Decision ID: c9b03bbb-e23f-5211-8b86-bd6ef3c78ebb
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 4. August 2014 ging die vom 13. Juli 2014 datierende Anmeldung der
1953 geborenen, in Neuseeland wohnhaften Schweizerin A._ (im
Folgenden: Versicherte oder Beschwerdeführerin) bei der Schweizeri-
schen Ausgleichskasse (SAK) ein (Akten [im Folgenden: act.] der Invali-
denversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland [im Folgenden: IVSTA
oder Vorinstanz] 12). In Kenntnis medizinischer Dokumente (act. 14 bis 22,
26 bis 29) sowie dreier Fragebögen (act. 25, 26 und 31) gab Dr. med.
C._, Fachärztin für Onkologie und Hämatologie, vom IV-internen
medizinischen Dienst am 17. Dezember 2014 eine erste Stellungnahme
resp. Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ab (act. 42). Gestützt
darauf stellte die IVSTA der Versicherten mit Vorbescheid vom 22. Dezem-
ber 2014 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (act. 43).
B.
Hiergegen brachte die Versicherte am 19. Januar 2015 unter Beilage von
Arztberichten ihre Einwendungen vor (act. 44 bis 48, 50 bis 52). Nach einer
weiteren, vom 5. Februar 2015 datierenden Stellungnahme von Dr. med.
C._ (act. 54) wurde mit Vorbescheid vom 11. Februar 2015 derje-
nige vom 22. Dezember 2014 (act. 43) annulliert und der Versicherten –
aufgrund des Anmeldedatums 4. August 2014 – mit Wirkung ab 1. Februar
2015 die Ausrichtung einer halben Rente in Aussicht gestellt (act. 55).
Nachdem die Versicherte hiergegen am 23. Februar 2015 ihre Einwendun-
gen erhoben (act. 56 bis 59) und am 28. April 2015 erneut mit der IVSTA
per E-Mail korrespondiert hatte (act. 61), erliess diese am 24. Juni 2015
eine den Vorbescheid vom 11. Februar 2015 im Ergebnis bestätigende Ver-
fügung (act. 67); die entsprechende Begründung datiert vom 28. April 2015
(act. 63).
C.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2015 (Eingangsstempel: 29. Juli 2015) erhob die
Versicherte beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte
sinngemäss die Aufhebung dieser Verfügung (Akten im Beschwerdever-
fahren [im Folgenden: B-act.] 1).
Zur Begründung führte sie zusammengefasst aus, die ganze „Geschichte“
habe bereits im Februar 2014 begonnen. Es sei nicht ihre Schuld, dass es
so lange gedauert habe, weshalb sie der Meinung sei, dass sie bereits ab
Oktober 2014 Anspruch auf eine IV-Rente habe. Wäre sie gesund gewe-
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Seite 3
sen, hätte sie sich sicherlich nicht betreffend eine Rentenberechtigung er-
kundigt. Wäre sie zum Bezug einer IV-Rente berechtigt, müsste sie sich
nicht für einen Vorbezug der AHV-Rente entscheiden. Sie könne doch kei-
nen Antrag einreichen, wenn schon zum Voraus dazu keine Berechtigung
vorhanden sei. Ihre Fragen seien nie beantwortet worden. Nach ein paar
Anrufen habe es dann endlich geklappt. Schliesslich sei sie gemäss ihren
Ärzten zu 70 % resp. zu 75 % arbeitsunfähig.
D.
Mit Schreiben vom 4. August 2015 wurde die Beschwerdeführerin unter
Hinweis auf die massgebende Gesetzesnorm aufgefordert, dem Bundes-
verwaltungsgericht innert Frist ein Zustelldomizil in der Schweiz bekannt
zu geben (B-act. 3); dieser Aufforderung kam die Beschwerdeführerin nach
(B-act. 4, 5 und 7).
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 1. Oktober 2015 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde (B-act. 8).
Zur Begründung führte sie hinsichtlich des Anspruchsbeginns zusammen-
gefasst aus, bei den von der Beschwerdeführerin ab dem 21. Februar 2014
übermittelten E-Mails habe es sich um Fragestellungen gehandelt, aus de-
nen nicht auf eine aktuelle Anmeldeabsicht habe geschlossen werden kön-
nen. Dementsprechend seien nur allgemeine Antworten erteilt bzw. Merk-
blätter übersandt worden. Der aktuelle Anmeldewillen sei erst aus der am
4. August 2014 eingegangenen Anmeldung ersichtlich geworden. Betref-
fend Invaliditätsgrad machte die Vorinstanz weiter geltend, da die Be-
schwerdeführerin seit 1981 immer Hausfrau gewesen sei, sei die Invalidität
nach der spezifischen Methode zu bemessen gewesen. Gestützt auf die
Unterlagen der behandelnden Ärzte und ihre eigenen Angaben in den Fra-
gebögen sei die beurteilende Ärztin zur Feststellung einer Arbeitsunfähig-
keit von 50 % in der Haushaltstätigkeit ab Oktober 2013 gelangt. Diese Be-
urteilung habe sie auch in ihrem Bericht vom 29. September 2015 nach
Kenntnisnahme der beiden Befunde von Dr. med. D._ vom 16. April
und 22. Mai 2015 bestätigt. Sie weise in diesem Zusammenhang auch da-
rauf hin, dass die Haushaltstätigkeit es erlaube, zwischen verschiedenen
Tätigkeiten abzuwechseln und einen dem Gesundheitszustand angepass-
ten Rhythmus einzuhalten. Eine Behinderung bestehe nur hinsichtlich der
schweren Haushaltstätigkeiten.
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Seite 4
F.
In ihrer Replik vom 20. Oktober 2015 hielt die Beschwerdeführerin sinnge-
mäss an ihren Rechtsbegehren fest und führte ergänzend insbesondere
aus, sie finde es sehr erstaunlich, dass sie solange auf eine Antwort habe
warten müssen, was ihres Erachtens nicht zumutbar und sehr bedauerns-
wert sei. Sie habe es auch mehrere Male telefonisch versucht, aber man
sei einer klaren Antwort ausgewichen. Man hätte ihr das richtige Formular
mailen können. Weiter machte sie geltend, sie habe nebst der Haushal-
tungs- auch die Farmbuchhaltung gemacht und der Vorinstanz die Durch-
führung einer ärztlichen Untersuchung angeboten. Der Zustand des Na-
ckens habe sich seit dem Ausfüllen der Formulare geändert. Gemäss Be-
richt von Dr. med. D._ seien Arbeiten mit gebeugtem Kopf nicht
mehr möglich resp. sehr schmerzhaft.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 2. November 2015 wurde die Beschwerdefüh-
rerin unter Hinweis auf die Säumnisfolgen aufgefordert, innert Frist einen
Kostenvorschuss von Fr. 400.- in der Höhe der mutmasslichen Verfahrens-
kosten zu leisten (B-act. 12 und 13); dieser Aufforderung kam die Be-
schwerdeführerin nach (B-act. 15).
H.
Nachdem die IVSTA dem Bundesverwaltungsgericht am 2. November
2015 von der Versicherten eingereichte Unterlagen zur weiteren Veranlas-
sung überlassen hatte (B-act. 14), beantragte die Vorinstanz weiterhin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Stellung-
nahme von Dr. med. C._ vom 25. November 2015 (B-act. 17).
I.
Mit prozessleitenden Verfügungen vom 8. und 18. Dezember 2015 wurden
der Schriftenwechsel abgeschlossen und eine Kopie der E-Mail der Be-
schwerdeführerin vom 17. Dezember 2015 zur Kenntnisnahme an die Vor-
instanz übermittelt (B-act. 18 bis 20).
J.
Mit prozessleitender Verfügung vom 21. Juni 2016 wurde der Beschwerde-
führerin die Möglichkeit eingeräumt, innert Frist zur beabsichtigten Rück-
weisung an die Vorinstanz zur Durchführung ergänzender Abklärungen
Stellung zu nehmen oder ihre Beschwerde allenfalls zurückzuziehen (B-
act. 21; vgl. auch B-act. 24 bis 26).
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Seite 5
K.
Nachdem beim Bundesverwaltungsgericht am 27. Juni 2016 weitere Un-
terlagen der Beschwerdeführerin eingegangen waren (B-act. 23), teilte
diese am 29. Juli 2016 mit, sie akzeptiere die Rückweisung an die Vor-
instanz (B-act. 27).
L.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften der Parteien
ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zu den an-
fechtbaren Verfügungen gehören jene der IVSTA, welche eine Vorinstanz
des Bundesverwaltungsgerichts darstellt (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. auch
Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die In-
validenversicherung [IVG, SR 831.20]). Eine Ausnahme, was das Sachge-
biet angeht, ist in casu nicht gegeben (Art. 32 VGG).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren die besonderen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmun-
gen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialversiche-
rungen anwendbar, wenn und soweit es die einzelnen Sozialversiche-
rungsgesetze vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG
auf die IV anwendbar (Art. 1a bis 70 IVG), soweit das IVG nicht ausdrück-
lich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Dabei finden nach den allgemei-
nen intertemporalrechtlichen Regeln in formellrechtlicher Hinsicht mangels
anderslautender Übergangsbestimmungen grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze Anwendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung
Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
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Seite 6
1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 22a
in Verbindung mit Art. 60 ATSG und Art. 50 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Als Adressatin der angefochtenen Verfügung vom 24. Juni 2015
(act. 67) ist die Beschwerdeführerin berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Änderung (vgl. Art. 59 ATSG). Nachdem
auch der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet worden ist, ergibt sich zu-
sammenfassend, dass sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt sind. Auf
die Beschwerde ist daher einzutreten.
1.4 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung der Vorinstanz vom 24. Juni
2015 (act. 67), mit welcher der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Feb-
ruar 2015 eine ordentliche halbe IV-Rente zugesprochen worden ist. Mit
Blick auf den sinngemässen Antrag auf Aufhebung dieser Verfügung und
die Begründung ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin be-
reits ab Oktober 2014 Anspruch auf eine höhere als die zugesprochene
halbe IV-Rente hat und in diesem Zusammenhang insbesondere, ob die
Vorinstanz den Sachverhalt insbesondere in medizinischer Hinsicht rechts-
genüglich abgeklärt und gewürdigt hat.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.
Im Folgenden sind vorab die im vorliegenden Verfahren anwendbaren Nor-
men und Rechtsgrundsätze darzustellen.
2.1 Die Beschwerdeführerin ist Schweizer Staatsangehörige und wohnt in
Neuseeland. Mangels eines Sozialversicherungsabkommens mit Neusee-
land gelangt ausschliesslich Schweizer Recht zur Anwendung.
2.2 Am 1. Januar 2008 sind im Rahmen der 5. IV-Revision Änderungen
des IVG und anderer Erlasse wie des ATSG in Kraft getreten. Weil in zeit-
licher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelun-
gen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die bei der
Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tat-
bestandes Geltung haben (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 131 V 11 E. 1), sind
die Leistungsansprüche für die Zeit bis zum 31. Dezember 2007 aufgrund
der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen
(pro rata temporis; BGE 130 V 445). Im vorliegenden Verfahren finden
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Seite 7
demnach grundsätzlich jene Vorschriften Anwendung, die spätestens beim
Erlass der Verfügung vom 24. Juni 2015 in Kraft standen; weiter aber auch
solche Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten
waren, die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leis-
tungsansprüche von Belang sind (das IVG ab dem 1. Januar 2008 in der
Fassung vom 6. Oktober 2006 [AS 2007 5129; 5. IV-Revision]; die IVV in
der entsprechenden Fassung der 5. IV-Revision [AS 2007 5155]). Mit Blick
auf das Datum der angefochtenen Verfügung (24. Juni 2015) können eben-
falls die Normen des vom Bundesrat auf den 1. Januar 2012 in Kraft ge-
setzten ersten Teils der 6. IV-Revision (IV-Revision 6a) zur Anwendung ge-
langen.
2.3 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG, vgl. auch E. 2.4
hiernach) und beim Eintritt der Invalidität während der vom Gesetz vorge-
sehenen Dauer Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver-
sicherung (AHV/IV) geleistet hat, d.h. während mindestens drei Jahren laut
Art. 36 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung. Diese
Bedingungen müssen kumulativ gegeben sein; fehlt eine, so entsteht kein
Rentenanspruch, selbst wenn die andere erfüllt ist.
Die Beschwerdeführerin hat unbestrittenermassen während mehr als drei
Jahren Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invali-
denversicherung geleistet (act. 67 S. 5 und 6), so dass die Voraussetzung
der Mindestbeitragsdauer für den Anspruch auf eine ordentliche Invaliden-
rente gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fas-
sung erfüllt ist.
2.4 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), die Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Invalidität ist somit der durch einen Gesundheitsschaden verursachte und
nach zumutbarer Behandlung oder Eingliederung verbleibende länger dau-
ernde (volle oder teilweise) Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt resp. der Möglichkeit,
sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Der Invaliditätsbegriff
enthält damit zwei Elemente: ein medizinisches (Gesundheitsschaden mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) und ein wirtschaftliches im weiteren
Sinn (dauerhafte oder länger dauernde Einschränkung der Erwerbsfähig-
keit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich; vgl. zum Ganzen UELI KIESER,
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Seite 8
ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 8 Rz. 7). Arbeits-
unfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei
langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf
oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliede-
rung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
ATSG).
2.5 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7
ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und da-
mit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun-
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung al-
len guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versi-
cherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Rest-
arbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden aus-
geglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft
tragbar ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prü-
fen (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281).
2.6 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG (in der ab 2008 geltenden Fassung) besteht
der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindes-
tens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 %
invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht An-
spruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. Laut Art. 29 Abs. 4 IVG (in der ab
2008 geltenden Fassung) werden Renten, die einem Invaliditätsgrad von
weniger als 50 % entsprechen, jedoch nur an Versicherte ausgerichtet, die
ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz
haben, soweit nicht zwischenstaatliche Vereinbarungen eine abweichende
Regelung vorsehen. Eine solche Ausnahme ist vorliegend nicht gegeben.
Nach der Rechtsprechung des EVG stellt diese Regelung nicht eine blosse
Auszahlungsvorschrift, sondern eine besondere Anspruchsvoraussetzung
dar (BGE 121 V 275 E. 6c).
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Seite 9
2.7 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden kön-
nen (BGE 140 V 193 E. 3.2, 132 V 93 E. 4).
Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2, 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a).
Gemäss Art. 59 Abs. 2bis IVG (vgl. zum Sinn und Zweck dieser gesetzlichen
Norm sowie zu Art. 49 IVV Urteil 9C_323/2009 des BGer vom 14. Juli 2009
E. 4.2 mit zahlreichen weiteren Hinweisen) stehen die regionalen ärztli-
chen Dienste den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Vorausset-
zungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die In-
validenversicherung nach Artikel 6 ATSG massgebende funktionelle Leis-
tungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder
Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen
Sachentscheid im Einzelfall unabhängig. Berichten nach Art. 59 Abs. 2bis
IVG kann nicht jegliche Aussen- oder Beweiswirkung abgesprochen wer-
den. Vielmehr sind sie entscheidrelevante Aktenstücke (Urteil I 143/07 des
BGer vom 14. September 2007 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil I
694/05 des EVG vom 15. Dezember 2006 E. 5).
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweis-
wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet so-
wie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs-
sigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem An-
stellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Gleiches gilt,
C-4620/2015
Seite 10
wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wiederholt für die
Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70
E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen
in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen
lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberich-
ten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351
E. 3b ee). Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein
ärztliches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a) genügen, auch hinsichtlich
der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichba-
ren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165
E. 3.3.2). Soll allerdings ein Versicherungsfall ohne Einholung eines exter-
nen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung
strenge Anforderungen zu stellen. Insbesondere sind die von der versicher-
ten Person aufgelegten Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte
mitzuberücksichtigen. Wird die Schlüssigkeit der Feststellungen der versi-
cherungsinternen Fachpersonen durch einen nachvollziehbaren Bericht ei-
nes behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, so genügt der pauschale
Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung (BGE 125 V 351 E. 3a cc)
nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Vielmehr wird das Gericht entwe-
der ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an den Versiche-
rungsträger zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren nach Art. 44
ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 135 V 465 E. 4.4 - 4.6).
3.
Vorab ist zu prüfen, wann sich die Beschwerdeführerin zum Leistungsbe-
zug angemeldet hat.
3.1 Wer eine Versicherungsleistung beansprucht, hat sich beim zuständi-
gen Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung gülti-
gen Form anzumelden (Art. 29 Abs. 1 ATSG). Eine Anmeldung liegt dann
vor, wenn erkennbar wird, dass die anmeldende Person Leistungen bean-
sprucht, d.h. den Willen zum Ausdruck bringt, sich darum zu "bewerben".
Eine Anmeldung wird in der Praxis in einem Fall angenommen, in dem ein
Anmeldungswille geäussert wird und – im Sinne einer Vervollständigung
der Anmeldung – der Versicherungsträger um die Zustellung eines Anmel-
deformulars ersucht wird. Noch keine Anmeldung stellt ein blosses Anfor-
dern eines Formulars dar. Art. 29 ATSG knüpft die Leistungsausrichtung
ausdrücklich an eine Anmeldung zum Leistungsbezug, was klar werden
lässt, dass durch eine Nichtanmeldung auf einen solchen Bezug verzichtet
werden kann. Durch einen solchen anfänglichen Verzicht ist eine spätere
C-4620/2015
Seite 11
Anmeldung zum Leistungsbezug nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ein
"Widerruf" des stillschweigenden "Verzichts" ist insoweit zulässig. Aller-
dings können sich aus einer solchen (allenfalls verspäteten) Anmeldung
Einschränkungen im Leistungsanspruch ergeben. Nachzahlungen erfol-
gen im Rahmen des Leistungsverwirkung (vgl. Art. 24 Abs. 1 ATSG), und
es kann das Einzelgesetz bei der verspäteten Anmeldung weitere Ein-
schränkungen vorsehen (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Auflage,
Zürich/Basel/Genf 2009, Rz. 8 f. und 13 zu Art. 29 Abs. 1 ATSG). Im Rah-
men des IVG wird der Anspruch auf eine Rente geltend gemacht durch
Einreichen eines ausgefüllten amtlichen Formulars bei der nach Art. 40 IVV
zuständigen IV-Stelle (vgl. Art. 65 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 67 Abs. 1
IVV). Befugt zur Geltendmachung des Anspruchs ist unter anderem die
versicherte Person (vgl. Art. 66 Abs. 1 IVV).
3.2
3.2.1 Die Beschwerdeführerin gelangte am 21. Februar 2014 per E-Mail an
die Zentrale Ausgleichsstelle (ZAS) mit den Fragen, wie hoch ihre monatli-
che AHV-Rente bei vorzeitiger Pensionierung ausfallen würde und ob sie
aufgrund ihrer Beitragsleistungen in der Schweiz „Teil-IHV“ berechtigt sei
(act. 1 und 2). Nachdem sie am 3. März 2014 nur betreffend die Anfrage
nach ihrer künftigen Altersrente diverse Informationen erhalten hatte
(act. 3), erkundigte sie sich am 31. März 2014 nach einer allfälligen Rente
der schweizerischen Invalidenversicherung (act. 4); diesbezüglich wurde
ihr am 24. April 2014 ein Merkblatt übermittelt (act. 5). Am 28. April 2014
gelangte die Versicherte erneut an die ZAS mit der Frage, ob sie als Aus-
landschweizerin, die 1981 der freiwilligen AHV beigetreten sei, Anrecht auf
IV-Bezüge habe (act. 6). Daraufhin bat die ZAS am 3. Juli 2014 zur Klärung
der Situation um einen Rückruf (act. 7) und gab der Versicherten den In-
ternetlink bekannt, unter welchem die nötigen Informationen über die IV-
Anmeldung zu finden sind (act. 8). Nach einer weiteren E-Mail der Versi-
cherten vom 25. Juli 2014 betreffend „IV-Gesuch“ (act. 9 und 10) ging am
4. August 2014 die vom 13. Juli 2014 datierende Anmeldung bei der
Schweizerischen Ausgleichskasse (SAK) ein (act. 12).
3.2.2 Die E-Mails der Beschwerdeführerin vom 21. Februar, 31. März 2014
und 28. April 2014 sind nicht als Gesuche zu qualifizieren. Der Inhalt dieser
Schreiben erschöpft sich lediglich in generellen Anfragen im Zusammen-
hang mit einer Invalidenrente und beinhaltet keinen zum Ausdruck ge-
brachten Willen, eine solche Leistung in konkreter Weise zu beantragen.
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Seite 12
Wie das blosse Anfordern eines Formulars stellt auch eine generelle An-
frage noch keine Anmeldung im Sinne von Art. 29 Abs. 1 ATSG dar (vgl. E.
3.1.1 hiervor). Da die vorstehend erwähnten E-Mails nicht als formlose An-
meldungen qualifiziert werden können, war die Vorinstanz weiter auch
nicht dazu verpflichtet, der Beschwerdeführerin ein amtliches Formular zur
Ausfüllung zuzustellen (vgl. E. 3.1.1 hiervor; vgl. auch Urteil des BVGer C-
5284/2009 vom 10. Februar 2012 E. 3.1.1). Damit kann es vorliegend je-
doch nicht sein Bewenden haben.
3.3
3.3.1 Nach Art. 27 ATSG sind die Versicherungsträger und Durchführungs-
organe der einzelnen Sozialversicherungen verpflichtet, im Rahmen ihrer
Zuständigkeitsbereiches die interessierten Personen über ihre Rechte und
Pflichten aufzuklären (Abs.1). Jede Person hat Anspruch auf grundsätzlich
unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten. Dafür zuständig
sind die Versicherungsträger, denen gegenüber die Rechte geltend zu ma-
chen oder die Pflichten zu erfüllen sind (Abs. 2 Satz 1 und 2). Art. 27 Abs.
1 ATSG statuiert eine allgemeine und permanente Aufklärungspflicht der
Versicherungsträger und Durchführungsorgane, die nicht erst auf persönli-
ches Verlangen der interessierten Person zu erfolgen hat, und hauptsäch-
lich durch die Abgabe von Informationsbroschüren, Merkblättern und Weg-
leitungen erfüllt wird (BGE 131 V 472 E. 4.1). Daraus lassen sich keine
gerichtlich durchsetzbaren Rechte der Versicherten ableiten (Urteil des
BGer 9C_1005/2008 vom 5. März 2009 E. 3.2.1). Hinzugefügt sei noch,
dass nach der zur Rechtslage vor Inkrafttreten des ATSG (am 1. Januar
2003) ergangenen (und mithin für die dem ATSG unterstehenden Sozial-
versicherungszweige heute überholten) Rechtsprechung (BGE 124 V 215
E. 2b) keine umfassende Auskunfts-, Beratungs- und Belehrungspflicht der
Behörden bestand (unter Vorbehalt von Art. 16 KVG in der bis 31. Dezem-
ber 2002 geltenden Fassung), namentlich auch nicht gestützt auf den ver-
fassungsmässigen Grundsatz von Treu und Glauben (Urteil des BGer H
14/06 vom 5. März 2007 E. 4.2). Unter der damals herrschenden Rechts-
lage brauchten die Organe der Alters- und Hinterlassenenversicherung da-
her nicht von sich aus – spontan, ohne vom Versicherten angefragt worden
zu sein – Auskünfte zu erteilen oder auf drohende Rechtsnachteile auf-
merksam zu machen. Dies galt auch für drohende Verluste sozialversiche-
rungsrechtlicher Leistungen (BGE 131 V 472 E. 4.2).
3.3.2 Demgegenüber beschlägt Art. 27 Abs. 2 ATSG ein individuelles Recht
auf Beratung durch den zuständigen Versicherungsträger. Jede versicherte
C-4620/2015
Seite 13
Person kann vom Versicherungsträger im konkreten Einzelfall eine unent-
geltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten verlangen (BGE 131 V
472 E. 4.1). Sinn und Zweck der Beratungspflicht ist, die betreffende Per-
son in die Lage zu versetzen, sich so zu verhalten, dass eine den gesetge-
berischen Zielen des jeweiligen Erlasses entsprechende Rechtsfolge ein-
tritt (BGE 131 V 472 E. 4.3). Die Beratungspflicht nach Art. 27 Abs. 2 ATSG
besteht aber nicht voraussetzungslos. Es muss vielmehr ein hinreichender
Anlass zur Information gegeben sein, was etwa dann der Fall ist, wenn für
die zuständigen Versicherungsträger bei einem durchschnittlichen Mass an
Aufmerksamkeit erkennbar ist, dass die versicherte Person durch ein be-
stimmtes Verhalten (Handeln oder Unterlassen) Leistungsansprüche zu
gefährden vermag (BGE 133 V 249 E. 7.2). Schliesslich kann nicht erwartet
werden, dass Informationen abgegeben werden, die als allgemein bekannt
vorausgesetzt werden dürfen (Urteil des BGer 9C_894/2008 vom 18. De-
zember 2008 E. 3.2). Allgemein ist auch von den Versicherten ein Minimum
an Aufmerksamkeit und Mitdenken im Sinne der Betätigung des gesunden
Menschenverstandes zu verlangen, sei es in einem laufenden Verfahren,
sei es zur Wahrung später entstehender Leistungsansprüche wie etwa be-
treffend Beitragsplicht und Beitragsbezug im Hinblick auf die Altersrente
der AHV (Urteil des BGer 9C_1005/2008 vom 5. März 2009 E. 3.2.2).
3.4
3.4.1 Nach der ab Inkrafttreten des ATSG geltenden, vorliegend zur An-
wendung gelangenden Rechtslage (vgl. dazu E. 4.1.1 hiervor) trifft die Vor-
instanz eine Informationspflicht. Indem die Vorinstanz am 3. März 2014 die
Anfrage der Versicherten vom 21. Februar betreffend Vorbezug der AHV-
Rente beantwortetet hatte, ist ihr diesbezüglich keine Verletzung der Infor-
mationspflicht vorzuwerfen, da sie den Passus „Teil-IHV berechtigt“ durch-
aus als „Teil-AHV berechtigt“ verstehen resp. von einem blossen Tippfehler
der Versicherten ausgehen durfte. Mit Blick auf die weiteren Akten kam die
Vorinstanz der Informationspflicht dennoch aus folgenden Gründen nicht in
genügendem Masse nach:
3.4.2 Die Vorinstanz beantwortete die unmissverständliche Anfrage der
Beschwerdeführerin betreffend Anspruchsberechtigung auf eine IV-Rente
vom 31. März 2014 am 24. April 2014 durch blosses Zusenden eines Merk-
blattes. Mit Blick auf die in Art. 27 Abs. 1 ATSG statuierte allgemeine und
permanente Aufklärungspflicht der Vorinstanz und insbesondere das in
Art. 27 Abs. 2 ATSG normierte individuelle Recht auf unentgeltliche Bera-
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Seite 14
tung betreffend Rechte und Pflichten hält die blosse Zustellung des Merk-
blattes im Anschluss an die konkreten Anfrage der Beschwerdeführerin den
Anforderungen von Art. 27 Abs. 2 ATSG nicht stand. Daraus folgt, dass
seitens der Vorinstanz von einem Unterbleiben der unter den konkreten
Umständen gebotenen Auskunft auszugehen ist (vgl. hierzu BGE 131 V
472 E. 5; SVR 2007 ALV Nr. 20 S. 66 f. E. 6; vgl. auch BGE 124 V 215
E. 2b aa betreffend der Rechtsprechung vor Inkrafttreten des ATSG).
3.4.3 Da die Vorinstanz spätestens mit Blick auf die E-Mail der Beschwer-
deführerin vom 31. März 2014 hätte erkennen können und müssen, dass
deren Leistungsanspruch – im Zusammenhang mit dem Anmeldedatum in
zeitlicher Hinsicht – gefährdet sein könnte, traf sie ohne Zweifel eine kon-
krete Aufklärungspflicht (vgl. BGE 133 V 249 E. 7.2), welcher sie mit der
Übermittlung des Merkblatts am 24. April 2014 nicht hinreichend nachge-
kommen ist. Mit anderen Worten hätte die Vorinstanz unter den gegebenen
Umständen nicht erst am 3. Juli 2014 zur Klärung der Situation aktiv wer-
den dürfen. Unter diesen Umständen bringt die Rechtsunkenntnis der Be-
schwerdeführerin keine ernstlichen Nachteile für diese (zum gegenteiligen
Fall vgl. BGE 126 V 309 E. 2b, 124 V 215 E. 2b aa, 111 V 402 E. 3). Über-
dies kann der Beschwerdeführerin ab der E-Mail vom 31. März 2014 nicht
vorgeworfen werden, sie hätte ein gewisses Minimum an Achtsamkeit ver-
missen lassen (vgl. hierzu ZAK 1991 S. 375 E. 3c), zumal sie – anfänglich
erfolglos – versucht hat, sich mit der Vorinstanz betreffend Rentenberech-
tigung auszutauschen. Bei rechtzeitiger Aufklärung durch die Vorinstanz
hätte die Beschwerdeführerin ihre Anmeldung zum Bezug von IV-Leistun-
gen ohne Weiteres im April 2014 einreichen können, weshalb dies im Fol-
genden als massgebendes Anmeldedatum zu berücksichtigen ist.
3.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich somit als Zwi-
schenergebnis, dass die Beschwerdeführerin – ausgehend von einem für
die Geltendmachung des Anspruchs massgeblichen Datum vom April 2014
– allenfalls Anspruch auf rückwirkende Leistungen bereits ab Oktober 2014
haben könnte.
4.
Die Vorinstanz stützte sich im Rahmen des Erlasses der angefochtenen
Verfügung vom 24. Juni 2015 (act. 67) insbesondere auf die Berichte und
Einschätzungen von Dr. med. C._, Fachärztin für Onkologie und
Hämatologie, vom 17. Dezember 2014 (act. 42) und 5. Februar 2015 (act.
54). Diese Berichte sind nachfolgend zusammengefasst wiederzugeben
und einer Würdigung zu unterziehen:
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4.1 Dr. med. C._ erwähnte in Kenntnis von medizinischen Akten
aus Neuseeland in ihrer Stellungnahme vom 17. Dezember 2014 als
Hauptdiagnosen ein Rektum-Adenokarzinom (Klassifikation T2 N1 M0) im
Oktober 2013, erst behandelt durch Radiotherapie, gefolgt von einer abdo-
mino-perinealen Amputation mit Kolostomie (definitiv im Februar 2014). Sie
attestierte der Versicherten in der Tätigkeit als Hausfrau eine 50%ige Ar-
beitsfähigkeit seit Oktober 2013 und führte weiter aus, die Versicherte sei
ab dem Zeitpunkt der Diagnostik und der Radiotherapiebehandlung in der
Ausübung einer Anzahl von Haushaltsaktivitäten zufolge Müdigkeit, Durch-
fall und Schmerzen im Sitzen behindert gewesen. Die 50%ige Arbeitsunfä-
higkeit habe auch nach der Intervention mit der Kolostomie Bestand ge-
habt. Ab dem Zeitpunkt der Normalisierung des Allgemeinzustands, wie er
im Bericht vom 11. August 2014 vermerkt worden sei, liege eine Arbeitsun-
fähigkeit von 30 % vor (act. 42).
4.2 In Kenntnis der Berichte der Dres. med. E._ und F._ vom
8. und 14. Januar 2015 (act. 45, 47, 48, 51 und 52) modifizierte Dr. med.
C._ in ihrer Beurteilung vom 5. Februar 2015 ihre frühere Stellung-
nahme. Sie führte aus, zur Zeit der Entdeckung des Rektumkrebs sei die
Versicherte über 60 Jahre alt gewesen. Sie habe ein morbides Übergewicht
(133 kg) und zusätzlich sei in Anbetracht der Wichtigkeit der Bestrahlung
resp. zufolge der schwereren Radiotherapie ein Bypass gelegt worden.
Schliesslich sei es nicht möglich, wieder normal zu stuhlen, da die Versi-
cherte definitiv einen künstlichen Ausgang des Dickdarms habe. Aus all
diesen Gründen sei ab dem Datum des Nachweises des Tumors für Haus-
haltstätigkeiten eine definitive Arbeitsunfähigkeit von 50 % zu statuieren.
5.
5.1 Wie bereits dargelegt wurde (vgl. E. 2.7 hiervor), kann auf Stellungnah-
men von Fachärztinnen und –ärzten des RAD nur unter der Bedingung ab-
gestellt werden, dass deren Beurteilungen den allgemeinen beweisrechtli-
chen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht (resp. an ein Gutachten)
genügen und zudem die beigezogenen Ärztinnen und Ärzte über die im
Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen.
Den Stellungnahmen resp. Berichten im Sinne von Art. 59 Abs. 2bis IVG von
Dr. med. C._ könnte – obwohl solche ohne eigene Untersuchung
resp. Abklärung vor Ort verfasst werden – volle Beweiskraft zukommen,
wenn die übrigen, von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung herausge-
arbeiteten Kriterien erfüllt sind. Daran bestehen im vorliegenden Fall mit
Blick auf die weiteren aktenkundigen Arztberichte jedoch Zweifel, weshalb
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Seite 16
auf weitere Abklärungen in medizinischer Hinsicht nicht verzichtet werden
kann. Dies aus den folgenden Gründen:
5.2
5.2.1 Während Dr. med. E._ in ihrem Bericht vom 8. Januar 2015
eine mindestens 75%ige Einschränkung postuliert hatte (act. 48), erwähnte
Dr. med. F._ in seinem Bericht vom 14. Januar 2015, die Versi-
cherte sei von Oktober 2013 bis Februar 2016 zu 70 % arbeitsunfähig ge-
wesen; zwei Jahre nach der Operation (Februar 2014) sei eine erneute
Bewertung vorzunehmen (act. 45). Mit Blick auf die Diskrepanz zwischen
den Beurteilungen der Dres. med. E._ und F._ vom 8. und
14. Januar 2015 und derjenigen von Dr. med. C._, wonach bei der
Beschwerdeführerin ab dem Datum des Nachweises des Tumors für Haus-
haltstätigkeiten von einer definitiven Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszuge-
hen sei, bestehen zumindest Zweifel an der tatsächlich verbliebenen Rest-
arbeits- bzw. -leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer ange-
stammten Tätigkeit als Hausfrau. In diesem Zusammenhang ist zu erwäh-
nen, dass die Situation der Beschwerdeführerin insofern besonders ist und
von einem gewöhnlichen Haushalt abweicht, als es sich bei ihrem Zuhause
um ein relativ grosses Haus mit acht Zimmern und einem Landanteil von
10‘000 Quadratmetern, davon 5‘000 Quadratmeter Grasland, handelt (act.
25 S. 6 und 31 S. 1). Hinzu kommt weiter, dass die Beschwerdeführerin
zusammen mit ihrem Ehemann nicht über eine gewisse Anzahl von tech-
nischen Hilfsmitteln, sondern nur über einen alten Traktor verfügt (act. 31
S. 1). Unter diesen Aspekten bestehen an der von Dr. med. C._ am
17. Dezember 2014 (act. 42 S. 3) vorgenommenen Arbeitsunfähigkeitsbe-
urteilung in den einzelnen Teilbereichen doch Zweifel, zumal – soweit er-
sichtlich – die Besorgung resp. der Unterhalt des grossen Grundstücks
resp. die daraus resultierende Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht explizit
berücksichtigt worden ist. Daran ändert auch die nach Verfügungserlass
(24. Juni 2015) am 25. November 2015 von Dr. med. C._ verfasste,
vorliegend ebenfalls zu berücksichtigende (vgl. hierzu BGE 130 V 138 E.
2.1) Stellungnahme nichts, da diese die Zweifel an der oben erwähnten
Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nicht auszuräumen vermag. Weiter kann
auch nicht auf die vorliegenden Berichte der untersuchenden/behandeln-
den neuseeländischen Ärzte abgestellt werden, da sie den Anforderungen
an gutachterliche Stellungnahmen in keiner Weise genügen. Die Vo-
rinstanz hat deshalb nach Vorliegen der neuen medizinischen Abklärungs-
ergebnisse anhand von genauen Beschreibungen der Beschwerdeführerin
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Seite 17
erneut zu eruieren, wie hoch die Einschränkungen in den jeweiligen Haus-
haltstätigkeiten tatsächlich sind.
5.2.2 Mit Blick auf die medizinischen Akten ergibt sich weiter, dass die Aus-
wirkungen der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten und ärztlich
bestätigten Knieproblematik auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht
fachärztlich und somit nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden sind (act. 27,
59 S. 10, 60 und 62; B-act. 8 Beilage 2).
5.2.3 Betreffend den Gesundheitszustand in psychisch-psychiatrischer
Hinsicht kommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin gemäss den Berichten
der Dres. med. G._ und E._ vom 6. Dezember 2013 und
8. Januar 2015 (act. 17 und 48) auch an einer Depression leidet. Mit Blick
auf die Umstände, dass – soweit ersichtlich – weder die Dres. med.
G._ und E._ noch Dr. med. C._ über einen entspre-
chenden Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie verfügen, die er-
wähnte Depression jedoch Anhaltspunkte für ein psychisches Leiden mit
Krankheitswert liefert, muss im Hinblick auf den Untersuchungsgrundsatz
zusätzlich auch in psychisch-psychiatrischer Hinsicht eine Expertise einge-
holt werden (vgl. hierzu Urteil I 316/99 des EVG vom 28. August 2000 mit
weiteren Hinweisen). Mit anderen Worten ist aufgrund der Aktenlage nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (zum Beweisgrad der überwiegen-
den Wahrscheinlichkeit vgl. BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2; RKUV
2001 U 413 S. 86 E. 5b) festzustellen, ob, und wenn ja, in welchem Aus-
mass die Beschwerdeführerin aus rein psychisch-psychiatrischer Sicht in
der bisherigen bzw. in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit arbeits-
resp. leistungsfähig ist.
5.2.4 Schliesslich ist im Rahmen der neu zu veranlassenden medizini-
schen Abklärungen auch zu prüfen, ob die bei der Beschwerdeführerin of-
fenbar vorliegende Nierenproblematik (B-act. 11 Anhang III) zusätzlich re-
levante Auswirkungen auf die Arbeits- resp. Leistungsfähigkeit hat.
6.
Nach dem Dargelegten ist zusammengefasst festzuhalten, dass sich der
gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkun-
gen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit aufgrund der vorliegenden Ak-
tenlage nicht schlüssig und zuverlässig beurteilen lässt (vgl. BGE 125 V
353 E. 3b/bb; vgl. zum Ganzen auch E. 2.7 hiervor). Es kann bei dieser
Sachlage – da im vorliegend zu beurteilenden Beschwerdeverfahren der
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rechtserhebliche Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt und gewür-
digt (Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12 VwVG) – nicht auf weitere Abklärungen
verzichtet werden (zum gegenteiligen Fall resp. zur antizipierten Beweis-
würdigung vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3; vgl. auch BGE 122 V 157 E. 1d; SVR
2005 IV Nr. 8 S. 37 E. 6.2, 2003 AHV Nr. 4 S. 11 E. 4.2.1; vgl. zum Ganzen
Urteil des BGer 8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5 mit Hinweisen). Eine
Rückweisung der Sache in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes
(Art. 43 Abs. 1 ATSG) an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung ist unter
diesen Umständen möglich, da einerseits kein umfassendes, von der Vo-
rinstanz eingeholtes Administrativgutachten vorliegt, und andererseits eine
Verlagerung der Expertentätigkeit von der administrativen auf die gerichtli-
che Ebene sachlich nicht wünschbar ist (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.2). Im
Rahmen der neuen Begutachtung sind sämtliche bisher verfassten ärztli-
chen Berichte von den Experten und/oder Expertinnen zu würdigen. Die
Gutachterinnen und/oder Gutachter haben anhand der Indikatoren zu be-
rücksichtigen, welche Auswirkungen die Leiden auf die Arbeits- und All-
tagsfunktionen der Beschwerdeführerin haben. Dabei ist insbesondere zu
klären, inwiefern sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Bereich
Haushalt manifestieren, zumal die Einschätzungen von Dr. med.
C._ nach dem Dargelegten nicht rechtsgenüglich erscheinen.
7.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde
vom 16. Juli 2015 (Eingangsstempel: 29. Juli 2015) insoweit gutzuheissen
ist, als die angefochtene Verfügung vom 24. Juni 2015 aufzuheben ist und
die Akten im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zur Durchführung
weiterer Abklärungen und anschliessendem Erlass einer neuen Verfügung
zurückzuweisen sind.
8.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG
die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Da eine
Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Par-
tei gilt (BGE 132 V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall der Beschwerde-
führerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Dieser ist der geleistete
Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 400.- nach Eintritt der Rechtskraft des
vorliegenden Urteils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz werden ebenfalls
keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
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8.2 Die unterliegende Vorinstanz als Bundesbehörde (BGE 127 V 205) und
die nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin haben – da dieser keine
unverhältnismässig hohen Kosten entstanden sind resp. sie keine solchen
geltend gemacht hat – keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung
(Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 3 und 4 VGKE).