Decision ID: 733d6547-19dc-4f08-93b0-4673c239c762
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1966, arbeitete zuletzt seit Mai 2009 als Senior Ma
nagement
Assistant
bei der
Y._
(vgl.
Urk.
7/7/1-5 S. 1 f.
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7). Am 1
4.
November 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf Schmerzen im Becken-, Brust- und Lendenwirbelbereich sowie Schwindel bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (vgl.
Urk.
7/2 S. 5
Ziff.
6.2). Die Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation (
Urk.
7/6
-7;
Urk.
7/9-11;
Urk.
7
/13;
Urk.
7
/16;
Urk.
7
/21-22;
Urk.
7
/25
;
Urk.
7/29;
Urk.
7/34;
Urk.
7/36-37;
Urk.
7/
51-
52)
ab
und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung, über welche am 1
7.
August 2015 berichtet wurde (
Urk.
7/77/2-43). Die zuständige Pensionskasse entrichtet der Versicherten
seit dem
1.
Dezember 2014 eine Invalidenrente
, wobei das Ar
beitsverhältnis auf diesen Zeitpunkt hin aufgelöst wurde
(
Urk.
7/47).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/79;
Urk.
7/84) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
Mai 2016 (
Urk.
7/88 =
Urk.
2) einen Renten
anspruch der Versicherten.
2.
Die Versicherte erhob am
3.
Juni 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom
9.
Mai 2016 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr ab dem
1.
Juli 2014 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei ein Gerichts
gutachten einzuholen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerde
antwort vom
8.
Juli 2016 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was der Be
schwerdeführerin am 2
6.
Juli 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei
(BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen fest, dass
die Beschwerdeführerin
in der bisherigen
, optimal angepassten
Tätigkeit
zu
20
%
eingeschränkt sei
.
Körperlich schwere
Tätigkeiten
seien
ihr
nicht
zumutbar und i
n
einer mittelschweren Tä
tigkeit
bestehe eine
50%
ige
Arbeitsfähigkeit
.
Da keine
durchschnittliche Ar
beitsunfähigkeit von mindestens 40
%
vorliege, könne das Wartejahr nicht er
öffnet werden (S. 1 f.).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
6) führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus,
dass
das
Gutachten
vom 1
7.
August 2015
beweiskräftig sei. Da eine Schmerzverarbeitungsstörung ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
diagnosti
ziert worden sei
, erübrige sich eine Prüfung der Standardindikatoren. Beim
be
gutachtenden Arzt der Pensionskasse ha
ndle
es sich s
odann nicht um einen Psychiater
und seinem Bericht seien kaum aussagekräftige objektive Befunde zu entnehmen
.
Zwar sei der Beschwerdeführerin aufgrund einer
leichten depressi
ven Episode eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Einer solchen komme jedoch kei
ne invalidisierende Wirkung zu
(S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (
Urk.
1), auf das Gutachten
könne
nicht
ab
gestellt werden
.
So setze sich d
ieses nicht mit den Standardindikatoren auseinander.
Auch sei die attestierte 80%ige Arbeits
fähigkeit in der bisherigen, allerdings nicht optimal angepassten Tätigkeit nicht nachvollziehbar. Mangelhaft sei das Gutachten auch dadurch, dass auf eine neuropsychologische Abklärung verzichtet worden sei. Ausserdem würden die Auswirkungen der Endometriose verniedlicht.
Für die Beurteilung sei vielmehr auf die Berichte der behandelnden Ärzte abzustellen, wonach sie seit Juli 2013 vollständig arbeitsunfähig sei.
Seither
habe
sie
daher Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Auch die Pensionskasse entrichte ihr bereits eine ganze
R
ente. Eventuell sei eine psychiatrische sowie eine
n
europsychologische Begutachtung
zu veranlassen (S. 6
ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
.
3.
3.1
Am 1
7.
Dezember 2012 erfolgte in der
Z._
bei diagnostiziertem Endometri
u
m am linken Ovar eine diagnostische operative Laparoskopie, eine
Salpingoovariolyse
links sowie eine
Exzision des Endometriu
ms
(vgl. Bericht vom 1
9.
Dezember 2012,
Urk.
7/11/24-25
S. 1
).
3.2
Mit Austrittsbericht vom 2
3.
April 2013 (
Urk.
7/11/17-19) informierten die Ärzte des
A._
, Klinik für Kardiologie,
über die am 2
2.
April 2013 erfolgte Ablation der links lateralen akzessorischen Bahn
sowie
Isthmusablation
bei diagnostiziertem Wolff-Parkinson-White-Syndrom
(WPW-Syndrom)
mit Vorhofflimmern
und
Vorhofflattern mit Präexzitation.
Die Be
schwerdeführerin sei bis zum
1.
Mai 2013 vollständig arbeitsunfähig (S. 1).
3.3
Am 2
6.
Februar 2014 erfolgte im
B._
eine Hysterosko
pie mit Resektion
des
polypösen
Endometriu
m
s an der Hinterwand und
eine La
paroskopie mit Entfernung
der
Endomet
rioseherden
Blasendach, Douglas,
Ova
rien beidseits
sowie
Fossa
ovarica
beidseits. Die Beschwerdeführerin sei daher vom 2
6.
Februar bis
1.
März 2014 stationär hospitalisiert gewesen, wobei so
wohl der intra- als auch der postoperative Verlauf komplikationslos verlaufen seien. Die Beschwerdeführerin sei bis
zum
1
2.
März 2014 vollständig arbeits
unfähig (vgl. Operationsbericht vom 2
6.
Februar 2014,
Urk.
7/21/10-11; Aus
trittsbericht vom
5.
März 2014,
Urk.
7/13
S. 1 ff.
).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab mit Bericht vom 1
8.
März 2014 (
Urk.
7/10) an, dass er die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2001 behandle (S. 1
Ziff.
1.2), und folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit stellen könne (S. 1
Ziff.
1.1):
-
Migräne, seit Kindheit
-
chronisches Schmerzsyndrom
-
Achsen-Skelett,
chronic
pelvic
pain
, linke Leistengegend
-
Endometriose r-AFS III
-
Wolff-Parkinson-White (
WPW
)
-Syndrom
mit Vorhofflimmern,
abladiert
im Jahr 2013
-
invalidisierend
e Schwindels
ymptomatik, vorerst unklarer Ätiologie
Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit seit dem 2
4.
Juli 2013 vollständig arbeitsunfähig. Im Vordergrund stehe offenbar eine invalidisierende Schwindelsymptomatik, aufgrund welcher sie auch eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit nur teilweise ausüben könne. Zusätzlich bestehe die Schmerzsymptomatik. Die Migräne begründe allenfalls noch kürzere krank
heitsbedingte Absenzen. Der Beschwerdeführerin sei
derzeit
weder die bisherige noch eine adaptierte Tätigkeit
zumutbar
(S. 2 f.
Ziff.
1.6-1.7,
Ziff.
3).
Die Prog
nose sei eher ungünstig
(S. 2
Ziff.
1.4).
3.5
Dem Bericht vom 2
7.
März 2014 (
Urk.
7/16/2-4) von
Dr.
med.
D._
, Oberärztin,
B._
, ist
als Diagnose
eine
Vestibulopathie
zu entnehmen.
Dr.
D._
kam zum Schluss, dass differentialdiagnostisch nebst einem
Schwankschwindel
im Rahmen einer Angstsymptomatik oder dissoziati
ver Zustände auch eine Funktionsstörung des Innenohrs in Frage käme. Sie habe der Beschwerdeführerin daher zu eine
r
entsprechenden Abkl
ärung geraten. Die wesentliche
Symptomatik sei jedoch der Beckenschmerz
, welcher
als soma
toforme Störung gedeutet werden
müsse
.
Anhaltspunkte
für eine neurologische Erkrankung
, insbesondere ursächlich für den Schwindel,
fänden sich nicht
(S. 2).
3.6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für
Oto
-Rhino-Laryngologie, diagnostizierte mit Bericht vom
4.
April 2014
(
Urk.
7/16/1) einen unklaren Schwindel bei er
haltener
peripher
-
vestibulärer Funktion.
3.7
Mit Bericht vom 2
9.
April 2014 (
Urk.
7/22) informierte
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, zuhanden der Arbeitgeberin der Be
schwerdeführerin über d
ie
erfolgte Begutachtung. Die Beschwerdeführerin sei aktuell zu 100
%
arbeitsunfähig. Dies
gelte kurz- und wahrscheinlich
mittelfris
tig. Die längerfristige Prognose sei unsicher
. Eine Behandlung an einer psycho
somatischen Klinik scheine indiziert
(S. 2).
3.8
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Gynäkologie und Geburts
hilfe,
B._
,
äusserte mit Bericht vom
4.
Juli 2014 (
Urk.
7/21/1-6) den Verdacht auf ein psychosomatisches Krankheitsbild mit un
klaren Unterbauchschmerzen, einer unklaren Schwindelsymptomatik sowie un
klaren Parästhesien als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erachtete er eine Endometriose r-AFS III sowie ein
WPW
-Syndrom (S. 1
Ziff.
1.1). Aus gynäkologischer Sicht könne aufgrund der starken psychosomatischen Überlagerung keine Prognose gestellt werden. Von der rein somatisch indizierten Hysterektomie werde aufgrund der ausgeprägten psychosomatischen Überlagerung Abstand genommen
. Eine in
tensive psychosomatische Betreuung werde empfohlen
(S. 3
Ziff.
1.4
-1.5
).
Die Arbeitsfähigkeit
könne
nicht beurteilt werden (S. 3
f.
Ziff.
1.7).
Eine aktuelle Krankschreibung sei nicht durch sie erfolgt (S. 4
Ziff.
1.11).
3.9
Im September 2014 erfolgte im Spital
H._
eine Magnetresonanztomogra
phie (MRI) des Beckens
und
der Lendenwirbelsäule
(LWS)
.
Das kleine Becken
sei unauffällig und es liege kein Nachweis einer Raumforderung oder von
Endo
metrioseherden
vor.
Auch
die LWS und die rechte
Niere
seien unauffällig
(vgl. Berichte vom
1.
und
3.
September 2014,
Urk.
7/25/1-4).
3.10
Mit Bericht vom
6.
Oktober 2014 (
Urk.
7/34) informierte
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be
wegungsapparates, über die am
7.
November 2013 er
folgte einmalige Vorstel
lung der
Beschwerdeführerin im Rahmen der Interdisziplinären Schmerzthera
pie. Gesamthaft handle es
sich um ein chronisches
Panvert
ebralsyndrom
mit vegetativen Begleitbeschwerden.
3.11
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Bericht vom 2
9.
Oktober 2014 (
Urk.
7/36) an, dass er die Beschwerdeführerin seit dem 1
8.
Juni
2014 behandle (S. 1
Ziff.
1.2)
und folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen könne (S. 1
Ziff.
1.1):
-
ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung seit der Jugend
(ICD-10 F60.6)
kombiniert mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstruktur (ICD-10 F60.5)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit Bauch- und Rückenschmerzen, Hyperalgesie sowie Schwindelzuständen, seit zirka Ende 2012
-
Endometriose r-AFS III, seit 2013 mit mehreren laparoskopischen Ein
-
grif
fen
-
Untergewicht
-
Migräne, seit Kindes
alter
Als ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
erwähnte er ein
WPW
-Syndrom (S. 1
Ziff.
1.1).
Im Vordergrund stehe d
ie in früher Kindheit durch ihr familiäres Umfeld entstandene ängstlich-ver
meidende Persönlichkeitsstörung
. Zusätzlich zeige
die Beschwerdeführerin deutlich
e
zwanghafte Persönlichkeitszüge.
E
ine Loslösung vom Elternhaus mit dem Ziel einer selbständigen Lebensführung
sei dadurch
bis heute behindert worden. Die vielen beruflichen und privaten Schicksalsschläge hätten dies noch verstärkt.
D
ie Endometriose und das als le
bensbedrohlich empfundene Vorhofflimmern hätten die bis anhin beruflich in
tegrierte Beschwerdeführerin
dekompensieren
lassen
. Es
habe
sich eine Schmerzstörung entwickelt.
Es
könne von einem chronifizierten Zustandsbild gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin habe ein rein somatisches Krank
heitsverständnis
.
Ausserdem sei sie b
eim vorliegenden Untergewicht nicht leis
tungsfähig (S. 2
Ziff.
1.4). Eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Therapie
erfolge ein
e
bis zwei Stunden pro Woche.
Derzeit finde ke
ine Medikation
statt
. Ein Versuch sei an den Nebenwirkungen gescheitert (S. 3
Ziff.
1.5). Die Be
schwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit seit dem 2
4.
Juli 2013 vollstän
dig arbeitsunfähig (S. 3
Ziff.
1.6). Mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tä
tigkeit beziehungsweise einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne nicht ge
rechnet werden (S. 4
Ziff.
1.9).
Zu allfälligen Ressourcen seien keine Angaben möglich (S. 5
Ziff.
3).
3.12
Am 1
7.
August 2015 erstatteten die Ärzte des
K._
ihr polydisziplinäres Gutachten in den Fachdisziplinen Allge
meine Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie,
Oto
-Rhino-Laryngologie, Gynäkologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie zuhanden der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
7/77/2-43).
Dabei konnten sie folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit stellen (S. 36
Ziff.
5.1):
-
c
hronisches Schmerzsyndrom
ventralbetont
im Beckenbereich mit Ausdeh
nung zur Lumbalregion und paravertebral rechts bis zur mittle
ren Brustwirbelsäule (BWS) sowie Schmerzausstrahlung in den linken Oberschenkel unklarer Spezifität
-
k
linisch und radiomorphologisch keine Hinweise für eine relevante Pa
thologie des Bewegungsapparates
-
k
ein Anhalt für eine neurale Beteiligung
-
l
eichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
Schwankschwindelsymptomat
ik
bei unauffälliger peripher-
vestibulärer Funktion
-
Untergewicht, klinisch und laborchemisch ohne Hinweise auf eine zu
grunde liegende Erkrankung
Sodann nannten sie die folgenden Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
-
fä
higkeit (S. 36 f.
Ziff.
5.2):
-
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54)
-
postmenopausale Patientin mit moderater Endometriose r-AFS III, Erstdi
agnose (ED) 2010
-
Status nach diagnostisch-therapeutischer Laparoskopie am 1
8.
De
-
zember
2012, Klinik
Z._
-
Status nach diagnostisch-therapeutischer Laparoskopie sowie diagnosti
scher Hysteroskopie und fraktionierte
r
Curettage am 2
6.
Fe
-
bruar
2014, Spital
Münsterlingen
-
WPW
-Syndrom
-
Ablation der linken lateralen akzessorischen Bahn sowie
Isthmusabla
tion
bei Vorhofflimmern/-flattern mit Präexzitation
-
Vitamin D-Mangel
-
anamnestisch All
ergien auf Tierhaare, Korbblüte und
Kosmetika
sowie
Ponstan
-Unverträglichkeit
-
schmerzhafte Miktion nach unauffälliger urologischer Abklärung
Der Beschwerdeführerin seien a
us internistischer Sicht
wegen
des Untergewichts
keine
körperlich schwere
n
und regelmässig mittelschwere
n
Tätigkeiten mehr zumutbar. Dagegen fänden sich keine Befunde
oder
Diagnosen, welche eine Ar
beitsunfähigkeit
in
eine
r
körperlich leichte
n, wechselbelastenden
Tätigkeit zu begründen vermögen
(
S. 13
Ziff.
3.4,
S. 38
Ziff.
6.2).
Bei aktuell fehlendem Hinweis auf ein Rezidiv
des
WPW-Syndroms oder Vorhofflimmern könne eine Arbeitsunfähigkeit für eine körperlich leichte Tätigkeit aufgrund einer
rhyt
mogenen
Ursache
nicht
bestätigt werden (S.
13
Ziff.
3.6).
A
us psychiatrischer Sicht könne
eine leichte depressive Episode
diagnostiziert werden.
So lägen
eine verminde
rte Freudeempfindlichkeit, eine erhöhte
Ermüd
barkeit, Konzentrations
- und Schlafstörungen sowie ein verminderter
Appetit
vor
.
Zusätzlich
bestehe
eine ausgeweitete Schmerzsymptomatik
, dies vor allem
mit Schmerze
n
am
Bewegungsapparat
aber auch im Unterleib.
Die Beschwer
deführerin sei verunsichert.
Es
lägen
lebensgeschichtliche Belastungen
mit Ent
täuschungen bei der beruflichen Tätigkeit vor.
Auch
seien
etwas auffällige ängstlich-vermeidende, zw
anghafte Persönlichkeitszüge zu verzeichnen
. Gegen eine Persönlichkeitsstörung spreche vor allem der Verlauf mit vor der Erkran
kung
während mehreren
Jahre
n
voller Leistungsfähigkeit. Die Prognose sei un
günstig. Der Verlauf sei chronisch. Eine schwere psychische Störung,
welche
therapeutisch nicht günstig beeinflusst werden könne, liege nicht vor.
Die Be
schwerdeführerin ziehe sich sozial zu den Eltern zurück.
Es bestünden jedoch durchaus noch Kontakte, auch zu ein paar Kolleginnen
. Ein schwerer sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens liege nicht vor
(S. 16 f.
Ziff.
4.1.4).
A
uf
grund der depressiven Störung
bestehe
eine A
rbeitsunfähigkeit von 20
%
(S. 17
Ziff.
4.1.5, S. 38
Ziff.
6.2).
Die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sollte weitergeführt werden. Falls es im Verlauf zu einer Verschlechterung der Depression
komme
, wäre eine psychopharmakologische Medikation einzusetzen (S. 18
Ziff.
4.1.9).
In rheumatologischer Hinsicht liege
eine chronische Schmerzsymptomatik im Beckenbereich mit Ausdehnung bis zur Wirbelsäule und mit Ausstrahlung in den lin
ken Oberschenkel vor. Die aus subjektiver
Sicht konstant
e
sehr hohe
Schmerzintensität sei angesichts der durchwegs freien Bewegungen sämtlicher Abschnitte des Bewegungsapparates
ausserordentlich auffällig
. Insgesamt ergä
ben sich weder klinisch
e
noch radiomorphologisch
e
Anhaltspunkte für eine vom Bewegungsapparat ausgehende Symptomatik. Angesichts des Habitus so
wie der deutlichen Tendenz zur Hyperlaxität liege funktionell eine leicht- bis
mässiggradig
eingeschränkte körperliche Belastbarkeit vor (S. 22 f.
Ziff.
4.2.4). Der Beschwerdeführerin seien daher körperlich schwere Tätigkeiten nicht zu
mutbar. In einer körperlich
mittelschweren Tätigkeit bestehe eine Einschrän
kung von 50
%
. In einer körperlich leichten Tätigkeit liege
dagegen
keine Ar
beitsunfähigkeit vor (S. 23
Ziff.
4.2.4, S. 37
Ziff.
6.2).
Die neurologische Untersuchung sei
aus objektiver Sicht
vollkommen
unauffäl
lig gewesen. B
ei seitengleichen Reflexen und Motorik sei keine Nervenläsion objektivierbar.
Es fänden sich keine Hinweise für eine neurale Beteiligung der Becken- und Unterleibsschmerzen links.
Hinsichtlich des mitbeklagten Schwin
dels ergebe sich kein Korrelat und die Art der Präsentation wie auch das auffäl
lige Gangbild beim Verla
s
sen des Untersuchungszimmers sprächen
eher
für ei
nen phobischen Schwindel. Hinweise für eine peripher-vestibuläre Störung
ergäben sich nicht.
Der phobische
Schwindel sowie die
Unterleibsschmerzen links wie auch die beklagten Herzbeschwerden würden
zu
einer ausgeprägten Somatisierungsstörung passen.
Aufgrund des Schwindels sollten d
er Beschwer
deführerin keine Tätigkeiten mit Absturzgefahr zugemutet werden.
In
körperlich leichte
n
bis punktuell mittelschwere
n
Tätigkeiten
sei sie voll arbeitsfähig
(S. 26 f.
Ziff.
4.3.4-4.3.5, S. 37
Ziff.
6.2).
Aus
oto-rhino-laryngologischer
Sicht
könne eine praktisch altersentsprechende Hörschwelle beidseits mit nur leichtgradiger Hochtonsenke rechts objektiviert werden. Es bestünden weder subjektiv noch objektiv auditive Einschrä
nkungen. Hinsichtlich der peripher-
vestibulären Funktionen
seien die
Befunde bei fehlen
den pathologischen
Nystagmen
sowie symmetrischer kalorischer Erregbarkeit beidseits
unauffällig
. Eine
retrocochleäre
Pathologie habe bereits vorgängig mittels MRI des Neurocraniums ausgeschlossen werden können.
Es liege dem
nach eine
Schwankschwindelsymptomatik
bei unauf
fälliger peripher-
ves
tibulärer Funktion vor. Sturzgefährdende Tätigkeiten seien nicht geeignet.
An
sonsten
sei die Beschwerdeführerin
in einer körperlich
angepassten Tätigkeit
voll arbeitsfähig
(
S. 30
Ziff.
4.4.4-4.4.5,
S. 37 f.
Ziff.
6.2).
In gynäkologischer Hinsicht sei festzuhalten, dass aufgrund
der oberflächlichen und
kleinvolumigen
Restendometriose
anlässlich der letzten Operation, der feh
lenden Besserung der Beschwerden unmittelbar postoperativ, der letzten Bildge
bung
mittels MRI sowie
dem fehlenden Ansprechen der hormonellen und schmerzinterventionellen Therapie eine gynäkologische Ursache der Beschwer
den
nicht gegeben sei
. Insgesamt bestehe der Eindruck, dass psychische Prob
leme einen gewichtigen Einfluss auf die Beschwerden ausüben
würden
. Aus gy
näkologischer Sicht
liege
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vor
(S. 35
Ziff.
4.5.4-4.5.5,
S. 38
Ziff.
6.2).
Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, dass die
Beschwer
-
deführe
rin
in
körperlich schwere
n
Tätigkeiten nicht mehr arbeitsfähig sei.
Eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50
%
liege i
n einer
angepassten
körperlich mittelschwere
n
,
wechselbelastenden
Tätigkeit
vor
.
In einer
ange
passten körperlich leichten
Tätigkeit
bestehe
eine vollschichtig realisierbare 80%ige Arbeitsfähigkeit mit
leicht erhöhtem Pausenbedarf
.
Dies gelte auc
h für die angestammte Tätigkeit
.
Eine vorübergehende, maximal drei Monate dau
ernde vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit habe nach der am 2
2.
April 2013 durchgeführten
Ablation und
nach dem am 2
6.
Februar 2014 erfolgten
gynäkologischen Eingriff vorgelegen. Somit könne ab Ju
l
i 2013 res
pektive ab Mai 2014 vom
beschriebenen
Arbeits- und Leistungsprofil ausge
gangen werden (S. 38
Ziff.
6.2-6.3).
Für Haushalttätigkeiten
liege
bei freier Zeit
einteilung und in gewohnter Umgebung eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 10
%
vor
(S. 38
Ziff.
6.4).
3.13
Mit Stellungnahme vom 2
8.
August 2015 empfahl
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Anästhesiologie, Regionaler
Ärztlicher Dienst (RAD), für die Beurteilung auf das Gutachten
des
K._
abzustellen
. Die Beschwerdeführerin sei seit Juli 2013 in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit zu 20
%
arbeitsunfähig. Eine Verbesserung sei möglich
(vgl.
Urk.
7/78 S. 5 f.).
3.14
Dr.
J._
führte
mit Schreiben vom 2
6.
September 2015 (
Urk.
3/3) aus, dass
die Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) vollständig er
füllt seien. D
ie Möglichkeiten der Lebensführung
seien
dramatisch ein
ge
schränk
t
. Der psychiatri
sche
K._
-Gutachter dokumentiere
zwar alle rele
vanten Befunde. Die Gewichtung als Symptomausweitung ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit werde dem Krankheitsbild jedoch nicht gerecht. Nicht nachvollziehbar sei
überdies die Aussage
, wonach eine Persönlichkei
tsstörung
durch
eine volle mehrjährige
Leistungsfähigkeit ausgeschlossen werde
. Die Be
schwerdeführerin weise genügend Befunde in der Anamnese und Symptomato
logie auf, die zur Diagnosestellung einer Persönli
chkeitsstörung benötigt wür
den
(S. 1 f.).
3.15
A
m
9.
November 2015
informierte
Dr.
F._
die
Arbeitgeberin der Beschwerde
führerin
über die
erneute
Begutachtung
(
Urk.
3/7). Dabei nannte er folgende Di
agnosen (S. 1 f.):
-
chronische invalidisierende und therapierefraktäre Unterbauchbeschwer
den links bei Endometriose und Status nach
Endometriosesanierung
im Dezember 2012
-
WPW-Syndrom mit/bei:
-
Status nach Schmalkomplextachykardie, Vorhofflimmern und
Breit
-
kom
plextachykardie
-
Status nach Ablation der links lateralen akzessorischen Bahn sowie
Isthmusablation
, April 2012
-
ä
ngstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6)
kombiniert mit zwanghaften Persönlichkeitsstrukturen (ICD-10 F60.5) mit/bei:
-
Rückenschmerzen, Hyperalgesie und Schwindelzuständen
-
sozialem Rückzug
-
Verlust der Selbständigkeit
-
Angst
-
Migräne, anamnestisch
-
Status nach Zeckenbiss ohne Borreliose im Jahr 2000 mit Verdacht auf Fibromyalgie, anamnestisch
-
Untergewicht
Die Beschwerdeführerin leide an einer chronischen Schmerzproblematik im Unter
bauch. Der Zustand sei besorgniserregend. Sie sei vollkommen
von ihren Eltern
abhängig. Eine Realisierung der Arbeitsfähigkeit dürfte sich als äusserst schwierig erweisen und
sei
kurz- oder mittelfristig
nicht möglich
. Der Gesund
heitszustand sei stabil schlecht. Die bisherige Berentung sei beizubehalten (S. 3). Da chronische Schmerzstörungen von der Invalidenversicherung n
un
anders bewertet würden, sei eine Neubeurteilung des Falles zumindest in Erwägung zu ziehen (S. 4).
3.16
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nahm mit Schreiben vom 3
0.
Mai 2016 (
Urk.
3/4) Stellung zum
K._
-Gutachten. Dabei gab er an, dass er die Beschwerdeführerin mittels Akupunktur/
Traditioneller Chine
sischer Medizin (TCM)
behandle. Die
Gutachter hätten die Befunde sowie die
Anamnese
umfänglich erfasst, wobei d
iese
bis auf wenige zeitliche U
ngenauig
keiten stimmen
würden
.
Allerdings liege durch die Endometriose
eindeutig
ein somatisches Korrelat als Grunderkrankung vor. Erstaunlich sei, dass der begut
achtende Psychiater die psychosomatische Komponente anerkenne, jedoch das Leidensbild in seiner ganzen Ausprägung nicht erfasse.
A
ngesichts der man
nigfaltigen Abklärungen und dem Aufsuchen so vieler Spezialisten
hätte ihm
auffallen müssen, dass eine krankheitsrelevante Persönlichkeitsstörung zu
grunde liege. Die gutachterliche
Diagnose einer leichten Depression, welche letztlich für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit relevant werde, sei falsch. Die Beurteilung des behandelnden Psychiaters sei mit
Sicherheit höher zu werten und dessen Diagnose sei korrekt. Die Gutachter würden
falsche
Schlüsse ziehen.
Die Beschwerdeführerin sei zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 1 f.).
4.
4.1
Die medizinischen Akten lassen erkennen, dass die Beschwerdeführerin
bereits
zahlreiche somatische Abklärungen
vorgenommen hat
, diese jedoch
ihre
Be
schwerden nicht v
ollständig zu erklären vermögen und d
ie behandelnden Ärzte
deshalb
schon früh eine psychosomatische Komponente fest
stellten
(vgl. etwa
Urk.
7/
16/2-4 S. 2;
Urk.
7/21/1-6 S. 1 ff.
Ziff.
1.1,
Ziff.
1.4;
Urk.
7/36
S. 1 f.
Ziff.
1.1,
Ziff.
1.4).
So
konnte
bisher
aus rheumatologischer Sicht kein wesentlicher
objektiver
Be
fund erhoben werden
. D
ie
bildgebenden
Befund
e
des Beckens
und
der LWS
waren
unauffällig (vgl.
Urk.
7/25/1-4).
Auch anlässlich der ausführlichen rheu
matologischen Begutachtung durch die Ärzte des
K._
fanden sich keine klini
schen oder radiomorphologischen Hinweise für eine relevante Pathologie des Bewegungsapparates (vgl.
Urk.
7/77/2-43 S. 20 f.
Ziff.
4.2.2).
Für e
ine neurale
Beteiligung
der Becken- und Unterleibsschmerzen
fand sich ebenfalls
kein An
haltspunkt
.
Eine
Nervenläsion
war nicht
objektivierbar
(vgl.
Urk.
7/77/2-43
S. 26
Ziff.
4.3.4
).
Auch f
ür den beklagten Schwindel konnte sowohl aus neurolo
gischer als auch aus
oto-rhino-laryngologischer
Sicht weder durch die behan
delnden Ärzte noch anlässlich der Begutachtung im
K._
ein
ent
-
sprechendes somatisches Korrelat gefunden werden. Bei fehlenden
patho
-
logischen
Nystag
men
sowie
beidseitiger
symmetrischer kalorischer Erregbarkeit war eine unauf
fällige peripher-vestibuläre Funktion zu verzeichnen
.
E
ine retro
-
cochleäre
Pa
thologie konnte bildgebend
gleichfalls
ausgeschlossen werden (vgl.
Urk.
7/16/1;
Urk.
7/16/
2-4 S. 2
;
Urk.
7/77/2-43 S. 26 f.
Ziff.
4.3.4, S. 30
Ziff.
4.4.4
).
Die
Beschwerdeführerin leidet zwar
an einem WPW-Syndrom, welches im Rah
men der stationären
Hospitalisation
infolge eines Vorhofflimmerns/-flatterns mit Präexzitation festgestellt wurde (vgl.
Urk.
7/11/17-19 S. 1). Seit der im April 2013
erfolgreich durchgeführten
Ablation sind jedoch keine
diesbezüglichen
Beschwerden mehr aktenkundig
und die daraufhin erfolgten kardiologischen Untersuchungen ergaben
ebenfalls
normale Werte (vgl.
Urk.
7/9/13-15 S. 2 f.;
Urk.
7/29/1-4 S. 1). Auch anlässlich der Begutachtung im
K._
gab die Be
schwerdeführerin an,
dass nach diesem Eingriff weder Herzrasen noch
Herzpal
pitationen
oder
Dyspnoen
aufgetreten seien.
Wie die Gutachter des
K._
zutref
fend festhielten, liegen
somit
keine
Hinweise auf ein Rezidiv des WPW-Syn
droms oder auf ein Vorhofflimmern vor
, womit dieser Diagnose
nachvollziehbar
keine wesentliche Relevanz beigemessen wurde
(vgl.
Urk.
7/77/2-43 S. 10
Ziff.
3.1.1, S. 13
Ziff.
3.6).
Auch ist
aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin an einer Endometriose leidet, welche bisher zweimalig – im Dezember 2012 so
wie Februar 2014 – operiert wurde (vgl.
Urk.
7/11/24-25;
Urk.
7/13;
Urk.
7/21/10-11).
D
er gynäkologische
Gutachter des
K._
kam
diesbezüglich
je
doch nachvollziehbar zum Schluss, dass die lediglich oberflächliche
kleinvolu
mige
Restendometriose
nicht ursächlich für die Beschwerden der Beschwerde
führerin
sei
(vgl.
Urk.
7/77/2-43 S. 35
Ziff.
4.5.4). Dies steht
überdies
auch
im Einklang mit der Beurteilung der
diesbezüglich
behandelnden Ärzte
des
B._
, stuften diese die Endometriose doch selbst als Diag
nose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
und nahmen von einer wei
teren Operation infolge
der
ausgeprägten
psychosomatischen Ü
berlagerung Ab
stand (vgl.
Urk.
7/21/1-6 S. 1
Ziff.
1.1, S. 3
Ziff.
1.4
). Von einer Verniedlichung kann demnach – entgegen der Ansicht der
Besc
hwerdeführerin (vgl.
Urk.
1
S. 12
Ziff.
19
) – keine Rede sein.
Die
aus somatischer Sicht erfolgte
umfassende Begutachtung im
K._
erfüllt alle
rechtsprechungsgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.5), weshalb für die Beur
teilung
vollumfänglich
darauf abgestellt werden
kann
.
4.2
Auch hinsichtlich des psychischen Leidens der Beschwerdeführerin erweist sich das Gutachten des
K._
als beweiskräftig.
Der psychiatrische Gutachter
erklärte
nach ausführlicher Befundaufnahme
schlüssig und nachvollziehbar
,
weshalb
le
diglich eine leichte depressive Episode
als mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit
vorliege
(vgl.
Urk.
7/77/2-43
S. 16 f.
Ziff.
4.1.2-4.1.
4
).
Aufgrund der Schmerzproblematik diagnostizierte er eine
Schmerzver
-
arbeitungs
störung
,
mass dieser jedoch keine
Auswirkung
auf die Ar
beitsfähigkeit
bei
. Dabei handelt es sich
auch
lediglich um eine Verhaltensauf
fälligkeit, nicht jedoch um ein psychisches Leiden mit Krankheitswert
(vgl. Ur
teil des Bundesgerichts 9C_275/2016 vom 1
9.
August 2016 E. 4.3.4).
Der Um
stand, dass
der behandelnde
Psychiater
Dr.
J._
demgegenüber eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung diagnostizierte, bei welcher ein
andauern
der, schwerer und quälender Schmerz verlangt wird (BGE 141 V 281 E. 2.1.1
), vermag
für sich allein
noch keine Zweifel an der gutachterlichen Einschätzung aufkommen zu lassen.
Anhaltspunkte, dass – wie von
Dr.
J._
behauptet (vgl.
Urk.
3/3
S. 1) - die anlässlich der Begutachtung erhobenen Befunde falsch gewichtet worden seien, ergeben sich nicht
. Zumal eine psychiatrische Explora
tion von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spiel
raum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretatio
nen möglich, zulässig und zu respektieren
sin
d, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (Urtei
l des Bundesgerichts 8C_694/2008
vom
5.
März 2009
E. 5.1).
Da der psychiatrische Gutachter des
K._
keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostizierte, sondern lediglich eine Schmerzverarbeitungs
störung, war – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S. 6 f.
Ziff.
9-10) – auch keine Auseinandersetzung mit den Standardindikatoren not
wendig (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_567/2009 vom 1
7.
September 2009 E. 5)
, womit f
ür das aus diesem Grund event
ualiter
beantragte psychiatr
i
sche Gerichtsgutachten
keine Veranlassung
besteht
.
Schliesslich
konnte der psychiatrische Gutachter
des
K._
im Gegensatz zu
Dr.
J._
lediglich akzentuierte ängstlich-vermeidende,
zwanghafte Persön
lichkeitszüge, jedoch
keine
relevante
Persönlichkeitsstörung feststellen.
Zur ab
weichenden Beurteilung durch
Dr.
J._
nahm er ausführlich Stellung und wies insbesondere auf die
vor der E
rkrankung während mehreren Jahre
n volle
Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin hin (vgl.
Urk.
7/77/2-43 S. 18
Ziff.
4.1
.
8).
Zwar
ist e
ine Persönlichkeitsstörung meistens, aber nicht stets, mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leis
tungsfähigkeit verbunden
(vgl. die klinisch-diagnostischen Leitlinien
der
Internationale
n
Klas
sifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F),
Dil
ling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg.,
9.
Auflage, Bern 2014, S. 277).
Erstaunlich
ist
dennoch
,
dass
bis
Juli 2013, als die Beschwerdeführerin bereits 47-jährig war, kein derartiges Verhaltensmuster festgestellt werden konnte.
Aus der vom Gut
achter erhobenen Anamnese
sowie der übrigen Aktenlage erge
ben sich hierfür keine Anhaltspunkte. Erstmals im Bericht vom September 2015 beschrieb
Dr.
J._
die Familienan
amnese
der Beschwerdeführerin
etwas ausführlicher
, wobei insbesondere auf eine überstarke Bindung zur Mutter hingewiesen wurde (vgl.
Urk.
3/3 S. 2).
Gewichtiger als
die „richtige“ Diagnose ist
jedoch
, dass der Nachweis der Invalidität eine gesundheitlich bedingte erhebliche und evidente, dauerhafte sowie objektivierbare Beeinträchtigung voraussetzt. Dieser Massstab gilt für sämtliche Leiden gleic
hermassen
. Auch die Diagnose eine
r Persönlich
keitsstörung weist
keine direkte Korrelation zu einer Arbeitsunfähigkeit auf (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1
, 139 V 547 E. 9.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_813/2016 vom 1
0.
März 2017 E. 4
). Umso mehr, wenn wie
vorliegend
die Beschwerde
führerin trotz der
durch
Dr.
J._
diagnostizierten
seit der Jugend
bestehen
den
Persönlichkeitsstörung jahrelang beim selben Arbeitgeber erfolgreich einer Erwerbstätigkeit nachgehen konnte.
Unter Beachtung der Divergenz von medi
zinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag kann
es schliesslich
nicht an
gehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2009 vom
5.
März 2009
E. 5.1).
4.
3
Soweit die Beschwerdeführerin die Mangelhaftigkeit des Gutachtens mit der fehlenden neuropsyc
hologischen Abklärung begründet
e
(vgl.
Urk.
1 S. 10 f.
Ziff.
16
),
vermag dies nicht zu überzeugen,
ist es
doch
der Einschätzung der Gutachter überlassen, ob eine fachärztliche Teilbegutachtung angezeigt ist (Ur
teil des Bundesgerichts 8C_567/2009 vom 1
7.
September 2009 E. 4). Das von der Beschwerdeführerin
hierzu
zitierte
– vom hiesigen Gericht gefällte -
Urteil
kann
überdies
nicht mit dem vorliegenden Sachverhalt verglichen werden. Da
bei ging es um eine Rentenrevision, wobei die
Rentenzusprache
unter anderem
gerade
wegen neuropsychologischen Einschränkungen erfolgt war (vgl. Urteil des hiesigen Gerichts IV.2014.01176 vom
2.
September 2015 E. 6.2).
4.
4
Zwar entrichtet die zuständige Pensionskasse der Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente, worauf diese beschwerdeweise
auch hinwies (vgl.
Urk.
1
S. 14 f.
Ziff.
21
;
Urk.
7/47). Diese
Zusprache
erfolgte im Wesentlichen gestützt auf die Begutachtung durch
Dr.
F._
,
wobei sich dieser – indem er auch psy
chiatrische Diagnosen stellte – ausserhalb seines Fachgebiets der Allgemeinen Inneren Medizin bewegte. Über einen Facharzttitel der
Psychiatrie und Psycho
therapie
verfügt er dagegen nicht
. Dies wäre jedoch für
eine
verlässlich
e Beur
teilung der
psychischen Beschwerden
der Beschwerdeführerin unabdingbar (vgl. BGE
130 V 352 E. 2.2.3, Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 v
om 1
6.
Februar 2011 E. 4.4.2) z
umal seine
m
Bericht auch lediglich eine internisti
sche, jedoch
keine
psychopathologische Befundaufnahme z
u entnehmen ist,
womit die
von ihm gestellten
psychiatrischen Diagnosen
auch
nic
ht nachvoll
zogen werden können (vgl.
Urk.
3/7).
Dasselbe gilt auch für die durch den In
ternisten
Dr.
M._
vorgenommene Einschätzung
(vgl.
Urk.
3/4)
.
4.
5
Nach dem Gesagten ist
dem
K._
-Gutachten folgend
somit festzuhalten, dass
die Beschwerdeführerin
zwar in einer körperlich schweren Tätigkeit nicht mehr ar
beitsfähig ist und auch in einer mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
vorliegt. In
der bisherigen sowie jegli
cher
anderen
angepassten
körperlich leichten Tätigkeit
gilt
sie dagegen
als zu 80
%
arbeitsfähig
, wobei die
quantitative
Einschränkung aufgrund der
diagnos
tizierten leichten depressiven Episode
attestiert wurde
. Obwohl sich am Ergebnis
dadurch
nichts ändert,
ist
dennoch
darauf hinzuweisen, dass
dieser
rechtspre
chungsgemäss keine invalidisierende Wirkung zu
kommt
(
vgl.
statt vieler:
BGE 140 V 193
E. 3.3,
Urteil des Bundesgerichts 9C_337/2015 vom 7. April 2016 E. 4.4.1), womit von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen
ist
.
D
as Wartejahr (vorstehend E. 1.2)
kann folglich
nicht
eröffnet werden, w
eshalb
der Beschwerdeführerin auch kein Rentenanspruch zusteht.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden
B
eschwerdeführerin aufzuerle
gen.