Decision ID: 4f8689a5-1ee1-48cb-860a-153ba258a618
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchten Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, Einzelgericht in Strafsachen, vom 16. Februar 2011 (DG100450)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 30. August
2010 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 22).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu
CHF 50.–, wovon 77 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Oktober
2008 beschlagnahmte Barschaft von CHF 5'000.– bzw. der Restbetrag von
CHF 2'000.–, der als Geldwert bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich
verbucht ist, wird zur Deckung der Verfahrenskosten herangezogen.
5. Die nachfolgend aufgezählten mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich vom 26. Juli 2010 beschlagnahmten und bei der Kasse des
Bezirksgerichts Zürich unter der Sachkautionsnummer ... gelagerten Ge-
genstände werden nach Eintritt der Rechtskraft dem Beschuldigten auf ers-
tes Verlangen von der Kasse des Bezirksgerichts Zürich herauszugeben:
− 1 Bundesordner orange, enthält diverse Rechnungen, Lieferscheine etc.; − 1 Bundesordner blau, enthält diverse Rechnungen, Lieferscheine etc.
sowie − 1 Bundesordner grau, enthält diverse Rechnungen, Lieferscheine etc.
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6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
26. Juli 2010 beschlagnahmte und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich
unter der Sachkautionsnummer ... gelagerte Festplatte B._ wird nach
Eintritt der Rechtskraft definitiv eingezogen und der Kasse des Bezirksge-
richts Zürich zur Vernichtung überlassen.
7. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 900.– Kosten Kantonspolizei
Fr. Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 114.– Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 75 S. 2)
1. Es sei der Beschuldigte vollumfänglich freizusprechen.
2. Die durch die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 3. Oktober 2008
sichergestellte Barschaft sowie die mit Verfügung vom 26. Juli 2010
beschlagnahmten Gegenstände seien dem Beschuldigten herauszu-
geben.
3. Es sei dem Beschuldigten für die zu Unrecht geführte Strafuntersu-
chung eine Entschädigung sowie eine Genugtuung in gerichtlich zu be-
stimmender Höhe (unter Beachtung der nachfolgenden Ausführungen
bzw. derjenigen im Plädoyer vom 16.02.11) sowie für die zu Unrecht
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erstandene Haft eine Genugtuung von Fr. 200.-- pro Hafttag zuzuspre-
chen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. MWST).
b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(schriftlich, Urk. 66)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Erstinstanzliches Verfahren
Am 16. Februar 2011 sprach der Einzelrichter den Beschuldigten des versuchten
Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB für schuldig und bestrafte ihn mit einer
bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu Fr. 50.--. Das Urteil wurde glei-
chentags mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben (Prot. I S. 10; Urk. 52).
2. Berufungsverfahren
Innert der zehntägigen Berufungsfrist von Art. 399 Abs. 1 StPO meldete der Ver-
teidiger am 17. Februar 2011 Berufung an (Urk. 53). Das begründete Urteil wurde
dem Verteidiger am 23. März 2011 zugestellt (Urk. 57/1). Die Beanstandungen
wurden am 12. April 2011 der Post übergeben, somit rechtzeitig am letzten Tag
der 20-tägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO (Urk. 61). Sie gingen am Folgetag
hierorts ein (Urk. 61). Die Staatsanwaltschaft beantragte Bestätigung des vo-
rinstanzlichen Urteils (Urk. 66).
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Mit Verfügung vom 10. August 2011 wurde die erbetene Verteidigung auf Gesuch
hin in eine amtliche Verteidigung umgewandelt (Urk. 69).
Das Verschiebungsgesuch der Verteidigung (Urk. 71) wurde mit Verfügung vom
16. August 2011 abgewiesen (Urk. 72).
Zur Berufungsverhandlung am 2. September 2011 ist der Beschuldigte in Beglei-
tung von Rechtsanwalt lic. iur.Y._, als Stellvertreter des amtlichen Verteidi-
gers, erschienen (Prot. II S. 5).
3. Teilrechtskraft
Das vorinstanzliche Urteil wurde mit Ausnahme der Rückgabe dreier Ordner mit
Geschäftsunterlagen (Dispositivziffer 5) vollumfänglich angefochten (Urk. 61, Urk.
75, Prot. II S. 5). Es ist somit festzustellen, dass Ziffer 5 des Urteils des Einzel-
richters in Rechtskraft erwachsen ist (Art. 402 StPO).
II. Berufungsbegründung
1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, in einem Prozess
vor Handelsgericht eine gefälschte Rechnung samt Lieferschein der C._ AG
für eine Lieferung Kaffeebeutel eingereicht zu haben (Anklage Urk. 22). Damit
habe er die Handelsrichter täuschen wollen, um einen für ihn günstigeren Ent-
scheid zu erwirken.
2. Der Verteidiger beantragt einen vollumfänglichen Freispruch des Beschul-
digten. Nach seiner Ansicht habe die Vorinstanz in Verletzung des Grundsatzes in
dubio pro reo zu Unrecht angenommen, dass der vorgeworfene Sachverhalt er-
stellt sei (Urk. 61 S. 1).
Eventualiter habe die Vorinstanz eine zu hohe Strafe und angesichts der finanziel-
len Verhältnisse des Beschuldigten, einen zu hohen Tagessatz ausgefällt (Urk. 61
S. 3). Auch habe sie ungerechtfertigterweise die Verletzung des Beschleuni-
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gungsgebotes abgelehnt und schliesslich sei zu beanstanden, dass die beschlag-
nahmte Computer-Festplatte eingezogen worden sei (Urk. 61 S. 3).
3. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erneuerte der Verteidiger
diese Vorbringen (Prot. II S. 5; Urk. 75). Zu den Rügen im Detail wird weiter unten
eingegangen.
III. Untersuchungsführung
1. Aktenedition
Der Verteidiger rügt, dass die Untersuchungsbehörde von Banken Unterlagen
eingefordert habe, wobei sie ihr Editionsbegehren in unzulässiger Weise mit einer
Androhung der Bestrafung nach Art. 292 StGB im Weigerungsfalle versehen habe
(Urk. 75 S. 3). Jene Beweismittel dürften deshalb nicht zu Ungunsten des Be-
schuldigten verwendet werden. Diese Bankunterlagen sind für die vorliegend an-
geklagten Delikte jedoch ohne Bedeutung, weshalb darauf nicht einzugehen ist.
2. Aktenordnung
Aufgrund der Anklage ist offensichtlich, dass weite Teile der Akten ohne Bedeu-
tung sind beziehungsweise die insgesamt elf Teileinstellungen des Verfahrens be-
treffen. Beschränkt man sich auf den für die vorliegende Anklage relevanten
Sachverhalt, bietet die Handhabung der Akten keine Schwierigkeiten. Massge-
bend sind im Wesentlichen lediglich einige Einvernahmeprotokolle sowie einige
Dokumente im Zusammenhang mit der fraglichen Rechnung bzw. mit dem Liefer-
schein. Diese Akten wurden ordnungsgemäss nummeriert und im Verzeichnis
aufgenommen. Auch die Struktur des Aktenaufbaus entspricht, soweit Akten für
das vorliegende Verfahren relevant sind, der üblichen Praxis und ist klar und
übersichtlich. Dass es umgekehrt nötig ist, dem Gericht sämtliche Verfahrensak-
ten, d.h. einschliesslich jener, welche die Teileinstellungen betreffen, zur Verfü-
gung zu stellen, hat die Untersuchungsbehörde richtig gesehen und wurde auch
von der Vorinstanz als üblich und nötig erachtet (Urk. 59 S. 8). Die Rüge der Ver-
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teidigung zur Aktenordnung ist unbegründet (Urk. 75 S. 5). Die vorinstanzliche
Feststellung, die Aktenordnung sei nicht optimal und habe die Arbeit erschwert,
kann nicht nachvollzogen werden (Urk. 59 S. 8).
IV. Sachverhalt
1. Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen
Soweit im Nachfolgenden keine Ergänzungen oder Korrekturen zu den vo-
rinstanzlichen Erwägungen zum Sachverhalt bzw. dem Schuldpunkt erfolgen,
wird, um Wiederholungen zu vermeiden, auf jene Ausführungen im zustimmenden
Sinne verwiesen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 59 S. 10 - 28 und S. 30 - 38).
Im Handelsgerichtsprozess - in welchem der Beschuldigte durch Fürsprecher
X._, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten in diesem Strafverfahren,
vertreten wurde (Urk. 7/4) - war unter anderem die Bezahlung einer Lieferung von
320 Säcken D._ Rohkaffee an die E._ GmbH zum Preis von Fr. 51'456.-
- strittig. Der Beschuldigte verweigerte in jenem Prozess die Zahlung mit der Be-
gründung, er habe nie eine solche Lieferung erhalten (Ordner 1 Urk. 2/1/011). Im
Rahmen vorsorglicher Massnahmen liess er durch seinen Rechtsvertreter zudem
geltend machen, dass er nicht wisse, wo sich besagter Kaffee befinde (Ordner 6
Urk. 8/3 Beilage 72 S. 6, 9, 12 f. und 19). Als Beweis für die Lieferung wendete
die C._ AG damals ein, dass die E._ GmbH für diese Lieferung zwei
Teilzahlungen von je Fr. 8'000.-- geleistet habe. Der Beschuldigte reichte darauf
hin die Gegenstand der Anklage bildenden Dokumente ein (Rechnung und Liefer-
schein), woraus hervorgehe, dass die Teilzahlung nicht für besagte Kaffeeliefe-
rung, sondern für angeblich gelieferte leere Kaffeebeutel erfolgt sei. Noch in sei-
ner Einvernahme vom 22. Mai 2008 führte der Beschuldigte aus, er habe von der
C._ AG besagte Lieferung nicht erhalten (Urk. 12/2 S. 8). Darauf angespro-
chen, dass die F._ und die C._ AG dieselbe Firma seien, erklärte der
Beschuldigte, dass "das Ganze so oder so nicht stimmt" (Urk. 12/2 S. 8). Die Be-
antwortung der Frage, ob er besagte Lieferung bei Herrn H._ bestellt habe,
verweigerte der Beschuldigte in der Folge.
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An der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, er habe besagte Liefe-
rung von 320 Säcken Rohkaffee erhalten (Urk. 76 S. 9). Zudem machte er gel-
tend, dass für ihn im damaligen Zeitpunkt die C._ AG und die F._ zwei
völlig getrennte Unternehmen gewesen seien (Urk. 76 S. 10 f.). Sinngemäss
rechtfertigt er somit seinen früheren Standpunkt, wonach er nie eine solche Roh-
kaffeelieferung erhalten habe, indem er sich heute auf einen juristischen Unter-
schied zwischen der C._ AG und der F._ berufen will. An der Frage, ob
und wer die Belege gefälscht hat, ändert dies jedoch nichts, weshalb darauf an
dieser Stelle auch nicht weiter einzugehen ist.
2. Gefälschte Rechnung und gefälschter Lieferschein
Die Vorinstanz hat sich sehr eingehend und sorgfältig mit der Beurteilung der
Rechnung (Urk. 7/9) und des Lieferscheins (Urk. 7/10) der C._ AG, welche
Gegenstand der Anklage bilden, befasst (Urk. 59 S. 10 - 28). Sie ist mit überzeu-
genden Argumenten zur Auffassung gelangt, dass es sich nicht um Originaldo-
kumente handelt, d.h. dass diese Dokumente verändert bzw. konstruiert wurden
(Urk. 59 S. 11 ff. Ziff. 2). Zusammengefasst sind folgende Argumente in einer Ge-
samtwürdigung dafür ausschlaggebend:
- Die gefälschte Rechnung unterscheidet sich vom Erscheinungsbild und dem
Inhalt teilweise klar von den eingereichten Musterexemplaren (Urk. 7/9 im Ver-
gleich mit Urk. 7/20, 7/21; Aussage des Zeugen G._ Urk. 13/5 S. 3 f.: feh-
lender MWSt.-Betrag, nicht übliche Artikelnummer, unvollständige Bankadres-
se, unterschiedliche Fusszeile, falsche Telefonnummer, fehlende Unterschrift,
etc.).
- Die Rechnungsnummer auf der gefälschten Rechnung wurde bereits für eine
andere Rechnung, jene der F._ Schweiz an die E._ GmbH für die
vom Beschuldigten bestrittene Lieferung der 320 Säcke Kaffee verwendet (vgl.
eingereichte Rechnung Urk. 7/21). Es ist glaubhaft, dass solche Nummern au-
tomatisch vom Computersystem und insbesondere nicht doppelt vergeben
werden. Ebenso plausibel ist die Behauptung der Zeugen H._ und
G._, dass diese Rechnungsnummer aus dem August stammt, und eine
(Original-)Rechnung vom September eine höhere Nummer hätte tragen müs-
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sen. Es entspricht allgemein bekannter Geschäftspraxis, dass Rechnungs-
nummern fortlaufend vergeben werden, was Rückschlüsse auf das Datum der
Ausstellung zulässt.
- Der für die C._ AG tätige H._ erklärte als Zeuge, dass die E._
ausschliesslich unter dem Namen F._ Schweiz beliefert worden sei (Urk.
13/3 S. 17). Dabei ist anzumerken, dass die F._ Schweiz keine juristische
Person, sondern bloss ein Label der C._ AG war oder ist.
- Der Beschuldigte hat in der Untersuchung wiederholt erklärt, dass sein Unter-
nehmen, die E._ GmbH, nie mit der C._ AG Geschäfte getätigt habe
(Pol.EV des Beschuldigten vom 22. Mai 2008, Urk. 12/1 S. 7; STA-EV vom 22.
Mai 2008, act. 12/2 S. 1 und S. 8; schriftliche Stellungnahme des Beschuldig-
ten zur Strafanzeige act. 12/5 S. 1). Demzufolge kann es auch gar keine ech-
ten Rechnungen und Lieferscheine der C._ AG an die E._ GmbH ge-
ben.
3. Einwendungen der Verteidigung
3.1. Auswertung der Festplatte
Die Verteidigung rügt, die Staatsanwaltschaft habe eine Datenauswertung auf der
beschlagnahmten Festplatte und auf Computern der E._ GmbH unterlassen
(Urk. 49 S. 4 f.; Urk. 75 S. 6). Der Umstand, dass sich die gefälschte Rechnung
nicht hätte auf der Festplatte oder Computern der E._ GmbH finden lassen,
hätte jedoch entgegen der Auffassung des Verteidigers die Unschuld des Be-
schuldigten keinesfalls bewiesen (Urk. 49 S. 10; Urk. 75 S. 7 f.). Es ist überhaupt
nicht zwingend, dass die gefälschten Dokumente auf einem Computer der
E._ GmbH bzw. des Beschuldigten abgespeichert wurden, man denke z.B.
an die Verwendung eines USB-Sticks. Abgesehen davon kann man entsprechen-
de Spuren auch mit Fachwissen oft nicht mehr eruieren, sei es wegen Zeitablaufs
oder weil das Wissen über dauerhaftes Löschen von Dateien heute verbreitet ist.
Insofern kann der Untersuchungsbehörde kein Vorwurf gemacht werden.
3.2. Zeitpunkt der Verbuchung
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Der Verteidiger brachte anlässlich der Berufungsverhandlung vor, dass die fragli-
che Rechnung in der Buchhaltung der E._ GmbH bereits im September 2006
erfasst worden sei, mithin vor Einleitung des Handelsgerichtsprozesses (Urk. 75
S. 8). Wenn man im Laufe der Untersuchung die Festplattendaten ausgewertet
hätte, wäre dies zum Vorschein gekommen und hätte den Beschuldigten entlas-
tet. Zum einen erstaunt, dass ein solcher Einwand ohne plausiblen Grund erst in
einem derart späten Verfahrensstadium vorgebracht wird, ist dies doch ein typi-
sches Zeichen nachträglich erdachter oder angefertigter Ausreden eines Be-
schuldigten. Zum anderen führt der Verteidiger aus, die Buchhaltung der E._
GmbH sei mit einer Software der I._ geführt worden (Urk. 75 S. 8). Es ist ge-
richtsnotorisch, dass dieses Unternehmen im billigen Massenmarkt Produkte ver-
treibt. Auch wenn damit nicht in Frage gestellt werden soll, dass auch solche
Software für die Zwecke kleiner Unternehmen oft ausreicht, sind berechtigte Zwei-
fel an der Unmöglichkeit nachträglicher Manipulationen angebracht. Es ist allge-
mein bekannt, dass es unmöglich ist, die dauerhafte Beweiskraft einer Buchhal-
tung allein durch technische Vorkehrungen in der Programmierung sicherzustel-
len. Abgesehen davon reichte der Verteidiger weder Buchhaltungsauszüge oder
andere Belege ein, gestützt auf welche sich zumindest die Plausibilität seiner Be-
hauptung ergäbe. So bleibt völlig offen, was den genau im September 2006 ver-
bucht worden war. Dass Fälschungen abgesehen von alledem auch angefertigt
werden können, bevor ein Prozess hängig ist, braucht schliesslich keiner weiteren
Erklärung.
3.3. Mangelnde Erklärung für die Differenzen in den Dokumenten
Auch der Beschuldigte hat ausdrücklich keine Erklärung für die Abweichungen
zwischen der fraglichen Rechnung und den eingereichten Musterexemplaren
(Urk. 49 S. 5), was zwar keinesfalls seine Schuld beweist, aber eben doch unter-
mauert, dass eine Fälschung mangels erklärbarer Alternative zumindest wahr-
scheinlich ist. Selbst der Verteidiger anerkennt, dass die Unterschiede tatsächlich
augenfällig seien (Urk. 49 S. 8).
3.4. Übereinstimmung in den Zeugenaussagen
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Der Auffassung der Verteidigung, die Aussagen von H._ und G._ seien
zum Teil so detailgenau übereinstimmend, dass sie einstudiert seien, kann nicht
gefolgt werden (Urk. 49 S. 6; Urk. 75 S. 12). Das vom Verteidiger dazu einzig vor-
gebrachte Beispiel der fortlaufenden Rechnungsnummern entspricht ständiger
Praxis im Geschäftsleben, weshalb diese Übereinstimmung in den Aussagen der
Zeugen nicht auf "Einstudieren" zurückzuführen ist, sondern dem Umstand, dass
die Zeugenaussagen diesbezüglich der Wahrheit entsprechen.
3.5. Motiv der Zeugen für Falschaussagen
Die Verteidigung behauptet, die Zeugen H._ und G._ wären im Falle ei-
nes Unterliegens im handelsgerichtlichen Prozess für den finanziellen Verlust zur
Rechenschaft gezogen worden, unter anderem weil sie den Kunden E._
GmbH vermittelt hätten (Urk. 49 S. 6). Der Verteidiger macht auch geltend, eine
erste Strafanzeige der C._ AG habe zu einem obergerichtlich bestätigten
Nichteintretensentscheid der Staatsanwaltschaft geführt (Urk. 49 S. 6). Der Grund
für das Nichteintreten sei auf Nichtbeachtung der grundlegendsten Vorsichts-
massnahmen der Zeugen H._ und G._ zurückzuführen gewesen, wes-
halb diese Zeugen nun unbedingt eine Verurteilung des Beschuldigten in diesem
Strafverfahren anstrebten und deshalb falsche Zeugenaussagen abgegeben hät-
ten (Urk. 49 S. 6). Bei solchen Unterstellungen handelt es sich um völlig lebens-
fremde Schlussfolgerungen und die Vermutung nahezu mafiöser Methoden der
C._ AG gegenüber ihren Angestellten, für welche nicht die geringsten Hin-
weise vorliegen (Urk. 49 S. 6). Eine zivilrechtliche Grundlage für solche Forderun-
gen der Arbeitgeberin gegenüber ihren Angestellten gibt es im Gesetz nicht. Für
die C._ AG handelt es sich angesichts ihres Geschäftsvolumens - die Vertei-
digung anerkennt, dass es sich um eines der führenden Unternehmen im Kaffee-
Handel handle (Urk. 49 S. 9) - zudem um einen sehr geringen Rechnungsbetrag,
weshalb schon aus diesem Grund ein Motiv für drakonische Strafmassnahmen
fehlen würde. Umgekehrt zieht ein gewöhnlicher Angestellter weder einen Vorteil
aus der Fälschung von Rechnungen noch aus einer falschen Zeugenaussage,
weshalb die Theorie des Verteidigers, die Zeugen hätten die Rechnung selbst ge-
fälscht, abwegig erscheint. Nebenbei bemerkt macht der Verteidiger andernorts
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geltend, dass die Geschädigte C._ AG für die Verluste aufgrund der Zusam-
menarbeit mit der E._ GmbH von der Versicherung vollumfänglich entschä-
digt worden sei (Urk. 49 S. 2). Mit behaupteten Schadenersatzforderungen ge-
genüber ihren Angestellten H._ und G._ hätte die Geschädigte somit
noch Gewinn gemacht.
3.6. Firma F._ Schweiz
Der Verteidiger behauptet, gemäss Handelsregister existiere die F._ Schweiz
nicht (Urk. 75 S. 14). Dabei verkennt er, dass die negative Publizitätswirkung des
Handelsregisters ohnehin nur für eintragungspflichtige Tatsachen besteht (BSK
OR II-Eckert, N 8 zu Art. 933). Insofern kann aus dem Nichtvorhandensein eines
Eintrags noch nicht auf die Nichtexistenz geschlossen werden, zumal die Han-
delsregister kantonal sind. Abgesehen davon geht aus den Akten nicht hervor,
dass jemand behauptet hat, es handle sich bei der F._ Schweiz um eine ju-
ristische Person. Nach der Zugabe des Beschuldigten, es seien ihm die 320 Sä-
cke Kaffee tatsächlich geliefert, diese aber von ihm nie bezahlt worden, handelt
es sich ohnehin nur um Scheinargumente.
3.7. Ausfertigung von Rechnungen
Entgegen der Behauptung des Verteidigers führt der Umstand, dass H._
selbst keine Rechnungen der F._ Schweiz "herausliess" keinesfalls dazu,
dass er sich zur Echtheit nicht hätte äussern können (Urk. 49 S. 6). So hat bei-
spielsweise ein Anwalt auch nicht deshalb keine Kenntnis von Rechtsschriften,
bloss weil das Dokument von der Sekretärin herausgelassen, sprich ausgedruckt
wurde.
3.8. Keine Lieferscheine durch die F._ Schweiz
Der Zeuge H._ sagte zunächst aus, die F._ Schweiz und die C._
AG würden Lieferscheine über das System versenden (Urk. 13/3 S. 4). Unmittel-
bar darauf korrigierte er sich und erklärte, die F._ Schweiz stelle keine Lie-
ferscheine aus. Nach Auffassung des Verteidigers erschüttere diese Unsicherheit
die Glaubwürdigkeit des Zeugen (Urk. 49 S. 7). Dieser Auffassung kann nicht ge-
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folgt werden. Es entspricht gefestigter Erfahrung bei Zeugeneinvernahmen, wenn
jemand als Zeuge zu einem Sachverhalt oder Umstand befragt wird, der schon
lange zurückliegt und der mangels persönlicher Betroffenheit und wegen ge-
schäftlicher Alltäglichkeit nicht besonders auffällt, treten nicht selten Erinnerungs-
lücken oder kurzzeitige Irrtümer auf. Wenn der Zeuge dies dann sofort korrigiert,
ist dies kein Hinweis auf eine Lüge, sondern auf die Unzulänglichkeit des mensch-
lichen Geistes, welcher häufig beim ersten "Geistesblitz" von einer Annahme bzw.
Interpretation ausgeht, welche sich aber bei kurzem Nachdenken als unzutreffend
oder ungenau erweist. Ganz anders ist dies bei Vorfällen oder Umständen, wel-
che den Zeugen direkt und persönlich betreffen oder welche derart ausserge-
wöhnlich sind, dass sie im Gedächtnis haften bleiben und somit eben weniger an-
fällig sind auf spontane Interpretationen. So könnte man sich beispielsweise prob-
lemlos daran erinnern, ob man vor einem Jahr eine Urkunde gefälscht hat oder
nicht.
Für den ersten Irrtum bzw. die sofortige Korrektur der ersten Aussage durch den
Zeugen H._ gibt es auch eine plausible Erklärung: Er erklärte, dass sie für
die F._ einen Lieferschein im Computer entworfen hätten (Urk. 13/3 S. 4 un-
ten). Deshalb lässt sich gut erklären, dass er im ersten Moment auch äusserte, es
seien Lieferscheine der F._ versendet worden, was er nach kurzer Überle-
gung wieder verneinen musste. Es ging an jener Stelle seiner Befragung gar nicht
um die Frage des Versands, sondern um Unterschiede zum Exemplar, welches
der Beschuldigte vor dem Handelsgericht einreichte (Urk. 13/3 S. 4). Dass Liefer-
scheine der F._ im Computer als Formulare existierten erklärt zudem, dass
der Zeuge H._ sehr wohl Aussagen zu Abweichungen machen konnte und
zwar unabhängig davon, ob nun solche versendet wurden oder nicht.
3.9. Lieferung aus J._
Die von der Verteidigung georteten Widersprüche in den Aussagen hinsichtlich
Details zu einer Lieferung aus J._ stehen in keinem Zusammenhang mit dem
Anklagevorwurf und sind deshalb nicht relevant. Zudem sind bei Fragen nach
Vorfällen wie Reklamationen, die rund ein Jahr zurückliegen und geschäftsüblich
sind, bei Aussagen verschiedener Zeugen gewisse Diskrepanzen über Zeitpunkte
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völlig normal, worauf bereits die Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat (Urk. 59
S. 15). Wenn der Zeuge G._ aussagte, der Beschuldigte habe bereits beim
Besuch im April mitgeteilt, dass die Lieferung aus J._ mangelhaft gewesen
sei, so bedeutet dies noch lange nicht, dass auch der Zeuge H._ in jenem
Zeitpunkt von der Reklamation erfahren hat (Einwand des Verteidigers in Urk. 49
S. 7 unten, EV des Zeugen G._, Urk. 13/5 S. 6). Ein Widerspruch zwischen
den Aussagen des Zeugen G._ und H._ kann daraus nicht konstruiert
werden (Urk. 49 S. 7).
3.10. Mangelnde Glaubhaftigkeit der Zeugenaussagen
Der Einwand der Verteidigung, die Zeugen H._ und G._ von der
C._ AG seien nicht glaubhaft (Urk. 61 S. 2) überzeugt nicht. Zum einen feh-
len in ihren Aussagen typische Lügensignale wie z.B. Widersprüche, Strukturbrü-
che oder emotionale Einfärbungen. Zum andern läge ein Motiv zum Lügen völlig
im Dunkeln.
3.11. Stellung und Funktion der Zeugen
Die Behauptung, dass die Zeugen H._ und G._ nicht bei der C._
AG angestellt seien, ist ohne aktenkundige Grundlage. Immerhin erklärte H._
auf die Frage, welche Funktion er bei der Firma C._ AG inne habe, er sei
Rohkaffeehändler. Kombiniert mit seinen detaillierten Angaben zu den internen
Geschäftsabläufen kann dies vernünftigerweise nur dahingehend gedeutet wer-
den, dass er sehr wohl Angestellter der C._ AG ist oder war. Der Zeuge
G._ gab ausdrücklich zu Protokoll, er sei Traffic-Sachbearbeiter und arbeite
zu 80% bei der F._ und zu 20% bei der C._ AG (Urk. 13/5 S. 2). Auch
dies kann nur im Sinne einer Anstellung interpretiert werden. Letztlich spielt es
aber keine Rolle, in welchem vertraglichen Verhältnis die Zeugen zu den genann-
ten Firmen bzw. Unternehmen stehen, sondern lediglich, ob sie zu den relevanten
Geschäftsabläufen Aussagen machen konnten. Entgegen der Auffassung des
Verteidigers ist vorliegend die handelsrechtliche Zeichnungsberechtigung ohne
Bedeutung für die Würdigung der Zeugenaussagen, sei es nun für die Zeugenei-
genschaft oder für die Glaubhaftigkeit der Aussagen (Urk. 49 S. 8; Urk. 75 S. 14).
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Massgebend ist einzig, ob die Zeugen zu den relevanten Sachverhalten aus eige-
ner Erfahrung Aussagen machen können.
3.12. Zurückhaltende Aussagen des Zeugen G._
Der Verteidiger wittert hinter vorsichtigen Vorbehalten des Zeugen G._ bei
dessen Befragung Indizien für Falschaussagen (Urk. 49 S. 8; Urk. 75 S. 15). So
gab der Zeuge beispielsweise zur Frage, ob die C._ AG in den Jahren 2004
bis 2006 mit Kaffeesäcklein gehandelt habe zur Antwort: "Nach meinem Wissen
nicht" (Urk. 13/5 S. 2). Ebenso habe er geäussert, dass er nicht sicher sei, ob für
die Rechnungen der C._ AG immer die gleiche Schriftart verwendet worden
sei (Urk. 13/5 S. 8). Solche Relativierungen sind nach den Erkenntnissen der
Aussagenanalyse eher Realitätskriterien als Lügensignale und zwar deshalb, weil
die Zeugen gar kein Motiv hätten, Erinnerungslücken vorzutäuschen.
3.13. Doppelunterschrift auf den Verträgen
Der Verteidiger wies darauf hin, dass der Zeuge G._ aussagte, jeder Vertrag
der F._ Schweiz müsse von ihm und dem Zeugen H._ unterschrieben
werden (Urk. 13/5 S. 14 f.; Urk. 49 S. 8). Diese Aussage habe auf Vorhalt eines
Exemplars eines solchen Vertrags sogleich widerlegt werden können (Urk. 49 S.
8; Urk. 75 S. 15). Der Zeuge G._ sei deshalb unglaubwürdig. Tatsache ist,
dass der Zeuge G._ auf Vorhalt eines Vertrags mit nur einer Unterschrift da-
rauf hinwies, dass es sich um seine Kopie handle, sich die Doppelunterschrift
stets nur auf dem Original befinde (Urk. 13/5 S. 8). Die Behauptung des Verteidi-
gers ist deshalb zumindest aufgrund der Akten ohne Grundlage. Die Glaubwür-
digkeit des Zeugen wird auch nicht dadurch beeinträchtigt, dass dieser anfügte, er
könne nicht ausschliessen, dass er möglicherweise in der Anfangsphase kleine
Verträge aus Unwissenheit noch alleine unterschrieben habe anstatt die Zweitun-
terschrift vom Zeugen H._ einzuholen (Urk. 13/5 S. 15). Tatsache ist, dass
die vom Beschuldigten im Handelsgerichtsprozess eingereichte Rechnung über-
haupt keine Unterschrift aufwies (Urk. 7/9), weshalb der Frage, ob für gewöhnlich
eine oder zwei Unterschriften üblich waren, keine Relevanz zukommt.
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3.14. Kaffeesäcke im Sortiment, Belieferung der Schweiz
Der Verteidiger bestreitet die übereinstimmende Aussage der Zeugen H._
(Urk. 13/3 S. 2) und G._ (Urk. 13/5 S. 2), wonach weder die C._ AG
noch die F._ Kaffesäcke im Sortiment gehabt, sondern nur mit Rohkaffee
gehandelt hätten (Urk. 49 S. 9; Urk. 75 S. 10 und 15 f). Dass sich die Zeuge zu so
riskanten (weil einfach überprüfbaren) Aussagen hätten hinreissen lassen, ist völ-
lig unwahrscheinlich. Abgesehen davon haben sie die Frage (zu Recht!) wohl so
verstanden, dass mit Kaffeesäcken die blossen Behältnisse (Jute- oder Plastiksä-
cke, in welche üblicherweise Kaffee abgefüllt wird) gemeint waren. Wenn der
Staatsanwalt von Kaffeesäcken sprach, war damit jedenfalls nicht automatisch
auch "mit Inhalt" gemeint. Insofern lässt sich aus der fraglichen Stelle keine Lüge
herleiten. Abgesehen davon sind die Begriffe Säcke, Säcklein und Beutel im Lau-
fe der Untersuchung ohnehin nicht einheitlich verwendet worden. Die fragliche
Rechnung nennt als Gegenstand der Lieferung "sealed gusset bags with valve",
was ohnehin nicht mit Kaffesäcken gleichgesetzt werden kann, andererseits aber
offensichtlich nur Kaffebeutel ohne Inhalt bedeutet, zumal keine Kaffeesorte defi-
niert ist (Urk. 7/9). Die Vorinstanz wies auch zu Recht darauf hin, dass doch zu-
mindest überraschend ist, dass die Revisionsstelle keine Anhaltspunkte vorge-
funden hat, wonach die C._ AG mit "sealed gusset bags with valve" oder
ähnlichen Produkten gehandelt habe (Urk. 59 S. 19, Urk. 7/19). Der Ansicht des
Verteidigers, wonach die Aussage des Zeugen G._ weiter hätte überprüft
werden müssen, kann nicht gefolgt werden (Urk. 75 S. 10). Es reicht, wenn die
Aussage glaubhaft ist. Es ist deshalb auch nicht zu rügen, dass die Untersu-
chungsbehörde nicht im Computersystem der C._ AG überprüft habe, wo-
nach es keinen Buchungscode für "sealed gusset bags with valve" gebe oder kei-
nen Augenschein durchgeführt hat (Urk. 75 S. 10). Bei diesen Vorschlägen ver-
kennt der Verteidiger, dass keine Hinweise vorliegen, wonach Mitarbeiter der
C._ AG eine strafbare Handlung gemacht hätten (Urk. 75 S. 16).
3.15. Falsche Telefonnummer
Der Verteidiger bestritt die Aussage des Zeugen G._, wonach die Faxnum-
mer ... auf der vom Beschuldigten im Handelsgerichtsprozess eingereichten
- 17 -
Rechnung der C._ AG falsch bzw. jene der F._ sei (Urk. 49 S. 9; Urk.
13/5 S. 2; Urk. 75 S. 17). Zum einen sei dies nicht von der Polizei nachgeprüft
worden, zum anderen ergebe sich aus der Website der F._, dass diese sehr
wohl auch die Faxnummer ... führe (... [Webadresse]). Die Website belegt, dass
die F._ zumindest heute somit nicht oder nicht nur die Nummer mit der End-
ziffer ..., sondern offensichtlich auch jene mit der Endziffer ... verwendet. Insofern
war die Aussage des Zeugen G._ möglicherweise unzutreffend und deshalb
insgesamt hinsichtlich der Faxnummer ein schwaches Beweismittel der Anklage.
Mit dem Einwand des Verteidigers bzw. der Website ist aber noch nicht belegt,
dass die C._ AG umgekehrt ebenfalls beide Nummern benützt hatte bzw.
dass die Aussage des Zeugen hinsichtlich der Faxnummer der C._ AG falsch
war. Vorliegend geht es nicht um die von der F._ verwendeten Faxnummer,
sondern um die von der C._ AG verwendeten Faxnummer, weshalb besagte
Website nichts Erhellendes beiträgt.
3.16. Artikelnummer
Der Verteidiger versucht das Argument, dass die gefälschte Rechnung usanzwid-
rig eine Artikelnummer nenne und keine Unterschrift trage, mit dem Einwand zu
kontern, dass es für den Beschuldigten ein Leichtes gewesen wäre, diese Kleinig-
keiten zu berücksichtigen, zumal der Beschuldigte ja Vorlagen gehabt habe (Urk.
75 S. 17). Solche Einwendungen verfangen nicht, denn es entspricht regelmässi-
ger Erfahrung im Gerichtsalltag, dass auch Straftäter Fehler machen. Ansonsten
gäbe es kaum Strafprozesse. Abgesehen davon ist es auch nicht so, dass diese
beiden Details zentral für die Schuldfrage sind, weshalb davon auszugehen ist,
der Fälscher hätte diesen Merkmalen besondere Beachtung geschenkt. Wenn der
Verteidiger die Devise erwähnt, dass eine Fälschung stets besser als das Original
sein solle, dann kann er damit nicht ernsthaft meinen, dass schlechte Fälschun-
gen keine Fälschungen sein können (Urk. 75 S. 17). Auch hier braucht es wenig
Praxiserfahrung im Strafrecht, um häufig das Gegenteil zu erfahren.
3.17. Geschäftsbeziehung mit der C._ AG
Wie bereits erwähnt, trägt die fragliche Rechnung den Briefkopf der C._ AG
bzw. letztere ist die angegebene Lieferantin der darin erwähnten Kaffeebeutel
- 18 -
(Urk. 7/9). Dies widerspricht der wiederholten Aussage des Beschuldigten, wo-
nach er nie mit der C._ AG geschäftet habe, was auch mit den Aussagen der
Zeugen H._ und G._ übereinstimmt (Pol.EV des Beschuldigten vom 22.
Mai 2008, Urk. 12/1 S. 7; STA-EV vom 22. Mai 2008, Urk. 12/2 S. 1 und S. 8;
schriftliche Stellungnahme des Beschuldigten zur Strafanzeige Urk. 12/5 S. 1).
Wenn der Verteidiger nun in der Berufungsverhandlung vorbringt, der Beschuldig-
te habe diese Aussage bloss auf Kaffeelieferungen bezogen, ist dies unglaubhaft
(Urk. 75 S. 9). Es wäre völlig ungewöhnlich, wenn sich ein Geschäftsmann wie
der Beschuldigte in solch zentralen Fragen derart ungenau ausdrücken würde.
3.18. Doppelte Rechnungsnummer
Es wurde bereits erwähnt, dass die gefälschte Rechnung eine Nummer trägt, wel-
che im Computersystem der C._ AG bereits für eine andere Rechnung ver-
geben worden war, exakt jene Nummer, welche die F._ bei der - nunmehr
unbestrittenen - Lieferung der 320 Säcke Kaffee verwendet hatte. Der Verteidiger
bringt nun vor, das Computersystem der Geschädigten habe möglicherweise an
einem technischen Mangel gelitten, weshalb die Rechnungsnummer irrtümlich
doppelt vergeben worden sei. Die Untersuchungsbehörde hätte deshalb das
Buchhaltungssystem der C._ AG auf solche Fehlermöglichkeiten hin über-
prüfen müssen (Urk. 75 S. 10). Es könne auch nicht ausgeschlossen werden,
dass ein Mitarbeiter der C._ AG die Rechnung manuell, d.h. ausserhalb des
Buchhaltungsprogramms erstellt habe. Dabei verkennt der Verteidiger, dass es
sich um bloss theoretisch denkbare Möglichkeiten handelt. Ohne konkrete An-
haltspunkte muss die Untersuchungsbehörde solchen Varianten nicht nachgehen.
Nachdem die Kaffeelieferung nunmehr unbestritten ist, erscheint der Gedanke ei-
ner Fälschung seitens der C._ AG bzw. der F._ geradezu als absurd.
3.19. Fazit
Insgesamt bestehen deshalb keine vernünftigen Zweifel daran, dass es sich bei
den Dokumenten (Kopien Urk. 7/9 und 7/10) nicht um Originaldokumente bzw.
echte, unverfälschte oder nicht konstruierte Dokumente handelt.
- 19 -
4. Urheberschaft der gefälschten Rechnungen
4.1. Der Verteidiger bestreitet, dass die fragliche Rechnung (ob gefälscht oder
nicht) überhaupt vom Beschuldigten angefertigt worden sei (Urk. 49 S. 10). Es ist
ihm insofern beizupflichten, dass objektive Hinweise auf entsprechende Fäl-
schungshandlungen des Beschuldigten fehlen. Die Vorinstanz qualifizierte die
kurzen und relativ pauschalen Bestreitungen des Beschuldigten, Urheber der Fäl-
schung zu sein, als ausweichendes Aussageverhalten, weshalb seine Aussagen
nicht glaubhaft seien (Urk. 59 S. 25 Ziff. 2.2.6.3.). Diese Argumentation ist unzu-
lässig, denn sie ist ein Zirkelschluss, der nur zutrifft, wenn der Beschuldigte tat-
sächlich der Fälscher war. Ein zu Unrecht Beschuldigter kann demgegenüber zur
Fälschung in der Regel gar keine Aussagen machen, weil er an der Fälschung
nicht mitwirkte. Demzufolge sind seine Aussagen naturgemäss ohne Details und
kurz. Dass sich ein Unschuldiger nicht in Spekulationen ergeht, ist kein Schuldin-
diz.
4.2. Zuzustimmen ist der Vorinstanz demgegenüber bei ihrer Bewertung des
Einwands des Verteidigers, dass zahlreiche andere Personen ebenfalls Zugang
zu den Büroräumlichkeiten der E._ GmbH und somit die Gelegenheit gehabt
hätten, anhand von Unterlagen eine Fälschung zu erstellen (Urk. 49 S. 10 f. und
Urk. 59 S. 26 ff. Ziffer 2.2.7.3.; Urk. 75 S. 18 f.). Der Verteidiger argumentiert an
der Sache vorbei wenn er ausführt, es sei erstellt, dass die Möglichkeit bestanden
habe, dass sich unberechtigte Personen Zutritt zu den Räumen der E._
GmbH hätten verschaffen und dort Dokumente entwenden oder deponieren kön-
nen (Urk. 75 S. 19). Solche Personen hätten keinerlei Motiv für eine Fälschung
der Rechnung. Es ist völlig lebensfremd, dass irgendwelche Angestellte oder Ex-
terne eine solche Fälschung erstellt hätten, weil sie weder einen Vorteil daraus
gezogen hätten noch in irgendeiner Weise in den Handelsgerichtsprozess invol-
viert waren. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, wenn die Untersuchungsbehör-
de darauf verzichtet hat, beispielsweise Reinigungsangestellte oder den Postbo-
ten der E._ GmbH ein zu vernehmen.
4.3. Der Verteidiger vermischt in unzulässiger Weise zivilprozessuale Regeln
über die Parteirollen und Beweislastverteilung im Handelsgerichtsprozess mit
- 20 -
Fragen strafrechtlicher Natur (Urk. 49 S. 11; Urk. 75 S. 20). Es ist nämlich ohne
rechtliche Bedeutung, dass nicht der Beschuldigte persönlich, sondern die
E._ GmbH Partei im Handelsgerichtsprozess war (Urk. 49 S. 11). Juristische
Personen können faktisch nicht selbst handeln und können sich demzufolge -
Ausnahmen, insbesondere im Verwaltungsstrafrecht vorbehalten - nicht strafbar
machen. Sie handeln jedoch stets mittels natürlicher Personen, weshalb diese na-
türlichen Personen auch für strafrechtliche Handlungen persönlich in der Verant-
wortung stehen.
4.4. Die Ansicht der Verteidigung, die gefälschten Belege seien von den Zeugen
H._ und/oder G._ oder anderen Angestellten der C._ AG angefer-
tigt worden, beschränkt sich aufgrund der gesamten Indizien- und Beweislage
sowie mangels eines vernünftigen Motivs auf eine bloss theoretische Möglichkeit,
die aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung zweifelsfrei ausgeschlossen wer-
den kann (Urk. 75 S. 9):
- Auch heute noch behauptet der Beschuldigte, die C._ AG habe ihm
80'000 Kaffeebeutel für Fr. 16'000.-- geliefert (Urk. 76 S. 8 f.). Geht man von
dieser Darstellung des Beschuldigten aus, so stellt sich die berechtigte Frage,
weshalb die C._ AG denn eine Rechnung fälschen sollte für eine Forde-
rung, die vom Beschuldigten unbestritten ist.
- Geht man umgekehrt von der Behauptung der C._ AG aus, wonach sie
der E._ GmbH nie Kaffeebeutel geliefert habe, weshalb sollte dann sie
bzw. Angestellte von ihr eine Rechnung fälschen für eine Lieferung, welche von
ihr weder behauptet noch erfolgt ist?
- Und weshalb sollte die C._ AG an die vom Beschuldigten damals bestrit-
tene, aber tatsächlich erfolgte, Lieferung von 320 Säcken Rohkaffee eine Teil-
zahlung der E._ GmbH von Fr. 16'000.-- in Abzug bringen, wenn dieser
Betrag tatsächlich für eine ganz andere Lieferung (leere Kaffeebeutel) bezahlt
worden wäre? Hierzu sei betont, dass der Beschuldigte im Berufungsverfahren
ja nun ausdrücklich zugibt, die Lieferung von 320 Säcken Rohkaffee erhalten
zu haben (Urk. 76 S. 9).
- 21 -
4.5. Wesentlich für den Beweis der Urheberschaft der Fälschung durch den Be-
schuldigten ist sein Motiv. Um seine damalige Behauptung zu untermauern, sei-
tens der Klägerschaft bzw. der C._ AG nie eine Lieferung von 320 Säcken
Rohkaffee erhalten zu haben, brauchte die E._ GmbH bzw. der Beschuldigte
eine Erklärung für seine Teilzahlung von Fr. 16'000.--. Nur der Beschuldigte hatte
deshalb ein Interesse daran, diese Teilzahlung einer anderen Lieferung - der an-
geblichen Lieferung von Kaffeebeuteln - zuzuordnen. Der Beschuldigte erklärte,
dass er Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens, der E._ GmbH sei
(Urk. 12/1 S. 2). Er sei zu 50% daran als Gesellschafter beteiligt, die anderen
50% seien im Besitz seines Bruders, der allerdings nicht operativ in der E._
GmbH tätig war und auch nicht hier in der Schweiz weilte (Urk. 12/1 S. 2; Urk. 76
S. 6). Die Vorinstanz hat es aufgrund dieser Umstände deshalb zu Recht als er-
wiesen betrachtet, dass der Beschuldigte ein direktes persönliches Interesse am
Ausgang des Handelsgerichtsprozesses hatte und in jenem Verfahren im Hinter-
grund auch federführend für die E._ GmbH handelte. Wenn es sich um ir-
gendwelche für den Prozess unbedeutende Dokumente gehandelt hätte, welche
z.B. zufällig zusammen mit der Buchhaltung eingereicht worden wären, hätte man
wohl eine Fälschung durch Dritte nicht rechtsgenügend ausschliessen können. Da
der Rechnung und dem Lieferschein jedoch eine ausschlaggebende Bedeutung
im Handelsgerichtsprozess zukam und die Dokumente auch aus diesem Grund
von der E._ GmbH ganz bewusst eingereicht wurden, kann eine Urheber-
schaft Dritter - sei es nun aus Absicht oder Irrtum - mit Sicherheit ausgeschlossen
werden.
4.6. Nicht stichhaltig ist auch das Argument des Verteidigers, der Beschuldigte
hätte einen höheren Betrag betrügerisch erlangen wollen, wenn er der Täter ge-
wesen wäre (Urk. 75 S. 20). Dies entspricht nicht in geringster Weise den Er-
kenntnissen der Kriminologie. Es kann nur schon deshalb kein Beweis für die Un-
schuld eines Täters sein, weil stets ein noch höherer Deliktsbetrag möglich ist.
4.7. Schliesslich ist auch zu erwähnen, dass die Teilzahlung von Fr. 16'000.-- in
zwei Tranchen am 31. Oktober 2006 und am 7. November 2006 erfolgte (vgl.
Urk. 8/3/30-31), mithin knapp vor Ablauf der 90-tägigen Zahlungsfrist für die An-
- 22 -
fang August 2006 gelieferten 320 Säcken Rohkaffee. Auch dies deutet auf einen
Zusammenhang zwischen der Lieferung und der Zahlung hin. Darüber hinaus fin-
det sich in den Akten ein vom Beschuldigten unterzeichneter Brief der E._
GmbH an die F._, worin der Beschuldigte erklärt, er sei mit dem von der
F._ gelieferten Kaffee nicht zufrieden, weshalb er keine weitere Zusammen-
arbeit wünsche. Um die Umkosten der Testlieferung abzudecken habe die
E._ GmbH der F._ jedoch Fr. 16'000.-- überwiesen (Urk. 2/1/009). Auch
dies stellt ein Indiz dafür dar, dass die Fr. 16'000.-- im Zusammenhang mit einer
Lieferung Kaffee und nicht mit einer solchen von leeren Kaffeebeuteln bezahlt
wurden. Zwar behauptet der Beschuldigte, beim vorgenannten Schreiben sei es
nicht um die 320 Säcke D._ Coffee sondern um eine Lieferung J._-Kaffe
gegangen (Urk. 76 S. 13 f.). Es fällt jedoch auf, dass es sich gemäss dem vorge-
nannten Schreiben um eine Kaffeelieferung im Zeitraum August bis November
2006 handelt, für welche exakt Fr. 16'000.-- bezahlt wurde. Diese zeitliche und
betragsmässige Koinzidenz spricht gegen die Annahme, die Fr. 16'000.-- seien
für eine weitere Lieferung von J._kaffee bezahlt worden.
4.8. Zusammenfassend bestehen deshalb keine vernünftigen Zweifel daran,
dass sich der Sachverhalt so zugetragen hat, wie in der Anklageschrift geschil-
dert.
V. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung durch den Einzelrichter wurde von der Verteidigung
nicht gerügt. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 59 S. 28 - 30 Zif-
fer 3 und S. 38 - 44 Ziffer 3). Ergänzend ist zum Einwand des Verteidigers zur
Versicherungsdeckung (Urk. 49 S. 12; Urk. 75 S. 23) anzufügen, dass eine Versi-
cherung nicht den Eintritt eines Schadens verhindert, sondern eine Versiche-
rungsleistung bei Eintritt eines Schadens erbringt. Wer letztendlich den Schaden
ersetzt, ist beim Betrug irrelevant, zumal auch bloss vorübergehender Schaden
genügt und Rückerstattungsansprüche keine Rolle spielen (BGE 117 IV 155
- 23 -
Erw. 4.a; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar,
Zürich 2008, S. 697 N 23 zu Art. 146; Andreas Donatsch, Strafrecht III, 9. Aufl.,
Zürich / Basel / Genf, 2008, S. 213).
Der Beschuldigte ist deshalb des versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146
Abs. 1 StGB i.V. m. Art. 22 Abs. 1 StGB und der Urkundenfälschung im Sinne von
Art. 251 Ziffer. 1 StGB schuldig zu sprechen.
VI. Strafzumessung
1. Strafrahmen
Die Vorinstanz hat bereits zutreffend festgehalten, dass der Strafrahmen von zwei
Tagessätzen Geldstrafe (wegen der Straferhöhung infolge Deliktsmehrheit) bis zu
fünf Jahren Freiheitsstrafe reicht (Urk. 59 S. 45).
2. Zumessungsgrundsätze
Um Wiederholungen zu vermeiden kann auf die Ausführungen der Vorinstanz zu
den dogmatischen Strafzumessungsregeln verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO; Urk. 59 S. 45 - 47 Ziffer 2).
3. Gesamthafte Beurteilung
Da der Beschuldigte den Betrug mittels gefälschter Dokumente zu begehen ver-
suchte, die Urkundenfälschung somit Mittel zum Zweck war oder anders ausge-
drückt, die Delikte in sehr engem Zusammenhang stehen, drängt es sich auf, das
Tatverschulden für beide Straftaten gemeinsam zu beurteilen. Dabei soll nicht
ausser Acht gelassen werden, dass sich die Deliktsmehrheit leicht straferhöhend
auswirkt. Umgekehrt reduziert sich das Tatverschulden auch nicht merklich durch
den Umstand, dass hinsichtlich des Betrugs ein Versuch vorliegt.
- 24 -
4. Objektive und subjektive Tatschwere
In objektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass die Höhe der beabsichtigten
Vermögensschädigung Fr. 35'456.-- beträgt, was die Vorinstanz zu Recht als be-
trächtlich qualifizierte (Urk. 59 S. 48). Besonders dreist erscheint der Umstand,
dass der Beschuldigte die Tat im Rahmen eines Handelsgerichtsprozesses verüb-
te, den Betrug somit sozusagen in der Öffentlichkeit, d.h. vor zahlreichen Augen
ausführen wollte. Zudem bedurfte es mit der Fälschung einiger Vorbereitungs-
handlungen, weshalb von einer sehr bewussten Planung gesprochen werden
kann. All dies lässt auf eine nicht geringe kriminelle Energie schliessen. Insge-
samt ist die objektive Tatschwere deshalb nicht mehr leicht.
Zur subjektiven Tatschwere lässt sich wenig Wesentliches anfügen. Der Beschul-
digte handelte mit finanziellem Motiv, möglicherweise auch aus Rache für aus
seiner Sicht zu Unrecht gestellten Forderungen oder Strafanzeigen der C._
AG. Eine persönliche existenzbedrohende Notsituation lag für den Beschuldigten
nicht vor.
Wenn die Vorinstanz gestützt auf die vorgenannten Faktoren eine Einsatzstrafe
festgelegt hat, welche mit acht Monaten im unteren Sechstel der maximalen
Strafandrohung von fünf Jahren liegt, ist dies keinesfalls als zu hoch zu bemän-
geln. Bestünde nicht ein Verschlechterungsverbot, hätte durchaus eine Freiheits-
strafe in Betracht gezogen werden müssen.
5. Täterkomponente
Die Vorinstanz hat dazu die erwähnenswerten Umstände bereits aufgeführt, wes-
halb darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 59 S. 50 f.). An der
Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, er habe kein Abitur gemacht,
sondern das Gymnasium zuvor verlassen (Urk. 76 S. 2). Der Beschuldigte stammt
aus dem K._, hat aber in Westeuropa eine fundierte Schul- und Berufsaus-
bildung absolviert, was ihn grundsätzlich problemlos befähigen würde, mittels le-
galer Tätigkeiten hierzulande ein Auskommen zu finden. Im Übrigen ist seine Vor-
strafenlosigkeit zu erwähnen (Urk. 59 S. 51). Strafminderungsgründe (abgesehen
- 25 -
vom Versuch) liegen nicht vor. Die Täterkomponenten wirken sich somit im Resul-
tat nicht auf die Strafhöhe aufgrund der Tatschwere aus.
6. Verletzung des Beschleunigungsgebot
6.1. Die Strafuntersuchung wurde im März 2008 eröffnet und der umfangreiche
polizeiliche Ermittlungsbericht datiert vom April 2009. In der Folge war es ange-
bracht, Ergebnisse aus dem Konkursverfahren der E._ GmbH abzuwarten.
Das Konkursverfahren wurde im August 2009 mangels Aktiven eingestellt. Bis im
Februar 2010 gingen Desinteresse-Erklärungen von Geschädigten ein. Insgesamt
handelte es sich um ein relativ umfangreiches Strafverfahren und die vorliegend
angeklagten Delikte bilden nur einen ganz kleinen Teil des Untersuchungsgegen-
stands. Dementsprechend haben die Untersuchungsakten den Umfang von rund
zehn Bundesordnern. Mit Anklageerhebung am 30. August 2010 ergingen auch
knapp ein Dutzend Einstellungsverfügungen über verschiedene geschäftliche Vor-
fälle. Die Kosten wurde jeweils in den meisten Fällen dem Beschuldigten auferlegt
(Urk. 23 - 33). Diese zum Teil auf mehreren Seiten begründeten Einstellungsver-
fügungen zeigen, dass in Bezug auf zahlreiche einzelne Vorwürfe die Beweis-
und Rechtslage zu klären war und die Untersuchungsbehörde zu entscheiden
hatte, ob Anklage zu erheben war oder nicht. Es ist deshalb nicht zu bemängeln,
dass seit rechtskräftiger Einstellung des Konkursverfahrens im Herbst 2009 bzw.
seit Eingang der letzten Desinteresseerklärung im Februar 2010 noch elf bzw.
sechs Monate bis zur Anklageerhebung vergingen. Ebenso ist die gesamte Un-
tersuchungs- und Verfahrensdauer einschliesslich des Berufungsverfahrens von
bis heute dreieinhalb Jahren angesichts des Untersuchungsumfangs und -
gegenstands nicht zu rügen. Ob das Beschleunigungsgebot verletzt wurde oder
nicht, entscheidet sich nämlich vor allem aufgrund einer Gesamtwürdigung der
geleisteten Arbeit. Zeiten, in denen das Verfahren stillsteht bzw. keine nach aus-
sen erkennbaren Untersuchungshandlungen stattfanden, sind unumgänglich
(BGE 124 I 139). Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht keine Strafminderung we-
gen Verletzung des Beschleunigungsgebotes zuerkannt.
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7. Anzahl Tagessätze
Insgesamt ist deshalb die Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu bestätigen.
8. Tagessatzhöhe
8.1. Der Verteidiger rügt die Höhe des Tagessatzes (Urk. 75 S. 23 f.). Wie die
Höhe des Tagessatzes zu bestimmen ist, hat das Bundesgericht unlängst im Ent-
scheid 134 IV 68 f. näher erläutert. Grundsätzlich sei vom Nettoeinkommen aus-
zugehen. Die gesetzliche Erwähnung des Lebensaufwands in Art. 34 Abs. 2 StGB
habe lediglich die Bedeutung, dass das Einkommen alternativ auch aufgrund des
Lebensaufwands geschätzt werden könne. Ansonsten hat das Bundesgericht im
besagten Entscheid lediglich familienrechtliche Unterstützungspflichten als ab-
zugsfähig erachtet, nicht jedoch allgemeine Lebenshaltungskosten wie Miete, Hy-
pothekarzinsen oder sonstige Zahlungsverpflichtungen (BGE 134 IV 71 f.).
Schliesslich erwähnt das Bundesgericht, dass dem Existenzminimum und aus-
sergewöhnlichen finanziellen Lasten eine Korrekturfunktion zukämen. Der Tages-
satz für Beschuldigte, die nahe oder unter dem Existenzminimum lebten, sei da-
her soweit herabzusetzen, dass einerseits die Ernsthaftigkeit der Sanktion ge-
währleistet sei, andererseits der Eingriff angesichts der persönlichen und wirt-
schaftlichen Verhältnisse als zumutbar erscheine. Als Richtwert wird eine Herab-
setzung des Nettoeinkommens um mindestens die Hälfte genannt (BGE 134 IV
73 Erw. 6.5.). In den Entscheiden BGE 135 IV 180 und 6B_610/2009 wurde zu-
dem statuiert, dass es einen Mindestansatz von Fr. 10.-- gebe und zwar unab-
hängig von den konkreten finanziellen Verhältnissen. Dieser Minimaltagessatz
kommt beispielsweise bei straffälligen Asylsuchenden oder bei Personen zur An-
wendung, welche kein oder nur ein geringstes Einkommen von wenigen Franken
erzielen.
8.2. In der Berufungserklärung vom April 2011 wurde noch ausführt, der Be-
schuldigte erziele ein monatliches Einkommen von € 1'500.-- (Urk. 61 S. 3). An
der Berufungsverhandlung blieben die finanziellen Verhältnisse des Beschuldig-
ten intransparent. Er erziele mit seiner selbständigen Tätigkeit im Lebensmittel-
handel ein monatliches Einkommen von durchschnittlich € 1'000.--. Davon be-
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streite er den Mietzins von € 900.-- und die Krankenkasse von € 130.-- (Urk. 76
S. 3). Allerdings sei er mit der Bezahlung des Mietzinses im Rückstand und sein
Konto sei zudem überzogen (Urk. 76 S. 3 f.). Insofern ist offensichtlich, dass sein
Lebensaufwand sicher höher war als € 1'000.--. In Anwendung des Nettoeinkom-
mensprinzips rechtfertigt es sich deshalb, von einer Tagesatzhöhe von Fr. 30.--
auszugehen.
9. Anrechnung der Untersuchungshaft
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten aufgerundet 77 Tage der Haft angerech-
net, was nicht zu beanstanden ist (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 59 S. 54 Ziff. 4).
VII. Vollzug
Den Erwägungen der Vorinstanz zum Aufschub des Vollzugs der Geldstrafe und
der Ansetzung der Probezeit auf das gesetzliche Minimum von zwei Jahren gibt
es nichts beizufügen (Art. 82 Abs. 4 StPO).
VIII. Schadenersatz und Genugtuung
Der Verteidiger verlangt, dass dem Beschuldigten infolge Einstellung des Verfah-
rens für insgesamt elf Teilbereiche Schadenersatz und Genugtuung zuzuspre-
chen sei (Urk. 75 S. 5). Sofern in den Einstellungsverfügungen keine Entschädi-
gungen oder Genugtuungen zugesprochen wurden, wäre dies in jenen Verfahren
bzw. mit den gegen die Einstellungen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln zu
rügen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist einzig der Sachverhalt der
Anklage.
IX. Beschlagnahmungen
Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Oktober 2008
beschlagnahmte Barschaft von CHF 5'000.-- bzw. der Restbetrag von CHF
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2'000.--, der als Geldwert bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich verbucht ist
(Barkautionsnummer ...), ist in Anwendung von Art. 267 Abs. 3 StPO zur De-
ckung der Verfahrenskosten heranzuziehen.
Die beschlagnahmte Festplatte B._ ist dem Beschuldigten antragsgemäss
nach Eintritt der Rechtskraft herauszugeben, ist doch nicht ersichtlich, gestützt auf
welche Rechtsgrundlage eine Einziehung geboten wäre. Ein Zusammenhang mit
den Delikten, die Gegenstand der Anklage bilden, ist nicht ersichtlich.
X. Kosten
Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren, abgesehen von der Freigabe
der beschlagnahmten Festplatte, vollumfänglich. Ausgangsgemäss ist daher die
erstinstanzliche Kostenfestsetzung und -auflage (Ziffern 7 und 8) zu bestätigen.
Als Untersuchungskosten wurden im vorliegenden Verfahren lediglich Fr. 900.--
Kosten der Kantonspolizei und Fr. 114.-- Untersuchungsauslagen belastet. Diese
Höhe der Kosten liegt im üblichen Rahmen einer Untersuchung. Die Teileinstel-
lungen haben somit keinen Einfluss auf die Kosten in diesem Verfahren gehabt,
weshalb es sich auch nicht rechtfertigt, einen Teil der in diesem Verfahren ange-
fallenen Untersuchungskosten auf die Staatskasse zu nehmen, wie die Verteidi-
gung beantragte (Urk. 75 S. 25).
Die Kosten des Berufungsverfahrens sind dem Beschuldigten aufzuerlegen, da er
mit seinem Hauptantrag auf Freispruch unterliegt. Die Freigabe der beschlag-
nahmten Festplatte ändert daran nichts, zumal der diesbezügliche Entscheid kei-
nen nennenswerten Mehraufwand verursachte. Die Kosten der amtlichen Vertei-
digung im Berufungsverfahren sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen,
wobei eine Rückforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt
(Art. 428 Abs.1 StPO).
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