Decision ID: d53ebc5b-a0c8-4774-a8ef-c7bf8a227f58
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1974 geborene
X._
reiste
Ende 2007 in
die
Schweiz
ein
(Urk. 8/2/1). Er ist gelernter Automechaniker und arbeitete zuletzt
ab
Juli 2011 bei der
Y._
(Urk. 8/2/5,
Urk.
8/9).
Aufgrund einer ab
2.
Juni 2014 anhaltenden Arbeits
unfähigkeit und einer am
6.
Juni 2014 operierten Diskushernie L4/5 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per Ende November 2014 (
Urk.
8/5/1).
Am 8. November 2014 meldete sich
der Versicherte
bei der Eidgenössischen Inva
li
den
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2). Die
Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte daraufhin erwerbliche sowie medizi
nische Abklärungen und zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei. Sodann gab sie ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag, bestehend aus dem internistisch-rheumatologischen Teilgutachten von
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH
Z._
,
Fachärztin für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin,
vom
7.
Juli 2017 (Urk. 8/68/2-74), aus dem psychiatrischen Teilgutachten von
Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatr
ie und Psychotherapie sowie Neu
rologie,
vom 1
4.
Juni respektive
7.
Juli 2017 nach abschliessender
bidis
ziplinärer
Besprechung (Urk. 8/69/2-67), sowie aus der
bidisziplinären
Zu
sam
menfassung vom
7.
Juli 2017 (Urk. 8/69/1). Nach Vorlage des Dossiers bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), welcher am 2
0.
Juli 2017 abschlies
send Stellung nahm (Urk. 8/73/11-12), stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
1.
August 2017 in Aussicht, dass sie ihm für die Zeit von Juni 2015 befristet bis Ende August 2016 eine ganze Invalidenrente zusprechen werde (Urk. 8/75). Daraufhin bevollmächtigte der Versicherte am 29. August 2017
Rechts
anwalt Stephan Kübler, Winterthur, zur Vertretung (Urk. 8/78). Dieser erhob
am 14. September 2017 Einwand gegen den Vorbescheid vom 11. August 2017 und beantragte nebst der
Zusprechung
einer ganzen Rente über den 31. August 2016 hinaus, er sei als unentgeltlicher Rechtsver
treter des Versicherten für das
Vorbescheidverfahren
zu bestellen (
Urk.
8/80/1). Kurz darauf wurden Unterlagen zur finanziellen Situation des Versicherten eingereicht (Urk. 8/82). Mit Verfügung vom 2
3.
November 2017 sprach die IV-Stelle dem Versicherten wie angekündigt eine befristete ganze Invalidenrente für die Zeit vom
1.
Juni 2015 bis 31. August 2016 zu (Urk. 8/90 und
Urk.
8/86).
Mit Verfügung vom 2
3.
November 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands im Verwaltungsverfahren ab (
Urk.
8/89
= Urk. 2
).
2.
Gegen die Verfügung betreffend
unentgeltliche Rechtsvertretung im Verwal
tun
gs
verfahren
erhob der Versicherte am 9. Januar 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und es sei festzustellen, dass er für das
Vorbescheidverfahren
vor
der
IV-Stelle Anspruch auf unentgeltliche Rechts
vertretung durch Rechtsanwalt Stephan Kübler habe. Sodann
sei
die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie die Höhe des anwaltlichen Honorars für die unentgeltliche Rechtsvertretung im
Vorbescheidverfahren
festlege.
In prozessua
ler Hinsicht
ersuchte
er
um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsver
tretung
durch Rechtsanwalt Stephan Kübler
für das Beschwerdeverfahren vor dem Sozial
versicherungsgericht des Kantons Zürich
(
Urk.
1
/1
S. 2). Der Beschwerde legte er die Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen bei (
Urk.
3/1/1-4). In ihrer Beschwerdeantwort vom 1
6
. Februar 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Nachdem der Beschwerdeführer das Formular zur Abklä
rung der prozessualen Bedürftigkeit sowie weitere Belege zu seiner finanziellen Lage eingereicht hatte (
Urk.
11 und Urk. 12/1-9), wurde er mit Gerichtsverfügung vom
5.
April 2018 dazu aufgefordert, sich zur seitherigen Entwicklung seines per Ende 2017 ausgewiesenen Vermögens zu äussern (
Urk.
14). Dies tat er am 22. Mai 2018 (Urk. 1
9
), woraufhin sein Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung
im vorliegenden Gerichtsverfahren
mit gerichtlichem Beschluss vom 1
7.
Juli 2018 abgewiesen wurde (Urk.
20
).
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die
aufliegenden
Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Die Beschwerdegegnerin verneinte
den Anspruch des Beschwerdeführers auf un
ent
geltliche Rechtsvertretung im Verwaltungsverfahren
primär wegen fehlen
der Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung. Zudem brachte sie vor, das Ver
fah
ren sei aussichtslos und behielt sich vor, die Prüfung der Bedürftigkeit noch vorzunehmen (
Urk.
2 und
Urk.
7).
1
.2
Dem hielt der Beschwerdeführer
in seiner Beschwerde entgegen,
bei gleichen
gesundheitlichen
Beschwerden wie im Juni 2014 sei die von der IV-Stelle vor
ge
nommene Rentenbefristung nicht verständlich. Sodann habe er keinen grossen Bildungshintergrund und spreche nur sehr schlecht Deutsch
. Es fehle ihm an der Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden
. Überdies
greife
das Verfahren
be
son
ders stark in seine Rechtsstellung ein, sodass die
Verbeiständung
grundsätz
lich geboten sei
(Urk. 1
/1
S. 5
ff.
).
Gegen das umfangreiche Gutachten der
Dres
.
Z._
und
A._
hätte auch seine der deutschen Sprache mächtige Ehefrau keinen Einwand verfassen können, welcher die IV-Stelle dazu veranlasst hätte, ihren Entscheid nochmals zu überdenken. Eine anderweitige Vertretung sei nicht in Frage gekommen, da er weder vom Sozialamt unterstützt werde noch ge
werk
schaftlich organisiert sei (Urk. 1
/1
S. 6). Von Aussichtslosigkeit könne bei der fehlenden Begründung der IV-Stelle, weshalb sie auf das Gutachten abstelle, nicht gesprochen werden (Urk. 1
/1
S. 7).
2.
2.1
Gemäss
Art.
37
Abs.
4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
wird der gesuchstellenden Person im Sozialversiche
rungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Unentgeltliche
Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren wird ge
währt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aussichtslos erschei
nen und die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten ist (vgl.
Art.
29
Abs.
3
der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
[BV]
). Eine anwalt
liche Mitwirkung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, wenn schwierige recht
liche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine
Verbeiständung
durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Ver
trau
ensleute sozialer
Insti
tutionen nicht in Betracht fällt
(BGE 132 V 200 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. BGE 125 V 32).
2.2
In Bezug auf die Notwendigkeit einer anwaltl
ichen Vertretung im Verwaltungs
verfahren gilt ein strenger Massstab (
vgl.
etwa
Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom
7.
Juli 2016
E. 7.2 [
nicht publ
iziert in
BGE 142 V 342
]
; BGE 132 V 200 E. 5.1.3
, Urteil des Bundesgerichts 8C_835/2016 vom
3.
Februar 2017 E.
6.3.
)
.
Dem Einwand vom 1
4.
September 2017 (Urk. 8/80) sind nur wenige rechtliche Aus
führungen zu entnehmen, was darauf hinweist, dass die Vertretung nicht wegen schwieriger rechtlicher Fragen notwendig war.
Zwar sind für das Erkennen von Schwachstellen einer ärztlichen Expertise aufgrund der einschlägigen Rechtsprechung gewisse medizinische Kenntnisse und juristischer Sachverstand erforderlich. Von einer komplexen Fragestellung kann deswegen aber nicht ge
spro
chen werden. Denn die gegenteilige Auffassung liefe darauf hinaus, dass in praktisch allen Verwaltungsverfahren der Anspruch auf unentgeltliche
Rechts
ver
bei
ständung
bejaht werden müsste, in denen ein medizinisches Gutachten zur Diskussion steht, was der Konzeption von
Art.
37
Abs.
4 ATSG als einer Aus
nahmeregelung widerspräche (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom
7.
Jul
i 2016 E. 7.2
[nicht publiziert in
BGE 142 V 342
]
, 8C_559/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.4.2
, 9C_436/2017 und 9C_746/2017 vom 1
4.
Dezember 2017 E. 3.5, je mit Hinweisen
).
In diesem Sinne, und da im
Vorbescheidverfahren
lediglich das Ausmass der Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers
,
respektive die Beweis
taug
lichkeit des Gutachtens strittig waren, ist von einem «normalen Durchschnittsfall» im Sachgebiet der Invalidenversicherung auszugehen (vgl. Urteile des Bundes
ge
richts 8C_323/2013 vom 1
5.
Januar 2014, 8C_717/2012 vom 8. November 2012
E. 3.5 mit Hinweis, E. 5.2.1, 8C_438/2012 vom 2
8.
Juni 2012 E. 2.2.1 mit Hinweis).
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hätte sich der Beschwerdeführer deshalb mit dem
Beizug
von Fach- und Vertrauenspersonen sozialer Institutionen oder unentgeltlicher Rechtsberatungen
zu
behelfen
gehabt
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_996/2012 vom 28. März 2013 E. 4.3.1 und 4.3.2 mit Hinweis auf das Urteil 8C_438/2012 vom 28. Juni 2012 E. 2.2.1).
Dies gilt selbst
dann
, wenn die versicherte Person in rechtlichen Belangen völlig hilflos und der deutschen Spra
che überhaupt nicht mächtig ist (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_996/2012 vom 28. März 2013 E. 4.3.2
, 8C_323/2013 vom 15. Januar 2014
E.
5.2.2
, 8C_468/2016 vom 13. September 2016 E. 3.2,
je
mit Hinweis)
, weshalb der diesbezügliche Ein
wand des Beschwerdeführers nicht verfängt
. Ebenso
wenig
ist
der pauschale Ein
wand des Beschwerdeführers
stichhaltig
, dass er weder Mitglied einer Gewerk
schaft noch beim Sozialamt gemeldet sei (Urteil des Bundesgerichts 8C_996/2012 vom 28. März 2013 E. 4.3.2 mit Hinweis).
Auch dass die BVG-Rente des Be
schwer
deführers ebenfalls tangiert wird (vgl. den Einwand in
Urk.
1 S. 8), vermag nichts daran zu ändern, dass kein Ausnahmefall gegeben ist, in welchem bereits im Verwaltungsverfahren Anspruch auf anwaltliche
Verbeiständung
bestünde (Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom 7. Juli 2016 E. 7.2
[nicht publiziert in
BGE 142 V 342
]
).
Nach dem Gesagten erweist sich d
ie Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtsvertretung
im Verwaltungsverfahren
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
3
.
Da dieses Verfahren nicht die Bewilligung o
der Verweigerung von Leistun
gen
der Invalidenversicherung
zum Gegenstand hat, ist es kostenlos (Art. 69 Abs. 1
bis
des
Bun
desgesetzes
über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
e
contrario
).