Decision ID: 02419a68-4f82-4d28-8fbc-67d3aae86c58
Year: 2019
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_010
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Handelsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die Klägerin ist eine Genossenschaft mit Sitz in Y. Sie bezweckt die Wah-
rung der Rechte der Urheber, Urheberinnen, Verlage und anderer Rechts-
inhaber bzw. Rechtsinhaberinnen von literarischen und dramatischen Wer-
ken sowie von Werken der bildenden Kunst und der Photographie, soweit
ihr diese Rechte vertraglich zur kollektiven Wahrnehmung anvertraut wer-
den.
Gemäss Bewilligung des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum
(nachfolgend: "IGE") ist die Klägerin berechtigt, die Vergütungsansprüche
gemäss dem Urheberrechtsgesetz für die Jahre 2013 bis 2022 geltend zu
machen (Klagebeilage [KB] 2).
2.
Die Beklagte ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in Z.
Sie bezweckt im Wesentlichen die Verwaltung und Vermittlung von Immo-
bilien sowie die Vermittlung der damit verbundenen Finanzierung (KB 3).
3.
Nachdem die Klägerin mangels Retournierung des Erhebungsbogens eine
Schätzung der Beklagten vorgenommen hatte und diese Schätzung von
der Beklagten nicht innert 30 Tagen beanstandet worden war (Klage Rz. 8),
stellte die Klägerin der Beklagten folgende Beträge in Rechnung (KB 4):
 Rechnung Nr. 18844944 vom 7. Januar 2014: Fr. 164.00 (nicht Ge-
genstand der vorliegenden Klage);
 Rechnung Nr. 20732383 vom 7. Januar 2014: Fr. 133.25;
 Rechnung Nr. 19168389 vom 7. April 2017: Fr. 26.15;
 Rechnung Nr. 20997347 vom 7. April 2017: Fr. 21.55.
4.
Mit Schreiben vom 28. September 2018 mahnte die Klägerin die ausste-
henden Forderungen von insgesamt Fr. 344.95 und forderte die Beklagte
auf, den offenen Betrag bis spätestens am 8. Oktober 2018 zu überweisen
(KB 6). Ein Teilbetrag von Fr. 164.00 war zum Zeitpunkt der Klageeinrei-
chung laut den unbestrittenen Ausführungen der Klägerin nicht mehr offen
(Klage Rz. 10, Übersicht der offenen Rechnungen).
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5.
Mit Klage vom 6. Dezember 2018 (gleichentags elektronisch übermittelt)
stellte die Klägerin die folgenden Rechtsbegehren:
" 1. Die beklagte Partei sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 133.25 gemäss den Forderungen aus dem Jahre 2014 zu bezahlen, zzgl. Zins seit 09.10.2018.
2. Die beklagte Partei sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 47.70 gemäss den Forderungen aus dem Jahre 2017 zu bezahlen, zzgl. Zins seit 09.10.2018.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zu Lasten der beklagten Partei."
Zur Begründung führte die Klägerin im Wesentlichen aus, es handle sich
um Ansprüche aus unbezahlten Forderungen basierend auf der urheber-
rechtlichen Vergütungspflicht der Beklagten, die auf den Gemeinsamen Ta-
rifen 8 VI bzw. VII (Reprografie im Dienstleistungsbereich) und den Ge-
meinsamen Tarifen 9 VI bzw. VII (Nutzung von geschützten Werken und
geschützten Leistungen in elektronischer Form zum Eigengebrauch mittels
betriebsinternen Netzwerken im Dienstleistungsbereich) beruhen (vgl.
KB 5).
6.
Nachdem die Klägerin den Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 919.00 be-
zahlt hatte, stellte der Präsident des Handelsgerichts der Beklagten das
Doppel der Klage inklusive Beilagen mit Verfügung vom 4. Januar 2019 zu
und setzte ihr eine Frist an zur Erstattung einer schriftlichen Antwort bis
zum 6. Februar 2019.
7.
Die Beklagte erstattete innert der angesetzten Frist keine Antwort. Daher
setzte ihr der Präsident des Handelsgerichts mit Verfügung vom 11. Feb-
ruar 2019 zur Erstattung einer schriftlichen Antwort eine letzte, nicht erst-
reckbare Frist von 10 Tagen an. Damit war die Androhung verbunden, dass
das Gericht bei erneuter Säumnis einen Endentscheid fälle, sofern die An-
gelegenheit spruchreif sei, oder zur Hauptverhandlung vorlade (vgl.
Art. 223 ZPO). Die Beklagte blieb auch innert der angesetzten Nachfrist mit
der Antwort säumig.
8.
Mit Verfügung vom 7. März 2019 wurde die Streitsache an das Handelsge-
richt überwiesen.
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Das Handelsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Gericht prüft die Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen (Art. 60
ZPO). Darunter fallen insbesondere die örtliche und die sachliche Zustän-
digkeit des angerufenen Gerichts.
1.1. Örtliche Zuständigkeit
Gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b ZPO ist für die Beurteilung von Klagen gegen
eine juristische Person das Gericht an deren Sitz zuständig, sofern das Ge-
setz nichts anderes vorsieht. Der Sitz der Beklagten befindet sich in Z.
(KB 3). Die örtliche Zuständigkeit der aargauischen Gerichte ist somit ge-
geben.
1.2. Sachliche Zuständigkeit
Aus Art. 6 Abs. 4 lit. a ZPO i.V.m. Art. 5 Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 12 Abs. 1
lit. a EG ZPO ergibt sich die Zuständigkeit des Handelsgerichts für urhe-
berrechtliche Streitigkeiten. Folglich ist die sachliche Zuständigkeit des
Handelsgerichts gegeben. Da der Streitwert die für die Zulässigkeit der Be-
schwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht vorgeschriebene Höhe von
Fr. 30'000.00 nicht erreicht (vgl. Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG), entscheidet das
Handelsgericht in Dreierbesetzung (§ 3 Abs. 6 lit. b GOG).
2. Versäumte Klageantwort
Die Beklagte ist mit der Erstattung einer Klageantwort auch innert der ihr
gestützt auf Art. 223 Abs. 1 ZPO angesetzten Nachfrist säumig geblieben.
Bei zweimaliger Säumnis erlässt das Gericht entweder einen Endent-
scheid, sofern die Angelegenheit spruchreif ist, oder es lädt zur Hauptver-
handlung vor (Art. 223 Abs. 2 ZPO).
Die in der Klageschrift vorgebrachten Tatsachenbehauptungen sind vorlie-
gend (formell) unbestritten geblieben. Anerkannt sind damit die Tatsachen,
nicht aber die klägerischen Rechtsbegehren. Bei erheblichen Zweifeln an
der Richtigkeit einer nicht streitigen Tatsache, d.h. bei fehlender Spruch-
reife, kann das Gericht nach Art. 153 Abs. 2 ZPO von Amtes wegen Beweis
erheben. Diesfalls hat es in der Regel eine Verhandlung anzusetzen.
Ist die Angelegenheit hingegen spruchreif, trifft das Gericht direkt einen En-
dentscheid. Hierzu muss die Klage soweit geklärt sein, dass darauf man-
gels Prozessvoraussetzungen nicht eingetreten oder sie durch Sachurteil
erledigt werden kann. Dies setzt voraus, dass die Vorbringen der Klägerin
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nicht unklar, widersprüchlich, unbestimmt oder offensichtlich unvollständig
sind, weil das Gericht andernfalls seine Fragepflicht ausüben müsste.1
3. Aktiv- und Passivlegitimation
3.1.
Die Klägerin behauptet, sie sei eine konzessionierte Verwertungsgesell-
schaft im Sinne von Art. 40 ff. URG, besitze eine Bewilligung des IGE für
die Geltendmachung der gesetzlichen Vergütungsansprüche und sei somit
aktivlegitimiert (KB 2, Klage Rz. 2). Die Beklagte sei gestützt auf Art. 19 f.
URG verpflichtet, für ihre urheberrechtlichen Nutzungen eine Vergütung zu
bezahlen. Sie sei trotz wiederholter Mahnungen ihrer Zahlungspflicht nicht
nachgekommen und deshalb hinsichtlich der eingeklagten Forderungen
passivlegitimiert (Klage Rz. 3)
3.2.
Gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c URG dürfen veröffentlichte Werke zum Eigen-
gebrauch verwendet werden. Darunter fällt das Vervielfältigen (inkl. die in-
terne Verbreitung und das Zugänglichmachen über ein betriebsinternes
Netzwerk) von Werkexemplaren in Betrieben, öffentlichen Verwaltungen,
Instituten, Kommissionen und ähnlichen Einrichtungen für die interne Infor-
mation oder Dokumentation. Der Betriebsbegriff ist weit auszulegen. Eine
Rechtspersönlichkeit oder Betriebsstätte ist dazu nicht notwendig.2 Erfasst
wird somit die gesamte Berufs- und Arbeitswelt, egal ob öffentlich oder pri-
vat, von den Selbstständigerwerbenden über Beamte, Verbände, Interes-
senorganisationen bis zu den internationalen Konzernen.3 Weiter bestimmt
Art. 20 Abs. 2 URG, dass dem Urheber oder der Urheberin hierfür eine Ver-
gütung schuldet, wer nach Art. 19 Abs. 1 lit. c URG Werke auf irgendwelche
Art vervielfältigt. Gemäss Art. 20 Abs. 4 URG können diese Vergütungsan-
sprüche nur kollektiv von Verwertungsgesellschaften wahrgenommen wer-
den, die über eine Bewilligung im Sinne von Art. 40 ff. URG des IGE verfü-
gen. Die Verwertungsgesellschaften sind nach Art. 44 URG verpflichtet, die
zu ihrem Tätigkeitsgebiet gehörenden Rechte wahrzunehmen. Dazu stel-
len die Verwertungsgesellschaften für die von ihnen geforderten Vergütun-
gen gemäss Art. 46 Abs. 1 URG Tarife auf. Sind mehrere Verwertungsge-
sellschaften im gleichen Nutzungsbereich tätig, so stellen sie sog. gemein-
same Tarife (GT) auf und bezeichnen eine gemeinsame Zahlstelle (Art. 47
Abs. 1 URG). Gemäss Art. 46 Abs. 3 URG sind die Tarife der Eidgenössi-
schen Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und ver-
1 Zum Ganzen: LEUENBERGER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Kommentar zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), 3. Aufl. 2016, Art. 223 N. 5 und 7; BSK ZPO-, 3. Aufl. 2017, Art. 223 N. 18 ff.
2 SHK URG-GASSER, 2. Aufl. 2012, Art. 19 N. 19, 21; REHBINDER/VIGANÒ, URG Kommentar, 3. Aufl. 2008, Art. 19 N. 26.
3 BARRELET/EGLOFF, Das neue Urheberrecht, Kommentar zum Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte, 3. Aufl. 2008, Art. 19 N. 16.
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wandten Schutzrechten (ESchK) im Sinne von Art. 55 URG zur Genehmi-
gung vorzulegen und nach Genehmigung zu veröffentlichen. Im Dienstleis-
tungsbereich wurden dazu die GT 8 VI (Gültigkeitsdauer: 1. Januar 2012
bis 31. Dezember 2016) bzw. 8 VII (Gültigkeitsdauer: 1. Januar 2017 bis
31. Dezember 2021) für die Reprografie und die GT 9 VI (Gültigkeitsdauer:
1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2016) bzw. 9 VII (Gültigkeitsdauer: 1. Ja-
nuar 2017 bis 31. Dezember 2021) für die betriebsinternen Netzwerke
rechtskräftig aufgestellt.4
3.3.
Die Klägerin ist eine vom IGE bewilligte Verwertungsgesellschaft im Sinne
von Art. 40 ff. URG (KB 2). Laut Ziff. 4 GT 8 VII und Ziff. 3 GT 9 VI und VII
ist die Klägerin Vertreterin des jeweiligen Tarifs und gemeinsame Zahlstelle
der Verwertungsgesellschaften (vgl. KB 5). Folglich kommen ihr das Recht
und die Pflicht zu, die Rechte der Urheberinnen und Urheber und damit
deren Vergütungsansprüche einzufordern und nötigenfalls durchzusetzen.
Die Klägerin ist somit aktivlegitimiert.
Die Beklagte ist eine Gesellschaft, welche die Verwaltung und Vermittlung
von Immobilien sowie die Vermittlung der damit verbundenen Finanzierung
bezweckt (KB 3). Damit wird sie vom Betriebsbegriff des Art. 19 Abs. 1 lit.
c URG erfasst und schuldet dem Urheber oder der Urheberin nach Art. 20
Abs. 2 URG für die Vervielfältigung von Werkexemplaren grundsätzlich
eine Vergütung. Laut Zweckumschreibung ist die Beklagte im Dienstleis-
tungsbereich tätig. Gemäss Ziff. 2.1 GT 8 VII und Ziff. 1.2 GT 9 VI und VII
decken alle Tarife Immobilienverwaltungen und übrige Dienstleistungsun-
ternehmen als Nutzer ab (vgl. KB 5). Die Beklagte wird damit vom GT 8 VII
und von den GT 9 VI und VII erfasst und ist folglich passivlegitimiert.
4. Vergütungsanspruch
4.1.
Die Klägerin behauptet, sie habe die Fotokopiervergütung sowie die be-
triebsinterne Netzwerkvergütung der Beklagten gestützt auf Ziff. 6 ff. und
insbesondere Ziff. 8.3 GT 8 VI bzw. VII sowie Ziff. 8.3 GT 9 VI bzw. VII
eingeschätzt, weil diese das Erhebungsformular nicht ausgefüllt zurückge-
sandt habe. Die Beklagte habe diese Einschätzung nicht beanstandet, wes-
halb sie als anerkannt gelte (Klage Rz. 8). Nachdem die Beklagte die offe-
nen Rechnungsbeträge trotz mehrmaliger Aufforderung nicht beglichen
habe, habe sie die Klägerin nochmals gemahnt. Wiederum habe die Be-
klagte keine Zahlung geleistet (KB 6; Klage Rz. 9). Auch auf eine weitere
schriftliche und mündliche Zahlungsaufforderung durch die Rechtsvertreter
der Klägerin sei keine Reaktion erfolgt. Insgesamt belaufe sich der offene
Rechnungsbetrag auf Fr. 180.95 (KB 4; Klage Rz. 10).
4 Vgl. dazu auch SHK URG-GASSER (Fn. 2), Art. 20 N. 11.
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4.2.
Der in Art. 20 Abs. 2 URG statuierte Vergütungsanspruch der Urheberinnen
und Urheber wird mittels der GT 8 VI (Gültigkeitsdauer: 1. Januar 2012 bis
31. Dezember 2016) bzw. 8 VII (Gültigkeitsdauer: 1. Januar 2017 bis
31. Dezember 2021) und der GT 9 VI (Gültigkeitsdauer: 1. Januar 2012 bis
31. Dezember 2016) bzw. 9 VII (Gültigkeitsdauer: 1. Januar 2017 bis
31. Dezember 2021) konkretisiert. Die Tarife sind für die Gerichte grund-
sätzlich verbindlich.5
Art. 51 Abs. 1 URG sowie Ziff. 8.4 GT 8 VI bzw. VII und Ziff. 8.4 GT 9 VI
bzw. VII sehen eine Auskunftspflicht der Nutzer gegenüber den Verwer-
tungsgesellschaften vor. Die Nutzer müssen demnach den Verwertungs-
gesellschaften alle Auskünfte erteilen, welche diese für die Gestaltung und
die Anwendung der Tarife benötigen, soweit es ihnen zuzumuten ist. Ziff.
8.2 GT 8 VI bzw. VII und Ziff. 8.2 GT 9 VI bzw. VII sehen dazu vor, dass
die benötigten Angaben mittels Erhebungsbogen erfasst werden. Dieser
muss innert 30 Tagen nach Aufforderung mit den notwendigen Angaben
an die Klägerin retourniert werden.
Werden die notwendigen Angaben nach einer schriftlichen Mahnung auch
innert Nachfrist nicht eingereicht, kann die Klägerin die Angaben schätzen
und gestützt darauf Rechnung stellen (inkl. Zuschlag von 10% der geschul-
deten Vergütung, mindestens Fr. 100.00, für den zusätzlichen Verwal-
tungsaufwand; Ziff. 8.3 GT 8 VI bzw. VII und Ziff. 8.3 GT 9 VI bzw. VII). Gibt
der Nutzer die für die Berechnung notwendigen Angaben innerhalb von 30
Tagen nach Zustellung der Schätzung nicht schriftlich bekannt, gilt die
Schätzung als anerkannt.
4.3.
Die klägerische Behauptung, die Einschätzung der Beklagten sei aufgrund
des fehlenden Eingangs des Erhebungsformulars erfolgt, blieb unbestrit-
ten. Weil die Beklagte ihrer Auskunftspflicht nicht nachkam, war die Kläge-
rin berechtigt, die Beklagte einzuschätzen und gestützt auf Ziff. 8.3 GT 9 VI
einen Zuschlag von Fr. 100.00 zu verlangen.
Die Rechnungen der Klägerin (KB 4) wurden von der Beklagten nicht be-
stritten. Die Klägerin stützt die geltend gemachten Vergütungsansprüche
auf Ziff. 6.4.27 GT 8 VII und Ziff. 6.3.26 und 8.3 GT 9 VI sowie Ziff. 6.4.27
GT 9 VII ab (KB 4). Dabei handelt es sich um den Ansatz für "Übrige
Dienstleistungsunternehmen". Da dieser Ansatz tiefer oder zumindest
gleich hoch ist wie jener für "Immobilienverwaltungen" (vgl. Ziff. 6.4.3
GT 8 VII, Ziff. 6.3.3 GT 9 VI und Ziff. 6.4.3 GT 9 VII) und der Klägerin nicht
mehr und nichts anderes zugesprochen werden darf als sie verlangt, ist auf
die Ansätze gemäss Ziff. 6.4.27 GT 8 VII, Ziff. 6.3.26 und 8.3 GT 9 VI sowie
5 BGE 125 III 141 E. 4a; BGer 4A_203/2015 vom 30. Juni 2015 E. 3.3.
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Ziff. 6.4.27 GT 9 VII ("Übrige Dienstleistungsunternehmen") abzustellen.
Gestützt darauf sind die Berechnungen der Klägerin für ihre Forderungen
aus den Jahren 2014 und 2017 korrekt und der Klägerin ist der eingeklagte
Betrag von total Fr. 180.95 zuzusprechen.
5. Verzugszinsen
5.1.
Die Klägerin verlangt zudem Verzugszinsen von 5 % auf Fr. 180.95 seit
9. Oktober 2018.
5.2.
Der Schuldner hat Verzugszins von 5 % zu leisten, wenn er sich mit der
Zahlung einer Geldschuld in Verzug befindet (Art. 104 Abs. 1 OR). Schuld-
nerverzug setzt die Fälligkeit der Forderung voraus (Art. 102 Abs. 1 OR).
Fällig ist eine Forderung dann, wenn deren Gläubiger die Leistung fordern
und einklagen darf. Dabei gilt der Grundsatz, dass eine Forderung sofort
fällig wird, sofern nichts anderes verabredet wurde oder sich aus der Natur
des Rechtsverhältnisses ergibt (Art. 75 OR).
Der Schuldner einer fälligen Forderung gerät entweder durch Mahnung
(Art. 102 Abs. 1 OR) oder, sofern die Parteien einen bestimmten Verfalltag
verabredet haben, schon mit dessen Ablauf (Art. 102 Abs. 2 OR) in Verzug.
Praxisgemäss gerät er auch mit Ablauf einer in einer Rechnung gesetzten
Zahlungsfrist, wie beispielsweise „zahlbar 30 Tage netto“, ohne weitere
Mahnung in Verzug.6
5.3.
Die Klägerin verlangt Verzugszins ab 9. Oktober 2018. Sie stellt damit auf
den Tag nach Ablauf der mit Mahnung vom 28. September 2018 gesetzten
Zahlungsfrist ab (KB 6). Da die entsprechenden Rechnungen innerhalb von
30 Tagen zahlbar waren (KB 4), fiel die Beklagte jeweils bereits ab dem
31. Tag in Verzug. Der Verzugsbeginn liegt folglich jeweils vor dem von der
Klägerin geforderten Beginn des Zinsenlaufs. In Anwendung der Dispositi-
onsmaxime (Art. 58 Abs. 1 ZPO) sind der Klägerin die beantragten Ver-
zugszinsen zuzusprechen.
6. Kosten
Abschliessend sind die Kosten entsprechend dem Verfahrensausgang zu
verlegen. Sie bestehen aus den Gerichtskosten und der Parteientschädi-
gung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Die Klägerin obsiegt vollumfänglich. Bei diesem
Verfahrensausgang sind die Prozesskosten antragsgemäss der Beklagten
aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
6 AGVE 2003, S. 38; BSK OR I-WIEGAND, 6. Aufl. 2015, Art. 102 N. 9; BK OR-WEBER, 2000, Art. 102
N. 115 m.w.N.; KOLLER, Schweizerisches Obligationenrecht: Allgemeiner Teil, 3. Aufl. 2009, S. 882 N. 33.
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6.1.
Die Gerichtskosten bestehen einzig aus der Entscheidgebühr (Art. 95
Abs. 2 lit. b ZPO). Der Grundansatz für die Gerichtsgebühr beträgt bei ei-
nem Streitwert von Fr. 180.95 (Zinsen werden nicht mitgerechnet [Art. 91
Abs. 1 Satz 2 ZPO]) gestützt auf § 7 Abs. 1 VKD rund Fr. 919.00. Die Ge-
richtskosten sind ausgangsgemäss von der Beklagten zu tragen und wer-
den mit dem von der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 919.00
verrechnet (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Die Beklagte hat der Klägerin die Ge-
richtskosten von Fr. 919.00 direkt zu ersetzen (Art. 111 Abs. 2 ZPO).
6.2.
Die Parteientschädigung besteht aus den Kosten der berufsmässigen Ver-
tretung der Parteien (Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO). Bei ihrer Festsetzung ist von
den kantonalen Tarifen auszugehen (Art. 105 Abs. 2 i.V.m. Art. 96 ZPO).
Gemäss § 3 ff. AnwT bemisst sich die Parteientschädigung grundsätzlich
nach dem Streitwert. Dieser beträgt vorliegend Fr. 180.95. Die Grundent-
schädigung beläuft sich auf Fr. 1'149.81 (§ 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 AnwT), wo-
mit eine Rechtsschrift und die Teilnahme an einer behördlichen Verhand-
lung abgegolten sind (§ 6 Abs. 1 AnwT). Dem eingesparten Aufwand der
behördlichen Verhandlung wird praxisgemäss mit einem Abschlag von
20 % Rechnung getragen (§ 6 Abs. 3 AnwT). Hinzu kommt der pauschale
Auslagenersatz von praxisgemäss rund 3 % (§ 13 AnwT). Es resultiert eine
Parteientschädigung von gerundet Fr. 947.00.
Dem klägerischen Antrag auf Zusprechung des Mehrwertsteuerzuschlags
ist nicht zu entsprechen. Die Klägerin ist gemäss UID-Register7 selber
mehrwertsteuerpflichtig. Sie kann die ihren Anwälten bezahlte Mehrwert-
steuer als Vorsteuer von ihrer eigenen Mehrwertsteuerrechnung in Abzug
bringen (Art. 28 MWSTG).8 Die Mehrwertsteuer stellt somit keinen zusätz-
lichen Kostenfaktor dar und ist bei der Bemessung der Parteientschädigung
nicht zu berücksichtigen.
7 Vgl. https://www.uid.admin.ch/Detail.aspx?uid_id=CHE-108.028.505, zuletzt besucht am 2. April
2019. 8 Vgl. Merkblatt zur Frage der Berücksichtigung der Mehrwertsteuer bei der Bemessung der Partei-
entschädigung der Gerichte des Kantons Aargau vom 11. Januar 2016: https://www.ag.ch/media/ kanton_aargau/jb/dokumente_6/obergerichte/handelsgericht/Merkblatt_MwSt.pdf (zuletzt besucht am 2. April 2019).
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