Decision ID: 1f815ada-512f-507a-8999-1d956159c635
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (...). April
2016 und gelangte auf dem Luftweg nach B._. Nach einem Aufent-
halt von sieben Monaten setzte er seine Reise über die C._ fort und
erreichte mit dem Flugzeug am 13. November 2016 die Schweiz. Am Fol-
getag stellte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._
ein Asylgesuch, woraufhin er am 28. November 2016 im Rahmen einer Be-
fragung zur Person (BzP) zu seinen persönlichen Umständen, dem Reise-
weg sowie summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt wurde. Am 26.
April 2019 hörte ihn das SEM einlässlich zu seinen Asylgründen an.
B.
B.a Der Beschwerdeführer brachte vor, er sei im Dorf E._ im Distrikt
F._ (Nordprovinz) aufgewachsen. Er habe dort zusammen mit seinen
Eltern und seiner Schwester gelebt, die Schule bis zur 13. Klasse besucht
und mit einem A-Level abgeschlossen. Danach habe er im Landwirt-
schaftsbetrieb seiner Familie gearbeitet sowie mit (...) und (...) gehandelt.
Nach der Haftentlassung seines Cousins G._, welcher bei den Libe-
ration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen sei, habe er den Handel ge-
meinsam mit diesem betrieben. Sie hätten unter anderem auch von
H._(...) gekauft, einem Bauern aus ihrem Dorf, den sein Cousin aus
seiner Zeit bei den LTTE gekannt habe und der mit ihm in Haft gewesen
sei. Am (...) 2016 hätten die Behörden Bomben und Munition auf einem
Grundstück in I._ gefunden, welches der Ehefrau von H._ ge-
hört habe. Noch am gleichen Tag sei H._ festgenommen worden.
Das Criminal Investigation Department (CID) habe am nächsten Tag sei-
nen Cousin nach F._ vorgeladen. Nach zwei Tagen hätten sie ihn
wieder gehen lassen und aufgefordert, jeden Tag zur Unterschriftsleistung
vorbeizukommen. Wiederum einen Tag später hätten Angehörige des CID
bei ihm zu Hause – als er gerade mit den Kühen auf der Weide gewesen
sei – nach ihm gesucht. Sie hätten seine Identitätskarte mitgenommen und
seiner Mutter gesagt, er müsse diese beim CID-Camp in F._ abho-
len. Er sei dieser Aufforderung jedoch nicht nachgekommen und habe sich
für einige Tage in den Wäldern versteckt. In dieser Zeit hätten ihn die CID-
Leute etwa dreimal zu Hause gesucht. Da er nicht einfach habe im Wald
bleiben können, sei er schliesslich mithilfe eines Schleppers nach
B._ ausgereist.
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B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine temporäre Identi-
tätskarte im Original sowie eine beglaubigte Kopie eines Auszugs aus dem
Geburtsregister zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 29. Oktober 2019 – eröffnet am 31. Oktober 2019 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 28. November 2019 erhob der Beschwerdeführer – han-
delnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen diesen Entscheid und beantragte, die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen
und es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Un-
zulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen, subeventualiter sei die
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Als Beschwerdebeilagen wur-
den – neben der angefochtenen Verfügung und einer Vollmacht – ein
Schreiben von J._ inklusive deutsche Übersetzung, eine Kopie des
N-Ausweises von G._, verschiedene Medienartikel und ein Auszug
eines Berichts des International Truth and Justice Project eingereicht.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätige am 3. Dezember 2019 den Ein-
gang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
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von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung
mit drei Richtern beziehungsweise drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichtet werden.
4.
Der Beschwerdeführer erhebt formelle Rügen, indem er dem SEM eine un-
richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts sowie eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vorwirft.
Diese Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie – sofern begründet – allen-
falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be-
wirken.
4.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andrer-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
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beizubringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Der Anspruch auf recht-
liches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3). Mit dem Ge-
hörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich
zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen
zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Be-
troffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ge-
mäss Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG einen Beschwerdegrund. Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-
widriger Sachverhalt zugrunde gelegt oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid wesentli-
chen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl.
2013, Rz. 1043).
4.2 In der Beschwerdeschrift wurde gerügt, dass zwischen der Befragung
zur Person und der Anhörung ein Zeitraum von rund zweieinhalb Jahren
liege. Es entspreche nicht den kognitiven Fähigkeiten einer Person, sich
drei Jahre nach den betreffenden Ereignissen noch an genaue Details zu
erinnern. Hierzu ist festzuhalten, dass es zwar durchaus wünschenswert
ist, wenn zwischen der BzP und der Anhörung ein relativ kurzer zeitlicher
Abstand liegt. Es gibt aber keine zwingende, mit Rechtsfolgen versehene
gesetzliche Verpflichtung des SEM, die Anhörung innerhalb eines gewis-
sen Zeitrahmens nach der BzP durchzuführen. Der Länge des zwischen
den Befragungen verstrichenen Zeitraums ist indessen bei der Würdigung
der Aussagen Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des BVGer D-2157/2017
vom 21. Dezember 2017 E. 6.3.5).
4.3 Weiter moniert der Beschwerdeführer, dass sein Fall von verschiede-
nen Mitarbeitenden des SEM behandelt worden sei. Insbesondere habe
nicht dieselbe Person die Verfügung verfasst, welche ihn befragt habe,
wodurch die subjektiven Eindrücke der Befragerin verloren gegangen
seien. Es ist jedoch nicht ersichtlich, inwiefern dem Beschwerdeführer aus
der Behandlung seines Falles durch verschiedene Personen ein Nachteil
entstanden sein soll. Seine Vorbringen können auch anhand der Befra-
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gungsprotokolle sachgerecht beurteilt werden. Zudem ist darauf hinzuwei-
sen, dass sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör keine Vorgaben
für die Vorinstanz ergeben, wonach die Verfügung durch die befragende
Person verfasst werden müsste.
4.4 Sodann wurde auf Beschwerdeebene gerügt, dass es das SEM unter-
lassen habe, vorgebrachte Tatsachen und Beweismittel korrekt zu würdi-
gen und den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig, richtig und willkür-
frei festzustellen. Namentlich seien die Aussagen des Beschwerdeführers
betreffend Verhörtaktiken der sri-lankischen Sicherheitsbehörden nicht
ernsthaft geprüft worden. Zudem habe die Vorinstanz die drohende Re-
flexverfolgung aufgrund der Tätigkeit seines Cousins für die LTTE nicht an-
gemessen gewürdigt. Auch durch die Beziehung zu H._, welcher
als LTTE-Mitglied bekannt sei und bei dem die Sicherheitsbehörden eine
Jacke mit Granaten gefunden hätten, bestehe eine Reflexverfolgung.
Das SEM legte in seiner Verfügung einlässlich dar, aus welchen Gründen
es die Vorbringen des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit
H._ und der Verhaftung des Cousins für nicht glaubhaft erachtete.
Entsprechend gab es auch keine Veranlassung, sich weitergehend mit den
Befürchtungen des Beschwerdeführers, wonach er deswegen Verhören –
allenfalls unter Verwendung von bestimmten Verhörtaktiken – unterzogen
werden könnte, auseinanderzusetzen. Aus demselben Grund war es auch
nicht erforderlich, auf eine mögliche Reflexverfolgung infolge der angebli-
chen Verbindungen zu H._ einzugehen. Weiter führte das SEM aus,
dass der Beschwerdeführer nach Kriegsende noch sieben Jahre in Sri
Lanka gelebt habe. Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risi-
kofaktoren – wozu auch die Verwandtschaft mit einem ehemaligen LTTE-
Mitglied zu zählen ist – hätten kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-
lankischen Behörden auszulösen vermocht. Der Umstand, dass der Be-
schwerdeführer hinsichtlich der Relevanz der geltend gemachten LTTE-
Mitgliedschaft seines Cousins sowie der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
zu einer anderen Auffassung gelangt als die Vorinstanz, stellt weder eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör noch eine unvollständige
oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts dar. Vielmehr betrifft dies die
rechtliche Würdigung seiner Vorbringen.
4.5 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer unter
dem Titel "Unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts / willkürliche Sachverhaltsfeststellung" die Glaubhaftigkeits-
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prüfung des SEM kritisiert (vgl. S. 7 f. der Beschwerdeschrift). Die Glaub-
haftigkeit der Vorbringen ist jedoch im Rahmen der materiellen Beurteilung
zu prüfen, weshalb diesbezüglich auf die nachfolgenden Erwägungen zu
verweisen ist.
4.6 Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, das SEM habe die Si-
tuation in Sri Lanka nicht ausreichend berücksichtigt respektive die bisher
herangezogenen Berichte erwiesen sich angesichts der veränderten Lage
nach der Präsidentschaftswahl als nicht mehr aktuell. Diesbezüglich ist
festzustellen, dass es vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte dafür gibt,
dass die Vorinstanz die Lage in Sri Lanka bei der Beurteilung der Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers nicht genügend beachtet hätte. Alleine der
Umstand, dass das SEM in seiner Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen
Linie folgt als vom Beschwerdeführer vertreten, spricht weder für eine un-
genügende Sachverhaltsfeststellung noch stellt dies eine Verletzung der
Begründungspflicht dar. Auf allfällige Veränderungen der Lage seit dem Er-
lass der vorinstanzlichen Verfügung wird ebenfalls in den untenstehenden
Erwägungen einzugehen sein, nachdem für die Beurteilung eines Asylge-
suchs stets auch die aktuelle Lage im Heimatstaat, wie sie sich im Zeit-
punkt des Entscheids durch das Gericht darstellt, miteinzubeziehen ist.
4.7 Zusammenfassend erweisen sich die geltend gemachten formellen Rü-
gen als unbegründet und es besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, dass die Aus-
sagen des Beschwerdeführers verschiedene Widersprüche enthielten. So
habe er anlässlich der BzP angegeben, dass sein Cousin seit seiner Fest-
nahme verschollen sei. Demgegenüber habe er bei der Anhörung ausge-
sagt, dass er schon nach zwei Tagen wieder freigelassen worden sei.
Seine Erklärung, dass er davon erst nach seiner Ausreise erfahren habe,
widerspreche seinen früheren Aussagen in der Anhörung. Weiter habe er
bei der BzP davon gesprochen, dass auf dem Grundstück der Frau von
H._ Bomben und Munition gefunden worden seien, während er bei
der Anhörung eine Bombenjacke respektive eine Jacke mit Handgranaten
erwähnt habe. Zudem seien die Beschreibungen des Beschwerdeführers
durchwegs vage und unsubstanziiert und es fehle seiner freien Schilderung
an jeglichen persönlichen Elementen. Auf spätere konkrete Nachfragen
habe er ausweichend und oberflächlich geantwortet. Es entstehe an keiner
Stelle der Eindruck, dass er über Ereignisse berichte, die er tatsächlich
selbst erlebt habe. Das von ihm vorgebrachte Handeln scheine auch aus
logischer Sicht wenig nachvollziehbar. Es sei nicht ersichtlich, weshalb er
sich angesichts der von ihm geschilderten Vorfälle überhaupt zur Ausreise
aus Sri Lanka entschieden habe. Sein Cousin, der früher bei den LTTE
gewesen sei und H._ von dort gekannt habe, sei nach zwei Tagen
Befragung wieder freigelassen worden. Der Beschwerdeführer habe dage-
gen keine LTTE-Verbindungen und H._ lediglich aufgrund seiner Ar-
beitstätigkeit gekannt. Es sei daher nicht klar, aus welchen Gründen er
Massnahmen von Seiten der Behörden befürchtet habe. Ebenso wenig
leuchte ein, warum die Behörden überhaupt so schnell und so oft nach ihm
gesucht haben sollten. Insgesamt erwiesen sich seine Vorbringen als nicht
glaubhaft. Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass es –
selbst bei unterstellter Glaubhaftigkeit – keine Hinweise darauf gebe, dass
die geltend gemachte Suche nach ihm zwecks Befragung im Zusammen-
hang mit dem Fund von Bomben bei einem Bekannten über eine staatlich
legitime Mass-nahme hinausginge. Entsprechend sei das Vorbringen auch
nicht asylrelevant.
Weiter hielt die Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer nach Kriegs-
ende noch sieben Jahre in Sri Lanka gelebt habe und nicht habe glaubhaft
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machen können, dass er vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen sei. Es seien keine Risikofaktoren oder
Gründe ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nun in den Fokus der
Behörden geraten sollte.
6.2 In der Beschwerdeschrift wurde geltend gemacht, das SEM habe den
herabgesetzten Anforderungen an das Beweismass des Glaubhaftma-
chens nicht genügend Rechnung getragen. Allenfalls vorhandene Wider-
sprüche seien marginal und belanglos. Der Beschwerdeführer habe seinen
Cousin nach dessen Festnahme erst wieder kontaktiert, als er sich bereits
in der Schweiz befunden habe. Er habe daher nicht gewusst, dass
G._ nach zwei Tagen wieder freigelassen worden sei. Aus diesem
Grund sei er davon ausgegangen, dass er verschollen sei. Hinsichtlich des
angeblichen Widerspruchs, wonach bei H._ Bomben und Munition
oder eine Jacke mit Handgranaten gefunden worden seien, dürfte es sich
um Übersetzungsabweichungen handeln. Schliesslich seien Handgrana-
ten ebenfalls Bomben und dem Dolmetscher sei wohl der spezifische Be-
griff entfallen. Die Vorinstanz werfe dem Beschwerdeführer weiter vor, dass
seine Beschreibungen zu vage seien. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass
die Geschehnisse bei der Anhörung bereits drei Jahre zurückgelegen hät-
ten und es nicht den kognitiven Fähigkeiten einer Person entspreche, nach
so langer Zeit alle Gefühle wieder hervorzurufen.
Für die Beurteilung der Asylgründe sei es unausweichlich, die aktuellen
Entwicklungen in Sri Lanka zu berücksichtigen. Im November 2019 sei Go-
tabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten gewählt worden. Dieser sei
während der Präsidentschaft seines Bruders Mahinda Rajapaksa bereits
Verteidigungsminister gewesen. Beiden würden unzählige Menschen-
rechtsverletzungen gegen die tamilische Bevölkerung, sowohl während der
Bürgerkriegszeit als auch danach, vorgeworfen. Mit der erneuten Macht-
übernahme des Rajapaksa-Clans habe sich die Lage für die tamilische
Minderheit in Sri Lanka erheblich verschlechtert. Die Schweizer Botschaft
habe kürzlich in den eigenen Reihen erfahren müssen, dass der Rajapa-
ksa-Clan bei seinem Vorgehen keine Opfer scheue. So sei eine Angestellte
der Botschaft mit einem weissen Van entführt, mit dem Tod bedroht und
gezwungen worden, botschaftsinterne Informationen preiszugeben. Die-
ses Vorgehen sei beispielhaft für die Machenschaften des neuen Staats-
oberhauptes. Die NGO International Truth and Justice Projekt habe sich in
ihrem Bericht vom Juli 2017 auf den Fall von H._ bezogen und fest-
gehalten, dass er von den Rajapaksas und deren Anhängern als "hardcore
terrorist" eingestuft worden sei. Es seien denn auch weitere Personen, die
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durch das Mobiltelefon von H._ gefunden worden seien, verhaftet
worden. Sodann seien Fälle von Tamilen dokumentiert, die als abgewie-
sene Asylsuchende nach Sri Lanka zurückgekehrt und dort verhaftet wor-
den seien. Diese seien nicht nur in Haft geschlagen worden, sondern hät-
ten auch nach der Freilassung weiterhin unter Beobachtung gestanden.
Zudem würden Verdächtige immer noch unter dem Prevention of Terrorism
Act (PTA) auf unbestimmte Zeit festgehalten, wobei sie brutaler Folter aus-
geliefert seien. Das SEM sei mithin zu Unrecht zum Schluss gekommen,
dass im Fall des Beschwerdeführers keine asylrelevante Verfolgung vor-
liege und er zukünftig keine Verfolgung zu befürchten habe. Gerade ange-
sichts der Ereignisse nach den Wahlen bestehe bei einer Rückreise nach
Sri Lanka eine Gefährdung. Bereits vor der Ausreise sei er aufgrund der
Beziehung zu H._ und seinem Cousin, beides ehemalige LTTE-Mit-
glieder, ins Visier des Staatsapparates geraten. Personen mit seinem Profil
würden als Gefahr für den Einheitsstaat betrachtet und verdächtigt, sich
am Wiederaufbau einer Unabhängigkeitsbewegung zu beteiligen. Die Ge-
fährdungslage habe sich seit dem Machtwechsel für alle Personen mit ei-
nem solchen Profil intensiviert. Spätestens im Rahmen des Background-
Checks bei der Wiedereinreise würden die Behörden seine Verbindungen
zu den LTTE erkennen und ihn umgehend verhaften.
Eventualiter wurde beantragt, dass der Vollzug der Wegweisung als unzu-
lässig respektive unzumutbar zu qualifizieren und der Beschwerdeführer
vorläufig aufzunehmen sei. Das SEM habe keine korrekte und vollständige
Beurteilung der Zulässigkeit vorgenommen. Sollte das Gericht die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers verneinen, müsse anhand der gut
dokumentierten Ereignisse bei der Rückschaffung von tamilischen Asylsu-
chenden festgehalten werden, dass alle nach Sri Lanka zurückgeschafften
tamilischen Asylbewerber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit jederzeit
Opfer einer Verhaftung sowie von Verhören unter Anwendung von Folter
werden könnten. Angesichts des drastischen Vorgehens der Behörden ge-
genüber verdächtigen Personen – insbesondere seit der Machtergreifung
Rajapaksas – und im Lichte der Vorgeschichte des Beschwerdeführers be-
stehe die Gefahr einer Verfolgung. Sodann lägen klare Hinweise dafür vor,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr konkret gefährdet wäre,
weshalb der Wegweisungsvollzug auch unzumutbar sei. Neben dem Ri-
siko, dass zurückkehrende Tamilen bereits am Flughafen Verhaftungen
und Verhören ausgesetzt seien, bestehe auch die Gefahr, zu einem späte-
ren Zeitpunkt Opfer von Behelligungen, Belästigungen und Misshandlun-
gen zu werden.
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Seite 11
7.
7.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-
nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-
macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie
aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die
Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-
nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-
krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung
plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei
wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen
Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung
die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be-
schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber
reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-
bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we-
sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1).
7.2 Das SEM wies vorliegend zu Recht darauf hin, dass die Aussagen des
Beschwerdeführers in zentralen Punkten widersprüchlich sind. So führte er
bei der Anhörung aus, sein Cousin sei – nach der Festnahme von
H._– verhaftet worden, habe nach zwei Tagen wieder gehen können
und sei aufgefordert worden, in Zukunft täglich in F._ Unterschrift zu
leisten (vgl. A15, F62 und F108). Auf konkrete Nachfrage bestätigte er aus-
drücklich, dass er noch in Sri Lanka mitbekommen habe, dass der Cousin
wieder entlassen worden sei. Die Mutter des Cousins habe seine Mutter
angerufen und sie darüber informiert (vgl. A15, F109 f.). Dies widerspricht
seiner Aussage an der BzP diametral, wonach der Cousin seit der Fest-
nahme verschollen sei (vgl. A7, Ziff. 7.02). Die vom Beschwerdeführer spä-
ter vorgebrachte Erklärung, dass er erst in der Schweiz mit dem Cousin
Kontakt aufgenommen habe und daher bei der BzP im November 2016
noch nichts von dessen Entlassung gewusst habe, ist nicht überzeugend.
Einerseits widerspricht dies seinen eigenen Aussagen, andrerseits befand
sich der Cousin – der am (...) 2016 für zwei Tage inhaftiert worden sein soll
– Monate vor der BzP wieder auf freiem Fuss. Es erscheint schwer vor-
stellbar, dass der Beschwerdeführer, welcher sich zum Zeitpunkt der Ent-
lassung des Cousins noch in Sri Lanka befunden hat, davon nichts gewusst
haben soll. Bei der Anhörung führte er hierzu aus, dass er während seines
Aufenthalts in B._ weder mit seinem Cousin noch "mit denen zu
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Hause" geredet habe (vgl. A15, F121). Dies lässt sich jedoch nicht verein-
baren mit seiner Aussage bei der BzP, wonach er von B._ aus
mehrmals mit seiner Mutter telefoniert habe (vgl. A7, Ziff. 7.02). Es ist da-
her nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer unterschiedliche
Angaben dazu gemacht hat, was mit seinem Cousin geschehen sei. Dabei
handelt es sich um ein äusserst wichtiges Element seiner Verfolgungsvor-
bringen, da es einen erheblichen Unterschied macht, ob der Cousin – der
aus dem gleichen Anlass wie der Beschwerdeführer vom CID belangt wor-
den sein soll – für zwei Tage festgehalten wurde oder monatelang verschol-
len war.
7.3 Bei der Frage, ob im Haus von H._ Bomben und Munition (vgl.
A7, Ziff. 7.01) oder eine Jacke mit Bomben (vgl. A15, F62) gefunden wor-
den seien, geht es zwar ebenfalls um einen wichtigen Punkt in den Vor-
bringen des Beschwerdeführers. Die Abweichung in diesen Aussagen er-
scheint jedoch nicht besonders gravierend, zumal sich wohl nicht aus-
schliessen lässt, dass diesbezüglich eine Ungenauigkeit bei der Überset-
zung entstanden ist.
7.4 Zu Recht hielt die Vorinstanz jedoch fest, dass es den Schilderungen
des Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen weitgehend an Substanz
fehlt und diese kaum Realkennzeichen aufweisen. Auf Beschwerdeebene
wurde in diesem Zusammenhang geltend gemacht, es entspreche nicht
den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen, mehrere Jahre nach den Vor-
fällen noch alle Gefühle hervorzurufen, welche mit diesen verbunden
seien. Es kann aber von asylsuchenden Personen erwartet werden, dass
sie die Gründe für ihr Asylgesuch mit einem gewissen Detaillierungsgrad
darlegen und sich ihren Schilderungen zumindest einzelne Realkennzei-
chen – wozu nicht nur die Erwähnung von Gefühlen und Emotionen, son-
dern beispielsweise auch die Wiedergabe von Interaktionen und Gesprä-
chen, die Darlegung von Komplikationen oder ausgefallenen Einzelheiten
zu zählen sind – entnehmen lassen. Solche fehlen im Anhörungsprotokoll
jedoch weitgehend und es wird vom Beschwerdeführer auch nicht vorge-
bracht, dass seine Aussagen detailliert seien und Realkennzeichen enthal-
ten würden.
7.5 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist sodann festzuhalten, dass
es schwer nachvollziehbar erscheint, weshalb der Beschwerdeführer sich
aufgrund der von ihm geschilderten Umstände entschlossen habe, Sri
Lanka zu verlassen. Er war davor weder politisch aktiv noch hatte er zu
irgendeinem Zeitpunkt Probleme mit den heimatlichen Behörden. Dass er
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sich allein aufgrund einer Vorladung durch das CID – die im Anschluss an
die Verhaftung einer Person erfolgt sein soll, deren (...) er weiterverkauft
habe – zur Ausreise entschlossen habe, erscheint wenig einleuchtend. In
diesem Zusammenhang fällt auf, dass sich der Beschwerdeführer hinsicht-
lich seiner Befürchtungen, was ihm in Sri Lanka gedroht hätte und weshalb
er konkret ausgereist sei, durchwegs vage äusserte. Auf entsprechende
Fragen hin verwies er auf die Probleme seines Cousins und erwähnte die
Verhaftung von E._, ohne jedoch nachvollziehbar darzulegen, was
ihn persönlich zur Ausreise bewegt habe (vgl. A15, F79 und F108). An einer
anderen Stelle antwortete er ausweichend damit, dass sein Vater ihn zuerst
nach B._ geschickt habe, weil er nur wenig Geld gehabt habe (vgl.
A15, F127). Ergänzend führte er aus, dass er – wäre er in Sri Lanka ge-
blieben – zum "Nalamadi" vorgeladen worden wäre, von wo viele Personen
nicht zurückgekehrt seien. Er war aber nicht in der Lage, konkrete Beispiele
zu benennen, und gab lediglich an, dass dies eine allgemeine Antwort dazu
sei, was in der Nordprovinz passiert sei (vgl. A15, F128 ff.).
Im freien Bericht erklärte der Beschwerdeführer zu den Gründen für seine
Ausreise, dass sein Vater einen Schlepper organisiert habe, weil er sich
gedacht habe, es entstünden Verluste im Geschäft und mit den Kühen,
wenn er (der Beschwerdeführer) weiterhin im Wald bleibe. Es habe sich
auch niemand um das Haus und die Einkäufe kümmern können (vgl. A15,
F62). Diese Überlegungen würden darauf hindeuten, dass der Beschwer-
deführer gerade nicht aufgrund einer Verfolgung durch die heimatlichen
Behörden – und damit aus allenfalls asylrechtlich relevanten Gründen –
ausgereist ist. Zudem erscheint diese Motivation für die Ausreise nicht
nachvollziehbar, da sich der Beschwerdeführer nach dem Verlassen des
Heimatstaates offensichtlich nicht mehr um Kühe, Haus und Einkäufe küm-
mern konnte. Auf entsprechenden Vorhalt erklärte er, dass er von hier aus
einen Cousin beauftragt habe, welcher nun die Einkäufe erledige (vgl. A15,
F148). Aufgrund dieser Ausführungen erschliesst sich jedoch nicht, wes-
halb der Beschwerdeführer ausgereist ist. Es ist nicht ersichtlich, weshalb
der betreffende Cousin die Einkäufe nicht auch hätte übernehmen können,
während er selbst sich noch in Sri Lanka respektive im Wald befunden
habe.
7.6 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass gemäss den Angaben des
Beschwerdeführers sein Cousin – bei welchem es sich um ein ehemaliges
LTTE-Mitglied gehandelt habe, das überdies mit H._ in Haft gewesen
sei – lediglich zwei Tage festgehalten, zur Unterschriftsleistung verpflichtet
sowie aufgefordert worden sei, auf entsprechende Vorladung hin wiederum
D-6295/2019
Seite 14
zur Befragung zu erscheinen (vgl. A15, F62). Dabei handelt es sich nicht
um ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG, welche die erforderliche
Intensität erreichen würden, um als asylrelevant eingestuft zu werden.
Umso weniger wäre davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, der
seinerseits keine Verbindungen zu den LTTE aufwies, nie in Haft gewesen
war oder anderweitige Probleme mit den Behörden gehabt hat, schwerwie-
gendere – und damit asylrelevante – Nachteile als der Cousin zu befürch-
ten gehabt hätte.
7.7 Insgesamt ist festzustellen, dass die Angaben des Beschwerdeführers
zu den Ereignissen vor seiner Ausreise unsubstanziiert ausgefallen sind
und gravierende Widersprüche in zentralen Punkten aufweisen. Der Um-
stand, dass zwischen der BzP und der Anhörung ein Zeitraum von mehr
als zwei Jahren liegt und die betreffenden Vorfälle bereits eine gewisse Zeit
zurücklagen, stellt keine ausreichende Erklärung für dieses Aussagever-
halten dar. Des Weiteren ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerde-
führer aus den von ihm vorgebrachten Gründen befürchtete, von Seiten
der sri-lankischen Behörden Verfolgungsmassnahmen respektive ernsthaf-
ten Nachteilen ausgesetzt zu werden. Seine Vorbringen erweisen sich da-
her im Rahmen einer Gesamtbetrachtung als nicht glaubhaft.
7.8 Die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung
nichts zu ändern. Im Bestätigungsschreiben von J._ wird ausge-
führt, dass ihr Ehemann und dessen Cousins H._ (Kämpfername
K._) seit mehreren Jahren kennen würden und dieser regelmässig
zum Haus ihrer Schwiegermutter gekommen sei. Bei diesen Besuchen sei
auch der Beschwerdeführer anwesend gewesen. Etwa im (...) 2016 seien
sie und ihre Schwiegermutter im Zusammenhang mit Terrorermittlungen
gegen H._ nach dem Beschwerdeführer gefragt worden, wobei
ihnen auch ein Foto von ihm vorgelegt worden sei (vgl. Beschwerdebei-
lage 3). Diese Bestätigung weist jedoch den Charakter eines Gefälligkeits-
schreibens auf und es ist nicht möglich, die darin enthaltenen Angaben zu
überprüfen. Der Beschwerdeführer erwähnte an keiner Stelle, dass die Be-
ziehung zu H._ über den Kontakt im Zusammenhang mit dem
(...)handel hinausgegangen sei. Vielmehr soll es sich bei diesem um einen
Kollegen des Cousins gehandelt haben (vgl. A15, F62, F65). Er selbst sei
denn auch nicht dabei gewesen, wenn über Angelegenheiten aus der Zeit
bei der Bewegung gesprochen worden sei, und die Freunde von H._
kenne er nicht gross (vgl. A15, F73 f. und F102). Es erstaunt daher, dass
im Schreiben von J._ dieser Cousin nicht erwähnt wird und dieses
D-6295/2019
Seite 15
eher den Eindruck vermittelt, als hätte eine relativ enge Freundschaft zwi-
schen dem Beschwerdeführer und H._ bestanden. Dies lässt sich
nur schwer mit dessen vagen Aussagen zu H._ und der von ihm dar-
gelegten Beziehung zu diesem vereinbaren. Das Schreiben scheint daher
nicht geeignet, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu belegen.
Sodann trifft es zu, dass der Fall von H._ in einem Bericht des Inter-
national Truth and Justice Project erwähnt wird, wobei dessen LTTE-Name
dort als L._ bezeichnet wird. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten,
dass der Beschwerdeführer in diesen Fall involviert war und zu den Perso-
nen gehört, welche in diesem Rahmen verhaftet respektive gesucht wor-
den waren. Der Bericht lässt aber darauf schliessen, dass es sich bei der
Festnahme von H._ und den darauf folgenden Verhaftungen um ei-
nen grösseren und bekannteren Fall handelt. Entsprechend wäre es dem
Beschwerdeführer auch ohne weiteres möglich gewesen, die von ihm ge-
nannten Informationen dazu – die sich als äusserst spärlich erweisen und
nicht erlebnisgeprägt ausgefallen sind (vgl. A15, F63 ff.) – den betreffenden
Medienberichten zu entnehmen.
7.9 Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer aufgrund der Festnahme von H._ vom CID gesucht
wurde. Folglich gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass er in seiner Abwe-
senheit respektive nach der Ausreise weiterhin von den Behörden gesucht
worden wäre.
8.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer aus anderen Grün-
den bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG drohen.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Das Gericht orientiert sich bei
der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nach-
teile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risi-
kofaktoren. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der sogenannten „Stop-List“ und
die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden da-
bei als stark risikobegründende Faktoren eingestuft. Demgegenüber stel-
len das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri
D-6295/2019
Seite 16
Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen
Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden,
die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene
Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nach-
teile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lan-
kischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederauf-
leben zu lassen. Das Gericht hat im Einzelfall die konkret glaubhaft ge-
machten Risikofaktoren in einer Gesamtschau sowie unter Berücksichti-
gung der konkreten Umstände zu prüfen und zu erwägen, ob mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung vor-
liegt (Urteil E-1866/2015 E. 8).
8.2 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt F._ und damit
aus dem sogenannten Vanni-Gebiet. Weder er selbst noch Angehörige sei-
ner Kernfamilie hätten einen Bezug zu den LTTE aufgewiesen. Eine Tante
väterlicherseits sei aber bei der Bewegung gewesen und als Märtyrerin ge-
storben (vgl. A15, F24). Zudem sei der Cousin G._ Mitglied der LTTE
gewesen und habe mehrere Jahre in Haft verbracht. Zu keinem Zeitpunkt
macht der Beschwerdeführer geltend, dass seine Eltern, seine Schwester
oder andere Angehörige aufgrund dieser familiären Verbindungen zu den
LTTE Schwierigkeiten erhalten hätten. Der Cousin soll zudem acht Brüder
haben, von denen mit einer Ausnahme alle noch in Sri Lanka leben. Drei
von diesen Brüdern hätten einen Job bei den Behörden (vgl. A15, F77 f.).
Angesichts des Umstands, dass diese nahen Angehörigen des Cousins
keine Probleme mit dem sri-lankischen Staat zu haben scheinen und teil-
weise sogar beim Staat arbeiten, ist nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer wegen der verwandtschaftlichen Beziehung zum Cousin
ins Visier der heimatlichen Behörden geraten könnte. Nachdem er nicht
glaubhaft machen konnte, dass er im Zusammenhang mit einem gegen
H._ eingeleiteten Verfahren vom CID gesucht worden sei, ist auch
nicht davon auszugehen, dass gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet oder
ein Haftbefehl ausgestellt worden wäre. Entsprechend ist nicht anzuneh-
men, dass er auf der sogenannten "Stop-List" vermerkt ist und bei einer
Rückkehr befürchten müsste, unmittelbar bei der Einreise verhaftet zu wer-
den. Weiter war der Beschwerdeführer weder in Sri Lanka noch von der
Schweiz aus (exil-)politisch tätig (vgl. A7, Ziff. 7.02 und A15, F169). Zwar
ist er tamilischer Ethnie, verfügt nicht über einen Reisepass und kehrt nach
einem längeren Aufenthalt in der Schweiz in die Heimat zurück. Diese Um-
stände sind jedoch als lediglich schwach risikobegründende Faktoren an-
zusehen, welche nicht geeignet sind, dazu zu führen, dass er von den sri-
lankischen Behörden als Unterstützer der LTTE respektive als Person
D-6295/2019
Seite 17
wahrgenommen wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wie-
deraufleben zu lassen. Insgesamt weist er kein Profil auf, welches darauf
schliessen lassen müsste, dass er bei einer Rückkehr die Aufmerksamkeit
der heimatlichen Sicherheitsbehörden auf sich ziehen könnte und ihm
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
8.3
8.3.1 An dieser Stelle ist sodann festzuhalten, dass die allgemeine Lage in
Sri Lanka in jüngster Zeit verschiedenen Veränderungen unterworfen war.
So wurde am 16. November 2019 Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi-
denten Sri Lankas gewählt. Dieser war unter seinem Bruder Mahinda Raja-
paksa, welcher von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekre-
tär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und
Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Be-
obachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verant-
wortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights
Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl
ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister
und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein.
Die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren
damit im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsab-
teilungen oder -institutionen (vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia/
sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-
ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am 14.07.20). Beobachter
sowie Angehörige von ethnischen und religiösen Minderheiten befürchten
insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von ver-
schiedenen Personengruppen, darunter Menschenrechtsaktivistinnen und
-aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regie-
rungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Re-
gierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Des Weite-
ren kam es Ende des letzten Jahres zu einem Konflikt zwischen der
Schweizer Botschaft und den sri-lankischen Behörden. Dieser stand im Zu-
sammenhang mit der – in der Beschwerde ebenfalls erwähnten – Entfüh-
rung einer Botschaftsangestellten, die gezwungen worden sein soll, interne
Informationen preiszugeben. Die diplomatischen Beziehungen haben sich
aber zwischenzeitlich wieder normalisiert und es wurden bereits Rück-
schaffungen nach Sri Lanka durchgeführt, ohne dass die Betroffenen über
die bekannten Befragungen am Flughafen und am Wohnort hinausgehen-
den Problemen ausgesetzt waren.
D-6295/2019
Seite 18
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist es beim derzeitigen Kenntnis-
stand durchaus als möglich zu erachten, dass sich die Gefährdungslage
für Personen mit einem bestimmten Risikoprofil akzentuieren könnte (vgl.
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli
2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened,
16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur
Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Person zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019, zu
deren Folgen respektive zu den jüngsten Entwicklungen in Sri Lanka be-
steht.
8.3.2 Vorliegend gelang es dem Beschwerdeführer nicht, glaubhaft zu ma-
chen, dass er in der Heimat behördlicher Verfolgung ausgesetzt gewesen
war. Es sind auch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass er im aktuel-
len politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Behör-
den geraten könnte und mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen hätte.
8.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nichts vor-
gebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuwei-
sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylge-
such zu Recht abgelehnt.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer
verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch
über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach
zu Recht angeordnet.
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
D-6295/2019
Seite 19
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2
10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
10.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden.
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – an welcher
weiterhin festzuhalten ist – lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen
Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den
Wegweisungsvollzug unzulässig erscheinen (vgl. Urteil E-1866/2015
E. 12.2 f.). Sodann ergeben sich aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers sowie aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall
einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-
ausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real
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Seite 20
risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-
teil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt ihm jedoch nicht. An dieser
Einschätzung ändern auch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom
November 2019 und deren Auswirkungen auf die Lage in Sri Lanka nichts,
da kein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zu diesen Ereignissen
erkennbar ist. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.3
10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe-
renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok-
tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung
der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Weg-
weisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von indi-
viduellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen
familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine ge-
sicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann. Auch die
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka – namentlich die Wahl von
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten und deren Folgen – sowie die
Nachwirkungen der Anschläge vom 21. April 2019 und des damals ver-
hängten, zwischenzeitlich wieder aufgehobenen Ausnahmezustands füh-
ren nicht dazu, dass der Wegweisungsvollzug generell als unzumutbar an-
gesehen werden müsste.
10.3.3 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung zutreffend aus,
dass der Beschwerdeführer den grössten Teil seines Lebens in E._
im Distrikt F._ verbracht habe. Es handle sich bei ihm um einen jun-
gen und gesunden Mann und seine Familie habe im Rahmen eines Haus-
bauprojekts ein neues Haus erstellen können. Vor der Ausreise habe er bei
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Seite 21
seinen Eltern gelebt, welche einen Landwirtschaftsbetrieb geführt hätten
und dies auch heute noch tun würden. Zudem verfüge er über eine gute
Schuldbildung und habe neben seiner Tätigkeit im familieneigenen Betrieb
auch Arbeitserfahrung als Händler. Diesen Erwägungen werden auf Be-
schwerdeebene keine massgeblichen Einwände entgegengehalten. Viel-
mehr beschränkt sich der Beschwerdeführer darauf, vorzubringen, das
SEM habe den Wegweisungsvollzug ohne eingehende individuelle Prü-
fung pauschal für zumutbar erklärt. Diese Auffassung erweist sich jedoch
als unzutreffend und es ist nicht ersichtlich, welche individuellen Gründe
gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen könnten. Ne-
ben seinen Eltern und seiner Schwester hat der Beschwerdeführer noch
weitere Verwandte in Sri Lanka (vgl. A15, F20 ff.). Er verfügt somit über ein
familiäres Beziehungsnetz, welches ihn bei der Reintegration im Heimat-
staat unterstützen kann. Seine Schulbildung und die vorhandene Arbeits-
erfahrung (vgl. A7 Ziff. 1.17.04) dürften es ihm ermöglichen, sich in Sri
Lanka auch wirtschaftlich wieder einzugliedern. Es ist nicht davon auszu-
gehen, dass er bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten
würde, weshalb sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar erweist.
10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist somit auch
als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Die aktuellen Massnahmen im Zusammenhang mit der Ausbreitung
der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) stehen dem Wegweisungsvollzug
ebenfalls nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt –
um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugs-
modalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird
(vgl. Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt deshalb ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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