Decision ID: 58550aad-601b-40b6-b246-f80345fd7fdb
Year: 2022
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

gung. Dieser Anzeige legte A._ im Wesentlichen folgenden Sachverhalt zugrunde: Er habe
bei der Firma C._ in China einen "Coin Pusher" gekauft, inklusive Verschiffung von China in
die Schweiz. Die Maschine und die Beförderungskosten seien von ihm im Voraus per Bank-
überweisung bezahlt worden. In der Schweiz habe die Firma D._ die Verzollung übernom-
men, und die Firma B._ AG berechne ihm nun einen Betrag von CHF 466.36 (sic!) als Ge-
bühren. Auf seine Reklamation hin sei ihm die Auskunft verweigert worden. Schliesslich habe
ihm die B._ AG mit E-Mail vom 12. Juli 2021 mit der Vernichtung der Ware gedroht. Er er-
suche darum, die Firma B._ AG von der Vernichtung seines Eigentums abzuhalten. In ei-
nem Nachtrag zu seiner Anzeige, ebenfalls datierend vom 14. Juli 2021, führte A._ ergän-
zend aus, er habe auf Facebook herausgefunden, dass seine Maschine erhebliche Kratzer
aufweise. Die Firma B._ AG verweigere ihm den Zutritt, um hiervon Fotos zu machen, wel-
che er als Beweismittel benötige, um die Annahme der Maschine zu verweigern.
B. Am 15. Juli 2021 stellte die Staatsanwaltschaft St. Gallen bei der Staatsanwaltschaft Ba-
sel-Landschaft gestützt auf Art. 31 Abs. 1 StPO ein Ersuchen um Verfahrensübernahme. Die-
sem Ersuchen wurde durch die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabtei-
lung, mit Übernahmeverfügung vom 2. August 2021 stattgegeben. Mit Datum vom
14. September 2021 unterzeichnete A._ in vorstehender Sache einen Strafantrag zu Han-
den der Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt bezüglich sämtlicher in Frage kommender Delikte
gemäss der Anzeige vom 14. Juli 2021. Ebenfalls mit Datum vom 14. September 2021 nahm
A._ zudem schriftlich Stellung zu einem in vorstehender Sache erhobenen Fragebogen der
Staatsanwaltschaft. In der Folge verfügte diese mit Datum vom 4. Oktober 2021, dass das Ver-
fahren in Bezug auf die Straftatbestände des Betruges und der Nötigung gegen Unbekannt
(Mitarbeiter der B._ AG) in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand ge-
nommen werde (Ziff. 1) und die Kosten zu Lasten des Staates gingen (Ziff. 2). Auf die Begrün-
dung dieser Verfügung sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforder-

lich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.
C. Gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vom 4. Oktober 2021
erhob A._ mit Schreiben vom 13. Oktober 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-
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Landschaft, Abteilung Strafrecht, und beantragte dabei sinngemäss deren Aufhebung sowie die
Weiterführung der Strafuntersuchung.
D. Demgegenüber begehrte die Staatsanwaltschaft in ihrer Stellungnahme vom 26. Oktober
2021 die Abweisung der Beschwerde unter Auferlegung der Kosten an den Beschwerdeführer.
E. Mit Datum vom 3. November 2021 und vom 5. November 2021 reichte der Beschwerde-
führer dem Kantonsgericht nach Schluss des Schriftenwechsels weitere Stellungnahmen ein.
Erwägungen
1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als
Rechtsmittelinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1
lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. Nach Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbin-
dung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulässig
gegen die Verfügungen und die Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und
Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschwerde
gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Er-
messens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a); die unvollständige oder unrichti-
ge Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). In Anwendung von
Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 396 Abs. 1 StPO ist die
Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich
und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen.
Die Legitimation des Beschwerdeführers zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 310
Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Da-
nach kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung
eines Entscheides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. Im vorliegenden Fall hat sich der Beschwer-
deführer als Privatkläger und damit im Sinne von Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO in Verbindung mit
Art. 118 Abs. 1 und Abs. 2 StPO als Partei konstituiert und ist ausserdem durch den angefoch-
tenen Entscheid unmittelbar in seinen Rechten betroffen, womit seine Beschwerdelegitimation
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in Bezug auf die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vom 4. Oktober 2021 zu
bejahen ist. Nachdem im Übrigen die angefochtene Verfügung ein taugliches Anfechtungsob-
jekt darstellt, der Beschwerdeführer zudem eine zulässige Rüge erhebt, die Rechtsmittelfrist
gewahrt hat sowie der Begründungspflicht in dem von sogenannten Laienbeschwerden zu er-
wartenden Umfang nachgekommen ist, ist ohne Weiteres auf das vorliegende Rechtsmittel ein-
zutreten.
2.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, nach
Ansicht des Anzeigestellers handle es sich beim Vorgehen der B._ AG um einen Betrug, da
diese überhöhte Taxen verrechnet habe, sowie um eine Nötigung, nachdem mit der Vernich-
tung der Ware im Falle der Nichtbezahlung gedroht worden sei. Die Höhe der Frachtgebühren
und Taxen und wer diese zu tragen habe, bestimme sich aufgrund zivilrechtlicher Vereinbarun-
gen, die beim Vertragsabschluss geregelt würden. Wenn dem Privatkläger zu hohe oder gar
nicht vereinbarte Kosten in Rechnung gestellt würden, handle es sich dabei in erster Linie um
eine zivilrechtliche Angelegenheit. Dies gelte umso mehr aufgrund des Umstandes, wonach die
verschiedenen Reklamationen des Privatklägers bei der B._ AG dazu geführt hätten, dass
diese mit dem chinesischen Versender der Ware Rücksprache genommen und die unbegründe-
ten Kosten zurückbezahlt habe. So schreibe der Privatkläger selbst in seiner E-Mail vom
16. September 2021, dass er nach erfolgten Rückerstattungen nur CHF 255.-- bezahlt habe
und folgere, dass ihm die Rechnung langsam wieder aufgehe. Aufgrund dieser Rückzahlungen
sei davon auszugehen, dass die B._ AG tatsächlich unberechtigte Positionen in Rechnung
gestellt habe, diese allerdings auch auf Beanstandung hin zurückgezahlt habe. Hätte sie vor-
sätzlich betrügerisch gehandelt und sich unrechtmässig bereichern wollen, hätte sie zweifellos
keine Rückzahlungen getätigt. Anhaltspunkte, welche für die Begehung eines vorsätzlichen
Betruges sprechen würden, lägen keine vor, weshalb diesbezüglich das Verfahren nicht an
Hand zu nehmen sei. Am 12. Juli 2021 habe der Privatkläger sodann eine E-Mail der B._
AG erhalten mit dem Hinweis, der chinesische Versender habe die Vernichtung der Ware an-
geordnet, sollte die Zahlung nicht bis zum 15. Juli 2021 nachweislich eingegangen sein. Hierzu
sei zu bemerken, dass gemäss den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der schweizerischen
Logistikbranche, aufgeschaltet auf der Internetseite der B._ AG, ein Retentionsrecht beste-
he für nicht bezahlte Gebühren. Eine Vernichtung der Ware sei vom Retentionsrecht nicht um-
fasst, dafür eine Verwertung nach unbenutztem Ablauf einer Zahlungsfrist, welche ebenfalls
dazu führe, dass der Empfänger seine Ware nicht erhalte. Damit sei festzustellen, dass sich die
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B._ AG an die branchenüblichen Geschäftsbedingungen gehalten und nicht widerrechtlich
gehandelt habe. Folglich sei ein Verfahren wegen Nötigung ebenfalls nicht an Hand zu nehmen.
Vielmehr handle es sich im vorliegenden Fall um eine zivilrechtliche Angelegenheit, welche auf
dem Zivilrechtsweg zu verfolgen sei. Dies betreffe auch die vom Privatkläger monierten Quali-
tätsmängel beim empfangenen Produkt.
In ihrer Beschwerdeantwort legt die Beschwerdegegnerin ergänzend dar, ein rechtsgenüglicher
Anfangsverdacht auf die Begehung einer Straftat liege nicht vor, weshalb das Verfahren nach
Tätigung einiger Abklärungen nicht an Hand genommen worden sei. Der Beschwerdeführer
moniere, dass das Gebilde der B._ AG völlig intransparent sei. Es sei aber nicht die Aufga-
be der Strafuntersuchungsbehörden, die Transparenz von Firmen sicherzustellen, sondern
Straftaten zu untersuchen. Da eine solche vorliegend nicht erkennbar sei, sei das Strafverfah-
ren nicht eröffnet worden.
2.2 Demgegenüber legt der Beschwerdeführer zur Begründung seines Rechtsmittels was
folgt dar: Er habe zwar sein Geld schätzungsweise zurückerhalten, aber er wolle wissen, wer
ihn betrogen habe. Das Gebilde, welches sich die B._ AG zusammengezimmert habe, sei
völlig intransparent, ohne jegliche Möglichkeit zur Kontrolle durch den Importeur. Er habe bele-
gen können, dass die B._ AG falsche und unrechtmässige Rechnungen ausstelle. Seine
Rechnung sei über CHF 600.-- zu hoch gewesen und sei ihm zurückerstattet worden. Zudem
sei es ihm geglückt, die Erpressung durch die B._ AG nachzuweisen, welche ebenfalls
stattgefunden habe. Ausserdem seien ihm fast einen Monat lang ungerechtfertigte Lagergebüh-
ren verrechnet worden. Die B._ AG gebe die Ware nur frei, wenn die intransparenten Rech-
nungen bezahlt würden. Sie dürfe zwar Gebühren verrechnen, müsse aber offenlegen, wo die
Kosten angefallen seien. Der B._ AG hätte schon vom Volumen her klar sein müssen, dass
es sich nicht um Terminalgebühren habe handeln können. Vielmehr hätte sie sofort überprüfen
müssen, ob die verrechneten Gebühren tatsächlich den Hafenterminaltaxen in China und der
Schweiz entsprächen. Die B._ AG habe keinen guten Willen gezeigt, die betrügerische Ha-
fenterminalgebühr zu senken. Sie habe sich eiskalt, rücksichtslos und nicht wie eine normale
Firma verhalten, wofür sie sich auch nie entschuldigt habe. Auch gewerbsmässige Betrüger
könnten Geld zurücküberweisen, wenn sie sich vor einer Strafverfolgung fürchteten, was vorlie-
gend der Fall sei. Er bitte darum, dass der Fall besser abgeklärt werde, damit hervorgehe, wer
der Schuldige sei.
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3.1
a) Eine Nichtanhandnahmeverfügung hat zu ergehen, wenn die Staatsanwaltschaft allein
aufgrund der Ermittlungsergebnisse oder der Strafanzeige die Untersuchung nicht eröffnet, weil
die Führung eines Verfahrens geradezu aussichtslos erscheint. Dies ist gemäss Art. 310 Abs. 1
StPO unter anderem der Fall, wenn feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder die
Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind (lit. a) oder wenn Verfahrenshindernisse
bestehen (lit. b). Das Prinzip "in dubio pro duriore" schreibt vor, dass eine Nichtanhandnahme
von der Staatsanwaltschaft nur ausgesprochen werden darf, wenn es klar erscheint, dass der
Sachverhalt nicht strafbar ist oder nicht bestraft werden kann. Die Bestimmung besitzt zwingen-
den Charakter, weshalb bei Vorliegen der in Art. 310 Abs. 1 StPO genannten Gründen der
Staatsanwaltschaft kein Ermessen in Bezug auf den Erlass einer Nichtanhandnahmeverfügung
zukommt. Sind die Nichtanhandnahmegründe nicht mit absoluter Sicherheit gegeben, hat das
Verfahren eröffnet zu werden. Entsprechend kommt eine Nichtanhandnahme nur in Frage,
wenn keine Untersuchungshandlungen vorgenommen werden müssen. Es muss sich folglich
allein aus den Akten um sachverhaltsmässig und rechtlich klare Fälle handeln. Mit dem soforti-
gen Entscheid, kein Untersuchungsverfahren durchzuführen, soll primär verhindert werden,
dass Personen durch grundlose Anzeigen oder Ermittlungen Nachteile verschiedenster Art
entstehen sowie nutzlose Umtriebe anfallen (ESTHER OMLIN, in: Basler Kommentar, Schweizeri-
sche Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 8 zu Art. 386 StPO, mit Hinweisen;
NATHAN LANDSHUT / THOMAS BOSSHARD, in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-
zessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 1 f. zu Art. 310 StPO, mit Hinweisen;
BGer 1B_368/2012 vom 13. Mai 2013 E. 3; BGE 137 IV 285 E. 2.3).
b) Der Nichtanhandnahmegrund der eindeutigen Nichterfüllung der fraglichen Straftatbe-
stände oder der Prozessvoraussetzungen gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO liegt vor, wenn mit
Sicherheit feststeht, dass der zur Beurteilung vorliegende Sachverhalt unter keinen Straftatbe-
stand fällt oder gar nicht verfolgbar ist (OMLIN, a.a.O., N 9 zu Art. 310 StPO). Die Situation muss
sich für die Staatsanwaltschaft demnach so präsentieren, dass gar nie ein Verdacht hätte an-
genommen werden dürfen oder der Anfangsverdacht vollständig entkräftet worden ist. Der
Staatsanwaltschaft kommt bei der Beurteilung der Frage, ob klare Straflosigkeit gegeben ist, ein
gewisser Spielraum zu. Bei missbräuchlichen oder von vornherein aussichtlosen Strafanzeigen
hat ebenfalls eine Nichtanhandnahme zu erfolgen. Wirre und nicht einzuordnende Anzeigen
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können allenfalls sogar formlos abgelegt werden (LANDSHUT / BOSSHARD, a.a.O., N 4 zu
Art. 310 StPO; BGE 138 IV 86 E. 4.1.2). Bei blossen Zweifeln, ob ein Straftatbestand vorliegt
oder ob der Nachweis strafbaren Verhaltens gelingen wird, darf keine Nichtanhandnahme erfol-
gen. In diesen Fällen ist die Untersuchung zu eröffnen oder der Tatverdacht durch eigene oder
polizeiliche Ermittlungen abzuklären (LANDSHUT / BOSSHARD, a.a.O., N 5 zu Art. 310 StPO;
BGer 1B_478/2012 vom 26. November 2012 E. 2.2). Obschon nicht explizit erwähnt, kann eine
Nichtanhandnahmeverfügung nach Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO auch ergehen, wenn offenkundig
ein Rechtfertigungsgrund besteht. Eine Untersuchungseröffnung kann unterbleiben, wenn ein
tatbestandsmässiges Verhalten (z.B. aufgrund einer Amtspflicht) erlaubt oder gar geboten ist
(LANDSHUT / BOSSHARD, a.a.O., N 5a zu Art. 310 StPO; OMLIN, a.a.O., N 11a zu Art. 310 StPO;
BGer 1B_158/2012 vom 15. Oktober 2012 E. 2.6).
c) Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betruges unter anderem schuldig, wer in
der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiege-
lung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so den Irrenden zu einem Verhal-
ten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen anderen am Vermögen schädigt. Auf der
objektiven Seite kann das tatbestandmässige Geschehen in vier Stadien aufgelöst werden: a)
das motivierende Verhalten, das im Normalfall eine Täuschung ist, aber nicht zu sein braucht;
b) als Erfolg dieses Verhaltens die Setzung eines Motivs beim anderen, das auf einem Irrtum
beruhen muss; c) eine dadurch motivierte Vermögensverfügung des anderen; d) einen durch
die Verfügung herbeigeführten Vermögensschaden (GÜNTER STRATENWERTH / GUIDO JENNY /
FELIX BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Auflage, Bern 2010, § 15 N 4,
mit Hinweisen). Betrügerisches Verhalten ist strafrechtlich nur relevant, wenn der Täter mit einer
gewissen Raffinesse oder Durchtriebenheit täuscht. Dieses Erfordernis ist erfüllt, wenn er ein
ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient. Ein-
fache falsche Angaben sind arglistig, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer
Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, und wenn der Täter das Opfer von der möglichen Über-
prüfung abhält oder er nach den Umständen voraussieht, dass jenes die Überprüfung der An-
gaben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde (BGE 142 IV
153 E. 2.2.2; 135 IV 76 E. 5.2; 128 IV 18 E. 3a; je mit Hinweisen). Arglist scheidet hingegen
aus, wenn der Getäuschte den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermei-
den können. Nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Ganzen BGer 6B_150/2017 vom
11. Januar 2018 E. 3.3) zeichnet sich der Tatbestand des Betrugs als "Beziehungsdelikt"
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dadurch aus, dass der Täter das Opfer durch motivierende, kommunikative Einwirkung dazu
veranlasst, sich selbst durch die Vornahme einer Vermögensverfügung zugunsten des Täters
oder eines Dritten zu schädigen. Das Opfer trägt folglich zur eigenen Vermögensschädigung bei
(BGE 135 IV 76 E. 5.2; BGer 6B_1231/2016 vom 22. Juni 2017 E. 7.1). Auf der subjektiven Sei-
te erfordert der Betrug zweierlei: den Vorsatz und die Bereicherungsabsicht. Der Vorsatz muss
sich auf die Verwirklichung sämtlicher objektiver Tatbestandsmerkmale richten, also sowohl das
motivierende Verhalten und das Setzen eines Motivs beim Betroffenen, wie dessen Verfügung
und die Vermögensschädigung – einschliesslich des Motivationszusammenhangs zwischen
ihnen – umfassen. Dass Eventualdolus genügt, ist unbestritten (STRATENWERTH / JENNY /
BOMMER, a.a.O., § 15 N 58 ff.). Bereicherungsabsicht setzt voraus, dass die Absicht des Täters
selbst dann, wenn er die Bereicherung bloss für möglich hält, auf Erlangung des Vorteils gerich-
tet ist; er will die Bereicherung für den Fall, dass sie eintritt. Dies bedeutet, dass die Bereiche-
rung zwar nicht ausschliessliches Motiv des Handelns sein muss, sie muss aber zumindest mit-
bestimmend sein. Damit genügt eine bloss eventuelle Absicht in diesem Zusammenhang nicht
(STEFAN MAEDER / MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage,
Basel 2019, N 271 zu Art. 146 StGB, mit Hinweisen).
d) Nach Art. 181 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft,
wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Be-
schränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Der
Tatbestand schützt die Freiheit der Willensbildung und Willensbetätigung des Einzelnen. Der
Taterfolg besteht darin, dass eine andere Person dazu veranlasst wird, sich entsprechend dem
Willen des Täters zu verhalten. Das abgenötigte Verhalten kann darin bestehen, dass das Op-
fer eine bestimmte Handlung vornimmt, eine bestimmte Handlung unterlässt oder aber darin,
dass das Opfer das Verhalten des Täters oder eines Dritten duldet. Die Tathandlung besteht
darin, dass der Täter Gewalt anwendet, dem Opfer ernstliche Nachteile androht oder auf ande-
re Weise seine Handlungsfreiheit beschränkt. Gewalt ist die physische Einwirkung auf den Kör-
per des Opfers, die geeignet ist, die Willensfreiheit zu beeinträchtigen. Welches Mass an
Zwangswirkung erforderlich ist, entscheidet sich aufgrund der Umstände des Einzelfalls. Eine
Androhung ernstlicher Nachteile liegt vor, wenn nach der Darstellung des Täters der Eintritt des
Nachteils als von seinem Willen abhängig erscheint und wenn die Androhung geeignet ist, den
Betroffenen in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Ob der Täter das angedrohte Übel
tatsächlich bewirken will oder kann, ist irrelevant. Ernstlich sind die angedrohten Nachteile,
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wenn diese geeignet sind, auch eine verständige Person in der Lage des Betroffenen gefügig
zu machen. Die Generalklausel der anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit bedarf einer
restriktiven Auslegung. Erfasst sind allein Verhaltensweisen, denen eine den Alternativen der
Gewaltanwendung und der Androhung ernstlicher Nachteile vergleichbare Zwangswirkung zu-
kommt. Die Tathandlung muss ursächlich dafür sein, dass sich das Opfer in der vom Täter ge-
wünschten Art und Weise verhält. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei beding-
ter Vorsatz genügt. Eine weitergehende Absicht ist nicht vorausgesetzt. Die Rechtswidrigkeit
der Nötigung ist nur gegeben, wenn diese positiv begründet werden kann. Rechtswidrig ist eine
Nötigung dann, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum erstreb-
ten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an
sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist.
Vollendet ist die Nötigung, wenn sich das Opfer dem Willen des Täters entsprechend verhält.
Misslingt die Bestimmung von Willensbildung oder Willensbetätigung, bleibt es beim Versuch
(GÜNTER STRATENWERTH / WOLFGANG WOHLERS, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkom-
mentar, 2. Auflage, Bern 2009, N 1 ff. zu Art. 181 StGB, mit zahlreichen Hinweisen).
3.2
a) Im vorliegenden Fall ist zunächst zu konstatieren, dass der im Rahmen der Beschwerde
vorgebrachte Vorwurf der Erpressung nicht von der angefochtenen Verfügung umfasst wird und
demnach nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden kann (vgl. PATRICK
GUIDON, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014,
N 9b zu Art. 396 StPO, mit Hinweisen).
Im Hinblick auf den Vorwurf des Betruges ist unter Verweis auf die vorgängigen Erwägungen
festzustellen, dass der Tatbestand von Art. 146 StGB eine irrtumsbedingte, auf einer Täu-
schung basierende Vermögensverfügung des Getäuschten voraussetzt, wodurch dieser sich
selbst bzw. das seiner tatsächlichen Verfügung unterliegende Vermögen eines Dritten unmittel-
bar schädigt. Von einer solchen irrtumsbedingten Vermögensverfügung kann in casu jedoch
keine Rede sein. Vielmehr legt der Beschwerdeführer in seiner E-Mail vom 14. September 2021
an die Staatsanwaltschaft dar, sofort nachdem er zugesagt habe, dass die B._ AG die Ver-
zollung machen könne, was völlig normal sei, habe diese angefangen, absurde Rechnungen für
Hafenterminalgebühren zu erheben, ohne dies vorher mitgeteilt zu haben. Damit bestätigt der
Beschwerdeführer also ausdrücklich, eine vertragliche Vereinbarung mit der B._ AG abge-
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schlossen zu haben. Unter diesen Umständen liegt es aber fraglos in seiner Verantwortung, die
Einzelheiten mit der Vertragspartnerin zu regeln bzw. zumindest Kenntnis davon zu haben, be-
vor er eine entsprechende vertragliche Beziehung eingeht. Soweit er seiner Vertragspartnerin
unredliches Geschäftsgebaren vorwirft und namentlich von den Forderungen der B._ AG
überrascht worden sein sollte, welche aus dem von ihm erteilten Auftrag zur Verzollung resultie-
ren, betrifft dies Fragen, welche unabhängig vom Umstand, dass sich der Beschwerdeführer
übervorteilt gefühlt haben mag, ausschliesslich auf zivilrechtlichem Weg zu klären sind. Dem-
nach steht fest, dass sich der vorliegend massgebliche Sachverhalt nicht unter die strafrechtli-
che Norm von Art. 146 StGB subsumieren lässt, womit die Staatsanwaltschaft zu Recht kein
diesbezügliches Verfahren wegen Betruges an Hand genommen hat.
b) Beim Straftatbestand der Nötigung nach Art. 181 StGB hat sich mit dem Vorzug eines
relativ umfassenden Schutzes der Handlungsfreiheit von Anfang an die bis heute ungelöste –
und auf diesem Abstraktionsniveau anscheinend auch nicht lösbare – Schwierigkeit verbunden,
das wirklich strafwürdige vom nicht strafwürdigen, sozial völlig angepassten oder doch nur an-
stössigen oder sittenwidrigen Verhalten nach hinreichend präzisen Kriterien abzugrenzen
(STRATENWERTH / JENNY / BOMMER, a.a.O., § 5 N 1). In allgemeiner Weise ist zu konstatieren,
dass ein strafrechtlich relevantes Verhalten nur dann vorliegt, wenn alle Tatbestandselemente
der fraglichen Strafrechtsnorm, im vorliegenden Fall von Art. 181 StGB, gegeben sind. Dies ist
zu verneinen. Für die Erfüllung von Art. 181 StGB sind als objektive Tatbestandselemente vo-
rausgesetzt entweder die Anwendung von Gewalt (d.h. eine physische Einwirkung auf einen
anderen), die Androhung ernstlicher Nachteile (was beim Adressaten zu einer unzulässigen
Freiheitsbeschränkung führt) oder eine andere Beschränkung der Handlungsfreiheit (vgl. zum
Ganzen VERA DELNON / BERNHARD RÜDY, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Basel
2019, N 18 ff. zu Art. 181 StGB, mit Hinweisen). Für das Kantonsgericht ist nicht ersichtlich,
dass ein im Sinne des Strafrechts relevantes irgendwie geartetes Nötigungsmittel vorliegen
könnte. Die vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang vorgebrachte angebliche Andro-
hung ernstlicher Nachteile bzw. angebliche Beschränkung seiner Handlungsfähigkeit durch die
Androhung der Vernichtung seiner Ware bei Ausbleiben der Zahlung bis zu einem bestimmten
Zeitpunkt ist im vorliegenden Ausmass strafrechtlich nicht bedeutsam, zumal gemäss den vor-
stehenden Erwägungen zwischen dem Beschwerdeführer und der B._ AG ein Vertragsver-
hältnis bestanden hat und ‒ wie dies bereits die Staatsanwaltschaft zu Recht erkannt hat ‒ ge-
stützt auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der schweizerischen Logistikbranche
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(SPEDLOGSWISS, Art. 31) zweifellos ein Retentionsrecht am fraglichen Gegenstand vorgele-
gen hat. Zwar wäre die Vernichtung der Ware im Gegensatz zur Verwertung derselben nicht
Teil dieses vertraglich vereinbarten Retentionsrechts gewesen, dies ändert aber nichts daran,
dass die B._ AG grundsätzlich das Recht gehabt hat, unter Verwertungsandrohung eine
Zahlungsfrist zu setzen und bei deren unbenutztem Ablauf das Gut tatsächlich zu verwerten.
Sollte die B._ AG dieses grundsätzliche Retentionsrecht mit der Androhung zur Vernichtung
allenfalls vertragswidrig ausgeübt haben, wäre dies wiederum eine Frage, welche in einer aus-
schliesslich zivilrechtlichen Auseinandersetzung zu klären wäre. Infolgedessen ist die Ansicht
der Vorinstanz, wonach im zur Anzeige gebrachten Sachverhalt keine Nötigung nach Art. 181
StGB zu erblicken und demnach kein Verfahren an Hand zu nehmen ist, zu bestätigen.
c) Gemäss diesen Erwägungen ist die Beschwerde vom 13. Oktober 2021 in Bestätigung
der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung vom 4. Oktober 2021 vollumfänglich abzuwei-
sen.
4. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens
nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens, wobei als unterliegend auch jene Partei
gilt, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht. In An-
betracht des Verfahrensausganges gehen im vorliegenden Verfahren die ordentlichen Kosten
des Kantonsgerichts in der Höhe von CHF 1'050.--, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von
CHF 1'000.-- sowie Auslagen von CHF 50.--, zu Lasten des Beschwerdeführers.
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