Decision ID: 74a65bac-993a-4efd-a8bd-d9776905d182
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfacher Angriff etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom 12. Oktober 2017 (DG160228)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 20. Juli 2016 ist diesem
Urteil beigeheftet (Urk. 1/1000220).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 61 S. 151 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des mehrfachen Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB gemäss Dossier 1
und 2;
− der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gemäss Dossier 4 zum Nachteil von
B._.
2. Vom Vorwurf des mehrfachen Angriffs gemäss Dossier 4 zum Nachteil von
C._ und von D._ wird der Beschuldigte A._ freigesprochen.
3. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 27 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 135 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (9 Monate, abzüglich 135 Tage,
die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Folgende, von der Kantonspolizei Zürich sichergestellten und beim Forensischen
Institut Zürich lagernden Gegenstände werden eingezogen und der Lagerbehörde
zur Vernichtung überlassen:
− Massive Eisenstange mit Lochung an den Enden, mit Blutfleck (Asservat-Nr. A005'917'793);
− Holzstock, gebrochen (Asservat-Nr. A005'934'747); − 1 Eisenstange, gerippt, und zwei Metallstangen, oval weiss ummantelt
(Asservat-Nr. A005'934'816).
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6. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger E._ Schadener-
satz von Fr. 113.55 zu bezahlen, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern.
7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber dem Privatkläger
E._ im Übrigen aus dem eingeklagten Ereignis gemäss Dossier 1 dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weite-
ren Mittätern. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzan-
spruchs wird der Privatkläger E._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger E._ Fr. 4'000.–
zuzüglich 5% Zins ab 24. Juni 2013 als Genugtuung zu bezahlen, unter
solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren des Privatklägers E._ abgewiesen.
9. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger F._ Schadener-
satz von Fr. 848.– zuzüglich 5% Zins ab 1. November 2013, Fr. 856.80 zuzüglich
5% Zins ab 1. Januar 2015 sowie Fr. 847.80 zuzüglich 5% Zins ab 1. November
2013 zu bezahlen, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern. Im
Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren des Privatklägers F._
abgewiesen.
10. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber dem Privatkläger
F._ im Übrigen aus dem eingeklagten Ereignis gemäss Dossier 1 dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weite-
ren Mittätern. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzan-
spruchs wird der Privatkläger F._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger F._ Fr. 9'000.–
zuzüglich 5% Zins ab 24. Juni 2013 als Genugtuung zu bezahlen, unter
solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern. Im Mehrbetrag wird das Genug-
tuungsbegehren des Privatklägers F._ abgewiesen.
12. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber dem Privatkläger
G._ aus dem eingeklagten Ereignis gemäss Dossier 2 dem Grundsatze nach
schadenersatzpflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern. Zur
genauen Feststellung des Umfanges seines Schadenersatzanspruchs wird der Pri-
vatkläger G._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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13. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger G._ Fr. 2'500.–
zuzüglich 5% Zins ab 24. Juni 2013 als Genugtuung zu bezahlen, unter
solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern. Im Mehrbetrag wird das Genug-
tuungsbegehren des Privatklägers G._ abgewiesen.
14. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers D._ wird abgewiesen.
15. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers C._ wird abgewiesen.
16. Der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird mit insgesamt
Fr. 34'419.15 (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) aus der Gerichtskasse ent-
schädigt.
17. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers E._, Rechtsanwalt lic. iur.
Y1._, wird mit Fr. 1'056.25 (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
18. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Privatklägers F._, Rechtsanwältin Dr.
iur. Y2._, wird mit Fr. 2'574.55 (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
19. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Privatklägers G._, Rechtsanwältin
lic. iur. Y3._, wird mit Fr. 319.90 (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) aus
der Gerichtskasse entschädigt.
20. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 6'000.– Gebühr Untersuchung,
Fr. 2'373.10 Gutachten/Expertisen etc.,
Fr. 23.30 Zeugenentschädigung,
Fr. 14'161.35 amtliche Verteidigung Untersuchung,
Fr. 20'257.80 amtliche Verteidigung,
Fr. 5'361.45 Vertreter Geschädigte/Privatkläger.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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21. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Pri-
vatklägerschaft, werden dem Beschuldigten A._ zu sieben Achteln auferlegt
und zu einem Achtel auf die Staatskasse genommen. Die Kosten der unentgeltli-
chen Vertretung der Privatklägerschaft werden definitiv auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden zu einem Achtel definitiv
und zu sieben Achteln einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von sieben
Achteln.
22. (Mitteilungen)
23. (Frist für Gesuch um Neubeurteilung)
24. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 90 S. 2)
1. Es seien die Ziffern 1, 3 und 4, 6 bis 13 sowie 21 des Urteils des Be-
zirksgerichts Zürich vom 12. Oktober 2017 aufzuheben;
2. Es sei der Beschuldigte von sämtlichen Vorwürfen freizusprechen;
3. Es seien die Zivilansprüche (Schadenersatz und Genugtuung) der
Privatkläger 1 bis 3 vollumfänglich abzuweisen;
4. Es sei dem Beschuldigten eine Entschädigung für die erstandene Un-
tersuchungshaft in Höhe von CHF 200.00 pro Tag, total CHF 27'000.00
(135 * CHF 200.00) zuzusprechen;
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5. Es seien die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, des Berufungs-
verfahrens sowie die Kosten der amtlichen Verteidigung (zzgl. MwSt.)
auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 67)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertretung des Privatklägers F._:
(Prot. II S. 16)
1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Das erstinstanzliche Urteil sei zu bestätigen.
3. Der Berufungskläger habe die Verfahrenskosten zu tragen und für die
Bemühungen der Rechtsvertreterin des Privatklägers eine Partei-
entschädigung zu zahlen, alles unter Kosten- und Entschädigungs-
folgen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil vom 12. Oktober 2017
kann auf die entsprechenden Ausführungen dort verwiesen werden (Urk. 61 S. 7
ff.).
1.2. Nach durchgeführter Hauptverhandlung am 6. Oktober 2017 (Prot. I
S. 11 ff.) und interner Beratung am 12. Oktober 2017 (Prot. I S. 22 ff.) eröffnete
die Vorinstanz ihren eingangs im Dispositiv wieder gegebenen Entscheid schrift-
lich und verurteilte den Beschuldigten wegen mehrfachen Angriffs (betreffend
Dossier 1 und 2) und versuchter einfacher Körperverletzung (betreffend Dossier
4), wofür sie ihn mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten bestrafte,
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wovon 18 Monate unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren bedingt aufge-
schoben wurden (Urk. 49). Innert Frist (Art. 399 Abs. 1 StPO) meldete die Vertei-
digung des Beschuldigten am 20. Oktober 2017 Berufung an (Urk. 50/2; Urk. 51).
Weitere Berufungen wurden weder von der Staatsanwaltschaft noch von der Pri-
vatklägerschaft angemeldet, weshalb diesen mit Schreiben vom 7. November
2017 die Berufungsanmeldung des Beschuldigten mitgeteilt wurde (Urk. 58/1-7).
1.3. Nach Zustellung des begründeten Urteils an den Beschuldigten am
21. Februar 2018 (Urk. 59/2) reichte sein Verteidiger innert gesetzlicher Frist
(Art. 399 Abs. 2 StPO) die Berufungserklärung ein (Urk. 62).
1.4. Mit Präsidialverfügung vom 3. April 2018 wurde der Staatsanwaltschaft und
den Privatklägern die Berufungserklärung zugestellt und Frist angesetzt, um An-
schlussberufung zu erheben oder um begründet ein Nichteintreten auf die Beru-
fung zu beantragen (Urk. 65). Mit Schreiben vom 13. April 2018 teilte die Staats-
anwaltschaft Verzicht auf Anschlussberufung mit und beantragte Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 67). Mit Schreiben vom 17. April 2018 teilte die Ver-
treterin des Privatklägers F._ einerseits Verzicht auf Anschlussberufung mit
(Urk. 72) und stellte für diesen ein Begehren um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes (Urk. 69). Am
25. April 2018 teilte der Vertreter des Privatklägers E._ ebenfalls Verzicht auf
Anschlussberufung mit (Urk. 74). Die übrigen Privatkläger liessen sich innert Frist
nicht vernehmen.
1.5. Mit Präsidialverfügung vom 9. Mai 2018 wurden die diversen Eingaben den
übrigen Parteien zugestellt und festgehalten, dass die Bestellung eines unentgelt-
lichen Rechtsbeistandes grundsätzlich auch für das Berufungsverfahren gelte,
weshalb die Vertreterin des Privatklägers F._, Rechtsanwältin Dr. iur.
Y2._, nicht ausdrücklich erneut zu bestellen sei (Urk. 76).
1.6. Nach telefonischer Rücksprache erklärte der Verteidiger, es bestehe kein
Kontakt mit dem Beschuldigten und die Ausführungen in der Berufungserklärung
sollen als Dispensationsgesucht behandelt werden (Urk. 79), weshalb der Be-
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schuldigte mit Verfügung vom 7. September 2018 von der heutigen Berufungs-
verhandlung dispensiert wurde (Urk. 82).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte liess mit der Berufungserklärung folgende Anträge er-
heben (Urk. 62 S. 3):
"1. Es seien die Ziffern 1, 3 und 4, 6 bis 13 sowie 21 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 12. Oktober 2017 aufzuheben;
2. Es sei der Beschuldigte von sämtlichen Vorwürfen ;
3. Es seien die Zivilansprüche (Schadenersatz und Genugtuung) der Privatkläger 1 bis 3 vollumfänglich abzuweisen;
4. Es sei dem Beschuldigten eine Entschädigung für die erstandene Untersuchungshaft in Höhe von CHF 200.00 pro Tag, total CHF 27'000.00 (135 * CHF 200.00) zuzusprechen;
5. Es seien die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, des  sowie die Kosten der amtlichen Verteidigung (zzgl. MwSt.) auf die Staatskasse zu nehmen."
2.2. Nachdem diese Anträge anlässlich der Berufungsverhandlung unverändert
wiederholt wurden, sind im Berufungsverfahren folglich nicht angefochten, was
von den an der Berufungsverhandlung anwesenden Parteien auch einstimmig
bestätigt wurde (Prot. II S. 15):
- der vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf des mehrfachen Angriffs ge-
mäss Dossier 4 zum Nachteil von C._ und von D._ (Urteilsdisposi-
tiv-Ziff. 2.)
- der Einzug zur Vernichtung der beschlagnahmten Eisenstangen und des
Holzstocks (Urteilsdispositiv-Ziff. 5.)
- die Abweisung des Genugtuungsbegehrens von D._ und des Schaden-
ersatzbegehrens von C._ (Urteilsdispositiv-Ziffern 14. und 15.)
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- die Entschädigungen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Rechtsvertreter (Urteilsdispositiv-Ziffern 16. bis 19.)
- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 20.)
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
3. Anklageprinzip
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich Dossier 4 der versuchten ein-
fachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen (Urk. 61 S. 151 Ziff. 1), obschon die
Anklage einzig einen mutmasslichen Angriff umschreibt (Urk. 1/1000220). Der
Vorsitzende der vorinstanzlichen Hauptverhandlung hat die Parteien jedoch ein-
leitend darauf hingewiesen, dass das Verhalten des Beschuldigten allenfalls auch
als versuchte einfache Körperverletzung qualifiziert werden könne, und die
Staatsanwaltschaft und den Verteidiger dazu eingeladen, im Rahmen ihrer Partei-
vorträge dazu Stellung zu nehmen (Prot. I S. 12). Die Staatsanwaltschaft hat sich
denn auch kurz dazu geäussert (Urk. 43 S. 6), der Verteidiger hingegen nicht
(Urk. 45; Prot. I S. 17 ff.). Dem rechtlichen Gehör wurde somit Genüge getan
(Art. 333 Abs. 1 StPO) und das Anklageprinzip gewahrt, Gegenteiliges wurde von
der Verteidigung denn auch nicht geltend gemacht (Urk. 90).
4. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen Rechtsanwalt lic. iur.
X._ namens und in Vertretung des Beschuldigten, der Mitbeschuldigte
H._ in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur.
Z1._, der Mitbeschuldigte I._ in Begleitung seines amtlichen Verteidi-
gers, Fürsprecher Z2._, Staatsanwalt lic. iur. U. Krättli als Vertreter der An-
klagebehörde, der Privatkläger E._ in Begleitung seines Vertreters, Rechts-
anwalt lic. iur.Y1._, sowie Rechtsanwältin Dr. iur. Y2._ namens und in
Vertretung des Privatklägers F._ (Prot. II S. 5). Der Beschuldigte wurde be-
reits mit Präsidialverfügung vom 7. September 2018 von der Teilnahme an der
heutigen Berufungsverhandlung dispensiert (Urk. 82). Vorfragen waren keine zu
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entscheiden und es wurden den Beschuldigten betreffend auch keine Beweisan-
träge gestellt(Prot. II S. 11 ff. und S. 15). Das Urteil erging im Anschluss an die
Berufungsverhandlung (Prot. II S. 30 ff.).
5. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die
urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141
IV 249 E. 1.3.1,mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für
ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
A. Dossier 1
1. Ausgangslage
1.1. Politischer Hintergrund
Es ist wohl als unbestritten zu erachten (Urk. 45 S. S. 2 ff.; Prot. I S. 14 f.; Urk. 61
S. 17; Urk. 90 S. 3), dass die eritreische Bevölkerung – vereinfacht dargestellt – in
zwei politische Lager geteilt ist. In Eritrea gilt ein sogenanntes Einparteiensystem,
es ist nur eine politische Partei offiziell zugelassen. Oppositionsparteien gelten als
illegal und sie dürfen bei Wahlen nicht antreten. Der Beschuldigte ist gegen den
Präsidenten von Eritrea, weshalb er auch als Flüchtling hier in die Schweiz ge-
kommen ist. Er und die Mitbeschuldigten I._ und H._ nahmen teils re-
gelmässig an politischen Veranstaltungen in der Schweiz und in Deutschland teil
(Urk. 1/007001 S. 5; Urk. 1/056007 S. 6 f.; Urk. 1/052004 S. 6 Frage 57;
Urk. 1/057005 S. 5 f.).
Inwiefern der Privatkläger E._ Anhänger der Regierungspartei und des eritre-
ischen Präsidenten ist, wie es der Beschuldigte diesem offenbar vorgeworfen hat
(Urk. 1/007002 S. 1 f. Frage 5; Urk. 1/010001 S. 5 Frage 28; Urk. 1/010002 S. 3
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Frage 18), ist nicht erstellt und mit der Vertreterin des Privatklägers F._ vor-
liegend auch nicht relevant (Prot. I S. 14 f.), da dieser mutmassliche politische
Hintergrund die dem Beschuldigten und den Mitbeschuldigten vorgeworfenen Ta-
ten in keiner Weise zu rechtfertigen vermögen.
1.2. Beweismittel und deren Verwertbarkeit
1.2.1. Die Vorinstanz hat zutreffend und abschliessend festgehalten, welche
Einvernahmen von welchen Personen auch zulasten des Beschuldigten verwert-
bar sind, dass auf die in den Akten liegenden Arztberichte und Fotografien der er-
littenen Verletzungen abgestellt werden kann sowie dass auf das von J._ am
24. Juni 2013 mit ihrem Smartphone erstellte Video mangels Relevanz nicht wei-
ter einzugehen ist (Urk. 61 S. 14 ff.). Zwecks Vermeidung von Wiederholungen
kann auf diese vorinstanzlichen Ausführungen vollumfänglich verwiesen werden,
zumal auch keine der Parteien dagegen opponierte oder Gegenteiliges vorge-
bracht hat.
1.2.2. Festzuhalten ist deshalb zusammenfassend, dass die Aussagen der
Mitbeschuldigten K._ und L._ sowie die Aussagen der lediglich polizei-
lich befragten M._, N._, J._, O._ und P._ mangels Wah-
rung des Teilnahmerechts des Beschuldigten bzw. mangels Konfrontation mit de-
ren Aussagen nicht zu seinem Nachteil verwendet werden dürfen.
1.3. Glaubwürdigkeit der involvierten Personen
1.3.1. Die Vorinstanz hat sich in ihrem Urteil ausführlich und zutreffend zur
allgemeinen Glaubwürdigkeit der verschiedenen einvernommenen Personen
geäussert und sinngemäss festgehalten, dass bei all den einvernommenen Per-
sonen gewisse Zweifel und Vorbehalte angebracht bzw. bei der Würdigung ihrer
Aussagen gewisse Vorsicht geboten sei, da sie entweder als (Mit-)Beschuldigte
oder Privatkläger ein eigenes Interesse am Ausgang des gerichtlichen Verfahrens
hätten oder es sich dabei um Kollegen der Privatkläger handle (Urk. 61 S. 17 ff.).
Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden, zumal auch dies von keiner Partei
beanstandet wurde.
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1.3.2. Zutreffend konkludiert die Vorinstanz dann auch, dass nicht die pro-
zessuale Stellung der Beschuldigten bzw. der Privatkläger, der Zeugen sowie der
weiteren befragten Personen, sondern der materielle Gehalt ihrer Aussagen in
erster Linie massgebend ist (Urk. 61 S. 20). Denn nach herrschender Praxis darf
nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die allgemeine Glaubwürdigkeit der aus-
sagenden Person abgestellt werden, sondern es ist vor allem die Glaubhaftigkeit
ihrer konkreten, sachverhaltsrelevanten Aussagen zu berücksichtigen. Diese sind
einer Analyse und einer kritischen Würdigung zu unterziehen (vgl. hierzu aus-
führlich Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, Glaubwürdig-
keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Aufl., München 2007, S. 68 ff. und
S. 84 ff. und Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugen-
aussagen, SJZ 81 [1985], S. 53 ff.). Auf die Glaubhaftigkeit und die entsprechen-
de Würdigung der Aussagen der diversen involvierten Personen wird nachfolgend
genauer einzugehen sein.
2. Beweiswürdigung
2.1. Vorinstanzliches Beweisergebnis
2.1.1. Die Vorinstanz ist nach ausführlicher und akribischer Prüfung und
Würdigung sämtlicher relevanten Aussagen des Privatklägers E._ (Urk. 61
S. 23-35), des Privatklägers F._ (Urk. 61 S. 36-42) und des Beschuldigten
(Urk. 61 S. 42-47), der Zeugen Q._, R._, S._, T._ und
U._ (Urk. 61 S. 47-59), der zumindest nicht zulasten des Beschuldigten
ausfallenden Aussagen der Mitbeschuldigten V._, I._, W._ und
H._ und der nicht zu seinen Lasten verwertbaren Aussagen der Mitbeschul-
digten K._ und L._ sowie der lediglich polizeilich befragten N._,
J._, M._, O._ und P._ (Urk. 61 S. 59-63) zum Schluss ge-
kommen, dass die Aussagen der Privatkläger E._ und F._ glaubhaft
seien und das Aussageverhalten des Beschuldigten demgegenüber nicht zu über-
zeugen vermöge.
2.1.2. Die Vorinstanz erachtete deshalb den folgenden Sachverhalt als
rechtsgenügend erstellt (Urk. 61 S. 64-68):
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Am 24. Juni 2013 sei es im Restaurant AA._ zu einem tätlichen Übergriff ge-
kommen, an welchem namentlich der Beschuldigte A._ und die Mit-
beschuldigten V._, I._, H._ und K._ beteiligt gewesen seien.
Der Vorfall habe dabei damit begonnen, dass der Beschuldigte den Privatkläger
E._ im Restaurant AA._ auf seine politische Haltung zur eritreischen
Regierung angesprochen habe, worauf dieser den Beschuldigten vors Lokal ge-
führt habe. Im Eingangsbereich sei der Beschuldigte sodann tätlich gegen den
Privatkläger E._ vor gegangen, wobei offen bleiben müsse, ob er ihm einen
Stoss mit den Händen gegen die Brust oder einen Kopfstoss gegen den Stirnbe-
reich versetzt habe. Vor dem Lokal sei der Privatkläger E._ alsdann von ei-
ner Gruppe von Männern körperlich mit Händen und Füssen angegriffen worden.
Nachdem der Privatkläger E._ nicht mehr ins Restaurant zurückgekehrt sei,
hätten mehrere Gäste das Lokal verlassen wollen, was ihnen jedoch nicht gelun-
gen sei, da der Mitbeschuldigte I._ im Eingang gestanden, ihnen den Weg
versperrt und sie zurück ins Restaurant gestossen habe. Als der Privatkläger
E._ daraufhin ins Lokal habe zurückkehren wollen, habe ihm der Mitbeschul-
digte I._ einen Fusstritt bzw. -kick gegen die Stirn versetzt. Der Privatkläger
E._ sei in der Folge zurück ins Restaurant gerannt, wobei ihm die Angreifer
jedoch gefolgt seien. Dort habe ihn der Mitbeschuldigte V._ am Kragen ge-
packt. Zudem habe er den Privatkläger E._ – ein Messer in der Hand haltend
– aufgefordert, sich hinzusetzen. Dieser Aufforderung sei der Privatkläger
E._ indes nicht nach gekommen, sondern sei zurück gewichen, worauf ihm
der Mitbeschuldigte V._ mit dem Messer in der Hand gefolgt sei und dabei
leichte Schwingbewegungen gemacht habe.
Währenddessen hätten die weiteren Angreifer im Inneren des Lokals mit ver-
schiedenen Gegenständen, so insbesondere mit Flaschen und Gläsern, auf die
Gäste eingeschlagen. Unter den Personen, welche mit Stühlen, Flaschen und
Gläsern geworfen hätten, hätten sich dabei insbesondere der Beschuldigte und
die Mitbeschuldigten I._ und H._ befunden. Der Mitbeschuldigte
H._ habe den Privatkläger F._ dabei mit einer (Wodka) Flasche im Ge-
sicht getroffen, wodurch mehrere seiner Zähne ausgefallen bzw. beschädigt wor-
den seien, er aus dem Mund geblutet habe und seine Lippe habe genäht werden
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müssen. Der Mitbeschuldigte I._ habe zudem einen Stuhl hoch gehoben,
welchen er habe herumwerfen bzw. womit er habe auf Gäste einschlagen wollen.
Insbesondere habe er diesen gegen die Zeugin S._ werfen bzw. sie damit
schlagen wollen. Überdies habe der Mitbeschuldigte I._ einem der Gäste
mindestens eine Ohrfeige verpasst. Der Mitbeschuldigte W._ habe sich im
Verlauf des Geschehens seinerseits irgendwann beim Eingang des Lokals aufge-
halten. Der Vorfall habe schliesslich damit geendet, dass der Mitbeschuldigte
K._ den Mitbeschuldigten V._ aufgefordert habe zu verschwinden, wo-
rauf alle Angreifer das Restaurant verlassen hätten und davon gerannt seien.
Aufgrund der Unterlagen der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des
Universitätsspitals Zürich sowie den Ausführungen des Privatklägers E._
könne als gegeben erachtet werden, dass dieser sich im Rahmen der tätlichen
Auseinandersetzung am 24. Juni 2013 eine Schaft-Schrägfraktur des Fingerknö-
chelchens des rechten Mittelfingers zugezogen habe. Ebenso könne davon aus-
gegangen werden, dass er die in der Anklageschrift aufgeführten Prellungen an
der Stirn im Zuge des eingeklagten Vorfalles erlitten habe. Was den Privatkläger
F._ anbelange, müsse aufgrund der vorstehenden Ausführungen alsdann als
erwiesen gelten, dass seine Gebissverletzungen bzw. -beeinträchtigungen sowie
die Rissquetschwunde an seiner Unter- und Oberlippe ebenfalls von den Ereig-
nissen vom 24. Juni 2013, nämlich vom Wurf einer Falsche in sein Gesicht, her-
rühren würden.
2.1.3. Nicht erstellen lasse sich gemäss Ausführungen der Vorinstanz hin-
gegen, dass der Beschuldigte zu O._ gerannt sei, sie verfolgt und eingeholt
habe, sie an den Haaren gerissen sowie ihr einmal gegen den Nacken und min-
destens zweimal ins Gesicht geschlagen habe. Auch dass der Beschuldigte,
nachdem er sich im Anschluss an den tätlichen Übergriff auf den Privatkläger
E._ zurück ins Lokal begeben habe, mit einer Art Eisenstange bewaffnet ge-
wesen sein soll, lasse sich nicht rechtsgenügend nachweisen (Urk. 61 S. 68 f.).
2.1.4. Nach der Vorinstanz ist deshalb erstellt, dass der Beschuldigte zu-
nächst den Privatkläger E._ im Restaurant AA._ auf seine politische
Haltung zur eritreischen Regierung angesprochen habe, worauf ihn dieser vors
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Lokal geführt habe. Im Eingangsbereich des Restaurants sei der Beschuldigte
sodann tätlich gegen den Privatkläger E._ vorgegangen, wobei offen bleiben
müsse, ob er ihm einen Stoss mit den Händen gegen die Brust oder einen Kopf-
stoss gegen den Stirnbereich verpasst habe. Daraufhin seien mehrere Männer
auf Letzteren los gegangen und hätten diesem Schläge und Fusstritte versetzt. Ir-
gendwann sei der Beschuldigte ins Lokal zurück gekehrt, wo er mit Flaschen und
Gläsern geworfen habe. Nachdem ihm letzteres Verhalten in der Anklageschrift
allerdings nicht zur Last gelegt werde, sei dies ausser Acht zu lassen und einzig
davon auszugehen, dass er in dieser Phase mit seiner Anwesenheit physische
Präsenz markiert habe (Urk. 61 S. 69).
2.2. Würdigung
2.2.1. Zu den von der Verteidigung gemachten Ausführungen, wonach der
Privatkläger E._ unglaubhaft und widersprüchlich ausgesagt habe (Urk. 45
S. 5 f.; Urk 90 S. 4 f.), hat sich bereits die Vorinstanz einlässlich geäussert. Die
Vorinstanz hat erwogen, dass sich in den Aussagen des Privatklägers E._
durchaus Ungereimtheiten und Widersprüche erkennen lassen würden. Diese be-
treffen die Frage, ob der Beschuldigte ihn mit beiden Händen gegen die Brust o-
der den Kopf oder gar mit dem Kopf an seine Stirn gestossen habe und ob der
Beschuldigte schliesslich mit einer armlangen Stange im Restaurant bewaffnet
gewesen ist. Ebenso machte die Vorinstanz leichte Widersprüche aus bei seinen
Ausführungen zur Frage, ab wann der Mitbeschuldigte V._ tatsächlich ein
Messer in den Händen gehalten haben soll (bereits vor oder erst im Restaurant)
und ob er überhaupt vom Mitbeschuldigten H._ geschlagen worden sein soll
(Urk. 61 S. 30). Die Vorinstanz hat aber nachvollziehbar daraus geschlossen, es
habe sich vorliegend um ein dynamisches Geschehen mit einer Vielzahl von Be-
teiligten gehandelt, weshalb eine gewisse Ungenauigkeit in den Wiedergaben des
Privatklägers E._ nicht weiter erstaunen würde. Im Gegenteil würde ein in al-
len Einzelheiten konstantes Aussagenverhalten vor diesem Hintergrund eher ver-
wundern und auf eine einstudierte Darstellung hindeuten, während gewisse Ab-
weichungen die Authentizität seiner Schilderungen unterstreichen würden. Diese
Ungereimtheiten würden denn auch nicht den eigentlichen Kern der Geschehnis-
- 16 -
se betreffen. Er habe stets gleichbleibend und übereinstimmend geäussert, wie
ihn der Beschuldigte im Restaurant auf seine politische Haltung zur eritreischen
Regierung angesprochen habe, worauf er ihn vors Lokal geführt habe. Dort sei er
von einer Gruppe von Männern körperlich mit Händen und Füssen angegriffen
worden. Insbesondere habe ihm der Mitbeschuldigte I._ einen Fusstritt bzw. -
kick gegen die Stirn versetzt. Ebenso konstant habe er geschildert, wie er in der
Folge zurück ins Restaurant geflohen sei, wobei ihm die Angreifer gefolgt seien.
Im Innern des Lokals habe ihn der Mitbeschuldigte V._ dann mit einem Mes-
ser in der Hand aufgefordert, sich hinzusetzen, was er aber nicht getan habe.
Vielmehr sei er zurück gewichen, worauf dieser ihm mit dem Messer in der Hand
gefolgt sei. Einheitlich seien auch seine Schilderungen, wonach der Vorfall so zu
Ende gegangen sei, dass der Mitbeschuldigte K._ den Mitbeschuldigten
V._ aufgefordert habe, zu verschwinden, worauf alle Angreifer das Restau-
rant verlassen und davon gerannt seien (Urk. 61 S. 29 ff.).
2.2.2. Mit der Vorinstanz ist auch festzuhalten, dass der Privatkläger
E._ stets klar zwischen selber Erlebtem sowie Angaben vom Hörensagen
unterschieden hat und jeweils auch einräumte, wenn er selber etwas nicht beo-
bachtet hat bzw. etwas nicht wusste (Urk. 61 S. 31 f.). Ausserdem ist augen-
scheinlich, dass der Privatkläger E._ den Beschuldigten wie auch die Mitbe-
schuldigten nicht zu Unrecht belasten will. Mit der Vorinstanz wäre es ihm ein
Leichtes gewesen, diese viel gravierender zu belasten, indem er beispielsweise
angegeben hätte, der Mitbeschuldigte V._ hätte mit dem Messer nicht nur
seitliche Schwingbewegungen sondern auch Stichbewegungen gegen ihn ge-
macht oder der Mitbeschuldigte I._ hätte abgesehen vom Fusstritt an seine
Stirn auch weiter physisch auf ihn eingewirkt. Ergänzend zu diesen vorinstanzli-
chen Ausführungen ist zwar anzufügen, dass der Privatkläger E._ in der ers-
ten polizeilichen Einvernahme durchaus und mehrfach dargelegt hat, der Mitbe-
schuldigte V._ habe mit dem Messer Bewegungen gegen seine Brust
(Urk. 1/010001 S. 2 Frage 9 unten) und immer wieder Stichbewegungen gemacht
(a.a.O., S. 4 Frage 21). Warum der Privatkläger E._ anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme und in Anwesenheit der verschiedenen Beschuldig-
ten (zumindest per Videoübertragung in separate Zimmer) seine ursprüngliche
- 17 -
Aussage abschwächte (Urk. 1/010013 f.), mag widersprüchlich erscheinen. Es ist
aber auch ein Hinweis dafür, dass er die mutmasslichen Angreifer nicht übermäs-
sig belasten wollte. So wurde in der Anklage denn auch die "abgeschwächte"
Version aufgenommen (Urk. 1/1000220 S. 4 oben "leichte Schwingbewegungen").
Umgekehrt ist entgegen der Verteidigung (Urk. 45 S. 4 und 7; lediglich pauschal
auch in Urk. 90 S. 3) und mit der Vorinstanz somit aber auch kein Motiv ersicht-
lich, weshalb der Privatkläger E._ die Beschuldigten zu Unrecht belasten
sollte (Urk. 61 S. 33 f.). Dass er als mutmassliches Opfer eines Angriffes ein tat-
sächliches Interesse an der Verfolgung und Bestrafung der Täter hat
(Urk. 1/010001 S. 5 Frage 30), ist absolut normal und spiegelt sich auch in seiner
prozessualen Stellung als Privatkläger wider, beschlägt aber nicht per se die
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Vielmehr begründet er dies sehr glaubhaft da-
mit, er habe Angst, dass diese Leute wieder kommen würden, weil sie ihn nun für
einen Verräter halten würden, weshalb er auch die Polizei unterstützt habe und
selber auch weitere Ermittlungen tätigen werde, welche er der Polizei mitzuteilen
gedenke (a.a.O.). Auch dass er die Polizei gefragt hat, ob er eine Waffe kriege
(Urk. 1/010002 S. 8 Frage 82), ist vor diesem Hintergrund zu sehen, dass er
Angst vor einer Rache hatte, sich um die Zukunft und die Gäste seines Restau-
rants sorgte (a.a.O., Fragen 74-80). Wenn die Verteidigung daraus ableitet, er
würde alles unternehmen, um eine Bestrafung (des Beschuldigten) zu erwirken,
und auch nicht davor zurück schrecke, sich mit Gewalt zu wehren (Urk. 45 S. 7),
so ist dies schlicht aus dem Kontext heraus gezogen.
2.2.3. Zutreffend hat die Vorinstanz auch erwogen, dass die objektiv festge-
haltenen Verletzungen des Privatklägers E._ klar gegen allfällige Falschbe-
lastungen sprechen würden (Urk. 61 S. 34 f.). Dass er die Fraktur seines Fingers
anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme noch nicht als solche benannt
hat, hat, wie die Vorinstanz richtig folgert, einzig damit zu tun, dass er damals
noch gar nichts von einer Fraktur wissen konnte, denn die ärztliche Untersuchung
fand erst danach statt. Ebenso nachvollziehbar ist, dass er bei der ganzen dyna-
mischen Auseinandersetzung nicht sagen konnte, wann genau und durch wen er
sich diese Verletzung zugezogen hat (vgl. Urk. 1/010022). Und entgegen der An-
sicht der Verteidigung (Urk. 45 S. 3; Urk. 90 S. 8) hat die Vorinstanz nachvollzieh-
- 18 -
bar und zutreffend ausgeführt, warum der Privatkläger E._ sich diesen Kno-
chenbruch nicht bei einem Faustschlag gegen den Beschuldigten zugezogen hat;
weil die entsprechenden Ausführungen des Beschuldigten nicht zu überzeugen
vermögen und als reine Schutzbehauptungen zu qualifizieren sind (Urk. 61 S. 35).
So wollte der Beschuldigte anlässlich seiner ersten Einvernahme weder den Pri-
vatkläger E._ noch das Restaurant AA._ gekannt haben (Urk. 1/007001
S. 4 f.), um dann anlässlich der Einvernahme vom 9. September 2013 dann doch
plötzlich vor Ort gewesen zu sein, vom Privatkläger E._ sogar einen derart
heftigen Faustschlag aufs Auge erhalten zu haben, dass er unmittelbar danach
gar nichts mehr und in der Folge während einer Woche nicht scharf gesehen ha-
be (Urk. 1/007002 S. 2 f. und 6). Sein späterer Erklärungsversuch, er habe zuerst
seine Wunde heilen lassen wollen, statt bei "solchen Dingen" mitzumachen, wes-
halb er erst im weiteren Verlauf die Wahrheit gesagt habe (Urk. 1/103013 S. 12),
vermag mit der Vorinstanz nicht zu überzeugen und erklärt das Aussageverhalten
nicht. Wenn die Vorinstanz also folgert, die behauptete Augenverletzung wäre
zum Zeitpunkt der Hafteinvernahme vom 2. August 2013, also mehr als einen
Monat nach dem Vorfall im Restaurant AA._, bereits verheilt gewesen und es
hätte, da damals eine Verhaftung im Raum gestanden sei, erst recht Anlass für
den Beschuldigten geben müssen, von dieser Verletzung zu erzählen (Urk. 61
S. 46 f.), so ist dem ohne Weiterungen zuzustimmen. Eine Erklärung dafür, inwie-
fern insbesondere die Aussagen des Beschuldigten anläslich seiner ersten Ein-
vernahme nicht schlicht gelogen gewesen sein sollten, kann die Verteidigung
nicht vorbringen (Urk. 90 S. 7).
2.2.4. Die Vorinstanz hat sich zudem einlässlich mit den Aussagen der übri-
gen anwesenden und mutmasslich beteiligten Personen auseinandergesetzt
(Urk. 61 S. 36-41 und S. 47-63), worauf vollumfänglich verwiesen werden kann.
Zutreffend kam die Vorinstanz zum Schluss, dass insbesondere der Privatkläger
F._ den Beschuldigten sowie den Mitbeschuldigten H._ lediglich damit
belastete, sie hätten sich unter den vier Personen befunden, welche Flaschen
geworfen hätten, wobei er aber nicht genau habe sehen können, wer was ge-
macht habe. Der Privatkläger F._ habe letztlich dem Beschuldigten keinen
konkreten Tatbeitrag zugeordnet, insbesondere habe er auch keine Angaben da-
- 19 -
zu machen können, was der Beschuldigte draussen vor dem Restaurant gemacht
habe (a.a.O., S. 41 f.). Dass der Beschuldigte aber entgegen seiner Behauptung
das Restaurant nach dem Vorfall von ausserhalb des Restaurants nicht mehr be-
treten haben soll (Urk. 45 S. 6 ff.; Urk. 90 S. 8), wird mit der Vorinstanz (Urk. 61
S. 66) durch die glaubhaften Aussagen des Privatklägers F._ und des Zeu-
gen T._ widerlegt. F._ kannte den Beschuldigten zuvor noch nicht und
hat ihn anhand einer Wahlbildkonfrontation als denjenigen bezeichnet, der zu Be-
ginn ins Restaurant gekommen sei und gefragt habe, ob sie dafür oder dagegen
seien, und später im Restaurant auch noch Flaschen geworfen habe
(Urk. 1/011014). Hätte sich der Privatkläger F._, wie es die Verteidigung be-
hauptet (Prot. I S. 20), mit den übrigen Anwesenden abgesprochen, wäre ihm
wohl spätestens an dieser staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. Sep-
tember 2013 zumindest der Name des Beschuldigten bekannt gewesen. Denn
aufgrund eigener Nachforschungen war dem Privatkläger E._ spätestens
aber bereits am 9. Juli 2013 der Name des Beschuldigten bekannt (Urk. 1/010002
S. 1 Frage 6). Zumindest indiziert dies, dass zwischen den beiden Privatklägern
diesbezüglich keine Absprache stattgefunden hat.
2.3. Es ist deshalb mit der Vorinstanz der von ihr umschriebene Sachverhalt
(Urk. 61 S. 69) als erstellt zu erachten.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Die Vorinstanz ist der Anklage gefolgt und hat den Beschuldigten hinsichtlich
Dossier 1 des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB schuldig gesprochen (Urk. 61
S. 70 f.).
3.2. Die Verteidigung hat vor Vorinstanz vorgebracht, es müsse von Raufhandel
statt von Angriff ausgegangen werden, da der Privatkläger E._ den Beschul-
digten mit der rechten Faust gegen die linke Gesichtshälfte geschlagen habe, was
durch den Bruch des Mittelfingers belegt sei (Urk. 45 S. 18). Nachdem mit der Vo-
rinstanz auch heute die entsprechenden Aussagen des Beschuldigten als un-
glaubhaft zu würdigen sind, zielt dies Argumentation der Verteidigung ins Leere.
Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass weder der Privatkläger E._
- 20 -
noch der Privatkläger F._ je gegen den Beschuldigten oder die übrigen An-
greifer tätlich vorgegangen sind, weshalb das Verhalten des Beschuldigten klar
als Angriff zu qualifizieren ist. Es kann ohne Weiterungen auf die zutreffenden
Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden.
3.3. Der Beschuldigte ist folglich des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB
schuldig zu sprechen.
B. Dossier 2
1. Ausgangslage
1.1. Politischer Hintergrund
Auch bezüglich Dossier 2 scheint die inkriminierte Tat einen politischen Hinter-
grund zu haben, weshalb vorab auf die Erwägungen in Ziffer II.A.1.1. verwiesen
werden kann. Auch hier steht im Raum, dass der Beschuldigten im Privatkläger
G._ einen Regierungssympathisanten sah (Urk. 1/102013). Und ebenfalls ist
hier festzuhalten, dass dieser mutmassliche politische Hintergrund die dem Be-
schuldigten vorgeworfenen Taten in keiner Weise zu rechtfertigen vermögen.
1.2. Verwertbarkeit der Beweismittel
Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass sämtliche relevanten Ein-
vernahmen der involvierten Personen sowie der Bericht und der ärztliche Befund
des Zentrums für Zahnmedizin der Universität Zürich prozessual verwertbar sind.
Es kann deshalb auf die entsprechenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil
verwiesen werden (Urk. 61 S. 72 f.).
1.3. Glaubwürdigkeit der involvierten Personen
Die Vorinstanz hat sich in ihrem Urteil zutreffend zur allgemeinen Glaubwürdigkeit
der verschiedenen einvernommenen Personen geäussert und sinngemäss fest-
gehalten, dass sowohl der Privatkläger G._ aufgrund seiner prozessualen
Stellung ein gewisses Eigeninteresse am Ausgang des Verfahrens habe, als auch
die beiden Zeugen AB._ und AC._ nicht als neutral angesehen werden
- 21 -
könnten, da sie politisch Sympathisanten der eritreischen Regierung seien
(Urk. 61 S. 73 f.). Darauf kann verwiesen werden. Wie bereits erwogen (Ziffer
II.A.1.3.2.) ist bei der Sachverhaltserstellung die allgemeine Glaubwürdigkeit je-
doch kaum von Relevanz und es ist vielmehr auf die Glaubhaftigkeit der konkret
gemachten Aussagen zu achten.
2. Beweiswürdigung
2.1. Die Vorinstanz ist nach erneut ausführlicher und akribischer Würdigung der
Aussagen sämtlicher involvierten Personen zum Schluss gekommen, der Ankla-
gesachverhalt sei aufgrund der glaubhaften Aussagen des Privatklägers G._,
welche sich mit den Darstellungen der Zeugen AB._ und AC._ decken
und zudem vom ärztlichen Bericht gestützt würden, im Wesentlichen erstellt. Es
sei entgegen der Anklage jedoch davon auszugehen, dass der Beschuldigte die
weiteren Angreifer, darunter die Mitbeschuldigten V._ und W._, erst
dann herbei gerufen habe, als er den Privatkläger G._ beleidigt, am Kragen
gepackt und gegen den Kopf geschlagen habe. Nicht abschliessend klären lasse
sich sodann, wann genau der Zeuge AC._ dazwischen zu gehen versucht
habe und darauf hin ebenfalls geschlagen worden sei. Aufgrund der Schilderun-
gen sämtlicher Beteiligter müsse dies in jedem Fall stattgefunden haben, bevor
der Privatkläger G._ zu Boden gegangen sei (Urk. 61 S. 74-88). Die Vo-
rinstanz hat sich dabei auch mit sämtlichen von der Verteidigung vorgebrachten
Argumenten (Urk. 45 S. 9 ff.) auseinandergesetzt und es kann, um Wiederholun-
gen zu vermeiden, vollumfänglich darauf verwiesen werden.
2.2. Im Berufungsverfahren erschöpfen sich die Ausführungen der Verteidigung
in – teilweise wörtlicher – Wiederholung dessen, was bereits vor Vorinstanz ar-
gumentiert wurde (Urk. 90 S. 9 ff.). Wiederum führt die Verteidigung aus, es lägen
keine tauglichen Beweise vor. Die Verurteilung durch die Vorinstanz stütze sich
lediglich auf die Aussagen des Privatklägers G._ und zwei angebliche Zeu-
gen, welche im Nachhinein produziert worden seien, um die kaum haltbaren Vor-
würfe zu stützen (Urk. 90 S. 9).
- 22 -
2.3. Wie bereits die Vorinstanz festgehalten hat, ist es zutreffend, dass der Pri-
vatkläger G._ anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahmen seine beiden
Begleiter und Zeugen AB._ und AC._ noch nicht erwähnt hat (vgl.
Urk. 1/102001). Erst bei der nächsten polizeilichen Einvernahme zwei Monate
später am 27. August 2013 erzählte der Privatkläger G._, dass er mit ande-
ren Personen unterwegs gewesen sei, die aber geflüchtet seien, und nannte die
beiden Zeugen (Urk. 1/102004 Antworten 15 und 17). Das mag in der Tat auf den
ersten Blick verwunderlich wirken. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehal-
ten hat, wurde der Privatkläger G._ bei der ersten Einvernahme am 26. Juni
2013 vom einvernehmenden Polizeibeamten jedoch gar nie nach allfälligen Be-
gleiter von ihm selber befragt. Die Vorinstanz hat auch schlüssig gewürdigt, dass
die Aussagen der beiden Zeugen nicht auf ein abgesprochenes Aussageverhalten
schliessen, sondern vielmehr eigens Erlebtes darstellen würden (Urk. 61
S. 81 ff.). Im Berufungsverfahren bringt die Verteidigung wie bereits erwähnt denn
auch keine wirklich neuen Argumente vor, die das nachvollziehbare Beweiser-
gebnis der Vorinstanz derart in Zweifel ziehen würden, als dass von einem ande-
ren als dem von der Vorinstanz erstellten Sachverhalt auszugehen wäre.
2.4. Es ist deshalb auch hinsichtlich Dossier 2 vom vorinstanzlich erstellten
Sachverhalt auszugehen.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Ausgangslage
3.1.1. Die Vorinstanz ist der Anklage gefolgt und hat den Beschuldigten hin-
sichtlich Dossier 2 ebenfalls des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB schuldig
gesprochen (Urk. 61 S. 88 f.).
3.1.2. Die Verteidigung hat vor Vorinstanz eingewendet, der Privatkläger
G._ habe den Beschuldigten ergriffen und an diesem gezerrt, was über einen
defensiven Versuch sich zu schützen hinaus gehe. Es liege deshalb eine wech-
selseitige Auseinandersetzung vor, entsprechend falle der Sachverhalt unter den
Tatbestand des Raufhandels im Sinne von Art. 133 StGB (Urk. 45 S. 18). Mit die-
- 23 -
ser Argumentation hat sich die Vorinstanz nicht näher auseinander gesetzt und
lediglich festgehalten, der Beschuldigte habe den Übergriff auf den Privatkläger
G._ initiiert und dieser habe sich zu schützen versucht, ohne selber aktiv ge-
gen seine Angreifer vorzugehen (Urk. 61 S. 89). Es ist deshalb vertiefter darauf
einzugehen.
3.2. Theoretische Ausführungen
3.2.1. Angriff
(a) Gemäss Art. 134 StGB macht sich strafbar, wer sich an einem Angriff auf
einen oder mehrere Menschen beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung
eines Angegriffenen oder eines Dritten zur Folge hat.
(b) Als Angriff wird eine einseitige, von feindseligen Absichten getragene, ge-
waltsame Einwirkung durch mindestens zwei Personen auf den oder die Körper
eines oder mehrerer Menschen verstanden. Im Gegensatz zum Raufhandel (vgl.
nachfolgend) geht daraus hervor, dass die angegriffene Seite entweder völlig
passiv bleibt oder sich nur defensiv zu schützen versucht. Eine Beteiligung an ei-
nem solchen Angriff kann auf jede Art erfolgen, solange die Beteiligten an Ort und
Stelle in das Geschehen eingreifen; Beteiligung kann somit auch eine sachlich un-
terstützende, psychische oder verbale Mitwirkung zu Gunsten der angreifenden
Partei sein (Maeder in: BSK StGB II, 3. Aufl., Basel 2013, N 5 ff. zu Art. 134 StGB;
Trechsel/Mona, Praxiskommentar StGB, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 134
N 1 f.; Donatsch, OFK-StGB, 19. Aufl., Zürich 2013, Art. 134 N 1). Als objektive
Strafbarkeitsbedingung wird gefordert, dass der Angriff den Tod oder eine Kör-
perverletzung eines Angegriffenen oder eines Dritten zur Folge hat
(Maeder in: BSK StGB II, a.a.O., Art. 134 N 10; Trechsel/Mona, a.a.O., Art. 134
N 3). Es handelt sich bei diesem Tatbestand um einen abstrakten Gefähr-
dungstatbestand (Maeder in: BSK StGB II, a.a.O., Art. 134 N 1). Auf der subjekti-
ven Seite wird Vorsatz bezüglich der Teilnahme an einem Angriff gefordert, wobei
er sich auf alle objektiven Tatbestandsmerkmale beziehen muss, nicht aber auf
die Todes- oder Körperverletzungsfolge. Eventualvorsatz genügt (Maeder in: BSK
- 24 -
StGB II, a.a.O., Art. 134 N 9; Trechsel/Mona, a.a.O., Art. 134 N 4; Donatsch,
a.a.O., Art. 134 N 2).
(c) Da der Tatbestand des Raufhandels nach Art. 133 StGB jeweils ausschei-
det, wenn sich nicht zwei Parteien gegenseitig schlagen, sondern eine Partei ge-
genüber dem Angriff mehrerer Personen passiv bleibt, wurde in einer Teilrevision
des Strafgesetzbuches 1989 der Tatbestand des Angriffs als Art. 134 ins Strafge-
setzbuch aufgenommen (Inkrafttreten am 1. Januar 1990). Mit diesem Tatbestand
galt es offensichtlich, nach Zunahme entsprechender Vorfälle, das Bedürfnis,
entsprechende Angriffe von Schlägertrupps auf einzelne Mitmenschen oder
zahlenmässig weit unterlegene Personengruppen sanktionieren zu können, im
Sinne eines abstrakten Gefährdungsdeliktes zu befriedigen (BBl 1985 II 1041;
Stratenwerth/Jenny/Bommer, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I:
Straftaten gegen Individualinteressen, 7. Aufl., Bern 2010, S. 93 N 36). Dadurch
konnten wie beim Raufhandel Beweisschwierigkeiten vermieden werden, weil im
Nachhinein oft nicht mehr festgestellt werden kann, wer welchen Beitrag geleistet
resp. welchen Erfolg bewirkt hat (Maeder in: BSK StGB II, a.a.O., Art. 134 N 1).
Gemäss Aebersold ist diese Bestimmung zugeschnitten auf aggressive Übergriffe
von Rockerbanden, Hooligans, Skinheads, Neonazis oder ähnlichen Gruppen,
da sich seit den 70er-Jahren solche Angriffe auf mehr oder weniger wehrlose
Opfer (z.B. Asylsuchende, Homosexuelle oder Fans der gegnerischen Fussball-
mannschaft) zu häufen begannen (Maeder in: BSK StGB II, a.a.O., Art. 134 N 3).
3.2.2. Raufhandel
(a) Gemäss Art. 133 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft, wer sich an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die
Körperverletzung eines Menschen zur Folge hat (Abs. 1). Nicht strafbar ist, wer
ausschliesslich abwehrt oder die Streitenden scheidet (Abs. 2).
(b) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2.) ist
ein Raufhandel eine wechselseitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens
drei Personen, die den Tod oder die Körperverletzung eines Menschen zur Folge
hat. Ein Streit zwischen zwei Personen wird zum Raufhandel, wenn ein Dritter
- 25 -
tätlich eingreift. Strafbar ist, wer sich beteiligt, d.h. wer aktiv am Raufhandel teil-
nimmt in einer Weise, die geeignet ist, die Auseinandersetzung zu fördern bzw.
deren Intensität zu steigern. So ist auch derjenige Beteiligter, der vor der Erfüllung
der objektiven Strafbarkeitsbedingung – der Tod oder die Körperverletzung eines
Menschen – vom Raufhandel ausscheidet, da seine bisherige Mitwirkung die
Streitfreudigkeit der Beteiligten gesteigert hat, so dass die dadurch erhöhte Ge-
fährlichkeit der Schlägerei regelmässig auch über die Dauer der Beteiligung ein-
zelner Personen hinaus fortwirkt. Darüber hinaus gilt auch der Abwehrende als
Beteiligter. Er ist gemäss Art. 133 Abs. 2 StGB nicht strafbar. Aber nur wer sich
völlig passiv verhält, ist von der Bestimmung nicht erfasst.
Tätliche Auseinandersetzungen zwischen mehr als zwei Personen sind oft derart
unübersichtlich, dass sich nicht nachweisen lässt, wer die Körperverletzung oder
den Tod einer Person verursacht hat. Sinn und Zweck von Art. 133 StGB ist, in
solchen Situationen zu verhindern, dass die Verantwortlichen straflos bleiben.
Aufgrund der Beweisschwierigkeiten ist bereits die Beteiligung am Raufhandel
unter Strafe gestellt. Es handelt sich beim Raufhandel mithin um ein abstraktes
Gefährdungsdelikt, obschon ein Erfolg eintreten muss. Dieser Verletzungserfolg
ist objektive Strafbarkeitsbedingung.
3.3. Würdigung
3.3.1. Von entscheidender Bedeutung in der Unterscheidung der beiden ge-
nannten Tatbestände ist deshalb die Festlegung, ob es sich vorliegend um eine
wechselseitige tätliche Auseinandersetzung oder um einen Angriff seitens des
Beschuldigten und der Mitbeschuldigten auf den Privatkläger G._ gehandelt
hat. Angesichts des erstellten Sachverhalts, wonach der Privatkläger G._
den Beschuldigten (am Kragen) ergriff und sie gegenseitig aneinander zogen,
stellt sich die Frage, ab wann sich jemand im Sinne des Gesetzes am Raufhandel
beteiligt.
3.3.2. Gemäss herrschender Lehre kann als angegriffene Partei im Sinne von
Art. 134 StGB nur eine Person gelten, die entweder völlig passiv bleibt oder sich
nur zu schützen versucht, ohne ihrerseits, und sei es auch bloss in dem durch
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Notwehr gedeckten Umfang, tätlich zu werden (Stratenwerth/Jenny/Bommer,
a.a.O., S. 93 N 38; Trechsel/Mona, a.a.O., Art. 134 N 1 in Verbindung mit Art. 133
N 2; Maeder in: BSK StGB II, a.a.O., Art. 133 N 11 f., sachlich auch in Art. 134
N 6 f.). Trechsel/Mona argumentieren zudem, dass jedes Tun als passives Ver-
halten gelte, das nicht mindestens Tätlichkeit gegen den Angreifer sei (a.a.O.,
Art. 133 N 2). Dabei verweisen sie auf BGE 106 IV 252, worin festgehalten wird,
indem das Gesetz den bloss Abwehrenden für straflos erkläre, sei davon auszu-
gehen, dass auch der Abwehrende an sich "Beteiligter" im Sinne von Art. 133
StGB sei (BGE 106 IV 246 E. 3e). Dasselbe gilt im Zusammenhang mit dem
blossen Bemühen, die Streitenden zu scheiden. Absatz 2 von Art. 133 StGB muss
gemäss Stratenwerth/Jenny/Bommer auch auf eine aktive, in Tätlichkeiten be-
stehende Abwehr bezogen werden, wenn diese nur darauf abzielt, sich oder ei-
nen Dritten zu verteidigen oder die Streitenden zu trennen (Stratenwerth/Jenny/
Bommer, a.a.O., S. 89 N 22). Wie gesehen hat das Bundesgericht in seinem
neuesten Entscheid zum Raufhandel noch einmal klar festgehalten, dass auch
der Abwehrende als Beteiligter gilt – er ist jedoch gemäss Abs. 2 von Art. 133
StGB nicht strafbar. Lediglich wer sich völlig passiv verhält, ist von der Be-
stimmung nicht erfasst (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen).
3.3.3. Entsprechend diesen Ausführungen, auch zum historischen Hinter-
grund (vgl. Erwägung II.B.3.2.1.c), und der engen, in der Konsequenz dafür auch
klaren Grenzen von Art. 134 StGB, ist vorliegend festzuhalten, dass der Privatklä-
ger G._ sich nicht völlig passiv verhalten hat, sondern als "Beteiligter" im
Sinne von Art. 133 StGB anzusehen ist, indem er den Beschuldigten ergriffen hat
und sie beide aneinander gezogen haben. Unbestritten ist sicherlich, dass der
Privatkläger G._ dies lediglich zum Zweck der Abwehr getan hat und sein
Verhalten unter Abs. 2 von Art. 133 StGB zu subsummieren ist. Dies führt aber
unweigerlich dazu, dass mit der Verteidigung hinsichtlich Dossier 2 nicht von ei-
nem Angriff im Sinne von Art. 134 StGB, sondern von einem Raufhandel im Sinne
von Art. 133 StGB auszugehen ist.
3.3.4. Dem stehen auch keine prozessualen Überlegungen entgegen. Es war
schliesslich der Verteidiger selbst, der namens des Beschuldigten die Frage nach
- 27 -
einer anderen rechtlichen Würdigung, als sie die Staatsanwaltschaft vorge-
nommen hat, aufgeworfen hat (Urk. 45 S. 18). Die Staatsanwaltschaft hat vor
Vorinstanz nach dem Parteivortrag der Verteidigung auf einen zweiten Vortrag
verzichtet (Prot. I S. 13), das rechtliche Gehör wurde ihr aber gegeben. Auch das
Anklageprinzip ist gewahrt, da sämtliche Tatbestandselemente in der Anklage
umschrieben und die Voraussetzungen des Raufhandels im Sinne von Art. 133
StGB gegeben sind.
3.4. Der Beschuldigte ist deshalb hinsichtlich Dossier 2 des Raufhandels im Sin-
ne von Art. 133 StGB schuldig zu sprechen.
C. Dossier 4
1. Ausgangslage
1.1. Politischer Hintergrund
Zu den politischen Hintergründen kann auf das bereits Dargelegte (Erwägungen
II.A.1.1. und II.B.1.1.) verwiesen werden. Auch hier ist zu konstatieren, dass die
unterschiedliche politische Auffassung das dem Beschuldigten vorgeworfene
Verhalten in keinster Weise zu rechtfertigen vermag.
1.2. Verwertbarkeit der Beweismittel
Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass sämtliche Aussagen der Privat-
kläger B._, D._ und C._ verwertbar sind, die Aussagen der weite-
ren Geschädigten AD._ und AE._ mangels Konfrontation nur zu Guns-
ten des Beschuldigten berücksichtigt werden dürfen (Urk. 61 S. 91). Darauf kann
ohne Weiterungen verwiesen werden.
1.3. Glaubwürdigkeit der involvierten Personen
Die Vorinstanz hat sich in ihrem Urteil zutreffend zur allgemeinen Glaubwürdigkeit
der verschiedenen einvernommenen Personen geäussert und sinngemäss fest-
gehalten, dass die Privatkläger B._, D._ und C._ aufgrund ihrer
prozessualen Stellung ein gewisses Eigeninteresse am Ausgang des Verfahrens
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hätten, entgegen dem sinngemässen Vorbringen der Verteidigung im Hauptver-
fahren aber keine Anhaltspunkte ersichtlich seien, weshalb diese aufgrund der un-
terschiedlichen politischen Haltung gerade den Beschuldigten zu Unrecht hätten
belasten sollen (Urk. 61 S. 92 f.). Wie bereits erwogen (Ziffer II.A.1.3.2.) ist bei der
Sachverhaltserstellung die allgemeine Glaubwürdigkeit kaum von Relevanz und
es ist vielmehr auf die Glaubhaftigkeit der konkret gemachten Aussagen zu ach-
ten.
2. Beweiswürdigung
2.1. Die Vorinstanz ist nach erneuter ausführlicher und genauer Würdigung
(Urk. 61 S. 89-108) zum Schluss gekommen, der Anklagesachverhalt hinsichtlich
des tätlichen Übergriffs auf den Privatkläger B._ sei grundsätzlich erstellt. Es
lasse sich aber nicht abschliessend erstellen, wohin er genau getreten worden
sei, nachdem er zu Boden gegangen sei, sowie ob ihn der Beschuldigte mit dem
Stein geschlagen oder aber beworfen habe. Da dies für die rechtliche Würdigung
nicht relevant sei, könne es jedoch offen bleiben. Teilweise nicht erwiesen seien
zudem die in der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen, welche sich der Pri-
vatkläger B._ zugezogen haben soll, habe er doch selber angegeben, sich
weder Hämatome noch eine Oberschenkelverletzung zugezogen zu haben. Die
von ihm vorgebrachten Schmerzen im Oberkörper könnten sodann schon auf-
grund des Anklageprinzips keine Beachtung finden. Entsprechend müsse davon
ausgegangen werden, dass er lediglich eine kleine Verletzung an der Stirn erlitten
habe, welche ganz wenig geblutet habe (Urk. 61 S. 103).
Hinsichtlich des tätlichen Übergriffs auf den Privatkläger D._ hielt die Vo-
rinstanz abschliessend fest, dass zwar der Anklagesachverhalt grundsätzlich
rechtsgenügend erstellt sei, aufgrund der Aussagen des Privatklägers aber davon
ausgegangen werden müsse, dass er sich als Folge des tätlichen Übergriffs eine
blutende Verletzung am Kopfe sowie eine weitere Verletzung an der Stirn zuge-
zogen habe, welche Verletzungen in der Anklage indes nicht umschrieben seien
(Urk. 61 S. 105 f.).
- 29 -
Hinsichtlich des tätlichen Übergriffs auf den Privatkläger C._ konstatierte die
Vorinstanz, dass sich aufgrund der doch wesentlichen Diskrepanzen in den Aus-
sagen des Privatklägers, welche sich nicht allein mit der Dynamik des Tatgesche-
hens erklären liessen, weder abschliessend klären lasse, ob er vom Beschuldig-
ten allein oder von einer Gruppe von Personen angegriffen worden sei, noch eru-
iert werden könne, welche seiner Verletzungen dem Beschuldigten zuzuordnen
seien. Die Schilderungen des Privatklägers C._ alleine würden deshalb nicht
ausreichen, um den Sachverhalt, wie er in der Anklageschrift umschrieben sei,
rechtsgenügend zu erstellen. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten deshalb
vom Vorwurf des Angriffs zum Nachteil des Privatklägers C._ frei (Urk. 61
S. 107 f.).
2.2. Die Vorinstanz hat sich auch hier mit sämtlichen von der Verteidigung im
Hauptverfahren vorgebrachten Zweifel an der Anklage auseinander gesetzt, wes-
halb grundsätzlich auf die Begründung der Vorinstanz verwiesen werden kann.
Insbesondere hat die Vorinstanz die Aussagen des Beschuldigten, er sei, als er
am Bahnhof Dietikon angelangt sei, grundlos von der Polizei kontrolliert und mit
dem nächsten Zug nach Zürich zurückgeschickt worden, mithin zum Zeitpunkt der
Auseinandersetzungen bereits wieder in Zürich gewesen zu sein, zutreffend als
Schutzbehauptungen abgetan. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 90
S. 12) hat die Vorinstanz nicht übersehen, dass die Personenkontrollen tat-
sächlich durchgeführt wurden. Vielmehr hielt die Vorinstanz fest, dass die ent-
sprechende Kontrolle bereits zu einem Zeitpunkt hätte statt finden müssen, als die
Polizei noch gar nicht aufgeboten wurde (Urk. 61 S. 102 f.). Gemäss Rapport der
Kantonspolizei Zürich erging am 1. Juni 2013 um 17.50 Uhr telefonisch eine Mel-
dung der Stadtpolizei Dietikon ein, dass vor der Stadthalle Dietikon eine Schläge-
rei zwischen diversen Personen stattfinden würde, woraufhin mehrere Patrouillen
der Kantonspolizei Zürich an den Tatort ausgerückt seien (Urk. 1/301001 S. 10 f.).
Wenn die Verteidigung vor Vorinstanz geltend macht, der Umstand, dass die Poli-
zei nach Ausbruch der Auseinandersetzung Personen am Bahnhof Dietikon an-
gehalten, teilweise fotografiert und weg gewiesen habe, korrespondiere mit den
Aussagen des Beschuldigten (Urk. 45 S. 13 mit Verweis auf die Bemerkungen in
Urk. 1/301002), so ist dies eben gerade nicht der Fall. Die Polizei rückte wie ge-
- 30 -
zeigt eben erst nach Beginn der Auseinandersetzung aus, nach der ent-
sprechenden Meldung um 17.50 Uhr und zumindest anfänglich direkt zur
Stadthalle Dietikon. Wenn der Beschuldigte geltend macht, er sei um 18 Uhr nach
einer Kontrolle durch die Polizei am Bahnhof Dietikon bereits wieder in Zürich
gewesen (Urk. 1/303004 f. Frage 25 f. und Frage 32), so kann dies schlicht nicht
stimmen. Denn die Stadthalle Dietikon liegt bekanntlich in einiger Distanz (rund
1.7 Kilometer) zum Bahnhof Dietikon.
Entgegen der Ansicht der Verteidigung spricht auch der Umstand, dass der Pri-
vatkläger B._ nicht genau sagen konnte, wie gross der Stein gewesen sein
soll und ob er damit vom Beschuldigten beworfen oder geschlagen worden sei
(Urk. 90 S. 13), nicht gegen die glaubhafte Darstellung, dass er vom Beschuldig-
ten mit einem Stein am Kopf verletzt wurde. Wie die Vorinstanz zutreffend festge-
halten hat (Urk. 61 S. 101), sind solche Unstimmigkeiten bei einem raschen, dy-
namischen Geschehen mit einer Vielzahl von beteiligten Personen nicht weiter
verwunderlich. Hält man sich vor Augen, wie der Privatkläger B._, kaum mit
dem Bus bei der Stadthalle Dietikon angekommen, sogleich von diversen sich
dort befindlichen Personen geschlagen, verfolgt, getreten und mit Steinen bewor-
fen wurde (Urk. 1/307501 S. 1 ff.), so erstaunt nicht wirklich, dass er nachträglich
nicht jede Handlung jeder einzelnen Person klar auseinander halten und sämtli-
che verwendeten Gegenstände schlüssig beschreiben sowie deren Verwendung
genau schildern konnte.
2.3. Es ist deshalb auch hinsichtlich Dossier 4 vom vorinstanzlich erstellten
Sachverhalt auszugehen.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass die vom Privatkläger B._
erlittene Verletzung (Schramme bzw. Schürfwunde an der Stirn, welche ganz we-
nig geblutet hat) die geforderte Intensität einer einfachen Körperverletzung noch
nicht erreicht habe, das Vorgehen des Beschuldigten, indem er mit einem Stein
geschlagen bzw. den Stein geworfen und ein Mal gegen dessen Körper getreten
habe, aber durchaus geeignet sei, eine einfache Körperverletzung im Sinne von
- 31 -
Art. 123 Ziff. 1 StGB zu verursachen, weshalb der Beschuldigte diesen Tatbe-
stand im Sinne eines Versuchs nach Art. 22 Abs. 1 StGB erfüllt habe. Folglich hat
die Vorinstanz einen Angriff im Sinne von Art. 134 StGB verneint, da dieser als
objektive Strafbarkeitsbedingung zumindest eine einfache Körperverletzung (Do-
natsch, a.a.O., Art. 134 N 3 in Verbindung mit Art. 133 N 6) voraussetze (Urk. 61
S. 108-111).
Ähnlich hat die Vorinstanz im Zusammenhang mit dem Privatkläger D._ er-
wogen, da sich nicht erstellen lasse, dass er sich Prellungen am Kopf zugezogen
habe und weitere Verletzungen in der Anklage nicht umschreiben seien, fehle es
auch hier an der objektiven Strafbarkeitsbedingung des Todes oder der Verlet-
zung einer Person. Zudem könne dem Beschuldigten kein konkretes, auf eine ein-
fache Körperverletzung gerichtetes Verhalten zur Last gelegt werden, weshalb er
frei zu sprechen sei (Urk. 61 S. 111 f.).
3.2. Diese zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen sind vollumfänglich zu
übernehmen, schliesslich gebietet es schon das Verbot der reformatio in peius
(Art. 391 Abs. 2 StPO), dass nicht zu Lasten des Beschuldigten von dieser recht-
lichen Würdigung abgewichen und dennoch von Angriff oder zumindest mehr-
facher einfacher Körperverletzung ausgegangen werden darf (BGE 139 IV 282
E. 2.5).
3.3. Der vorinstanzliche Schuldspruch der versuchten einfachen Körperver-
letzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
ist deshalb zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Anwendbares Recht
Am 19. Juni 2015 beschloss die Bundesversammlung diverse Änderungen des
Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches (AS 2016 1249 ff.), welche gemäss
Mitteilung des Bundesrates vom 29. März 2016 auf den 1. Januar 2018 in Kraft
gesetzt wurden. Die dadurch erfolgte Revision des Sanktionenrechts hat vor-
- 32 -
liegend auf die Sanktionsandrohungen der eingeklagten Straftatbestände und die
damit einher gehende Möglichkeit der Ausfällung einer Geldstrafe Auswirkung.
Da die mit der Revision vorgenommenen Änderungen primär den Anwendungs-
bereich der Geldstrafe betreffen bzw. einschränken (Wegfall des teilbedingten
Vollzugs, Verkürzung der maximalen Anzahl Tagessätze auf 180, Festlegung ei-
ner Tagessatzuntergrenze) bzw. die Wiedereinführung der kurzen Freiheitsstrafen
(bis sechs Monate) mit sich bringen, kann das neue Recht gegenüber dem bis-
herigen Recht grundsätzlich kaum als milder qualifiziert werden (vgl. Art. 2 Abs. 2
StGB). Im vorliegenden Fall, wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, ist jedoch
eine Freiheitsstrafe auszufällen, welche weit über der Grenze einer allenfalls noch
möglichen Geldstrafe liegt, weshalb der Beschuldigte von dieser Gesetzesrevision
nicht betroffen ist. Deshalb ist das alte Recht anzuwenden.
2. Ausgangslage
Die Staatsanwaltschaft beantragte im Hauptverfahren eine Bestrafung des Be-
schuldigten mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wobei der un-
bedingt zu vollziehende Teil der Freiheitsstrafe auf 15 Monate anzusetzen sei und
die restlichen 15 Monate unter Ansetzung einer Probezeit von 5 Jahren bedingt
aufzuschieben seien (Urk. 43 S. 11 f.). Die Verteidigung erachtete dies im Haupt-
verfahren als überzogen, ohne jedoch selber einen Eventualantrag zu stellen
(Urk. 45 S. 17). Die Vorinstanz hat eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 27 Mona-
ten ausgesprochen, wobei sie 18 Monate davon unter Ansetzung einer Probezeit
von 4 Jahren aufschob, die übrigen 9 Monate als zu vollziehen festlegte (Urk. 61
S. 151 Ziff. 3. und 4.). Im Berufungsverfahren ist die Verteidigung der Ansicht, es
erscheine eventualiter eine bedingte Haftstrafe von nicht mehr als 12 Monaten als
angemessen (Urk. 90 S. 14).
3. Strafzumessung
3.1. Vorgehensweise
3.1.1. Die Vorinstanz hat vorab den anwendbaren Strafrahmen des Angriffs
im Sinne von Art. 134 StGB als schwerste vom Beschuldigten begangene Straftat
- 33 -
korrekt bemessen und die theoretischen Grundsätze der richterlichen Straf-
zumessung angeführt, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen grundsätzlich
verwiesen werden kann (Urk. 61 S. 113-115). Bereits hier ist anzufügen, dass
Raufhandel im Sinne von Art. 133 StGB, zu welchem der Beschuldigte im Zu-
sammenhang mit Dossier 2 heute zu verurteilen ist, einen geringeren Strafrahmen
(Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 3 Jahre) aufweist.
3.1.2. Die Vorinstanz vertrat die Ansicht, sowohl der Angriff im Sinne von
Art. 134 StGB als auch die einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
StGB seien mit gleichartiger Strafe (Freiheitsstrafe oder Geldstrafe) bedroht, wo-
bei angesichts des gewalttätigen Vorgehens des Beschuldigten die Freiheitsstrafe
im Vordergrund stehen würde. Entsprechend sei eine Gesamtstrafe im Sinne von
Art. 49 Abs. 1 StGB zu bilden (Urk. 61 S. 113). Dies ist von der Herleitung her in-
sofern falsch, als die abstrakt gleichartige Strafandrohung nicht reicht für die An-
wendbarkeit von Art. 49 Abs. 1 StGB. Vielmehr ist die Bildung einer Gesamtstrafe
in Anwendung des Asperationsprinzips nur möglich, wenn das Gericht im konkre-
ten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt (sog. "kon-
krete Methode", vgl. statt vieler BGE 144 IV 217, E.2.2).
Im Resultat ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz jedoch Art. 49 Abs. 1 StGB
anzuwenden. Der Tatablauf gemäss Dossier 2 erfolgte in derselben Nacht
(24. Juni 2013) mehr oder weniger unmittelbar nach dem Angriff gemäss Dos-
sier 1, der Anklage entsprechend weniger als eine Stunde nach Beginn des An-
griffs gemäss Dossier 1 (vgl. Urk. 1/1000220 S. 2 und 5). Aber auch hinsichtlich
des Tatablaufs gemäss Dossier 4 ist, was die kriminelle Energie, das Motiv als
auch die subjektive Seite des Wissens und Wollens betrifft, ein enger sachlicher
Zusammenhang auszumachen. Es ging bei allen drei Tatabläufen darum, An-
hänger der eritreischen Regierung quasi "aufzumischen" und zur Rechenschaft zu
ziehen. Aufgrund der zeitlichen Abfolge ist zudem davon auszugehen, dass un-
mittelbar oder kurz nach dem Angriff auf das Restaurant AA._ (Dossier 1)
der Übergriff auf den Privatkläger G._ erfolgte (Dossier 2). Vor diesem Hin-
tergrund erscheint die Anwendung der konkreten Methode nicht sachgerecht und
- 34 -
es rechtfertigt sich ausnahmsweise, alle drei Taten gesamthaft und in Anwendung
von Art. 49 Abs. 1 StGB zu beurteilen.
3.2. Vorinstanzliche Strafzumessung
3.2.1. Hinsichtlich Dossier 1 hat die Vorinstanz zur Tatkomponente und dort
zur objektiven Tatschwere erwogen, dass sich der Beschuldigte nicht nur an ei-
nem heftigen Angriff mit einer Vielzahl von Tätern beteiligt, sondern diesen auch
initiiert habe. Die durch diesen Angriff geschaffene abstrakte Gefahr habe dabei
insbesondere in den erheblichen Verletzungen einerseits des Privatklägers
F._ (Verlust mehrerer Zähne, sonstige massive Gebissschäden) sowie ande-
rerseits des Privatklägers E._ (Bruch des Mittelfingers) resultiert, wenngleich
die Schwere der Verletzungen bei der Strafzumessung für das Strafmass nicht re-
levant sein könnten. Daneben sei es zu beachtlichen Sachschäden gekommen.
Der Angriff sei durch die Angreifer und namentlich den Beschuldigten bewusst
provoziert worden, ohne dass die Gruppe der angegriffenen Personen hierzu ir-
gend einen Anlass geliefert hätte, wobei die Angreifer auch nicht davor zurückge-
schreckt hätten, Gegenstände einzusetzen, indem sie namentlich mit Stühlen,
Gläsern oder Flaschen zugeschlagen bzw. um sich geworfen hätten und sogar
ein Messer zum Einsatz gekommen sei. Die Vorinstanz attestierte dem Beschul-
digten folglich einen hohen deliktischen Willen sowie eine erhebliche kriminelle
Energie. Immerhin hielt sie aber fest, der Beschuldigte habe abgesehen vom ein-
leitenden tätlichen Übergriff auf den Privatkläger E._ nicht selber aktiv auf die
Gäste des Restaurants AA._ eingewirkt, sondern die Mittäter vor allem psy-
chisch unterstützt. Das objektive Verschulden wertete die Vorinstanz als nicht
mehr leicht (Urk. 61 S. 115 f.).
Auf der subjektiven Seite wertete die Vorinstanz das Verschulden des Beschuldig-
ten ebenfalls als nicht mehr leicht und hielt fest, er habe direktvorsätzlich gehan-
delt, es habe sich offensichtlich um einen politisch motivierten Angriff gehandelt,
was aber keinesfalls ein derart gewalttätiges Vorgehen gegen die Privatkläger
sowie die übrigen, friedlich beisammen sitzenden Gäste rechtfertige; vielmehr
wäre der tätliche Übergriff ohne Weiteres vermeidbar gewesen (Urk. 61 S. 116).
- 35 -
Die Vorinstanz setzte deshalb eine Einsatzstrafe von 16 Monaten für den Angriff
gemäss Dossier 1 fest (Urk. 61 S. 116 f.).
3.2.2. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere betreffend Dossier 2 hat die
Vorinstanz erwogen, dass sich der Beschuldigte wiederum nicht nur am Übergriff
einer Vielzahl von Personen diesmal auf eine Einzelperson beteiligt habe, son-
dern diesen auch ausgelöst und als treibende Kraft agiert habe, indem er den
Privatkläger G._ zunächst beleidigt, ihn daraufhin am Kragen gepackt und
sodann die weiteren Beteiligten hinzugerufen habe, woraufhin sämtliche Angreifer
gemeinsam auf Letzteren eingewirkt hätten. Der Beschuldigte habe den Privat-
kläger G._ dabei namentlich mit der Hand oder der Faust gegen den Hinter-
kopf geschlagen und sei sodann auch dann noch gegen diesen vorgegangen, als
er bereits zu Boden gegangen sei. Zwar habe sich die durch den Angriff geschaf-
fene Gefahr lediglich in relativ geringfügigen Verletzungen des Privatklägers reali-
siert, die Gewaltbereitschaft und Geringschätzung gegenüber der physischen In-
tegrität des Privatklägers, welche der Beschuldigte auch hier völlig unprovoziert
an den Tag gelegt habe, zeuge jedoch erneut von hoher krimineller Energie. Er-
schwerend komme hinzu, dass der tätliche Übergriff mitten in den Nacht erfolgt
sei, aber immerhin seien diesmal keine Waffen zum Einsatz gekommen und der
Vorgang dürfte nur kurze Zeit gedauert haben. Die Vorinstanz wertete das objek-
tive Verschulden deshalb ebenfalls als nicht mehr leicht (Urk. 61 S. 117).
In subjektiver Hinsicht erwog die Vorinstanz, es sei leicht zu Gunsten des Be-
schuldigten zu beachten, dass der Angriff auf den Privatkläger G._ nicht ge-
plant gewesen, sondern spontan erfolgt sei. Im Übrigen verwies die Vorinstanz
vollumfänglich auf ihre diesbezüglichen Ausführungen zu Dossier 1 und wertete
das Gesamtverschulden hinsichtlich Dossier 2 als nicht mehr leicht, weshalb es
eine Erhöhung der Einsatzstrafe – unter Berücksichtigung des Asperations-
prinzips – um 8 Monate als gerechtfertigt erachtete (Urk. 61 S. 117 f.).
3.2.3. Zur versuchten einfachen Körperverletzung zum Nachteil von B._
gemäss Dossier 4 hat die Vorinstanz festgehalten, dass im Rahmen der objekti-
ven Tatschwere betreffend das Ausmass des Erfolgs grundsätzlich vom mut-
masslich vollendeten Delikt auszugehen sei. Der Beschuldigte sei zusammen mit
- 36 -
einer Vielzahl weiterer Personen auf den Privatkläger B._ losgegangen, wel-
che diesen mit Steinen beworfen habe. Der Beschuldigte habe dabei selber einen
Stein gegen diesen eingesetzt und habe ihn damit gegen die linke Seite der Stirn
geschlagen bzw. beworfen. Zudem habe er den Privatkläger mindestens einmal
gegen den Körper getreten, als dieser bereits am Boden gelegen habe. Dies ohne
dass der Privatkläger hierzu einen Anlass gegeben hätte. Das hohe Aggressions-
und Gewaltpotential des Beschuldigten sowie die Geringschätzung, welche er ge-
genüber der physischen Integrität anderer an den Tag gelegt habe, spiegle sich
also auch in diesem Vorgehen wieder, was wiederum von hoher krimineller Ener-
gie zeuge. Dabei habe sich der Privatkläger B._ zwar lediglich eine Schram-
me bzw. Schürfwunde am Kopf zugezogen, das Vorgehen des Beschuldigten wä-
re aber durchaus geeignet gewesen, schwerwiegendere Verletzungen hervorzu-
rufen. Erschwerend komme hinzu, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privat-
kläger darüber hinaus Todesdrohungen ausgesprochen habe. Das objektive Ver-
schulden wurde von der Vorinstanz deshalb als nicht mehr leicht qualifiziert
(Urk. 61 S. 118 f.).
Zur subjektiven Seite hielt die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte eventual-
vorsätzlich gehandelt habe, und verwies im Übrigen auf ihre Ausführungen zu
Dossier 1. Insgesamt sah es die Vorinstanz deshalb als gerechtfertigt, die Ein-
satzstrafe – unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips – um weitere
4 Monate zu erhöhen, wobei sie diese Erhöhung unter Berücksichtigung, dass es
lediglich beim Versuch geblieben sei, um einen Monat reduzierte (Urk. 61
S. 119 f.).
3.2.4. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die per-
sönlichen Verhältnisse der Beschuldigten angeführt (Urk. 61 S. 120 f.) und diese
für nicht strafzumessungsrelevant erachtet. Leicht straferhöhend hat die Vor-
instanz die beiden (nicht einschlägigen) Vorstrafen des Beschuldigten aus den
Jahren 2009 und 2011 gewichtet, bezüglich dem Nachtatverhalten ihm mangels
Geständnis keine Strafreduktion gewährt. Hingegen ist die Vorinstanz für die
lange Verfahrensdauer von einer (wenn auch nicht krassen) Verletzung des Be-
schleunigungsgebotes ausgegangen, da zwischen Ende 2013 und November
- 37 -
2015 in Bezug auf den Beschuldigten selber keinerlei Untersuchungshandlungen
mehr erfolgt seien, und hat dies leicht strafmindernd berücksichtigt. Insgesamt
erwog die Vorinstanz, die straferhöhenden und strafmindernden Täterkomponen-
ten würden sich in etwa die Waage halten, weshalb sie eine Freiheitsstrafe von
insgesamt 27 Monaten als angemessen erachtete (Urk. 61 S. 121 f.).
3.3. Würdigung
3.3.1. Diese vorinstanzliche Strafzumessung kann grundsätzlich über-
nommen werden, mit den nachfolgenden Anpassungen und Ergänzungen:
3.3.2. Aufgrund der anderen rechtlichen Würdigung bezüglich Dossier 2,
wonach der Beschuldigte heute wegen Raufhandels und nicht wegen Angriffs zu
verurteilen ist, ist die vorinstanzliche Strafzumessung entsprechend anzupassen.
Der Strafrahmen des Raufhandels im Sinne von Art. 133 StGB beläuft sich auf
maximal 3 Jahre Freiheitsstrafe, wohingegen für Angriff im Sinne von Art. 134
StGB maximal eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren verhängt werden kann. Deshalb
ist bei gleicher Verschuldensbewertung eine verhältnismässige Reduktion der für
diese Tat auszusprechenden Strafe angezeigt. Mit einer Ausnahme kann dabei
vollumfänglich den Ausführungen der Vorinstanz gefolgt werden: Nicht nachvoll-
ziehbar und von der Vorinstanz auch nicht weiter begründet ist die vorinstanzliche
Ausführung, es komme erschwerend hinzu, dass der tätliche Übergriff gemäss
Dossier 2 mitten in der Nacht erfolgt sei; es ist nicht ersichtlich, welchen Einfluss
dies auf das objektive Tatverschulden haben soll.
Ausgehend von der vorinstanzlich festgelegten Einsatzstrafe von 16 Monaten für
den Angriff gemäss Dossier 1, welche als angemessen zu übernehmen ist, er-
scheint eine Erhöhung aufgrund des Raufhandels gemäss Dossier 2, unter An-
wendung des Asperationsprinzips, auf eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten als
gerechtfertigt.
3.3.3. Bezüglich Dossier 4 ist der Vorinstanz entgegen zu halten, dass sie
beim objektiven Tatverschulden sowohl den Steinschlag bzw. -wurf als auch den
Fusstritt des Beschuldigten berücksichtigt hat. Wie die Vorinstanz im Rahmen der
- 38 -
rechtlichen Würdigung – wohl fälschlicherweise – dem Beschuldigten entgegen
dem erstellen Sachverhalt ja gerade keine mehrfache Tatbegehung attestiert hat,
kann sie in der Konsequenz beim Verschulden aber auch nicht mehrere Taten
berücksichtigen. Geradezu frei erfunden ist schliesslich die vorinstanzliche
Feststellung, der Beschuldigte habe gegenüber dem Privatkläger B._ Todes-
drohungen ausgesprochen, was die Vorinstanz beim objektiven Verschulden als
erschwerend bewertet hat. Diese angeblichen Todesdrohungen sind weder in der
Anklage umschrieben, waren im gesamten Prozess auch nie ein Thema (vgl.
Prot. I S. 11 ff.) und ein entsprechender Sachverhalt wurde von der Vorinstanz
auch nicht erstellt. Sie stehen denn auch nicht in einem Zusammenhang mit dem
Steinschlag bzw. -wurf oder dem Fusstritt und können deshalb keinesfalls zur
Verschuldensbewertung des Steinschlags bzw. -wurfs heran gezogen werden.
Aufgrund der versuchten einfachen Körperverletzung rechtfertigt sich, unter er-
neuter Anwendung des Asperationsprinzips, eine weitere Erhöhung auf eine Frei-
heitsstrafe von 23 Monaten.
3.3.4. Mit der Vorinstanz sind der Werdegang und die persönlichen Verhält-
nisse des Beschuldigten strafzumessungsneutral zu werten. Der Aufenthaltsort
des Beschuldigten ist auch heute noch unbekannt, so ist er auch nicht zur Beru-
fungsverhandlung erschienen (Prot. II S. 5). Ein irgendwie geartetes positives
Nachtatverhalten kann dem Beschuldigten nicht abgewonnen werden.
3.3.5. Aus all diesen Gründen ist die vorinstanzliche Strafe auf eine Freiheits-
strafe von 23 Monaten zu reduzieren.
3.3.6. Der Anrechnung der erstandenen Haft steht nichts entgegen (Art. 51
StGB).
4. Vollzug
4.1. Die Vorinstanz erachtete, bei einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten, die ob-
jektiven Voraussetzungen des teilbedingten Strafvollzugs als erfüllt und führte in
subjektiver Hinsicht aus, der Beschuldigte verfüge zwar über zwei Vorstrafen,
welche aber nicht einschlägig seien und die letzte der beiden Vorstrafen liege
- 39 -
schon mehr als 5 Jahre zurück, weshalb die günstige Legalprognose vermutet
werde. Der Beschuldigte habe sich denn nach einer intensiven deliktischen Phase
im Juni 2013 bis heute nichts mehr zu Schulden kommen lassen (Urk. 61 S. 123).
4.2. Nachdem heute, bei einer Freiheitsstrafe von 23 Monaten, objektiv ein be-
dingter Strafvollzug im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB möglich ist und die vor-
instanzlichen Ausführungen zur subjektiven Seite als zutreffend übernommen
werden können, ist die heute auszufällende Strafe bedingt auszufällen.
4.3. Aufgrund der Vorstrafen des Beschuldigten und um den dadurch ver-
bleibenden Zweifel an der positiven Prognose zu begegnen, ist die vorinstanzlich
angesetzte Probezeit von 4 Jahren zu übernehmen.
IV. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz hat sich in ihrem Urteil ausführlich, akribisch und zutreffend
mit den diversen Zivilansprüchen der Privatkläger auseinander gesetzt (Urk. 61
S. 125-149). Da sich weitere Ausführungen dazu in Wiederholungen erschöpfen
würden, ist – mit nachfolgender Ausnahme – vollumfänglich auf die vorinstanz-
lichen Ausführungen zu verweisen und das nachvollziehbar begründete Er-
messen der Vorinstanz zu bestätigen.
2. Die vom Privatkläger F._ geltend gemachten Kosten von Fr. 856.80 für
zweimal täglich Panadol über die Jahre 2013 bis 2017 (Urk. 23 S. 4) basieren
einzig auf einer Hochrechnung anhand einer einzigen Rechnung vom
13. Juni 2017 (Urk. 24/9). Die Zivilansprüche werden vom Beschuldigten zwar le-
diglich gesamthaft und pauschal bestritten (Urk. 90 S. 13), die genannten Kosten
wurden andererseits aber auch nicht substantiiert dargelegt. Es ist nicht erwiesen,
dass der Privatkläger F._ wie behauptet ab dem 1. Dezember 2013 bis zum
31. Mai 2017 täglich zwei Tabletten Panadol zu sich hat nehmen müssen. Die
eingereichte Rechnung stammt nicht einmal aus dem geltend gemachten Zeit-
raum. Diese Forderung ist deshalb abzuweisen.
- 40 -
3. Folglich ist der Beschuldigte zu folgenden Schadenersatz- und Genug-
tuungszahlungen zu verpflichten:
Privatkläger E._:
- Schadenersatz von Fr. 113.55, unter solidarischer Haftung mit weiteren
Mittätern
- zudem ist festzustellen, dass der Beschuldigte im Übrigen aus dem einge-
klagten Ereignis gemäss Dossier 1 dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern, wobei der
Privatkläger E._ zur genauen Feststellung des Umfangs auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen ist
- Genugtuung von Fr. 4'000.– zuzüglich 5% Zins ab 24. Juni 2013, unter soli-
darischer Haftung mit weiteren Mittätern; Abweisung im Mehrbetrag
Privatkläger F._:
- Schadenersatz von Fr. 848.– zzgl. 5% Zins ab 1. November 2013 und von
Fr. 847.80 zzgl. 5% Zins ab 1. November 2013, unter solidarischer Haftung
mit weiteren Mittätern
- zudem ist festzustellen, dass der Beschuldigte im Übrigen aus dem einge-
klagten Ereignis gemäss Dossier 1 dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern, wobei der
Privatkläger F._ zur genauen Feststellung des Umfangs auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen ist
- Genugtuung von Fr. 9'000.– zuzüglich 5% Zins seit 24. Juni 2013, unter so-
lidarischer Haftung mit weiteren Mittätern; Abweisung im Mehrbetrag
Privatkläger G._:
- es ist festzustellen, dass der Beschuldigten aus dem eingeklagten Ereignis
gemäss Dossier 2 dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, unter
- 41 -
solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern, wobei der Privatkläger G._
zur genauen Feststellung des Umfangs auf den Weg des Zivilprozesses zu
verweisen ist
- Genugtuung von Fr. 2'500.– zuzüglich 5% Zins seit 24. Juni 2013, unter so-
lidarischer Haftung mit weiteren Mittätern; Abweisung im Mehrbetrag
V. Kosten- und Entschädigungsfolge
1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer
21.) zu bestätigen (Art. 426 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 4'000.– festzu-
setzen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Haupt-
anträgen vollumfänglich. Im Eventualantrag obsiegt der Beschuldigte insofern, als
die vorinstanzlich ausgefällte Strafe leicht reduziert wird. Daher rechtfertigt es
sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, exklusive derjenigen der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretungen der Privatkläger, zu 4/5 dem
Beschuldigten aufzuerlegen und zu 1/5 auf die Gerichtskasse zu nehmen
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind im Umfang
von 4/5 einstweilen und zu 1/5 definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter
Vorbehalt einer Rückforderung nach Art. 135 Abs. 4 StPO. Der dem Beschuldig-
ten anteilsmässig aufzuerlegende Teil der Kosten der unentgeltlichen Vertretun-
gen der Privatkläger ist angesichts der finanziellen Verhältnisse des Beschuldig-
ten definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 4 StPO).
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