Decision ID: bb503860-77ba-44f1-a928-34250814fb22
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Im vorliegenden Fall geht es um den Verbindungsweg Via D._
zwischen C._ und E._. Die Via D._ zweigt am nordöstlichen
Ortsrand von C._ im Gebiet F._ von der Via G._/Via
H._ ab und steigt von dort auf zum Punkt 1735 und von dort
weitgehend auf gleicher Höhe über I._ nach J._ und von dort
wieder abfallend nach K._ und zum Ufer des N._ in E._. Die
Via J._ verläuft zunächst ganz auf dem Territorium der Gemeinde
C._, später entlang der Gemeindegrenze zu E._ teils auf diesem,
teils auf jenem Gemeindegebiet und schliesslich gänzlich auf dem
Gemeindegebiet von E._. Für die Via D._ wurde nie eine eigene
Parzelle ausgeschieden; vielmehr erstreckt sich diese über mehr als zehn
Parzellen verschiedener Grösse mit unterschiedlichen Eigentümern.
2. Von der Abzweigung von der Via G._ in C._ bis zur Berührung
mit den (zumindest teilweise) in der Bauzone der Gemeinde E._
liegenden Parzellen Nr. L._ und Nr. M._ führt die Via D._
durch die Landwirtschafts- und Forstwirtschaftszone. Ab Parzelle Nr.
M._ bis zum N._ führt die Via D._ auf dem Gemeindegebiet
E._ über die Parzelle Nr. O._, welche im übrigen
Gemeindegebiet liegt.
3. Im Generellen Erschliessungsplan (GEP) der Gemeinden C._ und
E._ ist die Via D._ von der Abzweigung von der Via G._/Via
H._ bis hin zum Punkt 1735 ein Land- und Forstwirtschaftsweg, von
dort bis zur Parzelle Nr. P._ (Via D._ Q._) ein Wanderweg
soweit auf dem Gemeindegebiet C._ verlaufend bzw. ein Land- und
Forstwirtschaftsweg soweit sie über das Gemeindegebiet E._ führt.
Von der Parzelle Nr. P._ an bis E._ ist die Via D._ als
Wanderweg klassiert, unabhängig davon, auf welchem Gemeindegebiet
sie verläuft.
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4. Der unterschiedliche Ausbaustandard der Via D._ zeigt sich auch auf
der Karte der Schweizerischen Landestopographie, aus der hervorgeht,
dass die Via D._ bis hin zur Parzelle Nr. P._ (Via D._
Q._) auf dem Gemeindegebiet C._ eine 3.-Klasse-Strasse ist,
hingegen von dort an bis nach E._ ein 5.-Klasse-Feld-, Wald- und
Veloweg.
5. Die Gemeinde C._ schloss mit den Eigentümern der Parzelle Nr.
P._ (Via J._ Q._) im Jahr 2006 eine Vereinbarung ab,
wonach die Gemeinde auf Kosten der Eigentümer den Land- und
Forstwirtschaftsweg bis zur Parzelle Nr. P._ hin saniere und in einen
Zustand bringe, welcher eine angemessene Zufahrt zu dieser Parzelle
darstellt. Dies, nachdem die Gemeinde E._ den Eigentümern eine
Absage erteilte, eine Erschliessung auf deren Kosten ab dem
Gemeindegebiet E._ zu realisieren.
6. Am 1. März 2017 ersuchte die Gemeinde E._ die Eigentümer der
Parzelle Nr. P._ in C._, ob sie den Eigentümern der Parzellen Nr.
L._ und Nr. M._ in E._ die Benützung des Flurweges
während der schneefreien Zeit des Jahres erlauben würden. Die
Angeschriebenen waren nicht bereit, ein entsprechendes Durchfahrtsrecht
einzuräumen. Die über diese Anfrage in Kenntnis gesetzte Gemeinde
C._ liess in der Folge abklären, ob die von der Gemeinde E._
nachgefragte Erschliessung überhaupt rechtlich zulässig sei; die Abklärung
ergab, dass die Realisierung einer neuen Erschliessung bzw. der
Zweckänderung des bisherigen Weges aus mehreren Gründen rechtlich
nicht zulässig sei.
7. Um die rechtlich gültige Nutzung der Via D._ festzuhalten, ergänzte
die Gemeinde C._ im September 2019 das bestehende Verbot für
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Motorwagen, Motorräder und Motorfahrräder bei der Abzweigung I._
(Punkt 1735) mit dem Hinweis, dass die Zufahrt für Anwohner bis zur Via
D._ Q._ gestattet sei. Weil die Gemeinde das Verfahren für diese
Signalisationsänderung nicht korrekt vornahm, ersuchte sie später die
Kantonspolizei Graubünden, an besagter Stelle die geplante
Verkehrsbeschränkung einführen zu dürfen. Mit Verfügung vom 14.
Februar 2020 gestattete die Kantonspolizei die von der Gemeinde
nachgesuchte Verkehrsbeschränkung inkl. Signalisation. Nachdem auf die
Publikation der geplanten Verkehrsanordnung im amtlichen
Publikationsorgan der Gemeinde am 7. März 2020 innert Frist keine
Einwendungen eingegangen waren, erliess die Gemeinde C._ mit
Verfügung vom 20. April 2020 die Verkehrsbeschränkung "Verbot für
Motorwagen, Motorräder und Motorfahrräder (Sig. 2.14), Zusatztafel:
Zubringerdienst bis Via D._ Q._ gestattet".
8. Gegen diese Verfügung erhoben A._ und B._ (nachfolgend
Beschwerdeführer), Eigentümer der Parzellen Nr. L._ und Nr.
M._ der Gemeinde E._, am 20. Mai 2020 beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerde und beantragen
die Feststellung der Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung, eventualiter
die Aufhebung derselben, subeventualiter die Anpassung der Zusatztafel
mit dem Text "Zufahrt für Hauseigentümer und Zubringer gestattet",
subsubeventualiter die Verpflichtung der Gemeinde den
Beschwerdeführern eine Dauerbewilligung für die Zufahrt zu deren
Parzellen auszustellen und subsubsubeventualiter die Rückweisung der
Angelegenheit an die Gemeinde zur Neubeurteilung. In prozessualer
Hinsicht beantragen sie, dass der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
gewährt und diese superprovisorisch angeordnet werde. Sie begründen
ihre Beschwerde im Wesentlichen damit, dass die angefochtene
Verkehrsbeschränkung unerlaubterweise und ohne Rechtsgrundlage in
das Autonomiegebiet der Gemeinde E._ einwirke und deshalb nichtig
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sei; jedenfalls aber wäre der Entscheid verfassungswidrig, indem er die
Eigentumsgarantie der Beschwerdeführer verletzte, und weder im
öffentlichen Interesse liege noch verhältnismässig sei, zumal mildere Mittel
denkbar seien. Der angefochtene Entscheid bewirke eine zeitlich und
örtlich willkürliche Grenzziehung und widerspreche dem Grundsatz von
Treu und Glauben. Die Liegenschaft Via D._ Q._ befinde sich in
einer vergleichbaren Situation wie die Liegenschaften der
Beschwerdeführer, weshalb die unterschiedliche Behandlung der
Liegenschaften gegen das Gleichbehandlungsgebot verstosse. Der
Gebrauch der Liegenschaften der Beschwerdeführer werde durch den
Beschluss erheblich eingeschränkt, was einen entschädigungspflichtigen
Wertverlust zur Folge habe. Schliesslich sei das abrupte Verbot der
jahrzehntelang bewilligten Zufahrt eine unbegründete Praxisänderung. In
beweisrechtlicher Hinsicht beantragen die Beschwerdeführer die
Durchführung eines Augenscheins sowie die Edition der Grundbuchakten
betreffend die Parzellen Nr. L._ und Nr. R._ im Grundbuch der
Gemeinde E._ sowie den Generellen Erschliessungsplan der
Gemeinde C._.
9. Die Gemeinde C._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in
ihrer Vernehmlassung vom 19. Juni 2020 die Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf einzutreten sei; auch die Voraussetzungen für die Erteilung
der aufschiebenden Wirkung sah die Beschwerdegegnerin als nicht
gegeben. Ihre Anträge begründete sie im Wesentlichen damit, dass die von
den Beschwerdeführern gewünschte Erschliessung der in der Bauzone der
Gemeinde E._ gelegenen Parzellen Nrn. L._ und M._ über
die Via D._ ab Abzweigung der Via G._ in der Gemeinde der
Beschwerdegegnerin bundesrechtswidrig sei. Die angefochtene
Verkehrsbeschränkung erweise sich somit als rechtmässig, liege im
öffentlichen Interesse und sei auch verhältnismässig.
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10. Die zum Verfahren beigeladene Gemeinde E._ hat sich innert Frist
nicht vernehmen lassen.
11. Der Instruktionsrichter lehnte mit Verfügung vom 22. Juni 2020 die
Gewährung der aufschiebenden Wirkung ab. Dagegen erhoben die
Beschwerdeführer am 3. Juli 2020 Prozessbeschwerde (vgl. dazu
Verfahren U 20 71).
12. In ihrer Replik vom 27. Juli 2020 hielten die Beschwerdeführer an ihren
Rechtsbegehren fest und vertieften ihre Argumentation. Sie warfen der
Beschwerdegegnerin vor, auf Basis eines tatsachenwidrigen und
stellenweise widersprüchlichen Sachverhalts zu argumentieren. Weiter sei
weder die Nichtigkeit des angefochtenen Beschlusses widerlegt noch
dessen Verfassungskonformität überzeugend dargelegt worden.
13. Die Beschwerdegegnerin betonte in ihrer Duplik vom 31. August 2020,
dass die Parzellen der Beschwerdeführer in rechtlicher Hinsicht bereits in
genügendem Masse erschlossen sind; selbst aber wenn sie es nicht wären,
obläge es der Gemeinde E._ und nicht der Beschwerdegegnerin, für
eine ausreichende Erschliessung zu sorgen. Im Übrigen sei die
beanstandete Verkehrsregelung rechtskräftig und gültig signalisiert.
14. Am 21. September 2020 hiess das Verwaltungsgericht die
Prozessbeschwerde U 20 71 teilweise gut und gewährte im Hauptverfahren
die aufschiebende Wirkung; zudem soll die bestehende Signalisation bis
zum Abschluss des Hauptverfahrens montiert bleiben.
15. Aufgrund von Verhandlungen über eine gütliche Einigung sistierte der
Instruktionsrichter das Beschwerdeverfahren für mehrere Monate.
Nachdem die Parteien keine Einigung erzielen konnten, wurde die
Sistierung aufgehoben.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
Entscheide von Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen Instanz
angefochten werden können oder nach kantonalem oder eidgenössischem
Recht endgültig sind. Die angefochtene Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 20. April 2020 betreffs Verkehrsbeschränkung
(mit Fahrverbot für beide Beschwerdeführer) ist weder endgültig noch kann
sie bei einer anderen Instanz angefochten werden. Folglich stellt sie ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Beide
Beschwerdeführer sind in ihrer Erschliessung als Eigentümer der Parzellen
Nrn. L._ und M._ in der Nachbargemeinde durch das Fahrverbot
auf der Via D._ (ab Punkt 1735 – Abzweigung I._ auf Territorium
der Beschwerdegegnerin) und demnach von der angefochtenen Verfügung
berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung, weshalb sie zur Beschwerdeerhebung legitimiert sind (Art. 50
VRG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (vgl. Art. 52 Abs. 1 VRG;
Art. 38 Abs. 1 VRG) eingereichte Beschwerde vom 20. Mai 2020 ist daher
einzutreten.
2. In materieller Hinsicht sind die Rügen betreffend Nichtigkeit der
Verkehrssignalisation (E.3.1. ff.), betreffend Verletzung von
verfassungsmässigen Rechten – speziell der Eigentumsgarantie, des
Grundsatzes von Treu und Glauben bzw. des Gleichbehandlungsgebots
(E.4.1. ff.) – sowie betreffend Erschliessung der Parzellen Nrn. L._ und
M._ der Beschwerdeführer (E.5.1. ff.) auf ihre Berechtigung zu prüfen
und damit die Rechtmässigkeit der kritisierten Verkehrsbeschränkung zu
klären und zu entscheiden.
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3.1. Zur (angeblichen) Nichtigkeit der missliebigen Verkehrssignalisation auf
dem Territorium der Beschwerdegegnerin bringen die beiden in der
Nachbargemeinde wohnhaften Beschwerdeführer zur Hauptsache vor,
dass die angefochtene Verkehrsregelung mangels alleiniger Zuständigkeit
der verfügenden Beschwerdegegnerin von Anfang an ungültig sei, weil sich
die signalisierte Zufahrtsstrasse (Via D._) sowohl auf dem
Gemeindegebiet der Beschwerdegegnerin (C._) aber eben auch auf
der benachbarten Wohnsitzgemeinde (E._) befinde und die
Auswirkungen dieser Signalisation (Amtliches Fahrverbot) daher
insbesondere auch sie beide als (bisher) über diese Zufahrt erschlossene
Grundeigentümer beträfen. Weiter rügen die Beschwerdeführer, dass das
Gericht von Amtes wegen zu prüfen habe, ob die Beschwerdegegnerin die
richtige Bewilligung eingeholt habe und das dafür notwendige Verfahren
eingehalten worden sei.
3.2. Die Beschwerdegegnerin hält dem entgegen, dass sie bei der
Kantonspolizei die strittige Verkehrsbeschränkung mit Wirkung auf ihrem
Hoheitsgebiet beantragt und bewilligt erhalten habe. Folglich habe sie nicht
in den Autonomiebereich bzw. in das Hoheitsgebiet der Nachbargemeinde
eingegriffen. Was die Bewilligung betrifft, so habe die Beschwerdegegnerin
bei der Kantonspolizei am gewünschten Standort ein Verbot für
Motorwagen, Motorräder und Motorfahrräder (Sig. 2.14) mit Zusatztafel:
Zubringerdienst bis Via D._ Q._ nachgesucht und in dieser Form
auch bewilligt erhalten (vgl. Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 7).
Nach Vorliegen der Bewilligung habe sie die Verkehrsbeschränkung im
amtlichen Publikationsorgan der Gemeinde veröffentlicht, verbunden mit
dem Hinweis, dass innert 30 Tagen Einwendungen und Stellungnahmen
beim Gemeindevorstand eingereicht werden können (Bg-act. 8). Nachdem
innert Frist keine Einsprachen eingegangen seien, habe der
Gemeindevorstand die Verkehrsbeschränkung auf dem Gebiet der
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Beschwerdegegnerin erlassen und sie am 20. April 2020 im kantonalen
Amtsblatt publiziert (Bg-act. 9).
3.3. Nach Auffassung des Gerichts ist das Geschehene wie folgt zu bewerten:
Indem die Beschwerdegegnerin die Verkehrsbeschränkung nur mit
Wirkung auf ihrem Territorium beantragt hat und auch so bewilligt erhalten
hat, kann ihr nicht vorgeworfen werden, in unzulässiger Art und Weise in
die Gebietshoheit der Nachbargemeinde eingegriffen zu haben. Was den
Verfahrensablauf angeht, so vermag das streitberufene Gericht seitens der
Beschwerdegegnerin keine Fehler – ausser dem zugestandenen, der
jedoch im zweiten Anlauf korrigiert worden ist – zu erkennen. Insbesondere
spielt es vorliegend keine Rolle mehr, ob und was genau im Jahr 1995
bewilligt und signalisiert worden ist, nachdem im hier strittigen Verfahren
die gesamte Verkehrsbeschränkung inkl. Ausnahme (Zusatztafel) neu
nachgesucht, bewilligt, publiziert und verfügt worden ist. Sobald mit diesem
Entscheid auch die aufschiebende Wirkung betreffend Weiterbestand der
bisherigen Signalisation dahinfallen wird, kann die neue Signalisation
gemäss Verfügung der Beschwerdegegnerin montiert werden; mit anderen
Worten ist das Inkrafttreten der hier strittigen Signalisation einzig aufgrund
der aufschiebenden Wirkung hinausgeschoben.
4.1. Zum Einwand der Verletzung verfassungsmässiger Rechte rügen die
Beschwerdeführer insbesondere eine Missachtung der Eigentumsgarantie,
indem die hier strittige Änderung das bisherige Zufahrts- und
Zugangsregime zu ihrem Nachteil ändere, soweit ihnen die Änderung die
Nutzung des Grundeigentums verunmögliche oder übermässig erschwere.
Ausserdem erblicken die Beschwerdeführer in der strittigen
Verkehrsanordnung eine Verletzung des Vertrauensschutzes, weil sie bis
anhin die Via D._ ungehindert als Zufahrtsstrasse haben nutzen
können. Schliesslich rügen die Beschwerdeführer eine Verletzung des
Willkürverbots und eine rechtsungleiche Behandlung.
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4.2. Die Beschwerdegegnerin verweist zunächst auf den Umstand, dass die
Beschwerdeführer über keine zivilrechtliche Berechtigung verfügten, die
Via D._ von der Seite der Beschwerdegegnerin her zu ihren
Liegenschaften in der angrenzenden Nachbargemeinde zu befahren,
weshalb diese Strasse auch nicht als rechtliche Erschliessung gezählt
werden könne. Insofern sei auch keine Änderung punkto Zufahrtsregime
erfolgt; aber selbst wenn eine solche Änderung vorläge, sei die Nutzung
des Grundeigentums weder verunmöglicht noch übermässig erschwert.
Ausserdem seien die Voraussetzungen für einen Vertrauensschutz nicht
erfüllt mangels Vertrauensgrundlage, nachhaltiger Dispositionen und
aufgrund Vorliegens gewichtiger öffentlicher Interessen. Schliesslich könne
auch nicht von Willkür gesprochen werden, stütze sich die strittige
Verkehrsbeschränkung doch auf sachliche Gründe, etwa die
Strassenqualifikation bzw. den deutlich geringeren Ausbaustandard oder
dem deutlich stärkeren Gefälle ab der Beschränkung.
4.3. Nach Ansicht des Gerichts trifft die Argumentation der
Beschwerdegegnerin in allen Punkten zu. So ist die Eigentumsgarantie laut
Art. 26 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV; SR 101) sicherlich nicht verletzt, weil die Liegenschaften der
Beschwerdeführer in rechtlicher Hinsicht nicht als über die Via D._
seitens der Beschwerdegegnerin herkommend als erschlossen gelten
können (vgl. dazu auch: HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR,
Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, §
22 Eigentumsgarantie S. 187 ff. zum Schutzobjekt [Rz. 597-598],
Schutzinhalt Bestandesgarantie [Rz. 599] und zu den Voraussetzungen
zulässiger Eingriffe [Rz.601-605]). Auch eine Vertrauensgrundlage als
Voraussetzung für die Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben
staatlichen Handelns nach Art. 5 Abs. 3 BV ist vorliegend nicht erkennbar,
hat die Beschwerdegegnerin doch nie aktiv verfügt oder auf anderem Weg
irgendwelche Zusicherungen an die Beschwerdeführer gemacht (vgl.
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HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR, a.a.O., § 25 Willkürverbot und
Wahrung von Treu und Glauben S. 252, Begriff und Voraussetzungen des
Vertrauensschutzes [Rz. 823-825]; siehe überdies
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2020, § 10 Grundsatz von Treu und Glauben im
öffentlichen Recht S. 143 ff., speziell S. 145, Ziff. 3.a) Vertrauensgrundlage
[Rz. 627]). Wenn die Beschwerdeführer aus dem Zusatzschild 'Anwohner
gestattet' eine Berechtigung für ihre (bisherige) Zufahrt ableiten wollen,
setzen sie sich gleich doppelt in Widerspruch mit der eigenen
Argumentation, wenn sie einerseits die Signalisation von 1995 als nichtig
erachten und andererseits der Beschwerdegegnerin vorwerfen, mit der
strittigen Verkehrsanordnung in Verletzung des Territorialitätsprinzips
unzulässigerweise Anordnungen auf dem Gebiet der Nachbargemeinde
vorzunehmen. Die angefochtene Verfügung ist zudem weder willkürlich
(Art. 9 BV) noch rechtsungleich (Art. 29 Abs. 1 BV); so ist der Zugang zur
Parzelle Nr. P._ auf dem Gemeindegebiet der Beschwerdegegnerin
(mit Adresse: Via D._ Q._) zum einen aufgrund einer
vertraglichen Grundlage auf Kosten der privaten Eigentümer dieser
Parzelle ausgebaut worden, um den Erfordernissen einer rechtlichen
Erschliessung zu genügen; zum anderen besteht zwischen dem Standort
der Signalisation und der Parzelle Nr. P._ praktisch kein Gefälle,
welches aber ab dort bis hin zu den Liegenschaften der Beschwerdeführer
erheblich zunimmt. Die Rüge der Verletzung verfassungsmässiger Rechte
ist somit ebenfalls abzuweisen.
4.4. Im Übrigen gilt es festzuhalten, dass die Beschwerdeführer offenbar auch
noch der Ansicht sind, dass sie Anspruch auf die Erteilung einer
Dauerbewilligung hätten. Dies trifft, wie die Beschwerdegegnerin in ihrer
Vernehmlassung in Ziff. 36 ff. zu Recht ausführt, natürlich nicht zu. Wie
bereits dargetan, dringen die Beschwerdeführer mit ihrer
Willkürbeschwerde gemäss Art. 9 BV nicht durch, weil der erfolgte Eingriff
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ins Eigentum – nebst der gesetzlichen Grundlage und dem
[überwiegenden] öffentlichen Interesse – stets auch noch der
Verhältnismässigkeit der Anordnung genügen muss. Das Prinzip der
Verhältnismässigkeit besteht aus drei Teilbereichen, so 1) Eignung
("Geeignetheit"), 2) Erforderlichkeit ("geringstmöglicher Eingriff") und 3)
Verhältnismässigkeit von Eingriffszweck und Eingriffswirkung ("Abwägung
öffentlicher und betroffener privater Interessen"; vgl.
HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR, a.a.O., § 9 Einschränkung der
Grundrechte S. 86 ff.; V. Verhältnismässigkeit [Rz.320-323] S. 96 f.). Mit
der Erteilung einer Dauerbewilligung könnte das Ziel der
Beschwerdegegnerin, künftig die Erschliessung über die Via D._ bloss
noch für die auf ihrem Gemeindegebiet wohnhaften Grundeigentümer (bis
Via D._ Q._) sicherzustellen, nicht erreicht werden. Eine gleich
geeignete, aber mildere Massnahme für die Erreichung desselben Ziels
gab es für die Beschwerdegegnerin nicht.
5.1. Zur Erschiessung der Parzellen Nrn. L._ und M._ der
Beschwerdeführer wurde seitens der Parteien stets gegenseitig völlig
gegensätzlich argumentiert. Die Beschwerdeführer überlassen die Frage
letztlich dem Gericht, ob eine Erschliessung ihrer Liegenschaften über die
Via D._ bereits vorliegt oder nicht bzw. ob diese Frage im aktuellen
Verfahren überhaupt relevant ist. Alles was die Beschwerdeführer
anstrebten, sei der Weiterbestand der Zufahrt auf ihre jeweiligen
Grundstücke über die Via D._ von der Beschwerdegegnerin her für
Personen- und Warentransporte sowie bei Notfällen, so wie sie es die
letzten Jahrzehnte problemlos tun konnten.
5.2. Die Beschwerdegegnerin wirft den Beschwerdeführern vor, mit ihrer
Beschwerde darauf abzuzielen, sich eine neue, zusätzliche Erschliessung
ihrer zwei Liegenschaften in der Nachbargemeinde über das (fremde)
Gemeindegebiet der Beschwerdegegnerin zu erstreiten. Die angestrebte
Erschliessung der beiden Baulandparzellen stehe zum einen in
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Widerspruch mit dem Generellen Erschliessungsplan (GEP) und zum
anderen auch mit übergeordnetem Bundesrecht.
5.3. Ausgangspunkt für die Beurteilung der sich hierzu stellenden Frage einer
hinreichenden Erschliessung gemäss Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Raumplanung (RPG; SR 700) bildet diesbezüglich die
höchstrichterliche Rechtsprechung: Aus bundesgerichtlicher Sicht genügt
es, wenn eine Zufahrtsstrasse hinreichend nahe an Bauten und Anlagen
heranführt. Die befahrbare Strasse muss nicht bis zum Baugrundstück
oder gar zu jedem einzelnen Gebäude reichen. Vielmehr genügt es, wenn
Benützer und Besucher mit dem Motorfahrzeug (oder einem öffentlichen
Verkehrsmittel) in hinreichende Nähe gelangen und von dort über einen
Weg zum Gebäude oder zur Anlage gehen können (vgl.
AEMISEGGER/MOOR/RUCH/TSCHANNEN, Praxiskommentar RPG:
Nutzungsplanung, Zürich 2016, Art. 19 N 24; BGE 136 III 130 E.3.3.2 mit
Verweis auf BGE 1C_376/2007 vom 31. März 2008 E.4.4, Urteil
1C_375/2011 vom 28. Dezember 2011 E. 3.3.3 mit Hinweisen).
Vorbehalten bleiben besondere Verhältnisse im Einzelfall. Das
Bundesgericht sieht somit keine Maximallänge vor, bis zu welcher ein
Fussweg noch als zumutbar gilt. Mit der Beschwerdegegnerin ist deshalb
davon auszugehen, dass die zwei Liegenschaften der Beschwerdeführer
Nrn. L._ und M._ in der direkt angrenzenden Nachbargemeinde
im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichts schon hinreichend
erschlossen sind. Aber selbst wenn die Erschliessung der Parzellen der
Beschwerdeführer als ungenügend qualifiziert würde, müsste eine solche
verbesserte Erschliessung innerhalb der Bauzone realisiert werden, d.h.
durch die involvierte Nachbargemeinde. Wie genau dieselbe die
Erschliessung erreicht (Quartierplan o.ä.), ist nicht Gegenstand dieses
Verfahrens. Jedenfalls ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass
eine neue Erschliessung der beiden Liegenschaften aus der
Landwirtschaftszone der Beschwerdegegnerin heraus nicht in Frage
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kommt; dem stehen einerseits die GEP der beiden Gemeinden entgegen
und andererseits Art. 24 ff. RPG sowie die bundegerichtliche
Rechtsprechung (so etwa 133 II 321, E.4.3.1), wonach eine Strasse, die
Bauland erschliesst, grundsätzlich über Siedlungsgebiet führen muss und
nicht Land in der Land- oder Forstwirtschaftszone beanspruchen darf (vgl.
Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin Rz. 41 ff.). Auch diese Rüge
erweist sich somit als unbegründet.
6.1. Die angefochtene Verfügung vom 20. April 2020 ist demnach rechtens, was
zur Abweisung der Beschwerde vom 20. Mai 2020 führt.
6.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG je hälftig den beiden Beschwerdeführern, untereinander
solidarisch haftend, aufzuerlegen. Die Staatsgebühr wird vom Gericht
ermessensweise auf CHF 3'000.-- (zzgl. Kanzleiauslagen) festgesetzt,
zumal die Rügen der Beschwerdeführer zahlreich und sehr detailliert
waren.
6.3. Der Beschwerdegegnerin steht keine Parteientschädigung zu, da sie
lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegt hat (vgl. Art. 78 Abs. 2
VRG).