Decision ID: 5ca51bcb-983b-5939-9dba-65cfc386cc9c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
wurde 1975 in der Türkei geboren und durchlief dort die Schulzeit.
Ab
Anfang der 1990er-Jahre
lebt
e sie
mit ihrem Ehemann in der Schweiz, wo 1993 und 1999 die beiden Söhne geboren wurden
(Lebenslauf in
Urk.
7/16/1; Auszüge aus dem Geburtsregister in
Urk.
7/6; Anamnese im Gutachten des Psychiaters med.
pract
.
Y._
vom
2.
Mai 2016,
Urk.
7/51/5-6)
. Im Jahr 2004 wurde
die Ehe gerichtlich getrennt (Verfügung vom 1
0.
März 2004,
Urk.
7/5).
Von 1994 bis 2003 hatte
X._
verschiedene, vornehmlich befristete Aushilfsstellen innegehabt, so als Büglerin, als Küchen- und Kassenmitarbeiterin und als Mitarbeiterin in der Schokolade
n
produ
ktion und -verpackung (
Urk.
7/16
/1 und die Arbeitszeugnisse in
Urk.
7/16/4-8).
Dazwischen hatte sie
verschiedentlich
Arbeitslosenentschädigung bezogen (Auszug aus dem
individuellen Konto vom
7.
Januar
2015,
Urk.
7/21).
Nachdem
X._
von 2004 bis 2008 ausschliesslich als Mutter und Hausfrau tätig gewesen war (
Urk.
7/16/1), absolvierte sie von März bis
August 2009 ein Praktikum
im Pensum von 40
%
als Kü
chenhilfe in einem He
im für minderjährige und erwachsene Behinderte (Arbeitsbestätigung der Stiftung
Z._
vom 3
1.
August 2009,
Urk.
7/16/3) und von März bis August 2010 ein Praktikum als Reinigungsmitarbeiterin in einem Kranken- und Altersheim. Dort wurde sie anschliessend zu einem Pensum von 40
%
fest angestellt (Arbeitszeugnis des Kranken- und Altersheims
A._
vom 3
0.
November 2012,
Urk.
7/16/2).
Im März 2011 trat sie zusätzlich eine Te
ilzeitstelle bei der Unternehmung
B._
an, wo sie die Diensträumlichkeiten zu reinigen hatte (Angaben vom 2
1.
Januar 2015 im Fragebogen für
Arbeitgebende
,
Urk.
7/23
/1-5
). In der Folge kündigte sie die Stelle im Kranken- und Altersheim per Ende November 2012 (
Urk.
7/16/2) und erweiterte ihr Arbeitspensum bei der
B._
per A
nfang März 2013 auf 100
%
(Urk.
7/23/2).
1.2
Mit Zeugnis vom
8.
Juli 2014 attestierte der Hausarzt
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt für Innere Medizin,
X._
unter dem Vermerk einer starken Depression
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab diesem Datum
(
Urk.
7/20
/29),
und a
b
dem 2
1.
Juli 2014
erneuerte
Dr.
med.
D._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in dessen Behandlung sich
X._
begeben hatte, die Bescheinigung einer depressionsbedingten 100%igen Arbeitsunfähigkeit
mehrmals (Zeug
nisse in
Urk.
7/11,
Urk.
7/14 und
Urk.
7/
20/
17-28).
Am 1
4.
Oktober 2014 löste die
B._
das Arbeitsverhältnis mit
X._
per Ende Januar 2015 auf (
Urk.
7/23/6
), und am
5.
November 2014 meldete sie
X._
bei
der Invalidenversicherung zur Früherfassung an (
Urk.
7/12)
. Am
8.
Dezember 2014 erfolgte die ordentliche Anmeldung zur beruflichen Integration beziehungsweise zum Bezug einer Rente (
Urk.
7/17).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, zog die Akten der
ÖKK Versicherungen AG
(ÖKK) bei, wo die Versicherte über die Arbeitgeberin gegen Erwerbsausfall versichert war (
Urk.
7/20), liess durch die Arbeitgeberin den Fragebogen zum Arbeitsverhältnis ausfüllen (
Urk.
7/23/1-5) und holte den Bericht von
Dr.
C._
vom 2
8.
Januar 2015 ein
(
Urk.
7/25). Dr.
D._
schlug der IV-Stelle mit Schreiben vom
5.
April 2015 anstelle eigener Angaben eine Untersuchung oder Begutachtung der Versicherten in stationärem Rahmen vor (
Urk.
7/30)
und verwies im Übrigen auf ein Gutachten zuhanden der ÖKK von
Dr.
med.
E._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
2.
Februar 20
1
5
, das die IV-Stelle in der Folge zu den Akten nahm (
Urk.
7/32).
1.3
Mit Vorbescheid vom 2
0.
Mai 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie deren Anspruch auf berufliche Massnahmen und auf eine Rente zu verneine
n geden
ke, da keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege (
Urk.
7/34
; vgl.
auch
das Feststellungsblatt in
Urk.
7/33
). Die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Yolanda Schweri, liess mit den Eingaben vom 1
1.
Juni und vom 1
8.
August 2015 Einwendungen erheben (
Urk.
7/38 und
Urk.
7/44) und einen Bericht von Dr.
med.
F._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
6.
Juni 201
5 einreichen (
Urk.
7/43);
Dr.
F._
hatte Ende 2014 die Behandlung der Versicherten aufgenommen, nach
dem
Dr.
D._
seine Praxistätigkeit infolge einer Erkrankung hatte reduzieren müssen (vgl. das
Schreiben von
Dr.
D._
vom 11.
Juni 2015,
Urk.
7/42).
Aufgrund der Einwendungen im
Vorbescheidverfahren
liess die IV-Stelle durch med.
pract
. H.
Y._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das Gutachten vom
2.
Mai 2016 erstellen (
Urk.
7/51) und unterbreitete dieses dem beratenden Arzt ihres Reg
ion
alen Ärztlichen Dienstes (RAD),
Dr.
med.
G._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zur Beurteilung (Ausführungen von
Dr.
G._
vom
8.
Juli 2016,
Urk.
7/59/3).
Nachdem die Versicherte mit Eingabe vom 2
8.
November 2016 zum Gutachten hat
te Stellung nehmen lassen (Urk.
7/58),
entschied die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
4.
März 2017 im Sinne ihres Vorbescheids und verneinte den Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
2 =
Urk.
7/61; vgl.
auch
das Feststellungsblatt in
Urk.
7/59).
Ausserdem hielt die IV-Stelle die Versicherte mit separatem Schreiben gleichen Datums dazu an, im Hinblick auf ihre Mitwirkungspflicht die psychiatrische Behandlung fortzusetzen und die ihr verschriebenen Medikamente
konsequent
einzunehmen (
Urk.
7/60).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
4.
März 2017 liess die Versicherte durch Rechtsanwältin Yolanda Schweri mit Eingabe vom
1.
Ma
i 2017 Beschwerde erheben (Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben, die IV-Stelle sei zu verpflichten, sie mit beruflichen Eingliederungsmassnahmen zu unterstützen
,
und ihr sei ab dem
1.
Juli 2015 bis auf Weiteres beziehungsweise bis zum Beginn von beruflichen Eingliederungsmassnahmen eine halbe Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Nachdem
die Versicherte
bereits in der Stellungnahme vom 2
8.
November 2016 auf
Fussbeschwerden in Form einer
Plantarfasziit
is
hatte hinweisen lassen (Urk.
7/58
; vgl. die Mitteilung von
Dr.
C._
an
Dr.
D._
vom
2.
Juni 2015, Urk.
7/41/3
), liess sie mit der Beschwerdeschrift zwei Berichte des Röntgeninstituts
H._
vom 2
2.
und vom 2
6.
Juli 2016 über Magnetresonanz
to
m
ographien des rechten und des linken oberen Sprunggelenk
s einreichen (
Urk.
3/3 und Urk.
3/4).
Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
6.
Juni 2017 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was
der Ve
rsicherten mit Verfügung vom 7.
Juni 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Mit Verfügung vom 1
1.
Januar 2018 wies das Gericht auf die geänderte Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Falle einer Depression hin und setzte den Parteien Frist an, um unter dem Blickwinkel dieser Rechtsprechung zum Fall Stellung zu nehmen (
Urk.
9). Die IV-Stelle erstattete ihre Stellungnahme am 3
1.
Januar 2018 (
Urk.
11
); die Versicherte liess am 16.
März 2018 Stellung nehmen (
Urk.
14).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerb
sunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arb
eitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliess
lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2
Satz 2 ATSG hatte das Bundes
ge
richt
seit dem Jahr 2004
die Arbeitsunfähigkeit bei bestimmten Leiden nach besonderen Grundsätzen beurteilt. Es hatte diese Leiden
, zu denen namentlich organisch nicht erklärbare Schmerzstörungen gehören,
unter dem Begriff der p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwer
debilder ohne nach
weisbare organische Grundlage
zusammengefasst (vgl. die Kasuistik in BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 139 V 547 E. 2.2) und festgehalten, dass
hier
der Nachweis
einer anspruchsbegründen
den Arbeitsunfähigkeit indirekt, gestützt auf Indizien, zu erbrin
gen sei
(
BGE 139 V 547 E. 7.2 und E. 8.1).
Es hatte hierzu in Anlehnung
an eine bestimmte medizinisch
e Lehrmeinung
(vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 mit Hinweis auf Klaus Foerster, Begutachtung und Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit psychogenen Störungen, SZS 1996 S. 486 ff.) besondere Kriterien aufge
stellt, die in gewisser Ausprägung und Zahl erfüllt sein mussten (BGE 137 V 64 E.
4.1)
, und hatte
diesen
ursprünglich
fachpsychologischen
Prognosekriterien
den Charakter eines verselbständigten rechtlichen Anfor
derungsprofil
s zugeschrieben
(vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 und E. 7.2).
1.2.2
Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat das Bundesgericht entschieden, an der bisherigen Rechtsprechung zu den
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage nicht länger festzuhalten und die
damit verbundene
sogenannte Überwindbarkeitsver
mutung aufzugeben. Stattdessen hat das Bundesgericht unter Aufstellu
ng von Standardindikatoren ein neues
Prüfungsraster entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen solcher Beschw
erdebilder zu ermitteln sind. Es
präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie „fu
nktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, p
ersönliche Ressourcen
)
-
Kompl
ex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesich
tspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener Lei
densdruck
.
Das
Bundesgericht
schreibt
dem neuen Raster wiederum normativen Charakter zu, weist jedoch darauf hin, dass es die Aufgabe der medizinischen Fach
personen sei, innerhalb der ein
schlägigen Indikatoren das Leistungsvermögen einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.1 und E. 5.2
).
1.2.3
Schliesslich hat das Bundesgericht die Anwendbarkeit der neu entwickelten Standa
rdindikatoren in zwei U
rteilen
vom 3
0.
November 2017
auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, indem es für alle diese Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren, wie es für die
p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
Beschwerdebilder
entwickelt worden ist, als massgebend e
rklärt hat (BGE 143 V 418 E. 7,
143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5).
Damit hat das Bundesgericht insbesondere seine bisherige Rechtsprechung zu den depressiven Störungen geändert und nicht länger daran festgehalten, dass rezidivierende oder episodische Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (vgl. die Zusammenfassung der bisherigen Rechtsprechung in BGE 143 V 409 E. 4.1).
Bei der Ermittlung der Auswirkungen einer psychischen Gesundheitsstörung generell gilt aber
rechtsprechungsgemäss der Grundsatz, dass ein invalidenver
sicherungsrechtlich relevantes Beschwerdebild n
icht einzig in Beeinträchtigun
gen
bestehen darf, die von psychosozialen und soziokulturellen Faktoren her
rühren, sondern
davon psychiatrisch zu untersche
idende Befunde umfassen muss,
zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheidbare andauernde Depres
sion im fachmedizinischen Sinne. Je stärker psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss nach der Rechtsprechung eine fachärztlich festgestell
te psychische Störung mit Krank
heitswert vorhanden sein. Dort, wo nur Befunde erhoben werden, die
in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden
und somit
gleichsam in ihnen aufgehen,
verneint das Bundesgericht einen invalidisierenden
psychische
n Gesundheits
schaden
(
vgl.
BGE 127 V 294 E. 5a
mit Hinweis)
.
1.3
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalidenein
kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (
sogenanntes
Valideneinkom
men
).
Der Rentenanspruch entsteht nach
Art.
28
Abs.
1 IVG frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig war (
lit
. b), sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
%
invalid ist (
lit
. c). Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nac
h der Geltendmachung entstehen.
1.4
I
nvalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben nach
Art.
8
Abs.
1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im (nicht erwerblichen) Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (
lit
. a), und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (
lit
. b). Zu diesen Massnahmen gehören die in
Art.
15 ff. IVG geregelten Massnahmen beruflicher Art (
Art.
8
Abs.
3
lit
. b IVG
).
2.
2.1
Strittig
ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, namentlich auf eine Rente und auf berufliche
Massnahmen, hat.
2.2
Ausgangspunkt bei der strittigen Anspruchsverneinung war das Gutachten von med.
pract
.
Y._
vom
2.
Mai 201
6.
Der Gutachter stellte die Diagnose eines anhaltenden depressiven Zustandsbildes, aktuell maximal mittelgradigen Ausprägungsgrades (
Code
F33.1
der Internationalen Klassi
fikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10
)
;
zusätzlich
vermerkte
er eine
unzureichende antidepressiv-psychopharmakologische Medikation
und bezeichnete den Zustand als behandel- und besserbar. Im Weiteren konstatierte er eine akzentuierte Persönlichkeitsstruktur mit leistungsorientierten, zur Überforderung neigenden und selbstunsicher-abhängigen Zügen (ICD-10 Z73.1), die nicht das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung erreiche (
Urk.
7/51/13).
Soweit die Beschwerdegegnerin
den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen gemäss der internen Stellungnahme vom
2.
August 2016 und der Begründung der angefochtenen Verfügung mit dem (nur) mittleren Schweregrad der diagnostizierten Depression, der Besserungsfähigkeit des Zustandes und den
noch
nicht ausgeschöpften Behandlungsmöglichkeiten
verneinte (
Urk.
7/59/4 und Urk.
2 S. 2), so hat das Bundesgericht die Rechtsprechung, auf der diese Argumentation gründete, mit den zitierten Grundsatzurteilen
vom 3
0.
November 2017
(vorstehend E. 1.2.3) geändert. Die invalidenversicherungsrelevanten Auswirkungen einer Depression
lassen sich demnach
nicht mehr allein aus deren Schweregrad und aus der Therapierbarkeit der Störung ableiten, sondern sie sind anhand der Standardindikatoren zu eruieren, wie sie
das Bundesgericht für die
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklar
en
syndromalen
Beschwerdebilder
ohne nachweisbare organische Grundlage entwickelt hat (vorstehend E. 1.2.2).
Med.
pract
.
Y._
hat diese Indikatoren in seine Beurteilung
bereits einbezogen (vgl.
Urk.
7/51/1 und
Urk.
7/51/11-15). Sein
em
Gutachten
fehlt es daher nicht schon deswegen an Beweiskraft, weil es vor der massgebenden Rechtsprechungsänderung ergangen ist (vgl.
im Übrigen hierzu
BGE
141 V 281 E. 8). Im Folgenden ist
z
u prüfen,
was sich aus dem konkreten Inhalt des
Gutachten
s
von
med.
pract
.
Y._
und der
übrigen medizinischen Unterlagen
für die
Ansprüche der Beschwerdeführerin
ergibt.
2.3
2.3.1
Mit der Diagnose eines depressiven Zustandsbildes folgte med.
pract
.
Y._
der Einschätzung
sämtlicher behandelnden Ärzte. Der Hausarzt
Dr.
C._
nannte die Diagnose einer Depression sowohl in seinem ersten Zeugnis vom
8.
Juli 2014 (
Urk.
7/20/29) als auch im Bericht
vom 2
8.
Januar 2015 (
Urk.
7/25
)
,
Dr.
D._
führte sie in seinen Zeugnissen ebenfalls auf (vgl.
Urk.
7/11,
Urk.
7/14 un
d Urk.
7/20/17-28), und desgleichen diagnostizie
rte
Dr.
F._
im Bericht vom 6.
Juni 2015 eine
Störung, die er als rezidivierende depressive Störung
,
gegenwärtig in der Ausprägung einer
mittelgradige
n
Episode mit somatischem Syndrom
,
beschrieb
(ICD-10 Code F33.11
;
Urk.
7/43/1
)
.
In der aktuellen Untersuchung durch med.
pract
.
Y._
zeigte die Beschwerdeführerin objektiv einen leicht bis maximal mittelgradig herabgesetzten Antrieb, wirkte psychomotorisch streckenweise angespannt und erwies sich in der Stimmungslage als belastet, streckenweise depressiv ausgelenkt und in der affektiven Schwingungsfähigkeit
als reduziert, aber modulierbar und aufhellend bei positiv besetzten Gesprächsinhalten. Ausserdem besc
hrieb med.
pract
.
Y._
eine ausgeprägte emotionale Instabilität bei
deutliche
r
emotionale
r
Labilisierung
mit Weinen und Belastungserleben vor allem im Kontext der persönlichen Vorgeschichte, in der die Beschwerdeführerin wiederholt körperliche Gewalt ihres Ehemannes erlebt habe, und im Zusammenhang mit der Sorge um den in Istanbul lebenden jüngeren Sohn (
Urk.
7/51/10+12).
Bei dieser Schild
erung leuchtet die Diagnose
eine
s anhaltenden depressiven Zustandsbildes maximal mittelschweren Ausprägungsgrades
objektiv ein. Insbesondere
leuchtet auch ein, dass
med.
pract
.
Y._
dem depressiven Zustandsbild
,
anders als noch
Dr.
E._
im Gutachten vom 2.
Februar
2015
(vgl.
Urk.
7/32/8-10)
,
nicht mehr nur den Charakter einer Anpassungsstörung als Folge der Belastungssituation am letzten Arbeitsplatz und der
Kündigung zumass, sondern die Ausprägungsform
einer mittelgradigen depressiven Episode nach ICD-10 Code F33.1 als erfüllt betrachtete (
Urk.
7/51/13). Denn Anpassungsstörungen sind definitionsgemäss
in der Regel vorübergehender
Natur und halten meist
ens
n
icht länger als sechs Monate an
(vgl. ICD-10 Code F43.2).
2.3.2
Med.
pract
.
Y._
folgte
Dr.
E._
aber immerhin
insoweit, als er
die Entwi
cklung der
depressiven Erkrankung
ebenfalls
in einem Zusammenhang mit der beruflichen Belastung
der Beschwerdeführerin
im Jahr 2014 sah (
Urk.
7/51/13).
Diese Belastung bestand gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin
gegenüber
Dr.
E._
darin, dass
ihr immer mehr Arbeiten
auferlegt wurden
und sie schliesslich Mitte 2014 die Reinigung eines weiteren Gebäudes hätte übernehmen müssen,
unter Androhung der Kündigung im Weigerungsfall
(
Urk.
7/32/5); anlässlich der Begutachtung durch
med.
pract
.
Y._
berichtete die Beschwerdeführerin
zusätzlich, sie habe
wegen der
zunehmenden Belastung
den Wunsch geäussert, ihr Pensum auf 60
%
zu reduzieren
, die Arbeitgeberin sei ihrem Wunsch jedoch nicht nachgekommen
, worauf es ihr
immer schlechter gegangen
sei
, bis sie krankgeschrieben worden sei (
Urk.
7/51/6
-7
).
Dass die Situation am Arbeitsplatz im Jahr 2014 den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin beeinflusst hat
, entspricht auch der Beurteilung des Hausarztes
Dr.
C._
im Bericht vom 2
8.
Januar 201
5.
Allerdings hielt
Dr.
C._
fest, es bestehe
neben einer rezidivierenden Migräne
bereits seit dem Jahr 2004 eine wechselhafte Depression, die durch die Kündigungsandrohung eine Verstärku
ng erfahren habe (
Urk.
7/25/2).
Dieser
Hinweis auf ein langjähriges depressives Geschehen
fand keinen Eingang in das Gutachten von med.
pract
.
Y._
.
Der Gutachter
fasst
e
in der Akten
anamnese lediglich
die psychiatrischen Berichte
, nicht aber den hausärztlichen Bericht
zusammen, und in
den psychiatrischen Berichten
wurde
die weiter zurückreichende medizinische Vorgeschichte
nicht thematisiert:
Dr.
D._
enthielt sich in seinen Schreiben vom
5.
April und vom 1
1.
Juni 2015 (
Urk.
7/30 und Urk.
7/42)
einer medizinischen Beurteilung,
Dr.
F._
stellte in seinem Schreiben vom
6.
Juni
2015 nur die Familiengeschichte,
aber keine eigentliche Krankengeschichte dar
(
Urk.
7/43)
, und im
Gutachten von
Dr.
E._
zuhanden der ÖKK ist nur die allgemeine Aussage der Beschwerdeführerin wiedergegeben, sie sei vor ihrer aktuellen Erkrankung nie ernsthaft krank gewesen, habe sich nie einer Operation unterziehen müssen und habe auch keinen Unfall gehabt (
Urk.
7/32/6).
I
n
der persönlichen Exploration, die med.
pract
.
Y._
durchführte,
kam e
in früheres depressives Geschehen
zwar ebenfalls
nicht explizit zur
Sprache,
die Beschwerdeführerin berichtete aber immerhin, sie habe schon früher
immer Probleme gehabt, und
sprach auch von einer psychischen Belastung durch Gewalt
erfahrungen in der Ehe
und von suizidalen Handlungen (
Urk.
7/51/
7).
Diese
mündlichen
Angaben
der Beschwerdeführerin
, verbunden mit den Hinweisen im Bericht von
Dr.
C._
, hätten Anlass für vertiefte Erhebungen zum psychischen Gesundheitszustand
im langzeitlichen Verlauf
sein müssen. Ohne solche ti
efergehenden Abklärungen ist
die Annahme, die Beschw
erdeführerin sei vor dem Auftreten der beruflichen Schwierigkeiten im Jahr 2014 sehr motiviert, leistungsorientiert und jahrelang erfolgreich gewesen (
Urk.
7/51/12+14), nicht genügend erhärtet. Sie basiert weitgehend auf den persönlichen Schilderungen der Beschwerdeführerin und lässt
insbesondere
die Arbeitsbiographie
ausser Acht
, wie sie sich aus dem Auszug aus dem individuellen Konto
(
Urk.
7/21) und den Arbeitszeugnissen
(Urk.
7/16)
ergibt
(vgl. Sachverhalt Ziffer 1.1).
Bei den Stellen, welche die Beschwerdeführerin bis zum Jahr 2003 inngehabt hatte, hatte es sich nämlich um in der Regel befristete Aushilfsstellen gehandelt, und die Arbeitstätigkeit war immer wieder von Zeiten der Arbeitslosigkeit unterbrochen gewesen. Erst ab dem Jahr 2009 sind
Anstrengungen der Beschwerdeführerin
dokumentiert, im
Berufsleben
erneut und mit grösser
er
Konstanz Fuss zu fassen;
diese
beruflichen Bemühungen
begannen jedoch mit
teilzeitlichen Praktikumsstellen, und erst ab März 2011 hatte die Beschwerdeführerin zwei Teilzeitstellen und ab März 2013 schliesslich
die
Vollzeitstelle inne
, die sie nach einem guten Jahr aufgrund der geltend gemachten Überlastungssituation wieder verlor.
2.3.3
Es ist daher geboten, die psychiatrische Beurteilung um eingehende Abklärungen zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
gesamten Zeitve
rlauf zu ergänzen. Insbesondere drängt sich auf, dass der psychiatrische Gutachter vom langjährigen Hausarzt einen ausführlichen Bericht über die Krankengeschichte einholt. Zudem können auch fremdanamnestische Angaben der ehemaligen Arbeitgeber- und Praktikumsbetriebe dazu dienlich sein, ein Bild über die Leistungsfähigkeit und psychische Stabilität der Beschwerdeführerin im Berufsleben zu schaffen.
Erst mit solchen zusätzlichen Informationen
kann auf den gesamten Verlauf bezogen der Indikator
der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
richtig gewichtet werden
. Z
udem ist
zu erwarten
, dass diese weiteren Informationen zu e
iner
zuverlässigeren Beurteilung
der Behandelbarkeit und der
Besserungsfähigkeit
des psychischen Zustandsbilds und vor allem auch des Zeithorizontes der zu erwartenden Besserung führen. Denn wenn med.
pract
.
Y._
eine Stabilisierung
innert zwei bis drei Behandlungsmonaten für wahrscheinlich hielt
(Urk.
7/51/15)
und
Dr.
E._
sogar von der Wiedererlangung einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit innert weniger Tage
ausging (
Urk.
7/32/9)
, so basier
en
diese Beurteilung
en
auf der Annahme, die
Beschwerdeführerin sei vor dem Jahr 2014 psychisch gesund und beruflich sehr leistungsfähig gewesen.
Diese Annahme, a
us der med.
pract
.
Y._
auf entsprechende Re
ssourcen der Beschwerdeführerin
schloss
(vgl.
Urk.
7/51/12+14)
, ist indessen nach
dem Gesagten in Frage gestellt.
Ist
aufgrund des Vorstehenden
eine abschliessende Prüfung der Auswirkungen der diagnostizierten Depression anhand der massgebenden Standardindikatoren noch nicht möglich, so
sind
die Ausführungen der Parteien hierzu in den Stellungnahmen vom 3
1.
Januar und vom 1
6.
März 2018 (
Urk.
11 und
Urk.
14)
an dieser Stelle
nicht
weiterführend
zu diskutieren.
2.4
Zur Veranlassung der erforderlichen ergänzenden psychiatrischen Abklärungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es bleibt der Entscheidung der Beschwerdegegnerin überlassen, ob sie vorab med.
pract
.
Y._
mit der Ergänzung seines Gutachtens betraut oder ein neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag gibt.
Näher abzuklären
ist
ferner
die Natur
der
geltend gemachten
Fuss
beschwerden und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Hierfür bedarf es
zunächst
genauer
Angaben des Hausarztes und eine
r
fachkundige
n
Analyse der Magnetresonanztomographien vom Juli 2016
(
Urk.
3/3 und
Urk.
3/4)
. Je nach Ergebnis
wird die Beschwerdegegnerin zu entscheiden haben, ob zusätzlich ein rheumatologisches Gutachten einzufordern ist und ob allenfalls eine
bidisziplinäre
, rheumatologische und psychiatrische Begutachtung angezeigt ist.
Die Akten weisen im Übrigen
darauf hin, dass die Beschwerdeführerin sich im Jahr 2005 schon einmal bei der Invalidenversicherung angemeldet haben könnte,
denn es finden
sich darin ein Auszug aus dem individuellen Konto vom 2
2.
Februar 2005 (
Urk.
7/1) und eine Ermächtigung der Beschwerdeführerin an die Sozialen Dienste ihrer Wohngemeinde
vom
4.
März 2005
, Einsicht in die sie betreffenden Akten der Invalidenversicherung zu nehmen (
Urk.
7/2). Was der Anlass für die Anmeldung gewesen war und weshalb keine medizinischen Unterlagen dazu vorhanden sind, kann dem eingereichten Dossier der Beschwerde
gegnerin jedoch nicht entnommen werden.
Auch in dieser Hinsicht wird
die Beschwerdegegnerin
noch für Klärung zu sorgen haben.
2.5
Damit ist die
angefochtene Verfügung vom
1
4.
März 2017 aufzuheben, und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen vornehme und hernach über die Ansprüche der Beschwerdeführerin neu verfüge.
3.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Be
schwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 600.--
festzusetzen.
4.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemes
sungskrite
rien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 8 der Verordnung über die Ge
büh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, der Beschwerdeführe
rin eine Prozessentschädigung von
Fr.
2'200.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.