Decision ID: 586d2306-ab77-469a-b968-694d16c7c257
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend fahrlässige grobe Verletzung von Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 24. April 2018 (GG180005)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 22. Februar 2018
(Urk. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 26 S. 20 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der fahrlässigen groben Verletzung von Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und
Art. 34 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 100 Ziff. 1 SVG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Die amtliche Verteidigung wird für ihre Bemühungen und Auslagen mit Fr. 3'174.95
(inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 3'174.95 amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.)
Verlangt keine der Parteien eine Begründung, ermässigt sich die Entscheidgebühr um einen
Drittel.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser diejenigen der amt-
lichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
7. (Mitteilung)
8. (Rechtsmittel) "
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Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten:
(Urk. 28 und 47)
1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der groben Verletzung der Ver-
kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG freizusprechen.
2. Es sei der Beschuldigte der einfachen Verkehrsregelverletzung im Sin-
ne von Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen und milde zu bestra-
fen.
3. Es seien die Kosten beider Verfahren auf die Staatskasse zu nehmen,
ebenso wie die Kosten der amtlichen Verteidigung und es sei dem Be-
schuldigten eine Entschädigung von Fr. 500.– zuzusprechen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 32 und 52)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum bisherigen Verfahrensgang kann zwecks Vermeidung von unnötigen
Wiederholungen vorab auf die Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid verwiesen werden (Urk. 26 S. 3).
1.2. Gegen das vorstehend wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil des Be-
zirksgerichts Horgen, Einzelgericht, vom 24. April 2018 (Prot. I S. 9 ff.) liess der
Beschuldigte noch vor Schranken Berufung anmelden (Prot. I S. 9) und reichte
nach Zustellung des begründeten Urteils am 10. Juli 2018 (Urk. 25/2) fristgerecht
am 30. Juli 2018 (Datum Poststempel) die Berufungserklärung ein (Urk. 28). Mit
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Präsidialverfügung vom 8. August 2018 wurde die Berufungserklärung in Anwen-
dung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft zugestellt, um ge-
gebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Beru-
fung zu beantragen. Gleichzeitig wurden dem Beschuldigten jeweils Fristen ange-
setzt, um sich zur Frage des Widerrufs der amtlichen Verteidigung zu äussern,
sowie verschiedene Auskünfte zu seinen finanziellen Verhältnissen zu erteilen
und zu belegen (Urk. 30). Mit Eingabe vom 13. August 2018 beantragte die
Staatsanwaltschaft, die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 32).
1.3. Mit Eingabe vom 24. August 2018 machte die Verteidigung geltend, die
amtliche Verteidigung dürfe nicht widerrufen werden, da sich rechtlich schwierige
Fragen stellen würden. Sodann stellte die Verteidigung den Antrag, es sei ein
schriftliches Verfahren durchzuführen (Urk. 34). Nachdem die Staatsanwaltschaft
sich mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstanden erklärt hatte
(Urk. 37), wurde mit Präsidialverfügung vom 29. August 2018 die Durchführung
des schriftlichen Verfahrens verfügt. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist
angesetzt, um schriftlich die Berufungsanträge zu stellen und zu begründen.
Schliesslich wurde von einem Widerruf der amtlichen Verteidigung abgesehen
(Urk. 38). Der Beschuldigte liess am 12. Oktober 2018 diverse Unterlagen be-
treffend seine finanziellen Verhältnisse einreichen (Urk. 44-46/5). Innert zweimal
erstreckter Frist (Urk. 40 und 42) reichte der Beschuldigte seine Berufungsbe-
gründung ein (Urk. 47). Mit Präsidialverfügung vom 22. Oktober 2018 wurde der
Staatsanwaltschaft Frist zur Berufungsantwort angesetzt. Der Vorinstanz erhielt
Gelegenheit zur freigestellten Vernehmlassung (Urk. 49), worauf sie in der Folge
verzichtete (Urk. 51). Die Staatsanwaltschaft verzichtete sodann auf eine Beru-
fungsantwort und verwies stattdessen auf die Begründung des vorinstanzlichen
Urteils (Urk. 52). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuld- und Straf-
punkt sowie gegen die Kostenauflage (Dispositiv-Ziffern 1-3 und 6), nicht aber
gegen die Entschädigung der amtlichen Verteidigung und die Kostenfestsetzung
(Dispositiv-Ziffern 4 und 5).
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2.2. Damit kann festgehalten werden, dass die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 nicht
angefochten und somit in Rechtskraft erwachsen sind, was vorab festzustellen ist
(Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO). Im übrigen Umfang
steht der angefochtene Entscheid im Rahmen des Berufungsverfahrens unter
Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Formelles
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1 je mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
4. Anklagegrundsatz
4.1. Die Verteidigung rügt an diversen Stellen, die Anklageschrift sei nur unge-
nügend formuliert: Wenn dem Beschuldigten ein rücksichtsloses Verhalten vor-
geworfen werde und er damit ein schweres Verschulden erfülle und zumindest ei-
ne grobe Fahrlässigkeit verwirklicht habe, so sei von dieser Behauptung in der
Anklageschrift nichts zu sehen. Es dürfe nicht übersehen werden, dass gerade
ein solcher Sachverhalt umschrieben gehöre, weshalb die Anklageschrift nicht für
eine Verurteilung ausreichen könne, da sie ungenügend formuliert sei und man
dem Text das tatsächliche Verschulden des Berufungsklägers nicht entnehmen
könne (Urk. 47 S. 4). Man müsse mit Blick auf die Frage nach dem schwerwie-
gend regelwidrigen Verhalten (subjektiver Teil) festhalten, dass dies lediglich
dann bejaht werden könne, wenn der Beschuldigte objektiv betrachtet die elemen-
tarsten Sorgfaltspflichten missachtet habe. Die Anklage unterlasse es allerdings,
diese Behauptung aufzustellen (Urk. 47 S. 4). Sodann sei klar, dass keine grobe
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Verletzung der Verkehrsregeln vorliege und somit auch keine grobe Fahrlässigkeit
angenommen werden dürfe, da es diesbezüglich an der Umschreibung mangle,
weil gerade in solchen Grenzfällen eine Umschreibung in der Anklageschrift drin-
gend notwendig sei, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden (Urk. 47 S. 6).
4.2. Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst
kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfene Tat mit Beschrei-
bung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Die Anklage hat die
der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzi-
se zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht ge-
nügend konkretisiert sind. Durch eine detaillierte Angabe des Anklagevorwurfs
werden insbesondere die durch das Anklageprinzip angestrebte Umgrenzungs-
und Informationsfunktion erfüllt. Zum einen soll die beschuldigte Person Kenntnis
erlangen, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten
rechtlich qualifiziert wird, so dass sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten
kann, und garantiert damit auch den Anspruch auf rechtliches Gehör (BGE 133
IV 235 E. 6.2 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015
E. 2.2 mit Hinweisen, nicht publ. in BGE 141 IV 437). Zum anderen soll auch das
Gericht durch die Anklageschrift in die Lage versetzt werden, sich eine präzise
Vorstellung des Anklagevorhalts zu machen. Es genügt demgemäss nicht, wenn
pauschale Vorwürfe erhoben werden (BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, Art. 325
N 18). Bei Fahrlässigkeitsdelikten kommt der Anzeige der Elemente, die nach
Auffassung der Staatsanwaltschaft auf eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit
schliessen lassen, entscheidende Bedeutung zu. Es sind insbesondere die objek-
tiven und subjektiven Umstände anzuführen, welche das inkriminierte Verhalten
als unvorsichtige Pflichtwidrigkeit erscheinen lassen (BGE 120 IV 348 E. 2c). Bei
fahrlässigen Erfolgsdelikten muss die Anklageschrift überdies aufzeigen, inwie-
weit der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs für den Beschuldigten voraus-
sehbar war und dieser hätte vermieden werden können. Es genügt diesbezüglich
die Angabe der entsprechenden tatsächlichen Umstände (BSK StPO-
HEIMGARTNER/NIGGLI, Art. 325 N 35). Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt
nur vor, wenn der Beschuldigte nicht in genügender Weise über den ihm vorge-
worfenen Sachverhalt informiert worden ist.
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4.3. In der Anklageschrift werden kurz und präzise Ort, Zeit sowie die Art und
Folgen der Tatausführung beschrieben. Sodann werden die Tatbestandselemente
der Fahrlässigkeit (Voraussehbarkeit und Vermeidbarkeit) umschrieben. Ebenfalls
wird in tatsächlicher Hinsicht umschrieben, welche Pflichten der Beschuldigte ver-
letzt haben soll, namentlich das Gebot sein Fahrzeug ständig zu beherrschen
(Art. 31 SVG), die Pflicht zur Aufmerksamkeit (Art. 3 Abs. 1 VRV) sowie das Ge-
bot des Rechtsfahrens (Art. 34 SVG). Wenn in der Anklageschrift nur in allgemei-
ner Weise umschrieben wird, der Beschuldigte habe aus massiver Unaufmerk-
samkeit die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, so schadet dies nicht. Können
gewisse Tatumstände nicht ermittelt werden, führen darauf beruhende ungenaue
oder unpräzise Anklageformulierungen – selbst wenn sie die tatbestandsmässige
Handlung beschlagen – noch nicht zur Ungültigkeit der Anklage. Während der
Beschuldigte zunächst anführte, er habe einen Sekundenschlaf gehabt (Urk. 3/1
S. 2 F/A 10), was eine Anknüpfung an einen konkreten Umstand erlaubt hätte,
widerrief er später diese Angabe und erklärte in allgemeiner Weise, er sei nicht
aufmerksam gewesen (Urk. 3/2 S. 4 F/A 13 f. und 19). Es ist bei dieser Sachlage
nicht erkennbar, wie die Staatsanwaltschaft die Pflichtverletzung in der Anklage-
schrift konkreter hätte umschreiben können. Schliesslich gilt es sich auch den
Zweck des Anklagegrundsatzes in Erinnerung zu rufen: Es geht sowohl darum,
dass sich das Gericht eine präzise Vorstellung des vorgeworfenen Sachverhaltes
machen kann als auch, dass der Beschuldigte Kenntnis erlangt, welcher konkreter
Handlungen er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, so
dass er sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann. Aus den Antworten
des Beschuldigten bei den Befragungen, aber auch aus den Ausführungen der
Verteidigung ergibt sich, dass dem Beschuldigten sehr wohl bewusst ist, was ihm
konkret vorgeworfen wird. Dass und inwiefern dem Beschuldigten eine wirksame
Verteidigung unter diesen Umständen nicht möglich gewesen sein sollte, ist unter
dem Gesichtspunkt des Anklagegrundsatzes nicht nachvollziehbar und wird denn
auch durch die Verteidigung nicht dargetan. Der Anklagegrundsatz ist nicht ver-
letzt.
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II. Sachverhalt
Der Beschuldigte zeigte sich in der Untersuchung bezüglich des ihm vorge-
worfenen Sachverhaltes geständig (Urk. 3/2 S. 2 ff. F/A 6 ff.; Prot. I S. 6). Auch
mit seiner Berufung lässt der Beschuldigte nur die rechtliche Würdigung durch die
Vorinstanz monieren (Urk. 47). Zumal auch das übrige Untersuchungsergebnis
sich mit dem Geständnis des Beschuldigten deckt, ist der Sachverhalt gemäss
Anklageschrift vom 22. Februar 2018 erstellt. Dies hat insbesondere auch – unter
Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 26 S. 4 ff.) – für
die dem Beschuldigten vorgeworfene "massive Unaufmerksamkeit" zu gelten,
was durch die Verteidigung nicht (mehr) bestritten wird.
III. Rechtliche Würdigung
1. Rechtliches
1.1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten als fahrlässige
grobe Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. mit
Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 34 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 100
Ziff. 1 SVG.
1.2. Nach Art. 90 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer durch eine grobe Ver-
letzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer her-
vorruft oder in Kauf nimmt. Der objektive Tatbestand besteht damit aus zwei ku-
mulativ zu erfüllenden Merkmalen: Der groben Verletzung von Verkehrsregeln
und der durch diese hervorgerufene ernstliche Gefährdung. Eine grobe Verkehrs-
regelverletzung ist nach Auffassung des Bundesgerichts gegeben, wenn der Täter
eine wichtige Verkehrsvorschrift in gravierender Weise missachtet (objektive Sei-
te) und ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend regelwidriges Verhalten an
den Tag legt (subjektive Seite), d.h. schweres Verschulden bzw. zumindest grobe
Fahrlässigkeit verwirklicht (BSK SVG-FIOLKA, Art. 90 N 40 f.).
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1.2.1. Als Faustregel gilt dabei, dass alle Verkehrsregeln, die allgemein oder nach
den konkreten Umständen des Einzelfalles der Verkehrssicherheit dienen sollen,
als grundlegend zu werten sind (WEISSENBERGER, Art. 90 N 64). Gemäss Art. 31
Abs. 1 SVG hat der Führer das Fahrzeug ständig so zu beherrschen, dass er sei-
nen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV,
welcher Art. 31 Abs. 1 SVG konkretisiert, muss der Fahrzeugführer seine Auf-
merksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden. Damit zählen diese Be-
stimmungen mit Sicherheit zu den elementaren Verkehrsregelvorschriften
(vgl. WEISSENBERGER, Art. 90 N 63 m.w.H.). Das Gebot des Rechtsfahrens ge-
mäss Art. 34 Abs. 1 SVG soll verhindern, dass sich Fahrzeuge beim Kreuzen ge-
genseitig gefährden. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung und
herrschender Lehre zählt das Gebot des Rechtsfahrens im Sinne von Art. 34 SVG
– neben der Anforderung, sein Fahrzeug ständig zu beherrschen (Art. 31 SVG),
der Grundregel gemäss Art. 26 SVG sowie dem Gebot zur angepassten Ge-
schwindigkeit (Art. 32 SVG) – ebenfalls zu den grundlegenden Bestimmungen
des Strassenverkehrsrechts nicht nur der Schweiz, sondern auch zahlreicher an-
derer Länder (BGE 105 IV 55 E. 5; BSK SVG-ROTH, Art. 31 N 1). Diese Bestim-
mungen bilden die Grundlage für alle weiteren Regeln.
1.2.2. Der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG kommt indessen nur dann zur An-
wendung, wenn der Täter durch seine grobe Verkehrsregelverletzung eine ernst-
liche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Dabei ist ei-
ne ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Die
erhöhte abstrakte Gefahr setzt die naheliegende Möglichkeit einer konkreten Ge-
fährdung oder Verletzung voraus (Urteil des Bundesgerichts 6B_628/2014 vom
30. September 2014 E. 1.2; BGE 122 IV 173). Erhöhte abstrakte Gefährdungen
zeichnen sich dadurch aus, dass die Handlungsweise des Täters typischerweise
besonders geeignet ist, Verletzungen der geschützten Rechtsgüter herbeizu-
führen bzw. dass die Art von Handlungen erfahrungsgemäss besonders oft zu
solchen Verletzungen führt (FIOLKA, JB-SVR 2013, 350). Von einer ernstlichen
Gefahr ist schon bei der allgemeinen Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr
zu sprechen, wenn unter Berücksichtigung der Umstände der Eintritt einer konkre-
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ten Gefährdung oder gar einer Verletzung naheliegt (BGE 142 IV 93). Für die An-
wendung des Tatbestandes wird regelmässig auf die Kasuistik zurückgegriffen, so
auch im Bereich des Nichtbeherrschens des Fahrzeuges respektive der mangeln-
den Aufmerksamkeit (BSK SVG-FIOLKA, Art. 90 N 63 mit diversen Beispielen).
1.2.3. Nach Art. 100 Ziff. 1 SVG gilt auch die fahrlässige Tatbegehung als durch
die Strafbestimmungen des SVG erfasst. Subjektiv muss der Täter sowohl die
grobe Verkehrsregelverletzung als auch die Schaffung der Gefahr zumindest in
Kauf nehmen, wobei Inkaufnehmen nicht Eventualvorsatz meint, sondern bloss
Fahrlässigkeit. Diese Fahrlässigkeit muss allerdings zumindest grob sein. Das soll
etwa dann gegeben sein, wenn der Täter um die allgemeine Gefährlichkeit seines
Verhaltens weiss bzw. die Gefährdung anderer Personen pflichtwidrig gar nicht in
Betracht zieht (unbewusste Fahrlässigkeit). Im Falle der unbewussten Fahrlässig-
keit wird jedoch vorausgesetzt, dass der Täter aus Rücksichtslosigkeit die Ge-
fährdung anderer Verkehrsteilnehmer nicht bedenkt (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_628/2014 vom 30. September 2014 E. 1.2). Als rücksichtslos gilt u.a.
ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern, das auch in ei-
nem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung der Interessen be-
stehen kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_628/2014 vom 30. September 2014
E. 1.2 m.w.H.). Nach Auffassung des Bundesgerichts muss die Annahme der sub-
jektiven Rücksichtslosigkeit nach Abs. 2 streng gehandhabt werden. Bei der Beur-
teilung spielt das Mass der in der konkreten Situation erforderlichen Aufmerk-
samkeit, aber auch die Bedeutung der verletzten Regel im Einzelfall eine wichtige
Rolle. Nicht jede Unaufmerksamkeit, die wegen der Schwere des Erfolgs objektiv
als gravierende Verletzung der Vorsichtspflicht zu betrachten ist, wiegt auch sub-
jektiv schwer (Urteil des Bundesgerichts 6B_263/2015 vom 30. Juni 2015 E. 2.1).
Es ist unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu beurteilen, ob ein ent-
sprechendes Verhalten auf Rücksichtslosigkeit zurückzuführen ist, wobei dies
auch bei unbewusster Fahrlässigkeit umso mehr der Fall sein wird, je schwerer
die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, sofern nicht besondere Gegenindizien
vorliegen (Urteil des Bundesgerichts 6B_628/2014 vom 30. September 2014
E. 1.2). Sodann musste der Erfolgseintritt für den Beschuldigten sowohl voraus-
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sehbar als auch bei Anwendung pflichtgemässer Sorgfalt vermeidbar gewesen
sein.
2. Standpunkt der Verteidigung und Würdigung
2.1. Wie auch schon vor der Vorinstanz (Urk. 19) macht die Verteidigung gel-
tend, der Beschuldigte habe sich lediglich einer einfachen, und nicht einer groben
Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht. Die Verteidigung bringt zunächst vor,
dass generell in jedem Fall für die Abgrenzung zwischen einer einfachen und ei-
ner groben Verletzung der Verkehrsregeln die Frage aufgeworfen werden muss,
was eine wichtige Verkehrsvorschrift sei. In der Lehre werde diesbezüglich oft die
Aufmerksamkeit beziehungsweise das Beherrschen des Fahrzeuges als wichtige
Verkehrsvorschrift erwähnt, wobei dies nirgends im Gesetz schriftlich festgehalten
werde. Es sei immer noch fraglich und offen, welche Verkehrsvorschriften bezie-
hungsweise Verkehrsregeln als nicht grundlegend, also als zweitrangig gewertet
werden könnten. Somit stehe nicht einmal fest, ob eine mangelnde Aufmerksam-
keit eines jungen Mannes, der das Fahrzeug seines Vater ausnahmsweise ver-
wendet habe, tatsächlich als wichtige Verkehrsvorschrift zu gelten habe oder
nicht, was die Anklage, die dafür zuständig sei, in keiner Art und Weise erkläre,
sondern sich damit begnüge, von einer massiven Unaufmerksamkeit auszugehen
und den darauffolgenden Verlust der Kontrolle über das gelenkte Fahrzeug zu
konstruieren, wofür es in casu überhaupt keinen Beweis gebe. Schon aus diesem
Grund vermöge die Anklage keineswegs zu überzeugen (Urk. 47 S. 3 ff.).
Zwar ist es mit der Verteidigung richtig, dass nirgends im Gesetz ausdrücklich
festgeschrieben ist, was eine wichtige Verkehrsvorschrift des SVG darstellt. Unter
Verweis auf die obigen Ausführungen unter III.1.2.1 sind aber alle Verkehrsregeln,
die allgemein oder nach den konkreten Umständen des Einzelfalles der Verkehrs-
sicherheit dienen sollen, als grundlegend zu werten. Hierunter fallen aufgrund der
gefestigten Lehre und Rechtsprechung sowohl das Gebot des Rechtsfahrens, das
Beherrschen des Fahrzeuges als auch die Aufmerksamkeit im Verkehr nach
Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV.
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Was das zweite Argument angeht, die Anklage begnüge sich damit, von einer
massiven Unaufmerksamkeit auszugehen und den darauffolgenden Verlust der
Kontrolle über das gelenkte Fahrzeug zu konstruieren, wofür es vorliegend über-
haupt keinen Beweis gebe, so vermag dies ebenfalls nicht zu überzeugen. Ge-
mäss erstelltem und vor Berufungsgericht unbestritten gebliebenem Sachverhalt
ist in tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte auf der ...-
Strasse in B._ in Fahrtrichtung C._ aus krasser Unaufmerksamkeit die
Spur auf seiner Fahrbahnhälfte nicht eingehalten hat, mit dem Fahrzeug auf die
Gegenfahrbahn geraten ist und dabei nicht mehr gegenlenken konnte, worauf er
die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat, in den linken Randstein gefahren
ist und schliesslich mit dem korrekt auf der linken Seite auf dem dortigen Parkfeld
des Trottoirs parkierten Personenwagen kollidiert ist. Der Beschuldigte selber ge-
stand diesen Sachverhalt ein, was zusammen mit den am Unfallort erstellten Fo-
tografien eine genügende Beweisgrundlage darstellt. Dass es zum Unfall gekom-
men ist, ist eine Tatsache. Tatsache ist mit der Verteidigung (Urk. 47 S. 6 f.) auch,
dass der Beschuldigte diesen Unfall nicht vorsätzlich verursachen wollte. Dass es
dann aber zu diesem (Selbst-) Unfall kommen konnte, lässt sich einzig damit er-
klären, dass der Beschuldigte aus massiver Unaufmerksamkeit die Kontrolle über
das Fahrzeug verloren hat. So beschrieb der Beschuldigte selber die Situation wie
folgt: Er sei normal gefahren. Es habe keinen Verkehr gehabt. Plötzlich habe er
einen Knall gespürt, alles sei umher geflogen und dann habe er den Airbag wahr-
genommen (Urk. 3/2 S. 5 F/A 25). Auffällig ist dabei, dass der Beschuldigte nicht
beschreibt, was zwischen seiner "normalen" Fahrt und dem Aufprall auf den Sko-
da Oktavia passierte. Dass er in diesem Moment nicht aufmerksam war und of-
fenbar keine Kontrolle mehr über das Fahrzeug hatte, zeigt sich an dieser Aussa-
ge eindrücklich.
2.2. Weiter macht die Verteidigung geltend, was eine einfache und was eine
grobe Missachtung einer wichtigen Verkehrsvorschrift darstelle, sei nicht einfach
abschätzbar. Das Bundesgericht habe die grobe Missachtung bejaht, wenn die
Verletzung der wichtigen Verkehrsvorschriften eine ernstliche Gefahr geschaffen
haben soll (vgl. BGE 136 II 447). Diese Rechtsprechung vermöge zu überzeugen,
da logischerweise angesichts der Gravität einer groben Verkehrsregelverletzung
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beide Merkmale, die Verletzung einer wichtigen Verkehrsvorschrift und die Her-
vorrufung einer ernstlichen Gefahr, kumulativ erfüllt sein müssten. Im vorliegen-
den Fall werde bestritten, dass überhaupt eine wichtige Verkehrsvorschrift vorlie-
ge, gehe die Vorinstanz doch von einer mangelnden Aufmerksamkeit aus, prüfe
aber nicht, ob eine ernstliche Gefahr durch diese angebliche mangelnde Auf-
merksamkeit geschaffen worden sei. Es müsse daher im Einzelfall entschieden
werden, ob tatsächlich eine grobe Missachtung einer Verkehrsvorschrift vorliege
oder nicht. Aus Sicht der Frage nach einem schwerwiegend regelwidrigen Ver-
halten (subjektiver Teil) müsse man festhalten, dass dies lediglich dann bejaht
werden könne, wenn der Beschuldigte objektiv betrachtet die elementarsten Sorg-
faltspflichten missachtet habe (Urk. 47 S. 4).
Nicht richtig ist zunächst der Einwand der Verteidigung, die Vorinstanz habe nicht
geprüft, ob eine ernstliche Gefahr durch die mangelnde Aufmerksamkeit ge-
schaffen worden sei. Unter III.2.4 des vorinstanzlichen Urteils hat die Vorinstanz
erwogen, dass der Beschuldigte – aus welchen Gründen auch immer – seine
Aufmerksamkeit nicht mehr der Strasse zugewendet habe, was zur Folge gehabt
habe, dass er die Beherrschung über sein Fahrzeug verloren habe und von der
rechten Fahrbahn abgekommen sei. Damit habe er objektiv grundlegende Vor-
schriften im Verkehr verletzt. Daraus habe ein erheblicher Sachschaden resultiert.
Dies sei zugleich Beleg dafür, dass eine erhöhte abstrakte Gefahr bestanden ha-
be. Die Gefahr von Sachschäden sei nicht im Stadium blosser Abstraktheit
verhaftet geblieben. Sie habe sich vielmehr realisiert. Hätten sich im Unfall-
zeitpunkt – so die Vorinstanz weiter – an der betreffenden Örtlichkeit andere Ver-
kehrsteilnehmer wie Fussgänger, Velofahrer oder andere Automobilisten auf-
gehalten, wäre der Beschuldigte aufgrund seiner schwerwiegenden Unaufmerk-
samkeit ebenso nicht imstande gewesen, einen Zusammenstoss zu verhindern.
Es sei folglich rein dem Zufall überlassen gewesen, dass durch den Unfall keine
Personen zu Schaden gekommen seien. Dass aus der massiven Unaufmerksam-
keit des Beschuldigten ohne Weiteres auch ein Personenschaden mit unabseh-
baren Folgen hätte resultieren können und der Eintritt einer solchen konkreten
Gefährdung in Anbetracht der Umstände nahe gelegen habe, genüge nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung bereits, um eine erhöht abstrakte Gefähr-
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dung und damit eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer Verkehrsteil-
nehmer zu bejahen (Urk. 26 S. 10 f.).
Die Vorinstanz hat damit – entgegen dem Vorbringen der Verteidigung – geprüft,
ob eine ernstliche Gefahr durch die mangelnde Aufmerksamkeit geschaffen wor-
den ist. Die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz erweisen sich sodann
als richtig, weshalb sie auch so übernommen werden können. Der Beschuldigte
hat durch seine mangelnde Aufmerksamkeit und damit einhergehend der Verlet-
zung des Gebots des Rechtsfahrens und des Nichtbeherrschens des Fahrzeugs
eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer geschaffen. Dass sich zum Unfallzeit-
punkt keine anderen Verkehrsteilnehmer auf der Strasse aufgehalten haben, ist
nur dem Zufall zu verdanken. Allerdings ist es nach der klaren bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung und entgegen dem Einwand der Verteidigung (Urk. 47 S. 6)
auch nicht nötig, dass weitere Verkehrsteilnehmer konkret geschädigt oder ge-
fährdet werden, sondern nur dass die naheliegende Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung gegeben ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_628/2014
vom 30. September 2014 E. 1.2; BGE 122 IV 173), was im vorliegenden Fall zu
bejahen ist. Denn wie die Vorinstanz richtig ausführte, ist es für die Annahme ei-
ner erhöht abstrakten Gefährdung unerheblich, wenn sich ein Selbstunfall
bloss auf einer in der Nacht nur wenig befahrenen Strasse zuträgt, was für die ...-
Strasse an einem Samstagabend eben gerade nicht zutrifft, wird diese doch noto-
rischerweise an einem Samstagabend rege benutzt (Urk. 26 S. 11). Wenn beim
Beschuldigten aus unbekannten Gründen eine krasse Unaufmerksamkeit vorlag,
welche dazu führte, dass er auf die linke Fahrbahn geraten ist und mit ca. 60 km/h
ungebremst mit dem parkierten Skoda Oktavia kollidierte, so ist dies typischer-
weise geeignet, Verletzungen der geschützten Rechtsgüter hervorzurufen. Hätten
sich in jenem Bereich bspw. Fussgänger aufgehalten oder hätte auf der ...-
Strasse (Gegen-) Verkehr geherrscht, so hätte die sehr nahe Möglichkeit von Kol-
lisionen mit schweren Verletzungs- oder gar Todesfolgen bestanden. Es ist weiter
notorisch, dass fehlende Aufmerksamkeit eines Fahrzeugführers im Strassenver-
kehr mitunter einer der Hauptgründe für Unfälle auch mit Personenschäden ist.
Entgegen dem Vorbringen der Verteidigung spielt es dabei keine Rolle, dass der
Beschuldigte weder sein Handy noch sein Autoradio bediente oder andere Ver-
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richtungen vornahm, welche ihn abgelenkt hätten, sondern es genügt, dass er aus
unbekannten Gründen massiv unaufmerksam war. Wenn die Verteidigung den
Entscheid des Bundesgerichts 6B_817/2011 vom 12. Juni 2012 anführt und dar-
aus den Umkehrschluss ziehen will, dass eine momentane Unaufmerksamkeit
nicht per se eine grobe Verkehrsregelverletzung darstelle, sondern nur wenn eine
physische Aktivität des Lenkers – wie eben das Bedienen des Radios, Handys
etc. – zu einer solchen geführt habe, ist dies nicht statthaft. Ein solcher Schluss
kann weder diesem Entscheid noch der übrigen bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung entnommen werden. Auch Art. 3 VRV, welcher Art. 31 Abs. 1 SVG konkre-
tisiert, ändert daran nichts. Zwar werden dort konkret Tätigkeiten umschrieben,
welche typischerweise zu einer Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit des Fahr-
zeugführers führen können, allerdings ist die Aufzählung nicht abschliessend und
auch nicht einschränkend zu verstehen. Vielmehr wird dort die allgemeine Regel
aufgestellt, dass der Fahrzeugführer seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem
Verkehr zuzuwenden hat (Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV). Und genau diese Aufmerk-
samkeit liess der Beschuldigte – wie er ja auch selber einräumt (Urk. 3/2 S. 4 F/A
14) – vermissen, ansonsten wäre er auf der rechten Fahrbahn geblieben und
nicht ohne es zu bemerken auf die andere Strassenseite gefahren und mit dem
dort parkierten Fahrzeug kollidiert. Schliesslich ist auf das Urteil des Bundesge-
richts 6B_628/2014 vom 30. September 2014 zu verweisen. Dort nahm die be-
schuldigte Person ebenfalls keine physischen Tätigkeiten vor, sondern war "ge-
danklich bei den vor den anstehenden Ferien noch zu erledigenden Arbeiten in
seinem Geschäft" (E. 1.5.1), was zur momentanen Unaufmerksamkeit und
schliesslich zu einem Unfall führte.
Was den Grad und die Dauer der Unaufmerksamkeit des Beschuldigten angeht,
so ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass dem Beschuldigten nicht bloss
ein "Schlenker" unterlief, sondern er vielmehr beide Strassenhälften vollständig
überquerte. Wie die Vorinstanz richtig geschlossen hat, ergibt sich aus der Über-
sichtsaufnahme und der Detailaufnahme des Skoda Oktavia (Urk. 2), dass dieser
vor allem auf der – von der Fahrtrichtung des Beschuldigten aus gesehen – rech-
ten Vorderseite beschädigt wurde. Dies lässt darauf schliessen, dass der Be-
schuldigte, nachdem er den linken Randstein touchiert hatte, in einem flachen
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Winkel, leicht seitlich und ungebremst auf den Skoda Oktavia aufgeprallt ist. Hier-
für spricht nicht nur, dass das Fahrzeug des Beschuldigten auf der Seite zu liegen
kam, sondern auch dass die Wucht des Aufpralls ausgereicht hat, um den Skoda
Oktavia auf den hinter diesem parkierten Porsche zu schieben, was bei einem
Aufprall von der Seite nicht möglich gewesen wäre. Aufgrund des Gesagten er-
hellt, dass der Beschuldigte eben nicht nur für kurze Zeit auf die falsche Fahrbahn
geraten ist. Da der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben nicht mitbekommen
hat, dass er sich mit seinem Fahrzeug auf der falschen Fahrbahn fortbewegt hat,
ist von einer nicht nur kurzen Unaufmerksamkeit auszugehen.
2.3. Der Beschuldigte hat die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer schlicht
nicht bedacht. Es ist deshalb zu prüfen, ob ein Fall von unbewusster Fahrlässig-
keit gegeben ist. Wie bereits erwähnt wird in einem solchen Fall vorausgesetzt,
dass der Täter aus Rücksichtslosigkeit die Gefährdung anderer Verkehrsteil-
nehmer nicht bedenkt. Gemäss Polizeirapport vom 24. Juli 2017 herrschte ein ge-
ringes – den Angaben des Beschuldigten zufolge gar kein (Urk. 3/2 S. 5 F/A 25) –
Verkehrsaufkommen, die Strasse war feucht, der Himmel war bedeckt, es waren
keine Sichtbehinderungen vorhanden (Urk. 1). Aufgrund dieser Umstände be-
stand mit der Vorinstanz (Urk. 26 S. 13) keine erhöhte Pflicht zur Aufmerksamkeit,
wie es etwa der Fall gewesen wäre bei Regen, einem hohen Verkehrsaufkom-
men, Fussgängerstreifen, Bus- und Tramverkehr oder in einer Baustellensituation
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_628/2014 vom 30. September 2014 E. 1.5.1).
Wie erwähnt hat der Beschuldigte zweifellos "bloss momentan die Gefährdung
fremder Interessen nicht bedacht". Allerdings muss es sich dabei doch um einen
beachtlichen Moment gehandelt haben, nachdem er ohne jeglichen äusseren An-
lass gleich die ganze Gegenfahrbahn und den Fahrradstreifen überquerte, den
linken Randstein touchierte und schliesslich auf dem leicht erhöhten Parkstreifen
frontal ungebremst in ein dort parkiertes Fahrzeug geprallt ist. Mit anderen Worten
war der Beschuldigte nicht nur geringfügig unaufmerksam, sondern er muss in er-
heblichem Masse – zeitlich und qualitativ – abgelenkt gewesen sein. Anders lässt
sich nicht erklären, wie der Beschuldigte auf einem geraden Streckenabschnitt
ohne erkennbare Fremdeinflüsse von ihm unbemerkt mit dem dort parkierten
- 17 -
Fahrzeug kollidieren konnte. Wie der Beschuldigte ja selber zu Protokoll gab, sei
er normal gefahren und plötzlich habe er den Knall gespürt, alles sei umhergeflo-
gen und dann habe er den Airbag wahrgenommen. Dies bedeutet, dass er die
ganze Zeit, während welcher er auf die Gegenfahrbahn und darüber hinaus auf
den Parkstreifen geraten ist, nicht bewusst wahrgenommen hat. Dies spricht für
ein qualitativ erhebliches Mass an Unaufmerksamkeit. Doch auch in zeitlicher
Hinsicht musste der Beschuldigte für eine geraume Zeit unaufmerksam gewesen
sein. Die ...-Strasse verläuft auf dem fraglichen Streckenabschnitt beinahe ge-
rade. Das Lenkrad musste deshalb vor Beginn seiner geistigen Abwesenheit für
eine gerade Fahrt ausgerichtet gewesen sein. Wie der Beschuldigte selber aus-
sagte und auch von der Verteidigung geltend gemacht wird, nahm der Beschul-
digte keine Manipulationen an Radio, Mobiltelefon oder etwas Ähnlichem vor und
hatte auch keinen Sekundenschlaf (vgl. Urk. 3/2 S. 3 f. F/A 6 und 16; Urk. 47
S. 5), weshalb eine (unbeabsichtigte) schnelle Drehung am Lenkrad ausge-
schlossen werden kann. Damit bleibt bei lebensnaher Betrachtung nur noch eine
allmähliche Richtungsänderung des Fahrzeuges aufgrund schleichender Drehung
des Lenkrades übrig, was wiederum bedeutet, dass das Fahrzeug nur langsam
auf die andere Fahrbahn geraten ist. Die Unaufmerksamkeit hat sich deshalb
nicht nur auf Sekundenbruchteile bezogen, sondern muss mehrere Sekunden an-
gedauert haben. Bei einer Unaufmerksamkeit derart erheblichen Masses ist eine
Rücksichtslosigkeit im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu beja-
hen, nachdem auch keine besonderen Indizien das Gegenteil nahelegen (Urteil
des Bundesgerichts 6B_628/2014 vom 30. September 2014 E. 1.2 mit Hinwei-
sen). Denn auch wenn keine besonderen Hindernisse auf der Fahrbahn waren
oder Verkehr herrschte, fuhr der Beschuldigte immerhin nachts und bei feuchter
Strasse mit 60 km/h. Dies bedingte zwar im Sinne der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung keine erhöhte Aufmerksamkeit, aber erlaubte natürlich auch kein
"Schlafen" oder "Träumen".
2.4. Was die allgemeinen Voraussetzungen der Voraussehbarkeit und Ver-
meidbarkeit angeht, kann zunächst auf die diesbezüglichen Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 26 S. 14 f.). Aufgrund der persönlichen Fähig-
keiten und Kenntnisse wäre der Beschuldigte imstande gewesen, grössere Sorg-
- 18 -
falt walten zu lassen, als er es getan hat und damit den eingetretenen Erfolg vor-
auszusehen und zu vermeiden. Für den Beschuldigten waren – als gewohnter Au-
toführer (Urk. 3/2 S. 7 F/A 40), welcher über Erfahrung im Strassenverkehr
und über genügende Fahrpraxis verfügt – die den Erfolg herbeiführenden Ge-
schehensabläufe mindestens in den wesentlichen Zügen voraussehbar. Ihm war
klar, dass es zu schwerwiegenden Unfällen kommen kann, wenn man nicht auf-
merksam fährt. Der eingetretene Erfolg hätte auch vermieden werden können,
wenn der Beschuldigte die in der Situation von ihm geforderte Aufmerksamkeit
hätte walten lassen. Wäre der Beschuldigte aufmerksam gewesen und hätte sich
auf die Strasse konzentriert, wäre es nicht zum Spurwechsel und dem Unfall ge-
kommen, sondern er wäre auf der rechten Fahrspur geblieben. Dieser Ansicht ist
auch der Beschuldigte selber (vgl. Urk. 3/2 S. 4 F/A 20). Die Voraussehbarkeit
und die Vermeidbarkeit sind aufgrund des Gesagten zu bejahen, weshalb der Be-
schuldigte fahrlässig gehandelt hat. Es sind keine Rechtfertigungs- oder Schuld-
ausschlussgründe erkennbar. Der Beschuldigte ist deshalb wegen einer fahrlässi-
gen groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m.
Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 34 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 100
Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Ausgangslage
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Geldstrafe von 20 Tagessät-
zen zu je Fr. 30.– (Urk. 26 S. 21). Die Verteidigung beantragte, der Beschuldigte
sei milde zu bestrafen, ohne einen konkreten Antrag betreffend Strafhöhe zu stel-
len (Urk. 47 S. 2).
2. Strafrahmen und allgemeine Prinzipien der Strafzumessung
2.1. Die fahrlässige grobe Verletzung von Verkehrsregeln wird mit Freiheits-
strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 90 Abs. 2 SVG). Gemäss
- 19 -
Art. 34 Abs. 1 StGB beträgt die Geldstrafe höchstens 180 Tagessätze, sofern das
Gesetz nichts anderes vorsieht.
2.2. Innerhalb dieses Rahmens ist die Strafe nach dem Verschulden des Täters
zu bemessen. Das Gericht berücksichtigt dabei das Vorleben und die persön-
lichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters
(Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-
delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie
weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Begriff des
Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der kon-
kreten Straftat beziehen, wobei im Einzelnen zwischen der Tat- und der Täter-
komponente zu unterscheiden ist (vgl. allgemein BGE 117 IV 113; BGE 122
IV 241; BGE 123 IV 153; BGE 127 IV 103; BGE 129 IV 20).
Bei der Tatkomponente ist der Ausgangspunkt die objektive Schwere des Delikts
(HUG in DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER, StGB-Kommentar, 19. Aufl., Zürich
2013, Art. 47 N 7 ff.). Dabei sind insbesondere das Ausmass des Erfolgs, die Art
und Weise des Vorgehens, der Deliktsbetrag sowie die Grösse der kriminellen
Energie zu berücksichtigen. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere sind insbe-
sondere die Intensität des verbrecherischen Willens, das Mass an Entscheidungs-
freiheit des Täters sowie das Mass der Pflichtwidrigkeit zu beurteilen (HUG in
DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER, StGB-Kommentar, 19. Aufl., Zürich 2013,
Art. 47 N 7 ff; BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 90 ff.).
2.3. Bei der Strafzumessung ist sodann das Nachtatverhalten eines Täters zu
berücksichtigen. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren
(wie zum Beispiel Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit, vgl. dazu TRECHSEL/
THOMMEN in TRECHSEL/PIETH (Hrsg.), StGB Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2018, Art. 47 N 22; BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 109).
Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung
von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd (BSK
StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 130 f.). Das Bundesgericht hielt in seinen
- 20 -
Entscheiden BGE 118 IV 349 und 121 IV 202 dafür, ein positives Nachtatver-
halten könne zu einer Strafreduktion im Bereich von einem Fünftel bis zu einem
Drittel führen (vgl. auch BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 131).
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Die Vorinstanz erwog bezüglich der objektiven Tatschwere, dass der Be-
schuldigte elementare Regeln im Strassenverkehr missachtet habe, indem er in
hohem Grad unaufmerksam gewesen sei und entsprechend die Kontrolle über
sein Fahrzeug vollständig verloren habe. Obwohl die Unaufmerksamkeit des Be-
schuldigten "nur" einen erheblichen Sachschaden verursacht habe und insbeson-
dere keine Personen verletzt worden seien, sei dennoch zu berücksichtigen, dass
auch Personen hätten folgenschwere Schäden davon tragen können. Der Be-
schuldigte habe durch sein Fehlverhalten und seine Unaufmerksamkeit nicht nur
sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer einer nicht einzugrenzen-
den Gefahr ausgesetzt. Beim subjektiven Verschulden sei hingegen zu berück-
sichtigen, dass dem Beschuldigten kein Vorsatz vorgeworfen werden könne und
der eingetretene Erfolg der erhöhten Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer
nicht von seinem Willen geleitet worden sei, sondern auf seine pflichtwidrige Un-
aufmerksamkeit zurückzuführen sei. Der Beschuldigte habe grobfahrlässig ge-
handelt (Urk. 26 S. 17 f.).
Diese Erwägungen erweisen sich als richtig und können so übernommen. Das
Verschulden ist als leicht zu taxieren.
3.2. Was die Täterkomponente angeht, so ergibt sich aus den Akten, dass der
Beschuldigte in den Vereinigten Staaten geboren wurde und mit drei Jahren in die
Schweiz gekommen ist. Nachdem er zunächst die International School in D._
besucht hatte, absolvierte er die Volksschule bevor er die Matura am Gymnasium
E._ machte. Derzeit studiert der Beschuldigte .... Der Beschuldigte hat kein
eigenes Einkommen und wird von seinen Eltern finanziell unterstützt. Ihn treffen
keine Unterstützungspflichten. Der Beschuldigte hat ein geringes Vermögen und
keine Schulden. Er weist keine Vorstrafen auf (Prot. I S. 4 ff.; Urk. 27), was straf-
zumessungsneutral zu behandeln ist (BGE 136 IV 1).
- 21 -
3.3. Mit der Vorinstanz ist dem Beschuldigten zu Gute zu halten, dass er sich
geständig und kooperativ zeigte. Seine Beanstandungen im Berufungsverfahren
beschlagen einzig die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz. Allerdings gilt
es zu berücksichtigen, dass die Beweislage im vorliegenden Fall komfortabel ist
und dem Beschuldigten seine Tat ohne grossen Aufwand auch ohne seine Ge-
ständnis hätte nachgewiesen werden können. Sein Geständnis hat die Unter-
suchung somit nicht wesentlich erleichtert. Gleichwohl ist sein Geständnis auch
vor dem Hintergrund seines übrigen Verhaltens im Verfahren (Prot. I S. 7 und 9;
Urk. 3/1 S. 4 F/A 41) mit der Vorinstanz (Urk. 23 S. 18) als Ausdruck aufrichtiger
Reue zu werten, was merklich strafreduzierend zu berücksichtigen ist.
3.4. Gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB beträgt ein Tagessatz höchstens Fr. 3'000.–.
Die Höhe des Tagessatzes ist nach den persönlichen und wirtschaftlichen Ver-
hältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen
und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten
sowie nach dem Existenzminimum zu bestimmen. Aufgrund der oben genannten
finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten (vgl. auch Urk. 4/7 und 46/1-5) ist der
Tagessatz auf Fr. 30.– festzusetzen.
3.5. Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz, es sei der Beschuldigte
neben der Geldstrafe mit einer Busse in der Höhe von Fr. 300.– zu bestrafen
(Urk. 15). Die Vorinstanz hat von einer Bestrafung mit einer Busse abgesehen
(Urk. 26 S. 19).
Fällt das Gericht eine bedingte Strafe aus – was vorliegend, wie noch zu zeigen
sein wird, der Fall ist –, so kann die bedingte Strafe gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB
mit einer unbedingten Geldstrafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB ver-
bunden werden. Wenn die Vorinstanz den Verzicht auf das Aussprechen einer
Busse damit begründet, dass dem Verschulden des Beschuldigten durch die be-
dingte Geldstrafe bereits angemessen Rechnung getragen ist und von der auszu-
sprechenden Strafe bereits eine ausreichende Warnwirkung ausgehe, so über-
sieht sie, dass die Funktion der Verbindungsgeldstrafe respektive -busse eine
mehrfache ist. Sie trägt zwar einerseits dazu bei, dass unter spezial- und general-
präventiven Gesichtspunkten eher geringe Drohpotential der bedingten Geldstrafe
- 22 -
zu erhöhen. Sie kommt daher insbesondere in Betracht, wenn dem Täter zusätz-
lich zur bedingten Grundstrafe ein sofort spürbarer Denkzettel verpasst werden
soll; die Verbindungsstrafe hat damit auch eine spezialpräventive Bedeutung. Mit
der Verbindungsbusse soll ferner aber auch die Schnittstellenproblematik zwi-
schen der unbedingten Busse für Übertretungen und der bedingten Geldstrafe für
Vergehen entschärft werden; sie hat insoweit nach Auffassung des Bundes-
gerichts auch eine generalpräventive Funktion. Vorliegend handelt es sich um ei-
ne klassische Schnittstellenproblematik, wie sie für Delikte im Strassenverkehr
sehr häufig vorkommt. Ebenfalls nicht überzeugen kann das Argument, dass dem
Verschulden des Beschuldigten durch die bedingte Geldstrafe bereits angemes-
sen Rechnung getragen ist. Denn die Strafkombination – bedingte Geldstrafe und
Verbindungsbusse – darf nicht zu einer Straferhöhung führen oder eine zusätz-
liche Strafe ermöglichen (BGE 134 IV 60 E. 7.3.2).
Im vorliegenden Fall wäre es durchaus angemessen gewesen, den Beschuldigten
neben der Bestrafung mit einer bedingten Geldstrafe mit einer Busse zu belegen.
Aufgrund des Verschlechterungsverbotes hat es aber bei der Geldstrafe sein Be-
wenden.
4. Fazit
Der Beschuldigte ist nach Würdigung aller relevanten Umstände mit einer Geld-
strafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 30.– zu bestrafen.
V. Vollzug
Nur schon aus prozessualen Gründen (Art. 391 Abs. 2 StPO) ist der bedingte
Aufschub der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren zu bestä-
tigen, wobei sich dies im konkreten Fall aber auch als angemessen erweist und
von der Staatsanwaltschaft nicht dagegen opponiert wird.
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VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Antrag der Verteidigung zu den Kostenfolgen
Die Verteidigung stellte den Antrag, es seien die Kosten beider Verfahren auf die
Gerichtskasse zu nehmen (Urk. 47 S. 2).
2. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens
Ausgangsgemäss – es bleibt bei einer Verurteilung des Beschuldigten – ist die
vorinstanzliche Kostenverlegung (Dispositiv-Ziffer 6) zu bestätigen (Art. 426
Abs. 1 StPO).
3. Kosten des Berufungsverfahrens
3.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen.
3.2. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im
Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten
Anträge gutgeheissen wurden (BSK StPO-DOMEISEN, Art. 428 N 6).
3.3. Vorliegend unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen auf Freispruch
vom Vorwurf der groben Verletzung der Verkehrsregeln, Schuldigsprechung we-
gen einer einfachen Verkehrsregelverletzung und einer milderen Bestrafung. Wie
noch zu zeigen sein wird, unterliegt er sodann mit seinem Antrag auf Entschädi-
gung. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens deshalb dem
Beschuldigten aufzuerlegen.
4. Entschädigung amtliche Verteidigung
4.1. Rechtsanwalt Dr. X._ reichte am 14. November 2018 (Datum Post-
stempel) seine Honorarnote für seine Aufwendungen und Barauslagen im Beru-
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fungsverfahren ein und stellte einen Betrag von Fr. 4'871.27 in Rechnung
(Urk. 54).
4.2. Die Entschädigung für die anwaltliche Verteidigung bestimmt sich
grundsätzlich nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September
2010 (Anwaltsgebührenverordnung; LS 215.3; vgl. auch § 1 AnwGebV; Art. 135
Abs. 1 StPO). Gemäss § 1 AnwGebV setzt sich die Entschädigung aus der
Gebühr und den notwendigen Auslagen zusammen. Die Gebühr für die Führung
eines Strafprozesses (einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrages und
Teilnahme an der Hauptverhandlung) beträgt im Bereich der Zuständigkeit des
Einzelgerichts – auch im Berufungsverfahren – in der Regel Fr. 600.– bis
Fr. 8'000.–, wobei auch zu berücksichtigen ist, ob das vorinstanzliche Urteil ganz
oder nur teilweise angefochten wurde (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. a
AnwGebV). Innerhalb dieses Rahmens wird die Grundgebühr nach den besonde-
ren Umständen, namentlich etwa nach Art und Umfang der Bemühungen und
Schwierigkeiten des Falles, bemessen.
Gemäss Praxis ist bei so genannten einfachen Standardverfahren von den in der
Anwaltsgebührenverordnung angeführten Ansätzen auszugehen. Die Anwalts-
gebührenverordnung ist jedoch so auszulegen, dass die Kosten der Verteidigung
– zumindest weitestgehend – gedeckt sind.
Bei der Festsetzung der Entschädigung der Verteidiger ist daher primär zu beur-
teilen, ob es sich vorliegend um ein so genanntes einfaches Standardverfahren
handelt. Dies beurteilt sich nach folgenden Kriterien: Aktenumfang, Komplexität
und Schwierigkeit des Falles (sowohl in tatsächlicher als auch rechtlicher Hin-
sicht), Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Person und Anzahl der an-
geklagten und zu beurteilenden Delikte (ZR 111 [2012] Nr. 16 mit Verweis auf Be-
schlüsse des Kassationsgerichtes AC040089 vom 23. Dezember 2004, E. II.3c,
und AC070031 vom 11. Juli 2008, E. 4.5).
4.3. Vorliegend ist der Umfang der Akten gering und im Berufungsverfahren ist
nur noch eine kleine Anzahl relevanter Aktenstücke dazugekommen. Moniert
wurde im Berufungsverfahren explizit nur die rechtliche Würdigung durch die Vor-
- 25 -
instanz (vgl. Urk. 34). Sodann wurde das Berufungsverfahren schriftlich durchge-
führt, wobei die Staatsanwaltschaft sich nicht eingehend vernehmen liess, son-
dern im Zusammenhang mit ihrem Bestätigungsantrag lediglich auf die Erwägun-
gen im vorinstanzlichen Urteil verwies. Die amtliche Verteidigung hatte sich des-
halb nicht mit neuen Argumenten der Staatsanwaltschaft auseinanderzusetzen.
Ferner ging es um ein einziges Delikt, welches zu beurteilen war. In Würdigung
der gesamten Umstände handelte es sich beim vorliegenden Verfahren sowohl in
qualitativer als auch quantitativer Hinsicht nicht um ein besonders schwieriges
und aufwändiges Verfahren, sondern um ein Standardverfahren im Sinne der vor-
genannten Rechtsprechung. Deshalb ist bei der Bemessung der Entschädigung
für den Verteidiger grundsätzlich von den in der Anwaltsgebührenverordnung an-
geführten Ansätzen auszugehen.
4.4. Die Grundgebühr umfasst die gewöhnlichen, d.h. regelmässig anfallenden
Bemühungen des Verteidigers im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens sowie der
Vorbereitung für dieses. Dazu zählen im Berufungsverfahren namentlich eine Be-
sprechung mit dem Beschuldigten, das Aktenstudium, die Vorbereitung und Teil-
nahme an der Berufungsverhandlung (inkl. Verfassen des Plädoyers) sowie das
Studium des Berufungsurteils (ZR 111 [2012] Nr. 15 E. 2.3.1.; ZR 101 [2002]
Nr. 19 E. 3b).
4.5. Unter Verweis auf die Erwägungen in VI.4.3 sowie angesichts der Bedeu-
tung und Schwere des Falles ist für die Verteidigung für das Berufungsverfahren
eine gesamthafte Gebühr von Fr. 3'000.– inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer
festzusetzen.
4.6. Dies erscheint umso angemessener im Lichte der nachfolgenden Erwä-
gungen: Vorab festzuhalten ist, dass der Stundensatz für amtliche Mandate
grundsätzlich Fr. 220.– beträgt (§ 3 AnwGebV), und nicht – wie von der Verteidi-
gung geltend gemacht – Fr. 300.–. In der eingereichten Honorarnote finden sich
sodann nicht zu entschädigende oder überhöhte Positionen. Nicht zu entschädi-
gen ist zunächst die Position "ER Dossier" vom 20. August 2018 als Zeitaufwand
für die Übernahme respektive Fortführung des Mandats. Die Position "Bf. v. OG
Kt. ZH/DS/KK Bf. An Klient" vom 20. August 2018 lässt sich zwar keinem pro-
- 26 -
zessualen Schriftenverkehr zuordnen. Zugunsten der Verteidigung ist allerdings
davon auszugehen, dass es sich dabei um einen Verschrieb handelt und damit
der Aufwand im Zusammenhang mit dem Erhalt der Präsidialverfügung vom
8. August 2018 (Urk. 30) gemeint ist, da diese offensichtlich zur Kenntnis ge-
nommen wurde (vgl. Urk. 34 und 44-46/5), aber in der Honorarnote nicht auf-
geführt ist. Nicht zu entschädigen ist allerdings der Zeitaufwand für die Position
"Fotokopien (18 Seiten à -.50) vom 11. Oktober 2018. Es handelt sich um Sekre-
tariatsarbeiten. Ferner machte der Verteidiger mit drei Positionen ("Aktendtudium
f. Rechtsschrft. + verfasse", "Rechtsschrift verfassen/verbessern" und "Rechts-
schrift an KG Kt. ZH") einen Aufwand von insgesamt 720 Minuten geltend. Hierzu
ist zu erwähnen, dass der Verteidiger bereits vor der Vorinstanz Aufwand für "Ak-
tenstudium/Vorbereitung" von 120 Minuten geltend machte. Wie erwähnt sind im
Berufungsverfahren keine substanziell und in der Sache wesentlichen Akten-
stücke dazugekommen. Hinzu kommt, dass die Verteidigung lediglich die recht-
liche Würdigung moniert, weshalb sich das Aktenstudium auf einige wesentliche
Aktenstücke, insbesondere das vorinstanzliche Urteil, beschränken konnte. Der
Sachverhalt war bekannt und unbestritten. Zu entschädigen ist deshalb lediglich
ein Aufwand zur "Auffrischung" der Aktenkenntnis im Umfang von 60 Minuten.
Was nun den Aufwand für das Verfassen der Rechtsschrift (gemeint: Berufungs-
begründung) angeht, so erscheint ein Aufwand von 540 Minuten insbesondere in
Anbetracht des Umfangs – die materiellen Ausführungen beschränken sich auf
9 Seiten – sowie des Umstands, dass sich die Verteidigung vertieft mit der Prob-
lematik der Abgrenzung einer einfachen von einer groben Verletzung der Ver-
kehrsregeln auseinandergesetzt hat, als angemessen (vgl. zum Ganzen Leitfaden
Amtliche Mandate vom 1. Oktober 2016). Aufgrund des Gesagten resultieren bei
einer reinen Aufwandentschädigung ebenfalls ca. Fr. 3'000.– (inkl. Barauslagen
und MWST).
4.7. Die genannten Kosten für die amtliche Verteidigung sind einstweilen auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist vorzubehalten.
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5. Entschädigung des Beschuldigten
5.1. Die Verteidigung beantragte, dem Beschuldigten sei eine Entschädigung in
der Höhe von Fr. 500.– zuzusprechen (Urk. 47 S. 2). Die Verteidigung begründete
dies als symbolische Entschädigung für das Erscheinenmüssen beim Bezirks-
gericht Horgen. Eine weitere Substantiierung blieb aus.
5.2. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie gemäss Art. 429
Abs. 1 StPO Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemes-
sene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (lit. a), der wirtschaftlichen Einbussen, die
ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (lit. b)
sowie Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Ver-
hältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (lit. c). Die Strafbehörde prüft den An-
spruch von Amtes wegen (Art. 429 Abs. 2 Satz 1 StPO).
5.3. Dem Beschuldigten ist keine Entschädigung nach Art. 429 StPO zuzuspre-
chen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden als Auslagen bereits bei den
Verfahrenskosten berücksichtigt (Art. 422 Abs. 2 lit. a und 423 StPO). Nach
Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO werden Lohn- und Erwerbseinbussen entschädigt, die
wegen Freiheitsentzug oder der Beteiligung an Verfahrenshandlungen entstanden
sind (vgl. BSK StPO-WEHRENBERG/FRANK, Art. 429 N 23). Im vorliegenden Fall
werden aber keine solchen Einbussen geltend gemacht, geschweige denn belegt,
sondern die Entschädigung habe gemäss den Ausführungen der Verteidigung
"symbolischen" Charakter. Da der Beschuldigte sodann nie vorläufig festgenom-
men oder in Untersuchungshaft war, bleibt auch kein Raum für eine Anwendung
von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO.
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