Decision ID: e6bd3257-01df-4d3b-9f91-cfc2b24777a8
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973,
zog sich
am 25. August 1997
bei ei
nem Auffahr-
Unfall
ein Hyperflexionstraum
a
der Halswirbelsäule (HWS) zu (
Urk.
6/1 S. 5 Mitte;
Urk.
6/4
Ziff.
1)
und meldete sich am 25. September 1998 erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (Rente) an (Urk. 6/14). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
ih
r mit Verfü
gungen vom 9. Februar 2001 bei einem Invaliditätsgrad von 52 % eine halbe Rente ab August 1998 zu (Urk. 6/81-82).
Die gegen diese Verfügungen geführte Beschwerde wies das hiesige Gericht mit unangefochten gebliebenem Urteil vom 12. Februar 2002 nach Ermittlung eines Invaliditätsgrades von 61 % ab (Urk. 6/90).
1.2
Mit Verfügung vom 19. Dezember 2003 wies die IV-Stelle ein Rentenerhö
-
hungs
gesuch der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 61 % ab (
Urk.
6/110). Mit Verfügung vom 10. Februar 2004 (
Urk.
6/124) und Ein
spracheentscheid vom 28. September 2004 (
Urk.
6/152)
sprach sie der Versi
cherten bei einem Invaliditätsgrad von 61
%
ab Januar 2004 eine Dreiviertels
rente zu.
Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 27. Oktober 2005 im Verfahren Nr. IV.2004.00750 (
Urk.
6/157) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 3. Okto
ber 2006 (
Urk.
6/160) bestätigt.
1.3
Im Revisionsfragebogen vom 16. Januar 2009 (
Urk.
6/164) bezeichnete die Ver
-
si
cherte ihren Gesundheitszustand als unverändert (
Ziff.
1.1). Die IV-Stelle holte unter anderem ein Gutachten ein, das am 19. April 2011 erstattet wurde (
Urk.
6/177).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/183,
Urk.
6/184,
Urk.
6/190,
Urk.
6/193) stellte die IV-Stelle die bisher ausgerichtete Rente mit Verfügung vom 17. Dezember 2012 ein (
Urk.
6/196 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 17. Dezember 2012 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 31. Januar 2013 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2
Ziff.
1) und es sei ihr weiterhin eine halbe Rente auszurichten (S. 2
Ziff.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 8. März 2013 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 19. März 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.3
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankun
gen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krank
heitsgewinn;
„
Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Be
handlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und geschei
terte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenan
strengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Krite
rien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3 ff.
).
1.4
Die im Bereich der somatoformen Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisierenden Cha
rakters von
Beschwerden nach
einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne or
ganisch nachweisbare Funktionsfälle (BGE 136 V 279) analog angewendet
.
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, es sei zu einer kontinuierlichen Verbesserung des Gesundheitszustands ge
kommen (S. 2 oben) und der Invaliditätsgrad betrage nunmehr 0
%
; ein Revisi
onsgrund sei ausgewiesen (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt, der aktuelle Sachverhalt sei zu vergleichen mit dem in den Urteilen von 2002 und 2006 festgestellten Sachverhalt (S. 4 f.
Ziff.
6). Gestützt auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten könne nicht auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes geschlossen werden (S. 5 f.
Ziff.
8). Eine Revision sei nur im Umfang einer Herabsetzung von einer Dreiviertels- auf eine halbe Rente zulässig, nachdem sie - die Beschwerdeführerin - am 10. Okto
ber 2011 eine Stelle mit einem Pensum von 50
%
in der Hotellerie einer Klinik (vgl.
Urk.
6/192) angetreten habe (S. 7
Ziff.
12).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob seit dem Einspracheentscheid vom 28. Sep
-
tem
ber 2004 eine revisionsrelevante Verbesserung des Gesundheitszustands eingetreten ist, und wie es sich gegebenenfalls mit dem Rentenanspruch verhält.
3.
3.1
Der Leistungszusprache im Jahr 2001 lag die Annahme zugrunde, dass der Be
schwerdeführerin körperlich leichte Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten zu 50
%
zumutbar
seien (
Urk.
6/90 S. 6 f. E. 3j).
Aus psychiatrischer Sicht waren damals eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (1999) beziehungsweise eine mittelschwere depressive Reaktion (2000) diagnostiziert und eine Arbeitsfähig
keit von 50
%
in körperlich angepasster Tätigkeit attestiert worden (
Urk.
6/90
S. 6
E
. 3f und 3i).
Der im Jahr 2004 erfolgten Leistungszusprache - mit welcher der vorbestehende Invaliditätsgrad von 61
%
bestätigt wurde
-
lagen die folgenden medizinischen Beurteilungen zugrunde:
3.2
Dr. med.
Y._
, Spezialarzt für Neurologie FMH, untersuchte die Be
schwerdeführerin auf Veranlassung des Hausarztes am 13. Januar 2004, wo
rüber er am 16. Januar 2004 Bericht erstattete (Urk.
6/117
).
Er
diagnostizierte ein ausgeprägtes posttraumatisches cervico-cephales Schmerzsyndrom bei Sta
tus nach Beschleunigungstrauma der
Halswirbelsäule (
HWS
)
. Gegenüber
einem
1999 erstatteten
Gutachten
(vgl.
Urk.
6/30)
, in welche
m
die Beweglichkeit der HWS als nur leicht eingeschränkt beschrieben
worden sei
, müsse ein
e
deutliche Verschlech
terung stattgefunden haben, da er selbst eine erhebliche Einschrän
kung der HWS mit zusätzlich verdickter und druckdolenter Nacken- und
Schultermuskulatur
bei im Übrigen normalen Befunden erhoben ha
b
e. Neu sei auch eine Sensibilitätsstörung in den Dermatomen C8 rechts und links.
Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich Dr.
Y._
am 16. Januar 2004 nicht. Erst im an die
damalige
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin gerichteten Be
richt vom 4. April 2004 hielt er dafür, angesichts der verschlechterten Beweg
lichkeit der HWS wie auch der Druckdolenz lasse sich eine 100%ige Erwerbs
unfähigkeit begründen (Urk.
6/137
).
3.3
Am 25. August 2004 erstatteten die Ärzte der
A._
ein rheuma
-
tolo
gisches Gutachten im Auftrag der
Beschwerdegegnerin (Urk.
6/148).
Auf die Frage, ob seit Februar 2001 Veränderungen aufgetreten seien, führten die Gutachter aus, subjektiv hätten die Beschwerden zugenommen und die Be
schwerdeführerin habe sich sozial vermehrt zurückgezogen. Aufgrund der rheumatologischen Untersuchung lasse sich indes keine Verschlechterung des Zustandes objektivieren. Die Gutachter erhoben mit bildgebenden Verfahren eine schmerzbedingte Streckhaltung der HWS sowie beginnende degenerative Veränderungen auf Höhe C3/4 und C4/5 rechts. Weiter fanden sie keine Verän
derungen zu den Voraufnahmen, keine neurologischen Auffälligkeiten und keine solchen aus dem Labor. Eine Aggravation schlossen sie aus (S. 14 f.).
Sie stellten folgende Diagnosen
(S. 12
Ziff.
4)
:
c
hronisches zerviko-cephales Schmerzsyndrom rechts bei/mit
Status nach Beschleunigungstrauma der HWS
Wirbelsäulenfehlform/-haltung, Haltungsinsuffizienz, muskulärer Dysba
lance
tendenziell Hyperlaxizität
d
epressive Symptomatik
n
eurovegetative Dysbalance
In der angestammten Tätigkeit attestierten
die Gutachter
eine
Arbeitsunfähigkeit von
100
%
. Eine leichte wechselbelastende Tätigkeit unter Vermeidung von stereotyp repetitiven Bewegungen wäre halbtags zumutbar.
Ob
sich
aufgrund der
psychische
n
Be
funde
eine zusätzliche Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit
ergebe, lasse sich im Rahmen einer rheumatologischen Begutachtung nicht ab
schliessend beantworten
(S. 15
Ziff.
5
).
3.4
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 27. Oktober 2005 (
Urk.
6/157) wurde zu
-
sam
menfassend festgehalten, aufgrund der medizinischen Aktenlage sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes und eine daraus folgende vermin
derte Arbeitsfähigkeit auszuschliessen (S. 8 E. 5.1). In somatischer Hinsicht laute
die Diagnose seit Jahren unverändert auf ein chronisches zerviko-cephales Schmerzsyndrom bei Status nach Beschleunigungstrauma der HWS beim Auto
unfall vom 25. August 1997, und die zurückhaltendere Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit von behandelnder Seite vermöge das Gutachten nicht in Frage zu stellen (S. 8 f.). Die - näher dargelegten - vorhandenen Berichte aus psychiatri
scher Sicht liessen ebenfalls keine Verschlechterung erkennen (S. 9 ff. E. 5.2-5.3).
4.
4.1
Am 6. November 2007 erstatteten Ärzte und Neuropsychologen des
D._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdeführerin (
Urk.
6/166/8-29); ihre Namen erscheinen im Ingress zur Fragenbeantwortung (S. 16 oben).
Sie nannten folgende Diagnose (S. 15
Ziff.
5):
Status nach HWS-Beschleunigungstrauma am 25. August 1997 bei/mit:
chronische
m
,
cervicospondylogene
m
Syndrom rechts
tendomyotischem Cer
v
icothorakalsyndrom
schmerzhafter Funktionsstörung der HWS
cervicogenen migräniformen Kopfschmerzen
cervicobrachialem Syndrom rechts
schwere
r
depressive
r
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
kognitive
r
Funktionsstörungen
Sie führten auf entsprechende Fragen hin aus, organischer Genese sei der Na
ckenschmerz mit dem Muskelhartspann (S. 16
Ziff.
1b); es liege zum Teil das sogenannt typische Beschwerdebild nach HWS-Distorsionsverletzung vor (S. 16
Ziff.
2). Unfallfremde Beschwerden lägen keine vor (S. 17
Ziff.
3b).
Die Explorandin sei sowohl aus somatischer (neurologischer und rheumatologi
scher) Sicht als auch aus psychiatrischer Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 18
Ziff.
6).
4.2
Dr.
med.
B._
, FMH für Allgemeine Medizin, führte in seinem Bericht vom
2.
April 2009 (
Urk.
6/166/6-7) aus,
er behandle die Beschwerdeführerin seit 1994 (
Ziff.
1.2). Er nannte die
im
Gutachten von 2007 (vorstehend E. 4.1) ge
stellten Diagnosen (
Ziff.
1.1) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem 25. August 1997 (
Ziff.
1.6).
4.3
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.2) berichtete am 8. September 2010 über die am Vortag erfolgte neurologische Verlaufsuntersuchung (
Urk.
6/177/27-29). Er nannte folgende Diagnosen (S. 1):
chronisches posttraumatisches cervico-cephales Schmerzsyndrom bei Sta
tus nach Beschleunigungstrauma der HWS am 25. August 1997
Migräne mit Accompagné-Symptomen in Form von Gefühlsstörungen im Gesicht rechts, mit Ausdehnung in die rechte Körperhälfte
In seiner Beurteilung führte er aus, bei Status nach HWS-Trauma im August 1997 zeige die Patientin
e
in weitgehend unverändertes cervico-cephales Be
schwerdebild mit im Status endgradig eingeschränkter Beweglichkeit der HWS, mit palpatorisch verdickter und druckdolenter Nacken- und Schultermuskulatur. Im neurologischen Bereich habe die Patientin eine Gefühlsstörung an Wange und Kinn rechts angegeben, der Befund sei diskret und er vermute einen Zu
sammenhang mit der bekannten Migraine accompagnée. Ansonsten sei die neurologische Untersuchung unauffällig gewesen (S. 2 unten).
Betreffend Arbeitsfähigkeit werde bei diesem Beschwerdebild maximal 50
%
zu realisieren sein, dies insbesondere bei optimal leidensangepasster Tätigkeit (S. 3 oben).
4.4
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Neurologie FMH und für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erstattete am 19. April 2011 ein psychiatrisches Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/177/1-26).
Sie stützte sich auf die ihr überlassenen Akten (S. 2 ff.)
, die Angaben der Be
schwerdeführerin (S. 16 ff.) und die am 26. August 2010 (vgl. S. 1) erhobenen Befunde (S. 20).
Betreffend Diagnosen führte die Gutachterin aus, anhand der eigenen Untersu
chung der Explorandin habe sich zum Untersuchungszeitpunkt keine psychiat
rische Erkrankung diagnostizieren lassen (S. 21 oben).
Es bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer psychi
schen Erkrankung (S. 22 oben).
Die Würdigung vorhandener Arztberichte betreffend führte die Gutachterin aus, die im 2007 erstellten Gutachten (vorstehend E. 4.1) gestellte Diagnose einer schweren depressiven Episode sei - aus näher dargelegten Gründen - auch ret
rospektiv zurückzuweisen (S. 23).
Die allfällige Veränderung des Gesundheitszustandes betreffend führte die Gut
achterin aus, eine Verschlechterung sei anhand der Aktenlage und der Eigen
anamnese der Explorandin im Rahmen der aktuellen Begutachtung sicher nicht ausgewiesen.
Die Explorandin selbst lege eine Verbesserung insofern nahe, als sie sich jetzt einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben wünsche. Soweit der Akten
lage gefolgt werden könne, sei die früher intensivere antidepressive Medikation reduziert
worden
; dies sei immerhin als indirektes Zeichen für eine auch
subjektive Besserung des Gesundheitszustandes zu werten (S. 24 oben). Weiter führte die Gutachterin aus, sie halte den Gesundheitszustand der Explorandin für im We
sentlichen unverändert, möglicherweise gebessert. Eine psychische Erkrankung könne anhand der Aktenlage auch für die Vergangenheit nicht nachvollzogen werden (S. 24 Mitte).
4.5
Am 10. Oktober 2011 trat die Beschwerdeführerin eine Stelle im Umfang von 50
%
als Mitarbeitende Hotellerie in einer Klinik an (
Urk.
6/192).
5.
5.1
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Revisionsvoraussetzungen
von Art. 17
Abs.
1
ATSG erfüllt sind, also seit der letzten rechtskräftigen Entscheidung über den Leistungsanspruch eine erhebliche Änderung eingetreten ist (vorste
hend E. 1.2).
Formell ist der Leistungsentscheid im Jahr 2004 der Referenzpunkt; materiell ist es - da damals eine Veränderung verneint wurde - auch der erste Leistungsent
scheid im Jahr 2001.
5.2
Dem Leistungsentscheid von 2001 (mit Zusprache einer halben Rente) lag der Sachverhalt zugrunde, dass für körperlich angepasste Tätigkeiten eine Arbeits
fähigkeit von 50
%
bestand; die Reduktion um 50
%
ergab sich aus den damals diagnostizierte
n
psychischen Beeinträchtigungen (vorstehend E. 3.1). Mit dem Leistungsentscheid von 2004 wurde das Vorliegen erheblicher Änderungen ver
neint (vorstehend E. 3.4). Mithin ist der bereits 2001 festgestellte Sachverhalt einer aufgrund psychischer Beeinträchtigungen um 50
%
reduzierten Arbeitsfä
higkeit in körperlich angepassten Tätigkeiten derjenige, mit dem zu vergleichen ist.
Auch die Beschwerdeführerin ging davon aus, es habe von 1997 bis September
2004
aufgrund der Folgen eines HWS-Distorsionstraumas, einer Anpassungs
störung mit depressiver Reaktion beziehungsweise einer mittelschweren De
pression und eine
s
chronischen Schmerzsyndrom
s
nach HWS-Distorsion eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätigkeiten bestanden (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
7).
5.3
Im 2011 erstatteten Gutachten führte die Psychiaterin aus, es habe sich keine psychiatrische Erkrankung diagnostizieren lassen und (dementsprechend) be
stehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer psychischen Er
krankung (vorstehend 4.4).
Dies ist ein wesentlich anderer Sachverhalt als 2004 und 2001, als die Arbeits
-
fä
higkeit wegen diagnostizierter psychischer Beeinträchtigungen um 50
%
reduziert war.
Daran ändert die einzige von der Beschwerdeführerin zitierte (zusätzliche) Fest
stellung der Gutachterin, sie halte den Gesundheitszustand
„
für im Wesentli
chen unverändert, möglicherweise gebessert
“ (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
8),
nichts. Aus dem Zusammenhang ergibt sich unzweideutig, dass sich die Gutachterin damit auf die psychiatrische Beurteilung im
2007 im Auftrag der Beschwerdeführerin erstatteten Gutachten bezog
.
Da nach - gut begründeter - Ansicht der Gutach
terin die 2007 gestellte Diagnose unzutreffend war und in jenem Zeitpunkt keine psychische Erkrankung bestanden haben dürfte, erachtete sie folgerichtig den Gesundheitszustand als seither im Wesentlichen unverändert. Auf die 2001 und 2004 gestellten psychiatrischen Diagnosen und die damals attestierte Ar
beitsunfähigkeit nahm die Gutachterin hingegen gar nicht Bezug. Ihre Ausfüh
rungen können somit vernünftigerweise nicht anders verstanden werden, als dass gemäss ihrer Beurteilung (bereits) seit 2007 keine die Arbeitsfähigkeit ein
schränkende psychische Beeinträchtigung bestanden hat
.
Dass die revisionsrelevante Verbesserung des Gesundheitszustands im Vergleich zum 2001 und 2004 gegebenen Sachverhalt bereits 2007 hätte festgestellt wer
den können, ist ohne Weiteres mit der bereits getroffenen Feststellung verein
bar, dass eine revisionsrelevante Verbesserung (auch) im Zeitpunkt der gestützt auf das Gutachten von 2011 erfolgten Beurteilung eingetreten war.
5.4
Hat sich, wie dargelegt, der psychische Zustand der Beschwerdeführerin in revisi
onsrelevantem Umfang verbessert (vorstehend E. 5.3), so hat eine
umfas
sende Prüfung des Rentenanspruchs
zu erfolgen
(vgl. Urteil
e des Bundesgerichts 9C_700/2013 vom 26. Dezember 2013 E. 3.2.2 und
I 652/00 vom 1
2.
März 2002 E. 2a = AHI 2002 S. 164; Ulrich Meyer, Bundesgesetz über die Invalidenversi
cherung,
2.
Aufl
age, Zürich
2010, S. 382)
.
5.5
Im 2007 im Auftrag der Beschwerdeführerin erstatteten Gutachten wurden alle gestellten Diagnosen unter die Hauptdiagnose „Status nach HWS-Beschleuni
gungstrauma“ 1997 subsumiert und es wurden alle Beschwerden als unfallkau
sal eingestuft (vorstehend E. 4.1). Auch der die Beschwerdeführerin behandelnde Neurologe ging in seiner Beurteilung von einem Status nach HWS-Trauma im August 1997 aus
; daneben nannte er lediglich eine Migräne mit diskret ausge
prägten Gefühlsstörungen (vorstehend E. 4.3).
Schliesslich ging auch die Be
schwerdeführerin selber ausschliesslich von Beschwerden nach erlittener HWS-Distorsion aus (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
7).
Damit steht fest, dass noch bestehende gesundheitliche Beeinträchtigungen und allfällige damit verbundene Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit Folgen de
s
beim Auffahrunfall von 1997 erlittenen HWS-
Traumas
sind.
Rechtsprechungsgemäss (vorstehend E. 1.4) ist somit zu prüfen, ob allfällige Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit versicherungsrechtlich relevant sind oder ausser Betracht zu bleiben haben. Dafür massgebend ist die im Zusam
menhang mit somatoformen Schmerzstörungen entwickelte Praxis (vorstehend E. 1.3).
5.6
Gestützt auf das 2011 erstattete Gutachten (vorstehend E. 4.4) ist offensichtlich, dass keine psychische Komorbidität besteht.
Aus den Akten ergeben sich sodann keinerlei Hinweise auf
chronische körperli
che Begleiterkrankungen
, oder
einen
mehrjährige
n
, chronifiz
ierten
Krankheits
verlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdau
ernde Rückbildung
, oder einen
primäre
n
Krankheitsgewinn
, oder auf
unbefrie
digende Behandlungsergebnis
se
trotz konsequent durchgeführter ambulanter
oder stationärer Behandlung
auch mit unterschiedlichem therapeutischem An
satz
. Ebenso kann angesichts der - achtenswerten - Wiederaufnahme einer Er
werbstätigkeit (vorstehend E. 4.5) keine Rede von einem sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens
sein.
Somit sind
die massgebenden Kriterien allesamt nicht erfüllt, so dass allfällige Einschränkungen aufgrund von Beschwerden im Zusammenhang mit dem 1997 erlittenen HWS-Trauma nicht anspruchsrelevant sind.
5.7
Die führt zusammenfassend zum Schluss, dass im massgebenden Zeitpunkt des Erlasses der hier strittigen Verfügung keine versicherungsrelevanten Beein
trächtigungen der Arbeitsfähigkeit bestanden haben. Dies schliesst einen Ren
tenanspruch aus.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als zutreffend, was zur Ab
weisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.