Decision ID: 22155e1f-d126-4973-b25d-66279afe14db
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A.
A, geboren 1957, ist im Ausland ausgebildete Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Am 11. Mai 2013 hatte sie bei der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) ein Gesuch um gesamtschweizerische Anerkennung ihrer Ausbildung gestellt.
Auf
6. Januar 2014 wurde sie
in der Schule B
für
den Rest
des Schuljahres 2013/
20
14
im Vikariat als
Logopädin und Lehrperson für
integrative
Förderung
mit einem Teilzeitpensum von insgesamt 13 Wochenlektionen
angestellt
.
B.
Auf Beschluss der Schulpflege vom 13. Mai 2014 hin wurde A mit Verfügung vom 13. Juni 2014 für das Schuljahr 2014/2015 bzw. befristet bis 31. Juli 2015 als Logopädin mit einem Pensum von 19 Wochenlektionen angestellt.
Da die
se Verfügung hinsichtlich der Höhe des tatsächlich auszurichtenden Lohns
unklar formuliert war
, erfolgte diesbezüglich mit
Verfügung vom 30. September 2014
eine Präzisierung
.
C.
Die Schule B teilte A mit Schreiben vom 4. März 2015 mit, da diese mehrfachen Aufforderungen, die Schule über die EDK-Anerkennung bzw. die Absolvierung in diesem Zusammenhang notwendiger Ausgleichsmassnahmen zu informieren, nicht nachgekommen sei, werde ihre befristete Anstellung nicht verlängert.
D
araufhin gelangte A
am 8. April 201
5
an die
Gemeinde bzw.
Schulpflege
und erklärte, da in der Verfügung vom 30. September 2014
kein Datum für
eine
Befristung
(mehr) erwähnt sei, gehe sie davon aus, dass es sich bei ihrem Anstellungsverhältnis um ein unbefristetes handle. Für den Fall, dass die Gemeinde bzw. Schulpflege der Auffassung sei, die im Zusammenhang mit der Befristung das Datum des 31. Juli 2015 nennende Verfügung vom 13. Juni 2014 gelte nach wie vor, bat sie um Erlass einer entsprechenden rekursfähigen Verfügung sowie um Auszahlung sinngemäss
der Differenz
zwischen
dem
Jahressalär
gemäss Verfügung vom 13. Juni 2014 und demjenigen
gemäss
Verfügung vom 30. September 2014.
D.
Mit Verfügung vom 16. April 2015 hielt der Präsident der Schulpflege B fest, das Arbeitsverhältnis mit A ende am 31. Juli 2015. Der ihr gemäss Verfügung vom 30. September 2014 zustehende Lohn sei ihr korrekt ausbezahlt worden.
II.
Hiergegen liess A am 28. April
/2. Mai
2015 beim Bezirksrat D rekurrieren, wobei sie sinngemäss
insbesondere beantragte, es sei festzustellen, dass es sich bei ihrem Anstellungsverhältnis entsprechend der Verfügung vom
30.
September 2014
um ein unbefristetes handle und sie
demnach
auch
für das Schuljahr 2015/2016 an der Schule B angestellt sei.
Werde das Anstellungsverhältnis jedoch als gemäss der Verfügung vom 13. Juni 2014 per 31. Juli 2015 beendet betrachtet, so
sei ihr Lohn
in der Höhe
von Fr. 25'706.65
– entsprechend
de
m dort vereinbarten Jahressalär – nach
zuzahlen.
Der Bezirksrat wies das Rechtsmittel mit Beschluss vom 15. Juli 2015 ab und entzog einer Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
III.
A erhob am 14./15. August 2015 beim Verwaltungsgericht
Beschwerde mit folgenden Anträgen:
" Abweisung des Beschlusses vom 15.07.2015
Kosten und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Rekursgegnerin [...]
Das Arbeitsverhältnis besteht weiterhin, es bedarf einer ordentlichen Kündigung
Auf die Lohnreduktion Vikariat 90 % Bemessungsgrundlage, Festanstellung 80 % Bemessungsgrundlage ist einzutreten, die Differenz von 10 % pro Monat ist nachzuzahlen
Gesuch um Prozesskostenhilfe ist zu gewähren"
Mit separater Eingabe selben Datums ersuchte A "um unentgeltliche Rechtspflege, sowie unentgeltlichen Rechtsbeistand und Parteientschädigung".
Mit Präsidialverfügung vom 21. August 2015 wurde A aufgefordert, im Zusammenhang mit ihrem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege sowie -verbeiständung eine Aufstellung ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse samt entsprechenden Unterlagen einzureichen. Dieser Aufforderung kam A mit Eingabe vom 28./29. August 2015 nach.
Am 22. September 2015 verzichtete der Bezirksrat D unter Verweis auf die Begründung des Rekursentscheids auf eine Vernehmlassung.
Mit Beschwerdeantwort vom 6./7.
Oktober 2015 beantragte die Gemeinde B die Abweisung der
Beschwerde
.
Mit weiteren Eingaben vom 16./17. und 26. Oktober sowie vom 7. November 2015 äusserten sich A und die Gemeinde abwechslungsweise.
Die Kammer

erwägt:
1.
1.1
Das Verwaltungsgericht ist für Beschwerden gegen erstinstanzliche Rekursentscheide eines Bezirksrats über Anordnungen einer Gemeinde etwa in
personalrechtlichen Angelegenheiten
nach § 41 in Verbindung mit §§ 19 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 Satz 1, 19a, 19b Abs. 2 lit. c sowie §§ 42–44 e contrario des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes
vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) zuständig.
Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2
1.2.1
Die Beschwerdeführerin vertritt auch vor Verwaltungsgericht sinngemäss insbesondere die Auffassung, ihr Anstellungsverhältnis mit der Beschwerdegegnerin sei nicht bis 31. Juli 2015 befristet gewesen; vielmehr handle es sich um ein unbefristetes Verhältnis, welches folglich noch fortbestehe.
Dauert ein Dienstverhältnis an, so gelten als Streitwert die umstrittenen Bruttobesoldungsansprüche bis zum Zeitpunkt der Hängigkeit des Verfahrens beim Verwaltungsgericht zuzüglich der Ansprüche bis zur nächstmöglichen Auflösung des Dienstverhältnisses (vgl. Andreas Keiser, Das neue Personalrecht – eine Herausforderung für die Zürcher Gemeinden, ZBl 102/2001, S. 561 ff., 572;
Kaspar Plüss,
in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 65a N. 33).
Die Beschwerdeführerin war Angestellte der Schule B respektive der Beschwerdegegnerin. Sie war als Logopädin tätig und unterrichtete somit keine im Lehrplan vorgesehenen Fächer. Daher unterstand sie nach § 1 Abs. 1 Satz 1 e contrario des Lehrpersonalgesetzes vom 10. Mai 1999 (LPG, LS 412.31) diesem Gesetz und der Lehrpersonalverordnung
vom 19. Juli 2000 (LPVO, LS 412.311)
grundsätzlich nicht. I
n den Anstellungsverfügungen vom 13. Juni bzw. 30. September 2014 wird jedoch bzw. lediglich bezüglich der "Anstellungsbestimmungen [Rechte und Pflichten]" auf das Lehrpersonalgesetz und die Lehrpersonalverordnung verwiesen (vgl. zum Ganzen auch die Weisung des Regierungsrates vom 8. Juli 1998 zum Lehrpersonalgesetz [ABl 1998, 835 ff., 844]; VGr, 18. Februar 2009, PB.2008.00014, E. 3.1 Abs. 3, und 14. Mai 2008, PB.2008.00005, E. 3.3). Insofern galten für die Beschwerdeführerin somit die §§ 12–24b LPG sowie die entsprechenden Ausführungsbestimmungen in der Lehrpersonalverordnung (beispielsweise § 14 LPVO; vgl. dazu unten 4.2 Abs. 1).
Hätte es sich um ein unbefristetes
Anstellungsverhältnis gehandelt, hätte dieses im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nach der Personalverordnung der Gemeinde B auf Ende Oktober 2015 gekündigt werden können (vgl. auch § 17 Abs. 1 lit. b des Personalgesetzes vom 27. September 1998 [LS 177.10]). Folglich steht insofern Lohn für die Monate August bis Oktober 2015, stehen mithin Fr. 19'627.35
im Streit.
1.2.2
Im Rekursverfahren verlangte die Beschwerdeführerin (wohl eventualiter) die Auszahlung von Fr. 25'706.65, mithin der Differenz zwischen den in den beiden Anstellungsverfügungen vom 13. Juni bzw. 30. September 2014 genannten Beträgen (Fr. 95'492.80 minus Fr. 69'786.15). Vor Verwaltungsgericht stellt sie kein derartiges (Eventual-)Begehren mehr, doch macht sie (neu) weiter geltend, dass sie für das Schuljahr 2014/2015 zu einem Ansatz von 90 % (statt 80 %) des Jahreslohns gemäss Lohnskala im Anhang A zur Lehrpersonalverordnung hätte entlöhnt werden müssen. Sie verlangt damit sinngemäss die nachträgliche Ausrichtung eines Achtels ihres Jahreslohns berechnet auf der Grundlage dieses 90%-Ansatzes, mithin einen Betrag von Fr. 8'723.25 ([Fr. 119'366.- mal 90 durch 100 mal 73,08 durch 100 gleich] Fr. 78'509.40 minus Fr. 69'786.15).
1.2.3
Gesamthaft beläuft sich der Streitwert damit auf Fr. 28'350.60. Folglich ist die vorliegende Beschwerde in Dreierbesetzung zu erledigen (§ 38 Abs. 1 in Verbindung mit § 38b Abs. 1 lit. c e contrario VRG).
2.
Hinsichtlich
der von der Beschwerdeführerin gerügten Unz
uständigkeit des Schulpflegeprä
sidenten für die
Verfügung vom 16.
April 2015
kann auf die zutreffenden
Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (§ 70 in Verbindung mit § 28 Abs. 1 Satz 2 VRG).
Die Zuständigkeit lässt sich auf § 67 des Gemeindegesetzes vom 6. Juni 1926 (LS 131.1) stützen, wonach formelle Verfügungen und Verfügungen, die zwar materieller Natur, aber von geringer Bedeutung oder dringlich sind, in der Zeit zwischen zwei Sitzungen vom Präsidenten oder auf dem Zirkularweg getroffen werden können. Dabei
ist namentlich von Bedeutung, dass mit der Anordnung vom 16. April 2014 nicht etwa die Entlassung der Beschwerdeführerin verfügt wurde, wie diese allenfalls meint; vielmehr stellte bzw. hielt der Schulpflegepräsident damit im Wesentlichen lediglich fest, was aufgrund der Verfügung
vom 30.
September 2014 in Verbindung mit dem vorausgehenden Austausch zwischen den Parteien schon lange feststand, nämlich dass das Anstellungsverhältnis am 31. Juli 2015 ende (vgl. dazu unten 3.2). Dass er die Klärung der Frage der Befristung angesichts der offenkundig dennoch bestehenden Unsicherheit der Beschwerdeführerin bzw. deren irriger Vorstellungen, wie sie aus ihrem Schreiben vom 8. April 2014 ersichtlich sind, zudem als dringlich wertete und deshalb wenige Tage später die in Frage stehende Verfügung erliess, ist daher nicht zu beanstanden.
3.
3.1
Vorab gilt es
festzuhalten, dass die
Verfügungen
vom 13. Juni wie vom 30. September 2014 seitens der Beschwerdeführerin unangefochten geblieben und
dementsprechend mit den dort geregelten Punkten schon seit Längerem
in Rechtskraft erwachsen sind
. Dies gilt
hinsichtlich
zum einen
der Befristung
des Anstellungsverhältnisses als solche, zum andern
der Lohneinreihung
, welche
somit beide zum
gegenwärtigen
Zeitpunkt
grundsätzlich
nicht mehr in
F
rage gestellt werden können (vgl.
im Zusammenhang mit der
Befristung BGr, 31. Oktober 2011, 8C_263/2011, E. 3, sowie 13. Juli 2011, 8C_166/2011, E. 4
.1
).
Auf die Frage des Datums, bis zu welchem das Verhältnis befristet wurde, wird zurückzukommen sein (unten 3.2).