Decision ID: 334d8490-9ac5-45c3-84ff-cd2cd77255ff
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1956 geborene
X._
arbeitet seit
dem Jahr
2018 als Pflegehelfer
in SRK bei der Spitex Z._
AG, über welche Arbeitgeberin sie bei der Helsana
Versicherungen
AG
(nachfolgend: Helsana)
obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen
versichert ist. Mit Unfallmeldung vom
11.
Juni 2020
zeigte
die Arbeitgeberin der Helsana
an
, dass
X._
am 7
. Juni
(richtig: 6.
Juni
)
2020 bei der Arbeit
einen Klienten
beim Tanzen
filmte
,
welcher
umkippte
und
a
uf die Versicherte stürzte
,
worauf
sich diese das
linke
Knie
verletzte
(Urk. 9/K1
-2)
.
Die Helsana liess die Versicherte
, welche aufgrund d
es
gemeldeten
Ereignisses bis zum 31. Juli 2020
zu 100 % und danach bis zum 31.
August 2020 zu 50 %
arbeitsunfähig geschrieben
war (vgl. Urk.
9/K17)
,
einen Fragebogen zum Unfallhergang ausfüllen (Urk. 9/K15) und tätigte Abklärungen in medizinischer Hinsicht.
Ab 1.
September 2020 nahm
X._
ihre Tätigkeit
als Pflegehelferin
wieder vollumfänglich auf.
Mit Verfügung vom 24.
S
eptember 2020 stellte
d
ie
Helsana die
Versicherungsleistungen per 28. Juni 2020 ein, was sie damit begründete, dass der
unfallfremde Vorzustand, wie
er
ohne den Unfall eingetreten wäre, am 28.
Juni 2020 erreicht
worden
und
danach
ein
Zusammenhang zwischen den gesundheitlichen Beschwerden und dem Unfall nicht mehr nachgewiesen sei (Urk. 9/K22). Dagegen erhob
X._
mit Ein
gabe vom 13. Oktober 2020 (Urk.
9/K25), ergänzt durch Eingabe
vom 19.
November 2020 (Urk.
9/K28)
,
Einsprache
und beantragte, dass ihr die gese
tzlichen Leistungen bis zum 31.
August 2020 auszurichten sei
en
.
Mit E
ntscheid vom 15.
Februar 2021 hiess die Helsana die Einsprache
gut
und stellte
die Leistungen
erst per 31.
August 2020 ein (Urk. 2).
Wenige Tage vor
Erlass des
Einspracheentscheid
s
- am 9.
Februar 2021
–
hatte sich die Versicherte
im Spital A._
eine
m
ambulante
n
Eingriff am linken Knie (Knie-Arthroskopie)
unterzogen
(
vgl. U
rk.
3/3
)
.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
15. Februar 2021
erhob
X._
mit Eingabe vom 18.
März 2021 Beschwerde (U
rk.
1) mit den Anträgen, der Einspracheentschei
d der Helsana Unfall AG vom 15.
Februar
2021 und die Verfügung vom 24.
September 2020 seien aufzuheben (1.), es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen nach UVG auch nach dem 31. August 2020 bis zur Erreichung des medizinischen Endzustandes weiter auszurichten (2.), eventualiter sei ein neutrales Gutachten im Sinne von Art. 44 ATSG auf Kosten der Beschwerdegegnerin anzuordnen (3.), alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (4.
; Urk. 1 S. 2
).
Die Helsana beantragte
mit Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2021 die
Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Mit Verfügung vom 31.
Mai 2021 wurde ein zweiter Sc
hriftenwechsel angeordnet (Urk. 11). Mit Replik vom 8.
September 2021
(Urk. 14) und Duplik vom 18. Oktober 2021 (Urk.
18) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG)
.
Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der
gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwe
isen).
1.3
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweislast
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen
und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung
abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der
ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG;
BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen;
Urteil
des Bundesgerichts
8C_
527/2020
vom 2.
November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen
). Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_
64/2021
vom
14. April 2021 E. 3.2
mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3).
Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_44/2021 vom 5. März 2021 E. 5.2 mit Hinweisen)
.
1.5
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung des
angefochtenen Einspracheentscheid
s
im Wesentlichen
aus
, dass das Dossier am 6. Februar
2021
durch den beratenden Arzt Prof. Dr. med.
B._
erneut beurteilt worden sei. Er verweise dabei auf den Arztbrief von Dr.
med.
C._
vom 25. August 2020, welcher
bei der sportlichen Versicherten
eine
arthrotische
Veränderung beschrieben und darauf hingewiesen habe,
dass
sie in der Vergangenheit bereits Meniskusprobleme gehabt habe. Das MRI vom 3. August 2020 zeige typische Befunde eines degenerativen Gelenkschadens
wie
Bakerzyste
, Ganglion,
Chondropathie
Grad 1-2
sowie
Meniskuskomplex-Riss
. Das Ereignis habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung geführt und der Status quo
sine
sei spätestens am 31. August 2020 erreicht
worden
. Prof. Dr.
B._
habe weiter ausgeführt, der Facharzt
(gemeint wohl: Dr.
C._
)
habe der Versicherten am 25. August 2020 die Knieprobleme erläutert; auch seiner Auffassung nach spiele eine Kniearthrose eine R
olle. Dieser Stellungnahme komme voller Beweiswert zu
(Urk. 2
; vgl. auch Urk.
8 und Urk.
18
).
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt dagegen zur Hauptsache geltend machen, dass
gestützt auf die
Angaben
von
Prof.
Dr.
B._
der
Wegfall der Unfallkausalität
des noch bestehenden Gesundheitsschadens
nicht mit dem B
eweisgrad der überw
i
e
genden Wahrscheinlichkeit begründet
worden sei
.
Stattdessen sei der Beurteilung des behandelnden Arztes und Operateurs Dr.
med.
D._
zu folgen, wonach die festgestellten Befunde, welche operativ behandelt worden seien, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallkausal seien. Da der Beschwerdegegnerin der Beweis des Wegfalls der Unfallkausalität und
damit
des Erreichens des Status quo sine nicht gelinge, seien die gesetzlichen Leistungen weiterhin zu erbringen (Urk. 1; vgl. auch Urk.
14
)
.
2.3
Im
angefochtenen Einsprache
e
ntscheid
entschied
die Beschwer
d
ege
g
nerin
über den Fallabschluss per
31
.
August 2020
,
was im Ü
brigen auch dem Antrag
der Beschwerdeführerin
in der Einsprache
vom 19.
November 2020
entspra
ch
;
in
ihrer Einsprac
he hatte die Beschwerdeführerin
–
welche
ihre Tätigkeit per
1.
September 2020
wieder
vollumfän
glich
aufgenommen hatte
–
über den 31.
August 2020 hinaus
keine
weiteren
Leistungen (
Taggelder oder Leistungen für
weitere
Heilbehandlungen
)
mehr
beansprucht
(vgl. Urk. 9/
K28)
.
Soweit in der
vorliegenden Beschwerde
Ausführungen
zur
U
nfall
k
ausalität de
s
mit der
Operati
o
n vom
9.
Februar
2021
behandel
ten
Gesundheitsschaden
s
gemacht werden,
zielen
diese
daher
auf
die Geltendmachung von
Leistungsansprüche
n
ab
,
welche
nicht
Gegenstand
des
angefochtenen Entscheid
s
waren
. Sie sind daher im vorliegenden Verfahren (noch) nicht zu prüfen (vgl. aber E. 4.3 hiernach).
3.
3.1
Anlässlich der Erstkon
sultation im Spital E._
, Chirurgische Kliniken, vom 7. Juni 2020,
wurde
die Diagnose Kniedistorsion links
a
m 6. Juni 2020 gestellt.
Die Ärzte führten aus, d
as Röntgen
des Knies
ergebe eine regelrechte
Artikulati
on im Kniegelenk sowie eine regelrecht zentrierte Patella, einen
mässiggradigen
Erguss im
Recessus
suprapatellaris
sowie keine Fraktur.
Als
Ther
ap
ie
wurde
konservativ
es Prozedere
in Form von
A
nalg
esie, Ruhigstellung in der
Knieklettschiene
sowie Gehstockentlastung
mit halbem Körpergewicht zunächst für 14 Tage angeordnet
. Bei Beschwerdepersistenz werde sich die Patientin selbständig in der hausärztlichen Sprechstunde oder beim niedergelassenen Orthopäden
gegebenenfalls
zur weiterführenden MRI-Bildgebung vorstellen (Urk. 10/M1)
.
3.2
Im
Bericht des Spitals E._
,
Chirurgische Kliniken,
vom 28. Juni 2020
,
diagnostizierten
die verantwortlich zeichnenden Ärzte
Rücken- und Flank
enschmerzen links
,
DD
:
muskuloske
le
ttal
nach Sturz vom
6. Juni 2020. Bei Status nach Sturz berichte die Patientin von progredienten Schmerzen beim Aufstehen; nicht
kolikartig
am
Rücken/Flanke links sowie
i
n der Hüfte mit einer
Kraftverminderung im Bein links. K
ein Ausstrahlen der Schmerzen ins Bein; Analgetika habe sie bisher nicht eingenommen.
K
onventionell radiologisch (Röntgen Hüfte und LWS) habe eine Fraktur ausgeschlossen werden können. Eine urologische Ursache sei
eher unwahrscheinlich. Bei ISG-
Arthrosen und
superolateraler
Coxarthrose
werde eine konservative Therapie mittels bedarfsgerechter Analgesie und Kühlung empfohlen. Klinische Verlaufskontrolle beim Hausarzt,
gegebenenfalls
Verordnung von Physiotherapie. Die Arbeitsunfähigkeit betrage bis und mit 30. Juni 2020 100
% (Urk. 9/M2).
3.3
Ein MRI Knie links vom 3. August 2020 ergab folgende Beurteilung
(Urk. 10/M6)
:
-
Läsion des medialen Meniskus mit feiner Rissbildung an der Unterfläche in der dorsalen Pars
intermedia
und im
Hinterhorn
-
Läsion des lateralen Meniskus mit schmächtigem Aspekt sowie komplex imponierender Rissbildung
basisnah
in der Pars
intermedia
mit angrenzend
kleinem
parameniskalem
Ganglion
-
geringe Zerrung des medialen Kollat
eralbandes im proximalen Anteil
-
diskrete
chondrale
Unregelmässigkeiten
femorotibial
bei
dseits (
Chondropathie
Grad 1-2)
-
mässig vermehrter Gelenkserguss
sowie grössere Baker Zyste
3.
4
Im UVG Zwischenbericht (Formularbericht) hielt Dr.
med.
F._
,
Fachärztin für Allgemeine Medizin
FMH
,
am 6. August 2020
fest, die gegenwärtige Behandlung
bestehe aus Physiotherapie sowie Analgetika bei Bedarf. Die Arbeitsunfähigkeit habe vom 6. Juni bis
zum
31. Juli 2020
100 %
betragen,
seit
1. August 2020
betrage sie
50
% (Urk.
10/M3).
Im gleichentags verfassten Bericht
zuhanden der Beschwerdegeg
n
erin
diagnostizierte
Dr.
F._
eine Kniedistorsion links am 6.
Juni 2020, eine Rückenkontusion sowie eine mögliche Muskelzerrung im Oberschenkel.
U
nter Ruhigstellung und Schonung
sei eine
nur sehr langsame
Besserung
der Bewegungseinschränkung (Kni
eflexion) und der Knieschmerzen
eingetreten
sowie i
m Verlauf
progrediente Schmerzen im Bereich der linken Flanke/Hüfte/Gesäss und Oberschenkel, wahrscheinlich aufgrund von reaktiven Musk
elverspannungen, unter Analgetika,
M
y
o
tonolytica
und Phy
s
iotherapie
regredient
. Aktuell bestünden noch immer mässige belastungsabhängige Schmerzen im Kniegelenk, v.a. beim Treppensteigen,
ein
persistierender Gelenkserguss sowie
eine
Baker
z
yste
. Deshalb MRI und Überweisung an Dr. med.
C._
, Orthopäde, Zürich (Urk. 10/M4).
3.
5
Dr. med.
C._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie
FMH
, stellte in seinem Bericht vom 25. August 2020 über die Konsultation vom 24. August 2020 die folgenden Diagnosen: Meniskusläsion medial, lateral, beginnende
Arthroseveränderung
Knie
tibiofemoral
links.
Gestützt auf den erhobenen
klinischen
Be
f
und
sowie
unter
Berücksichtigung der bildgebenden Befunde (MRI vom 3. August 2020) hielt er in seiner Beurteilung fest, es handle sich um eine gemischt
acute
-on-
chronic
Meniskusläsion medial und lateral. Heute im Vordergrund stünden vor allem Anlaufbeschwerden ohne klare Blockadeereignisse. Er denke, dass hier vorsichtig vorgegangen werden sollte, da
er
bei der Patientin als Läuferin die Meniskusmasse nur ungern reduzieren möchte. Bei den bereits bestehenden Beschwerden gehe er von einem gemischten Beschwerdebild aus, das sowohl auf Meniskussymptome
n
wie auch auf Abnützungssymptomen basiere. Er sei der Meinung
,
dass hier eine
Teilmeniskektomie
die O
berflä
chenbeschwerden eher verstärken würde und vor allem beim Laufen mehr
Arthroseschmerzen
entstehen könnten. Er instruiere die Patientin zu zwei Wochen lokaler Entzündungshemmung und ve
rordne
Condrosulf
. Eine Reevaluation sei im Anschluss geplant (Urk. 10/M5).
3.
6
Am
31. August
2020
reichte die Beschwerdeführerin bei der Beschwerdegegnerin «Abschlusszeugnisse» ein. Im ärztlichen Zeugnis attestierte Dr.
F._
aufgrund des Untersuchs vom 26. August 2020
Arbeitsunfähigkeiten wie folgt: 100
% von 6. Juni 2020 bis 31. Juli 2020, 50
% ab 1. August 2020
sowie ab 1. September 0
% (Urk. 9/K20).
3.
7
Der beratende Versicherungsmediziner Prof. Dr. med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH
,
diagnostizierte am 23. September 2020 eine diskrete Gonarthrose Kniegelenk links sowie Meniskusläsionen medial und lateral. Er hielt im Wesentlichen fest,
die erhobenen Befunde/Diagnosen stünden überwiegend wahrscheinlich mit dem Unfal
l vom 7. Juni (richtig: 6. Juni) 2020
im Zusammenhang. D
er MRI Befund vom 3. August 2020 weise auf einen Vorschaden hin, wobei die Meniskusläsionen vom MRI A
spekt her eher als degene
rativ anzusehen seien. Die im MRI beschriebenen Läsionen an den Menisken und die beginnende Arthrose seien
zumindest traumatisie
rt und dadur
c
h symptomatisch geworden, das Ereignis
vom 7. Juni (richtig 6. Juni) 2020
habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung geführt. Drei Wochen nach dem
Ereignis sei von einem Erreichen des Status quo ante/sine auszugehen. Im Arztbrief des
Spitals
(gemeint wohl: E._
)
wür
d
en am 28. Juni 2020 keine Befunde mehr notiert, die unmittelbar das Kniegelenk betreffen. Hier seien andere Symptome und Befunde führend, die als Krankheit angesprochen werden müssten (beginnende
Koxarthrose
). Der Status quo ante/sine sei am 28. Juni 2020 erreicht (Urk. 10/M7).
3.8
Nach Wiedervorlage der
Ak
ten hielt Prof
.
D
r.
B._
am 6. Februar 2021
fest, Dr.
C._
beschreibe am 25. August 2020
arthrotische
Veränderungen bei der 64-jährigen sportlichen Versicherten
,
und dass sie Meniskusprobleme bereits in der Vergangenheit gehabt habe. Im MRI vom 3. August 2020 wür
d
en typische Befunde eines degenerativen G
elenkschadens aufgezählt, so z.B.
Bakerzyste
, Ganglion,
Chondropathie
Grad 1-2, Meniskuskomplex Riss
. Das Ereignis vom 7. Juni (richtig: 6. Juni) 2020 habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung geführt. Der Status quo sine sei spätestens am 31. August 2020 erreicht. Am 25. August 2020 habe der Facharzt der Versicherten die Knieprobleme erläutert
,
bei denen auch nach seiner Auffassung eine Kniearthrose eine Rolle spiele. Auch
sei auf eine frühere Meni
s
k
ussymptomatik
aufmerksam gemacht worden (Urk.
10/M8).
4.
4.1
Die
Beschwerdegegnerin nahm den Fallabschluss
per 31. August 2020
gestützt auf die Stellungnahme von Prof. Dr.
B._
vom 6. Februar 2021
vor, wonach der Unfall vom 6.
Juni 2020
zwar zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des vorbestehenden
degenerativen Vorzustandes geführt
habe
, der Status quo sine jedoch
spätestens
per 31. Aug
u
st 2020
erreicht worden sei
(E. 3.8 hiervor)
.
Ob davon auszugehen ist – was die Beschwerdeführerin
bestreiten lässt
(Urk. 1 S.
8
f.)
– kann vorliegend jedoch offenbleiben.
So ist
nach Lage der A
kten nicht ersichtlich, dass
z
u diesem Zeitpunkt
noch
eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes
beziehungsweise
der Arbeitsfähigkeit
durch weitere Heilbehandlungen erwartet worden war
(E. 1.4)
,
w
omit
sich
der
Fallabschluss
per 31. August 2020
jedenfalls als
rechtens
erweist
, wie sich aus dem Nachstehenden ergibt.
4.2
Mit ärztlichem
Zeugnis
vom 26.
August 2020 attestierte
Dr.
F._
nach
dem
31
.
August
2020 keine Arbeitsunfähigkeit mehr
(
E. 3.6
hiervor
)
.
Am
1.
September 2020 nahm die
Beschwerdefüh
r
erin ihre Tätigkeit
als Pf
l
egehelferin denn auch
wieder auf
(vgl. dazu Urk. 1 S.
3
sowie
Urk. 9/K28
)
.
D
araus
folgt
, dass
das Knieleiden ab
dem
1.
September 2020
selbst
mit Rücksicht auf
allfällige
unfallkausale
Restbeschwerden
wied
e
r
eine
volle Arbeitsfähigkeit
zu
liess
,
zumal we
der die Beschwerdeführerin geltend
ma
c
h
t
noch
den
A
k
ten
sonst
wie
zu entnehmen
ist
, dass
ihr die Ausübung
ihre
r
Tätigkeit
als Pflegehelferin
in der Folge
nur
mehr
noch
in
angepasster
F
orm
möglich
war
.
Auch
ist
nicht ersichtlich
, dass
Ende August 2020
noch
medizinische
Vorkehren
zur Diskussion
standen
,
v
on denen
prognostisch
eine
ins Gewicht fallende
Verb
esserung
des Gesundheitszustandes (vgl. E. 1.4)
erwartet worden war
:
N
ach Lage der Akten stand die Beschwerdeführerin
zwar
noch
wegen Anlaufbeschwerden
bei
Dr.
C._
in Behandlung; jedoch verordnete
Dr.
C._
lediglich
(
u.a. entzündungshemmende
)
M
edikamente
,
wohingegen er
einem chirurgischen E
ingriff kritisch
gegenüberstand
(
vgl.
Bericht von Dr.
C._
vom 24. August 2020
, E. 3.5
)
.
E
ine Operation war nicht geplant
(vgl. Urk. 9/K19)
.
Jedoch gelten ä
rztliche Verlaufskontrollen
sowie
die
Einnahme von Medikamenten
nicht als
auf
eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlungen im Sinne der Rechtsprechung
,
so wie
auch
eine blosse Verbesserung allein des Leidens an sich, eine nur kurzfristige Linderung, eine Verbesserung der Befindlichkeit oder
,
dass
die v
ersicherte
Person
etwa von Physiotherapie profitieren kann,
nicht
zu genügen vermag
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_306/2016 vom 22. September 2016 E. 5.3 mit Hinweis)
.
War
daher
aber
die Beschwerdeführerin seit
dem 1.
September 2020 wieder vollumfänglich arbeitsfähig und
wurden
zu diesem Zeitpunkt
keine
auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes und der
Ar
beitsfäh
igkei
t gerichteten therapeutischen Vorkehren
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG
geplant
, ist der Fallabschluss
per
31. August 2020
zu Recht erfolgt.
So ist denn auch nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung
der Fall in der Regel abzusc
hliessen
,
wenn
die versicherte Person wieder in der Lage
ist
, in ihrer angestammten Tätigkeit vollzeitlich erwerbstätig zu
sein,
selbst wenn
ihre
Befindlichkeit durch
die Fortsetzung der medizinischen Behandlung noch verbessert werden könnte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_970
/
2012 vom 31. Juli 2013 E. 3.4)
.
4.3
Soweit die Be
schwerdeführerin
nun
vorbringen
lässt, sie habe sich –
da sie weiterhin Schmerzen im linken Knie verspürt habe –
am 9.
Februar 2021
einer Knie-Arthroskopie unterzogen
und
dass sie
seither
vorerst bis zum 6. April 2021 arbeitsunfähig sei
(Urk. 1 S.
3)
,
sowie
dass die operativ behandelten Befunde
gemäss Angaben des Operateurs Dr.
D._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallkausal seien
(Urk. 1 S.
9
, vgl. auch Urk. 14
-
Urk. 15
)
,
ändert dies
im vorliegenden Zusammenhang
nichts.
Denn wenn
die Beschwerdeführerin
im Zusammenhang mit
der Operation
vom 9.
Februar 2021
unter Bezugnahme auf Dr.
D._
erneut
Leistung
en aufgrund des Unfalls vom 6.
Juni 2020 beansprucht
,
ist dies
es Leistungsbegehren
– nach
dem sich der Fallabschluss per 31. August 2020 als rechtens erweist
(E. 4.2)
-
als
(
sinngemässe
)
Rückfall
meld
ung
zu qualif
i
zieren
; der operativ behandelte Gesundheitsschaden wird daher
von
der
Beschwerdegegnerin
unter Vornahme von
rechtsgenüglichen
Abklärungen
unter dem Aspekt
des Rückfalls
in einem
neuen
Verfahren
prüfe
n zu sein
.
4.4
Zusammengefasst ist die
Beschwerde
unter
Bestätigung,
dass der Fallabschluss per 31.
August 2020 rechtens war,
abzuweisen, und die Sache
zur Prüfung
des weiteren Leistungsbegehrens als sinngemässe
Rückfall
meldung
an die Beschwerdegegnerin
zu überweisen.