Decision ID: 5ebe2a1c-61b3-437f-8512-1fe979f0d17b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Aberkennung
Berufung gegen einen Beschluss des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 19. Oktober 2015 (CG150138-L)
- 2 -
Rechtsbegehren: (Urk. 1 S. 1)
"1. Es sei die am 8. September 2015 gewährte Rechtsöffnung im  Nr. ... des Betreibungsamtes Region Solothurn .
2. Die Gerichtskosten des Solothurner Verfahrens sind der Beklagten zu auferlegen und die zugesprochene Parteientschädigung sei .
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten."
Beschluss des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 19. Oktober 2015 (Urk. 5 S. 3 = Urk. 10 S. 3)
1. Auf die Klage wird nicht eingetreten.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 2'000.–.
3. Die Gerichtskosten werden der Aberkennungsklägerin auferlegt.
4. Es wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
5. [Schriftliche Mitteilung]
6. [Rechtsmittelbelehrung: Berufung, Frist 30 Tage]
Berufungsanträge:
der Aberkennungsklägerin und Berufungsklägerin (Urk. 9 S. 1):
"1. Es sei die am 8. September 2015 gewährte Rechtsöffnung im Betreibungsverfahren
Nr. ... des Betreibungsamtes Region Solothurn aufzuheben.
2. Die Gerichtskosten des Solothurnerverfahrens und der Folgeverfahren seien der
Berufungsgegnerin aufzuerlegen und es sei die der Berufungsgegnerin  Parteientschädigung aufzuheben, gleichzeitig sei der Berufungsklägerin eine Parteientschädigung für das erstinstanzliche Verfahren zuzusprechen.
3. Für den Fall der Nichtentscheidung sei das Bezirksgericht 1 Zürich anzuweisen,
über die Aberkennungsklage zu entscheiden.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Berufungsgegnerin."
- 3 -

Erwägungen:
1.a) Mit Eingabe vom 1. Oktober 2015 machte die Aberkennungsklägerin und
Berufungsklägerin (fortan Aberkennungsklägerin) ihre Klage mit eingangs aufge-
führtem Rechtsbegehren bei der Vorinstanz anhängig (Urk. 1). Mit Beschluss vom
19. Oktober 2015 trat die Vorinstanz auf die Klage nicht ein (Urk. 5 = Urk. 10).
b) Dagegen erhob die Aberkennungsklägerin mit Eingabe vom 19. November
2015 fristgerecht (Urk. 6, Briefumschlag zu Urk. 9) Berufung mit den eingangs
aufgeführten Anträgen (Urk. 9). Die Leistung des ihr mit Verfügung vom
26. November 2015 auferlegten Kostenvorschusses erfolgte innert Frist (Urk. 11,
Urk. 12).
c) Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. Da sich die Berufung so-
gleich als unbegründet erweist, kann auf die Einholung einer Berufungsantwort
verzichtet werden (Art. 312 Abs. 1 ZPO).
2. Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, beide Parteien seien als
Aktiengesellschaften im Handelsregister eingetragen, der Streit - die Rückzahlung
einer Darlehensschuld - drehe sich um eine Handelssache und der Streitwert für
eine Beschwerde in Zivilsachen ans Bundesgericht sei überschritten. Folglich sei
das Handelsgericht für die vorliegende Aberkennungsklage zuständig (Art. 6 ZPO,
§ 44 lit. b GOG/ZH). Entsprechend trat die Vorinstanz auf die Klage mangels
sachlicher Zuständigkeit bzw. zufolge fehlender Prozessvoraussetzung nicht ein
(Art. 59 ZPO, Art. 60 ZPO).
3.a) Mit ihrer Berufung anerkennt die Aberkennungsklägerin, dass die Voraus-
setzungen von Art. 6 Abs. 2 lit. b und c ZPO (Beschwerdemöglichkeit an das
Bundesgericht und Eintrag der Parteien in das schweizerische Handelsregister)
erfüllt sind. Dies bedarf somit keiner weiteren Erörterung. Sie wendet jedoch ein,
die dritte Voraussetzung für die Zuständigkeit des Handelsgerichts sei nicht erfüllt,
da die vorliegende Streitigkeit nicht die geschäftliche Tätigkeit einer der Parteien
betreffe. Vielmehr handle es sich um einen Streit zwischen einer Medizinalgeräte-
herstellerin und einer Forschungsgesellschaft, bei welchen die Darlehensgewäh-
- 4 -
rung nicht im Geschäftszweck liege. Dies sei denn auch aufsichtsrechtlich nicht
zulässig, da es hierfür eine Bewilligung der FINMA bedürfe. Der CEO der Darle-
hensgeberin - der Aberkennungsbeklagten und Berufungsbeklagten (fortan Aber-
kennungsbeklagte) - sei aktienrechtlich nicht kompetent, einer Fremdfirma aus
den Betriebsmitteln ein Darlehen zu gewähren. Dafür bedürfe es der Beauftra-
gung durch die Aktionäre, was vorliegend auch erfolgt sei. Da der CEO und Ver-
waltungsratspräsident lediglich Befehlsempfänger der Aktionäre gewesen sei,
könne sich der Streit gar nicht auf die geschäftliche Tätigkeit einer Partei bezie-
hen (Urk. 9 S. 2). Eine solche Tätigkeit könne nur ein Handelsgeschäft sein, bei
welchem es sich buchführungsrechtlich zwingend um einen erfolgswirksamen
Vorgang und nicht um einen lediglich bilanzwirksamen Aktiventausch handeln
müsse. Dem Email-Verkehr zwischen den Aktien-Eigentümern der Streitparteien
könne entnommen werden, dass es sich nicht um ein Handelsgeschäft handle
(Urk. 9 S. 3).
b) Der Begriff der handelsrechtlichen Streitigkeit bestimmt sich ausschliesslich
nach Art. 6 Abs. 2 ZPO, mithin nach Bundesrecht. Der Begriff der geschäftlichen
Tätigkeit (Art. 6 Abs. 2 lit. a ZPO) ist nach allgemeiner Auffassung des Bundesge-
richts und der herrschender Lehre weit zu fassen. Darunter fallen nicht nur das
eigentliche Kerngeschäft, sondern auch Hilfs- und Nebengeschäfte, also den Ge-
schäftsbetrieb bloss unterstützende Geschäfte, wobei die Lehre teils einen losen
Zusammenhang mit der geschäftlichen Tätigkeit genügen lassen will. Anknüp-
fungspunkt ist sodann nicht die Natur des Anspruchs, sondern der geschäftliche
Bezug des Streitgegenstandes (vgl. BGE 140 III 355 E. 2.3.1, 2.3.2; BGer
5A_592/2013 vom 29. Oktober 2013, E. 5 mit weiteren Hinweisen).
c) Mit Urteil des Richteramtes Solothurn-Lebern vom 8. September 2015 wurde
der Aberkennungsbeklagten gestützt auf ein "CONVERTIBLE LOAN AGREE-
MENT (CHF 500'000.00)" vom 20. Februar 2012 provisorische Rechtsöffnung für
Fr. 300'000.– zuzüglich Zins gewährt (Urk. 2/1 S. 2 f.). Der streitgegenständliche
Anspruch des Aberkennungsprozesses stützt sich somit auf einen zwischen den
Parteien geschlossenen Darlehensvertrag mit der Aberkennungsbeklagten als
Darlehensgeberin und der Aberkennungsklägerin als Darlehensnehmerin
- 5 -
(Urk. 5/2). Der Gesellschaftszweck der Aberkennungsklägerin liegt gemäss Han-
delsregistereintrag im Wesentlichen im Halten von Beteiligungen an Unterneh-
men, in der Gründung von Tochtergesellschaften und Zweigniederlassungen und
in den damit zusammenhängenden Geschäften begründet, derjenige der Aber-
kennungsbeklagten vornehmlich in der Entwicklung und Vermarktung von Dienst-
leistungen im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Instrumenten und Appara-
ten im Medizinal- und Biotechnologiebereich. Es trifft somit zu, dass die Gewäh-
rung von Darlehen nicht im Gesellschaftszweck der Parteien liegt, wie die Aber-
kennungsklägerin einwendet (Urk. 9 S. 2).
Anknüpfungspunkt für die Prüfung der geschäftlichen Tätigkeit gemäss
Art. 6 Abs. 2 lit. a ZPO ist jedoch - wie ausgeführt - nicht die Natur des Anspruchs,
sondern der geschäftliche Bezug des Streitgegenstands. Im bei den Akten liegen-
den Email-Verkehr, welcher nach Angaben der Aberkennungsklägerin mit dem Al-
lein- oder Hauptaktionär der Aberkennungsbeklagten ,"C._", betreffend die
Abwicklung des Darlehensvertrages geführt worden sei (Urk. 1 S. 4, Urk. 9 S. 3),
ist von entwickelten Strategien und Investitionsmöglichkeiten durch Beteiligungen
ähnlich denjenigen des Anlagefonds die Rede, in welche die Aberkennungskläge-
rin involviert sei. Dies entspricht ihrem Geschäftszweck und fällt somit in ihr Kern-
geschäft. Zur Finanzierung dieser Strategien und der Realisierung von eingegan-
genen Verpflichtungen der Aberkennungsklägerin bittet D._, Mitglied des
Verwaltungsrates der Aberkennungsklägerin mit Einzelunterschrift, mit Email vom
29. Juni 2012 und vom 29. Mai 2013 um die Zahlung einer weiteren Darle-
henstranche (Urk. 2/5a, Urk. 2/5b). Aus dieser Korrespondenz erhellt, dass das
streitgegenständliche Darlehen resp. die ausstehenden Raten unter anderem für
die Finanzierung des Kerngeschäfts der Aberkennungsklägerin, mithin für den
Erwerb von Beteiligungen im weiteren Sinn, verwendet werden sollte. Insofern
besteht demnach ein enger Zusammenhang zwischen der Geschäftstätigkeit der
Aberkennungsklägerin und dem Streitgegenstand.
d) Daran ändert nichts, dass der CEO der Aberkennungsbeklagten - wie die
Aberkennungsklägerin behauptet - nicht befugt gewesen sei, der Aberkennungs-
klägerin ein Darlehen zu gewähren, und auf Auftrag der Aktionäre gehandelt ha-
- 6 -
be, was gegen eine geschäftliche Tätigkeit der Aberkennungsbeklagten spreche
(Urk. 9 S. 2). Für die Begründung der handelsgerichtlichen Zuständigkeit reicht
aus, dass die geschäftliche Tätigkeit einer der Parteien betroffen ist (Art. 6 Abs. 2
lit. a ZPO), was wie ausgeführt bei der Aberkennungsklägerin der Fall ist. Sodann
ist für die sachliche Zuständigkeit für den eingeklagten Anspruch irrelevant, ob der
dem Anspruch zugrundeliegende Vertrag gültig zustande kam. Auch über dessen
Nichtigkeit hätte das für den Anspruch zuständige Gericht zu befinden. Ferner
greift das Argument der Aberkennungsklägerin nicht, wonach der Vorgang "er-
folgswirksam" zu sein habe, um ein Handelsgeschäft zu sein (Urk. 9 S. 2). Dies ist
irrelevant und überdies unzutreffend, zumal sich die Aberkennungsklägerin
durchaus finanziellen Gewinn von der Investition des Darlehens versprach
(Urk. 2/5).
e) Schliesslich hilft der Aberkennungsklägerin der Hinweis auf die fehlende Zu-
ständigkeit des Handelsgerichts für gewisse Klagen aus SchKG nicht weiter
(Urk. 9 S. 3), handelt es sich dabei doch um betreibungsrechtliche Klagen mit Re-
flexwirkung auf das materielle Recht (vgl. dazu auch BGE 140 III 355 E. 2.3.).
Vorliegend ist jedoch eine rein materiellrechtliche (Aberkennungs-)Klage zu beur-
teilen, welche als solche in die Zuständigkeit des Handelsgerichts fällt.
f) Zusammenfassend beurteilte die Vorinstanz die vorliegende Streitigkeit zu-
treffend als handelsrechtliche Streitigkeit im Sinne von Art. 6 Abs. 2 ZPO und trat
auf die Klage mangels sachlicher Zuständigkeit und zufolge fehlender Prozessvo-
raussetzung nicht ein (Art. 59 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO).
Die Berufung der Aberkennungsklägerin hinsichtlich Dispositivziffer 1 des vor-
instanzlichen Beschlusses erweist sich somit als unbegründet, weshalb sie abzu-
weisen ist.
4. Die Gerichtskosten des vorinstanzlichen Verfahrens wurden in Nachachtung
von Art. 106 Abs. 1 ZPO der unterliegenden Partei, mithin der Aberkennungsklä-
gerin auferlegt. Mit Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen ist der vorinstanzli-
che Entscheid zu bestätigen. Entsprechend hat es mit der im angefochtenen Ent-
scheid getroffenen Kostenregelung sein Bewenden. Auch hinsichtlich Dispositiv-
ziffer 3 des vorinstanzlichen Beschlusses ist die Berufung daher abzuweisen.
- 7 -
5. Der Streitwert für das Berufungsverfahren beträgt Fr. 300'000.– (Urk. 10
S. 2, Urk. 9). Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr ist in Anwendung der Gebüh-
renverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG) auf
Fr. 2'500.– festzusetzen (§ 12 GebV OG i.V.m. § 4 Abs. 1 und 2 und § 10 Abs. 1
GebV OG) und ausgangsgemäss der Aberkennungsklägerin aufzuerlegen. Für
das Berufungsverfahren sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen, der
Aberkennungsklägerin zufolge ihres Unterliegens, der Aberkennungsbeklagten
mangels relevanter Umtriebe (Art. 106 Abs. 1 ZPO, Art. 95 Abs. 3 ZPO).