Decision ID: af4f54a4-ae31-4d0b-94c1-78587fede5c2
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rudolf Sutter, Toggenburgerstrasse 24, 9500 Wil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente (Einstellung)
Sachverhalt:
A.
A.a T._ meldete sich am 18. November 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (Berufsberatung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Rente; act.
G 6.1/1). Ihre letzte Arbeitsstelle bei der A._, Flawil, wurde ihr per 30. November 2005
auf Grund der langen Krankheitsabsenz gekündigt. Der Hausarzt der Versicherten, Dr.
med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, Uzwil, gab in seinem Arztbericht vom
29. November 2005 differenzialdiagnostisch an, die Versicherte leide unter einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Weiter diagnostizierte er unter anderem
eine depressive Episode schweren Grades seit Frühjahr 2005, ein rezidivierendes
lumbospondylogenes Syndrom mit pseudoradikulären Ausstrahlungen mit referred-
pain-Symptomatik. Es bestehe eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit seit 23. April 2005 bis
auf weiteres (act. G 6.1/8.1). Mit einem weiteren Arztbericht vom 29. November 2005
diagnostizierte das Spital Flawil eine am 22. März 2005 erlittene Weichteilkontusion des
rechten Unterschenkels, welche jedoch keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe
(act. G 6.1/13.1). Mit Arztzeugnis vom 1. März 2006 diagnostizierte Dr. med. C._,
Klinik für Neurochirurgie, Kantonsspital, St. Gallen, ein lumbovertebragenes
Schmerzsyndrom mit beidseitigen rechtsbetonten psoeudoradikulärem Beinschmerz.
Die Versicherte war dort im Mai 2003 und im Februar 2005 wegen Kreuzschmerzen in
Behandlung (act. G 6.1/22).
Vom 13. April bis 3. Mai 2006 absolvierte die Versicherte einen
Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Gais. Im entsprechenden Bericht vom 31. Mai
2006 sowie im Arztbericht vom 24. Juli 2006 gab Dr. med. D._, Facharzt Psychiatrie
und Psychotherapie FMH sowie Chefarzt Psychosomatik, an, die Versicherte leide an
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Er gab eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit für die Dauer des Klinikaufenthalts an. Ab 4. Mai 2006 bestehe
aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit mehr (act. G 6.1/27.5 - 9).
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A.b Am 18. September 2006 äusserte sich der RAD dahingehend, dass vom 22. April
2005 bis zum 3. Mai 2006 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Seit
4. Mai 2006 bestehe jedoch in einer adaptierten Tätigkeit, die keine schweren
Tätigkeiten oder das Verharren in Zwangshaltungen umfassen sollte, eine 100 %ige
Arbeitsfähigkeit (act. G 6.1/28.3). Mit Vorbescheid vom 2. Oktober 2006 lehnte die IV-
Stelle St. Gallen die Übernahme der Kosten von beruflichen Massnahmen ab (act. G
6.1/33). Mit Vorbescheid vom 3. Oktober 2006 gab die IV-Stelle St. Gallen der
Versicherten sodann bekannt, dass sie ihr für die Zeit vom 1. April 2006 bis zum 30.
(richtig: 31.) Mai 2006 eine ganze Rente ausrichten werde. Danach bestehe kein
Anspruch mehr (act. G 6.1/35). Mit Einwand vom 4. Oktober 2006 liess die Versicherte
durch die Unia beantragen, es sei eine 100 %ige Invalidität ab 1. April 2005
anzuerkennen. Solange die gesundheitliche Situation nicht klar sei, könne auch über
die beruflichen Massnahmen nicht entschieden werden (act. G 6.1/36). Nach der
Einholung eines weiteren Arztzeugnisses bei Dr. med. E._, FMH für Chirurgie, St.
Gallen, den die Versicherte am 4. Dezember 2006 wegen einer umschriebenen,
subcutanen Fettatrophie nach Cortisoninjektionen paravertebral konsultierte
(Arztzeugnis vom 20. Dezember 2006; act. G 6.1/49), bestätigte der RAD mit
Stellungnahme vom 9. Januar 2007 weiterhin eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit (act. G 6.1/50).
A.c Mit Verfügung vom 15. Februar 2007 wies die IV-Stelle den Anspruch auf
berufliche Eingliederungsmassnahmen ab, da die Versicherte in einer adaptierten
Tätigkeit voll arbeitsfähig sei (act. G 6.1/51). Mit Verfügung vom 21. Februar 2007
verfügte sie zudem die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente für die Zeit vom 1. April
2006 bis zum 31. Mai 2006. Danach bestehe kein Anspruch mehr. Mit dem Bericht von
Dr. D._ vom 17. Juli 2006 liege eine fachpsychiatrische Stellungnahme vor, die eine
somatoforme Schmerzstörung bestätige. Von einer schweren depressiven Störung sei
jedoch nicht auszugehen. Es liege deshalb keine Komorbidität vor, mit welcher eine
Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte Tätigkeiten medizinisch zu begründen wäre.
Vielmehr sei aus medizinischer Sicht von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit auszugehen (act. G 6.1/53 und 56).
B.
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B.a Mit Beschwerde vom 23. März 2007 und Ergänzung vom 10. Mai 2007 beantragt
der Rechtsvertreter der Versicherten, die angefochtene Verfügung vom 21. Februar
2007 sei insoweit aufzuheben, als darin ein Anspruch auf eine Invalidenrente ab dem
1. Juni 2007 (richtig: 2006) verneint werde. Der Beschwerdeführerin sei (auch für die
Zeit) ab dem 1. Juni 2006 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Begründung stützt sich
der Rechtsvertreter im Wesentlichen auf das MEDAS-Gutachten vom 27. September
2005. Darin stelle der psychiatrische Konsiliargutachter, Dr. med. F._, die Diagnosen
einer erheblichen psychischen Komponente bei chronisch rezidivierenden Schmerzen,
zum Teil wechselnder Lokalisation, mit der Differenzialdiagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Ausserdem bestehe eine depressive
Episode schweren Grades (F32.2) seit Frühjahr 2000 (richtig: 2005). Weiter gehe der
Gutachter davon aus, dass in psychiatrischer Hinsicht eine 75 %ige Arbeitsunfähigkeit
für jegliche Erwerbstätigkeit bestehe.
Auch der behandelnde Psychiater, Dr. med. G._, Spezialarzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Wil, komme in seinem Bericht vom 5. Januar 2007 zu ähnlichen
Schlüssen. Er diagnostiziere eine mittelgradige rezidivierende depressive Störung mit
somatischen Symptomen (F33.11 und F33.2) auf dem Boden einer ängstlichen
Persönlichkeit, eine Panikstörung (F 41.0) sowie ein chronifiziertes Schmerzsyndrom
bei bekannten Wirbelsäulenveränderungen. Dr. G._ führe zudem aus, die Störung
hätte sich chronifiziert und einen invalidisierenden Verlauf genommen. Sowohl das
polydisziplinäre MEDAS-Gutachten als auch Dr. G._ beurteilten die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin somit ganz anders als Dr. D._. Danach habe sich der
Zustand der Beschwerdeführerin keineswegs gebessert. Es gehe nicht an, das
Rentenbegehren allein gestützt auf eine Stellungnahme eines einzigen Arztes
abzuweisen, wenn sich aus den Akten bedeutende Zweifel an der Richtigkeit dieser
Beurteilung ergäben. Die Beschwerdegegnerin setze sich nicht mit den
widersprechenden Arztberichten der MEDAS und von Dr. G._ auseinander. Es sei auf
das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten sowie auf die Beurteilung des behandelnden
Psychiaters abzustellen (act. G 3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juli 2007 beantragt die Verwaltung, es sei
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab April 2006 bis Ende August 2006
Anspruch auf eine ganze IV-Rente habe. Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen.
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Zur Begründung wird vorgebracht, dass die von der Klinik Gais attestierte volle
Arbeitsfähigkeit schlüssig sei. Die dort durchgeführte psychiatrische Behandlung der
Beschwerdeführerin habe offenbar zur Folge gehabt, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der MEDAS-Begutachtung
wesentlich verbessert habe. Die Schätzung der Klinik Gais stehe auch im Einklang mit
der Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach eine somatoforme Schmerzstörung
nur dann die Arbeitsfähigkeit einschränke, wenn eine psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vorliege. Dies sei bei der
Beschwerdeführerin nicht der Fall. Demgegenüber überzeuge der Bericht G._ nicht.
Dessen Ausführungen beträfen vor allem den Zeitraum ab dem Behandlungsbeginn
vom 2. September 2003 bis Ende 2005. Aktuelle Beobachtungen und Befunde würden
nicht aufgeführt. Zudem habe Dr. G._ offenbar keine Kenntnis der Vorakten.
Entgegen dessen Ansicht liege kein invalidisierender körperlicher Gesundheitsschaden
vor. Auch sei die von ihm diagnostizierte Panikstörung nicht ausgewiesen. Nachdem
keine Hinweise darauf beständen, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit dem Arztbericht der Klinik Gais wesentlich verschlechtert
habe, sei weiterhin auf diesen Bericht abzustellen. Entgegen der ursprünglichen
Verfügung sei jedoch die Rente in Anwendung von Art. 88a Abs. 1 IVV erst per Ende
August einzustellen (act. G 6).
B.c In seiner Replik vom 30. August 2007 verweist der Rechtsvertreter auf eine bei Dr.
G._ eingeholte Stellungnahme vom 16. August 2007. Daraus gehe hervor, dass die
bei der Beschwerdeführerin festgestellte einfach strukturierte infantile Persönlichkeit für
eine Komorbidität spreche. Das Bestehen einer Komorbidität werde noch mehr durch
die Diagnose einer rezidivierenden schweren depressiven Störung bestätigt, die sowohl
vor als auch nach dem Aufenthalt in der Klinik Gais durch die MEDAS und durch Dr.
G._ gestellt worden sei. Auch sei die Beschwerdeführerin durch die aufgetretene
Gewebeatrophie in einen panischen Zustand geraten. Schliesslich stelle Dr. G._ klar,
dass der Zustand der Beschwerdeführerin auch nach ihrem Aufenthalt in der Klinik
Gais weiterhin schlecht gewesen sei, weshalb sie von ihm am 16. Juli 2006 für eine
psychotherapeutische Behandlung in der Psychiatrischen Klinik Wil angemeldet
worden sei. Auch sei im Moment wegen persistierender psychischer Beschwerden ein
erneuter Aufenthalt in der Klinik Gais vorgesehen (act. G 8).
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B.d Mit Duplik vom 10. September 2007 führt die Beschwerdegegnerin aus, dass die
von Dr. G._ erwähnte einfache strukturierte Persönlichkeit den Begriff der
Komorbidität gemäss der Definition des Bundesgerichts nicht erfülle. Es könne damit
nicht auf die Einschätzung von Dr. G._ abgestellt werden (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Vorab ist festzustellen, dass im vorliegend zu beurteilenden Fall ausschliesslich die
Rentenfrage den Streitgegenstand bildet. Nicht zu prüfen ist im gegenwärtigen
Zeitpunkt ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen, zumal die
entsprechende Verfügung unangefochten blieb.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Die Rentenabstufungen des Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20, in der seit 1. Januar 2004 gültigen Fassung)
geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
2.3 Für die Bemessung der Invalidität bei einer erwerbstätigen versicherten Person
wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
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(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Diese Untersuchungspflicht dauert so
lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen
Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Führen die im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den
Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und
inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 400 E. 4.1) zur Überzeugung, ein
bestimmter Sachverhalt sei überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 360 E. 5b mit
Hinweisen) und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden
Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise
weder eine Verletzung der Untersuchungsmaxime noch eine Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 E. 4b mit Hinweisen).
2.5 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch
den Umstand allein, dass sie von einer Partei eingeholt und in das Verfahren
eingebracht wurden, ohne weiteres minder beweiskräftig sind. Denn auch sie können
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nützliche Äusserungen zum medizinischen Sachverhalt enthalten. Daraus folgt
wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder vom
Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten
besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die Auffassungen und
Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in rechtserheblichen Fragen
derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen wäre (BGE 125 V 351 E. 3c).
Was Berichte von Hausärzten angeht, so darf diesen nicht zum Vorneherein jede
Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Indes darf und soll die Erfahrungstatsache
mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2005
i.S. A., 4P.254/2005, E. 4.2).
3.
3.1 Vorliegend ist nur die Frage umstritten, ob die in der angefochtenen Verfügung
zugesprochene ganze Rente auf Ende August 2006 zu terminieren ist. Nicht umstritten
sind der verfügungsweise festgelegte Rentenbeginn am 1. April 2006 sowie die Frage,
ob überhaupt Anspruch auf eine Rente besteht. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung bilden diese Elemente Teilaspekte des verfügungsweise festgelegten
Rechtsverhältnisses. Diese dienen in der Regel lediglich der Begründung der Verfügung
und sind daher nicht selbständig anfechtbar. Die Beschwerdeinstanz überprüft den
Streitgegenstand bestimmende, aber nicht beanstandete Elemente indes nur, wenn
hiezu auf Grund der Vorbringen der Parteien oder anderer sich aus den Akten
ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht. Zieht das Gericht an sich
nicht bestrittene Aspekte des streitigen Rechtsverhältnisses in die Prüfung mit ein, hat
es bei seinem Entscheid je nachdem die Verfahrensrechte der am Prozess Beteiligten,
insbesondere das Anhörungsrecht der von einer möglichen Schlechterstellung
bedrohten Partei, oder den grundsätzlichen Anspruch auf den doppelten Instanzenzug
zu beachten (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (heute:
Sozialversicherungsabteilung des Bundesgericht), I 542/05, Erw. 2.1 mit Hinweisen auf
BGE 130 V 502 Erw. 1.1 und 125 V 415 Erw. 2).
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3.2 Für die Leistungszusprache stellte die Beschwerdegegnerin zunächst auf die
Stellungnahme des RAD vom 18. September 2006 ab, wonach die Beschwerdeführerin
vom 22. (richtig: 23.) April 2005 bis zum 3. Mai 2006 zu 100 % arbeitsunfähig sei (act.
G 6.1/28.3). Der RAD wiederum stützte sich bei seiner Beurteilung einerseits auf den
Arztbericht von Dr. B._ vom 29. November 2005, der den Beginn der vollständigen
Arbeitsunfähigkeit auf den 23. April 2005 datierte (act. G 6.1/8.1). Für das Ende der
vollständigen Arbeitsunfähigkeit stellte der RAD auf den Verlaufsbericht von Dr. D._
vom 31. Mai 2006 an Dr. B._ ab, worin jener den Hausarzt über den Aufenthalt der
Beschwerdeführerin in der Klinik Gais informiert. Im entsprechenden Schreiben geht
Dr. D._ davon aus, dass der Klinikaufenthalt eine Verbesserung des psychischen
Zustandes bewirkt habe und die Wiedereingliederung aus psychiatrischer Sicht
jederzeit möglich wäre (act. G 6.1/27.10). Ausserdem bestätigte Dr. D._ gegenüber
der IV-Stelle St. Gallen, dass aus psychiatrischer Sicht ab dem 4. Mai 2006 keine
Arbeitsunfähigkeit mehr bestehe (act. G 6.1/27.5).
Mit Einwand vom 4. Oktober 2006 machte die Unia als damalige Rechtsvertreterin die
Beschwerdegegnerin darauf aufmerksam, dass sich die Beschwerdeführerin in der
Psychiatrischen Klinik Wil einem Therapieprogramm unterziehen werde, und dass
diesbezüglich bereits am 3. August 2006 eine Vorbesprechung stattgefunden habe
(act. G 6.1/36.1). Nach nochmaliger Anfrage beim RAD erachtete es dieser als
notwendig, bei der Klinik Wil ein aktuelles Arztzeugnis einzuholen, was jedoch - auf
Grund der zwar vorgesehenen aber noch nicht begonnenen Behandlung - scheiterte
(act. G 6.1/40, 45 und 46.7). Statt dessen wurde schliesslich ein Bericht von Dr. E._
eingeholt, der sich jedoch nicht mit der psychischen Situation der Beschwerdeführerin
befasste, sondern eine Gewebeatrophie nach Cortisoninjektionen, ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit, diagnostizierte (Bericht vom 20. Dezember 2006, act. G
6.1/49). Obwohl die angeforderten aktuellen Arztberichte über den psychischen
Zustand der Beschwerdeführerin - inklusive den bis dahin ausstehenden Bericht des
behandelnden Psychiaters Dr. G._ - nicht vorlagen, stellte der RAD mit
Stellungnahme vom 9. Januar 2007 wiederum auf den Verlaufs- und den Arztbericht
von Dr. D._ vom 31. Mai 2006 bzw. 24. Juli 2006 ab. Gestützt darauf erachtete es der
RAD als erwiesen, dass bei der Beschwerdeführerin eine somatoforme
Schmerzstörung vorliege. Eine depressive Störung sei hingegen nicht anzunehmen.
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Daran könne auch das (von der Krankenkasse eingeholte) MEDAS-Gutachten vom 27.
September 2005 nichts ändern (act. G 6.1/50).
3.3 Die Beschwerdegegnerin führte (in einem Textbaustein) aus, bei der MEDAS
handle es sich um eine eigens für die IV geschaffene spezialisierte Gutachterstelle. Mit
dem polydisziplinären Ansatz der MEDAS sei gewährleistet, dass medizinischen
Einzeldisziplinen bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht ein zu grosses Gewicht
zukämen, sondern eine Gesamtbetrachtung stattfinde. Zudem sei der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde (Fach-)Ärzte auf Grund
ihrer auftragsrechtlichen Stellung eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen würden.
Zwar war dem RAD das MEDAS-Gutachten vom 27. September 2005 bekannt. Obwohl
darin nebst einer erheblichen psychischen Komponente bei chronisch-rezidivierenden
Schmerzen mit wechselnder Lokalisation, Differenzialdiagnose: somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), auch eine depressive Episode schweren Grades
(F32.2) bestehend seit Frühjahr 2005, festgestellt wurde - was von Dr. B._ bereits im
Bericht vom 29. November 2005 an die Beschwerdegegnerin weitergeleitet wurde -
stützte sich die Beschwerdegegnerin ohne nähere Begründung auf die Angaben des
behandelndes Arztes in der Klinik Gais, Dr. D._.
Zwar machte Dr. D._ zum Zeitpunkt des Klinikaustritts keine expliziten Hinweise auf
ein depressives Krankheitsgeschehen. Indessen erwähnte auch er bestimmte, bei
Depressionen typischerweise auftretende Symptome, wie etwa eine massive
Selbstwertproblematik oder Schuldgefühle (vgl. Beschreibung zu F32 [depressive
Episode] in: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter
Gesundheitsprobleme [ICD-10], Amtliche deutschsprachige Ausgabe). Zudem wurde
die Beschwerdegegnerin im Rahmen des Vorbescheidverfahrens von der Unia darüber
informiert, dass eine weitere Psychotherapie in der Klinik Wil geplant war (act. G 6.1/36
und 38). Ebenfalls noch vor Verfügungserlass wurde die Beschwerdegegnerin mit einer
Kopie des Berichts von Dr. G._ an den Hausarzt (Dr. B._) vom 5. Januar 2007
bedient. Darin diagnostizierte Dr. G._ eine mittelgradige rezidivierende depressive
Störung mit somatischen Symptomen (F33.11 und F33.2) auf dem Boden einer
ängstlichen Persönlichkeit (F60.6), eine Panikstörung (F41.0) sowie ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom bei bekannten Wirbelsäulenänderungen. Dr. G._ führte in diesem
Schreiben weiter aus, dass die von der MEDAS Ende August 2005 festgestellte
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schwere depressive Episode mit einer bescheinigten Arbeitsunfähigkeit von 75 % trotz
Fortsetzung der ambulanten Therapie nicht habe gebessert werden können. Der
stationäre Aufenthalt in der Klinik Gais (13. April - 3. Mai 2006) habe zwar im Moment
eine subjektive Erleichterung gebracht, am Krankheitsbild der Beschwerdeführerin und
ihrer Arbeitsfähigkeit jedoch nichts geändert. Deshalb sei nun eine dreimonatige Kur in
der KPK Wil vorgesehen (act. G 6.1/55). Das MEDAS-Gutachten selber ging davon aus,
dass bei der Beschwerdeführerin ein ausgeprägtes psychisches Leiden vorliege, das
wahrscheinlich deutlich im Vordergrund stehe. Auch die MEDAS erachtete demzufolge
die weitere psychiatrische Behandlung der Depression als dringend notwendig (act. G
6.2).
3.4 Trotz all dieser Hinweise vor allem im MEDAS-Gutachten, das der
Beschwerdeführerin immerhin aus psychischen Gründen eine 75 Arbeitsunfähigkeit in
sämtlichen Tätigkeiten attestierte, und in den Ausführungen von Dr. G._, der sogar
die psychiatrische Diagnose von einer depressiven Episode (F32) in eine rezidivierende
depressive Störung (F33) verschärfte, ging die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung mit keinem Wort auf die depressive Problematik ein.
Vielmehr stützte sie sich einzig auf die Ausführungen des RAD, welcher seinerseits im
Wesentlichen auf den Bericht D._ abstellte. Entgegen ihren eigenen Ausführungen,
wonach dem MEDAS-Gutachten ein gewisser Vorrang gebühre, stützte sie ihre
Verfügung somit im Wesentlichen auf die Ausführungen eines behandelnden
Facharztes. Diese erscheinen jedoch insofern nicht vollständig, als Dr. D._ das vom
MEDAS-Gutachter vor und von Dr. G._ nach dem Klinikaufenthalt festgestellte
depressive Krankheitsgeschehen kaum erwähnt. Im Übrigen hielt auch Dr. D._ die
Beschwerdeführerin keineswegs für geheilt. Vielmehr liess er im Schreiben vom 31. Mai
2006 offen, ob die von ihm festgestellte Besserung (der somatoformen
Schmerzstörung) nach dem Austritt anhalten würde. Auch er erachtete sodann eine
intensive ambulante psychotherapeutische Nachbetreuung für angezeigt (act. G
6.1/27.10).
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass auf Grund der vorliegenden Aktenlage
eine substanzielle Verbesserung des depressiven Krankheitsbildes nach dem Austritt
aus der Klinik Gais nicht überwiegend wahrscheinlich erscheint. Vielmehr bestehen
Anhaltspunkte, dass weiterhin arbeitsrelevante psychische Einschränkungen bestehen.
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Die Beschwerdegegnerin hätte somit nicht auf die Einholung aktueller Arztberichte
verzichten dürfen. Sie selber, bzw. der RAD, empfahl denn ursprünglich auch die
Einholung des Berichts der KPK Wil über den dort vorgesehenen Klinikaufenthalt. Es
hätte die Möglichkeit bestanden, den Abschluss dieser Behandlung abzuwarten oder -
wie von der KPK Wil empfohlen - die Beschwerdeführerin im Ambulatorium für
Sozialpsychiatrie abklären zu lassen. Im Weiteren hätte die Beschwerdegegnerin bei
der MEDAS einen aktuellen Verlaufsbericht anfordern können. Schliesslich war es nicht
gerechtfertigt, den Bericht von Dr. G._ vom 5. Januar 2007 - trotz der mangelnden
Compliance dieses Arztes im Verfahren - ohne Begründung zu ignorieren. Jedenfalls
durfte sich die Beschwerdegegnerin beim gegebenen Stand der Abklärungen nicht mit
einem Bericht von Dr. E._, der die Beschwerdeführerin wegen einer Gewebeatrophie
betreute, zufrieden geben.
3.5 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die
Streitsache zur weiteren Abklärung im Sinn der Erwägungen und anschliessenden
neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.6 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 E. 5a). Die Beschwerdegegnerin
hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dementsprechend
ist der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
3.7 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG