Decision ID: e2e8821d-3d61-5cd5-9de5-ebde31645945
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Der 1987 geborene R._ ist nordmazedonischer Staatsangehöriger und reiste am
24. Juli 2001 im Rahmen des Familiennachzugs zu seinen Eltern in die Schweiz ein
(act. Migrationsamt R._ [nachfolgend: Dossier A] 13). Er verfügt über eine
Niederlassungsbewilligung, deren Kontrollfrist letztmals bis 1. Juni 2020 verlängert
wurde. Am 1. August 2007 heiratete er in seinem Heimatland die Landsfrau S._,
geboren 1987. Seine Ehefrau zog nach schliesslich bewilligtem Gesuch im Rahmen des
Familiennachzugs am 2. April 2008 in die Schweiz ein und erhielt zum Verbleib bei
ihrem Ehemann eine Aufenthaltsbewilligung, welche letztmals bis 1. April 2018
verlängert wurde. Aus der Ehe gingen die beiden Söhne K._, geboren 2010 und L._,
geboren 2013, sowie die Tochter M._, geboren 2014, hervor. Die Kinder sind in der
Schweiz niederlassungsberechtigt.
A.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
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Nach verschiedenen Strassenverkehrs-, Betreibungs- und Ausländerrechtsdelikten
(Dossier A S. 91, 152, 154, 156) verwarnte das Ausländeramt (heute: Migrationsamt)
R._ mit Verfügung vom 17. Februar 2011 und forderte ihn auf, sich künftig in jeder
Beziehung klaglos zu verhalten (Dossier A S. 169). Trotz der Verwarnung kam es zu
weiteren Beanstandungen in finanzieller und strafrechtlicher Hinsicht (Privatkonkurs,
Konkurs seiner GmbH, strafrechtliche Verfehlungen, Dossier A S. 182 f., 184 f., 188 f.,
192 f., 244 f., 246 f., 249 -265, 273 f., 317 ff.), sodass das Migrationsamt mit Verfügung
vom 6. Dezember 2013 die Niederlassungsbewilligung widerrief (Dossier A S. 325). Das
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen schützte die Verfügung mit
Entscheid vom 23. Juni 2014 (Dossier A S. 378 ff.). Mit Entscheid B 2014/143 vom
23. September 2015 hiess das Verwaltungsgericht die Beschwerde gut und verwarnte
R._ stattdessen. Er wurde aufgefordert, keine neuen Schulden zu äufnen, die
bestehenden Schulden weiter zu sanieren und strafrechtlich nicht mehr – auch nicht
mehr geringfügig – in Erscheinung zu treten. Würde der Beschwerdeführer sein
bisheriges Verhalten weiter fortsetzen, wäre der Widerrufsgrund erfüllt und die
Niederlassungsbewilligung wäre ihm ohne weiteres zu entziehen (Dossier A S. 406 ff.).
A.b.
Nach dem Entscheid des Verwaltungsgerichts trat R._ strafrechtlich folgendermassen
in Erscheinung:
- mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes V._ vom 1. Oktober 2015 wurde er wegen
Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte zu einer Geldstrafe von 50
Tagessätzen zu je CHF 50 verurteilt (Dossier A S. 422 f.);
- mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes V._ vom 14. Juli 2016 wurde er deswegen
erneut mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 50 bestraft (Dossier A S. 433
ff.);
- für denselben Straftatbestand erfolgte mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes V._
vom 13. September 2018 eine wiederholte Verurteilung zu einer Geldstrafe von 90
Tagessätzen zu je CHF 40 (Dossier A S. 579 f.);
- mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes V._ vom 2. April 2019 wurde er der
mehrfachen Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte, des mehrfachen
Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen und der Übertretung des Bundesgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung für
A.c.
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schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 30
verurteilt (Dossier A S. 740 ff.).
In finanzieller Hinsicht war R._ beim Betreibungsamt per 18. August 2020 mit 47
offenen Verlustscheinen in der Höhe von CHF 115'222.70 verzeichnet. Am 25. Februar
2019 wurde Konkurs über die X._ GmbH eröffnet, bei welcher R._ alleiniger
Gesellschafter und Geschäftsführer war. Das Unternehmen war mit Verlustscheinen
von CHF 40'653.85 verzeichnet (Dossier A S. 641 ff.). Der Konkurs wurde am 18. März
2019 eingestellt (Dossier A S. 533 f., 644).
A.d.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt mit Verfügung
vom 13. März 2019 die Niederlassungsbewilligung von R._ und wies ihn aus der
Schweiz weg. Es begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass R._ trotz
Gewährung einer letzten Chance weiterhin neue Schulden generiert und die
Pfändungsquoten nicht bezahlt habe. Über seine Gesellschaft sei Konkurs eröffnet
worden. Des Weiteren sei er wiederholt strafrechtlich in Erscheinung getreten.
Aufgrund dieses Verhaltens habe er das Gastrecht in der Schweiz wiederholt und in
schwerwiegender Weise missbraucht. Der Widerrufsgrund sei daher klar erfüllt. Eine
Rückkehr sei R._ zumutbar. Zwar lebe er schon lange in der Schweiz, doch habe er
sich nicht integrieren können. Seine Ehefrau stamme ebenfalls aus Nordmazedonien
und seine Kinder seien noch im anpassungsfähigen Alter (Dossier A S. 674 ff.).
A.e.
Die Ehefrau, S._, ist gemäss dem Betreibungsregisterauszug des Betreibungsamtes
B._ vom 19. Mai 2020 ebenfalls mit Schulden verzeichnet und zwar belaufen sich die
14 Verlustscheine auf CHF 16'352.10 (act. Vorinstanz 11/11.1). Davor wurde ihr mit
Schreiben des Migrationsamtes des Kantons St. Gallen vom 23. Februar 2017 die
Aufenthaltsbewilligung nur unter dem Vorbehalt verlängert, dass sie sämtlichen
finanziellen Verpflichtungen nachkomme, keine neuen Schulden anhäufe und die
bestehenden Schulden abbaue (act. Migrationsamt S._ [nachfolgend: Dossier B] 89).
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verfügte das Migrationsamt des Kantons
St. Gallen am 13. März 2019 die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Der
Entscheid wurde damit begründet, dass S._ lediglich über ein von R._ abgeleitetes
Anwesenheitsrecht verfüge. Ihr Aufenthalt sei lediglich im Rahmen des
Familiennachzuges zum Ehemann bewilligt worden. Mit dem Widerruf der
Niederlassungsbewilligung des Ehemannes entfalle somit auch ihr Aufenthaltszweck.
A.f.
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B.
R._ und seine Ehefrau S._ (Beschwerdeführer) reichten durch ihren Rechtsvertreter
mit Eingabe vom 25. August bzw. mit Ergänzung vom 28. September 2020 gegen den
Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) vom 3. August 2020
Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Sie stellten den Antrag, dass der Entscheid
der Vorinstanz aufgehoben, auf den Widerruf der Niederlassungsbewilligung und
Wegweisung des Beschwerdeführers sowie die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung der Beschwerdeführerin verzichtet werde,
eventualiter die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers widerrufen und
durch eine Aufenthaltsbewilligung ersetzt werde und die Beschwerdeführerin zu
verwarnen sei; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Vernehmlassung vom 13. Oktober 2020 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressaten des
angefochtenen Entscheids sind die im Rekursverfahren unterlegenen
Beschwerdeführer zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 3. August 2020 versandten
Entscheid wurde mit Eingabe vom 25. August 2020 unter Berücksichtigung des
Eine Rückkehr ins Heimatland sei ihr zumutbar (Dossier B S. 17 ff.). Der gegen diese
Verfügung erhobene Rekurs wurde mit dem Rekursverfahren des Ehemannes vereinigt.
Im Rahmen des Rekursverfahrens reichte R._ einen Arbeitsvertrag vom 23. Mai 2019
ein, gemäss welchem er bei der Q._ AG unbefristet als Plattenleger angestellt sei (act.
Vorinstanz 11/7/6). Das Sicherheits- und Justizdepartement wies die gegen die
Verfügungen vom 13. März 2019 erhobenen Rekurse mit Entscheid vom 3. August
2020 ab.
A.g.
bis
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Fristenstillstands vom 15. Juli bis 15. August rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen
mit der Ergänzung vom 28. September 2020 formal wie inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP und Art. 145 Abs. 1 lit. b
der Schweizerischen Zivilprozessordnung [SR 272, ZPO] sowie Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Die Niederlassungsbewilligung kann nach Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über
die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und
Integrationsgesetz; SR 142.20, AIG) unter anderem widerrufen werden, wenn eine
ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die
innere oder die äussere Sicherheit gefährdet. Dieser Widerrufsgrund gilt auch, wenn
sich der Betroffene mehr als 15 Jahre ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten hat
(Art. 63 Abs. 2 AIG; BGE 139 I 16 E. 2.1). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung ist nach Art. 80 Abs. 1 lit. b der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt
und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) unter anderem bei mutwilliger Nichterfüllung
der öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Verpflichtungen anzunehmen.
Schuldenwirtschaft allein genügt für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung nicht.
Vorausgesetzt ist zusätzlich Mutwilligkeit der Verschuldung; die Verschuldung muss mit
anderen Worten selbst verschuldet und qualifiziert vorwerfbar sein (BGE 137 II 297 E.
3.3). Erforderlich ist zumindest ein erheblicher Ordnungsverstoss; ein solcher kann
bereits in einer qualifizierten Leichtfertigkeit liegen (BGer 2C_573/2019 vom 14. April
2020 E. 2.2 und 2C_724/2018 vom 24. Juni 2019 E. 3.1). Die so umschriebene
Mutwilligkeit ist nicht leichthin anzunehmen (vgl. BGer 2C_93/2018 vom 21. Januar
2019 E. 3.4 und 2C_164/2017 vom 12. September 2017 E. 3.1).
2.1.
Neben der Höhe der Schulden und der Anwesenheitsdauer des pflichtvergessenen
Schuldners ist entscheidend, ob und inwiefern dieser sich bemüht hat, seine
Verbindlichkeiten abzubauen und mit den Gläubigern nach einer Lösung zu suchen.
Sind solche Bemühungen dargetan, liegt die Wegweisung der ausländischen Person
nicht im Interesse der vorhandenen Gläubiger, da der Schuldenabbau dadurch
kompromittiert würde. Ferner ist im Rahmen der Interessenabwägung zu
berücksichtigen, dass das öffentliche Interesse an der Wegweisung ausländischer
Personen, welche einzig dem Schutz potentieller Gläubiger dient, von geringerem
Gewicht erscheint als dasjenige an der Wegweisung straffälliger oder dauernd
2.2.
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sozialhilfeabhängiger Personen (BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.2 und
2C_789/2017 vom 7. März 2018 E. 3.3.1, zum Ganzen auch: M. Spescha, in: Spescha
et al. [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 11 zu Art. 62 AIG sowie N 17
zu Art. 63 AIG).
Wurde bereits eine ausländerrechtliche Verwarnung (Art. 96 Abs. 2 AIG)
ausgesprochen, ist entscheidend, ob die ausländische Person danach weiterhin
mutwillig Schulden angehäuft hat. Erforderlich ist, dass keine wesentliche Besserung
eintritt, respektive dass das vom Gesetz als unerwünscht erachtete Verhalten auch
nach der Verwarnung fortgesetzt wird. Dabei muss ein Vergleich zwischen der
Ausgangslage im Zeitpunkt der Androhung der Massnahme mit der aktuellen Situation,
in der diese endgültig ergriffen werden soll, gezogen werden. Für den Fall der
Schuldenwirtschaft als Widerrufsgrund bedeutet dies, dass die ausländische Person
auch nach der Androhung der ausländerrechtlichen Folgen weiterhin mutwillig
Schulden gemacht haben muss (BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.2,
2C_62/2019 vom 14. Februar 2020 E. 3.1.1 und 2C_71/2019 vom 14. Februar 2020 E.
4.1.2). Dabei ist zu berücksichtigen, dass zum vornherein keine Möglichkeit hat,
ausserhalb des Betreibungsverfahrens Schulden zu tilgen, wer einem
betreibungsrechtlichen Verwertungsverfahren (insbesondere der Lohnpfändung)
unterliegt. Das kann in solchen Fällen dazu führen, dass im Vergleich zu früher weitere
Betreibungen hinzukommen oder der betriebene Betrag anwächst, ohne dass allein
deswegen Mutwilligkeit vorliegen würde. Von entscheidender Bedeutung ist dagegen,
welche Anstrengungen zur Sanierung unternommen worden sind. Positiv zu würdigen
ist etwa, wenn vorbestandene Schulden abgebaut worden sind. Ein Widerruf ist
dagegen zulässig, wenn in vorwerfbarer Weise weitere Schulden angehäuft worden
sind (BGer 2C_62/2019 vom 14. Februar 2020 E. 3.1.1, und 2C_93/2018 vom
21. Januar 2019 E. 3.4). Eine schwerwiegende Störung oder Gefährdung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung kann nach der Rechtsprechung in Würdigung der
konkreten Umstände auch bei einem Ausländer vorliegen, welcher sukzessive mehrere
juristische Personen gründet und diese in beherrschender Stellung mutwillig
überschulden und in Konkurs fallen lässt (BGer 2C_354/2020 vom 30. Oktober 2020 E.
2.5 und 2C_58/2019 vom 31. Januar 2020 E. 3.2).
In seiner bisherigen Praxis hat das Bundesgericht einen schwerwiegenden Verstoss
etwa angenommen bei mutwillig – fehlender Erwerbstätigkeit, Sozialhilfeabhängigkeit,
keinen Sanierungsanstrengungen, massivem Schuldenanstieg – unbezahlt gebliebenen
öffentlich- oder privatrechtlichen Schulden in der Höhe von CHF 213'790.48
2.3.
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(Verlustscheine; vgl. BGer 2C_928/2019 vom 26. Februar 2020), CHF 407'726
(Verlustscheinen) zuzüglich CHF 231'869 (Betreibungen; vgl. BGer 2C_62/2019 vom
14. Februar 2020), CHF 460'859.20 (Verlustscheine) zuzüglich CHF 263'742.15 (offene
Betreibungen; vgl. BGer 2C_138/2018 vom 16. Januar 2019 E. 3.2), CHF 188'000
(Verlustscheine; vgl. BGer 2C_517/2017 vom 4. Juli 2018), CHF 303'732.95
(Verlustscheine; vgl. BGer 2C_164/2017 vom 12. September 2017), CHF 172'543
(Verlustscheine) zuzüglich CHF 4'239 (offene Betreibungen; vgl. BGer 2C_997/2013
vom 21. Juli 2014). Hingegen verneint wurde ein solcher Verstoss in folgenden Fällen:
Der Beschwerdeführer wurde wegen seines jahrelang schwierigen Zahlungsgebahrens
nie verwarnt, bezahlte aber teilweise offene Betreibungen und zu dem im Jahr 2010
stammenden Verlustschein über CHF 47'366.30 kam kein neuer hinzu (vgl. BGer
2C_93/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.6). Die durchwegs arbeitstätigen
Beschwerdeführer hatten zwar ausstehende Schulden von CHF 184'316.30, aber
aufgrund der Lohnpfändung blieb nur das betreibungsrechtliche Existenzminimum zur
Bestreitung ihrer Lebensunterhaltskosten und daher war ein Teil der Neuverschuldung
erklärbar (BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020). Nach offenen Verlustscheinen von
CHF 183'836 stabilisierte sich die Situation bzw. verbesserte sie sich, da keine neuen
Betreibungen hinzukamen mit Ausnahme der Krankenkassenprämien. Die
Beschwerdeführerin verfügte neu über eine feste Anstellung und sie war in der Lage,
kleinere Rückzahlungen zu tätigen (BGer 2C_354/2020 vom 30. Oktober 2020).
Weil im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 Abs. 3 VRP neue Begehren unzulässig
sind, berücksichtigt das Verwaltungsgericht Tatsachen, die nach Abschluss des
Rekursverfahrens eingetreten sind ("echte Noven"), grundsätzlich nicht mehr (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Auf. 2003, Rz. 642, vgl.
Looser/Looser-Herzog, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 11 zu Art. 61
VRP). Im Bereich des Ausländerrechts hat das Verwaltungsgericht als Ausnahme von
diesem Grundsatz laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf den Sachverhalt im
Zeitpunkt seines Entscheides abzustellen (BGE 128 II 145 E. 1.1.3, vgl. Looser/Looser-
Herzog, a.a.O., N 19 zu Art. 61 VRP). Es hat also entscheidwesentliche Tatsachen, die
nach Abschluss des Rekursverfahrens eingetreten sind, zu berücksichtigen (VerwGE B
2018/183 vom 3. Juli 2019 E. 2.1, B 2016/111 vom 16. Januar 2018 E. 2). Vorliegend
bedeutet dies, dass die von den Beschwerdeführenden behaupteten Anstrengungen
zur Schuldentilgung bis zum Entscheidzeitpunkt zu berücksichtigen sind und gestützt
darauf die Schuldensituation abzuklären ist (BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E.
2.3, vgl. BGE 135 II 369 E. 3.3). Untersuchungsgrundsatz und Mitwirkungspflicht
2.4.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_354%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-II-369%3Ade&number_of_ranks=0#page369
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ändern hingegen an der objektiven Beweislast nichts, wonach grundsätzlich diejenige
Partei die Folgen der Beweislosigkeit eines Sachumstands zu tragen hat, die Rechte
daraus ableiten wollte (BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.4).
Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, dass der Beschwerdeführer
sowohl privat als auch geschäftlich sehr hohe Schulden habe. Seit dem Urteil des
Verwaltungsgerichts seien verschiedene neue Betreibungen und Verlustscheine
hinzugekommen, und die bestehenden Schulden seien nicht saniert worden. Es sei von
einer mutwilligen Nichterfüllung der finanziellen Verpflichtungen auszugehen. Des
Weiteren sei der Beschwerdeführer auch in strafrechtlicher Hinsicht mehrmals negativ
in Erscheinung getreten, und seit dem Urteil seien weitere vier Strafbefehle
hinzugekommen. Er sei zwar nicht wegen einer Gewalttat verurteilt worden, jedoch falle
die Anzahl der Verurteilungen ins Gewicht. Insgesamt sei von einem schwerwiegenden
Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung auszugehen.
Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein, dass er strafrechtlich nicht zu schweren
Klagen Anlass gegeben habe. Es sei seit der Verwarnung zu einem weiteren Strafbefehl
gekommen. Dieser stehe im Zusammenhang mit vorbestehenden Schulden und könne
nicht erneut berücksichtigt werden. Zudem handle es sich nicht um eine schwere
Straftat. Auch dem Vorwurf der schweren Klagen betreffend finanzielle Belange könne
nicht gefolgt werden. Es hätten Rückzahlungen durch Pfändungen stattgefunden.
Ausserdem sei er heute zu 100% angestellt und nicht mehr selbständig erwerbstätig.
Es bestehe also keine Gefahr, dass durch das Eingehen von Risiken als selbständige
Person weitere Schulden entstehen würden. Vielmehr könnten bestehende Schulden
durch den erzielten Lohn abgebaut werden. Das Betreibungsamt habe auch bestätigt,
dass Schulden zurückbezahlt worden seien, und zwar seit dem Jahr 2019 über
CHF 33'000. Die Gläubiger müssten auf die künftigen Rückzahlungen verzichten, wenn
er nicht mehr in der Schweiz bleiben dürfte. Dies sei nicht im öffentlichen Interesse. Die
Verschuldung sei nicht mutwillig entstanden. Er hätte sich bemüht, die Schulden zu
reduzieren.
2.5.
Die letzte migrationsrechtliche Verwarnung gegenüber dem Beschwerdeführer wurde
im Entscheid B 2014/143 vom 23. September 2015 ausgesprochen. Im Zeitpunkt der
Androhung der Massnahme war der Beschwerdeführer gestützt auf den damaligen
Betreibungsregisterauszug vom 24. April 2015 mit Verlustscheinen in der Höhe von ca.
CHF 55'000 und offenen Betreibungen von ca. CHF 103'500 verzeichnet (Dossier A S.
2.6.
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395 ff.). Im Vergleich mit der aktuellen Lage bestehen gemäss dem
Betreibungsregisterauszug vom 18. August 2020 Verlustscheine von CHF 115'222.70
und offene Betreibungen von gut CHF 37’000 (act. 7/4 und 7/5). Nach Erlass der
Verfügung des Migrationsamtes des Kantons St. Gallen nahm im März 2019 (Dossier A
S. 674 ff.) die Schuldentilgung zu. Zwar waren bereits seit dem Jahr 2015
Lohnpfändungen im Gange, jedoch lieferte der Beschwerdeführer bzw. er als
Gesellschafter und Geschäftsführer der E._ GmbH, bei der er angestellt war, nur
unregelmässig die pfändbare Quote auch tatsächlich dem Betreibungsamt ab.
Deswegen wurde er mit Strafbefehlen vom 1. Oktober 2015, 14. Juli 2016,
13. September 2018 und 2. April 2019 verurteilt (Dossier A S. 422 f., 433 f., 579 f. und
740 ff.). Im Jahr 2019 tätigte der Beschwerdeführer Zahlungen in der Höhe von
CHF 18'617.50 ans Betreibungsamt und im Jahr 2020 solche von CHF 14'868.70 (act.
7/5). Zudem schloss er am 23. Mai 2019 mit der Q._ AG einen unbefristeten – vormals
befristeten (Dossier S. 693 ff.) – Arbeitsvertrag als Plattenleger ab (act. Vorinstanz
11/7/6). Als Angestellter der E._ GmbH erzielte er ein monatliches Einkommen von
CHF 4'000 brutto (Dossier A S. 462 ff.). Mit dem neuen Arbeitsvertrag verdient er
gemäss den Lohnabrechnungen monatlich rund CHF 8'700 brutto (siehe
Lohnabrechnungen Juli 2019 bis Juli 2020, act. 7/7).
Der Beschwerdeführer geriet nicht nur privat in Schuldenlage, sondern führte drei
Unternehmen in den Konkurs. Im November 2008 machte er sich als
Einzelunternehmer mit Y._ selbständig. Über ihn wurde im August 2010 Konkurs
eröffnet. Das Konkursverfahren wurde am 25. Januar 2011 mit einem Verlust von
CHF 73'658.95 geschlossen (Dossier A S. 157 ff.). Nur wenige Monate nach der
Konkurseröffnung im November 2010 gründete er die Z._ GmbH, bei welcher er
einziger Gesellschafter und Geschäftsführer war (Dossier A S. 249). Nach
Konkurseröffnung am 14. August 2012 erfolgte am 23. Mai 2013 die Löschung aus
dem Handelsregister (Dossier A S. 263). Aus dem Konkursverfahren resultierte ein
Verlust in der Höhe von CHF 125'691.25 (Dossier A S. 256 ff.). Ab 1. Oktober 2012
arbeitete der Beschwerdeführer als Plattenleger und Geschäftsführer bei der
E._ GmbH, bei welcher er auch als Gesellschafter im Handelsregister eingetragen war
(Dossier A S. 350 ff., 504). Ab dem 27. Januar 2017 war er alleiniger Gesellschafter
(Dossier A S. 504). Gemäss dem Betreibungsregisterauszug des Betreibungsamtes
C._ vom 17. Mai 2017 war die E._ GmbH mit acht Verlustscheinen im Gesamtbetrag
von CHF 23'472.05 verzeichnet (Forderungen ab 22. August 2013, Dossier A S. 518 ff.).
Per 21. Juli 2017 wurde der Sitz der E._ GmbH von A._ nach B._ verlegt und das
Unternehmen in X._ GmbH umbenannt (Dossier A S. 533 ff.). Am 25. Februar 2019
2.7.
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wurde der Konkurs über die X._ GmbH eröffnet. Die 14 Verlustscheinen bezifferten
sich auf CHF 40'653.85 (Betreibungsregisterauszug des Betreibungsamtes B._ vom
26. Februar 2019, Dossier A S. 641 ff.). Der Konkurs wurde per 18. März 2019
eingestellt (Dossier A S. 691).
Rein quantitativ häufte der Beschwerdeführer sowohl privat als auch als Gesellschafter
hohe Schulden an. Dies alleine reicht jedoch nicht aus, um das Verhalten des
Beschwerdeführers auch als mutwillig zu beurteilen. Dazu wäre es notwendig, dass seit
der Verwarnung keine wesentliche Besserung der finanziellen Situation eingetreten
wäre und der Beschwerdeführer keine Anstrengungen zur Sanierung unternommen
hätte (vgl. E. 2.3). Im Zusammenhang mit juristischen Personen setzt eine
schwerwiegende Störung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit wiederum
voraus, dass der Beschwerdeführer mehrere juristische Personen gegründet und diese
in beherrschender Stellung in Konkurs fallen gelassen hat (vgl. E. 2.3).
In den fünf Jahren nach der Verwarnung im 2015 werden die damals offenen
Betreibungen nun in Verlustscheinen ausgewiesen. Insgesamt nahmen die Schulden
(Betreibungen und Verlustscheine) des Beschwerdeführers in der Summe leicht ab
(2015: CHF 158'000, 2020: CHF 152'000). Der Beschwerdeführer hat sich bemüht, die
Schulden abzubauen, wenn auch erst nach Erlass der Verfügung vom 13. März 2019.
Bis zu diesem Zeitpunkt lieferte er die pfändbare Quote seines Einkommens lediglich
zwischen Juni 2016 bis Januar 2018 ab. In den Zeiträumen von September 2015 bis
Mai 2016, Februar bis Juli 2018 und August 2018 bis Februar 2019 ergingen gegen ihn
Strafbefehle wegen Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte. In den
Jahren 2019 und 2020 zahlte der Beschwerdeführer insgesamt rund CHF 33'000 an
seine Gläubiger zurück. Gemäss Angaben des Betreibungsamts B._ verhält sich der
Beschwerdeführer kooperativ und ist gewillt, seine Schulden zurückzuzahlen (act. 7/5).
Zudem ist der Beschwerdeführer nicht mehr selbständig erwerbstätig, sondern
unbefristet unselbständig angestellt. Sein Lohn hat sich praktisch verdoppelt
(E._ GmbH CHF 4'000 brutto, Dossier A S. 462 ff., Q._ AG CHF 8'700 brutto, act.
7/7), womit sich das Schuldenrisiko für die Zukunft verringern sollte und eine
Wegweisung des Beschwerdeführers nicht im Interesse der Gläubiger liegen würde.
Gemäss den Lohnabrechnungen von Juli 2019 bis Juli 2020 wurde die über dem
Existenzminimum liegende Quote – zwischen CHF 2'009 bis CHF 3'727 – direkt ans
Betreibungsamt ausbezahlt (act. 7/7). Angesichts der bestehenden Lohnpfändungen
und der damit verbundenen schwierigen finanziellen Lage der Beschwerdeführer kann
auch der Umstand, dass weitere Krankenkassenschulden und Schulden beim Staat
2.8.
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(Steuern, Staatsanwaltschaft und Elektrizität- und Wasserwerk) dazu gekommen sind,
insbesondere da die Steuerausgaben nicht im betreibungsrechtlichen
Existenzminimum enthalten sind, nicht für sich allein betrachtet als mutwillige weitere
Verschuldung bezeichnet werden.
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer in den Konkurs geführten Unternehmen ist
festzuhalten, dass zwei dieser Unternehmen vor der zweiten Verwarnung in Konkurs
geführt wurden. Bei der E._ GmbH bzw. nach Umbenennung X._ GmbH war er ab
Mai 2017 alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer. Die Unternehmung war
allerdings bereits vor der alleinigen Übernahme durch den Beschwerdeführer mit
Verlustscheinen von CHF 23'472.02 verzeichnet (Dossier A S. 518 ff.). Bis zur
Konkurseröffnung häuften sich Verlustscheine von CHF 40'653.85 an (Dossier A S. 641
ff.). Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass der Beschwerdeführer gewisse
Probleme mit Unternehmensführungen an den Tag legt. Immerhin besteht momentan –
wie der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht – aufgrund der unselbständigen
Tätigkeit keine Gefahr mehr, dass er ein weiteres Unternehmen in den Konkurs führen
wird.
Da für das Verwaltungsgericht der Sachverhalt bis zum Entscheid massgebend ist, sind
die getätigten Schuldentilgungen, das nun kooperative Verhalten des
Beschwerdeführers mit dem Betreibungsamt sowie die Festanstellung in
unselbständiger Tätigkeit und dem damit verbundenen höheren Lohn positiv zu werten.
Daher kann dem Beschwerdeführer nach der letzten migrationsrechtlichen Verwarnung
nicht vorgeworfen werden, sich in vorwerfbarer Weise weiter verschuldet zu haben. Für
den Widerruf der Niederlassungsbewilligung gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG in
Verbindung mit Art. 80 Abs. 1 lit. b VZAE fehlt es demnach am Element der
Mutwilligkeit.
Nach einer ausländerrechtlichen Verwarnung (Art. 96 Abs. 2 AIG) kann bei erneuter
Delinquenz grundsätzlich auf den vormalig gesetzten Widerrufsgrund zurückgekommen
und gestützt darauf eine aufenthaltsbeendende Massnahme angeordnet werden. Nicht
jedes noch so geringe Delikt, welches nach einer Verwarnung begangen wurde, genügt
für den späteren Bewilligungswiderruf, doch ist der Widerrufsgrund im Lichte der
früheren Verurteilung bereits erfüllt, wenn den Anordnungen in der Verwarnung nicht
Folge geleistet wurde, auch wenn das betreffende Fehlverhalten für sich allein keinen
Widerrufsgrund darstellen würde. Eine frühere Verurteilung, die nicht unmittelbar zum
Widerruf geführt hat, darf später nur noch zur Begründung des Widerrufs
2.9.
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herangezogen werden, wenn sie noch genügend aktuell ist. Ob diese Aktualität noch
gegeben ist, haben die Behörden im Einzelfall zu beurteilen (BGer 2C_71/2019 vom
14. Februar 2020 E. 3.1).
Nach Art. 80 Abs. 1 lit. a VZAE (in der Fassung bis am 31. Dezember 2018) stellt auch
die Missachtung von gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Verfügungen einen
Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar. Ein solcher Verstoss wiegt
insbesondere dann schwer, wenn die ausländische Person durch ihre Handlungen
besonders hochwertige Rechtsgüter wie namentlich die körperliche, psychische und
sexuelle Integrität eines Menschen verletzt oder gefährdet hat. Nach der
Rechtsprechung zu Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG (vgl. BGer 2C_542/2016 vom 27.
November 2017 E. 4.3; 2C_106/2017 vom 22. August 2017 E. 3.2 und 3.3 [Auflistung
verschiedener Konstellationen]) können auch vergleichsweise weniger gravierende
Pflichtverletzungen als "schwerwiegend" im Sinn von Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG
bezeichnet werden: So ist ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung namentlich auch
dann möglich, wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen
bzw. ausländerrechtlichen Verwarnungen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt,
dass sie auch zukünftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu
halten. Somit kann auch eine Summierung von Verstössen, die für sich genommen für
einen Widerruf nicht ausreichen würden, einen Bewilligungsentzug rechtfertigen. Dabei
ist nicht die Schwere der verhängten Strafen, sondern die Vielzahl der Delikte
entscheidend (vgl. BGE 139 I 16 E. 2.1, 137 II 297 E. 3.3, BGer 2C_354/2020 vom
30. Oktober 2020 E. 2.5 und 2C_62/2019 vom 14. Februar 2020 E. 3.1.3).
Seit der gegenüber dem Beschwerdeführer am 23. September 2015 ausgesprochenen
migrationsrechtlichen Verwarnung sind vier weitere Strafbefehle hinzugekommen. Er
wurde am 1. Oktober 2015 (Dossier A S. 422 f), 14. Juli 2016 (Dossier A S. 433 ff.) und
13. September 2018 (Dossier A S. 579 f.) wegen Verfügung über mit Beschlag belegten
Vermögenswerten zu Geldstrafen verurteilt. Allerdings betraf der Strafbefehl vom
1. Oktober 2015 den Zeitraum von Februar bis August 2018 und damit liegt dieser vor
der Verwarnung. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes V._ vom 2. April 2019
wurde er wiederum der mehrfachen Verfügung über mit Beschlag belegte
Vermögenswerte, des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen und der
Übertretung des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
die Insolvenzentschädigung zu einer Geldstrafe verurteilt (Dossier A S. 740 ff.).
Innerhalb der letzten fünf Jahre sind demnach drei weitere Delikte im Zusammenhang
mit der Schuldenwirtschaft des Beschwerdeführers hinzugekommen. Den erheblichen
2.10.
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3.
Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen und der angefochtene Entscheid
der Vorinstanz vom 4. Juli 2018 aufzuheben. Das Migrationsamt ist anzuweisen, die
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers sowie der Kinder, K._, L._ und
M._, zu belassen und die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin zu
verlängern. Der Beschwerdeführer ist allerdings erneut zu verwarnen und darauf
hinzuweisen, dass er sich an die hiesige öffentliche Ordnung zu halten hat. Er wird
angewiesen, sich in Zukunft in sämtlichen Belangen wohl zu verhalten. Das bedeutet,
dass er sämtlichen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, keine neuen Schulden
anzuhäufen und die bestehenden Schulden im Rahmen von regelmässigen
Abzahlungen ans Betreibungsamt abzubauen hat sowie nicht mehr strafrechtlich in
Erscheinung treten darf. Er ist darauf zu behaften, dass sein Wohlverhalten nicht nur
unter dem Druck des Rechtsmittelverfahrens zustande kam, sondern auch andauern
wird. Ansonsten wird ihm die Niederlassungsbewilligung zu entziehen sein.
Die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin ist ebenfalls nur unter dem
Vorbehalt zu verlängern, dass sie sämtlichen finanziellen Verpflichtungen
nachzukommen, keine neuen Schulden anzuhäufen und die bestehenden Schulden
abzubauen hat. Nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird für den
hauptbetreuenden Elternteil ab der obligatorischen Einschulung des Kinds
Teil der Straftaten hat der Beschwerdeführer aber vor der Verwarnung begangen.
Insgesamt sind die vom Beschwerdeführer begangenen Straftaten nicht von besonders
schwerem Gewicht und dürften für sich alleine keinen Widerrufsgrund darstellen. Er
wurde weder zu Freiheitsstrafen verurteilt noch hat er hochwertige Rechtsgüter verletzt.
Die vor der Verwarnung begangenen Delikte beging der Beschwerdeführer zwischen
den Jahren 2007 und 2013. Sie liegen damit bereits einige Jahre zurück und es ist
fraglich, ob sie noch als genügend aktuell eingestuft werden können. Die drei zwischen
2016 und 2019 begangenen Delikte sind alle auf die Schuldenwirtschaft
zurückzuführen. Ab 2019 begann der Beschwerdeführer mit der Schuldensanierung.
Die pfändbare Quote wird zum jetzigen Zeitpunkt direkt dem Betreibungsamt
abgeliefert, womit die Gefahr einer erneuten Verurteilung für dieselbe Straftat wie in
den letzten Jahren ausgeschlossen ist. Bei einer Gesamtbetrachtung kann nicht nur
hinsichtlich der bereits dargelegten finanziellen Entwicklung, sondern auch unter
Berücksichtigung der Straftaten nach der letzten Verwarnung nicht pauschal gesagt
werden, dass der Beschwerdeführer nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich an die in der
Schweiz geltende Ordnung zu halten. Daher ist der Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1
lit. b AIG im vorliegenden Fall trotz Verwarnung im Urteil B 2014/143 erneut nicht erfüllt
und folglich ist dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung zu belassen.
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grundsätzlich eine Erwerbsarbeit in einem Pensum von 50 % als zumutbar erachtet, ab
Eintritt in die Sekundarstufe I eine solche von 80 % und ab Vollendung des
16. Lebensjahres ein Vollzeiterwerb (BGE 144 III 481 E. 4.7.6). Das jüngste Kind,
Tochter M._, ist gerade sechsjährig geworden und besucht damit bereits die
obligatorische Volksschule (ab Kindergarten). Der Beschwerdeführerin ist es demnach
zuzumuten, teilzeitlich eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, um sich finanziell am
Familienunterhalt beteiligen zu können.
Zwar obsiegen die Beschwerdeführer. Die tatsächlichen Grundlagen für das Obsiegen,
insbesondere im Falle des Beschwerdeführers, haben sie allerdings hauptsächlich im
Verlaufe des Rechtsmittelverfahrens geschaffen (vgl. vorne E. 2.4, 2.6 am Ende und 2.8
Abs. 2 und 3). Es rechtfertigt sich deshalb, die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens je hälftig dem Staat und den Beschwerdeführern aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 und 2 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 erscheint
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die
Erhebung des Kostenanteils des Staates ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der
Kostenanteil der Beschwerdeführer von CHF 1'000 ist mit dem von ihnen geleisteten
Kostenvorschuss von CHF 2'000 zu verrechnen. CHF 1'000 sind den
Beschwerdeführern zurückzuerstatten.
3.1.
Bei Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen über die amtlichen
Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der Regel erfolgt die
entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und deren Anteile analog
dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 103). Die amtlichen Kosten
des Rekursverfahrens vor der Vorinstanz von CHF 1'000 sind somit ebenfalls je hälftig
dem Staat und den Beschwerdeführern aufzuerlegen. Auf die Erhebung des
Kostenanteils des Staates von CHF 500 ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der
Kostenanteil der Beschwerdeführer von CHF 500 ist mit dem von ihnen geleisteten
Kostenvorschuss von CHF 1'000 zu verrechnen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den
Beschwerdeführern CHF 500 zurückzuerstatten.
3.2.
In analoger Anwendung des Schlüssels für die Verteilung der amtlichen Kosten und mit
Blick auf das Erfolgsprinzip einerseits und das Verursacherprinzip andererseits entfällt
vorliegend ein Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung für das Rekurs- und
3.3.
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