Decision ID: 7168bbc8-cabb-5046-9c20-4e5e43958434
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Der Beschwerdeführer, T.S., ist seit 2003 als Berufsfachschullehrer bei
der Berufsschule X. (Beschwerdegegnerin I) tätig.
B./ Am Freitag, 22. Oktober 2010, betrat der Beschwerdeführer - angeblich zwecks
Besorgung von Papier zur Stillung seines Nasenblutens - die Damentoilette im zweiten
Obergeschoss des Schulhausgebäudes. Als Schülerinnen die Toilette betraten, schloss
er sich in einer Toilettenkabine ein. In der Folge hantierte er mit seinem Mobiltelefon
unter der Kabinenwand. Eine der Schülerinnen bemerkte das Mobiltelefon des
Beschwerdeführers und informierte anschliessend eine Schulkollegin. Nachdem der
Beschwerdeführer von den Schülerinnen bemerkt wurde, hat er sich beschämt aus der
Damentoilette entfernt.
Unmittelbar nach Verlassen der Toilette rief der Beschwerdeführer den Hauswart der
Beschwerdegegnerin I an und schilderte diesem den Vorfall. Dieselben Angaben wie
gegenüber dem Hauswart machte der Beschwerdeführer am 22. Oktober 2010 auch
gegenüber dem Rektor und dem Prorektor der Beschwerdegegnerin I. Dabei ergänzte
er, dass er die spiegelnde Oberfläche seines Mobiltelefons einzig dafür verwendet
habe, um zu überprüfen, ob sich die Schülerinnen noch im Toilettengang befanden
oder sich bereits entfernt hätten und nicht etwa um Einblick in die benachbarte Kabine
zu nehmen.
C./ Im Rahmen eines Gesprächs mit dem Rektor und Prorektor am 25. Oktober 2010
wurde der Beschwerdeführer vom Rektor mit Verfügung vom gleichen Tag vorsorglich
von allen Tätigkeiten für die Beschwerdegegnerin I freigestellt. Am gleichen Tag wurde
der Beschwerdeführer über die in Erwägung gezogene fristlose Auflösung des
Dienstverhältnisses informiert, und es wurde ihm diesbezüglich das rechtliche Gehör
gewährt. Ebenfalls erstattete der Rektor der Beschwerdegegnerin I beim
Untersuchungsamt St. Gallen Strafanzeige gegen den Beschwerdeführer und
informierte den Lehrkörper und die Verwaltung der Beschwerdegegnerin I per Email
über die sofortige Freistellung des Beschwerdeführers und bat dabei um die
notwendige Diskretion gegenüber Dritten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Email vom 29. Oktober 2010 informierte der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin I den Beschwerdeführer darüber, dass das Rektorat inzwischen
von einem anderen Vorfall Kenntnis erhalten habe, der sich vor der Freistellung ereignet
habe. Dabei habe eine Schülerin am 1. Juli 2010 während einer Unterrichtslektion des
Beschwerdeführers festgestellt, dass eine kleine weisse, unter Papier versteckte
Kamera auf bzw. zwischen ihre Beine gerichtet gewesen sei. Sie habe sich gefilmt
gefühlt, weshalb sie nach der Lektion eine Lehrerin informiert habe. Der
Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, zu diesem Vorwurf Stellung zu nehmen.
Am 5. November 2010 nahm der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter zur in
Aussicht gestellten fristlosen Kündigung und zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit
der weissen Kamera Stellung. Der darin geschilderte Hergang des Vorfalls vom 22.
Oktober 2010 bestätigte den Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Damentoilette
zwecks Stillung des Nasenblutens und den Einsatz der spiegelnden Seite des
Mobiltelefons. Im Übrigen wurde jedoch der Vorwurf zurückgewiesen, dass der
Beschwerdeführer gegen grundlegende Verhaltensnormen an einer Schule verstossen
habe. Sein Verhalten könne höchstens als geringer Verstoss gegen Verhaltensauflagen
bewertet werden, da er sich vor Betreten der Toilette klar bemerkbar gemacht und sich
versichert habe, dass sich niemand darin befinde. Zudem habe sich der
Beschwerdeführer aus einer spontanen und - wie er eingesteht - falschen Reaktion in
der Kabine eingeschlossen. Er habe mit seinem Verhalten nach dem Vorfall alles ihm
Mögliche zur ernsthaften Aufklärung des Sachverhalts beigetragen. Die Schulleitung
habe demgegenüber weder eine Befragung der Beteiligten durchgeführt noch habe sie
über die Gespräche vom 22. und 25. Oktober 2010 Protokoll geführt. Damit sei das
rechtliche Gehör verletzt worden. Zu den Geschehnissen vom 1. Juli 2010 führte der
Beschwerdeführer aus, dass er weder eine Kamera der beschriebenen Art besitze noch
jemals Schüler ohne deren Einverständnis gefilmt habe. Zudem sei es unverständlich,
dass er erst vier Monate nach Abhalten der besagten Lektion zu den vagen
Behauptungen der Schülerin habe Stellung nehmen können und ihm diese unter
anderem nachträglich als Kündigungsgrund vorgehalten würden. Die Voraussetzungen
für eine fristlose Entlassung nach Art. 82 Abs. 1 des Staatsverwaltungsgesetzes (sGS
140.1, abgekürzt StVG) seien daher nicht erfüllt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 15. November 2010 verfügte die Führungskonferenz der Beschwerdegegnerin I die
fristlose Auflösung des Dienstverhältnisses des Beschwerdeführers unter Entzug der
aufschiebenden Wirkung eines allfälligen Rekurses. Der Entscheid wurde im
Wesentlichen damit begründet, dass die Erklärungen des Beschwerdeführers für
seinen Aufenthalt in der Damentoilette unglaubwürdig seien und nichts daran ändern
würden, dass er mit seinem unverständlichen und nicht nachvollziehbaren Verhalten
gegen grundlegende Verhaltensnormen verstossen habe. Dieses mache eine
Fortsetzung des Dienstverhältnisses unzumutbar und stelle folglich einen wichtigen
Grund für die Auflösung des Dienstverhältnisses gemäss Art. 82 Abs. 1 StVG dar.
D./ Am 26. November 2010 erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung der
Führungskonferenz der Beschwerdegegnerin I Rekurs bei der
Berufsfachschulkommission der Berufsschule X. bzw. der Beschwerdegegnerin II. Er
beantragte, die Verfügung vom 15. November 2010 sei aufzuheben, und er sei als
Berufsschullehrer bei der Beschwerdegegnerin I weiter zu beschäftigen. Der
Beschwerdeführer wiederholte im Wesentlichen seine Argumente aus der
Stellungnahme vom 5. November 2010.
Die Beschwerdegegnerin II wies den Rekurs mit Entscheid vom 10. Februar 2011 als
unbegründet ab.
E./ Am 28. Februar 2011 erhob der Beschwerdeführer gegen den Entscheid der
Beschwerdegegnerin II Rekurs beim Bildungsdepartement und beantragte, der
Entscheid der Beschwerdegegnerin II und die Verfügung der Führungskonferenz der
Beschwerdegegnerin I vom 15. November 2010 seien aufzuheben und der
Beschwerdeführer sei als Berufsschullehrer weiter zu beschäftigen. Dem Rekurs sei
gestützt auf Art. 51 Abs. 2 VRP die aufschiebende Wirkung wieder zu erteilen, und das
Rekursverfahren sei bis zum rechtskräftigen Abschluss der gegen ihn laufenden
Strafuntersuchung zu sistieren.
In der Rekursbegründung bestreitet der Beschwerdeführer im Wesentlichen die
Feststellung des Sachverhalts der Beschwerdegegnerin II, insbesondere in der
Hinsicht, als ihm die Beschwerdegegnerin II vorwirft, er habe mit seinem Mobiltelefon
Einsicht in die benachbarte Kabine genommen. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bezüglich Sachverhalt einzig darin Übereinstimmung bestünde, dass er sich am 22.
Oktober 2010 in die Damentoilette begeben, sich in eine Kabine eingeschlossen und
mit Hilfe seines Mobiltelefons versucht habe, in den Toilettengang Einsicht zu nehmen.
Bezüglich des Motivs seines Aufenthalts in der Damentoilette bestünden
demgegenüber diametrale Widersprüche. Es sei einzig auf den unbestrittenen
Sachverhalt abzustellen, welcher keinen Anlass zu einer fristlosen Entlassung gebe.
Am 11. März 2011 nahmen die Beschwerdegegnerinnen durch ihren gemeinsamen
Rechtsvertreter Stellung. Sie beantragten die Abweisung des Rekurses sowie der
Begehren um Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung und um Sistierung des
Verfahrens bis zum Abschluss des Strafverfahrens. Sie erklärten, dass bezüglich des
vom Beschwerdeführer weitgehend zugestandenen Sachverhalts einzig strittig sei, ob
er mit seinem Mobiltelefon nur Einsicht in den Toilettengang oder auch in die
benachbarte Kabine genommen habe. Fakt sei aber, dass die Schülerin, welche sich in
der benachbarten Toilettenkabine befand, das Mobiltelefon sehen konnte. Somit stehe
fest, dass es grundsätzlich möglich gewesen sei, dass der Beschwerdeführer mit
seiner Vorgehensweise auch Einblick in die benachbarte Toilettenkabine hätte nehmen
können. Der Beschwerdeführer habe damit die Privat- und Intimsphäre der Schülerin
zumindest einer erheblichen unmittelbaren Gefahr ausgesetzt und damit
Verhaltensnormen an einer öffentlichen Schule im Allgemeinen und den Berufsauftrag
des Beschwerdeführers im Speziellen gravierend verletzt. Zudem habe er das Ansehen
der Schule schwer beeinträchtigt. Folglich hätten ausreichend Gründe für eine fristlose
Kündigung vorgelegen.
Mit Entscheid vom 23. März 2011 wurde dem Rekurs die aufschiebende Wirkung
wieder erteilt und das Rekursverfahren sistiert.
Am 25. März 2011 stellte die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen das
Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer wegen Verdachts auf Pornografie und
Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch ein Aufnahmegerät ein. Dies wurde
hauptsächlich damit begründet, die Behauptung des Beschuldigten, er habe mit Hilfe
der spiegelnden Vorderseite seines Mobiltelefons lediglich schauen wollen, ob der
Gang zum Ausgang frei sei, könne nicht widerlegt werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
In der Replik vom 6. Mai 2011 hielt der Beschwerdeführer an der Aufhebung des
Entscheids der Beschwerdegegnerin II vom 10. Februar 2011 fest. Er begründete sein
Begehren im Wesentlichen mit der seines Erachtens aus rechtstaatlicher Sicht
fragwürdigen Doppelvertretung der Beschwerdegegnerinnen und der Einstellung der
strafrechtlichen Untersuchung. Letztere zeige, dass die Beschwerdegegnerin II ihren
Entscheid auf blosse Vermutungen und Spekulationen gestützt habe.
In der Duplik vom 16. Juni 2011 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerinnen
fest, dass er die Beschwerdegegnerin II erst im Rekursverfahren vor der Vorinstanz
vertrete und eine Doppelvertretung infolge der deckungsgleichen Interessen der
Beschwerdegegnerinnen ohne Weiteres möglich sei. In der Hauptsache erklärte er
unter anderem, dass das Verhalten des Beschwerdeführers zwar nicht für eine
strafrechtliche Verurteilung genüge, dennoch habe er die Privat- und Intimsphäre der
betroffenen Schülerin zumindest erheblich gefährdet, was für die Begründung einer
fristlosen Entlassung genüge.
Mit Entscheid vom 28. Oktober 2011 wies die Vorinstanz den Rekurs ab und
verpflichtete den Beschwerdeführer, den provisorisch ausbezahlten Lohn
zurückzubezahlen, der ihm aufgrund der aufschiebenden Wirkung des
Rekursverfahrens ab dem Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung der
Führungskonferenz der Beschwerdegegnerin I vom 15. November 2010 ausbezahlt
wurde.
F./ Am 17. November 2011 erhob der Beschwerdeführer beim Verwaltungsgericht
Beschwerde gegen den Entscheid der Vorinstanz vom 28. Oktober 2011 mit dem
Begehren, der Entscheid der Vorinstanz sowie die Verfügung der Führungskonferenz
der Beschwerdegegnerin I vom 15. November 2010 seien aufzuheben. Des Weiteren
sei der Beschwerdeführer in seiner angestammten Funktion als Berufsschullehrer von
der Beschwerdegegnerin I weiter zu beschäftigen. Eventualiter sei die fristlose
Entlassung des Beschwerdeführers vom 15. November 2010 in eine ordentliche
Kündigung umzuwandeln. Er bemängelte unter anderem die Feststellung des
Sachverhalts und beanstandete die aggressive Kommentierung seiner Freistellung
gegenüber Lehrkräften und Presse, welche sein berufliches Fortkommen und seine
Reputation nachhaltig geschädigt habe. Der Beschwerdeführer brachte als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdebegründung weiter vor, dass sein Verhalten keinen Grund für eine fristlose
Kündigung darstelle und die fristlose Kündigung weder geeignet, erforderlich noch im
engeren Sinne verhältnismässig sei. Wenn überhaupt wäre lediglich eine ordentliche
Kündigung unter Aufrechterhaltung der Freistellung zu verfügen gewesen.
Am 8. Dezember 2011 nahm die Vorinstanz Stellung zur Beschwerde und beantragte
deren kostenpflichtige Abweisung, soweit darauf einzutreten sei. Zur Begründung
verwies sie im Wesentlichen auf ihren Entscheid vom 28. Oktober 2011. Am 5. Januar
2012 liessen die Beschwerdegegnerinnen durch ihren Rechtsvertreter Stellung
nehmen. Sie beantragten ebenfalls die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
Sie begründeten dies im Wesentlichen mit Verweis auf ihre bisherigen Stellungnahmen
vom 11. März 2011 und 16. Juni 2011 sowie den Entscheid der Beschwerdegegnerin II
vom 10. Februar 2011. Sie distanzierten sich vom Vorwurf der unrichtigen Feststellung
des Sachverhalts und betonten erneut, dass bereits der unbestrittene Sachverhalt,
mithin das blosse Betreten der Damentoilette ohne Vorliegen einer Notsituation und
insbesondere das Hantieren mit dem Mobiltelefon ausreiche, um eine fristlose
Kündigung zu begründen. Sie bestritten den Vorwurf, dass die Schulleitung die fristlose
Entlassung aggressiv kommentiert habe, und bemerkten dazu, dass die Presse
vielmehr von einer verfrühten Berichterstattung abgehalten und die Öffentlichkeit erst
einen Monat nach der Entlassung informiert wurde, wobei man sich an die vom
Beschwerdeführer zugestandenen Fakten gehalten habe. Nach Gewährung einer
Fristerstreckung verdeutlichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in der
Stellungnahme vom 8. Februar 2012 im Wesentlichen seine Argumente in der
Beschwerde.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird - soweit erforderlich - in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
In inhaltlicher Hinsicht ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe
vom 17. November 2011 teilweise in pauschaler Weise auf seine Vorbringen in den
Rekursverfahren verweist. Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts
sind solche pauschale Verweise auf die Ausführungen in den Eingaben an die
Vorinstanzen als Begründung ungenügend, da daraus nicht hervorgeht, in welchen
Punkten und aus welchen Gründen der Entscheid der Vorinstanz angefochten wird. Es
ist nicht die Aufgabe der Rechtsmittelinstanz, in den vorinstanzlichen Eingaben nach
Gründen zu suchen, weshalb der Entscheid der Vorinstanz unrichtig sein könnte (vgl.
anstatt vieler VerwGE B 2011/186 vom 15. Dezember 2011 E. 2. oder B 2011/99 vom
14. Februar 2012 E. 1.2., beide abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Soweit also der
Beschwerdeführer auf seine Vorbringen in den Rekursverfahren verweist, ist mangels
begründeter Vorbringen darauf nicht einzutreten.
Folglich ist unter dem erwähnten Vorbehalt auf die Beschwerde einzutreten.
2. Vorliegend ist unbestritten, dass dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 15.
November 2010 fristlos gekündigt wurde. Es wurde weiter nicht bestritten, dass sich
die fristlose Kündigung nach dem StVG beurteilt. Diesbezüglich ist zu beachten, dass
am 1. Juni 2012 Teile des neuen Personalgesetzes (sGS 143.1, abgekürzt PersG) in
Kraft getreten sind, welches Teile des StVG aufhebt, so auch die Bestimmung des
StVG betreffend Auflösung des Angestelltenverhältnisses (Art. 92 PersG). Die
Übergangsbestimmungen des PersG schreiben hinsichtlich des Verfahrensrechts vor,
dass bei dessen Vollzugsbeginn hängige, das Dienstverhältnis oder Ansprüche aus
dem Dienstverhältnis betreffende Verfahren sowie hängige Disziplinarverfahren von der
nach bisherigem Recht zuständigen Behörde und in dem nach bisherigem Recht
massgebenden Verfahren erledigt werden (Art. 110 Abs. 2 PersG). Auf bereits vor
Vollzugsbeginn des Erlasses bestehende Dienstverhältnisse ist zudem neues
materielles Recht anzuwenden (Art. 107 PersG). Das PersG enthält jedoch keine
Regelung bezüglich des anwendbaren materiellen Rechts für Sachverhalte, bei denen
wie vorliegend vor dem Inkrafttreten des PersG das Dienstverhältnis fristlos gekündigt
wurde. Gemäss Bundesgericht sollen jene Bestimmungen auf bei Inkrafttreten des
neuen Erlasses bereits hängige Verfahren Anwendung finden, welche im Zeitpunkt der
Verwirklichung des Sachverhalts Geltung hatten (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, Rz. 326 mit weiteren Hinweisen). Somit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beurteilt sich die hier in Frage stehende fristlose Kündigung nach wie vor nach den
bisher anwendbaren Bestimmungen des StVG.
Eine fristlose Auflösung des Dienstverhältnisses ist möglich, wenn sie infolge
Vorliegens wichtiger Gründe erfolgt (Art. 82 Abs. 1 StVG). Das st. gallische Recht
enthält keine Regelung über die materiellen Anforderungen an eine Kündigung. Indes
ist in Lehre und Rechtsprechung unbestritten, dass Kündigungen, welche gemäss
Obligationenrecht missbräuchlich wären, im öffentlichen Dienstrecht als willkürlich im
Sinne von Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR
101, abgekürzt BV) gelten (vgl. M. Michel, Beamtenstatus im Wandel, Diss. Zürich
1998, S. 299). Gestützt auf den Verweis von Art. 83 StVG sind die Bestimmungen des
Obligationenrechts (SR 220, abgekürzt OR) sachgemäss anwendbar (VerwGE B
2010/226 vom 26. Januar 2011 E. 2.3. mit Hinweisen, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch).
3. In materieller Hinsicht bestritten sind die Umstände, die zu der Entlassung geführt
haben, und die Fragen, ob eine fristlose Entlassung rechtmässig war.
Die Rechtmässigkeit einer fristlosen Entlassung bemisst sich einerseits an
verfassungsrechtlichen Vorgaben wie dem Willkürverbot, dem
Verhältnismässigkeitsprinzip sowie an Treu und Glauben. Die Gründe, die zur
Kündigung Anlass geben, müssen von einem bestimmten Gewicht sein (VerwGE B
2010/226 vom 26. Januar 2011 E. 2.3., abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
Andererseits erfordert die fristlose Kündigung, dass die Fortsetzung des
Dienstverhältnisses geradezu unzumutbar ist (M. Michel, Beamtenstatus im Wandel,
Diss. Zürich 1998, S. 299).
Andererseits ist aufgrund des Verweises in Art. 83 StVG zur Beurteilung, ob ein
wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung vorliegt, auf die Praxis und Lehre zur
fristlosen Kündigung gemäss Art. 337 OR zurückzugreifen (Michel, a.a.O., S. 303). Eine
fristlose Kündigung gemäss OR rechtfertigt sich infolge schwerwiegender Verletzungen
der Arbeits- und Treuepflicht (W. Portmann, in: Honsell/Vogt/Wiegand (Hrsg.),
Obligationenrecht I, Kommentar, Basel 2010, N 3 zu Art. 337 OR). Weniger
schwerwiegende Verfehlungen begründen demgegenüber nur bei Wiederholung trotz
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorgängiger Verwarnung eine fristlose Kündigung (Portmann, a.a.O., N 3 zu
Art. 337 OR; statt vieler BGE 127 III 310 E. 3 und 130 III 28 E. 4.1 mit Hinweisen). Der
Beamte im Besonderen hat alles zu unterlassen, was die Erfüllung seiner Aufgaben
beeinträchtigt oder der Vertrauenswürdigkeit der Staatsverwaltung schadet (Art. 67 lit.
c StVG). Die Lehre hält weiter fest, dass der Beamte seine Dienstpflichten zu erfüllen
hat und überdies zu einem Verhalten verpflichtet ist, welches das ihm von den Privaten
entgegengebrachte Vertrauen und den Respekt rechtfertigt (Häfelin/Müller/Uhlmann,
a.a.O., Rz. 1575 und 1578). Gemäss Verwaltungsgerichtspraxis bedingt eine fristlose
Entlassung ein öffentliches Interesse und zusätzlich die Unzumutbarkeit der
Weiterbeschäftigung (VerwGE B 2010/226 vom 26. Januar 2011 E. 2.3., abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch; Michel, a.a.O., S. 299).
3.1. Die Verfügung der fristlosen Kündigung wurde von den Beschwerdegegnerinnen
zum einen damit begründet, dass der Beschwerdeführer mit seinem Aufenthalt in der
Damentoilette und der Tatsache, dass sein Mobiltelefon von einer Schülerin gesehen
wurde, bewusst in Kauf genommen habe, den Geheim- und Privatbereich der
Schülerinnen als Toilettenbenutzerinnen zu verletzen.
Der Beschwerdeführer wendet diesbezüglich ein, dass der Ausgang des
strafrechtlichen Verfahrens bestätige, dass kein Hinweis für eine Verletzung der
Geheim- und Privatsphäre vorliege. Eine Verletzung der sexuellen Integrität der
Schülerin wurde zudem gar nicht erst untersucht, da eine solche von dem Mädchen,
welche das Mobiltelefon gesehen hat, nie behauptet wurde.
3.1.1. Die Begehung einer strafbaren Handlung stellt in der Regel eine schwere
Verletzung der Treuepflicht dar, wenn sie unmittelbare Auswirkungen auf das
Arbeitsverhältnis hat (Portmann, a.a.O., N 22 zu Art. 337 OR).
3.1.2. Die Strafuntersuchung wurde eingestellt, da nicht bewiesen werden konnte, dass
sich der Beschwerdeführer eines strafrechtlich relevanten Verhaltens schuldig gemacht
hat. Insbesondere konnte die Aussage des Beschwerdeführers nicht widerlegt werden,
dass er mit der spiegelnden Oberfläche seines Mobiltelefons lediglich Einblick in den
Eingangsbereich und nicht etwa auch in die benachbarte Kabine nehmen wollte. Somit
hat sich der Beschwerdeführer weder der direkt- noch eventualvorsätzlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verletzung von Art. 179quater und 197 des Schweizerisches Strafgesetzbuches
(SR 311.0, abgekürzt StGB) schuldig gemacht (Art. 12 Abs. 1 und 2 StGB). Das
Verwaltungsgericht ist grundsätzlich an die tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil
gebunden. Sie darf von diesen nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheide zugrundelegt, die dem Strafrichter unbekannt waren, oder wenn sie
zusätzliche Beweise erhebt, sowie wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf
den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat (VerwGE B 2011/115 vom
18. Oktober 2011 E. 2.1. mit Hinweis auf BGE 123 II 97 E. 3c; siehe auch BGer 6A.
68/2002 vom 26. Mai 2003 E. 2.1).
3.1.3. Die Beschwerdegegnerinnen haben insofern, als sie die fristlose Kündigung mit
der Begehung eines Strafdeliktes begründet haben, auf einen reinen Verdacht
abgestellt. Eine Verdachtskündigung ist grundsätzlich nur zulässig, wenn der Verdacht
später zur Tatsache wird. Dafür trägt der Kündigende die Beweislast. Stellt sich der
Verdacht später als falsch heraus, kann eine fristlose Kündigung dennoch
gerechtfertigt sein, wenn der Gekündigte die Aufklärung treuwidrig behindert hat oder
der Kündigende bei Verdacht auf ein schweres Delikt alles ihm Mögliche zur Aufklärung
geleistet hat (zum Ganzen Portmann, a.a.O., N 23 zu Art. 337). Zudem bleibt bei einer
gerechtfertigten fristlosen Kündigung trotz falschen Verdachts der Lohnanspruch
bestehen (M. Rehbinder, in: H. Hausheer [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen
Privatrecht, Bd. IV, Kommentar zu den Art. 331-355 OR, N 12 zu Art. 337). Vorliegend
hat sich der Verdacht weder bestätigt noch wurde von der Vorinstanz und den
Beschwerdegegnerinnen geltend gemacht oder ist aus dem Sachverhalt ersichtlich,
dass alles zur Aufklärung des Verdachts Mögliche geleistet worden wäre (z.B. wurde
die Entgegennahme des vom Beschwerdeführers zur Überprüfung angebotenen
Mobiltelefons verweigert). Von den Beschwerdegegnerinnen wird zwar vorgebracht,
der Beschwerdeführer habe sich widersprüchlich zum Hergang des Vorfalls vom
22. Oktober 2010 geäussert. Sie haben aber nicht behauptet, dass er aktiv und
treuwidrig die Aufklärung der Angelegenheit behindert habe.
3.1.4. Insofern sich die Vorinstanz auf einen blossen Verdacht stützt, der sich im
Nachhinein als unbegründet erweist, ist die fristlose Kündigung unbegründet.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2. Die Beschwerdegegnerinnen haben die fristlose Kündigung im Weiteren damit
begründet, dass bereits der blosse Aufenthalt einer männlichen Lehrperson ohne
Vorliegen einer Notsituation und noch mehr das Hantieren mit einem Mobiltelefon mit
integrierter Kamera unter der Kabinenwand hindurch als erhebliche Verletzung des
Berufsauftrags und der arbeitsvertraglichen Treuepflicht zu werten sei. Der
Beschwerdeführer habe mit seinem Verhalten gegen grundlegende Verhaltensnormen
des öffentlichen Lebens und insbesondere diejenigen einer Lehrperson einer
öffentlichen Schule verstossen. Die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses sei daher
nicht länger zumutbar und die fristlose Kündigung folglich gerechtfertigt gewesen.
Der Beschwerdeführer entgegnet dem, die Vorinstanz sei infolge willkürlicher und
voreingenommener Beweiswürdigung und unter Verletzung der ihr obliegenden
Beweislast von einem falschen Sachverhalt ausgegangen. Sie habe deshalb zu Unrecht
festgestellt, dass sich der Beschwerdeführer nicht in einer Notsituation befunden habe.
3.2.1. Das Verwaltungsgericht ist grundsätzlich befugt, die Feststellung des
Sachverhalts und die Beweiswürdigung der Vorinstanz auf ihre Richtigkeit zu
überprüfen (Art. 61 Abs. 3 VRP). Das Vorbringen des Beschwerdeführers, die
Vorinstanz habe ihren Erwägungen aufgrund einer willkürlichen Beweiswürdigung einen
falschen Sachverhalt zugrundegelegt, erübrigt sich insofern, als die fristlose Kündigung
mit dem Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Damentoilette und der
Einsichtnahme in den Gang der Toilette mittels Mobiltelefons begründet wird. Dieser
Teil des Sachverhalts ist unbestritten. Mithin war diesbezüglich gar keine
Beweiswürdigung notwendig.
3.2.2. Bestritten war im vorinstanzlichen Verfahren jedoch, ob sich der
Beschwerdeführer tatsächlich in einer das Betreten der Damentoilette rechtfertigenden
Notfallsituation befunden hat. Der Beschwerdeführer begründet das Vorliegen einer
Notsituation im Wesentlichen damit, dass er wegen Nasenblutens auf die sofortige
Beschaffung von Papier angewiesen gewesen sei. Er leide aufgrund einer ärztlich
attestierten Neigung zu nur schwer stillbarem Nasenbluten. Er habe keine andere
Möglichkeit gehabt, innert nützlicher Frist Papier zur Blutstillung zu besorgen, da es auf
dem Stock, auf dem er sich befand, keine Herrentoilette gäbe und die Schulzimmer -
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
welche unbestrittenerweise alle mit Papiertüchern ausgestattet sind - aufgrund einer
internen Weisung alle geschlossen waren.
Die Vorinstanz bestreitet das Vorliegen einer Notsituation. Zur Begründung führt sie im
Wesentlichen aus, dass dem Beschwerdeführer - selbst wenn er zum fraglichen
Zeitpunkt tatsächlich an Nasenbluten gelitten habe und er sich nicht bloss schnäuzen
wollte - genug andere Möglichkeiten zur Beschaffung von Papier offen gestanden
hätten. In der Stellungnahme vom 8. Dezember 2011 weist sie zudem darauf hin, dass
der Beschwerdeführer als Lehrperson einen für die einzelnen Schulzimmer passenden
Schlüssel besessen habe und somit entgegen seiner Aussagen Zugang zu sämtlichen
Schulzimmern hatte.
Der Beschwerdeführer erklärte in seiner Stellungnahme zur Vernehmlassung vom 8.
Februar 2012, es sei ihm nicht zumutbar gewesen, die 30 Meter bis zum nächsten
Schulzimmer zu gehen, zu überprüfen, ob dieses belegt sei, und die Zugangstür mit
einer Hand aufzuschliessen. Folglich sei das Betreten der Damentoilette gerechtfertigt
gewesen. Überdies habe er während laufender Schulstunde davon ausgehen dürfen,
dass sich keine Schülerinnen in der Toilette befinden würden. Die Ausführungen der
Vorinstanz bezüglich Schlüssel bestreitet er somit nicht. Insofern ist festzuhalten, dass
die Vorinstanz zur Beurteilung, ob eine Notsituation vorlag, gänzlich auf einen
unbestrittenen Sachverhalt abgestellt hat.
Bei Nasenbluten handelt es sich in der Regel nicht um eine akute, die Gesundheit
bedrohende Situation. Der Beschwerdeführer hätte sich die Nase zuhalten können, um
zu verhindern, dass ihm Bluttropfen auf die Kleider fallen. Der Einwand des
Beschwerdeführers, die Beschaffung von Papier in der Damentoilette sei die
naheliegende Lösung für seine missliche Lage gewesen, ist zwar denkbar, war aber der
Situation in keiner Weise angemessen.
Angesichts des unbestrittenen Sachverhalts ist die vorinstanzliche Feststellung, der
Beschwerdeführer habe sich nicht in einer rechtfertigenden Notsituation befunden,
nicht zu beanstanden. Es steht ausser Frage, dass einer männlichen Lehrperson
zugemutet werden darf, den - wie der Beschwerdeführer selbst ausführt -
halbminütigen Vorgang auf sich zu nehmen, ein 30 Meter weit entferntes Schulzimmer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aufzuschliessen, um sich dort Papier zu beschaffen. Absolut unentschuldbar ist sodann
das Hantieren mit dem Mobiltelefon auf der Damentoilette. Für dieses absurde
Vorgehen gibt es keinen sachlichen Grund, insbesondere lässt sich dies auf keinen Fall
mit der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Panikreaktion rechtfertigen.
3.2.3. Wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt, ist der in Art. 8 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210) verankerte Grundsatz zur Verteilung der
Beweislast auch im Verwaltungsverfahren gültig. Demnach trägt bei belastenden
Verfügungen - wie der hier in Frage stehenden fristlosen Kündigung - die verfügende
Behörde die Folgen der Beweislast (zum Ganzen Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., St. Gallen 2003, Rz. 629 mit Hinweisen). Vorliegend
stellt sich die Frage der Beweislast jedoch nicht, da - wie bereits dargestellt - einzig auf
den unbestrittenen Sachverhalt abgestellt wurde.
3.3. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, der unbestrittene Sachverhalt lasse keinen
wichtigen Grund für eine fristlose Kündigung erkennen. Der Verweis auf GVP 2005
Nr. 92 zur Begründung, dass unabhängig von den Feststellungen der
Strafverfolgungsbehörden, höhere Anforderungen an das Verhalten eines Lehrers zu
stellen seien, sei unangebracht. Dies begründete er damit, dass der zitierte Entscheid
eine wegen Kinderpornographie tatsächlich verurteilte Lehrkraft betraf, deren Situation
nicht vergleichbar mit seiner gewesen sei. Überdies habe die Vorinstanz eine
eingehende Prüfung der Verhältnismässigkeit der fristlosen Kündigung versäumt. Eine
solche würde negativ ausfallen, womit - wenn überhaupt - einzig eine ordentliche
Kündigung in Betracht komme.
3.3.1. Das Vorhandensein eines die fristlose Kündigung rechtfertigenden wichtigen
Grundes ist eine Rechtsfrage. Der Beschwerdeführer rügt mit seinem Vorbringen eine
falsche Rechtsanwendung, zu dessen Überprüfung das Verwaltungsgericht
grundsätzlich berechtigt ist (Art. 61 Abs. 1 VRP).
3.3.2. Die Vorinstanz hat festgestellt, dass die Respektierung der Vorschriften bezüglich
geschlechtergetrennter Toilettenanlagen eine grundlegende Verhaltensnorm des
öffentlichen Lebens und insbesondere an öffentlichen Schulen darstellt. Der Verweis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf GVP 2005 Nr. 92 ist entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers nicht
unangebracht und willkürlich. Zum einen wird in jenem Fall unabhängig des
zugrundeliegenden Sachverhalts in genereller Weise festgehalten, dass von einer
Lehrperson wegen der von ihr verlangten Vorbildfunktion ein mehr als nur gerade nicht
strafbares Verhalten zu fordern ist. Zum anderen wies die Vorinstanz zutreffend darauf
hin, dass das Administrativ- und Strafverfahren auf unterschiedlichen
Rechtsgrundlagen beruhen, weshalb sie - abgesehen von der bereits beschriebenen
Abhängigkeit hinsichtlich der tatsächlichen Feststellungen - voneinander unabhängig
sind (vgl. GVP 2005 Nr. 92 E. 3.d; VerwGE B 2005/37 vom 25. Oktober 2005 E. 4b.aa,
abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Der Einwand der Vorinstanz, dass eine öffentliche
Schule eine besondere Schutzpflicht gegenüber ihren Schülerinnen und Schülern
ausübt, weshalb auch im Zweifelsfall - also nicht bloss bei einer nachgewiesenen
(Inkaufnahme einer) Verletzung der sexuellen Integrität der Schülerinnen, sondern
bereits bei deren blossen Gefährdung - entsprechende Konsequenzen zu ziehen sind,
ist daher berechtigt.
Der Beschwerdeführer hat die Mädchentoilette betreten und sich in einer Kabine
eingeschlossen. Gemäss unbestrittenem Sachverhalt hat er mit der spiegelnden
Oberfläche seines Mobiltelefons unter der Trennwand der Kabine hantiert. Dass er
versucht hat, damit in die benachbarten Kabinen zu blicken, konnte ihm infolge
ungenügender Sachverhaltsabklärung nicht nachgewiesen werden. Auch die Schülerin,
welche sich in der benachbarten Kabine aufgehalten hat, hat nicht darauf beharrt, dass
sie sich durch den Vorgang sexuell belästigt gefühlt habe. Der unbestrittene
Sachverhalt für sich alleine rechtfertigt die Annahme einer eigentlichen Gefährdung der
sexuellen Integrität der Schülerinnen noch nicht. Es kann ihm auch nicht unterstellt
werden, dass er sich bereits zum wiederholten Mal auffällig bzw. fragwürdig verhalten
hat. Eine fristlose Kündigung ist daher nicht gerechtfertigt.
Nichtsdestotrotz ist aber festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer mit dem
ungerechtfertigten Betreten einer Damentoilette, dem Einschliessen in einer Kabine und
insbesondere mit dem absolut unentschuldbaren und der Situation völlig
unangepassten Hantieren mit dem Mobiltelefon unter der Trennwand hindurch einem
für eine Lehrkraft krassen Fehlverhalten schuldig gemacht hat. Er hat damit seine
speziellen Verhaltenspflichten als Lehrkraft mit Vorbildfunktion in besonders
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
schwerwiegender Weise verletzt. Unter diesen Gesichtspunkten ist ein sachlicher
Grund für eine Entlassung gegeben und eine ordentliche Kündigung daher nicht nur
sachgerecht, sondern angesichts der Schutzpflichten der Schule gegenüber ihren
Schülerinnen und Schülern geradezu angezeigt.
4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei der Beurteilung, ob ein wichtiger Grund
für eine fristlose Kündigung vorliegt, zu beachten ist, dass von Lehrkräften ein mehr als
nur gerade nicht strafbares Verhalten gefordert wird. Aufgrund des unbestrittenen und
nachgewiesenen Sachverhalts kann dem Beschwerdeführer aber keine eigentliche
Gefährdung der sexuellen Integrität einer Schülerin vorgeworfen werden. Die fristlose
Kündigung ist deshalb ungerechtfertigt. Der Beschwerdeführer verletzte mit seinem
Verhalten aber in besonders schwerwiegender Weise seine Verhaltenspflichten als
Lehrkraft mit Vorbildfunktion. Damit ist vorliegend ein sachlicher Grund für eine
Entlassung gegeben, weshalb eine ordentliche Kündigung gerechtfertigt und in
Anbetracht der Schutzpflicht der Schule gegenüber ihren Schülerinnen und Schülern
auch angezeigt ist. Die Beschwerde ist folglich im Sinne des Eventualbegehrens des
Beschwerdeführers gutzuheissen, und der Entscheid vom 28. Oktober 2011 wird
aufgehoben.
Gemäss konstanter Rechtsprechung kann das Verwaltungsgericht in sachgemässer
Anwendung von Art. 64 Abs. 1 i.V.m. Art. 56 Abs. 2 VRP eine Rückweisung an die
erstverfügende Behörde anordnen (statt vieler VerwGE B 2011/9 vom 7. Dezember
2011 mit Hinweis auf Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1034, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Die Streitsache wird deshalb unter Aufhebung der am 15.
November 2010 verfügten fristlosen Kündigung an die Beschwerdegegnerin I
zurückgewiesen. Dem Beschwerdeführer ist im Sinne des Eventualantrags und der
Erwägungen nachträglich per 31. Januar 2011 kombiniert mit einer Freistellung
ordentlich zu kündigen.
5. Da vorliegend der Streitwert unbestrittenermassen Fr. 30'000.-- übersteigt, ist das
Verfahren kostenpflichtig (Art. 97bis Abs. 1 lit. b VRP i.V.m. Art. 114 lit. c der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, abgekürzt ZPO; vgl. zum Ganzen
VerwGE vom 20. März 2012 in Sachen J.D. E. 5.2.; VerwGE B 2010/226 vom
26. Januar 2011 E. 3., abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Dem Verfahrensausgang
http://www.gerichte.sg.ch/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entsprechend obsiegt der Beschwerdeführer zu zwei Dritteln. Damit wären die
Verfahrenskosten grundsätzlich zu einem Drittel dem Beschwerdeführer und zu zwei
Dritteln den Beschwerdegegnerinnen aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St.
Gallen 2004, S. 95 f.). Art. 95 Abs. 2 VRP bestimmt jedoch, dass die Kosten, die ein
Beteiligter durch Trölerei oder anderes ungehöriges Verhalten oder durch Verletzung
wesentlicher Verfahrensvorschriften veranlasst, zu seinen Lasten gehen. Was unter
einem anderen ungehörigen Verhalten zu verstehen ist, ist nach Ermessen aufgrund der
Umstände des Einzelfalls zu bestimmen (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 780). Art. 95
Abs. 2 VRP entspricht dem Gebot der Verfahrensgerechtigkeit. Unter diesem
Gesichtspunkt ginge es nicht an, dass für Kosten, die ein Beteiligter in treuwidriger
Weise verursacht hat, andere Beteiligte aufkommen müssen (vgl. Hirt, a.a.O., S. 88; vgl.
auch VerwGE B 2005/10 vom 10. Juni 2005 E. 5a, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
In diesem Sinne ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer mit seinem für eine
Lehrperson krass ungehörigen Verhalten massgeblich zur Verursachung der Kosten
beigetragen hat. Unter Beachtung des Verursacherprinzips erscheint daher die
Auferlegung der Hälfte der amtlichen Kosten zu Lasten des Beschwerdeführers als
sachgerecht. Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die auf den Beschwerdeführer entfallende
Entscheidgebühr von Fr. 1'250.-- wird mit dem geleisteten Kostenvorschuss von
Fr. 2'500.-- verrechnet. Der Rest wird ihm zurückerstattet. Die auf die
Beschwerdegegnerinnen entfallenden Kosten von 1'250.-- werden bei der
Beschwerdegegnerin I erhoben, unter solidarischer Haftung der Beschwerdegegnerin II
(Art. 96bis VRP).
Die Verlegung der Kosten des Rekursverfahrens hat ebenfalls nach dem
Verursacherprinzip zu erfolgen. Die Kosten des Rekursverfahrens von Fr. 1'000.-- sind
somit vom Beschwerdeführer und den Beschwerdegegnerinnen je zur Hälfte zu tragen.
Der auf den Beschwerdeführer entfallende Teil von Fr. 500.-- ist mit dem im
Rekursverfahren geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- zu verrechnen. Der Rest
von Fr. 500.-- ist ihm zurückzuerstatten. Die von den Beschwerdegegnerinnen zu
tragenden Kosten werden unter solidarischer Haftung der Beschwerdegegnerin II bei
der Beschwerdegegnerin I erhoben.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Weil der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren mehrheitlich obsiegt, hat er
Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung für das Beschwerdeverfahren (Art. 98
Abs. 1 i.V.m. 98bis VRP). Entgegen der einschränkenden Formulierung von Art. 98bis
VRP hat die Verlegung der ausseramtlichen Kosten nicht ausschliesslich nach dem
Erfolgsprinzip zu erfolgen (Hirt, a.a.O., S. 185 mit Hinweisen). Die Verlegung der
ausseramtlichen Kosten hat vorliegend ebenfalls nach dem Verursacherprinzip zu
erfolgen (Art. 98ter i.V.m. Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO). Dies hat zur Folge dass der
Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der Hälfte seiner ausseramtlichen Kosten hat,
was zum Wettschlagen der ausseramtlichen Kosten führt (R. Hirt, a.a.O., S. 183).
Aufgrund des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens steht nachträglich fest, dass der
Beschwerdeführer im Rekursverfahren zur Hälfte obsiegt hat. Für das Rekursverfahren
erübrigt sich eine Verlegung der ausseramtlichen Kosten daher bereits aufgrund der
üblichen Verlegung der Kosten nach dem Erfolgsprinzip (Art. 98bis VRP; Hirt, a.a.O., S.
183).
Demnach hat das Verwaltungsgericht