Decision ID: 8c0a2f5a-aa53-5c72-b8c1-cf411bf037e4
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ (Jahrgang 1957) ist mazedonischer Staatsangehöriger. Er reiste am 1. Februar
1982 in die Schweiz ein und heiratete A._, mit welcher er drei mittlerweile erwachsene
Kinder (Jahrgang 1984, 1985 und 1987) hat. Sämtliche Familienmitglieder verfügen
über die Niederlassungsbewilligung. X._ wurde nach einer Verurteilung wegen
Veruntreuung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Monaten am
21. Februar 1998 verwarnt. Am 22. November 2000 wurde er darauf hingewiesen, er
habe seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen und bestehende Schulden
nach Möglichkeit zu sanieren, andernfalls er mit schwerwiegenden
ausländerrechtlichen Massnahmen rechnen müsse. Am 5. Oktober 2009 wurde er
erneut verwarnt. Am 9. Dezember 2014 widerrief das Migrationsamt seine
Niederlassungsbewilligung. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den von X._
gegen den Widerruf erhobenen Rekurs am 16. September 2016 ab. Zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege trug der Kanton die amtlichen Kosten des
Rekursverfahren von CHF 1'000. Der Rechtsvertreter wurde aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung mit CHF 1'600 einschliesslich Barauslagen, zuzüglich
Mehrwertsteuer entschädigt.
B. Das Verwaltungsgericht wies die von X._ (Beschwerdeführer) gegen den Entscheid
des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) erhobene Beschwerde mit
Zirkulationsentscheid vom 5. Dezember 2017 ab. Die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von CHF 2'000 gingen zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege zulasten des Staates. Der Rechtsvertreter wurde aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung mit CHF 1'600 zuzüglich CHF 80 Barauslagen und
Mehrwertsteuer entschädigt.
C. Das Bundesgericht hiess die gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts
erhobene Beschwerde mit Urteil vom 10. September 2018 gut, hob das Urteil des
Verwaltungsgerichts auf und wies die Sache zur "Neuverlegung der vorinstanzlichen
Kosten- und Entschädigungsfolgen" an das Verwaltungsgericht zurück.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Bundesgericht stellte im Urteil vom 10. September 2018 fest, der
Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen
und Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) sei nicht erfüllt. In der Sache
entsprach es damit dem Begehren, welches der Beschwerdeführer erfolglos vor den
kantonalen Instanzen gestellt hatte.
2. Nach Art. 94 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1,
VRP) hat die vorgeschriebene Gebühr zu entrichten, wer eine Amtshandlung zum
eigenen Vorteil oder durch sein Verhalten veranlasst. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die amtlichen Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden. Aufgrund dieser Bestimmungen sind die amtlichen
Kosten der Verfahren vor dem Verwaltungsgericht (CHF 2'000), dem Sicherheits- und
Justizdepartement (CHF 1'000) und dem Migrationsamt (CHF 210) dem Staat
aufzuerlegen. Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Im Rekurs- und
im kantonalen Beschwerdeverfahren wurden zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege keine Kostenvorschüsse erhoben. Dementsprechend bestehen keine
Rückerstattungsansprüche des Beschwerdeführers. Dies gilt auch für die ihm im
Verfahren vor dem Migrationsamt auferlegten Kosten, soweit er sie nicht bereits
bezahlt hat.
3. Im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht besteht Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 Abs. 1 VRP). Im Rekursverfahren besteht ein solcher
Anspruch, soweit der Ersatz aufgrund der Sach- und Rechtslage notwendig und
angemessen erscheint (Art. 98 Abs. 2 VRP). Sie werden den am Verfahren Beteiligten
gemäss nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 98 VRP). Die Vorschriften der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO) über die
Parteientschädigung finden sachgemäss Anwendung (Art. 98 VRP).
3.1. Während der – subsidiäre – Anspruch auf Ersatz ausseramtlicher Kosten aus
unentgeltlicher Rechtspflege gegenüber dem Staat, welcher mit dem als
Rechtsbeistand bestellten Rechtsvertreter in ein öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis
tritt, besteht, richtet er sich beim Erfolgsprinzip gegen die Gegenpartei. Sind – wie
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vorliegend – ausschliesslich kantonale Behörden am Verfahren beteiligt, werden die
ausseramtlichen Kosten bei Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Beschwerdeverfahren dem Gericht, beim Erfolgsprinzip dem zuständigen Departement
belastet. Werden die ausseramtlichen Kosten zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung entschädigt, ist der Kostenersatz dem Rechtsvertreter, zu
welchem das öffentlich-rechtliche Rechtsverhältnis besteht, zuzusprechen. Werden die
ausseramtlichen Kosten der obsiegenden Partei hingegen entsprechend dem
Erfolgsprinzip ersetzt, handelt es sich um eine Entschädigung, welche der Partei – und
nicht unmittelbar dem Vertreter – zusteht. Werden die Vertretungskosten gestützt auf
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung ersetzt, wird die Partei, welcher die
Rechtswohltat gewährt wurde, zudem während zehn Jahren zur Nachzahlung der
Kosten verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (vgl. Art. 98 VRP in Verbindung
mit Art. 123 ZPO). Eine solche Pflicht ist jedoch nicht gerechtfertigt, wenn der Partei ein
Ersatzanspruch, der sich auf das Erfolgsprinzip stützt, zukommt (vgl. dazu VerwGE B
2017/74 vom 8. Juli 2014 E. 3.1, www.gerichte.sg.ch).
3.2. Gemäss Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (sGS 963.75, HonO) beträgt das Honorar in der
Verwaltungsrechtspflege vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'000 bis 12'000.
Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Hat der Rechtsanwalt keine Honorarnote eingereicht,
werden die ausseramtlichen Kosten nach Ermessen zugesprochen (Art. 6 HonO).
Der Rechtsvertreter hat weder im Rekurs- noch im Beschwerdeverfahren eine
Kostennote eingereicht. Die ihm ermessensweise zugesprochenen Entschädigungen
von CHF 1'600 (Honorar samt Barauslagen) für das Rekursverfahren und von
CHF 1'600 (Honorar ohne Barauslagen) für das Beschwerdeverfahren beruhten zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung auf einem um einen Fünftel
reduzierten Honorar (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes; sGS 964.70, AnwG).
Diese Reduktion entfällt bei der Bemessung der ausseramtlichen Entschädigung nach
Obsiegen und Unterliegen. Dies entspricht der in Art. 98 und 99 Abs. 2 VRP
vorgeschriebenen sachgemässen Anwendung von Art. 122 Abs. 2 ZPO, welcher
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gemäss der in der Literatur vertretenen Auffassung der unentgeltlich prozessführenden
Partei, welche obsiegt, Anspruch auf eine volle – und nicht nur eine auf dem
Armenrechtstarif berechnete – Parteientschädigung einräumt (vgl. L. Huber, in:
Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar,
Zürich/St. Gallen 2011, N 13 zu Art. 122 ZPO). Dass die obsiegende Partei durch einen
unentgeltlichen Rechtsbeistand vertreten war, ist mithin nicht eine wesentliche
Tatsache für die Festlegung der Parteientschädigung, weil die öffentlich-rechtliche
Entschädigung von ihrem Zweck her nur subsidiär zum Tragen kommt. Es folgt daraus,
dass es keinen sachlichen Grund gibt, die Entschädigung der obsiegenden Partei
deshalb zu kürzen, weil ihr ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt worden ist (vgl.
BGer 5P.421/2000 vom 10. Januar 2001 E. 3b). Davon geht das Bundesgericht auch im
Rückweisungsentscheid aus, wenn es die Sache zur Regelung der Kosten– und
Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens an das Verwaltungsgericht
zurückgewiesen hat. Eine solche Rückweisung hätte sich erübrigt, wenn der Ersatz der
Vertretungskosten nach wie vor nach den bei der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung anwendbaren Regeln zu bemessen gewesen wäre.
Da gemäss Art. 98 VRP die ausseramtliche Entschädigung den am Verfahren
Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt wird, sind dem Beschwerdeführer
diese Kosten vollumfänglich zu ersetzen (vgl. dazu R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.). Der
Staat (Sicherheits- und Justizdepartement) hat den Beschwerdeführer
dementsprechend für das Beschwerdeverfahren mit CHF 2'000 zuzüglich CHF 80
Barauslagen und acht Prozent Mehrwertsteuer – die anwaltlichen Leistungen wurden
vor dem 1. Januar 2018 erbracht (vgl. Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur
Steuersatzänderung per 1. Januar 2018, www.estv.admin.ch) – zu entschädigen. Dabei
ist davon Vormerk zu nehmen, dass die dem Rechtsvertreter mit dem aufgehobenen
Entscheid zugesprochene Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
noch nicht zur Auszahlung gelangt ist.
Dem Beschwerdeführer wurde auch im Rekursverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gewährt. Sein Rechtsvertreter, der seine Anträge unter Kosten-
und Entschädigungsfolge gestellt hatte, wurde mit CHF 1'600 (vier Fünftel einer
angemessenen Entschädigung samt pauschalen Barauslagen auf der vollen
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Entschädigung) zuzüglich Mehrwertsteuer entschädigt. Wie im Beschwerdeverfahren
sind dem Beschwerdeführer, dessen Begehren gutzuheissen gewesen wären, die
ausseramtlichen Kosten auf der Basis des Erfolgsprinzips gemäss Art. 98 VRP
vollständig und ungekürzt, das heisst mit CHF 1'905 zuzüglich CHF 76.20 pauschale
Barauslagen und acht Prozent Mehrwertsteuer – die anwaltlichen Leistungen wurden
vor dem 1.Januar 2018 erbracht – zu ersetzen. Wurde dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers die ihm zugesprochene Entschädigung bereits ausbezahlt,
verbleibt ein Anspruch von CHF 381.20 zuzüglich acht Prozent Mehrwertsteuer.
4. Für diesen Entscheid werden keine amtlichen Kosten erhoben und keine
ausseramtlichen Entschädigungen – dem Beschwerdeführer sind in diesem Verfahren
keine Aufwendungen entstanden – zugesprochen (Art. 97 VRP).