Decision ID: c61b0ae7-dae4-454a-963d-577a821d1770
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B._ beantragte im März 2019 die Abgabe eines Rollstuhls durch die AHV (AK-
act. 9). Sie gab an, sie leide an einer Apoplexie, die zu einer Hemiplegie geführt habe.
Sie lebe im Wohn- und Pflegeheim C._. Der Allgemeinmediziner Dr. med. D._ hatte
bescheinigt, dass die Versicherte nach einem ischämischen Hirninfarkt im Januar 2019
an einem brachiofascialen Hemisyndrom links leide und deshalb eine Rollstuhl-
Spezialversorgung benötige, weil sie nicht mehr frei sitzen könne und weil zudem eine
akute Dekubitusgefährdung bestehe. Im Auftrag der Ausgleichskasse teilte die SAHB
am 18. März 2019 mit (AK-act. 13), sie habe bei einer Abklärung im Altersheim
festgestellt, dass die Versicherte nicht eine Spezialversorgung, sondern einen
Pflegerollstuhl benötige. Die SAHB dürfe keinen Pflegerollstuhl abgeben, weshalb sich
die Versicherte selbst einen solchen anschaffen müsse. Mit einer Verfügung vom 21.
März 2019 wies die Ausgleichskasse das Leistungsbegehren ab (AK-act. 15). Mit einem
Entscheid vom 18. Mai 2020 wies sie eine Einsprache der zwischenzeitlich, am 4. März
2020, verstorbenen Versicherten (vgl. AK-act. 47) gegen jene Verfügung ab (AK-act.
52). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hob diesen Einspracheentscheid
mit einem Urteil vom 25. Februar 2021 (AHV-H 2020/2) auf; es wies die Sache zur
Vervollständigung der Sachverhaltsabklärung an die Ausgleichskasse zurück (vgl. AK-
act. 61).
A.a.
Auf eine Rückfrage der Ausgleichskasse hin (vgl. AK-act. 63) reichte der Sohn der
Versicherten am 4. März 2021 eine Rechnung vom 4. März 2019 für einen
„Pflegerollstuhl Solero light“, für eine „Solero Begleitpersonenbremse“, für eine „Solero
Beinstütze“ und für ein Sitzkissen inklusive Lieferpauschale über insgesamt 4’386.95
Franken ein (AK-act. 64). Bei einer telefonischen Rückfrage beim Wohn- und
Pflegeheim C._ erfuhr die Ausgleichskasse (AK-act. 77), dass die Versicherte immobil
und nicht in der Lage gewesen sei, sich selbständig im Rollstuhl fortzubewegen. Der
A.b.
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Rollstuhl sei vom Pflegepersonal als Pflegerollstuhl verwendet worden. Das Heim hätte
einen Standard-Rollstuhl zur Verfügung gestellt, aber die Angehörigen der Versicherten
hätten sich entschieden, einen Pflegerollstuhl anzuschaffen, der der Versicherten eine
bessere Haltung geboten habe. Ungefähr ein Jahr nach dem Tod der Versicherten (also
wohl zu Beginn des Jahres 2021) hatte der Sohn der Versicherten dem Heim den
Rollstuhl verkauft. Der zuständige Sachbearbeiter der SAHB teilte am 5. März 2021 mit
(AK-act. 66), die Versicherte habe einen Rollstuhl mit einem verstellbaren Rücken- und
Sitzbereich gewünscht, weshalb nur ein Pflegerollstuhl in Frage gekommen sei. Ein
solcher Rollstuhl könne gemäss der Rz. 2022 des Kreisschreibens über die Abgabe
von Hilfsmitteln durch die Altersversicherung (KSHA) nicht von der AHV abgegeben
werden, weshalb man der Versicherten damals mitgeteilt habe, sie müsse sich einen
solchen Rollstuhl selber anschaffen oder vom Heim zur Verfügung stellen lassen. Mit
einer Verfügung vom 9. März 2021 wies die Ausgleichskasse das Begehren um die
Abgabe eines Pflegerollstuhls ab (AK-act. 67).
Am 8. April 2021 erhob der Sohn der Versicherten eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 9. März 2021 (AK-act. 68). Er machte geltend, der Sachverhalt sei nach
wie vor nicht ausreichend abgeklärt. Zudem habe das Versicherungsgericht in seinem
Urteil auf grundlegende Unstimmigkeiten im Hilfsmittelrecht der AHV hingewiesen, auf
die die Ausgleichskasse bislang nicht eingegangen sei. Aus der Bezeichnung im
Kaufvertrag könne nicht direkt abgeleitet werden, dass sich die Versicherte einen
Pflegerollstuhl angeschafft habe. Die Frage, welche Rollstühle zur Grundausrüstung in
Pflegeheimen gehörten, sei bislang noch nicht beantwortet. Der ehemalige Hausarzt
Dr. D._ respektive dessen Nachfolger müsse sich zur Frage nach der medizinisch
begründeten Notwendigkeit des angeschafften Rollstuhls äussern. Die SAHB habe
ihren Auftrag nicht ordentlich erfüllt, denn das Versicherungsgericht habe eine
schriftliche Stellungnahme der SAHB gefordert. Mit einem Entscheid vom 6. Juli 2021
wies die Ausgleichskasse die Einsprache ab (AK-act. 78). Zur Begründung führte sie
an, ein Anspruch auf die Pauschale für eine Spezialversorgung gemäss der Ziff. 9.51
Anh. HVA bestehe nur, wenn die Fortbewegung mit einem einfachen Rollstuhl nicht
möglich sei und wenn zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllt sei: Körpergewicht
über 120 Kilogramm, Körpergrösse über 185 Zentimeter oder weniger als 150
Zentimeter, Unmöglichkeit, frei zu sitzen, Hemiplegie, Tetraplegie, Amputation oder
A.c.
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B.
Kontrakturen. Diese Voraussetzungen seien vorliegend nicht erfüllt gewesen. Die
Angaben der SAHB belegten mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit, dass die Versicherte einen Pflegerollstuhl benötigt habe. Diese
Angaben seien von zwei Mitarbeitern des Heims ausdrücklich bestätigt worden.
Am 1. September 2021 (Datum der Postaufgabe) erhob der Sohn der Versicherten
(nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 6. Juli 2021 (act. G 1). Er beantragte sinngemäss die
Vergütung der Kosten des von der Versicherten angeschafften Rollstuhls und
eventualiter die weitere Abklärung des Sachverhaltes. Zur Begründung führte er aus, es
sei nicht einzusehen, dass die einzige bei den Akten liegende medizinische
Stellungnahme – jene von Dr. D._ – einfach so ignoriert werde. Diese Stellungnahme
könne nicht mit einer nicht-medizinischen Begründung beiseite gewischt werden.
Genau das habe die Ausgleichskasse (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) aber
getan, indem sie auf die Stellungnahme der SAHB und auf von ihr selbst ausformulierte
rechtliche Überlegungen statt auf die Stellungnahme von Dr. D._ abgestellt habe.
Noch immer habe die Beschwerdegegnerin keine schriftliche Stellungnahme der SAHB
und des Heims eingeholt, obwohl sie vom Versicherungsgericht dazu verpflichtet
worden sei.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. Oktober 2021 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
B.b.
Am 23. November 2021 ersuchte das Versicherungsgericht das Bundesamt für
Sozialversicherungen, eine für hilfsmitteltechnische Laien verständliche Definition der
Begriffe „Pflegerollstuhl“ und „Spezialversorgung“ zu liefern, da das KSHA keine solche
Definition enthalte (act. G 5). Das Bundesamt für Sozialversicherungen teilte am 10.
Dezember 2021 mit (act. G 6), die Spezialversorgung dürfe nicht mit dem
„Spezialrollstuhl“ als eigene Rollstuhlkategorie im entsprechenden Tarif verwechselt
werden. Ein Anspruch auf eine Spezialversorgung bestehe, wenn eine der in der Rz.
2020 KSHA genannten Voraussetzungen erfüllt sei und wenn die Fortbewegung mit
einer einfachen Rollstuhlversorgung nicht möglich sei. Eine Spezialversorgung bedinge
B.c.
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Erwägungen
1.
Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung des angefochtenen Einsprache
entscheides auf dessen Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des
Einspracheverfahrens entsprechen. Auch das Einspracheverfahren ist ein
Rechtsmittelverfahren gewesen. Sein Zweck hat sich also in der Überprüfung der
vorangegangenen Verfügung auf deren Rechtmässigkeit erschöpft, weshalb sein
Gegenstand zwingend jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens
entsprochen hat. Wie das Versicherungsgericht bereits in seinem Rückweisungsurteil
AHV-H 2020/2 vom 25. Februar 2021 (E. 1) ausführlich dargelegt hat, ist es für die
Definition des Verwaltungsverfahrensgegenstandes irrelevant gewesen, ob das
Begehren der Versicherten auf die Abgabe eines geeigneten Rollstuhls als Sachleistung
(vgl. Art. 43 AHVG, Art. 66 Abs. 2 AHVV und Art. 21 Abs. 3 IVG) oder – im Zuge
der sogenannten „Austauschbefugnis“ – auf eine ersatzweise Geldzahlung abgezielt
hat, weil sich der Wechsel vom Begehren um die Abgabe eines Rollstuhls zum
Begehren um eine den zwischenzeitlich angeschafften Rollstuhl rückfinanzierende
Geldzahlung nur auf der Vollzugsebene abgespielt hat, was für die Beurteilung des
materiellen Anspruchs, um den es hier geht, nicht relevant ist. Damit bildet nur die
Frage, ob die Versicherte gegenüber der Beschwerdegegnerin einen materiellen
Anspruch auf eine Rollstuhlversorgung gemäss der Ziff. 9.51 Anh. HVA gehabt hat, den
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens. Auf die Frage nach dem Vollzug eines
solchen Anspruchs ist hier folglich nicht weiter einzugehen, weshalb es für dieses
Verfahren auch nicht relevant ist, dass das Heim den Rollstuhl dem Beschwerdeführer
abgekauft hat.
durch die Einschränkungen der versicherten Person etwas komplexere Anpassungen
am Rollstuhl selbst, weshalb in diesen Fällen oft nicht mit einem Basisrollstuhl versorgt
werden könne respektive ein „Adaptivrollstuhl“ abgegeben werden müsse.
Pflegerollstühle gehörten zum notwendigen Inventar eines Pflegeheims; sie seien „zur
zweckmässigen Pflege beziehungsweise Mobilisierung unabdingbar“; „ein
Pflegerollstuhl entspricht von der Ausstattung her einem Spezialrollstuhl“; er komme
„bei erheblich eingeschränkten Personen, die eher passiv sind und mobilisiert werden
sollen, zum Einsatz“.
Die Parteien verzichteten auf eine Stellungnahme zu dieser Amtsauskunft.B.d.
quater ter
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2.
Weder der Art. 43 AHVG noch der Art. 66 AHVV, die HVA oder die gemäss dem
Art. 66 Abs. 2 AHVV anwendbaren Art. 14 f. IVV sehen eine Einschränkung des
Anspruchs einer versicherten Person auf einen Rollstuhl für den Fall vor, dass diese
sich in einem Heim aufhält. Die Rz. 2021–2023 KSHA, wonach eine versicherte Person,
die in einem Heim lebt, generell keinen Anspruch auf einen (einfachen) Rollstuhl oder
auf einen Pflegerollstuhl haben kann, können sich folglich nicht auf eine gesetzliche
Grundlage stützen, weshalb sie als gesetzwidrig zu qualifizieren und bei der
gerichtlichen Rechtsanwendung zu ignorieren sind. Eine Einschränkung des Anspruchs
einer versicherten Person auf einen Rollstuhl kann nur dann in Frage kommen, wenn
die Rollstuhlversorgung im konkreten Einzelfall durch das Heim selbst gewährleistet ist,
das heisst, wenn das Heim einen geeigneten Rollstuhl aus dem eigenen Inventar zur
Verfügung stellt respektive wenn es – gesetzlich oder vertraglich – verpflichtet ist, für
eine geeignete Rollstuhlversorgung der Heimbewohner zu sorgen (vgl. zum Ganzen das
Urteil AHV-H 2020/2 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 25. Februar 2021, E.
2.1). Die Leiterin des Bereichs Betreuung und Pflege jenes Heims, in dem die
Versicherte zuletzt gelebt hatte, hat am 1. Juli 2021 schriftlich erklärt, dass das Heim
den Bewohnern lediglich Standard-Rollstühle zur Verfügung stelle; wer einen
„Spezialwunsch“ habe, müsse die entsprechenden Kosten selbst tragen (AK-act. 77–
1). Die Versicherte ist gemäss der Bescheinigung von Dr. D._ nicht mehr in der Lage
gewesen, frei zu sitzen. Sie hat gemäss den Ausführungen vom 5. März 2021 des
zuständigen Sachbearbeiters der SAHB, der ursprünglich einen Augenschein im
Pflegeheim durchgeführt hatte (vgl. AK-act. 13), einen Rollstuhl mit einem verstellbaren
Rücken- und Sitzteil benötigt (AK-act. 66). Zudem hat gemäss Dr. D._ eine akute
Dekubitusgefährdung bestanden. Die vom Heim effektiv zur Verfügung gestellten
Rollstühle haben diesen Anforderungen nicht genügt. Eine vertragliche oder gar
gesetzliche Verpflichtung des Heims, den Heimbewohnern „Spezialrollstühle“ oder
„Adaptivrollstühle“ (vgl. die Kategorien im entsprechenden Tarifvertrag) abzugeben, hat
nicht bestanden. Das bedeutet, dass keine Gefahr einer „doppelten“
Hilfsmittelversorgung – einmal durch das Heim und einmal durch die
Invalidenversicherung – bestanden hat. Nur die Vermeidung einer Überentschädigung
in der Form einer Doppelversorgung hätte es aber erlaubt, das Hilfsmittelbegehren der
Versicherten abzuweisen, da die massgebenden Gesetzes- und
Verordnungsbestimmungen, wie einleitend dargelegt, keine Grundlage für die in den
Verwaltungsweisungen vorgesehene Einschränkung des Hilfsmittelanspruchs für
Heimbewohner enthalten. Die Verweigerung einer pauschalen Kostenbeteiligung an
einen Rollstuhl erweist sich damit als rechtswidrig.
quater ter
ter bis
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3.
Die Ziff. 9.51 Anh. HVA erlaubt nur eine pauschale Kostenbeteiligung an einen Rollstuhl
im Umfang von 900 Franken oder – bei einer Spezialversorgung – von 1’840 Franken
(respektive von 2’200 Franken, wenn zusätzlich ein Antidekubituskissen benötigt wird,
was hier aber nicht der Fall gewesen ist; vgl. AK-act. 64–3). Für den SAHB-
Sachbearbeiter scheint es zwar klar gewesen zu sein, dass der von der Versicherten
benötigte Rollstuhl mit einem verstellbaren Rücken- und Sitzteil ein Pflegerollstuhl und
nicht ein Rollstuhl im Sinne einer Spezialversorgung gewesen ist, aber aus der Sicht
eines hilfsmitteltechnischen Laien lässt sich diese Schlussfolgerung mangels einer
verständlichen und überzeugenden Begründung nicht nachvollziehen. Gemäss der Rz.
2022 KSHA besteht nämlich ein Anspruch auf eine Spezialversorgung, wenn die
versicherte Person sich mit einem einfachen Rollstuhl nicht mehr fortbewegen kann
und wenn sie – beispielsweise mangels einer ausreichenden Rumpfkontrolle – nicht
mehr frei sitzen kann. Die Versicherte ist augenscheinlich nicht mehr in der Lage
gewesen, sich mit einem einfachen Rollstuhl fortzubewegen. Die „Spezialausführung“
des Rollstuhls (Sitz- und Rückenverstellung) ist notwendig gewesen, um ihr den
notwendigen Halt zu verschaffen, was auch Dr. D._ bestätigt hat. Das Bundesamt für
Sozialversicherungen hat in seiner Stellungnahme vom 10. Dezember 2021 ausgeführt,
dass eine Spezialversorgung notwendig sei, wenn die Voraussetzungen der Rz. 2020
KSHA erfüllt seien beziehungsweise wenn die Einschränkungen der versicherten
Person „etwas komplexere Anpassungen am Rollstuhl selbst“ erforderten. Die
Versicherte hat nicht nur die Voraussetzungen der Rz. 2020 KSHA erfüllt, sondern sie
hat auch einen Rollstuhl benötigt, der mehr auf sie angepasst hat sein müssen als die
vom Heim zur Verfügung gestellten Rollstühle. Das Bundesamt für
Sozialversicherungen hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei einem
Pflegerollstuhl – im Gegensatz zu einem Adaptivrollstuhl im Sinne einer
Spezialversorgung – um einen Spezialrollstuhl im Sinne der entsprechenden Kategorie
des Tarifvertrages, das heisst um einen gepolsterten Rollstuhl mit einer Kopfstütze
handle, bei dem der Sitz-, der Rücken- und der Beinwinkel verstellt werden könne. Ein
solcher Pflegerollstuhl komme zwecks Mobilisierung zum Einsatz, wenn eine
versicherte Person erheblich eingeschränkt und „eher passiv“ sei. Pflegerollstühle
gehörten „zum notwendigen Inventar eines Pflegeheims“. Der entscheidende
Unterschied zwischen einem Pflegerollstuhl (Spezialrollstuhl) und einer
Spezialversorgung (Adaptivrollstuhl) besteht also darin, dass ein Pflegerollstuhl – immer
– vom Heim zur Verfügung gestellt wird. Massgebend dürfte dabei wohl der
„Anpassungsbedarf“ sein: Ein Pflegerollstuhl muss zwar – wie eine Spezialversorgung –
individuell anpassbar sein, aber nur in einem geringfügigen Ausmass, sodass ein und
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derselbe Pflegerollstuhl auf die allermeisten Heimbewohner angepasst werden kann;
ein Rollstuhl im Sinne einer Spezialversorgung benötigt dagegen „etwas komplexere“
Anpassungen, sodass er nicht ohne weiteres von mehreren Personen benutzt werden
kann. Aufgrund der Akten steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass die Versicherte einen Rollstuhl benötigt hat, der
individueller als die vom Heim zur Verfügung gestellten Pflegerollstühle auf sie hat
zugeschnitten sein müssen. Beim von ihr angeschafften Rollstuhl hat es sich also um
eine Spezialversorgung gehandelt, denn ansonsten wäre ihr der von ihr benötigte
Rollstuhl ja gemäss den Ausführungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom
Heim zur Verfügung gestellt worden. Damit hat ein Anspruch auf die höhere Pauschale
bestanden. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer folglich die von der
Ziff. 9.51 Anh. HVA vorgesehene Pauschale von 1’840 Franken für eine
Spezialversorgung auszurichten.
4.
Gerichtskosten sind nicht zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).