Decision ID: cbc0f559-a663-4a94-bad7-4d58a2c9d523
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 19
7
1 geborene
X._
meldete sich aufgrund einer Aller
gie bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Rentenbezug an. Die IV-
Stelle verneinte mit Verfügung vom 13.
August 2002 (Urk. 10/17)
einen Anspruch der Versicherten auf Rente.
Am 25. März 2009 meldete sich die Versicherte aufgrund seit Februar 2009 beste
hender Probleme mit der Speicheldrüse erneut bei der IV-Stelle zum
Leis
tungsbezug
an (
Urk.
10/24).
Mit Verfügung vom 11. November 2009 ver
neinte die IV-Stelle
abermals
einen Anspruch der Versicherten
auf Leistungen der In
validenversicherung
(Urk. 7/44).
Dagegen liess die Versicherte am 15. Dezember 2009 Beschwerde am Sozialversicherungsgericht erheben (
Urk.
10/51). Dieses hob die Verfügung
mit Urteil vom 31. August 2011 (Prozess Nr. IV.2009.01196) auf
und wies die Sache zu weiteren
medizinischen
Abklärungen an die IV-Stelle zurück (Urk.
10
/61).
Diese
nahm
Abklärungen
vor
und wies mit Verfügung
7. Juni 2012
das
Leistungs
begehren
der Versicherten
erneut
ab
(Urk.
10/78
).
Die dagegen erho
bene Beschwerde vom 9. Juli 2012 (
Urk.
10/80) hiess das
Sozialversicherungs
gericht
mit Urteil vom 28. März 2013 teilweise gut, hob die angefochtene Ver
fügung auf und wies die Sache zur Abklärung und Neuverfügung an die IV-Stelle zurück (
Urk.
10/90).
2.
Die IV-Stelle veranlasste daraufhin eine
bidisziplinäre
Begutachtung.
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für
Allgemeine
Innere Medizin
und Rheumatologie, erstattete am 31. Januar 2014 ein internistisch-rheumatologisches Gutachten (
Urk.
10/99) und
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten sowie die interdisziplinäre Zusammenfassung der Gutachten (
Urk.
10/103). Sie stellten bei der Versicherten keine Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
.
Mit Vorbescheid vom 26. Februar 2014 stellte die IV-Stelle
der Versicherten
gestützt auf die neuesten Abklärungen
in Aussicht, sie werde das Leistungsbegehren abweisen (
Urk.
10/106).
T
rotz erho
bener Einwände
entschied sie
mit Verfügung vom 16. Mai 2014
in diesem Sinne
(
Urk.
10/112 =
Urk.
2).
3.
Dagegen liess
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt Georg
Engeli
, mit Eingabe vom 19. Juni 2014 Beschwerde erheben und die Zuspre
chung einer halben Rente, eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung,
beantragen. Zudem liess sie ein Gesuch um unentgeltliche
Prozess
führung
und
unentgeltliche
Rechts
vertretung
stellen (
Urk.
1).
Mit Eingabe vom 10. Juli 2014 liess die Beschwerdeführerin Belege über ihre Mittellosigkeit einreichen (
Urk.
6 – 7).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 21. August 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9).
Auf die Begründung der Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwä
gungen Bezug genommen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
Die Beschwerdegegnerin verneint
e
gestützt auf die Gutachten der
Dres
. med.
Y._
und
Z._
einen
Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
, weil kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege beziehungsweise keine gesundheitlich bedingte
Arbeitsunfähigkeit gegeben sei (
Urk.
2).
Die Beschwerdeführerin lässt dagegen einwenden, eine bestehende
Kniegelenks
arthrose
schränke sie bei der Haushaltsarbeit ein. Dies sei zu berücksichtigen, selbst wenn eine volle Arbeitsfähigkeit für sitzende Tätigkeiten anzunehmen sei, was sie aber bestreite. Gemäss Arztbe
r
icht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie,
vom 2
2.
März 2013 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 60 – 70
%
. Das Gutachten von
Dr.
Y._
weiche deutlich von dieser Beurteilung ab.
Gestützt auf
die
A
ngaben von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie
,
vom 1
2.
und 13. Mai 2014 sei von einer erheblichen Einschränkung auszugehen. Es sei deshalb erneut abzuklären, in welchem Ausmass eine Gelenksarthrose /
Gonartrhose
bestehe und welche A
us
wirku
ng
en dies auf die Arbe
its
fäh
ig
keit habe (
Urk.
1 S. 2 und 3).
3.
3.1
Dem Gutachten von
Dr.
Y._
ist keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
10/99/44). Eine Arbeitsunfähigkeit habe nie bestanden (
Urk.
10/99/47).
Auch
Dr.
med.
Z._
erhob keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (
Urk.
10/103/6).
In ihrer interdisziplinären Zusammenfassung kamen sie zum Schluss, dass weder aus rheumatologischer noch aus psychiatrischer Sicht eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit bestehe (
Urk.
10/103/8).
3.2
Das Gutach
t
en von
Dr.
Y._
ist umfassend. Sie berücksichtigte die Anam
nese (
Urk.
10/99/2 f.)
,
die Aktenlage (
Urk.
10/99/5 f.) und die Angaben der Beschwerdeführerin (
Urk.
10/99/45). Diese Grundlagen bezog sie ebenso in ihre Würdigung mit ein wie die Ergebnisse ihrer eigenen Untersuchungen, im Rah
men derer sie einen gründlichen, objektiven internistisch-rheumatologischen Status erhoben hatte (
Urk.
10/99/38 f.).
Sie setzte sich mit den Meinungen
der
andere
n
Ärzte auseinander (
Urk.
10/99/49). Ihre Schlussfolgerungen sind ein
leuchtend, zeigte sie doch auf, dass eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben sei, weil die Adipositas einer zumutbaren Behandlung zugänglich sei und die Kranken
kasse die Kosten hierfür übernehme, weil bildgebend keine nicht
altersentspre
chenden
degenerativen Veränderungen festgestellt worden seien, und weil die Beschwerdeführerin bei der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit im März 2013 eine mässige Leistungsbereitschaft mit Selbstlimitierung und Inkon
sistenzen gezeigt habe. Die von
Dr.
A._
im März 2013 erhobenen Befunde einer
Gonartrhose
und einer mässigen AC-Gelenksarthrose an den Knien bzw. der linken Schulter hätten bildgebend im Januar 2014 nicht bestätigt werden können. In ihrer Beurteilung zeigte sie zudem auf, dass keine entzündlichen
erosiven
Veränderungen ersichtlich seien
,
und legte ebenfalls dar, dass alle Befunde altersentsprechend seien. Dass sie vor diesem Hintergrund zum Schluss kam, dass die Befunde das Ausmass der geklagten Beschwerden nicht erklären könnten (
Urk.
10/99/45)
,
überzeugt.
Das Gutachten ist demnach voll beweiskräftig
(
vgl. zu den Voraussetzungen an die Beweiskraft medizinischer Gutachten
BGE 134 V 231 E. 5
.1 bzw. 125 V 351 E. 3).
3.3
Auch
Dr.
Z._
untersuchte die Beschwerdeführerin eingehend, berücksich
tigte die Aktenlage und die Klagen der Beschwerdeführerin ebenso wie seine eigenen Erhebungen. Er erhob einen vollständig unauffälligen Psychostatus (
Urk.
10/103/6), was angesichts der bis anhin fehlenden psychiatrischen Behandlung und der fehlenden Geltendmachung psychischer Beschwerden durch die Beschwerdeführerin nicht verwundert. Seine Schlussfolgerung, es liege keine psychische Erkrankung vor, leuchtet ohne
Weiteres
ein und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht in Abrede gestellt.
3.4
Was die Beschwerdeführerin vorbringt, überzeugt dagegen nicht.
Es besteht bildgebend keine nicht altersübliche Kniegelenksarthrose, weshalb sich Abklä
rungen in dieser Hinsicht erübrigen. Der Beschwerdeführerin sind nicht nur sitzende, sondern sämtlich
e
altersüblichen Bewegungen und Tätigkeiten
zuzu
muten
. Wie
Dr.
Y._
erklärte, kann auf die Angaben von
Dr.
A._
nicht abgestellt werden, da dieser anlässlich der Belastbarkeitstests festgestellt hatte, dass sich die Beschwerdeführerin selbst limitiert und Schmerzen angege
ben habe, bevor die beobachtbare funktionelle Leistungsgrenze erreicht worden sei (
Urk.
10/91/7). Auch der Hinweis auf die Ansicht von
Dr.
B._
i
st
unbehel
flich
. In seinen im
Vorbescheidverfahren
verfassten Schreiben vom 1
2.
und 13. Mai 2014 hielt er fest, es treffe nicht zu, dass eine
Gonarthrose
und damit dege
nerative Veränderungen
zu verneinen seien, wie dies im Gutachten von
Dr.
Y._
getan werde
(
Urk.
10/110/1 und 10/110/3).
Dr.
Y._
verneinte dies
e
indes
nicht, sie stellte nur fest, dass die degenerativen Veränderungen altersentsprechend seien.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin zu Recht gestützt auf die
bidiszip
linäre
Begutachtung durch
Dres
. med.
Y._
und
Z._
einen An
spruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der
Invalidenversicherung
ver
neint.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
4
.
4
.1
Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und zur Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung gemäss
§
16
Abs.
1 und
Abs.
2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind erfüllt.
4
.2
D
er Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Ge
richtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr. 6
00.-- anzuset
zen.
Ausgangsgemäss
sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuer
legen, jedoch zufolge der gewährten unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen.
4
.3
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt
Georg
Engeli
, wird für das vorliegende Verfahren nach
Massgabe
von
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen sowie unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
200.
--
entschä
digt. In der
Honorarnote vom
21. Oktober 2014
wird
ein Aufwand von
4
,
42 Stunden
ausgewiesen (
Urk.
1
5
), was der Sache angemessen ist.
Einschliesslich
3
%
Barauslagen und 8
%
Mehrwertsteuer resultiert eine Entschädigung von
Fr.
983.35. In diesem Umfang ist Rechtsanwalt
Engeli
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Das Gericht
beschliesst:
In Bewilligung des Gesuchs vom 19. Juni 2014 wird der Beschwerdeführerin die unent
geltliche Prozessführung gewährt und es wird ihr Rechtsanwalt Georg
Engeli
, Winterthur, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt.
Die Beschwerdeführerin und ihr Rechtsvertreter werden auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
auf
merksam gemacht.