Decision ID: b3be9620-5602-4c6b-aa47-b65d67505239
Year: 2017
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatsteuer 2015 vom 8. Dezember 2016 wurden die
freiwilligen Zuwendungen an den C._ von Fr. 5‘690.--, mit der Begründung, die fragliche
Institution befinde sich nicht auf der Spendenliste des Kantons D._, gestrichen.
2. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2016 erhoben die Rekursgegner mit dem Begehren,
die deklarierten Zuwendungen seien zum Abzug zuzulassen, Einsprache. Zur Begründung führ-
ten sie aus, der C._ sei als abzugsberechtigte Institution auf der Spendenliste des Kantons
Basel-Landschaft aufgeführt.
3. Mit Einspracheentscheid vom 12. April 2017 hiess die Steuerverwaltung die Einsprache
teilweise gut und liess 90% der freiwilligen Zuwendung, d.h. Fr. 5‘121.-- zum Abzug zu. Zur Be-
gründung führte sie aus, eine separate Prüfung habe im Kanton Basel-Landschaft ergeben,
dass der C._ einen überwiegenden Teil des Spendensubstrats gemeinnützig verwende.
4. Mit Eingabe vom 17. Mai 2017 erhob die Rekurrentin mit dem Begehren, der Ein-
spracheentscheid sei aufzuheben, Rekurs. Zur Begründung machte sie geltend, für die Steuer-
befreiung sei der Sitzkanton zuständig, so dass für eine separate Prüfung durch den Kanton
Basel-Landschaft kein Raum bestehe.
5. Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2017 beantragte die Rekursgegnerin die Abweisung
des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, jeder Kanton habe ein Ermessen und dürfe ei-
genständig prüfen, ob die Voraussetzungen hinsichtlich des Spendenabzuges erfüllt seien.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung halten die Parteien an ihren Begehren fest.
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Der Präsident des Steuergerichts zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig. Gemäss § 129 Abs. 1 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 2'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuerge-
richts als Einzelrichter beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden An-
forderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2. Vorliegend unterliegt der Beurteilung, ob freiwillige Zuwendungen an den C._ zum
Abzug zuzulassen sind.
a) Gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. i des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der di-
rekten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990 können die frei-
willigen Leistungen von Geld und übrigen Vermögenswerten bis zu dem nach kantonalem
Recht bestimmten Ausmass an juristische Personen mit Sitz in der Schweiz, die im Hinblick auf
ihre öffentlichen oder gemeinnützigen Zwecke von der Steuerpflicht befreit sind, von den steu-
erbaren Einkünften abgezogen werden. Gemäss § 29 Abs. 1 lit. l StG können die freiwilligen
Leistungen von Geld und übrigen Vermögenswerten an juristische Personen mit Sitz in der
Schweiz, die im Hinblick auf ihre öffentlichen oder gemeinnützigen Zwecke von der Steuer-
pflicht befreit sind, von den steuerbaren Einkünften abgezogen werden.
b) Der C._ ist ein Verein gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbu-
ches vom 10. Dezember 1907 (ZGB) mit Sitz im Kanton D._. Er ist somit eine juristische
Person mit Sitz in der Schweiz.
c) Mit Verfügung vom 21. Juni 2007 hat die Steuerverwaltung des Kantons D._
bezugnehmend auf ein Gesuch des C._ einerseits festgestellt, dass derselbe religiös sei
bzw. Kultuszwecke verfolge und deswegen von der Gewinn- und Kapitalsteuerpflicht befreit sei
und andererseits, dass Zuwendungen an denselben steuerlich nicht zum Abzug zugelassen
werden könnten. Entsprechend wird der C._ auf der Spendenliste des Kantons D._ als
nicht abzugsfähige Institution geführt.
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d) Daraus ergibt sich, dass die fragliche Institution zwar aufgrund von religiösen,
nicht aber aus öffentlichen oder gemeinnützigen Zwecken von der Steuer befreit ist, so dass die
Voraussetzungen gemäss § 29 Abs. 1 lit. l StG nicht erfüllt sind.
3. Die Rekursgegnerin macht indes geltend, hinsichtlich des Spendenabzuges habe jeder
Kanton ein Ermessen und dürfe eigeständig prüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt seien.
a) Die Veranlagungsbehörde, die über die Abzugsfähigkeit einer freiwilligen Zuwen-
dung zu befinden hat, hat vorfrageweise zu prüfen, ob die juristische Person, an welche die
Zuwendung ging, steuerbefreit ist. Allgemein gilt, dass eine Behörde in solchen Fällen grund-
sätzlich zum selbstständigen Entscheid über die Vorfrage berechtigt ist, wenn die sachkompe-
tente Behörde noch nicht entschieden hat, dagegen an den erfolgten Entscheid der sachkom-
petenten Behörde gebunden ist. Es würde der horizontalen und der vertikalen Steuerharmoni-
sierung zuwiderlaufen, wenn in anderen Kantonen, nachdem die zuständige Behörde im Sitz-
kanton rechtskräftig über eine subjektive Steuerbefreiung entschieden hat, die Verbindlichkeit
dieses Entscheids noch in Frage gestellt werden könnte, mit der Folge, dass Spenden an eine
bestimmte Institution trotz identischen bundesrechtlichen Vorgaben im einen Kanton abgezogen
werden könnten und in einem anderen nicht. Zusammenfassend müssen Zuwendungen an ju-
ristische Personen, die in deren Sitzkanton wegen Erfüllung gemeinnütziger Zwecks steuerbe-
freit sind, zum Abzug zugelassen werden. Der entsprechende Entscheid des Sitzkantons ist
ohne eigene (vorfrageweise) Überprüfung hinzunehmen (Entscheid des Verwaltungsgerichts
des Kantons Aargau vom 25. Juni 2004, publ. in: Der Steuerentscheid [StE] 2005 B 27.4 Nr.
16). Die kantonale Überprüfung der Steuerpflichtbefreiung anderer Kantone nach eigenen
Grundsätzen verstösst gegen die mit dem Steuerharmonisierungsgesetz bezweckte Harmoni-
sierung der Steuerpflichtbefreiungsgründe. Schliesslich gebietet auch das Rechtsgleichheitsge-
bot gemäss Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 (BV), dass alle steuerpflichtigen Personen, die derselben steuerbefreiten juristi-
schen Person freiwillige Zuwendungen zukommen lassen, diese, in der kantonal bestimmten
Höhe, vom steuerbaren Einkommen abziehen dürfen. Zusammenfassend genügt es für die Ab-
ziehbarkeit von Zuwendungen, dass die juristische Person nach dem Recht eines anderen Kan-
tons wegen öffentlicher oder gemeinnütziger Zwecksetzung steuerbefreit ist (Entscheid des
Steuergerichts [StGE] vom 22. September 2006, 510 06 10, E. 4 f.).
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b) Vorliegend ersuchte der C._ mit Gesuch vom 11. Februar 2007 die Steuer-
verwaltung des Kantons Basel-Landschaft um Steuerbefreiung infolge Gemeinnützigkeit und
Aufnahme auf die Spendenliste und wies darauf hin, dass 94% der Spenden für gemeinnützige
Zwecke verwendet würden. Man beantrage daher, dass 90% der freiwilligen Zuwendungen zum
Abzug zuzulassen seien, was seitens der Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft mit
Datum vom 23. Februar 2007 bestätigt wurde. Entsprechend wurde der C._ als zu 90% ab-
zugsberechtigte Institution auf die Spendenliste des Kantons Basel-Landschaft aufgenommen.
Gestützt auf die hiervor zitierten Entscheide ist die Prüfung der Steuerbefreiung infolge Ge-
meinnützigkeit durch den Sitzkanton, vorliegend also den Kanton D._ vorzunehmen und ist
eine eigene Prüfung durch den Kanton Basel-Landschaft, sofern der Sitzkanton, wie vorliegend,
entschieden hat, unzulässig. Entgegen der Rekursgegnerin haben die Kantone in diesem Fall
gerade keinen Ermessensspielraum. Vielmehr ist der Kanton Basel-Landschaft gestützt auf das
Territorialprinzip an den Entscheid des Kantons D._ gebunden. Entschiede man anders,
würde das zu einer unzulässigen Ungleichbehandlung von Einwohnern der Kantone Basel-
Landschaft und D._ führen, da die ersteren die freiwilligen Zuwendungen an den C._
abziehen könnten, letztere aber nicht. Damit erfolgte die Aufnahme auf die Spendenliste zu Un-
recht. Entsprechend wäre der Rekurs gutzuheissen.
4. Da sich die Rekursgegner hinsichtlich des geltend gemachten Abzuges auf die Spen-
denliste des Kantons Basel-Landschaft gestützt haben, stellt sich die Frage, ob sie sich auf den
Grundsatz des Vertrauensschutzes berufen können.
a) Nach dem in Art. 9 BV verankerten Grundsatz von Treu und Glauben kann eine
(selbst unrichtige) Auskunft, welche eine Behörde dem Bürger erteilt, unter gewissen Umstän-
den Rechtswirkungen entfalten. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um eine vorbehaltlose
Auskunft der Behörden handelt; die Auskunft sich auf eine konkrete, den Bürger berührende
Angelegenheit bezieht; die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, hierfür zuständig war
oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; der Bürger die
Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres hat erkennen können; der Bürger im Vertrauen
hierauf nicht ohne Nachteil rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat; die Rechtsla-
ge zurzeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im Zeitpunkt der Auskunftserteilung; das
Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige des Vertrauensschut-
zes nicht überwiegt (Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 137 Il 182, E. 3.6.2, m.w.H.).
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b) Vorliegend handelt es sich um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörde, ist der
C._ doch auf der im Internet publizierten Spendenliste der Rekursgegnerin als abzugsbe-
rechtigte Institution aufgeführt. Eine Einschränkung besteht nur dahingehend, dass lediglich
90% der freiwilligen Zuwendungen abgezogen werden können. Durch das Aufführen der fragli-
chen Institution auf der Spendenliste wird eine konkrete Angelegenheit geregelt. Die Zuständig-
keit der Rekursgegnerin für die strittige Auskunft ist gegeben. Die Unrichtigkeit der Auskunft
konnte seitens der Rekursgegner nicht erkannt werden, umso mehr als die Rekursgegnerin
auch im vorliegenden Verfahren noch auf der Richtigkeit der Aussage besteht. Indem die Re-
kursgegner der fraglichen Institution freiwillige Zuwendungen zukommen liessen, haben sie
Dispositionen getroffen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Die Rechtslage hat
sich zwischenzeitlich nicht geändert. Bei der Interessenabwägung von Legalitätsprinzip und
Vertrauensschutz wiegt letzterer höher, da die Rekursgegner in ihrem Vertrauen auf die Spen-
denliste zu schützen sind und die richtige Durchsetzung des objektiven Rechts durch eine An-
passung der Spendenliste gewährleistet werden kann.
Da sich die Rekursgegner damit auf den Grundsatz des Vertrauensschutzes berufen können,
erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist abzuweisen.
5. Gestützt auf § 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993
über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) hat die unterliegende Partei Ver-
fahrenskosten zu bezahlen, wobei der Rekurrentin gemäss § 20 Abs. 4 VPO keine solchen auf-
zuerlegen sind.
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