Decision ID: 8c2baa24-289f-5909-b774-50bd7f0c1e80
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente (Wiederanmeldung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Dezember 2002 zum Bezug von IV-Leistungen an und
beantragte berufliche Massnahmen sowie die Ausrichtung einer Rente (IV-act. 1). Im
Arztbericht vom 27. Februar 2003 diagnostizierte Dr. med. B._, Innere Medizin,
speziell Rheumatologie FMH, im Wesentlichen ein chronisches lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts sowie einen Status nach lumboradikulärem Reizsyndrom
rechts. Die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter sei dem Versicherten nicht mehr
zumutbar. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit – unter
Vermeidung von Lastenheben über 10kg sowie Vermeidung überwiegend sitzender
Arbeiten – bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 17/1-3).
A.b Mit Verfügung vom 21. Oktober 2003 lehnte die IV-Stelle aufgrund des von ihr
ermittelten Invaliditätsgrads von 23% einen Rentenanspruch des Versicherten ab (IV-
act. 25). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 20. November 2003 (IV-
act. 29) wies die IV-Stelle mit Einspracheentscheid vom 20. Januar 2004 ab (IV-act. 39).
A.c Im Juni 2006 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-Leistungen an
(IV-act. 44). Aufgrund eines Arztberichts von Dr. B._ vom 22. August 2006 (IV-act. 49)
empfahl der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung eine
bidisziplinäre (psychiatrisch/orthopädisch) Begutachtung (IV-act. 51). Im
entsprechenden Gutachten vom 13. Dezember 2007 (psychiatrisches Teilgutachten
vom 13. Dezember 2007; IV-act. 62) wurden degenerative Veränderungen im lumbalen
Bereich festgehalten. Die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung diagnostizierte
Dysthymie mit vorwiegend leichten depressiven Symptomen erfülle die Dauer und das
Ausmass einer depressiven Episode laut ICD-10 nicht. In der bisherigen Tätigkeit als
Maurer betrage die Arbeitsfähigkeit bei voller Stundenpräsenz ca. 30%. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit.
Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend
und stehend durchgeführt werden können ohne dass dabei regelmässig inklinierte oder
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reklinierte Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände über 10kg gehoben oder
getragen werden müssen, seien dem Versicherten bei voller Stundenpräsenz zu
mindestens 80% zumutbar (IV-act. 60).
A.d Mit Schreiben vom 28. Oktober 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
die Arbeitsvermittlung abgeschlossen sei (IV-act. 78).
A.e Im Vorbescheid vom 28. Oktober 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass er bei einem Invaliditätsgrad von 20% keinen Anspruch auf eine Rente
habe (IV-act. 80).
A.f Mit Verfügung vom 10. Dezember 2008 lehnte die IV-Stelle entsprechend dem
Vorbescheid den Anspruch auf eine Invalidenrente ab (IV-act. 81).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Daniel
Ehrenzeller, Teufen, im Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 4. Mai
2009 mit den Anträgen, die Verfügung vom 10. Dezember 2008 sei aufzuheben, dem
Beschwerdeführer sei mit Wirkung ab Juni 2005 mindestens eine halbe IV-Rente
zuzusprechen und eventualiter sei der Entscheid aufzuheben und im Sinn der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Der Beschwerdeführer habe
Ende Oktober 2008 einen Vorbescheid erhalten. Anlässlich der erstmaligen
Besprechung mit seinem Rechtsvertreter am 11. März 2009 habe er mitgeteilt, dass er
noch keine Verfügung erhalten habe. Am 18. März 2009 seien die angeforderten IV-
Akten eingegangen. In den Akten habe sich die Verfügung vom 10. Dezember 2008
befunden, welche dem Beschwerdeführer bis dato aber noch nicht zugestellt worden
sei. Der Eingang der Akten am 18. März 2009 sei deshalb als Zustelldatum der
angefochtenen Verfügung zu betrachten, wodurch die Beschwerdefrist eingehalten sei.
Die Arbeitsvermittlung sei mit dem Hinweis abgeschlossen worden, dass sich der
Beschwerdeführer subjektiv nicht in der Lage fühle zu arbeiten. Dies sei natürlich falsch
und würde nicht den Tatsachen entsprechen. Er habe aus eigener Initiative im Herbst
2008 eine 25% Stelle gefunden, welche ihm gefalle und er nicht aufgeben wolle. Es sei
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davon auszugehen, dass sich der rheumatologisch-neurologische Zustand in den
letzten 1 bis 1 1⁄2 Jahren erheblich verschlechtert habe, sodass mit Sicherheit keine
80%ige Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Beschäftigung mehr vorliegen würde. Es sei
deshalb eine weitere Begutachtung (rheumatologisch/neurologisch) durchzuführen, da
der bisherige orthopädische Bericht diesbezüglich nicht ausreiche und auch nicht
nachvollziehbar darlege, warum die Ausstrahlung ins rechte Bein nicht als glaubwürdig
betrachtet werden solle. Selbst wenn auf die 80%ige Arbeitsfähigkeit abgestellt würde,
ergäbe sich bei einem vorzunehmenden maximalen Abzug vom statistischen
Durchschnittslohn von 25% ein Anspruch auf eine Viertelsrente (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 2. Juli 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die Beschwerdefrist gegen
die Verfügung vom 10. Dezember 2008 sei längst abgelaufen. Die vorliegende
Beschwerde sei als Neuanmeldung zu behandeln. Auf die Beschwerde sei daher nicht
einzutreten. Selbst wenn darauf einzutreten wäre, müsste sie abgewiesen werden. Eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands nach dem 20. Januar 2004 sei nicht
ausgewiesen. In der Neuanmeldung vom 19. Juni 2006 mache der Beschwerdeführer
keine Verschlechterung nach diesem Zeitpunkt geltend, sondern dass er auf seinem
Beruf nicht mehr arbeiten könne und eine leichtere Arbeit brauche, jedoch nicht finde.
Die orthopädische Untersuchung im Mai 2007 und die psychiatrische Begutachtung im
September 2007 hätten keine Verschlechterung nach dem 20. Januar 2004 ergeben. In
einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80% (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 15. September 2009 hält der Beschwerdeführer an den gestellten
Anträgen unverändert fest. Als Ausgangspunkt für das Invalideneinkommen könne
auch der beim letzten Arbeitgeber (Juli bis September 2008) erzielte Lohn genommen
werden. Das verwendete Valideneinkommen sei an die Teuerung anzupassen und
betrage daher im Jahr 2008 Fr. 70'583.-- (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen:
1.
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1.1 Für den Zeitpunkt der Zustellung einer Verfügung trägt grundsätzlich die
Verwaltung die Beweislast. Wird die Tatsache oder das Datum der Zustellung einer
uneingeschriebenen Sendung bestritten, muss daher nach der Rechtsprechung im
Zweifel auf die Darstellung des Empfängers abgestellt werden (BGE 124 V 402 E. 2a
und 103 V 66 E. 2; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. September
2005, C 171/05 E. 4.2).
Rechtsprechungsgemäss genügt bezüglich Tatsachen, die für die Zustellung von
Verfügungen erheblich sind, der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(Urteil des EVG vom 16. September 2005, C 171/05 E. 4.2; m.w.H. Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., 2009, Rz 6 zu Art. 39). Es ist danach nicht der volle Beweis zu
verlangen, sondern das Gericht hat von allen möglichen Geschehensabläufen jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die als die wahrscheinlichste erscheint (Urteil des
EVG vom 31. August 2004, I 218/04 E. 5.1). Das Bundesgericht hat dies damit
begründet, dass es der Verwaltung bei Massenverfügungen nicht zumutbar sei, diese
stets eingeschrieben zu versenden; dies sei zudem auch für die Postbetriebe ein zu
grosser Aufwand (ZAK 1984 S. 124, E. 1b; vgl. auch BGE 121 V 5 E. 3b). Die
Verwaltung könne den erforderlichen Nachweis des Zustellzeitpunkts nicht lediglich mit
dem Hinweis auf den normalen organisatorischen Ablauf im Versand von Verfügungen
erbringen. Jedoch könne der Nachweis der Zustellung aufgrund von weiteren Indizien
oder gestützt auf die gesamten Umstände erbracht werden. So könne sich aus der
Zahlung einer Forderung, aus der mit der Verwaltung gewechselten Korrespondenz,
aus dem Verhalten der versicherten Person oder aus Zeugenaussagen ergeben, dass
und wann die Verfügung eröffnet worden sei (ZAK 1984 S. 124, E. 1b in fine; vgl. auch
die Urteile des EVG vom 29. August 2003, C 192/02 E. 2.1 und vom 31. August 2004,
I 218/04 E. 5.1).
1.2 Vorliegend ist bestritten, ob die Verfügung vom 10. Dezember 2008 dem
Beschwerdeführer zugestellt wurde, respektive ob diese in seinen Empfangsbereich
gelangt ist. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass ihm die Verfügung nie
zugestellt worden sei. Erst nach Erhalt der IV-Akten am 18. März 2009 habe sich
gezeigt, dass sich die Verfügung vom 10. Dezember 2008 in den Unterlagen befinde.
Mit Schreiben vom 19. Mai 2009 ersuchte das Versicherungsgericht des Kantons St.
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Gallen die Beschwerdegegnerin, sich zur Rechtzeitigkeit der Beschwerde vernehmen
zu lassen (act. G 3). In der Beschwerdeantwort führte sie dazu aus, dass der
Beschwerdeführer auf den Vorbescheid nicht reagiert habe, obwohl ihm und seiner
Ehefrau die IV-Abläufe seit Jahren bekannt seien. Mangels Stellungnahme sei die
abweisende Verfügung am 10. Dezember 2008 verschickt worden. Anlässlich der
MEDAS-Begutachtung der Ehefrau des Beschwerdeführers im Januar 2009 habe diese
mitgeteilt, dass ihr Ehemann seit Jahren keine Stelle finde, jedoch gesund sei. Die
Beschwerdefrist gegen die Verfügung vom 10. Dezember 2008 sei längst abgelaufen.
1.3 Durch ihre Ausführungen vermag die Beschwerdegegnerin nicht nachzuweisen,
dass die Verfügung vom 10. Dezember 2008 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
dem Beschwerdeführer zugestellt wurde. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer
und seine Ehefrau die IV-Abläufe kennen würden, sowie die Aussage der Ehefrau
anlässlich der MEDAS-Begutachtung, sind für die vorliegend zu beurteilende Frage der
Zustellung der angefochtenen Verfügung nicht aussagekräftig. Es ist daher auf die
Sachverhaltsschilderung des Beschwerdeführers abzustellen, wonach ihm die
Verfügung vom 10. Dezember 2008 nicht zugestellt wurde. Dem Beschwerdeführer
wurde somit die Verfügung über seinen Rechtsvertreter erst im Zeitpunkt der
Zustellung der IV-Akten am 18. März 2009 eröffnet, weshalb die Beschwerdefrist in
diesem Zeitpunkt ausgelöst wurde. Unter Berücksichtigung des Fristenstillstands vor
und nach Ostern (Art. 38 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) erfolgte die Beschwerde vom 4. Mai 2009
innert der 30-tägigen Beschwerdefrist, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des ATSG in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 10.
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Dezember 2008 ergangen (am 18. März 2009 dem Beschwerdeführer eröffnet), wobei
ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten
Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und
aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht
rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen
Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen
und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur
4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006,
I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine
materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der
Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende
2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die seit
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG, IVG und IVV wiedergegeben.
3.
3.1 Gegenstand der angefochtenen Verfügung ist einzig die Ablehnung eines
Rentenanspruchs des Beschwerdeführers. Anfechtungsgegenstand des vorliegenden
Verfahrens kann somit grundsätzlich ebenfalls nur der Anspruch auf Rentenleistungen
sein (BGE 131 V 164 E. 2.1). Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers bezüglich
Arbeitsvermittlung ist daher nicht weiter einzugehen. Streitig und im vorliegenden
Verfahren zu überprüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht abgelehnt hat.
3.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
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Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.3 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 IVG geben bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
3.4 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, wird
eine neue Anmeldung nach Art. 87 Abs. 4 IVV nur geprüft, wenn die Voraussetzungen
gemäss Abs. 3 erfüllt sind. Danach ist von der versicherten Person im Gesuch
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung
in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten sein könnte, beurteilt
sich durch den Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ersten
Ablehnungsverfügung (bzw. bei mehreren Ablehnungen seit der letzten unangefochten
gebliebenen Ablehnung des Leistungsgesuchs) bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit
der streitigen neuen Verfügung (BGE 130 V 73 E. 3.1). Tritt die Verwaltung nach
geglückter Glaubhaftmachung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache
materiell abzuklären und zu prüfen, ob nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität
zu bejahen sei (Urteil des EVG vom 20. April 2005, I 797/2004 E. 1.2).
3.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
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Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
4.
4.1 Zu prüfen ist vorab, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt. In medizinischer
Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin auf das Gutachten von Dr. med. C._,
Spezialarzt Orthopädie FMH, vom 13. Dezember 2007 (orthopädische Begutachtung
vom 25. Mai 2007 und psychiatrische Begutachtung durch Dr. D._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 12. September 2007). Der Beschwerdeführer ist hingegen
der Ansicht, dass auf das Gutachten vom 13. Dezember 2007 nicht abgestellt werden
könne.
4.2 Konkret bringt er gegen das Gutachten vor, dass sich der Gesundheitszustand in
den letzten 1 bis 1 1⁄2 Jahren erheblich verschlechtert habe, sodass mit Sicherheit keine
80%ige Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Beschäftigung mehr vorliege. Das
orthopädische Gutachten von Dr. C._ sei für die Beurteilung des
Gesundheitszustands nicht ausreichend. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar,
warum die Ausstrahlungen ins rechte Bein nicht als glaubwürdig betrachtet werden
sollten, da diese nicht unbedingt von L5 stammen müssten. Es sei daher eine neue
Begutachtung durchzuführen, welche sich insbesondere mit rheumatologischen und
neurologischen Fragen beschäftige. Allerdings sei auch ein neues orthopädisches
Gutachten einzuholen, da sich das bisherige Gutachten einzig auf die Aussagen
beschränke, dass die lumbalen Schmerzen und die abnormen Untersuchungsbefunde
der LWS mit den im MRI dargestellten degenerativen Veränderungen grösstenteils
vereinbar seien, die Prognose wegen des mehretagigen Befalls ungünstig sei und im
Weiteren die Schmerzausstrahlung in den rechten Oberschenkel nicht dem Dermatom
der Nervenwurzel L5 entspreche und die Hyposensibilität des gesamten rechten
Beines bei fehlender Neurokompression der entsprechenden Segmente nicht
nachvollzogen werden könne. Es seien allerdings weder die lumbalen Schmerzen noch
die Ausstrahlungen oder die Hyposensibilität des rechten Beines bestritten, was darauf
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hinweise, dass die Begutachtung vom 13. Dezember 2007 selbst in orthopädischer
Hinsicht nicht schlüssig sei. Bei den zu tätigenden weiteren Abklärungen stehe ein
funktionelles MRI im Vordergrund. Das MRI vom 31. Mai 2007 sei in der klassischen,
liegenden Form erstellt worden. In stehender und sitzender Position würden sich ganz
andere Veränderungen ergeben, wodurch sowohl die Ausstrahlungen wie auch die
Hyposensibilität nachvollzogen werden könnten.
4.3 Den medizinischen Akten ist keine Verschlechterung des Gesundheitszustands
seit dem Einspracheentscheid vom 20. Januar 2004 zu entnehmen. Es handelt sich
beim Vorbringen des Beschwerdeführers offenbar um eine subjektive Einschätzung,
wobei keine konkreten Angaben vorliegen, inwiefern sich der Gesundheitszustand
verschlechtert hätte. Der Beschwerdeführer erwähnt lediglich pauschal eine
Verschlechterung des rheumatologisch-neurologischen Zustands und beantragt eine
entsprechende Begutachtung. Diesbezüglich führt der RAD in seiner Stellungnahme
vom 9. Juni 2009 nachvollziehbar aus, dass aufgrund der vorliegenden medizinischen
Aktenlage keine weitere neurologische Abklärung angezeigt sei (IV-act. 88). Bereits Dr.
B._ wies in seinem Bericht vom 22. August 2006 darauf hin, dass sich aus
rheumatologischer Sicht keine neuen Gesichtspunkte ergeben würden. Eine
Veränderung sah er in der psychischen Verfassung des Beschwerdeführers (IV-act. 49).
In der Folge empfahl der RAD eine bidisziplinäre Begutachtung, die durch Dr. C._ in
somatischer Hinsicht und durch Dr. D._ in psychischer Hinsicht fachärztlich
durchgeführt wurden (IV-act. 51, 60, 62). In der bereits angeführten Stellungnahme vom
9. Juni 2009 führte der RAD plausibel aus, dass die Beurteilung im Gutachten vom 13.
Dezember 2007, wonach die vom Beschwerdeführer angegebene
Schmerzausstrahlung in den rechten Oberschenkel nicht dem Dermatom der
Nervenwurzel L5 entspreche (was bei der diagnostizierten leichten Spinalkanalenge L5
zu erwarten wäre) und auch die angegebene Hyposensibilität im gesamten rechten
Bein bei fehlender Neurokompression der entsprechenden Segmente nicht
nachvollzogen werden könne, aus medizinischer Sicht schlüssig sei. Auf diese
Begründung kann vorliegend abgestellt werden, zumal die vom Beschwerdeführer
diesbezüglich geltend gemachten Einwände medizinisch nicht belegt sind und somit
nicht geeignet sind, Zweifel am Gutachten vom 13. Dezember 2007 aufkommen zu
lassen. Auch die bildgebenden Abklärungen anlässlich der Untersuchung vom 25. Mai
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2007 sind nicht zu beanstanden, zumal zusätzlich Funktionsaufnahmen der LWS in
maximaler Inklination und Reklination durchgeführt wurden.
4.4 Insgesamt vermögen die Einwände des Beschwerdeführers gegen das Gutachten
vom 13. Dezember 2007 dessen Beweiswert nicht zu erschüttern. Das Gutachten
beruht auf ausreichenden eigenständigen interdisziplinären Abklärungen (orthopädisch/
psychiatrisch) und ist daher für die streitigen Belange umfassend. Die Erkenntnisse des
psychiatrischen Teilgutachtens (keine Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit; IV-act. 62/8) wurden hinreichend in das Gesamtgutachten integriert.
Sodann stützt es sich auf sämtliche vorhandenen Vorakten und die geklagten
Beschwerden des Beschwerdeführers wurden berücksichtigt. Das Gutachten leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Obwohl die Beurteilung im Gutachten vom 13. Dezember
2007 relativ knapp ausgefallen ist, wurden die gesundheitlichen Beschwerden und
deren Auswirkungen im Kontext des gesamten Gutachtens nachvollziehbar dargelegt.
Insbesondere gilt es zu beachten, dass es bezüglich der gesamten medizinischen
Aktenlage zu keinen grösseren Abweichungen in Bezug auf die Restarbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers gekommen ist. Im Bericht vom 22. August 2006 ging Dr. B._
aus somatischer Sicht für eine angepasste Tätigkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit
aus (IV-act. 49). Unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Aktenlage
vermag somit auch die eher kurze Begründung im Gutachten vom 13. Dezember 2007
zu überzeugen, insbesondere die darin enthaltene 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer dem
Leiden angepassten Tätigkeit.
4.5 Dem Eventualantrag des Beschwerdeführers, es seien weitere medizinische
Begutachtungen durchzuführen, kann somit nicht stattgegeben werden. Im Sinn der
obigen Erwägungen sind von weiteren medizinischen Abklärungen keine neuen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 162 E. 1d).
5.
5.1 Ausgehend von einer Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 80%
bleiben noch die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen.
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Für die Ermittlung des Validen- und Invalideneinkommens ist auf den Zeitpunkt des
möglichen Rentenbeginns abzustellen, weshalb die Einkommen für das Jahr 2006 zu
ermitteln sind.
5.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des EVG vom 16. Mai 2001, I 42/01 E. 3a, mit
Hinweisen). Diese Praxis wird mit der empirischen Feststellung begründet, dass die
bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel weitergeführt worden wäre (Urteil
des EVG vom 29. August 2002, I 97/00 E. 1.2). Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen,
in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 76 f. E. 3b/aa und
bb, mit Hinweisen).
5.3 Für das Valideneinkommen ist demnach auf das vom Beschwerdeführer im Jahr
2002 zuletzt erzielte Einkommen als Walzenführer/Maschinist bei der E._ abzustellen.
Dabei erzielte der Beschwerdeführer – aufgerechnet auf ein Jahr – ein Einkommen von
Fr. 66'300.-- (Fr. 5'100.-- x 13; IV-act. 9). Angepasst an die Nominallohnentwicklung
(2002: Index 1933, 2006: Index 2014; vgl. Bundesamt für Statistik, Entwicklung der
Nominallöhne, Tabelle T1.39) resultiert für das Jahr 2006 somit ein Valideneinkommen
von Fr. 69'078.--.
5.4 Das Invalideneinkommen ist vorliegend anhand der Tabellenlöhne der LSE zu
ermitteln. Auf den bei der Unternehmung F._ von Juli bis September 2008 erzielten
Lohn kann nicht abgestellt werden (vgl. IV-act. 73 und 82), da offensichtlich nicht von
einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden kann (vgl. BGE 117 V
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18 E. 2c/aa). Dem Beschwerdeführer ist aufgrund seiner Einschränkungen nur noch
eine leichte, wechselbelastende Arbeit zumutbar, weshalb die LSE-Tabelle TA1,
Privater Sektor, Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten)
anzuwenden ist. Im Jahr 2006 lag der Durchschnittslohn für einen Mann bei einer
wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden bei Fr. 4'732.--. Aufgerechnet auf die 2006
vorherrschende durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden ergibt
sich bei einem 80% Pensum ein Jahreseinkommen und somit ein Invalideneinkommen
– ohne Abzug – von Fr. 47'358.--.
5.5 Zu beurteilen bleibt die Frage, in welchem Umfang ein sogenannter Leidensabzug
auf dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist. Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412
E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Dabei
handelt es sich um einen allgemeinen behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78
E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen – auch von invaliditätsfremden Faktoren – des konkreten Einzelfalles ab
(namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische Vornahme des Leidensabzuges ist
unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481
E. 4.2.3 mit Hinweisen).
5.6 Angesichts dessen, dass für eine angepasste Tätigkeit verhältnismässig keine
weitgehenden Einschränkungen bestehen und der Beschwerdeführer über eine hohe
Restarbeitsfähigkeit (mindestens 80%; vgl. IV-act. 60/6 C.3) verfügt, erscheint aufgrund
des Alters des Beschwerdeführers sowie der übrigen Umstände ein Abzug von
höchstens 10% als angemessen. Das Invalideneinkommen beläuft sich demnach auf
Fr. 42'622.--.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
5.7 Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens ergibt
sich somit ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 38%. Die
Beschwerdegegnerin hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
somit im Ergebnis zu Recht verneint.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Dezember 2008
abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran
anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP