Decision ID: 576232a0-f19a-515a-b886-35231eeee919
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat gemäss eigenen
Angaben am 24. Dezember 2015. Am 22. Juli 2017 reisten sie in die
Schweiz ein und suchten gleichentags um Asyl nach. Am 11. August 2017
fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Die Vorinstanz hörte die Be-
schwerdeführerin am 26. April 2018 einlässlich zu ihren Asylgründen an.
Dabei gab die Beschwerdeführerin an, sie stamme aus C._. Von
Geburt bis zur Ausreise habe sie in D._ gelebt. Ihr Vater sei verstor-
ben. Ihre Mutter lebe in C._. Sie habe (...) Schwestern und einen
(...). Im Jahr 19(...) respektive 19(...) habe sie die Schule nach (...) Schul-
jahren abgebrochen. Einen Beruf habe sie nicht erlernt. Nach der Geburt
ihres Sohnes im Jahr 20(...) habe sie geheiratet. Ihr Ehemann sei Soldat
gewesen. Im (...) 20(...) habe sie ihn das letzte Mal gesehen, als er Eritrea
verlassen habe. Bis zur Ausreise im Dezember 2015 habe sie auf einem
(...) in D._ verkauft.
Zu ihren Asylgründen führte sie aus, seit dem Jahr 20(...) sei sie mehrmals
von Soldaten aufgesucht und nach dem Verbleib ihres Ehemannes gefragt
worden. Am (...) 2015 sei sie von Behördenmitgliedern mitgenommen und
(...) bis (...) Stunden in einem Zimmer des (...) festgehalten worden. Sie
sei gezwungen worden, ein Papier zu unterschreiben, wonach sie sich ver-
pflichte, den Aufenthaltsort ihres Ehemannes bekannt zu geben. Danach
sei sie freigelassen worden. Am (...) 2015 sei sie erneut zu Hause gesucht
worden. Am nächsten Tag habe sie Eritrea mit ihrem Sohn verlassen.
Als Beweismittel reichte sie eine Kopie ihrer Identitätskarte mit Überset-
zung ein.
B.
Mit Verfügung vom 28. November 2019 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte die Asylgesuche ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
Den zuständigen Kanton beauftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2019 erhoben die Beschwerdeführenden
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragen, die Dispo-
sitivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben und es
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sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme als Ausländer an-
zuordnen. In prozessualer Hinsicht sei ihnen die unentgeltliche Prozess-
führung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses,
und die amtliche Verbeiständung zu gewähren.
Als Beweismittel reichten sie ein Schreiben von E._, F._,
vom 11. Dezember 2019 und ein Empfehlungsschreiben einer Privatperson
für die Beschwerdeführerin vom 16. Dezember 2019 ein.
D.
Mit Schreiben vom 23. Dezember 2019 bestätigte das Gericht den Eingang
der Beschwerde.
E.
Am 15. Januar 2020 reichten die Beschwerdeführenden eine Fürsorgebe-
stätigung ein.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2020 hiess die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie
amtlichen Verbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung
ein.
G.
In der Vernehmlassung vom 5. Februar 2020 hielt die Vorinstanz an ihren
Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
H.
Am 24. Februar 2020 replizierten die Beschwerdeführenden und gaben
eine Kostennote zu den Akten.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Oktober 2021 forderte die Instruktionsrich-
terin den Beschwerdeführer auf, sich detailliert und mit entsprechenden
Beweismitteln belegt, zu seiner persönlichen Situation in der Schweiz, na-
mentlich zu seiner Ausbildung, seinen Arbeitseinsätzen und seinem per-
sönlichen Umfeld zu äussern.
J.
Am 28. Oktober 2021 gab der Beschwerdeführer einen Lebenslauf, eine
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Bestätigung über die definitive Aufnahme der «G._» vom 2. Juli
2021, eine Kopie des Lehrvertrags der H._ vom 20. Oktober 2021
und Schulzeugnisse der Sekundarstufe zu den Akten.
K.
Mit Eingabe vom 3. November 2021 reichte der Beschwerdeführer die Re-
sultate der Aufnahmeprüfung für die Berufsmaturitätsschule (BMS) vom
23. März 2021 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 28. Januar 2020 festgehalten,
bildet Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens einzig die
Frage des Vollzugs der Wegweisung. Die Ziffern 1 (Verneinung der Flücht-
lingseigenschaft), 2 (Ablehnung des Asylgesuchs) und 3 (verfügte Wegwei-
sung) der Verfügung vom 28. November 2019 sind mangels Anfechtung in
Rechtskraft erwachsen.
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4.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
5.
5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
5.2 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der
Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind al-
ternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Weg-
weisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in
der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu
regeln (BVGE 2009/51 E. 5.4). Auf die Prüfung weiterer Vollzugshinder-
nisse kann diesfalls verzichtet werden.
6.
6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
6.2 Im Urteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 (als Referenzurteil publi-
ziert) hatte sich das Bundesverwaltungsgericht ausführlich mit der Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea beschäftigt. Dabei kam es
nach Auswertung der zur Verfügung stehenden Quellen zum Schluss, auf-
grund der dokumentierten Verbesserungen in der Nahrungsmittel- und
Wasserversorgung, im Bildungswesen sowie im Gesundheitssystem Erit-
reas sei die frühere Praxis, wonach eine Rückkehr nur bei begünstigenden
individuellen Umständen zumutbar sei (vgl. Entscheidungen und Mitteilun-
gen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK]
2005 Nr. 12), nicht länger berechtigt. Angesichts der schwierigen allgemei-
nen – und insbesondere wirtschaftlichen – Lage des Landes müsse bei
Vorliegen besonderer individueller Umstände aber nach wie vor von einer
Existenzbedrohung ausgegangen werden. Die Frage der Zumutbarkeit
bleibe daher im Einzelfall zu beurteilen (vgl. a.a.O. E. 17.2).
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7.
7.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
es würden keine Vollzugshindernisse vorliegen.
Zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führte sie aus, in Eritrea herr-
sche weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Auch seien den
Akten keine Hinweise zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden bei
einer Rückkehr nach Eritrea in eine existenzbedrohende Situation geraten
könnten. Die Beschwerdeführerin verfüge mit ihrer Mutter, welche ein
Stück Land in C._ bewirtschafte, und mehreren Geschwistern über
ein familiäres Beziehungsnetz, welches sie bei einer Rückkehr unterstüt-
zen könne. Obwohl sie die Schule nach (...) Schuljahren abgebrochen und
keinen Beruf erlernt habe, habe sie bis zur Ausreise in einem (...) gearbei-
tet.
In Bezug auf das Kindeswohl nach Art. 3 des Übereinkommens über die
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) sei festzuhalten, dass der Beschwer-
deführer einen Grossteil seines Lebens in Eritrea verbracht habe. Er habe
Eritrea im Alter von (...) Jahren verlassen und halte sich erst seit zwei Jah-
ren in der Schweiz auf. Er sei mit den kulturellen Begebenheiten seines
Heimatlandes vertraut und könne in ein gewohntes Umfeld zurückkehren.
Eine Rückkehr verstosse demnach nicht gegen Art. 3 KRK. Der Vollzug der
Wegweisung erweise sich als zumutbar.
7.2 In der Rechtsmitteleingabe bringen die Beschwerdeführenden vor, sie
seien illegal aus Eritrea ausgereist und hätten damit gegen die Proklama-
tion 24/1992 verstossen. Die eritreischen Behörden hätten sie – die Be-
schwerdeführerin – im Visier gehabt, weil ihr Ehemann aus dem Militär-
dienst desertiert und illegal aus Eritrea ausgereist sei. Bei einer Rückkehr
würde sie inhaftiert und ihr Sohn hätte aufgrund seines Alters zu befürch-
ten, in ein Ausbildungscamp eingezogen zu werden. Sodann sei sie allein-
erziehend und ihre Mutter lebe nicht mehr in D._. Zudem habe sich
der Beschwerdeführer in der Schweiz sehr gut integriert. Er habe ins (...)
der Sekundarschule wechseln können, bereite sich auf die (...) vor und
interessiere sich für verschiedene Berufslehren. In Eritrea hätte er aufgrund
der Desertion und illegalen Ausreise seines Vaters kaum Chancen auf ein
eigenverantwortliches Leben.
7.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die Beschwerdeführe-
rin habe von Geburt bis zur Ausreise in D._ gelebt und verfüge dort
mit (...) und einem (...) über ein Beziehungsnetz. Zudem verfüge sie über
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Arbeitserfahrung im Verkauf. Sie habe mehrere Verwandte in Eritrea, wel-
che sie bei einer Rückkehr unterstützen können. Zur geltend gemachten
Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz sei festzuhalten, dass
die Vorbereitungen für die Aufnahmeprüfung des (...) und die Bemühungen
um eine Lehrstelle nicht geeignet seien, die Schlussfolgerungen des SEM
in Frage zu stellen. Da er sich erst seit zweieinhalb Jahren in der Schweiz
aufhalte, führe die Rückkehr nicht zu einer Entwurzelung und stehe dem-
nach dem Kindeswohl gemäss Art. 3 KRK nicht entgegen.
7.4 Dem halten die Beschwerdeführenden in der Replik entgegen, sie hät-
ten Eritrea vor mehr als vier Jahren verlassen. Bei einer Rückkehr würden
die eritreischen Behörden vermuten, dass sie – die Beschwerdeführerin –
den Aufenthaltsort ihres Ehemannes kenne. Zudem stelle eine Rückkehr
für den Beschwerdeführer eine besondere Härte dar.
8.
8.1 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bil-
det im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen weiteren
Prüfungspunkt. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonfor-
men Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AIG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 KRK.
Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind sämtliche Umstände einzubezie-
hen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich er-
scheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können namentlich folgende Krite-
rien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sein:
Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner
Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Un-
terstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich
Entwicklung/Ausbildung, Grad der erfolgten Integration bei einem längeren
Aufenthalt in der Schweiz usw. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Auf-
enthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und
Hindernisse einer Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewich-
tiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal
vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwick-
lungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld
des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch
dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann
eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz eine Ent-
wurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen
die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/28
E. 9.3.2 S. 367 f.).
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8.2 Gemäss einem Schreiben der I._ vom 11. Dezember 2019 hat
der Beschwerdeführer vom (...) wechseln können. Er habe sich von Beginn
weg als fleissiger sowie pflichtbewusster Schüler gezeigt und problemlos
in die Klasse integriert. Er nehme alle Termine wahr, sei pünktlich und zeige
sich respektvoll gegenüber Lehrpersonen, Mitschülerinnen und Mitschü-
lern. Er sei ein höflicher, wenn auch etwas zurückhaltender Junge. In Grup-
penarbeiten sei er zwar nicht der Teamleader, arbeite aber konstruktiv mit.
Er habe eine schnelle Auffassungsgabe und seine Leistungen seien gut
(aktueller Durschnitt: [...]). Dies obwohl er sich erst seit zwei Jahren in der
Schweiz aufhalte, das gleiche Programm wie die anderen Schülerinnen
und Schüler absolviere und somit keinerlei Nachteilsausgleich habe. Er sei
stark in (...) und (...). Sein Deutsch (...) sei noch sein grösster Entwick-
lungsbereich. Er setze sich sowohl mit der Berufswahl als auch mit dem
Absolvieren des (...) auseinander.
Den weiteren Eingaben vom 28. Oktober 2021 und 3. November 2021
lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 23. März 2021 die
Aufnahmeprüfungen für die BMS (...) mit der Gesamtnote (...) bestanden
hat, wobei auf die sehr gute Note in (...) von (...) und die – in Anbetracht
der Dauer seines Aufenthalts in der Schweiz – respektable Note (...) in
Deutsch hinzuweisen ist. Weiter ergibt sich aufgrund der Akten, dass der
Beschwerdeführer nach Absolvieren mehrerer Schnupperlehren, nament-
lich fünf im Bereich (...), am 20. Oktober 2021 einen Lehrvertrag bei der
H._ als (...) unterzeichnet hat. Derzeit absolviert er das (...)
Schuljahr. In der Freizeit (...).
8.3 Der Beschwerdeführer hat Eritrea im Alter von (...) Jahren verlassen
und hält sich seit nunmehr viereinhalb Jahren in der Schweiz auf. Aus den
vorstehenden Ausführungen geht hervor, dass er ehrgeizig sowie äusserst
motiviert ist und die deutsche Sprache innert nützlicher Frist erlernt hat.
Dies zeigt sich namentlich darin, dass er bereits Anfangs des Jahres 2021
die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung für die Berufsmaturitätsschule be-
standen und diesen Herbst einen Lehrvertrag unterzeichnet hat.
Es ist somit davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in der
Schweiz aussergewöhnlich schnell und gut integriert hat. Unter diesen Um-
ständen und insbesondere unter Berücksichtigung, dass er die letzten
sechs Jahre in den besonders prägenden Jugendjahren nicht mehr in Erit-
rea war, besteht die konkrete Gefahr einer Entwurzelung aus dem in der
Schweiz gewachsenen sozialen Umfeld. Der Vollzug der Wegweisung
nach Eritrea in eine dem Beschwerdeführer mittlerweile fremde respektive
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fremd gewordene Kultur und Umgebung könnte zu einer starken Belastung
für seine Entwicklung und damit zu einer ernstzunehmenden Gefährdung
für seine Person führen; dies umso mehr, als er sich zwischenzeitlich auch
eigene soziale Beziehungen und damit ein entsprechendes Umfeld in der
Schule und im Sport aufgebaut hat. Es wäre mit den Schutzanliegen des
Kindeswohls unvereinbar, den jungen Beschwerdeführer heute aus dem
mit grossem persönlichen Engagement geschaffenen und zwischenzeitlich
gut aufgebauten sowie vertrauten schweizerischen Umfeld herauszureis-
sen.
8.4 In Würdigung der vorstehenden Erwägungen gelangt das Bundesver-
waltungsgericht zum Schluss, dass im vorliegenden Einzelfall der Vollzug
der Wegweisung für den Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt als un-
zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren ist. Der Be-
schwerdeführer ist daher vorläufig aufzunehmen.
8.5 Unter Berücksichtigung des Anspruchs auf Einheit der Familie (Art. 44
Abs. 1 AsylG) ist auch die Beschwerdeführerin in der Schweiz vorläufig
aufzunehmen. Den Akten sind keine Hinweise auf Ausschlussgründe
gemäss Art. 83 Abs. 7 AIG zu entnehmen.
9.
Die Beschwerde ist gutzuheissen. Die Verfügung der Vorinstanz vom
28. November 2019 ist in den Dispositivziffern 4 und 5 aufzuheben. Die
Vorinstanz ist anzuweisen, die Beschwerdeführenden wegen Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen. Auf die weiteren
Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe ist nicht weiter einzugehen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Die mit Zwischenverfügung vom 28. Januar
2020 gewährte unentgeltliche Prozessführung ist mit vorliegendem Urteil
gegenstandslos geworden.
10.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsie-
gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements
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vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die
ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
Die Rechtsvertreterin reichte mit der Eingabe vom 24. Februar 2020 eine
Honorarnote ein, wobei sie einen zeitlichen Aufwand von insgesamt
sieben Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 250.– und Auslagen in
der Höhe von Fr. 40.– geltend macht. Der zeitliche Aufwand scheint unter
Berücksichtigung der Eingaben vom 28. Oktober 2021 und 3. November
2021 angemessen, ebenso der Stundenansatz. Nicht zu entschädigen ist
die geltend gemachte einmalige Pauschale von Fr. 40.– für Auslagen, da
vom Gericht nur effektiv ausgewiesene Kosten entschädigt werden. Die
von der Vorinstanz an die Beschwerdeführenden zu entrichtende Entschä-
digung ist somit auf Fr. 1ꞌ750.– festzusetzen. Die Parteientschädigung um-
fasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c
VGKE.
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