Decision ID: 058c52f2-0e5c-4d2e-9ffe-abf21728579e
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 18. November 2009 bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen als IV-Stelle (SVA) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (berufliche Massnahmen). Als Grund gab sie psychische
Erkrankungen an (act. G 6.1/8). Ihre Arbeitsstelle als Raumpflegerin bei der B._ AG,
die sie während rund 20 Jahren inne hatte, wurde infolge Auslagerung der
Hauswartung/Reinigung auf den 31. Dezember 2008 gekündigt. In der Folge wurde ihr
Arbeitsverhältnis von der C._ AG, übernommen, welche Stelle sie per 31. März 2011
ebenfalls verlor (act. G 6.1/17 und 79).
A.b Gegenüber dem Vertrauensarzt der Krankentaggeldversicherung gab Dr. med.
D._, Psychiatrie und Psychotherapie, am 30. Oktober 2009 an, die Versicherte habe
sich ab Juni 2009 in einer schweren Lebenskrise befunden, die im Rahmen der
Reorganisation ihrer früheren Arbeitgeberin begonnen habe. Die psychische
Dekompensation habe sich nach der erneuten Kürzung des Arbeitspensums von 80 %
auf 60 % im Juni 2009 zugespitzt (act. G 6.2). Mit ergänztem Gesprächsprotokoll vom
26. Januar 2010 gab Dr. D._ gegenüber der SVA an, die Versicherte leide an einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion F43.21. Die depressive
Symptomatik stehe im Zusammenhang mit der Kündigung bei der B._ AG Ende 2008
(act. G 6.1/26.1). Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. E._, Allgemeine Medizin
FMH, gab im Gesprächsprotokoll vom 16. Februar 2010 an, es bestehe ein
Impingement an der rechten Schulter, MRI ohne Anzeichen für eine organische
Schädigung, sowie an der Lendenwirbelsäule eine Irritation von L3. Die Versicherte sei
zudem vor wenigen Tagen (5. Februar 2010) notfallmässig wegen einer
Tablettenintoxikation behandelt worden (act. G 6.1/27). Im entsprechenden Bericht
vom 5. Februar 2010 diagnostizierte das Kantonsspital St. Gallen, Allgemeine Innere
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Medizin, eine Tablettenintoxikation mit wahrscheinlich 7 mg Temesta nach familiärer
Belastungssituation (act. G 6.1/29.2). Die Versicherte war anschliessend vom 8. bis 19.
Februar 2010 in der Psychiatrischen Klinik F._ hospitalisiert. Im Bericht vom 19. März
2010 diagnostizierte die Klinik Anpassungsstörungen: Angst und depressive Reaktion
gemischt (F43.22), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) sowie eine
Selbstvergiftung mit Antidepressiva und Benzodiazepinen am 5. Februar 2010 (X61.0).
Die Arbeitsunfähigkeit habe bei Austritt 100 % betragen (act. G 6.2). Schliesslich
diagnostizierte Dr. med. G._, Neurochirurgie, mit Arztbericht vom 17. Mai 2010 eine
chronische Lumbago bei Osteochondrosen und Spondylarthrosen L4/5 und L5/S1
sowie eine Depression. Aus neurochirurgischer Sicht sei die bisherige
Reinigungstätigkeit nicht mehr zumutbar; eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit sei
dagegen zu 100 % zumutbar (act. G 6.1/35). Am 19. Mai 2010 ging die RAD-Ärztin
H._ von einem instabilen Gesundheitszustand bei laufenden Abklärungen und
Behandlungen aus (act. G 6.1/36.2).
A.c Am 20. Mai 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit keine
beruflichen Massnahmen möglich seien und deshalb die Rentenprüfung erfolge (act. G
6.1/38).
A.d In der Folge holte die IV-Stelle St. Gallen weitere Arztberichte bei Dr. D._, bei der
Kantonalen Psychiatrischen Klinik F._ sowie beim Psychiatrischen Zentrum I._ ein.
Nebst der bereits früher diagnostizierten Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion (F43.21) diagnostizierte Dr. D._ am 5. Juli 2010 zusätzlich eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (F45.4), eine vorsätzliche Selbstvergiftung mit
Antidepressiva oder Benzodiazepinen am 5. Februar 2010 (X61.0) sowie eine
chronische Lumbalgie und Arthralgie an der rechten Schulter. Es bestehe bis auf
weiteres eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit als Reinigungskraft (act. G 6.1/42). Die
Kantonale Psychiatrische Klinik F._, med. pract. J._, gab im Bericht vom 26. Juli
2010 eine gegenüber dem letzten Bericht vom 19. März 2010 unveränderte Diagnose
an. In der bisherigen Tätigkeit als Hauswartin sei die Versicherte 100 % arbeitsunfähig.
Ob sich die Arbeitsfähigkeit (in einer adaptierten Tätigkeit) unter Therapie verbessere,
könne erst im zukünftigen Verlauf der Erkrankung beurteilt werden. Bei positivem
Verlauf sollte nach einem Jahr Therapie ein Arbeitsversuch möglich sein (act. G 6.1/43).
Das Psychiatrische Zentrum I._, Dr. med. K._, Fachärztin für Psychiatrie und
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Psychotherapie, diagnostizierte im Bericht vom 10. Dezember 2010 eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) bei Status nach
Selbstvergiftung (X61.0) sowie einen Verdacht auf eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (F45.4). Als Reinigungsfachfrau bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von
100 %. Die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit sei unklar (act. G 6.1/46). Mit
Verlaufsbericht vom 27. April 2011 diagnostizierte Dr. D._ nunmehr eine mittelgradige
bis schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) seit Herbst
2010 sowie einen Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung der Cluster-Gruppe C
(F60.7). Die Prognose sei schlecht. Es handle sich um einen chronischen Verlauf.
Neben der Depression bestehe ein Verdacht auf Komorbidität einer abhängigen
Persönlichkeitsstörung. In einer körperlich leichten Tätigkeit ohne Stress in
angenehmer Atmosphäre sei die Versicherte 30 % arbeitsfähig (2 1⁄2 Stunden täglich).
Dabei bestehe eine um 70 % eingeschränkte Leistungsfähigkeit (act. G 6.1/51).
A.e Am 12. September 2011 teilte die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten mit, es sei
eine medizinische Abklärung notwendig (act. G 6.1/56). Diese wurde von Dr. med.
L._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin speziell Rheumaerkrankungen, und med.
pract. M._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, durchgeführt. Im
bidisziplinären Gutachten vom 22. April 2012 diagnostizierten die Experten (mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit) eine mittelgradig depressive Episode ohne somatisches
Syndrom (F32.10). Rheumatologisch bestehe eine teileingeschränkte
Schulterperiarthropathie rechts (M75.0) sowie ein chronisches lumbales
Schmerzsyndrom bei Osteochondrosen L4 bis S1 mit Spondylarthrosen,
Bandscheibenprotrusionen mit foraminal rezessalen Engen, Irritation der Nervenwurzel
L3 links und S1 beidseits (M51.2). Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hielten die Experten eine Persönlichkeitsakzentuierung mit abhängigen Zügen (Z73.1)
sowie verschiedene psychosoziale Faktoren fest. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
aktuell eine volle Arbeitsunfähigkeit mit erst nach intensiver, allenfalls stationärer
psychotherapeutischer und psychopharmakologischer Behandlung und bestenfalls in 6
Monaten schrittweise aufbaubarer Tätigkeit gemäss rheumatologischen Vorgaben. In
rheumatologischer Hinsicht sei der Versicherten bei voller Arbeitspräsenz,
dekonditioniert leichter Leistungsminderung, vermehrt Kurzpausen beanspruchend, ein
mindestens 90 %-Arbeitspensum in leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten mit
Lastheben Boden-Tisch von maximal einmalig 12 kg, repetitiv 8 - 10 kg, Tisch-
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Schulterhöhe repetitiv 4 kg, einmalig 6 kg zumutbar. Unter Beachtung der Vorgaben
seien auch leichte Reinigungsarbeiten, bevorzugt Hauswarttätigkeiten oder eine
einfache, leichte industrielle Tätigkeit machbar (act. G 6.1/64.10 ff.).
A.f Nach nochmaliger Rückfrage bei den Gutachtern betreffend vermeintliche
Widersprüche erachtete am 15. Oktober 2012 auch der RAD Ostschweiz, nunmehr
vertreten durch Dr. med. N._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, das
Gutachten als schlüssig. Dr. N._ stellte fest, dass ein Gesundheitsschaden im Sinn
einer mittelgradigen depressiven Episode ausgewiesen sei bei akzentuierten
Persönlichkeitsmerkmalen. Weiter beständen aus somatischer Sicht degenerative
Veränderungen mit einem Schmerzsyndrom. Zwar sei gemäss Gutachten durch eine
stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische und weitere intensive ambulante
Behandlung eine Verbesserung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit
innerhalb von ca. 6 Monaten möglich. Eine klare Prognose sei aus
versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht jedoch nicht möglich (act. G 6.1/70).
Ergänzend dazu vermerkte Dr. N._ am 11. Dezember 2012, es könne nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit bestätigt werden, dass die Arbeitsfähigkeit durch
eine stationäre Behandlung tatsächlich gesteigert werden könne. Am 18. Dezember
2012 wies sie sodann darauf hin, dass die Versicherte in ihrer Leistungsfähigkeit sehr
deutlich eingeschränkt sei. Die depressive Reaktion habe Krankheitswert erlangt und
führe zu ausgeprägten funktionalen Beeinträchtigungen, die gut nachvollziehbar seien
(act. G 6.1/72).
A.g Anfang 2013 führte die IV-Stelle offenbar eine Haushaltsabklärung durch (es liegt
nur das durch die Versicherte am 19. Januar 2013 ausgefüllte Formular, jedoch keine
Auswertung durch eine Abklärungsperson bei den Akten [act. G 6.1/75]). Am 14. Juni
2013 reichte sodann die behandelnde Psychiaterin Dr. D._ einen Verlaufsbericht ein,
worin sie von einem verschlechterten Gesundheitszustand ausging. Seit Herbst 2010
liege eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome vor (F33.2). Zudem bestehe ein Restless-legs-Syndrom (seit
2013), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4), ein Zustand nach
Selbstmordversuch im Februar 2010 sowie ein Verdacht auf eine
Persönlichkeitsstörung der Cluster-Gruppe C (F60.7). Die Prognose sei schlecht. Es
handle sich um eine chronische affektive Störung, die im Rahmen der Auflösung des
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Arbeitsplatzes entstanden sei und bis heute therapieresistent geblieben sei. Die
Versicherte habe eine sehr schwere depressive Entwicklung mit regressivem Verhalten
und Vita minima, so dass eine Arbeit in geschütztem Rahmen höchstens eine Stunde
täglich mit einem 70 %igen Belastungsprofil als zumutbar attestiert werden könne.
Ansonsten sei die Versicherte für alle Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig (act. G
6.1/80).
A.h Mit Einkommensvergleich vom 29. November 2013 berechnete die IV-Stelle eine
invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse von 10.84 % (act. G 6.1/83). Mit Vorbescheid
vom 6. Januar 2014 teilte sie der Versicherten mit, bei einem Invaliditätsgrad von 11 %
bestehe kein Rentenanspruch. Dabei ging sie von einer Aufteilung von 80 %
Erwerbstätigkeit und 20 % im Aufgabenbereich aus, wobei sie bei letzterem eine
Einschränkung von 10 % angenommen hatte (act. G 6.1/86).
A.i Mit Einwand vom 7. Februar 2014 und Ergänzung vom 7. März 2014 machte die
Versicherte geltend, dass eine reaktive depressive Erkrankung zwar grundsätzlich
behandelt werden könne. Indessen treffe dies nicht in jedem Fall zu. Entscheidend sei,
ob eine adäquate Behandlung stattgefunden habe und durch diese eine
gesundheitliche Verbesserung habe erreicht werden können. Die Versicherte sei bis
jetzt noch nie über einen längeren Zeitraum intensiv stationär behandelt worden. Sie sei
aber bereit, an einer intensiven stationären psychiatrischen und medikamentösen
Therapie teilzunehmen. Erst nach Abschluss einer solchen Behandlung könne
festgestellt werden, ob die reaktive depressive Störung habe remittieren können und
ob eine Arbeitsintegration in die Wege geleitet werden könne. Da seit der
Begutachtung zwei Jahre vergangen seien, sei vorgängig abzuklären, ob sich die
psychische Erkrankung weiter chronifiziert habe (act. G 6.1/89, 92).
A.j Mit Verfügung vom 17. Juni 2014 hielt die IV-Stelle an ihrer ablehnenden Haltung
fest und entschied wie angekündigt. Die das Krankheitsbild massgeblich auslösenden
psychosozialen Faktoren seien invaliditätsrechtlich unerheblich und führten gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zu einer Invalidität. Davon zu
unterscheidende wesentliche Befunde lägen nicht vor. Es sei nicht nachvollziehbar,
dass die Versicherte auch nach den Ergebnissen der Begutachtung keine Bemühungen
unternommen habe, sich einer geeigneten Therapie zu unterziehen (act. G 6.1/98).
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B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 5. August
2014 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Der
Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Der Beschwerdeführerin sei sodann die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die von der Beschwerdegegnerin genannte
bundesgerichtliche Rechtsprechung beziehe sich auf leichte bis höchstens
mittelschwere psychische Störungen depressiver Natur. Ein Suizidversuch sei indessen
nicht mehr auf eine geringfügige Erkrankung zurückzuführen. Der RAD habe
festgehalten, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht eine klare Prognose bezüglich
Wirksamkeit des gutachterlichen Therapievorschlags nicht möglich sei und daher
weiterhin von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Im Weiteren führe die
RAD-Ärztin Dr. N._ aus, dass die depressive Reaktion Krankheitswert habe. Selbst
wenn die psychische Störung zum jetzigen Zeitpunkt überwindbar wäre, was bestritten
werde, hätte die Beschwerdeführerin mindestens Anspruch auf eine befristete Rente
(act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 18. September 2014 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Psychische Störungen, die durch soziale Umstände
verursacht würden und bei Wegfall der Belastungsfaktoren wieder verschwänden,
könnten nicht zur Invalidenrente berechtigen. Je stärker psychosoziale oder
soziokulturelle Faktoren in den Vordergründe träten und das Beschwerdebild
bestimmten, desto ausgeprägter müsse eine fachärztlich festgestellte psychische
Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Es müsse eine von depressiven
Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
fachmedizinischen Sinn oder ein damit vergleichbarer psychischen Leidenszustand
vorhanden sein. Vorliegend werde die mittelgradige depressive Episode massgeblich
von grundsätzlich invaliditätsfremden und daher auszuklammernden psychosozialen
Belastungsfaktoren geprägt und aufrecht erhalten (Verlust der Arbeitsstelle, Jobverlust
des Ehemannes und Trennung vom Ehemann, Pensumsreduktion bei der C._ AG).
Angesichts der Therapieintervalle könne zudem nicht von einer konsequenten
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ambulanten Behandlung gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin habe sich bis
jetzt auch nicht intensiv stationär behandeln lassen (act. G 6).
B.c Mit Replik vom 10. Dezember 2014 hält die Beschwerdeführerin an ihren
beschwerdeweisen Ausführungen fest. Aus den medizinischen Unterlagen gehe klar
hervor, dass sich vorliegend die psychische Krankheit bei der Beschwerdeführerin
verselbständigt habe und daher als mittelbar invaliditätsbegründend zu berücksichtigen
sei. Es liege eine eigenständige Diagnose mit Krankheitswert vor. Wie bereits
dargelegt, handle es sich vorliegend nicht um einen Fall von leichter bis mittelschwerer
Depression. Vielmehr liege ein Fall mittelschwerer bis schwerer Depression vor, was
sich schon aus dem Suizidversuch ergebe (act. G 12). Die Beschwerdegegnerin
verzichtet auf eine Duplik (act. G 15).
B.d Am 10. November 2014 reicht der Rechtsvertreter das ausgefüllte Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung samt Steuerunterlagen ein (act. G 9). Am 16. Dezember
2014 teilt der Rechtsvertreter dem Gericht sodann mit, dass die Beschwerdeführerin
am Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege nicht festhält (act. G 14).

Erwägungen
1
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die: a. ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können; b. während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
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ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch im Wesentlichen mit der
Begründung, dass die mittelgradige reaktive Depression in der Kündigung durch die
B._ AG und der anschliessenden Pensumsreduktion bei der C._ AG sowie in der
Trennung vom Ehemann begründet sei und das Krankheitsbild der Beschwerdeführerin
somit von Anfang an massgeblich durch iv-fremde psychosoziale Faktoren geprägt ge-
wesen sei. So gehe die Gutachterin med. pract. M._ davon aus, dass das
Krankheitsbild ohne diese belastenden Ereignisse nicht entstanden wäre. Weiter sei zu
beachten, dass leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen depressiver
Natur grundsätzlich behandelbar seien. Laut Gutachterin könne die Arbeitsfähigkeit
nach einer intensiven integrativen und antidepressiven stationären psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung nach Remission des depressiven Zustandsbildes
wiedererlangt werden (act. G 6 Ziff. III.5).
2.2 Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin keineswegs
nur psychosoziale oder soziokulturelle Umstände vorliegen, die grundsätzlich keine
Invalidität zu bewirken mögen. Vielmehr liegt mit der von der Gutachterin genannten
mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom (F32.10), reaktiv
bedingt, ein fachärztlich diagnostiziertes psychiatrisches Leiden mit Krankheitswert
vor. Davon geht auch die RAD-Ärztin Dr. N._ in ihrer Stellungnahme vom 18.
Dezember 2012 aus (act. G 6.1/72.1). Zwar ist die reaktive Depression auf die von der
Beschwerdegegnerin genannten Umstände zurückzuführen. Dies ändert jedoch nichts
daran, dass die Expertin - wie in den von der Beschwerdegegnerin zitierten Urteilen
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gefordert (BGE 127 V 294 E. 5.-a; Urteil des Bundesgerichts 9C_710/2011 vom 20.
März 2012 E. 4.2) - bei der Beschwerdeführerin nicht nur Befunde erhoben hat, die in
den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden
und damit gleichsam in ihnen aufgehen. Vielmehr haben sich diese Umstände
mittlerweile zu einer eigenständigen, von depressiven Verstimmungszuständen klar zu
unterscheidenden, fachärztlich diagnostizierten psychischen Störung von
Krankheitswert entwickelt. Nachdem die Invalidenversicherung im Unterschied zur
Unfallversicherung keine kausale, sondern eine finale Versicherung ist, sind
medizinische Leiden mit Krankheitswert unabhängig vom Entstehungsgrund versichert
(vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 8C_486/2015 vom 30. November 2015 E. 4.1.2. mit
Hinweis auf Urteil 8C_371/2013 vom 28. November 2013 E. 4.4).
2.3 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin hat die psychiatrische Gutachterin
sodann nicht ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin ihre (volle) Arbeitsfähigkeit nach
intensiver stationärer und ambulanter Behandlung in 6 Monaten wieder erlange. Zwar
erachtet es die Gutachterin - wie auch die behandelnde Ärztin Dr. D._ - für
notwendig, dass die Beschwerdeführerin eine intensive integrative und antidepressive
stationäre und anschliessende ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung durchführt. Finde die Beschwerdeführerin dann noch eine der früheren
Stelle bei der B._ AG vergleichbare Anstellung, sei im "besten Fall" wieder eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit möglich (act. G 6.1/63.21). Eine Prognose über den
Erfolg der indizierten Behandlung gibt med. pract. M._ in ihrem Gutachten jedoch
nicht ab. Vielmehr stellt sie die weitgehende Remission der Arbeitsfähigkeit von 80 -
100 % aus psychiatrischer Sicht unter den Vorbehalt, dass die Therapie anschlägt,
wenn sie diesen Vorbehalt in ihrer Ergänzung vom 2. September 2012 auch etwas
relativiert bzw. weniger betont. Auch über den zeitlichen Ablauf der
Wiedereingliederung äussert sich die Expertin vorsichtig, geht sie doch von einer (als
lang zu bezeichnenden) stationären Behandlungsdauer von etwa 6 Monaten aus. Bei
gutem Verlauf könne danach an drei Tagen pro Woche während je zwei Stunden mit
dem Arbeitstraining begonnen werden. Im (zeitlich nicht näher definierten) Verlauf solle
das Pensum dann zunächst auf 50 % und schliesslich auf 80 - 100 % erhöht werden.
Für den Untersuchungszeitpunkt selber (Oktober/November 2011) geht med. pract.
M._ von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten aus (act. G
6.1/63.21 und 69.3). In ihrer gemeinsamen interdisziplinären Beurteilung der
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Arbeitsfähigkeit bzw. von deren Wiedererlangung äussern sich die Experten noch
etwas vorsichtiger, indem sie nicht zwingend, sondern nur "allenfalls" von einer
stationären Behandlung ausgehen, die einen schrittweisen Arbeitsaufbau in
"bestenfalls 6 Monaten" (d.h. beginnend in 6 Monaten nach zuvor intensiver
psychotherapeutischer und psychopharmakologischer Behandlung) bis "bestenfalls 90
%" zulasse (act. G 6.1/64.13).
2.4 Aus diesen Ausführungen der Experten - insbesondere aus dem vergleichsweise
langfristig angelegten Therapie- und Eingliederungsverlauf mit entsprechenden
Unwägbarkeiten - erhellt, dass der Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der
Untersuchung noch nicht gefestigt war. Davon geht offenbar auch die RAD-Ärztin in
ihrer Stellungnahme vom 18. Dezember 2012 aus, empfiehlt sie doch eine vorzeitige
medizinische Neubeurteilung. In ihrer Stellungnahme vom 11. Dezember 2012 führt Dr.
N._ zudem aus, es sei nicht möglich, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
bestätigen, dass die Arbeitsfähigkeit durch eine stationäre Behandlung tatsächlich
gesteigert werden könne (act. G 6.1/72.1). Mit Datum vom 14. Juni 2013 reichte
sodann die behandelnde Ärztin Dr. D._ einen Verlaufsbericht ein. Darin beschreibt sie
einen verschlechterten Gesundheitszustand. Die Diagnose habe sich nunmehr zu einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode, ohne
psychotischen Symptome (F33.2) geändert. Seit 2013 bestehe zudem ein Restless-
legs-Syndrom. Die Diagnosen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(F45.4) sowie eines Verdachts auf eine Persönlichkeitsstörung der Cluster-Gruppe C
(F60.7) beständen weiterhin. Es handle sich um eine chronische affektive Störung, die
im Rahmen der Auflösung des Arbeitsplatzes entstanden und bis heute
therapieresistent geblieben sei. Der Beschwerdeführerin seien (auf dem ersten
Arbeitsmarkt) keine Tätigkeiten mehr zumutbar. Auf Grund der sehr schweren
depressiven Entwicklung mit regressivem Verhalten mit Vita minima sei höchstens
noch eine Arbeit im geschützten Rahmen während täglich einer Stunde mit 70 %igem
Belastungsprofil zumutbar (act. G 6.1/80).
2.5 Auf Grund des zum Untersuchungszeitpunkt noch nicht gefestigten
Gesundheitszustands sowie der gemäss behandelnder Ärztin noch vor dem
massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses eingetretenen und gemeldeten
Verschlechterung kann für diesen Zeitpunkt (Verfügungserlass) nicht sicher von einer
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vollständigen oder weitgehenden - erfolgten oder zu erwartenden - Remission des
psychischen Gesundheitszustands und damit der Arbeitsfähigkeit ausgegangen
werden. Auf Grund der Aktenlage kann sodann nicht gesagt werden, von der
psychiatrischen Gutachterin seien lediglich Befunde erhoben worden, die in den
soziokulturellen oder psychosozialen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden.
Auf Grund des Verlaufsberichts von Dr. D._ vom 14. Juni 2013 kann schliesslich nicht
ohne weiteres auf die Behandelbarkeit des depressiven Leidens geschlossen werden.
Zwar lässt sich die Beschwerdeführerin nicht mit der vorgeschlagenen Intensität und
mit möglicherweise unzureichender (Medikamenten-)Compliance, aber doch seit Juli
2009 - und damit praktisch seit Bestehen der depressiven Problematik, teilweise auch
stationär - psychiatrisch behandeln (vgl. act. G 6.1/42.1). Dr. D._ geht nach vier
Jahren in ihrem Verlaufsbericht vom 14. Juni 2013 von Behandlungsresistenz bei
schlechter Prognose aus (act. G 6.1/80.2). Nach der neueren Rechtsprechung des
Bundesgerichts kann zudem bei seitens der Ärzte bescheinigter Arbeitsunfähigkeit von
100 % entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht von einer
rentenausschliessenden Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgegangen
werden, auch wenn es zu beachten gilt, dass dem Arzt oder der Ärztin hinsichtlich der
Festsetzung des Arbeitsunfähigkeitsgrades nach der Rechtsprechung (BGE 140 V 193
E. 3.1 und 3.2 S. 194 ff.) keine abschliessende Beurteilungskompetenz zukommt. Die
Beschwerdegegnerin hat bisher darauf verzichtet, die Beschwerdeführerin gestützt auf
Art. 21 Abs. 4 ATSG zu einer stationären oder intensiveren ambulanten Therapie zu
verpflichten, wohl nicht zuletzt deshalb, weil sich selbst ihre RAD-Ärztin von einer
stationären Behandlung nicht allzu viel zu versprechen scheint (vgl. act. G 6.1/72.1).
Der Beschwerdeführerin kann somit nicht entgegengehalten werden, sie habe keine
konsequente Depressionstherapie befolgt, deren Scheitern das Leiden als resistent
ausweisen würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_391/2016 vom 4. November 2016
E. 3.4). Der Bericht von Dr. D._ vom 14. Juni 2013 - ein gutes Jahr nach Eingang des
Gutachtens bzw. gut anderthalb Jahre nach der eigentlichen Expertise im Oktober/
November 2011 ergangen - hätte Anlass und Gelegenheit geboten, eine psychiatrische
Verlaufsbegutachtung in Auftrag zu geben, zumal die Gutachterin - und wohl auch Dr.
N._ - den Gesundheitszustand im Untersuchungszeitpunkt noch nicht als definitiv
angesehen hat und die Gutachter in ihrer interdisziplinären Beurteilung selber eine
Verlaufsbegutachtung in 6 - 12 Monaten empfohlen haben (act. G 6.1/64.13). Dies ist
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nachzuholen. Die Beschwerdegegnerin hat weder das Vorliegen eines stabilen
Gesundheitszustands abgewartet und anschliessend neu beurteilen lassen noch die
vor Verfügungserlass von Dr. D._ mit Bericht vom 14. Juni 2013 gemeldete
Verschlechterung berücksichtigt, sondern hat einzig auf Grund der rechtlichen
Überlegungen ihres Rechtsdienstes vom 26. November 2013 (act. G 6.1/82) die
Abweisung des Rentengesuchs verfügt. Damit hat sie den massgebenden Sachverhalt
ungenügend abgeklärt, weshalb die Sache zwecks Veranlassung eines psychiatrischen
Verlaufsgutachtens - vorzugsweise bei med. pract. M._ - und anschliessender neuen
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist (vgl. zu den grundsätzlichen
Überlegungen zur Rückweisung zwecks weiteren Abklärungen Entscheid des
Versicherungsgerichts IV 2014/38 vom 18. November 2016 E. 2.2). Die
rheumatologische Situation erscheint unverändert - anderes wird auch nicht
vorgebracht -, weshalb wohl auf das Gutachten von Dr. L._ vom 22. April 2012 nach
wie vor abgestellt werden kann.
2.6 Ergänzend bleibt anzufügen, dass die Anwendung der gemischten Methode - die
Auswirkungen des Revisionsurteils des Bundesgerichts 9F_8/2016 vom 20. Dezember
2016 auf Fälle wie den vorliegenden werden an anderer Stelle noch zu diskutieren sein
- vorliegend nicht genügend begründet erscheint. So arbeitete die Beschwerdeführerin
zuletzt 100 % bei der B._ AG. Bei der C._ AG erfolgte gegen ihren Willen zunächst
eine Reduktion auf 80 %, dann auf 60 %. Die Kinder der Beschwerdeführerin sind
zudem bereits erwachsen und bedürfen keiner Betreuung mehr; der Ehemann lebt
nicht mehr in der Schweiz. Im Fragebogen gab die Beschwerdeführerin denn auch an,
im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig zu sein (act. G 6.1/75.1). Die Auswertung
und Beurteilung des Fragebogens durch die Abklärungsperson fehlt in den Akten oder
existiert gar nicht, sodass sich auch daraus weder eine Begründung für die gewählte
Aufteilung von 80 % Erwerbstätigkeit und 20 % Aufgabenbereich noch für die
angenommene Einschränkung im Haushalt von 10 % ergibt. Falls die
Beschwerdegegnerin nicht von einem Status der Beschwerdeführerin als rein
Erwerbstätige ausgehen will, wäre die erneute Anwendung der gemischten Methode in
der zu erlassenden Verfügung entsprechend detailliert zu begründen.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die
Streitsache zwecks Einholung eines psychiatrischen Verlaufsgutachtens und
anschliessender neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V
215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
3.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS
963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In einem Fall mit mittlerem Aufwand und
Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.--
ausgerichtet. Da es sich um einen solchen Fall handelt, hat die Beschwerdegegnerin
den Beschwerdeführer entsprechend mit Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.