Decision ID: 46027bc7-92d9-4d56-bd49-147b7b6b4e32
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde im März 2015 von seiner Mutter wegen eines Geburtsgebrechens bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen für medizinische Massnahmen angemeldet (IV-act.
10).
A.b Dr. med. B._, Kinder- und Jugendpsychiatrie FMH, berichtete der IV-Stelle am 1.
Mai 2015 (IV-act. 15), dass der Versicherte am Geburtsgebrechen Ziff. 405, einem
Asperger-Syndrom (ICD-10: F84.5, 18. März 2015), leide. Bereits am 1. April 2015 hatte
dieselbe Ärztin einen Abklärungsbericht zuhanden von Dr. med. C._, Kinder- und
Jugendmedizin FMH, verfasst (IV-act. 66). In der Beurteilung hatte sie festgehalten,
dass das Asperger-Syndrom beim Versicherten nicht leicht erkennbar sei, da er oft
Blickkontakt halte und Mimik zeige. Bei der Untersuchung habe sich aber feststellen
lassen, dass beides nicht sozial gerichtet sei und dass schon vor dem 5. Lebensjahr
deutliche Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion und der Kommunikation vorgelegen
hätten. Die Unruhe und die Wutausbrüche zu Hause seien reaktiv als soziale
Überforderung und Reizüberflutung durch die Schule, wo er sich sehr anpasse, zu
verstehen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen hatten im
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Untersuchungsbericht vom 13. Mai 2014 (IV-act. 27) als Diagnose noch eine
Anpassungsstörung nach belastendem Lebensereignis (Burnout des Vaters, F43.2)
angegeben. Die Oberärztin hatte festgehalten, dass der Versicherte mit der Ende
letzten Jahres aufgetretenen Burnout-Situation des Vaters nicht umzugehen gewusst
habe; er habe das Verhalten seines Vaters ihm gegenüber nicht verstanden und es
auch nicht einordnen können. Mit dem positiven Genesungsprozess des Vaters habe
sich auch das Verhalten des Versicherten verändert; seine Auffälligkeiten hätten
zwischenzeitlich wieder deutlich abgenommen.
A.c Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 22. Juli 2015 über die Auffälligkeiten des
Ver¬sicherten bis zum Erreichen des 5. Altersjahres (IV-act. 29). RAD-Ärztin Dr. med.
D._ notierte am 18. September 2015 (IV-act. 30), dass die
versicherungsmedizinischen Voraussetzungen für das Geburtsgebrechen Ziff. 405
(Autismus-Spektrum-Störung) wegen zu wenigen Autismus-typischen Daten in den
ersten fünf Lebensjahren nicht erfüllt seien.
A.d In der Folge wies die IV-Stelle das Gesuch um eine Kostengutsprache für
medizinische Massnahmen im Rahmen des Geburtsgebrechens Ziff. 405 mit Verfügung
vom 5. Januar 2016 ab (IV-act. 43). Die dagegen erhobene Beschwerde zog der
Rechtsvertreter des Versicherten wieder zurück (IV-act. 52-3). Das
Beschwerdeverfahren wurde daher abgeschrieben (IV 2016/41, IV-act. 52-1 f.).
B.
B.a Im Februar 2016 meldeten die Eltern den Versicherten zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung an (IV-act. 44). Sie gaben an, dass der Versicherte beim An-
und Auskleiden, beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen, bei der Körperpflege sowie bei der
Fortbewegung und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen sei.
B.b Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 29. März 2016 (IV-act. 54), dass er die
gesundheitlichen Einschränkungen des Versicherten zu wenig beurteilen könne. Am 12.
Mai 2016 berichtete Dr. B._ (IV-act. 57), dass die psychischen Einschränkungen des
Versicherten in einer erschwerten Selbstwahrnehmung und einer nicht
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altersentsprechenden Sozialkompetenz bestünden. Die ungenügende Reizfilterung
führe zu einer Reizüberflutung und einer Ermüdung, was sich unter anderem in
Affektdurchbrüchen zeige. Die verminderte Selbststeuerung, die Defizite in den
sozialen und kommunikativen Kompetenzen und die eingeschränkten exekutiven
Funktionen müssten durch die Eltern dauernd kompensiert und reguliert werden.
Zudem erschwerten sensorische Überempfindlichkeiten eine altersübliche
Selbständigkeit. In kognitiv-intellektueller Hinsicht führten
Konzentrationsschwierigkeiten und eine Ablenkbarkeit bei durchschnittlicher Intelligenz
zu leichteren Lernschwierigkeiten. Die Angaben (der Eltern) über die Hilflosigkeit des
Versicherten stimmten mit ihren Feststellungen überein.
B.c E._ von der Jugend- und Familienbegleitung hielt im Bericht vom Juli 2016 fest
(IV-act. 67), dass die Mutter überfordert sei und sich mit ihren eigenen
Verantwortungen unter Druck setze. Der Vater grenze sich aus oder reagiere gereizt auf
Turbulenzen. Der Versicherte sei gut in der Schule. In Krisen-Situationen reagiere er
affektiv; seine Gedanken blockierten und seine Ausbrüche würden äusserst grob. Das
Leben der Normalität während der Schule überfordere ihn und seinen ebenfalls am
Asperger-Syndrom leidenden Bruder. Beide seien zuhause gereizt und unnahbar.
B.d Am 22. Juni 2016 fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt (Abklärungsbericht
vom 30. August 2016, IV-act. 73). Die IV-Abklärungsperson notierte, dass sich die
Erziehung des Versicherten äusserst schwierig gestalte, da er zu Hause sämtliche
Aufträge und Alltagsverrichtungen verweigere. Er sei sehr stur, dickköpfig,
aufbrausend, aggressiv und dünnhäutig. In der Schule passe er sich hingegen an und
falle nicht auf. Das Spielen mit anderen Kindern sei nur unter Aufsicht möglich. Der
Versicherte könne sich verbal nicht gut ausdrücken und sich nicht in sein Gegenüber
hineinversetzen, weshalb es regelmässig zu Auseinandersetzungen komme, in welchen
der Versicherte auch die Fäuste einsetze. Bezüglich der Hilflosigkeit und des
Betreuungsaufwands hielt die Abklärungsperson fest, dass dem Versicherten die
Kleider bereitgelegt werden müssten, da er sonst immer das Gleiche anziehen würde.
Schmutzige Wäsche, Flecken und schlechter Geruch störten ihn nämlich nicht. Bei
Bedarf werde dem Versicherten grobe, grosse und zähe Nahrung wie z.B. ein Stück
Fleisch zerkleinert oder man bestreiche ihm das Brot. Im Bereich der Körperpflege
nehme der Versicherte partout keine Verrichtung vor. Die Zähne, das Gesicht und die
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Hände wasche er nur, wenn er mehrmals dazu aufgefordert und wenn er begleitet
werde. Eine Morgentoilette finde aufgrund der Verweigerungshaltung nicht statt. Auch
die Zahnreinigung am Abend sei nicht angemessen; die Zähne müssten jeweils
nachgereinigt werden. Der Versicherte sei kaum zum Duschen zu bewegen. Er müsse
darauf vorbereitet, mehrere Male aufgefordert und begleitet werden. Er selbst nehme
keine eigentliche Reinigung vor. Ihn interessiere es auch nicht, ob die Seife und das
Shampoo korrekt abgespült seien. Das Haare waschen werde von der Mutter
übernommen. Nach dem Verrichten der Notdurft betätige der Versicherte die Spüle
nicht zuverlässig und er hinterlasse die Toilette in einem schmutzigen Zustand. Der
Versicherte kenne die Gefahren im Strassenverkehr und könne die Regeln umsetzen. Er
habe nur einen gleichaltrigen Freund. Mit den Mitschülern verstehe er sich in der Regel
nicht. Zum Fussball spielen oder Schlitteln müsse er immer begleitet werden, da es
sonst zu Streit und Schlägereien komme. Der Versicherte könne über einen Zeitraum
von einer Stunde alleine zu Hause gelassen werden. Die Mutter habe dabei aber ein
ungutes Gefühl. Zudem dürfe der kleine Bruder nicht anwesend sein, da es sonst zu
Auseinandersetzungen und Streit komme. Die Mutter des Versicherten hielt am 25.
August 2016 ergänzend und korrigierend fest, dass sich der Versicherte in der Schule
anpasse, was für ihn sehr kräfteraubend sei; den so erzeugten Druck lasse er zu Hause
heraus. Der zusätzliche Aufwand beim Essen sei grösser als bei einem gleichaltrigen
gesunden Jungen. Der Versicherte komme auch nach der Aufforderung nicht sofort
zum Essen und stehe immer wieder vom Esstisch auf. Er zerschneide das Essen nur
selten; in der Regel steche er ein ganzes Stück auf die Gabel und esse dieses dann
unordentlich. Er müsse dauernd ermahnt werden, gerade zu sitzen. Nach dem
Verrichten der Notdurft müsse der Versicherte angeleitet werden, die Hände zu
waschen. Die Reinigung sei nicht immer sauber. Der Versicherte sei unzuverlässig. Bei
Wutanfällen laufe er ohne Ankündigung davon. Er halte sich auch nicht an
Abmachungen und müsse oft gesucht werden. Die Situation mit beiden Kindern
gleichzeitig sei von Wutanfällen, Streit und sich gegenseitig auf die Nerven gehen
gezeichnet. Die Abklärungsperson hielt in ihrer Stellungnahme vom 30. August 2016
fest (IV-act. 73-7 f.), dass nur die Mutter am Gespräch teilgenommen habe. Während
des Gesprächs sei die Familienbegleiterin E._ mit den Söhnen nach draussen spielen
gegangen, da die Mutter nicht gewollt habe, dass diese etwas vom Gespräch
mitbekämen. Der Haushalt sei sehr unordentlich gewesen. Überall hätten Gegenstände
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herumgelegen. Die Mutter habe erklärt, dass sie komplett am Anschlag sei. Sie sei
nervlich am Ende und könne nicht mehr. Die beiden Kinder seien unglaublich streng
und beschäftigten sie von morgens bis abends. Sie sei zu 50 % erwerbstätig; wegen
der belastenden Familiensituation sei sie derzeit jedoch arbeitsunfähig geschrieben.
Die Abklärungsperson kam zum Schluss, dass aufgrund der ausgeprägten
Verweigerungshaltung die Gefahr einer Verwahrlosung bestehe, weshalb in den
meisten Bereichen eine indirekte Dritthilfe und im Verlauf teilweise eine direkte
Übernahme nötig sei. Diese Dritthilfe könne im Rahmen einer ständigen persönlichen
Überwachung berücksichtigt werden.
B.e Eine IV-Sachbearbeiterin notierte am 8. November 2016 (IV-act. 75), dass es sich
gemäss der mündlichen Rücksprache insbesondere mit dem RAD bezüglich der
Hilflosigkeit um ein medizinisches und nicht um ein erzieherisches Problem handle.
B.f Mit Vorbescheid vom 20. Dezember 2016 (IV-act. 79) stellte die IV-Stelle dem
Versicherten eine Entschädigung wegen einer leichten Hilflosigkeit vom 11. Februar
2015 bis 31. Mai 2020 (Revision) in Aussicht. Zur Begründung hielt sie fest, dass
aufgrund der ausgeprägten Verweigerungshaltung eine Überwachung mit klaren
Strukturvorgaben nötig sei. Daher könne eine dauernde persönliche Überwachung
berücksichtigt werden. Dagegen liess der Versicherte am 1. Februar 2017 einwenden
(IV-act. 82), im Abklärungsbericht vom 22. Juni 2016 sei eindrücklich ausgeführt
worden, dass er aufgrund seiner Behinderung in mindestens zwei Lebensbereichen auf
indirekte Dritthilfe angewiesen sei. Die indirekte Dritthilfe könne nicht im Rahmen der
ständigen persönlichen Überwachung berücksichtigt werden. Er habe somit Anspruch
auf eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades. Des Weiteren sei der Anspruch auf
einen Intensivpflegezuschlag zu prüfen.
B.g Auf Anfrage hin erteilte die Klassenlehrerin der IV-Abklärungsperson am 3. März
2017 telefonisch die Auskunft, dass der Versicherte während des Schulunterrichts,
unter klaren Strukturen, ein unauffälliger Schüler sei. Er sei eher ein Einzelgänger und
benötige oft seine Ruhe. Dennoch sei er im Schulverband gut integriert und akzeptiert.
Während der Pause begebe er sich mit seinen Schulfreunden selbständig auf den
Pausenplatz. Dabei komme es in der Regel nicht zu Streitereien oder Zwischenfällen,
bei welchen eingegriffen werden müsste. Höchstens beim Fussballspielen komme es
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zu kleinen Konflikten. Kürzlich habe sich der Versicherte mit seiner Klasse im
Herbstlager befunden. Dort habe er eine Woche mit einem Jungen aus der
Parallelklasse im selben Zimmer verbracht. Es habe keine Streitigkeiten gegeben.
Während dieser Woche habe gut beobachtet werden können, dass dem Versicherten
das angemessene Essen mit Gabel und Messer möglich sei. Nach dem Toilettengang
benötige er keine Hilfe. Vor und nach dem Turn- und Schwimmunterricht ziehe er sich
selbständig aus- und an. Der Versicherte verhalte sich gegenüber allen Lehrpersonen
anständig und freundlich. Sie habe aber z.B. an Elternabenden feststellen können, dass
das Verhalten des Versicherten gegenüber den Eltern ein anderes sei. Die Lehrerin
unterzeichnete das korrigierte Gesprächsprotokoll am 20. März 2017 (IV-act. 88).
B.h Die IV-Abklärungsperson notierte am 29. März 2017 (IV-act. 89-5), dass die
Angaben der Eltern kritisch zu würdigen seien, da offensichtliche Diskrepanzen
vorlägen (siehe Angaben beim Bruder). Es scheine, dass grösstenteils die
Erziehungsmethoden und die Geschwisterkonstellation das Verhalten des Versicherten
beeinflussten. Im Übrigen habe die Mutter gerade kürzlich ein Rentengesuch gestellt.
B.i RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt für Arbeitsmedizin, notierte am 27. April 2017
(IV-act. 83), die weiterführenden Abklärungen hätten ergeben, dass die
Überwachungsbedürftigkeit nicht in allen Lebensbereichen im geltend gemachten
Ausmass erforderlich sei. Dem Versicherten sei es im strukturierten Rahmen der Schule
sowie auch bei mehrtägigen Schulveranstaltungen (Herbstlager) sehr wohl möglich,
ohne besondere Betreuung den geforderten Tätigkeiten nachzukommen, ohne dass
relevante Auffälligkeiten zu verzeichnen wären. Er sei auch in der Lage, den Schulweg
alleine zu bewältigen. Die Asperger-Symptomatik sei nicht so ausgeprägt, dass von
einer andauernden Überwachungsbedürftigkeit in allen Lebensbereichen gesprochen
werden könnte. Die andauernde Überwachungsbedürftigkeit scheine sich vielmehr auf
den häuslichen Bereich zu konzentrieren. Aus medizinischer Sicht sei die
Notwendigkeit einer erheblichen und andauernden Begleitung nicht ausgewiesen.
B.j Mit Vorbescheid vom 3. Mai 2017 ersetzte die IV-Stelle den Vorbescheid vom 20.
Dezember 2016 und kündigte dem Versicherten die Abweisung des Gesuchs um eine
Hilflosenentschädigung an (IV-act. 91). Zur Begründung hielt sie fest, neue Abklärungen
hätten ergeben, dass keine Hilfsbedürftigkeit in einem solch grossen Ausmass vorliege,
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dass ein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung bestünde. Dagegen liess der
Versicherte am 2. Juni 2017 einwenden (IV-act. 95), dass der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung allein aufgrund der Antwort der Lehrerin verneint worden sei.
Diese könne jedoch nur einen kleinen Teil des Tagesablaufs des Versicherten
überprüfen. Es sei aktenkundig, dass sich der Versicherte in der Schule stark anpasse
und sich dort auch wegen des Druckes einigermassen "korrekt" verhalte. Zuhause
könne er dieses "Angepasstsein" aber nicht halten, was für Kinder mit einer Autismus-
Spektrum-Störung bezeichnend sei. Für die Beurteilung des Anspruchs auf eine
Hilflosenentschädigung seien die indirekte Hilfe und die Überwachungsbedürftigkeit
über den ganzen Tag verteilt zu prüfen. Erfahrungsgemäss seien der Morgen und der
Abend am betreuungsintensivsten. Bezüglich der Notdurftverrichtung sei festzuhalten,
dass die Lehrpersonen die Kinder nicht auf die Toilette begleiten dürften; die Lehrerin
könne die Reinlichkeit und das Händewaschen also gar nicht überprüfen. Am 30. Juni
2017 reichte der Rechtsvertreter einen Bericht der Ergotherapeutin des Bruders des
Versicherten ein und erklärte, dass dieser Bericht für den vorliegenden Fall die gleiche
Bedeutung habe (IV-act. 97). Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung hätten im
Bereich der Schule aufgrund der dortigen strukturierten Anforderungen weniger Mühe.
Sie müssten sich dort aber sehr anstrengen und hätten dann die Energie nicht mehr,
um zuhause ebenfalls mit der gleichen Ausgeglichenheit zu leben. Die Angelegenheit
sei noch einmal zu überprüfen und dem Versicherten sei mindestens eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades zuzusprechen.
B.k Mit Verfügung vom 11. Juli 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch um eine
Hilflosenentschädigung wie angekündigt ab (IV-act. 98). Zum Einwand hielt sie fest,
dass es offensichtliche Diskrepanzen zwischen den Aussagen der Mutter und dem
alltäglichen Verhalten des Versicherten gebe. Daher sei es angemessen gewesen, das
gesamte Umfeld, insbesondere die Schule, zu befragen. Demnach liege keine
invaliditätsbedingte Überwachungsbedürftigkeit vor. Geschwisterkonstellationen
könnten nicht berücksichtigt werden.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
11. September 2017 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte
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die Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Angelegenheit an die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zur Abklärung der Hilflosigkeit und des
Intensivpflegezuschlags. Zur Begründung machte er geltend, es sei unhaltbar, dass die
Beschwerdegegnerin die im Abklärungsbericht aufgeführten Einschränkungen aufgrund
einer rein telefonischen Rückfrage bei der Klassenlehrerin in Frage gestellt und letztlich
den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung abgelehnt habe. Die Lehrerin könne zu
gewissen Punkten nur oberflächlich Auskunft geben. Bezüglich des Essens sei nie die
Notwendigkeit einer direkten Dritthilfe geltend gemacht worden. Die Lehrerin sei gar
nicht dazu befragt worden, ob beim Essen eine indirekte Dritthilfe notwendig sei.
Weitaus wichtiger sei aber, dass sich der Beschwerdeführer in der Schule nur mit
einem grossen persönlichen Einsatz adäquat verhalten könne, was er dann zu Hause
eben nicht mehr könne. Dieses für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung
typische Verhalten sei von der Beschwerdegegnerin überhaupt nicht gewürdigt
worden. Diese habe die Aussage der Lehrerin in den Vordergrund gestellt und die
Aussage der Mutter durch den Hinweis, dass erzieherische und familiäre Probleme
bestünden, entwertet. Dabei habe die Beschwerdegegnerin in einer internen Notiz vom
8. November 2016 selbst festgehalten, dass es sich vorliegend um ein medizinisches
und nicht um ein erzieherisches Problem handle. Des Weiteren habe die
Beschwerdegegnerin die Voraussetzungen eines Intensivpflegezuschlages nicht
geprüft.
C.b Ein Fachberater des Bereichs Hilflosenentschädigung/Sachleistungen notierte am
24. Oktober 2017 (IV-act. 105), dass zu Hause ein grösseres Konfliktpotential
vorhanden zu sein scheine, insbesondere weil beide Kinder gewisse
Verhaltensauffälligkeiten aufwiesen. Der Beschwerdeführer benötige eine klare
Struktur. Inwiefern eine solche zu Hause gewährleistet werde, sei schwierig zu
beantworten. Jedenfalls werde in erster Linie von familiären Schwierigkeiten mit einer
schwierigen Geschwisterkonstellation berichtet. Die Abweisung des Gesuchs um eine
Hilflosenentschädigung sei korrekt gewesen.
C.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. November 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung hielt sie fest, im Vordergrund stehe die strittige
Frage, wie der IV-Abklärungsbericht, die Aussage der Lehrerin und die Stellungnahme
des RAD vom 27. April 2017 zu würdigen seien. Die Beobachtungen der
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Klassenlehrerin hätten gezeigt, dass der Beschwerdeführer entgegen den Aussagen
der Mutter bei der Körperhygiene, beim Essen und beim An- und Ausziehen nicht auf
Hilfe angewiesen sei. Da der Aufenthalt im Herbstlager mehrtägig gewesen sei, habe
sich die Klassenlehrerin sehr wohl ein objektives Bild über den Beschwerdeführer
machen können. Des Weiteren sprächen gewisse Aspekte dafür, dass für das
Verhalten des Beschwerdeführers die familiäre Situation, insbesondere das Burnout
des Vaters, verantwortlich sei. Die kritische Sichtweise der IV-Abklärungsperson sei
vom RAD bestätigt worden. Der Intensivpflegezuschlag setze einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung voraus, welcher vorliegend fehle.
C.d Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in seiner Replik vom 5. März
2018 ergänzend geltend (act. G 10), dass der ihm am 27. Februar 2018 zugestellte
Bericht der Ergotherapeutin G._ die Aussagen der Mutter im Abklärungsbericht
bestätige. Auch aus der Stellungnahme der Familienbegleiterin vom 9. Februar 2018
ergebe sich klar, dass die Situation zu Hause durch die Behinderung und nicht durch
eine schlechte Familienplanung oder durch eine überforderte Mutter entstanden sei.
Demnach müsse die Notwendigkeit der indirekten Hilfe in den einzelnen
Lebensverrichtungen und der Überwachungsbedarf noch einmal überprüft werden.
Hierzu seien Fachpersonen der Autismushilfe beizuziehen. Die Sozialbegleiterin E._
hatte dem Rechtsvertreter am 9. Februar 2018 berichtet (act. G 10.2), dass sie eine
derart schwierige Familiensituation mit diesen andersartigen, aus ihrer Sicht komischen
Problemen während ihrer 12-jährigen Tätigkeit bei der Jugend- und Familienbegleitung
noch nie erlebt habe. Die sozialen Kompetenzen des Beschwerdeführers und seines
Bruders seien nicht altersentsprechend oder fehlten. Aus ihrer Sicht könnten die Brüder
niemals alleine bleiben. Sie stritten sich oft derb untereinander. Sie kopierten extrem
das Verhalten der Mitschüler. Wenn sie nach Hause in den Schutz der Familie kämen,
brächen sie fast zusammen. Beim Beschwerdeführer drücke sich dies in einer lauten,
derben Sprache und einem respektlosen Einverleiben von essbaren Dingen aus. Sie
habe erlebt, wie er stürmisch durch die Esswaren gefegt sei, den Abfall liegen und die
Kühlschranktüre offen gelassen oder den Wasserhahn nicht abgestellt habe. Ohne das
Eingreifen der Mutter hinterlasse er eine Spur der Unordnung. Die Mutter bemühe sich
darum, die Familienregeln durchzusetzen. Leider halte eine Konsequenz nach einem
Regelverstoss kaum lange an und die Brüder fielen in ihre Verhaltensmuster zurück. Sie
selber habe in keiner ihrer Begleitungen so oft banale Dinge wie das Schliessen der
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Türe oder das Wegräumen des Fahrrads von der Strasse immer wieder einfordern
müssen. Die Ergotherapeutin D. G._ hatte dem Rechtsvertreter berichtet (act. G
10.1), dass sich der Beschwerdeführer in ruhigen oder eingeübten Situationen
angemessen verhalten könne. In unstrukturierten Situationen sei er schnell überfordert
und reagiere mit herausforderndem Verhalten wie Aggression, Demolieren von
Gegenständen, starker motorischer Unruhe und Selbstregulation mit Essen. Er brauche
viel Unterstützung in der Interaktion mit anderen und in der Bewältigung von Konflikten;
einfachste Umgangsformen fielen ihm sehr schwer. Die Regulierung von
Nahrungsportionen führe häufig zur Frustration und zu Auseinandersetzungen. Beim
Kochen bestehe Verbrennungsgefahr, weil er blitzschnell in die Pfannen fasse.
Eingeübte Strecken (bis jetzt nur der Schulweg von 5 Minuten) könne er selbständig
bewältigen, wenn er nicht gestört werde und wenn es hell sei (Angst vor Dunkelheit).
Wenn er Schulkollegen treffe, sei er schnell abgelenkt, werde dann häufig laut und
auffällig, was oft im Streit ende. Der Beschwerdeführer merke nicht, wenn sein T-Shirt
nassgeschwitzt sei. Die Anwendung eines Deos müsse jedes Mal abgemahnt werden.
Er erkenne nicht, wann die Zähne geputzt werden müssten oder wenn
körperhygienische Massnahmen notwendig seien; er müsse hierzu angeleitet und
überwacht werden. Die Mutter müsse die Kleidung bereitlegen. Der Beschwerdeführer
wisse nicht, welche Kleider der Witterung angepasst seien und wann sie gewechselt
werden müssten. Beim Einschlafen müsse die Mutter immer in der Nähe bleiben.
Schwierig sei, dass der Beschwerdeführer eigentlich selbständig sein wolle, dies aber
nicht könne. Er könne seine Bedürfnisse kaum zurückstellen und nicht auf die
Bedürfnisse anderer eingehen. Er zeige in allen Bereichen ein kleinkindliches, nicht
altersgemässes Verhalten. Eine intensive Betreuung sei daher zwingend notwendig.
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen
1.
Als Eintretensvoraussetzung zu prüfen ist, ob die 30-tägige Beschwerdefrist (Art. 60
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG, SR 830.1) zur Anfechtung der Verfügung eingehalten worden ist. Der
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Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat die Verfügung vom 11. Juli 2017 am 14.
Juli 2017 erhalten. Die Beschwerdefrist hätte also eigentlich am 15. Juli 2017 zu laufen
begonnen. Während der Gerichtsferien vom 15. Juli bis 15. August stehen gesetzliche
Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, jedoch still (Art. 38 Abs. 4 lit. b
ATSG). Die Frist hat also erst am 16. August 2017 zu laufen begonnen und wäre daher
am 14. September 2017 abgelaufen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat
am 11. September 2017 und somit rechtzeitig Beschwerde erhoben. Auf die
Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung einen Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Hilflosenentschädigung und damit natürlich auch auf
einen Intensivpflegezuschlag verneint. Nachfolgend ist entsprechend den
Beschwerdebegehren zu prüfen, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung und einen Intensivpflegezuschlag hat.
2.2 Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
sind, haben nach Art. 42 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als
hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 ATSG).
2.3 Die massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen betreffen sechs Bereiche:
Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Verrichten
der Notdurft und Fortbewegung (Rz. 8010 des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, Stand 1. Januar 2017). Der Bedarf nach
Hilfeleistungen muss regelmässig und in erheblicher Weise bestehen. Regelmässig
werden Hilfeleistungen benötigt, wenn sie täglich oder eventuell täglich erbracht
werden müssen (vgl. Rz. 8025 KSIH). Erheblich sind Hilfeleistungen, wenn die
versicherte Person mindestens eine Teilfunktion einer alltäglichen Lebensverrichtung
nicht mehr, nur noch mit unzumutbarem Aufwand oder nur noch auf unübliche Art und
Weise selbst ausführen kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne
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besondere Aufforderung nicht vornehmen würde, oder wenn sie sie selbst mit Hilfe
Dritter nicht erfüllen kann, weil sie für sie keinen Sinn hat (vgl. Rz. 8026 KSIH). Von der
direkten Dritthilfe bei der Ausführung der alltäglichen Lebensverrichtungen ist somit die
indirekte Dritthilfe zu unterscheiden. Die indirekte Hilfe betrifft zur Hauptsache
psychisch oder geistig behinderte Menschen. Indirekte Dritthilfe ist gegeben, wenn die
versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar funktionsmässig selber
ausführen kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten tun würde, wenn
sie sich selbst überlassen wäre. Die indirekte Dritthilfe setzt voraus, dass die
Drittperson regelmässig anwesend ist und die versicherte Person insbesondere bei der
Ausführung der in Frage stehenden Verrichtungen persönlich überwacht, sie zum
Handeln anhält oder von schädigenden Handlungen abhält und ihr nach Bedarf hilft
(Rz. 8029 f. KSIH).
2.4 Der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung bezieht sich nicht auf die
alltäglichen Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte
Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden
haben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins
Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine medizinische und pflegerische Hilfeleistung
zu verstehen, welche infolge des Gesundheitszustandes der versicherten Person
notwendig ist. Eine solche persönliche Überwachung ist beispielsweise dann
erforderlich, wenn eine versicherte Person wegen geistiger Absenzen nicht während
des ganzen Tages allein gelassen werden kann oder wenn eine Drittperson mit
kleineren Unterbrüchen bei der versicherten Person anwesend sein muss, da sie nicht
allein gelassen werden kann. Die persönliche Überwachung muss ein gewisses Mass
an Intensität aufweisen. Ob dauernde Hilfe oder persönliche Überwachung nötig sind,
ist objektiv, nach dem Zustand der versicherten Person zu beurteilen. Eine
Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen werden, wenn die versicherte Person
ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder
Drittpersonen gefährden würde (vgl. Rz. 8035 KSIH).
2.5 Gemäss Art. 42 Abs. 2 IVG ist zu unterscheiden zwischen schwerer,
mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit. Bei Minderjährigen gilt die Hilflosigkeit als
mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den
meisten (mindestens vier; siehe Rz. 8009 KSIH) alltäglichen Lebensverrichtungen
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regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a) oder in
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 2 lit. a und b der Verordnung über die
Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201; lit. c gilt nur für volljährige versicherte
Personen, siehe Art. 42bis Abs. 5 IVG und Art. 38 Abs. 1 IVV). Eine leichte Hilflosigkeit
liegt vor, wenn die minderjährige versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder einer dauernden persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. a und b IVV; vgl. auch lit. c und d; lit. e gilt nur für volljährige
versicherte Personen, siehe Art. 42bis Abs. 5 IVG und Art. 38 Abs. 1 IVV). Bei
Minderjährigen ist nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung
im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen.
2.6 Die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive
Betreuung brauchen, wird um einen Intensivpflegezuschlag erhöht. Der monatliche
Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten Betreuungsaufwand von
mindestens acht Stunden pro Tag 60 %, bei einem solchen von mindestens sechs
Stunden pro Tag 40 % und bei einem solchen von mindestens vier Stunden pro Tag 20
% des Höchstbetrages der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 AHVG. Der Zuschlag
berechnet sich pro Tag (Art. 42ter Abs. 3 IVG). Eine intensive Betreuung liegt bei
Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge der Beeinträchtigung der
Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens vier Stunden benötigen (Art. 39
Abs. 1 IVV). Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf an Behandlungs- und
Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters. Nicht
anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen,
welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen werden, sowie für
pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Art. 39 Abs. 2 IVV). Bedarf eine
minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzlich einer
andauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei Stunden
angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Überwachung ist
als Betreuung von vier Stunden anrechenbar (Art. 39 Abs. 3 IVV). Gemäss den
bundesrätlichen Erläuterungen zu den Änderungen der IVV vom 21. Mai 2003 (AHI
2003 S. 311, S. 330) entsteht ein Anspruch auf den Intensivpflegezuschlag im Sinne
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von Art. 39 Abs. 3 IVV nicht bereits dann, wenn ein Kind bloss während bestimmter
Stunden am Tag pflegerische Unterstützung benötigt. Abgegolten werden soll vielmehr
die für die Eltern extrem belastende Tatsache einer darüberhinausgehenden, rund um
die Uhr notwendigen invaliditätsbedingten Überwachung, sei es aus medizinischen
Gründen (z.B. Gefahr epileptischer Anfälle), sei es infolge einer spezifischen geistigen
Behinderung oder wegen Autismus (vgl. auch Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 19. Dezember 2006, I 684/05 E. 4.4).
3.
3.1 Die IV-Abklärungsperson ist gestützt auf eine Abklärung an Ort und Stelle vom 22.
Juni 2016 − zunächst − zum Schluss gekommen, dass in den meisten Bereichen
(alltägliche Lebensverrichtungen) eine indirekte Dritthilfe und im Verlauf teilweise eine
direkte Übernahme nötig sei. Sie hat dann aber unterstellt, dass diese Dritthilfe bei den
alltäglichen Lebensverrichtungen im Rahmen einer ständigen persönlichen
Überwachung berücksichtigt werden könne (IV-act. 73-8). Diese Schlussfolgerung ist
falsch gewesen, da sich der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung nicht
auf die (indirekte Hilfe bei den) alltäglichen Lebensverrichtungen, sondern auf
zusätzliche Betreuungsleistungen bezieht. Eine Überwachungsbedürftigkeit wird
insbesondere angenommen, wenn die versicherte Person ausserhalb der alltäglichen
Lebensverrichtungen ohne Überwachung sich selber oder Drittpersonen gefährden
würde. Auf die entsprechende rechtliche Würdigung der IV-Abklärungsperson im
Abklärungsbericht kann somit nicht abgestellt werden.
3.2 Nachdem die IV-Abklärungsperson im Februar und März 2017 je ein Telefonat mit
den Klassenlehrerinnen des Beschwerdeführers und seines um zwei Jahre jüngeren,
ebenfalls am Asperger-Syndrom leidenden Bruders geführt hatte, hat sie ihre Meinung
aber ohnehin revidiert. Der Grund dafür ist gewesen, dass sie aufgrund der Aussagen
der Klassenlehrerinnen der Brüder die Angaben der Mutter als nicht mehr glaubhaft
eingestuft hat; sie ist insbesondere davon ausgegangen, dass die Mutter unwahre
Angaben zu den Einschränkungen des Bruders des Beschwerdeführers gemacht habe
(IV-act. 89-5), was jedoch, wie im Entscheid IV 2017/326 in Erwägung 3.2 erläutert
worden ist, nicht der Fall gewesen ist.
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3.3 Selbst die Klassenlehrerin des Beschwerdeführers hat angegeben, sie habe z.B. an
Elternabenden feststellen können, dass das Verhalten des Beschwerdeführers
gegenüber den Eltern ein anderes sei als gegenüber den Lehrpersonen. Bezüglich der
Einschränkungen des Beschwerdeführers hat sich die Beschwerdegegnerin daher
hauptsächlich darauf berufen, dass die Probleme zu Hause nicht invaliditätsbedingt,
sondern auf eine mangelhafte Erziehung zurückzuführen seien (IV-act. 89). Der
Beschwerdeführer leidet unbestrittenermassen am Asperger-Syndrom. Die Kinder- und
Jugendpsychiaterin Dr. B._ hat in ihrem Bericht vom 1. April 2015 an den Kinderarzt
angegeben, dass die Unruhe und die Wutausbrüche zu Hause als Reaktion auf die
soziale Überforderung und die Reizüberflutung durch die Schule, wo er sich sehr
anpasse, zu verstehen seien. In ihrem Bericht vom 12. Mai 2016 hat dieselbe Ärztin
ausgeführt, dass die psychischen Einschränkungen des Beschwerdeführers in einer
erschwerten Selbstwahrnehmung und in einer nicht altersentsprechenden
Sozialkompetenz bestünden. Die ungenügende Reizfilterung führe zu einer
Reizüberflutung und zu einer Ermüdung, was sich unter anderem in
Affektdurchbrüchen zeige. Die verminderte Selbststeuerung, die Defizite in den
sozialen und kommunikativen Kompetenzen und die eingeschränkten exekutiven
Funktionen müssten durch die Eltern dauernd kompensiert und reguliert werden.
Gemäss der Kinder- und Jugendpsychiaterin verhält sich der Beschwerdeführer also
krankheitsbedingt im familiären Umfeld bzw. in der Freizeit völlig anders als in der
Schule. Hinzu kommt, dass die Annahme der Beschwerdegegnerin, dass hauptsächlich
ein erzieherisches Problem vorliege, in den Akten durch nichts belegt ist. Im Gegenteil
zeigen diese insbesondere von der Mutter ein positives Bild: Die familiäre Förderung
und der familiäre Halt seien günstig (IV-act. 15-5), die Interaktion und Kommunikation
der Eltern mit den Kindern sei adäquat und gesund (IV-act. 29-4), die Eltern seien
engagiert (IV-act. 66-2) und die Mutter bemühe sich, die Familienregeln durchzusetzen
(act. G 10.2 S. 3). Die Beschwerdegegnerin hat denn auch nicht zu erläutern vermocht,
wie die Mutter verhindern können sollte, dass der Beschwerdeführer die in der Schule
aufgebaute Reizüberflutungs- und Ermüdungssituation im familiären Umfeld abbaut;
ein derartiges Vorgehen wäre darüber hinaus wohl auch aus medizinischer Sicht
äusserst fragwürdig. Dass die Mutter mit einem Arbeitspensum von 50 %, einem vier-
Personen-Haushalt und der Betreuung von zwei am Asperger-Syndrom leidenden
Kindern an ihre Belastungsgrenze kommt, ist nachvollziehbar und lässt ganz
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offensichtlich nicht auf fehlerhafte Erziehungsmethoden schliessen. Im Übrigen ist
bekannt, dass Verhaltensauffälligkeiten von Kindern, die vom Asperger-Syndrom
betroffen sind, fälschlicherweise oft einer mangelnden Erziehung zugeschrieben
werden, weil diese auf den ersten Blick viel weniger auffallen als Kinder, die an der
klassischen Form des Autismus leiden, da sie durchaus an Kontakten interessiert sind
und sich sprachlich in der Regel gut ausdrücken können (Asperger-Hilfe
Nordwestschweiz, www.aspergerhilfe.ch/asperger/, besucht am 25. Mai 2018). Dass
auch der mit dem Fall befasste RAD-Arzt Dr. F._ die Situation falsch eingeschätzt
hat, kann wohl dadurch erklärt werden, dass er die Einschätzung der IV-
Abklärungsperson weitestgehend unreflektiert übernommen hat. Die
Verhaltensauffälligkeiten des Beschwerdeführers zu Hause können somit nicht mit
einer mangelhaften oder fehlerhaften Erziehung begründet werden. Nach dem
Gesagten kann dem Abklärungsbericht vom 30. August 2016 nicht von Vornherein
jeder Beweiswert abgesprochen werden. Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob anhand
der im Recht liegenden Unterlagen über den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Hilflosenentschädigung und einen Intensivpflegezuschlag entschieden werden kann.
3.4 Zunächst ist zu klären, ob der Beschwerdeführer einer andauernden persönlichen
Überwachung bedarf. Die Mutter hat geltend gemacht, dass sie den Beschwerdeführer
lediglich über einen Zeitraum von einer Stunde alleine zu Hause lassen könne. Dabei
habe sie jedoch immer ein ungutes Gefühl. Der Beschwerdeführer halte sich nicht an
die vereinbarten Regeln: Obwohl er beispielsweise niemandem die Türe öffnen solle,
tue er dies trotzdem. Banale Situationen könne er bewältigen. In schwierigeren
Situationen sei er jedoch völlig blockiert und handlungsunfähig. Er lebe in seiner
eigenen Welt und spule sein Programm, welches er im Kopf habe, ohne Rücksicht ab.
Sie müsse in Dauerbereitschaft sein, wenn er plötzlich ausraste, weglaufe und sich
nicht an Abmachungen halte. Der Aufwand sei enorm. Ihn zu beruhigen sei fast
unmöglich. Zudem sei die Situation mit beiden Kindern gleichzeitig von Wutanfällen
und Streit und sich gegenseitig auf die Nerven gehen gekennzeichnet. Die Angaben der
Mutter passen zu dem von der Kinder- und Jugendpsychiaterin geschilderten
Beschwerdebild (deutliche Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion und
Kommunikation, erschwerte Selbstwahrnehmung, verminderte Selbststeuerung,
ungenügende Reizfilterung bzw. Reizüberflutung, Affektdurchbrüche). Die
Ausführungen der Ergotherapeutin G._, die den Beschwerdeführer und seinen Bruder
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auch von Hausbesuchen her kennt, stimmen ebenfalls mit den Aussagen der Mutter
überein: Der Beschwerdeführer könne sich in ruhigen und eingeübten Situationen
angemessen verhalten. In unstrukturierten Situationen sei er aber schnell überfordert
und reagiere mit aggressivem Verhalten, dem Demolieren von Gegenständen, einer
starken motorischen Unruhe oder einer Selbstregulation mit Essen. Er könne die
Menge der Nahrungsaufnahme nicht kontrollieren; bei Süssigkeiten sei er masslos und
suche auch danach, wenn er wisse, dass etwas im Haus sei. Beim Kochen sei er sehr
interessiert und probiere gerne alles. Allerdings bestehe dabei Verbrennungsgefahr, da
er blitzschnell in die Pfannen fasse. Der Beschwerdeführer benötige sehr viel
Unterstützung in der Interaktion und Auseinandersetzung mit Anderen. Die Bewältigung
von Konflikten und die einfachsten Umgangsformen fielen ihm sehr schwer. Er könne
seine Bedürfnisse kaum zurückstellen und nicht auf die Bedürfnisse anderer eingehen.
Er zeige in allen Bereichen ein kleinkindliches, nicht altersgemässes Verhalten, weshalb
eine intensive Betreuung notwendig sei. Die Sozialbegleiterin E._ hat in ihrem Bericht
vom 9. Februar 2018 die Schwierigkeiten im Alltag mit den zwei Brüdern eindrücklich
geschildert. Ihrer Aussage kommt ein besonderer Stellenwert bzw. Beweiswert zu, weil
sie das Verhalten des Beschwerdeführers im Alltag selbst miterlebt hat. Sie ist der
Meinung, dass die Brüder nie alleine gelassen werden könnten. Sie stritten sich oft
derb, laut und aggressiv. Sie könnten sich nicht in andere Personen hineinversetzen.
Ihr Gerechtigkeitssinn sei sehr ausgeprägt. Würden sie mit einem unkorrekten
Verhalten konfrontiert, beharrten sie auf der Richtigkeit ihrer Handlungen und könnten
nicht verstehen, dass ihnen die Schuld zugeschoben werde. Besonders der
Beschwerdeführer wirke dabei grob und ungehobelt. Sie habe erlebt, wie er nach der
Schule stürmisch durch die Esswaren gefegt sei, den Abfall liegen, die Kühlschranktür
offen oder das Wasser laufen gelassen habe. Ohne das Eingreifen der Mutter
hinterlasse er eine Spur der Unordnung. Oder er lasse bei eisiger Kälte die Haustüre
offen. In keiner ihrer Begleitungen habe sie so oft banale Dinge immer und immer
wieder einfordern müssen. Aus den Akten geht also übereinstimmend hervor, dass der
Beschwerdeführer mit unerwarteten oder ihm nicht bekannten Situationen überfordert
ist, sich dann nicht angemessen verhält und dadurch eine Gefahr für sich selbst oder
für Dritte darstellen kann. Zudem hält er sich nicht an einfachste Regeln wie die
Kühlschranktüre zu schliessen, den Wasserhahn abzustellen oder die Haustüre zu
schliessen. Vor diesem Hintergrund leuchtet es ein, dass der Beschwerdeführer einer
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intensiven Betreuung bedarf und nicht längere Zeit alleine zu Hause gelassen werden
kann. Die Situation wird noch zusätzlich dadurch verschärft, dass der Bruder des
Beschwerdeführers ebenfalls am Asperger-Syndrom leidet. Die sozialen Kompetenzen
des Beschwerdeführers sind krankheitsbedingt mangelhaft: Er ist nicht in der Lage,
sich in sein Gegenüber hineinversetzen, er kann seine Bedürfnisse kaum zurückstellen
und nicht auf die Bedürfnisse anderer eingehen. Wäre der Beschwerdeführer gesund,
würde es zu weniger Missverständnissen zwischen den Brüdern kommen und er
könnte mit dem Verhalten seines Bruders viel besser umgehen bzw. seinem Bruder
besser ausweichen. Dass sich die Brüder derart oft streiten bzw. nicht miteinander
umgehen können, ist somit grösstenteils der Asperger-Symptomatik zuzuschreiben.
Die "schwierige Geschwisterkonstellation" ist daher entgegen der Meinung der
Beschwerdegegnerin im Rahmen der andauernden persönlichen Überwachung zu
berücksichtigen. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine andauernde persönliche Überwachung
angewiesen ist.
3.5 Zu prüfen bleibt, ob in den alltäglichen Lebensverrichtungen eine Hilflosigkeit
besteht. Die Mutter hat angegeben, dass der Beschwerdeführer bei der Körperpflege
regelmässig und in erheblicher Weise auf Hilfe angewiesen sei. Sie hat dies damit
begründet, dass der Beschwerdeführer ohne Anleitung und Begleitung weder seine
Zähne putzen noch seinen Körper reinigen würde (indirekte Hilfe). Direkte Hilfe
benötige er beim Nachputzen der Zähne am Abend und beim Haare waschen. Die
Mutter hat detailliert und überzeugend geschildert, inwieweit der Beschwerdeführer bei
der Körperpflege auf Hilfe angewiesen ist. Die behandelnde Ergotherapeutin hat die
Angaben der Mutter in ihrem Bericht vom Februar 2018 bestätigt (act. G 10.1).
Demnach steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass
der Beschwerdeführer im Bereich der Körperpflege hilflos ist.
3.6 Die Mutter des Beschwerdeführers hat weiter angegeben, dass der
Beschwerdeführer bei der Verrichtung der Notdurft insoweit auf Hilfe angewiesen sei,
als er die Reinigung nicht immer sauber vornehme, im Anschluss an die
Notdurftverrichtung die Spülung nicht zuverlässig betätige, die Toilette in einem
schmutzigen Zustand hinterlasse und zum Händewaschen angeleitet werden müsse.
Bezüglich der ungenügenden Reinigung nach der Notdurftverrichtung ist anzumerken,
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dass die Mutter nicht angegeben hat, dass sie regelmässig eine Nachreinigung bzw.
eine Überprüfung der Reinlichkeit vornehmen würde; vielmehr hat sie anlässlich der
Abklärung an Ort und Stelle erklärt, dass der Beschwerdeführer die Reinigung selber
vornehme. Diesbezüglich würde somit weiterer Abklärungsbedarf bestehen; da der
Beschwerdeführer, wie nachfolgend aufgezeigt wird, jedoch in anderen Teilfunktionen
der Notdurftverrichtung nachweislich hilflos ist, können weitere diesbezügliche
Abklärungen unterbleiben. Die IV-Abklärungsperson hat festgehalten, dass die
Aufforderung zum Hände waschen und zum ordentlichen Verlassen der Toilette nicht
im Bereich der Notdurft berücksichtigt werden könne, dies jedoch nicht näher
begründet (IV-act. 89-3). Nach den hiesigen Gepflogenheiten und Werten gehört das
ordentliche Verlassen der Toilette in den Bereich der Notdurftverrichtung. Von den
Eltern kann also nicht verlangt werden, sie müssten sich einfach damit abfinden bzw.
akzeptieren, dass die Toilette bei ihnen zu Hause regelmässig schmutzig sei. Entgegen
der Meinung der IV-Abklärungsperson gehört auch die Aufforderung zum
Händewaschen nach dem Toilettengang eindeutig in den Bereich der Verrichtung der
Notdurft. Die Angaben der Klassenlehrerin, dass der Beschwerdeführer in der Schule
die Notdurft selbständig verrichte, vermögen keine Zweifel an den Angaben der Mutter
zu wecken; die Lehrpersonen haben, worauf der Rechtsvertreter zu Recht hingewiesen
hat, gar nicht die Möglichkeit, zu kontrollieren, ob die Schüler die Toilette in einem
sauberen Zustand hinterlassen und ob sie sich nach dem Toilettengang die Hände
ordentlich waschen. Zudem befindet sich der Beschwerdeführer in der Schule in einem
Bereich, in dem er sich eher an Regeln halten kann als zu Hause. Demnach steht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer im Bereich der Verrichtung der Notdurft insoweit auf Hilfe
angewiesen ist, als kontrolliert werden muss, ob er die Toilette in einem sauberen
Zustand verlassen hat. Zudem muss er nach dem Toilettengang zum Händewaschen
angeleitet werden. Mit der Hilflosigkeit in diesen zwei Teilfunktionen der
Notdurftverrichtung ist die Erheblichkeitsschwelle eindeutig erreicht. Der
Beschwerdeführer ist somit auch im Bereich der Notdurftverrichtung regelmässig und
in erheblicher Weise auf Hilfe angewiesen.
3.7 Da der Beschwerdeführer auf eine andauernde persönliche Überwachung
angewiesen und in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen hilflos ist, ist ein
Anspruch auf eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit ausgewiesen. Eine
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schwere Hilflosigkeit fällt bereits deshalb ausser Betracht, weil der Beschwerdeführer
im Bereich des Aufstehens, Absitzens und Abliegens unbestrittenermassen nicht hilflos
ist. Daher kann offen gelassen werden, ob der Beschwerdeführer in den Bereichen An-
und Auskleiden, Essen und Fortbewegung regelmässig und in erheblicher Weise auf
Hilfe angewiesen ist. Der Beschwerdeführer ist am 11. Februar 2016 (Eingang) zum
Bezug einer Hilflosenentschädigung angemeldet worden. Macht eine versicherte
Person ihren Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mehr als zwölf Monate nach
dessen Entstehung geltend, so wird die Leistung in Abweichung von Art. 24 Abs. 1
ATSG nur für die zwölf Monate nachgezahlt, die der Geltendmachung vorangehen. Der
Beschwerdeführer ist im Anmeldezeitpunkt zehn Jahre alt gewesen. Es kann ohne
weiteres davon ausgegangen werden, dass der invaliditätsbedingte Mehraufwand im
Vergleich zu einem nicht behinderten Kind gleichen Alters mindestens seit der
Einschulung im Jahr 2011 besteht. Der Beschwerdeführer hat daher wegen einer
verspäteten Anmeldung ab Februar 2015 einen Anspruch auf eine Entschädigung
wegen einer mittelschweren Hilflosigkeit.
3.8 Schliesslich bleibt noch der Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag zu prüfen.
Ob ein Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag besteht, hängt vom täglichen
Betreuungsaufwand ab. Der Bedarf nach einer andauernden Überwachung kann als
Betreuung von zwei Stunden, eine besonders intensive behinderungsbedingte
Überwachung als Betreuung von vier Stunden angerechnet werden. Die
Beschwerdegegnerin hat den zeitlichen Betreuungsaufwand anlässlich der Abklärung
an Ort und Stelle nicht ermittelt. Diesbezüglich ist die Sache deshalb an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Da sich der Beschwerdeführer unter
Beobachtung einer fremden Person wahrscheinlich deutlich anders verhält, als wenn
nur die Eltern anwesend sind, dürfte ein echter Augenschein kaum gelingen. Daher
wird die erneute Abklärung an Ort und Stelle wohl wieder auf eine reine Befragung der
Eltern, insbesondere der Mutter, hinauslaufen. Vor diesem Hintergrund erscheint der
Antrag des Rechtsvertreters, für die Abklärung an Ort und Stelle eine Fachperson der
Autismushilfe beizuziehen, als sinnvoll, da diese Person die Angaben der Eltern wird
plausibilisieren können. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer ab Februar 2015 Anspruch auf eine Entschädigung wegen einer
mittelschweren Hilflosigkeit hat. Die Sache ist zur weiteren Abklärung bezüglich des
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Anspruchs auf einen Intensivpflegezuschlag an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.9 Demnach ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und dem Beschwerdeführer ist ab Februar 2015 eine Entschädigung
wegen einer mittelschweren Hilflosigkeit zuzusprechen; die Sache ist zur Festsetzung
des konkreten Leistungsanspruchs und zur Prüfung des Anspruchs des
Beschwerdeführers auf einen Intensivpflegezuschlag an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer
zurückerstattet.
4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Honorarnote eingereicht. In einem
durchschnittlichen IV-Rentenfall spricht das Versicherungsgericht praxisgemäss eine
pauschale Entschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Der Zeitaufwand des Rechtsvertreters für
das Aktenstudium ist im Vergleich zu einem durchschnittlichen IV-Rentenfall im
vorliegenden Fall erheblich geringer gewesen. Schwierige Rechtsfragen haben sich
keine gestellt. Da der Aufwand des Rechtsvertreters im Vergleich zu einem "normalen"
IV-Fall daher klar unterdurchschnittlich gewesen ist, erscheint im vorliegenden Fall eine
pauschale Entschädigung von Fr. 2'500.-- als angemessen. Die Beschwerdegegnerin
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hat den Beschwerdeführer entsprechend mit Fr. 2'500.-- (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.