Decision ID: 223d6397-9afe-5cbf-97bd-a5cc188a9208
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 20. Februar 2017 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 2. März 2017 wurde die Befragung zur Person (BzP) und
am 6. März 2018 die vertiefte Anhörung zu den Asylgründen durchgeführt.
B.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie zusammengefasst geltend,
nach dem krankheitsbedingten Tod ihrer Eltern habe sie das Angebot ihrer
Onkels angenommen und fortan – von 2004 bis 2017 – bei ihm und seiner
Familie in B._ gelebt. Die ersten sechs Monate seien gut verlaufen,
danach sei sie aber wie ein Dienstmädchen behandelt worden. Sie habe
sehr viel im Haushalt arbeiten müssen und sei wiederholt geschlagen wor-
den. Auch habe sie das Haus nicht verlassen dürfen. Sie sei stets be-
schimpft, beleidigt und nicht einmal mit ihrem Namen gerufen worden. Sie
sei nicht in der Lage gewesen, sich an die Polizei zu wenden. Ihr Onkel sei,
so ihre Vermutung, von IS-Mitgliedern gezwungen worden, Personen in
seinem Keller zu verstecken, bis diese in der Nacht des (...) von Schlep-
pern abgeholt worden seien. Der Onkel habe ihr nahegelegt, sich der
Gruppe (zwei [...]) anzuschliessen. So sei sie mit Hilfe eines Schleppers
via die Türkei sowie ihr unbekannten Länder am 19. Februar 2017 in die
Schweiz gelangt. Nun lebe sie hier an einem hellen Ort – sie sei aus der
Hölle geflüchtet und fühle sich jetzt wie im Paradies. Sie möchte lediglich
in Ruhe hier bei ihrem Bruder C._ (N [...]) leben.
Hingewiesen auf ihre Pflicht, Identitätspapiere einzureichen, gab die Be-
schwerdeführerin zu Protokoll, die Beschaffung von Identitätsdokumenten
sei schwierig für sie. Sie habe diesbezüglich nichts unternommen, da sie
einerseits nicht mit ihrem Onkel sprechen wolle und anderseits die Telefon-
nummern seiner Kinder nicht kenne, weshalb sie gar nicht versucht habe,
mit diesen Kontakt aufzunehmen (vgl. A7/12 S. 5 und A14/23 S. 4).
C.
Am (...) heiratete die Beschwerdeführerin den irakischen Staatsangehöri-
gen D._ (N [...]). Diesem hatte das SEM am 27. Dezember 2005
wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Auf-
nahme gewährt, welche am 6. März 2009 im Rahmen der Härtefallregelung
gemäss Art. 84 Abs. 5 AlG in eine Aufenthaltsbewilligung B umgewandelt
worden war. Ein Gesuch betreffend Zuzug der Beschwerdeführerin ist bei
den Migrationsbehörden des Kantons E._ seit dem 22. Juli 2019
hängig.
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Die von der Beschwerdeführerin im Rahmen des Ehevorbereitungsverfah-
rens eingereichten Dokumente (einen Reisepass, eine Identitätskarte, ei-
nen Nationalitätenausweis – jeweils im Original – sowie einen Geburts-
schein [in Kopie]) wurden vom Zivilstandsamt E._ ans SEM weiter-
geleitet.
D.
Mit Verfügung vom 10. Februar 2020 – eröffnet am 11. Februar 2020 –
stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfülle und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig hielt die Vor-
instanz fest, dass der Entscheid über den weiteren Aufenthalt in der
Schweiz oder eine allfällige Wegweisung in die Zuständigkeit der kantona-
len Migrationsbehörden falle.
E.
Mit Eingabe vom 9. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde ein und ersuchte um Aufhebung der
vorinstanzlichen Verfügung, um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
sowie um Gewährung des Asyls. Eventualiter sei ihr die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 12. März 2020 forderte die Instruktionsrichte-
rin die Beschwerdeführerin auf, bis zum 27. März 2020 eine Übersicht ihrer
finanziellen Verhältnisse sowie derjenigen ihres Ehemannes nachzu-
reichen und die entsprechenden Angaben zu belegen.
G.
Mit ans SEM gerichteter Eingabe vom 27. März 2020 – welche zuständig-
keitshalber ans Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet wurde (Eingang
Bundesverwaltungsgericht: 9. April 2020) – reichte die Beschwerdeführerin
das ihr zugestellte Formular zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
sowie Dokumente zum Beleg der geltend gemachten Bedürftigkeit ein.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 17. April 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls. Die Vorinstanz hielt in der ange-
fochtenen Verfügung fest, dass der Entscheid über den weiteren Aufenthalt
in der Schweiz oder eine allfällige Wegweisung in die Zuständigkeit der
kantonalen Migrationsbehörden falle. Entsprechend fand keine Prüfung all-
fälliger Wegweisungsvollzugshindernisse statt. Demzufolge ist auf den
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Eventualantrag der Gewährung der vorläufigen Aufnahme beziehungs-
weise auf Rückweisung an die Vorinstanz zur Prüfung von Vollzugshinder-
nissen nicht einzutreten (vgl. auch nachfolgend E. 7).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2), wobei eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung nicht genügt, sondern viel-
mehr konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realis-
tisch und nachvollziehbar erscheinen lassen müssen (vgl. BVGE 2010/57
E. 2.5, 2010/44 E. 3.4). Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingsei-
genschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewäh-
rung des Asyls kann nicht dazu dienen, einen Ausgleich für vergangenes
Unrecht zu schaffen, sondern bezweckt, Schutz vor künftiger Verfolgung
zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4). Veränderungen der objektiven Si-
tuation im Heimat- oder Herkunftsstaat zwischen Ausreise und Asylent-
scheid sind zugunsten und zulasten der asylsuchenden Person zu berück-
sichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.6, 2008/34 E. 7.1 und 2008/12 E. 5.2.).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine
Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-
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tigkeit der Sachverhaltdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-
ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor-
bringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
Dies begründet das SEM zunächst damit, dass die Beschwerdeführerin
wissentlich gegen ihre Mitwirkungspflicht verstossen habe. Sowohl anläss-
lich der BzP wie auch der Anhörung habe sie den Behörden zu verstehen
gegeben, keine Ausweispapiere nachliefern zu können. Der Schlepper
habe ihr den Pass abgenommen, die Identitätskarte und ihr Nationalitäten-
ausweis würden sich bei ihrem Onkel befinden und sie glaube nicht, dass
eine Nachreichung der Dokumente möglich sein würde. Angesichts dieser
Schilderungen überrasche, dass das Zivilstandsamt E._ im April
2019 diverse Identitätsdokumente weitergeleitet habe. Es sei offensicht-
lich, dass sie dem SEM diese bis dahin willentlich vorenthalten habe. Wei-
ter falle in Bezug auf ihren Pass und ihre Identitätskarte auf, dass die bei-
den Dokumente im Jahr (...) beziehungsweise (...) in F._ ausge-
stellt worden seien. Dies, obwohl sie angeblich zwischen 2004 und 2017
unter den beschriebenen widrigen Umständen ausschliesslich in
B._ gelebt haben wolle. Bezeichnenderweise habe sie sich in die-
sem Punkt widersprochen. So habe sie im Rahmen der Anhörung zunächst
angegeben, im Verlauf der 13 Jahre kein einziges Mal in F._ gewe-
sen zu sein – man habe ihr dies nicht erlaubt – um später zu revidieren,
dass sie ihr Onkel zwecks Passausstellung für kurze Zeit nach F._
zur Passbehörde gebracht habe. Abgesehen davon, dass sie sich dem-
nach auch (...) zwecks Ausstellung ihrer Identitätskarte nach F._
hätte begeben müssen, leuchte nicht ein, weshalb ihr Onkel, der sie ge-
schlagen und nie aus dem Haus gelassen habe, ihr (...) und (...) einen
Pass und eine Identitätskarte hätte organisieren wollen. Entsprechende
Vorhalte habe sie denn auch nicht plausibel zu beantworten gewusst. So-
dann stellte die Vorinstanz zahlreiche weitere Unstimmigkeiten in ihren
Aussagen fest. So seien ihre Erklärungsversuche, weshalb sie in all den
Jahren ihre in F._ lebenden Geschwister, Tanten und Freunde nie
besucht habe, mehr als unbefriedigend ausgefallen. Dasselbe treffe auf
ihre Aussagen zu, mit denen sie zu begründen versucht habe, weshalb sie
im Jahr 2004 ausgerechnet zu ihrem Onkel nach B._ und nicht zu
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anderen Verwandten in F._ gezogen sei. Ebenso wenig überzeu-
gend seien ihre Aussagen, weshalb sie anfangs 2017, nachdem sie wieder
in F._ angekommen sei, nicht bei jemandem aus der Verwandt-
schaft geblieben sei. In Widerspruch zu ihren eigenen Aussagen habe sie
erklärt, in F._ niemanden zu haben. Die Begründung, wonach kein
Kontakt mehr zwischen ihr und ihren Verwandten in F._ bestand
habe, sei ebenfalls nicht schlüssig. Des Weiteren sei nicht verständlich,
was ihren Onkel plötzlich veranlasst habe, ihr nach all den Jahren voller
Pein und Qual die Ausreise nach Europa zu ermöglichen. Die diesbezügli-
chen Erklärungsversuche seien unzureichend und widersprüchlich. Auch
habe sie sich in Bezug auf ihren schulischen Werdegang widersprochen.
Des Weiteren hätten die Widersprüche, die zwischen ihren eigenen Aus-
sagen und jenen ihres Bruder C._. aufgetreten seien, die Glaubhaf-
tigkeit ihrer Vorbringen zusätzlich erschüttert. So sei seinen Protokollen im
Rahmen des Asylverfahren zu entnehmen, dass ihre Familie bis zum Jahr
2000 in G._ gelebt habe, während die Beschwerdeführerin ange-
geben habe, nie dort gelebt zu haben. Diesen Ort hätte sie lediglich einmal
besucht. Auf Vorhalt habe sie gemeint, an diversen Orten gelebt zu haben,
nicht aber die Namen aller Ortschaften zu kennen. Ferner habe ihr Bruder
C._. sowohl einen anderen Todeszeitpunkt in Bezug auf ihre Mutter
als auch gänzlich andere Todesumstände hinsichtlich ihres Vaters genannt.
Auch habe der Bruder C._. eine (...) erwähnt, unter der die Familie
gelitten habe, wovon die Beschwerdeführerin hingegen nichts gewusst
habe. Gemäss den damaligen Angaben des Bruders C._. sei die
Beschwerdeführerin verheiratet, was diese jedoch im Rahmen der Anhö-
rung verneint habe. Sie sei weder verlobt noch jemals verheiratet gewesen.
Sie habe den Vorhalt nicht zu entkräften vermocht. Angesichts der be-
schriebenen Sachlage dränge sich der dringende Verdacht auf, dass sie
nicht nach B._ gezogen sei und entsprechend dort auch nicht unter
den von ihr beschriebenen schlechten Umständen gelebt habe. Insgesamt
seien die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht
erfüllt. Die eingereichten Beweismittel vermöchten an dieser Schlussfolge-
rung nichts zu ändern.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen der bereits aktenkun-
dige Sachverhalt wiederholt und ergänzend dazu ausgeführt, ihre Prob-
leme hätten lediglich damit zu tun, dass sie nach dem Tod ihrer Eltern als
unverheiratete Frau ihren Lebensalltag nicht alleine habe bestreiten kön-
nen. Deshalb habe sie zu ihrem Onkel ziehen müssen, wo sie wie eine
Sklavin behandelt worden sei und ihr niemand aus der Familie geholfen
habe beziehungsweise habe helfen können. Nach all diesen Jahren habe
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eine grosse Entfremdung von ihnen stattgefunden, weshalb sie mit Sicher-
heit nicht mehr auf sie zählen könne. Sodann sei der Wegweisungsvollzug
weder zumutbar noch zulässig, weshalb sie in der Schweiz vorläufig auf-
zunehmen sei. Abschliessend sei zu erwähnen, dass ihr die Widersprüche
zu den Aussagen ihres Bruders nicht angelastet werden dürfen, zumal sie
die Wahrheit gesagt habe und mit Sicherheit bezeugen könne, dass sie
zuvor niemals verheiratet gewesen sei.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Beschwerde-
führerin mit ihren Vorbringen die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG nicht zu begründen vermag.
6.2 Das SEM erachtete ihre Aussagen zu den Gründen ihres Asylgesuches
zu Recht als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7
AsylG nicht genügend. Auf Beschwerdeebene unterlässt es die Beschwer-
deführerin vollständig, sich mit den ausführlichen Erwägungen der Vo-
rinstanz betreffend der zahlreich festgestellten Unglaubhaftigkeitsmerk-
male und Widersprüchen in ihren Aussagen, insbesondere der abweichen-
den Aussagen ihres Bruders C._., auseinanderzusetzen, sondern
hält in pauschaler Art und Weise an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
fest. Der unbegründet gebliebene Einwand, wonach ihr die abweichenden
Aussagen ihres Bruders C._. nicht angelastet werden dürfen, ist als
Schutzbehauptung und unbeholfener Versuch zu werten, die diametralen
Widersprüche zwischen den Aussagen ihres Bruders C._. und ih-
ren eigenen Angaben aufzulösen. Im Übrigen bestünden selbst ohne Be-
rücksichtigung der Angaben des Bruders überwiegende Zweifel an der
Darstellung der Beschwerdeführerin. Es kann dabei auf die zutreffenden
Argumente in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Des Wei-
teren lassen die Ausführungen auf Beschwerdeebene jede Erklärung ver-
missen, wie und weshalb es der Beschwerdeführerin entgegen ihren An-
gaben anlässlich der BzP sowie der Anhörung gelungen ist, ihre Identitäts-
dokumente zu beschaffen. Insgesamt vermag sie den von der Vorinstanz
zutreffend aufgezeigten Widersprüchen und Unstimmigkeiten in der Be-
schwerdeschrift nichts Substanzielles entgegenzusetzen. Die Schlussfol-
gerung des SEM, die Angaben der Beschwerdeführerin vermöchten den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen, ist nicht zu bean-
standen.
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6.3 Zusammenfassend ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Das SEM hat das Asylgesuch der Beschwerdefüh-
rerin zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Die Vor-
instanz hat in der angefochtenen Verfügung die Frage der Wegweisung
sowie deren Vollzugs nicht geprüft und stattdessen auf die Zuständigkeit
der kantonalen Migrationsbehörden verwiesen. Dass und inwiefern diese
Auffassung unzutreffend wäre, wird von der Beschwerdeführerin nicht dar-
gelegt und ergibt sich auch nicht aus den Akten. Somit erübrigen sich Aus-
führungen dazu.
7.2 Entsprechend ist – wie bereits vorstehend erwähnt (vgl. E. 3) – auch
nicht auf die auf Beschwerdeebene vorgetragenen Wegweisungsvollzugs-
hindernisse oder den diesbezüglichen Rückweisungsantrag einzugehen.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr jedoch mit Verfügung
vom 17. April 2020 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde, ist
auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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