Decision ID: 3991aab7-00a3-45f8-9cca-ab868ae990e9
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._ Pensionskasse,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
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B._,
Beigeladene,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Thürlemann, advokatur am brühl,
Scheffelstrasse 2, 9000 St. Gallen,
betreffend
Rente (i.S. B._; 756.1043.7970.41)
Sachverhalt:
A.
B._ meldete sich am 8. September 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen holte in der
Folge beim Dr.med. C._, Oberarzt, Ambulatorium der Psychiatrischen Klinik D._,
Arztberichte vom 28. Juli 2008 (IV-act. 7/3-5) und vom 29. Januar 2009 (IV-act. 23)
sowie eine mündliche Auskunft vom 3. Oktober 2008 (IV-act. 17), bei Dr.med. E._,
Oberarzt, Psychiatrische Klinik D._, einen Arztbericht vom 6. Januar 2009 (IV-act. 18)
und bei Dr.med. F._, Spezialarzt für Innere Medizin, einen Arztbericht vom 14. Januar
2009 (IV-act. 19) ein. Die behandelnden Ärzte führten die Diagnose einer schweren
depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10. F32.2) an. Sodann
veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung der Verhältnisse an Ort und Stelle, die am
30. Juni 2009 durchgeführt wurde (IV-act. 25). Im Abklärungsbericht Haushalt vom
20. Juli 2009 wurde die Versicherte zu 65% im Erwerb und zu 35% im Haushalt tätig
eingestuft. Bei einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit im Erwerb und einer
Einschränkung von 52% im Bereich Haushalt ergebe sich ein Behinderungsgrad von
83% (IV-act. 28/7). Der RAD-Arzt Dr. G._ hielt in einer Stellungnahme vom 4. Februar
2010 fest, die Versicherte bedürfe ständiger Betreuung im Alltag, um ihre Aufgaben im
Haushalt und gegenüber den Kindern zu erfüllen. Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft
sei seit 14. Mai 2008 nicht mehr vorstellbar (IV-act. 29/1).
B.
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Mit Vorbescheid vom 11. Februar 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 83% sei die Zusprache einer ganzen Rente
der Invalidenversicherung ab 1. Mai 2009 vorgesehen (IV-act. 33). Dagegen erhob die
A._ Pensionskasse am 9. März 2010 Einwand. Sie beanstandete, der
Abklärungsbericht Haushalt sei überbewertet worden. Die medizinischen Berichte seien
dürftig und nicht aktuell. Die psychosozialen Faktoren seien nicht genügend
abgegrenzt worden. Die Versicherte müsse in die Pflicht zur Schadenminderung
genommen werden. Es sei ein aktuelles psychiatrisches Gutachten zu veranlassen (IV-
act. 36). Nachdem der RAD-Arzt Dr. G._ am 24. März 2010 (IV-act. 37) und am
28. Mai 2010 (IV-act. 42) erneut Stellung genommen, Dr. C._ am 31. März 2010 einen
Verlaufsbericht erstattet (IV-act. 38) und die Pensionskasse ein Gutachten ihres
Vertrauensarztes Dr. med. H._ vom 16. April 2010, Spezialarzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, eingereicht (IV-act. 41/1-12) hatten, verfügte die IV-Stelle am
15. Juli 2010 entsprechend dem Vorbescheid (IV-act. 40 und 43). Als diese Verfügung
bereits ergangen war, erstellte Dr.med. I._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein
Gutachten zuhanden der A._ Pensionskasse vom 6. September 2010 (IV-
act. 47/1-10).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 15. Juli 2010 richtet sich die vorliegende Beschwerde
der A._ Pensionskasse vom 14. September 2010. Die Beschwerdeführerin beantragt
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und eine neue Festsetzung des
Invaliditätsgrads. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, die angefochtene
Verfügung beruhe auf Arztberichten, die beweisrechtlich keine zuverlässige Beurteilung
des Leistungsanspruchs gestatten würden. Da die Untersuchungsmaxime verletzt
worden sei, habe sie selbst die versäumte psychiatrische Begutachtung nachholen
müssen. Aufgrund der neu gewonnenen Einsichten bestünden erhebliche Zweifel an
der Arbeitsunfähigkeit der Versicherten. Das anlässlich der Begutachtung durch Dr.
H._ festgestellte renitente Verhalten zeige zudem, dass sie nicht unter Depression
leide. Dass sie ihre Restarbeitsfähigkeit nicht ausnütze, liege an ungünstigen
krankheitsfremden Faktoren, die bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung auszublenden
seien. Sie sei andererseits ihrer Pflicht zur Selbsteingliederung nicht in ausreichendem
Mass nachgekommen. Die Beschwerdegegnerin habe folglich mit der Zusprache der
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Rente verschiedene Rechtsverletzungen begangen und den Sachverhalt unrichtig
festgestellt (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 24. November 2010 schliesst sich die
Beschwerdegegnerin der Auffassung der Beschwerdeführerin an und beantragt die
Gutheissung der Beschwerde. Eventuell sei ein weiteres psychiatrisches Gutachten
anzuordnen. Die rbeitsfähigkeitsschätzung basiere auf der Diagnosestellung einer
schweren depressiven Episode durch die behandelnden Psychiater. Zwei unabhängige
Gutachter seien jedoch zum Schluss gekommen, dass keine schwere Depression
vorliegen könne. Dr. I._ stelle - unter Hinweis auf die Auswirkung von ungünstigen
krankheitsfremden Faktoren - die Diagnose einer leichten bis mittelgradigen
depressiven Episode. Eine solche Diagnose vermöge keine Invalidität im Rechtssinne
zu begründen. Dass die Versicherte auch bei zumutbarer Willensanstrengung keiner
Erwerbstätigkeit nachgehen könne, setze das Bestehen einer psychisch
ausgewiesenen und relevanten Komorbidität oder anderer qualifizierter, mit gewisser
Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien voraus, welche vorliegend nicht gegeben
seien (act. G 4).
C.c Mit Schreiben vom 11. Februar 2011 lädt die Verfahrensleitung des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen die Versicherte dem
Beschwerdeverfahren bei (act. G 6). Die Beigeladene, vertreten durch Rechtsanwalt
Michael Thürlemann, lässt sich am 2. Mai 2011 vernehmen. Die angefochtene
Verfügung vom 15. Juli 2010 stütze sich auf aussagekräftige medizinische
Abklärungen, welche trotz Hinweis auf invaliditätsfremde Faktoren eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Leistungsanspruchs erlaubten, und sei deshalb zu
bestätigen. Auf die anderslautenden Gutachten von Dr. H._ und Dr. I._ könne nicht
abgestellt werden. Dr. H._ habe sich erstens anlässlich der Begutachtung
ungebührlich benommen, wie die heutige Beiständin der Beigeladenen bezeugen
könne. Zweitens widerspreche er sich in seinen Schlussfolgerungen, indem er aufgrund
des unkooperativen Verhaltens der Beigeladenen von der Unmöglichkeit einer
abschliessenden Beurteilung ausgehe und danach die Diagnose einer Depression
beanstande. Drittens übersehe er den vom RAD erkannten Umstand, dass das im
Gutachten protokollierte Verhalten der Beigeladenen gerade Ausdruck eines schweren
depressiven Rückzuges sein könne. Das Gutachten des Dr. I._ könne andererseits
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nicht als Beweismittel einbezogen werden, weil es sich auf einen nach dem Erlass der
angefochtenen Verfügung zugetragenen Sachverhalt beziehe, auf einer nicht
eingehenden Exploration von 15 bis 20 Minuten beruhe, wie die heutige Beiständin der
Beigeladenen bezeugen könne, und sich - ohne neu gewonnene Einsichten -
grundsätzlich auf die Vorakten stütze (act. G 13).
D.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Als Parteien gelten gemäss Art. 34 ATSG Personen, die aus der Sozialversicherung
Rechte oder Pflichten ableiten, sowie Personen, Organisationen oder Behörden, denen
ein Rechtsmittel gegen die Verfügung eines Versicherungsträgers oder eines ihm
gleichgestellten Durchführungsorgans zusteht.
1.1 Zur Beschwerde ist nach Art. 59 ATSG berechtigt, wer durch die angefochtene
Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung hat. Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welche die
Leistungspflicht eines anderen Trägers berührt, so hat er gemäss Art. 49 Abs. 4 ATSG
auch ihm die Verfügung zu eröffnen, damit dieser die gleichen Rechtsmittel ergreifen
kann wie die versicherte Person. Soweit eine Vorsorgeeinrichtung spätestens anlässlich
des Vorbescheides (vgl. Art. 73 Abs. 2 lit. f IVV) in das IV-Verfahren einbezogen
worden ist (BGE 132 V 1; BGE 129 V 73), die Feststellungen der IV-Stelle für deren
Leistungen rechtserheblich sind (Urteil B 50/99 des Eidgenössischen
Versicherungsgericht vom 14. August 2000) und die invalidenversicherungsrechtliche
Betrachtungsweise in einer Gesamteinschätzung der Akten nicht als offensichtlich
unhaltbar erscheint, ist diese Vorsorgeeinrichtung gemäss Art. 23 lit. a und 24 Abs. 1
BVG an den von der Invalidenversicherung ermittelten Invaliditätsgrad im erwerblichen
Bereich gebunden (BGE 120 V 106). Daraus ergibt sich vorliegend die
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Verfahrenslegitimation der Beschwerdeführerin, die am Vorbescheidverfahren
teilgenommen hat und als Korrelat der Bindungswirkung von der IV-Verfügung berührt
ist.
1.2 Die versicherte Person hat vorliegend neben der Beschwerdeführerin bzw. -
gegnerin Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zur Wahrnehmung der Parteirechte
erhalten. Zwar ist die Beiladung im Kanton St. Gallen und bundesrechtlich für das
kantonale Beschwerdeverfahren nicht ausdrücklich geregelt. Dieses Rechtsinstitut wird
aber in der Rechtsprechung (BGE 134 V 306, 132 V 166 E. 3 S. 172, 130 V 501, 125 V
80 E. 8b S. 94f. sowie RKUV 2003 Nr. U 485 S. 253ff.) und in der Literatur (U. Kieser,
ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N 75-77 zu Art. 61 ATSG; Ch. Zünd, Die Beiladung im
Sozialversicherungsprozess, in R. Schaffhauser / F. Schlauri [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 35ff.; F. Gygi,
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 183f.) für das Gebiet des
Sozialversicherungsprozesses generell anerkannt. Durch die Beiladung erwächst das
Urteil in Rechtskraft auch gegenüber der beigeladenen Person oder Stelle (BGE 130 V
502, E. 1.2).
2.
Die Beschwerdegegnerin hat sich der Auffassung der Beschwerdeführerin
angeschlossen, die Invalidität der Beigeladenen sei nicht nachgewiesen. Unter
Invalidität ist gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zu
verstehen. Erfasst wird damit der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Um
den Invaliditätsgrad bemessen zu können, sind die rechtsanwendenden Behörden auf
die fachärztliche Feststellung von Gesundheitsschäden (Befunderhebung und
Diagnose) und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit angewiesen. Die ärztlichen
Auskünfte sind eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und ZAK 1982 S. 34). Hinsichtlich des Beweiswerts
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eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
Somit ist zu prüfen, ob die medizinische Situation der Beigeladenen rechtsgenüglich
geklärt ist.
3.1 Den bei den Akten liegenden Berichten der behandelnden Fachärzte lässt sich
übereinstimmend entnehmen, dass die Beigeladene unter einer schweren depressiven
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2) leidet.
3.2 Die Beigeladene begab sich vom 25. bis am 29. Juni 2008 in stationäre
Behandlung in die Psychiatrische Klinik D._. Gemäss Bericht des Dr. E._ vom
6. Januar 2009 erfolgte die notfallmässige Zuweisung wegen Suizidalität und
Selbstverletzung. Die Patientin habe beim Eintritt ängstlich, gereizt, innerlich unruhig,
antriebsarm und wenig schwingungsfähig gewirkt. Dieser Bericht belegt zwar eine
konkrete Suizidhandlung bzw. das Bestehen von entsprechenden Gedanken. Die
entsprechende Berichterstattung stellt jedoch eine blosse Momentaufnahme dar ohne
Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild (IV-act. 18).
3.3 Der behandelnde Psychiater Dr. C._ geht im Bericht vom 29. Januar 2009 davon
aus, dass die depressive Entwicklung im Sommer/Herbst 2007 durch die Erkrankung
des Ehemannes der Beigeladenen ausgelöst wurde (IV-act. 23).
3.3.1 Wenn nicht gesundheitsbedingte, insbesondere psychosoziale und
soziokulturelle Umstände selbstständig und insofern direkte Ursache der
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit sind, liegt keine Krankheit im Sinn der Invalidenversicherung vor.
Soweit aber diese krankheitsfremden Faktoren zur Entwicklung wie auch zur
Aufrechterhaltung eines verselbstständigten psychischen Gesundheitsschadens
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beitragen, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des
Bundesgerichts 9C_578/2007 vom 13. Februar 2008 E. 2.2; Locher Thomas, Die
invaliditätsfremden Faktoren in der rechtlichen Anerkennung von Arbeitsunfähigkeit
und Invalidität, in: René Schaffhauser/ Franz Schlauri (Hrsg.): Schmerz und
Arbeitsfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 253).
3.3.2 Anhaltspunkte für eine Verselbständigung der schweren depressiven
Episode gehen aus der Beschreibung des Krankheitsverlaufs durch Dr. C._ im
Bericht vom 29. Januar 2009 hervor. Bei einer ansteigenden Kraftlosigkeit und
Erschöpfung habe sich Ende 2007 eine physiologisch stark wahrgenommene
Angstsymptomatik gezeigt und die depressive Symptomatik massiv exazerbiert. Die
seit Mitte Januar 2008 durchgeführte psychiatrische Behandlung habe nur
vorübergehend eine Besserung gebracht. Eine massive Verschlechterung mit
Somatisierung sei ab Mitte März 2008 eingetreten. Die Beigeladene ziehe sich ab Mai
2008 aus dem Sozialleben zurück und äussere zunehmend Todessehnsucht sowie
parasuizidale Gedanken. Sie fügte sich anlässlich einer akuten Krisis am 25. Juni 2008
am Handgelenk mehrere Schnitte zu. Im Verlauf seien übermässige Schwäche und
Erschöpfung, Zitteranfälle sowie körperliche und psychische Angstsymptome, jedoch
keine suizidalen Impulse mehr aufgetreten. Seit Herbst 2008 sei ein unverändertes
depressives Zustandsbild durch Lustlosigkeit, Freudlosigkeit, Gleichgültigkeit,
Belastungsintoleranz, ausgeprägter psychischer und somatischer Angstsymptomatik
gekennzeichnet (IV-act. 23). Im Verlaufsbericht vom 31. März 2010 erwähnt Dr. C._
eine seit letzter Berichterstattung leicht ansteigende Verbesserung des
Funktionsniveaus im Alltag, aber dann ab September 2009 eine rapide
Zustandsverschlechterung mit verstärkten Angstzuständen, Zittern,
Schlafschwierigkeiten und innerer Unruhe. Der Antrieb sei deutlich verarmt. Die
Beigeladene wirke im Affekt stark verarmt, blockiert und nicht schwingungsfähig (IV-
act. 38). Gestützt auf diese Befunde hält der behandelnde Psychiater an der Diagnose
einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2)
fest.
3.3.3 Ist eine verselbstständigte psychische Störung im Sinn der ICD-
Klassifikation fachärztlich festgestellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und
inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung und unter
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Berücksichtigung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren, von der
versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwartet werden kann, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a; Locher Thomas, a.a.O., S. 254f.).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind gemäss Art. 7 Abs. 2
ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu
berücksichtigen (erster Satz). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie
aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (zweiter Satz). Die Berichterstattung des Dr.
C._ fokussiert sich stark auf das negative Krankheitsbild. Das ist angesichts seiner
Aufgabe als behandelnder Psychiater, der für die Behandlung auf die Pathogenese
ausgerichtet ist, nachvollziehbar. Die Bemessung der Erwerbsunfähigkeit setzt eine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit voraus, welche auf die noch vorhandenen
Ressourcen eingeht und die Frage beantworten kann, ob von der versicherten Person
bei zumutbarer Willensanstrengung die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit erwartet
werden kann. Der behandelnde Psychiater geht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
aus und bezeichnet diese Einschätzung als selbsterklärend. Aus
versicherungsrechtlicher Hinsicht ist aber erforderlich, dass der Arztbericht über die
Ressourcen der versicherten Person genügend Auskunft gibt. Dabei sind die Fragen zu
beantworten, in welchem Ausmass die psychosozialen und soziokulturellen Faktoren
die Einschränkungen aufrechterhalten oder beeinflussen sowie ob unter diesen
Umständen und inwieweit die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit trotz gesundheitlichen
Leiden zumutbar ist. Deshalb kann diesbezüglich auf die Berichte des Dr. C._ nicht
abgestellt werden.
3.4 Die Beschwerdeführerin führt zudem ins Feld und wird dabei von der
Beschwerdegegnerin gefolgt, dass die Diagnose einer schweren depressiven Episode
durch die Gutachten von Dr. H._ vom 16. April 2010 und von Dr. I._ vom
6. September 2010 widerlegt worden sei. Dr. H._ hat hinreichend dokumentiert,
inwiefern das Verhalten der Beigeladenen eine eingehende Untersuchung bzw. eine
Diagnosestellung verunmöglichte (IV-act. 41). Wo auch immer die Gründe für dieses
Verhalten liegen mögen (vgl. obenstehend Stellungnahme der Beigeladenen, act. G 13),
kann daraus keine zuverlässige Einsicht in die medizinische Lage gewonnen werden.
Entgegen der Auffassung der Beigeladenen (act. G 13) kann das Gutachten des Dr.
I._ unter dem Gesichtspunkt des Untersuchungs- bzw. Erstellungsdatums nicht
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ausser Acht gelassen werden, soweit es sich auch auf den Sachverhalt vor dem Erlass
der angefochtenen Verfügung bezieht.
3.5 Im psychiatrischen Gutachten vom 6. September 2010 kommt Dr. I._ zum
Schluss, dass die Diagnose einer schweren Depression korrekt gewesen, aber nicht
mehr aktuell sei. Es sei davon auszugehen, dass zu Beginn eine Anpassungsstörung
bei Überlastungssituation bestanden habe. Eine relevante Einschränkung der Arbeits
fähigkeit stehe seit Juni 2008 fest. Ab diesem Zeitpunkt könne eine negative
Eigendynamik im Sinne einer depressiven Episode angenommen werden. Seit Juni
2010 sei es zu einer Verbesserung des Gesundheitszustands gekommen. Die
behandelnde Ärztin habe aufgrund dessen im Juli 2010 beschlossen, die ambulante
psychiatrische Behandlung einzustellen. Der psychiatrische Gutachter stellt aktuell die
Diagnose einer leichten bis mittelggradigen depressiven Episode (ICD-10: F32.0/F32.1).
Gestützt darauf schätzt er eine Arbeitsunfähigkeit von 40% im ausserhäuslichen
Bereich. Im Haushalt bestehe hingegen eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Dass die
Beigeladene ihre Restarbeitsfähigkeit nicht ausnütze, liege an den ungünstigen
krankheitsfremden Faktoren, nämlich invalidem Ehemann, mässiger kultureller
Integration, grosser Familienarbeit mit drei Kindern, sekundärem Krankheitsgewinn und
fehlender Motivation (IV-act. 47/3-8).
3.6 Das Gutachten des Dr. I._ überzeugt insoweit, als es gestützt auf die Vor
geschichte und eine eigene Untersuchung die Entwicklung der Krankheit einsichtig und
verständlich macht. Es trifft deshalb nicht zu, dass daraus keine neuen Erkenntnisse
hervorgingen. Dass die direkte Befragung der Beigeladenen nicht mehr als 20 Minuten
gedauert, weil der Gutachter während der restlichen Zeit der Exploration die
Begleitperson befragt haben soll, wie eine Zeugeneinvernahme nachweisen würde,
erscheint nicht von Belang. Eine Fremdanamnese im Rahmen der Begutachtung ist
beweisrechtlich zulässig und, angesichts der eingeschränkten Mitwirkung der
Beigeladenen, zielführend. Von der beantragten Beweisabnahme kann daher nichts
Relevantes erwartet werden (vgl. act. G 13). Entgegen der Vorbringen der
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin bestätigt der psychiatrische
Gutachter die Richtigkeit der Diagnose der schweren depressiven Episode, macht aber
auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ab Juni bzw. Juli 2010 aufmerksam,
dem Zeitpunkt, in dem die behandelnde Psychiaterin die ambulante Behandlung wegen
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Besserung der Depression abgebrochen habe. Das Gutachten ist allerdings nicht für
alle Belange umfassend, weil sich Dr. I._ weder über den genauen zeitlichen Verlauf
noch über die Entwicklung der Arbeitsfähigkeit in einer zumutbaren leidensadaptierten
Tätigkeit klar geäussert hat.
3.7 Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die
Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach dem Sachverhalt, der
zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war (BGE 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen).
Eine Verbesserung der Erwerbstätigkeit bzw. des Gesundheitszustandes ist gemäss
Art. 88a Abs. 1 IVV zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung
drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Vorliegend
hatte die behandelnde Psychiaterin nach dem Gesagten auf eine Besserung der
Depression ab Juni bzw. Juli 2010 hingewiesen. Die Begutachtung durch Dr. I._ fand
kurz danach am 23. August 2010 statt. Die Frage, ob die Besserung angehalten hat,
liess sich zu jenem Zeitpunkt aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen Unterbrechung
der Behandlung und Begutachtung nicht feststellen, kann aber aufgrund der folgenden
Überlegungen offen bleiben. Eine mindestens drei Monate andauernde Verbesserung
des Gesundheitszutandes kann jedenfalls erst nach Erlass der angefochtenen
Verfügung am 15. Juli 2010 eingetreten sein. Tatsachen, die den Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung
sein (BGE 121 V 366 E. 1b mit Hinweis). Ausnahmsweise kann das Gericht aus
prozessökonomischen Gründen auch die Verhältnisse nach Erlass der Verfügung in die
richterliche Beurteilung mit einbeziehen, aber nur wenn der Sachverhalt hinreichend
genau abgeklärt ist und die Verfahrensrechte der Parteien respektiert worden sind
(BGE 130 V 141 E. 2.1). Da sich Dr. I._ nur über die Richtigkeit der früheren Diagnose
äussert, aber die damalige Arbeitsfähigkeit nicht schätzt, bleibt der Sachverhalt vor
dem Erlass der angefochtenen Verfügung nicht abgeklärt. Somit ist vorliegend eine
Ausdehnung des richterlichen Beurteilungszeitraums nicht zulässig.
3.8 Aus all dem ergibt sich, dass die vorhandenen medizinischen Grundlagen keine
zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs gestatten. Die Sache ist daher an die
Beschwerdegegnerin zur Vornahme medizinischer (psychiatrischer) Abklärungen
zurückzuweisen. In der Folge wird die Beschwerdegegnerin über den
Leistungsanspruch der Beigeladenen neu zu verfügen haben.
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4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 15. Juli 2010
aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinn
der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen.
4.3 Obwohl sich die IV-Stelle der Auffassung der Beschwerdeführerin in der
Beschwerdeantwort vom 24. November 2010 angeschlossen hat (act. G 4), zog sie vor
ihrer Vernehmlassung die angefochtene Verfügung nicht in Wiedererwägung (vgl.
Art. 53 Abs. 3 ATSG). Verfahrensrechtlich gilt die IV-Stelle weiterhin als
Beschwerdegegnerin. Angesichts der vollumfänglichen Gutheissung der Beschwerde
im Sinn einer Rückweisung zur Neubeurteilung unterliegt sie und hat deshalb die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
4.4 Beigeladene können zwar bei tatsächlicher Beteiligung am Verfahren
kostenpflichtig werden, wenn sie sich mit ihren Anträgen der obsiegenden Partei
widersetzt haben (Rebecca Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 76). Vorliegend rechtfertigt sich
aber nicht, der Beigeladenen einen Anteil der Gerichtsgebühr aufzuerlegen. Das
Beschwerdeverfahren ist auf die unvollständige Abklärung des Sachverhalts durch die
Beschwerdegegnerin zurückzuführen und die Beteiligung der Beigeladenen
verursachte keinen spezifischen Aufwand.
4.5 Der obsiegenden Pensionskasse ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten. Sie hat hingegen als mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betraute
Organisation keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 126 V 149 E. 4a) und
hat einen solchen Anspruch auch nicht geltend gemacht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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