Decision ID: c0f32ac2-d345-5c5f-aa43-f09c0d666b34
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a. Der afghanische Staatsangehörige A._ (nachfolgend: der Be-
schwerdeführer) reiste am 26. September 2021 zusammen mit seinen
Töchtern, B._ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin 1) und
C._ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin 2), in die Schweiz ein,
wo sie gleichentags im Bundesasylzentrum (BAZ) D._ um Asyl
nachsuchten.
A.b. Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der
europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab,
dass der Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin 1 bereits am
(...) 2018 in Griechenland und am (...) 2021 in Slowenien Asylanträge ge-
stellt hatten.
A.c. Am 29. September 2021 wurden mit dem Beschwerdeführer und der
Beschwerdeführerin 1 Personalienaufnahmen (PA) durchgeführt.
A.d. Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 4. Oktober 2021 gaben der Be-
schwerdeführer und die Beschwerdeführerin 1 – im Beisein ihrer Rechts-
vertretung – an, sie seien vor (...) Jahren vom Iran herkommend via die
Türkei nach Griechenland gelangt, wo sie ein Asylgesuch gestellt hätten.
Dieses sei abgewiesen worden. Am (...) 2021 hätten sie aufgrund der
schwierigen Bedingungen Griechenland verlassen. Via Albanien, Monte-
negro, Bosnien und Kroatien seien sie nach Slowenien gereist, wo sie sich
insgesamt 12 Tage lang aufgehalten hätten.
Im Rahmen des ihnen von der Vorinstanz gleichzeitig gewährten rechtli-
chen Gehörs zur Zuständigkeit Sloweniens für die Durchführung des Asyl-
und Wegweisungsverfahrens beziehungsweise zur Wegweisung dorthin
und zum Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) machte der Beschwerde-
führer geltend, sie hätten ihre Fingerabdrücke unter Zwang abgeben müs-
sen. In Slowenien hätten sie weder Zugang zu medizinischer Versorgung
erhalten noch seien sie von den Behörden genügend unterstützt worden.
Seine Kinder hätten nicht zur Schule gehen dürfen und sie hätten keine
Rechtsvertretung erhalten. Ihr Aufenthalt im Camp sei wie in einem Ge-
fängnis gewesen, denn sie hätten zehn Tage lang ihr Zimmer nicht verlas-
sen dürfen. Die Beschwerdeführerin 1 brachte ebenfalls vor, dass sie ihre
Fingerabdrücke nicht freiwillig abgegeben hätten und sie – unter Andro-
D-5134/2021
Seite 3
hung der Abschiebung nach Kroatien und anschliessend weiter nach Bos-
nien – zur Einreichung eines Asylgesuchs gezwungen worden seien, ob-
wohl sie nicht dort hätten bleiben wollen. Sie seien in Slowenien weder
unterstützt noch versorgt worden und seien während zehn Tagen in Qua-
rantäne genommen worden.
B.
B.a. Mit Eingabe vom 6. Oktober 2021 reichte die Rechtsvertretung der
Beschwerdeführenden eine medizinische Dokumentation der ORS, EVZ
E._ mit letztem Eintrag vom 1. Oktober 2021, eine Migrationsmedi-
zinische Abklärung vom 28. September 2021 sowie einen ärztlichen Kurz-
bericht des BAZ E._ vom 3. September 2021 zu den Akten.
B.b. Am 12. Oktober 2021 reichten die Beschwerdeführenden der Vor-
instanz Fotokopien ihrer Tazkeras (ohne Übersetzungen) nach.
B.c. Am 20. Oktober 2021 wurden durch die Rechtsvertretung der Be-
schwerdeführenden einen Notfallbericht der (...) vom 12. Oktober 2021 so-
wie einen Befundbericht des (...) vom 5. Oktober 2021 ins Recht gelegt.
C.
Am 28. Oktober 2021 ersuchte das Staatssekretariat für Migration (SEM)
die slowenischen Behörden um Rückübernahme der Beschwerdeführen-
den gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Diesem Gesuch wurde am 9. No-
vember 2021 entsprochen.
D.
Mit Verfügung vom 16. November 2021 – zwei Tage später eröffnet – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesu-
che der Beschwerdeführenden nicht ein und verfügte die Wegweisung
nach Slowenien, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung des
Asylgesuches zuständig sei. Weiter verfügte es, dass die Beschwerdefüh-
renden die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist
verlassen müssten, ansonsten sie inhaftiert und unter Zwang nach Slowe-
nien zurückgeführt werden könnten. Gleichzeitig wurde der Kanton
E._ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt und festgestellt,
D-5134/2021
Seite 4
einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie-
bende Wirkung zu. Schliesslich wurden den Beschwerdeführenden die edi-
tionspflichtigen Akten ausgehändigt.
E.
Mit Eingabe vom 18. November 2021 liessen die Beschwerdeführenden ei-
nen weiteren Notfallbericht der (...) vom 9. November 2021 zu den Akten
reichen.
F.
Mit Schreiben vom 19. November 2021 teilte die zugewiesene Rechtsver-
tretung der Beschwerdeführenden dem SEM die Beendigung des Man-
datsverhältnisses mit.
G.
Mit Eingabe vom 25. November 2021 (Datum des Poststempels) erhoben
die Beschwerdeführenden gegen die vorinstanzliche Verfügung beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten in materieller Hin-
sicht, die Verfügung vom 18. November 2021 (recte: 16. November 2021)
sei aufzuheben und ihre Asylgesuche seien in der Schweiz zu prüfen. In
prozessualer Hinsicht beantragten sie, der Beschwerde sei aufschiebende
Wirkung zu erteilen, darüber hinaus sei ihnen die unentgeltliche Rechts-
pflege zu gewähren und es sei von der Erhebung eines Kostenvorschus-
ses abzusehen.
Zur Begründung machten sie im Wesentlichen geltend, die Polizei habe
ihnen in Slowenien ihre Fingerabdrücke gegen ihren Willen abgenommen.
Sie hätten während ihres 12-tägigen Aufenthalts eine schlimme Zeit ge-
habt, denn sie seien mit drei ihnen unbekannten Männern in einem kleinen
Raum eingeschlossen worden. Ferner sei die Reise von Bosnien nach Slo-
wenien sehr beschwerlich gewesen, weshalb sie nun sowohl physisch als
auch mental angeschlagen seien. Sie würden gerne mit ihren übrigen Fa-
milienangehörigen, welche sich noch in Griechenland aufhalten würden, in
der Schweiz zusammenleben wollen. Die Kinder müssten zur Schule ge-
hen und eine Ausbildung absolvieren können.
Der Beschwerde lag eine Kopie der angefochtenen Verfügung des SEM
bei.
D-5134/2021
Seite 5
H.
Mit E-Mail vom 25. November 2021 erstattete das SEM bezüglich der Be-
schwerdeführerinnen eine Gefährdungsmeldung an die zuständige kanto-
nale Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB).
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
26. November 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-
richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1986 (VwVG;
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der
Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005
(BGG; SR 173.110).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist somit einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
D-5134/2021
Seite 6
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5
E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht-
lich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zwei-
ten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines Schriften-
wechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Ver-
fahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats wird eingeleitet, so-
bald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20
Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens
(engl.: take back) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprü-
fung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.w.H.).
4.3 Der nach der Dublin-III-VO zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
eine antragsstellende Person, die während der Prüfung seines Antrags in
D-5134/2021
Seite 7
einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Ho-
heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach
Massgabe der Art. 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO). Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein
Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen
(vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).
4.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen,
ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-
stimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-
stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-
ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.5 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte
Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-
ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1; SR 142.311) konkretisiert und
das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-
tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO
ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl.
BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
5.
Der Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass diese am (...) 2021 in Slowenien ein Asyl-
gesuch eingereicht hatten. Das SEM ersuchte deshalb die slowenischen
Behörden am 28. Oktober 2021 um Wiederaufnahme der Beschwer-
deführenden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die sloweni-
schen Behörden stimmten dem Gesuch um Übernahme am 9. Novem-
ber 2021 ausdrücklich zu. Die grundsätzliche Zuständigkeit Sloweniens ist
somit gegeben.
D-5134/2021
Seite 8
6.
6.1 Im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zunächst zu prüfen, ob es
wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Asylsuchende in Slowenien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 EU-Grundrechtecharta
mit sich bringen würden.
Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, gibt es keine wesentlichen
Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingun-
gen für Antragstellende in Slowenien würden systemische Schwachstellen
im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen, die eine
Gefahr einer unmenschlichen Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU-
Grundrechtecharta mit sich bringen würden (vgl. Urteile des BVGer
F-4527/2021 vom 1. November 2021 E. 4; E-3280/2021 vom 21. Juli 2021
E. 5.2.2; D-715/2021 vom 19. Februar 2021 S. 6; F-4659/2020 vom
24. September 2020 E. 4.1; F-3660/2020 vom 22. Juli 2020 E. 4.1). So ist
Slowenien Signatarstaat der Konvention zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101),
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
(FoK; SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge (FK; SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der
FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezügli-
chen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Des Weiteren darf die
Schweiz davon ausgehen, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte,
die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parla-
ments und des Rats 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Ver-
fahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schut-
zes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur
Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationa-
len Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Auch wenn die
Umstände der Unterbringung im slowenischen Asylsystem nicht denjeni-
gen in der Schweiz entsprechen und die Beschwerdeführenden sich in der
ihnen zugewiesenen Unterkunft wie in einem "Gefängnis" gefühlt haben,
vermögen diese Einwände die Vermutung der Einhaltung der völkerrecht-
lichen Pflichten durch Slowenien nicht umzustossen. Ernsthafte Hinweise
für systemische Schwachstellen betreffend Asylverfahren und Aufnahme-
bedingungen in Slowenien vermochten die Beschwerdeführer folglich nicht
darzulegen. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3
Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
D-5134/2021
Seite 9
7.
7.1 Die Beschwerdeführenden brachten vor, sie seien nach ihrer Ankunft
in Slowenien als Quarantänemassnahme während zehn Tagen in einem
Zimmer eingesperrt worden, sie hätten weder Zugang zu medizinischer
Versorgung noch finanzielle oder rechtliche Unterstützung erhalten und die
Beschwerdeführerinnen hätten in Slowenien keine Schule besuchen oder
eine Ausbildung machen können. Damit fordern sie implizit die Anwendung
der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der
– das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung
von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, gemäss welcher das SEM das Asylgesuch
"aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür ge-
mäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre.
7.2 Die Beschwerdeführenden haben – schon angesichts der konkreten
Wiederaufnahme-Zusicherung Sloweniens – kein konkretes und ernsthaf-
tes Risiko dargetan, die slowenischen Behörden würden sich weigern, sie
(wieder) aufzunehmen und in der Folge ihren Antrag auf internationalen
Schutz unter Einhaltung der Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen.
Den Akten sind überdies keine Gründe für die Annahme zu entnehmen,
Slowenien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement miss-
achten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben
oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind
oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land
gezwungen zu werden. Sie wurden in Slowenien – wenn auch angeblich
gegen ihren Willen – als Asylsuchende registriert und haben das Land ver-
lassen, bevor ihre Asylgesuche bearbeitet werden konnten. Ihre Ausreise
erfolgte somit freiwillig und die slowenischen Behörden haben nicht ver-
sucht, sie ohne Prüfung ihrer Asylgesuche in ein Land zu bringen, wo ihnen
eine völkerrechtlich verbotene Behandlung droht. Die Beschwerdeführen-
den haben ebenso wenig dargetan, die ihnen bei einer Rückführung erwar-
tenden Bedingungen in Slowenien seien derart schlecht, dass sie zu einer
Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3
FoK führen könnten.
Im Weiteren ergeben sich aus den Akten keine Hinweise für die Annahme,
Slowenien würde ihnen dauerhaft die ihnen gemäss Aufnahmerichtlinie zu-
stehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer diesbe-
züglichen Einschränkung steht es ihnen offen, sich an die zuständigen slo-
wenischen Behörden zu wenden und die ihnen zustehenden Aufnahmebe-
dingungen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtli-
D-5134/2021
Seite 10
nie). Ferner obliegt es den slowenischen Behörden, das Anliegen des Be-
schwerdeführers bezüglich eines Schulbesuchs bzw. einer Ausbildung für
seine beiden Töchter zu prüfen und allenfalls zu ermöglichen. Im Übrigen
verfügt das Land über eine Polizeibehörde, die sowohl als schutzwillig als
auch als schutzfähig gilt und deren Hilfe der Beschwerdeführer in Anspruch
nehmen könnte. Sollte er sich von einem Polizeibeamten ungerecht be-
handelt fühlen, steht es ihm offen, sich an die nächsthöhere Stelle zu wen-
den.
Ferner sind keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich, die Beschwer-
deführenden gerieten im Falle einer Wegweisung nach Slowenien wegen
der dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage. Sie ha-
ben die Möglichkeit, bei allfälligen Schwierigkeiten die dafür zuständigen
Behörden beziehungsweise die vor Ort tätigen karitativen Organisationen
zu kontaktieren. Zudem steht es ihnen offen, sich bei allfälligen Problemen
bei der Unterbringung oder beim Zugang zum Asylverfahren an die zustän-
digen slowenischen Justizbehörden zu wenden. Ebenso können sie an die
zuständigen Stellen gelangen, sollten sie sich von den slowenischen Be-
hörden oder Privatpersonen in anderer Weise ungerecht oder rechtswidrig
behandelt fühlen. Es ist in diesem Zusammenhang schliesslich daran zu
erinnern, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl.
BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.3 Die Beschwerdeführenden berufen sich sodann auf ihren angeschla-
genen Gesundheitszustand, der einer Überstellung nach Slowenien entge-
genstehe.
7.3.1
7.3.1.1 Der Beschwerdeführer machte bereits anlässlich des Dublin-Ge-
sprächs vom 4. Oktober 2021 geltend, er leide an (...), (...) und (...). Aus-
serdem habe er Beschwerden (...) und (...), weswegen er bereits im BAZ
E._ einen Arzt aufgesucht habe. Aus dem medizinischen Datenblatt
für interne Arztbesuche im BAZ E._ geht hervor, dass am 28. Sep-
tember 2021 eine ärztliche Konsultation stattfand (vgl. SEM-Akte 110155-
25/1). Dabei wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer gemäss ei-
genen Angaben regelmässig die Medikamente (...), (...) sowie bei Bedarf
(...) einnahm. Weiter gab der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung
an, an (...), (...) und (...) sowie (...) zu leiden (vgl. SEM-Akte 110155-26/1).
Gemäss ärztlichem Kurzbericht des BAZ E._ vom 3. Septem-
ber 2021 wurden beim Beschwerdeführer (...) festgestellt. Er wurde in der
D-5134/2021
Seite 11
Folge mit (...) medikamentös behandelt. Des Weiteren wurden bei ihm (...)
entdeckt. Diesbezüglich wurde er zur weiteren Diagnostik und Therapie an
die (...) verwiesen (vgl. SEM-Akte 110155-27/3). Am 5. Oktober 2021
wurde der Beschwerdeführer wegen seinen (...) geröntgt (vgl. SEM-Akte
110155-25/1). Dabei konnte gemäss Befundbericht vom 5. Oktober 2021
kein röntgendichter Fremdköper nachgewiesen werden und der ossäre Be-
fund des (...) fiel normal aus (vgl. SEM-Akte 110155-31/1). Dem Notfallbe-
richt vom 12. Oktober 2021 ist zu entnehmen, dass beim Beschwerdefüh-
rer (...) festgestellt wurden, weshalb er an die (...) überwiesen wurde. Be-
züglich der diagnostizierten (...) wurde ihm zur Behandlung das Medika-
ment (...) verschrieben und es erfolgte eine Zuweisung ins (...) (vgl. SEM-
Akte 110155-30/1). Mit Eingabe vom 18. November 2021 liess der Be-
schwerdeführer durch seine Rechtsvertretung mitteilen, dass gemäss dem
beigelegten Notfallbericht vom 9. November 2021 aufgrund seiner (...)
eine Magnetresonanztomographie (MRI) angeordnet worden sei
(vgl. SEM-Akte 110155-39/1) und zur Behandlung seiner (...) am (...) 2021
eine Operation im (...) geplant sei (vgl. SEM-Akte 110155-38/1).
7.3.1.2 Die Beschwerdeführerin 1 machte während des erstinstanzlichen
Verfahrens keine gesundheitlichen Beschwerden geltend (vgl. SEM-
Akte 1110155-22/4).
7.3.1.3 Bezüglich des Gesundheitszustands seiner jüngeren Tochter (der
Beschwerdeführerin 2), welche aufgrund ihres Alters von der Vorinstanz
nicht befragt wurde, führte der Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-
Gesprächs vom 4. Oktober 2021 aus, ihr (...) sei bereits in Montenegro ge-
röntgt worden. Seitdem ihr von einem Arzt des BAZ E._ Medika-
mente verschrieben worden seien, gehe es ihr wieder besser (vgl. SEM-
Akte 1110155-20/5).
7.3.1.4 Auf Beschwerdeebene brachten die Beschwerdeführenden vor, sie
seien physisch und mental belastet.
7.3.2 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen
Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-
troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-
stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit
dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt-
zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die dama-
lige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]).
D-5134/2021
Seite 12
Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die
durch die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behand-
lung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns-
ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer
erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer,
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
7.3.3 Ohne die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdefüh-
rers verharmlosen zu wollen, handelt es sich bei ihm nach dem Gesagten
nicht um eine schwer kranke Person im Sinne der oben beschriebenen
Rechtsprechung des EGMR. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die nötige
medizinische Behandlung nicht auch in Slowenien erfolgen könnte.
Ebenso vermag die unbelegt gebliebene Behauptung der Rechtsvertretung
der Beschwerdeführenden vom 18. November 2021, wonach ein operati-
ver Eingriff zur (...) des Beschwerdeführers am (...) 2021 bevorstehe
(vgl. SEM-Akte 1110155-38/1), nicht zu einer anderen Einschätzung zu
führen. Die Operation kann gegebenenfalls auch in Slowenien durchge-
führt werden. Nicht anders verhält es sich mit der angeblich gesundheitli-
chen Beeinträchtigung des (...) der Beschwerdeführerin 2. Da auf Be-
schwerdeebene keine aktuellen medizinischen Unterlagen oder aktuelle
Arztberichte zu den Akten gereicht wurden, ist sodann davon auszugehen,
dass sich die lediglich pauschal geltend gemachte physische und mentale
Belastung der Beschwerdeführenden nicht weiter verschlimmert hat. Die
Beschwerdeführenden konnten jedenfalls nicht nachweisen, dass sie nicht
reisefähig seien oder eine Überstellung ihre Gesundheit ernsthaft gefähr-
den würde. Ihre gesundheitlichen Beschwerden vermögen eine Unzuläs-
sigkeit im Sinne der oben zitierten restriktiven Rechtsprechung nicht zu
rechtfertigen. Ausserdem stellen die erwähnten gesundheitlichen Prob-
leme kein schweres medizinisches Leiden dar, welches nach der Ankunft
in Slowenien eine sofortige und lückenlose medizinische Versorgung im
Sinne der Rechtsprechung erfordern würde. Die gesundheitlichen Prob-
leme sind zudem nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitä-
ren Gründen von einer Überstellung abgesehen werden müsste.
7.3.4 Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Slowenien über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. hierzu beispielsweise Ur-
teile des BVGer F-1643/2021 vom 19. April 2021 E. 7.7; F-3660/2020 vom
22. Juli 2020 E. 4.2). Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstel-
D-5134/2021
Seite 13
lern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notver-
sorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und
schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19
Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Den Antragstellern mit besonderen Bedürfnis-
sen ist sodann die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (ein-
schliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu
gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise
vor, wonach Slowenien den Beschwerdeführenden eine adäquate medizi-
nische Behandlung (konkret Fortführung der Medikation, allenfalls psychi-
atrische oder psychotherapeutische Betreuung) verweigern würde.
Alsdann gilt es festzuhalten, dass die schweizerischen Behörden, welche
mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, den medizini-
schen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der
Überstellung der Beschwerdeführenden Rechnung tragen und die slowe-
nischen Behörden – sofern notwendig – vorgängig in geeigneter Weise
über die spezifischen medizinischen Umstände informieren (vgl.
Art. 31 f. Dublin-III-VO). Diesbezüglich stellte das SEM bereits in der ange-
fochtenen Verfügung fest, dem aktuellen Gesundheitszustand werde bei
der Organisation der Überstellung nach Slowenien Rechnung getragen, in-
dem es die slowenischen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dub-
lin-III-VO vor der Überstellung über den Gesundheitszustand und eine al-
lenfalls notwendige medizinische Behandlung informiere. Damit kann eine
ununterbrochene und angemessene Weiterbehandlung gewährleistet wer-
den. Anzumerken bleibt, dass einer allfälligen im Wegweisungszeitpunkt
auftretenden Suizidalität ebenfalls im Rahmen der Vollzugsmodalitäten
Rechnung zu tragen wäre (vgl. statt vieler Urteil des BVGer F-1123/2021
vom 24. März 2021 E. 5.3 m.w.H.).
7.3.5 Der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden führt
somit für den Fall einer Überstellung nach Slowenien im Rahmen des Dub-
lin-Verfahrens nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von
Art. 3 EMRK.
7.4 Im Übrigen ist davon auszugehen, dass Slowenien über die zur Wah-
rung des Kindeswohl nötigen Strukturen verfügt. Dennoch ist es angezeigt,
das SEM anzuweisen, die slowenischen Behörden vorgängig in geeigneter
Weise über die interfamiliären Konflikte zu informieren (vgl. Art. 31 Dublin-
III-VO).
D-5134/2021
Seite 14
7.5 Nach dem Gesagten ist die Überstellung nach Slowenien unter Beach-
tung der massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig zu
erkennen, womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt auf die
Asylgesuche der Beschwerdeführenden nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO
ersichtlich sind.
7.6 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Aufgrund der Kog-
nitionsbeschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014
(Streichung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsge-
richts gemäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vor-
instanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht
mehr auf Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung
nunmehr im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbe-
züglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen
Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl.
Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Die angefochtene Verfügung ist unter
diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten
keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive
Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich
deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
7.7 Zusammenfassend besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO; andere Gründe, die der Schweiz
Anlass geben könnten, von ihrem Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Dublin-
III-VO Gebrauch zu machen, wurden weder geltend gemacht noch sind
solche ersichtlich.
8.
Nach dem Gesagten bleibt Slowenien der für die Behandlung der Asylge-
suche der Beschwerdeführenden zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-
III-VO.
9.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetre-
ten. Da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufent-
halts- oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach
Slowenien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet
(Art. 32 Bst. a AsylV 1).
D-5134/2021
Seite 15
10.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind all-
fällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgeset-
zes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und
über die Integration (AIG; SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr
zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
11.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachver-
halt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-
schwerde ist folglich abzuweisen.
12.
Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen,
weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als
gegenstandslos erweist.
13.
13.1 Es verbleibt der Entscheid über die Verfahrenskosten und eine allfäl-
lige Entschädigung. Diese sind nach Massgabe des Unterliegens respek-
tive des Obsiegens zu berechnen (Art. 63 Abs.1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG).
13.2 Die Behandlung des Gesuchs um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses erübrigt sich mit dem vorliegenden abschliessenden
Urteil in der Sache.
13.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde entspre-
chend den vorstehenden Erwägungen bereits bei Eingang der Begehren,
unbesehen der geltend gemachten Bedürftigkeit, als aussichtlos erwiesen
hat. Demzufolge haben die Beschwerdeführenden die Verfahrenskosten in
der Höhe von Fr. 750.– zu tragen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
D-5134/2021
Seite 16