Decision ID: 1285daa8-7473-55ad-a2c2-65becb8d5ec1
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Y (Jahrgang 1949) und X (Jahrgang 1943) Z zogen im Jahr 1981 nach A, Gemeinde
B SG. Dort wohnten sie im Einfamilienhaus des Ehemanns an der E-Strasse. Dieser ist
ebenfalls Eigentümer von drei Liegenschaften in C ZH, die vermietet sind. X Z ist
gemäss eigenen Angaben seit dem 1. August 2001 pensioniert. Y Z ist gemäss eigenen
Angaben selbständig erwerbstätig und betreibt die Einzelfirma Z Consulting, verwaltet
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drei Liegenschaften in C ZH sowie zwei Liegenschaften in A, führt Renovations- und
Unterhaltsarbeiten durch und ist in zwei KMU's im Sekretariat und Rechnungswesen
tätig. Aus dieser selbständigen Erwerbstätigkeit erzielte sie gemäss Angaben in den
Steuererklärungen des Kantons Graubünden ein Einkommen von Fr. 18'593.-- im Jahr
2007 und Fr. 9'825.-- im Jahr 2008.
Am 17. März 2006 kauften die fünf Kinder des Ehepaars (W - Jahrgang 1973, V -
Jahrgang 1974, U - Jahrgang 1977, T und S - beide Jahrgang 1979) eine 4 1⁄2-
Zimmerwohnung an der F-Strasse in D GR. Per 6. November 2007 meldete sich das
Ehepaar in B nach D an die F-Strasse ab.
B.- Mit Verfügung vom 31. März 2008 stellte das kantonale Steueramt fest, Y und X Z
seien ab dem 1. Januar 2007 in B unbeschränkt steuerpflichtig. Gegen diese
Feststellungsverfügung erhob das Ehepaar Einsprache. Am 30. Mai 2009 reichten Y
und X Z auf Aufforderung des Steueramts zusätzliche Unterlagen ein. Mit Entscheid
vom 8. Juni 2010 wies das Steueramt die Einsprache ab und stellte fest, dass sich der
Lebensmittelpunkt und damit der steuerrechtliche Wohnsitz von Y und X Z per Ende
2007 und damit für das ganze Jahr 2007 in A befunden hätten.
C.- Gegen den Einsprache-Entscheid reichten Y und X Z am 15. Juli 2010 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission ein. Sie beantragten die Gutheissung der
Einsprache und die Aufhebung der Feststellungsverfügung sowie des Einsprache-
Entscheids, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
Mit Vernehmlassung vom 4. Oktober 2010 beantragte die Vorinstanz die kostenfällige
Abweisung des Rekurses. Am 21. Oktober 2010 nahmen die Rekurrenten Einsicht in
die Akten und am 25. Oktober 2010 reichten sie eine zusätzliche Stellungnahme ein.
D.- Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. Juli 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Anfechtungsobjekt ist der Einsprache-Entscheid vom 8. Juni 2010 über die
Feststellung der subjektiven Steuerpflicht für das Steuerjahr 2007 im Kanton St. Gallen.
Nach der Rechtsprechung zum interkantonalen Doppelbesteuerungsverbot im
interkantonalen Verhältnis ist die Frage, ob eine natürliche Person einer kantonalen
Steuerhoheit unterworfen ist, in einem besonderen Vorverfahren zu entscheiden. Ein
solcher Vorentscheid über eine streitige Steuerpflicht beziehungsweise eine
Feststellungsverfügung betreffend den steuerlichen Wohnsitz einer natürlichen Person
ist gemäss konstanter Praxis selbständig anfechtbar (GVP 1982 Nr. 35).
3.- Streitig ist, ob die Rekurrenten in der Steuerperiode 2007 im Kanton St. Gallen
beziehungsweise in der Gemeinde B unbeschränkt steuerpflichtig sind.
a) Die Vorinstanz führt in der Feststellungsverfügung und im Einsprache-Entscheid im
Wesentlichen aus, für eine Steuerpflicht in B sprächen diverse Indizien. Der Ehemann
sei Eigentümer eines Einfamilienhauses an der E-Strasse in A mit 224 m Nutzfläche
sowie einer Doppelgarage. Im Erdgeschoss befänden sich total vier Zimmer und im
Obergeschoss ein weiteres. Der Jahres-Stromverbrauch habe in den Jahren 2005 bis
2009 konstant durchschnittlich 8'600 kWh betragen. Eine Verringerung des
Stromverbrauchs aufgrund des behaupteten Auszugs sei nicht ersichtlich. Im Vergleich
dazu zeige sich für die Wohnung in D ein geringer Stromverbrauch von 1'509 kWh. Bei
einer Verlegung des Wohnsitzes nach D müsste dort der Stromverbrauch seit Ende
2007 ansatzweise gleich hoch sein wie in A und nicht fünfmal geringer. Der Rekurrent
habe zudem am 7. Februar 2008 bei der Gemeinde B telefonisch beantragt, dass die
Stromrechnung für die Liegenschaft in A wieder an die Adresse in A und nicht mehr
nach D geschickt werde, weil er sich oft an der E-Strasse aufhalte. Die Stromrechnung
vom 9. April 2008 laute auf "X Z, E-Strasse, A". Alle weiteren Indizien zeigten ebenfalls
auf, dass die Rekurrenten im Jahr 2007 keinen Wohnsitz in D begründet hätten. Eine
am 21. Januar 2008 eingereichte Beschwerde an das Verwaltungsgericht nenne als
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Anschrift der Beschwerdeführer "E-Strasse, A". Auf Seite 3 der Beschwerde werde
ausgeführt: "Die Beschwerdeführer wohnen in einer dem Beschwerdeführer
gehörenden Liegenschaft in A". Die Beschwerde sei von S Z, einer Tochter der
Rekurrenten, verfasst worden. Beide Fahrzeuge seien im ganzen Jahr 2007 mit St.
Galler Nummernschildern eingelöst gewesen. Die Kontrollschilder seien erst am 24.
April 2008 beim Strassenverkehrsamt deponiert worden. Als Zustelladresse bei der
Post sei immer noch die E-Strasse in A registriert. Es gebe keine Adressumleitung nach
D. Die Tageszeitung (St. Galler Tagblatt) sei sicher bis am 26. Februar 2008 an die
Rekurrentin an der Adresse in A zugestellt worden. Die Steuererklärung 2006 sei mit
Ort und Datum: "A, 28. März 2008" am 31. März 2008 unfrankiert in den Briefkasten
der Gemeinde B eingeworfen worden. Briefkasten und Glocke in D seien beschriftet mit
W. Z. Eigentümer der 4 1⁄2 Zimmerwohnung in D seien die fünf Kinder. Gemäss
Mietvertrag würden die Rekurrenten dafür einen monatlichen Mietzins inklusive
Nebenkosten von Fr. 1'400.-- bezahlen. Die Adresse in D sei als eine Ferienwohnung
anzusehen. Schliesslich spreche auch die Weigerung der Rekurrenten, ihre Bankbelege
und Kreditkartenauszüge offenzulegen, eine klare Sprache. Damit oder auch mit
Einkaufsauszügen von Bonusprogrammen (z.B. Migros Cumulus) hätten sie
nachweisen können, dass der Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen ab Herbst 2007 in D
und nicht mehr in A gelegen hätte.
In der Einsprache sowie im Rekurs wird geltend gemacht, in der Liegenschaft an der E-
Strasse in A wohne die Tochter der Rekurrenten, U Z. Bei der Abmeldung sei beantragt
worden, die Rechnungsanschrift der Stromrechnung auf die Tochter zu ändern. Dass
dies nicht passiert sei, sei ein Fehler der Gemeindeverwaltung. Keinesfalls habe der
Rekurrent in einem Schreiben oder Telefongespräch der Gemeinde gegenüber
erwähnt, er halte sich oft an der E-Strasse in A auf, wie die Vorinstanz dies behaupte.
Die Motorfahrzeuge seien seit April 2008 im Kanton Graubünden eingelöst (GR 00000).
Der Kanton St. Gallen habe dadurch weitere fünf Monate von der Motorfahrzeugsteuer
profitiert. Eine Adressumleitung bei der Post erübrige sich, da die meiste Post
heutzutage via E-Mail laufe und weil die Tochter U sicherstelle, dass wichtige Post
umadressiert und weitergeleitet werde. Das St. Galler Tagblatt sei bis zum
Abonnements-Ende der Tochter U überlassen worden. Dass nur noch die Tochter U in
A wohne und die Rekurrenten nicht mehr, lasse sich unter anderem auch am Wasser-
und Stromverbrauch der Aer Liegenschaft feststellen; der Wasserverbrauch sei nach
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dem Wohnsitzwechsel um 20-28%, der Stromverbrauch um 10-18% gesunken. Der
Stromverbrauch in der Wohnung in D sei normal, da kein Elektroboiler mehr betrieben
werde, und die Stromrechnung für Allgemeinstrom und die Heizung an die
Liegenschaftsverwaltung gehe. Zudem habe ein Ehepaar im Pensionsalter infolge der
neuen Lebensgewohnheiten nicht mehr denselben Energieverbrauch wie Jüngere. Die
Verteilung der Zahlungen und Barbezüge zeige ebenfalls, dass A nicht mehr Wohnsitz
der Rekurrenten sei. In A seien nur wenige Barbezüge und Zahlungen gemacht worden.
In der Beschwerde ans Verwaltungsgericht sei noch die alte Adresse aufgeführt
worden. Dies rühre daher, dass es sich um ein laufendes Verfahren handle, in welchem
nicht sofort jede Adressänderung der Mandanten nachgeführt werde, da ein Anwalt
davon ausgehen dürfe, dass diesbezügliche Post ausnahmslos ihm zugestellt werde
und nicht seinen Mandanten. Zudem sei die Beschwerde von einer Praktikantin
verfasst worden, welche versehentlich die Adresse in A weitergeführt habe, anstatt
diese durch die D-Adresse auszuwechseln. Ebenso sei betreffend Wohnsitz nicht
relevant, dass die Steuererklärung 2006 von den Rekurrenten in den
Gemeindebriefkasten in A eingeworfen worden sei. An diesem Tag hätten sie die
Enkelkinder aus A nach D geholt. Die Wohnung in D sei keine Ferien-, sondern eine
Familienwohnung. Die Feststellungsverfügung hätten die Rekurrenten am 1. April 2008
in D entgegengenommen. Die Ehefrau sei selbständigerwerbend mit Geschäftssitz in D.
Dies spreche ebenfalls dafür, dass der Wohnsitz nach D verlegt worden sei. Der
Wohnsitz des Ehemanns als verheirateter nicht erwerbstätiger Rentner sei wohl eher
bei seiner selbständigerwerbenden Ehefrau in D, als bei seiner verheirateten Tochter in
A. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung würden für Steuerpflichtige im
Pensionsalter andere Bestimmungen gelten als für Nicht-Pensionierte.
Dem hält die Vorinstanz in der Vernehmlassung entgegen, die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde enthalte die Vertreteradresse "lic.iur. S Z,
Rechtsanwältin, G-Strasse, H". S Z habe das Anwaltspatent im Jahr 2007 erworben. Im
Zeitpunkt der Eingabe sei sie damit offensichtlich bereits Rechtsanwältin und nicht
mehr Praktikantin gewesen. Zudem habe sie als Tochter der Rekurrenten aus erster
Hand gewusst, wo diese ihren Wohnsitz hätten. Zu den Barbezügen und Zahlungen
hätten die Rekurrenten auch im Rekursverfahren keinerlei Belege eingereicht. Die von
ihnen selbst erstellte Auflistung zeige auf, dass an den übrigen Orten - wozu auch I zu
zählen sei - die meisten Zahlungen und Barbezüge getätigt worden seien.
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Dazu führen die Rekurrenten in der Stellungnahme ergänzend aus, die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde sei von der damaligen Rechtspraktikantin der
Advokatur G in H geschrieben worden. Rechtsanwältin S Z habe unterschrieben, da die
Rechtspraktikanten nicht in allen Kantonen zugelassen seien. Bei der Korrekturlesung
habe S Z die falsche Adresse übersehen. Das Auflegen von Barbezügen und
Zahlungen würde einen grossen Aufwand bedeuten, der sich vorliegend nicht
rechtfertigen lasse, zumal auch viele Barzahlungen erfolgt seien, welche in der
Auflistung gar nicht enthalten seien. Ausserdem sei nicht entscheidend, an welchem
Ort wieviel bezogen und bezahlt worden sei, denn die Bezüge liessen nicht die
Schlussfolgerung zu, dass sie auch dort übernachtet hätten, wo sie eingekauft hätten,
sonst hätten sie viele Schlaforte (D, L, C ZH, I, A, J, K, H etc.). Der Ehemann sei im
Pensionsalter und die Ehefrau Einzelunternehmerin. Beide könnten sich in der Schweiz
frei bewegen und reisen. Von D nach I seien es mit dem Auto lediglich 60 Minuten
Fahrzeit, nach C ZH lediglich 50 Minuten, was weder ein Übernachten in C ZH noch in I
noch A erfordere. Entscheidend seien Kriterien wie Mietvertrag und
verbrauchsabhängige Nebenkosten, also Wasser- und Stromverbrauch. Der
Stromverbrauch im Jahr 2005 sei sogar um 35,1% höher als im Jahr 2008. Dies belege
klar, dass der Aufenthalt in A sich stetig reduziert habe. Sie betrieben seit langem ihr
Büro in D, wohnten nun definitiv in D und die Tochter U mit ihrer vierköpfigen Familie
sei Mieterin der Liegenschaft an der E-Strasse in A.
b) Nach Art. 13 Abs. 1 StG sind natürliche Personen im Kanton St. Gallen aufgrund
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig, wenn sie ihren
steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton haben. Eine Person hat
steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton, wenn sie sich hier mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält bzw. wenn sich hier der Mittelpunkt ihres Lebensinteresses, ihrer
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse befindet (vgl. ASA 63 S. 839 E. 2a; BGE
125 I 54 E. 2). Der Lebensmittelpunkt bestimmt sich nach der Gesamtheit der
objektiven, äusseren Umstände, aus denen sich die ideellen (Angehörige, Freundes-
und Bekanntenkreis) und materiellen Lebensinteressen erkennen lassen, nicht nach
bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person; auf die gefühlsmässige
Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an. Der steuerliche Wohnsitz ist insofern
nicht frei wählbar (BGE 132 I 29 E. 4.1; BGE 125 I 54). Keine entscheidende Bedeutung
kommt diesbezüglich dem polizeilichen Domizil zu. Das Hinterlegen der Schriften und
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Ausüben der politischen Rechte bilden - zusammen mit dem übrigen Verhalten der
betreffenden Person - blosse Indizien für den steuerrechtlichen Wohnsitz (vgl. BGE 123
I 289 E. 2a). Für die Bestimmung des Steuerdomizils ist auf die wirklichen Lebens- und
Wirtschaftsverhältnisse abzustellen (Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil:
Doppelbesteuerung, Band 2 § 3, I A, 1 Nr. 3). Die Wohnsitzfolge ist mithin an die
Erfüllung zweier Erfordernisse geknüpft: eines objektiven, äusseren: des Aufenthalts,
und eines subjektiven, inneren: der Absicht dauernden Verbleibens (Locher, a.a.O., § 3,
I A, 1 Nr. 16). Halten sich die Steuerpflichtigen abwechslungsweise an zwei
verschiedenen Orten auf, so ist die Frage, zu welchem der Aufenthaltsorte die
stärkeren Beziehungen unterhalten werden, jeweils aufgrund der Gesamtheit der
Umstände des Einzelfalls zu beurteilen. Der Wechsel von einem früheren hin zu einem
neuen Wohnsitz ist dann vollzogen, wenn die Absicht des dauernden Verbleibs am
neuen Wohnort tatsächlich gelebt und durch diesen Aufenthalt eine Verschiebung des
Lebensmittelpunktes stattfindet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P.186/2004 vom 15.
Februar 2005 E. 2.3 mit Hinweisen; VerwGE B 2010/248 vom 26. Januar 2011 E. 2.1,
in: www.gerichte.sg.ch).
Nach der allgemeinen Beweislastregel im Steuerrecht trägt die Veranlagungsbehörde
gemäss konstanter Rechtsprechung die Beweislast für steuerbegründende oder
steuererhöhende Tatsachen, während den Steuerpflichtigen die Beweislast für
Tatsachen trifft, welche die Steuerschuld aufheben oder mindern (GVP 1980 Nr. 6). Die
Voraussetzungen der Besteuerung, wie der steuerrechtliche Wohnsitz, der die
persönliche steuerrechtliche Zugehörigkeit begründet, sind somit von der
Veranlagungsbehörde nachzuweisen (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser
durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Auflage 1999, S. 380). Dieser Hauptbeweis gilt
dabei in der Regel als erbracht, wenn der von der Steuerbehörde angenommene
Wohnsitz im Kanton als sehr wahrscheinlich erscheint. Diesfalls bleibt es Sache des
Pflichtigen, den Gegenbeweis für den steuerlichen Wohnsitz ausserhalb des Kantons
zu erbringen (StE 1992 B 11.1 Nr. 11; M. Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz
natürlicher Personen im interkantonalen Verhältnis nach der neueren
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in: ASA 68, S. 463 f.). Eine Steuerpflicht gilt dann
als sehr wahrscheinlich, wenn sich das Hauptsteuerdomizil bereits seit längerer Zeit
unangefochten in diesem Kanton befand. Im Zweifel, d.h. wenn der Nachweis der
Wohnsitzverlegung nicht erbracht ist, ist das bisherige Domizil als fortbestehend zu
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betrachten. Der Wille zur Wohnsitzverlegung genügt jedenfalls nicht zur Begründung
des neuen steuerrechtlichen Wohnsitzes; dieser muss vielmehr in die Tat umgesetzt
sein, d.h. der Pflichtige muss für die betreffende Zeit den Mittelpunkt seiner
Lebenstätigkeit schon an den neuen Ort verlegt haben (vgl. Locher, a.a.O., § 3, I A, 2b
Nr. 4; Urteil des Bundesgerichts 2P.203/2006 vom 1. März 2007 E. 2.3 mit Hinweisen;
2P.186/2004 vom 15. Februar 2005 E. 2.3). Als Beweismittel des Steuerpflichtigen
dienen in erster Linie mündliche oder schriftliche Auskünfte des Steuerpflichtigen,
welche - soweit möglich - zu belegen sind. Daneben können auch Auskünfte und
Bescheinigungen von Drittpersonen oder Amtsberichte beigezogen werden (Arnold,
a.a.O., S. 461 mit weiteren Hinweisen).
c) Die Rekurrenten wohnen seit 1981 in der Gemeinde B in einem dem Ehemann
gehörenden Einfamilienhaus, welches sich bis zum heutigen Zeitpunkt in dessen
Eigentum befindet und den Rekurrenten als Wohnmöglichkeit zur Verfügung steht. Eine
Vermietung, welche eine Nutzung durch die Rekurrenten ausschliessen würde, wurde
von den Rekurrenten nicht belegt. Zwar wird von ihnen geltend gemacht, das Haus
werde an die Tochter U vermietet. Einen Mietvertrag haben sie aber nicht eingereicht.
Somit gilt für das Jahr 2007 der Lebensmittelpunkt in A als sehr wahrscheinlich und es
besteht die natürliche Vermutung eines steuerrechtlichen Wohnsitzes der Rekurrenten
in B. Bei dieser Ausgangslage ist es nicht am Kanton St. Gallen, das Weiterbestehen
des Hauptsteuerdomizils in seinem Kanton darzutun, sondern vielmehr an den
Rekurrenten, die Verlegung des Hauptsteuerdomizils nachzuweisen.
aa) Fest steht, dass sich die Rekurrenten per 6. November 2007 in B nach D
abmeldeten. Das Verlegen der Schriften genügt aber nicht als Beweis für die
Verschiebung des Lebensmittelpunkts von A weg nach D. Entscheidend sind die
tatsächlich gelebten Verhältnisse. Die Rekurrenten reichten Unterlagen ein, welche
belegen, dass sie ab 1. Oktober 2007 Mieter einer 4 1⁄2-Zimmerwohnung in D waren,
welche ihren Kindern gehört (Beilage zu act. 6/13). Dies kann als Indiz für eine
Wohnsitzverlegung gewertet werden. Allerdings ist dies ein Mietvertrag unter
Familienangehörigen, und die Rekurrenten haben nicht nachgewiesen, dass tatsächlich
Mietzinszahlungen geflossen sind. Unbestritten ist zudem, dass sich die Rekurrenten
auch nach der Abmeldung sowohl in A als auch in D aufhielten. Zu prüfen bleibt
deshalb, ob die Absicht, ihren Lebensmittelpunkt nach D zu verlegen, im Jahr 2007
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verwirklicht wurde. Dazu ist auf die tatsächlichen Beziehungen zu beiden Orten
abzustellen.
bb) Die Rekurrenten machen einen seit dem Jahr 2005 sinkenden Strom- und
Wasserverbrauch geltend und belegen dies mit Rechnungen (vgl. act. 6/4, 6/5 und
6/13). Der Stromverbrauch betrug im Kalenderjahr (1.1.-31.12.) 2005 10'386 kWh , im
Kalenderjahr 2006 8'857 kWh, im Kalenderjahr 2007 8'320 kWh und im Kalenderjahr
2008 noch 7'932 kWh (vgl. act. 6/5). Der Wasserverbrauch war in den Jahren 2005 und
2006 höher als in den Jahren 2007 und 2008, stieg jedoch im Jahr 2009 wieder leicht
an. Allein damit kann aber der Umzug nach D nicht bewiesen werden. Grundsätzlich
können sowohl Wasser- als auch Stromverbrauchszahlen zur Abklärung des
tatsächlichen Wohnsitzes nur hilfreich sein, wenn zwei sehr ähnliche Liegenschaften
verglichen werden. So können z.B. die Verbrauchszahlen ein und desselben Hauses
vor und nach einem behaupteten Wegzug verglichen werden, jedoch nur unter der
Bedingung, dass sich ausser dem Wegzug der fraglichen Personen die Bewohner des
Hauses nicht verändert haben. Die Verbrauchszahlen der Liegenschaft in A waren nach
der Abmeldung immer noch so hoch, dass davon ausgegangen werden muss, das
Einfamilienhaus stehe nicht leer. Gemäss Ausführungen der Rekurrenten ist dies auch
so. Ihre Tochter U wohne mit ihrer vierköpfigen Familie im Haus zur Miete. Ob die
Familie der Tochter bereits vor dem Wegzug der Rekurrenten mit diesen zusammen
das Einfamilienhaus bewohnt hat, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Wie bereits oben
erwähnt, haben die Rekurrenten keinen diesbezüglichen Mietvertrag eingereicht.
Ebenso ist nicht bekannt, bis wann noch andere Kinder der Rekurrenten im Haus
gewohnt haben. Dass die Verbrauchszahlen des Einfamilienhauses jedoch höher sind
als diejenigen der 4 1⁄2-Zimmerwohnung in D, ergibt sich bereits aus den räumlichen
Gegebenheiten. Daraus kann somit auch nicht abgeleitet werden, die Rekurrenten
hätten ihren Wohnsitz nicht nach D verlegt. Der hohe Wasserverbrauch in der Zeit von
September 2005 bis August 2006 wird von den Rekurrenten mit einem Leck im Pool
begründet. Es ist daher durchaus möglich, dass dieses Leck bereits in der Zeit davor
einen höheren Wasserverbrauch verursacht hat und die Zahlen nach Beseitigung des
Lecks, also ab August 2006, den Normalverbrauch darstellen. Die Verbrauchszahlen
können damit im vorliegenden Fall nichts zur Klärung des steuerrechtlichen Wohnsitzes
beitragen. Weiter machen die Rekurrenten eine höhere Anzahl an Kartenbezügen in D
als in A geltend. Dazu reichten sie eine von ihnen selbst erstellte Auflistung ein (act.
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6/6). Sie weigerten sich aber, Bankauszüge einzureichen, welche diese Auflistung
belegen würden. Die Aufstellung über die Geldbezüge ist daher nicht überprüfbar.
Zudem umfasst die Auflistung einen Zeitraum ab Januar 2008, entscheidend für die
Steuerpflicht im Jahr 2007 wären aber die Bezüge von November und Dezember 2007.
Auch aus dieser Auflistung lässt sich somit nichts zugunsten einer Verlegung des
Wohnsitzes nach D ableiten. Das von den Rekurrenten geltend gemachte ideale
Umfeld für die sportlichen Aktivitäten des Ehemanns als Vereinsmitglied des Skiclubs C
ZH sind typische Argumente, um sich eine Ferienwohnung an einem Wintersportort zu
halten, können jedoch ebenfalls keinen neuen Lebensmittelpunkt begründen.
Schliesslich ist die von der Ehefrau geltend gemachte selbständige Erwerbstätigkeit
nicht an den Ort D gebunden. Vielmehr wird sie sich oft am Ort der Liegenschaften
aufhalten, die sie verwaltet, also in C ZH sowie in A. Belege zu dieser selbständigen
Erwerbstätigkeit, aus denen ein Geschäftssitz in D erkennbar wäre, wurden von den
Rekurrenten nicht eingereicht. Dass die Versicherungspolicen die Adresse in D tragen
und die Personenwagen im Kanton Graubünden eingelöst sind, erscheint als Folge der
Schriftenverlegung und kann daher nicht als Indiz für die Wohnsitzverlegung betrachtet
werden. Hierzu ist jedoch anzumerken, dass die Kontrollschilder von den Rekurrenten
erst am 24. April 2008 beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt deponiert wurden.
Die Ummeldung der Fahrzeuge in den Kanton Graubünden fand also erst zu diesem
Zeitpunkt statt. Fahrzeuge müssen aber in dem Kanton zugelassen sein, in welchem
sie ihren Standort haben, was in den meisten Fällen mit dem Wohnsitz des Halters
übereinstimmt (vgl. Art. 77 der Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, abgekürzt:
VZV). Eine Tatsache, welche eine Änderung oder Ersetzung eines Fahrzeugausweises
und damit bei einer Verlegung des Wohnsitzes auch der Kontrollschilder erfordert, ist
innert 14 Tagen zu melden (vgl. Art. 74 Abs. 5 VZV). Die Rekurrenten hätten die
Kontrollschilder also innert 14 Tagen nach ihrem Umzug beim Strassenverkehrsamt St.
Gallen deponieren müssen. Dass sie dies nicht getan haben, kann als Indiz gegen die
Verlegung des Wohnsitzes im Jahr 2007 gewertet werden.
cc) Den Rekurrenten gelingt somit der Nachweis für einen vor dem 31. Dezember 2007
erfolgten Wohnsitzwechsel nicht, da sie keine bis zu diesem Datum erfolgte Verlegung
des Lebensmittelpunkts an einen neuen Ort belegen können. Die familiären
Beziehungen sprechen weder für den einen noch für den anderen Ort. Die beiden
Töchter U und V wohnen in A, der Sohn W und die Tochter S in D. Es ist jedoch davon
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auszugehen, dass die Rekurrenten in den über 26 Jahren, in denen sie in der
Gemeinde B wohnten, in dieser Umgebung zahlreiche soziale Kontakte geknüpft
haben, die sie auch heute noch unterhalten. Hinzu kommt die in der
Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 21. Januar 2008 aufgeführte Adresse der
Rekurrenten in A sowie die explizite Sachdarstellung, wonach die Beschwerdeführer in
der Liegenschaft in A wohnen. Die Beschwerde wurde von der Tochter der Rekurrenten
als deren Anwältin unterzeichnet. Dabei ist nicht von Bedeutung, ob die Eingabe von
einer Rechtspraktikantin formuliert wurde. Unterschrieben hat sie die Tochter der
Rekurrenten. Dieser hätte eine falsche Adresse so kurz nach einem Umzug der Eltern
auffallen müssen. Entscheidend ist aber insbesondere, dass die Rekurrenten in den
Steuererklärungen 2007 und 2008 des Kantons Graubünden auf dem Formular
"Liegenschaften" ankreuzten, die Liegenschaft in A sei dauernd selbstbewohnt (vgl.
jeweils Beilage zu act. 11/I-1 und 11/I-2). Deshalb muss für das Jahr 2007 von einem
Fortbestehen des bisherigen Wohnsitzes in A ausgegangen werden.
d) Insgesamt steht damit fest, dass sich der steuerrechtliche Wohnsitz der Rekurrenten
für das Jahr 2007 in der Gemeinde B befunden hat und sie dort unbeschränkt
steuerpflichtig sind. Der Rekurs ist daher abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von den
Rekurrenten zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist zu verrechnen.