Decision ID: 3172a083-be43-49ba-b073-974a195e8a3f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1987, war zuletzt von Juni bis Juli 2007 temporär als Reinigungsmitarbeiter tätig (
Urk.
7/3
Ziff.
5.4). Unter Hinweis auf einen Zustand nach Pankreatitis und eine Niereninsuffizienz meldete er sich am 3
0.
September 2012 erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3
Ziff.
6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte beim
Institut
Y._
, ein Gutachten ein, welches am 1
3.
Februar 2014 erstattet wurde (
Urk.
7/31/2-25). In der Folge veranlasste sie eine Abklärung der beein
trächtigen Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (Abklärungsbericht vom 2
9.
Dezember 2014;
Urk.
7/47).
Nach ergangenem Vorbescheid vom 1
0.
Februar 2015 (
Urk.
7/50) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
3.
März 2015 (
Urk.
7/51) einen Rentenanspruch. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 1
2.
April 2018 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf ein chronisches Nierenversagen erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/53
Ziff.
6.1).
Die IV-Stelle
stellte
mit
Mitteilung vom
9.
Juli 201
8
(
Urk.
7
/
58
) fest, dass die Durchführung vo
n
Eingliederungsmassnahmen aufgrund des Gesundheitszustandes des Versicherten nicht mögli
ch sei
,
und veranlasste eine
erneute Abklärung im Haushalt
(Abklärungsbe
richt vom 3
1.
Januar 2019;
Urk.
7/72
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/74,
Urk.
7/81,
Urk.
7/83) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
9.
April 2019 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/84 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
8.
Mai 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
9.
April 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente, zuzusprechen. Even
tuell sei die Beschwerdegegnerin zur weiteren Sachverhaltsabklärung anzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1.
Juli 2019 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Gerichtsverfügung vom
3.
Juli 2019 wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
4) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
8). Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom
5.
August 2019 (
Urk.
10) einen Bericht des behandelnden Psychiaters und Psychologen ein (
Urk.
11), woraufhin die
Beschwerdegegnerin am 2
0.
August 2019 (
Urk.
14) ausdrücklich auf eine Stel
lungnahme verzichtete, was dem Beschwerdeführer am 2
1.
August 2019 mitge
teilt wurde (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als
ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsl
eistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.7
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der
Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.8
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet si
nd (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass aus den medizinischen Unterlagen eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten hervorgehe. Die
Abklärung im Haushalt habe
ergeben, dass der Beschwerdeführer bei guter Gesundheit zu 30
%
arbeiten und zu 70
%
seinen
Freizeitbeschäftigungen nachgehen würde (S. 1). Aus dem Einkommens
vergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 15
%
, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Da in der IV-Anmeldung und im Gespräch vom
9.
Juli 2018 einzig das Kantonsspital
Z._
als Behandler angegeben worden sei, seien keine weiteren Arztberichte eingeholt worden. Bezüglich der Qualifikation sei die Aussage der ersten Stunde massgebend, weshalb an dem festgelegten Erwerbsbereich von 30
%
festgehalten werde. Demzufolge würde auch bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit der Invaliditätsgrad immer noch unter 40
%
liegen (S. 2).
In der Beschwerdeantwort vom
1.
Juli 2019 (
Urk.
6) führte die Beschwerdegeg
nerin sodann aus, dass aus dem
Y._
-Gutachten vom Februar 2014 keine Hinweise für eine schwere psychische Beeinträchtigung hervorgingen, welche
den Beschwerdeführer
als Frühinvaliden qualifizieren könnten (S. 2).
2.2
Demgegenüber wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein (
Urk.
1), dass für die sozialversicherungsrechtliche
Qualifikation
nicht auf seine Erwerbs
biografie abgestellt werden könne. Es sei nicht abschliessend geklärt, ob er aus gesundheitlichen Gründen keine Ausbildung habe abschliessen können (S. 8
Ziff.
24). Ausserdem lebe er mittlerweile getrennt von seiner Ehefrau, weshalb seine finanzielle Situation aufgrund des Wegfalls des Einkommens der Ehefrau nun noch prekärer sei. Er würde daher
bei guter Gesundheit in einem 100%-Pensum tätig sein
, was er bereits anlässlich der Abklärungen bei ihm zu Hause angegeben habe. Aufgrund seiner stringenten Aussagen sei er daher
als zu 100
%
im Erwerb
tätig
zu qualifizieren (S. 8
Ziff.
25). Ferner sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die aktuellen Berichte des behandelnden Psychologen nicht eingeholt worden seien, um eine allfällige Veränderung des Gesundheitszustands in psychiatrischer Hinsicht feststellen zu können. Der Sachverhalt hinsichtlich seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei daher nicht genügend abgeklärt worden, um über den Rentenanspruch entscheiden zu können (S. 9
Ziff.
28).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat und ob diesbezüglich der Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt wurde.
Die Beschwerdegegnerin ist auf die erneute Anmeldung des Beschwerdeführers vom
1
2.
April 2018 (
Urk.
7/53
) materiell eingetreten. Es ist daher zu beurteilen, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im massgeblichen Zeit
raum zwischen der anspruchsverneinenden Verfügung vom
2
3.
März 2015 (
Urk.
7/51) und der angefochtenen Verfügung vom 2
9.
April 2019 (
Urk.
2)
inso
weit verschlechtert hat, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Rente besteht.
3.
3.1
Der Verfügung vom 2
3.
März 2015 (
Urk.
7/51)
lagen im Wesentlichen die nach
folgenden medizinischen Berichte zugrunde:
3.2
Die Gutachter des
Y._
erstatteten im Auftrag der Beschwerdegegnerin am 1
3.
Februar 2014 ein polydisziplinäres Gutachten (
Urk.
7/31/2-25). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben des Beschwerdefüh
rers (S. 7 ff.), ihre am
8.
und
9.
Januar 2014 erhobenen allgemeininternistischen (S. S. 7-10), psychiatrischen (S. 11-14), nephrologischen (S. 14-16), orthopädi
schen (S. 16-19) und gastroenterologischen (S. 19-21) Befunde und nannten die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 21
Ziff.
5.1):
-
chronisch dialysepflichtige Niereninsuffizienz
-
Grundkrankheit unklar, Differentialdiagnose (DD) Status nach akuter
Tubulusnekrose
, Autoimmunerkrankung
-
chronische Hämodialyse seit 2
2.
Mai 2012
-
Status nach AV-Fistelanlage
brachiozephal
am linken Ellbogen am 1
4.
Mai 2013
-
renale Anämie, sekundäre Hyperparathyreoidismus, renale Hypertonie
Aus allgemein-internistischer Sicht wurden nach Ausklammerung der nephrolo
gischen und gastroenterologischen Diagnosen keine weiteren, die Arbeitsfähig
keit tangierenden Diagnosen festgehalten (S. 10
Ziff.
3.4).
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung gab der Beschwerdeführer an, dass er vor 2012 immer gesund und auch nie in psychiatrischer Behandlung gewesen sei (S. 11
Ziff.
4.1.1.2). Aufgrund von Schwierigkeiten in Mathematik habe er eine Sonderschule besucht. Eine Berufsausbildung habe er nicht absolviert, da er Geld habe verdienen wollen (S. 13
Ziff.
4.1.4). Gemäss psychiatrischem Gutachter lägen keine psychiatrischen Diagnosen vor und es bestünden keine Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht jemals eingeschränkt gewesen sei. Die im Bericht vom
1
0.
August 2012
der
K
linik
A._
(
Urk.
7/12/1-4) genannten akzentuierten Persönlichkeitszüge mit
dependenten
und narzisstischen Anteilen seien nicht näher erläutert worden. Der Beschwerde
führer habe sich noch nie in psychologischer oder psychiatrischer Behandlung befunden. Es bestünden keine Hinweise, dass er im Alltag aktuell oder in der Vergangenheit durch irgendwelche psychopathologischen Symptome einge
schränkt gewesen sei. Die im Bericht erwähnte schwankende Motivation, an den Therapien während des Spitalaufenthaltes teilzunehmen, begründe weder eine psychiatrische Diagnose noch eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (S. 13 f.
Ziff.
4.1.3,
Ziff.
4.1.6).
Aus nephrologischer Sicht wurde aufgrund der Aktenlage sowie der erhobenen Untersuchungsbefunde eine chronisch
hämodialysepflichtige
Niereninsuffizienz
unklarer Ätiologie festgehalten. Differentialdiagnostisch sei ein irreversibler Schaden bei Status nach akutem prärenalem Nierenversagen im Kontext der akuten Pankreatitis im Mai 2012 denkbar. Ferner sei jedoch auch eine Autoim
munerkrankung mit Pankreas- und Nierenbeteiligung möglich. Da der Beschwer
deführer früher eine Nierenbiopsie abgelehnt habe und diese später gemäss anam
nestischen Angaben nicht mehr möglich gewesen sei, könne keine definitive ätiologische Zuordnung erfolgen. Zusammenfassend bestehe eine chronisch dialysepflichtige Niereninsuffizienz mit medikamentös gut kontrollierter renaler Anämie sowie therapeutisch nicht behandeltem sekundärem Hyper
parathyreoidismus (S. 15 f.
Ziff.
4.2.4). Aufgrund der erhobenen Befunde und gestellten Diagnosen seien dem Beschwerdeführer körperlich schwere und anhal
tend mittelschwere Tätigkeiten bleibend nicht mehr zumutbar. Für eine körperlich leichte, adaptierte Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Aus nephro
logischer Sicht müsse die chronische Hämod
i
al
y
se fortgesetzt werden. Wünschenswert wäre eine Nierentransplantation, in deren Folge bei gutem Gelingen möglicherweise eine volle Arbeitsfähigkeit denkbar wäre. Die diesbezüglichen Bedenken des Beschwerdeführers seie
n jedoch zu berücksichtigen (S.
16
Ziff.
4.2.5-4.2.8).
Aus orthopädischer Sicht wurden chronisch-rezidivierende Schulterschmerzen der dominanten rechten Seite infolge abdominaler Ausstrahlung diagnostiziert, wobei aus orthopädischer Sicht kein objektivierbares Korrelat vorliege. Auf Ebene des Bewegungsapparates könne keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit im Sinne einer invalidisierenden Erkrankung attestiert werden (S. 19
Ziff.
4.3.3, 4.3.5-4.3.6).
Aus gastroenterologischer Sicht wurde ein Zustand nach akuter schwerer Pankreatitis unklarer Ätiologie festgehalten, wobei der Beschwerdeführer seitens der Pankreatitis und ihrer Folgen weitgehend beschwerdefrei sei. Es finde sich einzig eine exokrine Pankreasinsuffizienz, welche substituiert werde.
A
us gastro
enterologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Das Heben schwerer Lasten sei allerdings zu vermeiden (S. 20
Ziff.
4.4.3-4.4.5).
Gesamtmedizinisch sei aufgrund der anamnestischen Angaben, der erhobenen Untersuchungsbefunde, der überlassenen Akten sowie der früher attestierten Arbeitsunfähigkeit seit dem 2
0.
Mai 2012 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten auszugehen.
Bis zirka Mai 2013
habe eine volle
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
bestanden
. Ab zirka Juni 2013, mit Sicherheit seit dem aktuellen Untersuchungsdatum, bestehe in einer körperlich leichten, adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
Ferner sei der Beschwerdeführer bereits vor der Erkrankung nie einer längerfris
tigen
geregelten Arbeitstätigkeit nachgegangen, sodass eine regelmässige Erwerbstätigkeit möglicherweise nicht kompatibel mit seiner Lebenseinstellung sei. Hierbei handle es sich allerdings um einen IV-fremden Faktor, welcher keine höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit rechtfertige (S. 22 f.
Ziff.
6.3-6.4).
3.3
RAD-Arzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
ging in seiner Stellungnahme vom 2
4.
März 2014 (
Urk.
7/49/4-5) gestützt auf das
Y._
-Gutachten vom Februar 2014 (vgl. vorstehend E. 3.2) von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit 2
0.
Mai 2012 und einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit seit 2
0.
Mai 2012 bis Juni 2013 aus. Ab Juni 2013 bestehe eine 50%ige Arbeitsfähig
keit für angepasste Tätigkeiten. Das Belastungsprofil beinhalte körperlich leichte Tätigkeiten und der Beschwerdeführer habe einen erhöhten Pausenbedarf (S. 5).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Nephrologie, Kantonsspital
Z._
, führte in seinem
undatierten,
am 2
6.
Juni 2014 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen Bericht (
Urk.
7/36) aus, dass er den Beschwerdeführer seit
8.
August 2012 behandle (S. 2
Ziff.
1.2), und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere chronische Niereninsuffizienz Stadium G4 A3 nach KDIGO (
Kidney
Disease:
Improving
Global Outcomes
) unklarer Ätiologie (S. 1
Ziff.
1.1). Erfreulicherweise sei es lang
fristig zu einer Teilremission der Nierenfunktion gekommen, weswegen ab dem 2
0.
Januar 2014 ein bis zum aktuellen Zeitpunkt erfolgreicher Auslassversuch der Dialysetherapie erfolgt sei. Hinsichtlich der Nierenfunktion sei auch bei einer Teilremission langfristig mit einer langsamen Verschlechterung der Nierenfunk
tion und dem Wiedererlangen einer Nierenersatzbedürftigkeit zu rechnen. Möglicherweise sei dann eine präemptive Lebendnierentransplantation möglich, sodass eine
r
Dialysetherapie als Nierenersatzverfahren entgangen werden könne. Ein weiterer Problembereich würden die Pankreaspseudozysten darstellen, welche seit gut einem Jahr erfreulicherweise keine wesentlichen Beschwerden oder Symptome verursachen würden (S. 2 f.
Ziff.
1.4). Seit dem 2
1.
Mai 2012 bis aktuell habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Der Beschwerdeführer sei vor der aktuellen Erkrankung im Autoverkauf tätig gewesen. Diesbezüglich bestünden zum aktuellen Zeitpunkt keine wesentlichen körperlichen Beeinträch
tigungen, mit Ausnahme einer vielleicht etwas verminderten körperlichen Leis
tungsfähigkeit im Rahmen der chronischen Niereninsuffizienz. Aktuell sei seine Leistungsfähigkeit im Rahmen seiner angestammten Tätigkeit als Autoverkäufer vorerst auf 50
%
anzusetzen im Sinne eines Arbeitsversuchs. Bei weiterer Ver
besserung der Nierenfunktion könne gegebenenfalls eine Steigerung erfolgen, bei langsamer
progredienter Funktionsverschlechterung sei eventuell wieder eine Reduktion zu erwägen (S. 3 f.
Ziff.
1.6,
Ziff.
1.9).
3.5
Im Bericht vom 2
9.
Dezember 2014 (
Urk.
7/47) über die am 1
9.
November 2014
erfolgte Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beru
f und Privatier wurde insbesondere festgehalten, dass der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau sowie einem seiner Brüder in der Wohnung seiner Eltern lebe. Er habe eine Lehre als Automonteur begonnen, diese jedoch abgebrochen und arbeite seither in Gelegenheitsjobs. Aktuell habe er einen Job in einem Restaurant in der Küche, wo er abends von zirka 18 bis 22 Uhr arbeite (S. 4
Ziff.
2.3.1). Zu der Frage nach einer aktuellen Erwerbstätigkeit ohne Gesundheitsschaden habe der Beschwerde
führer angegeben, dass er gerne im Autohandel tätig wäre, er würde jedoch auch als Chauffeur oder im Zustelldienst arbeiten. Aus finanziellen Gründen würde er einem 100%-Pensum nachgehen (S. 5
Ziff.
2.5).
Im Ergebnis wurde er von der Abklärungsperson zu 30
%
erwerbstätig und zu 70
%
als Privatier tätig qualifiziert (S. 5
Ziff.
2.6). Anlässlich der Abklärung habe er angegeben, dass er ohne Gesundheitsschaden eine 100%ige Erwerbstätigkeit ausüben würde, jedoch sei zu beachten, dass er in all den Jahren vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Mai 2012 gemäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) keiner regelmässigen und andauernden Tätigkeit in einem 100%-Pensum nachgegangen sei. Folglich hätte er dies insbesondere aus finanziellen Gründen bereits bei guter Gesundheit umsetzen können, was er jedoch nicht gemacht habe. Entsprechend könne nicht davon ausgegangen werden, dass er heute ohne Gesundheitsschaden 100
%
arbeitstätig wäre, zumal er gemäss eige
nen Angaben nebst seinen Teilzeittätigkeiten sehr intensiv Kampfsporttraining betrieben und auch gelegentlich an Turnieren teilgenommen habe. Somit könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass er auch heute bei guter Gesundheit weiterhin eine Teilzeittätigkeit ausüben und nebenbei in seiner Freizeit seine Kampfsportart betreiben würde (S. 6
Ziff.
2.6.1).
Auf eine Haushaltsabklärung könne vorliegend verzichtet werden. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers werde der Haushalt vollumfänglich von seiner Mutter sowie seiner Ehefrau erledigt, welche für die Mahlzeiten, die Wohnungs
pflege und die Wäsche zuständig seien (S. 6 f.
Ziff.
4.1). Insgesamt erkannte die Abklärungsperson daher weder im Erwerbsbereich noch im Haushalt eine Ein
schränkung, was zu einem Invaliditätsgrad von 0
%
führte (S. 7
Ziff.
5).
3.6
Gestützt auf diese Aktenlage ging die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 2
3.
März 2015 davon aus, dass der Beschwerdeführer seit dem 2
1.
Mai 2012 in der bisherigen Tätigkeit als Verkäufer zu 100
%
eingeschränkt sei. Ab Juni 2013 habe sich
sein Gesundheitszustand verbessert, so dass er zu 50
%
arbeitsfä
hig sei. Da er einer Erwerbstätigkeit von 30
%
nachgehe und dieses Pensum einem Invaliditätsgrad von 40
%
unterliege, bestehe kein Anspruch auf eine Invaliden
rente (
Urk.
7/51).
4.
4.1
Beim Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
2
9.
April 2019 (
Urk.
2)
lagen im Wesentlichen die folgenden medizinischen Berichte vor:
4.2
Im Bericht vom 1
4.
August 2018 über die am
9.
August 2018 erfolgte rheumato
logische Erstkonsultation (
Urk.
7/63/7-9) nannten die Ärzte des Kantonsspitals
Z._
die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
Insertionstendinopathie
Achillessehne beidseits
-
begünstigt durch eine Osteopathie bei Niereninsuffizienz
-
Knick-Senkfüsse beidseits
-
dialysepflichtige chronische Niereninsuffizienz
-
schwere Pankreatitis unklarer Ätiologie im Mai 2012, DD idiopathisch, medikamentös (Ibuprofen)
-
ausgeprägte Hepatopathie DD im Rahmen der Entzündungsreaktion
-
kein Nachweis einer
Koagulopathie
-
arterielle Hypertonie, am ehesten renal
Der Beschwerdeführer leide an einer
Insertionstendinopathie
der Achillessehnen beidseits bei ausgeprägten Knick-Senkfüssen, renaler Osteopathie und insuffi
zienten Calciumzufuhr. Des Weiteren werde eine lokale Analgesie und
Antiphlo
gistik
empfohlen, weswegen eine Physiotherapieverordnung abgegeben worden sei. Zur Minimierung der Symptomatik könnten ebenfalls medial- und
retocapi
tal-stützende
Schuheinlagen bei ausgeprägten Knick-Senkfüssen rechtsbetont indiziert werden (S. 2).
4.3
Dr.
med.
D._
, Assistenzärztin Nephrologie und Dialyse, Kantonsspital
Z._
, berichtete am 2
4.
August 2018 (
Urk.
7/63/1-6), dass sie den Beschwerdeführer vom Mai 2012 bis Oktober 2
018 ambulant behandelt habe (S.
2
Ziff.
1.1), und nannte als Diagnosen eine
Insertionstendinopathie
beider Achil
lessehnen, eine schwere chronische Niereninsuffizienz unklarer Ätiologie und eine schwere und leichtere akute Pankreatitis unklarer Ätiologie (Juli 2014 und Mai 2012; S. 3
Ziff.
2.5). Ab 2
2.
Mai 2012 bis 2
0.
Januar 2014 sei eine Hämodialyse erfolgt, danach sei es bis November 2015 zu einer Remission gekommen. Seit 3
0.
November 2015 finde erneut dreimal wöchentlich eine Hämodialyse bei urämischen Symptomen statt. Es bestünden renale Folgeerkran
kungen wie Phosphatretention, Hypokalzämie und ein Hyperparathyreoidismus und seit
9.
August 2018 bestünde zusätzlich eine
Insertionstendinopathie
beider Achillessehnen wahrscheinlich im Rahmen einer Osteomalazie bei Niereninsuffi
zienz (S. 3
Ziff.
2.1-2.2). Aus nephrologischer Sicht sei eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
neben der Dialyse gegeben (S. 4
Ziff.
2.7). Aufgrund der
Insertionstendino
pathie
beider Achillessehnen bestünden Schmerzen beim Gehen sowie Stehen. Im Rahmen der Dialyse bestehe am selben Tag jeweils eine starke Müdigkeit und eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit (S. 4
Ziff.
3.4). Die bisherige Tätigkeit sei nicht zumutbar, eine dem Leiden angepasste Tätigkeit wäre zu 50
%
möglich (S.
5
Ziff.
4.1-4.2). Im Haushalt bestünden keine Einschränkungen (S. 6
Ziff.
4.5).
4.4
Im Haushaltsabklärungsbericht (Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigke
it in Beruf und Haushalt) vom 3
1.
Januar 2019 (
Urk.
7/72
) wurde unter anderem festgehalten
, dass der Beschwerdeführer nun getrennt von seiner Ehefrau lebe und weiterhin mit seinem Bruder und seinen Eltern eine 4-Zimmerwohnung bewohne. Seine Mutter erledige hauptsächlich die anfallenden Arbeiten im Haus
haltsbereich. Sie koche, wasche und reinige die Wohnung (S. 1 f.
Ziff.
1,
Ziff.
2.3.1). Er sei letztmals im Jahr 2008 einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgegangen (S. 2
Ziff.
2.2). Bei guter Gesundheit könne er es sich, gemäss eigener Aussage anlässlich der Abklärung, gut vorstellen
,
im Autohandel als
Fahrzeugaufarbeiter
tätig zu sein und er würde diese Tätigkeit aufgrund seiner finanziellen Situation in einem 100%-Pensum ausüben (S. 2
Ziff.
2.5).
Im Ergebnis wurde er von der Abklärungsperson
unverändert
als
zu 30
%
erwe
rbstätig und als zu 70
%
Freizeitbeschäftigungen nachgehend
qualifiziert
(S.
3
Ziff.
2.6). Dies begründete sie damit, dass eine 100%ige Arbeitstätigkeit auf
grund seiner Erwerbsbiografie nicht plausibel sei. Bei guter Gesundheit sei er maximal einer 30%igen Erwerbstätigkeit nachgegangen und habe noch nie ein 100%-Pensum geleistet. Aus medizinischer Sicht werde dem Beschwerdeführer seit 2014 eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit attestiert, jedoch habe er seither keinerlei Bemühungen unternommen, in einer angepassten Tätigkeit im Erwerbs
leben Fuss zu fassen. Die Qualifikation 30
%
Erwerb und 70
%
Freizeit werde daher analog zur letzten Berichterstattung (vgl. vorstehend E. 3.5) übernommen (S. 3
Ziff.
2.6.1).
4.5
Am 2
1.
November 2018 nahm RAD-Arzt
Dr.
B._
Stellung zum medi
zini
schen Sachverhalt (
Urk.
7/73/3-4
).
Als Diagnosen nannte er eine nekrotisierende Pankreatitis mit exokriner Insuffizienz, ARDS (akutes Atemnotsyndrom), akutes Nierenversagen (ANV) und eine ausgeprägte Hepatopathie
mit dauerhafter Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
. Die Hämodialyse habe vom 2
2.
Mai 2012 bis 2
0.
Januar 2014 stattgefunden, anschliessend sei ein Dialyseauslassversuch vor
genommen worden, seit 3
0.
November 2015 finde wieder die Hämodialyse bei
urämischen Symptomen statt. Zusätzlich bestehe seit
9.
August 2018 eine
Inser
tionstendinopathie
der beiden Achillessehnen. Das Belastungsprofil beinhalte leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten an einem ruhigen Arbeits
platz. Für die bisherige Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Ange
passte Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer in einem 50%-Pensum zumutbar (S. 4).
4.6
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bil
den (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich des Berichtes von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychologie, und
Dr.
phil.
F._
, Psycho
loge, vom 3
0.
Juli 2019 (
Urk.
11) erfüllt, weshalb dieser vorliegend berücksichtigt werden kann.
4.7
Dr.
E._
und
Dr.
phil.
F._
nannten die folgenden Diagnosen (
Urk.
11
S. 1):
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
-
Niereninsuffizienz beidseits mit/bei
-
Nierentransplantation vorgesehen beidseits
-
Dialyse dreimal pro Woche
-
Schwere arterielle Hypertonie
-
SIRS (
s
ystemisches inflammatorisches Response-Syndrom
)
unklarer Ätiologie 2012 mit/bei
-
Status nach akuter Pankreatitis
-
Pseudozysten,
Kathetersepsis
-
Pleuraergüsse im Abdomen am
3.
Dezember 2012
-
Insertionstendinopathie
der Achillessehnen beidseits
-
Zonen bei rezidivierenden Pankreatitiden
Der Beschwerdeführer beklage seit Januar 2017 Panikattacken mit Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Angst die Kontrolle zu verlieren, Zittern und Kältegefühl in den Händen. Die dreimal wöchentlich stattfindenden Dialysen könnten nur mit Beruhigungsmedikation durchgeführt werden. Zudem habe er Schlafstörungen (Durchschlaf drei bis vier Stunden), starke Schwindelanfälle, Gedankenkreisen und Existenzängste. Körperlich beklage er Gelenkschmerzen in den Beinen und Rückenschmerzen und eine schwere Niereninsuffizienz beidseits (S. 1 f.). Die drei
mal wöchentliche stattfindende Dialyse habe Folgen. An seinem d
i
al
y
sefreien Tag habe er grosse Erschöpfung wegen des Wasserentzugs und müsse viel liegen. Anschliessend habe er etwas mehr Energie, sei durch die Panikstörung aber so eingeschränkt, dass er aufgrund der Atemnot weder in Menschenmengen noch in engeren Räumen bleiben könne. Er werde bereits bei viel Licht unruhig. Es bestehe daher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch in angepassten Tätigkeiten. Darüber hinaus sei die Qualifikation als zu 30
%
erwerbstätig bei diesem jungen Mann völlig unrealistisch. Er habe keine seiner Arbeitstätigkeiten länger ausüben können. Die Leistungsfähigkeit sei im ganzen Arbeitsprozess eingeschränkt gewesen. Bei guter Gesundheit hätte er mit Sicherheit in einem 100%- Pensum gearbeitet (S. 3).
5.
5.1
Im Rahmen der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs diagnostizierte RAD-Arzt
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.3), gestützt auf die medizinische Aktenlage und das
Y._
-Gutachten vom Februar 2014 (vorstehend E. 3.2), eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz mit
Shuntkomplikationen
. Aufgrund der körperlichen Beschwerden ging er seit 2
0.
Mai 2012 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sowie von 2
0.
Mai 2012 bis Juni 2013 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit aus. Seit Juni 2013 erachtete er den Beschwerdeführer für körperlich leichte Tätigkeiten bei einem erhöhten Pausenbedarf als zu 50
%
arbeitsfähig.
5.2
In somatischer Hinsicht
lässt die Gegenüberstellung der bei der ersten Rentenprü
fung vorhande
nen (vgl. vorstehend E. 3.2-3.4
) mit den seit der erneuten An
meldung
vom April 2018 (
Urk.
7/53)
eingegangenen Berichten
(vorstehend E.
4.2-4.3, 4.5-4.
7
) auf keine wesentliche Veränderung des medizinischen Sachver
halts schliessen.
Dem Bericht der behandelnden Ärztin
Dr.
D._
vom August 2018 (vorstehend E.
4.3) sind aus somatischer Sicht insbesondere die bereits anlässlich der Erstanmel
dung
vorhandene
(vgl. vorstehend E. 3.2, 3.4) schwere chronische Niereninsuffi
zienz und akute Pankreatitis (im Mai 2012 und Juli 2014) unklarer Ätiologie zu entnehmen. Auch d
ie im aktuellen Bericht erwähnten renalen Folgeerkrankungen
wie insbesondere der Hyperparathyreoidismus wurden bereits im Zeitpunkt der Begutachtung durch das
Y._
im Februar 2014 vollumfänglich berücksichtigt (vgl.
Urk.
7/31/2-25 S. 15 f.
Ziff.
4.2.3-4.2.4).
Seit November 2015 wird erneut, wie schon von
2
2.
Mai 2012 bis 2
0.
Januar 2014 (vgl.
Urk.
7/31/2-25 S. 21), dreimal pro Woche, eine gemäss Aussage der Ärztin soweit unproblematische, Hämo
dialyse durchgeführt. Aus nephrologischer Sicht hat sich die objektive Befundlage folglich nicht wesentlich verändert, was sich auch in der gleichgebliebenen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wiederspiegelt.
Die von
Dr.
D._
auch weiterhin
attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten erweist sich in Anbetracht der geklagten Beschwerden und der vorhandenen Befunde als durch
au
s nachvollziehbar und schlüssig und berücksichtigt den
für die Dialyse und deren Nachwirkungen
notwendigen Zeitaufwand vollumfänglich.
Was die neu diagnostizierte
Insertionsdinopathie
beider Achillessehnen (Erst
diagnose am
9.
August 2018)
anbelangt, so stellt das Hinzutreten einer neuen Diagnose
nicht per se einen Revisionsgrund dar, weil damit das quantitative Element der (erheblichen) Gesundheitsverschlechterung nicht zwingend ausge
wiesen ist (BGE 141 V 9 E. 5.2 mit Hinweisen). Massgebend ist einzig, ob bzw. in welchem Ausmass – unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie – den medizinischen Akten eine Verschlechterung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit im relevanten Zeitraum entnommen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom 2
5.
Januar 2018 E. 9 und 9C_799/2016 vom 2
1.
März 2017 E. 5.2.1 mit weiteren Hinweisen).
Dr.
D._
führte bezüglich der Funktionseinschränkungen aus, dass bei einer
Insertionstendinopathie
beider Achillessehnen Schmerzen beim Gehen sowie Stehen bestünden, wobei sie unter Berücksichtigung der neu aufgetretenen Beschwerden eine dem Leiden ange
passte Tätigkeit als zu 50
%
zumutbar erachtete. Auch anlässlich der rheumato
logischen Untersuchung im Kantonsspital
Z._
im August 2018 (vorste
hend E. 4.2) wurde bezüglich der Fussbeschwerden, welche durch eine Osteo
pathie bei Niereninsuffizienz sowie Knick-Senkfüsse beidseits begünstig seien, keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Vielmehr wurde auf verschiedene schmerzlin
dernde Massnahmen wie Physiotherapie und medial- und
retocapital
-stützende Schuheinlagen aufmerksam gemacht, mit Hilfe deren ein Rückgang der Beschwerdesymptomatik zu erwarten ist. Die neu hinzugetretene Diagnose bleibt demnach für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer dem Leiden angepassten Tätigkeit folgenlos.
In somatischer Hinsicht ist nach dem Gesagten seit der erstmaligen Leistungsver
weigerung
keine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdefüh
rers im Sinne von
Art.
17 ATSG ausgewiesen.
5.3
Dr.
E._
und
Dr.
phil.
F._
diagnostizierten in ihrem im Beschwerdeverfah
ren eingereichten Bericht vom Juli 201
9
(vorstehend E. 4.
7
) in psychiatrischer Hinsicht eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) sowie eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) und attestierten dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit in der bisherigen und in jeglichen angepassten Tätigkeiten.
Die behandelnden Fachpersonen führten aus, dass der Beschwerdeführer seit Januar 2017 Panikattacken mit Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Angst die Kon
trolle zu verlieren und Kältegefühl in den Händen sowie Schlafstörungen, starke Schwindelanfälle, Gedankenkreisen und Existenzängste beklage. Da sie das Vor
liegen von vegetativen (Schwitzen, Herzrasen) und psychischen Symptomen (starker Schwindel) sowie Schlafstörungen und Existenzängste bejahten, erach
teten sie die Merkmale für die Diagnosen einer Panikstörung und Anpassungs
störung als erfüllt. Konkretere Angaben, insbesondere über den Krankheitsver
lauf, die Prognose, die vorhandenen Beschwerden und inwiefern diese zu Funktionseinschränkungen im Haushalt und in der bisherigen sowie in einer angepassten Tätigkeit führten, sind dem Bericht nicht zu entnehmen. Die Befunde, welche zu der Annahme einer Panik- und Anpassungsstörung führten, beruhen ausschliesslich auf den
eigenanamnestischen Angaben des Beschwerde
führers
. Die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden sind vorliegend nicht durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde erklärbar und keiner zuverlässigen medizinischen Feststellung und Überprüfung zugäng
lich. Damit erweist sich die
für eine verlässliche Diagnostik
erforderliche objektive Befunderhebung
insgesamt
als zu knapp und oberflächlich, um die daraus abge
leiteten Diagnosen nachvollziehen zu können
. Demzufolge fehlt es an einer für die
Annahme eines psychischen
Gesundheitsschadens vorausgesetzten
psychi
atrische
n
, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikati
onssystems abgestützten Diagnose (vgl. vorstehend E. 1.4).
Die von
Dr.
E._
und
Dr.
F._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeg
lichen den Leiden angepassten Tätigkeiten erscheint in Anbetracht der geklagten Beschwerden und mangels
eines diesbezüglichen ausgewiesenen psy
chische
n Gesundheitsschadens
als nicht schlüssig
.
Sowohl die im Bericht
erwähnte und nicht näher ausgeführte Atemnot in Menschenme
ngen und in engeren Räumen, als auch
die Unruhe bei viel Licht
vermögen keine gänzliche
Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten
zu begründen, bestehen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt doch
diverse
angepasste
Tätigkeiten, die nicht in engen Räumlich
keiten oder in grossen Menschenmengen ausgeführt werden.
Sodann ist i
n Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandeln
den Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache
hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau
ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Was die im Bericht erwähnten, mit der Dialyse im Zusammenhang stehenden Folgeerscheinungen anbelangt, so ergeben sich diese gänzlich aus der somati
schen Erkrankung, weshalb eine daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit aus nephrologischer Sicht zu beurteilen ist. In der von
Dr.
D._
attestierten 50%igen Arbeitsfähigkeit wurde
die im Rahmen der Dialyse am selben Tag bestehende starke Müdigkeit und eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit
aus fachärztlicher Sicht vollumfänglich berücksichtigt (vgl. vorstehend E. 4.3 und E. 5.2). Im Übri
gen klagte der Beschwerdeführer im Rahmen der Begutachtung durch das
Y._
im Februar 2014 (vorstehend E. 3.2
)
bereits
über Beschwerden im Zus
ammenhang mit der Dialyse
(
Urk.
7/31/2-25 S. 11
Ziff.
4.1.1.2, S. 14
Ziff.
4.2.1.1), was sich damals analog der aktuellen Beurteilung durch
Dr.
D._
in einer 50%igen Arbeits
fähigkeit aus nephrologischer Sicht niederschlug.
Somit ist festzuhalten, dass auch in psychiatrischer
Hinsicht keine Verschlechte
rung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers im Sin
ne von
Art.
17 ATSG vorliegt.
5.4
Der medizinische Sachverhalt ist dahingehend erstellt, dass für angepasste Tätig
keiten weiterhin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist.
Der Gesundheits
zustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sind aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt.
V
o
n weiteren Untersuchungen wären
diesbezüglich keine
neuen Erkenntnisse zu erwarten, zumal ein psychi
scher Gesundheitsschaden
im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG sowie
Art.
3
Abs.
1 und
Art.
6 ATSG
zu verneinen ist.
Zusammenfassend ist somit davon auszugehen, dass es
in medizinischer Hinsicht
seit der letzten Rentenprüfung im März 2015 zu
k
einer wesentlichen Veränderung der Arbeitsfähigkeit gekommen is
t. Da gemäss medizinischer Aktenlage weder ein Revisionsgrund, noch ein psychischer Gesundheitsschaden
ausgewiesen ist, erübrigt sich demzufolge ein
str
ukturiertes Beweisverfahren (vgl. vorstehend E. 1.5;
vgl. BGE 141 V 281).
6.
6.1
Gestützt auf die Haushaltsabklärung vor Ort (vorst
ehend E. 4.4
) qualifizierte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer als zu 30
%
erwerbstätig und zu 70
%
im Haushalt tätig und verneinte bei einem unter 40
%
liegenden Invaliditätsgrad einen Rentenanspruch (
vorstehend E. 2.1
).
Demgegenüber machte der Beschwer
deführer
geltend, bei guter Gesundheit in einem Pensum von 100
%
tätig zu sein (vorstehend E. 2.2). Str
ittig und zu prüfen ist demnach die
sozialversicher
ungs
rechtliche Qualifikation des
Beschwerde
führers und ob diesbezüglich ein Revi
sionsgrund zu bejahen ist.
6.2
Der Beschwerdeführer gab anlässlich der Haushaltsabklärung an, dass er bei guter Gesundheit in einem 100%-Pensum ar
beitstätig wäre (vorstehend E. 2.2
). Die Aussage de
s Beschwerdeführers gilt es
für die Beantwortung der Statusfrage zu berücksichtigen, da seine hypothetische Willensentscheidung jedoch dem Wesen nach einer direkten Beweisführung nicht zugänglich ist, muss sich diese auch aus äusseren Indizien erschliesse
n lassen (vgl. vorstehend E. 1.3). Für die Beurteilung der sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation ist demzufolge die Erwerbsbio
grafie des Beschwerdeführers heranzuziehen.
Gemäss IK-Auszügen vom 2
4.
Mai 2018 (
Urk.
7/55) und vom 1
5.
Februar 2019 (
Urk.
7/78) war der Beschwerdeführer lediglich in den Jahren 2007 bis 2009 bei vier verschiedenen Arbeitgebern erwerbstätig, wobei er jeweils nur sehr beschei
dene Einkommen generierte. So erzielte er insbesondere von Juli bis Oktober 2007 ein Einkommen von
Fr.
1'840.-- und von Januar bis Juni 2008 ein solches von
Fr.
4'908.--. Die in der Vergangenheit geleisteten
Arbeitspensen
sind nicht doku
mentiert, was angesichts der gemäss IK-Auszügen erzielten tiefen Erwerbsein
kommen in den Jahren 2007 bis 2009 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf jeweils nur in
sehr tiefen
Pensen ausgeübte Teilzeittätigkeiten schliessen lässt.
An dieser Ausgangslage vermag auch die im Juni 2018 erfolgte Scheidung (
Urk.
7/67) nichts zu ändern. Die in den IK-Auszügen genannten temporären Teil
zeitstellen übte er allesamt vor der
Heirat im November 2009 (vgl.
Urk.
7/67)
und vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Jahr 2012 aus, wobei es ihm damals durchaus möglich gewesen wäre, einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Auch eine wesentliche Veränderung seiner Lebensverhältnisse ist seit der Schei
dung nicht eingetreten.
Er lebt weiterhin mit seinem Bruder und den Eltern in deren Wohnung, wobei seine Mutter für die Besorgung des Haushalts zus
tändig ist (vgl. vorstehend E. 4.4
).
Der Beschwerdeführer hat keine Kinder und eine Unterhaltspflicht gegenüber der Exfrau besteht nicht (vgl.
Urk.
7/69/2).
Infolge
dessen und aufgrund des Umstands, dass er
zugleich
seine gemäss Aktenlage seit Februar 2014 bestehende Restarbeitsfäh
igkeit
von 50
%
(vorstehend E. 5.1
) zu keinem Zeitpunkt umgesetzt hat, kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
auf eine hypothetische Erwerbstätigkeit in einem 100%-Pensum
bei guter Gesundheit
geschlossen werden.
6.3
Nach dem Gesagten ist somit nicht zu beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer weiterhin
als zu 30
%
erwerbstätig und als zu 70
%
Frei
zeitbeschäftigungen nachgehend qualifiziert hat,
womit keine revis
i
onsrechtliche Veränderung gemäss
Art.
17 ATSG (vorstehend E. 1.7
) eingetreten ist.
6.4
Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass in revisionsrechtlicher Hinsicht keine anspruchsrelevante Veränderung gegenüber den im Jahr 2015 beurteilten Ver
hältnissen ausgewiesen ist.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch nach dem Gesagten zu Recht abgewiesen. Die angefochtene Verfügung vom
2
9.
April 2019
(
Urk.
2) erweist sich als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sind die Gerichtskosten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.2
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Nadja Hirzel, reichte bis dato keine Honorarnote ein, weshalb sie
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (vgl.
§
34
Abs.
3
GSVGer
) und beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzügl
ich Mehrwertsteuer), mit
Fr.
2'
4
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
Der Beschwerdeführer wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.