Decision ID: d1162eba-4503-5b78-afe2-5953213b62e5
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Mai 2012 wegen eines Tumors im linken Lungenflügel bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie
gab an, in B._ vier Jahre lang die Primar- und zwei Jahre lang die Sekundarschule
besucht zu haben. Ihr erlernter Beruf sei Näherin; über ein Fähigkeitszeugnis/Diplom
verfüge sie nicht. Aktuell sei sie zu 50 % als Betriebsangestellte Vormontage tätig.
Gemäss dem IK-Auszug hatte die Versicherte im Jahr 2010 Erwerbseinkommen von Fr.
37'997.-- (C._ AG) und von Fr. 5'144.-- (D._ AG) erzielt (IV-act. 12).
A.b Anlässlich eines telefonischen Gesprächs nannte der Hausarzt der Versicherten,
Dr. med. E._, gegenüber RAD-Ärztin Dr. med. F._, Fachärztin für Arbeitsmedizin
FMH, die folgende Diagnose (IV-act. 9):
• Neuroendokrines lowgrade Malignom hilusnah des linken Lungenunterlappens,
den rechten Lungenlappen infiltrierend, ED während der Schwangerschaft
- Pneumonektomie links am 13.09.2011
- Geburt eines gesunden Kindes am 10.08.2011
- intermittierend thorakales Schmerzsyndrom mit massivem Anstieg des CRP.
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Dr. E._ erklärte, dass die Abklärungen des thorakalen Schmerzsyndroms noch liefen.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei die Versicherte vom 13. September 2011 bis 1.
April 2012 voll arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 2. April 2012 sei sie wieder zu 50 %
arbeitsfähig. Die Prognose sei offen.
A.c Die C._ AG berichtete am 6. Juni 2012 (IV-act. 15), dass sie die Versicherte seit
dem 8. Februar 2006 zu 100 % als Produktionsmitarbeiterin beschäftige. Seit dem 1.
April 2012 betrage das Pensum gesundheitsbedingt noch 50 %. Der Lohn belaufe sich
seit dem 1. Januar 2011 auf Fr. 40'820.-- pro Jahr. Die Versicherte würde heute ohne
Gesundheitsschaden gleich viel verdienen. Die Tätigkeit der Versicherten beinhalte
leichte Montagetätigkeiten (Zusammenstecken von Litzen). Die Arbeit müsse oft im
Sitzen und nur selten im Gehen und Stehen ausgeübt werden. Selten müsse die
Versicherte leichte, mittelschwere oder schwere Lasten heben oder tragen. Die
Arbeitgeberin wies darauf hin, dass die Mitarbeiterinnen an ergonomischen
Arbeitsplätzen tätig seien. Die Mitarbeiterinnen würden von den Vorgesetzten je nach
körperlicher Verfassung und Gesundheitszustand zugeteilt. Es stünden
Schonarbeitsplätze zur Wiedereingliederung zur Verfügung. Die D._ AG berichtete
am 10. Juli 2012 (IV-act. 21), dass sie die Versicherte seit dem 1. Oktober 2008 ca. 5.5
Stunden pro Woche als Unterhaltsreinigerin (Reinigungsarbeiten in Büros) beschäftige.
Seit April 2012 betrage der Lohn Fr. 250.40 pro Monat. Die Versicherte sei vom 1. Juli
2011 bis 29. März 2012 krankgeschrieben gewesen. Im April 2012 habe sie wieder
gearbeitet, danach nicht mehr. Die Tätigkeit habe diverse Reinigungsarbeiten wie
Staubwischen, Staubsaugen, Boden feucht aufnehmen, Abfall leeren und WC reinigen
beinhaltet.
A.d Die Versicherte gab am 5. Juli 2012 gegenüber der Eingliederungsverantwortlichen
an (IV-act. 22), dass sie noch ab und zu Schmerzen habe. Die letzte Morphineinnahme
sei im Februar 2012 gewesen. Sie sei kraftlos und müde. Ansonsten gehe es ihr gut.
Beim Gehen müsse sie bereits nach einer kurzen Strecke eine Pause einlegen. Die
Versicherte erklärte, dass sie ab dem 9. Juli 2012 versuchsweise wieder ein volles
Arbeitspensum absolvieren werde. Sie erledige nach wie vor dieselbe Arbeit, jedoch
mit weniger Druck. Farbarbeiten müsse sie nicht mehr ausführen. Im Rahmen der
Frühintervention notierte RAD-Ärztin Dr. F._ am 17. Juli 2012 (IV-act. 25), dass die
Prognose bei dieser Tumorerkrankung offen sei. Es sei von einer Arbeitsfähigkeit
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adaptiert von 50 % auszugehen, provisorisch steigerbar je nach Arbeitsplatzprofil und
Verlauf der Tumorkrankheit. Am 6. August 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass ihr Beratung und Unterstützung beim Erhalt ihres derzeitigen Arbeitsplatzes
gewährt werde (IV-act. 27).
A.e Am 2. November 2012 ging bei der IV-Stelle ein Schreiben ein, in welchem die
Versicherte eine IV-Rente beantragte (IV-act. 29). Die Eingliederungsverantwortliche
notierte am 10. Januar 2013, dass die Versicherte die Stelle bei der D._ AG per Ende
April 2012 und diejenige bei der C._ AG per Ende Oktober 2012 gekündigt habe (IV-
act. 30). Die C._ AG habe ihr gegenüber erklärt (IV-act. 34-2), dass die Versicherte
am Montag, 9. und Dienstag, 10. Juli 2012 voll gearbeitet habe. Am Mittwoch sei sie
wegen einer Grippe krank gewesen. Am Donnerstag habe sie wieder voll gearbeitet.
Am Freitag hätten die Betriebsferien angefangen (13. Juli bis 10. August 2012). Vom 13.
bis 24. August 2012 und vom 27. August bis 11. September 2012 sei die Versicherte
wegen der „Lungendiagnose“ krank gewesen. Vom 1. bis 19. Oktober 2012 habe sie
wieder voll gearbeitet. Danach habe sie bis Ende Oktober 2012 (Ende des
Arbeitsverhältnisses) Ferien gehabt. Bei der Tätigkeit der Versicherten habe es sich um
eine leichte Arbeit in der Vormontage gehandelt. An den Anwesenheitstagen habe sie
eine gute Leistung erbracht. Die Versicherte gab am selben Tag gegenüber der
Eingliederungsverantwortlichen an, dass sie die Arbeitsstelle bei der C._ AG
gekündigt habe, weil ihr das Pensum von 100 % zu viel gewesen sei. Sie sei oft viel zu
müde und kraftlos gewesen. Seit November 2012 arbeite sie in der Wäscherei des
Spitals G._ in einem Arbeitspensum von 50 %. Sie empfinde diese Tätigkeit als leicht
und sie gehe ihr gut von der Hand. Schwere Lasten müsse sie nicht herumtragen. Sie
fühle sich nicht in der Lage, mehr als 50 % zu arbeiten. Dem eingereichten
Arbeitsvertrag war zu entnehmen, dass die Versicherte neu ein Erwerbseinkommen von
Fr. 28'163.20 pro Jahr erzielte (IV-act. 33). Am 7. Mai 2013 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit (IV-act. 37), dass das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen abgewiesen werde, weil sie in einem Pensum von 50 %
arbeite und eine Steigerung des Arbeitspensums nicht geplant sei.
A.f Dr. E._ berichtete im Juni 2013 (IV-act. 40), dass die Versicherte derzeit
beschwerdearm sei. Durch die Pneumonektomie sei sie jedoch rasch ermüdbar,
kurzatmig und eingeschränkt leistungsfähig. Mit der 50 %igen Erwerbstätigkeit komme
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sie an ihre Belastungsgrenzen. Ferner habe die Versicherte noch Schmerzen im
Bereich der Thorakotomienarbe. Eine Medikation sei derzeit nicht erforderlich. Die
Versicherte sei in der jetzigen Tätigkeit als Wäscherin sowie in jeder anderen Tätigkeit
zu 50 % arbeitsfähig. Die Versicherte sei mit einem Lungenflügel deutlich kurzatmiger
und sie benötige dazwischen kleinere Pausen. Das Ausmass sei ihm nicht ganz klar.
Dr. F._ vom RAD notierte am 26. Juni 2013 (IV-act. 45), dass bei der schweren
Krankheit mit unklarer Prognose nach der Entfernung der linken Lunge und seither
unberechenbaren plötzlichen Schmerzereignissen, welche auch zu notfallmässigen
Hospitalisationen mit anschliessender Arbeitsunfähigkeit von mehreren Tagen geführt
hätten, die vom Hausarzt genannte Einschränkung generell zuzutreffen scheine. In der
Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin (leichte Montagetätigkeiten) sowie in der Tätigkeit
als Unterhaltsreinigerin sei die Versicherte voll arbeitsunfähig. Als Wäscherin (Wäsche
einsammeln, Transport zur Waschküche, saubere Wäsche verteilen) sowie in körperlich
leichten Tätigkeiten sei die Versicherte zu 50 % arbeitsfähig. Dr. F._ hielt
abschliessend fest, dass bei dieser Tumorerkrankung vor einem definitiven Entscheid
ein Arztbericht der Onkologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) eingeholt werden
sollte; sie gehe davon aus, dass dort die Nachkontrollen stattfänden. Die Onkologie
des KSSG informierte die IV-Stelle am 5. September 2013 darüber (IV-act. 47), dass die
Versicherte im Jahr 2012 einmalig zu einem Untersuch erschienen sei.
A.g Dr. F._ notierte am 22. November 2013 (IV-act. 54), dass die Versicherte keine
oder kaum mehr ärztliche Betreuung benötige. Angeblich fänden auch keine
onkologischen Nachkontrollen mehr statt. Aus medizinischer Sicht dürfe davon
ausgegangen werden, dass die Versicherte für körperlich belastende Tätigkeiten
bleibend arbeitsunfähig sei. Für körperlich leichte Tätigkeiten gehe sie von einer
Steigerbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf 80-100 % aus. Die angestammte Tätigkeit bei
der C._ AG habe die Kriterien einer optimal leidensadaptierten Tätigkeit erfüllt. Die
Arbeit als Unterhaltsreinigerin dürfte diese Anforderungen in grossen Teilen ebenfalls
erfüllen. Mit 5.5 Stunden pro Woche dürfte sie weiterhin zumutbar sein. Die
Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit sei nicht beurteilbar, da ein Arbeitsplatzprofil
fehle. Sicherheitshalber sollte noch von Dr. H._ vom Spital G._ ein Arztbericht
eingeholt werden. Allenfalls sollte bei der Versicherten nochmals nachgefragt werden,
wann sie welche Ärzte letztmals aufgesucht habe und wie es ihr jetzt gehe. Der Dr.
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H._ zugestellte Fragenkatalog kam unbeantwortet mit der Bemerkung zurück, dass
der Arzt abgereist sei (IV-act. 55-1).
A.h Das Spital G._ berichtete am 24. Februar 2014 (IV-act. 57), dass es die
Versicherte seit dem 1. November 2012 zu 50 % als Mitarbeiterin Hauswirtschaft
beschäftige. Der Lohn betrage seit dem 1. Januar 2014 Fr. 28'982.20 pro Jahr. Die
Arbeit beinhalte das Einsammeln, Verteilen und Waschen der Wäsche und müsse oft
im Gehen, manchmal im Stehen und selten im Sitzen ausgeübt werden. Die Versicherte
müsse oft leichte und mittelschwere und selten schwere Gewichte heben und tragen.
A.i Dr. med. I._, Chirurgische Klinik Orthopädie, Spital G._, gab in seinem Bericht
an Dr. E._ vom 23. Juni 2014 (IV-act. 60-2 f.) die folgenden Diagnosen an:
• Traumatisiertes AC-Gelenk links mit kleinem Erguss mit geringer gelenksseitiger
Ansatztendinose der Subscapularissehne nach Kontusionstrauma der Schulter nach
Anfahrtrauma als Fussgängerin vom 29. Oktober 2013
• Status nach mehrfragmentärer, dislozierter oberer und unterer
Schambeinastfraktur rechts vom 29. Oktober 2013.
Dr. I._ erklärte, dass es der Versicherten von Seiten der linken Schulter nach wie vor
sehr gut gehe. Auch bei forcierter Belastung bestünden keine Schmerzen. Die
Behandlung bei ihm sei im Moment abgeschlossen.
A.j Dr. F._ vom RAD notierte am 4. September 2014 (IV-act. 61), dass die Tätigkeit
als Mitarbeiterin Hauswirtschaft einer mittelschweren bis schweren körperlichen
Tätigkeit entspreche. Diese Tätigkeit sollte die Versicherte nicht über das aktuelle
Pensum von 50 % steigern. Die Arbeit als Unterhaltsreinigerin dürfte die Versicherte 5.5
Stunden pro Woche durchführen. Die Tätigkeit bei der C._ AG habe einer optimal
leidensadaptierten Tätigkeit entsprochen, welche die Versicherte zu 80-100 % ausüben
könnte.
A.k Mit Vorbescheid vom 17. September 2014 (IV-act. 64) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur
Begründung führte sie an, dass die Versicherte ab dem 13. September 2011
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vorübergehend vermindert arbeitsfähig gewesen sei. Ihre Arbeitsstelle habe die
Versicherte im August 2012 von sich aus gekündigt, obwohl ihr ein Schonarbeitsplatz
angeboten worden sei. In dieser Erwerbstätigkeit hätte die Versicherte innerhalb eines
Jahres die volle Arbeitsfähigkeit wiedererlangt. Auch den Nebenerwerb als
Raumpflegerin könnte die Versicherte weiterhin ausüben. Unter diesen Umständen
liege keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor. Dagegen liess die Versicherte am 6.
Oktober/24. November 2014 (IV-act. 65, 69) einwenden, dass sie Anspruch auf eine
Viertelsrente habe. Sie habe ihre Arbeitstätigkeit ab dem 9. Juli 2012 lediglich
versuchsweise auf 100 % ausgedehnt. Der Arbeitsversuch sei wegen der grossen
gesundheitlichen Probleme gescheitert. Die RAD-Ärztin habe am 26. Juni 2013 notiert,
dass auch in einer optimal leidensadaptierten Tätigkeit höchstens eine Arbeitsfähigkeit
von 50 % bestehe. In Widerspruch dazu sei die RAD-Ärztin am 4. September 2014
plötzlich zum Schluss gekommen, dass sie (die Versicherte) in einer optimal
leidensadaptierten Tätigkeit zu 80-100 % arbeitsfähig sei. Das Krankheitsbild habe sich
seit der Einschätzung vom 26. Juni 2013 in keiner Art und Weise verändert. Selbst die
behandelnden Ärzte seien zum Ergebnis gekommen, dass die Versicherte in einer
optimal leidensadaptierten Tätigkeit wohl nicht mehr zu 100 % arbeitsfähig sei. Die 50
%-Stelle im Spital G._ entspreche einer optimal adaptierten Tätigkeit. Es liege
offensichtlich eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit vor. Die Tätigkeit als Reinigungsfachfrau
sei ihr vor allem deshalb nicht mehr möglich, weil sie dabei körperlich anstrengende
Arbeiten ausführen müsste. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 48'000.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 28'100.-- resultiere ein IV-Grad von 42 %. Sollte keine
Viertelsrente zugesprochen werden, wäre ein Gutachten anzuordnen. Dem Einwand
lagen Arbeitsunfähigkeitsatteste von Dr. E._ für die Zeit vom 13. bis 24. August 2012,
vom 12. bis 29. September 2012 und vom 21. bis 25. Oktober 2013 bei (IV-act. 69-18
ff.).
A.l RAD-Ärztin Dr. F._ notierte am 17. Dezember 2014 (IV-act. 70), dass sich aus
medizinischer Sicht keine neuen Aspekte ergäben. Die operative Entfernung der linken
Lunge sei ein grosser Eingriff gewesen, der den allgemeinen Gesundheitszustand und
die Atemkapazität der Versicherten über längere Zeit eingeschränkt habe. Die grössere
rechte Lunge sei allerdings gesund. Es könne davon ausgegangen werden, dass sich
die Versicherte innert mehrerer Monate an die neue Situation gewöhnt habe. Eine
gewisse Einschränkung der Lungenkapazität werde als Restzustand verbleiben.
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Deshalb seien der Versicherten bleibend keine schweren und sehr schweren
Tätigkeiten mehr möglich. Bezüglich des Tumorverlaufs ergäben sich keine Hinweise
auf ein Rezidiv des Karzinoids, was sich auf die weitere Prognose und den bisherigen
und künftigen Verlauf günstig auswirke. Nach einem grossen Eingriff mit zunächst
unklarem Tumorverlauf müsse die Wiedereingliederung vorsichtig erfolgen. Nach einer
Thoraxchirurgie seien Schmerzattacken in den ersten Monaten bis Jahren nichts
Ungewöhnliches; sie müssten ernsthaft abgeklärt werden. Die während des
Arbeitsversuchs eingetretenen Arbeitsunfähigkeiten innerhalb des ersten Jahres
postoperativ seien in diesem Kontext zu verstehen und dürften nicht als gescheiterter
Arbeitsversuch interpretiert werden. Ausserdem sei ein gescheiterter Arbeitsversuch
nie ein Beweis dafür, dass aus IV-medizinischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit bestehe.
Wenn die Versicherte die nicht optimal leidensadaptierte Tätigkeit in der Wäscherei zu
50 % und zusätzlich die − ebenfalls nicht optimal adaptierte − Reinigungsarbeit in
einem kleinen Pensum ausführe, dürfe nach einem komplikationslosen Verlauf für eine
optimal leidensadaptierte Tätigkeit von einem höheren Pensum ausgegangen werden.
Weitere Abklärungen seien nicht notwendig, sofern die weiteren Tumornachkontrollen
keine Anhaltspunkte auf ein Rezidiv ergäben.
A.m Die C._ AG bestätigte am 18. Dezember 2014 telefonisch, dass der Versicherten
nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz eine leichte Tätigkeit angeboten worden sei. In
der Produktionshalle herrsche ein gewisser Lärm. Die Versicherte sei jedoch weder
Dämpfen noch Hitze oder Staub ausgesetzt gewesen (IV-act. 71).
A.n Mit Verfügung vom 18. Dezember 2014 (IV-act. 72) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch bei einem IV-Grad von 0 % aus den im Vorbescheid angegebenen
Gründen ab. Zum Einwand hielt sie ergänzend fest, dass die Tätigkeit bei der C._ AG
insgesamt leidensadaptierter gewesen sei als die aktuelle Teilzeittätigkeit im Bereich
der Hauswirtschaft/Wäscherei des Spitals G._. Bezüglich der medizinischen Situation
verwies die IV-Stelle auf die Stellungnahme des RAD von 17. Dezember 2014.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 30. Januar 2015 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
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Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer Viertelsrente; eventualiter sei die
Angelegenheit für weitere Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter
ergänzend zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren geltend, die RAD-Ärztin habe
verkannt, dass die Beschwerdeführerin die Tätigkeit als Reinigungsfachfrau bereits im
April 2012 aus gesundheitlichen Gründen habe aufgeben müssen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 25. März 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, die RAD-Ärztin habe am 17. Juli
2012 darauf aufmerksam gemacht, dass die Arbeitsfähigkeit bei der
Beschwerdeführerin je nach Arbeitsplatz und Verlauf der Tumorkrankheit steigerbar sei.
Am 26. Juni 2013 habe die RAD-Ärztin erklärt, dass vor einem definitiven Entscheid bei
der Onkologie des KSSG ein Arztbericht eingeholt werden sollte. Der
Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD vom 26. Juni 2013 sei also noch keine definitive
Bedeutung zugekommen. Die Ausführungen der RAD-Ärztin vom 17. Dezember 2014
seien schlüssig. Demgegenüber habe Dr. E._ seine Arbeitsfähigkeitsschätzung von
50 % adaptiert nicht schlüssig begründet. Er habe vor allem auf die Schilderungen der
Beschwerdeführerin abgestellt, was IV-rechtlich nicht massgeblich sei. Demnach sei
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit
mindestens zu 80 % arbeitsfähig sei. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht
angezeigt, zumal die medizinische Behandlung des Krebsleidens mit Ausnahme von
sporadischen Kontrolluntersuchungen abgeschlossen sei.
B.c In seiner Replik vom 31. Juli 2015 (act. G 12) machte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin ergänzend geltend, der Arbeitsversuch habe bestätigt, dass die
Beschwerdeführerin in der früheren Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin nicht voll
arbeitsfähig sei. Die RAD-Ärztin habe die Beschwerdeführerin nie persönlich
untersucht. Zudem seien ihre Einschätzungen widersprüchlich. Für die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit sei eine persönliche Untersuchung notwendig.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 13 f.).

Erwägungen
1.
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Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss Art. 60
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der
Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung datiert vom 18. Dezember 2014,
die Beschwerde ist aber erst am 30. Januar 2015 erhoben worden. Gesetzliche oder
behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen vom 18.
Dezem¬ber bis und mit dem 2. Januar still (Art. 38 Abs. 4 lit. c ATSG). Die Frist hat also
erst am 3. Januar 2015 zu laufen begonnen. Der Rechtsvertreter hat am 28. Tag der
Frist und somit rechtzeitig Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist deshalb
einzutreten.
2.
2.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 0 % verneint. Strittig
ist demnach, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
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Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
3.
3.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
3.2 Der medizinische Sachverhalt ist grundsätzlich unbestritten. Der
Beschwerdeführerin ist im September 2011 wegen eines Tumors (lowgrade Malignom)
der linke Lungenflügel entfernt worden. Umstritten ist, wie sich dieser
Gesundheitsschaden auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hat respektive auswirkt.
Während der Hausarzt Dr. E._ die Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auf 50 %
geschätzt hat, ist RAD-Ärztin Dr. F._ davon ausgegangen, dass in einer optimal
adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80-100 % besteht. Dr. E._ hat die 50
%ige Arbeitsunfähigkeit mit einer raschen Ermüdbarkeit, einem raschen Einsetzen von
Atemnot/deutlicher Kurzatmigkeit und Schmerzen im Bereich der Thorakotomienarbe
begründet. Wie oft die Schmerzen auftreten, von welcher Intensität sie sind und
weshalb sie einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sollen, hat Dr. E._ nicht
erläutert. Er hat auch nicht begründet, weshalb sich die Kurzatmigkeit in einer optimal
adaptierten Tätigkeit in quantitativer Hinsicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken solle.
Offenbar haben bei Dr. E._ selber gewisse Unsicherheiten bezüglich der
Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bestanden. Ansonsten hätte er kaum
angemerkt, dass ihm das Ausmass der Kurzatmigkeit respektive der zusätzlich
benötigten Pausen wegen der Kurzatmigkeit nicht ganz klar sei. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ entspricht der von der Beschwerdeführerin
nach Eintritt des Gesundheitsschadens effektiv erbrachten Arbeitsleistung.
Möglicherweise beruht seine Arbeitsfähigkeitsschätzung also hauptsächlich auf den
subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin und weniger auf den objektiven
Befunden. Die subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung einer versicherten Person ist
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bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung jedoch irrelevant. Entscheidend ist, welche
Arbeitsleistung ihr aus objektiver Sicht noch zumutbar ist. Insgesamt mangelt es der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ somit an der notwendigen Beweiskraft. Die
RAD-Ärztin hat ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt auf die Akten abgegeben; eine
eigene Untersuchung hat sie nicht vorgenommen. Zwar ist ihre Einschätzung, dass es
sich bei der aktuell ausgeübten 50 %-Tätigkeit als Mitarbeiterin Hauswirtschaft in der
Wäscherei eines Spitals nicht um eine optimal adaptierte Tätigkeit handelt und dass
der Beschwerdeführerin die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit in einem
höheren Pensum zumutbar sei, aufgrund der im Recht liegenden Akten durchaus
nachvollziehbar. Allerdings erscheint die rein aktenmässige Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit im vorliegenden Fall als problematisch, weil die vorhandenen
medizinischen Berichte hinsichtlich der Folgen der Tumorerkrankung respektive der
Entfernung des linken Lungenflügels äusserst dürftig sind; von behandelnden
Fachärzten liegen lediglich ältere Behandlungsberichte im Recht. Eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung eines behandelnden Facharztes fehlt. Ausserdem ist unklar,
wie sich das thorakale Schmerzsyndrom zwischenzeitlich entwickelt hat. Hinzu kommt,
dass die Beschwerdeführerin wiederholt über eine Kraftlosigkeit und Müdigkeit
berichtet hat (IV-act. 22 und 30). Auch hierzu fehlen nähere Angaben wie
beispielsweise die Intensität und der Verlauf der Symptomatik. Die RAD-Ärztin hat sich
weder mit der geltend gemachten Kraftlosigkeit noch mit der Müdigkeit
auseinandergesetzt. Schliesslich hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu
Recht darauf hingewiesen, dass die RAD-Ärztin fälschlicherweise davon ausgegangen
ist, dass die Beschwerdeführerin neben dem 50 %-Pensum als Mitarbeiterin
Hauswirtschaft weiterhin 5.5 Stunden pro Woche als Unterhaltsreinigerin tätig sei.
Daraus hat die RAD-Ärztin am 17. Dezember 2014 den Schluss gezogen, dass die
Beschwerdeführerin in einer optimal leidensadaptierten Tätigkeit höhergradig
arbeitsfähig wäre. Diese Schlussfolgerung basiert also auf einer falschen Faktenlage.
Schliesslich hat die RAD-Ärztin mit ihrer ungenauen Arbeitsfähigkeitsschätzung für
adaptierte Tätigkeiten (80-100 %) selber eine gewisse Unsicherheit eingestanden. Der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der RAD-Ärztin mangelt es somit insgesamt ebenfalls an
der notwendigen Beweiskraft. Die Sache ist daher zur weiteren medizinischen
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die konkrete Ausgestaltung
der medizinischen Abklärung (externe Begutachtung oder RAD-Untersuchung,
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Methodik zur Objektivierung der geltend gemachten Einschränkungen, Evaluation der
Funktionellen Leistungsfähigkeit etc.) sind durch die Beschwerdegegnerin zu
bestimmen.
3.3 Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde wegen der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1
ATSG aufzuheben und die Sache ist zur weiteren medizinischen Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat
keine Honorarnote eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.