Decision ID: 810063b6-1747-4962-a0a5-f8af824782a4
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger sunnitischen Glau-
bens und arabischer Ethnie, reiste am 4. oder 5. Juli 2022 in die Schweiz
ein und suchte am 6. Juli 2022 um Asyl nach. Daraufhin wurde er dem
Bundesasylzentrum (BAZ) B._ zugewiesen. Am 18. Juli 2022 be-
vollmächtigte er die ihm zugewiesene Rechtsvertretung. Am 29. Juli 2022
fand in Anwesenheit seiner Rechtsvertreterin die Erstbefragung UMA (un-
begleitete minderjährige Asylsuchende) statt (EB; Protokoll in den SEM-
Akten [...] [in der Folge: A] 16). Am 15. September 2022 wurde der Be-
schwerdeführer in Anwesenheit seiner Rechtsvertreterin zu seinen Asyl-
gründen angehört (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten A30). Gegen-
über den schweizerischen Asylbehörden wies er sich mit einem bis am (...)
gültigen syrischen Reisepass, ausgestellt am (...) in C._
(D._) aus und reichte Kopien seines Geburtsscheins und seines
Familienbüchleins ein.
B.
Am 23. September 2022 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdefüh-
rers ihre Stellungnahme zu dem auf den 22. September 2022 datierten
Entwurf des Asylentscheids ein.
C.
Mit Verfügung vom 26. September 2022 (gleichentags eröffnet) verneinte
die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte
sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an.
Gleichzeitig verfügte sie infolge der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs seine vorläufige Aufnahme in der Schweiz.
D.
Ebenfalls am 26. September 2022 legte die zugewiesene Rechtsvertreterin
das Mandat nieder.
E.
Gegen diese Verfügung erhob der rubrizierte Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers mit Eingabe vom 18. September 2022 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die Verfügung sei in den Disposi-
tivziffern 1-3 aufzuheben und das SEM anzuweisen, die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers festzustellen. Es seien die Asylunterlagen
von E._ (N [...]), dem Onkel des Beschwerdeführers, beizuziehen
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und die Vorinstanz sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewäh-
ren.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung inklusive Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie um Bestellung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtli-
cher Beistand.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Behandlung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM im Sinne von Art. 5 VwVG.
Dabei entscheidet das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel und
auch vorliegend endgültig; eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt
nicht vor (vgl. Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Entsprechend kön-
nen mit der Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens gerügt werden sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des Sachverhalts.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
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ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Im Rahmen der UMA Erstbefragung sowie der Anhörung zu seinen
Asylgründen, bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe
seine frühe Kindheit mit seinen Eltern und zwei älteren Schwestern in Sy-
rien verbracht. Seine Familie habe ursprünglich mit keiner Seite der Kriegs-
kontrahenten zu tun gehabt. Eines Tages sei der jüngere Bruder seines
Vaters auf der Strasse von Scharfschützen getötet worden. Ab diesem Zeit-
punkt hätten seine Familienangehörigen mit der Freien Syrischen Armee
(FSA) sympathisiert. Sowohl die Verwandten seines Vaters als auch jene
seiner Mutter seien auf der Seite der FSA gewesen und hätten sie unter-
stützt. Deswegen hätten sie aus Angst vor dem Regime ständig umziehen
müssen. Ein Onkel mütterlicherseits sei bei einem Granatenangriff ums Le-
ben gekommen. Dessen Sohn F._ habe als Journalist für die FSA
gearbeitet und sei unter unbekannten Umständen ums Leben gekommen.
Im Jahr (...) sei sein Vater, welcher für die FSA Dienst geleistet habe, vom
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Regime festgenommen worden, woraufhin die Familie in eine andere
kleine Ortschaft gezogen sei. Etwa drei bis vier Monate später hätten er
und seine Familie erfahren, dass sein Vater im Gefängnis verstorben sei.
Deshalb sei die Familie nach G._ gereist, um Näheres zu erfahren.
Dort habe seine Mutter auch vom Tod F._ erfahren. Bei der Rück-
kehr sei seine Mutter an einem Kontrollposten festgenommen worden. An-
gehörige der FSA hätten sie befreien können und auf illegalen Wegen an
ihren Wohnort zurückgebracht. Dort habe sich die Familie zwei Jahre lang
in einem Haus versteckt, bevor sie (...) in den Libanon ausgereist seien.
Obwohl sie beim Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen
(UNHCR) registriert gewesen seien, hätten sie im Libanon keine Aufent-
haltsbewilligung erhalten. Ihre Situation habe sich stetig verschlechtert. Sie
seien rassistisch behandelt worden und hätten befürchtet, nach Syrien
ausgeschafft zu werden. Nachdem jemand aus dem Libanon für ihn in Da-
maskus einen Reisepass habe ausstellen lassen, sei er am (...) 2021 zu-
sammen mit einem Cousin und im Rahmen eines Touristenvisums von Bei-
rut nach H._ (I._) gereist. Er habe weiter über J._
nach K._ reisen wollen, sei aber von den russischen Behörden fest-
genommen und schliesslich zu einer einmonatigen Gefängnisstrafe verur-
teilt worden. Danach hätten er und sein Cousin nach Syrien ausgeschafft
werden sollen. Nachdem die Rückführung an einer Formalität gescheitert,
sei, sei er in J._ für mehr als drei Monate inhaftiert worden. Seine
Mutter habe dann die Rückreise in den Libanon organisiert. Er habe aber
entkommen können und sei nach I._ zurückgekehrt und von dort
mit Hilfe eines Schleppers über L._ in die Schweiz gelangt.
In Syrien stünden seine Verwandten väterlicher- und mütterlicherseits auf
einer schwarzen Liste. Bei einer Rückkehr dorthin würden die syrischen
Behörden ihn deswegen verhaften oder sogar zu töten.
Für die detaillierte Begründung wird auf die Akten verwiesen.
5.2 Die Vorinstanz begründet die ablehnende Verfügung mit der mangeln-
den Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers. Die von ihm gel-
tend gemachten Ereignisse seien nicht auf gegen ihn persönlich gerichtete
Verfolgungsmassnahmen zurückzuführen, weshalb sie trotz ihrer Tragik
flüchtlingsrechtlich nicht relevant seien. Er habe bei der Anhörung einge-
räumt, ihm persönlich sei in Syrien nie etwas passiert. Seine subjektive
Furcht, er könnte wegen seines familiären Umfelds Opfer von Reflexverfol-
gungsmassnahmen werden, sei nachvollziehbar. Auch sei die Verfolgung
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von Angehörigen vermeintlicher oder tatsächlicher politischer Oppositionel-
ler durch die syrischen Behörden durch diverse Quellen dokumentiert. Be-
troffen seien insbesondere Eltern, Kinder, Geschwister oder Eheleute. Je-
doch sei aus objektiver Sicht festzustellen, dass die Wahrscheinlichkeit,
Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, vor allem dann bestehe, wenn
nach einem flüchtigen Familienmitglied gefahndet werde und die Behörden
Anlass zur Vermutung hätten, dass jemand mit der gesuchten Person in
engem Kontakt stehe. Diese Wahrscheinlichkeit erhöhe sich, wenn ein
nicht unbedeutendes politisches Engagement der reflexverfolgten Person
hinzukomme oder ihr unterstellt werde. Den Akten seien indes keine An-
haltspunkte für die Annahme zu entnehmen, dass die syrischen Behörden
nach einem flüchtigen Familienangehörigen fahnden würden. Der Be-
schwerdeführer sei erst (...) Jahre alt gewesen, als sein Vater im Jahr (...)
im Gefängnis gestorben sei. Ungefähr zwei Jahre später habe er Syrien
verlassen. Er habe nicht geltend gemacht, sich politisch betätigt zu haben.
Bei der Anhörung habe er zudem eingeräumt, nicht zu wissen, wie lange
und in welcher Art sich sein Vater für die FSA betätigt habe. Da er auch
noch minderjährig sei, sei in Würdigung der gesamten Umstände nicht von
einem konkreten Verfolgungsinteresse der syrischen Behörden an seiner
Person auszugehen.
Allfällige Asylvorbringen, die sich in Drittstaaten ereignet hätten, seien ein-
zig dann geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn sie auch
im Heimatstaat zu einer Verfolgungssituation führen würden. Aus seinen
Aussagen gehe nicht hervor, dass er aufgrund der geltend gemachten
Probleme im Libanon und in J._ Probleme in Syrien haben könnte.
Somit könne darauf verzichtet werden, das von ihm in diesen Ländern Er-
lebte im vorliegenden Asylentscheid zu thematisieren und einer Glaubhaf-
tigkeitsprüfung zu unterziehen.
In der Stellungnahme zum Entscheidentwurf habe der Beschwerdeführer
eingewandt, da den syrischen Behörden die Nähe seiner Familie zur FSA
und ihre regimefeindliche Haltung bekannt sei, sei auch er selbst bedroht.
Auch aus dem Umstand, dass die Angehörigen alle im Ausland lebten, sein
Onkel in der Schweiz, seine Mutter, seine beiden Schwestern und ein wei-
terer Onkel im Libanon, lasse sich ableiten, dass er und seine Familie in
Syrien bedroht seien. Demgegenüber sei festzustellen, so das SEM, dass
schon die allgemeine Sicherheitslage in Syrien Grund genug sei, das Land
zu verlassen oder nicht dorthin zurückzukehren. Somit könne aus dem Um-
stand, wonach seine Angehörigen grösstenteils Syrien verlassen hätten,
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nicht geschlossen werden, dass für die gesamte Familie begründeter An-
lass für die Annahme einer Verfolgungsgefahr in Syrien bestehe.
Für weitere Details in der Begründung wird auf die angefochtene Verfügung
verwiesen.
5.3 In der Beschwerdeschrift wird eingewandt, es sei unbestritten, dass die
Familienangehörigen des Beschwerdeführers als Anhänger der FSA gegen
das Regime gekämpft hätten. Deshalb sei sein Onkel aus Syrien ausge-
reist und in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden. Auch seine wei-
teren Verwandten sowie seine Mutter und seine Schwestern hätten Syrien
aus Angst vor dem Regime verlassen und seien nie mehr zurückgekehrt.
Vor diesem Hintergrund und im syrischen Kontext sei entsprechend von
einer Reflexverfolgung des Beschwerdeführers auszugehen. In diesem Zu-
sammenhang verweist er auf verschiedene Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts und beantragt den Beizug der Asylunterlagen seines in der
Schweiz lebenden Onkels. Nachdem seine ganze Familie aufgrund ihres
politischen Engagements ins Visier der syrischen Sicherheitskräfte geraten
und dort bekannt sei, laufe der Beschwerdeführer schon bei der Einreise
Gefahr, von den syrischen Behörden identifiziert und festgenommen zu
werden. Auch müsse davon ausgegangen werden, dass ihn das Regime
bei einer Rückkehr dazu benützen könnte, weitere Familienmitglieder unter
Druck zu setzen oder zu bestrafen. Beim Beschwerdeführer würden dem-
nach objektive Nachfluchtgründe vorliegen.
6.
6.1 Das Gericht teilt nach Prüfung der Akten die Einschätzung des SEM,
wonach der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Zur
Begründung kann vorab auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. (vgl. vorstehend
E. 5.2). Ergänzend ist folgendes festzuhalten:
In der Beschwerde wird unter Hinweis auf die Nähe der Familie zur FSA in
erster Linie die Einschätzung des SEM bestritten, dass sich daraus im vor-
liegenden Einzelfall keine Reflexverfolgung ableiten lasse. Die Argumenta-
tion verkennt dabei zunächst, dass das SEM in der angefochtenen Verfü-
gung in Übereinschätzung mit der bundesverwaltungsgerichtlichen Praxis-
grundsätzlich anerkennt, dass im syrischen Kontext Reflexverfolgung exis-
tiere. Zu Recht stellt es aber fest, die Wahrscheinlichkeit, dass der Be-
schwerdeführer bei einer heutigen hypothetischen Rückkehr nach Syrien
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alleine aufgrund seiner Verwandtschaft in naher Zukunft ernsthafte Nach-
teile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen habe, sei nicht genügend
hoch. Zunächst ist festzustellen, dass keine Klarheit besteht über die tat-
sächliche Nähe der Familie zur FSA, ohne die Angaben des Beschwerde-
führers bestreiten zu wollen. Dafür, dass sämtliche Angehörige aufgrund
enger Verbindungen zur FSA auf einer schwarzen Liste stünden, sind den
Akten aber keine hinreichenden Anhaltspunkte zu entnehmen. Dass ein
Onkel Journalist für die FSA gewesen und unter unbekannten Umständen
ums Leben gekommen sei, der Vater des Beschwerdeführers im Dienste
der FSA gestanden und im Gefängnis umgekommen und seine Mutter von
Angehörigen der FSA befreit worden sei, sowie dass einige Verwandte in
G._ lebten, ergibt es sich jedenfalls noch keine solche Annahme,
zumal auch in der Beschwerde keine weiteren Konkretisierungen erfolgen.
Unabhängig davon, ist insbesondere nicht ersichtlich weshalb der Be-
schwerdeführer, der im Zeitpunkt des Todes seines Vaters noch ein Kind
war, heute wegen ihm in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise in den Fokus
geraten sollte. Auch aus dem Flüchtlingsstatus seines Onkels in der
Schweiz vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzulei-
ten. Zutreffend verweist das SEM darauf, dass sein Onkel und dessen Fa-
milie gestützt auf Art. 56 AsylG im Rahmen eines Resettlement-Program-
mes als Flüchtlinge anerkannt und ihnen Asyl gewährt worden ist ohne in-
dividuelle Prüfung. Aus dem anlässlich der Anhörung erwähnten Dokument
des UNHCR resultiert sodann zwar, dass der Onkel des Beschwerdefüh-
rers in den Fokus der syrischen Behörden geraten ist. Ein Konnex zur FSA
ist aber auch bei ihm einzig darin ersichtlich, dass er während der Haft zu
(...) nicht maskierten Demonstrationsteilnehmenden, die überall bekannt
gewesen seien und sich später der FSA angeschlossen hätten, befragt
worden sei. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer auch diesbezüglich in
der Beschwerde nur vage ausgeführt, es könnte sich aus den Akten etwas
ergeben, ohne diesbezüglich konkretere Angaben zu machen.
6.2 Soweit schliesslich auf Urteile des Bundesverwaltungsgerichts verwie-
sen wird, liegen diesen gerade nicht vergleichbare Konstellationen zu-
grunde. Es geht im Gegenteil daraus hervor, dass in beiden die Zugehörig-
keit zu einer oppositionellen Familie für sich alleine nicht zur Annahme ei-
ner Verfolgungsfurcht führte. So war der Betroffene im Urteil E-7903/2016
vom 5. Juli 2018 auch wegen eigenen Aktivitäten bereits in den Fokus der
syrischen Behörden geraten. Im Urteil D-4736/2017 vom 13. November
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2017 ist die Konstellation insofern nicht vergleichbar, als erwiesenermas-
sen nach einem politisch engagierten oppositionellen Angehörigen gefahn-
det und zusätzlich eine Dienstpflicht anerkannt wurde.
6.3 Entscheidend kommt schliesslich hinzu, dass dem Beschwerdeführer
in Damaskus am 25. September 2021 ein syrischer Reisepass ausgestellt
wurde (vgl. Sachverhalt Bst. A). Dieser Umstand spricht klar gegen das
Vorliegen einer asylbeachtlichen Verfolgung durch das syrische Regime.
Fraglich ist nämlich nicht nur, ob eine Person, die tatsächlich in deren Visier
geraten ist, überhaupt einen Pass erhalten könnte, sondern auch, ob sie
angesichts der subjektiven Furcht überhaupt mit den syrischen Behörden
in Kontakt getreten wäre, um sich einen solchen ausstellen zu lassen; da-
bei spielt keine Rolle, ob dies, wie vom Beschwerdeführer geltend ge-
macht, über eine Drittperson geschehen sei.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine
auch objektiv begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG
hat. Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu
Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
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vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind.
Aus demselben Grund fällt auch die Beiordnung einer amtlichen Rechts-
verbeiständung gemäss Art. 102m AsylG ausser Betracht. Bei diesem Aus-
gang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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