Decision ID: 0669c1e9-e866-546c-9162-910405d74cfd
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Lisa Etter-Steinlin, Haus Washington,
Rosenbergstrasse 22, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1968 geborene S._ meldete sich am 24. Mai/12. Juni 2007 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Sie habe in F._ die Schule besucht, einen
polytechnischen Lehrgang gemacht und von 1983 bis 1987 im Service gearbeitet. Im
Mai 1990 bzw. Februar 1992 sei sie in die Schweiz gekommen. Von 2002 bis 2005 sei
sie selbständigerwerbend gewesen. Seit Februar bzw. Mai 2006 leide sie an schweren
Depressionen (mit Suizidversuch). Auf Anfrage ergänzte die Versicherte, sie beantrage
eine Rente. - Beigelegt waren Arztzeugnisse von Dr. med. A._, FMH Chirurgie, vom
21. September 2006 (zuhanden der Sozialversicherungsanstalt/Ausgleichskasse des
Kantons St. Gallen, act. 6), wonach die Versicherte wegen einer Depression ab dem
22. Mai 2006 zu 100 % arbeitsunfähig sei, und vom 8. September 2006 (act. 7-3),
wonach sie ab 1. September 2006 zu 100% arbeitsunfähig sei. B._, FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, hatte im Arztbericht (für Ergänzungsleistungen) vom
28. Juli 2006 (act. 5) angegeben, die Versicherte sei seit dem 16. Juni 2006 (zunächst
bis 31. Juli 2006, nachher Neuevaluation) voll arbeitsunfähig und seither in Behandlung.
Sie leide an einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion vor dem
Hintergrund psychosozialer Verwahrlosung mit Problemen in der Lebensführung und
negativ veränderter Struktur der Familienbeziehung in der Kindheit. Das Psychiatrie-
Zentrum C._ hatte am 16. Mai 2007 (act. 7-4) angegeben, die Versicherte sei seit Mai
2007 zu 100 % arbeitsunfähig, am 4. Juni 2007 (act. 7-2), sie sei ab Juni 2007 voll
arbeitsunfähig.
A.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung gab am 10. Juli
2007 (act. 21) an, gemäss einem Telefonat mit dem Psychiatrie-Zentrum liege ein V.a.
posttraumatische Belastungsstörung (abgekürzt: PTSD) vor, die diagnostischen
Abklärungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen und der Gesundheitszustand
sei noch nicht stabil. Eine genaue Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit sei noch nicht
möglich. Eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % liege aber mit Sicherheit vor.
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A.c Im IV-Arztbericht vom 5. Juli 2007 (act. 23) nannte Dr. A._ als Diagnose eine
Depression, bestehend seit Mai 2006. Die Versicherte sei vom 22. Mai 2006 bis
31. August 2006 voll arbeitsunfähig gewesen und sei seither nicht mehr arbeitsunfähig.
Sie sei nicht berufstätig. Ihre Psyche sei labil; hinter dieser Labilität steckten enorm
viele soziale Probleme. Sie klage über Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen;
zeitweise sei sie deprimiert. Zumutbar wären ihr alle Tätigkeiten zu 100 % (acht
Stunden).
A.d Das Psychiatrie-Zentrum diagnostizierte gemäss dem IV-Arztbericht vom 13. Juli
2007 (act. 32) eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion vor dem
Hintergrund psychosozialer Verwahrlosung mit Problemen in der Lebensführung (seit
Mai 2006). Die bisherige Exploration habe sich auf nur zwei Einzelgespräche
beschränkt, so dass die Aussagekraft des Berichts unsicher sei. Die Diagnose habe
den Charakter einer Arbeitshypothese. Vom 22. Mai 2006 bis 30. Juni 2007 sei die
Versicherte als Serviceangestellte/Reinigungsfachkraft zu 100 % arbeitsunfähig
gewesen. Sie berichte über Symptome der Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit und
Vergesslichkeit und über massive Schlafstörungen, die sie in ihrer Arbeitsfähigkeit
einschränkten. Die Relevanz der angegebenen Beschwerden bezüglich der
Eingliederungsfähigkeit könnte durch einen Arbeitsversuch ermittelt werden. Die
bisherige Tätigkeit sei noch mindestens an vier Stunden pro Tag, mindestens zu 50 %,
zumutbar, andere Tätigkeiten seien ebenfalls zumutbar, aber es sei unklar, welcher Art
sie sein sollten und wie hoch die Leistungsfähigkeit sei.
A.e Der RAD erklärte am 25. September 2007 (act. 35), vorerst könne von einer
Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % ausgegangen werden. Eine Differenzierung
werde in den nächsten Wochen erfolgen.
A.f Das Psychiatrie-Zentrum teilte in einem Verlaufsbericht vom 8. Oktober 2007
(act. 40) mit, der Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär und die Diagnose
habe sich nicht geändert. Aktuell sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit für
50 % (also vier Stunden pro Tag) gegeben. Langfristig erhoffe man sich eine Erhöhung
auf eine Arbeitsfähigkeit von 80 %, mehr lasse sich wegen der Konzentrationsprobleme
nicht erwarten. Wegen der posttraumatischen Belastungsstörung könne die Versicherte
immer wieder ziemlich plötzlich Ängste und Flashbacks an das traumatisierende
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Ereignis haben. Während dieser Episoden sei die Arbeitsfähigkeit noch mehr
eingeschränkt. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Arbeit in der Reinigung
möglichst regelmässig sei und wenige Arbeitsspitzen habe. Unter dieser Bedingung
könne die Versicherte auch jede andere Arbeit mit wenig Selbst- und
Fremdverantwortung ausüben (mit den gleichen zeitlichen Vorgaben). Die Arbeit sollte
ausserdem nicht allzu grosse geistige Anforderungen stellen und kurze Unterbrüche
gut tolerieren. Längerfristig werde die Versicherte maximal an ca. sechs Stunden pro
Tag arbeiten können. Die Versicherte sei gegenwärtig in einem Abklärungsprogramm in
der Klinik Pfäfers. Es werde noch eine testpsychologische Untersuchung durchgeführt
werden, falls die Versicherte damit einverstanden sei.
A.g In einem Abklärungsbericht Verzahnungsprogramm vom 12. November 2007
(act. 48) wurde berichtet, die Versicherte habe vom 17. September bis 9. November
2007 in der Abklärung gestanden. In den 38 Arbeitstagen seien vier entschuldigte und
drei Krankheitsabsenzen zu verzeichnen gewesen. Ab Oktober sei die Versicherte
lediglich noch zu 50 % arbeitsfähig gewesen. Bei normalem Arbeitstempo könnte die
Versicherte ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Raumpflegerin bestimmt wieder
aufnehmen.
A.h Die IV-Eingliederungsberaterin berichtete am 22. Januar 2008 (act. 52), die
Versicherte habe am 22. Januar 2008 mitgeteilt, ihr Hausarzt habe sie ab 21. Januar
2008 zu 50 % arbeitsfähig geschrieben. Sie fühle sich vom Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) bei der Stellensuche optimal unterstützt. Auf die
Unterstützung der IV-Stellenvermittlung wolle sie verzichten. - Am 7. Februar 2008
(act. 55) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der
Versicherten mit, die Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen.
A.i Dr. A._ gab in seinem Arztbericht vom 4. Februar 2008 (act. 56) an, die
Versicherte sei voll arbeitsfähig.
A.j Im Hinblick auf eine Haushaltabklärung liess die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle einen Fragebogen ausfüllen. Darin (act. 58) gab die Versicherte an, ohne
Behinderung wäre sie zurzeit zu 100 % erwerbstätig.
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A.k Das Psychiatrie-Zentrum teilte im Verlaufsbericht vom 26. Februar 2008 (act. 61)
mit, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verbessert. Die
posttraumatische Belastungsstörung habe weiterhin einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit, wenn auch in einem geringeren Ausmass als bisher. Die
Anpassungsstörung werde mittel- bis langfristig keinen grösseren Einfluss mehr haben
und das Problem der hypochondrischen Symptome beim Ehemann bestehe nicht mehr
(die depressiven Symptome hätten reduziert werden können). Zurzeit betrage die
Arbeitsfähigkeit für die bisherige Tätigkeit (wegen der depressiven Symptome bei
Anpassungsstörung) noch 50 %, doch könne die Arbeitsfähigkeit während der
nächsten Monate auf 100 % erhöht werden. Bei einer Wiederkehr der Symptome der
posttraumatischen Belastungsstörung oder einer erneuten Anpassungsstörung könne
die Arbeitsfähigkeit wieder bis zu 100 % eingeschränkt sein. Aus psychiatrischer Sicht
könne die Versicherte mittel- bis langfristig alle Tätigkeiten zu 100 % ausüben.
A.l Der RAD hielt am 11. Juli 2008 (act. 63) fest, von Mai 2006 bis Juni 2007 sei die
Versicherte voll arbeitsunfähig, von Juli bis Oktober 2007 voll arbeitsfähig und von
Oktober 2007 bis Februar 2008 zu 50 % arbeitsfähig gewesen. Seither bestehe eine
volle Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit. Aus sozialpsychiatrischer Sicht sei
eine längere Vorgeschichte der aktuell beschriebenen sozialen/finanziellen Belastung
zu sehen, die ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gewesen sei. Es sei deshalb
abzulehnen, der gegenwärtigen an die Versicherte gestellten Herausforderung, das
Haushaltseinkommen zu organisieren, und der damit verbundenen affektiven
Symptomatik eine wesentliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuzuschreiben.
A.m Mit Vorbescheid vom 4. August 2008 (act. 65 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des
Rentengesuchs in Aussicht. Seit Februar 2008 sei sie in ihrer bisherigen wie einer
adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Validen- und Invalideneinkommen betrügen
beide Fr. 50'881.--.
A.n Die Versicherte wandte am 13. August 2008 (act. 67) ein, das genannte
Erwerbseinkommen habe sie weder je verdient noch werde sie es je erzielen können.
Ausserdem sei zu berücksichtigen, dass sie wegen ihrer beiden Hände seit dem
20. Februar 2008 zu 100 %, 50 % und wieder 100 % arbeitsunfähig gewesen sei und
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weiterhin sei. Sie stehe deswegen in Behandlung bei Dr. med. D._, FMH Allgemeine
Medizin, und lege einen Bericht von Dr. med. E._, Rheumatologie FMH, vom
4. August 2008 ein. - In dem genannten Bericht hatte Dr. E._ angegeben, die
Versicherte sei vorläufig weiterhin voll arbeitsunfähig.
A.o In einem IV-Arztbericht vom 25. August 2008 (act. 68) bezeichnete Dr. E._ als
Diagnosen (erstens) chronische neuromuskuloskelettale Schmerzen Unterarm/Hand
rechts mehr als links, bestehend seit Februar 2008, (zweitens) eine Fibromyalgie,
bestehend seit Februar 2008, und (drittens) eine psychosoziale Problematik, bestehend
seit 2007. Die Versicherte sei vom 20. Februar bis 16. Mai 2008 voll arbeitsunfähig
gewesen und sei seit dem 16. Juni 2008 bis auf weiteres voll arbeitsunfähig. Aufgrund
der chronischen Schmerzen im Bereich von Unterarm/Hand, rechts mehr als links,
könne die berufliche Tätigkeit als Raumpflegerin aktuell nicht mehr ausgeübt werden.
Diese Tätigkeit sei ungünstig und es sei fraglich, ob hierfür je wieder eine
Arbeitsfähigkeit erzielt werden könne. Andere, leichte wechselbelastende körperliche
Tätigkeiten ohne repetitive manuelle Tätigkeit, z.B. wechselbelastende Büroarbeit,
seien der Versicherten zumutbar. Eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % sollte
hierbei zu erzielen sein, und zwar ganztags mit halber Leistung oder halbtags mit voller
Leistung.
A.p Dr. D._ nannte in seinem IV-Arztbericht vom 19. November 2008 (act. 71) als
Diagnosen (erstens) eine posttraumatische Belastungsstörung, (zweitens) eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und (drittens) chronische
neuromuskuloskelettale Schmerzen der Handgelenke bds., Oberarm- und
Unterarmmuskulatur bds. Die Versicherte sei vom 20. Februar bis 16. Mai 2008 zu
100 %, anschliessend bis 15. Juni 2008 zu 50 % und wiederum anschliessend bis
31. August 2008 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Die Arbeitsfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit sei durch die therapieresistenten Schmerzen der Handgelenke bds.
und die neuromuskuloskelettalen Schmerzen beider Arme eingeschränkt. Andere
Tätigkeiten seien zumutbar. Die Leistungsfähigkeit der Versicherten sei aber in einer
medizinischen Abklärung genauer zu eruieren. - Beigelegt waren zwei Berichte des
Spitals Walenstadt. Am 7. März 2008 hatte die Klinik für Chirurgie und Orthopädie am
Spital eine Tendovaginitis Flexor carpi radialis und Extensor carpi radialis und ulnaris
rechte Hand diagnostiziert. Es sei eine konsequente Ruhigstellung in einer Schiene für
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die Dauer von einer bis zwei Wochen angezeigt. Am 18. Juni 2008 wurden als
Diagnose bezeichnet unklare muskuläre Beschwerden im Bereich der ulnaren Flexoren
ellbogennah sowie am Handrücken rechts und einen St. n. Tendovaginitis vom Februar
2008. Es könne keine eindeutige Ursache der Beschwerden festgestellt werden. Für
vier bis fünf Tage sei die Unterarmschiene zu tragen, danach der Arm wieder möglichst
normal zu gebrauchen. Falls die Beschwerden nicht verschwänden, sei ein
handchirurgisches Konsilium zu veranlassen.
A.q Der RAD hielt am 29. Oktober 2008 (act. 72) dafür, der Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. E._ könne nicht gefolgt werden. Es sei schwer nachvollziehbar, dass eine
Einschränkung, die in den ausführlichen Dokumentationen und den Abklärungen der
Interinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ; wohl im erwähnten Verzahnungsprogramm)
nie Erwähnung gefunden habe, nun plötzlich eine volle Arbeitsunfähigkeit ausmache.
Schmerzen beim Staubsaugen habe die Versicherte nie, auch nicht bei der
Haushaltabklärung, erwähnt. Der Ausdruck "funktionell-mechanisch" bezeichne eine
Erkrankung, die durch somatische Korrelate nicht zu erklären sei. Klinisch bestünden
Zeichen eines Karpaltunnelsyndroms, eines Schultergürtelsyndroms und einer
Fibromyalgie. Diese Zeichen würden aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht für
eine dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit qualifizieren. Das Attest der
Arbeitsunfähigkeit durch Dr. E._ erfolge vorwiegend aus psychosozialen Gründen,
erkläre er doch, die Versicherte müsse so bald als möglich wieder in das Erwerbsleben
eingegliedert werden, da eine längerfristige Krankschreibung einer invalidisierenden
Dynamik Vorschub leiste. Es spreche im Ergebnis nichts gegen eine volle Präsenz als
Reinigungskraft. - Am 23. Januar 2009 gab ein weiterer mit der Sache befasster RAD-
Arzt bekannt, ein somatisches Korrelat könne von Dr. E._ nicht benannt werden. Das
decke sich mit der Beurteilung des Spitals Walenstadt vom 18. Juni 2008. Es gebe
keinen Gesundheitsschaden in Form eines organischen Korrelates, das leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr voll zuliesse. Reinigungsarbeiten seien leichte
Tätigkeiten mit mittelschweren Anteilen; die Arbeitsfähigkeit hierfür sei nicht
eingeschränkt.
A.r Mit Verfügung vom 23. Januar 2009 wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
den Rentenanspruch der Versicherten ab. Seit Februar 2008 liege volle Arbeitsfähigkeit
vor.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 10. Februar 2009
(Poststempel: 11. Februar 2009). Die Beschwerdeführerin beantragt sinngemäss
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Zusprechung einer Rente. Sie sei nicht
damit einverstanden, dass sie für die Zeit seit Februar 2009 (recte: 2008) für
arbeitsfähig gehalten werde. Sie sei arbeitsunfähig und benötige wegen der Schmerzen
täglich vier bis sechs Tabletten Mefenacid, viermal 35 Tropfen Novalgin und ausserdem
Influbene und Primofenac-Salbe. Sie trage beidseits Schienen an den Händen.
Zusätzlich habe sie nun noch Dafalgan und Tabletten für den Magen bekommen. Sie
habe Zeugnisse von Dr. D._ vorlegen können, deshalb habe sie ein solches des
Psychiatrie-Zentrums nicht auch noch angefordert. Wie erwähnt treffe das
angenommene Jahreseinkommen nicht zu. Am 24. Februar 2009 werde sie einen
Termin bei Dr. E._ haben; dessen Bericht werde sie nachreichen. - Am 27. März 2009
wurde ein Bericht von Dr. E._ an Dr. D._ vom 26. März 2009 eingereicht. Darin
waren als neuromuskuloskelettale Probleme (erstens) chronische
neuromuskuloskelettale Schmerzen zervikothorakobrachial rechts mehr als links bei
chronischen Tendomyosen Unterarm/Hand rechts mehr als links und Schulter rechts
und klinischem Schultergürtelsyndrom rechts und Karpaltunnelsyndrom rechts und
(zweitens) eine Fibromyalgie benannt worden. Im Übrigen bestehe eine psychosoziale
Problematik. Seit dem letzten Bericht vom 4. August 2008 hätten die Schmerzen trotz
intensiver medikamentöser Behandlung und Physiotherapie eher zugenommen. Eine
Arbeitsfähigkeit habe nicht erreicht werden können. Ein Arbeitsversuch mit 50 %
Tätigkeit habe nach einer Woche abgebrochen werden müssen. Auch im Haushalt sei
die Beschwerdeführerin auf Hilfe angewiesen. Die Röntgenbilder von HWS und
Schultern hätten lediglich leichte bis mässige degenerative Veränderungen ergeben,
die Ganzkörperskelettszintigraphie und das MRI der rechten Hand hätten keinen
signifikanten Befund gezeigt. Für die ursprüngliche Tätigkeit bestehe eine anhaltende
Arbeitsunfähigkeit von 100 % und auch für eine optimal angepasste Tätigkeit sei eine
verwertbare Arbeitsfähigkeit aktuell nicht erzielbar.
C.
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Mit Beschwerdeantwort vom 7. Mai 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Im zweiten Verlaufsbericht des Psychiatrie-Zentrums
werde die steigerungsfähige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von lediglich
50 % vor allem mit dem Umstand begründet, dass sie finanzielle Probleme habe. Eine
solche psychosoziale Problematik begründe keine Invalidität. Demnach sei davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin damals (im Februar 2008) voll arbeitsfähig
gewesen sei. Es fänden sich auch keine Hinweise, dass die Beschwerdeführerin vorher
arbeitsunfähig gewesen wäre. Im ersten Bericht des Psychiatrie-Zentrums werde die
Arbeitsunfähigkeit von höchstens 50 % mit der schwierigen psychosozialen
Belastungssituation begründet, woraus wie erwähnt keine Invalidität resultiere. Die
Anpassungsstörung sei daraus abgeleitet und demnach ebenfalls nicht invalidisierend.
Anders wäre es nur, wenn der Schweregrad dieser Diagnose die Kriterien der
psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer erfüllte.
Die von Dr. E._ attestierte Arbeitsunfähigkeit von höchstens 50 % sei ebenfalls nicht
schlüssig. Er habe dafür kein somatisches Substrat finden können. Seine Einschätzung
sei von der psychosozialen Problematik beeinflusst, wie der RAD zu Recht ausgeführt
habe. Dr. E._ sei als Rheumatologe nicht fachärztlich qualifiziert, die Arbeitsfähigkeit
aus psychischen Gründen zu bestimmen. Auch der Bericht von Dr. D._ enthalte keine
neuen medizinischen Fakten, die eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
begründen könnten. Es sei insgesamt nicht erwiesen, dass die Beschwerdeführerin
arbeitsunfähig und invalid sei.
D.
In ihrer Replik vom 31. August 2009 beantragt Rechtsanwältin lic. iur. Lisa Etter-Steinlin
für die Beschwerdeführerin, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sei eine 100-prozentige (wohl: ganze) Rente zuzusprechen,
eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen und zur Verfügung im Sinn
des Hauptantrags zurückzuweisen. Der Beschwerdeführerin sei am 13. Juli 2007
wegen einer Depression eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert worden. Ab
Februar 2008 habe die Beschwerdeführerin chronische Schmerzen am Unterarm und
der Hand entwickelt. Dr. E._ habe ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert.
Sein Bericht basiere auf einer Abklärung am Kantonsspital Graubünden, wie sich aus
dem Bericht des Zentralen Röntgeninstituts/Nuklearmedizin vom 9. März 2009 ergebe.
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Auch Dr. D._ habe am 19. November 2008 eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bei
der Beschwerdeführerin festgestellt. Gemäss dem beigelegten Schreiben von Dr. D._
vom 30. Juni 2009 sei die Abklärung von Dr. E._ fundiert und der Facharzt sehr
erfahren und kompetent. Da die Beschwerdegegnerin sein Ergebnis anzweifle, sei eine
weitere (rheumatologische) Abklärung erforderlich. Ohne verschiedene starke
Medikamente vermöge die Beschwerdeführerin die Schmerzen nicht auszuhalten. - Die
Nuklearmedizin am Kantonsspital Graubünden hatte Dr. E._ am 9. März 2009
berichtet, im Bereich der rechten Schulter bestünden sicherlich keine physiologische
Hyperämie und keine Mehranreicherung. Die - allerdings geringen - nicht als
physiologisch zu wertenden Mehranreicherungen mehrerer kleiner Gelenke im Bereich
der Hände seien hochwahrscheinlich pathognomonisch für primäre Entzündungen.
Dr. d._ hatte am 30. Juni 2009 bezüglich der Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin auf den Bericht von Dr. E._ vom 26. März 2009 verwiesen. Die
Beschwerdeführerin sei zurzeit arbeitslos.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 4. September 2009 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin
hat die angefochtene Verfügung am 23. Januar 2009, also unter der Geltung des
Rechts dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum
Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in
eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Soll auf bestimmte Sachverhalte
nicht neues Recht Anwendung finden, sondern das aufgehobene Recht massgebend
bleiben, muss eine geltende Norm die Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für
bestimmte Sachverhalte anordnen. Die 5. IV-Revision enthält keine die Rente
betreffende übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für
Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl.
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das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007). Die Definition der Sachverhalte,
auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte durch ein materiell-rechtliches,
unbeeinflussbares Merkmal erfolgen. In Frage kommen der Zeitpunkt der Entstehung
des Auszahlungsanspruchs oder der Eintritt des Versicherungsfalls, beide definiert
nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht (zum Ganzen im Detail der Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S M. vom 28. Oktober 2009, IV
2009/5). Bezüglich des allfälligen Rentenbeginns sind deshalb vorliegend angesichts
der IV-Anmeldung von 2007 und des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit (nach der
gegenwärtigen Aktenlage) im Mai 2006 die bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Bestimmungen (im Folgenden angeführt) anzuwenden. Für die
Invaliditätsbemessung hat sich indessen materiell keine Änderung der Rechtslage
ergeben.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abgelehnt.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Der Eintritt des Rentenfalls wird durch Art. 29 Abs. 1 IVG geregelt. Der
Rentenanspruch entsteht (abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens
in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG) gewesen war (lit. b). Unter Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b
IVG ist die durch den Gesundheitsschaden bedingte qualitative und/oder quantitative
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich zu verstehen (BGE 130 V 99 E. 3.2). Im Rahmen des Art. 29 Abs. 1
IVG nicht anwendbar ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Grundsatz,
dass bei langdauernder Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar
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wird, dass die Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr in Frage
kommt - nach Ablauf einer gewissen Übergangsfrist auch zumutbare Tätigkeiten in
einem andern Beruf zu berücksichtigen sind. Bei der Anwendung dieser Bestimmung
ist ausschliesslich die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu betrachten
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 23. Oktober 2003,
I 392/02, vgl. BGE 130 V 99 E. 3.2, bereits unter Hinweis auf den künftigen Art. 6
ATSG). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein wesentlicher Unterbruch der
Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens
30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004, I 19/04).
2.3 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in
der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch
tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über die
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin weder für die bisherige noch für eine adaptierte Tätigkeit
eingeschränkt sei. Der anderslautenden Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. e._
könne nicht gefolgt werden. Es gebe kein organisches Korrelat für die beschriebenen
Schmerzen. Beispielsweise seien entzündliche oder degenerative Zustände
ausgeschlossen worden.
3.2 Den Akten lässt sich entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin im Mai 2006
eine psychische Erkrankung (Depression bzw. Anpassungsstörung mit längerer
ter
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depressiver Reaktion) aufgetreten ist, derentwegen sie (von Dr. A._ und der
Psychiaterin B._) voll arbeitsunfähig geschrieben worden ist. Im Mai 2007 kam es
gemäss dem Bericht des Psychiatrie-Zentrums vom 16. Mai 2007 wiederum zu einer
vollen Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen. Im IV-Arztbericht vom 13. Juli
2007 bezog das Psychiatrie-Zentrum die volle Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin zurück auf den ganzen Zeitraum vom 22. Mai 2006 bis 30. Juni
2007, obwohl allerdings die Behandlung dort erst im Mai 2007 eingesetzt hatte.
Dr. A._ etwa hat die Arbeitsunfähigkeit gemäss seinem Bericht vom 5. Juli 2007 auf
die Zeit (vom 22. Mai 2006) bis 31. August 2006 beschränkt, hatte allerdings in den
früheren Attesten vom September 2006 damals noch volle Arbeitsunfähigkeit
angegeben. Ob sich tatsächlich verlässlich auf eine durchgehende volle
Arbeitsunfähigkeit von Mai 2006 bis Juni 2007 schliessen lässt, wie es allerdings
immerhin ein fachärztlicher Bericht tut und auch der RAD (act. 63-2) annimmt, erscheint
nicht ohne weiteres klar. Träfe dies zu, ergäbe sich im Übrigen aus der überjährigen
vollen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin zumindest ein vorübergehender
Rentenanspruch.
3.3 Das Psychiatrie-Zentrum erklärte am 13. Juli 2007, eine regelrechte Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit sei derzeit nicht möglich. Aus fachärztlicher Sicht bestehe jedoch
in der bisherigen Tätigkeit (Serviceangestellte/Reinigungsfachkraft) eine Arbeitsfähigkeit
von mindestens 50 %. Auch andere Tätigkeiten seien zumutbar, doch sei die
Leistungsfähigkeit unklar. Es seien eine medizinische und eine berufliche Abklärung
indiziert. Auf eine volle Arbeitsfähigkeit unter psychischem Aspekt in angepasster
Tätigkeit lassen diese Angaben nicht schliessen. Weitere Abklärungen, wie sie für
erforderlich gehalten wurden, sind unterblieben. Im Oktober 2007 attestierte das
Psychiatrie-Zentrum der Beschwerdeführerin wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von
50 %, und zwar für die bisherige wie eine angepasste Tätigkeit. Im Februar 2008
konnte das Psychiatrie-Zentrum von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin berichten, behielt aber die Arbeitsunfähigkeitsschätzung von
50 % bei, da die depressiven Symptome von Seiten der Anpassungsstörung mit einer
längeren depressiven Reaktion noch zu stark ausgeprägt seien. In einigen Monaten sei
eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Mittel- bis langfristig werde die
Beschwerdeführerin alle Tätigkeiten wieder zu 100 % ausüben können. Während
Dr. A._ im Februar 2008 eine volle Arbeitsfähigkeit feststellte, wurde der
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Beschwerdeführerin damals fachärztlich somit zumindest für eine kurze Übergangszeit
noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus psychischen Gründen attestiert.
3.4 In eben jenem Zeitpunkt, da eine Verbesserung der psychischen Situation bekannt
geworden war, nämlich ab Februar 2008 (ab dem 20. Februar 2008) wurde die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der Folge von Dr. E._ und Dr. D._ aus
somatischen Gründen als nicht mehr gegeben beurteilt, und zwar bis 16. Mai 2008.
Gemäss dem Bericht des Spitals Walenstadt vom 7. März 2008 (act. 71-10 f.) war eine
Tendovaginitis Flexor carpi radialis und Extensor carpi radialis und ulnaris rechte Hand
aufgetreten. Dr. E._ erklärte im Arztbericht vom 25. August 2008 bei den Diagnosen
chronischer neuromuskuloskelettaler Schmerzen an Unterarm/Hand, einer
Fibromyalgie und einer psychosozialen Problematik, die Beschwerdeführerin sei als
Raumpflegerin seit dem 16. Juni 2008 bis auf weiteres voll arbeitsunfähig. Diese
Tätigkeit sei ungünstig. Andere, leichte wechselbelastende körperliche Tätigkeiten
ohne repetitive manuelle Tätigkeit sollten mit einer Arbeitsfähigkeit von mindestens
50 % zumutbar sein.
3.5 Diese fachärztlich rheumatologische Arbeitsfähigkeitsbeurteilung hält die
Beschwerdegegnerin für nicht überzeugend. Der Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie des RAD hielt am 29. Oktober 2008 unter anderem für schwer
nachvollziehbar, dass eine bis anhin nie erwähnte Einschränkung plötzlich eine volle
Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf bewirken sollte. Die Zeichen eines
Karpaltunnelsyndroms, eines Schultergürtelsyndroms und einer Fibromyalgie würden
"aus versicherungsmedizinischer Sicht" nicht für eine dauernde Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit qualifizieren. Indessen ist die Tendovaginitis erst Mitte Februar 2008
aufgetreten. Weshalb die vom Rheumatologen Dr. E._ festgestellten Zeichen die von
ihm bezeichnete Arbeitsunfähigkeit nicht sollten bewirken können, ist nicht begründet
und nicht nachvollziehbar. Der beigezogene Facharzt für Rheumatologie des RAD
stützte das Ergebnis voller Arbeitsfähigkeit am 23. Januar 2009 aus somatischer Sicht
deshalb, weil kein Gesundheitsschaden in Form eines organischen Korrelates vorliege
und z.B. entzündliche oder degenerative Zustände ausgeschlossen worden seien.
Dr. E._ diagnostiziere eine Fibromyalgie bzw. chronische neuromuskuläre
Schmerzen, könne aber kein somatisches Korrelat nennen. Auch die Klinik für Chirurgie
und Orthopädie am Spital Walenstadt habe am 18. Juni 2008 festgehalten, die
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Tendovaginitis habe sich zurückgebildet. Es sei der Beschwerdeführerin dort
empfohlen worden, den Arm wieder möglichst normal zu gebrauchen. Dr. E._ hatte
am 4. August 2008 berichtet, seit Februar 2008 bestünden Schmerzen im Bereich der
dorsalen mehr als der volaren Hand und am Vorderarm rechts und seit ca. anfangs Juli
2008 ferner Schmerzen im Bereich des linken Handgelenks vor allem ulnar. Die
Schmerzen würden belastungsabhängig verstärkt. Es handle sich um chronische
neuromuskuloskelettale Schmerzen mit klinischen Zeichen eines Karpaltunnelsyndroms
beidseits und eines Schultergürtelsyndroms links. Ausserdem bestünden Zeichen einer
Fibromyalgie. Die Problematik sei funktionell-mechanisch bedingt und werde durch
psychosoziale Faktoren ungünstig beeinflusst. Für eine entzündliche oder endokrin-
metabolische muskulo-skelettale Störung gebe es keine Anhaltspunkte. - Dass nach
der Auffassung von Dr. E._ psychosoziale Faktoren das Leiden beeinflussen,
bedeutet nicht, dass es sich um eine (reine) Schmerzstörung handle, bezeichnet der
Arzt die Problematik doch als funktionell-mechanisch. Damit ist wohl eine
mechanische, die Funktion betreffende Beeinträchtigung gemeint (anders der RAD,
act. 72-2). Zwar trifft des weiteren zu, dass die Klinik für Chirurgie und Orthopädie am
Spital Walenstadt am 18. Juni 2008 darlegte, ein klinisches Korrelat für die
Schmerzsymptomatik könne nach der (mehr oder weniger erfolgten) Rückbildung der
Tendovaginitis nicht definitiv bzw. nicht eindeutig ausgemacht werden und die
Beschwerdeführerin möge nach ein paar Tagen des Schienengebrauchs den Arm
wieder möglichst normal gebrauchen. Der Chirurge empfahl aber für den Fall, dass die
Beschwerdesituation danach nicht verschwinde, ein handchirurgisches Konsilium. Das
(allfällige) organische Substrat hätte somit nach dieser ärztlichen Einschätzung weiter
gesucht werden müssen. Auch Dr. D._ befürwortete am 19. November 2008 weitere
medizinische Abklärungen zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
3.6 Für die richterliche Beurteilung sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse
massgebend, wie sie bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verwaltungsverfügung
bestanden haben (BGE 121 V 366 E. 1b; BGE 125 V 150 E. 2c). Die Berichte von
Dr. E._ vom 26. März 2009 und der Nuklearmedizin am Kantonsspital Graubünden
vom 9. März 2009 stammen aus einer Zeit rund eineinhalb bzw. zwei Monate nach
Erlass der angefochtenen Verfügung. Sie sind jedoch insofern zu berücksichtigen, als
sie für den zu beurteilenden Sachverhalt von Bedeutung sind. Dr. E._ berichtete von
einer Verschlechterung des Zustands seit August 2008 und einer neu vollständigen
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Arbeitsunfähigkeit, auch für adaptierte Arbeit. Die Röntgenbilder von HWS und
Schultern hätten lediglich leichte bis mässige degenerative Veränderungen ergeben.
Die Skelettszintigraphie und das MRI der rechten Hand hätten keine signifikanten
Befunde erbracht, insbesondere keinen signifikanten Hinweis auf eine entzündliche
muskuloskelettale Störung. Im Bericht der Nuklearmedizin war aber immerhin
festgehalten worden, die - allerdings geringen - nicht als physiologisch zu wertenden
Mehranreicherungen mehrerer kleiner Gelenke im Bereich der Hände seien
hochwahrscheinlich pathognomonisch für primäre Entzündungen. Diesem Befund
mass Dr. E._ offenbar keine signifikante Bedeutung zu. Er verschrieb weiterhin ein
NSAR und Analgetika sowie zusätzlich ein Muskelrelaxans und zog die Verordnung von
Lyrica (indiziert bei neuropathischen Schmerzen und generalisierten Angststörungen)
und eines trizyklischen Antidepressivums in Betracht.
3.7 Hat nach Abklingen der früheren psychiatrischen Symptomatik gemäss der
Aktenlage ab dem 20. Februar 2008 eine Tendovaginitis (zumindest vorübergehend)
eine somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit bewirkt und hat sich die
Beschwerdesituation in der Folge ausgeweitet, so kann nicht lediglich mit dem Hinweis
auf ein mangelndes somatisches Substrat über die vom rheumatologischen Facharzt
bestätigte erhebliche Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin (von 50 %)
hinweggegangen werden. Die entsprechende, aufgrund blosser Würdigung der Akten -
also ohne eigene Exploration der Beschwerdeführerin (das Absehen von eigenen
Untersuchungen kann, wenn es nicht um die Beurteilung eines im Wesentlichen bereits
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Befassung mit
der versicherten Person unentbehrlich ist, ein Grund sein, um einen RAD-Bericht in
Frage zu stellen, vgl. Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S
W. vom 18. Mai 2008, IV 2008/367, und i/S G. vom 10. März 2010, IV 2009/93) -
getroffene Feststellung des RAD vermag unter den dargelegten Umständen gegen die
genannte Arbeitsunfähigkeitsschätzung nicht ohne weiteres anzukommen. An die
Würdigung von medizinischen Unterlagen, die vom Versicherungsträger intern
eingeholt wurden, sind im Übrigen nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an
der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende
Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S M. vom 26. Mai
2008, 9C_55/2008 E. 4.2).
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3.8 Vorliegend sind somit ergänzende medizinische Abklärungen zur somatischen
Situation erforderlich. Zu klären wäre auch, ob allenfalls (wieder) ein psychiatrischer
Faktor dazugekommen ist. Eine ausreichend zuverlässige Beurteilung ist bei der
gegebenen Aktenlage nicht möglich.
4.
Erforderlich sind unter den dargelegten Umständen zusammenfassend (von ärztlicher
Seite im Übrigen verschiedentlich angeregte) ergänzende Abklärungen des
Gesundheitszustands, wie er sich im gesamten, hier zu beurteilenden Zeitraum
entwickelt hat, und seiner jeweiligen Auswirkungen auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin. Entscheidend wird dabei für die gesamte Zeit sein, ob und
inwiefern die Beschwerdeführerin von ihrer psychischen und somatischen Verfassung
her besehen objektiv an sich die Möglichkeit hatte, einer Arbeit nachzugehen, und zwar
gegebenenfalls, wie das Bundesgericht allerdings in Bezug auf Sachverhalte rein
psychiatrisch erklärbarer Schmerzsymptomatik bei weitgehendem Fehlen eines
somatischen Befundes feststellte, trotz subjektiv erlebter Schmerzen (vgl. BGE
130 V 352 E. 2.2.4).
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2009 teilweise gutzuheissen und die Sache
ist zu ergänzenden medizinischen Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer
Sicht in Bezug auf die Kosten ein vollständiges Obsiegen dar (vgl. SVR 1995 IV Nr. 51
S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin
rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft
aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung
bis
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von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
vom 8. Mai 2009 und vom 25. Mai 2009 ist damit obsolet geworden.
5.3 Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Bedeutung der Streitsache und dem
unterdurchschnittlichen Aufwand angemessen erscheint vorliegend eine
Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom
23. Januar 2009 aufgehoben und die Sache wird zu ergänzenden medizinischen
Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu entsprechender neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
2. Die Beschwerdegegnerin bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--.
3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von
Fr. 2'000.-- zu bezahlen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 09.12.2010 Art. 28 Abs. 1 IVG. Eine ausreichend zuverlässige Beurteilung des sich im Zeitablauf entwickelnden medizinischen (psychiatrischen und somatischen) Sachverhalts und seiner jeweiligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ist bei gegebener Aktenlage nicht möglich. Rückweisung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Dezember 2010, IV 2009/50).
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2021-09-19T16:55:16+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen