Decision ID: 7889e778-0388-5a37-bffb-9d8fbf8d1fff
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Monika Paminger Müller, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1974 geborene K._ war unregelmässig bei der A._ als Aushilfe/Aufstecker
tätig und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert,
als er am 19. November 2004 auf der Autobahn als Lenker eines Personenwagens in
einen Verkehrsunfall mit mehreren Kollisionen verwickelt wurde (Suva-act. 1 und 9). Bei
der am Unfalltag durchgeführten Untersuchung im Spital Rorschach wurde ein
Schleudertrauma der HWS diagnostiziert. Des Weiteren ergab der Befund einen
Muskelhartspann in der Schulterregion und eine Abschürfung an der Oberlippe. Zudem
beklagte sich der Versicherte über Kopfschmerzen und Spontan- bzw.
Druckschmerzen im Nacken- und Schulterbereich sowie über Schmerzen im Bereich
des Unter- bzw. Oberkiefers und der Nase. In der radiologischen Untersuchung der
HWS und des Schädels waren keine Hinweise auf Frakturen erkennbar (Suva-act. 2.1).
Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, bestätigte am 22. November 2004 die
Diagnose einer Distorsion der HWS. Vom 21. März bis 15. April 2005 erfolgte ein
stationärer Aufenthalt in der Klinik Gais. Im Austrittsbericht vom 28. April 2005 (Suva-
act. 45) wurden eine posttraumatische Belastungsstörung, eine schwere depressive
Episode, ein HWS-Beschleunigungstrauma mit zerviko-thorakovertebralem Syndrom
und eine Adipositas diagnostiziert. Nach einer Untersuchung in der Rheinburg-Klinik,
St. Gallen, wurden die Diagnosen einer mittelgradigen neuropsychologischen
Funktionsstörung unklarer Genese, eines chronifizierten zervikozephalen Syndroms bei
HWS-Distorsion, einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer depressiven
Verstimmung erhoben (Suva-act. 55 und 56). Ein von der MEDAS Basel erstelltes
Gutachten vom 13. September 2006 (Suva-act. 106) ergab die Diagnosen einer
mittelgradigen depressiven Episode, einer teilremittierten posttraumatischen
Belastungsstörung, einer mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörung,
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eines chronischen zervikovertebralen Schmerzsyndroms mit diffusen muskulären
Verspannungen und Dolenzen im Schultergürtelbereich und entlang der Linea nuchalis
mit occipitalen Kopfschmerzen, bei Fehlform der oberen Wirbelsäule mit Hyperlordose
der HWS und Kopfpropulsionshaltung, bei radiologisch unauffälligen Verhältnissen und
ohne Anhaltspunkte für ein zervikales radikuläres oder sensibles Reiz- oder
Ausfallssyndrom sowie einer morbiden Adipositas. Die Suva erbrachte für den Unfall
vom 19. November 2004 die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilkosten- und
Taggeldleistungen).
A.b Mit Verfügung vom 23. Januar 2007 (Suva-act. 115) eröffnete die Suva dem
Versicherten, dass die heutigen Beschwerden organisch nicht mehr hinreichend als
Folge des Unfalls vom 19. November 2004 nachweisbar seien. Die
Versicherungsleistungen würden deshalb per 31. Januar 2007 eingestellt. Mangels
adäquater Unfallfolgen bestehe auch kein Anspruch auf weitere Geldleistungen der
Suva in der Form einer Invalidenrente und/oder einer Integritätsentschädigung. Die
gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Suva mit Einsprache-Entscheid
vom 11. Mai 2007 (Suva-act. 120) ab.
B.
B.a Gegen diesen Einsprache-Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Josef
Jacober, St. Gallen, im Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 13. Juni
2007 mit den Anträgen, der Einsprache-Entscheid vom 11. Mai 2007 und die Verfügung
vom 23. Januar 2007 seien aufzuheben, dem Beschwerdeführer seien die
Versicherungsleistungen (Taggelder und Heilungskosten) nach UVG auch über den
1. Februar 2007 hinaus auszurichten und es sei ihm eine Nachfrist bis 5. Juli 2007
einzuräumen, um einen Bericht von Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Medizin
FMH, einzureichen; eventualiter sei ein ergänzendes Gutachten einzuholen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Für die
Durchführung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sei dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den unterzeichnenden Rechtsanwalt zu
bewilligen. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, dass der
Beschwerdeführer nicht nur unter psychischen Beeinträchtigungen bzw. Störungen
leide, die organisch nicht hinreichend nachweisbar seien, sondern es seien gemäss
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MEDAS-Gutachten auch organische Befunde feststellbar. Wegen der anhaltenden
Nackenschmerzen sei der Beschwerdeführer heute noch bei Dr. C._ in Behandlung
und nehme mehrere schmerzstillende Medikamente ein. Die rein somatischen
Beschwerden würden im Vergleich zu den psychischen Beschwerden nicht ganz in den
Hintergrund treten, weshalb bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs
auf die Praxis gemäss BGE 117 V 359 abzustellen sei. Es seien bei der Beurteilung der
Adäquanz mehrere Kriterien erfüllt, da sich der Unfall unter dramatischen
Begleitumständen ereignet habe, der Beschwerdeführer seit dem Unfall an
körperlichen Dauerschmerzen leide, für eine Tätigkeit im angestammten Beruf eine
100%ige und im geschützten Rahmen für eine einfachere, strukturierte Tätigkeit eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe und der Beschwerdeführer heute noch bei Dr.
C._ in Behandlung und somit eine lange Dauer der Behandlung ausgewiesen sei.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 18. Juli 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des Einsprache-Entscheids vom 11. Mai
2007. Entgegen den Ausführungen im angefochtenen Einsprache-Entscheid vertrete
man die Auffassung, dass die Adäquanz nach BGE 115 V 133 und nicht nach BGE 117
V 359 zu prüfen sei. Ein organisches Substrat im Sinn unfallkausaler struktureller
Veränderungen habe nie objektiviert werden können. Bloss klinisch feststellbare
Symptome wie Muskelverspannungen, Myogelosen und Bewegungseinschränkungen
würden gemäss Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts keine
Beeinträchtigungen mit objektivierbarem organischen Substrat darstellen. Es könne
nicht vom Bestand eines Schleudertraumas im Sinn von BGE 117 V 360 ausgegangen
werden, weil das typische Beschwerdebild nicht in der erforderlichen Ausprägung
vorliege und damit eine Adäquanzprüfung nach BGE 117 V 359 entfalle. Sodann
schliesse die dominante Rolle der psychischen Störungen eine Adäquanzprüfung nach
BGE 117 V 359 ebenfalls aus. Beim Unfall vom 19. November 2004 handle es sich
höchstens um einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Fällen, da
sich die kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderungen durchwegs im
Harmlosigkeitsbereich bewegt hätten. Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen
den psychisch bedingten Beschwerden und dem Unfall vom 19. November 2004 sei
klarerweise nicht gegeben, da kein einziges Kriterium erfüllt sei.
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B.c Mit Replik vom 26. September 2007 hielt die neu mandatierte Rechtanwältin
Monika Paminger Müller, St. Gallen, im Namen des Beschwerdeführers an den
gestellten Anträgen fest.
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob nach dem 31. Januar 2007 noch natürliche und adäquate
Unfallfolgen vorliegen und demnach eine weitere Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin besteht.
2.
2.1 Gemäss ständiger Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) kann ein nach einem
versicherten Unfall aufgetretenes Leiden nur dann als dessen Folge betrachtet werden,
wenn und soweit es sicher oder doch zumindest überwiegend wahrscheinlich von
jenem Unfall herrührt (natürliche Kausalität; BGE 115 V 133 und 399 sowie 117 V 359
und 369). Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 119 V 338 und 118 V 289). Der Unfallversicherer
haftet sodann nur für jene Folgen, die mit dem Unfall adäquat-kausal
zusammenhängen, wobei für die Adäquanz nicht die subjektive, sondern die objektive
Voraussehbarkeit des eingetretenen Erfolgs entscheidend ist (SVR 2000 UV Nr. 14
S. 45). Adäquat ist der Kausalzusammenhang dann, wenn ein Ereignis geeignet ist, den
eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass an andere Ursachen vernünftigerweise nicht
zu denken ist (BGE 117 V 359 und 112 V 30). Während es Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht,
die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III
110 Erw. 3a).
2.2 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren
strukturellen Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit Bild gebenden
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Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 Erw. 5b/bb, 123 V 102 Erw. 3b, 118 V 291 Erw. 3a, 117 V 365 Erw. 5d/bb
mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung
der adäquaten Kausalität, können doch gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss
auch psychisch ausgelöst werden. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist
zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma
erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140
Erw. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass eine versicherte
Person eine Schleudertraumaverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 Erw. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 Erw. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b festgelegten Kriterien (BGE
127 V 103 Erw. 5b/bb). Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten
Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die
psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den
organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind,
ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 Erw. 3b).
3.
Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die vom Beschwerdeführer über den
31. Januar 2007 hinaus geklagten Beschwerden nicht mit klar ausgewiesenen
organischen Befunden im Sinn nachweisbarer struktureller Veränderungen erklärbar
sind. Die am Unfalltag im Spital Rorschach durchgeführte radiologische Untersuchung
der HWS und des Schädels ergab keine Hinweise auf Frakturen. Die festgestellten
Druckdolenzen im Nacken- und Schulterbereich sowie die Bewegungseinschränkung
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der HWS stellen praxisgemäss kein klar fassbares, organisches Substrat dar (vgl.
Urteile des EVG vom 3. August 2005 [U 9/05] i/S M., Erw. 4 und vom 23. November
2004 [U 109/04] i/S B., Erw. 2.2). Die diagnostizierte Fehlform der oberen Wirbelsäule
mit Hyperlordose der HWS und Kopfpropulsionshaltung ist gemäss MEDAS-Gutachten
unfallfremd und somit auf degenerative Ursachen zurückzuführen.
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleuderverletzungen sowie bei äquivalenten Distorsionen der HWS (vgl. dazu RKUV
1999 Nr. 341 S. 408 Erw. 3b), d.h. bei so genannten Beschleunigungsverletzungen der
HWS, auch ohne nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre
nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der
Umstand, dass die für ein Schleudertrauma oder eine Distorsion der HWS typischen
Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen,
Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 359 E. 5d/aa). Die
Beschwerdegegnerin führt in der Beschwerdeantwort aus, dass nicht vom Bestand
eines Schleudertraumas im Sinn von BGE 117 V 360 ausgegangen werden könne, weil
das typische Beschwerdebild nicht in der erforderlichen Ausprägung vorliege. Den
medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass im Kurzaustrittsbericht des Kantonalen
Spitals Rorschach vom 22. November 2004 (Suva-act. 2.1) nach einer Untersuchung
am Unfalltag ein Schleudertrauma der HWS diagnostiziert wurde. Dr. B._ bestätigte
am 22. November 2004 eine Distorsion der oberen HWS. Gemäss biomechanischer
Beurteilung vom 14. Februar 2006 (Suva-act. 88) konnten die Belastungen von vier
Zusammenstössen berechnet werden. Die Rekonstruktion des Unfallereignisses ergab
quantifizierte Belastungen von drei Frontstössen und einem Seitenstoss. Die Werte der
kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderungen betrugen für die drei Frontstösse
4-10km/h (Kollision mit VW Golf), 10-20km/h (Kollision mit der Leitplanke) und
10-20km/h (Kollision mit Renault). Die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung für
den Seitenstoss (rechts) betrug 8-16 km/h. Bei frontalen Kollisionen ergebe sich in
Bezug auf die HWS grundsätzlich ein günstigerer Bewegungsablauf und eine prinzipiell
geringere HWS-Belastung als bei Heckkollisionen. Aus biomechanischer Sicht ergebe
sich aufgrund der technischen Unfallanalyse und der medizinischen Unterlagen, dass
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die anschliessend an das Ereignis beim Beschwerdeführer festgestellten, von der HWS
ausgehenden Beschwerden und Befunde durch die Kollisionseinwirkung infolge der
drei Frontstösse in einem Normalfall nicht erklärbar seien. Eine gewisse Erklärbarkeit
ergebe sich allenfalls infolge der möglichen Belastung durch den Seitenstoss. Dass
dieser Seitenstoss nach zwei, an und für sich einzeln genommen "harmlosen"
Frontstössen, erfolgt sei, lasse die Beschwerden und Befunde bis zu einem gewissen
Grad besser erklären, wenn davon ausgegangen werde, dass die zwei frontalen Stösse
zu einer gewissen out-of-position-Situation geführt haben. Aufgrund der
biomechanischen Beurteilung kann vorliegend nicht von einem klassischen
Schleudertrauma nach einem Auffahrunfall ausgegangen werden. Gemäss den
hinreichend dokumentierten medizinischen Akten sowie mit Blick auf den speziellen
Unfallmechanismus vom 19. November 2004 - vierfache Kollision - ist jedoch mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
eine Beschleunigungsverletzung der HWS erlitten hat.
4.2 Ist ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS diagnostiziert
und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit,
Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 Erw. 4b; vgl. auch
BGE 117 V 369 Erw. 3e). Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichts
(Urteile vom 30. Januar 2007 [U 215/05] i/S T. und vom 15. März 2007 [U 258/06] i/S
G.) muss bei einer HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild mit einer Häufung
von Beschwerden nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis
höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in
diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS manifestieren
(RKUV 2000 Nr. 359 S. 29 Erw. 5e). Die andern im Rahmen eines Schleudertraumas
oder einer HWS-Distorsion typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich
jedoch immerhin in einem Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein
eines natürlichen Kausalzusammenhangs auszugehen.
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4.3 Beim Beschwerdeführer sind laut Bericht des Spitals Rorschach vom 22.
November 2004 innerhalb der erforderlichen Latenzzeit Kopfschmerzen und Spontan-
bzw. Druckschmerzen im Nacken- und Schulterbereich aufgetreten. Den medizinischen
Berichten ist sodann zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer über
Schlafstörungen, Angstzustände, Übererregbarkeit, Wesensveränderungen,
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, starke Müdigkeit, Affektlabilität,
Wutzustände, Nervosität, Depressionen und Visusstörungen beklagte (Suva-act. 19,
27, 45, 55, 64, 106). Insgesamt kann angesichts dieser Aktenlage vom Auftreten eines
typischen bunten Beschwerdebilds mit einer Häufung von Beschwerden gesprochen
werden, das als natürlich-kausale Unfallfolge eines HWS-Traumas zu betrachten ist.
Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin einen diesbezüglichen Leistungsanspruch
des Beschwerdeführers bis am 31. Januar 2007 auch anerkannt.
5.
5.1 Wenn die Beschwerdegegnerin nun geltend macht, ab 1. Februar 2007 seien keine
Unfallfolgen mehr vorhanden, so ist darauf hinzuweisen, dass die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst entfällt, wenn das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Da es sich dabei um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der
versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw.
2 mit Hinweisen). Dabei muss nicht etwa der Beweis für unfallfremde Ursachen
erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ob es
Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder degenerative Veränderungen sind, ist
unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der Unfallversicherer bei einmal bejahter
Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde Ursachen nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte
Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also
dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 Erw. 3b). Ebenso wenig geht es
darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder dass die versicherte Person nun bei voller
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Gesundheit sei (Urteile des EVG vom 18. Dezember 2003 [U 258/02] i/S Z., 25. Oktober
2002 [U 143/02] i/S L. und vom 31. August 2001 [U 285/00] i/S O.).
5.2 Bei der Prüfung der natürlichen Kausalität ist zu beachten, dass es auch im Bereich
von schleudertraumatypischen Beschwerden für die Leistungsberechtigung gegenüber
dem Unfallversicherer erforderlich ist, dass die geklagten Beschwerden medizinisch
einer fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und
dass diese Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem
ursächlichen (natürlichen) Zusammenhang mit dem versicherten Unfall steht (BGE 119
V 341 Erw. 2b/bb). Wie bereits erwähnt, spricht die mangelnde Objektivierbarkeit der
typischen Beschwerden einer Beschleunigungsverletzung der HWS mittels Bild
gebender Untersuchungsmethoden noch nicht gegen das Bestehen einer solchen
(BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa). Insofern kommt bei einem Schleudertrauma sowie
äquivalenten Verletzungen der HWS den klinischen Untersuchungsergebnissen eine
massgebende Bedeutung zu. Zu beachten sind bei der Prüfung der natürlichen
Kausalität zwischen einer Beschleunigungsverletzung der HWS ohne organisch klar
ausgewiesene Gesundheitsschädigungen und dem sich manifestierenden
Beschwerdekomplex die Schwierigkeiten, die sich aus dem Umstand ergeben, dass
letzterer mitunter noch andere Ursachen haben kann, was aber nicht von vornherein
zur Verneinung der natürlichen Kausalität führen darf, da der Unfall als eine Teilursache
für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt (BGE 119 V 341 Erw.
2b/bb).
5.3 Die im Rahmen des MEDAS-Gutachtens (Suva-act. 106) durchgeführte
rheumatologische Untersuchung ergab den klinischen Befund einer inkonstanten
Einschränkung der HWS-Beweglichkeit im oberen wie unteren Anteil mit muskulären
Verspannungen, Gegeninnervationen und intensiven Dolenzen der Muskulatur auf
Palpation. Abgelenkt bestehe globalrotativ eine vollständig freie HWS-Beweglichkeit.
Das Beschwerdebild dürfe durch muskuläre Überlastungssymptome bei konstitutionell
ungünstiger Statik und wahrscheinlicher Muskeldekonditionierung bei gleichzeitig
massivem Übergewicht und entsprechend erhöhten Anforderungen an den muskulären
Apparat unterhalten werden und zu weniger als 50% unfallkausal sein. Durch das
Unfallereignis sei es vermutlich zu mikroläsionellen, radiomorphologisch nicht
darstellbaren HWS-Veränderungen im Weichteilbereich gekommen mit konsekutiv
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reflektorischen Überlastungen der Muskulatur, aber dann auch durch die folgende
Dekonditionierung zu chronifizierenden fehlhaltungsbedingten
Überlastungssymptomen im Nackenbereich. Direkte organläsionelle Unfallfolgen seien
nicht feststellbar, die beschriebene muskuläre Überlastungssymptomatik sei allenfalls
zu Teilen als indirekte Unfallfolge zu diskutieren. Mittelfristig könnten sich
muskelkräftigende Massnahmen im Bereich der Rumpf- und Nackenmuskulatur mit
Haltungsverbesserung symptomatisch günstig auswirken. Dem neurologischen
Fachgutachten vom 17. Mai 2006 ist die Diagnose eines leichtgradigen
Zervikalsyndroms zu entnehmen. Als Hauptbeschwerden bezeichne der
Beschwerdeführer chronische Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Hinterkopf
sowie in die proximale Schultermuskulatur beidseits. Bei der Palpation der Nacken-/
Schultergürtelmuskulatur hätten bilateral diskrete Myogelosen sowie eine
mässiggradige Druckdolenz erhoben werden können. Im neuropsychologischen
Gutachten wurde eine mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung
diagnostiziert. Im Vordergrund der Behandlung solle die Fortführung der
Psychotherapie zur Behandlung der depressiven Episode sowie der posttraumatischen
Belastungsstörung stehen. Die Offenlegung des Traumas und die Anerkennung als
Opfer stellten wichtige Faktoren für die Genesung dar. Da die posttraumatische
Belastungsstörung unter der bisherigen psychotherapeutischen Behandlung teilweise
remittiert sei, scheine die Prognose bei einer Fortführung der Behandlung prinzipiell
günstig. Gemäss psychiatrischem Gutachten vom 18. Mai 2006 zeige sich ein
mittelgradig depressives Syndrom sowie eine posttraumatische Belastungsstörung. Die
Fortführung der ambulanten psychotherapeutischen Behandlung solle in ausreichend
hochfrequenter Form weitergeführt werden. Organischer Genese seien die
Beschwerden bezüglich nuchaler und Schultergürtelschmerzen, indem sich dort
inkonstante muskuläre Gegeninnervationen bei rotativen Bewegungen finden würden
und indem palpatorisch eine diffuse stark muskuläre Dolenz im Schultergürtelbereich
bestehe. Der Unfall habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die muskuloskelettären
Beschwerden ausgelöst. Insgesamt sei davon auszugehen, dass die derzeitigen
muskuloskelettalen Beschwerden höchstens wahrscheinlich unfallkausal bedingt seien.
Das aktuell bestehende depressive Syndrom könne als überwiegend wahrscheinliche
Folge der unfallbedingten HWS-Distorsion und des dadurch bedingten zervikozephalen
Syndroms angesehen werden. Die posttraumatische Belastungsstörung sei mit
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überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen. Mit einer weiteren
psychischen Stabilisierung und Remission des depressiven Zustandsbildes als auch
einer Remission der posttraumatischen Belastungsstörung könne aufgrund des
bisherigen Verlaufs und der suboptimalen Behandlung (Medikamenten-non-
Compliance) gerechnet werden. Eine diesbezügliche Besserung sei in ca. sechs bis
zwölf Monaten zu erwarten. Die psychischen Beschwerden seien therapierbar und es
solle in Zukunft wieder eine gewisse Arbeitsfähigkeit für leichtere Tätigkeiten erreicht
werden. Aus muskuloskelettärer Sicht seien intermittierend physiotherapeutische und
muskeldetonisierende sowie pharmakologische Massnahmen notwendig, um den
aktuellen Gesundheitszustand zu erhalten.
5.4 Die obigen Erwägungen belegen gewisse fortdauernde auffällige Befunde, die sich
beim Beschwerdeführer somatisch bemerkbar gemacht haben. Bei der gegebenen
Aktenlage, insbesondere aufgrund des schlüssigen und hinreichend begründeten
MEDAS-Gutachtens, ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan, dass im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine Folgen der Beschleunigungsverletzung vom
19. November 2004 mehr vorlagen, die mindestens teilkausal für die Beschwerden des
Beschwerdeführers verantwortlich waren. Sodann ist dem MEDAS-Gutachten zu
entnehmen, dass die rein somatischen Beschwerden im Vergleich zu den psychischen
Beschwerden nicht ganz in den Hintergrund getreten sind. Die Adäquanzprüfung wäre
dementsprechend nach der sogenannten Schleudertrauma-Praxis gemäss BGE 117 V
359 durchzuführen, bei welcher auf eine Differenzierung zwischen physischen und
psychischen Komponenten verzichtet wird. Nachdem von den vorgeschlagenen
Behandlungsmassnahmen - insbesondere der Weiterführung der
psychotherapeutischen Behandlung - eine weitere Besserung des
Gesundheitszustands und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist, war die
Leistungseinstellung im zu beurteilenden Zeitpunkt nicht gerechtfertigt. Diesbezüglich
ist zu beachten, dass die Frage der Adäquanz erst nach Abschluss des normalen,
unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses geprüft werden kann, und nicht solange
von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch immer eine namhafte Besserung
erwartet werden kann (Urteil vom 11. Februar 2004 U 246/03).
5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Dahinfallen der natürlichen Kausalität
zwischen dem Unfall und den über den 31. Januar 2007 hinaus geklagten
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Beschwerden nicht rechtsgenüglich dargetan ist. Die Einstellung der Leistungen
erweist sich damit als ungerechtfertigt, zumal die Behandlungen der unfallkausalen
Beschwerden noch nicht abgeschlossen waren und von den medizinischen
Massnahmen eine erhebliche Besserung des Gesundheitszustandes und eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden konnte.
6.
Dem Eventualbegehren, es sei ein ergänzendes Gutachten einzuholen, ist nicht
stattzugeben. Da nicht anzunehmen ist, dass weitere medizinische Abklärungen für die
Beurteilung des vorliegend relevanten Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen, kann
darauf verzichtet werden (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b;
Pra 88 Nr. 117; SVR-UV 1996 Nr. 62.211).
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einsprache-Entscheids vom 11. Mai 2007 gutzuheissen und die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer über den 31. Januar 2007
hinaus die gesetzlichen Leistungen für den am 19. November 2004 erlittenen Unfall
auszurichten. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat
der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung für die
Kosten der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung
der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierigkeit des Prozesses rechtfertigt es
sich, diese auf pauschal Fr. 4'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzulegen. Die bewilligte unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird bei diesem
Prozessausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht