Decision ID: 06923622-76c6-5e65-ba2b-f48cf02dcdc0
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im März 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe in ihrem Herkunftsland eine
Berufslehre zur chemisch-technischen Assistentin absolviert. In der Schweiz habe sie
dann allerdings im Service gearbeitet. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die
medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz im September 2005 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 28). Die Sachverständigen hielten fest, die
Versicherte leide an depressiven Verstimmungen als Ausdruck einer
Anpassungsstörung bei einem chronischen Schmerzsyndrom infolge einer körperlichen
Krankheit, an einem Fibromyalgiesyndrom mit multiplen vegetativen
Begleitbeschwerden, an einem lumbo-spondylogenen Syndrom bei altersgemässen
degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule sowie an einem grossen
schalenförmigen Gelenkskörper im dorsalen Hüftgelenk rechts mit rezidivierenden
Hüftgelenksblockaden. Aus orthopädischer Sicht empfehle sich grundsätzlich die
Entfernung des freien Gelenkskörpers. Da die Versicherte aber nicht eindeutig
zwischen Rücken- und Hüftschmerzen unterscheiden könne und da sie einem
operativen Eingriff sehr zögerlich gegenüberstehe, sei zunächst eine Infiltration des
Hüftgelenks angezeigt. Körperlich schwere Tätigkeiten mit dauerndem Gehen und
häufigem Treppensteigen seien der Versicherten aber jedenfalls nicht mehr zumutbar.
Unter Berücksichtigung des chronischen Schmerzsyndroms, der Hüftproblematik
rechts, der vegetativen Begleitbeschwerden und der psychischen Faktoren sei für
wechselbelastende, körperlich eher leichtere bis mittelschwere Tätigkeiten ohne
dauerndes Herumgehen oder häufiges Treppensteigen eine Arbeitsunfähigkeit von 20
Prozent zu attestieren. Eine Eingliederungsberaterin der IV-Stelle notierte im Januar
2006 (IV-act. 48), die Versicherte habe in der Vergangenheit ein leicht unter dem
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statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne liegendes Einkommen erzielt. Für
das Valideneinkommen und für den Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens sei folglich auf den Zentralwert abzustellen. Für die Berechnung
des Invalideneinkommens seien eine Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent und ein Abzug
vom Tabellenlohn von zehn Prozent zu berücksichtigen, da die Versicherte nur noch
leichte Arbeiten verrichten könne. Mit einer Verfügung vom 8. Februar 2006 wies die IV-
Stelle das Rentenbegehren der Versicherten mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades ab (IV-act. 53). Eine dagegen erhobene Einsprache (IV-act. 54) wurde
mit einem Entscheid vom 10. April 2006 abgewiesen (IV-act. 64). Dieser
Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.b Im März 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act.
67). Die Arbeitgeberin teilte am 20. April 2010 mit (IV-act. 80), die Versicherte arbeite
seit dem 1. Februar 2005 im Stundenlohn als Serviceangestellte. Das Pensum belaufe
sich auf etwa 50 Prozent. Durchschnittlich betrage der Lohn 2'048 Franken pro Monat
beziehungsweise 26'632 Franken pro Jahr. Am 18. Mai 2010 berichtete die Klinik
Valens (IV-act. 86–1 ff.), die Versicherte habe an einem Meningeom am freien Rand der
Falx mit einer leichten Impression des Corpus callosi gelitten, das am 22. Januar 2010
entfernt worden sei. Zudem leide sie an einem generalisierten Schmerzsyndrom.
Dieses sei schon im Jahr 2004 bekannt gewesen. Das Meningeom sei zu Beginn des
Jahres 2009 symptomatisch geworden. Im Januar 2010 sei es operativ entfernt
worden. Vom 16. Februar 2010 bis zum 11. März 2010 habe sich die Versicherte zur
stationären Rehabilitation in der Klinik Valens befunden. Zur Arbeitsfähigkeit könne
keine Prognose geäussert werden. Der Hausarzt Dr. med. B._ hatte am 11. Mai 2010
angegeben (IV-act. 88), die Versicherte leide an Schwindelbeschwerden, an
Sehstörungen, an rheumatischen Schmerzen in der Hüfte und generalisiert sowie an
einem verminderten Antrieb. Am ehesten sei eine Rückkehr in die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit, allerdings mit einem zeitlich reduzierten Pensum, zu empfehlen. Im
September 2010 unterzeichnete die Versicherte einen Eingliederungsplan, mit dem sie
ihre Bereitschaft zu einem Arbeitsversuch erklärte, wofür sich die IV-Stelle im
Gegenzug verpflichtete, Massnahmen zum Erhalt des Arbeitsplatzes zu gewähren (IV-
act. 100). Am 29. November 2010 notierte eine Eingliederungsverantwortliche der IV-
Stelle (IV-act. 111), die Versicherte habe sich nicht an die Vereinbarung gehalten und
keinerlei Bemühungen getätigt. Vor diesem Hintergrund bestehe kein Anspruch auf
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weitere berufliche Massnahmen. Im Mai 2011 berichtete der neue Hausarzt Dr. med.
C._ (IV-act. 131), die Versicherte leide an einem chronischen Müdigkeitssyndrom, an
einer chronischen Depression, an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung,
an einem Schwindel unbekannter Genese sowie an einer Fibromyalgie. Die Tätigkeit als
Serviceangestellte sei ihr nicht mehr zumutbar. Als Laborantin werde sie sicherlich
keine Anstellung mehr finden. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage nach einer
Umschulung. Der Rheumatologe Dr. med. D._ teilte am 9. Mai 2011 mit (IV-act. 134),
die Belastbarkeit und die axiale Stabilität des Bewegungsapparates der Versicherten
seien durch eine Kombination einer chronischen Lumbago, einer leichten
Valgusgonarthrose beidseits, einer Hüftgelenksproblematik und Arthralgien der kleinen
Fingergelenke vom mechanischen Typ eingeschränkt. Dieser Symptomenkomplex
wirke sich sehr ungünstig auf die Arbeitsfähigkeit im Service aus. Für diese Tätigkeit
könne nur noch eine Arbeitsfähigkeit von 20 bis maximal 40 Prozent attestiert werden.
Eine leichte, wechselbelastende oder vor allem sitzende Tätigkeit sei dagegen zu 50
Prozent (halbtags) zumutbar.
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Ostschweiz am 24. Februar 2012 ein
polydisziplinäres Verlaufsgutachten (IV-act. 145). Die Sachverständigen führten aus, die
Versicherte leide an Restbeschwerden nach der Entfernung eines freien Gelenkkörpers
im rechten Hüftgelenk sowie – ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit – an einem
generalisierten chronischen Schmerzsyndrom mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden, an unspezifischen Schwindelbeschwerden nach einer
vollständigen Resektion eines Falx-Meningeoms, an einem Status nach einer Resektion
eines Meningeoms, an einer undifferenzierten Somatisierungsstörung, an
Schwierigkeiten bei der sozio-kulturellen Eingewöhnung, an einer Adipositas und an
einem mässigen Spreizfuss mit einem Halluxvalgus. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
habe sich seit der letzten Begutachtung im September 2005 im Wesentlichen nichts
geändert. Der Versicherten seien nach wie vor körperlich eher leichte bis mittelschwere
und wechselbelastende Tätigkeiten ohne dauerndes Gehen oder häufiges
Treppensteigen mit einer Einschränkung von 20 Prozent zumutbar. Am 22. Juni 2012
notierte Dr. med. E._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), dass das
Gutachten überzeuge (IV-act. 148). Offenbar gab er am 25. Juni 2012 an, für
leidensadaptierte Tätigkeiten bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (IV-act.
150). Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle verglich das Einkommen der Versicherten, auf
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dem im Jahr 2009 Sozialversicherungsbeiträge geleistet worden waren mit dem
statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne; dieser Vergleich ergab einen
Invaliditätsgrad von 2,3 Prozent (IV-act. 151).
A.d Mit einem Vorbescheid vom 2. August 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
(IV-act. 156), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung
führte sie aus, die Versicherte sei als zu 50 Prozent erwerbstätig und als zu 50 Prozent
im Aufgabenbereich tätig zu qualifizieren. Im Aufgabenbereich bestehe keine
wesentliche Einschränkung. Die gewichtete Einschränkung im Erwerbsbereich – und
damit auch der Gesamtinvaliditätsgrad – betrage 1,15 Prozent. Das berechtige nicht
zum Bezug einer Rente. Dagegen wandte die Versicherte am 10. Oktober 2012 ein (IV-
act. 161–1 ff.), sie habe ihr Arbeitspensum vor Jahren nur aus gesundheitlichen
Gründen auf 50 Prozent reduziert. Ohne eine Gesundheitsbeeinträchtigung würde sie
zu 100 Prozent arbeiten. Das Gutachten der MEDAS Ostschweiz sei unsorgfältig
erstellt worden; diverse biographische Angaben seien falsch. Bei der Berechnung des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens müsse ein Tabellenlohnabzug von
mindestens 20 Prozent berücksichtigt werden. Der Hausarzt Dr. C._ hatte am 4.
Oktober 2012 mitgeteilt, dass kein stabiler Gesundheitszustand vorliege (IV-act. 161–
4). Der Psychiater Dr. med. F._ vom Psychiatrie-Zentrum G._ hatte am 24.
September 2012 berichtet (IV-act. 161–6), er habe die Versicherte am 24. September
2012 erstmals gesehen. Diese leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit
einem somatischen Syndrom, an einer undifferenzierten Somatisierungsstörung und an
diversen somatischen Erkrankungen. Er empfehle eine psychotherapeutische
Behandlung im Abstand von jeweils acht bis zehn Wochen zwischen den Sitzungen
sowie eine psychopharmakologische Behandlung. Am 10. Dezember 2012 berichtete
Dr. F._ (IV-act. 164), die Versicherte sei bis auf weiteres zu 80 Prozent arbeitsunfähig.
Da sie offenbar schon seit Jahren an depressiven und somatoformen Beschwerden
leide, müsse von einer Chronifizierung des Zustandes ausgegangen werden. Im
Idealfall könnte die Arbeitsfähigkeit auf 30–40 Prozent gesteigert werden. Anlässlich
eines Telefonates mit dem RAD-Arzt Dr. med. H._ teilte Dr. F._ mit, dass es sich
bei der vorgesehenen Abweisung des Rentenbegehrens der Versicherung um einen
„krassen Fehlentscheid“ handle, woraufhin der RAD-Arzt Dr. H._ eine weitere
psychiatrische Begutachtung empfahl (IV-act. 176). Das entsprechende Gutachten
wurde von Dr. med. I._, der die Versicherte bereits im Rahmen der polydisziplinären
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Verlaufsbegutachtung durch die MEDAS Ostschweiz untersucht hatte, am 19. Januar
2014 erstattet (IV-act. 190). Der Sachverständige führte aus, seit der letzten
Begutachtung habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten nicht wesentlich
verändert. Diese leide nach wie vor an einer undifferenzierten Somatisierungsstörung
und an Schwierigkeiten bei der sozio-kulturellen Eingewöhnung. Dabei handle es sich
aber um Beeinträchtigungen, die sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Zwar
sei nicht ausgeschlossen, dass die Symptome das Ausmass einer leichten bis
mittelgradigen depressiven Störung darstellten, aber dabei handle es sich immer um
reaktive Erscheinungen auf die Schmerzempfindung und auf die psychosozialen
Belastungsfaktoren. Die vom behandelnden Psychiater diagnostizierte mittelschwere
Depression sei also „nicht rechtskonform“. Am 31. Januar 2014 notierte der RAD-Arzt
Dr. H._, die Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig
(IV-act. 191). Mit einem Vorbescheid vom 19. Februar 2014 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit (IV-act. 195), dass sie nach wie vor die Abweisung des
Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung führte sie aus, sie habe die Versicherte als
voll erwerbstätig qualifiziert und bei der Berechnung des Invaliditätsgrades eine
Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten berücksichtigt.
Trotzdem habe ein nicht zum Bezug einer Rente berechtigender Invaliditätsgrad von
lediglich 21 Prozent resultiert. Dagegen liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte
am 17. April 2014 einwenden (IV-act. 201–1 ff.), der psychiatrische Sachverständige Dr.
I._ sei offensichtlich voreingenommen gewesen. Er habe wiederholt auf angebliche
Verdeutlichungen hingewiesen und sich gar nicht erst mit der Frage
auseinandergesetzt, ob die von der Versicherten geklagten Schmerzen eine
somatische Ursache hätten. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung habe er mit einer
bundesgerichtlichen Rechtsprechung und nicht mit medizinischen Argumenten
begründet. Darauf könne nicht abgestellt werden. Der behandelnde Psychiater Dr.
F._ habe dagegen überzeugend dargelegt, dass die Versicherte aus psychiatrischer
Sicht zu 80 Prozent arbeitsunfähig sei. Bei der Berechnung des Invalideneinkommens
müsse zudem ein Abzug vom Tabellenlohn von 25 Prozent berücksichtigt werden. Der
Eingabe lag eine Stellungnahme von Dr. F._ vom 28. Februar 2014 bei (IV-act. 201–8
f.). Dieser hatte ausgeführt, für die Diagnose einer Depression sei es gemäss dem
ICD-10 irrelevant, welche Ursache diese habe. Massgebend seien nur die klinischen
Befunde. Die Kriterien für die Diagnose einer depressiven Störung seien vorliegend
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erfüllt. Die Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode. Sie sei nach
wie vor zu 80 Prozent arbeitsunfähig. Am 12. Mai 2014 nahm Dr. I._ dazu Stellung
(IV-act. 204). Er führte aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht sei massgebend, ob
es sich bei der depressiven Störung um eine eigenständige Erkrankung im Sinne einer
Comorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer handle. Das sei hier
nicht der Fall, denn die punktuell das Ausmass einer leichten bis hin zu einer
mittelgradigen depressiven Störung erreichenden depressiven Symptome seien eine
Reaktion auf die Schmerzempfindung und auf die psychosozialen Belastungsfaktoren,
aber keine eigenständige Erkrankung.
A.e Vom 3. bis zum 5. Juli 2014 befand sich die Versicherte für eine stationäre
Herzkatheteruntersuchung in der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals St. Gallen.
Diese berichtete (IV-act. 216), die Versicherte leide an extrakardialen Beschwerden. Die
Coronarangiographie habe stenosefreie Coronarien und eine normale linksventrikuläre
Ejektionsfraktion gezeigt. Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 12. September 2014, aus
versicherungsmedizinischer Sicht sei der Bericht der Klinik für Kardiologie des
Kantonsspitals St. Gallen irrelevant (IV-act. 217). Am 15. Oktober 2014 liess die
Versicherte eine weitere Begutachtung beantragen (IV-act. 221). Zur Begründung führte
ihr Rechtsvertreter aus, im mittlerweile bereits zwei Jahre alten letzten Gutachten seien
zwischenzeitlich aufgetretene Schulterbeschwerden noch nicht berücksichtigt worden.
Auch das Hüftleiden der Versicherten sei nicht „eingehend studiert und abgeklärt“
worden. Allenfalls benötige die Versicherte einen Hüftgelenksersatz. Das Spital J._
berichtete am 25. Oktober 2014 (IV-act. 230), die Versicherte leide an einem
chronischen Schmerzsyndrom, an einem subacromialen Impingement-Syndrom der
rechten Schulter, an einer beidseitigen Coxarthrose, an einer chronischen
rechtsbetonten Cervicalgie sowie an einem Status nach Entfernung eines Hirntumors.
Bei der aktuellen Untersuchung habe sich der Verdacht auf ein Reizsyndrom der
Nervenwurzel C6 ergeben. Diesbezüglich seien weitere Abklärungen geplant. Der RAD-
Arzt Dr. H._ notierte am 26. November 2014, die vom Spital Linth angeführten
Diagnosen und Befunde schränkten die Arbeitsfähigkeit der Versicherten für eine
leidensadaptierte Tätigkeit nicht ein (IV-act. 232). Mit einer Verfügung vom 26. Januar
2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten bei einem nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 21 Prozent ab (IV-act. 236).
B.
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B.a Am 26. Februar 2015 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. Januar 2015 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer ganzen, eventualiter einer Viertelsrente
und subeventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-
Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte er an, der
psychiatrische Sachverständige Dr. I._ sei offensichtlich voreingenommen gewesen.
Er habe wiederholt auf angebliche Verdeutlichungen hingewiesen und sich gar nicht
erst mit der Frage auseinandergesetzt, ob die von der Versicherten geklagten
Schmerzen eine somatische Ursache hätten. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung habe er
mit einer bundesgerichtlichen Rechtsprechung und nicht mit medizinischen
Argumenten begründet. Darauf könne nicht abgestellt werden. Der behandelnde
Psychiater Dr. F._ habe dagegen überzeugend dargelegt, dass die Versicherte aus
psychiatrischer Sicht zu 80 Prozent arbeitsunfähig sei. Bei der Berechnung des
Invalideneinkommens müsse zudem ein Abzug vom Tabellenlohn von 25 Prozent
berücksichtigt werden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. April 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie aus, der Sachverständige Dr. I._
habe seine Diagnosen und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugend begründet.
Anzeichen für eine Voreingenommenheit seien nicht ersichtlich. Seinem Gutachten
komme schon deshalb ein höherer Beweiswert als der Stellungnahme von Dr. F._ zu,
weil dieser als behandelnder Arzt „nicht ganz unbefangen“ sein könne. Ein Abzug vom
Tabellenlohn sei nicht zu berücksichtigen.
B.c Am 21. April 2015 bewilligte die verfahrensleitende Richterin die unentgeltliche
Rechtspflege (act. G 6).
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 31. Juli 2015 an ihren Anträgen festhalten (act. G
14). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 16).

Erwägungen
1.
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Gemäss dem Art. 87 Abs. 3 IVV wird eine neue Anmeldung nach einer Abweisung eines
Rentenbegehrens wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades nur geprüft, wenn
glaubhaft gemacht wird, dass sich der Gesundheitszustand in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Obwohl die Beschwerdegegnerin ein erstes
Rentenbegehren der Beschwerdeführerin im April 2006 mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades abgewiesen hatte, hat sie die
Beschwerdeführerin nach deren Neuanmeldung im März 2010 nicht aufgefordert, eine
wesentliche Veränderung ihres Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen. Mit
anderen Worten ist sie auf die Neuanmeldung eingetreten, ohne zu prüfen, ob die im
Art. 87 Abs. 3 IVV vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt gewesen sind. Dieses
Vorgehen ist verordnungswidrig gewesen. Zudem hat die Beschwerdegegnerin damit
das Gleichbehandlungsgebot verletzt, denn sie hat die Beschwerdeführerin im
Vergleich zu jenen Versicherten, die eine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes glaubhaft machen müssen, damit auf ihre Neuanmeldung
eingetreten wird, in einer unzulässigen Weise bevorzugt behandelt. Allerdings hat die
Sachverhaltsabklärung rasch ergeben, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit der Abweisung des ersten Rentenbegehrens verändert haben
könnte, denn noch im Jahr 2006 war der freie Hüftgelenkskörper und im Jahr 2010 war
ein Meningeom an der Falx entfernt worden. Mit dem Hinweis auf diese beiden
Eingriffe hätte die Beschwerdeführerin also problemlos eine wesentliche Veränderung
ihres Gesundheitszustandes seit der Abweisung ihres ersten Rentenbegehrens
glaubhaft machen können, weshalb sich das Eintreten auf ihre Neuanmeldung im
Ergebnis als rechtmässig erweist. Folglich ist auch in diesem Beschwerdeverfahren
materiell zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung hat.
2.
2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
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wird gemäss dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, zu
jenem Erwerbseinkommen in Beziehung gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre.
2.2 Bei der Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
kommt der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung regelmässig eine wesentliche
Bedeutung zu. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin zur Beantwortung der Frage
nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein polydisziplinäres Gutachten und
ein psychiatrisches Verlaufsgutachten eingeholt. Die Beschwerdeführerin hat geltend
gemacht, beide Gutachten seien nicht überzeugend. In somatischer Hinsicht hat sie auf
neu aufgetretene Schulterbeschwerden und auf die Hüftbeschwerden hingewiesen,
denen ihrer Ansicht nach bei der Begutachtung nicht ausreichend Rechnung getragen
worden ist. Dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 24. Februar 2012 lässt sich
allerdings entnehmen, dass die Sachverständigen Kenntnis von den geklagten
Schulter- und Hüftbeschwerden genommen (vgl. IV-act. 153–6) und diesbezügliche
klinische Untersuchungen durchgeführt haben (vgl. IV-act. 153–7). Hinsichtlich der
Schultern ist der objektive klinische Befund unauffällig gewesen. Bezüglich der Hüfte
haben mässige Einschränkungen auf der rechten Seite objektiviert werden können. Der
rheumatologische Sachverständige hat überzeugend dargelegt, dass die
objektivierbaren Hüftbeschwerden rechts das Spektrum der zumutbaren Tätigkeiten
einschränkten, in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit aber keine erhebliche
Arbeitsunfähigkeit verursachten. Dem im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen
Verfügung aktuellsten Bericht des Spitals J._ vom 25. Oktober 2014 lassen sich
keine objektiven klinische Befunde entnehmen, die auf eine wesentliche
Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
nach der Begutachtung zu Beginn des Jahres 2012 hinweisen würden, wie der RAD-
Arzt Dr. H._ überzeugend aufgezeigt hat. Andere Indizien, die in somatischer Hinsicht
Zweifel an der Zuverlässigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen
der MEDAS Ostschweiz wecken würden, sind nicht ersichtlich, weshalb mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der
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Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung aus rein
somatischer Sicht leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent zumutbar gewesen sind.
2.3 Aus psychiatrischer Sicht hat der Sachverständige Dr. I._, der sowohl an der
Erstellung des polydisziplinären Gutachtens vom 24. Februar 2012 beteiligt gewesen ist
als auch das psychiatrische Verlaufsgutachten vom 19. Januar 2014 erstellt hat, eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung steht in
einem erheblichen Widerspruch zu jener des behandelnden Psychiaters Dr. F._, der
eine leidensadaptierte Tätigkeit als nur noch in einem Pensum von 20 Prozent
zumutbar erachtet hat. Die von den beiden Fachärzten beschriebenen klinischen
Befunde können diesen Widerspruch nicht erklären, denn Dr. I._ und Dr. F._ haben
weitgehend denselben objektiven Befund geschildert. Während Dr. F._ aber eine
mittelgradige depressive Episode diagnostiziert hat, hat Dr. I._ ausgeführt, es liege
keine eigenständige depressive Erkrankung vor. Vielmehr träten punktuell depressive
Symptome auf, die zwar die Kriterien für die Diagnose einer leichten oder einer
mittelschweren depressiven Störung erfüllten, aber nicht der Ausdruck einer
eigenständigen depressiven Erkrankung, sondern nur Begleiterscheinungen der
Somatisierungsstörung und der psychosozialen Belastungsfaktoren seien. Gestützt auf
die (damals aktuelle) bundesgerichtliche Rechtsprechung dürfe in dieser Situation
weder eine depressive Störung diagnostiziert noch eine Arbeitsunfähigkeit attestiert
werden. Die Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden
Psychiaters Dr. F._ seien nicht rechtsprechungskonform. Diese Begründung ist nicht
medizinischer Natur. Sie findet ihre Stütze ausschliesslich in der – mittlerweile
aufgegebenen (vgl. BGE 141 V 281) – sogenannten „Päusbonog“-Praxis des
Bundesgerichtes. Auch wenn das Bundesgericht diese Praxis nicht aufgegeben hätte,
müssten das im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung erstellte Teilgutachten
und das spätere monodisziplinäre Verlaufsgutachten von Dr. I._ als nicht
überzeugend qualifiziert werden, da in beiden Gutachten eine überzeugende
medizinische Begründung für die Diagnose und die Arbeitsfähigkeitsschätzung fehlt.
Das Verlaufsgutachten enthält zudem keine medizinische Auseinandersetzung mit dem
ausführlichen Bericht von Dr. F._, denn die als „Begründung“ angeführte Aussage,
die Diagnose und die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ seien „nicht
rechtsprechungskonform“, ist für sich allein nicht geeignet, den Widerspruch zwischen
den beiden diametral unterschiedlichen Schlussfolgerungen von Dr. F._ und Dr. I._
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zu erklären. Schon unter der alten „Päusbonog“-Praxis ist es nicht die Aufgabe des
medizinischen Sachverständigen gewesen, die medizinischen Tatsachen rechtlich zu
würdigen. Die Aufgabe des medizinischen Sachverständigen hat – auch damals – nur
darin bestanden, die wesentlichen medizinischen Tatsachen mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Auch unter der Geltung
der „Päusbonog“-Praxis haben die medizinischen Sachverständigen deshalb ihre
Diagnosen und Arbeitsfähigkeitsschätzungen medizinisch überzeugend begründen
müssen. Eine solche Begründung sucht man in den beiden Gutachten von Dr. I._
vergebens, weshalb diese zum Vorneherein nicht geeignet sind, den massgebenden
psychiatrischen Gesundheitszustand mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Das gilt umso mehr, als das
Bundesgericht seine „Päusbonog“-Praxis aufgegeben hat.
2.4 Auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Psychiaters Dr. F._
überzeugt nicht, denn er hat keine objektiven Befunde anführen können, die die von
ihm attestierte, praktisch vollständige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen könnten. Zudem
orientiert sich seine Arbeitsfähigkeitsschätzung offensichtlich am –
versicherungsrechtlich nicht zwingend massgebenden – effektiven Arbeitspensum, das
die Beschwerdeführerin damals ausgeübt hat. Das weckt den Verdacht, dass er statt
des massgebenden objektiven klinischen Befundes primär die Angaben der
Beschwerdeführerin unkritisch als Grundlage für seine Diagnose und für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung herangezogen hat.
2.5 Gesamthaft fehlt in den Akten also eine überwiegend wahrscheinlich richtige
Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychiatrischer Sicht. Damit erweist sich der
massgebende Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Da es nicht die Aufgabe des
Versicherungsgerichtes sein kann, ein Versäumnis der Beschwerdegegnerin
hinsichtlich ihrer ureigensten Aufgabe – der Sachverhaltsabklärung – nachzuholen, ist
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache ist zur weiteren
psychiatrischen, allenfalls auch zur polydisziplinären Begutachtung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
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Die Rückweisung einer Sache zur weiteren Abklärung gilt rechtsprechungsgemäss
hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind folglich der
unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Diese hat der Beschwerdeführerin
zudem eine angemessene Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist vorliegend als minimal zu bezeichnen, denn die
Beschwerdeschrift entspricht in weiten Teilen wortwörtlich der Eingabe vom 17. April
2014 an die Beschwerdegegnerin; versehentlich ist sie sogar – wie die Eingabe vom
17. April 2014 – an die Beschwerdegegnerin adressiert gewesen. Nur für jene zwei
Abschnitte, die neu („B. Rückweisung an Vorinstanz/Obergutachten“) respektive
teilweise echt überarbeitet („C. Berechnung Invalidenrente“) worden sind, kann ein
erforderlicher Vertretungsaufwand anerkannt werden. Zum erforderlichen
Vertretungsaufwand gehören zudem das Studium der (wenigen) neuen Akten, die nach
der Eingabe vom 17. April 2014 erstellt worden sind, das Verfassen der Replik und der
Aufwand im Zusammenhang mit dem Schriftenwechsel und der Eröffnung dieses
Entscheides. Angesichts dieses geringen Gesamtaufwandes rechtfertigt es sich, die
Entschädigung auf 1'500 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen.