Decision ID: 251a7b8d-de8a-5034-b7f1-004df11f78b7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 2. No-
vember 2013 und reiste am 25. November 2013 in die Schweiz ein, wo er
am selben Datum um Asyl nachsuchte. Am 5. Dezember 2013 wurde er
summarisch befragt und am 12. November 2014 einlässlich angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen geltend,
er sei Ende des Jahres 2011 beziehungsweise Ende des Jahres 2012 an
seinem Arbeitsort in einem Laden in seiner Abwesenheit von unbekannten
Personen gesucht worden. Er habe deswegen bei der Polizei eine Anzeige
erstattet und diese habe einen Rapport erstellt. Weil es zu dieser Zeit zu
vielen Entführungen gekommen sei, habe er sich auf Anraten seines Bru-
ders B._ zunächst zirka ein Jahr bei diesem versteckt und sei dann
im November 2013 ausgereist. Möglicherweise habe die Suche nach ihm
etwas mit dem politischen Engagement von B._ für die Eelam
People's Democratic Party (EPDP) zu tun gehabt, welcher gezwungen
worden sei, anlässlich der Gemeindewahlen im Jahr 2010 für diese zu kan-
didieren. Er (der Beschwerdeführer) habe ihn bei diesem Engagement
manchmal unterstützt. Zirka im Oktober 2014 habe ihm B._ mitge-
teilt, dass er von unbekannten Leuten bedroht und schliesslich verhaftet
worden sei. Gegen Bezahlung sei er freigekommen und habe anschlies-
send das Land verlassen.
B.
Mit Verfügung vom 20. November 2014 stellte das damalige Bundesamt
für Migration (heute SEM) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht-
lingseigenschaft nicht, wies das Asylgesuch ab und ordnete seine Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung
wurde festgehalten, die Vorbringen seien nicht relevant im Sinne von Art. 3
AsylG (SR 142.31).
C.
Der Beschwerdeführer erhob am 19. Dezember 2014 gegen diesen Ent-
scheid Beschwerde.
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte er zwei polizeiliche Vorla-
dungen vom (...) 2014 und (...) 2015 (im Original) zu den Akten, welche
die Polizei bei einem Nachbarn von ihm abgegeben habe. Dabei verwies
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er noch einmal auf die Suche nach seinem Bruder B._ wegen des-
sen politischen Engagements, bei welchem er ihn unterstützt habe.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde mit Urteil
D-7437/2014 vom 4. August 2015 vollumfänglich ab.
E.
Am 5. Oktober 2015 gelangte der Beschwerdeführer mit einer als „Wieder-
erwägungsgesuch respektive Mehrfachgesuch“ bezeichneten Eingabe ans
SEM.
Zur Begründung machte er geltend, im Rahmen des ordentlichen Verfah-
rens vorgebracht zu haben, an seinem Arbeitsort Ende 2012 gesucht wor-
den zu sein. Aufgrund dieser Sachlage habe ihn sein Bruder B._
dazu angehalten, sich bis zur erforderlichen Flucht aus dem Heimatland
versteckt zu halten. Der Bruder sei im Jahr 2010 gezwungen worden, für
die EPDP zu kandidieren. Bei diesen politischen Aktivitäten habe er (der
Beschwerdeführer) ihn unterstützt. Im (...) 2014 sei B._ verhaftet
und mit dem Tod bedroht worden, weshalb er habe ausreisen müssen. Der
Beschwerdeführer habe diese Informationen im Oktober 2014 beim bis da-
hin letzten Telefonat mit B._ erfahren. Danach sei der Kontakt ab-
gebrochen. Über den Aufenthaltsort seines älteren Bruders C._
habe er seit Jahren keine Kenntnis gehabt. Am 5. September 2015 sei er
von B._ telefonisch kontaktiert worden. Er habe dem Beschwerde-
führer mitgeteilt, dass er in (...) und C._ seit bereits acht Jahren in
(...) lebe. Letzterer werde gemäss einer Fahndungsliste vom (...) durch die
sri-lankischen Sicherheitskräfte gesucht. C._ habe sich in (...) exil-
politisch betätigt und gleichzeitig Geld für die Folgen des Tsunami gesam-
melt. Die Sicherheitskräfte würden ihm indes unterstellen, er habe das
Geld für die Unterstützung und Finanzierung der Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) beschafft. Ferner habe er von B._ erfahren, dass die-
ser wegen seiner Kandidatur für die EPDP und der Fahndung nach
C._ im (...) 2014 polizeilich festgenommen, für fünf bis sechs Tage
eingesperrt, verhört und misshandelt worden sei. Danach habe er sich frei-
gekauft und die eigene Flucht vorbereitet. Er sei indes nach ungefähr zwei
Monaten mit einem weissen Van entführt und durch Unbekannte erneut
verhört und misshandelt worden. Durch Schmiergeld sei er wieder freige-
kommen. Im (...) 2014 sei er von Sri Lanka nach (...) geflohen und habe
dort am (...) 2015 Asyl erhalten. C._ sei seit längerem niederlas-
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sungsberechtigt in (...). Die Asylrelevanz der Vorbringen (des Beschwerde-
führers) erhärteten sich aufgrund der neuen Informationen. Es müsse ge-
stützt auf die neuen Fakten auch bei ihm von einer drohenden Reflexver-
folgung im Heimatland ausgegangen werden.
F.
Das SEM übermittelte die Eingabe am 14. Oktober 2015 dem Bundesver-
waltungsgericht, welches diese mit Zwischenverfügung vom 21. Oktober
2015 als Revisionsgesuch entgegennahm.
G.
Mit Urteil D-6574/2015 vom 22. September 2016 wurde das Revisionsge-
such gutheissen und das Verfahren unter der Verfahrensnummer
D-6016/2016 wiederaufgenommen.
Zur Begründung führte das Gericht im Wesentlichen aus, die eingereichte
Fahndungsliste der sri-lankischen Behörden weise klar darauf hin, dass
der Bruder C._ tatsächlich im Fokus der Behörden stehe. Die Ver-
wandtschaft des Beschwerdeführers zu C._ sei im ordentlichen
Verfahren nicht in Frage gestellt worden. Als naher Angehöriger einer be-
hördlich gesuchten Person könnten ihm mithin ebenfalls relevante Sankti-
onen drohen. Die im ordentlichen Verfahren gemachte Feststellung, die va-
gen Vorbringen liessen nicht auf eine drohende Reflexverfolgung schlies-
sen, lasse sich mithin aufgrund des sich verändert darstellenden Sachver-
halts in der erwogenen Art nicht mehr aufrechterhalten. Vielmehr seien die
erwähnten Beweismittel nach dem Gesagten grundsätzlich geeignet, eine
relevante Gefährdung des Beschwerdeführers im Heimatstaat im Sinne ei-
ner Reflexverfolgung bereits bei der Einreise am Flughafen als neue Tat-
sache zu untermauern und die im ordentlichen Verfahren angenommene
unproblematische Einreise grundsätzlich in Frage zu stellen. Inwieweit die
ferner geltend gemachte Behelligung seines Bruders B._ im Jahre
2014 und das ihm in (...) offenbar gewährte Asyl revisionsrechtlich zu be-
urteilen seien, könne bei dieser Sachlage offenbleiben, da sich die Gefähr-
dung des Beschwerdeführers bereits aufgrund der geltend gemachten Si-
tuation von C._ neu darstelle.
H.
Im wiederaufgenommenen Beschwerdeverfahren ersuchte das SEM das
Gericht mit Vernehmlassung vom 25. Oktober 2016, die vorinstanzliche
Verfügung vom 20. November 2014 aufzuheben.
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I.
Mit Urteil D-6016/2016 vom 31. Oktober 2016 wurde die Beschwerde gut-
geheissen, die vorinstanzliche Verfügung vom 20. November 2014 aufge-
hoben und die vorliegende Sache ans SEM zurückgewiesen.
J.
Mit Verfügung vom 23. März 2018 – eröffnet am 26. März 2018 – lehnte
das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut ab und ordnete
die Wegweisung sowie den Vollzug an.
K.
Mit Eingabe vom 25. April 2018 erhob der Beschwerdeführer – handelnd
durch seine Rechtsvertreterin – gegen diesen Entscheid beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefoch-
tenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asyl-
gewährung sowie eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit bezie-
hungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Erteilung
einer vorläufigen Aufnahme. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG
i.V.m. aArt. 110a AsylG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 30. April 2018 stellte die Instruktionsrichterin
fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung und Verbeiständung wurde zufolge fehlender Bedürftigkeit abgewie-
sen.
M.
In seiner Vernehmlassung vom 15. Mai 2018 hielt das SEM vollumfänglich
an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
N.
Mit Replik vom 30. Mai 2018 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas-
sung des SEM Stellung.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung ihres negativen Asylentscheids führte die Vorinstanz
im Wesentlichen aus, es genüge nicht, eine Furcht lediglich mit Vorkomm-
nissen oder Umständen, die sich früher oder später möglicherweise ereig-
nen könnten, zu begründen. Vielmehr müssten hinreichende Anhalts-
punkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die auf einer objekti-
vierten Betrachtungsweise und nicht auf dem subjektiven Empfinden des
Betroffenen fussten. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Der Beschwerde-
führer habe lediglich vom Hörensagen erfahren, dass unbekannte Perso-
nen Ende 2012 an seinem Arbeitsort nach ihm gefragt hätten. Solche vom
Hörensagen bekannt gewordene Ereignisse vermöchten nach herrschen-
der Praxis keine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu begrün-
den. Überdies würden in den Akten keine hinreichend konkreten Hinweise
vorliegen, dass das Nachfragen nach dem Beschwerdeführer auf einem
asylrelevanten Motiv nach Art. 3 Abs. 1 AsylG beruhe, da er darüber ledig-
lich Mutmassungen angestellt habe. Gemäss seinen Aussagen habe er der
Polizei den Vorfall gemeldet und diese habe einen Rapport erstellt, womit
sie ihren Schutzwillen für den Beschwerdeführer ausgedrückt habe. Es ver-
stehe sich von selbst, dass zielführende Ermittlungen in einem Vorfall, in
dem keine deliktische Tat vorliege und es sich zudem um unbekannte Per-
sonen handle, die dafür verantwortlich seien, nicht möglich seien. Aufgrund
dieser Erwägungen komme das SEM zum Schluss, dass er zum Zeitpunkt
seiner Ausreise Ende November 2013 aus Sri Lanka keiner asylrelevanten
Verfolgung ausgesetzt gewesen sei oder eine solche zu befürchten gehabt
habe.
Bezüglich seines Bruders C._ habe er im Verfahren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht geltend gemacht, dass dieser auf der Fahndungs-
liste der sri-lankischen Behörden vom (...) und auch noch auf der damals
aktuellen Liste vom (...) aufgeführt sei. Das SEM habe in der Zwischenzeit
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jedoch festgestellt, dass C._ nicht mehr auf der aktuellsten Fahn-
dungsliste der sri-lankischen Behörden vom (...) aufgeführt sei (Amend-
ment to the List of Designated Persons under Regulation 4(7) of the United
Nations Regulations No. 1 of 2012, http://fiusrilanka.gov.lk/docs/UN-
SCR/List/1992-25(SL)/1992 25(E).pdf). In seiner Stellungnahme vom 12.
Dezember 2017 habe der Beschwerdeführer hierzu ausgeführt, es würden
noch weitere Listen existierten, welche nie veröffentlicht worden seien, auf
welchen Personen mit Nähe zu den LTTE aufgeführt seien. Dass der Name
von C._ im (...) weiterhin auf der Liste figuriert hätte, deute darauf
hin, dass eine bedeutsame Menge an Daten und vermeintlichen Verdäch-
tigungselementen gegen ihn vorgelegen hätten. Hierzu führte das SEM
aus, es könne diese Gefährdungseinschätzung nicht teilen. Die ursprüng-
liche Liste vom (...) sei noch von der alten Regierung unter Präsident Raja-
paksa erstellt worden. Diese enthalte die Namen von mehr als 400 Perso-
nen. In der vorläufig letzten Fassung vom (...) seien noch 86 Personen
aufgeführt worden. Die Gründe, die zur Löschung eines Grossteils der Na-
men von der Liste geführt hätten, könnten verschiedener Art sein. So sei
beispielsweise bekannt, dass Personen auf der ursprünglichen Liste figu-
riert hätten, die bereits verstorben seien. Oder die sri-lankischen Behörden
seien nach dem Regierungswechsel im Zuge von Ermittlungen zum
Schluss gekommen, dass viele der ursprünglich gelisteten Personen mit
keinen terroristischen Aktivitäten in Verbindung stünden. Entgegen seiner
Einschätzung gehe das SEM davon aus, dass die sri-lankischen Behörden
kein Verfolgungsinteresse mehr an Personen hätten, die von der Liste ge-
strichen worden seien, ansonsten würden die bereinigten Listen keinen
Sinn machen. Dass die von der Liste gelöschten Personen nunmehr auf
anderen Verfolgungslisten der sri-lankischen Behörden figurieren sollten,
sei eine reine Mutmassung, für die er keine konkreten Anhaltspunkte an-
geführt habe. Nach dem Gesagten sei davon auszugehen, dass kein Ver-
folgungsinteresse mehr gegen C._ seitens der sri-lankischen Be-
hörden bestehe und er nicht mehr gesucht werde.
Bezüglich seines Bruders B._ mache der Beschwerdeführer gel-
tend, dieser habe ihm mitgeteilt, dass er wegen seiner Kandidatur für die
EPDP und wegen der Fahndung nach C._ im (...) 2014 zweimal
verhaftet worden sei. Deshalb sei er im (...) 2014 ausgereist und habe in-
zwischen in (...) Asyl erhalten. Vorab sei festzuhalten, dass B._
nicht eingewilligt habe, dass das SEM seine (...) Asylakten konsultieren
könne. Demnach könne nicht abgeklärt werden, aufgrund welcher Vorbrin-
gen diesem tatsächlich Asyl gewährt worden sei. Es sei jedoch unwahr-
scheinlich, dass er wegen seiner politischen Aktivitäten für die EPDP im
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Jahr 2014 Verfolgungsmassnahmen durch die sri-lankischen Sicherheits-
kräfte ausgesetzt gewesen sei, da diese Partei eng mit der damaligen Re-
gierungspartei zusammengearbeitet habe und auch heute noch als legale
Partei im Parlament vertreten sei. Als einzigen wahrscheinlichen Grund für
die Verfolgung von B._ sei deshalb die Aufführung von C._
auf der Fahndungsliste zu sehen.
Weiter sei darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer weder in
Sri Lanka noch in der Schweiz nennenswert politisch betätigt habe. Er habe
nichts mit den LTTE zu tun gehabt und mit den sri-lankischen Behörden
keine Probleme gehabt. Aufgrund der Akten sei nicht davon auszugehen,
dass gegen ihn eine gerichtliche Verfügung oder ein Haftbefehl bestehe
beziehungsweise ein Strafverfahren eröffnet worden sei. Auch aus den ein-
gereichten Polizeiaufgeboten für den (...) 2014 und (...) 2015, sofern sie
überhaupt echt seien, lasse sich solches nicht ableiten. So sei weder sei-
nen Ausführungen noch den Dokumenten zu entnehmen, weshalb er kon-
kret vorgeladen worden sein sollte.
Auch im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka hätte der Beschwerdeführer
keine begründete Furcht vor Verfolgung. Zwar wiesen die sri-lankischen
Behörden gegenüber Personen tamilischer Ethnie, die nach einem Aus-
landaufenthalt zurückkehren würden, eine erhöhte Wachsamkeit auf.
Seine tamilische Ethnie und seine Landesabwesenheit würden jedoch ge-
mäss Praxis nicht ausreichen, um von Verfolgungsmassnahmen bei seiner
Rückkehr auszugehen. Allfällige Kontrollen der Rückkehrer am Flughafen
und am Herkunftsort nähmen grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass
an. Hingegen würden Personen, die vormals besonders enge Beziehun-
gen zu den LTTE gepflegt hätten und kein Rehabilitierungsprogramm
durchlaufen hätten, nach wie vor verhaftet. Zur letztgenannten Personen-
gruppe gehöre er jedoch nicht.
4.2 Der Beschwerdeführer führte in seiner Rechtsmitteleingabe aus, ent-
gegen den Ausführungen der Vorinstanz habe er schon bei seiner Ausreise
im November 2013 eine asylrelevante Verfolgung befürchten müssen. Sein
Bruder C._ lebe mittlerweile seit über zehn Jahren in (...). Seine
Aktivitäten, welche die sri-lankischen Behörden dazu veranlasst hätten,
seinen Namen auf der «Black List» zu führen, habe er auch schon zum
Zeitpunkt getätigt, als er (der Beschwerdeführer) Sri Lanka verlassen habe.
Ansonsten wäre es doch sehr unwahrscheinlich, dass C._ auf der
«Black List» vom (...) gelistet worden sei, die sri-lankischen Behörden im
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November 2013 davon aber noch keine Kenntnis gehabt hätten. Viel wahr-
scheinlicher sei, dass dessen Aktivitäten den sri-lankischen Behörden
schon seit langem bekannt gewesen seien. Ob er zum damaligen Zeitpunkt
Kenntnis vom Aufenthalt oder den Aktivitäten von C._ gehabt habe,
sei irrelevant. Die Vorinstanz behaupte nun aufgrund der Löschung des
Namens von C._ von der Fahndungsliste bestehe kein Verfol-
gungsinteresse mehr. Er habe schon im Rahmen der Stellungnahme vom
12. Dezember 2017 darauf hingewiesen, dass eine Löschung verschie-
dene Gründe haben könne und als eindeutiger Beweis für ein abgebroche-
nes Interesse an der entsprechenden Person untauglich sei, wie dies auch
aus Berichten der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) und der Gesell-
schaft für bedrohte Völker (GfbV) hervorgehe. Ihre gegenteilige Interpreta-
tion begründe die Vorrinstanz über Mutmassungen. Dass die Liste (...)
noch von der alten Regierung gemacht worden sei, vermöge beispiels-
weise als Grund nicht zu überzeugen, denn als C._ auf der Liste
vom (...) immer noch figuriert habe, sei bereits das Regime Sirisena an der
Macht gewesen. Die Behauptungen des SEM, wonach bereits verstorbene
oder nicht mit den LTTE in Verbindung stehende Personen von der Liste
gelöscht worden seien, blieben unbelegt. Es sei indes äusserst unwahr-
scheinlich, dass die sri-lankischen Behörden mit der Löschung des Na-
mens von C._ von der «Black List» auch sämtliche anderen Daten
gelöscht hätten und deshalb nun kein Interesse mehr an dessen Aktivitäten
bestehen würde. Die Befürchtung der sri-lankischen Behörden, die LTTE
könnten sich im Untergrund wieder formieren, sei auch heute noch ausge-
prägt. Es erscheine deshalb extrem fragwürdig, dass die Vorinstanz seine
Rückkehr nach Sri Lanka heute als bedenkenlos erachte, wohlwissend,
dass einer seiner beiden Brüder über Jahre auf der «Black List» figuriert
habe und den Behörden bekannt sei. Weiter gewichte die Vorinstanz zu
wenig, dass sein Bruder B._ in (...) Asyl erhalten habe. Bezüglich
der Begründung dieses Entscheides stelle sie lediglich Mutmassungen an.
Eine Grundlage dafür habe sie nicht, ausser, dass sie seine Vorbringen zu
seinem Bruder als unwahrscheinlich taxiere. Dies stütze sie wiederum auf
pauschalen Äusserungen zur EPDP und deren vermeintlicher politischer
Rolle, wobei die Analyse stark vereinfacht ausfalle. Es entspreche nicht der
Realität, dass Personen, die (mitunter unfreiwillig) für die EPDP tätig ge-
wesen seien, von jeglicher Verfolgung ausgeschlossen seien, nur weil die
EPDP mittlerweile eine legale Partei sei, die im Parlament vertreten sei,
und eng mit der Regierungspartei zusammengearbeitet habe. Ausserdem
habe auch die Schwiegermutter von B._ in (...) Asyl erhalten. Die
Vorbringen beider Personen hingen möglicherweise zusammen. Weiter sei
auch seine exilpolitische Tätigkeit als Anlass geeignet, bei einer Rückkehr
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nach Sri Lanka zu einer asylrelevanten Gefährdung zu führen. Die sri-lan-
kische Regierung lasse immer noch systematisch Demonstrationen und
andere politische Anlässe überwachen und versuche dabei, regimekriti-
sche Tamilen zu identifizieren. Eine besonders exponierte Stellung in der
Diaspora sei dabei nicht nötig.
4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, die Umstände, weshalb
der Schwiegermutter von B._ in (...) die Flüchtlingseigenschaft zu-
erkannt worden sei, seien nicht bekannt. Der Beschwerdeführer könne da-
her aus diesem Umstand nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal er nicht
geltend mache, mit ihr engeren Kontakt gehabt zu haben, der im Hinblick
auf seine Rückkehr nach Sri Lanka relevant sein könnte.
4.4 In seiner Replik hielt der Beschwerdeführer dem entgegen, es sei we-
der von Relevanz, ob eine tatsächliche Verbindung zwischen ihm und der
Schwiegermutter von B._ bestehe, noch aus welchen Gründen sie
ihren positiven Asylentscheid in (...) erhalten habe. Vielmehr sei relevant,
dass nun bereits eine dritte Person in seinem Umfeld auftauche, welche
nachweislich durch die sri-lankischen Behörden verfolgt werde. Wie bereits
in der Beschwerdeschrift erwähnt, sei hierbei von Bedeutung, dass bereits
private Beziehungen zu tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen LTTE-
Mitgliedern Verfolgungsmassnahmen auslösen könnten. Wie schon bei der
Gutheissung des Asylgesuchs von B._ sei auch beim positiven
Asylentscheid bezüglich der Schwiegermutter von einer Begründung tat-
sächlicher oder vermeintlicher LTTE-Nähe auszugehen.
5.
5.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person
ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-
weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen
oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-
desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine
Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die
Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein
(vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je
m.w.H.).
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5.2 Begründet ist die Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur
Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus-
reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-
licht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr-
scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hin-
reichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die
bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und da-
mit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurtei-
lung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfol-
gen und ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Er-
lebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu er-
gänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war,
hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE
2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2).
5.3 Entgegen der Ansicht in der Beschwerde kann die angebliche Suche
nach dem Beschwerdeführer in Sri Lanka vor seiner Ausreise nicht in Zu-
sammenhang mit der Fahndung nach seinem Bruder C._ gebracht
werden. Der Beschwerdeführer gab zur Begründung seines Asylgesuches
an, er sei Ende des Jahres 2011 beziehungsweise Ende des Jahres 2012
von unbekannten Personen gesucht worden. Weder die Urheber noch den
Grund für die Suche vermochte er dabei anzugeben. Dass er diese aber
den Behörden meldete, lässt darauf schliessen, dass auch er selbst nicht
von einer Gefahr seitens der Sicherheitsbehörden ausging. Die Fahn-
dungsliste stammt hingegen vom (...). In der Beschwerde wird zwar geltend
gemacht, C._ lebe mittlerweile seit über zehn Jahren in (...). Seine
Aktivitäten habe er auch schon zum Zeitpunkt getätigt, als er selber Sri
Lanka verlassen habe, zumal es unwahrscheinlich sei, dass C._
auf der Black List vom (...) gelistet worden sei, die sri-lankischen Behörden
im November 2013 davon aber noch keine Kenntnis gehabt hätten. Der
Beschwerdeführer wurde aber lediglich einmal im Jahr 2011 beziehungs-
weise 2012 gesucht und lebte im Anschluss beinahe noch ein Jahr in Sri
Lanka. Zwar macht er geltend, er habe sich in dieser Zeit bei seinem Bru-
der versteckt. Weitere Suchaktionen nach ihm erwähnte er aber nicht. Aus-
serdem wurde auch an keiner Stelle geltend gemacht, dass vor der Aus-
reise des Beschwerdeführers nach dem Bruder B._ gesucht wor-
den wäre, was bei einer Reflexverfolgung zu erwarten gewesen wäre. Erst
für den Zeitraum vom (...) 2014 und vom (...) 2015 reichte der Beschwer-
deführer mit den polizeilichen Vorladungen wieder Hinweise auf eine Su-
che nach ihm zu den Akten, welche viel wahrscheinlicher mit der Fahndung
nach C._ in Zusammenhang gestanden hat. Zu diesem Zeitpunkt
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Seite 13
hatte der Beschwerdeführer aber Sri Lanka schon verlassen gehabt. Vor
diesem Hintergrund kann nicht von einem Verfolgungsinteresse der sri-lan-
kischen Behörden zum Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers
ausgegangen werden, weder im Zusammenhang mit den Tätigkeiten des
Bruders C._ noch denjenigen des Bruders B._.
5.4 Gesamthaft ist daher für den Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer
asylrelevanten Vorverfolgung des Beschwerdeführers oder einer begrün-
deten Furch vor einer solchen auszugehen, welche die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG begründen und zur Asylgewährung führen
könnte.
6.
Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft
festzustellen wäre.
6.1 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe). Stattdessen werden Personen, wel-
che subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
Ist die Gefährdung demgegenüber aufgrund von äusseren, nach der Aus-
reise eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss
nehmen konnte, entstanden, liegen objektive Nachfluchtgründe vor; dies-
bezüglich wird kein Asylausschluss begründet (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5
m.w.H.).
6.2 Im Referenzurteil E-1866/2015 hat das Bundesverwaltungsgericht eine
aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorge-
nommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurück-
kehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden
Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. E-1866/2015
E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von
Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Fol-
ter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um
das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder
vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exilpolitischen
regimekritischen Handlungen und um Vorliegen früherer Verhaftungen
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durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit
einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark
risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem ge-
steigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen aus-
serdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri
Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt
werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM)
nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben
(sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.4 und
8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach-
ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen-
den Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene
Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne
von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge-
schrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatismus wie-
deraufleben zu lassen (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.1). An der Lageeinschät-
zung ist weiterhin festzuhalten (vgl. etwa Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-5377/2019 E. 7.1).
6.3 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde besteht bei einer
Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka eine begründete Furcht
vor Verfolgung. Sein Bruder C._ wurde auf der Fahndungsliste vom
(...) und (...) ausgeschrieben und somit über einen Zeitraum von mindes-
tens eineinhalb Jahren wegen Verdachts auf terroristische Aktivitäten aktiv
gesucht. So wurde denn auch der Bruder B._ des Beschwerdefüh-
rers in Sri Lanka im (...) 2014 wegen dem Vermerk von C._ auf der
Fahndungsliste durch die sri-lankischen Behörden gesucht. Und auch der
Beschwerdeführer erhielt – wie sich nun im Nachhinein herausstellt offen-
bar in diesen Zusammenhang – am (...) 2014 und am (...) 2015 zwei poli-
zeiliche Vorladungen. In der Beschwerde wird zu Recht ausgeführt, dass
damit davon auszugehen ist, es habe eine bedeutsame Menge an Daten
und vermeintlichen Verdächtigungselementen gegen C._ vorgele-
gen. Die Löschung seines Namens von dieser Fahndungsliste scheint
auch dem Gericht nicht geeignet, einen Abbruch des Verfolgungsinteres-
ses zu begründen. Dies bedeutet lediglich, dass C._ nicht mehr ak-
tiv gesucht wird. Dass aus den Listen zuweilen auch Personen gelöscht
wurden, welche verstorben seien oder nachweislich nicht mit den LTTE in
Verbindung gestanden hätten, wie das SEM mutmasst, vermag in Bezug
auf die konkrete Situation von C._ nichts auszusagen, und wurde
durch das SEM, wie in der Beschwerde richtig festgehalten, auch nicht be-
legt. Es ist nicht davon auszugehen, dass mit dessen Löschung von der
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Liste sämtliche Daten über C._ gelöscht und sämtliche Verdachts-
momente aus dem Weg geräumt wurden. Die Akten über ihn dürften wei-
terhin Bestand haben, auch wenn nicht mehr aktiv nach ihm gefahndet
wird. Somit ist er den sri-lankischen Behörden als vermeintlicher Unterstüt-
zer der LTTE weiterhin bekannt. Dies gilt insbesondere vor dem Hinter-
grund, dass Präsident Rajapaksa, unter dem die ursprüngliche Liste vom
(...) erstellt worden war, in Sri Lanka heute wieder an der Macht ist. Damit
besteht auch für den Beschwerdeführer bei einer Wiedereinreise die Ge-
fahr einer asylrelevanten Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden,
zumal in Anbetracht der polizeilichen Vorladungen aus den Jahren 2014
und 2015 davon auszugehen ist, dass Polizeiakten angelegt wurden.
6.4 Gesamthaft ist es vorliegend überwiegend wahrscheinlich, dass der
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aufgrund der zeit-
weiligen Fahndung nach seinem Bruder C._ und nach ihm selbst
einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre und die Zufügung
ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu befürchten hätte.
Es sind demnach Nachfluchtgründe festzustellen. Vorliegend hat der Be-
schwerdeführer diese jedoch nicht selber durch sein eigenes Verhalten
nach der Ausreise gesetzt. Vielmehr sind diese aufgrund einer Fahndung
durch die sri-lankischen Behörden nach seinem Bruder C._ ent-
standen. Somit liegt eine Gefährdung aufgrund von äusseren, nach der
Ausreise eingetretenen Umständen vor, auf die der Beschwerdeführer kei-
nen Einfluss nehmen konnte. Damit handelt es sich um objektive Nach-
fluchtgründe, weshalb der Beschwerdeführer nicht vom Asyl auszuschlies-
sen ist. Andere Gründe für den Ausschluss von der Asylgewährung sind
ebenfalls nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer ist daher als Flüchtling
anzuerkennen und es ist ihm Asyl zu gewähren.
7.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die vorinstanzliche
Verfügung vom 23. März 2018 ist demnach aufzuheben und die Vorinstanz
ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer ist in Anwendung von Art. 64
Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwen-
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digen Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 VGKE). Die bei den Ak-
ten liegende Kostennote erscheint den Verfahrensumständen als ange-
messen. Die Dossiereröffnungspauschale wird jedoch praxisgemäss nicht
ersetzt. Der Gesamtaufwand ist demnach auf insgesamt Fr. 2’382.– (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. Dieser Betrag ist
dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz als Parteientschädigung aus-
zurichten.
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