Decision ID: 1b362dd4-973e-55b0-86a4-6685f5bbb4f8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Mai 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 7). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum Schlosser
begonnen, diese aber nicht abgeschlossen. Anschliessend sei er als Metallbaumonteur
tätig gewesen. In einem Untersuchungsbericht vom 20. Dezember 2010 (IV-act. 32)
hielt Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) fest, der
Versicherte könne nach einem Arbeitsunfall im Januar 2008, bei dem er sich am
rechten Knie verletzt habe, nur noch körperlich leichte Tätigkeiten, entweder ganz oder
zumindest überwiegend im Sitzen, verrichten. Auch der orthopädische
Sachverständige Dr. med. C._, der den Versicherten im Auftrag der IV-Stelle
begutachtete, stellte fest, dass nur noch sitzende Tätigkeiten zumutbar seien. Er hielt
weiter fest, der Versicherte müsse jede halbe Stunde einige Schritte gehen können, um
Anlaufschmerzen zu vermeiden; zudem dürfe der Arbeitsweg keine Gehstrecke
enthalten, die länger als 500 Meter sei (IV-act. 81). In einem Gespräch mit einer
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle vom 10. Juli 2013 gab der Versicherte
unter anderem an (IV-act. 117), er habe die Ausbildung zum Schlosser wegen einer
Legasthenie nicht bestanden. Die Eingliederungsverantwortliche notierte am 5. August
2013, der Versicherte habe nur einen Anspruch auf eine
Arbeitsvermittlung (IV-act. 120). Im Auftrag der IV-Stelle unterstützte die Stiftung D._
den Versicherten im Zeitraum von September 2013 bis Juni 2014 bei der Suche nach
einer adaptierten Stelle als Hilfsarbeiter (IV-act. 130). Die Stellensuche blieb erfolglos.
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Mit einer Verfügung vom 29. April 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch des Versicherten
um weitere berufliche Massnahmen ab (IV-act. 142).
A.b Mit einem Entscheid vom 13. Mai 2016 (IV 2015/161) hob das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Verfügung vom 29. April 2015 auf. Es
führte aus, der Versicherte habe seine Berufslehre möglicherweise krankheitsbedingt
nicht abschliessen können. An sich hätte er deshalb ursprünglich wohl einen Anspruch
auf eine erstmalige berufliche Ausbildung gehabt. Da er aber jahrelang erwerbstätig
gewesen sei, komme ein solcher Anspruch jedenfalls zum aktuellen Zeitpunkt nicht
mehr in Betracht. Stattdessen könnte aber ein Anspruch auf eine Umschulung
bestehen. Die IV-Stelle habe weitere Abklärungen zum Grund für den Lehrabbruch
sowie zur Fähigkeit des Beschwerdeführers, eine Umschulung erfolgreich
abzuschliessen, zu tätigen. Hierfür wies es die Sache an die IV-Stelle zurück. Am 27.
Juni 2016 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, sämtliche Schulzeugnisse ab der
Oberstufe, sämtliche Berufsschulzeugnisse, das Schreiben betreffend die Auflösung
des Lehrvertrages als Schlosser sowie Berichte des Schulpsychologen einzureichen
und anzugeben, bei wem er in der Legasthenietherapie gewesen sei (IV-act. 163). Am
7. Juli 2016 teilte der Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit (IV-act. 166), er habe eine
Woche lang versucht, die angeforderten Unterlagen zu besorgen. Man habe ihm überall
mitgeteilt, dass alle Unterlagen zehn Jahre nach dem Schulabgang vernichtet würden.
Bis zum Hochwasser im Jahr 1999 in E._ sei er selbst noch im Besitz der Unterlagen
gewesen. Durch den Wasserschaden seien diese aber vernichtet worden. Ursprünglich
habe er eine kaufmännische Ausbildung bei F._ begonnen. Das sei etwa im Jahr
1973 (recte wohl: 1983) gewesen. Schon nach kurzer Zeit sei ihm von der Berufsschule
mitgeteilt worden, dass er die Ausbildung wegen seiner Legasthenie nicht erfolgreich
werde absolvieren können. Daraufhin sei eine Abstufung auf eine Bürolehre (ebenfalls
bei F._) erfolgt. Auch diese Ausbildung habe er aber nicht abschliessen können. Am
13. Juli 2016 teilte der Versicherte telefonisch mit (IV-act. 167), er habe die
kaufmännische Berufslehre beziehungsweise die Bürolehre nach einem halben Jahr
abbrechen müssen, da er im Fach Deutsch nur die Note 3 erreicht habe. Danach habe
er seine Ausbildung zum Schlosser begonnen. Im Fach Deutsch habe er wieder
Probleme gehabt. Er habe Nachhilfe erhalten. Trotzdem habe er die Ausbildung
abbrechen müssen. Der damalige Lehrmeister sei mittlerweile verstorben. Den jetzigen
Inhaber des Lehrbetriebes kenne er nicht. Unterlagen besitze er keine mehr, da sich
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diese im Keller befunden hätten und deshalb durch das Hochwasser im Jahr 1999
zerstört worden seien. Er sei schon in der ersten oder zweiten Klasse von seinem
Lehrer zur Sprachtherapie angemeldet worden. Diese sei von einem
Sprachpsychologen durchgeführt worden, der selbst auch unterrichtet habe. Zuständig
dafür sei das Schulamt G._ gewesen. Eine Dame, die dort arbeite, habe ihm
telefonisch bestätigt, dass dies früher das übliche Vorgehen gewesen sei. Die
Sachbearbeiterin der IV-Stelle forderte den Versicherten auf, Unterlagen bei der
früheren Arbeitgeberin anzufordern und den ganzen Sachverhalt nochmals schriftlich
zusammenzufassen. Am 28. Juli 2016 teilte der Versicherte schriftlich mit (IV-act. 170),
dass er keine weiteren Unterlagen habe erhältlich machen können. Da es um einen 34–
42 Jahre zurückliegenden Zeitraum gehe, existierten die angeforderten Unterlagen
nicht mehr. Die Archivierungsfrist betrage nämlich nur zehn Jahre.
A.c Mit einem Vorbescheid vom 31. August 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 172), dass sie das Leistungsbegehren betreffend eine erstmalige berufliche
Ausbildung oder eine Umschulung abweisen werde. Zur Begründung führte sie an, aus
berufsberaterischer Sicht sei eine Legasthenie kein Hindernisgrund für den
erfolgreichen Abschluss einer handwerklichen Berufslehre. Es lägen keine Unterlagen
vor, die einen krankheitsbedingten Lehrabbruch belegen könnten. Selbst wenn der
Versicherte die Ausbildung als Schlosser (heute: Metallbauer EFZ) abgeschlossen
hätte, hätte er im Jahr 2016 nur einen Jahreslohn von 60'600 Franken erzielen können.
Als Hilfsarbeiter hätte er kein Einkommen erzielt, das 20 Prozent oder mehr unter
diesem Einkommen gelegen hätte. Dagegen liess der Versicherte am 3. Oktober 2016
einwenden (IV-act. 173), auch eine handwerkliche Berufslehre setze sprachliche
Fähigkeiten voraus. Die Legasthenie könne heute noch nachgewiesen werden.
Diesbezüglich hätten weitere Abklärungen getätigt werden müssen. Der Versicherte
habe sich nun selbständig für eine Untersuchung beim Logopädiezentrum des
Kantonsspitals St. Gallen angemeldet. Mit der Eröffnung der Verfügung müsse
zugewartet werden, bis der entsprechende Untersuchungsbericht vorliege. Die
Berechnung des Einkommens als Metallbauer sei zudem nicht nachvollziehbar. Der
Mindestlohn betrage nämlich gemäss dem Gesamtarbeitsvertrag 65'000 Franken. Der
mittlere Lohn liege wohl bei etwa 70'000 Franken. Am 20. Dezember 2016 berichtete
die Hals-Nasen-Ohrenklinik des Kantonsspitals St. Gallen über eine logopädische
Sprachabklärung vom 13. Dezember 2016 (IV-act. 180): Die Lese- und
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Schreibschwächen, die der Versicherte in der Abklärung gezeigt habe, seien eindeutig
einer Sprach- und Leseerwerbsstörung zuzuordnen. Der Versicherte habe sich zwar im
Laufe der Jahre sehr gute Kompensationsstrategien angeeignet, aber die Belastbarkeit
der auditiven Verarbeitungsphase und die Fähigkeit, in angemessenem Tempo zu lesen
und zu schreiben, seien nicht der Norm entsprechend. Mit einer Verfügung vom 25.
Januar 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren betreffend eine erstmalige
berufliche Ausbildung oder eine Umschulung ab (IV-act. 183). Bezugnehmend auf die
Eingabe des Versicherten und auf den Bericht der Logopädin vom 20. Dezember 2016
führte sie aus, die Lese- und Schreibschwäche stehe dem erfolgreichen Abschluss
einer handwerklichen Berufslehre nicht entgegen. Als Hilfsarbeiter könne der
Versicherte ein Einkommen von 66'453 Franken erzielen. Eine Erwerbseinbusse von
mindestens 20 Prozent läge also auch dann nicht vor, wenn auf ein Einkommen eines
Metallbauers von 70'000 Franken abgestellt würde.
B.
B.a Am 27. Februar 2017 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. Januar 2017 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer Umschulung und eventualiter die
Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte er aus, die Beschwerdegegnerin habe
keinerlei Abklärungen zur Frage, wie gravierend die Lese- und Schreibschwäche des
Beschwerdeführers sei, getätigt. Den Akten lasse sich deshalb nicht entnehmen, ob
und allenfalls in welchem Schweregrad eine Legasthenie vorliege. Damit sei die
Beschwerdegegnerin der Aufforderung des Versicherungsgerichtes im Entscheid IV
2015/161 vom 13. Mai 2016 nicht hinreichend nachgekommen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 21. April 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, gemäss dem einschlägigen
Gesamtarbeitsvertrag könnte der Beschwerdeführer als Metallbauer EFZ nur ein
Einkommen von 60'600 Franken erzielen. Der Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne
betrage 66'453 Franken. Folglich liege keine Erwerbseinbusse vor, die eine
Umschulung rechtfertigen könnte. Bezüglich der Frage, ob der Lehrabbruch damals
wegen einer Legasthenie erfolgt sei, liege eine Beweislosigkeit vor. Deren Folgen habe
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der Beschwerdeführer zu tragen. Generell sei eine Legasthenie kein Hindernis für einen
erfolgreichen Abschluss einer handwerklichen Berufslehre.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 24. Mai 2017 an seinen Anträgen festhalten (act. G
9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).

Erwägungen
1.
In Bezug auf die Verneinung eines Anspruchs auf eine erstmalige berufliche Ausbildung
ist die Verfügung vom 25. Januar 2017 unangefochten in formelle Rechtskraft
erwachsen. Den Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet folglich nur die
Frage, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Umschulung hat.
2.
Das Sozialversicherungsverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht: Der
Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von
Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Diese
Untersuchungspflicht wird zwar durch die Mitwirkungspflicht der versicherten Person
ergänzt (Art. 28 ATSG). Das bedeutet aber nicht, dass die Verwaltung ihre
Untersuchungspflicht einfach auf die versicherte Person abwälzen könnte. Die
ergänzende Mitwirkungspflicht wird nämlich nur für jene Tatsachen benötigt, die
ausschliesslich die versicherte Person belegen kann. Mit anderen Worten kann die
versicherte Person nur dort in die Pflicht genommen werden, wo ein Beweis ohne ihre
Mitwirkung nicht erbracht werden kann. Alle Beweise, die die Verwaltung ohne die
Mithilfe der versicherten Person erheben kann, hat sie in Erfüllung ihrer
Untersuchungspflicht auch selbst zu erheben (vgl. dazu auch den Entscheid EL
2016/17 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 31. Januar 2017, E. 2.3).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat ihre Untersuchungspflicht im Verwaltungsverfahren,
das mit der Verfügung vom 29. April 2015 abgeschlossen worden ist, verletzt. Der
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Beschwerdeführer hatte in jenem Verfahren nämlich glaubhaft angegeben, er habe
seine Berufslehre zum Schlosser wegen einer Legasthenie – und damit
krankheitsbedingt – abbrechen müssen. Diesem Hinweis war die Beschwerdegegnerin
nicht nachgegangen; sie hatte keine Abklärungen zu den Gründen des Lehrabbruchs
getätigt. In seinem Entscheid IV 2015/161 vom 13. Mai 2016 hat das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Beschwerdegegnerin deshalb
angewiesen, ihrer Untersuchungspflicht nachzukommen und Abklärungen einerseits
zur Ursache des Lehrabbruchs und andererseits zur Fähigkeit des Beschwerdeführers
zu tätigen, eine Umschulung erfolgreich zu absolvieren. Die Beschwerdegegnerin hat
sich in der Folge darauf beschränkt, den Beschwerdeführer zur Einreichung diverser
Unterlagen aufzufordern. Eigene Abklärungen hat sie selbst dann nicht getätigt, als der
Beschwerdeführer nachgewiesen hatte, dass er nicht in der Lage gewesen war, die
angeforderten Belege erhältlich zu machen. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen hat
die Beschwerdegegnerin nicht einmal Abklärungen zur geltend gemachten Legasthenie
getätigt. Der Beschwerdeführer hat selbst eine logopädische Abklärung in die Wege
leiten und für die Erstellung eines entsprechenden Berichtes sorgen müssen. Darin ist
eine – erneute – Verletzung der Untersuchungspflicht zu erblicken, die allerdings im
Beschwerdeverfahren nicht relevant ist, weil der vom Beschwerdeführer in Auftrag
gegebene Bericht die Beantwortung der Frage erlaubt, ob die Berufslehre
krankheitsbedingt hatte abgebrochen werden müssen. Mit Blick auf den Art. 45 Abs. 1
ATSG versteht sich von selbst, dass die Beschwerdegegnerin die Kosten für diesen
Bericht zu vergüten hat.
3.2 Aus dem Bericht der Logopädin des Kantonsspitals St. Gallen vom 20. Dezember
2016 geht hervor, dass der Beschwerdeführer an einer Lese- und Schreibschwäche
leidet, die eindeutig einer Sprach- und Leseerwerbsstörung zuzuordnen ist. Die
Logopädin hat überzeugend nachgewiesen, dass der Beschwerdeführer (wie von ihm
selbst angegeben) schon in der Schulzeit an einer Lese- und Schreibschwäche gelitten
haben muss. Unterlagen, die belegen könnten, dass diese Lese- und Schreibschwäche
ein massgeblicher Grund für den Abbruch der Berufslehre gewesen ist, existieren zwar
offenbar nicht mehr. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin bedeutet das
aber nicht, dass damit eine objektive Beweislosigkeit vorläge. Der Beschwerdeführer
selbst hat nämlich Angaben zu seiner schulischen und beruflichen Ausbildung machen
können, die es erlauben, die Frage, ob der Lehrabbruch krankheitsbedingt erfolgt war,
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mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
beantworten. Seine diesbezüglichen Schilderungen sind angesichts ihrer Detailliertheit,
der Spontaneität, mit der sie geäussert worden sind, und der Sachlichkeit, mit denen
sie der Beschwerdeführer vorgetragen hat, als überzeugend und zuverlässig zu
qualifizieren. Hinweise, die gegen die Wahrheitstreue der Angaben sprechen würden,
sind nicht ersichtlich. Folglich steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer schon während
der Schulzeit wegen einer Lese- und Schreibschwäche eine Therapie benötigt hatte
und dass er nach dem Abschluss der ordentlichen Schulzeit nicht eine Berufslehre zum
Schlosser, sondern (was die Beschwerdegegnerin aus unerklärlichen Gründen
übersehen zu haben scheint) eine Berufslehre zum kaufmännischen Angestellten bei
der öffentlichen Hand begonnen hatte, die er aber nach den ersten
Zwischenzeugnissen hatte abbrechen müssen. Aus den Akten geht nicht eindeutig
hervor, ob der Beschwerdeführer zuerst eine höher qualifizierte kaufmännische
Ausbildung und erst nach deren Scheitern eine Bürolehre oder gleich von Beginn weg
eine Bürolehre begonnen hatte. Anhand der Schilderungen des Beschwerdeführers ist
eher davon auszugehen, dass er zunächst eine gewöhnliche kaufmännische
Berufslehre begonnen hatte und dass er erst nach den ersten Zwischenergebnissen in
eine Anlehre hatte wechseln müssen. Jedenfalls besteht kein ernsthafter Zweifel daran,
dass der Abbruch jener Ausbildung entscheidend auf die Lese- und Schreibschwäche
zurückzuführen war, die es dem Beschwerdeführer verunmöglicht hatte, den
berufstypisch lese- und schreibintensiven schulischen und praktischen Anforderungen
zu genügen. Dafür spricht auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer
anschliessend eine weitere praktische beziehungsweise handwerkliche Ausbildung
hatte abbrechen müssen, obwohl er augenscheinlich über die erforderlichen
praktischen Fertigkeiten verfügt hatte, ansonsten er ja nicht jahrelang als ungelernter
Schlosser hätte tätig sein können. Auch wenn eine Schlosserausbildung deutlich
geringere Anforderungen an die Lese- und Schreibfertigkeiten stellt als eine
kaufmännische Ausbildung, lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der erfolgreiche
Abschluss des schulischen Teils der Ausbildung durch eine Lese- und
Schreibschwäche erheblich erschwert wird. Andere Gründe als die Lese- und
Schreibschwäche, die das Scheitern der Ausbildung zum Schlosser erklären könnten,
sind jedenfalls nicht ersichtlich. Eine umso gewichtigere Rolle muss die Lese- und
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Schreibschwäche folglich beim Abbruch der kaufmännischen Ausbildung gespielt
haben. Zusammenfassend steht also mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer krankheitsbedingt
nicht in der Lage gewesen ist, eine erstmalige berufliche Ausbildung – weder zum
Kaufmann noch zum Schlosser – abzuschliessen. Wie bereits im Entscheid IV
2015/161 vom 13. Mai 2016 (E. 2.1) ausführlich begründet dargelegt worden ist,
bedeutet das aber nicht, dass der Beschwerdeführer heute einen Anspruch auf eine
erstmalige berufliche Ausbildung im Sinne des Art. 16 IVG hätte, denn er ist bereits seit
Jahren erwerbstätig gewesen, weshalb nur eine Umschulung (Art. 17 IVG) in Frage
kommt.
3.3 Entgegen der sich auf einige Urteile des Bundesgerichts stützenden Auffassung
der Beschwerdegegnerin bemisst sich die umschulungsspezifische – anders als die
rentenspezifische – Invalidität nicht anhand eines Einkommensvergleichs gemäss dem
Art. 16 ATSG. Massgebend für einen Umschulungsanspruch ist nämlich nicht, ob die
versicherte Person rentenspezifisch invalid ist, sondern vielmehr, ob sie
gesundheitsbedingt in einem relevanten Ausmass (etwa 20 Prozent) bei der Verrichtung
des erlernten Berufs eingeschränkt ist. Ansonsten könnten Berufsleute nur dann einen
Anspruch auf eine Umschulung haben, wenn sie nicht nur im erlernten Beruf, sondern
auch als Hilfsarbeiter eine Erwerbseinbusse von 20 Prozent erleiden würden. Bei einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für eine ideal leidensadaptierte Hilfsarbeit wäre das
nur der Fall, wenn das Erwerbseinkommen im erlernten Beruf 20 Prozent höher als der
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne wäre, was verwaltungs- und gerichtsnotorisch für
eine Vielzahl von Berufen nicht zutrifft. Dadurch würde folglich eine Vielzahl von
ausgebildeten Versicherten, die ihren Beruf nicht mehr uneingeschränkt ausüben
können, gezwungen, bis zur ordentlichen Pensionierung eine Hilfsarbeit zu verrichten.
Das kann der Gesetzgeber offensichtlich nicht beabsichtigt haben. Vorliegend ist also
nur entscheidend, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer gesundheitsbedingt bei
der Ausübung seiner langjährig ausgeübten Tätigkeit als Metallbauer oder der
ursprünglich angezielten Tätigkeit als Kaufmann beeinträchtigt ist. Welcher der beiden
Berufe massgebend ist, spielt keine Rolle, da der Beschwerdeführer invaliditätsbedingt
beide Berufe überhaupt nicht (mehr) ausüben kann. Die Voraussetzung einer
umschulungsspezifischen Invalidität von etwa 20 Prozent ist folglich so oder anders
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erfüllt. Der Beschwerdeführer hat also grundsätzlich einen Anspruch auf eine
Umschulung in einen leidensadaptierten Beruf.
3.4 In Missachtung der Aufforderung des Versicherungsgerichtes des Kantons St.
Gallen im Entscheid IV 2015/161 vom 13. Mai 2016 hat die Beschwerdegegnerin in
grober Verletzung ihrer Untersuchungspflicht keinerlei Abklärungen bezüglich der
Fähigkeit des Beschwerdeführers getätigt, im heutigen Zeitpunkt erfolgreich eine
Umschulung zu absolvieren. Der massgebende Sachverhalt erweist sich diesbezüglich
immer noch als ungenügend abgeklärt; die angefochtene Verfügung vom 25. Januar
2017 ist in Verletzung der Untersuchungspflicht ergangen und deshalb als rechtswidrig
aufzuheben. Dem Versicherungsgericht bleibt nichts anderes übrig, als die Sache
erneut zur Vervollständigung der Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Diese wird berufsberaterische Abklärungen zur Beantwortung der
Frage nach der Umschulungsfähigkeit und nach einer geeigneten Berufskarriere tätigen
und anschliessend umgehend eine geeignete Ausbildung in die Wege leiten, sofern alle
Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Sie wird darauf bedacht sein, weitere
Verzögerungen, die eine erfolgreiche Umschulung gefährden könnten, zu vermeiden
und sie wird ein besonderes Augenmerk darauf legen, den massgebenden Sachverhalt
umfassend abzuklären, damit ein weiterer verfahrensrechtlicher „Leerlauf“ wie der
vorliegende vermieden werden kann.
4.
Die Rückweisung einer Sache gilt rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der Kosten- und
Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei.
Die Gerichtskosten von 600 Franken sind deshalb der unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Diese hat dem Beschwerdeführer zudem eine
Parteientschädigung auszurichten. Da seit dem letzten Beschwerdeentscheid nur
wenig neue Akten angefallen sind, ist von einem deutlich unterdurchschnittlichen
Vertretungsaufwand auszugehen. Die Parteientschädigung wird deshalb auf 2'000
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.