Decision ID: 5eaa16f1-b141-4d2d-89b6-8cbcbdee3a0f
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jörg Frei, c/o asg advocati, Pestalozzistrasse 2,
9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische National-Versicherungs-Gesellschaft, Steinengraben 41, 4003 Basel,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vertreten durch Advokat Dr. Matthias Schnyder, Augustinergasse 5, Postfach 1112,
4001 Basel,
betreffend
Invalidenrente und Integritätsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a B._, geboren 1953, war seit November 2004 mit einem Pensum von 80% als
Verkäuferin im Aussendienst bei der Firma A._ angestellt und dadurch bei der
Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft (National) obligatorisch gegen
die Folgen von Unfällen versichert (UV-act. 242, 248 und 282f.). Am Vormittag des
24. Januar 2005 hatte sie ihren Personenwagen auf der Hauptstrasse angehalten, als
die nachfolgende Fahrzeuglenkerin auf ihr Heck auffuhr (UV-act. 282f.). Dabei erlitt die
Versicherte eine Distorsion der Halswirbelsäule, die mit nichtsteroidalen Antirheumatika
(NSAR), einem Halskragen sowie Manualtherapie bei Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin mit Fähigkeitsausweis Manuelle Medizin (SAMM), behandelt wurde
(UV-act. 240 und 235f.). Vom Unfalltag bis zum 13. Februar 2005 schrieb die
Hausärztin, Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Allgemeinmedizin und Innere Medizin,
die Versicherte 100% und vom 14. Februar bis 6. März 2005 50% arbeitsunfähig und
erhöhte die Arbeitsunfähigkeit ab 7. März 2005 auf 75%. Der Unfall hatte sich noch
während der Probezeit bzw. dreimonatigen Ausbildung für die neue Tätigkeit ereignet.
Die Versicherte erzielte während dieser Zeit lediglich etwa Fr. 1'700.-- Lohn pro Monat
(zusammengesetzt aus umsatzabhängigem Fixum und Provision; UV-act. 248).
A.b Aufgrund einer Untersuchung an der Klinik für Orthopädische Chirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen am 8. März 2005 hielt Oberarzt Dr. med. E._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, im Bericht vom
10. März 2005 fest, in den Röntgenbildern der Halswirbelsäule der Versicherten zeigten
sich degenerative Veränderungen, vor allem in den Segmenten C4/5, C5/6 und C6/7
mit Bandscheibenhöhenminderung und nach ventral ziehenden Spondylophyten. Im
Magnetresonanz-Tomogramm (MRT oder MRI) zeigten sich Diskopathien im Segment
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C5/6 und C6/7 sowie eine Nervenwurzeleinengung rechts auf der Höhe C5/6 (UV-act.
237 bis 239). Dr. D._ empfahl im Zeugnis vom 5. April 2005, die Versicherte
möglichst bald dem Vertrauensarzt vorzustellen (UV-act. 240). Mit Bericht vom 8. April
2005 an die Hausärztin stellte Dr. C._ die Behandlung ein, da die Versicherte nicht
darauf anspreche und da ein verselbständigter Schmerz-Prozess in Gang gesetzt
worden sei. Er empfahl der Hausärztin, hochdosiert Psychopharmaka einzusetzen und
therapeutisch die Finger vom Bewegungsapparat zu lassen, und berichtete auch von
Konzentrationsstörungen der Versicherten (UV-act. 232f.). Dr. D._ hielt im Zeugnis
vom 9. August 2005 eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von 75% und einen sehr
schleppenden Verlauf fest (UV-act. 229f.). Am 19. Januar 2006 wurde die Versicherte
an der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen abgeklärt, nachdem die
Beschwerden in Form von Spannungskopfschmerzen, zum Teil migräniform überlagert,
sowie eines Schulter-, Arm- und Handschmerzsyndroms rechts andauerten (Bericht
vom 23. Januar 2006, UV-act. 226-228). - Die Arbeitsstelle bei der A._ wurde der
Versicherten am 24. Februar 2006 per 31. März 2006 gekündigt (UV-act. 141). Der
versicherte Jahresverdienst als Basis für die Taggeldzahlungen wurde im Februar 2006
rückwirkend ab 25. April 2005 auf Fr. 30'000.-- festgelegt (Telefonnotiz vom 7. Februar
2006, UV-act. 142). - Am 30. Mai 2006 nahm Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie
und
Psychotherapie, die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung der
Versicherten auf, nachdem er sie am 9. Januar 2006 konsiliarisch abgeklärt hatte. Er
attestierte ab Behandlungsbeginn eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 222). Am
4. September 2006 berichtete Dr. F._ der Unfallversicherung ausführlich (UV-
act. 218-221). Neben dem Weiterführen der bisherigen Therapiemassnahmen
einschliesslich Optimierung der Medikation empfahl Dr. F._ eine
neuropsychologische Abklärung. Als Nebenbefund führte er eine Revisionsoperation
Anfang August 2006 zum Gastric Banding vom 23. April 2002 an. Die
neuropsychologische Abklärung wurde am 28. und 30. November 2006 am
Kantonsspital St. Gallen durch lic. phil. G._, Fachpsychologin für Neuropsychologie
FSP, durchgeführt. Diese ergab: "vor dem Hintergrund einer von der Patientin in der
Untersuchung beklagten chronischen Schmerzproblematik (...) unter der Norm
liegende Leistungen in praktisch allen untersuchten Funktionsbereichen
(Aufmerksamkeit und Konzentration, Lernen und Gedächtnis, exekutive Funktionen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
räumlich-konstruktive Leistungen)" (UV-act. 214-217). Am 5. Januar 2007 berichtete
Dr. F._ der Unfallversicherung von einer mässigen Stimmungsaufhellung und
Stabilisierung des Zustandsbilds, einer Steigerung des Arbeitspensums auf drei
Stunden täglich und einer Senkung der Schmerzmitteldosis bei leichtem Rückgang der
Spannungskopfschmerzen (UV-act. 212f.). Die Beschwerdeführerin konnte ihre
Arbeitsfähigkeit durch stundenweisen Einsatz im Kosmetiksalon ihrer Tochter
umsetzen. Gemäss Dr. F._ fand diese Arbeit "unter sehr geschützten
Rahmenbedingungen statt" und war eine reguläre Wiederaufnahme der Arbeit Anfang
2007 nicht in Sicht (UV-act. 213).
A.c Im Auftrag und unter Federführung der Unfallversicherung wurde die Versicherte
am Institut für Interdisziplinäre Medizinische Begutachtungen (IIMB), Zürich,
neurologisch, neuropsychologisch und psychiatrisch interdisziplinär begutachtet. Die
"Zürich" Versicherungs-Gesellschaft AG als Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung des
Unfallverursachers und die zwischenzeitlich eingeschaltete Invalidenversicherung (IV)
schlossen sich dem Begutachtungsauftrag mit Zusatzfragen an. Das Gutachten vom
24. Oktober 2007 hielt als unfallbedingte Diagnose einen Status nach HWS-
Beschleunigungstrauma mit chronischem cervicocephalem Syndrom mit chronischen
posttraumatischen Kopfschmerzen, Aggravation durch Schmerzmittelüberkonsum,
leichten schmerzinterferenten, kognitiven Funktionsstörungen und
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.80) und
diverse unfallfremde Diagnosen fest, darunter Osteochondrosen sowie beidseits
Uncovertebralarthrosen C5/6 jeweils mit flachbogig medialer Diskushernie sowie eine
mediale Diskushernie Th5/6 ohne Myelonkompression. Die unfallbedingten Diagnosen
beurteilten die Gutachter als überwiegend (mehr als 50%) kausal zum Unfall vom
24. Januar 2005. Die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit schätzten sie mit insgesamt
40% ein und schlugen eine viergleisige Behandlung mit Wechsel der Medikamente,
Schmerzdistanzierung, Muskelaufbau und kognitiver Verhaltenstherapie vor (UV-act.
151-208).
A.d Am 28. November 2007 teilte die Unfallversicherung dem Rechtsvertreter der
Versicherten im Sinn des rechtlichen Gehörs mit, dass sie ihre Leistungspflicht ab
1. Dezember 2007 mangels adäquaten Kausalzusammenhangs ablehnen werde (UV-
act. 47f.). Am 7. Januar 2008 verfügte sie die angekündigte Ablehnung formell (UV-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
act. 43ff.). Die dagegen erhobene Einsprache vom 6. Februar 2008 (UV-act. 34-42)
wies die National mit Entscheid vom 18. Juli 2008 ab (UV-act. 14ff.).
A.e Mit Beschluss vom 14. Mai 2008 hatte die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen zwischenzeitlich eine Invalidität der Versicherten von 44% ab
24. Januar 2005 festgestellt (UV-act. 285). Am 25. Juni 2008 wurde ihr
verfügungsweise eine Teilrente von monatlich Fr. 315.-- ab 1. Juli 2008 zugesprochen
und für die Periode vom 1. Januar 2006 bis 30. Juni 2008 eine separate Verfügung
nach Abschluss des Verrechnungsverfahrens in Aussicht gestellt (UV-act. 284).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 18. Juli 2008 richtet sich die Beschwerde
vom 15. September 2008 mit den Anträgen:
1. Der Einspracheentscheid vom 18. Juli 2008 (und damit auch die Verfügung vom
7. Januar 2008) der Beschwerdegegnerin sei aufzuheben und es seien der
Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen.
Insbesondere sei der Beschwerdeführerin eine Invalidenrente auf Basis einer
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 50% und eines versicherten
Jahresverdienstes von mindestens Fr. 72'845.-- zuzusprechen.
Sodann sei der Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung basierend auf einer
Integritätseinbusse von mindestens 20% zuzusprechen.
2. Eventualiter sei der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 18. Juli
2008 (und damit auch die Verfügung vom 7. Januar 2008) aufzuheben und die
Angelegenheit zur Neubeurteilung im Sinne der nachfolgenden Ausführungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege und -verbeistän-dung
zu gewähren.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zur Begründung führt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin an, der natürliche
Kausalzusammenhang der andauernden Beschwerden zum Unfall vom 24. Januar
2005 sei gegeben, was das interdisziplinäre Gutachten vom 24. Oktober 2007 klar
bestätige und wovon auch die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 7. Januar
2008 ausgegangen sei. Auch die adäquate Kausalität müsse bejaht werden, da es sich
um ein Unfallereignis mittlerer Schwere gehandelt habe und die Adäquanzkriterien
Arbeitsunfähigkeit, Dauerbeschwerden und ärztliche Behandlung erfüllt seien, die
ersten beiden in auffälliger Weise. Der Beschwerdeführerin stünden die gesetzlichen
Leistungen zu, insbesondere eine Invalidenrente auf der Basis einer Beeinträchtigung
der Erwerbsfähigkeit von mindestens 50%. Der Rentenberechnung sei das
Valideneinkommen von Fr. 72'845.-- zugrunde zu legen, wie es durch die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen ermittelt worden sei. Weiter sei der
Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung basierend auf einer
Integritätseinbusse von mindestens 20% zuzusprechen. Falls das Gericht von den
Leistungsvoraussetzungen nicht überzeugt sei, beantrage er die Einholung eines
Gutachtens, insbesondere zu den Fragen der Unfallkausalität sowie dem Grad der
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit.
B.b Die Beschwerdegegnerin beauftragte Rechtsanwalt Dr. M. Schnyder, Basel, mit
ihrer Vertretung. Mit Beschwerdeantwort vom 11. November 2008 beantragt dieser die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zu Lasten der Beschwerdeführerin. Zur Begründung wird angeführt, die behandelnden
Ärzte hätten die Beschwerden schon kurz nach dem Unfall nicht mehr organisch
erklären können und die Einschaltung des Vertrauensarzts sowie weitere Abklärungen
vorgeschlagen. Es stelle sich die Frage, ob es bereits früh zu einer psychischen
Überlagerung gekommen sei, was die Beschwerdegegnerin zugunsten der
Beschwerdeführerin offen gelassen habe. Es habe sich um einen Unfall im
Bagatellbereich gehandelt. Aus der Tatsache, dass das Fahrzeug der
Beschwerdeführerin beim Unfall einen Totalschaden erlitten habe, könne nicht auf die
Schwere des Ereignisses geschlossen werden. Der adäquate Kausalzusammenhang
sei nicht gegeben, höchstens das Adäquanzkriterium Arbeitsunfähigkeit sei teilweise
erfüllt, jedoch nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise. Vorsorglich
werde der von der Beschwerdeführerin beantragte Invaliditätsgrad von 50% bestritten.
Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin könne hinsichtlich des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Valideneinkommens nicht auf den von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen ermittelten Wert von Fr. 72'845.-- abgestellt werden. Die Integritätseinbusse
von 20% werde dem Grundsatz und der Höhe nach bestritten.
B.c Mit Replik vom 30. Januar 2009 und Duplik vom 17. März 2009 hielten die
Parteien an ihren Standpunkten fest. Auf ihre Begründungen in den einzelnen
Rechtsschriften sowie den Inhalt der weiteren Akten wird, soweit entscheidnotwendig,

in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
B.d Mit Verfügung vom 1. April 2009 entsprach der Präsident des
Versicherungsgerichts dem Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung durch ihren bisherigen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur.
Jörg Frei.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht nach dem
30. November 2007 für die Folgen des Unfalls vom 24. Januar 2005 zu Recht verneint
hat.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
Bestimmungen über die Leistungspflicht des Unfallversicherers nach Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) sowie über die
Voraussetzung des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis
und dem Gesundheitsschaden zutreffend dargelegt (Erwägungen B.3). Gleiches gilt in
Bezug auf die Dauer der Leistungspflicht der obligatorischen Unfallversicherung sowie
die einschlägige Gerichtspraxis zu den Schleudertraumen der Halswirbelsäule und die
spezielle Adäquanzprüfung in solchen Fällen (Erwägungen B.4f., B.7b, B.8f. und B.11).
Darauf kann verwiesen werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Zum Zeitpunkt der Adäquanzprüfung hat das Bundesgericht im Entscheid 134 V
109 ausführlich Stellung genommen und diesen mit dem Zeitpunkt gleichgesetzt, an
dem der Unfallversicherer einen Fall abzuschliessen habe (E. 3.2 und ganze E. 4
S. 113ff.). Nach dieser Rechtsprechung ist der Zeitpunkt für die Adäquanzprüfung dann
erreicht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Verbesserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden
kann (analoge Anwendung von Art. 19 Abs. 1 UVG).
3.
3.1 Wie die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 18. Juli 2008
zutreffend ausführt, hatten die Gutachter des IIMB die natürliche Kausalität des
cervicovertebralen Syndroms, der posttraumatischen Kopfschmerzen, des
Analgetikaüberkonsums, der neuropsychologischen Defizite und der
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.80) zum
Unfall vom 24. Januar 2005 als überwiegend wahrscheinlich beurteilt (UV-act.
165-169). Weiter hielten sie im Gutachten vom 24. Oktober 2007 die radiologisch
nachgewiesenen degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule als unfallfremden
Vorzustand fest.
3.2 Zutreffend sind weiter die Ausführungen der Beschwerdegegnerin, dass bei der
Beschwerdeführerin keine organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen bestehen.
Entgegen den Ausführungen der Gutachter des IIMB handelt es sich bei den
Nackenschmerzen mit dem nachweisbaren Muskelhartspann nicht um organisch
objektiv ausgewiesene Unfallfolgen im Sinn der Rechtsprechung, sondern um klinisch
ausgewiesene Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin (UV-act. 165).
Die Rechtsprechung verlangt "reproduzierbare, von der untersuchenden Person und
den Angaben der Versicherten unabhängige Abklärungsergebnisse, die mit
apparativen/bildgebenden Verfahren erhoben werden können" (vgl. BGE 134 V 109
E. 9 Ingress S. 121 f.; SVR 2007 UV Nr. 25, 81 ff., E. 5.4 sowie Urteil des
Bundesgerichts 8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).
Erst wenn solche Gesundheitsbeeinträchtigungen vorliegen, ist mit der natürlichen
Kausalität in der Regel der adäquate Kausalzusammenhang ebenfalls gegeben.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.3 Die Gutachter des IIMB hatten unter der Federführung von PD Dr. med. H._,
Facharzt FMH für Neurologie, Frage 10 nach der Heilung der rein unfallbedingten
Gesundheitsschädigung bzw. dem Abschluss der Behandlung unmissverständlich
verneint (UV-act. 169). Eindeutig bejaht hatten sie demgegenüber die Teilfrage 10, dass
durch weitere Heilmassnahmen eine wesentliche Besserung des Gesundheitszustands
erzielt werden könne (UV-act. 170). Mit Antwort 10c machten die Gutachter
ausführliche Therapievorschläge und führten für die schmerzdistanzierende
Schmerzbehandlung aus, dass diese mindestens sechs Monate dauern solle (UV-
act. 170f.). Aus den Akten, die dem Gericht vorliegen, ist nicht ersichtlich, ob, wann
und mit welchem Erfolg die vorgeschlagene weitere Behandlung der
Beschwerdeführerin durchgeführt wurde. Die Beschwerdegegnerin hatte die Adäquanz
per 30. November 2007 geprüft und die Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt
hin eingestellt. Da zu diesem Zeitpunkt, der kurz nach dem Gutachten vom 24. Oktober
2007 lag, von einer weiteren Heilbehandlung noch eine wesentliche bzw. namhafte
Besserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin erwartet werden konnte,
ist dieser Zeitpunkt in Anwendung der vorstehend zitierten Rechtsprechung (E. 2.2) zu
früh gewählt worden. Daran ändert auch die Antwort 10f der Gutachter auf die Frage
nach der zu erwartenden Besserung nichts, auf die sich die Beschwerdegegnerin in
erster Linie beruft, und in der Dr. H._ ausführte, es könne nicht mit Sicherheit gesagt
werden, dass eine nennenswerte Besserung zu erwarten sei, er erachte die Chance
dafür aber als gegeben (UV-act. 172).
3.4 Da der Zeitpunkt für die Adäquanzprüfung und damit für den Fallabschluss bzw.
die Prüfung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin per 30. November 2007
noch nicht erreicht war, kann auch nicht über einen allfälligen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin und/oder einen Anspruch auf eine allfällige
Integritätsentschädigung entschieden werden. Vielmehr ist die Streitsache in
Gutheissung der Beschwerde vom 15. September 2008 an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie die vorübergehenden Leistungen (Heilungskosten und
Taggelder) weiterhin erbringe. Die Adäquanz sowie der allfällige Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung sind
dann von der Beschwerdegegnerin erneut zu prüfen, wenn von einer weiteren
Behandlung erwiesenermassen keine weitere namhafte Besserung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mehr zu erwarten ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin über den 30. November 2007 hinaus gegeben. Die Beschwerde
ist daher unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 18. Juli 2008 gutzuheissen
und die Streitsache zur weiteren Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen (Taggeld,
Heilungskosten) an di
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Hingegen hat die
Beschwerdeführerin bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine
Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts (Art. 61 lit. g ATSG). Eine
Entschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
erscheint angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG