Decision ID: 090867df-ee19-4679-8fd0-813299587579
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
O._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell, Poststrasse 23, Postfach 1544,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilfsmittel (Handrollstuhl)
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
O._ meldete sich am 10. November 2004 zum Bezug von IV-Leistungen an. Die
Humaine Klinik Zihlschlacht berichtete der IV-Stelle am 15. Dezember 2004, man habe
die Diagnose einer wahrscheinlichen multiplen Sklerose gestellt. Am 25. Januar 2007
sprach die IV-Stelle der Versicherten eine ganze Invalidenrente zu. Am 3. September
2009 stellte die Versicherte ein Gesuch um die Abgabe eines Elektromobils und eines
Handrollstuhls. Der vorgesehene Hilfsmittellieferant teilte der IV-Stelle in diesem
Gesuch mit, die Versicherte benötige das Elektromobil zur Erhaltung des Kontakts mit
der Umwelt. Ohne ein Elektromobil könne die Versicherte ihre Einkäufe, Arztbesuche
etc. nicht mehr selbständig tätigen. Den Handrollstuhl benötige sie, um ihre Mobilität
beim Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln beibehalten zu können. Dr. med. A._
von der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete am 27. Oktober
2009, die Versicherte sei durchgehend auf einen Gehstock angewiesen. Auf unebenem
Untergrund könne sie nicht gehen und das Treppensteigen sei ihr nicht möglich. Der
Gehradius sei auf wenige hundert Meter beschränkt. Die IV-Stelle beauftragte das
SAHB Hilfsmittel-Zentrum mit der Abklärung eines allfälligen Bedarfs der Versicherten
nach einem Elektromobil und eines zusätzlichen Handrollstuhls. Das SAHB berichtete
am 30. November 2009, bei der Versicherten reiche die Muskelkraft in den Beinen für
die Erledigungen ausser Haus nicht mehr aus. Die Erschöpfung sei anschliessend zu
gross, um im Hausinnern noch agieren zu können. Der von der Versicherten beantragte
Elektroscooter bringe ihr die nötige Erleichterung. Die Versicherte lebe allein und
erledige ihren Haushalt grösstenteils selbstständig. Die umliegenden Geschäfte seien
ca. 1-2 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Da dieser sich topographisch an
erhöhter Lage befinde, müsse die Versicherte – auf welche Seite sie auch fahre - eine
Steigung von 10-15 % überwinden. Der beantrage Elektroscooter sei – als Hilfsmittel –
einfach und zweckmässig. Zur Abgabe eines Handrollstuhls führte das SAHB am 22.
Januar 2010 aus, dieser werde hauptsächlich für längere Distanzen eingesetzt, da die
Kräfte der Versicherten dort nicht mehr ausreichten. In Kombination mit dem
Elektromobil sei die Versicherte den aktuellen körperlichen Einschränkungen
entsprechend optimal versorgt. Der Sachverständige des SAHB gab am 5. Februar
2010 ergänzend an, die Versicherte benötige den Elektroscooter, um selbständig
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einkaufen zu können. Die Umgebung sei zu steil, um sich mit einem Handrollstuhl
fortzubewegen. In der Wohnung sei im Moment kein Hilfsmittel notwendig, da die
Versicherte kurze Distanzen zu Fuss gehen könne. Auf den Handrollstuhl sei sie
angewiesen, wenn sie z.B. Ausflüge mit Bekannten oder mit der Spitex mache. Wenn
die Umgebung flach sei (z.B. am See oder in einem Museum), könne sich die
Versicherte mit dem Handrollstuhl selber fortbewegen. Der Elektroscooter sei für den
Transport ungeeignet. Mit einer Mitteilung vom 12. Februar 2010 bewilligte die IV-Stelle
die Abgabe des Elektroscooters. Ebenfalls am 12. Februar 2010 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mittels eines Vorbescheids mit, dass sie beabsichtige, das Gesuch um
Abgabe eines zusätzlichen Handrollstuhls abzuweisen. Der Handrollstuhl werde
nämlich nur für gelegentliche Ausflüge benötigt, womit die Anspruchsvoraussetzungen
nicht erfüllt seien. Die Versicherte liess am 11. März 2010 durch die pro infirmis
einwenden, der Handrollstuhl bedeute mehr als gelegentliche Ausflüge und Besuche.
Er komme zum Einsatz, wenn die Versicherte die Gelegenheit habe, mit der Familie
oder mit Freunden einen Tierpark zu besuchen, eine Stadt zu besichtigen, einen Weiher
zu umkreisen, eine Ausstellung zu besuchen, ein Wochenende oder die Ferien zu
verbringen. Ohne Handrollstuhl sei die Versicherte so sehr mit dem beschwerlichen
Gehen beschäftigt, dass sie nichts mehr aufnehmen und geniessen könne. Dann bleibe
sie lieber zuhause. Der Handrollstuhl bedeute deshalb ein grosses Stück
Lebensqualität; er sei kein Luxus. Im April 2010 sei ein Therapieaufenthalt geplant. Die
Versicherte sei davon ausgegangen, dass dieser Rollstuhl mitkomme, damit sie die
Umgebung kennenlernen könne. Insgesamt sei der Handrollstuhl ein wichtiger Teil der
Lebensplanung der Versicherten. Am 23. März 2010 erliess die IV-Stelle eine
Abweisungsverfügung.
B.
Die Versicherte liess am 26. April/4. Mai 2010 Beschwerde gegen diese Verfügung
erheben und beantragen, es seien ihr die ihr gesetzlich zustehenden Leistungen
zuzusprechen. Zur Begründung wurde ausgeführt, für eine kombinierte Benutzung von
Auto/Bahn/Bus und Spaziergängen sei der Elektroscooter nicht einsetzbar. Könne kein
Rollstuhl mitgenommen werden, sei die Versicherte mit dem beschwerlichen Gehen so
beschäftigt, dass sie nichts aufnehmen und geniessen könne. Deshalb bleibe sie
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zuhause. Der Handrollstuhl bedeute für die Versicherte die Erhaltung sozialer Kontakte,
also mehr als gelegentliche Ausflüge oder Besuche.
C.
Die IV-Stelle beantragte am 21. Juni 2010 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte
geltend, die Versicherte verlange die Abgabe von zwei Rollstühlen. Die
Hilfsmittelversorgung habe nicht den Zweck, die im Einzelfall bestmögliche Versorgung
sicherzustellen. Mit dem Elektroscooter sei sichergestellt, dass sich die Versicherte in
ihrer Umgebung fortbewegen und dass sie die üblichen sozialen Kontakte pflegen
könne. Die Versicherte könne mit diesem Hilfsmittel nämlich die Läden, die Post, die
Restaurants erreichen. Die Notwendigkeit eines Handrollstuhls für gelegentliche
Ausflüge sei nicht ausgewiesen. Im Übrigen stünden beispielsweise in Museen und im
Zoo Rollstühle zur Verfügung.

Erwägungen:
1.
Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des
Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspielige Geräte benötigen,
haben im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellen Liste ohne Rücksicht auf die
Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2 IVG). Der Bundesrat hat
diese Aufgabe an das zuständige Departement delegiert (Art. 14 IVV). Dieses hat eine
Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI)
erlassen. Gemäss Art. 2 Abs. 1 HVI besteht ein Anspruch auf die in der Liste im Anhang
aufgeführten Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des
Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind. Dieser Anspruch ist
aber auf die Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung beschränkt (Art. 2
Abs. 4 HVI). Die Rollstühle sind in der Ziffer 9 der Liste im Anhang zur HVI geregelt.
Diese Bestimmung äussert sich nicht zur Frage, ob im Einzelfall sowohl ein
Elektrorollstuhl als auch ein Rollstuhl ohne motorischen Antrieb abgegeben werden
kann. Die Verwaltungspraxis geht davon aus, dass im Normalfall ein Rollstuhl genüge,
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um den entsprechenden Hilfsmittelbedarf zu decken. Welches die Voraussetzungen
der ausnahmsweisen Versorgung mit zwei Rollstühlen ist, wird nicht dargelegt. Die
Ziffer 9.01.3 KHMI (Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung) sieht nur vor, dass die Notwendigkeit der Abgabe eines zweiten
Rollstuhls eingehend begründet werden müsse, ohne aber anzugeben, welches die
Anforderungen an eine Versorgung mit zwei Rollstühlen seien, worin also die
eingehende Begründung zu bestehen habe. Im Zusammenhang mit der Abgabe von
zwei Elektrorollstühlen werden in der Ziffer 9.02.4 KHMI zwei Beispiele angeführt: bei
erwerbstätigen Versicherten, wenn der eine Elektrorollstuhl am Arbeitsplatz und der
andere im Wohnbereich benötigt wird, oder bei Versicherten im Internat, wenn ein
Elektrorollstuhl im Internat und der andere zuhause eingesetzt wird. Der Grund für die
Doppelversorgung besteht darin, dass der Transport eines Elektrorollstuhls sehr
umständlich ist, weil ein normaler PW (auch als Kombi) nicht ausreicht. Das gilt
natürlich erst recht für den Elektroscooter der Beschwerdeführerin. Dieser kann weder
im Auto noch im Bus mitgeführt werden und auch der Transport mit der Bahn ist
umständlich und verursacht wohl – anders als ein Handrollstuhl – zusätzliche Kosten.
Die Beschwerdeführerin hat also einen grundsätzlichen Bedarf nach einem
Handrollstuhl, denn auf Reisen mit Auto und/oder öffentlichen Verkehrsmitteln kann sie
den Elektroscooter nicht mitnehmen; diesen könnte sie auch für den Besuch von
Museen, Ausstellungen o.ä. wohl nicht benützen.
2.
2.1 In den oben wiedergegebenen beiden Beispielen wird implizit vorausgesetzt, dass
die versicherte Person sowohl zuhause als auch am Arbeitsplatz bzw. im Internat in
einem anspruchsbegründenden Ausmass auf einen Elektrorollstuhl angewiesen sei.
Auch bei der Beschwerdeführerin stellt sich die Frage, ob ein anspruchsbegründender
Bedarf nach einem zweiten Rollstuhl bestehe. Dabei geht es nicht um die Anforderung
der einfachen und zweckmässigen Hilfsmittelversorgung, denn diese bezieht sich auf
die Qualität des Hilfsmittels und nicht auf die Art des massgebenden Hilfsmittelbedarfs.
Der Handrollstuhl wäre für den Bedarf der Beschwerdeführerin durchaus einfach und
zweckmässig, d.h. sie würde keinen zweiten Elektroscooter und auch keinen
Elektrorollstuhl benötigen. Die entscheidende Frage ist nicht diejenige nach der
Qualität des Hilfsmittels, sondern nach einem anspruchsrelevanten Hilfsmittelbedarf: Ist
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die Beschwerdeführerin in einem anspruchsbegründenden Ausmass auf einen
Handrollstuhl angewiesen? Diese Frage ist anhand der gesetzlichen Definition der
leistungserheblichen Invalidität zu beantworten.
2.2 Bis zur 1. IV-Revision waren die Hilfsmittel ausschliesslich
Eingliederungsmassnahmen, d.h. ein Anspruch auf ein Hilfsmittel konnte nur bestehen,
wenn dieses Hilfsmittel für die berufliche Eingliederung notwendig war oder eine
unerlässliche Ergänzung einer medizinischen Eingliederungsmassnahme darstellte. Mit
der 1. IV-Revision wurde der Zweck der Hilfsmittelversorgung über die berufliche und
medizinische Eingliederung hinaus erweitert. Gemäss der aktuellen Fassung des Art. 21
Abs. 2 IVG besteht ein Anspruch auf eine Hilfsmittelversorgung, wenn die versicherte
Person infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontakts
mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf. Der Bundesrat
begründete diese Ausdehnung der Anspruchsberechtigung in seiner Botschaft vom 27.
Februar 1997 (vgl. BBl 1967 I 676 f.) damit, dass die frühere enge Regelung praktisch
nur die Schwerstinvaliden von der Hilfsmittelversorgung ausgeschlossen habe, weil
diesen Personen keine berufliche Betätigung und keine Mitwirkung im Haushalt
möglich seien. Für solche Versicherte würden jedoch Behelfe, die der Förderung der
Selbständigkeit und des Kontakts mit der Umwelt dienen, eine sehr wertvolle Hilfe sein.
Und da es sich in der Regel um vollständig erwerbsunfähige Personen handle, würde
eine Beschränkung der Hilfsmittelversorgung auf bedürftige Versicherte nicht für
notwendig erachtet. Hingegen sei eine gewisse Zurückhaltung hinsichtlich der Art der
abzugebenden Hilfsmittel angesagt. Es sei zu vermeiden, dass die IV wegen
geringfügiger Aufwendungen in Anspruch genommen werde. Daher sollte nach
Auffassung des Bundesrates die Abgabe von Hilfsmitteln, die nicht der Eingliederung
ins Erwerbsleben, der Schulung oder der Ausbildung dienen, beschränkt sein auf
kostspielige Geräte zur Ermöglichung der Fortbewegung, der Selbstsorge und zur
Herstellung des Kontakts mit der Umwelt. Die vorliegend massgebenden Begriffe der
Fortbewegung und der Herstellung des Kontakts mit der Umwelt sind aber – bezüglich
des Ausmasses – in der Botschaft zur 1. IV-Revision nicht näher definiert worden. Der
mit der 4. IV-Revision (erst im Parlament) eingefügte Art. 1a IVG (lit. c: "Die Leistungen
dieses Gesetzes sollen zu einer eigenverantwortlichen und selbstbestimmten
Lebensführung der betroffenen Versicherten beitragen") ist in seiner Auswirkung auf die
Hilfsmittel ebenfalls nicht konkretisiert worden. Die sich im vorliegenden Fall stellende
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Interpretationsfrage, ob der Fortbewegungsbedarf und der Bedarf nach Kontakt mit der
Umwelt so zu verstehen seien, dass sie auch jenen Mobilitätsbedarf der
Beschwerdeführerin umfassten, der durch den bereits abgegebenen Elektroscooter
nicht gedeckt sei, kann also nicht unter Rückgriff auf die Gesetzesmaterialien
beantwortet werden.
2.3 In der Rechtsprechung wurde in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem
Hilfsmittel "Rollstuhl" unter anderem Folgendes entschieden: Nicht
eingliederungsfähige Versicherte, welchen ein nicht zum Strassenverkehr zugelassener
Elektrofahrstuhl nach Ziffer 9.02 der Hilfsmittelliste zugesprochen wurde, haben nicht
zusätzlich Anspruch auf Abgabe eines Normalfahrstuhles (ZAK 1978 S. 518, I 351/77).
Beim Elektrofahrstuhl sei ein Modell zu wählen, das sich sowohl als Zimmer- wie auch
als Strassenfahrstuhl eignet (ZAK 1981 S. 390, I 827/80). Nichterwerbstätigen könne
zusätzlich zu einem Fahrstuhl mit elektromotorischem Antrieb ein gewöhnlicher
Fahrstuhl nur abgegeben werden, wenn dies einer unbedingten Notwendigkeit
entspricht (ZAK 1987 S. 100, I 513/85). In einem neuen Entscheid (BGE 133 V 257 E.6)
relativiert das Bundesgericht diese Praxis. Zum Einen sei zu differenzieren zwischen
Rollstühlen ohne motorischen Antrieb im Sinne von Ziffer 9.01 HVI-Anhang und
Elektrorollstühlen gemäss Ziffer 9.02 HVI-Anhang. Der Anspruch auf einen Rollstuhl
ohne motorischen Antrieb sowie derjenige auf einen Elektrorollstuhl sei je einzeln zu
prüfen. Sei einer versicherten Person bereits ein Hilfsmittel der einen Art abgegeben
worden, könne dies unter bestimmten Umständen einen Einfluss auf den Anspruch aus
der anderen Unterkategorie haben. Zum Andern schliesst das Bundesgericht die
Abgabe von zwei Rollstühlen der einen Unterkategorie nicht aus, auch wenn die
versicherte Person zusätzlich mit einem Rollstuhl der anderen Unterkategorie versorgt
ist. Wesentlich dabei sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die
persönlichen Bedürfnisse des Versicherten im Einzelfall, die nach Massgabe von Art.
21 Abs. 2 IVG abzuklären sind.
2.4 Die Hilfsmittelversorgung unterliegt den allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen
gemäss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erforderlichkeit, Eingliederungswirksamkeit; BGE 122
V 212 neues Fenster E. 2c S. 214). Leistungen, die im HVI-Anhang aufgeführt sind,
werden nicht ohne weiteres, sondern nur soweit erforderlich und lediglich in einfacher
und zweckmässiger Ausführung erbracht (Art. 21 Abs. 2 IVG; Art. 2 Abs. 4 HVI). Die
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Invalidenversicherung ist auch im Bereich der Hilfsmittel keine umfassende
Versicherung, welche sämtliche durch die Invalidität verursachten Kosten abdecken
will; das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit sicherstellen, als diese im
Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist und zudem der voraussichtliche Erfolg
der Eingliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten steht
(Art. 8 Abs. 1 IVG; BGE 134 V 105 neues Fenster E. 3 S. 107 f. mit Hinweisen). Nach
der Rechtsprechung bezieht sich die Notwendigkeit des Hilfsmittels auf die konkrete
Situation, in welcher die versicherte Person lebt (BGE 135 V 161 E. 5.1).
2.5 Aus den medizinischen Unterlagen geht hervor, dass die Beschwerdeführerin sich
in ihrer Wohnung mit Hilfe einer Gehstütze fortbewegen kann. Ausser Haus vermag sie
zu Fuss nur noch wenige hundert Meter zurückzulegen; nach zehn Minuten Gehen ist
sie erschöpft und ihr Gang wird beschwerlich und unsicher. Aus diesem Grund hat die
Beschwerdegegnerin ihr einen Elektroscooter bewilligt. Damit ist es der
Beschwerdeführerin möglich, in der nahen Umgebung ihrer Wohnung ohne fremde
Hilfe alltägliche Besorgungen (Einkäufe, Amtsgänge, Arzt- und Therapiebesuche) zu
erledigen und im nachbarschaftlichen Umfeld auch soziale Kontakte zu pflegen.
Indessen ermöglicht der Elektroscooter der Beschwerdeführerin nur in der näheren
Umgebung ihrer Wohnung eine selbstständige Fortbewegung. Für die Überwindung
grösserer Distanzen, die gewöhnlich mit dem Auto oder mit öffentlichen
Verkehrsmitteln zurückgelegt werden, kann die Beschwerdeführerin – auch wenn sie in
Begleitung einer Drittperson verreist – den Elektroscooter nicht einsetzen bzw. der
Elektroscooter kann – je nach Umständen – nur sehr schwierig oder gar nicht
transportiert werden. Ausserdem ist der Elektroscooter nicht das geeignete Hilfsmittel
für Räume und Plätze, wo man sich gewöhnlich zu Fuss fortbewegt oder stehend
verweilt. Um trotz der eingeschränkten Gehfähigkeit und der raschen Ermüdung die
(begleitete) Mobilität und damit den Kontakt mit der Umwelt, mit Angehörigen und
Freunden auch ausserhalb ihrer unmittelbaren Wohnumgebung aufrecht erhalten zu
können, ist die Beschwerdeführerin daher auf einen Handrollstuhl angewiesen. Dieser
gewährleistet ergänzend zum Elektroscooter die erforderliche Hilfsmittelversorgung.
Die Abgabe eines Handrollstuhls erscheint im Hinblick auf den Eingliederungszweck
einer möglichst selbstbestimmten Lebensführung als angemessen und
verhältnismässig.
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2.6 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf einen ihrem konkreten Bedarf angepassten, einfachen und
zweckmässigen Handrollstuhl hat.
3.
Die angefochtene Abweisungsverfügung ist deshalb als rechtswidrig aufzuheben und
der Beschwerdeführerin ist ein bedarfsgerechter, einfacher und zweckmässiger
Handrollstuhl zuzusprechen. Da die Beschwerdegegnerin den richtigen Handrollstuhl
noch zu ermitteln haben und da sie zudem noch über den Abgabemodus zu
entscheiden haben wird, ist die Sache zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens an
sie zurückzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr
bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser ist als
deutlich unterdurchschnittlich zu werten, weshalb sich eine Gerichtsgebühr von Fr.
400.- rechtfertigt. Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat diese
Gebühr zu bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht