Decision ID: c705a649-228c-5b9b-a5a3-a422024e1ca4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 18. Mai 2021 um Asyl nach. Am 20. Mai
2021 bevollmächtigte sie die ihr zugewiesene Rechtsvertretung und wurde
gleichentags von der Vorinstanz zu ihrer Person befragt. Ein am 21. Mai
2021 erfolgter Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank
(Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass sie am 26. April 2021 illegal in Italien
einreiste.
B.
Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 27. Mai 2021 führte die Beschwer-
deführerin aus, sie habe ihr Heimatland am 9. Oktober 2016 verlassen und
sich danach im B._ sowie in C._ aufgehalten. Am 4. März
2018 habe sie sich in D._ religiös mit ihrem Partner trauen lassen.
Sie habe aufgrund der räumlichen Trennung nicht mit ihm zusammenleben
können, dieser habe sie jedoch von der Schweiz aus besucht und sie hät-
ten in regelmässigen telefonischen Kontakt gestanden. Zur möglichen Zu-
ständigkeit Italiens führte sie aus, sie habe nie die Absicht gehabt, in Italien
zu bleiben. Sie habe die Reise gemacht, um mit ihrem Partner in der
Schweiz leben zu können.
C.
Am 27. Mai 2021 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behörden ge-
stützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem
Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(ABl. L 180/31 vom 29.6.2013, nachfolgend: Dublin-III-VO) um Rücküber-
nahme der Beschwerdeführerin.
D.
Die italienischen Behörden nahmen innert der vorgesehenen Frist nicht
Stellung zum Antrag auf Rückübernahme (vgl. Art. 22 Abs. 1 und Abs. 7
Dublin-III-VO).
E.
Mit Verfügung vom 13. August 2021 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch
der Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie aus der Schweiz weg und for-
derte sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfü-
gung zu verlassen, ansonsten sie in Haft genommen und unter Zwang
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nach Italien zurückgeführt werde. Gleichzeitig beauftragte die Vorinstanz
den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und stellte der
Beschwerdeführerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeich-
nis zu. Ferner hielt sie fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine auf-
schiebende Wirkung zu.
F.
Am 17. August 2021 zeigte die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin
gegenüber der Vorinstanz die Beendigung des Mandatsverhältnisses an.
G.
Mit Eingabe vom 18. August 2021 erklärte die Beschwerdeführerin gegen-
über dem Bundesverwaltungsgericht, gegen den Entscheid der Vorinstanz
vom 13. August 2021 werde im Asylpunkt Beschwerde erhoben. Sie ersu-
che darum, sie als Flüchtling zu anerkennen und ihr Asyl zu gewähren.
Ferner ersuche sie um unentgeltliche Rechtspflege und um Verzicht auf
Erhebung eines Kostenvorschusses. In einem beigelegten Schreiben er-
klärt die Beschwerdeführerin weiter, sie erhebe Beschwerde gegen den am
13. August 2021 verfügten Nichteintretensentscheid. Ferner beantragt sie
eine Fristverlängerung, zum Zwecke des Vollzugs der zivilrechtlichen Ehe-
schliessung.
H.
Die Beschwerdeführerin gab am 22. August 2018 eine Bestätigung betref-
fend das pendente Ehevorbereitungsverfahren beim Zivilstandsamt Bern-
Mittelland vom 19. August 2018 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt von Erwägung 2.2
– einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht sowie die un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid ist die Beur-
teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-
schränkt, ob die Vorinstanz bei vollständig und richtig festgestelltem Sach-
verhalt auf das Asylgesuch zu Recht oder Unrecht nicht eingetreten ist (vgl.
BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.).
Soweit die Beschwerdeführerin beantragt, sie sei als Flüchtling zu aner-
kennen und es sei ihr Asyl zu gewähren, ist darauf nicht einzutreten.
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4. .
Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG wird in der Regel auf Asylgesuche
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kön-
nen, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens
staatsvertraglich zuständig ist. Zur Bestimmung des staatsvertraglich zu-
ständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien nach der Dub-
lin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitglied-
staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nach-
dem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstel-
lung zugestimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung – auf das Asylgesuch
grundsätzlich nicht ein.
5.
Die italienischen Behörden haben den Antrag auf Rückübernahme der
Vorinstanz vom 27. Mai 2021 nicht in der dafür vorgesehenen Frist beant-
wortet (vgl. Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO). Somit ist davon auszugehen, dass
dem Aufnahmegesuch durch die italienischen Behörden stillschweigend
stattgegeben wurde, was die Verpflichtung nach sich zieht, die Person auf-
zunehmen und angemessene Vorkehren für die Ankunft zu treffen (Art. 22
Abs. 7 Dublin-III-VO). Die Vorinstanz ist in der Folge in Anwendung von Art.
31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten.
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6.
6.1 Gegen den Nichteintretensentscheid bringt die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, sie sei in Italien gegen ihren Willen registriert worden
und es sei immer ihr Ziel gewesen, in die Schweiz zu reisen. Sodann be-
finde sie sich in der Schweiz in fortgeschrittener Ehevorbereitung.
Die Vorinstanz hat bereits zutreffend ausgeführt, dass die Dublin-Zustän-
digkeitsordnung es nicht in das Belieben der Gesuchstellerin stellt, sich den
das Asylgesuch prüfenden Mitgliedstaat auszusuchen. Sodann hat sie zu-
treffend darauf hingewiesen, dass ein eingeleitetes Ehevorbereitungsver-
fahren auch im Ausland abgewartet werden kann (vgl. statt vieler: Urteil
des BVGer F-2157/2018 vom 24. April 2018). Ferner ist festzuhalten, dass
die einschlägigen Normen in diesem Zusammenhang keine Fristerstre-
ckung vorsehen und sich eine solche auch nicht als notwendig erweist,
weshalb der entsprechende Antrag abzulehnen ist. Des Weiteren macht
die Beschwerdeführerin nicht in substantiierter Weise Umstände geltend,
aufgrund welcher sich eine Prüfungszuständigkeit für die Schweiz (Art. 7 ff.
Dublin-III-VO) ergäbe. Insbesondere bringt sie (zu Recht) nicht explizit vor,
die Vorinstanz gehe fälschlicherweise davon aus, Italien sei gestützt auf
Art. 13 Abs. 1 beziehungsweise Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO der für das
Asylverfahren zuständige Mitgliedstaat.
Im Übrigen kann auf das bereits in der angefochtenen Verfügung Ausge-
führte verwiesen werden, insbesondere bezüglich der völkerrechtlichen so-
wie unionsrechtlichen Verpflichtungen Italiens im Zusammenhang mit Asyl-
suchenden.
6.2 Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht auf das Asyl-
gesuch nicht eingetreten ist und die Wegweisung sowie den Vollzug ange-
ordnet hat.
7.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden
ist (Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
8.
8.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aus den vorstehenden Erwägun-
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gen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Da-
mit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben,
weshalb das Gesuch abzuweisen ist.
Der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vor-
liegendem Urteil gegenstandslos geworden.
8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE;
SR 173.320.2]).
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