Decision ID: 27cc8389-a545-4aa4-9090-bfe1ec81f5d9
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, meldete sich am 23. Januar 2003 unter Hin
weis auf schwere Depressionen bei der Invalidenversicherung zum
Leistungs
be
zug
an (Urk. 11/2). Am
8.
Juli 2003 zog der Versicherte
seine Anmeldung z
um Leistungsbezug zurück (Urk. 11
/9).
1.2
Von April 2010 bis April 2012 (vgl.
Urk.
11/11
Ziff.
3) war der Versicherte als
Sales
assistant
bei der
Y._
tätig (
Urk.
11/21).
Am 27. Sep
tem
ber 2012
meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Depression und Hepatitis C erneut bei der Invalidenversicherung zum
Leistungs
bezug
an (Urk. 11/17
, vgl. Urk. 11/18
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation
ab und holte ein psychiatrisches
Gutachten
ein, das am
8.
September 2013 erstattet wurde (Urk. 11/39).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk
.
11/43-44,
Urk.
11/46) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. Juli 2014 einen Rentenanspruch (Urk. 11/52 = Urk. 2).
2.
Am 21. August 2015 (Urk. 4) überwies die IV-Stelle dem hiesigen Gericht die Eingabe des Versicherten vom 22. August 2014 (Urk. 1), mit welcher dieser sich gegen die anspruchsverneinende Verfügung der IV-Stelle vom 24. Juli 2014 (Urk. 2) gewandt hatte. Mit Gerichtsverfügung vom 26. August 2015 wurde dem Versicherten eine Kopie seiner Eingabe vom 22. August 2014 zugestellt und Frist angesetzt, um dem Gericht mitzuteilen, ob er Beschwerde gegen die Verfü
gung der IV-Stelle vom 24. Juli 2014 erheben w
o
ll
e
und wenn ja, seine
Rechts
begehren
mitzuteilen und die Beschwerdeschrift
dem Gericht eigenhändig origi
nal unterze
ichnet zurückzusenden (Urk. 5). Der Versicherte bestätigte mit
ein
er
am 24. August 2015 beim hiesigen Gericht eingegangenen, undatierten Eingabe (Urk. 7) seinen Beschwerdewillen
und
retournierte die eigenhändig unterzeich
nete
Beschwerdeschrift
. Zudem beantragte der Versicherte, ihm sei eine ganze Rente zuzusprechen.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. Oktober
2015
(Urk. 10
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 11. No
vember 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Der Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (
Abs.
1). Die Rente wird vom Beginn des Monats an aus
bezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Abs.
3).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des
Ein
kommens
vergleichs
gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art.
16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Mass
gabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorge
nommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypotheti
sche Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das
Inva
lideneinkommen
auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog.
Pro
zentvergleich
; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E.
10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E.
3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Mass
gabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwert
e von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs.
2 IVG) eindeutig über- oder untersch
r
eitet (Urteil des Bun
desgerichts 8C_333/2013 vom 11.
Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
6
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozial
versicherungsgericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachver
halt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom 24. Juli 2014 (Urk. 2) davon aus
, dass psychosoziale Faktoren (
Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Zahnprobleme
)
zum vorübergehenden Bestehen einer Depression geführt hätten. Das psychiatrische Gutachten habe ergeben, dass aktuell keine die Arbeitsfähig
keit einschränkende Depression mehr vorhanden sei. Es würden keine
Kon
zentrationsprobleme
mehr bestehen, Affektivität und Stimmungslage seien unauf
fällig. Ausserdem habe nie eine Psychotherapie stattgefunden. Deshalb gehe sie davon aus, dass die psychischen Beschwerden nur vorübergehend gewesen seien und somit nicht IV
-
relevant seien (S. 1 unten).
2.2
Demgegenüber vertrat der Beschwerdeführer
sinngemäss den Standpunkt, er leide an einer Depression (Urk. 1) und sei zu 100
% arbeitsunfähig (Urk. 7 S. 2).
3.
3.1
Dr.
med
. Z._
, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
lic
.
phil. A._
,
C._
, hielten in ihrem Bericht vom 4. April 2013 (Urk. 11/27) fest, dass sie den Beschwerdeführer seit 2011 im Ambu
latorium behandeln würden (
S. 2
Ziff. 1)
u
nd
dieser
zwei Mal
wöchentlich
zum Medikamentenbezug vorbeikomme, somatische Untersuchungen würden nach Bedarf stattfinden (S. 23 Ziff. 1.5).
Sie
nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 2
Ziff. 1.1):
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
, bestehend seit
der
Kindheit mit Weiterentwicklung in der Jugendzeit und
Persistierung
bis heute
mit schizoiden, dissozialen, depressiven,
histrionischen
und emotional instabilen (vom
Borderline
Typ) Zügen
bei Störung des Sozialverhaltens in der Kindheit/Adoleszenz (ICD
10 F91.8)
bei ADHS (ICD-10 F90.0, bestätigt mit Homburger ADHS-Skalen)
mit Status nach Suizidversuch 1991
bei repetitiven traumatisierenden Erlebnissen in der Kind
heit/Jugend
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
, seit 2000
Differentialdiagnose: bipolare affektive Störung, gegenwärtig depres
sive Episode, Beginn im Alter von 30 Jahren (ICD-10 F31.8)
chronische Virushepatitis C
Erstdiagnose August 2011
Nachdem beim Beschwerdeführer Hepatitis C diagnostiziert worden sei, habe er vollständig
dekompensiert
und eine anhaltende Depression mit konsekutiv star
ken Schlafstörungen und Gedankenreisen entwickelt. Daraus hätten sich schwere Konzentrationsmängel und eine starke Antriebsstörung ergeben, die es ihm nicht mehr ermöglicht hätten, eine normale abwechslungsreiche Tages
struktur aufzubauen, geschweige denn einer geregelten Arbeit nachzugehen
. Die Prognose sei fraglich
(S. 22
Ziff. 1.4).
Die verschiedenen Diagnosen würden den Beschwerdeführer
bei der
Arbeitstätigkeit beeinflussen (S.
25 f. Ziff. 1.7).
Der Beschwerdeführer habe keinen Berufsabschluss. Die Lehre als Metzger und Schreiner habe er jeweils abgebrochen sowie die Lehrabschlussprüfung als Autolackierer nicht bestanden. In der Marktwirtschaft läge in diesem Zustand grundsätzlich keine gegebene Arbeitsfähigkeit vor. Der Beschwerdeführer sei
seit August 2011 bis auf
W
eiteres
zu 100 % arbeitsunfähig (
S. 24
Ziff. 1.6).
3.2
Med.
pract
. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regio
naler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 26. April 2013 (Urk. 11/41/2-
3
) aus, das
s die im Bericht des
C._
gestellten Diagnosen nicht gut nachvollziehbar seien und damit auch die Einschätzung der 100%igen Arbeitsunfähigkeit fraglich sei (S. 2 unten). Die Entwicklung und der Lebenslauf sprächen eher für eine
Persönlich
keitsstörung
mit einer dissozialen Akzentuierung. Auch dürfte der Gesundheits
zustand nicht unwesentlich auf die
Polytoxikomanie
zurückgeführt werden. Um eine Abschliessende Beurteilung durchführen zu können, sei ein psychiatrisches Gutachten notwendig (S. 3 oben).
3.3
Dr.
med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten
am 8. September 2013
(Urk. 11/39) gestützt auf die ihm überlassenen Akten (S. 2 ff. Ziff. 2), die Ang
aben des Beschwerdeführers (S. 7
ff. Ziff. 3) und auf die erhobenen Befunde (
S. 12 f. Ziff. 4).
Er nannte die folgenden Diagnosen (S. 13 Ziff. 5):
dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2)
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichten Grades (ICD-10 F33.01)
Status nach Opiatabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem Methadonprogramm (ICD-10 F11.22)
Virushepatitis C
Im Bericht der behandelnden Ärzte des
C._
sei der Beschwerdeführer aufgrund der gesamten psychopathologischen Diagnostik von August 2011 an bis auf
Weiteres
zu 100 % arbeitsunfähig eingeschätzt
worden
(vgl. vorstehend E. 3.1)
. Retrospektiv sei diese Einschätzung aufgrund der Untersuchungen zu bestätigen,
der Hauptgrund sei aber ein schwerer und anhaltender depressiver Zustand. Nach Etablierung der Methadontherapie seien an verschiedenen Ort
en mehrere Blut- und Urinproben
für Drogenscreenings mit einem für den Beschwerdeführer positiven Resultat gemacht worden. Auch nach dem klinischen Eindruck hätten
eine
Heroin-, Alkohol- und
Cannabis
suchtstörung
keinen Einfluss mehr auf die Leistungsfähigkeit des Beschwerde
führers. Seit anfangs April bis noch im September
2013
sei eine Interferon-Therapie gegen die Hepatitis C durchgeführt worden. Das Ergebnis sei jetzt schon sehr gut, sodass der Patient wieder Zuversicht und Hoffnung geschöpft habe (S. 15 unten Ziff. 5).
Der heutige psychische Zustand müsse als nur noch leicht depressiv bezeichnet werden. Die Frage von eventuellen die Erwerbstätigkeit beeinträchtigenden Konzentrationsstörungen müsse offen bleiben, im heutigen Alltag würde sie sich weniger stellen (S. 16 oben Ziff. 5).
Zusammengefasst könne der Ein
schätzung von
Dr.
Z._
in seinem Bericht vom April 2013 (
vgl.
vorste
hend E. 3.1)
zugestimmt werden, wonach
der Beschwerdeführer aufgrund der Komorbidität von depressiven, Persönlichkeits- und Suchtstörungen zeitlebens nie voll arbeitsfähig und ab August 2011
generell
voll arbeitsunfähig gewesen sei. Dies gelte praktisch bis heute. Nach erfolgreicher, kurz vor dem Abschluss stehender Interferon-Therapie gegen die Hepatitis C habe sich der psychische Zustan
d nun wieder deutlich gebessert. Heute habe der psychische Zustand höchstens noch einen leichten Krankheitsgrad.
Aus
theoretischer psychiatrischer
Sicht bestehe heute wahrscheinlich wieder eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
und darüber beziehungsweise höchstens eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % oder weniger
(S. 16 Mitte Ziff. 5
, S. 17 oben Ziff. 6
).
Das generelle Belastungsprofil werde kaum mehr durch psychische Störungen eingeschränkt.
Aus psychiatri
scher Sicht gäbe es keine Kontraindikation für eine erneute Tätigkeit im
Tele
fonmarketing
für Finanzprodukte bei einem seriösen Arbeit
geber (S. 16 unten Ziff. 5
, S. 17 oben Ziff. 6
).
Die Persönlichkeitsstörung wirke sich allgemein mit einer verminderten psychi
schen Belastbarkeit, verminderten Selbstkontrolle, verminderten
Frustrations
to
leranz
und emotionalen Labilität aus, was in spezifischen belastenden Kon
stel
lationen die Manifestation von depressiven Störungen und Suchtmittelkrisen begünstige und dadurch die Arbeitsfähigkeit einschränken könne. Unter stabilen Bedingungen sei jedoch in geeigneten Tätigkeiten eine gute Leistungsfähigkeit möglich (S. 17 Mitte Ziff. 7.1). Die bisherige Tätigkeit im Marketing sei auf die Fähigkeiten des Beschwerdeführers gut zugeschnitten. Das
psychische
Belas
tungsprofil
sei allgemein herabgesetzt, vor allem in Bezug auf soziale und gesundheitliche Herausforderungen. Deshalb sei die künftige Arbeitsfähigkeit schlecht voraussagbar, sondern hänge von den weiteren Umständen ab (S. 17 unten
f.
Ziff. 7.2). Die Suchtstörung sei Folge der anderen diagnostizierten psy
chischen Störungen und habe abgesehen von der Hepatitis C keine die Arbeits
fähigkeit irreversibel einschränkende Leiden verursacht (S. 19 Mitte Ziff. 7.9).
3.4
Gemäss Feststellungsblatt vom 16. April 2014 (Urk. 11/41) kam die
Beschwerde
gegnerin
nach
der am gleichen Tag stattgefundenen
Besprechung mit
E._
, Rechtsdienst
, und
Dr.
F._
, RAD,
zum Schluss, dass aktuell keine Depression mehr vorhanden sei. Es würden keine Konzentrationsprobleme mehr bestehen, Affektivität und Stimmungslage seien unauffällig. Es lägen psy
chosoziale Faktoren (Erkrankung, finanzielle Probleme, Zahnprobleme) vor und es habe keine Psychotherapie stattgefunden. Trotz der Persönlichkeitsstörung sei der Beschwerdeführer einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Die Depression sei vorübergehend gewesen und somit nicht IV relevant (S. 6 Mitte).
3.5
Dr.
med. G._
,
Stadtspital
H._
, Medizinische Klinik, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, nannte in
seinem
Bericht
vom 15. April 2014 (Urk. 11/47
) die folgenden Diagnosen
(S. 1 Mitte)
:
chronische Hepatitis C, Genotyp 1
Zustand nach Hepatitis A
Status nach
intravenösem
Drogenabusus
, aktuell im Methadonprogramm
r
ezidivierende depressive Stimmungslage, unter medikamentöser Thera
pie
Der Beschwerdeführer gelte bezüglich
der
Hepatitis C als geheilt (S. 1 unten).
3.6
Med.
pract
. I._
,
Städtische Gesundheitsdirektion,
führte in seinem Bericht vom 22. August 2014 (Urk.
11/53/2 =
Urk.
3/2
=
Urk.
8/4
) aus, dass der Beschwerdeführer seit mehreren Jahren
unter einer chronischen Depressivität bei gemischter Persönlichkeitsstörung
leide. Der letzte Schub sei durch die Bekanntgabe der Neudiagnose einer chronischen Hepatitis C ausgelöst worden. Seither sei es dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich gewesen, einer Arbeit nachzugehen. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %.
3.7
Med.
pract
. J._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihren ärztlichen Zeugnissen vom 17. August (Urk. 8/1, Urk. 8/2) und 15. September 2015 (Urk. 8/3) aus, dass sich der Beschwerdeführer im
K._
in ambulanter psychiatrischer Behandlung bef
inde. Er sei vom 17. August
bis 18. Oktober 2015 krankheitsbedingt zu 100 % arbeitsunfähig.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer war seit April 2010 bei der
Y._
als
Ver
kaufsmitarbeiter
in einem vollen Pensum tätig, wobei der letzte effektive Arbeitstag am 22. Juli 2011 stattgefunden hat. Nachdem der Beschwerdeführer nicht mehr am Arbeitsplatz erschienen ist, wurde das Arbeitsverhältnis durch den Arbeitgeber per Ende April 2012 aufgelöst (Urk. 11/21 S. 1 f., Urk. 11/41 S. 1 unten).
Seit Mai 2013 wird der Beschwerdeführer von der Sozialhilfe unterstützt (Urk. 11/35 Ziff. 4.1).
4.2
Zur Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes ist auf das Gutachten von
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.3) abzustellen.
Dr.
D._
ist Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie, so dass
er zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers grundsätzlich befähigt ist
. Er berücksichtigte die beklagten Beschwerden und das Verhalten des Beschwerdeführers und erstellte das Gut
achten in Kenntnis der
Vorakten
,
zu denen
er auch Stellung nahm. So setzte er sich insbesondere mit dem Bericht von Dr.
Z._
und
lic
. phil.
A._
vom
C._
(vgl. vorstehend E. 3.1)
auseinander und
bestätigte die Einschätzung der beiden
Ärzte
, wonach der
Beschwerdeführer aufgrund der Komorbidität von depressiven, Persönlichkeits- und Suchtstörungen zeitlebens nie voll arbeitsfähig und ab August 2011 voll arbeitsunfähig gewesen sei,
wobei er den
Hauptgrund – abweichend zu den beiden Ärzten – in einem schweren und anhaltenden depressiven
Zustand begründet sah.
Die volle Arbeitsunfähig
keit sah er bis
zum Zeitpunkt seiner Begutachtung des Beschwerdeführer
s
– die
psychiatrische Exploration
fand am 26. August 2013 statt (Urk. 11/39 S. 1 Mitte) –
als gegeben.
Die
Diagnose einer
dissoziale
n
Persönlichkeitsstörung und
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig leichten Grades, als auch die Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und
Arbeitsfähigkeit
werden aus
führlich begründet. Damit erfüllt das psychiatrische Gutachten die
bundesge
richtlichen
Anforderungen an ein medizinisches Gutachten (
vorstehend E. 1
.9
) vollumfänglich
, so dass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann.
Demgemäss ist vorliegend in psychiatrischer Sicht eine dissoziale
Persönlich
keitsstörung
und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichten Grades, ausgewie
sen. Die gegenwärtige rezidivierende depressive Störung
leichten Grades
hat keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers
,
denn n
ach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermassen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E. 3.3 mit Hinweis).
Davon ist vorliegend nicht auszugehen, vielmehr wurde die auch von
Dr.
D._
empfohlene (vgl.
Urk.
11/39 S. 18
Ziff.
3) und vom Beschwerdeführer als
begrüssenswert
erachtete (vgl.
Urk.
11/39 S. 12) Therapie erst nach
Verfü
gungserlass
aufgenommen (vgl. vorstehend E. 4.6).
J
edoch wirkt sich die dissoziale Persönlichkeitsstörung in dem Sinne aus, als diese die Arbeitsfähigkeit
zu 20 % ein
schränkt, weshalb dem Beschwerdeführer
aktuell
nur noch
eine Arbeitstätigkeit in einem Pensum von 80 % zumutbar ist.
Aus psychiatrischer Sicht sei jedoch auch die angestammte Tätigkeit im
Tele
fonmarketing
für Finanzprodukte bei einem seriösen Arbeitgeber wieder zumut
bar.
Dr.
D._
hielt fest, dass die Persönlichkeitsstörung zwar die Arbeitsfähig
keit einschränken könne, unter stabilen Bedingungen jedoch in geeigneten Tätigkeiten eine gute Leistungsfähigkeit möglich sei (vorstehend E. 3.3). Der Beschwerdeführer machte denn gegenüber
Dr.
D._
selbst geltend, wieder die frühere Karriere verfolgen und beim bisherigen Arbeitgeber tätig sein zu wollen (vgl.
Urk.
11/39 S. 12 Mitte).
4.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter
muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Der Argumentation
der Beschwerdegegnerin,
psychosoziale Faktoren – nament
lich Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Zahnprobleme –
hätten zum vorübergehenden Bestehen einer Depression geführt (vorstehend E. 2.1)
,
ist
ent
gegen zu halten,
dass der Beschwerdeführer
nach der Diagnose Hepatitis
C im August 2011 in eine anhaltende
und ärztlich bestätigte schwere
Depression gefallen ist.
Inwiefern psychosoziale Faktoren
ebenfalls
eine Rolle spielten, ist nicht
genau erstellt
. Bei der rezidivierenden depressiven Stör
ung
schweren Gra
des und der dissozialen Persönlichkeitsstörung, die seit der Kindheit besteht, handelt es sich
um verselbständigte psychische Störungen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Mag die Erkrankung auch auf dem Boden psycho
sozialer Faktoren entstanden sein, bleibt die Arbeitsunfähigkeit dennoch
krank
heitsbedingt
.
4.4
Auf die weiteren vorliegenden Berichte und Atteste kann aus den folgenden Gründen nicht
entscheidwesentlich
abgestellt werden: Med.
pract
.
I._
ist aufgrund der fehlenden fachärztlichen Qualifikation nicht genügend befähigt, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu beurteilen.
Med.
pract
.
J._
attestierte
dem Beschwerdeführer
vom 17. August bis 18. Oktober 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (vorstehend E. 3.7). Die Berichte erfolgten
jedoch
erst nach Verfügungserlass am 24. Juli 2014 (Urk. 2), womit sie zur Beurteilung der Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung nicht relevant sind (vorstehend E. 1.
6
).
Falls sich der psychische Zustand des Beschwerdeführers
in der Zwischenzeit
verschlechtert haben sollte,
wären
der Beschwerdegegnerin
neue begründete Berichte einzureichen, die dann im
Rahmen einer Neuanmeldung zu prüfen
wären.
4.5
In somatischer Hinsicht bestehen keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, wurde doch im Bericht des Stadtspitals
H._
vom April 2014
festgehal
ten, dass der Beschwerdeführer bezüglich Hepatitis C als geheilt gelte (vorste
hend E. 3.5).
4.6
Der medizinische Sachverhalt ist somit dahingehend erstellt, dass der Beschwer
deführer von August 2011 bis August 2013 zu 100 % arbeitsunfähig war. Seit September 2013 ist ihm jedoch wieder eine Arbeitstätigkeit im Umfang von 80 %
auch in der angestammten Tätigkeit
zumutbar.
5.
5.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen dieser Ein
schränkun
gen vorzunehmen.
5.2
Da ein Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches – mithin der Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin am 2
7.
September 2012 (Urk. 11/17, vgl. Urk. 11/18) – eintritt (vorstehend E. 1.3),
ist
der frühestmögliche
Rentenbe
ginn
im März 2013.
Aufgrund der 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von August 2011 bis August 2013
in jeglicher Tätigkeit
erübrigt sich ein
Einkommensver
gleich
. In diesem Zeitraum bestand beim Beschwerdeführer ein Invaliditätsgrad von 100 %, w
eshalb
ein
Anspruch auf eine befristete ganze Rente von März bis August 2013
entsteht.
5.3
Da
dem Beschwerdeführer
die bisherige Tätigkeit seit September 2013 wieder zumutbar ist, genügt zur Bemessung des Invaliditätsgrades ein Prozentvergleich (vorstehend E. 1.5). Damit ist höchstens von einem Invaliditätsgrad von 20 % (
Valideneinkommen
: 100, Invalideneinkommen: 80) auszugehen, womit kein Rentenanspruch entsteht
(vorstehend E. 1.2)
.
5.4
Dementsprechend ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzuheissen
, dass die
angefochtene Verfügung
mit der Feststellung aufzuheben ist, dass der
Beschwerdeführer vom 1. März 2013 bis 3
1.
August 2013 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
Dies führt zur teilweise
n
Gutheissung der Beschwerde.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensa
u
f
wand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise
auf
Fr.
8
00.--
anzusetzen. Die Kosten sind ausgangsgemäs
s zu drei Viertel
n
dem Beschwerdeführer und zu einem Viertel der
Beschwerdegeg
nerin
aufzuerlegen.