Decision ID: a4160535-bd33-43b7-afb5-171b4b84cf00
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 11. März 2014 wegen durch einen Bandscheibenvorfall
verursachter Schmerzen und Erschöpfung bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Die Versicherte war am 3. Januar 2014 durch Dr.med.
B._, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, abgeklärt worden. Der Arzt hatte ein
chronisches Panvertebralsyndrom mit lumbospondylogener Komponente beidseits bei
muskulären Dysbalancen, segmentalen Dysfunktionen, linksseitiger paramedianer
Diskushernie L5/S1 und leichter Haltungsschwäche diagnostiziert und eine
psychosoziale Belastungssituation bei Status nach reaktivem Erschöpfungszustand bei
Arbeitsplatzproblematik im Jahr 2005 und ein unklares Zittern am ganzen Körper
während der Untersuchung festgehalten. Die Versicherte berichte über Schmerzen seit
drei bis vier Jahren mit akuten Schmerzschüben jeweils für eine bis zwei Wochen.
Zweifellos bestehe auch eine nicht-organische Schmerzkomponente. Die aktuelle
Arbeit im Hausdienst eines Altersheims (50 %-Pensum; vgl. Angaben Arbeitgeberin
vom 27. März 2014, IV-act. 11-2 ff.) sei weiterhin zu 50 % zumutbar, wenn keine
schweren Hebearbeiten verrichtet werden müssten. Angesichts der Gesamtsituation
dürfte es ihr auch in Zukunft kaum möglich sein, mehr als 50 % zu arbeiten (Bericht
vom 8. Januar 2014, IV-act. 15-22 ff.). Die Versicherte war ab 8. Januar 2014 zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben (Arztbericht Dr.med. C._, Facharzt für Innere Medizin
FMH, vom 15. September 2014, IV-act. 31-4). Am 9. Januar 2014 hatte sie eine
ambulante Therapie im Psychiatrischen Zentrum D._ aufgenommen (Bericht
zuhanden des Krankentaggeldversicherers vom 11. Juni 2014, Fremdakten, act. 1-49
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ff.) und war am 20. Februar 2014 für einen stationären Rehabilitationsaufenthalt in die
Klinik Valens eingetreten (Austrittsbericht vom 2. April 2014, IV-act. 15-3).
A.b Während des bis zum 19. März 2014 dauernden Rehabilitationsaufenthalts wurden
die Diagnosen (1.) eines chronischen Panvertebralsyndroms mit lumbospondylogener
Komponente bds. bei muskulären Dysbalancen, segmentalen Dysfunktionen,
linksseitiger paramedianer Discushernie L5/S1, leichter Haltungsschwäche, (2.) einer
rezidivierenden depressiven Störung mit aktuell mittelgradiger depressiver Episode
(ICD-10: F33.10), (3.) einer adulten Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ICD-10: F90.0), (4.)
einer nicht näher bezeichneten Ticstörung (ICD-10: F95.9) und (5.) einer arteriellen
Hypertonie gestellt. Der Wiedereinstieg sei mit 50 % des bisherigen 50 %-Pensums (1
1/2 Tage) mit schrittweiser Steigerung auf 50 % eines 100 %-Pensums möglich
(Austrittsbericht Klinik Valens vom 2. April 2014, IV-act. 15-3 ff.). Die im Anschluss an
den Klinikaufenthalt wieder auf¬genommene ambulante Therapie im
Psychiatriezentrum D._ wurde am 29. April 2014 beendet (Bericht zuhanden des
Krankentaggeldversicherers vom 11. Juni 2014, Fremdakten, act. 1-49 ff.).
A.c Im Assessmentprotokoll vom 30. April 2014 wurde ausgeführt, nach dem Austritt
aus der Klinik Valens sei eine teilweise Wiederaufnahme der Arbeit aufgrund der
Schmerzen gescheitert. Aus Sicht der Eingliederungsberatung erscheine eine
Verwertung der Arbeitsfähigkeit nicht realistisch (IV-act. 24). Die IV-Stelle teilte der
Versicherten daraufhin mit, berufliche Eingliederungsmassnahmen seien aufgrund des
Gesundheitszustandes zurzeit nicht möglich (Mitteilung vom 22. Mai 2014, IV-act. 27).
A.d Dr. C._ führte in einem ärztlichen Zeugnis vom 7. November 2014 aus, die
Versicherte habe am 3. November 2014 mit einem Arbeitsversuch begonnen. Am
Folgetag sei im Rahmen einer Notfallkonsultation eine ausgeprägte Verschlechterung
des Befindens festgestellt worden. Der Arbeitsversuch habe bereits am 5. November
2014 wieder abgebrochen werden müssen. Derzeit sei die Versicherte nicht in der
Lage, einer Tätigkeit nachzugehen (Fremdakten, act. 2-10). Laut Verlaufsbericht vom
23. März 2015 schätzte Dr. C._ den Gesundheitszustand seit Oktober 2014 im
Wesentlichen unverändert ein (IV-act. 43-2 ff.).
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A.e Die IV-Stelle machte der Versicherten am 9. Juli 2015 Mitteilung, es sei eine
bidisziplinäre (Orthopädie/Psychiatrie) Begutachtung durch das SMAB AG (Swiss
Medical Assessment- and Business-Center), St. Gallen, erforderlich und informierte die
Versicherte über die Namen der Experten und den Fragenkatalog (IV-act. 47). Am 18.
August 2015 erliess sie die Mitteilung, die Gutachterstelle habe sie im Anschluss an die
erste medizinische Abklärung am 17. August 2015 informiert, dass zusätzlich die
Fachdisziplin Neurologie als für die Begutachtung erforderlich erachtet werde. Sie
nannte die dafür vorgesehene neurologische Expertin (IV-act. 51).
A.f Die Gutachter (Dr.med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie;
Dr.med. F._, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie; Dr.med. G._, Fachärztin
für Neurologie) kamen im Gutachten vom 19. November 2015 (IV-act. 53;
Untersuchungen 17. August, 15. September und 6. Oktober 2015) zum Schluss, es
bestehe keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit.
Die gestellten bzw. bestätigten Diagnosen psychologische Faktoren und
Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten (ICD-10: F54), dissoziative
Bewegungsstörungen (ICD-10: F44.4) und ein subjektiv mitgeteiltes
Ganzkörperschmerzsyndrom mit/bei im 2010 MRI-gesicherter praesacraler
Diskushernie, klinisch ohne Anzeichen einer floriden, radikulären Kompression,
rumpfmuskulärem Globaldefizit und bizarr erscheinender Beeinträchtigung der
Rumpfbeweglichkeit und des Gehvermögens, seien ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 53-10). Zusammenfassend, unter Berücksichtigung sämtlicher
Fachgebiete, ergebe sich seit ca. Juli 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, sowohl in
der bisherigen Tätigkeit als auch in einer Verweistätigkeit. Tätigkeiten, die eine erhöhte
emotionale Belastbarkeit voraussetzten, seien nicht geeignet. Ansonsten sei das
Belastungsprofil nicht eingeschränkt (IV-act. 53-11 f., 26).
A.g Nach Einholung einer Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr.med. H._, Fachärztin für
Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 2. März 2016 (IV-act. 56) gewährte die
IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 3. März 2016 das rechtliche Gehör zur
beabsichtigten Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 58). Mit Einwand vom 30.
März 2016 machte die Versicherte, vertreten durch ihren Sohn, geltend, es sei ihr nicht
möglich, den Haushalt selbständig zu führen, sie sei dafür auf Hilfe der Familie und von
Bekannten angewiesen. Sie benötige Unterstützung bei der beruflichen Integration (IV-
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act. 67). Der RAD nahm am 12. April 2016 Stellung, mit dem Einwand würden keine
neuen medizinischen Tatsachen bekannt. Am Gutachten vom 19. November 2015
müsse weiter festgehalten werden (IV-act. 68).
A.h Mit Verfügung vom 12. April 2016 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (IV-
act. 69).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 12. April 2016 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwältin lic.iur. A. Guyot, am 10. Mai 2016 Beschwerde erheben. Sie beantragt,
die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben
und die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ein rechtskonformes, polydisziplinäres
Gutachten in den Disziplinen Orthopädie, Rheumatologie, Psychiatrie sowie Neurologie
in Auftrag zu geben. Danach sei zunächst über berufliche Massnahmen und erst
anschliessend über die Rentenfrage zu entscheiden. Das Gutachten der SMAB AG sei
aus den Akten zu entfernen, dessen Empfänger seien über diese Aktenbereinigung
bzw. Rechtswidrigkeit des Gutachtens zu informieren. Es sei ihr die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur Begründung führt sie aus,
die Beschwerdegegnerin habe Bundesrecht verletzt, indem die letztlich polydisziplinäre
Begutachtung nicht nach dem gesetzlich zwingenden Zufallsprinzip vergeben worden
sei. Es hätte bereits zu Beginn ein umfassendes, polydisziplinäres Gutachten
veranlasst werden müssen. Im Weiteren sei ebenfalls der Fachbereich Rheumatologie
abklärungsbedürftig. Das Gutachten der SMAB AG vom 19. November 2015 sei aus
formellen Gründen nicht verwertbar und als offensichtlich rechtswidrig beschaffenes
Beweismittel aus den Akten zu entfernen. Es sei auch aus materiellen Gründen nicht
beweiskräftig. Die von Dr. C._ seit 1993 vollständig dokumentierte
Krankengeschichte sei völlig ausser Acht gelassen worden, und der Gutachter sei nicht
im Besitz eines Berichts der damals behandelnden Psychiaterin gewesen. Auffallende
Differenzen im Befinden und der Alltagsgestaltung seien nicht näher thematisiert
worden. Es sei der Beschwerdeführerin offensichtlich gelungen, die psychische
Problematik zu verheimlichen und zu dissimulieren. Sie habe gegenüber der
neurologischen Gutachterin und im Fragebogen zur Rentenabklärung sehr deutlich
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zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht in der Lage sei, den Haushalt selbständig zu
führen. Sie habe sehr grosse Schwierigkeiten, dies einzugestehen, und stelle sich
krankheitsbedingt selbst besser dar. Die Einschätzung einer reinen Selbstlimitation
werde im Weiteren überhaupt nicht begründet. Ebenfalls werde nicht berücksichtigt,
dass die Beschwerden teilweise sehr wohl organisch begründet seien. Schliesslich sei
die Mitwirkung eines auf chronische Schmerzen spezialisierten Gutachters notwendig
(act. G 1). Mit der Beschwerde reicht die Beschwerdeführerin Arztzeugnisse von Dr.
C._ ein, welche vom 1. Januar bis 31. Mai 2016 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit
attestieren (act. G 1.3 - 1.7).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 30. Juni 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Der RAD habe am 22. Juni 2015 eine bidisziplinäre
orthopädisch/psychiatrische Begutachtung empfohlen. Da keine besondere
neurologische oder eine andere Problematik in den Akten beschrieben gewesen sei,
habe kein Anlass bestanden, weitere Disziplinen vorzusehen. Die Begutachtung sei der
Beschwerdeführerin vorschriftsgemäss angekündigt und von ihr auch nicht
beanstandet worden. Die Gutachter hätten dargetan, dass für die geltend gemachten
Beschwerden kein organisches Korrelat habe festgestellt werden können, dass die
Beschwerdeführerin ihren Alltag trotz angegebener fast fehlender Leistungsfähigkeit
relativ aktiv gestalte und dass sie deshalb als arbeitsfähig angesehen werden müsse.
Sie hätten diverse Inkonsistenzen aufgezeigt und seien damit gleichzeitig auch den
Anforderungen des normativen Prüfrasters der neuen Rechtsprechung
nachgekommen. So lasse sich beispielsweise das von der Beschwerdeführerin
gezeigte bizarre Gangbild nicht damit in Einklang bringen, dass sie dreimal pro Woche
zum Training gehe und dabei den Weg von 30 bis 40 Minuten zweimal zu Fuss
zurücklege. Die eingereichten Arbeitsunfähigkeitszeugnisse gäben keinerlei Anlass, von
der Einschätzung der Gutachter abzuweichen (act. G 5).
B.c Am 20. Juli 2016 wird dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und unentgeltliche Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).
B.d Mit Replik vom 25. Juli 2016 macht die Beschwerdeführerin geltend, eine
Erweiterung des Begutachtungsumfanges sei im Rahmen der SuisseMED@P zu
begründen. Sie sei im Verwaltungsverfahren nicht anwaltlich vertreten gewesen,
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weshalb eine bereits damalige Geltendmachung einer zusätzlichen neurologischen
Begutachtung von ihr nicht verlangt werden könne. Die Differenzen des berichteten
Befindens und der Alltagsgestaltung hätten ausführlich und explizit im Gutachten
thematisiert werden müssen. Der pauschale Verweis, dass es sich ohnehin um
subjektive Angaben handle, genüge dabei nicht. Die Strecke vom Wohnort zur
Physiotherapie sei zu Fuss in 11 bis 12 Minuten zu bewältigen. Sie benötige die drei-
bis vierfache Zeit, was sich mit ihrem aufgrund der Beschwerden deutlich erschwerten
Gang vereinbaren lasse (act. G 8).
B.e Mit Duplik vom 22. August 2016 hält die Beschwerdegegnerin an ihren
Ausführungen in der Beschwerdeantwort und ihrem Antrag fest und betont, dass eine
Erweiterung des Begutachtungsumfangs lediglich bei von Beginn weg polydisziplinär
geplanten Gutachten im Rahmen der SuisseMED@P zu begründen sei (act. G 10).

Erwägungen
1.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
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objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4 und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Soweit die
Beschwerden nicht empirisch-klinisch, anamnestisch oder bildgebend und/oder
apparativ nachgewiesen werden können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30.
November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4) ist der Beweis nach dem strukturierten
Verfahren mittels Indikatoren zu führen (BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine
lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann
als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen
im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer
Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer
Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
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ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.5 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhalts ein Gutachten einer
oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren oder
dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und
kann Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG). Medizinische Gutachten, an denen
drei und mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu
erfolgen, mit welcher das Bundesamt eine Vereinbarung getroffen hat. Die Vergabe der
Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Art. 72bis der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Erstatten Begutachtungsinstitute, die für den
Bereich der polydisziplinären Expertisen mit dem BSV eine Vereinbarung
abgeschlossen haben, bidisziplinäre Expertisen, erfolgt dies ausserhalb des MEDAS-
Status (BGE 139 V 351, E. 2.2).
1.6 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Im Sozialversicherungsrecht hat das
Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach
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dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360
E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung vom 12. April 2016 (IV-act.
69) bildet das Gutachten der SMAB AG vom 19. November 2015 (IV-act. 53). Zunächst
ist zu prüfen, ob es die formellen Kriterien erfüllt.
2.2 Das Bundesgericht hielt fest, Grund für die Vergabe der Gutachtensaufträge nach
dem Zufallsprinzip bilde das für Gutachter geltende Unabhängigkeitserfordernis.
Geeignet erscheine das geplante Verfahren (Einführung einer Verteilplattform nach dem
Zufallsprinzip) nur für polydisziplinäre Gutachten, kaum jedoch für mono- und
bidisziplinäre Gutachten; hier scheine es sinnvoll, die flexible direkte Auftragserteilung
an praktizierende Ärzte, Kliniken etc. weiterhin vorzusehen (BGE 137 V 242 E. 3.1.1). Es
existierten keine festen Kriterien zur allgemeingültigen Abgrenzung, wann ein
polydisziplinäres Gutachten erforderlich sei. Die umfassende administrative
Erstbegutachtung werde jedoch regelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert
anzulegen sein; eine direkte Auftragserteilung sollte die Ausnahme bleiben. Eine
polydisziplinäre Expertise sei auch dann einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden
zwar bloss als auf eine oder zwei medizinische Disziplinen fokussiert erscheine, die
Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht vollends gesichert sei. In
begründeten Fällen könne von einer polydisziplinären Begutachtung abgesehen und
eine mono- oder bidisziplinäre durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation
offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlage; weder dürften
weitere interdisziplinäre Bezüge (z.B. internistischer Art) notwendig sein, noch dürfe ein
besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf
bestehen (BGE 139 V 352, E. 3.2). Den Gutachtern müsse es freistehen, die von der IV-
Stelle bzw. dem RAD (oder im Beschwerdefall durch ein Gericht) bezeichneten
Disziplinen gegenüber der Auftraggeberin zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die
Vorgaben nicht einsichtig seien. Diese Überlegungen träfen grundsätzlich auch mit
Bezug auf bidisziplinäre Expertisen zu (BGE 139 V 352 f., E. 3.3). Weiche die IV-Stelle
vom zufallsbasierten MEDAS-Zuweisungssystem ab, indem sie von einer MEDAS eine
bi- oder gar bloss monodisziplinäre Expertise einholen wolle, so habe sie zwingend
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einen Einigungsversuch einzuleiten. Scheitere dieser, sei darüber zu verfügen (BGE 139
V 357 E. 5.4). In einem Urteil vom 16. März 2015 befand das Bundesgericht die
Erweiterung einer bidisziplinären (orthopädischen/psychiatrischen) Begutachtung um
eine neurologische Untersuchung auf Anraten der Gutachterstelle als zulässig. Das
ursprünglich in die Wege geleitete bidisziplinäre Gutachten sei vorschriftsgemäss
angekündigt und seitens der versicherten Person nicht beanstandet worden. Der
Verzicht auf eine Auftragsvergabe nach der Zufallszuweisung (Art. 72bis Abs. 2 IVV) sei
daher im Licht der diesbezüglich geltenden Rechtsgrundsätze (BGE 139 V 349)
zulässig gewesen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. März 2015, 8C_680/2014). Der
diesem Urteil zugrundeliegende Fall entspricht dem vorliegenden, indem effektiv eine
polydisziplinäre Begutachtung durchgeführt wurde und der zu diskutierende Mangel
ausschliesslich darin besteht, dass die Vergabe nicht nach dem Zufallsprinzip
stattfand. Mit Blick darauf erscheint die Verwertbarkeit des SMAB-Gutachtens aus
formellen Gründen lediglich ausgeschlossen, wenn das zufallsbasierte MEDAS-
Zuweisungssystem offenkundig bzw. in Umgehungsabsicht missachtet worden wäre.
2.3 Der RAD führte in seiner Stellungnahme vom 22. Juni 2015 aus, bisher seien die
Diagnosen chronisches Panvertebralsyndrom mit lumbospondylogener Komponente
und psychiatrische Diagnosen (rezidivierende depressive Störung, adulte
Aufmerksamkeitsstörung, nicht näher bezeichnete Tic-Störung) gestellt worden. Der
Hausarzt sehe aktuell aufgrund der reduzierten Belastbarkeit und der Selbstlimitierung
keine Arbeitsfähigkeit oder Vermittelbarkeit. Er empfehle eine Begutachtung. Vor
diesem Hintergrund sei eine bidisziplinäre orthopädisch/psychiatrische Begutachtung
mit Standardfragen erforderlich (IV-act. 46-3). Eine konsiliarische neurologische
Abklärung hatte bereits im Vorfeld stattgefunden, ohne dass die evidente
Bewegungsstörung oder das intermittierende Einsinken des rechten Beines
neurologisch objektiviert werden konnten (Bericht Dr.med. I._, Fachärztin für
Neurologie, Bericht vom 24. April 2014, IV-act. 31-8). Auch dem internistischen
Fachgebiet zugehörige Diagnosen lagen - vorbehältlich der Hypertonie - nicht vor.
Spezifisch rheumatologische Fragestellungen waren nicht erkennbar, so dass die
Ausdehnung der Begutachtung auf diese Disziplin nicht erforderlich war (Urteile des
Bundesgerichts vom 11. Oktober 2017, 9C_744/2016, E. 2, und vom 3. März 2017,
9C_793/2016, E. 4.1.1). Insbesondere erhoben weder Dr. B._ (Arztbericht vom 8.
Januar 2014, IV-act. 15-22 ff.) noch die berichtende Ärztin der Klinik Valens
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(Austrittsbericht vom 2. April 2014, IV-act. 15-3) als Rheumatologin ausschliesslich
ihrer Fachdisziplin zugehörige Befunde oder Diagnosen. Zudem erachteten weder der
RAD noch die Gutachter eine zusätzliche rheumatologische Abklärung für angezeigt.
Auch wenn zum Zeitpunkt des Gutachtensauftrags die Beschaffenheit des
Gesundheitsschadens noch nicht als gesichert gelten konnte und der Hausarzt eine
"erweiterte" bzw. polydisziplinäre Begutachtung empfohlen bzw. zur Diskussion
gestellt hatte (Berichte vom 15. September 2014, IV-act. 31-4, und vom 23. März 2015,
IV-act. 43-2), kann nicht davon ausgegangen werden, dass das Erfordernis einer
polydisziplinären Begutachtung offenkundig erfüllt bzw. eine solche missbräuchlich
nicht angeordnet worden wäre. Somit bildet die Tatsache, dass keine polydisziplinäre
und insbesondere die neurologische Begutachtung erst nachträglich angeordnet wurde
und die Vergabe des Gutachtens daher nicht über SuisseMED@P erfolgte, keinen
formellen Grund für eine fehlende Beweistauglichkeit des Gutachtens.
3.
3.1 Im Weiteren ist das Gutachten in materieller Hinsicht zu prüfen.
3.2 Dr. C._ erwähnte im Arztbericht vom 14. September 2014 unter anderem
Erschöpfungs- und Schmerzzustände im März 1995, Januar 1996, November 2001 und
Oktober 2005 mit teilweise zwei bzw. viermonatiger antidepressiver Behandlung (IV-
act. 31-2 f.). Der diese Angaben enthaltende Arztbericht wird im Aktenauszug des
Gutachtens aufgeführt (IV-act. 53-8), so dass erstellt ist, dass die Gutachter davon
Kenntnis hatten. Nachdem aber erst akute lumbale Schmerzen ab März 2008 zu ersten
Krankschreibungen führten (Arztbericht Dr. C._ vom 14. September 2014, IV-act.
31-3 f.) und die Beschwerdeführerin über eine erneute, schliesslich zur IV-Anmeldung
führende Exazerbation der Schmerzen Ende 2013 berichtete (IV-act. 53-19), erscheint
nachvollziehbar, dass sich der psychiatrische Gutachter in seiner Abhandlung der
Krankheitsentwicklung (IV-act. 53-19) und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (IV-act.
53-26) auf die zur ununterbrochenen Arbeitsunfähigkeit ab 8. Januar 2014 (vgl.
Arztbericht Dr. C._ vom 15. September 2014, IV-act. 31-4) führenden Beschwerden
beschränkte. Im Übrigen schloss er frühere depressive Episoden nicht explizit aus (IV-
act. 53-26). Das Vorliegen früherer Erkrankungen bzw. Arbeitsunfähigkeiten bildete
denn auch nicht Gegenstand der Begutachtung. Den Gutachtern lag sodann auch der
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Bericht des Psychiatrischen Zentrums D._ vom 11. Juni 2014 über die ambulante
Behandlung vom 9. Januar bis 29. April 2014 (Fremdakten, act. 1-49 ff.) vor (IV-act.
53-7). Gemäss diesem Bericht und einer Aktennotiz der IV-Stelle vom 6. August 2014
(IV-act. 30) hatte die letzte Therapiesitzung am 29. April 2014 stattgefunden. In
Anbetracht dessen, dass ein nach Abschluss der Behandlung erstellter Bericht vorlag
und zeitnah auch ein solcher des behandelnden Psychiaters der Klinik Valens, der
überdies mit der behandelnden Psychiaterin in Wattwil Rücksprache genommen hatte
(Austrittsbericht Psychosomatik vom 24. März 2014, IV-act. 15-10 ff.), bestand kein
Bedarf nach einem weiteren Bericht des Psychiatrischen Zentrums D._. Das
Gutachten erweist sich folglich nicht nur hinsichtlich der beteiligten medizinischen
Disziplinen, sondern auch in Bezug auf die ihm zugrunde liegenden Unterlagen als
vollständig.
3.3 Die Beschwerdeführerin schilderte den Gutachtern im Wesentlichen seit vielen
Jahren bestehende, überwiegend tief lumbale und in Schultern und Beine,
überwiegend links ausstrahlende Rückenschmerzen. Diese würden sich durch langes
Sitzen, Gehen oder Stehen verschlechtern, sie müsse immer wieder die Lage wechseln
oder sich hinlegen (IV-act. 53-18, 29, 37). Die Gutachter beschrieben ein auffälliges,
verlangsamtes, schleppendes, schlürfendes Gangbild sowie auffällige ruckartige,
unregelmässige Bewegungen (IV-act. 53-31, 39, 40). Der orthopädische Untersuch
ergab einen diffusen und nicht anatomisch lokal zuzuordnenden Druck- und
Klopfschmerz über den Dornfortsätzen der Wirbelsäule und eine durchgehende
Berührungs- und Palpationsempfindlichkeit der Rückenstreckmuskulatur (IV-act. 53-31
f.). Weder aus orthopädischer noch aus neurologischer Sicht fanden die Gutachter eine
Erklärung bzw. ein organisches Korrelat für die angegebenen Beschwerden (IV-act.
53-32, 33 f., 39 f.). Die neurologische Expertin begründete dies mit der Art und dem
klinischen Erscheinungsbild der Bewegungen, der Widersprüchlichkeit bzw. nicht
sicheren Reproduzierbarkeit der Angaben der Beschwerdeführerin hinsichtlich der
Gefühlsstörungen sowie mit dem Fehlen von Hinweisen für eine Mononeuropathie,
Radikulopathie oder Plexusläsion (IV-act. 53-39 f.). Bereits Dr. B._ (Bericht vom 8.
Januar 2014, IV-act. 15-28) und der Austrittsbericht Psychosomatik der Klinik Valens
vom 24. März 2014 (IV-act. 15-11) konstatierten eine massgebliche nicht-organische
Beschwerdekomponente bzw. eine deutliche psychische Überlagerung. Die
Arbeitsunfähigkeit von jeweils (maximal) 50 % (Bericht Dr. B._ vom 8. Januar 20014,
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IV-act. 15-25; Austrittsbericht Klinik Valens, Austrittsbericht vom 2. April 2015, IV-act.
15-5) wurde mit Blick auf die Gesamtsituation bzw. auch in Berücksichtigung der
psychiatrischen Erkrankungen geschätzt und nicht mit der diagnostizierten
lumbospondylogenen Komponente des Panvertebralsyndroms (IV-act. 15-22, 25; IV-
act. 15-3) begründet. Dem orthopädischen und neurologischen Teilgutachten kann
somit gefolgt werden.
3.4 Der psychiatrische Gutachter führte aus, schon bei geringen körperlichen
Belastungen komme es nach Beschreibung der Versicherten zur Ausbildung eines
Ganzkörperschmerzes. Dieser sei weitgehend organisch nicht erklärbar. Eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung könne nicht diagnostiziert werden, da kein
andauernder, schwerer und quälender Schmerz feststellbar sei. Die Versicherte habe in
der Untersuchungssituation nicht schwer schmerzgeplagt gewirkt, des Weiteren
spreche auch der relativ aktive Alltag gegen ein Schmerzsyndrom in dieser
Ausprägung. Eine psychogene Überlagerung der Schmerzsymptomatik sei aber
anzunehmen, relevante psychosoziale Überlastungen seien erkennbar. Die Versicherte
berichte, dass sich die Schmerzsymptomatik ab etwa Ende 2013, d.h. nach Ehekrise
und -trennung sowie mehrjährigen Konflikten am Arbeitsplatz, zunehmend entwickelt
habe. Bei der aktuellen Untersuchung sei deutlich geworden, dass sie ihre Gefühle
schlecht wahrnehmen und ausdrücken könne. Es sei davon auszugehen, dass sie
seelische Befindlichkeiten eher körperlich ausdrücke, als sie zu verbalisieren.
Hinsichtlich der beschriebenen Schmerzsymptomatik ergebe sich die Diagnose
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten
Krankheiten (ICD-10: F54) (IV-act. 53-23). Darüber hinaus lägen Bewegungsstörungen
vor. Diese seien neurologisch nicht erklärbar und als dissoziativ anzusehen. Unter
dieser Symptomatik leide die Versicherte deutlich weniger, habe dies erst auf
Nachfrage benannt und geäussert, dass sich die Symptomatik aufgrund der
ambulanten Physiotherapie bereits gebessert habe (IV-act. 53-24). In Übereinstimmung
mit dem psychiatrischen Gutachten wurde der Beschwerdeführerin weder anlässlich
der ambulanten Behandlung im Psychiatrischen Zentrum D._ (Bericht vom 11. Juni
2014, Fremdakten, act. 1-49 ff.) noch während des stationären Aufenthalts in Valens
(Austrittsbericht vom 2. April 2014, IV-act. 15-3 ff.) eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert. Auch die aktuell behandelnde Psychotherapeutin hielt
ausschliesslich eine Konversionsstörung mit motorischen Symptomen fest und
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erwähnte die in Valens noch gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung (IV-act. 15-3) nicht mehr (Bericht vom 18. November 2014, IV-act. 35-1).
3.5 Aus psychiatrischer Sicht liegen organisch nicht erklärbare Schmerzen vor,
weshalb die Arbeitsfähigkeit gemäss dem strukturierten Beweisverfahren anhand der
entsprechenden Indikatoren zu schätzen ist (BGE 141 V 281 E. 4.1 ff.). Wie dargelegt
(E. 3.4), ist nicht von andauernden, schweren und quälenden Schmerzen auszugehen.
Zu den Auswirkungen ihrer Beschwerden auf ihren Alltag schilderte die
Beschwerdeführerin, sie bereite Znüni für die Tochter und das Mittagessen zu, befülle
die Waschmaschine, gehe dreimal wöchentlich zur Physiotherapie, wobei sie einen
Fussweg von zweimal 30 bis 40 Minuten zurücklege (IV-act. 53-18; bei allerdings
üblicher Wegdauer von 11 bis 12 Minuten [act. G. 8.1]). Leichtere bzw. die nötigsten
Haushalttätigkeiten könne sie erledigen, müsse sich dazwischen aber immer wieder
hinlegen (IV-act. 53-37). Sie habe zu vielen Freundinnen/Kolleginnen Kontakt per
Telefon/SMS und erhalte ca. einmal monatlich Besuch. Als sie noch weniger
Schmerzen gehabt habe, sei sie öfters ausgegangen, dies komme jetzt nur noch selten
vor. Sie male gerne und habe früher in einem Kirchenchor gesungen, was wegen des
langen Sitzens nicht mehr möglich sei (IV-act. 53-18 f.). Gegenüber der neurologischen
Gutachterin führte die Beschwerdeführerin aus, die Schmerzen seien zur Zeit erträglich.
Der Alltag sei durch die Beschwerden sehr, sehr mühsam geworden. Sie habe sich
prinzipiell zurückgezogen (IV-act. 53-37). Im Fragebogen zur Haushaltabklärung hatte
sie unter anderem ausgeführt, schwerere Arbeiten oder solche, bei denen sie Gewichte
von mehr als 2 kg händigen müsse, könne sie nicht mehr selbständig ausführen.
Grössere Einkäufe würden über Le Shop getätigt. Der Haushalt sei so anstrengend,
dass es ihr nicht mehr möglich sei, Besuch zu empfangen (Fragebogen
Haushaltsabklärung, 17. Februar 2015, IV-act. 40-7 ff.). Da die Schmerzen durch die
Diagnose psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts
klassifizierten Krankheiten erfasst werden (E. 3.4), ist nicht von einer massgeblich ins
Gewicht fallenden somatischen Komorbidität auszugehen. Eine Störung oder
akzentuierte Züge der Persönlichkeit wurden nicht diskutiert. Als Komorbidität sind die
dissoziativen Bewegungsstörungen zu berücksichtigen, die jedoch von der
Beschwerdeführerin selbst nicht als wesentlich beeinträchtigend empfunden werden
(IV-act. 53-24; E. 3.4). Hinsichtlich der Konsistenz sind die Gutachter der Auffassung,
dass die Beschwerdeführerin sich zu keiner beruflichen Tätigkeit mehr in der Lage
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sehe, sei deutlich diskrepant zu den Aktivitätsniveaus in den Lebensbereichen Haushalt
und Freizeit (IV-act. 53-25). Dies sei als nicht krankheitsbedingte Selbstlimitierung
anzusehen (IV-act. 53-10). Zwar führte der psychiatrische Gutachter aus, dass die
Beschwerdeführerin die ihr angebotenen Behandlungsmassnahmen absolviert habe,
mache trotz Vorbehalt gegenüber den Antidepressiva einen relevanten Leidensdruck
deutlich (IV-act. 53-25). Dies ist jedoch insofern zu relativieren, als die Psychotherapie
zur Zeit der Begutachtung nach Angabe der Beschwerdeführerin nur noch einmal
monatlich erfolgte (IV-act. 53-20). Den Schluss der Gutachter auf fehlende Konsistenz
bzw. Selbstlimitierung bestreitet die Beschwerdeführerin. Sie neige vielmehr zur
Dissimulation bzw. Untertreibung ihrer Beschwerden, da es ihr namentlich im
psychischen Bereich an Krankheitseinsicht fehle (vgl. Beschwerde, act. G 1). Letzteres
erscheint zwar plausibel, denn die Beschwerdeführerin schilderte die Einschränkungen
gegenüber der neurologischen Gutachterin und im Fragebogen zur Haushaltabklärung
tendenziell weitreichender als gegenüber dem psychiatrischen Gutachter. Zudem
erklärte sie dem psychiatrischen Gutachter, sie habe die Einnahme eines
Antidepressivums in D._ und Valens abgelehnt und sich damit durchsetzen können
(IV-act. 53-19), während sie gemäss Austrittsbericht Psychosomatik der Klinik Valens
vom 24. März 2014 schliesslich trotz Skepsis bereit gewesen sein soll, Venlafaxin
einzunehmen (IV-act. 15-11, 13 f.). Von einem fehlenden psychischen
Krankheitsverständnis kann indes nicht auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden. Auch fallen die Angaben der Beschwerdeführerin nicht
dermassen auseinander, dass hier ein offenkundiger weiterer Klärungsbedarf besteht.
3.6 Die Gutachter attestierten der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsfähigkeit. Sie
berücksichtigten die geltend gemachten Beschwerden, würdigten diese jedoch
gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG nach objektiven Gesichtspunkten. Die nach dem
strukturierten Beweisverfahren erforderlichen Indikatoren wurden nachvollziehbar
abgehandelt. Die früheren Einschätzungen einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit von Dr.
B._ und der Klinik Valens berücksichtigten demgegenüber auch
invalidenversicherungsrechtlich nicht relevante psychosoziale Belastungsfaktoren
(Bericht vom 8. Januar 2014, IV-act. 15-22 ff.) bzw. die inzwischen durch die
behandelnde Psychotherapeutin nicht mehr festgestellte und daher vom
psychiatrischen Gutachter nachvollziehbar seit Juli 2014 als remittiert erachtete
depressive Episode (Austrittsbericht Klinik Valens vom 2. April 2014, IV-act. 15-3 ff.; IV-
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act. 53-26). Die medizinischen Ausführungen und die Arbeitsfähigkeitsschätzung
erscheinen insgesamt als schlüssig und nachvollziehbar. Die Beschwerdegegnerin hat
daher zu Recht auf das Gutachten abgestellt.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin meldete sich am 11. März 2014 zum Leistungsbezug an.
Eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit bestand erst seit 8. Januar 2014. Ein allfälliger
Rentenanspruch konnte daher frühestens per 1. Januar 2015 entstehen. Zu diesem
Zeitpunkt bestand gemäss Gutachten bereits eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit, weshalb
die von Januar bis Juli 2014 attestierte 50 %ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 53-26)
keinen befristeten Rentenanspruch bewirkte. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
4.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat eine Honorarnote im
Betrag von Fr. 5'562.65 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) eingereicht (act. G
12.1). Indessen erweist sich der vorliegende Fall im Quervergleich als durchschnittlich
aufwändig. Zwar wurden hinsichtlich der MEDAS-Gutachtens sowohl formelle als auch
materielle Mängel geltend gemacht. Die Akten sind jedoch nicht besonders
umfangreich und der Sachverhalt ist medizinisch nicht ausserordentlich komplex. Der
Umstand, dass die Beschwerdeführerin im Vorverfahren nicht vertreten war, ist zudem
nicht ungewöhnlich und rechtfertigt keinen überdurchschnittlichen Aufwand. Der
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geltend gemachte Aufwand von 19.81 Stunden erscheint damit als zu hoch. In
vergleichbaren Fällen spricht das Versicherungsgericht in Verfahren mit doppeltem
Schriftenwechsel bei Obsiegen eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu (vgl. etwa Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 25. März 2013, IV 2011/89, E. 4.3). Nachdem in der
Verwaltungsrechtspflege keine Entschädigung nach Stunden, sondern Pauschalen
vorgesehen sind, erscheint auch vorliegend ein Honorar inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer von Fr. 3'500.-- als angemessen. Dieses ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 2‘800.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
4.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).