Decision ID: e14fb3a5-c35e-4539-a62d-bbda8a336f8c
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera, Hadwigstrasse 6a, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
C._ (Jahrgang 1967) kam auf der Autobahn am 11. April 2006 auf schneebedeckter
Fahrbahn (A._ - B._) beim Überholen eines LKWs ins Schleudern. Dabei kollidierte
die vordere rechte Ecke ihres Autos mit diesem LKW. Darauf drehte sich das Auto nach
links und kollidierte mit der rechten Fahrzeugseite mit der Mittelleitplanke (Suva-act.
12). Dr. med. D._, Facharzt Innere Medizin FMH, berichtete der Schweizerischen
Unfallversicherung (Suva) am 24. Mai 2006, die Versicherte leide an einer erheblichen
Halswirbelsäule (HWS) - Distorsion und in der Folge zunehmend und anhaltend an
Schmerzen Kopf/Nacken, Arme beidseits. Bereits vor dem Unfall sei sie wegen
lumbaler Rückenschmerzen und anamnestisch chronischer Unterbauchschmerzen in
Behandlung gewesen. Seit 11. April 2006 sei sie zu 100% arbeitsunfähig (Suva-act.
11). Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Weitere ärztliche Abklärungen und
Behandlungen erfolgten. Ab 29. Mai 2007 wurde eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert (Suva-act. 87). Nach dem Ergebnis der kreisärztlichen Untersuchung vom
21. November 2007 stellte die Suva ihre Leistungen mit Verfügung vom 4. Dezember
2007 ein. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass die aktuell geklagten
Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien. Die Versicherte erhob
gegen diese Verfügung Einsprache und gegen den daraufhin ergangenen
Einspracheentscheid am 18. August 2008 Beschwerde beim Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen (UV 2009/55). Dieses Verfahren ist noch hängig. Strittig ist dort
namentlich die Frage einer weiteren Deckungspflicht der Suva für allfällige Unfallfolgen.
B.
B.a Die Versicherte meldete sich am 13. Dezember 2006 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an. Sie gab an, sie sei Mutter dreier Kinder, die 1990, 1993
und 1994 geboren worden seien. Seit 11. April 2006 leide sie an den Folgen einer
HWS-Distorsion mit persistierenden Schmerzen, Schwindel und
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Konzentrationsstörungen (IV-act. 2). Bis zu diesem Unfall war die Versicherte als
Zimmerfrau-Aushilfe und Raumpflegerin tätig gewesen (IV-act. 5, 7 und 17).
B.b Am 6. Februar 2007 berichtete die Klinik Valens der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen, die Versicherte leide an einem zervikozephalen Syndrom mit/bei St. n.
kraniozervikalem Beschleunigungstrauma am 12. April 2006 (richtig 11. April 2006),
leichten degenerativen Veränderungen mit Osteochondrosen C4-C7, leichter diskalen
Spinalkanalenge C3-C5 sowie einer psychosozialen Belastungssituation. Die bisherige
Tätigkeit sei der Versicherten im bisherigen Pensum von 50% weiterhin möglich. Die
Versicherte habe sich vom 14. August bis 7. September 2006 in der Klinik Valens
aufgehalten. Im Austrittsbericht vom 2. Oktober 2006 hatten die Ärzte die
Arbeitsfähigkeit differenzierter beurteilt. Sie hatten angegeben, die 50%ige
Arbeitsfähigkeit bestünde nur unter der Voraussetzung, dass die Versicherte für ihre
Arbeit eigenverantwortlich mehr Zeit in Anspruch nehmen könne, also für eine Tätigkeit
von vier Stunden zum Beispiel sechs Stunden beanspruchen dürfe (IV-act. 19). Dr.
D._ gab der IV-Stelle am 12. Februar 2007 an, seit 11. April 2006 bestehe eine bis auf
Weiteres andauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Ein Arbeitsversuch sei wegen
Schwindel und der Notwendigkeit, den Kopf immer wieder mit einer Hand abstützen zu
müssen, gescheitert. Die Versicherte könne sich die Ausübung ihrer bisherigen
Tätigkeit nicht mehr vorstellen. Ihr seien keine anderen Tätigkeiten zumutbar, weil ein
komplexes psychophysisches Beschwerdebild ohne wesentliche Beeinflussbarkeit
vorliege (IV-act. 20). Dr. med. E._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete
am 2. April 2007, sie habe eine somatoforme Schmerzstörung mit einem massiven
sekundären Krankheitsgewinn festgestellt. Der Versicherten werde jegliche Entlastung
in der Alltagsbewältigung durch ihre Familie zuteil. Die Versicherte habe die
Behandlung nach acht Konsultationen abgebrochen, weshalb sie keine Angaben zur
Arbeitsfähigkeit machen könne (IV-act. 23).
B.c Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt gab die
Versicherte am 14. Juni 2007 an, fast alle Arbeiten würden durch ihren Ehemann und
ihre drei Kinder ausgeführt (IV-act. 30). Am 27. Juni 2007 fand eine Abklärung im
Haushalt der Versicherten statt. Dabei gab die Versicherte an, bei voller Gesundheit
würde sie zu 50% erwerbstätig sein. Die Abklärungsperson ermittelte unter
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Berücksichtigung der Mithilfe der Familienmitglieder eine Einschränkung im Haushalt
von 27% (IV-act. 32).
B.d Im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 27) erstattete das Aerztliche Begutachtungsinstitut
GmbH (ABI) am 6. März 2008 ein polydisziplinäres Gutachten. Die Versicherte war am
18. Februar 2008 internistisch, psychiatrisch und neurologisch abgeklärt worden. Die
Ärzte gaben keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an. Als
Nebendiagnosen (ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) wurden
genannt:
- chronisches zervikales Schmerzsyndrom mit intermittierender hemikorporeller
Ausdehnung links (ICD-10: R52.2)
- St. n. Autounfall (komplexer Mechanismus) mit HWS-Distorsionstrauma am
11.04.2006 (ICD-10: S13.6)
- Kernspintomographische Fehlhaltung und degenerative Veränderung im Bereich der
HWS (ICD-10: M50.3).
- Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54)
- Adipositas (BMI 39 kg/m ) (ICD-10: E66.0)
- rezidivierende gastritische Beschwerden (ICD-10: K29.7)
- Dauereinnahme von NSAID
- Dauerbehandlung mit PPI
- Anamnestisch Lumbovertebralsyndrom (ICD-10: M54.5)
- aktuell subjektiv asymptomatisch.
Die Ärzte gaben in der zusammenfassenden Beurteilung an, die Versicherte klage über
verschiedene Beschwerden, die einem zerviko-zephalen Symptomkomplex zugeordnet
werden könnten. Weil objektivierbare Befunde fehlten, die ein Zervikalsyndrom
2
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begründen könnten, liege ein chronisches zervikales Schmerzsyndrom vor. Hinsichtlich
der Arbeitsfähigkeit resultiere bei kaum vorliegenden objektivierbaren Befunden und
einer deutlichen funktionellen Überlagerung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Aus internistischer und anderweitiger somatischer Sicht bestehe zwar eine morbide
Adipositas, welche die Arbeitsfähigkeit per se jedoch nicht einschränke. Aus
psychiatrischer Sicht könne zum aktuellen Zeitpunkt eine
Schmerzverarbeitungsstörung festgestellt werden, welche die Arbeitsfähigkeit jedoch
nicht einschränke. Es bestehe keine Komorbidität im Sinn einer Depression. Der
Versicherten sei die Willensanstrengung zumutbar, trotz der subjektiv empfundenen
Beschwerden einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Zusammenfassend resultiere aus
polydisziplinärer Sicht, dass der Versicherten jegliche leichten bis mittelschweren
Tätigkeiten wie auch die Haushaltstätigkeit uneingeschränkt zumutbar seien. Es gebe
auch retrospektiv keine Hinweise, dass die Arbeitsfähigkeit längerfristig, also mehr als
einige Wochen nach dem Unfallereignis vom April 2006 eingeschränkt gewesen sei.
Anzumerken sei, dass die Serumspiegeluntersuchungen gezeigt hätten, dass die
Versicherte ihre antidepressiven Medikamente nicht einnehme. Daraus lasse sich
vermuten, dass die Versicherte selbst auch nicht von einer relevanten,
behandlungswürdigen Störung ausgehe. Die Arztberichte des behandelnden
Hausarztes wie auch der Klinik Valens gäben lediglich subjektive Beschwerdeangaben
der Versicherten wieder, ohne dass auch früher irgend ein Befund habe erhoben
werden können. Die Arbeitsunfähigkeit von 50% oder 100% könne deshalb nicht
nachvollzogen werden (IV-act. 40).
B.e Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz erachtete das ABI-Gutachten als
ausführlich und in sich widerspruchsfrei. Auf die Arbeitsfähigkeit von 100% könne
abgestellt werden (IV-act. 41). Mit Vorbescheid vom 14. April 2008 stellte die IV-Stelle
der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht. Sie gab an, die
Versicherte sei zu 50% als Erwerbstätige und zu 50% als im Haushalt Tätige zu
qualifizieren. Weder im Erwerb noch im Haushalt bestehe eine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit. Bei einem Invaliditätsgrad von 0% bestünde deshalb kein
Rentenanspruch (IV-act. 44).
B.f Dagegen liess die Versicherte am 13. Mai und 13. Juni 2008 einwenden, sie
beantrage mindestens eine halbe Invalidenrente. Wie ihr Hausarzt in seinem Bericht
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vom 23. Mai 2008 ausführlich begründet habe, stelle das ABI-Gutachten kein
objektives und sorgfältiges Gutachten dar. Die psychiatrische Diagnose treffe nicht zu.
Die Beziehungen zur Familie sowie die sexuelle Beziehung zu ihrem Ehemann hätten
sich massiv verschlechtert. Sowohl die behandelnde Psychiaterin als auch die Suva
gingen von einer somatoformen Schmerzstörung aus. Sie sei im Haushalt auf die Hilfe
der Familie angewiesen, habe sich sozial zurückgezogen und leide an Schlafstörungen.
Der negative Medikamentenspiegel sei durch eine gastrale Unverträglichkeit von
Dezember 2007 bis Februar 2008 erklärbar. NSAR nehme sie seit einem Jahr nicht
mehr ein (IV-act. 50 und 55).
B.g Der RAD hielt mit Stellungnahme vom 29. Juli 2008 an der bisherigen
medizinischen Beurteilung fest. Objektive Befunde, welche die weiterhin geklagten
Beschwerden organisch hinreichend erklären würden, hätten weder der Hausarzt der
Versicherten noch die Suva gefunden. Das ABI stütze seine
Arbeitsfähigkeitsschätzungen auf objektivierbare Befunde. Eine Arbeitsunfähigkeit habe
sich nicht bestätigen lassen. Es begründe seine abweichende psychiatrische Diagnose
mit der fehlenden schwerwiegenden psychosozialen oder emotionalen
Belastungssituation vor dem Unfall (IV-act. 56). Mit Verfügung vom 11. August 2008
wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab. Sie verwies betreffend den Einwänden der
Versicherten auf die Stellungnahme des RAD vom 29. Juli 2008 (IV-act. 57).
C.
C.a Gegen diese Verfügung lässt die Versicherte am 5. September 2008 Beschwerde
erheben. Sie beantragt die Aufhebung der Verfügung vom 11. August 2008 und die
Zusprache mindestens einer halben Invalidenrente. Eventualiter sei eine neue
medizinische Begutachtung in Auftrag zu geben. Die Versicherte führt aus, sie sei
einverstanden mit der Aufteilung des gesamten Tätigkeitsfeldes in 50%
Erwerbstätigkeit und 50% Haushaltstätigkeit. Nicht akzeptieren könne sie hingegen die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der ABI-Gutachter. Das ABI-Gutachten vom 6. März
2008 sei tendenziös und unsorgfältig. Wie Dr. D._ in seiner Stellungnahme vom
23. Mai 2008 ausführe, erfülle das ABI-Gutachten die wissenschaftlichen
Anforderungen an ein faires, objektives, sorgfältiges und diagnostisch korrektes
Fachgutachten nicht. Die psychiatrische Diagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung
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widerspreche der mehrfach gestellten Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung.
Der untersuchende Psychiater sei von einem zu optimistischen Sachverhalt
ausgegangen. Die Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihren Kindern und zu ihrem
Ehemann sei durch die Gesundheitsbeschwerden enorm belastet. Sie habe sich sozial
zurückgezogen und könne den Haushalt nicht mehr alleine bewältigen. Sodann sei der
niedrige Serumspiegel der Psychopharmaka auf eine gastrale Unverträglichkeit der
Medikamente zurückzuführen. Weiter sei nicht nachvollziehbar, dass die fünf
somatischen und psychiatrischen Diagnosen zusammen keine Arbeitsunfähigkeit
bewirken sollten. Ungenügend berücksichtigt worden sei auch der komplexe
Unfallhergang mit Front- und Heckkollision gemischt. Schliesslich stehe das ABI-
Gutachten im Widerspruch zur ermittelten Einschränkung im Haushalt von 27%.
Deshalb sei auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ abzustellen und der
Beschwerdeführerin eine halbe Invalidenrente zuzusprechen (G act. 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 5. November 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie gibt an, gemäss ABI-
Gutachten hätten keine objektiven Befunde erhoben werden können, welche die
geklagten Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag erklären könnten. Ein
psychischer Leidensdruck fehle. Man habe deshalb keine Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit feststellen können. Wenig glaubwürdig erscheine das nachträgliche
Geltendmachen von enorm belastenden Familienbeziehungen, nachdem die
Beschwerdeführerin während der Untersuchung am ABI von guten Beziehungen
gesprochen habe. Das ABI-Gutachten sei umfassend, überzeuge und sei lege artis
vorgenommen worden. Bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ sei dagegen
davon auszugehen, dass er sich erheblich von der subjektiven Überzeugung der
Beschwerdeführerin habe beeinflussen lassen, was die divergierende Beurteilung
erkläre. Weil die ABI-Gutachter keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festgestellt
hätten, resultiere kein Invaliditätsgrad im Teilbereich des Erwerbs. Das Ergebnis der
Haushaltsabklärung könne nicht verwendet werden, weil es von der subjektiven
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin beeinflusst worden sei. Die Beurteilung
des ABI sei dagegen objektiv erfolgt. Demgemäss sei die Beschwerdeführerin auch im
Teilbereich Haushalt nicht eingeschränkt. Selbst wenn man von der ermittelten
27%igen Einschränkung ausgehen würde, würde lediglich ein Invaliditätsgrad von
13.5% resultieren, der nicht zu einer Rente berechtigen würde (G act. 4).
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C.c Am 1. Dezember 2008 macht die Beschwerdeführerin einen formellen Mangel des
ABI-Gutachtens geltend. Ihr seien die Namen der begutachtenden Ärzte entgegen der
geltenden Bundesgerichtspraxis nicht im Voraus angekündigt worden. Die
Begutachtung sei deshalb zu wiederholen. Sodann sei bekannt geworden, dass gegen
den Inhaber und Geschäftsführer des ABI ein Strafverfahren laufe wegen
eigenmächtiger Einflussnahme auf Gutachten. Damit biete das ABI keine Gewähr für
eine objektive und unabhängige Begutachtung. Schliesslich hätte das ABI untersuchen
müssen, inwiefern die Beschwerdeführerin bei Vorliegen einer somatoformen
Schmerzstörung/Schmerzverarbeitungsstörung über eine genügende
Willensanstrengung verfüge, um diese zu überwinden. Deshalb sei das ABI-Gutachten
mangelhaft (G act. 6).
C.d Die Beschwerdegegnerin hält in ihrer Duplik vom 5. Dezember 2008 an ihrem
Antrag fest. Sie führt aus, die mangelhafte Bekanntgabe der untersuchenden Ärzte vor
der Begutachtung sei geheilt worden, weil sich die Beschwerdeführerin ohne Protest
der Begutachtung unterzogen und auch danach keinerlei Ausstandsgründe geltend
gemacht habe. Sodann fänden sich im vorliegenden Gutachten keine Hinweise für
Unregelmässigkeiten. Das Strafverfahren gegen den Leiter des ABI sei unterdessen
eingestellt worden. Man halte deshalb am ABI-Gutachten fest (IV-act. 8).
C.e Mit Eingabe vom 12. Dezember 2008 reicht die Beschwerdeführerin einen aktuellen
Arztbericht von Dr. E._ ein (G act. 10). Im E-Mail vom 12. Dezember 2008 führt die
Ärztin aus, die Beschwerdeführerin sei seit 26. August 2008 wieder bei ihr in
Behandlung. Wegen kulturell bedingter Schamgefühle habe die Beschwerdeführerin die
komplette Herabsetzung des sexuellen Verlangens auf Grund der intensiven
generalisierten Schmerzen bei der ABI-Untersuchung nicht erwähnt. Bereits im
September 2006 habe sich die Beschwerdeführerin deswegen frauenärztlich
untersuchen lassen. Als Diagnosen gibt die Ärztin eine anhaltende depressive Störung
auf dem Hintergrund eines Schmerzsyndroms (ICD-10: F38.8) sowie eine somatoforme
autonome Funktionsstörung des oberen Intestinaltraktes (ICD-10: F45.31) an. Die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit betrage 50% bei 50%iger
Leistungsminderung (G act. 10.1).
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C.f Am 20. August 2009 lässt die Beschwerdeführerin weitere Arztberichte einreichen
(G act. 12). Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 3. September 2009 auf eine
Stellungnahme zu diesen Berichten (G act. 14).
C.g Die Beschwerdeführerin reicht am 26. Januar 2010 weitere Arztberichte ein (G act.
16).

Erwägungen:
1.
Angefochten ist eine Verfügung, die nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 ergangen ist. Mangels einer übergangsrechtlichen Norm rechtfertigt es sich
allerdings, für die vor diesem Zeitpunkt massgebenden Verhältnisse (Einleitung des
Rentenprüfungsverfahrens unter altem Recht) die im Folgenden zitierten, bis zum
31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden. Streitig und zu
prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin aufgrund des Sachverhalts, wie er sich bis zum
Erlass der Verfügung vom 11. August 2008 entwickelt hat (BGE 129 V 167 neues
Fenster E. 1 S. 169), eine Invalidenrente zusteht. Die von der Beschwerdeführerin am
20. August 2009 und am 26. Januar 2010 eingereichten Arztberichte (G act. 12 und 16)
können deshalb im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden. Sie sind
jedoch im Rahmen einer Neuanmeldung von der Beschwerdegegnerin zu prüfen.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin rügt in der Replik formelle Mängel bei der Begutachtung
durchs ABI. Einerseits seien die Namen der untersuchenden Ärzte nicht vor der
Begutachtung bekannt gegeben worden, andererseits könne das ABI wegen
eigenmächtiger Einflussnahme des Leiters auf Teilgutachten nicht mehr als unabhängig
betrachtet werden (G act. 6). Diese Rügen sind vorab zu beurteilen.
2.2 Der Zweck der Ausstandspflicht nach Art. 36 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) besteht darin, jede
Befangenheit oder Interessenkollision sowie jeden entsprechenden Anschein zu
vermeiden: Die Ausstandspflicht soll die objektive Prüfung durch eine unparteiische
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und unvoreingenommene Behörde gewährleisten. Das Vorliegen von
Ausstandsgründen ist von Amtes wegen zu beachten (Kölz/Häner,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl. 1998, Rz. 247;
Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Rz. 15 zu Art. 36 ATSG). Nach der
Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und
Ablehnungsgründe, wie sie für das Gericht vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit
anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die
Unparteilichkeit zu erwecken (BGE 132 V 93 E. 7.1). Bei der Befangenheit handelt es
sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es
braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die
sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände
vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit
zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der
Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer
Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als
begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 120 V 364 E. 3). Ist also eine
Befangenheit oder ein Anschein derselben zu bejahen, so wird das entsprechende
Beweismittel in seiner Qualität zerstört und muss aus den Akten gewiesen werden. Im
vorliegenden Fall liegen keine Hinweise vor, dass das Gutachten vom 6. März 2008
"manipuliert" worden wäre. Das Gutachten ist von sämtlichen untersuchenden Ärzten
unterzeichnet worden. Damit bezeugen sie, dass der Inhalt des Gutachtens mit ihren
eigenen Befunden und Beurteilungen übereinstimmt. Sodann ist nicht ersichtlich, in
welcher Art und Weise der Leiter des ABI auf das vorliegende Gutachten Einfluss
ausgeübt haben sollte. An der konkreten Begutachtung hat er nicht teilgenommen.
Ebensowenig scheint ein Befangenheitsgrund bei den einzelnen Gutachtern
vorzuliegen. Im zitierten Entscheid vom 8. August 2008 (2000 76 8669tV) hat das
Verwaltungsgericht des Kantons Bern lediglich aus formellen Gründen die Beschwerde
gutgeheissen, weil die IV-Stelle es unterlassen hatte, eine anfechtbare
Zwischenverfügung zu erlassen. Ob die geltend gemachten Befangenheitsgründe
tatsächlich ausgereicht hätten, ist damit nicht entschieden worden. Ohne konkrete
objektive Hinweise auf eine Befangenheit der hier beteiligten Gutachter des ABI kann
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deshalb nicht ein Anschein der Befangenheit bejaht werden. Die Beschwerde ist
diesbezüglich unbegründet.
2.3 Sodann ist nach der von der Beschwerdeführerin zitierten
Bundesgerichtsrechtsprechung nicht erforderlich, dass die Namen der Gutachter
zeitgleich mit der Anordnung über die Begutachtung bekannt zu geben sind. Es
genügt, wenn die Namen der Gutachter der versicherten Person erst zu einem späteren
Zeitpunkt eröffnet werden (BGE 132 V 376 E. 8.4). In der Mitteilung vom 8. Mai 2007
hat die IV-Stelle denn auch darauf hingewiesen, dass die Namen der beteiligten
Fachärzte noch nicht bekannt seien und ihr zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt
würden. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, ob das ABI dieser Pflicht nachgekommen
ist. Sinn und Zweck von Art. 44 ATSG ist, die Mitwirkungsrechte der Versicherten
einheitlich auszugestalten. Die Bekanntgabe der Namen dient dem Ziel, das
Abklärungsverfahren der Sozialversicherer derart zu vereinheitlichen, dass dieses nicht
im Nachhinein wegen formeller Mängel in Zweifel gezogen und das Gutachten
nachträglich wegen gesetzlicher Ausstands- und Ablehnungsgründe in der Person des
Gutachters als beweisuntauglich erklärt werden muss (BGE 132 V 376 E. 7.3). Die
vorgängige Mitteilung hat also zum Zweck, dass Ausstands- und Ablehnungsgründe
rechtzeitig geltend gemacht werden können. In der Replik werden nun
Ausstandsgründe gegen das ABI in seiner Gesamtheit geltend gemacht. Gegen die
beteiligten Ärzte, welche die Untersuchung vorgenommen haben, sind hingegen weder
nach der Begutachtung noch im Beschwerdeverfahren konkrete Ausstandsgründe
vorgebracht worden. Damit stellt die unterlassene Bekanntgabe der Namen keinen
wesentlichen Formmangel dar, der eine Aufhebung der Verfügung rechtfertigen würde.
3.
3.1 Streitig ist ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Nach aArt. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht der Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%,
derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente. Gemäss
aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch einen
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Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Bei nicht
erwerbstätigen Versicherten im Sinne von aArt. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im
Haushalt tätigen Personen – wird hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf
abgestellt, in welchem Mass eine Behinderung besteht, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 27 IVV). Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Personen gilt unter anderem die übliche
Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV). Bei versicherten
Personen, die nur zum Teil erwerbstätig wären, wird die Invalidität diesbezüglich nach
Art. 16 ATSG festgelegt. Wären sie daneben in einem Aufgabenbereich tätig, so wird
die Invalidität für diese Tätigkeit nach aArt. 28 Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall
sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich
festzustellen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden
Bereichen zu bemessen (aArt. 28 Abs. 2 IVG). Diese Art der Invaliditätsbemessung
wird praxisgemäss als gemischte Methode bezeichnet.
3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es
auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
bis
bis
ter
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medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin zu 50% als Erwerbstätige
und zu 50% als im Haushalt Tätige qualifiziert. Die Qualifikation als Teilerwerbstätige ist
vorliegend nicht zu beanstanden, nachdem die Beschwerdeführerin übereinstimmend
in der Abklärung vor Ort und im Beschwerdeverfahren angegeben hat, im
Gesundheitsfall wäre sie weiterhin 50% erwerbstätig (IV-act. 55, G. act. 1). Für die
Invaliditätsbemessung ist deshalb die gemischte Methode anzuwenden.
4.2 Die Höhe der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse hängt vor allem von der
ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung ab, d.h. davon, in welchem Umfang für die
versicherte Person noch eine Tätigkeit in Betracht fällt (BGE 125 V 261 E. 4). Die
Beschwerdegegnerin stellt auf die Ergebnisse der Begutachtung durch das ABI ab,
nach welchen der Beschwerdeführerin leichte bis mittelschwere Tätigkeiten sowie die
Tätigkeit im Haushalt uneingeschränkt zumutbar seien. Die Beschwerdeführerin
verlangt dagegen eine neue Untersuchung. Sie macht unter anderem geltend, das ABI-
Gutachten sei tendenziös und unsorgfältig. Der komplexe Unfallhergang sei zu wenig
berücksichtigt worden (G act. 1.1). Die Gutachten des ABI zeichnen sich in der Regel
durch eine sorgfältige Aktenauflistung und Anamnese aus. Vorliegend scheinen jedoch
Mängel vorzuliegen. Wie Dr. D._ in seinem Bericht vom 23. Mai 2008 zu Recht
kritisiert, ist bei der Anamneseerhebung aus internistischer Sicht durch das ABI der
weitere Krankheitsverlauf seit den (den Gutachtern vorgelegenen) Arztberichten vom 6.
und 12. Februar 2007 (IV-act. 19 und 20) nicht erhoben worden. Einzig das aktuelle
MRI der Klinik Stephanshorn vom Oktober 2007 sowie der Arztbericht von Dr. med.
F._, Gynäkologie und Geburtshilfe FMH, vom 29. Mai 2007, wurden noch
berücksichtigt. Hätte man dagegen beispielsweise beim Hausarzt einen aktuellen
Zwischenbericht verlangt, hätten die Gutachter über die gastrale Unverträglichkeit und
den vorübergehenden Einnahmeunterbruch der Psychopharmaka sowie über den
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Stopp von NSAR Kenntnis gehabt. Der Hinweis auf eine fehlende Compliance im
Zusammenhang mit der antidepressiven Medikation schlägt daher fehl und rückt die
Beschwerdeführerin in ein falsches Licht.
4.3 Die Beschwerdeführerin leidet aus somatischer Sicht an einem chronischen
zervikalen Schmerzsyndrom mit intermittierender hemikorporeller Ausdehnung links bei
St. n. Autounfall (komplexer Mechanismus) mit HWS-Distorsionstrauma am 11. April
2006 und kernspintomographischer Fehlhaltung sowie degenerativer Veränderung im
Bereich der HWS. Der Neurologe des ABI hat dazu im Gutachten vom 6. März 2008
angegeben, eine Wurzel- oder Myelonirritation sei im MRI nicht zur Darstellung
gekommen. Auch fänden sich keine posttraumatischen strukturellen Veränderungen.
Bei der klinischen Untersuchung hätte sich eine allseits massive Einschränkung der
HWS-Beweglichkeit gezeigt, die den freien Nackenbewegungen während der
Anamneseerhebung widerspreche. Ein Hartspann oder Myogelosen hätte sich bei der
HWS-Muskulatur nicht ertasten lassen. Zusammengefasst seien die angegeben
Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeitsfähigkeit
diskrepant zu den klinisch fehlenden Befunden; auch entspreche der Verlauf mit
Zunahme der Schmerzintensität und Ausbreitung der Schmerzen auf den gesamten
Hemikorpus nicht dem natürlicherweise nach einem HWS-Distorsionstrauma zu
erwartenden Verlauf. Es sei von einer Schmerzverarbeitungsproblematik auszugehen.
Auffallend sei auch die weitgehende Regression im Alltag, wobei hier ein sekundärer
Krankheitsgewinn zu vermuten sei. Auf Grund der neurologischen Diagnosen und
Befunde könne keine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden, auch nicht für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit. Gegenüber dem Bericht der Neurologin Dr. med. G._,
Fachärztin für Neurologie FMH, vom 18. Juni 2007 würden sich keine Diskrepanzen
ergeben, denn auch sie habe keinen pathologischen Befund objektivieren können. Sie
habe die angegebene Sensibilitätsstörung als funktionell beurteilt und den Verdacht
geäussert, dass psychologische Faktoren einer Besserung der
Beschwerdesymptomatik entgegen stünden (IV-act. 40-15/25). Im genannten Bericht
(Suva-act. 77) hat Dr. G._ im Unterschied zu den ABI-Gutachtern dennoch eine
gewisse Einschränkung der Arbeitsfähigkeit angenommen (höchstens 40%), deren
Einschätzung allerdings als schwierig bezeichnet und überdies angemerkt, dass
spätestens zwei Jahre nach dem Trauma (April 2006) wieder eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit als Raumpflegerin erreicht werden sollte. Auch die
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Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Valens weicht gemäss ihrem Bericht vom
6. Februar 2007 von der Einschätzung der ABI-Gutachters ab, wird dort der
Beschwerdeführerin doch eine Tätigkeit im angestammten Beruf als zu 50% zumutbar
erachtet (IV-act. 19). Allerdings war diese Einschätzung nach dem stationären
Aufenthalt im August/September 2006 im Hinblick auf einen Arbeitsversuch beim
früheren Arbeitgeber gemacht worden. Somatischerseits sind dem Bericht der Klinik
Valens indessen keine Befunde zu entnehmen, die vom neurologischen ABI-Gutachter
nicht berücksichtigt worden sind. Trotzdem bestehen Anhaltspunkte dafür, dass aus
objektiver Sicht die degenerativen Veränderungen an der HWS fortschreitend sind. So
ist dem MRI vom 9. Oktober 2007 zu entnehmen, dass eine persistierende zervikale
Streckfehlhaltung mit flachbogiger Kyphosierung C2-C6 und einer stationären
leichtgradigen postero-rechtslateralen Spondylophytose/Uncartrose C3/4 und
angedeutet auch C4/5 mit diskret progredienter, weiterhin nur geringgradiger Begleit-
Diskusprotrusion beziehungsweise initialer subligamentärer Sandwich-Hernie C3/4 und
diskreter Diskusprotrusion C4/5 besteht. Sodann liegt ein stationäres Ausmass der
vorwiegend spondylogen/uncarthrotisch bedingten mittelgradigen Foraminaleinengung
C3/4 rechts und weniger ausgeprägt auch C4/5 rechts ohne Wurzelkompression vor;
eine Wurzelirritation C4 rechts ist allerdings möglich. Weiter besteht eine minimal
progrediente mediane Diskusprotrusion C5/6 mit geringer ventraler Impression und
Einengung des Duralschlauchs, ohne Myelonkompression sowie eine stationäre
spondylogen-diskale leichte Duralschlaucheinengung C3/4 und C4/5 ohne
Myelonkompression (IV-act. 40-21/25). Der untersuchende Arzt konnte bei
fortschreitender Degeneration im Bereich der HWS eine Wurzelirritation C4 nicht
ausschliessen. Auch wenn das chronische Zervikalsyndrom allein keine andauernde
Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen kann, können die gesundheitlichen Einschränkungen
der Beschwerdeführerin aus qualitativer Sicht damit nicht gänzlich in Abrede gestellt
werden, so dass ein Leidensdruck begründet ist. Vor diesem Hintergrund ist die
Begründung des ABI betreffend der Arbeitsfähigkeitsschätzung aus neurologischer
Sicht etwas knapp begründet.
4.4 Die morbide Adipositas, an der die Beschwerdeführerin weiter leidet, begründet
rechtsprechungsgemäss keine zu Rentenleistungen berechtigende Invalidität, wenn sie
nicht körperliche oder geistige Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen
Schäden ist (ZAK 1984 S. 345 E. 3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom
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21. März 2007 i.S. B. [I 745/06] E. 3.1). Solche Schäden sind vorliegend nicht
ersichtlich, weshalb sich die Adipositas nicht arbeitsfähigkeitsmindernd auswirkt.
4.5 Unbestrittenermassen sind die Beschwerden der Beschwerdeführerin aber
hauptsächlich psychisch zu erklären. Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich
geltend, die psychiatrische Diagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung des ABI
widerspreche den bisherigen ärztlichen Diagnosestellungen einer somatoformen
Schmerzstörung. Ausserdem entsprächen die anamnestischen Angaben nicht der
Realität. Die Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihrer Familie sei viel schlechter als
im Gutachten angegeben. Aus Scham habe sie auch nicht von der gestörten sexuellen
Beziehung zu ihrem Ehemann und ihren diesbezüglichen Beschwerden berichtet (G
act. 1 und 10.1). Der begutachtende Psychiater hat seine Diagnose damit begründet,
dass die Beschwerdeführerin vor dem Unfall zwar durch ihre Berufstätigkeit und
Aufgabe als Hausfrau und Mutter belastet gewesen sei. Sie habe aber nicht darunter
gelitten und sei von ihrem Ehemann unterstützt worden. Es lägen also keine Hinweise
auf psychosoziale oder emotionale Belastungsfaktoren vor dem Unfall vor. Die
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung treffe daher nicht zu.
Vielmehr handle es sich um eine Schmerzverarbeitungsstörung im Sinn einer
psychischen Überlagerung von (nicht objektivierbaren) somatischen Beschwerden und
einer ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung. Die Beschwerdeführerin zeige
aber keinen Leidensdruck. Bei der psychiatrischen Untersuchung habe sie einen
lebhaften, aktiven und heiteren Eindruck gemacht; psychopathologische Symptome
hätten nicht festgestellt werden können. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Schmerzverarbeitungsstörung habe keinen
Krankheitswert, eine psychiatrische Komorbidität liege nicht vor. Es gebe auch keine
Hinweise auf unbewusste Konflikte, ein primärer Krankheitsgewinn sei somit nicht
vorhanden. Es sei der Beschwerdeführerin daher zuzumuten, ihre subjektive
Krankheitsüberzeugung zu überwinden und trotz der geklagten Beschwerden,
ganztags einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen (IV-act. 40-10/25 f.). Auch wenn nicht
auszuschliessen ist, dass entgegen der Beurteilung des ABI-Gutachters psychosoziale
und emotionale Belastungsfaktoren für die Entwicklung des Beschwerden
mitursächlich waren, kann die Frage letztlich offen bleiben, ob nun die Kriterien einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung oder einer Schmerzverarbeitungsstörung
erfüllt sind. Die psychiatrische Diagnose allein lässt keinen Schluss auf eine
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gesundheitlich bedingte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit zu (vgl. BGE 132 V 65 E.
3.4). Entscheidend ist vielmehr, ob medizinischerseits ein psychopathologischer
Befund, eine psychische Erkrankung also und eine daraus resultierende
Arbeitsunfähigkeit festgestellt werden. Diese Frage hat der begutachtende Psychiater
des ABI gänzlich verneint, während der Hausarzt, die behandelnde Psychiaterin sowie
weitere seit dem Unfall vom 11. April 2006 mit der Beschwerdeführerin befassten Ärzte
eine Einschränkung in unterschiedlichem Umfang angenommen haben bzw. noch
annehmen.
4.6 Der Behauptung, dass die Gesamtheit der Beschwerden einen Einfluss auf die
Leistungsfähigkeit haben könnte, kann nach dem Gesagten dennoch nicht jede
Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Die Beschwerdeführerin wird seit Mai 2007
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert, die von der Suva bis Ende 2007 (unfallbedingt)
anerkannt worden ist. Das ABI geht von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit bereits
wenige Wochen nach dem Unfall aus (IV-act. 40-17/25). Auch die Klinik Valens oder Dr.
G._ haben eine höhere Arbeitsunfähigkeit als das ABI attestiert. Rein aus
medizinischer Sicht ist der Umfang der verbliebenen zumutbaren Leistungsfähigkeit
nicht überzeugend dargetan. Immerhin erscheint es unwahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin zu mehr als 50% arbeitsunfähig ist, denn dies wird auch vom
Rechtsvertreter nicht geltend gemacht. Auf eine Rückweisung zur vertieften Abklärung
kann jedoch verzichtet werden, weil bei der Invaliditätsbemessung nach der
gemischten Methode entsprechend der bundesgerichtlichen Praxis auch bei der
Annahme einer 50%igen Arbeitsfähigkeit keine Rente resultiert, wie nachfolgend
gezeigt wird.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin hat verschiedene Tätigkeiten als Hilfsarbeiterin
nebeneinander, zum Teil auch auf Abruf, zu insgesamt etwa 50% ausgeübt. Daher
rechtfertigt es sich, das Valideneinkommen anhand von statistischen Zahlen zu
bestimmen. Das Invalideneinkommen entspricht dem Verdienst, den die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Das im Gesundheitsfall geleistete Arbeitspensum
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bildet somit eine zeitliche Schranke für die Verwertbarkeit der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts vom 14. August 2008 i/S. M [9C_213/2008]
E.3.1). Weil die Beschwerdeführerin seit Eintritt des Gesundheitsschadens keine
Erwerbstätigkeit mehr aufgenommen hat, ist auch für die Ermittlung des
Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne abzustellen. Damit ist - im Ergebnis - ein
Prozentvergleich zu tätigen. Bei der reinen Einkommensvergleichsmethode entspricht
der Invaliditätsgrad unter solchen Verhältnissen dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung eines zusätzlichen "Leidensabzuges" vom Tabellenlohn (Urteile des
Bundesgerichts i/S. M. vom 8. Juni 2005 [I 552/04] E. 3.4 und i/S. Z. vom
19. November 2003 [I 479/03] E. 3.1). Bei der gemischten Methode wird, wenigstens
solange das im Gesundheitsfall geleistete Erwerbspensum gleich oder grösser ist als
die verbliebene Restarbeitsfähigkeit, im Gegensatz zur reinen
Erwerbseinkommensvergleichsmethode lediglich der Leidensabzug berücksichtigt, die
verminderte Arbeitsfähigkeit jedoch nicht. Dies führt zu folgendem Ergebnis: Die
Beschwerdeführerin könnte im hier vorliegenden Fall im Rahmen eines erwerblichen
Pensums von 50% ihre Restarbeitsfähigkeit von 50% voll verwerten, weshalb die
Erwerbseinbusse lediglich auf Grund eines zusätzlichen Abzuges angenommen wird
und dieser den Teilinvaliditätsgrad darstellt. Nach der Auffassung des
Versicherungsgerichts wäre allerdings auch der Faktor der Arbeitsfähigkeit (hier 50%)
anteilsmässig beim Teilzeitpensum zu berücksichtigen (vgl. dazu etwa Urteil vom
9. Mai 2006 [IV 2005/88]. Gegen eine Praxisänderung hat sich das Bundesgericht
jedoch wiederholt ausgesprochen (vgl. etwa das oben genannte Urteil 9C_213/2008).
Es ist deshalb lediglich zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin ein zusätzlicher Abzug zu
gewähren ist.
5.2 Die Beschwerdegegnerin hat beim Einkommensvergleich keinen zusätzlichen
Abzug zugelassen. Der oftmals als "Leidensabzug" bezeichnete Abzug hat nichts mit
dem Leiden zu tun. Vielmehr sollen damit jene Nachteile ausgeglichen werden, welche
die versicherte Person bei der Anwendung statistischer Daten für das
Invalideneinkommen erleidet. Die Invalidität bewirkt – neben der Arbeitsunfähigkeit –
auf den realen Arbeitsmarkt bezogen eine zusätzliche Lohneinbusse. Denn die
statistischen Tabellenlöhne werden auf der Grundlage von Daten gesunder
Arbeitnehmer erhoben. Solche Werte erreicht der invalide Arbeitnehmer im Allgemeinen
nicht. Vielmehr muss er in der Entwicklung des Invaliditätseinkommens
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beziehungsweise der Invalidenkarriere mannigfaltige Nachteile gewärtigen (vgl.
BGE 126 V 75 neues Fenster zum Leidensabzug). Die Beschwerdeführerin ist
körperlich und psychisch gegenüber einer gesunden Konkurrentin mit gleichem
Teilpensum klar benachteiligt, so dass sie eine Lohneinbusse wird in Kauf nehmen
müssen. Sie kann auch nicht in gleicher Art und Weise wie Gesunde Überstunden
leisten und wird krankheitshalber häufiger ausfallen. Allerdings ist bei Frauen im tiefsten
Anforderungsniveau die Teilzeitarbeit hochgerechnet auf ein Vollpensum statistisch
gesehen besser entlöhnt als Vollzeitarbeit (vgl. Tabelle T2* der LSE 2006, S. 16).
Insgesamt erscheint deshalb ein Abzug von 10% als angemessen. Der
Teilinvaliditätsgrad im Erwerb beträgt nach dem rechtsprechungsgemässen
Einkommensvergleich gemäss der gemischten Methode somit 10%.
5.3 Zu prüfen bleibt die Einschränkung im Haushalt. Gemäss Abklärungsbericht
27. Juni 2007 beträgt die Einschränkung unter Berücksichtigung einer umfangreichen
Mithilfe der Familie 27% (IV-act. 32). Das ABI hat diese Einschätzung als unzutreffend
erklärt und angegeben, auf Grund der vorliegenden Befunde bestehe auch im Haushalt
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 40-17/25). Entgegen ihrer sonstigen
Praxis hat die Beschwerdegegnerin nicht auf das Ergebnis ihrer Abklärungsperson
abgestellt, sondern auf die Beurteilung des ABI. Sie hat dies damit begründet, dass
sich die Haushaltsabklärung auf subjektive Angaben der Beschwerdeführerin stütze
und das Gutachten dagegen objektiv die Leistungsfähigkeit beurteilt habe (IV-act. 56).
Damit bestätigt sie gerade selbst die Unzuverlässigkeit des üblichen Vorgehens bei der
Abklärung vor Ort. Richtig wäre eine vorgängige Beurteilung der zumutbaren
Leistungsfähigkeit durch Ärzte oder Ergonomie-Therapeuten. Wie bereits weiter oben
gezeigt worden ist, überzeugt das ABI-Gutachten an sich nicht vollumfänglich. Doch
selbst wenn man auf die ermittelte Einschränkung von 27% im Haushalt abstellen
würde, würde daraus keine rentenbegründende Invalidität resultieren, so dass auch
betreffend die Einschränkung im Haushalt keine weitere Abklärung erforderlich ist.
5.4 Gemäss der gemischten Methode nach Praxis des Bundesgerichts ergibt sich
nämlich für den Teilbereich Erwerb im Ergebnis lediglich eine Einschränkung von 10%;
für beide Teilbereiche zusammen beträgt der Invaliditätsgrad 18.5% ([10% x 0.5] +
[27% x 0.5]). Weil die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen als Teilerwerbstätige
zu qualifizieren ist, resultiert ein Invaliditätsgrad, der unter 40% liegt, weshalb sie
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Die Verfügung vom 11. August 2008
erweist sich damit im Ergebnis als korrekt.
6.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Als unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin die
Gerichtskosten zu bezahlen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Mit dem von ihr geleisteten
Kostenvorschuss im Verfahren IV 2008/365 in gleicher Höhe ist die geschuldete
Gerichtsgebühr getilgt. Ein Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht nicht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG