Decision ID: 6fe98896-d85e-5d74-a193-a0c4ba916fa4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden verliessen eigenen Angaben gemäss ihr
Heimatland Ende 2012 und hielten sich in der Folge etwa drei Jahre in
H._ (Nordirak) auf. Von dort gelangten sie über verschiedene Län-
der am 12. November 2015 in die Schweiz, wo sie gleichentags Asylgesu-
che stellten. Am 27. November 2015 wurden A._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) und B._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) im
Rahmen der Befragungen zur Person (BzP) summarisch zur Person, dem
Reiseweg und den Asylgründen befragt. Am 18. August 2017 erfolgten die
einlässlichen Anhörungen.
A.b
A.b.a Die Beschwerdeführenden brachten zu ihren persönlichen Verhält-
nissen im Wesentlichen vor, sie seien syrische Staatsangehörige kurdi-
scher Ethnie. Die Beschwerdeführerin stamme ursprünglich aus dem Dorf
I._, der Beschwerdeführer aus J._. Dort hätten sie nach ih-
rer Heirat im Jahr 2006 mit ihren Kindern gelebt. Der Beschwerdeführer
habe die Schule bis zur 7. Klasse besucht und später als (...) gearbeitet.
Die Beschwerdeführerin habe drei Jahre die Schule besucht.
A.b.b Zu den Asylgründen machten sie im Rahmen der BzP zusammen-
gefasst geltend, die Situation in der Stadt J._ sei schwierig gewe-
sen. Der Beschwerdeführer sei Mitglied der kurdischen-demokratischen
Partei (KDP) gewesen, deren Büros von der PKK (kurdische Arbeiterpartei
[Partiya Karkerên Kurdistanê]) geschlossen worden seien. Er habe des-
halb ausreisen müssen. Mit den staatlichen Behörden hätten sie keine
Schwierigkeiten gehabt. Der Beschwerdeführer sei im Rahmen seiner Ar-
beitstätigkeit im Jahr 2012 einmal von Unbekannten zwischen K._
und L._ angehalten worden. Nach Leistung einer Geldzahlung
durch seinen Arbeitgeber habe man ihn wieder gehen lassen.
A.b.c Anlässlich ihrer Anhörungen brachten die Beschwerdeführenden im
Wesentlichen vor, der Beschwerdeführer sei engagiertes Mitglied in der
Demokratischen Partei Kurdistan-Syrien (PDK-S) gewesen. Seine Tätig-
keit für die Partei habe darin bestanden, die Ideologie der Partei in der Be-
völkerung zu verbreiten und die Aufgaben der Partei zu erklären. Seit 2009
sei er (...) des Lokalkomitees und gleichzeitig damit auch Mitglied des Re-
gionalkomitees gewesen. Er habe Parteisitzungen organisiert und geleitet.
Die Sitzungen des Regionalkomitees, die etwa zweimal im Monat stattge-
funden hätten, seien heimlich bei den Mitgliedern zu Hause durchgeführt
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worden. Sie hätten in J._ Demonstrationen organisiert und diese
angeführt, wobei sie Parolen ausgerufen und Transparente beschafft hät-
ten. Die ersten Demonstrationen hätten ab April 2011 im wöchentlichen
Rhythmus stattgefunden, die letzte Demonstration, an der er teilgenom-
men habe, sei wahrscheinlich im März 2012 gewesen. Er habe mit den
Demonstrationen aufgehört, weil es zu gewaltsamen Übergriffen gekom-
men sei.
Grundsätzlich seien bei den Demonstrationen viele Fotos gemacht wor-
den, unter anderem auch durch Informanten. Die Organisatoren der De-
monstrationen, wie der Beschwerdeführer, hätten sich zur besseren Er-
kennbarkeit immer ein Band um den Arm gebunden. Der Beschwerdefüh-
rer sei vermutlich auch fotografiert worden, wobei die syrischen Behörden
wohl Kenntnis von den Fotos erhalten hätten. Plötzlich seien Beamte des
politischen Sicherheitsdienstes bei ihnen zu Hause erschienen und hätten
die Beschwerdeführerin nach dem Beschwerdeführer gefragt. Er sei aller-
dings an seinem Arbeitsplatz gewesen. Sie hätten das Haus nach ihm
durchsucht und seien danach wieder gegangen.
Nach der Hausdurchsuchung habe die Beschwerdeführerin sofort ihren
Ehemann angerufen und über die Hausdurchsuchung informiert. Er habe
gewusst, dass die Behörden wegen seiner politischen Aktivitäten hinter der
Hausdurchsuchung steckten, und Freunde beziehungsweise Parteimitglie-
der, kontaktiert, die ihm geraten hätten, nicht nach J._ zurückzu-
kehren. Sie hätten ihm auch mitgeteilt, dass vom politischen Sicherheits-
dienst eine Massenverhaftungswelle durchgeführt und er gesucht werde.
Er habe sich in der Folge zu seinen Schwiegereltern begeben. Nach eini-
gen Tagen sei auch die Beschwerdeführerin mit den Kindern gekommen,
da sie durch eine erneute, bei ihnen zu Hause mitten in der Nacht durch-
geführte Hausdurchsuchung verängstigt gewesen sei. Es sei hierbei wie-
der nach dem Beschwerdeführer gefragt worden. Er sei überdies auch bei
seinen Eltern gesucht worden.
Schliesslich seien sie ausgereist, da sich die Situation nicht verbessert
habe.
A.c Die Beschwerdeführenden reichten bei der Vorinstanz verschiedene
Dokumente ein: ein undatiertes Parteischreiben (mit Übersetzung), einen
Impfausweis und ein Spitaldokument von F._ aus dem Irak, ein Fa-
milienbuch, Identitätskarten sowie Reisepässe der Beschwerdeführenden
(Eltern).
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B.
Das SEM lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden mit Verfügung
vom 27. September 2017 – eröffnet am 5. Oktober 2017 – ab, ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz an und schob den Vollzug der Wegweisung
wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
C.
Die Beschwerdeführenden reichten gegen die vorinstanzliche Verfügung
durch ihren Rechtsvertreter am 1. November 2017 Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht ein. In prozessualer Hinsicht beantragten sie, es sei
ihnen vollumfänglich Einsicht in die Akten A12/1 und A28/4 zu gewähren,
eventualiter sei das rechtliche Gehör dazu zu gewähren und in der Folge
eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung an-
zusetzen. Weiter sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-
zichten und die Beschwerdeführenden seien von der Bezahlung der Ver-
fahrenskosten zu befreien. Sodann beantragten sie die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur vollständigen
und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts und zur Neubeurteilung. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführen-
den festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren, eventualiter seien sie als
Flüchtlinge anzuerkennen.
D.
Am 3. November 2017 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 17. November 2017 hiess die zuständige In-
struktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und lud das SEM zur Vernehmlassung ein. Gleichzeitig wurde der Antrag
auf Gewährung der Einsicht in die Aktenstücke A12 und A28 abgewiesen,
ebenso wie der (Eventual-)Antrag auf Gewährung des rechtlichen Gehörs
und derjenige auf Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung.
F.
In seiner Vernehmlassung vom 24. November 2017 hielt das SEM mit ei-
nigen ergänzenden Bemerkungen an seinen Erwägungen in der angefoch-
tenen Verfügung vollumfänglich fest.
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G.
Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 14. Dezember
2017 und reichten als neues Beweismittel ein Bestätigungsschreiben der
Demokratischen Partei Kurdistans, Organisation Schweiz, vom (...) sowie
ein Begleitschreiben der Partei an den Rechtsvertreter gleichen Datums
ein.
H.
Mit Eingabe vom 27. Dezember 2017 reichte der Rechtsvertreter der Be-
schwerdeführenden die Kopie eines Haftbefehls gegen den Beschwerde-
führer vom (...) sowie dessen deutsche Übersetzung ein. Daraus gehe her-
vor, dass der Beschwerdeführer wegen des Vorwurfs der verbotenen poli-
tischen Aktivitäten zur Verhaftung ausgeschrieben sei.
I.
Mit Eingabe vom 3. Januar 2018 machte der Rechtsvertreter ergänzende
Ausführungen zum eingereichten Haftbefehl.
J.
Am (...) wurde das fünfte Kind der Beschwerdeführenden geboren.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Das nach Erlass der angefochtenen Verfügung und Einreichung der
Beschwerde geborene Kind G._ wird in das vorliegende Beschwer-
deverfahren einbezogen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Die in der Beschwerde erhobenen formellen Rügen (Verletzung des An-
spruches auf Akteneinsicht und auf rechtliches Gehör sowie nicht richtig
respektive unvollständig festgestellter Sachverhalt) sind vorab zu beurtei-
len, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen
Verfügung zu bewirken.
3.1
3.1.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei-
zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ-
gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe-
der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1,
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
http://links.weblaw.ch/BGE-135-II-286 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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3.1.2 Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor-
bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin-
dung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristge-
rechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkre-
ten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass die Betroffenen den Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht anfechten können. Sie muss kurz die wesentlichen Überle-
gungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die
sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein-
zelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
3.1.3 Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs
folgt, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteilig-
ten offen zu legen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfü-
gung darauf abgestellt wird (BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung
des Akteneinsichts- und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfü-
gung betroffenen Person setzt die Einhaltung der Aktenführungspflicht der
Verwaltung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten fest-
zuhalten haben, was zur Sache gehört und für den Entscheid wesentlich
sein kann (BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). Der Anspruch auf Akteneinsicht
setzt eine geordnete, übersichtliche und vollständige Aktenführung (Ab-
lage, Paginierung und Registrierung der vollständigen Akten im Aktenver-
zeichnis) voraus (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.2, 2011/37 E. 5.4.1).
3.1.4 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur-
kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder Zeugnis von Drittperso-
nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt werden (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630).
3.2
3.2.1 Zur Rüge der Verletzung des Akteneinsichtsrechts führten die Be-
schwerdeführenden an, es sei ihnen zu Unrecht die Einsicht in die SEM-
http://links.weblaw.ch/BGE-136-I-87 http://links.weblaw.ch/BGE-132-V-387 http://links.weblaw.ch/BGE-130-II-473 http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/24
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Akten A12 und A28 verweigert worden. Zu dieser Rüge sowie den Be-
schwerdeanträgen auf diesbezügliche Gewährung des rechtlichen Gehörs
sowie Fristansetzung zur Beschwerdeergänzung kann vollumfänglich auf
die entsprechenden Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 17. No-
vember 2017 verwiesen werden. An diesen ist festzuhalten.
3.2.2 Die Beschwerdeführenden machten ferner eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs und eine Verletzung der Pflicht zur vollständigen Sach-
verhaltsabklärung dadurch geltend, dass das SEM das Asyldossier des
Bruders der Beschwerdeführerin (J._), der in der Schweiz als
Flüchtling vorläufig aufgenommen worden sei, nicht beigezogen habe, ob-
wohl dies rechtlich geboten gewesen wäre.
Grundsätzlich müssen der Beizug konnexer Akten sowie deren Prüfung
und Resultate aktenkundig sein und im Asylentscheid Niederschlag finden
(statt vieler Urteil des BVGer E-1968/2017 E. 3.4.2 vom 14. Februar 2020
mit Hinweis auf Urteil des BVGer E-4122/2016 vom 16. August 2016
E. 6.2.4). Vorliegend liegt indessen keine Konstellation vor, bei welcher
sich ein Aktenbeizug aufgedrängt hätte. Vielmehr hat das SEM sowohl in
der Verfügung als auch in seiner Vernehmlassung zu Recht aufgeführt,
dass die Beschwerdeführerin selbst in der Anhörung keine Hinweise auf
eine Reflexverfolgung geltend machte, auch wenn nun in der Beschwerde
das Gegenteil behauptet wird. So antwortete die Beschwerdeführerin, als
sie am Ende ihrer Anhörung zu den Ausreisegründen ihrer beiden Brüder
gefragt wurde, sie sei selbst verheiratet und separat von der Familie und
kenne daher die Gründe von J._ und K._ nicht im Detail (vgl.
act. A27, S. 9). Auf Nachfrage nach möglichen Problemen der Familie nach
der Ausreise von J._ gab sie zu Protokoll, die Familie sei oft aufge-
sucht worden, sie selber sei aber verheiratet und wisse daher nichts Wei-
teres (vgl. act. A27, S. 9). Dass – soweit erkennbar – kein Aktenbeizug
stattgefunden hat, ist damit nicht zu beanstanden. Im Übrigen ist der Ver-
nehmlassung zu entnehmen, dass der von den Beschwerdeführenden ge-
forderte Aktenbeizug jedenfalls im Rahmen der Vernehmlassung stattge-
funden hat.
3.2.3 Sodann liessen die Beschwerdeführenden eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs sowie des Untersuchungsgrundsatzes dadurch geltend ma-
chen, dass das eingereichte Parteischreiben nicht als Beweismittel gewür-
digt beziehungsweise ihm der Beweiswert abgesprochen worden sei, ohne
dass eine entsprechende Dokumentenanalyse durchgeführt worden wäre.
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-4122/2016
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Auch habe das SEM verschiedene Sachverhaltsaspekte (die Massenver-
haftungswelle, das Inbrandsetzen von Büros der KDP bzw. PDK-S durch
die PKK) unerwähnt gelassen. Zudem sei kein rechtliches Gehör zur Do-
kumentenanalyse der Reisepässe gewährt worden. Das SEM beschränke
sich im Übrigen darauf, die Vorbringen als unglaubhaft zu bezeichnen, an-
statt zwingende weiter Abklärungen zur vollständigen Sachverhaltserstel-
lung vorzunehmen. Auch der lange Zeitraum zwischen der Asylgesuchstel-
lung und der Anhörung stelle eine Verletzung der Sachverhaltsabklärungs-
pflicht dar.
3.2.3.1 Nach Durchsicht der Akten ist eine Gehörsverletzung in Bezug auf
(angeblich) nicht explizit erwähnte Sachverhaltsaspekte zu verneinen. Die
Vorinstanz musste sich nicht mit allen Aussagen des Beschwerdeführers
einzeln auseinandersetzen. Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor,
dass sie die wesentlichen Vorbringen gewürdigt hat. Eine sachgerechte
Anfechtung des Entscheids war ohne weiteres möglich. Das SEM tut sei-
ner Begründungspflicht dann Genüge, wenn es im Rahmen der Begrün-
dung die wesentlichen Überlegungen nennt, welche es seinem Entscheid
zugrunde legt. Dieser Anforderung ist es im Rahmen seiner ausführlichen
Erwägungen zur Sache, welche eine umfassende Würdigung der vorge-
brachten Gesuchsgründe beinhalten, gerecht geworden. Die Rüge der Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs ist unbegründet. Zudem hatte das SEM,
entgegen den Behauptungen in der Beschwerde, in seiner Verfügung im
Sachverhalt aufgeführt, dass der Beschwerdeführer von seinen Partei-
freunden erfahren habe, dass es zu Massenverhaftungswellen gekommen
sei (vgl. angefochtene Verfügung, S. 2). Zwar wurde in der Verfügung keine
Inbrandsetzung der Parteibüros durch die PKK erwähnt, doch hat das SEM
in seiner Verfügung aufgenommen, dass der Beschwerdeführer in der BzP
ausgesagt hatte, die PKK habe Büros der Partei des Beschwerdeführers
dichtgemacht (vgl. angefochtene Verfügung, S. 4), was genügt.
3.2.3.2 Überdies hat das SEM in seiner Verfügung – entgegen der Behaup-
tung der Beschwerdeführenden – das Parteischreiben gewürdigt. Es hat
es im Sachverhalt aufgelistet und festgehalten, dass es mangels Überprüf-
barkeit der Echtheit von einem geringen Beweiswert ausgehe, zudem sei
es nicht dazu geeignet, ein allfälliges Verfolgungsinteresse der Behörden
glaubhaft zu machen (vgl. angefochtene Verfügung, S. 3, 5). Damit ist das
SEM seiner Begründungspflicht hinreichend nachgekommen, zumal es die
Verfolgung durch den politischen Sicherheitsdienst in Form der Hausdurch-
suchungen mit ausführlichen Begründungen als unglaubhaft erwogen hat.
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Auch in der Vernehmlassung hat das SEM seine Einschätzung zur fehlen-
den Geeignetheit des Parteischreibens als Beweismittel für die Identifika-
tion des Beschwerdeführers als Regimegegner durch die Behörden betont.
Zu diesen Ausführungen in der Vernehmlassung konnte der Beschwerde-
führer replizieren. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist im Vorgehen
der Vorinstanz nicht zu erblicken. Es handelt sich bei dem Vorwurf der feh-
lenden Würdigung bestimmter Sachverhaltsaspekte beziehungsweise an
sich ungenügender Sachverhaltsabklärung oder fehlender Würdigung von
Beweismitteln letztendlich auch nicht um eine Frage der Verletzung des
rechtlichen Gehörs beziehungsweise der Sachverhaltsfeststellung, son-
dern um eine Frage der materiellen Würdigung der Vorbringen und der Be-
weiswürdigung.
3.2.3.3 Bezüglich der Kritik an der unterlassenen Gewährung des rechtli-
chen Gehörs zu den Ergebnissen der Dokumentenprüfung der Reisepässe
ist festzuhalten, dass das SEM den Umstand, dass es sich um Dokumente
handelt, die als Totalfälschung zu erachten sind, nicht zu Ungunsten der
Beschwerdeführenden verwendet hat. Die Beschwerdeführenden hatten
denn auch selber angegeben, die Pässe seien ihnen im Nordirak – und
nicht von den staatlichen syrischen Behörden – ausgestellt worden (vgl.
A26 F. 19 ff.). Eine Verletzung des Anspruches auf rechtliches Gehör liegt
nicht vor.
3.2.3.4 Weiter habe das SEM die Abklärungspflicht verletzt, indem es seit
der Einreichung des Asylgesuchs bis zur Durchführung der Anhörung über
eineinhalb Jahre ungenutzt habe verstreichen lassen. Den Beschwerde-
führenden ist durchaus zuzustimmen, dass es wünschenswert ist, wenn
zwischen der BzP und der Anhörung ein relativ kurzer Zeitraum liegt. Aller-
dings gibt es keine zwingende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche
Verpflichtung des SEM, die Anhörung innerhalb eines gewissen Zeitraums
nach der BzP durchzuführen. Eine überaus lange Zeitspanne wäre allen-
falls im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Von einer sol-
chen ist vorliegend indessen nicht auszugehen.
3.3 Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb der Rückwei-
sungsantrag abzuweisen ist.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat be-
ziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-
kunft begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr
müssen konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen re-
alistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57
E. 2.5). Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die
Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann
nicht dazu dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen,
sondern bezweckt vielmehr, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren
(vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
5.
5.1 Zur Begründung seines Entscheides führte das SEM aus, es erachte
die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen einerseits als nicht glaub-
haft gemacht nach Art. 7 AsylG und andererseits auch als nicht asylrele-
vant nach Art. 3 AsylG. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer behaupte-
ten politischen Probleme wegen seiner Parteitätigkeit für die PDK-S, we-
gen der er ins Visier des politischen Sicherheitsdienstes gelangt sei, sei
festzustellen, dass er diese Probleme bei der BzP mit keinem Wort erwähnt
habe. Vielmehr habe er in der BzP ausgesagt, die PKK habe die Büros der
PDK-S dichtgemacht und er sei deshalb und wegen des Krieges ausge-
reist. Im Rahmen der Anhörung habe der Beschwerdeführer aber bestrit-
ten, persönlich direkt von der Rivalität zwischen der PKK und der PDK-S
betroffen gewesen zu sein. Auch sei es nicht nachvollziehbar, dass er an-
lässlich der BzP ausgesagt habe, er habe keine Schwierigkeiten mit den
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Seite 12
Behörden gehabt, wobei seine diesbezügliche Erklärung in der Anhörung
nicht zu überzeugen vermöge. Weshalb der Beschwerdeführer die Verfol-
gung durch den politischen Sicherheitsdienst in Form der Hausdurchsu-
chungen, die einen wesentlichen Grund für die Ausreise dargestellt hätten,
in der BzP nicht zumindest erwähnt habe, könne nicht nachvollzogen wer-
den.
Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin die beiden Hausdurchsuchun-
gen nicht substantiiert habe schildern können, sondern nur äusserst ober-
flächlich und stereotyp. Insgesamt entstehe der Eindruck, das Geschilderte
sei nicht selbst erlebt. Auch die Beschwerdeführerin habe die Hausdurch-
suchungen bei der BzP mit keinem Wort erwähnt, wobei sie angeblich in
der BzP keine Zeit gehabt habe, von den Durchsuchungen zu berichten.
Hinzu komme, dass sie in der BzP persönliche Probleme mit den Behörden
explizit verneint habe.
Es sei insgesamt unglaubhaft, dass der Beschwerdeführer von den syri-
schen Behörden als Regimegegner identifiziert worden sei. Abgesehen
von den als unglaubhaft einzustufenden Hausdurchsuchungen würden
seine Aussagen keine Hinweise erhalten, wonach die Behörden Kenntnis
von seiner vermeintlichen Demonstrationsteilnahme erhalten hätten. Der
Beschwerdeführer habe nur einen Vorfall geschildert, bei dem er persön-
lich bei einer Demonstration Behördenkontakt gehabt habe, als Beamte
des Sicherheitsdienstes auf die Menge der Demonstranten geschossen
hätten. Aus den Schilderungen des Vorfalles gehe aber keine persönliche
Identifizierung durch den Sicherheitsdienst hervor. Hinsichtlich seiner ver-
meintlichen Identifizierung habe er nur vage Angaben gemacht, die sich
lediglich auf Annahmen stützten. Er habe nicht glaubhaft machen können,
von den syrischen Behörden als Regimegegner identifiziert worden zu
sein. Das eingereichte Parteischreiben habe einerseits einen geringen Be-
weiswert und sei andererseits nicht geeignet, ein allfälliges Verfolgungsin-
teresse der Behörden dem Beschwerdeführer gegenüber glaubhaft zu ma-
chen.
Bezüglich der vorgebrachten schlechten Sicherheitslage in Syrien und der
schlechten allgemeinen Lebensbedingungen, unter denen sie gelitten hät-
ten, sei festzustellen, dass diese Umstände auf die allgemeine Lage in Sy-
rien zurückzuführen und viele Person davon gleichermassen betroffen
seien. Auch der vom Beschwerdeführer geschilderte Vorfall, als er während
eines Transports von unbekannten Personen festgehalten und erst gegen
eine Lösegeldzahlung freigelassen worden sei, sei nicht asylrelevant, da
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Seite 13
er im Kontext des Bürgerkrieges anzusiedeln und das Motiv der Festhal-
tung primär die Lösegeldzahlung gewesen sei. Bei der Beschwerdeführe-
rin, die vor allem wegen der Probleme des Ehemannes ausgereist sei und
selber keine Probleme gehabt habe, bestünden keine Hinweise auf Re-
flexverfolgung. Schliesslich habe sie auf Nachfrage angegeben, ihre Fami-
lie habe wegen ihres ebenfalls ausgereisten Bruders I. Probleme mit den
syrischen Behörden, sie selber wisse aber nicht viel darüber, da sie verhei-
ratet sei.
5.2 Die Beschwerdeführenden wenden demgegenüber ein, das SEM sei
zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ausgegangen. Weiter
habe es Art. 3 und Art. 7 AsylG sowie Art. 9 BV verletzt, indem es dem
Beschwerdeführer lediglich eine unspezifische Frage zu Schwierigkeiten
mit den staatlichen Behörden gestellt habe, die er nicht auf seine politi-
schen Probleme, sondern auf eventuelle gemeinrechtliche Probleme bezo-
gen und daher verneint habe. Auch sei die BzP offensichtlich viel zu kurz
ausgefallen, so dass sich der Beschwerdeführer nicht vollständig zu seinen
Asylvorbringen habe äussern können. Sodann sei er in der BzP öfters un-
terbrochen worden, als er sich zu seinen Verfolgungsvorbringen habe äus-
sern wollen.
Zudem sei bereits aufgrund der vorgebrachten Zeitpunkte der politischen
Tätigkeiten des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der damaligen
politischen Gegebenheiten und Machtverhältnisse in Syrien offensichtlich,
dass er von der syrischen Regierung verfolgt worden sei. Auch habe das
SEM sich geweigert, sich in der Verfügung mit dem starken politischen Pro-
fil des Beschwerdeführers auseinanderzusetzen. Zudem sei das SEM
überhaupt darauf eingegangen, dass es zu einer Massenverhaftungswelle
gegen die Mitglieder seiner Partei gekommen sei. Der Beschwerdeführer
habe glaubhaft dargelegt, dass es zu zahlreichen Hausdurchsuchungen,
sowohl bei ihm, als auch bei seinen Eltern gekommen sei, und das SEM
habe es auf willkürliche Weise unterlassen, das politische Profil des Be-
schwerdeführers zu würdigen, sondern habe die Suche nach ihm kleinge-
redet. Er habe glaubhaft darlegen können, wie die syrischen Behörden von
seinen politischen Aktivitäten erfahren hätten. Er habe leicht als Kopf der
Demonstrationen ausfindig gemacht und mittels Foto- und Videomaterials
identifiziert werden können. Er habe auch glaubhaft dargelegt, dass er seit
Jahren politisch für die Partei aktiv sei und innerhalb der Partei eine füh-
rende Rolle übernommen habe. Ebenso habe er glaubhaft dargelegt, einer
der Hauptverantwortlichen für die Organisation von Demonstrationen in
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Seite 14
J._ gewesen zu sein. Er sei nicht nur den syrischen Behörden auf-
gefallen, sondern auch bei der PKK bzw. Partiya Yekîtiya Demokrat (Partei
der Demokratischen Union, PYD), welche ihn ebenfalls als Verräter betrach-
teten.
Entgegen der Behauptung des SEM habe die Beschwerdeführerin die
Hausdurchsuchungen glaubhaft, da detailliert und mit zahlreichen Real-
kennzeichen, geschildert, wobei sich das SEM nicht rechtsgenüglich mit
den Ausführungen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt habe. Es
könne ihr nicht vorgeworfen werden, dass sie die Hausdurchsuchungen in
der kurz gehaltenen BzP nicht erwähnt und sie persönliche Probleme mit
den Behörden verneint habe, da es sich ja um die Probleme des Eheman-
nes gehandelt habe.
Das SEM habe willkürlich dem eingereichten Parteischreiben den Beweis-
wert abgesprochen und keine diesbezügliche Dokumentenanalyse vorge-
nommen. Auch habe sich das SEM überhaupt nicht mit den Vorbringen des
Beschwerdeführers in Bezug auf seine politischen Aktivitäten befasst.
Hinsichtlich der Entführung des Beschwerdeführers mit anschliessender
Lösegeldzahlung sei festzuhalten, dass sich dies nicht als Nachteil vor dem
Hintergrund der allgemeinen Lage in Syrien darstelle, wie vom SEM be-
hauptet. Vielmehr habe es sich um eine asylrelevante Verfolgung gehan-
delt, die nach Überzeugung des Beschwerdeführers auf die syrische Re-
gierung zurückgehe. Der Beschwerdeführer habe seine politische, opposi-
tionelle Haltung öffentlich bekundet und sei als Regimegegner identifiziert
worden. Zur aktuellen Gefährdungslage und Entwicklung in Syrien werde
auf verschiedene Menschenrechtsberichte hingewiesen. Aus diesen er-
gebe sich, dass die PYD eine Abmachung mit der syrischen Regierung
habe und unter anderem auch gegen oppositionelle Kurden und deren Par-
teien vorgehe.
Der Beschwerdeführer sei zusammenfassend einer asylrelevanten Verfol-
gung durch die syrische Regierung und durch die PYD ausgesetzt, wenn
er nach Syrien zurückkehren müsse, wobei er von der Regierung als Re-
gimekritiker und von der PYD als Verräter verstanden werde.
5.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz im Wesentlichen fest, ent-
gegen der Rügen der Beschwerdeschrift sei das eingereichte Parteischrei-
ben in der Verfügung aufgeführt und in den Erwägungen berücksichtigt
worden, wobei nochmals zu betonen sei, dass das Schreiben unabhängig
D-6207/2017
Seite 15
von der Frage der Authentizität nicht dazu geeignet sei, den asylrelevanten
Sachverhalt, nämlich die Identifikation als Regimegegner durch die syri-
schen Behörden, glaubhaft zu machen.
5.4 Die Beschwerdeführenden bekräftigen in ihrer Replik die in der Be-
schwerde geäusserte Kritik und ergänzten, als neues Beweismittel werde
ein Bestätigungsschreiben der Demokratischen Partei Kurdistans, Organi-
sation Schweiz, vom (...) 2017, eingereicht sowie ein Begleitschreiben der
Partei an den Rechtsvertreter gleichen Datums mit Versandumschlag. Das
neue Dokument bestätige die politische Verfolgung in Syrien. Auch habe
die Beschwerdeführerin in der Anhörung vorgebracht, dass ihre Familie
nach der Ausreise des Bruders mehrfach von den Behörden zu Hause auf-
gesucht worden sei. Sie habe daher die asylrelevante Reflexverfolgung
ausdrücklich glaubhaft gemacht.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht in
Übereinstimmung mit dem SEM zum Schluss, dass die Verfolgungsvor-
bringen der Beschwerdeführenden teils als nicht glaubhaft zu erachten
sind und es ihnen teils an Asylrelevanz fehlt.
6.2 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden hat das SEM zu
Recht berücksichtigt, dass sich die von den Beschwerdeführenden anläss-
lich der BzP und der Anhörungen vorgebrachten Sachverhalte grundle-
gend unterscheiden.
6.2.1 Es ist auffällig, dass der Beschwerdeführer erst in der Anhörung seine
vermeintlichen politischen Probleme mit den Sicherheitsbehörden wegen
seiner Parteitätigkeit, durch die er ins Visier des politischen Sicherheits-
dienstes gelangt sei, geltend machte (vgl. act. A26, S. 5). In der BzP hatte
er neben der allgemeinen Sicherheitslage nur noch vorgebracht, er habe
wegen seiner Parteitätigkeit mit der PKK Probleme gehabt, welche die Bü-
ros seiner Partei dichtgemacht habe (vgl. act. A4, S. 8), weshalb er habe
ausreisen müssen. Dies ist ein gänzlich anderer Sachverhalt als in der An-
hörung vorgebracht, wo die Verfolgung durch den politischen Sicherheits-
dienst geltend gemacht wurde. In der Anhörung darauf angesprochen,
dass er in der BzP keine Probleme mit den staatlichen Behörden, sondern
mit der PKK vorgebracht habe, welche die Büros dichtgemacht habe, be-
hauptete der Beschwerdeführer wenig überzeugend, er habe gesagt, die
PKK habe die Büros geschlossen. Daher sei die Bewegung sozusagen tot
gewesen. Aber er sei nicht deswegen ausgereist (vgl. act. A26, S. 15). Er
D-6207/2017
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selber habe persönlich keine Probleme mit der PKK gehabt, es sei ein po-
litischer Streit, die beiden Parteien hätten unterschiedliche Ideologien (vgl.
act. A26, S. 6). In der Beschwerde widerspricht sich der Beschwerdeführer
erneut, da er dort behauptet, er sei nicht nur den syrischen Behörden auf-
gefallen, sondern auch der PKK beziehungsweise PYD, welche ihn eben-
falls als Verräter betrachten würden (vgl. Beschwerde, S. 17). Zudem ist
es, worauf das SEM zu Recht verweist, nicht verständlich, dass der Be-
schwerdeführer in der BzP ausgesagt hat, er habe keine Probleme mit den
staatlichen Behörden gehabt. Die Erklärungsversuche in der Anhörung,
wonach er damit gemeint habe, nicht kriminell zu sein und keine Probleme
mit dem Staat gesucht zu haben, überzeugen nicht. Er gab an, er habe nur
wegen seiner Parteizugehörigkeit und seinen politischen Aktivitäten Prob-
leme mit dem Staat (vgl. act. A26, S. 15). Diesbezüglich stellt sich die
Frage, warum er gerade diese vermeintlichen Probleme wegen seiner Par-
teizugehörigkeit nicht bereits in der BzP erwähnt hat. Er behauptete in der
Anhörung sodann, er sei in der BzP unterbrochen worden, als er weitere
Details zu seinen Problemen als Parteimitglied habe erwähnen wollen. Er
habe nur den Parteinamen nennen können (vgl. A26, S. 15). Eine solche
Unterbrechung ist der BzP allerdings nicht zu entnehmen. Dort wurde er
nicht unterbrochen, als er seine Parteizugehörigkeit und die Probleme mit
der PKK erwähnte. Zudem wurde ihm Gelegenheit gegeben, sich zu seiner
Funktion in der Partei und den Parteizielen zu äussern (vgl. act. A4, S. 8).
Entgegen seiner Behauptung war ihm an dieser Stelle in der BzP nicht ge-
sagt worden, er könne sich später noch detailliert dazu äussern (vgl.
act. A26, S.15; act. A4,S. 8). Da die Verfolgung durch den politischen Si-
cherheitsdienst nach seinen Aussagen der Anhörung ausschlaggebend für
die Ausreise gewesen sein soll, überzeugt es nicht, dass er diese in der
BzP gänzlich unerwähnt gelassen hat. Vielmehr wären diese Umstände als
zentral für die Begründung der befürchteten Verfolgung zu erachten, wes-
halb die Berücksichtigung der wesentlichen Diskrepanz (vgl. dazu bereits
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 1993 Nr. 3) nicht zu beanstanden ist.
6.2.2 Das zuvor Ausgeführte gilt umso mehr, als auch die Beschwerdefüh-
rerin die Hausdurchsuchungen anlässlich ihrer BzP mit keinem Wort er-
wähnt hatte, obwohl diese Erlebnisse für sie einschneidend gewesen sein
müssten. Darauf angesprochen antwortete sie, ihr sei in der BzP gleich
gesagt worden, sie solle nur auf die Fragen antworten, es sei nicht viel Zeit
(vgl. act. A27, S. 8). Dies erscheint als Schutzbehauptung, da sie als
Asylgrund in der BzP, ohne dass sie unterbrochen worden wäre, aus-
schliesslich die allgemeine Lage in Syrien vorbrachte und dass ihr Mann
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Seite 17
einmal festgenommen worden sei (vgl. act. A5, S. 6, 7). Persönliche Prob-
leme mit den Behörden verneinte sie ausdrücklich (vgl. act. A5, S. 7). Auf
Nachfrage, ob es weitere Gründe gebe, die gegen eine Rückkehr ins Hei-
matland sprächen, verneinte sie dies ebenfalls (vgl. act. A5, S.7). Dazu
sagte sie in der Anhörung, sie habe ja auch keine Probleme, nur ihr Mann
habe welche (vgl. act. A27, S. 8). Diesfalls fragt sich aber, warum sie diese
Probleme des Ehemannes in der BzP gerade nicht angesprochen hat (vgl.
act. A5, S. 6, 7).
6.3 Des Weiteren ist die Vorinstanz darin zu bestätigen, dass die Schilde-
rungen der Hausdurchsuchungen durch die Sicherheitsbehörden sub-
stanzlos erscheinen und es ihnen an Realkennzeichen mangelt.
6.3.1 Die Beschwerdeführerin vermochte die Hausdurchsuchungen nicht
substantiiert zu schildern. Vielmehr gab sie den Ablauf der ersten und zwei-
ten Hausdurchsuchung nur oberflächlich wieder (vgl. act. A27, S. 4, 5). Sie
antwortete ausweichend auf die Frage, ob sie die Personen, die das Haus
das erste Mal durchsucht hätten, beschreiben könne, sie könne dies nicht,
weil sie den Personen aus Angst nicht ins Gesicht geschaut habe (vgl.
act. A27, S. 5). Auch schilderte sie von sich aus den Ablauf nicht genauer,
was alles in der Wohnung durchsucht worden und wie es ihr und den Kin-
dern dabei ergangen sei. Erst auf weitere Nachfrage, was ihr noch in Erin-
nerung geblieben sei, berichtete sie von den versteckten Plakaten, die
nicht gefunden worden seien, obwohl dies doch ein wesentlicher Punkt der
Hausdurchsuchung für sie hätte sein müssen (vgl. A27, S. 6). Auch die
zweite Hausdurchsuchung wurde nur mit pauschalen Sätzen geschildert
(vgl. act. A27, S. 6), wobei sie die Personen ebenfalls nicht zu beschreiben
vermochte (vgl. act. A27, S. 7).
6.3.2 Auch der Beschwerdeführer gab nur pauschale Antworten zu den
Hausdurchsuchungen, wobei er diese allerdings nicht selbst erlebt hat,
sondern von seiner Frau über diese informiert worden sei (vgl. act. A26,
S. 12). Erstaunlich ist dennoch, dass er beim Telefonat mit seiner Frau, als
sie ihm von der ersten Hausdurchsuchung erzählt habe, nicht nachgefragt
hat, ob die Behörden die Plakate gefunden hätten (vgl. act. A26, S. 13), da
ein etwaiger Fund doch entscheidend für sein Verfolgungsrisiko hätte sein
müssen. Auch die Beschreibung, wie er von seiner Frau von der zweiten
Hausdurchsuchung erfahren habe, ist nur sehr vage (vgl. act. A26, S. 13).
6.4 Nicht genauer äussern konnte sich der Beschwerdeführer zudem dazu,
wie und wo sich seine vier Parteifreunde versteckt hätten, mit denen er im
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Seite 18
Quartier für die Demonstrationen der Partei aktiv gewesen sei und die
ebenfalls von den Behörden im Rahmen der Massenverhaftungswelle ge-
sucht worden seien (vgl. act. A26, S. 11).
6.5 Unklar ist sodann, wie der Beschwerdeführer von den Sicherheitsbe-
hörden identifiziert worden sein soll und warum er vor Mai 2012 keine Prob-
leme mit den Behörden gehabt habe, wenn er seit 2009 in leitender Posi-
tion in der Partei tätig gewesen sei und die Behörden angeblich jede Per-
son kennen würde, die in der Region politisch aktiv sei (vgl. act. A26,
S. 14). In der Beschwerde heisst es ebenfalls, der Beschwerdeführer sei
den syrischen Behörden offensichtlich durch sein jahrelanges politisches
Engagement aufgefallen (vgl. Beschwerde, S. 17). Ein plötzliches Inte-
resse des syrischen Regimes am Beschwerdeführer im fraglichen Zeit-
punkt erscheint indessen wenig nachvollziehbar.
Die Angaben des Beschwerdeführers zur Identifikation durch die Behörden
blieben vage und es handelt sich eher um Mutmassungen. So führte er
aus, es seien viele Fotos während der Demonstrationen gemacht worden,
auch Informanten hätten Fotos gemacht, die Fotos seien dann an die Be-
hörde gelangt (vgl. act. A26, S. 10). Auf die Nachfrage, woher er das wisse,
gab er zu Protokoll, die Hauptorganisatoren der Demonstrationen seien
deutlich erkennbar gewesen (vgl. act. A26, S. 10, 11). Auf Nachfrage, wieso
er von Fotos und Videos der Behörden wisse, antwortete er nur, dass dies
schon 2004 bei den Unruhen in Kamischli so gemacht worden sei. Es sei
ein leichtes für die Behörden, Personalien und Wohnort herauszufinden
(vgl. act. A26, S. 11). Auch die Beschwerdeführerin behauptete, es seien
viele Fotos auf den Demonstrationen gemacht worden, sie habe ihren
Mann auf vielen der Fotos gesehen (vgl. act. A27, S. 4). Anhaltspunkte da-
für, dass die Behörden tatsächlich über Fotos verfügten – etwas, dass sie
ihr solche anlässlich der Hausdurchsuchungen gezeigt hätten – konnte sie
nicht nennen. In der Beschwerde werden die Formulierungen wiederholt,
wonach der Beschwerdeführer leicht hätte ausfindig gemacht werden kön-
nen von den Behörden angesichts des Bandes um den Oberarm, was ihn
als Organisator der Demonstrationen gekennzeichnet habe (vgl. Be-
schwerde, S. 16). Die Möglichkeit der Identifizierung ist jedoch nicht mit
einer tatsächlich erfolgten Identifizierung gleichzusetzen.
Das SEM wies in seiner Verfügung im Zusammenhang mit der mutmassli-
chen Identifikation zur Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer kei-
nen persönlichen Behördenkontakt seit Beginn der Demonstrationen im
D-6207/2017
Seite 19
April 2011 gehabt habe, abgesehen von einem Vorfall, bei dem die Sicher-
heitsbehörden den Demonstrationsteilnehmern gegenübergestanden und
dem Militär Schiessbefehl gegeben hätten, das Militär dem aber nicht ge-
folgt sei und sich zurückgezogen habe. Die Sicherheitsbehörden seien
dann vor Ort geblieben und hätten in die Menge geschossen (vgl. act. A26,
S. 10). Eine persönliche Identifikation des Beschwerdeführers konnte die-
ser Schilderung ebenfalls nicht entnommen werden.
Die Argumentation in der Beschwerde, wonach von den politischen Gege-
benheiten in Syrien zu der Zeit und der Massenverhaftungswelle gegen die
Mitglieder seiner Partei gleichsam auf die persönliche Verfolgung des Be-
schwerdeführers geschlossen werden könne (vgl. Beschwerde, S. 13, 14),
überzeugt nicht, da es einer Glaubhaftmachung der konkreten Verfol-
gungshandlung den Beschwerdeführer betreffend bedürfte.
6.6 Die Beschwerdeführenden erhoben den Vorwurf, das SEM habe sich
nicht mit dem politischen Profil des Beschwerdeführers auseinanderge-
setzt, obwohl er ein starkes politisches Engagement glaubhaft gemacht
habe (vgl. Beschwerde, S. 14), seit 2004 Mitglied der Kurdischen Demo-
kratischen Partei und seit 2009 Mitglied im Regionalkomitee sei. Diesbe-
züglich ist zum einen festzuhalten, dass das eingereichte Parteischreiben,
abgesehen von Frage seiner Echtheit, nicht weiterhilft, ist es doch undatiert
und sind ihm keine Angaben zur Parteitätigkeit des Beschwerdeführers zu
entnehmen. Auch das auf Beschwerdeebene eingereichte Parteibestäti-
gungsschreiben der «Demokratischen Partei Kurdistans-Organisation
Schweiz» vom (...) 2017 mit dem Übermittlungsschreiben an den Rechts-
vertreter gleichen Datums, ist nicht geeignet, die parteipolitische Tätigkeit
des Beschwerdeführers in Syrien glaubhaft zu machen, da es sich fragt,
wie die Organisation in der Schweiz die mehr als fünf Jahre zurückliegen-
den Demonstrationsteilnahmen des Beschwerdeführers in Syrien beschei-
nigen kann, sie dürfte sich dabei auf die Angaben des Beschwerdeführers
verlassen haben.
Auch in der Anhörung schilderte der Beschwerdeführer seine Parteitätig-
keit – entgegen der Behauptung auf Beschwerdeebene – nicht anschau-
lich. So führte er auf Nachfrage zu seinen Tätigkeiten für die Partei aus, er
habe die Ideologie der Partei verbreitet (vgl. act. A26. S. 7). Die Schilde-
rungen, wie er genau seine Mitmenschen über die Demonstrationen infor-
miert haben will, blieben sehr allgemein (vgl. act. A26. S. 9).
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Seite 20
Davon abgesehen musste sich das SEM nicht im Einzelnen mit der partei-
politischen Tätigkeit des Beschwerdeführers auseinandersetzen, da das
Entscheidende, die Verfolgungsmassnahmen aufgrund des politischen En-
gagements, nicht glaubhaft gemacht werden konnten. Da es als unglaub-
haft zu erachten ist, dass die Behörden ihn identifiziert und Beamte des
Sicherheitsdienstes bei ihm und seinen Eltern Hausdurchsuchungen
durchgeführt haben, um ihn festzunehmen, erübrigen sich weitere Ausfüh-
rungen zu seinen Aussagen zur Organisation und Leitung von Parteisitzun-
gen oder der Organisation von Demonstrationen.
6.7 Der auf Beschwerdeebene eingereichte Haftbefehl vermag die un-
glaubhafte Identifikation des Beschwerdeführers sowie die Verfolgung in
Form der Hausdurchsuchungen nicht glaubhaft zu machen. Abgesehen
davon, dass er lediglich als Kopie eingereicht wurde, womit eine Authenti-
zitätsprüfung nicht möglich ist, lieferten die Beschwerdeführenden keine
Erklärung dafür, weshalb angeblich der Onkel den Haftbefehl bereits im Juli
2012 erhalten haben soll, die Beschwerdeführenden das Beweismittel je-
doch erst Ende Dezember 2017 bei Gericht einreichten. Auffällig ist zudem
das Datum des Haftbefehls, handelt es sich doch um den (...) 2012, den
Tag, an dem die erste Hausdurchsuchung beim Beschwerdeführer stattge-
funden haben soll. Hierbei fragt es sich insbesondere, warum die Beamten
des Sicherheitsdienstes diesen Haftbefehl nicht der Ehefrau bei der ersten
oder zweiten Hausdurchsuchung übergeben haben oder aber später den
Eltern des Beschwerdeführers anlässlich der dort angeblich durchgeführ-
ten Hausdurchsuchungen.
6.8 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht in ma-
terieller Hinsicht zum Schluss, dass das SEM zur zutreffenden Erkenntnis
gelangt ist, die Vorbringen der Beschwerdeführenden vermöchten den An-
forderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht zu genügen,
weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen. Dem SEM ist beizu-
pflichten, dass keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür vorliegen, wonach
die syrischen Behörden den Beschwerdeführer als Teilnehmer an politi-
schen Demonstrationen identifiziert hätten. Entsprechend ist nicht davon
auszugehen, dass ihm als Regimegegner bei einer Rückkehr nach Syrien
eine Behandlung drohen würde, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten
Verfolgung gleichkommen würde.
6.9 Des Weiteren hat das SEM zutreffend festgestellt, dass die im Rahmen
des Bürgerkrieges in Syrien erlittenen Nachteile, namentlich die allgemeine
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Seite 21
schlechte Sicherheitslage, keine den Anforderungen von Art. 3 AsylG ge-
nügende Verfolgung darstellten. Die Beschwerdeführenden haben beide in
der BzP jeweils als Hauptausreisegrund die kriegsbedingte schlechte Si-
cherheitslage in Syrien angeführt. Der Bürgerkriegssituation wurde mit der
vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
Rechnung getragen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
D-1163/2015 vom 22. Januar 2016 E. 5.4 und D-1948/2015 vom 19. April
2016 E. 6.4 mit weiteren Hinweisen).
6.10 Der Vorfall, als der Beschwerdeführer einmal gegen Ende 2011 von
unbekannten Personen bei der Durchführung eines (...) einige Stunden
festgehalten und erst gegen Lösegeldzahlung seines Arbeitgebers freige-
lassen worden sei, ist als nicht asylrelevant zu erachten. Auch wenn dem
SEM nicht zwingend zuzustimmen ist, dass dieser Vorfall auf die Bürger-
kriegssituation zurückzuführen sei (vgl. angefochtene Verfügung, S. 6), so
ist dem Vorfall, ungeachtet dessen, ob möglicherweise die syrische Regie-
rung dahintergesteckt habe (vgl. act. A26, S. 16), die Asylrelevanz abzu-
sprechen. Nicht nur fehlt für die Annahme einer relevanten Verfolgungssi-
tuation die nötige Intensität, auch entspricht das offensichtlich primäre Mo-
tiv der Entführer, eine Lösegeldzahlung zu erlangen, keinem asylrelevan-
ten Motiv. Schliesslich wäre wohl ein sachlicher, jedenfalls aber ein zeitli-
cher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis und der Ausreise der
Beschwerdeführenden in den Nordirak Ende 2012 zu verneinen.
6.11 Schliesslich bestehen auch keine Hinweise für eine erfolgte oder
möglicherweise drohende Reflexverfolgung. Die Beschwerdeführerin
selbst hat verneint, Probleme wegen ihres Bruders J._ gehabt zu
haben (siehe oben). Aus den vom Gericht beigezogenen Akten des Bru-
ders J._ (N [...]), der wegen seines exilpolitischen Engagements
als Flüchtling vorläufig in der Schweiz aufgenommen worden ist, ergeben
sich keine Hinweise für eine Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin. So-
weit in der Beschwerde behauptet wird, die Beschwerdeführerin habe eine
asylrelevante Reflexverfolgung ausdrücklich und glaubhaft vorgebracht
(vgl. Beschwerde, S. 6), kann dem nicht gefolgt werden.
6.12 Auch ein exilpolitisches Engagement in der Schweiz, das geeignet
wäre, bei der Rückkehr eine Verfolgung durch die syrischen Behörden aus-
zulösen und wonach der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft we-
gen subjektiver Nachfluchtgründe erfüllen würde, liegt nicht vor. Diesbe-
züglich macht er lediglich die Mitgliedschaft in der PDKS-Schweiz geltend,
http://links.weblaw.ch/BVGer-D-1163/2015 http://links.weblaw.ch/BVGer-D-1948/2015
D-6207/2017
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aber kein exponiertes exilpolitisches Engagement, weshalb nicht anzuneh-
men ist, dass ein besonderes Interesse des syrischen Regimes an seiner
Person bestehen würde. Das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe im
Sinne des Art. 54 AsylG kann vorliegend klar verneint werden. Die blosse
Tatsache der Asylgesuchstellung in der Schweiz genügt praxisgemäss
ebenfalls nicht, um subjektive Nachfluchtgründe darzutun (vgl. Referenz-
urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3. m.w.H.).
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführenden
nicht gelungen ist, im Rahmen des Asylverfahrens eine flüchtlingsrelevante
Verfolgungssituation vor oder nach ihrer Ausreise aus Syrien nachzuwei-
sen oder als überwiegend wahrscheinlich darzulegen. Sie haben nicht auf-
gezeigt, dass sie bei einer Rückkehr nach Syrien einer flüchtlingsrechtlich
relevanten Verfolgung ausgesetzt wären. Die behauptete Mitgliedschaft
des Beschwerdeführers in der PDK-S, deren Glaubhaftigkeit dahinstehen
kann, sowie die blosse kurdische Herkunft sind für sich alleine nicht geeig-
net, auf eine Verfolgungssituation zu schliessen. Das SEM hat zur Recht
ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
8.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Die Vorinstanz erachtete den Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführe-
renden als unzumutbar, weshalb sie im angefochtenen Entscheid die vor-
läufige Aufnahme in der Schweiz verfügte. Unter diesen Umständen erüb-
rigen sich angesichts der alternativen Natur der Wegweisungsvollzugshin-
dernisse weitere Ausführungen zum Vollzug der Wegweisung (vgl. BVGE
2009/51 E. 5.4, BVGE 2011/7 E. 8).
Festzuhalten gilt es der Vollständigkeit halber, dass sich aus den vorste-
henden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerdeführenden
seien zum heutigen Zeitpunkt in ihrem Heimatland nicht gefährdet. Eine
http://links.weblaw.ch/BVGer-D-3839/2013 http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/37 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/51 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/51 http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/7
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solche Gefährdungslage ist jedoch auf die in Syrien herrschende Bürger-
kriegssituation zurückzuführen. Das SEM hat dieser generellen Gefähr-
dung Rechnung getragen und die Beschwerdeführenden – vgl. oben – vor-
läufig aufgenommen.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da
ihnen jedoch mit Zwischenverfügung vom 17. November 2017 die unent-
geltliche Prozessführung gewährt worden ist und sich aus den Akten keine
wesentliche Verbesserung ihrer finanziellen Verhältnisse ergibt, sind keine
Verfahrenskosten zu erheben. Es werden keine Parteientschädigungen zu-
gesprochen (Art. 64 VwVG; Art. 7 Abs. 1 und 3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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