Decision ID: a5278b8a-2517-4b81-b1df-bea4baaa8a20
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Staatsanwaltschaft See / Oberland auf entsprechendes Ersuchen hin mit
Verfügung vom 29. November 2016 von der Staatsanwaltschaft Ravens-
burg, Deutschland, die Strafuntersuchung gegen A. übernahm (act. 1.1);
- der Verfügung der Hinweis angefügt wurde, gegen diese könne innert 10 Ta-
gen seit der Zustellung oder Eröffnung schriftlich und begründet Beschwerde
beim Bundesstrafgericht erhoben werden (Art. 41 Abs. 2 StPO);
- A. am 9. Dezember 2016 gegen die erwähnte Verfügung bei der Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben liess und bean-
tragt, die Übernahme des gegen sie gerichteten Verfahrens sei abzulehnen
und das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Ravensburg zurückzugeben
(act. 1);
- die Beschwerde per Telefax am 9. Dezember 2016 mit dem Vermerk «Vorab
per Telefax» bei der Beschwerdekammer, das Original auf dem Postweg bis
dato aber nicht eingetroffen ist;
- A. mit Eingabe vom 14. Dezember 2016 im Nachgang zu ihrer Beschwerde
gegen B. eine Strafanzeige wegen falscher Anschuldigung nach Art. 303
StGB einreichen liess (act. 2).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Deutschland neben den ein-
schlägigen Staatsverträgen das Bundesgesetz vom 20. März 1981 (Rechts-
hilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982
über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfeverordnung,
IRSV; SR 351.11) zur Anwendung gelangen (Art. 1 Abs. 1 lit. c IRSG);
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten zu-
dem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über
das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR
172.021) anwendbar sind (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a
StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe Art. 12 Abs. 1
IRSG);
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- der bis dato nur per Telefax eingereichten Beschwerde vom 9. Dezem-
ber 2016 keine fristwahrende Wirkung zukommt (BGE 142 V 152 E. 4.6
S. 160; 121 II 252 E. 4b S. 256; Entscheid des Bundesstrafgerichts
RR.2015.133 vom 24. Juni 2015);
- auf diese bereits daher nicht einzutreten wäre;
- es vorliegend auch an einem zulässigen Anfechtungsobjekt fehlt, da die
Bestimmungen der Art. 31 ff. StPO und insbesondere Art. 41 Abs. 2 StPO
nur Anwendung finden, wenn es sich um die Festlegung des Gerichtsstands
im interkantonalen oder innerkantonalen Verhältnis handelt (vgl. BARTETZKO,
Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 31 StPO N. 3);
- vorliegend die Regeln der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen zu be-
achten sind, auf welche die angefochtene Verfügung im Rahmen ihrer Be-
gründung ebenfalls Bezug nimmt;
- die Übernahme des deutschen Verfahrens erfolgte, weil sich der mutmassli-
che Tatort in der Schweiz befindet, womit eine (originäre) schweizerische
Gerichtsbarkeit (Art. 3 Abs. 1 StGB) und kein Anwendungsfall von Art. 85 ff.
IRSG vorliegt (vgl. TPF 2013 97 E. 5.4.2 S. 103);
- die Annahme des vorliegenden Strafübernahmebegehrens aus Deutschland
daher auch nach den Regeln der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen
kein gültiges Anfechtungsobjekt darstellt (vgl. hierzu den Entscheid des Bun-
desstrafgerichts RR.2015.249 vom 17. September 2015);
- die Beurteilung der von der Beschwerdeführerin bestrittenen Tat der zustän-
digen Strafbehörde zu überlassen ist;
- auf die Beschwerde daher ohne Durchführung eines Schriftenwechsels nicht
einzutreten ist (Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario);
- aufgrund der fehlerhaften Rechtsmittelbelehrung ausnahmsweise auf die Er-
hebung einer Gerichtsgebühr zu verzichten ist (Art. 63 Abs. 1 VwVG);
- die ebenfalls bei der Beschwerdekammer eingereichte Strafanzeige zustän-
digkeitshalber an die Staatsanwaltschaft See / Oberland weiterzuleiten ist
(Art. 91 Abs. 4 StPO);
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- dieser ein schweizerisches Strafverfahren betreffende Entscheid gestützt auf
Art. IIIA lit. a des Vertrags vom 13. November 1969 zwischen der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über die
Ergänzung des Europäischen Übereinkommens über die Rechtshilfe in
Strafsachen vom 20. April 1959 und die Erleichterung seiner Anwendung
(SR 0.351.913.61) unmittelbar durch die Post an den in Deutschland domi-
zilierten Vertreter der Beschwerdeführerin übersendet werden kann, dieser
mithin nicht zur Bezeichnung eines Zustellungsdomizils in der Schweiz auf-
zufordern ist (vgl. Art. 87 Abs. 2 StPO);
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