Decision ID: 5612f882-1f0c-5111-a8a5-7d5a3e9eccad
Year: 2005
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Am 24. März 2004 schrieb das AGG Planungsarbeiten für das Sekundärsystem
(Gebeäudetechnik, Laborbau, Betriebsplanung) des Naturwissenschaftlichen Zentrums der
Universität Bern im offenen Verfahren öffentlich aus.
Für die Planung der Gebäudetechnik bewarben sich insgesamt 27 Planungsbüros. Die
Anbietenden der besten sechs Angebote wurden eingeladen, ihre Angebote mit Hilfe einer
kurzen Präsentation zu erläutern.
Mit Verfügung vom 20. September 2004 erteilte das AGG den Zuschlag der im ersten
Rang liegenden Beschwerdegegnerin.
2. Gegen diese Zuschlagsverfügung erhoben die Beschwerdeführerinnen bei der
kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) am 20. September 2004
Beschwerde. Sie beantragen in verfahrensrechtlicher Hinsicht, ihnen sei volle
Akteneinsicht zu gewähren und es sei ihnen danach die Möglichkeit zur Ergänzung der
Beschwerde bzw. zu einer Replik einzuräumen. In materieller Hinsicht beantragen sie, die
angefochtene Zuschlagsverfügung sei aufzuheben und der Zuschlag sei den
Beschwerdeführerinnen zu erteilen. Eventualiter sei die Sache „zur korrekten Auswertung
und zur Vornahme des Zuschlages an die Beschwerdeführenden“ an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, das AGG habe ihnen nach dem Zuschlag
nicht vollständige Akteneinsicht gewährt. Im Übrigen habe es den ihm zustehenden
Ermessensspielraum bei der Bewertung der Angebote überschritten, indem es bei der
Bewertungsphase 3 bei allen Angeboten zwei Zuschlagskriterien neu bewertet habe. Ein
solches Vorgehen verstosse gegen das verfassungsmässige Willkürverbot. Die
Auswertung der Angebote sei durch die Firma H._ vorgenommen worden. Es
bestehe der begründete Verdacht, dass diese Firma in einem sehr engen wirtschaftlichen
und persönlichen Verhältnis zur Beschwerdegegnerin stehe.
3. Die Beschwerdegegnerin beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen. Im Übrigen sei
3
den Beschwerdeführerinnen die Einsicht in die Offerte der Beschwerdegegnerin zu
verweigern. Die Beschwerdegegnerin weist darauf hin, das AGG habe den
Beschwerdeführerinnen während der Beschwerdefrist alle Akten zugestellt, welche für den
Zuschlag massgebend gewesen seien. Es sei ihnen daher möglich gewesen, ihre
Beschwerde sachgerecht zu begründen. Es sei durchaus zulässig, Bewertungen von
Angeboten während eines Beschaffungsverfahrens zu ändern. Die Bewertung von
Angeboten sei ein Prozess, bei dem der Vergabebehörde ein weiter Ermessensspielraum
zustehe. Die Schlussbewertung der Angebote werde von den Beschwerdeführerinnen nicht
beanstandet. Die Beschwerdegegnerin sei noch nie mit der Firma H._ in einer
Arbeitsgemeinschaft tätig gewesen. Ein Ausstandsgrund liege nicht vor.
Das AGG beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene
Zuschlagsverfügung sei zu bestätigen. Eine vollständige Akteneinsicht könne wegen dem
Grundsatz der Vertraulichkeit nicht gewährt werden. Das AGG habe den
Beschwerdeführerinnen während der Beschwerdefrist sämtliche Akten, welche Grundlage
der Zuschlagsverfügung bildeten, zugestellt. Den Beschwerdeführerinnen sei es somit
möglich gewesen, ihre Beschwerde sachgerecht zu begründen. Die Rüge, wonach
einzelne Mitglieder des Beurteilungsgremiums befangen gewesen seien, treffe nicht zu.
Korrekturen in der Bewertung beruhten auf einer Beurteilung des gelebten
Projektmanagements, welches erst im Rahmen der Präsentation habe bewertet werden
können. Die Bewertung der einzelnen Zuschlagskriterien sei sachgerecht erfolgt.
4. Das Rechtsamt der BVE, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte
einen zweiten Schriftenwechsel durch und stellte den Beschwerdeführerinnen die Vorakten
des AGG – zunächst ohne Offerte der Beschwerdegegnerin – zur Einsichtnahme zu.
Daraufhin stellte das Rechtsamt den Beschwerdeführerinnen und der Beschwerdegegnerin
nachträglich die Konkurrenzofferte der Gegenpartei zu. Die Akteneinsicht wurde dabei
insoweit eingeschränkt, als die Angaben zum Jahresumsatz im Bereich Gebäudetechnik
abgedeckt und bei den Referenzobjekten die Namen der Kundinnen und Kunden
anonymisiert wurden. Die Verfahrensbeteiligten erhielten gleichzeitig Gelegenheit,
Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE, BSG 155.221.191)
4
Auf die einzelnen Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den
Erwägungen zurückzukommen sein.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Nach Art. 12 Abs. 1 ÖBG2 können Verfügungen kantonaler Auftraggeberinnen und Auftrag-
geber mit Beschwerde bei der in der Sache zuständigen Direktion des Regierungsrates
angefochten werden. Die BVE ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig,
da die angefochtene Zuschlagsverfügung vom AGG erlassen wurde. Die
Beschwerdeführerinnen sind durch die angefochtene Verfügung beschwert und somit
unbestritten zur Beschwerde befugt. Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Akteneinsicht
Die Beschwerdeführerinnen rügen, das AGG habe ihnen keine vollständige Einsicht in die
Vorakten gewährt. Es sei ihnen daher nicht möglich gewesen, die Bewertungen der
Angebote nachzuprüfen und den Zuschlag sachgerecht anzufechten.
a) Das kantonale Beschaffungsrecht (ÖBG, ÖBV) enthält keine Regelungen über das
Akteneinsichtsrecht. Art. 11 Bst. g IVöB3 hält einzig fest, dass bei der Vergabe der
Grundsatz der Vertraulichkeit von Informationen einzuhalten ist. Art. 23 Abs. 1 VRPG4
bestimmt, dass die Parteien Anspruch auf Einsicht in die Verfahrensakten haben, soweit
nicht überwiegende öffentliche oder private Interessen deren Geheimhaltung erfordern.
„Verwehrt werden darf nur die Einsicht in das Aktenstück oder diejenigen Unterlagen, die
2 Gesetz vom 11. Juni 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBG; BSG 731.2) 3 Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen vom 25. November 1994 (IVöB; SR 172.056.4) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
5
im überwiegenden öffentlichen oder privaten Interesse nicht bekannt gegeben werden
sollen, nicht die Einsicht in das gesamte Dossier. Auch einzelne Aktenstücke, an denen
überwiegende Geheimhaltungsinteressen bestehen, dürfen nur soweit der Einsicht
entzogen werden, wie es die Geheimhaltung erfordert.“5
Es ist unbestritten, dass das AGG den Beschwerdeführerinnen nach der
Zuschlagsverfügung keine vollständige Akteneinsicht gewährt hat. Es hat ihnen
insbesondere die Einsicht in die Offerte der Beschwerdegegnerin mit der Begründung
verweigert, diese enthalte schutzwürdige Informationen. Den Parteien wurden während des
Beschwerdeverfahrens jedoch sämtliche originalen Beschaffungsakten, darunter auch die
Konkurrenzofferte der Gegenpartei, zugestellt. Die Akteneinsicht wurde dabei insoweit
eingeschränkt, als die Angaben zum Jahresumsatz im Bereich Gebäudetechnik abgedeckt
und bei den Referenzobjekten die Namen der Kundinnen und Kunden anonymisiert
wurden. Die Beschwerdeführerinnen hatten die Möglichkeit, Schlussbemerkungen zum
Verfahren einzureichen. Der Verfahrensmangel der unvollständigen Akteneinsicht wurde
somit im Beschwerdeverfahren geheilt. Er ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
b) Die Beschwerdeführerinnen machen in ihren Schlussbemerkungen geltend, das
Abdecken der Namen der Auftraggebenden sowie der Projektnamen und -orte der
Referenzobjekte verunmögliche, die Qualität der Referenzen zu beurteilen. Der Nachweis,
dass die Referenzobjekte der Beschwerdegegnerin mit denjenigen der
Beschwerdeführerinnen nicht gleichwertig seien, könne nur erbracht werden, wenn
sämtliche Angaben zu den Referenzobjekten offen gelegt würden. Im übrigen sei es bei
einem Bauobjekt absurd, den Kundenkreis zu den Geschäftsgeheimnissen zu zählen.
Insbesondere bei grösseren Bauvorhaben würden die Namen der Planer und
Unternehmen bekannt gegeben.
Aus den einzelnen Referenzen geht hervor, welche Funktion und Tätigkeiten die
Beschwerdegegnerin im Rahmen der Referenzprojekte ausgeübt hat. Im Übrigen wird
darin die gesamte Bausumme aufgeführt, was auf die Grösse der Projekte schliessen lässt,
und es werden die einzelnen Leistungen gemäss SIA-Leistungsverzeichnis genannt,
welche die Beschwerdegegnerin erbracht hat. In einer kurzen Begründung wird
abschliessend ausgeführt, weshalb die konkrete Referenz ein besonders gutes Beispiel ist,
5 Peter Galli/André Moser/Elisabeth Lang, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, Schulthess 2003, N. 671 und 672
6
um die Fähigkeiten und Leistungen der Beschwerdegegnerin darzustellen. Diese
Informationen sind ausreichend, um die Qualität der Referenzen zu beurteilen und diese
mit Referenzen anderer Anbieterinnen und Anbieter vergleichbar zu machen. Die
Bekanntgabe der Namen der Auftraggebenden sowie der Projektnamen und -orte der
Referenzobjekte sowie der Kontaktpersonen ist dafür nicht erforderlich. Der Einwand der
Beschwerdeführerinnen ist daher unbegründet.
3. Befangenheit, Ausstand
Die Beschwerdeführerinnen weisen darauf hin, das AGG habe die Firma H._ mit
der Protokollführung bei den einzelnen Sitzungen der Beurteilungsgremien beauftragt. Es
bestehe der begründete Verdacht, dass diese Firma in einer engen Beziehung zur
Beschwerdegegnerin stehe und somit bei der vorliegenden Vergabe befangen gewesen
sei.
Die Anbietenden haben im Beschaffungsverfahren Anspruch auf Beurteilung ihrer Offerten
und Durchführung des gesamten Beschaffungsverfahrens einschliesslich
Zuschlagserteilung durch eine unabhängige und unvoreingenommene Vergabebehörde.
Für Beschaffungen kantonalbernischer Vergabestellen ergibt sich die Ausstandspflicht aus
Art. 9 Abs. 1 VRPG. Danach hat eine Person, die eine Verfügung oder einen Entscheid zu
treffen oder vorzubereiten oder als Mitglied einer Behörde zu amten hat, unter anderem in
den Ausstand zu treten, wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse hat (Bst. a) oder
am Vorentscheid mitgewirkt hat (Bst. b). Ausstandspflichtig ist nicht nur, wer selber verfügt
oder (mit-)entscheidet, sondern das Mitwirkungsverbot bezieht sich auf alle Personen, die
auf das Zustandekommen des Verwaltungsaktes Einfluss nehmen können. Dazu gehören
namentlich auch Sachbearbeiter oder Protokollführer mit beratender Funktion6.
Die Beschwerdeführerinnen äussern lediglich den Verdacht, dass die Firma H._ in
einer engen wirtschaftlichen Beziehung zur Beschwerdegegnerin stehen könnte. Sie
vermögen diesen nicht ausreichend zu belegen. Die Beschwerdegegnerin bestreitet denn
auch, jemals mit der Firma H._ in einer Arbeitsgemeinschaft tätig gewesen zu
sein. Im Übrigen ist vorliegend unbestritten, dass die fraglichen Sitzungsprotokolle der
einzelnen Beurteilungsgremien von zwei Mitarbeiterinnen der Firma H._ geführt
6 Peter Galli/André Moser/Elisabeth Lang, a.a.O., N. 523 mit Hinweisen
7
wurden. Die Beurteilungsgremien setzten sich jeweils aus Vertretern des AGG und der
Universität Bern zusammen. Nur die Mitglieder der Beurteilungsgremien verfügten bei der
Beurteilung der Angebote über eine Stimme. Dies traf auf die beiden Mitarbeiterinnen der
Firma H._ nicht zu, da diese nicht den Beurteilungsgremien angehörten und bei
den Sitzungen lediglich das Protokoll führten. Es liegen auch sonst keine Anhaltspunkte
vor, wonach die betroffenen Mitarbeiterinnen der Firma H._ in bei ihrer
Protokolltätigkeit in beratender Funktion tätig gewesen wären oder sonst in irgend einer
Form Einfluss auf die Beurteilung der Angebote genommen hätten. Der Einwand der
Beschwerdeführerinnen ist somit unbegründet.
4. Bewertung der Zuschlagskriterien
Im vorliegenden Fall ist insbesondere die Bewertung der beiden Zuschlagskriterien
„Aufgabenverständnis“ und „Organisation Team“ strittig.
a) Aus den Ausschreibungsunterlagen7 geht hervor, dass nach Eingang der Angebote
zunächst die Eignung der Anbietenden geprüft wurde (Bewertungsphase 1). Danach
erfolgte die Bewertung der Zuschlagskriterien in einem zweistufigen Prozess
(Bewertungsphasen 2 und 3). Die Zuschlagskriterien mit ihrer prozentualen Gewichtung
wurden in den Ausschreibungsunterlagen wie folgt festgelegt:
 Aufgabenverständnis 40 %
 Organisation Team 30 %
 Angebotener Stundenansatz h (LHO SIA 2003) 30 %
Zunächst wurden die Angebote der geeigneten Anbietenden auf ihre Übereinstimmung mit
den Zuschlagskriterien geprüft und mit 0 bis 3 Punkten provisorisch bewertet
(Bewertungsphase 2). Die Anbietenden der besten sechs Angebote wurden danach
eingeladen, ihre Angebote mit Hilfe einer kurzen Präsentation zu erläutern. Die Erläuterung
erfolgte vor einem Beurteilungsgremium, welches sich aus Vertretern des AGG und der
Universität Bern zusammensetzte. Aufgrund der Präsentation der Projektorganisation und
des Aufgabenverständnisses sowie der Beantwortung konkret formulierter Fragen wurde
die in der Bewertungsphase 2 vorgenommene provisorische Bewertung der
7 vgl. Vorkaten des AGG, Beilage 11, S. 3, Ziffer 1.3.3
8
Zuschlagskriterien auf ihre Richtigkeit überprüft (Bewertungsphase 3). Das Ergebnis der im
Beurteilungsgremium durchgeführten Diskussion wurde in einem Kurzprotokoll
stichwortartig festgehalten. Die Bewertung der Zuschlagskriterien erfolgte somit in zwei
Stufen im Rahmen eines Prozesses. Die Zuschlagskriterien wurden erst nach den
Präsentationen und Fragrunden bei den Beurteilungsgremien endgültig bewertet.
b) Die Anbietenden hatten die Erfüllung des Zuschlagskriteriums „Organisation Team“
mit einem Organigramm nachzuweisen, welches sie an der Präsentation näher erläutern
konnten. Beim Zuschlagskriterium „Aufgabenverständnis“ war unter anderem ein gutes
Verständnis der sogenannten Systemtrennung von zentraler Bedeutung8. Der Planung wird
dabei eine Struktur zugrunde gelegt, die das Ziel eines langfristig hohen Gebrauchswertes
sichert. Dabei wird zwischen drei Systemstufen unterschieden: Primär-, Sekundär- und
Tertiärsystem. Das Primärsystem versteht sich als unveränderbarer Rahmen des
Sekundärsystems und umfasst Elemente wie die Tragstruktur, die Gebäudehülle (Fassade
und Dach ) sowie die innere und äussere Erschliessung des Gebäudes. Das
Sekundärsystem bezieht sich demgegenüber vorwiegend auf den Innenausbau und die
technischen Installationen. Das Tertiärsystem schliesslich beinhaltet die Einrichtung, das
Mobiliar und die haustechnischen Apparate. Grundlage der Bewertung des
Zuschlagskriteriums „Aufgabenverständnis“ bildete einerseits die Offerte, andererseits die
Präsentation.
c) Die Beschwerdeführerinnen rügen, das AGG habe bei der Bewertungsphase 3 völlig
willkürlich „Veränderungen“ vorgenommen, die sich sachlich nicht rechtfertigten. So habe
das AGG das Angebot der Beschwerdegegnerin beim Kriterium „Organisation Team“ im
Rahmen der Bewertungsphase 3 ohne sachlichen Grund um 30 Punkte höher bewertet als
bei der Bewertungsphase 2, obschon das Organigramm nachträglich nicht mehr verändert
werden durfte. Beim Kriterium „Aufgabenverständnis“ sei das Angebot der
Beschwerdegegnerin im Rahmen der Bewertungsphase 3 um 10 Punkte angehoben
worden. Beim Angebot der Beschwerdeführerinnen sei die Punktzahl bei der
Bewertungsphase 3 dagegen unverändert belassen worden. Diese beiden sachlich nicht
gerechtfertigten Korrekturen hätten eine ungerechtfertigte Verschiebung der Punkte
zugunsten der Beschwerdegegnerin zur Folge gehabt. Die Höherbewertung der
Beschwerdegegnerin und die Tieferbewertung der Beschwerdeführerinnen nach der
Präsentation sei nur erfolgt, um den Zuschlag nicht dem wirtschaftlich günstigsten Angebot
8 vgl. Vorakten des HBA, Beilage 11, S. 10 und 11, Ziffer 3.2
9
der Beschwerdeführerinnen erteilen zu müssen.
d) Das AGG macht geltend, das aus erfahrenen Architekten bestehende fachlich
kompetente Beurteilungsgremium habe eine objektive Bewertung der Angebote
vorgenommen. Die Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin nach der Präsentation ihres
Angebots vom vierten auf den ersten Rang vorgerückt sei, erkläre sich dadurch, dass die
Beschwerdegegnerin mit ihrer Präsentation eine effiziente Projektorganisation und ein
gutes Verständnis der Systemtrennung nachgewiesen habe. Beim Kriterium „Organisation
Team“ sei das Organigramm sowohl formell (Organisationsstruktur) als auch materiell
(gelebtes Projektmanagement) geprüft worden. Das Organigramm der
Beschwerdeführerinnen sei mit 3 Punkten sogar besser bewertet worden als dasjenige der
Beschwerdegegnerin mit 2,75 Punkten. Damit ein Projekt erfolgreich sei, müssten aber
auch geeignete Informationsprozesse und -instrumente vorhanden sein. Neben aufbau-
und ablauforganisatorischen Regelungen hätten insbesondere Methoden und Techniken
zur Kommunikation und Konfliktbewältigung interessiert. Die Präsentation habe dazu
gedient, anhand konkreter Beispiele in Erfahrung zu bringen, ob das präsentierte
Organigramm auch umgesetzt werde. Korrekturen in der Bewertung seien nicht auf eine
Änderung des Organigramms zurückzuführen, sondern beruhten auf einer Beurteilung des
„gelebten Projektmanagements“, welche erst bei der Präsentation habe vorgenommen
werden können. Die Beschwerdeführerinnen hätten sich in ihrer Offerte zum wichtigen
Thema der Systemtrennung nicht geäussert, obschon die Ausschreibungsunterlagen klar
festgehalten hätten, dass ein langfristig hoher Gebrauchswert des Gebäudes gesichert
werden müsse. Die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerinnen anlässlich
ihrer der Präsentation hätten nicht überzeugt. Ihr Aufgabenverständnis sei daher bloss mit
der Note 2,25 bewertet worden. Die Beschwerdeführerinnen hätten ihre Position auf Rang
2 nach der Beurteilungsphase 2 aufgrund ihrer Präsentation nicht verbessern können. Die
Beschwerdegegnerin dagegen habe in ihrer Offerte klar auf die nötigen
Rahmenbedingungen der Systemtrennung hingewiesen und diese anlässlich ihrer
Präsentation verdeutlicht. Sie habe daher beim Thema „Aufgabenverständnis“ die
Höchstnote 3 erhalten und sei in der Gesamtbewertung auf Rang 1 vorgerückt.
e) Den Vergabestellen kommt bei der Beurteilung und Bewertung der Angebote wie bei
der Festlegung der Zuschlagskriterien, deren Gewichtung und den anzuwendenden
Bewertungsmethoden ein erheblicher Ermessensspielraum zu, in den die
Rechtsmittelinstanz nicht eingreift, es sei denn, dieser werde überschritten oder
10
missbraucht. Besondere Zurückhaltung ist namentlich dann angezeigt, wenn ein
Zuschlagskriterium in Frage steht, das die Vergabestelle aufgrund ihrer Vertrautheit mit
einer technischen Materie am ehesten zu beurteilen vermag9. Die Bewertung der Angebote
muss in sachlich haltbarer und nachvollziehbarer Weise erfolgen. Die Bewertung muss die
nachgefragte Leistung und den Preis widerspiegeln. Die Bewertungsmethode darf nicht zu
Ergebnissen führen, welche die bekannt gegebene Gewichtung der Zuschlagskriterien
verwischt oder gar umkehrt10.
Das Zuschlagskriterium „Organisation Team“ wurde beim Angebot der
Beschwerdegegnerin nach der Bewertungsphase 2 provisorisch mit 1,75 Punkten
bewertet. Die Gewichtung dieses Kriteriums, welche 30% betrug, wurde mit der Punktezahl
multipliziert. Es ergab sich somit eine Bewertungszahl von 52,5. Nach der Präsentation
(Bewertungsphase 3) wurde das Zuschlagskriterium „Organisation Team“ neu mit 2,75
Punkten bewertet. Dies hatte zur Folge, dass die Bewertungszahl beim Angebot der
Beschwerdegegnerin von 52,5 auf 82,5 Punkte (2,75 x 30) angehoben wurde. Diese
Neubewertung erfolgte wegen der guten Präsentation der Beschwerdegegnerin, welche
eine effiziente Projektorganisation nachzuweisen vermochte. Das Organigramm wurde
dabei – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerinnen – nicht geändert, sondern
bei der Präsentation nur näher erläutert. Das Beurteilungsgremium stellte fest, dass das
präsentierte Organigramm der Beschwerdegegnerin präziser war als in den
Bewerbungsunterlagen11. Die Anhebung der Punktzahl beim Kriterium „Organisation Team“
war somit sachlich gerechtfertigt. Die Auffassung des AGG ist nachvollziehbar und
überzeugt die BVE. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, wonach das AGG bei der
Bewertung dieses Zuschlagskriteriums seinen Ermessensspielraum missbraucht oder
überschritten hätte.
f) Aus den Vorakten ergibt sich weiter, dass das Zuschlagskriterium
„Aufgabenverständnis“ beim Angebot der Beschwerdegegnerin nach der Bewertungsphase
2 provisorisch mit 2,75 Punkten bewertet wurde. Die hohe Punktzahl wurde von der
Auftraggeberin damit begründet, dass sich die Beschwerdegegnerin zur wichtigen Frage,
wie die Systemtrennung (vgl. Erwägungen in Ziffer 4b) umzusetzen ist, in ihrer Offerte klar
9 VGE 21040 vom 4.5.2001 i.S. M. AG, E. 4b 10 Elisabeth Lang, Eignungs- und Zuschlagskriterien, Skript Vergabetagung Zürich, S. 7 11 vgl. Vorakten des AGG, Beilage 9, S. 5, Ziffer 2.2.3
11
geäussert und auf die nötigen Rahmenbedingungen verwiesen hat12. Die Gewichtung des
Zuschlagskriteriums „Aufgabenverständnis“, welche 40% betrug, wurde mit der Punktezahl
multipliziert. Nach der Bewertungsphase 2 ergab sich somit eine Bewertungszahl von 110
(2,75 x 40). Nach der Präsentation (Bewertungsphase 3) wurde das Zuschlagskriterium
„Aufgabenverständnis“ beim Angebot der Beschwerdegegnerin neu mit dem Maximum von
3 Punkten bewertet. Der Grund dafür lag darin, dass die Beschwerdegegnerin die
Umsetzung der Systemtrennung an der Präsentation zu verdeutlichen vermochte. Dies
hatte zur Folge, dass die Bewertungszahl von 110 auf 120 Punkte (3 x 40) angehoben
wurde. Die Beschwerdeführerinnen dagegen setzten sich in ihrer Offerte zu wenig mit der
Problematik der Systemtrennung auseinander. Sie haben sich zu diesem Punkt auch an
der Präsentation nicht klar geäussert. Dies hatte zur Folge, dass die Punktzahl beim
Kriterium „Aufgabenverständnis“ von 2,50 auf 2,25 Punkte reduziert wurde13. Die
Bewertungszahl wurde somit von 100 (2,5 x 40) auf 90 (2,25 x 40) herabgesetzt. Die
Bewertung der Angebote wurde von einem unbefangenen, aus Planungsspezialisten des
AGG und der Universität Bern zusammengesetzten Beurteilungsgremium vorgenommen.
Sie erfolgte zudem aufgrund der in der Ausschreibung bekannt gegebenen und
gewichteten Zuschlagskriterien. Die Schlussbewertung nach den Präsentationen ergab
schliesslich, dass das Angebot der Beschwerdegegnerin das wirtschaftlich günstigste war,
da es die Zuschlagskriterien am besten erfüllte14. Die ungleiche Bewertung der beiden
Angebote beim Kriterium „Aufgabenverständnis“ durch das Beurteilungsgremium
überzeugt und ist sachlich gerechtfertigt. Es besteht auch hier kein Anlass, als
Rechtsmittelinstanz in den Ermessensspielraum der Vorinstanz einzugreifen.
g) Zusammenfassend folgt, dass die Bewertung der Angebote im Rahmen der
festgelegten gewichteten Zuschlagskriterien erfolgte. Die Beschwerdeführerinnen machen
keine konkreten Gründe geltend, wonach die Vorinstanz ihren Ermessensspielraum bei der
Bewertung der Angebote überschritten oder missbraucht hätte. Es sind auch sonst keine
Anhaltspunkte ersichtlich, welche diesen Schluss zulassen würden. Die Beschwerde ist
daher auch in materieller Hinsicht unbegründet.
5. Zusammenfassung, Kosten
12 vgl. Vorakten des AGG, Beilage 13, S. 24 13 vgl. Vorakten des AGG, Beilage 3c 14 vgl. Vorakten des AGG, Beilage 3, Bewertung Phase 3
12
a) Aus diesen Erwägungen folgt, dass die Beschwerde abzuweisen und die
Zuschlagsverfügung des AGG vom 20. September 2004 zu bestätigen ist.
b) Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Das Obsiegen bzw. Unterliegen richtet sich nach Massgabe der in den
Rechtsschriften gestellten Anträge. Obsiegen oder unterliegen die Parteien nur teilweise,
so sind die Kosten grundsätzlich anteilsmässig aufzuteilen. Im vorliegenden Verfahren sind
die Beschwerdeführerinnen mit ihren Rechtsbegehren nicht durchgedrungen und im
Wesentlichen unterlegen. Obsiegt haben sie nur insofern, als ihre Rüge, das
Akteneinsichtsrecht sei verletzt worden, begründet ist. Bei diesem Verfahrensausgang sind
die Kosten des Beschwerdeverfahrens, welche auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'400.00
festgesetzt werden, den unterliegenden Beschwerdeführerinnen zu drei Vierteln und der
Beschwerdegegnerin zu einem Viertel aufzuerlegen. Die Beschwerdeführerinnen haften für
ihren Kostenanteil solidarisch (Art. 106 VRPG).
c) Nach Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die
Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen
Umstände eine Teilung oder Wettschlagung gebieten. Es rechtfertigt sich, den
Beschwerdeführerinnen drei Viertel der Parteikosten aufzuerlegen. Der vom Anwalt der
Beschwerdegegnerin gemachte Aufwand von Fr. 4'439.40 erscheint angemessen und wird
den Beschwerdeführerinnen zu Fr. 3'329.55 auferlegt. Sie haften dafür solidarisch (Art. 106
VRPG).