Decision ID: 7a4d063c-544b-55f7-9a87-f2e85a6db05c
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz,
Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 22. Juni 2010 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Integration, Rente) an. Der Versicherte
gab an, seit 2004 bei der B._ AG (ehemals: C._ AG), als Schichtarbeiter tätig
gewesen zu sein, am 29. April 2010 einen Hirnstamminfarkt erlitten zu haben und
seither zu 100% arbeitsunfähig zu sein (IV-act. 1, 4). Die Klinik Valens, wo sich der
Versicherte vom 10. Mai bis 22. Juni 2010 stationär aufgehalten hatte, stellte im
Austrittsbericht vom 7. Juli 2010 die Hauptdiagnose eines Hirnstamminfarkts vom 29.
April 2010. Als Nebendiagnose wurde insbesondere eine chronisch rezidivierende
Myalgie vor allem im Schultergürtel mit morgendlicher Steifigkeit und anamnestisch
rezidivierender Schwellung von Handgelenken und Fingern mit/bei möglicher
Polymyalgia rheumatica und zusätzlichem Verdacht auf eine somatoforme Störung
vermerkt. Die Klinikärzte attestierten dem Versicherten vom 29. April bis 14. Juli 2010
eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit. Ab 15. Juli 2010 sei ein therapeutischer
Arbeitsversuch mit 50% Anwesenheit pro Tag mit reduziertem Pensum von 50% bei
reduzierter kognitiver und körperlicher Belastung an einem Schon-Arbeitsplatz
(wechselbelastend, leicht bis mittelschwer) zu starten (IV-act. 25). Der therapeutische
Arbeitsversuch im Pensum von 25% in einer adaptierten Tätigkeit erfolgte schliesslich
ab 26. Juli 2010 bei der angestammten Arbeitgeberin (IV-act. 16, 21, 26). Laut
Regionalem Ärztlichen Dienst (RAD) der Invalidenversicherung war drei Monate nach
dem Schlaganfall noch mit einer deutlichen Besserung im weiteren Verlauf zu rechnen
(IV-act. 21). Am 1./9. Dezember 2010 unterzeichnete der Versicherte einen von der
zuständigen Eingliederungsberaterin der IV-Stelle vorbereiteten Eingliederungsplan mit
der Zielvereinbarung eines Arbeitsversuchs in der angestammten Tätigkeit mit Aufsicht
im Rahmen von 50% und Steigerung der Arbeitszeit je nach Verlauf, wobei der
Versicherte erklärte, er sehe sich mit einem Pensum von 50% an der obersten
Leistungsgrenze (IV-act. 37, vgl. auch IV-act. 38). Am 9. Dezember 2010 reichte der
behandelnde Arzt des Versicherten, Dr. med. D._, FMH Innere Medizin, der IV-Stelle
einen Arztbericht unter Angabe folgender Diagnosen mit Auswirkung auf die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsfähigkeit ein: Hirnstamminfarkt am 29. April 2010 mit/bei initial Dysarthrie, Skew-
Deviation rechts über links, ocular Tilt-Reaktion, Nystagmus, Gangunsicherheit;
chronisch rezidivierende Myalgie vor allem im Schultergürtel mit morgendlicher
Steifigkeit mit rezidivierender Schwellung von Handgelenken, Ellbogen und Fingern
beidseits mit/bei Verdacht auf Polymyalgia rheumatica, negativen CCP-Antikörpern
und ANA; Anpassungsstörung; mittelschwere depressive Episoden ohne psychotische
Symptome (F32.2). Zur Arbeitsfähigkeit hielt Dr. D._ fest, dass dem Versicherten
langsame Tätigkeiten ohne Verantwortung, ohne grosse Geschicklichkeits-, Kraft- und
Gleichgewichtsanforderung aus somatischer Sicht vollständig zumutbar sein sollten.
Wegen intermittierend auftretender schmerzhafter Gelenksschwellungen müssten
jedoch unter der jetzigen Therapie mehrmals monatlich, mehrtägige Krankheitsausfälle
erwartet werden, ausser die rheumatologische Behandlung könne einen anhaltenden
Effekt erzielen. Die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit aus psychosomatischer
Sicht könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht konklusiv beurteilt werden. Aktuell sei diese in
der freien Wirtschaft wegen dem vermeidenden ängstlichen Verhalten des Versicherten
nicht gegeben. Aus rein somatischer Sicht sei seitens des Hirnstamminfarkts von einer
guten Prognose auszugehen, wobei anhaltende Restbeschwerden wie
Gleichgewichtsstörungen bei einem Hirnstamminfarkt möglich seien. Schliesslich hielt
Dr. D._ eine ergänzende medizinische Abklärung, insbesondere eine psychiatrische
Exploration durch die Klinik E._, für angezeigt (IV-act. 39). Am 18. Januar 2011 erhielt
die IV-Stelle die Mitteilung, dass sich der Versicherte seit 3. Januar 2011 in der Klinik
E._ zur Rehabilitation befinde und ihm von der B._ AG per 30. April 2011 gekündigt
worden sei (IV-act. 43). Am 21. Januar 2011 erfolgte ein Arztbericht durch Dr. med. M.
D._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit den Diagnosen einer mittelgradigen
depressiven Episode mit somatischem Syndrom, einer psychogenen Überlagerung der
mutmasslich somatischen Beschwerden sowie eines maladaptiven Überzeugungs- und
Bewältigungsmusters im Zusammenhang mit der körperlichen Krankheit. Die Frage der
Zumutbarkeit einer anderen Tätigkeit könne noch nicht beantwortet werden. Es sei der
Ausgang der Behandlung in der Klinik E._ abzuwarten (IV-act. 44). Am 28. Januar
2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten den Abschluss der "Leistung zum
Arbeitsplatzerhalt" mit. Der Versicherte befinde sich aktuell in einer
Rehabilitationsmassnahme, weshalb berufliche Eingliederungsmassnahmen im jetzigen
Zeitpunkt nicht angezeigt seien (IV-act. 48). Am 20. Mai 2011 nahm die Klinik E._ zur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit des Versicherten Stellung, erstattete einen
Verlaufsbericht und reichte einen Bericht vom 7. Februar 2011 zu Handen Dr. D._
über die ambulante Rehabilitationsbehandlung des Versicherten in ihrer Klinik ein. Darin
wurden als psychiatrische Diagnose eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F
32.1) mit somatischem Syndrom und als somatische Diagnosen ein Status nach
Hirnstamminfarkt mit neurologischen Defiziten und Parästhesien sowie Rücken- und
Nackenschmerzen gestellt. Die Klinik E._ attestierte dem Versicherten eine volle
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und ging in geschütztem Rahmen bei
leichter handwerklicher Arbeit, ohne Schicht, Akkord, Fliessband, Maschinenarbeit,
Arbeit mit scharfen Werkzeugen und Gegenständen sowie ohne schweres Heben über
Lendenhöhe, von einer 20%-igen Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 54-6/7, 58-32/53).
Zusammen mit dem Verlaufsbericht vom 20. Mai 2011 reichte die Klinik E._ der IV-
Stelle ausserdem Untersuchungsberichte der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG) wie auch des Departements Innere Medizin, Rheumatologie/
Rehabilitation des KSSG vom 15. und 23. Dezember 2010 sowie vom 4. Januar und 15.
Februar 2011 zu Handen Dr. D._ ein (IV-act. 58-35/53 ff.). Inzwischen hatte die IV-
Stelle am 13. April 2011 eine polydisziplinäre Abklärung des Versicherten durch die
Aerztliche Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), F._, veranlasst (IV-act. 52). Die
Untersuchungen im ABI - psychiatrisch durch Dr. med. G._, rheumatologisch durch
Dr. med. H._, neurologisch durch Dr. med. I._ - mit Erarbeitung einer Konklusion
durch einen interdisziplinären Konsensus mit den verschiedenen Teilgutachtern fanden
am 20. und 21. September 2011 statt. Das ABI hielt zusammenfassend fest, dass der
Versicherte für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit zu 80% arbeits-
und leistungsfähig sei, in einem ganztägigen Pensum verwertbar. Ausgeschlossen
seien Tätigkeiten im Schichtbetrieb und solche mit erhöhten Anforderungen ans
Gleichgewichtssystem. Körperlich schwere Tätigkeiten seien ihm nicht mehr und
körperlich mittelschwere Tätigkeiten nur noch mit grosser Einschränkung zumutbar (IV-
act. 58-1/53).
A.b Nach Bestätigung des RAD, dass auf das ABI-Gutachten abgestellt werden könne
(IV-act. 59), stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 10. Februar
2012 bei einem IV-Grad von 37% die Abweisung des Rentenanspruchs in Aussicht (IV-
act. 62).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.c Dagegen erhob der Versicherte am 17. Februar 2012 Einwand. Er brachte vor, von
seinem Hausarzt für eine rheumatologische Untersuchung Dr. med. J._ zugewiesen
worden zu sein, deren Ergebnis abzuwarten sei (IV-act. 63).
A.d Nach Eingang des Untersuchungsberichts von Dr. J._ vom 8. März 2012 und der
Stellungnahme des RAD, dass mit dem aktuellen Bericht keine neuen medizinischen
Tatsachen bekannt würden (IV-act. 66 f.), verfügte die IV-Stelle am 23. März 2012 im
Sinne des Vorbescheides (IV-act. 68).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Advokat lic. iur. M. Boltshauser,
Procap, Schweizerischer Invaliden-Verband, Olten, im Namen des Versicherten
eingereichte Beschwerde vom 8. Mai 2012 mit dem Antrag, die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 23. März 2012 sei aufzuheben und es sei dem
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. April 2011 eine Invalidenrente zuzusprechen. Dem
Beschwerdeführer sei ausserdem die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und
er sei von allfälligen Vorschuss- und Sicherheitsleistungen zu befreien. Zudem sei ihm
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den Unterzeichnenden zu gewähren;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeergänzung vom 17. September 2012 beantragte der
Rechtsvertreter, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 23. März 2012 sei
aufzuheben und es seien zusätzliche medizinische Abklärungen vorzunehmen. Am
Antrag betreffend unentgeltliche Prozessführung, Befreiung von allfälligen Vorschuss-
und Sicherheitsleistungen, unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowie Kosten- und
Entschädigungsfolge wurde festgehalten (act. G 7). Zusammen mit der
Beschwerdeergänzung reichte der Rechtsvertreter einen weiteren Arztbericht von Dr.
J._ vom 29. März 2012 (act. G 7.1) sowie zusätzliche Untersuchungsberichte des
Departements Innere Medizin, Rheumatologie/Rehabilitation, und der Klinik für
Neurologie des KSSG vom 1. und 25. Juni 2012 (act. G 7.2) ein.
B.c In der Beschwerdeantwort vom 2. November 2012 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (act. G 11).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.d Mit Schreiben vom 6. November 2012 bewilligte die Präsidentin des
Versicherungsgerichts das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch
Advokat Boltshauser) für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 12).
B.e Mit Schreiben vom 14. Januar 2013 verzichtete der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auf die Einreichung einer Replik (act. G 16).
B.f Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und die Ausführungen in
den übrigen, insbesondere medizinischen Akten, wird, soweit entscheidnotwendig, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
den Anspruch auf eine Invalidenrente zu Recht verneint hat.
2.
Am 1. Januar 2012 ist der erste Teil der 6. Revision der Invalidenversicherung in Kraft
getreten. In zeitlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 130 V
445, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat
die angefochtene Verfügung am 23. März 2012 und somit nach Inkrafttreten der IV-
Revision 6a erlassen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor deren
Inkrafttreten, jedoch nach dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-
Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Nachfolgend wären daher für den bis 31.
Dezember 2011 verwirklichten Sachverhalt die altrechtlichen, danach die ab 1. Januar
2012 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden. Nachdem sich jedoch in
Bezug auf den in (a)Art. 28 IVG geregelten Grundsatz des Rentenanspruchs keine
Änderung ergeben hat, erübrigt sich eine Differenzierung.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können (Art. 28 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), die während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG) und die nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind
(Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG), denn ein Rentenanspruch besteht erst ab diesem
Invaliditätsgrad (Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.3 Die Rente wird nach dem Grad der Invalidität abgestuft. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG
besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%
invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf
eine Viertelsrente.
4.
4.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers rügt zunächst, der Beschwerdeführer
sei in beruflicher Hinsicht nicht für allfällige berufliche Massnahmen, resp. für eine
Arbeitsvermittlung, überprüft worden, weshalb der Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" verletzt scheine. Der Beschwerdeführer hat zwar in seinem Herkunftsland eine
zweijährige Lehre als Schreiner - ohne Nachweis eines Abschlusses - absolviert.
Diesen Beruf hat er jedoch seit über zehn Jahren nicht mehr ausgeübt, sondern war
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
stattdessen als ungelernter Fabrikarbeiter - zuletzt ab 1. September 2004 mehrere
Jahre bei der B._ AG als Schichtarbeiter in der Maschinenbedienung und als
Staplerfahrer - tätig (vgl. IV-act. 4, 38, 46, 58). Es bestehen keinerlei Hinweise
anzunehmen, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall bis zur Pensionierung
nicht mehr als Hilfsarbeiter tätig gewesen wäre. Er ist mithin als solcher zu qualifizieren.
Hilfsarbeiter sind definitionsgemäss in der Lage, den Arbeitsplatz zu wechseln, ohne
dazu eine Umschulung (Art. 17 Abs. 1 IVG) zu benötigen, da keine qualifizierten
Berufskenntnisse erforderlich sind. Dennoch kann ein Umschulungsanspruch auch bei
einem Hilfsarbeiter nicht gänzlich verneint werden (vgl. U. Meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2010, S. 191). Aufgrund des Alters
des Beschwerdeführers wäre jedoch eine Umschulung unverhältnismässig, so dass
offen bleiben kann, ob er überhaupt fähig wäre, sich erfolgreich in eine qualifizierte
Berufstätigkeit umschulen zu lassen. Im Regelfall kommt bei Hilfsarbeitern als einzige
berufliche Eingliederungsmassnahme eine Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 IVG) nebst
dazugehörigen Massnahmen (Art. 18a bis Art. 18c IVG) in Frage. Die Arbeitsvermittlung
untersteht aber nicht dem in Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG geregelten Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. Zürich/Basel/Genf
2009, Vorbemerkungen N. 47), da sie nur dazu dienen kann, eine Arbeitslosigkeit (und
nicht eine relevante Invalidität) zu überwinden. Nach seinem Hirnstamminfarkt am 29.
April 2010 arbeitete der Beschwerdeführer ab 26. Juli 2010 wieder versuchsweise zu
25% an einem Schonarbeitsplatz bei der B._ AG. Die Beschwerdegegnerin
vereinbarte bzw. plante im Rahmen der Frühintervention den Erhalt des bestehenden
Arbeitsplatzes bzw. die dortige Steigerung der Arbeitsleistung (vgl. IV-act. 31, 37, 46).
Der Arbeitsversuch des Beschwerdeführers wurde jedoch aufgrund seiner
gesundheitlichen Situation per Januar 2011 abgebrochen. Er erhielt per 30. April 2011
die Kündigung seiner Arbeitsstelle, sodann war der Eintritt in eine mehrwöchige
Rehabilitation geplant. In der Folge teilte die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer am 28. Januar 2011 den Abschluss der Leistung zum
Arbeitsplatzerhalt mit (IV-act. 48). Gegen diese Vorgehensweise der
Beschwerdegegnerin ist aufgrund des Gesagten nichts einzuwenden. Hinzu kommt,
dass die ABI-Gutachter in ihrem Gutachten vom 24. November 2011 von einer
Empfehlung beruflicher Massnahmen absahen. Die ausgeprägte subjektive
Krankheitsüberzeugung des Beschwerdeführers wie auch die psychosoziale Situation
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und das Alter würden praktisch einen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben verunmöglichen
(IV-act. 58-25/53). Zusammenfassend steht damit fest, dass der Beschwerdeführer die
in Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG geregelte Anspruchsvoraussetzung (vgl. Erwägung 3.2)
erfüllt.
4.2 Als unbestritten hat nach Lage der vorliegenden Akten zutreffenderweise zu
gelten, dass beim Beschwerdeführer seit seinem Hirnstamminfarkt vom 29. April 2010
eine ununterbrochene 100%-ige Arbeitsunfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit
als Maschinenbediener/Staplerfahrer/Schichtarbeiter ausgewiesen ist (vgl. dazu IV-act.
25, 39, 44, 48). Der Beschwerdeführer erfüllt also auch die in Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
geregelte Anspruchsvoraussetzung (vgl. Erwägung 3.2).
5.
5.1 Zu prüfen bleibt mithin die Anspruchsvoraussetzung gemäss Art. 28 lit. c IVG (vgl.
Erwägung 3.2). Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das
Einkommen, das der Beschwerdeführer nach Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das er erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des Invalideneinkommens bilden die
Arbeitsfähigkeitsschätzung und die Umschreibung der trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und zumutbaren Tätigkeiten. Um das
Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
5.2 Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (vgl. BGE 104 V 209 E. c; RKUV 1993 Nr. U 167 S. 96 E. 5a mit weiteren
Hinweisen). In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb und cc). Dies gilt auch für Stellungnahmen
behandelnder Spezialärzte (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 6. April
2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der
Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (BGE 124 I 170 E. 4; Urteile des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2, und
13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b). Es ist deshalb nicht zulässig, ein medizinisches
Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass
weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte später zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in denen sich
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und
nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die
im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteile
des Bundegerichts bzw. EVG vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2; 27. November
2006, I 663/05, E. 2.2.2 mit Hinweisen).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.3 Der Beschwerdeführer fühlt seit dem Winter 2009 rheumaähnliche Muskel- und
Gelenkschmerzen am ganzen Körper, insbesondere im Schultergürtel, in den Händen
und Knien. Intermittierend komme es zusätzlich immer wieder zu Schwellungen der
Hände und Beine und er habe auch Nervenprobleme in den Handgelenken. Seit dem
Hirnstamminfarkt vom 29. April 2010 klagt der Beschwerdeführer ausserdem über
Kopfschmerzen, Doppelbilder, Schwindel und Gangunsicherheit. Von den
Kniegelenken abwärts habe er sodann ebenfalls Nervenprobleme und müsse z.B. vor
allem nachts im Bett die Beine bewegen (vgl. IV-act. 39, 54, 58, 66). Die
Beschwerdegegnerin verneint das Vorliegen invalidisierender Gesundheitsschäden. Sie
stützt ihre Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers abschliessend insbesondere auf das ABI-Gutachten vom 24.
November 2011 (IV-act. 58-1/53) sowie die Ergebnisse der nachfolgend
durchgeführten rheumatologischen sowie neuroophtalmologischen Untersuchungen
durch Dr. J._ bzw. der Augenklinik des KSSG vom 8. März und 10. September 2012
(IV-act. 66, 80). Demgegenüber stellt sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
mit Verweis auf die mit der Beschwerdeergänzung vom 17. September 2012 (act. G 7)
eingereichten Berichte von Dr. J._ vom 29. März 2012 (act. G 7.1), dem Departement
Innere Medizin, Rheumatologie/Rehabilitation des KSSG vom 1. Juni 2012 und der
Klinik für Neurologie des KSSG vom 25. Juni 2012 (act. G 7.2) auf den Standpunkt,
dass bezüglich der glaubhaft gemachten Beschwerden des Beschwerdeführers noch
nicht von einer abschliessend geklärten medizinischen Situation ausgegangen werden
könne. Um die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers korrekt zu
eruieren, sei - wie vom KSSG gefordert - eine zusätzliche medizinische Abklärung
notwendig.
5.4 Das ABI hat im erwähnten Gutachten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt: 1. Polymyalgieformes Schmerzsyndrom unklarer Ätiologie
(ICD-10 M35.3) mit/bei DD: atypischer Polymyalgia rheumatica, zusätzlich möglicher
somatoformer Komponente und aktuell: intensiver subjektiver
Beschwerdesymptomatik trotz fehlender humoraler Entzündungsaktivität; 2. Zustand
nach Hirnstammischämie 4/2010 (ICD-10 163.9). Unter den Diagnosen ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit wurde aufgeführt: 1. Leichte depressive Episode (ICD-10
F32.0), 2. Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54), 3. Verdacht auf
Spannungskopfschmerz (ICD-10 G44.2), 4. Verdacht auf Restless-legs-Syndrom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(ICD-10 G25.8). Der Beschwerdeführer sei für eine körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeit zu 80% arbeits- und leistungsfähig, in einem ganztägigen
Pensum verwertbar. Ausgeschlossen seien Tätigkeiten im Schichtbetrieb und solche
mit erhöhten Anforderungen ans Gleichgewichtssystem. Körperlich schwere
Tätigkeiten seien ihm nicht mehr und körperlich mittelschwere Tätigkeiten nur noch mit
grosser Einschränkung (70%) zumutbar. Zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit wurden
medizinische Massnahmen vorgeschlagen. Aus rheumatologischer Sicht sei eine
Objektivierung der vom Beschwerdeführer angegebenen Schwellungen der Hände
angezeigt mit nachfolgender Abklärung, z.B. durch Skelettszintigraphie oder PET-CT.
Bei objektiven Befunden könnte dann die Therapie angepasst werden. Im anderen Fall
wäre eine Reduktion der Steroidbehandlung angezeigt. Eine wesentliche Veränderung
der Arbeitsfähigkeit sei allerdings durch diese Massnahmen nicht zu erwarten. Aus
neurologischer und internistischer Sicht könnten keine weiteren spezifischen
medizinischen Behandlungen vorgeschlagen werden. Aus psychiatrischer Sicht sei die
Weiterführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu empfehlen.
Ideal wäre die medikamentöse Therapie mit einem schmerzmodulierenden
Antidepressivum (IV-act. 58-1/53 ff.).
5.5 Die Untersuchung der vom Beschwerdeführer seit 2009 geklagten Muskel- und
Gelenkschmerzen fällt unbestrittenermassen in das rheumatologische Fachgebiet.
Neben der rheumatologischen ABI-Begutachtung durch Dr. H._ wurden beim
Beschwerdeführer von rheumatologischer Seite verschiedene weitere Abklärungen -
von der Klinik Valens, dem Muskelzentrum und dem Departement Innere Medizin,
Rheumatologie/Rehabilitation des KSSG, und von Dr. med. K._, Rheumatologie
FMH, - durchgeführt und die Symptomatik aufgrund der anfänglichen
Beschwerdeschilderung einhellig und in Übereinstimmung mit dem ABI-Gutachten als
"Polymyalgia rheumatica" eingeordnet (IV-act. 25, 39, 58-49/53, act. 58-1/53 S. 12 f.).
Dies obwohl ebenfalls übereinstimmend kein fassbares organisches Korrelat für die
vom Beschwerdeführer geschilderten muskuloskelettalen Beschwerden gefunden
werden konnte - insbesondere keine entzündlichen Gelenksveränderungen, keine
positiven Autoantikörper bzw. Rheumafaktoren und radiologisch an den Händen und
Füssen keine entzündlichen ossären Veränderungen - und von einer Polymyalgia
rheumatica einzig im Rahmen einer Verdachts- oder höchstens einer
Differentialdiagnose ausgegangen wurde. Infolge der im ABI-Gutachten als angezeigt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erklärten Abklärung zur Objektivierung der geklagten Schwellungen der Hände (vgl.
Erwägung 5.4), fanden Untersuchungen durch den Rheumatologen Dr. J._ sowie das
Departement Innere Medizin, Rheumatologie/Rehabilitation des KSSG statt, welche
keine neuen medizinischen Erkenntnisse hervorbrachten. Auch Dr. J._ ging jedoch
letztlich in seinem Bericht vom 29. März 2012 von einer anamnestisch vorliegenden
entzündlich-rheumatischen Erkrankung aus und das Departement Innere Medizin,
Rheumatologie/Rehabilitation des KSSG bestätigte in seinem Bericht vom 1. Juni 2012
die Diagnose einer Polymyalgia rheumatica (act. G 7.1). Wie der RAD in seiner
Beurteilung vom 16. Oktober 2012 (IV-act. 81) überzeugend festhält, besteht mit Blick
auf die zahlreich durchgeführten, übereinstimmenden rheumatologischen
Untersuchungen kein Anlass für ergänzende medizinische Abklärungen.
5.6
5.6.1 Der Beschwerdeführer wurde sodann wiederholt hinsichtlich der seit dem
Hirnstamminfarkt vom 29. April 2010 bestehenden Symptomatik untersucht. Laut
Austrittsbericht der Klinik Valens vom 7. Juli 2010 konnte im Rahmen mehrfacher
orthoptistischer Untersuchungen bezüglich der Doppelbilder kein morphologisches
Korrelat gefunden werden. Die bei Austritt noch bestehenden Doppelbilder könnten
somatisch nicht begründet werden. Die Symptomatik sei höchstwahrscheinlich in
erster Linie im psychosozialen Kontext - subjektive Angst davor, nicht mehr voll gesund
zu werden, nicht mehr in den Arbeitsalltag integriert zu werden oder auch in der
Gesellschaft nicht mehr leistungsfähig und nützlich sein zu können - zu interpretieren
(IV-act. 25-21/16). Am 13. Dezember 2010 erfolgte in der Klinik für Neurologie des
KSSG eine psychologische Abklärung von psychischen und kognitiven
Beeinträchtigungen sowie spezifischen Hirnleistungsstörungen, die auf den
Hirnstamminfarkt zurückgeführt werden könnten. Laut Untersuchungsbericht vom 15.
Dezember 2010 bestanden beim Beschwerdeführer bei Status nach Hirnstamminfarkt
am 29. April 2010 aus neuropsychologischer Sicht formal betrachtet mittelschwere
kognitive Funktionsstörungen mit vordergründigen Beeinträchtigungen von Antrieb,
Arbeitstempo und Aufmerksamkeit visueller Verarbeitung. Insgesamt stünden jedoch
die reduzierte psychophysische Belastbarkeit mit deutlicher Kopfschmerzproblematik
und ausgeprägter depressiver Symptomatik klar im Vordergrund (IV-act. 58-41/53).
Anlässlich der klinisch-neurologischen Untersuchung der Klinik für Neurologie des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
KSSG vom 21. Dezember 2010 fielen weiterhin die leichtgradigen Residuen mit Angabe
schräg versetzter Doppelbilder beim Blick nach rechts und links, eine leicht sakkadierte
Blickfolge, eine leichte Zungendeviation nach links sowie eine gewisse
Gangunsicherheit und ungerichtete Fallneigung im Versuch nach Romberg auf.
Hinsichtlich der beklagten durchgehenden dumpf-drückenden Kopfschmerzen sei am
ehesten von einem chronischen Spannungskopfschmerz auszugehen (IV-act.
58-37/53). Die extrakranielle Ultraschalluntersuchung der hirnzuführenden Gefässe vom
15. Februar 2011 in der Klinik für Neurologie des KSSG ergab einen altersentsprechend
unauffälligen Befund (IV-act. 58-43/53). Die Untersuchung in der dortigen
neurovaskulären Sprechstunde vom gleichen Tag bestätigte die psychologische
Beurteilung der klinischen Befunde. So wurde im ebenfalls gleichentags erstellten
Bericht festgehalten, dass die vom Beschwerdeführer beschriebene diffuse
Beschwerdesymptomatik möglicherweise auf eine beginnende somatoforme Störung
hinweisen könnte. Zudem bestehe aktuell eine deutlich depressive Stimmungslage mit
immer wieder auftretenden Angstattacken, aktuell wahrscheinlich verstärkt durch die
psychosoziale Belastungssituation mit Kündigung durch den Arbeitgeber und damit
verbundenen finanziellen Sorgen (IV-act. 58-48/53). Der neurologische ABI-Gutachter,
Dr. I._, setzte sich im ABI-Gutachten sodann eingehend mit den verschiedenen
neurologischen Untersuchungsergebnissen auseinander und wies insbesondere auf
Diskrepanzen im klinischen Befund hin, welche nicht mehr durch die initiale Ischämie
erklärbar seien. So sei die weitere Angabe von Doppelbildern bei - wie von ihm
erhoben - konjugiert stehenden Bulbi nicht schlüssig. Insgesamt seien überdies die
Angaben von Doppelbildern widersprüchlich. Initial würden schräg nebeneinander
stehende Doppelbilder genannt, im Bericht der neurologischen Klinik parallel
nebeneinander stehende und bei der aktuellen Untersuchung nun vertikal übereinander
stehende. Im Kontrast zu diesen Doppelbildern stehe auch die Angabe des
Beschwerdeführers, er könne nur maximal 100 km Autofahren und müsse dann eine
Pause machen. Beständen tatsächlich permanent Doppelbilder, wären Zweifel an der
Fahrtüchtigkeit angebracht. Der Bericht der Neurologischen Klinik des KSSG vom 15.
Februar 2011 führe bei den motorischen Prüfungen eine Reihe funktioneller
Auffälligkeiten auf. Dies bestätige sich auch bei der aktuellen Untersuchung. Es ergebe
sich, abgesehen von mässigen Verspannungen der Nackenmuskulatur, ein in objektiver
Hinsicht völlig unauffälliger neurologischer Status. Auch Dr. I._ interpretierte die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kopfschmerzen bei den bestehenden Verspannungen als Spannungskopfschmerzen
und ging von einer erheblichen Symptomausweitung aus (IV-act. 58-1/53 S. 20 f.).
Insgesamt lagen demnach mit Blick auf die medizinische Aktenlage bis und mit ABI-
Begutachtung ausschliesslich Untersuchungsergebnisse vor, aufgrund derer sich die
nach dem Hirnstamminfarkt bestehende Beschwerdesymptomatik nicht somatisch
begründen liess. Auch in Anbetracht des Ergebnisses der späteren Nachuntersuchung
in der Klinik für Neurologie des KSSG vom 22. Juni 2012 kann keine andere
Schlussfolgerung gezogen werden. Im diesbezüglichen Bericht vom 25. Juni 2012
wurde abermals daran festgehalten, dass sich die beschriebene, teils diffuse
Beschwerdesymptomatik klinisch-neurologisch schwer objektivieren lasse und eine
bestehende psychosomatische Komponente wahrscheinlich im Vordergrund stehe (act.
G 7.2). Schliesslich wurde zwar anlässlich der erneuten Vorstellung in der
Neuroophthamologie am 6. September 2012 festgehalten, dass der Beschwerdeführer
ohne Prismenbrille weiterhin Doppelbilder wahrnehmen werde, die Situation allerdings
mit der Brille optimal korrigiert sei und sich somit keine weiteren Konsequenzen
ergeben würden. Die sonstigen Befunde wurden als unauffällig und die Fahrtauglichkeit
als weiterhin gegeben bezeichnet (IV-act. 80).
5.6.2 Zusammenfassend ergibt sich also aufgrund der neurologischen
Untersuchungen die Schlussfolgerung, dass sich aus neurologischer Sicht kein
objektives Defizit feststellen lässt. Damit geht einher, dass auch der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers nichts Gegenteiliges substantiiert vorbringt. Angesichts der in
Erwägung 5.6.1 dargelegten übereinstimmenden medizinischen Feststellungen sind
keine zusätzlichen neurologischen Abklärungen betreffend der Symptomatik nach dem
Hirnstamminfarkt angezeigt. Die von der Klinik für Neurologie des KSSG im Bericht
vom 25. Juni 2012 erwähnte Vorstellung bei den Klinikkollegen der
Neuroophthamologie hat, wie erwähnt, stattgefunden (act. G 7.2, IV-act. 80). Zum
Vorschlag des Departements Innere Medizin, Rheumatologie/Rehabilitation des KSSG
im Bericht vom 1. Juni 2012, es sei eine Verlaufskontrolle durchzuführen, ist
anzumerken, dass er weder die neurologische Problematik betrifft noch im Sinne einer
weiteren notwendigen fachärztlichen Untersuchung verstanden werden kann.
5.7 Aus somatischer Sicht trägt die Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI dem Umstand
Rechnung, dass ihr Rheumatologe Dr. H._ zumindest differentialdiagnostisch von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung ausgeht und dies in seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung entsprechend würdigt bzw. für den Beschwerdeführer nur
noch eine körperlich leichte Tätigkeit zu 80% als zumutbar erachtet. Neurologisch wird
sodann festgehalten, dass - auch wenn sich kein objektives Defizit feststellen lasse -
unter der Annahme einer kleinen abgelaufenen Hirnstammischämie mit
entsprechendem Schwindel, eine Einschränkung für Tätigkeiten mit besonderen
Anforderungen an das Gleichgewichtsvermögen gegeben sei. Auch Tätigkeiten im
Dreischichtendienst sollten nicht mehr verrichtet werden. Körperlich leichte Tätigkeiten
könnten indessen ganztags ausgeübt werden. Aus polydisziplinärer Sicht wurde der
Beschwerdeführer damit für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit zu
80% arbeitsfähig eingestuft (IV-act. 58-1/53 S. 24). Gesamthaft betrachtet, erscheint
diese Einschätzung mit Blick auf die somatische Gesundheitssituation des
Beschwerdeführers bzw. dessen Anamnese begründet und angemessen und wird
insbesondere auch durch die vom Rechtsvertreter mit der Beschwerdeergänzung vom
17. September 2012 (act. G 7) eingereichten ärztlichen Berichte nicht Frage gestellt.
Inwiefern hinsichtlich Arbeitsfähigkeit ergänzende Abklärungen erforderlich sein sollten,
ist damit nicht ersichtlich. Den Aussagen von Dr. J._ in den Berichten vom 8. und 29.
März 2012 - sicher sei die vom ABI festgelegte Arbeitsunfähigkeit von 20% nur schon
aufgrund der Doppelbilder und der Gangunsicherheit deutlich zu tief gegriffen, aus
seiner Sicht sei der Beschwerdeführer sicher nicht mehr als 30-50% arbeitsfähig und
die korrekte Arbeitsunfähigkeit müsste von den Neurologen und Ophthalmologen
beurteilt werden (IV-act. 66, act. G 7.1) - ist mit dem RAD und der Beschwerdegegnerin
festzuhalten, dass die fraglichen Gesundheitsstörungen nicht in das Fachgebiet von Dr.
J._ fallen, was dieser offensichtlich selber einräumt. Gemäss Ausführungen in
Erwägung 5.6.1 wurde der Beschwerdeführer hinsichtlich der von ihm geklagten
Doppelbilder und der Gangunsicherheit umfassend neurologisch und
neuroophthalmologisch abgeklärt. Dies mit dem Ergebnis, dass sich die fraglichen
Beschwerden grundsätzlich nicht objektivieren liessen und von einer wahrscheinlich im
Vordergrund stehenden psychosomatischen Komponente ausgegangen wurde. Zudem
wurden die Doppelbilder mittels Prismenbrillenversorgung korrigiert. Auch die laut
psychologischem Untersuchungsbericht der Klinik für Neurologie des KSSG vom 15.
Dezember 2010 aus neuropsychologischer Sicht bestehende rein kognitive
Arbeitsunfähigkeit von 50% ist in einer Überlagerung durch eine im Vordergrund
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
stehende, reduzierte psychophysische Belastbarkeit begründet (vgl. dazu IV-act.
58-41/53, act. G 7.2). Aus rheumatologischer Sicht decken sich sodann offensichtlich
die Einschätzungen von Dr. J._ und dem ABI.
5.8 Die psychische Komponente des Beschwerdeführers ist laut ABI-Gutachten vom
24. November 2011 ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen wurden eine
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung
(ICD-10 F54) gestellt (IV-act. 58-1/53 S. 21), wohingegen die Klinik E._ und Dr. D._
eine mittelschwere depressive Episode diagnostizierten. In der angestammten Tätigkeit
wurde sodann von der Klinik E._ von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit und im
geschützten Rahmen von einer 20%-igen Arbeitsfähigkeit mit einer 50%-igen
Leistungseinschränkung ausgegangen (IV-act. 58-27/53, 58-31/53 f.). Der
psychiatrische Gutachter des ABI, Dr. G._, hat sich mit den Beurteilungen der Klinik
E._ und von Dr. D._ ausführlich auseinander gesetzt. Wenn er die Vereinbarkeit
einer mittelgradigen depressiven Episode mit den von der Klinik E._ erhobenen
Befunden verneint, so kann das in Anbetracht der nur in geringer Anzahl vorliegenden
Symptome nachvollzogen werden. Im Übrigen geht aus dem Bericht der Klinik E._
auch nicht hervor, dass der Beschwerdeführer - wie bei einer mittelgradigen
depressiven Episode verlangt - meist grosse Schwierigkeiten hätte, seine alltäglichen
Aktivitäten fortzusetzen (vgl. dazu H. Dilling/H.J. Freyberger [Hrsg.], Taschenführer zur
ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 5. Aufl. Bern 2010, S. 135 f.: F 32.0 und
F 32.1, leichte bzw. mittelgradige depressive Episode). Vielmehr hält Dr. G._
schlüssig fest, dass aufgrund der Aktivitäten, die dem Beschwerdeführer möglich
seien, eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht begründet werden könne.
Ebenso gefolgt werden kann seiner Feststellung, dass eine mittelgradige depressive
Episode mit dem von der Klinik E._ festgehaltenen positiven Behandlungsverlauf mit
einer Stabilisierung der Stimmungslage und einem wieder gewonnenen Selbstvertrauen
nicht übereinstimme und daraus nicht die festgehaltene Arbeitsunfähigkeit abzuleiten
sei. Der von ihm erhobene Einwand der fehlenden Abgrenzung zu den somatischen
Diagnosen und der subjektiven Beschwerdesymptomatik lässt schliesslich die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik E._ insofern nicht als beweisend gelten, als
ohne entsprechende Differenzierung nicht nachvollzogen werden kann, welcher Anteil
an Arbeitsunfähigkeit rein psychisch bedingt ist. Auf die Schlussfolgerungen von Dr.
G._, der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik E._ könne nicht gefolgt werden und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, kann
damit abgestellt werden, zumal sie von Seiten des Beschwerdeführers auch in keiner
Weise kommentiert wurde.
6.
6.1 Bei der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens des
Beschwerdeführers ist somit der polydisziplinären Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI-
Gutachtens zu folgen bzw. von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% in einer
adaptierten Tätigkeit auszugehen. Ausgehend von einer solchen Restarbeitsfähigkeit
bleiben noch die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen.
Die Beschwerdegegnerin ermittelte das Valideneinkommen anhand des in der
angestammten Tätigkeit als Maschinenbediener/Schichtarbeiter vom
Beschwerdeführer gemäss seines individuellen Kontos im Jahr 2009 erzielten
Jahreseinkommens von Fr. 76'564.- und das Invalideneinkommen gestützt auf die
Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE; IV-act. 15, 60). Ausgehend vom
allgemeinen Durchschnittslohn aller Branchen gemäss LSE 2008 TA 1 Niveau 4 für
Männer von Fr. 57'672.-- (12 x Fr. 4'806.--), unter Berücksichtigung einer
wöchentlichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden, ergibt sich der von der
Beschwerdegegnerin als Basis für das Invalideneinkommen errechnete Betrag von Fr.
59'979.--. Im Jahr 2009 - wie beim Valideneinkommen ist von diesen Zahlen
auszugehen - stiegen jedoch die Nominallöhne gegenüber dem Jahr 2008 um 2.1%,
was von der Beschwerdegegnerin unberücksichtigt geblieben ist und woraus ein
Betrag von Fr. 61'239.-- resultiert. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% resultiert
ein Jahreseinkommen von Fr. 48'991.--. Der Beschwerdeführer weist aus der Sicht
eines ökonomisch denkenden potentiellen Arbeitgebers gegenüber einem gesunden zu
80% tätigen Hilfsarbeiter gewisse Nachteile auf (Gefahr überdurchschnittlicher
Krankheitsabsenzen, auf einen bestimmten Arbeitsplatz beschränkte Einsatzfähigkeit,
keine Überstunden, Bedarf nach besonderer Rücksichtnahme usw.), die
betriebswirtschaftlich als zusätzliche Lohnkosten zu werten sind. Auch das Alter des
Beschwerdeführers sowie der Umstand, dass ihm bloss noch leichte Tätigkeiten und
kurze Schichtarbeit mehr zumutbar sind, stellen Konkurrenznachteile auf dem
Arbeitsmarkt dar, die er durch Akzeptieren eines unterdurchschnittlichen Lohnes
kompensieren müsste. Diesen Nachteilen ist mit einem zusätzlichen Abzug von 10%
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (vgl. dazu etwa BGE 126 V 75). Das zumutbare
Invalideneinkommen beläuft sich somit auf Fr. 44'092.--
(Fr. 48'991.-- : 0.9). Bei einem Valideneinkommen von Fr. 76'564.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 44'092.-- beläuft sich der Invaliditätsgrad auf 42%. Der
Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf eine Viertelsrente.
6.2 Gemäss dem seit dem 1. Januar 2008 geltenden Wortlaut des Art. 29 Abs. 1 IVG
entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der
Geltendmachung des Leistungsanspruchs und nicht, wie von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG
bis 31. Dezember 2007 angeordnet, mit der Erfüllung des Wartejahres. Andererseits
kann ein Rentenanspruch erst entstehen, wenn eine versicherte Person, während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig
gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b). Der Beschwerdeführer hat sich am 22. Juni 2010 zum
Bezug von IV-Leistungen angemeldet (IV-act. 4), das Wartejahr hat jedoch erst mit dem
am 29. April 2010 erlittenen Hirninfarkt zu laufen begonnen. Demnach ist der
Rentenbeginn, wie vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt, auf den 1.
April 2011 festzusetzen.
7.
7.1 Gemäss den obigen Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung vom 23. März 2012 (IV-act. 68) aufzuheben. Dem
Beschwerdeführer ist mit Wirkung ab 1. April 2011 eine Viertelsrente zuzusprechen. Die
Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe sowie zur Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich, so dass
ihr die ganze Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist.
7.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
[VRP; sGS 951.1]). Angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP