Decision ID: ac4057a0-ca7b-5d0a-bbd2-d584de6c5af7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die A._ AG mit Sitz in (...) bezweckt gemäss Internet-Handelsre-
gisterauszug (http://[...].ch, abgerufen am 30.7.2020) den Gerüstbau jegli-
cher Art (BVGer-act. 15). Der Betrieb ist der Schweizerischen Unfallversi-
cherungsanstalt (Suva) unterstellt.
B.
B.a Die Suva führte im Zeitraum von Juli 2016 bis Oktober 2017 u.a. die
folgenden Baustellenkontrollen durch:
 am 6. Juli 2016 in (...), Baustelle B._ (Vorakten 297)
 am 21. Februar 2017 in (...), Baustelle C._ (Vorakten 314)
 am 4. Mai 2017 in (...), Baustelle D._ (Vorakten 320) und in (...), Baustelle E._ (Vorakten 321)
 am 6. Juni 2017 in (...), Baustelle F._ (Vorakten 327)
 am 4. Juli 2017 in (...), Baustelle G._ (Vorakten 336)
 am 26. Oktober 2017 in (...), Baustelle H._ (Vorakten 351).
B.b Die Suva erliess im genannten Zeitraum sieben Verfügungen, in wel-
chen sie auf die anlässlich der erwähnten Kontrollen festgestellten schwer-
wiegenden Sicherheitsmängel an Gerüsten hinwies und – bis zur Behe-
bung der Mängel – ein Verwendungsverbot der fraglichen Gerüste aus-
sprach (Vorakten 297, 314, 320, 321, 327, 336, 351). Diese Verfügungen
waren an die A._ AG adressiert, da sie die besagten Gerüste in
Verkehr gebracht hatte. Ausserdem verfügte die Suva in dieser Zeitspanne
zulasten der A._ AG – wegen mehrfacher Missachtung von Vor-
schriften der Arbeitssicherheit – drei Prämienerhöhungen (Vorakten 310,
319, 335). Mit der verfügten Prämienerhöhung vom 30. Juni 2017 wies die
Suva darauf hin, dass die A._ AG nicht von der Pflicht befreit sei,
die Vorschriften über die Arbeitssicherheit einzuhalten, und bei einer er-
neuten Feststellung einer ungenügenden Beachtung der Vorschriften eine
weitere kumulative Prämienerhöhung angeordnet werde (Vorakten 335).
Nachdem die Suva anlässlich der Baustellenkontrolle vom 26. Oktober
2017 – gemäss ihren Angaben – wiederum schwerwiegende Mängel an
einem von der A._ AG in Verkehr gebrachten Gerüst festgestellt
hatte, verfügte sie am 30. Oktober 2017 – bis zur Behebung der Mängel –
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ein Verwendungsverbot des besagten Gerüstes (Vorakten 351). Mit Schrei-
ben vom 2. November 2017 räumte die Suva der A._ AG sodann
die Gelegenheit ein, sich innert 20 Tagen zu den im Anhang festgehaltenen
Feststellungen und Massnahmen zu äussern. Gleichzeitig kündigte die
Suva aufgrund der wiederholten Missachtung von Vorschriften der Arbeits-
sicherheit eine Prämienerhöhung an (Vorakten 352). Die A._ AG
liess sich in der Folge nicht vernehmen.
B.c Mit Verfügung vom 7. Dezember 2017 (Vorakten 358) reihte die Suva
die A._ AG als administrative Zwangsmassnahme rückwirkend auf
den 1. Januar 2017 für die Dauer von einem Jahr in eine um vier Stufen
höhere Prämienstufe für die Berufsunfallversicherung (BUV) ein. Der Prä-
miensatz erhöhte sich dadurch von 9.35% (Stufe 127) auf 11.37% (Stufe
131) der Klasse 41A.
B.d Gegen diese Verfügung liess die A._ AG mit Schreiben ihres
Rechtsvertreters vom 4. Januar 2018 (Vorakten 364) Einsprache erheben
und darum ersuchen, die Verfügung sei aufzuheben bzw. von der verfügten
Prämienerhöhung sei Abstand zu nehmen. In der Einsprache wurde be-
stritten, dass sich die A._ AG im "Fall H._" etwas habe zu-
schulden lassen kommen.
B.e Die Suva wies die Einsprache mit Einspracheentscheid vom 20. Feb-
ruar 2018 ab (Vorakten 367). Sie erachtete die von ihr am 7. Dezember
2017 verfügte Prämienerhöhung als rechtens.
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess die A._ AG (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
13. März 2018 (BVGer-act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt (Eingang: 14. März 2018) erheben und die Rechtsbegehren stellen,
die Verfügung der Suva (nachfolgend auch: Vorinstanz) vom 7. Dezember
2017 sei aufzuheben und der vorliegenden Beschwerde sei die aufschie-
bende Wirkung zu erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zu-
sammenfassend machte die Beschwerdeführerin geltend, das in Frage
stehende Gerüst habe nur unwesentliche Mängel aufgewiesen und die ver-
fügte Prämienerhöhung erweise sich daher als unverhältnismässig
(BVGer-act. 1 S. 5).
C-1545/2018
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C.b Den mit Zwischenverfügung vom 15. März 2018 (BVGer-act. 2) einver-
langten Kostenvorschuss von Fr. 2'000.- leistete die Beschwerdeführerin
am 5. April 2018 (BVGer-act. 5).
C.c Mit Vernehmlassung vom 5. April 2018 (BVGer-act. 6) zur Frage der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde (vgl. BVGer-act. 3) stellte die
Vorinstanz das Rechtsbegehren, der entsprechende Antrag der Beschwer-
deführerin um Erteilung der aufschiebenden Wirkung sei abzuweisen.
C.d Mit Zwischenverfügung vom 10. April 2018 (BVGer-act. 7) wies der In-
struktionsrichter das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde – mangels Darlegung zwingender Gründe – ab.
C.e In ihrer Vernehmlassung zur Hauptsache vom 30. April 2018 (BVGer-
act. 11) stellte die Vorinstanz das Rechtsbegehren, die Beschwerde sei ab-
zuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwer-
deführerin. Die Vorinstanz hielt zusammenfassend fest, die Verletzung der
Vorschriften über die Arbeitssicherheit sei bewiesen und die angeordnete
Prämienerhöhung sei verhältnismässig.
C.f Mangels Eingang einer Replik schloss der Instruktionsrichter den
Schriftenwechsel mit prozessleitender Verfügung vom 12. Juni 2018
(BVGer-act. 14), wobei weitere Instruktionsmassnahmen vorbehalten blie-
ben.
C.g Auf weitere Parteivorbringen sowie die eingereichten Unterlagen wird
– soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegan-
gen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Einspracheentscheid der Suva vom
20. Februar 2018, wonach – in Bestätigung der Verfügung vom 7. Dezem-
ber 2017 – die von der Beschwerdeführerin für das Jahr 2017 zu leistende
BUV-Prämie aufgrund von wiederholten Zuwiderhandlungen gegen die Ar-
beitssicherheitsvorschriften rückwirkend um vier Stufen erhöht wurde.
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1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG ge-
nannten Behörden. Die Suva ist eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. e
VGG. Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Einspracheentscheide über die Zuteilung der Be-
triebe und der Versicherten zu den Klassen und Stufen der Prämientarife
und Anordnungen zur Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten ist in
Art. 109 Bst. b und c UVG (SR 832.20) geregelt. Bei der hier strittigen Hö-
hereinreihung im Prämientarif handelt es sich um eine Massnahme der Un-
fallverhütung (BGE 116 V 255 E. 2), weshalb die Zuständigkeit des Bun-
desverwaltungsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ge-
stützt auf Art. 109 Bst. c UVG gegeben ist.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes be-
stimmt (Art. 37 VGG). Vorbehalten bleiben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG
die besonderen Bestimmungen des ATSG (SR 830.1). Auf den Bereich der
Unfallverhütung (Art. 81 ff. UVG) ist das ATSG anwendbar, denn dieser
Bereich ist in Art. 1 Abs. 2 UVG nicht erwähnt (UELI KIESER, ATSG-Kom-
mentar, 4. Aufl. 2020, Art. 2 Rz. 74).
1.3 Als Adressatin des Einspracheentscheides hat die Beschwerdeführerin
ein schützenswertes Interesse an dessen Aufhebung oder Abänderung
(Art. 59 ATSG, Art. 48 Abs. 1 VwVG), weshalb sie beschwerdelegitimiert
ist. Die Beschwerde wurde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht
(vgl. Art. 60 ATSG, Art. 52 VwVG). Da auch der Kostenvorschuss innert
Frist geleistet wurde (Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die Beschwerde einzu-
treten, soweit die Beschwerdeführerin (sinngemäss) beantragt, es sei der
Einspracheentscheid vom 20. Februar 2018 aufzuheben. Soweit die Be-
schwerdeführerin aber die Aufhebung der Verfügung vom 7. Dezember
2017 verlangt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten, da diese Verfü-
gung durch den Einspracheentscheid ersetzt wurde (KIESER, a.a.O., Art. 52
Rz. 74) und ihre selbstständige Beanstandung ausgeschlossen ist (vgl. Ur-
teil des BGer 2C_300/2014 vom 9. Februar 2015 E. 1.2 [nicht publ. in BGE
141 II 141]; 136 II 539 E. 1.2 m.H.).
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2.
2.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheides beanstanden (Art. 49 VwVG).
2.2 Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, der
volle Kognition zusteht, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspiel-
raum der Vorinstanz zu respektieren. Sie hat eine unangemessene Ent-
scheidung zu korrigieren, kann aber der Vorinstanz die Wahl unter mehre-
ren angemessenen Lösungen überlassen (BGE 133 II 35 E. 3). Das Bun-
desverwaltungsgericht hat daher nur den Entscheid der unteren Instanz zu
überprüfen und sich nicht an deren Stelle zu setzen (vgl. BGE 126 V 75
E. 6). Insbesondere dann, wenn die Ermessensausübung, die Anwendung
unbestimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung hochste-
hende, spezialisierte technische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche
Kenntnisse erfordert, ist eine Zurückhaltung des Gerichts bei der Überprü-
fung vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3;
133 II 35 E. 3; 128 V 159 E. 3b/cc). Es stellt daher keine unzulässige Kog-
nitionsbeschränkung dar, wenn das Gericht − das nicht als Fachgericht
ausgestaltet ist − nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab-
weicht, soweit es um die Beurteilung technischer, wirtschaftlicher oder wis-
senschaftlicher Spezialfragen geht, in denen die Vorinstanz über ein be-
sonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3; 133 II 35 E. 3
m.H.; siehe zum Ganzen auch YVO HANGARTNER, Behördenrechtliche Kog-
nitionsbeschränkungen in der Verwaltungsrechtspflege, in: Bovay/Nguyen
[Hrsg.], Mélanges en l'honneur de Pierre Moor, 2005, S. 319 ff.; FEL-
LER/MÜLLER, Die Prüfungszuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts –
Probleme in der praktischen Umsetzung, Schweizerisches Zentralblatt für
Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 110/2009 S. 442 ff.).
3.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Vorinstanz ihrer Aktenführungspflicht in hin-
reichendem Masse nachgekommen ist.
3.1 Die Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges Aktendossier über das
Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ordnungsgemäss Akteneinsicht
gewähren und bei einem Weiterzug diese Unterlagen an die Rechtsmittel-
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instanz weiterleiten zu können. Die Behörde hat alles in den Akten festzu-
halten, was zur Sache gehört (BGE 124 V 372 E. 3b; 115 Ia 97 E. 4c). Der
verfassungsmässige Anspruch auf eine geordnete und übersichtliche Ak-
tenführung (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV) verpflichtet die Behörden und Gerichte,
die Vollständigkeit der im Verfahren eingebrachten und erstellten Akten si-
cherzustellen (SVR 2011 IV Nr. 44 [Urteil des BGer 8C_319/2010 vom
15. Dezember 2010] E. 2.2.1; Urteil des BGer 5A_341/2009 vom 30. Juni
2009 E. 5.2). Für die dem ATSG unterstellten Versicherer wurde in Art. 46
ATSG die Aktenführungspflicht auf Gesetzesstufe konkretisiert. Danach
sind für jedes Sozialversicherungsverfahren alle Unterlagen, die massge-
blich sein können, vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen
(BGE 138 V 218 E. 8.1.2). Ferner sind die Unterlagen von Beginn weg in
chronologischer Reihenfolge abzulegen; bei Vorliegen eines Gesuchs um
Akteneinsicht und spätestens im Zeitpunkt des Entscheides ist das Dossier
zudem durchgehend zu paginieren (zit. Urteil 8C_319/2010 E. 2.2.2). In
der Regel ist auch ein Aktenverzeichnis zu erstellen, welches eine chrono-
logische Auflistung sämtlicher in einem Verfahren gemachten Eingaben
enthält (Urteil des BGer 2C_327/2010 vom 19. Mai 2011 E. 3.2 [nicht publ.
in BGE 137 I 247]; zit. Urteil 8C_319/2010 E. 2.2.2; Urteil des BGer
8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E. 2.1). Das Aktenverzeichnis besteht
im Detail aus einer Laufnummer, der Anzahl Seiten jedes erfassten Doku-
ments, dem Eingangsdatum des Dokuments, einer Dokumenten-ID sowie
einer kurzen Beschreibung der Dokumentart oder dessen Inhalts (zit. Urteil
8C_319/2010 E. 2.2.2 m.H.). Beschränken sich die Kurzbeschreibungen
der einzelnen Dokumente auf nur rudimentär wiedergebende Formulierun-
gen, wird das Akteneinsichtsrecht zwar erschwert, aber nicht verunmög-
licht. Ein in diesem Sinne mangelhaftes Aktenverzeichnis bewirkt keine
nicht heilbare Verletzung des rechtlichen Gehörs (zit. Urteil 8C_319/2010
E. 2.3.1).
3.2 Die Vorinstanz übermittelte dem Bundesverwaltungsgericht die Vorak-
ten in digitaler Form bzw. mittels eines USB-Sticks (BVGer-act. 6). Das In-
haltsverzeichnis reichte sie indessen auch in Papierform ein. Es handelt
sich hierbei um einen "Aktenexport", welcher die "Dokumenten-Nr.", das
"Eingangsdatum", das "Dok-Datum" sowie den "Dokumententitel" der ein-
zelnen Dokumente aufführt. Die Auflistung im Verzeichnis ist chronolo-
gisch. Die Spalte mit den "Akten-Nr." bleibt im eingereichten Verzeichnis
aber leer. Entsprechend fehlt auch eine durchgehende Paginierung der (di-
gital übermittelten) Akten. Einzig mehrseitige Dokumente enthalten eine
Paginierung. Im Übrigen entsprechen die Angaben in den einzelnen Akten
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Seite 8
(Dok-Nr., Eingangsdatum, Dok-Datum) dem Inhaltsverzeichnis. Die (digi-
tale) Ablegung der Akten erfolgte allerdings nicht immer entsprechend dem
Verzeichnis und damit chronologisch. Die im Verzeichnis aufgeführten "Do-
kumententitel" sind zudem eher knapp gehalten und nicht in jedem Fall
aussagekräftig. Insgesamt entspricht die vorinstanzliche Aktenführung da-
mit nicht vollumfänglich den Anforderungen gemäss der dargelegten
Rechtsprechung. Eine Rückweisung der Sache allein zur Vervollständi-
gung des Aktenverzeichnisses bzw. Durchnummerierung und korrekten
Ordnung der Akten mit neuem Entscheid wäre indessen ein formalistischer
Leerlauf, zumal die Sach- und Rechtslage liquid ist und für deren Beurtei-
lung alle notwendigen Informationen und Beweismittel vorliegen (vgl. Ur-
teile des BGer 9C_464/2016 vom 19. Oktober 2016 E. 7.3 und
C_1026/2010 vom 7. Oktober 2011 E. 2.1). Das Bundesverwaltungsgericht
verfügt über volle Kognition (vgl. E. 2) und die Beschwerdeführerin, welche
die vorinstanzliche Aktenführung nicht beanstandet, konnte sich im Rah-
men des Schriftenwechsels einlässlich äussern. Aufgrund dieser Überle-
gungen nimmt das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden konkreten
Einzelfall eine Vervollständigung des Aktenverzeichnisses vor, indem es
den einzelnen Dokumenten die entsprechenden Akten-Nr. hinzufügt, wel-
che im vorliegenden Urteil sodann zitiert werden. Ausserdem werden die
ausgedruckten und für den vorliegenden Prozess massgeblichen Vorakten
(Ordner 3/3) entsprechend dem Inhaltsverzeichnis korrekt geordnet. Dem
an die Parteien versendeten Urteilsexemplar wird das mit den Akten-Nr.
ergänzte Akten- bzw. Inhaltsverzeichnis (BVGer-act. 16) beigelegt.
4.
In den nachfolgenden Erwägungen ist zu prüfen, ob die Vorinstanz mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid die von der Beschwerdeführerin für
das Jahr 2017 zu leistende BUV-Prämie zu Recht infolge Zuwiderhandlun-
gen gegen die Arbeitssicherheitsvorschriften um vier Stufen erhöht hat.
4.1 Der Vollzug der Bestimmungen über die Verhütung von Berufsunfällen
und Berufskrankheiten obliegt gemäss Art. 85 Abs. 1 UVG den Durchfüh-
rungsorganen des Arbeitsgesetzes vom 13. Mai 1964 (ArG, SR 822.11)
und der Suva. Die gestützt auf Art. 85 Abs. 2 UVG eingesetzte eidgenössi-
sche Koordinationskommission für die Arbeitssicherheit (EKAS) stimmt die
einzelnen Durchführungsbereiche aufeinander ab, soweit der Bundesrat
hierüber keine Bestimmungen erlassen hat; sie sorgt für eine einheitliche
Anwendung der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und
Berufskrankheiten in den Betrieben (Art. 85 Abs. 3 Satz 1 UVG). Die Be-
schlüsse der EKAS sind für die Versicherer und die Durchführungsorgane
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Seite 9
des ArG verbindlich (Art. 85 Abs. 4 UVG). Die EKAS kann insbesondere
Ausführungsbestimmungen zum Verfahren erlassen (Art. 53 Bst. a der Ver-
ordnung über die Unfallverhütung vom 19. Dezember 1983 [VUV,
SR 832.30]), was sie mit Richtlinien und einem Leitfaden (nachfolgend: E-
KAS-Leitfaden, 5. Aufl. 2013) gemacht hat. Die EKAS-Richtlinien stellen
nicht unmittelbar verbindliches Recht dar, sondern sind konkretisierende
Bestimmungen, welche den Arbeitgeber nicht verpflichten (vgl. EKAS-Leit-
faden Ziff. 2.3.3). Gleiches gilt auch für den EKAS-Leitfaden, welcher den
Durchführungsorganen, die den Vollzug der gesetzlichen Vorschriften be-
treffend Arbeitssicherheit zu überwachen und notfalls durchzusetzen ha-
ben, Anleitungen gibt in der Absicht, ein einheitliches und rechtsgleiches
Vorgehen in der Praxis zu fördern (EKAS-Leitfaden Ziff. 1; vgl. auch
Art. 52a Abs. 1 VUV).
4.2 Nach Art. 92 Abs. 3 UVG können die Betriebe bei Zuwiderhandlung ge-
gen Vorschriften über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten
jederzeit und auch rückwirkend in eine höhere Gefahrenstufe versetzt wer-
den. Diese Höhereinreihung richtet sich gemäss Art. 113 Abs. 2 der Ver-
ordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982 (UVV,
SR 832.202) nach den Bestimmungen der VUV, wobei der betroffene Be-
trieb in der Regel in eine Stufe mit einem um mindestens 20% höheren
Prämiensatz versetzt werden soll. Ist dies innerhalb des Tarifs nicht mög-
lich, so wird der Prämiensatz der höchsten Stufe der betreffenden Klasse
entsprechend erhöht. Laut Art. 66 Abs. 1 VUV kann ein Betrieb in eine hö-
here Stufe des Prämientarifs versetzt werden, sofern der Arbeitgeber einer
vollstreckbaren Verfügung keine Folge leistet oder er auf andere Weise
Vorschriften über die Arbeitssicherheit zuwiderhandelt. Die Prämienerhö-
hung wird unter Angabe von Beginn und Dauer vom zuständigen Durch-
führungsorgan angeordnet. Sie muss vom Versicherer unverzüglich verfügt
werden, wobei das Durchführungsorgan eine Kopie dieser Verfügung er-
hält (Art. 66 Abs. 2 VUV).
5.
Bei der Überprüfung einer Verfügung gestützt auf Art. 92 Abs. 3 UVG ist in
einem ersten Schritt zu beurteilen, ob eine Missachtung der Vorschriften
über die Unfallverhütung vorliegt. Ist dies zu bejahen, muss weiter geprüft
werden, ob die verfügte Prämienerhöhung in rechtmässiger Anwendung
der massgeblichen Bestimmungen ergangen ist.
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Seite 10
5.1 Gemäss Art. 82 Abs. 1 UVG ist der Arbeitgeber verpflichtet, zur Verhü-
tung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten alle Massnahmen zu tref-
fen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik an-
wendbar und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 1 UVG hat der Bundesrat neben der VUV weitere Verord-
nungen erlassen, in welchen die Anforderungen an die Arbeitssicherheit für
bestimmte Tätigkeiten konkretisiert werden. Dazu gehört namentlich die
Bauarbeitenverordnung vom 29. Juni 2005 vom 12. Juni 2009 (BauAV,
SR 832.311.141). Zu beachten ist hier aber auch das Bundesgesetz über
die Produktesicherheit vom 12. Juni 2009 (PrSG, SR 930.11)
5.2 Vorliegend sind insbesondere die folgenden Bestimmungen relevant:
5.2.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 VUV muss der Arbeitgeber zur Wahrung der
Arbeitssicherheit alle Anordnungen und Schutzmassnahmen treffen, die
den Vorschriften der VUV und den für seinen Betrieb sonst geltenden Vor-
schriften über die Arbeitssicherheit sowie im Übrigen den anerkannten si-
cherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen. Der
Arbeitgeber sorgt gestützt auf Art. 6 Abs. 3 VUV dafür, dass die Arbeitneh-
mer die Massnahmen der Arbeitssicherheit einhalten. Nach Art. 24 VUV
dürfen in den Betrieben nur Arbeitsmittel eingesetzt werden, die bei ihrer
bestimmungsgemässen Verwendung und bei Beachtung der gebotenen
Sorgfalt die Sicherheit und die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht gefähr-
den (Abs. 1). Die Anforderung nach Abs. 1 gilt insbesondere als erfüllt,
wenn der Arbeitgeber Arbeitsmittel einsetzt, welche die Bestimmungen der
entsprechenden Erlasse für das Inverkehrbringen einhält (Abs. 2). Arbeits-
mittel, die an verschiedenen Orten zum Einsatz gelangen, sind nach jeder
Montage darauf hin zu überprüfen, ob sie korrekt montiert sind, einwandfrei
funktionieren und bestimmungsgemäss verwendet werden können. Die
Überprüfung ist zu dokumentieren (Art. 32a Abs. 3 VUV).
5.2.2 Nach Art. 3 Abs. 1 BauAV müssen Bauarbeiten so geplant werden,
dass das Risiko von Berufsunfällen, Berufskrankheiten oder Gesundheits-
beeinträchtigungen möglichst klein ist und die notwendigen Sicherheits-
massnahmen, namentlich bei der Verwendung von Arbeitsmitteln, einge-
halten werden können. Der Arbeitgeber, der Bauarbeiten ausführt, hat da-
für zu sorgen, dass geeignete Materialien, Installationen und Geräte in ge-
nügender Menge und rechtzeitig zur Verfügung stehen. Sie müssen sich in
betriebssicherem Zustand befinden und den Anforderungen der Arbeitssi-
cherheit und des Gesundheitsschutzes entsprechen (Art. 3 Abs. 5 BauAV).
C-1545/2018
Seite 11
Die Arbeitsplätze müssen sicher und über sichere Verkehrswege zu errei-
chen sein (Art. 8 Abs. 1 BauAV). Ein Seitenschutz ist zu verwenden bei
ungeschützten Stellen mit einer Absturzhöhe von mehr als 2 m und bei
solchen im Bereich von Gewässern und Böschungen (Art. 15 Abs. 1
BauAV). Die Anbringung des Seitenschutzes richtet sich nach Art. 16
BauAV und die Absturzsicherung bei Niveauunterschieden von Böden und
Bodenöffnungen bestimmt sich nach Art. 17 BauAV. Wird bei Hochbauar-
beiten die Absturzhöhe von 3 m überschritten, so ist ein Fassadengerüst
zu erstellen. Der oberste Holm des Gerüstes hat während der ganzen Bau-
arbeiten die höchste Absturzkante um mindestens 80 cm zu überragen
(Art. 18 BauAV). Der Schutz vor Stürzen über den Dachrand bestimmt sich
nach Art. 28 ff. BauAV. An giebelseitigen Dachrändern sind ein Geländer-
holm und ein Zwischenholm anzubringen. Diese Massnahme kann entfal-
len, wenn ein durchgehender Spenglergang angebracht ist oder gleichwer-
tige Schutzmassnahmen getroffen worden sind (Art. 29 Abs. 5 BauAV).
5.2.3 Es dürfen nur Gerüste und Gerüstbestandteile verwendet werden,
die den Anforderungen an das Inverkehrbringen nach dem PrSG entspre-
chen (Art. 37 Abs. 1 BauAV). Gemäss Art. 3 PrSG dürfen Produkte – und
damit auch Gerüste und Gerüstbestandteile – in Verkehr gebracht werden,
wenn sie bei normaler oder bei vernünftigerweise vorhersehbarer Verwen-
dung die Sicherheit und die Gesundheit der Verwenderinnen und Verwen-
der und Dritter nicht oder nur geringfügig gefährden (Abs. 1). Sie müssen
den grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen nach
Art. 4 PrSG oder, wenn keine solchen Anforderungen festgelegt worden
sind, dem Stand des Wissens und der Technik entsprechen (Abs. 2). Mas-
sgebend sind insbesondere auch die Anforderungen gemäss der BauAV:
Gerüste und Gerüstbestandteile müssen alle einwirkenden Kräfte, auch
während des Auf-, Um- und Abbaus, aufnehmen können (Art. 37 Abs. 2
BauAV). Gerüstbestandteile, die verbogen, geknickt, durch Korrosion oder
anderswie beschädigt sind, dürfen nicht benützt werden (Art. 38 BauAV).
Gerüste sind so aufzubauen, dass sämtliche Bestandteile gegen unbeab-
sichtigtes Verschieben gesichert sind (Art. 39 BauAV). Gerüste müssen auf
eine tragfähige Unterlage abgestellt und gegen Wegrutschen gesichert
werden. Wenn notwendig, sind Hilfskonstruktionen zu erstellen (Art. 40
BauAV). Das Gerüst ist am Bauwerk zug – und druckfest zu verankern oder
anderweitig in geeigneter Weise, namentlich durch Abstützen oder Ab-
spannen, zu fixieren (Art. 41 Abs. 1 BauAV). Die Verankerungen und an-
derweitigen Fixierungen sind fortlaufend dem Gerüstaufbau oder –abbau
folgend zu montieren bzw. zu entfernen (Art. 41 Abs. 2 BauAV). Gerüst-
gänge müssen über sichere Zugänge verfügen (Art. 45 Abs. 1 BauAV). Der
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Seite 12
Abstand des Belags von der Fassade darf in keiner Bauphase 30 cm über-
steigen. Ist dies nicht möglich, so sind zusätzliche Massnahmen zu treffen,
um einen Absturz zu verhindern (Art. 46 Abs. 2 BauAV). Die Dachdecker-
schutzwand ist entsprechend Art. 48 BauAV anzubringen. Die Nutzlast ei-
nes Arbeitsgerüstes muss auf einem Schild gut sichtbar angegeben sein
(Art. 49 Abs. 3 BauAV). Weist das Gerüst Mängel auf, so darf es nicht be-
nützt werden (Art. 49 Abs. 1 BauAV). Dass Vollzugsorgan verfügt die ge-
eigneten Massnahmen, wenn ein Produkt den grundlegenden Sicherheits-
und Gesundheitsanforderungen oder dem Stand des Wissens und der
Technik nicht entspricht (Art. 10 Abs. 2 PrSG). Ist es zum Schutz der Si-
cherheit der Verwenderinnen und Verwender oder Dritter erforderlich, so
kann das Vollzugsorgan insbesondere das weitere Inverkehrbringen eines
Produkts verbieten (Art. 10 Abs. 3 Bst. a PrSG).
5.3 Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Dieser Grad übersteigt einerseits die
Annahme einer blossen Möglichkeit bzw. einer Hypothese und liegt ande-
rerseits unter demjenigen der strikten Annahme der zu beweisenden Tat-
sache. Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, als der begründe-
ten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen (KIESER,
a.a.O., Art. 43 Rz. 59; LOCHER/GÄCHTER, Grundriss des Sozialversiche-
rungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70, Rz. 58 ff.). Ausserdem gilt im Sozialversi-
cherungsrecht – wie im öffentlichen Recht allgemein – der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung. Danach ist für den Beweiswert grundsätzlich we-
der die Herkunft eines Beweismittels noch dessen Kennzeichnung mass-
gebend (KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 61 ff.; BGE 125 V 352; 122 V 160 f.).
Das Sozialversicherungsgericht hat somit alle Beweismittel, unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen, und danach zu entschei-
den, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung der strei-
tigen Frage gestatten (BGE 122 V 157 E. 1c; 125 V 351 E. 3a). Die Praxis
misst dabei dem Prinzip Bedeutung zu, wonach den sogenannten „Aussa-
gen der ersten Stunde“ ein besonderes Gewicht zukommt (BGE 121 V 45
E. 2a; 143 V 168 E. 5.2.2). Der Sachverhalt ist gestützt auf den Untersu-
chungsgrundsatz von der Behörde soweit zu ermitteln, dass über die in-
frage stehende Tatsache zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegen-
den Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (KIESER, a.a.O., Art. 43
Rz. 20 m.H.). Beweislosigkeit wird angenommen, wenn der Sachverhalt
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als erstellt betrachtet werden
kann (KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 68 ff. m.H.).
C-1545/2018
Seite 13
5.4
5.4.1 Die Vorinstanz stellte anlässlich der erwähnten Baustellenkontrollen
im Zeitraum von Juli 2016 bis Oktober 2017 (vgl. Sachverhalt B.a) mehrere
sicherheitswidrige Zustände fest und machte zulasten der Beschwerdefüh-
rerin Zuwiderhandlungen gegen die folgenden Vorschriften geltend:
Art. 15-18, 28-29, 37-41, 45-46, 48 BauAV (vgl. dazu E. 5.2). Aufgrund der
festgestellten schwerwiegenden Mängel verfügte die Vorinstanz gestützt
auf Art. 10 Abs. 3 PrSG jeweils ein Verwendungsverbot der fraglichen Ge-
rüste bis zur Umsetzung der im Anhang zur Verfügung aufgeführten Mass-
nahmen (Vorakten 297, 314, 320, 321, 327, 336, 351). Einzig das am
30. Oktober 2017 verfügte Verwendungsverbot focht die Beschwerdefüh-
rerin beim Bundesverwaltungsgericht an, wobei sie die Beschwerde in der
Folge wieder zurückzog (vgl. Vorakten 366). In den Akten findet sich zur
entsprechenden Mängelbehebung keine Rückmeldung der Beschwerde-
führerin. In den aktenkundigen Rückmeldungen zu den übrigen genannten
Vorfällen bestätigte die Beschwerdeführerin jedoch die Umsetzung der ge-
forderten Massnahmen und anerkannte damit die festgestellten Mängel
(Vorakten 307, 317, 332, 340).
5.4.2 Wie erwähnt, fehlt in den Vorakten eine Rückmeldung der Beschwer-
deführerin zum vorinstanzlichen Verwendungsverbot vom 30. Oktober
2017 (Vorakten 351). Die Beschwerdeführerin äusserte sich innert der ge-
setzten Frist nicht zu den schwerwiegenden Mängeln, welche anlässlich
der vorinstanzlichen Kontrolle vom 26. Oktober 2017 auf der Baustelle
H._ in (...) am Gerüst festgestellt worden waren, das sie der Firma
I._ AG in (...) zum Gebrauch überlassen hatte. Die Vorinstanz
machte im Anhang zum Schreiben vom 2. November 2017, in welchem sie
der Beschwerdeführerin das entsprechende rechtliche Gehör gewährte
(Vorakten 352), folgende Feststellungen: ungenügende Verankerung des
Gerüstes, Fehlen eines giebelseitigen Seitenschutzes (trotz Absturzhöhe
bis zu 6 m), teilweise verbogene, geknickte, durch Korrosion oder anders-
wie beschädigte Gerüstbestandteile sowie fehlende Mitgliedschaft bei der
Sicherheits-Charta Bau (Vorakten 352/3 ff.). Die Vorinstanz wies die Be-
schwerdeführerin gleichzeitig auf die Verletzung von Art. 41 BauAV (Ver-
ankerungen), Art. 29 BauAV (Massnahmen an Dachrändern) sowie Art. 38
BauAV (Gerüstbestandteile) hin und empfahl, die Mitgliedschaft bei der er-
wähnten Sicherheits-Charta Bau zu prüfen. Erst in der Einsprache (Vorak-
ten 364) sowie im vorliegenden Beschwerdeverfahren (BVGer-act. 1)
wurde seitens der Beschwerdeführerin bzw. deren Rechtsvertreter zu den
vorinstanzlichen Feststellungen und Massnahmen, welche die hier streitige
C-1545/2018
Seite 14
Prämienerhöhung auslösten, Stellung genommen. Diesbezüglich ist Fol-
gendes festzuhalten:
5.4.2.1 Der Einwand der Beschwerdeführerin, es könne ihr das Nichtan-
bringen eines Giebelschutzes nicht vorgeworfen werden, weil sie aufgrund
der Angaben der J._ AG davon ausgegangen sei, das Fassaden-
gerüst sei einzig zum Zweck der Demontage der Fassadenbleche für die
Dauer von zwei bis drei Tagen zu erstellen (BVGer-act. 1 S. 3; vgl. auch
Vorakten 364/2), greift nicht. Daran ändert auch die beschwerdeweise ein-
gereichte Bestätigung der J._ AG nichts (BVGer-act. 1/2). Anders
als die Beschwerdeführerin meint (BVGer-act. 1 S. 4), konnte und durfte
sie nicht davon ausgehen, das Gerüst werde nicht durch Dachdecker,
Spengler oder andere Handwerker benützt, welche für Arbeiten am Dach
oder am Giebel eines Seitenschutzes bedurft hätten. Zu Recht weist die
Vorinstanz darauf hin, es sei notorisch, dass ein auf einer Baustelle vor-
handenes Gerüst nicht nur von den Arbeitnehmern des Auftraggebers, son-
dern auch von vielen anderen benützt werde (BVGer-act. 11 S. 3). Dass
vorliegend das von der Beschwerdeführerin in Verkehr gebrachte Gerüst
(auch) für Arbeiten auf dem Dach verwendet werden konnte und tatsäch-
lich verwendet wurde, ist nicht bestritten und ergibt sich aus den vor-
instanzlichen Feststellungen samt Fotos (Vorakten 352/3 und 5 ff.: Abbil-
dungen 1, 3, 7). Gemäss dem oben zitierten Art. 3 Abs. 1 BauAV (vgl.
E. 5.2.2) müssen Bauarbeiten – wozu auch die Erstellung eines Gerüstes
gehört – so geplant werden, dass das Risiko von Berufsunfällen möglichst
klein ist. Das war hier offensichtlich nicht der Fall. Es ist unbestritten und
aufgrund der aktenkundigen Bilder evident, dass die Absturzhöhe auf der
Giebelseite über 3 m lag und ein entsprechender Seitenschutz fehlte
(Vorakten 352/6: Abbildung 3). Indem die Beschwerdeführerin auf der be-
sagten Baustelle an den giebelseitigen Dachrändern keine Absturzsiche-
rungen anbrachte, hat sie deshalb gegen Art. 3 Abs. 1 sowie Art. 28 f.
BauAV (vgl. E. 5.2.2) verstossen.
5.4.2.2 Die Beschwerdeführerin bringt in der Beschwerde sodann vor, das
fragliche Gerüst sei hinreichend zug- und druckfest verankert gewesen. Sie
macht geltend, das Gerüst sei aussen abgestützt gewesen. Insbesondere
seien Verankerungsschrauben hinreichend tief in den mit Asphaltbelag ver-
sehenen Vorplatz fixiert worden (BVGer-act. 1 S. 4). Die Beschwerdefüh-
rerin legt diesbezüglich aber keine tauglichen Beweise ins Recht. Mit dem
einspracheweise eingereichten Prüfungs-Protokoll der K._ AG (...)
vom 23. November 2017 (Vorakten 364/6) kann sie sich nicht entlasten.
Dieses Protokoll bezieht sich auf eine Begehung der Baustelle vom
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Seite 15
13. November 2017 (vgl. auch Vorakten 368/9), während die besagte vor-
instanzliche Baustellenkontrolle – wie erwähnt – bereits am 26. Oktober
2017 erfolgte. Um welche Baustelle es sich handelte, geht aus dem Proto-
koll zwar nicht ausdrücklich hervor. Aus den beiliegenden Fotos (Vorakten
364/7 ff.) ist aber zu schliessen, dass sich das geprüfte Gerüst auf der hier
massgeblichen Baustelle H._ in (...) befand. Bei näherer Betrach-
tung der entsprechenden Bilder fällt allerdings auf, dass die Fixierungen
des Gerüstes seit der vorinstanzlichen Kontrolle vom 26. Oktober 2017 ver-
ändert bzw. verbessert wurden (vgl. Vorakten 364/8 und 352/5 f.: Abbildun-
gen 2 und 3). So wurden in der Zwischenzeit bei den Aussenabstützungen
offenbar quere Verbindungsrohre angebracht (Vorakten 364/8). Trotzdem
stellte die K._ AG bei den Aussenabstützungen noch immer Mängel
fest, welche in den Fotos markiert wurden (Vorakten 364/7 ff.). Dass die
Mängel im Prüfungs-Protokoll der K._ AG als unwesentlich be-
zeichnet wurden, ändert nichts am Umstand, dass im Zeitpunkt der vor-
instanzlichen Baustellenkontrolle von einer sicheren Verankerung oder Fi-
xierung des Gerüstes im Sinne von Art. 41 Abs. 1 BauAV (E. 5.2.3) nicht
die Rede sein konnte. In den aktenkundigen vorinstanzlichen Fotos (Vorak-
ten 352/5 ff.), welche anlässlich der Baustellenkontrolle vom 26. Oktober
2017 erstellt wurden, lässt sich eine sichere äussere Verankerung bzw. Fi-
xierung des Gerüstes entsprechend den massgeblichen Vorschriften je-
denfalls nicht erkennen. Namentlich fehlen bei den Aussenabstützungen
etwa quere Aussteifungen oder querstehende Gerüstfelder (vgl. dazu
www.suva.ch  Prävention  Branchenthemen  Sichere Baustelle  Mate-
rial  Dokumentationen, z.B. Fassadengerüste – Sicherheit durch Planung,
S. 16, oder Material  Fact-sheets  sichere Arbeitsgerüste  FAQ Fassa-
dengerüste, S. 29 f., abgerufen am 21.9.2020). Im Übrigen wurde die vo-
rinstanzliche Feststellung der ungenügenden Verankerung im Verwal-
tungsverfahren nicht explizit bestritten, weshalb der erst in der Beschwerde
diesbezüglich gemachte pauschale Einwand als nachgeschobene Schutz-
behauptung zu werten ist. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin auf der besagten Baustelle auch gegen
Art. 41 BauAV verstossen hat.
5.4.2.3 Die Beschwerdeführerin macht in der Beschwerde weiter geltend,
die verformten Beläge seien von ihr umgehend ausgewechselt worden und
die Belastungsprüfung mit 400 kg sei problemlos verlaufen (BVGer-act. 1
S. 4). Dass verformte Gerüstbestandteile verwendet wurden, ist somit un-
bestritten und im Übrigen durch ein aktenkundiges vorinstanzliches Foto
belegt (Vorakten 352/6: Abbildung 6). Die Vorinstanz entgegnet zudem mit
C-1545/2018
Seite 16
Recht, die umgehende Auswechslung der mangelhaften Gerüstbestand-
teile vermöge nichts daran zu ändern, dass ein Verstoss gegen die Vor-
schriften der Arbeitssicherheit vorgelegen habe (BVGer-act. 11 S. 3). Die
Beschwerdeführerin hat nach dem Gesagten deshalb gegen den erwähn-
ten Art. 38 BauAV (E. 5.2.3) verstossen. Der Umstand, dass die Belas-
tungsprüfung ohne Probleme erfolgt sein soll, führt zu keinem anderen Er-
gebnis.
5.4.2.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin infolge der Baustellenkontrolle vom 26. Oktober 2017 zu
Recht Verstösse gegen verschiedene Vorschriften über die Arbeitssicher-
heit zur Last gelegt hat. Die Beschwerdeführerin räumt in der Beschwerde
denn auch ein, sie könne nicht wegdiskutieren, dass bestimmte Versäum-
nisse vorgekommen seien (BVGer-act. 1 S. 5). Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin handelte es sich dabei um schwerwiegende Mängel,
die eine unmittelbare und schwere Gefährdung der Arbeitnehmenden ver-
ursachten, weshalb die Vorinstanz richtigerweise die Weiterverwendung
des besagten Gerüstes verbieten musste (vgl. www.suva.ch, a.a.O, Fact-
sheets  sichere Arbeitsgerüste  FAQ Fassadengerüste, S. 4, abgerufen
am 21.9.2020).
5.4.3 Aus den vorinstanzlichen Akten geht zudem hervor, dass die Vor-
instanz auch anlässlich von weiteren, in der erwähnten Zeitspanne (Juli
2016 bis Oktober 2017) durchgeführten Baustellenkontrollen zuungunsten
der Beschwerdeführerin zahlreiche sicherheitswidrige Zustände an Gerüs-
ten festgestellt hatte (Vorakten 298, 300, 303, 308, 311, 313, 325, 333, 334,
339, 348), deren Behebung in den entsprechenden Rückmeldungen der
Beschwerdeführerin bestätigt wurde (Vorakten 299, 302/4, 305, 309, 312,
316, 343/1-2, 346, 347, 354, 363). Es ist überdies aktenkundig, dass die
Vorinstanz am 11. Mai 2017 gegen die Beschwerdeführerin Strafanzeige
erstattet hat, da diese allein im Kanton (...) 21 entsprechende Regelverlet-
zungen ausgeführt habe (Vorakten 324). Die im besagten Zeitraum sankti-
onsweise verfügten drei Prämienerhöhungen vom 9. November 2016,
11. April 2017 und 30. Juni 2017 blieben seitens der Beschwerdeführerin
allesamt unangefochten (vgl. Vorakten 310, 319, 335). Seit der letzten ver-
fügten Prämienerhöhung vom 30. Juni 2017 bzw. bereits nach deren An-
kündigung am 10. Mai 2017 (Vorakten 322) sind – bis Ende Oktober 2017
– acht weitere vorinstanzliche Baustellenkontrollen aktenkundig, wobei in
fünf Fällen die festgestellten Mängel an den Gerüsten lediglich bestätigt
(Vorakten 325, 333, 334, 339, 349) und in drei Fällen Verwendungsverbote
der jeweiligen Gerüste verfügt wurden (Vorakten 327, 336, 351).
C-1545/2018
Seite 17
5.4.4 Nach dem Gesagten kann daher als erstellt gelten, dass die Be-
schwerdeführerin in den Jahren 2016 und 2017 immer wieder gegen Vor-
schriften über die Verhütung von Unfällen verstossen hat und sich nament-
lich auch seit der letzten strafweisen Prämienerhöhung vom 30. Juni 2017
erneut mehrere Verletzungen von Arbeitssicherheitsbestimmungen hat zu-
schulden lassen kommen. Dadurch wurden zahlreiche sicherheitswidrige
Zustände mit teils unmittelbarer schwerer Gefährdung von Leben und Ge-
sundheit verursacht (vgl. dazu EKAS-Leitfaden Ziff. 4.3).
6.
Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob die hier streitige Höhereinreihung der
Beschwerdeführerin im BUV-Prämientarif in korrekter Anwendung der ge-
setzlichen Zuständigkeitsregeln und unter Beachtung der allgemeinen
Grundsätze des Verwaltungshandelns verfügt wurde.
6.1 Gemäss Art. 66 Abs. 2 VUV ordnet das zuständige Durchführungsor-
gan die Prämienerhöhung nach Art. 113 Abs. 2 UVV an, welche vom zu-
ständigen Versicherer unverzüglich verfügt werden muss. In Betrieben des
Baugewerbes und bei Arbeiten anderer Betriebe auf deren Baustellen be-
aufsichtigt die Suva als zuständiges Durchführungsorgan die Anwendung
der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen (Art. 85 Abs. 1 UVG
i.V.m. Art. 49 Abs. 1 Ziff. 11 VUV). Dass vorliegend die Bestimmungen über
die Unfallverhütung durch die Suva vollzogen werden, ist somit nicht zu
beanstanden und im Übrigen unbestritten. Ebenso wenig zu erläutern ist
die unstreitige versicherungsrechtliche Unterstellung des hier zur Diskus-
sion stehenden Baugewerbebetriebs unter die Suva, welche sich aus
Art. 66 Abs. 1 Bst. b UVG in Verbindung mit Art. 73 Bst. c UVV ergibt. Vor-
liegend war die Suva demnach sowohl für die Anordnung der streitigen
Prämienerhöhung als auch für den Erlass der entsprechenden Verfügung
zuständig.
6.2 Nach Art. 113 Abs. 2 UVV erfolgt wegen Zuwiderhandlung gegen Vor-
schriften über die Verhütung von Unfällen eine Einreihung in eine höhere
Stufe des Prämientarifs, wobei der Betrieb in der Regel in eine Stufe mit
einem um mindestens 20% höheren Prämiensatz versetzt werden soll. Die
Sanktion greift ungeachtet der Schwere des Verstosses. Das Eidgenössi-
sche Versicherungsgericht (EVG, heute: BGer) hat diese Ordnung grund-
sätzlich als mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip und dem Willkürverbot
vereinbar bezeichnet (Urteil des EVG U 240/03 vom 2. Juni 2004 E. 6.3
m.H. auf BGE 116 V 255 E. 4b und c, veröffentlicht in: RKUV 2004 Nr. U
525 S. 549 ff.). Die verfügte Sanktion muss sich aber auch im Einzelfall als
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Seite 18
verhältnismässig erweisen (BGE 116 V 255 E. 4b; Urteil des BVGer C-
4640/2007 vom 9. März 2009 E. 4.2.2 m.H.).
6.3 Die Beschwerdeführerin wurde von der Vorinstanz rückwirkend für das
Jahr 2017 im BUV-Prämientarif um vier Stufen höher eingereiht. Der Prä-
miensatz wurde von 9.35% (Stufe 127) auf 11.37% (Stufe 131) und damit
um 21.6% erhöht. Diese Höhereinreihung entspricht den Vorgaben von
Art. 113 Abs. 2 UVV.
6.4 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Verhältnismässig-
keitsprinzips mit der Begründung, dass auch nach Auffassung der
K._ AG die vorhandenen Mängel als unwesentlich einzustufen ge-
wesen seien. Unter diesen Umständen sei die verfügte Prämienerhöhung
unverhältnismässig, da sie bei einer Lohnsumme von Fr. 1'628'056.- zu
einer Mehrprämie von Fr. 32'886.73 führe (BVGer-act. 1 S. 5).
6.4.1 Gemäss dem EKAS-Leitfaden (Ziff. 5.2.8) spricht das Durchfüh-
rungsorgan im ausserordentlichen Durchführungsverfahren im Normalfall
dreimal eine Ermahnung aus und verfügt erst bei der vierten Feststellung
eines sicherheitswidrigen Zustandes eine Prämienerhöhung. In der Ermah-
nung ist anzuführen, welche Mängel festgestellt und welche Bestimmun-
gen über die Arbeitssicherheit verletzt wurden. Mit der dritten Ermahnung
wird dem Betrieb angedroht, dass bei einem weiteren Verstoss gegen Ar-
beitssicherheitsvorschriften eine Prämienerhöhung (von mindestens 20%)
verfügt werde (EKAS-Leitfaden Ziff. 5.3.4). Je nach Bedeutung des
Verstosses kann und soll das Verfahren abgekürzt werden. Die Prämien-
erhöhung könnte daher bereits nach der ersten Feststellung angeordnet
werden, sofern dem Betrieb vorgängig das rechtliche Gehör gewährt wor-
den ist. Andererseits sollen Feststellungen, die mehr als 10 Jahre zurück-
liegen, nicht berücksichtigt werden (vgl. EKAS-Leitfaden Ziff. 5.2.8).
6.4.2 Die Rechtsprechung erachtet die im EKAS-Leitfaden enthaltene Re-
gel, wonach im Normalfall (sofern nicht ein besonders gravierender
Verstoss vorliegt oder die Verletzung von Vorschriften zu einem Unfall ge-
führt hat) drei Ermahnungen ausgesprochen werden und bei der vierten
Feststellung eines sicherheitswidrigen Zustandes eine Prämienerhöhung
verfügt wird, als Ausdruck des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes (BVGE
2010/37 E. 2.4.2.2). Dies gilt insbesondere vor einer erstmaligen Sanktion
(Urteil des BVGer C-6018/2008 vom 25. November 2010 E. 6.2.4; vgl. auch
Urteile des BVGer C-5278/2010 vom 22. Oktober 2012 E. 4.2.3 sowie C-
852/2013 vom 17. Dezember 2015 E. 4.2.6.2). Ob die Feststellung eines
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Seite 19
Verstosses gegen Arbeitssicherheitsvorschriften in einer Ermahnung oder
– weil aus Dringlichkeit auf eine Ermahnung verzichtet wurde – in der Ver-
fügung enthalten ist, spielt keine Rolle (BVGE 2010/37 E. 2.4.2.3). Der E-
KAS-Leitfaden enthält keine präzisen Vorgaben, wie die Kontrollorgane
vorzugehen haben, wenn sie gemäss Art. 62 Abs. 2 VUV auf eine Ermah-
nung verzichten und direkt mit einer Verfügung nach Art. 64 Abs. 1 VUV
die erforderlichen Massnahmen anordnen. Der Leitfaden hält lediglich fest,
dass auch solche schwerer wiegenden Feststellungen im Rahmen des
ausserordentlichen Durchführungsverfahrens zu berücksichtigen seien (E-
KAS-Leitfaden Ziff. 5.2.3). Ob das Kontrollorgan im Anschluss an die Ver-
fügung zusätzlich eine Ermahnung zu erlassen hat oder sich auf die in der
Verfügung getroffenen Feststellungen stützen soll, geht aus dem Leitfaden
nicht hervor (vgl. auch Musterdokumente im Teil II des EKAS-Leitfadens
S. 70 ff.). Mit Blick auf das Ziel, dass streitige Sachverhaltsfeststellungen
möglichst frühzeitig überprüft werden sollen, und im Interesse eines ra-
schen und einfachen Verfahrens, wäre es laut Rechtsprechung wün-
schenswert, wenn die gestützt auf Art. 62 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 64
Abs. 1 VUV erlassene Verfügung auch die Elemente einer Ermahnung im
Hinblick auf eine spätere Prämienerhöhung (vgl. EKAS-Leitfaden
Ziff. 5.3.3 f. betreffend 2. und 3. Ermahnung) enthalten würden (BVGE
2010/37 E. 2.5.4).
6.4.3 Wie bereits erwähnt (E. 5.4.3), erfolgte die letzte strafweise Prämien-
erhöhung am 30. Juni 2017 (Vorakten 335). In der entsprechenden Verfü-
gung der Vorinstanz wurde die Beschwerdeführerin darauf hingewiesen,
dass sie durch diese Prämienerhöhung nicht von der Pflicht befreit sei, die
Vorschriften über die Arbeitssicherheit einzuhalten, und im Fall einer er-
neuten ungenügenden Beachtung der Vorschriften eine weitere kumulative
Prämienerhöhung angeordnet sowie allenfalls Strafanzeige eingereicht
werde. Bereits im vorinstanzlichen Schreiben vom 10. Mai 2017 betreffend
die Gewährung des rechtlichen Gehörs wurde die Beschwerdeführerin da-
rauf aufmerksam gemacht, dass weder die Umsetzung der besprochenen
Massnahmen noch die angekündigte Prämienerhöhung sie von der Pflicht
zur Einhaltung der Arbeitssicherheitsvorschriften befreie und bei einer er-
neuten Zuwiderhandlung eine zusätzliche Prämienerhöhung angeordnet
und die Erstattung einer Strafanzeige in Erwägung gezogen werde (Vorak-
ten 322). Allerdings ist aktenkundig, dass schon am 17. Mai 2017 anläss-
lich einer vorinstanzlichen Baustellenkontrolle erneute Widerhandlungen
der Beschwerdeführerin gegen die Vorschriften über die Verhütung von
Unfällen festgestellt wurden (Vorakten 325) und bis am 26. Oktober 2017
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Seite 20
zahlreiche weitere Feststellungen von entsprechenden Verstössen der Be-
schwerdeführerin folgten, welche Letztere grösstenteils anerkannte (vgl.
E. 5.4.3). In dieser Zeitspanne wurden keine vorinstanzlichen Ermahnun-
gen ausgesprochen, sondern die Vorinstanz verfügte – in Anbetracht der
unmittelbaren Gefährdung bzw. Dringlichkeit – am 6. Juni 2017 und am
5. Juli 2017 ein Verwendungsverbot der entsprechenden Gerüste bis zur
Behebung der festgestellten schwerwiegenden Mängel (Vorakten 327,
336). In diesen zwei Verfügungen bzw. den entsprechenden Anhängen
wurde angeführt, welche Mängel festgestellt und welche Bestimmungen
über die Arbeitssicherheit verletzt wurden (Vorakten 327/3, 336/3). Erwähnt
sind in den beiden Verfügungen auch die massgeblichen Vorschriften des
PrSG. Zudem erfolgte jeweils eine Anhörung der Beschwerdeführerin.
Beide Verfügungen enthielten somit rechtsprechungsgemäss die wesentli-
chen Elemente einer Ermahnung (vgl. E. 6.4.2). Die Androhung einer zu-
sätzlichen Prämienerhöhung bei weiteren Zuwiderhandlungen gegen Ar-
beitssicherheitsvorschriften erfolgte – wie oben erwähnt – bereits mit der
letzten Prämienerhöhung vom 30. Juni 2017. Unter diesen Umständen ist
nicht zu beanstanden, dass die vorinstanzlichen Feststellungen anlässlich
der Baustellenkontrolle vom 26. Oktober 2017 die hier streitige Prämiener-
höhung auslösten. Zum einen handelte es sich bei den erneut festgestell-
ten Mängeln (wiederum) um schwerwiegende Zuwiderhandlungen, welche
eine unmittelbare schwere Gefährdung von Leben und Gesundheit verur-
sachten und daher zu einem Verwendungsverbot des besagten Gerüstes
führten (vgl. E. 5.4.2). Eine Abkürzung des Verfahrens war daher ange-
bracht und zulässig, zumal der Beschwerdeführerin vor Erlass der streiti-
gen Prämienerhöhung das rechtliche Gehör gewährt wurde (Vorakten
352). Es war nicht erforderlich, vorgängig – wie im Normalfall (E. 6.4.1) –
drei Ermahnungen auszusprechen oder an deren Stelle drei Verfügungen
zu erlassen. Es wäre sogar möglich gewesen, die vorliegende Prämiener-
höhung einzig aufgrund der an der Kontrolle vom 26. Oktober 2017 ge-
machten Feststellungen anzuordnen (vgl. E. 6.4.1). Hinzu kommt, dass im
vorliegenden Fall aufgrund der zahlreichen Widerhandlungen bereits meh-
rere Sanktionen ausgesprochen werden mussten (vgl. E. 5.4.3). Von einem
Normalfall im Sinne des EKAS-Leitfadens kann hier daher nicht die Rede
sein. Schliesslich bleibt anzufügen, dass – anders als die Beschwerdefüh-
rerin zu meinen scheint (Vorakten 364/2) – eine strafweise Höhereinrei-
hung aufgrund von Zuwiderhandlungen gegen Arbeitssicherheitsvorschrif-
ten gemäss Rechtsprechung unabhängig davon erfolgt, ob sich aufgrund
der nicht eingehaltenen Sicherheitsvorschriften ein Unfall ereignet hat oder
nicht (vgl. BGE 116 V 255 E. 4c; Urteile des BVGer C-4640/2007 vom
9. März 2009 E. 4.3 und C-3410/2009 vom 11. November 2013 E. 4.8).
C-1545/2018
Seite 21
6.4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Vorgehen der Vor-
instanz dem erwähnten EKAS-Leitfaden entspricht und auch gestützt auf
die erwähnte Rechtsprechung nicht als unverhältnismässig bezeichnet
werden kann. Die dargelegten konkreten Umstände zeigen vielmehr deut-
lich auf, dass die verfügte Sanktion im vorliegenden Fall durchaus als ver-
hältnismässig zu gelten hat.
6.5 Nach dem Gesagten erweist sich die am 7. Dezember 2017 verfügte
Prämienerhöhung als korrekt. Die Vorinstanz hat die dagegen erhobene
Einsprache zu Recht abgewiesen. Der angefochtene Einspracheentscheid
vom 20. Februar 2018 ist deshalb zu bestätigen und die Beschwerde ist
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist (vgl. E. 1.3).
7.
Es bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteientschädigung
zu befinden.
7.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen, wobei der geleistete Kostenvorschuss zu be-
rücksichtigen ist. Da die Beschwerdeführerin unterlegen ist, hat sie die Ver-
fahrenskosten zu tragen. Diese bemessen sich nach Umfang und Schwie-
rigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der
Parteien (vgl. Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Die Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 2'000.- fest-
zulegen. Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfah-
renskosten zu verwenden.
7.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz
als mit einer öffentlichen Aufgabe betraute Organisation hat jedoch keinen
Anspruch auf Parteientschädigung (vgl. BGE 128 V 124 E. 5b sowie Art. 7
Abs. 3 VGKE).
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