Decision ID: 7f650268-a970-52fd-becc-85ae3b44fc53
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Federal Tax Service (nachfolgend: FTS) der Russischen Födera-
tion (nachfolgend auch: Russland) richtete am 14. November 2017 gestützt
auf Art. 25a des Abkommens vom 15. November 1995 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Russischen Föderation zur
Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Ein-
kommen und vom Vermögen (SR 0.672.966.51; DBA CH-RU) ein Amtshil-
feersuchen an die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend: ESTV
oder Vorinstanz). Das Ersuchen betrifft die russische Gesellschaft
Y._ LLC. Als schweizerische Steuerpflichtige ist die X._ AG
genannt. Das Ersuchen dient der Prüfung der Ertragssteuer (Corporate In-
come Tax) für die Jahre 2013 bis 2015.
A.b Der FTS erklärt, eine Steuerprüfung bei der Y._ LLC durchzu-
führen. Diese Gesellschaft habe von zwei [im Land 1] domizilierten Gesell-
schaften (der A._ Ltd und der B._ Ltd) verschiedene [...]
Substanzen bezogen. Herstellerin dieser Substanzen sei die C._
LTD ([Land 2]) gewesen. Nach der Restrukturierung des Geschäfts der
Y._ LLC, habe diese die Substanzen bei der X._ AG bezo-
gen. Sowohl der Vertrag mit der B._ Ltd als auch jener mit der
X._ AG seien seitens der beiden genannten Gesellschaften von
Herrn D._, einem [...] Bürger [des Landes 2], unterschrieben wor-
den. Die Preise, welche der A._ Ltd und der B._ Ltd bezahlt
worden seien, seien dreimal höher gewesen als jene, die der X._
bezahlt worden seien. Der FTS schliesse daraus, die A._ Ltd und
die B._ Ltd seien Teil eines fiktiven Vertrags mit der Y._ LLC
gewesen, um die in Russland abziehbaren Ausgaben zu erhöhen. Sollte
dies zutreffen, würde der Gewinn der Y._ LLC gemäss russischem
Recht neu berechnet.
A.c Der FTS richtet diverse Fragen betreffend die X._ AG unter an-
derem zu ihrer Steuerpflicht in der Schweiz, ihrer Geschäftstätigkeit, ihrem
Verwaltungsrat, den Aktionären, ihrer Verbindung zur C._ LTD und
den [im Land 1 domizilierten] Gesellschaften sowie zu Preislisten an die
ESTV.
B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 1. Dezember 2017 ersuchte die ESTV die
kantonale Steuerverwaltung [Kanton], die im Amtshilfeersuchen gestellten
Fragen zu beantworten. Ebenfalls am 1. Dezember 2017 ersuchte sie auch
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die X._ AG, die Fragen zu beantworten und, sofern eine Geschäfts-
beziehung bestanden habe, die Y._ LLC mit einem beigelegten
Schreiben über das Verfahren zu informieren.
B.b Die kantonale Steuerverwaltung [Kanton] beantwortete die Fragen so-
weit möglich am 7. Dezember 2017, die X._ AG am 27. Dezember
2017 und 15. Januar 2018.
B.c Am 15. Februar 2018 gewährte die ESTV der X._ AG Aktenein-
sicht, teilte mit, welche Informationen sie dem FTS zu übermitteln gedenke
und bat die X._ AG, das beiliegende Formular zu unterschreiben,
wenn sie mit der Übermittlung der Informationen einverstanden sei.
B.d Am 12. März 2018 teilte die X._ AG der ESTV mit, dass sie
einer Übermittlung der Informationen nicht zustimme und begründete dies.
B.e Im weiteren Verlauf des Verfahrens entfernte die ESTV, auch auf Inter-
vention einer Drittpartei hin, Informationen aus den Daten, die sie dem FTS
übermitteln wollte.
B.f Parallel zum Verfahren betreffend die X._ AG wurde ein Verfah-
ren mit der betroffenen Person, der Y._ LLC, geführt.
C.
Mit Schlussverfügung vom 25. Februar 2019 entschied die ESTV, dem FTS
Amtshilfe zu gewähren. Sie beantwortete die ihr gestellten Fragen und
legte von der X._ AG eingereichte Unterlagen, teilweise ge-
schwärzt, bei. Die ESTV kam zum Schluss, dass das Amtshilfeersuchen
alle Bedingungen an ein solches erfülle. Der FTS vermute – so die Vor-
instanz –, dass die A._ Ltd und die B._ Ltd nur vorgescho-
ben gewesen seien, um höhere erfolgswirksame Aufwände auf Seiten der
Y._ LLC zu erzielen. Daher wolle er die Beziehungsnähe der
X._ AG zu den genannten Gesellschaften untersuchen. Die ersuch-
ten Informationen seien geeignet und erforderlich, um beurteilen zu kön-
nen, ob die Gesellschaften derart miteinander verbunden seien, dass die
X._ AG als von der Y._ LLC zu steuerlichen Zwecken vor-
geschobene Gesellschaft erscheine, was die Besteuerung der betroffenen
Person beeinflussen könne. Die Vorbringen der X._ AG würden
nichts daran ändern, dass die Informationen dem FTS zu übermitteln seien.
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D.
Dagegen erhob die X._ AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
27. März 2019 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt,
die Schlussverfügung vom 25. Februar 2019 unter Kostenfolge aufzuhe-
ben und dem FTS keine Amtshilfe zu leisten; eventualiter seien einige Ant-
worten auf in der Beschwerde genau beschriebene Weise zu ändern und
die Beilagen 1 sowie 3 bis 10 nicht zu übermitteln. Zur Begründung führt
sie zusammengefasst aus, sie würde nicht dem gleichen Konzern wie die
Y._ LLC angehören. Im massgeblichen Zeitraum habe sie auch
keine [...] Produkte an die Y._ LLC verkauft. Damit habe sie erst im
Jahr 2016 begonnen. Die verlangten Informationen könnten nach schwei-
zerischem Recht nicht beschafft werden. Auch seien sie für die Besteue-
rung der Y._ LLC nicht voraussichtlich erheblich. Zudem handle es
sich insbesondere bei den erfragten Produktepreisen um Geschäftsge-
heimnisse. Teilweise wolle die Vorinstanz auch Informationen übermitteln,
die gar nicht erfragt worden seien. Schliesslich sei das Subsidiaritätsprinzip
in Bezug auf näher genannte Daten verletzt.
E.
Am 25. April 2019 informierte das Bundesverwaltungsgericht die
Y._ LLC darüber, dass im sie betreffenden Amtshilfeverfahren eine
Beschwerde eingereicht worden war.
F.
Mit Vernehmlassung vom 27. Mai 2019 beantragt die Vorinstanz die kos-
tenpflichtige Abweisung der Beschwerde. Sie hält grundsätzlich an ihren
Ausführungen fest und begründete dies näher, stellt aber in Aussicht,
Preise von einigen wenigen [...] Produkten zu streichen, weil diese vom
Ersuchen nicht erfasst seien.
G.
Mit Stellungnahme vom 11. Juni 2019 hält die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest.
Auf die weiteren Begründungen in den Eingaben der Verfahrensbeteiligten
sowie die Akten wird – sofern dies entscheidwesentlich ist – im Rahmen
der folgenden Erwägungen eingegangen.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das vorliegende Amtshilfeersuchen vom 14. November 2017 stützt
sich auf das DBA CH-RU. Das Verfahren richtet sich nach dem Bundesge-
setz vom 28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuer-
sachen (StAhiG, SR 651.1; Art. 1 Abs. 1 Bst. a StAhiG, Art. 24 StAhiG e
contrario), soweit das DBA CH-RU keine abweichenden Bestimmungen
enthält (Art. 1 Abs. 2 StAhiG). Gemäss Art. 19 Abs. 5 StAhiG gelten die
Bestimmungen über die Bundesrechtspflege, soweit das StAhiG keine ab-
weichenden Bestimmungen aufstellt.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Bundes-
gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG,
SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021). Zu den beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbaren Verfü-
gungen gehören auch Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der inter-
nationalen Amtshilfe in Steuersachen (vgl. Art. 32 VGG e contrario sowie
Art. 19 Abs. 1 und 5 StAhiG). Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungs-
gerichts zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde ist somit gegeben.
Die Beschwerdeführerin erfüllt als Adressatin der angefochtenen Schluss-
verfügung und Person, deren Daten übermittelt werden sollen, die Voraus-
setzungen der Beschwerdelegitimation (vgl. Art. 19 Abs. 2 StAhiG i.V.m.
Art. 48 VwVG). Die Beschwerde wurde überdies form- und fristgerecht ein-
gereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
Im Beschwerdeverfahren gelten die Untersuchungsmaxime, wonach der
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist, und der Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG; ANDRÉ
MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.49 ff.; PIERRE MOOR/
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ETIENNE POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl. 2011, S. 292 ff., 300 f.,
820 f., Ziff. 2.2.6.3, 2.2.6.5 und 5.8.3.5).
1.4 Die Vorinstanz beantragt zwar formell die kostenpflichtige Abweisung
der Beschwerde. Gemäss der Begründung der Vernehmlassung (Ziff. 17;
Sachverhalt Bst. F) wird sie aber einige wenige zusätzliche Schwärzungen
vornehmen. Materiell beantragt sie insofern eine teilweise Gutheissung der
Beschwerde.
2.
Im Folgenden ist auf die rechtlichen Grundlagen für die Leistung von Amts-
hilfe, insbesondere an Russland, einzugehen.
2.1 Die Amtshilfeklausel von Art. 25a DBA CH-RU und die dazu vom Bun-
desrat und der Regierung der Russischen Föderation vereinbarte Ziff. 7
des Protokolls zum DBA CH-RU (ebenfalls zu finden unter
SR 0.672.966.51) sind seit dem 9. November 2012 in Kraft (vgl. Art. VII, X
und XI Abs. 2 des Protokolls vom 24. September 2011 zur Änderung des
Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Russischen Föderation zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem
Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen [AS 2012 6647;
nachfolgend: Änderungsprotokoll]). In zeitlicher Hinsicht sind Art. 25a DBA
CH-RU und Ziff. 7 des Protokolls zum DBA CH-RU dabei auf Amtshilfeer-
suchen anwendbar, die am oder nach dem 9. November 2012 gestellt wer-
den und sich auf Steuerperioden beziehen, die am oder nach dem 1. Ja-
nuar 2013 beginnen (vgl. Art. XI Abs. 2 Bst. c Änderungsprotokoll).
2.2 Nach Art. 25a Abs. 1 Satz 1 DBA CH-RU tauschen die zuständigen Be-
hörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen
aus, «die zur Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder
Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkom-
men fallenden Steuern und die Mehrwertsteuern voraussichtlich erheblich
sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Ab-
kommen widerspricht». Dabei ist der Informationsaustausch gemäss
Art. 25a Abs. 1 Satz 2 DBA CH-RU nicht durch Art. 1 DBA CH-RU (persön-
licher Geltungsbereich) beschränkt.
2.3
2.3.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine in diesem Staat steuerpflichtige Person dort
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Seite 7
korrekt zu besteuern (vgl. BGE 141 II 436 E. 4.4.3; Urteile des BVGer
A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 3.1.3, A-5695/2018 vom 22. April 2020
E. 3.3.1).
2.3.2 Nach Ziff. 7 Bst. c des Protokolls zum DBA CH-RU besteht hinsicht-
lich Art. 25a DBA CH-RU «Einvernehmen darüber, dass der Zweck der Ver-
weisung auf Informationen, die voraussichtlich erheblich sind, darin be-
steht, einen möglichst breiten Informationsaustausch in Steuerbelangen zu
gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlauben, ‹fishing expeditions›
zu betreiben oder um Informationen zu ersuchen, deren Erheblichkeit hin-
sichtlich der Steuerbelange einer bestimmten steuerpflichtigen Person un-
wahrscheinlich sind».
2.3.3 Ob eine Information erheblich ist, kann in der Regel nur der ersu-
chende Staat abschliessend feststellen (BGE 143 II 185 E. 3.3.2, 142 II
161 E. 2.1.1 f.; Urteil des BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 3.1.3).
Die Rolle des ersuchten Staates bei der Beurteilung der voraussichtlichen
Erheblichkeit beschränkt sich darauf, zu überprüfen, ob die vom ersuchen-
den Staat verlangten Informationen und Dokumente einen Zusammenhang
mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt haben und ob sie möglich-
erweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (BGE 145 II 112, 142 II 161 E. 2.1.1, 139 II 404 E. 7.2.2). Vor die-
sem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begründung,
die verlangten Informationen seien nicht «voraussichtlich erheblich» im
Sinne von Art. 25a Abs. 1 Satz 1 DBA CH-RU, nur verweigern, wenn ein
Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im ersuchen-
den Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich erscheint (vgl.
BGE 141 II 436 E. 4.4.3, 142 II 161 E. 2.1.1; Urteil des BVGer A-5695/2018
vom 22. April 2020 E. 3.3.2).
2.4
2.4.1 Art. 25a Abs. 3 DBA CH-RU schränkt die in Art. 25a Abs. 1 DBA CH-
RU statuierte Pflicht zur Leistung von Amtshilfe unter bestimmten Voraus-
setzungen ein. So wird der ersuchte Vertragsstaat von der Verpflichtung
enthoben, Verwaltungsmassnahmen durchzuführen, die von den Gesetzen
oder der Verwaltungspraxis des einen oder des anderen Vertragsstaates
abweichen (Art. 25a Abs. 3 Bst. a DBA CH-RU), oder Informationen zu er-
teilen, welche nach den Gesetzen oder im üblichen Verwaltungsverfahren
eines der beiden Vertragsstaaten nicht beschafft werden können (Art. 25a
Abs. 3 Bst. b DBA CH-RU). Auch besteht gemäss Art. 25a Abs. 3 Bst. c
DBA CH-RU keine Verpflichtung zur Erteilung von Informationen, «die ein
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Seite 8
Handels-, Geschäfts-, Industrie-, Gewerbe- oder Berufsgeheimnis oder ein
Geschäftsverfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre
public widerspräche».
2.4.2 Der in Art. 25a Abs. 3 Bst. b DBA CH-RU formulierte Vorbehalt des
innerstaatlichen Rechts (E. 2.4.1) bezieht sich, soweit es um die Beschaf-
fung von Informationen bei einer in der Schweiz steuerpflichtigen Person
geht, auf die Art. 123-129 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990
über die direkte Bundessteuer (DBG, SR 642.11; BGE 142 II 69 E. 4;
XAVIER OBERSON, in: Danon/Gutmann/Oberson/Pistone [Hrsg.], Modèle de
Convention fiscale OCDE concernant le revenu et la fortune, Commentaire,
2014, Art. 26 N. 115 f.; vgl. ANDREAS DONATSCH/STEFAN HEIMGARTNER/
FRANK MEYER/MADELEINE SIMONEK, Internationale Rechtshilfe, unter Ein-
bezug der Amtshilfe im Steuerrecht, 2. Aufl. 2015, S. 250 f.). Das DBG un-
terscheidet zwischen einer generellen, dem Steuerpflichtigen obliegenden
Mitwirkungspflicht (Art. 123-126 DBG) und spezifischen, gewissen Dritten
obliegenden Mitwirkungspflichten (Art. 127-129 DBG; BGE 142 II 69 E. 5).
Verlangt der ersuchende Staat Informationen über eine in der Schweiz
steuerpflichtige Person, so treffen diese die Mitwirkungspflichten des Steu-
erpflichtigen gemäss Art. 124-126 DBG. Die Mitwirkungspflicht erstreckt
sich allerdings nicht auf Auskünfte über Geschäftsbeziehungen, die nicht
für die Veranlagung dieser Person von Bedeutung sein könnten, sondern
ausschliesslich für die Veranlagung ihrer Geschäftspartner (BVGE 2018
III/4 E. 3.2.2; Urteil des BVGer A-8018/2016 vom 8. November 2017
E. 2.4.2; DANIEL HOLENSTEIN, in: Zweifel/Beusch/Matteotti [Hrsg.], Kom-
mentar zum schweizerischen Steuerrecht, Internationales Steuerrecht,
2015, Art. 26 N. 285, 287 und 290).
2.4.3 Die steuerpflichtige Person hat der Steuerverwaltung in Auslegung
von Art. 126 DBG auch Informationen zur Veranlagung einer Drittperson zu
übermitteln, sofern diese Informationen ihre eigene Veranlagung beeinflus-
sen können. Dies kann beispielsweise bei verdeckten Gewinnausschüttun-
gen oder einem Durchgriff der Fall sein (BGE 142 II 69 E. 5.1.2-5.1.4 und
5.3; Urteil des BGer 2C_954/2015 vom 13. Februar 2017 E. 7.4; BVGE
2018 III/4 E. 3.3.1; vgl. Urteil des BVGer A-5936/2017 vom 19. Juli 2018
E. 2.6.2).
2.4.4 Nach innerstaatlichem Recht sind Informationen, die bei einer Steu-
erverwaltung liegen, von dieser erhältlich (Art. 111 DBG; Urteil des BGer
2C_904/2015 vom 8. Dezember 2016 E. 7.1; Urteile des BVGer
A-8018/2016 vom 8. November 2017 E. 2.4.4, A-2838/2016 vom 8. März
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2017 E. 3.6.3.2; vgl. DONATSCH/HEIMGARTNER/MEYER/SIMONEK, a.a.O.,
S. 252).
2.5
2.5.1 Soweit die Behörden des ersuchenden Staates verpflichtet sind, den
massgeblichen Sachverhalt darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet
werden, dass sie dies bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun.
Dies wäre mit dem Sinn und Zweck der Amtshilfe (wie mit jenem der
Rechtshilfe) nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und
Unterlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln ge-
bliebene Punkte erst noch geklärt werden (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.1,
139 II 404 E. 7.2.2; Urteil des BVGer A-2327/2017 vom 22. Januar 2019
E. 8.3.2; ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en
matière pénale, 5. Aufl. 2019, S. 310 Rz. 293 Bst. a). Daher verlangt die
Rechtsprechung von der ersuchenden Behörde nicht den strikten Beweis
des Sachverhalts, doch muss sie hinreichende Verdachtsmomente für des-
sen Vorliegen dartun (vgl. BGE 139 II 451 E. 2.1 und E. 2.2.1, 139 II 404
E. 7.2.2; Urteile des BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 3.1.4,
A-2540/2017 vom 7. September 2017 E. 4.2, A-2591/2017 vom 5. März
2019 E. 5.3.2.2).
2.5.2 Nach dem so genannten völkerrechtlichen Vertrauensprinzip be-
steht – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch oder bei berechtigten
Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz des schweizerischen oder in-
ternationalen Ordre public (vgl. Art. 7 StAhiG) – kein Anlass, an Sachver-
haltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (BGE 143
II 202 E. 8.7.1, 142 II 218 E. 3.3, 142 II 161 E. 2.1.3; Urteil des BGer
2C_619/2018 vom 21 Dezember 2018 E. 2.2.1). Die ESTV ist deshalb an
die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als
diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche von
vornherein entkräftet werden kann (BGE 142 II 161 E. 2.1.1 und 2.1.3, 139
II 451 E. 2.2.1; Urteil des BGer 2C_275/2017 vom 20. März 2017 E. 2.4.2;
Urteile des BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 2.2, A-5695/2018
vom 22. April 2020 E. 3.5).
2.6
2.6.1 Gemäss Ziff. 7 Bst. a des Protokolls zum DBA CH-RU besteht «Ein-
vernehmen darüber, dass der ersuchende Vertragsstaat ein Begehren um
Austausch von Informationen erst dann stellt, wenn er alle in seinem inner-
staatlichen Steuerverfahren vorgesehenen üblichen Mittel zur Beschaffung
der Informationen ausgeschöpft hat» (sog. Subsidiaritätsprinzip).
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Seite 10
2.6.2 Aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips (E. 2.5.2) besteht
rechtsprechungsgemäss namentlich kein Anlass, an einer von der ersu-
chenden Behörde abgegebenen Erklärung der Ausschöpfung aller übli-
chen innerstaatlichen Mittel zu zweifeln, es sei denn, es liegt ein gegen die
Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips sprechendes, ernsthafte Zweifel an
der Richtigkeit der Erklärung begründendes konkretes Element vor
(vgl. BGE 144 II 206 E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-3703/2019 vom 23. Ap-
ril 2020 E. 2.4.2 und 2.7.1, A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.6.2,
A-4025/2016 vom 2. Mai 2017 E. 3.2.4).
2.7
2.7.1 Gemäss Ziff. 7 Bst. b des Protokolls zum DBA CH-RU besteht zwi-
schen der Schweiz und Russland Einvernehmen darüber, dass die Steuer-
behörden des ersuchenden Staates bei der Stellung eines Amtshilfebegeh-
rens nach Art. 25a DBA CH-RU den Steuerbehörden des ersuchten Staa-
tes die folgenden Angaben zu liefern haben:
«(i) die Identität der in eine Überprüfung oder Untersuchung einbezogenen
Person,
(ii) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden,
(iii) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hinsicht-
lich der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen vom er-
suchten Staat zu erhalten wünscht,
(iv) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden,
(v) soweit bekannt, den Namen und die Adresse des mutmasslichen Inhabers
der verlangten Informationen.»
2.7.2 Zwar regelt auch Art. 6 Abs. 2 StAhiG den erforderlichen Inhalt eines
Amtshilfeersuchens. Diese Bestimmung greift jedoch  wie bereits deren
Einleitung zu entnehmen ist  nur, wenn das anwendbare Abkommen – an-
ders als das hier einschlägige DBA CH-RU mit Ziff. 7 Bst. b des Protokolls
zum DBA CH-RU – keine entsprechende Ordnung enthält (vgl. BGE 142 II
161 E. 2.1.4; Urteil des BVGer A-2540/2017 vom 7. September 2017
E. 2.4).
2.7.3 Art. 6 Abs. 3 StAhiG hält fest, dass die ESTV der ersuchenden Be-
hörde schriftlich mitteilt, wenn die Voraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1
und 2 StAhiG nicht erfüllt sind, und ihr Gelegenheit gibt, ihr Ersuchen
schriftlich zu ergänzen. Dies muss auch dann gelten, wenn es sich nicht
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Seite 11
um die Art. 6 Abs. 1 und 2 StAhiG handelt, die nicht erfüllt sind, sondern
um die stattdessen anzuwendenden entsprechenden Bestimmungen im
anwendbaren Abkommen (oder Zusätzen dazu). Diese Bestimmung ver-
hindert nämlich, dass die ESTV schon deshalb auf das Ersuchen nicht ein-
treten kann, weil es in diesem Sinne mangelhaft ist. Sie wirkt sich im An-
wendungsfall also zugunsten des ersuchenden Staates aus.
3.
3.1 Das vorliegend zu beurteilende Amtshilfeersuchen des FTS erfüllt un-
bestrittenermassen die formellen Voraussetzungen gemäss Ziff. 7 Bst. a
des Protokolls zum DBA CH-RU (E. 2.7.1).
3.2
3.2.1 Der im Amtshilfeersuchen wiedergegebene Sachverhalt ist sehr kurz
gehalten. Darin wird lediglich beschrieben, dass die in Russland steuer-
pflichtige Y._ LLC von zwei [im Land 1] ansässigen Gesellschaften
[...] Produkte gekauft habe. Später habe die Y._ LLC diese Pro-
dukte deutlich günstiger von der Beschwerdeführerin bezogen. Aus diesem
Umstand schliesst der FTS, dass die Verträge zwischen der Y._
LLC und den [im Land 1] ansässigen Gesellschaften möglicherweise fin-
gierte Elemente enthalten hätten, so dass mittels überhöhter Preise Ge-
winne der Y._ LLC [in das Land 1] verschoben werden konnten.
Dass die Beschwerdeführerin auf irgendeine Art in solche fingierten Ge-
schäfte verwickelt gewesen wäre, wird im Amtshilfeersuchen nicht geltend
gemacht. Entgegen der Darstellung der Vorinstanz macht der FTS auch
nicht geltend, er wolle prüfen, ob es sich bei der Beschwerdeführerin um
eine durch die Y._ LLC vorgeschobene Person handle.
Der FTS erklärt unmissverständlich, dass die Preise gesunken seien, nach-
dem die Y._ LLC die Produkte von der Beschwerdeführerin und
nicht mehr von den [im Land 1 domizilierten] Gesellschaften kaufte. Inso-
fern dienten die Preise der Beschwerdeführerin als Drittvergleichspreise.
Die Preise sind dem FTS offensichtlich bekannt, könnte er doch sonst den
von ihm gezogenen Vergleich mit den Preisen der [im Land 1 domizilierten]
Gesellschaften gar nicht anstellen. Ausdrücklich führt der FTS zudem aus,
dass es ihm um das Verhältnis der Y._ LLC zu den [im Land 1 do-
mizilierten] Gesellschaften geht. Es gibt im Amtshilfeersuchen lediglich
zwei Sachverhaltselemente, die die Beschwerdeführerin mit dieser Kons-
tellation verbinden: einerseits verkaufte die Beschwerdeführerin später die
gleichen Produkte an die Y._ LLC wie zuvor die [im Land 1 domizi-
lierten] Gesellschaften – jedoch günstiger – (dazu E. 3.2.1.2), andererseits
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war gemäss der Darstellung im Amtshilfeersuchen ein Vertrag zwischen
der Beschwerdeführerin und der Y._ LLC aufseiten der Beschwer-
deführerin von jener Person unterzeichnet, die auch einen Vertrag aufsei-
ten einer der [im Land 1 domizilierten] Gesellschaften zwischen dieser und
der Y._ LLC unterschrieben hatte (dazu E. 3.2.1.1 nachfolgend).
3.2.1.1 Den letztgenannten Umstand erwähnt der FTS im Amtshilfeersu-
chen zwar als beachtlich, liefert dafür aber keine Begründung und zieht
daraus auch keine Schlüsse. Es geht aber mit Blick auf die inhaltlichen
Anforderungen an ein Amtshilfeersuchen, namentlich die voraussichtliche
Erheblichkeit (dazu E. 3.3), nicht an, dass eine ersuchende Behörde Fak-
ten in den Raum stellt, die nicht aussagekräftig sind, und deren Interpreta-
tion der ESTV überlässt. Vorliegend bleibt gänzlich unklar, inwiefern der
genannte Umstand Auswirkungen auf die Besteuerung der Y._ LLC
haben könnte. Dass dieselbe Person für eine der [im Land 1 domizilierten]
Gesellschaften und für die Beschwerdeführerin Verträge unterzeichnet hat,
deutet nicht auf ein besonderes Verhältnis der Beschwerdeführerin zur
Y._ LLC hin, um deren Besteuerung es geht. Wollte der FTS, wie
die Vorinstanz vermutet, damit auf eine Beziehungsnähe zwischen (einigen
oder allen) im Sachverhalt erwähnten Personen schliessen, hätte er dies
klar zu sagen und zu begründen bzw. zumindest ansatzweise aufzuzeigen,
inwiefern dieser Umstand für die Besteuerung der Y._ LLC von Be-
deutung sein könnte, und zwar vorliegend, da Informationen über die Be-
schwerdeführerin verlangt werden, inwiefern diese Informationen für die
Besteuerung der Y._ LLC von Bedeutung sein können. Dies unter-
lässt er gänzlich.
3.2.1.2 Damit ist auf die weitere Verbindung der Beschwerdeführerin zur
Y._ LLC einzugehen, dass nämlich Erstere Letzterer [Produkte] ver-
kaufte.
Es geht dem FTS  wie bereits erwähnt  ausdrücklich darum zu prüfen,
ob die Y._ LLC den beiden [im Land 1 domizilierten] Gesellschaften
überhöhte Preise bezahlte; dies deshalb, weil  immer gemäss Sachver-
haltsdarstellung im Amtshilfeersuchen  die Y._ LLC der Beschwer-
deführerin tiefere Preise für gleichartige Produkte bezahlt habe. Der Um-
stand, dass der von der Beschwerdeführerin verlangte Preis für die [...]
Produkte deutlich tiefer war, liess beim FTS den Verdacht aufkommen, die
im relevanten Zeitraum von der Y._ LLC an die [im Land 1 domizili-
erten] Gesellschaften bezahlten Preise seien überhöht gewesen. Die von
der Beschwerdeführerin verlangten Preise wurde vom FTS somit für einen
A-1498/2019
Seite 13
Drittvergleich verwendet, aus welchem sich – nach Auffassung des FTS –
ergibt, dass die [im Land 1 domizilierten] Gesellschaften zu hohe Preise
verlangten. Der FTS macht nicht geltend, dass die Beschwerdeführerin in
Unregelmässigkeiten involviert wäre.
3.2.2 Der FTS erklärt nun mit keinem Wort, wie die sehr detaillierten und
weitgehenden Informationen, die er von der und über die Beschwerdefüh-
rerin erhalten möchte, der Abklärung der Frage dienen können, ob die [im
Land 1 domizilierten] Gesellschaften der Y._ LLC überhöhte Preise
berechnet haben. Würde nur nach den konkret verrechneten Preisen ge-
fragt, könnten diese immerhin für einen Drittvergleich einschlägig sein (der
indessen bereits vom FTS gemacht wurde). Der FTS möchte aber detail-
lierte Informationen zur Führungs- und Aktionärsstruktur der Beschwerde-
führerin sowie deren Preisgestaltung und weitere Finanzinformationen
(s.a. E. 3.3.2), ohne darzulegen, inwiefern diese für die Besteuerung der
Y._ LLC in Russland erheblich sein könnten. Insgesamt erscheint
der im Amtshilfeersuchen dargestellte Sachverhalt bereits als lückenhaft
(E. 2.5.2) und es stellt sich die Frage, ob die Beschwerde schon aus die-
sem Grund gutzuheissen wäre. Dies kann aber mit Blick auf die folgenden
Ausführungen offenbleiben.
3.3 Weiter ist  wie bereits zuvor angedeutet (E. 3.2.1.1 und 3.2.2)  zu
hinterfragen, ob die erfragten Informationen für die Besteuerung der
Y._ LLC in Russland erheblich sein können.
3.3.1 Der FTS macht geltend, dass die Preise, die die Y._ LLC den
[im Land 1 domizilierten] Gesellschaften bezahlte, (deutlich) höher gewe-
sen seien als jene, welche die Y._ LLC der Beschwerdeführerin be-
zahlte. Ihm geht es um die Beurteilung des Verhältnisses zwischen der
Y._ LLC und den [im Land 1 domizilierten] Gesellschaften. Es ist
bereits grundsätzlich fraglich, inwiefern Informationen über die Beschwer-
deführerin, die über das konkrete Vertragsverhältnis zwischen dieser und
der Y._ LLC hinausgehen, diesem Zweck dienen können. Zudem
erscheint das Argument der Beschwerdeführerin, dass sie über keine fixen
Preislisten verfügt, sondern individuell Preise aushandelt, welche von di-
versen Umständen abhängen (gelieferte Mengen, Verwendungszweck,
Wettbewerb für ein bestimmtes Produkt), plausibel, so dass Preise, zu wel-
chen weitere Gesellschaften – die mit dem im Amtshilfeersuchen beschrie-
benen Sachverhalt überhaupt keine Verbindung mehr aufweisen – von der
Beschwerdeführerin Produkte beziehen können, erst recht nicht erheblich
sind.
A-1498/2019
Seite 14
3.3.2 Auch ist nicht ersichtlich, wie die Informationen, wo die Beschwerde-
führerin ihren Steuersitz hat, wann sie registriert wurde, welche Tätigkeit
sie ausübt, wer ihre Gründer, Inhaber, Aktionäre, Gesellschafter, Verwal-
tungsräte und Vertreter sind, welche Verbindungen zwischen der Be-
schwerdeführerin und ihrer Lieferantin bestehen, zu welchen Bedingungen
sie allenfalls an andere russische Gesellschaften liefert, sowie welche all-
fälligen Verbindungen zwischen der Beschwerdeführerin und den [im
Land 1 domizilierten] Gesellschaften bestehen, für die Beantwortung der
Frage erheblich sein könnten, ob die [im Land 1 domizilierten] Gesellschaf-
ten der Y._ LLC überhöhte Preise verrechneten, damit letztere Ge-
winne verschieben konnte.
3.3.3 Die Vorinstanz macht zwar geltend, dass die verlangten Informatio-
nen es dem FTS erlauben könnten festzustellen, ob es sich bei der Be-
schwerdeführerin und der Y._ LLC um nahestehende Personen
handle. Das will der FTS aber gerade nicht klären, sonst hätte er dies im
Amtshilfeersuchen erwähnen können und müssen. Es geht – wiederum
hinsichtlich der inhaltlichen Anforderungen an ein Amtshilfeersuchen, ins-
besondere der voraussichtlichen Erheblichkeit der verlangten Informatio-
nen – nicht an, dass die Vorinstanz nach möglichen Motiven der ersuchen-
den Behörde sucht, damit dieser die erwünschten Informationen geliefert
werden können bzw. dass die Vorinstanz aufgrund der Fragen Rück-
schlüsse darauf zieht, um was es der ersuchenden Behörde gehen könnte.
Die Gründe sind von der ersuchenden Behörde selbst zu nennen, die al-
leine über das Wissen verfügt, was sie will. Nur, wenn die ersuchende Be-
hörde erklärt, wozu sie die Informationen benötigt, lässt sich überhaupt
feststellen, ob die Informationen für diesen Zweck voraussichtlich erheblich
sind. Für den Zweck, den der FTS nennt, erweisen sich die Informatio-
nen – wie ausgeführt – als nicht erheblich und sind daher nicht zu übermit-
teln.
3.3.4 Zu erwähnen ist schliesslich, dass die Vorinstanz der Y._ LLC
als betroffener Person im Rahmen von deren Akteneinsicht zu Beginn ei-
nen Grossteil der Antworten auf die Fragen der ersuchenden Behörde nur
geschwärzt bzw. mit dem Hinweis, dass die Informationen die Y._
LLC nicht betreffen würden, zur Verfügung stellte. Erst als die Y._
LLC geltend machte, dass Informationen, die sie nicht beträfen, nicht für
ihre Besteuerung bedeutend sein können, gewährte die Vorinstanz ihr Ein-
sicht in einen Grossteil der Antworten. Daraus erhellt, dass auch die Vor-
instanz zunächst davon ausging, dass die Informationen nicht für die Be-
steuerung der Y._ LLC von Bedeutung sind.
A-1498/2019
Seite 15
3.3.5 Insgesamt fehlt es somit auch an der voraussichtlichen Erheblichkeit
der verlangten Informationen (E. 2.3), selbst wenn diese mit der gebühren-
den Zurückhaltung geprüft wird (E. 2.3.3). Damit ist die Beschwerde gutzu-
heissen.
3.4 Offenbleiben kann nunmehr, ob die Informationen überhaupt nach
schweizerischem Recht erhältlich wären. Immerhin erschiene dies zumin-
dest fraglich. Zwar wäre die Beschwerdeführerin, wenn es um ihre eigene
Besteuerung ginge, gemäss Art. 126 DBG umfassend auskunftspflichtig.
Einige der erfragten Informationen vermöchten indessen ihre Besteuerung
nicht zu beeinflussen. Daher wäre sie dann lediglich nach den Art. 127 ff.
DBG auskunftspflichtig und müsste damit nur Informationen, die das Ver-
tragsverhältnis zwischen ihr und der Y._ LLC betreffen, erteilen
(E. 2.4.2 f.). Zu beachten wäre dann auch, dass ein Vertragsverhältnis zwi-
schen der Y._ LLC und der Beschwerdeführerin gemäss der Dar-
stellung des FTS erst ab Mitte Dezember 2015 bestand und Verkäufe erst
im vom Ersuchen nicht mehr erfassten Zeitraum getätigt wurden (oben in
der Sachverhaltsdarstellung nicht wiedergegeben).
3.5 Da die Informationen der Besteuerung der Y._ LLC und nicht
der Besteuerung der Beschwerdeführerin dienen sollen, liesse sich zu-
dem – wie die Beschwerdeführerin geltend macht – tatsächlich fragen, ob
Informationen über die Preispolitik der Beschwerdeführerin vorliegend ein
Geschäftsgeheimnis darstellten. Ginge es um ihre eigene Besteuerung, so
könnte sie ein solches Geheimnis schwerlich geltend machen. Da die In-
formationen aber zur Besteuerung der Y._ LLC verwendet werden
sollen, ist tatsächlich  wie die Beschwerdeführerin befürchtet  nicht aus-
zuschliessen, dass diese Informationen der Y._ LLC offengelegt
würde, womit die Beschwerdeführerin gegenüber der Y._ LLC,
die – soweit ersichtlich – deren Konkurrentin ist, bei künftigen Verhandlun-
gen einen Nachteil erleiden könnte. Letztlich muss aber auch dies nicht
weiter abgeklärt werden, da die Beschwerde ohnehin gutzuheissen ist.
4.
4.1 Ausgangsgemäss (E. 3.3.5) sind der Beschwerdeführerin keine Ver-
fahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG e contrario). Der geleis-
tete Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 5’000.-- ist ihr nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz
können keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
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Seite 16
4.2
4.2.1 Die obsiegende, vertretene Beschwerdeführerin hat gemäss Art. 64
Abs. 1 und Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu-
lasten der Vorinstanz. Sofern eine detaillierte Kostennote eingereicht
wurde, setzt das Gericht die Parteientschädigung anhand dieser fest
(Art. 14 VGKE). Die Parteientschädigung hat nicht jeden erdenklichen,
sondern nur den notwendigen Aufwand zu ersetzen (Art. 7 Abs. 1 und 10
Abs. 1 VGKE). Unnötiger Aufwand wird nicht entschädigt (Art. 8 Abs. 2
VGKE). Parteikosten sind dann als notwendig zu betrachten, wenn sie zur
sachgerechten und wirksamen Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung
unerlässlich erscheinen; ob dies zutrifft, bestimmt sich nach der Prozess-
lage, wie sie sich dem Betroffenen im Zeitpunkt der Kostenaufwendung
darbot. Zu einer Reduktion führen etwa Wiederholungen in Rechtsschriften
und Eingaben, in denen gegenüber den vorher eingereichten Rechtsschrif-
ten materiell nichts Neues vorgebracht wird. Zu einer Kürzung kann ge-
mäss Rechtsprechung auch der vermeidbare Koordinationsaufwand, der
durch den Beizug mehrerer Anwältinnen und Anwälte entstanden ist, füh-
ren (Urteile des BVGer A-7010/2015 vom 19. Mai 2016 E. 11.2.4,
A-4556/2011 vom 27. März 2012 E. 2.2.2 und 2.5, A-7976/2010 vom
20. Oktober 2011 E. 8.2.4.2).
Der Stundenansatz für Anwälte und Anwältinnen beträgt mindestens
Fr. 200.-- und höchstens Fr. 400.-- (Art. 10 Abs. 2 VGKE).
4.2.2 Kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass die Kos-
tennote zu reduzieren ist, kürzt es sie in pauschaler Weise und ohne ein-
lässliche Berechnung (Urteile des BVGer A-7010/2015 vom 19. Mai 2016
E. 11.2.4, A-3290/2013 vom 6. Juni 2014 E. 10.4, A-4556/2011 vom
27. März 2012 E. 2.5).
4.2.3 Die Beschwerdeführerin hat eine Kostennote über Fr. 37'710.-- ein-
gereicht. Dieser Betrag ist wesentlich höher als jener, der bisher in ver-
gleichbaren Fällen zugesprochen wurde. Die ausgewiesenen Stundenan-
sätze für die Anwälte sowie die mitarbeitenden Personen liegen zwar im
vorgeschriebenen Rahmen. Auch ist in der Kostennote nur Aufwand aus-
gewiesen, der nach Erlass der angefochtenen Schlussverfügung entstan-
den ist. Ausgewiesen sind aber unter anderem Aufwand für Aktenstudium
und rechtliche Abklärungen von rund 24 Stunden und zur Erarbeitung der
Rechtsschriften von über 60 Stunden. Noch nicht einbezogen ist dabei der
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Seite 17
Aufwand, bei dem unklar ist, ob er sich auf das Erstellen der Beschwerde-
schrift oder deren Übersetzung bezieht (z.B. «Drafting: Appeal to SFAC in
German» [«Erstellung: Beschwerde ans BVGer auf Deutsch»] gegenüber
dem sonst benutzten «Drafting: Appel to Swiss Federal Administrative
Court» [«Erstellung: Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht»]), der
Aufwand, der die interne Koordination innerhalb der Anwaltskanzlei betrifft,
sowie solcher für Gespräche oder sonstigen Austausch mit der Klientin.
Die Akten waren jedoch bereits im vorinstanzlichen Verfahren bekannt. Vor
diesem Hintergrund erscheinen die ausgewiesenen Stunden für das Akten-
studium als zu hoch. Zwar umfasst die Schlussverfügung 19 Seiten. Der
grösste Teil entfällt aber auf die Prozessgeschichte, die Wiedergabe der
Fragen des FTS und die Antworten der ESTV darauf, die bereits aus dem
vorinstanzlichen Verfahren bekannt waren. Auch ist im Amtshilfeersuchen
grundsätzlich ein einziger Schriftenwechsel vorgesehen (Art. 19 Abs. 4
StAhiG).
In der unaufgefordert eingereichten Stellungnahme der Beschwerdeführe-
rin zur Vernehmlassung werden im Wesentlichen Argumente vertieft und
es wird gegen eine neue Ausführung der Vorinstanz in der Vernehmlas-
sung argumentiert. Auch in der Beschwerdeschrift werden gegenüber dem
vorinstanzlichen Verfahren teilweise neue Argumente vorgebracht. Dies
dürfte auch mit der Verfahrensführung der Vorinstanz zusammenhängen,
die mehrfach ihre Auffassung, welche Informationen dem FTS zu übermit-
teln seien, änderte. Es erscheint vor diesem Hintergrund angemessen, die
Parteientschädigung etwas höher anzusetzen als dies bei vergleichbaren
Verfahren der Fall ist.
Der ausgewiesene Aufwand von über 60 Stunden für das Erstellen der
Rechtsschriften ist gesamthaft betrachtet dennoch zu hoch und daher zu
kürzen. Jener Aufwand, bei dem nicht eindeutig ist, ob es sich um Aufwand
für die Ausarbeitung der Beschwerde oder deren Übersetzung handelt, ist
unter diesen Umständen ohnehin nicht zu vergüten. Handelt es sich um
Aufwand für die Ausarbeitung der Beschwerde, ist auf das gerade Ausge-
führte zu verweisen; handelt es sich um Übersetzungsaufwand, ist darauf
hinzuweisen, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine in der
Deutschschweiz ansässige Gesellschaft handelt und daher nicht ersicht-
lich wäre, warum die auf Deutsch eingereichten Rechtsschriften hätten
übersetzt werden müssen.
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Seite 18
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in vergleichbaren Fällen Par-
teientschädigungen meist in Höhe von Fr. 7'500.-- zugesprochen wurden,
sowie des Umstandes, dass im vorliegenden Fall eine Erhöhung dieses
Betrages angemessen erscheint, ist der Beschwerdeführerin eine Partei-
entschädigung von pauschal Fr. 10'000.-- zuzusprechen. Damit muss die
Frage, ob Nachfragen bei der Vorinstanz, die am Anfang der Kostennote
aufgeführt sind, überhaupt schon dem Beschwerdeverfahren zuzuordnen
sind, nicht beantwortet werden.
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni
2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen
nur dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG
handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, ent-
scheidet das Bundesgericht.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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