Decision ID: 38554bcf-fda9-5d01-ba06-9c1f74a7cd62
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 3. Juni 2016 bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 1). Sie war damals noch als Unterhaltsreinigerin bei der
B._ AG angestellt gewesen (IV-act. 1-4 und 7-1 ff.), jedoch seit dem 25. Januar 2016
von Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben
worden (IV-act. 11-1; vgl. ferner IV-act. 7-3). In einem Arztbericht an die IV-Stelle vom
20. Juni 2016 gab Dr. C._ an, dass die Versicherte an einer hartnäckigen
Cervicobrachialgie links bei Status nach ventraler Diskektomie C5/6 im Januar 2016,
einem chronifizierten Schmerzsyndrom (bestehend seit ca. 2009), einer chronifizierten
Migräne (bestehend seit ca. 2005), einem chronischen lumbospondylogenen Syndrom
(bestehend seit ca. 2012) sowie einem depressiven Zustandsbild (bestehend seit
Herbst 2015) leide. Die Versicherte sei aufgrund ihrer depressiven Verstimmung und
ihrer anhaltenden cervicobrachialgieformen Schmerzen links nicht mehr in der Lage,
die bisherige Arbeit als Reinigungsfachfrau durchzuführen. Aktuell seien auch keine
anderen Tätigkeiten möglich (IV-act. 11-1). Dr. C._ legte seinem Bericht sämtliche
ihm vorliegenden, die Versicherte betreffenden, fachärztlichen Berichte der sechs
vorangegangenen Jahre bei (IV-act. 11-2 ff.). Auf Empfehlung des regionalen ärztlichen
Dienstes (RAD) holte die IV-Stelle im Verlauf noch weitere medizinische Unterlagen ein
A.a.
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(vgl. IV-act. 19 ff.). Aus diesen ging unter anderem hervor, dass sich die Versicherte seit
anfangs Mai 2016 bei Dr. med. D._, Psychiatrie, Psychotherapie FMH, in ambulanter
psychiatrischer Behandlung befand (IV-act. 26).
In einer Beurteilung vom 14. Februar 2017 hielt der RAD fest, dass gemäss
Aktenlage wiederholte bildgebende Untersuchungen durchgeführt worden seien ohne
Nachweis einer schlüssigen Ursache für die von der Versicherten geklagten Rücken-,
Arm- und Beinbeschwerden. Gemäss dem Austrittsbericht der Kliniken Valens
(Aufenthalt der Versicherten vom _ 2016 bis _ 2016, IV-act. 37-8 ff.) bestünden
Anzeichen einer massiven Selbstlimitierung und erheblichen Symptomausweitung.
Aufgrund der vorliegenden Unterlagen könne die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilt
werden, weshalb die Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung empfohlen
werde (IV-act. 50).
A.b.
Vom 6. Februar 2017 bis 3. Mai 2017 war die Versicherte in der Psychiatrischen
Tagesklinik E._ behandelt worden. Im Austrittsbericht vom 3. Mai 2017 nannte Dr.
med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, als Diagnosen eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, ohne
somatisches Syndrom, sowie eine Somatisierungsstörung. Weiter hielt er fest, die
Versicherte sei von ihrem Hausarzt Dr. C._ und in Rücksprache mit Dr. D._
zugewiesen worden. Die Exploration habe sich aufgrund der sprachlichen Barriere
schwierig gestaltet. Anamnestisch und auch fremdanamnestisch durch die Familie
seien depressive Episoden und die Somatisierungsstörung bereits seit mehreren
Jahren bestehend. Die Versicherte sei in ein teilstationäres multimodales
Therapieprogramm eingebunden worden, wobei die medikamentöse Einstellung in
Zusammenarbeit mit Dr. C._ erfolgt sei. Aufgrund der psychischen und körperlichen
Einschränkungen sei es der Versicherten von Beginn an nicht möglich gewesen,
selbständig in die Tagesklinik zu kommen. Sie sei täglich von Familienangehörigen
gebracht worden. Die Versicherte habe in den drei Monaten Behandlung nur sehr
eingeschränkt am Therapieprogramm teilgenommen und habe sich vermehrt wegen
des Gefühls von Überforderung, Schwindel oder anderer körperlicher Symptome in den
Ruheraum zurückgezogen. Auch in den Einzelgesprächen seien eine rasche
Ermüdbarkeit und das Gefühl der Überforderung vorhanden gewesen. Die Versicherte
habe wenig Introspektionsfähigkeit gezeigt, was neben den sprachlichen
A.c.
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Schwierigkeiten das Vertiefen von Themen erschwert habe. Anfängliche Therapieziele,
wie z.B. vermehrte Alltagsaktivitäten, hätten nicht erreicht werden können. In den
Gesprächen mit den Angehörigen habe sich gezeigt, dass auch im häuslichen Umfeld
wenig Veränderungen und sogar eher noch eine Verschlechterung eingetreten seien.
Deshalb sei eine stationäre Therapie empfohlen worden, worauf sich die Versicherte
habe einlassen können (IV-act. 68). Vom 5. Mai 2017 bis 12. Juli 2017 wurde die
Versicherte in der Klinik G._ stationär behandelt. Im Austrittsbericht vom 11. August
2017 nannten die behandelnden Ärzte folgende Diagnosen: Rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome,
Somatisierungsstörung, chronische Hüftschmerzen links und Migräne. Weiter hielten
die behandelnden Ärzte in ihrer Beurteilung fest, dass die Versicherte nach einer
Verschlechterung der psychischen und körperlichen Verfassung mit einer schweren
depressiven Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Symptomatik,
chronischen Schmerzen und einer psychosozialen Belastungssituation freiwillig zur
stationären Erstaufnahme gekommen sei. Unter einer medikamentösen
Kombinationsbehandlung und der Teilnahme an einem auf allgemeine Aktivierung und
Abbau von Schon- und Vermeidungsverhalten zielenden Behandlungsprogramm habe
sich die Versicherte allmählich stabilisieren können. Nach mehreren Beurlaubungen, die
komplikationslos verlaufen seien, habe sie in einem weiterhin leicht depressiven, doch
insgesamt gebesserten Allgemeinzustand wieder in die gewohnte Umgebung entlassen
werden können. Die depressive Symptomatik sei bei Austritt teilremittiert gewesen. Die
Schmerzsymptomatik sei in den Hintergrund getreten und die ihrerseits vermehrt
schmerzauslösende Schonhaltung ein wenig reduziert gewesen. Prognostisch sei eine
weitere aktivierende Behandlung wichtig, um einem Rückfall in die vorbestehenden
Verhaltensmuster entgegen zu wirken (IV-act. 66).
Am 28. Juli 2017, 31. Juli 2017 und 3. August 2017 wurde die Versicherte im
Auftrag der IV-Stelle von der Begutachtungsstelle medaffairs polydisziplinär
(orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und allgemeinmedizinisch) abgeklärt (IV-act.
61). In der Konsensbeurteilung des am 23. November 2017 erstatteten Gutachtens
nannten die Sachverständigen der medaffairs folgende Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit: eine beginnende Coxarthrose, eine chronische Lumbalgie, eine
chronische Zervikalgie, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine
A.d.
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leichte depressive Episode (IV-act. 61-20). Sodann kamen die Gutachter zum Schluss,
dass aus orthopädischer Sicht für die schwere und mittelschwere körperliche Tätigkeit
im Reinigungsdienst aufgrund der vorliegenden Akten und Befunde ab dem 25. Januar
2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. In optimal leidensangepassten
Tätigkeiten (leichte körperliche Tätigkeiten ohne Zwangspositionen, ohne Arbeiten in
Reklination, ohne dauerhaftes Arbeiten in vorgebeugter Haltung, ohne Arbeiten mit
vorgehaltenem Arm, ohne Gewichtsbelastung über 5 kg, ohne die Notwendigkeit, eine
Gehstrecke von insgesamt 1 bis 1.5 km pro Tag zurücklegen zu müssen, ohne die
Notwendigkeit auf Treppen und Leitern zu steigen und auf unebenem Gelände laufen
zu müssen und hauptsächlich sitzend oder stehend) sei seit Mai 2016 (drei Monate
nach der Operation vom 28. Januar 2016) eine 80%ige Arbeitsfähigkeit gegeben. Aus
psychiatrischer Sicht entspreche die zuletzt ausgeübte Tätigkeit einer
leidensangepassten Tätigkeit. Ab Beginn der stationären/teilstationären Behandlung
vom 5. Mai 2017 sei für 12 Monate von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Möglicherweise habe bereits vor der stationären Aufnahme vom 5. Mai 2017 eine
(Teil-)Arbeitsunfähigkeit bestanden. Auch aktuell bestehe aus psychiatrischer Sicht
noch eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Nach Ablauf der 12 Monate sollte sich die
Arbeitsfähigkeit allerdings durch gezielte Massnahmen steigern lassen. Nach
Abschluss der geplanten teilstationären Behandlung sollte eine
Wiedereingliederungsmassnahme durchgeführt werden (IV-act. 61-29 f.). Im
psychiatrischen Teilgutachten hatte der psychiatrische Sachverständige ergänzend
ausgeführt, dass bis zum Abschluss der geplanten tagesklinischen Behandlung eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % anzunehmen sei. Anschliessend sei davon auszugehen,
dass die depressive Symptomatik in den Hintergrund treten werde und dass die nach
der tagesklinischen Behandlung zu erwartende 50%ige Arbeitsunfähigkeit noch weiter
sinken werde, sodass nach der Sistierung der depressiven Symptomatik aufgrund der
somatoformen Schmerzstörung in Zukunft lediglich noch eine 30%ige
Arbeitsunfähigkeit zu erwarten sei (IV-act. 61-114). Im interdisziplinären Konsens
hielten die Sachverständigen sodann fest, dass aus gesamtmedizinischer Sicht in der
angestammten Tätigkeit ab dem 25. Januar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestehe. In einer Verweistätigkeit bestehe seit Mai 2016 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
und ab dem 5. Mai 2017 bis maximal Mai 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-
act. 61-29 f.).
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Vom 5. Juni 2018 bis 8. Juni 2018 wurde die Versicherte im Spital H._
hospitalisiert. Die Einweisung war auf hausärztliche Zuweisung bei unklarem
neurologischem Zustandsbild mit Spontannystagmus, Schwindel und Hypertonie
erfolgt. Ein im Rahmen der Hospitalisation angefertigtes Schädel-CT zeigte kein
pathologisches Korrelat. Die behandelnden Ärzte vermuteten, insbesondere auch
wegen einer kürzlich erfolgten zusätzlichen Medikamentenversorgung, ein
serotonerges Syndrom. In Rücksprache mit Dr. D._ empfahlen sie eine Zuweisung an
eine psychiatrische Klinik bzw. an ein Schmerzzentrum zur Einstellung der
Medikamente, was jedoch - trotz Aufklärung über die Risiken der bestehenden
Medikation - sowohl von der Versicherten als auch deren Ehemann ausdrücklich
abgelehnt wurde (IV-act. 100, 102 f. und 128 f.).
A.e.
Nachdem die IV-Stelle auf Anweisung des RAD weitere medizinische Unterlagen
eingeholt hatte (IV-act. 62 ff.), stellte sie am 22. August 2018 Rückfragen an die
Gutachter der medaffairs (IV-act. 107; zur Formulierung der gestellten Fragen durch
RAD-Ärztin Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vgl. IV-
act. 106; vgl. ferner IV-act. 113 f.).
A.f.
In einer MRT Arthrographie des linken Schultergelenks vom 18. September 2018
zeigte sich eine Partialläsion der Supra- und Infraspinatussehne (IV-act. 119 und 136;
vgl. ferner IV-act. 116). Am 17. Oktober 2018 erfolgte eine diagnostisch-therapeutische
Infiltration glenohumeral und subacromial links. Ausserdem wurde bei chronischen
Hüftschmerzen links und MR-tomographisch nachgewiesener Partialruptur der
glutaeus medius Sehne, femoro-actebulärem Knorpeldefekt und beginnender
Coxarthrose eine therapeutische Infiltration der Bursa trochanterica links durchgeführt.
Nach den Infiltrationen verspürte die Versicherte eine diskrete Besserung der
Beschwerden (IV-act. 156-9 f.).
A.g.
Am 22. Oktober 2018 bzw. 29. Oktober 2018 reichten der psychiatrische und
allgemeinmedizinische Gutachter der medaffairs ihr Antwortschreiben zu den seitens
der IV-Stelle gestellten Rückfragen ein. Sie hielten namentlich fest, dass der
Versicherten nicht wegen der leichten depressiven Episode, sondern wegen einer
Erkrankung aus dem somatoformen Diagnosespektrum eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei. Die depressive Störung sei im Gutachten
A.h.
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zusätzlich genannt worden, weil die Situation aufgrund der Komorbidität in gewissem
Sinne verschlimmert werde. Im Übrigen müsse sich eine somatoforme Schmerzstörung
nicht ausgeprägt im Psychostatus niederschlagen. Da sich die bisher durchgeführten
Massnahmen günstig ausgewirkt hätten, sollte die von der Versicherten angeführte
teilstationäre Behandlung in Bälde durchgeführt werden. Es sei anzunehmen, dass sich
durch diese eine Besserung erzielen lassen würde. Aus dieser Überlegung sei auch
eine vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, die aus
psychiatrischer Sicht nicht auf Dauer, sondern nur für den Zeitraum bis zur Beendigung
der tagesklinischen Behandlung bestehen sollte. Vor dem Hintergrund der im Rahmen
der Begutachtung durchgeführten Labordiagnostik sollte auch die bestehende
psychopharmakologische Medikation reflektiert und unter Laborkontrolle fortgesetzt
werden, da eine Medikation, die nicht eingenommen werde, nicht wirken könne (IV-act.
115 und 117).
In einem Bericht der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
vom _ November 2018 wurde festgehalten, dass am _ November 2018 eine MRT-
Untersuchung der HWS durchgeführt worden sei, die eine Protrusion auf der Höhe
C5/6 eher linksseitig gezeigt habe. Die Beschwerden der Versicherten seien
allumfassend und sehr diffus, weshalb sie schwer auf den Punkt zu bringen seien. Es
werde auf keinen Fall eine Operation empfohlen. Aus neurochirurgischer Sicht gäbe es
nichts zu tun (IV-act. 121; zum Befund einer bereits im Juni 2018 durchgeführten MRT-
Untersuchung der HWS vgl. IV-act. 130).
A.i.
Am 22. November 2018 äusserte sich RAD-Ärztin Dr. I._ zur eingegangen
Stellungnahme der medaffairs dahingehend, dass die Gutachter nicht nachvollziehbar
begründet hätten, weshalb die leichte Depression die somatoforme Schmerzstörung
derart negativ beeinflussen sollte, dass insgesamt eine volle Arbeitsunfähigkeit
resultiere. Ausserdem sei vor dem Hintergrund des bisherigen Verlaufs mit bereits
gescheiterter tagesklinischer Behandlung und einer Krankheitsüberzeugung der
Versicherten mit eingeschränkter persönlicher Ressourcenlage nicht anzunehmen,
dass ein erneuter tagesklinischer Aufenthalt zu einer relevanten Verbesserung des
Gesundheitszustandes führen würde (IV-act. 120). In einer weiteren Beurteilung vom 3.
Dezember 2018 hielt RAD-Ärztin Dr. I._ fest, dass die Attestierung einer vollen
Arbeitsunfähigkeit durch die Gutachter der medaffairs nicht ausreichend
A.j.
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nachvollziehbar begründet worden sei. Ausserdem würden im Gutachten
hypothetische Aussagen zur zukünftigen bzw. erreichbaren Arbeitsfähigkeit nach
erfolgter Therapie gemacht. Zudem finde im Gutachten keine ausführliche
Auseinandersetzung mit der Ressourcenlage der Versicherten und deren Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit statt. Schliesslich könnten die gutachterlichen Überlegungen
bezüglich der Auswirkungen der vorgeschlagenen Therapieoptionen vor dem
Hintergrund der gestellten und sich gegenseitig negativ beeinflussenden Diagnosen,
der Persönlichkeitsstruktur der Versicherten sowie deren persönlichen
Krankheitsüberzeugung nicht ausreichend nachvollzogen werden. RAD-Ärztin Dr. I._
empfahl sodann die erneute Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung bei
einer anderen Gutachterstelle sowie die Aktualisierung der medizinischen Aktenlage
(IV-act. 145).
Mit Mitteilung vom 4. Dezember 2018 informierte die IV-Stelle die anwaltlich
vertretene Versicherte über die geplante polydisziplinäre Begutachtung (IV-act. 124; zur
weiteren Mitteilung vgl. IV-act. 150). Gleichentags leitete die IV-Stelle die Aufdatierung
der medizinischen Unterlagen seit Mai 2018 in die Wege (vgl. IV-act. 126 ff.). Unter
anderem gingen Sprechstundenberichte der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin
des KSSG ein (vgl. IV-act. 132 f., 138 f. und 143; zu schon früher eingereichten
Berichten der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin vgl. IV-act. 105 und 108). In
einem Bericht vom _. Dezember 2018 hielten die behandelnden Ärzte fest, dass nach
einer Bronchoskopie und Schleimhautbiopsien, die nur eine leichte chronisch aktive
Entzündung gezeigt hätten, der geklagte Husten am ehesten als postinfektiös bedingt,
unterhalten durch den persistierenden Tabakrauchkonsum, interpretiert werde. Die
Versicherte habe sich zu einer Anmeldung für einen Rauchstopp entscheiden können
(IV-act. 143). Anlässlich einer Sprechstunde in der Klinik für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom _ Dezember 2018
berichtete die Versicherte über eine kurze Beschwerdebesserung nach der
glenohumeralen und subacromialen Infiltration bei aktuell wieder deutlich ausgeprägten
Beschwerden. Es wurde ein weiterer Termin für eine Infiltration vereinbart und bei
Beschwerdepersistenz ein operatives Vorgehen in Erwägung gezogen (IV-act. 156-17
f.). Im Bericht zur am folgenden Tag in derselben Klinik des KSSG erfolgten
Sprechstunde betreffend Hüfte wurde festgehalten, dass die Versicherte ein
A.k.
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undifferenziertes massives Beschwerdebild an der linken Hüfte zeige, welches mit den
erfassten bildgebenden Pathologien nicht im Einklang stehe. Daher gebe es keine
Indikation für eine operative Therapie. Auf Wunsch der Versicherten werde die
intraartikuläre Hüftgelenksinfiltration, die früher zu einer leichtgradigen
Beschwerdebesserung geführt habe, wiederholt. Bei bereits geplantem
Infiltrationstermin für die Schulter wurde das Schulterteam um die Durchführung
gebeten (IV-act. 148). Am _ Dezember 2018 erfolgten die Infiltrationen (IV-act.
156-19).
Mit Schreiben vom 17. Januar 2019 erklärte sich die Versicherte mit den
vorgeschlagenen Gutachtern einverstanden (IV-act. 153). Am 13. Februar 2019 wurde
die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von der Zentrum für Interdisziplinäre
Medizinische Begutachtungen AG (ZIMB) allgemeinmedizinisch, psychiatrisch,
rheumatologisch und neurologisch untersucht (IV-act. 160-5). Nachdem anlässlich
einer Sprechstunde vom 12. März 2019 eine Entscheidung gegen eine
Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion gefällt worden war, wurde am 27. März 2019
eine erneute Infiltration der linken Schulter subacromial durchgeführt (IV-act. 156-26).
Am 25. April 2019 erläuterte Dr. C._ im Auftrag der Versicherten deren
Krankheitsverlauf aus seiner Sicht (vgl. IV-act. 156).
A.l.
Am 29. April 2019 erstattete die ZIMB ihr polydisziplinäres Gutachten (IV-act.
160). In ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung nannten die Sachverständigen
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: chronisches
zervikospondylogenes Schmerzsyndrom linksbetont, Funktions- und Belastungsdefizit
linke Schulter, chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom linksbetont,
Belastungsdefizit linke Hüfte, Hypermobilität, chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren und rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (IV-act. 160-10). Sodann kamen sie zum
Schluss, dass in der angestammten Tätigkeit seit der Diskushernienoperation im
Januar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei. In einer leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit ohne regelmässige Arbeiten mit dem linken Arm über der
Horizontalen und ohne ausschliessliche Geh- und Stehbelastung bestehe hingegen
eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. Die 30%ige Arbeitsunfähigkeit ergebe sich aufgrund der
Schmerzstörung und der Depression, die zu einer Einschränkung der
A.m.
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Leistungsfähigkeit mit erhöhtem Pausenbedarf und reduziertem Rendement führten.
Über die Zeit gemittelt könne eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten
Tätigkeiten ab Juli 2016 angenommen werden. Aufgrund der ausgeprägten subjektiven
Krankheits- und Behinderungsüberzeugung seien berufliche Massnahmen nicht
erfolgsversprechend. Auch durch medizinische Massnahmen könne die
Arbeitsfähigkeit nicht verbessert werden. Die passiven und regressiven
Verhaltensweisen der Versicherten hätten keinen Krankheitswert und würden sich
durch eine psychiatrische Behandlung kaum beeinflussen lassen (IV-act. 160-12 f.).
In einer Beurteilung vom 9. Juli 2019 hielt RAD-Ärztin Dr. I._ fest, dass die
Gutachter auf erhebliche Inkonsistenzen hingewiesen hätten. Das Ausmass der von der
Versicherten geschilderten und demonstrierten Beschwerden bzw. die geltend
gemachten Einschränkungen könnten vor diesem Hintergrund aus medizinischer Sicht
nicht hinreichend nachvollzogen werden (IV-act. 161-2).
A.n.
Anlässlich eines Telefonats mit der Versicherten bzw. deren Tochter vom 5.
August 2019 erklärte die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle gemäss einer von
ihr verfassten Telefonnotiz, dass gemäss dem Gutachten berufliche Massnahmen
möglich wären. Seitens der Versicherten bzw. deren aufgrund sprachlicher
Verständigungsschwierigkeiten beigezogenen Tochter wurde zum Ausdruck gebracht,
dass die Versicherte zwar wirklich gerne arbeiten würde, dies aufgrund der Schmerzen
jedoch einfach nicht gehe. Berufliche Massnahmen seien nicht realistisch (IV-act. 164).
Mit gleichentags erlassener Mitteilung wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 166).
A.o.
Mit Vorbescheid vom 24. Oktober 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 15 % in Aussicht (IV-
act. 171).
A.p.
Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Dr. iur. B. Wyler, Frauenfeld, am 25. November 2019 Einwand erheben (IV-act. 178)
unter Beilage eines Berichtes von Dr. D._ vom 4. September 2019, worin dieser
ausgeführt hatte, sich bei der Versicherten eine Erwerbstätigkeit als Raumpflegerin mit
Leistungsniveau von 70 % in keiner Weise vorstellen zu können (IV-act. 178-13).
A.q.
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B.
Nach der Einholung einer erneuten RAD-Beurteilung (vgl. IV-act. 184) verfügte die
IV-Stelle am 23. März 2020 die Abweisung des Rentengesuchs bei einem
Invaliditätsgrad von 15 % (IV-act. 185).
A.r.
Gegen diese Verfügung erhob die weiterhin durch Rechtsanwältin Wyler vertretene
Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 14. Mai 2020 Beschwerde. Sie
beantragte, die Verfügung der IV-Stelle vom 23. März 2020 betreffend Invalidenrente
sei aufzuheben und ihr sei ab November 2016 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen zu treffen. Insbesondere sei sie
durch das Gericht durch eine nicht vorbefasste Gutachterstelle erneut interdisziplinär
im Sinne eines Obergutachtens begutachten zu lassen. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). In
formeller Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin die Durchführung eines zweiten
Schriftenwechsels sowie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung (act. G 1; zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vgl. auch act. G
4 und 4.1).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Juli 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.b.
Am 6. Juli 2020 teilte die verfahrensleitende Richterin der Beschwerdeführerin mit,
dass das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (inkl. Rechtsverbeiständung)
mangels ausgewiesener Bedürftigkeit nicht bewilligt werden könne. Ohne gegenteilige
Rückmeldung bis zum 14. Juli 2020 werde angenommen, dass am Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege nicht festgehalten werde (act. G 6). Nach Erhalt einer
Stellungnahme der Beschwerdeführerin (vgl. act. G 7 f.) erklärte die verfahrensleitende
Richterin am 21. August 2020, dass es bei der Abweisung des Gesuchs um
unentgeltliche Rechtspflege bleibe (act. G 9).
B.c.
In ihrer Replik vom 12. Oktober 2020 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde vom 14. Mai 2020 gestellten Rechtsbegehren fest. Am Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege hielt sie hingegen nicht mehr fest (act. G 12).
B.d.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (IV) haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Mit Schreiben vom 5. November 2020 hielt die Beschwerdegegnerin am in der
Beschwerdeantwort gestellten Antrag fest und verzichtete auf die Erstattung einer
ausführlichen Duplik (act. G 15).
B.e.
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3.
Die IV-Anmeldung der Beschwerdeführerin ist bei der Beschwerdegegnerin am 3. Juni
2016 eingegangen (IV-act. 1-1). Der früheste Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs
im Sinne von Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG fällt somit auf den 1. Dezember 2016. Das
Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht
verstrichen gewesen, da die länger andauernde Arbeitsunfähigkeit im angestammten
Beruf erst am 25. Januar 2016 eingetreten ist (vgl. IV-act. 1-3, 7-3, 11-1, 61-29 und
160-12). Erste Beschwerden mögen zwar bereits vor dem 25. Januar 2016 aufgetreten
sein, doch haben diese gemäss den Akten - entgegen den Ausführungen in der
Beschwerde (vgl. act. G 1 S. 3 f.) - nicht zu einer langanhaltenden Arbeitsunfähigkeit
geführt (vgl. das Arztattest in IV-act. 11-1 sowie die Angaben der Arbeitgeberin in IV-
act. 7-3 und 7-11). Unter Berücksichtigung des Wartejahres fällt der frühestmögliche
Rentenbeginn somit auf den 1. Januar 2017 (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b i.V.m. 29 Abs. 3
IVG).
4.
Zunächst zu prüfen ist demnach, ob der Grad der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten gestützt auf die vorliegende
medizinische Aktenlage für den Zeitraum ab dem 1. Januar 2017 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E.
6 und Urteil des Bundesgerichts vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2; vgl. ferner E.
4.3).
4.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
4.2.
In beweisrechtlicher Hinsicht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (BGE 125 V
352 E. 3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
4.3.
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Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
Der im Sozialversicherungsrecht geltende Untersuchungsgrundsatz schliesst eine
Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen und 138 V 221 f. E. 6
mit Hinweisen).
4.4.
Vom 6. Februar 2017 bis 3. Mai 2017 ist die Beschwerdeführerin in der
Psychiatrischen Tagesklinik E._ behandelt worden (IV-act. 68). Vom 5. Mai 2017 bis
12. Juli 2017 hat sie sich stationär in der Klinik G._ aufgehalten (IV-act. 66). Während
dieser stationären und tagesklinischen Aufenthalte ist grundsätzlich naturgemäss von
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Anhaltspunkte dafür, dass die
tagesklinische oder stationäre Behandlung nicht indiziert gewesen wären, liegen
nämlich nicht vor. Vielmehr scheint sich die Beschwerdeführerin während des
stationären Aufenthaltes psychisch stabilisiert zu haben. Die depressive Symptomatik
ist gemäss den Angaben der behandelnden Ärzteschaft der Klinik G._ bei Austritt
teilremittiert gewesen und die Schmerzsymptomatik in den Hintergrund getreten (IV-
act. 66-4). Die Beschwerdeführerin sei mit einer schweren depressiven Symptomatik in
die Klinik eingetreten (vgl. IV-act. 66-1), während sie am Ende der Behandlung lediglich
noch in einem leicht depressiven Zustand in die gewohnte Umgebung entlassen
worden sei (vgl. IV-act. 66-3). Namentlich vom stationären Aufenthalt scheint die
Beschwerdeführerin also profitiert zu haben. In den entsprechenden Austrittsberichten
ist der Beschwerdeführerin trotzdem eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
(IV-act. 66 und 68), in demjenigen der Klinik G._ zumindest bis zum 31. Juli 2017 (vgl.
IV-act. 66-2). Vor diesem Hintergrund ist es gut nachvollziehbar, dass der
4.5.
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psychiatrische Sachverständige der medaffairs davon ausgegangen ist, bei der
Beschwerdeführerin habe spätestens seit dem Beginn der stationären Behandlung,
also spätestens seit dem 5. Mai 2017, allenfalls bereits einige Monate zuvor, für
sämtliche beruflichen Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (IV-act.
61-114 f.). Ebenso folgerichtig erscheint seine Einschätzung, wonach im
Untersuchungszeitpunkt vom 31. Juli 2017 (zum Datum der Untersuchung vgl. IV-act.
61-92) noch immer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei (vgl. IV-
act. 61-114). Angesichts des dokumentierten Behandlungserfolgs der stationären
Therapie ist auch seine Empfehlung zur Durchführung einer tagesklinischen
Behandlung und die Annahme, dass bis zum Abschluss einer solchen weiterhin eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren sei, plausibel, wenngleich die prognostische,
nicht näher begründete Dauer bis längstens Mai 2018 etwas zufällig anmutet (vgl. IV-
act. 61-114 f. und 61-30). Weshalb der RAD diese vorübergehende Attestierung einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit als nicht nachvollziehbar bezeichnet hat bzw. das
psychiatrische Gutachten der medaffairs als nicht schlüssig befunden hat (vgl. IV-
act. 62, 98, 104, 106 f., 120 und 145), erschliesst sich dem Gericht nicht. Wie der
psychiatrische Sachverständige zusammen mit dem fallführenden Gutachter der
medaffairs in der Stellungnahme vom 22. bzw. 29. Oktober 2018 nochmals explizit
festgehalten hat, ist die vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht in erster
Linie aufgrund des in der Untersuchung vom 31. Juli 2017 festgestellten Psychostatus
mit einer lediglich leichten depressiven Symptomatik und einer Schmerzproblematik
attestiert worden, sondern namentlich vor dem Hintergrund, dass eine tagesklinische
Behandlung als indiziert erachtet worden ist (vgl. IV-act. 115 und 117). Daraus ist zu
schliessen, dass die Gutachter der medaffairs der Beschwerdeführerin Zeit zur
Regeneration und psychischen Stabilisierung durch indizierte
Behandlungsmassnahmen haben geben wollen, in der Annahme, sie sei dadurch
später mittels ebenfalls empfohlener beruflicher Massnahmen (vgl. IV-act. 61-31 und
61-115) wieder in den Arbeitsprozess integrierbar (vgl. IV-act. 115-3, 61-114 und 61-30
f.). Da, soweit ersichtlich, nach der Begutachtung durch die medaffairs allerdings
entgegen der Annahme der Gutachter keine tagesklinische Behandlung und auch sonst
keine (teil-)stationären Therapien, die auf die Behandlung der psychischen Leiden
ausgerichtet gewesen wären, mehr stattgefunden haben (vgl. dazu auch die RAD-
Beurteilung vom 26. Juni 2018; IV-act. 98-2), kann auf die von den Gutachtern über
den 31. Juli 2017 hinaus aus psychischen Gründen attestierte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten nicht abgestellt werden (vgl. IV-act. 61-30).
Dies ändert aber nichts an der grundsätzlichen Plausibilität des Gutachtens der
medaffairs. Das Gutachten der medaffairs beruht auf eigenständigen Abklärungen, hat
die Aktenlage berücksichtigt, ist auf die von der Beschwerdeführerin geschilderten
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Leiden eingegangen und hat das strukturierte Beweisverfahren beachtet (vgl. IV-
act. 61). Unter Berücksichtigung des Gutachtens der medaffairs (vgl. IV-act. 61) sowie
der Austrittsberichte zur tagesklinischen und stationären psychiatrischen Behandlung
der Beschwerdeführerin im Jahr 2017 (vgl. IV-act. 66 und 68) ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass vom 6. Februar 2017 bis 31. Juli 2017 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Angesichts dessen, dass im
Austrittsbericht der Psychiatrischen Tagesklinik E._ vom 3. Mai 2017 eine Zuweisung
durch den Hausarzt dokumentiert ist, mithin anzunehmen ist, die psychische
Destabilisierung sei bereits vor dem Beginn der tagesklinischen Behandlung
eingetreten (vgl. IV-act. 68), rechtfertigt es sich, die 100%ige Arbeitsunfähigkeit bereits
ab Januar 2017 anzunehmen. Die retrospektive Einschätzung der Gutachter des ZIMB,
wonach in leidensangepassten Tätigkeiten gemittelt bereits seit Juli 2016 eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit bestanden habe (vgl. IV-act. 160-12), ist angesichts der
tagesklinischen bzw. stationären Behandlungen vom 6. Februar 2017 bis 12. Juli 2017
nicht schlüssig (vgl. dazu auch den Einwand der Beschwerdeführerin in act. G 1 S. 7
und 4 f.). Weiter gilt es zu beachten, dass retrospektive Einschätzungen in der Regel
ungenauer als echtzeitliche Beurteilungen ausfallen dürften. Folglich lässt die
retrospektive Einschätzung der ZIMB-Gutachter keine beachtlichen Zweifel an der bis
31. Juli 2017 echtzeitlich dokumentierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin aufkommen. Zusammenfassend ist zwischen Januar 2017 und Juli
2017 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten auszugehen.
Es ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin im Dezember 2018
eine Begutachtung der Beschwerdeführerin bei der ZIMB in die Wege geleitet hat (vgl.
IV-act. 144 f. und 147). Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat es sich
dabei nicht um eine unzulässige Zweitbegutachtung gehandelt (vgl. act. G 1 S. 5).
Vielmehr ist die Beschwerdegegnerin im Rahmen der sie treffenden
Untersuchungspflicht (Art. 43 ATSG) durchaus gehalten gewesen, eine erneute
Begutachtung durchführen zu lassen. Dies einerseits, weil sich die Annahme der
Gutachter der medaffairs, wonach die Beschwerdeführerin nach der Begutachtung eine
tagesklinische Behandlung antreten werde, nicht bewahrheitet hatte, sodass der über
den 31. Juli 2017 hinaus attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit die Grundlage
entzogen worden ist (vgl. dazu E. 4.4). Andererseits, weil die medaffairs-Gutachter für
die Zeit nach der Begutachtung keine beweisrechtlich brauchbare Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit abgegeben haben, sondern diese vom Erfolg der empfohlenen
Behandlungsmassnahmen bzw. Eingliederungsmassnahmen abhängig gesehen haben
(vgl. IV-act. 61-29 f.). Der psychiatrische Sachverständige hat lediglich prognostisch
eingeschätzt, dass in Zukunft bei Besserung der psychischen Symptomatik aufgrund
4.6.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/22
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der Schmerzsymptomatik längerfristig eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit in
leidensangepassten Tätigkeiten zu erwarten sei (IV-act. 61-114). Diese Prognose hat
aber offenkundig nicht als Basis für den Rentenentscheid dienen können. Folglich hat
die Beschwerdegegnerin zu Recht eine weitere Begutachtung in Auftrag gegeben. Im
Übrigen hat die Beschwerdeführerin gegen die ihr gehörig angekündigte Begutachtung
bei der ZIMB (vgl. IV-act. 124 und 150) damals explizit keine Einwände erhoben,
sondern sich sinngemäss damit einverstanden erklärt (vgl. IV-act. 153), sodass ihr
nachträglicher Protest missbräuchlich anmutet.
Das polydisziplinäre Gutachten der ZIMB beruht auf eigenständigen Abklärungen
und es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Sachverständigen bei ihren
Untersuchungen nicht lege artis vorgegangen sind. Die Herleitung der von ihnen
gestellten Diagnosen haben sie nachvollziehbar begründet (vgl. IV-act. 160). Entgegen
der in der Beschwerde geäusserten Ansicht (vgl. act. G 1 S. 7) ist auch kein gewichtiger
Widerspruch zwischen den im ZIMB-Gutachten und den im medaffairs-Gutachten
gestellten Diagnosen zu erkennen. Vielmehr sind - mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit - in beiden Gutachten aus somatischer Sicht im Wesentlichen
verschiedene Schmerzsyndrome und Belastungsdefizite, teilweise ergänzt durch
bildgebend dokumentierte Veränderungen, genannt worden, während aus
psychiatrischer Sicht jeweils eine Schmerzstörung festgestellt und eine Diagnose aus
dem depressiven Formenkreis gestellt worden sind (vgl. IV-act. 61-20 und 160-10).
Auch leuchtet die von den ZIMB-Gutachtern bescheinigte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
für die angestammte Tätigkeit sowie 30%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten unter Berücksichtigung der übrigen Aktenlage ein (vgl. IV-act. 160-12).
Namentlich stimmt sie mit der prognostischen Einschätzung des psychiatrischen
Sachverständigen der medaffairs überein, wonach längerfristig aus psychischen
Gründen von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten
auszugehen sei (vgl. IV-act. 61-114). Dass die Gutachter der ZIMB bei der Beurteilung
des Funktionsniveaus und der Arbeitsfähigkeit auch motivationale Faktoren
berücksichtigt haben (vgl. z.B. IV-act. 160-45), ist nicht zu beanstanden (vgl. act. G 1 S.
7 f.). Es ist gerade die Aufgabe von Sachverständigen, vorgetragene Leiden nicht
unkritisch zu übernehmen, sondern soweit möglich zu objektivieren und eine
Zumutbarkeitsbeurteilung vorzunehmen. Anhaltspunkte für eine von der
Beschwerdeführerin behauptete Persönlichkeitsverletzung liegen jedenfalls keine vor
(vgl. act. G 1 S. 7 f.). Auch hinsichtlich der Adaptationsprofile ist entgegen der Ansicht
der Beschwerdeführerin (vgl. act. G 1 S. 7) kein unauflösbarer Widerspruch zwischen
den beiden Gutachten auszumachen (vgl. IV-act. 61-29 f. und 160-12 f.), wobei
diesbezüglich auch zu berücksichtigen ist, dass zwischen den beiden Begutachtungen
4.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/22
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in somatischer Hinsicht weitere Abklärungen und Behandlungen stattgefunden haben
(vgl. namentlich IV-act. 62 ff.).
Zu bemängeln ist allerdings, dass das Gutachten der medaffairs den
Sachverständigen der ZIMB anscheinend nicht vorgelegen hat (vgl. IV-act. 160-8 und
160-16 ff.). Grundsätzlich sollten den Gutachtern von der Beschwerdegegnerin
sämtliche im Zeitpunkt einer Begutachtung vorhandenen Akten zur Verfügung gestellt
werden. Dieser potentielle Mangel spricht dem ZIMB-Gutachten vorliegend aber
gleichwohl nicht die Beweiskraft ab. Denn immerhin haben sich die Gutachter aufgrund
der übrigen umfassenden Aktenlage ein zuverlässiges Bild über die medizinische
Vorgeschichte der Beschwerdeführerin inklusive der Ergebnisse der bereits
durchgeführten Begutachtung machen können (vgl. dazu IV-act. 160-16 ff.). Den ZIMB-
Gutachtern haben namentlich auch die Stellungnahme der medaffairs-Gutachter vom
22. bzw. 29. Oktober 2018 sowie die RAD-Zusammenfassungen der Ergebnisse der
medaffairs-Begutachtung vorgelegen (vgl. IV-act. 160-8 f. und 160-16 ff.). Es ist somit
nicht anzunehmen, dass die Sachverständigen der ZIMB in Kenntnis des gesamten
Gutachtens der medaffairs zu einer anderen Beurteilung gelangt wären.
Zusammenfassend kann somit auf die echtzeitliche Einschätzung der ZIMB-Gutachter
abgestellt werden, wonach im Zeitpunkt der Untersuchung vom 13. Februar 2019 (zum
Datum der Untersuchung vgl. IV-act. 160-5) in der angestammten Tätigkeit als
Reinigungskraft eine 100%ige und in leidensangepassten Tätigkeiten eine 30%ige
Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei (vgl. IV-act. 160-12 f.).
4.8.
Die retrospektive Einschätzung, wonach für leidensangepasste Tätigkeiten die
30%ige Arbeitsunfähigkeit gemittelt bereits im Juli 2016 bestanden habe (vgl. IV-
act. 160-12), ist jedoch, wie bereits erläutert (vgl. E. 4.4), nicht schlüssig (vgl. dazu auch
die Einwände der Beschwerdeführerin in act. G 1 S. 7 und 4 f.). Vielmehr ist bis Ende
Juli 2017 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten auszugehen
(vgl. E. 4.4).
4.9.
Ob zwischen dem 1. August 2017 und dem 13. Februar 2019 (Tag der
Begutachtung durch die ZIMB; vgl. IV-act. 160-5) eine höhere als die von der ZIMB
auch rückwirkend attestierte 30%ige Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten
Tätigkeiten bestanden hat (vgl. IV-act. 160-12), lässt sich gestützt auf die Aktenlage
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststellen. Der Beschwerdeführerin kann
nicht gefolgt werden, soweit sie eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus den Berichten der
behandelnden Ärzte ableiten will (vgl. act. G 1 S. 8). So kann beispielsweise aus dem
Umstand, dass die Beschwerdeführerin vom 5. Juni 2018 bis 8. Juni 2018 kurzzeitig
hospitalisiert worden ist, nicht auf eine andauernde höhere Arbeitsunfähigkeit
4.10.
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geschlossen werden, zumal sie die seitens der Ärzte empfohlene Zuweisung an eine
psychiatrische Klinik bzw. ein Schmerzzentrum zur Etablierung einer neuen
medikamentösen Therapie explizit abgelehnt hat (vgl. IV-act. 100, 102 f. und 128 f.; vgl.
dazu ferner act. G 1 S. 4). Auch aus dem von der Beschwerdeführerin angeführten (vgl.
act. G 1 S. 4) Operationsbericht vom 20. November 2017 betreffend eine Infiltration der
Bursa trochanterica links ergibt sich keine höhergradige andauernde Arbeitsunfähigkeit
(vgl. IV-act. 80). Gleiches gilt für den Bericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 30.
November 2017, in welchem die Beschwerdeführerin zur stationären Schmerzmittel-
Umstellung einem Palliativzentrum zugewiesen worden ist (IV-act. 81). In der zur
Schmerzmittelanpassung erfolgten Hospitalisation vom 22. Januar 2018 bis 2. Februar
2018 kann ebenfalls kein Beweis für eine länger anhaltende Arbeitsunfähigkeit erblickt
werden (vgl. IV-act. 82-1). Schliesslich kann die Beschwerdeführerin auch aus dem von
ihr angeführten (vgl. act. G 1 S. 5, oben) Bericht von Dr. D._ vom 4. September 2019,
wonach eine Erwerbstätigkeit als Raumpflegerin mit Leistungsniveau 70 % nicht
vorstellbar sei (vgl. IV-act. 177-13), nichts zu ihren Gunsten ableiten. Dass in der
angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben ist,
wird von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten (vgl. IV-act. 185). Zur Arbeitsfähigkeit
in leidensangepassten Tätigkeiten hat sich Dr. D._ im Bericht vom 4. September
2019 nicht geäussert (vgl. IV-act. 177-13). Auch von weiteren Abklärungen sind keine
besseren Erkenntnisse mehr zu erwarten, zumal die Aktenlage die seitens der
Beschwerdeführerin in Anspruch genommenen Behandlungen bereits ausführlich
dokumentiert, ohne dass sich daraus jedoch die Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten
Tätigkeiten für die Zeit zwischen August 2017 und Februar 2019 ableiten lässt. Die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erscheint auch aufgrund der von den Gutachtern der
ZIMB angesprochenen subjektiven Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin
erschwert (vgl. IV-act.160-45, 160-11, unten, und 160-13; zu der im medaffairs-
Gutachten beschriebenen negativen Antwortverzerrung bzgl. Medikamenteneinnahme
vgl. ferner IV-act. 61-31 f.). Weitere medizinische Abklärungen sind somit aktuell nicht
angezeigt (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 136 I 236 ff. E. 5.3 und 5.5 mit
weiteren Hinweisen). Folglich bleibt beweislos, ob im Zeitraum nach Juli 2017 eine
höhere als die seitens der ZIMB-Gutachter attestierte und vom psychiatrischen
medaffairs-Gutachter ebenfalls prognostisch in Aussicht gestellte 30%ige
Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hat (vgl. IV-act. 61-114 und 160-12). Die Folgen der
Beweislosigkeit hat die Beschwerdeführerin zu tragen (vgl. E. 4.3).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vom 1. Januar 2017 bis 31. Juli 2017
von einer 100%igen und ab dem 1. August 2017 von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit
in optimal leidensangepassten Tätigkeiten auszugehen ist.
4.11.
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5.
Ausgehend von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung sind in einem
nächsten Schritt die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu
prüfen. Für den Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt
des Beginns des Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Massgebend ist
somit das Jahr 2017 (vgl. E. 3).
5.1.
Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG;
BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen). Gemäss dem Auszug
aus dem individuellen Konto bei der Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St.
Gallen hat die Beschwerdeführerin im Jahr 2015 (ab dem 25. Januar 2016 hat die
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestanden; vgl. IV-act. 1-3, 7-3, 11-1,
61-29 und 160-12) ein Jahreseinkommen von Fr. 42'518.-- erzielt (IV-act. 9-1), wobei
ihre wöchentliche Arbeitszeit lediglich ca. 38 Stunden betragen hat (vgl. IV-act. 7-2).
Angepasst an eine betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (vgl.
Anhang 2 der IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019)
ergibt sich ein Jahreseinkommen von gerundet Fr. 46'658.-- (Fr. 42'518.-- / 38 x 41.7).
Dieses Einkommen gilt es auf das Jahr 2017 zu indexieren (vgl. E. 5.1). Folglich
resultiert ein Valideneinkommen von gerundet Fr. 47'231.-- (Fr. 46'658.-- / 2686 x
2719; vgl. Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und
der Reallöhne, 2010-2018, des schweizerischen Bundesamtes für Statistik). Zur
Ermittlung des Invalideneinkommens kann grundsätzlich auf die Tabelle TA 1 der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik 2016
abgestellt werden, wobei auch hier eine Indexierung auf das Jahr 2017 vorzunehmen
ist. Für die im Kompetenzniveau 1 beschäftigten Frauen ergibt sich unter
Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
in einem Arbeitspensum von 100 % für das Jahr 2017 ein Jahreseinkommen von Fr.
54'783.-- (vgl. Anhang 2 der IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2019). Bei den LSE-Daten handelt es sich allerdings lediglich um statistische
Durchschnittswerte, was sich daran zeigt, dass die Beschwerdeführerin im
vorliegenden Fall als Gesunde in einem Pensum von 100 % ein unter dem LSE-Wert
liegendes Einkommen erzielt hat. Da die Akten keinerlei Anhaltspunkte dafür liefern,
dass die Beschwerdeführerin freiwillig auf ein höheres Einkommen verzichtet hat, ist
anzunehmen, dass die Unterdurchschnittlichkeit ihres Validenlohns auf die für die
5.2.
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6.
Invaliditätsbemessung nicht zu berücksichtigenden Zwänge des realen Arbeitsmarktes
zurückzuführen ist. Aus diesem Grund ist das Valideneinkommen auf den LSE-Lohn
anzuheben. Da demnach im vorliegenden Fall sowohl hinsichtlich des hypothetischen
Valideneinkommens als auch bezüglich des Invalideneinkommens derselbe Lohn für
ein Pensum von 100 % zugrunde zu legen ist, kann der Einkommensvergleich anhand
eines sogenannten Prozentvergleichs vorgenommen werden. Dabei entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung
eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2017,
9C_804/2016, E. 2.2 mit Hinweis; zum Tabellenlohnabzug vgl. BGE 126 V 75). Gründe,
die einen Abzug vom Tabellenlohn erforderlich machen würden, sind vorliegend nicht
ersichtlich. Den psychischen Einschränkungen ist bereits mit der gutachterlichen
Attestierung einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit Rechnung getragen worden (vgl. IV-
act. 160-12). Den von der Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde angeführten
invaliditätsfremden Faktoren, die vermutungsweise zur Unterdurchschnittlichkeit des
Valideneinkommens geführt haben (vgl. act. G 1 S. 9 f.), wird bereits mit der Anhebung
des Validenlohns im Rahmen des Einkommensvergleichs ausreichend Rechnung
getragen.
Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100 %, wie er im Zeitraum vom 1. Januar
2017 bis 31. Juli 2017 vorgelegen hat, resultiert nach dem Gesagten ein
Invaliditätsgrad von 100 % und somit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Bei
einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30 %, wie er ab dem 1. August 2017 anzunehmen
ist, ergibt sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30 %. Selbst bei
Anerkennung eines Tabellenlohnabzugs von 10 % würde die rentenbegründende
Schwelle von 40 % nicht erreicht (30 % + [0.1 x 70 %]). Die Beschwerdeführerin hat
folglich ab dem 1. August 2017 grundsätzlich keinen Anspruch mehr auf eine
Invalidenrente. Allerdings ist die ganze Rente unter Berücksichtigung der
Übergangsfrist von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) während dreier Monate weiterhin auszurichten. Folglich besteht ein
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente für den Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 31.
Oktober 2017.
5.3.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen ist
und die Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. Januar 2017 bis 31. Oktober 2017
einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. Die Sache ist zur Festsetzung und
Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
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