Decision ID: a2e02653-6fc4-4a93-b86b-a36ddb7701e0
Year: 2021
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Mit Verfügung vom 13. November 2017 wurde die A. GmbH vom
Kantonalen Steueramt (KStA), Sektion juristische Personen (JP), für die
Kantons- und Gemeindesteuern 2014 zu einem steuerbaren und
satzbestimmenden Reingewinn von CHF 64'333.00 (Anteil Kanton Aargau
100 %) und zu einem steuerbaren Eigenkapital von CHF 88'117.00 (Anteil
Kanton Aargau 100 %) veranlagt. Dabei wurden insgesamt CHF 35'550.00
aus der Überführung der Aktien der C. AG (nachfolgend C. AG) in das
Privatvermögen von D. als geldwerte Leistung zum deklarierten
Reingewinn hinzugerechnet.
1.2.
Gegen die Verfügung vom 13. November 2017 betreffend Kantons- und
Gemeindesteuern 2014 liess die A. GmbH mit Schreiben vom 13.
Dezember 2017 Einsprache erheben. Sie stellte den
"Antrag
1. Die Aufrechnung verdeckte Gewinnausschüttung mit dem Titel
'unterpreisliche Überführung Beteiligung C. (Buchwert anstatt Verkehrswert) über CHF 35'550 ist vollumfänglich zu streichen."
2.
2.1.
Mit Verfügung vom 13. November 2017 wurde die A. GmbH vom KStA JP
für die direkte Bundessteuer 2014 zu einem steuerbaren Reingewinn von
CHF 64'333.00 veranlagt. Dabei wurden wie bei den Kantons- und
Gemeindesteuern 2014 insgesamt CHF 35'550.00 aus der Überführung
der Aktien der C. AG in das Privatvermögen von D. als geldwerte Leistung
zum deklarierten Reingewinn hinzugerechnet.
2.2.
Gegen die Verfügung vom 13. November 2017 betreffend direkte
Bundessteuer 2014 liess die A. GmbH mit Schreiben vom 13. Dezember
2017 Einsprache erheben. Sie stellte den
"Antrag
1. Die Aufrechnung verdeckte Gewinnausschüttung mit dem Titel
'unterpreisliche Überführung Beteiligung C. (Buchwert anstatt Verkehrswert) über CHF 35'550 ist vollumfänglich zu streichen."
- 3 -
3.
Mit Entscheid vom 6. April 2018 wies das KStA JP die Einsprachen
betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2014 sowie die direkte
Bundessteuer 2014 ab.
4.
Den Einspracheentscheid vom 6. April 2018 (Zustellung am 9. April 2018)
hat die A. GmbH mit Rekurs bzw. Beschwerde vom 5. Mai 2018
(Postaufgabe am 7. Mai 2018) an das Spezialverwaltungsgericht
weiterziehen lassen mit den Anträgen:
"1. Die Aufrechnung verdeckte Gewinnausschüttung mit dem Titel 'unterpreisliche Überführung Beteiligung C. (Buchwert anstatt Verkehrswert) über CHF 38'266 ist vollumfänglich zu streichen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den Er-
wägungen eingegangen.
5.
Das KStA beantragt die kostenfällige Abweisung des Rekurses und der
Beschwerde.
6.
Die A. GmbH hat keine Replik erstatten lassen.
7.
Das Spezialverwaltungsgericht hat die Akten des Rekurs- und
Beschwerdeverfahren betreffend Kantons- und Gemeindesteuern 2013
(1. Juli 2012 bis 31. Dezember 2013; 3-RV.2018.90) und direkte
Bundessteuer 2013 (3-BB.2018.6) beigezogen.
8.
Das Spezialverwaltungsgericht hat die Gründungsakten der A. GmbH vom
Handelsregister des Kantons Aargau beigezogen.
- 4 -

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Der Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2014. Massgebend
für die Beurteilung sind das Steuergesetz vom 15. Dezember 1998 (StG)
und die Verordnung zum Steuergesetz vom 11. September 2000 (StGV).
1.2.
Die Beschwerde betrifft die direkte Bundessteuer 2014. Massgebend für
die Beurteilung ist das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom
(DBG).
1.3.
Vorliegend können Rekurs und Beschwerde in einem Entscheid beurteilt
werden, da sich die hier zu entscheidende materielle Frage in gleicher
Weise für die Kantons- und Gemeindesteuern sowie die direkte
Bundessteuer stellt. Daran ändert für einmal nichts, dass im Dispositiv des
Einspracheentscheides nicht – wie zu erwarten wäre – klar zwischen dem
Entscheid betreffend Kantons- und Gemeindesteuern sowie betreffend
direkte Bundessteuer unterschieden wurde.
2.
2.1.
Die Rekurrentin/Beschwerdeführerin beantragt sinngemäss die Sistierung
des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens, da zwingend erst nach
Rechtskraft des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens betreffend die
Steuern 2012/2013 im vorliegenden Verfahren ein Entscheid gefällt werden
könne. In jenen Verfahren sei zuerst die Frage zu beantworten, ob in Bezug
auf die Beteiligung an der C. AG eine Bilanzberichtigung vorzunehmen sei.
2.2.
Das Spezialverwaltungsgericht weist mit Entscheid vom 25. Februar 2021
auf den Rekurs- bzw. die Beschwerde der Rekurrentin/Beschwerdeführerin
gegen den Einspracheentscheid des KStA JP betreffend Kantons- und
Gemeindesteuern 2012/13 und direkte Bundessteuer 2013 mangels
Rechtsschutz- und Feststellungsinteresses ab. Dementsprechend besteht
keine Veranlassung den vorliegenden Rekurs bzw. die Beschwerde
betreffend das Steuerjahr 2014 nicht zu behandeln. Der Antrag auf
Sistierung des Verfahrens ist abzuweisen.
3.
3.1.
Die Rekurrentin/Beschwerdeführerin mit Sitz in Q. wurde am 7. Dezember
2012 durch Umwandlung der Einzelunternehmung A. gemäss
- 5 -
Sacheinlage/Sachübernahmevertrag vom 3. Dezember 2012 und
Übernahmebilanz per 30. Juni 2012 mit Aktiven von CHF 93'354.36 und
Passiven von CHF 2'400.00 gegründet. Einziger Inhaber der Stammanteile
mit einem Nominalwert von CHF 20'000.00 war ab Gründung bis zum
23. Juni 2014 D., ab dem 23. Juni 2014 die B. AG. Als Geschäftsführer
amtiert D. mit Einzelunterschrift. Über die Einzelzeichnungsberechtigung
verfügt auch G.. Als Gesellschafterin ist ab dem 23. Juni 2014 die B. AG im
Handelsregister eingetragen (Handelsregister-
Internetauszug vom 8. Januar 2021).
Die Rekurrentin/Beschwerdeführerin bezweckt die Erbringung von
Dienstleistungen im Bereich Unternehmensberatung. Sie kann sich an
weiteren Unternehmen beteiligen, Tochtergesellschaften und
Zweigniederlassungen errichten, Liegenschaften, Wertschriften oder
Immaterialgüterrechte aller Art erwerben, verwalten und veräussern,
Finanzierungen vermitteln oder Darlehen gewähren sowie Sicherheiten
oder Garantien zu Gunsten verbundener Unternehmungen stellen.
3.2.
Die B. AG mit Sitz in Q. wurde am 23. Juni 2014 als
Beteiligungsgesellschaft durch Sacheinlage gemäss Sacheinlagevertrag
vom 18. Juni 2014 mit der Übernahme von 80 Namenaktien der E. AG, R.,
und Übernahme der 200 Stammanteile zu CHF 100.00 der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin gegen Ausgabe von 84 vinkulierten
Namenaktien zu CHF 5'000.00 gegründet. Die Präsidentin des
Verwaltungsrates, G., und D. als Mitglied des Verwaltungsrates verfügen
je über Einzelunterschrift (Handelsregister-Internetauszug vom 8. Januar
2021).
3.3.
3.3.1.
Im Jahr 2006 erwarb D. 150 Aktien der C. AG für CHF 17'850.00 (vgl.
Belastungsanzeige der F. vom 15. August 2006). Im Jahr 2011 erwarb er
weitere 80 Namenaktien à nominal CHF 100.00 für CHF 8'000.00
(Schreiben der C. AG vom 5. Oktober 2011).
3.3.2.
In der Steuererklärung 2010 deklarierten D. und G. 150 Aktien der C. AG
mit einem Steuerwert von CHF 14'250.00. In der Bilanz 2010 der A. wurde
keine Beteiligung an der C. AG ausgewiesen.
3.3.3.
In der Steuererklärung 2011 von D. und G. wurden 240 Aktien der C. AG
mit einem Steuerwert von CHF 25'200.00 mit der Bezeichnung "G" als
Geschäftsvermögen angegeben. Es wurde der Zugang von 90 Aktien per
- 6 -
26. Oktober 2012 (gemäss Kauf nur 80 zusätzliche Aktien; vgl. Erw. 3.3.1.)
vermerkt.
3.3.4.
In der Bilanz der A. per 30. Juni 2012 (Datum der Unterzeichnung des
Jahresabschlusses) wurden im Anlagevermögen Finanzanlagen mit einem
Buchswert von CHF 26'850.00 ausgewiesen. Gleichzeitig wurden in der
Steuererklärung 2012 von D. und G. per 31. Dezember 2012 die
Stammanteile der Rekurrentin/Beschwerdeführerin, jedoch keine Aktien
der C. AG deklariert.
3.3.5.
In der Eröffnungsbilanz der Rekurrentin/Beschwerdeführerin per 1. Juli
2012 (diese wurde von D. per 1. Juli 2012 unterzeichnet) wurden – mit der
Schlussbilanz der A. per 30. Juni 2012 korrespondierend – Finanzanlagen
mit einem Buchwert von CHF 26'850.00 ausgewiesen. Die mit der
Steuererklärung eingereichte Bilanz der Rekurrentin/Beschwerdeführerin
per 31. Dezember 2013 enthielt unverändert Finanzanlagen mit einem
Buchwert von CHF 26'850.00.
3.3.6.
In der Bilanz der Rekurrentin/Beschwerdeführerin per 31. Dezember 2014
(von D. mit Datum vom 31. Dezember 2014 unterzeichnet) waren keine
Finanzanlagen (neu "Beteiligungen") mehr enthalten, was der
Vorjahresvergleich zeigt. Die Finanzanlagen wurden am 1. Januar 2014 zu
Lasten des "Konto 2100 KK Gesellschafter" ausgebucht. Demgegenüber
wurden mit der Steuererklärung 2014 von D. und G. mit Zugang 1. Januar
2014 240 Aktien der C. AG mit einem Steuerwert von CHF 62'400.00 und
neu 84 Aktien der B. AG deklariert.
3.3.7.
Ausweislich des Aktienbuches erwarb die C. AG mit Kaufvertrag vom
9. April 2015 von D. 150 Aktien der C. AG, und am 9. April 2016 weitere 90
Aktien der C. AG für insgesamt CHF 60'324.00 (Eingang auf dem Konto
von D. bei der F. mit Valuta 17. April 2015).
4.
4.1.
Im Veranlagungsverfahren rechnete das KStA JP der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin die "unterpreisliche Überführung
Beteiligung C. (BW anstatt VW)" im Betrag von CHF 35'550.00 (Differenz
zwischen dem Buchwert von CHF 25'850.00 und dem in der
Steuererklärung 2014 von D. und G. deklarierten Vermögenssteuerwert
von CHF 62'400.00) unter dem Titel "Gewinnausschüttungen und
gleichgestellte Leistungen an die Gesellschafter und Genossenschafter
oder ihnen nahestehende Personen, soweit diese Leistungen auf Kosten
- 7 -
des Geschäftsergebnisses ausgerichtet wurden" zum deklarierten Gewinn
von CHF 28'783.00 hinzu. Das KStA JP ging dabei von einer
"unterpreisliche[n] Privatentnahme von Aktien aus dem
Geschäftsvermögen in das Privatvermögen per 1. Januar 2014"; vgl.
Steuermeldung vom 4. Oktober 2017) aus.
4.2.
Mit der Einsprache wurde – gleich wie mit der Stellungnahme zum
Veranlagungsvorschlag vom 29. September 2017– von der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin geltend gemacht, D. sei im Jahr 2016
(recte: 2006 [gemäss Aktionärsbindungsvertrag vom 24. August 2006])
Partner seiner damaligen Arbeitgeberin C. AG geworden. Er habe Aktien
im Umfang von CHF 17'850.00 erworben. Im Rahmen einer ordentlichen
Kapitalerhöhung habe er weitere Aktien für CHF 8'000.00 gezeichnet. Nach
dem im Jahr 2006 unterzeichneten Aktionärsbindungsvertrag hätten nur
natürliche Personen Aktionäre der C. AG werden können. Jede
Übertragung von Aktien hätte zudem ein Vorkaufsrecht der Mitaktionäre
ausgelöst. Eine freihändige Übertragung der Aktien sei ausgeschlossen
gewesen. Dementsprechend habe die Rekurrentin/Beschwerdeführerin gar
nie rechtmässige Eigentümerin der Aktien der C. AG werden können. Die
Rekurrentin/Beschwerdeführerin sei auch nicht im Aktienbuch der
Gesellschaft eingetragen gewesen. Es habe keine Zession der Aktien von
D. an die Rekurrentin/Beschwerdeführerin stattgefunden.
Dementsprechend sei die Aktivierung der Aktien der C. AG in der Bilanz
der Rekurrentin/Beschwerdeführerin nicht rechtsgültig gewesen. Es habe
keine Übertragung an die Rekurrentin/Beschwerdeführerin stattgefunden.
Aus diesem Grund müsse die Aktivierung im Sinne einer Bilanzberichtigung
korrigiert werden. Es handle sich um einen klassischen Bilanzierungsfehler.
Mit separater Einsprache gegen die Steuerveranlagung 2012/2013 sei die
Bilanzberichtigung mit einer berichtigten, von D. rechtsgültig
unterzeichneten Jahresrechnung 2012/2013 angezeigt worden. Ebenso sei
die Bilanz 2014 berichtigt worden. Diese sei der Veranlagung 2014 der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin zu Grunde zu legen.
4.3.
In der Stellungnahme zum Entwurf des Einspracheentscheides vom
10. März 2018 führte die Rekurrentin/Beschwerdeführerin weiter aus,
Aktien unterstünden bestimmten Übertragungsformen. Namenaktien
könnten gemäss Art. 684 Abs. 2 OR nur durch Übergabe des indossierten
Titels übertragen werden. Zudem sei gemäss den Statuten die Zustimmung
der Gesellschaft erforderlich. Ohne Zustimmung verbleibe das Eigentum
der Aktien gemäss Art. 685c OR beim Veräusserer. Ein Eintrag der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin im Aktienbuch der C. AG habe auch nicht
stattgefunden. Dass die Rekurrentin/Beschwerdeführerin nicht
Eigentümerin der Aktien geworden sei, sei D. erst im Rahmen einer
Nachfolgeregelung im Frühling 2015 bewusst geworden, als die C. AG mit
- 8 -
dem Angebot eines Aktienrückkaufs – dieser habe rückwirkend per 1.
Januar 2015 für CHF 60'324.00 stattgefunden – an D. herangetreten sei.
Der Ausweis einer Beteiligung mit einem Buchwert von CHF 26'850.00 in
der Bilanz der Rekurrentin/Beschwerdeführerin sei damit
handelsrechtswidrig gewesen. Dementsprechend könne auch keine
verdeckte Gewinnausschüttung vorliegen, fehle es doch am erforderlichen
eigentumsrechtlichen Austausch.
4.4.
Im Einspracheentscheid führte das KStA JP aus, nach dem Grundsatz der
Massgeblichkeit der Handelsbilanz sei zu Steuerzwecken auf die
ordnungsgemäss und vollständig geführten Bücher abzustellen. Die
verbuchten Tatsachen gelten unter diesen Voraussetzungen als richtig. Die
Richtigkeit der Jahresrechnung sei an der Generalversammlung bestätigt
worden. Eine genehmigte Jahresrechnung könne mittels
Bilanzberichtigung/-änderung korrigiert werden. Eine Bilanzberichtigung
könne bis zur Rechtskraft der Veranlagung vorgenommen werden,
währenddem Bilanzänderungen nur bis zur Einreichung der
Steuererklärung berücksichtigt werden könnten. Weiter wurde ausgeführt,
ein Beschluss über die Genehmigung der Jahresrechnung könne gemäss
Art. 706a OR grundsätzlich nur bei Vorliegen eines Nichtigkeitsgrundes
nach Art. 706b OR rückgängig gemacht werden. Liege hingegen kein
schwerwiegender Fehler vor, könne die ursprüngliche Genehmigung der
Jahresrechnung nur beim Vorliegen eines Willensmangels innerhalb einer
Frist von zwei Monaten geltend gemacht werden. Ohne rechtzeitige
Anfechtung und ohne Nichtigkeitsgrund könne der Bilanzierungsfehler erst
periodenverschoben in der Geschäftsperiode seiner Entdeckung korrigiert
werden. Die Prüfung des Jahresabschlusses bei fehlender Revisionsstelle
liege in der Verantwortung des Leitungsorgans. Es bestehe die Vermutung,
dass die Jahresrechnung korrekt sei. Damit gelte auch bei eingeschränkter
Revision bzw. nicht revidierter Jahresrechnung die gleiche
Offensichtlichkeitsschwelle wie bei revidierten Jahresrechnungen. Die
Steuerbehörden seien demnach nicht zu einer über die Offensichtlichkeit
der Handelsrechtskonformität hinausgehenden Prüfung der
Jahresrechnung verpflichtet. Es wurde festgehalten, dass eine allfällige
Vertragsverletzung vorliegend nicht gleich zu behandeln sei, wie eine
Bilanzkorrektur einer handelskonformen Jahresrechnung. Eine
Bilanzberichtigung wurde damit abgelehnt.
Der Unternehmenswert der C. AG habe per 31. Dezember 2013 gemäss
Wertschriftenbewertung des KStA CHF 813'954.00 betragen. Die
Rekurrentin/Beschwerdeführerin habe im Zeitpunkt des Verkaufes 8 %
besessen, was einem Wert von CHF 65'116.00 entspreche. Der
Verkaufspreis per 1. Januar 2014 in der Höhe des Buchwertes von
CHF 26'850.00 sei offensichtlich zu tief gewesen. Begünstigt und
nahestehende Person sei D., dem zusammen mit seiner Ehefrau die B. AG,
- 9 -
die Muttergesellschaft der Rekurrentin/Beschwerdeführerin, gehöre. Da D.
die Aktien der C. AG in der Steuererklärung 2014 mit einem Wert von CHF
62'400.00 deklariert habe, müsse das offensichtliche Missverhältnis
zwischen Leistung und Gegenleistung erkennbar gewesen sein. In der
Differenz von CHF 38'266.00 liege eine verdeckte Gewinnausschüttung.
4.5.
Im Rekurs wurde an den bisherigen Ausführungen und insbesondere am
fehlenden Eigentumsübergang der Aktien der C. AG auf die
Rekurrentin/Beschwerdeführerin festgehalten. Ergänzend wurde
ausgeführt, dass der fehlende Eigentumsübergang der Aktien bereits für
das Jahr 2012/2013 zu einer Bilanzberichtigung geführt habe. Entgegen
den Ausführungen des KStA JP in den Einspracheentscheiden betreffend
die Jahre 2012/2013 und 2014 handle es sich nicht um eine
Bilanzänderung. In der Bilanz der Rekurrentin/Beschwerdeführerin seien
keine Aktien der C. AG bilanziert worden. Selbst wenn mit dem KStA JP
von einer "periodenverschobenen" Bilanzberichtigung auszugehen wäre,
müsste diese im Jahr 2014 vorgenommen werden. Eine Begründung,
weshalb eine solche vorliegend nicht möglich sei, fehle. Zu den
eigentumsrechtlichen Ausführungen sei vom KStA weder im
Veranlagungs- noch Einspracheverfahren Stellung bezogen worden.
Bei der Korrektur eines handelsrechtswidrigen Zustandes könne kein
Leistungsaustausch stattfinden. Fehle ein Leistungsaustausch, könne auch
keine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde geltend gemacht, ein Entscheid im
vorliegenden Verfahren könne erst erfolgen, wenn rechtskräftig über die
Vorperiode 2012/2013 entschieden worden sei.
4.6.
Mit seiner Vernehmlassung hielt das KStA JP am Einspracheentscheid
vollumfänglich fest.
5.
5.1.
Die Rekurrentin/Beschwerdeführerin macht geltend, das KStA JP habe
nicht begründet, weshalb eine periodenverschobene Bilanzberichtigung
nicht im Jahr 2014 möglich sei. Ebenso lägen keine Erwägungen zu den
eigentumsrechtlichen Ausführungen betreffend Übertragung von
Namenaktien vor. Damit wird sinngemäss die Verletzung der
Begründungspflicht geltend gemacht.
5.2.
Der Einspracheentscheid ist gemäss § 195 Abs. 3 StG/Art. 132 Abs. 2 DBG
schriftlich zu begründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass
- 10 -
jedenfalls die bundesrechtlichen Minimalanforderungen, wie sie aus Art. 29
Abs. 2 BV ("Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör")
abgeleitet werden, Beachtung finden. Die tatsächlichen Feststellungen und
rechtlichen Überlegungen, welche die Einsprachebehörde dem Entscheid
zu Grunde gelegt hat, müssen nachvollzogen werden können. Die
Begründung hat zudem eine Beurteilung der Beweismittel zu enthalten.
Weiter hat die Einsprachebehörde zu den Anträgen der steuerpflichtigen
Person so Stellung zu nehmen, dass ersichtlich wird, wieweit ihnen
entsprochen wird. Sie muss sich jedoch nicht mit jedem Vorbringen der
steuerpflichtigen Person auseinandersetzen und jedes einzelne Argument
ausdrücklich widerlegen. Sie darf sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken. Als Minimalerfordernis verbleibt aber
stets, dass sich die am Verfahren beteiligten Personen anhand der
Begründung über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft ablegen
können. Dieses Minimalerfordernis wird verletzt, wenn sich die
Steuerbehörde im Einspracheentscheid mit mehreren Begehren und mit
Beweismitteln, welche die steuerpflichtige Person angerufen hat,
überhaupt nicht auseinandersetzt (Bundesgerichtsurteil vom 20. Dezember
2012 [2C_843/2012]; Bundesgerichtsurteil vom 3. Mai 2005 [1P.115/2005],
mit Verweis auf BGE 126 I 97; VGE vom 1. Dezember 2008
[WBE.2007.154]; Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Auflage,
Muri-Bern 2015, § 175 StG N 31, § 195 StG N 9, mit Hinweisen).
5.3.
Entgegen der Auffassung der Rekurrentin/Beschwerdeführerin hat sich die
Vorinstanz zur Frage der "periodenverschobenen" Bilanzberichtigung
geäussert. Dabei hat sie auf den Zeitpunkt der Erkennung der behaupteten
handelsrechtswidrigen Buchung der Namenaktien der C. AG abgestellt. Die
Rekurrentin/Beschwerdeführerin hat eine solche erstmals in der E-Mail
vom 29. September 2017 geltend gemacht. Im Einspracheentscheid wurde
dementsprechend begründet, dass eine Bilanzkorrektur in den Jahren
2012 bis 2014 – die Jahresrechnung 2014 mit den Aktien der C. AG in den
Aktiven wurde per 31. Dezember 2014 unterzeichnet – nicht in Frage
komme. Weitere Ausführungen zur eigentumsrechtlichen Behandlung
waren demensprechend im Einspracheentscheid nicht mehr notwendig.
Die Begründungspflicht wurde damit nicht verletzt. Ob die Begründung
richtig ist, ist nachfolgend zu prüfen.
6.
Zu beurteilen ist zuerst vorfrageweise, ob die Beteiligung an der C. AG zu
Recht in der Bilanz der Rekurrentin/Beschwerdeführerin per 31. Dezember
2013 ausgewiesen wurde oder ob eine Bilanzänderung/-berichtigung
vorzunehmen war. Erst wenn letztere Frage verneint wird, ist auf einen
Veräusserungstatbestand und auf die Bewertung der Aktien bei der
Entnahme im Geschäftsjahr 2014 einzugehen.
- 11 -
7.
7.1.
Gegenstand der Gewinnsteuer ist der Reingewinn (§ 67 StG/Art. 58 DBG).
Der steuerbare Reingewinn setzt sich zusammen aus dem Saldo der
Erfolgsrechnung unter Berücksichtigung des Saldovortrages der Vorjahre
und den der Erfolgsrechnung nicht gutgeschriebenen Erträgen (§ 68 Abs. 1
lit. c StG/Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG) einerseits sowie anderseits allen vor
Berechnung des Saldos der Erfolgsrechnung ausgeschiedenen Teilen des
Geschäftsergebnisses, die nicht zur Deckung von geschäftsmässig
begründetem Aufwand verwendet werden (§ 68 Abs. 1 lit. b StG/Art. 58
Abs. 1 lit. c DBG).
7.2.
Zur steuerlichen Gewinnermittlung wird vorerst auf das Ergebnis eines han-
delsrechtskonformen Rechnungsabschlusses abgestellt. Für juristische
Personen gilt dementsprechend das Massgeblichkeitsprinzip
(Bundesgerichtsurteil vom 23. Januar 2020 [2C_57/2018], Erw. 6.2.;
Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2015 [2C_16/2015], Erw. 2.2.2), d.h.
das Prinzip der Massgeblichkeit der Handelsbilanz (BGE 137 II 360 f.).
Gemäss dem Massgeblichkeitsprinzip ist die handelsrechtliche Bilanz,
welche den handelsrechtlichen Vorschriften entspricht, für die steuerliche
Gewinnermittlung und die Steuerbilanz verbindlich, soweit nicht eine
steuerliche Korrekturvorschrift eingreift. Eine steuerpflichtige Person muss
sich deshalb auf eine im Rahmen der handelsrechtlichen Vorschriften
ordnungsgemäss aufgestellten und den Steuerbehörden vorgelegten
Bilanz behaften lassen. Aus dem Massgeblichkeitsprinzip ergibt sich, dass
eine handelsrechtskonforme Bilanz und Erfolgsrechnung nicht einfach
abgeändert werden kann. In dieser Hinsicht wird mit Bezug auf die
Bilanzkorrekturen zwischen Bilanzberichtigungen und Bilanzänderungen
unterschieden. Bei der Bilanzberichtigung wird ein handelsrechtswidriger
durch einen handelsrechtskonformen Wertansatz ersetzt, während bei der
Bilanzänderung ein handelsrechtskonformer Wertansatz durch eine
andere, ebenfalls handelsrechtskonforme Bewertung ersetzt wird. Die
Steuerpflichtige kann nicht nachträglich Änderungen vornehmen, wenn sie
etwa merkt, dass sie mit andern Bewertungsansätzen oder
Abschreibungen, die sich handelsrechtlich hätten vertreten lassen, besser
wegkäme. Bilanzberichtigungen können demgegenüber bis zur Rechtskraft
einer Veranlagung vorgenommen werden. Sie sind von Amtes wegen
durchzuführen, da die Bilanz ohne Richtigstellung gegen zwingende
handelsrechtliche Vorschriften verstösst. Sie werden von den
Steuerbehörden in der Steuerbilanz von Amtes wegen berücksichtigt. Bi-
lanzberichtigungen können sich zu Gunsten oder zu Ungunsten steuer-
pflichtiger juristischer Person auswirken (BGE 141 II 86 mit weiteren Hin-
weisen; Urteil vom 29. Januar 2015 [2C_24/2014] Erw. 2.2). Im Urteil vom
2. August 2018 (2C_958/2016), Erw. 5.4, hat das Bundesgericht zur Bi-
lanzänderung weiter ausgeführt:
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_958%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-II-353%3Ade&number_of_ranks=0#page353 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_958%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-II-83%3Ade&number_of_ranks=0#page83
- 12 -
"Auszugehen ist hier vom Grundsatz, dass die Bilanz von einem gewissen Zeitpunkt an endgültig ist und nachträgliche Änderungen nicht mehr  werden können. Nach der Rechtsprechung ist eine Änderung der Bilanz nur bis zur Einreichung der Steuererklärung zulässig. Eine  der Bilanz durch die steuerpflichtige Gesellschaft im Laufe des  ist grundsätzlich nur noch zulässig, wenn sich zeigt, dass sie in einem entschuldbaren Irrtum über die steuerlichen Folgen  Buchungen vorgenommen hat. In der Regel ausgeschlossen sind hingegen Bilanzänderungen, mit denen Wertänderungen zum Ausgleich von Aufrechnungen im Veranlagungsverfahren erfolgen oder die lediglich aus Gründen der Steuerersparnis vorgenommen werden. '' aus solchen Motiven sind gleichfalls nur mit äusserster  anzuerkennen (vgl. BGE 141 II 83 E. 3.4 S. 87 mit weiteren ; Urteil 2C_24/2014 vom 29. Januar 2015 E. 2.2)."
7.3.
Nach Art. 960a OR sind alle Aktiven bei der Ersterfassung höchstens zu
den Anschaffungs- und Herstellungskosten zu bewerten (Abs. 1). In den
Folgebewertungen dürfen Aktiven nicht höher bewertet werden als zu den
Anschaffungs- und Herstellungskosten. Vorbehalten bleiben
Bestimmungen für einzelne Arten von Aktiven (Abs. 2). Der nutzungs- und
altersbedingte Wertverlust muss durch Abschreibungen, anderweitige
Wertverluste müssen durch Wertberichtigungen berücksichtigt werden.
Abschreibungen und Wertberichtigungen müssen nach den allgemein
anerkannten kaufmännischen Grundsätzen vorgenommen werden. Sie
sind direkt oder indirekt bei den betreffenden Aktiven zulasten der
Erfolgsrechnung abzusetzen und dürfen nicht unter den Passiven
ausgewiesen werde (Abs. 3). Handelsrechtlich darf eine Aktiengesellschaft
somit ihr Anlagevermögen höchstens zu den Anschaffungs- oder
Herstellungskosten, unter Abzug der notwendigen Abschreibungen,
aktivieren; steuerrechtlich ist sie zur Bewertung und Aktivierung in dieser
Höhe verpflichtet.
7.4.
7.4.1.
Vorerst ist festzustellen, dass die Umwandlung der Einzelunternehmung A.
in die Rekurrentin/Beschwerdeführerin mittels Sacheinlage (Aktiven von
CHF 93'354.36 und Passiven von CHF 2'400.00, was dem mit der Schluss-
/Übernahmebilanz ausgewiesenem Eigenkapital von CHF 90'954.36
entspricht) erfolgte. Dabei waren die Aktien der C. AG in der
Schlussbilanz/Übernahmebilanz mit CHF 26'850.00 enthalten.
7.4.2.
In der Eröffnungsbilanz der Rekurrentin/Beschwerdeführerin per 1. Juli
2012 (diese wurde von D. per 1. Juli 2012 unterzeichnet) wurden – mit der
Schlussbilanz der A. per 30. Juni 2012 korrespondierend – Finanzanlagen
mit einem Buchwert von CHF 26'850.00 ausgewiesen. Eine diesbezügliche
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- 13 -
Korrektur der Eingangsbilanz wurde von der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin nicht verlangt.
7.4.3.
Stellt man auf die Argumentation der Rekurrentin/Beschwerdeführerin ab,
wonach sie mangels rechtsgültiger Übertragung nie Eigentümerin der
Namenaktien der C. AG habe werden können, müsste zwingend
geschlossen werden, dass die Gründung der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin an einem schwerwiegenden Mangel litt.
Nach Art. 777c Abs. 2 OR muss bei der Gründung für jeden Stammanteil
eine dem Ausgabebetrag entsprechende Einlage vollständig geleistet
werden. Im Übrigen sind die Vorschriften des Aktienrechts entsprechend
anwendbar für die Angabe der Sacheinlagen, der Sachübernahmen und
der besonderen Vorteile in den Statuten, die Eintragung von Sacheinlagen,
Sachübernahmen und von besonderen Vorteilen ins Handelsregister sowie
für die Leistung und die Prüfung der Einlagen (Art. 777c Abs. 2 OR). Nach
Art. 634a Ziff. 2 OR gelten Sacheinlagen nur dann als Deckung, wenn die
Gesellschaft nach ihrer Eintragung in das Handelsregister sofort als
Eigentümerin darüber verfügen kann. Nach dem Gesagten hätte die
Rekurrentin/Beschwerdeführerin – wollte man ihrer Argumentation folgen –
mangels Eigentums an den Aktien der C. AG nicht über die Sacheinlagen
verfügen können. Die Sacheinlage im Umfang von CHF 26'850.00 wäre
damit nicht werthaltig gewesen. Das wird von der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin jedoch zu Recht nicht geltend gemacht.
Bei der Gründung der Rekurrentin/Beschwerdeführerin wurde im
Sacheinlagevertrag vom 3. Dezember 2012 unter Beilage der
Übernahmebilanz mit Finanzanlagen von CHF 26'850.00 im
Anlagevermögen eine Sacheinlage von CHF 90'954.36 bestätigt. Im
Gründungsbericht, von D. am 3. Dezember 2012 unterzeichnet, wird in Ziff.
2., "Art und Zustand der eingelegten Vermögenswerte", festgehalten:
"Die zu übernehmenden Aktiven und Passiven beruhen auf der Übernahmebilanz des Einzelunternehmens A. vom 30.06.2012.
Es bestehen flüssige Mittel und Wertschriften (Kasse, Bankkonto) im Betrag von insgesamt CHF 41'951.46 und Forderungen in der Höhe von CHF 67.85.
Das restliche Umlaufvermögen im Betrag von insgesamt CHF 15'430.40 sowie das Anlagevermögen in der Höhe von CHF 35'904.65.--, insbesondere das Mobiliar und Einrichtungen, Büromaschinen, , Fahrzeuge und Finanzanlagen wurden vorsichtig bewertet.
Gemäss Art. 2 der Statuten bezweckt die neue Gesellschaft Dienstleistungen im Bereich der Unternehmensberatung. Da dieser Zweck bereits vom übernommenen Einzelunternehmen ausgeübt wurde, sind die zu erwerbenden Aktiven (insbesondere das Anlagevermögen) für den
- 14 -
Betrieb der zu gründenden Gesellschaft notwendig und zweckmässig, Die Anlagen sind auch voll gebrauchsfähig."
In Ziff. 3 des Gründungsberichtes ("Angemessenheit der Bewertung") wird
festgehalten, dass die Bewertung der Aktiven und Passiven in
Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften vorsichtig und nach
kaufmännischen Grundsätzen erfolgt sei. Die heutige Vertreterin im
Rekurs-/Beschwerdeverfahren stellte sodann die "Prüfungsbestätigung
betreffend Gründungsbericht" vom 3. Dezember 2012 aus. Es wurde
aufgrund einer Prüfung nach Art. 635a OR bestätigt, dass die Angaben im
Gründungsbericht "vollständig und richtig sind und den gesetzlichen
Vorschriften entsprechen." Wenn sich die Rekurrentin/Beschwerdeführerin
jetzt unter diesen Umständen auf die fehlende Eigentümerstellung in Bezug
auf die Aktien der C. AG berufen will, verhält sie sich offenkundig
widersprüchlich und treuwidrig, was keinen Schutz finden kann. Allein
deshalb ist keine Bilanzberichtigung zuzulassen.
Auch nach der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichtes (Urteil vom
2. August 2018 [2C_958/2016], Erw. 5.4, mit Verweis auf BGE 141 II 83
Erw. 3.4, S. 87 mit weiteren Hinweisen; Urteil 2C_24/2014 vom 29. Januar
2015 Erw. 2.2) werden "Bilanzberichtigungen", mit denen Wertänderungen
zum Ausgleich von Aufrechnungen im Veranlagungsverfahren erfolgen
oder die lediglich aus Gründen der Steuerersparnis vorgenommen werden,
nur mit äusserster Zurückhaltung anerkannt. Auch deshalb kann keine
Bilanzberichtigung vorgenommen werden.
7.4.4.
Im Übrigen kann auch auf die Begründung des KStA im angefochtenen
Einspracheentscheid verwiesen werden, wonach die ordnungsgemässe
Genehmigung der Jahresrechnung lediglich noch beim Vorliegen von
Nichtigkeitsgründen rückwirkend aufgehoben werden könnte (Art. 706,
706a und 706b OR). Ausserdem kann nur im Zeitpunkt der Entdeckung
eine periodenverschobene Bilanzkorrektur vorgenommen werden, damit
nicht in den Jahresrechnungen 2012 – 2014.
7.5.
7.5.1.
Nach Art. 684 Abs. 1 OR kann die Übertragung von Namenaktien durch
Übergabe des indossierten Aktientitels an den Erwerber erfolgen. Anstelle
einer Indossierung können die Aktien auch Gegenstand einer schriftlichen
Zession bilden. Die Zession ist die einzige Übertragungsart, sofern die
Aktientitel noch nicht ausgegeben wurden (Basler Kommentar,
Obligationenrechts II, Art. 530-964 OR, 5. Auflage, Basel 2016, Art. 684 OR
N 5).
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- 15 -
Entgegen den Ausführungen in der Einsprache (Begründungen, Ziff. 2)
lässt sich dem Aktionärsbindungsvertrag vom 24. August 2006 nicht
entnehmen, dass nur natürliche Personen Aktionär der C. AG werden
konnten. Der Aktionärsbindungsvertrag stand dem Erwerb der Aktien durch
die Rekurrentin/Beschwerdeführerin somit nicht entgegen. Es wurden
keine Namenaktien oder Aktienzertifikate ausgegeben (vgl. Ziff. 4 des
Akteinkaufvertrages; RB 5). Insofern war eine Zession möglich. Unter
diesen Umständen war die Übertragung der Namenaktien mit der
Abtretung der Aktien gemäss Übernahmebilanz der A. an die
Rekurrentin/Beschwerdeführerin möglich. Etwas Anderes ist nicht
nachgewiesen.
7.5.2.
Die Statuten können zudem bestimmen, dass Namenaktien nur mit
Zustimmung der Gesellschaft übertragen werden dürfen (Art. 685a Abs. 1
OR). Dieselbe Beschränkung gilt auch für die Begründung einer
Nutzniessung (Art. 685a Abs. 2 OR). Art. 685b OR nennt sodann das
Zustimmungsverfahren betreffend Aktienübertrag bei nicht kotierten
Namenaktien. Solange eine erforderliche Zustimmung zur Übertragung von
Aktien nicht erteilt wird, verbleiben das Eigentum an den Aktien und alle
damit verknüpften Rechte beim Veräusserer (Art. 685c Abs. 1 OR). Vor der
Zustimmung der Gesellschaft gehen keine in der nicht kotierten
Namenaktie verkörperten Rechte auf den Erwerber über (Basler
Kommentar, Obligationenrechts II, Art. 530-964 OR, a.a.O., Art. 685a OR
N 4 und Art. 685c OR N 2).
Eine entsprechende Zustimmung der C. AG fehlt. Im Verhältnis des
Erwerbers der Namenaktien zur C. AG ist das Eigentum an den Aktien nicht
übergegangen. Hingegen ist nachfolgend auch das Innenverhältnis
zwischen Veräusserer und Erwerberin der Namenaktien zu betrachten.
7.5.3.
Im Aktienbuch werden die Eigentümer und Nutzniesser an den
Namenaktien eingetragen. Die Eintragung in das Aktienbuch setzt einen
Ausweis über den Erwerb der Aktie zu Eigentum oder die Begründung einer
Nutzniessung voraus (Art. 686 Abs. 1 und 2 OR). Der Eintrag hat
grundsätzlich deklaratorische Wirkung im Innenverhältnis zwischen
Gesellschaft und Aktionär (Basler Kommentar, Obligationenrechts II,
Art. 530-964 OR, a.a.O., Art. 686 OR N 4).
Es trifft zu, dass die Rekurrentin/Beschwerdeführerin nicht im Aktienbuch
der C. AG eingetragen war. Daraus kann abgeleitet werden, dass ihr im
Aussenverhältnis zur C. AG keine Aktionärsstellung zukam. Aufgrund der
nachfolgend beschriebenen Abläufe kann jedoch nicht ohne Weiteres auf
das Aktienbuch abgestellt werden.
- 16 -
Der Rekurrent deklarierte 240 Aktien der C. AG in der Steuererklärung
2011 (nach dem Zugang von 90 Aktien am 26. Oktober 2011). Ebenso viele
Aktien wurden per 9. April 2015 und 9. April 2016 (vgl. Aktienbuch der C.
AG (Rekursbeilage [RB] 4) an die C. AG verkauft. Noch in der
Steuererklärung 2010 hatte D. 150 Aktien deklariert. Ausweislich des
Aktienbuches wurden D. am 2. November 2011 90 Aktien aus der
Kapitalerhöhung zugewiesen, obwohl ihm gemäss Schreiben der C. AG
vom 5. Oktober 2011 aus Barliberierung 80 Aktien à nominal CHF 100.00
zugekommen sein sollen. Wie er die weiteren 10 Aktien aus der
Kapitalerhöhung erhalten hat (etwa als Gratisaktien oder
"Mitarbeiteraktien"), wurde nicht dargetan. Festzustellen ist damit, dass der
Auszug aus dem Aktienbuch der C. AG nicht mit den ausgewiesenen
Abläufen in Übereinstimmung zu bringen ist. Die von der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin mit dem Rekurs angerufene
Legitimationswirkung des Aktienbuches ist damit klar in Frage zu stellen.
Es ist aber davon auszugehen, dass mangels Gesuches kein Eintrag in das
Aktienbuch erfolgte.
7.5.4.
Vorliegend kann die im Innenverhältnis zwischen der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin und D. getroffene Vereinbarung nicht
ausser Acht gelassen werden. Es ist offensichtlich, dass D. die Aktien der
C. AG mit der Umwandlung der Einzelunternehmung in die
Rekurrentin/Beschwerdeführerin als Bestandteil der geprüften Bilanz
übertragen wollte und hatte. Indem D. diesen Umstand offenbar nicht der
C. AG meldete und auch nicht um Zustimmung zur Übertragung ersuchte,
blieb er im Aktienbuch unverändert als Eigentümer von 240 Namenaktien
eingetragen. Ohne die Meldung der Übertragung der Aktien der C. AG
konnten die Parteien des Aktionärsbindungsvertrages auch das
vereinbarte Vorkaufsrecht nicht ausüben.
Dessen ungeachtet überliess D. die Namenaktien der C. AG – ohne
Zustimmung zum Übertrag der Namenaktien der C. AG – der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin zur (werthaltigen) Nutzung, was sich
eindeutig aus den bei Gründung beim Handelsregister des Kantons Aargau
eingereichten Unterlagen ergibt. Insofern kam den Namenaktien der C. AG
für die Rekurrentin/Beschwerdeführerin durchaus ein aktivierbarer Vorteil
zu.
Dass D. nicht gewusst haben will, dass die Aktienübertragung an die
Rekurrentin/Beschwerdeführerin mit der Umwandlung seiner
Einzelunternehmung nicht gültig erfolgte, ist absolut unglaubwürdig. Er
muss sich den ihm bekannten Wortlaut des Aktionärsbindungsvertrages
(RB 3) entgegenhalten lassen. Im Jahr 2009 schied D. als Arbeitnehmer
und Verwaltungsrat aus der C. AG aus (Eintrag in das Handelsregister vom
19. Juni 2009). In Ziff. 8 des Aktionärsbindungsvertrages wird der Fall des
- 17 -
"Austritts oder Ablebens eines Aktionärs" inklusive Vorkaufsrechts der
übrigen Aktionäre behandelt. Aufgrund des engen Zusammenhangs des
Partnerstatus mit der Beteiligung an der C. AG muss sich in diesem
Zeitpunkt die Vorkaufsfrage gestellt haben (Ein Rückkauf erfolgte erst
2015). Es ist aufgrund der Beteiligung von Partnern am Aktienkapital der
C. AG offensichtlich, dass ein gegenüber der C. AG erklärter
Eigentümerwechsel mit grösster Wahrscheinlichkeit zur Ausübung des
Vorkaufsrechtes durch die Mitaktionäre geführt hätte. Mit dem bei der
Umwandlung der A. in die Rekurrentin/Beschwerdeführerin gewählten
Vorgehen wurde das vermieden. Auch deshalb ist auf die tatsächlichen
Verhältnisse im Innenverhältnis und die selbst gewählte ("fiduziarische")
Vorgehensweise abzustellen.
7.6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen für eine
Bilanzberichtigung fehlen. Eine Bilanzänderung kommt aufgrund der mit
den Steuererklärungen 2012/2013 und 2014 eingereichten
Jahresrechnungen ebensowenig in Frage.
Dementsprechend ist für die steuerliche Beurteilung auf die mit der
Steuererklärungen eingereichten Jahresabschlüsse 2012/13 und 2014
abzustellen.
8.
8.1.
Ein geldwerter Vorteil (verdeckte Gewinnausschüttung) nach § 68 Abs. 1
lit. c StG/Art. 58 Abs. 1 Bst. b DBG liegt dann vor, wenn eine Gesellschaft,
ohne dies ordnungsgemäss als Gewinnverwendung zu verbuchen, einem
Anteilsinhaber oder einer ihr nahestehenden Person direkt oder indirekt
einen Vorteil zukommen lässt, der einem unabhängigen Dritten so nicht
erbracht würde. Das ist dann der Fall, wenn die Gesellschaft für ihre
Leistung klarerweise keinen genügenden Gegenwert erhält, wenn also das
Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung so ungewöhnlich ist, dass
es sich mit einem sachgemässen Geschäftsgebaren nicht vereinbaren
lässt. Der Sachverhalt muss eindeutig so sein, dass sowohl auf Seite des
Empfängers als auch auf Seiten der Gesellschaft das Vorliegen einer
geldwerten Leistung erkennbar ist (BGE 119 Ib 116; BGE 113 Ib 25;
Bundesgerichtsurteile vom 13. Juni 2012 [2C_862/2011 und 2C_863/2011;
Ertragsverzicht], vom 23. Juli 2003 [2A.602/2002] und vom 22. Mai 2003
[2A.590/2002], je mit Hinweis auf die Judikatur; ASA 63 S. 671; AGVE 2004
S. 133; VGE vom 17. März 2010 [WBE.2009.218]). Die steuerliche
Behandlung als verdeckte Gewinnausschüttung setzt somit kumulativ
voraus, dass
- die Gesellschaft keine oder keine gleichwertige Gegenleistung erhält,
- 18 -
- der Aktionär oder eine der Gesellschaft nahestehende Person oder Un-
ternehmung direkt oder indirekt einen Vorteil erhält, der einem Dritten
unter gleichen Bedingungen nicht zugebilligt worden wäre, die Leistung
also insofern ungewöhnlich ist, und
- der Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane erkennbar
war.
Nach der im Steuerrecht allgemein gültigen Regel trägt die Steuerbehörde
die Beweislast für steuerbegründende Tatsachen, während der Beweis für
steueraufhebende oder steuermindernde Tatsachen grundsätzlich dem
Steuerpflichtigen obliegt, wobei er diese Tatsachen nicht nur zu behaupten,
sondern auch zu belegen hat (BGE 140 II 248, Erw. 3.5 mit Hinweisen;
Bundesgerichtsurteil vom 29. September 2016 [2C_162/2016 und 2C_163/
16], Erw. 2.3., mit Hinweisen). Die entscheidende Behörde würdigt dabei
nach ihrer eigenen, freien Überzeugung, ob ein Beweismittel glaubwürdig
ist. Auch wenn im Steuerrecht an sich das Beweismass der vollen
Überzeugung ("Regelbeweismass") herrscht, bedarf es keiner absoluten
Gewissheit. Es genügt, dass die Veranlagungsbehörde nach erfolgter Be-
weiswürdigung und aufgrund objektiver Gesichtspunkte mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen der rechtserheblichen Tat-
sache überzeugt ist. Die Auffassung kann auf Indizien beruhen und bedingt
keinen direkten Beweis (Bundesgerichtsurteil vom 12. Mai 2020 [2C_926/
2019], Erw. 2.3).
8.2.
Als einem Beteiligungsinhaber nahestehend betrachtet die Praxis eine na-
türliche oder juristische Person, die zum beherrschenden Beteiligungsinha-
ber enge wirtschaftliche oder persönliche Beziehungen unterhält (Bundes-
gerichtsurteil vom 6. August 2015 [2C_16/2015], Erw. 2.3.2, mit Hinweisen;
VGE vom 27. Oktober 2010 [WBE.2020.172], Erw. 1.5.3.).
Rechtsgeschäfte unter nahestehenden Personen sind zu
Drittmarktkonditionen vorzunehmen, d.h. sie sind zu den gleichen
Bedingungen abzuwickeln, wie sie auch mit aussenstehenden Dritten
vereinbart würden (BGE 138 II 61; Urteil des Bundesgerichts vom 5.
Dezember 2011 [2C_272/2011], Erw. 3.2.2 = StR 67 S. 129).
8.3.
Werden Güter von Gesellschaftern oder nahestehenden Personen erwor-
ben, so sind ihre Aufwendungen nur in Höhe des wirklichen Wertes, des
Verkehrswertes, geschäftsmässig begründet und als Anschaffungskosten
anzusehen. Eine Gesellschaft wird für Güter, die im freien Handel erhältlich
sind, bei normalem Geschäftsgebaren nicht mehr als den Verkehrswert
zahlen, ungeachtet des Umstands, dass sie diese Güter als Anlagegüter
zur Führung des Geschäfts benötigt. Die Aktivierung hat somit zum Ver-
kehrswert zu erfolgen. Was die Gesellschaft (juristische Person) darüber
hinaus bezahlt, stellt eine verdeckte Gewinnausschüttung dar (VGE vom
- 19 -
14. Mai 2004 [BE.2003.00275]). Dasselbe gilt umgekehrt, wenn Gesell-
schaftsaktiven an Gesellschafter oder nahestehende Personen
unterpreislich verkauft werden.
8.4.
D. ist als Inhaber der Beteiligungsrechte der
Rekurrentin/Beschwerdeführerin ein geldwerter Vorteil zugeflossen, der
einem Dritten nicht gewährt worden wäre. Er hat die Aktien der C. AG zum
Buchwert erworben (Ausbuchung über das "Konto 2100 KK
Gesellschafter"). Dass die Veräusserung unterpreislich erfolgte, war aus
der Selbstdeklaration des Wertes der Aktien der C. AG in der
Steuererklärung 2014 von D. und G. erkennbar, wo ein
Vermögenssteuerwert von CHF 62'400.00 angegeben wurde. Zum
gleichen Ergebnis führen die Wertschriftenbewertung des KStA per 31.
Dezember 2013 vom 3. Januar 2018 (Wert eines Anteils von 8 %: CHF
65'116.00) und der Kaufvertrag zwischen D. und der C. AG (RB 5) mit
einem Kaufpreis von CHF 60'324.00. Die Voraussetzungen einer
geldwerten Leistung sind damit erfüllt.
9.
Die Rekurrentin/Beschwerdeführerin hat gegen die Berechnung des
geldwerten Vorteils keine Einwände erhoben. Es sind für das
Spezialverwaltungsgericht auch keine Fehler erkennbar, so dass auf die
Berechnung der Vorinstanz abzustellen ist.
10.
Dementsprechend sind der Rekurs betreffend Kantons- und
Gemeindesteuern 2014 und die Beschwerde betreffend direkte
Bundessteuer 2014 abzuweisen.
11.
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Rekurrentin/Beschwerdeführerin
die Kosten des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens zu tragen (§ 189 Abs. 1
StG/Art. 144 Abs. 1 DBG). Es ist keine Parteientschädigung auszurichten
(§ 189 Abs. 2 StG/Art. 144 Abs. 4 DBG).
- 20 -