Decision ID: e372fc22-4668-45c9-b815-e2c2fe91f784
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfacher gewerbsmässiger Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 18. November 2020 (DG200004)
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Anklage
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 24. März 2022 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk.10).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 54 S. 177 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− des mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB;
− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB;
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB;
− des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. g WG, Art. 4 Abs. 2 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1 lit. d WV.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 1 Tag durch Haft
erstanden ist) sowie mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 10.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sowie der Geldstrafe werden aufgeschoben und die Probe-
zeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Die folgenden, mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 10. März 2020
beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse Hinwil lagernden Gegenstände und
Datenträger werden eingezogen und vernichtet:
− 1 Softairgun mit Schalldämpfer der Marke G1 (A008'359'806);
− 1 Magazin mit 6 Schuss (Kaliber 22; A008'359'817);
− 1 Herrenarmbanduhr Breitling (Fälschung; A008'359'884);
− 1 Herrenarmbanduhr Rolex (Fälschung; A008'359'895);
− 1 Festplatte der Marke Lacie, schwarz mit 2 Kabeln (A008'359'748);
− 1 Festplatte mit Netzteil Marke Eigenbau (A008'359'760);
− 1 Festplatte Western Digital, ohne Gehäuse (A008'359'771);
− 3 SD Karten 1 GB, 2 x 8 GB (A011'121'827);
− 1 Voice Tracer Marke Philips, grau/schwarz (A011'121'929);
− 1 Mobiltelefon iPhone 4, inkl. Ladegerät, weiss (A011'121'963);
− 1 Mobiltelefon Samsung, inkl. Ladekabel, weiss (A011'121'996).
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5. Die folgenden, mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 26. Februar
2018 bzw. 10. März 2020 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse Hinwil la-
gernden Gegenstände werden eingezogen und dem Urkundenlabor der Kantonspolizei Zü-
rich zur gutscheinenden Verwendung überlassen:
− 1 Schweizer Identitätskarte von B._ (ID Karten Nr. 1), abgeändert auf die  von A._ geboren am tt.12.1975 (A008'359'873);
− abgeänderte Visitenkarten (A008'359'828);
− 1 Passkopie gefälschter Schweizer-Pass Nr. 2, lautend auf C._ (A008'359'839);
− 1 gefälschter Bankauszug mit grossem Vermögensstand, UBS, printscreen (A008'359'840);
− 1 Ausländerausweis B, abgeändert auf Police Officer (A011'119'203);
− 1 gefälschter Reisepass Nr. 3, D._ (A011'141'756);
− 1 gefälschter Reisepass Nr. 4, E._ (A011'141'778).
6. Der folgende, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 10. März 2020
beschlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse Hinwil lagernde Reisepass wird der
Berechtigten innert eines Monats nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids auf erstes
Verlangen hin herausgegeben und hernach ohne weitere Mitteilung durch die Bezirks-
gerichtskasse eingezogen und vernichtet:
− 1 Reisepass Nr. 5, F._ (echtes Dokument; A011'141'789).
7. Die Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1-4 als Solidargläubiger Schadenersatz
von Fr. 20'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 4. September 2013, EUR 12'000.– zuzüglich 5 %
Zins ab 6. November 2013, Fr. 4'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 7. Dezember 2013,
EUR 1'300.– zuzüglich 5 % Zins ab 8. Dezember 2013 und EUR 2'500 zuzüglich 5 % Zins
ab 17. Januar 2014 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag werden die Privatkläger 1-4 mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
8. Die Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 5+6 als Solidargläubiger Schadener-
satz von Fr. 23'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 31. Mai 2013, Fr. 16'000.– zuzüglich 5 % Zins
ab 30. Juni 2013 und Fr. 4'800.– zuzüglich 5 % Zins ab 31. Oktober 2013 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag werden die Privatkläger 5+6 mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
9. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 7 Schadenersatz von Fr. 20'100.– zu-
züglich 5 % Zins ab 7. Dezember 2016 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird die Privatklägerin 7 mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
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10. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 6'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 3'200.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 3'683.40 Auslagen (Gutachten)
Fr. 850.– Auslagen Polizei
Fr. 13'930.70 Entschädigung amtliche Verteidigung, inkl. Barauslagen und MwSt. (RA X2._; bereits ausbezahlt)
Fr. 7'472.10 Entschädigung amtliche Verteidigung, inkl. Barauslagen und MwSt. (RA X1._; bereits ausbezahlt)
Fr. 15'374.90 Entschädigung amtliche Verteidigung, inkl. Barauslagen (RA X1._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten
auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
12. Die Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1-4 als Solidargläubiger eine Prozess-
entschädigung von Fr. 5'221.35 inkl. MwSt. für die anwaltliche Vertretung zu bezahlen.
13. [Mitteilungen]
14.-15. [Rechtmittel]"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 ff.)
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 80)
" Hauptantrag:
Das Urteil des Bezirksgerichts Meilen [recte: Hinwil] vom 18. November
2020 sei aufzuheben, und es sei die Sache im Sinne der Erwägungen an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
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Eventualanträge:
Die Berufungsverhandlung sei zwecks Beweisergänzung zu vertagen.
Subeventualanträge:
1. Die Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen, soweit auf die
Anklage einzutreten sei;
evtl. sei sie milde, mit einer 12 Monate nicht überseigenden Freiheits-
strafe, an welche 1 Tag Haft anzurechnen sei, zu bestrafen.
2. Die Zivilforderungen der Privatkläger seien abzuweisen evtl. auf den
Zivilweg zu verweisen.
3. Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände seien der Beschuldigten
herauszugeben:
− 1 Herrenarmbanduhr Breitling (A008'359'817) − 1 Herrenarmbanduhr Rolex (A008'359'884) − 3 Festplatten (A008'359'748, A008'359'760, A008'359'771) − 3 SD Karten (A011'121'827) − Voice Tracer Philips (A011'121'929) − Mobiltelefon iPhone 4 inkl. Ladegerät (A011'121'963) − Mobiltelefon Samsung inkl. Ladegerät (A011'121'966)
Mit den gefälschten, auf G._, H._ und I._ lautenden Päs-
se sei im Sinne von Dispositiv Ziff. 5 des angefochtenen Urteils zu ver-
fahren.
Mit den übrigen beschlagnahmten Gegenständen sei im Sinne von
Dispositiv Ziff. 5 und 6 des angefochtenen Urteils zu verfahren.
4. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen; vom Ver-
zicht der Beschuldigten auf Genugtuung und Schadenersatz sei Vor-
merk zu nehmen;
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evtl. seien die Verfahrenskosten nach Massgabe des Obsiegens und
Unterliegens anteilsmässig der Beschuldigten aufzuerlegen; im Übrigen
aber auf die Staatskasse zu nehmen.
5. Die Verteidigung sei für deren Aufwendungen gehörig zu entschädigen.
Anschlussberufung:
Auf die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei nicht einzutreten. Die
Anschlussberufung sei abzuweisen."
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 82)
" 1. Die Dispositivziffern 1 und 4 ff. des vorinstanzlichen Urteils seien zu
bestätigen.
2. Die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten zu be-
strafen, unter Anrechnung der erstanden Haft von einem Tag.
Die ausgesprochene Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu CHF 10.00 sei
zu bestätigen.
3. Es sei der Vollzug von 18 Monaten Freiheitsstrafe anzuordnen. Die
weiteren 18 Monate Freiheitstrafe seien bedingt aufzuschieben unter
Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren."
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
18. November 2020 wurde die Beschuldigte A._ anklagegemäss schuldig
gesprochen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe bestraft (Urk. 54 S. 177).
Gegen diesen Entscheid liess die Beschuldigte durch ihre amtliche Verteidigung
mit Eingabe vom 4. Dezember 2020 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden
(Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 48). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging
ebenfalls innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3
StPO; Urk. 55). Die Anklagebehörde hat mit Eingabe vom 18. Mai 2021 innert
Frist Anschlussberufung erhoben (Urk. 64; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO).
Die in der Berufungserklärung der Verteidigung gestellten Beweisergänzungsan-
träge wurden mit Präsidialverfügung vom 9. Juni 2021 begründet abgewiesen
(Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 55; Urk. 66). Im gleichen Entscheid wurden die Anträ-
ge auf Rückweisung des Verfahrens und auf Durchführung des schriftlichen Beru-
fungsverfahrens abgewiesen. Die Verteidigung hat die Berufung in ihrer
Berufungserklärung ausdrücklich teilweise beschränkt (Urk. 55 S. 3; Art. 399
Abs. 4 StPO). Die Anklagebehörde ficht – einzig – den Strafpunkt an (Urk. 64
S. 2). Die Privatklägerschaft stellte keine Anträge (vgl. Urk. 70) oder verzichtete
stillschweigend auf das Stellen von Anträgen. Am 27. Juni 2022 fand die Beru-
fungsverhandlung statt, zu welcher die Beschuldigte, ihr amtlicher Verteidiger
Rechtsanwalt X1._, der Privatkläger 2 (J1._) und Staatsanwalt Welti er-
schienen. Das Urteil wurde am darauffolgenden Tag beraten und im Dispositiv
versendet (zum Ganzen: Prot. II S. 5 ff.).
2. Gemäss den Anträgen der Parteien sind im Berufungsverfahren nicht ange-
fochten (vgl. Prot. II, S. 8).
- die vorinstanzliche Regelung betreffend beschlagnahmte Gegenstände
(Dispositiv-Ziffern 4 [erster und zweiter Spiegelstrich], 5 und 6) sowie
- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziffer 10).
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Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
3. Die von der Verteidigung vor der Vorinstanz vorgebrachte Verletzung des An-
klageprinzips mit Bezug auf den Vorwurf der gewerbsmässigen Vorgehensweise
wird im Berufungsverfahren nicht mehr gerügt, weshalb darauf nicht weiter einzu-
gehen ist. Im Übrigen kann auf die dazu erfolgten zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 54 S. 6 ff.).
4.1. Obwohl ein erster Antrag der Verteidigung auf eine psychiatrische Begutach-
tung der Beschuldigten in der Berufungserklärung bereits mit Präsidialverfügung
vom 9. Juni 2021 begründet abgewiesen wurde (Urk. 55 und Urk. 66), wiederholt
sie in ihrem Plädoyer abermals ihren Antrag. Es sei zwingend über die Beschul-
digte ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben, welches sich zu ihrer
gesundheitlichen Verfassung in der Zeitspanne der ihr vorgeworfenen Taten, zu
der damit allenfalls beeinträchtigten Schuldfähigkeit und einer allenfalls gegebe-
nen Massnahmebedürftigkeit ausspreche (Urk. 80 S. 2 und S. 12).
4.2. Die Verteidigung kritisiert in ihrer Begründung die vorinstanzliche Beurteilung
der Aussagen der Beschuldigten. Die zusammenhangslosen, teilweise abenteuer-
lichen und zuweilen schon fast ins Wahnhafte übergehenden Aussagen (Urk. 54
S. 38) seien nicht etwa Lügen- sondern Krankheitssignale, welche die Beschuldig-
te aussende. Sodann führt die Verteidigung aus, dass sich in den Akten mannig-
fache Hinweise auf die schlechte gesundheitliche Verfassung der Beschuldigten
finden liessen. Sie zitiert aus ärztlichen Berichten, welche der Beschuldigten u.a.
schwere depressive Verstimmungen, posttraumatische Belastungsstörungen und
verschiedene Erkrankungen attestierten sowie mehrfache Hospitalisationen und
belastende medizinische Abklärungen auswiesen. Zusammengefasst zeigt die
Verteidigung umfassend und ausführlich auf, dass sich die Einholung eines psy-
chiatrischen Gutachtens geradezu aufdränge, insbesondere vor dem Hintergrund
ihrer überaus traumatischen Lebensgeschichte (1993 wurde die Beschuldigte Op-
fer eines Gewaltverbrechens, wobei ihre 3-jährige Tochter erschossen und sie
selber und ihr Sohn angeschossen wurden) sowie dass sich die Beschuldigte seit
Jahren in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung befinde. Wenn
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selbst die Invalidenversicherung derzeit eine psychiatrische Exploration durchfüh-
ren lasse, müsse auch das Gericht Zweifel am geistigen Zustand der Beschuldig-
ten haben, folgert die Verteidigung schliesslich (Urk. 80 S. 3 ff.).
4.3. Auch aus den neuerlichen Vorbingen der Verteidigung ist keine einleuchten-
de Begründung für einen Zusammenhang zwischen den unbestrittenermassen
vorliegenden gesundheitlichen Problemen der Beschuldigten und den vorgewor-
fenen Taten ersichtlich. Dass die Beschuldigte 1993 Opfer eines Gewaltverbre-
chens wurde, ist zwar tragisch, einen Zusammenhang mit ihren vorliegend zu be-
urteilenden Taten lässt sich aber nicht herstellen. Es ist auch nur schwer nach-
vollziehbar, inwieweit die Vorgabe zwecks Betrugs, eine Polizeibeamtin zu sein,
eine verminderte Schuldfähigkeit beinhalten soll. Vielmehr spricht das planmässi-
ge und systematische Vorgehen der Beschuldigten zu den Tatzeitpunkten klar
gegen das Vorliegen konnexer psychischer Probleme und damit gegen eine Ein-
schränkung der Steuerunfähigkeit zu den Tatzeitpunkten. Entgegen den Erwä-
gungen der Vorinstanz, welche die Verteidigung aufgriff, sind die Aussagen der
Beschuldigten nicht als wahnhaft zu beurteilen. Sie sind nichts anderes, als ve-
hemente Abstreitungen ihrer Taten, z.T. auch entgegen objektiv feststellbaren
Tatsachen. Wenn sodann die Verteidigung einerseits auf das Narrativ der Be-
schuldigten abstellt (ihre Darstellungen entsprächen der Wahrheit) und anderer-
seits sinngemäss vorbringt, ihr Lügen sei eine Störung mit Krankheitswert (sie lei-
de an einer pseudologia phantastica oder sie sei eine Pseudologin), so ist das wi-
dersprüchlich und inkonsequent.
4.4. Aus der gesundheitlichen Situation der Beschuldigten ergeben sich in der Tat
keine substantiierten, ernsthaften Anzeichen für eine relevante psychische Stö-
rung (Art. 56 Abs. 1 und 3 StGB), welche eine tatzeitaktuelle Verminderung der
Schuldfähigkeit (Art. 19 StGB) indizieren könnte. Auch belastende medizinische
Eingriffe, vorhandene depressive Verstimmungen, Stimmungswechsel, Logorrho-
e, theatralische Züge etc. vermögen daran nichts zu ändern. Die zahlreichen kör-
perlichen und psychischen Leiden der Beschuldigten sowie ihr schwerer Schick-
salsschlag sind folglich bei der Strafzumessung von Belang (vgl. IV. Ziffer 3.6.).
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Nach dem Gesagten ist der Antrag auf Einholung eines psychiatrischen Gutach-
tens abzuweisen.
5.1. Erneut bringt die Verteidigung ihren Antrag auf Rückweisung des Verfahrens
ein. Zur Begründung führt sie aus, dass das erstinstanzliche Verfahren an einem
schweren Mangel leide, weil zwingend ein psychiatrischen Gutachtens über die
Beschuldigt hätte eingeholt werden müssen. Sodann gäbe es "weitere Verfah-
rensfehler", wie ausgebliebene Einvernahmen von verschiedenen Personen, zu
korrigieren (Urk. 80 S. 1 und S. 13 ff.).
5.2. Nach Art. 409 Abs. 1 StPO hebt das Berufungsgericht bei wesentlichen, im
Berufungsverfahren nicht heilbaren Mängeln das angefochtene Urteil ausnahms-
weise auf und weist die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung
und zur Fällung eines neuen Urteils an die Vorinstanz zurück. Dabei bestimmt das
Berufungsgericht, welche Verfahrenshandlungen zu wiederholen oder nachzuho-
len sind (Abs. 2). Die kassatorische Erledigung durch Rückweisung ist aufgrund
des reformatorischen Charakters des Berufungsverfahrens die Ausnahme und
kommt nur bei derart schwerwiegenden, nicht heilbaren Mängeln des erstinstanz-
lichen Verfahrens in Betracht, in denen die Rückweisung zur Wahrung der Partei-
rechte, in erster Linie zur Vermeidung eines Instanzverlustes, unumgänglich ist
(BGE 143 IV 408 E. 6.1; BSK StPO II-EUGSTER, 2. Aufl. 2014, Art. 409 N 1).
5.3. Dies ist vorliegend – wie unter Ziffer 4.1. ff. (bezüglich des Antrags auf Er-
stellung eines psychiatrisches Gutachtens) aufgezeigt sowie nachfolgend unter
II. Ziffer 1.5. (bezüglich weiterer Einvernahmen sowie Edition von weiteren Doku-
menten) aufzuzeigen sein wird – nicht der Fall. Eine Rückweisung an die Vo-
rinstanz hat mithin nicht zu erfolgen.
6.1. Vor der Vorinstanz beantragte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitstrafe von
24 Monaten, welche sie erhalten hat (Urk. 54 S. 3 und S. 177). In ihrer An-
schlussberufung beantragt sie nunmehr eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten
(Urk. 82).
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6.2. Im Rahmen ihrer Anschlussberufung obliegt es der Staatsanwaltschaft, ihren
Antrag auf Straferhöhung genau zu begründen und neue Tatsachen, auf die sie
sich gegebenenfalls berufen will, vorzubringen (vgl. Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO).
Eine Anschlussberufung, die sich nur auf die Frage der Strafzumessung be-
schränkt und keine nähere Begründung zur beantragen Straferhöhung enthält, ist
nicht zulässig, insbesondere dann nicht, wenn die Erstinstanz dem ursprünglichen
Antrag der Staatsanwaltschaft vollumfänglich gefolgt ist (BGer 6B_1498/2020
vom 29. November 2021 E. 4.4.3).
6.3. Zur Begründung der geforderte Straferhöhung um 12 Monate bringt die
Staatsanwaltschaft sinngemäss vor, sie sei nach Prüfung des vorinstanzlichen Ur-
teils und nach nochmaliger Durchsicht der Akten zu einer anderen Beurteilung
des Verschuldens gekommen als die Vorinstanz. In der Folge nimmt die Staats-
anwaltschaft eine neue Strafzumessung vor, mit teilweisem Verweis auf ihr Plä-
doyer vor der Vorinstanz, ohne aber neue Tatsachen zu benennen. Überdies führt
die Staatsanwaltschaft nicht aus, weshalb sie die höhere Strafe nicht bereits vor
der Vorinstanz beantragen konnte (Urk. 82 S. 2 ff.). Damit ist nicht schlüssig,
weshalb es im Berufungsverfahren zu einer höheren Strafe kommen soll. In
Nachachtung der bundesrechtlichen Rechtsprechung ist deshalb auf die An-
schlussberufung der Staatsanwaltschaft nicht einzutreten.
II. Sachverhalt
1.1. Der Beschuldigten A._ wird in vier voneinander unabhängigen Tatkom-
plexen das deliktische "Erwirken von Geldleistungen" vorgeworfen. Der Modus
operandi habe – stark zusammengefasst – jeweils darin bestanden, dass sie aus
dem Kosovo stammenden, mit den in der Schweiz geltenden Rechtsverhältnissen
nicht vertrauten Personen wahrheitswidrig versichert habe, sie arbeite für die
Polizei, habe persönliche Beziehungen zu wichtigen Entscheidungsträgern und
könne für diese kosovarischen Personen rechtliche Vorteile erwirken. Sie habe
gegenüber diesen Personen behauptet, diese rechtlichen Vorteile seien zu erkau-
fen, weshalb der Beschuldigten durch diese Personen Geld übergeben worden
sei (Urk. 10 S. 2-29).
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Gemäss Anklagepunkt Dossier 1 habe sie gegenüber vier Mitgliedern der Familie
J._ behauptet, sie könne erwirken, dass das weitere, sich in der Schweiz im
Strafvollzug befindende Familienmitglied K._ vorzeitig entlassen und diesem
die Ausreise in die Heimat ermöglicht werde.
Gemäss Anklagepunkt Dossier 2 habe sie gegenüber dem Ehepaar
B._L._ behauptet, sie könne erwirken, dass die gegen den Bruder von
B._, M._, geltende Einreisesperre vorzeitig aufgehoben werde.
Gemäss Anklagepunkt Dossier 3 habe sie gegenüber N._ behauptet, sie
könne dieser beim Erwerb einer Liegenschaft behilflich sein.
Gemäss Anklagepunkt Dossier 7 schliesslich habe die Beschuldigte gegenüber
dem Ehepaar E._O._ behauptet, die notwendigen Reisepapiere für eine
Reise in den Kosovo erhältlich machen zu können.
Die Beschuldigte (persönlich) stritt vor der Vorinstanz in sämtlichen vier Fällen
den übereinstimmenden Tatvorwurf, sie habe sich als Polizeibeamtin ausgegeben
und von den Privatklägern Geldsummen verlangt und erhalten, kategorisch ab
(Schlusseinvernahme, Urk. 50101082 ff.).
1.2. Die Vorinstanz hat eingangs ihrer Beweiswürdigung zum Anklage-Dossier 1
völlig zu Recht erwogen, die mehreren Anklage-Dossiers seien nicht isoliert von-
einander zu beurteilen, da der Beschuldigten darin ein einheitliches Handlungs-
muster vorgeworfen werde und die Schilderungen der insgesamt neun Privat-
kläger/Geschädigten zur Handlungsweise der Beschuldigten in auffällig weiten
Teilen übereinstimmen würden (Urk. 54 S. 43).
Die Beschuldigte (persönlich) behauptet ein Komplott zwischen den Privatklägern
J._ und B._L._ (Urk. 50101107 und 50101118). Die Verteidigung
zitiert dazu lediglich kürzest die Behauptung der Beschuldigten ohne jegliche wei-
tere Substantiierung (Urk. 44 S. 19).
Die Vorinstanz hat dazu überzeugend erwogen, zwischen den Privatklägern 1-4,
den Privatklägern 5 und 6, der Privatklägerin 7 und den beiden Geschädigten aus
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dem Dossier 7 sei keine offensichtliche Verbindung auszumachen. Diese würden
weder familiär, freundschaftlich noch beruflich in irgendeiner Beziehung zueinan-
der stehen. Dagegen sprächen auch die jeweiligen Wohnorte in unterschiedlichen
Kantonen und die lange Zeitspanne der inkriminierten Vorfälle. Eine Absprache
der Privatkläger und Geschädigten sei zweifelsfrei auszuschliessen (Urk. 54
S. 43). Dies ist ohne Weiteres zu übernehmen. Betreffend die Privatklägerin 7 und
die Geschädigten des Dossiers 7 wird eine Verstrickung seitens der Beschuldigen
sodann nicht einmal behauptet.
1.3. Die Vorinstanz hat zur Abklärung des massgeblichen Sachverhalts aus-
führlichste Erwägungen angestellt. Vorab hat sie zu sämtlichen Anklagedossiers
sämtliche Aussagen sämtlicher Beteiligter, wie diese in der Untersuchung depo-
niert wurden, detailliert wiedergegeben.
Ferner wurden zahlreiche weitere, schriftliche Beweismittel angeführt, die bei der
Beschuldigten sichergestellt wurden, so namentlich
- manipulierte Ausweise und Visitenkarten, die entweder auf die Beschuldigte
lauten und eine polizeiliche Funktion belegen sollen, oder ein Bild der
Beschuldigten enthalten, versehen mit einem Namen (C._), unter wel-
chem angeblich mit dem Bundesgericht korrespondiert wurde,
- eine ... Zeitschrift und ein ... Zertifikat [des Staates P._], gemäss wel-
chen die Beschuldigte Polizeibeamtin sei,
- Belege des Facebook-Auftritts der Beschuldigten als angebliche Polizeibe-
amtin und
- Protokolle der Kommunikation zwischen der Beschuldigten und den Privat-
klägern
(Urk. 54 S. 11, S. 68 f., S. 98, S. 121 f., jeweils mit Verweisen auf die Unter-
suchungsakten).
Die Verteidigung nimmt die kategorische Bestreitung der Beschuldigten, sie habe
sich in keinem der Fälle als Polizeibeamtin ausgegeben und nie Gelder weder
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verlangt noch erhalten, jeweils allenfalls halbherzig auf, indem ohne weitere Aus-
einandersetzung auf die Darstellung der Beschuldigten persönlich verwiesen wird
(Urk. 44 S. 7 f., S. 19). Betreffend Dossier 3 wird zumindest konkludent aner-
kannt, dass die Beschuldigte sich als Kriminalbeamtin für komplizierte Fälle aus-
gegeben hat (Urk. 44 S. 35 f.). Auch betreffend Dossier 7 wird anerkannt, dass
die Beschuldigte behauptet hat, für die Polizei zu arbeiten (Urk. 44 S. 44 f.). Im-
merhin anerkennt die Verteidigung in der Berufungsverhandlung, dass sich die
Beschuldigte gegenüber den Geschädigten als Polizistin ausgegeben hat (Urk. 80
S. 6).
Die Verteidigung fokussiert vielmehr – nachvollziehbarerweise – auf die Fragen
des Quantitativs der geflossenen Gelder und die Qualifikation eines arglistigen
Tatvorgehens der Beschuldigten (Urk. 44 S. 10 ff., S. 19 ff., S. 30 ff. und S. 43 ff.;
Urk. 80 S. 40 ff.).
1.4. Allein aus den aktenkundigen schriftlichen Unterlagen geht hervor, dass die
Beschuldigte sich offenbar generell – und wahrheitswidrig – damit brüstete, Poli-
zeibeamtin zu sein. Vor diesem Hintergrund sind die sich deckenden, voneinan-
der unabhängig gemachten Darstellungen sämtlicher Privatkläger und Geschädig-
ter, die Beschuldigte habe sich ihnen gegenüber als Polizeibeamtin ausgegeben
und sie hätten dies auch geglaubt, überzeugend. Die Privatklägerin N._ bei-
spielsweise hatte die Beschuldigte bezeichnenderweise als "C._ policja" in
ihrem Telefon gespeichert (Urk. 40902030 ff.). Ebenfalls ist aus den Chatprotokol-
len zu entnehmen, dass sie von den Geschädigten Geld verlangt hat
(Urk. 30101022 ff.). Die entsprechenden Bestreitungen der Beschuldigten sind
entsprechend rundweg widerlegt und der Anklagesachverhalt ist dahingehend er-
stellt.
1.5. Zu den zahlreichen anlässlich der Berufungsverhandlung gestellten Beweis-
anträgen der Verteidigung (Urk. 80 S. 19 ff.) kann bereits jetzt gesagt werden,
dass diese nicht geeignet sind, um das Beweisergebnis zu widerlegen. Wie nach-
folgend aufgezeigt wird, werden die Aussagen der Geschädigten jeweils durch
SMS-Nachrichten bzw. Chatprotokolle, handschriftliche Erklärungen, Schreiben
etc. (vgl. Ziffer 1.3.) gestützt und es ist nicht ersichtlich, wie die weiteren Aussa-
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gen der angerufenen Personen eine bessere Beweiswürdigung ermöglichen
könnten. Gleiches gilt für die Edition von weiteren Dokumenten, die nach dem
Gesagten keine (entscheidende) Relevanz mit Blick auf das Beweisergebnis hät-
ten. Alles andere ginge an der Sache vorbei. Schliesslich ergeben sich bezüglich
der Verwertbarkeit der essentiellen Beweismittel keinerlei Einschränkungen. Sie
wurden ordnungsgemäss erhoben, weshalb zur Sachverhaltserstellung grund-
sätzlich darauf abgestellt werden kann.
2.1. Gemäss ihrer übereinstimmenden Schilderung (vgl. Urk. 54 S. 23-37 mit
Verweisen) wollten die Privatkläger J._ erreichen, dass ihr Verwandter
K._ frühzeitig aus dem Strafvollzug in die Heimat entlassen werde. Zwecks
dessen kontaktierten sie die Beschuldigte. Dass die Beschuldigte – vermeintlich –
in dieser Sache für die Privatkläger J._ tätig wurde, ergibt sich nebst deren
übereinstimmenden Schilderungen aus dem offensichtlich durch die Beschuldigte
fingierten Schriftverkehr mit dem Bundesamt für Justiz und dem Schweizerischen
Bundesgericht (vgl. Urk. 30101031 ff.). Dass die Beschuldigte gegenüber den Pri-
vatklägern J._ behauptete, die angestrebte Dienstleistung sei von Geldzah-
lungen abhängig, ergibt sich ebenfalls sowohl aus deren Schilderungen wie aus
diversen, der Beschuldigten zuzuschreibenden Schriftstücken und der aktenkun-
digen schriftlichen Kommunikation der Beteiligten (wiederum Urk. 30101031;
Urk. 30101022 ff.).
Wenn die Beschuldigte dies alles lapidar und pauschal dahingehend bestreitet,
die J._s hätten einen kriminellen Hintergrund und wollten sich mittels Falsch-
belastungen an ihr rächen sowie, die bei ihr sichergestellten schriftlichen Unterla-
gen seien nicht von ihr erstellt worden, sind dies allzu unbehelfliche Schutzbe-
hauptungen und schlicht gelogen. Das Entsprechende wird im übrigen durch die
Verteidigung gar nicht substantiiert bestritten (Urk. 44 S. 7-9).
Der Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 ist somit zusammengefasst dahinge-
hend rechtsgenügend erstellt, dass die Privatkläger J._ die Freilassung ihres
inhaftierten Verwandten K._ erreichen wollten und deswegen die Beschuldig-
te kontaktierten; dass die Beschuldigte sich den J._s gegenüber als Polizei-
beamtin und in der Lage darstellte, diese Freilassung in die Wege zu leiten; dass
- 16 -
die Beschuldigte vermeintlich in dieser Hinsicht tätig wurde und den Erfolg der Ak-
tion als von Geldzahlungen der J._s abhängig darstellte (vgl. Urk. 10 S. 2-
11). Dazu kann vollumfänglich auf die in allen Teilen zutreffende Beweiswürdi-
gung der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 54
S. 44-52; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2.1. Zu beurteilen bleibt die Frage, ob und in welcher Höhe die Privatkläger
J._ Zahlungen an die Beschuldigte geleistet haben (vgl. Urk. 10 S. 11-13).
2.2.2. Die Anklageschrift geht von 12 geleisteten Zahlungen an die Beschuldigte
im Gesamtbetrag von CHF 50'800.– und Euro 15'800.– aus (Urk. 10 S. 12 f.). Die
Verteidigung bestreitet, dass "überhaupt und wenn ja, wie viel Geld an die Be-
schuldigte geflossen ist" (Urk. 44 S. 16).
Die Vorinstanz hat die folgenden inkriminierten Zahlungen als nicht erstellt erach-
tet (vgl. Urk. 54 S. 52-68):
- Fr. 1'500.– im Januar 2014
- Fr. 4'300.– am 16. Januar 2014
- Fr. 2'000.– am 19. Februar 2014
- Fr. 5'000.– am 19. Februar 2014
- Fr. 10'000.– im März 2014
- Fr. 4'000.– im April 2014
Dabei hat es aus prozessualen Gründen sein Bewenden (Art. 391 Abs. 2 StPO).
Als erstellt erachtet hat die Vorinstanz drei Zahlungen in CHF und drei Zahlungen
in Euro.
2.2.3. Gemäss Anklageschrift wurden der Beschuldigten am 30. August 2013 im
Q._-Restaurant der Autobahnraststätte R._ durch J2._, J3._
und J4._ Fr. 19'500.– und am 4. September 2013 durch J2._ und
- 17 -
J3._ in ... Fr. 500.– übergeben (Urk. 10 S. 12). Die Verteidigung bestreitet
diese Zahlungen gar nicht rundweg: Vielmehr wird eine arglistige Täuschung der
Privatkläger durch die Beschuldigte bestritten (worauf nachstehend bei der recht-
lichen Würdigung zurückzukommen ist) respektive wird geltend gemacht, es sei
nicht klar, woher genau das übergebene Geld gestammt habe (Urk. 44 S. 7 ff. und
insb. S. 14).
Die Vorinstanz hat zusammengefasst erwogen, dass mit den Ausführungen der
Verteidigung betreffend das Darlehen, welches gemäss der Darstellung der Pri-
vatkläger zur Bezahlung der Forderungen der Beschuldigten aufgenommen wur-
de, zu Zeitpunkt und genauem Umfang gewisse Widersprüche vorliegen. Diese
seien jedoch erklär- und auflösbar (Urk. 54 S. 53 ff.). Dies trifft zu. Dass dieses
Darlehen tatsächlich im Zeitraum der fraglichen Zahlung aufgenommen wurde, ist
aktenkundig (Urk. 40501018 ff. und 40501055). Ebenfalls, dass die Beschuldigte
in einem fingierten, bei ihr sichergestellten Schreiben betreffend das Anliegen der
Privatkläger eine Zahlung ca. im Umfang der behaupteten Übergabe als notwen-
dig darstellte (Urk. 30101031). Mit den weiteren ausführlichen und sorgfältigen
Erwägungen der Vorinstanz ist die inkriminierte Geldübergabe zwar nicht auf den
Tag genau erstellt, jedoch auf einen Zeitraum von einigen wenigen Tagen, in
welchem vor allem auch die glaubhaft geschilderte Zahlung der verbleibenden
Tranche von Fr. 500.– erfolgte. Dass schliesslich nicht im Detail rekonstruiert
werden kann, welcher der Privatkläger J._ genau welchen Teilbetrag zur
Verfügung stellte, und dies entgegen der Verteidigung nicht massgeblich ist, hat
die Vorinstanz ebenfalls richtig erkannt: Die Privatkläger hatten ein gemeinsames
Familien-Anliegen, welches gemeinsam und nach Kräften finanziert werden sollte.
Die Verteidigung selber zitiert die überzeugende Aussage seitens der Privatklä-
ger, wer etwas auf der Seite gehabt habe, habe beigesteuert (Urk. 44 S. 15 mit
Verweisen). Entscheidend ist, dass aufgrund der diesbezüglich übereinstimmen-
den und überzeugenden Schilderungen keine relevanten Zweifel verbleiben, dass
im Zeitraum Ende August/Anfang September 2013 wie in der Anklage geschildert
Fr. 19'500.– und Fr. 500.– an die Beschuldigte übergeben wurden.
- 18 -
2.2.4. Gemäss Anklageschrift wurden dem Sohn der Beschuldigten, S._, am
7. Dezember 2013 am Hauptbahnhof ... durch J2._ und J1._ zuhanden
der Beschuldigten Fr. 4'000.– übergeben (Urk. 10 S. 12). Die Verteidigung be-
streitet auch diese Zahlungen nicht rundweg, bestreitet vielmehr eine arglistige
Täuschung der Privatkläger durch die Beschuldigte und macht geltend, es sei
nicht klar, woher genau das übergebene Geld gestammt habe (Urk. 44 S. 7 ff. und
insb. S. 15).
Die Vorinstanz hat zusammengefasst erwogen, die Aussagen der Privatkläger be-
treffend diese Übergabe seien deckend und daher überzeugend (Urk. 54 S. 61 f.).
Sodann ergeben sich aus dem aktenkundigen SMS-Verkehr zwischen der Be-
schuldigten und den J._s in der Tat gewichtige Indizien betreffend eine
Übergabe von genau Fr. 4'000.– zum fraglichen Zeitpunkt an S._
(Urk. 30101022). Diese ist mithin erstellt. Zur genauen Herkunft des Geldes gilt
das vorstehend Erwogene.
2.2.5. Gemäss Anklageschrift wurden am 6. November 2013 respektive
8. Dezember 2013 an zwei Personen mit Nachnamen T._ zuhanden der Be-
schuldigten durch einen U._ im Auftrag der Privatkläger 12'000.– Euro res-
pektive 1'300.– Euro übergeben (Urk. 10 S. 12 f.).
Aktenkundig sind zwei schriftliche Bestätigungen des Onkels der Privatkläger 1-3,
U._, dass er den beiden T._s 12'000.– und 1'300.– Euro übergeben hat
(Urk. 20101108 bis 20101111). Wenn die Verteidigung die Echtheit der sich eben-
falls auf diesen schriftlichen Bestätigungen befindlichen Vermerken, dass dies im
Auftrag und zuhanden der Beschuldigten erfolgt sei, anzweifelt (Urk. 44 S. 9 f.), ist
dies haltlos vor dem Hintergrund, dass aus dem aktenkundigen SMS-Verkehr der
Beschuldigten und der Privatkläger die Bestätigung der Beschuldigten hervorgeht,
dass sie die 12'000.– Euro von den Privatklägern erhalten hat (Urk. 30101022).
All dies wird gestützt durch die übereinstimmende Sachdarstellung der Privatklä-
ger (Urk. 54 S. 58 ff. mit Verweisen). Mit der Vorinstanz ist sodann nicht massge-
blich, woher die Privatkläger das Geld beschafft haben. Dass sie es zuhanden der
Beschuldigten haben auszahlen lassen, ist insgesamt zweifelsfrei erstellt.
- 19 -
2.2.6. Gemäss Anklageschrift übergab schliesslich der Privatkläger 3 am
17. Januar 2014 der Beschuldigten in ihrer Wohnung 2'500.– Euro (Urk. 10
S. 12 f.). Aktenkundig ist, dass die Beschuldigte die Privatkläger am Vortag zu ei-
ner Zahlung aufgefordert hat (Urk. 30101027). Mit der Vorinstanz ist es daher
wohl "naheliegend" und "nachvollziehbar", dass am 17. Januar 2014 eine Euro-
Zahlung an die Beschuldigte stattgefunden hat. Strafrechtlich rechtsgenügend er-
stellt ist die Zahlung jedoch – namentlich auch im Quantitativ – nicht: So ent-
spricht die seitens der Privatkläger behauptete Summe auch nicht dem durch die
Beschuldigte geforderten Betrag. Die Vorinstanz versucht dies mit einer – durch-
aus plausiblen – Hypothese aufzulösen (Urk. 54 S. 64 f.). Für ein zweifelsfreies
Beweisresultat genügt dies allerdings nicht.
2.3. Auch hier sind – wie bereits erwähnt – die von der Verteidigung anlässlich der
Berufungsverhandlung beantragten Beweisergänzungen (Urk. 80 S. 17 ff.) nicht
geeignet, um den erstellten Sachverhalt zu wiederlegen. Wie ausgeführt werden
die Aussagen der Geschädigten mit den essentiellen Beweismitteln gestützt
(vgl. Ziffer 1.5.).
3.1. Gemäss ihrer – diesbezüglich – übereinstimmenden Schilderung (vgl. Urk. 54
S. 74-81 mit Verweisen) wollten die Privatkläger B._L._ erreichen, dass
die gegen ihren Verwandten M._ bestehende Einreisesperre frühzeitig auf-
gehoben werde. Zwecks dessen kontaktierten sie die Beschuldigte. Dass die Be-
schuldigte – vermeintlich – in dieser Sache für die Privatkläger B._L._
tätig wurde, ergibt sich nebst deren übereinstimmenden Schilderungen aus dem
offensichtlich durch die Beschuldigte fingierten Schriftverkehr mit dem Schweize-
rischen Bundesgericht (vgl. Urk. 30201011 ff.). Wenn die Verteidigung dies einzig
damit bestritt, die Deutschkenntnisse der Beschuldigten seien für die Abfassung
dieser Schreiben ungenügend (Urk. 44 S. 19; Urk. 80 S. 22), überzeugt dies nicht:
Die Schreiben des Bundesgerichts betreffen eine C._. Wie bereits vorste-
hend erwogen verfügte die Beschuldigte über eine gefälschte Passkopie mit ih-
rem Bild, lautend auf diesen Namen. Es ist in keiner Weise nachvollziehbar und
wird seitens der Verteidigung auch nicht substantiiert behauptet, wer ausser der
Beschuldigten diese Schreiben verfasst haben soll. Die Beschuldigte lebt seit
- 20 -
1989 in der Schweiz und ist sehr wohl der deutschen Sprache mächtig, wovon
sich das Gericht anlässlich der Berufungsverhandlung eindrücklich überzeugen
konnte. Die Beschuldigte folgte dem umfangreichen Plädoyer der Verteidigung
exakt Seite für Seite.
Dass die Beschuldigte – auch – gegenüber den Privatklägern B._L._
behauptete, die angestrebte Dienstleistung sei von Geldzahlungen abhängig,
ergibt sich ebenfalls sowohl aus deren Schilderungen wie aus diversen, der Be-
schuldigten zuzuschreibenden Schriftstücken und der aktenkundigen schriftlichen
Kommunikation der Beteiligten (Urk. 30201017 ff.).
Wenn die Beschuldigte dies alles lapidar und pauschal dahingehend bestreitet, –
auch – die B._L._s hätten einen kriminellen Hintergrund, würden mit
den J._s unter einer Decke stecken, wollten sich mittels Falschbelastungen
an ihr rächen sowie, die bei ihr sichergestellten schriftlichen Unterlagen seien
nicht von ihr erstellt worden (Urk. 50101107 ff.), sind dies allzu unbehelfliche
Schutzbehauptungen und angesichts der klaren belastenden Beweismittel
schlicht gelogen.
Der Anklagesachverhalt gemäss Dossier 2 ist somit zusammengefasst dahinge-
hend rechtsgenügend erstellt, dass die Privatkläger B._L._ die vorzeiti-
ge Aufhebung der Einreisesperre ihres Verwandten M._ erreichen wollten
und deswegen die Beschuldigte kontaktierten; dass die Beschuldigte sich den
B._L._s gegenüber als Polizeibeamtin und in der Lage darstellte, diese
Aufhebung der Einreisesperre in die Wege zu leiten; dass die Beschuldigte ver-
meintlich in dieser Hinsicht tätig wurde und den Erfolg der Aktion als von Geldzah-
lungen der B._L._s abhängig darstellte (vgl. Urk. 10 S. 13-19). Ergän-
zend kann dazu vollumfänglich auf die in allen Teilen zutreffende Beweiswürdi-
gung der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 54
S. 84-90; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2.1. Zu beurteilen bleibt – auch hier – die Frage, ob und in welcher Höhe die
B._L._s Zahlungen an die Beschuldigte geleistet haben (vgl. Urk. 10
S. 19 f.). Eine behauptete Zahlung von Fr. 13'549.05 ca. am 19. Juli 2013 hat die
- 21 -
Vorinstanz als nicht erstellt erachtet (Urk. 54 S. 95 f.), wobei es sein Bewenden
hat (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3.2.2. Gemäss Anklageschrift zahlten die Privatkläger B._L._ der Be-
schuldigten im Frühling 2013 an deren Wohnort Fr. 23'500.– (Urk. 10 S. 19). Die
Verteidigung bestreitet mit dem Hinweis, es liege keine Quittung vor und die Her-
kunft des fraglichen Geldes sei unklar. Anschliessend wird eine arglistige Täu-
schung der Privatkläger bestritten (Urk. 44 S. 19 ff.).
Die Anklageschilderung korrespondiert mit den übereinstimmenden Aussagen der
Privatkläger und deren schriftlicher Aufstellung (Urk. 54 S. 91-93 mit Verweisen;
Urk. 30201010). Aus dem handschriftlichen, bei der Beschuldigten sichergestell-
ten Schreiben Urk. 30201012 ergibt sich, dass die Beschuldigte entgegen ihren
Bestreitungen Geld in der inkriminierten Höhe gefordert hat. Und aus dem eben-
falls der Beschuldigten zuzurechnenden Schreiben Urk. 30201011 ergibt sich
nicht nur ein angebliches Zahlungserfordernis der Privatkläger, sondern auch die
Information, dass tatsächlich gezahlt worden sei! Da ja nicht die Beschuldigte sel-
ber gezahlt hat, ist daraus in der Tat abzuleiten, dass sie für das angeblich von ihr
Geleistete Gelder der Privatkläger erhalten hat. Die Beschuldigte bestreitet rund-
weg, von den Privatklägern B._L._ Zahlungen erhalten zu haben
(Urk. 50101118). Dies wird – zusätzlich – klar widerlegt durch den aktenkundigen
SMS-Verkehr zwischen der Beschuldigten und den B._L._s: Die Be-
schuldigte hat mehrfach eigentlich anerkannt, dass die B._L._s Zahlun-
gen an sie geleistet haben (Urk. 54 mit Verweisen auf Urk. 30201025 ff.). Entge-
gen der Verteidigung ist es einmal mehr unerheblich, woher das fragliche Geld
stammte. Die Vorinstanz hat jedoch nachvollziehbar aufgezeigt, dass auch die
Kreditunterlagen der B._L._s die behauptete Zahlung an die Beschul-
digte indizieren (Urk. 54 S. 93). Die fragliche Zahlung ist insgesamt erstellt.
3.2.3. Gemäss Anklageschrift zahlte der Privatkläger L._ der Beschuldigten
im Juni 2013 Fr. 16'000.– (Urk. 10 S. 19). Die seitens der Privatkläger überein-
stimmend und detailliert behauptete Zahlung korrespondiert ohne Weiteres mit
den fingierten Schreiben der Beschuldigten, wonach ein Betrag von Fr. 15'863.75
nicht nur gefordert (Urk. 30201013), sondern auch bezahlt worden sei
- 22 -
(Urk. 30201014). Da die Beschuldigte alias C._ nicht selbst bezahlte, kann
sich dieses Schreiben nur auf eine tatsächlich erfolgte Zahlung der Privatkläger
beziehen und stellt gegenüber den Privatklägern sinngemäss eine eigentliche
Quittung dar. Dass die Herkunft des Geldes nicht restlos klar ist, führt – mit der
Vorinstanz (Urk. 54 S. 93-95) – folgerichtig nicht zu relevanten Zweifeln daran,
dass die Zahlung tatsächlich geleistet worden ist.
3.2.4. Gemäss Anklageschrift zahlte der Privatkläger L._ der Beschuldigten
schliesslich ca. am 18. Oktober 2013 Fr. 4'800.– (Urk. 10 S. 20).
Mit der Vorinstanz ist gestützt auf die aktenkundige Chatkonversation zwischen
der Beschuldigten und dem Privatkläger L._ ohne Weiteres erstellt, dass die
Beschuldigte zum fraglichen Zeitpunkt den fraglichen Betrag einforderte und auch
in Aussicht stellte, diesen noch gleichentags bei den Privatklägern abzuholen
(Urk. 54 mit Verweis auf Urk. 30201018). Gestützt auf die Aussagen der Privat-
kläger ist die anschliessende Zahlung auch durchaus plausibel. Im Gegensatz zu
den vorstehend abgehandelten beiden Zahlungen liegen hier jedoch keine eigent-
lichen, indirekten schriftlichen Zugeständnisse der Beschuldigten vor, dass diese
Zahlung geleistet worden ist. Daher ist die fragliche Zahlung entgegen der
Vorinstanz – wenn auch knapp – nicht rechtsgenügend erstellt (vgl. Urk. 54
S. 96 f.).
3.3. Zum Tatkomplex die Privatkläger B._L._ betreffend wird der Be-
schuldigten zusätzlich vorgeworfen, einen fingierte Briefverkehr zwischen ihr und
dem Schweizerischen Bundesgericht vorgetäuscht und dazu falsche Urkunden
erstellt zu haben (Urk. 10 S. 20 f.).
Die massgeblichen Urkunden wurden bei der Beschuldigten sichergestellt. Sie
und die Verteidigung behaupten ebenso kurz wie unglaubhaft, eine unbekannte
Drittperson respektive ein Komplott der J._s und der B._L._s habe
diese Dokumente erstellt (Urk. 50101110; Urk. 44 S. 27).
Mit den in allen Teilen überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz kann kein
Zweifel bestehen, dass die Beschuldigte diese Schreiben selber erstellt hat, um
- 23 -
ihr gegenüber den Privatklägern geäussertes Lügenkonstrukt zu untermauern
(Urk. 54 S. 86 f.).
3.4. Die von der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung angerufenen
Beweisergänzungen (Urk. 80 S. 22 ff.), sind – wie bereits vorstehend ausgeführt
(vgl. Ziffer 1.5.) – nicht geeignet, den erstellten Anklagesachverhalt zu widerlegen.
4.1. Zum Anklagepunkt Dossier 3 reklamierte die Verteidigung im Hauptverfahren
ausführlich die Formulierung der Anklageschrift. Dabei bot sie eine Anklageschil-
derung des massgeblichen Sachverhalts an, wie diese nach ihrem Dafürhalten
hätte sein müssen (Urk. 44 S. 28 f.). Damit konzediert die Verteidigung, dass es
ihr und der Beschuldigten mithin ohne Zweifel klar ist, welcher Tatvorwurf der Be-
schuldigten gemacht wird und wogegen sie sich zu verteidigen hat.
Gemäss der – mit der Vorinstanz (Urk. 54 S. 112) – grundsätzlich überzeugenden
Schilderung der Privatklägerin N._ (Urk. 54 S. 103-109 mit Verweisen) wurde
diese durch die Beschuldigte kontaktiert, da die Privatklägerin N._ Probleme
an ihrem Arbeitsplatz mit ihrem Arbeitgeber V._ hatte. Bei der Beschuldigten
wurden gefälschte Bankunterlagen sichergestellt, gemäss welchen die Beschul-
digte tatzeitaktuell angeblich ein Vermögen in Millionenhöhe aufgewiesen habe
(Urk. 40101029 [nicht Urk. 40401029 wie im Aktenverzeichnis]). Auf diese Unter-
lagen hat sich die Privatklägerin N._ in ihrer Sachdarstellung bezogen; die
Beschuldigte habe ihr diese gezeigt (Urk. 54 S. 103 ff. mit Verweisen). Angesichts
dessen ist die Darstellung der Beschuldigten, die Fälschung sei einerseits durch
unbekannte Dritte respektive durch das Steueramt erstellt und andererseits der
Privatklägerin N._ nie gezeigt worden (Urk. 50101121), eine unbehelfliche
Schutzbehauptung. Das Konstrukt der Verteidigung, unbekannte Feinde der
Beschuldigten wollten dieser schaden, indem sie auf den Namen der Beschuldig-
ten lautende Urkunden fälschten und den Behörden einreichten (Urk. 44 S. 40 ff.),
ist angesichts der Tatsache, dass bei der Beschuldigten diverse verfälschte Ur-
kunden gefunden wurden, betreffend welche mehrere Privatkläger unabhängig
voneinander aussagten, sie seien ihnen durch die Beschuldigte zu Überzeu-
gungszwecken zur Kenntnis gebracht worden, schon sehr abenteuerlich.
- 24 -
Aus dem aktenkundigen Chat-Verkehr zwischen der Beschuldigten und der Pri-
vatklägerin N._ geht sodann – wiederum entgegen den pauschalen Bestrei-
tungen der Beschuldigten – zweifelsfrei hervor, dass die Beschuldigte von der
Privatklägerin N._ Geldzahlungen verlangt hat (Urk. 54 S. 115 f. mit Verweis
auf Urk. 60201050 ff. und Urk. 50201200ff. [insb. Urk. 50201219 Frage 71 mit
Protokollnotiz] sowie Urk. 40902001 ff. insb. 40902050). Vor diesem Hintergrund
verbleibt mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 54 S. 113-116) kein Zweifel an der Darstel-
lung der Privatklägerin N._, dass die Beschuldigte ihr Hilfe beim Erwerb einer
Liegenschaft angeboten und mit Blick auf die Abwicklung dieses Rechtsgeschäfts
Geldzahlungen verlangt hat.
4.2.1. Die Anklage lastet der Beschuldigten den Bezug von 8 Zahlungen der Pri-
vatklägerin N._ im Gesamtbetrag von insgesamt Fr. 28'600.– an (Urk. 10
S. 25). Die Vorinstanz hat drei Zahlungen über Fr. 3'000.–, Fr. 2'500.– und
Fr. 1'500.– als nicht erstellt erachtet sowie eine weitere nur im Umfang von
Fr. 2'000.– anstelle Fr. 2'500.– (Urk. 54 S. 118-120). Dabei hat es sein Bewenden
(Art. 391 Abs. 2 StPO).
4.2.2. Wie bereits erwähnt, ist die massgebliche Beweiswürdigung der Vorinstanz
sorgfältig und zutreffend, dass die Privatklägerin durchaus detailliert und grund-
sätzlich glaubhaft ausgesagt hat, dass sie der Beschuldigten dahingehend glaub-
te, dass diese ihr beim Erwerb der Liegenschaft helfen könnte und sie (die Be-
schuldigte) dafür Zahlungen von ihr verlangt hat. Die Vorinstanz hat Zahlungen im
Umfang von Fr. 5'000.–, Fr. 10'000.–, Fr. 2'500.–, Fr. 2'000.– (statt der eingeklag-
ten Fr. 2'500.–) und Fr. 1'600.– als erstellt erachtet; dies einzig gestützt auf die
entsprechenden Schilderungen der Privatklägerin N._ (Urk. 54 S. 117-121).
Für einen rechtsgenügenden Beweis – insbesondere im Quantitativ – reicht dies
allerdings entgegen der Vorinstanz nicht aus: Sowohl die Vorinstanz selber wie
auch die Verteidigung weisen zutreffend darauf hin, dass die Privatklägerin betref-
fend Chronologie und Höhe der Zahlungen nicht komplett kongruent ausgesagt
hat und Irrtümer namentlich betreffend ihre eigene schriftliche Aufstellung auch
eingestanden hat (Urk. 54 S. 116 mit Verweisen; Urk. 44 S. 30 f.).
- 25 -
Dies führt konsequenterweise zum Beweisresultat, dass es zugunsten der Be-
schuldigten offenbleiben muss, ob und in welcher Höhe Bargeldzahlungen von
der Privatklägerin zur Beschuldigten geflossen sind. Es wird damit in der Folge
die versuchte Tatbegehung zu prüfen sein (vgl. dazu rechtliche Ausführungen;
III. Ziffer 1.7.)
4.3. Zum Tatkomplex die Privatklägerin N._ betreffend wird der Beschuldig-
ten zusätzlich vorgeworfen, einen fingierten Bankkontoauszug betreffend ihre
Vermögenssituation und damit eine falsche Urkunde erstellt zu haben (Urk. 10
S. 25 f.).
Die massgebliche Urkunde wurde bei der Beschuldigten sichergestellt. Sie und
die Verteidigung behaupten einmal mehr, eine unbekannte Drittperson habe die-
ses Dokument erstellt (Urk. 50101121; Urk. 44 S. 41; Urk. 80 S. 67).
Die Beschuldigte und die Verteidigung wollen also allen Ernstes dartun, in drei
voneinander unabhängigen Fällen seien jeweils auf dem privaten Computer der
Beschuldigten von einer Dritttäterschaft Dokumente gefälscht worden, welche
gemäss den jeweils überzeugenden Aussagen der in diesen drei voneinander
unabhängigen Fällen geschädigten Personen die Beschuldigte ihnen zur Unter-
mauerung ihrer jeweiligen Lügen zur Kenntnis gebracht habe. Erneut ist zu
betonen, dass die Beschuldigte unzweifelhaft die deutschen Sprache in Wort und
Schrift beherrscht (vgl. Ziffer 3.1.).
Mit der Vorinstanz kann auch hier kein Zweifel bestehen, dass die Beschuldigte
den massgeblichen Kontoauszug selber gefälscht hat, um gegenüber der Privat-
klägerin N._ ihre behauptete Solvenz zu belegen (Urk. 54 S. 114 f.).
Auch hier sind die von der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung
angerufenen Beweisergänzungen (Urk. 80 S. 24 ff.), nicht geeignet, den erstellten
Anklagesachverhalt zu widerlegen (vgl. Ziffer 1.5.).
5.1. Zum Anklagepunkt Dossier 7 bestreitet die Beschuldigte, den Geschädigten
D._E._ die Beschaffung von Reisepässen versprochen zu haben, für
die Geschädigte Pässe organisiert zu haben sowie von den Geschädigten dafür
- 26 -
eine Zahlung verlangt und erhalten zu haben (Urk. 50101127 ff.). Die Bestreitun-
gen zur Rolle der Beschuldigten bei der Passbeschaffung sind gestützt auf die
Akten ohne Weiteres widerlegt: Die Beschuldigte teilte der namens der Geschä-
digten involvierten Rechtsanwältin Y._ handschriftlich mit, sie schicke ihr Ko-
pien der massgeblichen Pässe (Urk. 30701011). Die Anwältin bestätigte ihrerseits
den Geschädigten schriftlich, die Beschuldigte habe ihr diese Passkopien ge-
schickt (Urk. 30701010). Bei der Beschuldigten wurden sowohl auf die Geschä-
digten lautende Passfälschungen sichergestellt, wie ein echter, abgelaufener, auf
die Geschädigte E._ (ledig F._) lautender Pass (Urk. 40101017; Urk.
30701012 ff.).
Schon allein dies lässt keinen Zweifel daran offen, dass die Beschuldigte in die
Beschaffung von Reisepässen für die Geschädigten D._E._ involviert
war. Wenn die Geschädigten dies dann – mit der Vorinstanz (Urk. 54 S. 135-138)
– auch noch übereinstimmend und glaubhaft schildern (Urk. 54 S. 130-133), wird
ein weiteres Bestreiten der Beschuldigten (und der Verteidigung, Urk. 44 S. 44 ff.)
vollends hilflos.
5.2. Die Vorinstanz hat erwogen, es sei gestützt auf die überzeugenden Aussa-
gen der Geschädigten D._E._ erstellt, dass diese der Beschuldigten in
zwei Tranchen 5'000.– Euro übergeben hätten (Urk. 54 S. 138 f.).
Vorab nicht überzeugend sind die Bestreitungen der Verteidigung, es sei unrealis-
tisch, dass die mittellosen Geschädigten mit Asylbewerberstatus einen solchen
Betrag überhaupt von Dritten hätten erhältlich machen können und – wenn doch –
, dass dieser ohne Quittungen übergeben worden sei (Urk. 44 S. 43).
Hierbei übersieht die Verteidigung, dass die Darlehensgeber Familienangehörige
der Geschädigten waren und dass mit dem Geld der schwerkranken Tochter eine
letzte Reise in ihre Heimat ermöglicht werden sollte. Angesichts dieser Umstände
ist sowohl eine Hingabe an sich, wie eine solche ohne Quittung keinesfalls abwe-
gig.
- 27 -
Gemäss obigem Beweisresultat ist erstellt, dass die Beschuldigte Pässe (respek-
tive Passfälschungen) für die Geschädigten erhältlich machte. Es ist notorisch,
dass sie für diese den Herstellern einen mit Sicherheit nicht unerheblichen Betrag
zahlen musste. Dossier-übergreifend ist sodann das stereotype Tatvorgehen der
Beschuldigten erstellt, für angebotene Dienstleistungen Geld zu verlangen. Dies
verbunden mit den in der Tat insgesamt überzeugenden Aussagen der Geschä-
digten ist mit der Vorinstanz rechtsgenügend erstellt, dass die Geschädigten der
Beschuldigten auf deren Verlangen 5'000.– Euro übergeben haben.
5.3. Zum Tatkomplex die Geschädigten D._E._ betreffend wird der Be-
schuldigten zusätzlich vorgeworfen, zwei auf die Namen der Geschädigten lau-
tende, gefälschte jugoslawische Reisepässe erhältlich gemacht zu haben, um
diese den Geschädigten vorzulegen und auszuhändigen (Urk. 10 S. 30).
Die massgeblichen – falschen – Urkunden wurden bei der Beschuldigten sicher-
gestellt. Aus der Korrespondenz der Rechtsanwältin Y._ geht sowohl die Be-
schaffung durch die Beschuldigte wie der beabsichtigte Verwendungszweck her-
vor. Die Behauptung der Beschuldigten, sie habe für die D._E._s keine
Pässe besorgt, ist damit ebenso widerlegt wie diejenige, die Passfälschungen
seien ihr durch die D._E._s zur Aufbewahrung übergeben worden
(Urk. 50101128 f.). Diese decken sich auch nicht mit dem Erklärungsversuch der
Verteidigung, die Beschuldigte habe die Passfälschungen im Auftrag der
D._E._s beschafft (Urk. 44 S. 47-49). Wie hier schwadroniert wird, be-
legt die Aussage der Verteidigung, wahrscheinlicher als die Behauptungen der
Beschuldigten sei eine – weitere – in den Raum gestellte "Arbeitshypothese"
(Urk. 44 S. 48).
Mit den in allen Teilen überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz kann kein
Zweifel bestehen, dass die Beschuldigte die Passfälschungen beschafft hat, um
diese den D._E._s als vermeintlich echte Pässe zu übergeben, und sie
diese den Geschädigten auch vorgelegt hat (Urk. 54 S. 137 f.).
Am vorgenannten Ergebnis vermag auch der von der Verteidigung gestellt Be-
weisantrag (Urk. 80 S. 29) nichts zu ändern (vgl. Ziffer 1.5.).
- 28 -
6. Schliesslich wird der Beschuldigten in Dossier 8 vorgeworfen, eine verbotene
Soft-Air-Gun besessen zu haben, was Beschuldigte und Verteidigung nicht be-
streiten (Urk. 50101132; Urk. 44 S. 49 ff.; vgl. Urk. 54 S. 140 f.).
III. Rechtliche Würdigung
1.1. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid vorab das notwendige
Theoretische zu den einzelnen Elementen des Tatbestand des (gewerbsmässi-
gen) Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB angeführt (Urk. 54 S. 142
bis 144). Darauf wird verwiesen.
1.2. In der Folge hat die Vorinstanz zusammengefasst erwogen, dass die Be-
schuldigte in allen vier massgeblichen Anklage-Dossiers (1. J._; 2.
B._L._; 3. N._ und 7. D._E._) die Privatkläger respektive
Geschädigten mittels jeweils arglistiger Täuschung zur Leistung von Geldzahlun-
gen bestimmt hat.
1.3. Dies ist sowohl im Resultat wie in der Begründung (mit einer Ausnahme)
überzeugend: Die Privatkläger J._ und B._L._ respektive die Ge-
schädigten D._E._ wurden durch die Beschuldigte dahingehend ge-
täuscht, die Beschuldigte sei Schweizer Polizeibeamtin mit Einfluss und Kontak-
ten zu staatlichen Stellen, welche es ihr ermöglichen würden, staatliche Anord-
nungen zugunsten der Ansprecher abzuändern oder eine solche erhältlich zu ma-
chen (J._: Verkürzung einer Freiheitsstrafe; B._L._: Aufhebung ei-
ner Einreisesperre; D._E._: Beschaffen von Reisepässen). Der Privat-
klägerin N._ täuschte die Beschuldigte ebenfalls unter Verweis auf ihre so-
ziale und berufliche Stellung sowie zusätzlich auf ihre angeblich komfortable Ver-
mögenssituation vor, die Vorfinanzierung eines Liegenschaftenkaufs ermöglichen
zu können.
1.4. An die Opfermitverantwortung dürfen vorliegend entgegen der Verteidigung
(Urk. 44; Urk. 80 S. 76) keine hohen Anforderungen gestellt werden: Sämtliche
Privatkläger und Geschädigte waren Ausländer oder Schweizer Bürger mit
Migrationshintergrund. Sie alle waren betreffend Sprachkenntnis und Vertrautheit
- 29 -
sowie Gewandtheit im Umgang mit den hiesigen Behörden stark reduziert. So-
dann stammen sie alle ausnahmslos aus einem Kulturkreis, in welchem es wohl
tatsächlich möglich ist, durch Geldzahlungen auf behördliche Anordnungen Ein-
fluss zu nehmen.
Selbst wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten, die Behauptungen der Beschuldig-
ten zu überprüfen, fühlten sie sich dazu nicht veranlasst: Die Beschuldigte unter-
mauerte ihre Lügen mit gefälschten Dokumenten, so gefälschten behördlichen
Ausweisen, falschem behördlichem Schriftverkehr und einem gefälschten Bank-
kontoauszug. Weitere Täuschungsmittel waren eine inhaltlich falsche Telefon-
beantworteransage, falsche Visitenkarten, ein täuschender Auftritt in den sozialen
und Print-Medien – mit der Vorinstanz: ein systematisch erstelltes Lügengebäude.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Beschuldigte aus demselben Kulturkreis wie
die Privatkläger/Geschädigten stammt, was diesen das Vertrauen und die Sicher-
heit vermittelte, eine Person aus ihrem eigenen sozialen und kulturellen Umfeld,
welche es – vermeintlich – in der fremden Schweiz zu Stellung, Ansehen und
Einfluss gebracht hat, würde sich für sie einsetzen.
1.5. Insgesamt hat die Beschuldigte sämtliche Privatkläger und Geschädigten mit
Anklagebehörde sowie Vorinstanz und entgegen der Verteidigung arglistig in ei-
nen Irrtum versetzt und diese zu Geldzahlungen an die Beschuldigte veranlasst.
Die Beschuldigte handelte zweifellos wissentlich und willentlich sowie mit Berei-
cherungsabsicht. Auf die entsprechende korrekte Begründung der Vorinstanz wird
verwiesen (Urk. 54 S. 144-151).
1.6. Der massgebliche Umfang der einkassierten Zahlungen entspricht dem vor-
stehenden Beweisergebnis. Die Vorinstanz hat richtig erwogen, dass die Be-
schuldigte sich zulasten der Privatkläger J._ und B._L._ (Dossiers
1 und 2) einen erheblichen Nebenerwerb erwirtschaftete und daher in diesen An-
klagepunkten gewerbsmässig gehandelt hat (Urk. 54 S. 151 f.).
1.7. Betreffend Dossier 7 hat bereits die Vorinstanz eine Gewerbsmässigkeit ver-
neint. Eine solche entfällt nun ebenfalls betreffend Anklagepunkt Dossier 3, da
diesbezüglich wie vorstehend erwogen zugunsten der Beschuldigte der effektive
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Deliktsumfang offen bleiben muss, was keinen Rückschluss auf ein relevantes
deliktisches Einkommen erlaubt.
Durch das Fehlen einer Schadensumme ist die versuchte Tatbegehung im Sinne
von Art. 22 Ziff. 1 StGB zu prüfen. Mit Ausnahme des von Art. 146 Abs. 1 StGB
geforderten Erfolges, nämlich des Schadenseintrittes, sind sämtliche objektiven
und subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt. Die Beschuldigte hat alles getan,
was aus ihrer Sicht notwendig war, um ihr deliktisches Vorhaben in die Tat umzu-
setzen. Sie hat alles Notwendige unternommen, um die Privatklägerin N._
über die Möglichkeit eines Immobilienkaufs zu täuschen und diese beabsichtigte
Täuschung ist auch tatsächlich eingetreten. Sie beabsichtigte auch, einen Gewinn
zu erzielen, was sich entgegen ihrer Absicht und ihrer Bemühungen jedoch nicht
einstellte (ein bezifferbarer Schadensbetrag fehlt). Damit ist sie, in Abänderung
des vorinstanzlichen Entscheides, betreffend Dossier 3 des versuchten Betrugs
im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Ziff. 1 StGB schuldig
zu sprechen.
1.8. Zusammenfassend ist die Beschuldigte somit betreffend die Dossiers 1 und 2
des mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs und betreffend die Dossiers 3 und 7
des mehrfachen, teilweise versuchten (betreffend Dossier 3) Betrugs schuldig zu
sprechen.
2.1. Ferner hat die Beschuldigte durch die Herstellung der inhaltlich falschen
Korrespondenz mit dem Schweizerischen Bundesgericht (Dossier 2) und die Ver-
fälschung eines sie betreffenden Bankkontoauszugs (Dossier 3) mit der Vo-
rinstanz mehrfache Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2
StGB begangen. Auf die entsprechenden zutreffenden Erwägungen der Vo-
rinstanz ist vollumfänglich zu verweisen (Urk. 54 S. 153-156).
2.2. Durch das Vorzeigen der gefälschten beiden Reisepässe gemäss Dossier 7
hat die Beschuldigte sodann wiederum mit der Vorinstanz den Tatbestand von
Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB mehrfach erfüllt (vgl. Urk. 54 S. 156 f.).
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3. Die Beschuldigte hat sich schliesslich mit der Vorinstanz auch anklagegemäss
des Vergehens gegen das Waffengesetz schuldig gemacht: Sie besass (Art. 33
Abs. 1 lit. a WG) anerkanntermassen eine täuschend echt aussehende Soft-Air-
Gun plus Schalldämpfer, welche unter das Waffengesetz fallen (Art. 4 Abs. 1 lit. g
und Abs. 2 lit. a WG). Dass es kosovarischen Staatsangehörigen in der Schweiz
verboten ist, Waffen zu besitzen (Art. 12 Abs. 1 lit. d WV), ist sattsam bekannt.
Die Beschuldigte hat sich schlicht darum futiert und eine Widerhandlung zumin-
dest in Kauf genommen.
IV. Sanktion
1. Die Vorinstanz hat eingangs das Notwendige zum anwendbaren Recht, den
Strafzumessungsgrundsätzen und dem anwendbaren Strafrahmen angeführt,
worauf verwiesen wird (Urk. 54 S. 159-162).
2. Die Vorinstanz hat die Beschuldigte für die Vermögens- und Urkundendelikte
mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren bestraft (Urk. 54 S. 177).
3.1. Zur Tatkomponente und dort zur objektiven Tatschwere der schwersten zu
beurteilenden Tat, des gewerbsmässigen Betrugs zulasten der Privatkläger
J._, hat die Vorinstanz zu recht ein insgesamt leichtes Verschulden erkannt:
Eine recht lange Deliktsdauer von rund einem Jahr steht einer noch vergleichs-
weise tiefen Deliktssumme von CHF 24'000.– und 13'300.– Euro gegenüber. Al-
lerdings handelte es sich bei den Privatklägern um finanziell vulnerable Personen,
was das Vorgehen der Beschuldigten als rücksichts- und mitleidslos offenbart.
Zur subjektiven Tatschwere handelte die Beschuldigte in der Tat vorsätzlich und
egoistisch motiviert (Urk. 54 S. 162 f.).
Angesichts des weiten Strafrahmens und des noch leichten Verschuldens ist die
vorinstanzliche Einsatzstrafe mit 18 Monaten doch etwas hoch ausgefallen. Diese
ist vielmehr auf 1 Jahr Freiheitsstrafe oder 360 Tagessätze Geldstrafe festzu-
setzen.
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3.2. Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz erwogen, dass das Verschul-
den der Beschuldigten betreffend den gewerbsmässigen Betrug in Dossier 2 ca.
gleich schwer wiegt wie dasjenige gemäss Dossier 1: Ein kürzerer Deliktszeitraum
steht einem etwas tieferen Deliktsbetrag gegenüber. Wiederum hat die Beschul-
digte vorsätzlich und rücksichtslos wenig begüterte Landsleute geschädigt einzig
in der Absicht, sich selber zu bereichern.
Wenn die Vorinstanz für das schwerste Delikt eine Einsatzstrafe von 18 Monaten
angemessen hielt und diese für ein vergleichbares weiteres Delikt lediglich um
6 Monate erhöhte (Urk. 54 S. 163), ist dies nicht zu übernehmen: Wohl gilt bei der
Sanktionierung mehrerer Delikte nicht das Kumulations-, sondern das Asperati-
onsprinzip (Art. 49 Abs. 1 StGB). Dennoch ist nicht einzusehen und wird es dem
Verschulden eines weiteren Delikts nicht gerecht, wenn allein die Tatsache, dass
bereits ein erstes Delikt vorliegt, zu einem Rabatt von 66% führen soll.
Eingedenk dessen ist die Einsatzstrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe um
8 Monate Freiheitsstrafe auf 20 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
3.3. Die Beschuldigte wird betreffend Dossier 3 neu nicht des gewerbsmässigen,
sondern des versuchten einfachen Betrugs verurteilt. Die Beschuldigte versuchte
bei der Privatklägerin N._ einen Betrag von mind. Fr. 30'000.– erhältlich zu
machen (es sollten 20% einer Hypothek vom Fr. 850'000.–, d.h. Fr. 170'000.–,
finanziert werden, wobei die Privatklägerin N._ mind. Fr. 30'000.– oder so
viel sie aufbringen könne, beizusteuern hatte; Urk. 50201076 F 5 und
Urk. 50201213 F 45). Betreffend Ausnützen einer finanziell schwach gestellten
Person, vorsätzlicher Tatbegehung und egoistischem Tatmotiv gilt jedoch das
vorstehend Erwogene. Die Einsatzstrafe ist folglich um weitere 5 Monate zu erhö-
hen. Wenn die Vorinstanz – ausgehend noch von einem gewerbsmässigen Be-
trug – lediglich um einem Monat erhöht hat (Urk. 54 S. 164), ist dies in keiner
Weise mehr verschuldensangemessen und mit Art. 47 StGB nicht vereinbar.
3.4. Gleiches gilt für die Sanktionierung des Betrugs gemäss Dossier 7: Die
Geschädigten waren vorläufig Aufgenommene mit einer todkranken Tochter,
welcher sie nochmals eine Reise in ihre Heimat ermöglichen wollten. Solche
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vulnerablen, schutzbedürftigen Personen egoistisch und einzig zur eigenen Berei-
cherung zu betrügen ist rücksichtslos und zeugt von hoher krimineller Energie.
Die Einsatzstrafe ist um weitere 5 Monate zu erhöhen, auch wenn die mutmassli-
che Deliktshöhe wohl deutlich tiefer lag als in den anderen Fällen.
3.5. Schliesslich hat die Vorinstanz die Einsatzstrafe in Abgeltung der Urkunden-
fälschungen um insgesamt 3 Monate erhöht (Urk. 54 S. 164 f.). Dies ist angemes-
sen und zu übernehmen: Wohl stellten diese Urkundenfälschungen Begleitdelikte
der Betrüge dar und waren bereits für deren Qualifikation als arglistig relevant.
Dennoch verletzen die Fälschung einer Bundesgerichtlichen Korrespondenz und
eines Bankkontoauszugs sowie die Beschaffung und Verwendung falscher Rei-
sepässe separate Rechtsgüter und sind zusätzlich – moderat – zu bestrafen.
Somit resultiert bis hierher nach der Beurteilung der Tatkomponente eine Einsatz-
strafe von 33 Monaten Freiheitsstrafe (gegenüber 29 Monaten gemäss Vo-
rinstanz). Die Vorinstanz hat bei der Sanktionierung des Vergehens gegen das
Waffengesetz ein weiteres Mal "die Einsatzstrafe erhöht" (Urk. 54 S. 166), dann
allerdings eine separate Geldstrafe ausgesprochen (Urk. 54 S. 167). Letzteres ist
korrekt, Ersteres nicht: Betrüge und Urkundendelikte basierten auf einem einheit-
lichen Tatentschluss und -vorgehen und sind demnach gesamthaft zu bestrafen.
Das Vergehen gegen das Waffengesetz steht jedoch mit den übrigen Delikten in
keinem Zusammenhang, weshalb es separat und – da dies möglich ist (Art. 34
Abs. 1 StGB) – mit einer Geldstrafe zu bestrafen ist.
3.6. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persönli-
chen Verhältnisse der Beschuldigten angeführt (Urk. 54 S. 166). Wenn sie die
Tatsache, dass die Tochter der Beschuldigten erschossen und der Sohn schwer
verletzt wurde und sie selber ebenfalls Schussverletzungen erlitt, in keiner Weise
strafmindernd anrechnete (Urk. 54 S. 166), ist dies allzu streng. Strafzumes-
sungsneutral wiegen allerdings die Vorstrafenlosigkeit und die nicht erhöhte
Strafempfindlichkeit. Die Beschuldigte ist im Wesentlichen ungeständig und ver-
langt einen vollumfänglichen Freispruch. Einsicht oder gar Reue kann sie dem-
nach nicht strafmindernd reklamieren. Zu einer weiteren Strafminderung führt mit
der Vorinstanz der lange Zeitablauf seit Begehung der Taten.
- 34 -
Insgesamt resultiert nach der Beurteilung der Täterkomponente eine Reduktion
der nach der Beurteilung der Tatkomponente festgesetzten Einsatzstrafe. Die
vorstehende Strafzumessung führt zu einer Freiheitsstrafe knapp über dem ange-
fochtenen Strafmass. Allerdings ist auch eine Sanktion von 2 Jahren Freiheitsstra-
fe noch vertretbar, namentlich um der Beschuldigten den bedingten Strafvollzug
zu ermöglichen (BGE 134 IV 24 f.).
3.7. Der Anrechnung des einen Tages erstandener Haft steht nichts entgegen
(Art. 51 StGB).
3.8. Wenn die Vorinstanz für das Vergehen gegen das Waffengesetz mit über-
zeugender Begründung eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 10.– bemes-
sen hat (Urk. 54 S. 165 f.), ist dies angemessen und ohne Weiteres zu überneh-
men.
4. Die Beschuldigte ist Ersttäterin. Freiheits- und Geldstrafe sind bedingt aufzu-
schieben unter Ansetzung der gesetzlich minimalen Probezeit (Art. 44 Abs. 1
StGB).
V. Einziehung
Mit Ausnahme der beiden gefälschten Herrenarmbanduhren ist ausgangsgemäss
der seitens der appellierenden Beschuldigten angefochtene Teil der vorinstanz-
lichen Einziehungsregelung ohne Weiteres zu bestätigen (Urk. 54 S. 172-174).
Bezüglich der Herrenarmbanduhr Breitling (A008'359'884) und der Herrenarm-
banduhr Rolex (A008'359'895) bringt die Verteidigung vor, dass das Gesetz nicht
vorsehe, beschlagnahmte Gegenstände nur deshalb nicht mehr zurückzugeben,
weil diese von geringem Wert seien (Urk. 80 S. 84). Mit dieser Argumentation
verkennt die Verteidigung jedoch, dass es sich bei den beiden Uhren unbestritte-
nermassen um Fälschungen handelt (Art. 69 Abs. 1 StGB) und wo die Gefahr
besteht, dass sie weiterhin als unverfälscht in Verkehr gebracht werden, weshalb
sie auch einzuziehen und zu vernichten sind.
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VI. Zivilforderungen
1. Mit zutreffender Begründung – und entgegen dem Einwand der Verteidigung –
hat die Vorinstanz die Beschuldigte zur Leistung von Schadenersatz an die Pri-
vatkläger 1-4 verpflichtet (Urk. 54 S. 168-170). Im Berufungsverfahren hat einzig
eine Korrektur betreffend eine (als nicht rechtsgenügend erstellte) Zahlung zu er-
folgen.
Die Beschuldigte ist somit zu verpflichten, den Privatklägern 1-4 als Solidargläu-
biger Schadenersatz von Fr. 20'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 4. September 2013,
EUR 12'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 6. November 2013, Fr. 4'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 7. Dezember 2013 und EUR 1'300.– zuzüglich 5 % Zins ab 8. De-
zember 2013 zu bezahlen. Im Mehrbetrag sind die Privatkläger 1-4 mit ihrem
Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
2. Grundsätzlich dasselbe gilt betreffend die Schadenersatzforderung der Privat-
kläger 5 und 6 (B._L._; vgl. Urk. 54 S. 170 f.). Auch hier entfällt eine
nicht rechtsgenügend erstellte Zahlung.
Die Beschuldigte ist zu verpflichten, den Privatklägern 5 und 6 als Solidargläubi-
ger Schadenersatz von Fr. 23'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 31. Mai 2013 und
Fr. 16'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 30. Juni 2013 zu bezahlen. Im Mehrbetrag
sind die Privatkläger 5 und 6 mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses zu verweisen.
3. Zu Dossier 3 ist ausgangsgemäss festzustellen, dass die Beschuldigte der
Privatklägerin N._ dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist. Mangels
Liquidität ist die Privatklägerin 7 mit ihrer Forderung im Quantitativ auf den Weg
des ordentlichen Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen (Art. 426
StPO). Der geringfügige Wegfall einiger Schadenspositionen führt zu keiner
anderen Kostenregelung.
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2. Ebenfalls ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Verpflichtung der Beschul-
digten zur Leistung einer Prozessentschädigung von Fr. 5'221.35 (inkl. MwSt.) an
die Privatkläger 1-4 (J._) zu bestätigen.
3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist dem Aufwand entsprechend
auf Fr. 8'000.– festzusetzen.
4. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unter-
liegt mit ihrer Berufung fast vollumfänglich und auf die Anschlussberufung der An-
klagebehörde wird nicht eingetreten. Es rechtfertigt sich, der Beschuldigten die
Kosten dieses Verfahrens, exklusive die Kosten der amtlichen Verteidigung, voll-
umfänglich aufzuerlegen, da der Aufwand im Verfahren durch sie verursacht wur-
de.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Rückforderung ist gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten.
5. Die amtliche Verteidigung reichte am 21. Juni 2022 ihre Honorarnote betreffend
das vorliegende Verfahren ein (Urk. 76). Für das gesamte Berufungsverfahren
wurde ein Aufwand von insgesamt 88 Std. 45 Min. (ohne Teilnahme an der
Berufungsverhandlung) zuzüglich Fr. 784.45 Barauslagen geltend gemacht.
Bereits entschädigt wurde die amtliche Verteidigung im Untersuchungsverfahren
mit Fr. 7'472.10 (Urk. 10301023 f.) sowie im Verfahren vor der Vorinstanz mit
Fr. 15'374.90 (Urk. 54 S. 175). Angesichts der Bedeutung des Falles, und unter
Berücksichtigung des zum Teil in gesamter Betrachtung unangemessenen
Aufwands für das Berufungsverfahren, erscheint nunmehr eine Pauschalentschä-
digung in der Höhe von Fr. 12'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) angemessen.