Decision ID: 3a66a29a-9ace-5e90-bc50-8d04b6f0972a
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2009 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, seit dem 11. Februar 2009 wegen
eines Burnouts und einer Depression in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt zu sein. Sie
arbeite zu 100 % als Typografin und absolviere gelegentlich Einsätze als Korrektorin
und als journalistische Mitarbeiterin. Dem IK-Auszug (IV-act. 143) war zu entnehmen,
dass die Versicherte im Jahr 2008 ein Einkommen von Fr. 74'994.-- (B._ AG) und ein
Einkommen von Fr. 323.-- (C._ GmbH) erzielt hatte.
A.b Die Klinik D._ hatte bereits am 8. Mai 2009 über einen Rehabilitationsaufenthalt
vom 23. März 2009 bis 24. April 2009 berichtet (IV-act. 18). Als Diagnose hatte der
Klinikarzt eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10:
F43.22) angegeben. Er hatte ausserdem erklärt, dass die Affektlage zum depressiven
Pol verschoben und die Modulation eingeschränkt gewesen sei. Zudem habe eine
Affektlabilität bestanden. Der Behandlungsverlauf sei positiv gewesen, insbesondere
hätten eine deutliche Leistungssteigerung und eine Stabilisierung der Stimmungslage
erreicht werden können. Auch habe die Versicherte ihr Selbstvertrauen
wiedergewonnen.
A.c Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gab gegenüber
RAD-Ärztin Dr. med. F._ im Telefongespräch vom 3. Juli 2009 an (IV-act. 6), dass die
Versicherte an einer Anpassungsstörung mit Angst und Depression leide. Nach
Veränderungen in der Chefetage habe es am Arbeitsplatz Spannungen gegeben und
die Versicherte habe sich dort nicht mehr wohl, gemobbt und abgelehnt gefühlt.
Demnächst sei eine Behandlung in der psychiatrischen Tagesklinik G._ geplant. Im
handschriftlich unterzeichneten Protokoll vom 29. Juli 2009 (IV-act. 22) ergänzte Dr.
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E._, dass die Versicherte Ängste und Panikattacken bekomme und zittere, wenn sie
an die Umstände in der B._ AG denke.
A.d Die B._ AG berichtete am 14. Juli 2009 (IV-act. 19), dass sie die Versicherte seit
dem 1. April 1978 beschäftige. Bis am 11. Februar 2009 sei sie als Typografin tätig
gewesen. Der Lohn habe Fr. 66'300.-- betragen. Die Tätigkeit habe das Arbeiten am
PC (oft) und Besprechungen mit Mitarbeitern (selten) beinhaltet. Die Anforderungen an
die Konzentration/Aufmerksamkeit und an das Durchhaltevermögen seien mittel
gewesen, diejenigen an die Sorgfalt und an das Auffassungsvermögen gross. Die
Versicherte habe wöchentlich zwei Zeitschriften erstellt und diese Arbeit absolut
selbständig und zuverlässig erledigt. Daneben habe sie auch Arbeiten als
Korrekturleserin erledigt.
A.e Dr. med. H._, Oberärztin an der psychiatrischen Tagesklinik G._, berichtete am
1. Dezember 2009 (IV-act. 28), dass die Versicherte ca. seit Beginn des Jahres 2009 an
einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.1) leide. Vom 27. Juli bis 27. November
2009 habe eine teilstationäre Behandlung stattgefunden. Die Oberärztin gab die
folgenden Symptome an: Leichte Affektlabilität, Insuffizienz, Abgrenzungsproblematik,
leichte Grübelneigung, Schwierigkeiten im Umgang mit stressreichen Situationen und
subjektive Konzentrationsproblematik. Aufgrund der deutlichen Zustandsverbesserung
während der Behandlung in der Tagesklinik, den zahlreichen Ressourcen und der
Motivation sowie der langjährigen Arbeitstätigkeit sei grundsätzlich von einer günstigen
Prognose auszugehen. Die Versicherte sei von Februar 2009 bis 27. November 2009 zu
100 % arbeitsunfähig gewesen. Vom 27. November 2009 bis Ende 2009 habe in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Typografin eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Die gesundheitlichen Einschränkungen wirkten sich durch Schwierigkeiten in der
Flexibilität, evtl. in der Zusammenarbeit mit anderen und in der Übernahme von
Verantwortung aufgrund von Unsicherheit und Ambivalenz aus. Auch bestünden
Schwierigkeiten im Umgang mit stressreichen Situationen und Druck. Etwa ab Beginn
des Jahres 2010 könne mit einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit gerechnet werden.
A.f Dr. H._ berichtete am 29. April 2010 (IV-act. 50), dass die Versicherte seit dem 8.
Dezember 2009 in ihrer Behandlung stehe. Als Diagnose gab sie eine rezidivierende
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mittelgradige Depression an. Die Versicherte sei als Typografin seit dem 31. März 2010
zu 100 % arbeitsunfähig. Seit dem 1. Mai 2010 sei sie in einer adaptierten Tätigkeit zu
50 % arbeitsfähig. Eine Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit komme nicht mehr in
Frage. Die Versicherte sei aufgrund von Stresssymptomen bis hin zu einer depressiven
Entwicklung in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Am 18. Juni 2010 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien, da eine Begutachtung notwendig sei (IV-act. 66). Dr. H._ berichtete
am 6. Juli 2010 (IV-act. 72), dass die Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben an
ihrer letzten Arbeitsstelle schlecht entlöhnt worden sei. Aus Angst, die Stelle zu
verlieren, habe sie keinen angemessenen Lohn gefordert. Als alleinerziehende Mutter
habe sie sich unter grossen Druck gesetzt, alles richtig zu machen. Schon in früheren
Jahren habe sie mit depressiven Phasen gekämpft. In der Zwischenzeit sei ihr
gekündigt worden. Ein Arbeitsversuch an einer neuen Stelle im bisherigen Beruf, der
vom 10. bis 14. Mai 2010 stattgefunden habe, habe in einem Fiasko geendet. Die
Versicherte sei völlig ausser Kontrolle geraten, habe sich den Anforderungen nicht
gewachsen gefühlt und mit einem massiven Rückfall in die Depression reagiert. Aktuell
sei sie wieder in der psychiatrischen Tagesklinik G._ angemeldet. Seit dem 21. Juni
2010 bestehe auch für adaptierte Tätigkeiten wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit. Die
Versicherte sei nicht mehr belastbar und leide unter panikartigen Reaktionen,
Unsicherheiten und Schlafstörungen. Ob eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50 %
möglich sei, sei in ca. sechs Monaten zu beurteilen.
A.g Am 26. Oktober 2010 wurde die Versicherte vom ABI (Ärztliches
Begutachtungsinstitut GmbH) bidisziplinär (psychiatrisch, allgemein-internistisch)
begutachtet (Gutachten vom 15. Dezember 2010, IV-act. 76). Die Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.0);
• selbstunsichere Persönlichkeit (F60.6).
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden keine angegeben. Die
Versicherte erklärte anlässlich der Begutachtung, dass sie seit dem 6. September 2010
wieder in der psychiatrischen Tagesklinik G._ in Behandlung sei. Nach dem
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gescheiterten Arbeitsversuch im Mai 2010 sei es ihr sehr schlecht gegangen. Sie könne
nicht mehr richtig funktionieren. Sie habe immer gearbeitet, ein Kind alleine erzogen
und nie für sich geschaut. Dann sei sie in eine Depression gefallen. Sie sei erschöpft.
Körperliche Beschwerden habe sie eigentlich keine. Seit dem Aufenthalt in der Klinik
D._ im Frühjahr 2009 gehe sie fast täglich ins Fitnesszentrum. Ihren Tagesablauf
schilderte die Versicherte wie folgt: Sie wache zwischen 5.30 Uhr und 6 Uhr auf. Um 7
Uhr frühstücke sie. Danach gehe sie von 9 Uhr bis 15:45 in die Tagesklinik.
Anschliessend besuche sie das Fitnesszentrum. Um ca. 18.30 Uhr koche sie sich ein
Abendessen. Zwischen 21 und 22 Uhr lege sie sich schlafen. Nachdem sie zuerst
keinen Kontakt zu anderen Leuten mehr gehabt habe, suche sie nun wieder den
Kontakt zu anderen Menschen. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. I._ hielt fest,
dass sich die Versicherte die bisherige Tätigkeit als Typografin nicht mehr zutraue. Die
technische Entwicklung in den letzten Jahren sei rasant gewesen. Die Versicherte habe
diesen Veränderungen kaum mehr folgen können und jetzt, da sie Mühe habe, sich zu
konzentrieren, sei sie nicht mehr in der Lage, diese technisch anspruchsvolle Aufgabe
zu meistern. Sie sei enttäuscht vom ehemaligen Arbeitgeber und befürchte, an einem
neuen Arbeitsplatz wieder Enttäuschungen zu erfahren. Die Versicherte sei nach wie
vor leicht depressiv. Sie sei psychisch vermindert belastbar, traue sich wenig zu,
mache sich Selbstvorwürfe und habe ein vermindertes Selbstwertgefühl. Eine
mittelgradige oder schwere depressive Störung liege nicht vor. Die Versicherte leide
nicht unter Suizidgedanken, sei in der Lage, den Haushalt zu führen, besuche
regelmässig die psychiatrische Tagesklinik und betreibe seit einem Jahr intensiv ein
Fitnessprogramm. Aufgrund der mangelnden Zuneigung und Unterstützung in der
Kindheit sei das Selbstwertgefühl mangelhaft entwickelt. Die Versicherte traue sich
nichts zu, könne sich nicht wehren und habe Angst, falls sie sich wehren würde,
abgelehnt zu werden. So habe sie sich während Jahren aus Angst, entlassen zu
werden, nicht getraut, mehr Lohn zu verlangen. Dies dürfte mit ein Grund dafür sein,
dass sie sich die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit kaum mehr vorstellen könne; sie
befürchte, aufgrund ihrer Schwierigkeit, sich wehren zu können, wieder in eine
Überforderungssituation hineinzugeraten. Aufgrund der leicht eingeschränkten
Konzentrationsfähigkeit sei die Versicherte kaum in der Lage, sich auf die
anspruchsvolle Arbeit am Computer zu konzentrieren. Sie habe in den letzten Jahren
auch zunehmend Mühe gehabt, mit den andauernden Änderungen in ihrem Beruf
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mitzuhalten. In der angestammten Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 %. In einer adaptierten Tätigkeit, die keine derart hohen
Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit und die psychische Belastbarkeit stelle,
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Die Arbeitsfähigkeit sei seit Februar 2009
herabgesetzt. Da die Gutachter in somatischer Hinsicht keine gesundheitlichen
Einschränkungen festgestellt hatten, entsprach die Arbeitsfähigkeitsschätzung aus
psychiatrischer Sicht derjenigen aus interdisziplinärer Sicht. RAD-Ärztin Dr. J._
notierte am 28. Februar 2011 (IV-act. 78), dass auf das ABI-Gutachten abgestellt
werden könne; es sei umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich
widerspruchsfrei.
A.h Am 19. September 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Kosten
für den Basis-Kurs "Erfolgreich selbständig werden" vom 9. bis 30. September 2011 im
Hinblick auf die Ausübung einer angepassten Erwerbstätigkeit übernommen würden
(IV-act. 93). Am selben Tag teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass ihr Beratung
und Unterstützung bei der Stellensuche durch die Eingliederungsverantwortliche
gewährt werde (IV-act. 94). Am 25. Oktober 2011 informierte die Versicherte die IV-
Stelle darüber, dass sie seit dem 1. September 2011 zu 40 % als Korrektorin arbeite
(IV-act. 100). Am 31. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die
Kosten für die Fortsetzung des Kurses "Erfolgreich selbständig werden" vom 10.
November bis 31. Dezember 2011 übernehme (IV-act. 99). RAD-Ärztin Dr. J._ erklärte
anlässlich einer Fallbesprechung vom 15. Dezember 2011, dass die Tätigkeit als
Lektorin aus medizinischer Sicht nicht als optimal adaptiert gelte, da die Versicherte
zwei Tage hintereinander arbeiten müsse, d.h. das Pensum nicht anders aufgeteilt
werden könne (IV-act. 104).
A.i Dr. H._ berichtete am 28. Februar 2012, dass die Tätigkeit als Korrektorin sehr
anspruchsvoll sei (IV-act. 109). Der Arbeitgeber sei zufrieden mit den Leistungen der
Versicherten. Allerdings zeichne sich klar ab, dass eine wesentliche Aufstockung des
Pensums über 50 % unrealistisch sei.
A.j Am 23. März 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Kosten für
einen persönlichen Support am Arbeitsplatz vom 8. Februar bis 31. Dezember 2012
übernehme (IV-act. 113). Am 3. Mai 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
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sie die Kosten für den Französisch-Grundkurs für Wiedereinsteiger im Hinblick auf die
Ausübung einer angepassten Erwerbstätigkeit übernehme (IV-act. 121).
A.k Am 19. Juli 2012 informierte die Versicherte die Eingliederungsverantwortliche
telefonisch darüber, dass sie vom Arbeitgeber das Angebot erhalten habe, ab dem 1.
August 2012 zu 60 % als Revisorin zu arbeiten. Ihre Hauptaufgabe seien dann die
Revisionen und weniger das Korrektorat (IV-act. 136-8). Die
Eingliederungsverantwortliche notierte am 26. April 2013 (IV-act. 136), die Versicherte
sei nachhaltig eingegliedert. Während des gesamten Eingliederungsprozesses hätten
die Versicherte existentielle Ängste belastet. Zwischenzeitlich arbeite sie fünf bis sechs
Stunden an vier Tagen pro Woche und befinde sich damit an der Grenze ihrer
Belastbarkeit. Kurzfristig habe sie einmal 80 % gearbeitet, womit sie sich völlig
überfordert gefühlt habe. Sie habe diese Situation nur durchgestanden, weil sie von
kurzer Dauer gewesen sei. Es habe sich gezeigt, dass die Versicherte schnell mit
somatischen Symptomen reagiere, wenn sie nicht mehr "über den Berg hinaussehe".
RAD-Ärztin Dr. J._ notierte am 17. Mai 2013 (IV-act. 138), dass die ab dem 1.
September 2011 ausgeübte Tätigkeit als Lektorin nur einer teiladaptierten Tätigkeit
entsprochen habe. Dennoch sei die Versicherte dabei unterstützt worden, diese
Arbeitsstelle nicht zu verlieren, da bei einem Stellenverlust auch aufgrund des Alters
der Versicherten mit einer erneuten völligen psychischen Dekompensation hätte
gerechnet werden müssen. Ab dem 1. August 2012 habe die Versicherte ihre Tätigkeit
firmenintern anpassen können. Während einer vorübergehenden Steigerung auf 80 %
habe sich gezeigt, dass auch in dieser nun gut adaptierten Tätigkeit trotz adäquater
ärztlicher Begleitung keine nachhaltige Steigerung möglich sei. Die Versicherte sei in
ihrer angestammten Tätigkeit als Typografin zu 100 % arbeitsunfähig. In der
derzeitigen, adaptierten Tätigkeit als Revisorin sei sie zu 50 % arbeitsfähig.
A.l Am 21. Juni 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die beruflichen
Massnahmen abgeschlossen würden, da sie angemessen eingegliedert sei (IV-act.
140).
A.m Dr. H._ berichtete am 17. Juli 2013 über einen stationären Gesundheitszustand
(IV-act. 144). Die Diagnose habe sich nicht verändert. Die Versicherte arbeite nun seit
fast zwei Jahren als Korrektorin mit einem 50 %-Pensum. Die Anforderungen seien
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recht hoch, die Tätigkeit erfordere volle Konzentration und Ausdauer. Die Versicherte
müsse wegen Ferienvertretungen etc. auch Überstunden leisten. Es habe sich deutlich
gezeigt, dass die Versicherte am Limit sei. Während den Arbeitstagen gehe sie um 21
Uhr schlafen; sie könne für anderes keine Kräfte mehr mobilisieren. Die Erschöpfbarkeit
sei überdurchschnittlich. Sobald etwas Aussergewöhnliches anstehe, gerate die
Versicherte in Stress und werde nervös. Oft träten in solchen Momenten Panikattacken
auf. Da die Versicherte ihren Beruf aber gerne und gut ausführe, wäre ein Wechsel in
eine andere Tätigkeit sinnlos.
A.n RAD-Ärztin Dr. J._ notierte am 14. Oktober 2013 (IV-act. 150), dass die
derzeitigen Funktionseinschränkungen deutlich höher seien als zum Zeitpunkt der
Begutachtung. Aktuell habe die behandelnde Psychiaterin eine anhaltende,
überdurchschnittliche Erschöpfbarkeit mit rascher Dekompensation beschrieben,
sobald z.B. Überstunden zu bewältigen seien. Demgegenüber sei im Gutachten von
täglichem Kochen und problemloser Bewältigung des Haushalts und täglichen
Besuchen des Fitnessstudios berichtet worden; auch seien damals somatische
Probleme und Schlafstörungen verneint worden. Die derzeitige Tätigkeit als Revisorin
(eingeschränkter Aufgabenbereich, wenig und v.a. keine technisch hoch
anspruchsvolle PC-Arbeit) müsse auch wegen zunehmender Betriebsroutine als eine
weitgehend angepasste Tätigkeit eingeschätzt werden (Arbeit in Papierform, genügend
Zeit). Die Einschätzung der behandelnden Psychiaterin, dass die Versicherte in der
jetzigen Tätigkeit bleibend zu 50 % arbeitsunfähig sei, sei nachvollziehbar. Die RAD-
Ärztin erklärte, dass es sich bei einer adaptierten Tätigkeit um eine klar strukturierte
Tätigkeit in einem wohlwollenden Umfeld, in ruhiger Atmosphäre, ohne Zeitdruck, ohne
hohe Anforderungen an die "rasche" Konzentrationsfähigkeit, ohne Hektik und ohne
hohe psychische Belastung handle. Die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als Polygrafin sei deutlich höher als in der adaptierten Tätigkeit als Revisorin.
Der letzte Erfahrungswert vom Arbeitsversuch im Jahr 2010 habe eine rasche
Überforderung gezeigt, weshalb weiterhin von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit im
angestammten Beruf auszugehen sei.
A.o Ein IV-Sachbearbeiter notierte am 18. Oktober 2013 (IV-act. 152), die Versicherte
habe während der Durchführung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen mehrmals
erklärt, der Auslöser der aktuellen depressiven Störung seien Konflikte am Arbeitsplatz
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gewesen. Aus den bei den Akten liegenden Korrespondenzen gehe hervor, dass bei
der Versicherten die finanziellen Schwierigkeiten im Vordergrund stünden. Ausserdem
habe sie sich über den langen Arbeitsweg beklagt. Die beschriebenen Symptome der
Erschöpfbarkeit könnten nicht eindeutig einer depressiven Erkrankung zugeschrieben
werden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die erwähnten psychosozialen
Belastungsfaktoren mitunter der Grund für die beschriebene Symptomatik seien. Daher
sei davon auszugehen, dass die Versicherte beim Wegfall der Belastungsfaktoren in
jeglicher Tätigkeit voll arbeitsfähig wäre. Der Rechtsdienstmitarbeiter bezeichnete diese
Beurteilung als schlüssig. Mit Vorbescheid vom 5. November 2013 (IV-act. 155)
kündigte die IV-Stelle der Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des
Rentengesuchs an. Zur Begründung führte sie aus, dass psychosoziale
Belastungsfaktoren keine Invalidität zu begründen vermöchten. Daher bestehe in
sämtlichen Tätigkeiten eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit. Dagegen liess die Versicherte
am 3. Dezember 2013 einwenden (IV-act. 159), es sei nicht nachvollziehbar, dass
aufgrund der Einschätzung eines Sachbearbeiters die von verschiedenen Ärzten
gestellte Diagnose einer Depression in Frage gestellt werde. Der Sachbearbeiter habe
Ursache und Wirkung verwechselt und verdreht. Ursache der verminderten
Arbeitsfähigkeit sei die durchschnittlich mittelgradige Depression. Da ein höheres
Arbeitspensum (als 50-60 %) nicht möglich sei, reiche das Erwerbseinkommen kaum
aus, um den Lebensbedarf zu decken. Deshalb plagten die Versicherte Existenzängste.
In einem beigelegten Bericht vom 4. Dezember 2013 erklärte Dr. H._, dass die
Versicherte das Arbeitspensum von 50-60 % nur unter grossem Kraft- und
Energieaufwand zu bestreiten vermöge. Der finanzielle Engpass sei eine Ursache der
Ängste und verstärke den Druck. Zum Zeitpunkt der Begutachtung durch das ABI habe
die Versicherte nicht gearbeitet. Mit den Erfahrungen, die in den letzten drei Jahren
gemacht worden seien, müsse davon ausgegangen werden, dass zwischenzeitlich eine
bleibende Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eingetreten sei.
A.p Mit Verfügung vom 9. Januar 2014 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem
IV-Grad von 0 % aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 160). Zu
den Einwänden hielt sie unter anderem fest, dass sich dem Bericht von Dr. H._ vom
4. Dezember 2013 keine neuen Erkenntnisse entnehmen liessen, die zu einer anderen
medizinischen Beurteilung führen könnten.
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B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 7. Februar 2014 Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der
Verfügung und die Zusprache einer halben IV-Rente. Zur Begründung machte sie
geltend, obwohl der RAD die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ als
nachvollziehbar erachtet habe, habe die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
einen Rentenanspruch mit der Begründung verneint, dass psychosoziale
Belastungsfaktoren die Erkrankung ausgelöst hätten. Diese Argumentation sei nicht
nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin bat um die Einräumung einer Frist zur
Beschwerdeergänzung und stellte ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Innert
Frist reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 26. Februar 2014 eine
Beschwerdeergänzung ein (act. G 5). Er beantragte die Aufhebung der Verfügung und
die Zusprache einer IV-Rente. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der Rechtsvertreter stellte
ausserdem ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung. Zur Begründung
brachte er vor, die Beschwerdegegnerin habe übersehen, dass die medizinischen
Akten nicht vom Vorliegen psychosozialer Einschränkungen ausgingen. Weder das
ABI-Gutachten noch der RAD hätten je auf solche Einschränkungen verwiesen. Es
verstehe sich von selbst, dass eine invalidisierende Krankheit finanzielle Ängste und
Zukunftsängste nach sich ziehe und mit der Ungewissheit eine zusätzliche Belastung
bestehe. Deshalb könne eine diagnostizierte gesundheitliche Einschränkung jedoch
nicht einfach ignoriert werden. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem
medizinischen Sachverhalt habe nicht stattgefunden. Der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin die Grenze zur Überforderung erreicht habe, als sie
zwischenzeitlich zu 80 % gearbeitet habe, sei von der Beschwerdegegnerin
verschwiegen worden. Diese Tatsache stelle aber gerade die für die gesundheitlichen
Einschränkungen angeblich alleine verantwortlichen psychosozialen Faktoren in Frage,
da ein höheres Arbeitspensum einen höheren Verdienst bedeute und damit weniger
Ängste auslösen müsste. Die gesundheitliche Situation hätte sich folglich verbessern
müssen. Die Begründung der Beschwerdeführerin widerspreche folglich jeglicher
Logik.
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B.b Am 7. April 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung brachte sie vor, dass das ABI-Gutachten
ausführlich abgefasst worden sei und es keine Hinweise gebe, dass die
Beschwerdeführerin nicht kompetent untersucht worden sei. Die vom ABI festgestellte
leichte depressive Störung sei nicht invalidisierend, weil gemäss der Rechtsprechung
des Bundesgerichts eine solche Diagnose nicht den Schweregrad einer die
Arbeitsfähigkeit tangierenden psychischen Erkrankung aufweise. Das Gleiche gelte für
die vom ABI diagnostizierte selbstunsichere Persönlichkeit. Demnach sei von einer
vollen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen. Insofern könne vom ABI-
Gutachten abgewichen werden, ohne dass diesem deshalb im restlichen Teil der
Beweiswert abgesprochen werden müsse. Die angefochtene Verfügung sei somit
rechtmässig.
B.c Am 15. April 2014 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung durch Advokat lic. iur. M. Boltshauser) für das
Beschwerdeverfahren (act. G 10).
B.d In seiner Replik vom 21. Mai 2014 machte der Rechtsvertreter ergänzend geltend
(act. G 12), dass die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort eine komplett
neue Begründung der Verfügung vorgebracht habe. Auf die Vorbringen in der
Beschwerdeschrift sei sie mit keinem Wort eingegangen. Die Argumentation der
Beschwerdegegnerin sei ausserdem widersprüchlich: Zuerst habe sie ausgeführt, die
Gutachterstelle klammere Leiden ohne Krankheitswert bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung konsequent aus. Danach habe sie erklärt, vom Gutachten
könne abgewichen werden, weil die Diagnosen nicht invalidisierend seien, d.h. sie habe
den Krankheitswert der gesundheitlichen Einschränkungen in Frage gestellt. Im
Übrigen stamme das Gutachten aus dem Jahr 2010. RAD-Ärztin Dr. J._ habe im
Oktober 2013 festgehalten, dass sich der Gesundheitszustand seit der Begutachtung
auf einem schlechteren Niveau stabilisiert habe und seit Februar 2009 eine 50 %ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 13 f.).

Erwägungen
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1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 9. Januar 2014 hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint. Zu
prüfen ist nachfolgend, ob diese Rentenabweisung zu Recht erfolgt ist.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.
2.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde-
führerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen.
2.2 Der psychiatrische Gutachter Dr. I._ hat die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Typografin wegen einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode, und wegen einer
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selbstunsicheren Persönlichkeit auf 50 % und in einer adaptierten Tätigkeit auf 20 %
geschätzt. Den Beginn der Arbeitsunfähigkeit hat er auf den Februar 2009 gelegt. Dr.
I._ hat die Beschwerdeführerin im Oktober 2010 untersucht. Seine rückwirkende
Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugt aus den folgenden Gründen nicht: Die
Beschwerdeführerin hat im Mai 2010 einen Arbeitsversuch gestartet, diesen jedoch
nach wenigen Tagen abgebrochen. Gemäss der behandelnden Psychiaterin Dr. H._
hat die Beschwerdeführerin auf den missglückten Arbeitsversuch mit einem massiven
Rückfall in die Depression reagiert. Dr. H._ hat die Arbeitsfähigkeit deshalb auch für
adaptierte Tätigkeiten ab dem 21. Juni 2010 auf 0 % geschätzt. Der psychiatrische
Gutachter Dr. I._ hat sich mit dieser im Mai 2010 eingetretenen möglichen
Verschlechterung nicht auseinandergesetzt. Die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung weist aber auch für den Begutachtungszeitpunkt Mängel
auf. Zu diesem Zeitpunkt hat die im September 2010 begonnene tagesklinische
Behandlung nämlich noch angedauert. Obwohl kein Bericht über diese tagesklinische
Behandlung bei den Akten gelegen hat, hat es Dr. I._ unterlassen, einen solchen
anzufordern oder sich zumindest telefonisch bei den Klinikärzten nach dem
Behandlungsverlauf zu erkundigen. Der tagesklinische Aufenthalt hätte in der
gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung wenigstens insoweit berücksichtigt werden
müssen, als für die Aufenthaltsdauer wohl von einer vollen Arbeitsunfähigkeit
angestammt und adaptiert hätte ausgegangen werden müssen. Ein weiterer Mangel
des Gutachtens besteht darin, dass sich Dr. I._ nicht mit der abweichenden
Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Psychiaterin Dr.
H._ auseinandergesetzt hat. Und schliesslich überzeugt das Gutachten für die Zeit
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung nicht, weil es zu diesem Zeitpunkt bereits
mehr als drei Jahre alt und damit veraltet gewesen ist. Auf das psychiatrische
Teilgutachten des ABI kann somit nicht abgestellt werden.
2.3 Auch die Beurteilung der behandelnden Psychiaterin Dr. H._ überzeugt nicht.
Ihre Berichte enthalten nämlich keine Angaben zu den objektivierbaren
psychopathologischen Befunden, weshalb ihre Diagnose einer mittelgradigen
Depression nicht ausreichend begründet ist. Kommt hinzu, dass sie durchgehend von
einem mittelschweren Grad der Depression ausgegangen ist, während der
psychiatrische Gutachter Dr. I._ im Oktober 2010 lediglich eine leichte depressive
Symptomatik hat feststellen können. Des Weiteren ist gemäss der bundesgerichtlichen
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Rechtsprechung der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte und
behandelnde Spezialärzte mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung
im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Namentlich in umstrittenen Fällen
kann nicht ohne weiteres auf die Angaben eines behandelnden Haus- oder
Spezialarztes abgestellt werden (EVGE I 814/03 vom 5. April 2004, E. 2.4.2).
Ausserdem berücksichtigen die behandelnden Ärzte bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung
oftmals auch rein subjektive, medizinisch nicht objektivierbare Beeinträchtigungen. Und
schliesslich verfügen die behandelnden Ärzte in der Regel nicht über die umfassenden
Vorakten, die notwendig sind, um den Gesundheitszustand umfassend beurteilen zu
können.
2.4 Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von RAD-Ärztin Dr. J._ überzeugt schon deshalb
nicht, weil sie, nachdem sie das Gutachten vom 15. Dezember 2010 am 28. Februar
2011 noch als umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei
bezeichnet hatte, im Nachhinein ab Februar 2009 durchwegs von einer 100 %igen
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und von einer 50 %igen
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen ist, gleichzeitig jedoch
angegeben hat, dass die Funktionseinschränkungen seit der gutachterlichen
Untersuchung deutlich stärker geworden seien (siehe Stellungnahme vom 14. Oktober
2013, IV-act. 150). Da also keine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung im Recht
liegt, ist eine weitere psychiatrische Begutachtung notwendig. Diese psychiatrische
Begutachtung wird den zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit rückwirkend ab Februar
2010 (frühestmöglicher Zeitpunkt des Rentenbeginns) aufzeigen müssen. Hierzu wird
es notwendig sein, einen Bericht über den tagesklinischen Aufenthalt von September
2010 bis Dezember 2010 anzufordern. Natürlich wird auch zu klären sein, ob sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, wie Dr. J._ im Oktober 2013 erklärt
hat, seit der Begutachtung durch das ABI im Oktober 2010 tatsächlich andauernd
verschlechtert hat.
2.5 Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass die Argumentation der
Beschwerdegegnerin, wonach sich die depressive Störung aus einer psychosozialen
Belastungssituation heraus entwickelt habe und seither durch psychosoziale
Belastungsfaktoren unterhalten werde und deshalb nicht invalidisierend sei, fehl geht.
Denn die Invalidenversicherung ist eine finale Versicherung, d.h. es wird nicht nach der
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Art und Genese eines Gesundheitsschadens gefragt, welcher die Erwerbsunfähigkeit
verursacht. Der Gesundheitszustand ist immer gesamtheitlich zu betrachten. Selbst
eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage (auch) durch eine
soziokulturelle Überforderung verursacht worden ist, fällt in den Geltungsbereich der
Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein verselbständigtes
psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit nicht allein mit
dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer
Belastungsfaktoren verneint werden (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2014,
8C_830/2013 E. 5.2.3; Urteil vom 30. November 2015, 8C_486/2015 E. 4.1.2; BGE 136
V 279 E. 3.2.1). Der psychiatrischer Gutachter Dr. I._ hat, wie die behandelnde
Psychiaterin Dr. H._ und die RAD-Ärztin Dr. J._, die depressive Störung als
eigenständige Erkrankung beurteilt. Den Akten sind auch keine Hinweise auf das
Vorliegen erheblicher psychosozialer Belastungsfaktoren zu entnehmen. Folglich muss
davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin an einer eigenständigen
depressiven Erkrankung leidet. Der Auslöser der depressiven Störung spielt also keine
Rolle.
3.
Die Beschwerdeführerin hat ab September 2011 zu 40 % als Korrektorin und ab
August 2012 zu 60 % als Revisorin gearbeitet. Die behandelnde Psychiaterin Dr. H._
hat im Juli 2013 berichtet (vgl. IV-act. 144), dass die beruflichen Anforderungen recht
hoch seien; die Tätigkeit als Korrektorin erfordere volle Konzentration und Ausdauer. Es
habe sich deutlich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin am Limit sei. Da sie diesen
Beruf jedoch gerne und gut ausführe, wäre ein Wechsel in eine andere Tätigkeit
sinnlos. RAD-Ärztin Dr. J._ hat im Oktober 2013 erklärt (vgl. IV-act. 150), dass die
derzeitige Tätigkeit als Revisorin auch wegen zunehmender Betriebsroutine als eine
weitgehend angepasste Tätigkeit eingeschätzt werden müsse (eingeschränkter
Aufgabenbereich, wenig und v.a. keine technisch hoch anspruchsvolle PC-Arbeit,
Arbeit in Papierform, genügend Zeit). Sie hat zudem angegeben, dass es sich bei einer
adaptierten Tätigkeit um eine klar strukturierte Tätigkeit in einem wohlwollenden
Umfeld, in ruhiger Atmosphäre, ohne Zeitdruck, ohne hohe Anforderungen an die
Konzentrationsfähigkeit, ohne Hektik und ohne hohe psychische Belastung handle.
Bereits der psychiatrische Gutachter Dr. I._ hat ausgeführt, dass eine adaptierte
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Tätigkeit keine hohen Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit und an die
psychische Belastung stellen dürfe. Korrektoren sind in Firmen der Medienvorstufe,
Druckereien, Redaktionen, Verlagen und Korrekturbüros für Manuskriptbereinigungen,
Korrekturarbeiten und Textrevisionen zuständig. Sie sorgen dafür, dass gedruckte oder
online publizierte Texte fehlerfrei sind. Sie sind nicht nur für die sprachliche Richtigkeit
eines Textes verantwortlich, sondern übernehmen auch die Verantwortung für das
Erscheinungsbild der Medienprodukte. Korrektoren müssen über eine hohe
Konzentrationsfähigkeit verfügen. Je nach Tätigkeitsbereich unterscheiden sich die
Arbeitsbedingungen von Korrektoren leicht: Bei Zeitungen ist der Zeitdruck fast
allgegenwärtig. Eine gewisse Fehlerquote wird in Kauf genommen, und die Korrektoren
müssen einen Mittelweg zwischen Schnelligkeit und Gründlichkeit finden. Die
bereinigten Texte geben die Korrektoren weiter ans Layout, wo sie, je nach Medium
kombiniert mit Bildern, zur fertigen Seite zusammengestellt werden. Bei Drucksachen
erhält die Korrekturabteilung einen letzten Abzug zur Kontrolle, den sogenannten
Revisionsbogen. Darauf prüfen Korrektoren (resp. nun auch Revisoren genannt) nicht
nur die ausgeführten Korrekturen, sondern auch technische Kriterien wie die
Seitenreihenfolge oder die Positionierung von Abbildungen. Wenn alles stimmt, geben
sie das "Gut zum Druck" (berufsberatung.ch, Korrektor/in (BP), www.orientation.ch/
dyn/show/1900?lang=de&id= 3770#, besucht am 11. Juli 2016). Eine Korrektorin muss
somit über eine sehr hohe Konzentrationsfähigkeit verfügen und mit dem zeitlichen
Druck und mit der Verantwortung für ein fehlerfreies Druckerzeugnis umgehen können.
Das Gleiche gilt für die Tätigkeit als Revisorin, wobei hier die Verantwortung noch
einmal grösser ist, da es sich um die letzte Kontrolle handelt und auch technische
Kriterien kontrolliert werden müssen. Folglich bestehen ernsthafte Zweifel daran, dass
es sich bei den Tätigkeiten als Korrektorin und Revisorin um dem psychischen Leiden
der Beschwerdeführerin optimal angepasste Tätigkeiten handelt. Die
Beschwerdegegnerin wird daher durch ihre Berufsberatung einen individuellen
Tätigkeitsbeschrieb für die genannten beiden Berufe erstellen und diesen dem
psychiatrischen Sachverständigen zur Verfügung stellen.
4.
4.1 Somit bleibt der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich zu überprüfen. Als Validenkarriere ist die angestammte und
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während über 30 Jahren ausgeübte Tätigkeit als Typografin zu betrachten. Der Lohn
der Beschwerdeführerin hat im Jahr 2008 nach Angabe der Arbeitgeberin Fr. 66'300.--
betragen. Gemäss dem IK-Auszug hat die Beschwerdeführerin aber Fr. 74'994.--
verdient. Aus den eingereichten Lohnauszügen geht hervor, dass die
Beschwerdeführerin im Jahr 2008 neben dem festen Lohnanteil eine Schichtzulage,
eine Überzeitentschädigung und ein Dienstaltersgeschenk erhalten hat. Allerdings kann
für die Berechnung des Valideneinkommens ohnehin nicht auf den tatsächlich erzielten
Lohn abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin hat nämlich überzeugend dargelegt,
dass sie für die von ihr erledigte Arbeit einen zu tiefen Lohn erhalten habe. Aus Angst,
entlassen zu werden, habe sie sich während Jahren nicht getraut, mehr Lohn zu
verlangen. Die Beschwerdeführerin wird somit abklären müssen, wie viel eine
Typografin mit der Berufserfahrung der Beschwerdeführerin in einem 100 %-Pensum
im Jahr 2010 (frühestmöglicher Zeitpunkt des Rentenbeginns) im Durchschnitt hätte
verdienen können.
4.2 Die Beschwerdeführerin ist zwischenzeitlich über 60 Jahre alt, weshalb eine
Umschulung nicht mehr in Frage kommt. Sollten die weiteren Abklärungen trotz aller
Zweifel ergeben, dass es sich bei der Tätigkeit als Korrektorin/Revisorin um eine
optimal adaptierte Tätigkeit handelt, würde diese Tätigkeit der Invalidenkarriere
entsprechen. Falls dies nicht der Fall ist, wird die Beschwerdegegnerin abklären
müssen, ob es eine medizinisch adaptierte Tätigkeit gibt, in der die Beschwerdeführerin
ihre berufliche Qualifikation und Erfahrung wenigstens teilweise einbringen könnte.
Falls keine solche Arbeitsstelle existiert, wird die Beschwerdegegnerin das
Invalideneinkommen anhand des durchschnittlichen Einkommens einer Hilfsarbeiterin
berechnen müssen.
4.3 Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung wegen der
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben. Die
Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen, namentlich zur
monodisziplinären psychiatrischen Begutachtung und zur Ermittlung des Validen- und
Invalideneinkommens, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
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5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V
215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote
eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin
somit mit Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.