Decision ID: e1816537-50ea-5b31-baa7-75b5823ecd6f
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M.I., geb. 1978, ist Staatsangehöriger von Mazedonien. Er heiratete am
10. November 2000 in Mazedonien die in der Schweiz niedergelassene Landsfrau B.
M., geb. 1980. Er reiste am 16. April 2001 in die Schweiz ein und erhielt in der Folge
eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs, die letztmals bis
15. April 2008 verlängert wurde. Die Eheleute haben zwei Töchter, die 2002 bzw. 2007
geboren wurden und wie die Mutter über eine Niederlassungsbewilligung verfügen.
M.I. wurde während seines Aufenthalts in der Schweiz wiederholt bestraft. Am 13. April
2005 wurde er wegen Nichterwerbs des schweizerischen Führerausweises mit
Fr. 100.-- gebüsst. Am 22. Februar 2007 wurde er wegen Überschreitens der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit um 36 km/h zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen
zu je Fr. 60.-- sowie einer Busse von Fr. 670.-- verurteilt. Das Kreisgericht Rheintal
verurteilte M.I. am 18. April 2008 wegen schwerer Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz und grober Verletzung von Verkehrsregeln sowie Missachtung
von Auflagen im Führerausweis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und einer Busse
von Fr. 150.--. Von der Freiheitsstrafe wurden 15 Monate vollziehbar erklärt.
Mit Verfügung vom 11. August 2009 wies das Ausländeramt das Gesuch von M.I. um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab. Zur Begründung führte es aus, M.I. habe
zu schweren Klagen Anlass gegeben. Sein Verschulden wiege sehr schwer, da er als
Drogenkurier über 3 kg Heroin an seine Abnehmer übergeben habe.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob M.I. Rekurs, der vom Sicherheits-
und Justizdepartement mit Entscheid vom 29. März 2010 abgewiesen wurde.
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C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 26. April und 15. Juni 2010 erhob M.I.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid des Sicherheits-
und Justizdepartements vom 29. März 2010 sei aufzuheben und seine
Aufenthaltsbewilligung sei ordentlich zu verlängern, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 21. Juni 2010 unter Hinweis
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.
Die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die vom Beschwerdeführer
vorgebrachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 26. April und
15. Juni 2010 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Nach Art. 62 lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden, wenn
der Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder gegen ihn
eine strafrechtliche Massnahme im Sinn von Art. 64 oder 61 StGB angeordnet wurde.
2.1. Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr gelten nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung als längere Freiheitsstrafen im Sinn von Art. 62 lit. b AuG und bilden
einen Grund für den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung oder der
Niederlassungsbewilligung (vgl. BGE 135 II 377).
2.2. Der Beschwerdeführer ist mit einer niedergelassenen Landsfrau verheiratet. Auch
seine beiden minderjährigen Kinder sind im Besitz von Niederlassungsbewilligungen.
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Der Beschwerdeführer kann sich daher grundsätzlich auf Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) und den darin verankerten
Anspruch auf Schutz des Familienlebens berufen.
Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in das von Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Recht
auf Familienleben statthaft, wenn er gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme
darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die
öffentliche Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der
Ordnung oder zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der
Gesundheit und Moral sowie der Rechte und Freiheiten anderer notwendig erscheint.
Bei der Interessenabwägung im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK sind die Schwere des
begangenen Delikts, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des
Ausländers während dieser Periode, die Auswirkungen auf die primär betroffene
Person sowie deren familiäre Situation zu berücksichtigen. Zudem sind die Dauer der
ehelichen Beziehung und weitere Gesichtspunkte relevant, welche Rückschlüsse auf
deren Intensität zulassen (Geburt und Alter allfälliger Kinder, Kenntnis der Tatsache,
dass die Beziehung wegen der Straftat unter Umständen nicht in der Schweiz gelebt
werden kann). Von Bedeutung sind auch die Nachteile, welche dem Ehepartner oder
den Kindern erwachsen würden, müssten sie dem Betroffenen in dessen Heimat folgen
(BGE 135 II 377 E. 4.3 mit Hinweisen). Im übrigen verschafft Art. 13 der
Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) in diesem Bereich dem Beschwerdeführer
keine über Art. 8 EMRK hinausgehenden Ansprüche.
2.3. Art. 62 AuG gewährt der zuständigen Behörde beim Entscheid über den Widerruf
der Aufenthaltsbewilligung einen Ermessensspielraum. Der Tatbestand ist als "Kann-
Bestimmung" formuliert. Das Gesetz schreibt nicht zwingend den Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung vor, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Der
Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung ist anzuordnen, wenn er bei sorgfältiger
Abwägung der Interessen verhältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2 BV). Die Behörden
berücksichtigen gemäss Art. 96 Abs. 1 AuG die öffentlichen Interessen und die
persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration, wobei namentlich die
Schwere des Verschuldens, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz sowie die dem
Ausländer und seiner Familie drohenden Nachteile ins Gewicht fallen (BGE 135 II 377
E. 4.3 mit Hinweisen). Dabei sind umso strengere Anforderungen an eine Wegweisung
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zu stellen, je länger ein Ausländer in der Schweiz anwesend war. Es ist aber in Betracht
zu ziehen, dass die Wegweisung selbst gegenüber Ausländern der zweiten Generation,
welche ihr gesamtes Leben in der Schweiz verbracht haben, grundsätzlich zulässig
sind (Weisungen des Bundesamts für Migration, Ziff. 8.2.1.2.1. mit Hinweis auf
BGE 122 II 433 ff.). Nach der Praxis des Bundesgerichts ist eine Wegweisung im
übrigen umso eher zulässig, wenn der Ausländer selbst nach längerer Anwesenheit in
der Schweiz sich nicht oder nur wenig integriert hat, hauptsächlich mit Landsleuten
zusammen ist, enge Beziehungen zu seinem Heimatland pflegt sowie dessen Sprache
spricht (vgl. BGE 2A.540/2001 vom 4. März 2002).
2.4. Der Beschwerdeführer wurde wegen schwerer Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz, grober Verkehrsregelverletzung und Missachtung von
Auflagen im Führerausweis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und einer Busse von
Fr. 150.-- verurteilt. Zu Recht erwog die Vorinstanz, dass aufgrund der ausgefällten
Strafe wie auch aufgrund der Art des Delikts von einem schweren Verschulden des
Beschwerdeführers ausgegangen werden muss. Dieser setzte als Drogenkurier innert
zweier Monate über drei Kilogramm Heroin um. Das Kreisgericht erachtete seine
Ausführungen, wonach er angeblich nur unter dem Druck seiner Komplizen als
Drogenkurier tätig gewesen sei, als wenig glaubhaft. Bei Betäubungsmitteldelikten ist
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch unter dem neuen Ausländerrecht
ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 2C_578/2009 vom 23. Februar 2010, E. 2.4 mit
Hinweis auf BGE 125 II 527).
Der Beschwerdeführer reiste am 16. April 2001 im Rahmen des Familiennachzugs in
die Schweiz ein. Er hält sich somit seit weniger als zehn Jahren in der Schweiz auf.
Damit ist noch nicht von einem langjährigen Aufenthalt auszugehen, der in erheblichem
Masse zugunsten des Beschwerdeführers ins Gewicht fällt. Zudem war der
Beschwerdeführer im Januar/Februar 2006 und damit bereits rund fünf Jahre nach
seiner Einreise in die Schweiz als Drogenkurier tätig.
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer erhebliche Schulden im Betrag von knapp
Fr. 100'000.-- hat. Seine deliktische Tätigkeit hatte vorwiegend finanzielle Gründe. Bei
solchen Straftätern muss stets von einer gewissen Rückfallgefahr ausgegangen
werden. Auch hinsichtlich der schweren Verkehrsregelverletzung hat der
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Beschwerdeführer gezeigt, dass er sich von einer Strafe nicht wesentlich beeindrucken
liess. Hinzu kommt, dass insbesondere bei Drogendelikten kein Anspruch eines
straffälligen Ausländers besteht, dass bei einer längerfristigen Freiheitsstrafe auf den
Widerruf der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung verzichtet wird, solange
keine weiteren längerfristigen Freiheitsstrafen ausgefällt werden. Bei schwerwiegenden
Straftaten kann, namentlich bei Personen, bei denen kein besonders langer Aufenthalt
in der Schweiz besteht, auch nach einer einmaligen Delinquenz ein Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung oder Niederlassungsbewilligung verhältnismässig sein. Im
übrigen ist die Prognose über das künftige Verhalten entgegen den Ausführungen in
der Beschwerde nicht das einzig massgebende Kriterium bei der Prüfung der
Verhältnismässigkeit einer Massnahme. Soweit sich der Beschwerdeführer auf das
Urteil BGer 2A.82/2007 vom 27. April 2007 beruft, lässt sich der dort beurteilte
Sachverhalt mit der vorliegenden Streitsache nur in wenigen Bereichen vergleichen.
Jener straffällige Ausländer war hauptsächlich in der Schweiz aufgewachsen, während
der Beschwerdeführer seit weniger als zehn Jahren hier lebt und bereits nach rund fünf
Jahren straffällig geworden ist. Auch das klaglose Verhalten im Strafvollzug fällt bei
dieser Sachlage nicht entscheidend ins Gewicht.
Der Beschwerdeführer ist mit einer Landsfrau verheiratet und hat zwei minderjährige
Kinder. Ob der Ehefrau und den Kindern eine Übersiedlung mit dem Beschwerdeführer
in den gemeinsamen Heimatstaat Mazedonien zumutbar ist, kann offen bleiben. Für die
Kinder wäre jedenfalls eine Rückkehr nach Mazedonien unproblematisch, da sie mit
drei bzw. acht Jahren noch in einem anpassungsfähigen Alter sind. Doch ist selbst bei
der Unzumutbarkeit des Übersiedelns nach Mazedonien für die Ehefrau und die Kinder
der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung aufgrund der Aufenthaltsdauer von erst knapp
zehn Jahren und des schweren Verschuldens des Beschwerdeführers
verhältnismässig. Der Beschwerdeführer liess sich trotz der familiären Bindungen bzw.
Verpflichtungen nicht von seinem deliktischen Verhalten abhalten. Im übrigen verwies
die Vorinstanz zutreffend auf den Umstand, dass die Eltern des Beschwerdeführers in
Mazedonien leben, was diesem erleichtert, nach einer Rückkehr in den Herkunftsstaat
dort wieder Fuss zu fassen.
Weiter wendet der Beschwerdeführer ein, Straftaten, mit denen hochwertige
Rechtsgüter wie Leib und Leben oder die sexuelle Integrität verletzt würden, bewirkten
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auch in ausländerrechtlicher Hinsicht ein höheres Schutzbedürfnis als z.B.
Drogendelikte (BGE 133 IV 201). Zutreffend ist, dass das Bundesgericht in einem Urteil
betr. bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug erwog, Betäubungsmitteldelikte hätten
in der Regel keine unmittelbare konkrete Gefahr für hochwertige Rechtsgüter wie Leib
und Leben oder sexuelle Integrität zur Folge. In ausländerrechtlicher Hinsicht ist
indessen bei schweren Drogendelikten wie bei Gewaltdelikten ein strenger Massstab
anzusetzen (BGE 127 II 527). Dabei ist nach der neuesten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung bei Drogendelikten selbst ein geringes Rückfallrisiko nicht
hinzunehmen, und es darf auch generalpräventiven Gesichtspunkten Rechnung
getragen werden (BGE 2C_578/2009 vom 23. Februar 2010, E. 2.4).
Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, sie habe zu Unrecht der Ehefrau
freigestellt, ihm nach Mazedonien zu folgen. Die Begründung der Zumutbarkeit grenze
an Zynismus. Dieser Vorwurf ist unberechtigt. In objektiver Hinsicht lässt sich nicht
bestreiten, dass die Bewilligungen der Ehefrau und der Kinder vom Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers nicht berührt werden und es daher der
Ehefrau freigestellt ist, mit den Kindern dem Ehemann zu folgen und die Schweiz
ebenfalls zu verlassen. Selbst wenn eine Rückkehr nach Mazedonien für die Ehefrau
nicht zumutbar wäre, liesse dies jedenfalls eine Wegweisung des Beschwerdeführers
nicht unverhältnismässig erscheinen. In solchen Situationen müssen sich die
Betroffenen entscheiden, ob sie die Ehegemeinschaft im Herkunftsstaat leben oder ob
sie sich um des Bestands der Bewilligung der Ehefrau willen trennen.
2.5. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass der
Widerruf der Aufenthaltsbewilligung rechtmässig und verhältnismässig ist. Folglich ist
die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist anzurechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
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Demnach hat das Verwaltungsgericht