Decision ID: 086a94f1-7df9-4c3d-8a44-7a84f5bcc91f
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 25. Januar 2011 (DG100510)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 23. Septem-
ber 2010 ist diesem Urteil Beigeheftet (Urk. 13)
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 - 6
BetmG in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG.
2. Vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel-
gesetz im angeklagten Vorgang 81 (Anklageziffer 5) wird der Beschuldigte
freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 3⁄4 Jahren Freiheitsstrafe (wovon 191
Tage durch Polizeiverhaft und Untersuchungshaft erstanden sind). Es wird
davon Vormerk genommen, dass dem Beschuldigten mit Verfügung vom
1. Oktober 2010 der vorzeitige Strafvollzug bewilligt worden ist.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
22. September 2010 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse un-
ter Sachkaution ... aufbewahrten Mobiltelefone "Nokia" 1208 IMEI ... und
"Swisskan" N07 IMEI ... einschliesslich Zubehör (3 SIM-Karten) werden ein-
gezogen und der Bezirksgerichtskasse Zürich zur Vernichtung überlassen.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
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Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 24'316.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 48.– Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 14'662.95 Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschul-
digten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Ge-
richtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 51)
Hauptanträge:
1. Der Angeklagte sei vom Vorwurf des mehrfachen Verbrechens gegen
Art. 19 Ziffer 1 Abs. 3-6 BetmG freizusprechen.
2. Der Angeklagte sei aus dem vorzeitigen Strafvollzug zu entlassen.
3. Dem Angeklagten seien die beschlagnahmten zwei Mobiltelefone Nokia
und Swisskan samt Zubehör (3 Sim-Karten) auf erstes Verlangen her-
auszugeben.
4. Sämtliche Kosten der ersten und zweiten Instanz seien auf die Staats-
kasse zu entnehmen. Es sei ihm eine angemessene Genugtuung für zu
Unrecht erlittene Haft seit 24. März 2010 zuzusprechen.
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Eventualanträge:
1. Der Freispruch in Dispositiv-Ziffer 2 des angefochtenen Urteils sei zu
bestätigen.
2. Der Angeklagte sei sodann vom Vorwurf der qualifizierten Widerhand-
lung im angeklagten Vorgang 27 (Anklageziffer 1) freizusprechen.
3. Sollte der Angeklagte der Widerhandlungen gegen das BetmG schuldig
gesprochen werden, sei er mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von
zwischen 30 bis 36 Monaten zu bestrafen. Davon sei die Hälfte zu voll-
ziehen und die andere Hälfte bedingt aufzuschieben, unter Ansetzung
einer angemessenen Probezeit.
4. Die Kosten seien dem Angeklagten ausgangsgemäss aufzuerlegen.
Zwei Drittel der erstinstanzlichen Kosten seien dem Angeklagten aufzu-
erlegen, die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse
zu nehmen. Dem Angeklagten sei für den zweitinstanzlichen Prozess
eine angemessene Entschädigung für die Verteidigungskosten zuzu-
sprechen.
b) Der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I.
a) A._ wird vorgeworfen, sich ab etwa Januar 2010 bis zu seiner am 24.
März 2010 erfolgten Verhaftung als Kokainhändler betätigt zu haben. Dabei habe
er zunächst von einem in B._ ansässigen Lieferanten namens "C._"
zwei Lieferungen im Gegenwert von mindestens Fr. 40'000.– bezogen und dieses
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Kokain im Raum M._ verkauft. Vom Erlös habe er Fr. 20'000.– der Geldkurie-
rin D._ zuhanden von "C._" übergeben. Zur geplanten Übergabe weite-
rer Fr. 20'000.– sei es nicht mehr gekommen (Ziff. 1 der Anklage). Nach vorgän-
giger Absprache mit einem Lieferanten in E._ sei der Beschuldigte dorthin
gereist und am 1. März 2010 mit ca. 850 Gramm Kokain im Verdauungstrakt in
die Schweiz zurückgekehrt. Dieses Kokain habe er in der Folge an unbekannte
Abnehmer verkauft (Ziff. 2 der Anklage). Am 8. März 2010 habe er im Auftrag ei-
ner Drittperson bei einem in F._ ansässigen ... [Staatsangehöriger von
G._] ca. 290 Gramm Kokain abgeholt und in der Folge verkauft oder zumin-
dest zu verkaufen versucht (Ziff. 3 der Anklage). Tags darauf sei er im Auftrag ei-
ner Drittperson nach H._ gereist und habe dort von einem Unbekannten ca.
150 Gramm Kokain übernommen. Dieses Kokain habe er nach I._ gebracht
und seinem Auftraggeber oder in dessen Auftrag einer anderen Person überge-
ben (Ziff. 4 der Anklage). Am 17. März 2009 sei der Beschuldigte schliesslich ein
weiteres Mal nach E._ gereist. Von dort sei er am 24. März 2010 zurückge-
kehrt, wobei entweder er oder eine von ihm beauftragte Drittperson ca. 1 Kilo Ko-
kain in die Schweiz eingeführt hätten, um dieses hierorts zu verkaufen (Ziff. 5 der
Anklage).
b) Das Bezirksgericht Zürich, 1. Abteilung, sprach den Beschuldigten am
25. Januar 2011 bezüglich der Anklagepunkte 1-4 der mehrfachen qualifizierten
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-6 in
Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG) schuldig. Hinsichtlich des Anklage-
punkts 5 erging ein Freispruch. Das Gericht bestrafte den Beschuldigten sodann
mit 3 3⁄4 Jahren Freiheitsstrafe und auferlegte ihm die Verfahrenskosten mit Aus-
nahme derjenigen der amtlichen Verteidigung. Ferner wurden zwei Mobiltelefone
samt Zubehör zur Vernichtung eingezogen (Urk. 35 S. 67/68).
c) Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte rechtzeitig die Berufung an-
melden (Urk. 24; Art. 399 Abs. 1 StPO), fristgerecht auch die Berufungserklärung
einreichen (Urk. 31, vgl. Urk. 29/1; Art. 399 Abs. 3 StPO) und diese nach entspre-
chender Fristansetzung seitens der obergerichtlichen Verfahrensleitung (Urk. 38)
präzisieren. Daraus geht hervor, dass der Beschuldigte einen vollumfänglichen
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Freispruch, zumindest aber eine mildere, teilweise bedingt vollziehbare Strafe
sowie die Herausgabe der beschlagnahmten Mobiltelefone erreichen will. Die Ver-
teidigung verzichtete zugleich auf Beweisanträge (Urk. 40). Die Staatsanwalt-
schaft II des Kantons Zürich teilte innert angesetzter Frist (vgl. Urk. 41) mit, dass
sie auf eine Anschlussberufung verzichte und ebenfalls keine Beweisanträge stel-
le (Urk. 44). Nach der heutigen Berufungsverhandlung ist der Prozess spruchreif.
II.
Die Berufung hemmt die Rechtskraft des angefochtenen Urteils im Umfang
der Anfechtung (Art. 402 StPO). Mit Beschluss ist daher vorab festzustellen, dass
der unangefochten gebliebene Freispruch bezüglich Ziff. 5 der Anklage rechts-
kräftig geworden ist.
III.
1. a) aa) Der Beschuldigte bestritt während des gesamten Verfahrens jegli-
che Beteiligung an Drogengeschäften (Urk. 2/1-13; Urk. 19 S. 3/4; Urk. 50
S. 7 ff.). Zu den Mobiltelefon-Rufnummern, die er für solche Geschäfte benützt
haben soll, erklärte er teilweise, diese sagten ihm nichts (076 / ... und 078 / ...;
Urk. 2/1 S. 2), bzw. er wisse nicht, ob es seine Nummern seien (... / ...; Urk. 2/3
S. 2). Zur Nummer 076 / ... gab er an, sich daran nicht zu erinnern. Eine Frage
später wusste er dann doch, dass er diese "von jemandem gekauft" hatte (Urk.
2/5 S. 2), ebenso wie die Nummer 078 / ... (Urk. 2/5 S. 3). In die Schweiz ge-
kommen sei er jeweils, um Autos zu kaufen (Urk. 2/1 S. 5, Urk. 2/2 S. 2). Am Te-
lefon könne er sprechen, was er wolle, solange er keine Drogen in seinen Händen
halte (Urk. 2/2 S. 2). Seine häufigen Wechsel der Telefonnummern erklärte der
Beschuldigte damit, dass solche manchmal vorkämen, weil er von gewissen Leu-
ten nicht belästigt werden wolle (a.a.O., S. 3), insbesondere nicht von einer Frau,
von der er keine Anrufe wolle, wenn er in E._ sei (Urk. 2/4 S. 5). Von einer
Person namens "C._" wisse er nichts. Auch habe er mit niemandem über
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Drogen gesprochen (Urk. 2/2 S. 3). In der staatsanwaltschaftlichen Hafteinver-
nahme wurde dem Beschuldigten vorgehalten, dass in diversen abgehörten Tele-
fongesprächen von einer Verhaftung in S._ die Rede gewesen sei, bei der
die Polizei zum Glück nichts gefunden habe. Er antwortete darauf, dass er nicht
über im Körper mitgeführte Drogen gesprochen, sondern lediglich gesagt habe,
wenn er etwas bei sich gehabt bzw. die Polizei etwas gefunden hätte, wäre er ins
Gefängnis gekommen (a.a.O., S. 3). Damit anerkannte er zumindest implizite, die
betreffenden Gespräche geführt zu haben. In einer weiteren Befragung bestätigte
er zudem, am 1. März 2010 bei der Einreise in die Schweiz mehrere Stunden
festgehalten und kontrolliert, schliesslich aber wieder freigelassen worden zu sein
(Urk. 2/4 S. 4).
bb) Ab der Einvernahme vom 28. April 2010 wurden dem Beschuldigten die
abgehörten Telefongespräche vorgespielt. Anfänglich bestritt er noch, die jeweili-
gen Gespräche geführt zu haben, und wandte er jeweils ein, dass darin auch gar
keine Drogen erwähnt worden seien (Urk. 2/5 S. 1-13). Wurde ihm vorgehalten,
dass ein solches Gespräch aber mit einem später bei ihm sichergestellten Mobil-
telefon geführt worden sei, erwiderte er, jedermann könne dieses Telefon benüt-
zen (a.a.O., S. 2). Mit der Tatsache konfrontiert, dass der Benützer des Telefon-
anschlusses 078 / ... im Gespräch vom 15. Februar 2010, 13.32 Uhr, ausdrück-
lich gesagt hatte, er heisse A._, erklärte er zunächst, er trage nicht als einzi-
ger diesen Namen. Auf den weiteren Vorhalt, der betreffende Gesprächsteilneh-
mer habe aber überdies gesagt, in seiner Familie heisse man J._ – was auf
ihn gemäss seinen eigenen Aussagen exakt zutrifft (Urk. 11/3 S. 1) –, wusste der
Beschuldigte "keine Antwort" (Urk. 2/5 S. 5/6). Im weiteren Verlauf der Einver-
nahme ging er immer mehr dazu über, die Fragen des einvernehmenden Beam-
ten nur noch mit "Ich weiss nicht" oder "Kein Kommentar" zu beantworten
(Urk. 2/5 S. 13 ff.). In den folgenden Befragungen verweigerte der Beschuldigte
schliesslich mit der stereotypen Antwort, er habe "im Moment nichts zu sagen"
(Urk. 2/7, 2/8 und 2/11) bzw. überhaupt "nichts zu sagen" (Urk. 2/10) jegliche
Aussage zu den zahlreichen Telefonaten, die ihm vorgespielt wurden. Auch in der
Konfrontationseinvernahme mit D._ (zu Ziff. 1 der Anklage) erklärte der Be-
schuldigte zu deren (ihn belastenden) Aussagen und auf die Fragen, ob er sie
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oder den von ihr erwähnten Mann namens "C._" kenne, durchwegs nur:
"Kein Kommentar" (Urk. 2/12 S. 6).
cc) In der Schlusseinvernahme gab der Beschuldigte dann immerhin zu,
D._ Fr. 20'000.– übergeben zu haben. Es sei aber kein Drogengeld gewe-
sen. Jemand aus K._ habe dieses Geld für einen Autokauf geschickt. Es ha-
be aber dafür nicht ausgereicht. Dieser Mann habe dann gesagt, er schicke eine
Frau vorbei, um das Geld abzuholen (Urk. 2/13 S. 4). Der Beschuldigte blieb da-
bei, nichts mit Kokain zu tun zu haben (a.a.O., S. 7), und bekräftigte dies auch vor
Bezirksgericht (Urk. 19 S. 3/4) sowie in der heutigen Berufungsverhandlung
(Urk. 50 S. 7 ff.).
b) Die Anklage stützt sich im wesentlichen auf die mit richterlicher Genehmi-
gung (vgl. Urk. 7/1/6, 7/2/6, 7/3/6, 7/4/6 und 7/5/6) abgehörten, dem Beschuldig-
ten ordnungsgemäss vorgespielten und somit als Beweismittel verwertbaren Tele-
fongespräche sowie bezüglich Ziff. 1 der Anklage auf die Aussagen der korrekt
mit dem Beschuldigten konfrontierten Mitbeschuldigten D._ (Urk. 3/1 und
2/12). Kokain konnte beim Angeklagten nie sichergestellt werden. Es ist zu prü-
fen, ob sich die verbleibenden Anklagesachverhalte (Ziff. 1-4) auf dieser Grundla-
ge mit rechtsgenügender Sicherheit erstellen lassen oder ob ernsthafte, letztlich
nicht überwindbare Zweifel an deren Richtigkeit bestehen und der Angeklagte
deshalb nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen ist.
2. a) Bezüglich Ziffer 1 der Anklage (Vorgang 27) räumte der Angeklagte
letztlich ein, dass jemand D._ zu ihm geschickt hatte, um Fr. 20'000.– abzu-
holen (Urk. 2/13 S. 4). Sie musste das Geld aber nicht nach K._, sondern
nach B._ bringen (Urk. 3/1 S. 8). Ausserdem gab sie zu, dass sie für den
Auftraggeber namens "C._" nicht nur beim Beschuldigten, sondern auch an-
derswo Geld "eingesammelt" hatte (Urk. 2/12 S. 2). D._ führte weiter aus,
dass ihr "C._" zwar angegeben habe, er handle mit Autos. Sie habe aber
"schwer angenommen", dass es um Drogengeld gegangen sei (Urk. 3/1 S. 9),
und ihn nicht fragen wollen, woher dieses Geld stamme (Urk. 2/12 S. 4). Weshalb
sie wahrheitswidrig solche Aussagen machen sollte, ist nicht ersichtlich, belastete
sie sich doch damit auch selber schwer. Auf ihre Angaben kann deshalb ohne
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weiteres abgestellt werden, zumal – wie nachstehend zu zeigen bleibt – auch die
abgehörten Gespräche damit fugenlos zusammenpassen.
b) Nicht nur mit Blick auf diese nachstehend zusammengefassten Gesprä-
che offensichtlich unzutreffend ist demgegenüber die Behauptung des Beschul-
digten, dass das Geld von einer Person in K._ gestammt habe und für einen
Autokauf bestimmt gewesen sei, dafür aber nicht ausgereicht habe. Träfe dies zu,
so hätte der Beschuldigte auch keinen Grund gehabt, bei der polizeilichen Befra-
gung zu diesem Thema anzugeben, dass er D._ überhaupt nicht kenne (Urk.
2/10 S. 1). Nicht erklärbar wäre zudem, weshalb sie etwa 2 1⁄2 Wochen später
nochmals Geld – wiederum 20'000 Franken – bei ihm abholen und "C._"
bringen sollte, er dieses Geld aber noch nicht beisammen hatte und sie deshalb
auf später vertrösten musste (Urk. 2/12 S. 2/4).
c) aa) Aufgrund von D._s Aussagen (Urk. 3/1, Urk. 2/12 S. 2) und der
schliesslich erfolgten Zugabe des Beschuldigten, ihr tatsächlich Fr. 20'000.–
übergeben zu haben, steht sodann ausser Zweifel, dass er in der entsprechenden
Funktion am diesbezüglichen, in der Zeit vom 1.-6. Februar 2010 abgehörten Te-
lefonverkehr (Anhänge zu Urk. 2/10) beteiligt war. Anhand der Telefonprotokolle
lässt sich nämlich säuberlich nachvollziehen, wie die Abholung der Fr. 20'000.–
veranlasst und ausgeführt wurde. Demgemäss können auch die verwendeten Te-
lefonnummern den drei beteiligten Personen sicher zugeordnet werden, nämlich
... ... dem Mann namens "C._", 078 / ... D._ und 078 / ... dem Ange-
klagten:
bb) Am 1. Februar 2010, 11.35 Uhr, ruft der Mann mit der .. Telefonnummer
[aus dem Land B._]... ... die Frau mit der Schweizer Telefonnummer 078 /
... an und teilt ihr mit, sein Kumpel habe ihm gesagt, es werde wohl am Donners-
tag sein. Vielleicht gebe er ihr am Mittwoch dessen Nummer, damit sie den "Kum-
pel" anrufe. Tags darauf ruft der Mann mit der besagten ... Telefonnummer [aus
dem Land B._] den Benützer des Schweizer Anschlusses 078 / ... an, fragt
nach, wie es laufe, und erwähnt eine Frau, die er zu ihm schicken wird. Er erhält
zur Antwort, dass diese Frau übermorgen – am 4. Februar 2010 – kommen soll.
Wenn der Mann mit der Nummer 078 / ... nicht da ist, kann L._ ihr die
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"Schönheit des Mannes" geben. Am 3. Februar 2010, 17.43 Uhr, telefonieren die
beiden Männer wieder miteinander. Der Mann mit der ... Telefonnummer [aus
dem Land B._] hat bereits mit der Frau gesprochen und möchte ihr nun die
Nummer seines Gesprächspartners geben. Er fragt, wie viel "es" beträgt, damit er
ihr Bescheid geben kann, und erhält zur Antwort: "Ich habe dir bereits gesagt,
dass ich es 2 und 0000 mache ...". Wenige Minuten später gibt sein Gesprächs-
partner diese Information an die Frau mit der Telefonnummer 078 / ... weiter: "Es
wird 20 sein". Die Frau soll bitte helfen, das zu wechseln, es soll "auf 5er" sein,
"auf grossen Schein". Er schickt ihr jetzt die Nummer. Unmittelbar anschliessend
übermittelt er der Frau per SMS die Nummer 078 / ... . Sie ruft um 19.36 Uhr dort
an, vereinbart für den folgenden Tag, 15 Uhr, ein Treffen in I._, und meldet
dann sogleich ihrem Auftraggeber, sie habe "ihn" angerufen und eine Vereinba-
rung für 15 Uhr gemacht. Derjenige, den sie treffen soll, telefoniert Minuten später
auf die ... Nummer [aus dem Land B._] und kündigt an, morgen Geld einzu-
sammeln, welches die Frau dann holen kann, wenn sie kommt. Am 4. Februar
2010 kann ab 15.06 Uhr mitverfolgt werden, wie er die Frau telefonisch von
M._ nach I._ lotst. Um 16.21 Uhr ruft er dann auf die ... Nummer [aus
dem Land B._] an und bestätigt, dass er mit der Frau zusammen gewesen ist
und ihr "zwei Kola" gegeben hat. Da der Gesprächspartner ihn nicht sogleich ver-
steht, präzisiert er: "Wie ich dir sagte, 2 und 0000". Am 6. Februar 2010, 16.49
Uhr, schliesslich telefoniert der Mann mit der ... Nummer [aus dem Land B._]
zurück, er habe sich mit der Frau getroffen. Er will wissen, wann sein Gesprächs-
partner wieder wegen der "Schönheit des Mannes" anrufen kann. Dass mit die-
sem Begriff Geld gemeint ist, ergibt sich nicht nur aus dem vorstehend zusam-
mengefassten Gesprächsverkehr, sondern auch aus einem Gespräch, welches
der Beschuldigte am 3. März 2010, 21.38 Uhr vom Anschluss 076 / ... aus (mit
einem Gesprächspartner in E._) führte: "Wenn ich die Schönheit des Man-
nes dafür bekomme, dann irgendwelche, die man bringt, werde ich es auf die
Währung euer Land wechseln ...". Wie D._ später aussagte, sollte es also
nicht bei der einmaligen Übergabe von Fr. 20'000.– bleiben.
cc) Aus dem Telefonverkehr zwischen dem Beschuldigten und "C._"
ergibt sich sodann auch mit aller wünschbaren Deutlichkeit, welcher Art die Ge-
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schäfte waren, welche die beiden Männer miteinander abwickelten. Am 2. Febru-
ar 2010, 20.20 Uhr, geht es nicht nur um die Frau, welche beim Beschuldigten
Geld holen soll, sondern auch darum, dass "C._" sich um etwas kümmern
soll, so dass der Beschuldigte es am Sonntag oder Montag erhält. Am folgenden
Tag um 17.12 Uhr teilt "C._" dem Beschuldigten mit, dass es am Sonntag
möglich sein wird. Der Beschuldigte wird "es" erhalten. Dieser erwidert, dass man
"die Reifen sofort nähen muss", wenn man "es" bringt. Die "Reifen" sind immer
"auf 4 in 1 genäht", aber dieses Mal sollen sie "zuerst auf 2 in 1" genäht werden.
Dann setzt zwischen den beiden Männern eine längere Diskussion über den Preis
ein, den der Beschuldigte dafür bezahlen soll. Auf die "Währung hier" (gemeint
sind offensichtlich Euro), sagt "C._", mache es etwa 2 und 0, aber das sei "3
und 0 Schönheit des Mannes in deinem Land dort" (Franken, zum damals noch
üblichen Kurs von etwa Fr. 1.50 pro Euro). Der Beschuldigte fragt, ob dieser Preis
für "1 Lastwagen" gemeint sei, und erhält zur Antwort: "für ein grosses Ding".
Dem Angeklagten erscheint dies offensichtlich als zu teuer, er will zuerst nur 4
zahlen für den "halben Lastwagen", also 4 und 000 für ein "halbes Ding". Schon
aufgrund dieses Gesprächsinhalts wird klar, dass es nicht um Autos geht, wäre es
doch sinnlos, jemandem ein halbes Fahrzeug zu verkaufen, und ist es ebenso
unsinnig, einen Lastwagen auch als "grosses Ding" sowie die Hälfte davon als
"halbes Ding" zu bezeichnen. Der Beschuldigte sagt ferner, das "Ding", von dem
sie redeten, sei die Sorte, die man in "Osu" herstelle, "R von unserem Land, das
man in Osu herstellt", und die Leute dort verlangten 8 oder gar nur 6 für ein "gros-
ses Ding"! Im weiteren Gesprächsverlauf fragt "C._" den Beschuldigten auf
dessen wiederholte Aussage, dass es Leute gebe, die für ein "grosses Ding" nur
"8 Gelder" von "C._s" Land verlangten, ob "es" denn überhaupt stark gewe-
sen sei, ob das Auto überhaupt galoppieren könne für eine solche Summe. Die
Preisdiskussion wird fortgesetzt, und nun ist auch davon die Rede, dass es bei
dem "halben Lastwagen" darum geht, "Sand" zu transportieren. Diesen soll der
Beschuldigte aber selber "verbessern", wenn er zu ihm kommt. Die "Leute in dem
Insel von E._" zum Beispiel, erklärt "C._", bezahlen immer 18, "und das
für welche, das man schon mischte. ... Was die Leute in "Osu" machen, ist Un-
sinn, nämlich 'klein 1' nehmen und 'mit schlechte 9er mischen', und am Ende ist '1
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grosses Ding' hergestellt. Das ist Unsinn, man macht 7 und auch 8!" Die beiden
Männer können sich bei diesem Gespräch nicht auf einen Preis einigen.
"C._" will zuerst mit "ihm" fertig reden. Der Beschuldigte bekräftigt, dass
"C._" dies tun soll, denn wenn der Mann das Haus nicht streichen will, muss
er, der Beschuldigte, an einen anderen Ort gehen und das Haus dort streichen
lassen. Die beiden Gesprächspartner sind – wie das für den Drogenhandel ty-
pisch ist – auffällig bemüht, das Objekt der Verhandlungen am Telefon nicht mit
seinem richtigen Namen zu bezeichnen. Es handelt sich aber um etwas Pulver-
förmiges ("Sand"), das gemischt werden kann und je nach dem Mischverhältnis
stark ist oder eben minderwertig ("Unsinn"). Schon aufgrund dieses einen Ge-
sprächs kann kaum mehr ernsthaft bezweifelt werden, dass der Beschuldigte von
"C._" Drogen kaufen will.
dd) Aus dem nächsten Telefonat vom selben Tag, 17.43 Uhr, geht noch
deutlicher hervor, dass vom Drogenhandel die Rede ist, und ergibt sich auch,
dass "C._" den Beschuldigten schon einmal beliefert haben muss. Er will
nämlich wissen, wie viele von den alten noch übrig geblieben sind. Der Beschul-
digte antwortet, es seien noch "1 und 00", und die Leute zu denen man die Farbe
geliefert habe, wollten es nicht haben. Die beiden Männer streiten über die "übrig
gebliebenen", die man zählen muss, wobei es solche gibt, die aufgemacht und
zurückgebracht werden. "C._" moniert, dass ihn diese Sachen nichts angin-
gen, worauf der Beschuldigte entgegnet, ob denn er derjenige sei, "der es kon-
sumiert". Das, was die Frau (D._) abholen soll, sind "2 und 0000", und dafür
ist er seit langem herumgelaufen. "C._" findet aber, das "alte" sei mehr als "2
und 0000". Wenn der Beschuldigte es abrechne, werde er sehen, dass es auch
nach Wegnahme der Lieferungskosten "2 und 2 und plus" betrage. Darum will er
zuerst das alte erledigen (bevor neues geliefert wird). Zu Beginn des Gesprächs
teilt er dem Beschuldigten mit, dass sie dieses Ding – "1 Lastwagen" – für "2 und
0 auf die Schönheit des Mannes euerem Land" machen können, welche "bei uns
hier 13 ausmacht". In einem weiteren Gespräch am selben Abend, um 19.49 Uhr,
erwähnt der Beschuldigte dann ausdrücklich die "erste Lieferung", von der "1 und
00" übrig geblieben sind, weil er das Ding seinen Kunden gegeben, diese es aber
nicht akzeptiert haben. Da aufgrund der Telefongespräche und der Aussagen von
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D._ (und schlussendlich sogar des Beschuldigten selbst) klar erschlossen
werden kann, dass mit "2 und 0000" die Zahl 20'000 gemeint ist, liegt auf der
Hand, dass "1 und 00" die Zahl 100 bedeutet. Dabei kann es sich nicht um 100
mit Drogen gefüllte Fingerlinge handeln. Diese Menge entspräche etwa einem Ki-
lo, und soviel kann von der ursprünglichen Lieferung, die nach "C._s" Auf-
fassung mindestens 22'000 Franken wert war, nicht übrig geblieben sein, nach-
dem schon ein Erlös von Fr. 20'000.– erzielt worden ist. Mit den "1 und 00" müs-
sen vielmehr 100 Gramm gemeint sein, die zufolge schlechter Qualität von den
Kunden des Beschuldigten nicht akzeptiert wurden.
ee) Im bereits erwähnten Gespräch vom 6. Februar 2010, 16.49 Uhr, kündigt
der Beschuldigte (078 / ...) an, er werde seinen Gesprächspartner morgen anru-
fen, aber mit einer anderen Nummer, denn diese Nummer sei "nicht mehr gut ge-
wesen". Sein Anruf erfolgt noch am selben Abend um 20.27 Uhr von der Nummer
076 / ... aus, die auch im Zusammenhang mit dem unter Ziffer 2 eingeklagten
"Vorgang 74" und der damals erfolgten Verhaftung des Beschuldigten verwendet
wurde (vgl. nachstehend Erw. III/3/b) und daher zweifelsfrei dem Beschuldigten
zugeordnet werden kann. Der Anrufer nimmt auch auf den angekündigten Num-
mernwechsel Bezug: "Wir werden jetzt auf diese reden". Der Mann mit dem ...
Telefonanschluss [aus dem Land B._] fragt, wie es mit der anderen gehe, ob
er diese "töten" soll. Der Beschuldigte bejaht dies, und sein Gesprächspartner
bemerkt dazu, dass es für den Beschuldigten nie schwierig gewesen sei, eine
Nummer zu töten. Der Beschuldigte erklärt abschliessend noch, er habe die
Nummer gewechselt, weil er "vielen Leuten über das Ereignis auf die Nummer er-
zählte".
ff) Schon tags darauf, um 21.00 Uhr, verwendet er wiederum eine andere
Telefonnummer, nämlich 078 / .... Auch diese kann ihm mit Sicherheit zugeordnet
werden: Einerseits berichtet er später, am 1. März 2010, mittels dieses Telefon-
anschlusses mehreren Personen über seine an diesem Tag in S._ erfolgte
Verhaftung (vgl. den diesbezüglichen Rapport der Grenzwache, Urk. 1/7a; dazu
nachstehend Erw. III/3b). Anderseits erwähnt er im Gespräch vom 7. Februar
2010, 21.00 Uhr, auch wieder die Person namens L._, von der er schon frü-
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her (am 2. Februar 2010, 20.20 Uhr, mit der Nummer 078 / ...) gesprochen und
gesagt hat, dieser könne D._ die "Schönheit des Mannes" (die von ihr abzu-
holenden Fr. 20'000.–) übergeben. Auch der Inhalt des Gesprächs, welches der
Beschuldigte nun führt, weist überaus deutlich auf den Drogenhandel hin. Der
Mann mit der ... Telefonnummer [aus dem Land B._] soll ihm nämlich "ein
kleines Ding bringen, so dass ich dieses, welches man aufmachte, verstärke, und
auch so dass ich alles fertig mache und eine Schönheit des Mannes zu dir gebe".
Es gebe nämlich Leute, denen man "es" gegeben habe, und sie hätten es aufge-
macht und dann gesagt, dass sie solche nicht mögen. Im weiteren Gesprächsver-
lauf ist von "1 und 00" die Rede, die sich bei einem Jungen befunden haben und
welche der Beschuldigte abholen wollte, aber schon einer anderen Person ge-
bracht worden waren. Der Gesprächspartner des Beschuldigten erwähnt nun
auch ausdrücklich "das zweite Ding, welches ich dir lieferte" und will wissen, wann
es "fertig geworden ist". Der Beschuldigte antwortet, er verkaufe es noch, worauf
ihm der Gesprächspartner vorrechnet, wieviel Geld er von ihm noch erwartet,
nämlich "... 2 und 6 und 2 und 0" und dann für das neue, wenn der Beschuldigte
zuvor das Geld für den Kurier wegnehmen, weitere "2 und 1 und 7 und 5 und 0".
Wenn die Ware beim Beschuldigten dann "leer geworden" ist, wird ihm der Mann
mit der ... Telefonnummer [aus dem Land B._] sagen, wann er für ihn "Klei-
der waschen und Dinge zu ihm bringen" wird. Nachfolgend spricht der Beschul-
digte wieder von der Ware, welche die Abnehmer nicht haben wollten. L._
habe ihn aufgefordert, es von den Leuten zurückzunehmen, so dass er es sorgfäl-
tig verkaufe. Dass hier von nichts anderem als vom Drogenhandel die Rede sein
kann, bedarf keiner komplizierten Erklärung, zumal nicht unter Mitberücksichti-
gung der Telefonate, welche der Angeklagte später im Zusammenhang mit der
Verhaftung in S._ führt. Der illegale Charakter der Geschäfte, über die er hier
mit dem "..." [Staatsangehöriger von B._] spricht, wird auch daraus ersicht-
lich, dass der Angeklagte anschliessend unverblümt erklärt, weshalb er so fleissig
die Telefonnummern wechselt: "Dieses Land sieht im Moment irgendwie aus ...
ich habe dir zuletzt gesagt, dass man den Tiger verhaftet habe ... Deswegen habe
ich alle meine Linien getötet, und diese Linie, auf der wir jetzt reden, wenn du
mich nächstes Mal anrufen möchtest, und zwar auf die Nummer, welche ich dir
- 15 -
zuletzt gab. ... Wenn du mich anrufst, brauchst du nicht über das zu reden, also
wir sollen nur normal Diskussionen führen."
gg) Am 15. Februar 2010, 08.48 Uhr, wird schliesslich noch ein Anruf der
Frau mit der Telefonnummer 078 / ... (D._) aufgezeichnet. Der Beschuldigte
(078 / ...) verspricht ihr, sie anzurufen, sobald er fertig ist. Dieses Gespräch un-
termauert die Aussage von D._, dass sie beim Beschuldigten noch ein zwei-
tes Mal Geld abholen sollte.
d) Aufgrund der abgehörten Telefongespräche und der Aussagen von
D._, die vom Beschuldigten teilweise, nämlich hinsichtlich der Übergabe von
Fr. 20'000.–, auch als richtig anerkannt wurden, ist erstellt, dass der Beschuldigte
im Drogenhandel tätig war. Erwiesen ist, dass er von einem in B._ ansässi-
gen Lieferanten zwei Lieferungen im Wert von jeweils ca. Fr. 20'000.– bezog. Er
bezahlte dafür einmal auch Fr. 20'000.–, wobei er diesen Betrag am 4. Februar
2010 in I._ der Geldkurierin D._ übergab, die das Geld nach B._
brachte. Der Verkauf der Drogen aus der zweiten Lieferung war am 7. Februar
2010 noch im Gange und sollte nach der Auffassung des Lieferanten nach Abzug
des Kurierlohns Fr. 21'750.– einbringen. Die Geldkurierin D._ begab sich ge-
gen Ende Februar 2010 erneut nach I._, um Fr. 20'000.– abzuholen. Der Be-
schuldigte gab ihr jedoch an, er habe das Geld nicht und werde es ihr später nach
N._ bringen. Dies geschah allerdings nicht (Urk. 2/12 S. 4). Ob die Zahlung
letztlich auf einem anderen Weg erfolgte oder die zweite Drogenlieferung unbe-
zahlt blieb, konnte nicht ermittelt werden. Unbekannt blieb auch die jeweils gelie-
ferte Menge, wenngleich die Telefongespräche darauf hinweisen, dass mit "einem
Lastwagen" bzw. einem "grossen Ding" für Fr. 20'000.– mindestens ein halbes Ki-
lo Drogen gemeint war. In diese Richtung deutet insbesondere der Umstand, dass
der Beschuldigte für die erste Lieferung Fr. 20'000.– bezahlen konnte, als davon
noch "100" (also wohl 100 Gramm) unverkauft waren. Aufgrund der Preislage
steht ausser Zweifel, dass es sich um sogenannte harte Drogen handelte. Die
Bezeichnung als "Sand" lässt auf ein Pulver und somit Kokain oder Heroin
schliessen. Die Folgerung der Anklagebehörde, es sei Kokain gewesen, ist nicht
zu beanstanden, da über B._ und E._ notorischerweise dieser Stoff im-
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portiert wird, während das Heroin fast immer über Südosteuropa in die Schweiz
gelangt (und auch kaum je in Fingerlingen geschluckt und so transportiert wird).
Zudem hätte selbst bei einer Eventualanklage auf Heroin zu Gunsten des Ange-
klagten von Kokain ausgegangen werden müssen, dessen Grenzwert zum
schweren Fall mit 18 Gramm höher liegt als von derjenige von Heroin mit 12
Gramm (BGE 109 IV 145). Der Sachverhalt gemäss Ziff. 1 der Anklage ist somit
erstellt.
3. a) Gemäss Ziffer 2 der Anklage soll der Beschuldigte am 1. März 2010
von E._ kommend bei O._ in die Schweiz eingereist sein und dabei in
seinem Verdauungstrakt ca. 85 Fingerlinge mit insgesamt ca. 850 Gramm Kokain
mitgebracht haben. Dieses Kokain habe er anschliessend an diverse unbekannte
Abnehmer verkauft.
b) aa) Zur fraglichen Zeit wurden die Telefonanschlüsse 078 / ... und
078 / ... – die nach dem bereits Gesagten dem Beschuldigten zuzuordnen sind –
schon seit längerer Zeit überwacht. Ab dem 14. Februar 2010 wurden etliche Ge-
spräche verdächtigen Inhalts aufgezeichnet, wobei die Gesprächspartner des Be-
schuldigten jeweils ... Telefonnummern [von E._] benützten und sich mindes-
tens teilweise auch in E._ befanden (15. Februar 2010, 13.32 Uhr: "Ich woh-
ne in Q._ ..."). Es ist davon die Rede, "ein kleines Ding" zu machen, "etwas
zu schieben", wozu jemand gefunden werden muss, dem man dann "die Fahrt-
strecke sagen" muss. Es wird auch ausdrücklich von einem Kurier gesprochen
und über den Preis der Ware verhandelt, um die es geht, die aber nie namentlich
genannt wird (Gespräch vom 15. Februar 2010, 13.15 Uhr). Die Gesprächsteil-
nehmer sind offensichtlich bemüht, möglichst verklausuliert zu sprechen. In einem
weiteren Gespräch (15. Februar 2010, 13.32 Uhr) erklärt der Mann in E._:
"Es gibt Dinge vorhanden, aber alles hängt nur von euch ab!". Er erwähnt einen
Mann namens "P._" in M._, der nach Erhalt eines Koffers in zwei Wo-
chen alles verkauft und das komplette Geld auszahlt. Er möchte aber "lieber et-
was mit meinem Bruder machen als mit jemand aus anderem Land." Der Be-
schuldigte kündigt an, demnächst – noch in dieser oder in der nächsten Woche –
vorbeizukommen. Er wird jetzt herumlaufen, damit er Geld überweisen kann, "1
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Ding oder 2 Dinge". In diesem Gespräch sagt er auch, dass er A._ heisse
und sich seine Familie zuhause "J._" nenne. Gleichentags um 20.20 Uhr
folgt aus E._ die Nachricht, dass "Ware" angekommen ist und noch mehr
davon erwartet wird. Es werden nur noch Leute gebraucht, welche die Reise ma-
chen. Der Beschuldigte soll Geduld haben, dann können sie miteinander "1 Ding
machen". Einen deutlichen Hinweis auf die Natur der "Ware", die geliefert werden
soll, ist die in diesem Gespräch gefallene Äusserung des Beschuldigten, man ver-
kaufe vielleicht nur einen Fingerling, aber diese (Ware) sei so, dass sie sofort eine
andere Person nehme, wenn jemand sie nicht wolle. Am 19. Februar 2010 um
18.50 Uhr meldet der Beschuldigte (076 / ...) nach E._, dass er am Montag
dorthin fliegen wird. Kurz darauf (19.26 Uhr) verhandelt er in einem längeren Ge-
spräch über das Entgelt für den "Autofahrer" und auch über den Preis der Ware,
der normalerweise "... 3 auf Währung von diesem Ort" (E._) beträgt. Am 22.
Februar 2010 telefoniert der Beschuldigte nach E._, dass er um 12.55 Uhr
abfliege. Er erhält die Anweisung, nach der Ankunft in Q._ mit einem Taxi
zum "... Zentrum" zu fahren. Nach diesem Telefonat reisst die Kette der abgehör-
ten Gespräche für eine Woche ab.
bb) Fest steht aufgrund der schon im Zusammenhang mit dem Vorgang 27
(Anklageziffer 1) und ab dem 1. März 2010 auch im vorliegenden Zusammenhang
wiederum verwendeten Telefonnummern sowie aufgrund der ausdrücklichen Na-
mensnennung in einem der Telefonate, dass die bis dahin aufgezeichneten Ge-
spräche vom Beschuldigten geführt wurden. Was ausser eben Drogen von offen-
bar nicht so leicht rekrutierbaren Kurieren quer durch Europa transportiert, in Fin-
gerlingen verpackt und von denjenigen, die damit handeln, am Telefon stets nur
als "Ding", "Ware" oder "etwas" bezeichnet wird, bleibt unerfindlich. Um Getränke,
wie vom Beschuldigten einmal behauptet (Urk. 2/5 S. 8), ging es dabei sicher
nicht. Der Beschuldigte müsste aber, wenn es sich tatsächlich nicht um Drogen
gehandelt hätte, problemlos in der Lage und sehr daran interessiert sein, eine
plausible Erklärung für den höchst seltsamen Inhalt der von ihm geführten Ge-
spräche zu liefern. Nicht ernsthaft bezweifeln lässt sich daher, dass in diesen Ge-
sprächen eine Drogenlieferung an den Angeklagten vorbereitet wurde, wie ihm
dies im ersten Teil der Anklage-Ziffer 2 vorgeworfen wird. Ob es dabei um die 85
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Fingerlinge mit insgesamt 850 Gramm Kokain ging, welche der Beschuldigte ge-
mäss Anklage dann am 1. März 2010 in die Schweiz gebracht haben soll, ist nicht
sicher, kann aber auch offen bleiben.
c) Erwiesen ist sodann, dass der Angeklagte am 28. Februar 2010 mit dem
Zug von R._ (E._) abreiste und am folgenden Tag um 10.10 Uhr in
M._ ankommen sollte. Das entsprechende Billett (vgl. Urk. 1/7a S. 4) trug er
auf sich, als er in S._ von Beamten der Grenzwacht angehalten und kontrol-
liert wurde. Dem diesbezüglichen Rapport ist im einzelnen zu entnehmen, dass
A._, geb. tt.mm.jj., im Zug kontrolliert wurde und sich mit einem ... Pass [des
Staates K._] und einer ... Aufenthaltsbewilligung [des Staates E._] aus-
wies. Die Beamten nahmen auf dem Grenzwachtposten S._ eine Leibesvisi-
tation vor und durchsuchten sein Gepäck, beides mit negativem Resultat. Sie hat-
ten offenbar den Verdacht, dass der Beschuldigte in seinem Körper Drogen
transportierte, und holten deshalb bei der zuständigen Stelle die Bewilligung ein,
den Beschuldigten einer Röntgenuntersuchung zu unterziehen. Er weigerte sich
jedoch und wurde für allfällige Weiterungen der Kantonspolizei AJ._ (Betäu-
bungsmittelfahndung) übergeben (Urk. 1/7a S. 1).
d) aa) Ab dem 1. März 2010, 18.13 Uhr berichtet der Beschuldigte in rascher
Folge zahlreichen Gesprächspartnern von seiner Verhaftung. Aufgrund der von
ihm schon früher verwendeten Telefonnummer 078 / ... und des Gesprächsinhalts
(u.a. Verhaftung in S._ aus dem Zug heraus, verweigerte Röntgenuntersu-
chung) steht mit Sicherheit fest, dass er diese Gespräche führte. In der
Schlusseinvernahme bestritt er dies auch gar nicht, sondern machte nur geltend,
er habe nichts von Drogen gesagt. In K._ könne man so manches am Tele-
fon erzählen, und bei den erwähnten mehreren Jahren Gefängnis sei es darum
gegangen, was geschehen wäre, wenn er Drogen bei sich gehabt hätte. Dies sei
aber nicht der Fall gewesen, denn sonst hätte die Polizei die Drogen auch gefun-
den (Urk. 2/13 S. 3/4).
bb) Der Inhalt der aufgezeichneten Telefonate ist indessen eindeutiger Na-
tur. Schon im ersten Gespräch sagt der Beschuldigte, er sei nach der Verhaftung
auf die Toilette gegangen und habe "einige die Dinge ausgeschissen" und "alles
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abgewaschen". Die Polizisten hätten ihm gesagt, er müsse das Land verlassen.
Er wolle aber zuerst an seinen Wohnort gehen, so dass er es scheisse, um zu
wissen, wie viele noch in seinem Körper übrig geblieben sind ... also um sie aus-
zuscheissen und den Leuten zu verteilen, bevor er nach dorthin (gemeint wohl:
nach E._) zurückkehre. Im nächsten Telefonat (18.18 Uhr) erklärt der Be-
schuldigte, er habe dort, wo er eingesperrt worden sei, wohl 3, 4 oder 5 Dinge
ausgeschieden. Er wisse nicht, wie viele es gewesen seien. Sobald er die Dinge
ausscheide, wasche er alles ab. Gegenüber einem weiteren Gesprächspartner
führt der Beschuldigte um 18.26 Uhr aus, die Polizei habe ihn in S._ "fast
gegessen". ... Der "Lastwagen" sei nämlich mit "Sand" beladen gewesen. Einige
seien "gelassen". Die Leute hätten gesagt, die Reifen des Lastwagens müssten
geröntgt werden, doch der Fahrer des Lastwagens habe dies abgelehnt. Um
18.35 Uhr spricht der Beschuldigte davon, dass er "einige Sand kippen" und die
übrigen bei seinem Gesprächspartner lassen müsse, denn er müsse verschwin-
den. Gott habe ihm geholfen, sonst hätte er zwei oder drei Jahre im Gefängnis
verbringen müssen (18.39 Uhr). Wenn er kommt, wird er L._ etwa sechs
"Reifen" geben (18.40 Uhr). In einem weiteren Gespräch berichtet der Beschul-
digte von einem "T._", mit dem offensichtlich er selbst gemeint ist. Dieser ist
durchsucht worden und sollte sich auch röntgen lassen. Er hat schon gerechnet,
wie viele Jahre es sein sollte! Der Beschuldigte will weiter wissen, ob sein Ge-
sprächspartner schon mit den Leuten gesprochen habe, welche "die Kleidung
übernehmen" möchten, denn er müsse morgen sein Rückfahrtbillett kaufen. Er
werde alle seine Sachen parken und nach Hauptstadt verlagern. Der Beschuldigte
führt weiter aus, dass ihn die Fahrzeugpapiere retteten. Man müsse Fahrzeuge
kaufen, um im Falle einer Festnahme die Fahrzeugpapiere vorweisen zu können.
Sie hätten "T._" entlassen, aber er habe "5 und 5 Dinge" bei sich getragen.
Sie hätten das nicht gefunden, weil er eine Röntgenuntersuchung abgelehnt habe
(18.41 Uhr). Um 18.51 Uhr will jemand vom Beschuldigten wissen, ob man in ca.
2-3 Stunden irgendwelche Reifen bekomme. Er antwortet, dass es noch 2 1⁄2
Stunden dauere, bis er in der Hauptstadt ankomme, und dann sei er etwa um
21.30 Uhr dort. In einem weiteren, ab 19.31 Uhr geführten Gespräch schildert der
Beschuldigte erneut seine Verhaftung und fügt hinzu, dass der Lastwagen mit
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Sand beladen gewesen sei. Sein Gesprächspartner will daraufhin wissen, ob der
Lastwagen "im Bauch oder im Arsch" mit Sand beladen gewesen sei. Der Be-
schuldigte antwortet, der Lastwagen sei "mit 5 und 5 Menge von Sand" beladen
gewesen, aber er habe "einige Sand durch den Arsch dort ausscheissen" müs-
sen. Am Anfang, als sie ihn eingesperrt hätten, sei er auf die Toilette gegangen,
und dort scheisse er einige aus und wasche sofort ab. Er wisse nicht, wie viele er
ausscheisse, ... er schlage es mit der Hand und alles gehe unter! Auf die Frage,
wie es den Dingen gehe, welche er dabei habe, antwortet der Beschuldigte, er
möchte alle Dinge, die übrig blieben, jemandem übergeben, denn er möchte mor-
gen seine Hände winken ... er werde abfliegen. Zum "Sand" erklärt der Beschul-
digte weiter, dass man 5 nehmen könne, und es gebe noch eine andere Art von
Sand, welche man dazutun könne, und es werde dann immer noch auf 9 betra-
gen. Am folgenden Tag, nun mit der Telefonnummer 078 / ..., erzählt der Be-
schuldigte weiteren Gesprächspartnern von seiner Verhaftung und erwähnt auch
wieder seinen "Lastwagen", der mit "Sanden" beladen war. Er ist schliesslich frei-
gekommen und dankt Gott sehr, denn der "Lastwagen" trug "7 und 5 Dinge". Sei-
ne Kumpel haben ihn zuvor noch gewarnt, diese Strecke zu fahren (2. März 2010,
11.06 Uhr). Sie (d.h. die Polizeibeamten) hätten bei ihm nichts gefunden, aber der
"Lastwagen" sei "mit Sandmenge voll beladen" gewesen. Nun möchte er zuerst
seine "Kleidung" in der Hauptstadt deponieren (11.14 Uhr). Am Anfang, als sie ihn
eingesperrt hätten, habe er einige ausgeschissen und sofort abgewaschen. Aber
nur wenn er jetzt den "Sand" kippe, könne man wissen, wie viele "Sand" losge-
gangen seien. Er habe "8 und 5 Dinge" bei sich getragen, aber es sei weniger als
1 gewesen. Im weiteren Gesprächsverlauf ist auch vom Schlucken der "Dinge"
die Rede (13.26 Uhr). Am Nachmittag teilt der Beschuldigte weiteren Gesprächs-
partnern mit, dass es jetzt eine "gekochte Suppe" gebe (15.11 Uhr), aber es sei
"keine Suppe für Kinder" (15.14 Uhr). Er erzählt auch wieder, dass er bei der Ein-
reise "Sand getragen" habe, "8 und 5 Dinge". Er könne sogar "1 Koffer" tragen
(15.18 Uhr). Am Abend teilt er einem Mann in E._ mit, dass er die "...-
Suppe" verteilt habe (18.34 Uhr). Am folgenden Tag (3. März 2010, 09.27 Uhr)
drängt ein Anrufer mit ... Telefonnummer [aus dem Land B._] den Beschul-
digten, ihm Geld zu überweisen. Der Beschuldigte bittet um Verzeihung. Er wird
- 21 -
es sofort überweisen, wenn er etwas bekommt. Auch einem seiner ... Ge-
sprächspartner [aus dem Land E._] verspricht er, das Geld sofort auf die
Währung von dessen Land (Euro) zu wechseln und es jemandem zu übergeben,
der damit zurückkehrt (21.38 Uhr). Um 21.45 Uhr schliesslich teilt der Beschuldig-
te dem erneut auf Geldzahlung drängenden ... Gesprächspartner [aus dem Land
B._] vom Vormittag mit, er habe die Dinge, welche er gebracht habe, bereits
alle verteilt, und es werde "bis am Freitag sein". Er brauche nur noch die "Schön-
heit des Mannes" (Geld) einzufordern.
cc) Der Beschuldigte schilderte in zahlreichen Telefonaten nicht nur, wie er
verhaftet wurde, die in seinem Körper mitgeführten "Dinge" aber unentdeckt blie-
ben. Abgehört werden konnten auch Gespräche, in denen sich Abnehmer erkun-
digten, ob er nun liefern könne, und solche, in denen er von Lieferanten bedrängt
wurde, die rasch Geld sehen wollten, ihnen bestätigte, bereits alles verkauft zu
haben, und demnächst Geld zu überweisen versprach. Mitgeschnitten werden
konnte sogar, wie der Beschuldigte dozierte, dass man tatsächlich Fahrzeuge
kaufen müsse, um im Verhaftungsfall belegen zu können, dass man kein Drogen-
dealer, sondern ein harmloser Autohändler sei. Als erstellt gelten kann somit,
dass er tatsächlich Drogen importiert hatte und nicht bloss zum Scherz sagte, ihm
hätten – wenn er solche dabei gehabt hätte – zwei bis drei Jahre Gefängnis ge-
droht. Bezüglich der Art der Drogen gilt das bereits zu Ziff. 1 der Anklage Gesagte
(Erw. III/2d).
dd) Zweifelhaft ist allenfalls die mehrfach abgehörte Schilderung des Be-
schuldigten, wie er gleich nach der Verhaftung die Toilette aufgesucht und dabei
mehrere "Dinge" ausgeschieden (und weggespült) habe. Die Beamten der
Grenzwacht hegten ja offensichtlich den Verdacht, dass der Beschuldigte ein so-
genannter "Bodypacker" sei, und wollten ihn deshalb auch röntgen lassen
(Urk. 1/7a S. 1 unten). Dass man ihm unter solchen Umständen leichthin eine Ge-
legenheit geboten haben soll, mitgeführte Drogen zu beseitigen, erstaunt sehr.
Durchaus möglich ist, dass der Beschuldigte diesbezüglich seine Komplizen be-
log, um einen Teil der geschmuggelten Drogen auf eigene Rechnung verkaufen
- 22 -
zu können. Wie es sich damit verhält, kann indessen offen bleiben, da dieses De-
tail weder für den Schuldpunkt noch für die Strafzumessung bedeutsam ist.
ee) Was schliesslich die Menge des in die Schweiz eingeführten und an-
schliessend verkauften Kokains betrifft, machte der Beschuldigte am Telefon un-
terschiedliche Angaben. Aufgrund seiner bekannten Art, Zahlen (wenn auch nur
sehr oberflächlich) zu verschleiern (vgl. Erw. III/2c/dd), kann ohne weiteres davon
ausgegangen werden, dass mit "5 und 5", " 7 und 5" bzw. "8 und 5" die Zahlen
55, 75 bzw. 85 gemeint sind. Dies sind nach der Erfahrung des Gerichts realisti-
sche Zahlen für den Transport von Kokainfingerlingen im Verdauungstrakt. Dazu
passt ferner, dass "8 und 5" nach den Angaben des Beschuldigten weniger als "1"
bzw. "1 Koffer" sind, womit vernünftigerweise nur 1 Kilo gemeint sein kann. Letz-
teres stützt auch die Annahme der Anklagebehörde, dass ein Fingerling 10
Gramm Kokain enthielt (vgl. hierzu auch die Ausführungen zur Anklageziffer 3
(Erw. III/4/c/dd). Nicht recht nachvollziehbar ist, weshalb der Beschuldigte zu-
nächst zwei Gesprächspartnern angab, "55 Dinge" bzw. "55 Menge von Sand"
mitgeführt zu haben, später hingegen (gegenüber anderen Personen) von "75
Dingen" und dann sogar von "85 Dingen" sprach. Klar ist zwar, dass der Beschul-
digte am Abend des 1. März 2010, als er die Menge mit 55 bezifferte, erst gerade
aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden war und, wie er ausdrücklich sagte,
noch "Sand kippen" (d.h. Fingerlinge ausscheiden) musste. Als er tags darauf von
"85 Dingen" sprach, teilte er auch schon interessierten Personen mit, dass es nun
"eine gekochte Suppe" gebe, was darauf hinweist, dass er die Drogen inzwischen
ausgeschieden und zum Verkauf bereitgemacht hatte. Dies vermag aber die un-
terschiedlichen Mengenangaben nicht zu erklären, hatte doch der Beschuldigte
die Fingerlinge zuvor selbst geschluckt, so dass er deren Zahl eigentlich schon
vor dem Ausscheiden hätte kennen müssen. Naheliegender erscheint daher, dass
er gegenüber seinen Gesprächspartnern nicht offenlegen wollte, über welche
Drogenmenge er verfügte, und daher zu hohe oder zu tiefe Zahlen angab. Zu-
gunsten des Beschuldigten ist daher von einer Mindestmenge von ca. 550
Gramm Kokain auszugehen. Er wusste dabei allerdings, dass dieses Kokain so-
gar dann noch von guter Qualität war, wenn es gestreckt wurde (Gespräch vom
1.3.2010, 19.31 Uhr: "Es gibt noch andere Art von Sand, welche man dazu tun
- 23 -
kann, und es wird immer noch auf 9 betragen!"). Erstellt ist aufgrund der abgehör-
ten Telefongespräche schliesslich auch, dass der Beschuldigte diese Drogen
schon am Abend des 3. März 2010 vollständig verkauft hatte und nur noch auf die
Bezahlung warten musste (Gespräch vom 3.3.10: "Die Dinge, die ich mitbrachte,
habe ich bereits verteilt ... ich brauche jetzt nur noch die Schönheit des Mannes
zu fordern").
4. a) In Ziffer 3 der Anklage wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, am
8. März 2010 im Auftrag einer unbekannten, in E._ ansässigen Person (mit
der Telefonnummer ... / ...) Kokain zum Zwecke des Verkaufs übernommen zu
haben. Nach Rücksprache mit einem sich in N._ aufhaltenden Mann namens
"U._" habe er von einem ... [Staatsangehörigen aus G._] in F._
ca. 290 Gramm dieser Droge (nämlich 13 Fingerlinge zu ca. 15 Gramm und 10
solche mit ca. 10 Gramm Inhalt) abgeholt.
b) Das erste bezüglich dieser Tat (Vorgang 80) abgehörte Gespräch wurde
seitens des Mannes, bei dem es sich nach Auffassung der Anklagebehörde um
den Beschuldigten handelte, zunächst (erstes Gespräch) mit der Telefonnummer
076 / ... geführt, die weiteren mit der Nummer 078 / ... . Dass es dabei um ein zu-
sammenhängendes Tatgeschehen ging, ergibt sich aus den nachstehend zu-
sammengefassten Gesprächsabläufen. Von Bedeutung ist dabei insbesondere,
dass die abzuholende Menge von "2 und 9" (bzw. 290) sowohl im ersten Ge-
spräch (7. März 2010, 20.13 Uhr) als auch in späteren Telefonaten (8. März 2010,
10.57, 11.01 und 11.42 Uhr) genannt wurde. Die erwähnten Telefonnummern
sind, wie im Zusammenhang mit den Anklageziffern 1 und 2 gezeigt werden konn-
te, dem Beschuldigten zuzuordnen (vgl. Erw. III/2c/ee-ff und Erw. III/3b). Möglich
ist zwar, dass der Beschuldigte einmal jemandem sein Mobiltelefon auslieh, um
ein Gespräch zu tätigen. Dass er aber am Abend des 7. März 2010 beide Natels
kurz nacheinander einer Drittperson überliess und diese sodann über den An-
schluss 078 / ... bis zum folgenden Mittag zahlreiche weitere Gespräche führte,
wäre äusserst ungewöhnlich und ist daher nicht plausibel. Daran hätte der Be-
schuldigte sich zwei Monate später bei seiner diesbezüglichen Befragung jeden-
falls noch erinnern müssen, und es wäre in seinem ureigensten Interesse gele-
- 24 -
gen, dazu auch Angaben zu machen. Ein starkes Indiz für die Täterschaft des
Beschuldigten bildet ausserdem die Erwähnung einer Polizeikontrolle, in welche
er letztes Mal bei der Einreise geraten ist, und bei der er grosse Probleme gehabt
hätte, wenn er so ein "Ding" zuvor berührt hätte. Dies passt auffällig mit der Tat-
sache zusammen, dass der Beschuldigte am 1. März 2010 in S._ angehalten
und kontrolliert worden war, wobei man (gemäss seinen Ausführungen in ver-
schiedenen Telefonaten (u.a. vom 2. März 2010, 11.06 Uhr) auch seine Hände
auf Drogenspuren untersucht hatte. Es kann deshalb als erwiesen gelten, dass
der Beschuldigte die fraglichen Gespräche geführt hat.
c) Die Telefonüberwachung erbrachte (zusammengefasst) folgende Er-
kenntnisse:
aa) Am 7. März 2010 ruft ein im Ausland ("Wie steht es in eurem Land?") –
gemäss seiner Telefonnummer ... ... mutmasslich in E._ – weilender Mann
den Beschuldigten an und fragt ihn, ob er zu jemandem gehen und etwas abholen
kann. Eines von seinen Dingen, das allerdings nicht ihm allein gehört, befindet
sich bei einem Mann in N._. Derjenige hat schon einige verkauft, Der Be-
schuldigte soll abholen, was noch übrig ist. Auf seine Rückfrage bestätigt der An-
rufer, dass er das Ding hergestellt hat. Der Beschuldigte soll es aber trotzdem zu-
erst überprüfen, in dem er "eins aufmacht", und dann – wenn es etwas ist, das er
verkaufen kann – "alle aufmachen", um sicher zu sein, dass alles dasselbe ist.
Der Beschuldigte soll dann alles zusammenzählen und zu sich nach Hause neh-
men. Als der Anrufer sagt, dass N._ nicht weit von V._ liege, moniert
der Beschuldigte, dass er diesen Ort nicht mehr nennen soll. Er soll ihm nur die
Nummer des besagten Mannes schicken. Der Beschuldigte wird diesen dann kon-
taktieren und fragen, wie viele es sind. Der Gesprächspartner fordert ihn auf, da-
für aber nicht sein eigenes Telefon zu benützen. Anschliessend kommt auf "..."
[Staat E._] Seite noch ein zweiter Mann ans Telefon und betont: "Wir wollen,
dass du dorthin gehst und von ihm abholst, welche noch bei ihm übrig blieben!".
Nun fragt der Beschuldigte, wie viele denn übrig sind, und erhält zur Antwort:
"Ungefähr 2 und ... also 2 und 9". Schon bei diesem Anruf lässt sich kaum noch
bezweifeln, dass über die Abholung von Kokainfingerlingen gesprochen wird: Was
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der Beschuldigte abholen soll, wird nur als "Ding" bezeichnet. Es handelt sich um
etwas, worüber man besser nicht am eigenen Telefon spricht, und dies schon gar
nicht unter Nennung von Örtlichkeiten. Das "Ding" ist offenbar im Ausland herge-
stellt und von dort nach N._ geliefert worden. Es besteht aus mehreren Ob-
jekten, die man aufmachen muss, um zu überprüfen, ob es zum Verkauf taugt,
und ob sich in allen diesen Objekten dieselbe Ware befindet.
bb) Zehn Minuten später spricht der Beschuldigte wiederum mit zwei Män-
nern mit einer (anderen) ... Telefonnummer [aus dem Land E._] (... ...). Im
Laufe des Gesprächs kommt wieder das Ding zur Sprache, welches der Beschul-
digte abholen soll, um es zu "retten". Man soll ihm einfach die Nummer des Man-
nes schicken, und wenn er an seinen Wohnort zurückkehrt, wird er Leute finden,
denen er es gibt. Und wenn diese es testen und sich beschweren, es sei nicht so
gut wie das andere, welches er ihnen jetzt gegeben habe und von ihnen als sehr
gut bezeichnet worden sei, dann sage er ihnen, es sei dasselbe Ding. Der Ge-
sprächspartner antwortet, dass der Beschuldigte es auch aufbewahren und es,
wenn er noch etwas erhält, noch einmal verbessern kann. Der Beschuldigte
möchte aber das Ding nicht berühren. Hätte er es berührt, so hätte er bei der letz-
ten Polizeikontrolle bei der Einreise in dem Land grosse Probleme gehabt. Er wird
für das Ding aber Geld bekommen. Schlimmstenfalls kann man es billiger verkau-
fen – Hauptsache, man kann das Geld realisierbar machen. Die Männer mit der
... Telefonnummer [aus E._] sollen ihm aber die fragliche Nummer sofort sen-
den und dem Mann klar machen, dass morgen jemand kommt, um das andere
abzuholen. Um 21.03 Uhr telefoniert der Beschuldigte mit einer Drittperson (eben-
falls mit ... Nummer [aus E._]) und erwähnt dabei, dass er noch auf die
Übermittlung einer Telefonnummer wartet. Er wird dann dorthin gehen, es angu-
cken und nach Rücksprache mit seinen Auftraggebern abholen. Danach wird er
es an die Leute verteilen. Aus diesen beiden Gesprächen geht deutlich hervor,
dass von Drogen gesprochen wird, denn genau auf solche wurden die Hände des
Beschuldigten untersucht, als ihn die Grenzwacht bei seiner kurz zuvor erfolgten
Einreise anhielt. Klar zum Ausdruck kommt auch, dass der Beschuldigte die Dro-
gen verkaufen will.
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cc) Um 21.44 Uhr ruft der Beschuldigte auf die bereits erwähnte Nummer ...
... an und erhält die fragliche Telefonnummer: 78 ... ... . Er erfährt ausserdem,
dass diese Nummer einem gewissen "U._" gehört, und dass dieser gesagt
hat, das Ding befinde sich "in der Hauptstadt euerem Wohnort". Der Gesprächs-
partner fordert den Beschuldigten zum Schluss noch auf, für den Anruf bei
"U._" eine andere Nummer zu benützen. Der Beschuldigte erwidert, er werde
die gleiche Nummer benützen, verspricht aber, diese nachher sofort auszuschal-
ten. Unmittelbar anschliessend tätigt er diesen Anruf. "U._" erklärt ihm, dass
er in "N._ V._" wohnt. Das Ding befindet sich aber in der Hauptstadt Z,
wo der Beschuldigte wohnt. Es wird vereinbart, dass der Beschuldigte es morgen
abholt. "U._" wird den Mann, bei dem es sich befindet, vorher anrufen, und
er wird dem Beschuldigten dessen Nummer geben. Der Beschuldigte soll das
Ding überprüfen und sofort mitnehmen. Er, "U._", wird diesen Mann beauf-
tragen, die Waage zu bringen, damit man alles wägen kann. Der Beschuldigte be-
tont erneut, dass er das Ding nicht mit seinen Fingern berühren, d.h. die Dinge
nicht aufmachen will. "U._" beruhigt ihn, alle seien eingewickelt worden, und
der Beschuldigte antwortet, dass er es auch genau so abholen wird. Wenige Mi-
nuten später übermittelt "U._" dem Beschuldigten die Nummer 078 /... .
dd) Der Beschuldigte ruft sogleich auf diese Nummer an, und die beiden
Männer vereinbaren für den folgenden Tag, vor 10.00 Uhr ein Treffen, ohne ein
Wort über dessen Zweck zu verlieren. Der Beschuldigte soll zum Bahnhof
F._ kommen. Sein Gesprächspartner wohnt in F._ und wird ihn abholen.
Am 8. März 2010, 10.57 Uhr, telefoniert der Beschuldigte mit seinem Auftragge-
ber. Er will wissen, ob sie das Ding "auf 10er eingewickelt" hätten. Der Mann habe
welche gebracht und gesagt, es sei 1 und 00, und das andere sei auf 1 und 5. Der
Beschuldigte wird gefragt, wie viele es nach den Angaben des Mannes betrage,
und antwortet: "190". Sein Gesprächspartner ist offensichtlich irritiert und fragt
nochmals, wie viele alle insgesamt gewesen seien. Der Beschuldigte erklärt: "Sa-
gen wir mal, der 15er beträgt 1 und 3. Danach sagte er, dass das andere 1 und
00 beträgt." Auf die Rückfrage: "290 oder 190?" bestätigt er schliesslich: "Okay!
290, ja 290". Der Gesprächspartner versteht das nicht, denn es sollte 295 betra-
gen, und weist den Beschuldigten an, es nochmals zu zählen, bevor er damit
- 27 -
weggeht. Der Beschuldigte erwidert, die Sache sei aber, es hier zu kochen, und
erhält zur Antwort, er müsse es in der Anwesenheit des Mannes kochen und
überprüfen. Wenn er es machen könne, solle er es mitnehmen, aber er müsse
sich auch vergewissern, wie viele es allesamt seien. Kurz darauf ruft der Beschul-
digte nochmals an und teilt mit, er (der Mann, bei dem er nun ist) habe ihm ge-
sagt, dass er die Zutaten nicht habe, mit denen man koche. Sein Auftraggeber
entgegnet, er dürfe es nicht nehmen, ohne es gekocht zu haben, aber er könne ja
anderswohin gehen und es dort überprüfen. Der Beschuldigte schlägt vor, es so
zu nehmen und von seinen Kunden überprüfen zu lassen. Das gefällt seinem Ge-
sprächspartner nicht. Der Beschuldigte müsse sicher sein, dass seine Kunden es
auch annehmen, bevor er es nimmt. Darum soll er selber damit an einen Ort ge-
hen, wo er es überprüfen lassen kann. Wenn das nicht geht, muss er es sein las-
sen, denn dieses Ding gehört einer Gruppe. Unmittelbar anschliessend telefoniert
der Beschuldigte mit "U._" und teilt mit, er sei nun bei dem Mann, wolle aber,
dass man das Ding koche, so dass er wisse, ob es die angesprochene Zahl be-
trage. "U._" sagt, er solle es kochen und ausserdem wägen. Der Beschuldig-
te sagt, es gehe nun um den Inhalt, so dass man feststelle, ob es hoch steige. Auf
die Frage nach der Menge erklärt er, es seien vielleicht 5 mehr als die Zahl, sa-
gen wir mal, alle zusammen 2 und 9. "U._" erklärt, es müsse 2 und 9 und 5
betragen. Aber das wichtigste, betont der Beschuldigte, sei jetzt, es zu kochen.
Der Mann, bei dem sich der Beschuldigte aufhält, kommt schliesslich selber ans
Telefon und sagt, er habe dieses Ding wirklich nicht dabei, und es gebe auch
niemanden, der in der Nähe wohne. Auf erneute Rückfrage des Beschuldigten
besteht der Auftraggeber darauf, dass ein kleines Stück davon gekocht wird. Die
beiden Männer einigen sich, dass der Beschuldigte ein Stück davon aufmacht und
zur Prüfung mitnimmt. Er ruft nun wieder "U._" an und sagt, er nehme zwei
Stücke mit, weil er keine Werkzeuge habe, um dieses Ding zu überprüfen. Er ge-
ben ihnen diese zwei und rufe morgen an. Vielleicht nehme er dann alle mit.
"U._" verlangt, dass der Beschuldigte jetzt alle mitnimmt, denn der Mann, bei
dem sich das Ding befindet, will nicht mehr, dass es bei ihm bleibt. Man soll es
von seinem Haus wegnehmen. Der Beschuldigte bleibt dabei, "2 oder 3 zur Pro-
be" mitzunehmen, sonst muss er es sein lassen. Er fragt beim Auftraggeber nach,
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und dieser erklärt, er solle es sein lassen. Der Beschuldigte möchte nur 3 Stücke
nehmen. Wenn man es testet, wenn es 4 Hände hat, dann kann man ein kleines
Ding hinfügen ... Um 11.42 Uhr telefonieren die beiden Männer nochmals mitei-
nander. Der Beschuldigte bestätigt, dass er sich immer noch dort befindet, und
dass alles zusammen 290 beträgt. Er erhält den Auftrag, alles mitzunehmen und
sich darum zu kümmern. Auf erneute Rückfrage bestätigt der Beschuldigte
schliesslich um 11.54 Uhr, dass er gerade am Weggehen ist. Er hat nun alles mit-
genommen, denn er hat sich davon vergewissert, dass alles dieselben Dinge
sind. Auch diese Gespräche sind ohne weiteres verständlich. Der Beschuldigte
trifft den Mann in F._, der nach eigenen Angaben 13 Einheiten (wohl Finger-
linge) zu 15 (Gramm) und daneben weitere 100 Gramm (Kokain) bei sich hat. Der
"..." Auftraggeber [aus E._] ist verwirrt, weil dies zusammen 290 und nicht
295 Gramm sein sollen, und beharrt vor allem darauf, dass der Beschuldigte die
Qualität des Kokains prüft. Dies geht nicht, weil das dazu nötige Material vor Ort
nicht verfügbar ist. Der Beschuldigte will deshalb zunächst nur ein Muster über-
nehmen, damit seine Kunden die Qualität prüfen können, erhält aber schliesslich
die Anweisung, nun doch alles zu übernehmen und für den Absatz des Kokains
zu sorgen. Ob ihm letzteres auch gelungen ist, bleibt unklar. Der unter Ziff. 3 ein-
geklagte Sachverhalt ist insoweit erstellt.
5. a) Gemäss Ziffer 4 der Anklage (Vorgang 78) soll der Beschuldigte
schliesslich am 9. März 2010 im Auftrag eines Mannes mit der Telefonnummer
076 / ... von M._ nach H._ gereist sein und dort von einem ebenfalls
unbekannten Mann mit der Telefonnummer 076 / ... mindestens ca. 150 Gramm
Kokain in rot markierten Fingerlingen entgegengenommen haben. Dieses Kokain
habe er sodann nach I._ transportiert und es dem Auftraggeber oder gemäss
dessen Anweisungen unbekannten Abnehmern übergeben.
b) Auch in diesem Punkt stützt sich die Anklage ausschliesslich auf die Er-
gebnisse der Telefonüberwachung. Für alle diesbezüglichen Anrufe wurde das
Mobiltelefon mit der Nummer 076 / ... verwendet. Im Zusammenhang mit den an-
deren deliktischen Vorgängen, die nach dem bereits Ausgeführten dem Beschul-
digten nachgewiesen werden können, tritt diese Telefonnummer nicht in Erschei-
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nung. Zwar finden sich in den Dossiers zu den Vorgängen 74 (Ziff. 2 der Anklage)
und 80 (Ziff. 3 der Anklage) einige TK-Protokolle von Gesprächen, die am 5. und
11. März 2010 bzw. am 15. März 2010 mit dieser Nummer geführt werden. Diese
Gespräche erscheinen auch durchaus als drogenhandelsverdächtig, doch lässt
sich ein inhaltlicher Zusammenhang mit dem unter Ziff. 2 eingeklagten Kokainim-
port bzw. mit dem gemäss Ziff. 3 der Anklage vom Beschuldigten übernommenen
Kokain nicht ausmachen. Bei der Polizeikontrolle vom 1. März 2010 trug der Be-
schuldigte indessen eine SIM-Karte des Telefonanbieters "W._" mit der SIM-
Nummer ... ... auf sich (Urk. 1/7a S. 3). Die polizeilichen Ermittlungen ergaben,
dass zu dieser SIM-Karte die Rufnummer 076 / ... gehört. Erwiesen ist somit,
dass diese zu den zahlreichen vom Beschuldigten verwendeten Telefonnummern
gehörte. Zudem befand sich der Benützer dieser Nummer bei den bereits erwähn-
ten Gesprächen vom 5. und 11. sowie in einem Fall auch vom 15. März 2010 in
I._. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die genannte Rufnummer regel-
mässig vom Beschuldigten benützt wurde, denn er agierte öfters von I._ aus.
So traf er sich dort mit D._ zur Geldübergabe (vgl. Erw. III/2), führte er von
dort aus am 2. März 2010 zwischen 15.11 und 15.28 Uhr mehrere Gespräche im
Zusammenhang mit dem Vorgang 74 und begab er sich schliesslich am 24. März
2011 nach seiner erneuten Einreise in die Schweiz zum Bahnhof I._, wo er
verhaftet wurde (Urk. 10/1). Hinzu kommt schliesslich, dass dem Beschuldigten in
der Schlusseinvernahme ein Gespräch vom 5. März 2010, 13.27 Uhr (in den Ak-
ten zum Vorgang 74) vorgehalten wurde, worin ihn jemand aufgefordert hatte, ihm
Fr. 50.– zu bringen, so dass sie "das miteinander sortieren" könnten. Er erklärte
dazu, jemand habe ihm gesagt, er solle ihm Fr. 50.– bringen, und gab somit impli-
zite zu, dieses Gespräch mit der Nummer 076 / ... geführt zu haben. Unter diesen
Umständen kann nicht mehr ernsthaft bezweifelt werden, dass ihm auch die
nachstehend zusammengefassten Gespräche zuzuordnen sind, zumal er nicht
einmal behauptete, diese nicht geführt zu haben, und keinerlei Angaben machte,
wer dies sonst getan haben könnte. Er beschränkte sich vielmehr auf die stets
wiederholte Erklärung, dass er "momentan nichts zu sagen" habe.
c) Am 8. März 2010, 19.11 Uhr, ruft ein Mann mit der Telefonnummer
076 / ... den Beschuldigten an und bittet ihn, zum Restaurant zu kommen, weil er
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mit ihm diskutieren möchte. Am folgenden Morgen um 08.07 Uhr ruft der Mann
den Beschuldigten erneut an. Dieser fordert ihn auf, "ihnen" zu sagen, dass sie
sich mit ihm, dem Beschuldigten, in Verbindung setzen sollen. Er sei derjenige,
der komme. Um 08.30 Uhr telefonieren die beiden Männer wiederum miteinander.
Der Beschuldigte wird informiert, dass "es geht", und dass er "ihn" anrufen soll,
damit "er" weiss, ob der Beschuldigte zu "ihm" nach Hause kommt oder wohin.
Wenige Minuten später kontaktiert der Beschuldigte einen Mann mit der Telefon-
nummer 076 / ... . Er fragt, ob er (zu diesem) nach Hause oder ins Büro kommen
soll, und erhält zur Antwort, er solle an den Wohnort des Gesprächspartners
kommen. Es kann aber noch eine Stunde dauern, bis er dort ist. Der Gesprächs-
partner bittet ihn daher, nochmals anzurufen. Dies tut der Beschuldigte, der sich
gemäss den festgestellten Standorten seines Mobiltelefons inzwischen von
M._ nach Y._ verschoben hat, um 09.21 Uhr. Er sagt, dass er gleich
dort an der Fahrzeug-Haltestelle landen wird. Die beiden Männer diskutieren hin
und her, ob sie sich im Büro, beim "Z._" oder beim Angerufenen zuhause
treffen sollen, und vereinbaren schliesslich letzteres. In einem weiteren, wenige
Minuten später aufgezeichneten Telefonat will der Mann mit der Nummer 076 / ...
vom Beschuldigten wissen, was für eine Markierung die Ware trägt. Dieser teilt
ihm mit, dass es Blutfarbe, d.h. rote Farbe sei. Um 09.28 Uhr folgt die Antwort,
dass es "hier nicht so etwas gibt", der Beschuldigte soll denjenigen richtig fragen!
Nun ruft der Beschuldigte, der sich mittlerweile in H._ aufhält, den Mann mit
der Nummer 076 / ... an, der ihn dorthin geschickt hat. Er fragt, welche Farbe das
Auto trage, und erwidert auf die Auskunft, dieses sei rot gewesen, dass er "ihnen"
das gesagt habe, "sie" aber behaupteten, es sei kein Rot. Der Beschuldigte soll
"ihm" (d.h. dem Mann in H._, der gesagt hat, es sei nicht rot) die "Maschine"
(i.e. das Telefon) geben, damit er selber mit diesem reden kann. Dies geht nicht,
weil der Beschuldigte diesen Mann noch gar nicht getroffen, sondern nur mit ihm
telefoniert hat. Um 09.45 Uhr ruft der Beschuldigte den Mann in H._ an und
teilt ihm mit, dass er nun vor dessen Tür stehe. Danach ruht der Telefonverkehr,
bis um 11.40 Uhr der Beschuldigte den Mann mit der Nummer 076 / ... von
AI._ aus informiert, dass er das Auto gebracht, es aber in "..." gelassen ha-
be, denn "wir müssen noch wissen, wo wir das Auto parken". Der Beschuldigte
- 31 -
soll, wenn er in die Hauptstadt kommt, die Strassenbahnlinie "1 und 1" nehmen.
Er will dies nicht machen, der Gesprächspartner soll gegen 15.00 oder 15.30 Uhr
bei ihm vorbeikommen. Dieser ruft jedoch um 14.00 Uhr an und fordert den Be-
schuldigten auf, um 15.00 Uhr nach AA._ zu kommen, von wo sie zusammen
zu diesem Kerl gehen werden, so dass er das Ding sieht. Dem Beschuldigten, der
sich in I._ aufhält, gefällt dies nicht, weil AA._ "sehr gefährlich" ist. Er
will, dass der Gesprächspartner "nach hier" kommt, und beschreibt ihm, wie er mit
der S ... ab AA._ oder mit der S ... ab M._ nach I._ gelangt. Um
15.04 Uhr ist der Mann mit der Nummer 076 / ... in I._ angekommen und ruft
den Beschuldigten an, um den genauen Treffpunkt zu vereinbaren. Am Abend
(20.13 Uhr) fragt er schliesslich den Beschuldigten an, ob er noch herauskomme,
und ob "noch welche übrig" blieben. Der Beschuldigte bejaht dies, es sind noch "1
und 5" übrig.
d) Auch in diesem Fall bedienen sich die drei Beteiligten offensichtlich einer
verschleierten Sprache. Das "Ding", um welches es geht, wird einerseits als "Au-
to", anderseits als "Ware" bezeichnet. Es ist rot markiert, und es können davon
"1 und 5" übrig bleiben. Dem Wortlaut nach ergeben diese Äusserungen keinen
Sinn. In Anbetracht der bereits mehrfach erstellten Verwicklung des Beschuldig-
ten in den Kokainhandel und des Umstandes, dass er mit dem "Ding" lieber nicht
nach AA._ fahren will, weil es dort "sehr gefährlich" ist, steht ausser Zweifel,
dass die fraglichen Telefongespräche ebenfalls ein Kokaingeschäft betreffen. An-
hand des Gesprächsinhalts lässt sich der Ablauf der Ereignisse überzeugend re-
konstruieren. Der Mann mit der Telefonnummer 076 / ... vermittelt den Kontakt
zwischen dem Beschuldigten und dem Mann in H._, damit der Beschuldigte
dort Kokain abholen kann, und zwar dasjenige, welches sich in einer rot markier-
ten Verpackung befindet. So etwas ist angeblich in H._ nicht vorhanden,
doch erhält der Beschuldigte das Kokain schliesslich doch und bringt es nach
I._. Von dort soll er es zusammen mit seinem Auftraggeber zu einem mögli-
chen Abnehmer nach M._-AA._ bringen. Dies ist ihm zu riskant, wes-
halb er darauf besteht, dass der Auftraggeber nach I._ kommt. Dieser bringt
das Geschäft in AA._ offenbar zustande. Danach sind vom Kokain noch "15"
(zur Interpretation von "1 und 5" vgl. Erw. III/2c/dd, III/3d/ee und III/4c/aa-dd) üb-
- 32 -
rig. Zwar nachvollziehbar, aber keineswegs zwingend ist der Schluss der Ankla-
gebehörde, dass damit ca. 150 Gramm (nämlich 15 Fingerlinge à 10 Gramm) Ko-
kain gemeint gewesen seien. Die im Zusammenhang mit Ziff. 3 der Anklage ab-
gehörten Gespräche belegen nämlich, dass der Beschuldigte und dessen Kompli-
zen die Kokainmengen am Telefon nicht immer mit der Anzahl der Fingerlinge,
sondern manchmal auch in Gramm angaben. Ohne weiteres möglich ist daher,
dass auch mit den "15", die am Abend des 9. März 2010 noch übrig waren, nicht
15 Fingerlinge, sondern 15 Gramm Kokain gemeint waren. Davon ist zugunsten
des Beschuldigten auszugehen. Erstellt sind bezüglich Ziff. 4 der Anklage somit
nur die Übernahme und der Transport einer unbestimmten, jedenfalls aber 15
Gramm übersteigenden Menge Kokain zum Zwecke der Weitergabe an den Auf-
traggeber mit der Telefonnummer 076 / ... oder an von diesem bezeichnete Ab-
nehmer.
6. a) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschuldigte nachweislich un-
ter zwei Malen Kokain im Verkaufswert von insgesamt mindestens Fr. 40'000.–
aus B._ importiert und verkauft (Ziff. 1), als "Bodypacker" mindestens ca. 550
Gramm Kokain guter Qualität aus E._ in die Schweiz geschmuggelt (Ziff. 2),
in F._ ca. 290 Gramm Kokain zum Zwecke des Verkaufs übernommen
(Ziff. 3) und schliesslich in H._ eine unbekannte, jedoch 15 Gramm überstei-
gende Menge Kokain abgeholt hat, um dieses weiterzugeben (Ziff. 4).
b) Die rechtliche Würdigung dieser Sachverhalte seitens der Anklagebehör-
de und der Vorinstanz ist im wesentlichen zutreffend, bedarf aber in zwei Punkten
einer Korrektur. Zum einen hat der Angeklagte in allen diesen Fällen Betäu-
bungsmittel transportiert, verkauft oder übernommen und nicht bloss Anstalten
dazu getroffen. Zum anderen ist bei Ziff. 4 der Anklage nicht erwiesen, dass der
Angeklagte mehr als 18 Gramm reines Kokainhydrochlorid übernahm bzw. wei-
tergab. Diesbezüglich ist somit der Tatbestand der (mengenmässig) qualifizierten
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz nicht erfüllt (BGE 109 IV 145).
c) Sind seit der Begehung eines Verbrechens oder Vergehens die massge-
blichen Strafbestimmungen geändert worden, so ist das neue Recht anzuwenden,
wenn dieses im konkreten Fall zu einer milderen Sanktion führt (Art. 2 Abs. 2
- 33 -
StGB; Basler Kommentar, 2. A., N 10 zu Art. 2 StGB mit zahlreichen Hinweisen).
Am 1. Juli 2011 ist eine revidierte Fassung von Art. 19 BetmG in Kraft getreten.
Diese sieht indessen für den Fall, dass die Widerhandlung die Gesundheit vieler
Menschen in Gefahr bringen kann und der Täter dies weiss oder annehmen
muss, nach wie vor ein Mindeststrafmass von einem Jahr Freiheitsstrafe vor
(Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG, vgl. Art. 19 Ziff. 1 Abs. 9 in Verbindung mit Art. 19 Ziff.
2 lit. a BetmG). Diese Mindeststrafe kann zwar nach dem neuen Recht unter-
schritten werden, wenn der Täter erst Anstalten zu Drogengeschäften getroffen
hat oder wenn er selber drogensüchtig ist und zur Finanzierung des eigenen Be-
täubungsmittelkonsums delinquiert hat. Beim Angeklagten sind jedoch diese Vo-
raussetzungen nicht gegeben. Er konsumierte insbesondere nach seinen eigenen
Angaben keine Drogen (Urk. 2/1 S. 4; Urk. 11/3 S. 6) bzw. nur "Gras" (Marihuana;
Urk. 2/2 S. 5). Das neue Recht führt somit in seinem Fall nicht zu einer milderen
Strafe. Der Beschuldigte ist demgemäss der mehrfachen, teilweise (Ziff. 1, 2 und
3 der Anklage) qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-5, teilweise in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a
aBetmG schuldig zu sprechen.
IV.
1. a) Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden in
schweren Fällen (Art. 19 Ziff. 2 aBetmG) mit Freiheitsstrafe von einem bis zu
zwanzig Jahren bestraft. Zusätzlich kann eine Geldstrafe ausgefällt werden
(Art. 19 Ziff. 1 Abs. 9 aBetmG, Art. 40 und Art. 34 StGB).
b) Die mehrfache Tatbegehung ist innerhalb dieses nach oben hin nicht er-
weiterbaren Rahmens obligatorisch straferhöhend in Betracht zu ziehen (Art. 49
Abs. 1 StGB; BGE 116 IV 303). Beim Beschuldigten liegen keine Strafmilde-
rungsgründe (Art. 48 StGB) vor.
c) Die Strafe ist sodann nach dem Verschulden des Täters zu bemessen,
wobei dessen Vorleben und persönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der Stra-
- 34 -
fe auf sein Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden
bemisst sich nach der Schwere der Rechtsgutverletzung, nach der Verwerflichkeit
der Tathandlungen, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach, in-
wieweit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war,
die Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
d) Bei Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz im besonderen
spielt zunächst das Gefährdungspotenzial der in Frage stehenden Betäubungs-
mittel eine Rolle. Im weiteren kommt es darauf an, wie der Täter mit der Droge in
Kontakt gekommen ist, was er damit gemacht hat (Hug-Beeli, Betäubungsmittel-
delikte 1983-1991, S. 429 f., 436 und 438) und ob er im Ablauf des Drogenhan-
dels eine bestimmende oder nur eine untergeordnete Funktion innehatte. So trifft
den Täter, welcher eine bestimmte Drogenmenge lediglich transportiert, grund-
sätzlich ein geringeres Verschulden als denjenigen, der sie verkauft oder zum
Zwecke des Weiterverkaufs erwirbt (BGE 121 IV 206). Andauernde Delinquenz
wiegt naturgemäss schwerer als eine einmalige Verfehlung. Ein wesentliches
Strafzumessungskriterium ist sodann, ob ein Angeklagter selbst drogenabhängig
ist oder ob er im Drogenhandel den leicht verdienten Geldgewinn suchte. Von
Bedeutung sind ferner allfällige Vorstrafen und das Verhalten nach der Tat, insbe-
sondere ein umfassendes Geständnis, kooperatives Verhalten in der Untersu-
chung, Reue und Einsicht. Alle diese Umstände können sich im einen Fall erheb-
lich straferhöhend, im anderen stark strafreduzierend auswirken (BGE
118 IV 348 f.). Bei schweren Fällen von Drogenhandel dürfen die Umstände, die
zur Anwendung des qualifizierten Straftatbestandes von Art. 19 Ziff. 2 BetmG ge-
führt haben, innerhalb des dadurch gegebenen Strafrahmens nicht nochmals
straferhöhend berücksichtigt werden. Bei der Strafzumessung mit in Betracht zu
ziehen ist aber das Ausmass des qualifizierenden Tatumstandes, insbesondere
die Menge der umgesetzten Drogen (BGE 118 IV 347 f.).
2. Der Beschuldigte beging nicht nur eine einmalige Verfehlung, sondern be-
tätigte sich über ca. zwei Monate hinweg ziemlich intensiv im Handel mit Kokain,
einer bekanntermassen sehr gefährlichen Droge mit hohem Suchtpotenzial. Seine
Widerhandlungen bezogen sich auf eine insgesamt grosse Menge in der Grös-
- 35 -
senordnung von deutlich über einem Kilogramm Kokaingemisch. In mindestens
einem Fall wusste der Beschuldigte, dass es sich um hochprozentigen Stoff han-
delte, der auch gestreckt noch von guter Qualität sein würde (vgl. Erw. III/3/d/bb).
Er transportierte zwar, wenn sich dies als nötig erwies, selber Kokain vom Aus-
land in die Schweiz (Anklage-Ziffer 2), verkaufte aber auch grössere Mengen da-
von (Anklage-Ziffer 1). Unter welchen Umständen es zum Einstieg des Beschul-
digten in den Drogenhandel gekommen ist und aus welchen Motiven er handelte,
blieb weitgehend im Dunkeln, weil er während des gesamten Strafverfahrens jeg-
liche Beteiligung an Drogendelikten bestritt. Die Art, wie er am Telefon bisweilen
hartnäckig um den Kokainpreis feilschte (vgl. Erw. III/2c/cc), deutet aber klar da-
raufhin, dass der Beschuldigte mindestens teilweise auf eigene Rechnung handel-
te und finanzielle Beweggründe dabei jedenfalls eine gewichtige Rolle spielten.
Um Beschaffungskriminalität handelte es sich weder ganz noch teilweise, denn er
selber konsumierte nach eigenem Bekunden keine harten Drogen (Urk. 2/1 S. 4;
Urk. 2/2 S. 5; Urk. 11/3 S. 6). Der Beschuldigte war nicht als Kleindealer auf der
Strasse tätig, sondern importierte das Kokain und verkaufte es an kleinere Händ-
ler. Dabei verfügte er über weitreichende internationale Kontakte zu grösseren
Kokainlieferanten in E._ und B._. Er stand somit in der Hierarchie des
Drogenhandels in einer mittleren Stufe. Sein Verschulden wiegt gesamthaft be-
trachtet auch im Rahmen des qualifizierten Tatbestandes von Art. 19 Ziff. 2
BetmG schon recht schwer.
3. a) A._ wurde gemäss seinem mutmasslich echten ... Pass [Staat
K._] (Urk. 5/2, vgl. Urk. 5/3) am tt.mm.jj. geboren und ist ... Staatsbürger
[von K._]. Er trat allerdings auch schon unter anderen Namen (...; Urk. 11/4),
mit anderen Geburtsdaten (...; Urk. 11/2 und 11/5; ...) und sogar mit einer ande-
ren Nationalität (AB._; Urk. 11/4) in Erscheinung. Seine Identität ist insoweit
nicht sicher geklärt. Gemäss seinen in der vorliegenden Untersuchung gemachten
Angaben wuchs der Beschuldigte zusammen mit vier Geschwistern bei seinen El-
tern in K._ (Gliedstaat AC._) auf. Er war nicht bereit, über besuchte
Schulen oder anderweitige Ausbildungen Auskunft zu geben. Seine Angabe, An-
alphabet zu sein, erscheint in Anbetracht verschiedener bei ihm vorgefundener
Notizen mit Namen, Adressen und Telefonnummern (Urk. 4/3) und seiner mindes-
- 36 -
tens zum Schein betriebenen Aktivitäten im Handel mit Gebrauchtwagen (Urk. 2/3
S. 5-7) als zweifelhaft. Über seine bisherigen Wohnorte und Arbeitsstellen war nur
zu erfahren, dass er 2008 schon einmal als (erfolgloser) Asylbewerber in der
Schweiz war, seit seiner ca. im Sommer 2009 erfolgten Heirat zusammen mit sei-
ner Ehefrau legal in AD._ (E._) lebt (vgl. Urk. 5/4) und dort zeitweise auf
dem Bau arbeitet. Das Ehepaar hat mittlerweile eine Tochter (geb. 2010). Bezüg-
lich seiner finanziellen Verhältnisse verweigerte der Beschuldigte die Auskunft.
Seit dem 24. März 2010 befindet er sich in Haft, derzeit im vorzeitigen Strafvollzug
in der Strafanstalt AE._ (Urk. 11/3, Urk. 19 S. 1-3, Urk. 25, Urk. 36, Urk. 50
S. 1 ff.).
b) Der Beschuldigte ist im schweizerischen Strafregister mit einer Verurtei-
lung verzeichnet. Am 7. Mai 2010 fällte der Strafgerichtspräsident Basel-Stadt ge-
gen ihn wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, Vergehens gegen das Be-
täubungsmittelgesetz etc. eine bedingt vollziehbare Geldstrafe von 120 Tagessät-
zen zu Fr. 30.– aus. An dieser Stelle ist beizufügen, dass heute keine Zusatzstra-
fe zu dieser Verurteilung ausgesprochen werden kann, weil die beiden Strafen
nicht gleichartig sind (BGE 137 IV 58). Es sind sodann keine im Ausland erfolgten
Verurteilungen des Beschuldigten bekannt. Abklärungen ergaben im Gegenteil,
dass er zumindest in AF._ (Urk. 11/7), AG._ (Urk. 11/8) und AH._
(Urk. 11/9) nicht vorbestraft ist.
4. a) Neben der bereits erwähnten Deliktsmehrheit (Erw. IV/1b) bestehen
keine weiteren Straferhöhungsgründe. Die erwähnte Vorstrafe bildet vorliegend
keinen solchen, da sie noch nicht bestand, als der Beschuldigte die nun zu ahn-
denden Straftaten beging.
b) Dem Beschuldigten können auch keine Strafminderungsgründe zugute
gehalten werden. Insbesondere fehlt es an einem (auch nur teilweisen) Geständ-
nis, das in diesem Sinne berücksichtigt werden könnte.
5. a) Das Gericht geht zwar heute in dubio pro reo bezüglich der Anklagezif-
fern 2 und 4 von geringeren Kokainmengen aus als die Vorinstanz. Die in erster
Instanz ausgefällte Freiheitsstrafe von 3 3⁄4 Jahren war aber auf der Grundlage der
- 37 -
damals für erstellt erachteten Sachverhalte milde. Sie ist dem nun festgestellten
Sachverhalt durchaus noch angemessen und daher zu bestätigen.
b) Der Angeklagte hat bis und mit heute 527 Tage Haft erstanden (Urk. 10/1-
10; Urk. 25; Urk. 36). Diese sind ihm auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51
StGB).
6. Da die Dauer der ausgefällten Freiheitsstrafe mehr als drei Jahre beträgt,
ist der ganz oder teilweise bedingte Strafvollzug ausgeschlossen (Art. 42 Abs. 1
und Art. 43 Abs. 1 StGB).
V.
Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
22. September 2010 (Urk. 4/2) beschlagnahmten Mobiltelefongeräte und SIM-
Karten dienten nicht zur Begehung von Straftaten, welche dem Angeklagten
nachgewiesen werden konnten. Sie können daher nicht als Deliktswerkzeuge
eingezogen, sondern höchstens zur teilweise Kostendeckung verwertet werden.
Da von einer solchen Verwertung kaum ein Nettoerlös zu erwarten wäre, ist da-
von abzusehen und sind die beschlagnahmten Gegenstände dem Beschuldigten
zurückzugeben.
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VI.
a) Die Berufung des Angeklagten bleibt mit Ausnahme gewisser Korrekturen
bei den gehandelten Kokainmengen, die aber keine Strafreduktion zur Folge ha-
ben, und der Herausgabe von Mobiltelefonen und SIM-Karten erfolglos. Aus-
gangsgemäss ist daher zunächst die erstinstanzliche Kostenauflage einschliess-
lich der Übernahme der Verteidigungskosten auf die Gerichtskasse zu bestätigen
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Ein Vorbehalt der Rückforderung von Kosten der amtli-
chen Verteidigung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt aufgrund des Verbots ei-
ner reformatio in peius (Art. 391 Abs. 2 StPO) ausgeschlossen.
b) Dem unterliegenden Appellanten sind sodann die Kosten des Berufungs-
verfahrens mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung aufzuerlegen
(Art. 428 Abs. 1 StPO), wobei bezüglich der letzteren die Rückforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.