Decision ID: 6549d2ac-4c5f-4066-ab73-76ba53cd3974
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. und B.Y. sind verheiratet und wohnen mit ihren drei Söhnen in X. K.Y. und L.Y.,
beide geboren 1994, schlossen am 30. Juni 2013 ihre Lehre inklusive Berufsmatur ab
und absolvierten vom 1. Juli 2013 bis 22. November 2013 die Rekrutenschule. Vom 1.
resp. 2. Dezember 2013 bis 29. bzw. 31. August 2014 arbeiteten sie für die E. AG, W.,
resp. für die S. AG, W. Am 15. September 2014 begannen sie ein Bachelorstudium in
Elektrotechnik resp. Energie und Umwelttechnik an der Hochschule Rapperswil (act.
5/9/1.1, 1.3, 1.7-1.10, act. 5/2/6).
B. Mit Entscheid vom 4. August 2015 hiess das kantonale Steueramt eine Einsprache
der Eheleute A.Y. und B.Y. gegen die Veranlagung der Kantons- und
Gemeindesteuern 2013 vom 10. Dezember 2014 teilweise gut. A.Y. und B.Y. wurden
mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 94‘100 und einem steuerbaren Vermögen
von CHF 29‘000 veranlagt (act. 5/9/1.7-1.10). Dagegen rekurrierten sie am
22. August 2015 an die Verwaltungsrekurskommission (act. 5/1). Mit Entscheid vom
15. Dezember 2015 (expediert mit Kurzbegründung am 16. Dezember 2015 und mit
ausführlicher Begründung am 18. Januar 2016) hiess die
Verwaltungsrekurskommission den Rekurs gut und hob den Einspracheentscheid vom
4. August 2015 auf. A.Y. und B.Y. veranlagte sie für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2013 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 72‘500 und einem
steuerbaren Vermögen von CHF 29‘000 (act. 2, act. 5/11 f.).
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C. Gegen den Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 15.
Dezember 2015 erhob das kantonale Steueramt (Beschwerdeführer) am 16. Februar
2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, es sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und der Einspracheentscheid vom 4. August 2015
zu bestätigen (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 2. März 2016 schloss die Vorinstanz
auf Abweisung der Beschwerde (act. 4). Mit Stellungnahme vom 11. März 2016
beantragten A.Y. und B.Y. (Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde (act.
7). Am 11. April 2016 liess sich der Beschwerdeführer abschliessend vernehmen (act.
11).
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit

wesentlichen, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Frage, ob die Vorinstanz den
Beschwerdegegnern im Steuerjahr 2013 zu Recht die Kinder- und
Versicherungsprämienabzüge für deren Zwillingssöhne gewährte.
2.1. Kantone und Gemeinden (SR 642.14, StHG) regelt die allgemeinen Abzüge der von
den Kantonen zu erhebenden Einkommenssteuern für natürliche Personen (vgl. Art. 2
Abs. 1 lit. a StHG). Vorbehalten sind Kinderabzüge und andere Sozialabzüge des
kantonalen Rechts (Art. 9 Abs. 4 StHG). Laut Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StG kann der
Steuerpflichtige für jedes unter seiner elterlichen Sorge oder Obhut stehende oder
volljährige Kind, das in der schulischen oder beruflichen Ausbildung steht, einen
Kinderabzug von CHF 10‘200 geltend machen, sofern er für dessen Unterhalt zur
Hauptsache aufkommt und soweit er keinen Abzug nach Art. 45 Abs. 1 lit. c StG
beansprucht. Hinzu kommt ein Versicherungsprämienabzug von CHF 600 für jedes
Kind, für das der erwähnte Kinderabzug geltend gemacht werden kann (Art. 45 Abs. 1
lit. g Satz 3 StG). Nicht umstritten ist im vorliegenden Fall, dass sich die Zwillingssöhne
der Beschwerdegegner per Stichtag 31. Dezember 2013 in beruflicher Ausbildung
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befanden und die Beschwerdegegner keinen Abzug nach Art. 45 Abs. 1 lit. c StG
beansprucht haben. Für den Kinderabzug wird weiter vorausgesetzt, dass der
Steuerpflichtige „zur Hauptsache“ für den Unterhalt aufkommt. Dies muss indes nicht
notwendigerweise mehr als 50 % sein (vgl. VerwGE B 2010/182; B 2010/203 vom 16.
Dezember 2010 E. 2.1 mit Hinweis auf VerwGE B 2007/14 vom 9. Mai 2007 E. 2.4, in:
SGE 2010 Nr. 23). Die Pflichtigen haben nachzuweisen, inwieweit sie den Unterhalt der
Kinder „zur Hauptsache“ getragen haben (vgl. BGer 2C_839/2016; 2C_840/2016 vom
12. April 2017 E. 5.3 mit Hinweisen auf BGE 140 II 248 E. 3.5 und BGer 2C_966/2015
vom 18. Juli 2016 in BGE 142 II 399 nicht publizierte E. 2.3, sowie GVP 2001 Nr. 31
und SGE 2015 Nr. 11). Soweit, wie hier, die tatsächlichen Auslagen nicht bekannt oder
belegt sind, ist es zur Bestimmung des Unterhaltbedarfs zulässig, auf Schätzungen und
Pauschalen zurückzugreifen und von diesen abzuweichen, soweit besondere
Verhältnisse vorliegen (vgl. VerwGE B 2007/14 vom 9. Mai 2007 E. 2.1 f., in: SGE 2007
Nr. 9, siehe auch SGE 2001 Nr. 23). Bei erheblichen Einkünften des Kindes kann es am
Merkmal der überwiegenden Unterhaltsleistung der Eltern fehlen (vgl. VerwGE B
2007/142 vom 12. Februar 2008 E. 2.4.3, in: SGE 2008 Nr. 1, und Zigerlig/oertli/
Hofmann, Das st. Gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, II./Rz. 668). Ein allfälliger Beitrag
des Kindes ist von Fall zu Fall nach den konkreten Umständen zu ermitteln und zu den
gesamten, notwendigen Lebenshaltungskosten ins Verhältnis zu setzen. Bis zu
Erwerbseinkünften von CHF 15‘000 pro Jahr darf davon ausgegangen werden, dass
das Kind daraus nicht zur Hauptsache selbst seinen Unterhalt bestreiten kann. Einem
Kind, das eigene Einkünfte erzielt (z.B. Erwerbseinkommen, Vermögenserträge), steht
zudem in jedem Fall ein Betrag von CHF 6‘000 pro Jahr zur freien Verfügung zu. Nur
der überschiessende Teil wird als Unterhaltsbeitrag des Kindes angerechnet (vgl. StB
48 Nr. 1 Ziff. 2.2.2, S. 5).
2.2. Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt (Art.
61 Abs. 1 und 2 VRP). Der Rechtsfolgesatz von Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StG
übereignet der Veranlagungsbehörde kein Rechtsfolgeermessen (Entschliessungs-
oder Auswahlermessen, vgl. zur Ermessenskontrolle Zigerlig/oertli/Hofmann, a.a.O.,
VII./Rz.100 und 102). Beim Passus „zur Hauptsache“ handelt es sich um einen
unbestimmten Rechtsbegriff (vgl. zur Abgrenzung zwischen Rechtsfolge- und
Tatbestandsermessen resp. unbestimmten Rechtsbegriffen M. Donatsch, in: A. Griffel
[Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich,
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3. Aufl. 2014, § 50 N 15 ff., Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Aufl. 2016, Rz. 390 ff., Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht,
4. Aufl. 2014, § 26 Rz. 19 ff., S. Hrubesch-Millauer, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner
Kommentar, Band I/1, Einleitung und Personenrecht, Einleitung, Art. 1-9 ZGB, Bern
2012, Art. 4 N 21 f., sowie Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz.
724 ff., kritisch: B. Schindler, Verwaltungsermessen, St. Gallen 2010, Rz. 242 ff.). Die
Handhabung von unbestimmten Rechtsbegriffen durch die rechtsanwendende
Behörde unterliegt als Rechtsfrage der freien Überprüfung durch das
Verwaltungsgericht (vgl. VerwGE K 2014/2 vom 25. Februar 2016 E. 2.2.2,
www.gerichte.sg.ch). Bei der Würdigung örtlicher oder persönlicher Verhältnisse sowie
in technischen Belangen oder in anderen Bereichen, in denen der Richter aufgrund
seines (beschränkten) Sachwissens keine triftigen Gründe für eine abweichende
Entscheidung nennen kann, hat es einen Beurteilungsspielraum der Verwaltung oder
der Vorinstanz zu achten (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 727 f.).
2.3. Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid im Wesentlichen damit, dass die
Erwerbseinkünfte der beiden Söhne sich nach Abzug des Betrags zur freien Verfügung
von je CHF 6000 auf weniger als CHF 15‘000 beliefen, weshalb davon ausgegangen
werden könne, dass diese damit ihren Unterhalt nicht zur Hauptsache selbst bestreiten
könnten. Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, K.Y. habe im Jahr 2013
Einkünfte von insgesamt CHF 19‘649 und L.Y. solche von CHF 16‘497 erzielt. Die
natürliche Vermutung, wonach bei Erwerbseinkünften von bis zu CHF 15‘000 pro Jahr
davon ausgegangen werde, dass das Kind daraus nicht zur Hauptsache selbst seinen
Unterhalt bestreiten könne, greife hier nicht. Da einem Kind, das eigene Einkünfte
erziele, in jedem Fall ein Betrag von CHF 6‘000 zur freien Verfügung zustehe, habe K.Y.
aus eigenem Einkommen CHF 13‘649 und L.Y. CHF 10‘497 an ihren jeweiligen
Lebensunterhalt beisteuern können. Gemäss der Tabelle „Empfehlung zur Bemessung
von Unterhaltsbeiträgen für Kinder der Bildungsdirektion des Kantons Zürich“ belaufe
sich der jährliche Unterhaltsbedarf von K.Y. und L.Y. auf je CHF 17‘640. Damit könne
nicht davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdegegner zur Hauptsache für
den Unterhalt ihrer Zwillingssöhne aufgekommen seien (act. 1, S. 3 ff., Ziff. IV/3 f.).
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2.4. Wie der Beschwerdeführer zutreffend ausgeführt hat, sind die Gerichte an die
St. Galler Steuerbuchweisungen nicht gebunden. Dabei handelt es sich um eine
Verwaltungsverordnung, welche sich an die mit dem Vollzug einer bestimmten
öffentlichen Aufgabe betrauten Organe, somit an die Verwaltungsbehörden mit deren
Verwaltungspersonal richten. Sie sind zwar (nur) behördenverbindlich, aber auch dies
nur insoweit, als ihr Inhalt nicht in Widerspruch zur Rechtsordnung steht (vgl. hierzu
BGE 142 II 182 E. 2.3.2 mit Hinweisen, siehe auch GVP 2001 Nr. 31 E. 2d). Insofern ist
nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz gemäss Auffassung des Beschwerdeführers
bei ihrer Berechnung der massgebenden Erwerbseinkünfte pro Jahr von den Vorgaben
im St. Galler Steuerbuch abgewichen ist, selbst wenn sich eine solche Abweichung,
wie die Vorinstanz zu Recht einwendet (act. 4), aus dem Wortlaut der
Steuerbuchweisungen nicht eindeutig ergibt. Die Vorinstanz begründet die Abweichung
damit, dass es sich nicht zu Lasten der Steuerpflichtigen auswirken soll, wenn deren
Kinder bestrebt sind, Timeoutphasen zwischen einzelnen Ausbildungsschritten oder
Militärdienst mit Erwerbsarbeit zu überbrücken (act. 4). Indessen ist dieses Interesse in
der Praxishilfe des Beschwerdeführers bereits berücksichtigt. Die im Steuerbuch
enthaltene Schwelle von CHF 15‘000 Erwerbseinkünften pro Jahr (vgl. StB 48 Nr. 1 Ziff.
2.2.2, S. 5) ist im Verhältnis zum durchschnittlichen jährlichen Unterhaltsbedarf,
welcher gemäss der Zürcher Kinderkosten-Tabelle (ajb.zh.ch) selbst bei 18-jährigen
Kindern in der Regel kaum mehr als CHF 25‘000 betragen dürfte, mit Blick auf den
Wortlaut von Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StG – „zur Hauptsache“ – bereits grosszügig
angesetzt. Demnach bestehen keine triftigen Gründe für eine von der bisherigen Praxis
abweichende Entscheidung, zumal die natürliche Vermutung, wonach ein Kind seinen
Lebensunterhalt nicht zur Hauptsache selbst bestreiten kann, gemäss der
Berechnungsmethode der Vorinstanz neu bis zu einem Einkommen von CHF 20‘999
greifen würde (vgl. die zutreffenden Ausführungen des Beschwerdeführers in der Replik
vom 11. April 2016, act. 11 Ziff. 2). Damit würde sich der Widerspruch zum Wortlaut
von Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StG – „zur Hauptsache“ – im Vergleich zur bisherigen
Schwelle von CHF 15‘000 weiter verstärken. Die vom Beschwerdeführer in der Praxis
zur Anwendung gebrachte Berechnungsmethode ist zu bestätigen. Unbestritten sind
die Feststellungen der Vorinstanz in Erwägung 2c des angefochtenen Entscheids
(act. 2, S. 6), wonach die Zwillingssöhne der Beschwerdegegner im Jahr 2013
Erwerbseinkünfte von CHF 19‘649 resp. CHF 16‘497 erzielt haben. Nach dem
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Gesagten greift die natürliche Vermutung, wonach bei Erwerbseinkünften von bis zu
CHF 15‘000 pro Jahr davon ausgegangen werde, dass das Kind daraus nicht zur
Hauptsache selbst seinen Unterhalt bestreiten könne, in Anlehnung an die bisherige
Praxis des Beschwerdeführers damit im vorliegenden Fall nicht. Da einem Kind, das
eigene Einkünfte erzielt, in jedem Fall ein Betrag von CHF 6‘000 zur freien Verfügung
zusteht, haben K.Y. aus eigenem Einkommen CHF 13‘649 und L.Y. CHF 10‘497 an
ihren jeweiligen Lebensunterhalt beisteuern können. Im Verhältnis zum jährlichen
Unterhaltsbedarf, welcher vorliegend gemäss der Zürcher Kinderkosten-Tabelle per 1.
Januar 2013 unbestrittenermassen je CHF 17‘640 pro Kind beträgt (vgl. act. 1, S. 3
Ziff. IV/2c), kann damit nicht mehr gesagt werden, die Beschwerdegegner würden „zur
Hauptsache“ für den Unterhalt ihrer Zwillingssöhne aufkommen. Demzufolge ist die
Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben. Damit gilt
(wieder) die Steuerveranlagung gemäss Einspracheentscheid vom 4. August 2015.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend haben die Beschwerdegegner die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens vor Verwaltungsgericht sowie des Beschwerde-
und Rekursverfahrens vor der Vorinstanz zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die
Vorinstanz hat für das Rekursverfahren – das Beschwerdeverfahren wurde zufolge
Rückzugs kostenlos abgeschrieben – eine Gebühr von CHF 600 festgesetzt. Sie ist mit
dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Für das
Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht ist eine Gebühr von CHF 1‘000
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12, GKV).
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 VRP in Verbindung mit
Art. 105 Abs. 2 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR
272, ZPO, vgl. hierzu VerwG B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E. 8,
www.gerichte.sg.ch).