Decision ID: 3f4d607a-e024-44c9-bd86-240f18779e36
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz (Unterhaltsbeiträge)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Uster vom 29. August 2011 (EE100178)
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Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am  Uster vom 29. August 2011 (Urk. 41)
Es wird verfügt:
1. Die Parteien werden zum Getrenntleben berechtigt erklärt und es wird davon
Vormerk genommen, dass die Parteien seit dem 30. Juni 2010 getrennt leben.
2. Das aus der Ehe der Parteien hervorgegangene Kind C._, geboren am
tt.mm.2007, wird für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Klägerin
gestellt.
3. Der Beklagte wird für die Dauer des Getrenntlebens berechtigt erklärt, die Toch-
ter C._
- jeweils am Montag- bis Mittwochabend und jedes zweite Wochenende
der ungeraden Kalenderwochen jeweils von Freitag, 18.00 Uhr bis Mon-
tag, 08.00 Uhr (Übergabe an Krippe),
- ferner am 2. Weihnachtstag (26. Dezember) und in den Jahren mit gera-
der Jahreszahl über die Osterfeiertage (Ostersamstag bis und mit Oster-
montag) und in Jahren mit ungerader Jahreszahl über die Pfingstfeier-
tage (Pfingstsamstag bis und mit Pfingstmontag),
auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
Weiter wird der Beklagte für berechtigt erklärt, die Tochter C._ jährlich
während 2 Wochen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu
nehmen. Das Ferienbesuchsrecht ist der Klägerin zwei Monate im Voraus an-
zukündigen.
4. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin rückwirkend ab 1. Juli 2010 für die
Dauer des Getrenntlebens monatliche Unterhaltsbeiträge von insgesamt
Fr. 3'650.– zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen, nämlich Fr. 1'650.– für die
Klägerin persönlich und Fr. 2'000.– zuzüglich allfällige gesetzliche oder vertrag-
liche Kinderzulagen für das Kind C._.
Vom Beklagten bereits geleistete Unterhaltsbeiträge sind ihm an die zu leisten-
den Unterhaltsbeiträge anzurechnen. Die laufenden Unterhaltsbeiträge sind
zahlbar jeweils im Voraus auf den ersten eines jeden Monats.
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5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'200.--.
6. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
7. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen.
8. Der Antrag der Klägerin auf Bezahlung eines Prozesskostenvorschusses durch
den Beklagten wird abgewiesen.
9. (Mitteilung)
10. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
Des Beklagten und Berufungsklägers:
Urk. 40 S. 2:
" Es sei in Abänderung von Disp. Ziff. 4 Abs. 1 der Verfügung vom 29.08.2011 der Beklagte zu monatlichen Unterhaltsbeiträgen von insgesamt CHF 3'000.00 (statt CHF 3'650.00) zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen [recte: zu verpflichten],  CHF 1'500.00 für die Klägerin persönlich und CHF 1'500.00 zuzüglich allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind C._;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten der Berufungsbeklagten."
Urk. 47 S. 2:
" 1. Es sei dem Berufungskläger die unentgeltliche Rechtspflege sowie die  Rechtsverbeiständung in der Person des Unterzeichners zu .
2. Die mit Verfügung des Obergerichts des Kantons Zürich vom 3. Oktober 2011 angesetzte Frist von 10 Tagen zu Bezahlung des Kostenvorschusses von Fr. 3'000.– sei demzufolge abzunehmen."
Urk. 51 S. 2:
" Es sei der erhobenen Berufung des Berufungsklägers vom 8. September 2011  das Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 29. August 2011 die aufschiebende Wirkung zu erteilen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten der Berufungsbeklagten."
Urk. 54 S. 2:
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" Es sei in Abänderung von Disp. Ziff. 4 Abs. 1 der Verfügung vom 29.08.2011 der Beklagte bis 30. November 2011 zu monatlichen Unterhaltsbeiträgen von insgesamt CHF 3'000.00 (statt CHF 3'650.00) zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen [recte: zu verpflichten], nämlich CHF 1'500.00 für die Klägerin persönlich und CHF 1'500.00 zuzüglich allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind C._;
Es sei in Abänderung von Disp. Ziff. 4 Abs. 1 der Verfügung vom 29.08.2011 der Beklagte ab 1. Dezember 2011 zu monatlichen Unterhaltsbeiträgen von insgesamt CHF 2'000.00 (statt CHF 3'650.00) zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen [recte: zu verpflichten], nämlich CHF 500.00 für die Klägerin persönlich und CHF 1'500.00  allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind C._;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten der Berufungsbeklagten."
Urk. 68 S. 2:
" Es sei in Abänderung von Disp. Ziff. 4 Abs. 1 der Verfügung vom 29.08.2011 der Beklagte zu verpflichten, bis 30. November 2011 monatliche Unterhaltsbeiträge von insgesamt CHF 3'000.00 (statt CHF 3'650.00) zuzüglich Kinderzulagen zu , nämlich CHF 1'500.00 für die Klägerin persönlich und CHF 1'500.00 zuzüglich allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind C._;
Es sei in Abänderung von Disp. Ziff. 4 Abs. 1 der Verfügung vom 29.08.2011 der Beklagte zu verpflichten, ab 1. Dezember 2011 bis 15. April 2012 monatliche  von insgesamt CHF 2'000.00 (statt CHF 3'650.00) zuzüglich  zu bezahlen, nämlich CHF 500.00 für die Klägerin persönlich und CHF 1'500.00 zuzüglich allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind C._;
Es sei in Abänderung von Disp. Ziff. 4 Abs. 1 der Verfügung vom 29.08.2011 der Beklagte zu verpflichten, ab 16. April 2012 monatliche Unterhaltsbeiträge von  CHF 3'000.00 (statt CHF 3'650.00) zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen, nämlich CHF 1'500.00 für die Klägerin persönlich und CHF 1'500.00 zuzüglich  gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind C._;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zulasten der Berufungsbeklagten."
Der Klägerin und Berufungsbeklagten (Urk. 64 S. 2):
" 1. Es sei die Berufung abzuweisen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten und Berufungsklägers.
Prozessanträge:
1. Es sei der Klägerin und Berufungsbeklagten die unentgeltliche  mit dem Unterzeichnenden als unentgeltlichem Rechtsbeistand zu .
2. Es sei dem Beklagten und Berufungskläger die unentgeltliche  nicht zu gewähren.
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3. Es sei der Beklagte und Berufungskläger zu verpflichten, dem Gericht die Detail-Auszüge der Bankkonten D._-Privatkonto ... sowie E._-Konto ... für die Monate Januar bis März 2012 einzureichen.
4. Es sei der Beklagte und Berufungskläger zu verpflichten, dem Gericht Belege über den Forderungsgrund gegenüber Frau F._ sowie Quittungen über geleistete Zahlungen an Frau F._ im behaupteten Umfang ."

Erwägungen:
1. Sachverhalt / Prozessgeschichte
1.1. Mit Eingabe vom 30. Dezember 2010 machte die Klägerin und Berufungs-
beklagte (fortan Klägerin) bei der Vorinstanz ein Eheschutzverfahren anhängig
(vgl. Urk. 1). Mit Verfügung vom 29. August 2011 entschied die Vorinstanz ge-
mäss vorstehend wiedergegebenem Dispositiv (Urk. 41).
1.2. Mit fristgerechter Eingabe vom 8. September 2011 erhob der Beklagte und
Berufungskläger (fortan Beklagter) Berufung gegen die Verfügung der Vorinstanz
vom 29. August 2011 (Urk. 40). Bezüglich der weiteren Prozessgeschichte kann
auf die Verfügung der erkennenden Kammer vom 22. Dezember 2011 (Urk. 53
S. 2 f.) verwiesen werden.
1.3. Am 3. April 2012 erstattete die Klägerin innert der ihr mit Verfügung vom
28. März 2012 (Urk. 60) angesetzten Frist Berufungsantwort (Urk. 64).
1.4. Mit Vorladung vom 3. April 2012 wurden die Parteien zur Vergleichsverhand-
lung auf den 3. Mai 2012 vorgeladen (Urk. 63).
1.5. Mit Verfügung vom 10. April 2012 (Urk. 66) wurde dem Beklagten Frist an-
gesetzt, um zu den von der Klägerin neu eingereichten Unterlagen und neu auf-
gestellten Behauptungen sowie zu ihrem Gesuch um Bewilligung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes
Stellung zu nehmen, welcher Aufforderung der Beklagte mit Eingabe vom 26. Ap-
ril 2012 innert der einmal erstreckten Frist (vgl. Urk. 67) nachkam und ausserdem
seine Berufungsanträge erneut abänderte (Urk. 68).
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2. Vergleich
2.1. Anlässlich der Vergleichsverhandlung vom 3. Mai 2012 schlossen die Par-
teien unter Mitwirkung des Gerichts folgende Vereinbarung (Urk. 72, Prot. S. 10):
"1. Die Parteien beantragen gemeinsam, Dispositivziffer 4 der Verfügung
des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Uster
vom 29. August 2011 sei wie folgt abzuändern:
"Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin rückwirkend ab 1. Juli 2010 bis zum 30.  2011 monatliche Unterhaltsbeiträge von insgesamt Fr. 3'650.– zuzüglich allfälli-
ge Kinderzulagen zu bezahlen, nämlich Fr. 1'650.– für die Klägerin persönlich und
Fr. 2'000.– zuzüglich allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind
C._.
Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin vom 1. Dezember 2011 bis zum 15. April
2012 monatliche Unterhaltsbeiträge von insgesamt Fr. 2'000.– zuzüglich Kinderzulagen
zu bezahlen, nämlich Fr. 500.– für die Klägerin persönlich und Fr. 1'500.– zuzüglich all-
fällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind C._.
Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin ab 16. April 2012 für die Dauer des Getrennt-
lebens monatliche Unterhaltsbeiträge von insgesamt Fr. 3'650.– zuzüglich Kinderzula-
gen zu bezahlen, nämlich Fr. 1'650.– für die Klägerin persönlich und Fr. 2'000.– zuzüg-
lich allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen für das Kind C._.
Der Beklagte verpflichtet sich, der Klägerin jeweils bis Ende Januar des Folgejahres
(erstmals Ende Januar 2013) seinen Lohnausweis für das vergangene Jahr zuzustellen
und ihr die Hälfte des darauf ausgewiesenen Bonus auszubezahlen.
Vom Beklagten bereits geleistete Unterhaltsbeiträge sind ihm an die zu leistenden Un-
terhaltsbeiträge anzurechnen. Die laufenden Unterhaltsbeiträge sind zahlbar jeweils im
Voraus auf den ersten eines jeden Monats."
2. Im Übrigen zieht der Beklagte seine Berufung zurück.
3. Die Parteien übernehmen die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens
je zur Hälfte und verzichten für das Berufungsverfahren gegenseitig auf
Parteientschädigung.
4. Die Parteien ziehen ihre jeweiligen Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege zurück."
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2.2. Das Rechtsmittelverfahren steht unter der Herrschaft der am 1. Januar 2011
in Kraft getretenen Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO, SR 272; Art. 405
Abs. 1 ZPO). Eine Parteivereinbarung hat in Kinderbelangen, die der Offizialma-
xime unterstehen, lediglich die Bedeutung übereinstimmender Parteianträge
(Art. 296 Abs. 3 ZPO).
2.3. Die von den Parteien beantragte Abänderung des vorinstanzlichen Ent-
scheides bezüglich Kinderbelange beschlägt einzig die Periode zwischen dem
1. Dezember 2011 und dem 15. April 2012, während welcher der Beklagte unbe-
strittenermassen arbeitslos war und eine Arbeitslosenentschädigung von durch-
schnittlich Fr. 7'500.– monatlich bezog (vgl. Urk. 56/2). Seine Leistungsfähigkeit
während dieser Zeit betrug bei einem Bedarf von Fr. 5'615.– (Bedarfsberechnung
gemäss Vorinstanz [vgl. Urk. 41 S. 8 f.] abzüglich der Schulden, da das Gesamt-
einkommen der Parteien ansonsten nicht zur Deckung der Existenzminima aus-
reicht) Fr. 1'885.–. Der Klägerin und der Tochter C._ verbleibt während die-
ser Periode bei einem Einkommen der Klägerin von Fr. 4'734.– und einem Bedarf
von Fr. 6'810.– (Bedarfsberechnung ebenfalls gemäss Vorinstanz abzüglich der
Schulden; vgl. Urk. 41 S. 8 f.) ein Manko von Fr. 2'076.–. Der Beklagte beantragt
im Berufungsverfahren, die Unterhaltsbeiträge für die Zeit seiner Arbeitslosigkeit
auf insgesamt Fr. 2'000.– zu senken, wobei Fr. 1'500.– zuzüglich allfälliger ge-
setzlicher oder vertraglicher Kinderzulagen für C._ und Fr. 500.– für die Klä-
gerin persönlich bestimmt seien. Diese Regelung erscheint angemessen. Die
marginalen Unterdeckungen während dieser kurzen Zeit (Fr. 115.– monatlich
beim Beklagten und Fr. 76.– monatlich bei der Klägerin und C._) lassen sich
durch den von der Vorinstanz errechneten Freibetrag in der Periode vor dem
1. Dezember 2011 von insgesamt Fr. 717.– pro Monat (Urk. 41 S. 13), welcher im
Verhältnis 1/3 (Beklagter) zu 2/3 (Klägerin) aufgeteilt wurde, hinlänglich kompen-
sieren. Aus dem Ausgeführten ergibt sich, dass das Wohl des Kindes keine ande-
re Regelung erfordert und die Vereinbarung – soweit Kinderbelange betroffen sind
– genehmigt werden kann bzw. die entsprechenden autoritativen Anordnungen
getroffen werden können.
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2.4. Ein Vergleich hat die Wirkung eines rechtskräftigen Entscheides (Art. 241
Abs. 2 ZPO). Der Prozess ist demzufolge im Übrigen abzuschreiben (Art. 241
Abs. 3 ZPO), unter vereinbarungsgemässer Regelung der Kosten- und Entschä-
digungsfolgen. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist gestützt auf § 5
Abs. 1, § 6 Abs. 2 lit. b, § 8 Abs. 1, § 10 Abs. 1 sowie § 12 Abs. 1 und 2 der Ge-
bührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG) auf
Fr. 1'500.– festzulegen.