Decision ID: fbf9a406-797c-4b4f-ae78-3fb38c01d4c6
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde am Abend des 5. Januar 2001 auf dem Fussgängerstreifen von einem
Auto angefahren. Die für die Folgen dieses Unfalls leistungspflichtige Allianz Suisse
Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: die Allianz) erbrachte in der Folge
vorübergehende Leistungen (Heilbehandlung und Taggelder). Mit Verfügung vom 3.
April 2007 stellte die Allianz die vorübergehenden Leistungen mangels adäquater
Kausalität zwischen dem Verkehrsunfall vom 5. Januar 2001 und den von der
Versicherten noch geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden per 30.
September 2006 ein. Die dagegen am 4. Mai 2007 erhobene Einsprache wies die
Allianz mit Einspracheentscheid vom 13. Mai 2008 ab. Das Versicherungsgericht
bestätigte mit Entscheid vom 6. Januar 2010, UV 2008/65, die Einstellung der
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vorübergehenden Leistungen per 30. September 2006. Betreffend die Höhe der
Taggeldleistungen für den Zeitraum vom 13. März 2002 bis 30. September 2006 wies
es die Sache zur Vornahme ergänzender Abklärungen an die Allianz zurück (siehe
hierzu sowie zum bis dahin eingetretenen Sachverhalt UV-act. 193). Die von der Allianz
gegen die angeordnete Rückweisung erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten wies das Bundesgericht mit Urteil vom 18. Oktober 2010,
8C_121/2010, ab (UV-act. 200).
A.b Am 14. Dezember 2014 reichte die Versicherte unter Verweis auf den Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 25. Juni 2014, IV 2013/256, betreffend IV-Leistungen
bei der Allianz ein "Gesuch um Revision / Wiedererwägung" ein. Sie ersuchte die
Allianz, ihre Leistungspflicht nach UVG zu prüfen (UV-act. 235). Im Schreiben vom 30.
März 2016 machte die Versicherte geltend, ihre Eingabe vom 14. Dezember 2014 sei
unbeantwortet geblieben. Sie ersuchte die Allianz daher, die notwendigen Abklärungen
in die Wege zu leiten und die gesetzlichen Ansprüche zu prüfen. Unabhängig davon, ob
die Rentenfrage formell erstmals oder revisionsweise zu prüfen sei, bitte sie die Allianz
darum sich der Sache anzunehmen (UV-act. 239).
A.c Mit Verfügung vom 8. April 2016 wies die Allianz das Begehren der Versicherten
um eine prozessuale Revision ab. Hinsichtlich des Wiedererwägungsgesuchs führte die
Allianz aus, Entscheide eines Gerichts könnten nicht im Sinn von Art. 53 Abs. 2 ATSG
in Wiedererwägung gezogen werden (UV-act. 241). Dagegen erhob die Versicherte am
10. Mai 2016 Einsprache mit folgenden Anträgen: 1. Der Versicherten seien die
gesetzlichen Leistungen ab 30. September 2006 zuzusprechen. 2. Der Versicherten sei
ab 30. September 2006 eine noch zu ermittelnde UV-Rente, mindestens aber eine
Rente im Umfang von 61% auszurichten. 3. Der Versicherten sei eine
Integritätsentschädigung in noch zu ermittelnder Höhe zuzusprechen. 4. Alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Unfallversicherung (UV-act. 247). Die
Allianz wies die Einsprache mit Einspracheentscheid vom 4. Juli 2016 ab. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Leistungseinstellung per 30.
September 2006 sei vom Bundesgericht geschützt worden. Eine Wiedererwägung falle
daher ausser Betracht. Die von der Versicherten als prozessualer Revisionsgrund
geltend gemachte Arthropathie des linken AC-Gelenks als bislang unerkannte Folge
des Unfalls vom 5. Januar 2001 rechtfertige kein Zurückkommen auf die
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Leistungseinstellung. Denn dieser Befund sei nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit natürlich kausale Folge des Unfalls vom 5. Januar 2001. Eine
unfallbedingte Spätfolge oder ein unfallbedingter Rückfall, die einen Leistungsanspruch
nach dem 30. September 2006 zu begründen vermöchten, seien namentlich mit Blick
auf die Arthropathie des linken AC-Gelenks zu verneinen (UV-act. 252).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Juli 2016 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 4. September 2016. Die Beschwerdeführerin beantragt darin: 1. Die
Verfügung vom 8. April 2016 und der Einspracheentscheid vom 4. Juli 2016 seien
nichtig zu erklären, eventualiter aufzuheben. Subeventualiter sei der Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 6. Januar 2010 in Wiedererwägung zu ziehen. 2. Der
Beschwerdeführerin seien die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. 3. Der
Beschwerdeführerin sei ab 30. September 2006 eine noch zu ermittelnde UV-Rente,
mindestens aber eine Rente im Umfang von 61% auszurichten. 4. Der
Beschwerdeführerin sei eine Integritätsentschädigung in noch zu ermittelnder Höhe
zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur ordnungsgemässen
Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es sei eine neue
polydisziplinäre medizinische Begutachtung im Sinn der Beweisanträge dieser
Beschwerde bei einer dafür geeigneten Stelle in Auftrag zu geben und die
Rentenprüfung ordnungsgemäss vorzunehmen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act. G 1 im Verfahren UV 2016/60).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 29. September
2016 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Im Wesentlichen
hält sie an der Auffassung fest, dass sie eine natürliche Kausalität zwischen der heute
bestehenden AC-Gelenksarthropathie und dem Unfall vom 5. Januar 2001 mangels
erforderlichen Beweisgrads der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu Recht verneint
habe (act. G 3 im Verfahren UV 2016/60).
B.c In der Replik vom 11. Februar 2017 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
der Beschwerde fest (act. G 11 im Verfahren UV 2016/60).
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B.d Die Beschwerdegegnerin hält ihrerseits in der Duplik vom 22. Februar 2017
unverändert an den gestellten Anträgen fest (act. G 13 im Verfahren UV 2016/60).
C.
C.a Bereits am 13. Februar 2016 ersuchte die Beschwerdeführerin das
Versicherungsgericht, dessen Entscheid vom 6. Januar 2010, UV 2008/65, in Revision
zu ziehen und ihr die gesetzlichen Leistungen ab 30. September 2006 zuzusprechen.
Es sei ihr ab 30. September 2006 eine noch zu ermittelnde UV-Rente, mindestens aber
eine Rente im Umfang von 61%, auszurichten und eine Integritätsentschädigung in
noch zu ermittelnder Höhe zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur
ordnungsgemässen Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die
Beschwerdeführerin bringt vor, dass die nachträglich diagnostizierte AC-
Gelenkverletzung Grad II Tossy oder Rockwood unfallbedingt sei und einen
Revisionsgrund im Sinn von Art. 81 ff. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRP; sGS 951.1) darstelle (act. G 1 im Verfahren UV 2016/22).
C.b Mit Schreiben vom 17. Februar 2016 teilte der Präsident der Beschwerdeführerin
mit, dass das Versicherungsgericht bislang noch gar keinen Entscheid über die
unfallversicherungsrechtlichen Ansprüche auf Dauerleistungen gefällt habe.
Insbesondere hätten diese Ansprüche nicht Gegenstand des Entscheids vom 6. Januar
2010, UV 2008/65, gebildet. Unter diesen Umständen sei kein Revisionstatbestand
gegeben (act. G 2 im Verfahren UV 2016/22). Auf Ersuchen der Beschwerdeführerin
(Schreiben vom 29. März 2016, act. G 5 im Verfahren UV 2016/22) sistierte das
Versicherungsgericht das Verfahren UV 2016/22 (act. G 7 im Verfahren UV 2016/22).
Am 24. Januar 2019 hob das Versicherungsgericht die Sistierung auf und vereinigte
das Verfahren UV 2016/22 mit dem Verfahren UV 2016/60 (act. G 9 im Verfahren UV
2016/22) entsprechend dem Antrag der Beschwerdeführerin (Schreiben vom 4. August
2017, act. G 8 im Verfahren UV 2016/22).

Erwägungen
1.
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Zwischen den Parteien ist die Leistungspflicht für die Folgen des Unfallereignisses vom
5. Januar 2001 umstritten.
1.1 Zum besseren Verständnis des Hintergrunds der vorliegenden Streitigkeit,
insbesondere mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten
Rückkommenstitel, ist zunächst darzustellen, über welche Rechtsverhältnisse bereits
rechtskräftig entschieden wurde.
1.2 Der Entscheid des Versicherungsgerichts vom 6. Januar 2010, UV 2008/65,
erfasste ausschliesslich die Ansprüche auf vorübergehende Leistungen
(Heilbehandlung und Taggeld) bis 30. September 2006. Auf die Anträge betreffend die
Leistungen für Dauerschäden (Invalidenrente und Integritätsentschädigung) trat es
nicht ein, da diese Ansprüche weder Gegenstand des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 13. Mai 2008 noch der diesem zugrunde liegenden
Verfügung vom 3. April 2007 gebildet hatten (E. 1 und Dispositiv-Ziff. 1, UV-act. 193).
Sowohl die Einstellung der Heilbehandlung und Taggelder per 30. September 2006 als
auch das Nichteintreten auf die Gesuche um eine Invalidenrente und
Integritätsentschädigung sind in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand der von der
Beschwerdegegnerin gegen den Entscheid vom 6. Januar 2010 erhobenen
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, die das Bundesgericht am 18.
Oktober 2010, 8C_121/2010, vollumfänglich abwies, hatte lediglich die betragliche
Höhe der Taggeldleistungen gebildet. Die Beschwerdegegnerin hatte die Aufhebung
des kantonalen Gerichtsentscheids und die Bestätigung des Einspracheentscheids
vom 13. Mai 2008 beantragt (siehe hierzu lit. C des Sachverhalts des Urteils des
Bundesgerichts, UV-act. 200). Die Dauer der Taggeldleistungen und insbesondere der
Einstellungszeitpunkt hatten nicht Gegenstand des bundesgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens gebildet.
1.3 Mit Eingabe vom 14. Dezember 2014 ersuchte die Beschwerdeführerin die
Beschwerdegegnerin "unter dem Titel der Revision, eventualiter der Wiedererwägung"
um eine "Neubeurteilung" des Rentenanspruchs (UV-act. 235). Sowohl die prozessuale
Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
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Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) als auch die Wiedererwägung gemäss Art.
53 Abs. 2 ATSG setzen in formeller Hinsicht voraus, dass über den materiellen
Gegenstand bereits rechtskräftig entschieden worden ist. Vorliegend fehlt hingegen ein
rechtskräftiger Entscheid über den Rentenanspruch sowie den Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung und damit ein der prozessualen Revision oder der
Wiedererwägung zugängliches Objekt. Vor diesem Hintergrund hätte die
Beschwerdegegnerin auf das Gesuch um prozessuale Revision und Wiedererwägung
bezüglich des Renten- und Integritätsentschädigungsanspruchs nicht eintreten dürfen
und die dagegen erhobene Einsprache abweisen müssen.
1.4 Zu beachten ist allerdings, dass die Beschwerdeführerin in der Einsprache vom 10.
Mai 2016 auch von einer prozessualen Revision und einer Wiedererwägung
unabhängige Anträge stellte. So ersuchte sie 1. um Zusprache der gesetzlichen
Leistungen ab 30. September 2006, 2. um Zusprache einer Invalidenrente ab 30.
September 2006 sowie 3. um eine Integritätsentschädigung (UV-act. 247). Die
Beschwerdeführerin stellte damit ausschliesslich Anträge, die nicht mehr den vom
Versicherungsgericht in zeitlicher Hinsicht beurteilten Einstellungszeitpunkt (30.
September 2006) betreffen. In zeitlicher Hinsicht bildeten damit im Einspracheverfahren
allfällige Ansprüche auf eine Invalidenrente ab 1. Oktober 2006 und eine
Integritätsentschädigung Streitgegenstand. Im Einspracheentscheid vom 4. Juli 2016
prüfte die Beschwerdegegnerin in materieller Hinsicht nicht bloss die Gesuche um eine
prozessuale Revision und Wiedererwägung. Der Einspracheentscheid enthält vielmehr
auch Ausführungen zu Spätfolgen bzw. einem Rückfall sowie eine erstmalige Prüfung
des Anspruchs auf eine Invalidenrente für die Zeit nach dem 30. September 2006 und
auf eine Integritätsentschädigung. Die Beschwerdegegnerin dehnte damit den
Gegenstand entsprechend der von der Beschwerdeführerin gestellten Einsprache in
materieller Hinsicht aus. Angesichts des engen Zusammenhangs zwischen den
einzelnen Rechtsverhältnissen und Rechtsfragen ist die im Einspracheverfahren
vorgenommene Ausdehnung des Streitgegenstands (entsprechend den Anträgen in der
Einsprache) über die Fragen nach einer prozessualen Revision und einer
Wiedererwägung hinaus vorliegend nicht zu beanstanden (vgl. BGE 122 V 36 E. 2a). Zu
prüfen sind demnach nachfolgend die Ansprüche auf eine Invalidenrente ab 1. Oktober
2006 und eine Integritätsentschädigung.
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1.5 Soweit die Beschwerdegegnerin beantragt, der Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 6. Januar 2010, UV 2008/65, sei in Wiedererwägung zu
ziehen (siehe Subeventualantrag zum Antrag Ziff. 1 der Beschwerde, act. G 1), so ist
darauf nicht einzutreten. Denn das ATSG sieht die Möglichkeit von
Wiedererwägungsgesuchen bezüglich Entscheiden der Sozialversicherungsgerichte
nicht vor und das kantonale Recht schliesst Wiedererwägungsgesuche an das
Versicherungsgericht aus (Art. 58 Abs. 2 VRP; zum Begehren um Wiederaufnahme des
Verfahrens im Sinn von Art. 81 ff. VRP siehe nachstehende E. 5).
2.
Nachfolgend zu prüfen ist im Verfahren UV 2016/60 der Anspruch auf Leistungen für
unfallkausale Dauerschäden (Erwerbsunfähigkeit und Integritätsschaden) bzw. auf eine
Invalidenrente und Integritätsentschädigung.
2.1 Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des UVG und der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben,
und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher, nachdem ein Unfall aus dem Jahr
2001 zur Debatte steht, die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen
Anwendung.
2.2 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10% invalid (Art. 8
ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG; zu den
versicherten Risiken siehe Art. 6 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von
der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (Art. 19
Abs. 1 Satz 1 UVG).
2.3 Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie
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Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die
Entschädigung wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch
besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG).
3.
Nebst den bereits dem Entscheid des Versicherungsgerichts vom 6. Januar 2010, UV
2008/65, zugrunde liegenden Gesundheitsschäden (siehe insbesondere E. 3, UV-act.
193) macht die Beschwerdeführerin neu zusätzlich eine AC-Gelenksverletzung Grad II
der Klassifikation nach Tossy und nach Rockwood geltend (act. G 1, Rz 20).
Nachfolgend ist zu prüfen, ob dieser Schaden in einem natürlichen
Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 5. Januar 2001 steht.
3.1 Anlässlich des Gesprächs vom 27. Januar 2016 mit der Anwaltskanzlei der
Beschwerdeführerin teilte PD Dr. med. B._, Oberarzt Schulterchirurgie,
Universitätsklinik C._, mit, es sei bloss "durchaus möglich", dass ein Folgeschaden
Tossy I oder II vorliege. Ein (Folge-)Schaden könne aber auch degenerativ sein (Beilage
12 in UV-act. 239). In der E-Mail vom 28. Januar 2016 verneinte er die Frage, dass eine
sichere Diagnose zum AC-Gelenk links gestellt werden könne (Beilage 13 in UV-act.
239), und zwar trotz Vorliegens von Röntgenbildern vom 15. Januar 2016 (siehe hierzu
die E-Mail der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vom 27. Januar 2016, UV-act.
239). Nach der am 10. Februar 2016 vorgenommenen Abklärung hielt er einen
Kausalzusammenhang zwischen einer AC-Gelenksarthropathie links und dem
Unfallereignis vom 5. Januar 2001 lediglich für "wahrscheinlich" (UV-act. 239). Bei der
Beweiswürdigung ist ferner zu beachten, dass die Rechtsvertreterin sowohl telefonisch
als auch schriftlich eine intensive Korrespondenz mit Dr. B._ geführt hat, wobei "sich
der Wunsch herauskristallisiert [hat,] die linke Schulter und hier insbesondere das linke
AC-Gelenk gezielt zu untersuchen, da diese seit einem Polytrauma 2001 schmerzhaft
sei und bisher keine konklusive Diagnose gestellt worden sei" (vgl.
Sprechstundenbericht von Dr. B._ vom 12. Februar 2016, Beilage 18 in UV-act. 239).
Die Stellungnahme von Dr. B._ ist damit einerseits von der Einschätzung der
Beschwerdeführerin zur Unfallkausalität und andererseits vom intensiven Kontakt mit
deren Rechtsvertreterin geprägt. Jedenfalls geht daraus nicht mit dem im
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Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen) hervor, dass die AC-
Gelenksarthropathie links im Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 5.
Januar 2001 steht. Dr. B._ vermochte diesen Gesundheitsschaden nicht klar auf
einen "chronischen posttraumatischen Zustand" zurückzuführen. Er bezeichnete die
"akute" AC-Gelenksarthropathie links lediglich mit einem chronischen
posttraumatischen Zustand für "gut vereinbar" (Beilage 18 in UV-act. 239). Zudem
bezeichnete er eine unfallbedingte Ursache in der Diagnoseliste im Bericht vom 5.
Oktober 2016 (act. G 11.1) lediglich als "wahrscheinlich". Ergänzend kann auf die
zutreffenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin verwiesen werden (act. G 3, Rz
13 ff., und act. G 13, Rz 4 ff.). Aus der im Sprechstundenbericht von Dr. B._ vom 27.
Oktober 2015 in der Diagnoseliste an letzter Stelle wiedergegebenen AC-Gelenk-
Arthropathie und Instabilität links bei Status nach Unfall 2001 (Beilage 6 in UV-act. 239)
lässt sich nichts zugunsten der Beschwerdeführerin ableiten. Denn es handelt sich
hierbei um eine rein anamnestische Wiedergabe einer Diagnose. Der
Sprechstundenbericht enthält keine Ausführungen zur linken oberen Extremität bzw.
zum AC-Gelenk. Dr. B._ setzte sich damals mit dieser Thematik nicht auseinander.
Diese Betrachtungsweise wird durch die Notiz über das Telefongespräch mit Dr. B._
vom 22. Januar 2016 bestätigt (Beilage 11 in UV-act. 239).
3.2 Ein vergleichbares Bild ergibt sich aus der Stellungnahme von Dr. med. D._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
vom 29. Januar 2016. Hauptsächlich gestützt auf die anamnestischen Angaben der
Beschwerdeführerin über das damals bereits mehr als 15 Jahre zurückliegende
Unfallereignis vom 5. Januar 2001 führte er aus, dieses sei geeignet, eine AC-
Gelenksverletzung links verursacht zu haben. Es sei "gut möglich", dass die
wahrscheinliche AC-Gelenksverletzung links damals nicht diagnostiziert und
dokumentiert worden sei (UV-act. 239).
3.2.1 Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass Dr. D._ eine AC-
Gelenksverletzung links lediglich als "wahrscheinlich" und einen Zusammenhang zum
Unfallereignis vom 5. Januar 2001 sogar lediglich als "gut möglich" betrachtete. Im
letzten Abschnitt sprach er von "der Suche nach einer möglichen unfallbedingten AC-
Arthropathie". Damit ist kein natürlicher Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis
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vom 5. Januar 2001 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit
Hinweisen) dargetan. Hinzu kommt, dass Dr. D._ nachvollziehbar berichtete,
aufgrund der vorliegenden Untersuchungen finde er keine Hinweise für gesicherte
Unfallfolgen am linken AC-Gelenk.
3.2.2 In damit zu vereinbarender Weise ist die Rechtsvertreterin nach einer
telefonischen Auskunft von Dr. D._ davon ausgegangen, "aufgrund der Würdigung
der Gesamtumstände gehen Sie im heutigen Zeitpunkt eher nicht davon aus, dass sich
eine AC-Luxation Tossy II oder die von C._ erwähnte «AC-Gelenk-Arthropathie und
Instabilität links bei Status nach Unfall 2001 links» erhärtet" (E-Mail vom 28. Januar
2016, Beilage 17 in UV-act. 239).
3.3 Nichts anderes gilt bezüglich des Berichts von Dr. med. E._ vom 27. Mai 2015,
der bei der Behandlung der Zervikobrachialgie rechts nach Trauma vom 14. April 2015
ohne nähere Begründung und im Rahmen offenbar einer anamnestischen Wiedergabe
vage niederschrieb, "Schulter links Stat. n. AC-Luxation Tossy II nach Unfall vor einigen
Jahren mit konsekutiver partieller IV-Rente" (Beilage 9 in UV-act. 239; siehe auch die in
Beilage 15 in UV-act. 239 enthaltene E-Mail vom 11. Januar 2016 sowie die E-Mail der
Rechtsvertreterin vom 28. Januar 2016, wonach Dr. E._ anlässlich eines
Telefongesprächs vom Vortag erklärt habe, es habe sich lediglich um eine Vermutung
seinerseits gehandelt, Beilage 16, S. 2 oben, in UV-act. 239). Im Übrigen ergibt sich
aus dem Sprechstundenbericht von Dr. med. F._, Teamleiterin Rehabilitation,
Universitätsklinik C._, vom 4. August 2015, dass die Gelenke der oberen Extremität
links schmerzfrei und uneingeschränkt beweglich waren (S. 2 unten des
Sprechstundenberichts, Beilage 8 in UV-act. 239). In damit zu vereinbarender Weise
wurde in keinem der vor und nach dem Sturzereignis vom 14. April 2015 ergangenen
medizinischen Berichte ein Kausalzusammenhang zwischen der AC-
Gelenksproblematik mit dem Unfallereignis vom 5. Januar 2001 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit bejaht.
3.4 Vor diesem Hintergrund ist eine bezogen auf das Ereignis vom 5. Januar 2001 und
dessen Folgen kausale AC-Gelenksarthropathie nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan. Selbst wenn davon ausgegangen würde,
der Sachverhalt erwiese sich diesbezüglich noch nicht als spruchreif abgeklärt, ist
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festzustellen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von weiteren (medizinischen
oder biomechanischen) Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten wären
(antizipierende Beweiswürdigung; vgl. BGE 134 I 148 E. 5.3 und 124 V 94 E. 4b). Dr.
D._ legte bereits in der Stellungnahme vom 29. Januar 2016 plausibel dar, es werde
auf jeden Fall schwierig sein, zum aktuellen Zeitpunkt eine posttraumatische von einer
rein degenerativen AC-Arthropathie zu unterscheiden (Beilage 17 in UV-act. 239). Die
danach erfolgte Untersuchung durch Dr. B._ hellte die Situation bezüglich der hier
interessierenden natürlichen Unfallkausalität denn auch nicht auf (Bericht vom 12.
Februar 2016, Beilage 18 in UV-act. 239; siehe vorstehende E. 3.1). Dies gilt umso
mehr, als das Unfallereignis inzwischen mehr als 18 Jahre zurückliegt. Für das
Vorliegen der neu geltend gemachten Gesundheitsschädigung und deren
Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 5. Januar 2001 hätte die
Beschwerdeführerin die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen.
3.5 Die Beschwerdeführerin bringt ausserdem vor, sollte die AC-Gelenksluxation wider
Erwarten nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen
sein, so sei zu klären, inwieweit die Unfallfolgen die Entstehung der heute
dokumentierten AC-Gelenksarthropathie begünstigt hätten (act. G 1, Rz 30). Die
Beschwerdeführerin legt weder dar noch ist ersichtlich, dass Unfallfolgen die
Entstehung der AC-Gelenks¬arthropathie begünstigt hätten. Auch die von der
Beschwerdeführerin eingereichten medizinischen Berichte enthalten keine
entsprechenden Anhaltspunkte (vgl. vorstehende E. 3.4 zu Beginn). Des Weiteren ist zu
beachten, dass spätestens ab 1. Oktober 2006 keine Folgen mehr bestehen, die in
einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 5. Januar 2001
stehen (siehe nachfolgende E. 4).
4.
Im Entscheid vom 6. Januar 2010, UV 2008/65, E. 5 ff. (UV-act. 193), hat das
Versicherungsgericht bereits eine ausführliche Adäquanzprüfung im Sinn von BGE 134
V 109 vorgenommen. Hintergrund dieser - eigentlich nur für den Anspruch auf
Dauerleistungen (Invalidenrente und Integritätsentschädigung) massgebenden -
gesonderten Adäquanzprüfung bildete vor allem der Umstand, dass die
Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 13. Mai 2008 die damalige
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Einsprache mit der Begründung abwies, ihre Leistungspflicht (für die Heilbehandlung
und Taggelder) sei bereits ab dem 5. Juni 2001 (rückwirkend) mangels adäquater
Kausalität zu verneinen (UV-act. 186). Jedenfalls gelangte das Versicherungsgericht
damals nach einer umfassenden Prüfung zum Schluss, dass der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den von der
Beschwerdeführerin über den 30. September 2006 hinaus geklagten
Gesundheitsschäden zu verneinen ist. Es bestehen keine Gründe, von dieser
Betrachtungsweise abzurücken. Daran ändert die AC-Gelenksarthropathie nichts, hat
sie doch als nicht natürlich unfallkausales Leiden bei der Adäquanzprüfung ausser Acht
zu bleiben. Mangels eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Dauerschaden (Erwerbsunfähigkeit und
Integritätsschaden) und dem Unfallereignis vom 5. Januar 2001 hat sie keinen
Anspruch auf eine Invalidenrente oder eine Integritätsentschädigung. Nach dem
Gesagten hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Dauerleistungen ab dem 1.
Oktober 2006 zu Recht verneint.
5.
Zu prüfen bleibt das Wiederaufnahmebegehren im Verfahren UV 2016/22.
5.1 Auf ein Wiederaufnahmebegehren wird nur eingetreten, wenn dessen Gründe
(siehe zu den Wiederaufnahmefällen Art. 81 Abs. 1 VRP) mit einem ordentlichen
Rechtsmittel nicht geltend gemacht werden können und das auch bei zumutbarer
Sorgfalt unmöglich war (Art. 81 Abs. 2 VRP). Über Wiederaufnahmebegehren
entscheidet die Instanz, welche den Entscheid getroffen hat (Art. 82 Abs. 1 VRP). Aus
den Anträgen und der Begründung des Wiederaufnahmebegehrens ergibt sich, dass
dieses in materieller Hinsicht ausschliesslich allfällige Dauerleistungen (Rentenanspruch
und Anspruch auf eine Integritätsentschädigung) betrifft (act. G 1, Anträge sowie III. Rz
19 im Verfahren UV 2016/22). Wie sich aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 6. Januar 2010, UV 2008/65, E. 1 am Schluss, ergibt, bildete weder der Anspruch
auf eine Invalidenrente noch der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung
Gegenstand von dessen materieller Beurteilung (siehe vorstehende E. 1.2). Damit fehlt
es an dem für ein Wiederaufnahmebegehren notwendigen rechtskräftigen Entscheid
über die genannten Ansprüche auf Dauerleistungen. Die Ansprüche auf
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Dauerleistungen bildeten denn auch Gegenstand des im Verfahren UV 2016/60
angefochtenen Einspracheentscheids vom 4. Juli 2016 (siehe vorstehende E. 1.4).
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 4. September 2016 Beschwerde und damit
ein ordentliches Rechtsmittel im Sinn von Art. 81 Abs. 2 VRP, womit auf das
Wiederaufnahmebegehren nicht eingetreten werden kann.
5.2 Selbst wenn im Übrigen auf das Wiederaufnahmebegehren eingetreten werden
könnte, wäre ihm aus materieller Sicht kein Erfolg beschieden. Denn es wäre
abzuweisen, da der von der Beschwerdeführerin angerufene Wiederaufnahmegrund
(AC-Gelenks¬arthropathie) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 5.
Januar 2001 und dessen Folgen steht (siehe vorstehende E. 3 und E. 4). Damit ist der
von der Beschwerdeführerin angerufene Wiederaufnahmegrund für die
unfallversicherungsrechtlichen Ansprüche auf Dauerleistungen ohne Bedeutung. Es
handelt sich bei der AC-Gelenksarthropathie bzw. bei den entsprechenden ärztlichen
Stellungnahmen folglich weder um eine entscheidende Tatsache im Sinn von Art. 81
Abs. 1 lit. b VRP noch um wesentliche Tatsachen oder Beweismittel im Sinn von Art. 81
Abs. 1 lit. c VRP.
6.
Die Beschwerde im Verfahren UV 2016/60 ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten
ist. Auf das Wiederaufnahmebegehren im Verfahren UV 2016/22 ist nicht einzutreten.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.