Decision ID: bc408bb5-e788-5c2a-8f42-3ea545533501
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte) meldete sich im September 2009 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie hatte am 6. Januar 2006 einen
Unfall erlitten, als sie auf einen Zug aufgesprungen war und sich dabei das rechte Knie
verdrehte (Suva-act. 1 zum Unfall Nr. 15.10095.06.1). Am 25. Januar 2006 war bei
Diagnose einer Hinterhornläsion des medialen Meniscus rechts eine diagnostische
Arthroskopie und partielle Meniskektomie rechts und am 30. März 2006 eine
Restmeniskektomie vorgenommen worden (Suva-act. 8f., 13 und 18 zum Unfall
Nr. 15.10095.06.1). Ab 8. Juni 2006 hatte die Versicherte ihre volle Arbeitsfähigkeit in
ihrer Tätigkeit als Verkäuferin bei der B._ AG wiedererlangt (Suva-act. 1, 22 zum
Unfall Nr. 15.10095.06.1). Am 30. August 2007 war die Versicherte während der Arbeit
über eine Schachtel gestolpert und gestürzt. Dabei hatte sie sich am Knie und an der
Schulter verletzt. Am 5. September 2007 hatte sie die Arbeit wieder im Pensum von
80% aufgenommen (Suva-act. 1 zum Unfall Nr. 9.15644.07.4). Am 23. April 2008 hatte
sie einen Autounfall mit HWS-Distorsion erlitten (Suva-act. 1, 11, 49., 52 zum Unfall
Nr. 9.12660.08.7). Nach einer vollen Arbeitsunfähigkeit war sie seit 19. Mai 2008 wieder
zu 50% arbeitsfähig gewesen und ab 1. Oktober 2008 hatte sie – nach einem
Rehabilitationsaufenthalt in der Rehaklinik Bellikon vom 21. August bis 25. September
2008 (Suva-act. 37 zum Unfall Nr. 9.12660.08.7) – die Arbeit zunächst wieder im
Pensum von 80% aufgenommen (Suva-act. 23f., 32 zum Unfall Nr. 9.12660.08.7). Ab
Dezember 2008 hatte sie ihr Arbeitspensum auf 70% reduziert (Suva-act. 46, 49, 51f.
zum Unfall Nr. 9.12660.08.7).
A.b Vom 14. Oktober bis 3. November 2009 hielt sich die Versicherte zur stationären
Rehabilitation in der Klinik C._, auf (IV-act. 19-3ff./7). Gemäss Angaben der
behandelnden Hausärztin Dr. med. D._, Fachärztin für Allgemeine Medizin FMH, vom
24. November 2009 (IV-act. 19-1f./7) war die Versicherte seit 8. Juni 2009 voll
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
arbeitsunfähig geschrieben und ihr gegenwärtiger Gesundheitszustand noch als
instabil zu werten. Am 18. Februar 2010 (IV-act. 21) berichtete Dr. D._ über einen
stationären Gesundheitszustand. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar und
die Versicherte habe auf Ende Februar 2010 die Kündigung erhalten. Die Zumutbarkeit
anderer Tätigkeiten sei nicht beurteilbar und werde von der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) abgeklärt.
A.c Am 8. März 2010 teilte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten mit,
aufgrund ihres Gesundheitszustands seien keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 25).
A.d Am 29. April 2010 erlitt die Versicherte einen Treppensturz und klagte in der Folge
über Schmerzen im rechten Handgelenk (IV-act. 41-11f./15). Im Arztbericht vom
18. Mai 2010 (IV-act. 26) gab Dr. D._ an, der Gesundheitszustand sei aufgrund eines
Asthma bronchiale und des Sturzes vom 29. April 2010 verschlechtert. Am 30. Juni
2010 wurde bei Diagnose eines ulnokarpalen Schmerzsyndroms rechts, einer
ausgeprägten Pisotriquetralarthrose und eines Ganglions pisotriquetral das Pisiforme
und das Ganglion operativ entfernt und eine Neurolyse des Nervus ulnaris
vorgenommen (IV-act. 41-4/15). RAD-Arzt Dr. med. E._, Allgemeine Innere Medizin
FMH, empfahl am 26. Oktober 2010 aufgrund der aktuellen medizinischen Sachlage
eine externe Begutachtung der Versicherten (IV-act. 35).
A.e Am 26. Januar 2011 wurde eine operative Carpaltunnelspaltung, eine äussere
Neurolyse und eine Synovektomie vorgenommen (Bericht nicht aktenkundig; vgl. IV-
act. 47-15/42).
A.f Die MEDAS Ostschweiz, Medizinische Abklärungsstelle St. Gallen, erstattete am
9. Juni 2011 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 47). Die MEDAS-Gutachter
Dr. med. F._, Allgemeine Medizin FMH, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Dr. med. G._, Facharzt Innere Medizin/Rheumatologie FMH,
und Dr. med. H._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierten darin ein
chronifiziertes diffuses generalisiertes Schmerzsyndrom, eine rezidivierende depressive
Störung, eine leicht- bis mittelgradige depressive Symptomatik mit beginnender
Chronifizierung sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Sie schätzten die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesamtarbeitsfähigkeit der Versicherten in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin
und in körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten ohne kraftanfordernde oder
über der Horizontalen ausgeführte Arbeiten mit der rechten oberen Extremität, ohne
kraftanfordernde bzw. repetitive manuelle Arbeiten, ohne kniend oder in der Hocke
auszuführende Arbeiten, ohne überwiegend gehende Berufstätigkeiten, des Weiteren
ohne erhöhte Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, die emotionale
Belastbarkeit, die Konzentrationsfähigkeit oder die sozialen Kompetenzen auf ca. 50%.
Die Einschränkung aus psychiatrischer Sicht im Umfang von 30-40% bestehe seit
Beginn der psychiatrischen Behandlung im Februar 2009. Die höhergradige
Einschränkung der gesamthaften Arbeitsunfähigkeit beruhe auf den in den
bildgebenden Untersuchungen objektivierten, teils fortgeschrittenen degenerativen
Veränderungen (Schulter rechts, Knie rechts, Finger- und Zehengelenke). Der RAD
erachtete das MEDAS-Gutachten am 26. August 2011 als umfassend und sorgfältig
erstellt (IV-act. 52).
A.g Vom 28. November 2011 bis 2. März 2012 wurde eine berufliche Abklärung in der
I._ geplant (IV-act. 57, 60) und mit Mitteilung vom 2. Dezember 2011 der Anspruch
auf Arbeitsvermittlung bejaht (IV-act. 62). Die Abklärung wurde nach zwei Wochen
abgebrochen, da die Versicherte an einer Angina und in der Folge an einer Mittelohren-
und Lungenentzündung erkrankte (IV-act. 67f., 70).
A.h Dr. med. J._, Innere Medizin FMH, äusserte im Bericht vom 22. Februar 2012 (IV-
act. 73-1ff./17) unter anderem einen Verdacht auf Polyarthritis und wies auf
diesbezüglich laufende Abklärungen in der Rheumatologie des Kantonsspitals
St. Gallen hin. Er attestierte der Versicherten eine volle Arbeitsunfähigkeit seit der
abgebrochenen Arbeitsabklärung.
A.i Im Fragebogen zur Haushaltsabklärung vom 25. Februar 2012 (IV-act. 74) gab die
Versicherte an, ohne Behinderung würde sie eine Erwerbstätigkeit im Bereich Verkauf/
Beratung im Ausmass von 80% ausüben.
A.j Mit Stellungnahme vom 6. August 2012 hielt RAD-Arzt Dr. E._ fest, im Vergleich
zum Medas-Gutachten vom 9. Juni 2011 seien keine neuen objektivierbaren
medizinischen Befunde dokumentiert, welche eine erhebliche und bleibende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verschlechterung des Gesundheitszustands mit zusätzlicher Auswirkung auf die
gutachterlich beurteilte Restarbeitsfähigkeit nachvollziehbar begründen würde (IV-
act. 83). Zur abschliessenden Stellungnahme empfehle sich die Einholung der Berichte
über die Abklärung des Verdachts auf Polyarthritis und der Berichte des seit 7. August
2012 behandelnden Arztes Dr. med. K._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie,
Wirbelsäulenzentrum L._. Nach Einsicht in die entsprechenden Berichte (IV-act. 86,
88) hielt der RAD am 18. Oktober 2012 an seiner bisherigen Stellungnahme vom
6. August 2012 fest (IV-act. 89).
A.k Mit Vorbescheid vom 15. November 2012 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, ihren Rentenanspruch bei Qualifikation als Teilerwerbstätige im Pensum von
80% und einem Invaliditätsgrad von 30% abzuweisen. Dagegen liess die Versicherte
am 4. Januar 2013 durch die DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG (nachfolgend: DAS)
Einwand erheben und am 26. März 2013 Kopien von weiteren medizinischen
Unterlagen und Fotos einreichen (IV-act. 98).
A.l Mit Stellungnahme vom 2. und 29. April 2013 (IV-act. 100) äusserte sich RAD-Arzt
Dr. E._ dahingehend, dass die Versicherte in der Tätigkeit als Hausfrau in einem
üblichen Haushalt mit entsprechenden manuellen Tätigkeiten relevant eingeschränkt
sei. Die erosive Heberden-Arthrose beidseits sowie die Arthrose im Bereich der
Handwurzelknochen Trapezium/Trapezoideum rechts begründeten nachvollziehbare
manuelle Einschränkungen mit zusätzlich auch gestörter Feinmotorik der rechten Hand.
Die beginnende Omarthrose rechts führe zu Einschränkungen der Armbewegungen
über der Horizontalen. Zwischenzeitlich seien weitere Arztberichte aktenkundig, welche
die diesbezüglich bereits gutachterlich bestätigten relevanten ausgeprägten Befunde
bzw. Funktionseinschränkungen an Händen und rechter Schulter zusätzlich
bestätigten. Daraufhin veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung an Ort und Stelle, um
die Einschränkungen der Versicherten in ihrer Tätigkeit als Hausfrau zu ermitteln (IV-
act. 101). Gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 13. Juni 2013/10. Juli 2013 (IV-
act. 105) bestätigte die Versicherte die Einstufung 80% Erwerb und 20% Haushalt
ohne Behinderung. Die von der Abklärungsperson festgestellten Aufwendungen im
Haushalt beliefen sich auf ca. drei Stunden. Ohne Berücksichtigung der
Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht würden Einschränkungen von 10%
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
resultieren. Die entsprechende Mithilfe könne dem Ehemann und dem Sohn zugemutet
werden, so dass keine Einschränkungen im Haushalt resultierten.
A.m Mit zweiter Anhörung vom 9. August 2013 (IV-act. 106) kündigte die IV-Stelle an,
dass sie an ihrem bisherigen Entscheid festhalte.
A.n Am 29. August 2013 erhob die DAS für die Versicherte Einwand (IV-act. 107). Die
Ergebnisse der Haushaltsabklärungen würden zur Kenntnis genommen. Hinsichtlich
des weiterhin nicht berücksichtigten Leidensabzugs von 25% halte die Versicherte an
ihren Vorbringen vollumfänglich fest.
A.o Mit Verfügung vom 6. September 2013 (IV-act. 108) wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin ab und gewährte ihr weiterhin keinen
Abzug vom Tabellenlohn.
B.
B.a Mit Beschwerde vom 3. Oktober 2013 (act. G1) liess die Beschwerdeführerin
durch Fürsprecher lic. iur. Marco Büchel, Oberuzwil, beantragen, die Verfügung vom
6. September 2013 sei aufzuheben und ihr sei rückwirkend ab 1. März 2010 eine Rente
der Invalidenversicherung auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung liess die Beschwerdeführerin insbesondere anführen, ihre
Resterwerbstätigkeit sei auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht
mehr verwertbar, da sie inzwischen über 60 Jahre alt sei. Falls dennoch ein
Einkommensvergleich zur Anwendung kommen sollte, sei sie als Vollerwerbstätige
einzustufen. Zudem sei ein Tabellenlohnabzug von 25% vorzunehmen. Selbst bei
Anwendung der gemischten Methode habe sie bei einem Invaliditätsgrad von 42.5%
Anspruch auf eine Viertelsrente der Invalidenversicherung.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. November 2013 (act. G3) schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie im
Wesentlichen vor, die Beschwerdeführerin habe diverse Male bestätigt, ihr Pensum im
Gesundheitsfall nicht auf 100% erhöhen zu wollen. Die Behauptung erfolge lediglich
aus prozesstaktischen Gründen. Da der Beschwerdeführerin die bisherige Arbeit wie
jede andere Tätigkeit im gleichen Umfang zumutbar sei, könne nicht gesagt werden,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dass ihre Restarbeitsfähigkeit nicht verwertbar sei. Da die angestammte Tätigkeit
zumutbar sei und ein Prozentvergleich vorgenommen werden könne, komme ein
Tabellenlohnabzug nicht in Frage. Eine wirtschaftliche Verwertbarkeit könne allenfalls
ganz kurz vor der Pensionierung negiert werden. Weiter könne sich die
Beschwerdegegnerin auch mit der ärztlich attestierten Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
einverstanden erklären.
B.c Mit Replik vom 13. Januar 2014 (act. G5) hielt die Beschwerdeführerin an ihrem
bisherigen Standpunkt fest und fügte an, sie arbeite nicht mehr in ihrer angestammten
Tätigkeit, so dass auf die Tabellenlöhne abzustellen und davon ein Abzug zu gewähren
sei.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G7).

Erwägungen
1.
1.1 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) und kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG in der Regel durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem
das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach
der Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des
Invalideneinkommens bilden die Arbeitsfähigkeitsschätzung und die Umschreibung der
trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und zumutbaren Tätigkeiten
(vgl. Art. 6 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise
Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten
(Art. 6 ATSG).
1.4 Bei im Aufgabenbereich, namentlich im Haushalt tätigen Personen im Sinn von
Art. 5 Abs. 1 IVG und Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) wird für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass
eine Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a
Abs. 2 IVG).
1.5 Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die
Invalidität diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person
daneben in einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und
der Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet.
1.6 Nach Art. 28 Abs. 2 des IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
1.7 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu beurteilen und somit den
Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das
Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens
ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich
mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, was vor
allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls
in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in
der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind,
dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V
351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Vorliegend ist unbestritten und gestützt auf das von der Beschwerdegegnerin
eingeholte Medas-Gutachten vom 9. Juni 2011 (IV-act. 47) davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin und in allen
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten ohne kraftanfordernde oder über
der Horizontalen ausgeführte Arbeiten mit der rechten oberen Extremität, ohne
kraftanfordernde bzw. repetitive manuelle Arbeiten, ohne kniend oder in der Hocke
auszuführende Arbeiten, ohne überwiegend gehende Berufstätigkeiten und ohne
erhöhte Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, die emotionale
Belastbarkeit, die Konzentrationsfähigkeit oder die sozialen Kompetenzen gesamthaft
im Umfang von 50% arbeitsfähig ist. Dem Medas-Gutachten zufolge (vgl. IV-
act. 47-23f. und 28/42) beruht die höhergradige Einschränkung der gesamthaften
Arbeitsunfähigkeit auf den in den bildgebenden Untersuchungen objektivierten, teils
fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen (Arthrose an Schulter rechts, Knie
rechts, Finger- und Zehengelenke). RAD-Arzt Dr. E._ erwähnte mit Stellungnahme
vom 18. Oktober 2012 (IV-act. 89) zudem neue degenerative Entwicklungen in der
linken Schulter und bestätigte mit Stellungnahme vom 2. und 29. April 2013, dass die
gutachterlich festgestellte 50%-ige Arbeitsunfähigkeit somatisch begründet ist (IV-
act. 100). Auf das im Medas-Gutachten vom 9. Juni 2011 formulierte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zumutbarkeitsprofil mit quantitativer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 50% kann
somit ohne weiteres abgestellt werden.
2.2
2.2.1 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bringt vor, die im Medas-Gutachten
vom 9. Juni 2011 festgestellte Restarbeitsfähigkeit lasse sich wirtschaftlich nicht
verwerten.
2.2.2 Soweit er als Grund der Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf das
fortgeschrittene Alter bzw. die verbleibende, kurze Aktivitätsdauer im Erwerbsleben der
Beschwerdeführerin verweist, ist festzuhalten, dass sich dieser Faktor insbesondere
mit Blick auf die bereits erworbene Berufserfahrung in der Verkaufsbranche und die
guten Sprachkenntnisse der Beschwerdeführerin nicht derart nachteilig auswirken
dürfte, dass eine (Teil-)Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gänzlich
ausgeschlossen wäre. Die Beschwerdeführerin war fast acht Jahre lang als Verkäuferin
tätig und das Zumutbarkeitsprofil lässt weiterhin eine Erwerbstätigkeit in der
angestammten Tätigkeit zu (vgl. Arbeitszeugnisse der B._ AG, IV-act. 55). Damit
bewegt sich der Einarbeitungsaufwand in einem zumutbaren Rahmen und es ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in der Lage ist, ihre Restarbeitsfähigkeit von
50% auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten.
2.3
2.3.1 Zudem führt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin an, diese wäre im
Gesundheitsfall als Vollerwerbstätige zu qualifizieren.
2.3.2 Bereits am 31. Juli 2008 hatte die Beschwerdegegnerin gegenüber dem Suva-
Case Manager angegeben, ihr Ziel sei es, wie vor dem Unfall wieder ein Arbeitspensum
von 80% leisten zu können (Suva-act. 24 zum Unfall 9.12660.08.7). Dieselbe Auskunft
erteilte sie gegenüber der Eingliederungsverantwortlichen im November 2011 (IV-
act. 67-2/4). Ihr Arbeitspensum von 80% hatte sie ab 1. Dezember 2008 aus
gesundheitlichen Gründen auf 70% herabgesetzt und den Minderverdienst selbst
getragen (Suva-act. 52 zum Unfall 9.12660.08.7). Im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt vom 25. Februar 2012 (IV-act. 74) gab die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführerin weiterhin an, ohne Behinderung würde sie eine Erwerbstätigkeit im
Umfang von 80% ausüben. Bei dieser Angabe blieb sie auch, als sie nach Erlass des
Vorbescheids vom 15. November 2012 Einwand erhob und eine Abklärung an Ort und
Stelle verlangte. Bei der Haushaltabklärung an Ort und Stelle vom 10. Juli 2013 (IV-
act. 105) bestätigte die Beschwerdeführerin, sie würde im Gesundheitsfall einer 80%-
igen Erwerbstätigkeit nachgehen. Auch bei der zweiten Anhörung hatte die
rechtskundig vertretene Beschwerdeführerin gegen diese Qualifikation nichts
einzuwenden (IV-act. 107). In der Beschwerde vom 3. Oktober 2013 liess sie erstmals
vorbringen, es handle sich bei der bisherigen Einstufung um einen wesentlichen Irrtum
und sie sei als Vollerwerbstätige zu qualifizieren (act. G1 S. 6). Nachdem die
Beschwerdeführerin bis zu Beginn des Beschwerdeverfahrens daran festgehalten
hatte, im Gesundheitsfall einer 80%-igen Erwerbstätigkeit nachzugehen, erscheint der
vorliegende Positionswechsel wenig glaubwürdig und kaum auf einem Irrtum über ihre
hypothetische Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zu beruhen. Soweit sich der Irrtum
auf den Einfluss dieser Qualifikation auf ihre Leistungen beziehen sollte, wurde die
Beschwerdeführerin bei der Abklärung an Ort und Stelle hinsichtlich der Art der
Invaliditätsbemessung explizit darauf hingewiesen (IV-act. 105-2/12).
2.3.3 Zusammenfassend ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall im Umfang von 80% einer
Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre, und im Rahmen von 20% den Haushalt erledigt
hätte.
3.
3.1 Zunächst ist die Invalidität im Haushaltsbereich zu prüfen.
3.1.1 Hinsichtlich der im Abklärungsbericht Haushalt vom 3. Juni 2013/10. Juli 2013
(IV-act. 105) festgestellten geringen Einschränkungen im Umfang von 10% steht
unbestrittenermassen fest, dass diese unter Beachtung der Schadenminderungs- und
Mitwirkungspflicht des Ehemannes und des Sohnes nicht zum Tragen kommen. Selbst
wenn diese Einschränkungen voll berücksichtigt würden, fielen sie nicht derart ins
Gewicht, dass sie eine Rentenberechtigung der Beschwerdeführerin zu begründen
vermöchten (vgl. E. 3.2.5 des vorliegenden Entscheids).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1.2 Damit ergibt sich im Haushaltsbereich maximal eine Einschränkung von 2%
(10% x 0.2).
3.2 Zu prüfen bleibt die Invalidität im Erwerbsbereich.
3.2.1 Die Beschwerdegegnerin ging bei der Bestimmung des Valideneinkommens von
den Lohnangaben der Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin, B._ AG, aus und
ermittelte einen Betrag von Fr. 44‘495.-- (IV-act. 91). Die ausgebildete
Lebensmitteltechnologin konnte bereits in ihrem Heimatland M._ wegen Allergien
nicht auf dem angestammten Beruf arbeiten und hatte sich offenbar zur Informatikerin
umschulen lassen (IV-act. 10-1/3, 47-34/42). In der Schweiz war sie vor ihrer
beruflichen Tätigkeit bei der B._ AG bereits in einem Alters- und Pflegeheim, in N._
und bei der O._ & Co, arbeitstätig (IV-act. 7-4/6). Im Fragebogen für Arbeitgebende
vom 12. Oktober 2009 wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin als
Mitarbeiterin im Verkauf im 80%-Pensum monatlich Fr. 2‘931.25 bzw. jährlich
Fr. 38‘106.25 verdient habe (IV-act. 12-2/18). Nach Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung bis 2011 (2010: +1.1%, 2011: +1%) würden daraus
Fr. 38‘910.70 resultieren. Dieser Betrag deckt sich einerseits nicht mit dem von der
Beschwerdegegnerin ermittelten Validenlohn, andererseits gilt es zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin gemäss IK-Auszug bei der B._ AG nie ein Einkommen in diesem
Umfang erwirtschaftet hat und insgesamt ein jährlich schwankendes und für eine
Verkäuferin mit Erfahrung ein stark unterdurchschnittliches Einkommen aufwies (vgl. IV-
act. 7). Der von der Beschwerdegegnerin beigezogene Validenlohn Fr. 44‘495.--
entbehrt somit einer repräsentativen Grundlage. Daher sind die Tabellenlöhne der
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2010, TA1, privater Sektor, Anforderungsprofil 4,
beizuziehen (zur Zulässigkeit eines Prozentvergleichs bei nicht repräsentativer
Grundlage für die Bestimmung des Valideneinkommens siehe Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Juli 2012, 9C_406/2011, E. 6.4).
3.2.2 Das bei Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit erzielbare Einkommen lässt
sich praxisgemäss ebenfalls gestützt auf die Tabellenlöhne der LSE ermitteln (BGE 126
V 75 E. 3b/aa und 3b/bb). Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom
selben Tabellenlohn zu berechnen, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (sog.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Prozentvergleich, vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Juli 2012, 8C_365/2012, E. 7
mit Hinweis).
3.2.3 Gemäss Rechtsprechung hängt die Frage, ob ein Tabellenlohnabzug zu
gewähren ist, von allen persönlichen und beruflichen Merkmalen (leidensbedingte
Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad) der versicherten Person ab. Ein Abzug soll nicht automatisch,
sondern dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die
versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich
bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten vermag (BGE 126 V 75
E. 5b). Die leidensbedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin stellen insofern
eine Erschwernis dar, als sie gegenüber einer gesunden Person ein erhöhtes
Krankheitsrisiko aufweist und ein potenzieller Arbeitgeber daher mit erhöhten Absenzen
zu rechnen hat. Durch die beschränkte Stress- und Frustrationstoleranz, emotionale
Belastbarkeit, Konzentrationsfähigkeit oder beschränkten sozialen Kompetenzen ist die
Beschwerdeführerin zudem im Vergleich zu einer gesunden Person deutlich weniger
flexibel und muss auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt unter Umständen einen
Lohnnachteil in Kauf nehmen. Diese persönlichen Merkmale rechtfertigen jedoch
maximal einen Tabellenlohnabzug von 10%.
3.2.4 Anhand des Prozentvergleichs ergibt sich im Erwerbsbereich ungewichtet ein
Invaliditätsgrad von aufgerundet 44% ([80%-50% x 0.9]/0.8). Bezogen auf einen
Erwerbsanteil von 80% beträgt die entsprechende Teilinvalidität im Erwerbsbereich
somit 35% (44%x0.8).
3.2.5 Da im Haushaltsbereich – wenn überhaupt – maximal eine Invalidität von 2%
besteht, hat die Versicherte bei einer Invalidität von insgesamt höchstens 37% ab
Begutachtungszeitpunkt bei der Medas Ostschweiz im Februar 2011 keinen
Rentenanspruch.
4.
4.1 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine befristete Rente hat.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2 Die Beschwerdeführerin meldete sich im September 2009 zum Bezug von
Invalidenversicherungsleistungen an, nachdem seit Juni 2009 eine volle
Arbeitsunfähigkeit bestanden hatte. Davor war sie mehr als acht Monate maximal zu
10% in ihrer Arbeitsfähigkeit im angestammten Pensum eingeschränkt (vom 1. Oktober
– 30. November 2008 arbeitete sie im Pensum von 80%, danach bis Juni 2009 im
Umfang von 70%), so dass davorliegende Arbeitsunfähigkeiten für das Wartejahr nicht
berücksichtigt werden können (vgl. Art. 29 IVV). Zumindest bis Dezember 2009 ist
eine volle Arbeitsunfähigkeit aus rein somatischer Sicht erstellt und aus psychiatrischer
Sicht war die Beschwerdeführerin gemäss Dr. H._ bereits seit Februar 2009 im
Umfang von 30-40% arbeitsunfähig (bezogen auf ein Vollzeitpensum), so dass bei
Ablauf des Wartejahrs im Mai 2010 eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von über
40% bestanden hatte (IV-act. 1, 19-1f./7, 19-3/7, 26, 35, 41-4/15, 43-3/16, 47-41f./42).
Die Medas-Gutachter hielten die gemäss den Akten attestierten Arbeitsunfähigkeiten
aus somatischer Sicht für nachvollziehbar. Seit dem Treppensturz vom 29. April 2010
war eine volle Arbeitsunfähigkeit bis spätestens September 2010 gegeben, und nach
der operativen Carpaltunnelspaltung am 26. Januar 2011 bestand bis spätestens Ende
Februar 2011 ebenfalls eine volle Arbeitsunfähigkeit. Da die Beschwerdeführerin bei
Ablauf der Wartefrist zu 100% arbeitsunfähig war, besteht in Anwendung von Art. 29
Abs. 3 IVG ab 1. Juni 2010 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (vgl. zur
Nichtanwendung von Art. 88a IVV auf diesen Sachverhalt: Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. August 2015, IV 2013/162, E. 6
[nicht rechtskräftig]). Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, für die
Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen,
in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird.
Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung
drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Für den
Zeitraum zwischen Oktober 2010 und 25. Januar 2011 war eine solche Verbesserung
noch nicht anzunehmen bzw. aufgrund der Operation von vornherein noch nicht davon
auszugehen, dass sie voraussichtlich weiter andauern würde. Seit der Begutachtung
und der darin als plausibel erachteten vollen Arbeitsunfähigkeit bis Ende Februar 2011
ist die Verbesserung dauerhaft und daher in Anwendung von Art. 88a IVV seit 1. Juni
2011 zu berücksichtigen.
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.3 Damit hat die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 1. Juni 2010 bis 31. Mai 2011
Anspruch auf eine befristete ganze Rente (volle Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich
von 80% ergibt einen Invaliditätsgrad von 80%).
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die
Verfügung vom 6. September 2013 aufzuheben ist und der Beschwerdeführerin mit
Wirkung ab 1. Juni 2010 eine ganze Rente zugesprochen wird. Per 31. Mai 2011 ist die
Rente einzustellen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe und Ausrichtung der Leistungen
ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Gerichtskosten in Höhe von Fr. 600.--
erscheinen in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Nachdem der Beschwerdeführerin ein befristeter Anspruch auf eine ganze Rente
zuzuerkennen war, hat die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss in gleicher
Höhe wird ihr zurückerstattet.
5.3 Aufgrund dieses Obsiegens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Diese werden vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). Wie in vergleichbaren Fällen üblich erscheint vorliegend eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen.