Decision ID: b015ddca-ab8a-52ab-a6e4-99e836495284
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- M. G. und R. F. sind Miteigentümer des Grundstücks Nr. 1, in der Politischen
Gemeinde X., mit dem Einfamilienhaus Vers.-Nr. 1 und einer Grundstücksfläche von
383 m2. Der Neuwert des neu erstellten Einfamilienhauses war 1994 mit Fr. 482'000.--
(1'303 m3 zu einem Einheitspreis von Fr. 370.-- pro m3) geschätzt worden. 1997 wurde
das Dachgeschoss ausgebaut. Mit der neuen Schätzung vom 27. Januar 2004 im
Rahmen der ordentlichen Totalrevision wurde der Neuwert des Einfamilienhauses auf
Fr. 547'000.-- (1'303 m3 zu einem Einheitspreis von Fr. 420.-- pro m3) festgelegt.
Gestützt auf diesen Neuwert veranlagte das Gemeindekassieramt X. mit Rechnung
vom 22. März 2004 M. G. und R. F. für die Differenz der Neuwerte von Fr. 65'000.--
abzüglich einem Freibetrag von Fr. 40'000.-- mit einer Kanalisationsanschlusstaxe von
Fr. 650.-- zuzüglich Fr. 49.40 Mehrwertsteuer (2,6 Prozent von Fr. 25'000.--; 7,6
Prozent von Fr. 650.--). Den gegen diese Veranlagung am 5. April 2004 erhobenen
Rekurs wies der Gemeinderat von X. mit Entscheid vom 19. April 2004 ab.
Verfahrenskosten wurden nicht erhoben.
B.- Gegen diesen Entscheid erhob R. F. mit Eingabe vom 29. April 2004 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und auf die
Erhebung der Kanalisationsanschlusstaxe von Fr. 699.40 zu verzichten. - Auf die
Vorbringen zur Begründung des Antrags wird, soweit notwendig, in den Erwägungen
eingegangen.
Unter Verweis auf den angefochtenen Entscheid beantragte der Gemeinderat X. am 27.
Mai 2004 die Abweisung des Rekurses.
Am 30. Juni 2004 beantwortete der Rekurrent zusätzliche Fragen zum Sachverhalt und
reichte Belege zur Baukostenabrechnung ein. Aufforderungsgemäss reichten das
Grundbuchamt am 12. Oktober 2004 das Massblatt betreffend das Einfamilienhaus
Vers.-Nr. 1 und der Rekurrent am 14. Oktober 2004 einen Schnitt- und einen
Grundrissplan des Obergeschosses zu den Akten. Die zusätzlichen Angaben und Akten
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wurden den Parteien am 22. September bzw. am 15. Oktober 2004 zur Kenntnis
gebracht.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Zur Entscheidfindung
wurde ein Fachrichter der in Schätzungen nichtlandwirtschaftlicher Grundstücke
zuständigen 2. Kammer der II. Abteilung der Verwaltungsrekurskommission als
Ersatzrichter beigezogen. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 29. April 2004 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. f Ziff. 4, 45 Abs. 1, 47
Abs. 1 und 48 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP; Art. 16 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Organisation der
Verwaltungsrekurskommission, sGS 941.113). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gegenstand des Rekurses ist die Veranlagung einer Nachbelastung eines
Kanalisationsanschlussbeitrages für den Ausbau des Dachgeschosses des
Einfamilienhauses Vers.-Nr. 1 der Rekurrenten.
a) Öffentliche Abgaben bedürfen jedenfalls einer gesetzlichen Grundlage. Der
Gesetzgeber hat Subjekt, Objekt und Bemessungsgrundlage der Abgabe in einem
formellen Gesetz zu verankern. Kommunale Erlasse sind einem formellen Gesetz
gleichgestellt, wenn sie von der nach dem kantonalen Recht ermächtigten
Gemeindelegislative beschlossen wurden oder wenn der Erlass der
Gemeindeexekutive dem obligatorischen oder fakultativen Referendum unterstand.
Eine Blankodelegation an die Gemeindeexekutive zur Festsetzung von öffentlichen
Abgaben vermag dem Erfordernis der gesetzlichen Grundlage nicht zu genügen. Weder
das Kostendeckungs- noch das Äquivalenzprinzip vermögen eine wirksame
Begrenzung der Gebühren und Beiträge sicherzustellen, wo es um die Finanzierung
von kommunalen Ver- und Entsorgungsanlagen mit offenem Benützerkreis und nicht
klar abgrenzbaren Kosten geht (vgl. BGE 120 Ia 265 und GVP 1995 Nr. 17).
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Das st. gallische Recht stellt an die gesetzliche Grundlage eines Beitrages noch
strengere Anforderungen, indem diese im Gegensatz zu den Gebühren umfassend in
der formell-gesetzlichen Grundlage zu regeln sind, d.h. eine Delegation der
Bestimmung der absoluten Höhe der Abgabe bzw. der für deren Berechnung
massgeblichen Ansätze an die vollziehende Behörde nicht zulässig ist (Art. 36 lit. a des
Gemeindegesetzes, sGS 151.2; H.R. Arta, Die Zuständigkeitsordnung nach dem st.
gallischen Gemeindegesetz in der politischen Gemeinde mit Bürgerversammlung, Diss.
St. Gallen 1990, S. 82 ff.; GVP 1992 Nr. 9). Das gilt sowohl für die erstmalige Erhebung
von Beiträgen wie auch für deren Nachbelastung.
b) Sowohl das Bundesrecht als auch das kantonale Recht enthalten Regelungen zum
Gewässerschutz und zu dessen Finanzierung.
Verschmutztes Abwasser muss behandelt werden. Man darf es nur mit Bewilligung der
kantonalen Behörde in ein Gewässer einleiten oder versickern lassen (Art. 7 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer, SR 814.20, abgekürzt: GSchG). Nicht
verschmutztes Abwasser ist nach den Anordnungen der kantonalen Behörde
versickern zu lassen. Erlauben die örtlichen Verhältnisse dies nicht, so kann es mit
Bewilligung der kantonalen Behörde in ein oberirdisches Gewässer eingeleitet werden
(Art. 7 Abs. 2 GSchG). Gemäss Art. 11 GSchG muss das verschmutzte Abwasser im
Bereich öffentlicher Kanalisationen in die Kanalisation eingeleitet werden (Abs. 1). Der
Bereich öffentlicher Kanalisationen umfasst nach Art. 11 Abs. 2 GSchG die Bauzonen
(lit. a), weitere Gebiete, sobald für sie eine Kanalisation erstellt worden ist (lit. b), sowie
Gebiete, in welchen der Anschluss an die Kanalisation zweckmässig und zumutbar ist
(lit. c). Art. 45 GSchG bestimmt, dass die Kantone das Gesetz vollziehen und die
erforderlichen Vorschriften erlassen, soweit nicht besondere Vollzugskompetenzen des
Bundes betroffen sind. Über die Art und Weise der Finanzierung enthielt das
eidgenössische Gewässerschutzgesetz beim Erlass am 24. Januar 1991 keine
besonderen Vorschriften. Am 1. November 1997 trat jedoch Art. 60a GSchG in Kraft,
der das Verursacherprinzip bei der Abgabenerhebung verankert. Im Übrigen wird die
Abgabenerhebung ausschliesslich durch kantonales und kommunales Recht geregelt
(vgl. BGE 112 Ib 235 ff.).
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Art. 15 des st. gallischen Vollzugsgesetzes zur eidgenössischen
Gewässerschutzgesetzgebung (sGS 752.2, abgekürzt: GSchVG) verpflichtet die
politische Gemeinde zur Erhebung von Abgaben für Erstellung und Betrieb von
Abwasseranlagen. Art. 16 bis 19 GSchVG regeln die Gebühren, während in Art. 20 und
21 GSchVG die Beiträge verankert sind. Nach Art. 20 Abs. 1 GSchVG kann die
politische Gemeinde Beiträge von den Grundeigentümern des Einzugsgebietes
erheben. Die besonderen Verhältnisse bei den einzelnen Grundstücken können im
Rahmen der Bemessung nach Art. 21 GSchVG berücksichtigt werden. Als allgemeine
Regel und als Ausfluss des Verursacherprinzips enthält Art. 51 Abs. 1 des Gesetzes
über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht (sGS 731.1, Baugesetz,
abgekürzt: BauG) die Verpflichtung, dass die Gemeinden vom Grundeigentümer im
Rahmen des ihm zukommenden Sondervorteils Beiträge an die Erschliessung
verlangen. Diese Vorschrift ist nicht auf eine bestimmte Art von Erschlies-sungswerken
beschränkt. Art. 20 Abs. 1 GSchVG ist deshalb nicht als blosse Ermächtigung, sondern
als Verpflichtung zur Beitragserhebung zu interpretieren. Bereits vor Erlass des
GSchVG waren die politischen Gemeinden gestützt auf Art. 13 und 14 des
Einführungsgesetzes zum eidgenössischen Gewässerschutzgesetz (in der bis zum 28.
Februar 1997 gültigen Fassung, nGS 14-106), verpflichtet, von den Grundeigentümern
des Einzugsgebietes Beiträge zu erheben (GVP 1998 Nr. 32).
c) Der Gemeinderat X. hat das Abwasserreglement am 11. Februar 1998 erlassen.
Nach unbenütztem Ablauf der vom 2. März bis 30. April 1998 laufenden
Referendumsfrist genehmigte das Baudepartement des Kantons St. Gallen das
Reglement am 12. Mai 1998. Es bestimmt in Art. 23 lit. a und b die Grundeigentümer
als beitragspflichtig. In den Art. 31 und 32 werden die Bemessungsgrundlage des
einmaligen Gebäudebeitrages umschrieben und der Abgabesatz festgelegt. Die
Bemessung richtet sich nach dem Neuwert der Bauten und Anlagen bzw. nach dessen
Erhöhung. Der Abgabesatz beläuft sich auf 26 Promille der Bemessungsgrundlage. Bei
der Erhöhung des Neuwertes wird ein Freibetrag von Fr. 40'000.-- berücksichtigt.
Die politische Gemeinde X. verfügt damit über eine in formeller und materieller Hinsicht
hinreichende gesetzliche Grundlage zur Veranlagung einer Nachzahlung zum
Gebäudebeitrag, der aufgrund einer Wertvermehrung geschuldet ist. Ob die
Nachzahlung des Gebäudebeitrages, der gemäss Art. 31 Abs. 1 des
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Abwasserreglementes zu bezahlen ist, wenn ein Grundstück an die öffentliche
Kanalisation angeschlossen wird, einen Beitrag im Sinn einer Vorzugslast oder vielmehr
eine Gebühr im Sinn einer Benützungsgebühr darstellt (vgl. VerwGE vom 10. Juni 2004
in Sachen B. AG F., S. 7-9), kann vorliegend offen bleiben. Art. 32 des
Abwasserreglementes, der die Nachzahlung eines Gebäudebeitrages bei
Wertvermehrung zufolge baulicher Veränderungen regelt, erfüllt sowohl die an
Gebühren wie auch die an Beiträge gestellten strengeren Anforderungen hinsichtlich
der gesetzlichen Grundlage.
3.- Im Rekurs ist nicht umstritten, dass der Ausbau des Dachgeschosses des
Einfamilienhauses Vers.-Nr. 1 die Pflicht zur Nachzahlung eines Gebäudebeitrages für
die Wertvermehrung auslöst. Hingegen sind sich die Verfahrensbeteiligten nicht einig,
auf welcher Grundlage die Nachbelastung zu bemessen ist.
a) Im angefochtenen Entscheid erwog die Vorinstanz, gemäss Schätzung vom 27.
Januar 2004 betrage die Neuwertdifferenz Fr. 65'000.--. Davon sei der Freibetrag von
Fr. 40'000.-- in Abzug gebracht und von den verbleibenden Fr. 25'000.-- 26 ‰
berechnet worden. Weder das Reglement noch ein Beschluss des Gemeinderates sehe
eine Beitragsbefreiung für Wertvermehrungen vor, die keine zusätzliche Belastung der
Abwasserreinigungsanlagen verursachen. Ebenso sei bei Umbauten nicht relevant, ob
sich die Abwassermenge erhöhe oder verringere. Massgebend sei bei nachträglichen
Wertvermehrungen einzig die Neuwertdifferenz. Das derzeitige Abwasserreglement
berücksichtige das Verursacherprinzip weder bei den einmaligen Anschlussgebühren
noch bei den Nachzahlungen.
Die Rekurrenten bringen vor, die Vorinstanz bestreite nicht, dass die baulichen
Aufwendungen nicht mehr als Fr. 19'444.-- betrugen. Sie ziehe auch nicht in Zweifel,
dass bei der Schätzung 1994 fälschlicherweise ein zu niedriger Preis angenommen
worden sei. Die Wertdifferenz von Fr. 65'000.-- betreffe nur im Umfang von Fr.
19'444.-- nachträgliche bauliche Veränderungen und habe im Mehrbetrag ihre Ursache
in der ersten Schätzung. Die Wertvermehrung infolge baulicher Veränderung erreiche
den Freibetrag von Fr. 40'000.-- gemäss Art. 32 des Abwasserreglementes nicht.
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b) Für Bauten und Anlagen auf einem Grundstück, das an die öffentliche Kanalisation
angeschlossen wird, ist gemäss Art. 31 Abs. 1 des Abwasserreglementes ein
einmaliger Gebäudebeitrag von 26 ‰ des Neuwertes zu bezahlen. Der Neuwert wird
nach dem Gesetz über die Gebäudeversicherung bestimmt. Ist dies nicht möglich, wird
er aufgrund der Erstellungskosten sachgemäss festgesetzt (Abs. 2). Erfährt ein
Gebäude infolge baulicher Veränderungen eine Wertvermehrung, ist gemäss Art. 32
Abs. 1 des Abwasserreglementes ein Beitrag von 26 ‰ der Erhöhung des Neuwertes,
unter Berücksichtigung eines Freibetrages von Fr. 40'000.-- zu bezahlen. Die Erhöhung
des Neuwertes entspricht der Differenz zwischen dem letzten vor Beginn des Umbaus
ermittelten Neuwert, multipliziert mit dem für das Jahr des Baubeginns gültigen
Aufwertungsfaktor und dem neu ermittelten rechtskräftigen Neuwert (Art. 32 Abs. 2 des
Abwasserreglementes).
aa) Im Rekurs ist zu Recht unbestritten, dass die Differenz der Neuwerte zwischen den
rechtskräftigen amtlichen Schätzungen der Jahre 1994 (Fr. 482'000.--) und 2004 (Fr.
547'000.--) Fr. 65'000.-- beträgt, da er Aufwertungsfaktor für die Zeit zwischen 1994
(letzter vor Beginn des Neuwertes ermittelter Neuwert) und 1997 (Baubeginn) 1,0
beträgt (vgl. Anleitung für den Grundstückschätzer, Abschnitt II/9, nachfolgend: SchA).
Der Neuwert der Schätzung des Jahres 1994 wurde anhand des umbauten Raumes
von 1'303 m3 und einem Einheitspreis von Fr. 370.-- pro m3 ermittelt. Der Neuwert soll
dem geschätzten oder effektiven Kostenaufwand entsprechen, der für die Erstellung
eines gleichartigen Gebäudes (zum Zeitpunkt des Bewertungsstichtages) erforderlich
wäre (vgl. Schweizerische Vereinigung kantonaler Grundstückbewertungsexperten/
Schweizerische Schätzungsexperten-Kammer/Schweizerischer Verband der
Immobilien-Treuhänder, Schätzerhandbuch 2000, S. 49; nachfolgend:
Schätzerhandbuch 2000). Der für die Schätzung des Jahres 1994 angenommene
Einheitspreis von Fr. 370.-- pro m3 erweist sich als offensichtlich unrealistisch tief.
Selbst für Einfamilienhäuser in einfachster ländlicher Bauweise mit nur den
allernötigsten Installationen ist von einem Einheitspreis von Fr. 400.-- bis Fr. 470.-- pro
m3 auszugehen (Schätzerhandbuch 2000, S. 202, Stand 1995). Gemäss Kurzbeschrieb
der Schätzung des Jahres 1994 war das neu erstellte Einfamilienhaus der Rekurrenten
unter anderem mit einer Gasheizung, Waschmaschine und Tumbler, zwei Nasszellen
und einem Cheminée ausgestattet. Angesichts dieser Ausstattung lässt sich der
angenommene Einheitspreis von Fr. 370.-- pro m3 auch nicht damit erklären, dass es
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sich beim Einfamilienhaus um ein beidseitig angebautes Reihenhaus handelt. Unter
diesen Umständen ist davon auszugehen, dass mit der Erhöhung des Neuwertes in der
amtlichen Schätzung des Jahres 2004, bei der dem Neuwert bei gleicher Kubatur von
1303 m3 ein Einheitspreis von Fr. 420.-- pro m3 zugrunde gelegt wurde, zumindest
teilweise auch der unrealistisch tiefe Einheitspreis der Schätzung des Jahres 1994
korrigiert wurde.
Wie der Rekurrent zu Recht geltend macht, muss die eine Nachzahlung auslösende
Erhöhung des Neuwertes entsprechend dem klaren und eindeutigen Wortlaut von Art.
32 Abs. 1 des Abwasserreglementes auf bauliche Veränderungen zurückzuführen sein.
Weder die Korrektur einer zu tiefen Neuwertschätzung noch (nominelle)
Wertsteigerungen zufolge eingetretener Bauteuerung dürfen die Pflicht zur
Nachzahlung nach sich ziehen.
bb) Da neben dem Ausbau des Dachgeschosses zwischen den beiden Schätzungen
keine weiteren wertvermehrenden baulichen Veränderungen vorgenommen wurden
(vgl. act. 8/5 + 8, 11), ist zu klären, in welchem Ausmass die Erhöhung des Neuwertes
auf den Dachausbau zurückzuführen ist. Nachdem auf die Differenz zwischen den
amtlich geschätzten Neuwerten im vorliegenden besonderen Fall nicht abgestellt
werden kann, ist die Wertvermehrung ausgehend von den eingereichten
Bauabrechnungen vom 17. August 1998, den Angaben der Rekurrenten im
Rekursverfahren und der Kurzbeschreibung der Räumlichkeiten des Gebäudes im
Protokoll der Schätzung vom 27. Januar 2004, aus denen die ausgeführten Arbeiten
ersichtlich werden, zu schätzen. Die Kosten von Fr. 19'444.-- sind teilweise mit
Rechnungen belegt (vgl. act. 12). Die angegebenen Auslagen für die beschriebenen
Arbeiten erscheinen, insbesondere insoweit sie nicht mit Rechnungen belegt sind, als
tief. Zudem fällt auf, dass die Abrechnung unvollständig ist. So sind in diesen Kosten
keine Aufwendungen für die Planung (Architektenhonorar) enthalten. Die
Eigenleistungen des Rekurrenten, die ebenfalls zur Wertvermehrung des Gebäudes
beigetragen haben, umfassten die Planung und einen Teil der Arbeiten, insbesondere
Schreinerarbeiten und Heizungs- und Elektroinstallationen (vgl. act. 11).
Für die Schätzung des Neuwertes ist auf jenen Kostenaufwand abzustellen, der für die
Erstellung eines gleichartigen Gebäudes im Zeitpunkt der Schätzung erforderlich wäre.
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Bei Neubauten ist das Schätzungsergebnis mit vorhandenen Bauabrechnungen zu
vergleichen. Im Einzelfall ausnahmsweise günstige Gestehungskosten (besondere
Preisvergünstigungen, Angebote, Eigenlieferungen usw.) wie auch ungewöhnlich hohe
Baukosten (z.B. zufolge Umdispositionen bei der Planung und Überbauung), die auf
ausserordentliche Umstände zurückgehen und die sich bei einem allfälligen
Wiederaufbau nicht wiederholen, sind nicht zu berücksichtigen (vgl. SchA II/7;
Schätzerhandbuch 2000, S. 51). Die für den Ausbau des Dachgeschosses
aufzuwendenden Baukosten im Sinn des Neuwertes übersteigen angesichts der
fehlenden Positionen die in der Bauabrechnung ausgewiesenen Kosten von knapp Fr.
20'000.--. Hingegen ist auch unter Berücksichtigung der Eigenleistungen und von
Planungskosten nicht davon auszugehen, dass sie den Freibetrag von Fr. 40'000.--
übersteigen. Die Arbeiten im Dachstock beschränkten sich auf zwei vorbestehende
Räume, wobei der südliche Raum zu einem Büro ausgebaut und der nördliche Raum
zu einem Abstell- und Lagerraum teilausgebaut wurde. Der Ausbau der beiden Zimmer
entsprechend den Arbeitsbeschrieben in den Rechnungen kann auch bei einer
grosszügigen Kostenrechnung für höchstens Fr. 30'000.-- realisiert werden (Isolation,
Rost und Täfer für eine Fläche von rund 70 m2 Fr. 10'000.--, Rigipsplatten verputzt Fr.
1'500.--, Dachfenster und Futter Fr. 3'000.--, Bodenbeläge 46 m2 Fr. 3'500.--, Heizung
erweitern mit Radiatoren Fr. 2'000.--, Wandschränke Fr. 4'500.--, elektrische
Installationen Fr. 2'500.--, Baubewilligung Fr. 300.--, Malerarbeiten Fr. 1'000.--,
Unvorhergesehenes Fr. 1'000.--). Mit diesem Aufwand lässt sich der Ausbau der
beiden Räume im Dachgeschoss in der vorgenommenen Art finanzieren. Ins Gewicht
fällt, dass der Aufgang zum Dachgeschoss bereits bestand sowie die Diele ausgebaut
und die beiden Räume im Rohbau fertiggestellt waren (vgl. act. 11). Da im
Kurzbeschrieb der Räumlichkeiten im Protokoll der Schätzung vom 27. Januar 2004 im
Dachgeschoss keine Nasszelle aufgeführt ist, ist davon auszugehen, dass sie bis zum
Zeitpunkt der massgebenden Schätzung nicht realisiert wurde, obwohl sie in dem der
Baubewilligung beiliegenden Grundrissplan eingezeichnet ist (Dusche/WC, act. 8/7).
c) Dementsprechend ist davon auszugehen, dass der Ausbau des Dachgeschosses
des Einfamilienhauses der Rekurrenten mit Kosten von nicht mehr als Fr. 40'000.--
realisiert werden kann. Die Wertvermehrung aufgrund baulicher Veränderungen
übersteigt damit den Freibetrag von Fr. 40'000.-- gemäss Art. 32 Abs. 1 des
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Abwasserreglementes nicht, so dass auch keine Nachzahlung für den Gebäudebeitrag
erhoben werden kann.
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist. Der angefochtene
Einsprache-Entscheid des Gemeinderates X. vom 19. April 2004 und die ihm zugrunde
liegende Rechnung des Gemeindekassieramtes X. Nr. 31.00708 vom 22. März 2004
sind aufzuheben.
5.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von der
politischen Gemeinde X. zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr.
600.-- ist angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf die
Erhebung der Kosten ist nicht zu verzichten, da das Gemeinwesen überwiegend
finanzielle Interessen verfolgt (Art. 95 Abs. 3 VRP, ABl 1998 S. 1315).
Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, den Rekurrenten den geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 400.-- zurückzuerstatten.
b) Der Rekurrent, der den Rekurs auch für die Miteigentümerin führt, stellt einen Antrag
auf Entschädigung. Nach Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren
ausseramtliche Kosten entschädigt, soweit sie aufgrund der Sach- und Rechtslage als
notwendig und angemessen erscheinen. Die Vorschriften des Zivilprozessgesetzes
über die Parteikosten finden sachgemäss Anwendung (Art. 98ter VRP). Gestützt auf
diese Rechtsgrundlagen hat die Verwaltungsrekurskommission entschieden, dass einer
nicht vertretenen Partei der Zeitaufwand für das Erstellen von Rechtsschriften nicht
entschädigt wird und Barauslagen nur ersetzt werden, wenn sie erheblich und
nachgewiesen sind (GVP 1993 Nr. 52). Als nicht vertreten im Sinn dieser
Rechtsprechung hat zu gelten, wer sich nicht berufsmässig vertreten lässt. Angesichts
dieser Rechtsprechung und der Tatsache, dass erhebliche Barauslagen weder
ersichtlich sind noch geltend gemacht oder gar nachgewiesen werden, haben die
Rekurrenten weder Anspruch auf eine Umtriebsentschädigung noch auf eine
ausseramtliche Entschädigung.