Decision ID: e558eb78-8168-44bd-b769-8dd360143c51
Year: 2014
Language: de
Court: BS_APG
Chamber: BS_APG_001
Canton: BS
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
Mit Urteil des Zivilgerichtspräsidenten vom 2. Juli 2013 wurde im Rahmen eines Eheschutzverfahrens die Obhut über den gemeinsamen Sohn der Parteien, C_, geb. am [...], in Abänderung eines vorgehenden Entscheids der Kindsmutter, B_, alleine zugeteilt (Ziff. 2 des Entscheids), nachdem die Parteien diese vorgehend gemeinsam ausübten. Des Weiteren wurde dem Kindesvater, A_, ein ausgedehntes Besuchsrecht eingeräumt (Ziff. 3 des Entscheids) und wurde verfügt, die bestehende Besuchsrechtsbeistandschaft sei aufrecht zu erhalten (Ziff. 4 des Entscheids).
Gegen diesen Entscheid erhob A_ mit Eingabe vom 14. Juli 2014 Berufung, beantragte die Aufhebung von Ziff. 2 bis 4 des Entscheids und ersuchte um Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Zudem ersuchte er um Einholung eines kinderpsychiatrischen Gutachtens „zur Frage der Obhutszuteilung“. B_ beantragte mit Berufungsantwort vom 30. Juli 2013 die Abweisung der Berufung und Nichtgewährung der aufschiebenden Wirkung. Mit Verfügung der Instruktionsrichterin vom 5. August 2013 wurde dem Gesuch um aufschiebende Wirkung der Berufung nicht stattgegeben. Mit Replik vom 6. September 2013 hielt der Berufungskläger an seinen Anträgen fest.
Der zuständige Besuchsrechtsbeistand, D_, Mitarbeiter des Kinder- und Jugenddienstes (KJD), entsprechend dessen Empfehlung im Bericht vom 21. Mai 2013 im vorinstanzlichen Verfahren die alleinige Obhut der Berufungsbeklagten zugeteilt worden war, reichte dem Appellationsgericht einen mit Verfügung vom 4. Oktober 2013 einverlangten Ergänzungsbericht über die aktuelle Situation von C_ am 12. November 2013 ein. Darin bestätigt er seine frühere Empfehlung betreffend die Obhutszuteilung. Nachdem auf Wunsch des Berufungsklägers ein weiteres Gespräch des Besuchsrechtsbeistands mit C_ am 6. Dezember 2013 stattgefunden hatte, ergänzte der Besuchsrechtsbeistand diesen Bericht mit Schreiben vom 11. Dezember 2013, wobei er an seiner ursprünglichen Empfehlung festhält.
Am 12. Februar 2014 fand in Anwesenheit beider Parteien und ihrer Vertretungen sowie dem Besuchsrechtsbeistand eine Vermittlungsverhandlung vor dem Appellationsgericht statt. Die Parteien haben an der Vermittlungsverhandlung die angefochtenen Inhalte des Zivilgerichtsurteil vom 2. Juli 2013 in einem Vergleich geregelt. Gleichzeitig hat der Berufungskläger seine Berufung mit dem Vergleich zurückgezogen. Die Parteien beantragen dem Appellationsgericht die Genehmigung dieses Vergleichs.

Erwägungen
1.
1.1 Mit der einvernehmlichen Regelung beantragen die Parteien dem Gericht, ihnen die gemeinsame Obhut über C_ zu übertragen. Zudem haben sie die Anwesenheiten von C_ je beim Kindsvater und der Kindsmutter unter dem Jahr sowie zu den Ferienzeiten gegenüber dem gerichtlichen Entscheid etwas detaillierter geregelt, indessen ohne dabei in Bezug auf den zeitlichen Rahmen vom angefochtenen Entscheid abzuweichen. Eine Aufhebung der gemeinsamen Obhut hatte sich der Vorinstanz aufgedrängt, da C_ seit August 2013 den obligatorischen Kindergarten besucht und beide Eltern seine Einschulung an ihrem jeweiligen Wohnort wünschten. Zudem war eine Weiterführung der bis zu diesem Zeitpunkt gültigen Regelung betreffend die Verweildauer von C_ beim einen oder anderen Elternteil aufgrund der obligatorischen Anwesenheitspflicht von C_ im Kindergarten von Montag bis Freitag und der örtlichen Entfernung der Wohnsitze der Eltern nicht mehr möglich. Nachdem die Einschulung in aller Regel am Wohnsitz des Kindes erfolgt und dieser (unter anderem) von der Obhut abgeleitet wird (vgl. Art. 25 Abs. 1 ZGB) sowie die unterwöchige Betreuung gemäss der Empfehlung des Besuchsrechtsbeistands bei der Mutter stattfinden sollte, sprach die Vorinstanz dieser die alleinige Obhut zu. Die Eltern wünschen gemäss ihrer Vereinung zwar weiterhin gemeinsam die Obhut über C_ auszuüben, einigen sich aber gleichzeitig, dass die behördliche Anmeldung von C_ am Wohnsitz der Mutter zu erfolgen habe bzw. zu belassen sei und dieser dort einzuschulen sei. Soweit sie weiterhin die Zuständigkeit des aktuellen Besuchsrechtsbeistands wünschen, nehmen sie gemäss Vereinbarung zur Kenntnis, dass dem Appellationsgericht diesbezüglich keine Weisungsbefugnis zusteht. Damit ist aktuell keine Zuständigkeitsproblematik und auch kein anderer Grund ersichtlich, weshalb die Vereinbarung dem Kindswohl nicht entsprechen sollte. Vielmehr ist eine einvernehmliche Lösung in diesem sensiblen Bereich grundsätzlich zu begrüssen. Soweit die Parteien zusätzlich eine Vereinbarung betreffend die kinderärztliche Versorgung treffen, ist dagegen ebenfalls nichts einzuwenden. Die Vereinbarung ist zu genehmigen (zur Genehmigungspflicht betreffend Kinderbelange im Eheschutzverfahren s. Siehr/Bähler, in: Basler Kommentar Schweizerische ZPO, 2. Auflage 2013, Art. 273 ZPO N 6a).
1.2 Der Antrag auf kinderpsychiatrische Begutachtung fällt mit dem Rückzug der Berufung dahin. Damit kann die Berufung – infolge der getroffenen Vereinbarung sowie des darin erklärten Rückzugs der Berufung – abgeschrieben werden (Art. 241 ZPO).
2.
Verlegt werden müssen somit einzig die Kosten des Berufungsverfahrens (Steck, in: Basler Kommentar Schweizerische ZPO, 2. Auflage 2013, Art. 241 ZPO N 20). Nachdem sich die Parteien über die strittigen Punkte einigen konnten, rechtfertigt sich die hälftige Teilung der Gerichtskosten sowie die Wettschlagung der Parteikosten. Zufolge des beiden Parteien gewährten Kostenerlasses gehen die Gerichtskosten zu Lasten der Staatskasse und ist den Parteivertretern je ein Honorar aus der Gerichtskasse zu bezahlen. Die Entschädigung der Rechtsvertretungen erfolgt gemäss den eingereichten Honorarnoten. Zu kürzen ist einzig der seitens des Anwalts der Berufungsbeklagten veranschlagte Betrag für Kopiaturen und Fotokopien auf CHF 0.25 pro Stück.