Decision ID: 02157e55-72cf-593d-815e-87e3679f0108
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 20. Juni 2017 bei der Gemeinde Interlaken ein
Baugesuch (datiert vom 22. Mai 2017) ein für das Aufstellen einer Orientierungsanlage, die
neben einem Ortsplan und historischen Informationen hauptsächlich Werbung von lokalen
Unternehmungen enthalten soll. Die Beschwerdeführerin beabsichtigt, die
Orientierungsanlage an der nordöstlichen Grenze der Parzelle Interlaken Grundbuchblatt
Nr. C._, auf welcher sich bereits der im Bauinventar als schützenswert bzw. K-
Objekt eingestufte Kursaal mitsamt zugehöriger Parkanlage befindet, aufzustellen. Der
Bereich, in dem die Orientierungsanlage aufgestellt werden soll, liegt in der Hotelzone B.
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2. Nachdem die Gemeinde von der Denkmalpflege des Kantons Bern (KDP) einen
Fachbericht eingeholt hatte, teilte sie der Beschwerdeführerin schriftlich mit, die
Bauverwaltung werde gestützt auf die Einschätzung der KDP der Baukommission
beantragen, die Orientierungsanlage nicht zu bewilligen. Gleichzeitig gab sie der
Beschwerdeführerin Gelegenheit, das Baugesuch zurückzuziehen, eine Projektänderung
einzureichen oder einen beschwerdefähigen Entscheid zu verlangen. Die
Beschwerdeführerin verlangte Letzteres. Mit Entscheid vom 25. September 2017 erteilte
die Gemeinde dem Vorhaben den Bauabschlag.
3. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 26. Oktober 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt, den
Bauabschlag aufzuheben und die Baubewilligung zu erteilen. Eventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerdeführerin macht
insbesondere geltend, es liege kein gewichtiges Denkmal- oder Ortsbildschutzinteresse
vor, das einen Bauabschlag rechtfertigen würde.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten sowie das von der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid erwähnte Aussenraumgestaltungskonzept ein. Danach führte die
BVE im Beisein der Verfahrensbeteiligten und einer Vertretung der KDP einen
Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Verfahrensbeteiligten erhielten
Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen
einzureichen. Die Gemeinde beantragt sinngemäss, die Beschwerde abzuweisen und den
angefochtenen Entscheid zu bestätigen.
5. Auf die Rechtsschriften und Vorakten sowie auf das Ergebnis des Augenscheins
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin, deren Baugesuch
abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist folglich einzutreten.
2. Denkmal- und Ortsbildschutz
a) Gemäss den am 20. Juni 2017 eingereichten Baugesuchsunterlagen besteht die
geplante Orientierungsanlage aus mehreren, hauptsächlich Werbung enthaltenden, Tafeln,
die auf zwei bzw. drei Stützen befestigt sind. Insgesamt soll die Anlage eine Breite von
ca. 3.00 m, eine Höhe von 1.90 m sowie eine Tiefe von 0.10 m aufweisen; ab Boden bis
zur Unterkante der Tafeln beträgt der Abstand 0.70 m. Die Beschwerdeführerin
beabsichtigt, die Orientierungsanlage an der nordöstlichen Grenze der Parzelle Interlaken
Grundbuchblatt Nr. C._, unmittelbar rechts neben dem seitlichen Zugang zu einer
Parkanlage, aufzustellen. Im betreffenden Bereich ist die Parkanlage durch einen
mannshohen Drahtzaun und Buschwerk von der Strandbadstrasse bzw. dem darauf
befindlichen Trottoir abgegrenzt. Die Parkanlage gehört zum Kursaal, der im Bauinventar3
als schützenswertes K-Objekt aufgenommen und im Schweizerischen Inventar der
Kulturgüter (KGS-Inventar)4 als Objekt von nationaler Bedeutung aufgeführt ist. Der
Kursaal-Garten bzw. die Parkanlage ist zudem in der ICOMOS5-Liste historischer Gärten
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 3 Abrufbar unter: http://www.erz.be.ch/erz/de/index/kultur/denkmalpflege/bauinventar/bauinventar_online.html. 4 Abrufbar unter: http://www.babs.admin.ch/de/aufgabenbabs/kgs/inventar.html. 5 International Council on Monuments and Sites.
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und Anlagen der Schweiz6 vermerkt. Die Bauparzelle befindet sich ferner im Perimeter der
Baugruppe H (Interlaken, Höhematte/Aarzelg) sowie in einem kommunalen
Ortsbildgestaltungsbereich.7 Die Gemeinde Interlaken ist schliesslich im Inventar der
schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) aufgenommen; die Bauparzelle befindet
sich in dem nach ISOS bezeichneten Gebiet Nr. 1.
b) Die Vorinstanz stützt den Bauabschlag insbesondere auf die Einschätzung der KDP,
wonach am beabsichtigten Standort aus denkmal- und ortsbildpflegerischer Sicht keine
Bauten oder Einrichtungen erstellt werden sollten; es sei nämlich wichtig, das qualitätvolle
Parkgelände und dessen Begrenzung unverstellt und einsehbar zu belassen. Es sei zudem
davon auszugehen, dass am geplanten Standort kein dringendes touristisches Interesse
an der Aufstellung der Orientierungsanlage bestehe; die bestehenden Einrichtungen
würden ausreichen. Ferner entspreche die geplante Orientierungsanlage nicht dem
Aussenraumgestaltungskonzept der Gemeinde. Schliesslich benötige das Bauvorhaben
eine Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Baulinie; die Voraussetzungen
hierzu seien jedoch nicht erfüllt.
c) Dagegen bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, das öffentliche
Interesse am Denkmal- und Ortsbildschutz sei vorliegend gering; jedenfalls überwiege
dieses nicht das Informationsinteresse der Touristen. Es sei zudem nicht ersichtlich,
inwiefern die geplante Orientierungsanlage zu einer Beeinträchtigung des Kursaals oder
der Parkanlage führen sollte. So seien diese insbesondere aufgrund der dichten
Bepflanzung gar nicht (gut) einsehbar. Da die Orientierungsanlage auch Informationen zur
historischen Entwicklung des Kursaals bzw. der Parkanlage enthalten werde, würde deren
Attraktivität durch die geplante Anlage sogar noch erhöht. Selbst wenn die
Orientierungsanlage aber zu einer Beeinträchtigung führen würde, wäre diese nicht
erheblicher als diejenige, die bereits von den umliegenden Bauten und Anlagen ausgehe;
von einem einheitlichen Gesamtbild könne jedenfalls nicht gesprochen werden. Der
Bauabschlag stelle schliesslich einen ungerechtfertigten Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit
und den Wettbewerb dar; die Vorinstanz wäre verpflichtet gewesen, vor der Erteilung des
Bauabschlags Bedingungen und Auflagen zu verfügen. Im Übrigen bräuchte es für das
6 Abrufbar unter: http://www.icomos.ch/workinggroup/gartendenkmalpflege/informationen/wichtige-/liste-der-historischen-gaerten-und-anlagen/. 7 Vgl. Zonenplan 2 der Einwohnergemeinde Interlaken vom 9. Dezember 2008.
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Bauvorhaben auch keine Ausnahmebewilligung, da die Orientierungsanlage direkt am
Zaun befestigt werden könnte.
d) Für die Beurteilung des umstrittenen Bauvorhabens sind verschiedene kantonale und
kommunale Vorschriften zum Denkmal- und Ortsbildschutz relevant. Es sind dies die
kantonalen Vorschriften betreffend Baudenkmäler (Art. 10a f. BauG), die allgemeinen
Ästhetikvorschriften des Kantons und der Gemeinde (Art. 9 BauG und Art. 411 GBR8)
sowie die kommunalen Vorschriften zu den Reklamen und Plakatierungen (Art. 416 GBR)
einerseits und zu den Ortsbildgestaltungsbereichen (Art. 511 GBR) andererseits:
Baudenkmäler sind herausragende Objekte und Ensembles von kulturellem, historischem
oder ästhetischem Wert. Dazu gehören namentlich Ortsbilder, Baugruppen, Bauten und
Gärten (Art. 10a Abs. 1 BauG). Baudenkmäler sind schützenswert, wenn sie wegen ihrer
bedeutenden architektonischen Qualität oder ihrer ausgeprägten Eigenschaften
ungeschmälert bewahrt werden sollen (Art. 10a Abs. 2 BauG). Baudenkmäler dürfen durch
Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden (Art. 10b Abs. 1 zweiter
Satz BauG). Das ist zwar nicht absolut zu verstehen und heisst nicht, dass die Umgebung
überhaupt nicht verändert werden darf; es sei denn, diese sei selber schützens- oder
erhaltenswert. Eine Veränderung soll aber auf das Baudenkmal grösstmögliche Rücksicht
nehmen und dieses nicht wesentlich beeinträchtigen. Was das im konkreten Fall heisst,
hängt vom Schutzbedarf des Baudenkmals und seiner Stellung in der Umgebung einerseits
und dem Interesse der Veränderung der Umgebung andererseits ab. Dies kann bedeuten,
dass gewisse Bauvorhaben nicht bewilligt werden können (so z.B. eine Mobilfunkantenne
oder störende Werbemittelträger) oder dass die zonengemässe bauliche Nutzung (z.B. in
der Höhe und in der Breite) nicht voll ausgeschöpft werden darf (Art. 10b Abs. 4 BauG und
Art. 92 Abs. 1 BauV9).10
Zum auf der Bauparzelle befindlichen Kursaal wird im Bauinventar Folgendes ausgeführt:
Kursaal, eröffnet 1859, heutige Bausubstanz vorwiegend 1899-1910 (Halle Ost 1913 von Urfer & Stähli)
Grosszügig angelegter Komplex in Mischbauweise; auf den Höheweg ausgerichtete, stark gegliederte
Hauptfront hinter weitläufiger Parkanlage. Charakteristisch ist die Mischung von einheimischen Motiven
8 Baureglement der Einwohnergemeinde Interlaken vom 9. Dezember 2008 (GBR). 9 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1). 10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 10a–10f N. 7 mit Hinweisen.
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(Heimatstilründi, Holzbauteile) mit einem Hauch von Welt (neubarocke und fernöstliche Elemente, Jugendstil).
Hochelegante Ausstattung des Innern mit Schnitzereien, Stuckaturen und Malereien: Holzpfeilerhalle,
Billardsaal, Vestibül, Rechtecksaal mit Empore, Spielsaal. O-seitig sehr hübsches Kassenhaus.
Leider werden die vorgelagerten Bauten neuerer Zeit direkt am Höheweg dem grosszügig-weitläufigen Geist
des Altbaus nicht gerecht.
Zur Baugruppe H, in deren Perimeter die Bauparzelle liegt, führt das Bauinventar sodann
Folgendes aus:
Die Baugruppe H umfasst die an die Höhematte angrenzende «Häuserschicht» an Höheweg, Alpen- und
Klosterstrasse und das Gebiet Aarzelg mit zahlreichen Dependenzgebäuden der Hotellerie und dem Kursaal.
Die in kluger Voraussicht schon 1864 von Interlakner Bürgern unter Schutz gestellte, mit absolutem Bauverbot
belegte und damit jeglicher Spekulation entzogene Höhematte bildet mit ihrem prächtigen Blick auf das
Jungfraumassiv noch heute das Herzstück des Weltkurortes Interlaken. Die weite, von Nussbaum- und
Kastanienalleen mit Promenadenwegen umgebene Wiese ist altes Klosterland und war vor der Entwicklung
Aarmühlens zum Kurort Verbindungsglied zwischen dem Kloster bzw. Schlosskomplex und dem Dörfchen. Auf
der Nordseite begrenzt die Postkartenansicht der um eine breite Vorzone zurückversetzten stolzen Reihe um
1860 erbauter klassizistisch strukturierter Grosshotels die Höhematte. Leider ist sie seit dem Bau des
Betonturms Metropol arg aus dem noblen Gleichgewicht gebracht. Störend wirken auch die unschönen
Vorbauten des Kursaals und die klotzigen, die verbindende Vorparkzone unterbrechenden Pavillongebilde
neueren Datums vor den Hotels. Von sehr grosser Wichtigkeit für die nördlich des Höhewegs gelegene Zone ist
der bedeutende Grünraum zwischen Hotelreihe und Aare. Während auf der Ostseite mit Kirchen und Schloss
der wertvollste Baubestand der Gemeinde hinter den Bäumen von Alleen und Schlosspark gerade noch
wahrgenommen werden kann, verschwindet im Westen das ehemalige Dorf Aarmühle fast vollständig hinter
den Baumkronen und im Süden überragt nur der imposante Bau des Savoy das dichte Grün.
Gemäss Bauinventar zeichnet sich eine Baugruppe durch einen räumlichen oder
historischen Zusammenhang aus. In einer Baugruppe werden Objekte zusammengefasst,
deren Wert in ihrer Wirkung in der Gruppe liegt. Die Wirkung einer solchen Gruppe kann
schon durch das Wegfallen oder Verändern eines einzelnen Elements oder das
Hinzufügen eines Fremdkörpers empfindlich gestört werden.
Gemäss Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und
Bemalungen Landschaften, Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift
stellt die «ästhetische Generalklausel» im Sinne eines allgemeinen
Beeinträchtigungsverbots dar. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben
einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung oder Landschaft schafft, der erheblich
stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften erlassen, die über die kantonalen
Vorschriften hinausgehen können (Art. 9 Abs. 3 BauG). Derartige Vorschriften müssen, um
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selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die Anordnungen des
kantonalen Rechts. Sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders formulieren.11 Die
Gemeinde Interlaken hat dies getan; ihr Baureglement enthält unter dem Titel «Bau- und
Aussenraumgestaltung» folgende selbständigen Bestimmungen:
Art. 411 Gestaltungsgrundsatz 1 Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine gute Gesamtwirkung
entsteht. 2 Bei der Beurteilung der guten Gesamtwirkung sind insbesondere zu berücksichtigen
- die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes, - die bestehende und bei Vorliegen einer entsprechenden Planung auch die beabsichtigte Gestaltung der
benachbarten Bebauung,
- Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der Bauten und Anlagen, - die Fassaden- und Dachgestaltung sowie die Materialisierung und Farbgebung, - die Gestaltung der Aussenräume, insbesondere des Vorlandes und der Begrenzungen gegen den
öffentlichen Raum,
- die Gestaltung und Einordnung der Erschliessungsanlagen, Abstellplätze und Eingänge. 3 [...]
Art. 416 Reklamen und Plakatierung 1 Reklamen sind so anzuordnen, dass sie das Strassen-, Orts- und Landschaftsbild, schützens- und
erhaltenswerte Objekte und deren Umgebung, die Wohn- und Aufenthaltsqualität sowie die Verkehrssicherheit
nicht beeinträchtigen.
[...]
An das Erfordernis der guten Gesamtwirkung gemäss Art. 411 Abs. 1 und 2 GBR dürfen
nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Das bedeutet bei
durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht
gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage an den qualitativ
hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.12 Bei besonderen
örtlichen Gegebenheiten dürfen hingegen überdurchschnittliche Anforderungen an das
Erfordernis der guten Gesamtwirkung bzw. an das jeweilige Bauvorhaben gestellt
werden.13
11 BVR 2009 S. 328 E. 5.2; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 und 13 mit weiteren Hinweisen. 12 BVR 2009 S. 328 E. 5.3, 2006 S. 491 E. 6.3.2; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a zweites Lemma. 13 BDE vom 7. Dezember 2016, E. 2d erstes Lemma (RA Nr. 110/2016/86); vgl. dazu ferner Heidi Walther Zbinden, Amtsberichte im Baubewilligungsverfahren, in KPG-Bulletin 6/2002 S. 163 Ziffer 3.4.
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Zu berücksichtigen ist weiter, dass die Bauparzelle im Perimeter eines kommunalen
Ortsbildgestaltungsbereichs liegt. Das GBR hält dazu unter dem Titel «Ortsbildpflege»
Folgendes fest:
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Art. 511 Ortsbildgestaltungsbereiche 1 Die Ortsgestaltungsbereiche bezwecken die Erhaltung, die Gestaltung und die behutsame Erneuerung der für
das Ortsbild prägenden Elemente, Merkmale und Strukturen. 2 Die Ortsbildgestaltungsbereiche sind im Zonenplan 2 grundeigentümerverbindlich ausgeschieden. 3 Die Baukommission kann in Ortsbildgestaltungsbereichen zur Beurteilung von Baugesuchen eine Fachstelle
beiziehen. 4 In den Hotelzonen gelten überdies folgende Anforderungen:
a) [...]
b) Unüberbaute Flächen in der Hotelzone B sind dem repräsentativen Charakter der Zone entsprechend zu
gestalten und nach Möglichkeit zu begrünen.
Gemäss Kommentar zu Art. 511 GBR haben sich alle baulichen Massnahmen innerhalb
von Ortsbildgestaltungsbereichen bezüglich Stellung, Volumen und Gestaltung gut ins
Ortsbild und in die Umgebung einzufügen. Der kommunale Ortsbildgestaltungsbereich, in
welchem sich die Bauparzelle befindet, ist zudem ein Schutzgebiet nach Art. 86 BauG. In
solchen Gebieten sind nur Bauvorhaben gestattet, die den Schutzzweck nicht
beeinträchtigen und den von der Gemeinde erlassenen Schutzvorschriften entsprechen
oder standortgebunden sind (Art. 86 Abs. 3 BauG).
e) Schliesslich ist vorliegend auch das ISOS zu berücksichtigen, in dem die Gemeinde
Interlaken als «Verstädtertes Dorf» von nationaler Bedeutung verzeichnet ist.14 Zwar sind
das ISOS und die damit verbundenen Schutzziele nicht unmittelbar verbindlich, da das
Erteilen einer Baubewilligung für das hier umstrittene Vorhaben in der Bauzone keine
Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 NHG ist.15 Das ISOS ist aber im Richtplan des Kantons
Bern ausdrücklich als in der Planung umzusetzende Grundlageninformation bezeichnet.
Als «anderes Inventar» im Sinne von Art. 13e BauV gilt es daher für die Behörden von
Kanton und Gemeinden auch im Baubewilligungsverfahren zumindest als Empfehlung und
es ist entsprechend bei der Beurteilung des hier umstrittenen Projekts zu berücksichtigen.16
In der Bewertung des ISOS werden der Gemeinde Interlaken gewisse Lagequalitäten
sowie besondere räumliche und architekturhistorische Qualitäten attestiert; daneben
erwähnt das ISOS auch den geschichtlichen Wert als zusätzliche Qualität der Gemeinde
Interlaken. Die Bauparzelle liegt in dem nach ISOS bezeichneten Gebiet Nr. 1, das als
14 Art. 5 des Bundesgesetzes vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) und Anhang zur Verordnung des Bundesrats vom 9. September 1981 über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (VISOS; SR 451.12). 15 BGer 1A.11/2007 vom 16.5.2007, E. 2. 16 BVR 2008 S. 117 E. 2b; VGE 2012/332 vom 11.9.2013, E. 4.4, 22020 vom 28.9.2005, E. 2.4.1.
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«Höheweg, ab M. 19 Jh. entstandener Hotelbereich mit Abfolge von Luxushotels entlang
einer Flanierallee, Verbindung der historischen Ortsteile» beschrieben ist. Das Gebiet Nr. 1
gehört zur Aufnahmekategorie «AB», weist sowohl räumliche als auch
architekturhistorische Qualitäten auf, ist von besonderer Bedeutung und mit dem
Erhaltungsziel «A» belegt. Gemäss den Erläuterungen zum ISOS ist ein «Gebiet» ein
grösstmöglicher Ortsteil, der dank räumlichen, architekturhistorischen oder
regionaltypischen Merkmalen als Ganzheit ablesbar ist (z.B. ein mittelalterlicher Stadtkern,
ein Bahnhofquartier, ein Unterdorf, ein alter Dorfkern oder eine Industrieanlage). Mit der
Aufnahmekategorie «AB» wird sodann ausgedrückt, dass das betreffende Gebiet
«ursprüngliche Substanz» (d.h. die Mehrheit der Bauten und Räume hat historisch die
gleiche epochenspezifische oder regionaltypische Prägung) und «ursprüngliche Struktur»
(d.h. das historische Gefüge der Räume besteht, die Mehrheit der Bauten hat ähnliche
epochenspezifische oder regionaltypische Merkmale) hat. Für das Erhaltungsziel «A» gilt
schliesslich, dass im betreffenden Gebiet alle Bauten, Anlageteile und Freiräume integral
erhalten und störende Eingriffe beseitigt werden sollten.
f) Nichts Zusätzliches hinsichtlich des Schutzumfanges lässt sich hingegen aus dem
Umstand ableiten, wonach der Kursaal im KGS-Inventar als A-Objekt, mithin als Objekt von
nationaler Bedeutung, aufgeführt ist. Dieses Inventar listet zwar jene Kulturgüter auf, für die
das KGSG17 gilt, welches die Sicherung und den Schutz von Kulturgütern gegen
schädigende Auswirkungen in Krisensituationen bezweckt. Das KGS-Inventar begründet
aber keine qualifizierte Rücksichtspflicht gemäss Art. 6 NHG.18 Nichtsdestotrotz weist die
Aufnahme in das KGS-Inventar darauf hin, dass es sich beim Kursaal um ein äusserst
bedeutendes Objekt handelt.
g) Aus den bisherigen Ausführungen geht hervor, dass sich die Bauparzelle an einer
besonderen Lage befindet. Nicht nur darf die geplante Orientierungsanlage weder den
schützenswerten Kursaal und die dazugehörige Parkanlage noch das umliegende Orts-
und Strassenbild beeinträchtigen (Art. 10b Abs. 1 zweiter Satz und Art. 9 Abs. 1 BauG
sowie Art. 416 Abs. 1 GBR). Sie muss auch zu einer guten Gesamtwirkung mit der
Umgebung führen (Art. 411 Abs. 1 und 2 GBR) und sich gut ins Ortsbild bzw. in die
Umgebung einfügen (Art. 511 GBR). Mit anderen Worten ist vorliegend eine sehr
17 Bundesgesetz vom 20. Juni 2014 über den Schutz der Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten, bei Katastrophen und in Notlagen (KGSG; SR 520.3). 18 Josef Rohrer, in Keller/Zufferey/Fahrländer, Kommentar NHG, Zürich 1997, S. 25 f.
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sorgfältige Einpassung ins Ortsbild unter Bezugnahme zum repräsentativen Charakter der
Umgebung verlangt. Schliesslich hat das Vorhaben, auch aufgrund des Umstands, wonach
das Baugrundstück in dem nach ISOS bezeichneten Gebiet Nr. 1 liegt,
überdurchschnittlichen ästhetischen Anforderungen zu genügen. Entgegen den
Ausführungen der Beschwerdeführerin bestehen vorliegend also sehr wohl gewichtige
Interessen des Denkmal- und Ortsbildschutzes.
h) Die KDP kommt in ihrem Fachbericht vom 20. Juli 2017 im Wesentlichen zum
Schluss, an der Einfriedung der Parkanlage des Kursaals, mithin entlang der nordöstlichen
Grenze der Parzelle Nr. C._, sollten aus denkmal- und ortsbildpflegerischer Sicht
keine Bauten oder Einrichtungen erstellt werden. Denn es sei wichtig, dass das
qualitätvolle Parkgelände und dessen Begrenzung unverstellt und einsehbar blieben. Zur
weiteren Begründung verweist die KDP auf ihren Fachbericht vom 17. Mai 2017. Damals
ging es um ein Fotoboxhäuschen, das ebenfalls an der nordöstlichen Grenze der Parzelle
Nr. C._, jedoch weiter nördlich, hätte aufgestellt werden sollen. Die KDP kam aber
zum Schluss, dass durch dieses Vorhaben sowohl die sehr qualitätvolle Parkanlage mit
durchdachtem Wegnetz, Bepflanzungen und Sichtbezügen wie auch das geschützte
Kursaalgebäude im Rahmen des Umgebungsschutzes und schliesslich der weiter nördlich
gelegene, qualitätvolle zeitgenössische Erweiterungsbau stark beeinträchtigt würden.
Ferner führte die KDP aus, durch den Neubau würden verschiedene wichtige Sichtbezüge
in und aus dem Park sowie das Kursaalgebäude verstellt. Im Übrigen sei das
Fotoboxhäuschen für die Kursaal-Parkanlage unangemessen und aus denkmal- und
ortsbildpflegerischer Sicht klar nicht bewilligungsfähig. Schliesslich wies die KDP darauf
hin, dass an der betreffenden Stelle nicht gebaut werden könne. Infolge Rückzugs des
Baugesuchs wurde das betreffende Baubewilligungsverfahren letztlich als erledigt vom
Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.
i) Wie die Beschwerdeführerin in ihren Schlussbemerkungen zutreffend ausführt, ist im
Bereich der geplanten Orientierungsanlage aufgrund der dichten Bepflanzung weder der
Kursaal noch das Parkinnere einsehbar.19 Dies wird von der KDP grundsätzlich auch nicht
bestritten. Deren Vertreter hat anlässlich des Augenscheins jedoch darauf hingewiesen, es
sei wichtig, dass von aussen die gesamte Parkanlage, mithin auch die Bepflanzungen, die
als Begrenzung dienen würden, wahrgenommen werden könnten; denn diese gehörten
19 Vgl. Fotos Nrn. 1, 3, 5, 7 und 9 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. Februar 2018.
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ebenso zur charakteristischen Typologie des Parks und der Umgebung. Dies deckt sich mit
dem Bericht der KDP vom 20. Juli 2017, wonach nicht nur das qualitätvolle Parkgelände,
sondern auch dessen Begrenzung unverstellt und einsehbar bleiben müsste. Dass die
betreffenden Büsche und Hecken nicht bloss Begrenzung, sondern Bestandteile der
Parkanlage sind, wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten und ergibt sich auch aus
dem entsprechenden Objektdatenblatt der ICOMOS-Liste historischer Gärten und Anlagen
der Schweiz. Darin werden als Bestandteile des «Kursaal-Gartens» nämlich nicht nur die
weitläufige Parkanlage, der Ziergarten mit Springbrunnenanlage und die Kieswege,
sondern auch die Sträucher und Bäume genannt. Im Übrigen konnte anlässlich des
Augenscheins festgestellt werden, dass nicht nur die Bepflanzung im Parkinnern, sondern
auch diejenige entlang der Strandbadstrasse sorgfältig bewirtschaftet bzw. gepflegt wird.20
j) Gemäss den Baugesuchsunterlagen soll die Orientierungsanlage unmittelbar rechts
neben dem seitlichen Zugang zur Parkanlage und vor dem dort befindlichen Drahtzaun
aufgestellt werden. In ihren Schlussbemerkungen weist die Beschwerdeführerin zwar
darauf hin, dass sie von der Eigentümerin des Baugrundstücks auch die Erlaubnis hätte,
die Orientierungsanlage direkt am erwähnten Zaun zu befestigen. In beiden Fällen würde
die Orientierungsanlage jedoch die Sicht auf die Bepflanzung, die in diesem Bereich die
Parkanlage von der Strandbadstrasse bzw. dem darauf befindlichen Trottoir abgegrenzt,
beträchtlich verstellen; bei letzterer Variante müssten die betreffenden Büsche und Hecken
sogar (teilweise) zurückgeschnitten werden.21 Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin würde sich die geplante Orientierungsanlage also in beiden Fällen
negativ auf die Parkanlage auswirken und damit letztlich den schützenswerten Kursaal, zu
welchem die im Bauinventar explizit erwähnte Parkanlage gehört, beeinträchtigen. Dies gilt
umso mehr, als der Kursaal aufgrund seiner Bedeutung – der Vertreter der KDP hat diesen
anlässlich des Augenscheins nicht bloss als ein prägendes Element des Ortsbilds, sondern
als Herz von Interlaken bezeichnet22 – einen grosszügigen Umgebungsschutz geniesst. Da
das öffentliche Interesse an der Verhinderung von Beeinträchtigungen des Kursaals und
der Parkanlage sehr gross ist, könnte das von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
angebliche touristische Interesse an der Orientierungsanlage eine Beeinträchtigung nicht
rechtfertigen. Im Übrigen ist ein touristisches Interesse an der umstrittenen
Orientierungsanlage auch nicht vorhanden. Die Gemeinde hält in ihrem Entscheid zu Recht
20 Vgl. Fotos Nrn. 12-14 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. Februar 2018. 21 Vgl. Foto Nr. 7 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. Februar 2018. 22 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 6. Februar 2018, S. 4 f., Votum KDP-Vertreter.
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fest, es bestehe an dieser Stelle seitens der ankommenden Touristen kein dringendes
Informationsbedürfnis und die Orientierungstafel entspreche nicht ihrem
Aussenraumgestaltungskonzept. Anlässlich des Augenscheins vom 6. Februar 2018
konnte nämlich festgestellt werden, dass im Parkinnern bereits eine offizielle, dem
Aussenraumgestaltungskonzept der Gemeinde entsprechende Tafel mit historischen
Informationen steht.23 Schliesslich ist auch die Zusicherung der Beschwerdeführerin, dass
die von der Orientierungsanlage tangierte Bepflanzung auch weiterhin sorgfältig
bewirtschaftet und gepflegt werden würde, unbeachtlich, da dies nichts an der
Beeinträchtigung selbst ändern würde. Nach dem Gesagten verletzt die geplante
Orientierungsanlage Art. 10b Abs. 1 zweiter Satz BauG sowie Art. 416 Abs. 1 GBR.
k) Das umstrittene Bauvorhaben beeinträchtigt jedoch nicht nur den schützenswerten
Kursaal bzw. die dazugehörige Parkanlage, sondern stellt auch einen markanten
Fremdkörper dar, der das umliegende Orts- bzw. Strassenbild erheblich stört. So ist der
Bereich entlang der Einfriedung des Parkgeländes bis auf zwei Strassenlaternen und eine
Reklametafel im Norden, die auf das im Kursaal befindliche Casino hinweist, frei von
jeglichen Bauten und Anlagen.24 Wie die Beschwerdeführerin zwar richtig ausführt,
schränkt die bestehende Reklametafel die Sicht auf die Parkanlage ebenfalls ein. Allein
deswegen kann vorliegend aber noch nicht von einem uneinheitlichen Orts- bzw.
Strassenbild gesprochen werden. Gleiches gilt bezüglich des noch weiter nördlich
gelegenen, zeitgenössischen Erweiterungsbaus. Dieser fällt mit seiner metallischen
Fassade, seinen grossen Fenstern und seinem modernen Volumen zwar auf.25 Inwiefern
sich das betreffende Gebäude störend auf seine Umgebung auswirken sollte, ist jedoch
nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Hinzu
kommt, dass sich eine gute Gesamtwirkung und eine neuzeitliche Architektur nicht per se
gegenseitig ausschliessen.26 Die KDP hat den Erweiterungsbau in ihrem Fachbericht vom
17. Mai 2017 denn auch als qualitätvoll bezeichnet. Ebenso nichts zu ihren Gunsten kann
die Beschwerdeführerin aus der WC-Anlage sowie den Vorbauten des Kursaals, die sich
südlich bzw. südwestlich vom geplanten Standort befinden,27 ableiten. Diese schränken
zwar die Sicht auf die Parkanlage, zumindest teilweise, ebenfalls ein. Zudem sind die
23 Vgl. Foto Nr. 19 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. Februar 2018. 24 Vgl. Fotos Nrn. 3, 4 und 11-15 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. Februar 2018. 25 Vgl. Fotos Nrn. 13 und 14 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. Februar 2018. 26 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a zweites Lemma. 27 Vgl. Fotos Nrn. 1, 2, 5, 10, 11, 16 und 17 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. Februar 2018.
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betreffenden Vorbauten gemäss Bauinventar nicht nur unschön, sondern wirkten überdies
störend bzw. würden dem grosszügig weitläufigen Geist des Altbaus nicht gerecht. Im
Gegensatz zur geplanten Orientierungsanlage handelt es sich aber sowohl bei den
Vorbauten als auch bei der WC-Anlage um Ersatzbauten aus den 1960er-Jahren für
frühere Bauten, die zur ursprünglichen, touristischen Infrastruktur der angrenzenden
Flaniermeile (Höheweg) gehörten, mithin typologisch nicht zu beanstanden sind.28 Trotz
der bestehenden Störfaktoren, insbesondere der Reklametafel für das Casino, handelt es
sich vorliegend also nach wie vor um eine intakte Umgebung; die besondere
Schutzwürdigkeit der Umgebung wird jedenfalls weder durch die Vorbauten bzw. die WC-
Anlage noch durch die bestehende Reklametafel aufgehoben. Deshalb gilt es, jede weitere
Störung zu verhindern und eine solche hätte die geplante Orientierungsanlage gemäss
obigen Ausführungen zur Folge. Soweit sich die Beschwerdeführerin mit ihrem Verweis auf
die bestehende Reklametafel schliesslich auf eine Gleichbehandlung im Unrecht beruft, gilt
im Übrigen Folgendes festzuhalten: Der Umstand, dass eine Behörde in einem anderen
Fall (oder in einzelnen anderen Fällen) das Gesetz nicht richtig angewendet hat, gibt dem
Einzelnen grundsätzlich keinen Anspruch darauf, ebenfalls abweichend vom Gesetz
behandelt zu werden. Denn das Legalitätsprinzip geht dem Rechtsgleichheitsgebot
insofern vor, als Letzteres im Grundsatz keinen Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht vermittelt. Zudem besteht ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht
grundsätzlich nur dann, wenn die Behörde nicht nur in einem oder einigen Fällen, sondern
in ständiger Praxis vom Gesetz abweicht und zu erkennen gibt, dass sie auch in Zukunft
nicht gesetzeskonform handeln wird,29 was vorliegend offensichtlich beides nicht der Fall
ist. Das Bauvorhaben verletzt folglich auch Art. 9 Abs. 1 BauG.
l) Das Vorhaben verletzt schliesslich auch Art. 411 Abs. 1 und 2 sowie Art. 511 GBR.
Denn gemäss den obigen Ausführungen stellt die geplante Orientierungsanlage einen
markanten Fremdkörper bzw. ein Element ohne Bezug zum repräsentativen Charakter der
Umgebung dar. Folglich führt diese weder zu einer guten Gesamtwirkung mit der
Umgebung noch fügt sie sich gut ins Ortsbild ein. Die Orientierungsanlage ist im Übrigen
auch nicht standortgebunden; sie kann ebenso gut an einem anderen, weniger sensiblen
Ort aufgestellt werden.
28 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 6. Februar 2018, S. 4 ff., Voten KDP-Vertreter; Ortsbilder von nationaler Bedeutung, Kanton Bern, Band 8.1 (Oberland Orte A–K), S. 200 f. 29 BGE 127 I 1 E. 3a, 122 II 446 E. 4a.
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m) Nach dem Gesagten verstösst das Bauvorhaben gegen diverse kantonale und
kommunale Denkmal- und Ortsbildschutzbestimmungen. Angesichts des Umstands,
wonach die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen bereits über zwei vergleichbare
Anlagen in Interlaken verfügt und eine offizielle Informationstafel im Parkinnern bereits
vorhanden ist, besteht vorliegend kein touristisches Interesse an der geplanten Aufstellung
der Orientierungsanlage. Gemäss den obigen Ausführungen würde das vorliegende
Interesse am Denkmal- und Ortsbildschutz letztlich aber ohnehin ein allfälliges
touristisches Interesse überwiegen. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin
bestehen vorliegend also sowohl mehrere gesetzliche Grundlagen als auch öffentliche
Interessen, die einen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV30) gestützt auf Art. 36 BV
rechtfertigen. Der Bauabschlag ist zudem ein verhältnismässiges Mittel. So eignet sich
dieser ohne Weiteres, um dem Denkmal- und Ortsbildschutz nachzukommen. Ein milderes
Mittel als der Bauabschlag, wie insbesondere die Anordnung von Bedingungen oder
Auflagen, ist ferner nicht ersichtlich. Denn Bedingungen und Auflagen zu einer
Baubewilligung kommen nur bei Bauvorhaben in Betracht, die je nach ihrer näheren
Gestaltung oder Einrichtung oder je nach der Art der Nutzung oder Betriebsführung sowohl
gesetzeskonform als auch gesetzwidrig sein können. Wenn ein Bauvorhaben den
gesetzlichen Anforderungen hingegen klar nicht entspricht, wie dies vorliegend der Fall ist
(gemäss KDP kann im fraglichen Bereich sogar generell nicht gebaut werden), kann dieser
Mangel nicht mit Bedingungen oder Auflagen geheilt werden.31 Eine Projektänderung wollte
die Beschwerdeführerin sodann nicht einreichen. Der Bauabschlag war somit erforderlich,
um dem Denkmal- und Ortsbildschutz nachzukommen. Schliesslich hat der Bauabschlag
nicht zur Folge, dass die Beschwerdeführerin auf dem gesamten Gebiet der Gemeinde
Interlaken keine Orientierungsanlage mehr aufstellen kann. Einerseits gilt der Bauabschlag
bloss für den mit Baugesuch vom 22. Mai 2017 beantragten Standort. Andererseits ist die
geplante Orientierungsanlage nicht standortgebunden. Ausserdem ist an dieser Stelle
nochmals darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bereits über zwei
vergleichbare Orientierungsanlagen in Interlaken verfügt. Der Bauabschlag erweist sich
demnach auch als zumutbar. Inwiefern das Argument des Denkmal- und Ortsbildschutzes
vorgeschoben sein bzw. der angefochtene Bauabschlag einen Eingriff in den Wettbewerb
(Art. 94 BV) darstellen sollte, ist im Übrigen nicht ersichtlich und wird von der
Beschwerdeführerin auch nicht weiter ausgeführt. Aus dem von ihr in diesem
30 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 31 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 38–39 N. 15a Bst. b und c mit Hinweisen.
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Zusammenhang zitierten Bundesgerichtentscheid32, in welchem es nota bene um die
Zuordnung von Grundstücken zur Tourismus- bzw. Wohn- und Arbeitszone ging, kann sie
jedenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten.
n) Zusammenfassend ergibt sich, dass die geplante Orientierungsanlage bereits aufgrund
des Denkmal- und Ortsbildschutzes nicht bewilligt werden kann. Ob für das Aufstellen der
Orientierungsanlage eine Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Baulinie
erforderlich ist und ob die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllt wären, kann somit
offen gelassen werden. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen und der Entscheid der
Baubewilligungsbehörde Interlaken vom 25. September 2017 zu bestätigen.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG33). Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'000.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV34). Für den Augenschein vom 6. Februar
2018 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 400.–
erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 1'400.–.
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1, 3 und 4
VRPG).