Decision ID: c63985a8-cdab-4c19-8b8f-9faf26fc469c
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführer,
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vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Wiederanmeldung, Ausstandsbegehren)
Sachverhalt:
A.
A.a E._ (Jahrgang 1957) meldete sich am 8. Januar 2008 erneut zum Bezug einer
Invalidenrente an (act. G 4.84). Ein erstes Begehren hatte die IV-Stelle gestützt auf das
Gutachten der Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) vom 24. Februar 2006, in
welchem dem Versicherten in einer adaptierten Tätigkeit aus psychiatrischen Gründen
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden war (vgl. act. G 4.40), mit Verfügung
vom 8. Mai 2006 (act. G 4.57) bzw. Einspracheentscheid vom 16. August 2006 (act. G
4.67) abgewiesen. Dies war vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit
Entscheid vom 22. November 2007 bestätigt worden (IV 2006/163; act. G 4.81).
A.b Im Rahmen der Wiederanmeldung machte der Versicherte eine Verschlechterung
seines Gesundheitszustands geltend. Auf Aufforderung der IV-Stelle hin reichte er
verschiedene Arztberichte zum Beleg der geltend gemachten Verschlechterung ein
(act. G 4.87, 4.89 bis 4.93). Der Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung
(RAD) gelangte in Würdigung der vorgelegten Berichte zum Schluss, die aktuelle
Sachlage sei aus versicherungsmedizinischer Sicht unklar und schlug eine
Verlaufsbegutachtung beim ABI vor (act. G 4.95).
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A.c Mit Schreiben vom 10. Oktober 2008 gelangte der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. Peter Sutter, an die IV-Stelle und erklärte sich mit einer medizinischen
Begutachtung einverstanden. Es erscheine ihm jedoch nicht opportun, dass der
entsprechende Auftrag erneut dem ABI erteilt werde. Nachdem im ersten Verfahren von
seinem damaligen Rechtsvertreter massive Vorwürfe an die Adresse des ABI und
dessen Medizinalpersonen gerichtet worden seien, scheine eine Unbefangenheit dieser
Institution im vorliegenden Fall in Frage gestellt (act. G 4.111). Am 17. Oktober 2008
teilte die IV-Stelle dem Vertreter unter Hinweis auf die Mitwirkungspflicht des
Versicherten mit, sie halte an der Begutachtung durch das ABI fest (act. G 4.113). Mit
Schreiben vom 21. Oktober 2008 gelangte der Vertreter des Versicherten erneut an die
IV-Stelle. Es gebe konkrete Gründe, die im vorliegenden Fall gegen die Objektivität des
ABI sprächen (act. G 4.114). Am 6. November 2008 wandte sich der Vertreter des
Versicherten wiederum an die IV-Stelle. Er habe mit Verwunderung zur Kenntnis
genommen, dass der Versicherte nun doch eine Vorladung vom ABI erhalten habe. Er
sei nach wie vor der Auffassung, dass das ABI und insbesondere auch der als
Gutachter nominierte Orthopäde befangen seien. Er ersuchte die IV-Stelle, eine
alternative Gutachterstelle vorzuschlagen (act. G 4.116). Am 14. November 2008 hielt
die IV-Stelle an der Begutachtung durch das ABI fest (act. G 4.117), woraufhin ihr der
Vertreter des Versicherten am 18. November 2008 noch einmal mitteilte, der
Versicherte sei bereit, sich durch irgendeine Stelle abklären zu lassen, nicht aber durch
das ABI (act. G 4.118). Eine telefonische Anfrage der IV-Stelle beim ABI am 4.
Dezember ergab, dass der Versicherte den Begutachtungstermin vom 17. November
2008 dennoch wahrgenommen hatte (act. G 4.119).
A.d Im Gutachten vom 8. Dezember 2008 gelangte das ABI zum Ergebnis, dass sich
der Gesundheitszustand des Versicherten im Vergleich zum ersten Verfahren nicht
(wesentlich und dauerhaft) verschlechtert habe. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
nach wie vor eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit (act. G
4.120).
B.
Mit Vorbescheid vom 29. Mai 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Ablehnung
seines Rentengesuchs in Aussicht (act. G 4.128). Hiergegen liess dieser am 28. Juli
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2009 Einwand erheben. Die Begutachtung durch das ABI sei trotz Einwänden
erzwungen worden. Auf das betreffende Gutachten könne nicht abgestellt werden (act.
G 4.131). Mit Verfügung vom 5. August 2009 entschied die IV-Stelle gemäss
Vorbescheid und verneinte einen Rentenanspruch des Versicherten (act. G 4.132).
C.
C.a Mit Eingabe vom 9. September 2009 erhebt der Vertreter des Versicherten
Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom 5. August 2009 sei aufzuheben. Die
Angelegenheit sei zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, die
Beschwerdegegnerin hätte über das Ausstandsbegehren in Form einer anfechtbaren
Zwischenverfügung befinden müssen. Dies habe sie nicht getan. Die Sache sei daher
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese über das Ausstandsbegehren verfügen könne (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. November 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im
Wesentlichen aus, es treffe zu, dass sie betreffend die geltend gemachten
Ausstandsgründe vorab eine Zwischenverfügung hätte erlassen müssen. Dieser Fehler
führe jedoch nicht zwingend zu einer Aufhebung der Verfügung. Weil es im
Wesentlichen einzig um prozessökonomische Gründe gehe, wiege diese
Rechtsverletzung nicht besonders schwer, es sei denn, es liege tatsächlich ein
Ausstandsgrund vor. Dies sei vorliegend zu verneinen. In materieller Hinsicht könne auf
das Verlaufsgutachten abgestellt werden (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 4. Dezember 2009 hält der Vertreter des Beschwerdeführers an
seinen Anträgen fest (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtet in der Folge auf das
Einreichen einer Duplik (vgl. act. G 8).

Erwägungen:
1.
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1.1 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhalts ein Gutachten
einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren
oder dessen Namen bekannt. Diese kann die Gutachterperson aus triftigen Gründen
ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (Art. 44 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Gemäss Art. 36
Abs. 1 ATSG treten Personen, die Entscheidungen über Rechte und Pflichten zu treffen
oder vorzubereiten haben, in den Ausstand, wenn sie in der Sache ein persönliches
Interesse haben oder aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könnten.
Macht die zu begutachtende Person eigentliche Ausstandsgründe im Sinn dieser
Bestimmung gegen die vorgesehene Gutachterperson geltend, so ist darüber eine
Verfügung zu erlassen, die nach Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 55 Abs. 1 ATSG
und Art. 45 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR
172.021) selbstständig anfechtbar ist. Andere Einwendungen der zu begutachtenden
Person gegen die Begutachtung als solche oder gegen die beantragte
Gutachterperson, welche jedoch nicht deren Unabhängigkeit beschlagen, sind nicht in
Verfügungsform zu erledigen. Indem Art. 44 ATSG vorsieht, dass die versicherte
Person einen Gutachter oder eine Gutachterin aus triftigen Gründen ablehnen kann,
geht diese Bestimmung über die gesetzlichen Ausstandsgründe gemäss Art. 10 VwVG
und Art. 36 Abs. 1 ATSG hinaus (BGE 132 V 107 E. 6.4).
1.2 Es ist zwischen Einwendungen formeller und Einwendungen materieller Natur zu
unterscheiden. Dabei zählen die gesetzlichen Ausstandsgründe (vgl. Art. 10 VwVG und
Art. 36 Abs. 1 ATSG) zu den Einwendungen formeller Natur, weil sie geeignet sind,
Misstrauen in die Unabhängigkeit des oder der Sachverständigen zu erwecken.
Einwendungen materieller Natur können sich zwar ebenfalls gegen die
Gutachterperson richten. Sie beschlagen jedoch nicht deren Unparteilichkeit. Oft sind
sie von der Sorge getragen, das Gutachten könne mangelhaft ausfallen oder jedenfalls
nicht im Sinn der zu begutachtenden Person. Solche Einwendungen sind in der Regel
mit dem Entscheid in der Sache im Rahmen der Beweiswürdigung zu behandeln (BGE
132 V 108 E. 6.5).
2.
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2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Einwendungen des Beschwerdeführers
betreffend die Befangenheit des ABI bzw. des orthopädischen Gutachters formeller
Natur sind und dass die Beschwerdegegnerin diesbezüglich gehalten gewesen wäre,
eine anfechtbare Verfügung zu erlassen, was sie unterlassen hat. Streitig und zu prüfen
ist, ob dies zur Folge hat, dass die vorliegend angefochtene Rentenverfügung - wie der
Beschwerdeführer dies verlangt - ohne materielle Prüfung aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin anzuweisen ist, vorab (einzig) über die geltend gemachten
Ausstandsgründe zu verfügen, oder ob - wie die Beschwerdegegnerin dies sinngemäss
geltend macht - dieser Mangel geheilt werden und im hängigen Beschwerdeverfahren
sowohl über die Ausstandsgründe und - sofern diese verneint werden - auch über den
Rentenanspruch entschieden werden kann.
2.2 Der Beschwerdeführer verweist für seinen Standpunkt auf einen Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom 19. Februar 2001 (SVR 2002 UV Nr. 7)
und macht geltend, soweit gesetzliche Ausstandsgründe zur Diskussion stünden, dürfe
in keinem Fall mit der Verneinung eines gesetzlichen Ablehnungsgrunds gleichzeitig die
Leistungseinstellung verknüpft werden.
Dieser Einwand mag zutreffen, ist vorliegend jedoch unbehelflich. In besagtem
Entscheid des luzernischen Verwaltungsgerichts hatte die Suva, ohne eine Verfügung
betreffend die geltend gemachten Ausstandsgründe zu erlassen, sämtliche
Versicherungsleistungen eingestellt, nachdem die betreffende Versicherte den
vorgesehenen Gutachter abgelehnt hatte. Dies wurde vom Gericht in der Folge als
unzulässig bezeichnet. Der entscheidende Unterschied zum vorliegenden Fall liegt
darin, dass sich der Beschwerdeführer der angeordneten Begutachtung unterzog,
während sich die Versicherte im Fall des luzernischen Verwaltungsgerichts der
entsprechenden Untersuchung widersetzt hatte. Entsprechend basierte die dort von
der Suva verfügte Leistungseinstellung - anders als die Verneinung des
Rentenanspruchs im vorliegenden Fall - nicht auf einer materiellen Anspruchsprüfung,
war diese infolge Fehlens des als notwendig erachteten Gutachtens doch gerade nicht
möglich, sondern wurde mit der Verletzung der Mitwirkungspflicht der Versicherten
begründet. In diesem Zusammenhang hielt das Verwaltungsgericht des Kantons
Luzern in E. 6b fest, es sei in diesem Verfahrensstadium vor der Klärung eines geltend
gemachten Ablehnungsgrunds unzulässig, eine Leistungsverweigerung oder -
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einstellung mit der Geltendmachung eines unzulässigen Ablehnungsgrunds gegen
einen Experten und infolgedessen mit der fehlenden Mitwirkung zu begründen. Dem ist
zuzustimmen. Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass der Beschwerdeführer die
Teilnahme an der Begutachtung durch das ABI bis zum (formrichtigen) Entscheid
betreffend die geltend gemachten Ausstandsgründe hätte verweigern können, ohne
irgendwelche Sanktionen seitens der Beschwerdegegnerin befürchten zu müssen. Er
hat dies jedoch nicht getan, sondern hat sich der Begutachtung durch das ABI
unterzogen, womit eine fehlende Mitwirkung (welche nach dem Gesagten zu verneinen
wäre) vorliegend gar nicht zur Diskussion steht. Von einer Verletzung der
Mitwirkungspflicht ist auch die Beschwerdegegnerin nicht ausgegangen. Vielmehr hat
sie sich in der angefochtenen Verfügung zuerst mit den geltend gemachten
Ausstandgründen auseinandergesetzt (und diese verneint) und den Rentenanspruch in
der Folge nach materieller Prüfung abgelehnt. Zwar war dieses Vorgehen nach dem
oben Gesagten nicht korrekt, hätte die Beschwerdegegnerin doch vorab in einer
separaten Verfügung über die geltend gemachten Ausstandsgründe befinden müssen,
doch führt dieser Mangel nicht zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Eine
solche Aufhebung würde denn auch gar keinen Sinn machen. Zum einen hat sich die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung zu den geltend gemachten
Ausstandgründen bereits geäussert und diese verneint, so dass eine Rückweisung zur
(erneuten) Beurteilung des Ausstandsbegehrens einem formalistischen Leerlauf
gleichkäme. Zum andern besteht der Sinn und Zweck des vorgängigen (d.h. vor der
Begutachtung erfolgenden) Entscheids über die Ausstandsgründe darin, zu verhindern,
dass sich eine versicherte Person erneut einer Begutachtung durch einen anderen
Gutachter unterziehen muss, falls die Ausstandsgründe gegen den ursprünglichen
vorgesehenen Gutachter bejaht würden und sein Gutachten damit nicht verwertbar
wäre (vgl. auch E. 4 des Entscheids des luzernischen Verwaltungsgerichts). Dies kann
vorliegend jedoch auch durch eine Aufhebung der angefochtenen Rentenverfügung
nicht mehr gewährleistet werden, nachdem sich der Beschwerdeführer der
Begutachtung durch das ABI ja bereits unterzogen hat. Unter diesen Umständen würde
eine Aufhebung und Rückweisung aus formellen Gründen einzig zu einer
Verfahrensverzögerung führen, ohne dass dem Beschwerdeführer dadurch
irgendwelche Vorteile entstehen würden, weshalb davon abzusehen ist.
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2.3 Als Zwischenergebnis bleibt damit festzuhalten, dass die angefochtene
Rentenverfügung im vorliegenden Beschwerdeverfahren umfassend auf ihre Richtigkeit
hin zu überprüfen ist, wobei vorab über die geltend gemachten Ausstandsgründe zu
befinden sein wird. Nachdem der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren einzig
formelle Rügen vorgebracht hat, stellt sich die Frage, ob ein weiterer Schriftenwechsel
anzuordnen ist, damit der Beschwerdeführer auch materiell zu der angefochtenen
Verfügung Stellung nehmen kann. Dies ist zu verneinen. Spätestens im Rahmen der
Replik musste dem Beschwerdeführer klar sein, dass die Beschwerdegegnerin trotz
Eingestehens ihres falschen Vorgehens an ihrer Verfügung und damit an der
entsprechenden materiellen Begründung festhält. Unter diesen Umständen hätte der
Beschwerdeführer bzw. sein Vertreter sowohl die Veranlassung als auch die
Gelegenheit gehabt, sich zum materiellen Teil der angefochtenen Verfügung zu
äussern. Ein weiterer Schriftenwechsel erscheint damit nicht angezeigt.
3.
Der Beschwerdeführer begründet die geltend gemachte Befangenheit des ABI bzw.
des orthopädischen Gutachters damit, dass sein damaliger Rechtsvertreter im Rahmen
des ersten IV-Verfahrens massive Vorwürfe gegen das ABI und dessen
Medizinalpersonen erhoben habe. Zwar hatte der damalige Rechtsvertreter die mit der
ersten Begutachtung befassten Ärzte als befangen bezeichnet, da sie dem
Beschwerdeführer eine bewusste Aggravationsneigung "vorgeworfen" hatten (vgl. act.
G 4.66), doch vermag dies keine Voreingenommenheit der ABI-Gutachter für das
vorliegende Verfahren zu begründen. Abgesehen davon, dass der betreffende Vorwurf
im Rahmen des gerichtlichen Beschwerdeverfahrens entkräftet wurde (vgl. act. G
4.81-14 f.), gehörte die Kritik am ABI-Gutachten zur Hauptaufgabe des damaligen
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers, machte dieser doch eine höhere
Arbeitsunfähigkeit geltend als das ABI ermittelt hatte. Die Kritik war dabei auf einer rein
sachlichen Ebene erfolgt; weder das ABI noch einer der beteiligten Gutachter wurden
auf einer persönlichen oder unsachlichen Ebene angegriffen. Derartige Kritik ist in
invalidenversicherungsrechtlichen Streitigkeiten an der Tagesordnung, so dass daraus
nicht auf eine spätere Befangenheit der Gutachter geschlossen werden kann. In
diesem Sinn hat das Bundesgericht in einem Entscheid vom 7. Januar 2010
ausgeführt, es könne selbst dann nicht auf Befangenheit eines Experten geschlossen
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werden, wenn ein Prozessbeteiligter scharfe Kritik an der Gutachtertätigkeit oder an
der Person des Gutachters übe (8C_474/2009 E. 10 mit Hinweisen).
Damit ist nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers gestützt auf das ABI-Gutachten zu Recht abgelehnt hat.
4.
4.1 Bezüglich Invalititätsbemessung und Abklärung der Arbeitsfähigkeit kann auf das
frühere Urteil hingewiesen werden (act. G 4.81; E. 2a und 2b).
4.2 Eine Würdigung der medizinischen Aktenlage ergibt, dass der Beschwerdeführer
in somatischer Hinsicht in einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig ist; diesbezüglich
sind sich die behandelnden Ärzte und die Gutachter einig (vgl. act. G 4.87, 4.90,
4.120-21 f.). Im Vordergrund stehen psychische Probleme.
4.3 Vom 30. August bis 2. November 2007 hielt sich der Beschwerdeführer stationär
in der psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg auf. Dort wurden ihm eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2), eine
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0) sowie eine chronische Lumbalgie mit
pseudoradiculärer Ausstrahlung diagnostiziert. Bei Entlassung sei der
Beschwerdeführer zu 100% arbeitsunfähig gewesen (act. G 4.89). Der behandelnde
Psychiater Dr. med. A._ berichtete der Beschwerdegegnerin am 25. Februar 2008, im
Vergleich zur ersten Begutachtung durch das ABI, anlässlich welcher die Depression
nicht diagnostiziert worden sei, bestehe nun eine schwere depressive Störung. Der
Zustand habe sich chronifiziert und einen invalidisierenden Verlauf angenommen. Seit
Juni 2007 sei der Beschwerdeführer zu 100% arbeitsunfähig (act. G 4.93).
4.4 In Kenntnis und unter Würdigung der Berichte der Klinik St. Pirminsberg und von
Dr. A._ gelangte der ABI-Psychiater nach seiner Untersuchung vom 17. November
2008 zum Schluss, der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht zu 20%
arbeitsunfähig. Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hielt er eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0) fest. Der
Beschwerdeführer fühle sich seit 2004 aufgrund der geklagten körperlichen
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Beschwerden nicht mehr arbeitsfähig. Das Ausmass der geklagten körperlichen
Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr arbeiten zu
können, könnten durch die somatischen Befunde nicht objektiviert werden, so dass
eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Vor dem Hintergrund der
psychosozialen Belastungssituation könne die psychische Überlagerung der geklagten
Beschwerden gesehen werden, es könne eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert werden. Wesentlich leide der Beschwerdeführer aber
unter der angespannten wirtschaftlichen Situation. Seit Jahren werde er vom Sozialamt
unterstützt; er habe nur sehr wenig Geld zur Verfügung. Bei Kollegen habe er Schulden
in Höhe von Fr. 50'000.--; zum Teil werde er von diesen Kollegen auch bedrängt, das
Geld zurückzuzahlen. Die seit Jahren schwierige wirtschaftliche und psychosoziale
Situation habe wesentlich dazu beigetragen, dass er depressiv geworden und 2007
auch stationär psychiatrisch behandelt worden sei. Er habe angemerkt, dass vor allem
die schwierige Situation mit seiner Ehefrau und den Kindern Anlass für die stationäre
Behandlung gewesen sei. Seine Familie leide darunter, dass er keine Tagesstruktur
habe, zu Hause nur herumliege und zum Teil etwas gereizt sei. Er berichte auch von
vagen Suizidideen. Eine ausgeprägte Suizidalität bestehe jedoch nicht. Anlässlich der
ABI-Begutachtung sei der Beschwerdeführer leicht depressiv gewesen. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20%. Diese
sei durch die anhaltende somatoforme Schmerzstörung und die leichte depressive
Störung bedingt. Ein ausgeprägter sozialer Rückzug lasse sich nicht feststellen.
Schwere, lebensgeschichtliche Belastungen fänden sich keine. Hinweise auf
unbewusste Konflikte fehlten; ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht vorhanden. Die
komplexen Ich-Funktionen seien nicht eingeschränkt. Aus psychiatrischer Sicht könne
es dem Beschwerdeführer daher zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden
die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um zu 80% einer beruflichen Tätigkeit
nachgehen zu können (act. G 4.120-16).
Diese Beurteilung des ABI-Psychiaters erscheint umfassend, plausibel und
nachvollziehbar. Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zwar vorübergehend verschlechtert,
durch den stationären Aufenthalt in der Klinik St. Pirminsberg jedoch wieder verbessert
hat. Dies geht auch aus dem Bericht der Klinik St. Pirminsberg vom 2. Dezember 2007
hervor, wurde dort doch festgehalten, im Zusammenhang mit
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einer Dreifachkombination von antidepressiv wirkenden Medikamenten sowie einem
multimodalen Therapiekonzept und Klärung der psychosozialen Situation mit der
Beruhigung, dass die Ablehnung durch die IV noch nicht endgültig sei, habe eine
zufriedenstellende Remission der Depression erreicht werden können. Zwar sei das
Schmerzniveau vom Beschwerdeführer bei Entlassung unverändert hoch angegeben
worden, doch zeige sich eine wesentlich bessere Integration in den Alltag (act. G
4.89-3 f.). Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, dass der
Beschwerdeführer bei seiner Entlassung aus der Klink St. Pirminsberg (noch) zu 100%
arbeitsunfähig gewesen sein soll. Auch der Bericht von Dr. A._ vom 25. Februar 2008
(act. G 4.93) vermag keine Zweifel an den Schlussfolgerungen des ABI zu wecken,
stellt dieser doch im Wesentlichen auf die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers ab, ohne sich - was schon im Rahmen des ersten IV-Verfahrens
bemängelt wurde (act. G 4.82-13 f.) - mit der Frage der zumutbaren
Willensanstrengung auseinanderzusetzen.
4.5 Zusammengefasst kann damit für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auf das ABI-Gutachten vom 8. Dezember 2008 abgestellt werden.
Demnach ist der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit zu 80% arbeitsfähig.
Damit hat sich sein Gesundheitszustand im Vergleich zur Rentenablehnung im
November 2007 nicht (dauerhaft und wesentlich) verschlechtert. Es erübrigt sich daher,
einen neuen Einkommensvergleich anzustellen, haben sich doch in Bezug auf die
Vergleichseinkommen keine Änderungen ergeben. Folglich hat die
Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdeführers zu Recht
abgewiesen.
5.
5.1 Im Sinn der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht,
ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1 IVG in
der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem
bis
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Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG