Decision ID: b544902b-e273-4a25-b630-2be635c90cf7
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Hinterziehung der Steuer
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 4. Mai 2018 (GC160058)
- 2 -
- 3 -
Überweisung/Anklage:
Die Überweisung der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), Oberzolldirektion,
vom 25. November 2016 einschliesslich der Strafverfügung vom 6. Oktober 2016,
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 2A und 2B).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen Hinterziehung der Steuer im
Sinne von Art. 85 Abs. 1 aMWSTG sowie der mehrfachen Hinterziehung der
Steuer im Sinne von Art. 96 Abs. 4 lit. a MWSTG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von CHF 4'000'000.–.
Der Beschuldigte wird darauf hingewiesen, dass die Busse bei Uneinbring-
lichkeit derselben in eine Freiheitsstrafe umgewandelt werden kann.
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 10'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 10'740.– Verfahrenskosten Verwaltungsverfahren
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
4. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer werden dem Beschuldigten aufer-
legt.
Über die dem Beschuldigten von der Eidgenössischen Zollverwaltung EZV
auferlegten Kosten 'Verwaltungsstrafverfahren' stellt die Eidgenössiche Zoll-
verwaltung EZV Rechnung.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 95 S. 3 und Urk. 112 S. 3, schriftlich)
1. Das vorinstanzliche Urteil sei vollumfänglich aufzuheben.
- 4 -
2. Mit Bezug auf die folgenden 14 Vorwürfe sei das Verfahren infolge Ver-
jährungseintritts einzustellen: Fälle 22 / 56B / 121 / 154 / 156 / 213 /
271 / 280 / 347 / 436 / 438 / 439 /461 /465.
3. Von den übrigen Übertretungsvorwürfen sei der Beschuldigte freizu-
sprechen.
4. Eventualiter sei das vorinstanzliche Urteil aufzuheben und die Sache
zur Formulierung einer rechtsgenügenden Anklageschrift an die Unter-
suchungsbehörde zurückzuweisen.
5. Subeventualiter sei das vorliegende Strafverfahren bis zur rechtskräfti-
gen Erledigung der aktuell vor Bundesgericht anhängigen Steuerver-
fahren Nr. 2C_799/2017 und 2C_800/2017 zu sistieren.
6. Dem Beschuldigten sei für die durch das Verfahren erlittene Verletzung
seiner Persönlichkeit eine angemessene Genugtuung zuzusprechen.
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
b) Der Eidgenössischen Zollverwaltung EZV:
(Urk. 102 S. 2, schriftlich)
1. Der Beschuldigte sei der mehrfach vollendeten, vorsätzlich begange-
nen Steuerhinterziehung im Sinne von Art. 96 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 97
Abs. 1 des Mehrwertsteuergesetzes vom 12. Juni 2009 (MWSTG;
SR 641.20) schuldig zu sprechen.
2. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf die Sanktionshö-
he zu bestätigen und der Beschuldigte zu einer Busse in der Höhe von
Fr. 4'000'000.– zu verurteilen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Berufungsklä-
gers bzw. Anschlussberufungsbeklagten.
- 5 -
c) Der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich:
(Urk. 99 S. 2, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
-----------------------------------------------------

Erwägungen:
I.
1.1 Am 25. November 2016 überwies die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV),
Oberzolldirektion (OZD), die Akten im Verfahren gegen den Beschuldigten ge-
stützt auf Art. 73, 21 Abs. 1 und 72 Abs. 1 und 2 VStrR der Oberstaatsanwalt-
schaft des Kantons Zürich zuhanden des zuständigen Gerichts. Unter Hinweis auf
Art. 73 Abs. 2 VStrR hielt sie dabei unter I. fest, dass sie in Anbetracht der aus-
führlichen Sachverhaltsdarstellung und der eingehenden Begründung der Busse,
die dem Beschuldigten in der Strafverfügung vom 6. Oktober 2016 auferlegt wor-
den sei, auf weitere Ausführungen zu den Hauptanträgen verzichte und vollum-
fänglich auf die Strafverfügung verweise. Zur besseren Übersicht seien im An-
hang fünf Listen über die betroffenen 152 Fall-Dossiers und die entsprechenden
Angaben angehängt. Die Akten der Zollfahndung seien aktualisiert auf den Stand
Ende Oktober 2016. Weiter brachte sie einige prozessuale Bemerkungen an und
beantragte gestützt auf die Erwägungen in der Strafverfügung vom 6. Oktober
2016 und den dazugehörigen Akten, den Beschuldigten unter Kostenfolgen der
mehrfach vollendeten, vorsätzlich begangenen Steuerhinterziehung im Sinne von
Art. 96 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 97 Abs. 1 MWSTG schuldig zu sprechen und zu ei-
ner Busse von vier Millionen Franken zu verurteilen. Unter III. stellte sie schliess-
lich den Eventualantrag, den Beschuldigten wegen mehrfach vollendeter, fahrläs-
siger Steuerhinterziehung im Sinne von Art. 96 Abs. 4 lit. a MWSTG zu verurteilen
und begründete diesen, indem sie einleitend zunächst festhielt, dass der Sach-
verhalt mit den Ausführungen in der Strafverfügung übereinstimme. Der Vollstän-
- 6 -
digkeit halber werde er nachfolgend nochmals für den Eventualantrag dargestellt.
Die darauf folgende Darstellung enthält eine zusammenfassende Umschreibung
des Deliktszeitraums, der Rolle des Beschuldigten, und - unter Verweis auf die in
den Akten der OZD als Urk. 156 geführte Strafverfügung vom 6. Oktober 2016 -
der ohne Zollanmeldung bzw. unter unrichtiger Angabe der Bemessungsgrundla-
ge eingeführten Kunstgegenstände und der hinterzogenen Einfuhrsteuer. Ab-
schliessend folgt unter einem separaten Zwischentitel eine Darstellung der Um-
stände, auf welche sich der Vorwurf der Fahrlässigkeit stützt (Urk. 2A).
1.2.1 Das Bezirksgericht Bülach, Einzelgericht, liess die Strafverfügung vom
6. Oktober 2016 für die Hauptanträge und die Überweisung für die Eventualanträ-
ge als Anklagefundament genügen (Urk. 81 S. 9 ff.) und prüfte die Fälle mit den
Nummern 56 B, 60, 61, 121, 154, 156, 189, 190, 191, 192, 213, 214, 215, 216,
221, 224, 225, 226, 248, 249, 261, 262, 271, 277, 279, 280, 297, 301, 398, 409,
307, 308, 417, 321, 327, 345, 347, 349, 350, 352, 353, 351, 354, 355, 400, 408,
358, 407, 413, 360, 361, 406, 362, 363, 364, 365, 366, 367, 373, 374, 375, 420,
501, 502, 376, 386, 388, 390, 392 [-1 bis -21], 395, 397, 399, 403, 401, 402, 410,
411, 412, 414, 423, 424, 425, 426, 427, 428, 416, 418, 431, 439, 494, 504, 436,
438, 461, 465, 513, 512/1.1, 512/1.2, 512/1.3 (vgl. die Bemerkung in E. II.1.1. zur
versehentlich falschen Bezeichnung des betroffenen Werks im angefochtenen
Entscheid), 512/1.4, 512/1.7, 512/1.8, 512/1.9, 319, 514 sowie 1, 22, 24, 90, 107,
108, 120, 178, 300, 304, 309, 310, 312, 313, 315, 324, 325, 326, 343, 380, 381,
382, 444, 507, 508, 499 und 43/44 (Urk. 81 S. 19 ff., für die Fall-Nummern siehe
Anklage (Urk. 2A) sowie ergänzend für die Fall-Nr. 380, 381, 382, 444, 507 und
508 Urk. 4/6.1.68, Ordner 48).
1.2.2 Dabei kam es zum Schluss, dass in den Fällen mit den Nummern 438, 461
und 465 die Verjährung eingetreten (Urk. 81 S. 175) und in den Fall-Dossiers 213
und 439 sowie 512/1.1, 512/1.2, 512/1.3, 512/1.4, 512/1.7, 512/1.8 und 512/1.9
der Anklagevorwurf nicht erstellt sei (Urk. 81 S. S. 54 f., 168 f., 177 ff.).
Im Übrigen hielt es die Vorinstanz für erwiesen, dass die betroffenen Kunstge-
genstände ohne die nötige Einfuhrverzollung (Urk. 81 E. IV.4) bzw. mit falschen
Wertangaben (Urk. 81 E. IV. 5) aus dem Ausland in die Schweiz eingeführt wor-
- 7 -
den waren und die Nicht- bzw. Falschanmeldungen dem Beschuldigten zuzu-
rechnen sind (Urk. 81 E. IV. 6.). Dabei nahm sie an, dass die Tathandlungen im
Zeitraum zwischen dem 17. September und 11. November 2009 (Fall 56 B; Urk.
81 S. 29), dem 20. April und 24. Juni 2012 (Fall 61; Urk. 81 S. 34) respektive 2.
Mai 2012 (Fälle 190 und 192; Urk. 81 S. 48, 53), 14. Mai 2012 (Fall 189; Urk. 81
S. 45) und 29. Mai 2012 (Fall 191; Urk. 81 S. 51), dem 4. und 9. November 2009
(Fall 121; Urk. 81 S. 37), dem 10. Juli und 22. Oktober 2009 (Fall 154; Urk. 81 S.
40), dem 3. und 15. September 2009 (Fall 156; Urk. 81 S. 42), dem 21. April und
15. September 2010 (Fall 214; Urk. 81 S. 56 f.), dem 4. und 8. November 2009
(Fälle 215 und 216; Urk. 81 S. 60, 63), dem 9. März und 18. April 2012 (Fall 221;
Urk. 81 S. 66), dem 8. März und 11. April 2012 (Fall 224; Urk. 81 S. 70), dem 9.
März und 22. April 2012 (Fall 225; Urk.81 S. 72), dem 6. Juni und 19. November
2012 (Fall 226; Urk. 81 S. 73 f.), dem 3. September 2010 und 12. März 2012 (Fäl-
le 248 und 249; Urk. 81 S. 76), dem 8. und 27. Juni 2010 (Fälle 261 und 262; Urk.
81 S. 78 f.), dem 8. Dezember 2009 und 12. Januar 2010 (Fall 271; Urk. 81 S.
81), dem 12. Januar und 14. Februar 2012 (Fall 277; Urk. 81 S. 83), dem 12. Ja-
nuar und 12. März 2012 (Fall 279; Urk. 81 S. 85 f.), dem 22. und 30. September
2009 (Fall 280; Urk. 81 S. 87 f.), dem 5. und 11. August 2011 (Fall 297; Urk. 81 S.
90), dem 5. und 16. August 2011 (Fälle 301 und 409; Urk. 81 S. 92 f. mit Hinweis
auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beilage 13 [im angefochtenen Entscheid versehentlich Bei-
lage 14]), dem 5. August 2011 und 14. Februar 2012 (Fall 398, Urk. 81 S. 92 f. mit
Hinweis auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beilage 13 [im angefochtenen Entscheid verse-
hentlich Beilage 14]), dem 14. März und 4. April 2013 (Fall 307; Urk. 81 S. 96),
dem 14. März und 4. April 2013 (Fall 308; Urk. 81 S. 98), dem 14. März und 3.
April 2013 (Fall 417; Urk. 81 S. 100), dem 21. April 2011 und 11. Mai 2012 (Fall
321; Urk. 81 S. 102), dem 14. März und 14. April 2013 (Fall 327; Urk. 81 S. 105),
dem 1. Februar und 7. April 2010 (Fall 345; Urk. 81 S. 107), zwischen Anfang Ap-
ril und dem 7. April 2009 (Fall 347; Urk. 81 S. 108 f.), dem 16. Februar und 11.
Mai 2011 (Fall 349; Urk. 81 S. 110 f.), dem 17. Februar und 12. Mai 2011 (Fall
350; Urk. 81 S. 110 f.), dem 17. Februar und 31. Mai 2011 (Fall 352; Urk. 81 S.
112), dem 17. Februar und 25. Mai 2011 (Fall 353; Urk. 81 S. 114), dem 30. No-
vember 2009 und 7. Januar 2010 (Fälle 354 und 355; Urk. 81 S. 117), dem 1. De-
- 8 -
zember 2009 und 24. Januar 2010 (Fall 400; Urk. 81 S. 119), dem 1. Dezember
2009 und 31. Dezember 2012 (Fall 408; Urk. 81 S. 121), dem 9. Juni und 16. Juli
2010 (Fälle 358, 407 und 413; Urk. 81 S. 122 f.), dem 8. Juni 2010 und 14. Feb-
ruar 2012 (Fall 360; Urk. 81 S. 124 f.), dem 8. Juni und 26. Juli 2010 (Fall 406;
Urk. 81 S. 126 f. mit Hinweis auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beilage 13 [im angefochtenen
Entscheid versehentlich Beilage 14]), dem 8. Juni und 6. Juli 2010 (Fall 361; Urk.
81 S. 126 f. mit Hinweis auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beilage 13 [im angefochtenen Ent-
scheid versehentlich Beilage 14]), dem 5. Oktober 2010 und dem 7. April 2011
(Fall 362; Urk. 81 S. 128 f. mit Hinweis auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beilage 13 [im ange-
fochtenen Entscheid versehentlich Beilage 14]), dem 5. Oktober 2010 und dem 3.
Februar 2011 (Fall 363; Urk. 81 S. 128 f. mit Hinweis auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beila-
ge 13 [im angefochtenen Entscheid versehentlich Beilage 14]), dem 5. Dezember
2012 und dem 6. Januar 2013 (Fall 364; Urk. 81 S. 130 f.), dem 28. Mai und 25.
Juni 2012 (Fall 365 und Fall 366; Urk. 81 S. 132 f.), dem 26. November 2012 und
6. Januar 2013 (Fall 367 und Fall 373; Urk 81 S. 135), dem 7. April und 2. Mai
2011 (Fall 374; Urk. 81 S. 137), dem 27. November 2012 und dem 6. Januar 2013
(Fälle 375, 420 und 501; Urk. 81 S. 138) bzw. dem 11. März 2013 (Fall 502; Urk.
81 S. 140), dem 16. Mai 2011 und dem 16. Februar 2012 (Fall 376; Urk. 81 S.
142), dem 21. Juni und 20. Juli 2011 (Fall 386; Urk. 81 S. 145), dem 10. Februar
und 6. März 2012 (Fall 388; Urk. 81 S. 145), dem 19. Mai und 14. Dezember 2010
(Fall 390; Urk. 81 S. 146), dem 7. Juni 2011 und dem 17. Februar 2012 (Fall 392
[-1 bis -20]; Urk. 81 S. 149), dem 29. Oktober und 8. Dezember 2009 (Fall 395;
Urk. 81 S. 151), dem 19. März und 4. Mai 2012 (Fall 397; Urk. 81 S. 152), dem
10. Dezember 2009 und 27. Juli 2010 (Fall 399 und Fall 403; Urk. 81 S. 154),
dem 21. Februar 2011 und dem 18. November 2012 (Fall 401; Urk. 81 S. 156),
dem 9. Dezember 2010 und dem 12. Januar 2011 (Fall 402; Urk. 81 S. 157), dem
29. November 2010 und dem 3. Februar 2011 (Fall 410; Urk. 81 S. 158 mit Hin-
weis auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beilage 13 [im angefochtenen Entscheid versehentlich
Beilage 14]), dem 29. November 2010 und dem 12. Januar 2011 (Fall 411; Urk.
81 S. 158 mit Hinweis auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beilage 13 [im angefochtenen Ent-
scheid versehentlich Beilage 14]), dem 11. August und 7. Oktober 2010 (Fall 412;
Urk. 81 S. 160), zwischen dem 19./20. März und 2. Mai 2012 (Fälle 414, 423 bis
- 9 -
428; Urk. 81 S. 162 mit Hinweis auf Urk. 3.1.44 S. 11, Beilage 13 [im angefochte-
nen Entscheid versehentlich Beilage 14]), dem 8. Juni und 19. Juli 2011 (Fall 416;
Urk. 81 S. 164), dem 16. Februar und 31. Mai 2012 (Fall 418; Urk. 81 S. 166),
dem 24. April und 19. November 2012 (Fall 431; Urk. 81 S. 167), dem 9. Februar
und 4. Juli 2012 (Fall 494; Urk. 81 S. 170), dem 6. und 25. Juni 2012 (Fall 504;
Urk. 81 S. 172) sowie am 30. Juni 2012 (Fall 60; Urk. 81 S. 32), 24. Juli 2011 (Fall
351; Urk. 81 S. 116), 13. September 2012 (Fall 392-21; Urk. 81 S. 149), 21. De-
zember 2009 (Fall 436; Urk. 81 S. 174), 24. Juli 2011 (Fall 513; Urk. 81 S. 177),
20. September 2012 (Fall 319, Urk. 81 S. 187), 3. Juni 2013 (Fall 514, Urk. 81 S.
187), 8. Juni 2012 (Fall 1; Urk. 81 S. 188), 28. August 2009 (Fall 22; Urk. 81 S.
189), 18. April 2012 (Fall 24; Urk. 81 S. 190), 29. Oktober 2009 (Fälle 90, 107 und
108; Urk. 81 S. 191, 193, 194), 3. Mai 2010 (Fall 120; Urk. 81 S. 195), 21. De-
zember 2011 (Fall 178; Urk. 81 S. 196), 25. März 2011 (Fälle 300, 304, 309, 310,
312, 313 und 315; Urk. 81 S. 197, 198, 199, 200, 201, 202, 203), 15. Juni 2012
(Fall 324; Urk. 81 S. 205), 18. Oktober 2012 (Fälle 325 und 326; Urk. 81 S. 206),
29. März 2012 (Fall 343; Urk. 81 S. 207), 7. Dezember 2011 (Fälle 380, 381, 382,
444, 507 und 508; Urk. 81 S. 208), 18. April 2012 (Fall 499; Urk. 81 S. 209) und
am 5. respektive 7. Oktober 2011 (Fall 43/44; Urk. 81 S. 210) stattgefunden hat-
ten.
Die bei den jeweiligen Einfuhren hinterzogenen Steuern bezifferte sie auf Fr.
2'497.05 (Fall 56 B; Urk. 81 S. 29 f.), Fr. 9'704.80 (Fall 60; Urk. 81 S. 32, Fr.
4'025.16 (Fall 61; Urk. 81 S. 35), Fr. 630'257.70 (Fall 121; Urk. 81 S. 39), Fr.
6'077.40 (Fall 154; Urk. 81 S. 41) Fr. 38'978.50 (Fall 156; Urk. 81 S. 43), Fr.
32'877.45 (Fall 189; Urk. 81 S. 46), Fr. 8'249.– (Fall 190; Urk. 81 S. 49), Fr.
1'417.20 (Fall 191; Urk. 81 S. 51 f.), Fr. 4'125.45 (Fall 192; Urk. 81 S. 54), Fr.
13'365.45 (Fall 214; Urk. 81 S. 58), Fr. 6'980.– (Fall 215; Urk. 81 S. 61), Fr.
7'212.65 (Fall 216; Urk. 81 S. 65), Fr. 42'636.90 (Fall 221; Urk. 81 S. 67 f.), Fr.
80'646.10 (Fall 224; Urk. 81 S. 70), Fr. 14'573.05 (Fall 225; Urk. 81 S. 72), Fr.
48'246.– (Fall 226;Urk. 81 S. 75), Fr. 9'177.90 (Fall 248; Urk. 81 S. 77), Fr.
9'177.90 (Fall 249; Urk. 81 S. 77), Fr. 2'539.55 (Fall 261; Urk. 81 S. 80), Fr.
7'195.35 (Fall 262; Urk. 81 S. 80 ), Fr. 31'281.60 (Fall 271; Urk. 81 S. 82), Fr.
10'800.– (Fall 277; Urk. 81 S. 84), Fr. 5'357.65 (Fall 279; Urk. 81 S. 87), Fr.
- 10 -
81'310.90 (Fall 280; Urk. 81 S. 89), Fr. 59'837.50 (Fall 297; Urk. 81 S. 91), Fr.
3'996.35 (Fall 301; Urk. 81 S. 94), Fr. 1'598.55 (Fall 398; Urk. 81 S. 94), Fr.
3'796.55 (Fall 409; Urk. 81 S. 94), Fr. 652.65 (Fall 307; Urk. 81 S. 96 f.), Fr.
26'105.50 (Fall 308; Urk. 81 S. 99), Fr. 3'931.45 (Fall 417; Urk. 81 S. 101), Fr.
96'000.– (Fall 321; Urk. 81 S. 103), Fr. 2'946.65 (Fall 327; Urk. 81 S. 106), Fr.
7'561.90 (Fall 345; Urk. 81 S. 108), Fr. 21'361.90 (Fall 347; Urk. 81 S. 109), Fr.
219'994.15 (Fall 349; Urk. 81 S. 111 f.), Fr. 11'649.75 (Fall 350; Urk. 81 S. 111 f.),
Fr. 13'609.35 (Fall 352; Urk. 81 S. 113), Fr. 3'690.95 (Fall 353; Urk. 81 S. 114),
Fr. 68'973.60 (Fall 351; Urk. 81 S. 116), Fr. 48'645.50 (Fall 354; Urk. 81 S. 118)
Fr. 10'241.15 (Fall 355; Urk. 81 S. 118), Fr. 3'646.55 (Fall 400; Urk. 81 S. 120),
Fr. 356.70 (Fall 408; Urk. 81 S. 122), Fr. 48'939.15 (Fall 358; Urk. 81 S. 124), Fr.
795.25 (Fall 407; Urk. 81 S. 126), Fr. 550.55 (Fall 413; Urk. 81 S. 128), Fr.
3'264.65 (Fall 360; Urk. 81 S. 125 f.), Fr. 3'637.40 (Fall 361; Urk. 81 S. 128),
Fr.7'589.55 (Fall 406; Urk. 81 S. 128), Fr. 7'592.10 (Fall 362; Urk. 81 S. 130), Fr.
2'444.20 (Fall 363; Urk. 81 S. 130), Fr. 6'029.70 (Fall 364; Urk. 81 S. 132), Fr.
4'585.– (Fall 365; Urk. 81 S. 133 f.), Fr. 1'809.90 (Fall 366; Urk. 81 S. 133 f.), Fr.
4'823.75 (Fall 367; Urk. 81 S. 136), Fr. 1'808.90 (Fall 373; Urk. 81 S. 136), Fr.
375.75 (Fall 374; Urk. 81 S. 137), Fr. 482.40 (Fall 375; Urk. 81 S. 139), Fr.
1'808.90 (Fall 420; Urk. 81 S. 139), Fr. 3'256.– (Fall 501; Urk. 81 S. 139), Fr.
1'088.25 (Fall 502; Urk. 81 S. 141), Fr. 556.20 (Fall 376; Urk. 81 S. 143), Fr.
18'049.10 (Fall 386; Urk. 81 S. 144), Fr. 1'986.25 (Fall 388; Urk. 81 S. 145), Fr.
89.40 (Fall 390; Urk. 81 S. 147), Fr. 20'330.55 (Fall 392-1 bis 392-20]) und Fr.
1'122.80 (Fall 392-21; Urk. 81 S. 149 f.), Fr. 2'320.25 (Fall 395; Urk. 81 S. 151),
Fr. 1'941.90 (Fall 397; Urk. 81 S. 153), Fr. 3'525.60 (Fall 399; Urk. 81 S. 154 f.),
Fr. 9'116.35 (Fall 403; Urk. 81 S. 154 f.), Fr. 173.30 (Fall 401; Urk. 81 S. 156), Fr.
511.45 (Fall 402; Urk. 81 S. 157), Fr. 1'955.35 (Fall 410; Urk. 81 S. 159), Fr.
2'070.15 (Fall 411; Urk. 81 S. 159), Fr. 21'834.90 (Fall 412; Urk. 81 S. 161), Fr.
410'471.05 (Fälle 414, 423 bis 428; Urk. 81 S. 162 f.), Fr. 8'990.20 (Fall 416; Urk.
81 S. 165), Fr. 622.90 (Fall 418; Urk. 81 S. 167), Fr. 236.30 (Fall 431; Urk. 81 S.
168), Fr. 14'625.15 (Fall 494; Urk. 81 S. 171), Fr. 20'813.60 (Fall 504; Urk. 81 S.
173), Fr. 826.25 (Fall 436; Urk. 81 S. 174), Fr. 26'942.80 (Fall 513; Urk. 81 S.
177), Fr. 98'892.– (Fälle 319 und 514; Urk. 81 S. 187 f.), wobei vom Gesamtbe-
- 11 -
trag Fr. 25'101.76 auf Fall 319 und Fr. 73'790.24 auf Fall 514 entfallen (vgl. Urk.
4/61.68, Register 1, pag. 000042, 000080, und Register 2, pag. 000080, 000105),
sowie auf Fr. 3'930.50 (Fall 1; Urk. 81 S. 188 f.), Fr. 21'397.60 (Fall 22; Urk. 81 S.
190), Fr. 9'495.10 (Fall 24; Urk. 81 S. 190 f.), Fr. 1'520.– (Fall 90; Urk. 81 S. 192),
Fr. 3'428.– (Fall 107; Urk. 81 S. 193 f. [Der von der Vorinstanz erwähnte Betrag von CHF 45'184.40 beruht auf einem offensichtlichen Rechnungsfehler. CHF 55'105.20 abzüglich CHF 10'000.– erge-
ben CHF 45'105.20. Die von der Vorinstanz errechnete Steuerersparnis beruht jedoch auf diesem korrekten
Ergebnis der Subtraktion]), Fr. 36'969.30 (Fall 108; Urk. 81 S. 194 f.), Fr. 6'714.75 (Fall
120; Urk. 81 S. 195 f.), Fr. 9'325.45 (Fall 178; Urk. 81 S. 196 f.), Fr. 1'778.55 (Fall
300; Urk. 81 S. 197 f.), Fr. 41'349.80 (Fall 304; Urk. 81 S. 198 f.), Fr. 1'377.90
(Fall 309; Urk. 81 S. 199 f.), Fr. 10'334.15 (Fall 310; Urk. 81 S. 200 f.), Fr.
2'780.25 (Fall 312; Urk. 81 S. 201 f.), Fr. 9'140.75 (Fall 313; Urk. 81 S. 202 f.), Fr.
13'361.– (Fall 315; Urk. 81 S. 203 f.), Fr. 9'391.65 (Fall 324; Urk. 81 S. 205), Fr.
5'141.80 (Fälle 325, 326; Urk. 81 S. 206 f.), Fr. 3'351.25 (Fall 343; Urk. 81 S. 207
f.), Fr. 3'367.20 (Fälle 380 bis 382, 444, 507, 508; Urk. 81 S. 208), Fr. 4'236.80
(Fall 499; Urk. 81 S. 209) und Fr. 34'376.30 (Fall 43/44; Urk. 81 S. 210). Gesamt-
haft nahm sie an, dass aufgrund der Nichtanmeldungen Einfuhrsteuern von Fr.
2'495'583.40 (Urk. 81 S. 188) und aufgrund der Falschanmeldungen solche in der
Höhe von Fr. 232'768.10 nicht veranlagt und erhoben worden waren (Urk. 81 S.
211).
1.2.3 Davon ausgehend sprach das Bezirksgericht Bülach, Einzelgericht, den Be-
schuldigten mit Urteil vom 4. Mai 2018 der mehrfachen Hinterziehung der Steuer
im Sinne von Art. 85 Abs. 1 aMWSTG sowie der mehrfachen Hinterziehung der
Steuer im Sinne von Art. 96 Abs. 4 lit. a MWSTG schuldig und bestrafte ihn mit
einer Busse von vier Millionen Franken (Urk. 81 S. 228 f.). Die Entscheide hin-
sichtlich der Fall-Dossiers 438, 461, 465 (Verjährung) sowie 213 und 439 bzw.
512/1.1, 512/1.2, 512/1.3, 512/1.4, 512/1.7, 512/1.8 und 512/1.9 (Anklagevorwurf
nicht erstellt) nahm es nicht in das Dispositiv auf.
2.1 Der Entscheid wurde den Parteien schriftlich begründet eröffnet. Mit Eingabe
vom 28. Mai 2018 reichte der Beschuldigte hierorts fristgerecht seine Berufungs-
erklärung ein und stellte einen Beweisantrag (Urk. 78; Urk. 82; vgl. BGer
6B_444/2011 E. 2.5). Die EZV erklärte mit Eingabe vom 4. Juli 2018 innert Frist
- 12 -
Anschlussberufung (Urk. 85; Urk. 87). Die Bundesanwaltschaft und die Ober-
staatsanwaltschaft des Kantons Zürich liessen die (auch) ihnen mit Präsidialver-
fügung vom 19. Juni 2018 angesetzte Frist zur Erklärung einer Anschlussberu-
fung unbenützt verstreichen. Mit Beschluss vom 8. August 2018 ordnete die er-
kennende Kammer in Anwendung von Art. 406 Abs. 1 lit. a StPO das schriftliche
Verfahren an und setzte dem Beschuldigten Frist, um seine Berufungsanträge zu
stellen und diese unter Bezugnahme auf die Überprüfungsgründe von Art. 398
Abs. 4 StPO zu begründen (Urk. 90). Die entsprechende Eingabe des Beschuldig-
ten ging am 8. Oktober 2018 innert mehrfach erstreckter Frist ein (Urk. 95; vgl.
Urk. 92 ff.). Mit Präsidialverfügung vom 12. Oktober 2018 wurde den Berufungs-
beklagten in der Folge eine zwanzigtägige Frist zur Beantwortung der Berufung
und der EZV zusätzlich zur Erstattung ihrer Anschlussberufungsbegründung an-
gesetzt und der Vorinstanz Gelegenheit zur Vernehmlassung eingeräumt (Urk.
96; Urk. 97/1-4). Die Berufungsantwort der Oberstaatsanwaltschaft mit Antrag auf
Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheides datiert vom 24. Oktober 2018 (Urk.
99). Die EZV reichte die Begründung ihrer Anschlussberufung unter Beilage di-
verser Unterlagen am 2. November 2018 (Datum des Poststempels) fristgerecht
ein (Urk. 102). Ihre Berufungsantwort erstattete sie am 5. Dezember 2018 (Datum
des Poststempels) innert erstreckter Frist (Urk. 104). Unter dem 7. Februar 2019
liess der Beschuldigte der erkennenden Kammer innert mehrfach erstreckter Frist
gemäss Präsidialverfügung vom 7. Dezember 2018 seine Stellungnahme zur Be-
rufungsantwort der EZV und seine Anschlussberufungsantwort zukommen (Urk.
105; Urk. 108 ff.; Urk. 111; Urk. 112). Die EZV erklärte mit Eingabe vom 22. Feb-
ruar 2019, auf eine Vernehmlassung zu diesen zu verzichten (Urk. 115). Mit Prä-
sidialverfügung vom 22. April 2020 wurde die Honorarnote der Verteidigung vom
20. April 2020 betreffend den Aufwand aus dem Berufungsverfahren (Urk. 118)
den übrigen Parteien zur freigestellten Vernehmlassung zugestellt (Urk. 119). Die
Oberstaatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 27. April 2020, auf eine Stel-
lungnahme zu verzichten (Urk. 121). Die Eidgenössische Zollverwaltung und die
Bundesanwaltschaft liessen sich innert Frist nicht vernehmen.
2.2 Der Beschuldigte kam der (mit dem Hinweis auf sein Aussageverweige-
rungsrecht verbundenen) Aufforderung zur Einreichung des Datenerfassungs-
- 13 -
blatts, der unterschriebenen Steuererklärungen der beiden letzten Jahre und von
Unterlagen zu seinen Wohnkosten gemäss Präsidialverfügung vom 19. Juni 2018
nicht nach (Urk. 85; Urk. 86/2 f.; vgl. auch Urk. 101). Die Vorinstanz liess die Ge-
legenheiten zur freigestellten Vernehmlassung zur Berufung des Beschuldigten
und zur Anschlussberufung der EZV ungenützt (Urk. 96; Urk, 97/4; Urk, 105; Urk.
106/1).
3.1.1 Der vom Beschuldigten gestellte Beweis- (Urk. 82 S. 1) und sein Sistie-
rungsantrag (Urk. 95 S. 3, 29 f.; Urk. 112 S. 3, 18 f.) sind abzuweisen. Ob das
Beweisfundament für eine Verurteilung des Beschuldigten genügt, ist vom Gericht
zu prüfen; die diesbezügliche Einschätzung der untersuchungsführenden Behörde
ist nicht massgebend. Aus allfälligen Anweisungen, das Verfahren mit einer Straf-
verfügung bzw. einer Anklage abzuschliessen, liesse sich sodann nicht schlies-
sen, dass das Ergebnis der Untersuchung aus Sicht der Zollbehörden von Beginn
weg vorgegeben gewesen war; eine entsprechende Anweisung würde nur bedeu-
ten, dass die vorgesetzte Behörde das Beweisfundament zu diesem Zeitpunkt als
für eine Anklage genügend einschätzte (vgl. im Übrigen E. IV.3). Der beantragte
Beizug der amtsinternen Berichterstattung der EZV an die Oberzolldirektion er-
weist sich daher (mit der Vorinstanz; Urk. 81 S. 16) als unnötig. Das Bundesge-
richt hat seine Entscheide in den Verfahren 2C_799/2017 und 2C_800/2017 so-
dann am 18. September 2018 gefällt; die Rückweisung an die Vorinstanz betrifft
im Fall des Beschuldigten einzig die Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die fi-
nanziellen Folgen des Entscheides für den Beschuldigten ergeben sich aus die-
sem selber oder können, soweit überhaupt erforderlich, abgeschätzt werden (vgl.
E. VI.3.3).
3.1.2 Die EZV hat ihrer Anschlussberufungsbegründung ein Aktenverzeichnis
(Urk. 103/I) und tabellarische Aufstellungen ihrer Bemerkungen und Rügen betref-
fend das vorinstanzliche Urteil (Urk. 103/II), auf www.estv.admin.ch veröffentlichte
Publikationen (Urk. 103/III.1-III.5) und diverse Dienstdokumente (Urk. 103/III.6-
III.9) beigelegt. Das Aktenverzeichnis und die tabellarische Aufstellung ergänzen
ihren Sachvortrag und stellen damit keine neuen Beweismittel im Sinne von Art.
398 Abs. 4 StPO dar. Die weiteren Dokumente vermögen einzig zu belegen, dass
- 14 -
der von der EZV im vorliegenden Verfahren vertretene Rechtsstandpunkt dem
von der Verwaltung in öffentlich zugänglichen und internen Papieren vertretenen
entspricht, was für den Ausgang des Verfahrens irrelevant ist. Ob es sich bei die-
sen überhaupt um neue Beweismittel im Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO handelt
und wie mit solchen gegebenenfalls zu verfahren wäre (vgl. den Antrag des Be-
schuldigten in Urk. 111), kann daher offenbleiben.
3.1.3 Das Verfahren ist spruchreif.
II.
1.1 Der Beschuldigte ficht den vorinstanzlichen Entscheid vollumfänglich an; er
beantragt in seinem Hauptstandpunkt die Einstellung des Verfahrens bezogen auf
die Fall-Dossiers 22, 56 B, 121, 154, 156, 213, 271, 280, 347, 436, 438, 439, 461,
465 und im Übrigen einen Freispruch (Urk. 82; Urk. 95 S. 3). Die Anschlussberu-
fung der EZV zielt einzig auf eine Ausdehnung des vorinstanzlichen Schuld-
spruchs auf die Fall-Dossiers 368, 369, 370, 371, 372 und 404 (Urk. 87; Urk. 102
S. 5 f.). Die bezogen auf weitere Fall-Dossiers erhobenen Rügen (falscher Wäh-
rungskurs, falsche Zahlen, nicht berücksichtigtes Aufgeld bei der Bemessung der
Einfuhrsteuer, die für die Festlegung des Bussenrahmens wesentlich ist: Urk. 102
S. 7 ff.), verbindet sie nicht mit einem Antrag auf Änderung des vorinstanzlichen
Entscheid-Dispositivs (Urk. 102 S. 2 ff.). Keine Rüge erhebt die EZV (vgl. Urk. 102
S. 4 ff.) sodann bezogen auf die Fall-Dossiers 213, 439, 438, 461, 465 sowie
512/1.1, 512/1.2, 512/1.3 (Gemälde "Composition plastique no 2" von Jean Gorin, im Urteil versehentlich als Gemälde "Composition von Lernand Léger" bezeichnet; vgl. 81 S. 178 mit Ver-
weis auf Ordner 34, Register 15 [und nicht Register 28 für "Composition" von Fernand Léger]),
512/1.4, 512/1.7, 512/1.8 und 512/1.9, in denen die Vorinstanz aus unterschiedli-
chen Gründen nicht zu einem Schuldspruch kam, ohne ihren jeweiligen Entscheid
zu formalisieren.
1.2 Bei dieser Ausgangslage ist keine Dispositivziffer des vorinstanzlichen Ur-
teils in Rechtskraft erwachsen (Art. 82 VStrR i.V.m. Art. 402 StPO). Der angefoch-
tene Entscheid steht grundsätzlich insgesamt zur Disposition. Nicht mehr zu
überprüfen sind einzig die Fall-Dossiers 213, 439, 438, 461, 465 sowie 512/1.1,
- 15 -
512/1.2, 512/1.3, 512/1.4, 512/1.7, 512/1.8 und 512/1.9, in denen die Vorinstanz
zugunsten des Beschuldigten und von der EZV unangefochten davon ausging,
dass die Verjährung eingetreten sei bzw. der Anklagevorwurf nicht erstellt werden
könne. Diese Entscheide sind nur noch durch Aufnahme in das Dispositiv zu for-
malisieren (vgl. BGE 142 IV 378 E. 1.3): Das Verfahren ist in den Fall-Dossiers
438, 461, 465 einzustellen und der Beschuldigte in den Fall-Dossiers 213, 439,
512/1.1, 512/1.2, 512/1.3, 512/1.4, 512/1.7, 512/1.8, 512/1.9 freizusprechen. Die
Berufung des Beschuldigten ist insoweit (Einstellung hinsichtlich der Fall-Dossiers
213, 438, 439, 461, 465, Freispruch hinsichtlich der Fall-Dossiers 512/1.1,
512/1.2, 512/1.3, 512/1.4, 512/1.7, 512/1.8, 512/1.9) gegenstandslos.
2.1 Da ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen Haupt-
verfahrens bildeten, kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Ur-
teil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhaltes sei offensichtlich
unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung (Art. 82 VStrR i.V.m. Art. 398
Abs. 4 StPO). Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht wer-
den (Art. 82 VStrR i.V.m. Art. 398 Abs. 4 StPO). Unter dem Aspekt der offensicht-
lich unrichtigen oder auf Rechtsverletzungen beruhenden Feststellungen des
Sachverhalts sind klare Fehler bei der Sachverhaltsermittlung relevant wie Verse-
hen und Irrtümer oder offensichtliche Diskrepanzen zwischen der sich aus den
Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Akten- und Beweislage und der
Urteilsbegründung oder wenn die Sachverhaltsfeststellung auf einer Verletzung
von Verfahrensvorschriften beruht. Willkür in der Sachverhaltsfeststellung liegt
dabei erst vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder
mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht. Dass eine andere Lö-
sung oder Würdigung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre,
genügt nicht (statt vieler: BGE 134 I 140 E. 5.4; BGer 6B_362/2012 E. 5.2). Die
inhaltliche Beschränkung des Berufungsthemas beschlägt hingegen die volle
Kognition der Berufungsinstanz zur Überprüfung von Rechtsfragen nicht. Vorbe-
hältlich beweisrechtlicher Fragen (BGer 6B_1365/2017 E. 3.1; BGer 6B_326/2009
E. 2.6.2), besteht insoweit keine eigentliche Rügepflicht (vgl. BGer 6B_61/2012 E.
2.3; anders für den Sachverhalt: vgl. BGer 6B_696/2011 E. 4.2).
- 16 -
2.2 Der Beschuldigte macht geltend, der angefochtene Entscheid sei in ver-
schiedener Hinsicht zu seinem Nachteil rechtsfehlerhaft und willkürlich. Die Vor-
instanz gehe unter Verletzung des Anklageprinzips, des Gewaltenteilungsgrund-
satzes und seines Anspruchs auf ein faires Verfahren sowie mit einer willkürlichen
Begründung von einer gültigen Anklageschrift aus (Urk. 95 S. 9-28; Urk. 112 S. 7-
18), wende die Bestimmungen zur Verfolgungsverjährung nach Art. 105 Abs. 1 lit.
d und Abs. 4 MWSTG nicht richtig an und berechne die Verfolgungsverjährung
daher falsch (Urk. 95 S. 30-35; Urk. 112 S. 20-23), komme in willkürlicher Würdi-
gung der Beweise zum falschen Schluss, dass in 112 Fällen Kunstgegenstände
ohne Zollanmeldung in die Schweiz eingeführt worden seien, ihm handschriftliche
Anmerkungen auf Rechnungen zugerechnet werden könnten und die Kunstda-
tenbank B._ sehr zuverlässig sei und stelle auf eine Vielzahl von belasten-
den E-Mails und Dokumente ab, die strafprozessual nicht verwertbar seien (Urk.
95 S. 35-44; Urk. 112 S. 23-27). Angesichts der bestehenden Lücken im Beweis-
fundament und der offenkundigen Rechtsverletzungen sei der angefochtene Ent-
scheid aufzuheben und er, der Beschuldigte, sei überall dort freizusprechen, wo
das Verfahren nicht ohnehin infolge Verjährungseintritts einzustellen sei (Urk. 95
S. 44). Eventualiter macht er geltend, der angefochtene Entscheid verletze die
Regeln über die Strafzumessung, indem er sich an seinen aktuellen finanziellen
Verhältnissen orientiere und damit ausser Acht lasse, dass er mit der Rechtskraft
von für ihn ungünstigen Steuerentscheiden zahlungsunfähig werde (Urk. 95 S. 29
f.; Urk. 112 S. 18 f.). Die EZV rügt, der angefochtene Entscheid beruhe in Teilen
auf einer offensichtlich fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung und/oder auf einer
falschen Rechtsanwendung, indem die Vorinstanz die Fall-Dossiers 368, 369,
370, 371, 372 und 404 nicht behandelt habe (Urk. 102 S. 5 f.). Ausserdem habe
diese die Steuerbemessung im Fall-Dossier 121 auf falschen Grundlagen vorge-
nommen (Urk. 102 S. 7-9) und in 81 weiteren Fall-Dossiers infolge einer falschen
Rechtsanwendung das Aufgeld nicht berücksichtigt (Urk. 102 S. 9-14) und als
Folge davon, den Bussenrahmen zu niedrig angesetzt (Urk. 102 S. 14). Auf diese
Rügen der Parteien wird nachfolgend zurückzukommen sein. Auf Bemerkungen
allgemeiner Natur, die nicht unmittelbar mit den erhobenen Rügen in Zusammen-
hang stehen, ist dagegen grundsätzlich nicht näher einzugehen. Das betrifft na-
- 17 -
mentlich die Feststellung der EZV, sie habe nicht herausfinden können, weshalb
das Total der im angefochtenen Urteil einzeln aufgeführten Einfuhrsteuerbeträge
von dem vom Gericht genannten Total um Fr. 9'390.79 abweiche (Urk. 102 S. 5).
III.
1. Die Rüge des Beschuldigten, die Vorinstanz sei unter Verletzung des Ankla-
geprinzips, des Gewaltenteilungsgrundsatzes und seines Anspruchs auf ein faires
Verfahren sowie mit einer willkürlichen Begründung von einer gültigen Anklage-
schrift ausgegangen (Urk. 95 Rz 17-99; Urk. 112 Rz 17-64), ist unbegründet.
Das Verwaltungsstrafrecht zählt zum Nebenstrafrecht des Bundes. Das im Bun-
desgesetz über das Verwaltungsstrafrecht geregelte Verwaltungsstrafverfahren ist
daher nach einhelliger Auffassung von Lehre und Rechtsprechung ein eigentli-
ches Strafverfahren, wie auch die in diesem Verfahren ausgesprochenen Sankti-
onen eigentliche kriminalrechtliche Strafen sind. Die vom Bundesgericht für den
ordentlichen Strafprozess aus der Bundesverfassung und der EMRK abgeleiteten
rechtsstaatlichen Verfahrensgarantien gelten daher auch für das Verwaltungs-
strafrechtsverfahren (vgl. BGE 120 IV 226 E. 4b). Dazu gehört namentlich der An-
klagegrundsatz, dessen Inhalt und Tragweite das Bundesgericht bereits vor In-
krafttreten von Art. 9 StPO aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus
Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK abgeleitet hat. Demnach bestimmt die
Anklage den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Fixie-
rungsfunktion). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten
Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in ob-
jektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Es muss aus ihr er-
kennbar sein, inwiefern die inkriminierten Handlungen den objektiven und subjek-
tiven Tatbestand des angerufenen Straftatbestandes erfüllen. Das Gericht ist an
den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden. Das Anklageprinzip
bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person
und dient damit dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). Die
Umschreibungsdichte kann variieren. Entscheidend ist, dass die beschuldigte
Person weiss, welche Taten ihr genau vorgeworfen werden und welche Strafen
- 18 -
ihr drohen, damit sie sich diesbezüglich erklären und ihre Verteidigung wirksam
vorbereiten kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung
mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (BGer 6B_60/2012 E. 3.3;
BGer 6B_492/2015 E. 2.2). Einen bestimmten Inhalt oder eine bestimmte Form
der Anklage schreiben aber weder die Bundesverfassung noch die EMRK vor.
Namentlich definiert auch der Grundsatz der Waffengleichheit als Teilgehalt des
Rechts auf ein faires Verfahren die qualitativen und quantitativen Anforderungen
an eine Anklage nicht unmittelbar, sondern garantiert jeder Prozesspartei primär
eine angemessene Gelegenheit zum Sachvortrag unter Voraussetzungen, die sie
gegenüber der anderen Partei nicht benachteiligt (Meyer-
Ladewig/Harrendorf/König in: Nettesheim/von Raumer [Hrsg.], EMRK Handkom-
mentar, 4. Aufl., Baden-Baden 2017, Art. 6 Rz 106; Frowein/Peukert, EMRK-
Kommentar, 3. Aufl., 2009, Art. 6 Rz 147). Im Einzelnen ergeben sich die formel-
len und inhaltlichen Anforderungen an die Anklage vielmehr aus dem einschlägi-
gen Prozessrecht. Für das gerichtliche Verfahren hält Art. 82 VStrR fest, dass die
entsprechenden Vorschriften der Strafprozessordnung für das Verfahren vor den
kantonalen Gerichten nur soweit gelten, als die Artikel 73 bis 81 des VStrR nichts
anderes bestimmen. Gemäss Art. 73 Abs. 2 VStrR hat die Anklage den Sachver-
halt und die anwendbaren Strafbestimmungen zu enthalten oder auf die Strafver-
fügung zu verweisen. Die Strafverfügung muss gemäss Art. 70 VStrR auf einer
umfassenden Grundlage beruhen, in einem kontradiktorischen Verfahren erlassen
und begründet werden. Sie kommt im Ergebnis einem erstinstanzlichen Urteil
gleich (vgl. BGer 6B_207/2017 E. 1.5). Indem das VStrR zulässt, dass sie zur An-
klage mutiert, weicht es grundlegend von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO ab, gemäss
welcher Bestimmung sich die Anklage auf die Darstellung des Anklagesachver-
haltes zu beschränken und sich dabei am Gebot des Minimums zu orientieren
hat. Da eine Strafverfügung dem Gericht als Teil der Akten ohnehin zur Kenntnis
gelangt, wäre für eine beschuldigte Person unter dem Aspekt der Waffengleich-
heit mit einer der Strafprozessordnung entsprechenden Regelung im VStrR auch
nichts gewonnen. Die Fokussierung auf die Gefahr einer möglichen Beeinflussung
des Gerichts zu Ungunsten des Beschuldigten durch ein Vorabplädoyer (vgl. Urk.
95 Rz 95-98), lässt sodann die Vorteile ausser Acht, die die Vorabkenntnis der
- 19 -
Details der Argumentation der Anklagebehörde auch einer beschuldigten Person
bietet: Sie kann sich mit der Argumentation der Anklagebehörde im Hinblick auf
die Hauptverhandlung gezielt auseinandersetzen und ihren Sachvortrag entspre-
chend vorbereiten, was der Waffengleichheit ebenfalls dient. Die von Art. 73 Abs.
2 VStrR vorgesehene Möglichkeit, die Strafverfügung zur Anklage zu mutieren,
widerspricht übergeordnetem Recht jedenfalls nicht. Der Wortlaut der Bestim-
mung schliesst sodann ein Nebeneinander von eigenständiger Sachverhaltsschil-
derung und Verweis auf die Strafverfügung nicht aus. Da sich das VStrR nicht zur
Frage der Zulässigkeit von Alternativ- und Eventualanklagen äussert, ist insoweit
schliesslich Art. 325 Abs. 2 StPO anwendbar, der u.a. Eventualanklagen zulässt.
Die EZV formuliert in ihrer Überweisung vom 25. November 2016 zunächst den
Vorwurf der mehrfachen vorsätzlichen Steuerhinterziehung ("Hauptantrag") und
dann unter dem Titel "Eventualantrag" den Vorwurf der mehrfachen fahrlässigen
Steuerhinterziehung. Sie bezeichnet damit Tatvorwürfe, die sich subsidiär zuei-
nander verhalten; der Vorhalt der mehrfachen fahrlässigen Steuerhinterziehung
kommt nur zum Tragen, wenn das Gericht den primären Vorwurf der mehrfachen
vorsätzlichen Steuerhinterziehung als nicht gegeben betrachtet. Sie erhebt damit
eine Haupt- und eine Eventualanklage. Eine Anklageänderung im Sinne von Art.
333 StPO liegt - entgegen der Vorinstanz (Urk. 81 S. 10) - nicht vor; Erörterungen
zur Zulässigkeit einer solchen erübrigen sich. Dem Erheben einer Haupt- und ei-
ner Eventualanklage steht nach dem Erwogenen auch im Verwaltungsstrafverfah-
ren nichts entgegen. Da eine Eventualanklage einen vom Hauptvorwurf verschie-
denen und subsidiären Tatvorwurf bezeichnet, berühren eine allfällige Unzuläs-
sigkeit und andere Unzulänglichkeiten der Eventualanklage die Hauptanklage al-
lerdings sowieso nicht. Eine Rückwirkung hat die (subsidiäre) Eventualanklage
auf die (primäre) Hauptanklage nicht. Einen Verweis, der die logische Ordnung
von Haupt- und Eventualanklage im konkreten Fall so verändern würde, dass die
Eventualanklage in Teilen zum Inhalt der Hauptanklage würde, enthält der Even-
tualantrag der EZV - entgegen der Auffassung des Beschuldigten (Urk. 95 Rz 28)
- nicht. Auf die von der EZV formulierte Eventualanklage, die für den Ausgang des
Verfahrens bedeutungslos ist, ist daher im Folgenden nicht weiter einzugehen. Zu
prüfen ist einzig die Hauptanklage.
- 20 -
Diese formuliert die EZV durch Verweis auf die Strafverfügung, womit sie sich
nach dem Erwogenen im gesetzlichen Rahmen bewegt. Die der Überweisung
gemäss ausdrücklicher Bemerkung beigefügten Listen über die betroffenen 152
Fall-Dossiers und die entsprechenden Abgaben, gehören, wie die Vorinstanz rich-
tig und ohne in Willkür zu verfallen erwog (Urk. 81 S. 9 f.), nicht zum Anklagefun-
dament. Dass Anhänge bisweilen den Inhalt eines Hauptdokuments näher aus-
führen, wie die Verteidigung geltend macht (Urk. 95 Rz 36 ff.; Urk. 118 Rz 26-29),
trifft zwar zu. Vorliegend dienen die Anhänge jedoch nach dem Wortlaut der
Überweisung einzig der "besseren Übersicht" und haben damit nach dem erklär-
ten Willen der EZV ausschliesslich Hilfs- oder Dienstleistungsfunktion, ohne den
Inhalt der Anklage zu definieren. Für eine Auslegung der Erklärung der EZV im
Sinne der Ausführungen der Verteidigung lässt der Wortlaut der Überweisung
keinen Raum. In diesem Sinn liegt die Lesart der Vorinstanz - entgegen der Auf-
fassung der Verteidigung - tatsächlich auf der Hand. Die Strafverfügung ist denn
auch aus sich selbst heraus verständlich. Zusätzliche Hilfsmittel (vgl. Urk. 112 Rz
30) sind dafür nicht nötig. Die Herausforderung besteht vielmehr einzig darin, kei-
nen der unzähligen von der Anklage erfassten Einzelfälle versehentlich unbeach-
tet zu lassen. Ein Verzeichnis der betroffenen Fälle stellt eines der denkbaren Ar-
beitsinstrumente dar, um solche Versehen möglichst zu vermeiden. Definieren die
Resultatlisten den Inhalt des Anklagesachverhaltes nicht, sind Widersprüche zwi-
schen ihnen und der Strafverfügung unter dem Aspekt des Anklageprinzips so-
dann belanglos, worauf bereits die Vorinstanz zutreffend hinwies (Urk. 81 S. 11).
Ob die Vorinstanz die vom Beschuldigten bezeichneten Widersprüche zwischen
der Strafverfügung und den dieser beigelegten Resultatlisten (Urk. 95 Rz 52-72)
überzeugend auflöste, ist daher im Ergebnis nicht von Bedeutung, weshalb sich
weitere Ausführungen dazu erübrigen. Eine andere Frage ist, ob der Anklage-
sachverhalt, wie er sich aus der Strafverfügung allein ergibt, die dem Beschuldig-
ten zur Last gelegten Taten im Licht des Anklageprinzips und weiterer aus über-
geordnetem Recht abgeleiteten Verfahrensgarantien zureichend umschreibt. Der
Beschuldigte bestreitet das, indem er einerseits ein Zuwenig (Urk. 95 Rz 74-77;
Urk. 112 Rz 57-61) und andererseits ein Zuviel (Urk. 95 Rz 83-94) an Information
moniert.
- 21 -
Die Strafverfügung orientiert sich bei der Beurteilung der dem Beschuldigten (da-
mals) vorgeworfenen Einfuhrsteuerwiderhandlungen ausdrücklich (vgl. Urk. 2B E.
II.2., II.5., II.6.) an den als Bestandteil des Schlussprotokolls vom 20. Januar 2016
bei den Akten liegenden Listen B, C, C1 und D (Urk. 9.1.1.), in denen die einzel-
nen Nicht- und Falschanmeldungen u.a. mit einer Warenbeschreibung, der Be-
zeichnung des Kunstwerks und des Künstlers individualisiert und mit einer Fall-
Nummer versehen sind. Die gemäss Strafverfügung noch zu behandelnden Fälle
werden in dieser unter Verweis auf die entsprechende Liste und ausdrücklicher
Bezeichnung des Kunstwerks oder der Zierware, des Künstlers und der Fall-
Nummer sowie der Aktenstelle, unter welcher das jeweilige Fall-Dossier geführt
wird, in einem Zwischentitel, der die Ausführungen zur Sache einleitet, beurteilt
(Urk. 2B S. 10 ff.). Eine Ausnahme bilden u.a. die von der Rüge des Beschuldig-
ten (noch; vgl. E. II.1.2 vorstehend) betroffenen Fälle mit den Dossier-Nummern
368 bis 372 und 424 bis 427. Sie werden im einleitenden Zwischentitel mit der
Konjunktion "bis" zwischen zwei nach dem erwähnten Muster einzeln bezeichne-
ten Kunstwerken bzw. Zierwaren erwähnt (vgl. Urk. 2B S. 38, 44). Sie sind an-
hand der ausdrücklich erwähnten Listen problemlos identifizierbar. Zwar kann die
Konjunktion "bis" zunächst übersehen werden. Allerdings ist im auf die Zwischen-
titel folgenden Text von sieben Objekten (Urk. 2B S. 38 f.) bzw. sieben Kunstge-
genständen (Urk. 2B S. 44 f.) die Rede, was jedenfalls Anlass für einen genaue-
ren Blick auf die Bezeichnung der betroffenen Kunstwerke bzw. Zierwaren gibt.
Die Anklage erfordert (auch hier) zwar Aufmerksamkeit, ist aber, entgegen der
Auffassung des Beschuldigten (vgl. Urk. 112 Rz 37 f.), nicht unfair. Dass die Vor-
instanz die Fall-Dossiers 368 bis 372 materiell nicht behandelte, trifft zu (vgl. dazu
nachfolgend E. III.2). Sie übersah aber nicht, dass diese Gegenstand der Anklage
sind, sondern stellte - nach dem Erwogenen zu Recht - fest, die Fälle 368-373
und 424 bis 427 würden auf den Seiten 38 f., 44 f. der Strafverfügung behandelt
(Urk. 81 S. 12 f.).
Dass sich die Strafverfügung in allen von ihr materiell behandelten Fällen mit
sämtlichen Tatbestandselementen der vorsätzlichen Einfuhrsteuerhinterziehung
auseinandersetzt, stellt der Beschuldigte sodann zu Recht nicht in Abrede. Den
Ausführungen, die auf die einzelnen Falldossiers Bezug nehmen, haftet zwar et-
- 22 -
was Repetitives an. Das ist allerdings dem Umstand geschuldet, dass dem Be-
schuldigten eine grosse Zahl von Widerhandlungen gleicher Art vorgeworfen wer-
den. Dass in diesen lediglich vereinzelte Tatsachenbehauptungen "gut versteckt"
sind (Urk. 95 Rz 85) und weitere Ausführungen den Blick auf das Wesentliche
verstellen (Urk. 95 Rz 87), trifft nicht zu. Die Anklage verlangt vom Adressaten ei-
ne konzentrierte Lektüre, vermittelt - eine solche vorausgesetzt - dem Gericht und
dem Beschuldigten aber die für die Bestimmung des Prozessgegenstandes und
die Durchführung des Verfahrens notwendigen Informationen zu den dem Be-
schuldigten in sachlicher, örtlicher und zeitlicher Hinsicht zur Last gelegten Ver-
haltensweisen und seiner diesbezüglichen inneren Haltung.
2. Gegenstand der Anklage sind auch die Fall-Dossiers 368, 369, 370, 371,
372 und 404 (Urk. 2B S. 36 f., 38 f.). Die Vorinstanz hat diese nicht materiell be-
handelt, was die EZV zu Recht rügt (Urk. 87 S. 5). Mit der Nichtbehandlung der
Fall-Dossiers 368, 369, 370, 371, 372 und 404, hat die Vorinstanz die Pflicht des
Gerichts, die Anklage erschöpfend zu beurteilen, verletzt.
Grundsätzlich hat die Berufungsinstanz ein neues Urteil zu fällen (Art. 408 StPO).
Weist das erstinstanzliche Verfahren jedoch wesentliche Mängel auf, die im Beru-
fungsverfahren nicht geheilt werden können, sieht Art. 409 Abs. 1 StPO eine kas-
satorische Erledigung der Berufung vor. Zu den wesentlichen Mängeln im Sinne
dieser Bestimmung gehört namentlich die unterbliebene Behandlung von Ankla-
gepunkten durch das erstinstanzliche Gericht, weil eine Korrektur im Berufungs-
verfahren zum Verlust einer Instanz führen und damit den durch Art. 32 Abs. 2 BV
gewährten Anspruch verletzen würde (BSK StPO-EUGSTER, Art. 409 N. 1; BGer
6B_528/2012 E. 3.1.1). Eine materielle Beurteilung der von der Vorinstanz nicht
geprüften Anklagepunkte im vorliegenden Berufungsverfahren ist folglich nicht
möglich. Vielmehr hätte eine Rückweisung zu erfolgen. Auf eine solche ist jedoch
zu verzichten und das Verfahren in diesen Anklagepunkten in Anwendung von
Art. 8 Abs. 2 lit. a und 4 StPO einzustellen, zumal keine Interessen von Privatklä-
gern zu berücksichtigen sind. Die im Raum stehenden Einfuhrsteuerdelikte ge-
mäss den Fall-Dossiers 368, 369, 370, 371, 372 und 404 betreffen gemäss An-
klage sechs Zierwaren mit einem Einfuhrsteuerbetrag von total Fr. 24'603.50 (Urk.
- 23 -
2B S. 36 f., 38 f.). Sie fallen neben den vielen weiteren dem Beschuldigten vor-
geworfenen Einfuhrsteuerwiderhandlungen weder zahlen- noch betragsmässig
ins Gewicht und haben deshalb auch keinen (massgeblichen) Einfluss auf die
Höhe der Strafe. Eine Aufhebung des angefochtenen Urteils verbunden mit einer
Rückweisung der Sache an das erstinstanzliche Gericht wäre unter diesen Um-
ständen nicht verhältnismässig und auch im Licht des strafprozessualen Be-
schleunigungsgebots nicht zu rechtfertigen. Das Verfahren ist folglich auch bezo-
gen auf die Fall-Dossiers 368, 369, 370, 371, 372 und 404 einzustellen.
3. Soweit der Beschuldigte geltend macht, eine Einstellung des Verfahrens ha-
be (weiter) bezogen auf die Fall-Dossiers 22, 280, 154, 347, 56 B, 121, 156, 271
und 436 zu erfolgen, da die entsprechenden Einfuhrsteuerwiderhandlungen ver-
jährt seien (Urk. 95 Rz 109-124 [zu den Fall-Dossiers 438, 439, 461, 465, 213 vgl.
E. II.1.2 hiervor]), ist ihm nicht zu folgen.
Die inkriminierten Einfuhren in die Schweiz fanden gemäss den tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz in Fall Dossier 280 im Zeitraum vom 22. bis 30.
September 2009, in Fall Dossier 154 im Zeitraum vom 10. Juli bis 22. Oktober
2009, in Fall Dossier 347 im Zeitraum von Anfang April bis 7. April 2009, in Fall-
Dossier 56 B im Zeitraum vom 17. September bis 11. November 2009, in Fall-
Dossier 121 im Zeitraum vom 4. bis 9. November 2009, in Fall-Dossier 156 im
Zeitraum vom 3. bis 15. September 2009, in Fall Dossier 271 im Zeitraum vom 8.
Dezember 2009 bis 12. Januar 2010 und in Fall Dossier 436 am 21. Dezember
2009 (Urk. 81 S. 174) statt. Die Falschanmeldung gemäss Fall-Dossier 22 erfolgte
am 28. August 2009 (vgl. vorstehende E. I.1.2.2). Der Beschuldigte legt seiner
Argumentation teilweise abweichende Tatzeitpunkte zugrunde (vgl. Urk. 95 Rz
119-122), ohne allerdings konkret darzutun, dass die diesbezüglichen Feststel-
lungen der Vorinstanz willkürlich sind oder zu seinem Nachteil von der Anklage
abweichen. Entsprechendes ist auch nicht ersichtlich. Soweit der Beschuldigte der
von ihm generell ("betrifft alle Fälle, bei denen die Vorinstanz zum Nachteil unse-
res Mandaten auf Angaben in der Kunstdatenbank B._ abstellt", vgl. Urk 95
Rz 149) vorgetragenen Rüge, die Vorinstanz habe den Beweiswert des Inhalts
der Kunstdatenbank B._ willkürlich überhöht, auch im vorliegenden Zusam-
- 24 -
menhang Relevanz zuschreibt, ist festzuhalten, dass diese unbegründet ist (vgl.
E. IV.3).
Am 1. Januar 2010 trat das revidierte Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer vom
12. Juni 2009 (MWSTG) in Kraft. Es löste das Bundesgesetz über die Mehrwert-
steuer vom 2. September 1999 (aMWSTG) ab, das jedoch auf alle während sei-
ner Geltungsdauer eingetretenen Tatsachen und Rechtsverhältnisse anwendbar
bleibt (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Für den Zeitraum bis Ende Dezember 2009 be-
trug die Verjährungsfrist für Übertretungen demgemäss sieben Jahren. Diese Frist
ruhte während der Dauer eines Einsprache-, Beschwerde- oder gerichtlichen Ver-
fahrens über die Leistung- und Rückleistungspflicht. Die Verjährung trat u.a. nach
Erlass einer verurteilenden Strafverfügung im Sinne von Art. 70 Abs. 1 VStrR
nicht mehr ein (Art. 88 Abs. 1 aMWSTG; Art. 2 VStrR; Art. 11 Abs. 2 und 3 VStrR;
Art. 333 Abs. 1 und 6 lit. b StGB; BGE 139 IV 62 E. 1.2). Dass die Einfuhren bzw.
die Falschdeklaration in den Fällen gemäss den Dossiers 22, 280, 154, 347, 56 B,
121, 156, 271 und 436 gemäss dieser, bis Ende 2009 massgeblichen Rechtslage
(ausgehend von der Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz) verjährt wären,
macht der Beschuldigte zu Recht (vgl. Urk. 81 S. 18, E. 4.) nicht geltend. Er stützt
sich vielmehr auf die Regelung der Verfolgungsverjährung gemäss revidiertem
Mehrwertsteuergesetz, die bei richtiger Interpretation milder als die altrechtliche
sei und daher als lex mitior auch auf diejenigen Fälle zur Anwendung komme, die
noch den Zeitraum vor Januar 2010 beträfen (Urk. 95 Rz 109 ff.).
Die Vorinstanz führte aus, gemäss Art. 105 des revidierten Mehrwertsteuergeset-
zes verjähre das Recht, eine Strafuntersuchung im Zusammenhang mit einer Ein-
fuhrsteuerhinterziehung einzuleiten, innert sieben Jahren seit der Tatbegehung.
Das Recht, die eingeleitete Strafuntersuchung durchzuführen, verjähre in fünf
Jahren. Mit dieser Durchführungsverjährung sei die Frist von der Eröffnung bis
zum Erlass eines erstinstanzlichen Entscheids gemeint. Das Mehrwertsteuerstraf-
recht binde den Eintritt der strafrechtlichen Verfolgungsverjährung mithin an zwei
zeitliche "Marksteine": Zunächst bestimme es eine Frist für die Einleitung einer
Strafuntersuchung. Werde diese gewahrt, könne die Strafuntersuchung maximal
fünf Jahre in Anspruch nehmen. Während dieses Zeitraums werde die Verfol-
- 25 -
gungsverjährung aufgeschoben. Erfolge innerhalb dieser Frist ein erstinstanzli-
ches Urteil, sei die Frist von Art. 105 MWSTG endgültig gewahrt und die Verfol-
gungsverjährung trete nicht mehr ein. Werde aber eine der beiden Fristen nicht
eingehalten, trete die Verfolgungsverjährung ein und die verjährte Tathandlung
könne nicht mehr verfolgt werden (Urk. 81 S. 18 f.). Die Vorinstanz interpretiert
die Bestimmungen des revidierten Mehrwertsteuergesetzes zur Verfolgungsver-
jährung damit richtig. Das gilt ungeachtet des Umstandes, dass die Verfolgungs-
verjährung bei Übertretungen des MWSTG im Licht der Bestimmungen zur Ver-
folgungsverjährung in anderen Gesetzen, wie der Beschuldigte richtig geltend
macht (Urk. 95 Rz 111-116), damit vergleichsweise lange ist. Auf den Willen des
Gesetzgebers ist in erster Linie aus dem Wortlaut einer Bestimmung zu schlies-
sen. Nur wenn dieser unklar ist und verschiedene Auslegungen möglich sind, ist
unter Berücksichtigung namentlich der Entstehungsgeschichte, des Zwecks sowie
der Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt,
nach der wahren Tragweite zu suchen. Vorliegend lässt der Text der Bestimmung
von Art. 105 MWSTG jedoch nur die Interpretation zu, die dem erstinstanzlichen
Entscheid zugrunde liegt. Wertungswidersprüche innerhalb des Mehrwertsteuer-
gesetzes, die den bundesgerichtlichen Überlegungen in BGE 134 IV 328 folgend
zu korrigieren wären, ergeben sich durch die Auslegung nach dem Wortlaut nicht.
Im Ergebnis bleibt es damit bei der Feststellung der Vorinstanz, dass die Verjäh-
rungsfrist bezüglich der Vorgänge im Zeitraum vom 23. März 2009 bis 31. De-
zember 2009 mit der Eröffnung der Strafuntersuchung am 30. Oktober 2012 bzw.
25. März 2013 (vgl. dazu Urk. 81 S. 4) und dem Erlass der Strafverfügung am 6.
Oktober 2016 auch in Anwendung der revidierten Mehrwertsteuergesetzgebung
gewahrt worden wäre (Urk. 81 S. 19 [E. 6]). Die Regelung der Verfolgungsverjäh-
rung gemäss revidiertem Mehrwertsteuergesetz ist folglich für den Beschuldigten
nicht günstiger und kommt daher auf diejenigen Fälle, die in den Zeitraum vor Ja-
nuar 2010 fallen, auch in Anwendung des im Bereich des Mehrwertsteuergeset-
zes ebenfalls zu beachtenden Grundsatzes der lex mitior (Art. 103 Abs. 1
MWSTG i.V.m. Art. 2 VStrR, Art. 104 und Art. 2 Abs. 2 StGB) nicht zur Anwen-
dung.
- 26 -
Das Verfahren ist daher mit der Vorinstanz und entgegen dem Antrag des Be-
schuldigten bezogen auf die Fall-Dossiers 22, 280, 154, 347, 56 B, 121, 156, 271
und 436 nicht einzustellen.
IV.
1. Die Vorinstanz hielt es, wie bereits erwähnt, in den Fällen 56 B, 60, 61, 121,
154, 156, 189, 190, 191, 192, 214, 215, 216, 221, 224, 225, 226, 248, 249, 261,
262, 271, 277, 279, 280, 297, 301, 398, 409, 307, 308, 417, 321, 327, 345, 347,
349, 350, 352, 353, 351, 354, 355, 400, 408, 358, 360, 361, 406, 407, 413, 362,
363, 364, 365, 366, 367, 373, 374, 375, 420, 501, 502, 376, 386, 388, 390, 392 [-
1 bis -21], 395, 397, 399, 403, 401, 402, 410, 411, 412, 414, 423, 424, 425, 426,
427, 428, 416, 418, 431, 494, 504, 436, 513, 319 und 514 sowie 1, 22, 24, 90,
107, 108, 120, 178, 300, 304, 309, 310, 312, 313, 315, 324, 325, 326, 343, 380,
381, 382, 444, 507, 508, 499 und 43/44 für erwiesen, dass der Beschuldigte die
Kunstgegenstände wissentlich und willentlich ohne Zollanmeldung in die Schweiz
eingeführt bzw. nur einen Bruchteil des massgebenden Wertes der eingeführten
Kunstgegenstände deklariert hatte, wodurch Einfuhrsteuern im Gesamtbetrag von
Fr. 2'728'351.50 nicht veranlagt und erhoben wurden. Für die Einzelheiten kann
auf E. I.1.2.2 und die Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen wer-
den (Urk. 81 S. 26 ff. [E. IV.4.-7.]).
2. Ihren Entscheid stützte sie in tatsächlicher Hinsicht u.a. auf umfangreiche
Urkunden sowie EDV- und Bankdaten, die entweder in der Villa C._ in Zü-
rich, an der D._-Strasse in E._, in der Hotel F._ AG, in der Villa
G._ in H._ oder bei diversen Banken beschlagnahmt worden sind, so-
wie auf Kopien der Einfuhrzollanmeldungen und Veranlagungsverfügungen (vgl.
Urk. 81 S. 21 ff.). Der Beschuldigte rügt, dass die Vorinstanz dabei direkt oder in-
direkt auf Dokumente abgestellt habe, die nie kritisch hinterfragt worden und
mangels Konfrontation mit den Verfassern ("Belastungszeugen") strafprozessual
nicht zu seinen Lasten verwertbar seien. Die Zollbehörde habe bei ihrer einseiti-
gen und allein schuldfokussierten Untersuchung Art. 6 Abs. 2 StPO und Art. 147
Abs. 2 StPO verletzt. Dasselbe gelte für den angefochtenen Entscheid, der dieses
- 27 -
Vorgehen als zulässig betrachte. Beispielhaft dafür seien die bei der Galerie
I._ beschlagnahmten E-Mails betreffend Fall-Dossier 56 B, bezüglich welcher
- (sinngemäss) vor Vorinstanz (vgl. Urk. 40 S. 11 f.) - aufgezeigt worden sei, dass
sie selektiv zu den Akten genommen worden seien, so dass der Kontext in dem
sie erstellt worden seien, nicht mehr ersichtlich sei. Darüber hinaus betreffe der
Mangel aber sämtliche Fälle, in denen die Vorinstanz ganz oder teilweise auf die
Darstellung von Personen abgestellt habe, die mit dem Beschuldigten nie kon-
frontiert worden seien. Alle diese aus einer Vielzahl von E-Mails und Dokumenten
geschöpften Informationen seien nicht als belastende Beweismittel verwertbar
und der gestützt auf diese erfolgte Schuldspruch daher rechtsfehlerhaft, weil er
gegen grundlegende strafprozessuale Vorschriften verstosse (Urk. 95 Rz 1-9,
150-154, 155).
Dass die Untersuchungsbehörden die Sachverhaltsabklärung in neutraler, objek-
tiver Weise vorzunehmen haben, steht ausser Frage (Art. 6 Abs. 2 StPO). Das
bedeutet allerdings nicht, dass sie hinsichtlich des Vorgefallenen nicht Arbeitshy-
pothesen bilden dürfen, die von der Schuld des Beschuldigten ausgehen. Sie sind
einzig dazu verpflichtet, diese anhand des Beweisergebnisses laufend zu testen.
Dass dieser Test nach Auffassung der Untersuchungsbehörden auch in einer Ve-
rifikation der Schuldthese und folglich in einer Strafverfügung bzw. einer Anklage
enden kann, liegt in der Natur der Sache. Im Übrigen verpflichtet Art. 7 StPO die
Strafbehörden zu einer konsequenten Strafverfolgung und in diesem Rahmen
bisweilen zu einer "grossangelegten Aktion", die das Interesse der Öffentlichkeit
wecken kann. Es ist daher unzulässig, aus der Akribie, mit der die Strafuntersu-
chung gegen den Beschuldigten geführt wurde, und dem Umstand, dass diese
nicht mit seiner Entlastung oder einer tieferen Busse endete, darauf zu schlies-
sen, dass die Zollbehörden "es dem A._ endlich einmal [zu] zeigen" wollten
und nie ergebnisoffen ermittelten, also systematisch gegen den Grundsatz der
Neutralität verstiessen. Entsprechend verbietet sich auch die generelle Annahme,
die zu den Akten erhobenen Urkunden und Aufzeichnungen anderer Art stellten
die Gegebenheiten (aufgrund einer selektiven Auswahl) verzerrt dar und böten
keine Gewähr für eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung.
- 28 -
Der Fall 56 B ("Décor de Théâtre" von Alexandra Exter) vermag als Einzelfall von
vornherein keinen systematischen Verstoss der Zollbehörden gegen den Neutrali-
tätsgrundsatz zu belegen. Der Vorwurf, die in diesem Zusammenhang zu den Ak-
ten erhobenen E-Mails stellten den Sachverhalt (potentiell) verzerrt dar, trifft im
Übrigen aber auch materiell nicht zu. Die bei der Galerie I._ beschlagnahm-
ten internen E-Mails zwischen J._ (Mitarbeiter der Galerie) und K._
(Geschäftsführer der Galerie) vom 31. März 2011 beziehen sich gemäss ihrem
Betreff auf "A. Exter "Décor du Théâtre" (Urk. 4/6.1.68, Ordner 2, Register 2, pag.
000025-000030). K._ weist J._ darin u.a. an, die Arbeiten in das Büro
des Beschuldigten bringen zu lassen (Urk. 4/6.1.68, Ordner 2, Register 2, pag.
000025). Ausserdem wolle er die Rahmungskosten haben. J._ seinerseits
spricht u.a. von insgesamt 15 Exter Arbeiten, die bei "meinem Arbeitsantritt No-
vember 2009 neu gerahmt in der Werkstatt" gestanden seien. Ferner verweist er
auf die angehängte Rechnung von L._ in der Höhe von ca. Fr. 5'000.– (Urk.
4/6.1.68, Ordner 2, Register 2, pag. 000028). Die Anhänge zum E-Mail sind mit
"DSC00151.JPG, DSC00152.JPG; L._ 091125 M._.pdf" bezeichnet. Die
Anhänge "DSC00151.JPG" und "DSC00152.JPG" zeigen Ausschnitte aus Arbei-
ten, die zur Serie "Décor de Théâtre" aus dem Hotel F._ gehören (vgl. Urk.
4/6.1.68, Ordner 2, Register 2, pag. 000003 oder 000023). Die dem E-Mail ange-
hängte Rechnung von L._ datiert vom 25. November 2009 und ist an die Ga-
lerie I._, J._, gerichtet. Darin vermerkt ist als "Termin" die "Lieferung per
Kurier 11.11.2009" und berechnet werden das Einrahmen von 15 Arbeiten mit der
Bezeichnung "Kommission: M._" sowie Einrahmungsarbeiten vor Ort am 18.
November 2009 (Urk. 4/6.1.68, Ordner 2, Register 2, pag. 000035). Der Bezugs-
rahmen der E-Mail-Konversation ergibt sich folglich aus ihr selbst. Gründe, an ih-
rer Authentizität zu zweifeln, bestehen nicht. Der Beschuldigte macht denn auch
nicht konkret geltend, inwiefern "Verzerrungen entstehen" oder die E-Mails "eine
andere Bedeutung haben" und weshalb an ihrer Authentizität gezweifelt werden
müsste. Seine Überlegungen sind ausschliesslich theoretischer Natur. Das zeigt
sich auch darin, dass er sich über den Fall 56 B hinaus mit einem allgemeinen
Hinweis darauf begnügt, dass der Mangel alle Fälle betreffe, in denen die Ankla-
- 29 -
gebehörde (ganz oder teilweise) auf Informationen aus E-Mails und Dokumenten
abgestellt habe, die nie kritisch hinterfragt worden seien.
Ob bzw. unter welchen Voraussetzungen eine systematische Verletzung der
Neutralitätspflicht zur Unverwertbarkeit von Beweismitteln führen könnte, kann
folglich offenbleiben (Urk. 81 S. 22 f.). Vielmehr bleibt es bei der zutreffenden
Feststellung der Vorinstanz, dass Urkunden und Aufzeichnungen anderer Art
selbständige (sachliche) Beweismittel sind und als solche - unabhängig von einer
Bestätigung durch den Ersteller und/oder Empfänger im Rahmen von Zeugenein-
vernahmen - auch zulasten eines Beschuldigten verwertbar sind. Ihre konkrete
Aussagekraft ist im Rahmen der freien richterlichen Beweiswürdigung zu beurtei-
len. Erfolgt die Beurteilung unkritisch oder misst der Richter ihnen eine inhaltliche
Bedeutung zu, die sie objektiv nicht haben, kann die Sachverhaltsfeststellung im
Ergebnis unrichtig sein. Auf einer Rechtsverletzung beruht sie jedoch nicht.
3. Die Vorinstanz nimmt in ihrem Entscheid sodann mehrfach Bezug auf Ein-
tragungen in der Kunstdatenbank B._, einer vom Administrationsbüro des
Beschuldigten geführten internen Datenbank zur Erfassung und Verwaltung von
Kunstwerken (Urk. 81 S. 118 ff., vgl. auch S. 23 ff.). Der Beschuldigte rügt, dass
sie dabei deren Inhalt willkürlich als sehr zuverlässig einschätze. Die Angaben
aus der Kunstdatenbank würden immer dann zur Lückenfüllung herangezogen,
wenn objektive Beweise fehlten. Der Beweiswert der Informationen werde auf
diese Weise willkürlich überhöht. Die Vorinstanz räume den Informationen, die sie
selbst als blosse Indizien einstufe, faktisch den Stellenwert von Eintragungen im
Grundbuch oder dem Handelsregister ein (Urk. 95 S. 41 f.; Urk. 112 S. 25 f., 28).
Der Mangel betreffe alle angeklagten Fälle, bei denen die Vorinstanz zum Nach-
teil des Beschuldigten auf Angaben in der Kunstdatenbank B._ abstelle (Urk.
112 S. 26).
Der Beschuldigte rügt die Bewertung eines von vielen Beweismitteln durch die
Vorinstanz losgelöst vom jeweiligen Kontext und überlässt es mit der Bemerkung,
der Mangel betreffe alle angeklagten Fälle, bei denen die Vorinstanz zu seinem
Nachteil auf die Angaben in der Kunstdatenbank B._ abgestellt habe, der Be-
rufungsinstanz, nach den aus seiner Sicht relevanten kritikwürdigen Feststellun-
- 30 -
gen im angefochtenen Entscheid zu suchen. In welchen Punkten und inwiefern
die tatsächlichen Gegebenheiten von der durch die Vorinstanz unter Berücksichti-
gung der Kunstdatenbank B._ getroffenen Sachverhaltsfeststellung (zu sei-
nem Nachteil) abweichen, legt er nicht ansatzweise dar. Einer an den beschränk-
ten Beschwerdegründen von Art. 398 Abs. 4 StPO orientierten qualifizierten Rü-
gepflicht genügt er damit von vornherein nicht. Ob eine solche im Berufungsver-
fahren überhaupt besteht, ist höchstrichterlich allerdings noch nicht geklärt (vgl.
BGer 6B_362/2012 E. 6.2; BGer 6B_152/2017), weshalb der Vollständigkeit hal-
ber in der den wenig spezifischen Ausführungen des Beschuldigten entsprechen-
den Kürze auf dessen Einwände einzugehen ist.
Die Vorinstanz äusserte sich eingehend zum Beweiswert der Datenbank B._.
Sie erkannte richtig, dass es sich dabei um interne Aufzeichnungen handelt, die
hinsichtlich ihres Beweiswertes nicht mit öffentlich geführten Registern zu verglei-
chen sind, die unter Umständen öffentlichen Glauben geniessen. Sie hielt aber
überzeugend dafür, dass die Datenbank aufgrund ihres Zwecks (Inventarisierung
der vom Beschuldigten verwalteten Kunstsammlung) und ihrer auf Belegen basie-
renden Führung sowie der Übereinstimmung der Eintragungen zu Standorten und
Transportwegen der Kunstobjekte mit dem Ergebnis der Hausdurchsuchung (be-
schlagnahmte Belege, Feststellung der Kunstwerke) und den Bestätigungen
durch den Beschuldigten als sehr zuverlässig erscheine (Urk. 81 S. 23-25 mit
Verweis auf die Ausführungen zu den einzelnen Kunstobjekten). Ergänzend kann
erwähnt werden, dass aus den Ausführungen des Beschuldigten selber zu
schliessen ist, dass die Datenbank von langjährigen, zuverlässigen Mitarbeitern
bewirtschaftet wurde (vgl. Urk. 38 S. 16). Wenn der Beschuldigte dem wider-
spricht, indem er geltend macht, das System B._ sei äusserst fehleranfällig,
weil zahlreiche Personen Zugriff auf die Datenbank hätten, die laufend Eintragun-
gen und Mutationen vornähmen, die nicht kontrolliert würden (Urk. 112 S. 25),
blendet er aus, dass die von der Vorinstanz richtig beschriebenen Umstände eben
dagegen sprechen, dass sich allfällige Systemrisiken verwirklicht haben. Dass er,
der offenbar ein militärisches Führungsverständnis hat (vgl. Urk. 4/8.1.3. S. 4;
Urk. 38 S. 17), systematische Nachlässigkeiten bei der Bewirtschaftung der Da-
tenbank B._ durch seine Angestellten geduldet hätte, ist denn auch mehr als
- 31 -
unwahrscheinlich. Das bedeutet nicht, dass die an sich als sehr zuverlässig be-
wertete Datenbank B._ nicht auch Fehler aufweisen kann. Die theoretische
Möglichkeit einzelner Fehler schmälert aber ihren (vom Beschuldigten in Frage
gestellten) grundsätzlichen Beweiswert nicht und hinderte die Vorinstanz (unge-
achtet der Bezeichnung des Inhalts der Datenbank als Indiz) nicht daran, bei der
Sachverhaltsfeststellung auch auf Eintragungen abzustellen, die sich im Einzelfall
nicht anhand weiterer Unterlagen etc. verifizieren liessen. Blosse abstrakte und
theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und
absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann (vgl. BGer 6B_212/2019 E.
1.3.2). Mit der Sachverhaltsfeststellung im Einzelfall setzt der Beschuldigte sich
wie erwähnt nicht auseinander und legt folglich auch nicht dar, dass bzw. warum
in einem konkreten Kontext davon auszugehen ist, dass eine von der Vorinstanz
berücksichtigte Eintragung fehlerhaft und die damit zusammenhängende Sach-
verhaltsfeststellung zu seinem Nachteil qualifiziert falsch ist. Dass dem so wäre,
ist denn auch nicht ersichtlich.
4. Der Beschuldigte macht weiter geltend, die Vorinstanz sei mit ihrer Feststel-
lung, die betroffenen Kunstgegenstände seien ohne Zollanmeldung in die
Schweiz eingeführt worden, in Willkür verfallen. Sie stütze ihre Feststellung auf
einen schriftlichen Bericht von Zollfahndungsinspektor N._ und dessen Aus-
sagen vor Gericht (Urk. 95 Rz 129). Entgegen der Vorinstanz lasse sich die An-
klage damit aber nicht belegen. Die von der Zollbehörde vorgelegte Liste (Urk.
30/3) lasse keine verlässliche Beurteilung zu, ob die Nachforschungen im EDV-
System E-DEC vollständig gewesen seien, d.h. ob sie alle relevanten Kunstobjek-
te erfasst habe oder nach welchen Kriterien konkret gesucht worden sein könnte.
Im Gegenteil habe die Befragung von Zollfahndungsinspektor N._ bestätigt,
dass nie anhand der Namen der Werke gesucht worden sei. N._ habe auch
festhalten müssen, dass man natürlich nicht ausschliessen könne, dass bei einer
elektronischen Einfuhranmeldung der Deklarant vielleicht Fehler gemacht und
nicht alles richtig deklariert habe. Die logische Konsequenz daraus sei, dass ein
Objekt bei einer elektronischen Suche nicht auftauche, obschon es korrekt dekla-
riert worden sei. Der angefochtene Entscheid blende diese logisch zwingende
Folge ohne sachlichen Grund aus. Selbstverständlich könne auch die persönliche
- 32 -
Einschätzung des Zeugen, sie hätten "gründlich gearbeitet" den gänzlich fehlen-
den Sachbeweis nicht ersetzen. Dass ihm und/oder anderen Mitgliedern seines
sechsköpfigen Teams bei den Abklärungen Fehler unterlaufen seien, könne nicht
ausgeschlossen werden. Davon sei nach dem üblichen Lauf der Dinge sogar
auszugehen. Nachdem sich die Qualität der Abklärungen mangels Belegen nicht
hinreichend überprüfen lasse, sei es willkürlich anzunehmen, die Abfragen im zoll-
internen EDV-System E-DEX seien umfassend und vollständig erfolgt (Urk. 95 Rz
130). Weiter nehme die Vorinstanz zu Unrecht an, eine Einfuhr der relevanten
Kunstobjekte als Privatware sei nicht möglich gewesen. Dies sei eine unbelegte
und deshalb willkürliche Annahme. Tatsächlich bestehe keinerlei Gewähr dafür,
dass die fraglichen Objekte nicht über die Flughäfen O._, P._ oder
Q._ eingeführt worden seien. Von Zollfahndungsinspektor N._ wisse
man auch, dass nie abgeklärt worden sei, ob die Kunstwerke irgendwo auf dem
Landweg eingeführt worden seien. Bei dieser Ausgangslage bleibe es ohne weite-
res denkbar, dass die relevanten Kunstwerke an kleineren Zollstellen von wenig
routinierten Zollbeamten als Privatware erfasst und deshalb nie im EDV-System
E-DEC erfasst worden seien. Allein der Umstand, dass sie dadurch rechtlich al-
lenfalls nicht korrekt erfasst worden sein könnten, schliesse nicht aus, dass es
trotzdem passiert sei. Im Gegenteil. Die Zollbehörden selbst hätten diese Mög-
lichkeit ja ernsthaft in Betracht gezogen. Gerade weil sie eine fehlerhafte Erfas-
sung für möglich gehalten hätten, hätten sie im November 2017 auch die Auszüge
der Registrierkasse der Einreisezollstellen S._ und R._ einverlangt, aus
denen eine Einfuhr von Kunstobjekten als Privatware ersichtlich gewesen wäre
(Urk. 95 Rz 133). Tatsächlich bleibe es mehr als nur theoretisch denkbar, dass
die relevanten Kunstwerke ordnungsgemäss in die Schweiz eingeführt, von den
Zollbehörden aber nie entdeckt worden seien (Urk. 95 Rz 134). Damit bleibe es
dabei, dass aufgrund der Akten und der Abklärungen der Zollbehörden die These
der Anklage sich nicht belegen lasse. Es lasse sich nicht mit genügender Sicher-
heit ausschliessen, dass für die in der Anklage aufgeführten Werke keine Ein-
fuhrdokumente existierten (Urk. 95 Rz 135). Dabei sei auch zu berücksichtigen,
dass angesichts der bloss unvollständigen und deshalb ungenügend dokumen-
tierten Abklärungen der Zollbehörden, denkbar bleibe, dass eine andere Person
- 33 -
oder Gesellschaft aus dem Kreis potentieller Zollschuldner gemäss Art. 70 Abs. 1
ZG ein konkretes Objekt angemeldet und versteuert haben könnte. Dies könnte
man nur ausschliessen, wenn aus den Akten ersichtlich wäre, dass auch nach
dieser Person oder Gesellschaft gesucht worden, die Abklärung aber negativ ver-
laufen sei (Urk. 95 Rz 136 f.).
Wenn der Beschuldigte geltend macht, es sei willkürlich, anzunehmen die Abfra-
gen im zollinternen EDV-System E-DEC seien umfassend und vollständig erfolgt,
ist seine Kritik im Ansatz falsch. Die Vorinstanz ging in ihrer Argumentation zwar
davon aus, dass Zollfahndungsinspektor N._ schlüssig und nachvollziehbar
erklärt habe, wie bei der Nachforschung nach Verzollungsunterlagen vorgegan-
gen worden sei (Urk. 81 S. 182) und sah auch keinen Anlass, an dessen Aussage
zu zweifeln, dass die Suchanfragen in der Datenbank E-DEC nach Unternehmun-
gen, Künstlern und der für Kunsteinfuhren massgeblichen Zolltarif-Kategorie keine
Treffer ergeben hatten (Urk. 81 S. 182 f.). Sie nahm aber nicht an, die Abfragen
im zollinternen EDV-System E-DEC seien zwingend lückenlos und das von
N._ bezeugte Ergebnis derselben damit zweifelsfrei korrekt. Vielmehr folger-
te sie lediglich, dass aufgrund des Suchergebnisses bei der Datenbank E-DEC
vieles dafür spreche, dass bei den inkriminierten Kunstwerken keine Einfuhrver-
zollung vorgenommen worden sei (Urk. 81 S. 183). Entgegen den Ausführungen
des Beschuldigten liegt dem angefochtenen Entscheid sodann auch nicht die An-
nahme zugrunde, dass eine Einfuhr der relevanten Kunstobjekte als Privatware
tatsächlich gar nicht möglich war. Der Vorderrichter hält zwar fest, eine Einfuhr
über die Reisendenabfertigung sei gar nicht möglich gewesen (Urk. 81 S. 182).
Diese Aussage bezieht sich in ihrem Gesamtzusammenhang aber auf die rechtli-
che Lage und nicht auf die tatsächliche Möglichkeit, folgt sie doch auf die rechtli-
che Qualifikation der Kunstwerke als Privatwaren (a.a.O) und unterscheidet die
Vorinstanz an anderer Stelle zwischen der mündlichen Abfertigung, die aufgrund
der Qualifikation der inkriminierten Kunstwerke als Handelsware nicht möglich
gewesen wäre, und der Möglichkeit einer allenfalls (unzulässigen) Einfuhr mit
mündlicher Abfertigung im Reisendenverkehr (Urk. 81 S. 185), welche sie bei ei-
ner Gesamtbetrachtung der Beweislage aber für vernachlässigbar hält. Die Fest-
stellung der Vorinstanz, die betroffenen Kunstgegenstände seien ohne Zollanmel-
- 34 -
dung in die Schweiz eingeführt worden, beruht denn auch, anders als der Be-
schuldigte mit seiner Kritik nahelegt, nicht allein auf dem schriftlichen Bericht (Urk.
29) und den Zeugenaussagen von Zollfahndungsinspektor N._ (Urk. 50),
gemäss welchen die zollinterne Suche nach Verzollungsunterlagen erfolglos
blieb, sondern auf einer Gesamtwürdigung der Aktenlage, in die u.a. auch ein-
floss, dass bei den Hausdurchsuchungen in der Villa C._ in der vom Be-
schuldigten geführten Kunstabteilung und bei den bevorzugten Speditionsunter-
nehmungen T._ AG und U._ AG keine Einfuhrverzollungsdokumente zu
den anklagebildenden Kunstwerken gefunden wurden (Urk. 81 S. 183), der Be-
schuldigte keine Erklärung dafür lieferte, dass weder in seinem Einflussbereich
noch in demjenigen der Zollbehörden oder Speditionsunternehmungen Verzollun-
gen oder nur schon Anhaltspunkte dafür vorgefunden wurden (Urk. 81 S. 184)
und er im laufenden Zollstrafverfahren die Grundhaltung offenbarte, geltende Ein-
fuhrvorschriften nicht oder nur nach seinem Gutdünken zu befolgen (Urk. 81 S.
184 f.). Dass die zollinterne Suche nicht alle denkbaren Einfuhrvarianten abdeck-
te, übersah die Vorinstanz bei ihrer Argumentation nicht (Urk. 81 S. 185 f.).
Bei ordnungsgemässem Vorgehen fallen im grenzüberschreitenden Warenver-
kehr auf staatlicher und auf privater Seite Urkunden oder andere Aufzeichnungen
an, die Hinweise auf zollrechtlich relevante Vorgänge geben. Das gilt nicht nur für
den Verkehr mit Handelswaren und gewerblich genutzte Waren, sondern auch für
den Verkehr mit privaten Waren und dabei namentlich auch für die mündliche Ab-
fertigung über die Registrierkasse, bei welcher Daten der Registrierkasse und all-
fällige Zahlungsverkehrsdaten anfallen, und, was notorisch ist, Zahlungsquittun-
gen ausgestellt und vorgelegte Belege wie Rechnungen mit dem Zollstempel ver-
sehen werden. Der Abgleich der Daten aus verschiedenen Quellen erlaubt es so-
dann in aller Regel, mögliche Fehler in den Daten der einen Quelle durch die Da-
ten aus der anderen zu kompensieren. Fehlen trotz sachgerechter Nachforschun-
gen Unterlagen oder andere Aufzeichnungen auf staatlicher und auf privater Seite
kann daher willkürfrei darauf geschlossen werden, dass eine Einfuhrverzollung
nicht stattgefunden hat, sofern die nicht existente Datenspur unter Berücksichti-
gung der gesamten Umstände des Einzelfalls nicht unproblematisch erklärt wer-
den kann und keine andere konkrete Hinweise auf eine erfolgte Verzollung vorlie-
- 35 -
gen. Blosse abstrakte und theoretische Zweifel, die sich daraus ergeben können,
dass Fehler bei der Zollanmeldung, bei deren Bearbeitung, bei der Auswertung
von Unterlagen und Daten und Nachlässigkeiten bei der Aufbewahrung von Un-
terlagen und Aufzeichnungen immer vorkommen können, sind nicht massgebend
(vgl. BGer 6B_212/2019 E. 1.3.2).
Vorliegend tätigten die Zollbehörden zollseitig Nachforschungen in den E-DEC-
Datenbanken und an den Zollstellen S._ und R._. Dass die Abklärungen
an den Zollstellen S._ und R._ sachgerecht und gründlich erfolgten,
stellt der Beschuldigte zu Recht nicht in Frage. Zu den Nachforschungen in den
E-DEC-Datenbanken liegen - nebst einem schriftlichen Bericht - die Aussagen
von N._ vor, der als Zeuge bestätigte, dass er als verantwortlicher Sachbe-
arbeiter für die Untersuchung gegen den Beschuldigten meistens selber oder
dann mit Kollegen, aufgrund der Untersuchungsdaten und den Einkaufsrechnun-
gen, die sie erhoben hätten, nach den Kunstwerken, Künstlernamen und nach
den involvierten Firmen gesucht hätten. Man habe laufend neue Erkenntnisse ge-
habt und habe immer wieder überprüft, ob man die Kunstwerke, um welche es
gegangen sei, in der Datenbank finde. Er habe im Verlauf der gesamten Ermitt-
lung ca. 500 Kunstwerke im E-DEC-System überprüft und bei den Nichtanmel-
dungen keine Einfuhrabfertigungen gefunden (Urk. 50 S. 4 f., 7 f., 12). Seine per-
sönliche Einschätzung, sie hätten sehr gründlich gearbeitet (Urk. 50 S. 17), kor-
respondiert mit dieser Beschreibung. Ferner ergibt sich aus seinen Aussagen,
dass die Abfragen nach den Kriterien erfolgte, die sich aus Urk. 30/3 ergeben
(Urk. 50 S. 7 ff., 17), also nach Unternehmungen und Künstlern und nach Kapitel
97, den Kunsteinfuhren (Urk. 50 S. 7; vgl. Urk. 81 S. 182). Gründe, den Aussagen
des Zeugen zu misstrauen, bestehen, wie bereits die Vorinstanz willkürfrei fest-
stellte (Urk. 81 S. 183), keine. Dass die Behauptung des Beschuldigten, die Zoll-
behörden, hätten systematisch einseitig ermittelt, nicht zu hören ist, wurde bereits
ausgeführt. Die Aussagen des Zeugen persönlich sind sodann frei von unsachli-
chen Äusserungen. Er betonte zwar, genau gearbeitet und die aus seiner Sicht
nötigen Abklärungen getätigt zu haben, verabsolutierte seine Sichtweise aber
nicht und versuchte auch nicht, den Eindruck zu erwecken, dass das Ergebnis
seiner Nachforschungen absolut zuverlässig sei (Urk. 50 S. 4 ff., namentlich S. 9
- 36 -
f. und 14). Gestützt auf seine Aussagen ist folglich davon auszugehen, dass er
und sein Team in den E-DEC-Datenbanken gründlich nach den betroffenen
Kunstwerken suchten und dabei Abfragen nach potentiell involvierten Unterneh-
men, Künstlern und nach Kapitel 97 (Kunsteinfuhren) tätigten, ohne fündig zu
werden. Richtig ist, dass nicht auch nach den Namen der Werke gesucht wurde.
Die gewählten Suchkriterien waren jedoch sachgerecht und geeignet, die ein-
schlägigen Einfuhrverzollungen selbst in dem Fall zu finden, dass bei deren Er-
fassung einzelne Fehler passiert sein sollten; die Suche auch noch nach Wer-
knamen war entbehrlich. Wenn die Vorinstanz zum Schluss kam, dass bereits
aufgrund des Suchergebnisses bei der Datenbank E-DEC vieles dafür spreche,
dass bei den inkriminierten Kunstwerken keine Einfuhrverzollung vorgenommen
wurde, kann ihr jedenfalls nicht vorgeworfen werden, sie habe Sinn und Tragweite
des schriftlichen Berichts und des Zeugnisses von N._ bzw. des Ergebnisses
der von ihm bezeugten Nachforschungen in den E-DEC-Datenbanken offensicht-
lich verkannt. Im Einflussbereich des Beschuldigten, namentlich in der Villa
C._ und in der dort vom Beschuldigten geführten Kunstabteilung, sowie bei
den vorliegend relevanten Speditionsunternehmungen T._ AG und U._
AG wurden sodann Hausdurchsuchungen durchgeführt und umfangreiche Akten
sichergestellt. Einfuhrverzollungsdokumente zu den anklagegegenständlichen
Kunstwerken wurden dabei nicht gefunden; auch der Beschuldigte behauptet
nichts anderes. Die Vorinstanz führte dazu unter Hinweis auf Urk. 4/8.1.3 S. 5
aus, dass die Kunstabteilung laut den Aussagen des Beschuldigten die Aufgabe
habe, ihn bei den Einkäufen/Ersteigerungen von Kunstwerken zu unterstützen,
den Transport von Kunstwerken zu organisieren, die Zollabwicklung bei Ein- und
Ausfuhr und Zolllagerung von Kunstwerken zu erledigen sowie die Kunstwerke in
der Datenbank B._ elektronisch zu erfassen und zu verwalten. Dass hierzu
auch die Aufbewahrung allfälliger Einfuhrverzollungsunterlagen gehöre, verstehe
sich von selbst und sei in anderen Fällen auch so gehandhabt worden, wobei sie
auf die vorhandenen Einfuhrdeklarationen in den angeklagten Fällen von
Falschanmeldungen verwies (Urk. 81 S. 183). Mit anderen Worten lägen in der
mit Akribie geführten Kunstverwaltung des Beschuldigten sowie in den bei der
T._ AG und der U._ AG erhobenen über 600 Speditionsdossiers zu je-
- 37 -
dem der inkriminierten Kunstwerke umfangreiche Unterlagen (Verkaufsdokumen-
tationen, Rechnungen, Transportaufträge, Transportlisten, E-Mail-Verkehr, Ver-
packungsaufträge etc.) vor, aber keine Einfuhrverzollungen. Gegen diese Fest-
stellung wendet sich der Beschuldigte zu Recht nicht. Teil der umfangreichen Un-
terlagen zu den inkriminierten Kunstwerken sind, das ist ergänzend festzuhalten,
namentlich auch Zollunterlagen und weitere Dokumente (E-Mails, Transportauf-
träge, Transportrechnungen etc.), aus denen sich Hinweise auf Zollvorgänge in
der Schweiz und im Ausland ergeben (vgl. statt vieler Urk. 4/6.1.68, Ordner 2,
Register 3, pag. 000082 f.; Ordner 2, Register 4, insbes. pag. 000022, 000024-27,
36 f., 44, 55, 62, 79; Ordner 4, Register 1, pag. 000016, 19, 54-56, 59, 71, 111 f.,
136-138, 165-185, 189, 194, Register 2, pag. 000012, 20, 28-31, 63-66, 75-80,
Ordner 7, Register 2 pag.000011 f.,17f., 20-22, 24 f., Ordner 18, Register 2, pag.
000025, 55 f., 64, Register 3, pag. 000025, 33-36, 50, 53, 56-58, 74-80, 87-89,
92, 103, Ordner 25, Register 5, pag. 000042, Register 13, Urk. 10/1 und 10/3,
Ordner 30, Register 11, pag. 000026, 29, 34-36, 40-41, Ordner 32, Register 16,
pag. 000010-35, 000039-43). Sie betreffen nicht alle (nur) die inkriminierten
Kunstwerke und sind teilweise auch mehrfach abgelegt, zeigen aber gleich wie
die im Zusammenhang mit den Falschanmeldungen sichergestellten Dokumente
(Urk. 4/6.1.68, Ordner 35-48) konkret, dass auch im Einflussbereich des Beschul-
digten und/oder der von ihm bevorzugten Speditionsfirmen regelmässig Doku-
mente aufbewahrt wurden, die Zollvorgänge (Ausfuhrabfertigungen, Transitverzol-
lungen etc.) dokumentieren oder auf solche hinweisen. Wenn die Vorinstanz dafür
hält, dass das Nichtvorhandensein von sachdienlichen Unterlagen im Einflussbe-
reich des Beschuldigten und bei den relevanten Speditionsunternehmungen unter
den gegebenen Umständen ein Indiz für eine fehlende Einfuhrverzollung sei (Urk.
81 S. 184), verfällt sie auch damit nicht in Willkür bzw. ist ihr beizupflichten.
Hinweise darauf, dass die anklagegegenständlichen Kunstgegenstände bei ihrer
Einfuhr trotz ergebnisloser Suche nach entsprechenden Unterlagen in den E-
DEC-Datenbanken und an den Zollstellen S._ und R._ einerseits und im
Einflussbereich des Beschuldigten und der von ihm für Kunsttransporte bevorzug-
ten Unternehmen andererseits verzollt wurden, fehlen. Der Beschuldigte selber
liefert trotz seiner Nähe zur Sache keine substantielle Erklärung dafür, weshalb
- 38 -
jegliche Dokumente, die auch nur einen Anhaltspunkt für eine Einfuhrverzollung
der interessierenden Gegenstände liefern könnten, allerorten fehlen. Wenn er im
Berufungsverfahren eine Einfuhr der fraglichen Objekte über die Flughäfen
O._, P._, Q._ oder auf dem Landweg und/oder durch "andere Per-
sonen oder Gesellschaften (aus dem Kreis potentieller Zollschuldner)" erwähnt,
äussert er sich sodann nur theoretisch zu potentiellen Einfuhrvarianten. Krasseste
Fehlleistungen seitens der Zollbehörden ausgeklammert, fallen im Übrigen auch
bei den von ihm erwähnten Einfuhrvarianten zollseitig und beim Einführenden Da-
ten und Dokumente an. Zollseitig wurden bei den vom Beschuldigten mit seinem
Privatflugzeug unbestritten hauptsächlich angeflogenen Flughäfen S._ und
R._ keine Hinweise auf eine erfolgte Abfertigung im Reisendenverkehr ge-
funden. Und auch im Einflussbereich des Beschuldigten und bei den von ihm be-
vorzugten Transportunternehmen fand sich im Rahmen umfangreicher Haus-
durchsuchungen nichts, was auch nur für eines der inkriminierten Werke auf eine
Einfuhr im Reisendenverkehr oder auf andere Einfuhrvarianten weisen würde,
obwohl das nach dem Erwogenen zu erwarten gewesen wäre, wenn eine solche
erfolgt wäre. Der Beschuldigte behauptet auch nicht, dass entsprechende An-
haltspunkte irgendwo zu finden gewesen wären. Auch das erkannte die Vo-
rinstanz richtig.
Wenn die Vorinstanz bei dieser Ausgangslage bei einer Gesamtwürdigung der
Beweislage - zu der auch die vom Beschuldigten im Zollverfahren manifestierte
Grundhaltung zählt, die die Vorinstanz richtig beschreibt - zum Schluss kam, es
bestünden keine vernünftigen Zweifel daran, dass hinsichtlich der anklagegegen-
ständlichen Kunstgegenstände keine Einfuhrverzollung vorgenommen worden sei
(Urk. 81 E. IV 4.3), verfiel sie damit nicht in Willkür. Vielmehr ist ihr beizupflichten.
5. Der Beschuldigte rügt weiter, die Vorinstanz habe ihm in den Fällen 56 B,
60, 154, 156, 214, 221, 224, 225, 226, 248, 249, 261, 262, 271, 277, 279, 297,
301 ("Div. Drei Zierwaren von Carl Fabergé, Ziff. IV.4.2.26/S. 91"), 398 ("Div. Drei
Zierwaren von Carl Fabergé, Ziff. IV.4.2.26/S. 91"), 409 ("Div. Drei Zierwaren von
Carl Fabergé, Ziff. IV.4.2.26/S. 91"), 307, 308, 417, 327, 345, 351, 354, 355, 400,
408, 358, 407, 413, 360, 361, 406, 362, 363, 367, 373, 375, 420, 501, 502, 376,
- 39 -
386, 388, 390, 392-1 bis 392-21 ("Div. 21 Spazierstöcke mit Ständer, Ziff.
IV.4.2.55/S. 147"), 395, 397, 399, 403, 401, 402, 410, 411, 412, 414 und 423 bis
428 ("Div. Sieben Objekte (Zierwaren) von Carl Fabergé, Ziff. IV.4.2.63/S. 161"),
416, 418, 431, 494, 504, 436, 513 handschriftliche Anmerkungen auf Kaufquittun-
gen oder Rechnungen etc. willkürlich zugerechnet. Die Vorinstanz habe die unbe-
legte Behauptung der Zollbehörde unkritisch übernommen, indem sie in allen auf-
geführten Fällen ohne jede Grundlage behaupte, der Beschuldigte habe die jewei-
ligen Rechnungen zur Bezahlung freigegeben. Dieser Beweis sei nicht erbracht.
Die anderslautenden, aber nicht belegten Behauptungen der Vorinstanz seien
willkürlich (Urk. 95 Rz 139-145; zu Fall 439 vgl. E. II.1.2).
In den Fällen Nr. 301, 398, 409 rechnet die Vorinstanz dem Beschuldigten keine
handschriftlichen Bemerkungen auf einer Rechnung o.ä. zu. Sie stellte auch nicht
fest, der Beschuldigte habe eine Rechnung zur Zahlung freigegeben (vgl. Urk. 81
S. 91-94 [E. IV.4.2.26]).
Im Zusammenhang mit Fall Nr. 56 B ("Décor de Théâtre" von Alexandra Exter)
hält die Vorinstanz an der vom Beschuldigten bezeichneten Stelle in der Urteils-
begründung (Urk. 81 S. 28) fest, der Beschuldigte habe die Rechnung vom 17.
September 2009 am 22. September 2009 zur Bezahlung freigegeben, indem er
diese handschriftlich mit seinem Kürzel versehen habe. Die Feststellung verband
sie u.a. mit dem Hinweis auf Seite 8 der Einvernahme des Beschuldigten vom 17.
Juni 2013 (Urk. 4/8.1.2). Dort erklärte der Beschuldigte zu Fall Nr. 324 befragt auf
Vorhalt der Rechnung Nr. 2027 vom 14. Mai 2012 von der Firma V._ Ltd. an
W._ Inc. für den Verkauf des Kunstwerks Alpine Landschaft von Gottardo
Segantini und die Frage, wem das dort unter dem Betrag von EURO 105'000.–
angebrachte Kürzel gehöre, es gehöre ihm und bedeute, dass die Buchhaltung
die Zahlung auslösen könne. Auch auf anderen Zahlungsbelegen bedeute sein
Kürzel das Gleiche. Bei der dem Beschuldigten im Rahmen der Einvernahme vom
17. Juni 2013 zu Fall Nr. 324 vorgehaltenen Rechnung handelt es sich um Urk.
4/6.1.68, Ordner 46, Register 3, pag. 000003. Dort findet sich unter dem Betrag
von EUR 105'000.– der handschriftliche Vermerk, den sich der Beschuldigte sel-
ber zurechnet, und der in der Einvernahme als Kürzel bezeichnet wird. Er ent-
- 40 -
spricht in seinem Erscheinungsbild dem handschriftlichen Vermerk in der unteren
rechten Ecke auf der erwähnten Rechnung vom 17. September 2009 betreffend
die Arbeit "Décor de Théâtre" von Alexandra Exter (Urk. 4/6.1.68, Ordner 2, Re-
gister 2, pag. 000001). Dass er keine Ähnlichkeit mit den Kurzzeichen aufweist,
die der Beschuldigte im Rahmen des vorliegenden Verfahrens auf den Einver-
nahmeprotokollen anbrachte, trifft zu, erklärt sich allerdings damit, dass der als
"sein Kürzel" bezeichnete handschriftliche Vermerk tatsächlich "ok/[Datum]" lau-
tet. Die Rechnungen (vgl. Urk. 81 S. 30, 39, 41 f., 56, 65, 68, 70, 73, 75, 78, 83,
85, 89, 97, 99, 104, 106, 115, 116, 118, 120, 122, 128, 134, 138, 140, 141, 143,
144, 146, 147, 150, 153, 155, 156, 158, 160, 164, 167, 170, 176), die der Be-
schuldigte gemäss den Feststellungen der Vorinstanz auch in den Fällen 60, 154,
156, 214, 221, 224, 225, 226, 248, 249, 261, 262, 277, 279, 297, 308, 417, 327,
345, 351, 354, 355, 400, 408, 358, 407, 413, 362, 363, 367, 373, 375, 420, 501,
502, 376, 386, 388, 390, 392-1 bis 392-21, 395, 399, 403, 401, 402, 410, 411,
412, 416, 431, 494 und 513 handschriftlich zur Bezahlung freigab, tragen den
Vermerk, den sich der Beschuldigte selber zuschreibt und der gemäss seiner
Aussage bedeutet, dass die Buchhaltung die Zahlung auslösen kann, ebenfalls.
Den inhaltlich leicht veränderten, ansonsten aber vergleichbaren handschriftlichen
Vermerk "both ok, 21. 03.12" findet sich sodann auch auf der von der Vorinstanz
erwähnten Urk. 4/6.1.68, Ordner 26, Register 7, pag. 000015, welche die Fälle
414 und 423 bis 428 betrifft (vgl. Urk. 4/6.1.68, Ordner 26, Register 7, pag.
000006; Urk. 81 S. 162 [E. IV.4.2.63]). Bei den weiteren Rechnungen, deren Frei-
gabe zur Bezahlung die Vorinstanz dem Beschuldigten zurechnet (Urk. 81 S. 80,
95, 124, 126, 151 f., 165, 171, 173), liegen die Verhältnisse insofern anders, als
ein handschriftlicher Vermerk des Beschuldigten persönlich fehlt, auf Belegen mit
Zahlungsdetails aber die Bemerkungen "UES ok to pay 15/05/06" (Fall 271; Urk.
4/6.1.68, Ordner 16, Register 1, pag. 000004), "OK TO PAY/UES 13.02.13" (Fall
307; Urk. 4/6.1.68, Ordner 19, Register 1, pag. 000002), "gem. LP/UE o.k. to pay
15.06.10" (Fälle 360, 361, 406; Urk. 4/6.1.68, Ordner 21, Register 9, pag.
000012/Register 10, pag. 000010 und Urk. 4/6.1.68, Ordner 25, Register 12, pag.
000005), "ALL OK TO PAY TEL. UES 03.04.12" (Fall 397; Urk. 4/6.1.68, Ordner
25, Register 4, pag. 000006), "GEM. EMAIL UES 20.02.12 OK TO PAY" (Fall
- 41 -
418; Urk. 4/6.1.68, Ordner 27, Register 4, pag. 000003), "TEL. UES 27.02.12 OK
TO PAY" (Fall 504; Urk. 4/6.1.68, Ordner 32, Register 16, pag. 000001) und "UES
ok to pay 14/11/05" (Fall 436; Urk. 4/6.1.68, Ordner 33, Register 1, pag.
000004/1) angebracht sind. Dass auch auf sachliche Beweismittel abgestellt wer-
den darf, wurde bereits erwogen. Ergänzend ist sodann auf die Aussage des Be-
schuldigten vor Vorinstanz hinzuweisen, gemäss welcher nur er Zahlungen betref-
fend die in der Kunstsammlung aufgeführten Objekte habe freigeben dürfen (Urk.
38 S. 19; vgl. auch Urk. 81 S. 212 mit Verweis auf Urk. 4/6.1.68, Ordner 37, Re-
gister 1, pag. 000044.19). Die Feststellung der Vorinstanz, der Beschuldigte habe
die erwähnten Rechnungen zur Zahlung freigegeben, deckt sich folglich entgegen
dessen Auffassung mit der Aktenlage und ist (daher) nicht qualifiziert falsch.
Sie ist im Übrigen für sich alleine für den Ausgang des Verfahrens bedeutungslos.
Bedeutung erlangt sie erst im Zusammenhang mit der Frage, ob dem Beschuldig-
ten die Nicht- und Falschanmeldungen zugerechnet werden können. Insoweit er-
wähnt die Vorinstanz, (a) die handschriftlichen Vermerke des Beschuldigten sel-
ber und (b) die Vermerke der Mitarbeiter des Administrationsbüros mit dem Ver-
weis auf das Einverständnis des Beschuldigten auf (c) nahezu sämtlichen Rech-
nungen, als einen von mehreren Hinweisen auf den bestimmenden Einfluss des
Beschuldigten auf alle Handlungen betreffend die Kunstgegenstände. Auf die
Ausführungen, in denen sich die Vorinstanz mit der diesbezüglichen Beweislage
umfassend auseinandersetzt (Urk. 81 E. IV.6), nimmt der Beschuldigte keinen
Bezug. Diese halten einer Willkürprüfung denn auch ohne Weiteres stand.
6.1 Die Vorinstanz ging im Fall 121 ("Suprematistische Komposition mit Flächen
in Projektion" von Kasimir Malewitsch) in Abweichung von der Anklage, die die
nicht veranlagte und erhobene Einfuhrsteuer auf Fr. 1'251'628.80 bezifferte (Urk.
2B S. 14), von einer geschuldeten Einfuhrsteuer von Fr. 630'257.70 aus (Urk. 81
S. 39). Sie stellte dabei auf Wertangaben ab, die vier Jahre nach dem Kauf der
Arbeit bei einem Transport in das Zollfreilager AA._ gemacht worden waren
und sich gemäss ihrer Feststellung auf USD 8'168'683.– beliefen. Es sei zwar
nicht ersichtlich, was zu dem gemessen am Kaufpreis von USD 16'000'000.–
massiven Wertverlust geführt habe. Im Zweifel sei aber von der für den Beschul-
- 42 -
digten vorteilhafteren Wertangabe auszugehen. Ausgehend von einem Wechsel-
kurs von 1.02930 am 8. November 2009 und einem Mehrwertsteuersatz von 7,6%
resultiere eine Einfuhrsteuerschuld von Fr. 630'257.70 (Urk. 81 S. 36 ff.). Die EZV
rügt, dass die Vorinstanz damit verkenne, dass sich die Wertangabe 8'168'683
auf britische Pfund beziehe. In Anwendung des am 8. November 2009 geltenden
Kurses von 1.70950 (GBP-CHF) hätte sie ausgehend von dem von ihr herange-
zogenen Betrag bei einem Steuersatz von 7,6% auf einen Einfuhrsteuerbetrag
von Fr. 1'046'755.55 kommen müssen, also auf Fr. 416'497.85 mehr als von ihr festgelegt (Urk. 102 S. 7). Abgesehen davon gebe es - so die EZV zusammenge-
fasst - keinen Grund, von einem Wert von USD 16'000'000.– abzuweichen. Die
Zahl 8'056'800 mit der Währung GBP basiere auf dem in der Kunstdatenbank
B._ festgehaltenen Kaufpreis von USD 16'000'000.–, welche jeweils zum ge-
rade gültigen Kurs dem auszustellenden Dokument angepasst worden sei. Die
verschiedenen Zahlen in unterschiedlichen Währungen seien in der Regel auf die
USD 16'000'000.– zurückzuführen, weshalb von einem massiven Wertverlust, wie
ihn die Vorinstanz annehme, nicht die Rede sein könne. Jedenfalls habe das Ge-
richt die Bedeutung der Zahl 8'056'800 als eine auf Basis der USD 16'000'000.–
erfolgtes Umrechnungsresultat klarerweise verkannt, weshalb bei der Einfuhr-
steuerbemessung auf die USD 16'000'000.– abzustellen sei. Dies ergebe in An-
wendung des zu Recht vom Gericht verwendeten Umrechnungskurses von
1.02930 den Betrag von Fr. 16'468'800.– und daraus einen Einfuhrsteuerbetrag in
der Höhe von Fr. 1'251'628.80 (Urk. 102 S. 7-9).
Wie die Vorinstanz richtig ausführt, wurde das in Frage stehende Werk im Febru-
ar 2004 von der Galerie AB._ zum Preis von USD 16'000'000.– erworben
und im März 2008 von der T._ AG vom Zollfreilager nach Grossbritannien
gebracht, bevor es schliesslich im Juli 2008 (zusammen mit anderen Arbeiten)
wieder den Weg in die Schweiz in das Zollfreilager AA._ fand (Urk. 81 S. 36
f.). Bei diesem Rücktransport wurde der Wert des Werkes von der AC._ Ltd
in der "Shipping Invoice Job ref1959/08 - 11th July 2008" mit GBP 8'168'683.31
angegeben (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag. 000122-124 "). Die gleiche
Zahl "8'168'683.31" ist in der Ausfuhranmeldung vom 23. April 2008 unter der
Rubrik "Statistical value" aufgeführt (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag.
- 43 -
000174). In der Exportbewilligung vom 14. Juli 2008 wird der Wert des Werkes
mit GBP 8'056'800.– angegeben (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag.
000149). Die Vorinstanz geht hier fälschlicherweise von Angaben in USD aus
(Urk. 81 S. 37, 39) und verkennt damit die Bedeutung der Wertangaben in den
entsprechenden Dokumenten. Die Rüge der EZV ist folglich berechtigt und die
Höhe der nicht verlangten und erhobenen Einfuhrsteuer deshalb neu zu beurtei-
len.
Die Einfuhr des Werkes von Kasimir Malewitsch erfolgte nach den zu überneh-
menden (richtigen) Feststellungen der Vorinstanz zwischen dem 4. und dem 9.
November 2009 (Urk. 81 S. 37), mithin unter der Herrschaft des alten Mehrwert-
steuergesetzes, das in seinen vorliegend relevanten Teilen inhaltlich allerdings
dem am 1. Januar 2010 in Kraft getretenen revidierten Recht (auf das die Vor-
instanz verweist; vgl. Urk. 81 S. 36) entspricht. Gemäss Art. 76 Abs. 1 lit. b
aMWSTG wird die Einfuhrsteuer bei Einfuhren, die wie vorliegend nicht in Erfül-
lung eines Veräusserungsgeschäfts erfolgen, auf dem Marktwert des eingeführten
Gegenstandes erhoben. Bestehen Zweifel an der Richtigkeit der Deklaration oder
fehlen Wertangaben, kann die Steuerbemessungsgrundlage nach pflichtgemäs-
sem Ermessen geschätzt werden (Art. 76 Abs. 4 aMWSTG). Für die Ermittlung
der Bemessungsgrundlage herangezogene Preis- oder Wertangaben in ausländi-
scher Währung sind nach dem am letzten Börsentag vor der Entstehung der Ein-
fuhrsteuerschuld notierten Devisenkurse (Verkauf) in Schweizerfranken umzu-
rechnen (Art. 76 Abs. 5 aMWSTG).
Die Arbeit von Kasimir Malewitsch wurde gemäss der mit Februar 2004 datierten
Rechnung der Galerie I._ Zug von der Galerie AB._ für USD
16'000'000.– gekauft, wobei Ratenzahlung vereinbart wurde (Urk. 4/6.1.68, Ord-
ner 4, Register 1, pag. 000087). Acht Teilrechnungen über je USD 2'000'000.– mit
Kontierungsstempeln wurden in den Buchhaltungsunterlagen in der Villa C._
(Ordner der Galerie AB._) gefunden, wobei Buchungsdatum und Referenz-
nummer jeweils den Angaben zum Kaufpreis in der Kunstdatenbank B._ ent-
sprechen (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag. 000001, 000006-000013, Act.
204). Angaben zum Versicherungs- und/oder Schätzwert enthält die Kunstdaten-
- 44 -
bank B._ nicht (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag. 000001 f.). Aus der
Lagersturzliste AD._ ist ersichtlich, dass das Werk dort per 11. Februar 2008
mit einem Wert von Fr. 19'500'000.– eingelagert war (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4,
Register 1, pag. 000014), was beim damaligen Wechselkurs (Devisenkurs [Ver-
kauf] gemäss www.ezv.admin.ch) von 1.10590 einem über dem Kaufpreis liegen-
den Betrag in USD entsprach. Im Zeitpunkt der Einlagerung am 19. April 2004
(vgl. Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag. 000043, 000069; Wechselkurs
1.298) entsprach der angegebene Wert gut 15 Millionen Schweizerfranken. Mitte
März 2008 wurde das Werk nach London ausgeführt, wo die AC._ Ltd. am
18. März 2008 den Empfang bestätigte (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag.
000066 und 000071 [AD._-Nr. 13907], pag. 000028 f.). Im April 2008 wurde
es gemäss Eintrag in der Kunstdatenbank B._ auf die AE._ überschrie-
ben (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag. 000002). In der an AE._ ge-
richteten, undatierten Rechnung der Galeria AB._ wird der Preis der Arbeit
wiederum mit USD 16'000'000.– angegeben (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1,
pag. 000005; zur wirtschaftlichen Berechtigung des Beschuldigten an den Vermö-
genswerten vgl. Urk. 81 S. 27, 30). Beim Rücktransport des Werkes aus Grossbri-
tannien ins Zollfreilager AA._ im Juli 2008 wurde der Wert des Werkes von
der AC._ Ltd, die den Transport auf Anweisung und unter Verwendung der
Angaben des Administrationsbüros des Beschuldigten veranlasste (Urk. 4/6.1.68,
Ordner 4, Register 1, Act. 203/11-19), in der "Shipping Invoice Job ref1959/08 -
11th July 2008" (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag. 000122-124 ") und in
der Ausfuhranmeldung (Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag. 000169, 000174,
000182) mit GBP 8'168'683.31 angegeben. In der Exportbewilligung vom 14. Juli
2008 wird der Wert des Werkes mit GBP 8'056'800.– beziffert (Urk. 4/6.1.68, Ord-
ner 4, Register 1, pag. 000149). Bei einem Wechselkurs, der sich im Zeitraum
vom 23. April (Antrag Exportbewilligung; Urk. 4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag.
000182) und dem 14. Juli 2008 grob umrissen zwischen 1.94 und 2.00 (vgl.
www.poundsterlinglive.com/bank-of-england-spot/historical-spot-exchange-rates)
bewegte, lässt sich auch ohne genaue Kenntnis des tatsächlich verwendeten Um-
rechnungskurses feststellen, dass die Wertangaben in den Exportpapieren ihrer
Grössenordnung nach dem Kaufpreis von USD 16'000'000.– entsprechen. Zu-
- 45 -
sammengefasst wurde das in Frage stehende Werk von Kasimir Malewitsch im
Einflussbereich des Beschuldigten, der den Kunstmarkt kennt, bis im Juli 2008
stets mit einem dem Kaufpreis entsprechenden Wert behandelt. Ernstzunehmen-
de Anhaltspunkte dafür, dass dieser danach im Zeitraum bis zur inkriminierten
Einfuhr in die Schweiz anfangs November 2009 sank, bestehen keine; auch in der
Kunstdatenbank B._ fehlen jegliche Hinweise auf einen (drastischen) Wert-
verlust. Die im Zusammenhang mit dem Export mit Transitabfertigung im Privatjet
des Beschuldigten ausgestellte "Proforma Invoice" vom 3. November 2009, in
welcher der Wert der Arbeit mit nur noch Fr. 1'000'000.– angegeben wird (Urk.
4/6.1.68, Ordner 4, Register 1, pag. 000190-000197), geht jede inhaltliche Über-
zeugungskraft ab. Der Export diente einzig dazu, die Voraussetzungen für eine
Einfuhr des Bildes (möglichst) unter Vermeidung der Einfuhrsteuer zu schaffen
(vgl. dazu auch E. VI.3.1.1.); dass der Beschuldigte die Anmeldung unter Angabe
eines zu tiefen Wertes der einzuführenden Kunstgegenstände als Alternative zur
Nichtanmeldung nutzte, ist erstellt. Es ist folglich von einem (geschätzten) Wert
des Werkes im November 2009 von USD 16'000'000.- auszugehen, womit unter
Berücksichtigung eines Wechselkurses von 1.02930 am 8. November 2009 und
einem Mehrwertsteuersatz von 7,6% eine Einfuhrsteuerschuld von Fr.
1'251'628.80 resultiert.
6.2 Die Kunstgegenstände gemäss den Fall-Dossiers 191, 214, 261, 262, 271,
279, 301, 398, 409, 307, 308, 417, 321, 327, 349, 350, 352, 353, 351, 354, 355,
400, 408, 358, 407, 413, 360, 361, 406, 362, 363, 364, 365, 366, 367, 373, 374,
375, 420, 501, 502, 386, 388, 390, 392 [-1 bis -21], 401, 402, 410, 411, 416, 418,
431, 494, 436, 513, 22, 304, 310, 312, 313 und 315 wurden an Auktionen im Aus-
land erworben (Urk. 81 S. 49, 56, 77, 80, 85, 91, 94, 97, 99, 102, S. 104 [Fall
327], 110, 112, 113, 115, 116, 118, 120, 122, 124, 126, 130, 132, 134, 136, 138,
140, 143, 144, 146, 148, 155, 156, 158, 164, S. 165 [Fall 418], 167, 170, 173,
176). Dabei war zusätzlich zum Zuschlagspreis (Hammer Price, Prix d'Adjudicati-
on) ein Aufgeld (Buyer's Premium, Commission ) zu bezahlen, das die Vorinstanz
bei der Berechnung der nicht veranlagten und erhobenen Einfuhrsteuer aber aus
rechtlichen Gründen nicht berücksichtigte (vgl. Urk. 81 S. 51). Die EZV macht gel-
tend, die von der Vorinstanz dabei vertretene Rechtsauffassung sei falsch und die
- 46 -
von dieser berechnete Einfuhrsteuer in den betroffenen Fällen daher zu tief (Urk.
102 S. 9 ff.). Der vorinstanzliche Entscheid leide im Übrigen insofern an einem in-
neren Widerspruch, als die Vorinstanz in den Fällen 56 B, 61, 154, 156, 189, 190,
297, 300 und 376 entgegen der sonst gehandhabten Auffassung kein "Premium"
abgezogen habe (Urk. 102 S. 12 f.).
Der von der Vorinstanz unter Hinweise auf Regine Schluckebier (OFK/MWSTG-
Regine Schluckebier, MWSTG Art. 54 N. 8; vgl. auch Regine Schluckebier, in:
Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson (Hrsg.), N. 43 zu Art. 54 MWSTG) vertretene
Rechtsstandpunkt überzeugt. Der Einfuhrsteuer unterliegt die Einfuhr von Gegen-
ständen einschliesslich der darin enthaltenen Dienstleistungen und Rechte (Art.
52 Abs. 1 lit. MWSTG; Art. 73 Abs. 1 und 2 lit. a aMWSTG). Dienstleistungen
werden demzufolge nur dann von der Einfuhrsteuer erfasst, wenn sie in einem
Gegenstand verkörpert sind (z.B. Computerprogramm auf einem Datenträger;
OFK/MWSTG-Regine Schluckebier, MWSTG Art. 52 N. 8). Von Dritten im Zu-
sammenhang mit dem Abschluss eines Kaufvertrages erbrachte Leistungen sind
im Kaufgegenstand aber nicht verkörpert und daher grundsätzlich nicht Objekt der
Einfuhrsteuer. Die vom Käufer an einen Dritten, z.B. ein Auktionshaus, als Gegen-
leistung für dessen Bemühungen rund um den Abschluss eines Kaufvertrags be-
zahlte Entschädigung (Aufgeld, Buyer's Premium, Kommission etc.) gehört daher
auf der Ebene der Bemessungsgrundlage auch nicht zum (nach Art. 24 MWSTG
bzw. Art. 33 aMWSTG zu bestimmenden) Entgelt im Sinne von Art. 54 Abs. 1 lit. a
MWSTG bzw. Art. 76 Abs. 1 lit. a aMWSTG (vgl. OFK/MWSTG-Felix Geiger,
MWSTG Art. 24 N. 1 letzter Satz). Eine solche könnte in die Einfuhrsteuerberech-
nung nur einbezogen werden, wenn sie zu den nach Art. 54 Abs. 3 MWSTG bzw.
Art. 76 Abs. 3 aMWSTG in die Bemessungsgrundlage einzubeziehenden Ausla-
gen gehören würde, was jedoch nicht der Fall ist: Einbezogen werden können le-
diglich Nebenkosten, die mit dem Befördern oder Versenden zu tun haben
(OFK/MWSTG-Regine Schluckebier, MWSTG Art. 54 N. 42). Zu bemerken ist der
Vollständigkeit halber zudem, dass auch der Marktwert eines Gegenstandes nur
von Dienstleistungen (mit-)bestimmt wird, die in diesem verkörpert sind, und nicht
auch von solchen, die abhängig vom Vertriebskanal und/oder den Bedürfnissen
- 47 -
eines Käufers (z.B. nach Expertise) durch Dritte im Zusammenhang mit dem Er-
werb eines Gegenstandes erbracht werden.
Wenn die Vorinstanz die Einfuhrsteuer in den Fällen 191, 214, 261, 262, 271, 279,
301, 398, 409, 307, 308, 417, 321, 327, 349, 350, 352, 353, 351, 354, 355, 400,
408, 358, 407, 413, 360, 361, 406, 362, 363, 364, 365, 366, 367, 373, 374, 375,
420, 501, 502, 386, 388, 390, 392 [-1 bis -21], 401, 402, 410, 411, 416, 418, 431,
494, 436, 513, 22, 304, 310, 312, 313 und 315 auf der Basis nur des Zuschlags-
preises bestimmte, war das folglich richtig. Soweit sie das Aufgeld entgegen der
von ihr zutreffend vertretenen Rechtsauffassung (versehentlich) in die Berech-
nung der Einfuhrsteuer einbezog, leidet ihr Entscheid, wie die EZV richtig be-
merkt, an einem inneren Widerspruch. Dieser ist zu korrigieren. In Anwendung
der Wechselkurse und Mehrwertsteuersätze gemäss vorinstanzlichem Entscheid
(Urk. 81 S. 29 f., 35, 41, 43, 46, 49, 91, 198) resultieren Einfuhrsteuern von Fr.
1'939.50 (Fall 56 B; Hammer GBP 15'000.–, vgl. Urk. 4/6.1.68, Ordner 2, Register
2, pag. 000001]), Fr. 2'895.80 (Fall 61; Hammer GBP 24'000.–, vgl. Urk. 4/6.1.68,
Ordner 2, Register 4, pag. 000005), Fr. 5'064.50 (Fall 154; Hammer USD
65'000.–, vgl. Urk. 4/6.1.68, Ordner 7, Register 2, pag. 000007), Fr. 32'482.10
(Fall 156; Hammer USD 420'000.–, vgl. Urk. 4/6.1.68, Ordner 7, Register 3, pag.
000003), Fr. 26'669.30 (Fall 189; Hammer GBP 220'000.–, Urk. 4/6.1.68, Ordner
7, Register 5, pag. 000007), Fr. 6'545.15 (Fall 190; Hammer GBP 55'000.–, vgl.
Urk. 4/6.1.68, Ordner 8, Register 1, pag. 000003), Fr. 49'742.70 (Fall 297; Ham-
mer 850'000.–, vgl. Urk. 4/6.1.68, Ordner 18, Register 3, pag. 000004) und von
Fr. 1'388.80 (Fall 300; Hammer GBP 17'000.–; vgl. Urk. 4/6.1.68, Ordner 44, Re-
gister 1, pag. 000002 f., 000014). Im Fall 376 belief sich der Rechnungsbetrag auf
USD 7'500.–; er beinhaltet ein Aufgeld von 25%. Der Zuschlagpreis machte folg-
lich USD 6'000.– aus. Die Vorinstanz gab die Beträge zwar fälschlicherweise in
GPB an, legte der Berechnung der Einfuhrsteuer aber den von der EZV publizier-
ten (vgl. Urk. 81 S. 29; Art. 54 Abs. 1 lit. a MWSTG) USD-Wechselkurs zugrunde,
der am 15. Februar 2012 0.92700 betrug (Urk. 81 S. 141 ff.). Bei einem Mehr-
wertsteuersatz von 8% resultiert eine Einfuhrsteuer von Fr. 445.–.
- 48 -
Zu betonen ist allerdings auch, dass die exakte Höhe der hinterzogenen Steuer
und damit die Kontroverse um den Einbezug des Aufgeldes in die Bemessungs-
grundlage für den Ausgang des Verfahrens letztlich ohne Bedeutung ist. Die Höhe
der hinterzogenen Einfuhrsteuer ist für die rechtliche Würdigung nicht massge-
blich. Übersteigt die hinterzogene Einfuhrsteuer im Einzelfall Fr. 800'000.– nicht,
spielt deren genaue Höhe für die Bestimmung des Strafrahmens sodann keine
Rolle. Und innerhalb des Strafrahmens orientiert sich die Strafe seit dem Inkraft-
treten des revidierten Mehrwertsteuergesetzes nicht mehr am Erfolg, sondern am
Verschulden, wobei es bei dessen Bewertung genügt, die Grössenordnung des
Deliktserfolges, der einer der Tataspekte ist, zu gewichten. Bei mehrfacher Tat-
begehung ist die Gesamtbusse sodann nach dem Asperationsprinzip festzulegen,
bei dem sich die Einzelstrafen unproportional auswirken (BGer 6P.66/2006 E. 4;
BGer 6B_56/2017 E. 2.2.; vgl. zum Ganzen auch E. VI.1.2). Das alles führt in der
Summe dazu, dass vorliegend Abweichungen bei den einzelnen Deliktsbeträgen
nach oben oder unten, auch wenn sie im Einzelfall einige tausend Franken betra-
gen, die Höhe der Gesamtbusse nicht verändern. Eine Ausnahme bildet in dieser
Hinsicht einzig Fall 121, der als schwerste Tat den Strafrahmen bestimmt und als
Ausgangspunkt für die konkrete Strafzumessung entscheidend ist.
7.1 Soweit ein solches noch zu ergehen hat (vgl. E. II.1.2, E. III.2.), ist dem Ur-
teil zusammengefasst der von der Vorinstanz (willkürfrei) festgestellte Sachverhalt
zugrunde zu legen (Urk. 81 E. IV.4. bis IV.7. und IV. 8.3). Vorbehalten bleiben die
Korrekturen hinsichtlich der Höhe der nicht veranlagten und erhobenen Einfuhr-
steuer in den Fällen 121, 56 B, 61, 154, 156, 189, 190, 297, 300 und 376 (vorste-
hend E. IV.6.).
7.2 Die rechtliche Würdigung des erstellten Sachverhaltes als mehrfache vor-
sätzliche Hinterziehung der Steuer im Sinne von Art. 85 Abs. 1 aMWSTG bzw.
Art. 96 Abs. 4 lit. a MWSTG trifft zu und wurde als solche auch von keiner Seite
beanstandet. Es kann auch insoweit auf die Ausführungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (Urk. 81 E. IV.8).
8. Zusammengefasst ist das Verfahren in den Fall-Dossiers 368 bis 372, 404,
438, 461 und 465 einzustellen. Sodann ist der Beschuldigte der mehrfachen vor-
- 49 -
sätzlichen Hinterziehung der Steuer im Sinne von Art. 85 Abs. 1 aMWSTG bzw.
Art. 96 Abs. 4 lit. a MWSTG schuldig zu sprechen (Fall-Dossiers 56 B, 60, 61,
121, 154, 156, 189, 190, 191, 192, 214, 215, 216, 221, 224, 225, 226, 248, 249,
261, 262, 271, 277, 279, 280, 297, 301, 398, 409, 307, 308, 417, 321, 327, 345,
347, 349, 350, 352, 353, 351, 354, 355, 400, 408, 358, 407, 413, 360, 361, 406,
362, 363, 364, 365, 366, 367, 373, 374, 375, 420, 501, 502, 376, 386, 388, 390,
392 [-1 bis -21], 395, 397, 399, 403, 401, 402, 410, 411, 412, 414, 423, 424, 425,
426, 427, 428, 416, 418, 431, 494, 504, 436, 513, 319, 514, 1, 22, 24, 90, 107,
108, 120, 178, 300, 304, 309, 310, 312, 313, 315, 324, 325, 326, 343, 380, 381,
382, 444, 507, 508, 499 und 43/44). In den Fall-Dossiers 213, 439, 512/1.1 bis
512/1.4 und 512/1.7 bis 512/1.9 ist er vom Vorwurf der Steuerhinterziehung frei-
zusprechen.
V.
1.1 Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Widerhandlungen teilweise im
Jahr 2009 und im Weiteren in den Jahren 2010 bis 2013 begangen.
1.2.1 Das bis Ende 2009 geltende Mehrwertsteuergesetz sah in Art. 85 für die
vorsätzliche Steuerhinterziehung die Bestrafung mit einer Busse bis zum Fünffa-
chen der hinterzogenen Steuer vor. Im Übrigen verwies es auf das Verwaltungs-
strafrechtsgesetz (Art. 88 Abs. 1 aMWSTG), welches in Art. 8 und 9 Abweichun-
gen vom subsidiär anwendbaren Strafgesetzbuch (Art. 2 VStR) bei der Strafzu-
messung vorsieht: Gemäss Art. 8 VStR sind Bussen bis zu 5000 Franken nach
der Schwere der Widerhandlung und des Verschuldens zu bemessen; andere
Strafzumessungsgründe müssen nicht berücksichtigt werden. Der Grenzbetrag ist
dahingehend zu verstehen, dass die tatsächlich auszufällende Busse bei objekti-
vierter Betrachtung des konkreten Falles nicht höher angesetzt werden kann (EI-
CKER/FRANK/ACHERMANN, Verwaltungsstrafrecht und Verwaltungsstrafverfah-
rensrecht, Bern 2012, S. 70 f.). Art. 9 VStR sieht vor, dass die Vorschriften von
Art. 68 des Strafgesetzbuches (heute Art. 49 StGB) über das Zusammentreffen
von strafbaren Handlungen oder Strafbestimmungen u.a. für Bussen nicht gelten.
Vielmehr verwirkt jede einzelne Verwaltungsstraftat, für die eine Busse ausgefällt
- 50 -
wird, eine gesonderte Strafe, bei deren Bemessung nicht auf weitere strafbare
Handlungen Rücksicht genommen wird (Kumulationsprinzip; EI-
CKER/FRANK/ACHERMANN, a.a.O., S. 74). Bei mehrfacher Widerhandlung hat
dies zur Folge, dass die addierten Einzelbussen das Fünffache des gesamthaft
hinterzogenen Steuerbetrages erreichen können.
1.2.2 Nach Art. 96 Abs. 4 lit. a des (neuen) Mehrwertsteuergesetzes (in der bis
zum 31. Dezember 2017 gültig gewesenen Fassung) wird die vorsätzlich oder
fahrlässige Hinterziehung der Einfuhrsteuer mit Busse bis zu Fr. 800'000.– be-
straft. Die Busse ist gemäss Art. 97 Abs. 1 des Gesetzes in Anwendung von Art.
106 Abs. 3 StGB zu bemessen, wobei Art. 34 StGB sinngemäss herangezogen
werden kann. Sofern der durch die Tat erzielte Steuervorteil höher als die Straf-
drohung ist, kann die Busse bei vorsätzlicher Begehung bis zum Doppelten des
Steuervorteils erhöht werden. Ferner bestimmt Art. 101 MWSTG, dass u.a. Artikel
9 VStrR nicht anwendbar ist. Für das Mehrwertsteuerstrafrecht gilt daher seit dem
1. Januar 2010 (über den Verweis auf das Strafgesetzbuch gemäss Art. 2 VStrR)
das Asperationsprinzip gemäss Art. 49 StGB uneingeschränkt (vgl. auch Pirmin
Bischof, Revision des MWST-Verfahrensrechts und MWST-Strafrechts, ST 6-7/09
S. 496). Die am 1. Januar 2018 in Kraft getretene Revision des Mehrwertsteuer-
gesetzes hat an der diesbezüglichen Rechtslage nichts geändert.
Die ratio legis des Asperationsprinzips besteht in der Vermeidung der Kumulation
verwirkter Einzelstrafen. Die Deliktsmehrheit wirkt sich zu Gunsten der beschul-
digten Person nur unproportional straferhöhend aus. Die Gesamtstrafe darf des-
halb die Summe der verwirkten Einzelstrafen nicht erreichen (BGE 144 IV 217 E.
3.5.2.). Methodisch setzt die Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 StGB die zumin-
dest gedankliche Bildung hypothetischer Einzelstrafen für sämtliche Delikte vo-
raus (BGE 144 IV 217 E. 3.5.3 f., E. 4.3). Die Gesamtstrafe ist ausgehend von der
Einzeltat mit dem schärfsten Strafrahmen (schwerste Tat) zu bestimmen. Die Ein-
satzstrafe für diese ist innerhalb ihres ordentlichen Strafrahmens festzusetzen
und anschliessend unter Einbezug gleichartiger Strafen der anderen Straftaten
angemessen zu erhöhen. Die (theoretische) Obergrenze für die Gesamtstrafe
wird durch die abstrakte Strafdrohung der schwersten Tat bestimmt. Die tat- und
- 51 -
täterangemessene Strafe ist dabei auch bei mehrfacher Tatbegehung grundsätz-
lich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens der schwersten Tat festzusetzen.
Nur bei Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände darf das Höchstmass der ange-
drohten Strafen in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB um bis zur Hälfte erhöht
werden (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Das Asperationsprinzip gilt auch für Übertre-
tungsbussen (Art. 104 StGB i.V.m. Art. 49 StGB). Für das Mehrwertsteuerstraf-
recht bedeutet die Geltung des so verstandenen Asperationsprinzips, dass bei
mehrfachen Widerhandlungen die für einen Täter im Ergebnis ungünstige Additi-
on der Einzelbussen nicht mehr zulässig ist und der maximale Bussenrahmen in
Anwendung der Art. 96 Abs. 4 lit. a und 97 Abs. 1 MWSTG - entgegen der Vo-
rinstanz (vgl. Urk. 81 S. 222, 224) - nicht (mehr) auf der Basis des durch mehrere
vorsätzlich begangene Einzeltaten insgesamt hinterzogenen Einfuhrsteuerbetrags
bestimmt werden darf. Vielmehr ist dieser ausgehend von der schwersten Einzel-
tat festzulegen. Nur wenn der durch die schwerste Einzeltat erzielte Steuervorteil
Fr. 800'000.– übersteigt, greift Art. 97 Abs. 1 MWSTG und kann für diese
schwerste Tat eine Busse in der Höhe bis zum Doppelten des konkret erzielten
Steuervorteils ausgefällt werden. Ansonsten bleibt es beim abstrakten Bussen-
maximum von Fr. 800'000.–. Bei der Festlegung der Gesamtstrafe darf der abs-
trakte Bussenrahmen für die schwerste Tat sodann (nur) beim Vorliegen ausser-
gewöhnlicher Umstände um bis zur Hälfte überschritten werden (Art. 49 Abs. 1
StGB; BGE 136 IV 55 E. 5.8). Im Ergebnis führt die Anwendung des neuen
Mehrwertsteuerstrafrechts bei mehrfacher Tatbegehung, wie sie dem Beschuldig-
ten vorgeworfen wird, damit zwangsläufig zu einer tieferen Gesamtbusse als die-
jenige des im Zeitpunkt der Taten im Jahr 2009 geltenden Gesetzes.
1.3 Die Strafzumessung ist daher auch für die vom Beschuldigten im Jahr 2009
begangenen Taten in Anwendung des neuen Mehrwertsteuergesetzes vorzu-
nehmen (Art. 1 und 2 VStrR i.V.m. Art. 2 Abs. 2 StGB), wie das bereits die Vor-
instanz im Ergebnis richtig (und von den Parteien unangefochten) getan hat.
2.1 Den höchsten Steuervorteil erzielte der Beschuldigte mit Fr. 1'251'628.80 in
Fall 121 ("Suprematistische Komposition mit Flächen in Projektion" von Kasimir
- 52 -
Malewitsch). Es ist gleichzeitig der einzige Fall, bei dem die hinterzogene Einfuhr-
steuer die Strafdrohung von Art. 96 Abs. 4 lit. a MWSTG übersteigt. Für die Tat
gemäss Fall-Dossier 121 erhöht sich der ordentliche Bussenrahmen folglich in
Anwendung von Art. 97 Abs. MWSTG über die in Art. 96 Abs. 4 lit. a MWSTG
vorgesehene Strafandrohung hinaus (vgl. OFK/MWSTG-
CLAVADETSCHER/MEIER MWSTG Art. 97 N. 9) auf Fr. 2'503'257.–. Für alle
weiteren Fälle bleibt es - bei isolierter Betrachtung - im Einzelfall jeweils bei einem
Strafrahmen von Busse bis zu Fr. 800'000.–.
2.2 Die in Anwendung des Asperationsprinzips für die Vielzahl von Einzeltaten
festzusetzende Gesamtbusse ist damit ausgehend von Fall 121 als schwerster
Tat und innerhalb des für diese geltenden ordentlichen Strafrahmens von Busse
bis zu Fr. 2'503'257.– zu bestimmen. Aussergewöhnliche Umstände, die es ange-
zeigt erscheinen liessen, den ordentlichen Bussenrahmen in Anwendung von Art.
49 Abs. 1 Satz 2 StGB (im Ergebnis) zu überschreiten, bestehen auch unter Be-
rücksichtigung der Tatmehrheit nicht. Das ordentliche Bussenmaximum übersteigt
die Höchstbeträge gemäss den Art. 106 Abs. 1 StGB und Art. 34 Abs. 1 und 2
StGB bereits um ein Mehrfaches und lässt auch im Fall des wohlhabenden Be-
schuldigten genügend Spielraum, um eine tat- und täterangemessene Gesamt-
strafe festzulegen.
2.3 Innerhalb des Strafrahmens ist die Busse nach den Verhältnissen des Be-
schuldigten so zu bemessen, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Ver-
schulden angemessen ist (Art. 97 Abs. 1 MWSTG i.V.m. Art. 106 Abs. 3 StGB).
Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des
Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zie-
len des Täters sowie danach bestimmt, wie weit dieser nach den gesamten Um-
ständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47
Abs. 2 StGB); es sind tat- und täterbezogene Faktoren (ohne wirtschaftliche Leis-
tungsfähigkeit) zu berücksichtigen (BSK StGB-HEIMGARTNER, Art. 106 N. 20).
Für die Festsetzung der Busse sind primär das Verschulden und sekundär die fi-
nanziellen Verhältnisse massgebend (BGE 119 IV 330 E. 3), wobei das Gesetz
nicht verlangt, dass der Richter ausweist, wie stark das Verschulden und die wirt-
- 53 -
schaftliche Leistungsfähigkeit bei der Bussenbemessung gewichtet werden (BSK
StGB-HEIMGARTNER, Art. 106 N. 19 f.). Bei der Würdigung der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit sind grundsätzlich die gleichen Faktoren relevant, wie für die
Berechnung des Tagessatzes gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB (Art. 97 Abs. 1
MWSTG; vgl. auch BSK StGB-HEIMGARNTER, Art. 106 N. 24). Massgebend ist
regelmässig der Zeitpunkt der Urteilsfällung (BGE 119 IV 330 E. 3).
3.1.1 Gestellt wurde der Beschuldigte einzig bei den Einfuhren in den Fällen 319
und 514 (Urk. 4/6.1.68, Ordner 1). Im Fall 319 benützte er bei der Einreise bei der
Zollstelle S._-Flughafen, AF._, am Nachmittag des 20. September 2012
den grünen Durchgang. Die Gepäckwagen liess er durch Handling Agents über
die Zollgrenze bringen. Auf einem dieser Gepäckwagen befand sich ein 72,5 x
96,5 cm grosses Gemälde, das in einer Transportfolie verpackt war, und eine 29,5
cm hohe Elefantendose in einer Kartonschachtel (Urk. 4/6.1.68, Ordner 1, Regis-
ter 1, pag. 000001, 000003, 000050). Die Kunstgegenstände hatte er zuvor am
14. September 2012 aus dem offenen Zolllager der T._ AG ausgelagert und
im Transitverfahren im Privatjet nach Grossbritannien exportiert (Urk. 4/6.1.68,
Ordner 1, Register 1, pag. 000019). Als ein Mitarbeiter des Beschuldigten die
Zollbeamten bemerkte, versuchte er mit der Aussage, das Bild hätte nicht ausge-
laden werden sollen, die Situation zu retten (Urk. 4/6.1.68, Ordner 1, Register 1,
pag. 000050). Im Fall 514 benützte der Beschuldigte am Morgen des 3. Juni 2013
am gleichen Ort den grünen Durchgang. Die nicht angemeldeten Kunstgegen-
stände befanden sich wiederum auf einem Gepäckwagen, der von einer Drittper-
son über die Zollgrenze gebracht wurde. Diverse kleinere antike Gegenstände
waren in einem Metallkoffer, die Skulpturen in der Höhe von 58,5 cm und 26,5 cm
in einen Karton resp. eine Kunststofffolie verpackt (Urk. 4/6.1.68, Ordner 1, Regis-
ter 2, pag. 000009 f., 000013 ff., 000022 ff., 000050 ff.). Über das Tatvorgehen
bei den Nichtanmeldungen in den weiteren Fällen, in denen die Einfuhr behördli-
cherseits (zunächst) unbemerkt blieb, ist naturgemäss direkt wenig bekannt. Die
Fälle weisen unter sich und mit den Fällen 514 und 319 jedoch Parallelen auf, die
auf eine immer wieder ähnliche Vorgehensweise schliessen lassen. Die betroffe-
nen Objekte sind fast ausnahmslos ähnlich gross (vgl. dazu die Massangaben
und Bilder in den entsprechenden Fall-Dossiers), konnten folglich im Privatjet und
- 54 -
dann auf einem Gepäckwagen transportiert werden, wobei der Fall 214 belegt,
dass auch merklich grössere Bilder als dasjenige von Edwin Long (Fall 319) im
Privatjet transportiert werden konnten, sofern sie statt in einer Kiste in Kartonage
verpackt waren (Urk. 4/6.1.68, Ordner 12, Register 5, pag. 000037, 000047-
000049, 000051, 000060, 000065). Die kleineren Objekte (Fälle 307, 407 f., 413,
374-376, 390, 402, 431, 436, 191, 398, 373, 420, 502, 395, 366, 410, 411, 363,
261, 501, 399, 301, 409, 417, 400, 360, 361, 365, 367, 215, 262, 345, 406, 362,
364, 416, 403, 355, 308, 347, 412, 504, 226, 354, 358, 414 und 423 bis 428)
konnten aufgrund ihrer geringen Grösse in üblichen Koffern und/oder Taschen
verstaut werden, wie das im Fall 514 tatsächlich gemacht wurde, und so (vorbe-
hältlich einer konkreten Gepäckkontrolle) unauffällig über den Zoll gebracht wer-
den. Auch mit kleineren Skulpturen und Bildern (Fälle 401, 418, 397, 221) konnte
so verfahren werden. Anders verhält es sich mit den grösseren Bildern (Fälle 353,
192, 279, 154, 216, 248, 249, 214, 225, 350, 352, 494, 386, 156, 189, 271, 297,
351, 224, 280, 321, 349), den Skulpturen (Fälle 61, 60, 190, 277, 513) und ande-
ren grösseren/längeren Gegenständen bzw. Gruppen von Gegenständen (Fälle
392-1, 327, 392-2 bis 392-21), die wie im Fall 319 separat verpackt transportiert
werden mussten. Dass dem Beschuldigten (bzw. von ihm beauftragten Personen)
auch das wiederholt gelang, könnte grundsätzlich mit blosser Unverfrorenheit und
sehr glücklichen Umständen erklärt werden. Allerdings weist nicht nur die Bemer-
kung seines Mitarbeiters im Fall 319 darauf hin, dass der Beschuldigte sein Vor-
haben jeweils von der Präsenz der Zollbehörden abhängig machte. So ist auch
belegt, dass der Beschuldigte sich am 20. April 2012 am Flughafen AG._, als
er zur Bezahlung von Abgaben für später unangemeldet in die Schweiz eingeführ-
te Objekte (Fälle 61, 189, 190, 191, 192) aufgefordert wurde, dazu entschloss, die
Ware in den Flieger zurückzubringen und den Weiterflug nach ... [Stadt] anzutre-
ten (Urk. 4/6.1.68, Ordner 2, Register 4, pag. 000078, Ordner 7, Register 5, pag.
000071, Ordner 8, Register 1, pag. 000067 und Register 3, pag. 000055). Die Ob-
jekte befanden sich am 26. April 2012 weiterhin im Jet (Urk. 4/6.1.68, Ordner 8,
Register 1, pag. 000085/1-13). Am 27. April 2012 schrieb AH._ an AI._,
dass es in AJ._ "glücklicherweise kein Zoll-Empfangskomitee" gegeben habe
und der Beschuldigte alle Objekte aus dem Jet habe nehmen und in einem Heli-
- 55 -
kopter weitertransportieren können (Urk. 4/6.1.68, Ordner 8, Register 1, pag.
000085/14). Mit anderen Worten nutzte der Beschuldigte gezielt die Möglichkei-
ten, die ihm die Reise in einem Privatjet bot. Sollten Einfuhren in anderer Weise
erfolgt sein, ist davon auszugehen, dass sie vergleichbar zielgerichtet passierten.
Jede andere Annahme wäre angesichts der zentral gesteuerten Bewirtschaftung
der Kunstsammlung(en) lebensfremd. Davon, dass der Beschuldigte strategisch
vorging, zeugen im Übrigen auch diejenigen inkriminierten Einfuhren, denen wie
im Fall 319 die Auslagerung der Objekte aus dem offenen Zolllager mit anschlies-
sendem Export via Transitabfertigung im Privatjet des Beschuldigten vorausging
(Fälle 307, 191, 398, 261, 327, 61, 192, 279, 60, 154, 190, 215, 216, 248, 249,
262, 225, 277, 308, 504, 156, 189, 271, 221, 297, 280), mit dem günstige Voraus-
setzungen für eine illegale Einfuhr (auch unter Umgehung der Lagerhalter) erst
geschaffen wurde. Der allein aufgrund des äusseren Ablaufs klare Hintergrund
des Vorgehens widerspiegelt sich beispielhaft in der E-Mail-Konversation zwi-
schen dem Beschuldigten und AI._ vom 22. März 2011 zum Bild von
Giovanni Segantini, das in der Auktion von AK._ tags zuvor als Los 13 aufge-
rufen worden war (Fall 321; Urk. 4/6.1.68, Ordner 19, Register 3, pag. 000004 f.,
000037/1 ["Bei Los 13 müssten sie noch die MwSt bezahlen oder das Werk exportieren.", "13 werde ich
demzufolge exportieren."]), aus der deutlich hervorgeht, dass der Exportentscheid von
steuerlichen Überlegungen geleitet war und nichts mit dem Bedürfnis zu tun hatte,
das Bild an einem bestimmten Ort zur Verfügung zu haben. Vergleichbar äusserte
sich AI._ in einem E-Mail vom 10. Januar 2012 an AL._, das die Fälle
277 und 279 betrifft (Urk. 4/6.1.68, Ordner 16, Register 4, pag. 000039 ff., insbes.
pag. 000043 ["Betreffend dem Buch [...] warte ich noch den Bescheid von Herrn A._ ab, ev. wird er es verzollen, da für antike Bücher ja ein reduzierter MwSt-Satz gilt. [...]. Die anderen drei Sachen werde aber
exportiert."]). Die Nichtanmeldung der betroffenen Objekte durch den Beschuldigten
unterscheidet sich durch dieses bei einer Gesamtbetrachtung erkennbare, aber in
jedem Einzelfall wirksame organisierte Vorgehen grundlegend und deutlich er-
schwerend von auf den ersten Blick ähnlichen Verhaltensweisen von Geschäfts-
und Ferienreisenden, die bei Gelegenheit erfolgen und sich im Ergebnis in der
blossen Tatbestandserfüllung erschöpfen. Innerhalb der vom Beschuldigten be-
gangenen Taten wiegen dabei diejenigen objektiv erheblich schwerer, in denen er
- 56 -
mit dem vorgängigen Export die günstigen Voraussetzungen für eine illegale Ein-
fuhr mit beachtlichem Aufwand schuf.
Bei den Falschanmeldungen wurden eigens für diesen Zweck bei den Verkäufern
im Auftrag des Beschuldigten angeforderte Rechnungen oder Rechnungen über
fingierte Verkäufe zwischen sich nahestehenden, von ihm vertretenen juristischen
Personen verwendet. Die Fälle wiegen unter dem Aspekt des Tatvorgehens ähn-
lich schwer wie die Nichtanmeldungen nach vorgängigem Export.
3.1.2 Die Höhe der hinterzogenen Einfuhrsteuer liegt im Einzelfall zwischen Fr.
89.40 (Fall 390) und Fr. 1'251'628.80 (Fall 121), wobei Deliktsbeträge über Fr.
5'000.– den auch grosszügig definierten Bagatellbereich sprengen und bis Fr.
10'000.– nicht zu vernachlässigen sind. Deliktsbeträge über Fr. 10'000.– bis um
die Fr. 50'000.– sind in keiner Weise zu vernachlässigen. Darüber bis um Fr.
100'000.– sind die Deliktserfolge als erheblich, über Fr. 100'000.– bis Fr.
250'000.– als ganz erheblich, über 250'000.– bis Fr. 600'000.– als hoch und über
Fr. 600'000.– als sehr hoch bzw. über 1 Million Franken als ausserordentlich hoch
zu qualifizieren. Die Deliktsbeträge werden nachfolgend nur in den für die Straf-
zumessung relevanten Bandbreiten von jeweils mehreren tausend Franken ange-
geben (Einzelheiten zu den Beträgen E. I.1.2.2. und E. IV.6).
3.2 Was die subjektive Tatschwere betrifft, ist mit der Vorinstanz festzustellen,
dass der Beschuldigte vorsätzlich sowie finanziell und damit rein egoistisch moti-
viert handelte und sich ohne Weiteres an die geltenden Gesetze hätte halten kön-
nen. Der Hinweis auf die mit der Zollabfertigung in S._ aus seiner Sicht ver-
bundenen zeitlichen Zumutungen (vgl. Urk. 4/6.1.68, Ordner 1, Register 2, pag.
000105) vermöchte das Verhalten des Beschuldigten im Übrigen auch dann in
keiner Weise zu entschuldigen, wenn er damit seine Motive korrekt benennen
würde. Dass es sich dabei allerdings lediglich um eine Schutzbehauptung han-
delt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er die Mühe des korrekten Verfahrens (un-
terstützt durch Dienstleister) bei den keine Steuerpflicht auslösenden Exporten
der Objekte mit Transitabfertigung ab dem offenen Zolllager nicht scheute.
- 57 -
3.3.1 Zu den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten gilt es zu bemerken,
dass er im Jahr 2013 in der Schweiz ein Einkommen aus Wertschriften- und Lie-
genschaftenertrag sowie unselbständigem Nebenerwerb von knapp 11 Millionen
Schweizerfranken und ein Vermögen von gut 610 Millionen Schweizerfranken de-
klarierte (Urk. 3/153, pag. 003220 f.). Weltweit verfügte der Beschuldigte gemäss
Wirtschaftsmagazin "AM._", das er vor Vorinstanz selber als Informations-
quelle nannte (Urk. 38 S. 7), im gleichen Jahr und auch noch im Jahr 2015 so-
dann über ein Vermögen von geschätzt 1,25 Milliarden Schweizerfranken (Urk.
3/151). Seine wirtschaftlichen Verhältnisse waren folglich ausserordentlich gut.
Dass das Einkommen und der Wert seines Vermögens abhängig von der jeweili-
gen Wirtschafts- und Börsenlage Schwankungen in alle Richtungen unterliegen,
versteht sich von selbst. Wenn er vor Vorinstanz "derzeit gar nichts [dazu] sagen"
konnte, ob sich an diesen finanziellen Verhältnissen etwas Wesentliches verän-
dert habe (Urk. 38 S. 5), ist allerdings davon auszugehen, dass einschneidende
negative Veränderungen nicht stattgefunden hatten und seine finanzielle Lage
über alles gesehen weiterhin aussergewöhnlich gut war, zumal auch die Schilde-
rung seiner Wohnsitzsituation (Urk. 38 S. 3) nicht darauf hindeutet, dass sich an
seinem aufwändigen Lebensstil irgendetwas geändert hatte. Dass er nach weite-
ren Fragen trotzdem resümierte, dass es ihm im Grossen und Ganzen sehr
schlecht gehe (Urk. 38 S. 7) und er mit allgemeinen Bemerkungen zum von An-
gebot und Nachfrage bestimmten Preisen etc. behauptete, es habe eine wesentli-
che Minderung in seinen Vermögensverhältnissen gegeben (Urk. 38 S. 7 f.), ist
das als Schutzbehauptung zu werten. Etwas Substantielles, das in Richtung einer
erheblichen Verschlechterung seiner finanziellen Lage deuten würde, brachte er
nicht vor. Wenn die Vorinstanz feststellte, dass die finanzielle Lage des Beschul-
digten aussergewöhnlich gut sei, tat sie das folglich zu Recht.
3.3.2 Inzwischen ist das Vermögen des Beschuldigten, der sein in der Schweiz
steuerbares Einkommen während Jahren unvollständig deklarierte, mit einer
Nachsteuerforderung in dreistelliger Millionenhöhe belastet (vgl. BGer
2C_799/2017, 2C_800/2017). Trotz deren beeindruckender Höhe bleiben die
Vermögensverhältnisse des Beschuldigten aber weiterhin ausgesprochen gut. Zur
Nachsteuerforderung wird zwar eine Hinterziehungsbusse kommen, die in der
- 58 -
Regel dem Einfachen der hinterzogenen Steuer entspricht, aber bei leichtem Ver-
schulden auch bis auf einen Drittel ermässigt und bei schwerem Verschulden bis
auf das Dreifache erhöht werden kann (Art. 175 Abs. 2 DBG; Art. 235 Abs. 2
StG). Sie wird im Hinterziehungsverfahren nach dem Verschulden des Beschul-
digten und seinen dannzumal relevanten wirtschaftlichen Verhältnissen, unter
welchem Aspekt auch die heute auszufällende Busse relevant ist, festzulegen
sein (vgl. BGer 2C_851/2011, E. 3.3; VGer ZH GB.2016.00009 E. 4). Sie ist daher
für die Strafzumessung im vorliegenden Verfahren bedeutungslos.
3.4 Bei der Asperation ist zu bedenken, dass es sich um eine einem einheitli-
chen Muster folgende Delinquenz über längere Zeit handelt, bei der der Gesamt-
schuldbeitrag der zur schwersten Tat hinzutretenden weiteren Delikte vergleichs-
weise geringer ist als dies bei selbständigeren und gegen mehrere unterschiedli-
che Rechtsgüter gerichteten Taten der Fall wäre.
4.1 Bezogen auf den Fall 121 ist vor diesem Hintergrund zu bemerken, dass der
Deliktsbetrag mit Fr. 1'251'628.80 ausserordentlich hoch ist, auch wenn noch hö-
here Deliktsbeträge denkbar sind. Das Vorgehen war in der beschriebenen Weise
organisiert, wobei dem inkriminierten Import des Werks dessen Auslagerung aus
dem offenen Zolllager mit anschliessendem Export mit Transitabfertigung im Pri-
vatjet des Beschuldigten voraus ging. Die kriminelle Energie war folglich ganz er-
heblich. Allerdings sind auch noch raffiniertere Vorgehensweisen denkbar. Das
objektive Verschulden ist bei dieser Ausgangslage als schwer zu qualifizieren.
Das subjektive Verschulden relativiert das objektive nicht.
Unter Berücksichtigung der ausgesprochen guten finanziellen Lage und des bis
zu Fr. 2'503'257.– reichenden Strafrahmens erscheint eine Busse im obersten
Drittel des Strafrahmens bzw. von um die Fr. 1'700'000.– angemessen.
4.2.1 Auch in den Fällen 60, 61, 154, 156, 189, 190, 191, 192, 215, 216, 221, 225,
248, 249, 261, 262, 271, 277, 279, 280, 297, 307, 308, 319, 327, 398, 417 und
504 gingen den inkriminierten Importen die Auslagerung der Objekte aus dem of-
fenen Zolllager mit anschliessendem Export via Transitabfertigung im Privatjet
des Beschuldigten voraus. Die kriminelle Energie war folglich auch in diesen Fäl-
- 59 -
len ganz erheblich. Die Deliktsbeträge liegen jedoch deutlich tiefer. Im Fall 280 ist
der Deliktsbetrag mit gut Fr. 80'000.– allerdings immer noch als erheblich zu qua-
lifizieren. Und auch in den weiteren Fällen sind die Deliktserfolge mit zwischen Fr.
40'000.– und Fr. 50'000.– (Fälle 297, 221), zwischen Fr. 30'000.– und Fr.
40'000.– (Fälle 156, 271), zwischen Fr. 20'000.– und Fr. 30'000.– (Fälle 189, 308,
319, 504) sowie zwischen Fr. 10'000.– und Fr. 20'000.– (Fälle 225, 277) in keiner
Weise zu vernachlässigen bzw. mit über Fr. 5'000.– bis gut Fr. 9'000.– und gegen
Fr. 10'000.– (Fälle 60, 248, 249, 215, 216, 262, 190, 279, 154) nicht zu vernach-
lässigen. Letzteres gilt auch für die Deliktsbeträge in den Fällen 417, 192, 61,
327, 261, 191 und 398, die sich mit knapp Fr. 1'500.– bis gut Fr. 4'000.– aller-
dings teilweise noch in einem erweiterten Bagatellbereich bewegen. Im Fall 307
liegt der Deliktserfolg mit gut Fr. 600.– noch im Bagatellbereich. Insgesamt ist in
den Fällen 280, 297 und 221 von einer gerade noch leichten, in den Fällen 156,
271, 189, 308, 319, 504 von einer erheblichen und in den übrigen Fällen von einer
leichten bzw. sehr leichten (Fall 307) objektiven Tatschwere auszugehen. Das
subjektive Verschulden relativiert das objektive nicht.
Unter Berücksichtigung der ausgesprochen guten finanziellen Lage und des bis
zu Fr. 800'000.– reichenden Strafrahmens, der nicht nur für vorsätzliche Taten,
wie sie hier zu sanktionieren sind, sondern auch für fahrlässige Handlungsweisen
gilt, erscheinen vor diesem Hintergrund Bussen von jeweils in der Region von Fr.
85'000.– (Fall 280), Fr. 60'000.– (Fälle 297, 221), Fr. 45'000.– (Fälle 156, 271), Fr.
30'000.– (Fälle 189, 308, 319, 504), Fr. 15'000.– (Fälle 225, 60, 248, 249, 277),
Fr. 7'500.– (Fälle 215, 216, 262, 190, 279, 154), Fr. 2'500.– (Fälle 417, 192, 61,
327, 261, 191, 398) und Fr. 850.– (Fall 307) im Einzelfall als angemessen. Die
Busse von Fr. 1'700'000.– für den Fall 121 ist davon ausgehend für diese Taten in
Anwendung des Asperationsprinzips auf um die Fr. 2'000'000.– zu erhöhen.
4.2.2 In den Fällen 1, 22, 24, 43/44, 90, 107, 108, 120, 178, 300, 304, 309, 310,
312, 313, 315, 324, 325/326, 343, 380/381/382/444/507/508 und 499 erfolgte je-
weils eine Falschanmeldung unter Verwendung fiktiver Rechnungen. Das Vorge-
hen war ebenfalls von erheblicher krimineller Energie getragen. Der Deliktserfolg
ist im Fall 304 mit zwischen Fr. 40'000.– und Fr. 50'000.–, in den Fällen 108 und
- 60 -
43/44 mit zwischen Fr. 30'000.– und Fr. 40'000.–, im Fall 22 mit zwischen Fr.
20'000.– und Fr. 30'000.– sowie in den Fällen 310 und 315 mit zwischen Fr.
10'000.– und Fr. 20'000.– in keiner Weise zu vernachlässigen. Nicht zu vernach-
lässigen sind sodann auch die Deliktserfolge in den Fällen 24, 178, 313 und 324
mit über Fr. 9'000.– und den Fällen 325/326 und 120 mit über Fr. 5'000.–. Glei-
ches gilt für die Fälle 1, 499, 107, 343, 380/381/382/444/507/508, 312, 90, 300
und 309, in denen sich der jeweilige Deliktsbetrag mit zwischen gut Fr. 1'000.–
und gut Fr. 4'000.– allerdings noch in einem erweiterten Bagatellbereich bewegt.
Das objektive Verschulden ist im Fall 304 als gerade noch leicht, in den Fällen
108, 43/44 und 22 als erheblich und in den übrigen Fällen (315, 310, 24, 178, 313
und 324, 325/326 und 120, 1, 499, 107, 343, 380/381/382/444/507/508, 312 so-
wie 90, 300 und 309 als leicht zu qualifizieren. Das subjektive Verschulden relati-
viert das objektive nicht.
Unter Berücksichtigung der ausgesprochen guten finanziellen Lage und des für
fahrlässige und vorsätzliche Einfuhrsteuerhinterziehung gleichermassen gelten-
den Strafrahmens von bis zu Fr. 800'000.– erscheinen vor diesem Hintergrund
Bussen von jeweils in der Region von Fr. 60'000.– (Fall 304), Fr. 45'000.– (Fälle
108, 43/33), Fr. 30'000.– (Fall 22), Fr. 15'000.– (Fälle 315, 310, 24, 178, 313,
324), Fr. 7'500.– (Fälle 325/326, 120), Fr. 2'500.– (Fälle 1, 499, 107, 343,
380/381/382/444/507/508, 312, 90, 300, 309) im Einzelfall als angemessen. Die
Busse von Fr. 2'000'000.– ist in Anwendung des Asperationsprinzips auf um die
Fr. 2'150'000.– zu erhöhen.
4.2.3 In den übrigen Fällen meldete der Beschuldigte die Objekte beim Import
nicht an, ohne dass ein vorgängiger Export stattgefunden hatte. Umstände, die für
eine über das grundsätzlich organisierte Vorgehen hinausgehende kriminelle
Energie sprechen, liegen insoweit folglich keine vor. Hinsichtlich des Deliktsbetra-
ges unterscheiden sie sich stark. Im Fall 414/423-428 (zur gemeinsamen Einfuhr
vgl. Urk. 81 S. 162) erreicht er mit gut Fr. 410'000.– einen hohen und im Fall 349
mit knapp Fr. 220'000.– einen ganz erheblichen Wert. Erhebliche Deliktserfolge
erzielte der Beschuldigte im Fall 321 (rund Fr. 100'000.–) sowie 224, 514 und 351
(zwischen Fr. 60'000.– und Fr. 80'000.–). In keiner Weise zu vernachlässigen sind
- 61 -
die Deliktsbeträge sodann in den Fällen 358, 354, 226 (zwischen Fr. 40'000.– und
Fr. 50'000.–), 513, 412, 347 und 392-1 bis 392-20 (zwischen Fr. 20'000.– und Fr.
30'000.–) sowie 386, 494, 352, 214, 350 und 355 (zwischen Fr. 10'000.– und Fr.
20'000.–). Mit über Fr. 5'000.– bis gut Fr. 9'000.– nicht zu vernachlässigende  sind in den Fällen 364, 345, 406, 362, 416 und 403 zu verzeichnen. In
den Fällen 373, 420, 388, 397, 395, 366, 410, 411, 363, 56 B, 502, 392.21, 501,
399, 301, 409, 353, 400, 360, 361, 365 und 367 bewegen sie sich mit zwischen
gut Fr. 1'000.– und knapp Fr. 4'000.– im Rahmen des erweiterten Bagatellbe-
reichs. Im Bagatellbereich liegen schliesslich die von knapp Fr. 90.– bis etwas
über Fr. 800.– reichenden Deliktserfolge in den Fällen 374, 375, 376, 390, 401,
402, 407, 408, 413, 418, 431 und 436. Das objektive Verschulden ist als noch mit-
telschwer (Fälle 414/423-428), nicht mehr leicht (Fall 349), gerade noch leicht
(Fälle 321, 224, 514, 351), erheblich (Fälle 358, 354, 226), leicht (Fälle 513, 412, 347, 392-1 bis 392-20, 386, 494, 352, 214, 350 und 355, 364, 345, 406, 362, 416,
403, 373, 420, 388, 397, 395, 366, 410, 411, 363, 56 B, 502, 392.21, 501, 399,
301, 409, 353, 400, 360, 361, 365, 367) bzw. sehr leicht (374, 375, 376, 390, 401,
402, 407, 408, 413, 418, 431, 436) zu qualifizieren. Das subjektive Verschulden
relativiert das objektive nicht.
Unter Berücksichtigung der ausgesprochen guten finanziellen Lage und des für
fahrlässige und vorsätzliche Einfuhrsteuerhinterziehung gleichermassen gelten-
den Strafrahmens von bis zu Fr. 800'000.– erscheinen Bussen von jeweils um die
Fr. 450'000.– (Fall 414/423-428), Fr. 250'000.– (Fall 349), Fr. 85'000.– (Fall 321),
Fr. 70'000.– (Fälle 224, 514), Fr. 60'000.– (Fall 351), Fr. 40'000.– (Fälle 358, 354,
226), Fr. 20'000.– (Fälle 513, 412, 347, 392-1 bis 392-20), Fr. 10'000.– (Fälle 386,
494, 352, 214, 350, 355, 416, 403), Fr. 5'000.– (Fälle 364, 345, 406, 362), Fr.
2'000.- (Fälle 373, 420, 388, 397, 395, 366, 410, 411, 363, 56 B, 502, 392.21,
501, 399, 301, 409, 353, 400, 360, 361, 365, 367) sowie jeweils im Bereich zwi-
schen Fr. 200.– und Fr. 600.– (Fälle 374, 375, 376, 390, 401, 402, 407, 408, 413,
418, 431, 436) als angemessen. Die Busse von 2'150'000.– ist in Anwendung des
Asperationsprinzips auf eine hypothetische Gesamtbusse von gut Fr. 3'000'000.–
zu erhöhen.
- 62 -
4.1 Der inzwischen gut 71-jährige Beschuldigte, der seinen Wohnsitz heute wie-
der in der Schweiz hat, ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Er
absolvierte die Schule zunächst in E._. Nachdem er aus dem Gymnasium
ausgeschlossen worden war, absolvierte er erfolgreich die Handelsschule. Da-
nach arbeitete er bis anfangs 1973 in der Devisenabteilung der AN._ und
leistete während rund zwei Jahren Militärdienst. Seine folgende Stelle bei der
AO._ gab er schliesslich auf und handelte ab 1976 mit eigenem Geld, das er
von seinem Vater erhalten hatte. Nach einer kurzzeitigen Anstellung bei einer
Bank in London, ist der Beschuldigte seit 1980 nur noch selbständig tätig. Inzwi-
schen bezieht er (auch) AHV. Er lebt in ... [Staat], der Schweiz und ... [Staat]
(Urk. 38 S. 2 f., 5). Aus dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen ergibt
sich nichts, was für die Strafzumessung relevant wäre.
Leicht straferhöhend fällt dagegen ins Gewicht, dass der Beschuldigte während
des seit dem 30. Oktober 2012 laufenden Verwaltungsstrafverfahrens (vgl. Urk.
81 S. 4) in den Fällen 307, 308, 417, 327, 364, 367, 373, 375, 420, 501, 502 und
514 erneut Einfuhrsteuern hinterzog, wobei einzig die Fälle 308 (Einzelbusse Fr.
30'000.–) und 514 (Einzelbusse Fr. 70'000.–) von vergleichsweise bedeutendem
Gewicht sind. Strafminderungsgründe wie ein Geständnis und/oder Reue sind
nicht gegeben.
Die Täterkomponente führt folglich zu einer leichten Straferhöhung.
4.2 Merklich strafmindernd ist dagegen die lange Verfahrensdauer zu berück-
sichtigen, zumal die letzten im vorliegenden Verfahren zu sanktionierenden Taten
auch bereits sieben Jahre zurückliegen.
5.1 Im Ergebnis erscheint eine Busse von Fr. 2'503'000.– dem Verschulden so-
wie den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten an-
gemessen. Mit der um Fr. 257.– unter dem ordentlichen Höchstmass der Busse
liegenden Strafe wird dabei auch dem Umstand Rechnung getragen, dass der
Beschuldigte am 20. Juni 2013 bereits wegen einer unterlassenen Anmeldung
von zwei Damenhandtaschen mit einem Mehrwertsteuerwert von total Fr. 1'453.–
im abgekürzten Verfahren mit einer Busse von Fr. 230.– bestraft wurde (vgl. Urk.
- 63 -
2B S. 3 [Ziffer 9]), also der Fall einer retrospektiven Konkurrenz im Sinne von Art.
49 Abs. 2 StGB vorliegt.
5.2 Im Falle der Uneinbringlichkeit der Busse würde diese in einem separaten
Umwandlungsverfahren vom Richter in Haft umgewandelt (Art. 10 Abs. 2 i.V.m.
Art. 91 VStrR; vgl. Art. 101 Abs. 1 MWSTG). Eine Ersatzfreiheitsstrafe gemäss
Strafgesetzbuch (Art. 106 Abs. 2 StGB) ist im vorliegenden Verfahren folglich
nicht festzusetzen.
VI.
1.1 Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositiv-Ziffern 3 und 4) ist zu be-
stätigen; die Anklagepunkte, die mit einer Einstellung oder einem Freispruch en-
den, haben im Verfahren keine oder höchstens marginale Mehrkosten generiert.
1.2 Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinem Antrag auf ei-
ne (weitergehende) Einstellung des Verfahrens bzw. auf einen Freispruch, obsiegt
im Strafpunkt aber teilweise. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind vor die-
sem Hintergrund ausgangsgemäss zu vier Fünfteln dem Beschuldigten aufzuerle-
gen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Der Beschuldigte weist Aufwendungen für seine Verteidigung im Berufungs-
verfahren von Fr. 39'709.55 aus (Urk. 118). Der geltend gemachte Aufwand ist
nicht zu beanstanden. Der Honorarnote liegt jedoch mit Fr. 450.– ein Stundenan-
satz zugrunde, der den Höchstansatz von Fr. 350.– gemäss § 3 der Anwaltsge-
bührenverordnung übersteigt. Besondere Umstände, die es rechtfertigen würden
diesen zu überschreiten, sind nicht ersichtlich. Ausgehend von einem Stunden-
aufwand von (aufgerundet) 82 Stunden ergibt sich bei einem Stundenansatz von
Fr. 350.– ein Honorar von Fr. 28'700.– bzw. unter Berücksichtigung von Baraus-
lagen und Mehrwertsteuer ein Gesamtaufwand von (aufgerundet) Fr. 30'775.–.
Dem im Berufungsverfahren teilweise obsiegenden Beschuldigten ist folglich eine
reduzierte Entschädigung für seine Aufwendungen für seine Verteidigung im Be-
rufungsverfahren von Fr. 6'155.– zuzusprechen.
- 64 -