Decision ID: 240e3f95-86b7-4c31-8375-3884468e5946
Year: 2001
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Die Eheleute A wurden für die Steuerjahre 1992 bis 1997 wie folgt eingeschätzt:
Steuerjahr Reineinkommen Reinvermögen 1992 Fr. 102'400.- Fr. 608'000.- 1993 Fr. 94'700.- Fr. 1'188'000.- 1994 Fr. 70'200.- Fr. 1'304'000.- 1995 Fr. 82'500.- Fr. 1'118'000.- 1996 Fr. 55'400.- Fr. 1'186'000.- 1997 Fr. 103'000.- Fr. 1'630'000.-
Diese Einschätzungen erwuchsen in Rechtskraft.
Am 3. Dezember 1999 eröffnete der zuständige Steuerkommissär der Abteilung Spezialdienste ein Nach‐ und Steuerstrafverfahren gegen die Eheleute A für die Steuerjahre 1992 bis und mit 1997 gestützt auf eine Selbstanzeige und den Verdacht, dass sie Erträge aus ihren Anlagen in "Portfolio X Management" nicht deklariert hatten.
II. Am 21. August 2000 verfügte das Kantonale Steueramt eine Nachsteuer von Fr. 40'578.80. Gleichzeitig sprach es (sinngemäss) A.1 der vorsätzlichen Steuerhinterziehung schuldig und bestrafte ihn mit einer Busse von Fr. 12'312.10.
Die hiergegen erhobene Einsprache wies das Kantonale Steueramt, Abteilung Spezialdienste, hinsichtlich der Nachsteuer am 23. November 2000 ab.
III. Gegen diese Verfügung liessen die Eheleute A am 20. Dezember 2000 Rekurs beim Verwaltungsgericht erheben und stellten den Hauptantrag, die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei mangels der dafür erforderlichen gesetzlichen Voraussetzungen die verfügte Nachsteuer und dementsprechend die auferlegte Busse aufzuheben, allenfalls sei das Steuerstrafverfahren bis zur rechtskräftigen Erledigung des Nachsteuerverfahrens zu sistieren. Ausserdem verlangten sie die Zusprechung einer angemessenen Parteientschädigung.
Das Kantonale Steueramt Zürich, Abteilung Spezialdienste, verwies in seiner Rekursantwort vom 11. Januar 2001 auf die erlassene Verfügung und verzichtete im Übrigen auf Stellungnahme.
Am 15. März 2001 liessen die Eheleute A ein Sistierungsgesuch und ein "förmliches Ausstandsbegehren" gegen Verwaltungsrichter Q stellen. Sodann ergänzten sie ihre Ausführungen zur Parteientschädigung.

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
[in einer Besetzung ohne Verwaltungsrichter Q]
Wer beim Vollzug des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) in einer Sache zu entscheiden oder an einer Verfügung oder Entscheidung in massgeblicher Stellung mitzuwirken hat, ist verpflichtet, unter Anderem dann in Ausstand zu treten, wenn er in der Sache befangen sein könnte (§ 119 Abs. 1 StG). Über ein Ausstandsbegehren entscheidet bei Mitgliedern einer Kollegialbehörde diese selbst (Abs. 3); im Fall des Verwaltungsgerichts unter Ausschluss des betreffenden Mitglieds (§ 5a Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).
Eine gewisse Besorgnis von Befangenheit oder Voreingenommenheit kann bei den Parteien immer dann entstehen, wenn ein Richter sich bereits in einem früheren Zeitpunkt mit der Sache befasste (vgl. BGE 119 Ia 221 E. 3 S. 226). Zulässig ist die Vorbefassung jedoch, wenn die konkret zu entscheidenden Rechtsfragen gleichwohl als offen erscheinen und nicht der Anschein der Vorbestimmtheit erweckt wird (BGE 120 Ia 187 E. 2b mit Hinweisen). Nach der Praxis sind weder die Beteiligung von Richtern an früheren Verfahren (vgl. u.a. BGE 114 Ia 278 E. 1) noch gar der Umstand, dass gegen einzelne Richter Strafanzeige erhoben worden ist (vgl. BGE 111 Ia 149 E. 2), geeignet, einen Ausstandsgrund zu begründen.
Die Pflichtige unterlässt es, den Vorwurf der Befangenheit gegen Verwaltungsrichter Q im Einzelnen substanziert darzulegen. Die blossen Hinweise auf die von diesem als Einzelrichter bezüglich anderer Pflichtiger gefällten Entscheide vom 26. Januar 2000 bzw. vom 22. November 2000 vermögen eine sachbezogene Begründung des Ausstandsbegehrens nicht zu ersetzen. Weswegen Verwaltungsrichter Q aufgrund dieser Entscheide in den weiteren mit den "erlogenen Gewinnen des X" zusammenhängenden Streitfragen in derartiger Intensität vorbefasst sein soll, dass er generell von Entscheiden im Zusammenhang mit "X" den Ausstand zu beachten hätte, ist nicht ersichtlich und begründen die Pflichtigen nicht weiter. Nach der dargelegten Rechtsprechung genügt eben der Hinweis auf die blosse frühere Befassung mit der Sache nicht. Der Befangenheitsvorwurf erscheint unter diesen Umständen als haltlos, was zur Abweisung des Ausstandsbegehrens führt, soweit auf dieses im Licht des unsubstanziert Vorgebrachten überhaupt einzutreten ist (vgl. BGE 114 Ia 278 E. 1).