Decision ID: 888f1001-ba34-5e2d-ba99-fbcc0f5d25df
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1994, war seit dem 15. Januar 2014 als Service
an
ge
stellter bei der Y._ angestellt und in dieser Eigenschaft bei der SWICA Versicherungen AG (SWICA) gegen die Folgen von Berufs- und Nicht
be
rufsunfällen versichert, als er am 18. Februar 2014 an der Haltestelle Z._ in Zürich zusammengeschlagen wurde
(Urk. 8/1, vgl. auch Polizeirapport der Stadtpolizei Zürich vom 24. Februar 2014, Urk. 8/14). Dabei erlitt er
ein Gesichts- und
Thoraxtrauma
mit mehrfacher offener Unterkieferfraktur, Mittel
ge
sichtsfraktur und Nasenbeinfraktur sowie eine
Contusio
cordis
. Der Versi
cherte wurde zunächst im A._ hospitalisiert, wobei es im Verlauf zu schweren Komplikationen kam (vgl. Austrittsbericht A._ vom 24. März 2014, Urk. 8/22, vgl. auch Urk. 8/42, Urk. 8/47-49, Urk. 8/61).
Die
SWICA
erbrachte
für den Vorfall
die gesetzlichen Leistungen (
vgl.
Urk. 8/
26, Urk. 8/29, Urk. 8/98
).
Am 18. Mai 2015 verfügte sie die Kürzung der Geldleis
tungen um 50 %, weil das Verhalten des Versicherten als aussergewöhnliche Gefahr zu betrachten sei (Urk. 8/106). Die dagegen erhobene Einsprache vom 26. Mai 2015 (Urk. 8/109) wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 28. Januar 2016 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 12. Februar 2016 Beschwerde und be
antragte, die Verfügung (richtig: der
Einspracheentscheid
) vom 28. Januar 2016 sei vollumfänglich aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm aus dem Unfallereignis vom 18. Februar 2014 alle bisherigen sowie zu
künf
tigen Geldleistungen in ungekürzter Höhe auszurichten, namentlich auch die bis dato zurückbehaltenen beziehungsweise gekürzten UVG-Taggelder. In formeller Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung von Rechtsanwalt Martin Schnyder als unentgeltlichen Rechtsbeistand (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 15. März 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-3 und Urk. 8/1-168), was dem Beschwer
de
führer mit Verfügung vom 5. April 2016 zur Kenntnis gebracht wurde. Gleich
zeitig wies das Gericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung mangels ausgewiesener Bedürftigkeit ab (Urk. 12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Gemäss Art. 39 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) kann der Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen, wobei die Kürzung oder Verweige
rung in Abweichung von Art. 21 Abs. 1-3 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) geordnet werden kann. Ge
stützt auf diese Kompetenzdelegation legte der Bundesrat in Art. 49 Abs. 2
lit
. a der Verordnung über die
Unfall
versicherung (UVV) fest, dass die Geldleistungen mindestens um die Hälfte gekürzt werden für Nichtberufsunfälle, die sich bei Beteiligung an Raufereien und Schlägereien ereignen, es sei denn, die versi
cherte Person sei als Unbeteiligte oder bei Hilfeleistung für einen Wehrlosen durch die Streitenden verletzt worden.
Gleich zu verfahren ist im Falle von Nicht
berufsunfällen, die sich aufgrund einer Reaktion
ereignen, welche durch eine starke Provokation des Versicherten hervorgerufen wurde (Art. 49 Abs. 2
lit
. b UVV).
1
.2
Nach der Rechtsprechung ist eine Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei nicht nur bei der Teilnahme an einer eigentlichen tätlichen Auseinandersetzung gegeben, sondern liegt vielmehr schon dann vor, wenn sich jemand auf einen vorausgehenden Wortwechsel eingelassen hat, der das Risiko in sich birgt, dass es zu Tätlichkeiten kommen könnte. Eine Beteiligung ist somit jedes Verhalten, das objektiv gesehen bereits das Risiko einschliesst, in Tätlichkeiten überzu
gehen oder solche nach sich zu ziehen. Nicht notwendig ist, dass der Versicherte selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist auch, aus welchen Motiven er sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder Tätlichkeiten begonnen hat und welche Wendung die Ereignisse in der Folge genommen haben.
Ebensowenig
ist vorausgesetzt, dass den Versicherten ein Verschulden trifft. Entscheidend ist allein, ob die versicherte Person die
Gefahr
einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt hat oder hätte erkennen müssen (RKUV 2005 Nr. U 553 S. 311 [U 360/04], 1991 Nr. U 120 S. 89 E. 3b mit Hinweisen). Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien im Sinne von Art. 49 Abs. 2
lit
. a UVV ist weiter gefasst als der Straftatbestand der Beteiligung an einem Rauf
handel im Sinne von Art. 133 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (
StGB;
RKUV 1991 Nr. U 120 S. 90 E. 3c mit Hinweis; vgl. auch BGE 107 V 235 E. 2a). Das Sozialversicherungsgericht ist deshalb nicht an die Beurteilung des Straf
richters gebunden. Hingegen weicht es von dessen
tatbeständlichen
Feststel
lungen nur ab, wenn der im Strafverfahren ermittelte Tatbestand und dessen rechtliche Subsumtion nicht zu überzeugen vermögen oder auf Grundsätzen beruhen, die zwar im Strafrecht gelten, im Sozialversicherungsrecht jedoch
uner
heblich sind (RKUV 1991 Nr. U 120 S. 90 E. 3c, BGE 111 V 177 E. 5a mit Hinweisen).
1.3
Eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2
lit
. a UVV setzt sodann voraus, dass zwischen dem Verhalten, welches als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlä
ge
rei zu qualifizieren ist, und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhan
g besteht (SVR 1995 UV Nr. 29 E
. 2d mit Hin
weisen). Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhang
s
hat retrospektiv zu erfolgen. Ausgehend vom eingetretenen Erfolg ist rückblickend zu entschei
den, ob und inwiefern das Verhalten des Versicherten als eine wesentliche Ursache des
Unfall
es erscheint. Dies ist dann zu bejahen, wenn sich die spe
zifischen
Gefahr
en des zu beurteilenden Verhaltens beim
Unfall
ereignis konkret
ausgewirkt haben und nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhn
lichen Lauf der Dinge geeignet sind, einen
Unfall
von der Art des eingetretenen herbeizuführen. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher Konnex notwendi
g (RKUV 1995 Nr. U 214 S. 86 E
. 6a).
1.4
Eine starke Provokation im Sinne von Art. 49 Abs. 2
lit
. b UVV kann durch Worte, Gesten oder Handlungen erfolgen. Dabei muss die Provokation als adä
quat kausal für die hervorgerufene Reaktion bezeichnet werden können. Der Schweregrad einer Provokation beurteilt sich sodann nach einem objektiven
Massstab
und nicht nach dem subjektiven Empfinden des Provozierten (SVR 1997 UV Nr. 82 E. 1b).
2.
2.1
Im zuhanden der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich erstellten forensisch-psychiatrischen Gutachten der B._ vom
25. September 2014 (Urk. 7/1) wurde festgehalten,
C._
(nachfol
gend
: Beschuldigter oder Täter) habe bei der Verhaftung und in den ersten Einver
nahmen Folgendes ausgesagt: Er habe
den
Beschwerdeführer
als Drogendealer wahrgenommen, der ihn dazu habe zwingen
wollen, für ihn zu arbeiten.
Der Beschwerdeführer
habe
auf ihn eingeredet und ihn und
seine Fa
milie bedroht.
Er habe ein Foto von der
Familie
des Beschuldigten
auf seinem
Mobiltelefon
gezeigt.
Der Gutachter hielt fest, d
ieses Tatgeschehen zugrunde legend
sei
von einer Alkoholintoxikation mit Wahrnehmungsstörungen
des Beschuldigten
aus
zu
gehen. Eine offensichtliche,
das heisse
aus Gestik oder Körp
er
haltung abzu
leitende Bedrohung durch
den Beschwerdeführer habe
bei der Videoauswertung nicht festgestellt werden
können
. Auch
sei
von keinem von beiden ein
Mobil
telefon
hervorgezogen und Bilder gezeigt
worden
. In der späteren staatsanwalt
schaftlichen Einvern
a
hme
habe der Beschuldigte dann berichtet
, extreme Angst vor dem
Beschwerdeführer
bekommen zu haben, was als überflutende Angst im Rahmen einer kurzen, auf die Alkoholisierung begrenzt
en psychotischen Epi
soden passe (Urk. 7/1 S. 41). Zusammenfassend habe der Beschuldigte im Tat
zeitpunkt an einer akuten Alkoholintoxikation mit Wahrnehmungsstörungen gelitten. Es habe eine Alkoholisierung erheblichen Ausmasses bestanden und die psychosoziale Leistungsfähigkeit des Beschuldigten sei deutlich beein
träch
tigt gewesen (Urk. 7/1 S. 45).
2.2
2.2.1
Mit Urteil vom 11. November 2015 (Urk. 8/148) verurteilte das Bezirksgericht Zürich den Beschuldigten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung im Sinne von
Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB
) zu sieben Jahre Freiheitsstrafe (Urk. 8/148 S. 76 ff.).
2.2.2
Das Bezirksgericht hielt in seinem Urteil in eingehender Würdigung der Aus
sagen der Beteiligten zum Sachverhalt im Wesentlichen Folgendes fest: Die An
gaben des Beschuldigten stellten vor dem Hintergrund der Diagnose einer Alkoholintoxikation mit Wahrnehmungsstörungen und unter Berücksichtigung der geltend gemachten bruchstückhaften Erinnerung keine
rechtsgenügliche
Grundlage für die Beantwortung der Frage, was sich damals an der Haltestelle Z._ tatsächlich ereignet habe, dar. Auch vermöge es nicht zu erstaunen, dass sich der Geschädigte (Beschwerdeführer) aufgrund der erlittenen Verlet
zungen und der damaligen Alkoholisierung nicht mehr an die fraglichen Ereig
nisse erinnern könne. Da auch keine Aussagen von Augenzeugen vorlägen, blie
ben einzig die Aufnahmen der bei der Haltestelle Z._ installierten Überwachungskameras als Erkenntnisgrundlage. Durch
die
se
Aufzeichnungen
seien die Vorgänge
erstellt
(Urk. 8/148 S. 21 ff.).
2
.
2.3
Das Gericht führte zum Sachverhalt, welchen der Beschuldigte im Rahmen der Hauptverhandlung anerkennen liess, im Wesentlichen aus,
dass
de
r
Beschwer
deführer
am 18. Februar 2014
um 03:08 Uhr zur
H
altestelle
Z._
gekom
men sei.
Der Beschuldigte
sei
um 03:42 Uhr ebenfalls
dort angekommen und habe
sich an eine Stehsitzbank
angelehnt
.
U
m 03:52 Uhr
habe
sich der
Be
schwerdeführer
zum Beschuldigten
begeben
und mit diesem
gesprochen
. Zu erwähnen
sei
, dass sich die beiden in der Folge während fast 20 Minuten
unter
halten hätten
. Dabei
habe der Beschwerdeführer g
elegentlich den bei Gesprä
chen üblichen Höflichkeitsabstand
unterschritten
,
habe
den Beschuldigten auch manchmal mit der Hand
berührt und habe
sich hin und wieder ab
gewandt
, um auszuspucken
. I
nsgesamt
aber
zeigten
die Vid
eoaufzeichnungen ein ruhiges Ge
spräch,
welches
in einem friedlichen Rahmen
stattgefunden habe
. In dieses Bild pass
e
, dass der Beschuldigte dem
Beschwerdeführer weder den Handschlag ver
wei
gert
noch den "Faust-zu-Faust-Gruss" ausgeschlagen habe
.
Als sich der
Beschwerdeführer
um 04:10 Uhr wieder
einmal
vom Beschuldigten
abgewandt habe
, um in Richtung Tramgleise auszuspucken,
sei
dieser empor und nach vorne gegen den
Beschwerdeführer geschnellt
,
habe
dessen Hals
er
grif
fen
, ihn mit beiden Armen gegen sich
gezogen
und mit der rechten
Hand mehrere Male gegen den Hinterkopf
respektive
Halsbereich
des Beschwerde
füh
rers geschlagen
. Dabei
sei der
Beschwerdeführer
zu Boden
gegangen
,
sei
vom Beschuldigten jedoch nicht losgelassen
worden
. Der
Beschwerdeführer habe
auf dem Rücken
gelegen und der
Beschuldigte
sei
über
ihm gewesen und habe
mehr
mals mit der rechten Faust gegen dessen Kopf
geschlagen
.
Der Beschwer
deführer habe
versucht, sich gegen den auf ihm sitzenden Beschuldigten zu wehren, indem er mit den Beinen dessen Oberkörper
habe
umklammern
wollen, was ihm jedoch nicht gelungen sei.
Danach
habe der Beschuldigte versucht,
den
Beschwerdeführer
vom Boden hochzuziehen,
habe
ihn dann aber wieder zu Boden fallen
lassen
. Darauf
habe
sich der Beschuldigte einige Meter vom
Beschwerdeführer entfernt
,
sei
jedoch nach wenigen Sekunden wieder zu ihm zurück
gekehrt
.
Er
habe
mehrmals mit dem
Fuss
gegen den Kopf des
regungslos auf dem Boden liegenden Beschwerdeführers getreten
.
Zwischen
04:16
und 04:35
Uhr habe der Beschuldigte mindestens
sechs
Mal mit dem
Fuss
gegen
und
mindestens zwei Mal mit der Schuhsohle des rechten Schuhs von oben auf den Kopf des
Beschwerdeführers getreten
. Um 04:38 Uhr
habe
der Beschuldigte den bewusstlosen
Beschwerdeführer schliesslich auf den Tramg
leisen liegen
gelassen
und sich
entfernt
. Nur wenige Sekunden später
sei
ein Tram in die Tramstation ein
gefahren
,
habe
jedoch vor dem auf den G
l
eisen liegenden
Beschwerdeführer
anhalten
können (
Urk. 8/148 S. 23 ff.).
2.2.4
Das Gericht erachtete es als erstellt, dass der Beschuldigte dem Beschwerde
führer die erlittenen Verletzungen zugefügt hat, und dass diese für den Be
schwerdeführer lebensgefährlich gewesen sind (vgl. Urk. 8/148, S. 29). Im Rahmen der rechtlichen Würdigung zur Tatschwere führte das Gericht aus, dass auch wenn sich der Beschwerdeführer
während des fast zwanzigminütigen Ge
sprächs mit dem Beschuldigten teilweise distanzlos und ungehobelt
benommen habe
, klar festzuhalten
sei, dass in seinem
Verhalten nichts
ersichtlich
sei
, was die Reaktion des Beschuldigten zwischen 04:10 und 04:35 Uhr auch nur ansatz
weise erklären würde. Entsprechend komm
e
man nicht umhin, dass der Gewalt
exzess des Beschuldigten bei objektiver Betrachtung aus nichtigem Anlass er
folgt
sei
. Zudem
habe
sich der Beschuldigte zu Beginn der Auseinander
set
zung hinterhältig
verhalten
, indem er einen günstigen Moment
abgewartet habe, um
den arglosen Beschuldigten anzugreifen. Die Brutalität, mit welcher der Beschul
digte einen verletzt und regungslos am Boden liegenden Widersacher traktiert
und dessen Anspruch auf körperliche Unversehrtheit buchstäblich mit Füssen
getreten habe
,
sei
nachgerade erschreckend
(Urk. 8/148 S. 59 f.).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die hälftige Kürzung der Geldleistungen wegen
Vorliegen einer aussergewöhnlichen Gefahr
zu Recht erfolgte.
3
.2
Die Beschwerdegegnerin erwog im Wesentlichen, dass der Sozialversicherer nich
t an die Feststellung und Würdigung des Strafrichters gebunden sei.
Durch die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer
den ihm völlig unbekannten
Täter
ange
sprochen und in ein Gespräch verwickelt, den Täter mehrfach angestupst ha
be,
ihm sehr nahe gekommen
sei
und immer weiter auf
ihn
eingeredet habe
, obwohl der Täter ihm mehrfach zu erkennen gegeben ha
be
, dass er in Ruhe gelassen werden möchte,
habe der Beschwerdeführer
die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt oder h
ab
e sie erkennen müssen. Das Verhalten des
Beschwerdeführers
habe
je
denfalls objektiv gesehen die
dann auch verwir
klichte
Gefahr mit ein
geschlossen
, in Tätlichkeiten überzugehen. Die seinem Verhalten innewohnende Gefahr
sei
für ihn auch ohne
W
eiteres
erkennbar
gewesen
oder
hätte
dies sein
müssen
. Soweit
der Beschwerdeführer
geltend mach
e
,
dies treffe nicht zu, da das vorangegangene Gespräch
ru
hig und in friedlichem Rahmen stattgefunden habe,
könne
ihm nicht gefolgt werden
. D
ie Videoaufzeichnungen
liessen
auf einen ganz anderen Schluss schliessen. Spätestens sein beschrie
benes, in der Videoaufnahme festgehaltenes Verhalten
habe
offensichtlich und in für
den Beschwerdeführer
erkennbarer Weise objektiv die Gefahr
geborgen
, zu Tätlichkeiten zu führen
. Damit habe
sich der
Beschwerdeführer an
einer Schlägerei im Sinne von
Art.
49
Abs.
2
lit
.
a UVV beteiligt sowie auch den Tatbestand der starken
Provokation im Sinne von Art.
49
Abs.
2
lit
.
b UVV erfüllt
(Urk. 2 S. 6)
.
3
.3
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
mit Verweis auf die Auf
zeichnungen der Überwachungskameras sowie die Ausführungen im psychia
tri
schen Gutachten vom 25. September 2014 im Wesentlichen auf den Stand
punkt,
dass eindeutig belegt sei, dass er sich nicht in eine aussergewöhnliche Gefah
renlage begeben habe. Es sei zu beachten, dass ihn der betrunkene Täter nach
gewiesenermassen in psychotischem Wahn angegriffen habe. Aus dem Verhal
ten und der Körpersprache des Täters hätten sich keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, dass er sich vom ihm übermässig bedrängt oder
gar provoziert
gefühlt habe
. Es wäre vielmehr zu erwarten, dass jemand, welcher sich belästigt oder gar provoziert fühl
e
, den anderen
wegstosse
oder sich zumindest von ihm ent
fern
e
und nicht an der Wand angelehnt verhar
re
. Für den Beschwerdeführer
seien
jedenfalls keinerlei Anzeichen ersichtlich (gewesen), dass sich der Täter derart gestört gefühlt haben könnte, dass es zu einer tätlichen Auseinan
der
setzung komm
e (Urk. 1 S. 4 f.)
.
Das Bezirksgericht Zürich
habe
in seinem
Urteil völlig zutreffend festgehalten,
dass die Videoaufzeichnungen
insgesamt ein ruhiges Gespräch zeig
t
en, das in
einem friedlichen Rahmen stattgefunden habe.
Eine starke Provokation
sei
aus den Videoauszeichnungen
ebenfalls nicht ersicht
lich (Urk. 1 S. 5 f.).
4.
4.1
Der Tathergang und die Handlungen der Beteiligten sind im Überwachungs
video (vgl. Urk. 7/3) festgehalten.
Das
Bezirksgericht Zürich
hat den Sachverhalt im Hinblick auf die strafrechtliche Beurteilung des Vorfalles
unter Einbezug dieser Videoaufzeichnungen sowie unter Berücksichtigung des psychiatrischen Gutachtens der B._ (E. 2.1)
sorgfältig ermittelt
(E. 2.2).
Für das Sozialversiche
rungsgericht besteht deshalb kein Anlass, von den überzeugenden Feststel
lungen des
Bezirksg
erichts abzuweichen
(vgl. E. 1.2)
.
4.2
Was sich am Morgen des 18. Februars 2014 zwischen dem Beschwerdeführer und dem Täter zugetragen hat, wurde vom Bezirksgericht ausführlich dargelegt (vorstehend E. 2.2.3). Dabei erscheint es vorliegend bereits mehr als fraglich
,
dass
das entsprechend dokumentierte Verhalten
des Beschwerdeführers objektiv gesehen die
Gefahr
respektive das Risiko
einschloss, in Tätlichkeiten überzu
gehen (
vgl.
E. 1.2
). Der Beschwerdeführer musste, alkoholisiert oder nicht, objektiv betrachtet nicht damit rechnen, dass das Gespräch, so wie es verlaufen ist, mit dem sich während der ganzen Zeit unauffällig verhaltenden und ent
spannt gebenden Täter die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung in sich birgt. Im Übrigen besteht, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, so oder so kein
adäquater Kausalzusammenhang zwischen
dem
Verhalten des Beschwerdeführers und der
versuchten vorsätzlichen Tötung
.
4.3
Die bundesgerichtliche Umschreibung der adäquaten Kausalität („Das Verhalten muss nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenser
fah
rung geeignet sein, eine Gesundheitsschädigung von der Art des einge
trete
nen herbeizuführen“; BGE 134 V 315 E.
4.5.1.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_932/2012 vom
22. März 2013 E.
2.2 Abs. 2) wird im Bereich der Kürzung
und Verweigerung von Versicherungsleistungen aus besonderen Gründen (Art. 49
Abs. 2 UVV) dahingehend ergänzt, dass es laut Bundesgericht (wie im Urteil 8C_932/2012 E. 2.2 Abs. 1 schon im Abschnitt zum Tatbestand des Art. 49 Abs. 2
lit
. a UVV festgehalten) unerheblich ist, welche Wendung die Ereignisse nach dem verpönten Verhalten des Opfers nehmen (Urteil 8C_932/2012 E. 4). Dieses Verständnis der Adäquanz, welches bei einem entsprechenden verpönten Verhalten sämtliche, auch völlig abwegige Folgen noch als adäquat begreift, wird insofern relativiert, als das Handeln des Täters immerhin nicht derart aussergewöhnlich oder ausserhalb der allgemeinen Lebenserfahrung sein darf, dass damit objektiv nicht zu rechnen ist.
4.4
Selbst nach
dieser
sehr weit gefassten
und bereits vielfach kritisierten
Rechtsprechung steht ausser Frage, dass das Verhalten des Täters
derart aussergewöhnlich war, dass
der Beschwer
de
führer
damit nicht zu rechnen
hatte
.
Insbesondere lassen di
e konkreten
Ge
samtu
mstände nicht darauf schliessen, dass
der
Beschwerdeführer
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung
mit einer derart übertrieben
en,
lebensbedrohlichen
Attacke
- mithin einer versuchten vor
sätzlichen Tötung -
hätte rechnen müssen.
Wie das Bezirksgericht Zürich zu
treffend feststellte, zeigen die Videoaufzeichnungen – entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (E. 3.2) - ein friedliches Gespräch zwischen den Beteiligten. Dass im Rahmen dieses Gesprächs seitens des Beschwerdeführers eine verbale Provokation oder Belästigung erfolgte, oder dass der Täter dem Beschwerde
führer gar gesagt hatte, er solle ihn in Ruhe lassen, ist vorliegend nicht erstellt (vgl. E. 2.1, E. 2.2.2). Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdegegnerin geht aus den Aufzeichnungen keineswegs hervor, dass
der Täter
dem Beschwer
de
führer
durch seine Gestik oder Körpersprache
mehrfach zu
erkennen
gegeben hätte
, dass er in Ruhe gelassen werden
möchte (vgl. E. 2.2.3, Urk. 7/3). Während 20 Minuten erweckte der stark alkoholisierte Täter nicht
ein Mal
den Eindruck, sich durch den ebenfalls alkoholisierten Beschwerdeführer gestört zu fühlen. Er lehnte vielmehr die ganze Zeit locker an der Wand und wich weder zurück, als der Beschwerdeführer während des Gesprächs gestikulierte und ihn berührte, noch änderte er seine Position, als der Beschwerdeführer zu ihm aufrückte (ge
mäss Bezirksgericht „den bei Gesprächen üblichen Höflichkeitsabstand unter
schritt, vgl. E. 2.2.3). Vielmehr beteiligte er sich am Gespräch, erwiderte gar die freundschaftlichen Handschläge des Beschwerdeführers (High
five
, Faust-zu-
Faus
-Gruss) und zeigte vor seinem Gewaltausbruch insgesamt überhaupt keine körperliche Reaktion. Zusammenfassend b
esteht
damit
kein Anlass, von den überzeugenden Feststellungen des
Bezirksgerichts Zürich
abzuweichen, wonach
das Verhalten des Beschwerdeführers
den
Gewalt
exzess des
Täters, welcher darüber hinaus im Tatzeitpunkt
ausgewiesenermassen
an Wahrnehmungs
stö
rungen litt, nicht ansatzweise erklärte (vgl. E. 2.1, E. 2.2.5)
.
5.
5.1
Nach dem Gesagten ist
festzuhalten, dass zwischen dem Verhalte
n des Be
schwerdeführers und der versuchten vorsätzlichen Tötung
kein adäquater Kau
salzusammenhang
besteht
, weshalb eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2
lit
. a UVV ausser Betracht fällt.
Wenn bereits die Folgen einer Beteiligung an einer Rauferei nach Art. 49 Abs. 2
lit
. a UVV nicht als adä
quat kausal erschei
nen, ist dasselbe
Verhalten auch unter dem (weniger schwer wiegenden) Titel der starken Provokation nach Art. 49 Abs. 2
lit
. b UVV irrelevant.
5.2
Damit besteht unter keinem Titel Raum für eine Leistungskürzung, weshalb der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
28. Januar 2016
aufzuheben ist.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht
dem Beschwerdeführer g
emäss § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Pro
zessentschädigung zu, die mit
Fr. 2‘400.--
(inkl. Barauslagen und Mehr
wert
steuer) zu bemessen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.