Decision ID: 0c7fba88-596e-5b7f-a146-0a859d7407fb
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer kurdischer Ethnie stammt aus B._ (Provinz
Erbil) und hatte bereits im Jahr 2003 in Griechenland und England Asylge-
suche gestellt. Am 3. November 2009 ersuchte er in der Schweiz um Asyl.
Eine Befragung zur Person (BzP; A1/12) fand am 5. November 2009 statt.
Unmittelbar daraufhin verschwand der Beschwerdeführer.
Seinen Angaben bei der BzP zufolge kehrte der Beschwerdeführer im Juli
2004 in den Irak zurück und lebte zunächst wieder in B._. Von Sep-
tember 2004 bis 20. September 2009 sei er bei der Partiya Karkerên Kur-
distanê (PKK) in den Bergen gewesen. Anschliessend sei er von der PKK
weg nach C._ geflohen und am (...) 2009 per Flugzeug mit dem
Pass seines Cousins nach Istanbul ausgereist. Dort sei er bis am 29. Ok-
tober 2009 geblieben und in einem LKW versteckt durch unbekannte Län-
der am 3. November 2009 in die Schweiz eingereist.
B.
Nachdem die griechischen Behörden das Wiederaufnahmeersuchen der
Schweiz gestützt auf die EU-Verordnung 604/2013 (Dublin-III-Verordnung)
vom 12. November 2009 nicht innert Frist beantwortet hatten, wurde Grie-
chenland für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens als
zuständig erklärt.
C.
Mit Verfügung vom 16. Dezember 2009 trat die Vorinstanz nicht auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers ein, wies ihn aus der Schweiz nach
Griechenland weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Wegen
unbekannten Aufenthalts konnte dem Beschwerdeführer die Verfügung
nicht eröffnet werden. Sie erwuchs in formelle Rechtskraft.
D.
Am 9. Juni 2016 befand sich der Beschwerdeführer wieder in der Schweiz,
nachdem die Vorinstanz einem Rückübernahmeersuchen der belgischen
Behörden gestützt auf die Dublin-III-Verordnung zugestimmt hatte.
E.
Mit Verfügung vom 20. Juni 2016 hob die Vorinstanz die Nichteintretens-
verfügung vom 16. Dezember 2009 auf und nahm das nationale Asylver-
fahren wieder auf.
E-2384/2018
Seite 3
F.
Am 22. November 2017 wurde der Beschwerdeführer vom SEM eingehend
zu seinen Asylgründen angehört (A26/28). Dabei gab er an, er habe sich
nach Abschluss [der Schule] im Jahr 1993 der PKK angeschlossen, da er
zu jener Zeit gedacht habe, diese sei die einzige Partei, welche für den
Aufbau eines kurdischen Staates arbeite. Bis 1996 habe er in B._
gelebt und im Untergrund gearbeitet. Zu seinen Aufgaben hätten dabei po-
litische Propaganda für die PKK und Unterstützung von verletzten PKK-
Kämpfern (...) gehört. Danach sei er nach (...) in ein grosses Lager der
PKK gegangen. Dort sei er politisch und militärisch ausgebildet worden und
habe als bewaffneter Guerilla in den Bergen (...) und (...) sowie ab Mitte
1997 zwischen den Gebieten des (...) und (...) an vielen Gefechten teilge-
nommen. Anfangs 2000 sei er nach (...) zurückgekehrt, damals sei der
Bürgerkrieg zu Ende gewesen. Im Frühling 2002 sei er noch einmal zurück
ins (...) zum (...) gegangen. Mitte 2002 habe er sich überlegt, die PKK zu
verlassen. Eines Nachts sei er geflohen, ohne seine Waffe mitzunehmen.
Er sei vom Asayish festgenommen und in D._ befragt worden. Er
sei sieben Monate im Gefängnis gewesen. Mithilfe seines Vaters sei er frei-
gelassen worden unter der Auflage, dass er mit ihnen kooperiere und sich
nicht wieder der PKK anschliesse. Ansonsten würden sie seinen Vater ins
Gefängnis stecken. Er sei zu seiner Familie nach B._ zurückgekehrt
und fast jeden Tag beziehungsweise wöchentlich sei von ihm verlangt wor-
den, dass er sich der PDK anschliesse und Informationen über PKK-Mit-
glieder gebe. Nach zweieinhalb Monaten, am (...) Oktober 2002, habe er
sich schliesslich zur Ausreise entschlossen. Nach seiner Ausreise habe
sein Vater für drei Monate ins Gefängnis gehen müssen. Entgegen seinen
Angaben bei der BzP (dass er im Jahr 2004 in den Irak zurückgekehrt sei)
befinde der Beschwerdeführer sich bereits seit anfangs 2003 in Europa.
Ende 2003 habe er sich für rund sechs Monate nach Grossbritannien be-
geben und sei nach Griechenland abgeschoben worden. Bis 2009 habe er
sich in Griechenland aufgehalten. Danach sei er sechs Jahre in Belgien,
ein paar Monate in Dänemark und Deutschland, danach circa anderthalb
Jahre in der Schweiz gewesen.
Der Beschwerdeführer reichte unter anderem Fotos ein, die ihn bei der
PKK und zusammen mit seinen Brüdern zeigen. Weitere Fotos zeigen
seine Brüder, unter anderem zusammen mit Abdullah Öcalan.
G.
Mit Verfügung vom 20. März 2018 – eröffnet am 23. März 2018 – stellte die
Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
E-2384/2018
Seite 4
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ord-
nete den Vollzug der Wegweisung an.
H.
Mit Eingabe vom 23. April 2018 liess der Beschwerdeführer dagegen durch
seine Rechtsvertreterin Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht er-
heben mit den Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid vom
20. März 2018 sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm
sei in der Schweiz Asyl zu gewähren; eventualiter sei er vorläufig aufzu-
nehmen; subeventualiter sei das Verfahren zur ergänzenden Sachverhalts-
abklärung sowie Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er die unentgeltliche Prozessführung
und die Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin beantragen.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer – nebst Vollmacht, der an-
gefochtenen Verfügung und der Kopie des Empfangsscheins – erneut die
schon bei der Vorinstanz eingereichten Fotos ein (vgl. oben Bst. F). Weiter
reichte er Mailkorrespondenzen seiner Rechtsvertreterin mit Tyma Kraitt,
Herausgeberin des Buches "Irak. Ein Staat zerfällt", und Dr. Thomas
Schmidinger, Lehrbeauftragter an der Universität Wien, zur aktuellen Ein-
schätzung der Verhältnisse von der KDP-Regierung zur PKK ein.
I.
Mit Eingabe vom 22. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer diverse Un-
terlagen zum Nachweis seiner Bedürftigkeit für seine Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung und um amtliche Rechtsverbei-
ständung nach.
J.
Mit Verfügung vom 31. Mai 2018 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte unter Gutheissung des Ge-
suchs um amtliche Rechtsverbeiständung die Rechtsvertreterin des Be-
schwerdeführers als amtliche Rechtsbeiständin ein. Zudem lud sie die
Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
K.
Mit Vernehmlassung vom 15. Juni 2018 äusserte sich die Vorinstanz ins-
besondere zu zeitlichen und örtlichen Widersprüchen der Inhaftierung des
Beschwerdeführers.
E-2384/2018
Seite 5
L.
Mit Replik vom 6. August 2018 hielt der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen fest, es ergäben sich keine Widersprüche bezüglich Ort und Zeit der
Inhaftierung und die Vorinstanz lasse unberücksichtigt, dass zwischen sei-
ner Flucht und der Anhörung 15 Jahre lägen.
M.
Mit Wiedererwägungsverfügung vom 11. Januar 2019 hob die
Vorinstanz Ziffer 6 der angefochtenen Verfügung auf und änderte die Per-
sonalien des Beschwerdeführers, dessen Antrag entsprechend, im ZEMIS
ab.
N.
Mit Eingabe vom 23. Oktober 2020 wies die Rechtsvertreterin des Be-
schwerdeführers auf jüngste Entwicklungen im Nordirak hin, wonach die
bereits in den Jahren zuvor als volatil eingestufte Situation sich 2020 weiter
verschärft habe. Als Beweismittel nannte sie dabei die folgenden, im Inter-
net abrufbaren Artikel: "Kurden fürchten türkische Annexion" – Der Tages-
spiegel vom 12.07.2020, "Warum Ankara gerade jetzt die PKK bekämpft"
– tagesschau.de vom 20.06.2020, Angriffe auf den Nordirak – Menschen-
rechtlerin: «Türkei verfolgt das Ziel, das Grenzgebiet zu erweitern» -
Deutschlandfunk Interview vom 20.06.2020, "Die Türkei zündelt auch im
Irak" – Beitrag auf Telepolis vom 02.09.2020 und "Irak bestellt türkischen
Botschafter ein" – Spiegel Politik vom 16.04.2020. Zudem reichte sie eine
aktualisierte Kostennote ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG
[SR 142.31]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das AsylG und das
VGG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
E-2384/2018
Seite 6
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Soweit der Beschwerdeführer subeventualiter eine Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung sowie Neu-
beurteilung beantragt, ist dieser Antrag abzuweisen, nachdem in der
Rechtsmitteleingabe nicht ausgeführt wird und auch nicht ersichtlich ist, in-
wieweit der von der Vorinstanz festgestellte Sachverhalt unvollständig sein
sollte.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
E-2384/2018
Seite 7
5.1 Die Vorinstanz erachtete in ihrer ablehnenden Verfügung die vom Be-
schwerdeführer geschilderte Tätigkeit zugunsten der PKK in den Jahren
1993 bis 2002 als glaubhaft. Sie behielt sich Ausführungen zu Unglaubhaf-
tigkeitselementen insbesondere bezüglich der anschliessenden Inhaftie-
rung und der auferlegten Unterschriftspflicht vor, liess dies allerdings noch
offen. Seit seiner Freilassung und Ausreise aus dem Heimatstaat im Jahr
2002 sei das politische Engagement des Beschwerdeführers klein, respek-
tive nicht mehr vorhanden. Er habe seine PKK-Mitgliedschaft vor 15 Jahren
beendet und sei seither nicht in einer Art exilpolitisch tätig, welches das
Interesse der Behörden seines Heimatstaates auf sich zu ziehen ver-
möchte. Dementsprechend habe der Druck auf seine Familie seit 2003
nachgelassen und seine Familienangehörigen führten heute ein normales
Leben. Insgesamt deute in den vorliegenden Akten nichts darauf hin, dass
er über ein Profil verfüge, welches zum heutigen Zeitpunkt eine Furcht vor
asylrelevanter Verfolgung als begründet erscheinen lassen würde.
5.2 Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seiner Beschwerde im
Wesentlichen vor, zur Inhaftierung und zur auferlegten Unterschriftspflicht
seien seinen Erzählungen ebenfalls zahlreiche Realkennzeichen zu ent-
nehmen. Auch während den vielen Jahren im politischen Exil sei er nach
wie vor politisch aktiv gewesen und habe an vielen Versammlungen teilge-
nommen. Die Flüchtlingseigenschaft sei im Jahr 2002 – im Zeitpunkt der
Flucht aus dem Irak – klar erfüllt gewesen, da er aufgrund seiner politi-
schen Anschauungen und seines Engagements in der PKK Ziel staatlicher
Verfolgungshandlungen gewesen sei. Bei der Frage nach der Aktualität der
Verfolgung seien die allgemeine, aktuelle politische Lage sowie die diver-
sen Interessenlagen in der Region von der Vorinstanz nicht berücksichtigt
worden. Derzeit herrsche eine schlechte Beziehung zwischen der KDP und
der PKK. Der Asayish interessiere sich auch heute für Personen, denen
blosse Verbindungen zur PKK mindestens unterstellt würden. Als ehemali-
ger PKK-Kämpfer sei er den Sicherheitsbehörden namentlich bekannt und
es sei nicht ausgeschlossen, dass sein exilpolitisches Verhalten von den
Behörden weiterhin beobachtet worden sei. Ideologisch sei er seinen Über-
zeugungen weiterhin treu geblieben und mittlerweile habe er sich an ver-
schiedenen der zahlreichen Kundgebungen für Afrin beteiligt. Der Druck
auf seinen Vater habe zwar seit 2003 abgenommen, ganz abgebrochen sei
er jedoch nicht. Zudem sei eine Reflexverfolgung wegen dem Engagement
seiner Brüder durchaus denkbar.
5.3 In der Vernehmlassung vom 16. Juni 2018 ergänzte die Vorinstanz, auf
Vertiefungsfragen seien die Antworten des Beschwerdeführers vage und
E-2384/2018
Seite 8
oberflächlich geblieben. Seine Angaben zur angeblichen Inhaftierung und
anschliessenden Unterschriftspflicht seien weniger detailliert und konkret
ausgefallen als diejenigen hinsichtlich seiner Tätigkeit bei der PKK. Den
Ort der angeblichen Inhaftierung habe er ferner widersprüchlich geschil-
dert. Gewisse Vorbringen in der Beschwerde, wie die Nachfrage der Asay-
ish vor zwei Jahren bei seinen Eltern und seine Teilnahme an Demonstra-
tionen, seien als nachgeschoben und unglaubhaft zu qualifizieren. Für eine
drohende Reflexverfolgung des Beschwerdeführers aufgrund seiner Brü-
der ergäben sich keine hinreichend konkreten Anhaltspunkte aus den Ak-
ten.
5.4 In der Replik vom 6. August 2018 führte der Beschwerdeführer an, die
Vorinstanz habe ausser Acht gelassen, dass er über das Erlebte im Ge-
fängnis weder allzu intensiv nachdenken noch darüber berichten wolle. Da
die Teilnahme an Demonstrationen erst nach der Anhörung stattgefunden
habe, könne diese Ergänzung gar nicht nachgeschoben sein.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht bestätigt zunächst, dass die Vorinstanz
in der angefochtenen Verfügung die Vorbringen des Beschwerdeführers
hinsichtlich seiner Tätigkeit für die PKK in den Jahren 1993 bis 2002 zu
Recht als glaubhaft erachtete. Die damit verbundenen Ereignisse schildert
der Beschwerdeführer sehr ausführlich und sie sind mit zahlreichen Real-
kennzeichen versehen. Beispielsweise hervorzuheben ist aus der Anhö-
rung des Beschwerdeführers etwa seine Antwort auf die Frage, ob ihm von
den Gefechten bei der PKK etwas in besonderer Erinnerung geblieben sei.
Er schildert daraufhin einen Tag in (...), wo er sich mit anderen PKK-Mit-
gliedern vor Soldaten des KDP und türkischen Soldaten versteckt gehalten
habe, kein Feuer machen oder kochen durfte. Als sie sich in eine rund fünf
Stunden entfernte Höhe begeben wollten, hätten sie einen Fluss überque-
ren müssen und er sei dabei ins Wasser gefallen. Er habe einen Schuh
verloren und habe anschliessend 15 Tage lang nur mit einem Schuh laufen
können. Damit der Fuss sich nicht verletze, habe er einen Sack als Schuh
angezogen. In der Höhle habe der Jüngste unter ihnen unbedingt Wasser
lösen müssen und er habe sich entschlossen, diesen nach draussen zu
begleiten, obwohl die Soldaten ihre Operation ausgeweitet und sie auch in
dieser Umgebung gesucht hätten. Er habe gedacht, dies sei sein letzter
Tag und alle würden entdeckt und umgebracht werden (A26 F83).
6.2 In der Vernehmlassung vom 16. Juni 2018 bringt die Vorinstanz Zweifel
an der Inhaftierung und der anschliessend auferlegten Unterschriftspflicht
E-2384/2018
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des Beschwerdeführers im Jahr 2002 an, nachdem sie die Glaubhaftigkeit
dieser Sachverhaltselemente in der angefochtenen Verfügung – mit ent-
sprechendem Vorbehalt – noch offengelassen hatte. Darauf ist in der nach-
folgenden Glaubhaftigkeitsprüfung näher einzugehen.
6.2.1 Bei der Anhörung vom 22. November 2017 gab der Beschwerdefüh-
rer mehrmals an, er sei 2002 aus der PKK geflohen und zu einer Ortschaft
namens D._ gebracht worden, wo er befragt und ins Gefängnis ge-
steckt worden sei (A26 S. 6 F34, A26 F105 ff. und A26 F112). Die Vor-
instanz konfrontierte den Beschwerdeführer am Schluss der Anhörung mit
seiner Angabe bei der BzP vom 5. November 2009, er sei 1996 wegen der
PKK festgenommen und in ein Gefängnis namens E._ in
E._ gebracht worden (A1 S. 5; A26 F158). Der Beschwerdeführer
ging bei seiner Antwort nicht auf die örtliche Ungereimtheit ein. In der Rep-
lik vom 6. August 2018 liess der Beschwerdeführer dazu anbringen, er
habe stets vom gleichen Gefängnis gesprochen. In der Provinz Dohuk liege
sowohl der Distrikt E._ als auch das Gefängnis in D._, wes-
halb es sich hierbei um keinen Widerspruch handle (vgl. Replik S. 2).
Aus verschiedenen Quellen geht hervor, dass der Distrikt E._ de
iure zur Provinz Ninewa, de facto aber zur Provinz Dohuk gehört (UN High
Commissioner for Refugees [UNHCR], Rapid Needs Assessment [RNA] of
Recently Displaced Persons in the Kurdistan Region, Dahuk Governorate,
11.2007, <http://www.refworld.org/docid/47691d1a0.html>; Governorate
Assessment Report Dahuk Governate September 2007 des UNHCR;
<https://www.refworld.org/pdfid/471f4c9ba.pdf>, beides abgerufen am
20.11.2020). Im zweiten der zitierten Berichte wird das E._ Gefäng-
nis im E._-Distrikt als eines der vier Hauptgefängnisse in der Pro-
vinz Dohuk erwähnt, welches in naher Zukunft geschlossen werden sollte.
In den konsultierten Quellen findet sich in der Provinz Dohuk nur eine Ort-
schaft mit dem Namen D._ – oder je nach Schreibweise auch (...),
beide abgerufen am 2.10.2020). D._ befindet sich zwar in der Nähe
der Provinzhauptstadt Dohuk, jedoch nicht im Distrikt E._. Die
Städte Dohuk und E._ liegen rund 100 Kilometer voneinander ent-
fernt (Official Site of General Board of Tourism of Kurdistan – Iraq,
E._, (...), abgerufen am 2.10.2020). Die Erklärung, zwischen den
Aussagen zum Ort des Gefängnisses in E._ beziehungsweise in
D._ geben es keinen Widerspruch, überzeugt somit nicht.
6.2.2 In zeitlicher Hinsicht bestehen in den Ausführungen des Beschwer-
deführers zu seiner Inhaftierung weitere Widersprüche. In der BzP hielt er
E-2384/2018
Seite 10
noch fest, er sei 1996 für sechs Monate festgenommen worden (A1 S. 5
und S. 6). Den dabei erwähnten Haftbefehl (A1 S. 7) brachte er nicht bei.
Anlässlich der Anhörung führte er aus, er habe die PKK Mitte 2002 verlas-
sen und sei danach für sieben Monate inhaftiert worden (A26 S. 6 f. F34).
Gemäss diesen Angaben hätte seine Ausreise erst anfangs 2003 erfolgen
können, wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht geltend
macht. Im späteren Verlauf derselben Anhörung gab er wiederum an, nach
seiner Freilassung im August beziehungsweise September (A26 F127)
habe er sich noch etwa zweieinhalb Monate in B._ aufgehalten und
am (...) Oktober 2002 sei er schliesslich ausgereist (A26 S. 7 F 34).
6.2.3 Wie die Rechtsvertreterin zu Recht vorbringt, ist im Narrativ des Be-
schwerdeführers besonders auffallend, dass er zu den chronologisch ge-
schilderten Ereignissen vor allem Jahreszahlen, selten aber genaue Daten
nennt. Im 28-seitigen Protokoll der Anhörung ist als fixes Datum einzig der
Tag der Ausreise aus dem Irak am (...) Oktober 2002 zu entnehmen (A26
S. 7 F34). Im freien Bericht der BzP machte der Beschwerdeführer dem-
gegenüber zu den Umständen seiner Ausreise aus dem Heimatstaat zu-
gleich mehrere konkrete Datumsangaben (A1 S. 2, 8). So habe er am
20. September 2009 die Berge in (...) verlassen und sei elf Tage in
C._ geblieben, bevor er am 2. Oktober 2019 nach Istanbul geflogen
sei. Dort habe er sich bis am 29. Oktober aufgehalten und sei in einem
LKW versteckt über unbekannte Länder am 3. November 2009 in die
Schweiz eingereist. Gleich zu Beginn der Bundesanhörung gab der Be-
schwerdeführer allerdings zu, dass er sich bereits seit anfangs 2003 in Eu-
ropa aufhalte und nur behauptet habe, er sei im Juli 2004 in den Irak zu-
rückgekehrt, damit man ihn nicht nach Griechenland zurückschicke, da
dies schon in Grossbritannien geschehen sei (A26 F15). Damit erwiesen
sich die präzisen Datumsangaben in der BzP im Nachhinein als Lügenkon-
strukt. Solche Gegensätze in der Erzählweise finden sich wieder im Ver-
gleich zwischen den detaillierten Beschreibungen der PKK-Zeit des Be-
schwerdeführers (vgl. oben E. 6.1) und der äusserst knappen Ausführung
zur siebenmonatigen Haftzeit, wo der stereotype Zimmerbeschrieb bereits
zwei von insgesamt fünf Sätzen füllt (A26 F109). Bei der Schilderung sei-
nes ersten Tages in D._ (A26 F106) bedient sich der Beschwerde-
führer zwar Elementen wie der direkten Rede, die an und für sich für die
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechen würden. Die dabei wiedergege-
benen Dialoge erscheinen allerdings sehr banal und konstruiert. Bei der
Aussage etwa, dass man im Gefängnis unter anderem bestraft worden sei,
indem man mit von hinten gefesselten Händen stundenlang in einen
E-2384/2018
Seite 11
Schrank gesteckt worden sei, fehlt der konkrete Bezug zum Beschwerde-
führer. Trotz mehrfachem Nachfragen durch die befragende Person war
der Beschwerdeführer weder in der Lage, seinen ersten Tag im Gefängnis
ausführlich zu schildern noch ein besonderes Ereignis während des Ge-
fängnisaufenthalts zu nennen (A26 F109-F118). Letzteres gelang ihm in
Bezug auf seine PKK-Zeit auf Anhieb (vgl. oben E. 6.1). Diese Erzählweise
hat wenig mit einem mangelhaften Erinnerungsvermögen zu tun und lässt
sich auch nicht damit erklären, dass der Beschwerdeführer die (mehrfach
wiederholte) Fragestellung nicht verstanden habe oder dass er aufgrund
einer Traumatisierung nicht über das Erlebte berichten wolle. Insbesondere
mit Blick auf seine ausführlichen und mit Realkennzeichen versehenen
Schilderungen seiner Zeit als PKK-Mitglied, wo ebenfalls traumatisierende
Ereignisse stattfanden, erscheinen die zur Haft gemachten Aussagen dem-
gegenüber sehr vage und unsubstantiiert, wie die Vorinstanz in ihrer Ver-
nehmlassung zu Recht festhält.
6.2.4 Dasselbe gilt in Bezug auf die geltend gemachte Meldepflicht. In sei-
nem freien Bericht bei der Anhörung schildert der Beschwerdeführer diese
Zeit in lediglich vier Sätzen, wonach rund zweieinhalb Monate lang fast je-
den Tag von ihm verlangt worden sei, er solle sich der PDK anschliessen
und er solle Informationen dazu liefern, wer mit der PKK arbeite (A26 S. 7
F 34). Im späteren Verlauf der Anhörung bringt er mehrfach an, er sei wö-
chentlich beziehungsweise sieben oder acht Mal während zwei bis zwei-
einhalb Monaten befragt worden (A26 F121 und A26 F126). Auf die Frage
nach seiner ersten Befragung nach seiner Freilassung erklärte der Be-
schwerdeführer, er gehe davon aus, dass die Asayish in B._ das
Protokoll von D._ gehabt hätten; er habe die gleichen Fragen wie
davor – hinsichtlich seiner Spionagetätigkeit, seiner Flucht von der PKK
ohne Waffe und seiner fehlenden Zusammenarbeit – beantworten müssen
(A26 F123). Auf den Hinweis, dies sei eine kurze Version gewesen und er
solle möglichst jedes Detail schildern, äusserte er sich ausweichend, man
könne die Schweiz nicht mit Kurdistan vergleichen und die einzige Forde-
rung der Asayish sei gewesen, dass er mit ihnen zusammenarbeite. Un-
glaubhaft wirkt dabei auch, dass sich die Asayish mehrere Monate lang mit
seiner Erklärung, es gehe ihm psychisch momentan nicht so gut oder er
habe momentan keine Zeit, zufriedengegeben haben sollen (A26 F124).
Nach einer Pause in der Anhörung wurde der Beschwerdeführer erneut
aufgefordert, die erste Befragung der Asayish in B._ detailliert zu
beschreiben; dies führte zu keinen konkreteren Angaben seitens des Be-
schwerdeführers. Der dabei in der direkten Rede geschilderte Dialog fiel
sehr allgemein und stereotyp aus: Es lässt sich nicht einmal unterscheiden,
E-2384/2018
Seite 12
inwiefern sich dieses als erste Befragung geschilderte Ereignis von weite-
ren Befragungen unterschieden haben soll (A26 F125).
6.2.5 In der Anhörung erwähnte der Beschwerdeführer zwar die dreimona-
tige Inhaftierung seines Vaters nach seiner Ausreise (A26 F45). Er berich-
tete aber über nichts Substanzielles auf die Frage, ob er mehr darüber
wisse, was mit seinem Vater in der Haft geschehen sei (A26 F47). Dies
erstaunt angesichts des regelmässigen Kontakts mit Familienangehörigen
im Irak (A26 F44) und passt ebenfalls nicht zu seinem übrigen, eher um-
fangreichen Erzählverhalten bei den glaubhaften Elementen seiner Flucht-
geschichte.
6.3 In einer Gesamtwürdigung sind damit als Erstes auch auf Nachfragen
hin nicht aufgelöste Widersprüche in zeitlicher und örtlicher Hinsicht in Be-
zug auf die Haft des Beschwerdeführers festzustellen. Die zeitlichen Un-
stimmigkeiten sind – anders als in der Replik vom 6. August 2018 zu erklä-
ren versucht wird – nicht allein auf die behauptete (Wieder-)Ausreise aus
dem Irak am 2. Oktober 2009 zwecks Herbeiführung der Zuständigkeit der
Schweiz gemäss Dublin-III-Verordnung zurückzuführen und zeugen auch
nicht von einer mangelhaften Berücksichtigung des langen Zeitablaufs zwi-
schen Flucht und Anhörung. Die in der Replik vorgebrachte Beteuerung,
es handle sich beim Gefängnis in E._ um dasselbe Gefängnis wie
in D._, erwies sich ebenfalls nicht als zutreffend (vgl. oben E. 6.2.1).
Zum Zweiten liegen bezüglich der Haft des Beschwerdeführers, hinsicht-
lich der ihm auferlegten Meldepflicht und der Haft seines Vaters mehrere
Brüche in der Ausführlichkeit der Schilderungen des Beschwerdeführers
vor, welche trotz konkreter Nachfragen äusserst vage blieben. Dies steht
besonders im Gegensatz zu seinen detaillierten Ausführungen in Bezug
auf seine PKK-Zeit. Bei der genauen Betrachtung seiner Aussagen anläss-
lich der bereits ausführlich geführten BzP sowie der Bundesanhörung –
welche ihm viel Raum für konkrete Darlegungen wenig substantiierter Ele-
mente seiner Vorbringen bot – vermochte er wesentliche Punkte zu seiner
Haft, der auferlegten Meldepflicht sowie der Haft seines Vaters nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit glaubhaft zu machen.
7.
7.1 Seinen als glaubhaft zu betrachtenden Angaben zufolge war der Be-
schwerdeführer von 1993 bis 2002 Mitglied der PKK.
7.1.1 Im Dezember 1993 gab es zwischen den damals in der Region Kur-
distan-Irak dominierenden Parteien Patriotische Union Kurdistans (PUK;
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Seite 13
kurdisch: Yekêtiy Nîştimaniy Kurdistan) und der Demokratischen Partei
Kurdistans (DPK beziehungsweise KDP; kurdisch: Partiya Demokrata Kur-
distanê) anhaltende Spannungen (CHARLES TRIPP, A History of Iraq, 2000,
S. 272). Im Jahr 2002 war die Provinz Erbil von der KDP dominiert. Nach
der Jahrtausendwende hatte sich die PKK offenbar zu einer ernstzuneh-
menden Bedrohung für die KDP entwickelt (DAVID MCDOWALL, A Modern
History of the Kurds, 2000, S. 389 f.). Da Teile der Bevölkerung im kurdi-
schen Nordirak die PKK unterstützt hatten, vermied der Führer der KDP,
Masoud Barzani, eine entscheidende militärische Auseinandersetzung –
obwohl die KDP die PKK aufs Schärfste bekämpfte (Netherlands Ministry
of Foreign Affairs, Official general report on Northern Iraq, 04.2000,
<https://www.refworld.org/pdfid/46700d7d2.pdf>, abgerufen am
22.10.2020). Gleichzeitig ging die KDP beziehungsweise gingen ihre Si-
cherheitskräfte (Asayish) in dem durch sie kontrollierten Gebiet gegen Ak-
tivisten und Anhänger der PKK vor (Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH],
Nordirak – Update Januar 2000 bis Dezember 2001, 30.05.2002,
<https://www.ecoi.net/en/file/local/1218891/1006_1186653513 _nordirak-
update-januar-2000-bis-dezember-2001.pdf>, abgerufen am 22.10.2020).
7.1.2 Unabhängig davon, ob und inwiefern sich der Beschwerdeführer im
Jahr 2002 – aus Sicht der KDP-Regierung nachvollziehbar – von der PKK
abgewendet hatte, ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten,
dass dieser ein einfacher PKK-Kämpfer gewesen war, innerhalb der PKK
keine besondere Stellung innehielt und auch keine Befehle erteilt hatte (vgl.
A26 F78 f.). Aufgrund der oben geschilderten Lage in der Region Kurdis-
tan-Irak zum Zeitpunkt seiner Ausreise (vgl. oben E. 7.1.1) ist zwar nicht
gänzlich auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2002 auf-
grund seines neunjährigen Engagements für die PKK bei der KDP-domi-
nierten Regierung beziehungsweise ihren Sicherheitskräften (Asayish)
persönlich aufgefallen war. Diese Möglichkeit, dass er aufgrund seiner
PKK-Tätigkeit als missliebige Person den Behörden namentlich bekannt
war und eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten hatte, vermochte er
allerdings nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit glaubhaft zu ma-
chen, nachdem die Glaubhaftigkeit seiner Inhaftierung und Meldepflicht
nicht dargetan wurde (vgl. oben E. 6.3). Dass der Beschwerdeführer im
Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Irak, im Jahr 2002, eine Verfolgung
durch die nordirakischen Behörden habe befürchten müssen, wurde nicht
glaubhaft gemacht.
E-2384/2018
Seite 14
7.2
7.2.1 Zum heutigen Zeitpunkt präsentiert sich die Lage in der Region Kur-
distan-Irak aufgrund folgender jüngster Ereignisse weiterhin als volatil: Im
Juli 2019 wurde in Erbil ein Mitarbeiter des türkischen Konsulats erschos-
sen. Die Tötung wurde der PKK zugeschrieben. Türkische Militäroperatio-
nen im kurdisch-irakischen Gebiet und Aktionen, wie die Tötung des Kon-
sulatsmitarbeiters, haben das Potenzial, den Status Quo zwischen der PKK
und der KDP zu erschüttern, wie es in einem Bericht der Denkfabrik Middle
East Institute von August 2019 heisst. Während die KDP und die PKK in
den vergangenen Jahren ihre Rivalität weitgehend nicht offen beziehungs-
weise weitgehend gewaltlos ausgetragen haben, könnte die neue Lage
eine Eskalation provozieren (Middle East Institute [MEI], Assassinations
could upset the status quo in Turkey-PKK conflict, 06.08.2019,
<https://www.mei.edu/publications/assassinations-could-upset-status-
quo-turkey-pkk-conflict>, abgerufen am 30.10.2020). Im Frühjahr und
Sommer 2020 nahmen laut der Online-Publikation Middle East Eye Be-
fürchtungen über eine grössere Konfrontation zwischen der PKK und loka-
len Sicherheitskräften zu (Middle East Eye [MEE], Kurdish tensions in
northern Iraq raise prospects of PKK crackdown, 02.05.2020,
<https://www.middleeasteye.net/news/pkk-crackdown-in-iraq>, abgerufen
am 30.10.2020). Im Sommer 2020 führte die türkische Luftwaffe eine der
grössten Operation seit Jahren gegen die PKK im Irak durch (The National
Interest, What Is Turkey Doing in Northern Iraq?, 03.08.2020, <https://nati-
onalinterest.org/blog/middle-east-watch/what-turkey-doing-northern-iraq-
166201>, abgerufen am 30.10.2020). Obwohl die Türkei anfangs Septem-
ber 2020 ihre Bodenoffensive auf irakischem Territorium gegen die PKK als
erfolgreich abgeschlossen erklärte, hielten die Kämpfe auch im Verlauf des
Monats an (Rûdaw [Hewlêr/Erbil], Turkey pounds Zakho villages, sparking
fires in clashes with PKK: local officials, 12.09.2020, <https://www.ru-
daw.net/english/kurdistan/12092020>, abgerufen am 30.10.2020). Diese
Entwicklungen gehen auch aus den von der Rechtsvertreterin des Be-
schwerdeführers in der Eingabe vom 23. Oktober 2020 genannten Quellen
hervor.
7.2.2 Aufgrund der Aktenlage finden sich aber trotz fortbestehender Volati-
lität der Lage in der Region Kurdistan-Irak (vgl. vorangehende E. 7.2.1)
keine Hinweise dafür, dass zum heutigen Zeitpunkt ein behördliches Inte-
resse am Beschwerdeführer bestehen könnte. Die behaupteten seltenen
Nachfragen beim Vater des Beschwerdeführers durch die Asayish – zuletzt
offenbar vor zweieinhalb Jahren – blieben ohne konkrete Konsequenzen
E-2384/2018
Seite 15
und vermögen kein asylrelevantes Ausmass zu erreichen (A26 F45). Sei-
nen Angaben zufolge hat der Beschwerdeführer seine PKK-Mitgliedschaft
vor mittlerweile 18 Jahren beendet (A26 S. 6 f. F34). Er bezeichnet sich als
ab und zu politisch aktiv, wobei er seit seiner Einreise in die Schweiz im
Juni 2016 bis zur Anhörung am 22. November 2017 noch an keiner De-
monstration teilgenommen hatte (A26 F153). Es finden sich zudem keine
Hinweise dafür, dass die geltend gemachte Teilnahme an Versammlungen
behördlich registriert worden wäre. Die gemäss Replik erfolgte Teilnahme
an zahlreichen Demonstrationen für Afrin wurde vom Beschwerdeführer
nicht konkret dargelegt – weder anhand von Daten und Orten noch in Be-
zug auf seine diesbezügliche Motivation; auch eine daraus folgende kon-
krete Gefährdung bei einer allfälligen Rückkehr wird nicht aufgezeigt. Je-
denfalls geht dieses politische Engagement nicht über das bereits geschil-
derte sporadische Ausmass hinaus und ist damit nicht geeignet, das nur
niederschwellige Profil des Beschwerdeführers in asylrelevanter Weise zu
schärfen.
7.3 Ebenfalls von der Vorinstanz nicht in Abrede gestellt und aufgrund der
Aktenlage glaubhaft erscheinend ist die PKK-Mitgliedschaft beziehungs-
weise PKK-Sympathie der beiden Brüder des Beschwerdeführers, weshalb
sich eine weitere Würdigung der eingereichten Fotos (vgl. SEM Akten A25
und Beschwerdebeilagen 4-7) erübrigt. Auf Beschwerdeebene macht der
Beschwerdeführer deswegen eine drohende Reflexverfolgung geltend.
Hierfür finden sich – wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht
moniert – keine konkreten Hinweise in den Akten. Ein Bruder befindet sich
seit 2001 in (...) und mit dem anderen hatte der Beschwerdeführer alle zwei
oder drei Jahre Kontakt (A26 F 49 und A26 F141 ff.). Nachdem auch die
dreimonatige Inhaftierung des Vaters des Beschwerdeführers nicht glaub-
haft dargetan wurde und seine Eltern weiterhin persönlich nicht mit grös-
seren Einschränkungen konfrontiert sind (vgl. S. 5 der Replik vom 6. Au-
gust 2018), vermochte er nicht glaubhaft darzulegen, dass er selbst bei
einer Rückkehr aufgrund der PKK-Mitgliedschaft seiner Brüder gezielte
Nachteile zu gewärtigen habe.
7.4 Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
keine flüchtlingsrelevanten Vor- oder Nachfluchtgründe dartun konnte.
Auch aus den eingereichten Mailkorrespondenzen und den in der zusätzli-
chen Eingabe vom 23. Oktober 2020 erfolgten Hinweisen auf Artikel, wel-
che Ausführungen zur allgemeinen Situation in der Region Kurdistan-Irak
enthalten, kann der Beschwerdeführer nichts Weiteres zu seinen Gunsten
E-2384/2018
Seite 16
ableiten. Damit hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgewiesen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, jeweils m.w.H.).
9.
Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005
(AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integ-
rationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Gesetzes-
artikel (Art. 83 Abs. 1-4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen
worden.
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
10.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.3 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr
läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (flüchtlings-
rechtliches Refoulementverbot; Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 Abs. 1 AsylG).
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Zudem darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden (menschenrechtliches Refou-
lementverbot; Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 EMRK und Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]).
Gemäss Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) und des UN-Anti-Folterausschusses liegt eine Verletzung
des menschenrechtlichen Refoulementverbots vor, wenn der Beschwerde-
führer eine konkrete Gefahr ("real risk") dafür nachweisen oder glaubhaft
machen kann, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohe (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien
28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H).
10.4 Wie das SEM zu Recht anführt, ist es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen, eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen
oder glaubhaft zu machen. Aus diesem Grund findet das flüchtlingsrechtli-
che Refoulementverbot vorliegend keine Anwendung und eine Rückkehr
des Beschwerdeführers in den kurdisch verwalteten Nordirak ist unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Die hohen Anforderungen an die
Feststellung eines "real risk" erfüllt die inzwischen 18 Jahre zurückliegende
PKK-Mitgliedschaft des Beschwerdeführers nicht, zumal er bereits damals
ein niederschwelliges Profil aufwies. Nachdem seine Inhaftierung und Mel-
depflicht im Jahr 2002 nicht glaubhaft dargetan wurden, und der Beschwer-
deführer auch nicht aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeit in den Fokus
der KDP-Regierung geriet, ist er bei einer Rückkehr nicht mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen
Strafe oder Behandlung ausgesetzt. Auch die allgemeine Menschenrechts-
situation in der Region Kurdistan-Irak lässt den Wegweisungsvollzug ge-
mäss der seit dem Grundsatzurteil BVGE 2008/5 herrschenden und bis
anhin beibehaltenen Praxis zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen (vgl. BVGE 2008/5 [bzw. die nicht publizierte E. 7.2 des Urteils
des BVGer E-4243/2007 vom 14. März 2008], Referenzurteil E-3737/2015
vom 14. Dezember 2015 E. 6.3.2 sowie etwa Urteil E-5608/2018 vom
19. Dezember 2019 E. 7.2.4).
Damit hat das SEM den Vollzug der Wegweisung zutreffenderweise als so-
wohl im Sinne der flüchtlingsrechtlichen als auch der menschenrechtlichen
Bestimmungen für zulässig erachtet.
10.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für ausländische Perso-
nen unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
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Seite 18
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-
gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren.
10.5.1 Zu Recht hält das SEM fest, dass die Konfliktlage im Irak sich durch
eine grosse Volatilität und Dynamik auszeichne, womit allgemeine Aussa-
gen zur Sicherheits- und Menschenrechtslage rasch ihre Gültigkeit verlie-
ren könnten. Dabei verweist das SEM auf die Situation im kurdischen Nord-
irak bis zum Verfügungszeitpunkt und die entsprechende bundesverwal-
tungsgerichtliche Rechtsprechung. Auch unter Berücksichtigung der aktu-
ellen Spannungen zwischen der KDP und PKK sowie den türkischen Of-
fensiven (vgl. oben E. 7.2.1) hält die Einschätzung, in der kurdischen Nord-
irak herrsche keine Situation allgemeiner Gewalt, zum jetzigen Zeitpunkt
stand.
10.5.2 Im Einklang mit der Wegweisungspraxis des Bundesverwaltungs-
gerichts sowie diverser EU-Staaten ist davon auszugehen, dass der Weg-
weisungsvollzug in die Region Kurdistan-Irak dann zumutbar ist, wenn die
betreffenden Personen ursprünglich aus der Region stammen oder eine
längere Zeit dort gelebt haben und über ein soziales Netz (Familie, Ver-
wandtschaft oder Bekanntenkreis) oder aber über Beziehungen zu den
herrschenden Parteien verfügen (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5, insbesondere
E. 7.5.1 und 7.5.8, Referenzurteil des BVGer E-3737/2015 vom 14. De-
zember 2015 E. 7.3 und 7.4; vgl. auch beispielsweise Urteil
E-3323/2020 vom 27. Juli 2020 E. 8.3.3). Diese Einschätzung hat grund-
sätzlich nach wie vor Gültigkeit, wobei den begünstigenden individuellen
Faktoren – insbesondere denjenigen eines tragfähigen familiären Bezie-
hungsnetzes – angesichts der Belastung der behördlichen Infrastrukturen
durch im Irak intern Vertriebene ("Internally Displaced Persons" [IDPs]) be-
sonderes Gewicht beizumessen ist (vgl. etwa Urteil des BVGer
E-7215/2018 vom 12. Dezember 2019 E. 7.1 m.w.H.).
10.5.3 Zutreffend weist das SEM darauf hin, dass beim Beschwerdeführer
individuelle begünstigende Faktoren vorliegen. Der kurdische Beschwer-
deführer stammt aus der Provinz Erbil. Das grosse familiäre Beziehungs-
netz des Beschwerdeführers umfasst beide Elternteile, (...) Schwestern
sowie (...) Onkel väter- und mütterlicherseits und (...) Tanten mütterlicher-
seits. Trotz der Landesabwesenheit von 18 Jahren pflegte der Beschwer-
deführer weiterhin regelmässig Kontakt zu seinen Familienangehörigen
(vgl. A26 F40 ff.). Als gesunder Mann mittleren Alters mit Abschluss [der
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Seite 19
Schule] wird der Beschwerdeführer in der Lage sein, mit Hilfe seines fami-
liären Umfelds auch beruflich Fuss zu fassen und seine wirtschaftliche
Existenz mittelfristig zu sichern, selbst wenn er nicht auf seinen Berufser-
fahrungen als (...) oder (...) aufbauen könnte (A26 F55 ff. und A264 F152;
A1 S. 3).
10.5.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
10.6 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer über eine Identitätskarte.
Im Übrigen obliegt es ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimat-
staates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen
(vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug
der Wegweisung ist daher auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2
AIG). Von einer Unmöglichkeit des Vollzugs ist zum jetzigen Zeitpunkt auch
nicht wegen der Corona-Pandemie auszugehen. Gemäss Praxis des Bun-
desverwaltungsgerichts ist eine Unmöglichkeit des Vollzugs erst dann an-
zunehmen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als auch ein zwangs-
weiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlichkeit nach für die Dauer
von mindestens einem Jahr als undurchführbar erweisen (vgl. Urteil des
BVGer E-7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2 m.w.H.). In Anbetracht der
derzeitigen Entwicklung der Pandemie ergeben sich hierfür noch keine Hin-
weise. Der aktuellen Situation kann indessen im Rahmen der Ansetzung
der Ausreisefrist Rechnung getragen werden.
10.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm indes mit Zwischenver-
fügung vom 31. Mai 2018 die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden und nicht von einer Veränderung der
finanziellen Verhältnisse auszugehen ist, sind keine Verfahrenskosten zu
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erheben (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
12.2 Die Rechtsvertreterin wurde zudem mit Zwischenverfügung vom
31. Mai 2018 durch das Bundesverwaltungsgericht als amtliche Beiständin
eingesetzt und hatte bereits mit Eingabe vom 22. Mai 2018 den dafür fest-
gelegten Stundenansatz von Fr. 200.– bis 220.– akzeptiert. In der am
23. Oktober 2020 eingereichten Kostennote führt sie einen Aufwand von
19.08 Stunden auf für die Ausarbeitung der 18-seitigen Beschwerde, der
Eingabe vom 22. Mai 2018 (2 Seiten), der Replik (6 Seiten) und der Ein-
gabe vom 23. Oktober (3 Seiten). Soweit auch Zeitaufwand für die Einrei-
chung zweier Fristerstreckungsgesuche ausgewiesen wird, ist dieser pra-
xisgemäss nicht zu entschädigen. Der geltend gemachte Zeitaufwand er-
scheint nicht vollumfänglich angemessen und ist daher auf 14,5 Stunden
zu kürzen (Art. 9 und 10 Abs. 1 VGKE). Unter Berücksichtigung der Ausla-
gen von Fr. 373.60 (inkl. Dolmetscherkosten, Porto und Kopien) ist der
Rechtsvertreterin eine Entschädigung für die amtliche Vertretung im Um-
fang von Fr. 3'838.– auszurichten (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne
von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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