Decision ID: c39cec10-8d75-5424-a329-b2c66ada7c38
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Schwarz, Sigg Schwarz Advokatur,
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im April 2007 aufgrund einer chronischen venösen Insuffizienz
bei Status nach rezidivierenden Mehretagenthrombosen beidseits und invalidisierenden
Schmerzen, bestehend seit 1985, zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung – Berufsberatung, Umschulung und Rente – bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Am 4. Mai 2007 ergänzte er, er habe keinen Beruf
erlernen können; eine Lehre zum Automonteur habe er aufgrund eines Unfalls im
zweiten Lehrjahr abgebrochen. Er habe ab dem 18. Lebensjahr in der Unternehmung
seines Vaters als Chauffeur im internationalen Verkehr gearbeitet (IV-act. 7).
A.b Am 14. Mai 2007 erstattete die damalige Arbeitgeberin des Versicherten einen
Arbeitgeberbericht. Der Versicherte arbeite seit dem 1. März 2005 als Chauffeur für die
Unternehmung; im Jahr 2005 habe er einen Lohn von Fr. 54’800.-- (Eintritt im März
2005), im Jahr 2006 einen solchen von Fr. 69’000.-- erhalten (IV-act. 11). Am 23. Mai
2007 erstattete eine frühere Arbeitgeberin einen weiteren Arbeitgeberbericht. Der Ver
sicherte habe das am 1. März 2004 (gemeint wohl: 1. März 2003; vgl. IV-act. 12–4 und
10–1) eingegangene Arbeitsverhältnis per 29. Februar 2004 gekündigt (IV-act. 12). Am
22. Juni 2007 teilte der Inhaber einer weiteren früheren Arbeitgeberin der IV-Stelle tele
fonisch mit, er sei nicht bereit, den Fragebogen auszufüllen; der Versicherte habe ihm,
unter anderem mit geschäftsschädigenden Aussagen in der Öffentlichkeit, grösseren
Schaden bereitet (IV-act. 17). Am 26. Juni 2007 ging ein weiterer Arbeitgeberbericht
betreffend einen dreimonatigen Einsatz als freier Mitarbeiter in den Monaten Januar bis
März 2005 bei der IV-Stelle ein (IV-act. 18).
A.c Am 21. August 2007 erstattete Dr. med. B._, Facharzt FMH für All
gemeinmedizin, einen Arztbericht. Er diagnostizierte eine chronische venöse
Insuffizienz Grad III links und Grad II rechts bei Status nach mehreren Thrombosen
sowie eine leichte Leistungseinschränkung bei Status nach Lungenembolie im Oktober
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1999 und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 20. März 2007 und bis
auf weiteres. Die Angiologen hätten eine stationäre Behandlung empfohlen (IV-act. 25
und 26–1 ff.). Dem Bericht lagen Berichte des Kantonsspitals Frauenfeld vom 28. März,
23. April und 30. April 2007 bei, in welchen unter anderem die Krankheitsgeschichte
seit 1981 dargelegt und der Verdacht auf eine – bis dahin nicht nachgewiesene –
Gerinnungsstörung geäussert wurde (IV-act. 26–5 ff.).
A.d Am 25. Februar 2008 erstattete Dr. B._ einen weiteren Arztbericht. Der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich zwischenzeitlich verschlechtert; seit
Dezember 2007 hätten die Schmerzen eher zugenommen („rascher und stärker“)
und es sei ein Rezidiv eines Ulcus cruris am rechten Bein aufgetreten. Im Grunde
genommen seien dem Versicherten alle Arbeiten vollumfänglich zumutbar, die mit
dauerndem oder intermittierendem Hochlagern des rechten Beines möglich seien (IV-
act. 34–1 ff.). Seinem Bericht legte Dr. B._ unter anderem einen Kurzbericht der
Rehaklinik C._ vom 25. Januar 2008 bei, in welchem neu (zusätzlich) der Verdacht
auf eine impulsiv-unreife Persönlichkeitsstörung – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit – diagnostiziert, die angestammte Tätigkeit als Chauffeur als nicht mehr und leichte
bis mittelschwere Arbeiten als vollumfänglich zumutbar qualifiziert worden waren (IV-
act. 34–5 f.).
A.e Am 7. März 2008 erstattete die Rehaklinik C._ den Austrittsbericht betreffend
die stationäre Behandlung des Versicherten, die vom 13. November 2007 bis zum
25. Januar 2008 gedauert hatte. Die Ärzte führten im Bericht aus, die Behandlung und
insbesondere die Gespräche betreffend berufliche Neuorientierung hätten sich
teilweise schwierig gestaltet. Dem Austrittsbericht lag ein Bericht über das Ergonomie-
Trainingsprogramm bei, in welchem eine maximal erreichte tägliche Arbeitszeit von drei
Stunden bei zuverlässiger Leistungsbereitschaft und guter Konsistenz bei den Tests
und im Training ausgewiesen wurde; das Verhalten bezüglich Rehabilitation wurde als
nicht optimal beurteilt (IV-act. 35–9).
A.f Am 24. November 2008 berichtete die Klinik für Angiologie des Universitätsspitals
Zürich über eine angiologische Konsultation. Die Ärzte diagnostizierten im
Wesentlichen ein postthrombotisches Syndrom beidseits, eine kombinierte
Thrombophilie, ein obstruktives Schlafapnoesyndrom leichten Grades, den Verdacht
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auf eine impulsiv-unreife Persönlichkeit sowie eine depressive Episode und führten
unter anderem aus, es seien keine trophischen Läsionen festgestellt worden, der
Versicherte habe schmerzbedingt seit etwa sechs Monaten keine
Kompressionsstrümpfe mehr getragen, und es sei keine eigentliche Claudicatio venosa
festgestellt worden (IV-act. 44).
A.g Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI)
GmbH am 15. September 2009 ein fachärztliches Gutachten. Die Gutachter
diagnostizierten im Wesentlichen ein ausgeprägtes schweres postthrombotisches
Syndrom beidseits sowie – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – impulsive
Persönlichkeitszüge, ein beginnendes metabolisches Syndrom, einen Status nach
verschiedenen Unfällen und anamnestisch ein leichtes obstruktives
Schlafapnoesyndrom. Die angestammte Tätigkeit als Lastwagenfahrer sei bleibend
nicht mehr zumutbar. Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten seien mit einer
Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 % zumutbar. Das Pensum sei ganztägig zu
verteilen, da der Versicherte einen mehrstündigen, täglichen Liegebedarf aufweise (IV-
act. 54).
A.h Mit Vorbescheid vom 21. Januar 2010 teilte die IV-Stelle mit, dass kein Anspruch
auf berufliche Massnahmen bestehe. Obwohl der Versicherte aus fachärztlicher Sicht
zu 50 % arbeitsfähig sei, fühle er sich nicht in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzu
gehen. Berufliche Massnahmen seien somit nicht durchführbar (IV-act. 73). Am 4. März
2010 verfügte die IV-Stelle entsprechend (IV-act. 74).
A.i Mit Vorbescheid vom 11. März 2010 stellte die IV-Stelle die Zusprache einer
halben Rente mit Wirkung ab dem 1. März 2008 in Aussicht. Der Invaliditätsgrad wurde
anhand eines Valideneinkommens von Fr. 64’550.-- und eines Invalideneinkommens
von Fr. 29’990.-- ermittelt (54 %; IV-act. 79).
A.j Dagegen liess der Versicherte am 16. April 2010 Einwand erheben und die
Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn von 25 % und entsprechend die
Zusprache einer Dreiviertelsrente beantragen (IV-act. 83).
A.k Am 12. August 2010 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid vom 11. März
2010; ein Abzug vom Tabellenlohn könne nicht berücksichtigt werden (IV-act. 91).
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B.
B.a Dagegen richtet sich die am 10. September 2010 erhobene Beschwerde, mit der
die Zusprache einer eine halbe Rente übersteigenden Rente beantragt und zur Be
gründung im Wesentlichen ausgeführt wird, der Beschwerdeführer sei durch die Ärzte
der Rehaklinik C._ nochmals begutachtet worden, wobei aus psychiatrischer Sicht
eine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit von 10 % attestiert worden sei; der Arbeitsweg sei
bei den Arbeitsfähigkeitsschätzungen generell nicht berücksichtigt worden, obwohl
dieser den Beschwerdeführer zusätzlich belasten würde; es sei fraglich, ob die
attestierte Restarbeitsfähigkeit überhaupt verwertbar sei; zumindest wäre ein Abzug
vom Tabellenlohn von 25 % zu gewähren; das Valideneinkommen sei schliesslich
falsch ermittelt worden; gesamthaft bestehe Anspruch auf eine ganze Rente (act. G 1).
Der Beschwerde lagen unter anderem eine traumatologische Stellungnahme der
Rehaklinik C._ nach stationärer Begutachtung vom 27. Juli 2010 (Gesamtbeurteilung)
sowie ein psychiatrischer Abklärungsbericht der Rehaklinik C._ vom 30. Juni 2010
und eine neurologische Stellungnahme der Rehaklinik C._ vom 25. Mai 2010 bei. Die
Ärzte hatten eine Arbeitsfähigkeit von sechs Stunden pro Tag für Tätigkeiten, bei denen
der Beschwerdeführer seine Beine mindestens horizontal oder besser hoch lagern
könne, bzw. eine solche von zweimal zwei Stunden pro Tag, falls die Beine nicht hoch
gelagert werden könnten, sowie eine zusätzliche 10%ige Einschränkung aus psychi
atrischen Gründen attestiert (act. G 1.3–5).
B.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 4. November 2010 führte sie zur Begründung im
Wesentlichen aus, es liege keine invalidisierende psychiatrische Störung vor, weshalb
diesbezüglich auf das Gutachten der ABI GmbH abzustellen sei; das
Valideneinkommen sei anhand statistischer Tabellenwerte zu bestimmen, da die in den
Akten ausgewiesenen Einkommen in der Regel jenen eines Hilfsarbeiters entsprochen
hätten; ein Abzug vom Tabellenlohn falle schliesslich nicht in Betracht (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 13. Januar 2011 liess der Beschwerdeführer an seinem Antrag
festhalten. Die Suva habe zwischenzeitlich einen teilweise gutheissenden Einsprache
entscheid erlassen, in welchem unter anderem ein Valideneinkommen von Fr. 74’400.--
anerkannt worden sei; eine Beschwerde gegen besagten Einspracheentscheid sei beim
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Sozialversicherungsgericht Zürich hängig (act. G 8). Der Einspracheentscheid vom
19. November 2010 lag der Replik bei (act. G 8.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.e Am 20. Juli 2012 liess der Beschwerdeführer den Entscheid des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 26. Juni 2012 einreichen. Darin
wird dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente der Unfallversicherung ab dem
1. Oktober 2009 bei einem Invaliditätsgrad von 51 % zugesprochen (act. G 15.1).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), wer während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch zu mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist, vorausgesetzt, die
Erwerbsfähigkeit kann durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen nicht wieder her
gestellt, erhalten oder verbessert werden. Die Rente wird nach dem Grad der Invalidität
abgestuft (Art. 28 Abs. 2 IVG). Unter Invalidität ist dabei gemäss Art. 7 f. des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1)
der voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde, durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be
handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be
ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Die Bestimmung des
Invaliditätsgrades ist mithin ein zweistufiger Prozess: Zuerst ist in Würdigung
medizinischer, in der Regel fachärztlicher, Berichte zu ermitteln, ob und inwiefern die
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Arbeitsfähigkeit der versicherten Person aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen
quantitativ und qualitativ vermindert ist. Positiv formuliert ist zu prüfen, welche
Tätigkeiten der versicherten Person trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen in
welchem Umfang noch zugemutet werden können. Danach ist eine erwerbliche
Gewichtung vorzunehmen, wobei es darum geht, die prognostische Validenkarriere –
die voraussichtliche Entwicklung der Erwerbsfähigkeit ohne Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung – mit der prognostischen Invalidenkarriere – der
voraussichtlichen Entwicklung der Erwerbsfähigkeit unter Berücksichtigung der
medizinisch attestierten Einschränkungen – zu vergleichen. Beide Karrieren sind mittels
eines entsprechenden Einkommens zu bewerten. Der Invaliditätsgrad entspricht dem
Verhältnis der Differenz im Vergleich zum Valideneinkommen.
2.
2.1 Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wird hauptsächlich durch ein lang
jähriges schweres postthrombotisches Syndrom beidseits beeinträchtigt. Die Gutachter
der ABI GmbH haben, unter anderem nach Durchführung einer angiologischen Begut
achtung, ausgeführt, dieses Leiden verunmögliche eine Wiederaufnahme der ange
stammten Tätigkeit als Lastwagenchauffeur. Der Angiologe führte aus, aufgrund des
Schmerzsyndroms, das sowohl beim Sitzen als auch beim Stehen auftrete, erachte er
die Arbeitsfähigkeit auch für leichtere Tätigkeiten, wechselnde Tätigkeiten oder eine
Büroarbeit erheblich eingeschränkt, zumal aufgrund der Claudicatio venosa auch beim
Herumgehen eine Einschränkung bestehe. Längerfristig sei dem Beschwerdeführer
wahrscheinlich wirklich nur eine liegende Tätigkeit mit konstanter Möglichkeit, die
Beine hoch zu lagern, zumutbar (IV-act. 54–18). In ihrer Gesamtbeurteilung kamen die
Gutachter der ABI GmbH zum Schluss, es sei nur noch eine körperlich leichte Tätigkeit
mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung möglich, bei der der Beschwerdeführer
jedoch die Möglichkeit zu erheblichen Pausen haben müsse. Aufgrund des hohen
Pausenbedarfs betrage die Arbeitsfähigkeit für solche Tätigkeiten noch 50 % (IV-
act. 54–20). Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde, der
vorliegenden Akten und der früher attestierten Arbeitsunfähigkeiten könne die volle
Arbeitsunfähigkeit als Lastwagenchauffeur seit spätestens März 2007 bestätigt werden;
gleiches gelte in Bezug auf die attestierte Arbeitsfähigkeit für Verweistätigkeiten (IV-
act. 54–20). Die festgestellten impulsiven Persönlichkeitszüge würden die
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Arbeitsfähigkeit nicht einschränken (IV-act. 54–15). Die Ärzte der Rehaklinik C._
haben in ihrem knapp ein Jahr später erstellten Gutachten diese Schlussfolgerungen
grundsätzlich bestätigt. Bezüglich Arbeitsfähigkeit führten sie aus, in einer angepassten
Tätigkeit seien ganztägige Einsätze möglich. Voraussetzung sei, dass der
Beschwerdeführer seine Beine mindestens horizontal oder noch besser hoch lagern
könne. Müsse er dabei sitzen, sei die Situation insofern ungünstig, als durch den
Winkel zwischen Beinen und Oberkörper eine Kompression auf die Beckenvenen bzw.
auf die Venen im Leistenbereich erfolge. Dem Beschwerdeführer sei deshalb bei
sitzender Tätigkeit alle zwei Stunden eine stündige Pause zu gewähren, um die Beine
liegend hoch lagern zu können. Sofern der Beschwerdeführer bei der Arbeit sitzen und
die Beine nicht hoch lagern könne, sei ein zweimal zweistündiger Einsatz vormittags
und nachmittags mit mindestens dreistündiger Pause dazwischen zumutbar. Eine
stehende Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer nicht zumutbar. Die Arbeit sollte im
Rahmen einer leichten Tätigkeit erfolgen. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung wurde von
den Ärzten der Rehaklinik C._ explizit als mit jener der ABI GmbH vergleichbar
qualifiziert (act. G 1.5). Gesamthaft vermag diese Beurteilung zu überzeugen. Gründe
dafür, dass dem Beschwerdeführer aufgrund seines postthrombotischen Syndroms
eine Erwerbstätigkeit in diesem Umfang nicht zugemutet werden könnte, sind nicht
ersichtlich. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang die zusätzliche Belastung durch
den Arbeitsweg nicht zu berücksichtigen. Die Tatsache, dass es dem
Beschwerdeführer wohl aufgrund der medizinisch ausgewiesenen
Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht ohne Weiteres zumutbar sein dürfte, einen
längeren Arbeitsweg zurückzulegen, beeinflusst die Arbeitsfähigkeit nicht direkt. Sie
wirkt sich vielmehr auf die erwerbliche Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit aus, und
zwar insofern, als der Beschwerdeführer dadurch gezwungen ist, sich eine Arbeitsstelle
in der Nähe seines Wohnorts zu suchen und für den Arbeitsweg mehr Zeit (für eine zu
sätzliche Pause, falls nötig) einzuplanen. Darauf ist unten, in E. 3.1, näher einzugehen.
2.2 Die Gutachter der ABI GmbH diagnostizierten, wie erwähnt, zusätzlich impulsive
Persönlichkeitszüge, ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Eine eigentliche
Persönlichkeitsstörung könne nicht diagnostiziert werden. Der Beschwerdeführer sei
zwar impulsiv, habe aber weder im privaten noch im beruflichen Umfeld
Schwierigkeiten aufgrund seiner Impulsivität gehabt; er sei insbesondere in der Lage
gewesen, während eines Jahres als Lagerist zu arbeiten (IV-act. 54–15).
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Demgegenüber diagnostizierte der psychiatrische Consiliarius der Rehaklinik C._
eine eigentliche Persönlichkeitsstörung, mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Der
Beschwerdeführer habe in seinem angestammten Beruf gleichsam in einer ihm
angepassten Nische funktionieren können, und zwar ordentlich gut, wenn er in
geeigneter Weise geführt worden sei. Er sei aber auch verschiedentlich an Grenzen
gelangt, die zur Aufgabe einer selbständigen Tätigkeit, aber auch zu erheblichen
Schwierigkeiten bei andern Arbeitsstellen geführt hätten. Auch in Beziehungen habe er
sich immer wieder in Schwierigkeiten verwickelt. In einer durchschnittlichen
Variationsbreite von Arbeitsverhältnissen von einfachen, wechselbelastenden
Tätigkeiten, wo seine unteren Extremitäten entsprechend geschont werden könnten,
sei in der Regel nicht zu erwarten, dass der Beschwerdeführer ein Arbeitsumfeld finden
würde, wo er adäquat geführt werden könnte und wo man auf seine charakterlichen
Eigenheiten flexibel und tolerant reagieren würde. Zwar sei ihm zuzumuten, sich
hinsichtlich seiner impulsiven Reaktionen in einem gewissen Mass besser zu
kontrollieren. Infolge eingeschränkter Persönlichkeitsressourcen könne er die
Eigenheiten seiner Persönlichkeit einschliesslich Impulsivität aber nicht so weit kon
trollieren und kompensieren, dass dadurch gar keine Einschränkung aus
psychiatrischer Sicht gegeben wäre. Gesamthaft ergebe sich geschätzt eine mittlere,
durchschnittliche Einbusse von 10 %, die jedoch je nach in Aussicht genommener Art
der Betätigung bzw. des Arbeitsplatzes ganz verschieden stark ausgeprägt sein könne
(act. G 1.4). Die psychiatrische Beurteilung der Rehaklinik C._ wurde nach deutlich
längerer und intensiverer Exploration des Beschwerdeführers abgegeben als jene der
ABI GmbH. Sie ist auch wesentlich umfangreicher und differenzierter ausgefallen.
Gesamthaft vermag sie eher zu überzeugen als jene der ABI GmbH, zumindest was die
Diagnose einer eigentlichen Persönlichkeitsstörung betrifft. Allerdings vermag die
attestierte quantitative Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit – welche vom Gutachter
selbst wesentlich relativiert wurde – nicht zu überzeugen. Die Ausführungen des
Gutachters legen gesamthaft vielmehr den Schluss nahe, dass sich die diagnostizierte
Persönlichkeitsstörung nicht in erster Linie quantitativ, sondern vielmehr qualitativ auf
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkt. Mit anderen Worten ist davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer lediglich noch in Betrieben mit geeigneter
Führung tätig sein kann, dann allerdings ohne quantitative Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischen Gründen. Dass ihm dies in der Vergangenheit
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möglich war, wird vom Gutachter beispielhaft angeführt: Im Militärdienst kam es
offenbar – trotz notorisch „engmaschiger“ Führung – nicht zu nennenswerten
Problemen, ebensowenig wie an der letzten Arbeitsstelle, an der der Beschwerdeführer
immerhin während zwei Jahren durchgehend zu 100 % tätig war. Bei ungeeigneter
Führung dagegen wäre gemäss Gutachter mit erheblichen Problemen und letztlich
wohl mit einer relativ raschen Auflösung eines etwaigen Arbeitsverhältnisses zu
rechnen. Dies würde in Übereinstimmung damit stehen, dass der Beschwerdeführer
nur relativ kurz als Lagerist arbeitete und es auch an mindestens einer anderen Stelle
rasch zu offenbar erheblichen Konflikten kam, die zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses führten (vgl. IV-act. 17). Mit einer pauschalen zusätzlichen
quantitativen Arbeitsunfähigkeit wird diesen Umständen nicht genügend Rechnung ge
tragen, wie der Gutachter selbst auch einräumte. Vielmehr ist das Zumutbarkeitsprofil
in qualitativer Hinsicht entsprechend anzupassen, also zu fordern, dass der
Beschwerdeführer geeignet geführt und auf seine charakterlichen Besonderheiten
genügend Rücksicht genommen wird. Dies wirkt sich in quantitativer Hinsicht nicht auf
die Arbeitsfähigkeit aus, hat aber Auswirkungen auf die erwerbliche Verwertbarkeit,
worauf unten, in E. 3.1, näher einzugehen ist.
2.3 Gesamthaft ist dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht die Verrichtung
eines 50%igen Pensums – verteilt auf den ganzen Tag mit längeren Pausen zwischen
den Einsätzen bzw. auf zweimal zwei Stunden mit einer mindestens dreistündigen
Pause dazwischen – in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit
geeigneter Führung und Verständnis von Seiten der Vorgesetzten, möglichst in der
Nähe des Wohnortes, zumutbar.
3.
3.1 Unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Umstände bestehen erhebliche
Zweifel an der Verwertbarkeit dieser Restarbeitsfähigkeit. Es ist fraglich, ob es auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt Tätigkeiten gibt, bei denen sämtlichen qualitativen Ein
schränkungen hinreichend Rechnung getragen werden kann, wo der Beschwerdeführer
also zweimal zwei Stunden mit einer mindestens dreistündigen, liegend zu verbringen
den Pause dazwischen körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten im Sitzen
ausüben könnte, allenfalls – aufgrund der mit der Zurücklegung des Arbeitsweges ver
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bundenen relevanten Belastungen – mit zusätzlichen längeren Pausen vor und nach
der Arbeit (am Arbeitsort), mit geeigneter Führung und (insgesamt wohl:
ausserordentlich grossem) Verständnis von Seiten der Vorgesetzten, gerade mit Blick
auf die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung. Die Beschwerdegegnerin wie auch die
zuständige Unfallversicherung und das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
haben sich mit dieser Frage nicht vertieft auseinander gesetzt und insbesondere keine
diesbezüglichen Abklärungen durchgeführt oder angeordnet (vgl. insb. den Entscheid
UV.2010.00383 des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 26. Juni
2012, E. 3.3). Anhand der Akten kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
beantwortet werden, ob dem Beschwerdeführer die Verwertung der medizinisch-
theoretischen Restarbeitsfähigkeit möglich ist. Aus diesem Grund ist die Angelegenheit
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Deren Berufs- bzw.
Eingliederungsberater sollen entsprechende Abklärungen tätigen und anschliessend
begründet Stellung dazu nehmen, ob geeignete Arbeitsplätze auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt in genügender Anzahl vorhanden sind oder ob dem Beschwerdeführer
gleichsam lediglich noch bestimmte Nischenarbeitsplätze offen stünden, die zuerst
aber noch gefunden werden müssten. Sehr zu begrüssen wäre es, wenn sich allenfalls
ein geeignetes Vorgehen zur Wiedereingliederung des Beschwerdeführers in eine
Erwerbstätigkeit finden liesse. Gemäss dem Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ hat
die Beschwerdegegnerin entsprechende Bemühungen zu tätigen bzw. zu veranlassen.
Dabei hat sie auch zu prüfen, ob und allenfalls inwiefern die Erwerbsfähigkeit durch die
Abgabe geeigneter Hilfsmittel verbessert werden könnte.
3.2 Sollten die Spezialisten der Beschwerdegegnerin zur Auffassung gelangen, es
bestehe eine auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertbare Restarbeitsfähigkeit,
so hat die Beschwerdegegnerin gestützt auf diese Ergebnisse den Invaliditätsgrad neu
zu berechnen. Da jedenfalls Anspruch auf mindestens eine halbe Rente der Invaliden
versicherung besteht, ist die zugesprochene halbe Rente bis zum Abschluss der Ab
klärungen und anschliessenden Neuverfügung weiterhin auszurichten (vgl. hierzu den
Entscheid IV 2010/109 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. Juni
2012, E. 5, mit zahlreichen Hinweisen).
4.
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Die Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der
Kosten- und Entschädigungsfolgen als vollständiges Obsiegen der Beschwerde
führenden Partei. Demgemäss sind die angesichts des durchschnittlichen Aufwands
auf Fr. 600.-- festzulegenden Gerichtskosten (Art. 69 Abs. 1 IVG) vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer ist der von ihm geleistete
Kostenvorschuss in gleicher Höhe zurückzuerstatten. Sodann hat die Beschwerde
gegnerin den Beschwerdeführer mit einer Pauschale von Fr. 3’500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht