Decision ID: 1ab03cd6-5b9f-430a-a62f-bc387ab1e383
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
1968
geborene
X._
war
nach einer Ausbildung zur Damen-
Coiffeuse
zuletzt vo
m
1.
Juni 2009
bis
3
0.
April 2011
in einem ungefähr 50
%
-
Pensum
als
hau
s
wirtschaftliche Mitarbeiterin bei der
Y._
angestellt. Am
29.
Oktober 2010
und
6.
Januar 2011
meldete sie sich unter Hinweis auf
Rückenschmerzen
bei der Invalidenversicherung zu
r Früherfassung und am
9.
Februar 2011 zu
r beruflichen Integration
und
zu
m Rentenbezug
an (Urk. 8/7,
Urk.
8/10,
Urk.
8/14
,
Urk.
8/19
und
Urk.
8/44/2
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärun
gen
, gewährte der Versicherten mit Mit
teilung vom 2
3.
Juni 2011 (Urk.
8/52) Arbeitsvermittlung und
verfügte gleichentags die Abweisung des Leistungsbe
gehren
s
(
Urk.
8/53).
Am 3
0.
Juli 2012 stellte die Versicherte einen Antrag auf Unterstützung bei
der
Umschulung
(
Urk.
8/58), worauf die IV-Stelle mit Verfügung vom 25. Oktober 2012 (
Urk.
8/64) nicht eintrat.
Am 2
4.
Januar 2016 (
Urk.
8/66) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf Bandscheibenvorfälle, Hüftarthrose, Depressionen, Alkoholabhängigkeit sowie psychosomatische Erkrankungen erneut zum Leistungsbezug an.
Die IV-Stelle tätigte wiederum medizinische Abklärungen und wies das Rentenbegehren nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/81 und
Urk.
8/84 f.
)
mit Verfü
gung vom 2
9.
Dezember 2016
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
3
1.
Januar 2017
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom
2
9.
Dezember 2016
sei aufzuheben und es sei
ihr eine Rente zuzusprechen
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin
.
Zudem sei
en ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen und
ihr die unentgeltliche
Rechtspflege zu bewilligen. Am
7.
März 2017
(Urk.
7
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Mit
Verfügung vom 1
3.
März 2017
(
Urk.
9
)
gewährte das hiesige Gericht die unentgeltliche Prozess
führung und wies darauf hin, dass über den Antrag auf unentgeltliche Rechts
vertretung
(insbesondere) mangels Bekanntgabe des zu bestellenden Anwalts und einer entsprechenden Vollmacht erst
zu einem späteren Zeitpunkt entschie
den werde
; die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels erachtete es nicht für erforderlich.
Am
2.
November 2017 liess sich die nunmehr durch Fürsprecher
Frank
Goecke vertretene Beschwerdeführerin erneut vernehmen (
Urk.
13) und reichte mehrere
Arztb
erichte ein (
Urk.
14/1-4). Mit Eingabe vom 20. November 2017 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik verzichte, was der Beschwerdeführerin am 22. November 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
lo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zu
nächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
2
9.
Dezember 2016
(Urk. 2) damit, dass
die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei. Die geltend gemachten gesundheitlichen Einschränkungen würden keine langdauernde Arbeitsunfähig
keit begründen und seien durch eine entsprechende Therapie behandelbar. Der Invaliditätsgrad betrage 0
%
(S. 2).
In ihrer Vernehmlassung vom
7.
März 2017 führte sie weiter aus
(
Urk.
7), die geltend gemachten psychischen Beschwerden (depressive Episoden sowie Alko
holabhängigkeit),
welche gemäss
Oberarzt
Dr.
med.
Z._
von der
A._
zu einer nur noch 60%igen Arbeitsfä
higkeit in einer angepassten Tätigkeit führen würden, seien behandelbar und bei der Beurteilung des Invaliditätsgrades
entsprechend
unbeachtlich. Eine Thera
pieresistenz bestehe nicht.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie
sei aufgrund ihrer gesundheitli
c
h
en Beschwerden weder in der angestamm
ten noch in einer angepassten Tätigkeit in der Lage, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen.
Im Laufe des Verfahrens ergänzte sie
(
Urk.
13)
,
den Ausführungen
von
pract
.
med.
B._
, F
acharzt
für Arbeitsmedizin,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(
RAD
)
,
könne
nicht gefolgt werden
. Als Arbeitsmediziner sei dieser zudem fach
lich nicht prädestiniert, auf die psychische Seite ihres komplexen Gesundheits
schadens Bezug zu nehmen.
Aufgrund ihrer Beschwerden sei sie lediglich im geschützten Rahmen zu 30
%
arbeitsfähig (S. 2-4). Die von der Beschwerdegeg
nerin zitierte Rechtsprechung, wonach leichte bis mittelgradige depressive Stö
rungen in der Regel nicht invalidisierend
seien, sei von verschiedener Seite kri
tisiert worden
. Sie sei in somatischer und psychischer Hinsicht erheblich einge
schränkt.
Ihre
Leiden würden interagieren
, weshalb es unabdingbar sei, sie sau
be
r versicherungsmedizinisch abzuklären. Allenfalls sei die Sache dazu an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(S. 5 f.)
.
3.
Vergleichszeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin bildet die Verfügung vom 2
3.
Juni 2011 (Urk. 8/53), mit welcher die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren
abgewiesen hat
. Die Verfügung beruhte auf Berichten von verschiedenen be
handelnden Ärzten und der entsprechen
den Stellungnahme des RAD (Urk.
8/40 f.), mithin auf einer rechtskonformen Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdi
gung. Im Rahmen des Gesuchs
auf
eine Umschulung vom 3
0.
Juli 2012 (
Urk.
8/58
) wurden keine medizinischen Abklärungen getätigt,
weshalb
die ent
sprechende
Nichteintretensverfügung
der Beschwerdegegnerin vom 25. Oktober 2012 (Urk. 8/64)
für das Beurteilen einer allfälligen Veränderung des Gesund
heitszustandes unbeachtlich ist.
4
.
4
.1
Dr.
med.
C._
,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
hielt in seinem
im Rah
men der Erstanmeldung eingereichten
Bericht vom
9.
Mä
rz 2011 (Urk.
8/32
/
8-10
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Chronisch rezidivierendes
lumbospondylogenes
Syndrom, bestehend seit 2008
-
Psychosoziale Belastungssituation (Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme)
,
bestehend seit 2008
-
Rezidivierend Kopfschmerzen unklarer Genese, bestehend seit vielen Jahren
Er fügte dazu an
, auf Grund des MRI beständen
Diskopathien
und
Osteo
chondrosen
ohne eindeutige Neurokompressionen.
Die körperliche Belastung des Rückens sei eingeschränkt, wenn Rückenschmerzen beständen. Die bisherige Tätigkeit als hauswirtschaftliche Mitarbeiterin in einem Alters- und Pflegeheim sei ihr zu 50
%
zumutbar. In einer leichteren, angepassten Tätigkeit sei sie zu 100
%
arbeitsfähig.
4.2
RAD-Arzt
pract
. med.
B._
führte am
3.
und
5.
Mai 2011 aus (
Urk.
8/40
und 41
),
der Beschwerdeführerin seien leichte körperliche Tätigkeiten ohne star
ke Rückenbelastung, ohne Heben und Tragen von schweren Gewichten und oh
ne Tätigkeiten in Zwangshaltungen in einem Umfang von 100
%
möglich. In der bisherigen Tätigkeit sei sie seit Juni 2009 zu 50
%
arbeitsfähig.
4.3
Dr.
med.
D._
, Spezialarzt FMH Orthopädie und Traumatologie, hielt in sei
nem
im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldungsverfahrens eingeholten
Be
richt vom 1
9.
Februar 2016 (
Urk.
8/75/6-8)
folgende Diagnosen fest:
-
Coxarthrose
beidseits aktuell links symp
t
omatisch DD
Fem
u
r
kopfnekrose
links
-
Konservative Therapie bei VKB Ruptur und mediale
r
Meniskusläsion (Spit
zenläsion HH) nach Kniedistorsion
1.
September 2015 links
-
Migräne
-
Status nach KAS rechts mit Meniskus-OP 2007
-
Progrediente
Coxarthrose
beidseits
-
Reizdarmsyndrom, Zustand nach
Polypektomie
(April 2012)
-
Leichte linkskonvexe Skoliose
-
Streckfehlstellung bei multisegmentalen
Diskopathien
mit
Osteochondrosen
und beginnender Spondylose ventral. Deutliche
Spondylarthrosen
tief lumbal und rechts betont
-
Mehrsegmentale flache
Diskusprotrusionen
, im Segment L4/L5 diskrete Extrusion, in diesem Segment auch leichte
neuroforaminale
Engen ohne ein
deutige Neurokompression (MRI
E._
Februar 2011)
Weiter erwähnte er
,
die Beschwerdeführerin berichte von einem guten Verlauf hinsichtlich der Belastbarkeit des linken Kniegelenkes. Die MRI-Untersuchung des linken Hüftgelenkes zeige eine fortgeschrittene Veränderung des Gelenk
knorpels. Die Beschwerden seien aktuell durch die Infiltration gut kontrolliert. Der Krankheitsverlauf in der rechten Hüfte sei günstig gewesen bei ebenfalls fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen. Eine körperlich stark belasten
de Tätigkeit sei nicht empfohlen. Eine stehend
e
und sitzende Belastung mit ma
ximal 10 kg Gewicht zusätzlicher Belastung gelegentlich sei möglich.
4.4
Dr.
Z._
stellte in seinem Bericht vom 1
8.
März 2016 (
Urk.
8/77/3-7
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, abstinent seit Oktober 2015 (ICD-10 F10.20), bestehend seit spätestens Au
gust 2014
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), bestehend seit spätestens August 2014
Dazu führte er aus,
die Beschwerdeführerin sei seit 1
3.
August 2014 bei ihm in Behandlung
(
Ziff.
1.2)
. Zur Aufrechterhaltung ihrer Abstinenz besuche sie die ambulante psychotherapeutische Behandlung mit einer Frequenz von 1 – 2 Sit
zungen pro Monat
(
Ziff.
1.5)
.
Die depressiven Symptome führten zusammen mit den somatischen Schmerzen zu einer stark reduzierten Belastbarkeit in der bis
herigen Tätigkeit
als
Hauswirtschaftsmitarbeiterin.
D
ie Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
werde auf maximal 20
%
geschätzt. Die Tätigkeit sei an
maximal vier Halbtagen pro Woche zumutbar, dabei bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit von 50
%
. Seit Dezember 2015 bestehe in einer angepassten Tätigkeit mit flexiblen Arbeitszeiten, Arbeiten für sich, Vermeiden von Druck- und Stresssituationen, mit Wertschätzung und Transparenz von Vorgesetz
t
en eine maximale Arbeitsfähigkeit von 60
%
(
Ziff.
1.6 und 1.7)
. Die Alkoholabhän
gigkeit und die depressive Episode seien grundsätzlich behandelbar. Es werde eine
Reevaluation
des Gesundheitszustandes in frühestens einem Jahr empfoh
len
(
Ziff.
1.4)
.
4.5
RAD
-Arzt
pract
. med.
B._
hielt in seiner Stellungnahme vom 1
1.
April 2016 (
Urk.
8/79/3) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Coxarthrose
beidseits,
aktuell links symptomatisch
-
Konservative Therapie bei VKB Ruptur und medialer Meniskusläs
ion nach Kniedistorsion links 09/
2015
Zudem stell
t
e er folgende Diagnosen mit einer dauerhaften/langanhaltenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit:
-
Rez
idivierende
depressive Störung
gegenwärtig
mittelgradige Episode
(ICD-10
F33.11
)
-
Psychische und
Verhaltensstörungen durch Alkohol, abstinent
seit 10/
2015 (
ICD-10
F10.20)
Dazu führte er aus,
die körperliche Belastbarkeit habe sich im Vergleich zu 2011 verschlechtert. Der
Beschwerdeführerin
sei eine Tätigkeit als hauswirtschaftliche Mitarbeiterin bei der
Y._
aufgrund der damit verbundenen Belastungen seit September 2015 nicht mehr möglich.
In einer
sehr leichte
n
bis leichte
n
sitzen
de
n
oder wechselbelastende
n
Tätigkeit
ohne Heben und
Tragen von Lasten
, mit f
lexible
n
Arbeitszeiten
ohne
Druck- und Stresssituationen
mit
Wertschätzung und Transparenz durch den Vorgesetzten
sei sie hingegen zu 100
%
arbeitsfä
hig.
Die Al
koholabhängigkeit und die depressive Episode
seien
grundsätzlich behandelbar
.
5.
5.1
5.1.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom
2
9.
Dezember 2016
(Urk. 2) auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes
pract
.
med.
B._
vom 1
1.
April 2016
(E. 4.5
hievor
)
.
5.1.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurtei
lung der medizinischen Vorausset
zungen des Leistungsanspruchs zur Verfü
gung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 der
IVV
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs. Die geeigneten Prüf
methoden können sie im Rahmen ihrer medi
zinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schrift
lich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu wür
digen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (vorerwähntes Ur
teil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinwei
sen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem ex
terner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverläs
sigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regelmässig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte jedoch kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
5.1
.3
Gemäss
pract
. med.
B._
ist die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer somati
schen Beschwerden in ihrer angestammten Tätigkeit nicht mehr, in einer ange
passten Tätigkeit hingegen zu 100
%
arbeitsfähig. Die psychiatrischen Diagno
sen
einer Alkoholabhängigkeit und einer mittelgradigen rezidivierenden depres
siven Störung
hätten – da behandelbar –
keine Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit.
Einerseits ist festzuhalten, dass der RAD-Arzt als
Facharzt für Arbeits
medizin nicht über die notwendigen fachlichen Qualifikationen für die Beurtei
lung einer aus psychischen Gründen allfällig eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
verfügt
.
Andererseits sind gemäss der nunmehr geltenden Rechtsprechung alle psychischen Erkrankungen im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit den somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen Leiden gleich zu stellen (
BGE 143 V 409 E. 4.5.1
). Mithin sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Diese Abklärungen enden stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellun
gen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf die Ar
beitsunfähigkeit schliessen lassen (
BGE 143 V 418
E. 7.2).
Im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsäch
lich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.2). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zu
lässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen An
spruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi
katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewie
sen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislo
sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; 141 V 547 E. 2).
Im Einzelfall ist es Aufgabe der medizinischen Sachverständigen, nachvollzieh
bar aufzuzeigen, weshalb trotz lediglich leichter bis mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung funktionelle Leistungsein
schränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (
BGE 143 V 409
E. 4.5.2). Nicht mehr anwendbar ist die frühere
bundesgerichtliche Praxis, wonach leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar seien und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten (
BGE 143 V 409
E. 4.4).
5.1.4
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
eine allfällige Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit aus psychischer Sicht einzig mit der Begründung, den entsprechenden Beschwerden
k
omme
aufgrund ihrer Therapierbarkeit aus
invalidenversiche
rungsrechtlicher Sicht von
v
ornherein
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
zu
. Dies ist jedoch gemäss der nunmehr geltenden Rechtsprechung so nicht mehr zutreffend. Vielmehr ist grundsätzlich auch bei
leichten oder mittelschwe
ren
depressiven Störungen anhand von auf den funktionellen Schweregrad be
zogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen er
gebnisoffen und symmetrisch zu beurteilen und eine invalidisierende Wirkung der Störungen
nicht mehr ohne Weiteres ausgeschlossen. Die vorhandenen me
dizinischen Beurteilungen erweisen sich als zu wenig aussagekräftig, um die Auswirkungen der diagnost
izierten Leiden auf die Arbeits
fähigkeit der Be
schwerdeführerin anhand der Standardindikatoren festlegen zu können.
Die in der RAD-Stellungnahme festgehaltene uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht kann
deshalb
nicht nachvollzogen werden.
5.1.5
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur
Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
,
wie bereits dargelegt
,
auf einen RAD-Bericht nicht abzustellen, wenn – wie hier - auch nur geringe Zweifel an dessen Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen.
5.2
Gemäss
Dr.
Z._
ist
die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychi
schen und somatischen Beschwerden in ihrer angestammten Tätigkeit
nur
noch zu 20
%
und in einer angepassten Tätigkeit zu 60
%
arbeitsfähig
(E. 4.4
hievor
)
. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist er
jedoch zur Frage einer allfälligen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus somatischen Gründen nicht ausreichend qualifiziert.
Auch zeigte
Dr.
Z._
nicht auf,
weshalb trotz
einer lediglich
mittelschwere
n
Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung funktionelle Leistungseinschränkungen
resultieren
, die sich auf die Arbeitsfähigkeit
auswirken.
Zudem ist nicht ersichtlich, ob er bei der Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit die gemäss
Dr.
C._
seit 2008 bestehende psycho
soziale Belastungssituation (Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme
, vgl. E. 4.1
)
mitberücksichtigte. Nach der Rechtsprechung kann jedoch die
Entstehung einer
depressiven Störung aufgrund
solcher Faktoren ein gewichtiges Argument
ge
gen das Vorliegen eines rechtlich relevanten invalidisierenden Gesundheits
schadens sein (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_89/2016 vom 12. Mai
2016
E.
4.2 und 9C_559/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 3.2 f. mit Hinweisen). Der
Be
richt
ist
damit nicht durchwegs nachvollziehbar
.
5
.
3
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten
und bei gebührender Beachtung, dass
Ausführungen von behandelnden Ärzten rechtsprechungsgemäss
nur
mit Zurückhaltung zu folgen ist,
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest
gelegt werden, in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin arbeitsfähig ist. So fehlt namentlich eine differenzierte
und rechts
g
enügende
Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Angesichts des Verzichts der Beschwer
degegnerin auf eine externe Begutachtung im
Rahmen des Verwaltungsverfah
rens rechtfertigt sich eine gerichtliche Be
gutachtung nicht. Der angefochtene Entscheid ist
deshalb
aufzuhe
ben und die Sache zur Abklärung
und
anschlies
send
em neuen Entscheid
über die
Leistungsa
nsprüche der Beschwerdeführerin an die Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen
.
6.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind er
messensweise
auf Fr. 700.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der
unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6.2
Der Beschwerdeführerin steht
für die Aufwendungen ab dem 2
8.
Februar 2017 (Zeitpunkt Mandatierung;
Urk.
11)
eine Prozessentschädigung zu.
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, je
doch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Die Entschädigung von Fürsprecher Frank Goecke ist bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'100.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Das Gesuch um
unentgeltliche
Rechtsvertretung
erweist sich damit als gegen
standslos.