Vorinstanz den Beschwerdeführer am 30. August 2011 zu einem Gespräch auf (IV-act. 36
ff.). Anlässlich dieses Gesprächs mit der Berufsberaterin erklärte der Beschwerdeführer, die
Ausbildung habe zu familiären Schwierigkeiten geführt, nachdem seine Partnerin von ihm
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erwartet habe, dass er die Kindererziehung an seinen Freitagen übernehme. Die Freitage
und auch die Wochenenden habe er aber zum Lernen gebraucht; unter diesen
Bedingungen sei ihm die anspruchsvolle Ausbildung nicht mehr möglich gewesen. Er habe
daher für den Moment wieder eine Arbeit in seinem Bereich angenommen; er werde aber
versuchen, seine familiäre Situation zu regeln und dann im Jahr 2012 wieder mit der
Vollzeitausbildung starten (IV-act. 41). Hierauf hob die Vorinstanz die Verfügung betreffend
berufliche Massnahmen auf und stellte die Taggeldzahlungen an den Beschwerdeführer
per 25. August 2011 ein (IV-act. 45 und 46).
In der Folge meldete sich der Beschwerdeführer erst am 19. November 2012 wieder bei der
Vorinstanz und berichtete, er habe sich inzwischen von seiner Partnerin getrennt und sei
dann wieder auf Montage gegangen, wobei es immer wieder zu krankheitsbedingten
Unterbrüchen gekommen sei. Der Beschwerdeführer erkundigte sich, ob er die
Umschulung im Herbst 2013 aufnehmen könne, bis dahin wolle er versuchen, sich mit
Teilzeitarbeiten über Wasser zu halten. Die Berufsberaterin vereinbarte hierauf mit dem
Beschwerdeführer, er solle sich im Frühjahr 2013 erneut melden, um zu besprechen, ob
und in welcher Form er die Umschulung wieder aufnehmen werde (IV-act. 47).
D. Am 24. April 2013 erteilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer, nachdem dieser berichtet
hatte, er wolle die Vollzeitausbildung weiterführen und es sei ihm seit November 2012 nicht
gelungen, eine leidensadaptierte Tätigkeit zu finden, erneut eine Kostengutsprache für die
Vollzeitumschulung zum Techniker HF. Ausserdem sprach sie ihm ab 23. April 2013 bis
zum Beginn der Ausbildung ein Wartezeittaggeld zu (IV-act. 54 und 58).
Hierauf meldete sich der Beschwerdeführer am 6. Mai 2013 telefonisch bei der Vorinstanz
mit dem Begehren, es sei ihm bereits rückwirkend seit dem Abbruch der beruflichen
Massnahmen im August 2011 ein Wartezeittaggeld auszurichten, sonst werde er die
Umschulung nicht antreten (IV-act. 62). Die Vorinstanz wies den Beschwerdeführer
daraufhin schriftlich auf seine Schadenminderungs- und Mitwirkungspflichten hin und
erklärte, dass der Anspruch auf ein Wartezeittaggeld erst in dem Zeitpunkt entstehe, in
welchem die IV-Stelle feststelle, dass eine Umschulung (wieder) angezeigt sei; dies sei bei
ihm am 23. April 2013 der Fall gewesen. Die Vorinstanz forderte den Beschwerdeführer
auf, bis am 27. Mai 2013 schriftlich mitzuteilen, ob er an den beruflichen
Eingliederungsmassnahmen ab Oktober 2013 teilnehmen werde oder nicht (IV-act. 65). In
den vorinstanzlichen Akten ist keine Reaktion des Beschwerdeführers auf dieses Schreiben
ersichtlich.
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Am 15. August 2013 informierte das ZbW St. Gallen die Vorinstanz, der Beschwerdeführer
habe den Vorkurs Mathematik noch nicht besucht, dieser würde im Rahmen der
Vollzeitausbildung im Oktober 2013 nochmals angeboten werden. Die offizielle
Umschulung fange erst im Januar 2014 an (IV-act. 78).
Der Beschwerdeführer teilte der Vorinstanz am 31. Januar 2014 per E-Mail mit, er verzichte
auf weitere Unterstützung, weil er aufgrund seiner finanziellen Situation nicht mehr an der
Umschulung teilnehmen könne (IV-act. 90). Am 4. Februar 2014 meldete das ZbW
St. Gallen der Vorinstanz jedoch, der Beschwerdeführer habe seinen Austritt am 3. Februar
2014 widerrufen und werde die Weiterbildung weiterführen (IV-act. 93). Per 10. März 2014
meldete sich der Beschwerdeführer schliesslich erneut ab von der Vollzeitausbildung (IV-
act. 94), nachdem er vermehrt unter Rückenbeschwerden litt und schliesslich eine
Rückenoperation zur Stabilisierung der Wirbelsäule indiziert war (IV-act. 95 und 96).
Mit Verfügung vom 3. Juli 2014 hob die Vorinstanz die Gewährung der beruflichen
Massnahmen erneut auf und stellte die Taggeldleistungen nach dem letzten
Eingliederungstag ein (IV-act. 108).
E. Die Vorinstanz holte verschiedene medizinische Unterlagen ein, gestützt auf welche Dr.
D_ vom RAD am 21. Januar 2015 von einer derzeit vollständigen Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers angestammt und adaptiert ausging (IV-act. 122). In der Folge wartete
die Vorinstanz aufgrund des instabilen Zustands mit einem Rentenentscheid vorläufig noch
ab (IV-act. 123). Vom 23. November bis 9. Dezember 2015 unterzog sich der
Beschwerdeführer einer stationären Rehabilitation in der Klinik St. Katharinental, welche er
allerdings vorzeitig abbrach (IV-act. 141). Am 28. Juni 2016 meldete sich der
Beschwerdeführer telefonisch bei der Vorinstanz und teilte mit, er habe kein Interesse an
einer Rente, er wolle arbeiten (IV-act. 161). Die den Beschwerdeführer behandelnden Ärzte
schlugen die Durchführung einer EFL (Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit) vor,
um abschliessend beurteilen zu können, welche Arbeiten dem Beschwerdeführer noch
zumutbar sind (IV-act. 162, IV-act. 154), was vom RAD gemäss Bericht von Dr. D_ vom
11. Juli 2016 abgelehnt und stattdessen eine orthopädisch-psychiatrische Begutachtung
bei der SMAB AG angeordnet wurde (IV-act. 162, IV-act. 169). Die gutachterlichen
Untersuchungen erfolgten im September und Oktober 2016, das Gutachten wurde der
Vorinstanz am 17. November 2016 zugestellt (IV-act. 176). Die Gutachter stellten als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein rezidivierendes pseudoradikuläres
lumbales Schmerzsyndrom links bei dysplastischer Spondylolisthesis LWK 5 / SWK 1
Meyerding Grad I-II, psychologische und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten
Krankheiten (F54) und eine leichte neuropsychologische Störung fest. Dem
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Beschwerdeführer wurde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
attestiert, während in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80%
bestehe (IV-act. 176, S. 14).
F. Mit Vorbescheid vom 20. Januar 2017 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer gestützt
auf die Arbeitsfähigkeitseinschätzung im Gutachten mit, dass er bei einem IV-Grad von
20% keinen Rentenanspruch habe (IV-act. 185). Gegen diesen Vorbescheid erhob die
Procap St. Gallen-Appenzell für den Beschwerdeführer Einwand und beantragte, es seien
ihm berufliche Massnahmen in Form einer Umschulung zu gewähren bzw. wieder
aufzunehmen; der Rentenanspruch könne erst nach Beendigung der beruflichen
Massnahmen abschliessend geklärt werden. Der Beschwerdeführer sei bereit, an
Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken. Allerdings wäre es sinnvoll, auch andere
Optionen als nur die Ausbildung zum Techniker HF berufsberaterisch zu prüfen; kürzere
oder berufsbegleitende Umschulungen würden sich besser eignen (IV-act. 190).
G. In der Folge lud die Vorinstanz den Beschwerdeführer erneut zu einem Gespräch ein (IV-
act. 191), welches am 16. März 2017 stattfand und anlässlich welchem der
Beschwerdeführer auf seine Mitwirkungspflichten bei der Eingliederung sowie die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 80% im Gutachten hingewiesen wurde (IV-act. 194).
Tagsdarauf teilte der Beschwerdeführer der Vorinstanz mit, er stelle Antrag auf
„Totalrevision“ seiner Ansprüche. Die Wiedereingliederung bzw. beruflichen Massnahmen
in der von der Vorinstanz erzwungenen Form seien sofort zu stoppen. Er wolle unbedingt
arbeiten, lehne es aber ab, durch Fehleinschätzungen der Invalidenversicherung und des
SMAB Gutachtens „wiedermal in die unhaltbare Berufliche Eingliederungsmassnahmen
gezwungen zu werden“ (IV-act. 192). Am 21. März 2017 teilte der Beschwerdeführer der
Vorinstanz am Telefon mit, er wünsche Unterstützung für eine berufliche Eingliederung,
könne sich aber kaum mehr eine vollzeitliche Ausbildung vorstellen, da er nicht so lange
sitzen oder stehen könne. Er würde eventuell eine Weiterbildung im bisherigen Bereich
vorziehen (IV-act. 195). Mit E-Mail vom 22. März 2017 teilte der Beschwerdeführer zudem
mit, er habe das unterzeichnete Gesprächsprotokoll entgegen seiner Ankündigung nun
doch nicht zurückgeschickt; „Somit bleibt die Beschwerde bestehen, weitere Schritte folgen.
Denn 80% treiben mich direkt ins Messer, Schmerzen hab ich schon genug“ (IV-act. 196).
H. Am 30. März 2017 reichte der Beschwerdeführer ein als „Beschwerde“ bezeichnetes
Schreiben beim Obergericht ein, welches zuständigkeitshalber an die Vorinstanz
weitergeleitet wurde (IV-act. 201), nachdem diese über die Ansprüche des
Beschwerdeführers bisher noch gar nicht verfügt hatte. Mit Brief vom 3. April 2017 schickte
der Beschwerdeführer der Vorinstanz eine „Interessensbekundung zur Berufsberatung“ und
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erklärte erneut, dass er motiviert und willens sei, an der Berufsberatung produktiv
mitzuwirken. Sinngemäss erkundigte er sich zudem, ob trotz seines Begehrens auf eine
anfechtbare Verfügung eine Berufsberatung möglich sei oder ob er zwischenzeitlich selber
einen Praktikumsplatz suchen solle (IV-act. 202). Die Vorinstanz antwortete dem
Beschwerdeführer hierauf mit Mitteilung vom 20. April 2017, sie gehe aufgrund seines sehr
widersprüchlichen Verhaltens davon aus, dass er sich subjektiv nicht arbeitsfähig fühle.
Deshalb erachte sie weitere berufliche Wiedereingliederungsmassnahmen als nicht
zielführend und schliesse diese ab. Sie habe die Rentenprüfung eingeleitet (IV-act. 204).
Mit Schreiben vom 2. Mai 2017 stellte der Beschwerdeführer hierauf bei der Vorinstanz
einen „2. Antrag auf eine beschwerdefähige IV-Verfügung“ (IV-act. 206), worauf die
Vorinstanz am 23. Mai 2017 eine leistungsabweisende Verfügung erliess (IV-act. 207).
I. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer am 16. Juni 2017
(Postaufgabe) erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit Vernehmlassung vom
10. August 2017 (act. 6) verlangte die Vorinstanz deren Abweisung. Am 20. August 2017
beantragte der Beschwerdeführer eine mündliche Verhandlung. Diese fand am
19. Dezember 2017 im Beisein beider Parteien statt. Anschliessend wurde die Sache in
Abwesenheit der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden. Die
Beschwerde wurde teilweise gutgeheissen und die Angelegenheit an die Vorinstanz
zurückgewiesen, damit diese nach ergänzenden medizinischen Abklärungen erneut über
den Rentenanspruch des Beschwerdeführers entscheide. Ausserdem wurde die Vorinstanz
aufgefordert, dem Beschwerdeführer geeignete berufliche Massnahmen zu gewähren.
Nachdem beide Parteien mit Schreiben vom 22. Dezember 2017 (act. 16) bzw. vom
10. Januar 2018 (act. 17) die Ausfertigung einer Urteilsbegründung verlangten, wird das
Urteil hiermit mit schriftlicher Begründung eröffnet.
J. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften und an der mündlichen Verhandlung wird,
soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
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Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31)
beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Da eine Verfügung der
Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden angefochten ist, ist die örtliche Zuständig-
keit gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG,
SR 831.20]).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des
Beschwerdeführers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die
Beschwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten, jedenfalls, insoweit der
Beschwerdeführer sinngemäss als Hauptantrag die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Zusprache von Invalidenversicherungsleistungen verlangt. Anlässlich
der mündlichen Verhandlung hat der Beschwerdeführer diese Rechtsbegehren bestätigt,
nämlich, dass er in erster Linie die Wiederaufnahme von beruflichen Massnahmen
wünscht; über die Rente sei zu entscheiden, nachdem der medizinische Sachverhalt
abschliessend geklärt sei, wobei er davon ausgehe, dass das SMAB-Gutachten die
medizinische Situation nicht korrekt wiedergebe. Einzelne vom Beschwerdeführer in seiner
Beschwerdeschrift gestellte zusätzliche Feststellungs- und Verrechnungsanträge (siehe
Ziff. 2, 5 und 6 der Rechtsbegehren) können dagegen nicht Streitgegenstand einer
Beschwerde in einer sozialversicherungsrechtlichen Angelegenheit ans Obergericht sein,
weshalb auf diese Anträge nicht einzutreten ist.
2. Materielles
2.1
a. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die
versicherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt
Seite 9
gemäss Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung oder Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
b. Die im IVG geregelten Leistungen der Invalidenversicherung sollen die Invalidität in
erster Linie mit geeigneten, einfachen und zweckmässigen Eingliederungsmassnahmen
verhindern, vermeiden oder beheben, und, insoweit dies nicht vollständig möglich ist, die
verbleibenden ökonomischen Folgen der Invalidität im Rahmen einer angemessenen
Deckung des Existenzbedarfs ausgleichen sowie zu einer eigenverantwortlichen und
selbstbestimmten Lebensführung der betroffenen Versicherten beitragen (Art. 1a IVG).
Unmittelbare Rechtsfolgen ergeben sich zwar aus dieser Zweckbestimmung nicht. Sie ist
aber bei der Auslegung der einzelnen Anspruchsnormen im Rahmen der systematischen
und teleologischen Auslegung mitzuberücksichtigen (MEIER/REICHMUTH, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, IVG, 3. Aufl. 2014, N 3 zu Art. 1a IVG).
2.2
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben bei Erfüllung der jeweiligen
Voraussetzungen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und
geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (Art. 8 Abs. 1 IVG). Solche
Eingliederungsmassnahmen bestehen insbesondere in Massnahmen beruflicher Art
(Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung,
Kapitalhilfe; Art. 8 Abs. 3 IVG).
a. Der Beschwerdeführer hatte im Jahr 2010 im Hinblick auf berufliche Massnahmen mit
der Vorinstanz Kontakt aufgenommen und ein Leistungsgesuch gestellt. In der Folge wurde
ihm als berufliche Massnahme die Kostengutsprache für die Umschulung zum Techniker
HF beim ZbW, Zentrum für berufliche Weiterbildung in St. Gallen, erteilt. Kurz nach Beginn
dieser Umschulung brach der Beschwerdeführer diese aus nicht invaliditätsbedingten,
persönlichen Gründen ab (vgl. Sachverhalt, lit. C). Als der Beschwerdeführer im Jahr 2014
dieselbe Umschulung zum zweiten Mal mit Unterstützung der Vorinstanz in Angriff nahm,
zeigte sich, dass die gesundheitliche Situation sich inzwischen verschlechtert hatte und
instabil war (IV-act. 110, 112, 117). Der Beschwerdeführer brach die Umschulung
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schliesslich erneut ab. Entgegen der von der Vorinstanz an Schranken vertretenen Ansicht
erfolgte dieser zweite Abbruch der beruflichen Massnahmen (auch gemäss damaligem
Vorbescheid vom 24. April 2014 [IV-act. 97] bzw. Verfügung vom 3. Juli 2014 [IV-act. 108])
nicht mehr (bzw. zumindest nicht mehr ausschliesslich) aus invaliditätsfremden Gründen:
b. Aus den von der Vorinstanz im Rahmen der Aktualisierung des medizinischen Dossiers
nach dem zweiten Umschulungsabbruch eingeholten Unterlagen ergibt sich mehrfach, dass
der Beschwerdeführer insbesondere Probleme damit hatte, längere Zeit sitzend zu
verbringen (Bericht Dr. B_ vom 20. Mai 2016, IV-act. 155 [schlecht ist langes
Sitzen];Bericht Dr. E_ vom 10. Februar 2016, IV-act. 145 [Sitzfähigkeit hat sich
tendenziell verschlechtert]; Austrittsbericht St. Katharinental vom 23. November 2015, IV-
act. 141 [Sitzen nur bis zwei Stunden möglich]; Bericht Dr. F_ und Dr. G_ vom 23. Juni
2015, IV-act. 130 [Umschulung abgebrochen, wegen Unfähigkeit, längere Zeit zu sitzen;
Sitzen für längere Zeit nicht möglich]; Bericht Dr. B_ vom 18. September 2014, IV-act.
117 [er kann nicht sitzen]).
c. Im RAD-Bericht vom 23. Dezember 2015 hatte Dr. D_ den Beschwerdeführer als
„klassischen Schmerzpatienten“ bezeichnet, ausserdem stehe „eine Rentenbegehrlichkeit
[...] im Raum“ (IV-act. 142). Wie sich aus den Ausführungen des Beschwerdeführers an
Schranken ergab, will der Beschwerdeführer insbesondere diese Aussage korrigieren. Es
gehe ihm nicht primär um eine Rente, es sei aber schlimm, dass sein Gesundheitszustand
von der Vorinstanz nicht richtig eingeschätzt werde. Es sei ihm weder möglich, vollzeitlich
zu arbeiten, noch könne er an einer Vollzeitumschulung zum Techniker FH teilnehmen. Er
sei auf ständige Wechselhaltung angewiesen, sonst habe er Blockaden im Rücken. Auf
Nachfrage des Vorsitzenden erklärte der Beschwerdeführer sein weiterhin vorhandenes
Interesse an einer Eingliederung, das sei sein primäres Anliegen. Die Vorinstanz aber sehe
seinen Gesundheitszustand als fixiert an und sage, es fehle ihm an Durchhaltewillen. Dabei
sei einfach die Schulfähigkeit für die Vollzeitausbildung nicht gegeben, weil er nicht so
lange sitzen könne.
d. Wie aufgezeigt ergibt sich aus den vorinstanzlichen Akten tatsächlich - unabhängig
davon, dass der Beschwerdeführer bzw. seine behandelnden Ärzte zusätzlich auch nicht
invaliditätsbedingte, persönliche Probleme erwähnten, die bei der Durchführung der
anfangs 2014 zum zweiten Mal begonnenen beruflichen Umschulungsmassnahme
erschwerend hinzukamen -, dass der zweite Abbruch der beruflichen Massnahmen im Jahr
2014 letztlich gesundheitlich bedingt war. Auch im RAD-Bericht vom 21. Januar 2015 (IV-
act. 122) ist ausdrücklich festgehalten, dass dem Beschwerdeführer weder angestammt
Seite 11
noch adaptiert eine wirtschaftlich verwertbare Leistung möglich sei und momentan keine
berufliche Eingliederungsfähigkeit vorliege.
e. Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit besteht grundsätzlich dann,
wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit
voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Invalid im Sinne
von Art. 17 IVG ist ein Versicherter gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung, wenn er
wegen der Art und Schwere des eingetretenen Gesundheitsschadens in den bisher
ausgeübten und in den für ihn ohne zusätzliche Berufsbildung offenstehenden noch
zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsein-
busse von mindestens 20% erleidet (Urteil des Bundesgerichts 8C_716/2016 vom
1. Februar 2017, E. 4.1.3). Für die Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit bzw. der daraus
resultierenden Erwerbseinbusse wird dabei auf die gesundheitlich bedingte Einschränkung
nicht nur in der bisherigen Tätigkeit, sondern auf dem gesamten in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt abgestellt. Im vorliegenden Fall ergibt der Vergleich des vom
Beschwerdeführer vor seinen gesundheitlichen Problemen verdienten Einkommens (vgl.
IV-act. 184) mit einem theoretisch angenommenen Invalideneinkommen basierend auf
einer Restarbeitsfähigkeit von 80% in einfachen Tätigkeiten gestützt auf die von der
Vorinstanz bei der Rentenberechnung verwendeten Zahlen der Lohnstrukturerhebung
2014, dass dem Beschwerdeführer ohne Umschulungs- oder Weiterbildungsmassnahmen
eine Erwerbseinbusse von mindestens 20% droht, weshalb die Vorinstanz zu Recht einen
Umschulungsanspruch des Beschwerdeführers bejaht hatte. Die im Rahmen der
beruflichen Eingliederungsbemühungen zu gewährenden Massnahmen erschöpfen sich
allerdings nicht einzig in einer Umschulung, auch eine Berufsberatung oder Arbeits-
vermittlung können der Eingliederung dienen.
f. Es steht fest, dass der Beschwerdeführer gegenüber der Vorinstanz wiederholt sein
Interesse an einer beruflichen Eingliederung bekundet hat (zuletzt an Schranken; vorher
insbesondere: Interessensbekundung zur Berufsberatung vom 3. April 2017, IV-act. 202;
Telefon vom 21. März 2017, IV-act. 195; Besprechungsprotokoll vom 21. März 2017, IV-act.
194; Schreiben vom 17. März 2017, IV-act. 192; Einsprache der procap vom 15. Februar
2017, IV-act. 190; Telefon an die Vorinstanz vom 7. Dezember 2016, IV-act. 181; Telefon
an die Vorinstanz vom 28. Juni 2016, IV-act. 161). Auch hatte der Beschwerdeführer seit
dem Abbruch der Umschulung zum Techniker FH wiederholt darauf hingewiesen, dass
anstelle der von ihm abgebrochenen Vollzeitausbildung eine alternative Umschulungs-
möglichkeit, welche trotz seinen gesundheitlichen Problemen bei zu langem Sitzen möglich
wäre, zu prüfen wäre (insbesondere IV-act. 195, IV-act. 192). Die vom behandelnden
Facharzt vorgeschlagene Einholung einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
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des weiterhin eingliederungswilligen Beschwerdeführers, um genauer herauszufinden,
welche Tätigkeiten ihm noch möglich wären (IV-act. 145, 154), wurde vom RAD im Bericht
vom 11. Juli 2016 jedoch als nicht zielführend bezeichnet (IV-act. 162). Ohne dass seitens
der Eingliederungsfachpersonen alternative Eingliederungsmöglichkeiten geprüft worden
wären, teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 20. April 2017 mit, sie gehe
aufgrund seines „sehr widersprüchlichen Verhaltens“ davon aus, dass er sich „subjektiv
nicht arbeitsfähig fühle“, weshalb weitere berufliche Massnahmen nicht zielführend seien
(IV-act. 204). Als der Beschwerdeführer hierauf eine beschwerdefähige Verfügung
verlangte (IV-act. 206), erging die im vorliegenden Verfahren angefochtene Verfügung, mit
welcher in erster Linie ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint und nur am
Rande der Abschluss der beruflichen Eingliederung erwähnt wurde (IV-act. 207).
g. Unter den aufgezeigten Umständen ist nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz die
beruflichen Massnahmen einstellte. Dass der Beschwerdeführer beim ersten Mal die
beruflichen Massnahmen aus rein persönlichen Gründen abgebrochen hatte, kann ihm
nicht vorgehalten werden, nachdem er in Rücksprache mit der Vorinstanz die Umschulung
später erneut in Angriff nahm und bei diesem zweiten Anlauf nun die gesundheitliche
Situation eine Durchführung der beruflichen Massnahme verunmöglichte. Offenbar ging die
Vorinstanz bisher davon aus, der Beschwerdeführer habe die Einstellung der beruflichen
Massnahmen selbst gewünscht, was sich unter anderem auch aus den entsprechenden
Ausführungen der Vorinstanz im Schreiben vom 21. März 2017 an die procap (IV-act. 193)
ergibt. Dies trifft so nicht zu. Der Beschwerdeführer hatte vielmehr betont, er wolle
unbedingt arbeiten, allerdings gehe weder das noch die beruflichen Massnahmen in einem
Vollzeitpensum (IV-act. 192). Es ergibt sich nicht aus den Akten, dass die Berufsberatung
der Vorinstanz je konkret geprüft hätte, ob die Umschulung zum Techniker FH tatsächlich
eine geeignete berufliche Massnahme darstellt oder nicht. Die Vorinstanz hatte offenbar
aus der Weigerung des Beschwerdeführers, die Vollzeitumschulung in der Form zu
absolvieren, wie sie ihm zugesagt worden war, geschlossen, er handle widersprüchlich,
wenn er gleichzeitig erkläre, an beruflicher Eingliederung interessiert zu sein. Der
Beschwerdeführer wehrte sich allerdings nicht gegen die Eingliederungsbemühungen an
sich, sondern gegen die konkrete Form der ihm gewährten beruflichen Massnahme, welche
er so (in einem Vollzeitpensum) aus gesundheitlichen Gründen nicht (mehr) absolvieren
könne. Dass eine Vollzeitumschulung zum Techniker FH wohl tatsächlich keine geeignete
berufliche Massnahme für den Beschwerdeführer darstellt, leuchtet ein, da diese mit länger
dauernder, einseitiger Sitzhaltung verbunden ist. Der mehrfach aus den Akten erkennbare
Eingliederungswille wurde vom Beschwerdeführer an Schranken erneut ausdrücklich
bestätigt. Unter diesen Umständen ist die Einstellung der beruflichen Massnahmen durch
die Vorinstanz mit der Begründung, der Beschwerdeführer fühle sich offenbar nicht
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arbeitsfähig (IV-act. 204), nicht nachvollziehbar und die Vorinstanz wird - wozu sie gemäss
Aussagen an Schranken auch bereit ist - aufgefordert, dem eingliederungswilligen
Beschwerdeführer erneut geeignete berufliche Massnahmen zu gewähren.
2.3
Die Vorinstanz führte an Schranken aus, sie stütze sich bei der Beurteilung des
Gesundheitszustands auf das SMAB-Gutachten (IV-act. 176) und demnach sei der
Beschwerdeführer zu 80% arbeitsfähig, was nicht nur für die Rentenprüfung, sondern auch
für die Beurteilung der Geeignetheit der beruflichen Massnahmen eine Rolle spiele. Die
Vorinstanz müsse sich bezüglich der Arbeitsfähigkeitseinschätzung auf die Angaben im
Gutachten stützen.
a. Die Vorinstanz hat in Rücksprache mit dem RAD den medizinischen Sachverhalt mittels
Einholung eines bidisziplinären Gutachtens abgeklärt und von der Einholung einer EFL
ausdrücklich abgesehen. Für eine valide Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeit
ist in manchen Fällen aber neben den medizinischen Befunden und Diagnosen auch eine
arbeitsorientierte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit wünschbar oder sogar
erforderlich. Selbstverständlich ist dies keineswegs in allen Fällen notwendig; gerade in den
Fällen, wo weder der behandelnde Arzt, noch einer der Gutachter eine entsprechende
Expertise empfiehlt, kann in der Regel von der Einholung einer EFL abgesehen werden
(Urteile des Bundesgerichts 8C_823/2009 vom 16. Februar 2010, E. 3.3; 8C_730/2010 vom
10. Dezember 2010, E. 2.3.1). Im vorliegenden Fall haben jedoch die behandelnden Ärzte
wiederholt die Einholung einer EFL empfohlen (vgl. IV-act. 145, IV-act. 154). Trotzdem
erachtete der RAD dies als nicht angezeigt (IV-act. 152, IV-act. 153). Wenn sich allerdings
die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine zuverlässige Einschätzung des
leistungsmässig Machbaren vorzunehmen, und deshalb eine konkrete leistungsorientierte
berufliche Abklärung als zweckmässigste Massnahme ausdrücklich empfehlen, ist ein EFL-
Testverfahren durchaus in Betracht zu ziehen (Urteile des Bundesgerichts 8C_299/2010
vom 23. Juli 2010, E. 4.1; 8C_976/2010 vom 23. Februar 2011, E. 5.5). Im vorliegenden
Fall, wo es um einen eingliederungswilligen Versicherten geht, kommt hinzu, dass auch die
Fachpersonen der Berufsberatung dem Beschwerdeführer gestützt auf eine konkrete
Abklärung, was dem Beschwerdeführer körperlich überhaupt möglich ist, besser die
passende Unterstützung und Beratung anbieten könnten.
b. Die SMAB-Gutachter beschreiben folgendes Belastungsprofil als für den
Beschwerdeführer adaptiert: „Körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastete
Tätigkeit ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule“ (S. 31 Gutachten); „Emotional
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belastende Tätigkeiten sind eher nicht geeignet“ (S. 45 Gutachten). Allein aus diesen
Beschreibungen einer adaptierten Tätigkeit ist es im konkreten Fall noch nicht
abschliessend möglich, zu beurteilen, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer weiterhin
zumutbar sind. Gerade die Frage, wie lange dem Beschwerdeführer allenfalls Sitzen ohne
ständige Wechselhaltung zugemutet werden kann, blieb im SMAB-Gutachten
unbeantwortet. Aus dem SMAB-Gutachten ist kein konkretes Belastungsprofil ersichtlich für
Tätigkeiten, die dem Beschwerdeführer im Rahmen der ihm attestierten Arbeitsfähigkeit
weiterhin zumutbar sind. Gerade bei Gesundheitsschäden im Bereich der Orthopädie und
Rheumatologie ist eine qualitative und quantitative Analyse der Funktionsstörung des
Bewegungsapparats und seiner Folgen für die versicherte Person von zentraler Bedeutung.
Letztlich ist die praktische Leistungsfähigkeit bzw. die Behinderung im täglichen Leben
entscheidend (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September
2015, E. 4.2.2). Die SMAB-Gutachter haben die adaptierte Tätigkeit sehr offen
umschrieben. Das ist verständlich, liegen bisher doch gar keine vertieften klinischen
Erhebungen in Bezug auf die funktionellen Einschränkungen vor. Die in physischer Hinsicht
beim Beschwerdeführer im Vordergrund stehenden Bereiche Wirbelsäule und Rumpf
werden im Gutachten auf S. 29 lediglich in einem kurzen Absatz abgehandelt, wobei die
Gutachterin zudem darauf hinweist, die Beweglichkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule sei
gar nicht exakt beurteilbar, da die Vorneigung des Oberkörpers mit muskulär versteifter
gerader Wirbelsäule erfolge (IV-act. 176, S. 29). Der Beschwerdeführer hat an Schranken
darauf hingewiesen, dass er in der Reha gelernt habe, sich so zu bewegen bzw. die Arbeit
rechtzeitig zu unterbrechen, damit keine neuen Blockaden auftreten würden. Dass der
Beschwerdeführer seine Wirbelsäule beim Untersuch durch die Gutachterin beim
Vorneigen versteift hat, ist nachvollziehbar und wohl gerade darauf zurückzuführen, dass
der Beschwerdeführer gelernt hat, seine Bewegungen so auszuführen, dass sie nicht zu
erneuten Blockaden führen. Wenn die Gutachterin nun aber einerseits ausführt, sie könne
die Beweglichkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule gar nicht exakt beurteilen, so ist
andererseits ihre Angabe, dem Beschwerdeführer seien leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten noch zumutbar, in dieser allgemeinen Form zu ungenau, um abschliessend
feststellen zu können, wie eine adaptierte Arbeit für den Beschwerdeführer konkret
aussehen würde. Auch unter diesem Aspekt erscheint daher die Einholung einer EFL im
vorliegenden Einzelfall nicht nur geeignet, sondern geradezu angezeigt, um den
medizinischen Sachverhalt abschliessend abzuklären. Erst in einem solchen
ergonomischen Assessment kann anhand von Arbeitssimulationstests (wie Heben und
Tragen, Arbeit über Kopfhöhe oder Leitersteigen) das arbeitsbezogene Leistungsvermögen
konkret beurteilt werden, was, wie bereits erwähnt, gerade auch im Hinblick auf die
Beurteilung der Geeignetheit von beruflichen Massnahmen entscheidend ist: Die EFL misst
die Fähigkeit eines Individuums, körperliche Tätigkeiten zu verrichten, und schätzt den
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Zeitraum, während dessen die Klientin oder der Klient diese im Verlaufe eines ganzen
Tages auszuüben imstande ist. Das umfassende Testverfahren ermöglicht zudem
relevante Aussagen zum Leistungsverhalten und zur Konsistenz der versicherten Person,
wobei gerade eine allfällig beobachtete Symptomausweitung und Selbstlimitierung im
Rahmen eines chronifizierten Zustandes für die Bewertung der Zumutbarkeit bedeutsam
sein kann. Neben der Momentaufnahme ist auch die zukünftige Entwicklungsperspektive -
sei dies hinsichtlich der medizinisch-prognostischen Faktoren oder in Bezug auf die
Abschätzung des Rehabilitationspotentials für arbeitsrelevante Verbesserungen - in der
Beurteilung zu berücksichtigen (vgl. zum Ganzen auch Urteil des Bundesgerichts
8C_547/2008 vom 16. Januar 2009, E. 4.2).
c. Das Vorgehen der Vorinstanz, den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
zunächst mittels Einholung eines bidisziplinären Gutachtens abzuklären, ist nicht falsch.
Zeigt sich allerdings nach Vorliegen des Gutachtens, dass daraus allein die Anforderungen
an eine dem Beschwerdeführer im konkreten Fall zumutbare Tätigkeit nicht mit genügender
Bestimmtheit abgeleitet werden können, so sind insbesondere in jenen Fällen, wo sich ein
Beschwerdeführer wiedereingliedern will, weitere Abklärungen angezeigt. Schliesslich
bildet auch bei der Rentenprüfung letztlich die Beurteilung des leistungsmässig noch
Machbaren die Grundlage für die Bestimmung des Invalideneinkommens, d.h. es ist unter
Berücksichtigung der körperlichen und mentalen Fähigkeiten sowie Behinderungen der
theoretische, maximal zumutbare Umfang einer Arbeit in Beachtung eines an die
Behinderung angepassten Anforderungsschemas zu prüfen. Eine EFL liefert hierfür
grundsätzlich die geeigneten Voraussetzungen, da sie - unter Kennzeichnung (bzw.
Ausklammerung) der auf selbstlimitierende Faktoren zurückzuführenden Einschränkungen -
nicht nur Angaben bezüglich des Behinderungsprofils liefert, sondern gestützt darauf auch
die zeitliche Zumutbarkeit nach klaren Kriterien festlegbar ist. Damit kann eine derartige
konkret leistungsorientierte, arbeitsmedizinisch-ergonomisch ausgerichtete Abklärung
durchaus auch Aussagekraft für die Schätzung der Restarbeitsfähigkeit haben, wobei in der
Regel eine Kombination einer EFL mit einem rheumatologisch-orthopädischen,
gegebenenfalls auch psychiatrischen Gutachten zu befürworten ist (vgl. dazu auch Urteil
des Bundesgerichts 8C_547/2008 vom 16. Januar 2009, E. 4.2.2.1).
d. Mit Blick darauf, dass die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische
Beurteilung der Frage bilden, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können, hätte es der Untersuchungsgrundsatz im vorliegenden Fall
schon im Verfahren vor der Vorinstanz geboten, die Frage nach den noch zumutbaren
Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren
Gesundheitsschädigung durch die Ärzte weiter abklären zu lassen. Im Fall des
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Beschwerdeführers drängt es sich auf, ganz konkret zu prüfen, welche Arbeiten er - unter
den ihm gegebenen Voraussetzungen, die notwendig sind, um erneute Blockaden zu
vermeiden - noch verrichten kann. Nachdem die orthopädische Gutachterin im SMAB-
Gutachten die Einholung einer EFL nicht selber als notwendig erachtet hatte, erscheint es
angezeigt, bei einer nicht vorbefassten Medizinialperson aus dem Fachbereich
Rheumatologie erneut eine Begutachtung samt Einholung einer EFL und entsprechender
Würdigung im Gutachten durchzuführen. Erst gestützt darauf kann eine verlässliche
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und des funktionellen Leistungsvermögens aus
somatischer Sicht ermittelt werden. Die Sache wird an die Vorinstanz zurückgewiesen,
damit sie dies nachhole (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_929/2014 vom 13. April
2015, E. 3.2 und 4.2).
e. Nach Vornahme dieser vertieften medizinischen Abklärungen wird es zudem angezeigt
sein, in Ergänzung zu den medizinischen Unterlagen für die Ermittlung des erwerblich
nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und
Berufsberatung einzuschalten (Urteil des Bundesgerichts 9C_650/2015 vom 11. August
2016, E. 5.4). Zwar obliegt die abschliessende Beurteilung der sich aus einem
Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit in der Hauptsache den
medizinischen Fachpersonen und nicht den Fachleuten der Berufsberatung bzw. der
beruflichen Eingliederung. Mit Blick auf die rechtsprechungsgemäss enge, sich gegenseitig
ergänzende Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung (vgl. auch
BGE 107 V 17, E. 2b) ist jedoch gerade in Fällen wie dem vorliegenden einer konkret
leistungsorientierten beruflichen Abklärung nicht jegliche Aussagekraft für die Beurteilung
der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen (Urteil des Bundesgerichts 9C_833/2007 vom 4. Juli
2008, E. 3.3.2).
Die Eingliederungsfachpersonen der Vorinstanz werden dem eingliederungswilligen
Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der Resultate aus den weiteren medizinischen
Abklärungen konkret für ihn geeignete berufliche Massnahmen anzubieten und die
Vorinstanz nach Abschluss der Eingliederungsbemühungen über seinen Rentenanspruch
neu zu verfügen haben.
3. Kosten und Entschädigung
3.1.
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Weil die
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Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen
rechtsprechungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_874/2014 vom 2. September 2015, E. 5; BGE 137 V 57, E. 2.1), sind dem
Verfahrensausgang entsprechend beim obsiegenden Beschwerdeführer keine Kosten zu
erheben (Art. 19 Abs. 3 e contrario i.V.m. Art. 53 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).
Die Gerichtskasse ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer den am 30. Juni 2017
einbezahlten Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 800.-- zurückzuerstatten.
3.2.
Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten; diese werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Im Übrigen ist die Bemessung der
Parteientschädigung dem kantonalen Recht überlassen, insoweit die im kantonalen Recht
festgelegten Kriterien nicht den bundesrechtlich festgelegten Bemessungselementen
zuwiderlaufen (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016, E.
3.1 und 9C_622/2013 vom 29. Januar 2014, E. 2; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
2015, N 212 zu Art. 61). Der Beschwerdeführer beziffert seine Auslagen nicht näher und
macht keinen konkreten Entschädigungsanspruch geltend. Im vorliegenden Fall ist der
Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten, so dass ihm diesbezüglich keine
Vertretungskosten entstanden sind. Für seine persönlichen Ausgaben im Zusammenhang
mit der Beschwerde (Allgemeine Auslagen für die Rechtsschriften wie Portokosten,
Fahrtkosten für Akteneinsicht und Teilnahme an mündlicher Verhandlung) erscheint es im
konkreten Fall angemessen, die Vorinstanz zu verpflichten, ihn mit Fr. 50.-- pauschal zu
entschädigen.
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