Decision ID: 78455737-a231-4c4d-93ae-dd003d33a7a3
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978,
arbeitete
seit
dem
1.
September 2005 mit einem Pensum von 100
%
als Büroangestellte für die
Y._
(
Urk.
11/2/5
,
11/5
und 11/10
)
, als sie a
m
1.
Januar 2009
mit dem Personenwagen ihrer Mutter
verunfallte, der darauf in Brand geriet und einen Totalschaden erlitt (
vgl.
Urk.
11/7).
Am
5.
und am
6.
Januar 2009 suchte
die Versicherte
Dr.
med.
Z._
, Fach
a
rzt FMH für Innere Medizin, auf.
Er
stellte
Hämatome fest und
attestierte
der Versicherten
zuerst keine
(
Urk.
11/8/110)
, dann jedoch
am 9.
Januar 2009 ab dem 6. Januar 2009 eine 80%ige Arbeitsunfähigkei
t
(
Urk.
11/8/102)
. Diese bestätigte er weiter bis
Ende Februar 2009
,
anschliessend
bescheinigte er
bis Ende April
2009
eine 50
%ige Arbeitsunfähig
keit
(vgl.
Urk.
11/8/53,
11/8/71,
11/8/100, 11/8/102
,
11/8/110
und 11/9
).
Die Schweizerische
Unfallversiche
r
ungsanstalt
(Suva) als Unfallversicherer richtete
der Versicherten
Taggelder aus und übernahm Heilbehandlungskosten (vg
l.
Urk.
11/8). Sie liess am 17.
April 2009 ein
ambulantes Assessment
in der
A._
durchführen, gemäss welchem weitere
Abklärungen
erforderlich
erschienen
(vgl.
Urk.
11/8/54 ff.).
Am 2
4.
April 2009 sprach die Arbeitgeberin der Versicherten die Kündigu
ng per Ende Juli 2009 aus (Urk.
11/1/2).
Die Versicherte meldete sich
im
August
20
09
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an, da sie
beim Auto
u
nfall ein
Schleudertrauma erlitten habe und seither gesundheitlich beeinträchtigt sei
(vgl. Urk.
11
/
2
). Die IV-Stelle zog
darauf
die Akten der Suva bei (
vgl.
Urk.
11
/
8
und 11/12
) und tätigte weitere erwerbliche (Urk.
11/5
und
11/10
) und medizi
nische (Urk.
11/
9
) Abklärungen
.
Mit Vorbescheid vom 1
0.
Januar 2010 stellte sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (vgl.
Urk.
11/14 und 11/15).
Nach Eingang weiterer
Unterlagen
der Suva (
Urk.
11/18) kündigte
die IV-Stelle
der Versichert
en
ergänzende
Abklärungen an (Urk.
11/19).
In der Folge nahm sie
diverse
Arztberichte
zu den
Akten (
Urk.
11/22, 11/24 bis 11/27 und 11/29) und gab ein polydisziplinäres Gutach
ten in Auftrag, das am 1
7.
April 2012 vom
B._
erstattet wurde (
Urk.
11/40). Mit Vorbescheid vom
1.
Juni 2012 stellte die IV-Stelle der Versicherten
erneut die Abweisung des
Leistungsbe
gehrens
in Aussicht (vgl.
Urk.
11/44 und 11/45).
Dagegen liess die Versicherte
unter Einreichung neuer Dokumente
Einwand erheben
und
erstmals
vorbringen, dass sie am 3
0.
Mai 2008 Opfer einer sexuellen Nötigung
durch einen Unbe
kannten
geworden sei,
deren
gesundheitliche
Auswirkungen bisher nicht abge
klärt worden seien
(
Urk.
11/50,
11/51 und 11/54)
. Hernach wurde ein
Austritts
bericht
der
C._
vom 21.
Dezember 2012 zu den Akten gegeben
(
vgl.
Urk.
11/59
und 11/60
).
Die IV-
Stelle
holte eine Stellungnahme des p
sychi
atrischen Teilgu
tachters
des
B._
vom
6.
Februar 2013 e
in
(
vgl.
Urk.
11/61 und
11/66)
und beauftragte ihn mit
eine
r
ergänzende
n
psychiatrische
n
Begutach
tung (vgl.
Urk.
11/69 und 11/70).
Nachdem die
Versicherte
ihren behandelnden Psychiater einen
Bericht
vom 1
7.
Juli 2013
hatte
einreichen
lassen
(
vgl.
Urk.
11/82
), hielt die IV-Stelle
an der weiteren
psychiatrische
n
Abklärung durch
den begutachtenden Psychiater des
B._
fest
(
Urk.
11/83)
.
Die Rechtsvertreterin der Versicher
ten teilte der IV-Stelle am 16.
September 2013 mit,
es sei ihr unverständlich, dass nicht eine Begutachtung durch eine Ärztin angeordnet worden sei. Zwischenzeitlich hätten sich die Ereignisse überschlagen. I
hre Man
dantin
sei
von ihrem Vater grün und blau geschlagen worden
(
Urk.
11/84
). Dazu
wurden
entsprechende Unterlagen ein
gereicht
(vgl.
Urk.
11/85).
Am
2.
Dezember
2013
wurde das psychiatrische Gutachten des
B._
erstattet
(
Urk.
11/92). Nach dem Eingang wei
terer Akten der Suva (vgl. Urk.
11/102) stellte die IV-Stelle der Versi
cherten mit Vorbescheid vom 19.
Februar 2014 ab November 2013 eine ganze Invalidenrente in Aussicht (vgl.
Urk.
11/116 und 11/117).
Dagegen liess die Versicherte Einwand erheben und weitere medizini
sche
Unterlagen
einreichen (
Urk.
11/126 und 11/127). Letztere wurden dem
psy
chiatrischen
Gutachter des
B._
zur ergänzenden Stellungnahme zugestel
lt (
Urk.
11/130),
die
er am 16.
Juli 2014
erstattete
(Urk.
11/132). Nachdem sich die Rechtsvertreterin der Versicherten dazu geäussert hatte (vgl.
Urk.
11/136), sprach die IV-Stelle der Ver
sicherten mit Verfügung vom 20.
Januar 2015 wie angekündigt ab November 2013 eine ganze Invalidenrente zu (
vgl.
Urk.
2
, 11/143 und
11/148).
2.
Gegen die Verfügung vom 20. Januar 2015 liess die Versicherte mit Eingabe vom 19. Februar 2015 (Urk. 1) Beschwerde erheben. Ihre Rechtsvertreterin, Rechtsanwältin Sabine
Furthmann
, beantragte, es sei der Beschwerdeführerin
bereits
ab dem
1.
Februar 2010 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventu
aliter sei eine öffentliche Verhandlung durchzuführen und die beantragten Beweise seien abzunehmen, insbesondere seien die genannten Zeugen und die Beschwerdeführerin zu befragen. U
nter Kosten- und Entschädigungs
folgen zu La
sten der Beschwerdegegnerin
. Ferner ersuchte sie um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege und um Bestellung als unentgeltliche Rechtsvertreterin (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am
13
.
April 2015
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 10
). Davon wurde der Gegenpartei mit
Verfügung vom
17
.
April 2015
Kenntnis gegeben
, mit welcher ihr die unentgeltliche
Prozess
führung
gewährt und die beantragte unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt wurde (Urk. 12
).
Mit Beschluss vom
1.
März 2016 wurde die Beschwerdeführerin darauf aufmerksam gemacht, dass das Gericht die Verfügung zu ihrem N
achteil
ändern könnte
(
reformatio
in
peius
)
, und es wurde
ihr Gelegenheit
eingeräumt, um dazu
Stellung
zu nehmen (
Urk.
14)
.
Sie tat dies mit Eingabe vom
5.
April 2016 (
Urk.
18)
und reichte ein
e
ärztliche
Bestätigung
des behandelnden Psychi
aters
v
om 1
9.
März 2016 ein (
Urk.
24; vgl. auch
Urk.
22 und 23)
.
Davon wurde der Beschwerdegegnerin Kenntnis gegeben (
vgl.
Urk.
19
und 25
).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften
und die im
Beschwerde
verfahren
neu eingereichten Unterlagen (vgl.
Urk.
3
/6
, 3/7, 3/8, 3/11 und
24
)
wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Begründung ihre
r Verfügung vom 20.
Januar 2015 auf die Ausführungen der Gutachter des
B._
, insbesondere diejenigen von
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
cho
therapie
. Demnach sei der Beschwerdeführerin nach Ablauf
der einjährigen Wartezeit (
November 2013) keine Arbeitstätigkeit mehr zumutbar
(Urk. 2).
Demgegenüber lässt die Beschwerdeführerin geltend machen,
es dürfe nicht
voll
umfänglich
auf die Beurteilung von
Dr.
D._
abgestellt werden. Vielmehr
seien
für die Zeit von Januar 2009 bis November 2012
die echtzeitlichen und
ausführlichen Beurteilungen durch die behandelnden und gutachterlich tätigen Fachärzte massgebend (vgl.
Urk.
1
und
18
).
3
.
3
.1
Die Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte im August 2009
(
vgl. Urk. 11/2
)
. Es steht somit ein Rentenanspruch ab dem 1. Februar 2010 zur Diskussion (Art. 29 Abs. 1 IVG). Dabei ist
zum Teil
strittig und zu prüfen, wie sich die medizinischen Verhältnisse, namentlich die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit,
zwischen
dem 1. Februar 2009 (vgl. Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG)
und der ange
fochtenen Verfügung vom 2
0.
Januar 2015
präsentierten. Diesbezüglich lässt sich den vorinstanzlichen Akten Folgendes entnehmen:
3.2
Nebst den eingangs erwähnten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
bis Ende April 2009
verfasste
Dr.
Z._
am 1
8.
Juni 2009 einen Bericht, in dem er einen Status nach Distorsionstrauma der Halswirbelsäule am
1.
Januar 2009 mit Frontalkollision, ein
residuelles
zervikovertebrales
und
zervikobrachiales
Schmerz
syndrom
rechts und anhaltende rezidivierende Kopfschmerzen als Diagnosen festhielt (Urk. 11/8/37).
Sämtliche Angaben
bestätigte er später schriftlich gegenüber der IV-Stelle und
erklärte
, die Arbeitsunfähigkeit
seit dem
1.
Mai 2009
betrage 0
%
(
Bericht vom 1
6.
September 2009;
Urk.
11/9, insbe
sondere 11/9/5).
3.3
V
om 2
7.
August bis zum 2
2.
Oktober 2009
hielt sich die Beschwerdeführerin
stationär in der
A._
auf
. Im Austrittsbericht vom 28.
Oktober 2009 wurden die folgenden Diagnosen aufgeführt (
Urk.
11/12/2):
A.
Unfall vom 01.01.2009: PW-Frontalkollision
HWS-Distorsion QTF II (ohne MTB), Prellung beider Kniegelenke
A1
Persistierendes,
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom
A2
Migräneartiger Kopfschmerz rechtsseitig
A3
Intermittierend
Schwankschwindel
(
Otoneurologische
Untersu
chung vom 08.09.2009: Zentrale Störung des Gleichgewichts–
sinns
, DD medikamentös; DD stark funktionell und phobisch ver
ursacht; wahrscheinlich unfallfremde leichte Hörstörung rechts)
B.
Leichtgradige depressive Episode mit zusätzlichen Es
sattacken nach Unfall (mit prot
r
ahierten Schmerzen) und einem sehr kränkenden
Stellen
verlust
bei
anankastisch
-leistungsorientierter Persönlichkeit (ICD
10: F32.0, F50.4, Z73.1)
C.
Adipositas
.
Aktuell bestehe
eine leichte Leistungsminderung infolge einer psychischen Störung mit Krankheitswert. Die angestammte Tätigkeit sei der Versicherten ganztags zumutbar. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit werde ein erleichterter Wiedereinstieg vorerst halbtags mit sukzessiver Ausdehnung des
Arbeitspen
sums
zum Vollpensum innerhalb einer Zeitspanne von etwa 2
3
Monaten empfohlen (
Urk.
11/12/3).
3
.
4
Am
6.
November 2009 begab sich die Beschwerdeführerin in die ambulante Behandlung
von
Dr.
med.
E._
, Fachärztin FMH für Psychi
atrie und Psychotherapie.
Diese wies in ihrem Bericht vom 2
8.
Dezember 2009 darauf hin, dass die Patientin vor dem Unfall vom
1.
Januar 2009 unter keinen psychischen Schwierigkeiten gelitten habe (
Urk.
11/18/45)
,
und diagnostizierte aktuell eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.25, 4
3.22). Differential
diagnostisch
seien eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1
), eine nicht organische Schlaf
störung mit Al
b
träumen, neben einer schmerzbedingten Schlafstörung, Ess-Attacken bei sonstiger psychischer Störung (ICD-10: F50.4) und eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) in Betracht zu ziehen (
Urk.
11/18/46).
Bis heute könne
die Patientin die Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses nicht nachvollziehen, da sie bereit gewesen sei, sich seit dem Sommer 2003
für diese Stelle
aufzuopfern. Jetzt, wo sie im Zusammenhang mit den Einschränkungen ihrer Leistungsfähigkeit
nach
dem Unfall darauf angewiesen gewesen sei, dass ihr der Arbeitgeber entgegen komme, habe sie die Kündigung erhalten.
Zu den Befunden wurde festgehalten, dass der
Autounfall für
die Patientin
eine lebensbedrohliche Erfahrung gewesen
sei
. Insbesondere sei es schockierend gewesen, dass das Auto abgebrannt sei, kurze Zeit nachdem sie es verlassen ha
b
e. Noch heute habe sie Flashbacks, bei denen sie in der Nacht beim Schlafen gestört werde durch den Geruch von Rauch. Sie habe dann
grosse Ängste, dass es brenne, s
ie
leide
auch
unter
Albträume
n
von Bränden und
von
ihrem brennenden Auto, die ihr bis heute Schlafprobleme bereiten würden. Daneben gebe es schmerzbedingte Schlafprobleme (
Urk.
11/18/45).
Sie fühle sich seit dem Unfall hilflos, traurig, überfordert, sehr reizbar, alleine gelassen und mache sich immer wieder grosse Vorwürfe. Es bestünden auch kognitive Störungen der Aufmerksamkeit und der Konzentrationsfähigkeit.
Ihren Aussagen zufolge
habe die Patientin seit dem Unfall 25 kg zugenommen. Das Essen lenke sie für kurze Zeit von ihren körperlichen und seelischen Schmerzen ab. Inzwischen habe die Gewichtszunahme ihr Selbstwertgefühl derart einbrechen lassen, dass sie sich auch sozial immer mehr zurückziehe. Sie kämpfe mit bisher nie gekannten
Selbstaversionen, vor allem in Bezug auf ihren von Schmerz
en
und Überge
wicht gezeichneten Körper (
Urk.
11/18/46).
Dr.
E._
attestierte der Beschwerdeführerin ab dem
1.
November 2009 eine 100%ige und ab dem 1
9.
März 2010 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
11/22/7).
3
.
5
Am 1
0.
Februar 2010 wurde die Beschwerdeführerin vom K
reisarzt der Suva,
Dr.
med.
F._
, Facharzt
FMH
für orthopädische Chirurgie, unter
sucht (vgl.
Urk.
11/18/26 ff.). Bei dieser Gelegenheit erklärte
sie auch
, dass es bei der psychiatrischen Behandlung vorwiegend um die Schmerzen gehe, die ihr Alltagsleben stark einschränken würden. Die psychischen Beschwerden stünden nicht im Vordergrund. Das Hauptproblem seien ihre Schmerzen und dass sie sich nicht bewegen könne (
Urk.
11/18/29). Aufgrund der erhobenen somati
schen Befunde und nach Einsichtnahme
in die
Röntgen- und MRI
Aufnahmen gelangte
Dr.
F._
zum Schluss, dass er keinen objektivierbaren Grund habe, an der
in
A._
erfolgten
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
zu zweifeln. Er halte medizinisch-theoretisch eine volle Arbeitstätigkeit als Sachbearbeiterin im Büro oder in einer
anderen körperlich
leichten Tätigkeit als zumutbar
(
Urk.
11/8/33)
.
Ferner
notierte
Dr.
F._
, dass
ihm
während der aktuellen klinischen Untersu
chung das erhebliche und gemäss Angaben der Explorandin seit dem
Unfaller
eignis
angefallene Übergewicht aufgefallen sei. Daneben zeige
sie
ein massives Schmerzdemonstrations- und Schmerzvermeidungsverhalten. Tonuserhöhungen der Schultergürtel- und Nackenmuskulatur seien nur zeitweise vorhanden. Ausserhalb der expliziten Untersuchungssituation werde auch der Kopf normal bewegt und werde der rechte Arm normal eingesetzt. Das erschwerte Gleichge
wicht sei bei unauffälligem Unterberg-Tretversuch und normalem Sterngang organisch nicht erklärbar (
Urk.
11/18/32).
M
ed.
pract
.
G._
, Facharzt FMH für Psych
iatrie und Psychotherapie, vom v
ersicherungspsychiatrischen Dienst der Suva
untersuchte
die Beschwer
deführerin am 2
6.
Februar 2010
(vgl.
Urk.
11/18/3 ff.).
Er
diagnostizierte eine reaktive depressive Störung, aktuell leichten Grades (ICD
10: F32.01)
,
mit erheblicher Selbstwertproblematik und Störungen des Essverhaltens (ICD-10: F50.4). Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
Die Explorandin sei aufgrund der depressiven Störung bei noch anhaltender Schmerz- und körperlicher Beschwerdeproblematik kaum über eine
Halbtages
tätigkeit
hinaus belastbar. Von der Fortsetzung der psychiatrischen Behandlung sei eine bedeutsame Beschwerdebesserung zu erwarten, es müsse jedoch mit einem Zeitraum zwischen sechs Monaten und einem Jahr gerechnet werden
(
Urk.
11/22/27)
.
3
.
6
Die Beschwerdeführerin
wechselte
a
m
1
9.
März beziehungsweise am
2
3.
April 2010 in
die
Behandlung von
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Psychi
atrie und Psychotherapie,
d
er
ihr eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (vgl.
Urk.
11/22/7).
In einem
ersten
Zwischenb
ericht vom 2
2.
Juli 2010
(
Urk.
11/24/2 und 11/24/3)
diagnostizierte er eine psychische Dekompensation mit depressiven, phobischen und somatischen Symptomen nach mehrfachen Schicksalsschlägen bei bis anhin lebensbewährter Persö
nlichkeit
(tragende Stütze einer
Immigrantenfami
lie
, sequentielle Traumatisierung)
. Die eher statistisch und
administrativ ausge
richtete ICD-Katalogisierung werde seines Erachtens diesem komplexen Fall kaum gerecht. So bleibe die beschreibend zutreffende Klassifikation F32.01 vor
dergründig, da das Erscheinungsbild durch die erhaltene persönlichkeitsbedingte Abwehr wesentlich mitbedingt sei, dafür eben vermehr
t
somatische Symptome und unkontrollierte Impulshandl
ungen zum Zuge kämen (ICD-10: F5
0.4 u.a.). Dabei seien auch zweifelsohne posttraumatische Elemente festzustellen, auch wenn sie eben nicht so isoliert daherkämen, um eine PTBS (ICD-10: F43.1) zu diagnostizieren.
Seit dem Unfall sei es zu einer eklatanten
Übergewichtsent
wicklung
gekommen.
Für die Patientin sei es auch schwierig, von einer gewissen in den Vor
be
handlun
gen entstandenen Medikamentenabhängigkeit loszukommen. Bezüg
lich der vielfältigen körperlichen Symptome zeige sich eine grundlegende
Angst
problematik
. Dies habe zu mannigfachen somatischen Abklärungen geführt, die immerhin relative Beruhigungen gebracht hätten. Bei
Angstdurch
brüchen
nehme sie entgegen ihren eigenen rationalen Bedenken auch
ausser
medizi
nische
Hilfe in Anspruch. Dies zeige einerseits die Tiefe der
Befindlich
keits
störung
, könne aber auch ein Hinweis darauf sein, dass alternative Methoden durchaus zur Stabilisierung der auf allen Ebenen psychisch, sozial und körper
lich aus dem Gleichgewicht geratenen Frau be
i
tragen könn
t
en (
Urk.
11/24/2).
Aktuell sei die Arbeitsunfähigkeit gesamthaft auf 100
%
festzusetzen, nachdem das RAV
die Patientin
nach drei Monaten als nicht vermittelbar eingestuft habe, da sie kaum über 1-2 Stunden eine Tätigkeit ohne Schmerzstörung durchhalten könne. Nach den Angaben der Patientin stelle dies nur eine formelle Änderung dar und kein
en
Wechsel der Arbeitsfähigkeit, da die Bemühungen des RAV bloss als Arbeitsversuch gegolten hätten und mit dem Vertrauenspsychiater der Suva besprochen worden sei, dass 50
%
als Unfallfolge die Suva beträfen, dage
gen 50
%
als Krankheit ihre Erwerbsunfähigkeitsversicherung bei der Helsana. Längerfristig scheine ihm nach relativer Stabilisierung die Einschaltung einer persönlichen Betr
euung im Sinne eines Jobcoach
s als angebracht (
Urk.
11/24/3).
Am
2.
Dezember 2010 vermerkte
Dr.
H._
ein unverändertes Beschwerdebild. Die fortgeführte antidepressive Medikation zeige keinen wesentlichen Erfolg. Zudem habe sich eine ungünstige Gewöhnung an einen hohen Schmerz- und Schlafmittelkonsum eingestellt, der in der aktuellen Situation kaum ambulant abbaubar sei. Die von der Suva geforderte Festlegung der Arbeitsunfähigkeit bezeichnete
Dr.
H._
als problematisch, zumal bereits wiederholt eine psychi
atrische Begutachtung stattgefunden habe (
Urk.
11/27/34 f.).
In einem weiteren Bericht vom
7.
März 2011 (
Urk.
11/26)
diagnostizierte
Dr.
H._
erneut eine schwere somatisch-psychische Dekompensation mit depressi
ven, phobischen und vielfältigen somatischen Symptomen und Beschwerden (zur Zeit i
m
Gefolge der massiven Übergewichtsentwicklung) nach mehrfachen traumatisierenden Schicksalsschlägen bei bis anhin
lebensbewähr
ter
Persönlichkeit, überdies eine mittelgradige depressive Episode mit Angst- und Fressanfällen
,
Herzrasen bei Status nach Autounfall und eine
Anpassungs
störung
, Angst und Depression gemischt (ICD-10: F43.22).
Anamnestisch hielt er unter anderem fest, dass sich die Patientin nach einer traumatisch bedingten Krise, die auch ihre Ehe mitzerstört habe, gut zu erholen schien und ihre Arbeit wieder aufzunehmen planen konnte, als sie den Autounfall erlitt. Trotz dieses neuen Schicksalss
chlages habe sie an ihrem Rehab
i
li
tationsplan festgehalten und versucht, teilzeitlich ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Eine neuerlich
e
Ent
täuschung dadurch, dass die Vorgesetzten sie entgegen den Abmachungen schliesslich fallen liessen, habe vermutlich die vermehrt depressive und regres
sive Entwicklung in Gang gesetzt, die offenbar auch durch den stationären Rehabi
li
tationsaufenthalt nicht
habe aufgefangen werden können. Zum Befund
hielt
Dr.
H._
fest
, dass hinter der aufrechterhaltenen Fassade die
hochver
ängstigte
regressive Befindlichkeit durch Durchbrüche völliger Perspektivlosig
keit, Tränen, Ängste, in ihrem Sein nicht zur Realisierung ihrer Wünsche als Frau zu kommen, sichtbar werde. Die sonst kommunikative, aktive und hilfsbe
reite Patientin habe sich ganz auf ihren engsten Familienkreis zurückgezogen, zeige aber auch darin eine starke Scham- und Rücksichtsproblematik. Die Suche nach Zuversicht habe die sonst rational wirkende Patientin in die verzweifelte Suche nach Hilfe auch bei Hellsehern und
zu
Fressanfällen getrieben. Wegen einer Häufung zusätzlicher somatischer Probleme sei sie ständig in anderweiti
ger ärztlicher Behandlung (hauptsächlich bei
Dr.
Z._
).
Mindestens während der aktuellen Beobachtungszeit betrage die Arbeitsunfähigkeit 100
%
(
Urk.
11/26/2).
Bis zum
3
1.
August
2011 bestätigte
Dr.
H._
bei unveränderten Diagnosen
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
vgl.
Urk.
11/27/9
und 11/40/31
).
3
.7
Im Auftrag der Helsana Versicherungen AG als Krankentaggeldversicherer
unter
suchte
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psyc
hotherapie, die Beschwerdeführerin am 2
0.
September 2010 und erstattete am 3
0.
September 2010
ein psychiatrisches Gutachten (vgl.
Urk. 11/50/6 ff.). Darin erwähnte er unter anderem, dass die Versicherte ihren Angaben zufolge schon vor dem Unfall vom Januar
2009 wegen psychischer Probleme
vorüber
gehend
bei
Dr.
H._
in Behandlung gewesen sei. Diese
Probleme
dürften traumatischer Natur
gewesen
sein.
Dr.
H._
habe ihm gegenüber erklärt, dass die Versicherte nicht nach aussen darüber sprechen wolle. Sie habe damals gesagt, dass diese Pro
blematik bewältigt sei (
Urk.
11/50/14).
Bei der Untersuchung habe
Dr.
I._
ein Zustandsbild erhoben, das
im Wesentlichen demjenigen bei der Abklärung durch den Psychiater der Suva im Februar 2010 und in stärkerer Form demjenigen aus dem psychiatrischen
Konsil
in
A._
im September 2009 entsprochen habe (
Urk.
11/50/23).
Dr.
I._
gelangte zum Schluss, dass psychodynamisch gesprochen ein psychosomatischer Leidenszustand mit ausgesprochen regressiven Tendenzen vorliege. Einerseits sei die Versicherte nach der Kündigung in eine subjektiv erlebte völlige Invalidität geraten, was ihre Leistungsfähigkeit
betreffe
. Ander
seits hätten sich – möglicherweise im Zusammenhang mit der
Remeronthe
rapie
– Essattacken respektive ein von ihr als süchtig bezeichnetes Essverhalten ein
gestellt,
womit
sie die physischen Schmerzen und die Kränkungsemotionen zu kompensieren versuche. Dieser Leidenszustand lasse sich am ehesten als Anpassungsstörung (ICD-10: F43.25) mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten klassifizieren (
Urk.
11/50/23 f.). Ein wesentlicher Bestandteil dieser Anpassungsstörung sei das geklagte Nackenschmerzsyndrom mit seiner Ausweitung auf Knie und Rücken. Begleitet respektive interdependent verstärkt werde die Störung von einer leicht- bis mittelgradigen depressiven Verstim
mung, die von früheren Untersuchern unter
ICD-10:
F32.01/F32.1 klassifiziert worden sei. Von einer posttraumatischen Belastungsstörung könne seines Erachtens nicht ausgegangen werden, wenngleich die Versicherte über starke Erinnerungen an den Unfall und den Brandgeruch berichte. Ob andere, ihm nicht bekannte Traumen eine Rolle spielen könnten, vermöge er nicht zu sagen (
Urk.
11/50/24).
So wie die Versicherte die zuletzt ausgeübte Tätigkeit ihm gegenüber dargestellt habe (mit grossem Ausmass an Autofahren und an sozialen Kontakten mit den Mitarbeitern auf Baustellen; eigenständiges Beurteilen und Einschätzen der durch diese verursach
t
en Schäden), sei die Versicherte aktuell wahrscheinlich mehrheitlich in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Sollte diese Tätigkeit
aber vorwiegend nur leichtere Büroarbeit mit Telefonaten und PC-Arbeit gewe
sen sein, so wären etwa sechs Stunden pro Tag, allenfalls mit einer Pause zumutbar. Die Produktionsleistung sei dabei wahrscheinlich
um 20
%
reduziert (
Urk.
11/50/25 f.
).
Bei leichteren Büroarbeiten bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von etwa 50
%
(
Urk.
11/50/28).
3
.8
Med.
pract
.
G._
untersuchte die Beschwerdeführerin am 1
8.
Januar 2011 erneut psychiatrisch und diagnostizierte eine
anhaltende depressive Störung leichteren Grades (ICD-10: F32.01), eine Störung des Essverhaltens mit erhebli
chem Übergewicht (ICD-10: F50.4) und eine undifferenzierte Somatisierungs
störun
g (ICD-10: F45.1), weswegen ihr lediglich eine leichte, gut
strukturierbare
und überschaubare Arbeitstätigkeit im Bürobereich im Umfang von 50
%
zumutbar sei, je nach Verlauf mit langsamer schrittweiser Steigerbarkeit
(vgl.
Urk.
11/27/19 ff.).
3
.
9
Aufgrund einer Intoxikation mit
Zolpidem
/
Sirdalud
und des Verdachts auf Hypo
thyreose
wurde die Beschwerdeführerin am
6.
Juni 2011 notfallmässig ambulant im Spital
J._
behandelt. Gemäss den Angaben des Toxikologie-Zentrums wa
ren bei der eingenommenen Dosis
von 40 mg
Zo
l
pidem
keine Komplikationen zu erwarten. Bei leicht erhöhtem T
SH und grenzwertig tiefem fT3 wu
rde eine latente Hypothyreose als möglich erachtet. In Anbetracht der depressiven Verstimmung
wurde geraten,
eine probatorische
Thyroxinsubstitu
tion
in Erwägung zu ziehen (
Urk.
11/27/11 und 11/27/12).
3
.
10
Das Gutachten des
B._
vom 1
7.
April 2012 (
Urk.
11/40) basiert auf internisti
schen, psychiatrischen und orthopädischen Untersuchungen
vom 30. Januar 201
2.
Als
Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein zervikal und lumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Sympto
matik festge
h
alten (ICD-10: M54.80) b
ei fortgeschrittener
O
steochondrose
LWK4/5, klinisch bildgebend ohne
Kompromittierung
neuraler Strukturen (
ICD10:
M51.2). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die Somati
sierungs
störung (ICD-10: F45.0), die Adipositas, der Verdacht auf Migräne (ICD
10: G43.9V) und der Status nach
erosiver
Gastritis und
Bulbitis
09/10 (ICD-10: K29.1Z).
Aus orthopädischer
S
ich
t
bestehe für die angestammte Tätigkeit im Büro keine Arbeitsunfähigkeit. Bei der psychiatrischen Untersuchung sei aufgefallen, dass das Ausmass der geklagten Schmerzen und die subjektive
Krankheitsüberzeu
gung
, nicht mehr arbeiten zu können, durch die somatischen Befunde nicht hinre
ichend objektiviert werden könn
t
en. Es müsse eine psychische Überlage
rung angenommen werden. Dabei handle es sich um eine Somatisierungsstö
rung. Ansonsten könne keine weitere psychiatrische Diagnose gestellt werden
und die Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht
nicht ein
geschränkt. Auch aus allgemeininternistischer Sicht könne keine Diagnose mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Bezüglich des Verdachts auf Migräne sei die Arbeitsfähigkeit bei Anfällen reduziert. Daraus ergebe sich jedoch keine lang
an
dauernde Arbeitsunfähigkeit. Insgesamt sei die Explorandin aus
polydiszipli
närer
Sicht für die angestammte Bürotätigkeit und für andere körperlich leichte bis mittelschwere angepasste Tätigkeiten voll arbeitsfähig (
Urk.
11/40/23).
3
.
11
Vom
1.
November bis zum 2
0.
Dezember 2012 wurde die Beschwerdeführerin stationär in der
C._
behandelt. Dort wurden in psychischer Hinsicht eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD
10: F32.11), psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, schädlicher Gebrauch, (ICD-10: F13.1), Probleme mit einer
Persön
lichkeitsakzentuierung
(ICD-10: Z73.1) und eine posttraumatische
Belastungs
störung
(ICD-10: F43.1) diagnostiziert
. Ursache für die posttraumatische
Belas
tungsstörung
sei eine Vergewaltigung im Jahr 200
8.
Als zusätzlicher
Triggerfaktor
für die rezidivierenden depressiven
Episoden sei
zudem eine chronische Schmerzsymptomatik im Rahmen eines Schleudertraumas nach Autounfall im Jahr 2009 zu sehen, welche die Patientin neben der PTSD
Symptomatik zusätz
lich in ihren Aktivitäten einschränke (Urk.
11/59/1).
Zum Zeitpunkt ihrer Ent
lassung
aus der Klinik, die in leicht
gebessertem Zustand erfolge
(
Urk.
11/59/4),
sei die Patientin zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 11/59/5).
3
.12
Am
6.
Februar 2013 reichte
Dr.
D._
, welcher das psychiatrische
Teilgutach
ten
des
B._
erstattet hatte, eine erg
änzende Stellungnahme ein (Urk.
11/66).
Er verwies darauf, dass im Rahmen der psychiatrischen Unters
u
chung eine einge
hende Erhebung der Anamnese stattgefunden habe und ein ausführlicher psy
chopathologischer Befund erhoben worden sei. Eine derart ausgedehnte
Befund
aufnahme
könne nicht in
lediglich
30 Minuten durchgeführt werden, wie es ihm von Seiten der Beschwerdeführerin vorgeworfen werde.
Di
e Explorandin
habe
den 2008 erlittenen sexuellen Übergriff
ih
m
gegenüber
nicht erwä
hnt. Bei der Untersuchung durch
Dr.
I._
habe der behan
delnde Psychiater erklärt, dass die Explorandin dieses Ereignis nicht länger belaste.
Dr.
D._
habe bei der Untersuchung
keine depressiven Symptome feststellen können. Die Explorandin habe berichtet, dass sie zweimal pro Woche eine physiotherapeutische Behandlung besuche, zweimal pro Woche schwimmen gehe und einmal pro Woche den Psychiater aufsuche. Sie habe erwähnt, dass ihr Ehemann wieder bei ihr lebe, dass sie regelmässig Kontakt mit zwei Kusinen habe. Sie habe explizit berichtet, dass sie keine Suizidgedanken habe, dass sie
sich aber aufgrund ihrer Schmerzen nicht vorstellen könne zu arbeiten. Sie habe keine Albträume und keine Flashbacks erwähnt. Es hätten bei der psychiatrischen Untersuchung am 3
0.
Januar 2012 also keine Hinweise für eine depressive Störung oder für das Vorhandensein einer posttraumatischen Belastungsstörung bestanden.
Es sei auch zu erwähnen, dass die Explorandin bereits vor dem Unfall eher zurückgezogen gelebt und im Rahmen der psychi
atrischen Untersuchung erwähnt habe, dass sie zu ihren Familienangehörigen nach wie vor gute Kontakte habe.
Er halte
daher an den eigenen gutachterlichen Ausführungen fest.
Für die ange
stammte Tätigkeit im Büro und für eine andere leichte bis mittelschwere ange
passte Tätigkeit habe im Zeitpunkt der Untersuchung eine Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit von 100
%
bestanden
.
Ob sich das psychische Zustandsbild seit der psychiatrischen Untersuchung vom 3
0.
Januar 2012 verändert habe, könne
er naturgemäss nicht beurteil
en
(
Urk.
11/66/3)
.
3
.13
Dr.
H._
vertrat
in seinem Bericht vom
1
7.
Juli 2013 die Auffassung, dass sich die Beschwerdeführerin nur schwer öffne und trotz ihrer Not unter allen Umständen gegen aussen und auch sich selbst gegenüber
eine
Fassade auf
rechtzuerhalten versuche. Er habe das Wesentlichste in diagnostischer, the
ra
peutischer und rehabilitativer Hinsicht bereits
i
n seinen Berichten
vom
2010 und 2011 festgehalten.
Man sollte es vielleicht nur wirklich lesen und ernst nehmen, und bei Zweifeln oder offenen Fragen könnte man ja auch rückfragen. Es sei ihm unverständlich, dass die
sich
schon früh abzeichnende drohende Invalidität nicht ernst genommen worden und die in anderen Fällen früh einsetzende Kontaktnahme und Rehabilitationsbemühungen der IV unterblieben seien. Die Verschiebung auf die juristische Ebene befördere nur eine ungünstige Entwicklung.
Die psychotherapeutischen Möglichkeiten
seien
angesichts der tiefsitzenden psychodynamischen Problematik und
der
fortwährenden somatischen Probleme mit langwierigen wöchentlichen A
bklärungen bis anhin beschränkt
gewesen
.
D
amit
lasse sich
eine selbst nur sehr behutsame Aufnahme einer Erwerbstätig
keit ohne die vorgeschlagene fachliche rehabilitative Unterstützung
nicht erwägen
. Nach der schliesslich erfolgten
Seleeve
-Operation sei wegen anschei
nend organisch bedingten schwerwiegenden Schluckbeschwerden
A
nfang April dieses Jahres eine Re-Operation notwendig und nun ein Magen-bypass angelegt worden. Es würden erhebliche organische Restbeschwerden persistieren, weswe
gen weitere Abklärungen vorgesehen seien
(
Urk.
11/82/2)
.
In der psychotherapeutischen Arbeit seien deutliche Fortschritte zu verzeichnen. Die Patientin habe in vertrautem Umfeld an Offenheit und Einsicht in ihre
Problematik gewonnen. Dabei hätten sich vielfach anfängliche Vermutungen bestätigt, dass die sequentielle Traumatisierung, die zur psychisch-somatisch-sozialen Dekompensation geführt habe, in Konfliktfeldern und –
situationen
stattgefunden habe und auch mit einer angstneurotischen Struktur der ganzen Familie in Wechselbeziehung stehe, einer chilenischen Flüchtlingsfamilie mit entsprechenden nachweisbaren traumatischen Erlebnissen mit
transgene
rationellen
Folgen.
Der kürzlich erlittene Herzinfarkt des Vaters habe bei der Patientin zu einer
exacerbierenden
Angst- und Schuldgefühlsproblematik geführt, so dass die Sitzungsfrequenz auf zwei Stunden pro Woche habe
erhöht
werden müssen.
Der Fall sei geradezu ein Lehrbeispiel dafür, wie eine oberflächliche und vorder
gründige, an einem zu erfragenden Symptomkat
a
log orientierte Exploration, ohne eigenständige Anamnese und Fremdanamnese, in einem individuellen vorwiegend psychody
namisch zu erfassenden Fall am W
esentlichen vorbeige
hen könne und
sich in weltfremden, unzutreff
enden, inadäquaten und unge
rechten Irrealitäten verliere, bei denen schliesslich auch die folgenden juristi
schen Streitigkeiten um administrative, kaum wissenschaftliche Klassifikationen nicht weiterhelfen könnten
(
Urk.
11/82).
In einem weiteren Bericht vom
8.
September 2013 (
Urk.
11/85) führte
Dr.
H._
aus, dass er die Beschwerdeführerin er
stmals vom 3
0.
Juni bis zum 28.
No
vember 2008 behandelt habe, nachdem sie das Opfer einer sexuell
en Nöti
gung geworden sei, die unter anderem
das Aus für ihre eheliche Beziehung bedeutet habe. Nach dem Unfall vom
1.
Januar 2009 sei es nur noch zu weni
gen ver
einzelten Konsultationen im Frühjahr 2009 gekommen, bis sich die Patientin Ende März 2010 in erschreckend übergewichtigem Zustand wieder bei ihm ge
mel
det habe.
Psychopathologisch zeigten sich hinter dem sich gegen jegliche die Kompensa
tion bedrohende Annäherung kontraphobisch aufrechterhaltenen Bild „alles ist bestens“
eine umfassende psychische Regression mit grundlegender
Lebensunsi
cherheit
, katastrophalen Ängsten, phobischem sozialen Rückzug,
Selbstschädi
gungstendenzen
(Ritzen) und abgewehrten
,
stark depressiven Verstimmungen mit Suizidgedanken, die möglicherweise mit aktivierten auch transgenerational vermittelten
praegenitalen
katastrophalen Ängsten im Zusammenhang
stünden
. Jedenfalls zeige die Patientin neben der ausgeprägten Schamproblematik auf
fallend extreme Trennungsängste, die von der Familie, bei der sie nach wie vor eine spezifische fürsorgliche Rolle einnehme, weitgehend geteilt würden.
Vor diesem Hintergrund sei es nun zu einem nur scheinbar gegensätzlichen Eklat häuslicher Gewalt gekommen. Nachdem der Vater am
3.
Juli 2013 einen
Her
zinfarkt erlitten habe, worauf
ihn die Tochter
zu Untersuchungen und
Reha
bilitationsbesprechungen
begleitet habe, sei es offenbar nach geäusserten
Täto
wierungsabsichten
des volljährigen Sohnes zu einer heftigen familiä
ren Ausei
nandersetzung gekommen.
Der
Vater
sei
auf die ihren 11
Jahre jüngeren
Bruder verteidigende Tochter losgegangen und
habe sie grün und blau geschlagen. Er habe
ihr die Schuld an seinem Herzinfarkt gegeben
, ihr gedroht, den Sohn bei seinem Tod ins Grab mitzunehmen
und sie zum
sofortigen Auszug aufgefordert
. Seither zeige die Patientin offen Verzweiflung, Angst und Panik. Sie benötige vermehrte stützende Betreuung und Medikation.
Die Patientin meide den Kon
takt zu ihrem Vater, der sie seinerseits ignoriere. Sie schliess
e
sich in ihrem Zimmer ein mit langandauernden Heulanfällen und Schlaflosigkeit, wohne aber aktuell meistens bei ihrem Bruder (
Urk.
11/85/2).
Erst jetzt kämen hinter der angstneurotisch anmutenden familiären Struktur zu vermutende Umstände zur Sprache, wie die möglicherweise mit den traumati
schen Misshandlungserfahrungen in
K._
und der Flucht in Zusammenhang stehenden Im
pulskontrollverluste des Vaters
, Kindsverluste, kindliche Depriva
tion und langjährige Depressivität der Mutter.
Die Patientin sei jetzt in einem deutlich
dekompensierten
psychischen
Zustand, fühle sich schlechter als je, sei voller Ängste und Verzweiflung. Sie könne sich eine neuerliche Begutachtung nicht vorstellen durchzustehen ohne anwesende vertraute Begleitung.
Am 2
5.
September 2013 wies
Dr.
H._
darauf hin, dass sich die Situation weiter zugespitzt habe und zusätzlich ein Familiendrama drohe. Unberücksich
tigt scheine auch zu bleiben, dass die nun von 95 auf 47 kg abgemagerte Patientin ja seit langem auch in ständiger (invasiver) somatischer Behandlung stehe, was ja schon von daher einer Anstellung im Erwerbsleben ohne institu
tionelle Unterstützung entgegenstehe
(
Urk.
11/86/1).
3
.14
Dr.
D._
vom
B._
untersuchte die Beschwerdeführerin am 1
1.
November 2013 erneut und erstattete darauf sein Gutachten
vom
2.
Dezember 201
3.
Dieses
enthält die folgenden Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.
11/97/10):
1.
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
2.
Agoraphobie (ICD-10: F40.0)
3
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)
4.
Benzodiazepinabhängigkeit
(ICD-10: F13.25).
Der psychische Zustand der Explorandin habe sich seit der letzten Untersuchung vom 3
0.
Januar 2012 verschlechtert. Bei der damaligen Untersuchung habe sie
nicht vom sexuellen Missbrauch berichtet und praktisch nur ihre somatischen Beschwerden erwähnt, die sie im Alltag und bei der Arbeit behindern würden. Nur am Rande habe sie von leichten Ängsten berichtet.
In der Zwischenzeit habe sich das psychische Zustandsbild deutlich verschlech
tert. Die Explorandin habe anlässlich der aktuellen Untersuchung über Ängste, angstbesetzte Träume
,
Nachhallerinnerungen und eine ausgeprägte Agoraphobie geklagt. Es sei auch klar geworden, dass der 2008 erlittene Missbrauch wesent
lich dazu beigetragen habe, dass die Ehe gescheitert sei und sie in der Folge mit den durch den Unfall verursachten somatischen Beschwerden kaum adäquat habe umgehen können. Die Explorandin habe anlässlich der ersten Untersu
chung auch die häuslichen Verhältnisse beschönigt und nicht davon berichtet, dass der Vater eigentlich als Despot in der Familie herrsche, regelmässig
seine Ehefrau
zusammenschlage und keine Widerrede dulde
. Seit
die Explorandin
von ihrem Vater zusammengeschlagen worden sei, leide sie unter massiver Angst
und fühle sich völlig verunsich
ert (Urk.
11/97/10)
.
Es sei schwierig zu beurteilen, ab wann es zu einer Richtung gebenden Ver
schlechterung gekommen sei. In Anbetracht der in der Zwischenzeit ergangenen Akten und der anamnestischen Angaben der Explorandin müsse davon ausge
gangen werden, dass sie anlässlich der ersten Exploration ihren Zustand beschönigt und ihre Beschwerden dissimuliert habe.
Sie habe damals nicht vom sexuellen Überfall, von Ängsten, angstbesetzten Träumen und sexuellen Schwierigkeiten berichtet. Die Explorandin sei vom 1. November bis zum 2
0.
Dezember 2012 stationär psychiatrisch in der Klinik
C._
behandelt worden. Dort seien die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode, einer Sedativa-Abhängigkeit, einer Persönlichkeitsakzentuierung und einer posttraumatischen Belastungsstörung gestellt worden. Es sei also davon auszu
gehen, dass es im Verlaufe des Jahres 2012 zu einer Richtung gebenden Ver
schlechterung gekommen sei (Urk. 11/97/10).
Aufgrund der diagnostizierten Leiden sei die Explorandin in ihrer Arbeitsfähig
keit erheblich beeinträchtigt. Es handle sich um eine sekundäre
Benzodiazepin
abhängigkeit
.
Die Benzodiazepine würden zur Behandlung der Angstzustände eingesetzt. Trotz jahrelanger ambulanter und stationärer psychiatrischer Thera
pie habe sich das Zustandsbild nicht wesentlich verändert.
Die Prognose sei daher als ungünstig zu bezeichnen. Die Arbeitsfähigkeit sei erheblich beein
trächtigt.
Die Explorandin leide unter diffusen Ängsten, traue sich nichts zu und getraue sich kaum, ihre Wohnung alleine zu verlassen. Sie fühle sich bedroht, auch in ihrer Wohnung unsicher, nachdem sie von ihrem Vater zusammenge
schlagen worden sei. Sie pflege auch keine sozialen Kontakte mehr ausserhalb
der Familie und sei psychisch kaum mehr belastbar. Sie sei im November 2012 erstmals stationär psychiatrisch behandelt worden. Man schlage daher vor, dass ab November 2012 aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
angenommen werde, was auch der Aktenlage entspreche. Der Grad der Arbeits
fähigkeit habe sich seither nicht verändert
(Urk.
11/97/11).
Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung vom 3
0.
Januar 2012 habe die Explorandin ihren psychischen Zustand eher dissimuliert. Sie sei jedoch ihren Angaben zufolge doch zu einigen Aktivitäten in der Lage gewesen und sei durch ihre Ängste und Panikzustände nicht derart immobilisiert gewesen. Zum aktuellen Zeitpunkt bestünden erhebliche psychopathologische Symptome, so dass die Arbeitsfähigkeit nicht mehr gegeben sei (
Urk.
11/97/11).
Auch wenn davon auszugehen sei, dass die Explorandin bereits seit 2008 unter einer posttraumatischen Belastungsstörung
ge
litt
en habe
, sei diese aber nicht derart ausgeprägt gewesen, dass sie ihre Lebensmöglichkeiten erheblich einge
schränkt
hätte
. Die Explorandin habe sich vor allem durch ihre Schmerzen in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gefühlt. Im Zuge der familiären Schwierig
keiten, der Scheidung, der Auseinandersetzung mit ihrem Vater und der wirt
schaftlichen Probleme habe sie zunehmend weniger mit ihren Einschränkungen umgehen können und die Ängste hätten zugenommen
und sie praktisch in ihre Wohnung zurückgeworfen
(Urk. 11/97/12).
Ferner wurde anamnestisch vermerkt, dass die Explorandin am 2
8.
Oktober 2013 erneu
t einen Autounfall mit Totalschaden am Fahrzeug erlitten habe. Seit diesem Unfall leide sie wieder vermehrt unter Schmerzen im Nacken und unter Übelkeit. Zurzeit werde abgeklärt, ob sie vom Unfall einen Schaden davonge
tragen habe (
Urk.
11/97/6).
In der ergänzenden Stellungnahme vom 1
6.
Juli 2014
vertrat
Dr.
D._
den
Standpunkt, dass sich aus den seit der Untersuchung vom 1
1.
November 2013 neu eingereichten Unterlagen keine neuen Gesichtspunkte ergeben
würden
. Es sei schwierig, retrospektiv zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen. Die Akten diesbezüglich seien widersprüchlich. Ausser in den Berichten des behandelnden Psychiaters
Dr.
H._
fänden sich keine Hinweise dafür, dass vor November 2012 eine andauernde Arbeitsunfähigkeit
von 100
%
bestanden habe (Urk.
11/132).
4.
4.1
Die IV-Stelle stützte die angefochtene Verfügung in medizinischer Hinsicht auf die gutachterlich
en Ausführungen von Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med.
L._
, Facharzt FMH für All
gemeine Innere Medizin, und Dr. med.
M._
, Facharzt FMH für orthopädi
sche Chirurgie, vom 15. März 2012 und diejenigen von Dr.
D._
vom
6. Februar und vom
2. Dezember 2013 (Urk. 2; vgl. Urk. 11/40
, 11/66
und 11/97).
4.2
Gegen das psychiatrische Teilgutachten von
Dr.
D._
vom
1
5.
März 2012
lässt
die Beschwerdeführer
in
ein
wenden
,
dass die Exploration lediglich
30
Mi
nuten gedauert habe und auf
fremdanamnestische Abklärungen
verzichtet wor
den sei.
Hätten solche stattgefunden, so hätte
Dr.
H._
, dem die sexuelle Nöti
gung bekannt gewesen sei,
Dr.
D._
die für die Beurteilung zwingend not
wendigen Fakten mitteilen können
(
Urk.
1 S. 6
und 9
; vgl. auch Urk.
11/51/2
und 11/51/3 mit Hinweis auf
Urk.
11
/50
/
14
).
I
nsbesondere
habe
Dr.
D._
zum damaligen Zeitpunkt
keine
Kenntnis vom Gutachten von Dr.
I._
vom 30.
September 2010 gehabt (
Urk.
1 S. 9 mit Hinweis auf
Urk.
3/20 und 3/21).
Hierzu
ist
generell
festzuhalten, dass ein Gutachter eine Explorandin in der Regel nur für eine beschränkte Zeit sieht und sich aus der Anzahl
und
der Dauer der geführten Gespräche keine Rückschlüsse auf die Wertigkeit eines Gutachtens ziehen lassen. Einen krankheitswertigen Befund oder das Fehlen eines solchen kann ein erfahrener Diagnostiker ohne Weiteres auch nach einem einmaligen Gespräch feststellen.
Eine Mindestdauer ist
bei einem solchen
nicht zwingend einzuhalten.
Den
Ausführungen von
Dr.
D._
lässt sich
insbesondere
ent
nehmen
, dass
die Beschwerdeführerin ihre
aktuellen Beschwerden
und deren Behandlung
,
ihre sozialen Verhältnisse,
ihren Tagesablauf etc. eingehend schil
derte
. Es fand eine ausführliche Anamnese- und Befunderhebung statt
(vgl.
Urk.
11/40/10-13)
.
Unter diesen Umständen kann
offen bleiben, wie lange die fragliche Exploration tatsächlich gedauert hat. Unbestritten ist, dass
Dr.
D._
auf die Einholung von fremdan
a
mnestischen Auskünften verzichtete
.
Zwar ist bei
psychischen Störungen eine Fremdanamnese häufig wünschenswert,
sie ist
aber
ebenso wenig
zwingend er
forderlich (Urteil des Bundesge
richts 9C_482/2010 vom 21.
September 2010 E. 4.1 mit Hinweisen).
In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass
Dr.
I._
sowohl beim behandeln
den Psychiater
Dr.
H._
als auch beim behandelnden Hausarzt
Dr.
Z._
tele
fonisch Informationen eingeholt hat
te
. Von der 2008 erlittenen sexuellen Nöti
gung erhielt er dadurch jedoch ebenfalls keine Kenntnis.
Dr.
H._
erwähnte ihm gegenüber lediglich, dass er die Beschwerdeführerin wegen eines traumati
schen Erlebnisses vor dem Autounfall behandelt
habe
und
das Trauma
sie
nicht mehr beschäftige
(Urk.
11/50
/
12
).
Vor diesem Hintergrund bestand für
Dr.
D._
kein Anlass für weitere Nachforschungen, zumal solche auch nicht wegen entsprechender Befunde geboten schienen.
Bereits an dieser Stelle ist
ferner
zu
bemerken, dass selbst Dr.
H._
damals
trotz Kenntnis der sexuellen Nötigung keine posttraumatische Belastungsstörung di
agnostizier
te
(vgl. Urk.
11/24/2).
Der Mangel bezüglich der fehlenden Kenntnis des Gutachtens von Dr.
I._
vom 30. September 2010 wurde geheilt, indem
Dr.
D._
am 6. Februar 2013 sein Gutachten
nach
Einsichtnahme
in
jenes
und
in weitere Unterlagen bestätigte (vgl.
Urk.
11/66). Er bemerkte zutreffend, dass er
am 30.
Januar 2012
im Wesentlichen
unauffällige
psychopathologische
Befunde
erhob
en hatte
(
Urk.
11/66/3;
vgl.
Urk.
11/40/12 und 11/40/13)
:
So
hielt er damals fest, dass die
altersentsprechend aussehende, leicht adipöse Explor
andin einen gepflegten Eindruck
mache
. Sie sei ruhig, entspannt u
nd
die
Stimmung
sei
ausgeglichen
. Lebhaft
berichte
sie von ihren
Schmerzen und von ihrem Alltag
. Der Antrieb sei
unauffällig
. Zum Teil
lächle sie auch
, wenn sie über erfreuliche Dinge
berichte
. Die affektive Modulationsfähigkeit sei nicht aufgehoben und der affekt
ive Kontakt zum Untersucher gut
. Es
seien
keinerlei depressive Symptome
feststell
bar
. Während der ganzen Untersuchung habe sie nie Zeichen
einer
Konzentra
tionsschwäche gezeigt. Die Merkfähigkeit und die
Gedächtnis
leistungen
seien intak
t
. Sie habe auch nicht über Ängste berichtet. Aus ihren Schilderungen
hätten
sich keine Hinweise auf
eine
Veränderung der Stimmung und des Antriebs im Laufe des Tage
s
ergeben. Die Explorandin habe einen gewissen
Lebensverleider
erwähnt, sich aber explizit von Suizidgedanken oder
Suizidim
pulsen
distanziert.
Darüber hinaus berücksichtig
t
e
Dr.
D._
bereits in seinem ersten Gutachten
vom
1
5.
März 2012
die Resultate einer bei der Beschwerdeführerin entnomme
nen Blutprobe. Demnach lag der Blutspiegel des eingenommenen Antidepressi
vums weit unter dem therapeutischen Bereich, was
Dr.
D._
als Hinweis darauf deutete, dass die Explorandin im Gegensatz zu ihren Angaben das ver
ordnete Antidepressivum nur un
regelmässig einnehme. Die unregelmässige Ein
nahme sei ein Hinweis darauf, dass sich die Explorandin nicht besonders depressiv fühle, was die diagnostische Einschätzung bestätige (
Urk.
11/40/14). Dem hält die Rechtsve
rtreterin der Beschwerdeführerin
entgegen, dass sich ihre Mandantin seit der
Sleeve
-Operation des Magens vom November 2011 täglich mehrmals erbreche. Aus diesem Grund stehe sie nach wie vor in Behandlung (
Urk.
11/51/4). Dies
e Ausführungen allein vermögen die Beurteilung von
Dr.
D._
jedoch nicht
entscheidend
zu relativieren, zumal die Beschwerde
führerin entsprechende Beschwerden weder bei der internistischen noch bei der psychiatrischen Untersuchung vom 3
0.
Januar 2012 erwähnte (vgl.
Urk.
11/40/8 ff.)
. Ebenso wenig ergaben sich
Hinweise in diese Richtung aus den
damals vor
handenen medizinischen Unterlagen
.
Soweit
Dr.
D._
die aktuelle Situation beurteilt hat, hat er die von den ande
ren Fachärzten gestellten psychiatrischen Diagnosen ausreichend diskutiert und seine eigene Einschätzung nachvollziehbar begründet (vgl.
Urk.
11/40/14 und 11/40/15). Anderes verhält es sich bezüglich der retrospektiven Beurteilung, wonach ausser der Somatisierungsstörung keine weitere psychiatrische Diagnose gestellt werden könne (
Urk.
11/40/14).
Diesbezüglich
mangelt es
ins
besondere
an einer einleuchtenden Erklärung dafür, weshalb auch in der Ver
gangenheit – abweichend von anderen fachärztlichen Einschätzungen – keine depressive Störung und kein anderes psychisches Leiden
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu diagnostizieren gewesen sei.
Die Stellungnahme zu früheren psychiatrischen Einschätzungen basiert lediglich auf den aktuell erho
benen Befunden. Insoweit erweist sich der Vorwurf einer ungenügenden Ausei
nandersetzung mit von der eigenen Beurteilung abweichenden Einschätzungen anderer F
achärzte als zutreffend (vgl.
Urk.
1
S. 6
und 9
).
4.3
Zu Recht wird von keiner Partei in Frage gestellt, dass
das Gutachten
von
Dr.
D._
vom 2.
Dezember 2013 (
Urk.
11/97) sämtliche formalen Kriterien eines rechtsprechungskonformen Gutachtens erfüllt (vgl. BGE 134 V 231 E. 5a und 125 V 351 E. 3a).
Es mangelt indessen an einer nachvollziehbaren Begründung der neu gestellten Diagnosen.
Hinsichtlich des psychopathologischen Befundes hielt
Dr.
D._
im Wesentlichen
erneut fest, dass die altersentsprechend aussehende Exploran
din einen gepflegten Eindruck mache. Sie sei zunächst etwas zurückhalten
d
gewesen, habe sich im Laufe der Untersuchung aber entspannt. Sie habe schnell und viel gesprochen und eine lebhafte Mimik und Gestik gezeigt. Die Stimmung sei bedrück
t
, herabgesetzt und depressiv. Die Explorandin habe vor allem über ihre Ängste und ihre Unmöglichkeit, sich ausser Haus zu bewegen,
und über
ihre innere Unsicherheit und ihre Panik geklagt. Sie habe einen
Lebensverleider
erwähnt, sich aber von Suizidgedanken und Suizidimpulsen distanziert. Der affektive Kontakt zum Untersucher sei eher distanziert
gewesen
. Während der ganzen Untersuchung habe sie nie Zeichen einer Konzentrationsschwäche gezeigt. Sie habe gut auf die gestellten Fragen eingehen können. Die Merkfä
higkeit und die Gedächtnisleistungen seien intakt, ihre Ausführungen anschau
lich. Das Denken sei auf ihre Beschwerden eingeengt. Sie zeige kein
Gedanken
abreissen
, keine Neologismen und keine Gedankenleere. Aus ihren Schilderun
gen hätten sich auch keine Hinweise auf Veränderungen der Stimmung und des Antriebs im Laufe des Tages
ergeben
(Urk. 11/40/9).
Angesichts de
r
erhobenen psychopathologischen Befunde erscheint es nicht ohne Weiteres
als nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeits
unfähig sein soll, weil sie unter diffusen Ängsten leide, sich nichts zutraue, sich kaum getraue, die Wohnung alleine zu verlassen, sich bedroht und auch in ihrer Wohnung unsicher fühle, nachdem sie von ihrem Vater zusam
mengeschlagen worden sei, keine sozialen Kontakte ausserhalb ihrer Familie pflege und psychisch kaum mehr belastbar sei (Urk. 11/97/11).
Ausführungen zu einer allfälligen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
hat
Dr.
D._
keine gemacht.
Es erscheint auch in sich widersprüchlich, wenn einerseits festgehalten wird, das Zustandsbild habe sich trotz jahrelanger ambulanter und stationärer psy
chiatrischer Therapie nicht wesentlich verändert (
Urk.
11/97/11), andererseits
aber
ausgeführt wird, das Zustandsbild habe sich seit er letzten Untersuchung vom 3
0.
Januar 2012 deutlich verschlechtert (
Urk.
11/97/10).
In diesem Zusammenhang
fällt auf, dass
die
massive
Angst und
Verunsicherung
, womit
die Arbeitsunfähigkeit zu einem grossen Teil begründet wird,
vor den
der Beschwerdeführerin
gegenüber verübten Tätlichkeiten ihres Vate
rs von Anfang August 2013
in dieser ausgeprägten Form
nicht
aktenkundig
war
en
.
Vor diesem Hintergrund leuchtet es auch nicht ein, weshalb
Dr.
D._
die
100%ige
Arbeitsunfähigkeit nunmehr rückwirkend ab November 2012 attestiert
e
.
Der Beschwerdeführer
in
ist dahingehend beizupflichten, dass es dafür an einer (nachvollziehbaren) Begründung mangelt (
Urk.
1 S. 7).
Es trifft zwar zu, dass die Beschwerdeführerin ab
dem erwähnten
Zeitpunkt stationär psychiatrisch behandelt wurde (vgl.
Urk.
11/59/1
). Mit de
m
Austrittsbericht der
C._
vom 2
1.
Dezember 2012 (
Urk.
11/59)
,
welcher
der Beschwerde
führerin eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bei Klinikaustritt bescheinigt
und in dem erstmals von einer Angst
,
alleine das Haus zu verlassen
,
und
von einer Angst
vor dunkelhäutigen Männern die Rede ist
, hat sich Dr.
D._
in seinem Gutachten indessen nicht auseinandergesetzt. Insbesondere fehlt eine Diskussion der seit 2009
in den diversen medizinischen Unterlagen
gestellten psy
chiatrischen Diagnosen und der in diesem Zusammenhang attestierten Arbeits
unfähigkeiten,
die
für eine ordnungsgemäss
e
retrospektive Beurteilung zwin
gend erforderlich wäre.
Eine solche findet sich auch nicht i
n der ergänzen
den Stellungnahme
von
Dr.
D._
vom 1
6.
Juli 201
4.
Die (richtige) Fest
stellung, dass
die
Akten
lage
widersprüchlich
sei, genügt jedenfalls nicht
(Urk. 11/132).
4.4
Aus dem Gesagten folgt, dass auf die gutachterlichen Ausführungen von
Dr.
D._
nicht
ohne
Weiteres
abgestellt werden kann. Gestützt darauf lässt sich weder ein Rentenanspruch zwischen Januar 2010 und November 2013 ver
neinen
(vgl. auch
Urk.
1 S. 8)
noch lässt sich ein
Anspruch
auf eine ganze Rente ab November 2013 bejahen.
5.
5.1
Es bleibt zu prüfen, ob sich der Rentenanspruch mit den echtzeitlichen
Arzt
zeug
nissen
und den weiteren vorhandenen medizinischen Unterlagen beurteilen lässt.
5.2
Die Arztzeugnisse
der behandelnden Fachärzte
weisen zum Teil erhebliche Diskre
panzen auf. So wurde der Beschwerdeführerin in der
A._
Ende Oktober 2009 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert, wobei
ihre
Leistungsfähigkeit aus psychischen Gründen leicht eingeschränkt sei
(Urk.
11/12/3). Demgegenüber bescheinigte
Dr.
E._
der Beschwer
deführerin nur wenige Tage später eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit wegen einer Anpassungsstörung (vgl.
Urk.
11/18/46 und 11/22/7).
Eine
(gutachterliche)
medizinische Beurteilung dieser Kontroverse geht aus den
vorhandenen
Akten nicht hervor.
5.3
Erst ab dem 1
9.
März 2010 ging
Dr.
E._
– ohne Angabe einer Begrün
dung –
von einer
50%ige
n
Arbeitsunfähigkeit
aus
(
Urk.
11/22/7)
. Davor war
der Suva-Kreisarzt med.
pract
.
G._
anlässlich der Untersuchung vom
26.
Februar 2010
zum Schluss gelangt
, es bestehe wegen
eine
r
reaktive
n
depressive
n
Störung, aktuell leichten Grades (ICD-10: F32.01), mit erheblicher Selbstwertproblematik und Störungen des Essverhaltens (ICD-10: F50.4) eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
Bezüglich der letztgenannten Einschätzung stellt sich
aufgrund der Ausführungen von med.
pract
.
G._
indessen
die Frage, ob und inwiefern nebst der psychischen Problematik auch die von der Beschwer
deführerin geklagte anhaltende
Schmerz- und körperliche
Beschwerdeproble
matik
mit
berücksichtigt
wurde
(vgl.
Urk.
11/22
/
27
)
.
Angaben zu einer allfälli
gen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
, welche sich angesichts der teilzeitlichen Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit aufdrängen würden,
wurden
weder von
Dr.
E._
noch von med.
pract
.
G._
gemacht.
5
.
4
Die Beschwerdeführerin wechselte
erst
am 1
9.
März beziehungsweise am 23.
April 2010
wieder
in die Behandlung von
Dr.
H._
,
d
er ihr
zuerst
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit a
ttestierte (vgl.
Urk.
11/22/7). Auf seine Ausführun
gen kann für den hier
(unter anderem)
interessierenden Zeitraum
zwischen dem
1.
Februar 2009
und dem 1
9.
März 2010 somit von vorneherein nicht abgestellt werden.
Dasselbe würde zumindest für den Zeitraum von Frühling 2009 bis zum 1
9.
März 2010 gelten, wenn es zutre
ffen sollte, dass die Beschwerdeführerin
Dr.
H._
auch im Frühjahr 2009 vereinzelt konsultierte, wie er es in seinem Bericht vom
8.
September 2013 erstmals
offenbarte
(Urk.
11/85/1).
Seinen Angaben
zufolge standen im Sommer 2010 Ängste im Vordergrund, die zu
mannigfachen somatischen Abklärungen führt
en
, die immerhin relative Beruhigung
brachten
(
Urk.
11/24/2).
Am 2
2.
Juli 2010 ging
Dr.
H._
– bei einer als seit Behandlungsbeginn stationär bezeichneten Symptomatik –
den
noch
neu
von einer
Arbeitsunfähigkeit
von
100
%
aus,
die
er lediglich damit begründete
,
dass das
RAV
die Beschwerdeführerin nach drei Monaten
als nicht vermittelbar eingestuft habe,
da sie kaum
über 1-2 Stunden
eine Tätigkeit ohne Schmerzstörung durchhalten könne (
Urk.
11/24/3).
Eine nachvollziehbare
echt
zeitliche
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
, auf die abgestellt werden ka
nn, liegt damit nicht vor, ungeachtet der Erfahrungstatsache,
dass
behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auf
trags
recht
liche
Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen
und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc)
.
Am
2.
Dezember 2010 vermerkte
Dr.
H._
zwar
erneut
ein unverändertes Beschwerdebild.
Er verzichtete aber trotz einer entsprechenden
Aufforderung der Suva darauf, Angaben zur Arbeitsunfähigkeit zu machen, da
bereits wieder
holt eine psychiatrische Begutachtung stattgef
unden habe (
Urk.
11/27/34 f.).
Die einen Tag darauf gegenüber der Helsana Versicherungen AG bestätigte Arbeits
unfähigkeit von 100
%
(vgl.
Urk.
11/27/29) erscheint vor dies Hintergrund zumindest als fraglich.
In einem weiteren Bericht vom
7.
März 2011
erwähnte
Dr.
H._
, dass wegen einer Häufung zusätzlicher somatischer Probleme ärztliche Behandlungen, hauptsächlich bei
Dr.
Z._
, stattfänden.
Mindestens während der aktuellen Beobachtungszeit betra
ge die Arbeitsunfähigkeit 100
%
.
Zur Begründung führte er an, dass die Rehabilitation wegen ständiger somatischer Abklärungen und Behandlungen noch nicht in Angriff genommen werden könne (
Urk.
11/26/2).
Diese Angaben vermögen ebenfalls nicht zu überzeugen, zumal
Dr.
H._
im selben Dokument von einer wöchentlichen psychotherapeutischen und medika
mentösen antidepressiven Behandlung berichtet
e
(
Urk.
11/26/2)
, die er rund ein Jahr zuvor wieder aufgenommen haben dürfte (vgl.
Urk.
11/22/7)
.
Entgegen der von der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vertretenen Auf
fassung lässt sich die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, die von derjenigen
der anderen
Fachärzte zum Teil
deutlich
abweicht, auch nicht allein mit der Tatsache begründen, dass
Dr.
H._
Kenntnis vom sexuellen Üb
ergriff vom 30.
Mai 2008 hatte (vgl.
Urk.
18 S. 2).
5.
5
Auch mit dem
Gutachten von
Dr.
I._
vom 3
0.
September 2010
(Urk. 11/50/6 ff.)
lässt sich der medizinische Sachverhalt nicht hinreichend ermitteln, da e
r
sich lediglich zur Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt der
gutachterli
chen
Untersuchung
äussert
e
.
Dasselbe gilt bezüglich der Ausführungen von med.
pract
.
G._
vom 1
4.
März 2011,
di
e sich
bloss
auf den Zeitpunkt der Untersuchung vom 1
8.
Januar 2011 beziehen (vg
l. Urk.
11/27/19 ff.).
5
.
6
Betreffend das Jahr 2012 liegen – soweit aus den Akten ersichtlich – mit Aus
nahme des Austrittsberichtes der
C._
vom 2
1.
Dezember 2012 (
Urk.
11/59) keine echtzeitlichen
psychiatrischen
Arztberichte vor.
Die
im Bericht der
C._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
im
Ent
lassungszeitpunkt
wurde nicht begründet. Sie erscheint auch unter Berücksich
tigung des im Wesentlichen unauffälligen psychopathologischen
Eintrittsbefun
des
als wenig nachvollziehbar. Es wurden keine Auffassungsstörungen, keine Konzentrationsstörungen, keine mnestischen Störungen, keine formalen oder inhaltlichen Denkstörungen, keine Sinnestäuschungen und keine Ich-Störungen erhoben. Es waren lediglich ein
parathymer
Affekt, eine reduzierte emotionale Schwingungsfähigkeit, ein reduzierter Antrieb und eine reduzierte Psychomoto
rik feststellbar. Die
Beschwerdeführerin
klagte über ein Morgentief und einen gestörten Nachtschlaf mit langen Wachphasen und berichtete über Ängste gegenüber bestimmten Personentypen. Sie
erwähnte überdies
zeitweilige Suizidgedanken, aber es war keine akute Suizidalität vorhanden (
Urk.
11/59/3).
Zumindest d
ie ausgeprägten Schlafstörungen und die Angst- und Panikattacken
haben
sich unter medikamentöser Behandlung während des stationären Aufent
halts
offenbar
gebessert (
Urk.
11/59/4).
5.
7
Bezüglich des Zeitraums von Januar 2013 bis
zum
20. Januar 2015 liegen gar keine echtzeitlichen Arztberichte vor, die sich detailliert zum Gesundheitszu
stand, insbesondere zur Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin äussern.
Dr.
H._
erwähnte lediglich, dass im Sommer 2013 eine Verschlech
terung eingetreten sei, nachdem der Beschwerdeführerin gegenüber Tätlichkei
ten verübt worden seien (vgl.
Urk.
11/85/2).
5.
8
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass sich der Rentenanspruch der Beschwer
deführerin
mit den vorhandenen
medizinischen
Akten
nicht ab
schliessend beurteilen lässt. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass der Unfall- und der Krankenversicherer gestützt darauf Versicherungsleistungen erbrachten (
Urk.
1 S. 11
).
Die
in der Beschwerdeschrift
beantragten
Zeugenein
vernahmen
und die
geforderte Befragung
der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S.
12) sind ungeeignet, den medizinischen Sachverhalt, insbesondere die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
,
für den hier relevanten Zeit
raum
zu ermitteln, weshalb darauf zu verzichten ist.
Es mag zutreffen, dass die rückwirkende Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands, welche unter Diskussion der echtzeitlichen medizinischen Akten zu erfolgen hat, mit
Schwierigkeiten verbunden ist (vgl.
Urk.
18 S. 1). Dies allein ist jedoch kein Grund, auf die erforderlichen ergänzenden Abklärungen zu verzichten.
Darüber
hinaus
ergeben sich aus den Berichten des behandelnden Psychiaters Dr.
H._
vom 17. Juli und vom 8. September 2013
auch
Hinweise auf organische Beschwerden,
di
e nach der
Sleeve
-O
peration im November 2011 aufgetreten sein, eine
Reoperation
mit Magen-bypass im April 2013 erforderlich gemacht haben und dennoch weiter persistieren sollen (Urk. 11/82/2; vgl. auch
Urk.
11/51/4).
Zudem
habe die Beschwerdeführerin gemäss
den Ausführungen im Gutachten von
Dr.
D._
vom
2.
Dezember 2013 am 2
8.
Oktober 2013 einen weiteren Autounfall erlitten. Seither klage sie wieder vermehrt über Schmerzen im Nacken und über Übelkeit, weswegen A
bklärungen im Gange seien (Urk.
11/97/6).
Diese Beschwerden und ihre allfälligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden – soweit aus den Akten ersichtlich – bis anhin nicht abgeklärt.
Dies wird nachzuholen sein.
5.
9
Zusammenfassend ergibt sich, dass über den Leistungsanspruch der Beschwer
de
führerin nicht ohne zusätzliche
medizinische
Abklärungen
ent
schieden wer
den kann.
Da die er
forder
li
chen Weiterungen
sowohl in psychischer als auch in physischer Hinsicht einen zum Teil bisher gänzlich ungeklärten Sachverhalt betreffen
, wird die
Beschwerdegeg
nerin
sie vorzunehmen haben
(vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4)
.
Die Einholung eines Gerichtsgutachtens aus Gründen der Verfahrensfairness (vgl.
Urk.
18 S. 3) drängt sich unter den gege
benen Umständen nicht auf.
Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durch
führung der notwendigen Abklärungen und zu neuer Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (§ 26 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
;
GSVGer
). In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Lediglich der Vollständigkeit halber bleibt mit Bezug auf den in der Beschwer
de
schrift gestellten Eventualantrag (vgl.
Urk.
1 S. 2) festzuhalten, dass die Durch
führung einer öffentlichen Verhandlung
allein
im Hinblick auf die beantragten Beweisabnahmen beantragt wurde
, auch wenn
in den betreffenden Ausführungen
Art.
6 EMRK erwähnt wurde
(
Urk.
1 S. 2, 4
, 6
und
12
).
Sie
sind
wie bereits dargelegt
ungeeignet
, den medizinischen Sachverhalt zu klären.
Solange
dieser
nicht hinreichend abgeklärt wurde
, erscheint es
auch
nicht erfor
derlich, die zur Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin an ihrem letzten Arbeitsort und zu dortigen Spannungen offerierten Beweise abzunehmen. Es ist folglich darauf
und auf die Durchführung einer Verhandlung
zu verzichten.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- festzusetzen. Nach ständi
ger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden
Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Überdies hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin weist in der einge
reichten Kostennote vom 14. April 2016 (Urk. 21) für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 19,56 Stunden sowie Barauslagen von Fr. 129.10 aus. Diese Aufwendungen erscheinen
– insbesondere im Hinblick auf die geänderte Aktennummerierung und den damit verbundenen Mehraufwand (vgl.
Urk.
16)
–
gerade noch als gerechtfertigt. Die Beschwerdegegnerin hat der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerde
führerin folglich wie beantragt eine
Prozess
entschädigung
in der Höhe von Fr.
4‘786.90
(inklusive Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.