Decision ID: bd7acca8-bbb7-4af0-9852-417bd602bcc1
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1947 geborene
X._
war seit dem
1.
Mai 2012 bei der
Y._
GmbH als
Vorarbeiter
angestellt
und dadurch bei der
Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch unfallversichert, als er am 14. Mai
2012 auf einer Treppe ausrutschte und auf den Rücken fiel
(
Unfallmel
dung
vom 1. Juni 2012,
Urk. 15/
1).
In der Folge richtete die Suva Leistungen aus.
Mit
Schreiben vom 5. Dezember 2012 sowie hernach mit
Verfügung vom
19. März 2014 stellte die Suva ihre Taggeldleistungen per 31. Dezember 2013 ein und verneinte den Anspruch des Versicherten auf
Invalidenrentenleistun
gen
. Zur Begründung führte sie an, aus krankheitsbedingten Gründen sei es dem Versicherten nicht mehr möglich, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, be
ziehungsweise es liege aus unfallfremden Gründen eine 100%ige Invalidität vor. Somit bestehe kein Raum für eine zusätzliche unfallbedingte Erwerbsunfä
hig
keit
(Urk. 15/
64,
Urk.
15/81)
.
Die hiergegen am 23. Dezember 2013 erhobene Einsprache
(Urk. 15/
68) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 16. Oktober 2014 ab. Gleichzei
tig entzog sie einer
allfälligen
Beschwerde gegen
diesen Ent
scheid die aufschiebende Wir
kung
(Urk. 15/
102 =
Urk.
2
).
2.
Gegen
den Einspracheentscheid vom 16. Oktober 2014
erhob d
er
Versicherte am
4. November 2014
Beschwerde und beantragte, diese
r
sei aufzuheben und
es sei ihm bei einer
Arbeitsunfähigkeit
von rund 80 % eine volle Rente zuzusprechen. Weiter sei ihm eine
Integritätsentschädigung
auszurichten. Zur Klärung der unfallbedingten Invaliditätsfolgen sei ein neutrales Obergutachten einzuholen. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Suva zurückzuweisen
. Des
Weiteren beantragte er in pro
zessualer Hinsicht die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
sowie die Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung und die Be
stellung einer unentgeltlichen
Rechts
vertreterin
in der Person von Rechtsanwäl
tin Barbara Schnitter Weber
(Urk. 1 S. 2
f.
).
In der
Beschwerdeantwort vom
24. Februar 2015 schloss die Suva auf Ab
weisung der Beschwerde
und Bestä
tigung des angefochtenen
Einspracheentscheides
(Urk.
14
).
Mit Verfügung vom
5.
März 2015 wies das hiesige Gericht das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab, bewilligte dem Beschwerdeführer die unent
gelt
liche Rechtsvertretung und stellte ihm die
Beschwerdeantwort
zu
(Urk.
16).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Ge
sundheitsschadens
muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänz
lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich hie
r
bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entspre
chen
de Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014
,
E.
2.3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Suva
stellte sich im angefochtenen Einspracheentscheid
insbesondere ge
stützt auf die Beurteilung
von
PD
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirur
gie
,
auf den Standpunkt, es sei dem Beschwerdeführer aus krankheitsbedingten Gründen nicht mehr möglich, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, beziehungs
weise
es
liege aus unfallfremden Gründen eine 100%ige Invalidität vor. Somit be
stehe kein Raum für eine zusätzliche unfallbedingte Erwerbsunfä
higkeit
. Zudem sei bezüglich des Rückens
der Endzustand eingetreten und es
würden
keine weiteren Heilbehandlungen
mehr durchgeführt
(Urk. 2
S. 9
)
.
In der Beschwerdeantwort
wies sie auf weitere Berichte von behandelnden Ärz
ten hin, welche
laut der Suva
eine
ausgeprägte
Osteoporose
bei Morbus
Bech
terew
beziehungsweise einen Morbus
Bechterew
mit
Osteopenie
sowie weitere unfallfremde Krankheiten
diagnostizierten
und ihn insbesondere aus kardiolo
gischer
und internistischer
Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig
einstufte
n
(Urk. 14
S. 2-
5
)
.
W
eiter führte sie aus,
w
ährenddem
die Fraktur L5 unfallbedingt sei, seien die Frakturen L4 und Th12 höchstens durch den Unfall vom 1
4.
Mai 2012 mitverursacht
. Ohnehin seien diese Frakturen vollständig ausgeheilt, sodass dem Beschwerdeführer aufgrund der reinen Unfallfolgen eine leichte bis maximal mittelschwere Arbeit ganztags zumutbar sei
(Urk. 14 S. 4).
Die Beurteilung durch
PD
Dr.
Z._
vom
7.
Oktober 2014 sei beweiskräftig und werde durch die Angaben von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie, Physikali
sche Medizin und Rehabilitation,
prodorso
,
vom
4.
Juli 2014 keineswegs ent
kräftet, weshalb sie zurecht darauf abgestellt habe (Urk. 14 S. 6-7).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte hiergegen ein,
bei der Beurteilung durch die Reha
klinik
B._
vom
8.
April 2013 handle es sich um ein Parteigutachten der Beschwerdegegnerin, da
B._
eine reine Suva-Einrichtung sei. Zudem
seien der Morbus
Bechterew
und die Osteoporose nicht verifiziert beziehungs
weise
abgeklärt worden (Urk. 1 S. 4 f.).
Ob er tatsächlich an einem Morbus
Bechterew
leide, sei auch im weiteren Verlauf nie mit Sicherheit verifiziert wor
den (Urk. 1 S. 5 f.). Wegen seiner schweren Herzerkrankung sei
er
laut
KD
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Kardiologie und Allgemeine Innere Me
dizin, Spital
E._
,
für Büroarbeiten
nicht limitiert. Gesamthaft resultiere aber eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
(Urk. 1 S. 6 f.).
Diese sei auf den Unfall zurückzuführen (Urk. 1 S. 9).
Ferner wies er darauf hin, dass er gemäss dem Be
richt von
Dr.
A._
vom
4.
Juli 2014 und d
essen Messung der Knochendichte
nicht an einer Osteoporose leide, welche somit nicht ursächlich gewesen sein
könne für die Fraktur, und
dass
die Fraktur
daher
unfallkausal sei (Urk. 1 S. 7-9).
Im Übrigen sei ein Trauma wie das vorliegende mit entsprechender Fraktur bei einem Sturz aus rund vier Metern Höhe auch bei gesunden Knochen durch
aus adäquat (Urk. 1 S. 9).
3.
3.1
Vom Tag des Unfalls (1
4.
Mai 2012) bis am 1
9.
Mai 2012 wurde der Beschwer
deführer im Spital
F._
behandelt. Dem
Austrittsbericht vom 18. Mai
2012
sowie dem Bericht vom 1
3.
Juni 2012
ist zu entnehmen, der Beschwerdeführer
habe
beim Sturz aus 2,5 Metern Höhe
eine Kompressionsfraktur des
Lendenwir
belkörpers
5 mit
Beteiligung der
Hinterkante
sowie ein
retroperitoneale
s,
prä
ver
tebral
betontes
Hämatom
auf M.
Psoas
erlitten.
Die darüber hinaus deutlich vorhandenen Mineralisationen der Ligamenta
flava
und Ligamenta
spinosi
seien als computertomographisch
e
s Korrelat eines Morbus
Bechterew
zu werten.
Ferner zählten
die Ärzte des Spitals
F._
verschiedene Nebendiagnosen auf, da
runter au
ch eine Spondylitis
ankylosans
.
Sie gaben an, d
e
r
Beschwerdeführer
sei voraussichtlich bis am 2
6.
Mai 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig.
G
egebenen
falls
habe
der Hausarzt
die Arbeitsunfähigkeit
zu verlängern (Urk. 15/7
, Urk. 15/18
).
3.2
Der Hausarzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere
Medizin, attestierte dem Beschwerdeführer anschliessend weiterhin eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Urk.
15
/8
,
15
/9 S. 2,
15
/13,
15
/15
, 15/20
, 15/25-26
, 15/33,
15/35
, 15/43
, 15/46
, 15/50
-51
, 15/54
, 15/59
, 15/61-63, 15/66
, 15/71
, 15/74
, 15/77,
15/85
, 15/91
, 15/100
).
In seinem Bericht vom 21.
August 2012 diagnos
ti
zierte er eine posttraumatisch
e
LWK5-Fraktur mit progredienter L5-Sympto
matik sowie einen bekannten Morbus
Bechterew
mit ausgeprägter Oste
oporose. Er gab an, letztere Diagnose könne den Heilungsverlauf ungünstig be
einflussen
. Ein bleibender Nachteil sei in Form von einer verminderten Belast
barkeit des Achsenorgans und einer zusätzlichen Nervenwurzelkompression L5 zu erwarten. Für weitere Informationen verwies
Dr.
G._
auf das
Wirbelsäu
lenzentrum
der Uniklinik
H._
(Urk.
15
/17 S. 1).
In seinem Bericht vom 2
0.
Dezember 2013 gab er an, nach seiner Beurteilung sei der Beschwerdeführer weder vom Bewe
gungsapparat noch vom internistischen Standpunkt her als Maurer arbeitsfähig. Diese Tätigkeit sei
ihm
definitiv nicht mehr zumutbar (Urk. 15/67).
Auch seinem Schreiben
vom 9.
April 2014 ist zu entnehmen, dass er den Beschwerdeführer auch wegen seiner internistischen Diagnosen nicht mehr für arbeitsfähig hält (Urk. 15/86 S. 7).
3.
3
PD
Dr.
med.
I._
,
Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, Uniklinik
H._
, diagnostizierte in seinem Bericht vom
3.
September 2012 eine pathologische Fraktur L5 nach einem Sturz am 14. Mai 2012, einen bekannten Morbus
Bechterew
mit
Osteopenie
der gesamten
Wirbelsäule, einen Status nach Blasenkarzinom mit offener Operation 2008, ein
e bekannte schwere Herzinsuffizienz und äusserte zudem den dringenden Ver
dacht auf eine Metastase L5 und Th1
2.
Die Metastasen seien am ehesten be
dingt durch das bereits bekannte
Urothelkarzinom
(Urk. 15/19 S. 1).
Zur Beur
tei
lung habe ihm
der radiologische Befund vom 2
8.
August 2012
(Urk. 15/2
4
)
gedient
.
3.4
Kreisarzt
Dr.
med.
J._
,
Facharzt für Chirurgie, gab am 1
2.
November 2012 an, mit dieser Abklärung sei der Status quo sine erreicht. Der Beschwer
deführer sei 65-jährig und schwer krank. Eine Arbeitsfähigkeit werde er kaum
mehr erreichen können. Unfallbedingt bestünden aber keine Folgen mehr. Wahr
scheinlich seien bereits die Wirbelkörperfrakturen nicht unfallbedingt ge
wesen (Urk. 15/23).
3.
5
In seinem Bericht vom
8.
Januar 2013 hielt
PD
Dr.
I._
fest, die L
WK
5-Fraktur sei
grösstenteils wieder konsolidiert, eine Metastase könne nun ausgeschlossen werden
und es seien
bei geheilter LWK5-
Fraktur
keine weiteren Massnahmen notwendig
.
Die Schmerzen hätten sich bereits deutlich gebessert und würden noch weiter abnehmen.
Leichte Büroarbeiten könne der Beschwerdeführer nun wieder ausführen
(Urk. 15/32).
3.
6
Am 1
8.
Februar 2013 führte
Dr.
J._
eine kreisärztliche Untersuchung durch (Urk. 15/41). Bei seiner gleichentags erfolgten Beurteilung berücksichtigte er die vorhandenen Akten (
S. 1-3), die Angaben
des Beschwerdeführers (S. 3 f.) sowie
die erhobenen Befunde (S. 4-
6). Er gelangte zum Schluss,
der traumatisch frak
turierte Wirbelkörper L5 sei problemlos konsolidiert. Es habe sich allerdings eine
L5-Radikulopathie entwickelt, vor allem mit Schmerzen auf der Vorderseite
beider Beine und einer gewissen Belastungsintoleranz und Schwäche schon beim
normalen Gehen. Bewegungseinschränkung und Belastungsintoleranz seien erheblich und er sei
stark
eingeschränkt (S. 7).
Durch die Vordiagnosen mit Spon
dylitis
ankylosans
, Osteoporose,
Chondrosen
und weiteren degenerati
ven Ver
änderungen sei die gesamte Wirbelsäule
betroffen
, sodass nur ein un
wes
ent
licher Anteil der Beschwerden durch das Unfallereignis bestimmt sei. Die
Erheb
lichkeitsgrenze
für einen Integritätsschaden sei unfallbedingt nicht er
reicht (S. 8).
Der Beschwerdeführer sei weit entfernt von einer Arbeitsfähigkeit, sodass ein Reha-Aufenthalt in
B._
mit einem medikamentösen Therapie
versuch und intensiver
muskuloskelettaler
Rehabilitation
zu unternehmen sei
, um ihm wenigstens das Leben in der eigenen häuslichen Umgebung für die Zu
kunft zu erleichtern. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
, jedoch sei sie nur unwesent
lich durch das Unfallereignis beeinflusst. Auch mit der angestrebten Rehabili
tation könne altersbedingt und aufgrund des Allgemeinzustandes keine Arbeits
fähigkeit mehr erreicht werden (S. 9).
Der gesamte Allgemeinbefund und die mögliche Arbeitsfähigkeit respektive Einsatz- und Belastungsfähigkeit seien
durch die begleitenden internistischen Diagnosen und den reduzierten
Allge
mein
zustand
bestimmt. Die Unfallfolgen machten also nur einen unwesentli
chen Anteil aus (S. 10).
3.
7
Die Ärzte der Rehaklinik
B._
hielten
in ihrem Austrittsbericht vom
8.
April 2013 fest, der Beschwerdeführer habe sich vom
7.
bis am 2
8.
März 2013 bei ihnen aufgehalten (Urk. 15/49 S. 1). Wegen einer erheblichen Dyspnoe und ei
ner Verschlechterung des Allgemeinzustands
sei
er
notfallmässig ins
Spital
E._
verlegt worden. Eine Fortsetzung der stationären arbeitsorientierten Rehabilitation sei angesichts des internistischen Allgemeinzustands nicht sinn
voll, da der Beschwerdeführer die erforderliche Mindestbelastbarkeit
nicht errei
che
.
A
llein aufgrund der Unfallfolgen
sei der Beschwerdeführer perspektivisch (in 4-8 Wochen)
in einer leichten bis maximal mittelschweren Tätigkeit
ohne längerdauernde Einnahme von Zwangshaltungen des Rückens
ganztags ar
beits
fähig.
U
nter Berücksichtigung der erheblichen unfallfremden
Vorerkran
kungen
werde der Beschwerdeführer allerdings kaum je wieder eine relevante Arbeits
leis
tung erbringen können
. Die mögliche Arbeitsfähigkeit werde durch die begleitenden internistischen Diagnosen und den reduzierten
Allgemeinzu
stand
bestimmt
(Urk. 15/49 S. 2
-3
).
3.
8
Laut den Berichten des Spitals
E._
war der Beschwerdeführer
vom 28.
März bis am 1
0.
April 2013 (Urk. 15/58 S.
1) sowie vom 2
6.
April bis 10.
Ma
i 2013 (Urk. 15/57 S. 1)
wegen progredienter Anstrengungsdyspnoe (Urk. 15/58 S. 2)
sowie wegen
erneuter kardialer
biventrikulärer
Dekompensa
tion mit
Orthopnoe
bei bekannter
dilatativer
Kardiomyopathie
(Urk. 15/57 S. 2)
im Spital
E._
hospitalisiert.
Dem Bericht von
KD
Dr.
D._
vom 1
7.
Januar 2014
ist zu entnehmen, der Beschwerdeführer sei vor allem wegen der
dilatativen
Kardiomyopathie
, der koronaren Herzerkrankung sowie des Morbus
Bechterew
für sämtliche Berufe vollständig und andauernd arbeitsunfä
hig (Urk. 15/72).
3.
9
Dr.
A._
mass am
4.
Juli 2014 normale periphere Dichtewerte und gab an, es f
änden
sich kein
e
Anhalt
spunkte
für eine Osteoporose beziehungsweise vermin
der
te
Kno
chendichte
. Dabei könne die Messung an der Lendenwirbelsäule bei
Status nach Wirbelkörperf
r
aktur sowie
bei
Veränderungen im Rahmen der Spon
dylitis
ankylosans
nicht verwertet werden. Die axialen Frakturen der
Wirbel
körper
seien im Rahmen eines absolut adäquaten Traum
a
s bei einem Sturz au
s
vier Metern Höhe aufgetreten. Die Deckplattenimpressionsfraktur BWK12 könne durchaus auch im Rahmen einer zugrunde liegenden
erosiven
Veränderung im Rahmen der
Spondyloarthritis
aufgetreten sein. Eine eigentliche
Osteopenie
oder Osteoporose könne bei normaler Knochendichte nicht diagnostiziert werden
. Nichtsdestotrotz könne es im Rahmen einer Spondylitis
ankylosans
zu
Wirbel
körperfrakturen
kommen, da die axiale
Osteopenie
messtechnisch nicht immer erfasst werden könne. Die beim Beschwerdeführer vorliegenden Frakturen seien aber auf ein adäquates Trauma zurückzuführen (Urk. 6/93 S. 3).
3.10
PD
Dr.
Z._
führte in seinem auf den Akten und den bildgebenden Dokumen
ten basierenden Bericht vom
7.
Oktober 2014
(Urk. 15/101)
aus, der Sturz von der Leiter habe die Fraktur von L5 verursacht. Es handle sich um eine
Kompres
sionsfraktur
mit massivem Höhenverlust, der sich aber durch die Statik der Wir
belsäule wegen der knöchernen Abstützung zu L4 bei Morbus
Bechterew
funk
tionell nicht gross auswirke. Hingegen sei die
Hinterkante
ebenfalls frakturiert und drücke rechts lateral auf die Wurzel von L5
, was die bei der kreisärztlichen Untersuchung festgestellten Beschwerden erklären könne. Die Fraktur des
pro
cessus
spinosus
L4 sei irrelevant für die Beschwerden und sei mit dem knöcher
nen
Durchbau
von L4/5 durch die zugrundeliegende Spondylitis
ankylosans
zu erklären. Bei der Deckplattenimpression Th12 handle es sich um eine
unfall
fremde
Veränderung des Wirbels und des angrenzenden kranialen Diskus durch den bekannten Morbus
Bechterew
. Die kreisrunde Ausstanzung der Deckplatte entspreche in ihrer Form nicht einer typischen scharfkantigen, unfallbedingten Impression der Deckplatte (S. 5).
In Bezug auf die Fraktur L5 sei der Endzustand erreicht. Diese sei verheilt mit den
residuellen
ausstrahlenden Schmerzen in beide Beine bei bekannter
Hinterkantenfraktur
L5 mit Druck auf die
Nervenwur
zel
L5 rechts. Die Annahme des Kreisarztes, dass der zugrundeliegende Morbus
Bechterew
eine Anfälligkeit auf eine
Wirbelfrakturierung
auch bei nicht adä
quatem Trauma darstelle, sei korrekt. Die unfallfremde kardiale Situation be
wirke eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
. Die Fraktur L4 sei unfallbedingt. Die Fraktur Th12 sei angesichts des Sturzereignisses im Zusammenhang mit dem Unfall zu sehen, es habe jedoch durch den Morbus
Bechterew
eine Veränderung vorbestanden und bei einem normalen Wirbelkörper bei einem sonst gesunden Patienten wäre es
nach seiner Einschätzung
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit zu keiner
Frakturierung
gekommen
(S. 6-7).
3.
11
KD
Dr.
D._
gab am 2
3.
Oktober 2014 an, der Beschwerdeführer wolle ab dem
1.
November 2014 mit einem Pensum von 20
%
leichte Büroarbeiten erledigen. Aus kardiologischer und internistischer Sicht sei gegen dieses Vorhaben nichts einzuwenden. Wie gut der Beschwerdeführer das Arbeitspensum bewältigen könne, werde sich weisen (Urk. 3/3 S. 1).
4.
4.1
Die Suva stellte sich im angefochtenen Einspracheentscheid insbesondere auf den
Standpunkt, es sei dem Beschwerdeführer aus krankheitsbedingten Gründen nicht
mehr möglich, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, beziehungsweise
es
liege aus unfallfremden Gründen eine 100%ige Invalidität vor. Somit bestehe kein Raum
für eine zusätzliche unfallbedingte Erwerbsunfä
higkeit. In der obligato
rischen Unfallversicherung setze die Zusprechung einer Invalidenrente zunächst eine
un
fallbedingte
Arbeitsunfähigkeit voraus (Urk. 2 mit Hinweis auf BGE 115 V 133
E. 2).
4.2
Dr.
J._
gab bereits am 1
2.
November 2012 an, unfallbedingt bestünden zwar keine Folgen mehr, aber der Beschwerdeführer sei schwer krank und werde kaum mehr eine Arbeitsfähigkeit erreichen können (Urk. 15/23). Am 1
8.
Februar 2013 bestätigte er nach einer Untersuchung des Beschwerdeführers, dass dieser zwar zu 100
%
arbeitsunfähig sei, jedoch in erster Linie altersbedingt sowie aufgrund seines Allgemeinzustands (Urk. 15/41 S. 9
f.
). Dazu passt, dass PD
Dr.
I._
, Teamleiter Wirbelsäulenchirurgie der Uniklinik
H._
,
am
8.
Januar 2013 von Seiten des Rückens eine leichte Bürotätigkeit wieder für zumutbar hielt
(Urk. 15/
32).
Auch die Ärzte der Rehaklinik
B._
gaben
am
8.
April 2013
an,
eine angepasste Tätigkeit allein aufgrund der Unfallfolgen
sei
in eini
gen Wochen wieder erreichbar, schlossen eine relevante Arbeitsfähigkeit aber aufgrund der internistischen Diagnosen und des reduzierten Allgemeinzustands aus (Urk. 15/49 S. 2-3).
Nachdem der Beschwerdeführer am 2
8.
März 2013 bei einer progredienten Anstrengungsdyspnoe, einer abnehmenden Belastbarkeit mit trockenem Husten und bei einer schweren Herzinsuffizienz notfallmässig von der Rehaklinik
B._
ins Spital
E._
überwiesen werden musste (Urk. 15/58), steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der Be
schwerdeführer spätestens ab dann aufgrund seines kardiologischen Leidens vollumfänglich erwerbsunfähig war. Der behandelnde Kardiologe KD
Dr.
D._
bestätigte
sodann am 1
7.
Januar 2014
, dass die vollständige und andauernde Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Berufe
auf die
dilatative
Kardiomyopathie
, die koronare (
Eingefäss
-) und
hypertensive
Herzkrankheit, die akute
Niereninsuffi
zienz
, den Diabetes mellitus, den chronischen Alkoholabusus, den Status nach muskelinvasivem Blasenkarzinom, den Status nach
Adenokarzinom
der Prostata sowie auf die Spondylitis
a
nkylosans
zurück
zuführen sei (Urk. 15/72 in Ver
bin
dung mit Urk. 15/57 S. 1-2 und Urk. 15/58 S. 1).
4.3
Die
in vorstehender E. 4.1 geschilderte
Ansicht der Suva, wonach im Falle einer
vollumfänglichen krankheitsbedingten Erwerbsunfähigkeit kein natürlicher Kau
sal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der
dadurch be
dingten Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit
mehr besteht
, ist zutreffend (Urteil des Bundesge
richts
8C_630/2007 vom 1
0.
März 2008, E.
5.2
mit Hinweisen
und
E.
5.3).
An
ders gesagt
gilt
vorliegend
spätestens ab dem 2
8.
März 2013 Folgendes: Denkt man das Unfallereignis vom 1
4.
Mai 2012 weg, so entf
ie
l
e
die Ar
beitsunfähigkeit nicht, da der Beschwerdeführer an zahlreichen Erkrankungen leide
t
und
bereits
aufgrund dieser
Krankheiten
keine Erwerbsfähigkeit mehr gege
ben
ist
.
Die Frage, ob der Beschwerdeführer ohne diese Erkrankungen
unfall
bedingt
arbeits- und erwerbsunfähig wäre, kann offen bleiben, da dieser
Kausa
litätsverlauf
nicht eingetreten ist. Der Unfall wurde als möglich
e
s auslösendes Ereignis der Arbeits
unfähigkeit durch die Erkrankungen gleichsam überholt (Urteil des Bun
desgerichts 8C_630/2007 vom 1
0.
März 2008, E. 5.2 mit Hin
weisen).
Es
besteht keine natürliche Kausalität mehr zwischen dem
Unfaller
eignis
und der nach dem 2
8.
März 2013 andauernden Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Urteil des Bundesge
richts 8C_630/2007 vom 1
0.
März
2008, E.
5.3).
Demzufolge ist der
Fallab
schluss
ohne Rentenzusprechung
per Ende 2013 infolge des Weg
falls der natürlichen Kausalität nicht zu beanstanden.
4.4
KD
Dr.
D._
bestätigte am 2
3.
Oktober 2014, dass aus kardiologischer und internistischer Sicht nichts dagegen einzuwenden sei, dass der Beschwerdefüh
rer zu
20
%
einer leichten Bürotätigkeit
nachgehen wolle (Urk. 3/3 S. 1). Aus dieser
nicht näher begründeten
Bestätigung lässt sich aber noch keine verwer
t
bare Restarbeitsfähigkeit aus kardiologischer Sicht ableiten. Im Übrigen würde auch eine aus internisti
scher und kardiologischer Sicht 20%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig
keit
nichts
am Wegfallen der Unfallkausalität ändern
.
Eine nicht belastende Tätigkeit ist
dem Beschwerdeführer auch von Seiten des
Rückens zumut
bar. Dies gab insbesondere der behandelnde
Wirbel
säulen
spezia
list
PD
Dr.
I._
an (Urk. 15/32).
D
ie unfallbedingte Einschränkung
geht nach dem Gesagten in
d
er
krankheitsbedingte
n auf
, sodass der natürliche Kausal
zu
sammenhang auch bei dieser Sachlage zu verneinen
ist
.
Dement
spre
chend ist
die Be
schwerde
bezüglich des Anspruchs auf
Taggelder und
Renten
leistungen
ab
zu
weisen.
5.
Der Beschwerdeführer
beantragt in seiner Beschwerde des Weiteren die Prüfung und Festlegung einer Integritätsentschädigung (Urk. 1 S. 2).
Im
verwaltungsge
richtlichen
Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwal
tungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung beziehungs
weise
eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Ver
fügung beziehungsweise der Einspracheentscheid den beschwerdeweise
weiter
ziehbaren
Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfech
tungs
gegenstand
und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und inso
weit
keine Verfügung beziehungsweise kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE
131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Mit
Verfügung vom 1
9.
März
2014 (Urk. 15/81)
stellte die Suva ihre Taggeldleistungen per 3
1.
Dezember 2013 ein
und verneinte den Anspruch auf Invalidenrentenleistungen ab
1.
Januar 201
4.
Zur Frage einer allfälligen
Integritätsentschädigung
nahm sie nicht Stel
lung.
Mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 1
6.
Oktober 2014
(Urk.
2)
bestätigte die Suva ihre Verfügung vom 1
9.
März 2014, ohne dass sie sich zu
sätzlich mit der Frage nach dem Anspruch auf eine
Integritätsentschädi
gung
aus
einandergesetzt hätte.
Dieser gehört
daher vorliegend
nicht zum
Pro
zess
gegenstand
.
Dementsprechend ist auf den Antrag auf Zusprechung einer
Inte
gri
tätsentschädigung
nicht einzutreten.
6.
Mit Kostennote vom
5.
Februar 2016 (Urk. 19) sowie Rapport vom 8. Februar 2016 (Urk. 21)
machte d
ie
unentgeltliche Rechtsvertre
ter
in
des Beschwerde
füh
rers
einen Aufwand von
15,2 Stunden
und Fr.
128.50 Barauslagen geltend. Da
bei setzte sie einen Stundenansatz von Fr. 220.-- ein
(Urk.
19 S. 2;
Fr.
3‘344.-- : 15,2)
. Der Stundenansatz von Fr. 220.-- gilt jedoch praxisgemäss erst für die ab 1. Januar 2015 getätigten Aufwendungen,
währenddem
die bis Ende 2014 auf
gewendete Zeit mit Fr. 200.-- pro Stunde zu entschädigen ist.
M
it Ausnahme
des Stundenansatzes ist d
er geltend gemachte Aufwand der Bedeu
tung der Streitsache
sowie
den
Schwierigkeiten des Prozesses angemessen
. Dar
aus resul
tiert bei einem Aufwand von
13,8
Stunden
bis 31. Dezember 2014
zu
einem Stunden
an
satz von
Fr.
200.--
(entsprechend Fr.
2
‘76
0
.--)
sowie einem Aufwand von
1,4
Stun
den
ab 1. Januar 2015
à Fr. 220.-- (entsprechend Fr.
308.--
; vgl. Urk.
21
) eine Entschädigung von Fr.
3‘452.20
(
Fr.
3‘068.--
zuzüglich Baraus
la
gen von
Fr. 128.50
und
Mehrwert
steuer von 8
%
)
.
Die unentgeltliche
Rechts
ver
treterin
ist demgemäss für
ihre
Bemühungen und Barauslagen mit
Fr. 3‘452.20
(Mehrwertsteuer inbegrif
fen) aus der Ge
richtskasse zu entschädigen.