Decision ID: 67e135dc-ef8e-4227-85b5-b7d46603fecc
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., geb. 1981, ist Staatsangehöriger von Serbien. Er wurde vom Bezirksgericht
See mit Urteil vom 26. Juni 2003 u.a. des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls,
der versuchten schweren Körperverletzung, des mehrfachen Betrugs und der
mehrfachen Urkundenfälschung sowie des Verbergens und Weiterschaffens von
Sprengstoff sowie weiterer Delikte schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe
von 32 Monaten verurteilt. Da er sich seit längerem im vorzeitigen Strafvollzug befand,
wurde er mit Verfügung vom 29. Juli 2003 bedingt aus der Strafanstalt Bostadel
entlassen. Die Entlassung und Ausschaffung erfolgten am 21. August 2003. Der
unverbüsste Strafrest betrug 313 Tage.
Das Einzelrichteramt des Kantons Zug verurteilte X.Y. am 4. April 2006 wegen
Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Widerhandlung gegen das
Ausländerrecht zu 90 Tagen Gefängnis. Am 28. April 2006 wurde X.Y. Gelegenheit zur
Stellungnahme zum beabsichtigten Widerruf der bedingten Entlassung gegeben. Am
12. Mai 2006 ersuchte sein Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Z., es sei von einem
Widerruf der bedingten Entlassung abzusehen.
Mit Verfügung vom 14. Juni 2006 widerrief das Justiz- und Polizeidepartement des
Kantons St. Gallen (heute: Sicherheits- und Justizdepartement) die am 29. Juli 2003
gewährte bedingte Entlassung und ordnete den Vollzug der Reststrafe vom 313 Tagen
an. Zur Begründung wurde angeführt, angesichts der neuerlichen Verfehlung könne
nicht mehr erwartet werden, X.Y. lasse sich von einer bedingten Strafdrohung von
neuen Strafen abhalten. Es könne ihm keine günstige Prognose mehr gestellt werden.
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Nachdem er am 15. Mai 2006 wieder in sein Heimatland ausgeschafft worden sei,
werde er für den widerrufenen Strafrest zur Verhaftung ausgeschrieben. Sollte er erneut
in die Schweiz einreisen, hätte er die Reststrafe zu verbüssen.
Am 25. Mai 2010 wurde X.Y. in Zug festgenommen. Er wurde tags darauf zum Vollzug
der unverbüssten Reststrafe ins Regionalgefängnis Altstätten überführt.
B./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Juni 2010 erhob X.Y. Rekurs bei der
Regierung und beantragte, die Verfügung vom 14. Juni 2006 sei aufzuheben, es sei auf
einen Widerruf der mit Verfügung vom 29. Juli 2003 gewährten bedingten Entlassung
zu verzichten und er sei aus der Haft zu entlassen; sodann seien die Kosten des
Verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen und ihm sei eine angemessene
Entschädigung und Genugtuung zu bezahlen. Zur Begründung wird vorgebracht, X.Y.
sei vor Erhalt der Verfügung vom 14. Juni 2006 in sein Heimatland ausgeschafft
worden und habe erst am 25. Mai 2010 von der Verfügung Kenntnis erhalten. Diese
Verfügung sei zwar auch seinem früheren Rechtsvertreter zugestellt worden; von
diesem habe er aber bis heute nichts und schon gar nicht die erwähnte Verfügung
erhalten. Ein Widerruf der bedingten Entlassung wäre bis zum 29. Juli 2009 möglich
gewesen. Dieser Termin sei seit längerem verstrichen.
Die Regierung übermittelte den Rekurs als Beschwerde dem Verwaltungsgericht. Die
Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung, auf die Beschwerde sei nicht
einzutreten, eventuell sei die Beschwerde abzuweisen. Zur Begründung wird im
wesentlichen vorgebracht, die Verfügung vom 14. Juni 2006 sei ordnungsgemäss dem
damaligen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zugestellt worden. Da die
vierzehntägige Rekursfrist ungenutzt abgelaufen sei, sei die Verfügung in Rechtskraft
erwachsen. Es sei unerheblich, ob bzw. wann der Beschwerdeführer vom Inhalt der
Verfügung Kenntnis genommen habe.
Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung
zu nehmen. Am 7. Juli 2010 stellte er das Gesuch, die Frist für eine Stellungnahme sei
bis 19. Juli 2010 zu erstrecken. Diesem Gesuch wurde antragsgemäss stattgegeben.
Innert der angesetzten Frist, aber auch später, liess sich der Beschwerdeführer nicht
mehr vernehmen.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist im Grundsatz gegeben
(Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt VRP).
1.1. In der angefochtenen Verfügung vom 14. Juni 2006 wurde als Rechtsmittel der
Rekurs an die Regierung angegeben. Dies entsprach dem damals geltenden Art. 43 lit.
c VRP (nGS 39-64). Dementsprechend reichte der Beschwerdeführer sein Rechtsmittel
als Rekurs bei der Regierung ein. Mit dem Inkrafttreten des V. NG zum VRP ist gegen
Verfügungen der Departemente die Beschwerde an das Verwaltungsgericht zulässig
(Art. 59bis Abs. 1 VRP). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wurde darüber
orientiert. Im übrigen entspricht die Rechtsmitteleingabe formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP).
1.2. Zu prüfen ist, ob die Beschwerde rechtzeitig eingereicht wurde. Der
Beschwerdeführer beruft sich im wesentlichen darauf, er habe die Verfügung vom
14. Juni 2006 nicht bzw. erst am 25. Mai 2010 zur Kenntnis nehmen können.
Beim Widerruf der bedingten Entlassung handelt es sich um eine Verfügung der
Strafvollzugsbehörde. Im Bereich des Strafvollzugs sind die Bestimmungen des VRP
anwendbar (vgl. Art. 284 Abs. 1 des Strafprozessgesetzes, sGS 962.1, abgekürzt StP).
Die Verfügung vom 14. Juni 2006 wurde unbestrittenermassen dem damaligen
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Z., zugestellt. Die Eröffnung
einer Verfügung ist eine empfangsbedürftige, nicht aber annahmebedürftige
Rechtshandlung. Es ist daher für die Rechtswirksamkeit der Eröffnung unerheblich, ob
der Betroffene von der Möglichkeit der Kenntnisnahme sofort oder erst später oder
überhaupt je Gebrauch macht (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 882 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer war
im Verfahren betr. Widerruf der bedingten Entlassung anwaltlich vertreten. Ist eine
Partei im Verfahren ordnungsgemäss vertreten, so hat die Behörde ihre Verfügung dem
Bevollmächtigten zuzustellen; nur die Zustellung an den Vertreter löst Rechtswirkungen
aus (J. Stadelwieser, Die Eröffnung von Verfügungen, unter besonderer
Berücksichtigung des eidgenössischen und des st. gallischen Rechts, Diss. St. Gallen
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1994, S. 91). Die Verfügung vom 14. Juni 2006 konnte daher rechtswirksam
ausschliesslich dem damaligen Rechtsvertreter zugestellt werden. Die Behauptung des
Beschwerdeführers, sein Rechtsvertreter habe ihn über die Verfügung nicht in Kenntnis
gesetzt, ist im übrigen nicht näher belegt. Es sind dazu allerdings keine weiteren
Abklärungen zu treffen, da die Verfügung mit der Zustellung an den Rechtsvertreter
rechtswirksam eröffnet wurde und die Rechtsmittelfrist am Tag nach der Zustellung an
den Vertreter zu laufen begann (Art. 30 VRP in Verbindung mit (Art. 82 Abs. 1 des
Gerichtsgesetzes, sGS 941.1 abgekürzt GerG). Damit ist die Beschwerde offensichtlich
verspätet, weshalb nicht darauf eingetreten werden kann (Art. 77 Abs. 1 GerG).
1.3. Soweit der Beschwerdeführer eine Genugtuung verlangt, ist auf sein Begehren
mangels Zuständigkeit nicht einzutreten (Art. 273 Abs. 1 StP).
2. Das Nichteintreten auf ein Rechtsmittel kommt der Abweisung desselben gleich.
Daher ist der Beschwerdeführer grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Vorliegend ist auf die Erhebung amtlicher Kosten zu verzichten (Art. 97 VRP).
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht