Decision ID: 2989d782-23a9-523c-a174-7ce79e2657cb
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der minderjährige Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss
eigenen Angaben Ende Juni 2018 und reiste am 8. Februar 2019 in die
Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 5. März 2019
fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Aufgrund seiner Minderjährig-
keit wurde ihm für das weitere Asylverfahren eine Vertrauensperson zuge-
ordnet. Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer in Anwesenheit seiner
Vertrauensperson am 28. Juni 2019 einlässlich zu seinen Asylgründen an.
Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei
paschtunischer Ethnie und stamme aus B._, Pakistan. Er habe die
Schule bis zur neunten Klasse im Juni 2018 besucht. Sein Vater sei Imam
in einer Moschee in B._ gewesen und von verschiedenen Familien-
stämmen respektive nicht-sunnitischen Mitgliedern der mächtigen
C._-Familie wegen seiner Predigten in der Moschee kritisiert wor-
den. Es habe immer wieder Streit zwischen seinem Vater und seinen Geg-
nern gegeben. Als er mit seinem Vater und Bruder einmal nach dem Nacht-
gebet auf dem Weg von der Moschee nach Hause gewesen sei, sei auf sie
geschossen worden. Sein Bruder sei dabei getötet worden, sein Vater und
er hätten fliehen können. Die Feinde seines Vaters hätten gedroht, auch
ihn zu töten. Zudem habe es eine Fatwa gegen seinen Vater gegeben. Am
28. Juni 2018, einen Monat respektive einige Tage nachdem sein Bruder
umgekommen sei, habe er B._ verlassen und sei über Lahore und
Quetta aus Pakistan ausgereist.
Sein Vater, seine Stiefmutter und seine Halbgeschwister hätten B._
verlassen, würden aber noch immer in Pakistan leben.
Der Beschwerdeführer reichte seinen Nationalitätenausweis, seinen Schü-
lerausweis, ein Schulzeugnis sowie einen Stundenplan (alles im Original)
dem SEM zu den Akten.
B.
Mit Schreiben vom 19. November 2019 tätigte die Vorinstanz bei der
Schweizer Vertretung in Islamabad eine Anfrage zwecks Abklärung, ob der
Beschwerdeführer nach einer Ankunft am Flughafen Islamabad empfan-
gen und betreut würde und seine sichere Weiterreise nach B._ or-
ganisiert werden könnte, sowie ob Informationen zu seinem Vater und sei-
ner Familie vorlägen. Am 20. Januar 2020 erfolgte die Antwort der Schwei-
zer Vertretung in Islamabad.
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C.
Mit Verfügung vom 12. Februar 2020 – am 27. Februar 2020 dem Be-
schwerdeführer eröffnet – verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die
Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 20. März 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und teilte mit,
dass er wegen der Coronakrise Probleme gehabt habe, Unterstützung zu
finden, weshalb er sinngemäss um Nachfrist zur Beschwerdeverbesserung
ersuchte. Er reichte zudem eine Kopie eines amtlich beglaubigten Schrei-
bens seines Vaters sowie dessen Identitätsausweises zu den Akten.
E.
Mit Instruktionsverfügung vom 25. März 2020 hielt die Instruktionsrichterin
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten und forderte ihn auf, eine Beschwerdeverbesserung in-
nert Frist einzureichen.
F.
Mit Instruktionsverfügung vom 3. April 2020 beantwortete die Instruktions-
richterin das gleichentags gestellte Akteneinsichts- und Fristverlänge-
rungsgesuch der neu mandatierten Rechtsvertretung des Beschwerdefüh-
rers, verwies die Rechtsvertreterin zwecks Erhalts der vorinstanzlichen Ak-
ten an den Beschwerdeführer oder seine Vertrauensperson, stellte ihr die
Kopien der Beschwerdeverfahrensakten zu und hiess das Gesuch um Ver-
längerung der Frist zur Beschwerdeverbesserung gut.
G.
Die Beschwerdeverbesserung wurde fristgerecht am 9. April 2020 durch
seine Rechtsvertretung eingereicht. Der Beschwerdeführer beantragte da-
rin, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Sache zur rechts-
genüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur Neuentscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen und seine Flüchtlingseigenschaft sei festzu-
stellen; eventualiter sei ihm Asyl zu gewähren; subeventualiter sei die vor-
läufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Beiordnung einer
amtlichen Rechtsverbeiständung in der Person der Rechtsvertreterin und
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Auf die
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Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den Erwägungen eingegangen.
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 22. April 2020 wurde das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG gutgeheissen. Zudem wurde der Antrag auf Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege und Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1
AsylG gutgeheissen und die Rechtsvertreterin, Rechtsanwältin Aileen
Kreyden, als Rechtsbeiständin eingesetzt. Des Weiteren wurde auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Gleichzeitig wurde die Vor-
instanz zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist eingeladen.
I.
In seiner Vernehmlassung vom 27. April 2020 hielt das SEM an seinem
Standpunkt fest.
J.
Mit Replik vom 13. Mai 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas-
sung Stellung und reichte eine Übersetzung des mit Beschwerde einge-
reichten Schreibens seines Vaters sowie eine aktualisierte Honorarnote
ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht (Art. 53a AsylV1) eingereicht
worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil-
genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung dahingehend, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
im Sinne von Art. 7 AsylG nicht zu erfüllen vermöchten. Er habe kaum et-
was zu den Inhalten der Aussagen seines Vaters als Imam, die seine Geg-
ner gegen ihn aufgebracht hätten, sowie zu den vorhergehenden Schwie-
rigkeiten angeben können. Auch zur Glaubensrichtung der Gegner habe er
nur unsichere Angaben machen können und zuerst gemeint, es seien viel-
leicht Christen gewesen, später ausgeführt, es seien keine Sunniten gewe-
sen, und schliesslich Schiiten erwähnt. Die vorgebrachte Tötung seines
Bruders habe er nur oberflächlich und stereotyp geschildert, obwohl er sie
miterlebt habe. Auch auf die Frage, weshalb sein Vater keine Hilfe bei der
Polizei oder anderen Institutionen habe erhalten können, habe er keine
überzeugenden Antworten gegeben. Ebenso habe er kaum etwas über die
Fatwa gegen seinen Vater sagen können. Weiter seien einige seiner Schil-
derungen widersprüchlich ausgefallen. Anlässlich der BzP habe er ange-
geben, nach dem Tod seines Bruders einen Monat zuhause geblieben und
von B._ ausgereist zu sein. Bei der Anhörung habe er ausgeführt,
er sei nach diesem Ereignis fünf bis sieben Tage bei einem Onkel in
D._ versteckt gewesen und sei von dort aus ausgereist. Er habe
diese widersprüchlichen Angaben nicht erklären können. Weiter habe er
die Drohung gegenüber seinem Vater, dass man ihn als zweiten Sohn auch
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töten würde, sowie die gegen seinen Vater ausgestellte Fatwa bei der BzP
nicht genannt. Es sei schliesslich schwer vorstellbar, dass im überwiegend
sunnitischen Pakistan ein sunnitischer Imam wegen religiöser Aussagen
Probleme mit Angehörigen anderer Glaubensrichtungen, insbesondere
Christen, bekomme und er keine Möglichkeit haben sollte, diesbezüglich
von Behörden oder anderen Stellen Hilfe zu erhalten. Trotz des jugendli-
chen Alters des Beschwerdeführers wäre zu erwarten gewesen, dass er
das Erlebte zumindest einigermassen substantiiert und detailliert hätte be-
schreiben und über die Hintergründe der angeblichen Probleme einige In-
formationen hätte wiedergeben können.
Der Weggang der Familie des Beschwerdeführers aus B._ sei, we-
gen der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Probleme, auch nicht
glaubhaft. Er habe trotz regelmässigen Kontaktes mit seiner Familie nichts
Genaueres dazu sagen können, wo diese jetzt sei und wie es ihr gehe. Im
Rahmen einer Anfrage des SEM an die Schweizer Botschaft in Pakistan
habe sein Vater per Telefon angegeben, der Beschwerdeführer könne
selbstverständlich wieder bei seiner Familie leben und werde bei der Rück-
reise auch am Flughafen in Islamabad von ihm abgeholt und nach Hause
gebracht. Seine Familie werde zudem von seinem Bruder in Dubai unter-
stützt. Somit verfüge er in Pakistan über eine gesicherte Wohnsituation und
ein breites Beziehungsnetz, das ihm bei der Reintegration helfen könne.
Es sei ferner davon auszugehen, dass er den Schulbesuch fortsetzen und
seine Ausbildung abschliessen könne.
3.2 Auf Beschwerdeebene führt der Beschwerdeführer im Wesentlichen
aus, die Erkenntnis der Vorinstanz, wonach seine Aussagen in wesentli-
chen Punkten unglaubhaft seien, gründe auf einer zu restriktiven Handha-
bung der Beweisregel von Art. 7 AsylG. An die Schilderungen eines unbe-
gleiteten minderjährigen Asylsuchenden dürften nicht die gleichen Anfor-
derungen wie an diejenigen eines Erwachsenen gestellt werden. Auch be-
rücksichtige sie nicht, dass das von ihm Erlebte, insbesondere der Tod sei-
nes Bruders, vor allem in seinem jungen Alter schwer traumatisierend wirke
und bei ihm deshalb auch nicht die gleichen Anforderungen an das Erinne-
rungsvermögen gestellt werden dürften wie bei einem psychisch gesunden
Menschen. Jegliche Substanzarmut sei auf sein junges Alter und seine
Traumatisierung zurückzuführen.
Der Beschwerdeführer habe in der BzP seine Fluchtgeschichte zusam-
mengefasst dargelegt und in der Bundesanhörung ausgeführt. Es könne
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ihm nicht vorgehalten werden, er habe die ihm angedrohte Tötung nach-
geschoben. Der angebliche Widerspruch in Bezug auf den Reiseweg be-
treffe zudem nicht den Kern seiner Vorbringen. Seine Fluchtgründe – dass
sein Bruder aufgrund der Predigten seines Vaters als Imam erschossen
und ihm selber mit dem Tod gedroht worden sei – habe er widerspruchsfrei
dargelegt. Es könne nicht von einem Widerspruch auf die Unglaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen geschlossen werden. Insgesamt habe er sich so-
mit glaubhaft zu seinen Asylgründen geäussert.
Sein Vater habe die ihm im Rahmen der Botschaftsabklärung per Telefon
gestellten Fragen nicht richtig verstanden. Es sei für ihn unverständlich,
dass sein Sohn nach Pakistan zurückgeschickt würde, wo ihm Gefahr
drohe. Der Beschwerdeführer wäre in Pakistan nicht in Sicherheit. Sein Va-
ter müsse sich nach wie vor verstecken. Seine Geschwister würden die
Schule nicht besuchen können, aus Angst, entdeckt und getötet zu werden.
Die Sache sei zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung, insbesondere zur
erneuten Botschaftsabklärung, an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Seine Familie werde von einer mächtigen Familie wegen der Predigten sei-
nes Vaters bedroht und verfolgt. Diese gegnerische Familie sei sehr ein-
flussreich und zu schlimmen Taten fähig, zumal sie bereits seinen Bruder
getötet und damit gedroht hätten, auch ihn umzubringen. Aufgrund der
Wichtigkeit dieser Familie könne seine Familie von staatlicher Seite keinen
Schutz erwarten. Er sei wegen seiner Religion verfolgt, da sein Vater als
Imam den Koran in einer Art und Weise ausgelegt habe, mit welcher die
Familie C._ nicht einverstanden sei. Somit erfülle er die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei.
Sein Vater und seine Geschwister könnten wegen der drohenden Verfol-
gung ihr neues Heim nicht verlassen. Sein Vater könne nicht mehr arbeiten
und deshalb nur noch beschränkt für seine Kinder aufkommen. Die Ge-
schwister könnten die Schule nicht besuchen, aus Angst, getötet zu wer-
den. Auch er würde die Schule nicht besuchen können und müsste mit nur
einem Elternteil, der aufgrund der Vorfälle nicht mehr arbeiten könne, auf-
wachsen. Finanziell wäre die Lage in Pakistan für ihn somit äusserst pre-
kär. Als ältestes Kind wäre er besonders im Visier der Feinde seines Vaters.
Er stamme aus dem stärksten umkämpften Gebiet Pakistans, der
Mohmand Agency in der Region FATA (Federally Administered Tribal
Areas), welche eine Hochburg der Taliban sei. Es gebe in dieser Region
viele Terroranschläge und der Staat sei nicht in der Lage wirksamen Schutz
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in den von den Taliban kontrollierten Gebieten zu gewähren. Die allge-
meine Lage sei prekär. Die Rückkehr nach Pakistan sei damit für ihn unzu-
mutbar.
3.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz an ihrem Standpunkt fest
und bekräftigt, dass trotz des jugendlichen Alters des Beschwerdeführers
zu erwarten gewesen wäre, dass er erlebte Ereignisse wie auch die Hin-
tergründe seiner geltend gemachten Probleme zumindest einigermassen
substantiiert hätte wiedergeben können. Die vorgebrachte Traumatisierung
bleibe vollständig unbelegt. Sowohl bei der BzP als auch in der Anhörung
habe er keine gesundheitlichen Probleme erwähnt und es seien dem An-
hörungsprotokoll und den Akten keine Hinweise auf solche zu entnehmen.
Auch im Rahmen der Beschwerde seien keine Belege für eine Traumati-
sierung vorgelegt worden.
Es gebe ferner keinen Grund, am Inhalt der Botschaftsabklärung zu zwei-
feln. Es sei dieser kein Hinweis auf sprachliche Probleme oder sonstige
Verständigungsschwierigkeiten zu entnehmen. Die Bestreitung des Inhalts
müsse als Schutzbehauptung eingestuft werden. An dieser Einschätzung
könne auch das mit der Beschwerdeschrift eingereichte Dokument des Va-
ters, das amtlich beglaubigt worden sei, nichts ändern. Es handle sich um
ein Schreiben in Kopie; auch ein Original wäre zudem nicht fälschungssi-
cher. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern ein solches Schreiben belegen
könne, dass es beim Telefongespräch Verständigungsprobleme gegeben
habe beziehungsweise dass die Aussagen des Vaters falsch wiedergege-
ben worden seien. Das Schreiben werde in der Beschwerdeverbesserung
auch nicht mehr erwähnt. Auf eine Übersetzung des Schreibens könne
deshalb verzichtet werden.
3.4 In seiner Replik konkretisiert der Beschwerdeführer, es liege auf der
Hand, dass die Ausreise aus seinem Heimatland, ohne seine Eltern, in dem
noch sehr jungen Alter, ihn psychisch belaste und traumatisiere. Es könne
daraus, dass er in der BzP seinen Gesundheitszustand als gut bezeichnet
habe, nicht geschlossen werden, das Erlebte habe ihn nicht psychisch mit-
genommen. Er habe damit gemeint, dass er im Zeitpunkt seiner Ankunft
keine grösseren körperlichen Beschwerden gehabt habe.
Der Übersetzung des mit Beschwerdeschrift eingereichten Dokuments sei
zu entnehmen, dass sein Vater die Verständigungsprobleme im Rahmen
der Botschaftsabklärung bestätige und bekräftige, sein Sohn werde ver-
folgt. Das Original des Dokuments habe er bislang noch nicht erhalten, da
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die Versendung aufgrund seiner Verfolgung mit grossen Gefahren verbun-
den sei.
4.
4.1 Der Einwand auf Beschwerdeebene, das SEM habe bei der Würdigung
der Vorbringen das junge Alter und die psychische Verfassung des Be-
schwerdeführers nicht berücksichtigt, erscheint nicht vollständig unbegrün-
det. In den Erwägungen der angefochtenen Verfügung wird nur kurz auf
sein jugendliches Alter verwiesen (vgl. S. 3 der angefochtenen Verfügung).
Zudem wurden in den Befragungsprotokollen keine Gefühlsregungen des
Beschwerdeführers protokolliert. Jedoch vermag er damit nichts zu seinen
Gunsten zu bewirken, zumal aus den Befragungsprotokollen nicht hervor-
geht, dass ihm daraus Nachteile entstanden wären. Den Akten sind keine
Hinweise darauf zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer die Fragen
anlässlich der BzP und Anhörung nicht verstanden hätte beziehungsweise
sich – trotz einer möglichen psychischen Belastung wegen des Erlebten –
nicht hätte verständlich ausdrücken können, insbesondere sind diesbezüg-
lich keinerlei Anmerkungen im Rahmen der Rückübersetzung festgehalten,
auch nicht seitens der ihn begleitenden Vertrauensperson.
4.2 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteleingabe in formeller
Hinsicht eine Verletzung der Untersuchungspflicht, weil sein Vater die ihm
im Rahmen der Botschaftsabklärung gestellten Fragen nicht verstanden
habe und dadurch nicht richtig habe beantworten können. Dieser Antrag
wird vorab behandelt, da eine Verletzung der Untersuchungspflicht zur Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur Neubeurteilung führen könnte.
4.3 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsdarstellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.4 Die Rüge der mangelhaften Darstellung des Sachverhalts vermag nicht
zu überzeugen. Der Botschaftsantwort sind keine Hinweise dafür zu ent-
nehmen, dass der Vater des Beschwerdeführers nicht in der Lage gewesen
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Seite 10
wäre, die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Sein Vater zeigte sich an-
lässlich des Telefonats mit der Schweizerischen Botschaft in Pakistan ent-
täuscht, dass der Beschwerdeführer zurückgeschickt werde, und führte
weiter aus, er habe für dessen Reise in die Schweiz 1.5 Millionen Rupien
bezahlt und dafür das Haus verkaufen müssen. Vor dem Hintergrund die-
ser weiterführenden Aussagen des Vaters kann davon ausgegangen wer-
den, dass er dem Gespräch folgen und wahrheitsgetreu Auskunft geben
konnte. Soweit der Beschwerdeführer seine Sicherheit bei einer Rückkehr
betreffend zu einem anderen Schluss gelangt, liegt darin keine Verletzung
der Abklärungspflicht. Vielmehr betrifft dies eine Frage der rechtlichen Wür-
digung des Sachverhaltes, auf welche im Rahmen der materiellen Prüfung
näher einzugehen ist.
4.5 Die formelle Rüge erweist sich damit als unbegründet. Der rechtser-
hebliche Sachverhalt wurde von der Vorinstanz vollständig erstellt und in
der angefochtenen Verfügung korrekt und ausreichend wiedergegeben.
Das Begehren, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sa-
che zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung, insbesondere zur erneuten
Botschaftsabklärung, an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Nach Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche
im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Begründete Furcht vor
Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine
Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht bezie-
hungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr-
scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte
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Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien
vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Ge-
setz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrschein-
lich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvoll-
ziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 m.w.H.).
6.
6.1 Unabhängig davon, ob die Vorfluchtvorbringen des Beschwerdeführers
glaubhaft sind, ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ein-
reise in die Schweiz seitens der heimatlichen Behörden keinen ernsthaften
Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war und mithin keine Vor-
fluchtgründe vorliegen.
6.2 Geht die Verfolgung von nicht-staatlichen Akteuren aus, ist zu prüfen,
ob die Beschwerdeführenden staatlichen Schutz beanspruchen können
(vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1, 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5). Dabei kann
nicht eine faktische Garantie des Schutzgewährers für langfristigen indivi-
duellen Schutz des von nichtstaatlicher Verfolgung Bedrohten verlangt
werden, da es keinem Staat gelingt, die absolute Sicherheit aller seiner
Bürger jederzeit und überall zu garantieren (vgl. EMARK 2006 Nr. 18
E. 10.3.1 f.). Hingegen muss der Staat eine funktionierende und effiziente
Schutzinfrastruktur zur Verfügung stellen. Zudem muss die Inanspruch-
nahme des Schutzsystems der betroffenen Person objektiv zugänglich und
individuell zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung
unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu beurteilen ist
(vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3 f. m.w.H. und Urteil des BVGer E-4446/2018
vom 23. Januar 2018 E. 6.2.1). Die Flüchtlingseigenschaft setzt sodann
auch bei einer Verfolgung durch Dritte voraus, dass der geltend gemachten
Verfolgung oder der staatlichen Schutzverweigerung ein flüchtlingsrecht-
lich relevantes Motiv gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG (Rasse, Religion, Natio-
nalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische An-
schauungen) zugrunde liegt.
6.3 Es ist nicht zu verneinen, dass in Pakistan ein insgesamt hohes Mass
an religiös motivierter Gewalt herrscht. Die Angriffe, welche meist von sun-
nitischen Extremisten ausgehen, bleiben weitgehend straflos, und es be-
steht kein oder nur gänzlich ungenügender staatlicher Schutz gegen die
sunnitischen Gewaltübergriffe (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2), wobei sich die
Effizienz der Sicherheitsbehörden von Distrikt zu Distrikt unterscheiden
und von einigermassen guter Effizienz bis zur gänzlichen Unwirksamkeit
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Seite 12
reiche (U.S. Department of State: Country Report on Human Rights Prac-
tices for 2013 – Pakistan, 27. Februar 2014). In weiteren Urteilen des Bun-
desverwaltungsgerichts wird festgestellt, dass der Staat Pakistan im Rah-
men der lokalen Gegebenheiten fähig und willens ist, Schutz vor Verfol-
gung Dritter zu bieten und die effektiv bestehende Schutzinfrastruktur zur
Verfügung zu stellen (vgl. hierzu etwa die Urteile des BVGer E-2517/2018
vom 11. Mai 2018 E. 6; E-1266/2016 vom 25. April 2017 E. 5.3).
6.4 Des Weiteren ist nicht auszuschliessen, dass der Vater des Beschwer-
deführers aufgrund seiner Tätigkeit als Imam in B._ allenfalls auf
Widerstand seitens Dritter gestossen ist. Indes lässt sich das konkrete Mo-
tiv hinter dem geltend gemachten Vorfall, als sein Bruder durch Schüsse
getötet worden sei, nicht eruieren. So ist den Aussagen des Beschwerde-
führers insbesondere nicht zu entnehmen, wieso und von wem auf ihn und
seine Familie geschossen wurde (vgl. A6 S. 8 und A19 F67). Auch die Dro-
hungen gegen ihn und seine Familie seit seiner Ausreise schildert er nur
wenig konkret (A19 F48 f. und F108 ff.). Er vermag somit seine subjektiven
Befürchtungen, im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr von Drittpersonen
gezielt verfolgt zu werden, nicht substanziell zu konkretisieren. Es ist nicht
nachvollziehbar, weshalb die Feinde seines Vaters nach dem Beschwer-
deführer und nicht nach seinen jüngeren Geschwistern vor Ort oder seinem
älteren Bruder in Dubai verlangen würden (vgl. A6 S. 8 und A19 F49, F100
und F111). Bei einem reellen Interesse der Feinde an seinem Vater wäre
zu erwarten, dass auch dieser – trotz seines fortgeschrittenen Alters – be-
droht würde (vgl. A19 F77). Zwar gibt die Botschaftsantwort lediglich eine
Zusammenfassung des Telefonats mit seinem Vater wieder. Wäre eine
Rückkehr für den Beschwerdeführer aber derart gefährlich, wäre zu erwar-
ten gewesen, dass sein Vater nicht so einfach eingewilligt hätte, ihn abzu-
holen, sondern allfällige Risiken einer Rückkehr bereits anlässlich des Te-
lefonats mindestens erwähnt hätte. Auch dürfte er sich nicht auf Aussagen
zu den Auslagen, die ihm die Ausreise des Sohnes beschert habe, be-
schränkt haben, wenn konkrete Gefahren vorgelegen hätten. Ginge die Be-
drohung, wie vom Beschwerdeführer geschildert, von schiitischen respek-
tive christlichen Personen aus (vgl. A19 F54 f., F61 und F66), wäre es der
Familie zudem zuzumuten, sich an den mehrheitlich sunnitischen pakista-
nischen Staat zu wenden. Der Beschwerdeführer kann nicht überzeugend
darlegen, dass er wegen fehlender Schutzfähigkeit der pakistanischen Be-
hörden einer asylrelevanten Verfolgungsgefahr durch Dritte ausgesetzt ge-
wesen und aus diesem Grund eine Gefährdung seiner Person im Falle ei-
ner Rückkehr nach Pakistan anzunehmen wäre (vgl. A19 F80 ff.). Die der
Familie des Beschwerdeführers durch eine lokal mächtige Familie (vgl. A19
E-1635/2020
Seite 13
F64 f.) zugefügten Nachteile beschränken sich zudem auf seine Heimatre-
gion und weisen somit nur einen lokalen Charakter auf. Folglich wäre es
dem Beschwerdeführer möglich, sich an einem anderen Ort auf dem
Staatsgebiet Pakistans niederzulassen, zumal er nicht vorbringt, dass es,
auch wenn seine Familie versteckt lebe, seit seiner Ausreise zu weiteren
Vorfällen mit der gegnerischen Familie gekommen wäre (vgl. A19 F108 ff.).
Dies schliesst einen notwendigen Schutz seitens eines Drittstaates aus. Es
sind seinen Aussagen insgesamt keine Anhaltspunkte zu entnehmen, dass
es aus objektiver Sicht erforderlich gewesen wäre, im Jahr 2018 aus asyl-
relevanten Gründen auszureisen. Seine Befürchtungen vermögen dem-
nach auch aus objektiver Sicht keine begründete Furcht vor zukünftiger
asylrelevanter Verfolgung zu begründen. An dieser Einschätzung ändert
auch der mit Beschwerde eingereichte Brief seines Vaters nichts, zumal
diesem kein asylrechtliches Motiv zu entnehmen ist.
6.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, darzulegen, asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt gewesen
zu sein oder solche künftig befürchten zu müssen. Das SEM hat sein Asyl-
gesuch im Ergebnis zu Recht abgewiesen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pakistan
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lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet
im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichts-
punkt von gewichtiger Bedeutung. Das Kindeswohl gemäss Art. 3 Abs. 1
des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin-
des (KRK, SR 0.107) und die aus der KRK fliessenden Rechte sind als
gewichtiger Aspekt zu berücksichtigen. Namentlich können dabei folgende
Kriterien im Rahmen einer Gesamtbeurteilung von Bedeutung sein: Alter
des Kindes, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) sei-
ner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere
Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich
Entwicklung beziehungsweise Ausbildung sowie der Grad der erfolgten In-
tegration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2014/20
E. 8.3.6; 2009/51 E. 5.6, je m.w.H.). Ferner hat die zuständige Behörde ge-
mäss Art. 69 Abs. 4 AIG vor einer Ausschaffung von unbegleiteten minder-
jährigen Personen sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem Fa-
milienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung überge-
ben werden, welche den Schutz des Kindes gewährleisten (vgl. BVGE
2015/30 E. 7.3 m.w.H.). Die Rückreisemodalitäten (Begleitung der UMA,
Ort und Zeit der Übergabe nach der Ankunft im Heimatland etc.) können
allerdings erst im unmittelbaren Vorfeld der Rückkehr geregelt werden (vgl.
EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e.bb S. 100).
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 In Pakistan herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situa-
tion allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-
bar wäre.
8.4.2 Es sind – mit Verweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz – keine individuellen Gründe ersichtlich, die gegen einen Wegwei-
sungsvollzug sprechen. Weder in der BzP noch in der Anhörung erwähnte
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der Beschwerdeführer, dass seine Familie finanzielle Schwierigkeiten
habe, zumal er bei beiden Befragungen angab, sie würde von seinem in
Dubai lebenden Bruder finanziell unterstützt (vgl. A6 S. 5 und A19 F33 f.).
Wäre die Lage für ihn bei einer Rückkehr nach Pakistan tatsächlich äus-
serst prekär, wäre zu erwarten gewesen, dass sein Vater anlässlich des
Telefonats mit der Schweizerischen Botschaft die finanziellen Schwierig-
keiten erwähnt hätte. Indes ist auch der nachträglich eingereichten schrift-
lichen Stellungnahme seines Vaters nicht zu entnehmen, dass die Familie
sich in einer finanziellen Notlage befinde. Überdies ist der Botschaftsaus-
kunft nicht zu entnehmen, dass der Vater schwierig zu erreichen gewesen
wäre oder angab, im Versteckten zu leben, weshalb Zweifel an dieser Be-
hauptung anzubringen sind. Doch selbst wenn dies der Fall sein sollte, ver-
fügt der Beschwerdeführer mit seinen übrigen Familienmitgliedern sowie
weiteren Verwandten in seiner Heimat über eine gesicherte Wohnsituation
und ein umfassendes soziales Beziehungsnetz, welches ihn bei seiner
Rückkehr unterstützen kann. Aufgrund seines jungen Alters ist davon aus-
zugehen, dass er den Schulbesuch in Pakistan fortsetzen kann.
8.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem die In-
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struktionsrichterin sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom
22. April 2020 gutgeheissen hat und den Akten keine Hinweise auf eine
Veränderung seiner finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, sind
keine Verfahrenskosten zu erheben.
Mit derselben Zwischenverfügung wurde ausserdem das Gesuch um amt-
liche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und dem Be-
schwerdeführer seine Rechtsvertreterin als Rechtsbeiständin bestellt.
Demnach ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwendigen Aufwen-
dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Mit Eingabe vom 13. Mai
2020 wurde eine Kostennote ins Recht gelegt. Darin wird ein als angemes-
sen zu erachtender Aufwand von 9 Stunden und Auslagen von 16.60 gel-
tend gemacht. Mit Instruktionsverfügung vom 22. April 2020 wurde bereits
festgestellt, dass gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der Stun-
denansatz für das Honorar von amtlich bestellten Rechtsbeiständen, die
Rechtsanwälte sind, in der Regel Fr. 200.– bis 220.– beträgt. Das amtliche
Honorar für die Rechtsvertreterin ist somit auf insgesamt aufgerundet
Fr. 2’150.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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