Decision ID: fe100099-6fe8-478f-b39e-a0cef9100413
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, ist gelernte Köchin (
Urk.
11/2)
.
Wegen einer Rücken- und Blasenproblematik
meldete
sie
sich
im Jahr 1998
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
z
um Leistungsbezug an (
Urk.
11/6 und 11/10/4-6).
Diese finanzierte ihr eine Umschulung zur Medizinischen
Praxisassistentin, welche die Versicherte
nach dem Vordiplom ab
brach
(vgl.
Urk.
11/38
und 11/
39/12 f.
).
Anschliessend
arbeitete
sie
als Lager
mitarbeiterin (vgl.
Urk.
11/39/10) und
später
im Sekretariat eines Spitals
(vgl.
Urk.
11/10/39/9)
, bevor sie a
b August 2002
bei
einer Bank
angestellt
war
(U
rk. 11/39/1
und 11/118/74 f.
)
.
Nebenbei
schloss
sie
eine einjährige Handels
schule
mit Diplom
ab (Urk. 11/39/3
und 11/40/5
).
1.2
Anfang 2008
meldete sich die Versicherte wegen
einer Störung der Darm
peristaltik und Weichteilrheuma
erneut
zum
Leistungsbezug bei
der Invaliden
versicherung
an
(
Urk.
11/40).
Nach
dem
Verlust ihrer
Arbeitsstelle per Ende Mai 2008 (
Urk.
11/53)
und einigen Zwischenverdiensten fand
sie
per Februar 2009 eine neue Festanstellung
(
Urk.
11/56
, 11/70
und 11/71/3-6
)
, weshalb die IV-Stelle
im
April 2009 die Arbeitsplatzvermittlung abschloss (
Urk.
11/70).
Diese
hatte zu
dem
eine Begutachtung durch
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
angeordnet
.
Gestützt auf dessen
Gutachten vom 24.
Se
ptember 2008
(Urk. 11/61
)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 8.
Juni 2009 einen Rentenanspruch der Versicherten bei einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
in der an
gestammten Tätigkeit (
Urk.
11/76).
Im November 2009 brachte die Versicherte ihr erstes Kind zur Welt (
Urk.
11/77)
und arbeitete fortan in einem kleinen Teilzeitpensum zunächst als Lingerie-Mit
arbeiterin in einem Blindenheim und später als Sicherheitsangestellte im Event
bereich (
Urk.
11/118/162). In dieser Zeit
brachte sie zwei weitere
Kinder, geboren im Dezember 2011 und Oktober 2013
, zur Welt
(
Urk.
11/79-80).
1.3
Im
August 2016 und Dezember 2017
war die Versicherte
in
zwei Autounfälle
involviert
(etwa
Urk.
11/89/14 f.)
,
worauf sie
i
n der Neuanmeldung –
ein
gegangen bei der IV-Stelle am 31. Juli 2018
–
angab, unter einem
Schleuder
trauma sowie ein
em
Sulcus
ulnaris
-Syndrom rechts
zu leiden
(
Urk.
11/81)
.
Vom 2
1.
August bis 1
1.
September 2018 nahm die Versicherte eine
stationäre,
multi
modale rheumatologisch
e Komplexbehandlung wahr (
Urk.
11/118/29).
Die IV-S
telle
zog
mitunter
d
ie Akten des Unfall- (
Urk.
11/89) und des Krankentaggeld
versicherers (
Urk.
11/108) bei
.
Sodann beteiligte sie sich
an einem
vom Unfall
versicherer
in Auftrag gegebenen
polydisziplinären
Gutachten
(
Urk.
11/118/
64-
255) und holte selbst ei
nen Bericht zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeits
fähigkeit in Beruf und Haushalt
ein
, der
vom
19. August 2020
datiert
(
Urk.
11/123).
Alsdann stellte
die IV-Stelle
der Versicherten m
it Vorbescheid vom 1
4.
September 2020 in Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen (
Urk.
11/127). Dagegen erhob
diese
Einwand
(
Urk.
11/134)
. Darüber hinaus teilte
die Versicherte
der IV-S
telle am 7.
Dezember 2020 telefonisch mit, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe und sie in den letzten zwei Wochen dreimal operiert worden sei (
Urk.
11/136).
In der Folge gingen bei der IV-Stelle weitere Arztberichte ein (
Urk.
11/137
, 11/142 und 11/
1
45), welche diese dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vorlegte (
Urk.
11/146/6 f.).
Am
8.
März 2021 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt (
Urk.
2).
2.
Gegen diese
Verfügung
erhob die Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwältin Schneider,
mit Eingabe vom 2
2.
April 2021 Beschwerde (
Urk.
1) mit dem Antrag, die IV-Stelle sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Ins
besondere sei ihr vom 1
4.
Juni bis 30. September 2018 eine
Dreiviertelsrente
, vom
1.
Oktober 2018 bis 3
1.
Januar 2019 eine halbe Rente
sowie
vom
1.
Februar bis 3
1.
J
uli 2019 und erneut ab 1.
September 2020 eine
Viertelsrente
zuz
usprechen. Eventualiter sei ein
rheumatologisches und psychiatrisches Gerichtsgutachten
einzuholen,
subeventualiter
sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
lasten der IV-Stelle. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk. 1.
S. 2). Mit
S
chreiben vom 2
8.
Mai 2021 (
Urk.
8) reichte
sie
dazu
das ausgefüllte Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (
Urk.
6)
samt Beilagen
(
Urk.
7/1-2)
ein.
In der B
eschwerdeantwort
vom 30.
Juni 2021
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10)
.
Sodann reichte die Versicherte m
it Eingabe vom 2
1.
Oktober 2021 (
Urk.
15) einen
neuen
Arztbericht ein (
Urk.
16). Die IV-Stelle verzichtete auf eine Stellungnahme hierzu (
Urk.
18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechts
sätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Bestimmungen anwendbar und werden nachfolgend in dieser Fassung zitiert.
1.2
Erw
erbsunfähigkeit ist gemäss Art.
7 ATSG der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden au
sgeglichenen Arbeitsmarkt (Abs.
1). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähig
keit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus ob
jektiver Si
cht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Auch
der am 1. Januar 2022 in Kraft getretene Art. 28b Abs. 4 IVG
sieht
einen rentenbegründenden Mindestinvaliditätsgrad von 40 % vor.
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für
den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
3
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbs
tätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid ge
worden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, bei Beginn des Wartejahres am 1
4.
Juni 2018 sei ein Rentenanspruch ab Juni 2019 zu prüfen. Vor dem Unfall sei die Beschwerdeführerin zu 10 bis 30
%
arbeitstätig gewesen
.
Die anfänglich volle Arbeitsunfähigkeit habe sich
ab
dem
1.
Oktober 2018
auf 80
% und ab
dem
29.
Ok
tober
2019
auf noch
10
%
reduziert
. Im Aufgaben
bereich
, dessen
Anteil 70
%
betrage,
bestehe eine E
inschränkung von 5
%
. Es resultiere somit zu keiner Zeit ein rente
nbegründender Invaliditätsgrad.
Bei der
gesundheitlichen Verschlechterung stünden chronische
myofasziale
Nackenbeschwerden und eine schwierige psychosoziale Situ
a
tion
(Erkrankung
des
Ehemann
es
und
Betreuung von drei
Kinder
n
, wovon zwei krankheitsbedingt besonders betreuungsbedürftig
seien
)
im Vordergrund.
Die Fussoperation
sowie die Leistenoperation mit den nachfolgenden Komplikationen hätten nur zu einer vorübergehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und keiner so gravierenden Einschränkung
im Haushalt
geführt, dass mit einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
zu rechnen
wäre
(
Urk.
2).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, die Besc
hwerdegegnerin habe es ver
säumt
,
ihren Gesundheitszustand in der Zeit zwischen
der
letzten
Begutachtung
und Erlass der
angefochtenen Verfügung
abzuklären, obschon sie bei der Haus
haltsabklärung mit einer Fussverletzung angetroffen worden sei und Berichte zu zwischenzeitlich erfolgten Operationen und
Hospitalisationen
vorgelegt habe
.
Im Frühjahr 2021 sei zudem ein Morbus Bechterew diagnostiziert worden, der die Therapieresistenz in einem neuen Licht erscheinen lasse (vgl.
Urk.
1
Rz
22-26). Das
jüngste
Gutachten sei bei dieser Sachlage nur beschränkt aussagekräftig (vgl.
Urk.
1
Rz
27-31).
Zudem
sei ihr Arbeitspensum
damals
aufgrund der finanziellen Situation der Familie auf 30
%
festgelegt worden.
Infolge
d
er O
peration ihres Ehemannes i
m März 2018
habe sie sich
entschieden
,
eine 60%-Stelle anzunehmen.
Von Februar bis Juli 2019 habe ihr Ehemann 50
%
an eine
m
Eingliederungsprogramm der
Invalidenversicherung teilgenommen, weshalb sie ohne gesundheitliche Beein
trächtigung 50
%
gearbeitet hätte. Danach habe der Ehemann
wieder
im bis
herigen Pensum von 80
%
gearbeitet, bis er im September 2020 vollständig arbeitsunfähig geworden sei, weshalb sie als gesunde Person seither 80
%
arbeiten würde
(vgl.
Urk.
1
Rz
32-38)
.
Demnach
sei die H
aushaltsabklärung nur für August 2020
aussagekräftig.
Ferner
sei zu berücksichtigen, dass sie
durch die Operationen in der Haushaltsführung eingeschränkt gewesen
sei
, wobei
ihr Ehe
mann
seiner Mitwirkungspflicht angesichts des soeben Ausgeführten nicht habe nachkommen können
(vgl.
Urk.
1
Rz
39
-43).
Selbst unter Berücksichtigung einer Einschränkung im Haushalt von nur 5
%
habe sie Anspruch auf die geltend gemachte abgestufte Rente
;
der Zeitraum vom 2
9.
Oktober 2019 bis 3
1.
August 2020
sei
unzureichend abgeklärt
(vgl.
Urk.
1
Rz
44-59)
. Darüber hinaus wäre die Beschwerdegegnerin auch beim von ihr selbst berechneten Invaliditätsgrad verpflichtet gewesen, berufliche Massnahmen zu prüfen. Mit der direkten Rentenprüfung habe sie den Grundsatz
«
Eingliederung vor Rente
»
verletzt (vgl.
Urk.
1
Rz
60 f.).
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht
monierte
die Beschwerdeführerin im Wesentlichen, dass ihr Gesundheitszustand zwischen
den gutachterlichen Untersuchungen im
Januar 2019
(
etwa
Urk.
11/
118/119 oben) und
Erlass der angefochtenen Ver
fügung im
März 2021 ungenügend a
bgeklärt worden sei und die neu gestellte
Diagnose Morbus Bechterew den Beweiswert des rheumatologischen und psychiatrischen Teilgutachtens in Frage
stelle
n würde
(vgl. E. 2.2)
.
Die
drei
Gutachter
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Dr.
med. A._
, Facharzt für Neurologie, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
kamen
in der interdisziplinären Konsensbeurteilung überein, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als «Sicherheitsangestellte» einzig durch eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) um 10
%
eingeschränkt sei. In einer leidensangepassten Tätigkeit mit geringeren A
n
sprüchen an die Belastbarkeit wie auch
im Haushalt sei eine
Einschränkung
von
jeweils
5
%
an
zunehmen. Allen übrigen Diagnosen massen die Gutachter keine
n Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit bei (vgl.
Urk.
11/118/64-67).
3
.2
Unbeanstandet blieb
en somit
vorab die Schlussfolgerungen des begutachtenden Neurologen, der auf seinem Fachgebiet
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert
e (vgl.
Urk.
11/118/254).
Er führte insbesondere aus
,
das
Ulnarisrinnen
syndrom
der dominanten rechten Seite
sei letztmals
am 14.
Januar 2018 operiert worden
. Seither habe sich
die neurologische Ausfallsymptomatik vollständig zurückgebildet
(vgl.
Urk.
11/118/248)
.
Nicht auszuschliessen sei, dass die Beschwerdeführerin nach der leichten Halswirbelsäulen-Distorsion vorüber
gehend unter einem posttraumatischen Kopfschmerz gelitten habe, der aber bei fehlender nachgewiesener struktureller Läsion nicht als anhaltend erklärt werden könne.
Zudem
müssten
Authentizität
,
tatsächliches Ausmass
sowie
Leidensdruck
hinsichtlich der
vorgetragenen Kopfschmerzen
angesichts
der aktuell
als
sub
therapeutisch bestimmten
Analgetikaspiegel
se
hr kritisch hinterfragt werde
n
. Die angegebenen letzten Analgetika-Einnahmezeiten
seien
unter Berücksichtigung der Substanzhalbwertszeiten nicht mit dem gemessenen niedrigen Spiegel ver
einbar.
Daher müsse auch die formal zu stellende
Verdachtsdiagnose eines
Analgetikaübergebrauch
s
kopfschmerzes
in ihrer Wertigkeit relativiert werden
. Zudem sei dieses Krankheitsbild in der Regel behandelbar
(vgl.
Urk.
11/118/24
9
).
3.
3
3.3.1
Gegenüber
Dr.
Z._
klagte die Beschwerdeführerin
über im Vordergrund stehende, ständig
e
Schmerzen im rechtsseitigen Nacken mit rezidivierenden, belastungsabhängigen Ausstrahlungen in den rechten Unterkiefer und teilweise über dem rechten Hinterhaupt bis zur Stirn. Gelegentlich strahle der Schmerz auch bis in das rechte Schulterblatt aus.
Zu einer Schmerzzunah
me käme es bei intraspinaler Dru
cksteigerung (
h
ochheben
/auf den Rücken springen
eines Kind
es
), Haltungspersistenz, monotonen Tätigkeiten (Gemüse rüsten) und Stress. Bis zum Unfall vom 4.
Dezember 2017 habe sie ihre Familie im Griff gehabt;
sei
th
er
sei sie schmerzbedingt viel müder, empfindlicher, dünnhäutiger, mit den Kindern weniger aktiv und so fort. Ihre körperlichen Beschwerden seien zu 80
%
auf
jenen
Unfall und zu 20
%
auf den verspannten Nacken wegen des näch
tlichen
Weckens durch die Kinder zurückzuführen
. Sie besuche einmal wöchentlich eine Physiotherapie mit Dehnungsübungen. Eine medizinische Trainingstherapie sei zu teuer
;
ein Heimübungsprogramm absolviere sie nicht
(vgl.
Urk.
11/118/169 f.).
3.3.2
Dr.
Z._
stellte keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Sie
diagnostizierte (1) einen häufig auftretenden episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp, nicht assoziiert mit
perikranieller
Schmerzempfindlichkeit bei auch möglichem
Analgetikaübergebrauch
und (2)
ein chronisches generalisiertes
myofas
z
iales
bzw.
tendomyogenes
Schmerzsyndrom mit/bei
(a)
ausgeprägter muskulärer
Dysbalance
/
Dekonditionierung
,
(b)
aktuell einer Funktionsstörung der ersten Rippe rechts und des
Costotransversalgelenks
Th10/11 rechts sowie (
c
)
anamnestisch einer
Fibro
myalgie
(vgl.
Urk.
11/118/206
und 11/118/229
).
3.3.3
Dazu
erläuterte sie
,
in der Begutachtung imponiere eine ausgeprägte Insuffizienz insbesondere der
wirbelsäulenstabilisierenden Mu
s
kulatur, dies vor allem auch im Bereich der Nacken- und Schultergürtelmuskulatur.
Bereits im Dezember 2000 sei bei beidseits verhärteter und leicht verkürzter
Trapeziusmuskulatur
ein
zervikospondylogenes
Syndrom bei Haltungsinsuffizienz diagnostiziert worden.
Weiter seien
Myotendoperiostosen
und Muskelverkürzungen im Bereich des S
chulter
gürtels bei muskulärer
Dysbalance
im Dezember 2004
dokumentiert
.
Im
April 2008
sei
erneut die Diagnose eines rezidivierenden
zervikospondylogenen
Syndroms formuliert worden
(vgl.
Urk.
11/118/196 f.).
Dafür, dass die Beschwerden im Zusammenhang mit einer allgemeinen
Dekonditionierung
(mit
sternosymphysaler
Fehlhaltung,
Schulterprotraktion
, Beckenvorschub und Rumpfüberhang nach dorsal) stünden, spräche auch die Anamnese mit Zunahme der Schmerzen im Verlauf monoton-statischer Haltungsbelastung. Eine derartige
Dekonditionierung
stelle aus versicherungsmedizinischer Sicht keinen an
haltenden Gesundheitsschaden dar, da dieser Zustand durch entsprechende aktive Therapien behoben werden könne (vgl.
Urk.
11/118/205).
Nachdem der Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2005 eine aktive Physiotherapie bei Haltungsinsuffizienz verordnet worden sei, liessen da
s Fehlen angemessener Therapiemassnahmen und Eigenaktivitäten zur Schmerzlinderung
–
ebenso wie die Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Auswirkungen der Funktionsbeeinträchtigungen
–
an der subjektiv geäusserten Schmerzintensität Zweifel a
ufkommen (vgl.
Urk.
11/118/209).
Beim
Sitzen
imponiere alsdann
ein erheblicher, d
iffuser Hartspann der Schulter- und
Nackenmuskulatur, der unter Ablenkung in Bauchlage deutlich weniger stark ausgeprägt sei, was für eine willkürliche Innervation beim Sitzen spreche. Zudem fänden sich vereinzelte
myofasziale
Triggerpunkte
;
so komme es bei Palpation
des rechten
Mastoids
zu einer schmerzhaften Ausstrahlung in den rechten Unter
kiefer.
Manualmedizinisch
objektivieren lasse sich eine Funktionsstörung der ersten Rippe rechts mit deutlicher Druckschmerzhaftigkeit
der
Scalenusmukulatur
beidseits. In
einer
Gesamtschau der anamnestischen Angaben und klinische
n
Befunde könne
somit
ein häufig auftretender, episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp diagnostiziert werden, woraus
sich
aber
keine Arbeitsunfähigkeit
ableiten lasse
, zumal
dieser
behandelbar sei.
Dies gelte auch
für
die Differential
diagnose eines
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz
es
, an
d
e
r
aufgrund des gemessenen Medikamentenspiegels
zudem
Zweifel
bestünden (vgl.
Urk.
11/118/197 f.).
Nicht erfüllt seien d
ie Kriterien für einen chronischen post
traumatischen Kopfschmerz
. So seien
echtzeitlich weder ein Kopfanprall noch Wunden, Verletzung bzw. Läsionen im Bereich des Kopfes dokumentiert (vgl.
Urk.
11/118/200).
Ebenso wenig
gegeben seien
d
ie Kriterien
für eine
Migräne
. Diese würde auch nur dann zu einer anerkannten
Teilarbeitsunfähigkeit
führen
,
wenn nachweislich alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wären und die Beschwerdeführerin dennoch monatlich mehr als fünf Tage ausfallen würde (vgl.
Urk.
11/118/196-201).
3.3.4
Im Übrigen erörterte
Dr.
Z._
ausführlich
und nachvollziehbar
, weshalb
die von der Beschwerdeführerin weiterhin geklagten Beschwerden nicht auf die
kranio
-zervikalen Beschleunigungstraumen
(vgl.
Urk.
11/118/180-188)
bzw.
– unter Berücksichtigung der ergänzenden Stellungnahme eines Radiologen (vgl.
Urk.
11/118/40 ff.) –
eine Instabilität der Halswirbelsäule
(HWS)
zurückzuführen sind
(vgl.
Urk.
11/118/
201-203).
Der Status quo sine sei spätestens drei Monate nach dem letzten Unfall und somit am
4.
März 2018 erreicht worden (vgl.
Urk.
11/118/188).
Auch zur Fibromyalgie äusserte sie sich
und hielt fest
, dass die Diagnose damals gestellt worden sei, ohne dass
ein entsprechender Befund oder eine diesbezügliche Arbeitsunfähigkeit dokumentiert seien (vgl.
Urk.
11/118/191)
. Da die Beschwerdeführerin im vorliegenden Prozess nichts vor
brachte, was gegen diese einleuchtende gutachterliche B
eurteilung
sprechen würde, erüb
rigen sich weitere Ausführungen
dazu
.
3.
4
3.
4
.1
In der psychiatrischen Exploration berichtete die Beschwerdeführerin ebenfalls über Schmerzen im oberen Nacken rechts, wobei es bis in den Kopf ziehe. Sie erwähnte regelmässige starke Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Probleme mit den Beinen. Sie könne sich deswegen schlecht bewegen und habe Mühe etwa beim Staubsaugen und Autofahren, wobei sie etwa nach drei bis vier Stunden wegen der Nackenschmerzen nicht mehr fahren könne. Zudem schlafe ihr der Arm gelegentlich ein. Bei Kopfschmerzen habe sie Mühe mit der Konzentration
und Aufmerksamkeit. Kopfweh habe sie vier- bis fünfmal pro Woche. Zudem habe sie Mühe, wenn viel los sei (vgl.
Urk.
11/118/83).
3.
4
.2
Dr.
B._
hielt
nach ausführlicher Diskussion der
Vorakten
(vgl.
Urk.
11/118/91-99)
fest,
bei der Beschwerdeführerin
bestehe
seit Jahrzehnten eine somatoforme Symptomatik mit unter anderem Schmerzen,
zeitweise
aber
auch einer
gastro
intestinalen S
ymptomatik. Es sei ein nahezu unveränderter Gesundheitszustand festzustellen, wie er bereits im psychiatrischen Gutachten aus dem Jahr 2008 von
Dr.
Y._
besch
rie
ben worden sei – mit Ausnahme dessen, dass die gastro
intestinale Symptomatik mittlerweile nicht mehr in einem belastenden Ausmass bestehe; diesbezüglich sei es also zu einer V
erbesserung gekommen
(vgl.
Urk.
11/118/99
f.
).
Unter Berücksichtigung der aktuellen Symptomatik, in deren Fokus vor allem Schmerzen stünden,
und der zeitlichen Begrenzung
der Diagnose einer
undifferenzierten Somatisierungsstörung auf zwei Jahre
sei somit eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) zu diagnostizieren. Indessen seien
in
der Exploration nicht ausreichend Kriterien feststellbar gewesen,
um
die Diagnose
nur
schon
einer leichtgradigen depressiven Episode oder einer (spezifischen) Angst
-
oder Panikstörung
zu stellen
(vgl.
Urk.
11/118/101-103)
.
Eine Aufmerksamkeitsdefizit-
Hyperaktivitäts-Störung (ADHS)
habe er nicht feststellen können; in den Akten fänden sich dazu denn auch keine näheren Angaben
(vgl.
Urk.
11/118/98
f.
)
.
Unter Berücksichtigung der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung
im Vorgutachten
sei eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
noch
10
%
bezogen auf ein Voll
zeitpensum festzustellen, da
die
zuvor
ausgeprägte
gastrointestinale Sympto
matik
inzwischen remittiert sei. In einer leidensangepassten Tätigkeit mit geringeren Ansprüchen an die Belastbarkeit, sei eine Arbeitsunfähigkeit von 5
%
bezogen auf ein Vollzeitpensum anzunehmen, ebenso wie für den Haushalt (vgl.
Urk.
11/118/103 f.).
3.
4
.3
Dr.
B._
hob hervor,
dass
die geklagten erheblich ausgeprägten Schmerzen nicht mit dem klinisch-phänomenologischen Bild in Einklang gebracht werden
könnten
: So sitze die Beschwerdeführerin während d
er gesamten Exploration (von 13:50 bis 16:
45 Uhr, vgl.
Urk.
11/118/69) ruhig und ohne erkennbare, mit Schmerz assoziierbare Verhaltensweisen (wie Unruhe oder Schwitzen) in einem Sessel (vgl.
Urk.
11/118/85).
Die Beschwerdeschilderung sei vergleichsweise diffus mit mehreren «bunten» Beschwerden. Die Beschwerdeführerin habe zu
nächst
auch
angegeben, die verordneten Schmerzmittel regelmässig einzu
nehmen; erst auf dem Weg ins Labor habe sie eingeräumt, diese unregelmässig einzunehmen. Die Laborkontrolle habe ergeben, dass die Medikamentenspiegel deutlich unterhalb des Referenzbereichs liegen würden. Insgesamt bestehe also
eine Diskrepanz zwischen den
g
eklagten Beschwerden und der tatsächlichen Inanspruchnahme therapeutischer Massnahmen,
konkret
der M
edikamenten
einnahme aber
auch der Physiotherapie, die sie ein
-
statt zweimal pro
Woche wahrnehme (vgl.
Urk.
11/118/100).
Eine psychologische respektive psychiatrische Behandlung nehme sie nicht wahr (vgl.
Urk.
11/118/106; dazu auch
Urk.
11/118/78 f.).
Im Vordergrund der aktuellen Problematik stünden, wie in den Akten mehrfach beschrieben, psychosoziale Probleme – unter anderem die Betreuung eines erkrankten Ehemannes
(dazu
Urk.
11/118/79)
und eines psychisch auffälligen Kindes mit anamnestisch ADHS oder Autismus (vgl.
Urk.
11/118/102).
Die Beschwerdeführerin arbeite wieder im ursprünglich ausgeübte
n
Pensum von 20
%
als Sicherheitsangestellt
e
– ein höheres Pensum könne sie neben der Kinderbetreuung nicht leisten (vgl.
Urk.
11/118/104
und 11/118/80 oben
).
Eine gleichmässige, erhebliche Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen sei nicht eindeutig nachvollziehbar, zumal finanzielle Einschränkungen zu bedenken seien
(vgl. zu den Schulden,
Urk.
11/118/79 unten)
und die Beschwerdeführerin beschrieben habe, dass sie den Kontakt zu Angehörigen pflege. Sie sei im Alltag mobil und besorge
ihren Haus
halt selbständig. In der Zusammenschau sei eine vergleichsweise leichte Ein
schränkung einzuschätzen (vgl.
Urk.
11/118/105; vgl. ergänzend die Angaben der Beschwerdeführerin zum Tages
ab
lauf, der Freizeitgestaltung und Betreuung von Familienangehörigen,
Urk.
11/118/82 f.
).
3.4.4
Ferner erkundigte sich
Dr.
B._
bei der Beschwerdeführerin auch konkret zu Vorfällen jeglicher Art von Gewalt in der Kindheit (vgl.
Urk.
11/188/80 f.) und
verwies auf ihre eigene Einschätzung bei auch sachlicher
S
childerung ohne emotionale Beteiligung (vgl.
Urk.
11/118/86). In der Beschwerde wurden diese Vorfälle von der Beschwerdeführerin auch nicht mehr thematisiert (vgl.
Urk.
1).
3.
5
3.5.1
Das
polydisziplinäre Gutachten
um
fasst somit
sämtliche
im Zeitpunkt der Begut
achtung
geklagten Beschwerden
,
di
e
sodann
im Rahmen
von
allseitige
n
Unter
suchungen und in Auseinandersetzungen mit den
Vorakten
beurteilt wurden.
Ihre
medizinischen Schlussfolgerungen
habe
n
die
Gutachter
nachvollziehbar
begründet; diese
leuchten
denn auch ein
.
Ein
besonderes Augenmerk
legten
sie
dabei zu Recht
auf die Plausibilisierung des Ausm
asses der geklagten Beschwerden; dieses ist
weder mit dem in der Begutachtung beobachteten Ver
halten noch dem geschilderten guten Funktionsniveau im Alltag
noch
dem behandlungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck vereinbar.
Zudem
wiesen
sie
zutreffend
auf eine erhebliche, seit längerer Zeit andauernde p
sychosoziale Belastungssituation
hin.
Es kann ergänzend auf den Bericht zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vom
19.
August 2020 verwiesen werden (vgl.
Urk.
11/123), worin die Beschwerdeführerin ausführliche Angaben zur
sie
teils
überfordernden
familiären Situation machte und erklärte,
(nur)
wegen eines Bänderrisses
am Fuss
temporär externe Unterstützung im Haus
halt und der Kinderbetreuung zu erhalten (vgl.
Urk.
11/123/1 f.
,
11/123/4
und 11/123/10
).
Allgemein lasse sich sagen, dass sie in
d
en alltäglichen Aufgaben und Tätigkeiten funktioniere, Leistungen erbringe, welche ein hohes aktives Niveau erreichten. Alles was jedoch zum Alltagsgeschäft hinzukomme
(z.B. Früh
jahresputz, Fensterreinigung und Zügelkisten auspacken) bleibe liegen (vgl.
Urk.
11/123/7).
Das Gutachten erfüllt
insoweit
die vom Bundesgericht postulierten beweisrechtlichen Anforderungen an medizinische Einschätzungen
vollumfänglich
(
vgl.
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundes
gerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen)
.
D
ie dreiwöchige stationäre Rehabilitation im Herbst 2018
führte
nach Angaben der Beschwerdeführerin
denn auch
zu einer Schmerzreduktion von 50 %,
jedoch
hätte
n
die Beschwerden vier bis fünf Wochen nach dem Austritt wieder zu
genommen
, zumal die intensive Therapie (vgl. dazu
Urk.
11/118/31 f.)
nicht mit dem Alltag vereinbar gewesen sei
(vgl.
Urk.
11/118/168).
In der kurzen Zeit, in
d
er sie sich nicht im belastenden familiären Umfeld aufhielt und regelmässig trainierte,
trat
somit
eine erhebliche Zustandsbesserung ein,
was bestätigt,
dass
ihr
Beschwerdebild in erster Linie durch invaliditätsfremde
psychosoziale
Faktoren
sowie eine behandelbare
Dekonditionierung
bestimmt wird.
3.5.2
In Ergänzung zum physikal
isch-
medizin
ischen Teilgut
acht
en definierte der
RAD-Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, auf seinem Fachgebiet
zugunsten der Beschwerdeführerin
folgendes Belastungsprofil: Nicht geeignet seien Tätigkeiten mit Heben oder Tra
gen von mittelschweren und schweren Lasten, mit Heben aus der Hocke, Ver
harren in Zwangshaltungen, mit repetitive
n
Rumpfdrehungen und
-
beugungen oder HWS-Rotation sowie kniende, gebückte, vornüber geneigte oder rein stehende Tätigkeiten sowie überwiegende Überkopfarbeiten oder Armvorhalte. Medizinisch theoretisch zumutbar seien der Beschwerdeführerin leichte Tätig
keiten in Wechselbelastung (vgl.
Urk.
11/125/9).
Damit trug er sowohl
den
geringfügigen
objektivierbaren organischen Befunden als auch den von der Beschwerdeführerin geklagten
körperlichen
Einschränkungen (vgl.
Urk.
11/123/
7 und 11/123/
9: Schwierigkeite
n bei Hausarbeiten in bückender/vorgeneigter
Haltung
und
über Kopf
sowie bei intensiver
Belastung der Handgelenke)
sowie
den bereits früher getroffenen Feststellungen der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
11/22/2 oben)
hinreichend Rechnung. Das Belastungsprofil
ist
dem
ent
sprechend
gut
mit dem
jenigen
des behandelnden
Rheumatologe
n
Dr.
med.
D._
im Bericht vom 2
9.
Dezember 2020
(vgl.
Urk.
11/142/4 f.)
vereinbar
(vgl. nachfolgend E. 4 zu den aktuellen Beurteilungen der Behandler)
.
Es bleibt anzumerken, dass
Dr.
C._
explizit
notierte
, die Arbeitsfähigkeit von 90
%
in angestammter
und
von 95
%
in angepasster Tätigkeit könne «spätestens sei
t
den Untersuchungen der somatischen Gutachten vom Oktober
2019» an
genommen werden (vgl.
Urk.
11/125/10). Die gutachterlichen Untersuchungen
erfolgten
im Januar
und Februar
2019 (vgl.
Urk.
11/118/119 oben). De
m
von
Dr.
Z._
nachträglich eingeholten radiologischen
Konsil
vom 2
8.
Oktober 2019 (
Urk.
11/118/40 ff.)
lagen Bilddokumente
der HWS
aus den Jahren 2016 bis 2018 zugrunde
(vgl.
Urk.
11/118/40)
.
Daraus ergeben sich somit weder mit Bezug auf die Befund
e
noch die Beurteilung der Nackenbeschwerden
(vgl.
Urk.
11/118/51 und 11/118/53)
neue Erkenntnisse
. Weshalb der RAD-Arzt bei der Auflistung der Arbeitsunfähigkeiten nicht auf
Dr.
Z._
s Untersuchung, sondern das Datum ihres Teilgutachtens abstellte
(vgl.
Urk.
11/125/9)
, ist
uner
gründlich
.
3.5.
3
Im Übrigen entschied das Bundesgericht
m
it BGE 143 V 418, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struktur
ierten Beweisverfahren nach BGE
141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7).
Dieses
definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berück
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standard
indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Auch in dieser Hinsicht vermag das Gutachten
zu überzeugen, wonach
die
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nur geringfügig eingeschränkt ist
.
B
eweisrechtlich entscheidend ist
jeweils
der verhaltensbezogene Aspekt der «Konsistenz»
, worunter die verhaltensbezogenen Indikatoren
«
gleichmässige Ein
schränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen»
und
«behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck»
fallen
(etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4
;
BGE 141 V 281
E. 4.1
).
Diesbezüglich kann auf das
soeben in E. 3.5.1 Ausgeführte
(
im Detail vgl. auch
E. 3.3.3
und 3.4.3)
verwiesen werden.
Ergänzend ist festzu
halten, dass auch das Freizeitverhalten durch die familiäre Situation bestimmt wird. So gab die
Beschwerdeführerin an, sie gehe ab und zu mit einer guten Freundin etwas essen. Alle anderen Hobbies habe sie
mittlerweilen
aufgegeben, da sie einerseits mit Kosten verbunden und andererseits mit der Betreuung ihrer Söhne und ihres Ehemannes nicht mehr vereinbar gewes
en seien (vgl.
Urk.
11/118/82). Somit
lässt
sich
auch
aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen auf ihre sozial
versicherungsrechtliche Relevanz und Tragweite hin zu prüfen hat
,
keine
höher
gradige
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen bestätigen
.
Die Kategorie
«
funktionieller
Schweregrad»
steht dem nicht entgegen. Es liegt weder eine relevante
«
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome»
vor (vgl.
Urk.
11/118/85 f.
und 11/118/104
)
noch
lässt
sich
–
ins
besondere nach de
m erfreulichen Verlauf der
stationären Rehabilitation
und Besserung der gastroint
estinalen
Symptoma
t
ik
– eine Behandlungsresistenz
bestätig
en. Auch
wesentliche
Komorbiditäten zur chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren waren nicht feststellbar
. Weder im Gutachten noch den Akten finden sich ferner Anhaltspunkte für s
trukturelle
Defizite im Sinne einer eigentlichen Persönlichkeitsproblematik
(vgl. auch
Urk.
11/118/104 f.)
. Der soziale Kontext hält
im Fall der Beschwerdeführerin
zwar
kaum
mobilisierende
Ressourcen bereit. So sieht sie sich zwar klar in der Ver
antwortung gegenüber ihren Kindern, erhält jedoch aus ihrem Umfeld nur wenig Unterstützung. Es ist allerdings
hervorzuheben, dass s
oweit
soziale Belastungen
direkt negative funktionelle Folgen zeitigen,
sie
nach wie vor ausgeklammert
bleiben
(vgl. BGE 127 V 294 E. 5a).
4.
4.1
4.1.1
Am
5.
Februar 2021
äusserte sich
der RAD-Arzt
Dr.
med.
C._
(vgl.
Urk.
11/146/5 f.) zu den
nach
der
Begutachtung
verfassten
,
im Verwaltungs
verfahren
nachgereichten
Arztberichten (vgl.
Urk.
11/142).
Er hielt fest, der Rheumatologe
Dr.
med.
D._
habe
am 2
9.
De
zember 2020 über eine an
haltend reduzierte
allgemeine Belastbarkeit, ein
zervikales
Schmerzsyndrom nach Beschleunigungstrauma im März 2019 und Fussbeschwerden rechts nach Band
plastik wegen posttraum
a
tischer Instabilität des oberen Sprunggelenks
(OSG)
rechts am 1
0.
Juli 2020
berichtet
.
Es wären
mehrere Eingriffe im Abdomen mit Komplikationen durchgeführt worden.
Der Rehabilitationsprozess wäre durch
zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren
erschwert. Gemäss
Dr.
D._
sei
der Beschwerdeführerin i
n
frühestens sechs Monaten
eine Arbeitsfähigkeit von maximal 40
%
in einer
leichten, wechselbelstanden Tätigkeit zumutbar.
Gemäss den Berichten
der Kantonsspitäler E._ und F._
seien
am 2
0.
Oktober 2020 L
e
istenhernien beidseits operier
t worden. Am 2
5.
November 2020 wäre
ein postoperatives
suprapubisches
H
ämatom entlastet und ein
Va
cuseal
angelegt worden. Dieses wäre
am 3
0.
November,
2.
und
7.
Dezember 2020 gewechselt worden. Am
7.
Dezember 2020
wäre
der Wundverschluss mit Bauchdeckenplastik durchgeführt worden. Am 1
5.
und 1
8.
Dezember
wäre d
ie Entfernung
der einliegenden Drainagen bei positivem Wundverlauf erfolgt. Am
8.
Januar 2021
wäre
ein regelrechter Heilverlauf mit diskreter Narbeninduration, noch leichter
Druckdolenz
und Hyposensibilität im Narbenbereich beschrieben
worden
(
Urk.
11/146/5)
.
Im schmerztherape
utischen Bericht des Spitals G._
vom
6.
Januar 2021
seien
an
haltende Nackenschmerzen mit rechtsseitigen Kopfschmerzen als Folgezustand der zweimaligen HWS-Distorsionen beschrieben
wor
den
.
Gemäss jenem Bericht
habe
sich die
Situation des Armes nach der Verlagerung des
Nervus
ulnaris
ver
bessert. Aufgrund familiärer Belastung, finanziell ungesicherter Lage, Aus
einandersetzungen mit den Versicherern und chronischen Schmerzen
würde
sich die Beschwerdeführerin in einem anhaltenden psychosozialen Stresszustand
befinden
. Unter der Schmerztherapie
hätte
sich die Schmerzsituation einiger
massen stabilisieren lassen. Das chronische L
ei
den
würde
immer wieder zu Exazerbationen
neigen
. Die Situation
hätte
sich durch die abdominellen Revisionseingriffe deutlich verändert. Es
wäre
zu einem ausgeprägten Erschöpfungszustand gekommen
und
von einem längeren Verlauf auszugehen
(vgl.
Urk.
11/146/5)
.
4.1
.
2
Der RAD-Arzt mass einzig der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie dem chronischen, generalisierten
myofaszialen
Schmerzsyndrom
eine «andauernde Auswirkung» auf die Arbeitsfähigkeit bei, nicht aber den Kopfschmerzen, der
Nervus
ulnaris
-Problematik, den Diagnosen im Zusammenhang mit dem Fussleiden oder den Leistenhernien (vgl.
Urk.
11/146/5). Dazu erörterte er, der Gesundheitszustand habe sich seit der letzten Stellungnahme (
dazu
Urk.
11/125/10: RAD-Stellungnahme
vom
6.
April 2020
zum
polydisziplinäre
n
Gutachten) nicht grundsätzlich verändert. Im Vor
dergrund stünden chronische Nackenbeschwerden und eine schwierige psycho
soziale Situation. Beides sei im Gutachten unter chronischer Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren gewürdigt. Durch eine OSG-Verletzung mit Operation im Juli 2020 und beidseitige Leistenoperationen mit Blutungs
komplikation und Infekt sei es zu einer vorübergehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gekommen. Nach der Revisionsoperation im November 2020, einer intermittierenden
Vacusealbehandlung
und definitivem Wundverschluss am
7.
Dezember 2020 werde ein positiver Heilverlauf mit nur noch geringen Rest
beschwerden beschrieben.
Darüber hinaus würden weder im rheumatologischen noch im schmerztherapeutischen Bericht neue Diagnosen und Befunde mit längerdauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit angegeben. Aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht könne erwartet werden, dass bis spätest
en
s Anfang April 2021 der Zustand der RAD-Stellungnahme vom
6.
April 2020 wieder er
reicht werde (
Urk.
11/146/6).
4.1.3
Ergänzend erklärte
Dr.
C._
am
1.
März 2021, das MRI vom 1
8.
Februar 2021
(Urk. 11/145/1)
beschreibe altersentsprechende degenerative Veränderungen im Kniegelenk (links) ohne anhaltende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl.
Urk.
11/146/6 f.).
4.2
4.2.1
Derweilen
verfasste der Rheumatologe
Dr.
D._
a
m
6.
April 2021
einen weiteren Bericht. Er
diagnostizierte
neben der chronischen Schmerzstörung, der eingeschränkten Belastbarkeit des rechten
Fusses
, der teilkompensierten Belast
barkeit der oberen Extremitäten und dem nach dem Verkehr
s
unfall vom 17. März 2019 akzentuierten
zerviko-spondylogenen
Schmerzsyndrom
neu
(1)
eine axiale und periphere
Spondylar
t
hritissymptomatik
bei HLA-B27- und HLA-B44-Assoziation zur
Ankylosierenden
Spondylitis
bei
Gonar
t
hri
ti
s link
s
auf der Grundlage teil
s
degenerativer teils entzündlicher Veränderungen (MRI vom Februar 2021), beginnende
m
sekundäre
m
F
ibromyalgiesyndrom
und sekundärer
I
li
osakralgelenk
-Arthrose
(
CT vom November 2020
)
sowie
(2) eine anhaltend re
duzierte allgemeine, psychophysische Belastbarkeit bei Narbenadhäsions
-S
yn
drom
nach den
Eingriffen infolge der Leistenhernien
(
Urk.
3/3 S. 1
f.
)
.
4.2.2
Dazu erläuterte
er
,
bei der
Auswertung der laborchemischen Untersuchung habe sich
die
genannte Ko
nstellation für die entzündliche
rheumatologische Grund
erkrankung der Spondyl
arthritis gezeigt. Die vormals bestehende Gonarthritis ordne man der peripheren Gelenkbeteiligung zu. Insofern bestehe die Indikation auch zur systemischen Therapie. Die bisher gezeigten wirbelsäulennahen Beschwerden und beobachteten Therapieresistenzen würden unter
dieser
Diagnose in einem neuen Licht erscheinen. Besprochen sei ein Behandlungs
versuch mit
Salazopyrin
über einen Zeitraum von ca. 12 Wochen, wodurch sich
die peripheren Entzündungen und wirbelsäulennahen Beschwerden positiv beeinflussen
lassen sollten
.
Die Infiltration des Knies habe nur für vier bis fünf Wochen zu einer deutlichen Schmerzlinderung geführt. Das physiotherapeutische Stabilisationstraining sollte daher fortgesetzt werden. Auch die Narbentherapie beginne zu wirken. Von einer Kompensation sei die Beschwerdeführerin jedoch weit entfernt. Er habe ihr empfohlen, der
Morbus
Bechterew Vereinigung beizu
treten und am Trainingsprogramm im Trockenen und im Bewegungsbad teilzu
nehmen. Im häuslichen Bereich persistiere eine psychosomatische und psycho
soziale Anspannungssituation, so dass eine weiterführende U
nterstützung indiziert sei
(vgl.
Urk.
3/3 S. 2)
.
4.2.3
Dr.
D._
schlussfolgerte
, a
uch aufgrund der entzündlichen rheuma
tologischen Grunderkrankung sei unter Berücksichtigung des Gesamtzustandes und der Bildgebung mit weiteren Belastbarkeitsminderungen
auf Dauer
keine Arbeitsfähigkeit als Koch gegeben. Nach Ansprechen einer Therapie in frühestens zwölf M
on
aten seien sehr leichte Tätigkeiten im Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen zu maximal 50
%
auf Dauer möglich. Eine ergonomische Arbeits
platzgestaltung sei wie die freie Wählbarkeit der Arbeitshaltung Grundvoraus
setzung.
Nicht möglich seien Zwangshaltungen, kniende oder bückende Tätig
keiten, solche über Kopf oder auf Augenhöhe, solche mit Klettern auf Leitern/Gerüsten oder mit häufigem Treppensteigen, solche mit Ganzkörper
vibrationen und solche mit Rotation des Kopfes über den fixierten Rumpf oder des Rumpfes über das fixierte Becken. Erforderlich sei ein umfassender Schutz vor Kälte, Nässe, Hitze oder Zugluft. Aufgrund der chronischen Schmerz
erkrankung seien Tätigkeiten im Akkord, mit erhöhtem Termindruck, mit besonderer Anforderung an die Funktion des Schultergürtels oder mit besonderem Anspruch an die Haltefunktion nicht möglich
(vgl.
Urk.
3/3 S. 2 f.)
.
4.3
4.3.1
Neu gegenüber
dem Gutachten
wie auch
der RAD-Stellungnahme ist
damit
die laborchemische Untersuchung vom Februar 2021
, mit welcher die Allele HLA-B27 und HLA-44 nachgewiesen wurden. Diese werden gemäss Laborbericht
(vgl.
Urk.
3/4)
mit einem Morbus Bechterew «assoziiert», d.h. Patienten mit
diesem Be
fund
haben ein erhöhtes Risiko für diese Krankheit.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1
Rz
24)
ist
dadurch
jedoch
weder
da
s
Vorliegen der
Krankheit
, geschweige denn deren
Aktivität bzw. Stadium
belegt
. Erhöht war auch das C-reaktive Protein
, das auf Entzündungen hinweist. Der Zusatz «sensitiv» bedeutet
allerdings
, dass
ein
T
estverfahren angewendet wurde, mit dem sich
bereits sehr tiefe Konzentrationen nachweis
en lassen
(vgl. auch Hasler/
De
Vere
-Tyndall
,
Spondylarthropathien
[Kapitel
6
], in: Villiger/Seitz,
Rheumatologie in Kürze, Stuttgart etc. 2006, S. 1
17 und 121
;
Hettenkofer
[Hrsg.]
, Rheumatologie
, 5. Aufl., Stuttgart 2003, S. 84
und 90 «Differentialdiagnostik»
)
.
Neue bildgebende oder klinische
Befunde
wurden im Zusammenhang mit d
er neuen
Diagnose
hingegen
keine erhoben.
Indessen
ist für die Bestimmung des Rentenanspruchs grundsätzlich unabhängig von der Diagnose und unbesehen der Ätiologie ausschlaggebend, ob und in welchem Ausmass eine Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit vorliegt (
statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_41/2019 v
om
9.
Mai 2019
E. 7.3).
4.3.2
Im Vergleich zum
am 2
9.
Dezember 2020 –
mithin
vor der
Diagnostizierung eine
r
Assoziation zu einem
Morbus Bechterew
und
ähnlich wie der
RAD
(vgl. E. 3.5.2)
–
definierten Belastungsprofil (dazu
Urk.
11/142/5) postulierte
Dr.
D._
lediglich einen zusätzlichen Schutz vor Kälte, Nässe
, Hitze oder Zugluft sowie eine ergonomische
Arbeitsplatzgestaltung und
eine frei wählbare
Arbeitshaltung, nachdem er sich bereits zuvor für eine Wechselbelastung und gegen Zwangs
haltungen ausgesprochen hatte. Dabei ging er
nunmehr
von einem künftig leicht höheren Arbeitspensum von 50 %
statt 40 %
aus - soweit ersichtlich in der An
nahme, die
somatisch bedingten
Beschwerden nunmehr medikamentös innert 12 Wochen positiv beeinflussen zu können. Die neuen Erkenntnisse waren für seine Arbeitsfähigkeitseinschätzung somit
von untergeordneter
B
edeutung
.
4.3.3
Mit Blick auf
E. 3.5
.1
ist zudem
auf
f
olgende Gegebenheiten hinzuweisen
:
Soweit
Dr.
D._
ausführte, die neue
Diagnose
lasse
die Therapieresistenz in einem neuen Licht
erscheinen, ist
eine solche gar nicht
erwiesen
. Zwar
persistierten letzt
l
ich
sämtliche
Leiden, einschliesslich
Narben-
Beschwerden
;
in der stationären Rehabilitation
im
J
ahr 2018
war
aber
ausserhalb
der häuslichen Belastungssituation und bei adäquater Therapie innert kurzer Zeit
e
ine erhebliche Schmerzreduktion erreicht
worden
.
Es
besteht
zudem
unstrittig eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, wobei bis anhin weder die
hinlänglich dokumentierte
Dekonditionierung
angegangen noch die
psychiatrischen
Behandlungsoptionen ansatzweise ausgeschöpft wurden.
Gemäss dem schmerztherapeutischen Bericht
des Spitals G._
vom
6.
Januar 2021
besteht die
aktuelle
Physiotherapie
wiederum aus rein passiven Therapien, nämlich einem
dry
needling
und eine
r
Schröpf
therapie. Vorgesehen ist
ferner
die Einweisung in eine t
ranskutane elektrische Nervenstimulation
(TENS)
. Nur
«wenn möglich» sollte
demgegenüber
zusätzlich eine psychiatrische Begleitung
im Sinne der Bewältigung der schwierigen Gesamtsituation
erfolgen
(vgl.
Urk.
11/142/2).
Insbesondere aber wird d
as geklagte
Ausmass der Beschwerden, das sich weder mit dem Medikamentenspiegel, dem
Aktivitätenniveau
im Alltag
noch
dem in der Untersuchung beobachtete Verhalten in Einklang bringen lässt, aufgrund der neu
gestellten Diagnosen
nicht plötzlich plausibel
.
Gegen eine rheumatologische Grunderkrankung, die (bereits) relevante erwerbliche Auswirkungen zeitig, spricht ferner, dass Exazerbationen jeweils in einem engen zeitlichen Konnex zu konkreten Ereignissen geklagt wurden, wie
die
Nackenbeschwerden
zu
den
Ver
kehrsunfällen
oder
ein
Erschöpfungszustand
zu den abdominellen Eingriffen.
4.3.4
Zusammenfassend lässt sich eine r
heumatologische Grunderkrankung
somit weder bestätigen noch gänzlich ausschliessen, woran
weitere
Untersuchungen
bei bereits guter Dokumentation der klinischen und bildgebenden Befunde z
um heutigen Zeitpunkt
kaum etwas
ändern würden. Selbst wenn ein solches Leiden
aber
bestünde,
wären derzeit
keine massgeblichen Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
belegt
.
Einerseits
lassen sich b
ei der Beschwerdeführerin bis anhin keine spezifischen Pathologien nachweisen.
Dazu
genügen
weder in der allgemeinen Bevölkerung häufig auftretende segmentale Funktionsstörungen der HWS (dazu
Urk.
11/118/202 f.), noch überwiegend wahrscheinlich degenerativ bedingte Beschwerden am (vorgeschädigten, vgl.
Urk.
11/145/1 «Klinik») Knie (vgl. E. 4.1.3) noch eine im CT vom November 2020 festgestellte
(im Ausmass nicht näher bestimmte)
Arthrose
des
Iliosakra
lgelenks
(
vgl.
dazu Hasler/
De
Vere
-Tyndall
,
a.a.O., S. 119 f.;
Hettenkofer
[Hrsg.]
,
a.a.O., S. 85-90;
Heisel
/
Jerosch
, Schmerz
therapie der Halte- und Bewegungsorgane, Heidelberg 2007, S
. 265-267
).
Andererseits sind
hierfür
auch die beschriebenen
körperlich
bedingten
Beein
trächtigungen im Alltag sowie der behandlungsanamnestisch ausgewiesene Leidensdruck zu geringfügig.
Im Übrigen
bleiben
auch statistisch gesehen
90
%
der an Morbus Bechterew leidenden Patienten
(zumindest)
für körperlich nicht belastende Tätigkeiten arbeitsfähig (
vgl. dazu Hasler/
De
Vere
-Tyndall
,
a.a.O., S. 122).
4.4
4.4.1
Bezüglich
der
weiteren
, gegenüber der Begutachtung neuen Aspekte kann
der Beurteilung des RAD-Arztes
Dr.
C._
gefolgt werden, wonach keine Diagnosen mit längerdauernden Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
bestehen
(E. 4.1.2).
Nachdem gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten
nach dem
Verkehrsunfall im
Dezember 2017
im Verlaufe des Jahres 2018
wieder
eine Arbeitsfähigkeit von 9
0
% in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit erreicht wurde, finden sich
in den neuen Berichten anamnestische Hinweise auf einen weiteren Verkehrsunfall am 17. März 2019 (Kollision mit einem Reh), eine konservativ behandelte distale
Radiusfraktur am
8.
März 2020, eine Distorsion des rechten Fusses
vom 2
0.
Juli 2019
mit Bandplastik am 1
0.
Juli 2020 bei posttraumatisch
er Instabilität des OSG und ein
im September 2020 beginnendes Leistenleiden, das bis Ende 2020 mehrere Operation und noch bis Januar 202
1
das Tragen eines Bauchgurts erforderte.
4.4.2
Dabei ergeben sich aus den Berichten
keine Anhaltspunkte für seit der Begut
achtung hinzugetretene
neue
strukturelle Läsionen
der HWS
oder eine
ein
schneidende
Veränderung der Nackenbeschwerden
im Zusammenhang mit dem jüngsten Verkehrsunfall.
Vielmehr
wurde
im schmerztherapeutischen Bericht vom
6.
Januar 2021
notiert
, dass die Beschwerdeführerin nach dem stationären
Aufenthalt in H._
(also seit dem Jahr 2018)
weiter über anhaltende
Zervikalgien
und
Zephaligen
mit erheblicher Verschlechterung bei raschen Kopf
wendungen und
Reklination
klage; dass durch den stationären Aufenthalt mit Krafttraining und Bewegungstherapie zwar eine Besserung erfolgt sei, diese unter Wiederaufnahme der üblichen Belastungen jedoch wieder weitgehend auf
gebraucht sei
. Man habe die Schmerzsituation einigermassen stabilisieren können; bei intermittierenden Exazerbationen habe man mit einem «kurzen Behandlungszyklus» jeweils eine Beruhigung erreichen können, wobei es sich um ein chronisches Leiden handle, das immer wieder zu intermittierenden therapie
bedürftigen Exazerbationen neige (vgl.
Urk.
11/142/2
)
.
4.4.3
Bezüglich der
beidseitigen
Leistenhernien
war
nach anfänglicher Komplikation mit Entwicklung eines
Seroms
im Unterbauch
ein positiver Heilungsverlauf mit zuletzt noch einem leicht ziehenden Schmerz auf Höhe der Operationsnarbe zu verzeichnen (etwa
Urk.
11/142/6 f.).
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde der Beschwerdeführerin hierfür
seitens der Chirurgen vom 2
4.
November bis 13.
Dezember 2020 attestiert (vgl.
Urk.
11/142/19).
Dr.
D._
führte
in seinem
jüngsten Bericht aus, dass die Narbentherapie eine beginnende W
irkung zeige.
Er
diagnostizierte
eine anhaltend reduzierte all
gemeine, psychophysische Belastbarkeit bei
Narbenadhäsionssyndrom und beschrieb eine im häuslichen Bereich persistierende psychosomatische und psychosoz
iale
Anspannungssituation
(vg
l.
Urk.
3/3), nachdem er am 29.
Dezember 2020 über eine erhebliche Zuspitzung der Belastungssituation (erneute Arbeitslosigkeit des Ehemannes durch im weitesten Sinne die Covid-19-Erkrankung) mit konsekutiver depressiver Episode und beginnendem Burnout-Syndrom berichtet hatte, wobei die Kinder ebenfalls Belastungszeichen zeigen würden
(
vgl.
Urk.
11/137/2
)
.
Obschon
Dr.
D._
die Erschöpfung mitunter als
Folge der Narkosen und Eingriffe darstellte (vgl.
Urk.
11/142/5),
stehen
offen
sichtlich
psychosoziale Umstände und nicht eine Beschwerdezunahme infolge eines invalidisierenden Leidens im Vordergrund.
4.4.4
Schliesslich
bestehen hinsichtlich der
Radiusfraktur keine
Indizien für Komplikationen oder eine fortgesetzte Behandlung
. Die Beschwerdeführerin klagte
in diesem Zusammenhang
einzig, nicht mehr lange intensive Fegen bzw. den Frühlingsputz nicht mehr an einem Tag erledigen zu können (vgl.
Urk.
11/123/7). Im Übrigen jedoch vermag sie die
alltägliche
Wohnungspflege, einschliesslich der Bodenreinigung und Gartenpflege, allein zu bewältigen (vgl.
Urk.
11/123/8 f.)
. Gleiches gilt für die Distorsion des rechten Fusses mit anschliessender Bandplastik
– auch diesbezüglich bestehen keine Anhaltspunkte für Komplikationen, einen
fortbestehenden
Behandlungsbedarf oder anhaltende Beschwerden in relevantem Ausmass
. Im Übrigen
beanspruchte
die Beschwerde
führer
in
einzig
aufgrund des Gipses Unterstützung im Haushalt (vgl.
Urk.
11/123/1 f.)
und
auch ihr Arbeitsverhältnis als Sicherheitsangestellte bestand
bis Ende August
2020
(vgl.
Urk.
7/2
und 11/123/3
).
4.
5
4.5.1
Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes geltend macht
e
, ist i
hr
somit
zunächst
entgegenzuhalten, dass dieser
durch die Mitwirkungspflicht der Versicherten respektive der Parteien beschränkt wird (Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 ATSG), vor allem in Bezug auf Tatsachen, die sie besser kennen als die (Verwaltungs- oder Gerichts-) Behörde und welche diese sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben könnte (BGE 122 V 157 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 138 V 86 E. 5.2.3 und 125 V 193 E. 2; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2). Es durfte von
ihr daher
durchaus erwartet werden, dass sie die Beschwerdegegneri
n zeitnah informieren würde, wären
nach der Begutachtung neue Leiden auf
ge
treten, welche der näheren A
bklärung
bedurften
.
4.5.2
Hauptargument der Beschwerdeführerin
im Prozess ist
eine im April 2021 ent
deck
t
e rheumatologische Grunderkrankung,
welche
aus den dargelegten Gründen weder Zweifel am Gutachten weckt noch Anlass zu weiteren Abklärungen gibt. Die von
ihr
ferner
geltend gemachten
(vgl. auch
Urk.
11/136)
abdominellen Ein
griffe
führten erst eineinhalb Jahre nach der Begutachtung und nur für wenige Monate zu einer Arbeitsunfähigkeit.
Die übrigen
Diagnosen ergeben sich lediglich ana
mnestisch aus den neuen Bericht
und wurden von der Beschwerdeführerin
im Verwaltungs- und Gerichtsverfahren
überhaupt nicht
erwähnt
oder sie
machte
dazu
– wie hinsichtlich des Bänderrisses
(vgl. auch
Urk.
11/123/1 f.) –
keinerlei
Angaben
in Bezug auf
nach der üblichen Rekonvaleszenz anhaltende
Beschwerden
,
Funktionsbeeinträchtigungen, Komplikationen oder
eine
weiterhin
fortgesetzte
Behandlung.
Es ist daher mit dem RAD
von einem
normalen
Heilungsverlauf
ohne relevante Restbeschwerden
auszugehen
, zumal sich auch aus den vorgelegten Berichte keine Indizien ergeben, die auf etwas
A
ndere
s – insbesondere eine
jeweils
nach drei Monaten weiterhin andauernde relevante
Ein
schränkung in der Erwerbsfähigkeit und Haushaltsführung
–
hindeuten
würden und Zweifel an den Überlegungen des RAD, welche das Gutachten ergänzen, auf
kommen liessen
.
Die nachgereichten rheumatologischen
Berichte
und
der
schmerztherapeutische
Bericht rücken seit der stationären Rehabilitation anhalt
ende Nackenbeschwerden und eine
sich zuspitzende häusliche Belastungssituation in den Vordergrund; dazu äusserten sich bereits die Gutachter
.
Es
ergeben sich
keine neuen Aspekte – auch nicht zum
behandlungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck
und der engen Verknüpfung der Beschwerden mit der familiären Situation.
5.
5.1
Ob
eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
trächtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen
(vgl. Art. 27 IVV)
sind die per
sönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie all
fällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätig
keit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei
nlichkeit erforderlich ist (BGE
144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125
V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der
Regel aus äusseren In
dizien erschlossen werden (vgl. BGE
144 I 28 E. 2.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.2
Die Beschwerdegegnerin moniert eine fehlerhafte Qualifikation mit einem Erwerbsanteil von 30
%
und einem Anteil der Haushaltstätigkeit von 70
%
. Sie habe im März 2018 aufgrund der Erkrankung ihres Ehemannes eine 60%-Stelle angenommen. In der Folge hätte sie während seiner Eingliederung durch die Invalidenversicherung in den Monaten Februar bis Juli 2019 im Gesundheitsfall 50
%
gearbeitet und danach wieder auf die angestammten 30
%
reduziert. Seit September 2020 sei ihr Ehemann arbeitsunfähig, weshalb sie seither als Gesunde 80
%
arbeiten würde (vgl.
Urk.
1
Rz
32-38).
5.3
Da ein Rentenanspruch frühestens sechs M
onate
nach Eingang der Anmeldung entstehen kann (vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG
), ist die Qualifikation
erst
ab Januar 2019 bedeutsam.
Ob, w
eshalb und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin un
mittelbar vor der erneuten Anmeldung bei der Invalidenversicherung einen
ein
maligen
kurzen
Arbeitsversuch in einem höheren Arbeitspensum
startete
, zu
d
em unterschiedliche Angaben vorliegen
(vgl.
Urk.
11/92/4
: Vollzeitpensum in der Gastronomie;
Urk.
11/123/4 oben: Aufr
ü
stung, Herrichtung und Reinigung von Kursräumen in einem 60%-Pensum
beim I._
),
ist unerheblich
.
Ebenso kann
offen bleiben
, wie
realistisch
es
ist
,
dass sie
als Gesunde
ihr Arbeitspensum
stets
unmittelbar dem Gesundheitszustand ihres Ehemannes
anpassen könnte
(
Urk.
1
Rz
32-38 und 44-59)
.
Würde
nämlich entsprechend ihren Behauptungen allein
auf
die finanzielle Situation abgestellt, wäre
zu berücksichtigen, dass der Ehemann nicht nur Tag
gelder im Rahmen der Eingliederungsmassnahmen, sondern auch Krankentag
gelder bezog
(vgl. Urk.
7/2
:
Fr.
4'614.65;
ergänzend
U
rk.
11/123/5:
Erwerbs
einkommen zuvor
Fr.
5'000.--
netto
)
.
Sodann
räumte
die Beschwerdeführerin
in der Begutachtung selb
er
ein, dass sie wegen der Kinder nicht mehr als 20 % arbeiten könne (vgl.
Urk.
11/118/80) und ein Hobby nicht nur finanziell nicht möglich
sei
, sondern auch nicht mit der Betreuung ihrer Söhne und ihres Ehemannes vereinbar wäre.
Im Übrigen benötig
e
auch
ihre Mutter besonders viel Unterstützung im Alltag (vgl.
Urk.
11/118/82 f.
)
.
An
dernorts
schätzte sie,
in einer theoretisch
optimal
dem Leiden angepassten Tätigkeit
maximal 50
%
arbeitsfähig
zu sein
; wegen der Familie gehe nicht mehr (vgl.
Urk.
11/118/170)
.
Hinsichtlich
ihres
Tagesablauf
s
und
ihrer
familiäre
n
Ver
pflichtungen
kann ergänzend auf Ur
k.
11/118/160 f. und 11/118/170 verwiesen werden. Ihre letzte
Arbeitsstelle als Sicherheitsangestellte
verlor
die Beschwerde
führerin
nach eigenen Angaben
im August 2020
mitunter
wegen
der vielen Ab
senzen,
di
e si
e
aufgrund der schwierigen Familiensituation gehabt habe.
Sie sei daher eine der ersten gewesen, die im Zuge der Covid-19-Pandemie entlassen worden sei.
Sie arbeitete auch nur
am Abend, an Feiertagen und an den Wochen
enden
(vgl.
Urk.
11/123/3). Dass
ihr
Ehemann die Kinderbetreuung
in
d
en Krank
heitsphasen
in höherem Umfang
als bisher
hätte übernehmen könne
n
, ers
cheint unwahrscheinlich (vgl.
Urk.
16
und 11/123/6 oben
)
und alternative Betreuungs
möglichkeiten sieht die Beschwerdeführerin offensichtlich keine, was ein wesent
licher Grund für ihre Überlastung ist.
5.4
Massgebend ist somit d
ie
Erstaussage
der
Beschwerdeführerin
auf explizites Nachfragen der
Abklärungsperson, wonach sie bei voller Gesundheit über
wiegend aus finanziellen Gründen im Umfang von 30
%
erwerbstätig wäre. Dabei räumte sie
ausdrücklich
ein, dass die Auflagen bei der Arbeitsvermittlung (etwa ein Anfahrtsweg bis zu zwei Stunden) schlicht zu hoch seien – da sie momentan einen Gips trage und das neue Schulj
a
hr mit sämtlichen Planänderungen anstehe, habe sie noch keine Luft gehabt, um sich anzumelden. Zuerst werde nun der jüngste Sohn eingeschult. Sie müsse die Abende oder Wochenenden arbeiten, da die Kinder dann nicht allein
seien
, da der Vater da
sei
.
Wie von der
Abklärungs
person
festgehalten,
ist bei
der beschriebenen hohen familiären Belastung eine hohe Erwerbstätigkeit
– schon bei besserem Gesundheitszustand des Ehemannes –
kaum umzusetzen (vgl.
Urk.
11/123/5
f.
)
Ob sich
die Beschwerdeführerin im Rahmen des Sozialhilfebezugs seit März 2021
(
Urk.
7/2 S. 2)
ein höheres Arbeitspensum wird suchen müssen,
braucht nicht beantwortet zu
werden
.
Seit spätestens April 2021
besteht
aus invaliden
versicherungsrechtlicher Sicht
nur
mehr
eine gering
e
Einschränkung der Arbeits
fähigkeit,
weshalb
auch
ein
höhere
r
Erwebsanteil
offensichtlich nicht zu
einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad führen würde
(vgl. nachfolgend E. 6)
.
5.
5
5.5.1
Im Übrigen
wurden i
m Abklärungsbericht sämtliche
von der Beschwerdeführerin genannten
Einschränkungen
und Hilfen
berücksichtigt
.
Sie
gab an
, in den all
täglichen Aufgaben und Tätigkeiten
gut zu
funktioniere
n
bzw.
Leistungen zu er
bringen
, die ein hohes aktives Niv
eau erreichten. Die alltägliche
Reinigung des Hauses könne sie mehrheitlich alleine ausführen. Alles was jedoch
zum
Alltags
geschäft
hinzukomme
(etwa der Frühjahresputz der Küche, Fensterreinigung und Auspacken der Zügelkisten) bleibe unverrichteter Dinge. Ursache seien die Un
fälle. Arbeiten über Kopf, in nach vorne geneigter oder gebückter Stellung seien ihr nicht mehr immer möglich. Diese würden einfach liegen bleiben. Sie mache
si
ch
jeden Tag eine Liste mit den zu verrichten
den
Arbeiten, um den Überblick über die Termine und Arbeiten zu behalten.
Sie habe zudem
Schmerzen in den Handgelenken bei strengem, intensive
m
Fegen oder lang andauernden Reinigungstätigkeiten im Sinne eines Frühjahresputzes (vgl.
Urk.
11/123/7). Der Ehemann könne
Haushaltsarbeiten
nur dann übernehmen, wenn er die Kraft dazu habe. Besprechun
gen oder Familienaufträge seien
ihm
abends keine zumutbar, am Wochenende teilweise. Sie übernehme
sämtliche Aufgaben zuhause
, kläre ab, sei Ansprechperson für sämtliche Amtsstellen (vgl.
Urk.
11/123/2).
Externe Hilfe holte sich die Beschwerdeführerin für den Umzug und während sie einen Gips trug. Ansonsten vermochte sie –
mit bescheidener Unterstützung des Ehemannes
und etwas Hilfe bei der Freizeitgestaltung der Kinder
– den Haushalt
zu bewerkstelligen (vgl.
Urk.
11/123/2
,
11/123/7
und 11/123/10
).
Damit erübrigt sich ein
Beizug
der invalidenversicherungsrechtlichen Akten betreffend den Ehe
mann, wie er von der Beschwerdeführerin beantragt wurde (vgl.
Urk.
15).
5.5.2
B
efragt
zu den
einzelnen
Verrichtungen
beschrieb
die Beschwerdeführerin
– wie auch in der Beschwerde –
ebenfalls
keine
massgeblichen
Einschränkungen
(vgl. 11/123/8-10)
. Dass unter Berücksichtigung der intensiven Kinderbetreuung die Zeit fehlt, die Bettwäsche öfters zu wechseln oder den Garten gründlich zu
pflegen
, stellt keine gesundheitlich
bedingte Einschränkung dar
. Es wurde des
halb im
mit 30
%
gewichteten Bereich
«
Wohnungs- und Hauspflege
, Haustier
pflege»
des
E
infamilienhaus
es
zu Recht nur
eine Einschränkung von 5
%
für Arbeiten in gebückter und vorgeneigter Körperhaltung sowie den Frühjahres
putz
angerechnet
.
In der mit 30
%
gewichteten «Betreuung von Kindern und/oder An
gehörigen» wurde ein
e
Einschränkung
von
10
%
angenommen, zumal die Beschwerdeführerin aufgrund der Therapien und Gespräche derar
t überlastet ist, dass es ihr nicht möglich ist, die Freizeit der Kinder aktiv zu gestalten und sie froh ist,
dass eine Frau aus ihrem Umfeld mit den Kindern Spiele macht und Ausflüge organisiert. Selbst wenn
der zuletzt genannte Bereich
– was
in der vor
liegend zu beurteilenden
K
onstellation mit drei
Familienmitgliedern
mit gesund
heitlichen Problemen
denkbar wäre – auf das Maximum von 50
statt 30
%
ange
hoben
würde, ergäbe sich
im
gesamten
Haushalt
nur ein marginal
höherer
Tei
linvaliditätsgrad von 6
.
5
%
.
Es bleibt anzumerken, dass die Angaben
mitunter
die Zeit betreffen, in der die Beschwerdeführerin wieder im angestammten Teilzeitpensum tätig war
. Dabei sprechen d
as Anforderungsprofil als Sicherheitsangestellte
(vgl.
Urk.
10/118/163)
wie auch die
ausgeführten
Gartenarbeiten (jäten, Hecke stutzen und Rasen schneiden)
sogar
dafür, dass ihr auch die als schmerzhaft geklagten Körper
positionen in gewissem Umfang möglich sind.
6.
6.1
Wie dargelegt
(vgl. E. 3.5.2)
,
bestand
entgegen
der Berechnung des Invaliditäts
grades in der
angefochtenen Verfügung (
Urk.
2 S. 2)
schon
ab Januar 2019
und
folglich
zum Zeitpunkt des
frühstmöglichen
Rentenbeginns
eine Arbeitsfähigkeit von 95
%
in einer
angepassten Tätigkeit entsprechend
dem
vom RAD definierten
Belastungsprofil
.
Wie die nachfolgenden Überlegungen zeigen, kann
offen bleiben
, ob das Stellenprofil der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sicherheits
angestellte diesem weitgehend entspricht, so dass darin nur eine leicht höhere Arbeitsunfähigkeit von 10
%
infolge leicht höherer Anforderungen an die Belast
barkeit resultiert, was gemäss der angefochtenen Verfügung zu einem nicht rentenbegründenden Gesamtinvaliditätsgrad von 7
%
führen würde.
6.2
Im
Jahr 2018 belief sich der Medianlohn von Frauen, Kompetenzniveau 1,
gemäss
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) für das Jahr
2018 auf Fr. 4‘371.-- pro Monat (LSE 2018, Tabelle TA1
_tirage_skill_level
, Total, Frauen, Kompetenzniveau 1). Umgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, Total; vgl. www. bfs.admin.ch, Statistiken, Arbeit und Erwerb) und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 1 % im Jahr 2019 (vgl. Nominallohnindex, Frauen, 2016-2019, Tabelle T1.2.15, Total) resultiert
ein
Invalideneinkommen von rund Fr.
52‘467
.-- im Jahr 2019 (Fr. 4'371.--: 40 x 41.7 x 12 x 1.01 x 0.
95
).
6.
3
Für das
Valideneinkommen
im Jahr 2019
errechnete die Beschwerdegegnerin
aktenkundig
einen Betrag
von
Fr.
41
‘
223
.
00
für ein Vollzeitpensum
(
Urk.
11/128), verwendete diesen Betrag in der Folge aber nicht, sondern machte einen sogenannten Prozentvergleich zur Ermittlung des Invaliditätsgrades
.
Einerseits wäre
das
Valideneinkommen
a
usgehend von den Angaben und Belegen der
ehemaligen Arbeitgeberin
, wonach die Beschwerdeführerin
im Jahr 2017
bei einem durch
schnittlichen Arbeitspensum von 17,56
%
(vgl.
Urk.
11/89/62)
ein
anrechenbares
Jahrese
inkommen von Fr.
10‘289.
--
erzielte (Bruttoeinkommen von
Fr.
13‘344.35 abzüglich der Kinderzulagen und des Unfalltaggelds von ins
gesamt
Fr.
3‘055.--)
,
etwas
höher zu beziffern. Es betrüge
Fr. 58‘595.
--
(10
‘
289
:
17,56 x 100)
für das Jahr 2017
und
(
angepasst
an die Nominallohnentwicklung für Frauen
)
Fr.
59‘477.--
(58
‘
595 x 1.0
05
x 1.0
1
)
für das Jahr 2019
.
Andererseits verlor die Beschwerdeführerin noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung ihre Anstellung infolge der Covid-19-Pandemie, weshalb es sich auch rechtfertigen
liesse
, das
Valideneinkommen
anhand des gleichen Tabellenlohns
wie das Invaliden
ein
kommen zu bestimmen und auf
Fr.
55‘228.-- festzusetzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_551/2017 vom
2.
August 2018 E. 5)
, zumal die Beschwerdeführerin
seit der Geburt der Kinder immer nur mit deren Betreuung vereinbare Hilfstätigkeiten ausgeübt hat.
6.4
Im für die Beschwerdeführerin günstigsten Fall ergäbe sich somit
eine
Erwerbs
einbuss
e
von F
r.
7'010.
-- (59‘477 - 52‘467) bzw. eine
Einschränkung im Erwerbs
bereich
von
ca.
12
%
, was zu einem
diesbezüglichen
Teilinvaliditätsgrad von
ca.
3.6
%
führ
en würde
(0.
3
x
0.12
). Addiert mit dem Teilinval
iditätsgrad im Haus
haltsbereich von
4.55
% (0.
7
x
0.065
; vgl. E. 5.5.2
)
würde
sich der Gesamt
invaliditätsgrad
ab Januar 2019
auf
knapp
9
%
belaufen
.
Selbst wenn
darüber hinaus zu ihren Gunsten
der Erwerbsanteil auf 50
%
angehoben und gleichzeitig ein maximaler leidensbedingter Abzug von 25
%
aufgrund des Belastungsprofils gewährt würde, ergäbe sich
beim so berechneten
Invalideneinkommen von
Fr.
39‘350.
-- (52‘467 x 0.75)
eine
Erwerbseinbusse
von
lediglich
Fr.
20‘127.-- (59‘477 – 39‘350)
, die
einer Einschränkung von
ca.
34
%
bzw. eine
m gewichteten
Teilinvaliditätsgrad
für den Erwerbsanteil von
17
%
(0.5 x 0.34)
entspräche
. Der
jenige im Haushalt läge bei
3
.3
%
(0.5 x 0.065). Der
Gesamtinvaliditätsgrad von rund 20
%
läge
immer
noch deutlich unter dem Mindestinvaliditätsgrad von 40
%
für eine Rente.
6.5
Soweit das Wartejahr
bei einem Invaliditätsgrad von 9
%
ab Januar 2019 im Juli 2020 überhaupt weiterhin als erfüllt gelten kann, begründet e
ine
bloss
vorüber
gehende zusätzliche Einschränkung
während einiger Wochen
im Juli und August 2020 aufgrund der Fussoperation sowie
spätestens ab Oktober 2020 infolge dann
zumal
festgestellter
und behandelter
Leist
en
hernien mit Abschluss der chirurgischen Behandlung im Januar 2021
noch
keinen befristeten R
enten
anspruch.
So
waren
die Auswirkungen dieser Leiden absehbar
von kurzer Dauer
. Die
Hospitalisierung
en
an sich
dauerten sogar
nur
wenige Tage
. Aufgrund der Akten
und Angaben der Beschwerdeführerin
ist es zudem tatsächlich unwahr
scheinlich,
dass sie in der restlichen Zeit
in einer
leichten wechselbelastenden Tätigkeit sowie
im Haushalt
in rentenbegründendem Ausmass
invalid
war,
wobei vorderhand auch eine akute Überlastungssituation durch die Erkrankung und Arbeitslosigkeit des Ehemannes
bestand (vgl. E. 4.5.2)
.
7.
7.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8
Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
, soweit
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu ver
bessern
(
lit
. a)
; und
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind
(
lit
. b)
.
Die Massnahmen beruflicher Art sind dabei in
Art.
15 ff. IVG geregelt.
7.2
Nachdem vorstehend
Ausgeführten
liegt keine
Invalidität
oder drohende Invalidität vor,
di
e berufliche Massnahmen notwendig
machen würde
. Da die
Beschwerdeführerin
ihren Anspruch nicht weiter spezifiziert hat, sei ergänzend festgehalten, dass der
Anspruch auf Arbeitsvermittlung
nach
Art.
18 IVG zwar
weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades
bedarf, jedoch ist zu
r Begründung dieses Anspruchs eine spezifische Einschränkung gesundheitlicher Art notwendig, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit betroffen ist, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind. Die leistungs
spezifische Invalidität des Anspruchs liegt vor, wenn die Behinderung Probleme bei der Stellensuche verursacht. Dies trifft z. B. zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch möglich ist oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen der ver
sicherten Person erläutert werden müssen (z.B. welche Tätigkeiten trotz Seh
behinderung erledigt werden können), damit sie überhaupt eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten (
vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_641/2015 vom 1
2.
Januar 2016
E. 2).
Es ist nicht ersichtlich und wurde von der Beschwerdeführerin nicht dargetan, inwiefern bei ihr
spezifische Einschränkungen gesundheitlicher Art im Sinne
dieser
Rechtsprechung
vorliegen
sollen
. Vielmehr kann
sie
eine leichte wechsel
belastende
Arbeit auf dem massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
16 ATSG
) o
hne Arbeitsvermittlung durch die
Beschwerdegegnerin
finden. Zu denken ist etwa an
die in solchen Fällen üblichen
einfache
n
Überwachungs-, Prüf- und Kontrollarbeiten, die Bedienung und Überwachung von (halb-) automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten sowie Sortierarbeiten, die mit keinerlei körperli
cher Anstrengung verbunden sind
.
Auch einfache Büroarbeiten wäre auf
grund ihres Lebenslaufs denkbar.
Die Suche nach einer solchen Tätigkeit bedar
f keiner besonderen Kenntnisse. Die Beschwerdeführerin
gab im August 2020 denn auch an, schon
mit der Stellensuche begonnen
zu haben
in der Hoffnung,
sich nicht
bei der Arbeitslosenversicherung anmelden
zu müssen (vgl.
Urk.
11/123/5). Weshalb nach den
Leistenhernienoperationen
und laborchemischen Befunden eine andere Situation gegeben sein soll, ist nicht nachvollziehbar.
7
.3
Fehlt es bereits vor einer Eingliederung an einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad, ist im Übrigen auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin unabhängig von allfälligen Eingliederungsnahmen über den
Rentenanspruch entschieden hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_534/201
8 vom 1
5.
Februar 2019 E. 2.1).
8.
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auf weitere medizinische Abklärung und Eingliederungsmassnahmen verzichtete. Da
mit soll
nicht
in Abrede gestellt werden, dass sich die Beschwerdeführerin in einer schwierigen familiären und finanziellen Situation befindet, die sie überfordert. Die Invalidenversicherung bezweckt indessen einzig
die ökonomischen Folgen
von
Invalidität
– hervorgerufen durch ein Geburtsgebrechen, Krankheit und Un
fall (vgl.
Art.
4
Abs.
1 IVG) – auszugleichen (vgl.
Art.
1a
lit
. b IVG).
Eine renten
relevante Einbusse der Erwerbsfähigkeit oder Fähigkeit zur Führung des Haus
halts, die in einem solchen (somatischen oder psychischen) Leiden der Beschwerdeführerin gründet, ist
(trotz der vorgenommen allseitigen Neu
prüfung des Rentenanspruchs bei
verändertem Status) we
iterhin n
icht überwiegend wahr
scheinlich.
D
ie Beschwerde ist folglich abzuweisen.
9
.
9
.1
Da die Beschwerdeführerin seit
1.
März 2021
Sozialhilfe
bezieht
(vgl.
Urk.
7/1-2)
,
ist von Mittelosigkeit auszugehen. Ihr Begehren kann trotz Abweisung der Beschwerde nicht als von Prozessbeginn an als klar aussichtslos bezeichnet wer
den. Eine Rechtsschutzversicherung besteht gemäss
ihren
Angaben nicht (vgl.
Urk.
6 S. 2). Damit sind die Voraussetzungen
nach
§
16
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt und der Beschwerdeführerin ist entsprechend ihrem Gesuch vom 2
2.
April 2021 (
Urk.
1 S. 15) die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sowie in der Person von Rechtsanwältin Schneider eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen.
Dabei ist sie
auf
ihre
Nach
zahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen.
9
.2 Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert i
m Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr.
1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Diese sind auf
Fr.
800.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
9
.3
Überdies ist der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine Entschädigung aus der Gerichtskasse auszurichten. Mit Honorarnote vom
7.
Juli 2021 machte Rechtsanwältin Schneider einen Betrag von insgesamt
Fr.
3‘210.45,
entsprechend einen Aufwand von 13.4 Stunden à Fr. 220.-- sowie Barauslagen von
Fr.
32.90 zuzüglich 7.7
%
MWSt.
geltend. Dieser erscheint unter Berück
sichtigung des Umfangs der relevanten Akten sowie der Schwierigkeit des Prozesses als angemessen.