Decision ID: 4e8d28b7-43f9-542c-9a0c-13c9e46bb6ad
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die A._ (nachfolgend: Arbeitgeberin oder Beschwerdeführerin) be-
zweckt gemäss Handelsregistereintrag die Planung und Projektierung von
Stahlbauten aller Art sowie die Konstruktion, Fabrikation und Montage von
Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen in der Bautechnik des Stahl- und
Metallbaus. Die Arbeitgeberin ist der obligatorischen Unfallversicherung
der Schweizerischen Unfallversicherung (SUVA; nachfolgend: Vorinstanz)
angeschlossen.
B.
Am 12. Januar 2017 verfügte die Vorinstanz gegenüber der Beschwerde-
führerin eine Prämienerhöhung, da sie mehrfach Vorschriften der Arbeits-
sicherheit missachtet hatte (Akten der SUVA gemäss Aktenverzeichnis
vom 10. August 2020 [act.] 39). Die gegen diese Verfügung erhobene Ein-
sprache wies die Vorinstanz mit Einspracheentscheid vom 8. Mai 2017 ab
(act. 36). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.
C.a Nachdem die Vorinstanz anlässlich einer Systemkontrolle im Betrieb
der Beschwerdeführerin vom 17. November 2017 (act. 33) verschiedene
Sicherheitsmängel festgestellt und Massnahmen angeordnet hatte, führte
sie im Zeitraum von März 2018 bis August 2019 auf folgenden Baustellen
der Beschwerdeführerin Sicherheitskontrollen durch:
- am 13. März 2018 in B._ ([...], act. 30)
- am 13. März 2018 in C._ ([...], act. 31)
- am 13. März 2018 in D._ ([...], act. 32)
- am 2. Juli 2019 in E._ ([...], act. 22)
- am 7. August 2019 in F._ ([...], act. 20)
- am 6. August 2019 in G._ ([...], act. 16)
C.b Bei allen erwähnten Kontrollen stellte die Vorinstanz Sicherheitsmän-
gel fest. So habe auf der Baustelle in B._ der Abstand des Gerüst-
belags von der Fassade vereinzelt mehr als 30 cm betragen (act. 30). Auf
der Baustelle in C._ seien Deckenkanten mit Absturzhöhen von
C-3063/2020
Seite 3
mehr als 2 m nicht korrekt gegen Absturz gesichert, horizontale Auffang-
netze nicht fachgerecht montiert und die "Lebenswichtigen Regeln für die
Stahlbau-Montage" den Vorgesetzten nicht bekannt gewesen (act. 31). In
D._ seien mit einem Kran Lasten so transportiert worden, dass sie
in Gefahr bringender Weise hätten umstürzen, herabstürzen oder abrut-
schen können, und Personen hätten Lasten an einem Kran angeschlagen,
die dafür nicht angeleitet worden seien (act. 32). Auf der Baustelle in
E._ sei nicht sichergestellt worden, dass die im Werkvertrag enthal-
tenen Sicherheits- und Gesundheitsschutzmassnahmen durch die Subun-
ternehmer realisiert worden seien, und bei Montagearbeiten in 6 m Höhe
seien keine kollektiven Absturzsicherungsmassnahmen getroffen worden
(act. 22). In F._ seien Bodenöffnungen nicht oder mangelhaft gegen
Hineintreten gesichert gewesen und Arbeitsplätze hätten teilweise nicht
über sichere Zugänge erreicht werden können (act. 20). Die Vorinstanz
ordnete jeweils die Beseitigung der Mängel innert Frist und eine entspre-
chende Rückmeldung an.
C.c Am 20. August 2019 sprach die Vorinstanz gegenüber der Beschwer-
deführerin eine Ermahnung Stufe drei aus, da anlässlich der Kontrolle auf
der Baustelle "[...]" in G._ festgestellt worden sei, dass nicht alle
zur Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten erforderlichen Mass-
nahmen umgesetzt worden seien. So hätten bei einer Absturzhöhe von
4,7 m Sicherheitsmassnahmen am Dachrand gefehlt oder seien ungenü-
gend gewesen, die Anstellleiter sei nicht korrekt verwendet worden und das
Baustellenpersonal habe die "Neun lebenswichtigen Regeln für das Arbei-
ten auf Dächern und an Fassaden" nicht ausreichend gekannt. Die Vo-
rinstanz führte aus, dass die Arbeitgeberin ohne vorherige Mitteilung einen
höheren Prämientarif erhalten werde, wenn sie innerhalb eines Jahres er-
neut gegen die Vorschriften über die Arbeitssicherheit verstosse, und gab
ihr die Möglichkeit, sich dazu zu äussern (act. 16).
C.d Am 5. September 2019 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie mit
der Ermahnung Stufe drei vom 20. August 2019 nicht einverstanden sei
(act. 14).
C.e Mit Entscheid vom 19. September 2019 hielt die Vorinstanz an der Er-
mahnung Stufe drei vom 20. August 2019 fest (act. 12).
C-3063/2020
Seite 4
D.
D.a Am 12. Februar 2020 teilte die Vorinstanz der Arbeitgeberin mit, dass
einer ihrer Mitarbeiter am 5. Februar 2020 auf der Baustelle "[...]" an der
[...]-strasse in H._ eine Kontrolle durchgeführt und dabei festge-
stellt habe, dass zwingend erforderliche Massnahmen zur Verhütung von
Berufsunfällen und Berufskrankheiten nicht umgesetzt seien. Unter ande-
rem seien Arbeitsplätze mit mehr als 2 m Absturzhöhe nicht mit einem Sei-
tenschutz gesichert. Des Weiteren seien beim Einsatz der Hubarbeits-
bühne grundsätzliche Sicherheitsregeln verletzt und die persönliche
Schutzausrüstung gegen Absturz sei nicht richtig eingesetzt worden. Die
Vorinstanz forderte die Arbeitgeberin auf, die bezeichneten Massnahmen
umzusetzen und ihr das beigefügte Formular zu retournieren. Ferner gab
sie der Arbeitgeberin Gelegenheit, sich innert 20 Tagen zu den Feststellun-
gen und Massnahmen zu äussern und gegebenenfalls begründete Ein-
wände dagegen zu erheben. Darüber hinaus teilte sie mit, dass sie sich
aufgrund der wiederholten Missachtung von Vorschriften der Arbeitssicher-
heit veranlasst sehe, eine Prämienerhöhung anzuordnen (act. 10).
D.b Am 2. März 2020 nahm die Arbeitgeberin dahingehend Stellung, dass
sie sämtlichen Pflichten der Gesundheitsprävention (Sicherheitsschulung,
Übergabe der persönlichen Schutzausrüstung, Montagesitzungen über si-
cherheitsrelevante Themen) nachgekommen sei, und reichte Belege dazu
zu den Akten. Sie brachte des Weiteren vor, dass die Mitarbeitenden von
Gesetzes wegen eine Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht hätten,
welche in die Beurteilung der Vorinstanz miteinfliessen müsse (act. 9).
D.c Mit Verfügung vom 8. April 2020 erhöhte die Vorinstanz die Prämie der
Arbeitgeberin für die Berufsunfallversicherung (BUV) rückwirkend per
1. Januar 2020 für die Dauer von einem Jahr von der Stufe 100 (Prämien-
satz 2.5050%) auf die Stufe 104 (Prämiensatz 3.0400%). Zur Begründung
führte sie im Wesentlichen aus, mit der Schulung und der Abgabe der per-
sönlichen Schutzausrüstung würde die Arbeitgeberin lediglich ihre gesetz-
lichen Pflichten erfüllen, jedoch nicht alle. Die Arbeitgeberin müsse dafür
sorgen, dass die Arbeitnehmer die Massnahmen der Arbeitssicherheit auch
tatsächlich einhalten. Dies sei bei der Kontrolle in H._ offensichtlich
nicht der Fall gewesen (act. 7).
D.d Gegen diese Verfügung erhob die Arbeitgeberin mit Eingabe vom
23. April 2020 Einsprache mit dem Antrag, die am 8. April 2020 verfügte
C-3063/2020
Seite 5
Prämienerhöhung sei aufzuheben. Zur Begründung führte sie im Wesent-
lichen aus, dass der am "Vorfall" vom 5. Februar 2020 beteiligte Mitarbeiter
in der Zwischenzeit aus ihrer Unternehmung ausgetreten sei. Betreffend
die Baustelle "[...]" in H._ seien detaillierte Konzepte, Pläne und
Skizzen erstellt und mit den jeweiligen Mitarbeitenden besprochen worden.
Ein Mitarbeiter der SUVA habe am 5. Februar 2020 auf der Baustelle mit-
geteilt, dass die Dokumente sehr vorbildlich seien. Auch die Arbeitnehmer
müssten die Weisungen des Arbeitgebers in Bezug auf die Arbeitssicher-
heit befolgen und die allgemein anerkannten Sicherheitsregeln berücksich-
tigen (act. 6).
D.e Mit Einspracheentscheid vom 15. Mai 2020 wies die Vorinstanz die
Einsprache ab im Wesentlichen mit der Begründung, bei der Kontrolle hät-
ten die Arbeitnehmer der Beschwerdeführerin gegen folgende Bestimmun-
gen verstossen: Art. 15 Abs. 1 und 19 der Verordnung über die Sicherheit
und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei
Bauarbeiten vom 29. Juni 2005 (Bauarbeitenverordnung [BauAV], SR
832.311.141) sowie Art. 5, 8 und 32a Abs. 1 der Verordnung über die Un-
fallverhütung vom 19. Dezember 1983 (VUV, SR 832.30). Zusätzlich habe
die Arbeitgeberin nicht dafür gesorgt, dass ihre Mitarbeitenden die Vor-
schriften eingehalten hätten (Art. 6 Abs. 3 VUV). Aus diesen Gründen be-
stehe kein Anlass, auf die Verfügung Prämienerhöhung vom 8. April 2020
zurückzukommen (act. 5).
E.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Beschwerdeführerin mit Ein-
gabe vom 12. Juni 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde mit
den Anträgen, der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 15. Mai 2020
(inkl. der Verfügung der Vorinstanz vom 8. April 2020) und die am 8. April
2020 verfügte Prämienerhöhung seien aufzuheben (Akten im Beschwer-
deverfahren [BVGer-act.] 1).
F.
Am 2. Juli 2020 ging der mit Zwischenverfügung vom 25. Juni 2020 gefor-
derte Kostenvorschuss von Fr. 2'000.- beim Bundesverwaltungsgericht ein
(BVGer-act. 2 und 4).
G.
Mit Vernehmlassung vom 25. August 2020 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 6).
C-3063/2020
Seite 6
H.
Mangels Eingang einer Replik wurde der Schriftenwechsel – vorbehältlich
weiterer Instruktionsmassnahmen – mit Zwischenverfügung vom 13. Okto-
ber 2020 geschlossen (BVGer-act. 8).
I.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften der Parteien
ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. e VGG, Art. 109 Bst. b und
Bst. c UVG [SR 832.20]), da es sich bei der vorliegend strittigen Prämien-
erhöhung gemäss Art. 92 Abs. 3 UVG um eine Massnahme der Unfallver-
hütung handelt (BGE 116 V 255 E. 2), welche gemäss Art. 109 Bst. c UVG
im Beschwerdefall vom Bundesverwaltungsgericht zu überprüfen ist. Die
Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und
ist als Adressatin der angefochtenen Verfügung zur Erhebung der Be-
schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG; vgl. auch Art. 59 ATSG
[SR 830.1]). Nachdem der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet wurde,
ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 12. Juni
2020 einzutreten (Art. 38 Abs. 1 ATSG; vgl. auch Art. 50 Abs. 1, 52 Abs. 1
und 63 Abs. 4 VwVG).
2.
2.1 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom
15. Mai 2020, mit welchem die Einsprache der Beschwerdeführerin gegen
die in Anwendung von Art. 92 Abs. 3 UVG und Art. 66 VUV i.V.m. Art. 113
Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember
1982 (UVV, SR 832.202) verfügte Höhereinreihung im Prämientarif abge-
wiesen wurde.
2.2 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheids beanstanden (Art. 49 VwVG).
C-3063/2020
Seite 7
2.3 Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, der
volle Kognition zusteht, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspiel-
raum der Vorinstanz zu respektieren. Sie hat eine unangemessene Ent-
scheidung zu korrigieren, kann aber der Vorinstanz die Wahl unter mehre-
ren angemessenen Lösungen überlassen (BGE 133 II 35 E. 3). Das Bun-
desverwaltungsgericht hat daher nur den Entscheid der unteren Instanz zu
überprüfen und sich nicht an deren Stelle zu setzen (vgl. BGE 126 V 75
E. 6). Insbesondere dann, wenn die Ermessensausübung, die Anwendung
unbestimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung hochste-
hende, spezialisierte technische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche
Kenntnisse erfordert, ist eine Zurückhaltung des Gerichts bei der Überprü-
fung vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3;
133 II 35 E. 3; 128 V 159 E. 3b/cc). Es stellt daher keine unzulässige Kog-
nitionsbeschränkung dar, wenn das Gericht − das nicht als Fachgericht
ausgestaltet ist − nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab-
weicht, soweit es um die Beurteilung technischer, wirtschaftlicher oder wis-
senschaftlicher Spezialfragen geht, in denen die Vorinstanz über ein be-
sonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3; 133 II 35 E. 3
m.H.; siehe zum Ganzen auch HANGARTNER, Behördenrechtliche Kogniti-
onsbeschränkungen in der Verwaltungsrechtspflege, in: Bovay/Nguyen
[Hrsg.], Mélanges en l'honneur de Pierre Moor, 2005, S. 319 ff.; FEL-
LER/MÜLLER, Die Prüfungszuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts –
Probleme in der praktischen Umsetzung, ZBl 110/2009 S. 442 ff.).
2.4 Nach dem vorstehend Dargelegten ist somit einzig streitig und zu prü-
fen, ob die von der Vorinstanz mit dem angefochtenen Einspracheent-
scheid vom 15. Mai 2020 bestätigte, auf ein Jahr (1. Januar - 31. Dezember
2020) befristete Prämienerhöhung rechtmässig ist.
3.
In den nachfolgenden Erwägungen ist zu prüfen, ob die Vorinstanz mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid die von der Beschwerdeführerin für
das Jahr 2020 zu leistende BUV-Prämie zu Recht infolge Zuwiderhandlun-
gen gegen die Arbeitssicherheitsvorschriften um vier Stufen erhöht hat.
3.1 Der Vollzug der Bestimmungen über die Verhütung von Berufsunfällen
und Berufskrankheiten obliegt gemäss Art. 85 Abs. 1 UVG den Durchfüh-
rungsorganen des Arbeitsgesetzes vom 13. März 1964 (ArG, SR 822.11)
und der SUVA. Zu ergänzen ist, dass die in Anwendung von Art. 85 Abs. 2
UVG eingesetzte Eidgenössische Kommission für Arbeitssicherheit
C-3063/2020
Seite 8
(EKAS) die einzelnen Durchführungsbereiche aufeinander abstimmt, so-
weit der Bundesrat hierüber keine Bestimmungen erlassen hat; sie sorgt
für eine einheitliche Anwendung der Vorschriften über die Verhütung von
Berufsunfällen und Berufskrankheiten in den Betrieben (Art. 85 Abs. 3
Satz 1 UVG). Die Beschlüsse der EKAS sind für die Versicherer und die
Durchführungsorgane des Arbeitsgesetzes verbindlich und diese kann ins-
besondere Ausführungsbestimmungen zum Verfahren erlassen (Art. 85
Abs. 4 UVG i.V.m. Art. 53 Bst. a VUV), was sie mit dem Leitfaden für das
Durchführungsverfahren in der Arbeitssicherheit (nachfolgend: EKAS-Leit-
faden, 6. Aufl. März 2020) gemacht hat. Die EKAS-Richtlinien stellen nicht
unmittelbar verbindliches Recht dar, sondern sind konkretisierende Be-
stimmungen, welche den Arbeitgeber nicht verpflichten (vgl. EKAS-Leitfa-
den Ziff. 2.3.3). Gleiches gilt auch für den EKAS-Leitfaden, welcher den
Durchführungsorganen, die den Vollzug der gesetzlichen Vorschriften be-
treffend Arbeitssicherheit zu überwachen und notfalls durchzusetzen ha-
ben, Anleitungen gibt in der Absicht, ein einheitliches und rechtsgleiches
Vorgehen in der Praxis zu fördern (EKAS-Leitfaden Ziff. 1; vgl. auch Art.
52a Abs. 1 VUV).
3.2 Nach Art. 92 Abs. 3 UVG können die Betriebe bei Zuwiderhandlung ge-
gen Vorschriften über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten
jederzeit und auch rückwirkend in eine höhere Gefahrenstufe versetzt wer-
den. Diese Höhereinreihung richtet sich gemäss Art. 113 Abs. 2 UVV nach
den Bestimmungen der VUV, wobei der betroffene Betrieb in der Regel in
eine Stufe mit einem um mindestens 20% höheren Prämiensatz versetzt
werden soll. Ist dies innerhalb des Tarifs nicht möglich, so wird der Prämi-
ensatz der höchsten Stufe der betreffenden Klasse entsprechend erhöht.
Laut Art. 66 Abs. 1 VUV kann ein Betrieb in eine höhere Stufe des Prämi-
entarifs versetzt werden, sofern der Arbeitgeber einer vollstreckbaren Ver-
fügung keine Folge leistet oder er auf andere Weise Vorschriften über die
Arbeitssicherheit zuwiderhandelt. Die Prämienerhöhung wird unter Angabe
von Beginn und Dauer vom zuständigen Durchführungsorgan angeordnet.
Sie muss vom Versicherer unverzüglich verfügt werden, wobei das Durch-
führungsorgan eine Kopie dieser Verfügung erhält (Art. 66 Abs. 2 VUV).
3.3
3.3.1 Laut Ziff. 4.2 des EKAS-Leitfadens für das Durchführungsverfahren
in der Arbeitssicherheit erlaubt das ordentliche Durchführungsverfahren
den zuständigen Organen, die Unfallverhütungsvorschriften in den Betrie-
C-3063/2020
Seite 9
ben durchzusetzen. Gemäss Ziff. 5.2.1 des EKAS-Leitfadens greift in Fäl-
len, in denen ein sicherheitswidriger Zustand nur vorübergehend und wäh-
rend verhältnismässig kurzer Zeit besteht (etwa bei Bau-, Installations- und
Montagearbeiten), ein besonderes Verfahren Platz, das ermöglichen soll,
auch solchen Betrieben gegenüber Sanktionen zu ergreifen (ausserorden-
tliches Durchführungsverfahren). Das ausserordentliche Durchführungs-
verfahren hat Ausnahmecharakter und ist ergänzend dort anzuwenden, wo
eine dringliche Erledigung angezeigt ist (Ziff. 5.2.2 und 5.2.3).
3.3.2 Gemäss Ziff. 5.3 des EKAS-Leitfadens spricht das Durchführungsor-
gan im ausserordentlichen Durchführungsverfahren im Normalfall dreimal
eine Ermahnung aus und verfügt erst bei der vierten Feststellung eines
sicherheitswidrigen Zustandes eine Prämienerhöhung. In der Ermahnung
ist anzuführen, welche Mängel festgestellt und welche Bestimmungen über
die Arbeitssicherheit verletzt wurden. Mit der dritten Ermahnung wird dem
Betrieb angedroht, dass bei einem weiteren Verstoss gegen Arbeitssicher-
heitsvorschriften eine Prämienerhöhung verfügt werde (EKAS-Leitfaden
Ziff. 5.3.4). Je nach Bedeutung des Verstosses kann und soll das Verfahren
indes abgekürzt werden. Die Prämienerhöhung kann daher bereits nach
der ersten Feststellung angeordnet werden, sofern dem Betrieb vorgängig
das rechtliche Gehör gewährt worden ist.
4.
Bei der Überprüfung einer Verfügung gestützt auf Art. 92 Abs. 3 UVG ist in
einem ersten Schritt zu beurteilen, ob eine Missachtung der Vorschriften
über die Unfallverhütung vorliegt. Ist dies zu bejahen, muss weiter geprüft
werden, ob die verfügte Prämienerhöhung in rechtmässiger Anwendung
der massgeblichen Bestimmungen ergangen ist.
4.1 Gemäss Art. 82 Abs. 1 UVG ist der Arbeitgeber verpflichtet, zur Verhü-
tung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten alle Massnahmen zu tref-
fen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik an-
wendbar und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 1 UVG hat der Bundesrat neben der VUV weitere Verord-
nungen erlassen, in welchen die Anforderungen an die Arbeitssicherheit für
bestimmte Tätigkeiten konkretisiert werden. Dazu gehört namentlich auch
die BauAV.
4.2 Vorliegend sind insbesondere die folgenden Bestimmungen relevant:
C-3063/2020
Seite 10
4.2.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 VUV muss der Arbeitgeber zur Wahrung der
Arbeitssicherheit alle Anordnungen und Schutzmassnahmen treffen, die
den Vorschriften der VUV und den für seinen Betrieb sonst geltenden Vor-
schriften über die Arbeitssicherheit sowie im Übrigen den anerkannten si-
cherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen. Der
Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass die Schutzmassnahmen und Schutz-
einrichtungen in ihrer Wirksamkeit nicht beeinträchtigt werden. Er hat dies
in angemessenen Zeitabständen zu überprüfen (Art. 3 Abs. 2 VUV).
Können Unfall- und Gesundheitsgefahren durch technische oder organisa-
torische Massnahmen nicht oder nicht vollständig ausgeschlossen werden,
so muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmern zumutbare und wirksame per-
sönliche Schutzausrüstungen wie Schutzhelme, Haarnetze, Schutzbrillen,
Schutzschilde, Gehörschutzmittel, Atemschutzgeräte, Schutzschuhe,
Schutzhandschuhe, Schutzkleidung, Schutzgeräte gegen Absturz und Er-
trinken, Hautschutzmittel sowie nötigenfalls auch besondere Wäschestü-
cke zur Verfügung stellen. Er muss dafür sorgen, dass diese jederzeit be-
stimmungsgemäss verwendet werden können (Art. 5 Abs. 1 VUV). Ist der
gleichzeitige Einsatz mehrerer persönlicher Schutzausrüstungen notwen-
dig, so muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass diese aufeinander abge-
stimmt werden und ihre Wirksamkeit nicht beeinträchtigt wird (Art. 5 Abs. 2
VUV).
Der Arbeitgeber sorgt dafür, dass alle in seinem Betrieb beschäftigten Ar-
beitnehmer, einschliesslich der dort tätigen Arbeitnehmer eines anderen
Betriebes, ausreichend und angemessen informiert und angeleitet werden
über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren sowie über die Mass-
nahmen der Arbeitssicherheit. Diese Information und Anleitung haben im
Zeitpunkt des Stellenantritts und bei jeder wesentlichen Änderung der Ar-
beitsbedingungen zu erfolgen und sind nötigenfalls zu wiederholen (Art. 6
Abs. 1 VUV). Der Arbeitgeber sorgt dafür, dass die Arbeitnehmer die Mass-
nahmen der Arbeitssicherheit einhalten (Art. 6 Abs. 3 VUV).
Der Arbeitgeber darf Arbeiten mit besonderen Gefahren nur Arbeitnehmern
übertragen, die dafür entsprechend ausgebildet sind. Wird eine gefährliche
Arbeit von einem Arbeitnehmer allein ausgeführt, so muss ihn der Arbeit-
geber überwachen lassen (Art. 8 Abs. 1 VUV). Bei Arbeiten mit besonderen
Gefahren müssen die Zahl der Arbeitnehmer sowie die Anzahl oder die
Menge der gefahrbringenden Einrichtungen, Arbeitsmittel und Stoffe auf
das Nötige beschränkt sein (Art. 8 Abs. 2 VUV).
C-3063/2020
Seite 11
Arbeitsmittel müssen bestimmungsgemäss verwendet werden. Insbeson-
dere dürfen sie nur für Arbeiten und an Orten eingesetzt werden, wofür sie
geeignet sind. Vorgaben des Herstellers über die Verwendung des Arbeits-
mittels sind zu berücksichtigen (Art. 32a Abs. 1 VUV).
4.2.2 Bauarbeiten müssen so geplant werden, dass das Risiko von Berufs-
unfällen, Berufskrankheiten oder Gesundheitsbeeinträchtigungen mög-
lichst klein ist und die notwendigen Sicherheitsmassnahmen, namentlich
bei der Verwendung von Arbeitsmitteln, eingehalten werden können (Art. 3
Abs. 1 BauAV). Die Rettung von Verunfallten muss gewährleistet sein
(Art. 7 Abs. 1 BauAV).
Es dürfen nur Leitern verwendet werden, die insbesondere bezüglich Be-
lastbarkeit und Standfestigkeit für die beabsichtigten Arbeiten geeignet
sind (Art. 14 Abs. 1 BauAV). Beschädigte Leitern dürfen nicht benützt wer-
den. Sie sind fachgerecht in Stand zu stellen oder unbenutzbar zu machen
(Art. 14 Abs. 2 BauAV). Leitern müssen auf einer tragfähigen Unterlage
stehen und gegen Wegrutschen, Drehen und Kippen gesichert sein (Art. 14
Abs. 3 BauAV). Der Leiternstandort ist so zu wählen, dass keine Gefahr
besteht, durch herabfallende Gegenstände oder Materialien getroffen zu
werden (Art. 14 Abs. 4 BauAV). Die obersten drei Sprossen von Leitern
dürfen nur dann bestiegen werden, wenn beim Austritt eine Plattform und
eine Haltevorrichtung vorhanden sind (Art. 14 Abs. 5 BauAV).
Ein Seitenschutz ist zu verwenden bei ungeschützten Stellen mit einer Ab-
sturzhöhe von mehr als 2 m und bei solchen im Bereich von Gewässern
und Böschungen (Art. 15 Abs. 1 BauAV). Wo das Anbringen eines Seiten-
schutzes nach Art. 16 oder eines Gerüstes nach Art. 18 BauAV technisch
nicht möglich oder zu gefährlich ist, sind Fanggerüste, Auffangnetze oder
Seilsicherungen zu verwenden oder gleichwertige Schutzmassnahmen zu
treffen (Art. 19 Abs. 1 BauAV). Die Absturzhöhe bei Abstürzen in ein
Schutznetz darf nicht mehr als 6 m, diejenige bei Abstürzen in ein Fangge-
rüst nicht mehr als 3 m betragen (Art. 19 Abs. 2 BauAV). An Dachrändern,
auch an giebelseitigen Dachrändern, sind ab einer Absturzhöhe von 3 m
Massnahmen zu treffen, um Abstürze zu verhindern (Art. 28 Abs. 1 BauAV).
In Art. 29 BauAV sind Massnahmen an Dachrändern geregelt.
4.3 Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Dieser Grad übersteigt einerseits die
Annahme einer blossen Möglichkeit beziehungsweise einer Hypothese
C-3063/2020
Seite 12
und liegt andererseits unter demjenigen der strikten Annahme der zu be-
weisenden Tatsache. Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, als
der begründeten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen
(UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. Art. 43 Rz. 53 und 59
ff.). Ausserdem gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach ist
für den Beweiswert grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch dessen Kennzeichnung massgebend (KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 61
ff.; BGE 125 V 352 E. 3a; 122 V 157 E. 1c). Das Sozialversicherungsgericht
hat somit alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, ob-
jektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen
eine zuverlässige Beurteilung der streitigen Frage gestatten (BGE 122 V
157 E. 1c; 125 V 351 E. 3a). Die Praxis misst dabei dem Prinzip Bedeutung
zu, wonach den sogenannten „Aussagen der ersten Stunde“ ein besonde-
res Gewicht zukommt (BGE 121 V 45 E. 2a; 143 V 168 E. 5.2.2). Der Sach-
verhalt ist gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von der Behörde so-
weit zu ermitteln, dass über die infrage stehende Tatsache zumindest mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden wer-
den kann (KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 20 m.H.). Beweislosigkeit wird ange-
nommen, wenn der Sachverhalt nicht mit überwiegender Wahrscheinlich-
keit als erstellt betrachtet werden kann (KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 68 ff.
m.H.).
5.
5.1 Anlässlich der Baustellenkontrolle vom 5. Februar 2020 auf der Bau-
stelle in H._ ([...]) stellte die Vorinstanz mehrere sicherheitswidrige
Zustände fest und machte zulasten der Beschwerdeführerin im Wesentli-
chen Zuwiderhandlungen gegen die folgenden Vorschriften geltend: Art. 15
Abs. 1 BauAV (wegen fehlender Seitenschutzsicherung von Arbeitsplätzen
mit einer Absturzhöhe von 4 m und von Zugängen und Verkehrswegen mit
einer Absturzhöhe von 4 m); Art. 19 BauAV sowie Art. 5, 8 und 32a Abs. 1
VUV (wegen falschem oder fehlendem Einsatz der Persönlichen Schutz-
ausrüstung gegen Absturz [PSAgA] und mangels Gewährleistung der Ret-
tung bei PSAgA sowie wegen Verletzung grundsätzlicher Sicherheitsregeln
beim Einsatz von Hebebühnen); Art. 3 Abs. 1 BauAV (wegen fehlender Um-
setzung der Planung auf den Baustellen durch die Mitarbeitenden; vgl. Bst.
D.a und D.e sowie act. 5 und act. 10).
Bereits anlässlich der Kontrolle vom 6. August 2019 auf der Baustelle in
G._ ([...]) stellte die Vorinstanz mehrere sicherheitswidrige Zu-
C-3063/2020
Seite 13
stände fest und machte zulasten der Beschwerdeführerin Zuwiderhandlun-
gen gegen Art. 28 und 29 BauAV (wegen fehlender resp. ungenügender
Sicherheitsmassnahmen am Dachrand bei einer Absturzhöhe von 4,7 m)
sowie Art. 32a VUV und Art. 14 BauAV (wegen nicht korrekter Verwendung
der Anstellleiter) geltend. Aufgrund dieser Mängel sprach die Vorinstanz
gegenüber der Beschwerdeführerin am 20. August 2019 die Ermahnung
Stufe drei aus (vgl. Bst. C.c sowie act. 16).
5.2 Die Beschwerdeführerin bestritt weder die anlässlich der Baustellen-
kontrolle vom 5. Februar 2020 festgestellten und im angefochtenen Ein-
spracheentscheid vom 15. Mai 2020 erwähnten, noch die in der Ermah-
nung Stufe drei vom 20. August 2019 aufgeführten Verletzungen von Ar-
beitssicherheitsvorschriften.
5.2.1 Die Beschwerdeführerin brachte dagegen lediglich vor, dass die Ver-
letzung der Vorschriften nicht ihr anzulasten sei, da sie sämtlichen Pflichten
der Gesundheitsprävention nachgekommen sei, sondern vielmehr ihren
Mitarbeitenden, die sich weisungswidrig verhalten hätten. So liege im vor-
liegenden Fall eine Verletzung von Art. 11 Abs. 1 VUV, der die Arbeitneh-
mer in die Pflicht nehme, vor. Folglich sei der fehlbare Arbeitnehmer zu
sanktionieren. Da gemäss Art. 11 Abs. 1 VUV durch das Wort "muss" eine
Verpflichtung des Arbeitnehmers einhergehe, müsse dies auch eine Sank-
tion des Arbeitnehmers zur Folge haben. Es sei offensichtlich, dass es sich
hierbei um eine Lücke im Gesetz oder in der Verordnung handle. Die Ver-
antwortung durch die Nichteinhaltung könne nicht beim Arbeitgeber liegen,
wenn er nachweislich alle gesetzlichen Pflichten erfüllt habe. Dass doku-
mentierte Schulungen und schriftliche Bestätigungen nicht ausreichen wür-
den, sei irritierend. Gemäss Einspracheentscheid der Vorinstanz sei sei-
tens der Beschwerdeführerin alles unternommen worden, um die Verlet-
zung von Sicherheitsvorschriften durch Mitarbeitende zu verhindern. Der
beim "Vorfall" vom 5. Februar 2020 beteiligte Mitarbeitende sei in der Zwi-
schenzeit aus der Unternehmung ausgetreten. Die Beschwerdeführerin sei
somit der mehrfach genannten Empfehlung der Vorinstanz nachgekom-
men, dass bei fehlbaren Mitarbeitenden das Arbeitsverhältnis aufzulösen
sei, um Gefahren- und Kostenpotential zu minimieren. Dass sich die Vor-
instanz im Entscheid vom 15. Mai 2020 von dieser mehrfachen Empfeh-
lung distanziere, sei nicht nachvollziehbar. Deshalb stelle sich auch die
Frage der "Compliance", da die Vorinstanz gleichzeitig als Versicherer, Be-
ratungsunternehmen und als Kontrollorgan auftrete. Eine Vermischung der
Aufgaben führe offensichtlich zu solchen Aussagen (vgl. BVGer-act. 1 so-
wie Bst. D.b und D.d sowie act. 6, act. 9, act. 14).
C-3063/2020
Seite 14
5.2.2 Dagegen wendet die Vorinstanz ein, nach Art. 6 Abs. 3 VUV habe der
Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer die Massnahmen der
Arbeitssicherheit einhielten. Dies habe die Beschwerdeführerin offensicht-
lich unterlassen. Dokumentierte Schulungen, schriftliche Bestätigungen
usw. würden nicht ausreichen, um die gesetzliche Pflicht zu erfüllen. Die
VUV sehe keine Sanktionen gegen Arbeitnehmer vor, wenn diese ihre
Pflichten verletzten. Mangels einer gesetzlichen Grundlage sei es der Vor-
instanz somit nicht gestattet, gegen Arbeitnehmer, die sich nicht an ihre
Pflichten hielten, vorzugehen. Dass sich Betriebe von renitenten Mitarbei-
tern, die sich partout nicht an die Vorschriften der Arbeitssicherheit halten,
trennen sollten, sei keine Empfehlung ihrerseits, sondern es handle sich
um eine reine Feststellung. Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses
durch den Arbeitgeber sei eine reine arbeitsvertragliche Massnahme, wel-
che mit der SUVA nichts zu tun habe. Mit der Durchführung von Schulun-
gen und Instruktionen komme die Beschwerdeführerin lediglich ihren Ver-
pflichtungen aus Art. 6 Abs. 1 VUV nach. Daraus könne keine Vorzugsbe-
handlung für den Betrieb resultieren. Es genüge jedoch nicht, qualitativ
hochstehende Unterlagen zu haben, wenn diese nicht umgesetzt würden.
Nach Art. 6 Abs. 3 VUV habe der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die
Arbeitnehmer die Massnahmen der Arbeitssicherheit einhielten. Dies habe
die Beschwerdeführerin offensichtlich unterlassen und deshalb nicht alle
ihre Pflichten erfüllt.
5.3 Art. 82 UVG, der vorweg den Arbeitgeber in die Pflicht nimmt, alle not-
wendigen Massnahmen zu treffen, um Berufsunfälle und Berufskrankhei-
ten zu vermeiden, hat zwingenden Charakter (vgl. auch Urteil des Bundes-
gerichts 6S.447/2003 vom 1. April 2004 E. 3.1). Zudem schreibt Art. 6
Abs. 3 VUV vor, dass Arbeitgeber dafür zu sorgen haben, dass die Arbeit-
nehmer die Massnahmen der Arbeitssicherheit einhalten. Art. 7 Abs. 2 VUV
wiederum hält fest, dass die Übertragung von Aufgaben an einen Arbeit-
nehmer den Arbeitgeber nicht von seinen Verpflichtungen zur Gewährleis-
tung der Arbeitssicherheit entbindet. Letztlich ist immer der Arbeitgeber für
die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften verantwortlich. Direkte präven-
tive Sanktionierungsmöglichkeiten gegenüber Arbeitnehmern wegen Ver-
letzung von Sicherheitsvorschriften sind im UVG und auch in der VUV nicht
vorgesehen. Eine Lücke im Sinne einer planwidrigen Unvollständigkeit des
positiven Rechts ist vorliegend nicht ersichtlich. Es bleibt dem Arbeitgeber
überlassen, allenfalls fehlbare Mitarbeiter im Rahmen der arbeitsvertragli-
chen Regelung zur Verantwortung zu ziehen (Urteil des BVGer
C-5278/2010 vom 22. Oktober 2012 E. 4.2.4.3). In diesem Sinne ist der
Vorinstanz beizupflichten, dass dokumentierte Schulungen und schriftliche
C-3063/2020
Seite 15
Bestätigungen usw. durch die Beschwerdeführerin nicht ausreichen, um
Berufsunfälle und Berufskrankheiten zu vermeiden. Die geltend gemach-
ten verschiedenen Rollen der Vorinstanz sind nicht Gegenstand des vor-
liegenden Beschwerdeverfahrens. Das Bundesverwaltungsgericht prüft le-
diglich, ob die Vorinstanz die gesetzlichen Regelungen beachtet und richtig
angewendet hat.
5.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass aufgrund der vorliegenden
Akten erstellt ist, dass die Beschwerdeführerin auf der Baustelle in
H._ ([...]) gegen die im Einsprachentsscheid vom 15. Mai 2020 auf-
geführten Arbeitssicherheitsvorschriften, d.h. gegen Art. 15 Abs. 1 und
Art. 19 BauAV, Art. 5, 8 und 32a Abs. 1 VUV sowie Art. 3 Abs. 1 BauAV
i.V.m. Art. 6 Abs. 3 VUV, verstossen hat. Ferner ist aufgrund der vorliegen-
den Akten erstellt, dass die Beschwerdeführerin weniger als ein halbes
Jahr davor, auf der Baustelle in G._ ([...]), bereits gegen Arbeitssi-
cherheitsvorschriften, d.h. gegen Art. 14, 28 und 29 BauAV sowie Art. 32a
VUV, verstossen hat.
6.
Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob die hier streitige Höhereinreihung der
Beschwerdeführerin im BUV-Prämientarif in korrekter Anwendung der
massgeblichen Rechtsnormen, insbesondere der gesetzlichen Zuständig-
keitsregeln und unter Beachtung der allgemeinen Grundsätze des Verwal-
tungshandelns verfügt wurde.
6.1 Gemäss Art. 66 Abs. 2 VUV ordnet das zuständige Durchführungsor-
gan die Prämienerhöhung nach Art. 113 Abs. 2 UVV an, welche vom zu-
ständigen Versicherer unverzüglich verfügt werden muss. In Betrieben des
Baugewerbes und bei Arbeiten anderer Betriebe auf deren Baustellen be-
aufsichtigt die SUVA als zuständiges Durchführungsorgan die Anwendung
der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen (Art. 85 Abs. 1 UVG
i.V.m. Art. 49 Abs. 1 Ziff. 11 VUV). Dass vorliegend die Bestimmungen über
die Unfallverhütung durch die SUVA vollzogen werden, ist somit nicht zu
beanstanden. Ebenso wenig zu erläutern ist die unstreitige versicherungs-
rechtliche Unterstellung des hier zur Diskussion stehenden Betriebs unter
die SUVA, welche sich aus Art. 66 Abs. 1 Bst. b UVG i.V.m. Art. 73 UVV
ergibt. Vorliegend war die SUVA demnach sowohl für die Anordnung der
streitigen Prämienerhöhung als auch für den Erlass der entsprechenden
Verfügung zuständig.
C-3063/2020
Seite 16
6.2 Nach Art. 113 Abs. 2 UVV erfolgt wegen Zuwiderhandlung gegen Vor-
schriften über die Verhütung von Unfällen eine Einreihung in eine höhere
Stufe des Prämientarifs, wobei der Betrieb in der Regel in eine Stufe mit
einem um mindestens 20% höheren Prämiensatz versetzt werden soll. Die
Sanktion greift ungeachtet der Schwere des Verstosses. Das Eidgenössi-
sche Versicherungsgericht (EVG, heute: BGer) hat diese Ordnung grund-
sätzlich als mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip und dem Willkürverbot
vereinbar bezeichnet (Urteil des EVG U 240/03 vom 2. Juni 2004 E. 6.3
m.H. auf BGE 116 V 255 E. 4b und c, veröffentlicht in: RKUV 2004
Nr. U 525 S. 549 ff.). Die verfügte Sanktion muss sich aber auch im Einzel-
fall als verhältnismässig erweisen (BGE 116 V 255 E. 4b; Urteil des BVGer
C-4640/2007 vom 9. März 2009 E. 4.2.2 m.H.).
6.3 Die Beschwerdeführerin wurde von der Vorinstanz rückwirkend für das
Jahr 2020 im BUV-Prämientarif um vier Stufen höher eingereiht. Der Prä-
miensatz wurde von 2.5050% (Stufe 100) auf 3.0400% (Stufe 104) und
damit um 21.3570% erhöht. Diese Höhereinreihung entspricht den Vorga-
ben von Art. 113 Abs. 2 UVV.
6.4 Was die Beschwerdeführerin dagegen einwendet, erweist sich aus den
nachfolgenden Gründen als nicht stichhaltig.
6.4.1
6.4.1.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Verhältnismäs-
sigkeitsprinzips. Es sei ein Affront, wenn die Vorinstanz in ihrem Schreiben
erwähne, dass sie mehrmals ähnliche Mängel habe feststellen müssen und
sie als Arbeitgeberin nicht dafür sorge, dass ihre Mitarbeitenden die Vor-
schriften einhalten würden. Eine Differenzierung der Situation werde offen-
sichtlich nicht vorgenommen und komplett ausgeblendet. Gemäss Ein-
spracheentscheid der Vorinstanz habe die Beschwerdeführerin denn auch
alles unternommen, um die Verletzung von Sicherheitsvorschriften durch
Mitarbeitende zu verhindern. Eine Prämienerhöhung um 12%
(Fr. 30'057.15) sei vor diesem Hintergrund völlig unangemessen.
6.4.1.2 Die Rechtsprechung erachtet die im EKAS-Leitfaden enthaltene
Regel, wonach im Normalfall (sofern nicht ein besonders gravierender
Verstoss vorliegt oder die Verletzung von Vorschriften zu einem Unfall ge-
führt hat) drei Ermahnungen ausgesprochen werden und bei der vierten
Feststellung eines sicherheitswidrigen Zustandes eine Prämienerhöhung
verfügt wird, als Ausdruck des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes (BVGE
C-3063/2020
Seite 17
2010/37 E. 2.4.2.2). Dies gilt insbesondere vor einer erstmaligen Sanktion
(Urteil des BVGer C-6018/2008 vom 25. November 2010 E. 6.2.4; vgl. auch
Urteile des BVGer C-5278/2010 E. 4.2.3 sowie C-852/2013 vom 17. De-
zember 2015 E. 4.2.6.2 und C-1545/2018 vom 1. Oktober 2020 E. 6.4.2).
6.4.1.3 Für das Jahr 2016 ordnete die Vorinstanz gegenüber der Be-
schwerdeführerin bereits einmal eine rückwirkende Versetzung in eine hö-
here Stufe des Prämientarifs an (vgl. Verfügung vom 12. Januar 2017 und
Einspracheentscheid vom 8. Mai 2017, act. 36 und 39). Am 20. August
2019 wurde anlässlich einer Kontrolle auf der Baustelle "[...]" in G._
festgestellt, dass bei einer Absturzhöhe von 4,7 m Sicherheitsmassnah-
men am Dachrand gefehlt oder ungenügend gewesen seien, die Anstelllei-
ter nicht korrekt verwendet worden sei und das Baustellenpersonal die
"Neun lebenswichtigen Regeln für das Arbeiten auf Dächern und an Fas-
saden" nicht ausreichend gekannt habe, worauf die Vorinstanz eine Er-
mahnung Stufe drei verfügte und bei einem weiteren Verstoss gegen Un-
fallschutzvorschriften eine Versetzung in eine höhere Prämienstufe an-
drohte. Dazu wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör gewährt
(Bst. C.c, act. 16). Fünf Monate und ein paar Tage später (5. Februar 2020)
wurden anlässlich einer vorinstanzlichen Baustellenkontrolle erneute Wi-
derhandlungen der Beschwerdeführerin gegen Vorschriften über die Ver-
hütung von Unfällen festgestellt (Bst. D.a, act. 10). Vor diesem Hintergrund
ist die angeordnete Erhöhung des Prämiensatzes von 2.5050% auf
3.0400% für die Dauer eines Jahres nicht unverhältnismässig.
Dass das Kontrollorgan üblicherweise dreimal eine Ermahnung ausspricht
und erst bei der vierten Feststellung eines sicherheitswidrigen Zustandes
eine Prämienerhöhung verfügt (vgl. EKAS Leitfaden Ziff. 5.3), vermag da-
ran nichts zu ändern. Diese Regel ist – wie bereits erwähnt – Ausdruck des
Verhältnismässigkeitsgrundsatzes und gilt insbesondere vor einer erstma-
ligen Sanktion. Vorliegend stellte das Kontrollorgan zwei Jahre und acht
Monate nach Ablauf der letzten Höhereinreihung nach Art. 92 Abs. 3 UVG
– welcher seit dem Jahr 2011 (und damit weniger als 10 Jahre vor der Ver-
fügung vom 8. April 2020) mehrere Ermahnungen und Verfügungen mit
Sofortmassnahmen gegenüber der Beschwerdeführerin vorangegangen
waren (vgl. act. 11) – einen weiteren Verstoss gegen Unfallverhütungsvor-
schriften fest. Dass die Vorinstanz bei dieser Sachlage nur einmal eine Er-
mahnung ausgesprochen hat, ist nicht zu beanstanden. Es handelte sich
bei den erneut festgestellten Mängeln (wiederum) um schwerwiegende Zu-
widerhandlungen, welche eine unmittelbare schwere Gefährdung von Le-
C-3063/2020
Seite 18
ben und Gesundheit verursachten und daher zu erfüllenden Sofort-Mass-
nahmen sowie Massnahmen führten. In diesem Zusammenhang ist daran
zu erinnern, dass gemäss Art. 92 Abs. 3 UVG und Art. 66 Abs. 1 VUV
grundsätzlich auch ein einzelner Verstoss eine (rückwirkende) Prämiener-
höhung rechtfertigen kann und dass eine solche Sanktion den betreffenden
Arbeitgeber dazu zwingen soll, die Unfallvorschriften in Zukunft einzuhal-
ten (vgl. dazu auch E. 3.3.2). Führte eine frühere Prämienerhöhung nicht
zum angestrebten Erfolg, hat das Kontrollorgan die ihm zur Verfügung ste-
henden Zwangsmittel weiterhin und konsequent anzuwenden. Es ist auch
daran zu erinnern, dass das Nichteinhalten von Sicherheitsvorschriften er-
hebliche Kosten zum Schaden der Versichertengemeinschaft verursachen
kann (vgl. Urteil BVGer C-6018/2008 E. 6.2.4 m.H.).
Gemäss Ziff. 5.2.10 des EKAS-Leitfadens dürfen Feststellungen, die mehr
als zehn Jahre zurückliegen nicht mehr berücksichtigt werden. Da die in
der Verfügung der Prämienerhöhung vom 8. April 2020 (act. 7) erwähnten
Mängel von 2016 und 2019 datieren und die Vorinstanz auch in ihrer Ver-
nehmlassung auf Mängel der letzten acht Jahre verweist (BVGer-act. 6 Ziff.
9), ist nichts dagegen einzuwenden, wenn diese von der Vorinstanz in der
Beurteilung berücksichtigt wurden.
6.4.1.4 Was den Umfang der Prämienerhöhung anbelangt, wurde die Be-
schwerdeführerin von der Vorinstanz rückwirkend für das Jahr 2020 im
BUV-Prämientarif um vier Stufen höher eingereiht. Der Prämiensatz wurde
von 2.5050% (Stufe 100) auf 3.0400% (Stufe 104) und damit um 21.35%
erhöht. Diese Höhereinreihung entspricht den Vorgaben von Art. 113
Abs. 2 UVV. Vor diesem Hintergrund kann die verfügte und für die Dauer
eines Jahres (1. Januar - 31. Dezember 2020) befristete Prämienerhöhung
nicht als unverhältnismässig bezeichnet werden.
6.4.2
6.4.2.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet sodann, ein Prämienstufen-
anstieg müsse jederzeit nachvollziehbar sein. Es gebe kein öffentlich ein-
sehbares Schema, welches aufzeigen würde, nach welchem Vergehen ein
Anstieg bzw. nach welchem Zeitraster eine "Ermahnungs-Rückstufung" er-
folge. Die Vorinstanz sei hier völlig intransparent.
6.4.2.2 Wie bereits in E. 6.4.1.3 ausgeführt und von der Vorinstanz in ihrer
Vernehmlassung korrekt festgehalten, könnte gemäss EKAS-Leitfaden
Ziff. 5.2.7 grundsätzlich (unter Vorbehalt der Verhältnismässigkeit) jeder
C-3063/2020
Seite 19
Verstoss gegen Vorschriften über die Arbeitssicherheit gemäss Art. 92
Abs. 3 UVG jederzeit und auch rückwirkend mit einer Prämienerhöhung
geahndet werden. Das diesbezügliche Vorgehen der Vorinstanz ist den de-
taillierten Bestimmungen des EKAS-Leitfadens zu entnehmen. Bei den im
EKAS-Leitfaden erwähnten Entscheidprozessen (Betriebsbesuch, Anhö-
rung, Erlass von Massnahmen und Ermahnungen sowie Prämienerhöhun-
gen) ist die Vorinstanz verpflichtet, sich an ein einheitliches und rechtsglei-
ches Vorgehen zu halten (vgl. EKAS-Leitfaden Ziff.1 und 2.4). Dem inter-
nen Schema der Vorinstanz, welches den Prämienstufenanstieg und die -
rückstufung nach der Grösse des Unternehmens festlegt, kommt laut Vo-
rinstanz nur eine sekundäre Bedeutung zu; dieses werde ausnahmslos auf
alle Unternehmungen angewendet (vgl. BVGer-act. 6 S. 2 f. und zur Kog-
nitionsbeschränkung E. 2.3 f.). Demzufolge sind die Entscheidprozesse
der Vorinstanz genügend transparent.
6.5 Zusammengefasst ergibt sich, dass die verfügte auf ein Jahr befristete
Prämienerhöhung im Einklang mit dem Gesetz, der Verordnung und dem
EKAS-Leitfaden steht. Dementsprechend ist die Beschwerde vom 12. Juni
2020 abzuweisen und der angefochtene Einspracheentscheid vom 15. Mai
2020 zu bestätigen.
7.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
7.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen. Diese bemessen sich nach Umfang und
Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage
der Parteien (vgl. Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Die von der unterliegenden Beschwerdeführerin
zu tragenden Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 2'000.- festzulegen
und dem geleisteten Verfahrenskostenvorschuss in gleicher Höhe zu ent-
nehmen.
7.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz
hat als mit einer öffentlichen Aufgabe betraute Organisation jedoch keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. BGE 128 V 124 E. 5b sowie
Art. 7 Abs. 3 VGKE).
C-3063/2020
Seite 20