Decision ID: 93a089ac-4ecc-5a00-8da7-34ad88d2f387
Year: 2021
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. A. (nachfolgend auch: Angeschuldigter) und seine Ehefrau erbringen gemeinsam Beratungs-
dienstleistungen [...]. In der von den vorliegenden Verfahren betroffenen Steuerperiode 2011
wurden die Leistungen über die Unternehmung C. mit Sitz in D. erbracht. Während sich die
Ehegatten gemäss eigenen Angaben ausschliesslich um das operative Geschäft dieser Un-
ternehmung kümmerten, wurde die Administration und das Rechnungswesen der C. durch
den Treuhänder E. bzw. dessen Unternehmung F. (nachfolgend auch: F.; ursprünglicher Fir-
menname: G.) besorgt. E. war zudem auch persönlicher Steuerberater des Ehepaars.
B. In der Steuerperiode 2011 waren der Angeschuldigte und seine Ehefrau in H. wohnhaft und
somit in Appenzell Ausserrhoden persönlich steuerpflichtig. Die Ehegatten reichten ihre
Steuerdeklaration für die Steuerperiode 2011 im März 2013 bei der kantonalen Steuerver-
waltung Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend auch: Vorinstanz) ein und deklarierten für das
Jahr 2011 ein steuerbares Einkommen von Fr. [...].-- und ein steuerbares Vermögen von
Fr. [...].-- (KStV.AR.act. 3).
C. Im Mai 2012 erstattete die Steuerverwaltung des Kantons St. Gallen bei der Eidgenössischen
Steuerverwaltung (nachfolgend: EStV), Abteilung Strafsachen und Untersuchungen (nach-
folgend: ASU), eine Meldung über die Treuhandgesellschaft F. sowie deren Aktionär und
Geschäftsführer E.
Der Steuerverwaltung des Kantons St. Gallen war aufgefallen, dass seit über zehn Jahren
im Umfeld von E. und der F. immer wieder Gesellschaften gegründet worden waren, die
wiederholt ihr Domizil und ihre Firma wechselten. Verschiedentlich stimmten die Angaben zu
angeblich von solchen Firmen erbrachten Leistungen gar nicht mit dem jeweils für die
betroffene Gesellschaft im Handelsregister eingetragenen Geschäftszweck überein. Es
drängte sich der Verdacht auf, dass diverse im Einfluss von E. stehende Gesellschaften
fiktive Leistungen und fingierte Lieferungen verbucht hatten, wodurch sie mutmasslich zu
tiefe Gewinne bzw. regelmässig einen Verlust auswiesen. Kurz darauf wurde dann Konkurs
über diese Gesellschaften eröffnet, was jeweils dazu führte, dass mangels Aktiven keine Be-
steuerung mehr möglich war. Daraufhin wurden wieder neue Gesellschaften mit ähnlichem
Namen gegründet.
Im Rahmen der in der Folge eingeleiteten umfangreichen Untersuchungen durch die ASU
wurde unter anderem auch die Geschäftstätigkeit der C. genauer überprüft. Die ASU
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gelangte zum Schluss, dass bei der C. Gewinnsteuern in grossem Umfang hinterzogen
worden waren.
Die Untersuchungsergebnisse der ASU sind im Bericht vom 31. Mai 2017 (KStV.AR.act. 1)
festgehalten. Gemäss Ermittlungen der ASU waren der Angeschuldigte und seine Ehefrau
zunächst als Aktionäre der I. mit Sitz in J. bzw. später in K. im Handelsregister eingetragen
gewesen; diese Unternehmung war im gleichen Geschäftsbereich tätig gewesen wie später
die C. Im März 2007 wurden die Kunden der I. darüber informiert, dass die Leistungen neu
über die (unter Mitwirkung von E. bzw. dessen Mitarbeiterin) gegründete C. angeboten
würden. Der Angeschuldigte und seine Ehefrau deklarierten zwar die Aktien der C. erst im
Rahmen der hier betroffenen Steuererklärung 2011 offiziell als ihr Vermögen, die ASU ging
aber aufgrund ihrer Untersuchungen davon aus, dass sie bereits ab Gründung der C. im
September 2006 die tatsächlichen Aktionäre der Gesellschaft gewesen waren und schon
damals eine faktische Organschaft ausgeübt hatten.
Die Steuerverwaltung des Kantons St. Gallen leitete aufgrund der im ASU-Bericht festge-
stellten Ungereimtheiten gegen die in D. ansässige C. ein Nachsteuer- und Steuerhinterzieh-
ungsverfahren ein. Gegen E. wurden in verschiedenen Kantonen Ermittlungen eingeleitet im
Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und Steuerbetrug.
D. Am 18. November 2013 reichten der Angeschuldigte und seine Ehefrau bei der Vorinstanz
eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung ein und schickten der Vorinstanz am
10. März 2014 und 20. Januar 2016 weitere Unterlagen in diesem Zusammenhang zu
(KStV.AR.act. 4). Betreffend die bereits rechtskräftig veranlagten Steuerperioden bis und mit
Steuerjahr 2010 ergingen in der Folge mehrere Nachsteuerverfügungen. Die erhobenen
Nachsteuern wurden vom Angeschuldigten und seiner Ehefrau ohne weiteres akzeptiert und
bezahlt. Die von den vorliegenden Verfahren betroffene Steuerperiode 2011 war noch nicht
rechtskräftig veranlagt, weshalb eine Korrektur der in der Steuerklärung 2011 deklarierten
Faktoren direkt im Rahmen des Veranlagungsverfahrens vorgenommen werden konnte. Bei
der definitiven Veranlagung 2011 vom 30. Oktober 2018 ging die Vorinstanz anstelle des in
der Steuererklärung deklarierten steuerbaren Einkommens im Betrag von Fr. [...].-- von
einem deutlich höheren steuerbaren Einkommen von insgesamt Fr. [...].-- bei den Staats-
und Gemeindesteuern bzw. Fr. [...].-- bei der direkten Bundessteuer und einem steuerbaren
Vermögen von Fr. [...].-- (anstatt wie deklariert Fr. [...].--) aus, nachdem beim Einkommen
diverse nicht deklarierte geldwerte Leistungen der C. berücksichtigt und beim Vermögen die
Steuerwerte für nicht kotierte Titel angepasst und eine in der Steuererklärung nicht dekla-
rierte Lebensversicherung berücksichtigt wurde (vgl. KStV.AR.act. 3).
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E. Am 21. Dezember 2018 leitete die Vorinstanz ein Steuerstrafverfahren gegen den Ange-
schuldigten und dessen Ehefrau ein wegen vollendeter Steuerhinterziehung in den Steuer-
perioden 2008 bis 2010 bzw. wegen versuchter Steuerhinterziehung in der Steuerperiode
2011. Die Vorinstanz warf dem Angeschuldigten vor, dass er während der Steuerperioden
2008 bis 2010 insgesamt Einkommen von rund Fr. 538‘000.-- sowie Vermögen von über
Fr. 2.7 Mio. nicht korrekt deklariert habe. Bezüglich Steuerperiode 2011 ging die Vorinstanz
davon aus, dass in der bei ihr eingereichten Steuererklärung Einkommen von rund
Fr. 60‘000.-- nicht deklariert worden seien (KStV.AR.act. 5).
Nachdem dem Angeschuldigten und seiner Ehefrau das rechtliche Gehör eingeräumt und
Einsicht in die Akten gewährt worden war (siehe betreffend das hier interessierende Steuer-
jahr 2011 insbesondere KStV.AR.act. 6 bis 12), wurden die Vorwürfe betreffend die Steuer-
periode 2008 infolge zwischenzeitlichem Verjährungseintritt nicht weiterverfolgt. Für die
übrigen Steuerperioden 2009 bis 2011 erliess die Vorinstanz je zwei separate Strafverfü-
gungen an den Angeschuldigten einerseits und seine Ehefrau andererseits.
Am 17. Dezember 2019 erging eine erste Strafverfügung gegen den Angeschuldigten betref-
fend vollendete Steuerhinterziehung in den Steuerperioden 2009 und 2010 (KStV.AR.act.
17). Gegenstand der vorliegenden Verfahren ist die zweite Strafverfügung vom 29. Oktober
2020 gegen den Angeschuldigten (im Beilagenordner der Vorinstanz, ohne Nummerierung).
Mit dieser Strafverfügung fällte die Vorinstanz wegen versuchter Steuerhinterziehung von
Staats- und Gemeindesteuern bzw. direkten Bundessteuern in der Steuerperiode 2011 die
eingangs angeführten und in den vorliegenden Verfahren angefochtenen Bussen aus.
F. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2020 (act. 2) reichte der Angeschuldigte bei der Vorinstanz
ein Begehren um gerichtliche Beurteilung der Strafverfügung vom 29. Oktober 2020 durch
das Obergericht ein bzw. erhob, insoweit der Bundessteuerbereich betroffen war, gleichzeitig
Einsprache gegen die Strafverfügung, verbunden mit dem Antrag auf Weiterleitung dieser
Einsprache als Sprungbeschwerde ans Obergericht.
G. Am 3. Dezember 2020 überwies die Vorinstanz dem Obergericht die Strafverfügung vom
29. Oktober 2020 zur gerichtlichen Beurteilung. Aufgrund der im Bundessteuerbereich
gleichzeitig erhobenen Sprungbeschwerde wurden direkt zwei Verfahren zur Beurteilung der
angefochtenen Strafverfügung eröffnet:
Das Verfahren O2V 20 67 betrifft die gerichtliche Beurteilung der Strafverfügung, insoweit es
um die dem Angeschuldigten vorgeworfene versuchte Hinterziehung der Staats- und Ge-
meindesteuern 2011 geht; das Verfahren O2V 20 69 betrifft die gerichtliche Beurteilung der
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Strafverfügung im Zusammenhang mit der dem Angeschuldigten vorgeworfenen versuchten
Hinterziehung der direkten Bundessteuer 2011.
H. Nachdem beim Angeschuldigten für beide Verfahren ein Kostenvorschuss angefordert und
ihm anschliessend Akteneinsicht gewährt worden war, verzichtete er mit Schreiben vom
18. Dezember 2020 in beiden Verfahren ausdrücklich auf eine mündliche Verhandlung. Die
Vorinstanz und die im Verfahren O2V 20 69 beigeladene EStV erhoben dagegen keine Ein-
wendungen und verzichteten stillschweigend auf Einreichung einer materiellen Stellung-
nahme zur Angelegenheit.
Aufgrund der Corona-Pandemie wurde beim Obergericht bereits im ersten Halbjahr 2020 von
Beratungen vor Ort weitgehend abgesehen. Als nach bloss vorübergehender Wiederaufnah-
me des ordentlichen Verhandlungs- und Sitzungsbetriebs im Spätsommer 2020 infolge der
weiteren Entwicklung der Pandemie bereits ab Herbst 2020 erneut soweit möglich von Be-
ratungen vor Ort abgesehen werden musste, fällten die Richter, um einem Aufschub der
Behandlung der Angelegenheit entgegenzuwirken, schliesslich einstimmig das vorliegende
Zirkular-Urteil.
I. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den Akten sowie die Vorbringen der Parteien
in den Rechtsschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen
näher eingegangen.
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Erwägungen
1. Formelles
1.1 Die von der kantonalen Steuerverwaltung in der Strafverfügung vom 29. Oktober 2020 wegen
versuchter Steuerhinterziehung im Steuerjahr 2011 ausgesprochenen Bussen beziehen sich
einerseits auf die Staats- und Gemeindesteuern sowie andererseits auf die direkte
Bundessteuer. Mit Blick auf die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen im kantonalen Recht
einerseits und im Bundessteuerrecht andererseits hat das Obergericht, wie dies praxisge-
mäss üblich ist, zwei Verfahren zur Beurteilung der in Frage stehenden Strafverfügung vom
29. Oktober 2020 eröffnet (O2V 20 67 betreffend Staats- und Gemeindesteuern, O2V 20 69
betreffend direkte Bundessteuer). Weil sich in der Sache allerdings inhaltlich gesehen - un-
abhängig davon, ob es um Staats- und Gemeindesteuern oder um direkte Bundessteuern
geht - dieselben Rechtsfragen stellen, können die beiden Verfahren O2V 20 67 und O2V 20
69 vom Obergericht auch gemeinsam behandelt werden (so auch Urteil des Bundesgerichts
2C_298/2020 vom 9. Oktober 2020 E. 1.1 m.w.H.). Eine gemeinsame Behandlung der Ver-
fahren erscheint im konkreten Fall sinnvoll, weshalb das Obergericht die Verfahren
O2V 20 67 und O2V 20 69 vereinigt und mit vorliegendem Entscheid gemeinsam beurteilt.
1.2 Der Entscheid über Steuerstreitsachen - wozu auch die Anfechtung von wegen Steuerhinter-
ziehung ausgefällten Bussen gehört (Art. 261 Abs. 1 i.V.m. Art. 262 Steuergesetz [StG, bGS
621.11], Art. 132 Abs. 1 i.V.m. Art. 182 Abs. 3 Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
[DBG, SR 642.11] bzw. im konkreten Fall, wo im Bundessteuerbereich eine Sprungbe-
schwerde erhoben wurde, ausserdem Art. 132 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 der Verord-
nung über die Durchführung des DBG [bGS 625.11]) - fällt unabhängig vom Streitwert in die
Zuständigkeit der Abteilungen des Obergerichts (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. a Justizgesetz [JG,
bGS 145.31] e contrario).
Das Gesamtgericht hat Steuerstreitsachen der 2. Abteilung zur Beurteilung zugewiesen (so
publiziert im aktuellen Staatskalender des Kantons Appenzell Ausserrhoden
[https://staatskalender.ar.ch/organizations/pdf], Ziff. 2.6.1.2), weshalb diese zur Behandlung
der Verfahren O2V 20 67 und O2V 20 69 zuständig ist.
Da die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung auch der übrigen Prozessvoraussetzung-
en ergibt, dass diese erfüllt sind, ist in beiden Verfahren auf die Streitsache einzutreten.
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2. Materielles
2.1 Wer als steuerpflichtige Person vorsätzlich oder fahrlässig bewirkt, dass eine Veranlagung
zu Unrecht unterbleibt oder dass eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist, wird mit
Busse bestraft (Art. 243 Abs. 1 StG bzw. Art. 175 Abs. 1 DBG). Der Tatbestand der vollen-
deten Steuerhinterziehung ist im kantonalen und im Bundessteuerrecht übereinstimmend
dahingehend geregelt, dass eine solche anzunehmen ist, wenn
a) eine Steuer geschuldet ist, wobei
b) der Täter herbeiführt, dass die Veranlagung unvollständig vorgenommen wird.
Die Steuerhinterziehung kann als Sonderdelikt nur von der steuerpflichtigen Person selbst
begangen werden. Als Erfolgsdelikt ist beim Tatbestand einer vollendeten Steuerhinterzieh-
ung vorausgesetzt, dass es zu einem Steuerausfall gekommen und eine richtige Veranla-
gung im ordentlichen Verfahren nicht mehr möglich ist, weil die entsprechenden Steuerperi-
oden bereits rechtskräftig veranlagt sind (RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Handkommen-
tar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N. 22 ff. zu Art. 175 DBG).
In den vorliegend zu beurteilenden Verfahren steht keine vollendete Steuerhinterziehung zur
Diskussion: Der Angeschuldigte und seine Ehefrau hatten die Steuererklärung 2011 zwar
bereits bei der Vorinstanz eingereicht, aber waren noch nicht rechtskräftig veranlagt worden,
als die Vorinstanz feststellte, dass entgegen der Steuerdeklaration diverse Aufrechnungen
sowohl beim Einkommen als auch beim Vermögen vorzunehmen waren. Somit ist keine
Steuerverkürzung eingetreten.
2.2 Gemäss Art. 244 StG bzw. Art. 176 DBG ist allerdings auch bereits der Versuch einer Steu-
erhinterziehung strafbar:
a. Der Versuch ist sowohl im Bundessteuerrecht als auch im kantonalen Recht als eigenstän-
diger Steuerübertretungstatbestand ausgestaltet, wobei das geschützte Rechtsgut demjeni-
gen von Art. 243 StG bzw. Art. 175 DBG entspricht. Anstelle einer (bereits eingetretenen)
Steuerverkürzung, welche zu den Tatbestandsmerkmalen der vollendeten Steuerhinterzieh-
ung gehört, genügt beim Versuch eine blosse Steuergefährdung.
b. Die versuchte Steuerhinterziehung ist gemäss Rechtsprechung und Lehre nur bei Vorsatz
strafbar, wobei schon Eventualvorsatz genügt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
2C_362/2018 vom 19. Juni 2019 E. 3.1 m.w.H.). Der Tatbestand der versuchten Steuer-
hinterziehung setzt also eine zumindest eventualvorsätzliche Gefährdung des gesetzlichen
Steueranspruchs voraus. Ob ein (Eventual-)vorsatz vorliegt oder nicht, beurteilt sich nach
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allgemeinen strafrechtlichen Grundsätzen, also namentlich Art. 12 Abs. 2 und 3 Strafgesetz-
buch (StGB, SR 311; Art. 333 Abs. 1 i.V.m. Art. 104 StGB).
c. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat
mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt nach der Definition des Gesetzgebers
aber auch bereits, wer die Verwirklichung der Tat bloss für möglich hält. Ein solcher Even-
tualvorsatz liegt vor, wenn der Täter den als möglich vorausgesehenen Erfolg für den Fall
seines Eintritts billigt, sich mit ihm abfindet oder ihn in Kauf nimmt. Bloss fahrlässig begeht
ein Verbrechen oder Vergehen dagegen, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger
Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Un-
vorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen
und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB).
2.3
a. Beim Verfahren, das zur Sanktionierung einer Steuerhinterziehung führt, handelt es sich um
eine strafrechtliche Anklage im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (anstelle vieler: Urteil des Bun-
desgerichts 2C_362/2018 vom 19. Juni 2019 E. 3.5 m.w.H.), womit die Unschuldsvermutung
zum Tragen kommt. Im Sinne einer Beweiswürdigungsregel ergibt sich aus der Unschulds-
vermutung, dass den Steuerstrafen keine Sachverhaltselemente zugrunde gelegt werden
dürfen, über deren Verwirklichung bei objektiver Würdigung der gesamten Beweislage
Zweifel bestehen oder die nur als wahrscheinlich gelten (anstelle vieler: Urteil des Bundes-
gerichts 2C_683/2018 vom 3. Oktober 2019 E. 4.2 m.w.H.).
b. Der Nachweis der subjektiven Tatbestandsmerkmale, welche auf (Eventual-)Vorsatz oder
Fahrlässigkeit schliessen lassen, obliegt grundsätzlich der Steuerbehörde: Dem Grundsatz
in dubio pro reo entsprechend, hat die Steuerbehörde in der Funktion als Anklagebehörde
die Umstände nachzuweisen, welche eine Steuerbusse begründen, und zwar auch dann,
wenn Schuldausschliessungsgründe von der gebüssten Person lediglich behauptet werden
und / oder zweifelhaft erscheinen (SIEBER/MALLA, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl. 2017, N. 28 zu Art. 175 DBG; RICHNER/FREI/KAUF-
MANN/MEUTER, a.a.O., N. 121 und 129 f. zu Art. 182 DBG). Da das Verschulden immer auf
einem inneren Vorgang beim Täter gründet, muss dieses bei fehlendem Eingeständnis
gestützt auf konkrete äussere Tatsachen und Abläufe bzw. anhand von überzeugenden
Indizien dargelegt werden (RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., N. 36 ff. zu Art. 175
DBG). Der Nachweis eines Hinterziehungsvorsatzes erfordert somit immer eine sorgfältige
Abklärung der Verhältnisse des Einzelfalls. Selbst wenn die steuerpflichtige Person jeglichen
Vorsatz bestreitet, ist von Eventualvorsatz auszugehen, wenn sich der steuerpflichtigen
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Person der Erfolg ihres Verhaltens als so wahrscheinlich aufdrängt, dass ihr Verhalten ver-
nünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (RICHNER/FREI/
KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., N. 3 f. zu Art. 176 DBG). Eine absolute Gewissheit über die
Schuld der betroffenen Person wird also nicht verlangt (Urteil des Bundesgerichts
2C_298/2020 vom 9. Oktober 2020 E. 3.2.2 m.w.H). Auch bei Berücksichtigung des Grund-
satzes in dubio pro reo genügt es, wenn mit hinreichender Sicherheit feststeht, dass sich die
einer Steuerhinterziehung beschuldigte Person der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der
gemachten Angaben bewusst war: Ergibt die Abklärung der Verhältnisse, dass das Vorgehen
des Steuerpflichtigen nur mit der Absicht, eine gesetzeswidrige Steuerverkürzung zu
erreichen, erklärt werden kann - was voraussetzt, dass die Steuerbarkeit des entspre-
chenden Sachverhalts für die steuerpflichtige Person erkennbar oder zumindest mit ver-
tretbarem Aufwand festzustellen war -, so ist davon auszugehen, dass die Person auch mit
Willen handelte, d.h. eine Täuschung der Steuerbehörden beabsichtigt und eine zu niedrige
Veranlagung bezweckt (direkter Vorsatz) oder zumindest in Kauf genommen hat (Eventual-
vorsatz). Diese Vermutung lässt sich nicht leicht entkräften, solange kein anderer Beweg-
grund für die Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten Angaben zumindest
möglich erscheint (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 2C_362/2018 vom 19. Juni 2019
E. 3.4 m.w.H.). Der allgemeinen Lebenserfahrung folgend ist namentlich dann der auf eine
Steuerverkürzung gerichtete Wille zu bejahen, wenn aufgrund einer nicht ordnungsgemäss
geführten Buchhaltung wissentlich eine unvollständige Steuererklärung eingereicht wird. Das
Wissen um die Unvollständigkeit der Deklaration beurteilt sich sodann insbesondere auch
nach der Erkennbarkeit der Abweichung von den tatsächlichen Verhältnissen, weshalb
immer auch das Quantitative zu berücksichtigen ist (SIEBER/MALLA, a.a.O., N. 28 ff. zu Art.
175 DBG).
c. Die Inkaufnahme des deliktischen Erfolgs unterscheidet den Eventualvorsatz von der bewus-
sten Fahrlässigkeit, bei welcher der Täter darauf zählt oder leichtfertig darauf vertraut, dass
der - als möglich vorausgesehene, aber nicht gewollte - Erfolg nicht eintritt; der Täter braucht
den Eintritt des Erfolgs dabei nicht begünstigt zu haben. Nach Auffassung des Bundes-
gerichts ist Eventualvorsatz in Abgrenzung zur bewussten Fahrlässigkeit im Allgemeinen
umso eher zu bejahen, je höher die für den Täter erkennbare Wahrscheinlichkeit des Eintritts
des Erfolgs anzusetzen und als je bedeutender die Sorgfaltspflichtverletzung zu würdigen ist
(SIEBER/MALLA, a.a.O., N. 32 ff. zu Art. 175 DBG).
2.4 Der Angeschuldigte bestreitet die zwischenzeitlich in Rechtskraft erwachsene Steuerveran-
lagung für die Steuerperiode 2011 bzw. die dort von der Vorinstanz zusätzlich zur Deklaration
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vorgenommenen Aufrechnungen nicht und anerkennt ausdrücklich, dass durch Nichtdekla-
ration von Einkommens- und Vermögenswerten in der Steuererklärung 2011 Verfahrens-
pflichten verletzt worden seien. Er bestreitet jedoch, dass diese Verletzung wissentlich und
willentlich erfolgt sei und macht geltend, nicht er und seine Ehefrau, sondern der von ihnen
beigezogene Treuhänder E. habe die versuchte Steuerhinterziehung herbeigeführt, dies
durch eine höchst unprofessionelle Buchführung. Die Verantwortung für die Entstehung der
geldwerten Leistungen liege daher zur Hauptsache bei E., während der Angeschuldigte und
seine Ehefrau, wenn auch leichtgläubig, darauf vertraut hätten, dass der mandatierte Treu-
händer seine Tätigkeit nach den Vorschriften der Gesetze ordnungsgemäss ausübe.
2.5 Im konkreten Fall ist von erheblicher Bedeutung, dass das einer steuerpflichtigen Person
zurechenbare Wissen um die Unvollständigkeit einer Deklaration gemäss Rechtsprechung
und Lehre entscheidend von der Erkennbarkeit der Abweichung von den tatsächlichen Ver-
hältnissen abhängt (vgl. dazu SIEBER/MALLA, a.a.O., N. 31 zu Art. 175 DBG, m.w.H.). Diese
Erkennbarkeit war im Fall des Angeschuldigten klar gegeben, jedenfalls, was die offensicht-
lich zu tiefe Deklaration von Einkommens- und Vermögenswerten in der hier in Frage steh-
enden Steuererklärung 2011 betrifft:
a. Der Angeschuldigte und seine Ehefrau gaben in der Steuererklärung 2011 ein steuerbares
Einkommen von Fr. [...].-- und ein steuerbares Vermögen von Fr. [...].-- an. In der definitiven
Steuerveranlagung ging die Vorinstanz bei den Staats- und Gemeindesteuern dagegen von
einem über einem Drittel höheren steuerbaren Einkommen im Betrag von Fr. [...].-- und
einem annähernd zwei Drittel höheren steuerbaren Vermögen von Fr. [...].-- aus; bei der
definitiven Veranlagung der direkten Bundessteuer ergab sich ein steuerbares Einkommen
von Fr. [...].-- (vgl. dazu die Unterlagen in KStV.AR.act. 3). Diese schliesslich von den Ehe-
gatten akzeptierten definitiv veranlagten Einkommens- und Vermögenssteuerwerte 2011
waren damit allesamt deutlich höher als die vom Angeschuldigten und seiner Ehefrau selber
deklarierten Werte.
b. Es ist unter diesen Umständen schlichtweg unvorstellbar, dass der Angeschuldigte, als ihm
die Steuererklärung 2011 vom Treuhänder zur Unterzeichnung vorgelegt wurde, nicht be-
merkt haben soll, dass etwas mit der abgegebenen Deklaration so nicht stimmen konnte.
Sowohl beim Einkommen als auch beim Vermögen ist die erhebliche quantitative Abwei-
chung der Deklaration von den Werten der definitiven Veranlagung als geradezu augenfällig
zu qualifizieren. Unter den gegebenen Umständen - der Angeschuldigte hatte in der Steuer-
erklärung 2011 nun auch die Aktien der C. aufgeführt, allerdings wurden die Steuerwerte im
Rahmen der Veranlagung noch angepasst - verzichtete die Vorinstanz auf eine weitere
Prüfung einer Bestrafung des Angeschuldigten wegen versuchter Steuerhinterziehung von
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Vermögenssteuern. Die im vorliegenden Verfahren angefochtene Bussenauflage betrifft
einzig den Vorwurf der versuchten Hinterziehung von Einkommenssteuern.
2.6 Die massive Abweichung der deklarierten von den tatsächlichen Einkommensverhältnissen
spricht per se dafür, dass der Angeschuldigte die Steuerhinterziehung zumindest eventual-
vorsätzlich begangen hat:
a. Eventualvorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung einer Tat bloss für möglich hält
und in Kauf nimmt. Je höher die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je
schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, umso mehr ist anzunehmen, die Tatbestands-
verwirklichung werde in Kauf genommen. In einer Konstellation, wie sie beim Angeschul-
digten vorliegt, drängt sich der Erfolg seines Verhaltens für eine Steuerhinterziehung als
derart wahrscheinlich auf, dass schon allein aufgrund des Quantitativen auf Eventualvorsatz
zu erkennen ist: Da dem Angeschuldigten selbst bei einer lediglich summarischen Prüfung
der deklarierten Faktoren in der Steuererklärung 2011 nicht verborgen bleiben konnte, dass
sich die tatsächlichen Einkommensverhältnisse ganz anders präsentierten als in der Steuer-
deklaration, ist eine andere Erklärung, als dass er mit der Einreichung der somit offensichtlich
falschen Steuererklärung eine Steuerverkürzung zumindest in Kauf genommen hat, kaum
denkbar (vgl. etwa auch Urteil des Bundesgerichts 2C_682/2018 vom 14. Mai 2019 E. 6.3).
b. Dass der Angeschuldigte einen Treuhänder und Steuerberater beigezogen hat, ändert daran
nichts: Von der Sorgfaltspflicht betreffend Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben in der
Steuererklärung kann sich eine steuerpflichtige Person nämlich nicht dadurch dispensieren,
dass sie die Besorgung ihrer Steuerangelegenheiten einem Vertreter überbindet (SIE-
BER/MALLA, a.a.O., N. 32 ff. zu Art. 175 DBG). Die steuerpflichtige Person muss ihre per-
sönliche Steuererklärung wahrheitsgetreu und vollständig ausfüllen (Art. 161 Abs. 2 StG; Art.
124 Abs. 2 DBG); es besteht dabei die gesetzlich vorgesehene Pflicht, alles zu tun, um eine
vollständige und richtige Veranlagung zu ermöglichen (Art. 163 Abs. 1 StG; Art. 126 Abs. 1
DBG). Wird das Ausfüllen der Steuererklärung einem Steuerberater übertragen, bedeutet
dies nicht, dass die steuerpflichtige Person deshalb nicht weiterhin selber gemäss dieser
gesetzlichen Bestimmungen dafür die Verantwortung trägt, dass die bei der Steuerbehörde
eingereichte Steuererklärung wahrheitsgetreu und vollständig ist, sondern die steuerpflichti-
ge Person trifft auch bei Zuhilfenahme der Dienste Dritter bei der Erstellung der Steuererklä-
rung die gleiche, allgemeine hohe Sorgfaltspflicht, wie wenn sie selbst gehandelt hätte. Daher
kann sie ihre Verantwortung nicht mit der blossen Behauptung von sich abwälzen, für sie
habe ein Vertreter gehandelt (vgl. RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., N. 71 ff. zu Art.
175 DBG).
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c. Das gilt auch für den Fall, dass der Angeschuldigte sich nicht im Geringsten darum geküm-
mert haben sollte, welche Steuerfaktoren in der Steuererklärung deklariert waren und des-
halb tatsächlich nicht bemerkt haben sollte, dass die abgegebene Deklaration offensichtlich
zu tief sein musste: Die billigende Inkaufnahme des inkriminierten Erfolgs ist gemäss Recht-
sprechung nämlich auch dann zu vermuten, wenn die steuerpflichtige Person sich in keiner
Weise darum kümmert, ob die von ihr im Veranlagungsverfahren gemachten Angaben
zutreffend sind. Die diesfalls resultierende Vermutung, es sei eine zu niedrige Veranlagung
angestrebt oder zumindest in Kauf genommen worden, lässt sich zudem nicht leicht ent-
kräften, weil in der Regel ein anderer Beweggrund für die Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit
der gemachten Angaben nur schwer vorstellbar ist (Urteile des Bundesgerichts 2C_257/2018
vom 11. November 2019 E. 4.4.1 f.; 2C_682/2018 vom 14. Mai 2019 E. 3.2; je m.w.H.). Kon-
kret heisst dies: Kümmert sich eine steuerpflichtige Person nicht im Geringsten um die per-
sönlichen steuerlichen Verpflichtungen bzw. unterzeichnet sie von einem Treuhänder er-
stellte Unterlagen unbesehen, obwohl ihr erhebliche Fehler bei der Einkommens- und Ver-
mögensdeklaration bei zumutbarer Sorgfalt ohne weiteres hätten auffallen müssen, handelt
sie gemäss Rechtsprechung nicht bloss fahrlässig, sondern (ebenfalls) zumindest eventual-
vorsätzlich (vgl. auch BGE 134 III 59 mit Verweis auf die Urteile 2A.187/2000 und
2A.195/2000 vom 3. November 2000 E. 3c/cc).
d. Unabhängig davon, dass ein Treuhänder die Steuererklärung für den Angeschuldigten aus-
gefüllt hat, ist somit im konkreten Fall bereits aufgrund der offensichtlich erheblichen quanti-
tativen Abweichung zwischen Steuerdeklaration und tatsächlichen Verhältnissen ein eventu-
alvorsätzliches Vorgehen des Angeschuldigten dem Grundsatz nach zu vermuten.
2.7 Wurden von einer steuerpflichtigen Person verschiedene Steuerfaktoren hinterzogen bzw.
wurde ein Versuch unternommen, eine Steuerhinterziehung herbeizuführen, sind mit Bezug
auf die einzelnen Faktoren allfällige Unterschiede hinsichtlich des Verschuldens zu berück-
sichtigen und es ist gegebenenfalls auch hinsichtlich des Zeitverlaufs zu differenzieren:
Wurde z.B. eine bestimmte Position anfänglich noch fahrlässig nicht deklariert, kann in spä-
teren Steuerperioden bezüglich desselben Betreffnisses schliesslich vorsätzliche Hinterzieh-
ung vorliegen (RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., N. 41 zu Art. 175 DBG). Somit sind
auch hier die einzelnen Faktoren, bezüglich welcher dem Angeschuldigten eine versuchte
Steuerhinterziehung vorgeworfen wird, jeweils separat und unter konkreter Berücksichtigung
der von ihm jeweils zu den einzelnen Faktoren vorgetragenen Rechtfertigungsgründe
abschliessend auf das Verschulden im Einzelfall hin zu überprüfen. Da der Angeschuldigte
jeglichen (Eventual-)vorsatz bestreitet, wird namentlich zu klären sein, ob allenfalls Beweise
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oder Indizien vorliegen, die mit Bezug auf einen konkreten Faktor genügen, um die grund-
sätzliche Vermutung des Eventualvorsatzes umzustossen. Dabei wird sich am Vorwurf des
Eventualvorsatzes nichts ändern, wenn die Schuld des Angeschuldigten auch im Rahmen
dieser Einzelfallprüfung weiterhin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststeht;
bloss abstrakte und theoretische Zweifel ändern daran nichts, da solche immer möglich sind
und gerade dann, wenn das Verschulden mangels Schuldeingeständnis einzig aufgrund der
äusseren Begleitumstände beurteilt werden muss, eine absolute Gewissheit nicht verlangt
werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_682/2018 vom 14. Mai 2019 E. 3.3.2
m.w.H.).
Im Einzelnen geht es um folgende Sachverhalte:
a. Privat vereinnahmter Umsatz der C. (KStV.AR.act. 13)
Die ASU stellte im Rahmen ihrer Untersuchungen gegen die C. fest, dass diese in verschie-
denen Jahren Fremdleistungen zu Lasten des Erfolgs verbucht hatte, welche der L. bzw.
deren Inhaber M., der damals noch als Berater der C. fungierte, zugeordnet werden konnten.
Die Rechnungen wurden von der ASU stichprobenweise daraufhin überprüft, ob die C. den
[Kunden] entsprechende Leistungen verrechnet hatte. Es ergaben sich keine Hinweise, dass
die L. nicht begründete Rechnungen gestellt hatte, wobei der tatsächliche Umfang der durch
M. erbrachten Leistungen nicht überprüft werden konnte. Im Rahmen der Auswertung der
beschlagnahmten Unterlagen gelangte die ASU allerdings zum Schluss, dass in den Bank-
unterlagen der C. Belastungsanzeigen für Zahlungen an die L. fehlten; andere Belastungs-
anzeigen waren hingegen vorhanden. Die zusätzliche Edition von Detailunterlagen bei der
N. ergab schliesslich, dass die Zahlungen tatsächlich zu Gunsten der auf den Rechnungen
angegebenen Bankverbindung bzw. auf M. lautende Konti erfolgt waren, so dass die in den
Buchhaltungskonti der C. ausgewiesenen Fremdhonorare letztlich als bei der C. geschäfts-
mässig begründet angesehen werden konnten. Für das von den vorliegenden Verfahren
betroffene Jahr 2011 stellte die ASU im Zusammenhang mit diesen Fremdhonoraren jedoch
fest, dass Rechnungen von insgesamt Fr. 81‘099.30 in bar an die L. bezahlt und ent-
sprechend von M. quittiert worden waren. Die entsprechenden Verbuchungen liessen hier
nicht nachvollziehen, wann, durch wen und mit welchen Mitteln diese Rechnungen bezahlt
worden waren. Weder der Angeschuldigte noch seine Ehefrau machten dazu nähere An-
gaben. Mangels konkreter Hinweise darauf, dass es sich um fiktive Rechnungen handelte,
wurde zwar ein geschäftsmässig begründeter Aufwand bei der C. in entsprechendem Um-
fang anerkannt, ungeachtet gewisser Zweifel darüber, ob M. diese verrechneten Leistungen
wirklich erbracht hatte. Da weder der Angeschuldigte noch seine Ehefrau einen Nachweis zu
erbringen vermochten, wie die Bezahlung der Rechnungen finanziert worden war, blieb die
Mittelherkunft aber unklar und die ASU ging unter den gegebenen Umständen davon aus,
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dass der Umsatz der C. nicht vollständig verbucht worden war, was im Resultat zu einer
Aufrechnung der Fr. 81‘099.30 zum Gewinn der C. führte. Die ASU wies in ihrem Bericht
darauf hin, dass der Betrag zudem als verdeckte Gewinnausschüttung zu je 50% beim
Einkommen des Angeschuldigten und seiner Ehefrau zu berücksichtigen sei (vgl. zum Sach-
verhalt auch ASU-Bericht, KStV.AR.act. 1, S. 26 ff., Ziff. 3.2.6, insbesondere Ziff. 3.2.6.6).
Die Vorinstanz ging gestützt auf die Sachverhaltsermittlungen und Schlussfolgerungen der
ASU von einer entsprechenden geldwerten Leistung an den Angeschuldigten im Betrag von
Fr. 40‘549.65 aus. Da diese geldwerte Leistung von ihm in der Steuererklärung 2011 nicht
deklariert worden sei, wäre, wenn dieser Umstand nicht vor der definitiven Veranlagung ent-
deckt worden wäre, eine Steuerverkürzung eingetreten, womit der objektive Tatbestand der
versuchten Steuerhinterziehung erfüllt sei (vgl. dazu Strafverfügung, S. 3, Ziff. 18 ff.).
Der Angeschuldigte bestreitet weder die Besteuerung der Fr. 40‘549.65 als geldwerte Leis-
tung bei seinem Einkommen, noch, dass mit der Nichtdeklaration der Fr. 40‘549.65 in seiner
Steuererklärung eine Steuerkürzung eingetreten wäre, wäre dieser Umstand nicht im Rah-
men der definitiven Veranlagung durch eine Aufrechnung von Einkommen korrigiert worden.
Allerdings habe der Angeschuldigte weder Kenntnisse des Schweizerischen Steuerrechts
noch von buchhalterischen Vorgängen. Aus diesem Grund habe er den Steuerberater E.
beigezogen. Dieser habe die Rechnungen verbucht. Es liege auf der Hand, dass die
kreativen Steuersparmodelle des Beraters in der privaten Steuererklärung weitergeführt
worden seien. Das Verschulden des Angeschuldigten liege höchstens darin, E. zu wenig
kontrolliert zu haben. Die Instruktion an ihn sei gewesen, dass die Vorgänge korrekt erfasst
werden sollen. Der Angeschuldigte sei somit nur fahrlässig vorgegangen und die Nichtdekla-
ration sei aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit erfolgt. Daher sei der subjektive Tatbestand
einer versuchten Steuerhinterziehung nicht erfüllt.
Das Obergericht zieht hierzu Folgendes in Erwägung:
Eine Steuerhinterziehung tritt dann ein, wenn eine steuerpflichtige Person der Steuerbehörde
falsche Angaben übermittelt, also namentlich durch Einreichung einer unvollständigen oder
nicht wahrheitsgetreuen Steuererklärung (Urteil des Bundesgerichts 2C_298/2020 vom
9. Oktober 2020 E. 4.1 m.w.H.). Für die Beurteilung des subjektiven Tatbestands kann zwar
auch der Zeitpunkt der Übergabe der Rechnungen an den Treuhänder wichtige Indizien
liefern, entscheidend ist hier aber vor allem das Wissen und der Willen des Angeschuldigten
im Zeitpunkt der Unterzeichnung und Einreichung der Steuererklärung, in welcher eine
anerkanntermassen geldwerte Leistung nicht ausgewiesen war. Was genau bei der Über-
gabe der Rechnungen vom Angeschuldigten an den Treuhänder gesprochen oder vereinbart
wurde, ist im konkreten Fall nicht mit Sicherheit eruierbar. Unabhängig davon, was der Ange-
schuldigte bei der Übergabe der Rechnungen gesagt hat, ist er aber im späteren Zeitpunkt,
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wenn er die Steuererklärung unterzeichnet und einreicht, an seine gesetzlichen Sorgfalts-
pflichten gebunden.
Wie bereits dargelegt, hat der Angeschuldigte für das hier betroffene Steuerjahr 2011 eine
Steuererklärung mit einer offensichtlich zu tiefen Einkommensdeklaration abgegeben. Dieser
Umstand war angesichts der quantitativen Verhältnisse für den Angeschuldigten ohne wei-
teres erkennbar. Hätte der Angeschuldigte, als ihm die Steuererklärung zur Unterschrift vor-
gelegt wurde, das deklarierte Einkommen genauer geprüft, wäre ihm unter anderem aufge-
fallen, dass hier etwas nicht stimmen kann - zumal er ja gar nicht bestreitet, dass ihm und
seiner Ehefrau im Zusammenhang mit der L. bzw. M. geldwerte Leistungen von insgesamt
über Fr. 81‘000.-- aufzurechnen sind. Dabei handelt es sich, gerade auch in Relation zum
deklarierten Einkommen, keineswegs um einen blossen Bagatellbetrag, der ohne weiteres
übersehen werden kann. Wenn der Angeschuldigte trotz offensichtlicher Anhaltspunkte, dass
etwas mit der abgegebenen Einkommensdeklaration nicht stimmen kann, die zu tiefe
Steuererklärung dennoch einreicht, spricht dies klar für eine zumindest eventualvorsätzlich
versuchte Steuerhinterziehung.
Dasselbe gilt, sollte sich der Angeschuldigte allenfalls überhaupt nicht darum gekümmert
haben, was für Einkommenswerte in der Steuererklärung deklariert worden waren, womit er
somit quasi blindlings die vom Treuhänder ausgefüllte Steuererklärung unterzeichnet hätte:
Diesfalls hätte er nämlich die zu tiefe Steuererklärung eingereicht, ohne im Geringsten dafür
besorgt zu sein, dass die deklarierten Werte korrekt sind, was gemäss dargestellter Recht-
sprechung ebenfalls zum Schluss führt, dass ein anderer Beweggrund als eine zumindest in
Kauf genommene Steuerhinterziehung nicht denkbar ist (vgl. anstelle vieler Urteil des
Bundesgerichts 2C_257/2018 und 2C_308/2018 vom 11. November 2019 E. 4.4.4).
So oder so ist somit mit Bezug auf die hier betroffene nicht deklarierte geldwerte Leistung
von Fr. 40‘549.65 im Zusammenhang mit dem privat vereinnahmten Umsatz der C. auf
Eventualvorsatz des Angeschuldigten zu schliessen. Notabene macht der Angeschuldigte
nicht geltend, er sei bei Abgabe der Steuererklärung bloss irrtümlicherweise davon ausge-
gangen, dass die hier in Frage stehende, grundsätzlich als solche anerkannte geldwerte
Leistung nicht hätte deklariert werden müssen. Im Gegenteil: Er gab ausdrücklich an, er habe
E. instruiert, „die Vorgänge korrekt [zu erfassen]“ und geht selber davon aus, dass die nicht
weitere Kontrolle der Umsetzung dieser angeblichen Anweisung als fahrlässiges Vorgehen
zu werten ist (Begehren um gerichtliche Beurteilung der Strafverfügung, act. 2, S. 9, Ziff. 23).
Dies zeigt, dass der Angeschuldigte sehr wohl weiss, dass es einen Unterschied gibt
zwischen privaten Lebenshaltungskosten einerseits und geschäftsmässig begründeten
Aufwendungen andererseits, welche über die Firma zu verbuchen sind. Zu diesem Schluss
ist das Gericht überdies auch in den zeitgleich mit den vorliegenden Verfahren O2V 20 67
und O2V 20 69 behandelten Steuerhinterziehungsverfahren betreffend die Steuerperioden
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2009 und 2010 (Verfahren O2V 20 5 und O2V 20 7) gelangt, womit als gerichtsnotorisch
gelten kann, dass es sich bei der hier zu beurteilenden versuchten Steuerhinterziehung nicht
etwa um einen Einzelfall, sondern um ein fortgesetztes Verhalten des Angeschuldigten
während mehrerer Steuerperioden handelte.
Es bedarf keiner besonderen Kenntnisse des Steuerrechts, sondern auch steuerrechtlichen
Laien ist ohne weiteres bewusst, dass eine persönliche Bereicherung eintritt, wenn einem
Unternehmen private Kosten belastet werden. Selbst wenn der Angeschuldigte, wie er gel-
tend macht, über keinerlei Kenntnisse des Steuerrechts verfügen sollte, musste ihm - vor
dem Hintergrund seiner höheren Ausbildung und seiner langjährigen aktiven beruflichen Ge-
schäftstätigkeit erst recht - ohne weiteres bewusst sein, dass eine Nichtdeklaration von Ein-
kommen in Form von geldwerten Leistungen der C. in der Steuererklärung unzulässig war
und bei Entdeckung entsprechende Konsequenzen haben würde. Hinzukommt, dass der
Angeschuldigte sich, worauf die Vorinstanz in der Strafverfügung hinweist (Strafverfügung,
S. 9, Ziff. 54 mit Verweis auf KStV.AR.act. 2), nachweislich bereits in früheren Jahren in P.
mit einem Steuerhinterziehungsverfahren konfrontiert sah und dort vom [zuständigen
Gericht] schliesslich wegen Einkommens- und Umsatzsteuerhinterziehung zu einer beding-
ten Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Der Angeschuldigte musste sich angesichts dieser
Umstände auch bei der hier in Frage stehenden Steuererklärung 2011 erst recht bewusst
gewesen sein, dass bei der Abgabe einer Steuererklärung die nötige Sorgfalt aufzubringen
war. Ein anderer Schluss, als dass er sein Handeln sehr wohl als Steuerhinterziehung einord-
nen konnte und auch um dessen Unrechtsgehalt wusste, ist geradezu unvorstellbar.
Die vertiefte Prüfung der konkreten Gesamtumstände führt somit zusammengefasst dazu,
den von der Vorinstanz angenommenen zumindest eventualvorsätzlich auf Steuerverkür-
zung gerichteten Willen beim Angeschuldigten zu bestätigen. Die Vorinstanz ist zu Recht
davon ausgegangen, dass der Tatbestand der versuchten Steuerhinterziehung beim Ange-
schuldigten in Bezug auf die hier betroffene geldwerte Leistung im Betrag von Fr. 40‘549.65
erfüllt ist.
b. Flugkosten 2011 (KStV.AR.act. 14)
Die ASU hatte im Rahmen ihrer Sachverhaltsermittlung festgestellt, dass die mit Kreditkarte
bezahlten Kosten für einen Flug nach Q. per 2011 zu Lasten der C. verbucht worden waren;
aufgrund des Reiseziels und der Reiseteilnehmer (nämlich der Angeschuldigte, seine Ehe-
frau und deren beide Söhne) ging die ASU von einer offensichtlich privaten Reise aus (vgl.
dazu ASU-Bericht, KStV.AR.act. 1, S. 50, Ziff. 3.3.20). Der Angeschuldigte bestreitet dies
nicht und hat entsprechend die Aufrechnung einer geldwerten Leistung bei der ordentlichen
Steuerveranlagung ohne weiteres akzeptiert. In der hier zu beurteilenden Strafverfügung
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nahm die Vorinstanz bezogen auf die dem Angeschuldigten in diesem Zusammenhang zu-
gerechnete geldwerte Leistung von Fr. 418.75 (die andere Hälfte des Gesamtbetrags der
Reise von Fr. 837.55 wurde beim Einkommen der Ehefrau aufgerechnet) eine versuchte
Steuerhinterziehung an.
Der Angeschuldigte macht allerdings geltend, die korrekte Deklaration dieser geldwerten
Leistung in der Steuererklärung 2011 sei bloss aus pflichtwidriger Unvorsicht unterblieben.
Er oder seine Ehefrau hätten dem Treuhänder den Rechnungsbeleg mit der Instruktion einer
korrekten Verbuchung übergeben. Die Verbuchung hätte über das Privatkonto des Beschul-
digten erfolgen sollen. E. habe sich nicht daran gehalten und die Rechnung bei der C. als
Aufwand erfasst. Er habe sich somit nur eine mangelnde Kontrolle von E. vorwerfen zu
lassen und sei daher lediglich fahrlässig, nicht aber vorsätzlich, vorgegangen. Der subjektive
Tatbestand einer Steuerhinterziehung sei somit nicht erfüllt.
Das Obergericht zieht hierzu Folgendes in Erwägung:
Nachdem die Aufrechnung der geldwerten Leistung bei den Nachsteuern ohne weiteres an-
erkannt wurde, kann sich der Angeschuldigte seiner Verantwortlichkeit nicht einzig dadurch
entziehen, dass er geltend macht, E. habe die geldwerte Leistung entgegen seiner Instruktion
nicht korrekt verbucht. Was genau bei der Übergabe der Rechnung an E. gesagt wurde, lässt
sich ohnehin kaum mehr mit Sicherheit eruieren. Bereits aus den beim Obergericht penden-
ten Verfahren O2V 20 5 und O2V 20 7 ist dem urteilenden Gericht jedenfalls bekannt, dass
eine Verbuchung von Privataufwänden zu Lasten der C. durchaus System hatte. Wie bereits
dargelegt, hat der Angeschuldigte auch für das hier betroffene Steuerjahr 2011 eine Steuer-
erklärung mit einer offensichtlich zu tiefen Einkommensdeklaration abgegeben. Dieser Um-
stand war für ihn allein aufgrund der quantitativen Verhältnisse ohne weiteres erkennbar.
Hätte der Angeschuldigte, als ihm die Steuererklärung zur Unterschrift vorgelegt wurde, spä-
testens jetzt genauer geprüft, wie es zu der erheblichen Abweichung der Deklaration von den
tatsächlichen Verhältnissen kommt, wäre ihm unter anderem auch bezüglich der Q.-Reise
- zumal er ja selber angibt, den Treuhänder konkret angewiesen zu haben, die Rechnung
korrekt über sein Privatkonto zu verbuchen - ebenfalls ohne weiteres aufgefallen, dass hier
eine nicht geschäftsmässig begründete Verbuchung zu Lasten der Firma vorgenommen und
die ihm damit zukommende geldwerte Leistung somit nicht deklariert worden war. Wenn er
in der Folge die zu tiefe Steuererklärung dennoch einreicht, wäre ihm ein direkter Vorsatz zur
Steuerhinterziehung vorzuwerfen. Nachdem der Angeschuldigte einen solchen allerdings
ausdrücklich bestreitet, erweist es sich zwar als faktisch kaum möglich, ihm diesen direkten
Vorsatz nachzuweisen. Dem Angeschuldigten ist aber mit der Vorinstanz zumindest eventu-
alvorsätzliches Handeln vorzuwerfen: Selbst wenn in dubio pro reo zu seinen Gunsten davon
ausgegangen wird, dass er trotz der Erkennbarkeit des offensichtlich zu tief deklarierten
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Einkommens in der Steuererklärung auf eine eigentlich angezeigte nähere Prüfung ver-
zichtete, würde dies nämlich bedeuten, dass er die zu tiefe Steuererklärung einreichte, ohne
sich im Geringsten darum zu kümmern, dass die deklarierten Werte korrekt sind. Auch in
diesem Fall ist ein anderer Beweggrund als eine zumindest in Kauf genommene Steu-
erhinterziehung nicht denkbar. Von dieser in Kauf genommenen Steuerhinterziehung ist auch
die nicht deklarierte geldwerte Leistung von Fr. 418.75 im Zusammenhang mit der Q.-Reise
betroffen. Die Vorinstanz ging somit auch in diesem Zusammenhang zu Recht von zumindest
eventualvorsätzlich versuchter Steuerhinterziehung aus.
c. Fahrtraining Porsche 2011 (KStV.AR.act. 15)
Per 5. Januar 2011 verbuchte die C. im Konto 6660 Marketing Drucksachen eine Rechnung
der Porsche O. über EUR 5‘940.--. Bei der ASU-Befragung äusserte sich der Angeschuldigte
auf Rückfrage hin wie folgt dazu: „Dazu sage ich nichts, das müssen wir zuerst noch werten.
Ich war dort anwesend, habe bei Porsche ein Fahrsicherheitstraining absolviert“
(KStV.AR.act. 15, Einvernahmeprotokoll, S. 17, Ziff. 85; als Antwort auf die Frage: Im Ge-
schäftsjahr 2011 wurde eine Rechnung der Firma Porsche für einen Kundenevent Ice-Force
über EUR 5‘940 dem Geschäftsaufwand belastet. Wir sind der Auffassung, dass diese Kos-
ten nicht im Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit der C. stehen, sondern dass es sich
um Privataufwand handelt. Wie äussern Sie sich dazu?). Die Vorinstanz kam gestützt auf die
Ermittlungen und Erkenntnisse der ASU zum Schluss, dass die im Zusammenhang mit
diesem Fahrtraining bei der C. verbuchten Kosten von umgerechnet Fr. 7‘772.50 in keinem
Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit der C. standen und dementsprechend nicht
geschäftsmässig begründet gewesen seien. Im entsprechenden Umfang habe somit eine
geldwerte Leistung an den Angeschuldigten vorgelegen. Die Übergabe der Belege mit den
privaten Fahrtrainingskosten an den Treuhänder zur Verbuchung als Aufwand bei der C. sei
nicht anders als mit dem Ziel einer Steuerhinterziehung erklärbar. Da die geldwerte Leistung
nicht korrekt als Einkommen in der Steuererklärung 2011 deklariert worden sei, wäre eine
Steuerverkürzung eingetreten, sofern die Handlung nicht vor Vornahme der Veranlagung
entdeckt worden wäre. Damit sei der Tatbestand einer versuchten Steuerhinterziehung
erfüllt.
Der Angeschuldigte bestreitet den Sachverhalt dieses Vorhaltes nicht und hat die Aufrech-
nung der geldwerten Leistung im Betrag von Fr. 7‘772.50 bei der Steuerveranlagung 2011
ohne weiteres akzeptiert. Allerdings macht er geltend, die Nichtdeklaration der geldwerten
Leistung sei bloss auf eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit zurückzuführen. Er habe nicht mit
dem Ziel einer Steuerhinterziehung gehandelt, sondern die Rechnung über das Fahrtraining
dem Treuhänder mit der Instruktion übergeben, sie über das Privatkonto zu verbuchen. Er
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habe sich daher einzig die mangelnde Kontrolle des Steuerberaters vorwerfen zu lassen. Die
Nichtdeklaration der geldwerten Leistung in der Steuererklärung sei wiederum fahrlässig er-
folgt. Aus diesem Grund sei er vom Vorwurf der versuchten Steuerhinterziehung freizuspre-
chen.
Das Obergericht zieht hierzu Folgendes in Erwägung:
Was genau bei der Übergabe der Rechnung vom Angeschuldigten an den Treuhänder
gesprochen oder vereinbart wurde, ist faktisch kaum mehr mit Sicherheit eruierbar. Unab-
hängig davon, was der Angeschuldigte bei der Übergabe der Rechnung gesagt hat, ist er
aber jedenfalls im späteren Zeitpunkt, wenn er die Steuererklärung unterzeichnet und ein-
reicht, an seine gesetzlichen Sorgfaltspflichten gebunden.
Auch hier gilt: Für das hier betroffene Steuerjahr 2011 hat der Angeschuldigte, wie bereits
dargelegt, eine Steuererklärung mit einer offensichtlich zu tiefen Einkommensdeklaration ab-
gegeben. Dieser Umstand war für den Angeschuldigten ohne weiteres erkennbar. Hätte er,
als ihm die Steuererklärung zur Unterschrift vorgelegt wurde, spätestens jetzt genauer ge-
prüft, wie es zu dieser erheblichen Abweichung der Deklaration von den tatsächlichen Ver-
hältnissen kommt, wäre ihm unter anderem auch bezüglich der Rechnung über das Porsche-
Fahrtraining - zumal er ja selber angibt, den Treuhänder konkret angewiesen zu haben, diese
Rechnungen korrekt über das Privatkonto zu verbuchen - ohne weiteres aufgefallen, dass
hier eine nicht geschäftsmässig begründete Verbuchung zu Lasten der Firma vorgenommen
und die ihm damit zukommende geldwerte Leistung (wobei es sich bei einem Betrag von
annähernd Fr. 8‘000.-- nicht um einen blossen Bagatellbetrag handelte, der allenfalls hätte
vergessen werden können) somit nicht deklariert worden war. Nachdem der Angeschuldigte
einen direkten Vorsatz ausdrücklich bestreitet, ist ihm zumindest ein eventualvorsätzliches
Handeln vorzuwerfen: Selbst wenn nämlich in dubio pro reo zu seinen Gunsten davon aus-
gegangen wird, dass er trotz der Erkennbarkeit des offensichtlich zu tief deklarierten Einkom-
mens in der Steuererklärung auf eine eigentlich angezeigte nähere Prüfung verzichtete bzw.
die deklarierten Werte gar nicht zur Kenntnis nahm, würde dies nämlich bedeuten, dass er
die zu tiefe Steuererklärung einreichte, ohne sich im Geringsten darum zu kümmern, dass
die dort deklarierten Werte korrekt sind. Auch in diesem Fall ist ein anderer Beweggrund als
eine zumindest in Kauf genommene Steuerhinterziehung nicht denkbar. Wie bereits
aufgezeigt, weiss der Angeschuldigte nämlich sehr wohl, dass es einen Unterschied gibt
zwischen privaten Lebenshaltungskosten einerseits und geschäftsmässig begründeten
Aufwendungen andererseits, welche über die Firma zu verbuchen sind. Auch steuerrechtli-
chen Laien ist ohne weiteres bewusst, dass eine persönliche Bereicherung eintritt, wenn ei-
nem Unternehmen private Kosten belastet werden. Selbst wenn der Angeschuldigte, wie er
geltend macht, über keinerlei Kenntnisse des Steuerrechts verfügen sollte, musste ihm - vor
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dem Hintergrund seiner höheren Ausbildung und seiner langjährigen aktiven beruflichen Ge-
schäftstätigkeit sowie der Tatsache, dass er wegen Steuerhinterziehung bereits in P. verur-
teilt worden war, erst recht - ohne weiteres bewusst sein, dass eine Nichtdeklaration von
Einkommen in Form von geldwerten Leistungen der C. in der Steuererklärung unzulässig
war.
Dies führt auch hier dazu, den von der Vorinstanz angenommenen zumindest eventualvor-
sätzlichen auf Steuerverkürzung gerichteten Willen beim Angeschuldigten zu bestätigen. Der
Tatbestand der versuchten Steuerhinterziehung ist auch bei den Fr. 7‘772.50 im Zusammen-
hang mit der geldwerten Leistung betreffend das Porsche-Fahrtraining erfüllt.
d. Rechnung der G. vom 5. Mai 2011 (KStV.AR.act. 16)
Per 11. Mai 2011 verbuchte die C. eine Rechnung der F. (damals noch: G.) im Betrag von
Fr. 21‘400.-- im Konto 4210 Fremdleistungen Inland für „Personelle Bereitstellung für Pro-
jektarbeit“ und vergütete den Betrag auf das PC-Konto der F. Nebst dieser Rechnung stellte
die F. weitere Treuhandleistungen von Fr. 30‘623.-- in Rechnung. Während die F. ab Steuer-
periode 2011 keine Steuererklärungen mehr einreichte, konnten weder der Angeschuldigte
noch seine Ehefrau nähere Angaben zur Rechnung von Fr. 21‘400.-- (bzw. Fr. 23‘112.--
inklusive Mehrwertsteuer) machen. Die ASU fand weder in den Unterlagen der C. noch der
F. weitere Dokumente dazu und kam aufgrund der Gesamtumstände zum Schluss, die
Rechnung sei nicht nachvollziehbar und es fehle insbesondere am Nachweis einer ge-
schäftsmässigen Begründetheit bzw. am Nachweis, dass überhaupt eine Leistung erbracht
worden sei. Die Rechnung habe offensichtlich einzig zur Beschaffung von flüssigen Mitteln
für die Bezüge von E. und zur Sicherung der Liquidität seiner Gesellschaften gedient (vgl.
zum Sachverhalt ASU-Bericht, KStV.AR.act. 1, S. 50 f., Ziff. 3.3.22 sowie Strafverfügung,
S. 5, Ziff. 34 ff.).
Die Vorinstanz ging gestützt auf die Sachverhaltsermittlung und Schlussfolgerungen der ASU
davon aus, dass mangels Rückforderungsantrag der C. eine verdeckte Gewinnausschüttung
der C. an eine nahestehende Person (E. bzw. die F.) vorliege, da die Fr. 21‘400.-- ohne
angemessene Gegenleistung erfolgt seien. Entsprechend sei der Betrag als geldwerte
Leistung dem steuerbaren Einkommen des Angeschuldigten und dessen Ehefrau zuzurech-
nen (wobei in der Strafverfügung die Hälfte des Betrags, ausmachend Fr. 10‘700.--, dem
Angeschuldigten zugeordnet wurde). Da das aus dieser geldwerten Leistung stammende
Einkommen vom Angeschuldigten in der Steuererklärung 2011 nicht deklariert worden sei,
wäre eine Steuerverkürzung eingetreten, sofern die Handlung nicht vor der definitiven Veran-
lagung entdeckt worden wäre. Damit sei der Tatbestand der versuchten Steuerhinterziehung
erfüllt.
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Der Angeschuldigte bestreitet den Sachverhalt dieses Vorhaltes grundsätzlich nicht. Er
macht aber geltend, es handle sich hier um eine Transaktion, die ausschliesslich von E.
durchgeführt worden sei. Wie schon die ASU erkannt habe, sei ungewiss, ob der Angeschul-
digte von der Verbuchung und der Zahlung durch E. gewusst habe. Das spiele eine wesent-
liche Rolle. Die Deklaration der (grundsätzlich als solche anerkannten) geldwerten Leistung
sei aus pflichtwidriger Unvorsicht unterblieben. Mangels Wissen über die konkrete Trans-
aktion habe der Angeschuldigte gar keinen Willen zu einer Steuerverkürzung haben können.
Zudem sei der Angeschuldigte aufgrund seiner Ausbildung gar nicht in der Lage, die genauen
rechtlichen Folgen der Deklaration abzuschätzen, da er Ingenieur und nicht Jurist sei. Ihm
seien die Folgen der falschen Verbuchung somit ohnehin nicht bewusst gewesen. Da er
davon erst mit Eröffnung des Verfahrens durch die ASU erfahren habe, habe er die Tragweite
für die Deklaration von geldwerten Leistungen in der persönlichen Steuererklärung aber zum
Vornherein nicht erkennen können. Wenn überhaupt, wäre ihm in diesem Zusammenhang
höchstens bewusste Fahrlässigkeit vorzuwerfen. Da bei fahrlässigem Handeln keine ver-
suchte Steuerhinterziehung vorliege, sei er von Schuld und Strafe freizusprechen.
Das Obergericht zieht hierzu Folgendes in Erwägung:
Der Angeschuldigte hat zwar, wie bereits dargelegt, für die hier im Zentrum stehende Steu-
erperiode 2011 eine Steuererklärung eingereicht, bei der die Abweichung der tatsächlichen
von den deklarierten Einkommensverhältnissen geradezu offensichtlich war. Dies gilt nota-
bene selbst ohne jegliche Berücksichtigung der hier in Frage stehenden geldwerten Leistung
von insgesamt Fr. 21‘400.-- an den Angeschuldigten und dessen Ehefrau; auch ohne diese
geldwerte Leistung bleibt es dabei, dass allein aufgrund der auch so immer noch quantitativ
erheblichen Abweichung der deklarierten Werte zum steuerbaren Einkommen auffallen
musste, dass mit der Steuerdeklaration etwas nicht stimmen konnte. Trotzdem kann dem
Angeschuldigten mit Bezug auf diese konkrete Nichtdeklaration der geldwerten Leistung, mit
welcher sich E. bzw. die F. offenbar selbst begünstigt hat, nicht ohne weiteres ein Wissen-
müssen unterstellt werden: Auch in diesem Einzelfall ist zwar ein persönlicher Bezug zum
Angeschuldigten naheliegend, aber - da der Angeschuldigte jeglichen Vorsatz ausdrücklich
bestreitet - unter den gegebenen Umständen letztlich nicht in genügendem Ausmass
nachgewiesen. Hier steht - anders als bei den übrigen im Rahmen des vorliegenden
Verfahrens zu beurteilenden Positionen - eine Rechnung in Frage, die E. dem Angeschuldig-
ten und seiner Ehefrau möglicherweise gar nie vorgelegt, sondern ohne deren Wissen erstellt
und verbucht hat (dies zum Beispiel mit dem Ziel, sich damals benötigte Liquidität zu be-
schaffen). Aus den vorhandenen Unterlagen ergeben sich keine konkreten Indizien dafür,
dass eine Anweisung, E. bzw. die F. durch Verbuchung dieser Rechnung über die C. zu
begünstigen, vom Angeschuldigten (und / oder dessen Ehefrau) kommen musste. Es
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erscheint hier theoretisch genauso möglich, dass E. ohne jegliche Rücksprache mit dem
Angeschuldigten und dessen Ehefrau im Alleingang vorgegangen ist. Auch im ASU-Bericht
ist festgehalten, dass sich letztlich nicht schlüssig nachvollziehen lasse, ob die Verbuchung
und Zahlung der Rechnung mit Wissen des Angeschuldigten und dessen Ehefrau (welche
unbestrittenermassen als faktische Organe der C. zu betrachten sind) erfolgte (KStV.AR.act.
1, S. 51, Ziff. 3.3.22).
Unter diesen Umständen liegen bezogen auf die geldwerte Leistung von insgesamt
Fr. 21‘400.--, deren Steuerbarkeit der Angeschuldigte und seine Ehefrau gar nicht in Abrede
stellen, nicht genügend Anhaltspunkte vor, um auf Eventualvorsatz des Angeschuldigten zu
erkennen. Nachdem die versuchte Steuerhinterziehung lediglich bei Vorsatz strafbar ist, ist
der Tatbestand daher hier mangels Nachweises eines solchen nicht erfüllt.
2.8 Zusammengefasst ist unter den gegebenen Umständen mit der Vorinstanz davon auszugeh-
en, dass dem Angeschuldigten mit Bezug auf die ihm vorgeworfene versuchte Steuerhinter-
ziehung in der Steuerperiode 2011 im Zusammenhang mit den meisten ihm zuzurechnenden
geldwerten Leistungen (konkret: privat vereinnahmter Umsatz der C., Flugkosten, Porsche-
Fahrtraining) in subjektiver Hinsicht zumindest Eventualvorsatz vorzuwerfen ist:
Der Nachweis des Vorsatzes gilt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung als erbracht,
wenn mit hinreichender Sicherheit feststeht, dass sich die der Steuerhinterziehung beschul-
digte Person der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten Angaben bewusst war
(anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 2C_362/2018 vom 19. Juni 2019 E. 3.4 m.w.H.).
Dies ist beim Angeschuldigten der Fall: Dass die tatsächlichen Einkommens- und Vermö-
gensverhältnisse - wie später im Rahmen des Veranlagungsverfahrens vom Angeschuldig-
ten auch gar nicht bestritten wurde - erheblich von der Steuerdeklaration abwichen, musste
selbst einer nicht fachkundigen Person ohne weiteres auffallen (und somit dem Angeschul-
digten, der über eine höhere Berufsbildung verfügt und ausserdem ein erfahrener Unterneh-
mer und Geschäftsmann ist, erst recht). Schon allein aufgrund der quantitativen Verhältnisse
(vgl. dazu auch Urteile des Bundesgerichts 2C_898/2011 vom 28. März 2012 E. 2.2;
2C_78/2019 vom 20. September 2019 E. 6.2; je m.w.H.) ist im konkreten Fall das Wissen
um die Falschdeklaration mit der erforderlichen an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit
erstellt, jedenfalls, solange keine Indizien vorliegen, die ein Nichtwissen als genauso möglich
erscheinen lassen würden. Zum selben Resultat führt die Annahme, der Angeschuldigte
habe die Steuererklärung 2011 völlig unbesehen eingereicht: Vertraut eine steuerpflichtige
Person quasi blindlings einem Steuervertreter und unterzeichnet die von diesem ausgefüllte
Steuererklärung unter sträflichster Vernachlässigung der elementarsten Vorsichtsmassnah-
men wie wenigstens einer summarischen Prüfung der Deklaration und reicht diese somit trotz
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erkennbarer Fehler ohne weiteres so ein (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 2C_257/2018
und 2C_308/2018 vom 11. November 2019 E. 4.4.4), kann sie sich dadurch nicht entlasten.
Gemäss Bundesgericht ist bei erstelltem Wissen um die Unrichtigkeit bzw. Unvollständigkeit
einer Steuererklärung in der Regel automatisch darauf zu schliessen, eine Schädigung des
Fiskus sei von der steuerpflichtigen Person zumindest in Kauf genommen worden. Während
die einer (versuchten) Steuerhinterziehung beschuldigte Person aufgrund des Grundsatzes
in dubio pro reo somit zwar nicht gehalten ist, ihre Unschuld zu beweisen, ist sie im Anwen-
dungsbereich dieses von der Rechtsprechung entwickelten Erfahrungssatzes immerhin in
der Pflicht, konkrete und substantiierte Anhaltspunkte darzulegen, die der Vermutung, sie
habe eine Steuerhinterziehung in Kauf genommen, entgegenstehen. Die Vermutung lässt
sich dabei nicht leicht entkräften, weil in der Regel ein anderer Beweggrund für die Unrich-
tigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten Angaben nur schwer vorstellbar ist. Im konkre-
ten Fall hat der Angeschuldigte nichts vorgebracht, was einen zumindest eventualvorsätzli-
chen Willen zur Steuerhinterziehung konkret in Frage stellen würde. Deshalb schloss die
Vorinstanz bei einer Gesamtwürdigung der Umstände zu Recht, dass er auch mit Willen han-
delte, d.h. eine Täuschung der Steuerbehörden beabsichtigt und eine zu niedrige Veranla-
gung zumindest in Kauf genommen hat (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_362/2018
vom 19. Juni 2019 E. 3.4 und 3.5 m.w.H.).
Von dieser Schlussfolgerung ausgenommen bleibt lediglich die dem Angeschuldigten und
seiner Ehefrau vorgeworfene versuchte Steuerhinterziehung im Betrag von insgesamt
Fr. 21‘400.-- im Zusammenhang mit der Rechnung der G. vom 5. Mai 2011. In diesem Einzel-
fall erscheint es genauso gut möglich, dass sich der Treuhänder hier selbst begünstigt hat,
ohne dass ein konkretes Zutun des Angeschuldigten (und / oder dessen Ehefrau) ersichtlich
wäre. Da versuchte Steuerhinterziehung lediglich bei Nachweis eines (Eventual-)Vorsatzes,
nicht aber bei Fahrlässigkeit strafbar ist, ist der Tatbestand entgegen den Annahmen in der
angefochtenen Strafverfügung mit Bezug auf die geldwerte Leistung im Gesamtbetrag von
Fr. 21‘400.-- (wovon, was nicht bestritten ist, dem Angeschuldigten die Hälfte beim Einkom-
men aufzurechnen war) nicht erfüllt. Entsprechend ist er vom Vorwurf einer versuchten
Steuerhinterziehung der in diesem Zusammenhang auf ihn entfallenden Fr. 10‘700.-- freizu-
sprechen.
2.9
a. Der Versuch einer Steuerhinterziehung ist sowohl gemäss kantonalem Recht (Art. 244 StG)
als auch nach Bundessteuerrecht (Art. 176 DBG) mit Busse zu bestrafen. Entgegen den
Anträgen des Angeschuldigten kommt angesichts der vorstehenden Erwägungen ein voll-
ständiger Freispruch vom Vorwurf der versuchten Steuerhinterziehung nicht in Frage. Dem
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Angeschuldigten ist in der Steuerperiode 2011 - ohne Berücksichtigung der geldwerten
Leistung im Zusammenhang mit der Rechnung der G. - eine zumindest eventualvorsätzlich
versuchte Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit ihm unbestrittenermassen zusätzlich
zum deklarierten Einkommen zuzurechnenden geldwerten Leistungen von insgesamt an-
nähernd Fr. 49‘000.-- bei den Staats- und Gemeindesteuern vorzuwerfen (entsprechend der
insgesamt aufgerechneten geldwerten Leistungen von Fr. 59‘440.90 abzüglich der
Fr. 10‘700.-- im Zusammenhang mit der Begünstigung von E. bzw. der F.); bei der direkten
Bundessteuer geht es bei Herausrechnung der geldwerten Leistung im Zusammenhang mit
der G. um aufzurechnende Einkommen von über Fr. 29‘000.--. Auf diese in der Steuer-
erklärung 2011 nicht deklarierten Einkommen fallen Steuern von abgerundet Fr. 5‘000.-- bei
den Staats- und Gemeindesteuern 2011 bzw. Fr. 2‘500.-- bei den direkten Bundessteuern
2011 (bei analoger Berechnung wie in den vorinstanzlichen Unterlagen zur Bussenbemes-
sung in KStV.AR.act. 19).
b. Die Busse bei versuchter Steuerhinterziehung beträgt zwei Drittel der Busse, die bei vorsätz-
licher und vollendeter Steuerhinterziehung festzusetzen wäre (Art. 244 Abs. 2 StG; Art. 176
Abs. 2 DBG). Dementsprechend ging die Vorinstanz bei der Festlegung der Bussen zunächst
von Art. 243 Abs. 2 StG bzw. Art. 175 Abs. 2 DBG aus. Dort ist vorgesehen, dass die Busse
bei vorsätzlicher vollendeter Steuerhinterziehung in der Regel das Einfache der hinterzo-
genen Steuer beträgt. Dieses Regelstrafmass bildet den Ausgangspunkt für die konkrete
Strafzumessung nach dem Verschuldensprinzip (RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O.,
N. 90 zu Art. 175 DBG). Bei leichtem Verschulden kann die Busse bis auf einen Drittel des
Regelstrafmasses ermässigt, bei schwerem Verschulden bis auf das Dreifache erhöht
werden (Art. 243 Abs. 2 Satz 2 StG, Art. 175 Abs. 2 Satz 2 DBG). Nebst dem Verschulden
sind bei der Bussenbemessung ausserdem die persönlichen Verhältnisse des Täters im
Zeitpunkt der Urteilsfällung zu berücksichtigen, nach welchen sich seine Strafempfindlichkeit
beurteilt (RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., N. 90 zu Art. 175 DBG).
c. Die Vorinstanz ging bei der Bussenbemessung für versuchte Steuerhinterziehung davon aus,
dass bei theoretischer Annahme einer vollendeten Steuerhinterziehung unter den gege-
benen Umständen eine Busse von 150% des hinterzogenen Steuerbetrags angemessen
wäre. Der Angeschuldigte widerspricht dem und bringt vor, selbst wenn wider Erwarten der
Tatbestand der versuchten Steuerhinterziehung erfüllt wäre (was der Fall ist: wie ausführlich
dargelegt wurde, ist der Tatbestand einer versuchten Steuerhinterziehung mit Bezug auf in
der Steuererklärung 2011 nicht deklarierte Einkommen von annähernd Fr. 49‘000.-- erfüllt),
würde bei ihm jedenfalls kein schweres Verschulden vorliegen. Abgesehen von dem in
weiten Teilen unbehelflichen (bzw. einzig mit Bezug auf die geldwerte Leistung im Zusam-
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menhang mit der Rechnung der G. überzeugenden) Argument, wonach dem Angeschuldig-
ten lediglich Fahrlässigkeit vorzuwerfen sei, wird konkret als strafmindernd zu berück-
sichtigender Umstand angeführt, dass der Angeschuldigte über keine Detailkenntnisse in
Buchhaltung verfüge. Einen weiteren Strafminderungsgrund sieht der Angeschuldigte
ausserdem in den Selbstanzeigen, die er und seine Ehefrau bei der Vorinstanz einreichten
(vgl. KStV.AR.act. 4), wenngleich der Angeschuldigte selbst einräumen muss, diese würden
nicht zur völligen Straflosigkeit führen.
Dem ist entgegenzuhalten, dass ausgewiesene Buchhaltungskenntnisse zwar allenfalls ver-
schuldenserhöhend ins Gewicht fallen könnten, ein Fehlen von Detailkenntnissen in der
Buchhaltung aber umgekehrt bei einer Gesamtwürdigung der konkreten Umstände keinen
Strafminderungsgrund darstellt. Dass nämlich die - vom Angeschuldigten notabene allesamt
als solche anerkannten - geldwerten Leistungen beim steuerbaren Einkommen zu
deklarieren gewesen wären, bedarf keineswegs fundierter Buchhaltungskenntnisse, sondern
ist auch Laien bekannt. Der Angeschuldigte verfügt zudem über eine höhere Bildung, ist
berufserfahren und kann daher erst recht nicht ernsthaft behaupten, die Nichtdeklaration der
geldwerten Leistungen sei nur deshalb erfolgt, weil er über keine Buchhaltungskenntnisse
verfügte. Schliesslich betonte der Angeschuldigte selber mehrfach, er habe E. instruiert, die
geldwerten Leistungen korrekt über sein Privatkonto zu verbuchen, was gerade zeigt, dass
er sich durchaus bewusst war, dass Privatbezüge von Aufwendungen, die über die Firma
verbucht werden können, abzugrenzen sind. Bei genauerer Betrachtung der Unterlagen in
KStV.AR.act. 4 ergibt sich schliesslich, dass dort diverse Sachverhalte angeführt sind, die
gar nicht die in den vorliegenden Verfahren behandelten Sachverhalte betreffen, weshalb die
Selbstanzeigen mit Bezug auf die hier vorzunehmende Strafzumessung zum Vornherein
nicht von entscheidender Relevanz sein können. Es ist gerichtsnotorisch, dass dem An-
geschuldigten auch schon in vergangenen Steuerperioden verschiedene Steuerhinterzieh-
ungshandlungen vorzuwerfen waren (vgl. dazu Verfahren O2V 20 5 und O2V 20 7). In gering-
em Mass strafmindernd berücksichtigt werden kann allenfalls, dass der Angeschuldigte so-
wohl die mit Bezug auf frühere Steuerperioden verfügten Nachsteuern offenbar ohne weite-
res akzeptiert und die Nachsteuern (gemeinsam mit seiner Ehefrau) unverzüglich bezahlt
hat, als auch, dass er die im Rahmen der Veranlagung 2011 aufgerechneten geldwerten
Leistungen akzeptierte und die darauf entfallenden Steuern ordentlich entrichtete. Dieser
Umstand lässt zumindest auf eine gewisse Einsicht schliessen. Bei einer Gesamtbetrachtung
fallen allerdings die straferhöhenden Umstände deutlich mehr ins Gewicht: Grundsätzlich ist
von schwerem Verschulden auszugehen, wenn eine Person über mehrere Jahre hinweg auf
verschiedenste Weise Steuern hinterzieht und es sich dabei klar nicht um einen einmaligen
Verstoss im Einzelfall handelt (vgl. dazu auch RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O.,
N. 103 ff. zu Art. 175 DBG, m.w.H.). Das Bundesgericht hat in seiner Rechtsprechung
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mehrfach hervorgehoben, dass geringfügige Deklarationsfehler bei der Bussenbemessung
klar anders zu gewichten sind als eventualvorsätzliche und über mehrere Jahre hinweg
begangene Steuerhinterziehung in erheblichem Umfang - wie sie auch dem Angeschuldigten
vorzuwerfen ist - und hat in solchen Fällen jeweils das Regelstrafmass übersteigende Bussen
bestätigt (vgl. z.B. Urteile des Bundesgerichts 2C_257/2018 und 2C_308/2018 vom 11. No-
vember 2019 E. 4.5.3: dort wurde eine Busse von 200% des hinterzogenen Steuerbetrags
ausgefällt; im Urteil 2C_449/2017 vom 26. Februar 2019 E. 5.6 hielt das Bundesgericht selbst
bei Miteinbezug diverser strafmindernden Umstände - wie sie im vorliegenden Fall nicht
ersichtlich sind - immer noch einen Bussenfaktor von 1,2 als angemessen).
Bei der Strafzumessung sind ausserdem immer auch die persönlichen Verhältnisse zu be-
rücksichtigen. Dazu gehören nicht nur die Art und Weise der Herbeiführung des Taterfolgs
und die Beweggründe, sondern insbesondere auch die wirtschaftlichen Verhältnisse. Letzte-
re führen dazu, dass bei gleichem Verschulden der wirtschaftlich leistungsfähigeren Person
in der Regel eine höhere Strafe aufzuerlegen sein wird als der weniger bemittelten (Urteil
des Bundesgerichts 2C_298/2020 vom 9. Oktober 2020 E. 11.1; RICHNER/FREI/KAUFMANN/
MEUTER, a.a.O., N. 107 ff. zu Art. 175 DBG). Es erscheint im konkreten Fall zwar nachvoll-
ziehbar, dass der Angeschuldigte ohne Mitwirkung seines Steuerberaters und Treuhänders
die ihm vorgeworfene Steuerhinterziehung kaum in derselben Art hätte herbeiführen können.
Seine klar erkennbaren Beweggründe, sich selber wiederholt und mit Bezug auf diverse ver-
schiedene Sachverhalte durch eine Steuerverkürzung zu begünstigen, sind gerichtsnotorisch
(vgl. auch das Urteil des Obergerichts in den Verfahren O2V 20 5 und O2V 20 7) und werden
damit allerdings nicht entschuldigt. Die Vorinstanz ist unter Würdigung der aktuellen Einkom-
mens- und Vermögensverhältnisse des Angeschuldigten und dessen Ehefrau (vgl. dazu
Strafverfügung, S. 9, Ziff. 55) zum nachvollziehbaren und seitens des Angeschuldigten un-
bestritten gebliebenen Schluss gelangt, dass die aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse
keinen Anlass für eine Strafminderung darstellen. Der Betrag der Hinterziehungsbusse ist „je
nach den Verhältnissen des Täters“ so festzusetzen, „dass dieser die Strafe erleidet, die
seinem Verschulden angemessen ist“ (Art. 106 Abs. 3 StGB); im Rahmen dieses Grund-
satzes stand der Vorinstanz bei der Strafzumessung grundsätzlich ein weiter Spielraum des
Ermessens zu (vgl. auch SIEBER/MALLA, a.a.O., N. 47 zu Art. 175 DBG, m.w.H.).
Das Obergericht sieht sich bei einer Gesamtwürdigung der Umstände nicht dazu veranlasst,
den Schluss der Vorinstanz, bei theoretischer Annahme einer vollendeten Steuerhinter-
ziehung wäre der Bussenbetrag auf rund 150% des hinterzogenen Steuerbetrags festzu-
setzen, zu korrigieren. Nachdem im konkreten Fall in der Steuererklärung 2011 nicht dekla-
rierte Einkommen von annähernd Fr. 49‘000.-- fehlten, wären Steuern im Betrag von rund
Fr. 5‘000.-- bei den Staats- und Gemeindesteuern bzw. Fr. 2‘500.-- bei den direkten Bundes-
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steuern hinterzogen worden, hätte die Vorinstanz nicht im Rahmen der Veranlagung die geld-
werten Leistungen aufgerechnet (dies unter Herausrechnung der geldwerten Leistung im Zu-
sammenhang mit der Rechnung der G. in KStV.AR.act. 19; siehe dazu vorstehend, E. 2.9/a).
Wird gestützt darauf ein Bussenbetrag von 150% der hinterzogenen Steuer wiederum auf
2/3 gekürzt, nachdem es sich lediglich um versuchte Steuerhinterziehung handelte, ergibt
dies somit im Resultat eine Bussenauflage an den Angeschuldigten von Fr. 5‘000.-- betref-
fend versuchte Hinterziehung von Staats- und Gemeindesteuern 2011 bzw. Fr. 2‘500.--
betreffend versuchte Hinterziehung der direkten Bundessteuer 2011. Die von der Vorinstanz
in der angefochtenen Strafverfügung ausgefällten Bussen sind somit entsprechend zu korri-
gieren.
d. Die vorinstanzliche Kostenauflage von Fr. 350.-- an den Angeschuldigten ist nicht angefoch-
ten. Da die von der Vorinstanz ausgefällten Bussen nur teilweise zu reduzieren sind, er-
scheint die Kostenauflage auch unter Berücksichtigung der korrigierten Bussenbeträge un-
verändert als angemessen und ist entsprechend so zu belassen.
3. Kosten und Entschädigungsfolgen
3.1 Während im Bereich der Staats- und Gemeindesteuern die Kosten- und Entschädigungsfol-
gen kantonal geregelt sind (vgl. Art. 53 i.V.m. Art. 19 ff. des Verwaltungsrechtspflegegeset-
zes [VRPG, bGS 143.1]), regelt im Bereich der direkten Bundessteuer Art. 144 DBG die
Verlegung der Kosten und Entschädigungen. Die Höhe der Kosten bestimmt sich auch im
Bundessteuerbereich nach dem kantonalen Recht (Art. 144 Abs. 5 DBG).
Die 2. Abteilung des Obergerichts hat in der vorliegenden Sache als Verwaltungsgericht
entschieden. Vor Verwaltungsgericht betragen die Verfahrenskosten gemäss Art. 4a des
Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen (bGS 233.2) grundsätzlich bis zu
Fr. 5‘000.--. Innerhalb des Gebührenrahmens sind die Gebühren nach dem Zeit- und Arbeits-
aufwand, der Bedeutung des Geschäfts sowie nach dem Interesse und der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit der Gebührenpflichtigen zu bemessen (Art. 20 VRPG). Im Vergleich zur
Gebühr von in vom Aufwand her ähnlichen Fällen im Bereich Steuerrecht erscheint im kon-
kreten Fall für die vereinigten Verfahren O2V 20 67 und O2V 20 69 die Erhebung einer Ge-
bühr von insgesamt Fr. 3‘500.-- bis Fr. 4‘500.-- als angemessen. Unter Berücksichtigung,
dass sich in den zeitgleich beim Gericht behandelten Verfahren betreffend die Ehefrau des
Angeschuldigten bezüglich derselben Steuerperioden teilweise derselbe Sachverhalt, dies
allerdings jeweils mit Bezug auf das Verschulden der Ehefrau, stellten und sich der Aufwand
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angesichts des Verzichts des Angeschuldigten auf eine mündliche Verhandlung entspre-
chend reduzierte, verzichtet das Gericht auf eine volle Ausschöpfung dieses Kostenrahmens
und legt die Gerichtsgebühr für die vereinigten Verfahren auf Fr. 3‘500.-- fest.
Im Rechtsmittelverfahren ist gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt
oder auf dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 19 Abs. 3
VRPG). Der Angeschuldigte hat in den vorliegenden Verfahren eine Reduktion der von der
Vorinstanz ausgefällten Bussen von insgesamt Fr. 9‘100.-- auf Fr. 7‘500.-- erreicht. Dies
entspricht einem Obsiegen von rund 20%. Somit ist die Gerichtsgebühr lediglich im Umfang
von 80%, entsprechend Fr. 2‘800.--, dem Angeschuldigten zu überbinden und im Übrigen
auf die Staatskasse zu nehmen. Die vom Angeschuldigten geleisteten Kostenvorschüsse
(2 x Fr. 800.--) sind an den von ihm zu tragenden Anteil anzurechnen.
3.2 Der Angeschuldigte hat keinen Entschädigungsantrag gestellt. Während unter diesen Um-
ständen im Bereich der kantonalen Steuern praxisgemäss unabhängig vom Verfahrensaus-
gang von der Zusprache einer Entschädigung abgesehen wird (Art. 53 Abs. 3 i.V.m. Art. 24
VRPG; siehe auch Urteil des Obergerichts II 2004 35 vom 29. September 2010 E. 4), ist im
Bundessteuerbereich kein ausdrücklicher Entschädigungsantrag verlangt und eine der ganz
oder teilweise obsiegenden steuerpflichtigen Person auszurichtende Entschädigung grund-
sätzlich von Amtes wegen festzusetzen (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). Gemäss Art. 13 Abs.
1 lit. c Anwaltstarif (AT, bGS 145.53) kommt vor Verwaltungsgericht in Steuersachen die
pauschale Bemessung zur Anwendung, wobei ein Honorarrahmen von Fr. 1‘000.-- bis
Fr. 10‘000.-- vorgesehen ist (Art. 16 Abs. 1 AT). Bei der Festlegung der Entschädigungspau-
schale ist den konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Zu berücksichtigen sind insbe-
sondere Art und Umfang der Bemühungen, die Schwierigkeiten des Falles und die wirtschaft-
lichen Verhältnisse der Beteiligten (Art. 17 AT). Unter Berücksichtigung des – gemessen an
seinen Anträgen einem rund 20% entsprechenden - teilweisen Obsiegens des Angeschul-
digten wird die Vorinstanz im konkreten Fall verpflichtet, ihm in den vereinigten Verfahren
O2V 20 63 und O2V 20 65 eine pauschale Entschädigung von Fr. 650.-- (inklusive Baraus-
lagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.
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