Decision ID: 51204bee-da70-4579-8708-3247aa0d5299
Year: 2020
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_006
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
Am 14. August 2018 meldete Notar B._ beim Grundbuchamt C._
(nachfolgend: Grundbuchamt) einen Kaufvertrag an, demgemäss A._ die
Parzelle D._ Gbbl. Nr. 1000 für Fr. 710'000.– erwirbt. Zugleich ersuchte er
das Grundbuchamt um nachträgliche Befreiung von der Handänderungssteuer
und um deren Stundung für selbstgenutztes Wohneigentum. Mit Verfügung vom
19. September 2018 stundete das Grundbuchamt die Handänderungssteuer ge-
mäss Selbstdeklaration von A._ im Betrag von Fr. 12'780.– für die Dauer
von 3 Jahren.
B.
Am 27. September 2018 meldete Notar B._ beim Grundbuchamt einen wei-
teren Kaufvertrag an. Dieser sieht vor, dass E._ von ihrem Lebenspartner
A._ einen hälftigen Miteigentumsanteil an der Parzelle D._ Gbbl. Nr.
1000 für Fr. 126'000.– unter dem Titel einer gemischten Schenkung erwirbt. Ent-
gegen der Selbstdeklaration, welche die Steuerfreiheit des Geschäfts geltend
machte, veranlagte das Grundbuchamt mit Verfügung vom 15. Oktober 2018 ge-
genüber E._ eine Handänderungssteuer von Fr. 2'268.–. Diese Verfügung
erwuchs in Rechtskraft.
C.
Mit Verfügung vom 19. November 2018 passte das Grundbuchamt die Verfügung
vom 19. September 2018 insofern an, als es die Stundung für einen Betrag von Fr.
6'390.– aufhob. Die Begründung lautete sinngemäss, dass A._ nur noch zur
Hälfte Miteigentümer der betroffenen Liegenschaft sei, weshalb er die Hälfte der
gestundeten Handänderungssteuer von Fr. 12'780.–, ausmachend Fr. 6'390.–, be-
zahlen müsse. Die Stundung für die andere Hälfte der Handänderungssteuer än-
derte das Grundbuchamt nicht.
D.
Am 7. Dezember 2018 reichte A._, vertreten durch Fürsprecher und Notar
B._, Beschwerde bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (heute:
Direktion für Inneres und Justiz [DIJ]) ein mit dem sinngemässen Rechtsbegehren,
die Verfügung vom 19. November 2018 sei insofern anzupassen, als das Steuer-
befreiungsgesuch vom 14. August 2018 vollumfänglich gutgeheissen werde.
In seiner Beschwerdevernehmlassung vom 4. Januar 2019 beantragte das Grund-
buchamt, die Beschwerde sei unter Kostenfolgen abzuweisen.
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Die Direktion für Inneres und Justiz zieht in Erwägung:
1.
1.1 Nach Art. 26 Abs. 1 des Gesetzes vom 18. März 1992 betreffend die Hand-
änderungssteuer (HG; BSG 215.326.2) richtet sich das Rechtsmittelverfahren
nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege (VRPG; BSG 155.21). Art. 27 HG enthält für Verfügungen der Grund-
buchämter über die nachträgliche Steuerbefreiung keine Rechtspflegebestimmun-
gen. In Anwendung von Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG beurteilt die DIJ Verfügungen
der Grundbuchämter. Die DIJ ist damit für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde gegen die Verfügung des Grundbuchamts vom 19. November 2018 zu-
ständig.
1.2 Zur Beschwerdeführung ist befugt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teil-
genommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 65 Abs. 1
VRPG). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung beschwert
und daher zur Beschwerdeführung befugt. Auf die im Übrigen form- und fristge-
recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2.
Beim Erwerb eines Grundstücks ist dem Kanton Bern grundsätzlich eine Handän-
derungssteuer zu entrichten (Art. 1 i.V.m. Art. 4 und 5 HG). Die Steuer wird vom
Grundbuchamt aufgrund der Selbstdeklaration der steuerpflichtigen Person und
der bei der Grundbuchanmeldung eingereichten Ausweise veranlagt (Art. 16 und
Art. 17 Abs. 1 HG).
Gestützt auf Art. 11a HG kann die Erwerberin oder der Erwerber eines Grund-
stücks bei der Grundbuchanmeldung ein Gesuch um eine nachträgliche Steuerbe-
freiung stellen, wenn sie oder er das Grundstück als Hauptwohnsitz nutzen will.
Erscheint das Gesuch nicht von vornherein aussichtslos, stundet das Grundbuch-
amt die Handänderungssteuer auf den ersten Fr. 800‘000.– der Gegenleistung für
den Erwerb des Grundstücks für maximal vier Jahre ab Grundstückserwerb
(Art. 11a Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 17 Abs. 2 HG).
Die gestundete Steuer wird nicht erhoben, wenn das Grundstück der Erwerberin
oder dem Erwerber als Hauptwohnsitz dient und von dieser oder diesem während
mindestens zweier Jahre ununterbrochen, persönlich und ausschliesslich zum
Wohnzweck genutzt wird (Art. 11b Abs. 1 HG). Dabei muss der Hauptwohnsitz
innert einem Jahr ab Grundstückserwerb in der entsprechenden Baute begründet
werden, wenn diese bereits besteht. Muss die Baute noch erstellt werden, hat der
Bezug innert zwei Jahren ab Grundstückserwerb zu erfolgen (Art. 11b Abs. 2 HG).
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Diese Fristen verlängern sich um die Dauer einer allfälligen Erstreckung gemäss
Art. 11b Abs. 2 HG.
Die Erwerberin oder der Erwerber hat gegenüber dem Grundbuchamt vor Ablauf
der Stundung unaufgefordert den Nachweis zu erbringen, dass alle Voraussetzun-
gen zur Steuerbefreiung gemäss Art. 11b HG erfüllt sind oder zum Zeitpunkt des
Ablaufs der Stundung erfüllt sein werden (Art. 17a Abs. 1 HG). Sind die Voraus-
setzungen zur Steuerbefreiung erfüllt, heisst das Grundbuchamt das Gesuch um
eine nachträgliche Steuerbefreiung gut (Art. 17a Abs. 2 HG). Kommt das Grund-
buchamt zum Schluss, dass die Voraussetzungen zur Steuerbefreiung nicht erfüllt
sind, weist es das Gesuch ab und hebt die Stundung auf (Art. 17a Abs. 3 HG).
3.
3.1 Angefochten ist vorliegend die Verfügung des Grundbuchamts vom 19. No-
vember 2018. Darin passte das Grundbuchamt die ursprüngliche Stundungsverfü-
gung vom 19. September 2018 insofern an, als es die Stundung für einen Betrag
von Fr. 6'390.– aufhob. Anlass dafür war, dass A._ seiner Lebenspartnerin
E._ einen hälftigen Miteigentumsanteil an der fraglichen Parzelle verkauft
hatte (gemischte Schenkung). Das Grundbuchamt verfügte, dass A._ die
Hälfte der gestundeten Handänderungssteuer von Fr. 12'780.–, ausmachend Fr.
6'390.–, bezahlen müsse. In Bezug auf den restlichen Betrag der Stundung wurde
die Verfügung nicht geändert.
3.2 Der Beschwerdeführer bringt zur Begründung seiner Beschwerde vor, die
Wohnung werde auch nach dem Verkauf des Miteigentumsanteils gemeinsam be-
wohnt. Beide Lebenspartner erfüllten daher die Voraussetzungen von Art. 11a ff.
HG. Es sei eine zu formalistische Betrachtungsweise und widerspreche der ratio
legis der Förderung des Wohneigentums, wenn nicht nur für die Hälfte der Han-
dänderungssteuer die Stundung aufgehoben werde, sondern zudem die Erwerbe-
rin mit einer Handänderungssteuer belegt werde.
4.
4.1 Die Steuerbefreiung gemäss Art. 11b HG setzt, wie oben (Ziff. 2) zitiert, vo-
raus, dass das Grundstück der Erwerberin oder dem Erwerber als Hauptwohnsitz
dient. Der Hauptwohnsitz muss von der Erwerberin oder dem Erwerber während
mindestens zwei Jahren ununterbrochen, persönlich und ausschliesslich zum
Wohnzweck genutzt werden. Das ergibt sich einerseits aus dem Wortlaut der Be-
stimmung. Andererseits hält der Vortrag der Kommission des Grossen Rates vom
4. März 2013 zum direkten Gegenvorschlag zur Initiative «Schluss mit gesetzlicher
Verteuerung der Wohnkosten für Mieter und Eigentümer» zur Änderung HG (in
Tagblatt des Grossen Rates 2013, Beilage 17 [nachfolgend Vortrag]) unmissver-
ständlich fest, dass der Erwerber das ganze Grundstück als Wohneigentum selbst
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nutzen muss. Wird das betreffende Wohneigentum vor Ablauf dieser Frist veräus-
sert oder nimmt die Erwerberin oder der Erwerber einen anderen Hauptwohnsitz
(auch bloss vorübergehend), wird die Handänderungssteuer fällig (vgl. Vortrag,
Erläuterungen zu Art. 11b Abs. 1, S. 5). Entsprechend sind Teilveräusserungen
durch anteiligen Nachbezug gleich zu behandeln. Auch dem Merkblatt der Ge-
schäftsleitung der Grundbuchämter des Kantons Bern vom 9. Februar 2016 (Ziff.
3.2) kann entnommen werden, dass die steuerpflichtige Person das Grundstück
ab Bezug ununterbrochen während zwei Jahren als Eigentümerin zum Wohn-
zweck genutzt haben muss.
4.2 Mit dem Verkauf (gemischte Schenkung) eines hälftigen Miteigentumsanteils
an der Parzelle D._ Gbbl. Nr. 1000 für Fr. 126'000.– hat A._ vor Ablauf
der zweijährigen Nutzungsfrist gemäss Art. 11b Abs. 1 HG einen Anteil seines
Wohneigentums seiner Lebenspartnerin übertragen. Er kann die Voraussetzungen
für die Befreiung von der auf den veräusserten Eigentumsanteil entfallenden
Steuer somit nicht mehr erfüllen, weshalb diese nachbezogen werden muss. Dabei
ist es unerheblich, ob er die weiteren Voraussetzungen für die Befreiung erfüllt.
Insbesondere ändert der Umstand, dass die beiden Lebenspartner das Wohnob-
jekt seit der Wohnsitznahme gemeinsam bewohnen, an diesem Ergebnis nichts.
Massgebend ist, dass sich die Stundung, die A._ gewährt wurde, auf die
ganze von ihm erworbene Parzelle D._ Gbbl. Nr. 1000 bezog. Weil er jedoch
seine hundertprozentige Beteiligung an der Wohnung während der massgeblichen
Frist, während welcher der Hauptwohnsitz ununterbrochen, persönlich und aus-
schliesslich zum Wohnzweck zu nutzen ist, verändert hat, wurde die Handände-
rungssteuer hinsichtlich des übertragenen Teils fällig. Die Teilaufhebung der ur-
sprünglichen Stundungsverfügung vom 19. September 2018, soweit sie die ver-
kaufte Miteigentumshälfte betrifft, entspricht Sinn und Zweck des Gesetzes und
bedeutet keine – wie der Beschwerdeführer annimmt – zu formalistische Betrach-
tungsweise.
Hätten A._ und E._ das Grundstück von Anfang je zur Hälfte zu Mitei-
gentum erworben, hätten beide für ihren Anteil Steuerfreiheit beantragen können,
und zwar A._ für die eine Hälfte der Gegenleistung und seine Partnerin für
die andere Hälfte. Sie wären beide von der Steuer befreit worden, falls beide die
Wohnung während zweier Jahren bewohnt haben und auch die übrigen Voraus-
setzungen erfüllt sind.
Vorliegend hat Lebenspartnerin erst anderthalb Monate nach dem Eigentumser-
werb ihres Partners eine Hälfte zu Miteigentum gekauft. Auch zu diesem Zeitpunkt
wäre ihr noch die Möglichkeit offengestanden, für diesen Anteil eigenständig ein
Gesuch um nachträgliche Steuerbefreiung mit Steuerstundung zu stellen. Auf ein
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solches Gesuch hat sie indessen verzichtet, und gegen die Veranlagung der Han-
dänderungssteuer durch das Grundbuchamt vom 15. Oktober 2018 in der Höhe
von Fr. 2'268.– hat sie keine Einsprache erhoben.
4.3 Nichts daran auszusetzen ist, dass das Grundbuchamt die Teilaufhebung
der Stundungsverfügung vom 19. September 2018 während der laufenden 3-jäh-
rigen Stundungsdauer verfügt hat. Es hätte damit zwar grundsätzlich zuwarten
können, bis es aufgrund des eingereichten Nachweises darüber zu befinden hat,
ob der Gesuchsteller die Voraussetzungen zur Steuerbefreiung erfüllt hat (Art. 17a
Abs. 1 und 2 HG). Zur Begründung seines Vorgehens weist das Grundbuchamt in
seiner Beschwerdevernehmlassung indessen zu Recht darauf hin, dass ein Stun-
dungswiderruf und ein Steuernachbezug erfolge, wenn die steuerpflichtige Person
die Bedingungen zur Steuerbefreiung nicht mehr erfülle. Nach Ziff. 2.6 der Wei-
sung der Geschäftsleitung der Grundbuchämter des Kantons Bern vom 8. Juli
2014 betreffend Änderung des HG vom 2. September 2013 ist dies etwa der Fall,
wenn nach einer Ehescheidung ein Ehegatte einen Anteil an den anderen verkauft
und diesbezüglich die Bedingungen zur Steuerbefreiung nicht mehr erfüllt.
4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht die ur-
sprüngliche Stundungsverfügung vom 19. September 2018 teilweise aufgehoben
und den Beschwerdeführer zur Bezahlung einer Handänderungssteuer im Betrag
von Fr. 6'390.– verpflichtet hat. Die Beschwerde erweist sich demnach als unbe-
gründet und ist abzuweisen.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdeführer die
entstandenen Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese sind auf
pauschal Fr. 2’000.– festzulegen (Art. 19 Abs. 1 der Verordnung über die Gebüh-
ren der Kantonsverwaltung vom 22. Februar 1995 [GebV; BSG 154.21]). Partei-
kosten sind keine zu sprechen (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Demnach entscheidet die Direktion für Inneres und Justiz:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens vor der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendi-
rektion in der Höhe von pauschal Fr. 2’000.– werden A._ zur Bezahlung auf-
erlegt. Eine separate Zahlungseinladung erfolgt, sobald dieser Entscheid in
Rechtskraft erwachsen ist.
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3.
Parteikosten werden keine gesprochen.