Decision ID: 009d9d88-7877-43fa-8d9d-020d1d0b9811
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der am 15. Mai 1999 geborene X._, welcher als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Eritrea in die Schweiz geflüchtet war (vorläufig aufgenommener Flüchtling mit F-Ausweis [vgl. Urk. 9/6 und Urk. 9/10]), wurde
am 15. Juli 2016 (Eingangsdatum) von der Zentralstelle MNA, Bildungs
direk
tion
des Kantons Zürich, Amt für Jugend und Berufsberatung, bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung für Minderjährige angemeldet. Als gesundheitliche Beein
trächtigungen wurden eine leichte Intelligenzminderung, eine kognitive Beein
trächtigung und eine fehlende altersadäquate Entwicklung in alltagspraktischen
Belangen angegeben (Urk. 9/4). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vor
bescheid vom 25. Oktober 2016 [Urk. 9/17]; Einwand vom 22. November 2016
[Urk. 9/20] inkl. Begründung vom 10. Januar 2017 [Urk. 9/25] und Ergän
zung vom 7. Februar 2017 [Urk. 9/28]) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. März 2017 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen in Form einer erstmaligen beruflichen Ausbildung (Urk. 2 [= Urk. 9/30]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 11. April 2017 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Durch
füh
rung von Eingliederungsmassnahmen, namentlich der beantragten beruflichen Massnahmen; eventuell sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 23. Mai 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 24. Mai 2017 angezeigt wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbs
un
fähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
glie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
ti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Eine durch geringe Intelligenz verursachte Verminderung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit gilt in der Regel nur dann als gesundheitlich verursacht, wenn die Intelligenz im medizinischen Sinne vermindert ist, mithin der Intelligenz
quotient (IQ) weniger als 70 beträgt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2013 vom 1
6.
März 2015, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Wie bei jeder anderen auf den Gesundheitszustand zurückzuführenden Verminderung der Arbeitsfähigkeit stellt sich zusätzlich die Frag
e, inwiefern sich ein allfälli
ger Intelligenzmangel konkret auf die zum
utbarerweise mögliche Leistungs
erbringung auswirkt. Nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist aus invalidenversicherungs
recht
li
cher
Sicht de
mnach entscheidend, ob die festge
stellten kognitiven Defizite nach
voll
ziehbar
und überzeugend durch ein medi
zinisch-diagnostisch fassbares Leiden mit Krankheitswert erklärt sind, das mit Blick auf Schweregrad, Dauer und Intensität zugl
eich als eine die Arbeits
fähigkeit beeinträchtigende Krankheit im gesetzlichen Sinne gelten kann (Urteil des Bundesgerichts 9F_9/2007 vom 1
5.
September 2008, E. 4.2.4.3).
1.2
Als invalid im Sinne von
Art.
16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss. Bezüglich psychischer Beeinträchtigungen sind die von der Rechtsprechung zum invalidisierenden geistigen oder psychischen
Gesund
heits
schaden (Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 7 und 8 Abs.
1 ATSG) entwickelten Grundsätze auch im Bereich des
Art.
16 IVG massgeblich; dabei ist
jedoch nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit
seinen spezifischen Anforderungen Bezugspunkt (BGE 114 V 29 E. 1b in fine mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 3.2.2). Sodann ist es unerheblich, ob die versicherte Person bei Erlass der Verwal
tungs
verfügung an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet. Denn es komm
t
im Rahmen von Art. 4 Abs. 1 IVG (in Verbindung mit Art. 7 und 8 Abs. 1 ATSG
), von seinem ausdrücklichen Wortlaut wie von der Systematik der Inva
li
den
versicherung als final konzipierte Erwerbsausfallversicherung (AHI 1999 S. 79) her, nicht auf die Gleichzeitigkeit (Kontemporalität), sondern auf die Kausalität von Gesundheitsschaden und Erwerbsunfähigkeit an (BGE 126 V 461 E. 2 in
fine, AHI 2003 S. 158 E.
2).
1.3
Nach
Art.
4
Abs.
2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv aufgrund des Gesundheits
zu
standes festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich (AHI 2003 S. 209 E.
2a). Er beurteilt sich auch nicht nach dem Zeitpunkt, in dem eine An
meldung eingereicht oder von dem an eine Leistung gefordert wird und stimmt nicht notwendigerweise mit dem Zeitpunkt überein, in welchem die versicherte Person erstmals Kenntnis davon bekommt, dass der Gesundheitsschaden An
spruch auf Versicherungsleistungen geben kann (BGE 126 V 5 E. 2b mit Hin
weisen; AHI 2002 S. 147 E. 3a). Aus
Art.
4
Abs.
2 IVG ergibt sich, dass der Eintritt der Invalidität für die einzelnen Leistungen der Invalidenversicherung autonom zu bestimmen ist (sog. leistungsspezifische Invalidität). Dabei sind die rechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen, die sich aus
Art.
4
Abs.
1 IVG (in Ver
bindung mit
Art.
8 ATSG) ergeben. Folglich begründet der Gesundheitsschaden für jede Leistungsart innerhalb der Eingliederungsmassnahmen je einen eigenen Versicherungsfall (BGE 112 V 275; vgl. auch BGE 126 V 241 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 1
6.
März 2006 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
1.4
Ein Sozialversicherungsabkommen zwischen
Eritrea
, dem Heimatstaat
des Be
schwerdeführers, und der Schweiz besteht nicht. Damit richtet sich der Leis
tungs
anspruch
des Beschwerdeführers
ausschliesslich nach schweizerischem Recht.
Der Beschwerdeführer verfügt über einen Ausweis F als vorläufig aufgenomme
ner Flüchtling und erfüllt damit die Flüchtlingseigenschaften (Urk. 9/2/16, Urk. 9/6). Damit ist er dem Bundesbeschluss über die Rechtsstellung der Flücht
linge und Staatenlosen in der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversi
cherun
g (
FlüB; SR 831.131.11
) unterstellt. Dessen Art. 2 Abs. 2 besagt, dass minderjäh
rige
Kinder mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz als Flüchtlinge unter den gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürger An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung
haben
, wenn sie sich unmittelbar vor Eintritt der Invalidität ununterbrochen während min
des
tens eines Jahres in der Schweiz aufgehalten haben.
2.
2.1
Der Beschwerdeführer wurde gemäss dem Amt für Jugend und Berufsberatung
am 1. April 2015 vorläufig als Flüchtling aufgenommen. Vom 15. bis 27. Novem
ber 2015 durfte er in der Z._
für einen allfälligen Einstieg in das Programm Berufswah
l- und Lebensvorbereitung Gleis
1
schnuppern, wobei es sich um ein interdisziplinär gestaltetes Angebot für Jugendliche mit leichter oder mittelgradiger Behinderung, die (noch) nicht in der Lage sind, eine Aus
bil
dung zu absolvieren, handelt (Urk. 9/2/9). Per Juni 2016 wurde der Beschwer
de
führer im A._
platziert und der Antrag auf Gewährung von beruflichen Massnahmen richtete sich auf die dort begonnene Ausbildung (Urk. 9/4/4). Da - wie im folgenden zu zeigen sein wird - fraglich ist, ob der Beschwerdeführer an einem invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden leidet, kann indes offenbleiben, ob die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt wären.
2.2
2.2.1
In einem nicht datierten und nicht unterzeichneten Kurzbericht der
B._
wurde festgehalten
, der Beschwerdeführer habe anfangs Schwierigkeiten gehabt, sich ein
zufügen, er sei auf der Wohngruppe immer wieder in Konflikte verwickelt gewesen. Nachdem ein Beziehungsaufbau stattgefunden habe, zeige sich der Beschwerdeführer zunehmend respektvoll, ruhiger und freundlicher. Er könne sich einsichtig zeigen und teilweise auch reflektiert. Zum Teil wirke er jedoch ein wenig launisch. Er könne sehr impulsiv reagieren, wenn er sich ungerecht behandelt fühle. Seine kognitive Beeinträchtigung sei jedoch grösstenteils durch sein meist fröhliches und offenes Auftreten, sein Kompensationsverhalten und durch seine gute Bewältigung lebenspraktischer Fähigkeiten (kochen, waschen, putzen et cetera) nicht auf den ersten Blick erkennbar (Urk. 9/2/14). Der Be
schwerdeführer sei in der Klasse überfordert, dies wahrscheinlich aufgrund seiner
kognitiven Beeinträchtigung (Urk. 9/2/15).
2.2.2
Im schulpsychologischen Untersuchungsbericht vom 14. Juli 2015 des Schul
zweck
verbandes Bezirk
C._
wurde im Wesentlichen festgehalten (Urk. 9/2/
4), aus der Anmeldung sei ersichtlich, dass der Beschwerdeführer ein aufgeweckter und fröhlicher Junge sei, der gerne zur Schule gehe und viel lernen wolle. Er erziele aber im Vergleich zu seinen Mitschülern sehr langsame Lernfortschritte und brauche viel Unterstützung. Er habe Mühe mit dem Schrei
ben von einfachen Wörtern und seine Deutschkenntnisse seien noch sehr minim
. Seine Betreuerin habe angegeben, der Beschwerdeführer sei seit zehn Monaten im D._ und besuche dort die interne Schule. Es habe viel Zeit gebraucht, bis er ein wenig Deutsch gelernt habe und die Fortschritte würden nun langsam kommen (Urk. 9/2/4). Der Beschwerdeführer selbst habe erzählt, dass er gerne Deutsch lernen würde, dass es aber eine unglaublich schwere Sprache sei. Es seien im Moment viele andere Jugendliche aus Eritrea da, sodass er kaum dazu komme, die deutsche Sprache zu üben. In Eritrea habe er fünf Jahre die Schule besucht, wegen finanzieller Schwierigkeiten der Familie habe er die Schule aber abbrechen und zu arbeiten beginnen müssen. Gemäss Angaben des Dolmet
schers spreche der Beschwerdeführer seine Muttersprache Tigrinya gepflegt und gut. In seiner Beurteilung hielt der schulpsychologische Dienst schliesslich fest, die kognitiven Leistungen des Beschwerdeführers lägen im Bereich einer leich
ten Intelligenzminderung. Dies decke sich mit seinen langsamen schulischen und sprachlichen Fortschritten sowie den mangelnden schulischen Kenntnissen in der Muttersprache. Neben den geringen kognitiven Reserven komme beim
Beschwerdeführer noch eine mangelnde Förderung und unzureichende schulische
Vorbildung dazu. Er wolle lernen, zeige einen grossen Einsatz, komme aber an seine Grenzen (Urk. 9/2/5). Er sei noch nicht in der Lage, die altersentspre
chen
den Lebensaufgaben selbständig zu bewältigen. Er brauche in allen Entwick
lungsbereichen (schulisch, sozial und sprachlich) eine ausgeprägte Förderung, damit er entsprechende Fortschritte machen könne (Urk. 9/2/6).
2.2.3
Im Kurzbericht des D._ vom 8. Oktober 2015 hielt die Bezugsperson des Beschwerdeführers fest, er sei am Anfang ein sehr zurück
hal
tender Jugendlicher gewesen. Er habe erzählt, dass er im Zentrum sehr zufrie
den sei, dass er gerne lerne und Harmonie möge. Deshalb vermeide er Konflikte. Er sei kritisch gegenüber jenen, die sich gewalttätig oder unhöflich benehmen würden. Gegenüber den Mitarbeitenden verhalte er sich im Allgemeinen sehr respektvoll. Mit der Zeit sei der Beschwerdeführer „spürbar“ geworden. Er habe sich eine Position in der Gruppe der eritreischen Jugendlichen erschaffen. Vor allem beim Zelebrieren der religiösen eritreischen Feste übernehme er die Leaderrolle. Im Umgang mit den Mitarbeitenden teste der Beschwerdeführer neu die Grenzen aus und verhalte sich manchmal aggressiv, wenn ihm eine Sank
tion kommuniziert werde oder er sich zu Unrecht behandelt fühle. Er zeige sich aber oft sehr dankbar und entschuldige sich bei den beteiligten Mitarbeitern, wenn er zur Einsicht komme, dass sein Verhalten unangemessen gewesen sei. In der Schule mache er nur langsame Fortschritte, weshalb er schulpsychologisch abgeklärt worden sei (Urk. 9/2/7).
2.2.4
Im Bericht der Z._ vom 3. Dezember 2015 über die Auswertung des Schnupperaufenthaltes vom 15. bis 27. November 2015 wurde verschiedentlich
auf die mangelnden Deutschkenntnisse hingewiesen. Einen Text in seiner Lande
s
sprache über Berufe habe er allerdings fliessend lesen können (Urk. 9/2/9). Er habe gute lebenspraktische Fähigkeiten, er koche Kleinigkeiten, putze den Tisch und sei selbständig in der Alltagsbewältigung. Nachdem man ihm gezeigt habe, wie die Waschmaschine zu bedienen sei, habe er seine Kleider in Eigenregie gewaschen. Er halte Ordnung in seinem Zimmer und mache sein Bett ohne Auf
forderung. Seine Frustrationstoleranz scheine aber eher gering, er könne unge
duldig und aggressiv oder laut werden, wenn ihm etwas zu viel werde. Dann laufe er auch davon (Urk. 9/2/11).
2.2.5
Ein Gesundheitsschaden ist aufgrund der vorliegenden Akten nicht ausgewie
sen
. Der
schulpsychologische Dienst
ging lediglich von
einer leichten Intelli
genz
minderung
aus, doch selbst dies vermag nicht zu überzeugen. Es scheinen vor allem Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache im Vordergrund zu stehen, welche nicht ohne Weiteres auf eine kognitive Beeinträchtigung zurückgeführt
werden können, zumal der Beschwerdeführer in seinem Heimatland Eritrea bloss
fünf Jahre Schulunterricht hatte und zu Beginn seines Aufenthalts in der Schweiz offensichtlich kaum Konversation in deutscher Sprache betrieb (er ver
kehrte gemäss eigenen Angaben häufig mit anderen Jugendlichen aus Eritrea [E. 2.2.2]). In diesem Zusammenhang ist auf die Homepage des Bundesamts für Migration zu verweisen, welches angibt (FAQ:
https://www.sem.admin.ch/
sem/
de/
home/asyl/
eritrea/faq.html
), bei
Eritreern
kämen
verschiedene Faktoren zu
sammen, welche die Integrationsarbeit erschwer
en würden
. Eine
grosse Anzahl von ihnen verfüge
nur über eine geringe Bil
dung. Zudem seien
die sprachlichen und kulturellen Barrieren sehr
gross. Die meisten Eritreer seien
auch nicht mit unserer Schrift vertraut, weshalb sie neu «alphabetisiert» werden müss
t
en.
Der im Vorbescheidverfahren eingereichte
Zwischenberi
cht des A._ über das 1.
Semester der Ausbildung (
1.
August bis 3
0.
November 2016)
liefert denn
auch keine Anhaltspunkte für das Bestehen einer Intelligenzminderung. Es wurde
unter anderem festgehalten, der Fortschritt des Beschwerdeführers in den letzten drei Monaten seit Beginn des Sprachunterrichts sei enorm. Er verstehe Zu
sammenhänge, sehe die Arbeiten und handle; er stelle gut überlegte Fragen. Er
habe grosse sprachliche Fortschritte gemacht und bemühe sich täglich, auf Deutsch
zu kommunizieren (Urk.
9/24/1 f.
Ziff.
1.4,
Ziff.
2.2 und
Ziff.
3.3). Ins
gesamt wurde ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt.
Weiter fällt auf, dass die Beiständin über die Aussagen des Beschwerdeführers im Gespräch in der Z._ überrascht gewesen zu sein
scheint, merkte sie
doch an, sie habe ihn noch nie so (reden) gehört; er wisse, was er wolle. Die An
t
worten würden Sinn machen, obwohl er in vielen Situationen überfordert sei (Urk. 9/2/12).
Nicht nachvollziehbar erscheint sodann, weshalb in der Anmeldung für Minder
jährige vom 15. Juli 2016 von einer fehlenden altersadäquaten Entwicklung in alltagspraktischen Belangen berichtet wurde (Urk. 9/4/6). Gerade in der Alltags
bewältigung scheint der Beschwerdeführer ausserordentlich selbständig zu sein (E. 2.2.2 und E. 2.2.4).
Vor diesem Hintergrund erweist sich die Stellungnahme des Regionalen Ärzt
lichen Dienstes (RAD) vom 17. August 2016, auf die vorhandenen Unterlagen könne abgestellt werden (Urk. 9/11), als nicht schlüssig.
2.3
Nach dem Gesagten ist eine Intelligenzminderung beziehungsweise ein inva
liden
versicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden aufgrund der vorlie
gen
den Akten nicht ausgewiesen (vgl. auch die Beschwerdeantwort vom 23. Mai
2017 [Urk. 8]). Da es die Beschwerdegegnerin allerdings versäumte, einen Beric
ht der behandelnden Kinderärztin
, welche in der Anmeldung genannt wurde
(Kinder
arztpraxis
E._
, Frau Dr. med.
F._
[Urk. 9/4/6])
,
einzu
holen, hat sie dies nachzuholen. Es gilt dabei zu beachten, dass eine Intel
ligenzminderung nicht bloss mit sprachlichen Schwierigkeiten oder mit der fehlenden Schulbildung des Beschwerdeführers begründet werden kann.
3.
Die Beschwerde ist
in dem Sinne gut
zu
heissen, dass die angefochtene Ver
fü
gung vom
27. März 2017
auf
zuheben
und die Sache an die
Beschwerdegegnerin
zurück
zuweisen ist
, damit diese, nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen
(E. 2.3)
, über den
Leistungsanspruch des Beschwer
deführers neu verfüge.
Die Beschwerdegegnerin lehnte einen Anspruch auf berufliche Massnahmen mit der Begründung ab, der Beschwerdeführer erhalte im A._
kein
en
Schul
unterricht gemäss
den
Richtlinien für die praktische Ausbildung nach INSOS,
weshalb
auch die Kosten für die Beschäftigung im
A._
nicht über
nommen werden
könnten (Urk. 2). Zufolge Rückweisung der Sache aus anderen Gründen kann hier offengelassen werden, ob dies zutrifft oder nicht.
4.
4.1
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als voll
ständiges
Obsiegen der beschwerdeführenden Partei (BGE 137 V 57 E. 2.2).
4.2
Gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art.
61 lit.
a
ATSG
kostenpflichtig.
Die Kosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert auf Fr. 6
00.
--
fest
zusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3
Gestützt auf die eingereichten Unterlagen (
Urk. 5 f.
) sind die Voraussetzungen für
die unentgeltliche Rechtsvertretung gemäss § 16 Abs.
2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) gegeben. Dem Beschwerdeführer ist
so
mit
die unentgeltliche Rechtsvertretung in der Person von
Rechtsanwalt Viktor Györffy
zu gewähren.
Die Prozessentschädigung ist nach Art. 61 lit.
g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Pro
zesses zu bemessen (eine Honorarnote wurde nicht eingereicht; vgl. Urk. 10) und
auf insgesamt Fr. 1‘200
.-- (inkl. Barauslagen un
d Mehrwertsteuer) festzu
setzen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin ist daher zu verpflichten, dem unentgelt
lichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers,
Rechtsanwalt Viktor Györffy
, eine Prozessentschädigung von Fr. 1‘200.-- auszurichten.