Decision ID: ac55c40e-31eb-4110-9cfe-ec23eabf70ca
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1981, nordmazedonische Staatsangehörige, lebt seit 1989 in der Schweiz
und besuchte die obligatorischen Schulen bis zur 3. Oberstufe in B._. Seit 1. Mai 1997
wohnt sie in X._. Sie absolvierte keine Berufsausbildung, war aber bis zur Geburt ihrer
Kinder - K._, geb. 2008, sowie die Zwillinge R._ und S._, geb. 2011 - arbeitstätig.
Am 1. Oktober 2020 reichte A._ bei der politischen Gemeinde X._ ein Gesuch um
Einbürgerung für sich und ihre drei Kinder ein. Am 24. Februar 2021 fand das erste
Einbürgerungsgespräch statt. Am 11. März 2021 informierte der Einbürgerungsrat A._,
dass ihr Gesuch voraussichtlich abgewiesen werde. Zur Begründung hielt er fest, dass
sie ausserhalb ihres familiären Umfeldes keine sozialen Kontakte zu Schweizerinnen
und Schweizern pflege, nicht am sozialen Leben der Gesellschaft in der Schweiz
teilnehme und sich auch nicht dafür interessiere. Nachdem der damalige
Rechtsvertreter von A._ mit Schreiben vom 25. März 2021 um Befürwortung der
Einbürgerung ersucht und Kontaktpersonen genannt hatte (act. G 12/8/6), führte der
Einbürgerungsrat am 29. April 2021 ein weiteres Gespräch durch (act. G 12/8/3).
A.a.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2021 eröffnete der Einbürgerungsrat A._, dass ihr
Einbürgerungsgesuch abgewiesen, die Einbürgerung der drei Kinder hingegen
befürwortet werde. Zur Begründung hielt er fest, dass A._ keinen Kontakt zu
Schweizerinnen und Schweizern pflege. Im Gesuch habe sie nur eine Referenzperson
A.b.
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B.
angegeben, die mit ihrem Ehemann verwandt sei. Im Gespräch sei festzustellen
gewesen, dass A._ ausserhalb des familiären Umfeldes keine sozialen Kontakte zu
Schweizerinnen und Schweizern pflege und auch am sozialen Leben der Gesellschaft
in der Schweiz nicht teilnehme. Das Einbürgerungskriterium der Integration werde
daher als nicht erfüllt erachtet (act. G 12/8/2). Den gegen diese Verfügung von
Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, St. Gallen, für A._ erhobenen Rekurs vom
3. Juni 2021 (act. G 12/1, 12/5) hiess das Departement des Innern (DI) insoweit gut, als
die Verfügung vom 20. Mai 2021 aufgehoben und das Einbürgerungsgesuch von A._
an den Einbürgerungsrat zur Durchführung des Auflage- und Einspracheverfahrens
zurückgewiesen wurde (act. G 2).
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, St. Gallen, für die
politische Gemeinde X._ (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 7. Februar 2022
Beschwerde mit dem materiellen Antrag, der Entscheid sei aufzuheben und die
Nichteinbürgerung der Beschwerdegegnerin sei zu bestätigen (act. G 1). In der
Beschwerdeergänzung vom 22. März 2022 begründete Rechtsanwalt Fäh die
Beschwerde (act. G 9).
B.a.
Im Schreiben vom 6. April 2022 teilte die Vorinstanz ihren Verzicht auf eine
Vernehmlassung mit und verwies auf den Rekursentscheid vom 24. Januar 2022 (act.
G 11). Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, St. Gallen, beantragte für A._
(Beschwerdegegnerin) in der Vernehmlassung vom 13. Juni 2022 Abweisung der
Beschwerde und Bestätigung des Rekursentscheids vom 24. Januar 2022, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdeführerin (act. G 18).
B.b.
Mit Stellungnahme vom 7. Juli 2022 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seine Anträge und Ausführungen (act. G 22). Hierzu äusserte sich
die Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin in der Eingabe vom 23. August 2022
(act. G 24).
B.c.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
B.d.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist zur Anfechtung des vorinstanzlichen Entscheids legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 2 VRP; zur Rechtsmittelbefugnis der Gemeinde betreffend die
Einbürgerung vgl. VerwGE B 2019/81 vom 25. Mai 2020 E. 1). Die Beschwerdeeingabe
vom 7. Februar 2022 (act. G 1) erfolgte rechtzeitig. Sie erfüllt in Verbindung mit der
Beschwerdeergänzung vom 22. März 2022 (act. G 9) sowohl formal als auch inhaltlich
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
bis
Schweizerin oder Schweizer ist, wer das Bürgerrecht einer Gemeinde und das
Bürgerrecht des Kantons besitzt (Art. 37 Abs. 1 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft [SR 101, BV]). Bezüglich Einbürgerungen von
Ausländerinnen und Ausländern sind die Kompetenzen zur Rechtsetzung und
Rechtsanwendung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden aufgeteilt (Art. 38 BV).
Das Einbürgerungsverfahren ist dreistufig. Voraussetzung zur Erlangung des
Schweizer Bürgerrechts ist die Erteilung des Gemeinde- und Ortsbürgerrechts, des
Kantonsbürgerrechts und der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung. Dabei
müssen auf jeder Ebene sowohl formelle (namentlich Wohnsitzjahre) als auch materielle
Einbürgerungsvoraussetzungen (insbesondere die Integration) erfüllt sein. Nach Art. 38
Abs. 2 BV erlässt der Bund Mindestvorschriften über die Einbürgerung von
Ausländerinnen und Ausländern durch die Kantone und erteilt die
Einbürgerungsbewilligung. Diese Bestimmung betrifft in erster Linie die ordentliche
Einbürgerung, um die es auch im vorliegenden Fall geht (BGer 1D_3/2014 vom
11. März 2015 E. 2.2). Für die ordentliche Einbürgerung verlangt das Bundesrecht in
formeller Hinsicht zum einen, dass die bewerbende Person bei der Gesuchstellung eine
Niederlassungsbewilligung besitzt; zum andern, dass sie einen Aufenthalt von
insgesamt zehn Jahren in der Schweiz nachweist, wovon drei in den letzten fünf Jahren
vor Einreichung des Gesuchs (Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Schweizer
Bürgerrecht, Bürgerrechtsgesetz, SR 141.0, BüG). Art. 11 BüG setzt für die
Einbürgerung sodann die erfolgreiche Integration der gesuchstellenden Person (lit. a)
sowie die Vertrautheit mit den schweizerischen Lebensverhältnissen (lit. b) voraus; die
2.1.
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Einbürgerung darf keine Gefährdung der inneren und äusseren Sicherheit der Schweiz
darstellen (lit. c). Nach Art. 12 Abs. 1 BüG zeigt sich eine erfolgreiche Integration
insbesondere im Beachten der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (lit. a), in der
Respektierung der Werte der Bundesverfassung (lit. b), in der Fähigkeit, sich im Alltag
in Wort und Schrift in einer Landessprache zu verständigen (lit. c), in der Teilnahme am
Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung (lit. d) und in der Förderung und
Unterstützung der Integration der Ehefrau oder des Ehemannes, der eingetragenen
Partnerin oder des eingetragenen Partners oder der minderjährigen Kinder, über
welche die elterliche Sorge ausgeübt wird (lit. e). Nach Art. 12 Abs. 3 BüG können die
Kantone weitere Integrationskriterien vorsehen. Sämtliche materiellen Voraussetzungen
der ordentlichen Einbürgerung müssen sowohl im Zeitpunkt der Gesuchstellung als
auch anlässlich der Einbürgerung erfüllt sein (BGE 140 II 65 E. 2.1).
Auf kantonaler Ebene bestimmt Art. 9 des Gesetzes über das St. Galler Bürgerrecht,
(sGS 121.1, BRG), dass Ausländerinnen und Ausländer, die über eine
Niederlassungsbewilligung verfügen (Art. 34 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration, Ausländer- und
Integrationsgesetz, SR 142.20, AIG), ein Gesuch um Erteilung des Gemeinde- und
Kantonsbürgerrechts stellen können, wenn sie fünf Jahre ununterbrochen im Kanton
und in der politischen Gemeinde wohnen. Die Kantone sowie die Gemeinden - nach
Massgabe des kantonalen Rechts - können zusätzliche materielle
Einbürgerungsvoraussetzungen zu den bundesrechtlichen Mindestanforderungen
aufstellen (Hafner/Buser, in: B. Ehrenzeller u.w. [Hrsg.], Die schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 8 zu Art. 38 BV, BGE 138 I
242 E. 5.3). Der Kanton St. Gallen hat dies bei der ordentlichen Einbürgerung sowohl in
Bezug auf die Wohnsitzerfordernisse als auch hinsichtlich der materiellen
Voraussetzungen getan. Das BRG ergänzt und erläutert die bundesrechtlichen
Eignungsvoraussetzungen, indem die Begriffe durch die Voraussetzungen der
Integration und der Vertrautheit konkretisiert und auf die örtlichen Verhältnisse
ausgedehnt werden (Botschaft zum Gesetz über das St. Galler Bürgerrecht vom
8. Dezember 2008, Ziff. 4.2.3, S. 7). Ausländerinnen und Ausländer können
eingebürgert werden, wenn sie zur Einbürgerung geeignet sind (Art. 12 Abs. 1 Satz 1
BRG). Wer um Einbürgerung ersucht, hat ein Einbürgerungsgesuch mit
Bewerbungsschreiben, Fotografie sowie den vom Einbürgerungsrat verlangten
Unterlangen einzureichen (Art. 15 und 16 BRG und Art. 4 der Verordnung über das
St. Galler Bürgerrecht, sGS 121.11, BRV). Der Einbürgerungsrat stellt die für die
Einbürgerung massgebenden Sachverhalte fest und führt mit der gesuchstellenden
2.2.
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Person das Einbürgerungsgespräch durch (Art. 17 BRG). Abschliessend entscheidet
der Einbürgerungsrat über das Einbürgerungsgesuch. Sofern er eine Ablehnung des
Einbürgerungsgesuchs beabsichtigt, gibt er der gesuchstellenden Person Gelegenheit
zur Stellungnahme und zum Rückzug des Gesuchs (Art. 19 Abs. 1 und 2 BRG).
Aufgrund der Kann-Formulierung in Art. 12 Abs. 1 BRG handelt es sich dabei um einen
Ermessensentscheid. Der Einbürgerungsrat kann daher bei Vorliegen der formellen und
der materiellen bundesrechtlichen Einbürgerungsvoraussetzungen eine Einbürgerung
vornehmen, er ist dazu aber nicht verpflichtet. Denn selbst bei Vorliegen sämtlicher
Voraussetzungen besteht noch kein bundesrechtlicher Rechtsanspruch auf
Einbürgerung. Auch ohne Anspruch auf Einbürgerung wäre es indessen gemäss
neuerer bundesgerichtlicher Praxis willkürlich und rechtsungleich, eine
einbürgerungswillige Person, die alle Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllt, nicht
einzubürgern (R. Kiener, in: Biaggini/Gächter/Kiener [Hrsg.], Staatsrecht, 3. Aufl. 2021,
N 24 zu § 29 mit Hinweis u.a. auf BGE 146 I 49 E. 2.7, VerwGE B 2019/132 vom
23. September 2019 E 2.1).
Vor Verwaltungsgericht können gemäss Art. 61 Abs. 1 und Abs. 2 VRP
Rechtsverletzungen sowie die unrichtige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden;
die Rüge der Unangemessenheit ist - mit hier nicht einschlägigen Ausnahmen -
ausgeschlossen. Im Rahmen von Ermessensentscheiden stellen der Missbrauch sowie
die Überschreitung oder Unterschreitung des Ermessensspielraums
Rechtsverletzungen dar. Demgegenüber stellt die bloss unzweckmässige Ausübung
des Ermessens keine Rechtsverletzung dar und kann vor Verwaltungsgericht nicht
gerügt werden. Eine Ermessensüberschreitung liegt vor, wenn die Behörde Ermessen
ausübt, wo für dieses nach Gesetz kein Raum besteht. Eine Ermessensunterschreitung
liegt vor, wenn sich eine Behörde gebunden fühlt, obwohl ihr Ermessen zusteht bzw.
sie auf die Ausübung des ihr zustehenden Ermessens ganz oder teilweise verzichtet.
Ermessensmissbrauch wird angenommen, wenn die Ermessensausübung nicht
pflichtgemäss erfolgte, namentlich, wenn sie von sachfremden Kriterien geleitet ist. Die
Ermessensbetätigung hat sich an den allgemeinen Rechtsgrundsätzen, den
verwaltungsrechtlichen Grundprinzipien und den (weiteren) verfassungsrechtlichen
Schranken, insbesondere den Grundsätzen der Rechtsgleichheit, der
Verhältnismässigkeit und am Verbot der Willkür, zu orientieren (vgl. zum Ganzen
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 739
ff. und M. Looser/M. Looser-Herzog, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 10 ff. zu Art. 46
VRP und N 5 zu Art. 61 VRP). Hinsichtlich Einbürgerungsentscheiden hat dies zur
2.3.
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3.
Folge, dass das Verwaltungsgericht - sowie gemäss Art. 34 Abs. 2 BRG bereits das
zuständige Departement - im Streitfall nur überprüfen kann, ob der Einbürgerungsrat
sein Ermessen unter- oder überschritten oder missbraucht und damit rechtswidrig
gehandelt hat (VerwGE B 2011/229 vom 31. Mai 2012 E. 4.1). Wird der
Ermessensentscheid anhand sachlicher Kriterien begründet, so hat es deshalb in der
Regel für die Rechtsmittelinstanz (Verwaltungsgericht) sein Bewenden. Ist ein
Entscheid über die Einbürgerung mithin weder diskriminierend noch willkürlich,
sondern beruht auf sachlichen Gründen, so hat ihn die politische Gemeinde resp. deren
zuständiges Organ gültig gefällt (VerwGE B 2021/273 vom 13. September 2022, E. 2.3
mit Hinweisen).
3.1.
Vorliegend ist die für eine Einbürgerung vorausgesetzte erfolgreiche Integration der
Beschwerdegegnerin (Art. 11 lit. a BüG; Art. 13 BRG) sowie ihre Vertrautheit mit den
schweizerischen Lebensverhältnissen (Art. 11 lit. b BüG; Art. 14 BRG) streitig. Nach Art.
2 Abs. 1 der Verordnung über das Schweizer Bürgerrecht (SR 141.01, BüV) ist mit den
schweizerischen Lebensverhältnissen vertraut, wer namentlich über Grundkenntnisse
der geografischen, historischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der
Schweiz verfügt (lit. a), am sozialen und kulturellen Leben der Gesellschaft in der
Schweiz teilnimmt (lit. b) und Kontakte zu Schweizerinnen und Schweizern pflegt (lit. c).
Nicht verlangt ist hinsichtlich des letztgenannten Kriteriums ein Kontakt zu Schweizern
in der Wohngemeinde; dies auch mit Blick auf die Mobilität und soziale Vernetzung der
Bevölkerung über Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinweg (vgl. Erläuternder Bericht
des EJPD zum Entwurf zur Verordnung zum Bürgerrechtsgesetz vom April 2016 S. 8).
Die zuständige kantonale Behörde kann nach Art. 2 Abs. 2 BüV die Bewerberin oder
den Bewerber zu einem Test über die Kenntnisse nach Abs. 1 lit. a verpflichten. Sieht
sie einen solchen Test vor, so stellt sie sicher, dass die Bewerberin oder der Bewerber
sich mit Hilfe von geeigneten Hilfsmitteln oder Kursen auf den Test vorbereiten kann
(lit. a) und sie oder er einen solchen Test bestehen kann mit den für die Einbürgerung
erforderlichen mündlichen und schriftlichen Sprachkompetenzen (lit. b). Gemäss Art. 14
BRG ist mit den schweizerischen und örtlichen Verhältnissen insbesondere vertraut,
wer am öffentlichen Geschehen interessiert ist, darüber Bescheid weiss und sich daran
beteiligt (lit. a) sowie über die Grundsätze des Staatsaufbaus Bescheid weiss und über
Grundkenntnisse der geografischen, historischen, politischen und gesellschaftlichen
3.1.1.
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Verhältnisse verfügt (lit. b). Art. 13 BRG setzt für eine Integration ein Leben in
geordneten finanziellen Verhältnissen, die Wahrnehmung der Erziehungsverantwortung
gegenüber minderjährigen Kindern und gute Deutschkenntnisse voraus. Die
Einbürgerungsvoraussetzungen und insbesondere die Integrationsanforderungen
müssen insgesamt verhältnismässig und diskriminierungsfrei sein und dürfen nicht
überzogen erscheinen. Erforderlich ist eine Gesamtwürdigung aller massgeblichen
Kriterien im Einzelfall. Die Beurteilung muss ausgewogen bleiben und darf nicht auf
einem klaren Missverhältnis der Würdigung aller wesentlichen Kriterien beruhen (BGE
146 I 49 E. 4).
Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid dar, die Beschwerdegegnerin habe
anlässlich des zweiten Gesprächs mit dem Einbürgerungsrat einige Kontaktpersonen,
insbesondere Nachbarn an ihrer gegenwärtigen Wohnadresse, wo sie seit 18 Jahren
lebe, genannt. Von einer früheren Wohnadresse, wo sie 5 Jahre gelebt habe und wo
jetzt ihr Vater wohne, kenne sie ein Schweizer Ehepaar. Dieses treffe sie gelegentlich
im Garten an. Im Gespräch habe sie diesen Kontakt als nicht eng bezeichnet. Das
Ehepaar habe dem Einbürgerungsrat per E-Mail sinngemäss seine Aussage zur
sozialen Integration der Beschwerdegegnerin angeboten. Der Einbürgerungsrat habe
auf eine Befragung des Ehepaars verzichtet. Aufgrund der Erkenntnisse, die der
Einbürgerungsrat im Gespräch mit der Beschwerdegegnerin zu diesem Ehepaar
gewonnen habe, sei ihm dies nicht vorzuwerfen. Der Kontakt mit diesem Ehepaar sei
nicht als Kontaktpflege im Sinn der BüV zu werten. Dasselbe gelte für die weiteren von
der Beschwerdegegnerin genannten Nachbarn. Die Beschwerdegegnerin sei im
Moment Hausfrau und kümmere sich vollzeitlich um die drei Kinder (geb. 2008 und
2011), welche die Schule besuchen und in Vereinen aktiv seien. Als Kontakte habe die
Beschwerdegegnerin im Gespräch mit dem Einbürgerungsrat die Mutter eines
Fussballclub-Kollegen ihrer beiden Söhne genannt sowie eine Mutter, die sie von der
Schule ihrer Söhne her kenne. Auch hier könne nicht von Kontaktpflege (im Sinn der
BüV) gesprochen werden. Die Lehrer der Kinder hätten bestätigt, dass die Eltern (d.h.
die Beschwerdegegnerin und ihr Mann) ihre Erziehungsverantwortung wahrnehmen
würden. Das jährliche Elterngespräch mit den Lehrern könne jedoch ebenfalls nicht als
Kontaktpflege erachtet werden. Die von der Beschwerdegegnerin angeführten Brüder
mit Schweizer Bürgerrecht seien auch nicht als Kontakt (im Sinn der BüV) zu beurteilen,
da sie dem familiären Bereich zuzuordnen seien. Daraus folge, dass die
Beschwerdegegnerin zwar einige Schweizer (bzw. Personen mit CH-Bürgerrecht)
kenne, aber keinen Kontakt mit diesen pflege. Die Kriterien der Teilnahme am sozialen
3.1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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und kulturellen Leben sowie der Kontaktpflege mit Schweizerinnen und Schweizern
seien daher als nicht erfüllt zu beurteilen (act. G 2 S. 10).
Die Beschwerdegegnerin erfülle indes sämtliche Integrationskriterien nach Art. 12 Abs.
1 BüG und habe erfolgreich den Test über die Grundkenntnisse der geographischen,
historischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz absolviert.
Sie verfüge über passable Deutschkenntnisse, lebe in geordneten finanziellen
Verhältnissen und sei nie straffällig geworden. Sie sei ab ihrem 8. Lebensjahr in der
Schweiz aufgewachsen und habe nach dem Besuch der obligatorischen Schule bei der
Q._ AG in Z._ gearbeitet. Die Arbeitgeberin habe ihr einen einwandfreien,
vorbildlichen, freundlichen und korrekten Umgang mit Vorgesetzten und
Mitarbeitenden attestiert. Sie habe im Rahmen ihrer langjährigen Erwerbstätigkeit
gleichzeitig am sozialen Leben teilgenommen. Dass sie nicht mehr erwerbstätig sei, sei
dem Umstand geschuldet, dass sie sich um ihre drei Kinder kümmere. Somit könne ihr
nicht vorgehalten werden, dass sie sich von der schweizerischen Bevölkerung
fernhalten wolle bzw. bewusst und freiwillig mit ihr nicht in näheren Kontakt treten
wolle. Die langjährige Arbeitstätigkeit sei ihr positiv anzurechnen. Weiter sei ihr positiv
anzurechnen, dass alle drei Kinder in Vereinen aktiv seien und sie damit deren
Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in der Schweiz besonders unterstütze. Die
Gesamtwürdigung aller Aspekte ergebe, dass das Manko der Beschwerdegegnerin bei
den Kriterien nach Art. 2 Abs. 1 lit. b und c BüV aufgewogen werde (act. G 2 S. 10 f.).
Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, dass vorliegend insbesondere die soziale
Eingliederung (Art. 2 Abs. 1 lit. b BüV) in Frage stehe. Der vorliegende Sachverhalt sei
nicht mit den Sachverhalten vergleichbar, welche dem BGE 146 I 49 und dem VerwGE
B 2019/189 vom 30. April 2020 zugrunde gelegen hätten. Die Beschwerdegegnerin
habe keine Referenzperson aus ihrer Schulzeit nennen können. Offenbar habe sie es
während ihrer obligatorischen Schulzeit nicht geschafft, einen Schweizer Freundeskreis
aufzubauen. Dies zeige eindeutig, dass sie nicht mit den hiesigen Lebensverhältnissen
vertraut sei. Sie habe nach der Schulzeit keine Lehre abgeschlossen oder sich sonst
weitergebildet. Die Tätigkeit bei der Q._ AG habe weder Kontakt mit Kunden oder
Lieferanten noch eine vertiefte Zusammenarbeit im Team erfordert. Offenbar seien
auch keine besonders guten Deutschkenntnisse erforderlich gewesen. Dies stehe in
klarem Gegensatz zu den vorerwähnten Gerichtsentscheiden, denen eine erfolgreiche
selbständige Tätigkeit bzw. eine Ausbildung mit Weiterbildung zugrunde gelegen
hätten. Der Kontakt der Beschwerdegegnerin mit Arbeitskollegen scheine hingegen
3.1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/15
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nicht über das Mindestmass hinausgegangen zu sein. Sie habe keine einzige
ehemalige Arbeitskollegin als Referenzperson angeben können. Die von der Vorinstanz
angerufene Vermutungsfolge, wonach eine Arbeitstätigkeit Kontakt zur einheimischen
Bevölkerung mit sich bringe, werde also entkräftet. Indem die Vorinstanz die
Eingliederung der Beschwerdegegnerin als genügend erachte, verletze sie Bundesrecht
(Art. 2 Abs. 1 lit. c BüV). Im Weiteren habe die Beschwerdegegnerin keine
Referenzperson ausserhalb der Nachbarschaft nennen können. Die angegebenen
Kontakte basierten auf nachbarschaftlichen Zufallstreffen. Betreffend die von ihr
vorgebrachten Kontakte mit Eltern von Schulkollegen ihrer Kinder könne die
Beschwerdegegnerin auch keine Schweizer Kontaktperson angeben. Der
Einbürgerungsrat habe sich ausführlich mit der Frage beschäftigt, ob die
Beschwerdegegnerin ausreichend Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung pflege.
Die diesbezüglichen Antworten der Beschwerdegegnerin hätten den Einbürgerungsrat
auch an der zweiten Sitzung vom 29. April 2021 nicht zu überzeugen vermocht. Trotz
der langen Anwesenheitsdauer in der Schweiz könne sie keine einzige schweizerische
Person nennen, mit der sie auch nur losen Kontakt pflege. Sie lebe also völlig isoliert
von der schweizerischen Bevölkerung. Indem die Vorinstanz trotzdem die
Voraussetzung der Vertrautheit mit den schweizerischen Lebensverhältnissen als erfüllt
erachte, verletze sie nicht nur Bundesrecht (Art. 11 lit. b BüG in Verbindung mit Art. 2
Abs. 1 lit. c BüV), sondern überschreite auch ihr Ermessen. Sodann könne aus der
Hilfsarbeiterinnentätigkeit nach der Schule nicht auf eine gelungene wirtschaftliche
Integration geschlossen werden (Art. 12 Abs. 1 lit. b und d BüG). Die mangelnde
Ausbildung sei kein Zeichen für die Vertrautheit mit schweizerischen Werten. Die
jüngsten Kinder würden bald die Oberstufe besuchen. Trotzdem gehe die
Beschwerdegegnerin seit Jahren keiner Erwerbstätigkeit mehr nach. Die Vorinstanz
verletze Bundesrecht (Art. 12 Abs. 1 lit. d BüG), wenn sie die Beschwerdegegnerin als
wirtschaftlich integriert erachte. Die Beschwerdeführerin (Einbürgerungsrat) habe im
Rahmen des ihm zustehenden Ermessens sämtliche gesetzlichen Anforderungen
geprüft und gewichtet. Die Vorinstanz wiederum weiche ohne Not von dieser
Beurteilung ab. Das Kriterium der Vertrautheit mit den schweizerischen
Lebensverhältnissen sei so eindeutig nicht erfüllt, dass selbst bei einer wohlwollenden
Beurteilung der übrigen Anforderungen dieses Manko nicht ausgeglichen werden
könne. Die Vorinstanz überschreite ihr Ermessen in unzulässiger Weise (act. G 5).
3.2.
Gemäss Art. 89 der Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1, KV) ist die
3.2.1.
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Gemeindeautonomie nach Massgabe des kantonalen Rechts gewährleistet. Der
geschützte Autonomiebereich kann sich auf die Befugnis zum Erlass oder Vollzug
eigener kommunaler Vorschriften beziehen oder einen entsprechenden Spielraum bei
der Anwendung kantonalen oder eidgenössischen Rechts betreffen (BGE 137 I 235
E. 2.2, 136 I 265 E. 2.1). Letzteres gewährt das kantonale Recht den Gemeinden im
Bereich der ordentlichen Einbürgerung. Den damit verbundenen Ermessensspielraum
haben auch die Rechtsmittelinstanzen zu beachten. Sie dürfen einzig eingreifen, wenn
die Gemeinde ihr Ermessen nicht pflichtgemäss, das heisst in Widerspruch zum Sinn
und Zweck der Bürgerrechtsgesetzgebung, ausübt (BGE 137 I 235 E. 2.4). Den
kommunalen Behörden kommt, auch was die Anforderungen an die (lokale) Integration
der gesuchstellenden Personen sowie ihre Vertrautheit mit schweizerischen
Lebensverhältnissen (Kenntnisse der geographischen, historischen, politischen und
gesellschaftlichen Verhältnisse) angeht, ein Ermessenspielraum zu. Dabei ist stets eine
Gesamtwertung anhand sämtlicher Kriterien und der persönlichen und sozialen
Situation des Bewerbers vorzunehmen (BGE 138 I 242 E. 5.3).
Die Beschwerdeführerin weist zutreffend darauf hin, dass der vorliegende Sachverhalt
nicht ohne Weiteres mit den Sachverhalten vergleichbar ist, welche BGE 146 I 49 und
VerwGE B 2019/189 a.a.O. zugrunde lagen. Zu beachten ist indes im konkreten Fall,
dass die Prüfung der Vertrautheit einer gesuchstellenden Person mit den
schweizerischen Verhältnissen (vgl. Art. 11 lit. b BüG, Art. 2 BüV, Art. 14 BRG) mehrere
Gesichtspunkte aufweist und ein Manko bei einem Gesichtspunkt durch Stärken bei
anderen Aspekten ausgeglichen werden kann, solange dieser nicht für sich allein den
Ausschlag gibt (vgl. VerwGE B 2021/273 a.a.O. E. 3.3 m.H. auf Spescha/Kerland/Bolzli,
Handbuch zum Migrationsrecht, 2. Aufl. 2015, S. 415 unten m.H.; VerwGE B 2019/189
a.a.O. E. 3.8 f. m.H.). Soweit bei der Beschwerdegegnerin bezüglich der Teilnahme am
gesellschaftlichen Leben in der Schweiz und ihrer Kontakte zu Schweizern und
Schweizerinnen (Art. 2 Abs. 1 lit. b und c BüV; vgl. vorstehende E. 3.1.2) ein Manko
besteht, ist dieses ihren im Rahmen des Einbürgerungstests gezeigten Kenntnissen der
geographischen, historischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse (Art. 2
Abs. 1 lit. a und Art. 2 Abs. 2 BüV; Art. 14 Abs. 1 lit. b BRG) sowie den
Integrationskriterien (Art. 12 Abs. 1 BüG; Art. 13 BRG) gegenüberzustellen.
Was vorab die Fähigkeit betrifft, sich im Alltag in Wort und Schrift in einer
Landessprache zu verständigen; Art. 12 Abs. 1 lit. c BüG), ist festzuhalten, dass gute
Sprachkenntnisse nicht zuletzt auch für die erfolgreiche Absolvierung des - sprachlich
3.2.2.
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nicht anspruchslosen - Einbürgerungstests (vgl. act. G 12/8/16) erforderlich gewesen
sein dürften. Die handschriftlichen Anmerkungen der Beschwerdegegnerin im
Fragebogen der Ortsbürgergemeinde (act. G 12/8/16) zeigen, dass sie in der Lage ist,
sich schriftlich in einfachen Sätzen zu äussern. Von daher erweist sich das Vorbringen
der Beschwerdeführerin betreffend unterdurchschnittliche Sprachkenntnisse für eine
über 33jährige Anwesenheit (act. G 22 Ziffer 5) als nicht ohne Weiteres nachvollziehbar;
dies umso weniger, als sich eine Unterdurchschnittlichkeit hier wohl nur schwierig
quantifizieren liesse. Die Beschwerdegegnerin verbrachte ihre gesamte Schulzeit in der
Schweiz und spricht nach den unwidersprochenen Darstellungen im vorliegenden
Verfahren (act. G 18 S. 5) gut Deutsch. Letzteres war auch in der Checkliste
Einbürgerungsverfahren der Ortsbürgergemeinde festgehalten worden (act. G 12/8/16).
Sodann zeigt der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin im Kanton St. Gallen
aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, seit 25 Jahren in der Gemeinde X._
wohnt und vor der Geburt der Kinder eine Erwerbstätigkeit in der Region ausübte, dass
sie sich mit den Lebensbedingungen in der Schweiz und damit auch mit der deutschen
Sprache auseinandersetzen musste.
Die Vorinstanz legte einlässlich die Überlegungen und Gründe dar, aufgrund welcher
sie die Einbürgerungsvoraussetzungen insgesamt als erfüllt erachtet (act. G 2 S. 10 f.).
Sie stützte ihren Entscheid auf sachliche Kriterien, indem sie die gesamten
vorliegenden Akten würdigte und die strittigen Kriterien umfassend beurteilte. Als
dargetan zu gelten hat gemäss den vorinstanzlichen Darlegungen die Erfüllung der
Integrationskriterien nach Art. 12 Abs. 1 BüG, d.h. das Beachten der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung (keine Straffälligkeit), die Respektierung der Werte der
Bundesverfassung, die Fähigkeit, sich in Wort und Schrift in einer Landessprache zu
verständigen, die Teilnahme am Wirtschaftsleben (Integration im Erwerbsleben vor der
Geburt der Kinder) und die Förderung und Unterstützung ihrer Kinder. Was den
Einwand der Beschwerdeführerin betrifft, wonach die Beschwerdegegnerin seit Jahren
keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehe, obschon die jüngeren Kinder bald die
Oberstufe besuchen würden (act. G 9 S. 8), ist festzuhalten, dass die Kriterien der
Integration und der Vertrautheit verschiedene Lebenspläne zulassen. Insbesondere ist
für die Würdigung dieser Kriterien die von der Beschwerdegegnerin gewählte Tätigkeit
im Haushalt mit Kinderbetreuung nicht an feste zeitliche (Ober-)Grenzen gebunden.
Mithin ist eine erwerbliche Tätigkeit (ausser Haus) hinsichtlich ihrer Integrationswirkung
nicht höher zu werten als eine solche zuhause mit Kinderbetreuung. So trug die
Beschwerdegegnerin durch die Begleitung und Betreuung ihrer Kinder im Alltag ihren
3.2.3.
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4.
Teil zu deren Integration in der Schweiz und damit auch dazu bei, dass die Kinder die
Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllten. Dadurch zeigte sich mittelbar auch die
Integration der Beschwerdegegnerin selbst (vgl. Art. 12 Abs. 1 lit. e BüG). Dies und die
am Einbürgerungstest gezeigten Kenntnisse im Sinn von Art. 2 Abs. 1 lit. a BüV sowie
die Erfüllung der weiteren Integrationskriterien (Art. 12 Abs. 1 BüG) vermögen die von
der Beschwerdeführerin an sich zu Recht monierte geringe Teilnahme der
Beschwerdegegnerin am gesellschaftlichen Leben in der Schweiz und den geringen
Kontakt zu Schweizerinnen und Schweizern (Art. 2 Abs. 1 lit. b und c BüV) letztlich zu
kompensieren. Eine isolierte Wertung der vorerwähnten Kriterien - unter
Ausserachtlassung der Kompensationsmöglichkeit von Mankos und Stärken in anderen
Teilbereichen - würde zu einem Missverhältnis in der Würdigung der Kriterien führen
und erschiene damit unverhältnismässig, wodurch der Ermessenspielraum der
Beschwerdeführerin überschritten würde (VerwGE B 2021/273 a.a.O. E. 3.3). Der
Entscheid der Vorinstanz, welcher sich für die Bewilligung des Gesuchs aussprach,
erweist sich damit als gerechtfertigt.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde daher abzuweisen.
Aufgrund des Obsiegens der Beschwerdegegnerin sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdeführerin zu tragen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf deren Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP).
4.1.
Die unterliegende Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin für das
Beschwerdeverfahren antragsgemäss ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98
Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP). Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdegegnerin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung
nach Ermessen festzulegen ist (vgl. Art. 30 Ingress und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 1
und 2 des Anwaltsgesetzes [sGS 963.70, AnwG], Art. 6 und Art. 19 der
Honorarordnung [sGS 963.75, HonO]). Nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO beträgt das
Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'500 bis CHF 15'000. Angesichts der
konkreten Verhältnisse erscheint eine Entschädigung von CHF 2'500 für das
Beschwerdeverfahren angemessen. Die Beschwerdeführerin hat somit die
Beschwerdegegnerin mit CHF 2'500 zuzüglich CHF 100 Barauslagen (vier Prozent von
4.2.
bis
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