Decision ID: 52acd0a6-ff3f-5ffc-8bbd-f7ef9c3a9709
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._, wurde im Mai 2014 unter Hinweis auf eine Aufmerksamkeitsstörung zum
Bezug von medizinischen Massnahmen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
angemeldet (IV-act. 3). In einem der Anmeldung beigelegten Bericht vom 24. März
2014 hatte der den Versicherten behandelnde Psychotherapeut festgehalten, dass sich
dieser seit Dezember 2012 in einer Psychotherapie mit wöchentlichen Sitzungen
befinde. Beim Versicherten bestünden eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2),
Tendenzen eines ADHS, die Gefahr einer depressiven Entwicklung, ein hochgradig
belastendes Familiensystem sowie Übergewicht. Er sei im sozial-emotionalen Bereich
entwicklungsverzögert, zeige Konzentrationsschwierigkeiten und andere kognitive
Schwierigkeiten, die sich vor allem auf den schulischen Alltag auswirkten. In gewissen
Situationen sei der Schulbesuch wegen psychosomatischer Beschwerden sogar
verunmöglicht. Ziel der Psychotherapie sei es, das geringe Selbstwertvertrauen des
Versicherten zu stärken und zu fördern und mit ihm konstruktive
Bewältigungsstrategien zu üben. Ausserdem werde die erschwerte familiäre Situation
angeschaut. Die Konzentrationsschwierigkeiten würden mit Übungen angegangen. Die
Therapie sei mindestens für die nächsten zwei bis drei Jahre indiziert. Bei adäquater
psychotherapeutischer Begleitung sei eine positive psychosoziale und schulische
Entwicklung möglich (IV-act. 1).
A.b Am 13. August 2014 berichtete der behandelnde Psychotherapeut, dass bereits
eine Besserung stattgefunden habe, welche sich auch in den schulischen Leistungen
zeige. Der Versicherte könne dem Unterricht besser folgen und auch die
Vergesslichkeit und die innere Unruhe hätten deutlich abgenommen. In der Therapie
gelinge es dem Versicherten besser, die eigenen Bedürfnisse verbal zu äussern. Eine
Verbesserung der Situation zeige sich auch in der sozialen Kompetenz, so dass er
begonnen habe, sich mit Freunden zu verabreden. Die ganze Situation habe sich
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stabilisiert und der Versicherte sei robuster geworden, halte mehr aus und könne
adäquater mit Konflikten und Frustrationen umgehen. Die erreichte Stabilisierung sei
aber noch nicht genügend vorangeschritten (IV-act. 13).
A.c Am 2. Oktober 2014 notierte Dr. med. C._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD), dass die beantragte psychotherapeutische Behandlung mit Blick auf die
vorliegenden Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die zukünftige schulische
bzw. berufliche Ausbildung und Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich verbessern
könne und/oder von einer wesentlichen Beeinträchtigung im Hinblick auf die zukünftige
Eingliederung ins Erwerbsleben bewahren könne (IV-act. 14).
A.d Gestützt auf die RAD-ärztliche Beurteilung gewährte die IV-Stelle dem
Versicherten am 9. Oktober 2014 eine Kostengutsprache für die ambulante
Psychotherapie nach Art. 12 IVG vom 18. Dezember 2013 bis 17. Dezember 2015 (IV-
act. 15). Am 16. September 2015 erteilte die IV-Stelle aufgrund einer
Entwicklungsstörung der Motorik (ICD-10 F82) zudem eine Kostengutsprache für eine
Ergotherapie mit drei Mal neun Sitzungen vom 12. August 2015 bis 31. August 2016
(IV-act. 29, vgl. IV-act. 17 ff.).
A.e Am 20. Januar 2016 ersuchte der Psychotherapeut um Verlängerung der
Kostengutsprache für die Psychotherapie. Er berichtete der IV-Stelle, beim
Versicherten bestünden in diagnostischer Hinsicht eine Reaktion auf eine schwere
Belastung (ICD-10 F43.9), eine Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten mit
Teilleistungsstörungen (ICD-10 F81.3), Tendenzen eines ADHS, eine Gefahr einer
depressiven Entwicklung, ein hochgradig belastetes Familiensystem sowie
Übergewicht. Der Versicherte komme wöchentlich in die Therapie und könne nun
teilweise besser reflektieren, gewisse Ängste besser äussern und sich aktiver in die
Therapie einbringen. Die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie habe sich verbessert.
Die Tendenz, sich emotional und sozial zu verschliessen und sich zurückzuziehen,
bestehe leider immer noch, wenn auch im Vergleich zu früher in weniger starkem
Ausmass. Der Umgang mit der eigenen schwierigen Vergangenheit, den
Drogenkarrieren der leiblichen Eltern sowie der Situation als Pflegekind verlange eine
länger dauernde Begleitung. Der Versicherte benötige professionelle Begleitung, damit
es nicht zu Entgleisungen komme, welche die gesunde psychosoziale Entwicklung und
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die erfolgreiche schulische Karriere gefährdeten. Aktuell werde er in einer Kleinklasse
betreut. Ohne psychotherapeutische Begleitung könne der Versicherte in der
Bewältigung des Alltags überfordert sein. Die Gefahr einer depressiven Entwicklung
bestehe weiterhin, wenn sie auch dank der bisher erreichten Fortschritte weniger
wahrscheinlich sei (IV-act. 30).
A.f Am 15. April 2016 notierte RAD-Ärztin Dr. C._, dass die Psychotherapie-
Indikation gemäss der dokumentierten Befunde weiterhin nachvollzogen werden
könne. Die Zusprachekriterien für eine Verlängerung der Kostengutsprache für die
Psychotherapie nach Art. 12 IVG seien ausgewiesen (IV-act. 31).
A.g Am 18. April 2016 verlängerte die IV-Stelle die Kostenübernahme für die
ambulante Psychotherapie vom 17. Dezember 2015 bis 31. Dezember 2016 (IV-act.
33). Am 21. Juli 2016 gewährte sie zudem eine Kostengutsprache für die Verlängerung
der Ergotherapie vom 1. September 2016 bis zum 31. August 2017 (IV-act. 44, vgl. IV-
act. 37 ff.).
B.
B.a Am 4. Januar 2017 ersuchte die Kinderärztin des Versicherten die IV-Stelle unter
Verweis auf einen Therapiebericht des behandelnden Psychotherapeuten um eine
Verlängerung der Kostenübernahme für die Psychotherapie (IV-act. 45). In seinem
Bericht vom 23. Dezember 2016 hatte dieser festgehalten, dass der Versicherte den
Übertritt in die Kleinklasse relativ gut absolviert habe. Schwierig seien nach wie vor die
Selbstinitiative und die Selbständigkeit, die nicht seinem Alter entsprechend weit
entwickelt seien. Die ausgeprägte Tendenz, sich in sich selbst zurückzuziehen, habe
etwas abgenommen. Die Vergangenheit der leiblichen Eltern und die immer wieder
auftauchenden Krisen beider Elternteile beschäftigten den Versicherten und brächten
ihn aus dem fragilen Gleichgewicht. In der Schule sei die Belastung durch den
Leistungsdruck besser geworden. Es falle ihm nach wie vor schwer, sich zu
konzentrieren. In der Psychotherapie solle ein Raum geschaffen werden, wo er sich mit
dem beschäftigen könne, was gerade aktuell sei, so dass er dies nicht in der Schule zu
tun brauche. Der Umgang mit der Vergangenheit und mit den Krisen der leiblichen
Eltern sowie die Rolle als Pflegekind würden den Versicherten noch lange begleiten.
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Die Schule sei nach wie vor etwas Schwieriges, das viel Energie benötige, die er
teilweise nicht aufbringen könne. In der Psychotherapie könne der Versicherte lernen,
dass das Reden eine Erleichterung bringen könne und dass Lösungen für Konflikte
gefunden werden könnten. Mit der Stärkung des Selbstvertrauens solle auch die
Schule zu etwas werden, wovon er denke, es schaffen zu können, nicht aufgebe bzw.
eine Bereitschaft dafür entwickle, dafür zu kämpfen. In der Therapie gehe es auch
darum, wieder auftanken zu können und zu verarbeiten, damit wieder genug Energie
für die Schule, die berufliche Laufbahn und die psychische Entwicklung zur Verfügung
stehe. Die Entwicklung sei positiv und könne weiter verbessert werden. Wichtig sei,
dass die bis anhin erzielte fragile Stabilisierung der Situation nicht wieder
zusammenbreche (IV-act. 46).
B.b RAD-Ärztin Dr. C._ notierte am 28. Februar 2017, dass die fortgesetzte
Indikation für die psychotherapeutische Behandlung medizinisch nachvollziehbar sei.
Gemäss den aktuellen Berichten müsse jedoch festgestellt werden, dass beim
Versicherten bei einem Verlauf mit ununterbrochener psychotherapeutischer
Behandlung in wöchentlicher Frequenz seit Ende 2012 ein labiles pathologisches
Geschehen vorliege. Die Voraussetzungen für die Psychotherapie nach Art. 12 IVG
seien somit nicht mehr erfüllt (IV-act. 47). Gestützt auf die RAD-ärztliche Beurteilung
stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 7. März 2017 die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 49).
B.c Dagegen erhob die ÖKK als Krankenversicherer des Versicherten am 14. März
2017 vorsorglich Einwand. Sie beantragte am 8. Mai 2017 die Kostenübernahme bis
vorerst 31. Dezember 2017 sowie die Anordnung einer kinderpsychiatrischen
Beurteilung. Aufgrund der zugestellten Akten sei ein labiles pathologisches Geschehen
medizinisch nicht nachvollziehbar, ein solches müsste durch eine kinderpsychiatrische
Beurteilung belegt werden. Die Psychotherapie ziele eindeutig auf die soziale
Integration und die spätere Berufsausbildung des Versicherten ab. Bei der Beurteilung
seien nicht nur die sozialen Faktoren, sondern vielmehr die Förderung des Versicherten
in seiner Gesamtheit massgebend (IV-act. 50, 56).
B.d Am 23. August 2017 nahm Dr. C._ zu den vorliegenden Akten Stellung. Sie
führte aus, dass die psychosozialen Rahmenbedingungen, die Gesamtheit der
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Diagnosen, die seit 2012 durchgehend erfolgte Psychotherapie mit durchgehend
wöchentlicher Frequenz, die nach wie vor bestehende Indikation, das aktuell
formulierte Therapieziel (Schaffung eines Raumes, wo der Versicherte sich mit dem
beschäftigen könne, was gerade aktuell sei) sowie der aktuell nicht absehbare
Abschluss der psychotherapeutischen Behandlung liessen aus
versicherungsmedizinischer Sicht auf ein labiles pathologisches Geschehen schliessen.
Ob eine kinderpsychiatrische Beurteilung vorgenommen werden müsse, sei keine
medizinische Frage und könne vom RAD nicht beantwortet werden (IV-act. 57).
B.e Am 6. September 2017 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid. Zum
Einwand führte sie an, dass gemäss den Ausführungen des RAD ein labiles
pathologisches Geschehen vorliege und von einer Dauerbehandlung ausgegangen
werden könne. Die Angaben der Behandler seien für die Beurteilung ausreichend,
weshalb keine weiteren Akten angefordert oder eine Untersuchung in Auftrag gegeben
worden sei (IV-act. 58).
C.
C.a Gegen diese Abweisungsverfügung liess der Versicherte durch seinen Beistand am
4. Oktober 2017 Beschwerde erheben. Dieser beantragte die Aufhebung der Verfügung
vom 6. September 2017 und die Erteilung einer Kostengutsprache für die beantragte
Psychotherapie. Er machte geltend, dass sich die Beschwerden gebessert hätten und
der Beschwerdeführer seit dem Sommer 2017 wieder in der Regelklasse beschult
werden könne, sei nicht zuletzt auf die kontinuierliche Psychotherapie zurückzuführen.
Mit dem Übertritt in die Oberstufe im Sommer 2017 beginne für den Beschwerdeführer
eine weitere wichtige Phase in seiner Entwicklung, welche entscheidend sei für die
Berufswahl und einen gelungenen Eintritt ins Erwerbsleben. In diesem Lebensabschnitt
sei eine kontinuierliche Begleitung durch die bewährte Psychotherapie von
entscheidender Bedeutung. Dabei gehe es weniger um eine Dauerbehandlung als um
eine Unterstützung im Hinblick auf die bevorstehende Berufswahl (act. G 1). Der
Beistand reichte zudem einen weiteren Bericht des behandelnden Psychotherapeuten
vom 15. September 2017 ein. Darin hatte dieser festgehalten, der Beschwerdeführer
habe Schwierigkeiten, sich auf schulische Belange zu konzentrieren, wenn ihn andere
Dinge beschäftigten, er zeige ein aggressives oder verweigerndes Verhalten in der
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Schule und Zuhause und es bestünden Einnässen und Übergewicht. Aktuell habe es
der Beschwerdeführer geschafft, nicht mehr einzunässen. Auch gelinge es ihm besser,
bei Schwierigkeiten diese zu verbalisieren. In der Schule könne er sich wieder soweit
konzentrieren, dass er dem Unterricht folgen könne. Aber es komme immer wieder vor,
dass ihn alles überfordere und er sich wieder verschliesse. Gerade auch im Hinblick auf
die aufkommende Pubertät sei eine weitere Begleitung unbedingt indiziert, damit der
Beschwerdeführer weiter lernen könne, adäquat mit schwierigen Situationen und
Konflikten umgehen zu können und sein Selbstwertgefühl zu stärken (act. G 1.2).
C.b Am 21. Dezember 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Der Beschwerdeführer befinde sich bereits seit dem 18. Dezember 2012
in Psychotherapie und es seien nach der über vierjährigen Therapie keine wesentlichen
Fortschritte ersichtlich. Beim Beschwerdeführer bestünden seit Jahren schwierige
psychosoziale Umstände und ein Ende sei nicht absehbar. Die RAD-Ärztin bestreite
nicht die Indikation der Psychotherapie, weise aber darauf hin, dass die Behandlung
lediglich der Unterdrückung der Symptome diene. Der Beschwerdeführer werde diese
Therapie über längere Zeit hinweg benötigen, ohne dass sich eine zuverlässige
Prognose stellen lasse und ein stabiler Zustand, in welchem erheblich verbesserte
Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit bestünden,
herbeigeführt werden könne. Die Psychotherapie diene somit in erster Line der
Leidensbehandlung. Weitere Abklärungen seien nicht notwendig, da der Sachverhalt
bereits rechtsgenüglich erhoben worden sei (act. G 7).
C.c Am 8. Januar 2018 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, act. G 5) für das
Beschwerdeverfahren (act. G 8).
C.d Mit Replik vom 5. Februar und Duplik vom 28. Februar 2018 hielten die Parteien an
ihren jeweiligen Standpunkten fest (vgl. act. G 10, G 12).

Erwägungen
1.
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1.1 Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 12
IVG einen Anspruch auf eine Verlängerung der ambulanten Psychotherapie als
medizinische Massnahme der Invalidenversicherung hat.
1.2 Eine invalide oder von einer Invalidität bedrohte versicherte Person hat gemäss
dem Art. 8 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern, und
soweit die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine spezifische
Eingliederungsmassnahme erfüllt sind. Zu den Eingliederungsmassnahmen zählen
gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG auch die medizinischen Massnahmen. Gemäss Art. 12
Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person bis zur Vollendung des 20. Altersjahres einen
Anspruch auf jene medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des
Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in
den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu
verbessern oder vor einer wesentlichen Beeinträchtigung zu bewahren.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat einen Anwendungsfall von Art. 12 IVG im
Wesentlichen mit der Begründung verneint, dass beim Beschwerdeführer ein labiles
pathologisches Geschehen vorliege und die Psychotherapie damit in erster Linie der
Leidensbehandlung diene. Damit hat sie sich offensichtlich auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung bezogen, laut welcher jene Vorkehren, die auf die Heilung oder
Linderung pathologischen oder sonstwie Krankheitswert aufweisenden Geschehens
labiler Art gerichtet sind, nicht von der IV übernommen werden. Gemäss dieser Praxis
ist eine medizinische Vorkehr, die der Behandlung des Leidens an sich zuzurechnen ist,
somit auch dann nicht von der IV zu übernehmen, wenn ein wesentlicher
Eingliederungserfolg vorausgesehen werden kann. Dementsprechend hat das
Bundesgericht eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung grundsätzlich in den
Fällen verneint, in denen ein labiler Gesundheitszustand bestanden hat und die
medizinische Massnahme nur nebenher auf die Verbesserung, Erhaltung oder
Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit abzielten (vgl. statt vieler BGE 125 V 194 f.; vgl.
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auch ULRICH MEYER/MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichtes
zum IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 12 N 31).
2.2 Mit der 5. IVG-Revision ist der Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss
Art. 12 IVG nun allerdings auf Versicherte beschränkt worden, die das 20. Altersjahr
noch nicht vollendet haben. Damit ist der frühere Hauptanwendungsfall des Art. 12
IVG, nämlich die Vergütung von medizinischen Massnahmen für bereits erwerbstätige
Erwachsene, weggefallen. Betreffend die Beurteilung des Anspruchs von
Minderjährigen ist – im Sinne einer Ausnahmeregelung – bereits nach der altrechtlichen
bundesgerichtlichen Praxis vom grundsätzlichen Erfordernis eines relativ stabilisierten
Defektzustands abgesehen worden. Diese Praxis hat nicht nur weiterhin Geltung,
vielmehr ist sie durch die Beschränkung des Anspruchs auf Personen, die das 20.
Altersjahr noch nicht vollendet haben, zum Regelfall geworden. Mit anderen Worten
können medizinische Vorkehren nach dem seit dem Inkrafttreten der 5. IVG-Revision
geltenden Art. 12 IVG trotz eines einstweilen noch labilen Leidenscharakters
überwiegend der beruflichen Eingliederung dienen und als medizinische Massnahmen
von der IV vergütet werden, wenn ohne diese Vorkehren eine Heilung mit Defekt oder
ein sonstwie stabilisierter Zustand einträte, wodurch die Berufsbildung und/oder die
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt würde (vgl. MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 12 N 33,
mit Hinweisen; vgl. auch die ständige Praxis des Versicherungs¬gerichtes des Kantons
St. Gallen, u.a. den Entscheid vom 25. Mai 2018, IV 2017/236, E. 3.2).
2.3 Gemäss den vorliegenden Berichten des behandelnden Psychotherapeuten hat die
bis anhin durchgeführte Psychotherapie einen positiven Effekt auf das gesamte
Verhalten des Beschwerdeführers gehabt. Mit einer Verlängerung der
psychotherapeutischen Behandlung soll die durch die Therapie erreichte, fragile
Stabilisierung der Situation erhalten bleiben und weiter verbessert werden. Die
Psychotherapie zielt damit zweifelsohne darauf ab, zu verhindern, dass sich das
psychische Leiden des Beschwerdeführers zu einem schwer korrigierbaren, die spätere
Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden, pathologischen Zustand entwickelt.
Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdegegnerin handelt es sich somit also gerade
um ein Musterbeispiel eines Anwendungsfalls des (neurechtlichen) Art. 12 IVG. Hinzu
kommt, dass der behandelnde Psychotherapeut nachvollziehbar dargelegt hat, dass
der Beschwerdeführer Schwierigkeiten habe, sich auf die Schule zu konzentrieren,
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wenn ihn andere Dinge beschäftigten. In der Psychotherapie könne er sich mit diesen
Dingen auseinandersetzen, sodass er dies nicht in der Schule tun müsse. Damit
begünstigt die Psychotherapie offensichtlich die Fähigkeit des Beschwerdeführers, am
Schulunterricht teilzunehmen und von diesem zu profitieren. Nach Lage der Akten hat
der Beschwerdeführer denn auch gerade seit der letztmaligen Verlängerung der
psychotherapeutischen Massnahme einige Fortschritte erzielt: So hat er sich in der
Schule wieder soweit konzentrieren können, dass er dem Unterricht hat folgen und
dass er ab dem Sommer 2017 sogar wieder die Regelklasse hat besuchen können. Die
Psychotherapie hat somit entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin erheblich zur
Verbesserung der schulischen Fähigkeiten des Beschwerdeführers beigetragen und
damit im weiteren Sinne auch dessen späterer Eingliederung ins Erwerbsleben gedient.
2.4 Zusammenfassend steht damit ausser Frage, dass die weitere schulische und
später die berufliche Ausbildung des – offenbar normal intelligenten (vgl. die
schulpsychologische Abklärung vom Mai 2011, IV-act. 7) –Beschwerdeführers
erheblich gefährdet wären, würde die Psychotherapie nicht weiter fortgesetzt. Mit
anderen Worten ist mit einer hohen Plausibilität davon auszugehen, dass ein Abbruch
der Psychotherapie den schulischen Werdegang und die folgende Eingliederung ins
Erwerbsleben erschweren oder gar verunmöglichen würde. Die medizinische
Eingliederungswirksamkeit der Psychotherapie ist damit nicht in Abrede zu stellen. Aus
diesen Gründen rechtfertigt es sich nicht, dem Beschwerdeführer die Vergütung der
Kosten der Psychotherapie vorzuenthalten und damit den möglichen Eintritt einer
Invalidität zu begünstigen, zumal die Kosten der Psychotherapie im Verhältnis zu
allfälligen späteren beruflichen Eingliederungs- oder Rentenleistungen als bescheiden
einzustufen sind.
3.
3.1 Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die Vergütung der Kosten der
Psychotherapie durch die Invalidenversicherung erfüllt. Somit ist die angefochtene
Verfügung vom 6. September 2017 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und
durch die Feststellung zu ersetzen, dass der Beschwerdeführer auch ab dem 1. Januar
2017 einen Anspruch auf die Vergütung der Kosten der Psychotherapie durch die IV
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hat. Die Sache ist zur Festsetzung des konkreten Leistungsanspruchs an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Ausgangsgemäss
hat die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der nicht
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.