Decision ID: 76952297-6468-45da-b9c8-7f166a19ffec
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A/. K. K. geht in S., K. G. in Z. einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nach. Während
mehrerer Jahre hatten sie beide Wohnsitz in Z.. Sie meldeten sich per 31. März 2009
nach P., Kanton Tessin, ab und per 1. April 2009 als Wochenaufenthalter in der
Gemeinde J., Kanton St. Gallen, an. Ab dem 1. April 2009 mieteten sie dort gemeinsam
eine 21⁄2-Zimmer-Wohnung.
Am 23. Juli 2009 erwarb K. K. eine 31⁄2-Zimmer-Wohnung in P. Die Wohnung war
jedoch erst im März 2010 bezugsbereit. Bereits seit dem 1. Dezember 2007 hatte sie in
C., Kanton Tessin, eine möblierte Wohnung gemietet.
B/. Mit Steuerdomizilverfügungen vom 12. März 2010 stellte das kantonale Steueramt
fest, dass K. K. und K. G. ab dem Jahr 2009 in J. aufgrund persönlicher Zugehörigkeit
unbeschränkt steuerpflichtig seien. Gegen die Feststellungsverfügungen erhoben K. K.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und K. G. mit Schreiben vom 17. März 2010 Einsprachen. Mit Entscheiden vom
14. April 2010 wurden die Einsprachen abgewiesen. Die beiden dagegen erhobenen
Rekurse wies die Verwaltungsrekurskommission mit Entscheiden vom 29. März 2011
ab.
C/. Gegen die Rekursentscheide reichten K. K. und K. G. mit Eingaben vom 13. Mai
2011 Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein mit den Anträgen, es seien die
Verfügungen des kantonalen Steueramtes vom 12. März 2010 aufzuheben, und es sei
festzustellen, dass K. K. und K. G. für das Jahr 2009 nicht in J., sondern im Kanton
Tessin steuerpflichtig seien; die Kosten seien auf die Staatskasse zu nehmen, und den
Beschwerdeführern sei eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.
Die Verwaltungsrekurskommission beantragte mit Eingaben vom 30. Mai 2011
Abweisung der Beschwerden. Das kantonale Steueramt stellte mit Eingaben vom
20. Juni 2011 ebenfalls den Antrag, es seien die Beschwerden vom 13. Mai 2011
abzuweisen.
K. K. und K. G. liessen sich sodann mit Eingaben vom 5. Juli 2011 ergänzend
vernehmen.
Auf die Begründungen der Verfahrensbeteiligten sowie auf die Ausführungen in den
Entscheiden vom 29. März 2011 wird, soweit erforderlich, in den folgenden

Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführer lassen in ihren Eingaben zwar ausführen, es werde
Beschwerde gegen den Entscheid der Verwaltungsrekurskommission geführt (vgl.
Beschwerdeeingaben, S. 2 oben). Ihr Rechtsvertreter begehrt jedoch nicht dessen
Aufhebung. Vielmehr stellt er in beiden Beschwerdeeingaben den Antrag, es sei die
Verfügung des Beschwerdegegners vom 12. März 2010 aufzuheben. Diesen Antrag
wiederholt er zudem in den Beschwerdebegründungen (vgl. Beschwerdeeingaben, S.
3). Es ist somit davon auszugehen, dass es sich nicht bloss um einen Verschrieb
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
handelt. Darauf deutet denn auch hin, dass der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer
in den Beschwerdeschriften nur das kantonale Steueramt, nicht aber die
Verwaltungsrekurskommission als Verfahrensbeteiligte aufführt.
Die entsprechenden Anträge erweisen sich als unzulässig. Auf sie kann deshalb nicht
eingetreten werden. Gemäss Art. 196 Abs. 1 Steuergesetz (sGS 811.1, abgekürzt StG)
können beim Verwaltungsgericht nur Entscheide der Verwaltungsrekurskommission mit
Beschwerde angefochten werden. Durch den Devolutiveffekt sind die Verfügungen
vom 12. März 2010 durch die Einspracheentscheide und letztere wiederum durch die
Rekursentscheide ersetzt worden. Die selbständige Anfechtung der Verfügungen vom
12. März 2010 ist ausgeschlossen.
3. Selbst wenn auf die Beschwerden eingetreten werden könnte, erwiesen sie sich als
unbegründet und müssten abgewiesen werden. Aufgrund von Art. 13 Abs. 2 StG sowie
Art. 3 Abs. 2 Steuerharmonisierungsgesetz (SR 642.14, abgekürzt StHG) hat eine
Person steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton, wenn sie sich hier mit der Absicht
dauernden Verbleibens aufhält oder wenn ihr das Bundesrecht einen besonderen
gesetzlichen Wohnsitz zuweist. Der steuerrechtliche Wohnsitz hängt somit von zwei
Voraussetzungen ab: einer objektiven, dem Aufenthalt, und einer subjektiven, der
Absicht dauernden Verbleibens. Der Aufenthalt wird dabei mit jenem Ort gleichgesetzt,
wo eine natürliche Person eine Schlafstätte hat und dort somit regelmässig
übernachtet (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher
Steuergesetz, 2. Auflage, N 11 zu § 3). Die Beschwerdeführer verfügten aber in der
streitgegenständlichen Periode 2009 in P. über keine Schlafstätte. Die von der
Beschwerdeführerin 2 erworbene Stockwerkeinheit war erst im März 2010
bezugsbereit. Dementsprechend konnten die Beschwerdeführer dort gar keinen
Aufenthalt (als Voraussetzung für einen steuerrechtlichen Wohnsitz) haben. Der Erwerb
der Stockwerkeinheit in P. durch die Beschwerdeführerin 2 führte nur zu einer
beschränkten Steuerpflicht aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit im Sinn von Art. 4
Abs. 1 StHG.
Auch in C. begründeten die Beschwerdeführer im Jahr 2009 keinen steuerrechtlichen
Wohnsitz. Davon gehen die Beschwerdeführer im Übrigen selbst aus (vgl.
Beschwerdeschriften, S. 12). Dessen ungeachtet erweisen sich die diesbezüglichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausführungen der Vorinstanz in den Entscheiden vom 29. März 2011 als zutreffend; es
kann deshalb darauf verwiesen werden (vgl. S. 8 f.).
4. Zusammenfassend wird auf die Beschwerden nicht eingetreten. Selbst wenn auf sie
einzutreten wäre, erwiesen sie sich als unbegründet.
5. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht