Decision ID: 480fae6b-2e9d-5061-a339-589cde4049ee
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden reichten am 18. Oktober 2018 im Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ ein Asylgesuch ein. Am 24. Ok-
tober 2018 wurden sie im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) sum-
marisch zu Ihren Asylgründen befragt und am 23. November 2018 vertieft
zu Ihren Asylgründen angehört.
Die Beschwerdeführenden machten geltend, sie seien ukrainische Staats-
angehörige aus der Stadt C._, auf der Halbinsel Krim, wo sie vor
ihrer Ausreise in einer Eigentumswohnung gelebt hätten. Der Beschwerde-
führer habe während fünf Jahren eine Militärhochschule besucht, Ausbil-
dungen in (...) und (...) absolviert, im ukrainischen Militär und bei der Poli-
zei gedient und zuletzt bis Ende 2014 beziehungsweise Anfang 2015 (...)
gearbeitet. In der Folge sei er keiner Tätigkeit mehr nachgegangen, son-
dern habe vom Geld gelebt, welches er in früheren Jahren an Freunde
ausgeliehen und nach und nach zurückerhalten habe. Die Beschwerdefüh-
rerin sei gelernte (...) und habe zudem nach sechsjährigem Studium einen
Hochschulabschluss als (...) erworben. Allerdings sei sie in den letzten 25
bis 30 Jahren ausschliesslich Hausfrau und Mutter gewesen.
Als Asylgründe machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er
habe seine Heimat verlassen, weil er zum einen mit der Politik Russlands
gegenüber den ukrainischen Bürgern auf der Krim nicht einverstanden sei
und ihm zum anderen nach der Annexion der Krim durch Russland eine
Aufenthaltsbewilligung verwehrt worden sei, was zu Einschränkungen in
seinem alltäglichen Leben geführt habe. Wegen seiner politisch motivierten
Tätigkeiten – er habe im (...) 2014 die Flagge Russlands (...) entfernt, im
(...) 2014 Hilfeleistungen in Form von Materiallieferungen an ukrainische
Militärangehörige erbracht und diesen später auch zwei Fahrzeuge zur
Verfügung gestellt – sei er in den Augen der russischen Behörden eine so-
genannte "unerwünschte Person". Zudem habe er an der (...)-Bewegung
für ukrainische Militärangehörige teilgenommen, was ihn ebenfalls zu ei-
nem Feind Russlands gemacht habe. Nach einer Auseinandersetzung mit
der pro-russisch eingestellten Familie seiner Frau seien er und seine Frau
im (...) 2017 in die Ukraine gegangen, wo sie sich etwa fünf Monate in
D._ aufgehalten und in Ruhe gelebt hätten. Weil sie die Wohnungs-
miete jedoch nur für eine bestimmte Zeit hätten bezahlen können, hätten
sie anschliessend auf die Krim zurückkehren müssen.
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Die Beschwerdeführerin brachte vor, hauptsächlich aus Angst um das Le-
ben und die Gesundheit ihres Mannes aus der Krim ausgereist zu sein.
Wegen dessen politischer Haltung habe zudem ihr Bruder (...) 2017 von
ihr verlangt, sich scheiden zu lassen. Da der Schwager ihres Bruders ein
(...) sei, hätten sie und ihr Mann nach diesem Vorfall entschieden, nach
D._ zu gehen. Sie seien jedoch einmal monatlich auf die Krim ge-
reist und weiterhin dort angemeldet gewesen, weswegen sie in der Ukraine
nicht hätten arbeiten können. Aus finanziellen Gründen seien sie daher im
(...) 2018 nach C._ zurückgekehrt.
Vor diesem Hintergrund hätten sie beide gemeinsam beschlossen, ihre in
der Schweiz wohnhafte Tochter zu besuchen. Erstmals seien sie im (...)
2018, das zweite Mal im (...) 2018 in die Schweiz gereist. Nach ihrer Rück-
kehr auf die Krim im (...) 2018 hätten sie die Situation vor Ort mit anderen
Augen gesehen. Ihre Recherchen hätten ergeben, dass andere Personen
für die gleichen Taten, wie der Beschwerdeführer sie begangen habe, zu
mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden seien. Bei dem letztmali-
gen Kontakt mit den russischen Behörden (...) 2018, als sie wieder auf die
Krim hätten einreisen wollen, seien sie einer etwa siebenstündigen Befra-
gung ausgesetzt worden. Da hätten sie gespürt, dass bald etwas passieren
würde. Deshalb hätten sie sich entschieden, C._ endgültig zu ver-
lassen, und seien am (...) 2018 mit ihren eigenen Reisedokumenten von
E._ via Moskau nach F._ geflogen, wo sie gleichentags an-
gekommen seien.
Wenn sie auf die Krim zurückkehren müssten, würden die Gesetze betref-
fend Hilfeleistungen an die Ukraine beziehungsweise nicht erwünschte
Personen auf der Krim mit grosser Wahrscheinlichkeit gegen sie und ihre
Familie angewendet werden. Neben den Angehörigen der Beschwerdefüh-
rerin wisse auch ein ehemaliger Bekannter von ihrer Volontärarbeit für die
Ukraine. Dieser sei nun Angehöriger einer russischen Militäreinheit bezie-
hungsweise Polizist. Wenn sie in die Ukraine weggewiesen würden, könn-
ten sie zwar zwei, drei Nächte bei den einen, zwei, drei Nächte bei den
anderen Freunden verbringen, wären letztlich jedoch ebenfalls gezwun-
gen, an Ihren Heimatort C._ zurückzugehen.
Zum Beweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden anlässlich
der BzP ihre Reisepässe sowie ihre Inlandpässe im Original zu den Akten.
Während der Anhörung legte der Beschwerdeführer dem SEM zudem den
Mitgliederausweis einer christlichen Vereinigung für ukrainische Militäran-
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gehörige, einen (...)-Ausweis der Organisation ukrainischer (...), einen Mit-
gliederausweis des überkonfessionellen BataiIlons der Militär(...) sowie
drei Zertifikate hinsichtlich seiner Ausbildung zum (...) zwecks Arbeit mit
Militärangehörigen im Original vor. Zudem reichte er zur Untermauerung
seiner Gesuchsgründe einen Zeitungsbericht betreffend die Flaggenentfer-
nung an besagtem (...), Fotos und Dokumente hinsichtlich der beiden Au-
tos, welche er ukrainischen Militärangehörigen zu Transportzwecken zur
Verfügung gestellt habe, eine allgemeine Bestimmung bezüglich uner-
wünschter Personen auf der Krim wie auch eine UNO-Resolution betref-
fend Menschenrechtsverletzungen auf der Krim und in C._ in Kopie
ein. Weiter gab er den Briefwechsel zwischen ihm und den Behörden be-
züglich einer Aufenthaltsbewilligung auf der Krim, mehrere Zeitungsartikel
und das Schreiben einer Bank hinsichtlich der Gründe, weshalb er nicht in
der Ukraine leben könne, sowie einen Bericht des Regional Centre for Hu-
man Rights betreffend die Lage auf der Krim in kopierter Form ab.
B.
Mit Verfügung vom 12. Dezember 2018 – zugestellt am 19. Dezember 2018
– stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführenden würden die Flücht-
lingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte
ihre Wegweisung sowie den Vollzug aus der Schweiz.
C.
Mit Eingabe vom 18. Januar 2019 erhoben die Beschwerdeführenden da-
gegen Beschwerde und beantragten, es sei der Asylentscheid vollumfäng-
lich aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihr
Asylgesuch gutzuheissen, eventualiter sei die Verfügung im Wegweisungs-
punkt aufzuheben und sie seien vorläufig aufzunehmen, allenfalls sei die
Wegweisungsverfügung in dem Sinne abzuändern, dass die derzeitige
Rückschaffung in die Ukraine ausgeschlossen werde. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht beantragten sie die unentgeltliche Prozessführung inklusive
Kostenvorschusserlass, den Beizug der Verfahrensakten N (...) (betreffend
die Beschwerdeführenden) und ein Replikrecht zu allfälligen Stellungnah-
men der Vorinstanz.
D.
Am 22. Januar 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Januar 2019 hielt die Instruktionsrichterin
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fest, dass die Beschwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten können, und wies das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege unter der Voraussetzung des fristgerechten
Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut. Weiter forderte sie die Be-
schwerdeführenden auf, bis zum 11. Februar 2019 eine Fürsorgebestäti-
gung nachzureichen oder den Kostenvorschuss einzubezahlen.
F.
Mit Eingabe vom 28. Januar 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine
Unterstützungsbestätigung der Sozialhilfe G._ zu den Akten.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 4. März 2020 hielt die Vorinstanz fest, die
Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-
weismittel, die eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten.
Das Schreiben wurde den Beschwerdeführenden am 6. März 2020 zur
Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
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und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Ein Replikrecht zur vorinstanzlichen Vernehmlassung musste den Be-
schwerdeführenden nicht eingeräumt werden, da das SEM sich inhaltlich
nicht zur Beschwerde äusserte, und es ihnen offen gestanden wäre, sich
im Rahmen von Art. 32 Abs. 2 VwVG einzubringen, falls sie wesentliche
Nachträge zur Beschwerde gehabt hätten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken(...) (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM im We-
sentlichen aus, die Vorbringen der Beschwerdeführenden seien nicht asyl-
relevant. Es verzichtete daher darauf, auf allfällige Unglaubhaftigkeitsele-
mente in den Vorbringen einzugehen.
Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, die Krim verlassen zu ha-
ben, weil er die russische Politik gegenüber den ukrainischen Bewohnern
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seiner Heimat nicht habe akzeptieren können und ihm eine Aufenthaltsbe-
willigung auf der Krim verweigert worden sei, weswegen er keinen Zugang
zum Arbeitsmarkt, zur medizinischen Versorgung und zu Bankdienstleis-
tungen gehabt habe. Zudem würde er wegen seiner Teilnahme an der (...)-
Bewegung für ukrainische Militärangehörige sowie seiner Hilfeleistungen
gegenüber denselben gemäss russischem Gesetz als Verräter Russlands
angesehen. Bei einer Festnahme drohe ihm daher eine mehrjährige Haft-
strafe (Akte A6 S. 7 f. und Akte A14 F42 f., 48, 50 und 56). Seine Haltung
gegenüber den russischen Behörden sowie sein darauf gegründetes En-
gagement seien zwar nachvollziehbar, und dass er auf der Krim als rein
ukrainischer Staatsangehöriger gewissen Einschränkungen und Benach-
teiligungen ausgesetzt gewesen sei, sei glaubhaft, dennoch bleibe festzu-
stellen, dass es – abgesehen von dem Vorfall im (...) 2014, als er wegen
der Entfernung einer russischen Flagge (...) für zwei Stunden festgehalten
worden sei, und einer längeren Befragung bei seiner letztmaligen Einreise
von der Ukraine auf die Krim im September 2018 – keine Anzeichen für ein
spezifisches Interesse der russischen Behörden an ihm gegeben habe und
er bis zum Tag seiner Ausreise unbehelligt auf der Krim habe leben können
(Akte A6 S. 7 und Akte A14 F47, 51, 57 f., 65 und 68 ef.). Auch der Um-
stand, dass er an der Grenze mehrere Stunden befragt worden sei, er je-
doch im Anschluss ohne Auflagen habe gehen können, unterstreiche das
mangelnde Interesse der russischen Behörden an seiner Person (Akte A14
F62). Die Befragung sei als reine Routinekontrolle zu werten. Seinen Vor-
bringen fehle demnach die nach Art. 3 AsyIG erforderliche Zielgerichtetheit,
weswegen die Asylrelevanz abzusprechen sei.
Die Beschwerdeführerin sei hauptsächlich aus Angst um das Leben des
Beschwerdeführers geflohen und habe als eigene Asylgründe lediglich fa-
miliäre Probleme mit ihrem Bruder und dessen Familie geltend gemacht
(Akte A7 S. 7 und Akte A15 F27). Die familiären Schwierigkeiten, nament-
lich der Umstand, dass ihr Bruder von ihr verlangt habe, sich von ihrem
Ehemann scheiden zu lassen, seien rein persönlicher Natur und entsprä-
chen keinem der in Art. 3 AsyIG genannten Verfolgungsmotive. Zudem
liege zwischen dem genannten Vorfall und dem Zeitpunkt, als sie die Krim
definitiv verlassen habe, mehr als ein Jahr, in dem es zu keinen weiteren
Problemen gekommen sei (Akte A7 S. 6 und Akte A15 F29 f.). Es liege so-
mit keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes vor.
Beide Beschwerdeführenden hätten zudem vorgebracht, bei ihrer letztma-
ligen Einreise auf die Krim gespürt zu haben, dass ihnen demnächst etwas
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zustossen würde. Ergänzend hätten ihre Erkundigungen im Internet erge-
ben, dass mehrere Personen, die sich in ähnlicher Weise wie der Be-
schwerdeführer für die ukrainische Sache auf der Krim engagiert hätten,
zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden seien. Es sei nur eine Frage
der Zeit gewesen, bis man auch ihn verhaften, verschleppen und umbrin-
gen würde (Akte A14 F43, 50, 55-58 und Akte A15 F27, 37 f.). Im Internet
würde Geld angeboten, wenn pro-ukrainisch gesinnte Personen denunziert
würden, und Personen in ihrem Umfeld wüssten, dass der Beschwerdefüh-
rer ukrainischen Militärangehörigen zwei Autos zur Verfügung gestellt habe
(Akte A14 F45 und Akte A15 F34 f.). Es liessen sich aber keine Anzeichen
für ein reales Interesse der russischen Behörden am Beschwerdeführer
finden. Er habe selber ausgeführt, seit der Annexion der Krim durch Russ-
land vor mehr als viereinhalb Jahren sei es ihm – abgesehen von den bei-
den erwähnten Vorfällen – problemlos möglich gewesen, in seiner Heimat
zu leben und aus der Krim aus- und wieder einzureisen. Dies zeige, dass
die russischen Behörden ihn eben gerade nicht ins Visier genommen hät-
ten. Aus objektiver Perspektive würden sich daher keine Gründe für eine
begründete Furcht vor Verfolgung durch Russland feststellen lassen, der
er bei einer Rückkehr auf die Krim ausgesetzt wäre. Daran ändere auch
der Verweis auf andere Personen nichts, deren Engagement sich mit dem
seinen decke und die deswegen mehrjährige Haftstrafen verbüssen müss-
ten. Auch hinsichtlich der Sorge einer Denunzierung durch seinen Bekann-
ten würden sich in seinen Schilderungen keine entsprechenden Anzeichen
finden lassen.
4.2 Dem entgegneten die Beschwerdeführenden, das SEM argumentiere
zu Unrecht, dass die russischen Behörden den Beschwerdeführer schon
längst hätten verhaften können, wenn sie ein Interesse an seiner Inhaftie-
rung gehabt hätten. Ihr Sohn sei in C._ verhaftet worden, da er pro-
ukrainische Plakate aufgehängt habe. Dies hätte genauso gut den Be-
schwerdeführer treffen können. Zudem habe ihre Tochter am (...). Januar
2015 ein Asylgesuch in der Schweiz gestellt (N [...]). Sie sei Ende Dezem-
ber 2014 auf dem Weg zur Arbeit angegriffen und vergewaltigt worden. Es
sei ihr gedroht worden, dass sie umgebracht werde, wenn ihr Vater den
ukrainischen Armeeeinheiten weiterhin Unterstützung zukommen lasse.
Der Beschwerdeführer habe bei seiner Anhörung keine genauen Angaben
gemacht, wieso die Tochter in der Schweiz einen positiven Entscheid er-
halten habe (A14 F17-19), weil er von dem Vorfall nichts gewusst habe.
Die beiden Vorfälle betreffend die Kinder seien genügend Hinweis dafür,
dass die Familie im Fokus der russischen Aufsichtsbehörden stehe. Des-
halb sei ihr grosses Unbehagen vor einer Verhaftung gerechtfertigt.
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Die Empfehlungen der Familie der Beschwerdeführerin, sich von ihrem
Mann scheiden zu lassen, seien offensichtlich nicht nur persönlicher Natur,
sondern politisch gefärbt, weil ein Teil der in Russland lebenden pro-russi-
schen Familienangehörigen die ukrainische "Seite" im Visier gehabt und
beinahe polizeiliche Massnahmen ergriffen habe, um den unerwünschten
ukrainischen Ehegatten loszuwerden und wahrscheinlich inhaftieren zu
lassen. Das mutmassliche Ziel sei gewesen, die Beschwerdeführerin auf
die pro-russische Seite zu gewinnen.
Auch wenn sie bei ihrer letzten Einreise nicht verhaftet worden seien, seien
sie dennoch gefährdet. Mit beigelegtem Menschenrechtsreport werde an-
hand einiger Fallbeispiele belegt, dass andere Regimekritiker verhaftet
worden seien oder verschwunden seien.
Entgegen den Ausführungen des SEM könnten sie als ukrainische Staats-
angehörige den Wohnort innerhalb dem von der ukrainischen Regierung
kontrollierten Staatsgebiet nicht frei wählen. Ukrainische Staatsbürger, wel-
che auf der Krim leben, müssten sich registrieren lassen, um sich im ukra-
inischen Gebiet niederzulassen. Diese Registration werde nicht erteilt,
wenn man in einem Mietverhältnis wohne; man benötige dazu Wohneigen-
tum oder nähere verwandtschaftliche Verhältnisse, welche in ihrem Fall
nicht gegeben seien. Ein Umzug von der Krim in ukrainisches Staatsgebiet
sei ausserdem mit grossem Aufwand verbunden. Gemäss den herrschen-
den Zollvorschriften könne nur Reisegepäck im Gesamtwert von EUR
200.00 und auf 50 kg beschränkt aus der Krim ausgeführt werden. Deshalb
wäre ein Umzug durch das häufige Fahren sehr kostspielig und mit be-
trächtlichem administrativem Aufwand verbunden.
5.
5.1 Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführen-
den zu Recht verneint. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf
die überzeugende Argumentation der Vorinstanz verwiesen werden.
5.1.1 Entgegen den Ausführungen auf Beschwerdeebene kann allein aus
der Tatsache, dass die Tochter Ende 2014 vergewaltigt worden sei und der
Sohn, da er pro-ukrainische Plakate in C._ befestigt habe, von 2015
bis 2016 in Haft gewesen sei (A14 F44), nicht belegen, dass die Familie
der Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der Ausreise im Fokus der russi-
schen Aufsichtsbehörden gestanden hätte. So ist festzustellen, dass, ob-
wohl sich der Beschwerdeführer (...) 2014 insbesondere durch seine Ak-
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tion, bei der er eine russische Flagge (...) entfernte, anti-russisch bezie-
hungsweise pro-ukrainisch positionierte, ihm danach während über vier-
einhalb Jahren bis zu seiner definitiven Ausreise aus der Krim am (...) 2018
keine asylrelevanten Nachteile zugefügt wurden. Zwar wurde er nach der
Aktion während zwei Stunden festgehalten, weitergehende Einschränkun-
gen haben sich daraus in der Folge aber offenbar nicht ergeben. Bei seiner
letztmaligen Einreise von der Ukraine auf die Krim im September 2018 sei
es zu einer längeren Befragung gekommen. Jedoch sei es bei dieser Be-
fragung geblieben. Am Schluss der Vorinstanz, dass es sich dabei um eine
reine Routinekontrolle gehandelt haben dürfte und es im Übrigen keine An-
zeichen für ein spezifisches Interesse der russischen Behörden an ihm ge-
geben habe, ist nichts auszusetzen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass
es den Beschwerdeführenden bis zu ihrer Ausreise möglich war, unbehel-
ligt auf der Krim zu leben. Auch die Tatsache, dass sie problemlos legal mit
ihren eigenen Reisedokumenten von E._ via Moskau nach
F._ ausreisen konnten, spricht gegen eine begründete Furcht vor
allfälligen asylrelevanten Nachteilen in ihrer Heimat.
5.1.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er habe insbesondere we-
gen seiner allein ukrainischen Staatsangehörigkeit auf der Krim Nachteile
zu gewärtigen gehabt, verkennt das Gericht nicht, dass es seit der Anne-
xion der Krim durch Russland zu Einschränkungen insbesondere für die
ukrainisch stämmige Bevölkerung gekommen ist. Was die vorgebrachte
fehlende Aufenthaltsgenehmigung betrifft, ist aber Folgendes festzuhalten:
Die russische Verwaltung betrachtet alle vor dem 18. März 2014 auf der
Krim beziehungsweise in der Stadt C._ registrierten Bewohnerin-
nen und Bewohner automatisch als russische Staatsangehörige, sofern sie
keinen fristgerechten Antrag zur Ablehnung der russischen Staatsangehö-
rigkeit eingereicht hatten (UN Human Rights Council [UNHRC], Situation
of human rights in the temporarily occupied Autonomous Republic of Cri-
mea and the city of Sevastopol [Ukraine], 25.09.2017, < https://www.ohchr.
org/EN/HRBodies/HRC/RegularSessions/Session36/Documents/A_HRC_
36_CRP.3_E.docx >; Institut für Europäische Politik (IEP), Aufgezwungene
Staatsangehörigkeit als neue Menschenrechtsverletzungen und als Mittel
aggressiver Expansion der Russischen Föderation im Kontext der Beset-
zung der Krim, 03.2017, < http://iep-berlin.de/wp-content/uploads/2017/03/
PP0317-Zayets-Aufgezwungene-v02.pdf >, beide abgerufen am
27.08.2020). Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe keine Auf-
enthaltsgenehmigung für die Krim erhalten, weil er keinen russischen Pass
besitze, ist insofern nicht richtig. Der Beschwerdeführer gilt als Bürger der
russischen Föderation, weshalb er – wie ihm im Antwortschreiben auch
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ausdrücklich mitgeteilt wurde – keine Aufenthaltsgenehmigung beantragen
konnte (vgl. als Beweismittel beigelegtes Schreiben des Beschwerdefüh-
rers der Generaldirektion für Migration des Innenministeriums der Russi-
schen Föderation [GUVM] vom 29. Juli 2016). Eine solche braucht er für
die Krim gerade nicht. Gemäss diesem Schreiben hatte der Beschwerde-
führer 2014 die Frist für eine Einsprache gegen den Erhalt der russischen
Staatsangehörigkeit verpasst. In diesem Schreiben wurde weiter erklärt,
der Beschwerdeführer müsse, um die russische Staatsangehörigkeit wie-
der ablegen zu können, zuerst einen russischen Pass beantragen, sich da-
nach ins russische Steuerregister eintragen und nachweisen lassen, keine
Steuerschulden zu haben, bevor er das Prozedere für die Entlassung aus
der russischen Staatsangehörigkeit durchlaufen könne.
5.1.3 In Bezug auf das Vorbringen der Beschwerdeführenden, sie könnten
nicht an einem anderen Ort innerhalb der Ukraine Wohnsitz nehmen, da
sie dafür Wohneigentum oder nähere verwandtschaftliche Verhältnisse
bräuchten, ist dies so nicht zutreffend. So besteht bereits seit Ende 2003
ein Gesetz, das die "Freizügigkeit und freie Wahl des Wohnsitzes in der
Ukraine" ermöglicht (День, [Der Tag], Права без регистрации [Rechte
ohne Registrierung], 01.02.2019, < https://day.kyiv.ua/ru/print/686255 >,
abgerufen am 27.08.2020). Eine Registrierung des Wohnsitzes ist dabei
nicht mit Eigentumsrechten verbunden. Erforderlich ist allerdings, dass der
Vermieter einen formal korrekten Mietvertrag ausstellt (Open Democracy,
Ukraine’s invisible voters, 30.01.2019, < https://www.opendemocracy.net/
od-russia/ganna-sokolova/ukraines-invisible-voters >, abgerufen am
27.08.2020).
5.2 Schliesslich ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin keine eige-
nen Asylgründe geltend machte, sondern ausschliesslich auf die Schwie-
rigkeiten ihres Ehemannes sowie familiäre Probleme verwies. Letztere er-
weisen sich, wie die Vorinstanz richtig festgestellt hat, als nicht asylrecht-
lich relevant (vgl. vorstehend E. 4.1).
5.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM die Asylgesuche der Be-
schwerdeführenden zu Recht abgelehnt hat.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be-
schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
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in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in zahlreichen Urteilen – auch
neueren Datums – davon aus, dass die allgemeine Lage in der Ukraine
trotz des immer noch andauernden bewaffneten Konflikts in einem Teil des
Staatsgebiets nicht landesweit durch Krieg oder eine Situation allgemeiner
Gewalt gekennzeichnet ist, aufgrund derer die Zivilbevölkerung generell
als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste (vgl. beispielsweise Urteil
des BVGer D-3512/2020 vom 30. Juli 2020 E. 9.2 m.H.).
7.3.3 Auch wenn sich der Wohnort der Beschwerdeführenden vor ihrer
Ausreise auf der annektierten Krim befand, wo die Situation weiterhin an-
gespannt bleibt, besteht für die Beschwerdeführenden als Staatsangehö-
rige der Ukraine die Möglichkeit, den Wohnort innerhalb dem von der Re-
gierung kontrollierten ukrainischen Staatsgebiet frei zu wählen (vgl. vorste-
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hend E. 5.1.3). Die Beschwerdeführenden monierten diesbezüglich, so-
lange sie auf der Krim registriert seien, seien sie zwar ukrainische Staats-
bürger, würden aber nicht als Residenten der Ukraine gelten, weshalb sie
in verschiedenen Rechten eingeschränkt seien (A14 F86 und A15 F39).
Um als Bewohner der Ukraine zu gelten, müssten sie die Krim erst verlas-
sen und sich in der Ukraine als Umsiedler anmelden (A15 F40). In Über-
einstimmung mit den Ausführungen der Vorinstanz ist festzustellen, dass
es den Beschwerdeführenden grundsätzlich zuzumuten ist, sich an ihrem
bisherigen Wohnort auf der Krim abzumelden, um auf ukrainischem Staats-
gebiet als Residenten registriert werden zu können. Auch der Umstand,
dass sie ihre Wohnung allenfalls mit Verlust verkaufen müssen oder nicht
ihr ganzes Hab und Gut mitnehmen können, spricht nicht gegen die Zu-
mutbarkeit eines Umzugs in die Ukraine. Wie die Beschwerdeführenden
vorgebracht haben, leben in der Ukraine zahlreiche Freunde von ihnen, bei
denen sie etwa vorübergehend wohnen und die sie auch bei der Woh-
nungs- und Arbeitssuche unterstützen könnten (A14 F45). Sie verfügen
beide über eine höhere Ausbildung und jedenfalls der Beschwerdeführer
auch über langjährige Arbeitserfahrung in diversen Bereichen (A6 S. 4, A7
S. 4, A14 F26-29 und A15 F23f.). Es sollte ihm daher möglich sein, sich
wieder beruflich und wirtschaftlich zu integrieren. Bei allfälligen Anfangs-
schwierigkeiten ist weiter davon auszugehen, dass den Beschwerdefüh-
renden ihre in der Schweiz wohnhafte und berufstätige Tochter unter die
Arme greifen könnte.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.4 Schliesslich erweist sich der Wegweisungsvollzug auch als möglich, da
die Beschwerdeführenden über rechtsgenügliche Identitätsdokumente der
Ukraine verfügen (Art. 83 Abs. 2 AIG) und sie im Übrigen verpflichtet sind,
über die für sie zuständige Vertretung des Heimatstaates die für eine Rück-
kehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG,
BVGE 2008/34 E. 12).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Zwischenverfügung
vom 25. Januar 2019 das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut-
geheissen wurde, sind keine Kosten aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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