Decision ID: bfd3c936-9dde-4da2-9568-0f6f94c636b4
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war im Rahmen der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung (OKP) bei der KPT Krankenkasse AG, Bern (nachfolgend:
Krankenkasse), versichert, als sie im Anschluss an eine krankheitsbedingte
Hospitalisation im Kantonsspital St. Gallen (nachfolgend: KSSG) zwecks
neurologischer Rehabilitation in der Rehaklinik C._ vom 6. August bis 4. Oktober
2021 stationär behandelt wurde (vgl. act. G 3.2, G 3.6 ff.). Hierfür stellte die Rehaklinik
C._ der Krankenkasse am 3. September 2021 für den Aufenthalt vom 6. bis
31. August 2021 Fr. 11'542.50 (act. G 3.9), am 4. Oktober 2021 für den Aufenthalt vom
1. bis 30. September 2021 Fr. 10'125.00 (act. G 3.13) und am 11. Oktober 2021 für den
Aufenthalt vom 1. bis 4. Oktober 2021 Fr. 1'350.00 (act. G 3.15) in Rechnung. In der
Folge forderte die Krankenkasse von der Versicherten für den 60tägigen Aufenthalt in
der Rehaklinik C._ den Spitalbeitrag von insgesamt Fr. 885.00 (59 Tage à Fr. 15.00
pro Tag) ein (Rechnung vom 23. September 2021 über Fr. 375.00 [25 Tage à Fr. 15.00
pro Tag; act. G 3.10]; Rechnung vom 28. Oktober 2021 über Fr. 450.00 [30 Tage à
Fr. 15.00 pro Tag; act. G 3.14]; Rechnung vom 4. November 2021 über Fr. 60.00 [4
Tage à Fr. 15.00 pro Tag], act. G 3.16).
A.a.
Am 18. Oktober 2021 beantragte die Versicherte, vertreten durch ihren Ehemann
B._, den Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung bezüglich der erhobenen
Spitalbeiträge (vgl. act. G 3.17). In der gleichentags erlassenen Verfügung hielt die
A.b.
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B.
Die von der Versicherten, weiterhin vertreten durch ihren Ehemann (vgl. Vollmacht vom
15. Dezember 2021, act. G 3.22-5), am 14. Dezember 2021 erhobene Einsprache
gegen die Verfügung vom 11. November 2022 (act. G 3.22) wies die Krankenkasse mit
Einspracheentscheid vom 9. März 2022 ab (act. G 3.24).
C.
Krankenkasse daran fest, dass die Versicherte ihr für den Aufenthalt in der Rehaklinik
C._ Spitalbeiträge in der Höhe von Fr. 885.00 schulde (act. G 3.18).
Am 10. November 2021 verlangte der Ehemann der Versicherten telefonisch und
per E-Mail von der Krankenkasse eine beschwerdefähige Verfügung mit detaillierteren
Angaben zu den in Rechnung gestellten Spitalbeiträgen (act. G 3.19).
A.c.
Am 11. November 2021 verfügte die Krankenkasse erneut, dass die Versicherte ihr
Fr. 885.00 an Spitalbeiträgen schulde und lieferte wie gefordert, detailliertere Angaben
zu den in Rechnung gestellten Spitalbeiträgen (act. G 3.20).
A.d.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 5. April 2022
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 9. März 2022 erheben und die
Aufhebung der Verfügung (korrekt: des Einspracheentscheids) vom 9. März 2022
beantragen. Es sei festzustellen, dass die von der Krankenkasse (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) in Rechnung gestellten Spitalbeiträge nicht geschuldet seien
(act. G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 17. Mai 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdeführerin (act. G 3).
C.b.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik innert der
gesetzten Frist, woraufhin der Schriftenwechsel für abgeschlossen erklärt wurde (act.
G 4 f.).
C.c.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie für den 60tägigen Aufenthalt in
der Rehaklinik C._ vom 6. August bis 4. Oktober 2021 keinen Spitalbeitrag schulde.
Zur Begründung wurde ausgeführt, dass sich die Beschwerdegegnerin bei der
Spitalbeitragserhebung auf Art. 104 Abs. 1 der Verordnung über die
Krankenversicherung (KVV; SR 832.102; "Der tägliche Beitrag an die Kosten des
Aufenthalts im Spital nach Artikel 5 des Gesetzes beträgt 15 Franken.") berufe, die
Rehaklinik C._ sei jedoch kein Spital gemäss Art. 104 Abs. 1 KVV. Dies ergebe die
Auslegung des Begriffs Spital nach der juristischen Methodenlehre. Die Erhebung von
Spitalbeiträgen für den Aufenthalt in der Rehaklinik C._ sei daher
rechtsmissbräuchlich und die Spitalbeiträge daher auch nicht geschuldet (vgl. act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin geht dagegen sowohl im Einspracheentscheid vom 9. März
2022 (act. G 3.1) als auch in der Beschwerdeantwort vom 17. Mai 2022 (act. G 3)
davon aus, dass es sich beim Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Rehaklinik
C._ vom 6. August bis 4. Oktober 2021 um einen Aufenthalt in einem Spital gemäss
Art. 64 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10)
i.V.m. Art. 104 Abs. 1 KVV gehandelt habe und infolgedessen die Erhebung von
Spitalbeiträgen in der Höhe von insgesamt Fr. 885.00 rechtmässig erfolgt sei.
1.1.
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin während ihres stationären
Aufenthalts in der Rehaklinik C._ vom 6. August bis 4. Oktober 2021 bei der
Beschwerdegegnerin für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP)
versichert war (vgl. act. G 3-2, G 3.2).
1.2.
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin von der Beschwerdeführerin zu Recht
Spitalbeiträge in der Höhe von Fr. 885.00 fordert. Strittig ist dabei insbesondere, ob es
sich beim Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Rehaklinik C._ um einen
Aufenthalt in einem Spital nach Art. 64 Abs. 5 KVG und Art. 104 Abs. 1 KVV handelte,
wofür Spitalbeiträge erhoben werden können.
1.3.
Soweit der Vertreter der Beschwerdeführerin in seinen "Grundsätzlichen
Ausführungen" im Abschnitt "Zweck der Einspracheinstanz des Verwaltungsträgers"
der Beschwerde vom 5. April 2022 (vgl. act. G 1-3) die Befangenheit der Verfasser des
angefochtenen Einspracheentscheids aufgrund deren Stellung als Mitarbeiter des
Rechtsdienstes der Vorinstanz geltend macht, ist dies unbegründet. Art. 52 Abs. 1
ATSG legt doch ausdrücklich fest, dass die verfügende Stelle für die Behandlung der
1.4.
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2.
3.
Einsprache zuständig ist. Konkrete Gründe für eine allfällige Befangenheit der Verfasser
des Einspracheentscheids in Bezug auf den vorliegend zu beurteilenden Fall werden
weder geltend gemacht, noch ergeben sich dafür Anhaltspunkte aus den Akten.
Darüberhinausgehend ist festzustellen, dass sich aus den Ausführungen im genannten
Abschnitt der Beschwerde nicht ergibt, inwiefern damit der Einspracheentscheid
angefochten wird. Folglich ist darauf nicht weiter einzugehen.
Gemäss Art. 64 Abs. 5 KVG leisten die Versicherten einen nach der finanziellen
Belastung der Familie abgestuften Beitrag an die Kosten des Aufenthalts im Spital,
wobei der Bundesrat den Betrag festsetzt. Der Gesetzgeber bezweckt mit dieser
Bestimmung eine Beteiligung der Versicherten an den Verpflegungskosten eines
Aufenthalts im Spital und dies zusätzlich zur Beteiligung an den Kosten der für sie
erbrachten Leistungen mit der Franchise und dem Selbstbehalt (vgl. Art. 64 Abs. 1 bis
4 KVG; siehe dazu auch die Ausführungen in Erwägung 3.4.3). Die Festlegung der
Höhe des Spitalbeitrags überliess die Legislative dem Bundesrat. Der Beitrag beträgt
seit dem 1. Januar 2011 Fr. 15.00 pro Tag (Art. 104 Abs. 1 KVV, AS 2010 6161; zuvor
betrug der Spitalbeitrag Fr. 10.00 pro Tag). Keinen Spitalbeitrag haben zu entrichten: a)
Kinder nach Art. 61 Abs. 3 des Gesetzes; b) junge Erwachsene nach Art. 61 Abs. 3 des
Gesetzes, die in Ausbildung sind; c) Frauen, bei denen die Kostenbeteiligung nach
Art. 64 Abs. 7 des Gesetzes entfällt (Abs. 2).
2.1.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung weist Art. 64 Abs. 5 KVG einen
ausreichenden Bestimmtheits-/Konkretisierungsgrad auf. Art. 104 KVV wurde gestützt
auf Art. 64 Abs. 5 KVG und die darin enthaltene Ermächtigung erlassen. Der Inhalt der
Verordnungsbestimmung ist gedeckt durch Art. 64 Abs. 5 KVG (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 24. Mai 2007, K 46/06, E. 3.3, und des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. März 2006, K 121/01). So ist die Höhe des
erhobenen Spitalbeitrags von Fr. 15.00 pro Tag in Anbetracht der Einsparungen bei
den Lebenshaltungskosten (Verpflegung) bei einem stationären Aufenthalt als
angemessen einzustufen. Mit den in Art. 104 Abs. 2 KVV festgelegten Ausnahmen von
der Spitalbeitragserhebung, wird der Vorgabe in Art. 64 Abs. 5 KVG, dass der
finanziellen Belastung der Familie Rechnung zu tragen sei, ausreichend
nachgekommen (vgl. dazu auch die nachfolgende Erwägung 3.4). Art. 104 KVV ist
folglich rechtmässig. Soweit mit der Beschwerde die Unrechtmässigkeit von Art. 104
KVV geltend gemacht wird (vgl. act. G 1-4 Ziff. 1.3), ist sie unbegründet.
2.2.
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Im Folgenden ist durch Auslegung zu ermitteln, ob der stationäre Aufenthalt in einer
Rehaklinik als "Aufenthalt in einem Spital" im Sinne von Art. 64 Abs. 5 KVG und
Art. 104 Abs. 1 KVV zu qualifizieren ist.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Ausgangspunkt jeder
Auslegung der Wortlaut der Bestimmung. Ist der Text nicht ganz klar und sind
verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht
werden unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente. Abzustellen ist dabei
namentlich auf die Entstehungsgeschichte der Norm und ihren Zweck, auf die dem
Text zu Grunde liegenden Wertungen sowie auf die Bedeutung, die der Norm im
Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht
unmittelbar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu
erkennen. Namentlich bei neueren Texten kommt den Materialien – bei noch kaum
veränderten Umständen oder gewandeltem Rechtsverständnis – eine besondere
Stellung zu. Das Bundesgericht hat sich bei der Auslegung von Erlassen stets von
einem Methodenpluralismus leiten lassen und nur dann allein auf das grammatische
Element abgestellt, wenn sich daraus zweifelsfrei die sachlich richtige Lösung ergab
(BGE 136 V 216 E. 5.1 mit Hinweisen).
3.1.
Ausgangspunkt der Auslegung ist somit der Wortlaut von Art. 64 Abs. 1 KVG und
Art. 104 KVV und dabei insbesondere die Bedeutung des Begriffs "Spital" bzw.
"Aufenthalt im Spital". Bei einem Spital handelt es sich gemäss dem Duden um ein
Gebäude, in dem sich Kranke (über längere Zeit) zur Untersuchung und Behandlung
aufhalten. Als Synonyme werden insbesondere genannt das Hospital, die Klinik und
das Krankenhaus (vgl. www.duden.de/rechtschreibung/Spital, zuletzt abgerufen am
29. September 2022). Eine Klinik ist eine öffentliche oder private Einrichtung des
Gesundheitswesens zur stationären oder ambulanten Behandlung und pflegerischen
Betreuung von kranken, verletzten oder schwangeren Patienten (auch spezialisiert auf
einzelne medizinische Bereiche; vgl. www.dwds.de/wb/Klinik, zuletzt abgerufen am 29.
September 2022; vgl. auch die weiteren von der Beschwerdegegnerin angeführten
Begriffserläuterungen, act. G 3.1-3). Es ist der Beschwerdegegnerin daher insofern
zuzustimmen, dass eine Klinik auch ein Spital sein kann bzw. der Begriff Spital nach
Art. 64 Abs. 5 KVG und Art. 104 Abs. 1 KVV nicht voraussetzt, dass im Namen der
Institution/Anstalt das Wort Spital erscheint (wie bei einem Kantonsspital oder einem
Universitätsspital). Folglich kann auch eine Institution/Anstalt, die im Namen den Begriff
Klinik verwendet, ein Spital in krankenversicherungsrechtlicher Hinsicht sein. Ebenso
kann aus dem Wortlaut der beiden Bestimmungen nicht geschlossen werden, dass nur
Akutspitäler in deren Anwendungsbereich fallen, was der französische Wortlaut von
3.2.
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Art. 64 Abs. 5 KVG (der ganz allgemein von "en cas d'hospitalisation" spricht) ebenfalls
nahelegt.
Wie in Erwägung 3.1 hiervor ausgeführt, ist bei der Auslegung auch die Bedeutung,
die der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt, zu würdigen.
3.3.
Im 2. Titel des KVG wird die OKP geregelt. Dabei werden im 3. Kapitel die
Leistungen (Art. 24 bis Art. 34 KVG), im 4. Kapitel die Leistungserbringer (Art. 35 bis
Art. 59a KVG) und im 5. Kapitel die Finanzierung (Art. 61 bis Art. 66a KVG)
schwerpunktmässig geregelt. Diese Gliederung der Normen hat zur Folge, dass bei der
Beurteilung/Würdigung von Lebenssachverhalten die Normen regelmässig nicht isoliert
– so wie dies die Beschwerdeführerin sieht (vgl. bspw. act. G 1-4 Ziff. 2.12) – betrachtet
werden können, sondern im Zusammenhang mit den weiteren Normen (auch
kapitelübergreifend) gewürdigt und ausgelegt werden müssen. Dabei ist vorliegend
beachtlich, dass kein Grund ersichtlich ist, weshalb im Bereich der OPK
unterschiedliche Spitalbegriffe verwendet werden sollten.
3.3.1.
Die Kosten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit
und ihrer Folgen dienen, werden von der OKP übernommen (vgl. 3. Kapitel Leistungen,
Art. 25 Abs. 1 KVG). Zu den Leistungen gehört gemäss Abs. 2 lit. e der Aufenthalt im
Spital entsprechend dem Standard der allgemeinen Abteilung. Diese Norm beinhaltet
die Unterkunfts- und Verpflegungsleistungen in einem Spital; die Untersuchungs-/
Behandlungsleistungen sind dagegen Inhalt von Art. 25 Abs. 1 lit. a KVG (vgl. Gebhard
Eugster, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG, in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile
Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
2. Auflage 2018, Rz. 63 zu Art. 25).
3.3.2.
Im 4. Kapitel werden in Art. 35 Abs. 1 KVG die Leistungserbringer, welche zur
Tätigkeit der OKP zugelassen sind, aufgelistet. Rehakliniken werden im Gegensatz zu
Spitälern, Geburtshäusern und Pflegeheimen nicht genannt. In systematischer Hinsicht
ist der Begriff des Spitals in erster Linie im Kontext von Art. 39 Abs. 1 KVG zu
verstehen. In Art. 39 KVG "Spitäler und andere Einrichtungen" wird in Abs. 1
ausgeführt: "Anstalten oder deren Abteilungen, die der stationären Behandlung akuter
Krankheiten oder der stationären Durchführung von Massnahmen der medizinischen
Rehabilitation dienen (Spitäler), sind zugelassen, wenn [...]". Daraus ist zu folgern, dass
der Begriff "Spital" in krankenversicherungsrechtlicher Hinsicht leistungsmässig
definiert wird, d.h. nicht die Benennung eines Leistungserbringers als Spital ist
ausschlaggebend, sondern die von einer Institution/Anstalt angebotenen medizinischen
Leistungen. Folglich sind Kliniken die der stationären Durchführung von Massnahmen
3.3.3.
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der medizinischen Rehabilitation dienen und die weiteren Voraussetzungen nach
Art. 39 Abs. 1 lit. a bis f KVG erfüllen, als Spitäler im Sinne von Art. 35 Abs. 1 lit. h KVG
einzustufen (vgl. Eugster, Rechtsprechung, Rz. 1 f. zu Art. 39). Dagegen gelten
Institutionen/Anstalten, die der Pflege und medizinischen Betreuung sowie der
Rehabilitation von Langzeitpatienten und -patientinnen dienen sowie sinngemäss die
Vorgaben nach Art. 39 Abs. 1 lit. a bis f KVG erfüllen, in
krankenversicherungsrechtlicher Hinsicht als Pflegeheime (vgl. Art. 39 Abs. 3 KVG; vgl.
Eugster, a.a.O., Rz. 1 und 50 ff. zu Art. 39).
Auch die Auslegung der Norm nach ihrer Entstehungsgeschichte und ihrem Zweck
sowie nach den dem Text zu Grunde liegenden Wertungen führen zu keinem anderen
Ergebnis.
3.4.
Der Gesetzgeber nimmt bei der Finanzierung der Leistungen der OKP die
Versicherten in die Pflicht. Dies einerseits durch die Erhebung von Prämien (Art. 61 ff.
KVG), die unabhängig von der Beanspruchung von Leistungen erhoben werden, und
andererseits durch die Beteiligung der Versicherten an den Kosten, der für sie
erbrachten Leistungen (Art. 64 ff. KVG). Die Kostenbeteiligung besteht aus einem
jährlich festgelegten Jahresbeitrag (Franchise) und 10 % der die Franchise
übersteigende Kosten (Selbstbehalt, wobei dieser durch einen jährlichen Höchstbetrag
begrenzt ist). Aus sozialpolitischen Gründen gibt es Ausnahmen bzw. spezielle
Regelungen betreffend die Kostenbeteiligungen wie für Kinder oder bei Mutterschaft
(vgl. Eugster, a.a.O., Rz. 1 ff. zu Art. 64). Aus der Botschaft zum KVG (BBI 1992 I 93 ff.)
ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass Rehakliniken im Bereich der Kostenbeteiligung
anders behandelt werden sollten als Akutspitäler.
3.4.1.
Die vorliegend zu beurteilende Regelung der Beteiligung der Versicherten an den
Kosten des Aufenthalts in einem Spital mit Fr. 15.00 pro Tag und den Ausnahmen wie
für Kinder, junge Erwachsene in Ausbildung oder Mutterschaft (vgl. Art. 64 Abs. 5 KVG
i.V.m. Art. 104 KVV) fügt sich in dieses Konzept der Beteiligung der Versicherten an den
durch sie verursachten Kosten ein. Die Spitalbeitragserhebung wird vom Bundesrat
damit begründet, dass die OKP bei einem Spitalaufenthalt nicht nur die
Behandlungskosten, sondern auch die Verpflegungskosten übernimmt, wodurch die
versicherte Person während ihres Spitalaufenthaltes die Kosten, die sie sonst für ihre
Verpflegung aufwendet, spart (vgl. Kommentar des Bundesamtes für Gesundheit [BAG]
zur Änderung der KVV und der KLV per 1. Januar 2022, Mai 2021, S. 12, abrufbar
unter: www.bag.admin.ch/dam/
bag/de/dokumente/kuv-leistungen/Laufende%20Revisionsprojekte/zulassung-
3.4.2.
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podologen-als-leistungserbringer/erlaeuterungen-kvv-klv-podologen-podologinnen-
spitalkostenbeitrag.pdf.download.pdf/
Erlaeuterungen_KVV_KLV_Podologen_Podologinnen_Spitalkostenbeitrag_DE.pdf,
zuletzt abgerufen am 25. Oktober 2022; Urteil des Bundesgerichts vom 24. Mai 2007, K
46/06, E. 3.3). Dabei verweist der Bundesrat auf die Verpflegungsansätze gemäss
Art. 11 Abs. 2 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV;
SR 831.101; Frühstück Fr. 3.50; Mittagessen Fr. 10.00; Abendessen Fr. 8.00;
insgesamt Fr. 21.50 pro Tag). Dass für den Spitalkostenbeitrag kein Höchstbetrag pro
Jahr vorgesehen sei, erachtet der Bundesrat als sachgerecht, da der
Spitalkostenbeitrag die Einsparungen der Verpflegungskosten abgelte und die
versicherte Person diese unabhängig von der Länge ihres Spitalaufenthaltes täglich
erziele (vgl. Stellungnahme des Bundesrates vom 4. März 2011 zur von Nationalrätin
Bea Heim eingereichten Motion 10.4124 "Sparen auf Kosten der Kranken", abrufbar
unter: www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?
AffairId=20104124, zuletzt abgerufen am 29. September 2022; vgl. auch Eugster,
a.a.O., Rz. 4 zu Art. 64).
Der vom Gesetz- und Verordnungsgeber mit der Spitalbeitragserhebung
angestrebte Zweck war folglich, dass sich die Versicherten bei stationären
Aufenthalten, bei welchen nebst den Behandlungskosten auch die Aufenthalts-/
Verpflegungskosten zulasten der OKP gehen, im Rahmen der erzielten Einsparungen
bei den Lebenshaltungskosten (Verpflegungskosten) an den Kosten stationärer
Aufenthalte beteiligen. Diese Einsparungen fallen bei einem stationären Aufenthalt in
einer Rehaklinik gleichermassen an wie einem solchen in einem Akutspital. Der Sinn
und Zweck des Spitalkostenbeitrags steht einer unterschiedlichen Behandlung von
Rehakliniken und Akutspitälern entgegen. Mit "Beitrag an die Kosten des Aufenthalts
im Spital" dürfte der Gesetzgeber daher sämtliche stationären Aufenthalte gemeint
haben, bei welchen die Verpflegungskosten zu Lasten der OKP gehen. Da die
Rehakliniken unter den gegebenen Voraussetzungen Leistungen als Spitalunternehmen
zu Lasten der OKP abrechnen können (vgl. Erwägung 3.3 hiervor), gab es für den
Gesetzgeber keine Veranlassung, in den Art. 64 Abs. 5 KVG und Art. 104 KVV die
Rehakliniken explizit zu erwähnen.
3.4.3.
3.5.
Wie zuvor dargelegt (vgl. Erwägungen 3.2 f.), bestimmt insbesondere das
medizinische Leistungsangebot für kranke, verletzte oder schwangere Patienten, ob es
sich um bei einer Institution/Anstalt um ein Spital im Sinne von Art. 64 Abs. 5 KVG und
3.5.1.
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Art. 104 Abs. 1 KVV handelt. Dieses bestimmt, ob eine Rehaklinik ein Spital in
krankenversicherungsrechtlicher Hinsicht ist. Die Rehaklinik C._ ist in der "Spitalliste
Rehabilitation für den Kanton St.Gallen" mit einem Leistungsauftrag in der
neurologischen Rehabilitation aufgeführt (vgl. www.sg.ch/gesundheit-soziales/
gesundheit/gesundheitsversorgung—spitaeler-spitex/spitalplanung-spitalliste/
_jcr_content/Par/sgch_accordion_list/AccordionListPar/sgch_accordion_1480912368/
AccordionPar/sgch_downloadlist/DownloadListPar/sgch_download.ocFile/Spitalliste
%20Rehabilitation%20Stand%209.3.2021.pdf; zuletzt abgerufen am 29. September
2022). Folglich erfüllt die Rehaklinik C._ mit ihrem Leistungsangebot in der
neurologischen Rehabilitation die bundesrechtlichen Vorgaben eines Spitals und kann
somit als Spitalunternehmen zu Lasten der OKP abrechnen (vgl. www.sg.ch/
gesundheit-soziales/gesundheit/gesundheitsversorgung--spitaeler-spitex/
spitalplanung-spitalliste.html; zuletzt abgerufen am 29. September 2022; vgl. Eugster,
a.a.O., Rz. 14 ff. zu Art. 39). Der Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Rehaklinik
C._ war – wie sich aus dem Bericht "Einweisung zur klinisch stationären
Behandlung" des KSSG vom 28. Juli 2021 ergibt – neurologisch indiziert. So
diagnostizierten die Ärzte des KSSG einen Verdacht auf eine strukturelle Epilepsie (ED
25. Juli 2017) sowie Begleiterkrankungen und erachteten deswegen eine stationäre
medizinische Nachbetreuung als erforderlich (act. G 3.6 f.; vgl. auch die Arztberichte
der Rehaklinik C._ vom 19. August [act. G 3.8], vom 10. September [act. G 3.11] und
vom 24. September 2021 [act. G 3.12]). Die Rehaklinik C._ verrechnete der
Beschwerdegegnerin für den Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Rehaklinik vom
6. August bis 4. Oktober 2021 die pauschalen Tagestaxen KVG (vgl. act. G 3.9, G 3.13,
G 3.15). Bei den zu Gunsten der Beschwerdeführerin erbrachten Leistungen handelte
es sich folglich um Pflichtleistungen der OKP, beinhaltend sowohl Behandlungs- als
auch Unterkunfts- und Verpflegungsleistungen. Folglich erbrachte die Rehaklinik C._
diese Leistungen in versicherungsrechtlicher Hinsicht als Spital nach Art. 35 Abs. 2
lit. h i.V.m. Art. 39 Abs. 1 KVG. Daher kann der Ansicht der Beschwerdeführerin, dass
die Rehaklinik C._ kein Spital sei, nicht gefolgt werden.
Da die Beschwerdegegnerin, als OKP-Versicherer der Beschwerdeführerin (vgl.
act. G 3.2), die ihr von der Rehaklinik C._ in Rechnung gestellten Tagespauschalen
KVG (vgl. act. G 3.9, G 3.13, G 3.15) zu vergüten hatte, war sie folglich berechtigt, von
der Beschwerdeführerin den Spitalbeitrag von Fr. 15.00 pro Tag gemäss Art. 64 Abs. 5
KVG i.V.m. Art. 104 Abs. 1 KVV zu erheben, liegt doch keine der in Art. 104 Abs. 2 KVV
genannten Ausnahmen von der Spitalbeitragserhebung vor. Die von der
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin für den 60tägigen Aufenthalt in der
3.5.2.
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4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der beschwerdeführerischen Argumentation,
weshalb es sich beim stationären Aufenthalt in der Rehaklinik C._ in
versicherungsrechtlicher Hinsicht nicht um einen Aufenthalt in einem Spital handeln soll
(vgl. act. G 1-4 ff.), nicht gefolgt werden kann. Die erhobenen Spitalbeiträge für den
Rehaklinikaufenthalt vom 6. August bis 4. Oktober 2021 in der Höhe von insgesamt
Fr. 885.00 wurden zu Recht von der Beschwerdegegnerin erhoben und sind von der
Beschwerdeführerin geschuldet.
5.