Decision ID: 53151ff9-8469-4cb2-9da5-6770776d55eb
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1975 geborene
X._
, ohne
Berufsausbildung
und Vater dreier 201
2
, 2017 und 2019 geborener Kinder
, reiste im Juni 2012 in die Schweiz ein und
war bis
zum
Firmenk
onkurs
2017
Geschäftsführer/Gesellschafter
der
Y._
GmbH
(vgl. Handelsregister des Kantons Zürich)
; seither
arbeitete
er als Chauffeur für Kurierdienste (50%) bei der
Z._
GmbH
(
Urk.
8/74/41
,
Urk.
8/74/81
)
.
Am 4. November 2016 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf einen
im
Juni 2016 erlittenen Bandschei
benvorfall bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stell
e, zum Leistungsbezug an (Urk. 8
/1).
Die IV-Stelle tätigte
erwerbliche
und medizinische
Abklärungen
und
zog
die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 8
/18
/1-40
) bei.
Im
April 2017 teilte
sie
dem Versicherten mit, zurzeit
seien
keine beruflichen Eing
liederungsmassnahmen nötig
, da er als Geschäftsführer in der eigene
n Unternehmung tätig sei (Urk. 8
/29).
Mit Verfügung vom 1
4.
Septem
ber 2017
verneinte die IV-Stelle
einen Rent
enanspruch
des Versicherten
(Urk. 8/
40
)
.
Die am
5.
Oktober 2017
(
Urk.
8/46/3 ff.)
dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2017.01087 vom 9. Oktober 2018 in dem Sinne gut, dass es die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurückwies (
Urk.
8/48).
1.2
In Nachachtung des vorgenannten Gerichtsentscheids
veranlasste
die IV-Stelle das polydisziplinäre (Allgemeine Medizin/Neurologie/Psychiatrie/Rheumatologie) Gutachten des
Zentrums
A._
vom 2
8.
November 2019
(
Urk.
8/74
/1-88
, mit
ergänzender
Stellu
ngnahme vom 3
1.
Juli 2020, Urk.
8/84; vgl. auch
Urk.
3
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/75,
Urk.
8/77,
Urk.
7/81) wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Ver
sicherten mit Verfügung vom 1
2.
Oktober 2020 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
1
1.
November 2020
Beschwerde und beantragte,
es sei die Sache in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Oktober 2020 zwecks Durchführung einer externen Expertise an die IV-Stelle zurückzu
weisen
(Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
8.
Januar 2021 schloss
die Beschwerdegegnerin
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
), was dem Beschwer
deführer
am 1
4.
Januar 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Allgemeinen Teils des Sozialver
sicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss
Art.
16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin, gestützt auf die gutachterlichen Feststellungen sei der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Inhaber und Geschäftsführer seit dem
1.
Januar 2017 zu 80
%
arbeitsfähig.
Für leichte bis mittelschwere
Verweistätigkeiten ohne repetitive Überkopfarbeiten bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Die vermin
derte Leis
tungsfähigkeit von 20
% entspreche dem rentenausschli
essenden IV-Grad
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte ein, auf das
A._
-Gutachten könne nicht abge
stellt werden. Zunächst sei die psychiatrische Untersuchung von gerade mal
50 Minuten zu kurz ausgefallen. Dies gelte umso mehr, als dass eine somatoforme Schmerzstörung nicht ausgeschlossen werden könne. Der orthopädische Gutach
ter habe dies denn auch impliziert
, indem er festgehalten habe, die Schmerzsymp
tomatik werde vom Beschwerdeführer subjektiv stark wahrgenommen
. Der psy
chiatrische Facharzt habe sich nicht mit einer möglichen Erkrankung aus dem Kreis der somatoformen Störungen auseinandergesetzt. Zudem
fehle eine Ausei
nandersetzung mit
den divergierenden Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen der behan
delnden Ärzte.
Mithin
sei
das
A._
-Gutachten unvollständig und
lägen
kon
krete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit vor.
Die
Sache
sei deshalb
zur erneu
ten polydisziplinären Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1).
In der als integraler Bestandteil der Beschwerde erklärten Einsprache monierte der Beschwerdeführer
zudem,
das neurologische und
das
orthopädi
sche
A._
-Teilgutachten bestünden
überwiegend aus Querverw
ei
sen
; auf den Anlass und di
e Umstände der Begutachtung sei
in den Teilgutachten überhaupt nicht eingegangen worden. Das mache wenig Sinn. Zur Beurteilung der Arbeits
fähigkeit hätte
n die Gutachter
zudem
ein
en
Arbeitgeberbericht
einholen
müssen. Aufgrund der ausgeprägten Schmerzstörung sei eine vollschichtige Arbeitsfähig
keit mit einem
verminderten
Rendement von 20
%
unrealistisch. Das internisti
sche Teilgutachten erschöpfe sich in formellen Ausführungen, sage nichts aus, sondern verweise ebenfalls auf das Gesamtgutachten. Als Zusatzdiagnostik sei einzig eine Venenpunktion durchgeführt
und auf die Colitis
ulcerosa
nicht ein
gegangen worden
. Schliesslich habe das Bundesgericht seine Praxis im Zusam
menhang mit
den
somatoformen Schmerzstörungen geändert. Seither bedürfe es im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung einer ergebnisoffenen Ressourcen
prüfung.
Eine solche durchzuführen
hätten die
A._
-Gutachter versäumt
(
Urk.
8/81 S. 5 ff.
)
3.
Im polydisziplinären
A._
-Gutachten vom 2
8.
November 2019 hielten die begutachtenden Fachärzte folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
8/74/13):
-
Zervikobrachialgie
rechts
-
Diskushernie C5/6 rechts
mediolateral
-
s
ensibles Ausfallsyndrom C6
-
z
urzeit kein Nachweis eines
radikulären
Reizsyndroms
-
Lumboischialgie
rechts
-
Mediane Diskushernie L4/5
-
fragliches leichtes sensibles Syndrom L5 rechts
-
zurzeit kein Nachweis eines
lumboradikulären
Reizsyndroms
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie (1) eine Colitis
ulcerosa
, (2)
einen
Status nach OSG-Distorsion links am
7.
Dezember 2019 (kon
servativ behandelt) und (3) spezifische Phobien möglich (ICD-10: F40.2,
Urk.
8/74/14).
Gegenüber dem begutachtenden Allgemeinmediziner
habe
der Beschwerdeführer Kopf- und Nackenschmerzen sowie Sensibilitätsstörungen in den Händen
berich
tet
(
Urk.
8/74/25). Bei unauffälligen Untersuchungsbefunden (
Urk.
8/74/
9
) ergab sich aus allgemeinmedizinischer Sicht weder eine Diagnose noch
eine
Arbeitsun
fähigkeit (
Urk.
8/74/
30).
Im Rahmen der orthopädischen Explorat
ion habe
der Beschwerdeführer
LWS-B
lockaden sowie Blockaden im linken Schlüsselbein und Taubheitsgefühle
in ver
einzelten
Fingern in beiden Händen
geschildert
. Gegen Schmerzen nehme er
regelmässig
Dafalgan
, gelegentlich ein warmes Bad.
Manchmal müsse er sich auch bewegen.
Auf entsprechende Nachfrage berichtete er zudem nächtliche Nackenschmerzen
. Seitens der OSG-Verletzung von Dezember 2019 gehe
es ihm gut, er trage noch eine OSG-Bandage
(
Urk.
8/74/39 f.).
In objektiver Hinsicht hielt der begutachtende Orthopäde fest, i
m Spontanverhalten habe die LWS keinerlei
Auffälligkeite
n oder Einschränkungen gezeigt. Klinisch
finde sich eine moderate Einschränkung der LWS-Beweglichkeit bei Inklinati
on;
b
ildgebend (MRI) bestün
den lediglich diskrete degenerative Veränderungen
im Bereich der LWS
. Seitens der HWS habe sich – abgesehen von einer leichten Bewegungseinschränkung bei der
Reklination
– keine relevante Pathologie ergeben. Die OSG-Distorsion
links
sei ausgeheilt. Es bestehe
weder eine
Instabilität noch
Schwellung oder
Druc
kdo
lenz
; die Fussuntersuchung sei
bland
. Am Ende der Untersuchung habe der Beschwerdeführer die OSG-Bandage
gar
rechts montiert. Nachdem er darauf auf
merksam gemacht worden sei, habe der Beschwerdeführer auf die Bandage ver
zichtet und diese in der Hand getragen
(
Urk.
8/74/47).
Aufgrund der bildmorpho
logischen Veränderungen der HWS und LWS bestünden für
das Achsenskelett ständig belastende Tätigke
iten und Überkopfarbeiten
Einschränkungen
(Urk.
8/74/48).
In der psychiatrischen Exploration
habe
der Beschwerdeführer ein Erlebnis
i
n der Türkei
erwähnt
, bei dem er unter Waffengewalt gezwungen worden sei, Geld her
auszugeben. Dies habe ihm ein halbes Jahr zu schaffen gemacht. Von der Familie werde er teilweise unter Druck gesetzt. Er habe Angst vor der Dunkelheit; zum Schlafen benötige er Licht. Er habe auch Höhenangst
und dadurch Mühe beim Fliegen; b
ei MRI-Untersuchungen habe er
auch
Mühe in der Röhre. Er ertrage es nicht, eingeschnürt zu sein, weshalb er auch keine Uhr trage und k
einen Gips am Arm tragen würde (
Urk.
8/74/54).
Im Rahmen der allgemeinen, sozialen und familiären Anamnese
habe
der Beschwerdeführer zudem aus
geführt
, er sei drei
fach geschieden und habe drei Kinder aus zwei Ehen. Seine Firma sei Ende 2017 Konkurs gegangen. Seither sei er hochverschuldet. Es bestünden Verlustschei
ne in Höhe von etwa
Fr.
65'000.--
und weitere Schulden in Höhe von
Fr.
20'000.--. Aktuell arbeite er zu 50
%
im Bereich Transport. Davon lebe er und die Schul
dentilgung bereite ihm Mühe (
Urk.
8/74/56 f.).
In klinisch
er Hinsicht ergaben sich keine Auffälligkeiten (
Urk.
8/74/58). Der psy
chiatrische Gutachter
hielt fest
, der Beschwerdeführer befinde sich in einer psy
chosozial
belastenden Situation mit hoher Verschuldung, Trennung von Ehefrau und Kindern sowie beruflicher Ungewissheit.
Die psychosoziale Belastung stehe im Vordergrund (
Urk.
8/74/14).
Hinweise auf eine relevante psychiatrische Prob
lematik bestü
nden dagegen nicht.
Namentlich
bestehe
weder eine
affektive Stö
rung
noch bestünden reaktive Beschwerden. Soweit spezifische Phobien mög
licherweise vorlägen,
ergäben
sich daraus keine relevanten Ei
nschränkungen
. Insbesondere sei der
Beschwerdeführer in der Lage, alltägliche T
ermine wahrzu
nehmen, Aufgaben zu strukturieren und sich verschiedenen Begebenheiten anzupassen. Er könne seine fachliche Kompetenz anwenden, sich ein Urteil bilden und Entscheide fällen.
Zudem seien
Durchhalte- und Gruppenfähigkeit uneinge
schränkt; der Beschw
erdeführer könne sich behaupten und
soziale Kontakte
pfle
gen
, auch die familiären. Weiter
sei letzterer
in der Lage, Aktivitäten durchzu
führen. Die Selbstpflege-, Verkehrs- und Wegefähigkeit sei
en
intakt.
Bei alle dem
ergebe sich
aus psychiatrischer Sicht
keine Beeinträchtigung
und
könne der Beschwerdeführer
auf vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten zurückgreifen.
Damit
ergaben sich aus psychiatrischer Hinsicht keine Diagnosen mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/74/59 f.).
Im Rahmen der neurologischen Exploration
habe
der Beschwerdeführer an
gege
ben
, die lumbalen Rückenschmerzen seien permanent vorhanden, akzentuiert bei längerem Sitzen und generell belastungsunabhängig. Weiter bestünden Ausstrah
lungen bis in den rechten
Oberschenkel. Die Intensität der Schmerzen skalierte der Beschwerdeführer im Bereich von 7.5 bis 9.
5, durchschnittlich 9 VAS. Die S
chmerzen habe er auch schon physiotherapeutisch sowie mittels Massagen und MTT behandelt; dadurch sei es vorübergehend zu einer Beschwerdelinderung gekommen. Eine anhaltende Besserung habe nicht erzielt werden können. Sen
somotorische Funktionseinschränkungen der unteren Extremitäten habe der Beschwerdeführ zunächst verneint. Später habe er angegeben, intermittierend und bei längerem Sitzen träten ebensolche am rechten Oberschenkel dorsalseitig auf. Die Kraft in den Beinen sei indes gut. Die Nackenschmerzen strahlten in den Hinterkopf sowie in beide Schultern aus, manchmal auch in den rechten Arm bis auf Höhe des Handgelenks. Das Kribbeln in der rechten Hand sei permanent vor
handen; be
lastungsabhängig nehme es zu,
etwa bei Überkopfarbeiten oder beim Autofahren.
Diesfalls
verspüre er manchmal auch eine Kraftlosigkeit in den Armen, ansonsten sei die Kraft der oberen Extremitäten gut, abgesehen von einem abgeschwächten Faustschluss. Die Intensität der Nackenschmerzen sei nicht «so grossartig»;
sie
figurierten im Bereich zwischen 4.5 und 8.5, durch
schnittlich bei 6 VAS.
Der Beschwerdeführer
habe im Nackenbereich einen Band
scheibenvorfall erlitten.
Er habe
sich mittels
Physiotherapie, Massage
, MTT und
Chiropraktik
behandeln lassen
. Eine anhaltende Besserung sei nicht eingetreten. Vor mehr als 15 bis 16 Jahren sei eine Colitis
ulcerosa
diagnostiziert und behan
delt worden. Gegenwärtig erfolgten dies
bezüglich keine Kontrollen
(
Urk.
8/74/69 ff.).
In objektiver Hinsicht hielt d
er neurologische Gutachter fest, bei den spontanen Bewegungsabläufe
n
habe sich seitens der HWS und LWS keine relevante Bewe
gungseinschränkung gezeigt. Klinisch habe sich ein leichtes
zervikospondyloge
nes
und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom ergeben, ohne wesentliche Funk
tionseinschrän
k
ungen der HWS und LWS. Bildgebe
nd sei 2016 eine Diskushernie
auf H
öhe L4/5 sow
ie C5/6 dargestellt worden.
Elektroneurographisch
hätten
sich im Bereich der oberen Extremitäten rechts Normalbefunde
ergeben
(
Urk.
8/74/76 ff.). Zusammenfassend bestehe aufgrund der
Diskopathien
im Bereich der HWS und LWS eine reduzierte Belastbarkeit des Achsenskeletts; körperlich schwere und gehäuft mittelschwere Verrichtungen seien daher ungeeignet (
Urk.
8/74/80 ff.).
Im Rahmen der interdisziplinären Konsensbeurteilung kamen die begutachten
den
Fachärzte zum Schluss, in der
angestammten Tätigkeit als
Inha
ber/Geschäftsführer eines Restaurationsbetriebes
sei der Beschwerdeführer
seit 2017
vollschichtig
arbeitsfähig, jedoch mit einem verminderten Rendement
von 20%
aufgrund der
limitierten Belastbarkeit für schwere Hebe- und Tragebelas
tungen. Hinsichtlich einer leichten bis gelegentlich mittelschweren
Tätigkeit ohne Zwangshaltungen und
ohne repetitive Überkopfarbeiten bestehe eine uneinge
schränkte Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/74/11,
Urk.
8/74/15 ff.).
Auf entsprechende Rückfragen
seitens der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
3)
bestätigten die
A._
-Gutachter am 3
1.
Juli 2020, dass unter Berücksichtigung der Mini-ICF-Kriterien sowie Kriterien gemäss AMDP keine psychopathologi
schen Befunde bestünden und sich aufgrund der Colitis
ulcerosa
keine funktio
nellen Einschränkungen ergäben (
Urk.
8/84).
4.
4.1
Das
polydisziplinäre
A._
-
Gutachten vom
2
8.
November 2019
erging in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
und
klinischen Untersu
chungen vom 1
8.
Dezember 2019, 8., 1
0.
und 2
7.
Januar 2020
. Es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation und Zusammenhänge ein und liefert nachvollziehbare Schlussfolgerungen. Das Gutachten erfüllt damit die an eine beweistaugliche Entscheidungsgrundlage gestellten Anforderungen (vgl. E. 1.5).
4.2
D
er Expertin oder dem Experten
kommt
bezüglich der Wahl der Untersuchungs
methoden ein weiter Ermessensspielraum zu; es ist nicht zwingend notwendig, dass Zusatzuntersuchungen angeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3).
Insbesondere
wenn
sich – wie vor
liegend -
weder aufgrund der erhobenen Befunde noch subjektiven Beschwerde
schilderungen Anlass
für irgendwie geartete
Weiterungen
ergibt
.
Welche Zusat
zuntersuchungen die
Gutachter z
u Unrecht unterlassen haben sollten
, gab der Beschwerdeführer denn auch nicht konkret an. Die Colitis
ulcerosa
wurde nach eigenen Angaben des Beschwerdeführers vor Jahrzehnten diagnostiziert und behandelt (vgl.
Urk.
8/74/69; vgl. auch
Urk.
8/45, wonach die Erstdiagnose 2008
erfolgte). Akute Darmbeschwerden gab der Beschwerdeführer nicht an; entspre
chend fanden im Zeitpunkt der Begutachtung diesbezüglich weder ärztliche Kon
trollen noch Behandlungen statt. Weshalb und inwiefern sich aufgrund der Colitis
ulcerosa
medizinische Weiterungen und/oder arbeitsrelevante Einschränkungen ergeben sollten, erschliesst sich dem Gericht vor diesem Hintergrund nicht und hat der Beschwerdeführer
ebenso wenig
plausibilisiert.
4.3
Für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts kommt es
auch
nicht in ers
ter Linie auf die Dauer der Untersuchung an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychi
atrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fra
gestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab (vgl. Urteil des Bundes
gericht
s
8C_47/2016
vom 15. März 2016
E. 3.2.2
). Der
– nicht begründete
–
be
-
schwerdeweise
Einwand, die psychiatrische Exploration sei mit nur 50 Minuten zu kurz aufgefallen, geht ins Leere (
Urk.
1).
Im Einklang mit den medizinischen
Vorakten
(vgl. etwa
Urk.
8/18/30, Urk. 8/18/33 f.,
Urk.
8/60/1) diagnostizierten die
A._
—Gutachter
eine
Zervikobrachialgie
rechts und
Lumboischialgie
rechts (vgl.
Urk.
8/74/13).
Für
die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung
resp.
Notwendigkeit
,
eine solche
überhaupt
zu prüfen,
vermögen subjektiv stark wahr
genommene Schmerzen nicht zu genügen (vgl.
Urk.
1 S. 6).
Vielmehr
bedarf es
hierfür
zusätzlicher
,
krankheitsspezifischer
Merkmale
nach
Massgabe des
ICD-
Klassifikationssystems
.
Solche ergaben sich
weder aufgrund der aktuellen Unter
suchung noch gestützt auf die
Vorakten
.
Im Gegenteil
hat der psychiatrische
A._
-Gutachter
irgendwie
geartete psychopathologische Auffälligkeiten und Befunde – mit Ausnahm
e etwaiger spezifischer Phobien
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (vgl.
Urk.
8/74/14) - ausdrücklich verneint (vg
l.
Urk.
8/74/59 f.,
Urk.
8/84)
.
Beim Fehlen
relevanter
psycho
pathologischer Befunde und Diag
nosen bestand
denn auch
weder Raum noch Anlass für eine
eingehende
Ressour
cenprüfung
im Sinne
der höchstrichterlichen Praxis
bei Vorliegen
p
sychische
r
Leiden
(BGE 141 V 281; BGE 143 V 418
E. 7)
.
Im Übrigen findet sich eine solche – entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers – sowohl im psychiatrischen Teil- wie auch im Hauptgutachten (
Urk.
8/74/14 f. und
Urk.
8/74/60 f.).
Bleibt schliesslich darauf hinzuweisen
, dass
ein IV-relevanter Gesundheitsschaden von Vornherein
ausser Betracht fällt
, wo belastende
psychosoziale
Faktoren
i
m Vor
dergrund stehen
(
vgl.
ausdrücklich
in
Urk.
8/74/14;
BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2
).
4.4
Das beschwerdeweise Vorbringen, die medizinischen Teilgutachten bestünden weitestgehend aus Querverweisen (
Urk.
1,
Urk.
8/81/5 ff.), erweist sich als ebenso unzutreffend wie
unbehelflich
. In den Teilgutachten wurde
die Situation
fach
ärztlich beleuchtet
und
es wurden
die
fachspezifischen
Fragen aufschlussreich und nachvollziehbar beantwortet
. Inwiefern sich der Verzicht auf die vierfache Wiedergabe allgemeiner Inhalte
, etwa zum Anlass und Auftrag
des Gutachtens (vgl.
Urk.
8/74/66), negativ auf die Qualität und den Beweiswert des Gutachtens auswirken sollte, ist nicht einzusehen.
4.5
Soweit
der Beschwerdeführer
sodann
einwandte
, aufgrund der
ausgeprägten
Schmerzen sei eine vollschichtige
Arbeitsfähigkeit mit
einem
verminderten
Ren
dement von 20
%
unrealistisch
(
Urk.
1,
Urk.
8/81/7),
widerspricht er damit
seinen eigenen Angaben gegenüber dem internistischen Gutachter, wonach er
eine
80%-Stelle nicht
ablehnen
würde (vgl.
Urk.
8/74/28).
Als zumindest fraglich
erweist
es sich
ausserdem
,
wenn der Beschwerdeführer einerseits
Rückens
chmerzen
im Aus
mass von durchschnittlich 9/10 VAS angibt
(vgl.
Urk.
8/74/70)
und andererseits zu
r
Schmerzbewältigung lediglich
Dafalgan
ein-
und darüber hinaus keinerlei therapeutische Massnahmen
wahrnimmt (
Urk.
8/74/42;
vgl. allerdings
Urk.
8/74/88, wonach der im Blutserum gemessene Wirkstoff von
Dafalgan
deut
lich unterhalb des Referenzbereichs,
Ibuprofen
indes
innert desselben lag
)
.
Bemerkenswert ist
auch
, dass
sich
anlässlich
der gutachterlichen Untersuchung
–
ungeachtet der angegebenen Schmerzintensität von aktuell 7.5 VAS (
Urk.
8/74/70)
–
in den spontanen Bewegungsabläufen keine relevanten Ein
schränkungen ergaben und sich das An- und Auskleiden seitens der HWS und LWS problemlos gestaltete (
Urk.
8/74/75).
4.6
Der Einwand, die Gutachter hätten es im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurtei
lung
versäumt,
einen Arbeitgeberbericht
inkl.
Belastungsprofil
einzuholen
(vgl.
Urk.
1,
Urk.
8/
81/6)
,
geht
ebenfalls
ins Leere
.
In der angestammten Tätigkeit war der
Beschwerdeführer
faktisch
selbständigerwerbend
. Damit
genügten
auch
s
eine
eigenen
Angaben
, wonach
er
als Geschäftsführer der
Y._
GmbH
als Kurier (gehend, 10
%
) und Koch (stehend, 50
%
)
f
ungiert habe
,
die restlichen 40
%
auf sitzende
Tätigkeiten
(Administration/ Autofahrten für Kurierdienste)
entf
allen
seien
und
er
zum Teil
auch Lasten von 20-30 kg
habe
tragen müssen
(
Einkäufe/
Lagerarbeiten,
Urk.
8/74/11
,
Urk.
8/74/25
; vgl.
Urk.
8/12/1
).
Dieses Tätigkeitsprofil
hat der Beschwerdeführer bes
chwerdeweise bestätigt (
Urk.
1 S
.
4).
Soweit er gleichzeitig
geltend machte
, die
angestammte Tätigkeit sei
als körper
lich schwer zu taxieren, kann ihm
beim geschilderten Tätigkeits- und Belastungs
profil
offensichtlich nicht gefolgt werden.
Die
fachärztlich und
nachvollziehbar begründete Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
im
A._
-Gutachten erging unter Berücksichtigung
der relevanten
Vorakten
.
Eine
explizite
Auseinandersetzung mit der davon abweichenden Einschätzung der behandelnden Hausärztin war
– entgegen dem Beschwerdeführer (
Urk.
1 S. 8) -
weder nötig noch möglich. Insbesondere liess
diese
die postulierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit gänzlich unbegründet
und bezog
sie sich
damit
offensichtlich auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
des Beschwerdeführers
als Cha
uffeur
(Urk.
8/60/2).
4.7
Zusammenfassend
ergibt sich
gestützt auf das beweiskräftige
A._
-Gutachten vom 2
8.
November 2019
, dass
der Beschwerd
eführer
seit 2017 in der angestamm
ten Tätigkeit
vollschichtig
, jedoch
mit einem verminderten Rendement von 20
%
arbeitsfähig war.
Hinsichtlich einer – näher umschriebenen (vgl.
Urk.
8/74/17) –
optimal
angepassten
Verweist
ätigkeit bestand
eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit.
Damit
besteht
kein weiterer Abklärungsbedarf
(antizi
pierte Beweiswürdigung; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2007 vom 6. Dezember 2006 E.2.2 mit Hinweisen).
5.
Da
das Validen- und Invalideneinkommen
unter Hinweis
auf die fehlende Berufs
ausbildung des Beschwerdeführers
sowie
auf das medizinische Belastungsprofil
ausgehend vom gleichen Tabellenlohn
(für einfache und repetitive Hilfsarbeiten)
zu berechnen
wäre,
erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad im Sinne einer rechnerischen Vereinfachung dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabel
lenlohn (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Da der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundes
gerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.4 und 9C_386/2012 vom 18. September 2012 E. 5.2
)
und
auch sonst
keine abzu
gsfähigen Merkmale ersichtlich sind,
ist
vorliegend kein
leidensbedingter oder sonst wie begründeter
Abzug vom
Tabel
lenlohn
vorzunehmen
.
Dem Beschwerdeführer wurde in seiner angestammten Tätigkeit eine 80%ige und
in
einer optimal adaptierten Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Daraus resultiert ein rentenausschliessender IV-Grad von
maximal 20
%.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6
.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).