Decision ID: a35d4b18-3fa1-552c-a729-40d5aecf5b47
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer (geb. 1978), ein Staatsangehöriger Bosnien
und Herzegowinas, im Jahre 1992 als 14-Jähriger in die Schweiz gelang-
te, um bei seinen hier niederlassungsberechtigten Eltern zu leben,
dass ihm in der Folge gestützt auf Art. 17 Abs. 2 Satz 3 des Bundesge-
setzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Aus-
länder (ANAG, BS 1 121) eine Niederlassungsbewilligung im Kanton Zü-
rich erteilt wurde,
dass der Beschwerdeführer im Jahre 2001 eine in der Schweiz niederge-
lassene, serbische Staatsangehörige heiratete und diese Ehe im Jahr
2008 wieder geschieden wurde,
dass aus dieser Beziehung zwei Kinder (geb. 2000 und 2004) stammen,
die unter der elterlichen Sorge der Mutter stehen und im Besitz der Nie-
derlassungsbewilligung für den Kanton Zürich sind,
dass der Beschwerdeführer im Verlauf seines Aufenthaltes in der Schweiz
immer wieder straffällig wurde und in diesem Zusammenhang wiederholt
von der kantonalen Migrationsbehörde verwarnt werden musste,
dass der Beschwerdeführer zuletzt am 19. Dezember 2006 eine Verurtei-
lung wegen qualifizierten Drogendelikten zu einer Freiheitsstrafe von fünf
Jahren und neun Monaten erwirkte,
dass mit Verfügung vom 24. September 2008 die kantonale Migrations-
behörde die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers widerrief,
ihn auf den Zeitpunkt seiner bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug
am 7. Januar 2009 aus der Schweiz wegwies und einer allfälligen Be-
schwerde die aufschiebende Wirkung entzog,
dass der Beschwerdeführer den Widerruf der Niederlassungsbewilligung
akzeptierte, jedoch gegen die Wegweisung auf den Zeitpunkt seiner be-
dingten Entlassung aus dem Strafvollzug und den Entzug der aufschie-
benden Wirkung beim Regierungsrat des Kantons Zürich Beschwerde
einlegte,
dass der Regierungsrat die Verfügung der Migrationsbehörde am 17. De-
zember 2008 bestätigte und seinerseits einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung entzog,
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dass der Beschwerdeführer nach seiner bedingten Entlassung aus dem
Strafvollzug in Ausschaffungshaft genommen und am 21. Februar 2009 in
seine Heimat ausgeschafft wurde,
dass die Vorinstanz gegen den Beschwerdeführer bereits mit Verfügung
vom 13. Februar 2009 ein Einreiseverbot auf unbestimmte Zeit verhäng-
te, die Ausschreibung der Massnahme im Schengener Informationssys-
tem (SIS) anordnete und einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende
Wirkung vorsorglich entzog,
dass zur Begründung der Massnahme vorgebracht wurde, das Verhalten
des Beschwerdeführers habe wiederholt zu schweren Klagen Anlass ge-
geben und seine Anwesenheit störe die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung in erheblichem Masse,
dass der Beschwerdeführer dagegen mit Rechtsmitteleingabe vom
11. März 2009 an das Bundesverwaltungsgericht gelangte und die Aufhe-
bung des Einreiseverbots, ev. seine Befristung auf zwei Jahre beantragte,
dass der Beschwerdeführer in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Wieder-
herstellung der aufschiebenden Wirkung und um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege ersuchte,
dass das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 23. März 2009 sowohl die Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung als auch die unentgeltliche Rechtspflege ver-
weigerte,
dass die Vorinstanz mit Vernehmlassung vom 4. Mai 2009 auf Abweisung
der Beschwerde schloss,
dass der Beschwerdeführer mit Replik vom 8. Juni 2009 an seinem
Rechtsmittel festhielt,

und zieht in Erwägung,
dass Verfügungen, mit denen das BFM ein Einreiseverbot verhängt, der
Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht unterliegen (Art. 31, 32
und 33 Bst. d des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG,
SR 173.32]),
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dass sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem
Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG,
SR 172.021) richtet, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG),
dass der Beschwerdeführer als materieller Verfügungsadressat zur Be-
schwerde legitimiert und auf sein im Übrigen frist- und formgerecht einge-
reichtes Rechtsmittel einzutreten ist (Art. 48 ff. VwVG),
dass der Beschwerdeführer beanstandet, sein Anspruch auf rechtliches
Gehör sei verletzt worden, weil er zu den Gründen des Einreiseverbots
nicht vorweg habe Stellung nehmen können,
dass dieser Rüge nicht gefolgt werden kann, da dem Beschwerdeführer
nicht nur Gelegenheit gegeben wurde, sich zum geplanten Einreiseverbot
zu äussern, sondern er von dieser Möglichkeit auch tatsächlich Gebrauch
machte,
dass ein Ausländer, der gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung
verstossen hat oder diese gefährdet, mit einem Einreiseverbot belegt
werden kann (Art. 67 Abs. 2 Bst. a des Bundesgesetzes vom 16. De-
zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),
dass das Einreiseverbot für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt
wird, diese Begrenzung indessen nicht zur Anwendung gelangt, wenn von
der betroffenen Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche
Sicherheit und Ordnung ausgeht (Art. 67 Abs. 3 AuG),
dass der Beschwerdeführer in den Jahren 1997 bis 2000 wegen Dieb-
stahls, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Zuwiderhandlung
gegen das Strassenverkehrsgesetz vier Strafurteile mit einer Gesamtfrei-
heitsstrafe von 11 Monaten und 14 Tagen erwirkte,
dass der Beschwerdeführer von der kantonalen Migrationsbehörde im
gleichen Zeitraum insgesamt vier Mal verwarnt wurde, wobei ihm für den
Fall weiterer Beanstandungen schwer wiegende ausländerrechtliche
Massnahmen angedroht wurden,
dass der Beschwerdeführer schliesslich am 19. Dezember 2006 unter
anderem der mehrfachen qualifizierten Zuwiderhandlung gegen das Be-
täubungsmittelgesetz schuldig gesprochen zu einer Freiheitsstrafe von
fünf Jahren und neun Monaten verurteilt wurde,
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dass der Beschwerdeführer innerhalb einer Bande mit harten Drogen im
Kilobereich sowie mit beträchtlichen Geldbeträgen zu tun hatte und dabei
eine Vertrauensstellung auf mittlerer Ebene einnahm, wobei seine Mitwir-
kung an Drogengeschäften als "engagiert" bezeichnet wurde,
dass er, selbst keine Drogen konsumierend, sondern ausschliesslich aus
pekuniären Motiven handelnd, eine erhebliche kriminelle Energie unter
Beweis stellte und schwere Schuld auf sich nahm, was in der gegen ihn
verhängten empfindlichen Freiheitsstrafe seine Entsprechung fand,
dass sich der Beschwerdeführer von den zuvor erwirkten strafrechtlichen
Verurteilungen, dem ihm bis anhin gewährten bedingten Strafvollzug, den
gegen ihn ausgesprochenen ausländerrechtlichen Verwarnungen und
nicht zuletzt der Verantwortung für seine Familie nicht davon abhalten
liess, im Laufe der Jahre immer schwerer zu delinquieren,
dass unter den gegebenen Umständen aus spezifisch ausländerrechtli-
cher Sicht ungeachtet des Wohlverhaltens des Beschwerdeführers wäh-
rend des Strafvollzugs und seiner bedingten Entlassung aus dem Straf-
vollzug ein erhebliches Risiko weiterer Straftaten angenommen werden
muss (vgl. dazu BGE 137 II 233 E. 5.2.2 S. 236 mit Hinweisen),
dass die Gefahrenlage umso mehr ins Gewicht fällt, als schwere Drogen-
delikte, wie sie der Beschwerdeführer begangen hat, einem strengen Be-
urteilungsmassstab unterliegen (BGE 125 II 521 E. 4a S. 527; vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts 2C_768/2011 vom 4. Mai 2012 E. 4.3) und
selbst ein geringes Restrisiko des Rückfalls nicht hingenommen werden
kann (2C_474/2011 Urteil vom 22. Dezember 2011 E, 3.1 mit Hinweisen),
dass deshalb dem Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz ein
bedeutendes öffentliches Interesse an der Verhinderung weiterer Strafta-
ten entgegensteht, das im Sinne von Art. 67 Abs. 3 Satz 2 AuG geeignet
ist, eine Fernhaltemassnahme von weit mehr als fünf Jahren Dauer zu
rechtfertigen,
dass aufgrund der Klarheit des Beweisergebnisses in antizipierter Be-
weiswürdigung auf den vom Beschwerdeführer beantragten Beizug der
Akten der zuständigen Strafvollzugsbehörden ohne Verletzung des recht-
lichen Gehörs verzichtet werden kann (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f. mit
Hinweisen),
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dass sich der Beschwerdeführer der Massnahme gegenüber auf sein In-
teresse an einem von staatlichen Eingriffen ungestörten Kontakt zu sei-
nen beiden Kindern beruft, die unter der elterlichen Sorge ihrer Mutter
stehen und mit einer Niederlassungsbewilligung in der Schweiz leben,
dass dieses Interesse unter den Schutz von Art. 8 Ziff. 1 der Konvention
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101) und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101)
fällt,
dass jedoch das Einreiseverbot besuchsweisen Kontakten in der Heimat
des Beschwerdeführers nicht entgegensteht und solche auch auf schwei-
zerischem Territorium nicht zum vornherein verunmöglicht, weil ein Ein-
reiseverbot auf Gesuch hin aus humanitären und anderen wichtigen
Gründen zeitweise ausgesetzt werden kann (vgl. Art. 67 Abs. 5 AuG),
dass ein unüberwindbares Hindernis entgegen der Auffassung des Be-
schwerdeführers auch nicht in der mit der Ausstellung einer Suspension
normalerweise verbundenen Gebühr zu erblicken ist,
dass die Massnahme deshalb, wenn überhaupt, einen vergleichsweise
geringfügigen Eingriff in das von der EMRK und der Bundesverfassung
geschützte Familienleben darstellt, der im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK
und Art. 36 BV durch die auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interessen
gedeckt wird,
dass der Beschwerdeführer sodann beanstandet, das gegen ihn verhäng-
te Einreiseverbot gelte für den ganzen Schengen-Raum, weshalb es ihm
verunmöglicht werde, in die Nachbarstaaten zu reisen, was er als erhebli-
chen Eingriff in die persönliche Freiheit wertet, zumal die Massnahme auf
unbestimmte Zeit verfügt worden sei,
dass dem Beschwerdeführer aufgrund der Ausschreibung des Einreise-
verbots im SIS in der Tat untersagt ist, den Schengen-Raum zu betreten
(Art. 5 Abs. 1 Bst. d der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemein-
schaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [SGK,
Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1-32]),
dass jedoch der darin liegende Eingriff durch die Bedeutung des Falles
gerechtfertigt wird (vgl. Art. 96 Abs. 2 Bst. a des Übereinkommens vom
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19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens betreffend den
schrittweisen Abbau der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen [SDÜ,
Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62]),
dass diese Feststellung umso mehr gilt, als die Schweiz im Geltungsbe-
reich des Schengen-Rechts nicht nur die eigenen Interessen zu wahren
hat, sondern im Sinne einer getreuen Sachwalterin die Interessen der
Gesamtheit aller Schengen-Staaten (Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts C-6364/2009 vom 6. Juni 2011 E. 6.1),
dass sodann die Ausschreibung eines Einreiseverbots im SIS periodisch
auf ihre Berechtigung überprüft wird (Art. 112 Abs. 1 SDÜ) und einen
Schengen-Staat nicht daran hindert, der ausgeschriebenen Person die
Einreise in das eigene Hoheitsgebiet aus humanitären Gründen, Gründen
des nationalen Interesses oder aufgrund völkerrechtlicher Verpflichtungen
zu gestatten (Art. 5 Abs. 4 Bst. d SGK),
dass schliesslich ein Einreisverbot auf unbestimmte Zeit nicht eine le-
benslange Sperre bedeutet, sondern die Unbestimmtheit der Prognose
hinsichtlich der Dauer eines schwer wiegenden Risikos für die öffentliche
Sicherheit und Ordnung zum Ausdruck bringt,
dass nach der Rechtsprechung daher ein Anspruch auf vertiefte Überprü-
fung eines solchen Einreiseverbots besteht, wenn sich der Betroffene
während langer Zeit – im Allgemeinen während zehn Jahren nach der
Entlassung aus dem Strafvollzug – klaglos verhalten hat (vgl. dazu BVGE
2008/24 E. 4.3 und 6.2),
dass sich gesamthaft betrachtet das auf unbestimmte Zeit verhängte Ein-
reiseverbot als verhältnismässige und angemessene Massnahme zum
Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erweist,
dass daher die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht
zu beanstanden und die Beschwerde demzufolge abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass dieses Urteil endgültig ist (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
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