Decision ID: a9c5ec03-c5d3-57c5-a297-583e6be27e66
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1952 geborene, verheiratete, deutsche Staatsangehörige
X._ lebt in Deutschland (IV-act. 2.1). Sie arbeitete in den Jahren
1996 bis 2007 mit Grenzgängerstatus als Pflegefachfrau in einer Klinik in
der Schweiz und leistete dabei Beiträge an die schweizerische Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV; IV-act. 3). Am 3. Mai
2007 (Posteingang) meldete sich X._ bei der IV-Stelle des Kan-
tons Aargau (nachfolgend: IV-Stelle AG) zum Leistungsbezug an.
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 4. März 2010 (IV-act. 75) stellte die IV-Stelle AG
X._ die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht.
B.b Mit Schreiben vom 14. April 2010 (IV-act. 76) teilte X._ der IV-
Stelle AG mit, sie sei mit dem Vorbescheid nicht einverstanden, da na-
mentlich der Einkommensvergleich nicht korrekt durchgeführt worden und
zu Unrecht die gemischte Methode angewandt worden sei.
C.
Mit Verfügung vom 4. Januar 2011 (IV-act. 92) sprach die IV-Stelle für
Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) X._
für die Zeit vom 1. Januar 2007 bis zum 31. Oktober 2007 eine ganze
Rente zu, weitergehend wies sie das Leistungsbegehren ab.
Die IVSTA stellte zur Beurteilung des Gesuchs namentlich auf folgende
Unterlagen ab: den Konsultationsbericht (Abschlussuntersuchung) von
Dr. med. A._, Facharzt für Orthopädie, vom 6. September 2007
(IV-act. 28 S. 10), das Gutachten von Dr. med. habil. B._, Fach-
arzt für Orthopädie und Chirurgie, vom 21. November 2008 (IV-act. 44.5
S. 5), das Gutachten von Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädie
bei der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim), vom 30. November
2009 (IV-act. 60 S. 2 ff.) und seine Antworten auf die Zusatzfragen vom
18. Januar 2010 (IV-act. 71 S. 2 f.) und die Stellungnahme von
Dr. med. D._, Facharzt für Rehabilitation und Rheumatologie,
beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 5. Februar 2010 (IV-
act. 72).
Die Ärzte diagnostizierten bei X._ im Wesentlichen eine Impinge-
mentsymptomatik beider Schultern bei Zustand nach Rotatorenmanschet-
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tenruptur und Riss der langen Bizepssehne rechts mit Zustand nach
arthroskopischer Versorgung und Zustand nach Operation einer postope-
rativen Schultersteife. Ferner wurden ein geringgradiges Lumbal- und
Zervikalsyndrom ohne Nervenwurzelreizsymptomatik diagnostiziert.
D.
Gegen die Verfügung vom 4. Januar 2011 erhob X._ (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Advokat Stephan Müller von
Procap, mit Eingabe vom 4. Februar 2011 (BVGer-act. 1) Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht und reichte einen Arztbericht von
Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin, vom 31. Januar 2011
ein. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Rückweisung der Angelegenheit an die IVSTA zur Durchführung von wei-
teren Abklärungen; eventualiter die Zusprache einer halben Rente mit
Wirkung ab 1. Juli 2006; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der IVSTA. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die
Vorinstanz sei auf ihre im Rahmen des Vorbescheidsverfahrens vorge-
brachten Einwände kaum eingegangen, weshalb ihr Anspruch auf rechtli-
ches Gehör verletzt worden sei. In Bezug auf den eingereichten Arztbe-
richt führte sie aus, daraus ergäben sich Anhaltspunkte für das Vorliegen
einer psychischen Erkrankung. Die IVSTA habe ihren Entscheid lediglich
mit Blick auf die orthopädischen Beschwerden gefällt, weshalb der Sach-
verhalt ungenügend abgeklärt worden sei; auch dies spreche für eine
Rückweisung zur weiteren Abklärung.
E.
E.a Mit Eingabe vom 9. März 2011 (BVGer-act. 3) reichte die Beschwer-
deführerin das ausgefüllte Gesuchsformular betreffend unentgeltliche
Rechtspflege und entsprechende Belege ein.
E.b Mit Zwischenverfügung vom 14. März 2011 (BVGer-act. 4) wies der
Instruktionsrichter das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ab und
forderte die Beschwerdeführerin auf, einen Kostenvorschuss in der Höhe
von Fr. 400.-- zu bezahlen.
E.c Am 21. März 2011 ist der einverlangte Kostenvorschuss beim Bun-
desverwaltungsgericht eingegangen (BVGer-act. 6).
F.
Mit Eingabe vom 10. Mai 2011 (BVGer-act. 8) änderte die Beschwerde-
führerin ihre Rechtsbegehren und führte aus, im Eventualantrag beantra-
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ge sie die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab 1. Juli 2006 und
mit Wirkung ab 1. November 2007 noch eine halbe Rente.
G.
Mit Vernehmlassung vom 25. Mai 2011 (BVGer-act. 10) beantragte die
IVSTA unter Verweis auf die beigelegte undatierte Stellungnahme die Ab-
weisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie im Wesentlichen
auf die Ausführungen in der Verfügung und hielt zudem fest, ihrer Ansicht
nach, habe sie sich mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin ausei-
nandergesetzt, weshalb deren Anspruch auf rechtliches Gehör nicht ver-
letzt sei.
H.
Mit Replik vom 6. Juni 2011 (BVGer-act. 12) hielt die Beschwerdeführerin
an ihren Anträgen fest.
I.
Mit Eingabe vom 17. Juni 2011 (BVGer-act. 14) reichte die Beschwerde-
führerin ein Gutachten von Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie
und Psychiatrie, vom 28. März 2011 sowie den Rentenbescheid der
Deutschen Rentenversicherung vom 27. April 2011 ein.
J.
Mit Duplik vom 8. Juli 2011 (BVGer-act. 16) hielt die IVSTA unter Verweis
auf die Stellungnahme der IV-Stelle AG vom 28. Juni 2011 an ihrem An-
trag fest.
K.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Be-
weismittel ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nach-
folgenden Erwägungen einzugehen.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwal-
tungsgericht vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit
Art. 33 lit. d VGG und Art. 69 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG, SR 831.20) beurteilt das
Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland ge-
gen Verfügungen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver-
fahren (VwVG, SR 172.021), soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG). Gemäss Art. 3 lit. d bis
VwVG bleiben in sozialversiche-
rungsrechtlichen Verfahren die besonderen Bestimmungen des Bundes-
gesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialver-
sicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG
sind die Bestimmungen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich gere-
gelten Sozialversicherungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen
Sozialversicherungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Be-
stimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung anwendbar (Art. 1a
bis 26 bis
und Art. 28 bis 70), soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Ab-
weichung vom ATSG vorsieht. Dabei finden nach den allgemeinen inter-
temporalrechtlichen Regeln in formellrechtlicher Hinsicht mangels anders-
lautender Übergangsbestimmungen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
Anwendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung
haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ände-
rung, so dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist.
1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 Abs. 1
ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und auch der Kostenvor-
schuss innert Frist geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin ist deutsche Staatsangehörige, so dass vor-
liegend das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweize-
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rischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemein-
schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA;
SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang II betreffend Koordinie-
rung der Systeme der sozialen Sicherheit, anzuwenden ist (Art. 80a IVG).
Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom
14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf
Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die in-
nerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (Verordnung Nr. 1408/71,
AS 2004 121, AS 2008 4219 und AS 2009 4831), haben die in den per-
sönlichen Anwendungsbereich der Verordnung fallenden, in einem Mit-
gliedstaat wohnenden Personen aufgrund der Rechtsvorschriften eines
Mitgliedstaats grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten wie die
Staatsangehörigen dieses Staates.
Noch nicht zu beachten sind vorliegend die am 1. April 2012 für die
Schweiz anwendbar gewordenen neuen EU-Verordnungen (insb. Verord-
nung [EG] Nr. 883/2004 und Verordnung [EG] Nr. 987/2009).
2.2 Soweit das FZA beziehungsweise die auf dieser Grundlage an-
wendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte keine abweichenden
Bestimmungen vorsehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens –
unter Vorbehalt der beiden Grundsätze der Gleichwertigkeit sowie der Ef-
fektivität – sowie die Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen einer
schweizerischen Invalidenrente grundsätzlich nach der innerstaatlichen
Rechtsordnung (BGE 130 V 257 E. 2.4). Entsprechend bestimmt sich vor-
liegend der Anspruch der Beschwerdeführerin ausschliesslich nach dem
innerstaatlichen schweizerischen Recht, insbesondere nach dem IVG,
der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961
(IVV, SR 832.201), dem ATSG sowie der Verordnung vom 11. September
2002 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV,
SR 830.11).
Gemäss Art. 40 Abs. 4 der Verordnung Nr. 1408/71 ist die vom Träger ei-
nes Mitgliedstaates getroffene Entscheidung über die Invalidität eines An-
tragstellers für den Träger eines anderen betroffenen Staates nur dann
verbindlich, wenn die in den Rechtsvorschriften dieser Staaten festgeleg-
ten Tatbestandsmerkmale der Invalidität in Anhang V dieser Verordnung
als übereinstimmend anerkannt sind, was für das Verhältnis zwischen
Deutschland und der Schweiz (ebenso wie das Verhältnis zwischen den
übrigen EU-Mitgliedstaaten und der Schweiz) nicht der Fall ist. Gemäss
Art. 40 der Verordnung Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972 über die
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Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 über die Anwendung
der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige
sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und
abwandern (Verordnung Nr. 574/72, SR 0.831.109.268.11) hat der Träger
eines Mitgliedstaates aber bei der Bemessung des Invaliditätsgrades die
von den Trägern der anderen Staaten erhaltenen ärztlichen Unterlagen
und Berichte sowie Auskünfte der Verwaltung zu berücksichtigen, soweit
sie rechtsgenüglich ins Verfahren eingebracht werden (vgl. Art. 32
VwVG). Jeder Träger behält jedoch die Möglichkeit, die antragstellende
Person durch einen Arzt oder eine Ärztin seiner Wahl untersuchen zu las-
sen. Eine Pflicht zur Durchführung einer solchen Untersuchung besteht
allerdings nicht.
2.3 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei
der Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt
des Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 4. Januar 2011)
eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis).
2.4 In materiell-rechtlicher Hinsicht ist auf jene Bestimmungen des IVG
und der IVV respektive des ATSG und der ATSV abzustellen, die für die
Beurteilung eines Rentenanspruchs jeweils relevant waren und in Kraft
standen. Da vorliegend die Anmeldung zum Leistungsbezug am 3. Mai
2007 eingereicht worden ist und in casu der Leistungsanspruch ab 1. Juli
2006 strittig ist, finden im vorliegenden Verfahren demnach die Vorschrif-
ten Anwendung, die seit dem Jahr 2006 Geltung hatten. Am 1. Januar
2008 sind im Rahmen der 5. IV-Revision Änderungen des IVG und ande-
rer Erlasse wie des ATSG in Kraft getreten. Weil in zeitlicher Hinsicht –
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätz-
lich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des
rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 8C_419/2009 vom 3. November 2009), ist der Leistungsanspruch
für die Zeit bis zum 31. Dezember 2007 aufgrund der bisherigen und ab
diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (BGE 130 V 445;
das heisst das IVG ab dem 1. Januar 2004 in der Fassung vom 21. März
2003 [AS 2003 3837; 4. IV-Revision] und ab dem 1. Januar 2008 in der
Fassung vom 6. Oktober 2006 [AS 2007 5129; 5. IV-Revision]; die IVV in
den entsprechenden Fassungen der 4. und 5. IV-Revision [AS 2003 3859
und 2007 5155]).
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Die 5. IV-Revision brachte für die Invaliditätsbemessung keine sub-
stanziellen Änderungen gegenüber der bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Rechtslage, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergan-
gene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (vgl. Urteil des BGer
8C_373/2008 vom 28. August 2008 E. 2.1). Neu normiert wurde dagegen
die minimale Beitragsdauer, welche von einem Jahr auf drei Jahre erhöht
wurde (Art. 36 Abs. 1 IVG [in der Fassung der 5. IV-Revision,
AS 2007 5129]) und der Zeitpunkt des Rentenbeginns, der – sofern die
entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind – gemäss
Art. 29 Abs. 1 IVG (in der Fassung der 5. IV-Revision) frühestens sechs
Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29
Abs. 1 ATSG entsteht. Hat das Wartejahr allerdings vor dem 1. Januar
2008 zu laufen begonnen und wurde die Anmeldung bis spätestens am
31. Dezember 2008 eingereicht, so gilt das alte Recht (vgl. auch Rund-
schreiben Nr. 253 des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] vom
12. Dezember 2007 [5. IV-Revision und Intertemporalrecht] und Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] C-5509/2008 vom 2. September
2010 E. 2.2).
Im Folgenden wird – ohne anderslautende Hinweise – jeweils auf die
Fassung der 5. IV-Revision Bezug genommen. Noch keine Anwendung
findet vorliegend das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene erste Mass-
nahmenpaket der 6. IV-Revision (IVG in der Fassung vom 18. März 2011
[AS 2011 5659]).
2.5 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerde-
verfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Miss-
brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie Un-
angemessenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
3.
Vorab ist zu prüfen, ob die IVSTA angesichts der bei der IV-Stelle AG ein-
gereichten Anmeldung zum Rentenbezug und die durch jene durchge-
führten Abklärungen die zuständige Verfügungsbehörde war.
3.1 Zuständig ist in der Regel die IV-Stelle in deren Kantonsgebiet der
Versicherte im Zeitpunkt der Anmeldung seinen Wohnsitz hat. Der Bun-
desrat ordnet die Zuständigkeit in Sonderfällen (Art. 55 Abs. 1 IVG und
Art. 40 Abs. 1 lit. a IVV). Zuständig zur Entgegennahme und Prüfung der
Anmeldungen von Grenzgängern ist die IV-Stelle, in deren Tätigkeitsge-
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Seite 9
biet der Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausübt. Dies gilt auch für
ehemalige Grenzgänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen
Wohnsitz noch in der benachbarten Grenzzone haben und der Gesund-
heitsschaden auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die
Verfügungen werden von der IV-Stelle für Versicherte im Ausland erlas-
sen (Art. 40 Abs. 2 IVV).
3.2 Die Beschwerdeführerin war Grenzgängerin und hatte ihre letzte Ar-
beitsstelle im Kanton Aargau; sie wohnt zudem noch im benachbarten
Grenzgebiet. Sie hat sich somit zu Recht bei der IV-Stelle AG zum Leis-
tungsbezug angemeldet. Der Erlass der Verfügung durch die IVSTA ist
gemäss obenstehenden Ausführungen nicht zu beanstanden.
4.
4.1 Vorliegend hat die Beschwerdeführerin die gemäss seit der 1. Januar
2008 in Kraft stehenden Regelung geltende dreijährige Mindestbeitrags-
zeit aufgrund der zwischen 1996 und 2007 geleisteten Beiträge zweifellos
erfüllt. Ob die Wartefrist noch vor dem 1. Januar 2008 zu laufen begann
und daher noch das alte Recht anzuwenden ist, wird gegebenenfalls
nach der Würdigung der medizinischen Akten zu prüfen sein.
4.2 Versicherte haben Anspruch auf eine Viertelsrente, wenn sie zu min-
destens 40 Prozent invalid sind, bei einem Invaliditätsgrad von min-
destens 50 Prozent besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente, bei min-
destens 60 Prozent auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 Pro-
zent auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG [4. IV-Revision] respektive
Art. 28 Abs. 2 IVG [5. IV-Revision]). Gemäss Art. 28 Abs. 1 ter
IVG werden
Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50 Prozent entspre-
chen, jedoch nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und ge-
wöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, soweit nicht
völkerrechtliche Vereinbarungen eine abweichende Regelung vorsehen,
was für Staaten der EU der Fall ist.
4.3 Der Rentenanspruch nach Artikel 28 entsteht nach den Vorschriften
der 4. IV-Revision frühestens in dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte
mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig (Art. 7 ATSG) geworden ist
(Art. 29 Abs. 1 lit. a IVG [4. IV-Revision, AS 2003 3837]) oder während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu
40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG
[4. IV-Revision]). Nach den Bestimmungen der 5. IV-Revision haben An-
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spruch auf eine Rente Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fä-
higkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG)
sind (Art. 28 Abs. 1 lit. a bis c IVG [5. IV-Revision]).
4.4 Gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG ist In-
validität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebrechen,
Krankheit oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist gemäss Art. 7 ATSG der
durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit ver-
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei-
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Arbeitsunfähigkeit ist
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi-
schen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisheri-
gen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer
Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
4.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes im schweizerischen Invalidenverfahren ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in wel-
chem Umfang und gegebenenfalls bezüglich welcher Tätigkeiten der Ver-
sicherte arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistun-
gen dem Versicherten konkret noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4, 115 V 134 E. 2; AHI-Praxis 2002, S. 62, E. 4b/cc).
4.6 Vor der Berechnung des Invaliditätsgrades muss jeweils beurteilt
werden, ob die versicherte Person als (teil-)erwerbstätig oder nichter-
werbstätig einzustufen ist, was entsprechenden Einfluss auf die anzu-
wendende Methode der Invaliditätsgradbemessung hat (allgemeine Me-
thode des Einkommensvergleichs, gemischte Methode, spezifische Me-
thode des Betätigungsvergleichs, vgl. Art. 16 ATSG in Verbindung mit
Art. 28a IVG).
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Seite 11
4.6.1 Zu prüfen ist, was die versicherte Person bei im Übrigen unver-
änderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde. So sind insbesondere bei im Haushalt tätigen Versicherten die
persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso
wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern,
das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die per-
sönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfra-
ge beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt haben, wobei für die
hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er-
werbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausreicht (vgl. BGE 133 V 504 E. 3.3,
133 V 477 E. 6.3, 125 V 146 E. 2c, je mit Hinweisen).
4.6.2 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig
sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet
werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von
Artikel 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen.
4.7 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen. Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unab-
hängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent-
scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei-
lung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Grün-
de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizini-
sche These abstellt.
4.7.1 Bezüglich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Ex-
perten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund-
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sätzlich somit weder die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeich-
nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Be-
richt oder als Gutachten (vgl. dazu das Urteil des BGer I 268/2005 vom
26. Januar 2006 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 125 V 352 E. 3a).
Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten auf-
zustellen (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil
des BGer I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). So ist den im Rahmen
des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte,
welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so-
wie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung
der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdi-
gung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353
E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen). Berichte der behandelnden Ärzte
schliesslich sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung
zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies
gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für den be-
handelnden Spezialarzt (Urteil des BGer I 655/05 vom 20. März 2006
E. 5.4 mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai
2008 E. 2.3.2).
4.7.2 Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Be-
weiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in
einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht
schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es
bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Un-
parteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen
(BGE 125 V 351 E. 3b/ee mit Hinweisen).
4.7.3 Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt
eines Versicherten sind – analog zur vorerwähnten Rechtsprechung
betreffend die Beweiskraft von Arztberichten – verschiedene Faktoren zu
berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizier-
ten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen
Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich erge-
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die An-
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gaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende
Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext
muss schliesslich plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüg-
lich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit
den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (in BGE 134 V 9 [Urteil
des BGer I 246/05 vom 30. Oktober 2007] nicht publizierte E. 5.2 mit
Hinweisen). Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbe-
richt enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haus-
halt massgebend, sondern gelten analog für den Teil des Abklärungsbe-
richts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von
teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Ge-
sundheitsfall betrifft (vgl. Urteil des BGer I 236/2006vom 19. Juni 2006
E. 3.2 mit Hinweisen).
Auch wenn bei den im Ausland wohnenden Versicherten mangels ge-
eigneten Abklärungspersonen keine Haushaltabklärung (im Sinne einer
Abklärung an Ort und Stelle gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV) durchgeführt
werden kann, muss die Beurteilung einer Beeinträchtigung im Haushalt
nach analogen Grundsätzen erfolgen (vgl. Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts C-4781/2008 vom 28. Juni 2010 E. 4.2 und C-5131/2007
vom 16. März 2009 E. 4.2.5). Ob eine solche Abklärung dann im einzel-
nen Fall genügt, ist anhand der konkreten Verhältnisse zu entscheiden.
4.8 Aufgrund des im gesamten Sozialversicherungsrecht geltenden
Grundsatzes der Schadenminderungspflicht ist sodann ein dauernd in
seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkter Versicherter gehalten, innert nütz-
licher Frist Arbeit im angestammten oder einem anderen Berufs- oder Er-
werbszweig zu suchen und anzunehmen, soweit sie noch möglich und
zumutbar erscheint (BGE 113 V 22 E. 4a, 111 V 235 E. 2a). Deshalb ist
es am behandelnden Arzt beziehungsweise am Vertrauensarzt der IV-
Stelle zu entscheiden, in welchem Ausmass ein Versicherter seine ver-
bliebene Arbeitsfähigkeit bei zumutbarer Tätigkeit und zumutbarem Ein-
satz auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt einsetzen kann. Diese Ar-
beitsmöglichkeit hat sich der Versicherte anrechnen zu lassen, wobei es
unerheblich ist, ob er seine Restarbeitsfähigkeit tatsächlich verwertet oder
nicht.
Ebenso ist der Versicherte gehalten, im Rahmen des Möglichen und Zu-
mutbaren Verfahrensweisen zu entwickeln, welche die Auswirkungen sei-
ner Behinderung im hauswirtschaftlichen Aufgabenbereich reduzieren
C-906/2011
Seite 14
und ihm eine möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der
Haushaltsarbeiten ermöglichen. Kann er wegen seiner Behinderung ge-
wisse dieser Arbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitauf-
wand erledigen, so muss er in erster Linie seine Arbeit einteilen und in
üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch neh-
men. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen Perso-
nen nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche nicht
mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder
durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachgewiesener-
massen eine Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismässige Be-
lastung entsteht. Die im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei einer im
Haushalt tätigen Person zu berücksichtigende Mithilfe von Familienange-
hörigen geht daher weiter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicher-
weise zu erwartende Unterstützung (vgl. BGE 133 V 504 E. 4.2 mit Hin-
weisen).
5.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die IVSTA das Leistungsbegehren der Be-
schwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat.
5.1 Die Beschwerdeführerin machte im Wesentlichen geltend, die Vorin-
stanz habe ihre Abklärungs- und Begründungspflicht verletzt, indem sie
weder auf die Einwände der Beschwerdeführerin in Bezug auf eine Tätig-
keit als medizinische Praxisassistentin noch auf die Ausführungen betref-
fend Beschäftigungsgrad respektive Tätigkeit im Aufgabenbereich einge-
gangen sei. Ferner habe die Vorinstanz zu Unrecht ausser Acht gelassen,
dass bei ihr nicht nur physische sondern auch psychische Probleme vor-
lägen, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten.
5.2 Die Vorinstanz führte aus, sie habe sich mit den Einwänden der Be-
schwerdeführerin im Vorbescheidsverfahren auseinandergesetzt; es liege
keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Ferner führte die Vorinstanz
aus, bei der Bestimmung des Invalideneinkommens habe man zu Recht
nicht auf das Niveau 4 der Lohnstrukturerhebung abgestellt, da die Be-
schwerdeführerin durchaus in der Lage sei, qualifizierte Arbeiten zu ver-
richten, zumal sie das Abitur sowie eine Ausbildung als Pflegefachfrau
habe und deshalb ohne Weiteres als medizinische Praxisassistentin ar-
beiten könne, was sie im Übrigen mit den beiden Anstellungen auch be-
wiesen habe.
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Seite 15
5.3
5.3.1 Dem Abschlussbericht von Dr. med. A._, Facharzt für Ortho-
pädie an der G._-Klinik, vom 6. September 2007 ist zu entneh-
men, dass der Zustand der Beschwerdeführerin seit dem 19. April 2007
unverändert sei und wohl auch langfristig die Kraft für Tätigkeiten mit dem
rechten Arm deutlich eingeschränkt sei.
5.3.2 Dr. med. habil. B._, Facharzt für Orthopädie und Chirurgie,
attestierte der Beschwerdeführerin in seinem Gutachten vom
21. November 2008 eine Impingementsymptomatik beider Schultern,
rechts stärker als links, bei Zustand nach Rotatorenmanschettenteilruptur
und Riss der langen Bizepssehne rechts mit Zustand nach arthroskopi-
scher Versorgung sowie Zustand nach Operation einer postoperativen
Schultersteife und ein geringgradiges Zervikal- und Lumbalsyndrom ohne
Nervenwurzelreizsymptomatik bei das Altersübliche nicht übersteigenden
degenerativen Wirbelsäulenveränderungen. Der Gutachter erachtete die
Beschwerdeführerin aufgrund der diagnostizierten Defizite als zu 100%
arbeitsunfähig für ihre bisherige Tätigkeit als Pflegefachfrau; in einer
leichten Verweistätigkeit erachtete er sie hingegen für ein Pensum von
mindestens 6 Stunden pro Tag als arbeitsfähig.
5.3.3 Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädie an der asim stellte im
Gutachten vom 30. November 2009 folgende Diagnosen: 1) eine hintere
paralabrale Zyste unterhalb des Muskelbauches des M. supraspinatus
gelegen und eine ansatznahe Partialruptur der Supraspinatussehne
selbst auf dem Boden einer Ansatztendinopathie Schulter links, 2) ein
Status nach massiver, postoperativer, posttraumatischer Frozen shoulder
rechts bei Status nach arthroskopischer Rotatorenmanschetten- und Lim-
busrefixation, AC-Gelenksarthrose, nicht transmuraler Reruptur der Rota-
torenmanschette Schulter rechts, 3) Status nach Arthroskopie, Arthrolyse,
zirkulärer Kapsulotomie, Synovialektomie, subacromialem Debridement,
Acromioplastik, AC-Gelenksresektion Schulter rechts und 4) Zervikalgie,
Brachialgie, Lumbalgie, Leistenschmerz Hüfte rechts, Trizeps surae-
Beschwerden Unterschenkel beidseits. Aufgrund der gestellten Diagno-
sen erachtete er die Beschwerdeführerin als zu 100% arbeitsunfähig in
ihrem bisherigen Beruf als Pflegefachfrau. In einer Tätigkeit als Praxisas-
sistentin in einer gynäkologischen Praxis erachtete er die Beschwerde-
führerin als zu 75% arbeitsfähig, sofern sie keine Lasten von über 5kg
Heben oder Tragen müsse und keine Arbeiten "über Kopf" ausgeführt
werden müssen.
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5.3.4 Dr. med. D._, Facharzt für Rehabilitation und Rheumatologie
beim RAD, vom 5. Februar 2010 beziffert die Arbeitsfähigkeit der Be-
schwerdeführerin aufgrund der festgestellten unfall- und krankheitsbe-
dingten Leiden für leichte Tätigkeiten auf lediglich 50%, da die im Gutach-
ten attestierte Arbeitsfähigkeit in der Gesamtbetrachtung weiter zu redu-
zieren sei.
5.3.5 Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin, attestierte der
Beschwerdeführerin in seinem Zeugnis vom 31. Januar 2011 eine schwe-
re Depression/posttraumatische Belastungsstörung, da jene in der Kind-
heit sexuell missbraucht worden sei. Aufgrund dessen sei die Beschwer-
deführerin für Tätigkeiten von über 3 Stunden pro Tag nicht mehr arbeits-
fähig.
5.3.6 Dem Gutachten von Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie
und Psychiatrie, vom 28. März 2011 ist zu entnehmen, dass bei der Be-
schwerdeführerin im Wesentlichen ein Versagenszustand auf dem Boden
einer posttraumatischen Belastungsstörung mit depressiven Anteilen, im
Wesentlichen jedoch mit einer starken "fluchtartigen" Somatisierung vor-
liege. Der Gutachter empfahl deshalb, die Beschwerdeführerin "auf Dauer
und voll erwerbsunfähig zu berenten", da eine Tätigkeit lediglich noch im
Umfang von unter 3 Stunden täglich ausgeübt werden könne.
5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin
sowohl physische als auch psychische Probleme festgestellt wurden, die
einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben. Die IVSTA stützte sich bei
ihrem Entscheid ausschliesslich auf ärztliche Berichte aus den Fachrich-
tungen Orthopädie, Rehabilitation und Rheumatologie; psychiatrische
Gutachten wurden nicht berücksichtigt. Die Beschwerdeführerin reichte
im Verlauf des Beschwerdeverfahrens schliesslich Berichte ein, die sich
zu ihrem psychischen Gesundheitszustand äusserten. Insbesondere dem
Gutachten von Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie und Psychi-
atrie, vom 28. März 2011 ist zu entnehmen, dass bei der Beschwerdefüh-
rerin schon seit längerer Zeit psychische Probleme bestünden. Aber auch
das orthopädische Fachgutachten von Dr. med. C._ vom
30. November 2009 enthielt bereits Hinweise darauf, dass die Beschwer-
deführerin psychisch belastet sei. Aufgrund der vorstehend genannten
Berichte ist es allerdings kaum möglich, den Einfluss der psychischen
Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit festzustellen, da sich die Ärz-
te entweder nicht zu den konkreten Auswirkungen äussern und nur pau-
schale Aussagen machen (vgl. Dr. med. E._) oder ohne weitere
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Begründung eine "volle Berentung" vorschlagen (vgl.
Dr. med. F._). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ist zudem festzu-
halten, dass beim Zusammentreffen verschiedener Gesundheitsbeein-
trächtigungen – wie vorliegend orthopädischer und psychischer Leiden –
der Grad der Arbeitsunfähigkeit respektive die Einschränkung im Aufga-
benbereich im massgebenden Zeitraum jeweils aufgrund einer sämtliche
Behinderungen umfassenden fachärztlichen Gesamtbeurteilung zu
bestimmen ist, da sich die jeweiligen Beeinträchtigungen gegenseitig be-
einflussen und eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funkti-
onsstörungen und Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgra-
de nicht zulässig ist (vgl. Urteil des BGer I 850/02 vom 3. März 2003
E. 6.4.1 mit weiteren Hinweisen). Als Ergebnis ist somit festzuhalten,
dass aufgrund der vorliegenden Unterlagen die Einschränkung der Ar-
beitsfähigkeit und im Aufgabenbereich nicht zuverlässig ermittelt werden
kann.
5.5 Da die vorliegenden medizinischen Unterlagen keine abschliessende
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erlauben, wäre es Sache der Vorinstanz
gewesen, ein gemäss den Anforderungen des Bundesgerichts entspre-
chendes Gutachten einzuholen. Die Vorinstanz hat somit den Sachverhalt
mangelhaft ermittelt (Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12 VwVG).
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet die Beschwerdeinstanz in der
Sache selbst und weist diese nur ausnahmsweise zur Vornahme weiterer
Abklärungen an die Vorinstanz zurück. Ist jedoch eine entscheid-
wesentliche Frage im Verwaltungsverfahren vollständig ungeklärt geblie-
ben, kann das Gericht von der Einholung eines Gerichtsgutachtens abse-
hen und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen (BGE 137 V 210
E. 4.4.1.4).
Vorliegend wurden die Fragen der Schwere der geltend gemachten Ge-
sundheitseinschränkungen, insbesondere des psychiatrischen Leidens,
nicht geklärt. In der Folge fehlt eine verwertbare fachärztliche Gesamt-
sicht dazu, in welcher Weise die verschiedenen Krankheitsbilder der Be-
schwerdeführerin interagieren beziehungsweise wie sie sich in ihrer Ge-
samtheit auf ihre Leistungsfähigkeit auswirken. Deshalb fällt hier die Er-
stellung eines Gerichtsgutachtens ausser Betracht und die Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz ist anzuordnen. Diese hat unter Berücksich-
tigung der zu vervollständigenden Aktenlage eine sachgerechte polydis-
ziplinäre Begutachtung einzuholen, welche zum Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin Stellung nimmt und beurteilt, inwiefern sie in einer
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Verweistätigkeit und im Haushalt eingeschränkt ist. Anschliessend hat die
Vorinstanz den IV-Grad der Beschwerdeführerin zu ermitteln und neu
über deren Leistungsanspruch zu verfügen. Ob die Vorinstanz auch ihre
Begründungspflicht verletzt hat und die Verfügung – wie die Beschwerde-
führerin geltend machte – bereits aus diesem Grund hätte aufgehoben
werden müssen, kann mit Blick auf dieses Ergebnis offengelassen wer-
den.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Sachverhalt
nur ungenügend abgeklärt hat. Die Beschwerde ist somit in diesem Sinne
antragsgemäss gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 4. Januar
2011 ist aufzuheben und die Sache ist zur Abklärung im Sinne der Erwä-
gungen an die IVSTA zurückzuweisen.
6.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
6.1 Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Eine Rückweisung gilt praxisgemäss als
Obsiegen der Beschwerde führenden Partei (BGE 132 V 215 E. 6). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin somit kei-
ne Kosten aufzuerlegen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kos-
tenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.-- ist ihr nach Eintritt der Rechts-
kraft des vorliegenden Urteils auf ein von ihr bekannt zu gebendes Konto
zurückzuerstatten.
Einer unterliegenden Vorinstanz sind gemäss Art. 63 Abs. 2 VwVG eben-
falls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
6.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr
erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteientschädi-
gung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendi-
ge Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE). Die Beschwerdeführerin war im
vorliegenden Verfahren berufsmässig vertreten, weshalb ihr zu Lasten
der unterliegenden Vorinstanz eine Parteientschädigung zuzusprechen
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ist. Unter Berücksichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwands
ist die Parteientschädigung auf Fr. 2'500.-- festzulegen.
Der unterliegenden Vorinstanz ist keine Parteientschädigung zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
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