Decision ID: 2e3aa931-a25c-4ea2-9987-752a41ea52ca
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend «ESTV») unter anderem
gegen A. ein Verwaltungsstrafverfahren wegen des Verdachts auf Abgabe-
betrug nach Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974 über
das Verwaltungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0), evtl. Hinterziehung der Ver-
rechnungssteuer (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965
über die Verrechnungssteuer [Verrechnungssteuergesetz, VStG;
SR 642.21]) führt;
- um Geldflüsse abzuklären, die ESTV diverse Banken mittels Aktenedition
aufforderte, ihr Unterlagen unter anderem auf A. lautenden Bankkonten her-
auszugeben (act. 1.2);
- die ESTV die erhaltenen Bankunterlagen mit Verfügung vom 2. September
2021 beschlagnahmte (act. 1.2);
- A. dagegen beim Direktor der ESTV zu Handen der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts am 9. September 2021 Beschwerde erheben und im
Hauptbegehren um Aufhebung der Beschlagnahme ersuchen liess (act. 1);
- der Direktor der ESTV die Beschwerde samt seiner Stellungahme am
16. September 2021 der Beschwerdekammer weiterleitete, worin er um kos-
tenfällige Abweisung der Beschwerde ersucht (act. 2);
- das Gericht A. mit zwei Schreiben vom 16. September 2021 zur Leistung
eines Kostenvorschusses von Fr. 2'000.-- sowie zur Einreichung einer allfäl-
ligen Replik aufforderte (act. 3 und 4);
- A. dem Gericht mit Schreiben vom 24. September 2021 mitteilte, dass er
seine Beschwerde zurückziehe und das Beschwerdeverfahren deshalb ab-
zuschreiben sei (act. 5);
- A. – wie bereits zuvor in der Beschwerde – im Schreiben vom 24. September
2021 den Antrag stellt, dass die Gerichtskosten der ESTV aufzuerlegen
seien und ihm eine Parteientschädigung zuzusprechen sei; A. diesen Antrag
dahingehend begründet, dass die Beschlagnahmeverfügung lediglich rudi-
mentär begründet worden sei und die ESTV erst in der Beschwerdeantwort
Beweismittel offengelegt habe, weshalb er sich in guten Treuen zur Be-
schwerdeerhebung veranlasst gesehen habe (act. 5).
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- bei der Verfolgung von Widerhandlungen gegen das Verrechnungssteuerge-
setz das VStrR Anwendung findet und die ESTV die verfolgende und urtei-
lende Verwaltungsbehörde i.S.v. Art. 21 Abs. 1 VStrR ist (Art. 67 Abs. 1
VStG);
- gegen Zwangsmassnahmen im Sinne der Art. 45 ff. VStrR und damit zusam-
menhängende Amtshandlungen bei der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts Beschwerde geführt werden kann (Art. 26 Abs. 1 VStrR
i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. b des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die
Organisation der Strafbehörden des Bundes; Strafbehördenorganisations-
gesetz, StBOG; SR 173.71);
- der Beschwerdeführer innert der ihm angesetzten Frist zur Einreichung einer
Replik mit Schreiben vom 24. September 2021 die Beschwerde zurückzog
(act. 5);
- der Rückzug der Beschwerde den Rechtsstreit beendet, weshalb das Be-
schwerdeverfahren als erledigt abzuschreiben ist (vgl. Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BV.2015.9 vom 8. Mai 2015);
- sich die Verteilung der Gerichtskosten und die Zusprechung von Parteient-
schädigungen in verwaltungsstrafrechtlichen Beschwerdeverfahren nach
den Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht richten (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 66 ff. BGG analog; siehe
dazu TPF 2011 25 E. 3);
- die Verteilung der Gerichtskosten in der Regel nach dem Erfolgsprinzip, d.h.
nach Obsiegen bzw. Unterliegen der Parteien erfolgt (Art. 66 Abs. 1 BGG
analog; GEISER, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 66 BGG N. 16);
- bei Erledigung zufolge Rückzugs der Beschwerde auf die Erhebung der Ge-
richtskosten ganz oder teilweise verzichtet werden kann, wobei dem Gericht
grosses Ermessen zukommt (Art. 66 Abs. 2 BGG analog; GEISER, a.a.O.,
Art. 66 BGG N. 20);
- die Gerichtskosten für das vorliegende Beschwerdeverfahren grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 66 Abs. 1 BGG analog;
TPF 2011 25 E. 3);
http://links.weblaw.ch/TPF_2011_25
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- die Beschwerdekammer in analoger Anwendung von Art. 66 Abs. 1 Satz 2
BGG eine andere Kostenverteilung vornehmen kann, wenn sich die unterlie-
gende Partei in guten Treuen zur Prozessführung veranlasst gesehen hat;
dies beispielsweise, weil die angefochtene Verfügung unzutreffend bezeich-
net wurde, eine nicht korrekte Rechtsmittelbelehrung enthält oder die betei-
ligte Verwaltung die beschwerdeführende Partei durch ihr unklares Verhalten
zur unzulässigen Beschwerdeerhebung verleitet hat (Beschlüsse des Bun-
desstrafgerichts BV.2018.3 vom 17. Mai 2018 E. 2; BV.2010.69 vom 14. De-
zember 2010 E. 2.2; BV.2010.13, BE.2010.12 vom 28. Juli 2010 E. 2.3 und
4.1; BV.2009.30-32, BE.2009.1-3 vom 10. März 2010 E. 5.1);
- der Beschwerdeführer mit seinem Vorbringen übersieht, dass eine Be-
schlagnahmeverfügung weder eine ausführliche Begründung noch Beweis-
mittel zu enthalten braucht (BGE 120 IV 297 E. 3e; 120 IV 164 E. 1c; Be-
schluss des Bundesstrafgerichts BB.2014.163-164 vom 9. Juni 2015
E. 2.3.1; s.a. BOMMER/GOLDSCHMID, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014,
Art. 263 StPO N. 62);
- vorliegend kein Grund zu erkennen ist, der es rechtfertigen würde, die Ge-
richtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; der entsprechende An-
trag des Beschwerdeführers daher abzuweisen ist;
- die Gebühren im Beschwerdeverfahren bei Fr. 200 bis Fr. 50'000 liegen
(Art. 8 Abs. 1 BStKR);
- die Gerichtsgebühr für das vorliegende Verfahren angesichts des bisher an-
gefallenen Aufwandes im unteren gesetzlichen und reglementarischen Mini-
mum, bzw. auf Fr. 400.-- festzusetzen (vgl. Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m.
Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 BStKR) und, in Ablehnung seines
Antrags, dem Beschwerdeführer aufzuerlegen ist;
- bei diesem Ausgang des Verfahrens und gestützt auf die oben dargelegten
Überlegungen dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zuzuspre-
chen und sein diesbezüglicher Antrag ebenfalls abzuweisen ist.
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