Decision ID: e3843301-400c-450f-be78-bf0cad4add11
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1959 geborene X._ absolvierte in seinem Heimatland eine Lehre als Mechaniker und reiste 1987 in die Schweiz ein, wo er unterschiedliche Tätigkeiten bei diversen Arbeitgebern ausübte und zwischenzeitlich auch Leis
tungen der Arbeitslosenversicherung bezog. Am 7. April 2011 (Eingangsdatum) meldete er sich unter Hinweis auf ein psychisches Leiden bei der Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 8/2 und Urk. 8/5). Nach durchgeführtem Vor
bescheidverfahren (Vorbescheid vom 3. Oktober 2012; Urk. 8/39) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 3. April 2013 ab dem 1. Februar 2012 bei einem errechneten Invaliditätsgrad von 56 % eine halbe Invalidenrente zu (Urk. 8/43 f. und Urk. 8/47).
1.2
Nach Wegzug des Versicherten in die Türkei (Urk. 8/55 f.) überwies die IV-Stelle die Akten der Invalidenversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA) in Genf (Urk. 8/74 und Urk. 8/77). Diese leitete auf den 1. Januar 2014 ein Rentenrevisionsverfahren ein (Urk. 8/88 ff.) und liess den Versicherten in der Schweiz psychiatrisch begutachten (Urk. 8/102). Dr. med. Y._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein Gutachten am 19. April 2015 (Urk. 8/126). Mit Vorbescheid vom 6. Mai 2015 kündigte die IVSTA die Aufhebung der bisherigen Rente an (Urk. 8/130), woraufhin der Versicherte mit
Schreiben vom 27. Mai 2015 (Urk. 8/132) und 1. Juni 2015 (Urk. 8/133) mit
teilte
, dass er wieder in die Schweiz zurückkehre beziehungsweise zurückge
kehrt sei (vgl. auch die Meldebestätigung der Wohnsitzgemeinde über den Zu
zug am 1. Juni 2015; Urk. 8/144). Gegen den Vorbescheid vom 6. Mai 2015 er
hob der Ver
sicherte am 9. Juni 2015 Einwand (Urk. 8/137). Am 21. Juli 2015 überwies die IVSTA die Akten wieder der IV-Stelle Zürich (Urk. 8/145). Nach Einholung aktueller Berichte des Z._ (Urk. 8/155-162) räumte die IV-
Stelle dem Versicherten am 23. Februar 2016 Gelegenheit zur Stellungnahme ei
n (Urk. 8/163). Am 6. Mai 2016 verfügte sie die Aufhebung der bisherigen Inva
lidenrente auf Ende des der Zustellung der Verfügung
fol
genden Monats; einer allfällig dagegen gerichteten Beschwerde wurde die auf
schiebende Wir
kung ent
zogen
(Urk. 2 [= Urk. 8/167).
2.
Gegen die rentenaufhebende Verfügung vom 6. Mai 2016 erhob der Versicherte
mit Eingabe vom 8. Juni 2016, vertreten durch Rechtsanwalt Abdullah Karakök und/oder Rechtsanwältin Ursina Bacchi Beschwerde und beantragte die Weiter
ausrichtung der bisherigen halben Invalidenrente. In pro
zessualer Hinsicht bean
tragte er die Wiederherstellung der aufschiebenden Wir
kung der Beschwerde, die Bestellung von Rechtsanwältin Ursina Bacchi als unentgeltliche Rechtsver
treterin, sowie eventuell die Vor
nahme weiterer medizinischer Abklärungen (Urk. 1/1). Mit einer weiteren Ein
gabe vom 7. Juni 2016 beantragte der Be
schwer
deführer ausserdem die Zuspre
chung einer Entschädigung für vorpro
zessuale Bemühungen von Rechtsanwalt Abdullah Karakök [Urk. 1/2]). Mit Ein
gabe vom 27. Juni 2016 teilte Rechtsan
walt Abdullah Karakök seine neue Anschrift für sämtliche pendenten Verfahren am hiesigen Gericht mit (Urk. 5). Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Am 4. August 2016 verfügte das Gericht die Abweisung der Gesuche um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie um Bestellung von Rechtsanwältin Ursina Bacchi als unentgeltliche Rechtvertreterin im Beschwerdeverfahren. Sodann wurde dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk. 9). Mit Eingabe vom 9. August 2016 beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung vom 4. August 2016 sei wiedererwägungsweise aufzuheben, und Rechtsanwältin Ursina Bacchi sei für ihre Bemühungen zu entschädigen und Rechtsanwalt Abdullah Karakök sei per 1. Juli 2016 als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (Urk. 10). Mit Verfügung vom 7. September 2016 wurde dem Beschwerdeführer in Bewilli
gung des Gesuchs vom 9. August 2016 Rechtsanwalt Abdullah Karakök als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das Beschwerdeverfahren ab Gesuchsdatum bestellt (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho
ben (
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi
alversicherungsrechts [ATSG
]
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentli
che Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Inva
liditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustan
des, sondern auch dann revidierbar, wen
n
sich die erwerblichen Auswirkun
gen des an sich gleich gebliebenen Ge
sund
heits
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
wei
sen).
Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich geblie
bener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kung
en eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräf
tige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundes
gerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.2
1.2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
ze
s über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
de
n ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss ist bei psy
ch
i
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzie
len (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psy
chiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar
201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
tels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebe
nenfalls neben stand
ardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremda
namnestische Angaben eingeholt oder Zusatzunter
suchungen angeordnet werden (Ur
tei
le des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai
2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3). Rechtsprechungsgemäss gibt es keine verbindliche Mindestdauer für eine psychiatrische Exploration, sondern es wird lediglich verlangt, dass die Exper
tise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist, wobei der für eine psy
chiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein muss (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
lie
gen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erle
di
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswer
tes eines ärztlichen Gutach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
su
chungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gege
be
nen
falls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet
sind, dass die rechts
anwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob de
r Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklar-heiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.6
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Kon
stel
lation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (siehe Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Inva
liditätsbemessung, Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähig
keit, St. Gallen 2003, S. 92 f.). Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn:
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem ge
zeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben
werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Be
hand
lung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschrän
kung
en im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgeh
end intakt ist (siehe Kopp/Willi/Klippstein, Im Graubereich zwischen Körper, Psyche und sozialen Schwierigkeiten, in: Schweizerische Medizinische Wochen
schrift 1997, S.1434, mit Hinweis auf eine grundlegende Untersuchung von Winckler und Foerster; BGE 131 V 51).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid
vom 6. Mai 2016
erwog die IV-Stell
e, die aktuellen
psychiatrischen Befunde würden nur eine leichte Beeinträchtigung bewirken und
hätten sich im Vergleich zum Gutachten vom 6. Mai 2015 (richtig: 19. April 2015) nur minim verändert. Es könne weiterhin davon ausgegangen werden, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung wesentlich verbessert habe. Aufgrund der medizinischen Befunde sei keine relevante Einschränkung mehr gegeben (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber in der Beschwerde vom 8. Juni 2016 im Wesentlichen vor, die Beschwerdegegnerin habe das rechtliche Gehör verletzt, da sie nicht auf sämtliche Unterlagen eingegangen sei. Es bleibe un
klar, auf welches Gutachten sich die Beschwerdegegnerin beziehe, wenn sie festhalte, die aktuellen psychiatrischen Befunde hätten sich im Vergleich zum Gutachten vom 6. Mai 2015 nur minim verändert; das Gutachten von Dr. A._
datiere vom 19. April 2015. Die Beschwerdegegnerin sei aufzufordern, sich darü
ber zu äussern. In Bezug auf das Gutachten von Dr. A._ sei festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. August 2015 und 16. Novem
ber 2015 eingereichten Zeugnisse und Berichte ein ganz anderes Bild über seinen psychischen Zustand zeigen würden (Urk. 1/1 S. 9 f.). Es sei auch nicht nachvollziehbar, wie die Beschwerdegegnerin zum Schluss gelange, seit der Begutachtung sei es zu einer weiteren Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen. Die Begutachtung habe sodann zu kurz gedauert, um verlässliche Schlüsse über den psychischen Zustand des Beschwerdeführers zu ziehen. Dr. B._ sei zu einer viel verlässlicheren und zutreffenderen Analyse im
stande (Urk. 1 S. 10). Aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer während vier Jahren ein Scheidungsverfahren geführt habe, könnten keine Rückschlüsse auf seinen psychischen Zustand gezogen werden, denn die Verschlechterung der psy
chischen Verfassung sei erst danach eingetreten. Das vom Gutachter festge
stellte stimmungsmässige Hoch des Beschwerdeführers sei ausserdem bloss durc
h die Freude über das Wiedersehen und das Zusammensein mit seinen Kindern zu erklären. Die Depressionen würden immer wieder zurückkehren, was auch der erneute stationäre Aufenthalt in der Klinik gezeigt habe (Urk. 1 S. 12 f.). Die Beschwerdegegnerin habe nicht begründet, weshalb sie eine Verbesserung nach der Begutachtung angenommen habe (Urk. 1 S. 14).
2.3
Dass die Beschwerdegegnerin die Rentenaufhebung nicht begründet hätte, trifft nicht zu. Sie musste sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behaup
tung und jedem rechtlichen Einwand oder jedem eingereichten Arztbericht aus
einandersetzen. Vielmehr durfte sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, was sie auch tat. Im Übrigen wäre eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör bei dieser Ausgangslage ohnehin als ge
heilt zu betrachten.
Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin wohl eine Vor
lage benutzte und diese nicht korrekt anpasste. Denn nur so lässt sich erklären, weshalb sie zunächst festhielt,
die aktuellen psychiatrischen Befunde würden nur eine leichte Beeinträchtigung bewirken und hätten sich im
Vergleich zum Gutachten vom 6.
Mai 2015 (richtig: 19.
April 2015) nur minim verändert, dann aber zum Schluss gelangte, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung habe sich wesentlich verbessert. Eine Verbesserung ergibt bei einem Vergleich des Gutachtens mit den später datierten ärztlichen Berichten nämlich keinen Sinn, denn bei der Begutachtung wurden gar keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (vgl. dazu E. 4). Der Beschwer
degegnerin unterlief sodann ein Fehler bei der Wiedergabe des Gutachtens
da
tums. Da es sich dabei jedoch offensichtlich um einen Verschrieb handelt – ein anderes Gutachten, auf welches die Beschwerdegegnerin hätte Bezug nehmen können, existiert nicht –, sind keine weiteren Abklärungen diesbezüglich vorzu
nehmen.
3.
3.1
3.1.1
Die Rentenzusprache vom 3. April 2013 (Urk. 8/43 f. und Urk. 8/47) erfolgte aufgrund einer Aktenbeurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD). Dieser stützte sich primär auf die Beurteilung des behandelnden Arztes Dr. med. B._, Oberarzt im Z._, wo der Beschwerdeführer drei
ma
lig stationär und im Übrigen ambulant behandelt worden war (Urk. 8/37/3).
3.1.2
Dr. B._ führte im Bericht vom 22. Mai 2012 (Urk. 8/34) die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1), auf und attestierte dem Beschwerdeführer eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Dr. B._ hielt sodann fest, grundsätzlich sei eine Depression als gut behan
del
bare Krankheit anzusehen, es seien jedoch auch chronifizierende Verläufe bekannt. Im Falle des Beschwerdeführers komme erschwerend und wahrschein
lich tendenziell chronifizierend eine schwierige soziale Situation mit Rollen- und Funktionsverlust hinzu.
3.2
3.2.1
Dr. Y._ hielt in seinem psychiatrischen Gutachten vom 19. April 2015 die folgenden Diagnosen fest (Urk. 8/126 S. 12):
-
Aktuell keine psychiatrische Diagnose mit Krankheitswert, rezidivierende Phasen mittelschwerer Depression in Remission (ICD-10 F33.4)
-
Nikotinabhängigkeit (ICD-10 F17.25)
Dr. Y._ führte sodann aus, die psychischen Schwierigkeiten seien aufge
tre
ten, nachdem sich der Beschwerdeführer von seiner (zweiten) Ehefrau getrennt gehabt habe. Es sei ein langer, wütender Kampf um das Sorgerecht der Kinder mit hohem Einsatz an Finanzen und Nerven geführt worden (Urk. 8/126 S. 12). Am Ende sei es zur Resignation und Entwicklung einer Depression gekommen. Im Jahr 2008 habe der Beschwerdeführer dann aus eigenem Antrieb auch seine Arbeitsstelle gekündigt. Mit dem Bezug von Sozialhilfe sei es zu kränkenden Unter
ordnungen und Anpassungen gekommen. Im Jahr 2013 sei der Beschwer
de
führer in die Türkei zurückgekehrt. Im Bericht des dort behandelnden Psy
chia
ters werde keine Diagnose gestellt; Angaben über die Art der Zusammen
arbeit, die Häufigkeit der therapeutischen Sitzungen und die Kooperation würden
fehlen. Es werde lediglich festgehalten, es sei angemessen, wenn der Beschwer
de
führer die Medikamente ein weiteres Jahr nehme. Die Angaben des Beschwer
deführers zu seiner psychischen Befindlichkeit würden an sich gut zu einer Depression passen, jedoch seien diese mit den wöchentlich drei Besuchen in der 20 Kilometer entfernten Stadt, zu welcher er mit dem Auto gelange, schlecht zu vereinbaren. Insgesamt erschienen die Angaben aggraviert (Urk. 8/126 S. 13). Die Stimmung während der Untersuchung sei aufgeräumt, der Beschwerdeführer berichte spontan im angeregten Gespräch. Von Energielosigkeit fehle jede Spur – er habe sich für die paar Tage in der Schweiz mitten ins fröhliche und leb
hafte Getümmel seiner Familie geworfen, wohne mit seinen Kindern und deren Freunden (Anmerkung des Gerichts: vier Kinder und Freund der ältesten Tochter [vgl. Urk. 8/126 S. 10]) in einer kleinen Wohnung. Die beklagten Schlafstö
rung
en seien bei dem enormen Zigarettenkonsum mit grosser Wahrschein
lich
keit auf Nikotin-Entzugserscheinungen während der Nacht nach einigen Stunden Schlaf zurückzuführen. Die beklagte Vergesslichkeit und die Konzentrationsstörung hätten im Verlauf der zwei mal zwei Stunden dauernden Gespräche nicht beob
achtet werden können, auch eine Ermüdung nicht. Damit könne eine depressive Symptomatik nicht diagnostiziert werden. Die Laborresultate ergäben, dass der Beschwerdeführer die angegebenen antidepressiven Medikamente mit hoher Wahrscheinlichkeit seit mindestens einigen Tagen nicht genommen habe (Fluoxetin habe eine sehr lange Halbwertszeit von über 70 Stunden). Dies stehe im Widerspruch zur Angabe, er nehme das Medikament täglich ein, auch am Untersuchungstag. Risperdal lasse sich dagegen in einer geringen Menge, weit unterhalb des therapeutischen Bereichs, nachweisen (Urk. 8/126 S. 14). Seit dem letzten Bericht aus der Schweiz im Mai 2012 habe sich das Befinden des Beschwerdeführers deutlich verbessert. Es bestehe auch eine Tendenz zur Aggra
vation (Urk. 8/126 S. 15).
3.2.2
Im Bericht vom 7. Januar 2016 (Urk. 8/162) des Z._, wo sich der Beschwerdeführer vom 5. bis 28. August 2015 in (vierter) stationärer psy
chiatrischer Behandlung befand, wurden als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.1), und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit das bereits bekannte Tabak-Abhängig
keits
syndrom (ICD-10 F17.2) aufgeführt. Der behandelnde Arzt, wiederum Dr.
B._
, hielt sodann im Wesentlichen fest, der Beschwerdeführer habe in seiner Heimat nicht wieder richtig Anschluss gefunden, entsprechend sei es ihm dort auch nicht besser gegangen. Aus Sicht des Referenten erscheine es nicht unplausibel, dass die gereizt-depressive Symptomatik des Beschwerdeführers unter diesen Bedingungen persistiert und zur Aufrechterhaltung namentlich der sozialen Isolation beigetragen habe. Im Frühjahr 2015 habe sich der Beschwer
deführer dann gezwungen gesehen, in die Schweiz zurückzukehren, da die Überweisung der Invalidenrente in die Türkei aufgrund einer anstehenden Über
prüfung wohl nicht mehr möglich sei. Zurück in Zürich habe sich der Beschwer
deführer dann in einer desolaten sozialen Situation wiedergefunden, sei er zu
nächst obdachlos gewesen und habe dann provisorisch bei seiner Tochter unter
kommen können, was sich konfliktreich gestaltet habe. Während der stationären Behandlung sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Aktuell könne eine Arbeitsfähigkeit von annäherungsweise 50 % attestiert werden, ten
den
ziell eher geringer als höher.
4.
4.1
4.1.1
Das
psychiatrische
Gutachten
von Dr. A._ vom 19. April 2015 (E. 3.2.1)
vermag die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen vo
llumfänglich zu erfüllen (E.
1.5
). So tätigte
Dr. A._
sorgfältige, umfassende Abklärun
gen, berücksichtigte
die geklagten Besch
werden und begründete
seine
Einschätzung in nachvollziehbarer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den vorgelegten Vorakten.
Er
legte die medizinischen Zusammenhänge und die medi
zinische Situation
einleuchtend dar und begründete
seine
Schlussfolge
rung
en nachvollziehbar.
Das Gutachten erweist sich somit grundsätzlich als beweistauglich.
4.1.2
Soweit der Beschwerdeführer
eine ungenügende D
auer der Untersuchung durch Dr. A._ rügte (Urk. 1 S. 10 f.
), ist dem entgegenzuhalten, dass das Bundes
ge
richt in seiner Rechtsprechung der Dauer einer psychiatrischen Exploration keinen bedeutenden Stellenwert zumisst, solange die Expertise den praxisge
mässen Kriterien entspricht (Urteil des Bundesgerichts 8C_448/2009 vom 27. Juli
2009, E.
2.2 und 8C_485/2010 vo
m 21. September 2010, E. 2.4.3), was vorlie
gend der Fall ist.
4.1.3
In Anbetracht der von Dr. A._ erhobenen Befunde (Urk. 8/126 S. 10-12) er
weist sich seine Beurteilung, aus psychiatrischer Sicht lasse sich aktuell keine Diagnose von Krankheitswert stellen, als nachvollziehbar, dies umso mehr, als auch die Schilderungen des Beschwerdeführers über seine Situation in der Türkei (Urk. 8/126 S. 8 f.; vgl. auch nachfolgend E. 4.2.1) sowie die unterhalb des therapeutischen Bereichs liegende Medikation (Urk. 8/126 S. 14) auf keinen ausgeprägten Leidensdruck hindeuten. Schlüssig erscheinen sodann die Feststel
lungen von Dr.
A._
, die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner psychi
sche
n Befindlichkeit seien aggraviert (Urk. 8/126 S. 13) und die Laborbefunde würden im Zusammenhang mit der Beteuerung der Wichtigkeit der Medikamenten
ein
nahme ebenfalls auf eine leichte Aggravation hindeuten (Urk. 8/126 S. 15). Der Beschwerdeführer hatte nämlich zumindest in Bezug auf die Einnahme des Medikaments Fluoxetin unrichtige Angaben gemacht, indem er beteuert hatte, das Medikament täglich einzunehmen, auch am Untersuchungstag (Urk. 8/126 S. 14). Auffällig erscheint sodann die Reaktion des Beschwerdeführers auf die Mitteilung des Gutachters, er könne ihm aktuell aus psychiatrischen Gründen keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestieren: Der Beschwerdeführer reagierte rasch und bemerkte, in diesem Fall, wenn seine Rente in Gefahr stehe, werde er nicht in die Türkei zurückkehren. Ohne Rente könne er dort nicht leben (Urk. 8/126 S. 10).
4.1.4
Im Zeitpunkt der Begutachtung ist somit kein relevanter Gesundheitsschaden mehr ausgewiesen, weder aufgrund der Befunde noch aufgrund der Beschwer
de
klagen, denn diesbezüglich ist von Aggravation auszugehen (E. 1.6).
4.2
4.2.1
Was den Bericht von Dr. B._ vom 7. Januar 2016 (Urk. 8/162) anbelangt, so fallen hier im Vergleich zur Begutachtung wiederum einige Diskrepanzen in den Angaben des Beschwerdeführers auf:
Dem Gutachter gegenüber hatte der Beschwerdeführer noch geschildert, das Dorf,
in welches er 2013 zurückgekehrt sei, habe im Sommer wegen der Nussernte vielleicht
100
Einwohner,
im Winterhalbj
ahr seien es nur einige wenige.
Im Do
rf habe es weder ein Kaffee noch ei
nen Laden,
dafür aber eine Moschee
. Sein Haus stehe in Hanglage. Er habe einen wunderbaren Gar
t
ensitzplatz
. Wenn er dort, mit Blick über das Tal
einen
Kaffee trinke
, dann fühle er sich schon sehr zufrieden. Um das Haus herum
befinde sich ein Garten mit Haselnusssträuchern, die eine Ernte von
vielleicht 140 Kilo in einem guten Jahr ergäben. Er über
gebe die Erntearbeit einem Onkel
, der ihm die Hälfte des Ertrages abgebe. Zwei- bis dreimal die Woche fahre er
mit seinem Auto in die 20
km entfernte Stadt, immer am Dienstag sei Basar. Etwa m
onatlich habe er auch einen Termin bei seinem Psychia
ter. Jeden Freitag gehe er zum Gebet.
Das Abendessen nehme er meistens bei einem Onkel oder bei einem Kollegen ein. Am Nachmittag sei er oft zu Hause und schaue TV-Serien. Drei Serien hätten es ihm bes
onders ange
tan; und er liebe eine
in der Türkei bekannte Heiratssendung, Paare würden vor laufenden Kameras heiraten. Oft auch trinke er mit Kollegen Tee.
Und im Sommer fahre er auch gerne ans nahe gelegene Schwarze Meer
, um zu baden.
Alle seine vier Kinder kämen ihn besuchen, jedes einzeln, so das
s
er doch oft eines von ihnen sehe. Sonst beschränke s
ich der Kontakt auf Telefonate (Urk. 8/126 S. 8 f.). Diese Schilderungen stehen in krassem Widerspruch zu der gegenüber Dr. B._ geäusserten Isolation in der Türkei (er habe sich „nach jahrzehntelanger Abwesenheit in seiner Heimat sozial isoliert“ wiedergefunden [Urk. 8/162/2]). Auch erstaunt die Angabe des Beschwerdeführers gegenüber Dr. B._, er sei bei seiner Rückkehr aus der Türkei im Frühjahr 2015 zu
nächst obdachlos gewesen und sei dann provisorisch bei seiner Tochter unter
gekommen, was sich konfliktreich gestaltet habe (Urk. 8/162/2). Gegenüber Dr. A._ hatte der Beschwerdeführer noch von einer harmonischen Beziehung zu seiner Tochter beziehungsweise zu seinen Kindern berichtet. Er habe nur gute Beziehungen zu seinen Kindern. Sie seien sein ”Ein und Alles”. Zurzeit beher
berge ihn seine (älteste) Tochter. Sie seien sieben Leute in einer Zwei
zimmerwohnung und hätten es sehr schön zusammen (Urk. 8/126 S. 11). Von einer Obdachlosigkeit oder Schwierigkeiten mit der Tochter hatte der Beschwer
deführer nicht berichtet.
Die soeben wiedergegebenen Diskrepanzen liefern einen weiteren Anhaltspunkt für eine Aggravation in den Schilderungen des Beschwerdeführers. Vor diesem Hintergrund kann auf den Bericht von Dr. B._ vom 7. Januar 2016, welcher sich primär auf die Angaben des Beschwerdeführers zu stützen scheint, nicht abgestellt werden.
In diesem Zusammenhang fällt auch auf, dass Dr. B._ im Bericht vom 7. Januar 2016 (Urk. 8/162) wie bereits im Austrittsbericht vom 10. November 2015 über die Hospitalisation vom 5. bis 28. August 2015 im Z._ (Urk. 8/156/1-4) unverändert eine mittelgradige depressive Symptomatik diagnostizierte. Gemäss Austrittsbericht hatte sich der Beschwerdeführer jedoch bereits beim freiwilligen Eintritt am 5. August 2015 ins Z._ mit einer mittelgradigen depressiven Symptomatik präsentiert gehabt; im Ver
laufe der stationären Behandlung habe dann eine Stabilisierung des Zustands
bildes beobachtet werden können, der Beschwerdeführer sei zunehmend aufge
hellter und freundlicher im Kontakt erlebt worden (Urk. 8/156/3). Der von
Dr.
B._
erhobene Befund im Bericht vom 7. Januar 2016 lässt sich denn auc
h nicht mit einer mittelgradigen depressiven Symptomatik vereinbaren (vgl. hier
zu die diagnostischen Leitlinien der
Wel
tgesundheitsorganisation, Inter
nationale Klassifikation psychischer Störungen
, ICD-10 Kapitel V, Klinisch-di
agnostische Leitlinien, Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.],
9.
Aufl., Bern 2014,
Ziff. F.32.1
S.
173). Es wurde der folgende Befund erhoben: „Bewusstseinsklar, zu allen Qualitäten orientiert, im Gespräch zugewandt und kooperativ. Leichte Konzen
trationsstörungen. Merkfähigkeit sowie Gedächtnis sind leicht beeinträchtigt gewesen. Formales Denken geordnet, eingeengt auf die desolate soziale Situa
tion. Keine Ängste oder Zwänge. Bei dem Patienten sind keine Wahnsymptome, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen feststellbar. Affektiv deprimiert, unter
schwellig gereizt, berichtet von verbalaggressiven Durchbrüchen im Umgang mit Behördenmitarbeitern, empfindet dies als nicht sinnvoll, ist in solchen Situa
tionen allerdings offensichtlich nur eingeschränkt steuerungsfähig. Im Ge
spräch keine Aggressivität, aus Sicht des Referenten auch kein erhöhtes Risiko für tätliche Aggressivität. Freude und Interesse sind kaum vorhanden, Antrieb leicht bis mittelgradig vermindert. Suizidpläne, -gedanken, -impulse und passi
ven Todeswunsch verneint der Pat. deutlich. Keine Hinweise auf Selbst- oder Fremdgefährdung“ (Urk. 8/162/2).
4.2.2
Selbst wenn mit Dr. B._ von einer mittelgradigen depressiven Symptomatik auszugehen wäre, verbliebe
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht für die Annahme einer psychisch bedingten Arb
eitsunfähigkeit kein Raum.
Depressive „
Episoden“ sind definitionsgemäss vorübergehender Natur und haben deshalb, zu
mindest wenn sie leicht bis mittelschwer sind, gemäss der bundesgericht
li
ch
en Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wirkung. Die inva
lidi
sie
rende Wirkung
einer mittel
schweren depressiven „Störung“ ist nach der Recht
sprechung nicht schlechthin auszuschliessen. Deren Annahme bedingt indessen jedenfalls, dass es sich dabei um ein selbständiges, von einem all
fälligen psy
chogenen Schmerzsyndrom und/oder allfälligen psychosozialen Belas
tungsfak
to
ren losgelöstes depressives Leiden handelt (vgl.
Urteile des 8C_654/2014 vom
6. März 2015 E. 4.4.1, 9C_689/2014 vom 19. Januar 2015 E. 2.3 und 9C_651
/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.2 mit Hinweisen
).
Die Symptom
bewältigung scheint im vorliegenden Fall offenkundig durch psychosoziale Fakto
ren behindert zu sein. Im Austrittsbericht vom 10. November 2015 hatte Dr. B._ nämlich festgehalten, der Beschwerdeführer habe von den sozialen Umständen berichtet, die zu einem grossen Teil zu seinem Krankheitsbild beigetragen hätten. Der Fokus des stationären Aufenthalts sei vor allem darauf gelegen, dem Beschwerdeführer einen stützenden Rahmen zu bieten, um etwas Abstand von den krankheitsfördernden Faktoren zu gewinnen und das Leben für sich neu strukturieren zu können. Grundsätzlich habe der Beschwerdeführer dann auch von dem stützenden Rahmen der Klinik sehr profitiert, sodass er bei fehlender Fremd- und Selbstgefährdung wieder aus der Klinik habe entlassen werden können (Urk. 8/156/3).
4.2.3
Aus den übrigen vom Beschwerdeführer im Einwandverfahren eingereichten Arzt
zeugnissen und Arztberichten lassen sich sodann keine Rückschlüsse auf
eine mögliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ziehe
n.
Den Arztzeugnissen des
Z._
(Urk. 8/148/1-2) fehlt die Be
grün
dung für die darin attestierte Arbeitsunfähigkeit. Dem Austrittsbericht des C._ vom 12. August 2015 (Urk. 8/154) fehlen jegliche An
ga
ben über die Arbeitsfähigkeit; aufgrund der darin gestellten Diagnosen ist aber nicht von einer somatisch bedingten Einschränkung auszugehen.
4.3
Nach dem Gesagten ist im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. A._ kein Ge
sund
heitsschaden mehr ausgewiesen. Von einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Verschlechterung des Gesundheitszustandes bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung am 6. Mai 2016 ist sodann nicht auszugehen, da wiede
r
um – wie bereits zum Zeitpunkt der Begutachtung – Hinweise auf eine Aggra
vation bestehen und psychosoziale Faktoren im Vordergrund standen. Weitere Abklärun
gen erübrigen sich
daher
.
4.4
Im Übrigen stellt sich die Frage, ob eine Rentenaufhebung nicht auch wieder
erwägungsweise möglich wäre. Nach Art.
53
Abs.
2
ATSG
in Verbindung mit
Art.
2 ATSG und
Art.
1
Abs.
1
IVG
kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einsprache
entscheide zurückkommen, wenn diese
zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Be
deutung ist. Die Wiedererwägung im Sinne dieser Bestimmung dient der Kor
rek
tur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichti
ger Feststellung im Sinne der Wür
digung des Sachverhalts (BGE 117 V 8 E. 2c mit Hinweis). Darunter fällt ins
besondere eine unvollständige Sachverhalts
ab
-
klärung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG und
Art.
61 lit. c ATSG). Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschät
zung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende Invalidi
tätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entsprechende Verfügung zwei
fellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne (Urteil 9C_466/2010 vom 2
3.
August 2010 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
Im vorliegenden Fall befand sich der Beschwerdeführer vom 20. Juni 2007 bis 30. Juli 2008 zunächst bei Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter psychiatrischer Behandlung aufgrund seiner Familienkonflikte, einer Impulskontrollstörung und Problemen am Arbeitsplatz. Dr. D._ stellte in seinem Bericht vom 20. April 2011 allerdings keine psychia
trische Diagnose (Urk. 8/11). Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med.
E._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, bei welchem der Beschwer
deführer ab dem 2. September 2009 in Behandlung war, hielt in seinem Bericht vom 24. Juni 2011 fest, seit Februar 2011 sei der Beschwerdeführer zunehmend depressiv geworden (Urk. 8/19). In der Folge begab sich der Beschwerdeführer drei Mal in stationäre Behandlung im Z._, vom 14. Februar bis 15. April 2011, vom 29. August bis 4. Oktober 2011 und vom 15. März bis 10. Mai 2012, ausserdem befand er sich dort in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung (Urk. 8/34). Im Bericht vom 22. Mai 2012 hielt Dr. B._ unter anderem fest, vor allem die schwierige soziale Situation
trage zur Chronifizierung und Krankheitsaufrechterhaltung bei (Urk. 8/34/2). Wes
halb bereits rund ein Jahr nach Beginn der depressiven Entwicklung von einer Chronifizierung ausgegangen wurde, erscheint nicht nachvollziehbar, ins
besondere auch deshalb nicht, weil bei der Krankheitsentstehung und -aufrech
t
er
haltung vor allem psychosoziale Faktoren im Vordergrund gestanden hatten beziehungsweise standen. Es erscheint daher fraglich, ob der Bericht von Dr. B._ vom 22. Mai 2012 eine nachvollziehbare ärztliche Einschät
zung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit
darstellte. Diesbezüglich kann auch auf die Aus
führungen von Dr. A._ in seinem Gutachter verwiesen werden (Urk. 8/126 S. 16 f.).
Ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung letztlich gegeben wären, kan
n hier aber offengelassen werden, da sich eine Rentenaufhebung bereits aufgrund einer Verbesserung des Gesundheitszustandes rechtfertigt (E. 4.3).
5.
Auf den Antrag des Beschwerdeführers um
Zusprechung einer Entschädigung
für die vorprozessualen Bemühungen von Rechtsanwalt Abdullah Karakök (Urk. 1/2
)
ist nicht einzu
treten.
Ein entsprechender Antrag wurde bereits bei der dafür zuständigen Be
schwer
degegnerin gestellt und von dieser mit Verfügung vom 7. Juni 2016 rechts
kräftig abgewiesen (Urk.
8/173).
6.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung somit nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.
7.
7.1
Die Kos
ten des Verfahrens sind auf Fr.
800.-- festzulegen und ausgangsgemäss
vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
,
zufolge der ihm mit Ve
r
fügung vom 7. September 2016 gewährten unentgeltlichen Rechtspflege je
doch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.2
Das Gericht setzt die Entschädigung des mit Verfügung vom 7. September 2016 ab Gesuchsdatum (9. August 2016) als unentgeltlichen Rechtsvertreter bestellten (Urk. 12) Rechtsanwalts Abdullah Karakök, Zürich, nach Ermessen fest (§ 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Ent
schädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [GebV SVGer]). Mangels pro
zessualen Aufwands ab Gesuchsdatum ist Rechtsanwalt Abdullah Karakök somit einzig für die Durchsicht dieses Urteils von praxisgemäss einer Stunde zu entschädigen, was unter Berücksichti
gung des ge
richtsüblichen Ansatzes von Fr.
220.-- (ab dem
1.
J
anuar 2015) ein Honorar von Fr. 220.--
ergibt.
Rechts
anwalt Abdullah Karakök ist deshalb mit Fr.
237.6
0 (=
Honorar von
Fr. 220.-- zu
züg
lich Mehr
wertsteuer von 8 % [Fr. 17.60
]) aus der Gerichtskasse zu ent
sch
ä
digen.
7.3
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungsgericht (GSVGer) hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichts
kosten und der Entschädigung an Rechtsanwalt Abdullah Karakök verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.