Decision ID: 43648bd7-58e0-4eac-bbd5-ec53cab58ca2
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 29. November 2018 (DG180004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 22. Dezember
2017 (Urk. 73) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 31
Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV und
− der Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz im Sinne von Art. 87
Abs. 1 lit. a HMG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 2 lit. a HMG und Art. 36
Abs. 1 AMBV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 15 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer
Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird bedingt aufgeschoben und die Probezeit
auf 2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 7'504.00 Auslagen im Vorverfahren (Gutachten)
Fr. 42.80 Entschädigung Zeuge
Fr. 1'366.00 Ergänzung des Gutachtens
Fr. 13'269.85 Kosten der amtlichen Verteidigung (inkl. Fr. 427.20 Barauslagen und MwSt.)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermäs-
sigt sich die Gerichtsgebühr auf zwei Drittel.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genom-
men. Vorbehalten bleibt das Nachforderungsrecht gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 112 S. 28)
1. Das Urteil vom 29. November 2018 sei aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei bezüglich dem Vorwurf der qualifizierten groben
Verletzung der Verkehrsregeln von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Bezüglich dem Vorwurf der Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz
sei das Verfahren einzustellen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:
(Prot. II S. 16)
Das Urteil der Vorinstanz sei vollumfänglich zu bestätigen.
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Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens und Prozessuales
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 29. November 2018 wurde der Be-
schuldigte der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG und
Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV sowie der Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz im
Sinne von Art. 87 Abs. 1 lit. a HMG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 2 lit. a HMG
und Art. 36 Abs. 1 AMBV schuldig gesprochen und mit einer bedingten Freiheits-
strafe von 15 Monaten, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, sowie ei-
ner Busse von Fr. 500.– bestraft. Für den Fall des schuldhaften Nichtbezahlens
der Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen festgelegt (Urk. 105
S. 13 f.).
Gegen das Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 6. Dezember 2018 Be-
rufung anmelden (Urk. 95). Mit Eingabe vom 16. April 2019 reichte die amtliche
Verteidigung fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 106). Der Beschuldigte
ficht das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an und beantragt einen Freispruch
vom Vorwurf der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln sowie eine
Einstellung des Verfahrens betreffend den Vorwurf der Widerhandlung gegen das
Heilmittelgesetz (Urk. 106; Urk. 112 S. 28). Mit Präsidialverfügung vom 27. Mai
2019 wurde die Berufungserklärung des Beschuldigten der Staatsanwaltschaft
zugestellt und Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag an-
gesetzt (Urk. 108). Die Staatsanwaltschaft liess sich nicht vernehmen.
Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des
angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem das ge-
samte Urteil angefochten ist, ist keine der vorinstanzlichen Anordnungen in
Rechtskraft erwachsen.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der Widerhandlung gegen das Heilmittelge-
setz gemäss Art. 87 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 20 Abs. 2 lit. a HMG und
Art. 36 Abs. 1 AMBV schuldig gesprochen (Urk. 105 S. 13). Da der Beschuldigte
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nicht gewerbsmässig Medikamente eingeführt hat, handelt es sich bei der Wider-
handlung gegen Art. 87 Abs. 1 lit. a HMG nur um eine Übertretung, wofür die Ver-
jährungsfrist gemäss Art. 87 Abs. 5 HMG fünf Jahre beträgt. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, dass er diese Medikamente schon
lange importiert habe. Dies sei sicher 4 bis 5 Jahre vor der Sicherstellung gewe-
sen. Er wisse es jetzt nicht mehr (Prot. II S. 10). Die Frage, ob es irgendwelche
Unterlagen zu dieser Bestellung gebe, verneinte der Beschuldigte (Prot. II S. 10).
Die Anklageschrift vom 22. Dezember 2017 (Urk. 18 S. 3) hält nicht fest, wann der
Beschuldigte diese Medikamente eingeführt haben soll. Da gemäss Art. 87 Abs. 1
lit. a HMG nicht der Besitz dieser Medikamente, sondern deren Einfuhr strafbar ist
und der Beschuldigte zu Protokoll gegeben hat, dass er diese ungefähr 5 Jahre
vor der Sicherstellung eingeführt habe, der genaue Zeitpunkt der Einfuhr damit in
Übereinstimmung mit der Verteidigung (Urk. 112 S. 27) unklar ist, ist zu seinen
Gunsten davon auszugehen, dass die Verjährung bereits eingetreten ist. Dement-
sprechend ist das Verfahren betreffend Widerhandlung gegen das Heilmittelge-
setz einzustellen.
Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte die Staatsanwaltschaft die Beweisan-
träge, es sei Dr. B._ als Sachverständiger zu befragen, sodass er die aufge-
worfenen Fragen und Zweifel allenfalls ausräumen könne, und falls in Bezug auf
das Ein- und Ausschalten des ESP bzw. des "Dynamic Mode" irgendwelche Zwei-
fel vorhanden sein sollten, also im Zusammenhang mit der Frage, ob dies jedes
Mal aktiviert werden müsse, sei von der Firma BMW ein technischer Experte als
Zeuge zu befragen. Falls aufgrund der Ausführungen des Gutachters noch immer
gewisse Restzweifel vorhanden sein sollten, stellte die Staatsanwaltschaft einen
weiteren Antrag, dass mit einem Versuch, also einem Beschleunigungsmanöver,
darzulegen sei, dass die Räder nicht durchdrehen würden. Dies könne mit einem
Fahrversuch auf dem Flugplatz demonstriert werden (Prot. II S. 14 f.). Die Vertei-
digung stellte keine Beweisanträge, machte allerdings geltend, dass sie die Be-
weisanträge der Staatsanwaltschaft unterstützen würde, da offensichtlich Zweifel
vorhanden seien (Prot. II S. 15). Auf die Beweisanträge ist im Rahmen der Sach-
verhaltserstellung einzugehen (vgl. nachfolgend, Erw. II.2.4.3.).
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II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
In der Anklageschrift vom 22. Dezember 2017 wird zusammengefasst festgehal-
ten, dass der Beschuldigte am 20. September 2015, um ca. 21.20 Uhr, als Lenker
des Personenwagens der Marke BMW M6 über die Einfahrt Bubikon auf die Au-
tobahn A53 in Richtung Hinwil habe auffahren wollen, wobei er das "Dynamische
Stabilitäts Control (DSP)" wissentlich entweder ganz ausgeschaltet oder den für
die Rennstrecke bestimmten "M Dynamic Mode (MDM)" aktiviert habe. Gleichzei-
tig habe C._ seinen Personenwagen der Marke VW Sharan mit 115 km/h auf
dem rechten Fahrstreifen der Autobahn in Richtung Hinwil gelenkt. Der Beschul-
digte habe dann, als er auf dem Beschleunigungsstreifen 4 Meter seitlich versetzt
hinter C._ gewesen sei, mit seinem Hochleistungsfahrzeug bei einer Aus-
gangsgeschwindigkeit von 130 km/h mit fast voll oder voll durchgetretenem Gas-
pedal beschleunigt. Da er das Stabilitätsprogramm ESP ausgeschalten gehabt
habe, hätten in der Folge ein oder zwei Hinterräder durchgedreht, und das Fahr-
zeug sei ins Schleudern geraten. Weil der Beschuldigte nicht über das nötige
Fahrkönnen verfügt habe, um ohne Hilfe des Stabilitätsprogrammes ein derart
extrem stark motorisiertes Auto sehr nahe an der physikalischen Limite zu be-
schleunigen, habe er die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren, dieses sei nach
links geraten und habe schleudernd mit 100 km/h das Heck des VW Sharan seit-
lich rechts getroffen, weshalb dieses Auto ebenfalls ins Schleudern geraten, um-
gekippt, und auf dem Dach ungefähr 100 m in Richtung Hinwil gerutscht sei.
C._ habe bei dieser Kollision ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule und
in der Folge eine posttraumatische Belastungsstörung, eine schwere depressive
Episode und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung erlitten. Hätte der
Beschuldigte nicht rennsportmässig beschleunigt, hätte er nicht die Herrschaft
über sein Auto verloren, und es wäre nicht zum Unfall sowie den Verletzungen
von C._ gekommen. Der Beschuldigte habe gewusst, dass als Folge seiner
Fahrweise die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todes-
opfern stark erhöht gewesen sei (Urk. 73 S. 2 f., Dossier 1).
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2. Sachverhaltserstellung Dossier 1
2.1. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestreitet die Kollision mit dem Fahrzeug von C._ nicht,
sondern lediglich die Gründe, weshalb es zu dieser gekommen ist. So führte er
dazu aus, dass er sein Fahrzeug auf dem Beschleunigungsstreifen von seiner
Geschwindigkeit von 100 km/h auf die zulässige Geschwindigkeit von 120 km/h
beschleunigt habe. Als er dann auf die Normalspur habe wechseln wollen, sei von
hinten plötzlich ein schwarzes Auto aufgetaucht, weshalb er, um eine Kollision zu
vermeiden, stark nach rechts gelenkt habe. Aus diesem Grund sei sein Fahrzeug
ins Schleudern geraten, was zur Kollision mit dem VW Sharan von C._ ge-
führt habe. Zuvor habe er weder das DSP ausgeschaltet noch den M-Dynamic
Mode (MDM) aktiviert. Die Kollision gehe einzig auf ein notwendiges Ausweich-
manöver und nicht auf die Beschleunigung seines Fahrzeuges zurück (Urk. 6
S. 1; Urk. 49 S. 3; Prot. I S. 10 ff.; Prot. II S. 10 ff.).
Zu prüfen ist daher, ob sich der bestrittene Sachverhaltsteil anhand der nachfol-
gend darzulegenden Beweismittel erstellen lässt, wobei sich die urteilende In-
stanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes
einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (Urteil des Bundesgerichtes
6B_170/2011 vom 10. November 2011, E. 1.2).
2.2. Übersicht Beweismittel
Für die Erstellung des Sachverhaltes liegen als Beweismittel das Gutachten der
D._ vom 3. April 2017 (Urk. 34), als Ergänzung dazu die Gutachten vom
21. Mai, 15. August und zwei vom 8. September 2017 (Urk. 38; Urk. 45; Urk. 48;
Urk. 86), die Plan- und Fotodokumentation der Kantonspolizei Zürich (Urk. 56;
Urk. 57), das Schreiben der BMW Group Switzerland vom 15. Juni 2018 (Urk. 85),
der Rapport der Kantonspolizei Zürich vom 4. November 2015 (Urk. 1), die Aus-
sagen des Beschuldigten (Urk. 6; Urk. 46; Urk. 49; Prot. I S. 9 ff. und S. 36 f.;
Prot. II S. 10 ff.) sowie diejenigen der Zeugen E._ (Urk. 1 S. 7; Urk. 50),
F._ (Urk. 1 S. 6 f.; Urk. 51) und G._ (Urk. 7; Urk. 52) vor.
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Auf die Aussagen von C._ (Urk. 10), H._ (Urk. 13), I._ (Urk. 16)
und J._ (Urk. 17) darf zulasten des Beschuldigten nicht abgestellt werden, da
dieser mit deren Aussagen nicht konfrontiert wurde und er auch nicht die Möglich-
keit hatte, allfällige Ergänzungsfragen zu stellen (vgl. Art. 146 Abs. 2 StPO und
Art. 147 StPO). Darauf wies auch die Verteidigung zutreffend hin (Prot. I S. 25).
Die Vorinstanz stützte sich bei der Sachverhaltserstellung allerdings auch nicht
auf diese Aussagen, sodass sich weitergehende Erwägungen dazu erübrigen.
Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass die Aussagen des Beschuldigten
und der Zeugen ungenau sind und Wahrnehmungs- oder Erinnerungsfehler nicht
ausgeschlossen werden können (Urk. 105 S. 6), was bei der Aussagenwürdigung
entsprechend zu berücksichtigen ist. Da sich der Sachverhalt, wie nachfolgend zu
zeigen ist (Erw. II.2.4.3. f.), bereits gestützt auf die objektiven Beweismittel – ins-
besondere die Gutachten der D._ (Urk. 34; Urk. 38; Urk. 45; Urk. 48; Urk. 86)
– erstellen lässt und insbesondere die Zeugen nur beschränkt oder keine sach-
dienlichen Aussagen dazu machen konnten, weshalb es zur Kollision zwischen
dem BMW des Beschuldigten und dem VW Sharan von C._ gekommen war,
sind ihre Aussagen nur kurz zu würdigen (nachfolgend Erw. II.2.3.3. und
Erw. II.2.4.3.).
2.3. Beweismittel im Einzelnen
2.3.1. Gutachten der D._
2.3.1.1. Gutachten vom 3. April 2017 (Urk. 34)
Aus dem Gutachten geht hervor, dass der BMW des Beschuldigten am Beginn
der Spuren eine Geschwindigkeit von etwa 130 km/h hatte, infolge des Schleu-
derns Geschwindigkeit abgebaut und bei der Kollision mit dem VW Sharan von
C._ etwa 100 km/h erreicht hatte. Zur Unfallursache hält der Gutachter fest,
dass der Beschuldigte auf einer weitgehend geraden Strecke ins Schleudern ge-
raten ist. Ein solcher Fahrzustand mit dessen Fahrzeug könne auch bei Vollgas
mit eingeschaltetem DSC (Dynamische Stabilitäts Control) nicht eintreten. Mög-
lich sei dies aber, wenn zusätzlich MDM (M Dynamic Mode) eingeschaltet sei.
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Dann könnten ein oder zwei Hinterräder bei fast voll oder voll durchgetretenem
Gaspedal durchdrehen. Das Fahrzeug könne dann ins Schleudern kommen,
wenn der Fahrer keine ausreichende Erfahrung habe (Urk. 34 S. 11).
Im Gutachten wird zur Erläuterung von DSC und MDM auf die M6-Betriebs-
anleitung Bezug genommen. Gemäss dieser optimiert DSC die Fahrstabilität und
die Traktion, erkennt darüber hinaus instabile Fahrzustände wie Unter- oder
Übersteuern und hilft, das Fahrzeug durch Reduzierung der Motorleistung und
durch Bremseingriffe an den Rädern innerhalb der physikalischen Grenzen auf si-
cherem Kurs zu halten. DSC ist nach jedem Motorstart in Bereitschaft. MDM ist
ein auf die Rennstrecke abgestimmter Modus der DSC und erlaubt auf trockener
Fahrbahn ein Fahren mit höchstmöglicher Längs- und Querbeschleunigung, je-
doch mit eingeschränkter Fahrstabilität. Erst im absoluten Grenzbereich greift das
System durch Bremseingriffe an den Rädern stabilisierend ein, sodass in diesem
Fahrzustand Lenkkorrekturen des Fahrers erforderlich sein können. MDM ist nach
jedem Motorstart abgeschaltet (Urk. 34 S. 11).
Aus dem Gutachten geht weiter hervor, dass der Beginn der Reifenspur vom Hin-
terrad rechts des BMW des Beschuldigten stammt und der Spurencharakter zei-
ge, dass es sich anfänglich um ein Durchdrehen des Rades beim Beschleunigen
handle (Urk. 34 S. 12). Von den technischen Möglichkeiten her werde die Be-
schleunigung bei Beginn des Durchdrehens des rechten Hinterrades (bei ca.
130 km/h) bei mindestens 4.5 m/s2 gelegen haben, wobei die maximal mögliche
Beschleunigung bei 5m/s2 liege (Urk. 34 S. 14. f.).
Insgesamt kommt der Gutachter zum Schluss, dass der Beschuldigte auf der Auf-
fahrt zur Autobahn A53 bei etwa 130 km/h sehr stark beschleunigt und weil er bei
den Fahrstabilitätsregelsystemen mindestens MDM gewählt habe, sein Fahrzeug
ins Schleudern geraten sei. Dabei habe sich die Geschwindigkeit auf etwa
100 km/h reduziert, und mit dieser Geschwindigkeit sei die rechte Front des BMW
des Beschuldigten mit der hinteren rechten Seite des mit etwa 115 km/h fahren-
den VW Sharan von C._ kollidiert (Urk. 34 S. 1).
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2.3.1.2. Gutachten vom 21. Mai 2017 (Urk. 38)
Zur Ergänzungsfrage der Staatsanwaltschaft, wie hoch bei Vollbeschleunigung
am Ende des Beschleunigungsstreifens die Geschwindigkeit des BMW des Be-
schuldigten und dessen Abstand zum VW Sharan von C._ beim Einbiegen
vor diesem gewesen wäre, hält der Gutachter fest, dass der BMW bei Beschleu-
nigungsbeginn 4 m gegenüber der Front des VW Sharan zurückgelegen sei, der
BMW bei seiner Länge von 4.871 m gegenüber dem VW Sharan somit 9 m hätte
aufholen müssen, um vor ihm einscheren zu können, wobei nach 137 m die Diffe-
renzstrecke 26,5 m betragen hätte, sodass der BMW mit dem Heck 17,5 m vor
der Front des VW Sharan gewesen wäre und problemlos hätte einscheren kön-
nen. Am Ende des Beschleunigungsstreifens wäre der Abstand dann 33.65 m
gewesen (Urk. 38 S. 4).
Der Gutachter hält zudem erneut fest, dass der Beschuldigte mit seinem Fahr-
zeug nicht ins Schleudern geraten wäre und trotzdem voll beschleunigen hätte
können, wenn er die Fahrdynamik-Regelsysteme nicht deaktiviert hätte (Urk. 38
S. 3).
2.3.1.3. Gutachten vom 8. September 2017 (Urk. 48)
Aufgrund der Stellungnahme der amtlichen Verteidigung vom 22. Juni 2017
(Urk. 43) zum Gutachten vom 3. April 2017 (Urk. 34) hält der Gutachter ergän-
zend fest, dass sich aus den von der Polizei gesicherten Spuren eine Fahrge-
schwindigkeit des BMW des Beschuldigten bei Beginn der Spur von etwa
130 km/h berechnen lasse. Diese Spuren seien objektive Merkmale und die zu-
gehörigen Berechnungen seit Jahren immer wieder durch Nachrechnung von
Versuchen verifiziert worden. Diese hätten sich als zuverlässig erwiesen. Das
Fahrstabilitätsregelsystem habe das Schleudern nicht abfangen können. Nach-
dem der BMW ins Schleudern geraten sei, habe MDM auf die Berechnung der
Geschwindigkeit des BMW kaum noch Einfluss gehabt, ansonsten sich die be-
rechnete Geschwindigkeit erhöhen würde (Urk. 48 S. 2). Die Auswertung der Spu-
ren des BMW ergebe eine höhere Geschwindigkeit als die vom Beschuldigten
behaupteten 100 km/h. Durch ein Ausweichmanöver könne ein BMW M6 nur
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dann ins Schleudern geraten, wenn das für den öffentlichen Verkehr vorgesehene
Fahrstabilitätssystem nicht aktiviert sei (Urk. 48 S. 3).
Die Verteidigung brachte weiter vor, die Zeugin E._ hätte ausgesagt, dass
100 m vor ihnen ein dunkles Sportfahrzeug gefahren sei. Dieses Auto und das
vom Beschleunigungsstreifen kommende Auto des Beschuldigten seien sich sehr
nahe gekommen, sodass beide Autos entsprechend ausgewichen seien. Der vor
ihnen fahrende schwarze Sportwagen habe sich dann um 180 Grad gedreht, wo-
rauf der Fahrer gewendet und unter Vollgas die Unfallstelle verlassen habe, so-
dass die Reifen geraucht hätten. Dazu hielt der Gutachter fest, dass es deutliche
schwarze Reifenspuren erzeugt hätte, wenn sich das von der Zeugin erwähnte
Fahrzeug um 180 Grad gedreht hätte und nicht dasjenige Fahrzeug des Beschul-
digten gewesen sei. Auf den durchgängig vorhandenen Fotos der Polizei seien
aber keine solchen Spuren zu sehen (Urk. 48 S. 3 f.).
2.3.1.4. Gutachten vom 8. September 2017 (Urk. 86)
Der Gutachter hält aufgrund der Zusatzfragen der Vorderrichter erneut ergänzend
fest, dass der BMW des Beschuldigten vor der Kollision mit dem VW Sharan von
C._ und später mit den Mittelleitplanken ins Schleudern geraten sei. Ein Pw
oder auch grössere Fahrzeuge könnten bei Bogenfahrten, meist beim Einfahren
in Kurven, ins Schleudern geraten, was der Normalfall sei, wobei zunächst dünne
Spuren vom kurvenäusseren Vorderrad entstehen würden. Mit zunehmender
Drehung des Pw und zunehmendem Schwimmwinkel würden breitere Spuren
entstehen. Im vorliegenden Fall setze eine Reifenspur vom rechten Hinterrad ein,
welche ungefähr der Breite des Hinterreifens entspreche. In der Folge sei der Pw
sehr rasch in eine starke Rotation geraten. Als Gründe, die dafür sprechen, dass
es beim BMW des Beschuldigten zu einem Schleudern infolge Durchdrehens ei-
nes Hinterrades gekommen sei, führt der Gutachter aus, dass der BMW ausser-
gewöhnlich rasch ins Schleudern gekommen sei, obwohl keine Kurve vorhanden
gewesen sei, in der beispielsweise die Grenzgeschwindigkeit hätte überschritten
werden können, sodass es zu einem Schleudern des BMW hätte kommen kön-
nen. Dass das rechte Hinterrad eine breite Reifenspur erzeugt habe, könne in
diesem Fall nur mit Durchdrehen des Rades erklärt werden, und wenn die "elekt-
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ronischen Helfer" eingeschaltet gewesen wären, hätte das Fahrzeug nicht ins
Schleudern geraten können (Urk. 86 S. 2 f.).
Auf die Frage, worin sich die Spur, die auf das Durchdrehen eines Rades beim
Beschleunigen zurückzuführen sei, von anderen Pneuabriebspuren unterscheide,
führt der Gutachter aus, dass die Spur vom rechten Hinterrad des BMW des Be-
schuldigten am Beginn keine Quermaserung, sondern allenfalls eine Längsmase-
rung aufweise. Die Spur sei am Beginn der Reifenspur bzw. am Beginn des
Schleudervorgangs so breit wie die Aufstandsfläche des Reifens (Urk. 86 S. 3).
Der Gutachter hält abschliessend fest, dass es für ihn eindeutig sei, dass der Be-
schuldigte den Schleuderschutz ausgeschaltet und stark bis voll beschleunigt ha-
be (Urk. 86 S. 4).
2.3.2. Aussagen des Beschuldigten
2.3.2.1. Polizeiliche Einvernahme vom 21. September 2015
Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 21. September 2015 führte der Be-
schuldigte aus, dass er zusammen mit seinem Bruder nach K._ gefahren sei.
Er sei dann mit ca. 100 km/h in L._ auf dem Beschleunigungsstreifen in die
Einfahrt der Autobahn A53 gefahren. Bevor er links auf den Normalstreifen habe
wechseln wollen, habe er nach links in den Rückspiegel geschaut und seinen
Kopf nach links gedreht. Vorne habe er den VW Sharan gesehen. Hinten habe er
kein Fahrzeug gesehen, respektive noch sehr weit entfernt. Er habe dann geblinkt
und auf den Normalstreifen einspuren wollen, als plötzlich ein anderes Fahrzeug
vom Überholstreifen mit überhöhter Geschwindigkeit gekommen sei und vom
Überholstreifen auf den Normalstreifen gewechselt habe. Dieses Fahrzeug habe
sich zwischen ihn und den VW Sharan gedrängt. Er sei dann erschrocken und
nach rechts ausgewichen, worauf sein Fahrzeug ins Schleudern geraten sei. An-
schliessend habe er wieder nach links eingelenkt. Er könne nicht mehr genau sa-
gen, ob er sich gedreht habe oder wie dies passiert sei, auf jeden Fall sei er mit
dem VW Sharan kollidiert und in die Mittelleitplanke gefahren, wo sein Fahrzeug
zum Stillstand gekommen sei (Urk. 6 S. 1). Er sei mit seinem Fahrzeug ins
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Schleudern gekommen, weil ihn das andere Fahrzeug, ein schwarzes Auto mit
einem Spoiler, abgedrängt habe (Urk. 6 S. 3).
Auf die Frage, ob es sein könne, dass er schon mit zu hoher Geschwindigkeit ge-
kommen sei und es ihn dadurch nach links gedriftet habe, sagte der Beschuldigte
aus, dass er sicher nicht gedriftet sei, vielleicht sei er etwas nach links gefahren
(Urk. 6 S. 4).
Auf die Frage, wie es solche Reifenabdruckspuren habe geben können, führte der
Beschuldigte aus, wenn er Vollgas gebe. Das sei für ihn, wenn er das Gaspedal
voll durchdrücke (Urk. 6 S. 5 f., Antw. auf Fragen 55 f.). Auf Vorhalt, dass er aber
ordentlich beschleunigt habe, wenn sein Fahrzeug 560 PS habe und er das Gas-
pedal mehr als die Hälfte durchgedrückt habe, sagte er aus, dies habe er ja tun
müssen, um auf 120 km/h zu kommen (Urk. 6 S. 6).
2.3.2.2. Staatsanwaltschaftliche Einvernahmen vom 29. August und 30. Novem-
ber 2017
Anlässlich dieser Einvernahmen hielt der Beschuldigte an seiner Sachverhalts-
darstellung fest. Ergänzend führte er aus, dass er nicht den Modus "M Dynamic
Mode (MDM)" gewählt habe, und auf die Frage, ob er wisse, wie der Modus ver-
ändert werde, sagte er aus, er habe es noch nie probiert. Er habe das "Dynami-
sche Stabilitäts Control (DSP)" nicht ausgeschaltet, und auf die Frage, ob er das
Gaspedal fast voll oder voll durchgetreten habe, sagte er aus, das könne er nicht
beantworten (Urk. 46 S. 2).
Weiter machte er erneut geltend, dass er mit einer ruckartigen Bewegung nach
rechts einem anderen Auto habe ausweichen müssen. Dadurch sei sein BMW ins
Schleudern geraten. Er habe nach links gelenkt und dann wisse er nur noch, dass
er in diesen VW Sharan hineingefahren sei. Auf die Frage, wie schnell er bei Ver-
lust der Herrschaft über das Fahrzeug gefahren sei, führte er aus, nicht schneller
als 100 km/h. Er sei mit 100 km/h auf der Einfahrt gewesen und nicht mit mehr
(Urk. 49 S. 3 f.).
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2.3.2.3. Befragung vor Vorinstanz
Vor Vorinstanz schilderte der Beschuldigte erneut seine Sachverhaltsdarstellung
und gab ergänzend zu Protokoll, er habe Gas geben müssen, um auf 120 km/h zu
kommen und auf die Autobahn einfahren zu können (Prot. I S. 11 f.). Auf entspre-
chende Frage bestätigte er, dass 4 m so ein kleiner Abstand sei und es deshalb
besser gewesen wäre, wenn er ein bisschen langsamer geworden wäre, damit er
problemlos hätte einfahren können (Prot. I S. 12). Auf Vorhalt, in den Akten stehe,
weil das Stabilitätsprogramm DSP ausgeschaltet gewesen sei, hätten in der Folge
eines oder zwei Hinterräder durchgedreht und deswegen sei sein Auto ins
Schleudern geraten, gab der Beschuldigte zu Protokoll, "nein, die Räder sind
nicht durchgedreht" (Prot. I S. 13).
Weiter führte der Beschuldigte aus, dass er den BMW in einer Garage in Basel
geleast und diesen erst seit zwei oder drei Wochen vor dem Unfall gehabt habe.
Vor dem Unfall sei er damit vielleicht 500 km bis 1'000 km gefahren. Er habe die-
sen BMW nicht täglich gebraucht, sondern nur am Wochenende, wenn überhaupt.
Dies sei sein erstes Auto in dieser Form gewesen. Sonst habe er immer einen
Golf 2 oder Golf 3 gehabt (Prot. II S. 15 ff.). Er habe sich vor dem Erwerb des
BMW eigentlich nicht über dessen Eigenschaften informiert. Er habe seine Infor-
mationen nur aus Zeitschriften, wie diese heissen, könne er aber nicht mehr sa-
gen. Diese habe er vom Kiosk. Dass sein BMW 560 PS habe, wisse er ebenfalls
aus der Zeitschrift (Prot. I S. 17).
2.3.2.4. Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung
Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte erneut an seiner
Sachverhaltsdarstellung fest, wonach er aufgrund eines Ausweichmanövers ins
Schleudern geraten sei. Zudem gab er in Abweichung zu seinen bisherigen Aus-
sagen zu Protokoll, dass er den VW Sharan gar nicht gesehen habe. Erst auf er-
neutes Nachfragen führte er aus, diesen erst gesehen zu haben, als er in diesen
hineingefahren sei (Prot. II S. 11).
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2.3.3. Aussagen der Zeugen
Weder E._ (Urk. 1 S. 7; Urk. 50) noch F._ (Urk. 1 S. 6; Urk. 51) oder
G._ (Urk. 7; Urk. 52) konnten sachdienliche Aussagen dazu machen, was die
Ursache für die Kollision zwischen dem BMW des Beschuldigten und dem VW
Sharan von C._ gewesen war.
E._ sagte gegenüber der Polizei aus, dass sie zusammen mit ihrem Freund
auf der Autobahn A53 auf der Normalspur mit ca. 100 km/h gefahren sei. Vor
ihnen sei ein dunkles Sportfahrzeug gewesen. Von der Einspurstrecke sei ein
dunkler Sportwagen gekommen, welcher vom Beschleunigungsstreifen auf den
Normalstreifen habe wechseln wollen. Dabei habe dieser dem vor ihnen fahren-
den dunklen Fahrzeug den Weg abgeschnitten, weshalb dieses nach links aus-
gewichen sei und das andere Fahrzeug, welches habe einspuren wollen, nach
rechts ausgewichen sei. Das Fahrzeug vor ihnen habe sich dann um 180 Grad
gedreht, weil diesem das Heck ausgebrochen sei. Dann sei es auf der Fahrbahn
still gestanden. Beim BMW habe sie nur noch einen Funkenwurf gesehen, und
dieser sei dann ebenfalls zum Stillstand gekommen. Dass der BMW noch in ein
anderes Fahrzeug gefahren sei, sei ihr nicht aufgefallen. Erst als sie angehalten
hätten, habe sie gesehen, dass weiter vorne noch ein Fahrzeug auf dem Dach
gelegen sei. Der Lenker des dunklen Sportwagens, welcher sich um 180 Grad
gedreht habe, habe dann sein Fahrzeug wieder gewendet, Vollgas gegeben und
sich von der Unfallstelle entfernt, wobei dessen Reifen geraucht hätten. Ob es
zwischen dem Sportwagen und dem BMW M6 eine Kollision gegeben habe, kön-
ne sie nicht sagen. Das andere Fahrzeug, welches sich von der Unfallstelle ent-
fernt habe, sei ein Sportwagen mit einem Heckspoiler gewesen (Urk. 1 S. 7).
Anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 30. November 2017 führte E._ zu
den Vorkommnissen vom 20. September 2015 aus, ein Auto habe geschleudert
und sich verdreht, dies sei der BMW gewesen, und dann habe es noch ein zwei-
tes Auto gehabt, welches auf ihrer Beifahrerseite gewesen sei. Das sei ein dunk-
les Fahrzeug mit Zürcher-Nummer und einem "grusigen" Heckspoiler gewesen.
Dieses Fahrzeug sei etwas schief gestanden, habe sich gerade stellen müssen
und sei dann weggefahren. Sie sei zuerst auf dasjenige Auto aufmerksam gewor-
- 16 -
den, welches ins Schleudern geraten sei, also den BMW, der danach einen Total-
schaden erlitten habe und bereits stillgestanden sei, als sie herangefahren seien.
Der andere sei ihr erst aufgefallen, als er schräg stand und dann weggefahren
sei. Sie habe dann noch gedacht, "hui, der fährt einfach weiter" (Urk. 50 S. 2 f.).
F._ sagte gegenüber der Polizei aus, dass er auf der Höhe der Einfahrt
L._ gesehen habe, wie sich zwei Fahrzeuge sehr nahe gekommen seien.
Dann sei es bereits zur Kollision gekommen. Wie die Kollision genau stattgefun-
den habe, könne er nicht sagen (Urk. 1 S. 6). Anlässlich seiner Zeugeneinver-
nahme vom 30. November 2017 konnte er ebenfalls keine weiteren sachverhalts-
relevanten Aussagen machen (Urk. 51).
G._, der Bruder des Beschuldigten und damaliger Beifahrer im BMW, sagte
anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 21. September 2015 aus, dass er
auf seinem Mobiltelefon herumgedrückt habe. Später habe sein Bruder das Auto
abrupt nach rechts gelenkt. Plötzlich sei das Heck ausgebrochen, sie hätten sich
einmal um die eigene Achse gedreht und seien mit einem Fahrzeug kollidiert.
Dann seien sie in die Leitplanke geprallt. Wie schnell sein Bruder in dem Bereich
gefahren sei, wo die Strasse ansteigend sei, könne er nicht sagen. Als die Stras-
se respektive der Beschleunigungsstreifen eben geworden sei, sei er etwa 100
km/h gefahren. Auf die Frage, was als nächstes geschehen sei, führte er aus, er
habe wieder auf sein Mobiltelefon gesehen, und plötzlich habe sein Bruder Sa-
chen gemacht. Zur Veranschaulichung habe G._ schnelle Lenkbewegungen
gezeigt, was so im Protokoll festhalten wurde (Urk. 7 S. 1 f.). G._ führte wei-
ter aus, dass sein Bruder irgendwie reagiert habe. Er habe sich dann einfach am
Türgriff festgehalten. Er wisse nicht, worauf sein Bruder reagiert habe, vielleicht
sei da irgendwo ein anderes Auto gewesen (Urk. 7 S. 2). Es sei alles ganz schnell
gegangen, er habe gar nicht alles realisiert (Urk. 7 S. 3). Anlässlich seiner Zeu-
geneinvernahme vom 30. November 2017 konnte G._ keine sachverhaltsre-
levanten Aussagen zum Unfallhergang respektive zur Unfallursache machen
(Urk. 52 S. 2 f.).
- 17 -
2.4. Beweiswürdigung
2.4.1. Allgemeine Grundsätze
Die für die Beweiswürdigung geltenden Grundsätze wurden von der Vorinstanz
zutreffend dargelegt. Es kann darauf verwiesen werden (Urk. 105 S. 5; Art. 82
Abs. 4 StPO). Ergänzend ist festzuhalten, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr Gewicht auf die
generelle Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaften per-
sonalen Eigenschaft gelegt wird, sondern diesem Gesichtspunkt kaum mehr rele-
vante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung ist die
Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische Analyse ihres
Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen
Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen
(BGE 133 I 33 E. 4.3).
2.4.2. Glaubwürdigkeit
Der Beschuldigte ist vom Strafverfahren direkt betroffen und hat deshalb ein legi-
times Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzu-
stellen, was dazu führt, dass seine Aussagen vor dem Hintergrund der Interes-
senlage zu würdigen sind. Es liegen aber keine Anhaltspunkte vor, die von vorn-
herein gegen seine Glaubwürdigkeit sprechen würden.
E._ und F._ kennen weder den Beschuldigten noch den Geschädigten
C._, und beide haben als Zeugen unter Hinweis auf die strenge Strafandro-
hung bei falscher Zeugenaussage gemäss Art. 307 StGB ausgesagt (Urk. 50 S. 1
f.; Urk. 51 S. 1 f.). Es besteht keine Veranlassung, an der Glaubwürdigkeit dieser
Zeugen zu zweifeln.
Auch G._ hat als Zeuge unter Hinweis auf die strenge Strafandrohung bei
falscher Zeugenaussage gemäss Art. 307 StGB ausgesagt (Urk. 52 S. 1). Er
kennt den Geschädigten C._ nicht, ist aber der Bruder des Beschuldigten
und war damals als Beifahrer im BMW des Beschuldigten von der Kollision mitbe-
- 18 -
troffen. Seinen Aussagen ist entsprechend mit einer gewissen Vorsicht zu begeg-
nen, es besteht aber keine Veranlassung, an seiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln.
2.4.3. Würdigung
Der Gutachter kommt zum Schluss, dass die von der Polizei gesicherten Reifen-
spuren auf der Einfahrspur (vgl. Urk. 57) vom BMW des Beschuldigten stammen
und eindeutig auf das Durchdrehen eines Hinterrades infolge starken bis vollen
Beschleunigens zurückzuführen sind (Urk. 34 S. 12.). Da die Spur vom rechten
Hinterrad des BMW des Beschuldigten am Beginn keine Quermaserung, sondern
allenfalls eine Längsmaserung aufweist, und die Spur am Beginn der Reifenspur
bzw. am Beginn des Schleudervorgangs so breit wie die Aufstandsfläche des Rei-
fens ist, sind gemäss Gutachter die Merkmale einer typischen Beschleunigungs-
spur gegeben (Urk. 86 S. 3). Aus dem Gutachten vom 3. April 2017 geht somit
klar hervor, dass der Beginn der Reifenspur vom rechten Hinterrad des BMW des
Beschuldigten stammt, und der Spurencharakter zeigt, dass es sich anfänglich
um ein Durchdrehen des Rades infolge Beschleunigens handelt (Urk. 34 S. 12).
Weiter kommt der Gutachter aufgrund der gesicherten Spuren bei seiner Berech-
nung auf eine Geschwindigkeit des BMW von 130 km/h bei Beginn der Spur, und
er hält fest, dass die Beschleunigung bei Beginn des Durchdrehens des rechten
Hinterrades bei der Geschwindigkeit von 130 km/h aufgrund der technischen
Möglichkeiten bei mindestens 4.5 m/s2 und damit fast bei einer maximalen Be-
schleunigung gelegen hat, welche 5 m/s2 beträgt (Urk. 34 S. 14 f.).
Zur Unfallursache hält der Gutachter fest, dass der Beschuldigte mit seinem
BMW auf einer weitgehend geraden Strecke ins Schleudern geraten ist, was
auch bei Vollgas mit eingeschaltetem DSC nicht eintreten könne, sondern möglich
sei, wenn zusätzlich der Modus MDM eingeschaltet worden sei. Dann könnten ein
oder zwei Hinterräder bei fast voll oder voll durchgetretenem Gaspedal durchdre-
hen, und das Fahrzeug könne ins Schleudern geraten, wenn der Fahrer keine
ausreichende Erfahrung habe (Urk. 34 S. 11). Da die gesicherten Spuren gemäss
Gutachter eindeutig vom Durchdrehen eines Hinterrades infolge starken bis vol-
len Beschleunigens verursacht worden sind, lässt dies nur den Schluss zu, dass
der DSC entweder ausgeschaltet oder der Modus MDM eingeschaltet wurde, zu-
- 19 -
mal gemäss M6-Betriebsanleitung der DSC nach jedem Motorstart in Bereitschaft
und der Modus MDM nach jedem Motorstart abgeschaltet ist (Urk. 34 S. 11), was
sich so auch aus dem Schreiben der BMW Group Switzerland vom 15. Juni 2018
ergibt. Darin wird festgehalten, dass der Modus MDM stets manuell aktiviert wer-
den müsse, was zu einer Deaktivierung von DSC führe (Urk. 85). Das Ausschal-
ten des DSC oder Einschalten des MDM muss somit manuell erfolgen, worauf
auch die Staatsanwaltschaft hingewiesen hat (Prot. I S. 28). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung führte die Staatsanwaltschaft zudem zu Recht aus, das DSC
müsse aus Sicherheitsgründen vom Autohersteller so konzipiert sein, dass es
immer eingeschaltet sei und vom Autolenker manuell ausgeschaltet werden müs-
se (Prot. II S. 19). Das starke Beschleunigen des BMW mit abgeschaltetem DSC
respektive eingeschaltetem MDM hat dann gemäss Gutachter dazu geführt, dass
der BMW des Beschuldigten ins Schleudern geraten ist (Urk. 38 S. 3).
Anhaltspunkte für einen technischen Defekt beim BMW des Beschuldigten im Zu-
sammenhang mit dem Fahrstabilitätssystem liegen keine vor. Der Beschuldigte
hatte diesen gemäss eigenen Ausführungen erst zwei oder drei Wochen vor dem
anklagegegenständlichen Vorfall in einer Garage in Basel geleast (Prot. I S. 15).
Entsprechend ist davon auszugehen, dass vor Übergabe des Fahrzeuges an den
Beschuldigten die wesentlichen Funktionen und die Technik geprüft und das
Fahrzeug einer Kontrolle unterzogen worden war. Möglich ist auch, dass der Be-
schuldigte vorgängig eine Probefahrt mit diesem BMW unternehmen konnte, um
die entsprechenden Funktionen zu testen und zu prüfen, ob ihm dieses Fahrzeug
auch zusagt. Der Beschuldigte bestätigte zudem selber, dass mit dem Fahrzeug
technisch alles in Ordnung gewesen sei (Urk. 6 S. 2, Antw. auf Frage 7), was
ebenfalls gegen einen technischen Defekt spricht. Folglich musste der Beschul-
digte – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 81 S. 9 f.; Urk. 112 S. 14
und S. 16) den DSC (in der Anklageschrift: "DSP" bzw. "ESP", bei BMW: "DSC")
manuell bewusst ausgeschaltet oder den Modus MDM eingeschaltet haben. Ent-
gegen der Auffassung der Verteidigung erscheint unglaubhaft, dass der Beschul-
digte weder gewusst haben soll, wie die verschiedenen Fahrzeugmodi (DSC und
MDM) eingeschaltet werden, noch Kenntnis von deren Auswirkungen gehabt ha-
ben soll (Urk. 81 S. 3; Prot. I S. 41), zumal dieser nichts dergleichen geltend
- 20 -
machte, sondern anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
29. August 2017 einzig zu Protokoll gab, er habe den Modus MDM nicht gewählt
und den DSC nicht ausgeschaltet. Die Frage, ob er wisse, wie der Modus verän-
dert werde, verneinte er nicht, sondern er gab an, dies noch nie probiert zu haben
(Urk. 46 S. 2). Zudem erscheinen auch die Aussagen des Beschuldigten, wonach
er sich vor dem Erwerb des BMW nicht über dessen Eigenschaften informiert ha-
ben will, unglaubhaft, zumal dessen Bruder, G._, gegenüber der Polizei aus-
sagte, das Fahrzeug sei dem Beschuldigten sehr wichtig (Urk. 7 S. 3, Antw. auf
Frage 28). Darüber hinaus ist auch lebensfremd, dass jemand ein neues und teu-
res Fahrzeug least, ohne sich vorgängig über dessen Eigenschaften sowie Leis-
tungen zu erkundigen.
Die kurze Dauer von zwei bis drei Wochen, seit welcher der Beschuldigte diesen
BMW M6 hatte, sowie seine Aussagen, wonach er mit diesem vor dem anklage-
gegenständlichen Vorfall höchstens zwischen 500 km und 1'000 km gefahren sei,
er diesen BMW nicht täglich benutze, sondern höchstens am Wochenende, und
er zuvor noch nie ein solches Hochleistungsfahrzeug besessen habe, sondern
immer einen Golf 2 oder Golf 3 gefahren sei (Prot. I S. 15 ff.), machen deutlich,
dass er kein Fahrer mit ausreichend Erfahrung im Umgang mit einem solchen
Hochleistungsfahrzeug gewesen war. Entsprechend war er auch nicht geübt im
Beschleunigen seines Fahrzeugs mit deaktiviertem DSC oder aktiviertem MDM.
Gemäss Gutachten reduzierte sich die Geschwindigkeit des BMW, als dieser ins
Schleudern geraten war, auf etwa 100 km/h, und mit dieser Geschwindigkeit kolli-
dierte dann die rechte Front des BMW des Beschuldigten mit der hinteren rechten
Seite des mit einer Geschwindigkeit von etwa 115 km/h fahrenden VW Sharan
von C._ (Urk. 34 S. 1).
Die Verteidigung stellt die sichergestellten Spuren respektive die Richtigkeit der
Gutachten zu Recht nicht in Frage und wirft dem Gutachter auch nicht mangelnde
Kompetenz vor (Prot. I S. 28), sondern moniert, dass dem Gutachten eine falsche
Sachverhaltsdarstellung zugrunde liege, da der Beschuldigte aufgrund eines
Ausweichmanövers mit seinem BMW ins Schleudern geraten sei (Urk. 81 S. 2 ff.;
Urk. 112 S. 18). In Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft (Prot. I S. 40)
- 21 -
lässt sich die Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten aber nicht mit den Rei-
fenspuren seines BMW (Urk. 57) in Einklang bringen. Hätte sich der Beschuldigte
tatsächlich über ein anderes Fahrzeug erschrocken und aufgrund dessen ruckar-
tig nach rechts gelenkt, dann hätten keine Spuren sichergestellt werden können,
die aufgrund des Durchdrehens eines Hinterrades infolge starken Beschleunigens
entstanden sind. Bei einem Ausweichmanöver hätte der Beschuldigte gebremst
oder einfach bei gleichbleibender Geschwindigkeit nach rechts gelenkt. In einer
solchen Situation hätte er nicht Gas gegeben und insbesondere nicht so stark,
dass es zu einem Durchdrehen der Hinterräder gekommen wäre. Die Reifenspu-
ren und die Gutachten widerlegen damit – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
(Urk. 105 S. 7) – die Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten. Zudem hätte es
für den Fahrzeuglenker des schwarzen Fahrzeuges, welcher mit übersetzter Ge-
schwindigkeit auf der Überholspur gefahren war, wie dies der Beschuldigte bereits
anlässlich seiner ersten Einvernahme zu Protokoll gegeben hatte, keine Veran-
lassung gegeben, auf die Normalspur zu wechseln und sich zwischen das Fahr-
zeug des Beschuldigten und den VW Sharan zu drängen, wenn er problemlos auf
der Überholspur hätte bleiben und erst vor dem VW Sharan die Spur hätte wech-
seln können. Diese Darstellung des Beschuldigten ist schlicht unglaubhaft.
Die Verteidigung stellt sich vorwiegend auf den Standpunkt, dass der Beschuldig-
te mit seinem BMW nicht aufgrund des Beschleunigens, sondern eines Aus-
weichmanövers ins Schleudern geraten sei. Was dann aber der Grund für die
gutachterlich festgestellten Reifenspuren infolge Durchdrehens eines Hinterrades
sein soll, respektive weshalb überhaupt derartige Spuren gesichert werden konn-
ten, wenn der Beschuldigte doch nur ausgewichen und nach rechts gelenkt haben
will, bevor er mit seinem BMW ins Schleudern geraten ist, führt die Verteidigung
bis zur Berufungsverhandlung nicht aus. Im Gegenteil machte sie vor Vorinstanz
noch geltend, dass Spuren vorhanden sein müssten, wenn sich die Räder durch-
gedreht hätten, darüber aber überhaupt nichts abgeklärt worden sei (Prot. I
S. 29). Diese Ausführungen der Verteidigung sind angesichts des Umstandes,
dass der Gutachter bereits im Gutachten vom 3. April 2017 festhält, der Beginn
der Reifenspur stamme vom rechten Hinterrad des BMW des Beschuldigten, und
der Spurencharakter zeige, dass es sich anfänglich um ein Durchdrehen des Ra-
- 22 -
des beim Beschleunigen handle (Urk. 34 S. 12), nicht nachvollziehbar. Dies ins-
besondere auch, weil der Gutachter in den ergänzenden Gutachten von dieser
Feststellung nicht mehr abweicht respektive detailliert und nachvollziehbar auf-
zeigt, inwiefern sich die Spur, die auf das Durchdrehen eines Rades beim Be-
schleunigen zurückzuführen ist, von anderen Pneuabriebspuren unterscheidet
(Urk. 86 S. 2 f.). Auch der Einwand der Verteidigung, wonach keinerlei Spuren
über ein allfälliges Durchdrehen der Räder vorliegen würden (Urk. 81 S. 11), ist
haltlos und durch die gesicherten Reifenspuren und Gutachten eindeutig wider-
legt. Selbst der Beschuldigte räumte auf die Frage, wie es solche Reifenab-
druckspuren habe geben können, ein, wenn er Vollgas gebe, was für ihn bedeute,
wenn er das Gaspedal voll durchdrücke (Urk. 6 S. 5 f., Antw. auf Fragen 55 ff.).
Erst anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die Verteidigung als neues Ar-
gument vor, der Beschuldigte habe stark beschleunigen müssen, um eine Kollisi-
on mit der Leitplanke zu vermeiden, sodass es aus diesem Grund allenfalls zu ei-
nem Durchdrehen der Räder gekommen sei (Urk. 112 S. 17 f.). Auch dieses Ar-
gument vermag nicht zu überzeugen, zumal es aufgrund einer übermässigen Be-
schleunigung viel schwieriger ist, die Kontrolle über ein Fahrzeug wiederzuerlan-
gen, und in einer solchen Situation ein Bremsmanöver ebenfalls naheliegender
gewesen wäre, um einen drohenden Aufprall abzuschwächen.
Der Einwand der Verteidigung, wonach die ersten Reifenspuren des BMW des
Beschuldigten auf dem Pannenstreifen begonnen hätten (Urk. 81 S. 2; Prot. I
S. 40; Urk. 112 S. 2 ff.), ändert nichts an der Tatsache, dass der Gutachter die
von der Polizei gesicherten Reifenspuren auf der Einfahrspur eindeutig dem BMW
des Beschuldigten zuordnen und diese als Beschleunigungsspuren charakterisie-
ren konnte. Entsprechend kann die Verteidigung aus ihrem Einwand nichts zu-
gunsten des Beschuldigten ableiten und ihre Argumentation, wonach der Sach-
verhalt in der Anklage schlicht unmöglich sei (Prot. I S. 40), erweist sich als nicht
stichhaltig.
Ebenfalls im Widerspruch zum Gutachten, wonach die Geschwindigkeit bei Be-
ginn der Spur bei 130 km/h gelegen habe, steht die Aussage des Beschuldigten,
er sei lediglich mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h gefahren und habe auf
- 23 -
120 km/h beschleunigen wollen, um auf die Autobahn einspuren zu können. Die
pauschale Behauptung des Beschuldigten vermag die fundierten Berechnungen
des Gutachters nicht in Frage zu stellen.
Der Beschuldigte sagte bei allen Einvernahmen konstant aus, dass er mit seinem
BMW aufgrund eines Ausweichmanövers – verursacht durch ein anderes schwar-
zes Fahrzeug mit Spoiler – ins Schleudern geraten sei (Urk. 6 S. 3; Urk. 49 S. 3;
Prot. I S. 10; Prot. II S. 11 ff.). Dass diese Sachverhaltsdarstellung mit den gesi-
cherten Spuren nicht in Einklang gebracht werden kann und durch die Gutachten
widerlegt wird, wurde bereits aufgezeigt. Nicht auszuschliessen ist allerdings,
dass dieses schwarze Fahrzeug mit Spoiler ebenfalls vor Ort gewesen war, zumal
auch die Zeugin E._ bei ihren Einvernahmen einen dunklen Sportwagen mit
Heckspoiler beschrieben hat (Urk. 1 S. 7; Urk. 50 S. 2). Allerdings ergeben sich
nicht nur aus den Aussagen der Zeugin Unklarheiten bei deren Darstellung, son-
dern auch aufgrund der Ausführungen des Gutachters. So sagte die Zeugin ge-
genüber der Polizei noch aus, dass das dunkle Sportfahrzeug mit dem Heckspoi-
ler vor ihnen auf der Normalspur gefahren sei (Urk. 1 S. 7), während sie anläss-
lich ihrer Zeugeneinvernahme zu Protokoll gab, dieses Fahrzeug sei auf ihrer Bei-
fahrerseite gewesen (Urk. 50 S. 2), was dann bedeuten würde, dass dieses Fahr-
zeug ebenfalls auf die Autobahn einfahren wollte und sich auf dem Beschleuni-
gungsstreifen befunden hätte. Auch ihre Aussage, wonach sich dieses Fahrzeug
– und damit nicht der BMW des Beschuldigten – um 180 Grad gedreht und dann
wieder gewendet habe, bevor es sich mit Vollgas von der Unfallstelle entfernt ha-
be, wobei dessen Reifen geraucht hätten (Urk. 1 S. 7), lässt sich gemäss Gutach-
ter mit dem Spurenbild nicht vereinbaren. Der Gutachter hielt dazu in seinem
Gutachten vom 8. September 2017 (Urk. 48) fest, dass ein solcher Vorfall eben-
falls deutliche schwarze Reifenspuren erzeugt hätte, was aufgrund der durchgän-
gig vorhandenen Fotos der Polizei nicht der Fall sei (Urk. 48 S. 4). Zwar konnte
dieses Fahrzeug respektive dessen Lenker nicht ausfindig gemacht werden, auf-
grund der gesicherten Reifenspuren und gestützt auf die Gutachten kann die Ver-
teidigung daraus aber nichts zugunsten des Beschuldigten ableiten (vgl. Urk. 81
S. 5 ff. und S. 12; Urk. 112 S. 21 ff.) bzw. vermag ein allfällig weiterer Sportwagen
keine Zweifel an den Reifenspuren, welche eindeutig dem BMW des Beschuldig-
- 24 -
ten zugeordnet werden konnten, und den Gutachten zu begründen. Entsprechend
erübrigen sich weitergehende Erwägungen zu diesem allfällig dunklen Sportwa-
gen mit Heckspoiler, wobei in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 105 S. 7)
durchaus möglich ist, dass es sich bei diesem um den schwarzen Porsche 911
mit Heckspoiler von I._ oder den schwarzen BMW M5 von J._ gehan-
delt haben könnte (Urk. 15 S. 3).
Die Zeugen F._ (Urk. 1 S. 6; Urk. 51) und G._ (Urk. 7; Urk. 52) konnten
ebenfalls keine weiteren sachdienlichen Aussagen dazu machen, was die Ursa-
che für die Kollision zwischen dem BMW des Beschuldigten und dem VW Sharan
von C._ gewesen war, insbesondere vermochten sie keine Zweifel an den
Reifenspuren und den Gutachten zu begründen.
Auffallend ist, dass die Aussagen des Beschuldigten eher knapp und einseitig
ausfallen. Auf Vorhalt der Feststellungen des Gutachters anlässlich seiner staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. August 2017 verwies er jeweils auf die
Ausführungen seiner Verteidigung oder wollte sich dazu nicht äussern (Urk. 46
S. 2 ff.). Auch vor Vorinstanz entgegnete er auf viele Fragen, das könne er nicht
sagen oder das könne er nicht beantworten (Prot. S. 14 ff.).
Gestützt auf das Gutachten und die sichergestellten Reifenspuren ergibt sich so-
mit, dass der Beschuldigte auf der Einfahrt zur Autobahn A53 bei einer Ge-
schwindigkeit von etwa 130 km/h sehr stark beschleunigt hatte und sein Fahrzeug
dann ins Schleudern geraten war, weil bei den Fahrstabilitätsregelsystemen min-
destens MDM aktiviert war und er als Fahrer keine ausreichende Erfahrung mit
einem solchen BMW M6 gehabt hatte. Die beantragte Beweisergänzung (vgl. vor-
stehend, Erw. I.) ist nach dem Dargelegten nicht geeignet, das Beweisergebnis
umzustossen, weshalb sich eine weitere Beweisabnahme durch die Berufungs-
instanz erübrigt.
Dass der Beschuldigte auch ohne starkes Beschleunigen auf die Autobahn hätte
einspuren können, steht ausser Frage. So hätte er sich einfach hinter den
VW Sharan von C._ zurückfallen lassen und hinter diesem einspuren oder
die Einspurstrecke bis zum Ende des Beschleunigungsstreifen ausnützen können,
- 25 -
da er dann gemäss Berechnungen des Gutachters zum VW Sharan einen Ab-
stand von 33.65 m gehabt und problemlos vor diesem hätte einspuren können
(Urk. 38 S. 4). Was den Beschuldigten zum anklagegegenständlichen Verhalten
verleitet hat, ist für die Erstellung des Sachverhaltes nicht weiter relevant. Seine
Motivation ist bei der Strafzumessung entsprechend zu berücksichtigen (nachfol-
gend, Erw. IV.3.1.).
2.4.4. Fazit
Nach Würdigung sämtlicher Beweismittel – insbesondere der Gutachten der
D._ – bestehen keine unüberwindbaren Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3
StPO, dass der Beschuldigte mit seinem BMW auf der Einfahrt zur Autobahn A53
bei einer Geschwindigkeit von etwa 130 km/h sehr stark beschleunigt hatte, sein
Fahrzeug dann ins Schleudern geraten war, weil bei den Fahrstabilitätsregelsys-
temen mindestens MDM aktiviert war und er als Fahrer keine ausreichende Erfah-
rung mit einem solchen BMW M6 gehabt hatte. Dieser – vom Beschuldigten be-
strittene – Sachverhaltsteil ist damit ebenfalls anklagegemäss erstellt. Folglich ist
der Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 vollumfänglich erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich Dossier 1 der qualifizierten gro-
ben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbin-
dung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV
schuldig gesprochen (Urk. 105 S. 13).
2. Qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln
Die Erwägungen der Vorinstanz zur rechtlichen Würdigung sind zutreffend. Es
kann darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 105 S. 8). Vertiefend ist
festzuhalten, dass zur Erfüllung des Tatbestandes objektiv eine elementare Ver-
kehrsregel verletzt werden muss. Indem der Beschuldigte bei übersetzter Aus-
gangsgeschwindigkeit von 130 km/h und aktiviertem MDM respektive deaktivier-
- 26 -
tem DSC massiv beschleunigt hat und in der Folge die Herrschaft über seinen
BMW M6 verloren hat, hat er die Vorsichtspflicht von Art. 31 Abs. 1 SVG verletzt.
Es liegt damit eine elementare Verkehrsregelverletzung vor. Weiter ist ein hohes
Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern erforderlich, wobei
zwischen dem Verhalten des Beschuldigten, also zwischen der Fahrweise, und
dem Risiko eine Unmittelbarkeit bestehen muss. Durch die Kollision zwischen
dem BMW des Beschuldigten und dem VW Sharan von C._ hat sich das Ri-
siko auch tatsächlich in einem Unfall verwirklicht, und die Unmittelbarkeit ist eben-
falls gegeben, da der Beschuldigte fast Vollgas gegeben und dann die Herrschaft
über sein Fahrzeug verloren hat, sodass er dann mit dem VW Sharan von
C._ kollidiert war.
In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz in Bezug auf das hohe Risiko eines Unfalls mit
Schwerverletzten oder Todesopfern erforderlich. Der DSC dient dazu, das
Schleudern des Fahrzeuges in Extremsituationen zu verhindern. Durch das Ein-
schalten des Modus MDM hat der Beschuldigte diese Sicherheitsmassnahme
bewusst ausgeschaltet, und da er in dieser Situation – somit ohne Unterstützung
des DSC – bei weit über 100 km/h so beschleunigt hat, dass die Räder des BMW
durchgedreht sind, hat der Beschuldigte in Kauf genommen, dabei die Fahrzeug-
beherrschung zu verlieren, insbesondere, da er sich keine Fahrkünste in diesem
Extrembereich angeeignet hatte, was die Gefahr, die Herrschaft über den BMW
zu verlieren, deutlich erhöht hatte. Der Beschuldigte wusste, dass auf der Auto-
bahn andere Fahrzeuglenker unterwegs waren; er nahm diese auch wahr. Ent-
sprechend wusste er auch, dass er die anderen Verkehrsteilnehmer gefährden
würde, wenn er bei seinem Beschleunigungsmanöver die Herrschaft über seinen
BMW verlieren würde.
Der Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG ist damit erfüllt und der Beschuldigte ent-
sprechend der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG und
Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV schuldig zu sprechen.
- 27 -
IV. Strafzumessung
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten aufgrund der qualifizierten groben
Verletzung der Verkehrsregeln mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Mona-
ten, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren (Urk. 105 S. 13). Da einzig der
Beschuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil erhoben hat, fällt auf-
grund des Verschlechterungsverbotes eine strengere Bestrafung von vornherein
ausser Betracht (Verbot der reformatio in peius; Art. 391 Abs. 2 StPO).
2. Allgemeine Grundsätze
Die Grundsätze für die Strafzumessung wurden im vorinstanzlichen Urteil korrekt
wiedergegeben (Urk. 105 S. 9 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Sanktionenrechts) gemäss der Änderung vom 19. Juni 2015
in Kraft getreten (AS 2016 1249). Die zu beurteilende Straftat wurde vor Inkrafttre-
ten des neuen Rechts begangen. Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach neuem
Recht nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen
begangen hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des
neuen Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, ist das neue
Recht anzuwenden, wenn es für den Täter milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Ob das
neue Recht das mildere ist, hat das Gericht nach der konkreten Methode zu ermit-
teln (DONATSCH, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER, Kommentar
Schweizerisches Strafgesetzbuch, 20. Auflage, Zürich 2018, N 10 zu Art. 2 StGB).
Das ist nicht der Fall, da sich das geltende (neue) Sanktionenrecht beim zu beur-
teilenden Delikt nicht auf den Strafrahmen von einem bis zu vier Jahren Freiheits-
strafe auswirkt.
Der massgebliche Strafrahmen für die qualifizierte grobe Verletzung der Ver-
kehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG wurde korrekt mit Freiheitsstrafe von ei-
nem bis zu vier Jahren abgesteckt (Urk. 105 S. 9).
- 28 -
3. Qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln
3.1. Tatkomponenten
Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte
durch sein Verhalten – massives Beschleunigen bis zum Durchdrehen der Räder
mit aktiviertem MDM Modus respektive deaktiviertem Stabilitätssystem (DSC) –
ein nahes Unfallrisiko geschaffen hatte, welches sich dann auch tatsächlich ver-
wirklicht hat, indem er mit dem auf der Autobahn auf der Normalspur und damit
unmittelbar in seiner Nähe fahrenden VW Sharan von C._ kollidiert war und
diesen damit einer offensichtlich schweren Gefahr ausgesetzt und auch andere
Verkehrsteilnehmer erheblich gefährdet hatte. Es ist nur dem Zufall zu verdanken,
dass der Beschuldigte mit seinem schleudernden BMW nicht mit weiteren Fahr-
zeugen kollidiert und niemand getötet oder sehr schwer verletzt worden ist, oder
dass insbesondere C._ nicht noch schwerwiegendere Verletzungen erlitten
hat. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist die objektive Tatschwere als nicht
mehr leicht zu qualifizieren.
Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte vor-
sätzlich mit deaktiviertem DSC massiv beschleunigt hatte, indem er mit fast voll
oder voll durchgedrücktem Gaspedal auf die Autobahn einspuren wollte. Dieses
Verhalten kann in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 105 S. 10) nicht mit
blosser Gedankenlosigkeit erklärt werden, sondern offenbart ein bedenkliches
Mass an Verantwortungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit. Aufgrund der Deakti-
vierung des Stabilitätssystems (DSC) musste der Beschuldigte damit rechnen,
dass sein Auto bei einer übermässigen Beschleunigung ins Schleudern geraten
könnte. Dass er durch sein Verhalten ein Schleudern seines BMW verursacht hat-
te und es daraufhin zur Kollision mit dem VW Sharan von C._ gekommen
war, lässt sich aber nicht auf direkten Vorsatz zurückführen, da der Beschuldigte
wohl dachte, er sei fähig, sein Auto zu beherrschen. Zu seinen Gunsten ist anzu-
nehmen, dass er von der Reaktion des Fahrzeuges aufgrund seines massiven
Beschleunigens selber überrascht und er mit seinem BMW M6 in dieser Situation
überfordert war, was ihn allerdings nicht wesentlich zu entlasten vermag. Das Mo-
tiv respektive die Beweggründe für sein Verhalten sind unbekannt. Ob er einfach
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möglichst schnell vor dem VW Sharan einspuren oder die Leistung seines Fahr-
zeuges ausreizen wollte, um den anderen Fahrzeuglenkern zu imponieren res-
pektive diesen die Leistung seines BMW zu demonstrieren, oder er sich doch von
einem anderen Lenker provozieren lassen hat, können alles mögliche Gründe für
sein Verhalten sein; irgendwelche sachlichen Gründe oder eine Notwendigkeit für
sein Verhalten können aber ausgeschlossen werden. Auch die subjektive Tat-
schwere wiegt nicht mehr leicht.
Das Verschulden ist insgesamt als nicht mehr leicht einzustufen. Die Vorinstanz
erachtet dafür eine hypothetische Einsatzstrafe von rund 16 Monaten als ange-
messen. Dem kann beigepflichtet werden.
3.2. Täterkomponenten
3.2.1. Persönliche Verhältnisse
Der Beschuldigte ist im Kosovo geboren worden und im Alter von zwei Jahren in
die Schweiz gekommen. Er ist zusammen mit zwei Brüdern in M._ bei seinen
Eltern aufgewachsen. Er hat die Primar- und dann die Sekundarschule C, zuerst
in M._ und ab der 5. Klasse in L._ besucht. Anschliessend hat er eine
dreijährige Lehre als Heizungsinstallateur abgeschlossen, bevor er eine zweijäh-
rige Weiterbildung als Haustechnikplaner absolviert hat. Später hat er eine einjäh-
rige Ausbildung zum "Projektleiter Heizung" absolviert. Dort arbeitete er als Abtei-
lungsleiter und verdiente monatlich brutto Fr. 6'800.–, bevor er weiter befördert
wurde. Aktuell ist er als Mitglied in der Geschäftsleitung mit Prokura tätig und ver-
dient monatlich brutto Fr. 10'000.–. Sein Vermögen beträgt knapp Fr. 10'000.–;
Schulden hat er keine. Er wohnt zusammen mit seinen Eltern und seinem jünge-
ren Bruder in einer Wohnung in K._. Er ist ledig und hat keine Kinder. Mit
seiner Freundin hat er eine Eigentumswohnung in N._ gekauft, in welcher sie
ab Mai 2020 gemeinsam wohnen werden (Urk. 46 S. 4 f.; Prot. I S. 5 ff.; Prot. II
S. 5 ff.). Den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten sind keine strafzu-
messungsrelevanten Faktoren zu entnehmen.
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3.2.2. Vorleben und Nachtatverhalten
Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 107). Er ist nicht geständig und zeigt
entsprechend auch keine Reue. Zu seinen Gunsten ist aber davon auszugehen,
dass ihm das Vorgefallene und das damit zusammenhängende Strafverfahren ei-
ne Lehre gewesen ist. Die Vorinstanz hat ihm zudem zugute gehalten und leicht
strafmindernd berücksichtigt, dass er sich gemäss eigenen Aussagen von seinen
Kollegen distanziert hat (Prot. I S. 8) und er weder vor noch nach dem anklage-
gegenständlichen Vorfall durch unkorrektes Verhalten im Strassenverkehr
(Urk. 66/6) aufgefallen ist (Urk. 105 S. 11).
3.3. Fazit
Die Vorinstanz hat eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten festgesetzt. Eine höhere
Strafe wäre zwar durchaus angemessen, aufgrund des Verschlechterungsverbo-
tes (Art. 391 Abs. 2 StPO) kann eine Erhöhung der Strafe aber nicht erfolgen, und
es hat bei einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu bleiben. Der Beschuldigte ist
somit mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu bestrafen.
V. Strafvollzug
Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Voll-
zuges zutreffend dargelegt (Urk. 105 S. 12). Dies braucht nicht wiederholt zu wer-
den.
Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (vorstehend, Erw. IV.3.2.2.) und hat sich seit
den vorliegend zu beurteilenden Taten wohlverhalten. Es ist davon auszugehen,
dass ihn das Strafverfahren genügend beeindruckt und ihm die volle Tragweite
seines Fehlverhaltens aufgezeigt hat, um sich in Zukunft gesetzeskonform zu
verhalten. Folglich ist der Vollzug der Freiheitsstrafe von 15 Monaten aufzuschie-
ben und es erscheint angemessen, die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen.
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VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffern 5-7)
zu bestätigen.
Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen aufer-
legt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung voll-
umfänglich, weshalb ihm die gesamten Kosten des Berufungsverfahrens, mit
Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen sind.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren in der Höhe von
Fr. 5'900.– (inkl. Mehrwertsteuer, Urk. 111) sind unter Vorbehalt des Rückforde-
rungsrechts des Staates gegenüber dem Beschuldigten auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).