Decision ID: 98a2a6e1-1844-5548-a8b6-b48932073e9a
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Erstmals mit Gesuch vom 4. August 2012 beantragte die A._ GmbH zusammen mit dem Verein B._ beim Amt für Kultur (AK) der Erziehungsdirektion des Kantons Bern (ERZ) einen Förderbeitrag von Fr. 30'000.-- an die Drehbuchentwicklung des Filmprojekts «C._». Nach Prüfung durch die Filmkommission «lehnte» das AK das Gesuch am 24. September 2012 wegen mangelnden Bezugs zum Kanton Bern «ab».
B.
Am 18. Februar 2014 ersuchten die A._ GmbH und der Verein B._ das AK erneut um einen Förderbeitrag an die Drehbuchentwicklung des Filmprojekts «C._». Mit Schreiben vom 8. April 2014 teilte das AK der A._ GmbH mit, dass auch das zweite Gesuch nach Prüfung durch die Filmkommission «abgelehnt» werde. Auf Ersuchen der A._ GmbH bestätigte die ERZ am 10. Juni 2014 die «Ablehnung» des Gesuchs in Form einer anfechtbaren Verfügung.
C.
Gegen die Verfügung der ERZ hat die A._ GmbH am 10. Juli 2014 Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben und sinngemäss das Begehren gestellt, die Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr der nachgesuchte Förderbeitrag zuzusprechen.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.02.2015, Nr. 100.2014.194U, Seite 3

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 39 Abs. 1 des Kantonalen Kulturförderungsgesetzes vom 12. Juni 2012 [KKFG; BSG 423.1]). Die ERZ hat in der angefochtenen Verfügung dargelegt, dass die Voraussetzungen für eine erneute Beurteilung des gleichen Projekts nicht erfüllt seien. Insofern ist sie sinngemäss auf das zweite Gesuch nicht eingetreten (vgl. E. 2 ). Die Beschwerdebefugnis für das verwaltungsgerichtliche Verfahren ergibt sich mithin unmittelbar aus dieser prozessualen Verfügung (vgl. BVR 2006 S. 481 E. 1.2; zuletzt VGE 2014/164 vom 19.8.2014, E. 1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 79 N. 3, Art. 65 N. 6). Die A._ GmbH ist im Übrigen zur alleinigen Beschwerdeführung befugt. Namentlich ist nicht von Belang, wie sich ihre Zusammenarbeit mit dem Verein B._ im Einzelnen gestaltet, zumal es sich um je eigenständige juristische Personen handelt und jedenfalls keine notwendige Streitgenossenschaft vorliegt (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 13 N. 4). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten (vgl. jedoch E. 2.5).
1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).
1.3 Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide behandeln die Mitglieder des Verwaltungsgerichts als Einzelrichterin oder Einzelrichter (Art. 57 Abs. 2 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2.
Die Beschwerdeführerin hat innerhalb von rund eineinhalb Jahren zweimal beim AK um einen Beitrag aus dem Kulturförderungsfonds an die Entwicklung des Drehbuchs
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.02.2015, Nr. 100.2014.194U, Seite 4
für das Filmprojekt «C._» ersucht. Beide Gesuche sind abschlägig behandelt worden.
2.1 Der Kanton hat zur Erfüllung seines verfassungsmässigen Auftrags der Kulturförderung (Art. 48 der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]) einen Fonds errichtet, der aus Lotteriegeldern sowie allgemeinen Staatsmitteln geäufnet wird (Art. 34 Abs. 2 KKFG; Art. 45 Abs. 2 des Lotteriegesetzes vom 4. Mai 1993 [LotG; BSG 935.52]). Der Kulturförderungsfonds wird von der ERZ geführt (Art. 34 Abs. 1 KKFG). Diese bzw. das AK oder dessen zuständige Abteilung beschliessen je im Rahmen ihrer Finanzkompetenz über die Gewährung von Beiträgen und die Ablehnung von Beitragsgesuchen (Art. 16 Abs. 1, 2 und 4 der Kantonalen  vom 13. November 2013 [KKFV; BSG 423.411.1]; Art. 36 Abs. 1 KKFG). Die Mittel des Kulturförderungsfonds werden für Beiträge und andere Massnahmen nach dem KKFG verwendet (Art. 34 Abs. 4 KKFG; Art. 15 Abs. 1 KKFV). Beiträge werden namentlich zur Förderung von Projekten und Kulturschaffenden im Bereich Film ausgerichtet (Art. 5 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 12 Abs. 1 Bst. a und b KKFG). Zentrale und für alle Förderbereiche geltende Beitragsvoraussetzung ist ein klarer Bezug des kulturellen Wirkens zum Kanton Bern (sog. «Bernbezug»; Art. 7 Abs. 1 KKFG; vgl. auch Vortrag des Regierungsrats zum KKFG, in Tagblatt des Grossen Rates 2012, Beilage 8, S. 6). Bei der Förderung von Filmprojekten unterscheidet die Praxis zwischen der Projektentwicklung bzw. Drehbuchförderung einerseits und der Produktionsförderung bzw. Herstellungsbeiträgen andererseits. An die Drehbuchentwicklung werden Beiträge bis zu 60 % der anerkannten Kosten, jedoch höchstens Fr. 30'000.-- gesprochen (vgl. Bst. B Ziff. 1a und 1b der Richtlinien der Berner Filmförderung vom 7.3.2014 [gültig ab 1.1.2011], einsehbar unter <http://www.befilm.erz.be.ch>, Rubrik «Grundsätzliches zur Gesuchseingabe» [nachfolgend: Richtlinien Filmförderung]; Art. 2 KKFV).
2.2 Das erste Gesuch wurde wegen mangelnden Bernbezugs «abgelehnt». Das AK wies in seinem Antwortschreiben vom 24. September 2012 darauf hin, dass praxisgemäss im Bereich der Drehbuchförderung Projekte von professionellen Filmautorinnen und Filmautoren unterstützt würden, die seit mindestens zwei Jahren ihren gesetzlichen Wohnsitz im Kanton Bern haben und die Berner Filmkultur massgeblich mitprägten. Drehbuchautor D._, Geschäftsführer der A._ GmbH und Präsident des Vereins B._, erfülle diese Beitragsvoraussetzung nicht, da er seit Jahren in Zürich lebe und arbeite (vgl. vorne Bst. A; Vorakten ERZ,
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.02.2015, Nr. 100.2014.194U, Seite 5
Register 14). Auch das Dispositiv der Verfügung vom 10. Juni 2014 lautet auf «Ablehnung» des (zweiten) Gesuchs (vgl. vorne Bst. B). Zur Begründung führte die ERZ im Wesentlichen aus, dieses sei «quasi unverändert» eingereicht worden. Zwar werde neu der Berner Autor E._ als Koautor erwähnt. Der Inhalt des Filmprojekts habe sich jedoch nicht verändert. Es werde weder erklärt, weshalb sich E._ neu an der Drehbuchentwicklung beteilige noch enthalte das Gesuch Ausführungen zu dessen Umsetzungsideen und Motivation. Ausserdem fehle es an einem separaten Bericht über die vorgenommenen Änderungen, wie dies die Richtlinien Filmförderung bei einer erneuten Gesuchseinreichung verlangten. Das Kriterium des Bernbezugs sei daher nach wie vor nicht erfüllt (vgl. angefochtene Verfügung, S. 1 f.; vgl. auch Beschwerdeantwort, S. 2 f.).
2.3 Wird gegen einen Verwaltungsakt kein (ordentliches) Rechtsmittel ergriffen, wird er rechtsbeständig bzw. erwächst in formelle Rechtskraft. Mit deren Eintritt wird der Verwaltungsakt in der Regel zugleich materiell rechtskräftig, d.h. grundsätzlich unabänderlich und verbindlich. Die Bindungswirkung gilt sowohl für die Behörde als auch für die übrigen Beteiligten; es ist ihnen regelmässig verwehrt, die beurteilte Sache wieder aufzurollen (sog. res iudicata; vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 56 N. 1). Die Bindungswirkungen bestehen in persönlicher, sachlicher und zeitlicher . In persönlicher Hinsicht erstreckt sich die Bindung an die rechtskräftige Entscheidung auf die Parteien des früheren Verfahrens, in sachlicher Hinsicht beschränkt sie sich auf den beurteilten Streitgegenstand (BGE 140 III 278 E. 3.3, 139 II 404 E. 8.2, 139 III 126 E. 3.1). In zeitlicher Hinsicht ist die Tatsachen- und Rechtslage massgebend, welche die urteilende Instanz ihrem Entscheid zugrunde gelegt hat (vgl. BGer 2C_723/2013 vom 1.12.2014, E. 3.2.1 mit Verweis auf Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 323). Die Bindungswirkungen schliessen aus, dass über den nämlichen Verfügungs- oder Streitgegenstand überhaupt nochmals entschieden oder jedenfalls, dass abweichend von der früheren Beurteilung befunden wird. Die materielle Rechtskraftwirkung von Verfügungen wird allerdings durch verschiedene Rückkommensmöglichkeiten relativiert, weshalb es sich rechtfertigt, statt von materieller Rechtskraft von der Rechtsbeständigkeit von Verwaltungsverfügungen zu sprechen (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 56 N. 1; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 31 N. 8 f.; Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, N. 665; grundlegend Fritz Gygi, Zur Rechtsbeständigkeit von Verwaltungsverfügungen, in ZBl 1982 S. 149 ff., insbes. 152). Die Rechtsbeständigkeit
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einer Verfügung schliesst nicht aus, dass aufgrund veränderter Sachumstände oder einer veränderten Rechtslage um Durchführung eines neuen Gesuchsverfahrens  wird (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 56 N. 4; BVR 1993 S. 244 E. 2a; vgl. zum Ganzen BVR 2002 S. 464 E. 2b). Nach der bundesgerichtlichen Praxis zu Art. 29 der Bundesverfassung (BV; SR 101) ist eine Verwaltungsbehörde verpflichtet, auf ein neues Gesuch einzutreten und dieses materiell zu prüfen, wenn dargelegt wird, dass sich die Umstände seit dem ersten Entscheid wesentlich geändert haben (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1, 124 II 1 E. 3a; VGE 2013/349 vom 2.4.2014, E. 3.1; Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N. 735).
2.4 In den Richtlinien Filmförderung wird näher ausgeführt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit nach einem abschlägigen Bescheid, ein Projekt nochmals beurteilt wird. Die entsprechende Regelung lautet soweit hier interessierend wie folgt:
«[...]
A. Allgemeine Bestimmungen [...] 2. Zulassungskriterien [...] b) Gesuchseinreichung [...] Ein Beitragsgesuch kann grundsätzlich nur einmal eingereicht werden. Wurde ein bereits früher geprüftes Projekt inzwischen grundlegend überarbeitet, so kann es ein zweites und letztes Mal eingereicht werden, wobei die getätigten Veränderungen in einem besonderen Bericht ausführlich dargelegt werden müssen. Es obliegt der Berner Filmförderung zu entscheiden, ob die Voraussetzungen für eine erneute Prüfung des Projekts durch die Filmkommission gegeben sind oder ob das Gesuch zurückgewiesen werden muss. Gegebenenfalls kann die Berner Filmförderung weitere Unterlagen und ergänzende Berichte einfordern.
[...]»
2.5 Die ERZ hat bei ihrer «Ablehnung» ausdrücklich auf diese  verwiesen und ist zum Schluss gekommen, dass das Projekt weder «grundlegend überarbeitet» worden sei noch ein «besonderer Bericht» zu den getätigten Veränderungen vorliege (vgl. vorne E. 2.2). Ebenso haben die Filmkommission und das AK – auf deren Einschätzung sich die ERZ stützt – festgestellt, dass das Projekt bereits einmal eingereicht worden sei und das zweite Gesuch «gleich [wirke] wie die Ersteingabe» (vgl. «Evaluation Gesuche» und Schreiben vom 8.4.2014, in Vorakten ERZ, Register 9 bzw. 8). Die angefochtene Verfügung beruht mithin auf der Überlegung, dass in Bezug auf den
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Gesuchsgegenstand eine res iudicata vorliege und darauf nicht eingetreten werden könne. Daran ändert nichts, dass im Dispositiv der angefochtenen Verfügung von «Ablehnung» die Rede ist und sich die ERZ am Rande auch zur Qualität des Projekts äussert. Zu prüfen ist daher, ob die Vorinstanz zu Recht auf das zweite Gesuch nicht eingetreten ist. Soweit die Beschwerdeführerin hingegen eine materielle Behandlung ihres Beitragsgesuchs beantragt, ist darauf – weil ausserhalb des Streitgegenstands liegend – nicht einzutreten.
3.
Es fragt sich zunächst, ob das Schreiben des AK vom 24. September 2012 eine Verfügung darstellt. Nur wenn diese Frage bejaht werden kann, liegt ein Verwaltungsakt vor, welcher der Beschwerdeführerin als res iudicata entgegengehalten werden kann.
3.1 Nach dem auch für das VRPG massgeblichen allgemeinen materiellen Verfügungsbegriff sind Verfügungen im Wesentlichen behördliche Einzelfallanordnungen, die sich auf öffentliches Recht (des Kantons) stützen und Rechtswirkungen erzeugen (vgl. BGE 135 II 328 E. 2.1; BVR 2013 S. 301 E. 1.2, 2010 S. 557 E. 2.2, je mit weiteren Hinweisen; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 8). In welche äussere Form eine Anordnung gekleidet und wie sie bezeichnet wird, spielt für ihre Qualifikation als Verfügung keine Rolle. Auch ein in Briefform gefasstes Schreiben kann eine Verfügung darstellen. Unerheblich für die Qualifikation ist ferner, ob eine schriftliche behördliche Äusserung alle Elemente einer Verfügung gemäss Art. 52 Abs. 1 VRPG erfüllt oder ob einzelne davon fehlen (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 9). Das Nichtbeachten von Formvorschriften seitens der verfügenden Behörde darf jedoch den Betroffenen nicht schaden. Schwergewichtige Formfehler können die Nichtigkeit der Verfügung zur Folge haben (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 9 und Art. 52 N. 1 ff.; zum Ganzen BVR 2011 S. 564 E. 2.3.1; vgl. auch Art. 44 Abs. 6 VRPG).