Decision ID: 7cdc2aca-af06-598d-b717-f8b5e05e64dd
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981,
gelernte Köchin (
Urk.
6/87),
be
zog als Kind Leistungen der Invalidenversicherung zur Behandlung des Geburts
gebrechens gemäss
Ziff.
206 des Anhangs zur
Geburtsgebrechensverordnung
(
GgV
;
Urk.
6/8). Am 2
6.
Februar 2010 meldete sie sich aufgrund von verschiede
nen Beschwerden bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/14).
Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizini
sche Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/40-41) mit Verfügung vom 1
0.
Mai 2011
infolge Verletzung der Mitwir
kungspflicht
einen Anspruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen (
Urk.
6/42).
1.2
Am
5.
Juli 2011 meldete sich die Versicherte erneut an (
Urk.
6/52). Die IV-Stelle holte medizinische und berufliche Unterlagen ein und liess die Versicherte durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) psychiatrisch (
Urk.
6/59) und orthopä
disch (
Urk.
6/60
; Untersuchungsbericht
e
vom 2
4.
Januar 2012
) untersuchen
. Mit Vorbescheid vom
5.
Februar 2014 (
Urk.
6/99) stellte die IV-Stelle die Verneinung eines Taggeldanspruc
hs nach
Art.
20
sexies
der
Verordnung über die Invalidenver
sicherung (IVV)
in Aussicht, wogegen die Versicherte Einwände erhob (
Urk.
6/104).
Mit Verfügung vom 1
9.
März 2014 (
Urk.
6/108) verneinte die IV-Stelle einen
Umschulungst
aggeldanspruch der Versicherten. Die dagegen am
5.
Mai 2014 erhobene Beschwerde (
Urk.
6/118/3-12) wies das hiesige Gericht mit Urteil
vom 2
5.
November 2014 im Prozess Nr. IV.2014.00481 ab (
Urk.
6/133).
1.3
Am 2
2.
April 2014 machte die Versicherte eine Verschlechterung geltend (
Urk.
6/112). Mit Mitteilung vom 1
6.
Mai 2014 (
Urk.
6/119) verneinte die IV-Stelle einen Ans
pruch auf berufliche Massnahmen aufgrund des noch hängigen Gerichtsurteils, nahm die entsprechenden Abklärungen aber am 1
2.
Feb
ru
a
r
2015 (
Urk.
6/139) wieder auf.
Dem Gesuch der Beschwerdeführerin auf Abgabe eines Elektrofahrzeugs vom 2
2.
Dezember 2014 (
Urk.
6/150) wurde mit
Mitteilung vom 1
7.
Mai 2016 entsprochen (
Urk.
6/173).
Sodann sprach die IV-Stelle der Versi
cherten am 1
5.
Februar 2016 eine externe Berufsberatung und eine Potentialab
klärung
zu (
Urk.
6/159-160), worüber am
1
2.
April 2016 berichtet wurde (
Urk.
6/169).
Am 2
1.
Dezember 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die
Berufsberatung werde aufgrund ihres
instabilen Gesundheitszustandes abge
schlossen und
es werde ein Rentenanspruch geprüft (
Urk.
6/192).
Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/200;
Urk.
6/203) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
2.
Februar 2018 einen Rentenanspruch der Versicherten (
Urk.
6/210 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
0.
April 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
2.
Februar 2018 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung
sowie die Ausrichtung gesetzlicher Leistungen, insbesondere einer ganzen Rente ab
1.
April 201
6.
Even
tuell sei ein Gerichtsgutachten einzuholen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Mai 2018 (
Urk.
5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
4.
Juni 2018 mitgeteilt wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt:
Die Beschwerdeführerin habe sich am 2
0.
Juli 2011 mit einem Zusatzgesuch angemeldet und sei durch den RAD
bidisziplinär
untersucht worden. Aus psychi
atrischer Sicht sei keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ge
stellt worden. Aus orthopädischer Sicht sei die angestammte Tätigkeit als Köchin nicht mehr zumutbar, ebenso
wenig diejenige als Behindertenbetreuerin. Eine an
gepasste Tätigkeit sei jedoch zu 100
%
zumutbar. Es habe keine Umschulung ge
funden werden können, so dass die beruflichen Massnahmen beendet worden seien.
Eine angepasste Tätigkeit sei weiterhin zu 100
%
möglich, sofern es sich um körperlich sehr leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastung von mehr als 5 kg, ohne wirbelsäulenbelastende oder anderweitige Zwangshaltungen, ohne häufiges Bücken, Hocken, Überkopfarbei
ten, ohne Arbeiten in Armvorhalte sowie ohne Nässe- und Kälteexposition handle. Der Einkommensvergleich habe einen Invaliditätsgrad von 26
%
ergeben.
Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tä
tigkeit eingeschränkt sei. Letztlich habe sich am Resultat der
bidisziplinären
Un
tersuchung vom Januar 2012 nichts geändert (S. 1 ff.).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen,
die Beschwerdegegnerin habe ihre erhebliche Lebensmittel- und Kontaktallergie zu wenig berücksichtigt. Diese ver
lange eine Rücksichtnahme in einem Ausmass, das nicht an ein Arbeitsumfeld gestellt werden könne. Es sei
deshalb nicht nachvollziehbar und offensichtlich falsch, dass diese Allergien seitens des RAD als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit genannt würden.
Vielmehr könne nicht von einer Ar
beitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt ausgegangen werden. Weiter habe die Be
schwerdegegnerin die Einschränkungen, die sich aus den beruflichen Abklä
rungsunterlagen ergäben, zu wenig berücksichtigt. Eine rein sitzende Tätigkeit komme aufgrund der Hüftbeschwerden nicht in Frage. Sie sei weder in ihrer an
gestammten noch in einer Verweistätigkeit arbeitsfähig und ihre Einschränkun
gen seien so gravierend, dass eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht möglich sei
. Da ein Rentenanspruch frühestens nach Abschluss der Eingliederungsmass
nahmen entstehen könne, habe sie ab
1.
April 2016 Anspruch auf eine ganze Rente
(S. 7 f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin
.
3.
3.1
Dr.
Y._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumatologie, stellte mit Bericht vom 1
7.
März 2010 (
Urk.
6/17) fol
gende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Polyarthralgien unklarer Ätiologie seit Dezember 2008
-
Fibromyalgie
-
belastungsabhängiges lumbales Schmerzsyndrom seit Jahren
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
depressive Verstimmung
-
Intoleranz auf
Fructose, Lactose,
Histamine
In der angestammten Tätigkeit als Allrounderin sei die Beschwerdeführerin seit November 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig
. Die Arbeit als Köchin sei nicht mehr möglich (
Ziff.
1.6-1.7). Abwechselnd sitzende und stehende Tätigkeiten seien ab sofort zu 100
%
möglich (
Ziff.
1.7-1.8)
3.2
Dr.
Z._
, Fachärztin für Innere Medizin, stellte in ihrem unda
tierten Bericht
(
Posteingang
1.
April 2010;
Urk.
6/23)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Episode
-
Persönlichkeitsakzentuierung mit
histrionischen
und abhängigen Zügen
-
Verdacht auf Neurasthenie
Die diversen
Lebensmittelintoleranzen
und -
allergien
wie die Verdachtsdiagnose einer Fibromyalgie hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
In der ange
stammten Tätigkeit bestehe seit
5.
November 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6). Eine leichte, sitzende Tätigkeit sei maximal eine Stunde täglich zumutbar (
Ziff.
1.7). Die angestammte Tätigkeit als Köchin sei aufgrund der Kon
takturti
k
aria nicht mehr möglich
(
Ziff.
1.11).
3.3
Mit Bericht vom
6.
April 2010 (
Urk.
6/26) diagnostizierte
Dr.
A._
, Facharzt für Gastro
enterologie und Allgemeine Innere Medi
zin, eine seit September 2009 bestehende primäre und sekundäre Laktoseintole
ranz sowie eine
Sorbitin
- und
Fructoseintoleranz
ohne Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (
Ziff.
1.1). Aus
gastroenterologischer
Sicht bestehe keine Arbeits
unfähigkeit (
Ziff.
1.6
-1.7).
3.4
Die Fachleute der Privatklinik
B._
, wo sich die Beschwerdeführerin vom 1
9.
Januar bis
7.
April 2010 stationär aufhielt, stellten mit Bericht vom 2
7.
April 2010 (
Urk.
6/24) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), bestehend seit Mai 2009
-
Persönlichkeitsakzentuierung mit
histrionischen
und abhängigen Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
Verdacht auf Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
, Diagnose im August 2009
-
Lebensmittelintoleranz: Lactose, Fructose,
Histaminose
, Sorbit
-
Lebensmittelallergie: Nüsse, Früchte, Karotten
Als Köchin und Gastronomieleiterin
sei die Beschwerdeführerin für die Dauer der stationären Behandlung und voraussichtlich auf längere Sicht zu 100
%
arbeits
unfähig (
Ziff.
1.6). In einer gastronomiefernen Tätigkeit sei sie ab 1
2.
April 2010 zu 50
%
arbeitsfähig, danach sei eine schrittweise Steigerung möglich je nach Verlauf der weiteren Behandlungen (
Ziff.
1.11).
3.5
Dr.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 1
3.
Oktober 2011 (
Urk.
6/57/1-4) und
nannte nebst den von den Fachleuten der Privatklinik
B._
gestellten Diagnosen (vgl. vorstehend E. 3.4) diejenige eines Status nach Schmerzen wegen Deformation beider Hüftgelenke (
Ziff.
1.1).
Die Psychotherapie finde einmal wöchentlich statt (
Ziff.
1.5). Als Köchin sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig.
Seit 1
2.
April 2010
bestehe als Be
hindertenbetreuerin eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(
Ziff.
1.6).
3.6
Mit Bericht vom 2
4.
Januar 2012 (
Urk.
6/59) stellte RAD-Arzt
Dr.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie,
nach durch
geführter eigener Untersuchung
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er diejenige eines Status nach einer depressiven Episode, gegenwärtig weitgehend remittiert (S. 6 unten).
Die Beschwerdeführerin arbeite seit September 2010 zu 70
%
als Behindertenbetreuerin und mache gleichzeitig eine Ausbildung als Kunsttherapeutin, wobei sie das erste Jahr fast abgeschlossen habe
(S. 3 oben). Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin für alle Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt zu 100
%
arbeitsfähig (S. 7).
3.7
Ebenfalls mit Bericht vom 2
4.
Januar 2012
(
Urk.
6/60)
stellte
RAD-Arzt
Dr.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
nach Untersuchung der Beschwerdeführerin
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5):
-
chronische Belastungsbeschwerden und Polyarthralgien sowie rezidivie
rende flüchtige Gelenkschwellungen wechselnder Lokalisation und unge
klärter Ätiologie bei bekannten multiplen
Nahrungsmittelintoleranzen
und Verdacht auf
das Vorliegen einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis
-
anamnestisch degenerative Veränderungen beider Hüftgelenke
In der früheren und angestammten Tätigkeit als Köchin bestehe aufgrund der nachgewiesenen
Nahrungsmittel
intoleranzen
und -
allergien
definitiv eine volle Arbeitsunfähigkeit seit März 2010, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aber schon länger. Bei alleiniger Betrachtung der auf orthopädischem Fachgebiet be
stehenden Gesundheitsschäden sei die Arbeitsfähigkeit für diese Tätigkeit jedoch aufgrund des dabei unvermeidlichen langen Stehens sowie des Hantierens mit oftmals mittelschweren und schweren Gegenständen ebenfalls in erheblichem Ausmass eingeschränkt. In angepasster Tätigkeit mit körperlich sehr leichter wechselbelastender Arbeit ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastung von mehr als 5 kg, ohne wirbelsäulenbelastende oder anderweitige Zwangshaltungen und ohne häufiges Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeit, Arbeiten in Armvor
halte sowie ohne Nässe- und Kälteexposition bestehe seit März 2010 durchgehend
eine
volle Arbeitsfähigkeit.
Es könne auch die Verdachtsdiagnose einer Fibromy
algie nicht ausgeschlossen werden, wobei weitere Abklärungen zu empfehlen seien (S. 6).
3.8
Am 2
3.
August 2012 fand eine zentrale Arthroskopie
mit Labrumfixation sowie
Synovektomie
und Labrumstabilisation der linken Hüfte statt (
Urk.
6/82/4-5
).
Be
zugnehmend auf diese Operation hielt
Dr.
F._
, Assistenzarzt Orthopädie
Klinik
G._
, mit einem von der Beschwerdegegnerin im Mai 2014 verschickten (vgl.
Urk.
6/124/5) Formular fest,
der Beschwerdeführerin sei eine sitzende Tätigkeit zumutbar; die angestammte Tätigkeit könne sie nicht mehr ausführen (
Ziff.
1.8 und 1.6).
3.9
Die Ärzte der
Klinik
G._
, Orthopädie Untere Extremitäten, diagnostizierten mit Bericht vom
2
4.
Juli 2014
(
Urk.
6/136/2-3
; vgl.
Urk.
6/144/6
) persistierende Hüftschmerzen links und hielten fest, es zeigten sich nach primär günstigem Ver
lauf persistierende Restbeschwerden, die die Patientin in ihren Alltags- und sport
lichen Aktivitäten deutlich einschränkten.
Es bestehe ein
Beighton
-Score von
8.
Derzeit könne man ihr keine operative Therapie anbieten, da die Erfolgsaus
sichten ungewiss seien. Da die Physiotherapie nur wenig Besserung gebracht habe, habe man ihr zu traditioneller chinesischer Medizin geraten. Der Verlauf bleibe abzuwarten (S. 1-2).
3.10
Mit Schlussbericht vom 1
2.
April 2016 (
Urk.
6/169) über die Potentialerhebung hielten die Fachleute der
Stiftung
H._
fest, die Beschwerdeführerin leide gemäss ihrer Aus
sage an einer ausgeprägten Lebensmittelallergie un
d
den Folgen einer Hüftdys
plasie. Die Allergie habe sich während eines Einsatzes in der Wäscherei gezeigt, als sie in Kontakt mit einem Apfel gekommen sei und mit geschwollenen, jucken
den Händen reagiert habe und sich medikamentös habe behandeln lassen müssen. Zudem sei zu einem anderen Zeitpunkt innert kürzester Zeit eine hühnereigrosse Schwellung am Hals aufgetreten, wobei die Beschwerdeführerin über Schluckbe
schwerden und Schmerzen berichtet habe.
Zusätzlich hätten sich Schmerzen im Hüftbereich gezeigt. In den ersten drei Wochen seien sämtliche Körperbewegun
gen
ausser Kippbewegungen des Beckens möglich gewesen, inklusive beispiels
weise Unihockey spielen. In der vierten Erhebungswoche sei ein deutlicher Schmerzanstieg zu beobachten gewesen
.
Die Beschwerdeführerin habe einen Micro
Scooter
mitgenommen, um Gehdistanzen zu verringern. Es hätten sich zu
dem starke Schmerzen beim sich Setzen und Aufstehen
gezeigt (S. 2). Die verein
barte Präsenzzeit von drei Stunden habe eingehalten werden können. Die Erhö
hung auf sechs Stunden sei aufgrund von somatischen als auch psychischen Re
aktionen nicht möglich gewesen (S. 5).
3.11
Dr.
F._
führte mit einem undatierten Bericht (
Posteingang
1.
Juli 2016;
Urk.
6/179/1-4) aus, es sei keine körperliche Arbeit möglich, bestenfalls eine rein
sitzende Tätigkeit. In der angestammten Tätigkeit best
ehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. Laufen sei für 10 Minuten ohne Gewicht möglich (
Ziff.
1.7,
Ziff.
1.10).
3.12
Dr.
I._
, Oberarzt Sportmedizin
an der
Klinik
G._
,
bei dem die Beschwerdeführerin seit 3
0.
August 2016 in Behandlung steht (
Ziff.
1.2),
stellte in seinem undatierten Bericht (
Posteingang
1.
November 2016;
Urk.
6/186/6-9) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
persistierende Hüftschmerzen linksbetont mit und bei
-
Status nach zentraler Hüftarthroskopie,
Labrumrefixation
mit drei An
kern sowie
Synovektomie
unter Labrumstabilisation Hüfte links vom 2
3.
August 2012
-
somatische Dysfunktion des
lumbosacralen
Übergangs einschliesslich konsekutiver Blockierung der
Ileosakralgelenke
rechts und links
-
muskuläre
Dysbalance
der hüft- und beckenführenden Muskulatur mit re
aktiver Myalgie des
Tractus
iliotibialis
beidseits und reaktiver
Bursitis
tro
chanterica
beidseits
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
somatische Dysfunktion des
cervicothorakalen
Übergangs mit
Cervicobra
chialgien
beidseits
-
Polyarthralgien ungeklärter Ätiologie
-
Status nach akuter Arthritis Knie links und OSG links
-
Tonsillenhypertrophie
-
Verdacht auf Weichteilrheumatismus
-
Poly-Allergien auf Stein- und
Kernobst
-
Chinolon
-Allergie
-
Sorbit-, Fructose- und Lactoseintoleranz
Schmerzbedingt bestehe aktuell eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6).
3.13
Dr.
E._
führte am 1
6.
November 2016 (
Urk.
6/199/8) aus, es sei einzig die Diag
nose
«
Zustand nach zentraler Hüft-Arthroskopie am 2
3.
August 2012 mit Lab
-
rum-
Refixation
sowie
Synovektomie
»
hinzugekommen. Bereits im Januar 2012 seien anamnestisch degenerative Veränderungen beider Hüftgelenke be
kannt gewesen und einige Monate später habe der Eingriff am linken Hüftgelenk stattgefunden, allerdings ohne den gewünschten Erfolg, denn die Hüftschmerzen persistierten weiterhin. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei insgesamt - ab
gesehen von der Arthroskopie - keine wesentliche Änderung des Gesundheitszu
standes zu erkennen
, er sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit hinsichtlich der funktionellen Leistungsfähigkeit stationär.
Am 2
3.
Mai 2017 hielt
Dr.
E._
fest, letztendlich habe sich seit der
bidisziplinären
RAD-Untersuchung im Januar 2012 nichts geändert (
Urk.
6/206/3).
4.
4.1
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Köchin können den medizinischen Akten unterschiedliche Informa
tionen entnommen werden. So ging
Dr.
Y._
davon aus, dass
die verschie
denen
Intoleranzen
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten und die somatischen Beschwerden für die von ihm angenommene 100%ige Arbeitsunfä
higkeit als Köchin verantwortlich seien (vgl. vorstehend E. 3.1). Eine genauere Begründung für diese Einschätzung fehlt jedoch, und hinsichtlich der
Intoleran
zen
beziehungsweise der ebenfalls im Raum stehenden Allergien
vermag
Dr.
Y._
als Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation nicht genügend Auskunft zu geben.
Dr.
Z._
hielt fest, die diversen
Lebensmittelintoleranzen
und -
allergien
wie auch die Verdachtsdiagnose einer Fibromyalgie hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, ging aber gleichzeitig
und im Widerspruch dazu
davon aus, dass die angestammte Tätigkeit als Köchin aufgrund der Kontaktu
rti
k
aria nicht mehr möglich sei (vgl. vorstehend E. 3.2)
. Weiter hielt sie die Beschwerdeführerin in einer leichten sitzenden Tätigkeit für maximal eine Stunde täglich arbeitsfähig, was angesichts d
er von ihr fachfremd
gestellten psychiatrischen Diagnosen nicht schlüssig ist.
Dr
.
A._
ging davon aus, dass die Laktose-,
Sorbitin
- und
Fructoseintoleranz
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe (vorstehend E. 3.3), was auf die
gastroenterologischen
Auswirkungen der Intoleranz beschränkt sein dürfte. Zu einer Kontaktallergie nahm
Dr
.
A._
keine Stellung.
Die Fachleute der Privatklinik
B._
attestierten der Beschwerdeführerin voraus
sichtlich auch auf längere Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit als Köchin und Gastronomieleiterin (vgl. vorstehend E. 3.4), "wahrscheinlich aus somatischen Gründen" (vgl.
Urk.
6/24
Ziff.
1.7)
, was zu wenig begründet ist und auch nicht in das Fachgebiet der beteiligten Ärzte fällt.
Diese Einschätzung gilt auch für die Beurteilung durch
Dr.
C._
vom 1
3.
Oktober 2011
, die die Einschätzung der Privatklinik
B._
weitgehend übernahm und ebenfalls von einer Arbeitsunfä
higkeit als Köchin im
Umfang von 100
%
ausging
(vgl. vorstehend E. 3.5)
. Hin
sichtlich der Tätigkeit als Behinder
tenbetreuerin ging sie von einer Arbeitsfähig
keit von 50
%
ohne Steigerungsmöglichkeit aus, obwohl die Beschwerdeführerin seit September 2010 zu 70
%
in dieser Tätigkeit arbeitete und zusätzlich eine Ausbildung als Kunsttherapeutin
begonnen hatte
(vgl. vorstehend E. 3.6 und
Urk.
6/61).
Sodann ging
Dr.
I._
ebenfalls fachfremd davon aus, dass die Allergien und
Intoleranzen
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten
(vgl. vorstehend E. 3.12).
4.2
RAD-Arzt
Dr.
E._
ging aufgrund von aus seiner Sicht nachgewiesenen Nah
rungsmittelallerg
i
en und -
intoleranzen
von einer vollen
und aufgrund der ortho
pädischen Beeinträchtigung von einer erheblichen
Arbeitsunfähigkeit als Köchin aus (vorstehend E. 3.7). Dazu ist festzuhalten, da
ss
- möglicherweise aufgrund der Liste der schädigenden Stoffe nach
Art.
14 der Verordnung über die Unfallversi
cherung - k
eine Nichteignungsverfügung
(Berufskrankheit
)
vorhanden ist. Ebenso findet sich kein
allergologischer
/dermatologischer Bericht, welcher die
Intoleranzen
und Allergien beschreibt und sich zu den beruflichen Auswirkungen äussert. Dass eine
diesbezügliche
Beeinträchtigung vorhanden ist, ergibt sich bei der aktuellen Aktenlage einzig aus dem
gastroenterologischen
Bericht von
Dr
.
A._
und den Beobachtungen der Fachleute der
Stiftung
H._
(vgl.
vorste
hend
E.
3.3 und
E. 3.10).
Deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist jedoch unklar.
4.3
Was die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit angeht, so nahm die Beschwerdegegnerin an, es bestehe
bei Einhaltung eines Be
lastungsprofils (vgl. vorstehend E. 2.1)
nach wie vor
eine
volle Arbeitsfähigkeit
. Dabei wurde die nach dem Gesagten bislang medizinisch nicht abgeklärte Allergie und Intoleranz nicht berücksichtigt.
Insbesondere bei Kontaktallergien ist jedoch ein entsprechendes Anforderungsprofil zu formulieren.
Weiter ist aus den medi
zinischen Akten ersichtlich, dass
im
zeitlichen
Verlauf die Hüftbeschwerden in den Vordergrund gerückt sind. Nach Lage der Akten war
Dr.
E._
darüber im Zeitpunkt der Untersuchung vom Januar 2012 (vgl. vorstehend E. 3.7) ungenü
gend informiert, lagen ihm doch die
die Hüftproblematik betreffenden Berichte der
Klinik
G._
von 2011 (
Urk.
6/82/7-11) soweit ersichtlich nicht vor
, an
sonsten er die degenerativen Veränderungen beider Hüften nicht als anamnes
tisch bezeichnet hätte (vgl. vorstehend E. 3.7).
Diesbezüglich erachtete
Dr.
F._
einzig eine sitzende Tätigkeit als möglich,
allerdings
ohne dies zu quantifi
zieren (vgl. vorstehend E. 3.8; E. 3.11).
Die Annahme von
Dr.
E._
im Jahr 2016 und 2017
, dass sich der somatische Gesundheitszustand
seit 2012
nicht verändert habe, ist nicht nachvollziehbar, ging
Dr.
E._
doch selbst von persistierenden Hüftschmerzen aus
.
Dass sich seiner Ansicht nach seit der
bidisziplinären
Unter
suchung im Januar 2012 nichts geändert habe (vgl. vorstehend E. 3.13), lässt sich zudem mit der behinderungsbedingten Abgabe eines Elektrofahrzeugs (
Urk.
6/173)
nicht
vereinbaren.
Vielmehr ist nicht auszuschliessen, dass ein in
stabi
ler Gesundheitszustand vorliegt, und sich sowohl das Belastungsprofil als auch die Restarbeitsfähigkeit verändert haben könnten.
4.4
Dr.
I._
ging von einer schmerzbedingten vollen Arbeitsunfähigkeit aus (vorstehend E. 3.12). Anlässlich der
H._
-Abklärung wenige Monate zuvor war die Beschwerdeführeri
n jedoch fähig, sogar Unihockey zu spielen, bevor wieder Schmerzen auftraten (vgl. E. 3.10).
Auch daran zeigt sich, dass d
ie Auswirkungen der Hüft- wie auch der andren somatischen Beschwerden bislang zu wenig abge
klärt
wurden
.
Zudem
fehlen
aktuelle
Angaben zum psychischen Gesundheitszu
stand: Zwar wurden seit 2012 keine entsprechenden Diagnosen mehr gestellt, jedoch wurde seitens der
H._
-Fachleute bemerkt, dass die Steigerung der Prä
senzzeit auch aus psychischen Gründen nicht möglich gewesen sei (vorstehend E. 3.10).
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Nach dem Gesagten wurde der Sachverhalt zu wen
ig abgeklärt. E
s liegen keine genügenden medizinischen Berichte zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit vor. Damit ist eine Rück
weisung zur polydisziplinären Begutachtung und erneuten Verfügung angezeigt. Gemäss dem Grundsatz Eingliederung vor Rente und
eine entsprechende
Mitwir
kung der
mit
Jahrgang 1981
jungen
Beschwerdeführerin
vorausgesetzt
sind al
lenfalls berufliche Massnahmen
erneut in Betracht zu ziehen, zumal beim von der Beschwerdegegnerin bislang ermittelten Invaliditätsgrad von 26
%
(
Urk.
2) grundsätzlich
immer noch
Anspruch auf Umschulung bestehen könnte.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 7
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
,
d
ie
beim
praxisgemässen
Stundenansatz von Fr. 220.-- (ohne
MWSt
)
auf Fr. 2'100
.-- (inkl.
MWSt
und Auslagenersatz)
festge
setzt wird
.