Decision ID: f2bafed7-ffac-5a58-a846-e739acb744e6
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1949 geborene, seit 1990 im Kosovo wohnhafte kosovarische
Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwer-
deführer) war zwischen 1973 und 1988 mit Unterbrüchen in der Schweiz
erwerbstätig und leistete Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlas-
senen- und Invalidenversicherung (AHV/IV; Versicherungszeit insgesamt 9
Jahre und 10 Monate, vgl. Akten der Vorinstanz [nachfolgend: act.] 88, S.
2; act. 87, S. 5). Seit dem 1. Mai 1988 bezog der Versicherte eine halbe
Rente der schweizerischen Invalidenversicherung (vgl. act. 24), zuletzt in
der Höhe von monatlich Fr. 557.- (act. 82).
B.
B.a Am 10. September 2013 ersuchte die Schweizerische Ausgleichs-
kasse (nachfolgend: SAK oder Vorinstanz) den Versicherten zwecks Prü-
fung eines allfälligen Anspruchs auf eine AHV-Altersrente das "Formular
Anmeldung für eine Altersrente für Personen mit Wohnsitz ausserhalb der
Schweiz" auszufüllen und zu retournieren (act. 83). Am 24. Oktober 2013
ging das vom Versicherten ausgefüllte und unterzeichnete Formular bei der
SAK ein. Dem Formular beigelegt waren eine Kopie des kosovarischen
Ausweises des Versicherten sowie Kopien verschiedener Bescheinigun-
gen des Ministeriums für Innere Angelegenheiten der Republik Kosovo
(act. 85), darunter eine Bescheinigung über die kosovarische Staatsange-
hörigkeit des Versicherten, datiert vom 8. Oktober 2013 (act. 85, S. 7). Im
Rahmen der Anspruchsprüfung wurde seitens der SAK im Formular
E 205 CH betreffend die schweizerischen Versicherungszeiten sowie auf
dem zur Ermittlung des Rentenanspruchs erstellten Berechnungsblatt als
Nationalität des Versicherten "Mazedonien" angegeben (act. 88, S. 1; act.
87, S. 5). Mit Verfügung vom 15. Januar 2014 sprach die SAK dem Versi-
cherten mit Wirkung ab 1. Februar 2014 eine ordentliche Altersrente in der
Höhe von monatlich Fr. 1'114.- zu (act. 89). Diese Verfügung erwuchs un-
angefochten in Rechtskraft.
B.b Mit E-Mail vom 7. Februar 2015 liess der Versicherte der SAK eine
Bankbestätigung mit IBAN-Nummer zukommen (act. 90). In einer internen
Aktennotiz vom 23. Februar 2015 wies ein Sachbearbeiter der SAK darauf
hin, dass der Versicherte ein E-Mail geschrieben habe, und hielt gleichzei-
tig fest, er habe bei Konsultation des Rentendossiers festgestellt, dass dem
Versicherten zu Unrecht eine AHV-Altersrente gewährt worden sei. Anstelle
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der Altersrente hätte diesem auch nach Erreichen des Rentenalters weiter-
hin eine halbe IV-Rente ausgerichtet werden müssen. Die Altersrente
werde mit Wirkung ab Januar 2014 aufgehoben. Anschliessend werde die
IV-Stelle die Zahlung der halben Rente ab Februar 2014 wieder aufnehmen
und sich um eine allfällige Rückforderung der Leistungen kümmern. Da der
Entscheid der IV-Stelle eine Erklärung betreffend die Aufhebung der Alters-
rente enthalten werde, sei seitens der SAK keine Information des Versi-
cherten erforderlich (act. 91).
B.c Mit Mitteilungen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend:
IVSTA) vom 25. Februar 2015 und 8. April 2015 wurde dem Beschwerde-
führer mit Wirkung ab 1. Februar 2014 eine "ordentliche Altersrente" in der
Höhe von monatlich Fr. 557.- bzw. mit Wirkung ab 1. März (recte 1. Januar)
2015 in der Höhe von monatlich Fr. 560.- zugesprochen (act. 93, 94 S. 3;
vgl. insbesondere act. 104 und Verordnung 15 über Anpassungen an die
Lohn- und Preisentwicklung bei der AHV/IV/EO vom 15. Oktober 2014, in
Kraft getreten am 1. Januar 2015, abrufbar unter www.bsv.admin.ch>So-
zialversicherungen>AHV>Grundlagen & Gesetze>Gesetze und Verord-
nungen>Archiv>Verordnungen Rentenerhöhungen, zuletzt besucht am
1.9.2020).
B.d Mit Schreiben vom 17. April 2015 gelangte der Versicherte an die SAK
und ersuchte um eine Erklärung für die Kürzung der Rentenzahlungen.
Diese seien ohne schriftliche Verfügung oder Begründung erfolgt. Telefo-
nisch sei ihm mitgeteilt worden, dass die Verfügung vom 15. Januar 2014
falsch gewesen sei (act. 95). Am 25. Juni 2015 zeigte Rechtsanwalt lic. iur.
Felix Barmettler der SAK die Übernahme der Interessenvertretung an und
ersuchte gleichzeitig um Mitteilung des Grundes der gekürzten Rentenaus-
zahlung. Ferner beantragte er die rückwirkende Ausbezahlung der Rente
in der Höhe von Fr. 1'114.- (act. 96). Letzteres wiederholte der Rechtsver-
treter des Versicherten mit Schreiben vom 7. Juli 2015 (act. 98).
B.e Mit Schreiben vom 17. Juli 2015 teilte die SAK dem Versicherten mit,
dass das Abkommen vom 8. Juni 1962 zwischen der Schweizerischen Eid-
genossenschaft und der ehemaligen Föderativen Volksrepublik Jugosla-
wien über Sozialversicherung (SR 0.831.109.818.1; nachfolgend: schwei-
zerisch-jugoslawisches Sozialversicherungsabkommen) ab 1. April 2010
nicht weiter auf kosovarische Staatsangehörige anzuwenden sei. Aus den
Akten gehe hervor, dass der Versicherte kosovarischer Staatsangehöriger
sei und Wohnsitz ausserhalb der Schweiz habe. Bis zum Erreichen des
65. Altersjahres habe er eine halbe Invalidenrente erhalten. Kosovarische
https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen.html https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen.html
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IV-Rentner würden ihren Anspruch (auf ihre IV-Rente) auch über das Ren-
tenalter hinaus behalten. Ein Fehler ihrerseits habe dazu geführt, dass die
IV-Rente des Versicherten in eine ganze AHV-Rente überführt worden sei.
Nach Entdecken dieses Fehlers sei die "nichtige AHV-Rente annulliert wor-
den". Die Korrektur dieses Fehlers bestehe darin, dass die halbe IV-Rente
wieder ausbezahlt werde. Die zu viel ausbezahlten Leistungen würden in
Kürze per Verfügung zurückgefordert werden (act. 103).
B.f Bezugnehmend auf das Schreiben vom 17. Juli 2015 hielt die IVSTA
mit Verfügung vom 1. September 2015 fest, dass dem Versicherten vom
1. Februar 2014 bis 28. Februar 2015 der Betrag von Fr. 7'245.- zu Unrecht
ausbezahlt worden sei. Dieser Betrag sei vom Versicherten zurückzuzah-
len (act. 104).
B.g Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 9. Oktober 2015 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und beantragen, die
Verfügung der "Zentralen Ausgleichsstelle Genf" vom 1. September 2015
sei vollumfänglich aufzuheben und ihm sei mit Wirkung ab 1. Februar 2014
ungeschmälert die ordentliche Alterstrente von Fr. 1'114.- bzw. ab 1. Januar
2015 von Fr. 1'119.- im Monat auszurichten. Eventuell sei von der Rückfor-
derung des Betrages von Fr. 7'245.- Umgang zu nehmen. In formeller Hin-
sicht wies er darauf hin, dass der Verfügung vom 1. September 2015 kein
Einspracheverfahren vorausgegangen sei. In materieller Hinsicht hielt er
im Wesentlichen fest, dass er Doppelbürger von Serbien und Kosovo sei
und somit gestützt auf seine serbische Staatsangehörigkeit Anspruch auf
die ungeschmälerte Altersrente habe. Selbst wenn die Aufhebung der Ren-
tenverfügung vom 15. Januar 2014 rechtens sei, sei der Rückforderungs-
anspruch verwirkt, weil der Verwaltung im Zeitpunkt des Erlasses der Ver-
fügung vom 15. Januar 2014 bei Beachtung der ihr zumutbaren Sorgfalt
bekannt gewesen sei, dass das schweizerisch-jugoslawische Sozialversi-
cherungsabkommen gemäss BGE 139 V 263 nicht mehr anwendbar ge-
wesen sei (act. 109).
B.h Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil vom
31. Oktober 2017 (C-6433/2015) insoweit gut, als die Sache an die SAK
zur Durchführung des gesetzlichen Einspracheverfahrens überwiesen
wurde. Im Übrigen wurde auf die Beschwerde nicht eingetreten. In den Er-
wägungen wurde festgehalten, dass die angefochtene Verfügung – nach
ihrem tatsächlichen rechtlichen Gehalt – nicht nur die Rückforderung der
nach Auffassung der IVSTA zu viel ausgerichteten AHV-Rente beinhalte,
sondern faktisch auch die Herabsetzung der AHV-Rente bzw. deren Ersatz
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mit der vormals ausgerichteten IV-Rente. Somit handle es sich mit Blick auf
die Wiedererwägung einer AHV-Verfügung wegen Unrichtigkeit um eine
Streitigkeit "AHV-rechtlicher" Natur (vgl. E. 6.5). Das Eintreten des Gerichts
auf die vorliegende Beschwerde widerspräche offensichtlich dem Sinn und
Zweck des vom Gesetzgeber zwingend vorgesehenen Einspracheverfah-
rens. Bei diesem Ergebnis sei auf die Beschwerde nicht einzutreten und
die Angelegenheit sei an die SAK als Einspracheinstanz zurückzuweisen
(vgl. E. 6.7; act. 146).
B.i Mit Einspracheentscheid vom 22. Februar 2019 wies die SAK die Ein-
sprache des Versicherten vom 9. Oktober 2015 sinngemäss ab und bestä-
tigte die Verfügung vom 1. September 2015. Zur Begründung hielt sie fest,
dass der vom Versicherten eingereichte Pass nicht den Anforderungen ge-
nüge, welche an einen serbischen Pass, der nachträglich von einem Koso-
varen vorgelegt werde, gestellt würden. Somit habe der Versicherte keinen
Anspruch auf eine AHV-Rente und die IV-Rente sei nicht abzulösen (act.
157).
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. Felix Barmettler, am 27. März 2019 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht mit folgenden Anträgen: Der Einspracheent-
scheid der SAK vom 22. Februar 2019 sei insoweit aufzuheben, als die
Rückforderungsverfügung der IVSTA vom 1. September 2015 bestätigt
werde (Ziff. 1); die mit Einspracheentscheid vom 22. Februar 2019 ver-
langte Rückerstattung im Betrag von Fr. 7'245.- sei ersatzlos aufzuheben
(Ziff. 2), und dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung zu bewilligen (Ziff. 3). Zur Begründung führte er im Wesentlichen
aus, dass die verweigerte AHV-Rentenauszahlung ab 1. März 2015 nicht
(mehr) angefochten werde, da gemäss konstanter Praxis des Bundesver-
waltungsgerichts für den Nachweis der AHV-Bezugsberechtigung nur ein
gültiger biometrischer Pass Serbiens ohne Einschränkung hinsichtlich
Visa-Freiheit für den Schengenraum akzeptiert werde und der Pass keinen
Vermerk "Koordinaciona Uprava" enthalten dürfe. Hinsichtlich der Rückfor-
derung von Fr. 7'245.- habe er in der Eingabe vom 9. Oktober 2015 die
Einrede der Verwirkung erhoben, welche von der Vorinstanz im angefoch-
tenen Einspracheentscheid nicht behandelt worden sei. Da die Vorinstanz
damit das Verbot der Rechtsverweigerung verletzt habe, sei der Ein-
spracheentscheid aufzuheben. Im Weiteren habe die Vorinstanz bereits im
Zeitpunkt der Ausrichtung der AHV-Rente per 1. Februar 2014 bei zumut-
barer Aufmerksamkeit erkennen müssen, dass kein Anspruch bestanden
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habe. Dass kosovarische Staatsangehörige mit Wohnsitz in Kosovo ab
1. April 2010 keinen Anspruch auf Ausrichtung einer AHV-Rente mehr hät-
ten, sei der Vorinstanz mit der Publikation des Beschlusses des Bundesrats
vom Dezember 2009 betreffend die Nichtanwendbarkeit des schweize-
risch-jugoslawischen Sozialversicherungsabkommens auf kosovarische
Staatsangehörige, jedoch spätestens mit dem Urteil des Bundesgerichts
BGE 139 V 263 vom 19. Juni 2013 bekannt gewesen. Da die Rückforde-
rungsverfügung vom 1. September 2015 erst über eineinhalb Jahre nach
der Ausrichtung der ersten AHV-Monatsrente im Februar 2014 ergangen
sei, sei der Rückforderungsanspruch verwirkt (Akten im Beschwerdever-
fahren [nachfolgend: BVGer-act.] 1).
D.
Mit Zwischenverfügung vom 27. November 2019 wurde das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abgewiesen
(BVGer-act. 15).
E.
Mit Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde. In der Begründung hielt sie fest, es werde
beschwerdeweise nicht mehr bestritten, dass kein Anspruch auf eine AHV-
Rente bestanden habe, womit auch der unrechtmässige Überbezug nicht
mehr grundsätzlich bestritten werde. Hinsichtlich dem Vorbringen, das
rechtliche Gehör des Beschwerdeführers sei verletzt worden, indem im
Einspracheentscheid nicht auf die Frage der Verwirkung eingegangen sei,
sei festzuhalten, dass eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs vor-
liegend als geheilt gelten könne. In materieller Hinsicht sei der Rückerstat-
tungsanspruch nicht durch verspätete Geltendmachung verwirkt worden,
denn es sei rechtsprechungsgemäss für den Beginn der relativen einjähri-
gen Verjährungsfrist nicht das erstmalige unrichtige Handeln und die daran
anknüpfende unrechtmässige Leistungsausrichtung massgebend, son-
dern der Tag, an dem der Versicherungsträger später bei der ihm gebote-
nen und zumutbaren Aufmerksamkeit den Fehler hätte erkennen können
oder erkannt habe. Die fehlerhafte Ausrichtung einer AHV-Rente statt einer
halben IV-Rente an den Beschwerdeführer mittels Verfügung vom 15. Ja-
nuar 2014 habe ihren offensichtlichen Grund darin, dass der zuständige
Sachbearbeiter den Beschwerdeführer irrtümlicherweise als Mazedonier
statt als Kosovaren erfasst habe. Dieser Umstand sei offensichtlich auch
dafür verantwortlich gewesen, dass der Fehler nicht sofort, sondern erst
anlässlich einer durch den Erhalt des E-Mails des Beschwerdeführers am
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23. Mai 2015 erfolgten zufälligen Überprüfung des Dossiers entdeckt wor-
den sei. Anschliessend sei die Rückforderung unter Einhaltung der einjäh-
rigen Frist mittels Verfügung vom 1. September 2015 geltend gemacht wor-
den (BVGer-act. 18).
F.
Mit Replik vom 6. März 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinen be-
schwerdeweise gestellten Anträgen (ausgenommen Ziff. 3) fest und führte
aus, dass entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht der Grundsatz der
Gewährung des rechtlichen Gehörs, sondern das Rechtsverweigerungs-
verbot verletzt sei, weshalb eine Heilung nicht möglich sei. Die Sache
müsse daher wegen unterlassener Prüfung der Rüge der Verwirkung des
Rückforderungsanspruchs an die Vorinstanz zurückgewiesen werden. In
materieller Hinsicht sei die Behauptung der Vorinstanz, dass der zustän-
dige Sachbearbeiter irrtümlich davon ausgegangen sei, der Beschwerde-
führer stamme aus Mazedonien, unzutreffend, weil aktenwidrig. Vielmehr
habe die Vorinstanz es bei der erstmaligen Ausrichtung der AHV-Rente un-
terlassen, den Beschluss des Bundesrates vom Dezember 2009, mit wel-
chem das schweizerisch-jugoslawische Sozialversicherungsabkommen im
Verhältnis zu Kosovo per 31. März 2010 ausser Kraft gesetzt worden sei,
zu beachten. Rechtsprechungsgemäss schliesse die Publikation einer Tat-
sache im Schweizerischen Handelsamtsblatt einen zweiten Anlass für die
zumutbare Kenntnis der Rückerstattungsvoraussetzungen aus. Gleich ver-
halte es sich mit der Publikation der Aufhebung eines Gesetzes. Somit
müsse sich die Vorinstanz die Publizität der Aufhebung des schweizerisch-
jugoslawischen Sozialversicherungsabkommens bei der Eröffnung der
Verfügung der AHV-Rente vom 15. Januar 2014 als bekannt entgegenhal-
ten lassen (BVGer-act. 24).
G.
Mit Duplik vom 16. März 2020 bestritt die Vorinstanz die in der Replik ent-
haltenen Vorbringen in ihrer Gänze und hielt an den in der Vernehmlassung
gemachten Ausführungen und gestellten Anträgen fest (BVGer-act. 26).
H.
Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel wird – soweit entscheidwe-
sentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 85bis
Abs. 1 AHVG (SR 831.10) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen bzw. Ein-
spracheentscheide (Art. 5 Abs. 2 VwVG) der Schweizerischen Ausgleichs-
kasse. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bun-
desverwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der Beschwerde zu-
ständig.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Das VwVG findet indes keine Anwendung in Sozialversicherungssachen,
soweit das ATSG (SR 830.1) anwendbar ist (Art. 3 Bst. dbis VwVG). Ge-
mäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die im
ersten Teil geregelte Alters- und Hinterlassenenversicherung anwendbar,
soweit das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
1.3 Der Beschwerdeführer ist durch den vorliegend angefochtenen Ein-
spracheentscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung oder Änderung, so dass er im Sinne von Art. 59 ATSG be-
schwerdelegitimiert ist.
1.4 Da die Beschwerde im Übrigen innert Frist (Zustellung des Einsprache-
entscheids am 25. Februar 2019 [vgl. Sendungsverfolgung]; Art. 60 Abs. 1
ATSG) und formgerecht (Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht wurde, ist darauf
einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der
Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
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folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahr-
scheinlichste würdigen (BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6, 126 V 353
E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). Der Sozialversicherungsträger als
verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tat-
sache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen
überzeugt sind (Urteil des BGer 8C_494/2013 vom 22. April 2014 E. 5.4.1,
n. publ. in: BGE 140 V 220).
2.3 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1),
weshalb jene Vorschriften Anwendung finden, die spätestens beim Erlass
des Einspracheentscheids vom 22. Februar 2019 in Kraft standen; weiter
aber auch Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getre-
ten waren, die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leis-
tungsansprüche von Belang sind. Gemäss diesem Grundsatz bildet für die
Frage, ob das für Angehörige der heutigen Republik Kosovo per 31. März
2010 ausser Kraft gesetzte Abkommen vom 8. Juni 1962 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Volksrepublik
Jugoslawien über Sozialversicherung (SR 0.831.109.818.1; nachfolgend:
schweizerisch-jugoslawisches Sozialversicherungsabkommen) zur An-
wendung gelangt (vgl. dazu E. 4.3.3 ff. nachfolgend), die Entstehung des
Rentenanspruchs den massgebenden Anknüpfungspunkt (BGE 139 V 335
E. 6.2; Urteil des BGer 9C_793/2013 vom 27. März 2014 E. 3.2). Dabei ist
für die Zusprache einer Altersrente (insbesondere) der Eintritt des Versi-
cherungsfalles, also das Erreichen des Rentenalters (Geburtstag) als (Ab-
grenzungs-)Kriterium massgebend (vgl. Urteil des BGer 9C_53/2013 vom
6. August 2013 E. 3.3).
Das neue, am 8. Juni 2018 abgeschlossene und am 1. September 2019 in
Kraft getretene Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft und der Republik Kosovo über soziale Sicherheit (SR
0.831.109.475.1; nachfolgend: Sozialversicherungsabkommen mit der Re-
publik Kosovo), gemäss welchem versicherten Personen frühestens ab
dem 1. September 2019 (Inkrafttreten des Abkommens) Leistungen aus-
gerichtet werden, ist in casu nicht anwendbar, da der vor Inkrafttreten er-
gangene Einspracheentscheid vom 22. Februar 2019 das Anfechtungsob-
jekt und damit die Begrenzung des Streitgegenstandes des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1 und E. 2) bildet und
ausschliesslich Sachverhalte zu beurteilen sind, die sich vor Inkrafttreten
des neuen Abkommens ereignet haben (vgl. Urteil des BVGer C-
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3518/2018 vom 13. Mai 2020 E. 3.1). Der Vollständigkeit halber ist aber
festzuhalten, dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer gestützt auf das
Sozialversicherungsabkommen mit der Republik Kosovo ab dem 1. Sep-
tember 2019 eine ordentliche Altersrente in Höhe von monatlich Fr. 1'128.-
zugesprochen hat (vgl. Verfügung vom 15. August 2019, act. 166).
3.
In formeller Hinsicht macht der Beschwerdeführer eine Verletzung des
Rechtsverweigerungsverbots geltend mit der Begründung, die Vorinstanz
habe seine in der Eingabe vom 9. Oktober 2015 vorgebrachte Einrede der
Verwirkung des Rückforderungsanspruchs im Einspracheentscheid vom
22. Februar 2019 nicht behandelt. Diese Rechtsverweigerung könne nicht
geheilt werden, womit der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben
sei.
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK haben die
Parteien eines Gerichtsverfahrens einen Anspruch auf rechtliches Gehör
und auf ein faires Gerichtsverfahren. Eine formelle Rechtsverweigerung
(Art. 29 Abs. 1 BV) liegt vor, wenn eine Behörde auf eine Eingabe fälschli-
cherweise nicht eintritt oder eine solche ausdrücklich bzw. stillschweigend
nicht an die Hand nimmt und behandelt, obwohl sie dazu verpflichtet wäre.
Eine Rechtsverweigerung kann auch darin liegen, dass sich eine Behörde
mit rechtsgenügend vorgebrachten Rügen der rechtssuchenden Partei gar
nicht auseinandersetzt (Rechtsverweigerung im weiteren Sinn), wobei sich
in einem solchen Fall das Verbot der Rechtsverweigerung mit dem An-
spruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV überschneidet.
Letzterer verlangt insbesondere, dass die Behörden die rechtserheblichen
Vorbringen der Parteien hören und bei der Entscheidfindung angemessen
berücksichtigen. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Ent-
scheid zu begründen. Die Begründung muss kurz die Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Ent-
scheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich der Entscheid mit
allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Es genügt, wenn der Entscheid gege-
benenfalls sachgerecht angefochten werden kann (vgl. Urteile des BGer
2C_874/2017 vom 12. Dezember 2018 E. 5.1; 2C_608/2017 vom 24. Au-
gust 2018 E. 5.2, je m.w.H.). Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV) geht als spezielle Vorschrift dem Verbot der Rechtsverweige-
rung (Art. 29 Abs. 1 BV) vor (Urteil des BGer 1C_45/2007 vom 30. Novem-
ber 2007 E. 3.2).
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3.2 Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur und die Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt ungeachtet der Erfolgsaussich-
ten der Beschwerde in der Sache selbst grundsätzlich zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheids (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1). Nach der Recht-
sprechung kann jedoch eine – nicht besonders schwerwiegende – Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die
daran interessierte Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer-
deinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage
frei überprüfen kann. Von einer Rückweisung der Sache ist zudem selbst
bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen,
wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und
damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhö-
rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderli-
chen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. Urteil des
BGer 9C_1/2013 vom 20. Juni 2013; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2).
3.3 Tatsächlich hat die Vorinstanz – wie sie in ihrer Vernehmlassung auch
selbst eingestanden hat – im angefochtenen Einspracheentscheid zur
Frage der Verwirkung des Rückforderungsanspruchs nicht explizit Stellung
genommen. Vorliegend ist jedoch zu beachten, dass der Beschwerdefüh-
rer die Einrede der Verwirkung des Rückforderungsanspruchs bereits im
Beschwerdeverfahren C-6433/2015 vorgebracht und sich die IVSTA als da-
malige Vorinstanz in ihren Rechtsschriften dazu einlässlich geäussert hat.
So hatte sie festgehalten, dass die AHV-Rente aufgrund eines Irrtums be-
züglich der Staatsangehörigkeit zugesprochen worden sei. Deshalb berufe
sich der Beschwerdeführer auch vergeblich auf die Kenntnis der SAK von
BGE 139 V 263. Die SAK habe ihren Fehler am 23. Februar 2015 entdeckt
und die IVSTA darüber informiert. Die IVSTA habe den Rückforderungsan-
spruch daraufhin mittels der angefochtenen Verfügung vom 1. September
2015 innert Jahresfrist seit der Kenntnisnahme und vor Ablauf von fünf Jah-
ren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung geltend gemacht. Der
Rückforderungsanspruch sei folglich nicht verwirkt (act. 121, S. 1 Ziff. 2;
act. 113, S. 2 Ziff. 4). Im in dieser Angelegenheit ergangenen Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 31. Juli 2017 (C-6433/2015), wonach die
Sache an die SAK zur Durchführung des gesetzlichen Einspracheverfah-
rens überwiesen und im Übrigen auf die Beschwerde nicht eingetreten
wurde, wurde in Erwägung 6.7 konkretisiert, dass die SAK die Eingabe des
Beschwerdeführers (vom 9. Oktober 2015) als Einsprache zu behandeln
und über die Frage zu entscheiden habe, ob der Beschwerdeführer die
AHV-Rentenleistungen zurückzuerstatten habe bzw. die AHV-Rente zu
Recht oder zu Unrecht mit einer halben IV-Rente ersetzt worden sei. In
C-1490/2019
Seite 12
diesem Zusammenhang werde die SAK zu prüfen haben, ob die serbische
Staatsangehörigkeit mit Einreichung des auf den 12. Juli 2017 ausgestell-
ten serbischen Passes nunmehr rechtsgenüglich nachgewiesen sei und
auf den massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses Wirkung ent-
falte (act. 146, S. 13 f.). In ihrem Einspracheentscheid vom 22. Februar
2019 beschränkte sich die Vorinstanz bei der Begründung auf die Frage
der Anspruchsberechtigung und stellte fest, dass der vom Beschwerdefüh-
rer eingereichte serbische Pass den geltenden Anforderungen nicht ge-
nüge und der Beschwerdeführer somit keinen Anspruch auf eine AHV-
Rente habe (act. 157). Doch auch wenn sich die Vorinstanz zur Frage der
Verwirkung nicht direkt äusserte, ergibt sich aus dem abschlägigen und die
angefochtene Verfügung vom 1. September 2015 bestätigenden Ein-
spracheentscheid implizit, dass der mit der Verfügung vom 1. September
2015 gestellte Rückforderungsanspruch nach Ansicht der Vorinstanz und
wie es im Verfahren C-6433/2015 bereits seitens der IVSTA begründet wor-
den war, nicht verwirkt ist. Da folglich mit dem Einspracheentscheid die
Frage der Verwirkung seitens der Vorinstanz implizit beantwortet wurde
und dem Beschwerdeführer die entsprechende Begründung aus dem Ver-
fahren C-6433/2015 bekannt war, womit ihm eine sachgerechte Anfech-
tung des Einspracheentscheids auch ohne eine im Entscheid selbst ent-
haltene Begründung gut möglich war, kann vorliegend entgegen der An-
sicht des Beschwerdeführers nicht von einer Verletzung des Rechtsverwei-
gerungsverbots seitens der Vorinstanz die Rede sein. Es könnte höchstens
eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV),
welche als spezielle Vorschrift dem Rechtsverweigerungsverbot (Art. 29
Abs. 1 BV) ohnehin vorgeht (vgl. E. 3.1 hiervor), vorliegen, indem die
Vorinstanz sich im Einspracheentscheid nicht explizit zur Frage der Verwir-
kung geäussert hat und die von der IVSTA im Verfahren C-6433/2015 dies-
bezüglich bereits gemachte Begründung im Einspracheentscheid nicht
nochmals wiedergegeben hat. Die Frage, ob damit eine Gehörsverletzung
gegeben ist, kann vorliegend jedoch offen bleiben, denn selbst wenn der
Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt worden
wäre, so könnte der Mangel im vorliegenden Fall aus folgenden Gründen
als geheilt betrachtet werden: Der Beschwerdeführer hat sich im vorliegen-
den Beschwerdeverfahren vor dem mit voller Kognition ausgestatteten
Bundesverwaltungsgericht nochmals eingehend zu der seiner Ansicht
nach eingetretenen Verwirkung des Rückforderungsanspruchs geäussert
und hat sämtliche in der Eingabe vom 9. Oktober 2015 enthaltenen Argu-
mente nochmals vorgebracht. Der Vernehmlassung der Vorinstanz vom
2. Februar 2020 ist zu entnehmen, dass sie eine Verwirkung des Rückfor-
C-1490/2019
Seite 13
derungsanspruchs mit der gleichen Begründung verneint hat, wie sie be-
reits von der IVSTA im Verfahren C-6433/2015 vorgebracht worden war.
Vor diesem Hintergrund würde eine Rückweisung an die Vorinstanz
zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs zweifelsohne zu einem forma-
listischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen, die mit
dem der Anhörung gleichgestellten Interesse der Partei an einer beförder-
lichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären. Der Beschwer-
deführer selbst bevorzugt offenbar eine materielle Behandlung der Streit-
sache, lässt er doch gemäss seinen Rechtsschriften im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren die Aufhebung des Einspracheentscheids vom
22. Februar 2019 aus materiellen Gründen beantragen. Nach dem Gesag-
ten ist von einer Aufhebung des Einspracheentscheids aus formellem
Grund abzusehen und die Sache inhaltlich auf ihre Rechtmässigkeit hin zu
prüfen.
4.
4.1 Die Festlegung einer (allfälligen) Rückerstattung von Leistungen erfolgt
in einem mehrstufigen Verfahren: In einem ersten Entscheid ist über die
Frage der Unrechtmässigkeit des Bezuges der Leistung zu befinden (in der
Regel mittels Wiedererwägung oder Revision, vgl. Art. 53 ATSG bzw.
Art. 17 ATSG). Daran schliesst sich zweitens der Entscheid über die Rück-
erstattung an, in dem zu beantworten ist, ob – bei der festgestellten Un-
rechtmässigkeit des Leistungsbezugs – eine rückwirkende Korrektur ge-
mäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG erfolgt. Schliesslich ist drittens, ein ent-
sprechendes Gesuch vorausgesetzt, über den Erlass der zurückzuerstat-
tenden Leistung gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG zu entscheiden (vgl.
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 25 Rz. 17 ff.), wobei die
Erlassfrage erst dann zu prüfen ist, wenn die Rechtsbeständigkeit der
Rückforderungsverfügung feststeht (Urteil des BGer 9C_466/2014 vom
2. Juli 2015 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. auch Art. 4 Abs. 4 ATSV [SR 830.11]).
4.2 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstands bildet
vorliegend wie bereits erwähnt der Einspracheentscheid vom 22. Februar
2019, mit dem die Vorinstanz die Verfügung vom 1. September 2015 be-
stätigt hat. Im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 31. Oktober 2017
(C-6433/2015) wurde festgestellt, dass die Verfügung vom 1. September
2015 nach ihrem tatsächlichen rechtlichen Gehalt nicht lediglich die Rück-
forderung der angeblich zu viel ausgerichteten AHV-Rente, sondern fak-
tisch auch die Herabsetzung der AHV-Rente bzw. deren Ersatz mit der vor-
mals ausgerichteten IV-Rente beinhaltet (E. 6.7; act. 146). Das Gleiche gilt
C-1490/2019
Seite 14
für den vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid vom 22. Februar
2019, welcher die ursprüngliche Verfügung ersetzt (vgl. Urteile des BGer
8C_121/2009 vom 26. Juni 2009 E. 3.5; 8C_592/2012 vom 23. November
2012 E. 3.2; 9C_777/2013 vom 13. Februar 2014 E. 5.2.1 mit Hinweisen;
BGE 140 V 70 E. 4.2). Anfechtungsgegenstand ist somit nicht nur die Frage
der Rückforderung, sondern auch die Frage der Unrechtmässigkeit der be-
zogenen Leistungen. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist
hingegen ein allfälliger Erlass der Rückforderung, da die Vorinstanz dar-
über mangels rechtsbeständiger Rückforderungsverfügung noch nicht ent-
schieden hat.
4.3 Zunächst ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die ihm mit Verfügung
vom 15. Januar 2014 zugesprochene und im Zeitraum vom 1. Februar
2014 bis 28. Februar 2015 monatlich ausgerichtete AHV-Altersrente un-
rechtmässig bezogen hat bzw. ob die Vorinstanz die Altersrente zu Recht
wiedererwägungsweise aufgehoben resp. auf den Betrag der vormals aus-
gerichteten IV-Rente herabgesetzt hat.
4.3.1 Männer haben Anspruch auf eine ordentliche Altersrente, sofern sie
das 65. Altersjahr vollendet haben und ihnen für mindestens ein volles Jahr
Einkommen, Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften angerechnet wer-
den können (Art. 21 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 29 Abs. 1 AHVG). Der Anspruch
auf die Altersrente entsteht am ersten Tag des Monats, welcher der Vollen-
dung des massgebenden Altersjahres folgt, und erlischt mit dem Tod (Art.
21 Abs. 2 AHVG). Bei dem am (...) 1949 geborenen Beschwerdeführer
hätte somit per 1. Februar 2014 ein Anspruch auf eine AHV-Altersrente ent-
stehen können.
4.3.2 Ausländer sowie ihre Hinterlassenen haben jedoch gemäss Art. 18
Abs. 2 AHVG grundsätzlich nur Anspruch auf eine Alters- oder Hinterlas-
senenrente, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der
Schweiz haben (Satz 1). Satz 3 dieser Bestimmung behält namentlich ab-
weichende zwischenstaatliche Vereinbarungen vor.
4.3.3 Das am 8. Juli 1962 abgeschlossene schweizerisch-jugoslawische
Sozialversicherungsabkommen sah in Art. 3 eine Ausnahme von der
Wohnsitzklausel gemäss Art. 18 Abs. 2 AHVG vor und bestimmte, dass
AHV-Renten auch an jugoslawische Staatsangehörige mit Wohnsitz in Ju-
goslawien ausgerichtet werden. Nach dem Zerfall der Föderativen Volks-
republik Jugoslawien blieben zunächst die Bestimmungen des schweize-
C-1490/2019
Seite 15
risch-jugoslawischen Sozialversicherungsabkommens für alle Staatsange-
hörigen des ehemaligen Jugoslawiens anwendbar (BGE 126 V 198 E. 2b,
122 V 381 E. 1 mit Hinweis). In Bezug auf die Republik Kosovo beschloss
der Bundesrat am 16. Dezember 2009, auf eine Übernahme der mit Ser-
bien bestehenden Abkommen, u.a. des schweizerisch-jugoslawischen So-
zialversicherungsabkommens, zu verzichten (vgl. BGE 139 V 263 E. 6.3).
Die Direktion für Völkerrecht veröffentlichte im Auftrag des Bundesrates am
23. März 2010 eine Mitteilung in der Amtlichen Sammlung des Bundes-
rechts, wonach die Anwendung des schweizerisch-jugoslawischen Sozial-
versicherungsabkommens im Verhältnis zu Kosovo mit Wirkung ab dem
1. April 2010 beendet werde (AS 2010 1230; BGE 139 V 263 E. 6.2). Im
Grundsatzurteil BGE 139 V 263 (Urteil vom 19. Juni 2013) erkannte das
Bundesgericht, dass die ehemals serbische Provinz und heutige Republik
Kosovo mit ihrer Sezession eine – sowohl in territorialer als auch (ver-
trags-)rechtlicher Hinsicht – völkerrechtlich wirksame Änderung herbeige-
führt hat und die Nichtweiteranwendung des schweizerisch-jugoslawischen
Sozialversicherungsabkommens auf die neue Gebietskörperschaft ab
1. April 2010 rechtmässig ist (vgl. E. 2-8). Die Nichtweiterführung des
Sozialversicherungsabkommens mit Kosovo hatte zur Folge, dass Staats-
angehörige des Kosovo ab 1. April 2010 grundsätzlich nicht mehr die
Rechtsstellung als Vertragsausländerinnen und -ausländer innehatten und
deshalb als Nichtvertragsausländerinnen und -ausländer galten. Durch
diesen Statuswechsel waren die nach dem 31. März 2010 zugesprochenen
Renten von Staatsangehörigen des Kosovo nicht mehr ins Ausland expor-
tierbar und wurden nur innerhalb der Schweiz gewährt (vgl. Art. 18 Abs. 2
AHVG und Art. 6 Abs. 2 Satz 2 IVG). Die laufenden Renten geniessen dem-
gegenüber gemäss Art. 25 des schweizerisch-jugoslawischen Sozialversi-
cherungsabkommens den Besitzstand (BGE 139 V 335 E. 6.1 und E. 6.2
[intertemporalrechtliche Weiteranwendbarkeit des Abkommens]).
Seit 1. September 2019 ist das neue Sozialversicherungsabkommen mit
der Republik Kosovo in Kraft, welches – in Abweichung von Art. 18 Abs. 2
AHVG – die Ausrichtung von AHV-Renten an im Kosovo wohnhafte koso-
varische Staatsangehörige wieder vorsieht (vgl. Art. 2 Abs. 1 Bst. a i.V. m.
Art. 5 Abs. 1 des Abkommens). Wie bereits erwähnt, ist dieses Abkommen
für den vorliegenden Fall in zeitlicher Hinsicht jedoch nicht anwendbar (vgl.
E. 2.3 hiervor). Selbst wenn es anwendbar wäre, könnte der Beschwerde-
führer keine Ansprüche daraus ableiten, da gemäss Art. 35 des Sozialver-
sicherungsabkommens mit dem Kosovo dieses keine Leistungsansprüche
für den Zeitraum vor seinem Inkrafttreten begründet.
C-1490/2019
Seite 16
4.3.4 Gemäss dargestellter Rechtslage fällt vorliegend der am 1. Mai 1988
und damit unter Geltung des schweizerisch-jugoslawischen Sozialversi-
cherungsabkommens entstandene (vgl. E. 2.3 hiervor) Anspruch des Be-
schwerdeführers auf eine halbe IV-Rente unter die Besitzstandsgarantie.
Deshalb wurde dem kosovarischen Beschwerdeführer die laufende
IV-Rente trotz fehlendem Wohnsitz in der Schweiz (vgl. Art. 6 Abs. 2 Satz
2 IVG) auch nach dem 31. März 2010 in intertemporalrechtlicher Anwen-
dung des schweizerisch-jugoslawischen Sozialversicherungsabkommens
weiterhin ausgerichtet. Anders stellt sich die Situation betreffend den vor-
liegend umstrittenen Altersrentenanspruch dar: Beim Beschwerdeführer
konnte – ausgehend davon, dass er einzig die kosovarische Staatsange-
hörigkeit besitzt – aufgrund des bei Erreichen des Rentenalters im Januar
2014 fehlenden Wohnsitzes in der Schweiz und des seit dem 31. März
2010 auf kosovarische Staatsangehörige nicht mehr anwendbaren schwei-
zerisch-jugoslawischen Sozialversicherungsabkommens mangels Erfül-
lung der versicherungsmässigen Voraussetzungen (Art. 18 Abs. 2 AHVG)
gar kein Anspruch auf Altersrente entstehen (BGE 139 V 335 E. 6; vgl. auch
Urteil des BGer 9C_53/2013 vom 6. August 2013). Mit anderen Worten be-
stand vom 1. April 2010 für die vorliegend zu beurteilende Zeitperiode und
bis 31. August 2019 keine von Art. 18 Abs. 2 AHVG abweichende zwi-
schenstaatliche Vereinbarung zwischen der Schweiz und Kosovo, weshalb
es dem in Kosovo wohnhaften Beschwerdeführer an der Anspruchsberech-
tigung für eine Altersrente fehlte. Entsprechend konnte der seit Mai 1988
bestehende IV-Rentenanspruch des Beschwerdeführers auch nicht im
Sinne von Art. 30 IVG, erster Teilsatz (welcher eine intrasystemische Über-
entschädigung verhindern will, vgl. auch Art. 66 ATSG und UELI KIESER,
a.a.O., Art. 66 Rz. 21 f.), erlöschen, sondern hat im Sinne der Besitzstands-
garantie (BGE 139 V 335 E. 6.1) für den vorliegend zu beurteilenden Zeit-
raum weiterhin Bestand.
4.3.5 Gegen die fehlende Anspruchsberechtigung betreffend eine Alters-
rente brachte der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren
C-6433/2015 erstmals vor, er sei serbisch-kosovarischer Doppelbürger,
womit gestützt auf seine serbische Staatsangehörigkeit das schweizerisch-
jugoslawische Sozialversicherungsabkommen weiterhin zur Anwendung
komme und damit eine rechtliche Grundlage für die Zusprache der Alters-
rente gegeben sei (vgl. act. 109). Als Nachweis reichte er eine Kopie einer
am 17. Mai 2016 ausgestellten serbischen Identitätskarte (act. 126, S. 3 f.)
und eine Kopie eines am 12. Juli 2017 ausgestellten serbischen Passes
ein (act. 148). Nachdem die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Durchfüh-
C-1490/2019
Seite 17
rung des Einspracheverfahrens überwiesen worden war, kam diese ge-
mäss Begründung im Einspracheentscheid vom 22. Februar 2019 zum
Schluss, dass der Pass nicht den rechtsprechungsmässigen Anforderun-
gen genüge, die an einen serbischen Pass, welcher nachträglich von ei-
nem Kosovaren vorgelegt werde, gestellt würden.
4.3.5.1 Aus der Tatsache, dass die Republik Kosovo die multiple Staats-
bürgerschaft zulässt, kann nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
nicht abgeleitet werden, dass kosovarische Staatsangehörige ohne Weite-
res kosovarisch-serbische Doppelbürger sind. Dennoch kann das Vorlie-
gen einer kosovarisch-serbischen Doppelbürgerschaft nicht einfach aus-
geschlossen werden. Eine solche ist indessen nicht nur überzeugend zu
behaupten, sondern rechtsgenüglich zu belegen (BGE 139 V 263 E. 12.2).
Für den rechtsgenüglichen Beweis einer kosovarisch-serbischen Doppel-
bürgerschaft wurde in Erwägung 12.2 des erwähnten Bundesgerichtsent-
scheids insbesondere auf die Mitteilung Nr. 326 des BSV vom 20. Februar
2013 verwiesen. Danach ist im Hinblick auf den Nachweis der serbischen
Staatsangehörigkeit unter anderem zu beachten, dass für deren Beweis
nur ein gültiger biometrischer Pass Serbiens ohne Einschränkungen hin-
sichtlich Visa-Freiheit für den Schengenraum akzeptiert wird. Der Pass darf
keinen Vermerk "Koordinaciona Uprava" (Verwaltungskoordination) der
serbischen passausstellenden Behörde enthalten. Das Bundesverwal-
tungsgericht hat diese Rechtsprechung zu den beweisrechtlichen Anforde-
rungen an den Nachweis einer geltend gemachten serbischen Staatsan-
gehörigkeit in der Folge mehrfach bestätigt (vgl. dazu unter anderen die
Urteile des BVGer C-4806/2014 vom 11. Mai 2016; C-6533/2012 vom 31.
März 2016; C-5156/2014 vom 2. Februar 2016; C-6762/2014 vom 24. Sep-
tember 2015; C-1572/2013 vom 15. Juli 2013).
4.3.5.2 Die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel erfüllen die
beweisrechtlichen Anforderungen an den Nachweis für die behauptete ser-
bische Staatsangehörigkeit offensichtlich nicht, da es sich bei der Identi-
tätskarte nicht um einen biometrischen Pass handelt und der serbische
Pass mit dem Vermerk "Koordinaciona Uprava" versehen ist (vgl. Urteil des
BVGer C-4806/2014 vom 11. Mai 2015 E. 5.4.3.2). Da der Beschwerdefüh-
rer somit den ihm obliegenden Beweis der serbischen Staatsangehörigkeit
nicht erbringen konnte, fällt eine vorbehaltlose Weiteranwendung des
schweizerisch-jugoslawischen Sozialversicherungsabkommens ausser
Betracht (vgl. oben E. 4.3.3 in fine). Der Beschwerdeführer gilt im Zeitraum
vom 1. April 2010 bis 31. August 2019 als Angehöriger eines Nichtvertrags-
staates und war mangels Wohnsitzes in der Schweiz bezüglich der in der
C-1490/2019
Seite 18
Zeit vom 1. Februar 2014 bis 28. Februar 2015 ausgerichteten Altersrente
nicht anspruchsberechtigt (Art. 18 Abs. 2 AHVG). Wie sich aus der vorlie-
genden Beschwerde ergibt, hat der Beschwerdeführer auch selbst einge-
standen, dass der von ihm eingereichte serbische Pass den rechtspre-
chungsgemässen Anforderungen nicht genügt, und hat seine fehlende An-
spruchsberechtigung für eine Altersrente zumindest für den Zeitraum ab
März 2015 nicht mehr bestritten (vgl. BVGer-act. 1, S. 7 Ziff. 6). Damit hat
er gleichzeitig implizit eingestanden, dass auch für die vom 1. Februar
2014 bis 28. Februar 2015 ausgerichtete Altersrente kein Anspruch be-
stand, zumal er auch für diesen Zeitraum keinen rechtsgenügenden Nach-
weis der nach wie vor behaupteten serbischen Staatsangehörigkeit vorge-
legt hat.
4.3.6 Nach dem Gesagten bestand keine Rechtsgrundlage für die dem Be-
schwerdeführer mit Verfügung vom 15. Januar 2014 zugesprochene AHV-
Altersrente, weshalb sich die Rentenzusprache als zweifellos unrichtig im
Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG erweist. Die Vorinstanz durfte somit die Ver-
fügung vom 15. Januar 2014 in Wiedererwägung ziehen, zumal auch die
Voraussetzung der erheblichen Bedeutung der Korrektur bei Nichtbestand
des Anspruchs auf die periodische Leistung AHV-Rente ohne Weiteres be-
jaht wird (BGE 119 V 475 E. 1c mit weiteren Hinweisen). Aufgrund der feh-
lenden Rechtsgrundlage gelten die vom 1. Februar 2014 bis 28. Februar
2015 ausgerichteten AHV-Renten als unrechtmässig bezogene Leistun-
gen, womit gemäss Art. 25 Abs. 1 erster Satz ATSG grundsätzlich ein
Rückforderungsanspruch der Vorinstanz besteht.
4.3.7 Betreffend den Umfang der Rückforderung reduzierte die Vorinstanz
bzw. die IVSTA unter Berücksichtigung, dass die dem Beschwerdeführer
vormals ausgerichtete IV-Rente auch nach Erreichen des Rentenalters
durch die Besitzstandsgarantie (Art. 25 des schweizerisch-jugoslawischen
Sozialversicherungsabkommens, vgl. E. 4.3.5 hiervor) geschützt ist, den
Betrag der im Zeitraum vom 1. Februar 2014 bis 28. Februar 2015 unrecht-
mässig ausgerichteten Altersrente (insgesamt Fr. 14'492.-) auf den Betrag
der halben IV-Rente (insgesamt Fr. 7'247.-), womit ein zu Unrecht ausbe-
zahlter Betrag von insgesamt Fr. 7'245.- resultiert (vgl. act. 104). Im Ergeb-
nis erweist sich somit der von der Vorinstanz bzw. der IVSTA errechnete
Rückforderungsanspruch in der an sich unbestrittenen betraglichen Höhe
von Fr. 7'245.- als korrekt.
4.4 Der Beschwerdeführer macht jedoch geltend, der Rückforderungsan-
spruch der Vorinstanz in der Höhe von Fr. 7'245.- sei verwirkt.
C-1490/2019
Seite 19
4.4.1 Gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG erlischt der Rückforderungsanspruch
mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung da-
von Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren
nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25 Abs. 2 erster Satz
ATSG). Bei den genannten Fristen handelt es sich um Verwirkungsfristen
(BGE 142 V 20 E. 3.2.2; 140 V 521 E. 2.1 mit Hinweisen).
4.4.2 Unter der Wendung "nachdem die Versicherungseinrichtung davon
Kenntnis erhalten hat", ist der Zeitpunkt zu verstehen, in dem die Verwal-
tung bei Beachtung der gebotenen und zumutbaren Aufmerksamkeit hätte
erkennen müssen (oder erkannt hat), dass die Voraussetzungen für eine
Rückerstattung bestehen, oder mit anderen Worten, in welchem sich der
Versicherungsträger hätte Rechenschaft geben müssen über Grundsatz,
Ausmass und Adressat des Rückforderungsanspruchs (Urteil des BGer
9C_625/2019 vom 18. Mai 2020 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen).
4.4.3 Beruht die unrechtmässige Leistungsausrichtung auf einem Fehler
der Verwaltung, wird die einjährige relative Verwirkungsfrist gemäss Art. 25
Abs. 2 erster Satz ATSG nicht durch das erstmalige unrichtige Handeln der
Amtsstelle ausgelöst. Vielmehr ist auf jenen Tag abzustellen, an dem das
Durchführungsorgan später – beispielsweise anlässlich einer Rechnungs-
kontrolle oder aufgrund eines zusätzlichen Indizes – unter Anwendung der
ihm zumutbaren Aufmerksamkeit seinen Fehler hätte erkennen müssen –
oder erkannt hat (Urteile des BGer 9C_625/2019 vom 18. Mai 2020 E. 2.1;
8C_90/2018 vom 13. August 2018 E. 4.4, je mit weiteren Hinweisen).
Massgebend ist somit nicht der ursprüngliche Irrtum, sondern erst ein
"zweiter Anlass". Selbst wenn also der Versicherungsträger zum Zeitpunkt
der erstmaligen Leistungszusprache genügend Hinweise auf die Unrecht-
mässigkeit des Leistungsbezugs gehabt hätte, beginnt die relative Verwir-
kungsfrist zur Rückforderung trotzdem erst ab dem Zeitpunkt, in welchem
der Versicherungsträger bei einer Kontrolle zumutbarerweise den Fehler
hätte entdecken können (UELI KIESER, a.a.O., Art. 25 Rz. 85 mit Hinweis
auf die Urteile des BGer 8C_777/2011 vom 1. Mai 2012 E. 5.3 und
8C_90/2018 vom 13. August 2018 E. 4.5; vgl. auch JOHANNA DORMANN, in:
Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020,
N. 53 zu Art. 25 ATSG). Dieser Grundsatz, wonach nicht der ursprüngliche
Irrtum, sondern erst ein "zweiter Anlass" die relative einjährige Verwir-
kungsfrist auslöst, wurde vom Bundesgericht verschiedentlich bestätigt
(zuletzt mit Urteil 9C_625/2019 vom 18. Mai 2020). Ausnahmsweise keines
zweiten Anlasses im Sinne dieser Rechtsprechung bedarf es im Zusam-
menhang mit der Publizitätswirkung des Handelsregisters. Soweit für das
C-1490/2019
Seite 20
Erkennen der Unrechtmässigkeit der Leistungsausrichtung ein Handelsre-
gistereintrag massgebend ist, muss sich der Versicherungsträger die Pub-
lizitätswirkung des Handelsregisters und die Bekanntmachungen daraus
im Schweizerischen Handelsamtsblatt von Anfang an entgegenhalten las-
sen (vgl. BGE 122 V 270 E. 5b/aa; UELI KIESER, a.a.O., Art. 25 Rz. 87).
4.4.4 Umstritten ist vorliegend, ob die relative einjährige Frist zur Geltend-
machung des Rückforderungsanspruchs mit der am 1. September 2015
erlassenen Verfügung (vgl. BGE 119 V 431 E. 3c) eingehalten wurde oder
nicht. Dabei ist insbesondere streitig, wann die einjährige Frist zu laufen
begonnen hat. Unstreitig ist, dass die unrechtmässige Leistungsausrich-
tung auf einem Fehler der Vorinstanz beruht. Die Vorinstanz beruft sich
entsprechend auf den Grundsatz, wonach für den Fristbeginn nicht auf den
ursprünglichen Irrtum, sondern erst auf einen zweiten Anlass abgestellt
werde. Die Zusprache der Altersrente per 1. Februar 2014 sei erfolgt, weil
der zuständige Sachbearbeiter den Beschwerdeführer irrtümlicherweise
als Mazedonier statt als Kosovaren erfasst habe. Dieser Fehler sei dann
anlässlich einer durch den Erhalt des E-Mails des Beschwerdeführers vom
23. Februar 2015 durchgeführten zufälligen Überprüfung des Dossiers ent-
deckt worden. Die anschliessende Rückforderung am 1. September 2015
sei somit unter Einhaltung der einjährigen Frist erfolgt (vgl. BVGer-act. 18).
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass
die Behauptung der Vorinstanz, der zuständige Sachbearbeiter sei irrtüm-
lich von einer mazedonischen Staatsangehörigkeit ausgegangen, unzutref-
fend, weil aktenwidrig sei. So sei der Vorinstanz bzw. dem für die Renten-
ausrichtung zuständigen Beamten aufgrund der mit der Anmeldung auffor-
derungsgemäss eingereichten Bescheinigung der kosovarischen Staats-
angehörigkeit bekannt gewesen, dass er (der Beschwerdeführer) kosova-
rischer Abstammung sei. Zudem stehe im Schreiben vom 17. Juli 2015
nichts davon, dass der Sachbearbeiter irrtümlicherweise von einer angeb-
lich mazedonischen Staatsangehörigkeit ausgegangen sei. Somit liege der
Fehler der Vorinstanz nicht in einer falschen Feststellung des Sachverhalts.
Vielmehr habe die Vorinstanz bei der Rentenzusprache die damals gel-
tende Rechtslage, namentlich die vom Bundesrat im Dezember 2009 be-
schlossene Nichtanwendbarkeit des schweizerisch-jugoslawischen Sozial-
versicherungsabkommens auf kosovarische Staatsangehörige, nicht be-
achtet. Da es sich bei der Publikation der Aufhebung eines Gesetzes gleich
verhalte wie bei Bekanntmachungen im Handelsregister, bedürfe es vorlie-
gend keines zweiten Anlasses im Sinne der Rechtsprechung. Die
Vorinstanz habe sich die Nichtanwendbarkeit des schweizerisch-jugosla-
C-1490/2019
Seite 21
wischen Sozialversicherungsabkommens auf kosovarische Staatsangehö-
rige bei Erlass der Verfügung vom 15. Januar 2014 als bekannt entgegen
zu halten lassen, womit der am 1. September 2015 geltend gemachte
Rückforderungsanspruch längst verwirkt sei (vgl. BVGer-act. 24, S. 3 ff.
Ziff. 2 und 3).
4.5 Der Ansicht des Beschwerdeführers kann nicht gefolgt werden. Wie
sich nachweislich aus dem seitens der Vorinstanz ausgefüllten Formular
E 205 CH betreffend die schweizerischen Versicherungszeiten des Be-
schwerdeführers (act. 88, S. 1) sowie dem seitens der Vorinstanz erstellten
Berechnungsblatt zur Ermittlung des Altersrentenanspruchs (act. 87, S. 5)
ergibt, wurde der Beschwerdeführer vom zuständigen Sachbearbeiter tat-
sächlich irrtümlich als mazedonischer Staatsangehöriger erfasst. Die er-
wähnten Unterlagen stellten die Grundlage für die rentenzusprechende
Verfügung vom 15. Januar 2014 dar. Somit ist davon auszugehen, dass
die falsche Feststellung betreffend die Staatsangehörigkeit des Beschwer-
deführers zur fehlerhaften Zusprache der Altersrente geführt hat. Dagegen
spricht nicht, dass die Vorinstanz im Schreiben vom 17. Juli 2015 (noch)
keine konkreteren Angaben zu ihrem Fehler sowie dessen Entdeckung
machte (vgl. act. 103, S. 2 Ziff. 4). Dieses Schreiben erfolgte als Erklärung
auf die wiederholte Anfrage des Beschwerdeführers betreffend den Grund
der "Rentenkürzung" (act. 95, 96, 98) und bezieht sich dementsprechend
in erster Linie auf die Unrechtmässigkeit der ausgerichteten Altersrente,
welche sich – wie im Schreiben ausgeführt – mit der Nichtanwendbarkeit
des schweizerisch-jugoslawischen Sozialversicherungsabkommen auf ko-
sovarische Staatsangehörige begründet (vgl. act. 103). Nachdem der Be-
schwerdeführer in der gegen die Verfügung vom 1. September 2015 erho-
benen Beschwerde die Einrede der Verwirkung erhoben hatte, wurde in
der Vernehmlassung und Duplik zur Art des Fehlers sowie dessen Entde-
ckung einlässlich Stellung genommen und insbesondere festgehalten,
dass es sich bei der Annahme, der Beschwerdeführer sei mazedonischer
Staatsangehöriger, um einen offensichtlichen Irrtum des die Rentenbe-
rechnung und Erstellung des Formulars E 205 CH vornehmenden Sachbe-
arbeiters gehandelt habe. Aufgrund dieses Irrtums sei denn auch die Zu-
sprache der AHV-Rente erfolgt (vgl. act. 113, 121, S. 1 Ziff. 1 und 2; vgl.
auch E. 3.3 hiervor.). Somit beruht der Fehler der Vorinstanz mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit auf einer falschen Sachverhaltsfeststellung und
nicht – wie vom Beschwerdeführer behauptet – auf der Nichtbeachtung der
Nichtanwendbarkeit des schweizerisch-jugoslawischen Sozialversiche-
rungsabkommens auf kosovarische Staatsangehörige bei der Rentenzu-
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sprache. Insofern geht die entsprechende Begründung des Beschwerde-
führers fehl und es kann vorliegend offen bleiben, ob der Vorinstanz auf-
grund der Publikation des Beschlusses des Bundesrats vom Dezember
2009 bzw. der am 23. März 2010 in der Amtlichen Sammlung des Bundes-
rechts veröffentlichten Mitteilung, wonach die Anwendung des
schweizerisch-jugoslawischen Sozialversicherungsabkommens im Ver-
hältnis zu Kosovo mit Wirkung ab dem 1. April 2010 beendet werde (AS
2010 1230; vgl. E. 4.3.3), die entsprechende Kenntnis ausnahmsweise von
Anfang an entgegen zu halten gewesen wäre. Der Umstand, dass der
Vorinstanz im Zeitpunkt der Rentenzusprache genügend Hinweise für die
(ausschliesslich) kosovarische Staatsangehörigkeit des Beschwerdefüh-
rers vorlagen, insbesondere durch die mit der Anmeldung für eine Alters-
rente eingereichten Bescheinigung über die kosovarische Staatsangehö-
rigkeit des Ministeriums für Innere Angelegenheiten der Republik Kosovo
(act. 85, S. 7), ändert entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nichts
daran, dass rechtsprechungsgemäss ein zweiter Anlass gefordert wird (vgl.
Urteil des BGer 8C_90/2018 vom 13. August 2018 E. 4). Der Grund liegt
darin, dass ansonsten die auf einen Verwaltungsfehler zurückgehende
Rückforderung illusorisch wäre (vgl. BGE 110 V 304 E. 2b). Nach dem
Gesagten gilt vorliegend der Grundsatz, dass nicht der ursprüngliche
Irrtum, sondern erst ein zweiter Anlass die einjährige Verwirkungsfrist
auslöst. Dieser zweite Anlass besteht vorliegend darin, dass der
zuständige Sachbearbeiter der Vorinstanz nach Erhalt des E-Mails des
Beschwerdeführers vom 7. Mai 2015 das Dossier überprüfte und den
Fehler erkannte, wie sich aus seiner Aktennotiz vom 23. Mai 2015 ergibt
(vgl. act. 91). Hinweise darauf, dass die Vorinstanz bereits zu einem
früheren Zeitpunkt nach der Rentenzusprache den Fehler unter Beachtung
der gebotenen und zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen,
ergeben sich aus den Akten keine und werden vom Beschwerdeführer
auch nicht geltend gemacht. Folglich wurde die einjährige Verwirkungsfrist
am 23. Mai 2015 ausgelöst und mit der Eröffnung der Verfügung vom
1. September 2015, mit welcher der Rückforderungsanspruch geltend
gemacht wurde, gewahrt. Da auch die mit dem Bezug der ersten Leistung
einsetzende (vorliegend: 1. Februar 2014; vgl. UELI KIESER, a.a.O., Art. 25
Rz. 92) absolute fünfjährige Verwirkungsfrist mit der Verfügung vom
1. September 2015 unstreitig eingehalten wurde, ist der Rückforderungs-
anspruch der Vorinstanz nicht verwirkt.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Beschwerde als unbe-
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gründet erweist, weshalb sie abzuweisen ist. Es steht dem Beschwerde-
führer offen, die Vorinstanz um Erlass der rechtmässigen Rückforderung in
Höhe von Fr. 7'245.- zu ersuchen (vgl. Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG). Der
Erlass wird auf schriftliches Gesuch gewährt. Das Gesuch ist zu begrün-
den, mit den nötigen Belegen zu versehen und spätestens 30 Tage nach
Eintritt der Rechtskraft der Rückforderungsverfügung einzureichen (vgl.
Art. 4 Abs. 4 ATSV).
6.
6.1 Das Verfahren ist kostenlos (Art. 85bis Abs. 2 AHVG), weshalb keine
Verfahrenskosten zu erheben sind.
6.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art.
64 Abs. 1 VwVG). Der unterliegende Beschwerdeführer hat somit keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Als Bundesbehörde hat die obsie-
gende Vorinstanz jedoch keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7
Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.)
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