Decision ID: aa550e8b-4096-5d44-b167-ca20152126cb
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Frühjahr 2008 unter Hinweis auf ein Krebsleiden erstmals
bei der Invalidenversicherung zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 3 und 8). Dr.
med. B._, Gynäkologie und Geburtshilfe FMH, berichtete am 11. Februar und 10.
Oktober 2008, dass die Versicherte an einem multifokalen, invasiv-ductalen
Mammakarzinom rechts leide, das im Dezember 2007 operativ versorgt worden sei
(subkutane Mastektomie, Lymphonodektomie rechts sowie primäre Rekonstruktion).
Anschliessend sei eine Polychemotherapie durchgeführt worden. Ab Ende Oktober
erfolge eine Radiotherapie und gleichzeitig eine antihormonelle Therapie. Die
Versicherte sei bis auf Weiteres zu 100% arbeitsunfähig (vgl. IV-act. 7, 14-7 f.).
A.a.
Die im November 2008 durchgeführte Abklärung im Haushalt ergab eine
Einschränkung in den Haushalttätigkeiten von insgesamt 45%. Die Versicherte wurde
als zu 100% im Haushalt tätig eingestuft, da sie bis auf einen dreimonatigen
Arbeitseinsatz in der Schweiz bisher nie erwerbstätig gewesen sei (IV-act. 16).
A.b.
Mit Verfügung vom 23. April 2009 sprach die IV-Stelle des Kantons Thurgau der
Versicherten mit Wirkung per 1. November 2008 eine Viertelsrente bei einem
Invaliditätsgrad von 45% zu (IV-act. 24). Das im November 2009 eingeleitete
Revisionsverfahren ergab einen unveränderten Anspruch der Versicherten auf die
bisherige Viertelsrente (Mitteilung vom 10. März 2010, IV-act. 27; vgl. auch IV-act. 26,
31).
A.c.
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B.
Im Rahmen des von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevisionsverfahrens (vgl.
IV-act. 34) berichtete Dr. med. B._, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, der
neu zuständigen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, dass bei der Versicherten ein nach
bekannter Mamakarzinom-OP konsekutives Armlymphödem vorliege. Der Versicherten
sei die bisherige Tätigkeit zu 50% (4h/Tag) zumutbar (Bericht vom 26. September
2012, IV-act. 37). Die Hausärztin der Versicherten berichtete am 29. Oktober 2012,
dass die Versicherte wegen des stark ausgeprägten symptomatischen
Armlymphödems auf der rechten Seite zu 100% arbeitsunfähig sei (IV-act. 38).
B.a.
Vom 21. bis 28. Januar 2013 war die Versicherte im C._ zur Durchführung einer
Rekonstruktion beider Brüste hospitalisiert (IV-act. 50-6 ff., 65-12 ff.).
B.b.
Am 21. Februar 2013 wurde eine erneute Haushaltsabklärung durchgeführt. Die
Abklärungsperson gab im entsprechenden Bericht vom 13. März 2013 an, die
Versicherte würde gemäss eigener Aussage im Gesundheitsfall weiterhin keiner
Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie sei nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Ihr
Ehemann sei seit rund eineinhalb Jahren arbeitslos und beim RAV angemeldet (vgl. IV-
act. 44-2). Die Abklärungsperson notierte, dass die Versicherte bei der aktuellen
Abklärung nur noch Armbeschwerden angegeben habe. Unter Berücksichtigung der
Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht resultierten keine IV-relevanten
Einschränkungen mehr. Zudem sei die Tochter der Versicherten mittlerweile 13 Jahre
alt. Es erstaune, dass die Versicherte trotz einem im Jahr 2011 besuchten Deutschkurs
anlässlich der Abklärung vor Ort kein Wort geäussert habe und dass alles vom
Ehemann übersetzt worden sei. Da sich die Versicherte nie um Stellen bemüht habe,
sei es nachvollziehbar, dass sie heute ohne Behinderung keiner Erwerbstätigkeit
nachgehen würde. Die Abklärungsperson merkte jedoch an, dass der Ehemann in rund
sechs Monaten ausgesteuert sein werde, was für die Familie bei einem zusätzlichen
Wegfall der IV-Rente und der Ergänzungsleistungen eine finanzielle Härte bedeuten
werde (IV-act. 44-6). Die Abklärungsperson kam zum Schluss, dass die als zu 100% im
Haushalt tätig einzustufende Versicherte aufgrund der Verbesserung ihres
Gesundheitszustandes in keinem Bereich mehr eingeschränkt sei; ein Rentenanspruch
bestehe nicht mehr (IV-act. 44-8).
B.c.
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Am 27. März 2013 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Einstellung der
Invalidenrente an (IV-act. 47). Nachdem die Versicherte dagegen Einwand erhoben
hatte, holte die IV-Stelle bei den behandelnden Ärzten weitere Berichte ein. Die
Fachärzte des E._ berichteten am 16. April 2013 und 5. November 2013, dass keine
Beschwerden mehr vorhanden seien (IV-act. 53 und 56). Auch die Fachärzte der Klinik
F._ führten am 22. August 2013 aus, die Versicherte sei beschwerdefrei und brauche
keine Schmerzmittel mehr (IV-act. 58-5 f.). Die Radiologie und Radio-Onkologie des
G._ berichtete am 16. Dezember 2013, dass sich aus strahlentherapeutischer Sicht
keine Spätveränderungen ergeben hätten. Klinisch und anamnestisch bestehe kein
Anhalt für ein erneutes Tumorgeschehen (IV-act. 65-7 f.). Ein am 31. März 2014
durchgeführtes CT des Schädels und der HWS ergab eine unauffällige Schädelkalotte,
keine metastasenverdächtige Raumforderung, ein unauffälliges Neurokranium, eine
geringe Kyphosierung der mittleren HWS sowie eine unauffällige Darstellung der
Halsweichteile (IV-act. 70). Die Ärzte des D._ gaben am 7. April 2014 an, dass
anlässlich der postoperativen Verlaufskontrolle rund ein Jahr nach der Operation vom
22. Januar 2013 ausser einer Druckempfindlichkeit am Prothesenrand an der rechten
Brust keine Beschwerden mehr vorhanden seien. Die Arbeitsfähigkeit sei nicht
eingeschränkt. (IV-act. 63). Am 1. Juli 2014 berichteten die Ärzte der Frauenklinik des
G._, dass kein Anhalt für ein Lokalrezidiv bestehe (IV-act. 69).
B.d.
Der RAD notierte am 8. September 2014, dass aktuell ein stabiler Gesundheits
zustand vorliege. Der Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zum Oktober 2008
verbessert. Die Radiotherapie und diverse Brustkorrekturen bis hin zu einem ästhetisch
akzeptablen Resultat seien erfolgt. Das Lymphödem des rechten Arms sei nie mehr
erwähnt worden. Ein Lokalrezidiv und Fernmetastasen hätten ausgeschlossen werden
können. Damit bestehe kein Befund, der die Versicherte anhaltend und relevant in ihrer
Arbeitsfähigkeit einschränken würde. Im Haushalt lägen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine erheblichen Einschränkungen mehr vor (IV-act. 71).
B.e.
Am 30. September 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie aufgrund
der ergänzenden Abklärungen an ihrem Vorbescheid vom 27. März 2013 festhalte (IV-
act. 72). Am 21. Oktober 2014 verfügte die IV-Stelle die Einstellung der Invalidenrente
(IV-act. 74). Dagegen liess die Versicherte am 20. November 2014 Beschwerde
erheben und die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die weitere Ausrichtung
B.f.
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einer Viertelsrente beantragen (IV-act. 82). Am 23. Januar 2015 widerrief die IV-Stelle
ihre Verfügung vom 21. Oktober 2014 (IV-act. 94). Daraufhin schrieb das
Versicherungsgericht das Beschwerdeverfahren am 9. Februar 2015 ab (IV 2014/536;
IV-act. 104).
Im Rahmen der weiteren Abklärungen holte die IV-Stelle diverse Arztberichte ein,
so u.a. einen Bericht von Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie, vom 9. Januar 2015.
Dr. H._ hatte berichtet, dass die Armschmerzen der Versicherten am ehesten auf eine
Affektion des unteren Armplexus rechts zurückzuführen seien. Vermutlich sei es bei der
Axillarevision zu einer leichten Affektion des unteren Armplexus gekommen.
Zusätzliche negative Faktoren könnten auch das anschliessende ausgeprägte
Lymphödem sowie der Status nach der kombinierten Radio-/Chemotherapie gewesen
sein (IV-act. 122-12 f.). Am 24. Februar 2015 wurde im G._ eine laparoskopische
Hysterektomie mit einer Adnexektomie rechts durchgeführt. Im Rahmen der
Nachkontrolle vom 30. März 2015 hielten die behandelnden Ärzte ein postoperativ
schönes Ergebnis fest. Das ausgeprägte Lymphödem im Bereich des rechten Armes
bestehe weiterhin (IV-act. 114 ff.).
B.g.
Am 18. März 2015 führte die IV-Stelle eine weitere Haushaltsabklärung bei der
Versicherten zu Hause durch. Die zuständige Abklärungsperson hielt im
entsprechenden Bericht fest, dass die Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben
ohne die gesundheitliche Beeinträchtigung zu 50% einer Hilfsarbeit nachgehen würde.
Sie habe finanzielle Probleme und ihr Ehemann sei bei der Arbeitslosenkasse
ausgesteuert und habe keine neue Stelle gefunden. Zwischendurch habe er temporär
arbeiten können. Ihre Tochter sei bereits gross und selbständig. Die Versicherte gab
eine Einschränkung im Haushalt von insgesamt 100% an (IV-act. 110-3 ff.). Die
Abklärungsperson hielt in ihrer Stellungnahme fest, dass die Versicherte keine
relevante Veränderung des Gesundheitszustands geschildert habe, die sich auf die
Einschränkungen im Haushalt auswirken würde. Damit habe sich praktisch das gleiche
Ergebnis präsentiert wie bei der Abklärung vor Ort im Februar 2013. Die Versicherte
erleide im Haushalt keine Einschränkung. Die Schadenminderungs- und
Mitwirkungspflicht sei dem Ehemann anzurechnen. Weiter sei nachvollziehbar erklärt
worden, weshalb die Versicherte im Gesundheitsfall einer Arbeit im Umfang von 50%
B.h.
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C.
nachgehen würde. Damit sei die Qualifikationsänderung (50% Haushalt, 50% Erwerb)
zu berücksichtigen (IV-act. 110-7 ff.).
Mit einem Vorbescheid vom 28. Juli 2015 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
erneut die Einstellung der Invalidenrente an. Sie wies darauf hin, dass sie die
Versicherte als zu 50% im Haushalt und zu 50% erwerbstätig einstufe (IV-act. 126). Die
Versicherte liess am 21. September 2015 ein neurologisches Gutachten beantragen
(IV-act. 129). Am 15. Oktober 2015 verfügte die IV-Stelle die Aufhebung der
Invalidenrente gemäss der Ankündigung in ihrem Vorbescheid (IV-act. 131). Dagegen
liess die Versicherte am 9. November 2015 Beschwerde erheben (IV-act. 134).
Daraufhin widerrief die IV-Stelle am 14. Dezember 2015 die angefochtene Verfügung
(IV-act. 141). Am 18. Januar 2016 schrieb das Versicherungsgericht das
Beschwerdeverfahren ab (IV 2015/371; IV-act. 148).
B.i.
In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen. Dr. H._ berichtete der IV-
Stelle am 20. Januar 2016, dass die Versicherte durch das chronische
Schmerzsyndrom des rechten Armes an Einschränkungen mit einer deutlichen
Belastungsabhängigkeit und mit einer Schmerzzunahme schon bei geringster
Belastung leide. Selbst leichte Arbeiten seien nur in einem geringen Umfang
durchführbar. Als Hausfrau könne die Versicherte nur wenige und leichte Arbeiten
ausführen. Daher bestehe kaum eine verwertbare Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte
könne auch nicht längere Zeit sitzen und einfachere Tätigkeiten ausführen (IV-act. 150).
Im März 2017 wurde die Versicherte durch das Zentrum für Medizinische Begutachtung
(ZMB) Basel polydisziplinär (Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie, Gynäkologie,
Psychiatrie) begutachtet (Gutachten vom 8. Juni 2017; IV-act. 172). Die
Sachverständigen hielten fest, dass bei der Versicherten mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine sonstige depressive Episode, eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren und ein chronifiziertes Schmerzsyndrom
cervikobrachiocephal rechts sowie am linken Bein bestünden. Die Sachverständigen
führten zusammenfassend aus, anlässlich der interdisziplinären Abklärung hätten im
somatischen Bereich wenig aktuell fassbare pathologische Befunde erhoben werden
können, die das von der Versicherten beklagte Schmerzsyndrom zu erklären
C.a.
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vermöchten. Es bestehe der bekannte Status nach einer Mastektomie beidseits und
den Folgeoperationen. Das in den Akten beschriebene Lymphödem im Bereich des
rechten Armes sei äusserst diskret lediglich noch über dem Handrücken nachweisbar
gewesen. Auch für die übrigen von der Versicherten geklagten Schmerzen im Bereich
der Lappenentnahme im Bereich beider Knie hätten sich kaum objektivierbare Befunde
gefunden, die das Schmerzgeschehen zu erklären vermöchten. Demgegenüber habe
die Versicherte eine als mittelgradig eingeschätzte affektive Beeinträchtigung im Sinne
einer depressiven Episode, die durch eine ganz erhebliche somatoforme Überlagerung
gekennzeichnet sei, gezeigt. Auffällig sei die rezidivierende Affektinkontinenz mit
Weinkämpfen und einem deutlich depressiven Geschehen im Wechsel mit Klagen über
schwerste Schmerzen. Gynäkologisch sei die Versicherte aktuell tumorfrei. Die
neurologische Untersuchung habe eine Diskrepanz zwischen den ausgeprägten
Beschwerden und den spärlichen objektiv fassbaren Befunden ergeben. Konstanz,
Charakter und Intensität der Beschwerden ergäben zusammen mit den klinischen
Untersuchungsbefunden den starken Verdacht auf eine psychische Komponente, die
das Beschwerdebild wesentlich mitbestimme. Im orthopädischen Fachbereich habe
sich lediglich eine starke Druckdolenz im Narbenbereich gefunden. Die Schmerzen im
linken Bein hätten orthopädischerseits nicht objektiviert werden können. Die
Untersuchung des linken Hüft- und Kniegelenks sei unauffällig gewesen.
Internmedizinisch habe sich eine schwerste Fettstoffwechselstörung gezeigt.
Psychiatrisch habe die Versicherte ein affektives breites Spektrum mit rezidivierenden
Weinkrämpfen, tiefer Verzweiflung, Lustlosigkeit, Freudlosigkeit und Interessenlosigkeit
gezeigt. Es habe eine deutliche Störung des Selbstwertgefühls, Schuldgefühle und
deutliche Zukunftsängste bzw. Ängste vor einem Rezidiv der Erkrankung bestanden.
Die aktuelle depressive Episode sei als mittelgradig einzuschätzen; sie sei bisher
unbehandelt. Inkonsistenzen hätten insofern bestanden, als sich die von der
Versicherten beklagten intensivsten Schmerzen im Rahmen des Abklärungsgesprächs
in keinster Weise hätten objektivieren lassen. Die subjektive Einschätzung der
Leistungsunfähigkeit im Haushalt sei aufgrund des objektivierbaren Zustandsbilds nicht
nachvollziehbar. Hier bestehe eine Inkonsistenz; frühere Haushaltabklärungen hätten
auch nur eine teilweise oder gar keine Einschränkung im Haushalt ergeben. Unklar
bleibe auch, weshalb die Versicherte nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine
psychiatrische Behandlung begonnen habe. Gesamtmedizinisch betrachtet hätten im
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Wesentlichen die psychiatrischen Befunde Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Insgesamt seien die Angaben der Versicherten mit den klinischen Befunden nicht
vollständig in Übereinstimmung zu bringen. Auch seien die Angaben der Versicherten,
etwa die Suizidversuche, nicht weiter objektivierbar gewesen, da sich die Versicherte
nicht in Spitalbehandlung begeben und keine psychiatrische Behandlung in Anspruch
genommen habe. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Versicherten hielten die
Gutachter fest, dass die Versicherte bis anhin nie erwerbstätig, sondern nur im
Haushalt bzw. als Mutter tätig gewesen sei. Im Haushalt sei die Versicherte zu 70%
einsetzbar. Aus psychiatrischer Sicht sei eine Verlaufsbeurteilung schwierig, da die
Versicherte zeitweise schwer depressiv gewesen sei (dreimaliger Suizidversuch), in den
Akten aber keine Depression oder psychiatrische Behandlung erwähnt werde. Die
Hysterektormie und Adnexektomie habe bei der Versicherten zu einer Verschlechterung
des Gesundheitszustandes im Sinne des affektiven Leidens geführt, da es ihr dadurch
nicht möglich gewesen sei, weitere Kinder zu bekommen. Das Lymphödem am rechten
Arm sei nicht mehr vorhanden und die Versicherte habe im Jahre 2015 auch mit einer
Maltherapie begonnen. Der Gesundheitszustand habe sich daher seit circa Mitte 2015
kontinuierlich verbessert. Der Versicherten sei eine Erwerbstätigkeit im Pensum von
40% zumutbar, wobei sie nur einfache Tätigkeiten (wie beispielsweise im
Gastronomiebetrieb des Ehemannes mithelfen) ausüben könne. Die Sachverständigen
führten weiter aus, dass die Aufnahme einer Psychotherapie dringend indiziert sei. Die
Opiat-Behandlung müsse hingegen ernsthaft hinterfragt werden, da sich anamnestisch
und klinisch keine Argumente für ein neuropathisches Schmerzsyndrom gefunden
hätten. Die Arbeitsfähigkeit sei weiter steigerbar Die vom Hausarzt attestierten
Arbeitsunfähigkeiten seien retrospektiv schwierig zu werten, da davon auszugehen sei,
dass in der Beurteilung bio-psychosoziale Faktoren berücksichtigt worden seien (IV-
act. 172-60 ff.).
Am 3. und 4. Juli 2017 notierte der RAD, dass für die Gutachter aus somatischer
Sicht kein wesentlicher Gesundheitsschaden fassbar sei. Damit sei eine Verbesserung
des Gesundheitszustandes im Vergleich zum Referenzzeitpunkt im Jahr 2009
festzustellen. In somatischer Hinsicht könne auf das Gutachten abgestellt werden.
Diesbezüglich bestehe in einem adaptierten Tätigkeitsbereich im Erwerb oder im
Haushalt eine volle Arbeitsfähigkeit. In psychiatrischer Hinsicht sei die Beurteilung
C.b.
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sorgfältig begründet worden, weshalb das Ergebnis des psychiatrischen Teilgutachtens
übernommen werden könne. Aufgrund des dargestellten Krankheitsbildes könne auch
das mittelschwere Ausmass des Gesundheitsschadens nachvollzogen werden.
Zusammenfassend sei die Versicherte nach der gutachterlichen Einschätzung bei der
Hausarbeit maximal zu 30% eingeschränkt. In einer ausserhäuslichen Tätigkeit sei sie
"mehr" eingeschränkt, wobei sich der psychiatrische Gutachter nicht zu den
Einschränkungen in der ausserhäuslichen Tätigkeit geäussert habe (IV-act. 173).
Am 21. August 2017 hielt der IV-interne Rechtsdienst fest, dass aus
psychiatrischer Sicht fraglich sei, ob die im ZMB-Gutachten mit dem psychischen
Leiden begründete Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit einer rechtlichen Überprüfung
standhalte. Mit der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren liege ein psychosomatisches Leiden vor, dem es in einer
Gesamtbetrachtung am erforderlichen funktionellen Schweregrad fehle. Die
"Indikatorenprüfung" gemäss BGE 141 V 281 zeige weder im Komplex
Gesundheitsschaden noch im Komplex Persönlichkeit eine negative Beeinflussung.
Damit liege im Revisionszeitpunkt kein invalidisierender Gesundheitsschaden bzw.
keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit vor. Folglich sei ein
Revisionsgrund gegeben und die bisherige Viertelsrente sei aufzuheben (IV-act. 175).
C.c.
Am 26. August 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Aufhebung der
Invalidenrente in Aussicht. Sie führte aus, dass weder im Aufgabenbereich Haushalt
(50%) noch in einer Erwerbstätigkeit (50%) eine invalidenversicherungsrechtlich
relevante Arbeitsunfähigkeit bestehe (IV-act. 178). Dagegen liess die Versicherte am 29.
September 2017 einwenden, aufgrund des ZMB-Gutachtens stehe fest, dass sich ihr
Gesundheitszustand nicht wesentlich verbessert habe. Gestützt auf das ZMB-
Gutachten ergebe sich im Bereich Erwerb ein 30%iger Invaliditätsgrad und im Bereich
Haushalt ein 15%iger Invaliditätsgrad. Bei einem Invaliditätsgrad von insgesamt 45%
habe sie weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente (IV-act. 183).
C.d.
Am 24. Oktober 2017 verfügte die IV-Stelle die Aufhebung der laufenden Rente
gemäss ihrem Vorbescheid. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende
Wirkung. (IV-act. 184)
C.e.
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D.
Am 24. November 2017 liess die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung
vom 24. Oktober 2017 erheben. Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die weitere Ausrichtung einer Viertelsrente. Er führte
aus, der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin sei zu Unrecht davon ausgegangen,
dass es an einer relevanten psychischen Komorbidität fehle. Auch sei die soziale
Bezugsfähigkeit der Beschwerdeführerin erheblich eingeschränkt und sie verfüge nicht
über genügend Ressourcen. Zwar seien die Gutachter der Ansicht, dass die
Beschwerdeführerin aktuell durchaus einer psychotherapeutischen Behandlung
zugänglich sei, aber es sei nach wie vor von einer rentenrelevanten Arbeitsunfähigkeit
sowohl im Haushalts- als auch im Erwerbsbereich auszugehen. Dass die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Gutachtens nicht in einer psychotherapeutischen
Behandlung gewesen sei, bedeute keinesfalls, dass es offenkundig an einer
therapieresistenten invalidisierenden psychischen Störung und folglich an einer
relevanten psychischen Komorbidität fehle. Im Zeitpunkt des Gutachtens habe somit
eine psychiatrische Diagnose mit einem invalidisierenden Gesundheitsschaden
vorgelegen. Gestützt auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von insgesamt 45%. Damit habe die Beschwerdeführerin weiterhin
Anspruch auf eine Viertelsrente (act. G 1).
D.a.
Am 13. Februar 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die
Beschwerdeführerin im Vergleichszeitpunkt (Verfügung vom 23. April 2009) nicht
wegen ihrer Betreuungspflichten als Hausfrau qualifiziert worden sei, sondern wohl
familiäre Gründe für die Qualifizierung als Nichterwerbstätige eine relevante Rolle
gespielt hätten. Deshalb sei eine Aufhebung der Invalidenrente im Sinne von Art. 17
Abs. 1 ATSG allein zufolge eines Statuswechsels von "nichterwerbstätig" zu
"teilerwerbstätig" nicht EMRK-konform. Bezüglich des Statuswechsels bestehe also
kein Revisionsgrund. Fraglich sei, ob sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit der ursprünglichen Rentenzusprache verbessert habe. Aus
dem ZMB-Gutachten gehe hervor, dass in somatischer Hinsicht in adaptierten
Tätigkeiten im Erwerb und im Haushalt keine Einschränkungen vorlägen. Diesbezüglich
sei gegenüber dem Vergleichszeitpunkt im Jahr 2009 eine relevante Verbesserung des
D.b.
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Gesundheitszustandes eingetreten, da damals die Krebserkrankung für die Annahme
einer Einschränkung von 45% im Haushalt bestimmend gewesen sei. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe ein mittelgradig ausgeprägtes, bisher unbehandeltes
psychisches Leiden. Die Versicherte sei dadurch im Haushalt zu maximal 30% ein
geschränkt; in ausserhäuslichen Tätigkeiten bestehe eine 40%ige, steigerungsfähige
Arbeitsfähigkeit. Gemäss den Gutachtern sei bei der Durchführung einer
fachpsychiatrischen Behandlung mit einer Besserung der Beschwerden zu rechnen.
Unter diesen Umständen könne nicht von einer Behandlungsresistenz des psychischen
Leidens im Sinne des Scheiterns einer indizierten und lege artis durchgeführten
Therapie ausgegangen werden. Somit liege keine schwere, therapeutisch nicht mehr
angehbare psychische Störung mit invalidisierender Wirkung vor. Auch liege keine
erhebliche organische Begleiterkrankung vor und es bestünden keine Hinweise auf die
bei der Indikatorenprüfung gemäss BGE 141 V 281 im Komplex Persönlichkeit zu
prüfenden Merkmale. Im Rahmen der Konsistenzprüfung falle weiter ins Gewicht, dass
der orthopädische Sachverständige eine deutliche Inkonsistenz zwischen den
beklagten Beschwerden und den erhobenen Befunden festgestellt habe. In der
Gesamtbetrachtung fehle es am erforderlichen funktionellen Schweregrad der
psychischen Störungen. Die im ZMB-Gutachten attestierten Einschränkungen liessen
sich daher aus der Optik des Rechtsanwenders nicht erhärten. Damit sei das Vorliegen
eines medizinischen Revisionsgrundes zu bejahen. Bei einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit im Aufgabenbereich bestehe kein Rentenanspruch (act. G 4).
Am 3. April 2018 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen festhalten. Der
Rechtsvertreter brachte insbesondere vor, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt
der Revision zu 50% erwerbstätig gewesen wäre, hätte sie nicht an gesundheitlichen
Einschränkungen gelitten. Im Weiteren befinde sich die Beschwerdeführerin seit dem
10. Juli 2017 in einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
und sie erhalte Psychopharmaka (act. G 8). Der Rechtsvertreter reichte ein Schreiben
des I._ vom 22. März 2018 ein, in dem der Beschwerdeführerin eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war (act. G 8.2).
D.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 10).D.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
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Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Invalidenrente der
Beschwerdeführerin zu Recht eingestellt hat. Bei der angefochtenen Verfügung vom
24. Oktober 2017 handelt es sich unstreitig um eine Revisionsverfügung im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 ATSG, wobei das Revisionsverfahren im Jahr 2012 von Amtes wegen
aufgenommen worden ist (Revisionsfragebogen vom August 2012; vgl. IV-act. 34).
1.1.
Eine versicherte Person hat gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid ist. Ändert sich der Invaliditätsgrad eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit
der Zusprache der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Anspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist daher nicht nur bei einer wesentlichen
Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern etwa auch dann zu revidieren, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben oder eine andere Methode der
Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt. Hingegen ist die lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im
revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der
Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine
anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht. Ist eine anspruchserhebliche Änderung des
Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem
Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (vgl. BGE 141 V
9 E. 2.3 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011,
9C_418/2010 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
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2.
Zunächst ist demnach zu prüfen, ob seit der ursprünglichen Rentenzusprache vom
23. April 2009 eine rentenrelevante Änderung eingetreten ist, ob also ein
Revisionsgrund vorgelegen hat. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss Art.
28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund geblieben wäre. Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich
tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden
kann, wird laut Art. 28a Abs. 2 IVG für die Bemessung der Invalidität in Abweichung
von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Umfang sie unfähig geworden sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und
teilweise im Aufgabenbereich tätig gewesen sind, wird der Invaliditätsgrad für beide
Bereiche nach der jeweiligen Methode berechnet; die Teilinvaliditätsgrade werden nach
den Anteilen der Bereiche „gewichtet“ und dann addiert (gemischte Methode; Art. 28a
Abs. 3 IVG i.V.m. Art. 27 Abs. 2 bis 4 IVV).
2.1.
bis
2.2.
In der ursprünglichen Rentenzusprache vom 23. April 2009 (Viertelsrente mit
Rentenbeginn 1. November 2008) hatte die damals zuständige IV-Stelle des Kantons
Thurgau die Beschwerdeführerin als zu 100% im Haushalt tätig qualifiziert und
Einschränkungen im Umfang von 45% angenommen (IV-act 24). Im Rahmen des
Revisionsverfahrens hat die (nach einem Wohnortswechsel der Beschwerdeführerin
nun zuständige) Beschwerdegegnerin mehrere Haushaltsabklärungen durchgeführt. Bei
der Abklärung im März 2015 hat die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie im
hypothetischen Gesundheitsfall zu 50% im Erwerb und zu 50% im Haushalt tätig wäre.
Dies hat sie mit finanziellen Problemen sowie damit begründet, dass ihre 2002
geborene Tochter "bereits gross und selbständig" sei (vgl. IV-act. 110-3). Die
zuständige Abklärungsperson hat die Aussage der Versicherten als überzeugend
erachtet (IV-act. 110-7). Die Beschwerdegegnerin hat dann gestützt darauf die
Bemessungsmethode geändert und auf die neue Qualifikation der Beschwerdeführerin
als zu 50% Teilerwerbstätige und im Übrigen im eigenen Haushalt Tätige abgestellt.
Damit ist die Beschwerdegegnerin der Auffassung des Bundesgerichtes gefolgt, laut
der bei der Beantwortung der Frage nach der Erwerbsquote einer versicherten Person
2.2.1.
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im fiktiven "Gesundheitsfall" ausschliesslich auf deren Aussage abzustellen ist. Das
ergibt sich nach der Auffassung des Bundesgerichts aus einer (den klaren
Gesetzeswortlaut ["...denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann..."]
ignorierenden) richtigen Interpretation des Art. 8 Abs. 3 ATSG (vgl. BGE 133 V 477).
Damit geht das Bundesgericht von einer absoluten Überzeugungskraft der Aussage
einer versicherten Person zur fiktiven Erwerbsquote im fiktiven "Gesundheitsfall" aus,
ohne dies beweisrechtlich begründen zu können. Der nach der Auffassung des
Bundesgerichts richtigen Interpretation des Art. 8 Abs. 3 ATSG lässt sich das jedenfalls
offensichtlich nicht entnehmen. Keine Aussage einer versicherten Person zu einem sie
selbst betreffenden Sachverhalt kann immer absolut überzeugend sein. Wie bei allen zu
erhebenden Sachverhalten ist auch bei der Beantwortung der Frage nach der fiktiven
Erwerbsquote einer versicherten Person im fiktiven Gesundheitsfall das allgemeine
Beweisrecht anzuwenden. Die Aussage der versicherten Person ist ebenso wie alle
anderen Beweismittel kritisch und sorgfältig zu würdigen. Die Aussage einer
versicherten Person zur fiktiven Erwerbsquote im fiktiven Gesundheitsfall ist also auf
ihre Überzeugungskraft hin zu überprüfen, auch wenn ein fiktiver Sachverhalt
naturgemäss nicht bewiesen, sondern nur plausibel gemacht werden kann. Im
Zusammenhang mit der fiktiven Erwerbsquote im fiktiven Gesundheitsfall ist zu
beachten, dass diese Fiktion auf realen und damit beweisbaren Sachverhaltselementen
aufbaut. Real sind insbesondere die familiäre und die finanzielle Situation der
versicherten Person. Der Wahrheitsgehalt der Aussage zur fiktiven Erwerbsquote im
fiktiven Gesundheitsfall muss also anhand der realen Sachverhaltselemente geprüft
werden.
Die Beschwerdeführerin hat angegeben, sie ginge im fiktiven Gesundheitsfall zu
50% einer Erwerbstätigkeit nach. Die Beschwerdeführerin hat im fraglichen Zeitraum
zwischen der Eröffnung des Rentenrevisionsverfahrens im Jahr 2012 und dem Erlass
der angefochtenen Revisionsverfügung mit ihrem Ehemann und ihrer 2002 geborenen
Tochter zusammen in einem Haushalt gelebt. Sie hat keinen Beruf erlernt und hätte
deshalb nur als Hilfsarbeiterin erwerbstätig sein können. Ihr Ehemann ist seit ca.
August 2012 nicht mehr erwerbstätig gewesen; zum Zeitpunkt der Haushaltsabklärung
vom März 2015 ist er bei der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert gewesen (vgl. IV-
act. 44-2, 44-6, 110-3). Seitdem hat er Sozialhilfeleistungen bezogen (vgl. IV-act. 81,
90, 110-3). Zwei Versuche des Ehemannes, einer selbständigen Erwerbstätigkeit
nachzugehen, sind in den Jahren 2015 und 2017 gescheitert (vgl. IV-act. 179 f.). Ihrer
Aussage gemäss hätte die Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitraum also bei
einer Erwerbsquote von 50% einen halben Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt und damit den
2.2.2.
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3.
Lebensunterhalt ihrer dreiköpfigen Familie bestritten. Da ein halber
Hilfsarbeiterinnenlohn dafür aber offensichtlich nicht ausgereicht hätte, muss die
Beschwerdeführerin davon ausgegangen sein, dass ihre Familie im Umfang des zur
Deckung des Lebensunterhalts notwendigen zusätzlichen Betrages
Sozialhilfeleistungen erhalten hätte. Da die Sozialhilfe höchstwahrscheinlich darauf
bestanden hätte, dass die Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall einer
100%igen Erwerbstätigkeit nachgehe, beruht die Aussage der Beschwerdeführerin zu
ihrer fiktiven Erwerbsquote offensichtlich auf der falschen Annahme, dass die
Sozialhilfeleistungen in einem entsprechend reduzierten Umfang weitergeflossen
wären. Damit vermag die Aussage der Beschwerdeführerin, sie wäre im fiktiven
Gesundheitsfall fiktiv zu 50% erwerbstätig gewesen, offensichtlich nicht zu
überzeugen. Da die Tochter zu Beginn des Revisionsverfahrens im Jahr 2012 bereits
zehn Jahre und im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung bereits
fünfzehn Jahre alt gewesen ist, hätten einer Vollerwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin nämlich keine Betreuungspflichten entgegengestanden. Zudem
hätten solche Pflichten auch vom Ehemann der Beschwerdeführerin erfüllt werden
können. Weil die Nachteile der sogenannten gemischten Methode der
Invaliditätsbemessung spätestens im Beschwerdeverfahren offenkundig geworden
sind, wird eine erneute Befragung der Beschwerdeführerin keine überzeugendere
Aussage zur fiktiven Erwerbsquote im fiktiven Gesundheitsfall liefern. Damit liegt aber
keine materielle Beweislosigkeit vor, denn die realen Sachverhaltselemente lassen es
ohne Weiteres zu, die plausible fiktive Erwerbsquote im fiktiven Gesundheitsfall zu
ermitteln: Die Beschwerdeführerin ist weder durch Betreuungspflichten noch durch
anderweitige Umständen daran gehindert gewesen, vollzeitlich einer Hilfstätigkeit
nachzugehen. Angesichts der finanziellen Situation der Familie wäre ihr gar nichts
anderes übriggeblieben, als vollzeitlich zu arbeiten. Die fiktive Erwerbsquote der
Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall hat im massgebenden Zeitraum also
100% betragen.
Zusammenfassend hat sich der Status der Beschwerdeführerin von einer zu
100% im Haushalt tätigen zu einer zu 100% erwerbstätigen Person geändert. Damit ist
die Invalidität nicht mehr mittels eines reinen Betätigungsvergleichs, sondern mittels
eines reinen Einkommensvergleichs zu bemessen.
2.2.3.
Nachdem die Beschwerdeführerin neu als Vollerwerbstätige einzustufen ist,
besteht nicht nur die Möglichkeit einer Rentenherabsetzung oder (wie von der
Beschwerdegegnerin verfügt) einer Renteneinstellung, sondern auch die Möglichkeit
3.1.
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einer revisionsweisen Erhöhung der Invalidenrente. Gemäss Art. 88 Abs. 1 lit. b IVV
erfolgt die Erhöhung der Rente bei einer Revision von Amtes wegen von dem für diesen
vorgesehenen Monat an, hier also ab dem Monat, in dem der Beschwerdeführerin der
Revisionsfragebogen zugestellt worden ist. Dieser Fragebogen ist im Jahr 2012
zugestellt worden (retourniert im August 2012, vgl. IV-act. 34). Um über die
revisionsweise Änderung der Invalidenrente entscheiden zu können, muss der
massgebende Sachverhalt also für die gesamte Dauer des Revisionsverfahrens (also
ab dem Jahr 2012 bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung im Oktober 2017)
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen.
bis
Das ausschlaggebende Element des Einkommensvergleichs ist in den meisten
Fällen die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person (i.d.R. bezogen auf eine
behinderungsadäquate Erwerbstätigkeit). Zur Beantwortung der Frage nach der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin eine
polydisziplinäre Abklärung durchführen lassen. Das entsprechende Gutachten (ZMB-
Gutachten vom 8. Juni 2017, IV-act. 172). beruht auf fachärztlichen internistischen,
psychiatrischen, orthopädischen, neurologischen, und gynäkologischen
Untersuchungen und ist in Kenntnis der medizinischen Vorakten (vgl. S. 4-15 des
Gutachtens) erstellt worden. Die Gutachter haben sich umfassend mit den von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden auseinandergesetzt und detaillierte
objektive Befunde erhoben. Insgesamt zeugen die Erhebung von fachspezifischen
Anamnesen und die Darlegung der objektiven Befundlage unter Einbezug der
subjektiven Beschwerden von einer sorgfältigen somatischen und psychiatrischen
Abklärung. Die beteiligten Sachverständigen haben ihre Diagnosen begründet. Die
Sachverständigen sind aufgrund ihrer umfassenden Untersuchungen zum
nachvollziehbaren Schluss gelangt, dass im somatischen Bereich wenig aktuell
fassbare pathologische Befunde hätten erhoben werden können. In internistischer und
orthopädischer Hinsicht haben die Sachverständigen keine Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit bzw. keine wesentliche Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin gestellt (vgl. IV-act. 172-24, 172-30). Der gynäkologische
Gutachter hat die Schmerzen der Beschwerdeführerin im rechten Arm im geklagten
Ausmass als schwer erklärbar bezeichnet (IV-act. 172-47). Auch der neurologische
Gutachter hat eine Diskrepanz zwischen den geklagten ausgeprägten Beschwerden
und den spärlichen objektiv fassbaren Befunden festgestellt. Er hat plausibel dargelegt,
dass der Charakter, die Intensität und die Ausdehnung der Beschwerden zusammen
mit den klinischen Untersuchungsbefunden den starken Verdacht auf eine psychische
Komponente ergäben (IV-act. 172-42). Bei der Beschwerdeführerin hat die psychische
Beschwerdeproblematik im Vordergrund gestanden (insb. IV-act. 172-64). Der
3.2.
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psychiatrische Gutachter hat dargelegt, dass die Beschwerdeführerin ein affektives
breites Spektrum mit rezidivierenden Weinkrämpfen, tiefer Verzweiflung, Lustlosigkeit,
Freudlosigkeit und Interessenlosigkeit gezeigt habe. Er hat eine deutliche Störung des
Selbstwertgefühls, Schuldgefühle und deutliche Zukunftsängste bzw. Ängste vor einem
Rezidiv der Erkrankung festgestellt. Zusammenfassend hat der psychiatrische
Gutachter in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge schlüssig begründet,
dass die aktuelle depressive Episode als mittelgradig einzuschätzen sei. Dabei seien
allerdings gewisse Angaben der Beschwerdeführerin, etwa zu den Suizidversuchen,
nicht weiter objektivierbar gewesen, da die Beschwerdeführerin sich nicht in
Spitalbehandlung begeben habe und da sie keine psychiatrische Behandlung in
Anspruch genommen habe (IV-act. 172-54 ff., 172-63, 172-65). In den Akten finden
sich keine Anhaltspunkte dafür, dass der psychiatrische Sachverständige bei seiner
Beurteilung objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt hätte. Insbesondere
hat er sich mit den von der Rechtsprechung ausgearbeiteten Standardindikatoren (BGE
141 V 281) und dabei insbesondere mit den objektiven Einschränkungen und
Ressourcen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.4.1
f.; IV-act. 172-54 ff.). Ein medizinisches Gutachten, das noch gestützt auf die frühere
Auffassung des Bundesgerichts eingeholt worden ist, verliert nicht per se seinen
Beweiswert, führt also nicht zwangsläufig zu einer erneuten Begutachtung oder zu
anderen abklärungsrechtlichen Massnahmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18.
Mai 2017, 8C_842/2016, E. 5.2.1 mit Hinweisen). Entscheidend ist, ob die
Ausführungen der Gutachter genügen, um die Kriterien gemäss dem vom
Bundesgericht geschaffenen Katalog als erfüllt zu erachten. Diese Frage ist zu bejahen.
Zu prüfen bleibt, ob die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung ebenfalls zu
überzeugen vermag. Für den anspruchsrelevanten Zeitraum ab dem Jahr 2012 (vgl.
vorstehende E. 3.1) bis zum Zeitpunkt der Begutachtung im März 2016 ist dem
Gutachten - ausser dem Hinweis auf eine kontinuierliche Steigerung der
Arbeitsfähigkeit ab ca. Mitte 2015 - keine Arbeitsfähigkeitsschätzung zu entnehmen.
Die Gutachter haben diesbezüglich festgestellt, dass die vom Hausarzt attestierten
Arbeitsunfähigkeiten retrospektiv schwierig zu werten seien, da davon auszugehen sei,
dass in der Beurteilung bio-psychosoziale Faktoren berücksichtigt worden seien (IV-
act. 172-67). Aufgrund des Fehlens von fachspezifischen psychiatrischen Vorberichten
(IV-act. 172-58) haben die Gutachter auch keine psychiatrische Verlaufsbeurteilung
vornehmen können. Folglich fehlt es hinsichtlich der Frage, ob und gegebenenfalls in
welchem Ausmass die Beschwerdeführerin seit 2012 bis zum Zeitpunkt der
Begutachtung im Erwerb arbeitsunfähig gewesen ist, an überzeugenden echtzeitlichen,
fachärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen. Da rückwirkende Ermittlungen bei dieser
3.3.
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Sachlage in antizipierender Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157, E. 1d) als
aussichtslos zu erachten sind, liegt für diesen Zeitraum eine objektive Beweislosigkeit
hinsichtlich einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit vor, deren Nachteil die
Beschwerdeführerin zu tragen hat (vgl. den im Sozialversicherungsrecht lückenfüllend
anwendbaren Art. 8 ZGB). Für den Begutachtungszeitpunkt (März 2016) sind die
Gutachter zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin im Erwerb lediglich
zu 40% arbeitsfähig sei, während sie im Haushalt zu 70% einsetzbar sei. Dabei haben
sie festgehalten, dass die Beschwerdeführerin "ausser Haus" leichte Tätigkeiten, etwa
im Rahmen einer Mithilfe im damals noch bestehenden Gastronomiebetrieb des
Ehemannes, ausführen könne. Das Pensum sei auch weiter steigerbar (IV-act. 172-65
f.). Die deutlich höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Erwerb im Vergleich zur
Arbeitsfähigkeit im eigenen Haushalt haben die Gutachter nicht begründet. Darüber
hinaus ist fraglich, ob es sich mit Blick auf die psychischen Einschränkungen und
insbesondere das affektive Zustandsbild der Beschwerdeführerin bei einer Tätigkeit in
der Gastronomie um eine leidensadaptierte Tätigkeit handelt. Die Beschwerdeführerin
könnte wohl lediglich als Hilfsarbeiterin in der Küche eingesetzt werden.
Küchenarbeiten erscheinen (insbesondere in einem Take-away-Betrieb) aufgrund des
hohen Stresslevels und aufgrund der notwendigen Anpassungsfähigkeit als mit dem
psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin kaum vereinbar. Dies weckt
erhebliche Zweifel daran, dass die Gutachter bei ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung
tatsächlich von einer (insbesondere psychisch) adaptierten Hilfstätigkeit ausgegangen
sind.
Da die Gutachter möglicherweise von einer nicht-adaptierten Erwerbstätigkeit
ausgegangen sind und da sie keine überzeugende Begründung für den
Arbeitsfähigkeitsgrad von lediglich 40% geliefert haben, vermag ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung (40%) nicht zu überzeugen. Der Arbeitsfähigkeitsgrad der
Beschwerdeführerin im Begutachtungszeitpunkt (März 2016) ist folglich nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt. Anders als
für den Zeitraum vor der Begutachtung, in welchem von rückwirkenden Abklärungen
aufgrund der fehlenden echtzeitlichen Facharztberichte keine neuen,
entscheidwesentlichen Erkenntnisse zu erwarten sind, erscheint eine weitere Abklärung
zur Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Begutachtungszeitpunkt nicht als aussichtslos. Da die Beschwerdegegnerin es
unterlassen hat, die Unsicherheit in Bezug auf die behinderungsadäquate Hilfstätigkeit
zu beseitigen und eine überzeugende Begründung für den Arbeitsfähigkeitsgrad von
40% einzufordern, erweist sich der massgebliche medizinische Sachverhalt als
unzureichend abgeklärt. Die angefochtene Revisionsverfügung ist deshalb in
3.4.
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4.