Decision ID: 4e199374-2a56-47c9-a65a-bce34e4da39e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A.
A (nachfolgend der Pflichtige) reichte für das Steuerjahr 2016 auch nach individueller Mahnung des Steueramts der Stadt Zürich vom 20. Oktober 2017 keine Steuererklärung ein. Mit Schreiben vom 26. November 2017 wandte er sich mit der Bitte um fachliche Beratung an das Steueramt der Stadt Zürich. Das Schreiben trug den Titel: "Verspätete Abgabe der Steuererklärung / Offene Frage". Konkret wollte er wissen, wie er bestrittene Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit, welche derzeit Gegenstand eines Prozesses seien, in der Steuererklärung 2016 zu deklarieren habe. Im Schreiben stellte er zugleich in Aussicht, die Steuererklärung innerhalb von fünf Tagen nach Erhalt einer Rückmeldung einzureichen. Das Steueramt der Stadt Zürich reagierte nicht auf das Schreiben.
B.
Mangels eingereichter Steuererklärung schätzte ihn das kantonale Steueramt mit Einschätzungsentscheid resp. Veranlagungsverfügung je vom 8. Mai 2018 für die Steuerperiode 2016 nach pflichtgemässem Ermessen ein. Das steuerbare Einkommen (direkte Bundessteuer 2016 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2016) setzte es auf Fr. ... fest und das steuerbare Vermögen auf Fr. ... (Staats- und Gemeindesteuern 2016).
C.
Mit Eingabe vom 30. Mai 2018 erhob der Pflichtige gegen die Ermessenseinschätzung bzw. -veranlagung je vom 8. Mai 2018 Einsprache. Nach Einreichung der Einsprache erkundigte sich der Pflichtige beim kantonalen Steueramt, ob seinerseits in Bezug auf die Einsprache noch etwas nachzuliefern sei. Unter Hinweis auf die gesetzlichen Grundlagen der Ermessenseinschätzung bzw. -veranlagung wies das kantonale Steueramt den Pflichtigen darauf hin, dass er innerhalb der Einsprachefrist die vollständige, ausgefüllte Steuererklärung 2016 einzureichen habe.
Der Pflichtige übermittelte die elektronisch ausgefüllte Steuererklärung 2016 am letzten Tag der Einsprachefrist (18. Juni 2018) dem Server des kantonalen Steueramts (sog. KStA-E-Gov-Server). Die zur elektronischen Steuererklärung dazugehörige und von ihm unterzeichnete Freigabequittung samt Belegen übergab er am 19. Juni 2018 der schweizerischen Post. Diese gingen am 20. Juni 2018 beim Steueramt ein.
D.
Am 26. Juni 2018 trat das kantonale Steueramt in separaten Entscheiden auf die Einsprachen des Pflichtigen mangels rechtsgenügender Begründung nicht ein.
II.
Die hiergegen erhobenen Rechtsmittel wies das Steuerrekursgericht am 14. Mai 2019 ab.
III.
Gegen den Rekurs- und Beschwerdeentscheid erhob der Pflichtige am 19. Juni 2019 (Datum Poststempel) Beschwerde. Darin beantragte er, der Entscheid des Steuerrekursgerichts vom 14. Mai 2019 sowie die Nichteintretensentscheide des kantonalen Steueramts vom 26. Juni 2018 betreffend Staats- und Gemeindesteuern 2016 und direkte Bundessteuer 2016 seien aufzuheben. Das kantonale Steueramt sei anzuweisen, auf die Einsprachen gegen die Ermessenstaxation betreffend Staats- und Gemeindesteuern 2016 und direkte Bundessteuer 2016 einzutreten. Des Weiteren beantragte der Pflichtige – sowohl für das vorinstanzliche als auch für das Verfahren vor Verwaltungsgericht – die unentgeltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung in der Person von Rechtsanwalt B.
Mit Präsidialverfügung vom 21. Juni 2019 vereinigte die stellvertretende Abteilungspräsidentin die Verfahren SB.2019.00051 (Staats- und Gemeindesteuern 2016) und SB.2019.00052 (direkte Bundessteuer 2016).
Während das kantonale Steueramt die Abweisung der Beschwerde beantragte und das Steuerrekursgericht auf Vernehmlassung verzichtete, liessen sich die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) und das Steueramt der Stadt Zürich nicht vernehmen.
Am 25. Oktober 2019 reichte der Vertreter des Pflichtigen seine Kostennote sowie einen Handelsregisterauszug der C AG in Liquidation ein. Mit diesem Auszug bestehe nun Klarheit, dass die Forderung gegen die C AG, welche der Ursprung für die Verzögerung der Einreichung der Steuererklärung 2016 gewesen sei, definitiv uneinbringlich sei.
Der Einzelrichter

erwägt:
1.
Die Beschwerden bezüglich Staats- und Gemeindesteuern 2016 (SB.2019.00051) und direkter Bundessteuer 2016 (SB.2019.00052) betreffen denselben Pflichtigen und dieselbe Sach- und Rechtslage, weshalb sie mit Präsidialverfügung vom 21. Juni 2019 zu Recht vereinigt wurden.
2.
2.1
Mit der Steuerbeschwerde an das Verwaltungsgericht betreffend Staats- und Gemeindesteuern können alle Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden (§ 153 Abs. 3 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG]).
In Bundessteuersachen ist die Kognition des Verwaltungsgerichts identisch: Soll die erstinstanzliche Beschwerde die allseitige, hinsichtlich Rechts- und Ermessenskontrolle unbeschränkte gerichtliche Überprüfung der Einspracheentscheide der Veranlagungsbehörde auf alle Mängel des Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens hin ermöglichen (Art. 140 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG]), muss sich die Aufgabe der zweitinstanzlichen Beschwerde, die die Überprüfung der Entscheidung eines Gerichts und nicht diejenige einer Verwaltungsbehörde zum Gegenstand hat, sinnvollerweise auf die Rechtskontrolle beschränken (BGE 131 II 548 E. 2.5; RB 1999 Nr. 147).
2.2
Richtet sich die Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid des Steuerrekursgerichts oder – wie hier – gegen einen Entscheid, womit das Steuerrekursgericht einen Nichteintretensentscheid des kantonalen Steueramts bestätigt hat, so darf das Verwaltungsgericht lediglich prüfen, ob die vorinstanzliche Beurteilung der Eintretensfrage an beschwerdefähigen Rechtsmängeln leidet; ein weitergehender, materiell-rechtlicher Entscheid ist ihm verwehrt (vgl. BGr, 26. Juli 2012, 2C_499/2012, E. 1.2; BGr, 26. Mai 2004, 2A.495/2003, E. 1.3; RB 1999 Nr. 152).
3.
Staats- und Gemeindesteuern
3.1
Gemäss § 139 Abs. 2 StG nimmt das kantonale Steueramt die Einschätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor, wenn die steuerpflichtige Person trotz Mahnung ihre Verfahrenspflichten nicht erfüllt hat oder die Steuerfaktoren mangels zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden können.
3.2
Streitgegenstand bildet die Frage, ob das kantonale Steueramt zu Recht nicht auf die Einsprache des Pflichtigen vom 30. Mai 2018 gegen die Ermessenseinschätzung der Staats- und Gemeindesteuern 2016 eingetreten ist und die Vorinstanz diesen Entscheid zu Recht geschützt hat. Eine materielle Prüfung hat vorliegend nicht zu erfolgen, weshalb unter anderem der vom Pflichtigen nachgereichte Handelsregisterauszug der C AG in Liquidation nicht zu würdigen ist.
Da der Pflichtige bestreitet, die für eine Ermessenseinschätzung erforderliche Mahnung resp. die Abholungseinladung je erhalten zu haben, ist vorab zu prüfen, ob die Voraussetzungen der Einschätzung nach pflichtgemässem Ermessen überhaupt gegeben waren.
3.2.1
Für die Vornahme der Ermessenseinschätzung ist erforderlich, dass diese zur gehörigen Erfüllung ihrer Verfahrenspflichten gemahnt worden ist (vgl. § 139 Abs. 2 StG "
trotz Mahnung"
). Die Ermessenseinschätzung ohne rechtsgenügende Mahnung stellt eine Gehörsverweigerung nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 BV [BV] dar (Richner et al., Handkommentar zum DBG, 3. A., Zürich, Art. 130 DBG N. 47a; dieselben, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., Zürich 2013, § 139 StG N. 67a) und ist daher fehlerhaft (Zweifel et al., Steuerverfahrensrecht, Direkte Steuern, 2. A., Zürich etc. 2018, § 19 N. 13; ebenso Zweifel/Hunziker, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. A., Basel 2017, Art. 130 DBG N. 34; mit Hinweis auf VGr, 25. Juni 2008, SB.2008.00033, E. 3.3).
3.2.2
Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren bestreitet der Pflichtige nach wie vor, die vom Steueramt der Stadt Zürich ausgestellte Mahnung datierend vom 20. Oktober 2017 je erhalten zu haben.
3.2.3