Decision ID: 61a62e6f-7a62-4ea5-b5de-bf5011ea7744
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977,
war seit September 2018 als
Kabelverlegemonteur
bei
Z._
angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (vgl.
Urk.
9/1). Am 1
3.
Mai 2019 kam er als Motorradfahrer seitlich zu Fall, als er
um eine Kollision zu verhindern
einem auf seiner Fahrbahn entgegen
kommenden Personenwagen ausweichen wollte
(vgl.
Urk.
9/1/2, 9/12/4 f.).
Im Rahmen der notfallmässigen Erstversorgung im Spital
A._
wurde
n
gleichen
tags unter anderem eine Kniekontusion links sowie eine Distorsion des rechten oberen Sprunggelenks diagnostiziert (
Urk.
9/
22/2).
Die Suva erbrachte die gesetz
lichen Leistungen
für die attestierte Arbeitsunfähigkeit
(100
%
ab 1
3.
Mai 2019, 50
%
ab
3.
Juni 2019 und 0
%
ab
8.
J
ul
i 2019;
Urk.
9/5
und
Urk.
9/9/2
)
und die medizinische Behandlung
(vgl.
Urk.
9/
3
).
Am 1
3.
März 2020
wurde der Suva ein
Rückfall
gemeldet
, wobei auf anhaltende Probleme mit dem Knie und die deswegen in Anspruch genommene Physio
therapie hin
gewiesen wurde
(
Urk.
9/13).
Die Suva holte daraufhin zunächst bei den behandelnden Ärzten Unterlagen ein (vgl.
Urk.
9/14-16, 9/19-22 und 9/24-29).
Gestützt auf die
Stellungnahme des Kreisarztes med.
pract
.
B._
, Facharzt für Chirurgie, vom 1
7.
August 2020 (
Urk.
9/31) teilte sie dem Versicher
te
n
sodann
mit Schreiben vom 3
1.
August 2020 mit, dass
kein sicherer oder wahr
scheinlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 1
3.
Mai 2019 und den
geltend gemachten
Kniebeschwerden links bestehe, weshalb keine Versiche
rungsleistungen erbracht würden (
Urk.
9/34/1
).
Da
gegen
opponierte der Versi
cherte mit Schreiben vom
3.
September 2020 (
Urk.
9/37), worauf die Suva
am
8.
September 2020
eine ihre Leistungspflicht verneinende Verfügung erliess
(U
rk.
9/39).
Insbesondere unter Beilage einer Stellungnahme des behandelnden Arztes vom 1
7.
September 2020 erhob der Versicherte am
1.
Oktober 2020
dage
gen
Einsprache
(
Urk.
9/47).
Nach Rücksprache mit dem Kreisarzt (Stellungnahme vom 1
5.
Oktober 2020,
Urk.
9/50) wies die Suva die Einsprache mit Entscheid vom 2
6.
November 2020 ab (
Urk.
2 =
Urk.
9/51).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
2.
Januar 2021 Beschwerde mit dem Rechts
begehren, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihm sei die beantragte Leistung wegen Unfalls auszurichten. Eventualiter sei der medizi
nische Sachverhalt weiter fachärztlich abzuklären (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerde
antwort vom 1
0.
Februar 2021 (
Urk.
7) schloss die Beschwerdegegnerin unter Beilage einer tags zuvor datierten kreisärztlichen Stellungnahme (
Urk.
8) auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 1
8.
März 2021 hielt der Beschwer
deführer sinngemäss an seinen Rechtsbegehren fest (Urk. 12). Innert mit Verfü
gung vom 2
4.
März 2021 (
Urk.
14) angesetzter Frist w
urde
seitens der Beschwer
degegnerin keine Duplik eingereicht
. Davon wurde mit Verfügung vom 2
5.
Mai 2021
Vormerk
genommen (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen
praxisgemäss
nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 2
6.
November 2020 erwog die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen, es sei strittig, ob die Kniebeschwerden links, aufgrund derer sich der Beschwerdeführer ab Januar 2020 wieder in ärztli
che Behandlung begeben habe, auf den Unfall vom 1
3.
Mai 2019 zurückzuführen seien (
Urk.
2 S. 3).
Aus Sicht des Kreisarztes med.
pract
.
B._
, Facharzt für Chirurgie, handle es sich bei den im MRI-Bericht vom 27. Januar 2020 genannten Befunden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht um Unfall
folgen; diese seien vielmehr degenerativ bedingt. Ein kausaler Zusammenhang mit dem Unfallereignis könne nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit hergestellt werden. Auf diese überzeugende Beurteilung könne vollumfänglich abgestellt werden; weitere Abklärungen seien nicht ange
zeigt. Insgesamt sei davon auszugehen, dass die Kniebeschwerden links nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Unfallfolgen darstell
t
en, sodass dafür kein Anspruch auf Leistungen der Suva bestehe (
Urk.
2 S. 3 f.).
2.2
Mit Beschwerdeschrift vom 1
2.
Januar 2021 machte der Beschwerdeführer zusammengefasst geltend,
die Beschwerdegegnerin sei
fälschlicherweise
von einem Rückfall ausgegangen;
vielmehr
liege angesichts der anhaltenden Knie
beschwerden mit fortlaufender ärztlic
her Behandlung nach wie vor
der
G
rundfall
von
Mai 2019 vor (
Urk.
1 S. 3
-5
).
Die Beweislast zum Nachweis der Kausalität sei daher zu Unrecht ihm auferlegt worden. Vorliegend sei die Unfallkausalität unzweifelhaft mit erstmaliger Anerkennung der Leistungspflicht bestätigt worden (
Urk.
1 S. 4).
Die vorhandenen ärztlichen Berichte würden klar das Bild einer noch immer bestehenden Unfallfolge zeigen. Die Beschwerdegegnerin habe bis dato nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachweisen können, dass es sich bei der erlittenen Verletzung um degenerative Veränderungen handle, die unab
hängig vom Unfallgeschehen bestünden (
Urk.
1 S. 6).
2.3
Dem hielt die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
0.
Februar 2021
insbesondere
entgegen,
am Unfalltag sei
en
im Spital
A._
bezüglich des linken Knies
eine leichte
Druckdolenz
über der lateralen Patella und weder eine
S
chwellung noch ein
H
ämatom festgestellt worden
. Das Röntgen des linken Knies habe keine
ossäre
Läsion und eine regelrechte Artikulation ergeben.
Eine Impressionsfraktur der Patella des linken Knies und ein Knorpelschaden des linken Knies sei
en
aufgrund des erlittenen Unfalls sowohl aufgrund der Schmerz
angaben als auch der Befunde nicht plausibel.
Der
Kreisarzt habe in seiner ergän
zenden Stellungnahme
ebenfalls
nochmals bekräftigt, dass die S
chm
erzen bei den behaupteten Verletzungen «überwältigend» gewesen wären. Er habe auch noch einmal überzeugend festgehalten, dass die Ursache der vom Beschwerdeführer im Verlauf von Wochen und Monaten angegebenen Schmerzen aufgrund der erho
benen Befunde nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unf
allereignis zurückzuführen sei
(
Urk.
7 S. 2 f.).
2.4
Mit Replik vom 1
8.
März 2021
betonte der B
eschwerdeführer, nach dem Unfall fortlaufend wegen der bestehenden Beschwerden in fachärztlicher Behandlung gewesen zu sein. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin sei nicht geeignet, die Unfallkausalität mit dem erforderlichen Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auszuschliessen
(
Urk.
12 S. 2).
3
.
3.1
Nachdem der Beschwerdeführer am 1
3.
Mai 2019 mit seinem Motorrad verunfallt war,
wurde er notfallmässig ins Spital
A._
eingeliefert. Dem vom gleichen Tag datierten Bericht sind folgende Diagnosen zu entnehmen (
Urk.
9/22/2):
-
Kontusion Knie links und Distorsion oberes Sprunggelenk rechts
-
unklare Verschattung an distaler Tibia lateral, differentialdiagnostisch
osteolytisch
bedingt, differentialdiagnostisch tumorbedingt
-
Cholezystolithiasis
ohne Cholezystitis
-
Zufallsbefund am 1
3.
Mai 2019.
Der Beschwerdeführer habe über Schmerzen im Bereich des rechten Fusses und des linken Knies geklagt (3/10 auf der Visuellen Analogskala [VAS],
Urk.
9/22/2). Am linken Knie sei
en
weder eine Schwellung noch ein Hämatom feststellbar gewesen. Ein leichte
Druckdolenz
habe über der lateralen Patella bestanden.
Anlässlich der Röntgenuntersuchung
hätten sich eine regelrechte Artikulation und keine
ossäre
Läsion gezeigt (
Urk.
9/22/3).
3.2
Am 2
7.
Januar 2020 wurde das linke Knie des Beschwerdeführers erneut radio
logisch untersucht, wobei sich die
Menisci
gemäss
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Radiologie,
intakt dargestellt hätten und nur eine geringe Degeneration im
Hinterhorn
des medialen Meniskus ohne Riss feststellbar gewesen sei. Retropa
tellar hätten medial und lateral Knorpelschäden Grad 2-3 vorgelegen (
Urk.
9/25).
3.3
In seinem Bericht vom 1
2.
März 2020 stellte
Dr.
med.
D._
, Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, die Diagnosen einer Impressionsfraktur am
Patellaoberpol
sowie einer Teilläsion der
Quadricepssehne
links.
Der Beschwerdeführer sei «vor etwas mehr als 3 Monaten» mit dem Motorrad gestürzt und dabei mit dem linken, ungeschützten Knie aufgeprallt. Seitdem habe er intermittierend
suprapatellar gelegene Beschwerden links, vor allem bei Belastungsspitzen.
Beim Aufprall habe sich der Beschwerde
führer die Patella frakturiert; es handle sich um eine Impression des oberen Poles der Patella ohne Gelenkbeteiligung. Zusätzlich sei es zu einer Affektion der
Quad
ricepssehne
im Sinne einer Teilruptur lateral gekommen, welche aber bereits mit einer Narbe verheilt sei. Vorerst werde eine Physiotherapie verordnet zur lokalen Behandlung. Chirurgisch könne keine Verbesserung erzielt werden (
Urk.
9/28/1).
3.4
In seiner kreisärztlichen Stellungnahme vom 1
7.
August 2020
äusserte sich
med.
pract
.
B._
zur Frage, ob die geltend gemachten Beschwerden am linken Knie beziehungsweise die im MRI vom 27. Januar 2020 beschriebenen Knorpelschäden auf den Motorradunfall
vom 1
3.
Mai 2019
zurückzuführen seien.
Bei einem unfallbedingten retropatellaren Knorpelschaden durch Druck respektive einen Schlag auf die Patella seien unmittelbar nach dem Ereignis stärkste Knie
schmerzen zu erwarten. Solche habe der Beschwerdeführer jedoch nicht ange
geben.
Des Weiteren seien bei traumatischen Knorpelschäden des Knies
auch retropatellar
immer Ergussbildungen im Sinne eines
Hämarthros
nachweisbar. Klinisch und radiologisch habe sich aber unmittelbar posttraumatisch kein Nach
weis für einen Erguss finden lassen (
Urk.
9/31/1).
Überdies sei auch das Schmerz
muster, welches der Versicherte unmittelbar nach dem Unfall angegeben habe,
nicht damit zu vereinbaren, dass
traumabedi
ngte
Schäden an der Patella
durch eben dieses Ereignis aufgetreten sein sollen. Es handle sich folglich bei den Befunden im MRI aus dem Jahr 2020 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um degenerativ bedingte Folgen und nicht um Unfallfolgen, da ein kausaler Zusam
menhang mit dem Unfallereignis nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit hergestellt werden könne (
Urk.
9/31/2).
3.5
Dieser Einschätzung widersprach
Dr.
D._
mit Stellungnahme vom 17. September 202
0.
Im MRI-Befund vom 2
8.
(richtig: 27.) Januar 2020 sei eine Ergussbildung beschrieben worden. Radiologisch bestehe eine Impressionsfraktur der Patella. Die Patella zeige nie eine lokale Impression ohne ein Direkttrauma erfahren zu haben. Deshalb müsse hier von einer traumatischen Verletzung ausgegangen werden, welche im Verlauf unweigerlich zu degenerativen Verän
derungen führe. Es könne aber nicht davon ausgegangen werden, dass die dege
nerativen Veränderungen zu einer Fraktur führ
t
en (
Urk.
9/43/2).
3.6
Mit Stellungnahme vom 1
5.
Oktober 2020 hielt med.
pract
.
B._
an seiner Beurteilung fest und wies ergänzend insbesondere darauf hin, dass sich im Knie-Röntgenbild vom Unfalltag weder eine
Patellafraktur
noch ein Erguss nachweisen lasse.
Letztere
r
wäre indes bei einer
Patellaimpressionsfraktur
und einem gleich
zeitigen retropatellaren Knorpelschaden
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorhanden. Eine Fraktur in einem Gelenk und auch ein Knorpelschaden trauma
tischer Natur seien immer mit einem begleitenden Erguss («Kniegelenkserguss») vergesellschaftet; sowohl der Knochen als auch die Grenzzone zwischen Knorpel und Knochen seien extrem gut durchblutete Gebiete, welche bei
Verletzung stark zu bluten begä
nnen.
Hinzu komme, dass weiterführende Abklärungen im Knie (MRI) erst rund acht Monate nach dem Unfall getätigt worden seien, wobei auch dort keine Fraktur der Patella gesehen werden könne, wohl aber die beschrie
benen Knorpelschäden retropatellar (Urk. 9/50/1).
3.7
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, wies in seiner Stellungnahme vom 1
1.
Januar 2021 zunächst darauf hin, dass der Beschwerde
führer vor seinem Sturz am 1
3.
Mai 2019 über keinerlei Beschwerden am linken Kniegelenk geklagt habe, auch nicht über solche, die auf fortgeschrittene dege
nerative Veränderungen schliessen lassen könnten.
Bei der ersten radiologischen Untersuchung habe sich keine Fraktur gezeigt. Umso erstaunlicher sei es, dass der nachbehandelnde Orthopäde
Dr.
D._
im MRT des linken Knies vom 2
8.
Januar 2020 eine Ergussbildung sowie eine Impressionsfraktur am oberen Pol mit narbiger Veränderung der
Patellasehne
beschreibe. Retrospektiv sei daher die Annahme nachvollziehbar, dass es durch das Unfallereignis doch zu einer schwe
reren Verletzung gekommen sei, als primär angenommen (
Urk.
3/5 S. 1).
Dies entspreche auch dem selbst erhobenen Untersuchungsbefund vom 2
0.
Mai 2019, denn auch hier habe sich ein Erguss am oberen Pol der Patella links im Bereich der Insertion der
Quadricepssehne
gezeigt. Dort habe anlässlich der Untersuchung auch eine deutliche Druckschmerzhaftigkeit bestanden; die Beweglichkeit des Knies sei entsprechend eingeschränkt gewesen. Bei weiteren Kontrollen bis Mitte Juni habe sich noch eine rückläufige Schwellung in diesem Bereich gezeigt. Noch im Oktober 2019 habe der Beschwerdeführer über Schmerzen am oberen
Patellapol
bei gewissen Belastungen wie Treppensteigen geklagt.
Diese hätten bis über den Jahreswechsel hinaus persistiert, was dann zur orthopädischen Mitbe
urteilung durch Dr.
D._
geführt habe, der wenig überraschend eine Impressionsfraktur der Patella mit entsprechender Verletzung der
Quadri
cepssehne
diagnostiziert habe.
Wenn man also den Unfallmechanismus (hohe Geschwindigkeit, grosse einwirkende Kräfte), den protrahierten Heilungsverlauf über Wochen und Monate, die persistierenden Beschwerden über mehrere Monate bei zuvor völlig beschwerdefreiem Knie und die daraus resultierenden fachärzt
lichen Abklärungen durch
Dr.
D._
berücksichtige, dann sei klar, dass die Beschwerden im linken Knie bis zum heutigen Tag unfallbedingt sein müss
t
en und nicht rein ursächlich durch die degenerativen Veränderungen erklärt werden könn
t
en (
Urk.
3/5 S. 2).
3.8
Diesen Ausführungen hielt med.
pract
.
B._
in seiner kreisärztlichen Stellung
nahme vom
9.
Februar 2021 im Wesentlichen entgegen,
der Beschwerdeführer habe eine Kontusion des Knies erlitten, aber keine richtunggebende Verschlim
merung, da sich zeitnah zum Unfallereignis
nur eine leichte
Druckdolenz
über der lateralen Patella und weder eine
Schwellung
noch ein
Hämatom
hätten finden lassen.
Noch einmal sei zu betonen, dass dies nicht mit einer frischen Fraktur im
Patellabereich
vereinbar sei, bei welcher es zu einer sofortigen Einblutung im Sinne eines massiven Hämatoms ins Gelenk gekommen wäre; die Schmerzen wären überwältigend gewesen.
Überdies sei die Impressionsfraktur, welche
Dr.
D._
am
Patellapol
zu erkennen glaube, nicht nachvollziehbar. Es handle sich dabei um eine unspezifische Reizung an der
Quadricepssehne
, die indes nicht dem Unfallereignis zuzuordnen sei. Eine Impressionsfraktur hätte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit am Unfalltag erkannt werden müssen, da das Kniegelenk damals geröntgt worden sei.
Dabei hätten sich jedoch keine Schwel
lungen der Weichteile und kein Gelenkserguss gezeigt, der über das physiolo
gische Mass hinausgehe. Es sei eine Behauptung, dass der Beschwerdeführer dann im Verlauf von Wochen und Monaten Schmerzen angegeben habe. Deren Ursache könne zudem aufgrund der erhobenen Befunde nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückgeführt werden (
Urk.
8).
4.
4.1
Strittig
und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht
für die mit
Schaden
meldung vom
1
3.
März 2020
geltend gemachten
Knieb
eschwerden zu Recht verneint hat.
In diesem Zusammenhang ist vorab
auf die Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, wonach die Beschwerdegegnerin zu Unrecht
von einem Rückfall ausgegangen sei und es sich vielmehr um die weitere Abwicklung des Grundfalles vom 1
3.
Mai 2019 handle
. Entsprechend sei die Unfallversiche
rung für
den
behaupteten Wegfall der Kausalität beweisbelastet
(
Urk.
1 S. 3-5).
4.2
In beweisrechtlicher Hinsicht hat
die Beschwerdegegnerin unter Verweis auf
E. 3 des
Urteil
s
des Bundesgerichts 8C_855/2018 vom 1
4.
März 2019
(vgl.
Urk.
2 S. 3
Ziff.
2)
richtig erkannt, dass
die Beweislastverteilung bezüglich des Wegfalls der Unfallkausalität nur für Schädigungen gilt, welche bei der Anerkennung der Leis
tungspflicht des Unfallversicherers auch wirklich zur Diskussion standen.
Der Nachweis des Dahinfallens der Unfallkausalität von Beschwerden, welche im Rahmen einer Leistungsanerkennung gar nicht thematisiert worden sind, trifft demnach nicht den Unfallversicherer
.
Im Rahmen der MRI-Untersuchung
des linken Kniegelenks
vom 2
7.
Januar 2020
wurden insbesondere retropatellare Knorpelschäden
festgestellt (
Urk.
9/25).
Der behandelnde Orthopäde
Dr.
D._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
2.
März 2020 eine Impressionsfraktur am
Patellaoberpol
sowie eine Teilläsion der
Quadrizepssehne
links (
Urk.
9/28/2).
Der Beschwerdegegnerin ist beizupflich
ten, dass diese Gesundheitsschäden
von der ursprünglichen Anerkennung der Leistungspflicht
(vgl.
Urk.
9/3
)
nicht erfasst waren.
So
stand damals gestützt auf den Bericht des Spitals
A._
vom 1
3.
Mai 2019 eine Kniekontusion zur Diskussion
;
anlässlich der Röntgenuntersuchung
wurden
ossäre
Läsionen verneint und auf eine regelrechte Artikulation hingewiesen (Urk. 9/22/3).
D
ie Beweislast hinsichtlich der Frage, ob die Beschwerdegegnerin über den Leistungs
einstellungszeitpunkt hinaus für die bestehenden Gesundheitsschäden leistungs
pflichtig ist,
liegt damit
rechtsprechungsgemäss
beim Beschwerdeführer.
Weitere Ausführungen zur vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Frage, ob ein Rückfall
beziehungsweise Spätfolgen
oder nach wie vor
der Grundfall
zu beurteilen
sind
, erübrigen sich vor diesem Hintergrund.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid in medizinischer Hinsicht in erster Linie auf die Ausführungen des Kreisarztes med.
pract
.
B._
vom 17. August 2020 (Urk. 9/31) und 1
5.
Oktober 2020 (
Urk.
9/50). Ergänzend legte sie im Beschwerdeverfahren eine weitere kreisärztliche Stellungnahme vom 9. Februar 2021 vor (
Urk.
8). Med.
pract
.
B._
hatte den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht, sondern jeweils eine Aktenbeurteilung vorgenommen. Diesen kann trotzdem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
Anhand der ihm zur Verfügung gestellten Vorakten konnte sich der Kreisarzt, welcher über die konkret notwendige fachliche Qualifikation verfügt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_480/2021 vom
6.
Dezember 2021 E. 4.2.1 mit Hinweis),
ein vollständiges Bild über die Anamnese, den Behandlungsverlauf sowie den gegenwärtigen gesundheitlichen Status des Beschwerdeführers verschaffen. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass auf eine klinische Untersuchung des Beschwerdeführers verzichtet wurde.
Gegenteiliges wurde von dessen Seite denn auch nicht geltend gemacht.
5.2
Näher zu prüfen bleibt, ob die kreisärztliche
n
Stellungnahme
n
auch
inhaltlich überzeugen.
Med.
pract
.
B._
hat
darin
jeweils detailliert und nachvollziehbar dargelegt,
weshalb die mit Schadenmeldung vom 1
3.
März 2020 geltend gemach
ten linksseitigen Kniebeschwerden nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Folge des Unfalls vom 1
3.
Mai 2019 sind.
So zeigte er
unter Einbezug
der Ergebnisse der MRI-Untersuchungen
sowie des Berichts des Spitals
A._
vom Unfalltag
auf, dass
sich damals keine
Patellaimpressionsfraktur
nachweisen l
iess. In diesem Zusammenhang leuchtet der Hinweis auf das Fehlen eines diese Verletzung
(
respektive
einen Knorpelschaden traumatischer Natur)
stets begleitenden hämorrhagischen Erguss
es
ein, da es sich bei der Grenzzone zwischen Knorpel und Knochen um extrem gut durchblutete Gebiete handelt, welche im Falle einer Schädigung stark zu bluten beginnen.
Überdies merkte der Kreisarzt zutreffend an, dass der Beschwerdeführer am Unfalltag nicht über
starke Knieschmerzen geklagt hatte (
3/10 auf der VAS-Skala;
vgl.
Urk.
9/22/2)
, obwohl dies bei unfallbedingten, durch Druck respektive einen Schlag verursachte
retro
patelläre
Knorpelschäden unmittelbar nach dem Ereignis zu erwarten wäre
(vgl.
zum Ganzen
Urk.
9/31, 9/50 und
Urk.
8)
.
Die Berichte und Stellungnahmen der behandelnden Ärzte vermögen die kreis
ärztliche Beurteilung ebenfalls nicht
in
Frage zu stellen
.
Der behandelnde Ortho
päde
Dr.
D._
setzte sich weder in seinem Bericht vom 1
2.
März 2020 (
Urk.
9/28
/2 f.) noch in seiner Stellungnahme vom 1
7.
September 2020 (U
rk.
9/43
/2
) substantiiert mit der Argumentation des Kreisarztes auseinander.
Ausserdem
fällt auf, dass
Dr.
D._
in seinem Bericht vom 1
2.
März 2020 festhielt, der Beschwerdeführer sei vor etwas mehr als drei Monaten
- also Ende 2019 -
mit dem Motorrad gestürzt und habe sich beim Aufprall die Patella frak
turiert (
Urk.
3/2).
Ein (
erneuter)
späterer Sturz des Beschwerdeführers mit dem Motorrad ist nicht aktenkundig und wurde auch von ihm selber nicht erwähnt
(
Urk.
1,
Urk.
12)
.
Auch Hausarzt
Dr.
E._
erwähnte am
1
1.
Januar 2021
- in Kenntnis
des Berichts
von
Dr.
D._
vom 1
2.
März 2020 -
kein
weiteres
Unfallereignis
, obschon er den Beschwerdeführer im Oktober 2019 und über den Jahreswechsel 2019/2020 offenbar behandelt hatte
(
Urk.
3/5).
Es erscheint daher überwiegend wahrscheinlich, dass sich
Dr.
D._
auf das Unfallereignis vom 1
3.
Mai 2019 bezog und die Monatsangabe auf einem Missverständnis oder
Schreibfehler
beruht.
Aber selbst, wenn
Dr.
D._
damit
Bezug
genommen haben sollte
auf einen weiteren
,
nicht aktenkundigen
Motorradunfall, welcher sich
-
möglicherweise
-
Ende des Jahres 2019 ereignet ha
t
und anlässlich de
ssen
der Beschwerdeführer auf das ungeschützte linke Knie geprallt
ist
(
Urk.
9/28/2
)
, kann
offen
bleiben
, w
ie es sich damit verhält.
Weder meldete der Beschwerde
führer
der Beschwerdegegnerin
einen weiteren Unfall noch hat sich die
se
zu
einem allfälligen
weiteren Unfall
(
von Ende 2019
)
verfügungsweise
beziehungs
weise im Einspracheentscheid
geäussert. Diese Frage gehört somit nicht zum Streitgegenstand
(
vgl.
BGE 131 V 164 E. 2.1 und 125 V 414 E. 1a
je mit Hinweisen
sowie im Besonderen z. B. Urteile des Bundesgerichts 8C_532/2007 vom
9.
Juni 2008 E. 2.2
und
8C_1002/2008 vom 2
2.
Mai 2009 E. 3.2
).
Im vorliegenden Verfahren ist
somit
einzig
zu klären, ob die Kniebeschwerden
in einem natürli
chen Kausalzusammenhang zum Schadenereignis vom 1
3.
Mai 2019 stehen.
In dieser Hinsicht
sind die Ausführungen von
Dr.
D._
nicht aussagekräftig.
Denjenigen von Dr.
E._
(Stellungnahme vom 1
1.
Januar 2021;
Urk.
3/5)
ist zunächst entgegenzuhalten, dass jener
als Facharzt für Allgemeine Innere Medi
zin nicht über die konkret erforderliche fachärztliche Qualifikation verfügt.
Davon abgesehen ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass seine
Argu
mentation
einerseits
der
beweisrechtlich nicht zulässigen
Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc»
folgt,
wonach eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil s
ie nach diesem aufgetreten ist
(
BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1
)
.
Andererseits
legte
Dr.
E._
seiner Stellungnahme
primär
die Beurteilung von
Dr.
D._
zu Grunde,
auf welche
jedoch
aus den soeben dargelegten Gründen
nicht
abgestellt werden kann.
5.3
Nach dem Gesagten bestehen keine auch nur geringen Zweifel an den kreisärzt
lichen Beurteilungen von med.
pract
.
B._
. Diesen kommt volle Beweiskraft zu, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf abgestellt hat. Sie hat den Sach
verhalt soweit ermittelt, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden konnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_721/2019 vom 27. Mai 2020 E. 3 mit Hinwei
sen). Von
den eventualiter beantragten
weiteren Abklärungen medizinischer Art sind keine anderen entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann
(antizipierte Be
weiswürdigung; BGE 144 V 361 E.
6.5, 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b).
6
.
Zusammenfassend ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 2
6.
November 2020 (
Urk.
2) nicht zu beanstanden.
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sind
die
mit Schadenmeldung vom 1
3.
März 2020
geltend gemachten
Kniebeschwer
den
nicht
auf das
Unfallereignis vom 1
3.
Mai 2019
zurückzuführen
.
Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.