Decision ID: 8ab54850-e6e7-5c3f-849c-b2c7535b95fc
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben
zufolge am (...) und reiste am 2. März 2018 illegal in die Schweiz ein. Am
5. April 2018 suchte er im Empfangs- und Verfahrenszen-
trum (EVZ) B._ um Asyl nach und wurde in der Folge dem damali-
gen Testbetrieb des Verfahrenszentrums C._ zugewiesen. Dort er-
folgte am 11. April 2018 die Personalienaufnahme.
A.b Am 9. August 2018 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asylgrün-
den angehört.
Dabei brachte er im Wesentlichen vor, er sei kongolesischer Staatsange-
höriger und stamme aus D._. Im Jahr 2010 habe er zusammen mit
anderen (...) eine Vereinigung gegründet, um sich gemeinsam gegen die
Schikanen der Polizei zu verteidigen. Er habe die Vereinigung präsidiert.
Durch diese Tätigkeit sei er im Jahr (...) ins Visier der Behörden geraten,
in Polizeigewahrsam genommen und vom Polizeikommandanten verwarnt
worden. Zur selben Zeit sei der Oppositionspolitiker E._ welcher
dem (...) angehöre, auf ihn aufmerksam geworden. E._ habe die
Mitglieder der Vereinigung um Unterstützung ersucht und im Gegenzug
versprochen, sie im Falle seiner Wahl zum Parlamentsmitglied ebenfalls zu
unterstützen. In der Folge hätten sie sich im Wahlkampf für E._ und
den damaligen Präsidentschaftsanwärter Etienne Tshisekedi engagiert.
Am (...) hätten ihn Sicherheitsbeamte im Anschluss an eine Sitzung ver-
haftet und ihm Beschimpfung des Präsidenten vorgeworfen. Ende Dezem-
ber (...) sei er gegen Bezahlung eines Geldbetrages freigelassen worden
und daraufhin Anfang (...) zu einem Onkel nach Angola gegangen. Dieser
habe für ihn einen auf andere Personalien [(...)] lautenden angolanischen
Reisepass beschafft. Damit habe er nach Portugal ausreisen wollen, aber
die portugiesische Vertretung in Luanda (Angola) habe den Pass nicht an-
erkannt. Im August (...) sei er von E._, welcher zwischenzeitlich ins
Parlament gewählt worden sei, kontaktiert und zur Rückkehr nach Kongo
aufgefordert worden; daher sei er Anfang September (...) nach D._
zurückgekehrt. Als er am (...) an einer Kundgebung gegen den damaligen
Präsidenten Joseph Kabila teilgenommen habe, sei er erneut von der Po-
lizei verhaftet worden. Er sei mit dem Tod bedroht und derart misshandelt
worden, dass er ins Krankenhaus habe gebracht werden müssen.
E._ habe daraufhin seine Ausreise organisiert. Am (...) sei er nach
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Brazzaville (Republik Kongo) geflüchtet. E._ sei nach seiner Aus-
reise verhaftet worden. Er selber sei in der Folge in Richtung Europa wei-
tergereist. Der Beschwerdeführer machte ausserdem gesundheitliche
Probleme geltend ([...]).
A.c Der Beschwerdeführer reichte eine Zivilstandsbescheinigung vom
1. März 2018 zu den Akten.
B.
B.a Das SEM erachtete die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdefüh-
rers als unglaubhaft, zumal es davon ausging, der Beschwerdeführer habe
die Asylbehörden über seine Identität getäuscht. Es lehnte daher mit Ver-
fügung vom 16. August 2018 das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungs-
vollzug. Gleichzeitig stellte es fest, der Beschwerdeführer werde im Zent-
ralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) unter den Personalien (...)
geführt.
B.b Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom
29. August 2018 beim Bundesverwaltungsgericht an. Dieses trennte das
Beschwerdeverfahren betreffend Datenänderung im ZEMIS vom Be-
schwerdeverfahren betreffend Asyl und Wegweisung ab und erliess in bei-
den Beschwerdeverfahren einen Kassationsentscheid infolge Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. die Urteile D-6977/2018 vom
19. Dezember 2018 [Datenänderung ZEMIS] und D-4962/2018 vom
2. September 2019 [Asyl und Wegweisung]).
B.c Eine im Auftrag des SEM durchgeführte LINGUA-Analyse vom 5. Mai
2020 ergab, dass der Beschwerdeführer eindeutig in D._ soziali-
siert worden sei. In der Folge änderte das SEM den ZEMIS-Eintrag des
Beschwerdeführers wieder auf (...).
C.
Am 10. September 2020 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer eine
ergänzende Anhörung durch.
Der Beschwerdeführer machte dabei geltend, er habe im Juni 2020 telefo-
nischen Kontakt zu E._ gehabt. Dieser sei aus der Haft entlassen
worden, nachdem der neue Präsident, Felix Tshisekedi, ihn begnadigt
habe. E._ habe ihm mitgeteilt, das Land befinde sich trotz des
Machtwechsels immer noch in den Händen von Kabila. Als er E._
später erneut habe anrufen wollen, habe er ihn nicht mehr erreicht. Der
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Beschwerdeführer schilderte ferner, wie er E._ kennengelernt und
wie sich die Zusammenarbeit mit ihm entwickelt habe. Bezüglich seiner
Inhaftierungen legte er dar, er sei insgesamt drei Mal festgenommen wor-
den. Das erste Mal sei er nur acht Stunden lang in Polizeigewahrsam ge-
wesen, das sei im Jahr (...) kurz nach der Gründung seiner Vereinigung
gewesen. Die beiden anderen Male sei er durch den Nachrichtendienst
verhaftet worden. Bei der Verhaftung im Jahr (...) sei er beschuldigt wor-
den, Kabila beschimpft zu haben. Er sei nicht verhört, sondern nur ständig
geschlagen worden, ausserdem hätten die Beamten seinen Namen notiert.
Am (...) sei er freigelassen worden, nachdem seine Mutter ein Beste-
chungsgeld bezahlt habe. Die dritte Inhaftierung sei anlässlich eines Mar-
sches der Union pour la Démocratie et le Progrès Social (UDPS) am (...)
erfolgt. Während dieser Haft sei er spitalreif geschlagen worden, und
E._ habe ihn ins Krankenhaus gebracht. Wie E._ ihn da-
mals gefunden habe, wisse er nicht. Anschliessend habe E._ seine
Ausreise in die Wege geleitet. Am (...) sei er nach Brazzaville gegangen,
und im Dezember (...) habe er erfahren, dass E._ festgenommen
worden sei. Er fürchte sich vor einer Rückkehr nach Kongo (Kinshasa), da
faktisch immer noch Kabila das Land regiere. Der Beschwerdeführer er-
wähnte auf Nachfrage ausserdem seine weiterhin bestehenden gesund-
heitlichen Probleme (namentlich [...]).
D.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 6. Oktober 2020 fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der
Wegweisung an.
E.
Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom 9. No-
vember 2020 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte die Aufhe-
bung der vorinstanzlichen Verfügung, die Anerkennung als Flüchtling und
die Gewährung von Asyl. Eventuell sei infolge Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventuell sei
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro-
zessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm zu gestatten, den Abschluss
des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten, es sei ihm die unentgeltliche
Prozessführung (inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses) zu gewähren, sein Rechtsvertreter sei ihm als unentgeltlicher
Rechtsbeistand beizuordnen und die Vorinstanz sei zur Übernahme aller
Kosten sowie zur Bezahlung einer Parteientschädigung zu verpflichten.
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Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung im Original, ein ärztli-
cher Bericht vom 19. Oktober 2020 sowie ein Unterstützungsentscheid
vom 10. August 2020 bei.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2020 hielt die Instruktionsrich-
terin fest, der Beschwerdeführer könne den Abschluss des Verfahrens in
der Schweiz abwarten. Ausserdem hiess sie das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung
wurde ebenfalls gutgeheissen, und dem Beschwerdeführer wurde sein
Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet.
G.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 10. Dezember 2020 unter
Beilage eines «Medizinischen Consulting» vom 25. April 2018 vollumfäng-
lich an seiner Verfügung fest.
H.
Nach gewährter Fristerstreckung replizierte der Beschwerdeführer mit (ver-
späteter) Eingabe vom 22. Februar 2021 (Datum Fax und Poststempel),
wobei er an den gestellten Anträgen festhielt. Der Eingabe lag eine Hono-
rarnote vom 17. Februar 2021 bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls,
und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 6
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt indes das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
demnach einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-
chen aus, der Beschwerdeführer habe teilweise unsubstanziierte und wi-
dersprüchliche Angaben zu seinen Asylgründen gemacht. So habe er bei-
spielsweise die Umstände seiner Freilassung im Jahr (...) unterschiedlich
geschildert und auf Vorhalt der Widersprüche keine überzeugende Erklä-
rung geliefert. Auch zur angeblichen Flucht nach der zweiten Verhaftung
im September (...) habe er widersprüchliche und überdies unlogische und
oberflächliche Aussagen gemacht. Daher bestünden erhebliche Zweifel an
der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Zwar sei es denkbar, dass er im Jahr
(...) zusammen mit Freunden eine Organisation gegründet habe. Ange-
sichts der angeblichen Nähe zu E._ und dem geltend gemachten
Umstand, dass er von den Polizisten wiedererkannt worden sei, erscheine
es indessen realitätsfremd, dass er nach der Festnahme im September (...)
ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen in ein Krankenhaus gebracht wor-
den sei beziehungsweise von (...) problemlos habe mitgenommen werden
können. Zudem mute es seltsam an, dass er zum Beleg seiner engen Be-
ziehung zu (...) keinerlei Beweismittel eingereicht und eigenen Angaben
zufolge bis ungefähr im Juni 2020 keinen Kontakt zu (...) gehabt habe,
obwohl dieser bereits im März 2019 aus dem Gefängnis entlassen worden
sei. Ausserdem habe er unsubstanziierte Ausführungen zum Schicksal sei-
ner Mitstreiter und seiner Organisation, zu seiner Beziehung zu (...) sowie
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zu dessen Interesse an ihm gemacht. Insgesamt sei die angebliche Verfol-
gung aufgrund der Teilnahme an Demonstrationen und der Unterstützung
von (...) als unglaubhaft zu erachten. Demnach sei die Flüchtlingseigen-
schaft zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen. Die Vorinstanz legte
im Weiteren dar, der Wegweisungsvollzug nach Kongo (Kinshasa) sei zu-
lässig, zumutbar und möglich. Hinsichtlich der Frage der individuellen Zu-
mutbarkeit des Vollzugs legte das SEM insbesondere dar, der Beschwer-
deführer verfüge über eine gute Schuldbildung und sei arbeitsfähig. Auch
unter Berücksichtigung der geltend gemachten medizinischen Probleme
sei nicht davon auszugehen, dass sich sein Gesundheitszustand im Falle
einer Rückkehr ins Heimatland in lebensbedrohlicher Weise verschlech-
tern würde.
3.2 In der Beschwerde wird zunächst der Sachverhalt wiederholt und an-
schliessend vorgebracht, die Aussagen des Beschwerdeführers seien sub-
stanziiert, plausibel und im Wesentlichen widerspruchsfrei ausgefallen. Zu-
dem sei der Beschwerdeführer persönlich glaubwürdig und habe in gebüh-
render Weise am Verfahren mitgewirkt. Er werde zudem in den nächsten
Tagen ein «mémoire complémentaire» einreichen. Insgesamt seien seine
Vorbringen daher ungeachtet der vom SEM erwähnten Ungereimtheiten
als überwiegend glaubhaft im Sinne der Rechtsprechung zu erachten. Fer-
ner habe der Beschwerdeführer begründete Furcht vor asylrelevanter Ver-
folgung im Falle seiner Rückkehr ins Heimatland. (...) sei in einem politisch
motivierten Verfahren verurteilt und sodann vom neuen Präsidenten be-
gnadigt worden. Weniger bekannte politische Gefangene, welche unter der
Herrschaft von Joseph Kabila inhaftiert worden seien, seien indes weiterhin
in Haft. (...) sei im Übrigen krank; es sei nicht auszuschliessen, dass er im
Gefängnis vergiftet worden sei. Er sei auch nicht mehr Abgeordneter und
habe keinen Einfluss mehr, obwohl er den Präsidenten Felix Tshisekedi
unterstütze. Es müsse berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer
aufgrund von eigenen Aktivitäten, unabhängig von dem gegen (...) initiier-
ten Verfahren, verfolgt worden sei, und dass weniger bekannte politische
Häftlinge nach wie vor unter prekären Bedingungen inhaftiert seien. Der
Beschwerdeführer sei nicht so bekannt wie (...), weshalb er nicht mit einem
Freispruch rechnen könne. Ungeachtet des Präsidentenwechsels seien
nach wie vor dieselben Nachrichten- und Sicherheitsbehörden aktiv, und
der ehemalige Präsident ziehe weiterhin die Fäden. Ein Abkommen zwi-
schen der politischen Plattform des Ex-Präsidenten, der Common Front for
Congo (FCC), und dem neuen Präsidenten ermögliche es Kabila und des-
sen Entourage, weiterhin auf staatliche Institutionen Einfluss zu nehmen.
Da der Beschwerdeführer – anders als (...) – beschuldigt worden sei,
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Kabila beleidigt zu haben, müsse er Schlimmes befürchten. Er erfülle somit
die Flüchtlingseigenschaft, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei. Demnach
sei auch die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen. Im
Weiteren sei der Wegweisungsvollzug auch unzumutbar. Es sei daher die
vorläufige Aufnahme anzuordnen. Die Unzumutbarkeit des Vollzugs er-
gebe sich namentlich aus den in der einschlägigen Rechtsprechung ge-
nannten Kriterien (Verweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 33 sowie zwei
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts). Es handle sich beim Beschwer-
deführer um eine besonders verletzliche Person; denn er leide gemäss
dem eingereichten Arztbericht an einer (...) und benötige eine adäquate
Behandlung, zu welcher er im Heimatland – insbesondere auch aus finan-
ziellen Gründen – keinen Zugang hätte (Verweis auf eine Schnellrecherche
der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] vom Juni 2018 zur Behandlung
von psychischen Erkrankungen in der Demokratischen Republik Kongo).
Daran ändere auch die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Rückkehr-
hilfe nichts, zumal diese zeitlich und betragsmässig limitiert sei und die Be-
handlung wohl auch in diesem Fall nicht nahtlos weitergeführt werden
könnte. Weder der Beschwerdeführer selber noch seine Verwandten wä-
ren in der Lage, die finanziellen Mittel für die benötigte Behandlung zu er-
wirtschaften, zumal die wirtschaftliche Lage in Kongo (Kinshasa) sehr
schlecht sei. Bei einer Rückkehr ins Heimatland wäre er daher einer kon-
kreten Gefahr ausgesetzt. Demnach sei festzustellen, dass der Vollzug der
Wegweisung nach Kongo (Kinshasa) unzumutbar sei und sich die Vo-
rinstanz diesbezüglich auf einen unrichtig und unvollständig festgestellten
Sachverhalt gestützt habe.
3.3 In seiner Vernehmlassung führt das SEM aus, die Beurteilung der
Glaubhaftigkeit beruhe auf einer Gesamtbeurteilung, es sei vollumfänglich
auf den Asylentscheid zu verweisen. Es sei ferner nicht davon auszuge-
hen, dass das in der Beschwerde in Aussicht gestellte «mémoire com-
plémentaire» geeignet sei, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Asylvor-
bringen zu beseitigen. Hinsichtlich der geltend gemachten Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen sei festzustellen,
dass aus dem auf Beschwerdeebene eingereichten Arztbericht nicht her-
vorgehe, welche Medikamente oder Therapien der Beschwerdeführer al-
lenfalls benötige oder bereits in Anspruch nehme. Einem älteren, akten-
kundigen medizinischen Bericht vom 8. Mai 2018 sei ferner zu entnehmen,
dass sich der Beschwerdeführer sowohl von Suizidalität als auch von
Fremdgefährdung distanziere. Von der Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
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vollzugs sei nur auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit der Wei-
terbehandlung eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung
des Gesundheitszustandes nach sich ziehe. Laut dem der Vernehmlas-
sung beiliegenden medizinischen Consulting vom 25. April 2018 sei die
Behandlung einer (...) in (...) möglich, und zwar sowohl in privaten als auch
in staatlichen Einrichtungen. Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts bestätige diese Einschätzung. Im Übrigen sei es dem Beschwer-
deführer zuzumuten, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, und es könne
nicht ausgeschlossen werden, dass er über unterstützungsfähige Ver-
wandte verfüge. Der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers
führe daher nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs.
3.4 In der Replik wird entgegnet, die Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers hätten einen direkten Bezug zu seiner Tätigkeit als (...), weshalb sich
der Umstand, dass er – wie auch das SEM eingeräumt habe – gut über
den (...) Bescheid wisse, positiv auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit
seiner Asylvorbringen auswirke. Im Weiteren treffe es nicht zu, dass der
Beschwerdeführer auf die vom SEM zitierten Fragen unsubstanziiert ge-
antwortet habe. So habe er beispielsweise den Ort seiner Verhaftung im
Jahr (...) auf entsprechende Fragen hin (vgl. A57 F58 ff.) detailliert be-
schrieben. Soweit die Vorinstanz vorbringe, der Beschwerdeführer habe
sich in der ergänzenden Anhörung widersprochen, sei festzustellen, dass
das SEM die angeblichen Widersprüche nicht klar benenne. Hinsichtlich
seiner Flucht aus der Haft im Dezember (...) seien seine Aussagen tat-
sächlich widersprüchlich ausgefallen. Richtig sei die Darstellung in der er-
gänzenden Anhörung (vgl. A57 F119). Der Widerspruch sei dem Zeitablauf
geschuldet; zwischen dem fraglichen Vorfall und den beiden Anhörungen
lägen sieben respektive neun Jahre. Es sei daher nicht ausgeschlossen,
dass sich der Beschwerdeführer nicht mehr an alle Fakten erinnern könne,
zumal seine intellektuellen Fähigkeiten begrenzt seien. Im Übrigen leide er
aufgrund von Misshandlungen während der Haft an psychischen Proble-
men, namentlich an einer (...). Diese Krankheit beeinträchtige bekanntlich
ebenfalls das Erinnerungsvermögen. Diese Umstände müssten bei der Be-
urteilung der Glaubhaftigkeit berücksichtigt werden. Die vom SEM erwähn-
ten Widersprüche in Bezug auf die Flucht aus der Haft im September (...)
seien im Weiteren nicht derart schwerwiegend, dass die übrigen, glaubhaf-
ten Asylvorbringen deswegen ebenfalls in Frage gestellt werden müssten.
In Bezug auf die wesentlichen Vorbringen habe sich der Beschwerdeführer
jedenfalls nicht widersprochen, weshalb seine Aussagen als überwiegend
glaubhaft zu erachten seien. Er erfülle zweifellos die Flüchtlingseigenschaft
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im Sinne von Art. 3 AsylG, da er von den staatlichen Sicherheitskräften
verfolgt worden sei. Gewiss habe sich die allgemeine Lage in Kongo
(Kinshasa) seit der Machtübernahme durch Felix Tshisekedi bezüglich der
Meinungsäusserungsfreiheit etwas verbessert. Mehrere politische Gefan-
gene, welche Probleme mit dem Regime von Kabila gehabt hätten, seien
jedoch weiterhin in Haft, und bei den Sicherheitskräften habe es keine we-
sentlichen Veränderungen gegeben. Personen, welche Probleme mit dem
Regime von Kabila gehabt hätten, seien daher nach wie vor gefährdet (Ver-
weis auf das Urteil des BVGer D-7269/2017 vom 9. Oktober 2020 E. 5.4).
Falls der Beschwerdeführer weiterhin behördlich registriert sei, müsse er
bei einer Rückkehr ins Heimatland trotz der Freilassung von (...) mit Ver-
folgung rechnen, zumal er nicht eine öffentlich bekannte Person sei. (...)
sei politisch nicht mehr aktiv, weshalb die Sicherheit des Beschwerdefüh-
rers bei einer Rückkehr nicht gewährleistet wäre. Das SEM habe sich bei
seinem Entscheid auf einen unrichtig und unvollständig festgestellten
Sachverhalt gestützt. Der Beschwerdeführer sei Flüchtling, weshalb die
Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben
sei.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den rechtserheblichen
Sachverhalt unrichtig beziehungsweise unvollständig festgestellt. Diese
formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie unter Umständen geeignet sein
kann, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den
Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei
muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-
lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber
ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. auch Art. 30–33 VwVG). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und
aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde
trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen ab-
geklärt hat, oder wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BVGE 2016/2 E. 4.3). Die Behörde
ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfang-
reiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind viel-
mehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als ange-
zeigt erscheinen (vgl. dazu ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes;
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3. Aufl. 2013, Rz. 629 ff.; CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren,
2. Aufl., 2019, Rz. 17 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Mül-
ler/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 29 ff. zu Art. 49).
4.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, das SEM habe sich bei der Be-
urteilung der Frage der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sowie
der Frage der Flüchtlingseigenschaft auf einen unrichtig und unvollständig
festgestellten Sachverhalt gestützt (vgl. S. 14 der Beschwerde respektive
S. 4 der Replik). Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Entgegen
der Ansicht des Beschwerdeführers hat das SEM in der angefochtenen
Verfügung den rechtserheblichen Sachverhalt sowohl in Bezug auf den
Asylpunkt als auch hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs richtig und vollständig festgestellt und in seinem Entscheid
die wesentlichen Tatsachen berücksichtigt. In diesem Zusammenhang ist
ausserdem festzuhalten, dass der Beschwerdeführer das in der Be-
schwerde in Aussicht gestellte «mémoire complémentaire» bis heute nicht
eingereicht hat. Die vom Beschwerdeführer geäusserte Unzufriedenheit
mit den Schlussfolgerungen des SEM beziehungsweise der Umstand,
dass das SEM die Asylvorbringen anders würdigte, als dies von ihm als
richtig erachtet wird, respektive hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs zu einem anderen Ergebnis gelangt als er, können
nicht unter den Tatbestand der ungenügenden Sachverhaltsfeststellung
subsumiert werden, sondern stellen vielmehr eine Kritik in der Sache selbst
dar. Die formelle Rüge erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet,
weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aufzu-
heben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Der Kassationsantrag (vgl. Ziff. 6 der Rechtsbegehren) ist daher ab-
zuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
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Seite 12
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.4 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situ-
ation im Zeitpunkt des Entscheides. Dabei ist einerseits die Frage nach der
im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Furcht zu stellen; die Bejahung ei-
ner solchen weist auf eine andauernde Gefährdung hin. Sodann sind Ver-
änderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise
und Asylentscheid zugunsten und zulasten des Gesuchstellers zu berück-
sichtigen. (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2010/9 E. 5.2; 2007/31 E. 5.3 f., je-
weils m.w.H. auf die Rechtsprechung der vormaligen Schweizerischen
Asylrekurskommission).
6.
6.1 Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Polizeigewahrsam im
Jahr (...) im Zusammenhang mit der von ihm mitgegründeten Vereinigung
von (...) zur Verteidigung gegen die Schikanen der (...) dauerte seinen An-
gaben zufolge lediglich acht Stunden, anschliessend wurde er vom Polizei-
kommandanten verwarnt und freigelassen. Mangels genügender Intensität
kann die erwähnte Verfolgungsmassnahme nicht als ernsthafter Nachteil
im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG qualifiziert werden. Zudem weist dieser
Polizeigewahrsam weder in sachlicher noch in zeitlicher Hinsicht einen hin-
reichenden Zusammenhang zur Ausreise des Beschwerdeführers im Sep-
tember (...) auf. Dieses Vorbringen ist daher ungeachtet der Frage seiner
Glaubhaftigkeit nicht asylrelevant.
6.2 Der Beschwerdeführer macht im Weiteren geltend, er sei zweimal (im
Jahr [...] sowie im Jahr [...]) verhaftet worden, weil er sich politisch gegen
den ehemaligen Präsidenten Kabila respektive zugunsten von E._
und Etienne Tshisekedi (dem Vater des aktuellen Präsidenten Felix Tshi-
sekedi) engagiert habe; dabei sei ihm jeweils Beschimpfung des damaligen
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Präsidenten Kabila vorgeworfen worden. Er befürchte, bei einer Rückkehr
ins Heimatland in diesem Zusammenhang erneut verfolgt zu werden.
6.3 Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, das SEM sei fälschlicher-
weise von der Unglaubhaftigkeit der obgenannten Verfolgungsmassnah-
men ausgegangen und habe demzufolge zu Unrecht seine Flüchtlingsei-
genschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. Die Frage, ob die gel-
tend gemachten, angeblich politisch motivierten Verhaftungen in den Jah-
ren (...) und (...) glaubhaft sind oder nicht, kann indessen mit Blick auf die
nachfolgenden Ausführungen zur Asylrelevanz offengelassen werden, zu-
mal im vorliegenden Fall auch keine Hinweise auf «zwingende Gründe»
bestehen, aufgrund derer eine erlittene Vorverfolgung auch nach Wegfall
einer zukünftig drohenden Verfolgungsgefahr weiterhin als asylrelevant zu
erachten wäre (vgl. dazu BVGE 2007/31 E. 5.4).
6.4 Seit dem 24. Januar 2019 ist nicht mehr Joseph Kabila, sondern Felix
Tshisekedi Präsident von Kongo (Kinshasa). In der Beschwerde wird dies-
bezüglich eingewendet, Kabila ziehe im Hintergrund weiterhin die Fäden,
namentlich im Rahmen des von ihm dominierten politischen Bündnisses,
dem FCC, und nehme immer noch Einfluss auf staatliche Institutionen, ins-
besondere auf die Sicherheitsbehörden. Dies mag zu Beginn der Präsi-
dentschaft von Felix Tshisekedi zumindest teilweise noch zutreffend gewe-
sen sein; inzwischen hat sich der aktuelle Präsident jedoch von seinem
Vorgänger emanzipiert und Kabila ins Abseits manövriert. Er hat die Allianz
mit dem FCC aufgekündigt und im April 2021 eine neue Regierung gebil-
det, welche überwiegend aus eigenen Anhängern sowie anderen Kabila-
Gegnern besteht (vgl. dazu beispielsweise «Von der Ente zum Adler»,
Frankfurter Rundschau, 1. Februar 2021, https://www.fr.de/politik/von-der-
ente-zum-adler-90187827.html; «DR-Congo: New pro-president Felix
Tshisekedi government established», africanews.com, 12. April 2021,
https://www.africa-news.com/2021/04/12/dr-congo-new-pro-president-fe-
lix-tshisekedi-government-established/; «New Cabinet Signals Tshiseke-
di’s Grip on Power», Global Risk Insights, 24. Mai 2021, https://globalri-
skinsights.com/2021/05/new-cabinet-signals-tshisekedis-tightening-grip-
on-power/). Er hat zudem auch im Bereich der Sicherheitsdienste perso-
nelle Reformen vorgenommen (vgl. dazu Immigration and Refugee Board
of Canada, “Democratic Republic of the Congo: Treatment of opposition
members since the 2018 elections, including members of the Union for De-
mocracy and Social Progress (Union pour la démocratie et le progrès so-
cial, UDPS), as well as clergy [December 2018–July 2019] vom 15. Juli
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2019, https://irb-cisr.gc.ca/en/country-information/rir/Pages/in-
dex.aspx?doc=457851&pls=1; Jeune Afrique, « En RDC, Félix Tshisekedi
restructure l’appareil sécuritaire et écarte un général sous sanctions inter-
nationales », 23. April 2020, https://www.jeuneafrique.com/933339/poli-
tique/en-rdc-felix-tshisekedi-restructure-lappareil-securitaire-et-ecarte-un-
general-sous-sanctions-internationales/). Aus Sicht des aktuellen kongole-
sischen Regimes ist der Beschwerdeführer nicht der Opposition zuzurech-
nen. Da er eigenen Angaben zufolge im Jahr (...) für den Vater des aktuel-
len Präsidenten Wahlpropaganda betrieben und im Jahr (...) an einer
Kundgebung der Partei von Tshisekedi, der UDPS, teilgenommen hat, ist
vielmehr davon auszugehen, dass er als Sympathisant und Unterstützer
der aktuellen Regierung gilt. Eine Verhaftung des Beschwerdeführers im
Zusammenhang mit seiner früheren, gegen Kabila gerichteten Oppositi-
onstätigkeit erscheint bei dieser Sachlage sowie unter Berücksichtigung
der vom aktuellen Präsidenten vorgenommenen personellen Reformen
(auch) bei den Sicherheitsbehörden äusserst unwahrscheinlich. Im Übri-
gen trifft es entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers nicht zu,
dass E._, welcher im März 2019 von Präsident Tshisikedi begnadigt
und aus der Haft entlassen worden war, politisch nicht mehr aktiv ist.
E._ ist nämlich weiterhin Präsident des (...) und unterstützt Felix
Tshisekedi, auch wenn er selbst keinen Ministerposten bekleidet (vgl. dazu
[...]). Gemäss Aussagen des Beschwerdeführers hat ihm E._ in der
Vergangenheit mehrfach geholfen und namentlich grössere Geldzahlun-
gen für seine Freilassung aus der Haft, seine Rückkehr aus Angola nach
Kinshasa sowie seine Ausreise geleistet (vgl. A32 S. 15, 16 und 18 sowie
A57 F72 und 105). F. D. habe ihm ausserdem gesagt, er werde ihn nie im
Stich lassen (vgl. A32 F97). Sollte der Beschwerdeführer bei der Rückkehr
nach D._ entgegen aller Wahrscheinlichkeit Probleme mit Sicher-
heitsbehörden bekommen, ist daher davon auszugehen, dass er erneut
E._ kontaktieren und um Unterstützung und Fürsprache bitten
könnte. Nach dem Gesagten kann die aus den angeblichen früheren Ver-
folgungserlebnissen abgeleitete Furcht vor einer asylbeachtlichen Verfol-
gung bei einer Rückkehr nach Kongo (Kinshasa) jedenfalls im heutigen
Zeitpunkt nicht mehr als begründet erachtet werden.
6.5 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine aktuelle asyl-
relevante Verfolgungsfurcht darzutun. Die Vorinstanz hat daher im Ergeb-
nis zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch ab-
gelehnt.
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Seite 15
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.1.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer
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nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.1.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Kongo (Kinshasa) dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtsho-
fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschus-
ses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Fol-
ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse
Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde
Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, m.w.H.). Dies ist ihm – wie die vorstehenden
Erwägungen im Asylpunkt zeigen – nicht gelungen. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Kongo (Kinshasa) lässt den Wegweisungsvollzug
im heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen.
8.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.2.1 Wie das SEM zu Recht festgestellt hat, herrscht in Kongo (Kinshasa)
keine landesweite Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Ge-
walt. In individueller Hinsicht kann jedoch gemäss der Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts die Rückkehr von Personen aus Kongo
(Kinshasa) grundsätzlich nur dann als zumutbar bezeichnet werden, wenn
die betroffene Person ihren letzten Wohnsitz in der Hauptstadt Kinshasa
oder einer anderen, über einen Flughafen verfügenden Stadt im Westen
des Landes hatte, oder wenn die Person in einer dieser Städte über ein
gefestigtes Beziehungsnetz verfügt. Trotz Vorliegens der vorstehend ge-
nannten Kriterien ist der Vollzug der Wegweisung jedoch – nach sorgfälti-
ger Prüfung und Abwägung der individuellen Umstände – in aller Regel
nicht zumutbar, wenn die zurückzuführende Person (kleine) Kinder in ihrer
Begleitung hat, für mehrere Kinder verantwortlich ist, sich bereits in einem
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vorangeschrittenen Alter oder in einem schlechten gesundheitlichen Zu-
stand befindet oder wenn es sich bei ihr um eine alleinstehende, nicht über
ein soziales oder familiäres Netz verfügende Frau handelt (vgl. dazu das
Referenzurteil des BVGer E-731/2016 vom 20. Februar 2017 E. 7.3, sowie
beispielsweise E-4739/2020 vom 25. November 2020 E. 9.4 f.).
8.2.2 Der Beschwerdeführer stammt aus D._ und hat eigenen An-
gaben zufolge abgesehen von einem Aufenthalt in Angola zwischen den
Jahren (...) immer dort gelebt, weshalb davon auszugehen ist, dass er in
D._ zumindest über einige Freunde oder Bekannte verfügt, welche
ihm bei Bedarf bei der Reintegration behilflich sein könnten. Er hat im Hei-
matland zunächst als (...) und später als (...) gearbeitet; Letzteres war sei-
nen Angaben in der Beschwerde zufolge offenbar eine lukrative Tätigkeit
(vgl. S. 4 der Beschwerde). Es dürfte dem Beschwerdeführer zumutbar und
möglich sein, diese Erwerbstätigkeit nach seiner Rückkehr nach
D._ wiederaufzunehmen, um so seinen Lebensunterhalt zu bestrei-
ten. Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme ist so-
dann Folgendes festzustellen: Den Akten zufolge leidet der Beschwerde-
führer im Wesentlichen an einer (...) respektive damit verbundenen Symp-
tomen ([...]) sowie an (...). Er wurde respektive wird deswegen mittels (...)
behandelt. Diese Krankheiten sind allesamt nicht als derart schwerwiegend
zu bezeichnen, als dass davon auszugehen sein müsste, dass die Rück-
kehr des Beschwerdeführers ins Heimatland zu einer raschen und lebens-
gefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes führen
würde (vgl. dazu BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Im Übrigen sind die erwähnten
Gesundheitsprobleme auch in D._ behandelbar, wenn auch nicht
auf demselben hohen Niveau wie in der Schweiz; so beispielsweise im Uni-
versitätsspital von Kinshasa und im Centre Hospitalier Monkole sowie in
den auf die Behandlung von psychischen Erkrankungen spezialisierten
Einrichtungen Centre Neuro-Psycho-Pathalogie [CNPP] du Mont Amba,
Centre Medical de Kinshasa in Gombe/Kinshasa und Centre de Santé
Mentale TELEMA (vgl. dazu auch das Urteil des BVGer E-49/2021 vom
22. März 2021 E. 8.3.4, m.w.H.). Sollte der Beschwerdeführer Schwierig-
keiten haben, aus eigener Kraft für die Kosten einer für ihn notwendigen
Behandlung aufzukommen, so ist es ihm zuzumuten, seine in der Provinz
Zentralkongo lebenden (Schwieger-)Verwandten (vgl. A32 F22 und F44)
sowie seinen in (...) (Angola) wohnhaften Onkel, bei welchem er sich zwi-
schen den Jahren (...) aufgehalten hat, um finanzielle Unterstützung zu
ersuchen. Im Weiteren könnte er sich bei Bedarf an seinen langjährigen
Bekannten E._ wenden, zumal er von diesem bereits in der Ver-
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gangenheit mehrfach (finanzielle) Hilfe erhalten hat und dieser ihm offen-
bar zugesichert hatte, er werde ihn nie im Stich lassen (vgl. A32 F97). Zur
Überbrückung einer infolge der Rückkehr allenfalls entstehenden Behand-
lungslücke besteht für den Beschwerdeführer ausserdem die Möglichkeit,
Rückkehrhilfe im Sinne von Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der
Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 (AsylV 2, SR 142.312) zu beantra-
gen.
8.2.3 Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach D._ in eine existenzbedro-
hende Situation geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung ist daher ins-
gesamt als zumutbar zu erachten.
8.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Die aktuelle Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls
nicht entgegen; denn es handelt sich dabei – wenn überhaupt – um ein
bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist,
indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland ange-
passt wird.
8.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat.
Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das
mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
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mit Zwischenverfügung vom 16. November 2020 gutgeheissen worden ist,
werden keine Verfahrenskosten erhoben.
10.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde ferner auch das Gesuch um
amtliche Verbeiständung gutgeheissen. Die Festsetzung des amtlichen
Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). In der eingereichten Kos-
tennote vom 17. Februar 2021 wird ein Aufwand von 12 Stunden sowie
Auslagen von Fr. 50.– geltend gemacht, was angemessen erscheint. Der
ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 150.– bewegt sich im Rahmen der
vom Gericht festgelegten Praxis bei amtlicher Vertretung (vgl. dazu bereits
die Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 16. November 2020).
Demnach ist dem amtlichen Vertreter zu Lasten des Bundesverwaltungs-
gerichts ein Honorar von insgesamt Fr. 1'850.– zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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