Decision ID: 9b1385e8-dcbd-453c-85d7-80f70bcbd2bc
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) N.C., geboren 1957, ist Staatsangehöriger von Serbien und Montenegro.
Nachdem er in den Jahren 1979 bis 1982 als Saisonnier in der Schweiz tätig gewesen
war, wurde ihm am 19. März 1983 eine ordentliche Jahresaufenthaltsbewilligung erteilt.
1984 gelangten die Ehefrau sowie die Söhne S., geboren 1979, und D., geboren 1982,
in die Schweiz. Die Tochter V. wurde am 2. Februar 1988 in der Schweiz geboren. Seit
November 1990 sind alle Familienmitglieder im Besitz der Niederlassungsbewilligung.
b) Zwischen 1984 und 2005 wurde N.C. wiederholt strafrechtlich verurteilt. Seit 2.
August 2005 befindet er sich im Strafvollzug in der Anstalt X.
c) Am 15. April 1999 drohte das Ausländeramt N.C. die Ausweisung an.
d) Mit Verfügung vom 6. Oktober 2005 wies das Ausländeramt N.C. für die Dauer von
fünf Jahren aus der Schweiz aus. Zur Begründung führte es im wesentlichen an, N.C.
habe wiederholt zu schweren Klagen Anlass gegeben. Sein Verschulden wiege schwer,
hätten ihn doch weder die formelle Androhung der Ausweisung noch laufende
Strafuntersuchungen davon abgehalten, erneut straffällig zu werden. Zudem komme er
seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nach.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B./ Gegen die Ausweisung erhob N.C. Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement
mit Entscheid vom 18. Januar 2006 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 3. Februar 2006 erhob N.C. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 18. Januar 2006
sei aufzuheben und es sei ihm letztmals die Ausweisung anzudrohen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt er im wesentlichen vor, bei der
Interessenabwägung seien verschiedene Aspekte zu wenig zu seinen Gunsten
berücksichtigt worden. Seine privaten Interessen am Verbleib in der Schweiz würden
das öffentliche Interesse an der Ausweisung überwiegen. Auf die einzelnen Vorbringen

in der Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 6. März 2006 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 3. Februar 2006
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
Soweit der Beschwerdeführer die Vorbringen im Rekursverfahren und vor dem
Ausländeramt als integrierenden Bestandteil der Beschwerde bezeichnet, ist indes
nicht weiter darauf einzugehen (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 921 mit Hinweis auf GVP 2000 Nr. 49).
2./ Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) kann ein Ausländer aus der Schweiz
ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich
bestraft wurde (lit. a) oder wenn sein Verhalten im allgemeinen und seine Handlungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
darauf schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich in die im
Gaststaat geltende Ordnung einzufügen (lit. b).
Die Ausweisung kann befristet, aber nicht für weniger als zwei Jahre, oder unbefristet
ausgesprochen werden (Art. 11 Abs. 1 ANAG). Sie soll nur verfügt werden, wenn sie
nach den gesamten Umständen angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 Satz 1 ANAG).
a) Art. 10 Abs. 1 ANAG ist eine typische "Kann-Bestimmung". Das Gesetz schreibt
beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen nicht zwingend die Anordnung einer
Ausweisung vor, sondern es räumt der Verwaltung diesbezüglich einen
Ermessensspielraum ein. Das Verwaltungsgericht ist zur Ueberprüfung der
Angemessenheit einer Verfügung oder eines Entscheides nicht befugt (Art. 61 Abs. 1
und 2 VRP). Es darf daher auch bei der Prüfung der Angemessenheit im Sinne von Art.
11 Abs. 3 Satz 1 ANAG nicht sein eigenes Ermessen - im Sinne einer Prüfung der
Opportunität bzw. der Zweckmässigkeit der Massnahme - anstelle des Ermessens der
Verwaltung stellen (VerwGE vom 11. November 2003 i.S. M.B.A. mit Hinweis auf
VerwGE vom 17. August 1999 i.S. J. und S.R.; BGE 125 II 107). Es kann nur
überprüfen, ob der Entscheid der Verwaltung auf einer Ueberschreitung bzw. einem
Missbrauch des Ermessens beruht und damit rechtswidrig ist (GVP 1996 Nr. 9 mit
Hinweisen).
Für die Beurteilung der Angemessenheit der Ausweisung im Sinne von Art. 11 Abs. 3
ANAG bzw. der Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Verschuldens
des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner
Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der Vollzugsverordnung
zum ANAG, SR 142.201). In der Prüfung der Angemessenheit im Sinne von Art. 11 Abs.
3 ANAG, das heisst der Verhältnismässigkeit, geht auch diejenige auf, ob die
Massnahme im Blick auf den Anspruch auf Achtung des Familienlebens im Sinne von
Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) verhältnismässig bzw.
als in einer demokratischen Gesellschaft notwendig erscheint (BGE 120 Ib 130 f.).
b) Der Beschwerdeführer wurde wiederholt wegen strafbaren Handlungen verurteilt.
Am 6. Dezember 1984 bestrafte ihn das Bezirksamt See wegen Tätlichkeit mit einer
Busse von Fr. 100.--. Am 10. März 1998 sprach das Bezirksgericht See N.C. der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mehrfachen Gefährdung des Lebens, der Hehlerei, der mehrfachen Widerhandlung
gegen die Verordnung über den Erwerb und das Tragen von Schusswaffen durch
jugoslawische Staatsangehörige und des Führens eines Motorfahrzeuges in
angetrunkenem Zustand schuldig und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von
achtzehn Monaten. Am 14. Januar 1999 verurteilte das Bezirksgericht Pfäffikon N.C.
wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von
drei Monaten. Auf den Widerruf der am 10. März 1998 ausgesprochenen Freiheitsstrafe
wurde verzichtet, jedoch die Probezeit um ein Jahr verlängert.
Am 14. Februar 2001 wurde N.C. vom Landesgericht für Strafsachen Wien wegen
gefährlicher Drohung zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt. Die Strafe
wurde bedingt ausgesprochen und eine Probezeit von drei Jahren festgesetzt. Am 13.
Januar 2005 sprach das Kreisgericht Gaster-See N.C. des Führens eines
Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustand, der groben Verletzung von
Verkehrsregeln, der Drohung und Erleichterung des rechtswidrigen Aufenthalts
schuldig und verurteilte ihn im teilweisen Zusatz zum Urteil des Landesgerichtes Wien
zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von fünfzehn Monaten und einer
Landesverweisung von sieben Jahren. Die vom Landesgericht Wien ausgefällte
Gefängnisstrafe von vier Monaten wurde vollziehbar erklärt.
Aufgrund dieser Verurteilungen sind die Voraussetzungen für eine Ausweisung gemäss
Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG offensichtlich erfüllt, was in der Beschwerde nicht bestritten
wird.
c) Im folgenden ist zu prüfen, ob die Ausweisung für die Dauer von fünf Jahren
verhältnismässig ist.
aa) Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die
fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafrichter verhängte Strafe (BGE
129 II 216).
Die Verurteilung durch das Bezirksgericht See vom 10. März 1998 zu einer
Gefängnisstrafe von achtzehn Monaten ist darauf zurückzuführen, dass der
Beschwerdeführer am 29. Juni 1996 nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem Kellerlokal im Zusammenhang mit dem Spielen um Geld in alkoholisiertem
Zustand (1,38 Gewichtspromille) nach Hause fuhr, dort eine illegal erworbene Pistole
holte, diese mit Patronen füllte, an den Ort der Schlägerei zurückkehrte und das
Magazin leer schoss. Dabei prallten acht Kugeln auf dem Vorplatz ab und fünf Kugeln
durchschlugen eine "blinde" Kellertüre, hinter der sich Menschen aufhielten. Zwei
Personen wurden durch Schussverletzungen an den Beinen verletzt. Das
Bezirksgericht See erachtete das Verschulden des Beschwerdeführers als schwer, da
dieser nicht spontan, sondern in seiner Vorgehensweise durchaus überlegt gehandelt,
ein ganzes Magazin leer geschossen und zwei Menschen verletzt habe. Als
strafmindernd wurden die wegen des Alkoholkonsums verminderte
Zurechnungsfähigkeit sowie das Fehlen von Vorstrafen, der gute Leumund und eine
leicht erhöhte Strafempfindlichkeit sowie die Einsicht und Reue gewertet.
Die Verurteilung vom 14. Februar 2001 durch das Landesgericht für Strafsachen Wien
beruhte darauf, dass der Beschwerdeführer gegen zwei Personen äusserte, er werde
diese umbringen. Die Drohungen standen im Zusammenhang mit einem "Brautkauf" für
seinen jüngeren Sohn (vgl. nachstehende Erw. bb).
Bei der Verurteilung am 13. Januar 2005 ging das Kreisgericht Gaster-See davon aus,
dass sowohl der Rückfall als auch das Zusammentreffen mehrerer strafbarer
Handlungen strafschärfend zu berücksichtigen seien. Straferhöhend wurden die
einschlägigen Vorstrafen bezüglich des Fahrens in angetrunkenem Zustand sowie die
Delinquenz trotz laufender Strafuntersuchung berücksichtigt. In subjektiver Hinsicht
wurde dem Beschwerdeführer eine ungünstige Prognose gestellt, da er innert weniger
Jahre bereits zum dritten Mal wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand und zum
zweiten Mal wegen Drohungen verurteilt werde, was als klarer Beleg für seine
Unbelehrbarkeit und seine Uneinsichtigkeit zu werten sei.
Die Vorinstanz hat das Fehlverhalten des Beschwerdeführers nicht nur aus
strafrechtlicher, sondern insbesondere auch aus fremdenpolizeilicher Sicht als äusserst
schwer gewertet. Dieser Beurteilung schliesst sich das Verwaltungsgericht an. Indem
der Beschwerdeführer bei einer Streitigkeit im Zusammenhang mit dem Geldspiel mit
einer Pistole um sich schoss und andere Menschen gefährdete und verletzte, liess er
eine erschreckende Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft erkennen. Das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wiederholte Fahren in angetrunkenem Zustand zeigt sodann, dass er auch im Bereich
der Verkehrsvorschriften wiederholt und in schwerwiegender Weise elementarste
Regeln verletzte. Er liess sich weder von laufenden Strafuntersuchungen noch vom
Bestehen einer Probezeit von weiteren Straftaten abhalten. Auch die am 15. April 1999
angedrohte Ausweisung vermochte ihn nicht zu einem rechtskonformen Verhalten zu
bewegen. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, zeigen die massiven Drohungen
gegenüber Gemeindeangestellten und gegenüber Familienangehörigen der Braut
seines Sohnes eine erhebliche Aggressivität und Gewaltbereitschaft. Die zahlreichen
Verurteilungen, das Mass der Freiheitsstrafen von insgesamt vierzig Monaten sowie die
wiederholte Delinquenz trotz Probezeit und Strafuntersuchungen begründen ein hohes
öffentliches Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers.
bb) Zugunsten des Beschwerdeführers fällt ins Gewicht, dass er sich bereits seit 1983
dauernd in der Schweiz aufhält. Je länger ein Ausländer in der Schweiz gelebt hat,
desto strengere Anforderungen sind an die Gründe für eine Ausweisung zu stellen.
Dabei ist zu berücksichtigen, in welchem Alter sich der Ausländer in der Schweiz
niedergelassen hat. Doch ist selbst eine Ausweisung von Ausländern der zweiten
Generation, die hier geboren sind und ihr ganzes bisheriges Leben in der Schweiz
verbracht haben, nicht ausgeschlossen. Nach der Praxis drängt sich Zurückhaltung
auch dann auf, wenn es sich beim Betroffenen zwar nicht um einen Ausländer der
zweiten Generation handelt, aber doch um eine Person, die ausgesprochen lange hier
gelebt hat. Solche Ausländer dürfen in der Regel ebenfalls nicht schon wegen einer
einzelnen Straftat ausgewiesen werden, selbst wenn diese ernsthafter Natur ist.
Vielmehr ist eine Ausweisung grundsätzlich erst bei wiederholten Straftaten von
einigem Gewicht angebracht. Unter Berücksichtigung aller entscheidenden Umstände
kann aber auch eine einzelne Verurteilung wegen einer besonders schwerwiegenden
Straftat zur Ausweisung führen, doch ist diese bei sehr langer Anwesenheit in der Regel
erst anzuordnen, wenn eine sich zusehends verschlechternde Situation vorliegt, d.h.
wenn der Ausländer, statt sich zu bessern, mit der deliktischen Tätigkeit fortfährt und
sich namentlich immer schwerere Straftaten zuschulden kommen lässt (vgl.
Bundesgerichtsurteil 2A.571/2005 vom 17. Januar 2006 mit Hinweisen).
Die relativ lange Aufenthaltsdauer wird in gewisser Hinsicht relativiert, da der
Beschwerdeführer bereits 1984 wegen einer Tätlichkeit gebüsst wurde. Auch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anderweitig hat der Beschwerdeführer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Ordnung verstossen. Am 17. Februar 1992 stellte der Untersuchungsrichter des
Bezirksamts See im Rahmen der Aufhebung eines Strafverfahrens gegen den
Beschwerdeführer fest, dass dieser von einer über achtzigjährigen Frau immer wieder
Geld auf eine Art erlangte, die als moralisch und ethisch verwerflich zu bezeichnen sei.
Nach den Feststellungen in der Aufhebungsverfügung hatte sich der Beschwerdeführer
1989 von einer Nachbarin Geld für den Kauf eines Fernsehgerätes und die Bezahlung
des Wohnungszinses entlehnt. Die Nachbarin habe das Geld wieder zurück verlangen
wollen und die Beträge notiert. Den entsprechenden Zettel habe der Beschwerdeführer
später zerrissen. Er habe die Frau weiterhin um Geld angebettelt. Weil sie ihm einmal
kein Geld habe geben wollen, habe er gesagt, sie müsse sich nicht wundern, wenn
einmal jemand komme, um sie zu würgen. Einmal sei der Beschwerdeführer betrunken
mit einem Kollegen erschienen und habe 100 Franken haben wollen. Die Frau habe ihm
kein Geld gegeben, worauf sie von ihm an den Händen gehalten und geschüttelt
worden sei. Im Rahmen der untersuchungsrichterlichen Befragung bestritt der
Beschwerdeführer nicht, Geld von der Nachbarin erhalten zu haben. Er stritt jedoch ab,
sie zur Herausgabe genötigt oder sie bedroht zu haben. Der Untersuchungsrichter
erachtete den Nachweis nicht als erbracht, dass der Angeschuldigte das Geld auf
strafbare Weise erlangte, qualifizierte aber das Verhalten des Beschwerdeführer als
verwerflich.
Im Rahmen einer Strafuntersuchung wegen Verdachts des Menschenhandels sowie
Widerhandlung gegen das ANAG stellte sich heraus, dass der Beschwerdeführer einem
in Wien lebenden Landsmann einen grösseren Betrag zahlte, um dessen minderjährige
Tochter mit seinem Sohn zu verheiraten. Der Beschwerdeführer erklärte bei der
Einvernahme am 24. April 2004, dass er an Weihnachten 1999 in Wien für die am 16.
Mai 1984 geborene Z.S. 260'000 Schilling (rund Fr. 40'000.--) zahlte und das Mädchen
anfang Januar 2000 nach J. mitnahm, wo sie unangemeldet bei ihm wohnte und den
Haushalt besorgte. Er habe die Familie S. in Wien kennen gelernt, wo zwei Brüder
seiner Frau wohnten. Er habe nicht gewusst, wie alt Z. gewesen sei. Ihr Vater habe
gesagt, sie sei sechzehn. Aufgrund der Erscheinung sei er der Meinung gewesen, sie
sei mindestens sechzehn oder siebzehnjährig gewesen. Er sei 1999 zwei Tage nach
Wien gefahren, um zu schauen. Der Vater von Z. habe Fr. 40'000.-- verlangt. Er habe
das Geld bei Freunden und Kollegen zusammengepumpt und es dem Vater am 25.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dezember 1999, als die Hochzeit gefeiert worden sei, gegeben. Auf die Frage, wozu sie
in die Schweiz kommen sollte, antwortete der Beschwerdeführer, um bei ihm zu
wohnen. Sie sollte da sein und heranwachsen, z.B. nach Kindern schauen, und dann
eine Arbeit finden. Auf die Frage, wieviel neben dem Brautpreis die Verlobung gekostet
habe, hielt der Beschwerdeführer fest, gesamthaft habe er Fr. 70'000.-- aufgewendet.
Das Fest in Wien habe rund Fr. 30'000.-- gekostet. Im übrigen sei er nicht der einzige,
der so ein Mädchen gekauft habe. Er kenne 40 Familien in der Schweiz, die das gleich
hielten. Für seinen anderen Sohn habe er seinerzeit auch ein Mädchen gekauft; den
Kaufpreis habe er aber nicht bezahlt. Der Vater dieses Mädchens habe kein Brautgeld
verlangt; es sei eine Verwandte, eine Cousine seiner zweiten Frau gewesen, ebenfalls in
Wien. Dieses Mädchen sei dann auch in die Schweiz gekommen, und sie hätten
während zwei Tagen in Mollis in einer Fabrikhalle Hochzeit gefeiert. Das habe ihn Fr.
60'000.-- gekostet. Auch im Ochsen in Uznach hätten schon solche Feiern
stattgefunden. Mit diesem Mädchen habe es keine Schwierigkeiten gegeben, nur mit Z.
Deren Eltern hätten einfach Angst gehabt, dass sie das Geld hätten zurückgeben
müssen. Ihr Vater habe sie mit dem Auto in J. gestohlen und weggebracht. Auf die
Frage, ob sein Sohn D. mit dem damals noch im Schutzalter stehenden Mädchen
geschlafen habe, antwortete der Beschwerdeführer, er wisse es nicht. Der Sohn habe
das "Meiteli" ja gar nicht gern. Deshalb habe ihr Vater sie auch wieder geholt, und er
habe Fr. 70'000.-- dafür bezahlt. Auf den Vorhalt, sein Sohn D. habe ausgesagt, er
habe mehrfach sexuell mit ihr verkehrt, antwortete der Beschwerdeführer, der Vater
habe ja seine Kinder verkauft, und er habe Fr. 70'000.-- dafür bezahlt. Ihren Pass habe
er im Tresor verwahrt, wo die Dokumente seien. Auf Vorhalt einer Aussage, wonach
das Mädchen vergewaltigt worden sei, hielt der Beschwerdeführer fest, das Mädchen
sei für seinen Sohn und nicht für ihn gewesen. Dies sei eine Familiensache. Wenn er es
nötig habe, gehe er für 100 Franken an die Zürcher Langstrasse. Die Brautkäufe für die
jeweils rund achtzehnjährigen Söhne seien ihre Mentalität, ihre Tradition. Jeder Vater
und jede Mutter müsse eine solche Hochzeit ausrichten. In Jugoslawien könne man mit
sechzehn heiraten, d.h. nicht staatlich und mit Ring. Dafür müsste man achtzehn sein.
Solche Hochzeiten seien nicht strafbar. Er sei sicher nicht der einzige.
In der Beschwerde wird vorgebracht, die Drohung gegen die Familienangehörigen einer
Braut eines seiner Söhne sei verständlich, nachdem der Beschwerdeführer einen
beträchtlichen Betrag an diese bezahlt habe, um die Heirat zu ermöglichen. Diese
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Heirat sei dann aus Verschulden der Familie der Braut geplatzt. Diese Ausführungen
sind nicht nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer handelte in hohem Masse
verwerflich, als er einem Landsmann eine hohe Geldsumme bezahlte, um ein
fünfzehneinhalbjähriges Mädchen mit seinem Sohn nach Brauch zu verheiraten und
illegal in die Schweiz zu bringen. Dieses Verhalten des Beschwerdeführers stellt einen
eklatanten Verstoss gegen den Ordre Public dar und zeigt ausserdem, dass beim
Beschwerdeführer nicht von einer nennenswerten Integration in die schweizerischen
Verhältnisse gesprochen werden kann. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, ist eine
Ausweisung um so eher zulässig, wenn sich der Ausländer trotz längerer Anwesenheit
in der Schweiz nicht oder nur wenig integriert hat, hauptsächlich mit Landsleuten
zusammen ist und enge Beziehungen zu seinem Heimatland pflegt (BGE 2A.540/2001
vom 4. März 2002).
cc) Zutreffend ist, dass der Bericht der Strafanstalt für den Beschwerdeführer günstig
lautet. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Betreuer auch festhält, der
Beschwerdeführer sei aufbrausend und nach Alkoholgenuss aggressiv. Sodann führte
er aus, der Beschwerdeführer äussere immer wieder Vorstellungen, die jenseits des
hiesigen kulturellen Verständnisses seien.
Die fehlende Integration zeigt sich namentlich auch darin, dass der Beschwerdeführer
gegenüber dem Betreuer der Anstalt erklärte, wenn er die Schweiz verlassen müsse,
nehme er seine Tochter mit und verheirate sie an irgend einen reichen Mann. Obwohl
er nach Angaben des Betreuers diese Aussage relativierte und festhielt, das sei seine
Tradition gewesen, aber er sei jetzt 23 Jahre in der Schweiz und würde das nie tun,
belegen solche Aussagen die mangelhafte Eingliederung und zeigen, dass sich seine
Mentalität im Grundsatz nicht entscheidend geändert hat. Auch im Zusammenhang mit
dem Brautkauf für seine Söhne verhielt sich der Beschwerdeführer trotz des langen
Aufenthalts in der Schweiz gemäss den geltend gemachten Traditionen und verstiess in
schwerwiegender Weise gegen den Ordre Public. Einen ebensolchen Verstoss
kündigte er nun in Bezug auf seine Tochter an, falls er die Schweiz verlassen muss.
dd) In der Beschwerde wird geltend gemacht, es sei nicht von der Hand zu weisen,
dass der Beschwerdeführer an einer Persönlichkeitsstörung leide bzw. gelitten habe.
Ob ein solches Leiden früher bestand oder ob es heute noch besteht, wäre von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erheblicher Bedeutung. Darüber macht der Beschwerdeführer allerdings keine näherern
Angaben. Er hat im Verfahren vor dem Ausländeramt einen Bericht seines Hausarztes
vom 20. September 2005 eingereicht, wonach er an einer schwerwiegenden Krankheit
(Persönlichkeitsstörung) leide, aufgrund derer er eine IV-Rente erhalte. Aufgrund des
Berichtes der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Uznach, besteht
beim Beschwerdeführer eine
emotional instabile Persönlichkeitsstörung von impulsivem Typus. Als Nebendiagnose
wurde ein Alkoholabhängigkeitssyndrom festgestellt. Das Kreisgericht Gaster-See
berücksichtigte in seinem Urteil vom 13. Januar 2005 die Persönlichkeitsstörung als
strafmindernd, verneinte aber eine Verminderung der Zurechnungsfähigkeit. Unter
diesen Umständen kann auch im Rahmen der fremdenpolizeilichen
Interessenabwägung die Persönlichkeitsstörung nicht in nennenswertem Mass
zugunsten des Beschwerdeführers ins Gewicht fallen.
ee) Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, kann Wohlverhalten im Strafvollzug nicht als
besondere Leistung eingestuft werden. Zutreffend wird im angefochtenen Entscheid
ausgeführt, es sei ungewiss, wie sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner
Persönlichkeitsstörung und seiner Alkoholproblematik in Freiheit verhalten werde.
Jedenfalls ist der Beschwerdeführer während einer Zeitspanne von über zehn Jahren
wiederholt und in gravierendem Masse straffällig geworden, dies trotz Androhung der
Ausweisung, Strafuntersuchungen und Probezeiten, und auch das Strafgericht hat ihm
bei der letzten Verurteilung eine schlechte Prognose gestellt.
ff) Zugunsten des Beschwerdeführers fallen bei der Interessenabwägung wie erwähnt
die lange Aufenthaltsdauer, aber auch die familiären Verhältnisse ins Gewicht. Wie die
Vorinstanz zutreffend festhielt, sind die beiden Söhne des Beschwerdeführers in den
Jahren 1979 und 1982 geboren und damit längst volljährig, weshalb die Beziehung zu
ihnen nicht mehr besonders berücksichtigt werden kann. Auch die Tochter ist
mittlerweile volljährig, weshalb sich der Beschwerdeführer diesbezüglich auch nicht auf
Art. 8 EMRK berufen kann. Fest steht allerdings, dass die Ausweisung zu einer
Trennung von der Ehefrau führen würde, falls diese in der Schweiz bliebe. Dabei ist
aber auch zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bereits während des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
laufenden Strafvollzuges aus eigenem Verschulden von seinen Familienangehörigen
getrennt ist.
Hinzu kommt, dass eine Rückkehr nach Serbien für den Beschwerdeführer nicht mit
unüberwindlichen Problemen verbunden ist. Er spricht nach wie vor die heimatliche
Sprache, und seine Mutter sowie sein Bruder leben in Serbien. Dort besitzt er ein
Gebäude, das er mit seiner Familie zum Verbringen der Ferien nutzte. Ausserdem wird
ihm die IV-Rente auch nach einer Rückkehr in die Heimat ausgerichtet.
d) Zusammenfassend kommt das Verwaltungsgericht aufgrund der vorstehenden
Erwägungen zum Schluss, dass die Vorinstanz die massgebenden Aspekte zutreffend
gewichtet und die Verhältnismässigkeit der Ausweisung des Beschwerdeführers für die
Dauer von fünf Jahren zu Recht bejaht hat. Von einem Verstoss gegen Art. 11 Abs. 3
ANAG und Art. 8 EMRK kann nicht gesprochen werden. Insbesondere wäre auch die
Androhung einer Ausweisung nicht zweckmässig, da gegenüber dem
Beschwerdeführer bereits vor längerer Zeit die Androhung einer Ausweisung
ausgesprochen wurde und er sich von dieser Massnahme in keiner Weise
beeindrucken liess. Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).