Decision ID: 2b4876f5-bfc9-4e1f-8f36-dd18a2d2a3be
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Horgen vom 9. Dezember 2014 (EE130085-F)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin (Urk. 1 S. 2, 22 S. 1 f., 49 S. 2 f., 77 S. 2 f. und 134 S. 2 sowie Urk. 158 S. 2 ff.):
1. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Parteien seit dem
23. Dezember 2013 getrennt leben.
2. Das eheliche Haus an der E._-Strasse ..., F._ sei samt  und Hausrat der Gesuchstellerin und den Kindern zur  Benutzung zuzuteilen.
3. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Gesuchsgegner die  Liegenschaft bereits verlassen hat und er sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin sämtliche Schlüssel der Liegenschaft innert einer  zu übergeben.
Eventualiter sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, die eheliche  innert fünf Tagen zu verlassen und der Gesuchstellerin sämtliche Schlüssel der Liegenschaft zu übergeben.
4.1. Die Obhut über die Tochter C._, geboren tt.mm.2002, und den Sohn D._, geboren tt.mm.2008, sei der Gesuchstellerin zu .
4.2. Der Gesuchsgegner sei für berechtigt zu erklären, die Kinder C._ und D._ jeden zweiten Samstag im Monat auf eigene Kosten von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen, wobei mit Bezug auf die Tochter C._ das Besuchsrecht für  6 Monate zu sistieren sei und die Wiederaufnahme des  unter fachkundiger Anleitung zu erfolgen hat.
4.3. Es sei eine Besuchsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB zu errichten bzw. fortzuführen und der Besuchsbeistand sei zu , die Modalitäten der begleiteten Wiederaufnahme des  sowie die weiteren Modalitäten des Besuchsrechts unter  der Kinderinteressen festzulegen.
5. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, für die Gesuchstellerin und die Kinder angemessene Unterhaltszahlungen zu bezahlen; insbesondere:
a) Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, für die beiden Kinder C._ und D._ einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von je Fr. 2'500.– zuzüglich allfälliger vertraglicher oder gesetzlicher Kinder- bzw. Familienzulagen zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats, erstmals per 1. Dezember 2013;
b) Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin für sich persönlich einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 14'500.– zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus, jeweils auf den Ersten eines jeden Monats, erstmals per 1. Dezember 2013.
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6. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen  von Fr. 2'000.– monatlich unter dem Titel "Betrag zur freien " zu bezahlen, zahlbar rückwirkend seit dem 1. September 2012, und zwar zusätzlich zu den Fr. 3'000.– Haushaltsgeld, auch für die  bis zur effektiven Trennung.
7. Es sei die Gütertrennung per 15. August 2013 anzuordnen.
8. Die Anträge des Gesuchsgegners seien abzuweisen, soweit sie sich nicht mit den Anträgen der Gesuchstellerin decken.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten des Gesuchsgegners.
des Gesuchsgegners (Urk. 24 S. 1 f.; Urk. 58 S. 1 und Urk. 89 S. 2 sowie Urk. 158 S. 5 f.):
1. Es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen. 2. Es seien die Kinder C._, geboren tt.mm.2002, und D._, gebo-
ren tt.mm.2008, unter die elterliche Obhut der Gesuchstellerin zu .
3. Es sei der Gesuchsgegner für berechtigt zu erklären, die Kinder auf  Kosten jedes zweite Wochenende eines jeden Monats (ungerade Wochenenden) von freitags 19.00 Uhr bis sonntags 19.00 Uhr zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
Weiter sei der Gesuchsgegner für berechtigt zu erklären, die Kinder in ungeraden Jahren über Ostern (Gründonnerstag 18.00 Uhr bis  19.00 Uhr) sowie am 24. Dezember von 10.00 Uhr bis und mit 25. Dezember 19:00 Uhr und in geraden Jahren über Pfingsten (Pfingstsamstag 10.00 Uhr bis Pfingstmontag 19.00 Uhr) und vom 31. Dezember 10.00 Uhr bis 2. Januar 19.00 Uhr, auf seine Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
Zudem sei dem Gesuchsgegner ein dreiwöchiges Ferienbesuchsrecht pro Jahr in den Schulferien zu gewähren, und er sei zu verpflichten, dieses Ferienbesuchsrecht mindestens zwei Monate im Voraus  bekannt zu geben.
4. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin an die Kosten des Unterhalts und der Betreuung für die beiden Kinder je  Unterhaltsbeitrag in der Höhe von Fr. 900.– zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder vertraglicher Kinderzulagen ab der Aufnahme der Trennung zu zahlen, zahlbar jeweils monatlich im Voraus auf den  eines jeden Monats.
5. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen persönlichen Unterhaltsbeitrag in der Höhe von maximal Fr. 3'000.– ab der Aufnahme der Trennung zu zahlen, zahlbar jeweils monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
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6. Es sei die eheliche Liegenschaft an der E._-Strasse ..., F._, nebst Möbeln und Inventar während der Dauer des Getrenntlebens der Eheleute dem Gesuchsgegner zur alleinigen Benützung zuzuweisen.
Es sei die Gesuchstellerin zu verpflichten, die eheliche Liegenschaft bis spätestens 15. Januar 2014 zu verlassen.
7. Es sei die Gütertrennung per 15. August 2013 gerichtlich anzuordnen.
8. Es seien die Anträge der Gesuchstellerin abzuweisen, soweit sie sich nicht mit den Anträgen des Gesuchsgegners decken.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich gesetzliche MwSt. zu Lasten der Gesuchstellerin.
Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Horgen vom 9. Dezember 2014: (Urk. 155 = 158 S. 75 ff.)
1. Es wird vorgemerkt, dass die Parteien bereits getrennt leben.
2. Die Kinder
C._, geboren am tt.mm.2002, und
D._, geboren am tt.mm.2008,
werden für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Gesuch-
stellerin gestellt.
3. Der Gesuchsgegner ist berechtigt, die Kinder auf eigene Kosten wie folgt
(unbegleitet) zu betreuen:
− bis und mit Februar 2015: an jedem Samstag der geraden Wochen von
10.00 Uhr bis 19.00 Uhr,
− ab März 2015: an jedem Wochenende der geraden Wochen von Sams-
tag, 10.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr,
− jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr,
− sowie in geraden Jahren über die ganzen Osterfeiertage, von Karfrei-
tag, 10.00 Uhr, bis Ostermontag, 18.00 Uhr, und in ungeraden Jahren
über die ganzen Pfingstfeiertage, von Pfingstsamstag, 10.00 Uhr, bis
Pfingstmontag, 18.00 Uhr.
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Ausserdem ist der Gesuchsgegner berechtigt, die Kinder für die Dauer von
zwei Wochen pro Jahr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien
zu nehmen.
Der Gesuchsgegner ist verpflichtet, die Ferienbetreuung mindestens drei
Monate vor dem geplanten Ferienbeginn anzumelden und mit der Gesuch-
stellerin abzusprechen. Können sich die Parteien nicht einigen, so kommt
dem Gesuchsgegner das Entscheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der
Ferien in Jahren mit gerader Jahreszahl zu, in Jahren mit ungerader Jahres-
zahl der Gesuchstellerin.
Es wird festgestellt, dass zur Zeit keine Besuchskontakte der Tochter
C._ zum Gesuchsgegner stattfinden. Die schrittweise Wiederaufnahme
der Kontakte hat unter Mitwirkung des Beistandes gemäss Ziffer 4 zu erfol-
gen.
4. Die mit Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 27. Mai 2014 angeordnete
Besuchsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB für die Kinder
C._ und D._ wird weitergeführt.
In Ergänzung der mit Urteil vom 27. Mai 2014 übertragenen Aufgaben wird
dem Beistand zusätzlich die Aufgabe übertragen, die schrittweise Wieder-
aufnahme der Kontakte der Tochter C._ zum Gesuchsgegner bzw. de-
ren Modalitäten zu begleiten mit dem mittelfristigen Ziel der Umsetzung der
Regelung gemäss Ziff. 3. Der Beistand wird insbesondere ermächtigt, unter
Wahrung des Kindesinteressen die konkrete Ausgestaltung der schrittwei-
sen Wiederaufnahme der Kontakte (Zeitpunkt der Wiederaufnahme, konkre-
te Modalitäten und Umfang) festzulegen und zu überwachen.
5. Die eheliche Liegenschaft an der E._-Str. ... in F._ wird der Ge-
suchstellerin für die Dauer des Getrenntlebens samt Mobiliar und Hausrat
zur alleinigen Benützung zugewiesen. Es wird davon Vormerk genommen,
dass der Gesuchsgegner die eheliche Liegenschaft bereits verlassen hat.
6. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für die Dauer des
Getrenntlebens für die Kinder C._ und D._ je monatliche Unter-
haltsbeiträge von Fr. 1'800.– zuzüglich allfälliger Kinder- oder Ausbildungs-
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zulagen zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten
eines jeden Monats, rückwirkend ab 1. Dezember 2013.
7. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für die Dauer des
Getrenntlebens für sich persönlich monatliche Unterhaltsbeiträge wie folgt
zu bezahlen:
− ab 1. Dezember 2013 bis 31. März 2014 Fr. 4'874.–
− ab 1. April 2014 bis 30. April 2015 Fr. 4'679.–
− ab 1. Mai 2015 Fr. 4'389.–
Die Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monatlich im Voraus jeweils auf den Ers-
ten eines jeden Monats.
8. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, den Hypothekarzins sowie die Unter-
haltskosten (ausgenommen jener für den kleinen Unterhalt) für die eheliche
Liegenschaft an der E._-Strasse ... in F._ direkt zu bezahlen,
rückwirkend per 1. Dezember 2013.
9. Der Gesuchsgegner wird berechtigt, von den Unterhaltsbeiträgen bzw. Zah-
lungen gemäss Dispositivziffer 6, 7 und 8 für diese Zeiträume bereits er-
brachten Leistungen (einschliesslich allfällige Direktzahlungen) in Abzug zu
bringen.
10. Der Antrag der Gesuchstellerin auf Verpflichtung des Gesuchsgegners zur
Bezahlung eines Betrags von Fr. 2'000.– monatlich unter dem Titel "Betrag
zur freien Verfügung" rückwirkend seit dem 1. September 2012 bis zur effek-
tiven Trennung, wird abgewiesen.
11. Es wird die Gütertrennung mit Wirkung per 15. August 2013 angeordnet.
12. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin einen Prozesskos-
tenbeitrag von Fr. 19'800.– zu bezahlen.
13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 7'200.– (Pauschalgebühr). Wird
auf Begründung des Entscheides verzichtet, ermässigt sich die Entscheid-
gebühr auf zwei Drittel.
14. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
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15. Die Parteientschädigungen werden wettgeschlagen.
16. [Schriftliche Mitteilung.]
17. [Rechtsmittel: Berufung, Frist: 30 Tage (recte: 10 Tage).]
Berufungsanträge:
der Berufungsklägerin und Gesuchstellerin (Urk. 157 S. 2 und Urk. 205 S. 2):
1. Die Ziffern 3 (Besuchsrecht), 7 (Unterhaltsbeitrag für Gesuchstellerin
und Berufungsklägerin) und 8 (Kosten der ehelichen Liegenschaft) des vorinstanzlichen Urteils vom 9. Dezember 2014 seien aufzuheben;
2. Dem Gesuchsgegner und Berufungsbeklagten sei bis auf Weiteres kein Besuchsrecht gegenüber den Kindern C._ und D._ ;
3. Der Gesuchsgegner und Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 14'500.– zu bezahlen;
4. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, die Kosten seines  Besuchsrechts gemäss Beschluss der Sozialbehörde F._ vom 29. September 2015 (Verfahren S2.06.02) im (vorläufigen) Betrag von Fr. 21'777.– allein zu bezahlen;
Eventuell: Die vorgenannten Kosten seien im Bedarf der  mit Fr. 1'815.– pro Monat während der Dauer der  zu berücksichtigen und es sei der neu festzusetzende  für die Berufungsklägerin entsprechend zu erhöhen.
5. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich Mehrwertsteuer, zulasten des Gesuchsgegners und Berufungsbeklagten.
des Berufungsbeklagten und Gesuchsgegners (Urk. 169 S. 2):
1. Es sei die Berufung vom 7. April 2015 vollumfänglich abzuweisen.
2. Es sei ein familienpsychologisches interventionsorientiertes Gutachten in Auftrag zu geben, welches unter dem Gesichtspunkt des  überprüft, ob und inwieweit die Kindsmutter und Obhutsinhaberin fähig ist, die Erziehung der in ihrer Obhut stehenden Kinder zu  und ob es zum Wohle der Kinder aus Sachverständigensicht geboten ist, den Umgang mit dem Kindsvater, wie von der Kindsmutter beantragt, auf unbeschränkte Zeit zu sistieren oder zu reglementieren. Falls ja, aus welchen Gründen und in welchem Umfang. Das Gutach-
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ten habe zudem insbesondere zu folgenden Fragen Stellung zu :
Worin liegen aus Sachverständigensicht die Ursachen und Gründe für die Schwierigkeiten im Umgang der Kinder mit dem Vater?
Akzeptiert und fördert die Kindsmutter die Bindungen der Kinder an den Kindsvater hinreichend?
Falls nein, worin liegen die Ursachen und Gründe? Ist es möglich, dass die Umgangsablehnung des Kindes C._ auf-
grund einer Fremdbestimmung durch die Kindsmutter (sog. ) bestehen kann?
Über diesen Antrag sei auch als vorsorgliche Massnahme zu .
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich gesetzliche MWSt. zu Lasten der Berufungsklägerin.

Erwägungen:
I.
1. Die Parteien sind seit 2000, mithin seit rund 17 Jahren verheiratet. Sie sind
Eltern der beiden gemeinsamen Kinder C._, geboren am tt.mm.2002, und
D._, geboren am tt.mm.2008. Seit dem 23. Dezember 2013 leben sie ge-
trennt.
2. Am 15. August 2013 reichte die Gesuchstellerin und Berufungsklägerin
(fortan: Gesuchstellerin) beim Einzelgericht am Bezirksgericht Horgen (fortan:
Vorinstanz) das Eheschutzgesuch ein (Urk. 1). Betreffend den erstinstanzlichen
Prozessverlauf wird auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (Urk. 158
S. 7 ff.). Am 9. Dezember 2014 erliess die Vorinstanz den eingangs zitierten Ehe-
schutzentscheid (Urk. 155 = Urk. 158). Dagegen erhob die Gesuchstellerin am
7. April 2015 rechtzeitig Berufung (Urk. 156/1, 157) und stellte die eingangs ge-
nannten Anträge sowie ausserdem ein Gesuch um Anordnung vorsorglicher
Massnahmen. Am 17. April 2015 wurde dem Gesuchsgegner und Berufungsbe-
klagten (fortan: Gesuchsgegner) Frist angesetzt, um einerseits die Berufung zu
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beantworten und andererseits zum vorsorglichen Massnahmebegehren der Ge-
suchstellerin Stellung zu nehmen (Urk. 162).
3. Mit Eingabe vom 24. April 2015 gelangte die Gesuchstellerin mit dem su-
perprovisorischen Gesuch an die erkennende Kammer, es sei das Besuchsrecht
des Gesuchsgegners gegenüber den Kindern C._ und D._ ohne Anhö-
rung des Gesuchsgegners zu sistieren (Urk. 163). Mit Verfügung vom 24. April
2015 wurde dem Begehren der Gesuchstellerin betreffend den Besuchstermin
vom 2. Mai 2015 entsprochen und der Gesuchsgegner für den Zeitraum bis zum
15. Mai 2015 für nicht berechtigt erklärt, D._ auf Besuch zu nehmen, im Üb-
rigen wurde es abgewiesen. Ausserdem wurde dem Gesuchsgegner Frist ange-
setzt, innert nicht erstreckbarer Frist bis zum 4. Mai 2015 zum superproviso-
rischen Massnahmebegehren der Gesuchstellerin Stellung zu nehmen (Urk. 166).
4. Mit Eingabe vom 4. Mai 2015 beantwortete der Gesuchsgegner die Beru-
fung und nahm sowohl zum Gesuch um Anordnung vorsorglicher Massnahmen
vom 7. April 2015 als auch zum Gesuch um Anordnung superprovisorischer
Massnahmen vom 24. April 2015 Stellung und stellte die eingangs zitierten Anträ-
ge (Urk. 169). Mit Beschluss vom 6. Mai 2015 wurde das Besuchsrecht für
D._ für den Besuchstermin des 16. Mai 2015 sistiert und der Gesuchstellerin
eine nicht erstreckbare Frist bis zum 13. Mai 2015 angesetzt, um ihrerseits zum
Gesuch des Gesuchsgegners um Anordnung vorsorglicher Massnahmen Stellung
zu nehmen (Urk. 172). Die entsprechende Stellungnahme der Gesuchstellerin da-
tiert vom 13. Mai 2015 (Urk. 174).
5. Am 22. Mai 2015 gelangte die den Kindern C._ und D._ im lau-
fenden Strafverfahren gegen den Gesuchsgegner betreffend sexuelle Handlun-
gen mit Kindern gemäss Art. 306 Abs. 2 ZGB ernannte Beiständin, Dr. G._,
an die erkennende Kammer und verlangte insbesondere die Sistierung des Be-
suchsrechts des Gesuchsgegners gegenüber D._ und die Aufhebung seines
Besuchsrechts gegenüber C._ (Urk. 178). Mit Beschluss vom 27. Mai 2015
wurde das Besuchsrecht für D._ bis zu einem anderslautenden (Massnah-
me)-Entscheid sistiert. Ausserdem wurden die Parteien aufgefordert, zur vorge-
nannten Eingabe von Dr. G._ Stellung zu nehmen (Urk. 180). Nach diversen
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weiteren Eingaben und Stellungnahmen der Parteien (Urk. 181 ff.) entschied die
beschliessende Kammer am 7. Juli 2015 hinsichtlich der Kinderbelange vorsorg-
lich wie folgt (Urk. 196 Dispositiv-Ziffern 1 bis 4):
"1. Das Begehren der Gesuchstellerin, es sei das Besuchsrecht des Gesuchgegners gegenüber den Kindern C._ und D._ für die Dauer des Berufungsverfahren zu sistieren, wird abgewiesen.
2. Das Begehren des Gesuchsgegners, es sei im  ein familienpsychologisches interventionsorientiertes Gutachten in Auftrag zu geben, wird abgewiesen.
3. Der Gesuchsgegner ist berechtigt, das Kind D._, geboren am tt.mm.2008, bis zur strafrechtlichen Klärung der Vorwürfe im  mit der Kinderpornographie und den sexuellen  mit Kindern bzw. bis zum Vorliegen des  an jedem Samstag der geraden Wochen von 10.00 bis 19.00 Uhr im Rahmen eines begleiteten Besuchsrechts zu besuchen. Die Kosten des begleiteten Besuchsrechts sind von den Parteien je  zu tragen.
4. Die für D._ mit Entscheid des Bezirksgerichts Horgen vom 27. Mai 2014 angeordnete Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB wird aufrechterhalten. Die KESB Horgen wird damit  sicherzustellen, dass das angeordnete Besuchsrecht für D._ bis zur Klärung der Vorwürfe im Zusammenhang mit der Kinderpornographie und den sexuellen Handlungen mit Kindern  stattfindet. Die Organisation und der Vollzug des begleiteten Besuchsrechts wird der KESB Horgen übertragen.
(...)"
6. Am 10. Juli 2015 wurde für die beiden Kinder C._ und D._ eine
Kindsvertretung für das weitere Berufungsverfahren angeordnet (Urk. 197) und
mit Verfügung vom 11. August 2015 Rechtsanwältin lic. iur. Z._ zur Vertrete-
rin der Kinder gemäss Art. 299 Abs. 1 ZPO ernannt (Urk. 201). Mit Verfügung vom
24. September 2015 wurde die Kindsvertreterin aufgefordert, zu den Anträgen der
Parteien betreffend das Besuchsrecht des Gesuchsgegners Stellung zu nehmen.
Gleichzeitig wurde die Gesuchstellerin – nachdem sie sich mit Eingabe vom
13. Mai 2015 (Urk. 174) weitere Ausführungen zur Berufungsantwort vorbehalten
hatte – aufgefordert, abschliessend zur Berufungsantwort Stellung zu nehmen
(Urk. 202). Nach einmaliger Fristerstreckung reichte die Gesuchstellerin unterm
19. Oktober 2015 die Stellungnahme zur Berufungsantwort ein (Urk. 205 ff.). Die
Stellungnahme der Kindsvertreterin erfolgte ebenfalls nach einmaliger Fristerstre-
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ckung mit Eingabe vom 5. November 2015 und schloss mit den Anträgen
(Urk. 211):
"1. Der Gesuchsgegner sei für berechtigt zu erklären, das Kind D._, geboren am tt.mm.2008, jeden zweiten Samstag der  Wochen im Rahmen eines begleiteten Besuchsrechts jeweils (von) 10:00 bis 19:00 Uhr mit sich oder zu sich auf Besuch zu .
2. Es sei für die Kinder C._ und D._ eine umfassende  im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB .
3. Der Vater sei zu verpflichten, das Obergericht des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, über die Resultat(e) der staatsanwaltschaftlichen Bemühungen bezüglich der Erstellung von act. 160/2 spätesten(s) 10 Tage nach seiner ei(ge)nen Kenntnisnahme in Kenntnis zu ."
7. Mit Beschluss vom 12. November 2015 wurde die KESB Horgen damit be-
auftragt, umgehend Abklärungen betreffend die schulische und häusliche Situa-
tion der Kinder C._ und D._ und deren physische und psychische Ver-
fassung zu veranlassen. Die KESB Horgen wurde gebeten, die Kammer baldmög-
lichst darüber zu informieren, wann mit den Abklärungsergebnissen gerechnet
werden könne und ob zwischenzeitlich vorsorgliche Kindesschutzmassnahmen zu
treffen seien. Ausserdem wurde den Parteien Frist angesetzt, um zum Antrag der
Kindsvertreterin auf Anordnung einer umfassenden Beistandschaft im Sinne von
Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB sowie zu einem allfälligen Obhutsentzug Stellung zu
nehmen, und es wurde dem Gesuchsgegner Frist angesetzt, um sich zur Eingabe
der Gesuchstellerin vom 19. Oktober 2015 zu äussern. Ausserdem wurde die
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich ersucht, die Untersuchungsakten i.S.
Staatsanwaltschaft IV gegen B._ betreffend sexuelle Handlungen mit Kin-
dern der ersuchenden Kammer für einige Tage zur Einsicht zu überlassen
(Urk. 213). Mit Eingabe vom 24. November 2015 beantragte die Gesuchstellerin
unter anderem die unverzügliche Absetzung der Kindsvertreterin (Urk. 218). Mit
Eingabe vom 2. Dezember 2015 beantragte der Gesuchsgegner, ihm sei die Ob-
hut über D._ superprovisorisch mit sofortiger Wirkung zuzuteilen (Urk. 221).
Am 3. Dezember 2015 reichte der Gesuchsgegner ausserdem die Stellungnahme
zur Eingabe der Gesuchstellerin vom 19. Oktober 2015 ins Recht (Urk. 224). Mit
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Verfügung vom 7. Dezember 2015 wurde das Begehren des Gesuchsgegners,
ihm sei die Obhut über D._ superprovisorisch zuzuteilen, abgewiesen und
der Gesuchstellerin Frist angesetzt, um zur Eingabe des Gesuchstellers vom
2. Dezember 2015 Stellung zu nehmen. Im Weiteren wurden die Eingaben der
Parteien der jeweiligen Gegenpartei zur Stellungnahme bzw. Kenntnisnahme zu-
gestellt (Urk. 227).
8. Mit Schreiben vom 15. Dezember 2015 reichte die KESB Horgen den Ab-
klärungsbericht des kjz Horgen vom 8. Dezember 2015 ein. Empfohlen wurde die
Errichtung einer umfassenden Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und
Abs. 2 ZGB für die beiden Kinder sowie die Einholung eines rechtspsychologi-
schen Fachberichts (Urk. 229 f.). Mit Eingabe vom 17. Dezember 2015 teilte der
Gesuchsgegner sodann mit, dass D._ seit dem 30. September 2015 nicht
mehr zur Schule gehe, gleichwohl aber seit diesem Zeitpunkt nicht bei Dr. med.
H._, gemäss dem D._ traumatisiert sei und unter einer Schulphobie lei-
de, in Behandlung stehe (Urk. 231). Mit Beschluss vom 23. Dezember 2015 wur-
de für die beiden Kinder C._ und D._ im Sinne einer vorsorglichen Mas-
snahme eine umfassende Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2
ZGB errichtet. Zudem wurde die KESB Horgen gebeten, der beschliessenden
Kammer baldmöglichst einen Bericht über den bisherigen Verlauf des für D._
angeordneten begleiteten Besuchsrechts zukommen zu lassen (Urk. 235). Nach
weiteren Stellungnahmen der Parteien sowie der Kindsvertreterin (Urk. 237 ff.),
insbesondere nach Eingang der Stellungnahme der Gesuchstellerin zur Eingabe
des Gesuchsgegners vom 2. Dezember 2015 (Urk. 237), teilte die Gesuchstellerin
am 18. Januar 2016 mit, D._ sei in ein anderes Schulhaus umgeteilt worden
und besuche seit dem 13. Januar 2016 mit Freude die zweite Klasse (Urk. 247).
9. Mit Beschluss vom 11. Februar 2016 wurde das Gesuch des Gesuchsgeg-
ners auf Umteilung der Obhut über D._ für die weitere Dauer des Verfahrens
abgewiesen. Auch der Antrag der Gesuchstellerin auf Absetzung der Kindsvertre-
terin wurde abgewiesen. Des Weiteren wurde der Antrag auf Erstellung eines fa-
milienpsychologischen interventionsorientierten Gutachtens einstweilen abgelehnt
mit der Begründung, solange das Strafverfahren nicht abgeschlossen sei, erweise
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sich die Einholung eines Gutachtens nicht als zielführend. Zudem wurde damals
noch davon ausgegangen, dass die Begleitung der Besuche durch eine Fachper-
son dazu beitragen würde, die Situation für D._ zu entspannen und das Be-
suchsrecht wieder in Gang zu bringen (Urk. 254).
10. Mit Email vom 4. März 2016 teilte der Beistand, I._, mit, die Besuchs-
begleitung D._s sei abgebrochen worden, da der Druck für D._ zu hoch
gewesen sei (Urk. 255). Mit Verfügung vom 9. März 2016 wurde die KESB Hor-
gen erneut aufgefordert, der Kammer bis zum 15. April 2016 einen Bericht betref-
fend den bisherigen Verlauf des begleiteten Besuchsrechts für D._ zukom-
men zu lassen (Urk. 256). Dieser erfolgte unterm 14. April 2016. Der Beistand
stellte darin folgende Anträge (Urk. 262):
"1. Der Beistand beantragt, das Besuchsrecht von Herrn B._ zu D._ zu sistieren bis ein Gutachten über das Familiensystem  ist und alle Vorwürfe in Bezug auf die Mutter und den Vater geklärt sind oder die mit dem Gutachten betraute Institution eine Wiederaufnahme des Besuchsrechts empfiehlt oder begleitet;
2. über die Situation von D._ im Zusammenhang mit dessen  und Versorgung, der Aufenthaltssituation und dem  und dessen Verlauf ein  Gutachten bei einer unabhängigen  erstellen zu lassen, (...)"
Mit Verfügung vom 18. April 2016 wurde den Parteien sowie der Kindsvertreterin
Frist angesetzt, um zum Bericht und zu den Anträgen des Beistands Stellung zu
beziehen (Urk. 265). Die entsprechenden Stellungnahmen erfolgten am 25. April
2016 bzw. 2. Mai 2016 (Urk. 266, 269 und 270).
11. Am 11. Mai 2016 wurden der Kammer schliesslich die vollständigen Straf-
untersuchungsakten in Sachen Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich gegen
B._ betreffend sexuelle Handlungen mit Kindern etc. zur Verfügung gestellt
(Urk. 271 f.).
12. Nach weiteren unaufgeforderten Parteieingaben (Urk. 273 ff.) wurde mit
Beschluss vom 16. Juni 2016 die Einholung eines kinderpsychiatrischen bzw.
-psychologischen Gutachtens zu den Besuchsrechtsfragen sowie zur Erziehungs-
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fähigkeit der Parteien angeordnet und es wurde den Parteien sowie der Kindsver-
treterin als Gutachterin lic. phil. J._, Fachpsychologin für Psychotherapie und
Rechtspsychologie, vorgeschlagen. J._ war zu diesem Zeitpunkt beim Fo-
rensischen Institut Ostschweiz (fortan: FORIO) angestellt. Den Parteien sowie der
Kindsvertreterin wurde Frist angesetzt, um begründete Einwendungen gegen die
Vorgeschlagene zu erheben und sich zum Entwurf des Fragenkataloges zu äus-
sern sowie Änderungs- und Ergänzungsanträge zu stellen. Ausserdem wurde das
Besuchsrecht des Gesuchsgegners gegenüber D._ einstweilen sistiert und
es wurde den Parteien sowie der Kindsvertreterin mitgeteilt, dass die Akten des
gegen den Gesuchsgegner geführten Strafverfahrens auszugsweise in Kopie bei-
gezogen wurden (Urk. 279). Die jeweiligen Stellungnahmen der Parteien datieren
vom 1. Juli 2016 (Urk. 286) und vom 4. Juli 2016 (Urk. 289), während die Kinds-
vertreterin sich nicht vernehmen liess.
13. Mit Beschluss vom 8. Juli 2016 wurde lic. phil. J._ als Gutachterin er-
nannt und es wurden ihr folgende Fragen zur Beantwortung unterbreitet (Urk. 290
f.):
"1. Wie beurteilen Sie die Situation der Kinder C._ und D._ bezüglich des körperlichen und psychischen Allgemeinzustandes, des sozialen und des intellektuellen/schulischen ?
2. Wie beurteilen Sie die Beziehung der Kinder C._ und D._
a) zu ihrer Mutter? b) zu ihrem Vater? c) untereinander (Beziehung zw. C._ und D._)?
3. Wie beurteilen Sie die erzieherischen Fähigkeiten der Eltern und wie wirken sich diese auf die beiden Kinder aus?
4. Ist es richtig, dass die beiden Kinder Kontakte zu ihrem Vater ? Welches ist gegebenenfalls der Grund für diese Haltung? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Mutter? Ist von einer Beeinflussung der Kinder durch die Mutter gegen den Vater auszugehen? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Vater?
5.1. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um die Kontakte zwischen dem Vater und den Kindern wieder in Gang zu bringen und die  dauerhaft zu normalisieren? Wie ist dabei gegebenenfalls konkret vorzugehen und welche Personen wären zur Vermittlung einzusetzen? Sind gegebenenfalls mit Bezug auf die beiden  unterschiedliche Wege einzuschlagen? Wäre es insbesondere
- 16 -
sinnvoll, auf die Anordnung eines Besuchsrechts für C._ zu verzichten?
5.2. Wie könnte die Mutter zu einer Verbesserung der Beziehung der Kinder zum Vater beitragen?
5.3. Wie kann der Beistand oder ein allfälliger Besuchsbegleiter zu  Verbesserung der Beziehung zwischen den Kindern und dem Vater beitragen?
6. Ist aus kinderpsychologischer Sicht eine Anpassung der  notwendig oder sind weitere  angezeigt?
7. Was sagen Sie zum sistierten Besuchsrecht? Ist das Besuchsrecht im Hinblick auf D._ allenfalls vor Ende der Begutachtung  aufzunehmen. Falls ja, in welcher Form? Falls nein, wäre eine Sistierung des Besuchsrechts für D._ über einen längeren Zeitraum sinnvoll, für welchen Zeitraum?
8. Gibt Ihnen die Untersuchung zu weiteren im Interesse der Kinder liegender Empfehlungen und/oder Bemerkungen Anlass?"
14. Mit Schreiben vom 20. Juli 2016 liess der Gesuchsgegner dem Gericht die
Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 28. Juni
2016 zukommen, wonach das gegen ihn geführte Strafverfahren betreffend sexu-
elle Handlungen mit Kindern etc. eingestellt worden war (Urk. 292 ff.). Mit Schrei-
ben vom 2. September 2016 ergänzte er, dass die Einstellungsverfügung nun-
mehr in Rechtskraft erwachsen sei (Urk. 295).
15. Nach telefonischer Vorankündigung erstattete die Gutachterin am
3. Oktober 2016 einen Zwischenbericht zur Frage der Wiederaufnahme des Be-
suchsrechts des Gesuchsgegners gegenüber D._ (Urk. 298 f.). Der Bericht
wurde mit Verfügung vom 4. Oktober 2016 sowohl den Parteien als auch der
Kindsvertreterin zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 300). Während sich die
Kindsvertreterin nicht vernehmen liess, datieren die Stellungnahmen der Parteien
vom 15. bzw. 19. Oktober 2016 (Urk. 301 f.; am 21. Oktober 2016 der jeweiligen
Gegenpartei und der Kindsvertreterin zur Kenntnisnahme zugestellt, Urk. 304).
Mit Beschluss vom 1. November 2016 wurde betreffend das Besuchsrecht des
Gesuchsgegners gegenüber D._ wie folgt entschieden (Urk. 305):
"1. Die Sistierung des Besuchsrechts des Gesuchsgegners  D._, geboren tt.mm.2008, wird aufgehoben.
- 17 -
2. Der Gesuchsgegner ist bis zum Erlass eines anderslautenden Entscheids berechtigt, das Kind D._, geboren tt.mm.2008,  vierzehn Tage für maximal zwei Stunden zu besuchen.
Das begleitete Besuchsrecht ist die ersten vier Male im  Institut Ostschweiz durchzuführen. Anschliessend hat das begleitete Besuchsrecht in einem vom Beistand zu bestimmenden, geeigneten Besuchstreff stattzufinden.
3. Die für D._ mit Entscheid des Bezirksgerichts Horgen vom 27. Mai 2014 angeordnete Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB wird aufrechterhalten. Der Beistand wird beauftragt , dass das angeordnete begleitete Besuchsrecht für D._ (Dispositiv-Ziffer 2 hiervor) so rasch als möglich , sowie dass sich die Kindseltern bei der Übergabe von D._ nicht begegnen.
(...)"
16. Nachdem die Umsetzung der vorgesehenen begleiteten vier Besuchster-
mine im FORIO gescheitert war (Urk. 310 ff.), erstattete die Gutachterin schliess-
lich am 16. Februar 2017 das Schlussgutachten. Weil das Gutachten nicht von
der Gutachterin J._ persönlich, sondern von der Leiterin des FORIO, lic. phil.
K._, "i.V." unterzeichnet war, wies die erkennende Kammer dieses mit Be-
schluss vom 1. März 2017 zur Verbesserung an die Gutachterin zurück
(Urk. 347). Zwischenzeitlich war bekannt geworden, dass die Gutachterin J._
nicht mehr beim FORIO, sondern neu beim Psychiatrisch-Psychologischen Dienst
(PPD) Zürich angestellt war (Urk. 313 ff.).
17. Am 23. März 2017 ging das von der Gutachterin eigenhändig unterzeichne-
te finale fachpsychologische Gutachten bei der erkennenden Kammer ein, worin
die Gutachterin J._ die Erziehungsfähigkeit der Kindsmutter als einge-
schränkt beurteilte und eine Fremdplatzierung von D._ empfahl (Urk. 348 f.).
Mit Verfügung vom 24. März 2017 wurde sowohl den Parteien als auch der
Kindsvertreterin Frist angesetzt, um zum Gutachten Stellung zu nehmen und all-
fällige Ergänzungen oder Erläuterungen zu beantragen. Ausserdem wurde es den
Parteien freigestellt, sich innert der gleichen Frist auch zur Schlussrechnung des
FORI.. vom 20. Februar 2017 zu äussern (Urk. 350). Die Stellungnahme der
Kindsvertreterin zum Gutachten erging unterm 19. April 2017 (Urk. 356), die Stel-
lungnahmen der Parteien datieren nach je einmaliger Fristerstreckung vom 8. Mai
- 18 -
2017 (Urk. 354 f., Urk. 357 ff.; mit Verfügung vom 10. Mai 2017 zur Kenntnisnah-
me zugestellt, Urk. 364).
18. Mit Schreiben vom 15. Mai 2017 bat die Kindsvertreterin um die Bevor-
schussung ihres bisher aufgelaufenen Honorars (Urk. 366 f.). Mit Beschluss vom
22. Mai 2017 wurde ihr unter Vorbehalt der detaillierten Überprüfung im Rahmen
der Schlussabrechnung eine Akontozahlung von Fr. 7'500.– aus der Gerichtskas-
se zugesprochen (Urk. 369).
19. Am 23. Mai 2017 ersuchte der Gesuchsgegner um Erlass folgender Kin-
desschutzmassnahmen (Urk. 370 S. 2 f.):
"1. Es sei der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin die Obhut über die Kinder C._, geboren am tt.mm.2002, und D._,  am tt.mm.2008, zu entziehen.
2. Es sei dem Gesuchsgegner und Berufungsbeklagten die alleinige Obhut über die Kinder C._, geboren am tt.mm.2002, und D._, geboren am tt.mm.2008, zuzuteilen.
Es sei der Gesuchgegner zu berechtigen, C._ in einem  in der Schweiz anzumelden und es sei, sollte die  ihre Zustimmung dazu verweigern, die fehlende Zustimmung durch eine gerichtliche Anordnung zu ersetzen.
3. Eventualiter sei C._ bei einer Pflegefamilie fremd zu .
4. Es sei der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin auf eigene  ein begleitetes Besuchsrecht für C._ und D._ ."
Der Gesuchsgegner verlangte, den Anträgen sei superprovisorisch, ohne Anhö-
rung der Gesuchstellerin stattzugeben (Urk. 370 S. 3). Mit Verfügung vom 26. Mai
2017 wurde das Begehren des Gesuchsgegners um superprovisorische Umtei-
lung der Obhut über die beiden Kinder C._ und D._ abgewiesen und es
wurde der Gesuchstellerin und der Kindsvertreterin Frist angesetzt, um zum Mas-
snahmebegehren des Gesuchsgegners Stellung zu nehmen. Nach einmaliger
Fristerstreckung erstattete die Gesuchstellerin unterm 19. Juni 2017 ihre Stel-
lungnahme (Urk. 372 ff.). Die Kindsvertreterin verzichtete auf eine solche
(Urk. 375). Nachdem die Stellungnahme der Gesuchstellerin vom 19. Juni 2017
zur Kenntnisnahme zugestellt worden war (Urk. 377/1-2) und sich weder der Ge-
suchsgegner noch die Kindsvertreterin mehr dazu vernehmen liessen, zeigte die
- 19 -
erkennende Kammer den Parteien mit Verfügung vom 17. Juli 2017 an, dass sie
das Verfahren als spruchreif erachte und dieses in die Phase der Urteilsberatung
übergehe (Urk. 380).
20. Soweit die Parteien darüber hinaus während des laufenden Berufungsver-
fahrens zahlreiche weitere zum Teil unaufgeforderte Stellungnahmen ins Recht
reichten, welche in der vorstehenden Prozessgeschichte keine Erwähnung fan-
den, wird darauf nachfolgend im Rahmen der Urteilsbegründung einzugehen sein,
soweit sie für die Entscheidfindung von Belang sind.
II.
1. Die Einlegung der Berufung hemmt den Eintritt der Rechtskraft im Umfang
der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Von der Gesuchstellerin angefochten wurden
Dispositiv-Ziffer 3 (Besuchsrecht des Gesuchsgegners), Dispositiv-Ziffer 7 (Ehe-
gattenunterhaltsbeiträge) sowie Dispositiv-Ziffer 8 (Kosten der ehelichen Liegen-
schaft) des vorinstanzlichen Entscheids. Mit dem angefochtenen Besuchsrecht
untrennbar verbunden ist die von der Vorinstanz angeordnete Besuchsbeistand-
schaft (Dispositiv-Ziffer 4). Die Berufungsinstanz ist damit für eine Obhutsumtei-
lung grundsätzlich nicht zuständig. Der Grundsatz, wonach es in der Disposition
der Parteien steht, ob ein Rechtsmittel ergriffen werden soll und in welchem Um-
fang, gilt nach der Rechtsprechung auch im Geltungsbereich der Offizialmaxime.
Auch wenn die erkennende Kammer über die Zuteilung der elterlichen Obhut oh-
ne Bindung an die Parteianträge entscheidet (Art. 296 Abs. 3 ZPO), kann sie
hierbei nicht über den durch die Parteianträge festgelegten Streitgegenstand hin-
ausgehen (BGer 5A_90/2017 vom 24. August 2017, E. 11.2.). Somit sind die Dis-
positiv-Ziffern 1, 2, 5, 6 und 9 bis 15 des angefochtenen Entscheids in Rechtskraft
erwachsen (Art. 315 Abs. 1 ZPO), was vorzumerken ist. Dennoch bleibt es den
Parteien unbenommen, während des laufenden Berufungsverfahrens jederzeit
Kindesschutzmassnahmen zu beantragen. Hat das Gericht, das für den Schutz
der ehelichen Gemeinschaft zuständig ist, die Beziehungen der Eltern zu den
Kindern zu gestalten, so trifft es auch die nötigen Kindesschutzmassnahmen und
- 20 -
betraut die Kindesschutzbehörde mit dem Vollzug (Art. 315a Abs. 1 ZGB). Mit
Blick auf die Anträge des Gesuchsgegners vom 23. Mai 2017 (Urk. 370) ist daher
im vorliegenden Verfahren auch die Umteilung der Obhut über die beiden Kinder
an den Gesuchsgegner zu beurteilen.
2.1. Mit ihrer Berufung verlangt die Gesuchstellerin die Aufhebung der obge-
nannten Dispositiv-Ziffern des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 157 S. 2). Nicht
beantragt hat sie die Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 6 (Kinderunterhaltsbeiträge).
Im Widerspruch dazu hält sie auf Seite 33 der Berufungsbegründung zusammen-
fassend fest, sie halte an den bereits vorinstanzlich beantragten Unterhaltsbeiträ-
gen von wenigstens Fr. 2'500.– pro Kind sowie Fr. 14'500.– für sich persönlich
fest (Urk. 157 S. 33).
2.2. Rechtsbegehren sind so bestimmt zu formulieren, dass sie bei Gutheis-
sung zum Urteil erhoben werden können. Die Gegenpartei muss wissen, gegen
was sie sich zu verteidigen hat (Wahrung des rechtlichen Gehörs), und für das er-
kennende Gericht muss klar sein, was Streitgegenstand des Verfahrens bildet
(BGer 4A_686/2014 vom 3. Juni 2015, E. 4.3.1.). Unklare oder mangelhafte
Rechtsbegehren sind im Lichte ihrer Begründung auszulegen (BGE 137 III 617 E.
6.2.; BGer 4A_440/2014 vom 27. November 2014, E. 3.3.). Die Gesuchstellerin
beanstandet gemäss den Anträgen in ihrer Berufungsschrift vom 7. April 2015,
was die Unterhaltsbeiträge angeht, nur die Höhe der von der Vorinstanz festge-
setzten Ehegattenunterhaltsbeiträge. Insbesondere verlangt sie in Antrag Ziffer 1
der Berufungsschrift, dass Dispositiv-Ziffer 7 (Unterhaltsbeitrag für Gesuchstelle-
rin und Berufungsklägerin) aufzuheben sei, und in Antrag Ziffer 3, dass der Ge-
suchsgegner zu verpflichten sei, ihr persönlich monatliche Unterhaltsbeiträge von
Fr. 14'500.– zu bezahlen (Urk. 157 S. 2). Auch in ihrer Stellungnahme zur Beru-
fungsantwort vom 19. Oktober 2015 stellt sie bezüglich der Anpassung der von
der Vorinstanz festgesetzten Kinderunterhaltsbeiträge keine ergänzenden Anträ-
ge. Zusätzlich verlangt sie einzig die Kostentragung des begleiteten Besuchs-
rechts durch den Gesuchsgegner, andernfalls "der neu festzusetzende Unter-
haltsbeitrag für die Berufungsklägerin entsprechend zu erhöhen" sei (Urk. 205
S. 2). Aufgrund der Berufungsanträge der Gesuchstellerin ist davon auszugehen,
- 21 -
dass sie nur die Ehegattenunterhaltsbeiträge korrigiert haben will. Hätte die an-
waltlich vertretene Gesuchstellerin auch die von der Vorinstanz festgesetzten
Kinderunterhaltsbeiträge in Frage stellen wollen, so hätte sie dies nicht nur im
Rahmen ihrer Rechtsbegehren zum Ausdruck bringen, sondern die verlangten
Kinderunterhaltsbeiträge auch beziffern und begründen müssen. Dies muss umso
mehr gelten, als die Gesuchstellerin trotz expliziten Hinweises des Gesuchsgeg-
ners in der Berufungsantwort vom 4. Mai 2015 (Urk. 169 S. 5) in der Stellung-
nahme zur Berufungsantwort vom 19. Oktober 2015 nicht weiter auf die Kinderun-
terhaltsbeiträge einging bzw. erneut lediglich die Erhöhung der Ehegattenunter-
haltsbeiträge verlangte (Urk. 205 S. 2).
3. Thema des Berufungsverfahrens bilden damit die Umteilung der Obhut
über die beiden gemeinsamen Kinder, das Besuchsrecht, Bestand und Umfang
der Beistandschaft sowie die Höhe der vom Gesuchsgegner an die Gesuchstelle-
rin zu leistenden Ehegattenunterhaltsbeiträge.
4. Gemäss Art. 272 ZPO gilt in eherechtlichen Summarverfahren der Unter-
suchungsgrundsatz. Das bedeutet, dass das Gericht den Sachverhalt von Amtes
wegen feststellt. Betreffend die Belange der Ehegatten untereinander gilt jedoch
die Dispositionsmaxime (Art. 58 Abs. 1 ZPO). Im Berufungsverfahren gilt zudem
die Begründungsobliegenheit, was bedeutet, dass die Berufung führende Partei
sich im Einzelnen sachbezogen mit den Entscheidgründen der Vorinstanz ausei-
nanderzusetzen und konkret aufzuzeigen hat, was am angefochtenen Urteil oder
am Verfahren der Vorinstanz falsch war. Dieser Anforderung genügt eine Beru-
fungspartei nicht, wenn sie lediglich auf die vor erster Instanz vorgetragenen Vor-
bringen verweist, sich mit Hinweisen auf frühere Prozesshandlungen zufriedengibt
oder den angefochtenen Entscheid in allgemeiner Weise kritisiert. Die Parteien
haben die von ihnen kritisierten Erwägungen des angefochtenen Entscheids so-
wie auch die Aktenstücke, auf die sie ihre Kritik stützen, genau zu bezeichnen
(BGE 138 III 374 E. 4.3.1.; BGer 4A_580/2015 vom 11. April 2016, E. 2.2. [nicht
publiziert in BGE 142 III 271]). Was nicht in einer den gesetzlichen Begründungs-
anforderungen genügenden Weise beanstandet wird, braucht von der Rechtsmit-
telinstanz nicht überprüft zu werden.
- 22 -
5.1. Neue Tatsachen können gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO im Berufungsverfah-
ren nur noch berücksichtigt werden, wenn diese ohne Verzug vorgebracht werden
und wenn sie trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht
werden konnten. Die in Art. 317 Abs. 1 lit. a und b ZPO genannten Voraussetzun-
gen müssen kumulativ erfüllt sein. Das Berufungsverfahren dient nicht dazu, dass
die Parteien Versäumtes nachbessern können (Volkart, DIKE-Komm-ZPO,
1. Auflage, Art. 317 N 3). In diesem Zusammenhang sei auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz in ihrem Entscheid vom 9. Dezember 2014 hingewiesen
(Urk. 158 S. 14): Die Vorbringen der Parteien und die ins Recht gelegten Doku-
mente sowie nunmehr auch die im Berufungsverfahren zahlreich neu eingereich-
ten Unterlagen zeigen deutlich, dass die Parteien offensichtlich sehr zerstritten
sind. So behaupten beide Parteien in ihren oft sehr umfangreichen Parteivorträ-
gen, Stellungnahmen und (teilweise unaufgeforderten) Eingaben vielfach genau
das Gegenteil und erheben gegenseitig schwere Vorwürfe. Es ist nicht Sinn und
Zweck des summarischen Eheschutzverfahrens, den Wahrheitsgehalt der Partei-
vorbringen bis ins letzte Detail zu ermitteln. Auf die Parteivorbringen und neu ein-
gereichten Unterlagen ist nur insoweit einzugehen, als diese rechtzeitig beige-
bracht wurden und für die Beurteilung des vorliegenden Falls notwendig erschei-
nen.
5.2. Demgegenüber muss es den Parteien gänzlich verwehrt sein, sowohl echte
wie unechte Noven vorzubringen, wenn der Berufungsprozess aufgrund der
Spruchreife der Berufungssache in die Phase der Urteilsberatung übergegangen
ist. Denn in der Phase der Urteilsberatung muss der Prozessstoff abschliessend
so fixiert sein, dass das Gericht die Berufungssache gestützt darauf sorgfältig be-
raten und zügig ein Urteil fällen kann. In dieser Phase soll es den Parteien nicht
möglich sein, mit weiteren Noveneingaben eine Wiederaufnahme des Beweisver-
fahrens und damit den Unterbruch der Urteilsberatung zu erzwingen (BGE 142 III
413 E. 2.2.5.). Nachdem vorliegend mit Verfügung vom 17. Juli 2017 das Beru-
fungsverfahren in die Phase der Urteilsberatung übergegangen ist, sind die No-
veneingaben des Gesuchsgegners vom 22. September 2017 (Urk. 384 f.) und
vom 26. September 2017 (Urk. 387 f.) sowie die Noveneingabe des Beistands
I._ vom 26. September 2017 (Urk. 389/1-2) für die Beurteilung unbeachtlich.
- 23 -
Die entsprechenden Eingaben sind den Parteien bzw. der Gegenpartei sowie der
Kindsvertreterin mit dem heutigen Endentscheid zur Kenntnisnahme zuzustellen.
6. Mit Eingabe vom 23. Mai 2017 ersuchte der Gesuchsgegner auch um Er-
lass vorsorglicher Kindesschutzmassnahmen. Er beantragte die sofortige Umtei-
lung der Obhut über die beiden gemeinsamen Kinder C._ und D._ an
sich sowie die Erlaubnis, C._ in einem Internat anzumelden (Urk. 370 S. 2).
Mit Eingabe vom 19. Juni 2017 nahm die Gesuchstellerin zu den beantragten vor-
sorglichen Massnahmen Stellung und verlangte deren Abweisung (Urk. 373). An-
gesichts des heutigen Endentscheids erweist sich der Antrag auf Anordnung vor-
sorglicher Massnahmen als gegenstandslos und ist entsprechend abzuschreiben.
III.
A. Verwertbarkeit des Gutachtens von lic. phil. J._ vom 16. Februar 2017
1. In den meisten Fällen lassen Elternpaare in Trennung oder Scheidung das
Gericht über die Zuteilung von Obhut und elterlicher Sorge entscheiden und
kommen mit den entsprechenden Regelungen zurecht. Jedoch gelingt es Eltern in
hochkonflikthaften Trennungssituationen nicht immer, zwischen dem eigenen Er-
leben und der Verarbeitung der gescheiterten Liebesbeziehung auf der einen Sei-
te und dem Empfinden des Kindes, seinen Wünschen und Sorgen auf der ande-
ren Seite zu unterscheiden. Es kommt zu Übertragungseffekten eigener Befind-
lichkeiten auf das Kind und es besteht die Gefahr der Instrumentalisierung (Fam-
Komm Scheidung/Schreiner, Anh. Psych N 239). Trägt ein Elternpaar, wie vorlie-
gend die Parteien, einen regelrechten "Beziehungskrieg" aus, ist es weder selb-
ständig noch mit Hilfe des Gerichtes in der Lage, eine einvernehmliche Lösung zu
finden, die dem Wohlergehen der Kinder gerecht werden könnte, weil es in erbit-
terten und unlösbaren Machtkämpfen verstrickt ist. In diesem Fall vergibt das Ge-
richt Gutachtensaufträge an Psychologen und Psychiater, die im Bereich Kinder-
und Jugendpsychologie als Experten gelten. In der Regel beinhaltet ein entspre-
chender Gutachtensauftrag die Fragen, welche Zuteilung der Obhut und Rege-
lung des Besuchsrechts während der Trennung der Eltern dem Kindeswohl am
- 24 -
ehesten gerecht wird, und richtet den Fokus auf die mit der Frage des Kindes-
wohls eng verknüpften Kriterien der Qualität der Eltern-Kind-Beziehung, der Er-
ziehungseignung, der Betreuungsmöglichkeiten und Lebensverhältnisse der El-
tern, der Kontinuität der Lebensbedingungen und den Willen des Kindes (Kling,
Gutachten im Familienrecht: Sind Standards notwendig? in: FamPra 3/2009
S. 613; Seifert/Krexa/Kühnel/Bareiss, Leitfaden zur Erstellung psychologisch-
psychiatrischer Gutachten bei Fragen zum Kindeswohl, in: FamPra 1/2015
S. 123). Obwohl im Eheschutzverfahren Gutachten nur mit gebührender Zurück-
haltung angeordnet werden (BGer 5A_160/2009 vom 13. Mai 2009, E. 3.2.), kam
die erkennende Kammer nicht umhin, mit Beschluss vom 16. Juni 2016 zu den
zwischen den Parteien hoch strittigen Kinderbelangen die Einholung eines kin-
derpsychiatrischen bzw. -psychologischen Gutachtens anzuordnen (Urk. 279).
Am 8. Juli 2016 wurde lic. phil. J._, Fachpsychologin für Psychotherapie und
Rechtspsychologie, als Gutachterin ernannt und mit der Ausarbeitung des Gut-
achtens beauftragt (Urk. 290). Das Gutachten datiert vom 16. Februar 2017
(Urk. 349; vgl. vorstehend E. I.12. bis 17.).
2. In der Stellungnahme vom 8. Mai 2017 erhob die Gesuchstellerin zahlrei-
che formelle Einwände gegen das Gutachten vom 16. Februar 2017 und verlang-
te, es sei dieses zufolge Unverwertbarkeit zurückzuweisen (Urk. 360 S. 2). Ent-
sprechend ist vorab die Verwertbarkeit des Gutachtens vom 16. Februar 2017 zu
prüfen und auf die vorgebrachten formellen Mängel im Einzelnen einzugehen.
3.1.1. Die Gesuchstellerin beanstandet, das Gutachten vom 16. Februar 2017 sei
von fünf Personen unterzeichnet worden. Dabei werde nicht offengelegt, welche
Fachpersonen gestützt auf welche Quellen welche Erkenntnisse gewonnen hätten
(Urk. 360 S. 5). Indem vorab nur die Gutachterstelle bzw. der Name der Gutachte-
rin bekannt gegeben worden sei ohne Angabe der weiteren an der Begutachtung
mitwirkenden Fachpersonen, habe die Gesuchstellerin nicht erkennen können, ob
eine unbefangene Beurteilung gewahrt sein werde. Namen und Qualifikationen al-
ler Gutachter zu kennen, sei für die betroffene Person unabdingbar, um die Ein-
haltung der Ausstandsvorschriften überprüfen zu können (Urk. 360 S. 25).
- 25 -
3.1.2. Allgemein gilt für Gutachten, dass als Sachverständige in der Regel nur na-
türliche Personen in Betracht kommen (ZK ZPO - Weibel, Art. 183 N 30; Müller,
DIKE-Komm-ZPO, Art. 183 N 10). Nicht ausgeschlossen ist dabei, dass eine
sachverständige Person zur Ausarbeitung eines Gutachtens Mitarbeiter oder
Hilfspersonen beizieht. Allerdings muss sie darüber im Gutachten vollständig
Auskunft geben, damit Gericht und Parteien diesem Umstand, etwa im Hinblick
auf die Unbefangenheit oder auch die fachliche Eignung der beigezogenen Per-
sonen, Rechnung tragen und dazu gegebenenfalls Stellung nehmen können (ZK
ZPO - Weibel, Art. 183 N 33; BSK ZPO - Dolge, Art. 185 N 4).
3.1.3. Aus Seite 10 des Gutachtens vom 16. Februar 2017 ergibt sich, welche
Personen vorliegend an der Ausarbeitung des Gutachtens beteiligt waren und wer
dabei mit der Kindsmutter, dem Kindsvater, den beiden Kindern und Drittpersonen
in Kontakt stand. Ferner ist auf Seite 86 f. des Gutachtens eine Liste der verwen-
deten Literatur aufgeführt (Urk. 349). Daraus lässt sich für die Parteien ableiten,
welche Fachpersonen gestützt auf welche Quellen welche Erkenntnisse gewon-
nen haben. Dies muss umso mehr gelten, als die Offenlegung der mitwirkenden
Hilfspersonen in erster Linie der Beurteilung der Unbefangenheit aller am Begut-
achtungsprozess beteiligten Personen dient. Dass diese nicht gewährleistet ge-
wesen wäre, macht die Gesuchstellerin jedenfalls nicht geltend, führt sie doch
weder gegen die Gutachterin noch gegen die beteiligten Hilfspersonen konkrete
Ausstandsgründe ins Feld. Ausserdem war J._ als Gutachterin zum Beizug
von Hilfspersonen gemäss Gutachtensauftrag vom 8. Juli 2016 ermächtigt
(Urk. 291 S. 9) und musste somit der Gesuchstellerin von Beginn an klar sein,
dass die Gutachterin weitere Mitarbeiter des FORIO zur Ausarbeitung des Gut-
achtens beiziehen würde. Im Übrigen wurden die Ergebnisse aus der Mitarbeit
anderer Fachpersonen als Hilfspersonen durch die Gutachterin übernommen, in-
dem sie für alle Beteiligten verantwortlich das Gutachten unterzeichnete. Selbst
wenn jedoch entgegen dem vorstehend Ausgeführten eine nicht korrekt oder ge-
nügend transparent durchgeführte Delegation an Hilfspersonen vorläge, hätte
dies nicht ohne Weiteres die Unverwertbarkeit des Gutachtens zur Folge. Viel-
mehr wäre dies nur dann der Fall, wenn sich aus dem Beizug der Hilfspersonen
gegen die Gutachterin als sachverständige Person Ausstands- oder Ablehnungs-
- 26 -
gründe ableiten liessen oder sich eine Voreingenommenheit der Gutachterin aus
dem Gutachten ergäbe (ZK ZPO - Weibel, Art. 183 N 33; BGer 8C_596/2013 vom
24. Januar 2014, E. 6.1.2.2). Entsprechendes wird von der Gesuchstellerin jedoch
nicht behauptet. Hinzu kommt, dass in kindesrechtlichen Verfahren in der Regel
das Kindeswohl der eigentliche Untersuchungsgegenstand einer Begutachtung
bildet. Betrachtet man die Komplexität dieses Untersuchungsgegenstandes, so
reichen monodisziplinäre Betrachtungen für die Beurteilung einer Gefährdungsla-
ge und ihrer Behebungsmöglichkeiten oftmals nicht aus. Es bedarf psychologi-
scher, rechtlicher, soziologischer sowie auch medizinischer Kenntnisse, die für die
Beurteilung des Einzelfalls miteinander verknüpft werden müssen. Zudem zeigt
der Untersuchungsgegenstand auch, dass die Exploration vorab mittels Interakti-
onsprozessen erfolgt. Will man die genannten Aspekte beurteilen, so sind Ge-
spräche, Besuche, Eindrücke und Wahrnehmungen von grosser Bedeutung
(Rosch, Bedeutung und Standards von sozialarbeiterischen Gutachten bzw. gut-
achtlichen Stellungnahmen in kindes(schutz)rechtlichen Verfahren, in: AJP 2/2012
S. 180). Um die Fragen in einem familienrechtlichen Gutachten fundiert beantwor-
ten zu können, bedarf es daher häufig einer interdisziplinären Zusammenarbeit,
wobei es von Vorteil erscheint, wenn Gutachter in einem Team eingebunden sind,
weil sie nur so dem Anspruch der Intersubjektivität gerecht werden können (Sei-
fert/Krexa/Kühnel/Bareiss, a.a.O., S. 120). Aus den genannten Gründen ist der
Beizug von Hilfspersonen durch die Gutachterin J._ nicht zu beanstanden.
3.2. Die Gesuchstellerin macht weiter geltend, die Beurteilung von schwierigen
Familiensituationen in Trennungs- und Scheidungskonflikten gehöre gemäss ei-
genem Porträt des FORIO nicht zu dessen Kerngeschäft (Urk. 360 S. 6). Ob dies
zutrifft oder nicht, ist vorliegend unerheblich, war doch nicht das FORIO Auftrag-
nehmerin, sondern wurde der Gutachtensauftrag an lic. phil. J._, einer zertifi-
zierten Gutachterin der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtspsychologie
(SGRP), vergeben. Damit war die Gutachterin zur Beantwortung des Fragenkata-
logs gemäss Gutachtensauftrag (Urk. 291) ohne Weiteres genügend qualifiziert
(Seifert/Krexa/Kühnel/Bareiss, a.a.O., S. 120). Ferner wurde die Anstellung der
Gutachterin beim FORIO von Seiten der Gesuchstellerin vor der Erteilung des
Auftrags auch nicht kritisiert bzw. wurden von ihr keine diesbezüglichen Bedenken
- 27 -
geäussert oder Ausstandsgründe vorgebracht, obwohl den Parteien zur Person
der Gutachterin im Sinne von Art. 183 Abs. 1 ZPO das rechtliche Gehör gewährt
worden war (Urk. 279, 289).
3.3. Sodann bringt die Gesuchstellerin vor, die im Gutachten vom 16. Februar
2017 erwähnte K._ arbeite als Geschäftsführerin des FORIO. Sie habe an
der Begutachtung offensichtlich nicht mitgewirkt (Urk. 360 S. 6). Ob K._ an
der vorliegenden Begutachtung mitgewirkt hat oder nicht, kann nicht beurteilt
werden. Jedenfalls stand sie gemäss den im Gutachten ausgewiesenen Untersu-
chungsterminen zu den Kindseltern, den Kindern oder Drittpersonen in keinem
Kontakt (Urk. 349 S. 10). Was die Gesuchstellerin aus ihrer Argumentation zu ih-
ren Gunsten ableiten will, erhellt indessen nicht. So erscheint es zumindest nicht
aussergewöhnlich, dass K._ als Geschäftsführerin des an der Begutachtung
mitwirkenden Instituts FORIO das Schlussgutachten mitunterzeichnete.
3.4. Die Gesuchstellerin rügt sodann, die Gutachterin J._ arbeite seit spä-
testens Anfang November 2016 nicht mehr beim FORIO, sondern sei mittlerweile
beim Psychiatrisch-Psychologischen Dienst des Kantons Zürich angestellt. Nach
dem Weggang beim FORIO habe sie für die Begutachtung noch ganze fünf Minu-
ten für ein Telefonat mit dem Arzt Dr. L._ aufgewendet (Urk. 360 S. 6). Dies
leitet die Gesuchstellerin offenbar aus der Terminaufstellung auf Seite 10 im Gut-
achten ab (Urk. 349). Die Liste der durchgeführten Termine ist jedoch mit Bezug
auf den von der Gutachterin getätigten Aufwand nicht aussagekräftig. Aus der
Rechnung vom 20. Februar 2017 ergibt sich in Übereinstimmung mit der vorge-
nannten Terminaufstellung, dass der letzte Telefonkontakt am 21. Dezember
2016 stattfand (Urk. 346 S. 2). Jedoch sind in der Rechnung unter den Titeln "Dia-
gnostik und Analyse" sowie "Verfassen" auch für Januar und Februar 2017 Auf-
wendungen ausgewiesen (Urk. 346 S. 2 f.). Woraus die Gesuchstellerin ableiten
will, dass J._ daran nicht mehr massgeblich beteiligt war, ist nicht nachvoll-
ziehbar.
3.5.1. Die Gesuchstellerin kritisiert, bei den im Gutachten genannten Personen
M._ und N._ handle es sich um Praktikantinnen ohne nennenswerte Er-
fahrung. O._ habe zwar im vergangenen Jahr ihr Masterstudium abge-
- 28 -
schlossen, aber auch ihr würden nennenswerte Berufserfahrung und Zusatzquali-
fikationen fehlen. Trotzdem habe sie offenbar die Hauptarbeit der Begutachtung
übernommen. Es sei unerhört, dass ein Gutachterteam mit den genannten fachli-
chen Qualifikationen im vorliegenden Fall die Erziehungsfähigkeit der Kindseltern
beurteilt habe (Urk. 360 S. 6 f.).
3.5.2. Die Gutachterin J._ wurde mit Gutachtensauftrag vom 8. Juli 2016
ermächtigt, Mitarbeiter beizuziehen (vgl. Urk. 291 S. 9). Ohnehin ist der Beizug
von Hilfspersonen im Rahmen einer Begutachtung dann unbedenklich, wenn sol-
che für blosse Sekretariatsarbeiten wie beispielsweise Schreib- oder Kopierarbei-
ten beigezogen werden oder wenn es um Abklärungen geht, welche die sachver-
ständige Person kraft ihres Sachverstandes beherrscht und überblickt (Müller,
DIKE-Komm-ZPO, Art. 185 N 9; BSK ZPO - Dolge, Art. 185 N 4). Dafür, dass die
beiden Praktikantinnen M._ und N._ massgeblich an der Ausarbeitung
des Gutachtens beteiligt gewesen wären, liegen keine Anhaltspunkte vor. Viel-
mehr ist davon auszugehen, dass sie für die Einholung gewisser telefonischer
Auskünfte zuständig und im Rahmen der Untersuchungskontakte zu Ausbil-
dungszwecken anwesend bzw. im Falle von N._ für die Verlaufsdokumenta-
tion der Gespräche verantwortlich waren (Urk. 349 S. 10 und S. 49). Bei der Ver-
laufsdokumentation im Sinne einer Art Protokollführung handelt es sich um eine
mit Schreib- und Kopierarbeiten vergleichbare, untergeordnete Hilfstätigkeit.
O._ verfügt über einen Masterabschluss in angewandter Psychologie. Sie
war offenbar für die Durchführung der Untersuchungskontakte mit dem Gesuchs-
gegner verantwortlich (Urk. 349 S. 10). Woraus die Gesuchstellerin ableitet, dass
O._ die Hauptarbeit der Begutachtung übernommen hätte, legt sie nicht wei-
ter dar. Jedenfalls handelt es sich bei den durch O._ geführten Gesprächen
und psychologischen Tests mit dem Gesuchsgegner um Abklärungen, welche die
Gutachterin J._ kraft ihres Sachverstandes jederzeit überblicken und beurtei-
len konnte und für deren Ergebnisse J._ mit der Unterzeichnung des Gutach-
tens die Verantwortung übernahm.
3.6.1. Weiter moniert die Gesuchstellerin, die vom FORIO empfohlenen Kinder-
heime "P._" und "Q._" kämen für D._ beide nicht in Betracht, da
- 29 -
das P._ nur kleine Kinder bis maximal sieben Jahre aufnehme und das
Q._ nur langfristige Platzierungen anstrebe. Offensichtlich habe sich das
FORIO die von ihm angegebenen Webseiten der beiden Kinderheime nie ange-
schaut, was keinen professionellen Eindruck erwecke (Urk. 360 S. 9 f.).
3.6.2. Die Stiftung P._ ist tatsächlich nur für Kinder bis zu sieben Jahren ge-
dacht (www.P._.ch). Das Q._ ist zumindest "grundsätzlich" an langfristi-
gen Platzierungen interessiert, was kürzere Aufenthalte nicht per se ausschliesst.
Die Dauer des Aufenthalts richtet sich gemäss Homepage nach der Situation und
dem Befinden des Kindes (www.Q._.ch/ Ueber-uns/Angebot/...). Letztlich
kann die Auswahl der im Gutachten empfohlenen Institutionen für die Frage der
Verwertbarkeit des Gutachtens jedoch keine Rolle spielen. Dies muss umso mehr
gelten, als – wie noch zu zeigen sein wird (vgl. nachfolgend E. III.B. 8.3. und 8.4.)
– von einer Fremdplatzierung der Kinder ohnehin abzusehen ist.
3.7. Die Gesuchstellerin macht geltend, die strafrechtlichen Beurteilungen des
FORIO seien schlichtweg falsch. Das FORIO unterstelle, dass sowohl die Straf-
anzeige der Gesuchstellerin wegen Tätlichkeiten als auch das Strafverfahren we-
gen sexuellen Handlungen mit Kindern gegen den Gesuchsgegner vollkommen
zu Unrecht erfolgt seien. Es bringe damit eine Voreingenommenheit gegenüber
der Gesuchstellerin zum Ausdruck (Urk. 360 S. 10 f.). Die Gesuchstellerin stützt
ihre Kritik auf zwei Zitate aus dem Gutachten (Urk. 360 S. 11). Was das erste Zi-
tat anbelangt ("Mit den Strafanzeigen der Kindsmutter gegen den Kindsvater [...]
erfuhr der Konflikt eine weitere Akzentuierung", Urk. 349 S. 64), schreibt die Gut-
achterin nachvollziehbar, dass sich die Eheleute zunehmend voneinander distan-
ziert hätten und sich im Verlauf eine destruktive Dynamik mit eskalativen Momen-
ten zwischen den Kindseltern entwickelt hätte. Nach der Trennung habe sich das
Verhältnis weiter verschlechtert und zunehmend auch zu Uneinigkeiten bezüglich
der Kontaktregelung betreffend die Kinder geführt (Urk. 349 S. 64). Dass vor die-
sem Hintergrund eine Strafanzeige wegen sexueller Handlungen mit Kindern nicht
zur Beruhigung des Konflikts beiträgt, sondern diesem zusätzliches Gewicht ver-
leiht, liegt auf der Hand. Weiter zeige sich die falsche strafrechtliche Beurteilung
und Voreingenommenheit des FORIO gemäss der Gesuchstellerin in folgender
- 30 -
Passage des Gutachtens: "Bei Konflikten tendiert die Kindsmutter dazu, andere
zu beschuldigen und fehlerhaftes Verhalten zu unterstellen" (Urk. 349 S. 67).
Auch hier reisst die Gesuchstellerin eine kurze Textpassage aus dem Gesamtzu-
sammenhang. So stellte die Gutachterin diagnostisch fest, dass aufgrund der ge-
samten Befundlage – und nicht etwa aufgrund der von der Gesuchstellerin einge-
reichten Strafanzeigen – bei der Gesuchstellerin der Verdacht auf das Vorliegen
einer akzentuierten Persönlichkeit mit narzisstischen, dissozialen und histroni-
schen Zügen bestehe. Die Gutachterin gelangte zum Schluss, dass die Gesuch-
stellerin eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Kritik und Zurückweisung
aufweise, mit Entrüstung reagiere, wenn sie sich angegriffen oder gar gedemütigt
fühle, und dann die Konfrontation und teilweise vermutlich auch die Eskalation
suche. In diesem Kontext platzierte sie die von der Gesuchstellerin angeführte
Passage (Urk. 349 S. 67). Eine Voreingenommenheit des FORIO bzw. eine sol-
che der Gutachterin lässt sich aufgrund der zwei gänzlich aus dem Gesamtzu-
sammenhang gerissenen Zitate nicht herleiten.
3.8. Die Gesuchstellerin ist der Ansicht, im Gutachten würden unklare, unwis-
senschaftliche und herabwürdigende Begriffe verwendet, die unsubstantiiert ge-
blieben seien (Urk. 360 S. 11 f.). Dem muss entgegengehalten werden, dass
selbst wenn im Gutachten teilweise Begriffe untechnisch verwendet worden sein
mögen, dies die Verwertbarkeit des Gutachtens nicht in Frage stellt, solange so-
wohl das Gericht als auch die Parteien im Gesamtzusammenhang verstehen, zu
welchen Schlüssen die Gutachterin gelangte und weshalb. Dass dem vorliegend
nicht so wäre, behauptet die Gesuchstellerin nicht. Vielmehr hält sie sich in ihrer
Eingabe vom 8. Mai 2017 mit einzelnen spezifischen Begriffen auf (Urk. 360 S. 11
f.), die im Gesamtzusammenhang und insbesondere bei der abschliessenden Be-
urteilung der Fragen keine Rolle spielen.
3.9.1. Die Gesuchstellerin kritisiert die Interpretation der gutachterlichen Befunde
und verweist dabei auf zwei von ihr ins Recht gereichte Stellungnahmen zum
Gutachten, eine der Fachärztin und Forensischen Psychiaterin Dr. med. R._
(Urk. 362/1) und eine der Fachpsychologin lic. phil. S._ (Urk. 362/4).
Dr. R._ gelange zum Schluss, das Gutachten des FORIO sei inhaltlich
- 31 -
falsch, grob fehlerhaft und willkürlich (Urk. 360 S. 3, S. 12 ff.), S._ beurteile
das Gutachten als mangelhaft, fehlerhaft, tendenziös und in seinen Empfehlungen
unverhältnismässig (Urk. 360 S. 23 f.).
3.9.2. Es gilt festzuhalten, dass die beiden von der Gesuchstellerin ins Recht ge-
reichten Stellungnahmen als Parteigutachten zu qualifizieren und somit als blosse
Bestandteile der Parteivorbringen zu werten sind. Die Versuche eines Teils der
Lehre, das Privatgutachten entgegen der klaren Intention des Gesetzgebers
durch die Hintertüre als Beweismittel einzuführen und es als Beweisurkunde im
Sinne von Art. 177 ZPO gelten zu lassen, wurden vom Bundesgericht zurückge-
wiesen (Müller, DIKE-Komm-ZPO, Art. 183 N 28 m.H.). Auf die inhaltliche Kritik
der Gesuchstellerin am Gutachten vom 16. Februar 2017 wird ferner im Rahmen
der materiellen Prüfung von Obhutszuteilung und Besuchsrecht einzugehen sein,
soweit es sich für die Beurteilung des Falls als notwendig erweist. Indem – wie
noch zu zeigen sein wird (vgl. nachfolgend E. III.B. 8.3 und 8.4.) – den Empfeh-
lungen der Gutachterin in einem wesentlichen Teil nicht zu folgen sein wird, ver-
liert die inhaltliche Kritik der Gesuchstellerin aber von vornherein an Bedeutung.
3.10. Sodann beanstandet die Gesuchstellerin, die Gutachterin J._ habe
sich mit Verfügung vom 8. Juli 2016 zur Gutachterin ernennen lassen, obwohl sie
zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst habe, dass sie das FORIO im Herbst 2016
verlassen würde. Sie habe damit den Auftrag wider besseres Wissen angenom-
men (Urk. 360 S. 25). Es handelt sich um eine Behauptung, die weder untermau-
ert wird, noch für die sich in den Akten Anhaltspunkte finden liessen. Im Übrigen
ist die Behauptung auch nicht zielführend, wurde doch der Auftrag von der Gut-
achterin J._ zu Ende geführt und blieb sie zur Fertigstellung des Gutachtens
im Sinne eines Einzelmandats für das FORIO tätig (Urk. 314). Im Übrigen kann es
für die Verwertbarkeit des Gutachtens keine Rolle spielen, wo J._ formell an-
gestellt war. Der Gutachtensauftrag erging an sie persönlich, nicht an das FORIO
(Urk. 290 f.).
3.11. Die Gesuchstellerin bringt vor, J._ als beauftragte Gutachterin habe
mit dem Gesuchsgegner als Kindsvater nie gesprochen (Urk. 360 S. 25). Dies
dürfte zutreffen (Urk. 349 S. 10). Allerdings war die Gutachterin dazu auch nicht
- 32 -
verpflichtet. Gemäss Gutachtensauftrag vom 8. Juli 2016 wurde ihr die Bewilli-
gung erteilt, eigene Abklärungen im Sinne von Art. 186 ZPO vorzunehmen, insbe-
sondere mit allen beteiligten Personen Gespräche zu führen. Ferner war sie, wie
bereits dargelegt wurde, berechtigt, Mitarbeiter beizuziehen. Eine Verpflichtung,
persönlich mit dem Kindsvater zu sprechen, bestand somit nicht. Wenn sie davon
absah und damit O._ beauftragte, so tat sie dies offensichtlich bewusst und
aus fachlichem Grund. Es lag an der Gutachterin, aufgrund ihres Sachverstands
zu entscheiden, welche Abklärungen und Gespräche sie persönlich führen wollte
und welche nicht. Die Untersuchungskontakte mit den Parteien fanden alle in der
Zeitspanne von August bis Oktober 2016 statt, weshalb sich ausschliessen lässt,
dass die Gutachterin die Gespräche mit dem Gesuchsgegner nicht selbst wahr-
nahm, weil sie nicht mehr für das FORIO tätig war. Im Übrigen tut die Gesuchstel-
lerin einmal mehr nicht dar, was sie aus dem Einwand ableiten will.
3.12.1. Die Gesuchstellerin erachtet das Gutachten als mangelhaft, weil die Gut-
achterin sich nicht an die Vorgaben des Obergerichts im Beschluss vom
1. November 2016 gehalten habe, indem die angeordneten Besuchskontakte und
die Begutachtung vermischt worden seien. An den Besuchskontakten hätten re-
gelmässig Personen mitgewirkt, die auch an der Begutachtung beteiligt gewesen
seien. Nicht nur die Vermischung von Besuchskontakten und Gutachtensauftrag,
sondern auch die Missachtung der Vorgaben des Obergerichts als Auftraggeber
sei völlig unprofessionell (Urk. 360 S. 26).
3.12.2. Aus dem Gutachten ergibt sich, dass an der (versuchten) Durchführung
des ersten Besuchskontakts vom 7. Dezember 2016 lic. phil. T._ sowie
N._ und O._ beteiligt waren. Am zweiten (versuchten) Besuchskontakt
vom 12. Dezember 2016 wirkte neben T._ wiederum N._ mit und am
dritten (versuchten) Besuchskontakt vom 19. Dezember 2016 neben T._
auch O._ (Urk. 349). Wie bereits dargelegt, handelte es sich bei N._ um
eine Praktikantin, die an der Ausarbeitung des Gutachtens nicht wesentlich betei-
ligt war (vgl. vorstehend E. III.A.3.5.2.) und bei den Besuchskontakten wohl in ers-
ter Linie zu Ausbildungszwecken zugegen sein durfte bzw. für die Verlaufsdoku-
mentation verantwortlich war (Urk. 349 S. 49). Weiter ergibt sich aus den Akten,
- 33 -
dass bei der Durchführung der geplanten Besuchskontakte T._ federführend
war, die ihrerseits wiederum nicht in den Begutachtungsprozess involviert war.
O._, die an der Ausarbeitung des Gutachtens beteiligt war, schien vor allem
für die Organisation und das Zustandekommen der Besuchstreffen, nicht jedoch
für die Durchführung derselben zuständig (Urk. 349 S. 49, Urk. 317, Urk. 327,
Urk. 331). Ausserdem blieb die verantwortliche Gutachterin J._ an der
Durchführung der Besuchskontakte unbeteiligt (Urk. 349 S. 10). Damit ist einzig
mit Bezug auf O._ eine allenfalls nennenswerte Vermischung des Begutach-
tungsprozesses mit der Durchführung der Besuchskontakte ersichtlich. Die Ge-
suchstellerin vermag diesbezüglich jedoch weder konkrete Ausstandsgründe noch
eine unzulässige Vorbefassung substantiiert darzutun. Darüber hinaus war
J._ als verantwortliche Gutachterin an der Durchführung der Besuchskontak-
te nicht beteiligt, so dass die gutachterliche Unabhängigkeit gewahrt wurde.
3.13. Schliesslich führt die Gesuchstellerin ins Feld, die Gutachterin hätte nicht
genügend fremd-anamnestische Auskünfte eingeholt bzw. sie habe sich nicht
persönlich um die Einholung solcher Auskünfte gekümmert (Urk. 360 S. 26 f.). Die
Gesuchstellerin unterlässt es einmal mehr, substantiiert darzulegen, bei wem die
Gutachterin zusätzlich welche Auskünfte hätte einholen müssen, und begnügt
sich mit allgemein gehaltener Kritik. Wie bereits ausgeführt, war die Gutachterin
ermächtigt, jedoch nicht verpflichtet, eigene Abklärungen im Sinne von Art. 186
ZPO vorzunehmen. Im Gutachten vom 16. Februar 2017 werden sämtliche exter-
nen Befunde und Explorationen im Umfeld der Parteien ausgewiesen (Urk. 349
S. 52 ff.). Daraus ergibt sich, dass entgegen der Ansicht der Gesuchstellerin zahl-
reiche fremd-anamnestische Auskünfte eingeholt wurden. Der Vorhalt, dass die
Gutachterin diese nicht persönlich eingeholt habe, verfängt nicht, durfte doch die
Gutachterin – namentlich auch für derartige Tätigkeiten – Hilfspersonen beiziehen
(vorstehend E. III.A.3.1.3.). Mit der Unterzeichnung des Gutachtens durch die
Gutachterin J._ wurden sämtliche Erkenntnisse aus fremd-anamnestischen
Auskünften durch sie übernommen. Soweit die Gesuchstellerin ausserdem mo-
niert, insbesondere vom Kindsvater seien keine fremd-anamnestischen Auskünfte
eingeholt worden (Urk. 360 S. 27), unterlässt sie es darzutun, bei wem (Umfeld,
allfälligen Therapeuten und behandelnden Ärzten, Fachleuten) entsprechende
- 34 -
Auskünfte bezüglich welcher offenen, massgeblichen Sachverhaltselemente zu-
sätzlich hätten eingeholt werden sollen. Damit genügt sie den Begründungsanfor-
derungen an eine Berufung nicht (vgl. vorstehend E. II.4.).
4. Zusammenfassend ergibt sich aufgrund der vorstehenden Erwägungen,
dass die rechtlich-formellen Einwände der Gesuchstellerin die Verwertbarkeit des
Gutachtens vom 16. Februar 2017 nicht in Frage zu stellen vermögen. Auf die in-
haltliche Kritik am Gutachten wird wie ausgeführt im Rahmen der nachfolgenden
materiellen Erwägungen zur Zuteilung der Obhut und zum Besuchsrecht einzuge-
hen sein, soweit sich dies als für die Beurteilung der Kinderbelange notwendig
erweist.
B. Zuteilung der Obhut
1. Die Vorinstanz stellte die beiden gemeinsamen Kinder C._, geboren
am tt.mm.2002, und D._, geboren am tt.mm.2008, unter die alleinige Obhut
der Gesuchstellerin. Diese habe sich bereits während der gelebten Ehe mehrheit-
lich der Kinderbetreuung angenommen, während der Gesuchsgegner einer voll-
zeitlichen Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Es entspreche dem Kindeswohl,
insbesondere mit Blick auf das Kriterium der Stabilität der Verhältnisse sowie
auch der bisher gelebten Rollenverteilung der Parteien, dass die Kinder weiterhin
bei der Gesuchstellerin leben würden. Obwohl letztlich auch der Gesuchsgegner
die Zuteilung der elterlichen Obhut an die Gesuchstellerin beantrage, habe er ge-
wisse Vorbehalte bezüglich deren Erziehungsfähigkeit angebracht. So behaupte
er beispielsweise, die Gesuchstellerin benutze die Kinder für die Durchsetzung ih-
rer finanziellen Eigeninteressen und setze alles daran, sie dem Gesuchsgegner
zu entfremden und das Verhältnis zu ihm zu torpedieren. Es ergäben sich hieraus
jedoch keine genügend konkreten Anhaltspunkte, welche gegen die Erziehungs-
fähigkeit der Gesuchstellerin sprechen würden. Dass sich Eltern – nicht zuletzt im
Kontext eines strittig geführten Eheschutzverfahrens – über Erziehungsziele und -
methoden nicht immer einig seien, erscheine nicht unüblich. Sodann sei bei der
Obhutszuteilung dem Wunsch des Kindes Rechnung zu tragen. Aus der Kinder-
anhörung vom 27. August 2014 ergebe sich, dass C._ sich grundsätzlich
- 35 -
wohl fühle unter der Obhut der Gesuchstellerin. Es entspreche damit zumindest
betreffend C._ auch dem Wunsch des Kindes, die Obhut der Gesuchstellerin
zuzuteilen (Urk. 158 S. 15 ff.).
2. Obwohl die Zuteilung der Obhut über die beiden Kinder C._ und
D._ an die Kindsmutter durch die Vorinstanz weder von der Gesuchstellerin
noch vom Gesuchsgegner mit der Berufung in Frage gestellt wurde, sah sich die
erkennende Kammer vor dem Hintergrund der von den Parteien im Laufe des Be-
rufungsverfahrens neu erhobenen, gegenseitigen Vorwürfe und Vorbringen zur
Einholung eines kinderpsychiatrischen bzw. -psychologischen Gutachtens zu den
zwischen den Parteien höchst strittigen Kinderbelangen veranlasst (vgl. vorste-
hend E. III.A.1.). Entsprechend ist im zweitinstanzlichen Verfahren die Umteilung
der Obhut im Rahmen der vom Gesuchsgegner beantragten Kindesschutzmass-
nahmen zu beurteilen (BGer 5A_807/2012 vom 6. Februar 2013, E. 4.2.3.).
3.1. Der Gesuchsgegner stellte die Erziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin be-
reits im vorinstanzlichen Verfahren in Frage. So führte er vor Vorinstanz aus, die
Gesuchstellerin benutze die Kinder dem Kindeswohl diametral zuwiderlaufend für
ihre Zwecke, wozu insbesondere ein hoher Unterhaltsbeitrag und das Verbleiben
in der ehelichen Liegenschaft gehören würden (Urk. 58 S. 2 ff.; Urk. 81 S. 7).
Auch in der Berufungsantwort hält der Gesuchsgegner fest, die Gesuchstellerin
würde die Kinder ständig und massiv instrumentalisieren und sie fortwährend ins
Eheschutzverfahren einbeziehen (Urk. 169 S. 11 f.). Die Gesuchstellerin bringe
insbesondere seiner Ansicht nach C._ in einer dem Kindeswohl abträglichen
Art bei, dass ihre Erkrankung gewisse Vorteile mit sich bringe und C._ dies-
bezüglich die Trumpfkarte ausspielen könne (Urk. 169 S. 10). Ausserdem sei es
die Gesuchstellerin, die den völligen Kontaktabbruch von C._ zum Vater seit
Frühjahr 2014 und von D._ zum Vater seit Ende Februar 2015 zu verantwor-
ten habe. Dieses Verhalten lasse sehr grosse Zweifel an der Erziehungsfähigkeit
der Gesuchstellerin aufkommen (Urk. 169 S. 20). Dennoch beanspruchte er we-
der vor Vorinstanz die elterliche Obhut für sich, noch appellierte er gegen den vo-
rinstanzlichen Entscheid, womit die elterliche Obhut der Gesuchstellerin zugeteilt
wurde. Vielmehr verzichtete er einstweilen auf die Umsetzung seines Besuchs-
- 36 -
rechts gegenüber C._, wobei er erklärte, dies zu tun, um seine Tochter zu
entlasten (Urk. 169 S. 11, 20 und 32). Mit Eingabe vom 2. Dezember 2015 ver-
langte er erstmals superprovisorisch die Umteilung der elterlichen Obhut über
D._ an sich. Er argumentierte, dass die Gesuchstellerin die Kinder massiv
gegen ihn beeinflusse, einen wahren Krieg gegen ihn angezettelt habe und beide
Kinder aktiv in die diversen Verfahren miteinbeziehe. Sie vernachlässige ausser-
dem den Haushalt derart, dass eine Gefährdungsmeldung notwendig geworden
sei. Die Gesuchstellerin biete den Kindern keine feste Tagesstruktur, halte
D._ seit Wochen der Schule fern und lasse unzählige Absenzen von
C._ zu. Es liege eine Instrumentalisierung vor, welche die Persönlichkeits-
entwicklung der Kinder massivst gefährde (Urk. 221 S. 10).
In der Eingabe vom 25. April 2016 führte der Gesuchsgegner sodann aus, dass er
seine Tochter C._ seit April 2014 und den Sohn D._ seit Februar 2015
nicht mehr regelmässig und unbegleitet gesehen habe. Zudem habe C._ in
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22. März 2016 die gegen ihn er-
hobenen Vorwürfe der sexuellen Handlungen mit Kindern nicht bestätigt, weshalb
die Notwendigkeit eines begleiteten Besuchsrechts gegenüber D._ entfalle,
sobald das Ergebnis des Strafverfahrens vorliege. Es sei definitiv die Gesuchstel-
lerin, welche die Kinder instrumentalisiere und manipuliere und deren Erziehungs-
fähigkeit erheblich eingeschränkt sei. Er habe mehrfach darauf hingewiesen, dass
die Kinder durch die Gesuchstellerin instrumentalisiert würden. Ausserdem liege
eine Gefährdungsmeldung der Kantonspolizei bei den Akten (Urk. 212/1), wonach
diese die KESB Horgen um Einleitung geeigneter Kindes- und Erwachsenen-
schutzmassnahmen ersucht habe. Beide Kinder würden aufgrund des Wollens
der Gesuchstellerin unzählige Fachpersonen wie Ärzte, Psychiater, Psychologen
und Therapeuten besuchen, und die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, insbe-
sondere die mehrmonatige Schulverweigerung bei D._ und die überdurch-
schnittlich häufigen Absenzen bei C._, seien aktenkundig (Urk. 266 S. 7 f.).
Aktenkundig sei ausserdem, dass die Gesuchstellerin die Kinder massiv in den
ehelichen Konflikt miteinbeziehe und dadurch einen starken Loyalitätskonflikt bei
diesen auslöse. Auffällig sei auch, dass die Gesuchstellerin gegen Personen, die
ihre Ansichten nicht teilen würden, unsachliche und schwere Geschütze auffahren
- 37 -
würde und diese Personen als unqualifiziert betitle. Es sei ihr durch ihr unverant-
wortliches Tun gelungen, die ehemals gute und enge Vater-Tochter-Beziehung
auf unbestimmte Zeit zu zerstören. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass ihr
dies auch mit Bezug auf D._ gelinge (Urk. 266 S. 9). Der Schaden, den das
das Kindeswohl negierende Verhalten der Kindsmutter bei den Kindern verur-
sacht habe und noch verursache, sei erheblich. Das Verhalten der Gesuchstelle-
rin müsse endlich gestoppt werden und es sei zumindest D._ zu ermögli-
chen, die Beziehung zum Vater wieder aufzunehmen und zu leben (Urk. 266
S. 10).
3.2. Die Gesuchstellerin wehrt sich gegen die vom Gesuchsgegner ins Feld ge-
führten Zweifel an ihrer Erziehungsfähigkeit. So hielt sie in der Eingabe vom
5. Januar 2016 fest, dass der Gesuchsgegner bisher stets die Obhutszuteilung
über die beiden gemeinsamen Kinder C._ und D._ an die Mutter bean-
tragt habe. Es sei völlig unerfindlich, weshalb sie nach zweieinhalbjährigem Ehe-
schutzverfahren plötzlich nicht mehr in der Lage sein solle, die beiden Kinder zu
betreuen (Urk. 237 S. 3 f.). Sie habe monatelang miterleben müssen, wie
D._ in der Schule geplagt und drangsaliert worden sei, weshalb sie dem
Schulleiter ein Umteilungsgesuch gestellt habe (Urk. 237 S. 10). Ein Obhutsent-
zug komme nicht in Frage, die diesbezüglichen Überlegungen des Gesuchsgeg-
ners seien unbehelflich und unsubstantiiert und würden vollumfänglich bestritten
(Urk. 237 S. 12 f.). Bestritten werde ferner eine Instrumentalisierung der Kinder
durch die Mutter (Urk. 237 S. 13). Wenn es dem Gesuchsgegner damit ernst sei,
dass C._ und D._ in einer unbelasteten Umgebung aufwachsen und ih-
re Kindheit geniessen könnten, solle er aufhören, an ihr keinen guten Faden zu
lassen. Der Gesuchsgegner habe sich während des Zusammenlebens kaum um
die beiden Kinder gekümmert und er könne sich angesichts seiner Berufstätigkeit
auch aktuell nicht um die Kinder kümmern. Es sei kein Grund ersichtlich, weshalb
die von den Parteien selber gewählte Rollenteilung nach all den Jahren plötzlich
auf den Kopf gestellt werden sollte (Urk. 237 S. 13 f.). Mit Eingabe vom
18. Januar 2016 teilte die Gesuchstellerin dem Gericht ausserdem mit, ein halbes
Jahr nach Einreichung des Umteilungsgesuches sei die Schulpflege F._ nun
zur Vernunft gekommen und habe D._ mit sofortiger Wirkung ins Schulhaus
- 38 -
.... umgeteilt. Seit 13. Januar 2016 besuche D._ mit Freude die 2. Klasse. Er
sei wie ausgewechselt, voller Freude und positiver Feedbacks. Damit stehe fest,
dass sie mit ihrem Umteilungsgesuch im Kindeswohlinteresse von D._ ge-
handelt habe. Während der Schulabsenz habe sie D._ persönlich zuhause
unterrichtet. Auch habe er während dieser Zeit regelmässig den reformierten Re-
ligionsunterricht, den Klavierunterricht sowie das Fussball- und Kung-Fu-Training
besucht. Von einer Isolation könne keine Rede sein (Urk. 247 S. 4 f.).
4. Mit Verfügung vom 10. Juli 2015 ordnete das hiesige Gericht eine Kinds-
vertretung gemäss Art. 299 ZPO an (Urk. 197) und bestellte mit Verfügung vom
11. August 2015 Rechtsanwältin lic. iur. Z._ als Kindsvertreterin (Urk. 201).
Mit Eingabe vom 5. November 2015 hielt die Kindsvertreterin unter anderem fest,
dass die Kindseltern, welche beide im Rahmen der Trennung verletzt worden sei-
en, heute ihren Paarkonflikt unter anderem auch auf der Ebene ihrer Elternschaft
weiter austragen würden und nicht in der Lage seien, sich gemeinsam für ihre
Kinder zusammenzuraufen und eine Lösung zu erarbeiten. Vielmehr gingen aus
den Akten unzählige Vorwürfe und Anschuldigungen hervor (Urk. 211 S. 2 f.).
Weiter kommt die Kindsvertreterin zum Schluss, dass sich die Namen der durch
die Mutter genannten unzähligen Ärzte, Therapeuten und in die Angelegenheit
A._B._ involvierten Personen wie ein Telefonbuch lesen würden, was
an das sogenannte Münchhausen-Syndrom erinnere, in dessen Rahmen Kinder
kränker oder krank gemacht würden, nur damit eine Mutter überall und immer
wieder Aufmerksamkeit bekomme. Die Akten hinterliessen bei ihr den Eindruck,
als würde die Mutter auf allen Ebenen Solidaritätspartner suchen (Urk. 211 S. 4).
Ausserdem sei es offensichtlich, dass die Gesuchstellerin ihre Gefühle dem Ge-
suchsgegner gegenüber immer wieder vor den Kindern thematisiere. Dabei wür-
den sich Kinder im Alter von C._ und D._ in derartigen Situationen
zwangsläufig in erster Linie an den Elternteil binden, bei dem sie wohnten.
C._ habe sich als Schutzmechanismus mit der Mutter total solidarisiert und
bespreche mit dieser den ganzen Prozess, der sie mit jeder Sicherheit weit über-
fordere. D._ hingegen versuche, sich aus der Sache herauszuhalten und
sich zu verweigern. C._ und D._ würden von ihrem sozialen Umfeld be-
züglich ihres Vaters und dessen Familie auf eine Art und Weise instrumentalisiert,
- 39 -
welche ihre Persönlichkeitsentwicklung aufs massivste gefährde (Urk. 211 S. 10).
Für eine abschliessende Beurteilung von zentraler Bedeutung werde der Ausgang
des gegen den Gesuchsgegner eingeleiteten Strafverfahrens sein. Ihres Erach-
tens sei es jedoch dringend notwendig, dass D._ umgehend wieder Kontakt
zu seinem Vater haben könne und Freiräume bekomme. Die Mutter scheine die
Kinder in einem ungesunden Mass an sich zu binden. Sodann könne C._
nicht für die Mutter Verantwortung übernehmen und sollte sie Freiräume erhalten.
Ihre Epilepsie könne auch einen psychosomatischen Grund haben, da sie ihr im
mütterlichen Haushalt stark eingeschränkt vorkomme und ihres Erachtens unter
grossem Druck stehe. C._ habe ihren Vater derzeit negativ idealisiert. Ein
13-jähriges Mädchen in ihrer Situation solle nicht gezwungen werden, gegen ihren
Willen Kontakt mit ihrem Vater zu haben. Käme es vorliegend zu einer Fremdplat-
zierung bzw. zu einem Obhutsentzug, werde sich der Kontakt zum Vater nach ei-
ner gewissen Zeit wieder einstellen (Urk. 211 S. 18 f.).
5. Auf Empfehlung des kjz Horgen im Bericht vom 8. Dezember 2015
(Urk. 230) wurde mit Beschluss vom 23. Dezember 2015 im Sinne einer vorsorgli-
chen Massnahme für die beiden Kinder C._ und D._ eine umfassende
Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB angeordnet. Aus-
serdem wurde die KESB Horgen um baldmöglichsten Bericht über den bisherigen
Verlauf des für D._ mit Beschluss vom 7. Juli 2015 (Urk. 196) angeordneten
begleiteten Besuchsrechts ersucht (Urk. 235). Im Abklärungsbericht vom 14. April
2016 hielt der zuständige Beistand I._ fest, dass schon der erste Besuchstag
am 14. November 2015 gescheitert sei. Gemäss dem beauftragten Besuchsbe-
gleiter vom Zentrum ... Zürich sei D._ nie alleine mit dem Vater gewesen.
Der Besuchsbegleiter U._ sehe den Abbruch für die Besuchsbegleitung im
Zusammenhang mit der Anwesenheit der Gesuchstellerin. Dies habe dazu ge-
führt, dass D._ der Zugang zum Vater verwehrt gewesen sei (Urk. 262 S. 3).
Die nächsten zwei Besuchstermine hätten zufolge Ferienabwesenheit und Krank-
heitsfall in der Familie des Besuchsbegleiters U._ abgesagt werden müssen.
Der Besuchstermin vom 26. Dezember 2015 habe nicht stattgefunden, weil die
Gesuchstellerin mitgeteilt habe, dass sie in den Ferien sei (Urk. 262 S. 4). Für den
Besuchstermin vom 9. Januar 2016 liegen unterschiedliche Angaben vor. Zum ei-
- 40 -
nen, D._ habe sich nicht zu einem Treffen mit dem Vater motivieren lassen,
habe sich zum bevorstehenden Besuch abwehrend geäussert und eingenässt.
Zum anderen, das Besuchsrecht sei vom Besuchsbegleiter krankheitsbedingt ab-
gesagt worden (Urk. 262 S. 4). Am 30. Januar 2016 habe D._ von Anfang an
angespannt gewirkt und sich nicht für ein Treffen mit dem Vater motivieren las-
sen; der Besuchstag habe erneut abgesagt werden müssen (Urk. 262 S. 4). Am
13. Februar 2016 habe sich D._ nach langen Verhandlungen dazu bewegen
lassen, in Begleitung der Gesuchstellerin und eines Freundes der Familie zur
Bushaltestelle zu gehen, wo der Gesuchsteller wohnt, um bei diesem sein neues
Spielzeugauto abzuholen. In der Wohnung des Gesuchsgegners habe D._
seinen Vater kaum angesehen und sich diesem gegenüber sehr distanziert ver-
halten. Nachdem er das Auto erhalten habe, habe er sich vom Vater verabschie-
det. Der darauffolgende Besuchstermin vom 27. Februar 2016 habe wiederum
abgesagt werden müssen, weil D._ sich geweigert habe, mit dem Besuchs-
begleiter mitzugehen. Einen Grund dafür habe er auch auf mehrmaliges Nachfra-
gen der Gesuchstellerin hin nicht nennen wollen. In der Folge habe das Zentrum
... dem Beistand mitgeteilt, dass es aufgrund der hohen Belastung für D._
nicht möglich sei, die Besuchsbegleitung weiterzuführen. Die Zusammenarbeit
und das Vertrauen gegenüber den Fachleuten der Institution ... sei von der Ge-
suchstellerin immer wieder in Frage gestellt worden. Die Gesuchstellerin habe
deshalb die Arbeit und die dazugehörigen Berichte des Zentrums ... berichtigen
wollen, wohl um sich gegenüber dem Gesuchsgegner zu rechtfertigen (Urk. 262
S. 5). Der Beistand sei zum Schluss gekommen, dass Handlungsbedarf im Fami-
liensystem bestehe. Die Parteien seien in ein hochstrittiges Trennungs- und Be-
suchsrechtsverfahren involviert und das Strafverfahren gegen den Vater sei hän-
gig. Der Beistand gehe davon aus, dass auch die Kinder über den Konflikt infor-
miert seien. Er schätze die Gefährdung von D._ als hoch ein, sehe dringen-
den Handlungsbedarf und empfehle eine Begutachtung, welche das Augenmerk
auf das gesamte Familiensystem lege und die vorhandenen Vorwürfe und offenen
Fragen kläre. Bis dahin sei das Besuchsrecht gegenüber D._ einstweilen zu
sistieren (Urk. 262 S. 6 f.).
- 41 -
6.1. Die Beurteilung der Frage, welche Konsequenzen bei einer Beeinflussung
der Kinder durch einen Elternteil oder der totalen Ablehnung von Besuchskontak-
ten gegenüber einem Elternteil im Einzelfall zu ziehen sind, hängt von ver-
schiedensten Faktoren ab. In sehr komplexen Fällen – und zu einem solchen hat
sich der vorliegende Fall entwickelt– kann ein Gericht nicht ohne gründliche fach-
psychiatrische bzw. -psychologische Begutachtung entscheiden, wobei alle Betei-
ligten in die Begutachtung einzubeziehen sind. Es wurde daher von der erken-
nenden Kammer am 16. Juni 2016 die Einholung eines entsprechenden kinder-
psychiatrischen bzw. -psychologischen Gutachtens beschlossen (Urk. 279).
6.2. Das gerichtlich angeordnete Gutachten wurde am 16. Februar 2017 erstat-
tet. Die Gutachterin gelangt darin zu folgenden Schlussfolgerungen (Urk. 349
S. 79 ff.):
6.2.1. Aus gutachterlicher Sicht müsse von einer parentifizierten Bindung zwi-
schen C._ und der Gesuchstellerin ausgegangen werden. Aufgrund der
hochstrittigen Elternsituation würden C._ und D._ in der Beziehung zur
Kindsmutter immer wieder in einen kognitiven und emotionalen Konflikt geraten.
Dieser werde bewältigt, indem die beiden Kinder mit der Kindsmutter eine Allianz
bildeten, die Lebenswelt des Kindsvaters in Gegenwart der Kindsmutter kognitiv
und emotional abspalteten und die abwertende Haltung der Kindsmutter gegen-
über dem Kindsvater übernähmen. Es handle sich um eine pathologische Konflikt-
lösung, weshalb die Entwicklungsprognosen für C._ und D._ entspre-
chend ungünstig seien und insbesondere auch im Hinblick auf die Adoleszenz ein
Entwicklungsrisiko bestehe. Die Loyalität der Kinder zur Kindsmutter sei ausge-
sprochen hoch und so würden sie jeden Besuchskontakt zum Kindsvater verwei-
gern. Ein Teil möge aus Enttäuschung durch den Kindsvater, welcher aus Kinder-
sicht die Familie verlassen habe, entstanden sein. Überwiegen dürfte jedoch,
dass es für die Kindsmutter kaum tolerierbar sei, wenn die Kinder sich gegen
aussen orientierten und andere bedeutsame Bezugspersonen hätten. Die Allianz-
bildung der Kinder mit der Kindsmutter erschwere es dem Kindsvater, den Kon-
takt zu den Kindern wieder aufzunehmen resp. verunmögliche dies im Zeitpunkt
der Begutachtung. Die Beziehungsbasis zum Kindsvater sei aufgrund des Ver-
- 42 -
laufs der zugrundeliegenden familiären Dynamik und des längeren Beziehungs-
abbruchs derzeit bei beiden Kindern problematisch. Aus gutachterlicher Sicht sei
allerdings von einer grundsätzlich geeigneten Basis mit Anknüpfungspunkten
auszugehen (Urk. 349 S. 80 f.).
6.2.2. Die Erziehungsfähigkeit der Kindsmutter beurteilt die Gutachterin als ein-
geschränkt. Diagnostisch bestehe bei der Kindsmutter aufgrund der Befundlage
der Verdacht auf das Vorliegen einer akzentuierten Persönlichkeit mit narzissti-
schen, dissozialen und histrionischen Zügen. Es habe sich im Rahmen der Be-
gutachtung im Sinne differentialdiagnostischer Überlegungen zudem der Verdacht
auf das Vorliegen eines Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms ergeben. Sollte
sich dieser Verdacht bestätigen, würde dies die Erziehungsfähigkeit der Kinds-
mutter zusätzlich und massiv einschränken bzw. wäre diese nicht gegeben. Die
Erziehungsfähigkeit des Kindsvaters beurteilt die Gutachterin als grundsätzlich
gegeben (Urk. 349 S. 66 und S. 81).
6.2.3. Die Gutachterin hält weiter fest, dass für eine Normalisierung der familiären
Verhältnisse die Kindseltern gefordert seien, die massiven Konflikte auf Paarebe-
ne zugunsten einer einvernehmlichen Lösung aufzugeben, den anderen Elternteil
in Gegenwart von C._ und D._ zu erhalten und den Kindern damit eine
Chance auf eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Aufgrund der Ausgangs-
lage müsse davon ausgegangen werden, dass dies ein langwieriger und aufrei-
bender Prozess für die Parteien darstelle, zumal er nur bei Kooperation beider El-
ternteile gelingen könne. Die Kindsmutter schaffe es aus gutachterlicher Sicht
nicht, den Kindsvater als Elternteil zu erhalten und erscheine in dieser Hinsicht
dementsprechend eingeschränkt geeignet, die Kinder den Bedürfnissen entspre-
chend zu betreuen und versorgen. Der Kindsvater seinerseits erscheine geeignet
und kompetent, die Kinder zu versorgen. Die Beziehungsbasis sei aufgrund des
Verlaufs, der zugrundeliegenden familiären Dynamik und des längeren Bezie-
hungsabbruchs derzeit jedoch für beide Kinder problematisch. Aufgrund des un-
terschiedlichen Alters würden sich aus fachpsychologischer Sicht bei C._
und D._ andere Fragestellungen und Überlegungsansätze betreffend eine
Anpassung der aktuellen Situation stellen (Urk. 349 S. 82):
- 43 -
- Hinsichtlich C._ sei von einer Fremdunterbringung zum gegenwärtigen
Zeitpunkt abzusehen. Als 14-jährige Jugendliche sei ihr alltäglicher Betreu-
ungsbedarf dergestalt, dass sie vermehrt auf ein qualitativ stringentes Moni-
toring angewiesen sei. Viele ihrer Aufgaben könne C._ kompetent und
selbständig ausüben. Vor dem Hintergrund ihrer dysfunktionalen Bindung an
die Kindsmutter erscheine eine Fremdunterbringung für C._ wohl ent-
wicklungsproblematischer als ein Verbleib bei der Kindsmutter mit entspre-
chenden flankierenden Massnahmen. Beispielsweise könne mit dem Erhalt
der Beistandschaft, dem Erhalt der psychotherapeutischen Behandlung und
regelmässigen Standortsitzungen in der Schule zur Sicherung der schuli-
schen Karriere eine ausreichende familienergänzende Betreuung sicherge-
stellt werden, um C._ in der mütterlichen Obhut zu belassen (Urk. 349
S. 82).
- Bei D._ sei aus gutachterlicher Sicht eine vorerst auf eine beschränkte
Dauer angesetzte Fremdplatzierung zu empfehlen. D._ könne so sei-
nen Lebensmittelpunkt an einen neutralen, nicht konflikthaft kontaminierten
Ort verlegen und von dort aus die Beziehung zu den Kindseltern pflegen.
Auf diese Weise könne das System aufgelöst und könnten dysfunktionale
Dynamiken wie die maligne Loyalität zur Kindsmutter, welche den Kontakt
zum Kindsvater verunmögliche, reduziert werden. Die Kindseltern müssten
sich während der Dauer der Fremdplatzierung bereit erklären, den weiteren
Verlauf begleiten und überprüfen zu lassen. Dies bedinge, dass sie dem
Beiziehen von Fachpersonen und einem engen Austausch in einem erwei-
terten System unwiderruflich zustimmen würden. Sie müssten klaren Ziel-
vereinbarungen zustimmen und über die Konsequenzen bei allfälligem
Scheitern oder Nichteinhalten der Auflagen in Kenntnis gesetzt werden (bei-
spielsweise Beibehaltung der Fremdplatzierung, Obhutsumteilung oder Ob-
huts- und Sorgerechtsentzug; Urk. 349 S. 83).
7.1. Die Gesuchstellerin wehrt sich in ihrer Eingabe vom 8. Mai 2017 nicht nur
in formeller Hinsicht gegen das Gutachten, sondern bezeichnet dieses auch in in-
haltlicher Hinsicht als fehlerhaft. Unter Bezugnahme auf zwei Privatgutachten, ei-
- 44 -
nes der Forensischen Psychiaterin Dr. R._ vom 12. April 2017 (Urk. 362/1)
und eines von lic. phil. S._ vom 28. April 2017 (Urk. 362/4), weist sie auf un-
zulässige Interpretationen des FORIO hin. So sei sie als Mutter in der Lage ge-
wesen, auch im Kontext des Ehestreites für die Bedürfnisse ihrer Kinder einzu-
stehen und trotz massiven Eheschwierigkeiten eine Entwicklung zu unterstützen,
welche die Kinder nicht beeinträchtigt habe. Dass sie sich als Mutter angesichts
der Borreliose und der darauffolgenden Epilepsien ihres Kindes besorgt zeige, sei
nicht nur normal, sondern wichtig. Dass es ihr ausserdem gelungen sei, in dieser
schwierigen Situation der Tochter so viel Beistand zu leisten, dass diese den Mut
habe entwickeln und aufrechterhalten können, um ins Gymnasium überzutreten,
dürfe als Beleg für die Stabilität und Resilienz der Gesuchstellerin interpretiert
werden, gerade in der schwierigen Ehesituation zugunsten der Kinder zu handeln.
Desgleichen verhalte es sich mit D._, dessen psychische Befindlichkeit sich
nach Schulhauswechsel verbessert bzw. stabilisiert habe. Dies könnte als Beleg
dafür gelten, dass der unermüdliche Einsatz der Gesuchstellerin für die Umteilung
ihres Sohnes in eine andere Klasse eine objektivierbare Berechtigung gehabt ha-
be (Urk. 360 S. 13 ff.). Gemäss Meinung von Dr. R._ handle es sich im Kon-
text der Interpretationen betreffend die Kindsmutter um ein rein gedankliches
Konstrukt, welches sich im Gutachten nicht substantiieren lasse (Urk. 360 S. 16).
Wie die Autoren des Gutachtens bei der Gesuchstellerin auf eine akzentuierte
Persönlichkeit mit dissozialen, histrionischen und narzisstischen Zügen kämen,
eine Bezeichnung, die sie nicht etwa mit einer Quelle belegen würden, die eine
Akzentuierung beschreibe, sondern mit einer Quelle, die eine Persönlichkeitsstö-
rung beschreibe, sei nicht nachvollziehbar, und die Attribuierung widerspreche
jeglicher fachlicher Grundlage (Urk. 360 S. 19 f.). Im Übrigen bezeichne
Dr. R._ auch den Verdacht auf das Vorliegen eines Münchhausen-
Stellvertreter-Syndroms als reine Fantasiebeurteilung. Den Nachweis, worauf sich
diese abenteuerliche Behauptung stütze, würden die Autoren des Gutachtens
schuldig bleiben (Urk. 360 S. 20 f.). Dr. R._ schreibe, die Schlussfolgerungen
der Gutachterin seien im Hinblick auf das Kindeswohl und die Betreuung der Kin-
der nicht von Substanz getragen. Die Grundlage der Beurteilung sei in sich feh-
lerhaft, zuweilen gar willkürlich (Urk. 360 S. 21). Aus den ihr zur Verfügung ste-
- 45 -
henden Informationen und Unterlagen leite Dr. R._ ab, dass die Gesuchstel-
lerin bis dato der Garant dafür gewesen sei, dass die Kinder trotz objektivierbaren
Schwierigkeiten unter Einbezug verschiedener Fachpersonen und des familiären
Umfelds einen guten Entwicklungsstand aufweisen würden, welcher ohne die Art
und Weise der Einwirkung ihrer Mutter so mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit
nicht geglückt wäre (Urk. 360 S. 22). S._ beurteile das Gutachten als man-
gelhaft, fehlerhaft, tendenziös und in seinen Empfehlungen unverhältnismässig.
Insbesondere sei der Vorschlag, D._ vorübergehend in einem Heim zu plat-
zieren, unverhältnismässig und werde dem Kindeswohl nicht gerecht. Wenn auch
die aktuelle Familiensituation von Spannungen geprägt sei, lebe D._ doch in
Geborgenheit, werde gut erzogen und versorgt und fühle sich unter der Obhut der
Mutter wohl. Eine zusätzliche drastische und als gewaltsam wahrgenommene
Massnahme wie eine Fremdplatzierung dürfte das Wohl des Kindes stark beein-
trächtigen. Die Massnahme sei auch deshalb unverhältnismässig, weil die Belas-
tungen durch eine Beruhigung der Situation abnehmen würden (Urk. 360 S. 23 f.).
7.2. Der Gesuchsgegner fühlt sich gemäss seiner Stellungnahme zum Gutach-
ten vom 8. Mai 2017 durch dieses in seinen Ängsten und Befürchtungen bestätigt.
Er habe bereits im November 2013 an der ersten Verhandlung zum ersten Mal
vorgebracht, dass die Kinder von der Kindsmutter instrumentalisiert würden und
ihr Wohl bei einem Zusammenleben mit der Mutter gefährdet sei. Das aktive Ver-
hindern der Fortführung der Beziehung zwischen Kindern und Vater sei als Kin-
desmisshandlung zu qualifizieren (Urk. 357 S. 2). Nicht teilen könne er die Ein-
schätzung der Gutachterin, wonach C._ bei der Kindsmutter wohnen bleiben
und weiterhin unter ihrer Obhut stehen solle. Der Schaden, den C._ bei ei-
nem weiteren Verbleib bei der Kindsmutter erleide, erachte er als irreparabel und
sehr gross. Ausserdem lasse die Gutachterin ausser Acht, dass es für D._
unverständlich sein werde, weshalb nur er von Zuhause weg müsse. Er sei über-
zeugt, dass D._ die Schuld bei sich suchen und die Fremdplatzierung als ei-
ne Bestrafung ansehen werde (Urk. 357 S. 3). Ausserdem sei zu verhindern, dass
durch den Verbleib von C._ bei der Mutter sich zwischen den Geschwistern
ein Graben auftue und sich die Geschwister voneinander entfremdeten. Er erach-
te für C._ ein Internat als die passende Lösung. Dort könne sie einen Neuan-
- 46 -
fang machen, komme sie in ein neutrales Umfeld und treffe sie neue Schulkame-
raden, die ihre Familiengeschichte nicht kennen würden. Sie solle dabei kinder-
psychologische Betreuung erhalten (Urk. 357 S. 4 f.).
Was D._ anbelange, so teile er die Einschätzung der Gutachterin in Bezug
auf den Obhutsentzug der Kindsmutter für D._, allerdings beantrage er die
Zuteilung der Obhut an sich. Um das Vertrauensverhältnis zu D._ wieder
aufzubauen, könne ein mehrwöchiger Aufenthalt in einem Tennis- oder Ferien-
camp, wo er und D._ die Gelegenheit hätten, gemeinsam Sport zu treiben
und in einem neutralen Umfeld eine Wiederannäherung zu starten, geplant wer-
den. Zudem schlage er vor, dass die Ferien von einer kinderpsychologisch ge-
schulten Fachperson begleitet würden, vorzugsweise jemand vom FORI., den
D._ bereits kenne. Dies gebe D._ Sicherheit und er könne seinen Vater
wieder kennenlernen (Urk. 357 S. 6 f.). Der Lösungsvorschlag des FORIO,
D._ für eine befristete Dauer in ein Kinderheim einzuweisen, stelle seiner
Ansicht nach eine unbegreifliche Härte für D._ dar, die er seinem Sohn er-
sparen wolle (Urk. 357 S. 7 f.). Er anerkenne, dass es Sache der Eltern sei, den
Kindern den Kontakt zu beiden Elternteilen zu ermöglichen. Er sei jedoch der An-
sicht, dass die Gesuchstellerin die Kinder vorerst nur begleitet besuchen solle, um
eine weitere schädliche Einflussnahme auf diese zu verhindern. Es sei zudem
notwendig, dass die Gesuchstellerin eine engmaschige Therapie besuche, um ih-
re Probleme aufzuarbeiten. Im Rahmen dieser Therapie müsse abgeklärt werden,
ob sie am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leide (Urk. 357 S. 12).
7.3. Die Kindsvertreterin nahm in ihrer Eingabe vom 19. April 2017 zum Gut-
achten wie folgt Stellung: Es habe im vorliegenden Verfahren von Beginn ihrer
Bestellung an eine grosse Diskrepanz zwischen dem Kindeswillen und dem Kin-
deswohl bestanden und es stelle sich die Frage, welches Interesse geschützt
werden müsse. Sie sei über die gutachterlichen Ausführungen dankbar. Das Insti-
tut für Forensik und Rechtspsychiatrie Bern habe 2016 in einem ähnlich gelager-
ten Fall festgehalten, der einmalige Schock der Fremdplatzierung wiege minder-
schwer und stelle die geringere psychische Belastung dar als ein ständiges Aus-
halten und Einbezogen werden in die elterlichen Konflikte sowie das Erleben einer
- 47 -
instabilen und unberechenbaren Situation. Im Rahmen der Fremdunterbringung in
einer geeigneten Institution könne D._ zu gleichen Teilen Kontakt zu beiden
Elternteilen haben, wobei die Besuche anfänglich begleitet stattfinden sollten. Zu-
dem sei es wichtig, dass eine psychotherapeutisch arbeitende Fachperson mit
D._ die Gründe der Fremdunterbringung thematisiere sowie den Kontaktauf-
bau mit dem Vater erarbeite. Aufgrund der bereits zahlreich involvierten Fachper-
sonen in den Konflikt erscheine es von hoher Wichtigkeit, eine neue und neutrale
Psychotherapeutin für D._ einzusetzen (Urk. 356).
8.1. Im Eheschutzverfahren gelten für die Zuteilung der Obhut an einen Eltern-
teil grundsätzlich die gleichen Kriterien wie im Scheidungsfall. Nach der Recht-
sprechung hat das Wohl des Kindes Vorrang vor allen anderen Überlegungen,
insbesondere vor den Wünschen der Eltern. Vorab muss die Erziehungsfähigkeit
der Eltern geklärt werden, das heisst die Fähigkeit, eine in geistig-psychischer,
körperlicher und sozialer Hinsicht altersgerecht optimale Entfaltung des Kindes zu
gewährleisten. Ist diese bei beiden Elternteilen gegeben, sind vor allem Kleinkin-
der und grundschulpflichtige Kinder demjenigen Elternteil zuzuteilen, der die Mög-
lichkeit hat und dazu bereit ist, sie persönlich zu betreuen. Erfüllen beide Elterntei-
le diese Voraussetzung ungefähr in gleicher Weise, kann die Stabilität der örtli-
chen und familiären Verhältnisse ausschlaggebend sein. Schliesslich ist – je nach
Alter des Kindes – seinem eindeutigen Wunsch Rechnung zu tragen. Diesen Kri-
terien lassen sich die weiteren Gesichtspunkte zuordnen, namentlich die Bereit-
schaft eines Elternteils, mit dem anderen in Kinderbelangen zusammenzuarbei-
ten, oder die Forderung, dass eine Zuteilung der Obhut von einer persönlichen
Bindung und echter Zuneigung getragen sein soll (vgl. BGE 115 II 206 E. 4a; BGE
115 II 317 E. 2. und 3.; BGE 117 II 353 E. 3.; BGE 136 I 178, E. 5.3.). Eine Rang-
ordnung der Kindeswohlkriterien besteht nicht. Es ist die Gesamtsituation des
Kindes nach allen für das Kindeswohl bedeutsamen Kriterien zu untersuchen und
abzuwägen, welche Obhutsregelung dem Kindeswohl am besten entspricht res-
pektive die am wenigsten schädliche Alternative darstellt (vgl. zum Ganzen: BSK
ZGB I - Schwenzer/Cottier, Art. 298 N 4 f.; Johannsen/Henrich/Jaeger, Familien-
recht, München 2015, § 1671 BGB N 46 ff.).
- 48 -
8.2. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dürfen Gerichte in Fachfra-
gen nicht ohne triftige Gründe von einem Gutachten abweichen. Dies bedeutet je-
doch nicht, dass das Gericht die Ergebnisse des vorliegenden Gutachtens
(Urk. 349) unkritisch übernehmen darf. Gutachten unterliegen wie alle Beweismit-
tel der freien richterlichen Beweiswürdigung. Sowohl letztere wie auch die Beant-
wortung der sich stellenden Rechtsfragen bleibt Aufgabe des Gerichts. In diesem
Sinne hat es zu prüfen, ob sich auf Grund der übrigen Beweismittel und der Vor-
bringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterli-
chen Darlegungen aufdrängen (BGer 5A_473/2013 vom 6. August 2013, E. 5.;
BGer 5A_170/2009 vom 10. Juni 2009, E. 2.2.1.; BGE 130 I 337 E. 5.4.2.).
8.3. Die Gutachterin beurteilt die Erziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin als
eingeschränkt. Es bestünden bei ihr aus gutachterlicher Sicht sowohl Ressourcen
als auch Defizite in der Erziehung. Insgesamt könne aus gutachterlicher Sicht das
Engagement und die Kompetenz der Kindsmutter, C._ und D._ ange-
messen zu versorgen und zu betreuen, gewürdigt und als geeignet beurteilt wer-
den. Sie zeige sich engagiert und präsent in den Kindsbelangen. Jedoch gelinge
es ihr emotional vor dem Hintergrund der eigenen Problematik nur mangelhaft,
die kindlichen Bedürfnisse vollumfänglich wahrzunehmen, die Vaterfigur des Ge-
suchsgegners zu erhalten, den Kontakt zu ihm zu tolerieren und die Kinder vor
den eigenen, die Erwachsenenebene betreffenden Belastungen zu schützen
(Urk. 349 S. 76). Die Gutachterin beurteilt – abgesehen vom erwähnten Erzie-
hungsdefizit der Mutter mit Bezug auf die Kontakte zum Vater – die Einstellungen,
Kenntnisse und das Verhalten der Kindsmutter im Bereich der Erziehung als auf
gesellschaftlich konventionellen Normen basierend. Die Gesuchstellerin zeige In-
teresse an ihren Kindern und weise grundsätzlich adäquate Einstellungen bezüg-
lich ihres erzieherischen Engagements, Akzeptanz und Permissivität auf (Urk. 349
S. 75). C._ besuche seit zwei Jahren die Kantonsschule ... mit neusprachli-
chem Profil. Mit den Mitschülern und Lehrpersonen verstehe sie sich ihren Anga-
ben zufolge gut. Aufgrund zahlreicher krankheitsbedingter Absenzen sei C._
im letzten Schuljahr "provisorisch" geworden. In ihrer Freizeit treffe sie sich mit
Freunden, spiele Klavier und Tennis (Urk. 349 S. 43). D._ erlebte die Gut-
achterin als grundsätzlich offenen, unbeschwerten und fröhlichen Jungen, der un-
- 49 -
auffällig und altersadäquat entwickelt sei. Er besuchte zum Zeitpunkt der Explora-
tion die 3. Klasse im Schulhaus .... In seiner Freizeit mache er seinen Aussagen
zufolge Kung Fu, spiele Tennis und Fussball beim FC F._-... (Urk. 349
S. 47). Diese Feststellungen traf die Gutachterin vor dem Hintergrund des Ver-
dachts, dass bei der Gesuchstellerin eine akzentuierte Persönlichkeit mit narziss-
tischen, dissozialen und histrionischen Zügen bestehe (vgl. Urk. 349 S. 66). Damit
ist der Gesuchstellerin zuzustimmen, dass es ihr offenbar trotz der schwierigen
Trennungssituation und vermehrter gesundheitlicher Probleme von C._ ge-
lungen ist, C._ beim Übertritt ins Gymnasium zu unterstützen und D._s
schulische Situation durch die Umteilung in ein anderes Schulhaus zu stabilisie-
ren. Jedenfalls scheinen beide Kinder trotz des hochstrittigen Eheschutzverfah-
rens heute einen altersgerechten, guten Entwicklungsstand aufzuweisen. Damit
ist die Erziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin grundsätzlich zu bejahen. Zu die-
sem Schluss gelangt auch das Gutachten, worin die Einschränkung der Erzie-
hungsfähigkeit der Kindsmutter nicht etwa mit grundlegenden Mängeln an erzie-
herischen Kenntnissen oder Kompetenzen begründet wird, sondern einzig mit der
Tendenz, ihr Verhalten und den Umgang mit den Kindern in Bezug auf die Vater-
rolle des Gesuchsgegners nicht am Kindeswohl zu orientieren (Urk. 349 S. 76).
Zwar ist es ohne Weiteres als Erziehungsfehler zu werten, wenn ein Elternteil zu
einer Ablehnung oder gar hasserfüllten Einstellung gegen den andern Elternteil
beeinflusst (Johannsen/Henrich/Jaeger, a.a.O., § 1671 BGB N 61). Trotzdem darf
allein zum Zweck einer effizienten Durchsetzung des Kontaktrechts ein Obhuts-
entzug mit dem Ziel der Heimunterbringung nicht angeordnet werden (vgl. für
Deutschland BGH, Beschluss vom 26. Oktober 2011 - XII ZB 247/11, in: FamRZ
2/2012 S. 103). Dass die Erziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin infolge eines
Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms weitergehend eingeschränkt bzw. gar nicht
gegeben wäre, ergibt sich aus den Akten nicht. Es existieren gemäss Gutachterin
keine eindeutigen Erkennungsmerkmale für ein Münchhausen-Stellvertreter-
Syndrom (Urk. 349 S. 76). Vielmehr äussert die Gutachterin damit einen nicht
weiter substantiierten Verdacht im Sinne einer Differenzialdiagnose, auf den sie
selber bei der Empfehlung zur Fremdplatzierung von D._ nicht weiter ab-
stellt, wenngleich festzustellen ist, dass die Anzahl von betreuenden Ärzten,
- 50 -
Therapeuten und dergleichen bei beiden Kindern das zu erwartende Mass über-
steigt.
8.4. Hervorzuheben ist, dass im Eheschutzverfahren - in welchem grundsätzlich
Regelungen für einen beschränkten Zeithorizont zu treffen sind - dem Kriterium
einer grösstmöglichen Stabilität der Verhältnisse besondere Bedeutung zukommt.
Im Unterschied zur Situation bei der Ehescheidung, die meistens eine Neuorien-
tierung aller beteiligten Personen, auch der Kinder, zur Folge hat, sollten die bis-
herigen Lebensumstände eines Kindes nicht ohne Not von Grund auf verändert
werden. Kinder sollten mit möglichst wenig einschneidenden Veränderungen be-
lastet werden. Ihr Umfeld (Beziehungen zu Geschwistern, die Schule, Beziehun-
gen zu Freunden und Freizeitaktivitäten) hat daher besonderes Gewicht (ZK ZGB
- Bräm/Hasenböhler, Art. 176 N 76). Es ist mit der Vorinstanz davon auszugehen,
dass die Parteien bis zur Trennung eine klassische Rollenverteilung gelebt haben.
Die Erwerbstätigkeit oblag primär dem Gesuchsgegner und die Betreuung der
Kinder primär der Gesuchstellerin. Die Gesuchstellerin ist daher – auch wenn sich
der Gesuchsgegner in der Vergangenheit ebenfalls an der Kinderbetreuung sowie
der Erziehung beteiligt hat – als Hauptbezugsperson der Kinder anzusehen. Indi-
viduelle emotionale Bindungen an eine oder mehrere Personen entsprechen ei-
nem allgemeinen menschlichen Bedürfnis und sind insbesondere für die gedeihli-
che Entwicklung des Kindes von essentieller Bedeutung. Schon deshalb wird man
es als Recht des Kindes bezeichnen müssen, dass eine staatliche Massnahme
wie die Obhutszuteilung im Kind gewachsene Bindungen möglichst wenig und
nicht ohne triftigen Grund beeinträchtigt. Hinzu kommt, dass der Abbruch derarti-
ger persönlicher Bindungen je nach Alter, Veranlagung und psychischer Konstitu-
tion des Kindes nachteilige Folgen für die geistige und seelische Entwicklung ha-
ben und daher mit einem schwer kalkulierbaren Risiko für das Kind verbunden
sein kann (Johannsen/Henrich/Jaeger, a.a.O., § 1671 BGB N 69). Auch die Bin-
dungen eines Kindes zu seinen Geschwistern sind zu berücksichtigen. Die emoti-
onale Geschwisterbindung zu beachten, entspricht der allgemeinen Überzeugung,
dass es regelmässig dem Wohl des Kindes dient, wenn es zusammen mit den
Geschwistern aufwächst und erzogen wird. Daher sollte die Trennung von anei-
nander hängenden Geschwistern grundsätzlich vermieden und nur in Ausnahme-
- 51 -
fällen zugelassen werden (Johannsen/Henrich/Jaeger, a.a.O., § 1671 BGB N 73
f.; BGE 115 III 317 E. 2.). Der Umstand, dass die genannten Kindesbindungen
durch eine erhebliche Beeinflussung des Kindes durch einen Elternteil entstanden
sind oder sich verstärkt haben, genügt allein als Grund nicht, die Kindesbezie-
hung zu negieren oder ihre Bedeutung zu schmälern. Andernfalls würde man das
Kind, das die für sein Wohl wichtigen Bindungen nun einmal entwickelt hat, we-
gen des Fehlverhaltens des betreffenden Elternteils "bestrafen" (Johann-
sen/Henrich/Jaeger, a.a.O., § 1671 BGB N 77).
Eine Umstossung des bisher gelebten Rollenmodells erscheint vorliegend im Hin-
blick auf das Kindeswohl nicht sinnvoll, zumal die Erziehungsfähigkeit der Ge-
suchstellerin trotz der genannten Bedenken grundsätzlich zu bejahen ist. Deshalb
ist im vorliegenden Fall von einer Fremdplatzierung von D._ mit Blick auf das
Kindeswohl abzusehen. Auch die Gutachterin hält fest, dass eine Fremdplatzie-
rung von D._ zu Dekompensationsreaktionen im familiären System führen
könne, weshalb der weitere Verlauf einer solchen unter anderem im Hinblick auf
das Kindeswohl von D._ im Auge zu behalten sei (Urk. 349 S. 85). Im Übri-
gen äussert sich die Gutachterin nicht weiter zur Frage, welche mittelfristige Per-
spektive mit einer befristeten Heimunterbringung von D._ verbunden ist. Sie
lässt eine Prognose offen bzw. legt die Beurteilung der heiklen Frage des Schei-
terns der Fremdplatzierung von D._ in die Verantwortung der mit einer allfäl-
ligen Fremdplatzierung betrauten Fachpersonen. Käme es im Rahmen einer
Fremdplatzierung von D._ tatsächlich zu Dekompensationsreaktionen und
ginge es D._ nach einer Fremdplatzierung über längere Zeit schlecht bzw.
immer schlechter, würde sich die Frage nach Alternativen stellen, und dies wäre
kaum dem Kindeswohl zuträglich. Zum gleichen Schluss kam auch der Beistand
in seinem Bericht vom 27. Januar 2017 (Urk. 338 S. 6). Vor diesem Hintergrund
muss davon ausgegangen werden, dass eine Fremdplatzierung von D._
letztlich deutlich mehr schaden als nützen könnte. Dies gilt es zu vermeiden. Das
Kindeswohl gebietet, dass nur Massnahmen ergriffen werden, die (soweit prog-
nostizierbar) Erfolg versprechend sind (BSK ZGB I - Breitschmid, Art. 307 N 4).
Selbst der Gesuchsgegner kommt in seiner Eingabe vom 8. Mai 2017 zum
Schluss, der Lösungsvorschlag des FORIO, D._ für eine befristete Dauer in
- 52 -
ein Kinderheim einzuweisen, stelle eine für ihn unbegreifliche Härte für D._
dar (Urk. 357 S. 7 f.). Darüber hinaus erweist sich eine Fremdplatzierung von
D._ auch im Hinblick auf eine Trennung der Geschwister als unverhältnis-
mässig und dem Kindeswohl beider Kinder zuwiderlaufend. Trennen sich die El-
tern, bleiben Geschwister, die dieses Schicksal teilen, in der Regel wichtige und
konstante Bezugspersonen. Von Bedeutung ist ferner, dass der Beistand in sei-
nem Bericht vom 27. Januar 2017 festhält, D._ habe sich gemäss schuli-
schem Standortgespräch vom 16. Juni 2016 gut in die neue Klasse im Schulhaus
... integriert. Er habe Freunde gefunden, sei fröhlich, manchmal auch ein biss-
chen quirlig. Er sei ein guter Schüler und es hätten sich keine fachlichen Defizite
aufgrund der krankheitsbedingten Absenz gezeigt (Urk. 338 S. 5). C._ habe
gemäss dem Bericht des Beistands vom 27. Januar 2017 (Urk. 339) aufgrund der
vielen krankheitsbedingten Absenzen in der Kantonsschule ... mit der Prorektorin
für das Frühjahrsemester 2016 ein Spezialsetting vereinbaren können. Ausser-
dem seien die Lehrpersonen von C._ über deren belastende Vergangenheit
und Gegenwart informiert worden und es hätten im Beisein der Schulärztin und
Therapeutin von C._ Gespräche stattgefunden, wie C._ unterstützt wer-
den könne (Urk. 339 S. 4). Vor diesem Hintergrund ist bei einem Verbleib der
Kinder in der Obhut der Gesuchstellerin die Kontinuität sowie die Stabilität des
örtlichen, schulischen und sozialen Umfelds für die Kinder am besten gewährleis-
tet. Dies muss für die Frage der Fremdplatzierung von D._ in einem Kinder-
heim gleichermassen gelten wie für den Vorschlag des Gesuchsgegners, die Ob-
hut über die Kinder an ihn umzuteilen und C._ auf ein Internat zu schicken
(Urk. 357). Auch dadurch würden die Kinder aus ihrem derzeit funktionierenden
örtlichen, schulischen und sozialen Umfeld herausgerissen und es wäre mit De-
kompensationsreaktionen zu rechnen. Im Übrigen hält auch die Gutachterin fest,
dass zum heutigen Zeitpunkt eine geeignete Beziehungsbasis des Gesuchsgeg-
ners fehlt, um eine Obhutsumteilung in Betracht zu ziehen (Urk. 349 S. 73).
8.5. Je nach Alter der Kinder ist zudem ihrem eindeutig geäusserten Wunsch
bei der Obhutszuteilung Rechnung zu tragen, und zwar im Sinne eines weiteren
Zuteilungskriteriums, welches in die Gesamtbeurteilung einzubeziehen ist. Beide
Kinder äusserten sich im Verfahren dahingehend, dass sie bei der Mutter leben
- 53 -
wollen und sie sich bei ihr wohl fühlen (Urk. 349 S. 43 f. und S. 48). Allerdings ist
zu berücksichtigen, dass die Kinder sich nach der plausiblen Einschätzung der
Gutachterin in einem schwerwiegenden Loyalitätskonflikt befinden bzw. aus Loya-
lität zur Mutter den kognitiven und emotionalen Konflikt dahingehend bewältigen,
dass sie mit ihr eine Allianz bilden, die Lebenswelt des Kindsvaters in Gegenwart
der Kindsmutter kognitiv und emotional abspalten und die abwertende Haltung
der Kindsmutter gegenüber dem Kindsvater übernehmen (Urk. 349 S. 80). Ihr
Wunsch ist somit bei der Frage der Obhutszuteilung kritisch zu hinterfragen.
8.6. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammengefasst festzuhal-
ten, dass ein Entzug der Obhut der Gesuchstellerin in Form einer Fremdplatzie-
rung von D._ trotz der für die Kinder teilweise problematischen Umstände
nicht angezeigt ist, weil die Kinder ihren Lebensraum und ihr Umfeld bei der Ge-
suchstellerin haben, die sie seit deren Geburt als primäre Bezugsperson betreut
hat, und die Kinder heute schulisch und sozial gut integriert sind. Vor diesem Hin-
tergrund wäre eine Fremdplatzierung von D._ einschneidend und mit grosser
Wahrscheinlichkeit für beide Kinder traumatisierend. Zudem erscheint es fraglich,
was eine Fremdplatzierung mittelfristig für D._ überhaupt bewirken könnte.
Aufgrund zu befürchtender Dekompensationsreaktionen ist jedenfalls zum heuti-
gen Zeitpunkt davon auszugehen, dass eine solche deutlich mehr schaden als
nützen könnte. Eine Umteilung der Obhut über die Kinder an den Gesuchsgegner
stellt mangels einer genügenden Beziehungsbasis zwischen dem Gesuchsgegner
und den Kindern keine Option dar. Aus den genannten Gründen sind die Kinder
unter der Obhut der Gesuchstellerin zu belassen und die Anträge des Gesuchs-
gegners vom 23. Mai 2017 auf Anordnung von Kindesschutzmassnahmen
(Urk. 370) abzuweisen.
C. Besuchsrecht
1. Die Vorinstanz sah für beide Kinder ab März 2015 ein gerichtsübliches, un-
begleitetes Besuchsrecht an jedem zweiten Wochenende mit Übernachtung beim
Gesuchsgegner von Samstag auf Sonntag vor. Zudem traf sie eine Feiertagsre-
gelung und räumte dem Gesuchsgegner ein Ferienbesuchsrecht von zwei Wo-
- 54 -
chen pro Jahr ein. Die Vorinstanz hielt fest, dass derzeit keine Besuchskontakte
der Tochter C._ zum Gesuchsgegner stattfinden würden, und legte die
schrittweise Wiederaufnahme der Kontakte zwischen Tochter und Vater in die
Verantwortung des Besuchsbeistandes. Eine Besuchsbeistandschaft im Sinne
von Art. 308 Abs. 2 ZGB hatte die Vorinstanz bereits mit Urteil vom 27. Mai 2014
angeordnet (Urk. 158 S. 75 f.; Urk. 83).
2. Die Gesuchstellerin stellte im Rahmen ihrer Berufung vom 7. April 2015 ein
superprovisorisches Gesuch, wonach aufgrund der Tatsache, dass der Gesuchs-
gegner zwischenzeitlich bereits selber auf die Ausübung des Besuchsrechts ge-
genüber der Tochter C._ verzichtet habe, die Gesuchstellerin im ehelichen
Heim eine Sammlung pornographischer Aufnahmen von Jugendlichen gefunden
habe und sich die psychische Gesundheit beider Kinder weiter verschlechtert ha-
be, das von der Vorinstanz angeordnete Besuchsrecht des Gesuchsgegners für
die weitere Dauer des Eheschutzverfahrens vollständig aufzuheben bzw. bis auf
Weiteres zu sistieren sei (Urk. 157 S. 10). Nachdem das Besuchsrecht des Ge-
suchsgegners gegenüber D._ von der erkennenden Kammer zunächst sis-
tiert worden war (Urk. 166, 172 und 180), wurde dem Gesuchsgegner mit Be-
schluss vom 7. Juli 2015 im Rahmen vorsorglicher Massnahmen für die Dauer
des Verfahrens ein begleitetes Besuchsrecht für D._ an jedem zweiten Wo-
chenende eingeräumt (Urk. 196). Die Umsetzung dieses begleiteten Besuchs-
rechts scheiterte jedoch; der Beistand teilte der erkennenden Kammer im März
2016 mit, dass die Besuchsbegleitung für D._ habe abgebrochen werden
müssen (Urk. 255). Daraufhin wurde das Besuchsrecht des Gesuchsgegners ge-
genüber D._ mit Beschluss vom 16. Juni 2016 ein weiteres Mal einstweilen
sistiert und die Einholung eines kinderpsychiatrischen bzw. -psychologischen
Gutachtens beschlossen (Urk. 279). Nachdem schliesslich die Gutachterin
J._ im Zwischenbericht vom 3. Oktober 2016 aufgrund der bisherigen Befun-
de empfahl, das sistierte Besuchsrecht des Gesuchsgegners gegenüber D._
vor Ende der Begutachtung wieder aufzunehmen (Urk. 299), ordnete die erken-
nende Kammer mit Beschluss vom 1. November 2016 erneut ein begleitetes Be-
suchsrecht des Gesuchsgegners gegenüber D._ an, und zwar alle vierzehn
Tage für maximal zwei Stunden, wobei die ersten vier Besuchstermine im FORIO
- 55 -
und die folgenden Termine in einem vom Beistand zu bestimmenden, geeigneten
Besuchstreff stattfinden sollten (Urk. 305). In der Folge scheiterten aber auch die
begleiteten Besuchstreffen im FORIO (Urk. 335), und der Beistand teilte am
20. Januar 2017 telefonisch mit, dass sich das vorgesehene begleitete Besuchs-
recht für D._ nicht umsetzen liesse (Urk. 336).
3. Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die elterliche Obhut
nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf angemesse-
nen persönlichen Verkehr. Es handelt sich um ein gegenseitiges Pflichtrecht, wo-
bei dieses in erster Linie dem Interesse des Kindes dient und oberste Richtschnur
für die Ausgestaltung das Kindeswohl ist, welches anhand der konkreten Um-
stände des Einzelfalles zu beurteilen ist. Der aus Art. 273 Abs. 1 ZGB fliessende
Anspruch kann denn auch gestützt auf Art. 274 Abs. 2 ZGB verweigert oder ent-
zogen werden, wenn das Wohl des Kindes durch den persönlichen Verkehr ge-
fährdet wird, wenn ihn der betreffende Elternteil pflichtwidrig ausgeübt hat, wenn
sich dieser nicht ernstlich um das Kind gekümmert hat oder wenn andere wichtige
Gründe vorliegen. Eine Gefährdung des Kindeswohls im vorgenannten Sinne liegt
insbesondere dann vor, wenn dessen ungestörte körperliche, seelische oder sittli-
che Entwicklung durch ein auch nur begrenztes Zusammensein mit dem nicht ob-
hutsberechtigten Elternteil bedroht ist. Demgegenüber ist zu berücksichtigen,
dass das Kontaktrecht dem nicht obhutsberechtigten Elternteil um seiner Persön-
lichkeit willen zusteht und ihm daher nicht ohne wichtige Gründe ganz abgespro-
chen werden darf. Eine Gefährdung des Kindeswohls ist daher unter diesem Ge-
sichtspunkt nicht leichthin anzunehmen. Was eine Weigerung des Kindes anbe-
langt, so kann diese unter "andere wichtige Gründe" im Sinne von Art. 274 Abs. 2
ZGB subsumiert werden. Es ist dabei insbesondere das Alter des Kindes zu be-
rücksichtigen sowie dessen Fähigkeit zu autonomer Willensbildung, welche unge-
fähr ab dem 12. Altersjahr anzunehmen ist. Ein Kind kann also nicht in Eigenregie
bestimmen, ob und zu welchen Bedingungen es den Umgang mit dem nicht ob-
hutsberechtigten Elternteil haben möchte. Zudem gilt wie bereits dargelegt die
kinderpsychologische Erkenntnis als anerkannt, dass in der Entwicklung des Kin-
des die Beziehung zu beiden Elternteilen sehr wichtig ist und bei dessen Identi-
tätsfindung eine entscheidende Rolle spielt (BGer 5A_656/2016 vom 14. März
- 56 -
2017, E. 4. m.H.). Diese Überlegungen sind nachfolgend in die Gesamtwürdigung
einzubeziehen.
4. C._ ist mit 15 Jahren in einem Alter, in dem sie ohne Weiteres zu au-
tonomer Willensbildung fähig ist. Sie möchte den Gesuchsgegner nicht sehen.
Das hat auch der Gesuchsgegner akzeptiert, als er zur Entlastung seiner Tochter
auf sein Besuchsrecht verzichtete (Urk. 160/2a; Urk. 169 S. 11; Urk. 357 S. 5). Es
sei ihm ein grosses Anliegen festzuhalten, dass er seine Tochter nicht aufgebe,
alles für diese tun wolle und nach wie vor hoffe, dass er und C._ sich lang-
sam wieder annähern werden. Er werde aber keinen Druck auf C._ ausüben,
sondern abwarten, bis C._ Schritte auf ihn zu unternehme (Urk. 357 S. 5).
Zwar ist der gänzliche Ausschluss eines Elternteils vom Besuchsrecht ultima ratio
(vgl. BGer 5A_528/2015 vom 21. Januar 2016, E. 5.1.). Vor dem gegebenen Hin-
tergrund ein Besuchsrecht für C._ zu bestimmen, erscheint aber nicht sinn-
voll. Vielmehr muss es C._ zufolge ihres Alters überlassen werden, ob und
gegebenenfalls wann bzw. in welcher Form sie bereit ist, den Kontakt zu ihrem
Vater wieder aufzunehmen. Der persönliche Verkehr dient in erster Linie dem
Kindeswohl. Dieses Ziel ist mit einem "erzwungenen" Kontakt bei fast volljährigen
Kindern, die seit Jahren einen festen Willen äussern, nicht (mehr) zu erreichen
(BGer 5A_528/2015 vom 21. Januar 2016, E. 5.1.). C._ steht zwar mit 15
Jahren noch nicht unmittelbar vor dem Mündigkeitsalter, aber es handelt sich bei
ihr faktisch nicht mehr um ein Kind, sondern um eine Jugendliche. Sie äussert ih-
ren Willen seit Jahren in konstanter Weise. Auf die Festsetzung eines Besuchs-
rechts für C._ ist daher zu verzichten.
5. Es ist aktenkundig, dass D._ den Kontakt zum Gesuchsgegner ge-
genwärtig vehement ablehnt. Gemäss dem Gutachten wirkte er im Gespräch dar-
über abwesend und erschöpft (Urk. 349 S. 51). Solange ein Kind sich ernsthaft
weigert, mit dem nicht obhutsberechtigten Elternteil zusammenzukommen, ist ei-
ne mit dem Kindeswohl zu vereinbarende Durchführung der Kontakte jedoch
kaum möglich (vgl. BSK ZGB I - Schwenzer/Cottier, Art. 274 N 13). Eine Normali-
sierung kann nur erreicht werden, wenn Ruhe in das ganze System einkehrt. Es
erscheint daher derzeit nicht sinnvoll, eine Besuchsrechtsregelung gegen den Wil-
- 57 -
len von D._ durchzusetzen. Dem Argument, dass ein Unterbruch des Be-
suchsrechts zu einer weiteren zeitlichen Verzögerung und damit zu einer weiteren
Entfremdung zwischen dem Kindsvater und D._ führen wird, muss von vorn-
herein entgegengehalten werden, dass – wie die Vergangenheit gezeigt hat – ei-
ne weitere Entfremdung eintreten kann gleichviel, ob das Besuchsrecht formell
sistiert ist oder zwar bestehen bleibt, aber nicht durchgesetzt werden kann. Damit
D._ zur Ruhe kommen kann, drängt es sich auf, das Besuchsrecht für
D._ für einen gewissen Zeitraum auszusetzen. Die Parteien sind aufgefor-
dert, im dringenden Interesse ihrer beiden Kinder das gemeinsame Gespräch zu
suchen und nötigenfalls um mediatorische Unterstützung bemüht zu sein. Dies gilt
für beide Parteien in gleicher Weise. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festge-
halten hat, ist von den Parteien zu erwarten, dass sie auf eine künftige Umset-
zung bzw. eine künftige Wiederaufnahme des Besuchsrechts hinarbeiten und ih-
ren ehelichen Konflikt soweit kontrollieren, dass sie ihrer Verantwortung als Eltern
nachkommen und die Kinder so weit nur möglich aus dem Konflikt heraushalten
(Urk. 158 S. 30). Insbesondere ist die Gesuchstellerin anzuhalten, bei der Erzie-
hung der Kinder, der Rolle des Kindsvaters und der Frage künftiger Besuchskon-
takte zwischen Kindsvater und Kindern die Paarebene auszublenden. Gemäss
plausibler Darstellung der Gutachterin drängt sich aus gutachterlicher Sicht die
Hypothese auf, dass die Kindsmutter nach der Trennung vom Kindsvater auf der
Basis einer unverarbeiteten Paargeschichte eine realitätsverzerrte Negativdarstel-
lung des Kindsvaters initiierte und auch die Kinder involvierte (Urk. 349 S. 67). Die
Gesuchstellerin muss sich bewusst sein, dass, sollte es ihr nicht gelingen, Paar-
und Elternebene auseinanderzuhalten und die Besuchskontakte zwischen
D._ und dem Gesuchsgegner zu fördern, sich die Frage eines Sorgerechts-
und Obhutsentzugs in einem allfälligen späteren Scheidungsverfahren oder auch
ausserhalb eines solchen Verfahrens ernsthaft stellen wird.
6. Das Persönlichkeitsrecht des nicht obhutsberechtigten Elternteils, der
Grundsatz der Verhältnismässigkeit sowie auch Sinn und Zweck des persönlichen
Verkehrs verbieten grundsätzlich dessen ganze Unterbindung (vgl. BGer
5A_968/2016 vom 14. Juni 2017, E. 4.1.). Ein vollständiger Entzug des Rechts
auf persönlichen Verkehr bildet die absolute ultima ratio. Ein zeitweiliger Aus-
- 58 -
schluss geht dem dauernden in jedem Fall vor (BSK ZGB I - Schwenzer/Cottier,
Art. 274 N 16). Da ein Zeitraum von rund einem halben Jahr genügen sollte, damit
eine genügende Normalisierung eintreten kann, ist das zu sistierende Besuchs-
recht zwischen dem Gesuchsgegner und D._ ab April 2018 wieder aufzu-
nehmen. Dabei kann die Wiederaufnahme der Besuchskontakte schon allein auf-
grund der Tatsache, dass der Gesuchsgegner und D._ sich seit Februar
2015 nicht mehr in einem üblichen Rahmen und unbegleitet gesehen haben, nicht
unbegleitet erfolgen. Das begleitete Besuchsrecht bezweckt, der Gefährdung des
Kindes wirksam zu begegnen, Krisensituationen zu entschärfen und Ängste ab-
zubauen (BGer 5A_968/2016 vom 14. Juni 2017, E. 4.1.). Es ist insbesondere in
Fällen zweckmässig, in denen es nach fehlendem Kontakt um das erneute An-
bahnen einer Beziehung zwischen dem Kind und einem Elternteil geht (vgl. Fam-
Komm Scheidung/Schreiner, Anh. Psych N 274). Der Gesuchsgegner ist vor die-
sem Hintergrund berechtigt zu erklären, den Sohn D._ ab April 2018 (erst-
mals am 7. April 2018) alle zwei Wochen jeweils am Samstagnachmittag von
14 bis 17 Uhr im Rahmen eines begleiteten Besuchsrechts zu besuchen oder mit
sich auf Besuch zu nehmen. Als Besuchsbegleiter wäre nach Ansicht des Ge-
richts insbesondere V._, Pflegefachmann HF, welcher selbständig für die
psychiatrische Spitex arbeitet und ausserdem der Praxis von Dr. med. H._
angegliedert ist (vgl. Urk. 349 S. 34; www.praxis....ch/PageAngebotSpitex.htm), in
Betracht zu ziehen. Die Gesuchstellerin erachtet V._ als geeigneten Be-
suchsbegleiter, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass sie entspre-
chenden durch V._ begleiteten Besuchen gegenüber offen und positiv einge-
stellt und diese auch zu fördern bereit ist. Sie ist aber ausdrücklich darauf hinzu-
weisen, dass von ihr auch die volle Kooperation mit einem anderen Besuchsbe-
gleiter erwartet wird.
7. Ein begleitetes Besuchsrecht stellt grundsätzlich nur eine Übergangslösung
dar und ist daher für eine begrenzte Dauer anzuordnen (BGer 5A_728/2015 vom
25. August 2016, E. 2.2.). Ziel der Anordnung ist wie dargelegt die Wiederannähe-
rung zwischen dem Gesuchsgegner und D._. Entsprechend ist die vorge-
nannte Begleitung der Besuche lediglich für eine angemessene Übergangsfrist
anzuordnen. Der letzte persönliche Kontakt zwischen Vater und Sohn hat im Feb-
- 59 -
ruar 2015 stattgefunden. Es erscheint daher angemessen, die ersten 15 Besuchs-
rechtskontakte zwischen dem Gesuchsgegner und D._ begleitet durchzufüh-
ren. Dies entspricht einem persönlichen Verkehr von 45 Stunden, was für eine
Annäherung und einen Wiederaufbau der Vater-Kind-Beziehung ausreichend er-
scheint. Bei durchschnittlich zwei Besuchen pro Monat wird diese begleitete
Übergangsphase ca. sieben Monate dauern. Anschliessend, d.h. ab dem 16. Be-
suchsrechtskontakt bzw. spätestens ab Mitte November 2018 ist der Gesuchs-
gegner für berechtigt zu erklären, D._ an den Wochenenden der geraden Ka-
lenderwochen jeweils am Samstag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr unbegleitet zu
sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Über eine weitere Ausdehnung des
Besuchsrechts des Gesuchsgegners gegenüber D._, insbesondere auch be-
treffend Übernachtungen beim Gesuchsgegner, wird allenfalls dereinst im Rah-
men der Scheidung oder auch in einem separaten Verfahren zu befinden sein.
8. Sofern das begleitete Besuchsrecht nicht durch das Verhalten eines Eltern-
teils allein verursacht worden ist, sollten die durch die Besuchsbegleitung entste-
henden Kosten durch beide Elternteile je zur Hälfte getragen werden (BSK ZGB I
- Schwenzer/Cottier, Art. 273 N 28). Bei einer hälftigen Kostenteilung wird davon
ausgegangen, dass Kindesschutzmassnahmen, wie sie begleitete Besuche dar-
stellen, zum Wohle des gemeinsamen Kindes angeordnet und die einhergehen-
den Kosten somit im Interesse des Kindes aufgewendet werden. Hintergrund der
hälftigen Kostenteilung ist die allgemeine Erfahrung, dass die Gründe für das
Nichtfunktionieren der elterlichen Beziehung in Kinderbelangen vielschichtig sind,
und in der Regel nicht eine einzige, bestimmte Verhaltensweise eines Elternteils
Grund für die Anordnung der Kindesschutzmassnahme bilden kann (OGer ZH
PQ160053 vom 29.09.2016, E. II.1.2.). Entsprechend sind die Kosten des anzu-
ordnenden begleitenden Besuchsrechts den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen.
D. Beistandschaft
1. Mit Urteil vom 27. Mai 2014 ordnete die Vorinstanz für die beiden Kinder
C._ und D._ eine Besuchsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2
ZGB an und es wurde die KESB Horgen angewiesen, einen Beistand zu ernen-
- 60 -
nen, der die Modalitäten und die Einhaltung des von der Vorinstanz angeordneten
vorsorglichen Besuchsrechts begleitet und überwacht (Urk. 83). Mit vor-
instanzlichem Endentscheid vom 9. Dezember 2014 wurde an der Besuchsbei-
standschaft festgehalten und es wurde dem Beistand zusätzlich die Aufgabe
übertragen, die schrittweise Wiederaufnahme der Kontakte der Tochter C._
zum Gesuchsgegner bzw. deren Modalitäten zu begleiten mit dem mittelfristigen
Ziel, das in Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils angeordnete gerichtsübliche Besuchs-
recht umzusetzen (Urk. 158 S. 76). Nachdem sich der eheliche Konflikt im Laufe
des Berufungsverfahrens weiter zugespitzt hatte und sowohl die Kindsvertreterin
(Urk. 211 S. 19) als auch das kjz Horgen in seinem Abklärungsbericht vom
8. Dezember 2015 (Urk. 230) beantragten, es sei eine umfassende Beistand-
schaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB zu errichten, wurde eine solche
mit Beschluss vom 23. Dezember 2015 im Sinne einer vorsorglichen Massnahme
für beide Kinder angeordnet und es wurde der Beistand – zusätzlich zur beste-
henden Besuchsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB – damit beauf-
tragt, die Parteien künftig in ihrer Sorge für die Kinder mit Rat und Tat zu unter-
stützen, die weitere Pflege, Erziehung, Entwicklung und Ausbildung der Kinder zu
begleiten und zu überwachen, dafür besorgt zu sein, dass die Kinder die Schule
regelmässig besuchen sowie nötige weitergehende Massnahmen zu beantragen
(Urk. 235 S. 7).
2. Gemäss Art. 315a Abs. 1 ZGB trifft das Gericht, welches für die Ehe-
schutzmassnahmen zuständig ist und die Beziehung der Eltern zu den Kindern
gestaltet, auch die nötigen Kindesschutzmassnahmen und betraut die Kindes-
schutzbehörde mit dem Vollzug. Dabei hat das Gericht von Amtes wegen eine
Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB anzuordnen, wenn
das Kindeswohl beim Zusammensein mit einem Elternteil gefährdet erscheint.
Vorliegend besteht aufgrund des im Raum stehenden Vorwurfs der Instrumentali-
sierung der Kinder durch die Gesuchstellerin die Gefahr, dass das Kindeswohl
durch eine dauerhafte Entfremdung vom Gesuchsgegner als Vater weiterhin ge-
fährdet wird. Bis die hochstrittige eheliche Auseinandersetzung sich dereinst be-
ruhigt haben wird und Kontakte zwischen dem Gesuchsgegner und den Kindern
wieder stattfinden können, ist die Beibehaltung der umfassenden Beistandschaft
- 61 -
im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB auch nach Abschluss des vorlie-
genden Eheschutzverfahrens unabdingbar, weshalb sie beizubehalten ist. Dem
Beistand ist zusätzlich zu den Aufgaben gemäss Urteil der Vorinstanz vom
27. Mai 2014 sowie gemäss Beschluss vom 23. März 2015 der Auftrag zu ertei-
len, die schrittweise Wiederaufnahme der Kontakte von D._ zum Gesuchs-
gegner im Rahmen des anzuordnenden Kontaktrechts zu organisieren und um die
Einsetzung eines geeigneten Besuchsbegleiters besorgt zu sein (vgl. vorstehend
E. III.C.6. f.), da die Ernennung einer geeigneten Drittperson in den Kompetenz-
bereich des Beistands fällt. Weiter hat der Beistand die begleiteten Treffen inso-
weit zu überwachen, als er in regelmässigen Abständen die Einhaltung und die
Durchführung der Besuche bei der zuständigen Drittperson in Erfahrung zu brin-
gen hat. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass auch bei einer Aufhebung oder
einstweiligen Sistierung des Besuchsrechts die Möglichkeit zu brieflichem Kontakt
aufrecht erhalten bleibt (BSK ZGB I - Schwenzer/Cottier, Art. 274 N 16). Entspre-
chend hat der Beistand dafür besorgt zu sein, dass Briefe und Geschenke des
Gesuchsgegners an seine Kinder persönlich an diese weitergegeben werden.
Dagegen wird die Ergänzung des Aufgabenbereichs gemäss Dispositivziffer 4 des
Urteils der Vorinstanz vom 9. Dezember 2014 obsolet, weshalb diese Aufgabe
dem Beistand nicht zu übertragen ist.
E. Unterhalt
1. Die Vorinstanz verpflichtete den Gesuchsgegner ab 1. Dezember 2013 für
die Dauer des Getrenntlebens zur Leistung von monatlichen Kinderunterhaltsbei-
trägen für die beiden Kinder C._ und D._ von je Fr. 1'800.– pro Kind
(zuzüglich Familienzulagen) und zu Ehegattenunterhaltsbeiträgen für die Gesuch-
stellerin von Fr. 4'874.– pro Monat vom 1. Dezember 2013 bis 31. März 2014, von
monatlich Fr. 4'679.– vom 1. April 2014 bis 30. April 2015 und von Fr. 4'389.– ab
1. Mai 2015 für die weitere Dauer des Getrenntlebens (Urk. 158 S. 76 f.). Den
Bedarf (ohne Wohnkosten) der Gesuchstellerin für sich und die beiden Kinder be-
zifferte die Vorinstanz auf Fr. 8'764.– für den Zeitraum vom 1. Dezember 2013 bis
31. März 2014 bzw. von Fr. 8'279.– ab 1. April 2014 und ging ab 1. Mai 2015 aus-
serdem von einem hypothetischen Einkommen der Gesuchstellerin von Fr. 290.–
- 62 -
pro Monat aus (Urk. 158 S. 59 ff.). Die Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners
erachtete die Vorinstanz ohne Weiteres als gegeben. Dieser weise gemäss der im
Recht liegenden Steuererklärung ein Einkommen aus Haupt- und Nebenerwerb
sowie Liegenschaftenertrag von total rund Fr. 400'000.– aus und mache einen
Bedarf von Fr. 4'877.10 geltend (Urk. 158 S. 63).
2. Die Gesuchstellerin beantragt mit der Berufung, es seien die Ehegattenun-
terhaltsbeiträge auf monatlich Fr. 14'500.– zu erhöhen. Die Kinderunterhaltsbei-
träge blieben unangefochten (Urk. 157 S. 2; vgl. vorstehend E. II. 2.1. und 2.2.).
Im Berufungsverfahren sind Einkommen und gebührender Bedarf der Gesuchstel-
lerin mit den beiden Kindern zu beurteilen.
3. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, unter welchen Voraussetzungen
im Eheschutzverfahren Unterhaltsbeiträge geschuldet und wie diese zu berech-
nen sind. Es kann darauf verwiesen werden (Urk. 158 S. 31 ff.). Sie hat den Un-
terhaltsanspruch der Gesuchstellerin nach der einstufig-konkreten Methode (Be-
rechnung der geführten Lebenshaltung während des ehelichen Zusammenlebens)
berechnet. Diese Methode ist den vorliegenden finanziellen Verhältnissen ange-
messen und wurde im Berufungsverfahren auch nicht beanstandet (Urk. 157
S. 11 und S. 13).
4. Einkommen der Gesuchstellerin
4.1. Nach Auffassung der Vorinstanz ist vorliegend grundsätzlich von der bishe-
rigen Aufgabenteilung der Parteien auszugehen. Die Voraussetzungen für eine
Ausdehnung der Erwerbstätigkeit der Gesuchstellerin lägen nicht vor. Zum einen
würden die finanziellen Mittel für zwei getrennte Haushalte ausreichen, zum ande-
ren sei das jüngste Kind D._ (zum Urteilszeitpunkt der Vorinstanz) erst sie-
ben Jahre alt. Nach den Richtlinien des Bundesgerichts sei der Gesuchstellerin
ein Wiedereinstieg bzw. eine Ausdehnung der Erwerbstätigkeit nicht zumutbar.
Die Gesuchstellerin habe jedoch bei Einleitung des Eheschutzverfahrens bis En-
de März 2014 Teilzeit gearbeitet und ein Einkommen von jährlich Fr. 3'500.– bzw.
monatlich Fr. 290.– generiert. Da sich zwischenzeitlich keine wesentlichen Ände-
rungen in der Kinderbetreuung ergeben hätten, sei der Gesuchstellerin ein Teil-
- 63 -
zeiterwerb im bisherigen Umfang zumutbar. Nach einer angemessenen Über-
gangsfrist bis 1. Mai 2015 sei der Gesuchstellerin wieder ein Einkommen von
Fr. 290.– pro Monat anzurechnen (Urk. 158 S. 60 f.).
4.2. Die Gesuchstellerin bringt im Berufungsverfahren vor, es sei unbestritten,
dass sie bis Ende März 2014 Teilzeit gearbeitet habe. Sie habe einem befreunde-
ten Arzt in der Praxis ausgeholfen und dafür monatlich netto Fr. 290.– erhalten.
Diese Tätigkeit habe sie auf ärztlichen Rat hin aufgegeben (Urk. 77 S. 18;
Urk. 157 S. 32; Urk. 78/14).Tatsache sei, dass sie seither nicht mehr erwerbstätig
sei. Gemäss Rechtsprechung könne einer Partei nur ein hypothetisches Einkom-
men angerechnet werden, wenn sie die reale Möglichkeit habe, wieder ein Ein-
kommen im früheren Umfang zu erzielen. Der frühere Arbeitgeber Dr. W._
habe keinen Bedarf mehr nach einer Aushilfe, da er sich nach ihrem Weggang
neu organisiert habe. Es sei ihr weder möglich noch zumutbar, sich um eine Ar-
beitsstelle mit einem Einkommen in der Grössenordnung von Fr. 300.– im Monat
zu bewerben. Solche Arbeitsstellen mit Minimalpensen würden auf dem Arbeits-
markt nicht existieren. Zudem müsse sie sich mit all ihren Kräften um die behand-
lungs- und therapiebedürftigen Kinder der Parteien kümmern (Urk. 157 S. 32).
4.3. Der Gesuchsgegner hält dem entgegen, die Vorinstanz ziehe zu Recht den
Schluss, dass die Gesuchstellerin sich nach einer Übergangsfrist wieder eine
Teilzeitstelle im bisherigen Pensum zu suchen habe. Es komme nicht darauf an,
dass das Einkommen der Gesuchstellerin ohnehin zu vernachlässigen sei. Mass-
gebend sei die bisherige Aufgabenteilung. Es sei der Gesuchstellerin ohne Weite-
res zumutbar und auch möglich, sich wieder eine Teilzeitstelle zu suchen. Sie füh-
re selber aus, dass Dr. AA._ eine Nachfolgerin für seine ...-Praxis suche und
sie sich für die Übernahme dieser Praxis interessiere. Es sei kein Grund ersicht-
lich, wieso die Gesuchstellerin bei Dr. AA._ oder ihrer Freundin AB._,
die ebenfalls eine Praxis betreibe, nicht ein Teilzeitpensum erhalten könne. Such-
bemühungen habe die Gesuchstellerin keine ins Recht gereicht. Die Gesuchstel-
lerin argumentiere widersprüchlich. Zum einen müsse sie sich mit allen Kräften
um die behandlungs- und therapiebedürftigen Kinder kümmern. Auf der anderen
Seite wolle sie über genug Zeit verfügen, um mindestens 20x im Sommer dem
- 64 -
zeitintensiven Golfsport nachgehen zu können und Tennis zu spielen (Urk. 169
S. 61 f.)
4.4. Massgebend für die Beurteilung bzw. für die Anrechnung eines hypotheti-
schen Einkommens sind stets die konkreten Verhältnisse des Einzelfalls (BGer
5A_21/2012 vom 3. Mai 2012, E. 3.3.; Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, Das Fami-
lienrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 5. Aufl., Bern 2014, Rz 10.80;
Six, Eheschutz, 2. Aufl., Rz 2.158), zu denen neben der bisher gelebten Aufga-
benverteilung, der zeitlichen Verfügbarkeit, dem Alter, der Ausbildung, der Berufs-
erfahrung und der gesundheitlichen Verfassung insbesondere auch die aktuelle
finanzielle Lage der Parteien gehört (Six, a.a.O., Rz 2.158). Es handelt sich um
einen Ermessensentscheid im Sinne von Art. 4 ZGB, bei welchem dem Gericht
ein weites Ermessen zukommt (BGE 134 III 577 E. 4.; BGer 5A_766/2012 und
5A_785/2012 vom 14. Februar 2013, E. 4.3.3.; BGer 5A_565/2015 vom
24. November 2015, E. 2.2.). Im Lichte der genannten Grundsätze ist die vor-
instanzliche Auffassung, wonach es der Gesuchstellerin möglich und zumutbar
sei, einer Erwerbstätigkeit im Minimalumfang der freiwillig aufgegebenen Arbeits-
tätigkeit nachzugehen, nicht zu beanstanden. Zwar ist der Gesuchstellerin ge-
mäss den vorstehenden Erwägungen die Obhut über beide Kinder zuzuteilen
(vorstehend E. III.B.) und lehnen beide Kinder aktuell den Kontakt zum Vater ab.
Damit leistet die Gesuchstellerin einen erheblichen Betreuungsaufwand. Ausser-
dem kann gemäss gefestigter Rechtsprechung dem die Kinder betreuenden Ehe-
gatten die Aufnahme einer Teilzeiterwerbstätigkeit grundsätzlich erst ab dem
Zeitpunkt zugemutet werden, in welchem das jüngste Kind das 10. Altersjahr er-
reicht hat (BGer 5A_95/2012 vom 28. März 2012, E. 4.2. m.H.; BGer 5C.70/2004
vom 13. Mai 2004, E. 2.3.). Trotzdem ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie
festhielt, dass es dem Grundsatz von Treu und Glauben und der bisher gelebten
Rollenverteilung der Parteien widerspreche, wenn ein Ehegatte, dem die Kinder-
betreuung obliege und der bereits vor Erreichen des 10. Altersjahrs des jüngsten
Kindes einem Teilzeitpensum nachgegangen sei, plötzlich auf das bisherige durch
die Teilzeitarbeit gewonnene Einkommen verzichte (Urk. 158 S. 60 unter Verweis
auf Six, a.a.O., N. 2.160). Die Gesuchstellerin erledigte von 2012 bis 2014 im
Rahmen eines Minimalpensums von zwei Stunden pro Woche Sekretariatsarbei-
- 65 -
ten in der Arztpraxis ... bei Dr. W._ in Zürich (Urk. 22 S. 13). Diese Anstel-
lung gab sie Ende März 2014 freiwillig auf. Als Grund für den erwähnten ärztli-
chen Rat gab sie vor Vorinstanz an, dass D._ im Sommer 2014 in die Pri-
marschule wechsle und C._ ins Gymnasium übertrete. Aufgrund der bevor-
stehenden Schulwechsel und der anhaltenden gesundheitlichen Probleme von
C._ sei sie mit der Kinderbetreuung aktuell voll ausgelastet (Urk. 77 S. 18 f.).
Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin daher ein hypothetisches Einkom-
men ab Mai 2015 im bisherigen Umfang an (Urk. 158 S. 60 f.). Wieso es der Ge-
suchstellerin in der Folge nicht möglich war, sich per Mai 2015 um eine entspre-
chende Teilzeitstelle zu bemühen, legt sie in ihrer Berufungsschrift nicht nachvoll-
ziehbar dar. Immerhin war D._ zu diesem Zeitpunkt bereits fast ein Jahr in
der Primarschule und C._ im Gymnasium. Die Kinder waren also tagsüber
mehrheitlich ausser Haus, weshalb es der Gesuchstellerin ohne Weiteres möglich
gewesen wäre, eine Erwerbstätigkeit in einem Arbeitspensum von mindestens ei-
nem halben Tag pro Woche aufzunehmen. Daran ändert auch ein erhöhter Be-
handlungs- und Therapiebedarf der Kinder (so die Gesuchstellerin: Urk. 157
S. 22) nichts. Wenn sie vorbringt, Arbeitsstellen mit Minimalpensen würden auf
dem Arbeitsmarkt nicht existieren (Urk. 157 S. 32), dann bleibt ihre Behauptung
unsubstantiiert und unbelegt. Sie unterlässt es, konkrete Suchbemühungen, ge-
schweige denn Bewerbungen oder Absagen, zu behaupten und dokumentieren.
Damit genügt sie den Begründungsanforderungen an eine Berufung nicht (vgl.
vorstehend E. II.4.). Es bleibt daher beim von der Vorinstanz angerechneten hy-
pothetischen Einkommen im Umfang von Fr. 290.– pro Monat. Dies muss umso
mehr gelten, als D._ mittlerweile neun Jahre alt ist und die Gesuchstellerin
im Lichte der angeführten Gerichtspraxis ohnehin gut daran tut, sich baldmög-
lichst um eine Teilzeitstelle zu bemühen.
4.5. Die rückwirkende Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ist prob-
lematisch, da einerseits die Anrechnung eines solchen ausser Betracht bleiben
muss, wo die reale Möglichkeit einer Einkommenssteigerung fehlt (BGE 128 III 4
E. 4a), und sie andererseits unzulässige Eingriffe in das Existenzminimum nach
sich ziehen kann. Sie ist in Ausnahmefällen aber vorgesehen, wenn dem Be-
troffenen ein unredliches Verhalten vorzuwerfen ist (BGer 5P.79/2004 vom
- 66 -
10. Juni 2004, E. 4.3.). Die Gesuchstellerin musste ab Erhalt des vorinstanzlichen
Entscheids vom 9. Dezember 2014 damit rechnen, dass ihr ein Einkommen aus
Erwerbstätigkeit in einem Minimalpensum angerechnet werden würde. Dennoch
wies sie keine entsprechenden Suchbemühungen nach. Stattdessen trägt sie un-
substantiiert vor, Arbeitsstellen mit Minimalpensen würden auf dem Arbeitsmarkt
nicht existieren. Das verdient keinen Schutz. Dies muss umso mehr gelten, als die
Gesuchstellerin vor Vorinstanz zu Protokoll gab, sie arbeite, um den Anschluss
nicht zu verlieren (Prot. I S. 27). Ausserdem zog sie damals eine ...-Ausbildung in
Betracht. Diese sei machbar (Prot. I S. 28 f.). Indem die Gesuchstellerin sich trotz
vorinstanzlichem Entscheid in der Folge weder um eine entsprechende Anstellung
bemühte noch darlegte, dass sie anstelle der Wiederaufnahme einer Erwerbstä-
tigkeit mittlerweile mit der ...-Ausbildung begonnen hätte, handelte sie treuwidrig.
Die Gesuchstellerin hat es allein zu verantworten, dass sie heute nicht über das
ihr angerechnete hypothetische Einkommen verfügt. Dies darf sich nicht zu Las-
ten des Gesuchsgegners auswirken, welcher keinen Einfluss auf die Willensbil-
dung der Gesuchstellerin hat. Es ist deshalb der von der Vorinstanz festgelegte
Zeitpunkt zu bestätigen, auch wenn dieser mittlerweile in der Vergangenheit liegt.
Mithin ist der Gesuchstellerin ab 1. Mai 2015 ein Einkommen von Fr. 290.– pro
Monat anzurechnen.
5. Bedarf der Gesuchstellerin mit den Kindern
5.1. Die Vorinstanz hat der Unterhaltsberechnung folgenden gebührenden Be-
darf (ohne Wohnkosten) zugrunde gelegt (Urk. 158 S. 59):
01.12.2013 - 31.03.2014
ab 31.03.2014
Grundbetrag Fr. 1'350.– Fr. 1'350.–
Kinderzuschlag C._, geb. tt.mm.2002 Fr. 600.– Fr. 600.–
Kinderzuschlag D._, geb. tt.mm.2008 Fr. 400.– Fr. 400.–
Nebenkosten (kleiner Unterhalt) Fr. 50.– Fr. 50.–
Krankenkasse Gesuchstellerin Fr. 325.– Fr. 325.–
Gesundheitskosten Fr. 50.– Fr. 50.–
Unfall Zusatzversicherung Fr. 16.– Fr. 16.–
Krankenkasse Kinder Fr. 231.– Fr. 231.–
- 67 -
01.12.2013 - 31.03.2014
ab 31.03.2014
Gesundheitskosten C._ Fr. 91.– Fr. 91.–
Gesundheitskosten D._ Fr. 8.– Fr. 8.–
Medikamente C._ Fr. 120.- Fr. 120.–
Bioresonanz C._ Fr. 360.– Fr. 360.–
Dentalhygiene Fr. 30.– Fr. 30.–
Linsen Fr. 94.– Fr. 94.–
Hausrat/Haftpflichtversicherung Fr. 109.– Fr. 109.–
Auto / Fahrspesen Fr. 400.– Fr. 400.–
Auswärtige Verpflegung Fr. 330.– Fr. 330.–
Telefon / Radio / TV / Internet Fr. 250.– Fr. 250.–
Billag Fr. 39.– Fr. 39.–
Kleider Fr. 600.– Fr. 600.–
Ferien Fr. 1'500.– Fr. 1'500.–
Musikschule C._ Fr. 137.– Fr. 137.–
Nachhilfe C._ Fr. 485.–
Tenniskosten Kinder Fr. 71.– Fr. 71.–
Taschengeld Kinder Fr. 150.– Fr. 150.–
Golf Fr. 68.– Fr. 68.–
Haustiere Fr. 350.– Fr. 350.–
Steuern Fr. 550.– Fr. 550.–
Total Bedarf Fr. 8'764.– Fr. 8'279.–
5.2. Bestritten sind hinsichtlich der vorstehenden Bedarfsrechnung die Positio-
nen Grundbeträge, Krankenkasse, Gesundheitskosten, Krankenkasse Kinder,
Gesundheitskosten Kinder, Medikamente, Hausrat-/Haftpflichtversicherung, Au-
to/Fahrspesen, auswärtige Verpflegung, Kleider, Ferien, Tennis, Golf, Nachhilfe
C._ und Steuern. Weiter macht die Gesuchstellerin geltend, es seien in der
Bedarfsrechnung ausserdem die Positionen Wohnkosten, Putzfrau, Coif-
feur/Kosmetika, Reiten C._, Schulkosten, Kino/Zeitschriften/Bücher und Ge-
schenke zu Unrecht unberücksichtigt geblieben (Urk. 157 S. 12 ff.).
- 68 -
5.3. Grundbeträge
5.3.1. Gemäss vorinstanzlichem Entscheid beträgt der monatliche Grundbetrag
für eine alleinerziehende Person Fr. 1'350.–, für Kinder, die das zehnte Altersjahr
überschritten haben, Fr. 600.– und für Kinder unter zehn Jahren Fr. 400.–. Die
Grundbeträge richten sich nach dem Kreisschreiben der Verwaltungskommission
des Obergerichts des Kantons Zürich betreffend Richtlinien für die Berechnung
des betreibungsrechtlichen Existenzminimums vom 16. September 2009. Der
Grundbetrag decke, so die Vorinstanz, Ausgaben für Nahrung, Kleidung und Wä-
sche, einschliesslich deren Instandhaltung, Körper- und Gesundheitspflege, Un-
terhalt der Wohnungseinrichtung, Kulturelles sowie sämtliche Energiekosten (oh-
ne Heizkosten; Urk. 158 S. 35 f.).
5.3.2. Die Gesuchstellerin macht geltend, das obgenannte Kreisschreiben stelle
keine verbindliche und materiellrechtlich vorgeschriebene Berechnungsweise dar,
sondern gebe lediglich Anhaltspunkte für die konkrete Bestimmung von Unter-
haltsrenten im Familienrecht. Bei durchschnittlichen finanziellen Verhältnissen sei
das Abstellen auf die Richtlinien zum betreibungsrechtlichen Existenzminimum
regelmässig sinnvoll. Würden die Ehegatten in finanziell sehr guten Verhältnissen
leben, in denen die durch das Getrenntleben entstehenden Mehrkosten ohne
Weiteres gedeckt seien, habe der unterhaltsberechtigte Ehegatte dagegen An-
spruch darauf, dass der Unterhaltsbeitrag so festgelegt werde, dass der bisherige
Lebensstandard weitergeführt werden könne. Das Bundesgericht gehe deshalb
davon aus, dass das Abstellen auf die Richtlinien zum betreibungsrechtlichen
Existenzminimum in Eheschutzverfahren ebenso verbreitet wie auch für durch-
schnittliche finanzielle Verhältnisse sinnvoll sei und dass mit dem Abstellen auf
die Richtlinien begriffsnotwendig eine gewisse Pauschalisierung einhergehe, dass
die eingesetzten Beträge jedoch angemessen im Zusammenhang mit den wirt-
schaftlichen Verhältnissen der Parteien stehen müssten und nicht einfach aus den
Richtlinien zum betreibungsrechtlichen Existenzminimum übernommen werden
könnten. Insgesamt bedeute dies nichts anderes, als dass in überdurchschnittli-
chen Verhältnissen das Abstellen auf die unveränderten Grundbeträge gemäss
den Richtlinien, wie es die Vorinstanz vorliegend getan habe, den ehelich geleb-
- 69 -
ten Verhältnissen der Parteien in keiner Art und Weise gerecht werde. Die Recht-
sprechung gehe bei sehr guten Verhältnissen von einem bis zu fünffachen
Grundbetrag zur Berechnung des gebührenden Bedarfs eines Ehegatten aus.
Aus den genannten Gründen müssten im Bedarf der Gesuchstellerin mindestens
Fr. 2'700.– für die Gesuchstellerin und Fr. 1'200.– pro Kind eingesetzt werden,
was einer Verdoppelung des Grundbetrags entspreche (Urk. 157 S. 12 ff.).
5.3.3. Der Gesuchsgegner lehnt eine Erhöhung der Grundbeträge ab. Die Ge-
suchstellerin habe vor Vorinstanz zu Recht nur die einfachen Grundbeträge für
sich und die Kinder geltend gemacht und vorgebracht, dass sie vom Gesuchs-
gegner jeweils Fr. 3'000.– pro Monat für die Einkäufe des täglichen Bedarfs erhal-
ten habe bzw. finanziell an der kurzen Leine gehalten worden sei. Sie habe den
Zuschlag für gehobene Verhältnisse nicht urkundlich belegt und widerspreche
auch ihren eigenen Zugaben vor Vorinstanz, wonach man eben gerade nicht dem
überdurchschnittlich guten Einkommen des Gesuchsgegners entsprechend gelebt
habe (Urk. 169 S. 41).
5.3.4. Wie der Gesuchsgegner zu Recht ins Feld führt, verlangte die Gesuchstel-
lerin vor Vorinstanz Grundbeträge in der Höhe von Fr. 1'350.– für sich und
Fr. 1'000.– für die beiden Kinder. Sie machte diesbezüglich geltend, dass der
Grundbetrag nur für Nahrungsmittel ausreichen würde, weshalb sie für Ausgaben
betreffend Kleidung und Kulturelles separat zu entschädigen sei (Urk. 22 S. 8;
Urk. 49 S. 28). Entsprechend rechnete ihr die Vorinstanz zusätzlich zum Grund-
betrag für Kleider und Accessoires einen monatlichen Betrag von Fr. 600.– an.
Damit hat die Vorinstanz die Grundbeträge antragsgemäss festgesetzt, was nicht
zu beanstanden ist. Ob der von der Vorinstanz zugestandene Betrag für Kleidung
ausreichend ist und ob die geltend gemachten Kosten für Kulturelles wie Ki-
no/Zeitschriften/Bücher von der Vorinstanz zu Unrecht nicht berücksichtigt worden
sind, wird in der Folge zu prüfen sein.
5.4. Wohnkosten, Nebenkosten, kleiner Unterhalt
5.4.1. Die Vorinstanz teilte die eheliche Liegenschaft an der E._-Strasse ...
in F._ für die Dauer des Getrenntlebens der Gesuchstellerin und den Kindern
- 70 -
zur alleinigen Benützung zu, verpflichtete jedoch den Gesuchsgegner, den Hypo-
thekarzins sowie die Unterhaltskosten (ausgenommen jene für den kleinen Unter-
halt) dafür rückwirkend ab 1. Dezember 2013 direkt zu bezahlen (Urk. 158 Dispo-
sitiv-Ziffern 5 und 8). Sie erwog, dass sich die eheliche Liegenschaft im Alleinei-
gentum des Gesuchsgegners befinde und der Hypothekarvertrag allein auf ihn als
Schuldner laute. Der Zinssatz für das Hypothekardarlehen über Fr. 1'150'000.–
betrage 1.080 % für den Zeitraum vom 30. April 2013 bis 30. April 2014, was ei-
nen monatlichen Hypothekarzins von Fr. 1'058.– ergebe. Es erscheine sachge-
recht, die Bezahlung der Hypothekarkosten dem Gesuchsgegner zu überlassen,
insbesondere weil er als Schuldner für die gesamte Hypothek hafte. Zudem unter-
lägen die Hypothekarzinsen jährlichen Veränderungen, weshalb eine solche Re-
gelung auch unter diesem Gesichtspunkt adäquat erscheine. Die tatsächliche Hö-
he der Unterhalts- und Nebenkosten für die eheliche Liegenschaft lasse sich aus
den von den Parteien eingereichten Unterlagen nicht eindeutig feststellen. Vorlie-
gend seien jedoch auch die Kosten für den Unterhalt und die Nebenkosten dem
Gesuchsgegner aufzuerlegen. Auf diese Weise obliege es dem Gesuchsgegner
als Alleineigentümer, die notwendigen Unterhalts- und Reparaturarbeiten auszu-
führen bzw. durch Handwerker seiner Wahl vornehmen zu lassen. Der Gesuch-
stellerin erwachse daraus insofern kein Nachteil, als ihr im Bedarf zwar keine
Wohnkosten angerechnet würden, ihr diesbezüglich jedoch auch keine Kosten
anfielen (Urk. 158 S. 37).
5.4.2. Die Gesuchstellerin moniert, dass äusserst strittige Verhältnisse vorlägen.
Angesichts dieser Umstände sei klar, dass die vorinstanzliche Regelung Tür und
Tor für weitere Streitigkeiten öffne. Es könne nicht angehen, dass es im alleinigen
Machtbereich des Gesuchsgegners liege, wann und in welcher Qualität an der
durch die Gesuchstellerin und die Kinder bewohnten Liegenschaft Unterhaltsar-
beiten durchgeführt würden. Der Gesuchsgegner sei nicht damit einverstanden
gewesen, dass die Gesuchstellerin und die Kinder in der ehelichen Liegenschaft
verbleiben würden. Daher sei anzunehmen, dass er kein besonderes Interesse
daran haben werde, das Haus für die Gesuchstellerin zu unterhalten, und jede
Möglichkeit ergreifen werde, ihr den weiteren Aufenthalt so unangenehm wie
möglich zu gestalten. Mit der vorinstanzlichen Regelung sei die Gesuchstellerin
- 71 -
der Willkür des Gesuchsgegners vollständig ausgeliefert. Aus diesem Grund sei-
en ihr die Hypothekarzinsen im Betrag von Fr. 1'058.– im Bedarf anzurechnen.
Ausserdem sei ihr für den Unterhalt der ehelichen Liegenschaft 1 % des Liegen-
schaftswertes von rund Fr. 3 Mio., also Fr. 2'500.– pro Monat, im Bedarf anzu-
rechnen (Urk. 157 S. 15 f.).
5.4.3. Der Gesuchsgegner bestreitet die Behauptungen der Gesuchstellerin. Die-
se sei gelernte Gärtnerin und habe vor Vorinstanz zutreffend ausgeführt, sie erle-
dige die Gartenarbeit selbst. Die Parteien hätten während des ehelichen Zusam-
menlebens zu keiner Zeit einen Gärtner beschäftigt, dies entspreche nicht dem
ehelichen Standard. Die Gesuchstellerin müsse nicht um Erlaubnis fragen, um ei-
nen Gärtner zu beschäftigen, müsse allerdings die Kosten dafür alleine bezahlen.
Weiter werde bestritten, dass die vorinstanzliche Regelung für die Gesuchstellerin
und die Kinder unzumutbar sei. Der Verweis auf das strittige Verhältnis unter den
Parteien ändere daran nichts. Es sei aktenkundig, dass er sehr an der Liegen-
schaft, bei welcher er den Innenausbau selbst bestimmt habe, hänge. Ausserdem
wolle er als Geschäftsmann den Wert seines Eigentums erhalten und vermehren.
Zudem würden auch die Kinder in der Liegenschaft leben und der Gesuchsgegner
wolle seinen Kindern weder schaden noch den Aufenthalt unangenehm machen.
Weiter treffe es nicht zu, dass die Unterhaltskosten der Liegenschaft Fr. 2'500.–
pro Monat betragen sollen, diese Kosten seien unsubstantiiert und massiv über-
höht. Zudem sei der Kaufpreis der Liegenschaft beträchtlich tiefer als Fr. 3 Mio.
gewesen (Urk. 169 S. 42 ff.).
5.4.4. Zur Untermauerung ihrer Befürchtung, wonach es im alleinigen Machtbe-
reich des Gesuchsgegners liege, wann und in welchem Umfang im Haus Unter-
haltsarbeiten durchgeführt würden, reichte die Gesuchstellerin eine Email vom
3. April 2014 an den Gesuchsgegner ins Recht, worin sie diverse zu behebende
Mängel auflistete. Dazu gehörten der Handlauf hinter dem Haus, das Licht beim
Haupteingang, Leuchten im Garagenabteil sowie eine Tablaraufhängung über
dem Abfalleimer (Urk. 160/6a). Es ist festzuhalten, dass erfahrungsgemäss ins-
besondere die Reparatur von Lampen oder eines Tablars über dem Abfalleimer
zum kleinen Unterhalt gehören, da sich die Kosten dafür jeweils betragsmässig
- 72 -
auf kaum mehr als Fr. 200.– belaufen. Gemäss vorinstanzlichem Urteil hat die
Gesuchstellerin jedoch den kleinen Unterhalt selber zu finanzieren. Dafür rechne-
te die Vorinstanz der Gesuchstellerin monatlich Fr. 50.– im Bedarf an. Da die
Verhältnisse tatsächlich strittig sind und sich im Laufe des Berufungsverfahrens
gezeigt hat, dass die Parteien nur schlecht miteinander kommunizieren können,
rechtfertigt es sich, den der Gesuchstellerin für kleinere Reparaturen zugestande-
nen monatlichen Betrag von Fr. 50.– auf Fr. 200.– zu erhöhen mit dem Hinweis,
dass die Gesuchstellerin sämtliche kleinere Reparaturen im Rahmen des kleinen
Unterhalts selber zu decken hat.
Strittig scheinen weiter die Aufwendungen für Elektrizitätskosten zu sein
(Urk. 334/2). Die Vorinstanz erachtete diese als vom Grundbetrag der Gesuch-
stellerin gedeckt (Urk. 158 S. 35). Da erfahrungsgemäss die Elektrizitätskosten für
ein mehrstöckiges Einfamilienhaus deutlich höher liegen als für eine 3- oder 4-
Zimmerwohnung, rechtfertigt es sich, der Gesuchstellerin über den Grundbetrag
hinaus für die Elektrizitätskosten einen zusätzlichen Betrag von Fr. 40.– pro Mo-
nat zuzugestehen, welcher ihr im Bedarf anzurechnen ist.
Im Übrigen hat die Gesuchstellerin im Berufungsverfahren nicht substantiiert dar-
getan, inwiefern der Gesuchsgegner grössere Unterhaltsposten nicht begleichen
würde. Vielmehr äusserte sie die reine Befürchtung bzw. blosse Annahme, dass
der Gesuchsgegner kein besonderes Interesse habe, das Haus für sie und die
Kinder zu erhalten und jede Möglichkeit ergreifen werde, ihr den Aufenthalt so
unangenehm wie möglich zu gestalten. Auch belegt sie die von ihr im Berufungs-
verfahren geltend gemachten Unterhaltskosten von pauschal Fr. 2'500.– pro Mo-
nat nicht. Vor Vorinstanz machte sie jedenfalls noch Unterhalts- und Nebenkosten
von rund Fr. 900.– geltend (Urk. 1 S. 6; Urk. 22 S. 8). Dass diese neu um über
das Doppelte höher liegen sollen, ist nicht nachvollziehbar. Damit sind die Hypo-
thekarzinsen und sämtliche übrigen Nebenkosten (Gebäudeversicherung, Was-
ser/Abwasser/Kehricht, Kosten Liftkontrolle, Brandschutzkontrolle etc.) weiterhin
durch den Gesuchsgegner zu begleichen. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt,
ist dies sinnvoll, da der Gesuchsgegner Alleineigentümer der Liegenschaft ist und
als Hypothekarschuldner für die Bezahlung der Zinsen haftet bzw. als Eigentümer
- 73 -
am Werterhalt der Liegenschaft ein grosses Interesse hat. Hinzu kommt, dass
nicht nur die Hypothekarzinsen, sondern auch die Unterhaltskosten jährlichen
Schwankungen unterliegen.
Im Sinne einer Präzisierung des vorinstanzlichen Urteils ist der Gesuchsgegner
zu verpflichten, sämtliche Wohnkosten (Hypothekar-, Unterhalts- und Nebenkos-
ten) mit Ausnahme der Kosten für den kleinen Unterhalt sowie der Elektrizitäts-
kosten direkt zu bezahlen, und zwar rückwirkend ab 1. Dezember 2013. Für den
kleinen Unterhalt und Elektrizitätskosten sind der Gesuchstellerin im Bedarf
Fr. 240.– pro Monat einzusetzen.
5.5. Krankenkasse und Gesundheitskosten der Gesuchstellerin
5.5.1. Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin monatlich Fr. 325.– für die
Krankenkassenprämien an (Urk. 158 S. 38 und S. 59; Urk. 22 S. 8). In der Beru-
fung bringt die Gesuchstellerin vor, dass die Versicherungsprämien im Jahr 2015
neu Fr. 303.70 für die Grund- und Fr. 165.70 für die Zusatzversicherung, mithin
total Fr. 469.40 im Monat betragen würden (Urk. 157 S. 16). Dazu reicht sie ent-
sprechende Versicherungsausweise der Krankenkasse für das Jahr 2015 ins
Recht, beide ausgestellt im Oktober 2014 (Urk. 160/7-8). Nachdem beiden Partei-
en mit Verfügung vom 5. November 2014 Frist angesetzt wurde, um der Vor-
instanz eine freigestellte Stellungnahme zu den (allfälligen) Noven einzureichen
(Urk. 127), handelt es sich dabei um unechte Noven, die im vorliegenden Beru-
fungsverfahren unberücksichtigt zu bleiben haben (vgl. vorstehend E. II.5.).
5.5.2. Weiter macht die Gesuchstellerin geltend, die ihr von der Vorinstanz zuge-
standenen Fr. 50.– für Gesundheitskosten seien nicht ausreichend. Die durch die
Krankenkasse nicht vergüteten Gesundheitskosten hätten sich 2013 auf Fr. 63.–
pro Monat belaufen. Dazu reicht die Gesuchstellerin ein Merkblatt für Versicherte
vom 29. Dezember 2014 ins Recht (Urk. 157 S. 17; Urk. 160/9). Dem Gesuchs-
gegner ist diesbezüglich zuzustimmen, wenn er in der Berufungsantwort entge-
genhält, die Gesuchstellerin habe vor Vorinstanz Gesundheitskosten von Fr. 50.–
geltend gemacht und auch zugesprochen erhalten (Urk. 169 S. 45; Urk. 22 S. 8).
Zum einen hätte die Gesuchstellerin ihre Selbstbehalte aus dem Jahr 2013 ohne
- 74 -
Weiteres bereits im vorinstanzlichen Verfahren belegen können und zum anderen
vermag der neu von der Gesuchstellerin ins Recht gereichte Beleg auch nicht zu
beweisen, dass die Gesundheitskosten der Gesuchstellerin im Durchschnitt we-
sentlich mehr als Fr. 50.– betragen.
5.6. Krankenkasse und Gesundheitskosten der Kinder
5.6.1. Auch bei den von der Gesuchstellerin mit der Berufung eingereichten Prä-
mienübersichten 2015 der Krankenkasse für die beiden Kinder vom Oktober 2014
(Urk. 160/10) sowie der Leistungsübersicht 2013 betreffend die nicht vergüteten
Gesundheitskosten von C._ vom 7. August 2014 (Urk. 160/11) handelt es
sich um unechte Noven, die im vorliegenden Verfahren unberücksichtigt zu blei-
ben haben (vgl. vorstehend E. II.5.). Wie die Vorinstanz richtig erkannte, wies die
Gesuchstellerin im erstinstanzlichen Verfahren nicht gedeckte Gesundheitskosten
von C._ in der Höhe von Fr. 1'090.60 aus (Urk. 3/16; Urk. 158 S. 39). Ent-
sprechend hat es bei den von der Vorinstanz festgesetzten Fr. 91.– pro Monat zu
bleiben.
5.6.2. Die Vorinstanz hielt fest, dass die Gesuchstellerin glaubhaft dargelegt ha-
be, dass die Probiotika "Bactosan pro FOS" medizinisch indiziert, aber nicht kas-
senpflichtig seien. Da C._ gemäss der ins Recht gereichten ärztlichen Attes-
te auch in Zukunft Epilepsiemedikamente würde einnehmen müssen, sei davon
auszugehen, dass weiterhin Kosten für die Probiotika im Umfang von Fr. 120.–
pro Monat anfallen würden. Betreffend die Kosten für die weiteren Medikamente
"Berocca", "Floradix" und Erkältungsmedikamente sei jedoch davon auszugehen,
dass diese bei Vorliegen eines entsprechenden ärztlichen Rezepts von der Kran-
kenkasse übernommen und somit der Gesuchstellerin dafür keine zusätzlichen
Kosten anfallen würden. Eine gesonderte Berücksichtigung für die weiteren gel-
tend gemachten Auslagen (Kukident, Gesichtsreinigungsgel, Warz-AB) würde
sich ebenfalls nicht rechtfertigen, da im monatlichen Grundbetrag bereits Ausga-
ben für Körper- und Gesundheitspflege enthalten seien (Urk. 158 S. 40 f.).
5.6.3. Die Gesuchstellerin moniert, die gesundheitlich geschwächte C._ be-
nötige zusätzliche nicht kassenpflichtige Medikamente, Vitaminpräparate etc.,
- 75 -
was auf der Hand liege. Die Vorinstanz wolle diese Kosten im Grundbetrag be-
rücksichtigt haben, was aufgrund der wohlhabenden Verhältnisse der Parteien
nicht nachvollziehbar sei. Für weitere medizinische Präparate wie die von ihr er-
wähnten Kukident, Gesichtsreinigungsgel, Warz-Ab etc. seien ihr Fr. 50.– pro
Monat im Bedarf zuzugestehen (Urk. 157 S. 17 f.).
5.6.4. Die Gesuchstellerin setzt sich mit den vorinstanzlichen Erwägungen nur
ungenügend auseinander. Insbesondere unterlässt sie es darzutun, auf welche
nicht kassenpflichtigen Medikamente und Vitaminpräparate sie sich bezieht. Dass
es sich bei der Kukident Zahnreinigung und beim Gesichtsreinigungsgel gerade
nicht um medizinisch indizierte Präparate handelt, hat die Vorinstanz zutreffend
festgehalten. Hingegen scheint die Vorinstanz übersehen zu haben, dass es sich
gemäss Schreiben von Dr. AC._ vom 10. September 2013 bei den Medika-
menten Berocca und Floradix um nicht kassenpflichtige Rezepte handelt
(Urk. 18/30/2-3), weshalb die monatlichen Medikamentenkosten von C._ auf
Fr. 174.– zu erhöhen sind (Urk. 23/53). Soweit der Gesuchsgegner in der Beru-
fungsantwort neu vorbringt, die Kosten für die Probiotika im Umfang von Fr. 120.–
würden seit der Kostengutsprache von der IV-Stelle übernommen, bleibt dies un-
belegt (Urk. 169 S. 46 f.).
5.7. Dentalhygiene / Zahnarzt
Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin für die Kosten der jährlichen ein bis
zwei Dentalhygiene-Termine Fr. 30.– pro Monat an (Urk. 158 S. 42). Dies ent-
spricht dem von der Gesuchstellerin vor Vorinstanz unter der Position "Dentalhy-
giene Gesuchstellerin" geltend gemachten Betrag (Urk. 22 S. 8). Die Gesuchstel-
lerin macht in ihrer Berufung aktenwidrigerweise geltend, die Vorinstanz hätte für
sie und die Kinder, mithin für drei Personen, Zahnarztkosten von lediglich Fr. 30.–
pro Monat berücksichtigt (Urk. 157 S. 18). Dabei sei es gerichtsnotorisch, dass
Kinder regelmässig zum Zahnarzt gehen würden. Zur Untermauerung ihres
Standpunkts reicht sie eine Rechnung von Dr. AD._ vom 18. November 2014
ins Recht (Urk. 160/12). Weder hat die Gesuchstellerin vor Vorinstanz Zahnarzt-
kosten der Kinder behauptet, noch solche belegt. Ihre diesbezüglichen Vorbringen
- 76 -
in der Berufung erfolgen verspätet. Es bleibt daher bei den von der Vorinstanz für
die Kosten der Dentalhygiene eingesetzten Fr. 30.– pro Monat.
5.8. Putzfrau
5.8.1. Die Gesuchstellerin moniert, die Vorinstanz sei fälschlicherweise davon
ausgegangen, die Parteien hätten während des Zusammenlebens keine Putzfrau
beschäftigt. Noch vor dem Auszug des Gesuchsgegners aus der ehelichen Lie-
genschaft sei eine Putzfrau eingestellt worden, welche sie als Arbeitgeberin am
12. September 2013 bei der Ausgleichskasse der SVA Zürich angemeldet habe
(Urk. 157 S. 18).
5.8.2. Die Vorinstanz hielt fest, dass die Gesuchstellerin Anspruch auf die Weiter-
führung des zuletzt gelebten ehelichen Standards habe. Da die Parteien gemäss
übereinstimmender Darstellung während des Zusammenlebens keine Putzfrau
beschäftigt hätten, sei der Gesuchstellerin nun auch keine diesbezügliche Positi-
on im Bedarf einzurechnen (Urk. 158 S. 43 mit Verweis auf Urk. 1 S. 9 und
Urk. 24 S. 24). Der Vorinstanz ist zu folgen. Die Gesuchstellerin machte in ihrer
Eheschutzeingabe vom 15. August 2013 eigens geltend, der Gesuchsgegner ha-
be sich bislang geweigert, eine Putzfrau zu engagieren. Da sie mit den übrigen
Pflichten, insbesondere der Kinderbetreuung sehr belastet sei, rechtfertige es
sich, ihr eine Putzfrau anzurechnen (Urk. 1 S. 9). Daraus lässt sich ableiten, dass
eine Putzfrau gerade nicht zum ehelichen Standard gehörte und die Gesuchstelle-
rin eine solche ohne Einverständnis des Gesuchsgegners engagierte, nachdem
sie das Eheschutzverfahren bereits eingeleitet hatte. Dass der Gesuchsgegner
mit dem Entscheid, eine Putzfrau anzustellen, einverstanden gewesen sei, be-
hauptet sie denn auch bezeichnenderweise nicht (Urk. 157 S. 19). Entsprechende
Kosten sind daher in ihrem Bedarf nicht zu berücksichtigen.
5.9. Hausrat-/Haftpflichtversicherung
Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin für die Hausrat- und Haftpflichtversi-
cherung monatlich Fr. 109.– an (Urk. 158 S. 43 f.). Die Gesuchstellerin bringt be-
rufungsweise vor, diese Kosten würden mittlerweile Fr. 117.– pro Monat betragen
- 77 -
(Urk. 157 S. 19). Sie belegt dies mit einer Rechnung der ... Versicherungs-
Gesellschaft AG, zahlbar bis 1. September 2014 (Urk. 160/16). Bei der Rechnung
handelt es sich um ein unechtes Novum, welches im vorliegenden Verfahren un-
beachtlich ist (vgl. vorstehend E. II.5.). Es bleibt damit beim von der Vorinstanz
eingesetzten Betrag von Fr. 109.– pro Monat.
5.10. Autokosten
5.10.1. Zu den Autokosten hielt die Vorinstanz was folgt fest (Urk. 158 S. 44 f.):
Unbestrittenermassen habe ein Motorfahrzeug für die Gesuchstellerin zum eheli-
chen Standard gehört. Aufgrund des Gesundheitszustands von C._ müsse
zudem die Mobilität gewährleistet sein. Aus den von der Gesuchstellerin ins Recht
gereichten Belegen ergebe sich, dass die Kosten für die Verkehrsabgabe für das
Jahr 2013 – ohne Wechselschildgebühr – Fr. 427.50 und die Kosten für die Mo-
torfahrzeugversicherung Fr. 1'350.10 betragen hätten. Aufgrund der Trennung
seien ausserdem die Benzinkosten der Gesuchstellerin höher als zuvor, da nun
die Auslagen für alle Fahrten, inklusive Ausflüge und Ferien, von der Gesuchstel-
lerin bezahlt würden. Hingegen habe die Gesuchstellerin anlässlich der Hauptver-
handlung bestätigt, dass bei ihrem Fahrzeug Serviceleistungen bis 100'000 Kilo-
meter inklusive seien und entsprechend derzeit keine zusätzlichen Kosten für Re-
paraturen anfallen würden. Es rechtfertige sich daher, der Gesuchstellerin Auto-
kosten von insgesamt Fr. 400.– pro Monat im Bedarf anzurechnen.
5.10.2. Die Gesuchstellerin wendet dagegen ein, dass gemäss Kreisschreiben
der Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich für Automobil-
kosten im Bedarf zwischen Fr. 100.– und Fr. 600.– pro Monat einzusetzen seien.
Zwar habe sie in der Verhandlung vom 12. Februar 2014 bestätigt, dass reine
Serviceleistungen inklusive seien, gleichzeitig aber auch darauf hingewiesen,
dass Ersatzteile, neue Pneus etc. bezahlt werden müssten (Prot. I S. 37). Bis
2012 habe sie ausserdem monatliche Benzinkosten von Fr. 400.– gehabt (Prot. I
S. 38). Sie fahre ein Fahrzeug der Marke Mercedes Kombi, also kein Billigfahr-
zeug. Und sie fahre ausgesprochen viel, da sie C._ wegen deren Epilepsie-
erkrankung täglich zum Bahnhof F._ und oft auch in die Schule nach Zürich
bringe oder dort abhole. Zudem benutze sie das Fahrzeug regelmässig für Ein-
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käufe, Freizeitaktivitäten und Ferien. Der TCS berechne für ein durchschnittliches
Musterauto jährliche Kosten von Fr. 10'932.– bzw. Fr. 911.– pro Monat bei einer
angenommenen Fahrleistung von 15'000 km pro Jahr. Selbst wenn nur 10'000 km
pro Jahr zurückgelegt würden, würde dies immer noch jährliche Kosten von
Fr. 7'300.– bzw. Fr. 683.– pro Monat ergeben. Es sei schlicht lebensfremd, für ein
Auto der Marke Mercedes Kombi monatliche Kosten von nur gerade Fr. 400.– im
Bedarf einzurechnen. Ausserdem sei die Verkehrsabgabe 2015 gegenüber dem
Jahr 2013 neu auf Fr. 518.– pro Jahr angestiegen. Somit seien im Bedarf der Ge-
suchstellerin Autokosten von mindestens Fr. 600.– pro Monat zu berücksichtigen
(Urk. 157 S. 19 f.).
5.10.3. Der Gesuchsgegner hält dem entgegen, Versicherungskosten und Ver-
kehrsabgabe würden pro Jahr Fr. 1'777.60 betragen bzw. pro Monat Fr. 148.10.
Die Vorinstanz habe zu Recht nicht auf die von der Gesuchstellerin geltend ge-
machten Benzinkosten in der Höhe von Fr. 400.– pro Monat abgestellt. Selbst
wenn die Kosten für den halbjährlichen Pneuwechsel von ca. Fr. 100.– noch hin-
zugerechnet würden, verblieben der Gesuchstellerin immer noch monatlich
Fr. 235.– für Benzinkosten. Es werde bestritten, dass die Gesuchstellerin ausge-
sprochen viel Auto fahre. Insbesondere werde bestritten, dass die Gesuchstellerin
C._ täglich zum Bahnhof und oft in die Schule nach Zürich fahre. Sie mache
an anderer Stelle geltend, C._ fahre mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur
Schule und habe ein öV-Abonnement. Bestritten sei, dass die Gesuchstellerin das
Fahrzeug für die Ferien, darunter auch für Fahrten nach St. Tropez, nutze. Richtig
sei, dass sie mit dem Fahrzeug nach Klosters gefahren sei. Im Übrigen gebe es in
F._ und ... sehr gute Einkaufsmöglichkeiten, weshalb die Gesuchstellerin ih-
re Einkäufe ohne weite Fahrwege erledigen könne. Die von der Vorinstanz veran-
schlagten Kosten von Fr. 400.– seien angemessen und ausreichend. Diese wür-
den sich auf das konkret benutzte Fahrzeug beziehen und die Besonderheit der
kostenlosen Serviceleistungen berücksichtigen. Bereits aus diesem Grund gehe
der Vergleich mit dem von der Gesuchstellerin als Beweisofferte herangezogenen
Musterfahrzeug fehl (Urk. 169 S. 49 f.).
- 79 -
5.10.4. Die Autoversicherungskosten der Gesuchstellerin belaufen sich auf rund
Fr. 1'350.– pro Jahr bzw. Fr. 112.50 pro Monat (Urk. 18/34/10). Hinzu kommt die
Verkehrsabgabe. Diese beträgt gemäss Rechnung vom 15. Januar 2015 neu
Fr. 518.– pro Jahr (Urk. 160/18), mithin Fr. 43.20 pro Monat. Anlässlich der vor-
instanzlichen Fortsetzung der Hauptverhandlung vom 12. Februar 2014 machte
die Gesuchstellerin Benzinkosten von Fr. 400.– pro Monat geltend (Prot. I S. 38).
Belegt hatte sie hingegen monatliche Benzinkosten von Fr. 125.– (Urk. 18/34/8).
Zuzustimmen ist der Gesuchstellerin allerdings, dass sie trotz grundsätzlich inte-
grierter Serviceleistungen gewisse Kosten selbst zu tragen hat. Dies ergibt sich
beispielsweise aus der im Recht liegenden Rechnung vom 3. Mai 2013 über ei-
nen Betrag von Fr. 220.35 für den Oelwechsel (Urk. 18/34/5). Addiert man die
vom Gesuchsteller zugestandenen Kosten für die jährlichen Pneuwechsel von
Fr. 200.– (Urk. 169 S. 50), ergeben sich Servicekosten von jährlich rund Fr. 500.–
bzw. Fr. 42.– pro Monat, welche die Gesuchstellerin selbst zu tragen hat. Damit
belaufen sich die monatlichen Autokosten total inkl. Benzin auf Fr. 320.– und lie-
gen somit unter dem von der Vorinstanz zugestandenen Betrag. Damit erschei-
nen die von der Vorinstanz eingerechneten Fr. 400.– für Autokosten angemessen.
Im Weiteren hat die Gesuchstellerin auch nicht dargetan, welche Strecken sie mit
dem Auto zurücklegt. Der von ihr pauschal herangezogene Vergleich mit den
Durchschnittkosten eines TCS-Musterautos genügt den Begründungsanforderun-
gen an eine Berufung nicht (vgl. vorstehend E. II.4.).
5.11. Auswärtige Verpflegung
5.11.1. Die Vorinstanz erachtete es als glaubhaft dargetan, dass die Parteien
während ihres Zusammenlebens fast jeden Samstagmittag in der ...-Bar assen.
Sie berücksichtigte dafür Kosten für ein Mittagessen für die Gesuchstellerin und
die Kinder von Fr. 50.– pro Essen bzw. Fr. 200.– pro Monat im Bedarf. Weiter
kam die Vorinstanz zum Schluss, dass aufgrund der sehr guten finanziellen Ver-
hältnisse und dem Umstand, dass die Gesuchstellerin betreffend gemeinsame
Mittagessen regelmässiges Auswärtsessen glaubhaft gemacht habe, es nahelie-
gend erscheine, dass die Parteien auch ab und zu am Abend auswärts gegessen
hätten. Der Gesuchstellerin sei hierfür ein monatliches Abendessen für sich und
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die beiden Kinder von Fr. 130.– zuzugestehen, so dass für auswärtige Verpfle-
gung insgesamt Fr. 330.– pro Monat einzusetzen seien (Urk. 158 S. 46).
5.11.2. Die Gesuchstellerin taxiert die vorinstanzlichen Erwägungen als "welt-
fremd". Für Fr. 16.65 pro Person seien in der ...-Bar am Paradeplatz in Zürich
keine Snacks für Feinschmecker erhältlich. Sie reicht dazu eine Quittung der ...-
Bar vom 30. März 2015 über einen Betrag von Fr. 68.50 ins Recht (Urk. 160/20).
Der Betrag für die Mittagessen in der ... Bar sei mindestens auf Fr. 400.– zu ver-
doppeln (Urk. 157 S. 21). Was die von der Vorinstanz zugestandenen Abendes-
sen im ... anbelange, so koste selbst ein Abendmenu der mittleren Preisklasse
mit Vorspeise, Hauptspeise und Dessert sowie mit einer Flasche Wein im Restau-
rant ... wenigstens Fr. 150.– pro erwachsene Person und Fr. 50.– pro Kind. Damit
seien der Gesuchstellerin monatlich mindestens Fr. 250.– einzusetzen bzw. für
auswärtiges Essen insgesamt Fr. 650.– pro Monat (Urk. 157 S. 21 f.).
5.11.3. Die Vorinstanz erachtete es zu Recht als glaubhaft dargetan, dass man
während des ehelichen Zusammenlebens oft den Samstagmittag in der ...-Bar
verbrachte und dort zu Mittag ass. Dies ergibt sich zumindest aus einer im Recht
liegenden Bestätigung vom 23. Oktober 2013 (Urk. 23/39). Zu berücksichtigen ist
allerdings, dass es sich beim Eheschutzverfahren um ein summarisches Verfah-
ren handelt, weshalb die Gerichte von vornherein gewisse Annahmen zu treffen
haben und es nicht Aufgabe des Eheschutzrichters sein kann, auf den Franken
genau zu eruieren, ob nun ein Mittagessen in der ...-Bar jeweils Fr. 80.– oder
Fr. 100.– pro Mittag gekostet hat. Vielmehr handelt es sich bei der Festsetzung
der Kosten, sofern deren genaue Höhe nicht belegt wurde, um einen Ermessens-
entscheid der Vorinstanz. Zwar überprüft die Berufungsinstanz den vorinstanzli-
chen Entscheid auch auf seine Angemessenheit (ZK ZPO - Reetz/Theiler,
Art. 310 N 36). Dennoch greift die Berufungsinstanz nur mit einer gewissen Zu-
rückhaltung in einen wohl überlegten und vertretbaren Ermessensentscheid der
ersten Instanz ein (ZK ZPO - Reetz/Theiler, Art. 310 N 36). Ausserdem ist dem
Gesuchsgegner zuzustimmen, dass die Gesuchstellerin vor Vorinstanz keine Be-
lege eingereicht hatte, welche ihre bestrittenen Behauptungen zu den Kosten der
auswärtigen Verpflegung stützen würden (Urk. 169 S. 51). Zwar reichte sie im Be-
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rufungsverfahren eine Quittung für ein Essen in der ...-Bar nach. Diese bezieht
sich jedoch auf ein Mittagessen an einem Montagmittag im Jahre 2015 und somit
nicht auf die Mittagessen während des ehelichen Zusammenlebens (Urk. 160/20).
Die Gesuchstellerin behauptete selber vor Vorinstanz Kosten für ein Mittagessen
in der ...-Bar von "über" Fr. 100.– pro Mittag für vier Personen (Prot. I S. 45). Dies
ergäbe somit Kosten für drei Personen von "über" Fr. 75.– pro Mittag. Eine Ver-
doppelung des von der Vorinstanz angerechneten Betrags von Fr. 50.– pro Sams-
tagmittag rechtfertigt sich schon aus diesem Grund nicht. Hinzu kommt, dass die
Parteien auch nicht jeden Samstagmittag in der ...-Bar verbrachten und für Kinder
in einem Restaurant im Allgemeinen weniger ausgegeben wird als für Erwachse-
ne (Prot. I S. 44; Urk. 22 S. 6). Insgesamt erscheinen damit die von der Vor-
instanz eingesetzten Fr. 200.– pro Monat angemessen. Das Gleiche gilt für das
von der Vorinstanz angerechnete monatliche auswärtige Abendessen über einen
Betrag von Fr. 130.–. Die Gesuchstellerin unterliess es einmal mehr, ihre Behaup-
tungen mit Belegen zu untermauern. Es verfängt nicht, wenn sie vorbringt, ein
Abendessen koste selbst in einer mittleren Preisklasse mit Vorspeise, Hauptspei-
se und Dessert sowie mit einer Flasche Wein wenigstens Fr. 150.– pro erwach-
sene Person und mit der Berufungsschrift verspätet die Speise- und Weinkarte
des Restaurants ... nachreicht, zumal die Kinder keinen Wein trinken und eine
Flasche Wein daher – bei nur einem Erwachsenen – nicht einer normalen Kon-
sumation entspricht. Damit sind die von der Vorinstanz angerechneten Fr. 330.–
für auswärtiges Essen pro Monat insgesamt nicht zu beanstanden.
5.12. Kleider und Accessoires
5.12.1. Zum Ausgabeposten "Kleider und Accessoires" hielt die Vorinstanz vorab
fest, dass im Grundbetrag der Gesuchstellerin sowie der Kinder bereits ein Betrag
für Kleidung enthalten sei. Separat zu berücksichtigen seien damit nur erhöhte
Kosten. Anhand der von der Gesuchstellerin ins Recht gereichten Belege ergebe
sich, dass die Ausgaben für Kleidung und Schuhe der Parteien überdurchschnitt-
lich gewesen seien. Aus der Kreditkartenabrechnung der Gesuchstellerin gehe
hervor, dass die Parteien in Boutiquen wie Maje, Kidsdesign ..., Sandal Rondini,
Grieder etc. eingekauft hätten. Ausserdem sei von der Gesuchstellerin mehrfach
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behauptet worden, dass viele Einkäufe bar getätigt worden seien und keine Bele-
ge dafür existieren würden. Auch der Gesuchsgegner habe eingeräumt, dass dies
vorgekommen sei. Glaubhaft sei damit, dass diverse Kleidereinkäufe bar getätigt
worden seien und dass der Einkauf von Markenkleidung zum ehelichen Standard
gehört habe. Damit erscheine es angemessen, der Gesuchstellerin und den Kin-
dern für Kleidung und Schuhe zusätzlich zum Grundbetrag einen erhöhten Betrag
von zusätzlich je Fr. 100.– pro Person einzurechnen. Ausserdem habe die Ge-
suchstellerin Unterlagen betreffend die Anschaffung teurer Accessoires ins Recht
gereicht. So habe sie beispielsweise 2011 bei Louis Vuitton eine Handtasche im
Wert von Fr. 1'710.– und ein Foulard im Wert von Fr. 130.– gekauft und beim Ju-
welier Kurz in Zürich sei ein Einkauf über Fr. 1'010.– getätigt worden. Ausgehend
von zwei bis drei solchen Anschaffungen pro Jahr erscheine es angemessen, der
Gesuchstellerin für die Anschaffung aussergewöhnlicher Accessoires einen Be-
trag von Fr. 3'600.– pro Jahr und damit Fr. 300.– monatlich im Bedarf anzurech-
nen. Total sei der Gesuchstellerin damit unter dem Titel Kleider, Schuhe und Lu-
xusaccessoires ein Betrag von Fr. 600.– pro Monat zuzugestehen (Urk. 158 S. 49
f.).
5.12.2. Die Gesuchstellerin beanstandet, die Erwägungen der Vorinstanz seien
vor dem Hintergrund, dass die Parteien in komfortablen wirtschaftlichen Verhält-
nissen gelebt hätten und die Vorinstanz sogar einräume, der Einkauf von Marken-
kleidern habe zum ehelichen Standard gehört, unhaltbar. Dafür genüge ein Zu-
satzbetrag für Kleider pro Monat von Fr. 100.– bzw. von Fr. 33.35 pro Person und
Monat bei Weitem nicht. Beispielsweise seien im ersten Halbjahr 2013 Kleider
und Schuhe für sie und die Kinder im Betrag von rund Fr. 5'000.– bzw. Fr. 834.–
pro Monat gekauft worden, wobei die ins Recht gereichten Belege die zusätzlich
getätigten Bareinkäufe nicht erfassen würden. Somit erscheine der von ihr vor
Vorinstanz geltend gemachte Zusatzbetrag für Kleider und Schuhe von
Fr. 1'400.– pro Monat als ausgewiesen (Urk. 157 S. 22 f.). Weiter habe die Vo-
rinstanz festgehalten, dass der Einkauf von eher teuren Accessoires ebenfalls
zum ehelichen Standard gehört habe. Zu den Accessoires würden selbstredend
auch Uhren und Schmuck gehören. Uhren und Schmuckstücke hätten sich die
Parteien fast monatlich geleistet. Die meisten Uhren und den Schmuck habe sie
- 83 -
vom Gesuchsgegner geschenkt erhalten, weshalb sie dafür keine Quittungen vor-
legen könne. Inzwischen habe sie jedoch ältere Kreditkartenabrechnungen des
Gesuchsgegners gefunden, welche die Uhren- und Schmuckkäufe belegen wür-
den. Beispielsweise habe der Gesuchsgegner ihr im November 2010 eine Uhr
von IWC für Fr. 8'200.– gekauft. Somit sei nicht nachvollziehbar, wie die Vor-
instanz ihr nur gerade Fr. 600.– im Bedarf einsetzen wolle. Angemessen sei ein
Betrag für Accessoires von wenigstens Fr. 600.– zusätzlich zum Betrag für Klei-
der und Schuhe (Urk. 157 S. 23 f.).
5.12.3. Der Gesuchsgegner bringt vor, dass von der Gesuchstellerin erneut ak-
tenwidrige Behauptungen aufgestellt würden. So habe die Vorinstanz Fr. 100.–
pro Person bzw. insgesamt Fr. 300.– pro Monat für Kleider angerechnet. Ausser-
dem sei das erste Halbjahr 2013 nicht repräsentativ, da davon auszugehen sei,
dass die Gesuchstellerin damals mit weit über dem Durchschnitt liegenden Ein-
käufen bereits das Anfang September 2013 eingeleitete Eheschutzverfahren vor-
bereitet habe (Urk. 169 S. 52). Was die Accessoires anbelange, so habe die Ge-
suchstellerin vor Vorinstanz 24 Quittungen der Boutique Louis Vuitton über einen
Zeitraum von 1999 bis 2013 ins Recht gereicht, wobei sich auf 15 Jahre verteilt
ein Durchschnittsbetrag von Fr. 44.69 pro Monat ergebe. Obwohl die Gesuchstel-
lerin wahrheitswidrig behaupte, um die zehn Louis Vuitton-Taschen zu besitzen,
belege sie mit den 24 Quittungen gerade mal den Kauf einer einzigen Handta-
sche. Der Kauf von Luxusgütern in der von der Gesuchstellerin behaupteten
Grössenordnung habe nie zum ehelichen Standard gehört. Es werde bestritten,
dass die Parteien sich monatlich Uhren und Schmuckstücke geleistet hätten.
Auch die eingereichten Fotos würden die Behauptungen der Gesuchstellerin nicht
belegen. Ausserdem hätte sie diese Bilder sowie auch die neu eingereichten Be-
lege (Urk. 160/37-40) bereits vor Vorinstanz einreichen können. Er habe der Ge-
suchstellerin zu ihrem 40. Geburtstag im Sinne einer besonderen Gelegenheit
und als Ausnahme eine Uhr der Marke IWC geschenkt (Urk. 169 S. 52 f.).
5.12.4. Stellt man auf die von der Gesuchstellerin vor Vorinstanz ins Recht ge-
reichten Kreditkartenabrechnungen (Urk. 50/96) für den Zeitraum von Januar
2010 bis Juni 2013 ab, so ergeben sich für eine Zeitdauer von ungefähr 40 Mona-
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ten Ausgaben der Gesuchstellerin für Kleidung und Accessoires von rund
Fr. 24'000.–. Dies ergibt monatliche Kosten von durchschnittlich rund Fr. 600.–.
Dabei ist einerseits zu berücksichtigen, dass ein Teil der Kleidungskosten durch
den Grundbedarf gedeckt wird und andererseits beide Parteien vor Vorinstanz
bestätigten, dass der Gesuchsgegner ab und an zusätzlich Kleiderkäufe bar be-
zahlte (Prot. I S. 32, S. 64). Auch ist notorisch, dass sich in Zürich mit einem
Mehrbetrag von Fr. 100.– pro Person pro Monat keine Luxuskleider kaufen las-
sen. Damit rechtfertigt es sich, den der Gesuchstellerin von der Vorinstanz ange-
rechneten Betrag für Kleidung und Accessoires auf Fr. 800.– pro Monat zu erhö-
hen.
5.13. Coiffeur und Kosmetika
5.13.1. Die Vorinstanz kam diesbezüglich zum Schluss, dass die von der Ge-
suchstellerin eingereichten Belege Kosten von rund Fr. 40.– pro Monat ausweisen
würden. Weitere besondere bzw. überdurchschnittliche Ausgaben für Coiffeur o-
der Kosmetika hätte die Gesuchstellerin nicht ausreichend glaubhaft dargetan o-
der belegt. Damit sei ihr nichts über den bereits im Grundbetrag enthaltenen An-
teil für Körper- und Gesundheitspflege hinaus anzurechnen (Urk. 158 S. 50).
5.13.2. Die Gesuchstellerin macht geltend, es liege auf der Hand, dass eine Frau
in gehobenen Verhältnissen überdurchschnittlich oft zum Coiffeur gehe und über-
durchschnittlich teure Kosmetika benütze. Für Coiffeurbesuche und Kosmetika
seien ihr daher die bereits vorinstanzlich geltend gemachten Fr. 400.– pro Monat
einzusetzen (Urk. 157 S. 24). Der Gesuchsgegner beanstandet, dass die Ge-
suchstellerin wie schon vor Vorinstanz auch im Berufungsverfahren ihrer Substan-
tiierungspflicht nicht genüge. Sie habe die behaupteten Coiffeur- und Kosmetika-
kosten nicht ansatzweise glaubhaft gemacht (Urk. 169 S. 53).
5.13.3. Es ist nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, die vorinstanzlichen Akten zu
durchforsten und zu schauen, was welche Partei wo geltend gemacht hat (vgl.
vorstehend E. II.4.). Die Gesuchstellerin setzt sich in ihrer Berufungsschrift weder
mit den vorinstanzlichen Erwägungen zur Ausgabeposition "Coiffeur und Kosme-
tika" auseinander, noch tut sie dar, inwieweit sie bereits vor Vorinstanz Auslagen
- 85 -
für Coiffeur und Kosmetika behauptet und belegt hatte bzw. substantiiert dargetan
hatte, wie regelmässig sie zum Coiffeur geht und was sie ein Coiffeurtermin pro
Mal kostet. Die Gesuchstellerin genügt in diesem Punkt den Begründungsanfor-
derungen an eine Berufung nicht.
5.14. Ferien
5.14.1. Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin mit den Kindern für Sommer-
ferien in St. Tropez und Winterferien in Klosters Ferienkosten von total
Fr. 18'000.– pro Jahr bzw. Fr. 1'500.– pro Monat an. Es kann diesbezüglich auf
die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 158 S. 52 f.). Die Ge-
suchstellerin macht diesbezüglich einzig geltend, die Vorinstanz hätte vergessen,
zusätzlich Ferienkosten von Fr. 200.– pro Monat für die geltend gemachten jährli-
chen Opernbesuche in Verona einzusetzen (Urk. 157 S. 25).
5.14.2. Der Gesuchsgegner bestreitet die Behauptung der Gesuchstellerin, wo-
nach man jährlich nach Verona gereist sei. Es habe sich um drei Wochenendrei-
sen in den Jahren 2002, 2008 und 2012 gehandelt bzw. um Einladungen zum
Geburtstag des Gesuchsgegners, weshalb die Wochenenden jeweils kostenlos
gewesen seien. Der Gesuchsgegner reicht dazu eine Bestätigung von AE._
vom 28. April 2015 ins Recht (Urk. 169 S. 54; Urk. 171/31).
5.14.3. Der Gesuchstellerin gelingt es nicht, ein regelmässiges, jährlich stattfin-
dendes Wochenende in Verona glaubhaft zu machen. Aus dem von ihr diesbe-
züglich vor Vorinstanz ins Recht gereichten Schreiben von AF._ ergibt sich,
dass die Parteien 2005 und 2008 in Verona waren (Urk. 50/80). Ausserdem reich-
te die Gesuchstellerin vor Vorinstanz ein Opernticket aus dem Jahr 2012 ins
Recht (Urk. 50/109). Damit decken sich ihre Belege weitgehend mit den Angaben
des Gesuchsgegners, wonach man in den Jahren 2002, 2008 und 2012 in Verona
gewesen sei. Ausserdem brachte der Gesuchsteller eine schriftliche Bestätigung
bei, wonach die Kosten dieser Wochenenden jeweils von der Gotte des Gesuch-
stellers, AE._, übernommen worden sind. Der Gesuchstellerin sind diesbe-
züglich keine weiteren Ferienkosten im Bedarf anzurechnen.
- 86 -
5.15. Tennis
5.15.1. Die Vorinstanz erachtete die Tennisunterrichtskosten der Kinder für die
Sommersaison in der Höhe von monatlich Fr. 71.– als ausgewiesen und unbestrit-
ten. Hingegen könne die Gesuchstellerin nicht genügend glaubhaft darlegen, dass
sie in jüngerer Zeit während des Zusammenlebens selber regelmässig Tennis ge-
spielt habe, weshalb ihr keine diesbezügliche Ausgabenposition anzurechnen sei
(Urk. 158 S. 54 f.).
5.15.2. Die Gesuchstellerin moniert, sie habe vor Vorinstanz klargestellt, dass sie
immer Tennis gespielt habe, ausser als C._ ganz krank gewesen sei. Es sei
belegt, dass sie jahrelang, mit einem kurzen Unterbruch wegen der Erkrankung
von C._, Tennis gespielt habe und weiterhin spiele. Somit seien ihr die vor-
instanzlich geltend gemachten Fr. 300.– pro Monat für Tennis im Bedarf einzuset-
zen. Die Kinder würden beide unbestrittenermassen Tennis spielen, jedoch koste
dies mehr als Fr. 71.– pro Monat. Clubmitgliedschaft und Trainingskurse würden
durchschnittlich mindestens Fr. 150.– pro Kind und Monat kosten (Urk. 157 S. 25
f.).
5.15.3. Der Gesuchsgegner hebt hervor, dass die Gesuchstellerin selber zugebe,
dass sie nicht mehr Tennis gespielt habe, als C._ ganz krank gewesen sei,
also seit 2012. Die Gesuchstellerin habe vor Vorinstanz keinen Beleg eingereicht,
wonach sie vor 2012 je Tennis gespielt habe oder im Trennungsjahr 2013 diese
Sportart betrieben hätte. Auf der einen Seite behaupte die Gesuchstellerin, die
Kinder seien kränker als zuvor und hoch betreuungsbedürftig, gleichwohl habe sie
genügend Zeit, um Tennis zu spielen. Diese Behauptungen würden bestritten. Die
von der Gesuchstellerin neu eingereichten Beweisofferten seien als unzulässige
Noven zu qualifizieren. Die Gesuchstellerin habe erwiesenermassen in den letz-
ten Jahren des Zusammenlebens kein Tennis gespielt. Im Übrigen würden die
behaupteten Tenniskosten für die Kinder von Fr. 150.– pro Kind bestritten. Er ha-
be Kosten für die Sommersaison der Kinder in der Höhe von Fr. 71.– pro Monat
anerkannt (Urk. 169 S. 54 f.).
- 87 -
5.15.4. Vor Vorinstanz reichte die Gesuchstellerin zum Nachweis der geltend
gemachten Tenniskosten eine Email des TC F._ ins Recht, woraus sich
ergibt, dass für die Sommersaison 2013 für C._ und D._ Kosten von to-
tal Fr. 853.50 anfielen. Aus der gleichen Email ergibt sich, dass die Gesuchstelle-
rin selbst zu diesem Zeitpunkt nicht Aktivmitglied im TC F._ war (Urk. 3/19).
Soweit die Gesuchstellerin zur Untermauerung der von ihr behaupteten Tennis-
kosten im Berufungsverfahren diverse neue Belege ins Recht reicht, handelt es
sich um nicht zu berücksichtigende unechte Noven (Urk. 160/42-43). Dies muss
auch für das Bestätigungsmail von AG._, dem Leiter der Junioren, datierend
vom 27. März 2015 gelten (Urk. 160/45). Jedenfalls begründet die Gesuchstellerin
in der Berufung nicht, wieso sie ein entsprechendes Bestätigungsschreiben nicht
bereits vor Vorinstanz hätte verlangen und ins Recht reichen können. Auch unter-
lässt es die Gesuchstellerin einmal mehr zu begründen, inwieweit sie schon vor
Vorinstanz vorbrachte und belegte, dass sie regelmässig Tennis spielt. Wie ge-
sagt ist es nicht Aufgabe der Berufungsinstanz, die Akten diesbezüglich zu durch-
forsten. Soweit ersichtlich geht aus den vor Vorinstanz ins Recht gereichten Bele-
gen jedenfalls nicht hervor, dass die Gesuchstellerin selbst Tenniskurse besucht
hätte oder Aktivmitglied im Tennisclub gewesen wäre. Aus der von der Gesuch-
stellerin zitierten Email ergibt sich vielmehr das Gegenteil, nämlich dass keines
der beiden Elternteile Clubmitglied war (Urk. 3/19). Auch dass die Kinder regel-
mässig im Winter Tennis gespielt hätten, vermag die Gesuchstellerin nicht glaub-
haft zu machen. Jedenfalls versäumt sie es auch hier zu begründen, weshalb sie
die nachgereichte Bestätigung vom 28. Februar 2014 über die von der Tochter
C._ besuchten Tenniskurse nicht bereits vor Vorinstanz beibringen konnte
(Urk. 160/43). Abgesehen davon werden damit ohnehin nur Kurse bis zum Früh-
ling 2010 belegt. Entsprechend bleibt es bei den vor Vorinstanz geltend gemach-
ten Kurskosten für die Kinder von total Fr. 853.50 für die Sommersaison bzw. von
Fr. 71.– pro Monat (Urk. 3/19). Nichts anderes ergibt sich im Übrigen aus der
Homepage des TC F._. Gemäss dieser belaufen sich die Tenniskosten für
C._ für die Sommersaison 2017 auf Fr. 525.– (Kurskosten plus Mitgliedschaft
im Tennisclub, die ab dem 13. Altersjahr zwingend ist) und auf Fr. 320.– für
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D._ (http://www.....ch/de/tennisschule/anmeldung-kurse). Damit ergeben
sich Kosten von total Fr. 845.– pro Jahr bzw. Fr. 70.– pro Monat.
5.16. Golf
5.16.1. Gemäss den vorinstanzlichen Erwägungen habe die Gesuchstellerin den
Jahresbeitrag für die "Association suisse des golfeurs indépendants" in der Höhe
von Fr. 280.– pro Jahr belegt. Ausserdem habe die Gesuchstellerin glaubhaft ge-
macht, dass sie im Schnitt einen Golfkurs pro Jahr besuche. Entsprechend seien
ihr die Kosten für einen Kurs pro Jahr von durchschnittlich Fr. 540.– anzurechnen.
Mithin ergäben sich Golfkosten von jährlich Fr. 820.– bzw. Fr. 68.– pro Monat, die
der Gesuchstellerin im Bedarf anzurechnen seien. Soweit die Gesuchstellerin mit-
tels eines handschriftlich verfassten Belegs ausserdem Kosten für Ausrüstung
und Verbrauchsmaterial von Fr. 700.– geltend mache, handle es sich um An-
schaffungsinvestitionen, welche in der Zusammenstellung der monatlichen Le-
benshaltungskosten nicht zu berücksichtigen seien (Urk. 158 S. 55).
5.16.2. Die Gesuchstellerin macht geltend, sie spiele unbestrittenermassen Golf.
Dass sie dies mit Fr. 68.– pro Monat tun könne, glaube die Vorinstanz wohl selber
nicht. Allein der Mitgliedschaftsbeitrag in der Golfer-Vereinigung koste inzwischen
Fr. 300.– pro Jahr. Die Vorinstanz verkenne, dass Golfer zum einen eine Green
Fee bezahlen und zum andern ihre Ausrüstung regelmässig erneuern müssten.
Auf einem nicht exklusiven Golfplatz koste die Green Fee an einem Sommerwo-
chenende Fr. 100.–. Wenn sie nur 20 x pro Sommersaison Golf spiele, bezahle
sie für die Green Fees Fr. 2'000.–. Dazu kämen die Erneuerung der Ausrüstung
und das Training, so dass die von der Gesuchstellerin bereits vorinstanzlich gel-
tend gemachten Auslagen von Fr. 350.– pro Monat ohne Weiteres angemessen
erscheinen würden (Urk. 157 S. 26 f.).
5.16.3. Der Gesuchsgegner macht geltend, es sei strikt aktenwidrig, dass durch
ihn unbestritten geblieben sei, dass die Gesuchstellerin Golf spiele. Die Vo-
rinstanz habe die von der Gesuchstellerin ins Recht gereichten Belege korrekt
gewürdigt und jährliche Kosten von Fr. 820.–, aufgeteilt in die Jahresgebühr und
einen Golfkurs, zugesprochen. Dies entspreche ehelichem Standard. Richtig sei
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auch, dass es sich bei der Golfausrüstung um eine Anschaffungsinvestition hand-
le, die nicht regelmässig anfalle. Ausserdem werde von der Gesuchstellerin nicht
näher substantiiert, welche Ausrüstung gemeint sei. Golfschläger und
-tasche würden jedenfalls ein Leben lang halten. Die Gesuchstellerin habe weiter
vor Vorinstanz keinen Beleg eingereicht, wonach sie auf einem Golfplatz mit Ge-
bühr spiele. Sie habe vor Vorinstanz ausserdem nie behauptet, sie bezahle eine
Green Fee, sondern habe lediglich angegeben, auf der Driving Range in ... zu
üben, wo lediglich die Bälle für ca. Fr. 20.– pro 100 Bälle bezahlt werden müss-
ten. Die behaupteten Golfkosten seien weder belegt noch glaubhaft noch ent-
sprächen sie ehelichem Standard (Urk. 169 S. 56 mit Verweis auf Prot. I S. 85).
5.16.4. Dem Gesuchsgegner ist zuzustimmen. Von der Gesuchstellerin belegt
wurden vor Vorinstanz die Jahresgebühr sowie die Kosten für insgesamt vier
Golfkurse verteilt über einen Zeitraum von drei Jahren (Urk. 18/32). Kosten für all-
fällige Green Fees und Platzgebühren wurden vor Vorinstanz soweit ersichtlich
nie behauptet. Die diesbezüglichen Behauptungen sind neu und werden weder
substantiiert vorgebracht noch belegt. So unterlässt es die Gesuchstellerin aufzu-
zeigen, wann bzw. wie regelmässig sie auf welchem Golfplatz spielt und welche
Gebühren ihr dafür konkret anfallen. Auch unterlässt sie es darzutun, inwieweit
sie entsprechende Platzkosten bereits vor Vorinstanz vorgebracht und belegt hat.
Es sind daher Fr. 68.– pro Monat für Golf in die Bedarfsrechnung der Gesuchstel-
lerin einzurechnen.
5.17. Reiten C._
5.17.1. Die Vorinstanz hat der Gesuchstellerin keine Reitkosten für C._ zu-
gestanden mit der Begründung, dass es nicht dem bisherigen Lebensstandard
bzw. dem gemeinsamen Willen der Parteien entsprochen habe, dass C._ rei-
te bzw. ihr dies künftig zu ermöglichen wäre (Urk. 158 S. 57).
5.17.2. Gemäss Gesuchstellerin ist es Tatsache, dass der Gesuchsgegner be-
reits am 22. September 2013 bei der ... Versicherung eine Offerte für eine Reit-
versicherung für C._ angefordert habe. Es habe demnach dem gemeinsa-
men Willen der Parteien und dem Wunsch von C._ sowie auch einer Thera-
- 90 -
pie-Empfehlung der EPI-Klinik entsprochen, dass C._ reiten soll. Entspre-
chend seien die geltend gemachten Reitkosten von Fr. 35.– pro Monat im Bedarf
zu berücksichtigen (Urk. 157 S. 27 f.).
5.17.3. Der Gesuchsgegner bestreitet dies. Dass C._ während des eheli-
chen Zusammenlebens nie geritten sei, bestätige die Gesuchstellerin selbst, in-
dem sie ausführe, C._ habe bislang nur den Wunsch geäussert, Reitstunden
zu erhalten. Er habe von Anfang an die Meinung vertreten, dass für C._
Reitstunden aufgrund ihrer kurzzeitigen Absenzen viel zu gefährlich seien.
C._ dürfe gemäss ärztlicher Anweisung weder Velo fahren noch klettern.
Reiten aber dürfe sie, obwohl Pferde unberechenbarer seien als Velos. Neu wer-
de ausserdem behauptet, der Gesuchsgegner habe eine Offerte für eine Reitver-
sicherung bei der ... Versicherung angefordert. Dies sei unwahr. Anlässlich der
vorinstanzlichen Parteibefragung vom 12. Februar 2014 habe die Gesuchstellerin
ausgeführt, sie habe das Reitlager von C._ bezahlt und dafür auch eine Ver-
sicherung abgeschlossen. Wieso hätte die Gesuchstellerin das Reitlager also aus
eigenen Mitteln finanzieren sollen, wenn der Gesuchsgegner damit einverstanden
gewesen wäre. Ausserdem werde bestritten, dass es einer Therapieempfehlung
der EPI-Klinik entsprochen habe, dass C._ reite. Die behauptete Therapie-
empfehlung werde nicht ins Recht gereicht (Urk. 169 S. 56 f. mit Verweis auf Prot.
I S. 42).
5.17.4. Im Recht liegt eine ärztliche Bestätigung von Dr. AC._ vom
2. Oktober 2013, womit er die Teilnahme von C._ an einem Reitlager zuliess
und dieses als Hippotherapie bezeichnete, die eine positive Wirkung auf C._
haben könnte. Wichtig sei die Einnahme der Medikamente sowie das Tragen ei-
ner entsprechenden Schutzausrüstung (Urk. 23/47). Gemäss eigenen Aussagen
der Gesuchstellerin bewilligte sie C._ die Teilnahme an einem Reitlager, fi-
nanzierte dieses und schloss eine entsprechende Reitversicherung ab (Prot. I
S. 42). Der Gesuchsgegner gab hingegen bereits vor Vorinstanz an, dass er der
Meinung sei, dass Reitunterricht nichts für C._ sei und die Gesuchstellerin
das Reitlager entgegen seinem Willen bewilligt habe (Prot. I S. 75). Dass der Ge-
suchsgegner mit dem Reitunterricht der Tochter nicht einverstanden war, bestä-
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tigte auch C._ in der Kinderanhörung vom 27. August 2014 (Prot. I S. 100).
Die Gesuchstellerin vermochte weder darzutun, dass C._ bereits während
des ehelichen Zusammenlebens der Parteien regelmässig ritt, noch dass der Ge-
suchsgegner damit einverstanden war oder dass C._ seit dem Reitlager wei-
terhin regelmässig reitet. Entsprechend ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass die
von der Gesuchstellerin geltend gemachten Reitkosten im Bedarf keine Berück-
sichtigung finden können.
5.18. Nachhilfestunden C._
5.18.1. Die Vorinstanz führte aus, dass die Nachhilfekosten für C._ im Um-
fang von Fr. 485.– pro Monat belegt und vom Gesuchsgegner im Betrag von
Fr. 480.– auch anerkannt seien. Der Nachhilfeunterricht für C._ habe dazu
gedient, sie auf die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium vorzubereiten. Diese habe
C._ am 1. April 2014 absolviert und bestanden, weshalb die ausgewiesenen
Nachhilfekosten bis und mit März 2014 zu berücksichtigen seien (Urk. 158 S. 54).
5.18.2. Die Gesuchstellerin moniert, die Vorinstanz sei fälschlicherweise davon
ausgegangen, dass C._ nach dem 1. April 2014 keine Nachhilfestunden
mehr benötigt habe. Als Folge ihrer Krankheiten habe C._ jedoch sehr viele
Unterrichtsstunden versäumt. Den durch die vielen Absenzen entstehenden Lern-
rückstand könne C._ nur mit Nachhilfeunterricht bzw. einem anhaltenden
Lerncoaching auffangen. C._ erhalte somit weiterhin Nachhilfe im Umfang
von 12 Stunden pro Monat à Fr. 40.–, was einem Betrag von Fr. 480.– pro Monat
entspreche, der in ihrem Bedarf einzusetzen sei (Urk. 157 S. 28).
5.18.3. Der Gesuchsgegner bestreitet die Nachhilfekosten. Die Gesuchstellerin
behaupte monatliche Kosten für das Lerncoaching von Fr. 480.–. C._ besu-
che seit August 2014 das Gymnasium und sei dort bereits acht Monate gewesen,
als die Berufungsbegründung eingereicht worden sei. Eingereicht werde eine ein-
zige Quittung über eine Stunde à Fr. 40.–. Er gehe davon aus, dass diese Quit-
tung einzig für das vorliegende Verfahren produziert worden sei (Urk. 169 S. 58).
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5.18.4. Aus dem von der Gesuchstellerin ins Recht gereichten Semesterzeugnis
ergibt sich, dass C._ im Frühjahrssemester 2015 153 Fehlstunden hatte
(Urk. 207/19). Ausserdem empfiehlt die Therapeutin von C._, S._, mit
Schreiben vom 19. Oktober 2015 ein Lerncoaching. Für C._ sei es eine
enorme Herausforderung, zusätzlich zum aktuellen neuen Stoff den verpassten
Schulstoff aufzuholen und verpasste Prüfungen vorzubereiten. Dies könne
C._ auch als äusserst starke Schülerin nicht alleine schaffen, weshalb ein
Lerncoaching indiziert sei (Urk. 207/21). Auch Dr. AC._ erklärt in seinem
ärztlichen Zeugnis vom 19. Oktober 2015, dass C._ auf das Lerncoaching
angewiesen sei (Urk. 207/20). Ein entsprechendes Lerncoaching wurde von der
Gesuchstellerin im Berufungsverfahren ab Februar 2015 belegt (Urk. 207/22-30).
Aufgrund der Belege ergeben sich drei bis vier Nachhilfestunden pro Monat à
Fr. 40.– pro Nachhilfestunde. Die erste Quittung datiert dabei vom Februar 2015.
Damit rechtfertigt es sich, der Gesuchstellerin für die Nachhilfekosten von
C._ ab Februar 2015 Fr. 160.– pro Monat im Bedarf einzurechnen. Für die
Zeit von anfangs April 2014 bis Ende Januar 2015 ist der von der Gesuchstellerin
behauptete Nachhilfeunterricht von C._ nicht ausgewiesen.
5.19. Schulkosten Gymnasium ... Zürich
5.19.1. Die Gesuchstellerin macht im Berufungsverfahren neu Schulkosten für
C._ geltend, insbesondere ein Abonnement für die öffentlichen Verkehrsmit-
tel von Fr. 87.– pro Monat, ein monatlicher Mittagessenbeitrag von Fr. 150.– so-
wie Fr. 100.– pro Monat für Schulbücher, Exkursionen etc. (Urk. 157 S. 28).
5.19.2. Der Gesuchsgegner anerkennt die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel
von C._ im Umfang von Fr. 65.–, obwohl diese nicht belegt seien. Die Kosten
für die Schulkantine würden im Umfang von Fr. 80.– anerkannt (Urk. 169 S. 58 f.).
5.19.3. Die von der Gesuchstellerin geltend gemachten Schulkosten werden von
ihr nicht belegt. Weder reicht sie eine Quittung für den Kauf des Abonnements für
öffentliche Verkehrsmittel ins Recht, noch belegt sie die Essenskosten oder tut
dar, wie oft C._ über Mittag in der Kantine isst und was dabei durchschnittlich
ein Mittagessen kostet. Zudem handelt es sich bei den Behauptungen um unech-
- 93 -
te Noven, welche die Gesuchstellerin bereits vor Vorinstanz hätte aufstellen kön-
nen, geht doch C._ seit August 2014 ins Gymnasium. Es sind der Gesuch-
stellerin für C._ daher lediglich Schulkosten im Umfang des vom Gesuchs-
gegner anerkannten Betrags von total Fr. 145.– pro Monat einzurechnen.
5.20. Kino, Veranstaltungen, Zeitschriften, Bücher und Geschenke
Die Gesuchstellerin behauptet in ihrer Berufungsschrift, die Vorinstanz habe für
Kino/Veranstaltungen und für Zeitschriften/Bücher keine Kosten im Bedarf be-
rücksichtigt mit der wiederkehrenden Begründung, diese Kosten seien bereits im
minimalen Grundbetrag enthalten (Urk. 157 S. 29). Entgegen der Behauptung der
Gesuchstellerin berücksichtigte die Vorinstanz die geltend gemachten Auslagen
von total Fr. 300.– pro Monat allein deshalb nicht, weil es die Gesuchstellerin
einmal mehr unterlassen hatte, die Kosten näher zu spezifizieren oder zu belegen
(Urk. 158 S. 57 f.). Die Gesuchstellerin stellte weder substantiierte Behauptungen
auf, noch brachte sie bezüglich der geltend gemachten Positionen Belege bei. So
wäre es ihr ohne Weiteres möglich gewesen, die Rechnung eines allfälligen Zeit-
schriftenabonnements ins Recht zu reichen, auf besuchte Veranstaltungen hin-
zuweisen oder Kinokarten beizubringen. Im Übrigen setzt sich die Gesuchstellerin
mit den Erwägungen der Vorinstanz nicht auseinander und zeigt nicht auf, wo sie
entgegen der Ansicht der Vorinstanz entsprechende Kosten geltend gemacht und
begründet hatte. Die Gesuchstellerin genügt den Begründungsanforderungen an
die Berufung nicht (vgl. vorstehend E. II.4.), weshalb ihr für Kino, Veranstaltun-
gen, Zeitschriften und Bücher nichts im Bedarf einzurechnen ist. Das Gleiche gilt
für die von der Gesuchstellerin nicht substantiiert geltend gemachten Kosten für
Geschenke (Urk. 157 S. 29).
5.21. Steuern
5.21.1. Die Gesuchstellerin bringt vor, die Vorinstanz habe ihre Steuerbelastung
schlicht und einfach falsch berechnet. Sie habe der Berechnung ein steuerbares
Einkommen von Fr. 105'000.– bzw. Fr. 8'750.– pro Monat zugrunde gelegt. Da
der Unterhaltsbeitrag für sie substantiell zu erhöhen sei, sei von einem Einkom-
men von mindestens Fr. 200'000.– auszugehen. Sie werde auch in Zukunft den
- 94 -
Eigenmietwert des ehelichen Einfamilienhauses versteuern müssen, welcher sich
gemäss Steuererklärung 2011 auf rund Fr. 40'000.– pro Jahr belaufe. Auf ein rea-
listischerweise angenommenes steuerbares Einkommen der Gesuchstellerin von
Fr. 200'000.– entfielen Staats- und Gemeindesteuern von Fr. 25'000.– pro Jahr
und direkte Bundessteuern von Fr. 12'000.– pro Jahr. Somit seien ihr für Steuern
mindestens Fr. 3'000.– pro Monat im Bedarf einzusetzen (Urk. 157 S. 29 f.). Im
Rahmen ihrer Eingaben vom 6. und 7. Juni 2016 korrigierte die Gesuchstellerin
das geltend gemachte steuerbare Einkommen auf Fr. 150'000.– bzw. die Steuer-
last auf Fr. 2'000.– pro Monat (Urk. 273, Urk. 274/1-2 und Urk. 275).
5.21.2. Die Vorinstanz ging zur Berechnung der Steuerbelastung der Gesuchstel-
lerin gestützt auf die ihr zuzusprechenden Unterhaltsbeiträge von jährlichen Ein-
nahmen von Fr. 105'000.– aus und berechnete mithilfe des Steuerrechners der
eidgenössischen Steuerverwaltung eine Steuerbelastung der Gesuchstellerin für
Kantons- und Gemeindesteuern sowie für die direkte Bundessteuer von
Fr. 6'500.– pro Jahr. Daraus resultiere eine monatliche Steuerbelastung in der
Höhe von gerundet Fr. 550.– (Urk. 158 S. 56 f.).
5.21.3. Der Gesuchgegner erachtet die Berechnungen der Vorinstanz als korrekt.
Die Behauptung der Gesuchstellerin, wonach sie zusätzlich den Eigenmietwert
der Liegenschaft zu versteuern habe, sei falsch. Die Überlassung einer Liegen-
schaft an den getrenntlebenden Ehegatten stelle weiterhin eine Eigennutzung
durch den überlassenden Ehegatten dar, weshalb der Eigentümer den Eigen-
mietwert in seiner Steuererklärung angeben müsse. Im Vermögen sei die Liegen-
schaft ebenfalls durch den Eigentümer zu versteuern (Urk. 169 S. 60).
5.21.4. Der Steuerbetrag ist aufgrund der Natur des summarischen Verfahrens
nicht mathematisch exakt zu berechnen, sondern durch das Gericht abzuschät-
zen (Six, a.a.O., N 2.168). Wird aufgrund eines Eheschutzverfahrens eine Lie-
genschaft oder Wohnung, die im Alleineigentum eines Ehegatten steht, dem an-
deren Ehegatten zugewiesen, so hat dies eine alimentenähnliche Funktion und ist
steuerrechtlich als Unterhaltsbeitrag aufzurechnen, wobei in der Regel auf den
Eigenmietwert abgestellt wird (Six, a.a.O., N 2.170b; Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, § 21 N 58 und § 23 N 63). Vorlie-
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gend gehen die Parteien darin einig, dass der Eigenmietwert der ehelichen Lie-
genschaft rund Fr. 40'000.– beträgt (Urk. 157 S. 30; Urk. 169 S. 60). Dieser ist
zum steuerbaren Einkommen der Gesuchstellerin hinzuzurechnen. Das Einkom-
men der Gesuchstellerin berechnet sich basierend auf den Unterhaltszahlungen
des Gesuchsgegners im Umfang von monatlich rund Fr. 10'000.–, mithin rund
Fr. 120'000.– im Jahr. Hinzuzurechnen sind der Eigenmietwert der Liegenschaft
im Umfang von Fr. 40'000.–, das Erwerbseinkommen der Gesuchstellerin von
Fr. 3'480.– (12 x Fr. 290.–) sowie die Familienzulagen von Fr. 5'400.– (12 x
Fr. 450.–). Dies ergibt ein Einkommen der Gesuchstellerin von insgesamt rund
Fr. 170'000.–. Unter Berücksichtigung sämtlicher Abzüge im Umfang von rund
Fr. 25'000.– (vgl. Urk. 274/1 S. 3) ergibt sich ein steuerbares Einkommen von ca.
Fr. 145'000.–, weshalb für die Steuerberechnung auf diesen Betrag abzustellen
ist. Darauf entfallen Staats- und Gemeindesteuern von Fr. 16'400.– pro Jahr und
direkte Bundessteuern von Fr. 4'910.– pro Jahr (https://www.steueramt.zh.ch/in-
ternet/finanzdirektion/ksta/de/steuerberechnung.html), so dass der Gesuchstelle-
rin für Steuern ein monatlicher Betrag von Fr. 1'775.– im Bedarf einzusetzen ist.
5.22. Kosten begleitete Besuchswochenenden
5.22.1. Mit Stellungnahme zur Berufungsantwort vom 19. Oktober 2015 machte
die Gesuchstellerin neu als Bedarfsposition zusätzlich die Kosten für das begleite-
te Besuchsrecht des Gesuchsgegners gegenüber D._ geltend. Gemäss Be-
schluss vom 7. Juli 2015 habe das Berufungsgericht ein begleitetes Besuchsrecht
des Gesuchsgegners gegenüber D._ angeordnet und die Kosten dafür den
Parteien je zur Hälfte auferlegt. Wie dem Beschluss der Sozialbehörde F._
vom 29. September 2015 zu entnehmen sei, koste das begleitete Besuchsrecht
Fr. 1'814.75 pro Besuchswochenende, was bedeute dass auf jeden Elternteil bei
zwei Besuchswochenenden pro Monat Fr. 1'814.75 entfallen würden, nämlich
zweimal Fr. 907.38. Sie sei nicht in der Lage, diese erheblichen zusätzlichen Kos-
ten aus dem ihr zugesprochenen Unterhalt oder ihren Ersparnissen zu bezahlen
(Urk. 205 S. 20 f.).
5.22.2. Zutreffend ist, dass die Kosten für das mit Beschluss vom 7. Juli 2015 an-
geordnete begleitete Besuchsrecht beiden Parteien zur Hälfte auferlegt wurden
- 96 -
(Urk. 196 S. 27 Dispositiv-Ziffer 3). Dagegen hatte die Gesuchstellerin innert Frist
kein Rechtsmittel ergriffen. Mit Eingabe vom 19. Oktober 2015 reichte sie einen
Protokollauszug der Sozialbehörde F._ vom 1. Oktober 2015 ins Recht, wo-
nach für 12 begleitete Besuche ein Kostendach von Fr. 21'777.– bewilligt worden
war (Urk. 207/30). Eine Endabrechnung betreffend die tatsächlich angefallenen
Kosten liegt nicht im Recht. Wie ausgeführt (vgl. vorstehend E.III.B.5.) hat kaum
einer der mit Beschluss vom 7. Juli 2015 vorgesehenen begleiteten Besuchskon-
takte durchgeführt werden können. Aufgrund erheblicher Schwierigkeiten bei der
Umsetzung der begleiteten Besuche, deren unregelmässigen Stattfindens und
des vorzeitigen Abbruchs des begleiteten Besuchsrechts durch den damaligen
Besuchsrechtsbegleiter U._ muss davon ausgegangen werden, dass sich die
Kosten für das begleitete Besuchsrecht letztlich auf weit weniger als die ursprüng-
lich veranschlagten Fr. 21'777.– beliefen. Damit war es der Gesuchstellerin ohne
Weiteres möglich, den auf sie entfallenden Anteil aus ihrem Vermögen zu beglei-
chen (vgl. Urk. 274/1). Im Übrigen ist es sachlich begründet, dass die Parteien an-
fallende Kosten für das begleitete Besuchsrecht je hälftig tragen (vgl. vorstehend
E. III.C.8.). Entsprechend kann es nicht angehen, dass über eine Berücksichti-
gung des Kostenanteils der Gesuchstellerin in deren Bedarf letztlich eine Umver-
lagerung des Kostenanteils der Gesuchstellerin auf den Gesuchsgegner stattfin-
det, so dass dieser am Ende die Kosten des begleiteten Besuchsrechts faktisch
alleine zu tragen hat.
5.23 Zusammenfassung Bedarf Gesuchstellerin
Gemäss den vorstehenden Erwägungen ergeben sich folgende Veränderungen
im Bedarf der Gesuchstellerin im Vergleich zum erstinstanzlichen Urteil:
01.12.2013 - 31.03.2014
01.04.2014 - 31.07.2014
01.08.2014 - 31.01.2015
ab 01.02.2015
Grundbetrag 1'350.– 1'350.– 1'350.– 1'350.–
Kinderzuschlag C._, geb. tt.mm.2002
600.– 600.– 600.– 600.–
Kinderzuschlag D._, geb. tt.mm.2008
400.– 400.– 400.– 400.–
Nebenkosten (kleiner ) und Elektrizität
240.– 240.– 240.– 240.–
- 97 -
01.12.2013 - 31.03.2014
01.04.2014 - 31.07.2014
01.08.2014 - 31.01.2015
ab 01.02.2015
Krankenkasse Gesuchstellerin
325.– 325.– 325.– 325.–
Gesundheitskosten 50.– 50.– 50.– 50.–
Unfall Zusatzversicherung 16.– 16.– 16.– 16.–
Krankenkasse Kinder 231.– 231.– 231.– 231.–
Gesundheitskosten C._
91.– 91.– 91.– 91.–
Gesundheitskosten D._
8.– 8.– 8.– 8.–
Medikamente C._ 174.– 174.– 174.– 174.–
Bioresonanz C._ 360.– 360.– 360.– 360.–
Dentalhygiene 30.– 30.– 30.– 30.–
Linsen 94.– 94.– 94.– 94.–
Hausrat- / 
109.– 109.– 109.– 109.–
Auto / Fahrspesen 400.– 400.– 400.– 400.–
Auswärtige Verpflegung 330.– 330.– 330.– 330.–
Telefon / Radio / TV / 
250.– 250.– 250.– 250.–
Billag 39.– 39.– 39.– 39.–
Kleider 800.– 800.– 800.– 800.–
Ferien 1'500.– 1'500.– 1'500.– 1'500.–
Musikschule C._ 137.– 137.– 137.– 137.–
Nachhilfe C._ 485.– 0.– 0.– 160.–
Schulkosten C._ 0.– 0.– 145.– 145.–
Tenniskosten Kinder 71.– 71.– 71.– 71.–
Taschengeld Kinder 150.– 150.– 150.– 150.–
Golf 68.– 68.– 68.– 68.–
Haustiere 350.– 350.– 350.– 350.–
Steuern 1'775.– 1'775.– 1'775.– 1'775.–
Total Bedarf (gerundet) 10'430.– 9'950.– 10'090.– 10'250.–
6. Berechnung der Ehegattenunterhaltsbeiträge
6.1. Damit sind für die Berechnung des Unterhaltsbeitrags der Gesuchstellerin
und der Kinder die folgenden Phasen zu bilden:
- 98 -
1. Dezember 2013 bis 31. März 2014
Einkommen der Gesuchstellerin Fr. 290.–
Bedarf der Gesuchstellerin Fr. 10'430.–
Unterhaltsbeitrag Total Fr. 10'140.–
1. April 2014 bis 31. Juli 2014
Einkommen der Gesuchstellerin Fr. 0.–
Bedarf der Gesuchstellerin Fr. 9'950.–
Unterhaltsbeitrag Total Fr. 9'950.–
1. August 2014 bis 31. Januar 2015
Einkommen der Gesuchstellerin Fr. 0.–
Bedarf der Gesuchstellerin Fr. 10'090.–
Unterhaltsbeitrag Total Fr. 10'090.–
1. Februar 2015 bis 30. April 2015
Einkommen der Gesuchstellerin Fr. 0.–
Bedarf der Gesuchstellerin Fr. 10'250.–
Unterhaltsbeitrag Total Fr. 10'250.–
ab 1. Mai 2015
Einkommen der Gesuchstellerin Fr. 290.–
Bedarf der Gesuchstellerin Fr. 10'250.–
Unterhaltsbeitrag Total Fr. 9'960.–
- 99 -
6.2. Unter Berücksichtigung der von der Vorinstanz festgelegten, rechtskräfti-
gen Kinderunterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 1'800.– pro Kind (Urk. 158 S. 76
Dispositiv-Ziffer 6) ergeben sich für die Gesuchstellerin persönlich folgende Un-
terhaltsbeiträge:
- Fr. 6'540.– ab 1. Dezember 2013 bis 31. März 2014;
- Fr. 6'350.– ab 1. April 2014 bis 31. Juli 2014;
- Fr. 6'490.– ab 1. August 2014 bis 31. Januar 2015;
- Fr. 6'650.– ab 1. Februar 2015 bis 30. April 2015
- Fr. 6'360.– ab 1. Mai 2015 für die weitere Dauer des Getrenntlebens.
IV.
1. Gutachterkosten
1.1. Die Gutachterkosten als Kosten der Beweisführung sind Teil der Gerichts-
kosten (Art. 95 Abs. 2 lit. c ZPO). Am 20. Februar 2017 reichte das FORI.. für die
Gutachterin (vgl. Urk. 352) die Schlussrechnung über ein Total von Fr. 20'472.15
(inkl. MwSt., Urk. 346) ins Recht. Diese wurde den Parteien mit Verfügung vom
24. März 2017 zur freigestellten Stellungnahme zugestellt (Urk. 350).
1.2. Während der Gesuchsgegner die Gutachterkosten nicht beanstandet hat
(Urk. 357), hält die Gesuchstellerin in der Stellungnahme vom 8. Mai 2017 fest,
die Rechtsprechung gehe mehrheitlich davon aus, dass im Auftragsrecht das Ho-
norar nur bei korrekter und sorgfaltsgemässer Auftragsführung geschuldet sei.
Vor diesem Hintergrund bestreite sie jeden Honoraranspruch des FORIO. Im
Konkreten macht die Gesuchstellerin geltend, die Schlussrechnung des FORIO
stimme nicht mit der Zwischenrechnung vom 22. November 2016 überein. Insbe-
sondere beginne die Rechnungsstellung des FORIO bereits vor der Auftragsertei-
lung. In der Schlussrechnung würden sodann andere Positionen als in der Zwi-
schenrechnung verwendet. So erscheine die Position "Dossierbetreuung" vom
30. September 2016 aus der Zwischenrechnung in der Schlussrechnung nicht
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mehr. In der Schlussrechnung würden weiter unter dem Datum vom 7. Dezember
2016 und vom 19. Dezember 2016 zweimal Untersuchungskontakte verrechnet,
obwohl gemäss Gutachten Seite 10 an diesen Tagen kein Untersuchungskontakt,
sondern ein Besuchskontakt stattgefunden habe. In der Endrechnung fehlten
ausserdem gegenüber der Zwischenrechnung in der Rubrik "Verfassen" insge-
samt 8 Stunden (Urk. 360 S. 28).
1.3. Soweit die Gesuchstellerin Abweichungen der Schlussrechnung von der
Zwischenrechnung rügt, handelt es sich um Abweichungen zugunsten der Par-
teien. Offensichtlich wurden durch das FORIO – wohl um das Kostendach einzu-
halten – in der Schlussrechnung nicht alle Aufwendungen in Rechnung gestellt,
die tatsächlich angefallen sind. Diesbezüglich sind die Parteien also nicht be-
schwert. Auch der Einwand der Gesuchstellerin, dass die Rechnungsstellung vor
der Auftragserteilung beginne, geht fehl. Dabei geht es um eine halbe Stunde
Aufwand, die vom FORIO unterm 7. Juni 2016 in Rechnung gestellt wurde. Dieser
Aufwand lässt sich ohne Weiteres damit erklären, dass die erkennende Kammer
beim FORIO vorgängig angefragt hat, ob einer ihrer Gutachter resp. eine ihrer
Gutachterinnen zur Übernahme eines entsprechenden Gutachtensauftrags in der
Lage sei, was der voraussichtliche Zeithorizont für die Erstellung des Gutachtens
sei etc. Dass das FORIO auch diesen Aufwand betreffend die Vorabklärungen in
Rechnung stellte, ist nicht zu beanstanden. Betreffend die Frage der Verwertbar-
keit des Gutachtens kann auf die vorstehenden Erwägungen (vgl. vorstehend E.
III.A.) verwiesen werden. Entsprechend besteht insoweit kein Raum für eine Re-
duktion des Honoraranspruchs. Soweit die Gesuchstellerin zudem moniert, das
Kostendach sei von ursprünglich Fr. 15'000.– (inkl. MwSt., vgl. Urk. 291 S. 9) nur
deshalb auf Fr. 20'500.– (inkl. MwSt., vgl. Urk. 328) erhöht worden, weil sich nach
dem Weggang der Gutachterin J._ beim FORIO neue Fachpersonen hätten
in den Gutachterstoff einarbeiten müssen (Urk. 360 S. 5), verkennt sie, dass das
Kostendach einzig deshalb erhöht wurde, weil im Sinne eines zusätzlichen Auf-
trags gemäss Beschluss vom 1. November 2016 (Urk. 305) versucht wurde, im
Rahmen von vier im FORIO durchzuführenden begleiteten Besuchstreffen den
Kontakt zwischen dem Gesuchsgegner und D._ wiederherzustellen. Die
Einwände der Gesuchstellerin gegen die Schlussrechnung des FORIO vom
- 101 -
20. Februar 2017 sind somit haltlos. Die Aufwendungen des FORIO gemäss
Rechnung vom 20. Februar 2017 bewegen sich im Rahmen des vorgesehenen
Kostendachs und die Gutachterin bzw. das FORIO (vgl. Urk. 352) ist mit
Fr. 20'472.15 aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
2. Kosten der Kindsvertreterin
Auch die Kosten für den Aufwand der Kindsvertreterin gehören zu den Gerichts-
kosten (Art. 95 Abs. 2 lit. e ZPO). Rechtsgrundlage für die Festsetzung der Ent-
schädigung der durch einen Anwalt oder eine Anwältin wahrgenommenen Kinds-
vertretung ist im Kanton Zürich die Anwaltsgebührenverordnung (§ 1 AnwGebV,
BGE 142 III 153 E. 5.3.4.2.). Die Kindsvertreterin macht mit Schreiben vom
15. Mai 2017 für den Zeitraum bis und mit 15. Mai 2017 eine Entschädigung von
Fr. 11'217.90 geltend (Fr. 10'156.65 Honorar + Fr. 230.30 Spesen + Fr. 830.95
[8 % MwSt.]; Urk. 366 f.). Der geltend gemachte Stundenaufwand ist ausgewie-
sen und erscheint mit Blick auf den Umfang der Akten und die Komplexität des
Verfahrens, insbesondere die hochstrittigen Kinderbelange, als angemessen. Der
veranschlagte Stundenansatz von Fr. 220.– [Fr. 10'156.65 : 2770 x 60; vgl.
Urk. 367) wird den vorliegenden finanziellen Verhältnissen gerecht und bewegt
sich im Rahmen der Anwaltsgebührenverordnung (vgl. § 3 Abs. 1 AnwGebV). Zu
vergüten sind ausserdem die Barauslagen (§ 1 Abs. 2 und § 22 Abs. 1 AnwGebV)
sowie die Mehrwertsteuer. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Kindsvertreterin
nur Aufwendungen bis und mit 15. Mai 2017 in Rechnung gestellt hat. Nach dem
15. Mai 2017 reichte die Kindsvertreterin keine Eingaben mehr ins Recht. Trotz-
dem rechtfertigt es sich, ihr insbesondere für Aktenstudium (Eingaben der Partei-
en vom 23. Mai 2017 und 19. Juni 2017, Urk. 370 und 373, sowie die Verfügun-
gen vom 26. Mai 2017 und 17. Juli 2017, Urk. 371 und 380, und Studium und
Weiterleitung des heutigen Endentscheids) einen Zeitaufwand von zusätzlich drei
bis vier Stunden anzurechnen. Mithin ist die Kindsvertreterin damit für einen Zeit-
aufwand von total 50 Stunden zu entschädigen, was einer Entschädigung von
insgesamt Fr. 12'128.70 (Fr. 11'000.– Honorar [50 Std. x Fr. 220.–] + Fr. 230.30
Spesen + Fr. 898.40 [8 % MwSt.]; Urk. 366 f.) entspricht. Dabei gilt es zu berück-
sichtigen, dass die Kindsvertreterin mit Beschluss vom 22. Mai 2017 bereits eine
- 102 -
Akontozahlung von Fr. 7'500.– aus der Gerichtskasse erhalten hat (Urk. 369).
3. Gerichtsgebühr
Angesicht des hohen prozessualen Aufwands, der umfangreichen Akten, der lan-
gen Verfahrensdauer mit zahlreichen, zum Teil unaufgeforderten Parteieingaben
sowie des Umstands, dass im vorliegenden Fall komplexe, hochstrittige Kinderbe-
lange zu beurteilen waren, erweist sich eine Gerichtsgebühr von Fr. 12'000.– als
angemessen (§ 5, 6 Abs. 2, 8 Abs. 1 und 12 Abs. 1 und 2 GebV OG). Damit be-
laufen sich die Gerichtskosten insgesamt auf Fr. 44'600.85 (Fr. 12'000.– +
Fr. 12'128.70 + Fr. 20'472.15).
4. Verteilung der Gerichtkosten
4.1. Umstritten waren im vorliegenden Berufungsverfahren die Umteilung der
Obhut für die beiden Kinder, das Besuchsrecht und die Ehegattenunterhaltsbei-
träge.
4.2. Nach ständiger Praxis sind die Kosten des Verfahrens mit Bezug auf die
Kinderbelange unabhängig vom Ausgang des Verfahrens den Parteien je hälftig
aufzuerlegen, wenn die Parteien unter dem Gesichtspunkt des Kindesinteresses
gute Gründe zur Antragsstellung hatten. Vorliegend besteht keine Veranlassung,
von dieser Praxis abzuweichen, so dass die Verfahrenskosten bezüglich der Kin-
derbelange, das heisst die Gutachterkosten sowie die Kosten der Kindsvertrete-
rin, den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen sind. Mit Bezug auf die Ehegattenun-
terhaltsbeiträge beantragte die Gesuchsgegnerin mit der Berufung die Erhöhung
der von der Vorinstanz festgesetzten Unterhaltsbeiträge ab 1. Dezember 2013 auf
Fr. 14'500.– pro Monat. Der Gesuchsgegner hingegen beantragte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Entscheides (Urk. 169 S. 63). Ausgehend von einer Gültig-
keitsdauer der vorliegenden Eheschutzmassnahmen von fünf Jahren ab Aufnah-
me des Getrenntlebens verlangt die Gesuchsgegnerin damit die Festsetzung ei-
nes Unterhaltsanspruchs von insgesamt Fr. 870'000.– (60 x Fr. 14'500.–). Der
Gesuchsteller verlangt die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids, mithin
Ehegattenunterhaltsbeiträge von insgesamt Fr. 269'050.– (4 x Fr. 4'874.– + 13 x
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Fr. 4'679.– + 43 x Fr. 4'389.–). Im Ergebnis beträgt die Unterhaltspflicht des Ge-
suchstellers über eine mutmassliche Gültigkeitsdauer der vorliegenden Ehe-
schutzmassnahmen von fünf Jahren insgesamt Fr. 383'930.– (4 x Fr. 6'540.– + 4
x Fr. 6'350.– + 6 x Fr. 6'490.– + 3 x Fr. 6'650.– + 43 x Fr. 6'360.–). Damit obsiegt
der Gesuchsgegner mit Bezug auf die Unterhaltsfrage unter Berücksichtigung des
von ihm direkt zu bezahlenden Hypothekarzinses zu rund 70 %.
4.3. Gesamthaft betrachtet obsiegt damit der Gesuchsgegner im Berufungsver-
fahren zu 60 %. Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr des Berufungsverfah-
rens der Gesuchstellerin im Umfang von 60 % und dem Gesuchsgegner im Um-
fang von 40 % aufzuerlegen. Die übrigen Kosten (Gutachterkosten, Kosten
Kindsvertreterin) sind den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen.
5. Parteientschädigung
Gemäss Art. 105 Abs. 2 ZPO spricht das Gericht nach den Tarifen im Sinne von
Art. 96 ZPO eine Parteientschädigung zu und verlegt diese ebenfalls in Anwen-
dung von Art. 106 Abs. 1 ZPO. Die für die Festsetzung der Parteientschädigung
massgeblichen Bestimmungen finden sich in der Verordnung über die Anwaltsge-
bühren vom 8. September 2010 (AnwGebV). Die Parteientschädigung ist in An-
wendung von § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 3, § 11 Abs. 2 und § 13 Abs. 1 und 2 der Anw-
GebV auf Fr. 14'000.– festzusetzen. In Anbetracht des Verfahrensausgangs ist
die Gesuchstellerin damit zu verpflichten, dem Gesuchsgegner eine reduzierte
Parteientschädigung von 20 %, demnach in der Höhe von Fr. 2'800.– zzgl.
Fr. 224.– (8 % MwSt., Urk. 169 S. 3), zu bezahlen.
V.
Da Oberrichterin Dr. M. Schaffitz per 30. Juni 2017 von ihrem Amt zurückgetreten
ist, wirkt neu Oberrichterin Dr. S. Janssen in der Gerichtsbesetzung mit.
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