Decision ID: 320e146c-befa-4f0b-a318-0107f956c7f2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1969 geborene
X._
arbeitete vom 1. November 1986 bis 29. Feb
ruar 2000 als Textilarbeiterin bei der Firma
Y._
AG in
Z._
. Am
23. Mai 2000 meldete
sie sich unter Hinweis auf eine Diskushernie
bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
2/8/3/4-7
,
Urk.
2/8/5/1
)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte ihr mit Verfügung vom 10. Oktober 2001 ab 1. April 2000 eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
(
Urk.
2/8/22). Im Januar 2003 kam es für die Versi
cherte zu einem traumatischen Erlebnis, als s
ie von
Bankräubern als Geisel genommen
wurde
(
Urk.
2/8/68/6).
Mit Mitteilungen vom
2.
Juni 2003 und
13. Juni 2007 bestätigte die IV-Stelle revisionsweise die ganze Invalidenrente (
Urk.
2/8/30,
Urk.
2/8/49).
1.2
Im Mai 2010 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren (
Urk.
2/8/61
)
ein und holte unter anderem das
bidisziplinäre
, orthopädisch-psychiatrische Gutachten des
A._
vom 24. November 2010 ein, das
der Versicherten
sowohl in der angestammten als auch in einer anderen leidensangepassten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attestierte (
Urk.
2/8/68).
Nachdem
die IV-Stelle
der Versicherten gestützt auf das
A._
-Gutachten mit Vorb
escheid vom 4. Januar 2011 die Aufhebung der Rente in Aussicht gestellt hatte (
Urk.
2/8/76)
, liess
die Versicherte
unter ande
rem das Gutachten des
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom
28. Februar 2011 einreichen.
Dr.
B._
ging von einer nach wie vor erheblich eingeschränkten Erwerbsfähigkeit aus in dem Sinne, dass der Versicherten eine Arbeit nur im geschützten Rahmen zumutbar sei (
Urk.
2/8/81/4-20). Die IV-Stelle holte eine Stellungnahme des
A._
vom 7. Juni 2011 (
Urk.
2/8/88) ein und hob die Invalidenrente mit Verfügung vom 16. August 2011 auf (
Urk.
2/8/92).
2.
Dagegen
erhob die Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwalt Philipp Baumann,
mit Eingabe vom 16. September 2011
beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Beschwerde
und beantragte, es sei ihr über den 1. Oktober 2011 hinaus eine ganze Rente zuzusprechen, und die IV-Stelle sei zu verpflichten, die Kosten des Gutachtens von
Dr.
B._
vom 28. Februar 2011
von Fr. 2‘400.-- zu übernehmen
(
Urk.
2/1)
.
M
it Urteil IV.2011.01023 vom 31. Januar 2013
wies das Sozialversicherungsgericht die Beschwerde ab
(
Urk.
2/16).
Die
Beschwerdeführer
in
liess das Urteil des hiesige
n Gerichts mit Beschwerde vom 2
2.
März 2013
beim Bundesgericht anfechten und
, ergänzend zu ihren Anträge
n
im vorinstanzlichen Verfahren, eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens
bean
tragen (
Urk.
2/
18)
. Das Bundesgericht hiess
ihre Beschwerde mit Urteil 8C_231/2013
vom 18.
Juli 2013
teilweise gut, hob den Entscheid des Sozialver
sicherungsgerichts des Kantons Zü
rich vom 31
.
Januar 2013
auf und wies die Sache
z
ur Einholung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens und zu
neuer Entscheidung über den Rentenanspruch an
dieses zurü
ck, und verpflichtete die IV-Stelle, der Beschwerdeführerin für das Privatgutachten des
Dr.
B._
vom 28. Februar 2011 eine Entschädigung von Fr. 2‘400.-- zu bezahlen.
Im Übrigen wies das Bundesgeri
cht die Beschwerde ab (
Urk.
1
).
3.
In Nachachtung des bundesgerichtlichen Urteils holte das hiesige Gericht bei
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Ober
arzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
des
D._
, das
psychiatrische
Gutachten vom
8
.
Dezember 2014
ein (
Urk.
25
) und gab den Parteien Gelegenheit, sich zu den Ergebnissen der Begutachtung zu äussern. Hiervon machte
die
IV-Stelle mit Eingabe vom 8
.
Januar 2015 (
Urk.
28
)
Gebrauch
. Die
Beschwerdeführer
in
,
neu
vertreten durch Rechtsanwalt
Ivo Baumann (
Urk.
19-20),
nahm mit Eingabe vom 1
5
.
April 2015 (
Urk.
3
4) Stellung.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die massgeblichen rechtlichen Grundlagen zum strittigen Rentenanspruch wur
den bereits im Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.2011.01023 vom
31. Januar 2013, E. 1.1-4, dargelegt. Darauf kann verwiesen werden (
Urk.
2/16 S. 3-5).
1.2
Speziell hervorzuheben ist, dass
hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes entscheidend ist, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob zwischen der Mitteilung der IV-Stelle vom 13. Juni 2007, womit die Weiterausrichtung der ganzen Invalidenrente bestätigt wurde, und der Rentenaufhebungsverfügung vom 16. August 2011 eine erhebliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eintrat.
2.2
Wie das
hiesige Gericht
bereits
im Urteil IV.2011.01023 vom 31. Januar 2013,
E.
2.2 und 3.1.1-3,
bestätigt durch das Urteil des Bundesgerichts
8C_231/2013 vom
18.
Juli 2013
, E. 5.1, feststellte,
stützte sich
die IV-Stelle bei Erlass der Mitteilung vom 13. Juni 2007 im Wesentlichen auf
den Verlaufsbericht des Hausarztes
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom 17.
b
ezie
hungsweise 24.
April 2007
(
Urk.
2/8/45
)
,
und die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
med.
F._
vom 31. Mai 2007
. Sie ging
davon aus, im Vorder
grund der die Arbeitsunfähigk
eit auslösenden Diagnosen stehe eine
Anpas
sungsstörung
mit depressiver Entwicklung seit der akuten Belastungsstörung nach traumatischem Erlebnis als Geisel am 16. Januar 2003, weshalb die Beschwerdeführerin weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
2/8/48-49).
2.3
Das Bundesgericht erwog im
Urteil 8C_231/2013
vom 18.
Juli 2013
,
unbestrit
ten und nicht zu beanstanden sei, dass
in somatischer Hinsicht zwischenzeitlich eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten
sei
, indem die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig sei (E. 4
;
Urk.
1 S. 4
).
Hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustandes lägen mit dem orthopädisch-psychiatrischen Gutachten des
A._
vom 24. November 2010 und dem von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen Privat
-
gutachten von
Dr.
B._
vom 28. Februar 2011 zwei widersprüchliche Beurteilun
gen vor, die das Gericht nicht durch freie Beweiswürdigung zu Gunsten der einen oder anderen fachlichen Betrachtungsweise entscheiden könne. Deshalb sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweise
n, damit sie ein psychiatrisches
Gerichtsgutachten einhole und ansc
hliessend neu entscheide
(E. 5 f
.
;
Urk.
1 S. 4-6).
Nach Eingang des psychiatrischen Gerichtsgutachtens von
Dr.
C._
vom
8. Dezember 2014
ist
nunmehr
neu über den Renten
-
anspruch zu entscheiden
.
3.
3.1
3.1.1
Das psychiatrische Gutachten des
Dr.
C._
vom 8. Dezember 2014
basiert auf den vom hiesigen Gericht zugestellten Akten, der ambulanten gut
achterlichen Untersuchung im Universitätsspital Zürich vom 25. September 2014 von 14.00 bis 17.10 Uhr sowie den Fremdangaben des Ehemanns der Beschwerdeführerin im Rahmen des Untersuchungsgesprächs vom 25. Septem
ber 2014 (
Urk.
25 S. 4).
3.1.2
Die Beschwerdeführerin gab dem Gutachter an, nach einem Bandscheibenvorfall im Jahr 1999 mit Gefühllosigkeit in einem Bein immer Angst vor dem erneuten Auftreten dieser Symptomatik gehabt
zu haben
, so dass ihre Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz in der Textilfabrik beeinträchtig
t
gewesen sei, und man ihr 2001 gekündigt habe.
Im Januar 2003 hätten sie zwei bewaffnete und maskierte
Bankräuber auf der Flucht
beim Aussteigen aus ihrem Auto auf einem Parkplatz in
G._
gezwungen, sie nach
H._
zu bringen. Im weiteren Verlauf sei sie von den Männern auf den Hintersitz befohlen worden
. Die Männer seien mit ihrem Auto wie verrückt gefahren
;
plötzlich seien ihnen noch Polizeiautos und ein Polizeihubschrauber gefolgt. Sie habe Angst um ihr Leben gehabt
sowie
ein merkwürdiges Gefühl, vom Bauch in den Hals heraufsteigend, gespürt
und keine Luft mehr gekriegt. Die Männer hätten schliesslich in einem Wald angehalten und sie fortgeschickt. Sie sei durch den Wald gerannt und schliesslich von einem Polizeifahrzeug aufgenommen worden.
In der Folge habe sie das Haus nie mehr allein verlassen aus Angst, wieder entführt zu werden. Daneben sei es nach der Entführung zu Ängsten in der Nacht, Alpträumen, Anfällen plötzlicher Atemnot, plötzlicher Leere im Kopf, Angst vor geschlossenen Räumen, Wutan
fällen, Gereiztheit und inadäquatem Lachen gekommen. Sie sei während rund drei Jahren in ambulanter psychiatrischer Behandlung gewesen.
Die Ängste hätten mit der Zeit nachgelassen, seien aber nie weg gewesen. Seit sie damit rechnen müsse, dass der inhaftierte Täter bald freikomme, hätten die Ängste wieder zugenommen.
Wegen je zweier Diskushernien im Hals und im unteren Rückenbereich habe sie
momentan
praktisch permanent Beschwerden.
Wegen den Ängsten und Alpträumen in der Nacht über ihre Flucht durch den Wald nach der Entführung könne sie nicht durchschlafen. Das plötzlich vom Bauch heraufziehende komische Gefühl und die anschliessende Atemnot erlebe sie fast jede Nacht und zwei- bis dreimal pro Woche auch tagsüber. Sie atme dann je
weils für einige Minuten heftig, habe Herzklopfen und spüre ein Kribbeln um die Lippen und in den Händen.
Tagsüber gehe sie in der Wohnung unzählige Male zum Fenster um zu sehen, ob jemand auf der Strasse sei. Sie verlasse die
eigene Wohnung nur in Begleitung eines Familienmitgliedes und habe Angst vor geschlossenen Räumen, da sie immer einen Fluchtweg haben müsse. Zwei- bis dreimal monatlich habe sie für einige Minuten eine Leere im Kopf. Zwar höre und sehe sie die anderen dann noch, doch könne sie nicht mehr denken und am Gespräch teilnehmen. Sie werde auch schnell wütend.
Wegen ihren Schmerzen müsse der Haushalt fast vollständig vom Ehemann und ihren drei Töchtern gemacht werden. Sie stehe üblicherweise um 12 Uhr auf und gehe zwischen 24 Uhr und 1 Uhr ins Bett. Mit dem Ehemann gehe sie mehrmals pro Woche zu Fuss oder mit dem Auto einkaufen. Teilweise fahre sie auch selber Auto, wenn sie jemand begleite, aber nie länger als 20 Minuten, da dann die Schmerzen im rechten Bein zu heftig würden (
Urk.
25 S. 43-48).
Der Ehemann bestätigte im Wesentlichen die Angaben der Beschwerdeführerin und gab an, seit der Entführung habe sich seine Frau zu 100
%
geändert.
Vor der Entführung sei sie sehr fleissig gewesen,
heute mache sie kaum mehr was und sei „faul“. Drei- bis viermal pro Woche schreie sie nachts beim Schlafen (
Urk.
25 S. 48).
3.1.3
Dr.
C._
erhob den psychopathologischen Befund
unter
Berücksichti
gung der Eigen- und Fremdangaben, seiner Beobachtungen während des Untersuchungsgesprächs
und der Ergebnisse eines psychometrischen Tests (Mini-ICF-APP für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen;
Urk.
25 S. 49-69).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
C._
eine posttraumatische Belastungsstörung nach Geiselnahme durch Bankräuber im Januar 2003 (ICD-10 F43.1) auf.
Derzeit bestünden als typische Symptome regelmässig auftretende Alpträume in Bezug auf das erlebte Ereignis, die kogni
tive Fehlinterpretation, dass der öffentliche Raum gefährlich sei und das daraus resultierende Vermeiden, die Wohnung ohne Begleitung zu verlassen,
Interesse
verlust
, Wutanfälle, übermässige Wachsamkeit und Einschlafstörungen. Laut dem Gutachter sprechen die konsistent in den Arztberichten zwischen Januar 2003 und Juli 2010 dokumentierten Ängste dagegen, dass es in diesem Zeit
raum jemals zu einer Remission der posttraumatischen Belastungsstörung gekommen war. Das
A._
-Gutachten, das zu einem anderen Schluss gelangt sei, sei wenig schlüssig, zumal verschiedene Symptome, die auf eine posttrau
matische Belastungsstörung hinwiesen, im Gutachten entweder nicht dokumen
tiert oder in der diagnostischen Beurteilung nicht diskutiert worden seien.
Die regelmässig auftretenden Panikattacken könnten sowohl Ausdruck einer
Panik
störung
als auch der posttraumatischen Belastungsstörung sein; es lasse sich nicht eindeutig beurteilen, ob eine zusätzliche Diagnose einer Panikstörung
gerechtfertigt sei. Die
klaustrophobischen
Ängste und die Anstrengung der Beschwerdeführerin, Auslösesituationen möglichst zu vermeiden, seien grund
sätzlich vereinbar mit einer spezifischen Phobie vor engen
Räumen, könnten aber auch im Rah
men der posttraumatischen Belastungsstörung interpretiert werden. Eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung könne nicht diagnosti
ziert werden, da
nicht die Schmerzen, sondern die seit der Geiselnahme beste
henden, den Alltag dominierenden Ängste der Beschwerdeführerin im Vorder
grund stünden
und die somatischen Vorberichte und das orthopädisch-psychi
atrische
A._
-Gutachten die Schmerzen als durch das Bandscheibenleiden erklärbar beurteilt
hätt
en.
Einzig der Privatgutachter
Dr.
B._
habe eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diag
nostiziert
.
Dr.
B._
habe aber keine Diskussion mit den diagnosespezifischen Kriterien gemäss ICD-10 oder DSM-5 durchgeführt, sondern einzig die Resultate einer nicht überprüf- und nachvollziehbaren individuellen
Schmerzoperatio
na
lisierung
angeführt. Für das V
orliegen einer depressiven Störung sprächen aktuell nur der Interesseverlust und die Schlafstörungen der Beschwerdeführe
rin, welche aber als Ausdruck der posttraumatischen Belastungsstörung zu interpretieren seien. Auch in den beiden psychiatrischen Vorgutachten sei keine depressive Episode diagnostiziert worden (
Urk.
25 S. 72-78).
Dr.
C._
konnte
keine wesentlichen Diskrepanzen zwischen der subjekti
ven Beschwerdeschilderung und dem Verhalten der Beschwerdeführerin in der U
ntersuchungssituation beobachten. Auch fand er keine Hinweise für eine eingeschränkte Anstrengungsbereitschaft und Mitwirkung der Beschwer
deführerin.
Das schlechte psychosoziale Funktionsniveau - die Übernahme des grössten Teils der Hausarbeiten durch den Ehemann und die Kinder
-
könne nur teilweise mit den psychopathologischen Befunden erklärt werden und sei ver
mutlich durch
kulturelle Faktoren mitbedingt (
Urk.
25 S. 78 f.).
Da die Beschwerdeführerin das Haus nicht mehr ohne Begleitung verlasse
n könne
, sei sie
in der Verkehrsfähigkeit beeinträchtigt. F
ür die Bewältigung eines längeren Arbeitsweges
sei sie
vollständig
auf die Unterstützung Dritter ange
wiesen.
Befinde sich der Arbeitsort in unmittelbarer Nähe zum Wohnort, sollte es ihr möglich sein, den Arbeitsweg durch ein entsprechendes Training selb
ständig zu bewältigen. An einem Arbeitsplatz mit relativ umschriebenem Auf
gabenbereich mit Routinetätigkeiten
sei
die Beschwerdeführerin
in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf als Textilarbeiterin durch die vorhandenen Fähigkeits
-
einschränkungen nicht wesentlich
in
der Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt
. Diese Einschätzung decke sich mit derjenigen der
A._
-Gutachter, nicht aber mit derjenigen des Privatgutachters
Dr.
B._
, welcher von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen sei.
Dr.
B._
habe vor allem die chronische
Schmerzstörung als den die Arbeitsfähigkeit limitierenden Faktor aufgefasst. Da er,
Dr.
C._
, nicht davon ausgehe, dass eine anhaltende Schmerzstörung vorliege, bleibe kein Raum, um die Auswirkung der Schmerzen auf die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht zu beurteilen und diesbezüglich eine Arbeitsunfähigkeit zu attestieren.
Da die Ängste gemäss Angaben der Beschwerdeführerin in der ersten Zeit viel stärker gewesen seien als heute, sei davon auszugehen, dass einzelne Fähigkeitsbereiche und damit vermutlich auch die Arbeitsfähigkeit früher stärker eingeschränkt gewesen seien als heute, ohne dass
retrospektiv
konkretere Angaben
zum zeitlichen Verlauf dieser Einschrän
kungen gemacht werden könnten.
Die Chancen für eine substantielle Verbesse
rung der Symptomatik seien durchaus gegeben, vor allem, weil teilstationäre und stat
ionäre Therapieoptionen bi
s
h
er nicht ausgeschöpft worden seien (
Urk.
25 S. 81-85).
3.2
D
ie Beschwerdeführerin
wendet
in ihrer Stellungnahme vom 15. April 2015
ein,
die im Gutachten aufgeführten Argumente sprächen eher dafür, dass zusätzlich zur posttraumatischen Belastungsstörung eine Panikstörung vorliege. Der Um
stand, dass
Dr.
C._
keine solche Störung diagnostiziert habe, sei weder schlüssig noch nachvollziehbar, zumal der Gutachter die anders lautende Beurteilung des Vorgutachters
Dr.
B._
nicht diskutiert habe.
Sodann gehe es nicht an, zur Beurteilung der Frage, ob eine chronische Schmerzstörung vor
liege, ohne eigene Erhebungen
auf die
im orthopädischen
A._
-Gutachten dokumentierten Befunde abzustellen.
Dr.
C._
habe zur Prüfung des Vorliegens einer Schmerzstörung
zudem
auf die Kriterien gemäss der DSM-5 abgestellt, welche kein international anerkanntes Klassifikationssystem sei beziehungsweise deren Gültigkeit sich auf die Vereinigten Staaten von Amerika beschränke. Deshalb vermöge das Gutachten die überzeugende Beurteilung von
Dr.
B._
, dass eine chronische Schmerzstörung zu diagnostizieren sei
, nicht aus dem Weg zu räumen. Da sich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Gut
achten
direkt auf die
nach dem Gesagten unbrauchbare
Diagnosestellung stütze
, könne auch darauf nicht abgestellt werden (
Urk.
34).
3.3
Was die Beschwerdeführerin gegen das psychiatrische Gutachten von
Dr.
C._
vorbringt, überzeugt nicht.
Zum einen
liess
Dr. C._
zwar offen, ob die zusätzliche Diagnose einer Panikstörung angebracht sei. D
ie regelmässig auftretenden Panikattacken der Beschwerdeführerin, welche ihn zur Diskussion
dieser
Diagnose veranlass
ten,
berücksichtigte er aber
in se
iner Beurteilung
, und zwar als Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung
(
Urk.
25 S.
75-76)
.
Es ist deshalb nicht anzunehmen, dass die von der Beschwerdeführerin geforderte andere diagnos
tische Einordnung eines teils der psychischen Beschwerdesymptomatik sich auf die Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit auswirken würde.
Zudem
setzte sich
Dr.
C._
entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin
auch mit
abweichende
n
ärztliche
n
Beurteilungen
auseinander
, indem er auf die divergierenden Einschätzungen in den medizinischen
Vorakten
hinwies und dabei insbesondere auch auf das frühere Kapitel im Gutachten, in
welchem das Privatgutachten
von
Dr.
B._
zusammengefasst wird, verwies (
Urk.
25
S. 26 ff. und S. 76).
Zum anderen ist, wie
Dr.
C._
nachvollziehbar dargelegt hat, unabding
bare Voraussetzung für die Diagnose einer
somatoformen
Schmerz
störung
, dass Schmerzen vorhanden sind, welche durch eine somatische Gesundheitsstörung nicht vollständig erklärt werden können
. Deshalb musste
Dr.
C._
zunächst prüfen, ob sich in den Berichten der die Beschwer
deführerin behandelnden
Somatiker
Anhaltspunkte
fanden
für Beschwerden, welche allein durch die somatischen Befunde nicht erklärbar
waren
.
Infolge
dessen
ist entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht zu beanstanden, dass
Dr.
C._
zur Beurteilung des Vorliegens einer Schmerzstörung zunächst die somatischen Vorberichte und insbesondere das orthopädische
Teil
gutachten
des
A._
-Gutachtens - auf welches zur Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit aus somatischer Sicht unbestrittenermassen abgestellt werden kann (
vorstehend E. 2.3
sowie
2/16 S. 11 f. und 14,
Urk.
2/18 S. 4
) - herangezogen hat. Ferner trifft die Behauptung,
Dr.
C._
habe einzig die diagnosti
schen Kriterien der DSM-5
geprüft
, nicht aber diejenigen der in
ternational anerkannten ICD-10,
nicht zu, wie sich aus Seite 76 des Gutachtens ergibt.
Das psychiatrische Gerichtsgutachten von
Dr.
C._
vom 8. Dezember 2014 berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben worden, leuchtet in
der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält begründete Schlussfolgerungen. Damit ist die Expertise
voll beweis
kräftig (vorstehend E. 1.2)
.
3.4
Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C._
kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als
Textilarbei
terin oder in einer ähnlichen Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht zu 100
%
arbeitsfähig ist
, sofern die vom Gutachter empfohlenen Vorkehren zur Bewälti
gung des Arbeitsweges getroffen werden (vgl. dazu auch das Urteil des Bundes
gerichts 8C_456/2013 vom 27. August 2013, E. 4.2.21 und 4.2.4).
D
er
beein
trächtigte
n
Fähigkeit, den Arbeitsweg alleine zu bewältigen, lässt sich
, durch die von
Dr.
C._
empfohlenen
Trainingsmass
nahmen
und im Bedarfsfall durch eine Verlegung des Wohnsitzes näher an den Arbeitsplatz begegnen. Der Kreis der
Vorkehren, die eine versicherte Person zu ergreifen hat, ist rechtsprechungsgemäss denkbar weit und beschlägt nahezu alle Lebensbereiche. Zumutbar ist insbesondere auch ein Wohnsitzwechsel. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann bewohnen eine Mietwohnung und nicht ein Eigenheim (Urk. 8/2/68/10) und die gemeinsamen Kinder (geboren 1990, 1992, 1996 und 1998;
Urk.
2/8/3/2
Ziff.
3) sind volljährig respektive nicht mehr im schulpflichtigen Alter (vgl. dazu Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage, Zürich 2014, Art. 28 N 5 mit Hinweisen)
. Deshalb
bewirkt die beeinträchtigte Verkehrsfähigkeit
keine Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise kein
en
Verlust von Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt im Sinne von Art.
7 ATSG.
4.
4.1
Wie zuvor bereits dargelegt (E. 2.3)
und im Urteil des Sozialversicherungs
-
gerichts IV.2011.01023 vom 3
1.
Januar 2013, E. 4.3, festgehalten wurde
, steht gestützt auf den orthopädischen Teil des
A._
-Gutachtens vom
2
4.
November 2010 fest,
dass es
im relevanten Zeitraum
zu
einer
Verbesserung des
somatischen
Gesundheitszustandes kam, so dass die Beschwerdeführerin
nun
mehr zu 80
%
arbeitsfähig ist
in einer
rückenadaptierten wechselbelastenden leichten bis mittelschweren körperlichen
Tätigkeit
ohne Heben, Tragen und Bewegen von Lasten über 15 kg, ohne Arbeiten in Zwangshaltungen, ohne häufiges Drehen, Wenden, Winden und Strecken, ohne Arbeiten, die länger als 30 Minuten ununterbrochen und ausschliesslich auf hartem Untergrund stehend versehen werden, und ohne Arbeiten in
freier und nasskalter Witterung
(
Urk.
2/8/68/17-19
,
Urk.
2/8/68/22
).
Gestützt auf das Gerichtsgutachten von
Dr.
C._
(
Urk.
25 S. 73 ff.)
sowie die Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte, insbesondere
die
Berichte
des Hausarztes
Dr.
E._
vom 2
4.
April 2007 (
Urk.
2/8/45) sowie vom 1
0.
Juni 2010 (
Urk.
2/8/63; vgl. auch
Urk.
25 S. 11 ff. und 73 ff.)
, kann davon ausge
gangen werden, dass die psychischen Beschwerden zwischen der die laufende ganze Rente bestätigenden Mitteilung der IV-Stelle vom 1
3.
Juni 2007 und der Rentenaufhebungsverfügung vom 1
6.
August 2011
unter dem Strich
ebenfalls
eine gewisse Besserung erfuhren, auch unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geklagten
Z
unahme der Ängste, seit sie damit rechnen müsse, dass
ihr inhaftierter Geiselnehmer bald freikomme.
Damit ist
die für eine Rentenrevision vorausgesetzte wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes ausgewiesen.
4.2
Zu prüfen bleibt, wie sich der veränderte Gesundheitszustand in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdeführerin trotz ihrer körperlichen und psy
chischen Beeinträchtigungen in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig.
Die IV-Stelle ist von einem hypothetischen Einkommen, welches die Versicherte als Gesunde in ihrer bisherigen Tätigkeit verdienen könnte (
Valideneinkommen
), von Fr. 44‘279.70 ausgegangen
(
Urk.
2/2,
Urk.
2/8/73)
, was zu Recht unbestritten geblieben ist.
Das Invalideneinkommen ermittelte die IV-Stelle
gestützt auf den statistischen Frauenlohn für Hilfsarbeiten gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE 2008),
unter Berücksichtigung der bis
ins
Jahr 2010 eingetretenen Nominallohnentwicklung, der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit und des reduzierten zumutbaren Arbeitspensums von 80
%
. Vom resultierenden Einkommen nahm die IV-Stelle
einen
Abzug von 8
%
, da das in der letzten Tätigkeit verdiente Einkommen unter dem
Branchen
durchschnitt
lag, sowie einen
behinderungsbedingten Abzug von 15
%
vor.
Dadurch
wird dem Umsta
nd, dass
die Beschwerdeführerin
wegen
des
ärztlich
attestierten
eingeschränkten Belastbarkeitsprofils
im Vergleich zu voll leis
tungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Mitarbeitern mit einem unter
durchschnittlichen Lohnansatz rechnen muss, genügend Rechnung getragen.
Das Invalideneinkommen in Höhe von Fr. 35‘432.15 ist folglich ebenfalls nicht zu beanstanden
(
Urk.
2/2,
Urk.
2/8/73)
.
Bei einem invaliditätsbedingten
Minder
verdienst
von Fr. 8‘847.55
resultiert
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 20
%
.
Die von der IV-Stelle am 1
6.
August 2011 per Ende September 2011 verfügte Aufhebung der Invalidenrente
(
Urk.
2/2)
erweist sich somit auch unter Berück
sichtigung des psychiatrischen Gerichtsgutachtens von
Dr.
C._
als richtig, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von Fr. 1‘000.
--
zulasten der un
ter
liegenden Beschwerdeführerin (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG).
5.2
In BGE 139 V 496 E. 4.3 und 4.4
hat das Bundesgericht erwogen, das Gericht könne die Kosten eines Gerichtsgutachtens unter anderem dann der Verwaltung auferlegen,
wenn bereits im Verwaltungsverfahren ein manifester Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztlichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete Argumente entkräftet habe; es müsse mithin
ein Zusammenhang zwischen der Notwendig
keit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen, und einem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung bestehen.
Solchenfalls
bildeten die Kosten der Begut
achtung keine
Kosten des Beschwerdeverfahrens im Sinne von Art. 69
Abs.
1
bis
IVG, sondern Abklärung
skosten
im Sinne von Art. 45 ATSG, welche von der Invalidenversicherung zu tragen seien
(vgl. auch BGE 140 V 70 E. 6.1)
.
Das Bundesgericht erwog im
Urteil 8C_231/2013
vom 1
8.
Juli 2013
in Sachen der Parteien
, hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustandes lägen mit dem orthopädisch-psychiatrischen Gutachten des
A._
vom 2
4.
November 2010 und dem von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen Privatgutachten von
Dr.
B._
vom 2
8.
Februar 2011 zwei widersprüchliche Beurteilungen vor, die das Gericht nicht durch freie Beweiswürdigung zu Gunsten der einen oder anderen fachlichen Betrachtungsweise entscheiden könne (E. 5.3
;
Urk.
1
S. 4-6). Weil beide Gutachten der IV-Stelle bei Erlass der angefochtenen Verfügung vorlagen, bestand bereits im Abklärungsverfahren
ein manifester Widerspruch zwischen zwei verschiedenen gutachterlichen Auffassungen, ohne dass die IV-Stelle diesen durch objektiv begründete Argumente entkräftet hatte. Mit Blick auf die dargelegte höchstrichterliche Rechtsprechung rechtfertigt es sich des
halb, der IV-Stelle die Kosten des Gerichtsgutachtens von
Dr.
C._
von
Fr.
9‘800.-- (
Urk.
29,
Urk.
32)
aufzuerlegen.