Decision ID: 06d693c4-0d05-5269-aae7-33c6d5451742
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 2011 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 4). Der Allgemeinmediziner Dr. med. B._ gab im
November 2011 telefonisch an (IV-act. 14), der Versicherte leide an einem chronischen
cervicalen und lumbalen Schmerzsyndrom sowie an einer depressiven Entwicklung.
Körperlich schwere Tätigkeiten seien ihm nicht mehr zumutbar. Für leidensadaptierte
Tätigkeiten bestehe aktuell eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent. Diese sollte sich auf
100 Prozent steigern lassen. Die Psychiaterin Dr. med. C._ berichtete im April 2012
(IV-act. 26), der Versicherte leide an einer leichten depressiven Episode. Beim
Behandlungsbeginn vor etwa drei Monaten sei die depressive Symptomatik noch
mittelgradig ausgeprägt gewesen; im Zuge der Behandlung habe sie sich gebessert.
Seit Anfang April 2012 sei der Versicherte wieder arbeitsfähig. Das zumutbare
Arbeitspensum betrage 70 Prozent. Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle
hatte bereits im Januar 2012 notiert (IV-act. 58), der Versicherte habe in seinem
Herkunftsland eine Berufslehre zum Metzger absolviert. Nach dem Abschluss dieser
Berufslehre habe er ständig als Metzger gearbeitet. Er kenne nichts anderes und habe
keine Ahnung, was er anderes machen könnte. Nach weiteren Abklärungen bezüglich
des Gesundheitszustandes des Versicherten und nach einer operativen Behandlung
von Hammerzehen rechts (vgl. IV-act. 52) konnte die berufliche Eingliederung im
Frühjahr 2013 fortgesetzt werden. Mit einer Mitteilung vom 9. September 2013
bewilligte die IV-Stelle dem Versicherten (nachträglich) ein Belastbarkeitstraining bei
D._ für die Zeit vom 15. April 2013 bis zum 14. Juli 2013 (IV-act. 69). Da der
Versicherte die Massnahme bereits am 22. April 2013 wieder abgebrochen hatte, hob
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die IV-Stelle ihre Kostengutsprache mit einer zweiten Mitteilung vom 9. September
2013 per 22. April 2013 wieder auf (IV-act. 70).
A.b Im Juni 2014 berichtete Dr. B._ (IV-act. 86), nach den Sommerferien werde eine
operative Sanierung einer Discushernie L4/5 durchgeführt werden. Zur Zeit sei der
Versicherte höchstens zu 20 Prozent arbeitsfähig. Im Oktober 2014 wurde eine
operative Fenestration L4/5 links mit einer Sequesterektomie und einer Nucleotomie
durchgeführt (IV-act. 97–2 ff.). Einen Monat nach der Operation war der objektive
Befund unauffällig (IV-act. 97–1). Mit einer Mitteilung vom 6. Januar 2015 wies die IV-
Stelle das Begehren des Versicherten um berufliche Eingliederungsmassnahmen mit
der Begründung ab, aufgrund des noch instabilen Gesundheitszustandes seien zur Zeit
keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 101). Im Mai 2015
notierte Dr. med. E._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), aus
versicherungsmedizinischer Sicht sei von einer hohen, rentenausschliessenden
Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen, aber angesichts der
Einstellung des Versicherten dürften Eingliederungsbemühungen voraussichtlich
frustran verlaufen (IV-act. 109). In einem „Assessmentgespräch“ im Juni 2015 gab der
Versicherte an, er fühle sich nicht in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen oder
an einer beruflichen Massnahme teilzunehmen (IV-act. 118). Mit einer Mitteilung vom
30. Juni 2015 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act.
120). Im Juli 2015 empfahl die RAD-Ärztin Dr. E._ die Einholung der aktuellsten
medizinischen Akten (IV-act. 121). Sie hielt fest, sofern sich aus diesen nichts Neues
ergebe, sei von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit des Versicherten für
leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen. Im August 2015 gab Dr. B._ an, der
Gesundheitszustand des Versicherten sei seit der letzten Berichterstattung unverändert
geblieben (IV-act. 124). Am 14. August 2015 notierte Dr. E._, der Versicherte sei als
zu 100 Prozent arbeitsfähig für leidensadaptierte Tätigkeiten zu qualifizieren (IV-
act. 128). Mit einem Vorbescheid vom 4. September 2015 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 131).
Dagegen liess dieser am 5. November 2015 einwenden (IV-act. 135), er sei vollständig
arbeitsunfähig. Das sei auch von Dr. B._ bestätigt worden. Die Einschätzung des
RAD sei nicht nachvollziehbar. Die IV-Stelle müsse dem Versicherten eine volle (recte:
ganze) Rente zusprechen oder eine rheumatologische Begutachtung durchführen. Mit
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einer Verfügung vom 26. November 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 137).
A.c Am 12. Juli 2017 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-
act. 145). Am 14. Juli 2017 forderte die IV-Stelle ihn auf (IV-act. 147), eine relevante
Veränderung des anspruchsbegründenden Sachverhaltes seit dem 30. Juni 2015
(Abweisung des Begehrens um berufliche Massnahmen) respektive seit dem 26.
November 2015 (Abweisung des Rentenbegehrens) glaubhaft zu machen. Sie drohte
an, dass sie nicht auf die Neuanmeldung eintreten werde, falls der Versicherte keine
relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft mache. In der Folge gingen der IV-Stelle
verschiedene medizinische Berichte zu: Die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St.
Gallen hatte am 22. Juli 2016 berichtet (IV-act. 150), der Versicherte leide an einer
chronischen Radiculopathie L5 links. Angesichts der Chronifizierung habe man ihn dem
Schmerzzentrum zugewiesen. Das Schmerzzentrum des Kantonsspitals St. Gallen
hatte am 15. Dezember 2016 berichtet (IV-act. 153), beim Versicherten liege ein
chronisches Schmerzsyndrom mit psychischen und somatischen Anteilen vor. Bei der
Untersuchung sei eine Verdeutlichungstendenz aufgefallen. Ein klares neurologisches
Defizit habe nicht eruiert werden können. Nach dem Erstgespräch bleibe offen,
inwieweit sich der Versicherte auf aktive Therapien und auf das bio-psycho-soziale
Schmerzmodell einlassen könne. Am 17. März 2017 hatte Dr. B._ den Versicherten
für eine Zweitmeinung der Klinik F._ zugewiesen (IV-act. 152). Er hatte angegeben, der
Versicherte leide seit der Operation im Oktober 2014 weiterhin an invalidisierenden
cervico-brachialen und lumbo-radiculären Schmerzen. Sämtliche
Behandlungsversuche seien gescheitert. Die Klinik F._ hatte am 2. Mai 2017
berichtet (IV-act. 151), der Versicherte leide an einer linksbetonten Lumboischialgie. Ein
aktuelles MRI habe keine neue Kompression gezeigt. Angesichts der nicht konklusiven
Klinik und der chronifizierten Symptomatik sollte Abstand von weiteren
Untersuchungen im Hinblick auf eine allfällige weitere Operation genommen werden.
Man habe dem Versicherten empfohlen, die Anbindung an die Schmerz-Sprechstunde
aufrecht zu erhalten. Am 21. August 2017 notierte Dr. med. G._ vom RAD, aus den
eingereichten Berichten lasse sich kein Hinweis auf eine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes des Versicherten seit dem Jahr 2015 entnehmen (IV-act. 156).
Mit einem Vorbescheid vom 22. August 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie nicht auf sein neues Leistungsbegehren eintreten werde (IV-act. 159).
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Nachdem sich der Versicherte nicht zum Vorbescheid geäussert hatte, erliess die IV-
Stelle am 9. Oktober 2017 eine Verfügung, mit der sie nicht auf das neue
Rentenbegehren und auf das neue Begehren um berufliche Massnahmen eintrat (IV-
act. 160).
B.
B.a Am 8. November 2017 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte
(nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 9.
Oktober 2017 erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung, die Gutheissung des Gesuchs des Beschwerdeführers „um
Prüfung eines neuen Leistungsbegehrens“ und eventualiter die Rückweisung der
Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur „Neubeurteilung
nach der Durchführung eines medizinischen Gutachtens“. Zur Begründung machte er
geltend, die Beschwerdegegnerin habe den Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör verletzt, indem sie sich nicht mit seinen Einwänden gegen den
Vorbescheid auseinandergesetzt habe.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 10. Januar 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an (vgl. IV-act. 164), nach der
Eröffnung des Vorbescheides habe sie weder Einwände noch weitere Dokumente
erhalten. Deshalb habe sie am 9. Oktober 2017 gemäss ihrem Vorbescheid verfügt. Ihr
Vorgehen sei in verfahrensrechtlicher Hinsicht korrekt gewesen.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 14. Februar 2018 an seinen Anträgen festhalten
und zusätzlich – eventualiter – die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens
beantragen (act. G 10). Er liess einen Sprechstundenbericht der Klinik F._ vom 25.
September 2017 einreichen, in dem auf einen unveränderten Befund hingewiesen
worden war (act. G 10.1.1). Zudem liess er ein Arztzeugnis von Dr. C._ einreichen,
laut dem er seit dem 27. April 2017 zu 30 Prozent arbeitsunfähig gewesen sei (act. G
10.1.2).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen
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1.
1.1 Bei genauer Betrachtung enthält die Verfügung vom 9. Oktober 2017 zwei
voneinander unabhängige Entscheide, nämlich einerseits einen
Nichteintretensentscheid betreffend ein Begehren des Beschwerdeführers um
berufliche Massnahmen und andererseits einen Nichteintretensentscheid betreffend ein
Rentenbegehren des Beschwerdeführers. Juristisch gesehen handelt es sich also um
zwei Verfügungen, die mittels eines einzigen Dokumentes eröffnet worden sind. Daraus
folgt, dass der Beschwerdeführer, der sich integral gegen die Verfügung vom 9.
Oktober 2017 gewehrt hat, eigentlich zwei Beschwerden erhoben hat, nämlich je eine
gegen die beiden im Dokument vom 9. Oktober 2017 enthaltenen Verfügungen. Diese
beiden Beschwerden können aufgrund ihres engen sachlichen Zusammenhangs
gemeinsam in einem Beschwerdeverfahren beurteilt werden, aber damit wird nur der
verfahrensrechtliche Aufwand reduziert. Die beiden Streitgegenstände haben weiterhin
ein unabhängiges rechtliches Schicksal, was bedeutet, dass der Beschwerdeführer
zum Beispiel nur den Beschwerdeentscheid betreffend sein Rentenbegehren anfechten
und den Beschwerdeentscheid betreffend sein Begehren um berufliche Massnahmen
unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen lassen könnte. Diesem Umstand wird
durch eine möglichst konsequente Aufteilung der Erwägungen und des Dispositivs
entsprechend den beiden Streitgegenständen Rechnung getragen.
1.2 Für beide Streitgegenstände ist zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin mit der
angefochtenen Verfügung vom 9. Oktober 2017 nicht auf das jeweilige
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers eingetreten ist. In diesem
Beschwerdeverfahren kann folglich nur überprüft werden, ob diese beiden in der
Verfügung vom 9. Oktober 2017 enthaltenen Nichteintretensentscheide rechtmässig
gewesen sind. Wäre diese Frage zu bejahen, müssten sie durch einen entsprechenden
verfahrensleitenden Entscheid ersetzt, das heisst es müsste auf die Neuanmeldung(en)
eingetreten werden und die Beschwerdegegnerin müsste verpflichtet werden, den
massgebenden Sachverhalt abzuklären und materiell über die beiden Begehren
betreffend berufliche Massnahmen und Rente zu entscheiden. Das
Versicherungsgericht würde dagegen den Streitgegenstand in einer unzulässigen
Weise ausdehnen, wenn es den Sachverhalt materiell würdigen oder der
Beschwerdegegnerin Vorgaben bezüglich der Sachverhaltsabklärung machen würde.
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2.
Eine Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör liegt
nicht vor. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer am 14. Juli 2017 klar
verständlich darauf hingewiesen, dass er eine relevante Sachverhaltsveränderung seit
der Abweisung seines ersten Leistungsbegehrens glaubhaft machen müsse. Diesen
Hinweis muss der Beschwerdeführer offenbar verstanden haben, denn er hat in der
Folge kommentarlos verschiedene aktuelle medizinische Berichte eingereicht.
Daraufhin hat die Beschwerdegegnerin ihm mit dem Vorbescheid vom 22. August 2017
mitgeteilt, dass mit den eingereichten Berichten keine relevante
Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht sei, weshalb sie nicht auf seine
Neuanmeldung eintreten werde. Dazu hat sich der Beschwerdeführer nicht vernehmen
lassen. Die (in der Replik nicht wiederholte) Behauptung in der Beschwerdeschrift, der
Beschwerdeführer habe Einwände gegen den Vorbescheid vom 22. August 2017
vorgebracht, auf die die Beschwerdegegnerin nicht eingegangen sei, trifft nicht zu, da
der Beschwerdeführer ja gerade keine Einwände gegen den Vorbescheid erhoben hat.
Zusammenfassend erweist sich das Vorgehen der Beschwerdegegnerin in
verfahrensrechtlicher Sicht als in jeder Hinsicht korrekt.
3.
3.1 Der Art. 29 ATSG sieht ein jederzeitiges Anmelderecht in Bezug auf
Sozialversicherungsleistungen und damit notwendigerweise auch einen Anspruch auf
ein Eintreten auf jede Anmeldung beziehungsweise auf eine materielle Behandlung
jeder Anmeldung vor. Bei diesem Recht auf eine materielle Behandlung jeder
Anmeldung handelt es sich um einen elementaren Grundsatz des
Sozialversicherungsleistungsrechtes, denn es stellt einen wichtigen Baustein für die
Durchsetzung des Prinzips dar, dass jede versicherte Person jene gesetzlich
vorgesehenen Sozialversicherungsleistungen erhalten soll, die sie benötigt. Da im Art.
29 ATSG nicht zwischen einer erstmaligen Anmeldung und einer sogenannten Neu-
oder Wiederanmeldung (also einer erneuten Anmeldung nach einer formell
rechtskräftigen Abweisung eines früheren Gesuchs) unterschieden wird und da sich
eine solche Unterscheidung auch nicht mit dem Sinn und Zweck des Anmelderechtes
vereinbaren liesse, muss der uneingeschränkte Anspruch auf ein Eintreten auf ein
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Leistungsbegehren auch für Neuanmeldungen gelten. Dieser Anspruch wird vom Art.
87 Abs. 3 IVV für bestimmte Leistungen der Invalidenversicherung eingeschränkt,
nämlich für die Rente, für die Hilflosenentschädigung und für den Assistenzbeitrag,
denn laut dem Art. 87 Abs. 3 IVV ist nur dann auf eine Neuanmeldung einzutreten,
wenn die versicherte Person eine relevante Sachverhaltsveränderung seit der
Abweisung ihres letzten Gesuchs glaubhaft gemacht hat. Die ratio legis des Art. 87
Abs. 3 IVV besteht darin, die IV-Stellen vor jenem Aufwand zu schützen, mit dem diese
konfrontiert wären, wenn Versicherte repetitiv (d.h. ohne jeden Hinweis auf eine
Sachverhaltsveränderung) Anmeldungen zum Leistungsbezug einreichen könnten, die
von den IV-Stellen jedes Mal wieder umfassend materiell geprüft werden müssten. Der
Art. 87 Abs. 3 IVV dient also allein der Verfahrensökonomie, bei der es sich
anerkanntermassen um kein besonders schützenswertes öffentliches Interesse handelt.
Das ist umso problematischer, als die Anwendung des Art. 87 Abs. 3 IVV eine
Durchbrechung des – elementar wichtigen – jederzeitigen Anspruchs auf eine materielle
Prüfung einer Anmeldung zur Folge hat. Dennoch kann der Art. 87 Abs. 3 IVV wohl
gerade noch als gesetzmässig qualifiziert werden, denn die Sachverhaltsabklärung
bezüglich der in dieser Verordnungsbestimmung genannten Leistungen – Rente,
Hilflosenentschädigung und Assistenzbeitrag – erweist sich in aller Regel als äusserst
aufwendig, weshalb diesbezüglich ein gewisser „Schutzbedarf“ der Verwaltung vor
repetitiven Neuanmeldungen anerkannt werden kann. Auch wenn sich der Art. 87 Abs.
3 IVV nicht auf eine explizite gesetzliche Grundlage stützen kann, die eine
Einschränkung des im Art. 29 ATSG verankerten uneingeschränkten Anspruchs auf ein
Eintreten auf ein Leistungsbegehren erlauben würde, trägt er also doch offenkundig
einem wesentlichen praktischen Interesse Rechnung, ohne dafür die gesetzliche
Regelung im Art. 29 ATSG in einem unverhältnismässig hohen Mass einzuschränken.
Er dürfte also noch vom Vollzugsverordnungsauftrag im Art. 86 Abs. 2 Satz 1 IVG
abgedeckt sein. Die Anwendung des Art. 87 Abs. 3 IVV führt auch nicht zu einer
rechtsungleichen Behandlung der Versicherten, denn die Eintretenshürde stützt sich
auf einen sachlichen Grund, nämlich auf die Vermeidung eines unnötigen
Verfahrensaufwandes bei repetitiven Neuanmeldungen.
3.2 Der Beschwerdeführer hat im Zuge der Neuanmeldung zum Leistungsbezug einen
Bericht der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 22. Juli 2016, einen
Bericht des Schmerzzentrums des Kantonsspitals St. Gallen vom 15. Dezember 2016,
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ein Überweisungsschreiben von Dr. B._ vom 17. März 2017 und einen Bericht der
Klinik F._ vom 2. Mai 2017 eingereicht. Die RAD-Ärztin Dr. G._ hat am 21. August
2017 festgehalten, dass keiner dieser Berichte einen Hinweis auf eine relevante
Sachverhaltsveränderung seit der Abweisung des letzten Leistungsbegehrens enthalte.
Dieses Ergebnis der Aktenwürdigung erscheint als überzeugend, denn in keinem der
erwähnten Berichte wird eine nach dem Jahr 2015 neu aufgetretene
Gesundheitsbeeinträchtigung oder eine nach dem Jahr 2015 eingetretene wesentliche
Verschlechterung der bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigungen erwähnt. Den
Ausführungen in den genannten Arztberichten lässt sich im Gegenteil entnehmen, dass
sie den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers als zumindest seit der Operation
im Oktober 2014 im Wesentlichen unverändert qualifiziert haben. Auch den mit der
Replik eingereichten Belegen lässt sich nichts anderes entnehmen: Die Klinik F._ hat
explizit festgehalten, dass der Befund unverändert gewesen sei, und Dr. C._ hatte
schon im April 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 30 Prozent attestiert. Weitere
Unterlagen, die eine allfällige Sachverhaltsveränderung hätten belegen können, sind
nicht eingereicht worden. Damit ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine
wesentliche Veränderung des anspruchsrelevanten Sachverhaltes seit der Abweisung
seines ersten Rentenbegehrens am 26. November 2015 glaubhaft zu machen. Das
Nichteintreten auf sein Rentenbegehren vom 12. Juli 2017 erweist sich damit als
rechtmässig. Die Beschwerde gegen den das Rentenbegehren betreffenden
Nichteintretensentscheid in der Verfügung vom 9. Oktober 2017 ist folglich
abzuweisen.
4.
4.1 Dem Wortlaut nach bezieht sich die „Eintretenshürde“ des Art. 87 Abs. 3 IVV nur
auf die Rente, die Hilflosenentschädigung und den Assistenzbeitrag, nicht aber auf die
anderen Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere nicht auf medizinische
oder berufliche Eingliederungsmassnahmen. Diesbezüglich stellt sich die Frage, ob der
Verordnungsgeber die anderen Leistungen bewusst oder bloss versehentlich nicht
erwähnt hat respektive ob der Art. 87 Abs. 3 IVV eine ausfüllungsbedürftige Lücke
enthält. Diese Frage ist zu verneinen, denn über die nicht explizit im Art. 87 Abs. 3 IVV
erwähnten Leistungen kann – anders als über eine Rente, eine Hilflosenentschädigung
oder einen Assistenzbeitrag – regelmässig mit einem eher geringen Abklärungsaufwand
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entschieden werden. Eine Ausweitung des Anwendungsbereichs des (sich nicht auf
eine explizite gesetzliche Grundlage stützenden und einen elementaren Grundsatz des
Sozialversicherungsleistungsrechts aus rein verfahrensökonomischen Überlegungen
tangierenden) Art. 87 Abs. 3 IVV auf von dessen Wortlaut nicht erfasste Leistungen der
Invalidenversicherung ist deshalb nicht zu rechtfertigen. Zudem fehlt jeder Hinweis, der
die Annahme stützen könnte, dass der Art. 87 Abs. 3 IVV eine ausfüllungsbedürftige
Lücke enthalten würde. Selbst als der Verordnungsgeber den Wortlaut im Zuge der
Einführung des Assistenzbeitrages ergänzen musste, hat er nämlich ganz offensichtlich
bewusst nur den Assistenzbeitrag als dritte Leistung angeführt, in Bezug auf die eine
Neuanmeldung die sogenannte „Eintretenshürde“ meistern muss. Er hat weder weitere
Leistungen genannt noch den Art. 87 Abs. 3 IVV auf alle Leistungen der
Invalidenversicherung ausgedehnt. Dabei kann es sich augenscheinlich nicht um ein
Versehen gehandelt haben. Deshalb muss die im Art. 87 Abs. 3 IVV enthaltene
Aufzählung als vollständig und damit abschliessend qualifiziert werden (vgl. zum
Ganzen auch den Entscheid IV 2016/268 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom
24. Januar 2018, E. 3.1).
4.2 Bezüglich eines allfälligen Anspruchs auf berufliche Eingliederungsmassnahmen hat
der Beschwerdeführer folglich keine „Eintretenshürde“ meistern müssen. Die
Beschwerdegegnerin hätte sein entsprechendes Begehren also materiell prüfen
müssen. Diesbezüglich erweist sich die angefochtene Verfügung vom 9. Oktober 2017
als rechtswidrig, weshalb der darin enthaltene Nichteintretensentscheid betreffend das
Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen aufzuheben und durch den
verfahrensleitenden Entscheid zu ersetzen ist, dass auf das Begehren des
Beschwerdeführers um berufliche Eingliederungsmassnahmen einzutreten sei. Die
Sache wird zur materiellen Behandlung dieses Begehrens an die Beschwerdegegnerin
überwiesen.
5.
Der Gesamtaufwand für die Beurteilung der beiden Beschwerden gegen die beiden
Nichteintretensentscheide in der Verfügung vom 9. Oktober 2017 ist als
durchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die Gerichtskosten auf 600 Franken
festzusetzen sind. Davon entfällt je die Hälfte auf die beiden Beschwerden. Der
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Beschwerdeführer müsste folglich an sich die Gerichtskosten von 300 Franken für die
Beurteilung der gegen den das Rentenbegehren betreffenden Nichteintretensentscheid
gerichteten Beschwerde bezahlen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege ist er aber von der Pflicht zur Bezahlung dieser Gerichtskosten befreit.
Die Beschwerdegegnerin hat die auf den Nichteintretensentscheid betreffend das
Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen entfallenden Gerichtskosten von
300 Franken zu bezahlen. Der gesamte erforderliche Vertretungsaufwand ist als
deutlich unterdurchschnittlich zu qualifizieren, da der Umfang der Akten sehr gering ist
und da sich das Beschwerdeverfahren nur auf die Frage beschränkt hat, ob die
Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung hätte eintreten müssen. Der gesamte
Vertretungsaufwand ist deshalb auf 2’500 Franken festzusetzen. Davon entfällt je die
Hälfte auf die beiden Streitgegenstände. Da der Beschwerdeführer bezüglich des
Nichteintretens auf das Rentenbegehren unterliegt, hat er für jenen Teil des
Beschwerdeverfahrens keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Zufolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung hat der Staat aber seinem
Rechtsvertreter eine Entschädigung von 80 Prozent (Art. 31 Abs. 3 AnwG) von 1’250
Franken, also 1’000 Franken auszurichten. Für den andern Teil des
Beschwerdeverfahrens hat der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung von 1’250 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird
er zur Nachzahlung der zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege vom
Staat übernommenen Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2
VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).