Decision ID: e213b253-6d6e-4a76-ad4a-20a05bbcb953
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene
X._
bezieht seit 1. August 2004 eine ganze Rente der Invalidenversicherung (Urk. 7/36, Urk. 7/39). Am 23. Oktober 2007 wurde die Rente erstmals revisionsweise bestätigt (Urk. 7/57).
Im August 2010 leitete die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, eine erneute Rentenrevision ein (Urk. 7/61). In der Folge führte die Ver
waltung Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht durch. Ins
besondere beauftragte sie die MEDAS
Y._
mit einer polydisziplinären Abklärung (MEDAS-Gutachten vom 4. Juni 2012; Urk. 7/83). Gestützt darauf sowie auf die im Rahmen des
Vorbescheid
verfahrens
eingeholte ergänzende Stellungnahme der Gutachter vom 22. November 2012 (Urk. 7/94) hob
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 15. April 2013 die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 16. Mai 2013 Beschwerde mit dem
Rechtsbe
gehren
um weitere Ausrichtung der ganzen Rente, eventualiter um Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks weiterer Abklärung (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 13. Juni 2013 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 1. Juli 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei
gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Be
richt für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge
gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Bei der Rentenzusprechung
war
die Beschwerdegegnerin gestützt auf den Be
richt der
Z._
vom 28. April 2004 über das dort durch
geführte Ergonomie-Trainingsprogramm (Urk. 7/14 S. 28 ff.), den Bericht von Dr. med.
A._
, Facharzt für Innere Medizin, vom 10. Juli 2004 (Urk. 7/12) so
wie den Bericht von Dr. med. Dr. phil.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. Oktober 2005 davon aus
gegangen
, dass dem zuletzt als Gebäudereiniger erwerbstätig gewesenen Beschwerdeführer eine
leidensange
passte
Tätigkeit nur noch zu einem Pensum von 30 % zumutbar war (Urk. 7/30 S. 4).
Den Berichten der beiden behandelnden Ärzte
,
Dres
.
A._
und
B._
, l
ie
s
sen sich folgende Diagnosen entnehmen:
Somatisch:
-
Lumbospondylogenes
Syndrom rechts mit
Exacerbation
nach Sturz vom Gerüst am 16. Dezember 2002
Differenzialdiagnose:
radikuläres
Reizsyndrom L5
kleine Diskushernie L4/5
mediolateral
rechts
rezessal
, L5 tan
gierend
Osteochondrose
, Skoliose
-
Status nach Sturz vom Gerüst mit Fusskontusion am 16. Dezember 2002
-
Status nach Autounfall mit traumatischem
Zervikalsyndrom
am 28. August 2003
Psychiatrisch:
-
Mittelschwere bis schwere gemischte Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) mit
chro
nifizierter
somatoformer
Schmerz(fehl)
verarbeitungsstörung
(ICD-10 F45.4)
-
neurotiforme
, asthenisch-hypochondrische Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.1)
2.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer allfälligen anspruchserheblichen Änderung bildet die im Rahmen der ersten Rentenrevision nach Durchführung erwerblicher und medizinischer Abklärungen erfolgte Mitteilung vom 23. Oktober 2007 (Urk. 7/57). Bei der Verneinung einer sich auf die Rente aus
wirkenden Veränderung stellte die Beschwerdegegnerin auf die Angaben der
Dres
.
A._
und
B._
in den
B
erichten vom 31. Juli 2007 beziehungsweise 5. August 2007
ab
(Urk. 7/54-56).
3.
Die Beschwerdegegnerin begründet die nun strittige Renteneinstellung damit, dass der Beschwerdeführer laut MEDAS-Gutachten vom 4. Juni 2012 seit Mai 2012 in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 2, Urk. 6).
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass das
MEDAS-Gutachten mangelhaft sei, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne (Urk. 1).
4.
4.1
In einem undatierten, bei der Beschwerdegegnerin am 14. Oktober 2010 eingegan
genen
Bericht
(Urk. 7/63) wies Dr.
A._
auf zwei weitere Traumata der Halswirbelsäule hin, welche sich am 22. August 2004 und 8. Mai 2010 er
eignet hätten. Der daneben bestehenden Hypertonie und depressiven Verstim
mung mass er keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei. Infolge de
s
trau
matischen
Lumbovertebral
- und
Zervikalsyndrom
s
attestierte er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit. Eine Besserung sei nicht zu erwarten.
4.2
Dr.
B._
diagnostizierte im
Bericht
vom 28. Januar 2012 (Urk. 7/76) statt der früher genannten gemischten Anpassungsstörung eine mittelschwere bis schwere depressive Episode mit somatisch-funktionellem Syndrom (ICD-10 F32.1). Weiter führte er aus, der Beschwerdeführer leide an einer
chronifizierten
Ganzkörper- und Dauerschmerzproblematik und an einer mittelschweren bis schweren vornehmlich
anerg
-depressiven Entwicklung. Weiter imponiere ein gemischtes, partiell gehemmtes und agitiertes depressives Zustandsbild. Ab
schliessend schätzte der behandelnde Psychiater die Arbeitsfähigkeit auf 20 % bis 30 %.
4.3
Im MEDAS-Gutachten vom 4. Juni 2012 (Urk. 7/83) wurden folgende Diagno
sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 24):
1.
Chronisches
zervikospondylogenes
/
zervikozephales
bis
zervikobrachiales
rechts
betontes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.0, M53.1)
-
radiomorphologisch Streckhaltung bis leichte
Kyphosierung
zwischen C2 bis C
5.
Gut erhaltene Bandscheibenhöhen C2/3, C3/
4.
Angedeutete dorsale Spondylose der Boden- und Deckplatten zwischen C4/
5.
Verstärkte Spondy
lose mit Erniedrigung der dorsalen Bandscheibenhöhe zwischen C5/6 und C6/7 bei ventral gut erhaltenen Bandscheibenhöhen im
ap
-Bild. Beginnende Multietagen-
Unkarthrosen
zwischen C4 bis C7 beidseits
-
Status nach 3 traumatischen
Zervikalsyndromen
8/03, 8/04, 5/10, jeweils im Rahmen von Autoauffahrunfällen
-
klinisch keine eindeutigen Hinweise für aktuelle oder
residuelle
sensible oder motorische
zervikoradikuläre
Ausfälle
-
Wirbelsäulenfehlhaltung mit betonter
Kyphosierung
im
zervikothorakalen
Über
gang mit HWS- sowie
Schulterprotraktion
und Fehlstellung
-
muskuläre
Dysbalance
mit Abschwächung der
Nacken-Schultergürtel-Muskel
gruppen
und leichter
reatkiver
Myogelose
2.
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
-
intermittierende
pseudoradikuläre
Ausstrahlung in den rechten proximalen Oberschenkel
-
radiomorphologisch normales Alignement der dargestellten Wirbelkörper. Lum
bal leicht links-, thorakal leicht rechtskonvexe Skoliose ohne relevante Torsionskomponente. Insgesamt allseits gut erhaltene Bandscheibenhöhen.
Diskrete
spondylarthrotische
Veränderungen L4/5, L5/S
1.
SIG unauffällig dargestellt; MRT LWS 10/03 ohne Hinweise für Kompression von neuralen Strukturen
-
leichte Wirbelsäulenfehlform tieflumbal links,
thorakolumbal
grobbogig
rechts
konvexe
Skoliose
-
muskuläre
Dysbalance
mit Abschwächung der abdominellen und
rückenstabili
sierenden
Muskelgruppen
-
klinisch keine Hinweise für aktuelle oder
residuelle
sensible motorische
lumbo
radikuläre
Ausfälle
Folgenden weiteren Diagnosen massen die Gutachter dagegen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei (S. 24 f.):
1.
Schmerzverarbeitungsstörung mit
algogener
Verstimmung (ICD-10 F54)
2.
Metabolisches Syndrom (ICD-10 E88.9)
-
medikamentös behandelte arterielle Hypertonie (ICD-10 I10)
-
pathologischer Glukosestoffwechsel (ICD-10 R73.9)
-
HbA1c aktuell auf 6,5 % erhöht (Norm < 6.3)
-
Adipositas (BMI 35 kg/m
2
; ICD-10 E66.0)
-
Dyslipidämie
(ICD-10 D78.2)
3.
Verdacht auf Status nach
Helicobacter
pylori
-Infektion (ICD-10 K29.7)
-
anamnestisch Status nach antibiotischer Behandlung
-
aktuell keine abdominellen Beschwerden
4-
Primäre
Varikosis
rechts (ICD-10 I87.2)
-
Cross-Insuffizienz Stadium I mit Insuffizienz und
Varikosis
der
vena
saphena
acessoria
lateralis
-
konsekutive Inkomplette Magna-Stamm- und Astinsuffizienz und Varikose
Weiter führten die Gutachter aus, aus klinisch-rheumatologischer Sicht bestün
den zwar gewisse
pathoanatomische
Veränderungen am Bewegungsapparat, welche einen Teil der vom Exploranden beklagten Schmerzsymptomatik nach
vollziehbar erscheinen liessen. Das Ausmass der insgesamt beklagten Schmerzsymptomatik und insbesondere die konsekutive massive
Leistungsein
busse
auch für alltägliche Verrichtungen sei jedoch somatisch orientiert nicht adäquat zu erklären (S. 25 f.).
In der psychiatrischen Untersuchung habe der Explorand, der sich affektiv abge
schirmt und den Blick meistens zu Boden gerichtet habe, mit einer Lustlo
sigkeit und Reizbarkeit imponiert. Es hätten keine Hinweise für eine depressive Störung bestanden. Der Explorand habe keine Suizidgedanken geäussert, keine vital gehemmte Traurigkeit und keinen zirkadianen Rhythmus vorgelegt. Aus psychiatrischer Sicht sei er nur
geringgradig
beeinträchtigt. Über die Jahre habe er insbesondere eine Krankheitsrolle eingenommen, die er nun mehr oder weni
ger bewusstseinsnah mit einem ausgeprägten sekundären Krankheitsgewinn darbiete. Es sei ihm zuzumuten, seine Schmerzen mit Hilfe einer Willensan
spannung zu überwinden. Die vom Exploranden dargelegten Beschwerden aus dem psychiatrischen Formenkreis seien auch kritisch zu hinterfragen, da zwei der insgesamt drei verordneten Antidepressiva im Rahmen der aktuellen Blut
spiegel
bestimmungen
nicht nachweisbar gewesen seien. Dementsprechend be
stehe eine erhebliche Inkonsistenz (S. 26).
Die allgemeininternistische Untersuchung habe verschiedene Diagnosen im Rah
men des metabolischen Syndroms ergeben, welche jedoch die Arbeits- und Leistungsfähigkeit global nicht negativ beeinflussten (S. 26).
Zusammenfassend stellten die Gutachter aus interdisziplinärer Sicht fest, dass beim Beschwerdeführer spätestens ab dem Datum des Gutachtens für jegliche leichte bis selten mittelschwere wechselbelastende berufliche Tätigkeit, die ihm ermögliche, seine Arbeitsposition regelmässig selbständig zu wechseln, insbe
sondere ohne stereotype Rotationsbewegungen von Hals- und
Lendenwirbel
säule
, ohne Arbeiten in anhaltender Oberkörper-Vorneigeposition, ohne Heben und Tragen von Lasten über 15 kg bis zur Taille beziehungsweise von mehr als 10 kg über die Taille, eine 100 %
ige
Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehe. Einzig regelmässig mittelschwer bis schwer belastende berufliche Tätigkeiten seien nicht möglich. Die früher vom Psychiater Dr.
B._
postulierte mittel
gradige bis schwere depressive Störung sei aktuell sicher nicht mehr nachweis
bar, wodurch sich die deutlich verbesserte Arbeitsfähigkeit erkläre S. 26 f.)
4.4
Am 11. September 2012 nahm Dr.
B._
zum MEDAS-Gutachten Stellung (Urk. 7/92).
Er b
ezeichnete das Gutachten als Moment- und
Querschnittauf
nahme
mit unzureichender Berücksichtigung von sozialrechtlich relevanten psychosozialen Funktionsdefiziten und Funktionsbeeinträchtigungen sowie ohne psychodiagnostische Methode.
Im
Übrigen wiederholte Dr.
B._
seine früheren Angaben und bestätigte die von ihm gestellte Diagnose und empfahl ein Arbeits- und Belastungstraining zur Klärung der effektiv zumutbaren Leis
tungsfähigkeit.
4.5
Am 22. November 2012 äusserten sich die Gutachter der MEDAS zu Dr.
B._
Ausführungen und hielten an den gutachterlichen Schlussfolge
rungen fest (Urk. 7/94 S. 2 f.).
4.6
Der von Dr.
B._
zwecks
konsiliarpsychiatrischer
Untersuchung herangezo
gene Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie stellte im E-Mail vom 6. März 2013 (Urk. 7/100) die Diagnose einer mittelschweren De
pression mit starker somatischer Akzentuierung, allgemeiner Kraftlosigkeit, chronischen Schlafstörungen und Albträumen. Der immer sehr leistungsbereite und leistungsfähige Beschwerdeführer sei völlig zusammengebrochen, als er habe erfahren müssen, selbst die bescheidenen Ansprüche in einer Wäscherei nicht erfüllen zu können. Dass er seine angestammte Rolle als Ernährer der Fa
milie nicht mehr wahrnehmen könne, habe ihn
in
eine schwere Selbstwertkrise
geführt, aus der er kaum mehr herausfinde. Beim Beschwerdeführer seien die Wiedereingliederungsversuche ausgereizt und es sei mit einer Persistenz der Ar
beitsunfähigkeit zu rechnen.
5.
5.1
Gegen das MEDAS-Gutachten vom 4. Juni 2012 wendet der Beschwerdeführer zunächst ein, der Name des den Untersuchungen beiwohnenden Dolmetschers sei ihm nicht vorgängig bekannt gegeben worden. Weiter habe dieser Mühe ge
habt, seine Äusserungen zu verstehen und zu übersetzen. Im Gutachten fehlten auch Angaben über die Sprache, in welcher die Befragung stattgefunden habe, sowie über die Dauer der Untersuchungen (Urk. 1 S. 4 ff.).
Im Rahmen psychiatrischer Abklärungen kommt der bestmöglichen Verständi
gung zwischen Gutachter und versicherter Person besonderes Gewicht zu, wes
halb auf beiden Seiten vertiefte Sprachkenntnisse unabdingbar sind. Wird eine Übersetzungshilfe beigezogen, gilt das Erfordernis der vertieften Sprachkennt
nisse selbstredend auch für diese. Dabei stellen die Sprachkenntnisse der dol
metschenden Person nur eine
r
von verschiedenen, erheblich ins Gewicht fallen
den Faktoren dar (vgl. dazu Bundesgerichtsurteil I 77/07 vom 4. Januar 2008 E. 5.1.1). Im MEDAS- Gutachten
insbesondere im Rahmen der ausführlichen und schlüssigen Anamnese
finden sich keine Anhaltspunkte für Verständi
gungsschwierigkeiten während den einzelnen Untersuchungen. Der Beschwer
deführer selbst gibt keine Passagen des Gutachtens an, welche auf eine
r
fal
sche
n
Übersetzung beruhen sollten. Auch erhebt er keine konkrete Rüge
bezüg
lich
einer allfälligen Befangenheit des beigezogenen Dolmetschers, weshalb seine Einwendungen gegen die Qualität der Übersetzung und die verspätete An
gabe des Namens des Dolmetschers nicht durchzudringen vermögen.
Sodann kommt es für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens nach der Rechtsprechung grundsätzlich nicht auf die Dauer der Untersuchung an, sondern ist in erster Linie massgebend, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Bundesgerichts
9C_330/2011 vom 8.
Juni 2011 E. 5 mit Hinweisen). Dies ist hier eindeutig der Fall.
5.2
Weiter wendet der Beschwerdeführer ein, die MEDAS-Gutachter hätten ihre Ergeb
nisse entgegen
der Rechtsprechung
nicht mit Dr.
B._
diskutiert (Urk. 1 S. 6 ff.). Dem ist zu entgegnen, dass BGE 137 V 210 in E. 3.1.3.3 keine Pflicht der Gutachter zu einer Diskussion der Ergebnisse mit einem Vertrauens
arzt des Versicherten statuiert
,
wenngleich ein solches Vorgehen unter Umstän
den zur Verbesserung der Gutachtensakzeptanz durch die Betroffenen führen könnte
.
5.3
Dr.
B._
(Urk. 7/92) ist insoweit zuzustimmen, als das MEDAS-Gutachten vom 4. Juni 2012
wie jedes Administrativgutachten im
Sozialversicherungs
verfahren
auf einer Momentaufnahme beruht. Es ist jedoch Wesensmerkmal einer jeden Begutachtung, dass sie nicht auf einem derart langen
Beobach
tungszeitraum
beruhen kann wie die Berichte behandelnder Ärzte, ohne dass dies allein ihrem Beweiswert abträglich wäre (Bundesgerichtsurteil 9C_866/2012 vom 21. November 2012 E. 3.2.1). Vielmehr verschaffen die interdisziplinäre Ausrichtung einer MEDAS, die auf umfassender, die Teilergebnisse verschiede
ner medizinischer Disziplinen integrierender Grundlage beruhende Einschätzung der Leistungsfähigkeit, die mitunter schwierige Abgrenzung von
invaliditäts
fremden
Faktoren sowie die auf die IV-spezifischen Tatfragen zugeschnittenen Schlussfolgerungen dem Gutachten vom 4. Juni 2012 einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Berichten der behandelnden Ärzte, welche aus therapeu
tischen Zusammenhängen erstattet wurden (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 1.2.4 mit Hinweisen).
5.4
Der Schmerzverarbeitungsstörung mit
algogener
Verstimmung erkannten die MEDAS-Gutachter keine die Arbeitsfähigkeit einschränkende Wirkung zu. Rechtsprechungsgemäss ist dabei entscheidend, ob die betroffene Person, von ihrer psychischen Verfassung her besehen, objektiv an sich die Möglichkeit hat, trotz ihrer subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.4 mit Hinweisen). Hinsichtlich der Umstände, welche die
Schmerzbe
wältigung
intensiv und konstant behindern könnten, würde es selbst einer leichten bis höchstens mittelgradigen depressiven Episode an der erforderlichen (erheblichen) Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer fehlen, damit ange
nommen werden könnte, dass es sich dabei um ein selbständiges Leiden und nicht lediglich um eine reaktive Begleiterscheinung der
Schmerzverarbeitungs
störung
handle
(Bundesgerichtsurteil
9C_736/2011
vom 7.
Februar 2012
E. 4.2.2.1).
Zwar ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach Eintritt seiner Er
werbslosigkeit wichtige soziale Kontakte verloren hat. Doch kann angesichts des als normal
angegebenen
Eheverhältnisses, seines guten Einvernehmens mit al
len fünf Kindern und der verbliebenen Kontakte mit Verwandten und einigen Kollegen (Urk. 7/83 S. 15) nicht von einem schwerwiegenden, nahezu umfas
senden sozialen Rückzug mit gleichsam apathischem Verharren in sozialer Iso
lierung gesprochen werden. Ferner besteht im Lichte der Aktenlage kein Grund zur Annahme eines ausgeprägten, therapeutisch nicht mehr angehbaren pri
mären Krankheitsgewinns; der von den MEDAS-Gutachtern festgestellte sekun
däre Krankheitsgewinn (Urk. 7/83 S. 27) ist hingegen rechtlich unbeachtlich. Schliesslich wiegt der Umstand, dass die Behandlungsergebnisse trotz wieder
holter Physiotherapie und langjähriger Schmerzmedikation (Urk. 7/63 S. 3, Urk. 7/83 S. 13) insgesamt nicht wie erhofft ausfielen, in Würdigung der
Ge
samtsituation
nicht derart schwer, dass dies zusammen mit dem inzwischen wohl
chronifizierten
Krankheitsverlauf die Unzumutbarkeit einer Schmerzüber
windung rechtfertigen lässt. Aus rechtlicher Sicht sprechen somit keine hinrei
chenden Gründe dafür, dass die psychischen Ressourcen es dem Beschwerde
führer nicht erlaubten, trotz seiner Schmerzen eine ganztägige Erwerbstätigkeit in einer dem Rückenleiden
angepassten
Tätigkeit auszuüben.
5.5
Sodann erfüllt das MEDAS-Gutachten vom 4. Juni 2012 die weiteren Anforderun
gen an eine beweistaugliche beziehungsweise beweiskräftige medi
zinische Entscheidungsgrundlage: Es beruht auf einer eingehenden internisti
schen, psychiatrischen und rheumatologischen Untersuchung, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, setzt sich mit diesen und dem Verhalten des Beschwer
deführers auseinander
was insbesondere mit Blick auf die festgestellten In
konsistenzen von Bedeutung ist
und leuchtet in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge sowie in Bezug auf die gezogenen Schlussfolgerungen ein.
Demgegenüber scheinen die behandelnden Ärzte in ihren Stellungnahmen den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
wohl auch im Hinblick auf die Behandlungsziele
einen höheren Stellenwert beigemessen zu haben. Dadurch lässt sich die Diskrepanz zwischen den Einschätzungen der MEDAS-Gutachter einerseits und derjenigen des Psychiaters Dr.
B._
und des Hausarztes Dr.
A._
andererseits erklären. Selbst Dr.
C._
scheint in seinem Konsilium vom 6. März 2013 (Urk. 7/100 S. 3) starkes Gewicht auf die Angaben des Be
schwerdeführers hinsichtlich der früher erbrachten Leistungen sowie auf
invaliditätsfremde
soziokulturelle Belastungsfaktoren gelegt zu haben, wes
halb auch seine Schlussfolgerungen die Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens vom 4. Juni 2012 nicht in Frage zu stellen vermögen.
5.6
Soweit der Beschwerdeführer in Anlehnung an Dr.
B._
Stellungnahme vom 11. September 2012 (Urk. 7/92 S. 3) die Durchführung weiterer Abklärun
gen, insbesondere eines Arbeits- und Belastungstrainings, verlangt (Urk. 1 S. 9), ist ihm zu entgegnen, dass sowohl
sein
psychische
r
als auch
sein
physische
r
Gesundheitszustand in den Beurteilungen der MEDAS-Gutachter gebührend berücksichtigt wurden.
Davon abgesehen
erscheint es angesichts der vom Be
schwerdeführer gezeigten Gewöhnung an seine Krankheitsrolle und der diag
nostizierten Schmerzverarbeitungsstörung fraglich, ob ein solches Training
be
ziehungsweise
eine Evaluation der Funktionellen Leistungsfähigkeit
überhaupt
(EFL) zu zuverlässigen Ergebnissen führen
könnten
.
5.7
Die Beschwerdegegnerin hat demzufolge zu Recht auf das MEDAS-Gutachten vom 4. Juni 2012 abgestellt und ist davon ausgegangen, dass dem Beschwer
deführer eine körperlich leichte bis selten mittelschwere Tätigkeit mit der Re
gression der depressiven Störung, spätestens jedoch ab dem Zeitpunkt der Be
gutachtung
,
wieder voll zumutbar ist.
6.
Was die
erwerbliche
Seite angeht,
ging die Beschwerdegegnerin von dem ge
mäss Angaben des letzten Arbeitgebers 2003 erzielten Einkommen
aus
, passte
dieses
der bis ins Jahr 2012 eingetretenen Nominallohnentwicklung an und er
mittelte damit ein
hypothetisches
Valideneinkommen
von Fr. 64‘845.
(Urk. 2 S. 2, Urk. 7/8, Urk. 7/85 S. 1). Das
entsprechende
Invalideneinkommen von Fr. 62‘393.
errechnete sie anhand der statistischen Löhne für Hilfsarbeiten (Urk. 2 S. 2, Urk. 7/85 S. 2)
und gelangte zu einem Invaliditätsgrad von 4
%
. Dieses Vorgehen
ist
nicht zu beanstanden und wurde vom Beschwerdeführer denn auch nicht gerügt. Damit sind die Voraussetzungen für die revisionsweise Aufhebung der bisher ausgerichteten ganzen Rente erfüllt. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.
festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).