Decision ID: 72fd3750-02bd-5aae-adf6-898eae4a2e92
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 23. Januar/6. Februar 2015 (Eingangsstempel
Krankenkasse: 27. Januar 2015) wegen einer seit 2012 bestehenden gesundheitlichen
Beeinträchtigung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Nach
zweijähriger Behandlung sei am 9. September 2014 eine Operation an der rechten
Schulter erfolgt. - In einem IV-Arztbericht vom 19. Februar 2015 (IV-act. 10) gab
Dr. med. B._, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, an,
es liege beim Versicherten eine progrediente Supraspinatussehnenläsion bei St. n.
subacromialer Dekompression mit Dekompression des AC-Gelenks rechte Schulter
09/14 vor. Vom 14. bis 18. August 2014 sei er zu 50 % und anschliessend bis
9. November 2014 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Seither dauere eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % fort. In einer angepassten Tätigkeit unter Ausschluss
schwerer Schulterbelastungen wäre eine volle Arbeitsfähigkeit möglich. Es sei infolge
Progredienz der Rotatorenmanschettenläsion eine weitere operative Intervention
vorgesehen. - In der Arbeitgeberbescheinigung vom 24. Februar 2015 (IV-act. 11)
wurde erklärt, der Versicherte sei seit April 2007 als _arbeiter angestellt und verdiene
seit 2015 jährlich Fr. 62'887.50. Ohne Gesundheitsschaden würde er Fr. 69'875.--
verdienen. - Dr. B._ gab am 29. Juni 2015 (IV-act. 17) an, der Versicherte sei in der
angestammten Tätigkeit weiterhin (somit wie seit 17. März 2015, vgl. IV-act. 16-7) voll
arbeitsunfähig; es sei ein Wechsel in eine schulterangepasste Arbeit nötig. Der Arzt
erwähnte einen St. n. Hemilobektomie der Lunge mit kardiovaskulärer Einschränkung
der Leistungsfähigkeit. - Am 31. August 2015 (IV-act. 22) berichtete Dr. B._, in einer
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit EFL zuhanden der Krankenversicherung
A.a.
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sei die volle Arbeitsunfähigkeit des Versicherten im bisherigen Beruf bestätigt worden.
In einer angepassten Tätigkeit wäre eine Beschäftigung möglich, aber sehr
unrealistisch, denn neben der muskuloskelettalen Problematik an Schulter und HWS
bestünden auch Beschwerden von Seiten der kardio-pulmonalen Leistungsfähigkeit. -
Im Bericht über die EFL vom 17. August 2015 (Fremd-act. 5-82 ff.) war für leichte Arbeit
(Heben von auch nur geringen Gewichten über Kopf nur sehr selten, hauptsächliche
manuelle Tätigkeit auf Arbeitsflächenhöhe) eine ganztägige Arbeitsfähigkeit angegeben
worden. Zur Prüfung der kardialen Belastbarkeit für die Testung sei ein kurzes EKG
durchgeführt worden, das keine diesbezügliche Limite ergeben habe. - Am 30. Oktober
2015 (IV-act. 35) gab Dr. B._ bekannt, bei veranlassten Untersuchungen hätten
folgende Diagnosen (verkürzt wiedergegeben) gesichert werden können: eine KHK mit
Angina pectoris, eine arterielle Hypertonie, eine PAVK II A beidseits mit Claudicatio-
Symptomatik, ein St. n. zweimaliger Schulterarthroskopie mit Defektheilung nach RM-
Läsion und Bicepstenodese rechts [03/15, IV-act. 16-6], eine Spondylose mit
Spondylarthrose und rezidivierender Cervicobrachialgie, ein St. n. Hemilobektomie der
Lunge links nach _verletzung, eine Neuritis des Plexus brachialis rechts und eine
endogene Depression. - Dr. med. C._, Facharzt für Kardiologie, hatte am 22. Oktober
2015 (IV-act. 36) die koronare Herzkrankheit bestätigt und angegeben, das Belastungs-
EKG sei unauffällig gewesen. - Die Interdisziplinären medizinischen Dienste, Zentrum
D._ am Kantonsspital St. Gallen hatten am 12. Oktober 2015 (IV-act. 38) berichtet,
eine Rückkehr in den bisher ausgeübten, körperlich sehr fordernden Beruf scheine
langfristig eher unwahrscheinlich; es sei dem Patienten zu einer
Umschulungsmassnahme geraten worden.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 11.
November 2015 (IV-act. 41) fest, vorläufig bleibe es bei seiner Beurteilung einer vollen
Arbeitsfähigkeit des Versicherten für adaptierte Tätigkeiten (wie IV-act. 24 und 27-3).
A.b.
Gemäss Bericht der Klinik E._ vom 9. Dezember 2015 (IV-act. 52) war tags zuvor
eine Desobliteration von pelvinen arteriellen Stenosen (der A. iliaca communis links und
iliacal extern rechts) vorgenommen worden. - Der RAD hielt am 22. Dezember 2015 (IV-
act. 54) fest, rein somatisch betrachtet sei der Versicherte mit (qualitativen)
Einschränkungen voll arbeitsfähig. Die Teilentfernung der Lunge habe keinen
relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Abzuklären sei noch, ob eine relevante
A.c.
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psychische Erkrankung vorliege. - Am 1. Februar 2016 (IV-act. 60) teilte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten mit,
berufliche Eingliederungsmassnahmen seien zurzeit nicht möglich, da er sich nicht in
der Lage fühle, daran teilzunehmen.
Med. pract. F._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am
12. Februar 2016 (IV-act. 61) vom Vorliegen u.a. einer mittelschweren bis schweren
depressiven Episode bei endogener Depression und Verdacht auf COPD. - Med. pract.
G._, Facharzt für Lungenkrankheiten FMH, wies den Versicherten mit Schreiben vom
30. März 2016 (IV-act. 73) ans Kantonsspital St. Gallen. Beim polymorbiden, weiterhin
arbeitsunfähigen _bauer habe bronchoskopisch ein exophytisch wachsender Tumor
im Bereich des Unterlappenbronchus links imponiert. Die Klinik L._ am Kantonsspital
St. Gallen (Dr. med. H._, Facharzt FMH für Thoraxchirurgie) berichtete am 9. Mai
2016 (IV-act. 84), es sei beim Versicherten zwölf Tage zuvor [26. April 2016] mit einer
Restpneumonektomie ein Bronchuskarzinom des linken Unterlappens reseziert
worden. Auf der rechten Seite bestehe ein vesikuläres Atemgeräusch. Es lägen
ausserdem u.a. eine chronisch obstruktive Pneumopathie GOLD 2 A und eine
periphere arterielle Verschlusskrankheit beidseits Stadium II nach Fontaine vor.
A.d.
Am 8. Juni 2016 (IV-act. 88) hielt der RAD dafür, die bisherige Einschätzung,
wonach der Versicherte in einer leidensadaptierten Tätigkeit arbeitsfähig sei, könne
nicht aufrechterhalten werden. Vielmehr bestehe eine durchgehende vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Der Gesundheitszustand sei instabil und ein
Eingliederungspotenzial gebe es nicht. Es sei eine sehr schwerwiegende Erkrankung
festgestellt worden.
A.e.
In einem Arztbericht vom 20. Juni 2016 (IV-act. 94) erklärte Dr. med. I._, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, es lägen beim Versicherten (nebst
somatischen Diagnosen) eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome, ein Abhängigkeitssyndrom, Alkohol-/Substanzgebrauch seit 40 Jahren, ein
Z. n. Suizidversuch 19_ und ängstlich-abhängige Persönlichkeitszüge vor. Der
Versicherte habe die Stelle verloren. Das depressive Zustandsbild sei seit Dezember
2015 schwer gewesen. Die plötzliche lebensbedrohliche Krankheit und die
Ungewissheit über die Zukunft habe dann noch eine Verschlechterung gebracht. Er
A.f.
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behandle den Versicherten seit Februar 2016. Seit März 2015 sei er in der bisherigen
Tätigkeit voll arbeitsunfähig. Psychiatrisch bestehe ein vermindertes
Konzentrationsvermögen, ein stark vermindertes Selbstvertrauen, eine ausgeprägte
Instabilität des Selbstbildes und der Selbstwahrnehmung und eine stark verminderte
Belastbarkeit und stark verminderte Anpassungsfähigkeit. In welchem Ausmass eine
behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei, könne zurzeit nicht beantwortet
werden. Eine berufliche Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt sei jedoch angesichts seit
September 2015 ausgebliebener beruflicher Tätigkeit, deutlicher körperlicher
Verschlechterung und wechselhaft stabilen und instabilen psychischen Zustandsbilds
nicht mehr zumutbar. - Med. pract. G._ hatte der Krankenversicherung gegenüber
am 31. Mai 2016 (IV-act. 97) erklärt, der Versicherte habe sich bei den drei
Konsultationen in einem deutlich reduzierten Allgemeinzustand präsentiert. Er scheine
ihm generell nicht arbeitsfähig zu sein. Angesichts der potenziell lebensbedrohlichen
Lungenkrebserkrankung und der damit instabilen Krankheitssituation sei eine Angabe
zur künftigen Arbeitsfähigkeit nicht möglich. Sollte sich der pulmonale Zustand
stabilisieren oder verbessern, wären aus rein pneumologischer Sicht sitzende
Tätigkeiten möglicherweise zumutbar. Es liege aber eine eindrückliche Multimorbidität
vor und die Arbeitsfähigkeit könne nur integral beurteilt werden.
Der RAD hielt am 12. August 2016 (IV-act. 102) fest, allein schon aufgrund der
psychischen, aber auch der somatischen Situation sei eine durchgehende volle
Arbeitsunfähigkeit anzunehmen; der Gesundheitszustand sei instabil.
A.g.
Die Klinik J._ des Departements Innere Medizin am Kantonsspital St. Gallen
hatte in einem Bericht vom 19. April 2016 (IV-act. 113-19) über eine Sigmoidoskopie
berichtet. - Die Klinik K._ am Kantonsspital St. Gallen fand gemäss Bericht vom
1. September 2016 (IV-act. 113-15,-17) bei einem MRI des Herzens keinen Hinweis auf
eine klinisch signifikante koronare Herzkrankheit, jedoch u.a. eine gestörte diastolische
Relaxation lateral und inferolateral von basal bis apikal, konsekutiv kleine LV-Volumina
und ein reduziertes Schlagvolumen bei geringgradig eingeschränkter LVEF von 53 %,
ausserdem eine nicht quantifizierte Trikuspidalklappeninsuffizienz und eine moderat
reduzierte Pumpfunktion des rechten Ventrikels (RVEF 33 %). - Dr. I._ beschrieb am
5. Oktober 2016 (IV-act. 117) den Verlauf (psychopathologisch habe es kleine negative
Veränderungen gegeben). - Die Klinik L._ am Kantonsspital St. Gallen berichtete am
A.h.
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17. Oktober 2016 (Eingang), die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei aufgrund der
chronischen neuropathischen intercostalen Schmerzen nach Rethorakotomie
eingeschränkt. - Die Klinik M._ des Departements Innere Medizin am Kantonsspital
St. Gallen gab am 9. März 2017 (IV-act. 142) aufgrund einer Ergospirometrie an, im
Vergleich zu April 2016 vor der Restpneumektomie mit guter körperlicher
Leistungsfähigkeit habe sich nun eine leicht eingeschränkte körperliche
Leistungsfähigkeit (100 Watt, 71 % Soll) bei leicht reduzierter
Sauerstoffaufnahmekapazität (VO2max 16.9 ml/min/kg, 62 % Soll) gezeigt. Der
Versicherte sei pulmonal limitiert im Rahmen der bekannten COPD und Pneumektomie
links bei vollständigem Aufbrauchen der Atemreserve, aber ohne relevante
Desaturation unter Belastung. Lungenfunktionell sei im Vergleich zu April 2016 eine
Abnahme des FEV1 um 240ml/8 % ersichtlich. - Die Klinik L._ gab am 25. April 2017
(IV-act. 144-57 ff.) bekannt, der Versicherte leide einerseits unter einem ausgeprägten
Post-Thorakotomie-Syndrom links, das medikamentös mässig befriedigend eingestellt
sei, und anderseits bestehe der Verdacht auf eine Tumorprogression im Mittellappen
rechts, wobei das auch entzündliche Herde sein könnten.
In einem Gutachten vom 14. August 2017 (IV-act. 144) gab das Ärztliche
Begutachtungsinstitut ABI als beim Versicherten vorliegende, die Arbeitsfähigkeit
einschränkende Diagnosen (verkürzt wiedergegeben) bekannt: (erstens) ein
Plattenepithelkarzinom des Unterlappens links, (zweitens) eine chronische obstruktive
Lungenkrankheit Stadium GOLD II/A, (drittens) eine hypertensive und koronare
Herzkrankheit, (viertens) ein Funktions- und Belastungsdefizit rechte Schulter und
(fünftens) eine mittelgradige depressive Episode, bestehend seit 02/2016. Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien u.a. ein chronisches zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom, eine PAVK Stadium I beidseits, ängstlich-abhängige
Persönlichkeitszüge und psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom. In der angestammten Tätigkeit als _arbeiter und jeder
anderen körperlich mittelschweren oder schwer belastenden Arbeit sei der Versicherte
arbeitsunfähig, und zwar seit September 2014. Für körperlich leichte, adaptierte
Tätigkeiten bestehe eine medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit von maximal
50 %. Das Pensum könnte über vier bis sechs Stunden hinweg umgesetzt werden, je
nach Möglichkeit, bei der Arbeit Pausen einzulegen oder stundenweise zu arbeiten. Die
A.i.
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behandelnde Hausärztin med. pract. F._ habe dem Versicherten am 10. Oktober
2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert, was aufgrund der Gesamtsituation aus
gutachterlicher Sicht durchaus nachvollzogen werden könne. Es sei nur schwierig
möglich, die Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten in der Vergangenheit
retrospektiv gesehen mit Sicherheit zu beurteilen. Deshalb gelte diese Einschätzung mit
Sicherheit ab dem Zeitpunkt der Begutachtung im Mai/Juni 2017. Im Vordergrund
stünden zurzeit medizinische Abklärungen des Verdachts auf eine Lungenmetastase.
Mit Mitteilung vom 15. September 2017 (IV-act. 148) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen berufliche Massnahmen
ab.
A.j.
Mit Vorbescheid vom 19. Dezember 2017 (IV-act. 168) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten die
Zusprache einer Dreiviertelsrente (bei einem Invaliditätsgrad von 64 %;
Valideneinkommen Fr. 69'875.--; Invalideneinkommen Fr. 24'920.--, ausgehend von
Fr. 66'453.--) ab 1. August 2015 in Aussicht. In einer körperlich leichten, vorwiegend im
Sitzen auszuübenden Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 %.
Wegen der stundenweisen Arbeitsausübung werde ein Teilzeitabzug von 10 % und
angesichts der früher körperlich schweren Tätigkeit ein Leidensabzug von 15 %
gemacht.
A.k.
Für den Versicherten wandte Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei am 1. Februar 2018
(IV-act. 170) ein, im ABI-Gutachten sei ausser Acht gelassen worden, dass dem
Versicherten nicht nur der untere linke Lungenflügel fehle, sondern auch der obere. Er
habe ausserdem Schlafprobleme wegen schmerzhafter Überempfindlichkeit der linken
Brusthälfte und Schulterleidens rechts. Die Ergospirometrie habe zudem zwar eine
ordentliche Leistungsfähigkeit gezeigt, doch müsse der Versicherte diese mit nur einer
Lunge bewältigen, wofür eine sehr hohe Atemarbeit nötig sei. Entsprechend komme er
ventilatorisch völlig ans Limit und überschreite sogar die errechnete Reserve. Wie dem
beigelegten Bericht von med. pract. N._, Facharzt Allgemeine Innere Medizin FMH,
vom 29. Januar 2018 (IV-act. 170-3 f.) zu entnehmen sei, würden der leitende Arzt der
M._ am Kantonsspital St. Gallen und sein beratender Kollege aus diesem Grund zum
Schluss gelangen, der Versicherte sei auch in adaptierter Tätigkeit voll arbeitsunfähig.
A.l.
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Falls diese Angaben nicht genügten, sei ein Gutachten einzuholen. - Die Klinik L._ am
Kantonsspital St. Gallen gab in einem Bericht vom 6. Februar 2018 (IV-act. 172) an, der
Versicherte leide unverändert an der schlechten Leistungsfähigkeit.
Überraschenderweise sei ihm eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert worden. Nun
habe er noch eine grössenprogrediente Kaverne im Oberlappen rechts unklarer
Dignität. - Med. pract. G._ schrieb am 29. August 2018 (IV-act. 198), er halte
angesichts der Lungenbefunde und der Begleiterkrankungen von Herz-Kreislauf-
System und Bewegungsapparat an seiner Einschätzung fest, dass eine
Wiedereingliederung des Versicherten sehr herausfordernd und wahrscheinlich nicht
realisierbar sei.
Auf Anfrage vom 13. August 2018 (IV-act. 190) gab das ABI am 29. August 2018
(IV-act. 206) bekannt, es sei bei voranschreitendem Leiden plausibel, dass die
Arbeitsfähigkeit ab Februar 2018 auch in adaptierten Tätigkeiten "über 70 %
aufgehoben" sei.
A.m.
Mit Verfügung vom 12. September 2018 (IV-act. 207, vgl. IV 2018/338 act. G 1.1.1;
IV-act. 203) sprach die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen
dem Versicherten einstweilen für die Zukunft ab 1. Oktober 2018 eine Dreiviertelsrente
zu. Im zweiten Teil der Verfügung (IV-act. 203) wurde erklärt, es bestehe ab 1. August
2015 ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Dieser sei zweifellos gesichert. Der
Anspruch auf eine höhere Rente werde noch abgeklärt.
A.n.
Der RAD befürwortete am 12. September 2018 (IV-act. 208), ab Februar 2018 von
voller Arbeitsunfähigkeit des Versicherten in jeder Tätigkeit auszugehen.
A.o.
Mit Vorbescheid vom 21. September 2018 (IV-act. 211) kündigte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle an, ab 1. August 2015 eine Dreiviertelsrente und
ab 1. Mai 2018 eine ganze Rente auszurichten.
A.p.
Mit Verfügung vom 10. Oktober 2018 (IV-act. 214) wurde der Rentenanspruch des
Versicherten für August 2015 bis September 2018 auf die Dreiviertelsrente festgesetzt.
A.q.
In einem Schreiben vom 11. Oktober 2018 an die Sozialversicherungsanstalt/ IV-
Stelle (IV-act. 223-8 ff.) beantragte der Rechtsvertreter des Versicherten für diesen eine
A.r.
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B.
Gegen die Verfügung vom 12. September 2018 (act. G 1.1.1) richtet sich die von
Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei für den Betroffenen am 11. Oktober 2018 erhobene
Beschwerde (IV 2018/338) mit dem Antrag, die Verfügung sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei ab 1. August 2015 eine ganze Rente zuzusprechen. Der
Beschwerdeführer sei seit 1. August 2014 voll erwerbsunfähig. Gemäss Vorbescheid
vom 21. September 2018 wolle die Beschwerdegegnerin aber erst ab 1. Mai 2018 eine
ganze Rente gewähren.
C.
Auf Anfrage vom 25. Oktober 2018 (IV-act. 220) gab das ABI am 21. November 2018
(IV-act. 228) an, das Gutachten sei im August 2017 gut dokumentiert gewesen. Es
habe im März 2017 eine Spiroergometrie vorgelegen, die eigentlich keine wesentliche
ganze Rente ab 1. August 2015. Im Alter von 19 Jahren sei ihm nach einer
_verletzung der obere Teil des linken Lungenflügels entnommen worden. Der Rest
habe nun wegen eines Krebsleidens entfernt werden müssen. Das habe zu einer
Verschärfung der grossen Atemprobleme geführt. Der Versicherte könne seither nicht
mehr weiter als 600 bis 700 m zu Fuss gehen und müsse ausserdem nach ein paar
Schritten immer wieder eine Pause einlegen. Gemäss dem Gutachten liege für
adaptierte Tätigkeiten medizinisch-theoretisch noch eine Arbeits- und
Leistungsfähigkeit von maximal 50 % vor. Die Gutachter würden also davon ausgehen,
dass die Einschränkungen wahrscheinlich höher lägen. Der Gutachter der Allgemeinen
Inneren Medizin habe festgehalten, aufgrund der Gesamtsituation könne das Attest
einer vollen Arbeitsunfähigkeit durch die Hausärztin durchaus nachvollzogen werden.
Rein allgemeininternistisch bestehe aber die erwähnte Restarbeitsfähigkeit. Aus
psychiatrischer Sicht werde eine Einschränkung von 20 % bescheinigt. Der Angiologe
habe darauf hingewiesen, dass der Versicherte in seiner Mobilität durch eine
ausgeprägte Dyspnoe stark beeinträchtigt sei. Auch der Pneumologe habe festgestellt,
der Versicherte komme seit der Lungenoperation nach wenigen Treppenstufen ausser
Atem bzw. er müsse in der Ebene langsamer gehen und nach 100 m eine Pause
machen. Es bestehe eine medizin-theoretische Ateminvalidität von 42 %. Die Ärzte,
welche den Versicherten behandelten oder behandelt hätten, würden die
Einschätzungen des Gutachtens nicht teilen.
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Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in sitzender Tätigkeit habe begründen können. Es
stehe dem RAD aber offen, die Situation anders einzuschätzen. - Der RAD schloss sich
dieser Auffassung am 3. Dezember 2018 (IV-act. 230) an.
D.
Gegen die Verfügung vom 10. Oktober 2018 richtet sich die von seinem
Rechtsvertreter für den Betroffenen am 12. November 2018 erhobene Beschwerde (IV
2018/380). Der Rechtsvertreter beantragt wiederum, diesem unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung ab 1. August 2015 eine ganze Rente zuzusprechen.
E.
Am 11. Dezember 2018 hat die Beschwerdegegnerin beide angefochtenen
Verfügungen widerrufen. Sie werde ihren Entscheid überprüfen, die notwendigen
Abklärungen treffen und die bisherige Rente erst nach einer neuen Verfügung wieder
ausrichten (IV 2018/338, act. G 4.1; IV 2018/380, act. G 3.1; IV-act. 232). Sie beantragt
am 14. Dezember 2018 die Abschreibung der Beschwerdeverfahren IV 2018/380
(act. G 3) und IV 2018/338 (act. G 4).
E.a.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt am 16. Januar 2019, nur
das Verfahren IV 2018/380 abzuschreiben, das Verfahren IV 2018/338 dagegen zu
sistieren. Dem Beschwerdeführer sei die Dreiviertelsrente bis auf weiteres auszuzahlen.
Zwischen den Parteien sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer ab 1. Mai 2018
Anspruch auf eine ganze Rente habe, wie es aus dem Vorbescheid vom 21. September
2018 hervorgehe. Strittig sei nur der Anspruch für die frühere Zeit. Für den Widerruf der
Verfügungen mit Einstellen der Zahlungen gebe es keinen Grund, da doch zumindest
der Anspruch auf die Dreiviertelsrente klar und ihre Ausrichtung sozusagen eine
Anzahlung an die später verfügte höhere Rente sei. Sollte die neue Verfügung bis
29. Januar 2019 ausbleiben, werde eine Beschwerde gegen den Widerruf erwogen.
E.b.
Die Beschwerdegegnerin hält am 5. Februar 2019 fest, bei Überprüfung der
Beschwerde sei festgestellt worden, dass der Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt
worden sei, wie es auch aus der Verfügung vom 12. September 2018 hervorgehe. Die
medizinischen Abklärungen seien inzwischen erfolgt und die neue Verfügung werde
bald erlassen werden. Die provisorische Rentenauszahlung sei gesetzwidrig gewesen
E.c.
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bzw. es sei fraglich, ob das gesetzeskonform gewesen sei. Da der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit der Beschwerde die Aufhebung der Verfügung vom
12. September 2018 beantragt habe, habe ihr (der Beschwerdegegnerin) der Widerruf
zugestanden. Der finanzielle Bedarf des Beschwerdeführers während des IV-Verfahrens
rechtfertige keine Inanspruchnahme der Invalidenversicherung. Das Verfahren IV
2018/338 sei abzuschreiben, damit ein neuer Vorbescheid bzw. eine neue Verfügung
erlassen werden könne.
Am 5. März 2019 hat die Beschwerdegegnerin einen weiteren Vorbescheid
erlassen, wonach dem Beschwerdeführer ab 1. August 2015 eine Dreiviertelsrente und
ab 1. Mai 2018 eine ganze Rente zustehe. - Dessen Rechtsvertreter hat am 10. April
2019 eingewandt, es sei widersprüchlich, die Beurteilung vollständiger
Arbeitsunfähigkeit durch die Hausärztin als gutachterlich durchaus nachvollziehbar zu
bezeichnen und dennoch eine Restarbeitsfähigkeit von maximal 50 % anzunehmen.
Ebenso verhalte es sich mit dem psychiatrischen Aspekt, wo die Beurteilung von
Dr. I._ einer depressiven Episode des Beschwerdeführers - der behandelnde
Psychiater selber habe im Juni 2016 eine schwere Depression seit Februar 2016 und
im Oktober 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % angenommen - bestätigt und
gleichzeitig eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % attestiert werde. Die Gutachterin der
Rheumatologie habe zudem nicht begründet, weshalb die
Arbeitsunfähigkeitsschätzung von Dr. B._ zu hoch sei. Die Feststellung, es habe
bereits bei leichten körperlichen Aktivitäten wie dem Be- und Entkleiden ausgeprägte
Luftnot bestanden, vertrage sich nicht mit der attestierten vollen Arbeitsfähigkeit. Die
Möglichkeit, stundenweise zu arbeiten, entfalle nur schon deshalb, weil der
Beschwerdeführer wegen der Atemnot zum Arbeitsplatz transportiert werden müsse.
Der Beschwerdeführer weise aufgrund der starken Beeinträchtigungen und des
fortgeschrittenen Alters keine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt mehr auf. Bei der bisherigen Arbeitgeberin mit zahlreichen verfügbaren
Stellenprofilen habe sich keine Umplatzierungsmöglichkeit gefunden.
E.d.
Der Beschwerdeführer lässt mit Eingabe vom 15. März 2019 an seinem Antrag
vom 16. Januar 2019 festhalten. Er sei mit der Zusprache lediglich einer
Dreiviertelsrente ab 1. August 2015 nicht einverstanden. Er werde im
E.e.
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F.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bestätigt mit Replik vom 30. August 2019,
dass die neue Verfügung seinem Antrag nicht in allen Teilen entspreche. Strittig bleibe
vielmehr der Rentenanspruch in der Zeit vom 1. August 2015 bis 30. April 2018. Das
ABI habe sich in der Antwort vom 21. November 2018 mit den in seiner Stellungnahme
vom 11. Oktober 2018 erwähnten abweichenden medizinischen Beurteilungen nicht
auseinandergesetzt. Auch die Antwort vom 29. Mai 2019 auf die Stellungnahme vom
20. Mai 2019 genüge nicht. Dass die Arbeitsunfähigkeit gemäss der Beurteilung des
ABI (sc. mit Schreiben vom 29. August 2018) nur wegen der Bestrahlung des
Karzinoms im rechten Lungenflügel des Beschwerdeführers von 50 % auf 100 %
zugenommen haben solle, überzeuge nicht. Wenn ein Lungeneingriff Konsequenzen für
die Arbeitsfähigkeit gehabt habe, dann jener vom April 2016 mit der Entfernung des
Vorbescheidverfahren erneut eine ganze Rente beantragen. Das Verfahren IV 2018/338
sei nicht abzuschreiben.
Das ABI hat am 29. Mai 2019 (IV-act. 257) auf ergänzend gestellte Fragen (vgl. IV-
act. 253) Antworten gegeben. Die Einwände des Rechtsvertreters vom 10. April 2019
könnten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachvollzogen werden. An
verschiedenen Stellen des Gutachtens seien qualitative Vorgaben für eine leichte
adaptierte Tätigkeit gemacht worden, unter anderem aufgrund des
Bewegungsapparats. Pneumologisch, allgemeininternistisch oder angiologisch
betrachtet habe es sich ebenfalls um eine leichte Tätigkeit zu handeln. Günstig sei eine
Arbeit, die mindestens teilweise im Sitzen ausgeübt werden könne. Es gebe auch
Arbeiten, die ohne weiteres stundenweise verrichtet werden könnten. Je nach Modell
könnten die Pausen um die Arbeitszeit herum gelegt werden oder müssten während
der Arbeitszeit eingelegt werden.
E.f.
Am 7. Juni 2019 (auch IV-act. 258) hat die Beschwerdegegnerin eine Verfügung
erlassen, mit welcher dem Beschwerdeführer ab 1. Mai 2018 eine ganze Rente
zugesprochen werde. Diese ersetze die Verfügung vom 12. September 2018. - Durch
Verfügung vom 10. Juli 2019 (auch IV-act. 269) hat die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. August 2015 bis 30. April 2018 eine
Dreiviertelsrente und ab 1. Mai 2018 eine ganze Rente zugesprochen. Die Verfügung
ersetze diejenige vom 10. Dezember (gemeint wohl: Oktober) 2018.
E.g.
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restlichen linken Lungenflügels. Danach sei das Atemvolumen nochmals empfindlich
eingeschränkt worden. Spätestens ab jenem Zeitpunkt sei der Beschwerdeführer voll
arbeitsunfähig gewesen. Im Gutachten sei denn auch festgehalten worden, er sei
bereits beim Auskleiden in Atemnot geraten. Auch beim Gehen im ebenen Gelände
habe der Beschwerdeführer schon nach wenigen Metern Gehdistanz eine Pause
einlegen müssen.
G.
In ihrer Duplik vom 25. September 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung des Antrags des Beschwerdeführers, eventualiter die Einholung eines
Gerichtsgutachtens. Weil eine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in adaptierten Tätigkeiten gemäss den Gutachtern nicht möglich
sei, hätten diese diesbezüglich keine Einschätzung vorgenommen bzw. hätten
festgehalten, dass die Arbeitsfähigkeit von 50 % mit Sicherheit ab dem Zeitpunkt der
Begutachtung bestehe. Da ausserdem gerichtsnotorisch sei, dass solche
retrospektiven medizinischen Einschätzungen sehr oft nicht möglich seien, liege
diesbezüglich Beweislosigkeit - und nicht ein Mangel des Gutachtens - vor. Die
Vorakten machten eine gewisse Einschränkung aber zumindest glaubhaft. Zu
berücksichtigen seien die Akten der Krankenversicherung, die eine Arbeitsfähigkeit von
100 % in adaptierter Tätigkeit festgestellt und die Taggeldleistungen (nach
Übergangsfrist auf 1. Januar 2016) eingestellt habe. Sie (die Beschwerdegegnerin)
habe aber eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % angenommen sowie einen Teilzeitabzug
von 10 % und einen Leidensabzug von 15 % gewährt.
H.
Mit Triplik vom 17. Oktober 2019 weist der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
unter Festhalten am Antrag auf diverse medizinische Einschätzungen zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hin, exemplarisch auf jene von med. pract.
G._ vom 30. März und vom 31. Mai 2016, des RAD vom 8. Juni und vom 12. August
2016 und von Dr. H._ vom 4. Juli 2016 und vom 14. Februar 2017. Unter diesen
Umständen anzunehmen, es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer bereits ab 1. August 2015 voll arbeitsunfähig
gewesen sei, gehe nicht an. - Die Beschwerdegegnerin hat von der Möglichkeit zur
Erstattung einer Quadruplik keinen Gebrauch gemacht.
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Erwägungen
1.
2.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2018 widerrief die Beschwerdegegnerin beide
angefochtenen Verfügungen pendente lite ersatzlos. - Der Versicherungsträger kann
eine Verfügung, gegen welche Beschwerde erhoben wurde, nach Art. 53 Abs. 3 ATSG
so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. -
Letzteres hatte die Beschwerdegegnerin damals noch nicht getan, so dass gegen das
Vorgehen unter diesem Aspekt nichts einzuwenden ist. Indessen handelte es sich bei
der widerrufenen Verfügung vom 12. September 2018 um eine leistungszusprechende
Verfügung. Mit dem Widerruf war somit für den Beschwerdeführer - jedenfalls
möglicherweise auch endgültig - eine Verschlechterung verbunden. Ein solcher
Widerruf pendente lite war daher nach älterer Praxis, welche durch das ATSG
weitergeführt wurde, als blosser Antrag an das Gericht (und nicht als Verfügung) zu
verstehen (vgl. dazu BGE 127 V 228 E. 2.b.bb). Eine pendente lite erlassene Verfügung
beendet den Streit nur insoweit, als damit den Begehren der Beschwerde führenden
Partei entsprochen wird (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7. Mai 2019, 9C_22/2019
E. 3.1; BGE 127 V 228 E. 2b/bb; vgl. zu Art. 61 lit. d ATSG bei Rückweisung BGE 137 V
Die Beschwerde IV 2018/338 richtet sich gegen die Verfügung vom 12. September
2018, mit welcher die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ab 1. August 2015
(Verfügungsteil 2, vgl. IV-act. 203-1) eine Dreiviertelsrente (als bereits gesicherten
Anspruch bzw. Anspruchsteil) zugesprochen und die Auszahlung der Rente für die
laufende Zeit ab Oktober 2018 angeordnet hat. Die Beschwerdegegnerin hat darauf
hingewiesen, dass die Verfügung für die zurückliegende Zeit später, nach Abklärung
allfälliger Verrechnungsansprüche, zugestellt werde (vgl. IV-act. 207-1).
1.1.
Die Beschwerde IV 2018/380 richtet sich gegen die Verfügung vom 10. Oktober
2018, mit welcher die Beschwerdegegnerin - wie angekündigt - die Ausrichtung der
bereits mit Verfügung vom 12. September 2018 zugesprochenen Dreiviertelsrente für
die vorangehende Zeit ab August 2015 veranlasste. Insoweit ist diese Verfügung vom
10. Oktober 2018 somit als blosse Vollzugsanordnung der Verfügung vom
12. September 2018 (Auszahlungsanordnung) zu betrachten und hat keinen darüber
hinausreichenden eigenständigen Verfügungsteil. Sie geht insoweit in der Verfügung
vom 12. September 2018 auf. Die Verfügung vom 10. Oktober 2018 ist damit zu
behandeln wie diejenige vom 12. September 2018.
1.2.
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314 E. 3.2.4). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat an seinen Anträgen
festgehalten.
3.
Im Weiteren hat die Beschwerdegegnerin pendente lite neue Verfügungen erlassen:
Durch Verfügung vom 10. Juli 2019 (auch IV-act. 269) hat sie für die Zeit vom 1. August
2015 bis 30. April 2018 einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und ab 1. Mai 2018
(wie am 21. September 2018 angekündigt) einen solchen auf eine ganze Rente
festgelegt. Dabei handelt es sich, da die Beschwerdeanträge des Beschwerdeführers
nicht erfüllt wurden, (nach dem Dargelegten nicht um ersetzende Verfügungen,
sondern) um die pendente lite ergangene Willenserklärung bzw. den Antrag der
Beschwerdegegnerin - im Sinn einer Beschwerdeantwort - zur Erledigung des
Verfahrens über den gesamten betroffenen Sachverhalt. Dabei sieht die Verfügung vom
10. Juli 2019 eine rückwirkende Zusprache der Rente mit einer Stufe (rückwirkende
Erhöhung) vor, mit welcher für die Zeit ab Mai 2018 einer gemäss ABI vorliegenden
Verschlechterung des Gesundheitszustands ab Februar 2018 Rechnung getragen
wurde. Betroffen ist der Streitgegenstand, da die Erhöhung in den Zeitraum vor Erlass
der angefochtenen Verfügungen reicht und weil strittig ein noch früherer Beginn des
Anspruchs auf die ganze Rente ist. Die Verfügung vom 7. Juni 2019 dagegen erfasste
vom gesamten Gegenstand einstweilen wieder lediglich einen Teil und ist wie die
Verfügung vom 10. Juli 2019 zu behandeln. - Der Beschwerdeführer beantragt
seinerseits eine ganze Rente auch bereits ab 1. August 2015.
4.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.1.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach
4.2.
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5.
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 ATSG.
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wurden
im Lauf des Verfahrens (im Mai und Juni 2017) polydisziplinär durch das ABI
begutachtet. - Dargelegt wird im Folgenden hauptsächlich der allein strittige
Gesichtspunkt der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer adaptierten
Tätigkeit (bei unstrittiger voller Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen schweren Arbeit). -
Fachärztlich allgemeininternistisch wurde im Gutachten vom 14. August 2017
festgehalten, rein unter diesem Aspekt könne in körperlich leichten, adaptierten
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % angenommen werden. Aufgrund
der Gesamtsituation lasse sich aus gutachterlicher Sicht die Beurteilung von med.
pract. F._ einer vollen Arbeitsunfähigkeit durchaus nachvollziehen. - Bei der
psychiatrischen Begutachtung wurde erklärt, in der bisherigen Tätigkeit bestehe
diesbezüglich eine Arbeitsunfähigkeit von 40 %, in einer angepassten handwerklichen
Tätigkeit ohne besondere Ansprüche an das Arbeitstempo liege die Einschränkung bei
20 %. Der Beschwerdeführer sei in der Tagesgestaltung weiterhin aktiv. Er habe sich
durch die psychiatrische Behandlung etwas aufgefangen, doch der
Metastasenverdacht habe zu einer erneuten depressiven Verstimmung geführt. - Die
Gutachterin der Rheumatologie erklärte, für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
ohne Arbeiten mit dem rechten Arm über der Horizontalen und ohne Belastungen für
den rechten dominanten Arm bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Auch in der
Vergangenheit habe abgesehen von einer vollen Arbeitsunfähigkeit für je drei Monate
nach den Schulteroperationen vom September 2014 und vom März 2015 keine
längerfristige relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hierfür vorgelegen. Nebst
dem Funktions- und Belastungsdefizit der rechten Schulter wurde ein chronisches
zervikospondylogenes Schmerzsyndrom rechts erwähnt. Eine beginnende Spondylose
C6/7 könne für die Beschwerdesituation mitverantwortlich sein. Auffällig seien eine
globale Kraftabschwächung des ganzen rechten Arms und eine schlechte
Durchblutung der Hände beidseits gewesen. Angemerkt wurde, dass eine ausgeprägte
Luftnot bereits bei leichten körperlichen Aktivitäten wie dem Be- und Entkleiden
bestanden habe. - Die Expertin der Angiologie gab ebenfalls an, beim Entkleiden sei
eine Anstrengungsdyspnoe aufgetreten. Zurzeit bestünden keine
Claudicatiobeschwerden, doch müsse der Beschwerdeführer bei Belastung aufgrund
der Dyspnoe stehen bleiben. Seit der Katheterintervention im Dezember 2015 bestehe
unter angiologischem Gesichtspunkt keine Arbeitsunfähigkeit. - In gutachterlich
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/23
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pneumologischer Hinsicht wurde festgehalten, die Lungenfunktion sei im Sinn einer
gemischt obstruktiv-restriktiven Ventilationsstörung mittelschwer eingeschränkt. Die
CO-Diffusionskapazität sei bei erhalten gebliebenem Gasaustausch in Ruhe absolut
mittelschwer eingeschränkt. Bezogen auf das verminderte Alveolarvolumen durch die
Pneumonektomie links liege sie aber im Normbereich. Medizinisch theoretisch bestehe
eine Ateminvalidität von 42 %. Zumutbar seien noch Arbeiten, die eine maximale
Sauerstoffaufnahme von 7 ml/min/kg erforderten, also vorwiegend im Sitzen zu
verrichtende Arbeiten ohne körperliche Belastung und ohne Verschiebung auf grössere
Distanzen oder Heben von Lasten. Der Beschwerdeführer werde zudem durch
anhaltende Postthorakotomieschmerzen links beeinträchtigt, die vor allem beim
Bücken und Liegen auf der linken Seite verstärkt würden. Die früheren
pneumologischen Einschätzungen seien korrekt.
Polydisziplinär wurde schliesslich festgehalten, die Einschränkung aus somatischer
und jene aus psychiatrischer Sicht würden sich ergänzen und seien nicht zu addieren;
es könnten die gleichen Zeitabschnitte für die Erholung genutzt werden. Das
Arbeitspensum könne über vier bis sechs Stunden umgesetzt werden, je nach der
Möglichkeit, bei der Arbeit Pausen einzulegen oder stundenweise zu arbeiten. Das
polydisziplinäre Begutachtungsergebnis wurde als medizinisch-theoretische
Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von maximal 50 % für körperlich leichte,
adaptierte Tätigkeiten umschrieben.
5.2.
Das Gutachten wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben. Es wurden in den
verschiedenen Disziplinen die anamnestischen Angaben und die geklagten
Beschwerden des Beschwerdeführers erfragt und je fachärztliche Untersuchungen
getätigt. Diesbezüglich erscheint die Begutachtung umfassend. Als polydisziplinärer
gutachterlicher Schlussfolgerung kommt dieser Beurteilung demnach ein hohes
Gewicht zu.
5.3.
Es kann aufgrund des Gutachtens nachvollzogen werden, dass der
Beschwerdeführer im Mai/Juni 2017 noch über eine gewisse medizinisch-theoretische
Restarbeitsfähigkeit verfügte. Sie wurde gutachterlich auf ein Maximum von 50 %
beziffert, womit zum Ausdruck gebracht wurde, dass es sich um die Angabe der
äussersten zumutbaren prozentualen Leistungsfähigkeit handelte. Aus dem Gutachten
geht denn auch hervor, dass in keiner der beteiligten Disziplinen eine höhere als die
angegebene Mindestarbeitsunfähigkeit von 50 % angegeben wurde. Dass keine
Addition der einzelnen Arbeitsunfähigkeitsannahmen vorzunehmen ist, erscheint zudem
ohne weiteres einleuchtend. - Indessen kann nicht ausser Acht bleiben, dass beim
Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten, wie sich aus dem oben (E. 5.1)
5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
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Dargelegten ergibt, viele verschiedene Einschränkungen zusammenfallen. Im
Gutachten sind in einzelnen Teilen Hinweise darauf zu finden, dass die eigene
Arbeitsfähigkeitsschätzung für sich allein nicht genügen könnte. So wies etwa die
Gutachterin der Rheumatologie auf die festgestellte ausgeprägte Luftnot beim An- und
Ausziehen hin (vgl. IV-act. 144-22). Auch die Gutachterin der Angiologie hielt für
erforderlich, eine entsprechende Feststellung über ihr Fachgebiet hinaus zu machen
(vgl. IV-act. 144-23). - Des Weiteren fällt auf, dass die Expertin der Rheumatologie
festhielt, die Schätzung Dr. B._s, es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit (und die
internistischen Erkrankungen würden eine muskuloskelettale Rehabilitation/
Rekompensation verunmöglichen), sei zu hoch. Sie selbst attestierte aus rein
rheumatologischer Sicht allerdings für optimal angepasste Tätigkeiten im Gegensatz
dazu die maximale Arbeitsfähigkeit von 100 %. Der Experte der Pneumologie zudem
bezeichnete die pneumologischen Vor-Einschätzungen - er befasste sich namentlich
mit Berichten von med. pract. G._ und der Klinik L._ am Kantonsspital St. Gallen
(vgl. IV-act. 144-24) - als korrekt (vgl. IV-act. 144-27). Es ist davon auszugehen, dass
das Arbeitsunfähigkeitsattest von med. pract. G._ damit unterstützt wurde.
Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang weiter, dass die Lungenfunktion gemäss
dem Gutachter als Folge der zweimaligen Lungenoperation (Oberlappenresektion 19_,
Restpneumonektomie links wegen Bronchuskarzinom im linken Unterlappen 2016) und
wegen einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit im Stadium II/A (wie absolut
betrachtet die CO-Diffusionskapazität) mittelschwer eingeschränkt sei. Die
diesbezüglichen, von med. pract. N._ indirekt wiedergegebenen Auffassungen zweier
sich beratender Pneumologen (volle Arbeitsunfähigkeit, weil relevant, dass die Leistung
mit nur einer Lunge zu erbringen ist, vgl. dazu IV-act. 170-3 f.) sind ausserdem nicht
von der Hand zu weisen. Auch unter allgemeininternistischen Aspekt wurde im
Gutachten wie erwähnt dargelegt, zwar betrage die rein diesbezügliche medizinisch-
theoretische Restarbeitsfähigkeit 50 %, doch sei gutachterlich durchaus
nachvollziehbar, dass aufgrund der Gesamtsituation eine volle Arbeitsunfähigkeit
attestiert worden sei (vgl. IV-act. 144-11 und -29). - Da das Gutachten demnach
Hinweise auf die Nachvollziehbarkeit der Atteste der behandelnden Ärzteschaft und auf
die Nachvollziehbarkeit einer vollen Arbeitsunfähigkeit, wenn eine Gesamtsicht
eingenommen wird, enthält, erstaunt das polydisziplinär gutachterliche Absehen von
einer Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit infolge des Zusammentreffens der
verschiedenen gutachterlich festgestellten Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit; es
kann nicht nachvollzogen werden. Es scheint vielmehr gerechtfertigt, eine erheblich
höhere Arbeitsunfähigkeit anzunehmen, zumindest aber, von einer Arbeitsfähigkeit
auszugehen, die das gutachterlich bezeichnete Maximum der angegebenen
Restarbeitsfähigkeit deutlich unterschreitet.
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6.
Was die zurückliegende Zeit betrifft, beantwortete das Gutachten die Frage der
Arbeitsfähigkeit für den Zeitpunkt ab den stattgehabten Untersuchungen vom Mai/Juni
2017. Im Übrigen sei eine mit Sicherheit erfolgende Beurteilung nur schwierig möglich.
- Nach der gesamten Aktenlage einschliesslich der oben erwähnten gutachterlichen
Beurteilungen (auch der Vorberichte) lässt sich jedoch mit einem Beweisgrad
überwiegender Wahrscheinlichkeit Folgendes festhalten:
5.5.
Nach den beiden Operationen vom September 2014 und vom März 2015 bestand
gemäss dem Gutachten volle Arbeitsunfähigkeit für drei Monate. Im Februar 2015
nahm Dr. B._ noch eine volle Arbeitsfähigkeit für adaptierte (d.h. nicht
schulterbelastende) Arbeit an. Bei einer EFL vom 17. August 2015, mit welcher die
funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers umfassend evaluiert wurde, war
für leichte, hauptsächlich manuelle Tätigkeit auf Arbeitsflächenhöhe ohne mehr als sehr
seltenes Heben von auch nur geringen Gewichten über Kopf eine ganztägige
Arbeitsfähigkeit festgestellt worden. Da auch Dr. B._ am 31. August 2015 eine
Beschäftigung als möglich (wenn auch unrealistisch) bezeichnete und die
Interdisziplinären medizinischen Dienste, Klinik D._, am Kantonsspital St. Gallen am
12. Oktober 2015 noch zu einer Umschulung rieten, kann für den betreffenden
Zeitpunkt noch eine volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers für die umschriebene
leichte adaptierte Tätigkeit angenommen werden. Das Belastungs-EKG für sich
genommen war gemäss Dr. C._ auch am 22. Oktober 2015 (IV-act. 36) zwar noch
unauffällig gewesen. Am 30. Oktober 2015 (IV-act. 35) aber berichtete Dr. B._ nebst
mehreren anderen Leiden von einer PAVK II A beidseits mit Claudicatio-Symptomatik,
einer Neuritis des Plexus brachialis rechts und einer endogenen Depression. Aus der
angiologischen gutachterlichen Beurteilung ist zudem e contrario zu schliessen, dass
vor der Katheterintervention im Dezember 2015 eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hat
oder vorgelegen haben könnte. Das depressive Zustandsbild war gemäss Dr. I._ (IV-
act. 94) ausserdem (bereits) ab Dezember 2015 schwer. Damit ist eine relevante
Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ab Ende
Oktober 2015 ausgewiesen. Es rechtfertigt sich, die auf der Grundlage des Gutachtens
gerichtlich gewürdigte Arbeitsfähigkeitsschätzung (vgl. oben E. 5.4) auf diesen
Zeitpunkt zurückzubeziehen.
5.6.
Bei der Invaliditätsbemessung wird, wie in Art. 16 ATSG angeordnet, eine
ausgeglichene Arbeitsmarktlage angenommen. Es kommt demnach nicht darauf an, ob
eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine
Stelle vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie
6.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/23
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die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017 E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b).
Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt weist, was die verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch den körperlichen Einsatz angeht, einen
Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf (vgl. Bundesgerichtsentscheide vom 5.
November 2018, 9C_304/2018 E. 5.1.1, und vom 10. April 2019, 8C_811/2018
E. 4.4.1). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts umfasst er selbst sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen gesundheitlich
Beeinträchtigte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers
rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember 2019, 9C_693/2019
E. 5.1.3, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014). Realitätsfremde
Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht berücksichtigt
werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann insbesondere
dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass
sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018 E. 5.4, ZAK 1991 S. 318
E. 3b). Nach ständiger Rechtsprechung sind auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
allerdings genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten selbst für Personen, die
funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeit
verrichten können, zu finden (vgl. statt vieler Bundesgerichtsurteile vom 10. April 2019,
8C_811/2018 E. 4.4.2, und vom 28. Mai 2019, 9C_124/2019).
Wie sich dem Gutachten entnehmen lässt, soll es sich bei einer angepassten
Tätigkeit um eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Arbeiten mit dem rechten
Arm über der Horizontalen und ohne Belastungen für den rechten dominanten Arm
handeln. Der Beschwerdeführer sei auch durch anhaltende Schmerzen mit Verstärkung
beim Bücken beeinträchtigt. Psychiatrisch gesehen wurde eine angepasste
handwerkliche Tätigkeit erwähnt, die kein besonderes Arbeitstempo verlange. Die
Arbeit dürfe ferner pneumologisch eine Sauerstoffaufnahme nur bestimmten
maximalen Ausmasses verlangen. Sie müsse also vorwiegend im Sitzen verrichten
werden können und dürfe keine körperliche Belastung, keine Verschiebung auf
grössere Distanzen und kein Heben von Lasten enthalten. Die Arbeitszeit wurde
gutachterlich insgesamt auf vier bis sechs Stunden begrenzt, je nach Möglichkeit zu
unterbrechenden Pausen oder stundenweiser Arbeit. In ihrer Gesamtheit sind diese
6.2.
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7.
Eine relevante Arbeitsunfähigkeit in bisheriger Tätigkeit ist nach der Aktenlage am
14. August 2014 eingetreten und der Beschwerdeführer konnte die diesbezügliche
Arbeitsfähigkeit nicht mehr massgeblich (gemäss Gutachten ab September 2014 gar
nicht mehr) wiedererlangen. Bei erstmals möglichem Ablauf einer Wartezeit im August
2015 war der Beschwerdeführer in umschriebener leichter adaptierter Tätigkeit nach
ärztlichen Beurteilungen noch als voll arbeitsfähig betrachtet worden, so dass damals
noch von einer Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt hatte ausgegangen werden können, die angesichts des
nicht überdurchschnittlichen Valideneinkommens einen Rentenanspruch ausschloss.
Ab dem Eintritt der - im Oktober 2015 anzunehmenden - Verschlechterung des
Zustands dagegen ergibt ein Einkommensvergleich mangels Verwertbarkeit der
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit (von deutlich unter 50 %) einen Anspruch
auf eine ganze Rente. Da auch in einem Wartejahr, dessen Beginn im Oktober 2014
anzunehmen ist, in der bisherigen Tätigkeit weiterhin noch (und auch anhaltend, über
Oktober 2015 hinaus) eine volle Arbeitsunfähigkeit bestand und da seit einem im
August 2015 unbeansprucht vergangenen Wartejahr noch keine drei Jahre abgelaufen
sind, braucht der Beschwerdeführer nicht nochmals ein weiteres (neues) Wartejahr zu
bestehen, sondern es ist vom Eintritt des Versicherungsfalls Rente im Oktober 2015
auszugehen. Der Beschwerdeführer kann sich auf die bestandene Wartezeit ab
Oktober 2014 berufen (vgl. Art. 29 IVV; bei Wiederaufleben des gleichen Leidens
innerhalb von drei Jahren ist keine neue Wartezeit nötig, vgl. ZAK 1977, 18; BGE 108 V
70). - Art. 29 Abs. 1 IVG steht der Auszahlung ab Oktober 2015 nicht entgegen, da die
Anmeldung im Januar 2015 bei einem Sozialversicherungsträger eingegangen ist (vgl.
Art. 39 Abs. 2 ATSG; Ablauf der Frist von sechs Monaten im Juli 2015). - Der
Beschwerdeführer hat demnach ab Oktober 2015 Anspruch auf eine ganze Rente.
Adaptationskriterien selbst bezogen auf den allgemeinen hypothetischen Arbeitsmarkt
mit Nischenarbeitsplätzen als den Beschwerdeführer davon ausschliessend zu
betrachten. Insbesondere die respiratorischen Beeinträchtigungen und die lediglich
stundenweise Beschäftigungsmöglichkeit, aber nicht nur sie lassen hierauf schliessen.
Obwohl dem Beschwerdeführer bei Eintritt der Verschlechterung im Oktober 2015
noch eine mehrjährige Erwerbstätigkeitsphase bevorgestanden hatte, liess sich eine so
erheblich reduzierte Restarbeitsfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht
mehr auf dem Weg der Selbsteingliederung verwerten.
bis
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8.