Decision ID: dde11a56-f816-4699-8a40-b94353d1951f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1958
, meldete sich am
2
9.
Juni 2011
unter Hinweis auf
eine Krankheit
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/7
Ziff.
6.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte mit Verfügung vom 2
0.
Januar 2012 einen Leistungsanspruch des Versicherten (
Urk.
8/27).
Am 2
4.
Oktober 2012 meldete sich der Versicherte erneut unter Hinweis auf eine Krankheit bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/28
Ziff.
6.1). Mit Verfügung vom
1.
Februar 2013 trat die IV-Stelle auf das neue Leistungsbegehren des Versicherten nicht ein (
Urk.
8/34).
Am
2.
Mai 2014
meldete sich der Versicherte
erneut
unter Hinweis auf eine Krankheit bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/45
Ziff.
6.1
). Die IV-Stelle holte unter anderem
bei
m Y._
,
Z._
,
ein
interdisziplinäres
Gutachten ein, das am
1
2.
Januar 2015
erstattet wurde (Urk.
8/70
). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
8/78
;
Urk. Urk.
8/82
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
2.
Juli 2015 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
8/85).
1.2
Am
2.
März 2017
meldete
sich
der Versicherte
erneut
unter Hinweis auf ein seit dem Jahr 2005 bestehendes Trauma und eine Depression bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/92
Ziff.
6.1). Die IV-Stelle nahm Abklä
rungen der beruflich-erwerblichen und der medizinischen Situation vor und stellte
dem Versicherten
mit Vorbescheid vom 1
9.
Mai 2017 in Aussicht, dass auf das neue Leistungsbegehren nicht eingetreten werde (
Urk.
8/95). Dagegen erhob der Versicherte am 1
3.
Juni 2017 Einwände (
Urk.
8/97)
. Die IV-Stelle holte
in der Folge
weitere medizinische Berichte ein und veranlasste beim
Y._
ein interdis
ziplinäres Verlaufsgutachten, welches am
8.
Novem
ber 2018 erstattet wurde (
Urk.
8
/136
/2-68
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/143,
Urk.
8/146) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
4.
Februar 2019 einen
Leistungsa
nspruch (
Urk.
8/148 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
6.
März 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
4.
Februar 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm eine
Rente zuzusprechen. Eventuell sei der Fall an die Beschwerdegegnerin zwecks weitere
r
Abklärungen zurückzuweisen
(
Urk.
1 S.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
April 2019
(
Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde. Dies w
urde dem Beschwerdeführer
am
2
9.
April 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13
).
Mit Gerichtsverfügung vom
1
3.
Mai 2019
wurde
antragsgemäss (
Urk.
1
S. 1
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt (
Urk.
14
).
Am 2
8.
Mai 2019 äusserte sich der Beschwerdeführer
erneut (
Urk.
16) und reichte einen weiteren medizinischen Bericht (
Urk.
17) ein,
was
der Beschwerdegegnerin am
3.
Juli 2
019 zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
18). Am 2
3.
Juli 2019 (
Urk.
19) und am
6.
November 2019 (
Urk.
22) reichte der Beschwerdeführer weitere medizinische Berichte (
Urk.
20,
Urk.
23) ein, welche der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht wurden (
Urk.
21,
Urk.
24).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131
V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281
E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und so
ziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vor
der
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu um
fas
sen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar un
ter
scheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Be
lastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psy
chische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Ge
sundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.7
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung
über die Invalidenversicherung; IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.8
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass sich der Beschwerdeführer am
2.
Mai 2017
erneut
zum Bezug vom Leistungen der Invali
denversicherung angemeldet habe. Gestützt auf das veranlasste
Y._
-Gutachten könne festgehalten werden, dass ihm weiterhin eine leichte bis mittelschwere Tä
tigkeit zu 100
%
zumutbar sei. In der bisherigen Tätigkeit als Hilfsarbeiter sei er somit nicht eingeschränkt
,
und ein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi
cherung bestehe damit weiterhin nicht.
Es seien keine neuen stichhaltigen Tatsa
chen vorgebracht worden, die zum Entscheidungszeitpunkt nicht bereits vorge
legen hätten (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass sein Leiden eine lange Geschichte habe. Auf die Einschätzung der Fachper
sonen des
A._
sei abzustellen (S. 2
Ziff.
1). Auch aus den Berichten der übrigen behandelnden Ärzte des
B._
sowie der
C._
vom
1.
Dezember 2017 ginge hervor, dass er schwer krank und arbeitsunfähig sei. Auf das
Y._
-Gutachten könne nicht abge
stellt werden, da die Gutachter vorbefangen seien und ihre Einschätzung von jener der behandelnden Ärzte abweiche (S. 3 f.
Ziff.
2-5).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort
(
Urk.
7)
führte die Beschwerdegegnerin aus, dass die Gutachter des
Y._
nicht bereits
deshalb
als befangen gelten würden, weil sie den Beschwerdeführer schon einmal begutachtet hätten und zu einer ungünstigen
Schlussfolgerung gelangt seien
(S. 1 f.
Ziff.
2).
Aus dem Gutachten des
Y._
vom
8.
November 2018 gehe hervor, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers seit der Verfügung vom 2
2.
Juli 2015 nicht wesentlich verändert habe. Zudem bestehe gemäss
dem
Y._
-Gutachten eine Diskrepanz zwischen der Inten
sität d
er Beschwerdeschilderung und den
erhobenen psychiatrischen Befunden und die Beschwerdegebaren seien teilweise überzeichnet gewesen.
Weiter
sei das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers hoch. So spaziere er gemäss eigenen An
gaben etwa 40 km bis 50 km pro Tag und könne auch Einkäufe erledigen. Aus
serdem befinde er sich in einem adäquaten sozialen Umfeld
,
und die wahrgenom
mene psychiatrische Behandlung von bloss einmal im Monat für 15 bis 20 Minuten spreche für einen geringe
n Leidensdruck (S. 2
Ziff.
3).
2.4
Ergänzend führte der Beschwerdeführer aus (
Urk.
16), dem Bericht der
Ärzte der
D._
vom 2
3.
Mai 2019
sei
zu entneh
men, dass er an einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Sympto
men leide und demzufolge
a
rbeitsunfähig sei. Die Spitalbehandlung sei unmittel
bar nach der Begutachtung beim
Y._
begonnen worden, weshalb es sich um eine Krankheit handle, welche vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung bestanden habe
(S. 1 f.
Ziff.
3)
.
2.5
Strittig und zu prüfen ist, ob sich seit Erlass der Verfügung vom
22
. J
uli 2015
(
Urk.
8/85
) eine anspruchsrelevante Veränderung ergeben hat (vgl. vorstehend E. 1.
7-8
).
3.
3.1
D
er
anspruch
s
verneinende
n
Verfügun
g vom 2
2.
Juli 2015 (
Urk.
8/85), worin da
von ausgegangen wurde
, dass der Beschwerdeführer
sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit im Zeitraum vom
2.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2013 eingeschränkt, ab dem
1.
Januar 2014 jedoch wieder zu 100
%
arbeitsfähig gewesen sei
,
lag hauptsächlich
das von der Beschwerdegeg
nerin ver
anlasste interdisziplinäre Gutachten des
Y._
vom 12.
Januar 2015 (
Urk.
8/70)
zugrunde.
3.2
Die Gutachter des
Y._
nannten
in
ihrem
Gutachten vom
1
2.
Januar 2015
(
Urk.
8/70)
folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 38
Ziff.
7):
-
laut Akten
Spondyl
o
arthropathie
, aktuell in Remission
unter Basistherapie mit
Salazop
y
rin
-
h
umane
s
Leukozyten Antigen
(
HLA
)
B27 positiv
-
Status nach
Enthesiopathien
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine mus
kuläre
Dysba
lance
am Schult
ergürtel beidsei
ts (
Trapezius
) und am Becken
gürtel beidseits (Knieflexoren), unspezifische Rückenschmerzen, m
ultiple
Enchondrome
im rechten proximalen Femur (MRI 1
4.
November
2013)
,
eine
m
ediale Meniskus
läsion rechts (MRI 1
8.
Juli 2014), zurzeit asymptomatisch, eine
Epico
ndyl
op
athia
humeri
radialis
beidseits,
a
kzentuierte Persönlichkeitszüge
mit unstet narzissti
schen Anteilen
,
eine
c
hronische Schmerzstörung
mit somat
ischen und psychi
schen Faktoren
, a
namnestisch
eine
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig remittiert
,
eine a
rter
ielle Hypertonie,
eine
Adipositas,
ein
Asthma bronchiale
, eine chronische Hepatitis B, eine
Hypercholesterinämie
sowie eine Prostatahyperplasie (S. 38
Ziff.
8).
Die Gutachter führten aus, dass beim Beschwerdeführer in
seinen bisher ausge
übten Hilfsarbeitertätigkeiten vom
2.
Oktober bis Ende Dezember 2013 bei Vor
liegen der entzündlichen
Veränderungen
eine 70%ige Arb
eitsunfähigkeit
attes
tiert werden könne
und ab Januar 2014,
nachdem gemäss den Laborwerten keine systemische Entzündungsaktivität mehr im Blut habe nachgewiesen werden kön
nen
, keine
Einschränkung mehr
bestanden h
abe (
S. 42 f.
Ziff.
10
).
Psychiatri
scherseits
und aus allgemeinmedizinischen Gründen bestehe keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit (S. 43 Mitte).
Zu den Auswirkungen der Störung auf eine adaptierte Tätigkeit führten die Gut
achter aus, dass aufgrund der rheumatologischen Hauptdiagnose und de
r
aufge
führten internistischen Diagnosen theoretisch eine körperliche Schwerarbeit nicht zumutbar wäre. In allen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten könne dagegen aufgrund der aktuellen klinischen Situation und unter Berücksichtigung der Aktenlage keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden (S. 43
Ziff.
11).
4.
4.
1
Im Rahmen der
erneuten A
nmeldung vom
2.
März 2017
(Urk.
8/92
) gingen die folgenden wesentlichen medizinischen Berichte ein:
4.2
Die Ärzte der
C._
stellte in ihrem Austrittsbericht vom 1.
Dezember 2017 (
Urk.
8/109/1-4)
die
folgende
n, hier verkürzt angeführten
Diagnosen (S. 1 f.):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
multifokale Gelenkschmerzen chronisch bei Arthr
itis/Spondylarthritis, re
aktiv,
Chlamydien-Sereologie
und HLA B27 positiv
-
chronische
Mittelbauchschmerzen, Differen
t
ialdiagnose
(DD)
Adhäsionen, Obstipations-dominanter
Reizdarm
Tacker-assoziiert
-
chronische
Obstipation und Hämorrhoiden zirkulär Grad I
-
Hepatitis B, chronisch,
inactive
carrier
, Steatose, Hämangiom (1 cm)
-
Prostatahyperplasie Stadium I mit Miktionsbeschwerden, Erstdiagnose
(ED)
2013
-
Asthma bronchiale mit/bei
chronic
obstructive
pulmonary
disease
(
COPD
)
, Erstdiagnose April 2013, GOLD Stadium 2, persistierender Nikotinabusus, Exazerbation Februar 2012
-
Tularämie,
ulcero-glandulär
axillär
beidseits
-
metabolisches Syndrom
-
Enchondrome
, multipel im rechten proximalen Femur
-
substituierter Vitamin D-Mangel
Die Ärzte führten aus, dass der Beschwerdeführer vom
1.
bis 2
1.
November 2017 bei ihnen hospitalisiert gewesen sei (S. 1). Er habe an einem ganzheitlich orien
tierten, interdisziplinären Behandlungsprogramm für Patienten mit psychosoma
tischen Erkrankungen teilgenommen (S. 2 Mitte).
Für die Dauer des Klinikaufent
haltes habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 3 unten).
Es seien verschiedene Vorschläge denkbarer leichter Tätigkeiten diskutiert worden, deren Verfügbarkeit der Patient mit Hilfe prüfen könnte.
Er schätze ein solche Möglich
keit sehr
skeptisch ein, da er sehr schlecht deutsch spreche und in der Vergan
genheit bei solchen Bewerbungen immer Absagen erhalten habe
. Die Familie hoffe auf eine grössere Wohnung. Positiv habe er hervorgehoben, dass er einige Kilogramm an Gewicht habe reduzieren und seine Fitness habe verbessern kön
nen. Er wolle seine täglichen langen Spaziergänge weiterführen und sich mit Lesen ablenken (S. 2 unten f.).
4.3
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
stellte in ihrem Bericht vom 2
6.
Dezember 2017 (
Urk.
8/112/1-4) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
multifokale Gelenkschmerzen bei Spondylarthritis und multiplen degene
rativen Veränderungen
-
chronische Bauchschmerzen bei
Reizdarm
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
Asthma bronchiale
-
metabolisches Syndrom
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine chroni
sche Hepatitis B, eine chronische Obstipation und einen Status nach Tularämie
ulcero-glandulär
axilliär
beidseits
im Februar 2016 (
Ziff.
1.1).
Dr.
E._
führte aus, der Beschwerdeführer
sei
seit Oktober 2016 bei ihr in Be
handlung, und die letzte Kontrolle
sei
am 1
5.
Dezember 2017 erfolgt (
Ziff.
1.2). Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei schwierig. Gemäss ihren Informationen habe der Beschwerdeführer zuletzt im Jahr 2007 als Briefträger gearbeitet. Für diese Arbeit bestehe eine Arbeitsunfä
higkeit von 100
%
.
Es bestehe eine verminderte körperliche und
psychische Belastbarkeit. In einer leichten
körperlichen Arbeit ohne psychischen Druck bestehe eine Arbeitsfähigkeit von vier Stunden
(
Ziff.
1.7).
4.4
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Rheumatologie,
B._
,
stellte in ihrem Bericht vom 2
1.
Februar 2018
(
Urk.
8/115)
die
fol
gende
n, hier
gekürzt
angeführten
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (S. 1 f.):
-
Spondyloarthritis
, Differenzialdiagnose
Spondylitis
ankylosans
, reaktiv
-
gemäss Akten positive
Chlamydien
-Serologie im Blut
-
HLA B27 positiv
-
geringe humorale Entzündungsaktivität
-
Therapie:
Salazopyrin
vom 2
0.
November 2013 bis
6.
Juli 2015, Stopp wegen Kopfschmerzen und fehlender Wirkung, aktuell Analgesie mit
Novalgin
-
aktuell verstärkte lumbale Schmerzen mechanischer Art
-
rezidivierende depressive Störung
-
posttraumatische Belastungsstörung
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie einen sub
stituierten Vitamin D-Mangel, eine
ulcero-glanduläre
Tularämie
axillär
beidseits, eine chronische H
epatitis B, eine arterielle Hyp
ertonie, eine
Dyslipidämie
, einen Diabetes mellitus Typ II, eine Adipositas (BMI 32), ein
e
COPD, Erstdiagnose April 2013, GOLD Stadium 2, multiple
Enchondrome
im rechten proximalen Femur, Miktionsbeschwerden, eine leichte Prostatahyperplasie, eine chronische Obstipa
tion sowie einen Status nach
Appendizitis
perforata
(S. 2).
Dr.
F._
führte aus, der Beschwerdeführer
sei
seit dem 1
7.
Mai
2016 bei ihr in Behandlung, und
die letzte Kontrolle
sei
am 1
4.
Dezember 2017 erfolgt
. Aufgrund
der
aktiven Spondylarthritis
sei er
aus rheumatologischer Sicht für ein
e leichte körperliche Tätigkeit
mit der Möglichkeit
,
sich ständig zu bewegen und ohne Lasten tragen zu müssen
,
stundenweise arbeitsfähig
. Die Arbeitsfähigkeit betrage etwa zwei Stunden pro Tag.
Dabei sei die psychiatrische Situation nicht berücksichtigt (
Ziff.
1.6). Es bestehe eine chronische Depression und eine post
traumatische Belastungsstörung (
Ziff.
1.7).
Die Beschwerden seien seit ihrem Bericht vom 1
7.
Mai 2016 unverändert. Es komme zur Schmerzverstärkung nachts, im Sitzen und Stehe
n und
am besten gehe das Laufen (
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer leide
einerseits an einer weiter inaktiven
Spondyloarthritis
und an
dererseits an einem chronischen Schmerzsyn
drom bei depressiver Störung und posttraumatischer Belastungssituation (S. 3 oben).
4.5
Die Gutachter des
Y._
erstatteten am
8.
November 2018 das von der Beschwer
degegnerin veranlasste
interdisziplinäre
Verlaufsgutachten (
Urk.
8/136
/2-68
).
Die
Gutachter nannten
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8
Ziff.
4.2):
-
Spondyloarthritis
-
HLA B27 positiv
-
gemäss Austrittsbericht vom 1
1.
Juli 2017 der Klinik für Rh
eumatolo
gie
G._
in der MRI-Untersuchung der
Lendenwirbelsäule
(
LWS
)
vom
6.
Juli 2017
Anulus
-Riss
Lendenwirbelkörper (
LWK
)
4/5, Spondylitis
posterior
LWK1 und vorwiegend chronische, nur gering akut entzündliche Veränderungen an beiden
Iliosakralgelenken
(
ISG
)
sowie multisegmentale
Diskopathien
der LWS
-
Status nach Basistherapie mit
Salazopyrin
-
chronische Bronchitis bei Nikotinabusus, COPD
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter unspezifische Rückenschmerzen bei Status nach Exazerbation mit
Hospitalisation
im
G._
(Austrittsbericht vom 1
1.
Juli 2017), eine muskuläre
Dys
balance
am Schulter- und am Beckengürtel, eine
Epicondylopathia
humeri
radialis
beidseits, multiple
Enchondrome
im rechten proximalen Femur (MRI 1
4.
November 2013), eine mediale Meniskusläsion rechts (MRI vom 1
8.
Juli 2014), akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit unstet-narzisstischen Anteilen, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F 45.41),
eine Angst- und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F 41.2
),
eine arterielle Hypertonie, einen Diabetes mellitus II, Übergewicht
(
BMI 29
)
, e
ine Hypercholesterinämie, eine P
rostatahyperplasie, einen Status nach Tularämie im Februar 2016 und eine inaktive chronische Hepatitis B (S. 9
Ziff.
4.2).
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führten die Gutachter aus, dass gegenüber der
Y._
-Begutachtung vo
n
2015 eine richtungsweisende Verände
rung nicht konstatiert werden könne
. Die aktuelle Diagnose
einer
Angst- und depressive
n
Störung gemischt dürfte reaktiv auf den ablehnenden IV-Entscheid sowie die nun neuerliche
Y._
-Begutachtung verstanden werden. Der Versicherte sei seit vielen Jahren keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgegangen, weshalb die Arbeitsfähigkeit bezogen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt beurteilt werde.
Bezüglich einer körperlich leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Tätig
keit bestehe aus rein rheumatologischer Sicht weiterhin keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit,
wobei die beschriebenen Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung und die daraus resultierenden subjektiv wahrgenommenen Beschwerden bei die
ser Beurteilung nicht
berücksichtigt worden seien
(S. 14 Mitte)
.
Auch aus gesamt
medizinischer Sicht sei eine richtungsweisende Veränderung gegenüber der
Y._
-Begutachtung vo
n
2015 nicht nachzuweisen (S. 15 oben).
Die Gutachter führten aus, dass sowohl in angestammter wie adaptierter Tätigkeit bei leichtgradig ausgeprägter chronischer Schmerzstörung und Angst
-
und de
pressiver Störung gemischt eine mittelgradige Beeinträchtigung der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der Durchhaltefähigkeit und der Selbstbehauptungs
fähigkeit bei ansonsten erhaltenen Items bestehe. Der Versicherte sollte nicht zu sehr unter Leistungsdruck geraten. Die Arbeitsplatzatmosphäre sollte verständ
nisvoll sein.
Aufgrund der rheumatologischen Hauptdiagnose und der internistischen Dia
gnose der COPD sei weiterhin, wie schon im Vorgutachten vo
n
2015 ausgeführt, medizin-theoretisch eine körperlich schwere Arbeit nicht mehr zumutbar. Im Sinne einer Funktionseinbusse seien aus rheumatologischer Sicht zudem spezi
fisch die L
WS
belastende Körperhaltungen oder Arbeitsabläufe (Tätigkeiten wiederholt oder ständig gebückt oder
rekliniert
oder mit repetitiven Torsionsbe
we
gungen
)
zu vermeiden (
S. 9
unten
f
.
Ziff.
4.3).
Die Gutachter führten aus, entsprechend der unterdessen durchgeführten bildge
benden Abklärungen und der aktuellen Untersuchung bestehe kein peripherer Gelenksbefall. Die früher diagnostizierte
Spondyloarthritis
beschränke sich schon länger auf eine axiale Form.
Labormässig sei nie eine erhöhte Entzündungsakti
vität im Sinne einer systemischen Entzündung nachgewiesen worden, wie dies auch aktuell der Fall sei
. Auch bildgebend seien keine relevanten progredienten Veränderungen nachweisbar. Das klinische Bild werde derzeit deutlich geprägt durch
funktionelle Einschränkungen und Beschwerdeangaben, die nur zu einem kleinen Teil durch das rheumatologische Grundleiden erklärt werden könnten (S.
5 oben).
Die Gutachter führten aus, dass aus psychiatrischer Sicht die Besch
werdeschilde
rung insgesamt vage,
ausflüchtend und verallgemeinernd gewesen sei. Präzise, aktengestützte Nachfragen hätten kein abgerundetes Bild ergeben. Diskrepant zu seinen
eigenen Angaben (sozial keine ausserfamiliären Kontakte mehr zu pflegen) seien die Angaben im Austrittsbericht der
C._
vom
1.
Dezem
ber 2017 gewesen, wo eine ordentliche soziale Verankerung beschrieben werde. Es habe eine Diskrepanz zwischen der Intensität der Beschwerdeschilderung und den erhobenen psychiatrischen Befunden bestanden. Das Beschwerdegebaren sei zum Teil überzeichnet gewesen. Auch im rheumatologischen Fachbereich seien
Funktionseinschränkungen während der eigentlichen Untersuchungssituation gezeigt worden, die bei Spontanbewegungen nicht mehr in diesem Ausmass vor
handen gewesen seien. Im Gegensatz zu den Angaben im Gutachten vo
n
2015
hätten demnach auch die Zeichen des sogenannten vermehrten Schmerzgebarens zugenommen (S. 13 Ziff.
4.6).
4.6
Dr.
med.
H._
, Facharzt für A
llgemeine Innere Medizin und fü
r Rheu
matologie,
Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
)
, führte in seiner Stellungnahme vom 1
4.
November 2018 (
Urk.
8/142
S.
5) aus, dass das
Y._
-Gutachten vom
8.
November 2018 beweiskräftig sei. Es würden eine
Spondyloarthritis
und eine chronische Bronchitis bei Nikotinabusus genannt. Eine richtungsweisende Ver
änderung gegenüber der
Y._
-Begutachtung vo
n 2
015 habe nicht nachgewiesen werden können. Demnach könne in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit weiterhin keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden.
4.7
Der stationäre Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 2
9.
März bis 2
7.
Mai 2019 in
der
D._
erfolgte aufgrund einer fürsorgerischen Unterbringung (vgl.
Urk.
20 S. 1) und nach Erlass der hier zu beurteilenden Verfügung vom
4.
Februar 201
9.
Dementsprechend ist auf den
Austrittsbericht vom
1
3.
Juni
2019 (
Urk.
20
)
nicht weiter einzugehen.
Gleiches gilt für den von den
Fachpersonen des
A._
am 2
2.
Oktober 2019 erstat
teten B
ericht (
Urk.
23)
.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
in ihrer Verfügung (
Urk.
2)
nach der Stellung
nahme des RAD-Arzte
Dr.
H._
vom 1
4.
November 2018 (vorstehend E. 4.6)
gestützt auf das Gutachten des
Y._
vom
8.
Novem
ber 2018 (vorstehend E. 4.5
)
davon aus,
dass
dem Beschwerdeführer weiterhin eine leichte bis mittelschwere
Tätigkeit zu 100
%
zumutbar sei und de
mnach seit der letzten anspruch
s
vernei
nenden Verfügung vom 2
2.
Juli 2015 (
Urk.
8/85) keine aus invalidenversiche
rungsrechtlicher Sicht relevante Änderung des Gesundheitszustandes eingetreten sei (vorstehend E. 2.1 und E. 2.3).
5.2
Das
Y._
-Gutachten vom
8
.
Novem
ber 2018 (vorstehend E. 4.5
) erfüllt die for
malen Beweiswert-Anfor
derungen (vorstehend E. 1.9
) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen des
Beschwerdeführers, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nach
vollziehbar begründete Schlussfolgerungen.
Soweit der Beschwerdeführer
allein aufgrund dessen, dass es sich um ein Ver
laufsgutachten bei derselben Begutachtungsstelle handelte
,
von welcher er schon einmal begutachtet wurde,
eine Vorbefangenheit der Gutachter geltend macht
(vorstehend E. 2.2)
,
ist er darauf hinzuweisen, dass er damit keine stichhaltigen Ausstands- und Ablehnungsgründe vorbrachte.
Die nochmalige Begutachtung des Beschwerdefüh
rers durch die Gutachter des
Y._
bezweckt
e
, die - allenfalls
seit dem
letzten
Gutachten vom 1
2.
Jahr 2015
(vorstehend E. 3.2)
verschlechterte - gesundheitliche Situation im Rahmen einer Verlaufsbe
urteilung umfassend abzuklären.
Dass eine solche ergänzende Begut
achtung durch d
ie
gleiche
Gutachter
stelle
vorgenommen w
urde, erscheint
sinn
voll und sachgerecht.
Die Gutachter des
Y._
verneinten
in
ihrem Gutachten vom
8.
November 2018 aus gesamtmedizinischer Sicht eine richtungsweisende Veränderung gegenüber dem Vorgutachten vo
n
2015
(vorstehend E. 3.2)
. Zusammenfassend hielten sie fest, dass der Beschwerdeführer aus rheumatologischer Sicht für eine leichte bis
mittelschwere Tätigkeit ohne s
pezifische Belastung der LWS uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Eine körperlich schwer
e
Arbeit befanden sie auch aus allgemein
medizinischer Sicht weiterhin als nicht zumutbar.
Betreffen
d
die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Hausärztin
Dr.
E._
in ihrem Bericht vom
2
6.
Dezember 2017
(vorstehend E. 4.3
) ist
zu beachten, dass das Gericht in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten der Erfah
rungstatsache Rechnung zu tragen hat, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
I
n
einer behinde
rungsangepasste
n
Tätigkeit
erachtete
Dr.
E._
den Beschwerdeführer
zumindest halbt
ägig für arbeitsfähig.
Auch hinsichtlich
der Ausführungen der seit
Mitte 2016
behandelnde
n
Rheuma
tologin
Dr.
F._
in ihrem Bericht vom 2
1.
Februar 2018
(
vorstehend E. 4.4
)
gilt es zu berücksichtigen, dass
ihre
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung
zumin
dest als
hausarztähnlich bezeichnet werden muss, weshalb hier eine gewisse Zurückhaltung bei der Würdigung
ihre
s
Berichte
s
angebracht ist (
vgl.
BGE 125 V
351 E. 3b/cc).
In rheumatologischer Hinsicht wich
Dr.
F._
insofern von der Einschätzung im Gutachten des
Y._
a
b
, indem
sie aufgrund einer aktiven
Spondyloarthritis
den Beschwerdeführer auch in einer leichten angepassten Tä
tigkeit lediglich noch für zwei Stunden pro Tag für arbeitsfähig befand. Die Gut
achter des
Y._
führten hierzu aus,
dass gemäss der Aktenlage keine wesentliche Entzündungsaktivität bestehe, weshalb zu Recht auch keine neue Basistherapie eingeleitet worden sei. Auch fehle das Ansprechen auf lokale Cortison-Infiltrati
onen, zum Beispiel im Rahmen des Spitalaufenthaltes im Jahr 2017, was darauf hinweise, dass lokal keine wesentliche Entzündungsaktivität bestehe. Weiter habe der Beschwerdeführer in der klinischen Untersuchung weder im Bereich der L
WS
noch der ISG auf relevante Schmerzen hingewiesen (
Urk.
8/136
/2-68
S. 13 oben).
Sich selbst widersprechend führte
Dr.
F._
in ihrem Bericht vom
2
1.
Februar 2018
dann
ebenfalls aus
, dass der Beschwerdeführer an einer inakti
ven Spondylarthriti
s leide
.
5
.
3
Was die
psychiatrischen Diagnosen
anbelangt, wurde im
Y._
-Gutachten unter Berücksichtigung der
Standardindikatoren
eine
rechtsprechungsgemässe
Beurtei
lung der funktionellen Leistungsfähigkeit (vorstehend E. 1.2-3) des Beschwerd
e
führers vorgenommen (
Urk.
8/136
/2-68
S. 9 ff.
Ziff.
4.3-5
, S. 63 ff.
Ziff.
7.3-4
).
Zusammenfassend
konnte
n
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit gestell
t werden.
Die im Vergleich zum Vorgutachten neu gestellte Dia
gnose einer Angst- und depressiven Störung gemischt (ICD-10 F41.2) wurde im Rahmen des negativen IV-Entscheides sowie der Begutachtung gesehen
(vorstehend E. 4.5
).
Damit
übereinstimmend
erachteten auch die Ärzte der
C._
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vorstehend E. 2.2) -
in ihrem Bericht vom
1.
Dezember 2017 (vorstehend E. 4.
2
) nach psychosomatischem Rehabilitationsaufenthalt vom
1.
bis 2
1.
November 2017 eine leichte Tätigkeit
grundsätzlich für zumutbar
. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde
lediglich
für die Dauer des Klinikaufenthaltes
, namentlich für drei Wochen,
attestiert.
5.4
Aufgrund des Gesagten ist
davon auszugehen, dass eine
aus invalidenversiche
rungsrechtlicher Sicht eingetretene relevante Verschlechterung des Gesundheits
zustandes der Beschwerdeführerin seit der letztmaligen leistungsverneinenden Verfügung vom
2
2.
Juli 2015 (
Urk.
8/85) bei bestehender vollständiger Arbeits
fähigkeit in den angestammten Hilfsarbeitertätigkeiten sowie in jeder
behinde
rungsangepassten Tätigkeit
zu verneinen
ist
.
Demnach besteht weiterhin kein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00
.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdefüh
rer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.