Decision ID: b40bdd35-3388-48c8-954b-004e4d77067e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen
Verfahren am Bezirksgericht Uster vom 19. Juni 2020 (FE190076-I)
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Rechtsbegehren:
des Gesuchstellers (Urk. 41 S. 2 f. und Urk. 53 S. 1 f.):
1) Es sei der gemeinsame Sohn C._, tt.mm.2017, für die Dauer des  unter die alternierende Obhut der Parteien zu stellen.
2a) Es sei der Gesuchsteller zu berechtigen und zu verpflichten, den Sohn C._ auf seine Kosten wie folgt zu betreuen:
- Wöchentlich von Mittwoch, 7.00 Uhr bis Samstag, 19.00 Uhr; - in den geraden Jahren über Ostern von Gründonnerstag, 18.00
Uhr bis Ostermontag 18.00 Uhr; - in den ungeraden Jahren über Pfingsten von Freitag vor Pfings-
ten 18.00 Uhr bis Pfingstmontag 18.00 Uhr; - in den geraden Jahren am ersten Tag der Doppelfeiertage
Weihnachten und Neujahr und in den ungeraden Jahren am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr
Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Sohn C._ in der  Zeit von der Gesuchsgegnerin betreut wird.
2b) Es sei der Gesuchsteller zu verpflichten, C._ während der Hälfte der Schulferien, damit meine ich 6 Wochen, zu betreuen. Die Eltern seien zu verpflichten, sich über die Aufteilung der Ferien jeweils rechtzeitig, d.h. zumindest drei Monate im Voraus abzusprechen. Können sie sich nicht einigen, sei dem Gesuchsteller in Jahren mit gerader Jahreszahl das Entscheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der Ferien zuzugestehen, in Jahren mit ungerader Jahreszahl der Gesuchstellerin.
3) Es sei der Gesuchsteller für die Dauer des Verfahrens zu , an den Barunterhalt des Sohns C._ angemessene  Unterhaltsbeiträge (zuzüglich allfälliger Kinderzulagen) von Fr. 261.– zu entrichten, zahlbar ab 1.9.2019 für die weitere Dauer des Verfahrens.
4) Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.)  der Gesuchsgegnerin.
der Gesuchstellerin (Urk. 57 S. 1 f. und Urk. 62 S. 2):
1. Der Sohn C._, geb. tt.mm.2017, sei für die Dauer des  unter die alleinige elterliche Obhut der Gesuchstellerin zu .
2. Der Gesuchsteller sei einstweilen für berechtigt und verpflichtet zu erklären, seinen Sohn C._ auf eigene Kosten wie folgt zu :
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• jede zweite Woche von Donnerstagabend, 19.00 Uhr bis , 18.00 Uhr
• in den Jahren mit gerader Jahreszahl über die Osterfeiertage von Gründonnerstag, 19.00 Uhr bis Ostermontag, 18.00 Uhr
• in den Jahren mit ungerader Jahreszahl über die  von Freitag, 18.00 Uhr bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr
• in den Jahren mit gerader Jahreszahl am 25. Dezember und 1. Januar sowie in den Jahren mit ungerader Jahreszahl am 26. Dezember und am 1. Januar
Ferner sei der Gesuchsteller für berechtigt und verpflichtet zu , C._ zwei Mal pro Jahr maximal je eine Woche am Stück, insgesamt zwei Wochen pro Jahr, zu sich oder mit sich in die  zu nehmen und zu verpflichten, die Ausübung des Ferienrechts jeweils mindestens drei Monate im Voraus mit der Gesuchstellerin abzusprechen.
3. Der Gesuchsteller sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin monatlich auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge für den Sohn C._ und die Gesuchstellerin persönlich wie folgt zu bezahlen:
für C._: Fr. 1'584.-- (Barunterhalt) rückwirkend ab 1. Januar 2019 bis
Ende Oktober 2019 Fr. 2'755.-- (davon Fr. 1'930.– als Betreuungsunterhalt) ab
1. November 2019 für die weitere Dauer des 
je zuzüglich Kinderzulagen soweit er diese bezieht
sowie
für die Gesuchstellerin persönlich: Fr. 675.-- rückwirkend ab 1. Januar 2019 bis Ende Oktober
2019 Fr. 150.-- ab 1. November 2019 für die weitere Dauer des
Scheidungsverfahrens 4. Der Gesuchsteller sei zu verpflichten der Gesuchstellerin ihre Gold-
vreneli Sammlung (circa 10 Stk.) sowie ihren kanadischen  auf erstes Verlangen herauszugeben.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich ) zulasten des Gesuchstellers.
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Verfügung des Bezirksgerichts Uster, Einzelgericht im ordentlichen Verfahren, vom 19. Juni 2020:
(Urk. 7/108 S. 76 ff. = Urk. 2 S. 76 ff.)
1. Der Sohn C._, geb. tt.mm.2017, wird für die Dauer des Verfahrens unter
die gemeinsame Obhut der Gesuchsteller gestellt.
Der zivilrechtliche Wohnsitz des Sohnes befindet sich bei der Gesuchstellerin.
2. Die Betreuung des Sohnes C._ wird wie folgt geregelt:
- Der Gesuchsteller wird berechtigt und verpflichtet, den Sohn C._ wö-
chentlich von Mittwochabend 19:00 Uhr bis Samstagabend 19.00 Uhr zu
betreuen.
- Der Gesuchsteller betreut den Sohn C._ in den geraden Jahren über
Ostern von Gründonnerstag, 18.00 Uhr bis Ostermontag 18.00 Uhr und in
den ungeraden Jahren über Pfingsten von Freitag vor Pfingsten 18.00 Uhr
bis Pfingstmontag 18.00 Uhr.
- Der Gesuchsteller betreut den Sohn C._ in den geraden Jahren am
ersten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr und in den un-
geraden Jahren am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und
Neujahr.
- Der Gesuchsteller betreut den Sohn C._ während der Hälfte der Krip-
pen- und Schulferien (maximal je eine Woche am Stück). Die Gesuchstel-
ler sprechen sich über die Aufteilung der Ferien mindestens drei Monate
im Voraus ab. Können sie sich nicht einigen, so kommt in Jahren mit ge-
rader Jahreszahl dem Gesuchsteller das Entscheidungsrecht bezüglich
der Aufteilung der Ferien zu; in Jahren mit ungerader Jahreszahl der Ge-
suchstellerin.
In der übrigen Zeit betreut die Gesuchstellerin den Sohn C._.
3. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für den Sohn C._
monatliche Kinderunterhaltsbeiträge (zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder ver-
traglicher Familien-, Kinder-, und Ausbildungszulagen) in folgendem Umfang zu
bezahlen:
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- Phase 1: Fr. 1'228.– rückwirkend für die Zeit ab 1. Januar 2019 bis
31. Oktober 2019 (davon Fr. 0.– Betreuungsun-
terhalt)
- Phase 2: Fr. 875.– rückwirkend für die Zeit ab 1. November 2019
bis 31. März 2020 (davon Fr. 0.– Betreuungs-
unterhalt)
- Phase 3: Fr. 746.– rückwirkend für die Zeit ab 1. April 2020 bis
Rechtskraft des vorliegenden Entscheides (da-
von Fr. 0.– Betreuungsunterhalt)
- Phase 4 Fr. 327.– für die Zeit ab Rechtskraft des vorliegenden
Entscheides für die weitere Dauer des Schei-
dungsverfahrens (davon Fr. 0.– Betreuungsun-
terhalt)
Die Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monatlich im Voraus, jeweils auf den Ersten
eines Monats.
Die Parteien übernehmen diejenigen Kosten für den Sohn C._, die wäh-
rend der Zeit anfallen, die er beim betreuenden Elternteil verbringt
(insb. Verpflegung, Anteil Miete, Alltagsbekleidung) jeweils selber.
Mit diesen Kinderunterhaltsbeiträgen ist der gebührende Unterhalt von C._
in der Phase 4 nicht gedeckt. Zur Deckung des gebührenden Unterhalts fehlt für
die Zeit ab Rechtskraft für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens ein
monatlicher Betrag von Fr. 34.60 (davon Fr. 0.– Betreuungsunterhalt).
4. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Gesuchsteller der Gesuchstellerin
für die Zeit vom 1. Januar 2019 bis 31. August 2019 Kinderunterhaltsbeiträge
für C._ in der Höhe von insgesamt Fr. 6'400.– bezahlt hat. Er wird für be-
rechtigt erklärt, die bereits bezahlten Kinderunterhaltsbeiträge in der Höhe von
Fr. 6'400.– mit den rückwirkend zu bezahlenden Kinderunterhaltsbeiträgen ge-
mäss Dispositivziffer 3 zu verrechnen.
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5. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin persönlich folgende
monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare Un-
terhaltsbeiträge zu leisten:
- Phase 1: Fr. 0.– rückwirkend für die Zeit ab 1. Januar 2019 bis
31. Oktober 2019
- Phase 2: Fr. 150.– rückwirkend für die Zeit ab 1. November 2019
bis 31. März 2020
- Phase 3: Fr. 84.– rückwirkend für die Zeit ab 1. April 2020 bis
Rechtskraft des vorliegenden Entscheides
- Phase 4 Fr. 0.– für die Zeit ab Rechtskraft des vorliegenden
Entscheides für die weitere Dauer des Schei-
dungsverfahrens
6. Diesem Entscheid liegen die folgenden finanziellen Verhältnisse zugrunde:
a) Einkommen
- Gesuchstellerin
- 1. April 2019 bis 31. Oktober 2019
- 40 % Pensum bei der D._ AG, 12 Mal aus-
bezahlt
Fr. 2'039.55
- Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
(Kosmetikstudio)
Fr. 1'271.40
- 1. November 2019 bis 31. März 2020
- Entschädigung der Arbeitslosenkasse Fr. 1'631.65
- Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
(Kosmetikstudio)
Fr. 1'271.40
- 1. April 2020 bis Rechtskraft des Entscheids
- Entschädigung der Arbeitslosenkasse Fr. 1'631.65
- Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
(Kosmetikstudio)
Fr. 1'271.40
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- ab Rechtskraft für die weitere Dauer des Schei-
dungsverfahrens
- hypothetisches Einkommen D._ Fr. 2'039.55
- Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
(Kosmetikstudio)
Fr. 1'271.40
- Gesuchsteller
- 1. April 2019 bis 31. Oktober 2019
- Einkommen selbständiger Landwirt (hypothe-
tisch)
Fr. 3'200.–
- Feuerwehrsold Fr. 133.30
- 1. November 2019 bis 31. März 2020
- Einkommen selbständiger Landwirt (hypothe-
tisch)
Fr. 3'200.–
- Feuerwehrsold Fr. 133.30
- 1. April 2020 bis Rechtskraft
- Einkommen selbständiger Landwirt (hypothe-
tisch)
Fr. 3'200.–
- Feuerwehrsold Fr. 133.30
- ab Rechtskraft für die weitere Dauer des Schei-
dungsverfahrens
- Einkommen selbständiger Landwirt (hypothetisch
bei alternierender Betreuung von C._)
Fr. 2'500.–
- Feuerwehrsold Fr. 133.30
- C._ (monatlich, in allen Phasen) Fr. 200.–
b) Vermögen
- Gesuchstellerin Fr. 12'239.–
- Gesuchsteller Fr. 955.–
- C._ (mangels anderweitiger Angaben) Fr. 0.–
7. Das Herausgabebegehren der Gesuchstellerin betreffend die Goldvreneli
Sammlung (circa 10 Stk.) und den kanadischen Reisepass wird als gegen-
standslos geworden abgeschrieben.
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8. Die Editionsbegehren der Gesuchstellerin vom 27. August 2019 werden abge-
wiesen.
9. Die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen für diese Verfügung er-
folgt im Endentscheid.
10. [Schriftliche Mitteilung.]
11. [Rechtsmittelbelehrung, Berufung, 10 Tage.]
Berufungsanträge:
der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin (Urk. 1 S. 2 ff.): "1. Dispositiv Ziffern 1., 2., 3., 5. und 6. der Verfügung des Einzelge-
richts des Bezirksgerichtes Uster vom 19. Juni 2020 (Geschäfts Nr. FE190076) seien aufzuheben und wie folgt zu ersetzen:
1. Der Sohn C._, geb. tt.mm.2017, sei für die Dauer des  unter die alleinige elterliche Obhut der Gesuchstellerin zu stellen.
2. Der Gesuchsteller sei einstweilen für berechtigt und verpflichtet zu erklären, seinen Sohn C._ auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
• jede zweite Woche von Freitagmorgen, 8.30 Uhr, bis , 19.00 Uhr
• in den Jahren mit gerader Jahreszahl über die  von Gründonnerstag, 18.00 Uhr, bis Ostermontag, 18.00 Uhr
• in den Jahren mit ungerader Jahreszahl über die  von Freitag, 18.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr
• in den Jahren mit gerader Jahreszahl am ersten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr sowie in den Jahren mit ungerader Jahreszahl am zweiten Tag der  Weihnachten und Neujahr
• während insgesamt vier Wochen Ferien jährlich (maximal je eine Woche am Stück), wobei die Ausübung des  jeweils mindestens drei Monate im Voraus mit der Gesuchstellerin abzusprechen ist. Können sich die  nicht einigen, so kommt in Jahren mit gerader  dem Gesuchsteller das Entscheidungsrecht  Aufteilung der Ferien zu und in Jahren mit ungerader Zahl der Gesuchstellerin.
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3. Der Gesuchsteller sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin  auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare  für den Sohn C._ wie folgt zu bezahlen:
Fr. 1'272.-- (Barunterhalt) rückwirkend ab 1. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019
Fr. 1'227.-- (davon Fr. 426.-- als Betreuungsunterhalt) rückwirkend ab 1. November 2019 bis 31. März 2020
Fr. 1'100.– (davon Fr. 395.-- als Betreuungsunterhalt) rückwirkend ab 1. April 2020 für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens
je zuzüglich Kinderzulagen soweit er diese bezieht.
Es sei festzustellen, dass monatlich folgende Beträge zur  des gebührenden Unterhaltes von C._ fehlen:
• Fr. 1'261.-- ab 1. November 2019 bis 31. März 2020
• Fr. 1'165.-- ab 1. April 2020 für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens
4. (...)
5. Eventualiter sei der Gesuchsteller zu verpflichten, der  persönlich monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 450.-- zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats, erstmals rückwirkend ab 1. November 2019 für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens.
6. Es sei festzustellen, dass den Unterhaltsbeiträgen folgende  Verhältnisse zugrunde liegen:
Einkommen netto pro Monat, inkl. Anteil 13. Monatslohn,  separat:
Gesuchstellerin: Fr. 3'240.-- ab 1. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019 Fr. 1'200.-- ab 1. November 2019 für die weitere Dauer
des Scheidungsverfahrens
Gesuchsteller: Fr. 3'333.-- ab 1. Januar 2019 für die weitere Dauer des
Scheidungsverfahrens
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C._: Fr. 200.-- Kinderzulage ab 1. Januar 2019 für die weite-
re Dauer des Scheidungsverfahrens
Vermögen: nicht relevant
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7 % MwSt.) zu Lasten des Gesuchstellers."
Prozessuale Anträge der Gesuchstellerin (Urk. 1 S. 5):
"1. Der Berufung sei hinsichtlich Dispositiv Ziffern 1 und 2 der angefochtenen Verfügung des Bezirksgerichts Uster vom 19. Juni 2020 superprovisorisch mit sofortiger Wirkung die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
2. Der Gesuchstellerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen, und es sei ihr in der Person des Unterzeichnenden einen unentgeltlichen Rechtsvertreter zu bestellen."
des Gesuchstellers und Berufungsbeklagten (Urk. 15 S. 2):
"1. Es sei die Berufung abzuweisen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.) zulasten
der Berufungsklägerin." sowie
"1. Es sei der Berufungsklägerin unter Strafandrohung von Art. 292 StGB per sofort und für die weitere Dauer des Verfahrens zu verbieten, den  des Sohns C._, geb. tt.mm.2017, an einen anderen Ort als E._ oder F._ zu verlegen.
2. Sofern die Berufungsklägerin von E._ wegzieht und nicht in F._ den neuen Wohnsitz begründet, sei die Obhut für C._, geb. tt.mm.2017, per sofort und für die weitere Dauer des Verfahrens dem Berufungsbeklagten zuzuweisen.
3. Bei Zuteilung der Obhut an den Berufungsbeklagten sei der  des Berufungsbeklagten gegenüber C._ und der Berufungsklägerin aufzuheben.
4. Die vorstehenden Anträge Ziff. 1 und 2. seien superprovisorisch zu erlassen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.)  der Berufungsklägerin."
Prozessuale Anträge des Gesuchstellers (Urk. 8 S. 2):
"Es sei das Gesuch der Berufungsklägerin um Erteilung der aufschiebenden Wirkung in Bezug auf Dispositiv Ziff. 1 und 2 der Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Uster vom 19.6.2020 abzuweisen."
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"Es sei dem Berufungsbeklagten die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und in der Person der Unterzeichneten eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen."

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Die Parteien sind seit 2018 verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn,
C._, geboren am tt.mm.2017 (vgl. Urk. 7/7). Mit Einreichung des gemeinsamem
Scheidungsbegehrens machten die Gesuchsteller das Scheidungsverfahren vor Vor-
instanz anhängig (Urk. 7/1 und 7/2). Im Rahmen dieses Scheidungsverfahrens stellte
der Gesuchsteller und Berufungsbeklagte (nachfolgend Gesuchsteller) mit Eingabe
vom 18. Juli 2019 die eingangs genannten Anträge um Anordnung vorsorglicher
Massnahmen (Urk. 7/41; bzw. Modifikation in Urk. 7/53). Am 27. August 2019 fand
die Einigungsverhandlung und Verhandlung über vorsorgliche Massnahmen statt
(Prot. I S. 6). Im Rahmen dieser Verhandlung schlossen die Parteien eine Teilverein-
barung betreffend elterlicher Sorge, Vorsorgeausgleich und Güterrecht (Urk. 7/60).
Hinsichtlich der vorsorglichen Massnahmen (Betreuung und Unterhalt) konnte keine
Einigung gefunden werden. Mit Verfügung vom 19. Juni 2020 hiess die Vorinstanz
den Antrag des Gesuchstellers auf Anordnung der alternierenden Obhut gut und ver-
pflichtete den Gesuchsteller zur Leistung von Kinderunterhaltsbeiträgen sowie per-
sönlichen Unterhaltsbeiträgen an die Gesuchstellerin (Urk. 7/108 S. 76 ff. = Urk. 2
S. 76 ff.).
2. Gegen die vorgenannte Verfügung erhob die Gesuchstellerin und Berufungs-
klägerin (nachfolgend Gesuchstellerin) mit Eingabe vom 3. Juli 2020 fristgerecht Be-
rufung (eingegangen am 6. Juli 2020; Urk. 1A) mit den eingangs genannten Anträ-
gen. Mit Präsidialverfügung vom 8. Juli 2020 wurde dem Gesuchsteller Frist ange-
setzt, um in gebotener Kürze zum Gesuch der Gesuchstellerin um Gewährung der
aufschiebenden Wirkung Stellung zu nehmen (Urk. 6, Dispositivziffer 1), wovon der
Gesuchsteller mit Eingabe vom 17. Juli 2020 Gebrauch machte (Urk. 8). Mit Präsidi-
alverfügung vom 22. Juli 2020 wurde der Berufung der Gesuchstellerin gegen die
Dispositivziffern 1 und 2 der vorinstanzlichen Verfügung vom 19. Juni 2020 sodann
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die aufschiebende Wirkung erteilt (Urk. 12, Dispositivziffer 1). In der Folge wurde mit
Beschluss vom 21. August 2020 sowohl dem Gesuchsteller als auch der Gesuchstel-
lerin die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung gewährt und dem
Gesuchsteller gleichzeitig Frist zur Erstattung der Berufungsantwort anberaumt (Urk.
14, Dispositivziffer 1-3). Mit Eingabe vom 2. September 2020 erstattete der Gesuch-
steller fristgerecht die Berufungsantwort und ersuchte zudem um superprovisori-
schen Erlass vorsorglicher Massnahmen. Mit Beschluss vom 4. September 2020
wurde das Gesuch auf Erlass superprovisorischer Massnahmen sowohl als super-
provisorisch als auch vorsorglich gestelltes Massnahmebegehren abgewiesen und
der Gesuchstellerin die Berufungsantwort zur Kenntnis gebracht (Urk. 18). Es folgten
weitere Eingaben der Parteien unter dem Datum vom 16. September 2020 (Urk. 19),
26. Oktober 2020 (Urk. 24) und 12. November 2020 (Urk. 26). Sämtliche Eingaben
wurden der Gegenpartei jeweils zur Kenntnisnahme zugestellt.
3. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 7/1-112). Das Verfahren
erweist sich als spruchreif.
II. Prozessuale Vorbemerkungen
1. Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige Feststel-
lung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufungs-
instanz verfügt über eine umfassende Überprüfungsbefugnis der Streitsache, d.h.
über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, einschliesslich der
Frage richtiger Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung; BGer 5A_184/2013
vom 26. April 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Berufungsbegründung (Art. 311 ZPO)
ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den
angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an einem der genannten
Mängel leidet (BGE 142 I 93 E. 8.2; 138 III 374 E. 4.3.1). Was nicht oder nicht in ei-
ner den gesetzlichen Begründungsanforderungen genügenden Weise beanstandet
wird, ist – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – von der Rechtsmittelinstanz
grundsätzlich nicht zu überprüfen (BGE 142 III 413 E. 2.2.4). Bei Verfahren betref-
fend Kinderbelange ist der Sachverhalt nach Art. 296 ZPO von Amtes wegen zu er-
forschen. Infolgedessen können die Parteien im Berufungsverfahren auch dann neue
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Tatsachen und Beweismittel vorbringen, wenn die Voraussetzungen nach Art. 317
Abs. 1 ZPO nicht erfüllt sind (BGE 144 III 349 E. 4.2.1).
2. Was die Besonderheiten des summarischen Verfahrens sowie die vorliegend
anwendbaren Prozessmaximen anbelangt, kann auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 2 E. 2.).
3. Die Dispositivziffern 4, 7 und 8 der Verfügung vom19. Juni 2020 wurden nicht
angefochten. In diesem Umfang ist der vorinstanzliche Entscheid gemäss Art.
315 Abs. 1 ZPO in Rechtskraft erwachsen, was vorzunehmen ist.
III. Materielle Beurteilung
A. Obhut
1. Die Vorinstanz unterstellte C._ für die Dauer des Verfahrens unter die al-
ternierende Obhut der Gesuchsteller (Urk. 2, Dispositiv-Ziff. 1). Sie erwog, die Erzie-
hungsfähigkeit beider Elternteile sei unbestritten und es seien auch aus den Akten
keine Umstände ersichtlich, die an deren Erziehungsfähigkeit zweifeln lassen würde.
Die geographische Distanz zwischen den Wohnungen der Eltern, die lediglich 9 Au-
tofahrminuten auseinander liegen würden, spreche für eine alternierende Obhut.
Überdies hätten die Parteien, abgesehen von den üblichen Streitigkeiten im Rahmen
einer Trennung, anlässlich der Verhandlung den Eindruck gemacht, kommunikations-
fähig zu sein. Darauf deute auch der Umstand hin, dass die Gesuchsteller ausserge-
richtliche Gespräche hätten führen wollen und die Gesuchstellerin mehrmals vorge-
bracht habe, dass sie eine gemeinsame Trennungsberatung mit dem Ziel einer ein-
vernehmlichen Einigung wünsche. Weiter offenbare auch das Studium der einge-
reichten Konversationen, dass die Schwierigkeiten in direktem Zusammenhang mit
der unklaren Situation betreffend die Betreuung von C._ stünden. Es sei davon
auszugehen, dass sich die Kommunikation zwischen den Gesuchstellern nach der
verbindlichen Regelung der entsprechende Betreuungszeiten- und abläufe durch das
Gericht weiter normalisieren werde. Angesichts der bisherigen Betreuungssituation
stehe dem Betreuungsmodell der alternierenden Obhut auch das Kriterium der Kon-
tinuität und Stabilität nicht entgegen. Vor der Trennung habe die Gesuchstellerin
C._ betreut und nebenbei donnerstags und samstags in ihrem eigenen Kosme-
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tikstudio gearbeitet. Nach der Trennung habe sie zusätzlich in einem 40% Pensum
jeweils am Mittwoch und Freitag bei der D._ AG gearbeitet, weshalb C._
mittwochs und donnerstags von der Tagesmutter und am Freitag und Samstag alle
14 Tage von der Grossmutter mütterlicherseits betreut worden sei. Seit Beendigung
des Arbeitsverhältnisses bei der D._ AG im November 2019 werde C._
nicht mehr von der Tagesmutter betreut. Der Gesuchsteller habe C._ zuletzt
gemäss übereinstimmender Ausführungen alle zwei Wochen von Donnerstagabend
bis Samstagabend betreut. Demnach hätten die Gesuchsteller bis anhin C._
nicht alternierend betreut, es bestehe jedoch ein gerichtsübliches Besuchsrecht. Für
eine alternierende Obhut spreche jedoch, dass C._ den Bauernhof des Gesuch-
stellers bereits gut kenne und sich in einer gewohnten Umgebung bewege, da der
Hof bis im November 2018 das Ehedomizil gewesen sei. C._ kenne auch die auf
dem Hof wohnenden Personen. Ein weiteres Argument für die alternierende Obhut
sei, dass die neue Partnerin des Gesuchstellers, G._, ebenfalls einen Sohn zur
Welt gebracht habe und C._ durch die alternierende Obhut mit seinem Halbbru-
der aufwachsen könnte, was von Vorteil wäre, zumal Beziehungen zu Halbgeschwis-
tern für ein Kind eine grosse Stütze sein könnten. Es spreche auch nichts gegen die
Eignung des Gesuchstellers, C._ persönlich zu betreuen. Er habe seine Bereit-
schaft hierzu auch wiederholt kundgetan. Zwar sei es zutreffend, dass die Gesuch-
stellerin nach der Kündigung durch die D._ AG ihren Tagesablauf an den Ta-
gen, an welchen sie nicht im Kosmetikstudio arbeite, nach den Bedürfnissen des
Sohnes ausrichten könne. Allerdings habe der Gesuchsteller ebenso Vorkehrungen
getroffen, damit er nicht mehr so viel arbeiten müsse. Seit Anfang Juni bzw. seit sein
Bruder auf dem Hof mitarbeite, habe er die Möglichkeit, die Betreuung von C._
in einem grösseren Umfang persönlich wahrzunehmen. Nebst seinem Bruder könne
er auch auf seinen Vater zurückgreifen, der ebenfalls auf dem Hof mitarbeite. Mit
seiner Mutter und seiner neuen Freundin seien weitere Familienmitglieder auf dem
Hof anwesend, die den Gesuchsteller in seiner Arbeit und der Betreuung von
C._ unterstützen könnten. Weiter habe der Gesuchsteller durch seine Tätigkeit
als selbständig Erwerbender den Vorteil, sich die Arbeitsabläufe selber einteilen zu
können, wo durch er flexible Arbeitszeiten habe. Auch nach der Kündigung der
D._ AG arbeite die Gesuchstellerin immer noch mindestens donnerstags und
samstags in ihrem Kosmetikstudio und sei auf eine Fremdbetreuung angewiesen,
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während der Gesuchsteller die Betreuung selber übernehmen könne. Für eine alter-
nierende Obhut spreche somit, dass C._ primär von seinen Eltern betreut wer-
den würde. Die Anordnung einer alternierenden Obhut habe letztlich auch den Vor-
teil, dass die Gesuchstellerin an ihren betreuungsfreien Tagen einer Erwerbstätigkeit
nachgehen könne (Urk. 2 E. 3.4).
2. Die Gesuchstellerin verlangt berufungsweise die alleinige Zuteilung der Obhut
über C._ an sich, unter Einräumung eines Besuchsrechts für den Gesuchsteller
(Urk. 1, Ziffer 1.1. und 1.2. der Anträge). Der Gesuchsteller verlangt die Abweisung
der Berufung und damit Bestätigung der angeordneten alternierenden Obhut
(Urk. 15, Ziff. 1 der Anträge).
3.1. Hinsichtlich der beim Entscheid über die Obhutszuteilung beziehungsweise
über die Anordnung einer alternierenden Obhut relevanten Beurteilungskriterien kann
vorab auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen
werden (Urk. 2 E. 3.4.1 ff.).
3.2. Erziehungsfähigkeit
Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren wird auch im vorliegenden Berufungsver-
fahren die Erziehungsfähigkeit der Gesuchsteller gegenseitig nicht in Frage gestellt;
auch den Akten sind keine Indizien zu entnehmen, die auf Gegenteiliges hindeuten
würden. Es kann damit ohne Weiteres mit der Vorinstanz von der Erziehungsfähig-
keit beider Elternteile ausgegangen werden.
3.3. Geographische Distanz
Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat und von der Gesuchstellerin auch
nicht beanstandet wird, spricht die geographische Nähe der beiden Wohnorte der
Gesuchsteller für eine alternierende Obhut. Daran ändert auch der Umzug der Ge-
suchstellerin von E._ nach F._ per 1. Oktober 2020 nichts (vgl. Urk. 21/16),
zumal F._ nur knapp 2 Kilometer weiter entfernt vom Hof des Gesuchstellers in
K._ liegt.
- 16 -
3.4. Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit
3.4.1. Die Gesuchstellerin macht geltend, die Kommunikations- und Kooperations-
fähigkeit der Parteien sei nur in ungenügendem Ausmass vorhanden. Die Vorinstanz
stütze den gewonnenen Eindruck auf eine einzige Gerichtsverhandlung, welche von
den Rechtsvertretern mit ihren Plädoyers dominiert worden sei, weshalb für persönli-
che Voten der Parteien kein Raum mehr geblieben sei. Die eingereichten Chatnach-
richten würden sodann einen nach wie vor anhaltenden Elternkonflikt illustrieren,
welcher auch daher rühre, dass es den Parteien noch nicht gelungen sei, sich in
emotionaler Hinsicht von ihrer früheren Paarbeziehung in genügendem Mass zu dis-
tanzieren. Es sei zwar zutreffend, dass die Parteien der Vorinstanz mitteilen liessen,
dass sie versuchen würden, eine einvernehmliche Regelung herbeizuführen, doch
sei es in der Folge nie zu einem inhaltlichen Austausch gekommen. Den auf Anre-
gung der Gesuchstellerin anberaumten Beratungstermin beim kjz Meilen am
9. Januar 2020 habe der Gesuchsteller am 7. Januar 2020 kurzfristig abgesagt, weil
er gefürchtet habe, seine Voten könnten protokolliert werden und das kjz Meilen
könnte zu seinen Ungunsten auf das Verfahren einwirken. Entgegen der Ansicht der
Vorinstanz spreche dies nicht für die Kommunikationsfähigkeit der Gesuchsteller.
Darüber hinaus sei es in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit Überga-
ben von C._ zu wiederholten Konflikten zwischen den Gesuchstellern gekom-
men, beispielsweise weil der Gesuchsteller C._ nach den Ferien im vergange-
nen Dezember viel zu spät zur Gesuchstellerin zurückgebracht habe und sich im
März und April 2020 überhaupt geweigert habe, C._ am Sonntagabend zur Ge-
suchstellerin zurückzubringen, so dass die Gesuchstellerin C._ mehrere Male
beim Gesuchsteller habe abholen müssen. Es sei deshalb zu befürchten, dass die
abrupte Umstellung auf ein Wechselmodell den Elternkonflikt anheizen und eskalie-
ren lassen würde, wodurch der erst dreijährige C._ noch zusätzlich überfordert
würde. Mit der vorinstanzlichen Betreuungsregelung könne zudem auch keine Ent-
spannung erwartet werden, weil die Gesuchstellerin eine alternierende Obhut nicht
akzeptieren könne. Die Vorinstanz habe es in dieser Hinsicht unterlassen, die Aus-
wirkungen einer faktischen Verweigerung eines Elternteils auf das Kindeswohl zu be-
rücksichtigen, zumal eine direkte Durchsetzung der alternierenden Obhut nicht mög-
lich und eine indirekte kaum je zielführend sei. Für die Anordnung eines Wechselmo-
- 17 -
dells sei eine ausgeprägte und überdurchschnittliche Kommunikations- und Koopera-
tionsfähigkeit zwischen den Eltern vorauszusetzen, insbesondere da C._ mit
seinen drei Jahren noch nicht in der Lage sei, seine eigenen Bedürfnisse genügend
zu artikulieren (Urk. 1 S. 11 ff. Rz. 17-24).
3.4.2. Demgegenüber bringt der Gesuchsteller vor, die Vorinstanz habe die Beja-
hung der Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit nicht allein auf den anlässlich
der Verhandlung über vorsorgliche Massnahmen gewonnen Eindruck abgestützt,
sondern sich explizit auch mit den eingereichten Konversationen (WhatsApp-
Nachrichten) auseinandergesetzt. Zu Recht sei sie dabei zur Auffassung gelangt,
dass die aus den Konversationen hervorgehenden Schwierigkeiten in direktem Zu-
sammenhang mit der unklaren Situation betreffend die Betreuung von C._ stün-
den. Der zwischen ihnen schwelende Konflikt resultiere einzig aus der ungeregelten
Betreuungssituation und der damit einhergehenden Ohnmacht des Berufungsbeklag-
ten, dem Agieren der Berufungsklägerin ausgesetzt zu sein. Etwas anderes gehe
auch aus der Berufungsbegründung nicht hervor. Die von der Vorinstanz festgelegte
Betreuungsregelung hätte diesbezüglich Klarheit und Stabilität gebracht und es sei
nicht einsichtig, weshalb die Umsetzung der vorinstanzlich festgelegten Regelung
den Elternkonflikt eskaliert hätte. Der Standpunkt der Gesuchstellerin, dass ihre Wei-
gerungshaltung gegenüber der alternierenden Obhut und allfällige damit verbundene
Probleme der Vollstreckung einen Grund darstellen würde, von der Festlegung der
alternierenden Obhut abzusehen, weil sie das Kindeswohl tangieren würde, irritiere
und stelle ihre Erziehungsfähigkeit in Frage. Denn die Bejahung der Erziehungsfä-
higkeit setzte voraus, dass sie bereit sei, ihrem Sohn eine lebendige Beziehung zum
Vater zuzugestehen und gerichtliche rechtskräftige Anordnungen auch dann umset-
ze, wenn sie ihr nicht genehm seien. Gehe man davon aus, dass die Erziehungsfä-
higkeit der Gesuchstellerin nicht in diesem Sinne eingeschränkt sei und sie sich an
eine gerichtlich festgelegte Betreuungsregelung halten werde, würden die bis anhin
aufgrund der ungeregelten Betreuungsverhältnisse bestehenden Konflikte entfallen.
Abgesehen davon habe sich die Gesuchstellerin auch nicht konkret auf diesbezügli-
che Vorkommnisse berufen (Urk. 15 S. 9 ff. Rz. 1.2.1.-1.2.4).
3.4.3. Es trifft zwar zu, dass die Vorinstanz nicht im Einzelnen auf die eingereichten
Konversationen eingegangen ist. Ihre Feststellung, wonach daraus hervorgehe, dass
- 18 -
die Schwierigkeiten in der Kommunikation in direktem Zusammenhang mit der unkla-
ren Situation betreffend die Betreuung von C._ stehen, ist jedoch auch bei ge-
nauerer Betrachtung der Chatnachrichten nicht zu beanstanden. In den zwischen
dem 23. Juni 2019 und 1. Juli 2019 ausgetauschten SMS-Nachrichten ging es
hauptsächlich darum, dass der Gesuchsteller mehr Betreuungszeit forderte, mithin
vorschlug, die Betreuung anstelle der Tagesmutter sicherzustellen, womit sich die
Gesuchstellerin nicht einverstanden erklärte, was wiederum zu Diskussionen führte
(Urk. 59/3). Ein ähnliches Bild ergibt sich aus der Konversation vom 7. Juli 2019
(Urk. 59/4) sowie vom 3. November 2019 (Urk. 79/2). Bei den Nachrichten vom
10. August 2019 hat sich der Gesuchsteller zwar tatsächlich im Ton vergriffen und
die Gesuchstellerin mit Beleidigungen eingedeckt, doch ist auch diesbezüglich als
Ausgangspunkt wieder eine Diskussion über die Betreuung von C._ auszu-
machen: Der Gesuchsteller schlägt der Gesuchstellerin im Vorfeld zum Wochenende
vom 9./10. August 2019, an welchem die Gesuchstellerin offenbar plante, die
"Streetparade" in Zürich zu besuchen, mehrmals vor, die Betreuung von C._ an
diesem Wochenende anstelle der Grossmutter mütterlicherseits zu übernehmen.
Nachdem die Gesuchstellerin zunächst über mehrere Tage gar keine Antwort gab,
erwiderte sie letztlich, dass sie damit nicht einverstanden sei. Weiter bat der Gesuch-
steller darum, C._ am Wochenende vom 26. bis 29. August 20219 betreuen zu
dürfen, damit er an der Taufe seiner Cousinen und dem anschliessenden grossen
Familienfest teilnehmen könne. Auch mit diesem Vorschlag erklärte sich die Gesuch-
stellerin nicht einverstanden, sie hätten auch schon Pläne an diesem Wochenende
(Urk. 59/6). Hauptdiskussions- und Streitpunkt war demnach der Betreuungsumfang
des Gesuchstellers bzw. dessen Wunsch nach Ausdehnung der Betreuungszeiten
und der Umstand, dass die Gesuchstellerin die faktische Entscheidungsgewalt dar-
über inne hat. Auch die neu eingereichte Whats-App-Konversation vom
16./17. Februar 2020, worin der Gesuchsteller der Gesuchstellerin seine Wünsche
betreffend Ferien mit C._ mitteilt und sich die Gesuchstellerin – bis auf eine Wo-
che im Mai – nicht einverstanden erklärte (Urk. 10/1), geht in diese Richtung. Diffe-
renzen über die Betreuungsanteile für sich allein stellen nach der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung jedoch keinen hinreichenden Grund dar, um von der Anord-
nung einer alternierenden Obhut abzusehen. Ein derartiger Schluss könnte nur dort
in Betracht fallen, wo die Eltern aufgrund der zwischen ihnen bestehenden Feindse-
- 19 -
ligkeiten auch hinsichtlich anderer Kinderbelange nicht zusammenarbeiten können
mit der Folge, dass sie ihr Kind im Szenario einer alternierenden Obhut dem gravie-
renden Elternkonflikt in einer Weise aussetzen würden, die seinen Interessen offen-
sichtlich zuwiderläuft (BGer 5A_888/2016 vom 20. April 2018, E. 3.2.1. f.; BGer
5A_191/2016 vom 23. Dezember 2016, E. 4.6.). Ein derart gravierender Elternkonflikt
lässt sich den vorhandenen Konversationen aber keineswegs entnehmen. Auch
wenn der Tonfall zwischen den Gesuchstellern teils gereizt oder gar gehässig ist,
manifestieren die im Recht liegenden Unterhaltungen dennoch, dass zwischen den
Parteien durchaus eine Kommunikationsbasis besteht. Es sind auch von beiden Sei-
ten Bestrebungen erkennbar, sich über die Belange von C._ auszutauschen. So
hatte die Gesuchstellerin den Gesuchsteller etwa über einen anstehenden Arztbe-
such von C._ informiert und ihn danach instruiert, was er für dessen Aufenthalt
bei ihm vorzukehren habe (Urk. 59/6). Zudem unterrichteten sich die Gesuchsteller
teilweise gegenseitig auf entsprechende Nachfrage auch über das Befinden von
C._, z.B. während den Ferien in Zypern mit der Gesuchstellerin (Urk. 59/6,
Nachrichten vom 2. August 2020) oder während den Aufenthalten beim Gesuchstel-
ler auf dem Bauernhof (Urk. 55/27 bzw. Urk. 59/3, Nachrichten vom 19./20. Juni
2019; Urk. 59/4, Nachrichten vom 5./6. Juli 2019). An dieser Einschätzung vermögen
auch die von der Gesuchstellerin geschilderten Konflikte im Zusammenhang mit
Übergaben von C._ nichts zu ändern. Auch dabei handelt es sich letztlich wie-
derum um Differenzen hinsichtlich des Betreuungsumfangs, die sich mit einer ver-
bindlichen Regelung erübrigen sollten. Eine darüber hinausgehende Eskalation, z.B.
dass C._ dabei ins Fadenkreuz der Streitigkeiten geraten wäre, wird jedenfalls
nicht geltend gemacht. Ohnehin handelt es sich dabei lediglich um Einzelvorfälle im
Rahmen einer – wie auch die Gesuchstellerin betont (vgl. Urk. 1 S. 10) – inzwischen
etablierten Betreuungsregelung.
Weder für noch gegen die Kommunikationsfähigkeit sprechen sodann die (geschei-
terten) Versuche der Gesuchsteller, sich aussergerichtlich zu einigen, zumal auch
das Scheitern dieser Gespräche auf die diametral auseinanderklaffenden Positionen
in Bezug auf die Betreuung zurückzuführen ist. Mit dem Ergehen des vorliegenden
Entscheids ist gewährleistet, dass die Gesuchsteller nicht mehr über den Betreu-
ungsumfang diskutieren müssen. Soweit die Gesuchstellerin ferner geltend macht,
- 20 -
die Auswirkungen einer faktischen Verweigerung eines Elternteils auf das Kindes-
wohl sei in die Entscheidung betreffend Anordnung einer alternierenden Obhut mit-
einzubeziehen, kann ihr nicht gefolgt werden. Vielmehr liesse ein solches Verhalten,
wie der Gesuchsteller zu Recht geltend macht, Zweifel an der Erziehungsfähigkeit
der Gesuchstellerin aufkommen (vgl. OGer ZH LE150060 vom 7. Oktober 2016, E.
III.B.8. und III.C.4.).
Letztlich legt die Gesuchstellerin weder ausreichend dar noch ist ersichtlich inwiefern
aufgrund des Alters von C._ überdurchschnittlich hohe Anforderungen an die
Kommunikationsfähigkeit der Eltern zu stellen seien. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung sind insbesondere dann höhere Anforderungen an die Kommunika-
tions- und Kooperationsfähigkeit der Eltern zu stellen, wenn das Kind schulpflichtig ist
oder die Entfernung zwischen den Wohnorten der Eltern ein Mehr an Organisation
erfordert (BGE 142 III 612 E. 4.3 m.H.; BGer 5A_241/2018, 5A_297/2018 vom 18.
März 2019, E. 5.1.), was vorliegend beides nicht der Fall ist. In Bezug auf C._ ist
vielmehr ein gelegentlicher Austausch über die im Zusammenhang mit der Betreuung
eines Kindes in dessen Alter massgebenden Informationen (Essen, Schlafen, medi-
zinische Belange, besondere Vorkommnisse) angezeigt, was – wie vorstehend aus-
geführt – von den Parteien bereits heute zuweilen gemacht wird. Mit fortschreiten-
dem Zeitablauf und Festigung der Betreuungsregelung ist auch davon auszugehen,
dass die negativen Emotionen abnehmen und damit einhergehend die Kommunikati-
on und Kooperation der Parteien sich auch noch verbessern wird.
Zusammenfassend sind die Parteien als genügend kooperations- und kommunikati-
onsfähig zu erachten, um die hinsichtlich der alternierenden Obhut notwendigen Ab-
sprachen zu treffen.
3.5. Kontinuität und Stabilität
3.5.1. Die Gesuchstellerin bringt vor, die bisher gelebten Verhältnisse würden zei-
gen, dass sie als Mutter die Hauptbezugs- und Betreuungsperson von C._ sei.
Sie habe sich bereits während des verhältnismässig kurzen ehelichen Zusammenle-
bens auf dem Hof des Gesuchstellers um den Familienhaushalt gekümmert und
C._ betreut, während der Gesuchsteller regelmässig von frühmorgens 5 Uhr bis
spätabends auf dem landwirtschaftlichen Betrieb geschuftet habe. Auch nach dem
- 21 -
Abendessen sei der Gesuchsteller wieder an die Arbeit zurückgekehrt und habe
auch die Wochenenden durchgearbeitet. Im November 2018 sei es zur Trennung
gekommen, worauf die Gesuchstellerin zusammen mit C._ nach E._ gezo-
gen sei. Seit Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der D._ AG per Ende Ok-
tober 2019 betreue sie C._ auch mittwochs und freitags wieder praktisch aus-
schliesslich persönlich, wobei die Grossmutter mütterlicherseits alle vierzehn Tage
am Freitag für ein paar Stunden bei der Betreuung aushelfe. C._ habe nach der
Trennung erstmals vom 17. Januar 2019 bis zum 19. Januar 2019 wieder beim Ge-
suchsteller auf dem Hof übernachtet. Danach habe sich der Gesuchsteller mehrere
Monate nicht mehr nach C._s Befinden erkundigt. Mehr oder weniger alle vier-
zehn Tage habe C._ von Donnerstagabend bis Samstagabend bei seinen Gros-
seltern väterlicherseits übernachtet, welche sichergestellt hätten, dass der Kontakt
zwischen Vater und Sohn nicht abgebrochen sei, in dem die Grossmutter den Ge-
suchsteller jeweils für ein paar Stunden auf dem Hof aufgesucht habe. C._
übernachte erst seit dem 19. Juni 2019 wieder regelmässig vierzehntäglich beim Ge-
suchsteller an den Wochenenden. Im vergangenen November hätten sie sich auf ein
14-täglich wiederkehrendes Betreuungsrecht des Vaters von Freitagmorgen bis
Sonntagabend geeinigt, woran sich C._ gewöhnt habe. Sie stelle zwar nicht in
Abrede, dass C._ den Hof des Gesuchstellers kenne, doch handle es sich dabei
nicht um seinen Lebensmittelpunkt. Die Parteien hätten bis zur Trennung nur wenige
Monate gemeinsam mit C._ auf dem Hof gelebt und er sei damals noch sehr
klein gewesen. Mittlerweile lebe der dreijährige C._ seit 1 1⁄2 Jahren, mithin die
gesamte zweite Hälfte seines bisherigen Lebens, ununterbrochen allein mit seiner
Mutter in der Wohnung in E._. Per 1. Oktober 2020 ziehe die Gesuchstellerin in
eine 3-Zimmerwohnung nach F._. Mit seiner künftigen Umgebung in F._
sei C._ bereits vertraut, zumal sie häufig mit ihm nach F._ in den Wald oder
an den ...-see gefahren sei und überdies zwei Tanten und die Grosseltern der Ge-
suchstellerin in F._ wohnen würden.
Sodann seien nur bereits bestehende tragfähige Beziehungen zu (Halb- oder Stief-)
Geschwistern im Rahmen der Obhutszuteilung zu berücksichtigen. Die blosse Mög-
lichkeit, dass eine noch nicht wirklich bestehende Beziehung zu einem soeben erst
geborenen Halbbruder ein grosse Stütze sein könnte und die Aussicht auf eine Wie-
- 22 -
derverheiratung mit einer gewissen Stabilität einhergehen könne, erweise sich als
blosse Mutmassung. Es sei ebenso naheliegend, dass die mit der Geburt steigende
Belastung der jungen Eltern zu Stress und einer vorübergehenden Destabilisierung
führen könne. Es sei im Übrigen auch nicht abgeklärt worden, ob C._ bei
G._ überhaupt willkommen sei. Sie sei der Ansicht, dass G._ gegenüber
C._ grosse Vorbehalte hege (Urk. 1 S. 6 ff. Rz. 3-15; Urk. 19 S. 2 f. Rz. 1).
3.5.2. Dem hält der Gesuchsteller entgegen, es stimme zwar, dass die Gesuchstel-
lerin während des Zusammenlebens verstärkt in die Betreuung von C._ einge-
bunden gewesen sei, er habe sich jedoch ebenfalls daran beteiligt, indem er C._
ins Bett gebracht, gewickelt und mit ihm gespielt habe. Nach der Trennung habe er
auch von Beginn an Kontakt mit C._ gehabt. Über die Kontakte habe er ein Ta-
gebuch geführt, woraus sich ergebe, dass er C._ in der Zeit von Januar bis April
durchschnittlich zweimal monatlich betreut habe. Damals habe C._ jedoch noch
bei seinen Eltern übernachtet, da er noch für die Stallarbeit am Morgen zuständig
gewesen sei. Nach verrichteter Arbeit habe er C._ aber jeweils ab ca. 9 Uhr
persönlich und nicht nur punktuell betreut. Nach der betrieblichen Umorganisation
bzw. der Anstellung seines Bruders habe er der Gesuchstellerin im Juni 2019 den
Vorschlag der alternierenden Obhut unterbreitet. Die Parteien hätten sich nie auf ei-
ne Betreuungsregelung geeinigt, stattdessen bestimme die Gesuchstellerin bis heute
eigenmächtig darüber, wann und in welchem Umfang der Gesuchsteller C._ be-
treuen dürfe.
An der Lebensweise der Gesuchstellerin falle zudem gerade die fehlende Stabilität
und Kontinuität auf. Sie habe seit der Trennung mehrfach ihre Arbeitssituation und
damit einhergehend die Betreuung von C._ geändert. Die Kündigung der
D._ AG sei einen Tag nach der Verhandlung über vorsorgliche Massnahmen
vom 27. August 2019 ergangen, welche nicht nach den Vorstellungen der Gesuch-
stellerin verlaufen sei. Darauf habe die Gesuchstellerin eigenmächtig und im Wissen
um die gestellten Anträge des Gesuchstellers die gesamte Betreuungssituation von
C._ umgestellt, habe die Tagesmutter gekündigt und dem Gesuchsteller neue
Tage zugeteilt. Nun arbeite sie zusätzlich zu ihrer Tätigkeit im Kosmetikstudio seit
dem 1. November 2019 Teilzeit für die H._ AG. Wer während dieser beruflichen
Absenzen C._ betreue, sei nicht klar, klar sei jedoch, dass C._ konstant
- 23 -
wechselnden Betreuungsverhältnissen ausgesetzt sei. Per 1. Oktober 2020 ziehe die
Gesuchstellerin nun auch noch von E._ weg und reisse dadurch C._ aus
seinem bisherigen Umfeld heraus. Der sprunghaften Lebensführung der Gesuchstel-
lerin stehe die konstante Wohn- und Berufssituation des Gesuchstellers gegenüber.
Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt habe, bewege sich C._ beim Gesuch-
steller in seiner gewohnten Umgebung und sei auch mit den auf dem Hof wohnenden
Personen vertraut. Die neue Partnerin des Gesuchstellers habe keine Vorbehalte
gegenüber C._, sie habe ihn gern und habe eine gute Beziehung zu ihm auf-
bauen können. Zudem stelle die Tatsache, dass C._ nicht als Einzelkind, son-
dern zusammen mit seinem Halbbruder aufwachsen könne, für dessen Entwicklung
einen positiven Aspekt dar. Das Kriterium der Kontinuität und Stabilität sei demnach
beim Gesuchsteller besser gewahrt als bei der Gesuchstellerin, welche bislang alle
Monate ihre Lebenssituation, sei dies beruflich oder örtlich, wieder verändert habe.
Veränderungen, die stets auch die Lebens- und Betreuungssituation von C._
tangieren würden, nicht zu seinem Wohl seien (Urk. 15 S. 4 ff. Rz. 1.1.1-1.1.5).
3.5.3. Beide Parteien stimmen grundsätzlich darin überein, dass während des ehe-
lichen Zusammenlebens hauptsächlich die Gesuchstellerin für die Betreuung von
C._ zuständig war und der Gesuchsteller zu 100% auf dem Hof arbeitete. Wie
die Vorinstanz zutreffend ausführte, entspricht auch das nach der Trennung gelebte
Betreuungsmodell nicht einer alternierenden Obhut. Vielmehr übernimmt der Ge-
suchsteller die Betreuung von C._ im Rahmen eines gerichtsüblichen, vierzehn-
täglichen Besuchsrechts; zunächst von Donnerstagabend bis Samstagabend, seit
Beendigung des Arbeitsverhältnisses der Gesuchstellerin mit der D._ AG bzw.
seit November 2019 von Freitagmorgen bis Sonntagabend. Dennoch vermag das
Argument der Gesuchstellerin, diese Betreuungsregelung habe sich nun etabliert und
sei deshalb im Sinne der Kontinuität weiterzuführen, nicht zu überzeugen, zumal die
Betreuungssituation von C._ nach der Trennung insbesondere aufgrund der Ar-
beitssituation der Gesuchstellerin sowohl in personeller als auch zeitlicher Hinsicht
mehrmals änderte. Für die Beurteilung der effektiv gelebten Betreuungsverhältnisse
ist dabei grundsätzlich auch irrelevant, ob die Gesuchstellerin die Stelle bei der
D._ AG nur aus finanzieller Not nach der Trennung angenommen hat. Aus den
Unterlagen geht hervor, dass C._ nach der Trennung bis im Oktober 2019 an
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vier Tagen, zweitweise innerhalb zweier Wochen abwechselnd von sechs verschie-
denen Personen (Gesuchstellerin, Gesuchsteller, Mutter der Gesuchstellerin, Eltern
des Gesuchstellers und Tagesmutter) betreut wurde. Insofern kommt auch dem Um-
stand, dass C._ seit der Trennung allein mit der Gesuchstellerin zusammen
wohnt, im Lichte der Kontinuität keine herausragende Bedeutung zu. Dies gilt umso
mehr, als er die andere Hälfte seines Lebens auf dem Hof bzw. dem Hof ange-
schlossenen Wohnungen verbracht hat. Es kann jedenfalls gestützt auf die nach der
Trennung gelebten Betreuungsverhältnisse nicht geschlossen werden, dass C._
stets nur von der Gesuchstellerin persönlich betreut worden wäre und eine wöchent-
lich wiederkehrende Betreuung durch eine andere Bezugsperson ihm fremd wäre.
Nicht zuletzt aufgrund der häufig wechselnden Betreuungssituation von C._ –
dies geht aus den Chatnachrichten hervor (vgl. etwa Urk. 53/3 S. 1, Nachricht vom
23. Juni 2019, 09:02 und 09:18 Uhr; Urk. 59/4 S. 2, Nachricht vom 7. Juli 2019, 16:41
Uhr, Nachricht vom 8. Juli 2019, 17:05 Uhr) – war der Gesuchsteller seit Juni 2019
bestrebt, seinen Betreuungsumfang auszudehnen. Dass er nicht unmittelbar nach
der Trennung die geteilte Betreuung forderte, spricht nicht gegen deren Anordnung,
musste er sich doch zunächst betrieblich organisieren, was er mit der Anstellung sei-
nes Bruders per Juni 2019 gemacht hat. Wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird,
war der Gesuchsteller ab diesem Zeitpunkt durchaus in der Lage, die persönliche Be-
treuung von C._ auch wöchentlich wahrzunehmen. Der Gesuchsteller betreut
C._ zudem nun auch seit geraumer Zeit an drei aufeinander folgenden Tagen,
weshalb C._ an den Tagesablauf beim Gesuchsteller – wenn auch nur im Zwei-
wochen-Rhythmus – bereits gewöhnt ist. Auch eine teilweise durch die Grosseltern
väterlicherseits übernommene Betreuung auf dem Hof des Gesuchstellers stünde
dem Kriterium der Kontinuität nicht entgegen, zumal C._ nach der Trennung re-
gelmässig vierzehntäglich bei ihnen übernachtete.
Ferner gilt es hinsichtlich des kürzlich geborenen Halbbruders von C._ festzu-
halten, dass zwar, wie die Gesuchstellerin zu Recht rügt, nicht die positive Auswir-
kung einer bestehenden Beziehung zu seinem Halbbruder für die Entscheidung des
Betreuungsmodells relevant sein kann, die Möglichkeit des Aufbaus einer solchen
durch ein gemeinsames Aufwachsen jedoch durchaus als sehr wertvoll zu werten ist.
Dies gilt umso mehr, als auch der Altersunterschied der beiden Knaben relativ gering
- 25 -
ist. Zusammenfassend ist die vorinstanzliche Feststellung, wonach das Kriterium der
Stabilität und Kontinuität der Anordnung einer alternierenden Obhut nicht entgegen-
steht, dem Gesagten zufolge nicht zu beanstanden.
3.6. Persönliche Betreuung
3.6.1. Die Gesuchstellerin macht geltend, die Feststellung der Vorinstanz, der Ge-
suchsteller müsse dank der Unterstützung von Familienmitgliedern nicht mehr so viel
arbeiten, widerspreche der betrieblichen Realität von Landwirtschaftsbetrieben in der
Schweiz. Art. 7 Abs. 1 des Normalarbeitsvertrags für landwirtschaftliche Arbeitneh-
mer im Kanton Zürich sehe in den Monaten Mai bis Oktober eine tägliche Arbeitszeit
von 11 Stunden und in den übrigen Monaten von 10 Stunden vor und die landwirt-
schaftliche Betriebszählung in der Schweiz 2016 habe ergeben, dass Betriebsleiter
mit familieneigenen Arbeitskräften – was auf den Gesuchsteller zutreffe – durch-
schnittlich 67 Stunden pro Woche arbeiten würden. Der Gesuchsteller sei zudem da-
neben noch im Lohnunternehmen I._ tätig, welches zahlreiche landwirtschaftli-
che Dienstleistungen für Dritte anbiete und auf der Homepage anpreise, "Landwirte
bei grösstem Stress zu unterstützen". Es dürfe dabei auch nicht ausser Acht gelas-
sen werden, dass der Bruder des Gesuchstellers nach wie vor einen eigenen land-
wirtschaftlichen Betrieb in J._ bewirtschafte und die bereits pensionierten Eltern
des Gesuchstellers nicht auf dem Bauernhof in K._, sondern in L._ wohn-
haft seien. Zu diesen Vorbringen habe sich die Vorinstanz in ihren Erwägungen mit
keinem einzigen Wort geäussert, sondern habe sich einseitig auf die blossen Be-
hauptungen des Gesuchstellers gestützt, welche durch keinerlei Anhaltspunkte ob-
jektiviert worden seien.
Dass vom Gesuchsteller tatsächlich kein namhafter persönlicher Beitrag an die Be-
treuung von C._ erwartet werden könne, würden auch die aktuellen Nachrichten
von G._ mit Bezug auf die Betreuung des Sohnes M._, geboren am
tt.mm.2020, in den sozialen Medien zeigen. Zusammengefasst habe sie ausgeführt,
der Gesuchsteller habe wenig Verständnis dafür, wenn sie sich mit dem Kleinen je-
weils nachmittags hinlege und schlafe. Er meine dazu, sie könne ja abends früh
schlafen gehen. Er müsse auch viel arbeiten und sei deswegen auch müde. Der Ge-
suchsteller komme jeweils erst spät nach Hause. Nachts müsse sie ca. drei Mal auf-
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stehen, tagsüber den Haushalt machen und kochen etc. Das meiste bleibe an ihr
hängen. Der Gesuchsteller höre den Kleinen in der Nacht gar nicht. Alles in allem
fühle sie sich sehr gestresst.
Weiter widerspreche die vorinstanzliche Feststellung, der Gesuchsteller habe als
selbständig Erwerbender den Vorteil, dass er sich die Arbeiten selbständig einteilen
könne und somit flexible Arbeitszeiten habe, der betrieblichen Realität und dem Be-
rufsbild eines selbständigen Landwirts. Arbeitszeiten- und abläufe auf dem Bauern-
betrieb würden durch die Bedürfnisse der Nutztiere (Pflege, Fütterung, Betreuung)
bestimmt. Witterungsverhältnisse sowie die Tages-, Nacht- und Jahreszeiten würden
sodann die Bewirtschaftung der Nutzfläche weitgehend diktieren. Nicht zuletzt auch
aufgrund der gesetzlichen Vorgaben bleibe den Landwirten in der Schweiz nur wenig
Gestaltungsspielraum für eine Flexibilisierung ihrer Arbeit.
Unzutreffend sei des Weiteren die Feststellung der Vorinstanz, die Gesuchstellerin
sei donnerstags und samstags auch nach Wegfall ihrer Anstellung bei der D._
AG nach wie vor auf eine Fremdbetreuung angewiesen. Seit August 2019 arbeite die
Gesuchstellerin nur noch freitags stundenweise in ihrem Kosmetikstudio. Ausserdem
arbeite sie seit November 2019 jeweils ebenfalls freitags stundenweise in der
H._-filiale F._. C._ verbringe jeden zweiten Freitag beim Gesuchstel-
ler. An den übrigen Freitagen werde stundenweise von ihrer Mutter bei der Betreu-
ung von C._ unterstützt. Im Übrigen decke sie die Betreuung von C._ sel-
ber ab. Damit leiste sie die bessere Gewähr für die persönliche Betreuung von
C._ als der Gesuchsteller (Urk. 1 S. 14 ff., Rz. 25-32).
3.6.2. Der Gesuchsteller setzt dem entgegen, die Arbeits- und Betreuungssituation
der Gesuchstellerin sei unklar. Vor Vorinstanz habe sie in der Novenstellungnahme
vom 11. November 2019 Ausführungen zu ihrer Arbeitssituation gemacht, wobei sie
verschwiegen habe, dass sie mit Arbeitsvertrag vom 14. Oktober 2019 per
1. November 2019 bereits ein neues unbefristetes Arbeitsverhältnis bei der H._
AG eingegangen sei. Weiter begründe sie mit keinem Wort, weshalb sie ihre Tätig-
keit im Nagelstudio, welches sie im vergangenen Jahr noch an zwei Tagen, donners-
tags und samstags, ausgeübt habe, nun nur noch am Freitag stundenweise ausübe.
Es werde bestritten, dass sie aktuell bzw. in näherer Zukunft abgesehen von den Be-
- 27 -
treuungswochenenden des Gesuchstellers und der stundenweisen Betreuung durch
ihre Mutter C._ persönlich betreuen könne. Wenn überhaupt habe sie diesen
Zustand nach der Verhandlung vom 27. August 2019 kurzzeitig aus rein prozesstak-
tischen Gründen bzw. zwecks Vermeidung einer alternierenden Obhut, geschaffen.
Sie werde in absehbarer Zeit wieder mindestens 60% arbeiten müssen, allein schon
deshalb, weil dies die Sozialhilfebehörde von ihr verlangen werde.
Entgegen der Behauptung der Gesuchstellerin habe der Gesuchsteller sodann sub-
stantiiert dargelegt, wie er sich betrieblich organisiert habe, um die persönliche Be-
treuung von C._ zu gewährleisten. Dagegen bringe die Gesuchstellerin auch im
Berufungsverfahren nichts Konkretes vor und behaupte zu Recht nicht, dass der Ge-
suchsteller an den ihm bislang gewährten Betreuungstagen C._ nicht persönlich
betreut habe. Dies zeige, dass es auch in einem landwirtschaftlichen Betrieb möglich
sei, ein Kind während drei aufeinanderfolgenden Tagen zu betreuen. Die Gesuch-
stellerin beschränke sich – wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren – auf abstrakte
Überlegungen, irgendwelche statistischen Werte oder Medienmitteilungen, welche
jedoch keinen direkten Bezug zu der hier konkret zu beurteilenden Situation aufwie-
sen. Falsch sei die Behauptung, der Bruder des Beklagten würde einen landwirt-
schaftlichen Betrieb in J._ bewirtschaften. Dieser arbeite für den Gesuchsteller
auf dem Hof und leiste über seine Lohnunternehmung Einsätze für andere Landwirte.
Ebenfalls unzutreffend sei, dass der Gesuchsteller bei seinem Bruder arbeite.
Weiter spreche allein die Tatsache, dass sich die Gesuchstellerin über eine Kollegin
Zugang zu einer an sich geschlossenen Facebookgruppe "N._ [Gruppe]" ver-
schafft habe und nicht für sie bestimmte Nachrichten von G._ ins Recht lege,
nicht für sie. Es möge sein, dass sich der Gesuchsteller als Vater zu wenig in die mit
dem Stillen verbundene Mehranstrengung und Müdigkeit der Kindsmutter habe hin-
einversetzen können. Ebenfalls liege auf der Hand, dass ein Paar nach der Geburt
des ersten Kindes die Rollenteilung neu definieren müsse es sei nicht unüblich, dass
dies anfänglich zu Diskussionen führe. Etwas anderes gehe aus den Chatnachrich-
ten nicht hervor. Falsch sei die generalisierte Behauptung, der Gesuchsteller würde
immer erst spät nach Hause kommen. Richtig sei einzig, dass er spät nach Hause
komme, wenn er ins Fitnessstudio gehe, was zwei- bis drei Mal wöchentlich vor-
komme. Im E-Mail vom 9. Juli 2020 an die Rechtsvertreterin des Gesuchstellers habe
- 28 -
G._ klargestellt, dass der Gesuchsteller C._ persönlich betreue und er sei-
ne Arbeit und sein Training so einrichte, dass er für C._ da sein könne. Die ein-
gereichten Chat-Nachrichten würden die Paarbeziehung des Gesuchstellers und
G._ betreffen und hätten keine Relevanz für das vorliegende Verfahren (Urk. 15
S. 13 ff. Rz. 1.3.1.-1.4).
3.6.3. Auch wenn die Umstände der Kündigung durch die D._ AG einen Tag
nach der Verhandlung über vorsorgliche Massnahmen gewisse Zweifel hervorrufen,
wurde von der Gesuchstellerin grundsätzlich ausreichend glaubhaft gemacht, dass
sie aktuell nur noch rund 20% (freitags stundeweise im Kosmetikstudio und stunden-
weise in der H._ Filiale in F._) erwerbstätig ist und damit sicherlich eine
höhere Kapazität zur persönlichen Betreuung von C._ aufweist als der Gesuch-
steller. Zu beachten gilt es dabei jedoch, dass von ihr mittelfristig – hat sie doch auch
während der Ehe an zwei Tagen gearbeitet – wieder eine Aufstockung des Arbeits-
pensums erwartet werden darf (vgl. auch nachfolgend E. III.C.1.1. ff.). Unabdingbar
wird somit auch die Gesuchstellerin C._ künftig nicht mehr im aktuellen Umfang
persönlich betreuen können. Soweit die Gesuchstellerin geltend macht, der Gesuch-
steller habe in keiner Weise dargelegt, wie er die Betreuung von C._ gewährleis-
ten wolle, kann ihr nicht gefolgt werden. Zu seiner Entlastung hat er sich betrieblich
organisiert und ab Juni 2019 seinen Bruder auf dem Hof angestellt. Dass eine zu-
sätzliche Arbeitskraft eine Entlastung mit sich bringt, ist evident. Die pauschale Be-
streitung der Gesuchstellerin ist unbehilflich. Gemäss den glaubhaften Ausführungen
des Gesuchstellers ist sein Bruder vor allem für die morgendliche Stallarbeit zustän-
dig, was es ihm ermöglicht, C._ den ganzen Vormittag persönlich zu betreuen.
Dies stimmt auch mit den Ausführungen der Gesuchstellerin überein, wonach
C._ zum ersten Mal wieder im Juni 2019 beim Gesuchsteller übernachten konn-
te. Dass er an den Betreuungstagen von C._ indes gar keine Arbeiten auf dem
Hof erledigen muss und C._ rund um die Uhr betreuen kann, erscheint – inso-
fern ist der Gesuchstellerin Recht zu geben – gewiss unrealistisch. Das behauptet
aber nicht einmal der Gesuchsteller, weist er doch darauf hin, dass er bei der Be-
treuung auch auf die Unterstützung seiner Eltern sowie seiner neuen Lebenspartne-
rin zählen könne. Da C._ seit der Trennung regelmässig bei seinen Grosseltern
übernachtete und diese, bevor der Bruder des Gesuchstellers angestellt wurde, auch
- 29 -
regelmässig Betreuungsaufgaben wahrnahmen, gehören sie zu den Bezugsperso-
nen von C._ und eine punktuelle (z.B. stundenweise) Betreuung durch sie ist
dem Kindeswohl keineswegs abträglich (vgl. auch BGer 5A_888/2016 vom 20. April
2018, E. 3.3.3).
Ein grosser Vorteil des Berufs des Gesuchstellers ist sodann, dass sein Arbeitsort
zugleich sein Wohnort ist. Wenngleich die Flexibilität entgegen den vorinstanzlichen
Feststellungen nicht derart weit geht, dass er sich die Arbeiten gänzlich selber eintei-
len kann, lassen diese Begebenheiten trotzdem einen regen Kontakt zwischen ihm
und C._ zu. So geht etwa auch aus den eingereichten Tagebucheinträgen des
Gesuchstellers hervor, dass C._ teilweise mit dem Traktor mitgefahren sei oder
ihm bei der Stallarbeit zugeschaut bzw. "geholfen" habe (Urk. 55/29). Dabei handelt
es sich zwar bloss um selbstverfasste Einträge mithin Parteibehauptungen, der darin
geschilderte Tagesablauf erscheint aber durchaus realistisch und glaubhaft. Dass
C._ auch ab und an in diesen landwirtschaftlichen Alltag des Gesuchstellers
miteinbezogen wird, ist nicht zu beanstanden, zumal dieser für ein Kind unterhaltsam
und spielerisch gestaltet werden kann. Als Betriebsleiter obliegen dem Gesuchsteller
zudem auch diverse administrative Aufgaben (vgl. Urk. 53 S. 5), die sich ebenfalls
mit der Betreuung kombinieren lassen, kann er diese doch etwa während des Mit-
tagsschlafs von C._ erledigen. Abgesehen von seiner Präsenz auf der Home-
page bestehen sodann keine Anhaltspunkte, dass der Gesuchsteller zusätzlich für
das Lohnunternehmen seines Bruders arbeiten würde. Dass er Lohn aus dieser Tä-
tigkeit unterschlagen würde, macht denn auch die Gesuchstellerin nicht geltend.
Dem Gesagten zufolge ist davon auszugehen, dass der Gesuchsteller C._ eine
dem Kindswohl entsprechende (persönliche) Betreuung zukommen lassen kann. An
dieser Einschätzung ändern auch die eingereichten Facebook-Einträge der Partnerin
des Gesuchstellers nichts, hat sie sich darin doch nur auf den Beitrag des Gesuch-
stellers an der Betreuung ihres damals erst kürzlich geborenen gemeinsamen Soh-
nes M._ bezogen, die angesichts dessen Alter und naturbedingter Abhängigkeit
zur Mutter keine Aussagen in Bezug auf die Bereitschaft des Gesuchstellers hinsicht-
lich der Betreuung von C._ zulässt.
- 30 -
3.7. Fazit
Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten: Beide Elternteile sind erzie-
hungsfähig. Die Distanz zwischen ihren Wohnorten ist gering. Der Wechsel vom ei-
nen Haushalt zum anderen erfordert keine grossen organisatorischen Massnahmen,
zumal C._ auch noch nicht schulpflichtig ist. Zwar stellt diese Betreuungslösung
gewisse Anforderungen an die Absprachefähigkeit der Gesuchsteller, doch darf mit
einer verbindlichen Regelung der Betreuungsanteile künftig mit einem kooperativen
Verhalten der Kindseltern und dem Willen und der Fähigkeit, die notwendigen Infor-
mationen betreffend C._ auszutauschen, gerechnet werden. Trotz des vorsorgli-
chen Charakters dieser Massnahme und der aktuell grösseren zeitlichen Verfügbar-
keit der Gesuchstellerin erscheint eine Perpetuierung der aktuellen Betreuungssitua-
tion angesichts der zukünftig von ihr zu erwartenden Ausdehnung der Erwerbstätig-
keit nicht gerechtfertigt. Das Interesse einer alltagsbezogenen Beziehung zu beiden
Elternteilen, ist in den Vordergrund zu stellen, zumal der Gesuchsteller ausreichend
dargelegt hat, wie er sich organisiert hat, dass er die persönliche Betreuung von
C._ zu einem Grossteil übernehmen kann. Demnach ist die vorinstanzliche An-
ordnung der alternierenden Obhut zu bestätigen.
B. Betreuungsanteile
1. Reguläre Betreuung
1.1. Die Vorinstanz erwog, die vierzehntägliche Betreuung von Donnerstagabend
bis Samstagabend habe über mehrere Monate funktioniert. Die Gesuchstellerin habe
jeweils donnerstags und samstags in ihrem Kosmetikstudio gearbeitet und der Ge-
suchsteller habe die Betreuung an diesen Tagen sicherstellen können. Es spreche
nichts dagegen, diese vierzehntägliche Betreuung auf eine wöchentliche Betreuung
von Mittwochabend bis Samstagabend auszudehnen. Diese Regelung habe auch
den Vorteil, dass beide Gesuchsteller je einen Tag des Wochenendes mit C._
verbringen können und ermögliche es der Gesuchstellerin überdies auch weiterhin
ihr ursprüngliches Arbeitspensum aufrecht zu erhalten (Urk. 2 E. 4.2.).
1.2. Die Gesuchstellerin rügt, bei der vorinstanzlichen Betreuungsregelung werde
ausser Acht gelassen, dass keiner der Gesuchsteller je ein ganzes Wochenende mit
- 31 -
C._ verbringen könne, was ein grosser Nachteil sei. Weiter habe die Vorinstanz
nicht berücksichtigt, dass C._ bereits seit November 2019 vom Gesuchsteller
vierzehntäglich von Freitagmorgen bis Sonntagabend betreut werde, der Betreu-
ungswechsel also bereits seit geraumer Zeit, wie es üblich sei, am Sonntagabend
stattfinde (Urk. 1 S. 18 f. Rz. 34.).
1.3. Demgegenüber bringt der Gesuchsteller vor, die Vorinstanz habe sich an den
von der Gesuchstellerin kommunizierten Arbeitszeiten orientiert, damit die Betreuung
von C._ nach Möglichkeit durch seinen Eltern persönlich abgedeckt werden
könne. Nachdem die Gesuchstellerin vor Vorinstanz stets angegeben habe, donners-
tags und samstags in ihrem Kosmetikstudio zu arbeiten, seien die Betreuungszeiten
danach ausgerichtet worden. Die von der Gesuchstellerin einseitig diktierte Änderung
der Betreuungszeit ab November 2019 ändere an dieser Sachlage nichts. Vielmehr
sei davon auszugehen, dass es weiterhin Sinn mache, das Kosmetikstudio am
Samstag offen zu haben, da die Kunden dann Zeit für eine Behandlung hätten
(Urk. 15 S. 16 f. Rz. 1.5.1).
1.4. Im Rahmen des Berufungsverfahren hat die Gesuchstellerin neu vorge-
bracht, dass sie nur noch freitags auf Unterstützung bei der Betreuung von C._
angewiesen sei. Wie bereits erwähnt, ist jedoch von der Gesuchstellerin eine Aus-
dehnung der Erwerbstätigkeit zu verlangen. Durch die von der Vorinstanz gewählte
Betreuungsregelung wäre die Gesuchstellerin einerseits flexibel, eine Anstellung auf
zwei Wochentage auszubauen, andererseits könnte sie ihre Auftragslage im Kosme-
tikstudio, welches sie nunmehr ab April von zu Hause aus betreiben will (vgl. Urk. 19
S. 3 Rz. 2), durch das Anbieten von Terminen am Samstag wieder verbessern. Oh-
nehin blieb die Gesuchstellerin im Berufungsverfahren eine Erklärung schuldig, wes-
halb sie samstags nicht mehr im Kosmetikstudio arbeitete. Aber selbst wenn die Ge-
suchstellerin künftig samstags nicht mehr arbeiten sollte, hat sie auch nicht näher
dargelegt, worin der grosse Nachteil liegen soll, dass keiner der Gesuchsteller je ein
ganzes Wochenende mit C._ verbringen kann. Ein Nachteil ist denn auch nicht
per se auszumachen. Die Wochenenden erlangen erst dann besondere Bedeutung,
wenn C._ schulpflichtig wird. Bis dahin ist auch je ein Tag am Wochenende aus-
reichend, um etwa einen Ausflug zu unternehmen, oder Familie und Freunde zu be-
suchen, die nur am Wochenende verfügbar sind. Sobald C._ eingeschult wird
- 32 -
und/oder die Gesuchstellerin wieder andere Arbeitszeiten hat, werden die Betreu-
ungstage womöglich wieder den neuen Bedürfnissen angepasst werden müssen. Da
die vorliegend festzulegenden Betreuungsanteile nur für die Dauer des Scheidungs-
verfahrens Geltung haben, ist die Aufteilung der Wochenendtage demnach nicht zu
beanstanden.
2. Ferienregelung
2.1. Die Gesuchstellerin bringt vor, mit der hälftigen Aufteilung der Ferien nicht
einverstanden zu sein. Als Landwirt könne der Gesuchsteller die Betreuung während
sechs Ferienwochen unmöglich abdecken. Mit maximal vier Wochen Ferien pro Jahr
(maximal eine Woche am Stück) könne sie sich einverstanden erklären (Urk. 1 S. 19
Rz. 35). Demgegenüber ist der Gesuchsteller der Ansicht, da die Ferien mindestens
drei Monate im Voraus abzusprechen seien, könne er sich danach ausrichten und
seinen Bruder sowie seinen Vater während dieser Zeit verstärkt im Betrieb einsetzen
(Urk. 15 S. 17 Rz. 1.5.2).
2.2. Da C._, wie bereits erwähnt, noch nicht eingeschult ist und diese Rege-
lung lediglich für die Dauer des Scheidungsverfahrens Geltung beansprucht, hat sich
die Aufteilung der Ferien auch nicht an den Schulferien zu orientieren. Nachdem er-
werbstätige Eltern in der Regel zwischen vier und sechs Wochen Ferien haben, er-
scheint die Gewährung von je vier Ferienwochen durchaus angemessen.
3. Feiertagsregelung
Die Feiertagsregelung durch die Vorinstanz wurde von den Gesuchstellern nicht be-
anstandet, entspricht einer gerichtsüblichen Regelung und ist damit zu bestätigen.
C. Unterhaltsbeiträge
1. Einkommen der Gesuchstellerin
1.1. Die Vorinstanz errechnete für den Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis
31. Oktober 2019 ein monatliches Nettoeinkommen der Gesuchstellerin von insge-
samt Fr. 3'311.–, bestehend aus Fr. 2'039.55 aus ihrer 40%-Anstellung bei der
D._ AG sowie Fr. 1'271.40 aus selbständiger Erwerbstätigkeit in ihrem Kosme-
tikstudio. Für die Berechnung des Einkommens der Gesuchstellerin aus der selb-
- 33 -
ständigen Erwerbstätigkeit stellte sie auf den Gewinn von Fr. 15'257.05 gemäss der
provisorischen Einnahmen und Ausgabenrechnung 2018 ab (Urk. 2 E. 5.3.1.2). Hin-
sichtlich der Beendigung der Arbeitsstelle bei der D._ AG kam sie zusammenge-
fasst zum Schluss, da ein Kündigungsschreiben der Arbeitgeberin im Recht liege,
könne der Gesuchstellerin – trotz fragwürdiger Umstände der Kündigung – nicht
nachgewiesen werden, dass sie ihr Einkommen freiwillig vermindert habe, weshalb
auch kein Raum bestehe, ihr für die Dauer des Verfahrens ein hypothetisches Ein-
kommen anzurechnen. Da die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Arbeitslo-
senentschädigung erfüllt seien, mithin die Gesuchstellerin teilweise arbeitslos sei und
die Annahme einer Teilzeiterwerbstätigkeit neben ihrer selbständigen Erwerbstätig-
keit noch immer möglich sei, sei indes davon auszugehen, dass sie Anspruch auf ei-
ne Arbeitslosentschädigung habe. Im Übrigen gehe selbst die Gesuchstellerin davon
aus, dass sie Arbeitslosentaggelder erhalten werde und es sei auch kein Beleg ein-
gereicht worden, dass dies nicht der Fall sei. Demnach sei der Gesuchstellerin für die
Dauer vom 1. November 2019 bis Rechtskraft des Entscheids eine Arbeitslosenent-
schädigung in der Höhe von Fr. 1'631.65 bzw. 80% des bisherigen Lohnes von
Fr. 2'039.55 anzurechnen. Längerfristig werde sodann von der Gesuchstellerin er-
wartet, dass sie gerade aufgrund der alternierenden Obhut, ihre Arbeitstätigkeit wie-
der auf ihr ursprüngliches Arbeitspensum erhöhe. Für die Anrechnung eines hypothe-
tischen Einkommens wäre ihr jedoch eine angemessene Übergangsfrist einzuräu-
men und ein solches könnte deshalb frühestens ab Rechtskraft des Entscheids über
vorsorgliche Massnahmen angerechnet werden. Dies umso mehr, als die Gesuch-
stellerin bis anhin vom Gericht nie darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass sie
ihr Pensum aufstocken müsse, um ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Aufgrund der Corona-Pandemie müsste die Übergangsfrist noch grosszügiger be-
messen werden. Deshalb sei ihr ab Rechtskraft des Entscheids kein hypothetisches
Einkommen, sondern weiterhin ein Einkommen aus Arbeitslosenentschädigung in
der Höhe von Fr. 1'631.5 anzurechnen (Urk. 2 E. 5.3.2. - 5.3.3.).
1.2. Die Gesuchstellerin bringt zusammengefasst vor, die Vorinstanz habe sich zu
Unrecht auf die provisorische Einnahmen- und Ausgabenrechnung 2018 abgestützt,
zumal beide Gesuchsteller anlässlich der Verhandlung vom 27. August 2019 über-
einstimmend von einem Betrag von monatlich Fr. 1'200.– ausgegangen seien. Inzwi-
- 34 -
schen habe sich gar gezeigt, dass selbst diese Prognose viel zu optimistisch gewe-
sen sei. Die Einnahmen- und Ausgabenabrechnungen 2019 zeige einen dramati-
schen Gewinneinbruch und weise einen Jahresgewinn von lediglich Fr. 10'407.– aus,
was einem monatlichen Zusatzverdienst von Fr. 867.25 entspreche. Von Januar
2020 bis Juni 2020 habe sie sodann gar nur noch einen Einnahmeüberschuss von
Fr. 2'448.–, mithin Fr. 204.– pro Monat zu verbuchen. Auch aus den Abrechnungen
der Monate Juli 2020 bis Oktober 2020 gehe hervor, dass sich die Gewinnaussichten
auch nach dem Lockdown nicht erholt hätten und sie nach wie vor effektiv weniger
verdiene, als die Fr. 1'200.–, welche sie auch im Berufungsverfahren gewillt sei, sich
anrechnen zu lassen. Dementsprechend werde sie seit dem 1. September 2019 er-
gänzend zu ihrem Lohn auch mit Sozialhilfeleistungen der Gemeinde E._ unter-
stützt. Somit sei der Gesuchstellerin für die Zeit vom 1. Januar 2019 bis 31. Oktober
2019 ein monatliches Einkommen von maximal Fr. 3'240.– anzurechnen (Fr. 2'040.–
D._ AG, zuzüglich Fr. 1'200.– Einkommen Kosmetikstudio). Für die Zeit ab dem
1. November 2019 bzw. ab Wegfall des Einkommens bei der D._ AG habe die
Vorinstanz ihr sodann eine Arbeitslosenentschädigung angerechnet, obwohl sie stets
daran festgehalten habe, dass sie nicht vermittlungsfähig sei und demnach voraus-
sichtlich keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung habe. Die Stelle bei der
D._ AG habe sie damals lediglich aus Existenzängsten angenommen habe, weil
sie durch die Trennung in eine finanzielle Notlage geraten sei. Angesichts ihrer Be-
treuungsaufgaben sei die Gesuchstellerin mit ihrem Arbeitspensum bei der D._
AG und im Kosmetikstudio jedoch sehr rasch überfordert gewesen, worauf es denn
am 28. August 2019 auch zur Kündigung durch die Arbeitgeberin gekommen sei.
Aus dem Bestätigungsschreiben der O._ vom 25. Juni 2020 gehe nun auch her-
vor, dass die Gesuchstellerin am 16. April 2020 vom RAV F._ rückwirkend per
1. November 2019 abgemeldet worden sei und dass entgegen den vorinstanzlichen
Feststellungen keine Arbeitslosentaggelder ausbezahlt worden seien. Mit Anrech-
nung einer Arbeitslosenentschädigung in der Höhe von Fr.1'631.65 ab 1. November
2019 habe die Vorinstanz der Gesuchstellerin nun dennoch rückwirkend ein hypothe-
tisches Einkommen angerechnet, was unzulässig sei. Daran ändere auch nichts,
dass sie seit 15. November 2020 stundenweise in der H._ Filiale in F._
aushelfe, habe sie doch damit durchschnittlich in den ersten sechs Monaten lediglich
Fr. 431.– pro Monat verdient und bleibe selbst unter Hinzurechnung dieses Zusatz-
- 35 -
einkommens, welches nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens gewesen
sei, unter Fr. 1'200.–. Per 31. März 2021 habe sie nun zwecks Kosteneinsparung
auch noch das Kosmetikstudio gekündigt und führe ihre Tätigkeit von zu Hause aus
weiter. Angesichts der Betreuungsaufgaben für den dreijährigen C._ sei der Ge-
suchstellerin eine Erhöhung ihres aktuellen Arbeitspensums nicht zumutbar, weshalb
ihr auch in nächster Zukunft kein höheres (hypothetisches) Einkommen angerechnet
werden dürfe (Urk. 1 S. 19 ff. Rz. 36 - 45; Urk. 19 S. 3; Urk. 26 S. 2).
1.3. Der Gesuchsteller macht im Wesentlichen geltend, die Gesuchstellerin habe
den von ihr behaupteten Gewinneinbruch mit keinem Wort begründet. Ausgehend
von ihren dargelegten neuen Arbeitszeiten, gemäss welchen sie nur noch am Freitag
stundenweise im Kosmetikstudio tätig sein wolle, müsse davon ausgegangen wer-
den, dass der Umsatzrückgang auf eine von ihr freiwillig veranlasste Einschränkung
ihrer Betriebszeiten zurückzuführen sei. Die Einkommensverminderung erfolge pro-
zesstaktisch und in Schädigungsabsicht und sei aus diesem Grund unbeachtlich.
Ausgehend von den in den Jahre 2018 (Fr. 1'271.–) und 2019 (Fr. 867.–) kommuni-
zierten Gewinnzahlen würde sich das Durchschnittseinkommen der Gesuchstellerin
auf Fr. 1'069.– belaufen, doch werde die Richtigkeit der geltend gemachten Ein- und
Ausgaben bestritten. Die Gesuchstellerin reiche abgesehen von einer rudimentären
Aufstellung keine detaillierten Belege wie z.B. Kontoauszüge oder Ausgabebelege
ins Recht, aus welchen ihre Einnahmen und Ausgaben nachvollziehbar wären. Der
behauptete Gewinneinbruch sei nicht glaubhaft gemacht. Die Vorinstanz habe so-
dann zu Recht bejaht, dass die Gesuchstellerin Anspruch auf Arbeitslosentaggeld
gehabt hätte. Die errechnete Höhe des Arbeitslosentaggeldes sei von der Gesuch-
stellerin sodann nicht bestritten worden. Die Gesuchstellerin habe der Vorinstanz zu-
dem verschwiegen, dass sie per 1. November 2019 einen neuen Arbeitsvertrag mit
der H._ AG eingegangen sei und habe ebenfalls nicht erwähnt, dass sich offen-
bar am 16. April 2020 bei der Arbeitslosenkasse abgemeldet habe, weshalb keine
Anspruchsprüfung durch die Kasse durchgeführt worden sei. Hätte die Gesuchstelle-
rin diese Tatsachen offengelegt, wäre ihr von der Vorinstanz zweifellos ein hypotheti-
sches Einkommen mindestens in der Höhe der ihr zustehenden Arbeitslosentaggel-
der angerechnet worden, da die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen sei, von
der Gesuchstellerin könne erwartet werden, dass sie ihre Ansprüche gegenüber der
- 36 -
Arbeitslosenkasse geltend mache und ihr Arbeitspensum wieder auf ihr ursprüngli-
ches Arbeitspensum erhöhe. Indem es die Vorinstanz bei der Anrechnung des Ar-
beitslosentaggeldes von Fr. 1'631.65 belassen habe und der Gesuchstellerin kein
höheres Einkommen nach einer Übergangsfrist angerechnet habe, habe sie zu
Gunsten der Gesuchstellerin entschieden. Es gebe demnach keinen Grund, von dem
ihr von der Vorinstanz ab dem 1. November 2019 angerechneten Einkommen von to-
tal Fr. 2'902.65 abzuweichen (Urk. 15 S. 18 f. Rz. 2.1.1. f.).
1.4. Die Vorinstanz errechnete das durchschnittliche Einkommen aus selbständi-
ger Erwerbstätigkeit von Fr. 1'271.– basierend auf der provisorischen Jahresüber-
sicht 2018 der Einnahmen- und Ausgaben. Mittlerweile liegen zudem die Jahres-
übersicht 2019 sowie die Monatsübersichten von Januar bis September 2020 vor
(Urk. 5/5 und Urk. 21/17). Wie bereits erläutert (vgl. E. II.3.), sind diese Unterlagen im
Rahmen der Untersuchungsmaxime zu berücksichtigen. Um einigermassen zuver-
lässige Resultate zu erreichen, sollte bei selbständiger Erwerbstätigkeit grundsätzlich
auf das Durchschnittseinkommen bzw. den Reingewinn mehrerer – in der Regel der
letzten drei Jahre – abgestellt werden (Maier, Die konkrete Berechnung von Kin-
derunterhaltsbeiträgen, FamPra 2/2020 S. 314 ff., S. 341). Im vorliegenden Fall er-
scheint diese Vorgehensweise jedoch nicht angemessen, zumal die Gesuchstellerin
die selbständige Erwerbstätigkeit noch nicht sehr lange betreibt und im Übrigen die
Gewinnzahlen auch auf unterschiedlichen Pensen beruhen. Während die Gesuch-
stellerin im Jahr 2018 noch an zwei Tagen der selbständigen Erwerbstätigkeit nach-
ging, reduzierte sie dieses Pensum ab November 2019 dann nur noch auf stunden-
weise freitags. Ferner scheint auch die Zukunft des Kosmetikstudios ungewiss, zu-
mal die Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 aufgrund des Lockdowns zwangsläufig
auch Auswirkungen auf den Umsatz der Gesuchstellerin zeitigte und die Gesuchstel-
lerin nun zwecks Kosteneinsparung per 31. März 2021 ihr Studio gar kündigte und
plant, die Tätigkeit von zu Hause weiterzuführen. Demzufolge rechtfertigt es sich, das
durchschnittliche Einkommen gestützt auf die jeweiligen in den interessierenden
Zeitabschnitten erwirtschafteten Reinüberschüssen zu berechnen. Entgegen der An-
sicht des Gesuchstellers wurden die Überschüsse durch die von der Gesuchstellerin
eingereichten Übersichten zu ihren Einnahmen- und Ausgaben ausreichend glaub-
haft gemacht, zumal deren Richtigkeit jeweils von der Firma P._ bestätigt wurde
- 37 -
und überdies der sich aus den Buchhaltungen ergebende Gewinn, der schliesslich
das Einkommen der Gesuchstellerin aus selbständiger Tätigkeit darstellt, mit dem in
den Steuererklärungen für das Jahr 2018 und 2019 deklarierten Einkommen über-
einstimmt (vgl. Urk. 33/14 und Urk. 5/13). Eine Falschdeklaration in den Steuererklä-
rungen wurde vom Gesuchsteller jedenfalls nicht geltend gemacht. Auf die Buchhal-
tung der Gesuchstellerin darf somit für die Berechnung der jeweiligen Durchschnitts-
werte abgestellt werden.
1.5. Soweit der Gesuchsteller vorbringt, der Gewinnrückgang im Jahr 2019 sei von
der Gesuchstellerin durch Einschränkung ihrer Betriebszeiten selbst herbeigeführt,
und demnach nicht zu berücksichtigen, kann ihm nicht gefolgt werden. Da die Ge-
suchstellerin im Jahr 2019 nebst ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit auch noch zu
40% bei der D._ AG angestellt war, ist eine Reduktion der Betriebszeiten des
Kosmetikstudios angesichts der damaligen Betreuungsaufteilung und dem Alter von
C._ keineswegs zu beanstanden. Verfehlt erschiene vor diesem Hintergrund
vielmehr, auch den auf einem höheren Pensum basierenden Gewinn aus dem Jahr
2018 miteinzubeziehen. Vielmehr ist auf den tatsächlich erwirtschafteten Reingewinn
des Jahres 2019 abzustellen. Demzufolge ist der Gesuchstellerin für den Zeitraum
vom 1. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019 nebst dem Erwerbseinkommen bei der
D._ AG von Fr. 2'040.–, ausgehend vom ausgewiesenen Jahresreingewinn des
Jahres 2019 von Fr. 10'407.–, ein monatliches Durchschnittseinkommen von
Fr. 867.– aus selbständiger Erwerbstätigkeit anzurechnen; mithin ein Gesamtein-
kommen von Fr. 2'907.–.
1.6. Weiter ist durch das Bestätigungsschreiben der Arbeitslosenkasse vom
25. Juni 2020 belegt, dass der Gesuchstellerin im Zeitraum ab 1. November 2019
keine Arbeitslosentaggelder ausbezahlt wurden. Auch dieses Novum gilt es grund-
sätzlich zu berücksichtigen. Daraus geht jedoch nicht hervor, dass die Gesuchstelle-
rin auch keinen Anspruch auf Ausrichtung von Taggeldern hatte. Vielmehr wird da-
rauf hingewiesen, dass am 16. April 2020 rückwirkend per 1. November 2019 eine
Abmeldung durch das RAV F._ erfolgt sei und von der Kasse keine Anspruchs-
abklärungen vorgenommen worden seien (Urk. 5/9). Angesichts der Tatsache, dass
die Gesuchstellerin seit dem 15. November 2019 wieder einer Erwerbstätigkeit bei
der H._ AG auf Stundenbasis nachgeht, ist davon auszugehen, dass die Ab-
- 38 -
meldung beim RAV erfolgte, da die Gesuchstellerin sich über dieses Pensum hinaus
als nicht vermittlungsfähig betrachtete. Entscheidend ist diesbezüglich, ob die Ab-
meldung vom RAV F._ zu Recht erfolgt ist bzw. die Gesuchstellerin nach der
Kündigung durch die D._ AG ihr Pensum reduzieren durfte. Ob der Gesuchstel-
lerin tatsächlich aufgrund von Überforderung gekündigt wurde oder nicht, kann
grundsätzlich offenbleiben, zumal bereits der Vertragsbeginn per 11. Dezember 2018
zeigt (Urk. 63/5), dass sie diese Anstellung unmittelbar nach der Trennung ange-
nommen hat. Zuvor ging sie lediglich zu rund 40%-Pensum ihrer selbständigen Er-
werbstätigkeit nach. Dem Ziel der wirtschaftlichen Selbstständigkeit des bisher nicht
(oder bloss in beschränktem Umfang) erwerbstätigen Ehegatten darf zwar im Rah-
men vorsorglicher Massnahmen im Scheidungsverfahren bereits eine gewisse Be-
deutung zugemessen werden (vgl. BGE 130 III 537 E. 3.2), doch kann aufgrund die-
ser lediglich trennungsbedingten kurzzeitigen Aufstockung der Erwerbstätigkeit sowie
angesichts des Alters von C._ und dem bisher gelebten Betreuungsmodell, im
Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung von der Gesuchstellerin nicht ver-
langt werden, dass sie nach Stellenverlust wiederum zwingend in diesem "überobli-
gatorischen" Pensum tätig sein muss. Aktuell ist die Gesuchstellerin allerdings ge-
mäss eigenen Angaben lediglich freitags stundenweise bei der H._ AG und
stundenweise im Kosmetikstudio tätig, was einem Pensum von maximal 20% ent-
spricht. Damit hat sie ihr Pensum im Vergleich zu jenem, welchem sie während des
Zusammenlebens nachging, freiwillig um 20% reduziert. Da sie in diesem Umfang
grundsätzlich weiterhin vermittlungsfähig gewesen wäre, war die gänzliche Abmel-
dung vom RAV demnach nicht gerechtfertigt. Bei einem bloss teilweisen Arbeitsaus-
fall, sprich wenn ein/e Arbeitnehmer/in im Unterschied zu vorher nur noch in reduzier-
tem Umfang bereit ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen, erfolgt die Kürzung des
Taggeldanspruchs durch eine entsprechende Reduktion des der Entschädigungs-
bemessung zugrunde zu legenden versicherten Verdienstes (BGer 5A_964/2016
vom 19. Februar 2018, E. 6.1. m.w.H., vgl. auch OGer ZH LE180014 vom 4. Juni
2018, E. 3.1.2.). Das Erwerbseinkommen der Gesuchstellerin bei der D._ AG
beträgt auf 20% gerechnet Fr. 1'020.–, was zu einem Anspruch auf Arbeitslosenent-
schädigung von Fr. 816.– führt. Im Gegensatz zur Vorinstanz ist der Gesuchstellerin
nur dieser reduzierte Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung anzurechnen. Hinzu-
kommt das durchschnittlich erzielte Einkommen aus der Tätigkeit bei der H._
- 39 -
AG, welches ausgehend von den Lohnabrechnungen Dezember 2019 bis Oktober
2020 (Urk. 5/7 [wobei die Abrechnung März 2020 fehlt] und Urk. 28/19) rund
Fr. 510.– beträgt. Für das durchschnittliche Einkommen aus selbständiger Erwerbs-
tätigkeit ist wiederum gestützt auf die in den jeweiligen Zeitabschnitten effektiv erwirt-
schafteten Reingewinne zu ermitteln, wobei für die Monate November und Dezember
2019 auf den bereits errechneten monatlichen Durchschnittswert von Fr. 867.– abge-
stellt werden kann. Zusammen mit den monatlichen Reinüberschüssen der ausge-
wiesenen Monate Januar bis September 2020 (Urk. 21/17, Urk. 27/20 und Urk. 5/5)
resultiert somit ein durchschnittliches Einkommen von Fr. 380.–. Dem Gesagten zu-
folge ist der Gesuchstellerin somit ab dem 1. November 2019 bis Eintritt der Rechts-
kraft ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 1'706.– (Fr. 816.– hypothetischer An-
spruch Arbeitslosentaggeld + Fr. 510.– Durchschnitt H._ AG + Fr. 380.– Durch-
schnitt selbständige Erwerbstätigkeit) anzurechnen.
1.7. Nachdem das Kosmetikstudio nun seit rund einem Jahr nicht mehr den not-
wendigen Gewinn abwirft und die Gesuchstellerin selber erwähnt, dass auch eine
Erholung der Auftragslage momentan nicht absehbar sei, darf von der Gesuchstelle-
rin erwartet werden, notfalls auch wieder eine unselbständige Erwerbstätigkeit anzu-
nehmen. Da die Gesuchstellerin seit Zustellung des erstinstanzlichen Entscheids En-
de Juni 2020 (vgl. Urk. 109) weiss, dass von ihr ein substantieller finanzieller Beitrag
erwartet wird, ist keine längere Übergangsfrist zu gewähren. Dies gilt umso mehr, als
es ihr sowohl bei der D._ AG als auch der H._ AG gelungen ist, innert kür-
zester Zeit eine Anstellung zu finden und sie aufgrund ihres Alters und ihrer Ausbil-
dung auch reichlich Möglichkeiten bei der Stellensuche hat; und zwar auch in Berei-
chen, die nicht von der Corona-Pandemie in dem Ausmass betroffen sind, wie ihr
Kosmetikstudio. Demzufolge erscheint es angemessen, der Gesuchstellerin ab Ein-
tritt der Rechtskraft für die weitere Dauer des Verfahrens ein hypothetisches Ein-
kommen im Umfang von Fr. 2'040.– anzurechnen. Dass sie ein Einkommen in dieser
Höhe zu erzielen vermag, ist aufgrund der unlängst beendeten Anstellung bei der
D._ AG denn auch ausreichend belegt.
1.8. Zusammenfassend ist der Gesuchstellerin nach dem Ausgeführten folgendes
monatliches Nettoeinkommen anzurechnen:
− 1. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019: Fr. 2'907.–
- 40 -
− 1. November 2019 bis Eintritt der Rechtskraft: Fr. 1'706.– − ab Eintritt der Rechtskraft: Fr. 2'040.–
2. Einkommen des Gesuchstellers
2.1. Die Vorinstanz rechnete dem Gesuchsteller nebst einem unbestritten geblie-
benen Feuerwehrsold von monatlich Fr. 133.30, für ein Vollzeitpensum als Landwirt
ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 3'200.– an, und ging von einer Reduktion
auf Fr. 2'500.– infolge der vermehrten Betreuung nach Anordnung der alternierenden
Obhut aus. Sie erwog, unter Berücksichtigung der eingereichten Jahresabschlüssen
2015, 2016 und 2017 belaufe sich das durchschnittliche monatliche Einkommen auf
Fr. 3'210.35. Während dieser Zeit habe allerdings noch der Vater des Gesuchstellers
den landwirtschaftlichen Betrieb geführt. Nach Betriebsübernahme habe der Ge-
suchsteller gemäss dem provisorischen Jahresabschluss 2018 nur noch einen Jah-
resgewinn von Fr. 20'102.75 erwirtschaftet, was einem monatlichen Nettogewinn von
Fr. 1'675.25 entspreche. Der Gesuchsteller habe diesen Gewinnrückgang jedoch mit
den Turbulenzen der Trennung sowie dem der Gesuchstellerin ausbezahlten Lohn
erklärt und diesen Wert selber als nicht repräsentativ befunden. Nachdem er gewillt
sei, sich Fr. 2'500.– bzw. Fr. 3'200.– wenn keine erhöhte Betreuung von C._ an-
falle, anrechnen zu lassen und auch der Vater über Jahre dieses Durchschnittsein-
kommen zu erwirtschaften vermochte, sei darauf abzustellen (Urk. 2 E. 5.6.1).
2.2. Die Gesuchstellerin wendet ein, die geltend gemachte Reduktion auf
Fr. 2'500.– sei in keiner nachvollziehbarer Art und Weise quantifiziert und damit un-
genügend glaubhaft gemacht worden. Wie sie bereits im Zusammenhang mit der
Obhutszuteilung dargelegt habe, könne auch im Falle einer alternierenden Obhut
nicht davon ausgegangen werden, dass der Gesuchsteller sein Arbeitspensum als
Landwirt tatsächlich reduzieren werde bzw. könne. Dem Gesuchsteller sei demnach
in jedem Fall ein monatliches Nettoerwerbsteinkommen als Landwirt im Betrag von
Fr. 3'200.– anzurechnen (Urk. 1 S. 23 Rz. 46).
2.3. Demgegenüber macht der Gesuchsteller geltend, er habe bereits vor Vor-
instanz ausgeführt, dass seine Eltern und sein Bruder ihn bei Zuteilung der alternie-
renden Obhut im landwirtschaftlichen Betrieb entlasten würden, damit er C._
persönlich betreuen könne. Da er in diesem Fall weniger arbeiten könne und für die
- 41 -
Entschädigung der Eltern und des Bruders mehr Personalaufwand habe, werde auch
der Reingewinn tiefer ausfallen. Er sei wie bei der Gesuchstellerin bei Festlegung ei-
ner alternierenden Obhut von einem 80% Arbeitspensum ausgegangen und habe
gestützt darauf das ihm bei einer 100% Erwerbstätigkeit anrechenbare Nettoein-
kommen von Fr. 3'200.– auf Fr. 2'500.– reduziert. Die Gesuchstellerin habe das für
den Fall der Anordnung der alternierenden Obhut vom Gesuchsteller geltend ge-
machte reduzierte Einkommen vor Vorinstanz nicht bestritten und habe sich auch
nicht zur geltend gemachten Pensumsreduktion geäussert. Abgesehen davon sei
auch die Behauptung, wonach der Gesuchsteller bei einer Betreuung von C._
an drei Tagen in der Woche unverändert ein 100% Arbeitspensum zu verrichten
vermöchte, lebensfremd (Urk. 19 S. 20 f. Rz. 2.2).
2.4. Wie bereits erwähnt (vgl. vorstehend E. III.3.6.3.), hat der Gesuchsteller aus-
reichend glaubhaft dargelegt, dass er ab Juni 2019 seinen Bruder zur Unterstützung
angestellt hat und dieser vor allem für die morgendliche Stallarbeit während der Be-
treuungstage von C._ zuständig ist. Dass sich der hierfür aufzuwendende Per-
sonalaufwand in einem geringeren Reingewinn niederschlägt, ist eine logische buch-
halterische Folge. Ob sich dies letztlich auch im geltend gemachten Umfang von 20%
auf den Lohn des Gesuchstellers auswirken wird, ist im jetzigen Zeitpunkt schwerlich
abschätzbar. Demnach erscheint eine Reduktion des Nettoeinkommens analog einer
Reduktion auf ein 80%-Pensum sinnvoll, weshalb die Berechnung der Vorinstanz
nicht zu beanstanden ist. Beim Gesuchsteller ist somit mit der Vorinstanz vom
1. Januar 2019 bis Eintritt der Rechtskraft des Entscheids von einem Nettoerwerbs-
einkommen von Fr. 3'200.– auszugehen, danach ist ihm ein reduziertes Einkommen
von Fr. 2'500.– anzurechnen.
3. Bedarf
3.1. Die vorinstanzliche Bedarfsaufstellung wird grundsätzlich nicht beanstandet.
Umstritten ist einzig die Position Steuern bzw. die Frage, ob ein Betrag für die Steu-
ern einzurechnen ist oder nicht (vgl. Urk. 1 S. 24 Rz. 47 und Urk. 15 S. 21 f. Rz. 2.3).
Weiter bestreitet die Gesuchstellerin ausgehend von ihrem Antrag auf Zuteilung der
alleinigen Obhut an sich zwar generell, dass im Bedarf des Gesuchstellers ein
Wohnkostenanteil für C._ auszugrenzen sei. Nicht bestritten wird jedoch der be-
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rücksichtigte Betrag, weshalb diesbezüglich auf die vorinstanzlichen Feststellungen
abgestellt werden kann (Urk. 1 S. 25 Rz. 49 f.).
3.2. Nachdem das Einkommen der Gesuchstellerin reduziert wurde, verbleibt in
keiner Phase ein zu verteilender Überschuss, weshalb die Steuern aus dem Bedarf
der Gesuchsteller auszuklammern sind. Damit ergeben sich neu folgende Bedarfe
der Gesuchsteller:
a) Gesuchstellerin
1. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019: Fr. 3'052.45 1. November 2019 bis 31. März 2020: Fr. 2'787.45 ab 1. April 2020: Fr. 2'660.45
b) C._ (nach Abzug Kinderzulagen) bei GSin: bei GS: 1. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019: Fr. 1'236.30 1. November 2019 bis 31. März 2020: Fr. 801.10 1. April 2020 bis Rechtskraft: Fr. 704.10 ab Rechtskraft: Fr. 604.10 Fr. 255.20
c) Gesuchsteller 1. Januar 2019 bis 31. März 2020: Fr. 2'105.60 1. April 2020 bis Rechtskraft: Fr. 1'827.80 ab Rechtskraft: Fr. 1'724.35
4. Berechnung der Unterhaltsbeiträge
4.1. Hinsichtlich der Grundsätze der Bemessung der Unterhaltsbeiträge kann vor-
ab auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen wer-
den (vgl. Urk. 2 E. 5.2).
4.2. Phase 1: Januar 2019 bis 31. Oktober 2019
Einkommen Bedarf Differenz
GS Fr. 3'333.30 2'105.60 +1'227.70 GSin Fr. 2'907.– 3'052.45 -145.45 C._ Fr. 0.–* 1'236.30 -1'236.30 Total Fr. 6'240.30 6'394.35 -154.05 * Kinderzulagen von der Vorinstanz bereits im Bedarf abgezogen
- 43 -
Der Gesuchstellerin ist für diesen Zeitraum ein Einkommen von Fr. 2'907.– anzu-
rechnen (vgl. vorstehende E. III.2.5), womit neu ein Eigenversorgungsmanko von
Fr. 145.45 resultiert. Dieses Manko ist betreuungsbedingt, weshalb es sich dabei
gleichzeitig um den Anspruch von C._ auf Betreuungsunterhalt handelt. Dem
Gesuchsteller ist ein Erwerbsersatzeinkommen in Höhe von Fr. 3'330.30 anzurech-
nen. In dieser Phase verfügt er damit über eine monatliche Leistungsfähigkeit von
Fr. 1'227.70. Entsprechend ist er zu verpflichten, für C._ rückwirkend einen Un-
terhaltsbeitrag von gerundet 1'228.– zu bezahlen. Damit bleibt in dieser Phase zu-
sätzlich zum Betreuungsunterhalt von Fr. 145.45 der Barunterhalt von C._ im
Umfang von Fr. 8.60, mithin insgesamt gerundet Fr. 154.–, ungedeckt.
4.3. Phase 2: 1. November 2019 bis 31. März 2020
Einkommen Bedarf Differenz
GS Fr. 3'333.30 2'105.60 +1'227.70 GSin Fr. 1'706.– 2'787.45 -1'081.45 C._ Fr. 0.–* 801.10 -801.10 Total Fr. 5'039.30 5'694.15 - 654.85 * Kinderzulagen von der Vorinstanz bereits im Bedarf abgezogen
Nach dem Verlust der Arbeitsstelle bei der D._ AG ist bei der Gesuchstellerin
nur noch von einem Einkommen von Fr. 1'706.– auszugehen (vgl. E. III.2.6). Ihre Le-
benshaltungskosten vermag sie damit im Betrag von Fr. 1'081.45 nicht selber zu de-
cken. Dies entspricht dem Anspruch von C._ auf Betreuungsunterhalt. Beim
Gesuchsteller resultiert demgegenüber auch in dieser Phase ein Überschuss von
Fr. 1'227.70. Dem Gesagten zu Folge ist der Gesuchsteller zu verpflichten, für den
Sohn C._ monatliche Kinderunterhaltsbeiträge im Umfang von gerundet
Fr. 1'228.– (davon Fr. 426.60 Betreuungsunterhalt) zu bezahlen. Damit fehlt monat-
lich ein Betrag von gerundet Fr. 655.– zur Deckung des gebührenden Unterhalts von
C._.
4.4. Phase 3: 1. April 2020 bis Eintritt der Rechtkraft
Einkommen Bedarf Differenz
GS Fr. 3'333.30 1'827.80 +1'505.50 GSin Fr. 1'706.– 2'660.45 -954.45 C._ Fr. 0.–* 704.10 -704.10 M._ Fr. 0.–* 406.95 -406.95 Total Fr. 5'039.30 5'599.30 -560.–
- 44 -
* Kinderzulagen von der Vorinstanz bereits im Bedarf abgezogen
Nach Abzug der Notbedarfe der beiden minderjährigen Kinder verbleibt beim Ge-
suchsteller eine Leistungsfähigkeit von Fr. 394.45. Da die Gesuchstellerin ihre Le-
benshaltungskosten von Fr. 2'660.45 mit ihrem Einkommen von Fr. 1'706.– nicht de-
cken kann, steht C._ die Differenz als Betreuungsunterhalt zu. Folglich ist der
Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchstellerin Unterhaltsbeiträge im Umfang von
gerundet Fr. 1'099.– (davon Fr. 394.45 Betreuungsunterhalt) zu bezahlen. Damit ist
der gebührende Unterhalt von C._ im Umfang von monatlich gerundet Fr. 560.–
nicht gedeckt.
4.5. Phase 4: ab Eintritt der Rechtskraft
Einkommen Bedarf Differenz
GS Fr. 2'633.30 1'724.35 +908.95 GSin Fr. 2'040.– 2'660.45 -620.45 C._ Fr. 0.–* 859.30 -859.30 M._ Fr. 0.–* 355.20 -355.20 Total Fr. 4'673.30 5'599.30 -926.– * Kinderzulagen von der Vorinstanz bereits im Bedarf abgezogen
Ab Rechtskraft wird der Gesuchstellerin ein hypothetisches Einkommen eines 40%-
Pensums angerechnet (vgl. vorstehend E. III.2.7). Die Lebenshaltungskosten der
Gesuchstellerin übersteigen dieses Einkommen um Fr. 620.45. Dieser Betrag ent-
spricht wiederum dem Anspruch von C._ auf Betreuungsunterhalt. Beim Ge-
suchsteller verbleibt nur noch ein Überschuss von Fr. 908.95. Nach Abzug der Bar-
bedarfe der beiden minderjährigen Kinder resultiert ein Manko von Fr. 305.55, wel-
ches es hälftig aufzuteilen gilt. Damit bleiben die Barbedarfe der Kinder zu je
Fr. 153.– ungedeckt. Demzufolge ist der Gesuchsteller zu verpflichten, Kinderunter-
haltsbeiträge im Umfang von gerundet Fr. 706.– (davon Fr. 0.– Betreuungsunterhalt)
zu bezahlen. Für den gebührenden Unterhalt von C._ fehlt damit monatlich ein
Betrag von gerundet Fr. 774.–.
4.6. Fazit
Nach dem Ausgeführten ist der Gesuchsteller zu verpflichten, an die Kosten des Un-
terhalts und der Erziehung von C._ Unterhaltsbeiträge, zuzüglich allfälliger ge-
- 45 -
setzlicher und vertraglicher Kinder-, Familien- bzw. Ausbildungszulagen, wie folgt zu
bezahlen:
− 1. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019:
Fr. 1'228.– (davon Fr. 0.– Betreuungsunterhalt)
− 1. November 2019 bis 31. März 2020:
Fr. 1'228.– (davon Fr. 426.60 Betreuungsunterhalt)
− 1. April 2020 bis Eintritt der Rechtskraft:
Fr. 1'099.– (davon Fr. 394.45 Betreuungsunterhalt)
− ab Eintritt der Rechtskraft:
Fr. 528.– (davon Fr. 0.– Betreuungsunterhalt)
Zudem ist festzustellen, dass zur Deckung des Unterhalts von C._ vom
1. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019 monatlich Fr. 154.– (davon Betreuungsunterhalt
Fr. 145.05), vom 1. November 2019 bis 31. März 2020 Fr. 655 – (nur Betreuungsun-
terhalt), vom 1. April 2020 bis Eintritt der Rechtskraft Fr. 560.– (nur Betreuungsunter-
halt) und ab Eintritt der Rechtskraft Fr. 774.– (davon Fr. 620.45 Betreuungsunterhalt)
fehlen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Vorinstanz hat die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen dem
Endentscheid vorbehalten (Urk. 2 Dispositiv-Ziffer 9). Entsprechend sind diesbezüg-
lich keine Anordnungen zu treffen.
2.1. Die Höhe der Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren richtet sich nach § 12
Abs. 1 und 2 in Verbindung mit § 2, § 5 Abs. 1, und § 8 Abs. 1 der Gebührenverord-
nung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG). Unter Berücksichtigung
des tatsächlichen Streitinteresses, des Zeitaufwands des Gerichts und der Schwie-
rigkeit des Falles erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 5'500.– als angemessen.
2.2. Die Prozesskosten werden grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt.
Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem Aus-
gang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO). Praxisgemäss sind betref-
fend nicht vermögensrechtliche Kinderbelange (Obhut, Betreuungsregelung) die Kos-
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ten den Parteien je hälftig aufzuerlegen und die Parteientschädigungen wettzuschla-
gen, sofern diese unter dem Gesichtspunkt des Kindesinteresses gute Gründe für ih-
re Prozessstandpunkte hatten (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO; ZR 84/1985 Nr. 41). Diese
Voraussetzung ist erfüllt, weshalb die Kosten des Berufungsverfahrens betreffend die
nicht vermögensrechtlichen Kinderbelange den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen
sind. Hinsichtlich der vermögensrechtlichen Belangen sprach die Vorinstanz der Ge-
suchstellerin – bei einer mutmasslichen Geltungsdauer der Regelung von 2.5 Jahren
ab Einreichung (18. Juni 2019) sowie einem fiktiven Rechtskraftdatum im Februar
2021 – Unterhaltsleistungen (Kinderunterhalt und persönliche Unterhaltsbeiträge)
von insgesamt Fr. 29'805.– zu. Die Gesuchstellerin strebt eine Erhöhung auf
Fr. 41'955.– an. Nach erfolgter Anpassung im Berufungsverfahren resultiert ein Ge-
samtunterhaltsbetrag von Fr. 35'789.–. Damit obsiegt die Gesuchstellerin zu rund
50%. Entsprechend sind die Kosten den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen. Nach-
dem beiden Parteien mit Beschluss vom 21. August 2020 die unentgeltliche Rechts-
pflege bewilligt wurde (Urk. 14 Disp.Ziff. 1 und 2), sind die Gerichtskosten jedoch
einstweilen – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 Abs. 1 ZPO –
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Parteientschädigungen sind bei diesem Verfah-
rensausgang keine zuzusprechen.