Decision ID: 09c82b23-d532-4792-89d4-2edc243d02cb
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1978, ist als Grafikdesignerin tätig und der Sozial
versicherungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichs
kasse, seit
1.
Oktober 2012 als
Selbstän
dig
erwerbende
ange
schlossen (
Urk.
7/1). Für das Jahr 2019 wurden die
Akonto
beiträge
für
Selbständigerwerbende
gestützt auf ein Erwerbs
ein
kommen von Fr.
33’500
.-
- festgesetzt (Mitteilung vom 29. Ja
nuar 2019, Urk.
7
/
8
). Am 2
0
.
April
2020 (Ein
gangs
datum) meldete sich
die
Ver
si
cher
te bei der Aus
gleichskasse zum Bezug einer Erwerbsausfall
entschä
di
gung (
Härtefall-Regelung
) gestützt auf die Ver
ord
nung über Mas
snahmen bei Er
werbs
ausfall im
Zusammen
hang mit dem
Corona
virus
(Covid-19-Verordnu
ng Er
werbs
au
sfall) an (Urk. 7/40
).
Mit Abrechnungen vom
3
0.
April, 1
8.
Mai, 2
4.
Juli,
1.
August
,
1.
und 1
6.
Sep
tember 2020 teilte die Ausgleichskasse mit, dass
die
Versicherte in der Periode vom 1
7.
März bis zum 1
6.
September 2020 infolge Härtefalls Anspruch auf Co
rona-Erwerbsersatzentschädigung bei einem Tagesansatz von
Fr.
75.20
habe (Urk.
7/
41
,
Urk.
7/4
2
,
Urk.
7/4
4
,
Urk.
7/4
5
,
Urk.
7/4
6
,
Urk.
7/
48
).
1.2
Mit weiteren Anmeldungen vom 2
7.
November 2020,
1.
Februar
,
3.
März
, 26.
April, 1
9.
Mai, 1
3.
Juli,
7.
September
und
2
6.
November
2021 machte
X._
insgesamt einen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfallent
schä
digung für die Monate November 2020
, Januar
bis
April
2021
, Juni 2021 sowie August bis Oktober 2021
geltend (
Urk.
7/49,
Urk.
7/54,
Urk.
7/
58
,
Urk.
7/6
1
, Urk.
7/63, Urk. 7/69,
Urk.
7/73,
Urk.
7/76
,
Urk.
7/
77
).
Die Ausgleichskasse ge
währte der Versicherten eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung infolge
Um
satz
einbusse
und richtete ihr für
die
Monat
e
N
ovember 2020, Januar bis April 2021, Juni 2021 und August 2021
eine auf einem Tagesansatz von Fr. 75.20 beruhende Corona-Erwerbsausfallentschädigung aus (vgl. Urk. 7/51
, Urk. 7/5
6, Urk. 7/
60
, Urk. 7/
62, Urk. 7/64,
Urk.
7/70,
Urk.
7/75
).
Für
die
Monat
e September und
Oktober 2021 verneinte die Ausgleichskasse einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz
ent
schä
di
gung, da Personen, deren Erwerbstätigkeit nicht
nach
weislich von den vom Bund oder vom Kanton angeordneten
Massnahmen
ein
geschränkt werde, keinen Anspruch auf diese Leistungen mehr hätten (Ver
fügun
g
vom 1
6.
Dezember
2021,
Urk.
7/
79
). Die dagegen vo
n der
Versicherten am
24.
Ja
nuar 2022
erhobene Einsprache (
Urk.
7/
80
; vgl. auch
Urk.
7/
82
) wies die Aus
gleichskasse mit
Ein
spracheentscheid
vom
3
1.
März
2022 ab (
Urk.
7/
90
=
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 13. Mai 2022 Beschwerde und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Rückweisung der Sache zur
Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin. Eventualiter sei ihr eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung für die Monate September und Oktober 2021 zuzu
sprechen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Juni 2022 schloss die Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage der Kassenakten
[Urk. 7/1-96]), was der Beschwerdeführerin mit Ver
fügung vom
9.
Juni 2022 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
for
der
lich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Ver
ordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar dro
hen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat – nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützten – am 20. März 2020 die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt (Art. 11 Abs. 1 und 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall vom 20. März 2020). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grund
lagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie vom 25. September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rückwirkend per 17. Sep
tem
ber 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall geschaffen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz). Seit ihrem Inkrafttreten per 17. März 2020 wurde
die Covid-19-Verordnung Erwerb
s
ausfall vom Bundesrat mehrfach geändert.
1.1.2
Gestützt auf Art. 7 des
Epidemiengesetzes
erliess der Bundesrat unter anderem die Covid-19-Verordnung 2, welche vom 13. März bis 22. Juni 2020 in Kraft war.
Sie ordnete Massnahmen gegenüber der Bevölkerung, Organisationen und Insti
tutionen sowie den Kantonen zur Verminderung des Übertragungsrisikos und zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19) an (Art. 1 Abs. 1 dieser Verordnung). Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Covid-19-Verordnung 2 in der ab 17. März 2020 gültig gewesenen Version war es verboten, öffentliche oder private Veranstaltungen durchzuführen. Ferner empfahl der Bundesrat den Arbeitenden, wo möglich, Homeoffice zu machen (vgl. die Medienmitteilung des Bundesrates vom 13. März 2020). In der Folge beschloss der Bundesrat am 27. Mai 2020 eine weit
gehende Lock
er
ung der noch geltenden Massnahmen zur Bekämpfung des
Corona
virus
per 6. Juni 2020. Unter der Bedingung, dass für alle Einrichtungen und Ver
an
stal
tungen Schutzkonzepte vorhanden sind (Art. 6d Abs. 1 Covid-19-Ver
ordnung 2 in der ab 6. Juni 2020 gültig gewesenen Version), waren Veran
stal
tungen mit bis zu 300 Personen wieder erlaubt. Die Homeoffice-Empfehlung blieb bestehen (vgl. die Medien
mitteilung des Bundesrates vom 27. Mai 2020).
Nach einer Zunahme der Ansteckungen mit dem
Coronavirus
im Herbst und Winter 2020 wurden weitere Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
beschlossen. Mit der Änderung der Verordnung über Massnahmen in der be
son
de
ren Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung beson
dere Lage) vom 29. Oktober 2020 (aufgehoben mit Art. 30 Covid-19-Ver
ordnung besondere Lage vom 23. Juni 2021) wurden mit Art. 6 Abs. 3 dieser Ver
ordnung die Durchführung von Messen und Märkten in Innenräumen wieder verboten. Alsdann beschloss der Bundesrat in seiner Sitzung vom 26. Mai 2021 wann und in welcher Form Grossveranstaltungen wieder stattfinden konnten (vgl. die Medienmitteilung des Bundesrates vom 26. Mai 2021). Demnach waren mit einer Bewilligung der zuständigen kantonalen Behörde ab 1. Juli 2021 grosse Fach- und Publikumsmessen mit bis zu 1000 Personen wieder zulässig (Art. 6 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 6b
quinquies
Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 27. Mai 2021 gültig gewesenen Version). Per 26. Juni 2021 wurde sodann die Pflicht eingeführt, ein Schutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Für Messen, die nicht aus
schliess
lich im Freien stattfanden, bestand ausserdem bei Grossveranstaltungen die Zertifikatspflicht für alle Per
so
nen ab 16 Jahren (Art. 17 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 26. Juni 2021 gültig gewesenen Fassung). Per 13. September 2021 wurde die Zertifikatspflicht auf alle Veranstaltungen in Innenräumen ausgeweitet (
vgl. Medienmitteilung des Bundesrates vom
8.
September 2021, zu den Ausnahmen vgl. den am 1
3.
September 2021 in Kraft getretenen
Art.
14a der Covid-19-Verordnung besondere Lage
). An der Sitzung vom 17. Dezem
ber 2021 verschärfte der Bundesrat die Mass
nahmen und entschied, dass zu Veranstaltungen im Innern
künftig nur noch geimpfte und genesene Personen (2G-Regel) Zugang haben (vgl. Medi
enmitteilung vom 17. Dezember 2021; Art. 14 der Covid-19-Verordnung beson
dere Lage in der ab 20. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung). Schliesslich wurde die Zertifikats
pflicht per 17. Februar 2022 wieder aufgehoben (vgl. Medienmit
teilung des Bundesrates vom 16. Februar 2022).
1.2
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend
, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tat
bestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hin
weisen).
D
as Sozialversicherungsgericht
stellt
bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1).
Vorliegend streitig ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Monate September und Oktober 202
1.
Ent
sprechend sind die in diesem Monat gültigen Bestimmungen anwend
bar.
1.3
Laut Art. 1 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassun
gen) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) auf die Entschädigungen gemäss dieser Ver
ordnung anwendbar, soweit die nachstehenden Bestimmungen nicht aus
drück
lich eine Abweichung vom ATSG vorsehen. Nach Art. 8 Abs. 5 der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassungen) wird die Ent
schä
di
gung im formlosen Verfahren nach Artikel 51 ATSG festgesetzt. Dies gilt in Abweichung von Artikel 49 Absatz 1 ATSG auch für erhebliche Entschädigungen.
1.4
1.4.1
Nach Art. 2 Abs. 3 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand: 20. Septem
ber 2021) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG und Perso
nen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obliga
to
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) unter der Voraussetzung von Absatz 1
bis
Buchstabe c anspruchsberechtigt, wenn sie:
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b. einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden.
1.4.2
Gemäss Art. 2 Abs. 3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand: 20. Septem
ber 2021) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG, die nicht unter Absatz 3 fallen, anspruchsberechtigt wenn:
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b. sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c. sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinn
ge
mäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraus
setzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt gemäss Art. 2 Abs. 3
ter
Satz 1 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine Umsatz
ein
busse von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen monat
lichen Um
satz der Jahre 2015–2019 vorliegt. Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufge
nom
men haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von mindes
tens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen (Art. 2 Abs. 3
ter
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsaus
fall
entschädigung mit der Begründung, dass
nur
selbständigerwerbende
Personen anspruchsberechtigt seien, die aufgrund kantonaler oder auf Bundesebene beschlossener Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
ihre Erwerbstätig
keit erheblich einschränken müssten. Der Zusammenhang zwischen der geltend gemachten Erwerbseinbusse und den behördlichen Massnahmen sei nicht erwiesen. Angst und Unsicherheit seitens Kunden seien nicht als Massnahmen zu werten
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber zusammengefasst geltend (Urk. 1),
i
n den Jahren 2015 bis 2019 habe sie Jahresumsätze zwischen Fr. 38‘000.-- und Fr. 53‘000.-- erzielt. Im September und Oktober 2021 habe sie dann eine Umsatzeinbusse von rund 62 % resp. 65 % in Kauf nehmen müssen.
Die Kriterien des Mindesteinkommens und des Umsatzrückgangs seien somit er
füll
t. Die Umsatzeinbussen seien auf die mangelnde Planungssicherheit infolge der von Bund und Kantonen erlassenen Massnahmen resp. die Tatsache, dass
jederzeit weitere, einschneidende Massnahmen ergriffen werden könnten, zurück
zuführen.
Viele Projekte würden entsprechend kurzfristig gestartet und auch wieder verschoben.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin ist bei der Beschwerdegegnerin als
Selbständig
e
rwerb
ende
im Bereich Grafikdesign gemeldet. Gemäss eigenen Angaben
ent
wickelt, verfeinert oder überarbeitet sie die visuelle Sprache von Unternehmen und reali
siert basie
rend auf deren Corporate Design-
Richtlinien grafische Produkte (Urk. 1 S. 4).
Im Rahmen der Abrechnungen richtete die Beschwerde
gegnerin die Corona-Erwerbs
ausfall
entschädigung zu Beginn bis 1
6.
September 2020 aufgrund der Härtefallregelung (vgl.
Urk.
7/
41
,
Urk.
7/4
2
,
Urk.
7/4
4
,
Urk.
7/4
5
,
Urk.
7/4
6, Urk.
7/
48), seit November 2020 bis August 2021 aufgrund erheblicher Um
satzein
bussen
aufgrund
einer schlechten Auftragslage infolge Planungsunsicher
hei
ten
aus (vgl.
Urk. 7/51, Urk. 7/56, Urk. 7/60, Urk. 7/62, Urk. 7/64,
Urk.
7/70, U
rk.
7/75
), im
plizit also gestützt auf Art. 2 Abs. 3
bis
und Abs. 3
ter
der Covid-19-Verordnung Er
werbsausfall.
Dass
die
Beschwerdeführer
in
im
September und
Oktober 2021 eine Umsatzeinbusse von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015 bis 2019 erlitten hat, ist ausgewiesen und wird nicht bestritten (vgl.
Urk.
7/76,
Urk.
7/77
). In der Ver
fügung vom
1
6.
Dezember
2021 sowie im
Einsprache
entscheid
vom
3
1.
März
2022 äusserte sich die Beschwerdegegnerin einzig zu den behördlich ange
ord
ne
ten Massnahmen und dass
die
Beschwerdeführer
in
von solchen seit
1.
September 2021 nicht mehr betroffen sei, mithin die Kausalität der Umsatzeinbusse mit den geltenden Massnahmen nicht mehr gegeben sei.
3.2
Die Beschwerdegegnerin verweist im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf
Rz
. 1040.2
i.V.m
.
Rz
. 1041.2 des Kreisschreibens über die Entschädigung zur Bekämpfung des
Corona
virus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE). Darin wird aus
geführt, dass ab dem 1. September 2021, in Anbetracht der Aufhebung des ge
nerel
len Veranstaltungs
verbotes und des Fehlens des erforderlichen Nach
weises nach
Rz
. 1037 ff. (welche Randziffern den Anspruch infolge eines gelten
den Ver
anstaltungsverbotes oder infolge Nichtgenehmigung der Veran
staltung aufgrund von Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
betreffen),
Selb
ständig
er
wer
bende
und Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung sowie deren mitarbei
tende Ehegatten oder einge
tragene Partner, die aufgrund von Mass
nahmen zur Be
kämpfung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall erlitten, An
spruch auf Co
rona-Erwerbsersatz infolge mass
gebender Einschränkung der Erwerbstätigkeit gel
tend
machen könnten. Diese Randziffer wurde mit der Version 19 des KS CE (gültig ab 17. September 2021, vgl. dazu das Vorwort zur Version 19) eingefügt, nachdem im Vorwort zur Ver
sion 18 festgehalten worden war, dass es aktuell kaum noch behördliche Ein
schränkungen gebe. Deshalb müssten die Ausgleichs
kassen ihr Augenmerk besonders auf die Gründe richten, die die Versicherten für eine er
hebliche Ein
schränkung geltend machten. Diese Gründe müssten im Zu
sam
men
hang mit den Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
stehen. Es ist der Beschwerdegeg
nerin somit beizupflichten, dass eine Umsatzeinbusse, die (alleine) darauf zurück
zuführen ist, dass sich das ökono
mische Umfeld aufgrund der Pandemie ändert, nicht durch die Corona-Erwerbs
ersatzentschädigung abge
deckt wird.
3.3
Massgebend ist, ob und inwiefern die Erwerbseinbusse der Beschwerdeführerin in den Monaten September und Oktober 2021 auf die staatlich verordneten Mass
nahmen gegen das Corona-Virus zurückzuführen war.
Seit 13. September 2021 galt in Bezug auf Fach- und Publikumsmessen insofern eine Einschränkung, als eine Zertifikats
pflicht für alle Personen ab 16 Jahre bestand (E. 1.1.2 hiervor). Einzig diese Mass
nahme interessiert in Bezug auf den zu prüfenden Entschä
di
gungs
anspruch. Soweit die Beschwerdeführerin den geltend gemachten Anspruch mit Massnahmen begründet, die im relevanten Zeitraum bereits nicht mehr in Kraft waren, kann ihr nicht gefolgt werden. Mit der Aufhebung einer Mass
nahme endet ihr zeit
licher Geltungsbereich und sie kann nicht mehr Grundlage eines (weiteren) Ent
schädigungsanspruchs bilden. Ähnlich verhält es sich mit dem Um
stand, dass sich im Herbst 2021 die epidemiologische Lage verschlechterte und deshalb wieder eine Verschärfung der Massnahmen zu erwarten war. Eine Vor
wirkung kommt ihnen nicht zu, womit sie vorliegend ausser Betracht zu bleiben haben.
3.4
Die Beschwerdeführerin verweist auf die vo
n der Z._
ab
ge
sagten Messe
n
«A._
» in den Jahren 2020 und 2021, wobei aus den Akten nicht hervorgeht, ob diese Messen für September oder Oktober 2021
geplant ge
wesen wären
.
Mit ihrer Argumentation, wonach die A
bsage der Messe «A._
»
oder die Absage bzw. nicht Durchfüh
rung von Kundenevents der B._
AG
auf die im September und Oktober 2021 nach wie vor geltend gewesene Zertifi
kats
pflicht für sämtliche Veran
stal
tungen in Innen
räu
men zu
rück
zuführen gewesen und daraus eine anspruchsbegründende Um
satz
einbusse resultiert sei, weil sie dafür kein Kommunikationsmaterial habe erstellen können (Urk. 1 S. 8
f.
), ver
mag die Beschwerdeführerin nicht durch
zu
dringen. So waren Fach- und Publi
kums
messen
sowie andere Grossveranstaltungen
unter Einhaltung eines Schutz
konzeptes und der Zertifikats
pflicht im September und Oktober 2021 er
laubt (vgl.
vorste
hend E.
1.1.2). Dass teils Veranstalter trotz
dem auf die Durch
führung einer Messe
und Veranstaltung
verzichteten, ändert nichts daran, dass die damals geltenden behördlichen Mass
nahmen der Durch
führung von Messen
und Veranstaltungen
nicht entgegenstanden. Der unter
nehme
rische Entscheid, allenfalls geleitet von der allgemeinen epidemiologischen Lage, dennoch auf eine Durchführung zu verzichten, stand nicht in Zusammen
hang mit den behördlichen Massnahmen, womit allfällig daraus resultierende Erwerbs
einbussen nicht mittels einer Corona-Erwerbsersatz
entschä
di
gung auszu
gleichen sind.
Dasselbe gilt auch, wenn Restaurants oder Lieferanten infolge von Sparmassnahmen auf die Vergabe von neuen Grafikaufträgen verzichten (Urk. 1 S. 8 f.), steht dieser Entscheid doch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit den behördlichen Massnahmen.
Andere Gründe für einen
massnahmebedingten
Erwerbsausfall im
September und Oktober
2021 sind nicht ersichtlich und hat die Beschwerdeführerin auch nicht genannt.
Insgesamt bestand keine Ein
schränkung auf
grund von behörd
lich an
geordneten Massnahmen zur Be
kämpf
ung der Covid-19-Pandemie im Sinne von Art. 2 Abs. 3
bis
lit
. a der Covid-19-Verordnung Er
werbs
ausfall. Die Be
schwer
de
gegnerin hat die Gesuche der Be
schwerdeführerin um Aus
zahlung einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung für die Monate September und Oktober 2021 dem
nach zu Recht abgewiesen.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.