Decision ID: 399697eb-5070-4f48-aded-2c06641f6456
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen und Rente
Sachverhalt:
A.
A.a B._ meldete sich am 6. Juli 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an. Dabei gab sie an, seit Anfang 2003 an einer psychischen
Störung zu leiden (act. G 6.1/7). Ihre Psychotherapeutin med. pract. A._ gab in ihrem
Arztbericht vom 1. August 2005 an, die Versicherte leide nach perinataler
Hirnschädigung an einem adulten Aufmerksamkeitssyndrom. Als Komorbiditäten
bestünden zeitweise schwere Depressionen, Alkoholmissbrauch sowie ein
selbstschädigendes Verhalten (act. G 6.1/10.1). Da med. pract. A._ eine medizinisch
begründete Arbeitsunfähigkeit seit September 2004 von 33 % als Büroangestellte
angab, wies die IV-Stelle St. Gallen das Gesuch mit Verfügung vom 16. September
2005 ab (act. G 6.1/13.1). Diese Verfügung wurde nach Rückzug der dagegen
erhobenen Einsprache rechtskräftig (act. G 6.1/17 und 23).
A.b Mit neuer Anmeldung vom 27. April 2007 (Eingang Sozialversicherungsanstalt)
machte die Versicherte geltend, das Arbeitspensum, das seit September 2004 67,5 %
betragen habe (25 % Reduktion bei einem 90 %-Pensum), sei seit 1. Februar 2007 auf
eine Halbtagsstelle reduziert worden (50 %). Es seien immer mehr Zeichen von
Überforderung und Dysstress mit starker Ermüdbarkeit, Verstimmungen, Nervosität,
reduzierter Belastbarkeit, psychosomatischen Störungen sowie vermehrtem Bedarf an
Pausen aufgetreten. Als Folge der erhöhten Reizbarkeit hätten sich sekundäre
Schwierigkeiten mit Mitarbeiterinnen angebahnt (act. G 6.1/33). Mit einem weiteren
Arztbericht vom 20. September 2007 diagnostizierte med. pract. A._ kognitive,
emotionale und Verhaltensstörungen im Rahmen einer perinatalen Hirnschädigung
sowie einen Status nach schwerer Depression, Alkoholmissbrauch und
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selbstschädigendem Verhalten. Die Arbeitsfähigkeit betrage ab 1. Februar 2007 50 %.
Weiter führte med. pract. A._ aus, die Belastbarkeit der Versicherten habe im sich
stetig verändernden Arbeitsumfeld auf längere Dauer nicht durch gehalten werden
können. Konzentration und Ausdauer nähmen allmählich ab. Wahrscheinlich habe sich
auch die Belastbarkeit der Umgebung geändert. So hätten Personalwechsel
stattgefunden. Jüngere, vermehrt unter Zeitdruck stehende Mitarbeiterinnen hätten
zunehmend weniger Verständnis für die Versicherte gezeigt (act. G 6.1/42).
A.c Der Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung (RAD) nahm am 5.
Dezember 2007 dahingehend Stellung, dass eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in der
aktuellen Tätigkeit nachvollziehbar sei, in einer optimal adaptierten Tätigkeit mit ruhiger
und reizarmer Atmosphäre jedoch weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 67 % möglich sei
(act. G 6.1/44). Mit Einkommensvergleich vom 15. Januar 2008 ermittelte die IV-Stelle
gestützt auf den teuerungsbereinigten Lohn gemäss Angaben des Arbeitgebers
(Valideneinkommen 2007) und die Tabellenlöhne LSE 2007 (Invalideneinkommen) einen
Invaliditätsgrad von 30,5 % (act. G 6.1/46). Dementsprechend stellte sie der
Versicherten mit Vorbescheid vom 21. Januar 2008 eine Abweisung des Gesuchs in
Aussicht (act. G 6.1/48). Mit Einwand vom 21. Februar 2008 liess die Versicherte
geltend machen, es sei ihr nicht möglich, das von der IV-Stelle angenommene
Invalideneinkommen von Fr. 32'184.-- zu erwirtschaften, zumal die adaptierte Tätigkeit
ganz spezielle Bedingungen erfüllen müsse (act. G 6.1/52.1 f.). Mit Verfügung vom 27.
Februar 2008 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab bei einem Invaliditätsgrad
von 31 % ab (act. G 6.1/54).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 14. April
2009 mit den sinngemässen Anträgen auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und Zusprechung einer Rente. Allenfalls seien ihr berufliche Massnahmen
zuzusprechen. Ausserdem sei ihr, bei Befreiung von der Leistung eines
Kostenvorschusses, die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Sie sei seit ihrer
Ausbildung als Büroangestellte bei der C._ AG beschäftigt und habe wegen ihrer
gesundheitlichen Beschwerden nie die volle Arbeitsleistung erbringen können. Ab
September 2004 habe sie aus gesundheitlichen Gründen auf 67 %, ab Februar 2007
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dann auf 50 % reduzieren müssen. Die Tätigkeit bei der C._ AG sei für sie ideal, da
sie keinen Kundenkontakt habe und in ruhiger Atmosphäre arbeiten könne. Dank des
sozial eingestellten Arbeitgebers sei sie überzeugt, ihre Resterwerbsfähigkeit im
Rahmen von 50 % verwerten zu können. Auf Grund ihrer Beschwerden könne sie auch
an einem anderen Arbeitsplatz keine 67 %ige Arbeitsleistung erbringen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 9. Juli 2008 beantragt die Verwaltung Abweisung der
Beschwerde. Die ursprüngliche Annahme der Arbeitsfähigkeit sei wohl zu optimistisch
gewesen, weshalb bloss eine andere Beurteilung eines gleich gebliebenen
Sachverhalts vorliege. Die von der Ärztin auf 50 % geschätzte Leistungsminderung
beziehe sich auf die Leistungsfähigkeit im mittlerweile verschärften Umfeld am
bisherigen Arbeitsplatz. Es bestehe damit ein Arbeitsplatzproblem, das nicht mit einer
Berentung zu lösen sei. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt biete demgegenüber
genügend Stellen an, bei denen die Beschwerdeführerin unverändert eine
Lohneinbusse von "nur" 33 % hinnehmen müsse. Eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands sei sodann nicht ausgewiesen. Soweit sich dieser überhaupt
verschlechtert habe, sei dies auf das schwangerschaftsbedingte Absetzen der
Ritalinbehandlung zurückzuführen, was als invaliditätsfremd angesehen werden müsse
(act. G 6).
B.c Mit Replik vom 6. November 2008 macht die Beschwerdeführerin geltend, die
Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf 50 % sei nicht auf ein verschärftes Arbeitsumfeld
zurückzuführen, sondern habe mit der Reduktion des Ritalins zu tun. Diese Reduktion
habe durchgeführt werden müssen, da sie Mutter eines gesunden Kindes werden
wolle. Die gesundheitlichen Beschwerden hätten sich seit Februar 2007 verstärkt und
sie könne nur noch 50 % arbeiten. Sie sei derzeit im neunten Monat schwanger und
werde in den nächsten Tagen gebären. Sofern nach der Stillphase die Einnahme von
Ritalin wieder möglich sei, sei selbstverständlich zu prüfen, ob wieder eine höhere
Arbeitsfähigkeit möglich sei (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine
Duplik und hält an ihrem Antrag fest (act. G 12).
B.d Mit Präsidialverfügung vom 18. Juli 2008 wurde das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung abgewiesen (act. G 7).

Erwägungen:
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1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. In
zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der
Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467
E. 1). Ferner ist bei der Beurteilung auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen (BGE 121 V 366 E. 1b).
Demnach ist vorliegend auf den Sachverhalt, wie er sich bis zum 31. Dezember 2007
entwickelt hat, auf die bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen
abzustellen. Auf die Sachverhaltsentwicklung danach bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 27. Februar 2008 sind die per 1. Januar 2008 in Kraft
getretenen Rechtsänderungen anwendbar.
2.
2.1 Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG (heute: Art. 28 Abs. 2 IVG) besteht der Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente. Nach
aArt. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in dem
die versicherte Person mindestens zu 40 Prozent bleibend erwerbsunfähig (Art. 7
ATSG) geworden ist (lit. a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war
(lit. b). Die Höhe der zu gewährenden Rente (ganze, Dreiviertels-, halbe oder
Viertelsrente) wird nach dem Ausmass der während der Wartezeit bestehenden
Arbeitsunfähigkeit und nach Massgabe der nach zurückgelegter Wartezeit
verbleibenden Erwerbsunfähigkeit bestimmt. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung
muss zusätzlich zum für die jeweilige Rentenstufe erforderlichen Invaliditätsgrad
während des Wartejahrs eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit in gleicher Höhe
bestehen (AHI-Praxis 1996, S. 177, E. 6.b.cc; ZAK 1980, S. 282 ff.; Kreisschreiben über
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], 1. Januar 2008,
Rz 4001 f.).
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2.2 Um die Invalidität bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es,
den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 256 E. 4).
2.3 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Diese allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs ist für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen
Versicherten anwendbar (aArt. 28 Abs. 2 IVG).
3.
3.1 Vorliegend ist zunächst die Frage der Eingliederung zu klären. Die
Beschwerdegegnerin macht geltend, dass die Beschwerdeführerin an einem anderen
Arbeitsplatz einen höheren Leistungsgrad erreichen könnte als an der angestammten
Stelle bei der C._ AG. Dabei führt sie nicht weiter aus, wie eine solche
Verweistätigkeit ausgestaltet sein könnte. Demgegenüber ist mit der
Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass sie an der jetzigen Stelle optimal
eingegliedert ist. Ihre Behinderung bedingt namentlich ein hohes Mass an sozialer
Rücksichtnahme und Entgegenkommen von Seiten eines Arbeitgebers sowie der
Mitarbeitenden. Dies war offenbar in der Vergangenheit an der angestammten Stelle in
überdurchschnittlichem Mass der Fall. Auch wenn der Grad des Entgegenkommens
mittlerweile etwas abgenommen haben dürfte, ist immer noch von einem
durchschnittlichen Grad des Entgegenkommens auszugehen. Mithin ist nicht
anzunehmen, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt viele Stellen vorhanden sind,
bei denen wiederum ein überdurchschnittliches Mass der Rücksichtnahme zu erwarten
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wäre. Auch die behandelnde Ärztin med. pract. A._ erachtete einen Stellenwechsel
zwar prinzipiell als möglich, nicht jedoch als sinnvoll, da die Beschwerdeführerin auch
da nur in einem Umfang von 50 % tätig sein könne. Sie führte überzeugend aus, dass
die Beschwerdeführerin dank dem Entgegenkommen der Arbeitgeberin am Arbeitsplatz
optimal eingegliedert ist (act. G 6.1/42.2-4). Damit erübrigt sich die Durchführung von
beruflichen Massnahmen.
3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr Gesundheitszustand habe sich seit
Februar 2007 verschlechtert. So seien immer mehr Zeichen der Überforderung und
Dysstress mit starker Ermüdbarkeit, Verstimmungen, Nervosität, reduzierter
Belastbarkeit, psychosomatischen Störungen sowie vermehrtem Bedarf an Pausen
aufgetreten. Dies habe zu erhöhter Reizbarkeit mit sekundären Schwierigkeiten mit
anderen Mitarbeiterinnen geführt (act. G 6.1/33). Die behandelnde Psychotherapeutin
med. pract. A._ diagnostizierte in ihrem Bericht vom 20. September 2007 kognitive,
emotionale und Verhaltensstörungen im Rahmen einer perinatalen Hirnschädigung, die
seit Geburt beständen. Weiter diagnostizierte sie einen seit der Adoleszenz
bestehenden Status nach schwerer Depression sowie nach Alkoholmissbrauch und
nach selbstschädigendem Verhalten. Die Arbeitsfähigkeit bezifferte sie auf 50 % ab
dem 1. Februar 2007. Im Weiteren wies med. pract. A._ darauf hin, dass die
Familienplanung für die Beschwerdeführerin von äusserster Wichtigkeit sei. Die
Beschwerdeführerin lebe seit längerer Zeit in einer stabilen Beziehung und es bestehe
seit langem ein starker Kinderwunsch. Familie sei das oberste Lebensziel der
Beschwerdeführerin. Das Problem bestehe allerdings darin, dass eine
Schwangerschaft die absolut notwendige Behandlung mit Ritalin ausschliesse (act. G
6.1/42.1 f.). Da bei der Beschwerdeführerin jederzeit mit einer Schwangerschaft
gerechnet werden müsse, habe die sehr gut wirksame Behandlung mit Ritalin und
Efexor seit einem halben Jahr vorsichtshalber auf ein Minimum reduziert werden
müssen, um ein abruptes Absetzen der Behandlung und damit - wie im Fall der
ungewollten Schwangerschaft 2004 - eine psychische Dekompensation zu verhindern.
Damals sei es nach dem schlagartigen Absetzen von Ritalin und der Reduktion von
Efexor zu einer derart gravierenden Depression mit akuter und schwerer
Suizidgefährdung gekommen, dass wegen der Selbstgefährdung eine Interruptio habe
durchgeführt werden müssen. Die jetzige Dosierung sei ein Kompromiss zwischen
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Arbeitsfähigkeit und Kinderwunsch, dürfte aber ein weiterer Grund für die reduzierte
Belastbarkeit darstellen (act. G 6.1/42.8).
In ihrem Zusatzbericht vom 20. September 2007 führte med. pract. A._ sodann aus,
dass sich auch das Arbeitsumfeld verändert habe. Jüngere, wohl weniger belastbare,
und vermehrt unter Zeitdruck stehende neue Mitarbeiterinnen hätten zunehmend
weniger Verständnis für die Situation und gewisse Reaktionen der Beschwerdeführerin
gezeigt. Besonders nachdem eine Mitarbeiterin wegen Schwangerschaft/Wochenbett
längere Zeit abwesend gewesen und nicht ersetzt worden sei, seien Spannungen im
Team aufgetreten. Das eigentlich nötige Verständnis der Mitarbeiterinnen sei trotz
diverser Gespräche und geschickter Interventionen und Lösungsvorschläge des
Vorgesetzten auf die Dauer nicht vorhanden gewesen (act. G 6.1/42.5).
3.3 Die Beschwerdegegnerin bestreitet diese Sachverhaltsdarstellung nicht. Nachdem
tatsächlich glaubwürdig ist, dass einerseits die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin
durch die reduzierte Ritalinbehandlung abgenommen hat, gleichzeitig aber auch das
Arbeitsumfeld rauer geworden ist, erscheint auch nachvollziehbar, dass die
Arbeitsfähigkeit an der angestammten, immer noch adaptierten Stelle von 67 % auf 50
% gesunken ist. Die Beschwerdegegnerin macht nun aber geltend, sowohl bei der
reduzierten Arbeitsfähigkeit infolge der Medikamentenreduktion als auch infolge des
veränderten Arbeitsumfeldes handle es sich um invaliditätsfremde Gründe.
Medizinisch besteht im Hinblick auf die gewünschte Schwangerschaft (und natürlich
während der Schwangerschaft) unbestrittenermassen eine Kontraindikation für die
Ritalinbehandlung (vgl. act. G 6.1/42.2). Es stellt sich deshalb die Frage, ob der
Beschwerdeführerin allenfalls im Sinn einer Schadenminderungspflicht zugemutet
werden könnte, auf eine Schwangerschaft zu verzichten und damit die hohe
Ritalineinnahme weiterhin zu ermöglichen. Dies ist zu verneinen. Bereits aus der
Bundesverfassung ergibt sich das Recht auf Familie (Art. 14 BV). Unzumutbar sind
grundrechtswidrige oder persönlichkeitsverletzende Schadenminderungspflichten
(Hardy Landolt, Der Zumutbarkeitsgrundsatz im Haftpflichtrecht, in: Erwin Murer
[Hrsg.], Was darf dem erkrankten oder verunfallten Menschen zugemutet werden?, S.
182). Auch das Bundesgericht (bzw. das vormalige Eidgenössische
Versicherungsgericht) geht in seiner Rechtsprechung davon aus, dass die Grundrechte
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zwar keine direkten Leistungsansprüche gegenüber dem Staat eröffnen. Da aber nicht
nur die Eingriffs-, sondern auch die Leistungsverwaltung grundrechtsrelevant sei, sei
diesen (den Grundrechten) bei der Auslegung der sozialversicherungsrechtlichen
Leistungsnormen Rechnung zu tragen. So könne die Ablehnung von
Versicherungsleistungen das grundrechtlich geschützte Tun erschweren oder gar
verunmöglichen, wodurch die versicherte Person in der Wahrnehmung ihrer
Grundrechte mittelbar doch beeinträchtigt werde (Erwin Murer, Grundrechtsverletzung
durch Nichtgewährung von Sozialversicherungsleistungen, in: SZS 1995, S. 191, mit
Hinweis auf BGE 113 V 31 E. d und 118 V 211 E. b). In einem weiteren Fall entschied
das Bundesgericht, dass die Abtreibung oder Freigabe des Kindes zur Adoption zur
Verhinderung von Unterhaltskosten (bei missglückter Sterilisation) nicht zumutbar sei
(BGE 132 III 359 E. 4.3). Insgesamt hat jedenfalls eine Abwägung zwischen den
Interessen des Versichertenkollektivs an der Durchsetzung der
Schadenminderungspflicht und damit an einem sparsamen und wirtschaftlichen
Versicherungspraxis einerseits und dem grundrechtlich geschützten privaten Interesse
der versicherte Person an der freien Lebensgestaltung anderseits zu erfolgen (Murer,
a.a.O., S. 191). Vorliegend ist der Fall zwar nicht so klar wie etwa im zitierten Entscheid
BGE 132 III 359, war da doch die Schwangerschaft bereits eingetreten und damit die
emotionale Bindung der Mutter (der Eltern) mit dem Kind schon weiter fortgeschritten,
als dies bei einer lediglich geplanten Schwangerschaft der Fall ist. Trotzdem ergibt
auch im vorliegenden Fall die Abwägung zwischen den Interessen der Versicherung an
einer sparsamen Mittelverwendung und dem verfassungsmässig geschützten Recht
der Beschwerdeführerin an einer freien Familienplanung, dass letzterer grösseres
Gewicht zukommt. Dies umso mehr, als es sich bei der Schwangerschaft mit
anschliessender Stillphase um einen vorübergehenden Zustand handelt und die
Beschwerdeführerin ihren Kinderwunsch tatsächlich planmässig umsetzen konnte. Der
Beschwerdeführerin muss somit zugestanden werden, dass sie die an sich erfolgreiche
Ritalinbehandlung ab Ende 2006 vorübergehend herabsetzen bzw. sistieren durfte. Die
damit einhergehende (vorübergehende) Verschlechterung des Gesundheitszustandes
kann somit nicht als invaliditätsfremd oder als freiwillig in Kauf genommen betrachtet
werden.
Weiter kann der Beschwerdeführerin auch die Entwicklung am Arbeitsplatz nicht
entgegengehalten werden, da sie darauf keinen Einfluss hatte. Wie in Erwägung 3.1
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bereits ausgeführt, ist davon auszugehen, dass der angestammte Arbeitsplatz zwar
nicht mehr überadaptiert, aber immer noch durchschnittlich adaptiert ist. Damit ist der
Beschwerdeführerin kein überdurchschnittliches Arbeitspensum von 67 % mehr
möglich. Indessen ist nicht davon auszugehen, dass an einem anderen Arbeitsplatz auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine höhere Leistung als 50 % möglich wäre.
Zusammenfassend hat sich sowohl die gesundheitliche Situation der
Beschwerdeführerin als auch ihre Erwerbsmöglichkeit verschlechtert, so dass - wie von
med. pract. A._ festgestellt - eine Verringerung der Arbeitsfähigkeit von 67 % auf 50
% am angestammten Arbeitsplatz ausgewiesen ist. Die Erwerbseinbusse beträgt damit
50 %.
3.4 Die durch med. pract. A._ ausgewiesene Verschlechterung des
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit auf 50 % trat am 1. Februar 2007 ein
(act. G 6.1/42.1). Nach dem in Erwägung 2.1 Gesagten hat die Beschwerdeführerin
somit ab dem 1. Februar 2008 Anspruch auf eine halbe Rente, da frühestens zu diesem
Zeitpunkt das Erfordernis einer mindestens 12 monatigen durchschnittlichen
Arbeitsunfähigkeit von 50 % erfüllt war. Die Beschwerdeführerin war indessen bereits
seit September 2004 zu 33 % arbeitsunfähig (act. G 6.1/10.1 und 42.1). Eine
zwölfmonatige durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40 % bestand damit bereits am
1. Juli 2007 (7 X 33 % + 5 X 50 % = 481 % / 12 = 40 %; damit 5 Monate nach
Verschlechterung des Gesundheitszustands im Februar 2007), sodass die
Beschwerdeführerin von Juli 2007 bis Januar 2008 Anspruch auf eine Viertelsrente hat.
Ob allenfalls nach der Stillphase eine Wiederaufnahme der Ritalinbehandlung zumutbar
ist und damit eine Neubeurteilung des Rentenanspruchs zu erfolgen hat, kann
vorliegend offen bleiben. Der Rentenanspruch (halbe Rente) ist somit in diesem
Verfahren zeitlich nicht zu beschränken.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 2007 Anspruch auf eine
Viertels-, und ab dem 1. Februar 2008 auf eine halbe Rente hat. Die Streitsache ist
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sodann zwecks betraglicher Festlegung der Rente an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Diese ist der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der
Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht