Decision ID: 84ec6986-1905-47ac-8b3b-5644b68cd575
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Prozessgeschichte und erstinstanzliches Urteil
A.1 Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts (hiernach: Strafkammer) sprach mit ihrem Urteil SK.2020.10 vom 17. September 2021 D. (hiernach: Berufungsführer) des mehrfachen Bestechens im Sinne von Art. 322ter StGB schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen à Fr. 150.00 unter  einer Probezeit von 2 Jahren (vgl. Urteil der Strafkammer des  SK.2020.10 vom 17. September 2021, Dispositivziffern IV.1 und IV.2). Ferner verwies sie die Zivilklage der Schweizerischen Eidgenossenschaft gegen den Berufungsführer auf den Zivilweg (vgl. Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2020.10 vom 17. September 2021, Dispositivziffer VI.4). Ausserdem wurde der Berufungsführer dazu verpflichtet, von den  im Gesamtbetrag von Fr. 69'416.30 (bestehend aus Gebühr und  für das Vorverfahren und das erstinstanzliche Hauptverfahren) den Anteil in der Höhe von Fr. 4'000.00 zu bezahlen (vgl. Urteil der Strafkammer des  SK.2020.10 vom 17. September 2021, Dispositivziffern VII.1 und VII.2, vierter Spiegelstrich). Schliesslich verurteilte die Strafkammer den  dazu, von der Entschädigung zugunsten der als Privatklägerin  Schweizerischen Eidgenossenschaft im Gesamtbetrag von Fr. 106'421.90 einen Anteil in der Höhe von Fr. 5'321.10 zu bezahlen (vgl. Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2020.10 vom 17. September 2021, Dispositivziffer VIII.1, vierter Spiegelstrich).
A.2 Der Berufungsführer liess gegen das Urteil der Strafkammer des  SK.2020.10 vom 17. September 2021 mit Schreiben vom 22. September 2021 fristgerecht die Berufung anmelden (CAR 2022.16 pag. 1.100.370).
A.3 Die Bundesanwaltschaft (hiernach: Berufungsführerin) meldete gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2020.10 vom 17. September 2021 mit Eingabe vom 24. September 2021 ebenfalls rechtzeitig die Berufung an (CAR 2022.16 pag. 1.100.373 ff.).
B. Verfahren vor der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts
B.1 Die Berufungsführerin erklärte mit Eingabe vom 30. Juni 2022 den Rückzug der Berufungsanmeldung vom 24. September 2021 (CAR 2022.16 pag. 1.300.001 f.).
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B.2 Der Berufungsführer liess mit Eingabe vom 6. Juli 2022 den Rückzug der  vom 22. September 2021 erklären (CAR 2022.16 pag. 1.300.003).

Die Berufungskammer erwägt:
1. Zuständigkeit
Die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts (hiernach: Berufungskammer) entscheidet über Berufungen und Revisionsgesuche in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen, soweit nicht die Verfahrensleitung als zuständig  wird (Art. 38a i.Vm. Art. 38b StBOG).
2. Würdigung der Parteierklärungen
2.1 Die StPO sieht für die Einlegung der Berufung ein zweistufiges Verfahren vor. Nach Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll . Nach Ausfertigung des begründeten Urteils übermittelt das  Gericht die Anmeldung zusammen mit den Akten dem Berufungsgericht (Art. 399 Abs. 2 StPO). Damit wird das Verfahren beim Berufungsgericht  und die Verfahrensleitung geht vom erstinstanzlichen Gericht auf das  über. Die Partei, welche die Berufung angemeldet hat, reicht dem Berufungsgericht gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO innert 20 Tagen seit Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung ein. Die  kann zurückgezogen werden, solange die Verfahrensleitung noch bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts liegt (vgl. Art. 328 StPO und Art. 35 des Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [StBOG, SR 173.71]) und das begründete Urteil noch nicht ausgefertigt und den Parteien zugestellt worden ist. Diesfalls wird das Verfahren abgeschrieben. Nach Eröffnung des Urteilsdispositivs bis zum Ablauf der Frist von 20 Tagen gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO kann die Partei, welche Berufung angemeldet hat,  den Verzicht auf das Rechtsmittel der Berufung erklären (vgl. Art. 386 Abs. 1 StPO), worauf das Verfahren ebenfalls abgeschrieben wird. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, innert der Frist von 20 Tagen (Art. 399 Abs. 3 StPO) keine Berufungserklärung einzureichen, worauf ein Nichteintretensentscheid ergeht. Schliesslich kann nach Einreichung einer Berufungserklärung die  gemäss den Vorgaben von Art. 386 Abs. 2 StPO zurückgezogen werden, worauf das Verfahren abgeschrieben wird (TPF 2020 55, S. 56 f. mit weiteren Hinweisen).
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2.2 Im Hinblick auf die Erklärung des Berufungsführers sind folgenden Überlegungen festzuhalten:
2.2.1 Gemäss Art. 90 Abs. 1 StPO beginnen Fristen, die durch eine Mitteilung oder den Eintritt eines Ereignisses ausgelöst werden, am folgenden Tag zu laufen. Nach Art. 87 Abs. 3 StPO ist die Zustellung der Mitteilung an den Rechtsbeistand einer Partei, falls ein solcher bestellt wurde, ebenfalls gültig und demnach . Fällt der letzte Tag der Frist auf einen Samstag, einen Sonntag oder einen vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannten Feiertag, so erfolgt eine gesetzliche Fristverlängerung und die Frist endet am  Werktag (Art. 90 Abs. 2 StPO). Laut Art. 91 Abs. 1 StPO ist die Frist , wenn die Verfahrenshandlung spätestens am letzten Tag bei der  Behörde vorgenommen wird. Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist bei der Strafbehörde abgegeben oder zu deren Handen der  Post, einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen  oder, im Falle von inhaftierten Personen, der Anstaltsleitung übergeben  (Art. 91 Abs. 2 StPO).
2.2.2 Vorliegend wurde die Urteilsbegründung der Vorinstanz am 13. Juni 2022 der Post übergeben und am 14. Juni 2022 der erbetenen Verteidigung des  zugestellt (CAR 2022.16 pag. 1.100.380). Die zwanzigtägige Frist für die Berufungserklärung begann in Anwendung von Art. 90 Abs. 1 StPO am darauffolgenden Tag und endete am 4. Juli 2022. Bis zu diesem Datum liess sich der Berufungsführer nicht vernehmen. Gestützt auf die vorangehend dargelegten Grundlagen ist somit davon auszugehen, dass der Berufungsführer die Frist für die Berufungserklärung unbenützt verstreichen liess. Die Erklärung des , welche erst danach am 6. Juli 2022 erfolgte und wonach er seine Berufungsanmeldung vom 22. September 2021 zurückziehe, bleibt damit . Daraus folgt, dass auf die vom Berufungsführer angehobenen Berufung nicht eingetreten wird.
2.3 Mit ihrer Erklärung vom 30. Juni 2022 tat die Bundesanwaltschaft ihren Willen kund, ihre am 22. September 2021 erfolgte Berufungsanmeldung . Allerdings reichte sie diese Erklärung ein, nachdem das begründete Urteil von der Vorinstanz ausgefertigt und den Parteien zugestellt wurde. Daher kann sie im Lichte der vorangehend dargestellten Grundsätze nicht als eigentliche Rückzugserklärung gewertet werden, sondern ist unter gebührender  des Parteiwillens als eigentlichen Verzicht auf das Rechtsmittel der  aufzufassen. Der von der Berufungsführerin erklärte Verzicht auf das Rechtsmittel der Berufung ist damit im Sinne von Art. 386 Abs. 3 StPO endgültig. Daraus folgt, dass das Berufungsverfahren infolge der Verzichtserklärung der
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Bundesanwaltschaft im Hinblick auf ihre Berufung als gegenstandslos  ist.
3. Verfahrenstrennung
Vorliegend wäre der Nichteintretensentscheid im Hinblick auf den  Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO zufolge im noch vor der Berufungskammer hängigen Hauptberufungsverfahren CA.2022.16 zu fällen gewesen. Allerdings ist mit dem Verzicht der Bundesanwaltschaft auf das Rechtsmittel der Berufung, das unter anderem gegen die den Berufungsführer betreffenden Anordnungen der  gerichtet war, das Interesse des Berufungsführers am hängigen  und dementsprechend an der Teilnahme an diesem  weggefallen. Eine Behandlung der Nichteintretensfrage im Rahmen des Hauptberufungsverfahrens CA.2022.16 hätte für den Berufungsführer eine  über Gebühr zur Folge, die schwerlich mit dem in Art. 5 StPO  Beschleunigungsgebot zu vereinbaren wäre. Infolgedessen ist das Strafverfahren in Bezug auf den Berufungsführer mit Blick auf Art. 5 StPO in  von Art. 30 StPO vom Hauptberufungsverfahren CA.2022.16  und unter dem Kennzeichen CA.2022.23 gesondert zum Abschluss zu .
4. Feststellung der Rechtskraft
4.1 Art. 438 Abs. 1 StPO sieht vor, dass die Strafbehörde, die einen Entscheid gefällt hat, den Eintritt der Rechtskraft in den Akten oder im Urteil vermerkt (vgl.  der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts CN.2021.3 vom 29. März 2021). Gemäss Art. 437 Abs. 1 lit. b und c StPO werden Urteile und andere  Entscheide, gegen die ein Rechtsmittel nach diesem Gesetz zulässig ist, rechtskräftig, wenn die berechtigte Person erklärt, auf ein  zu verzichten, oder ein ergriffenes Rechtsmittel zurückzieht oder wenn die Rechtsmittelinstanz auf das Rechtsmittel nicht eintritt. Nach Art. 437 Abs. 2 StPO tritt die Rechtskraft rückwirkend auf den Tag ein, an dem der Entscheid gefällt worden ist.
4.2 Die den Berufungsführer betreffenden Dispositivziffern IV.1; IV.2; VI.4; VII.1; VII.2, vierter Spiegelstrich sowie VIII.1, vierter Spiegelstrich des Urteils der  des Bundesstrafgerichts SK.2020.10 vom 17. September 2021 sind  gestützt auf Art. 437 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO rückwirkend per  in Rechtskraft erwachsen.
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5. Verfahrenskosten und Entschädigungen
5.1 Die Kosten eines gerichtlichen Verfahrens und deren Verlegung bestimmen sich grundsätzlich nach Art. 422-428 StPO. Die Kosten eines Rechtsmittelverfahrens sind von den Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens zu tragen, wobei als unterliegend auch diejenige Partei gilt, die das Rechtsmittel zurückzieht oder auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Art. 428 Abs. 1 StPO).
5.2 Auf die Berufung des Berufungsführers wurde vorliegend nicht eingetreten. Die Berufungsführerin hat den Verzicht auf die Weiterverfolgung ihrer Berufung . Beide Parteien sind demzufolge als unterliegend zu betrachten. In  von Art. 73 Abs. 1 lit. a und b sowie Abs. 3 lit. c StBOG i.V.m. Art. 1 Abs. 4, Art. 5 und Art. 7bis des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR, SR 173.713.162) ist vorliegend eine Gebühr von Fr. 400.00 . Von dieser Gebühr ist dem Berufungsführer die Hälfte, d.h. ein Betrag von Fr. 200.00, aufzuerlegen. Die andere Hälfte der Gebühr geht im Sinne von Art. 423 Abs. 1 StPO zulasten der Staatskasse.
5.3 Dem Berufungsführer ist ausgangsgemäss keine Parteientschädigung zu .
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