Decision ID: 79040021-ce0f-5d7e-9c6a-00014c91d8d2
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 10.02.2015 Höhe des Todesfallkapitals. Auslegung einer reglementarischen Bestimmung nach Vertrauensprinzip (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom10. Februar 2015, BV 2013/6).Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_200/2015.Präsident Joachim Huber, Versicherungsrichterinnen Miriam Lendfers und Marie Löhrer; Gerichtsschreiberin Della BatlinerEntscheid vom 10. Februar 2015in SachenA._,Kläger,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Peter Rösler, Aeplistrasse 7, Postfach,9008 St. Gallen,gegenVorsorgeeinrichtung der B._,Beklagte,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Marta Mozar, Seestrasse 6, Postfach 1544, 8027 Zürich,betreffendVersicherungsleistungen (Todesfallkapital C._ sel.)Sachverhalt:
A.
A.a C._ sel. (nachfolgend: Versicherte) war als Angestellte der B._ (Gruppenleiterin
und Stv. Teamleiterin) seit 1. Januar 1972 bei der Vorsorgeeinrichtung der B._
(nachfolgend: Vorsorgeeinrichtung) berufsvorsorgeversichert. Mit Erklärung vom
5. Februar 2004 hielt die ledige und kinderlose Versicherte fest, dass bei ihrem Ableben
ihr Bruder, A._ (nachfolgend: Kläger), den vollen Anspruch auf die gesamte
Todesfallsumme habe (act. G1.4).
A.b Mit Vorbescheid vom 4. Dezember 2008 und Verfügung vom 2. April 2009
(act. G1.6; Verfügung nicht bei den Akten, aber vgl. zum Datum act. G1.8) sprach die
IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten ab 1. März 2008 eine Dreiviertelsrente
zu. Ihre bisherige Tätigkeit könne sie noch im Pensum von 30% ausüben. In einer
leidensadaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%.
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A.c Mit Vertrag vom 8. April 2009 wurde die Versicherte bei der B._ mit einem
Jahressalär von Fr. 48'500.-- neu als Application Managerin Umsysteme in der
Abteilung IT & Organisation mit einem 50%-Pensum weiterbeschäftigt (act. G1.8).
A.d Mit Schreiben vom 9. Juni 2009 (act. G1.9) teilte die Vorsorgeeinrichtung der Ver
sicherten mit, ab 8. Juli 2009 habe sie Anspruch auf eine Invalidenrente von
Fr. 4'404.85 pro Monat. Per 8. Juli 2009 werde 75% ihres Altersguthabens im
Rentenplan, entsprechend Fr. 594'653.--, in die Rentenversicherung umgebucht. Sie
erhalte beiliegend einen neuen Versicherungsausweis, welcher ihre Situation für das
Restpensum als aktive Versicherte aufzeige.
A.e Mit Schreiben vom 10. Juni 2010 (act. G1.11) bestätigte die B._ die
bevorstehende vorzeitige Pensionierung der Versicherten per 30. November 2010.
A.f Am 26. August 2010 verstarb die Versicherte (act. G1.20 S. 2).
A.g Mit Schreiben vom 15. September 2010 (act. G1.13) orientierte die
Vorsorgeeinrichtung den Kläger darüber, dass er Anspruch auf die nachfolgenden
Todesfallleistungen habe:
Todesfallsumme aus dem Rentenplan Fr. 36'530.--
Todesfallkapital Fr. 193'180.25
Guthaben auf dem Bonuskonto Fr. 61'401.70
A.h Mit Schreiben vom 22. November 2010/16. Februar 2011 (act. G1.15) äusserte
sich der Kläger zu den zugesprochenen Todesfallleistungen und ersuchte um
Gleichbehandlung von gesunden und kranken Mitarbeitern. Am 19. April 2011
(act. G1.16) teilte der Stiftungsrat der Vorsorgeeinrichtung mit, die
Versicherungsleistungen seien dem Reglement entsprechend korrekt festgelegt
worden. Gewisse Formulierungen im Reglement könnten offensichtlich auch anders
interpretiert werden. Die notwendigen Korrekturen und Präzisierungen seien als
Pendenz für die nächste Reglementsrevision vorgemerkt. Weitere Schriftenwechsel in
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dieser Angelegenheit folgten, wobei beide Parteien an ihrem jeweiligen Standpunkt
festhielten (vgl. act. G1.17ff.; act. G5.6f.).
B.
B.a Am 20. April 2013 (act. G1) liess der Kläger durch Rechtsanwalt lic. iur. Peter
Rösler, St. Gallen, beantragen, die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger das auf
den 26. August 2010 berechnete Altersguthaben (aktiver und passiver Teil) der
Versicherten, mindestens aber Fr. 632'407.30 zuzüglich Zins seit dem 1. September
2010 zu bezahlen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er zudem, dass die Beklagte zu verpflichten
sei, die frankenmässige Entwicklung des aktiven und des passiven Teils des
Alterssparguthabens im Rentenplan der Versicherten vom Eintritt der Teilinvalidität bis
zum Todestag transparent aufzuzeigen. Zur Begründung liess er insbesondere
vorbringen, der passive Teil falle gemäss Vorsorgereglement der Beklagten nicht in die
kollektive Finanzierung der Invalidenleistungen im Sinne des reinen Beitragsprimats
und werde nicht zum Teil des sogenannten "Deckungskapitals". Die
Invalidenleistungen würden gemäss dem sogenannten Grundsatz des "Duoprimats"
unabhängig davon und versicherungsmässig finanziert. Die Invalidenrenten würden
abhängig vom versicherten Lohn ausgerichtet, dafür aber nicht lebenslänglich, sondern
nur bis zum ordentlichen Pensionierungsalter. Diese temporären Invalidenleistungen
würden separat finanziert und der passive Teil des Altersguthabens werde dafür nicht
angetastet. Dieser werde weder virtuell noch kollektiv, sondern konkret und individuell
weitergeführt. Das Todesfallkapital setze sich nach dem klaren Wortlaut von Art. 30
Abs. 2 und Art. 18 Abs. 2 des Vorsorgereglements aus allen im Basisplan für eine
bestimmte Person einbezahlten Mitteln zusammen, inklusive Zinsen. Art. 30 Abs. 2 des
Vorsorgereglements nehme keinen Bezug auf den Begriff des "Altersguthabens". Dies
beruhe auf dem bewussten Willen der Beklagten, bei den teilaktiven Versicherten
entsprechend dem "Duoprimat" das gesamte individuell angesparte Altersguthaben als
Todesfallkapital zu versichern. Die Berechnung des aktiven Teils des Altersguthabens
könne nicht stimmen. Die Entwicklung des in die Rentenversicherung umgebuchten,
passiven Teils des Altersguthabens bis zum Tod der Versicherten sei ebenfalls nicht
nachgewiesen. Allfällige Unklarheiten des Vorsorgereglements seien zu Lasten der
Vorsorgeeinrichtung auszulegen.
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B.b Mit Klageantwort vom 18. Juni 2013 (act. G5) liess die Beklagte durch
Rechtsanwältin lic. iur. Marta Mozar, Zürich, die vollumfängliche Abweisung der Klage
beantragen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, nach der
reglementarischen Regelung solle ein Anspruch auf ein Todesfallkapital nur beim Tod
eines aktiven Versicherten bestehen, nicht aber eines Invaliden oder
Alterspensionierten. Diese Unterscheidung sei begründet, da bei Alters- und
Invalidenrentnern die Wahrscheinlichkeit des Todes erheblich höher sei als bei aktiven
Versicherten. Eine Gleichbehandlung zwischen aktiven Versicherten und Rentnern
bezüglich der Hinterlassenenleistungen sei denn auch weder von Gesetzes wegen
verlangt, noch jemals von der Rechtsprechung stipuliert worden. Die sogenannte
individuelle Äquivalenz sei vom Eidgenössischen Versicherungsgericht abgelehnt und
es sei festgehalten worden, dass etwa die Beitragspflicht nicht entfalle, wenn die
Beitragszahlungen nicht mehr leistungsbildend seien. Aus Art. 18 Abs. 6 des
Reglements ergebe sich klar, dass eine vollinvalide Person keine aktive Versicherte im
Sinne des Reglements sei, während eine teilinvalide Person nur soweit als aktive
Versicherte gelte, als sie nicht invalidisiert und tatsächlich erwerbstätig sei. Die
Versicherte habe nur noch insoweit Beiträge geleistet, als sie noch aktiv gewesen sei,
also nur auf dem aktiven Teil ihrer Versicherung. Der passive Teil des Altersguthabens
werde nach Auslaufen der Lohn- bzw. Lohnersatzzahlung von der Vorsorgeeinrichtung
beitragsfrei weitergeäufnet. Mit allfälligen Todesfallleistungen habe die
Beitragsbefreiung nichts zu tun. Das Todesfallkapital sei keineswegs gleich
umschrieben wie das Altersguthaben. Eine explizite Regelung über die Höhe des
Todesfallkapitals beim Tod eines Teilinvaliden sei gar nicht nötig, da der Begriff "aktiver
Versicherte vor dem reglementarischen Pensionierungsalter" die invaliden Versicherten
klar ausschliesse. Der teilinvalide und der nicht teilinvalide Teilzeitbeschäftigte müssten
gleich behandelt werden. Die anwartschaftlichen Todesfallleistungen für den passiven
Teil würden sich nach den Regelungen für die invaliden Versicherten bemessen. Mit
dem Begriff des "aktiven Versicherten" sei von vornherein klargestellt, dass ein
Vorbezug nur auf demjenigen Teil des Altersguthabens möglich sei, der auf die aktive
Versicherung entfalle. Die verwendeten Begriffsbezeichnungen seien eindeutig und
selbst einem Laien verständlich. Selbst wenn der Kläger Anspruch auch auf ein
Todesfallkapital nach dem passiven Teil der Versicherung hätte, so wären von diesem
die Arbeitgeberbeiträge, die von der Vorsorgeeinrichtung geleisteten Beiträge sowie die
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geleisteten Rentenzahlungen abzuziehen. Als allfälliger Verzugszins komme bis 2011
2% und ab dem Jahr 2012 1.5% in Betracht.
B.c Mit Replik vom 23. Oktober 2013 (act. G13) vertrat der Rechtsvertreter des Klägers
den Standpunkt, die nachträglich verfasste interne Notiz sei kein Beweis, sondern
lediglich eine Parteibehauptung. Würden Freizügigkeitsleistungen voll angerechnet,
seien auch sämtliche Altersgutschriften voll anzurechnen, ob sie nun aus den Mitteln
des Arbeitnehmers, des Arbeitgebers oder von der Vorsorgeeinrichtung selber auf das
persönliche Altersguthaben des Versicherten einbezahlt worden seien. Die
Nichtberücksichtigung der Arbeitgeberbeiträge sei unzulässig. Dass die Beklagte von
der Todesfallsumme gar noch die ausbezahlten Invalidenrenten abziehen wolle, sei
völlig abwegig und würde sich weder auf das Vorsorgereglement stützen noch stimme
es mit den Finanzierungsgrundlagen der Beklagten überein. Wenn ein Versicherter sein
Pensum reduziere, werde ihm ein Teil des Alterssparguthabens als Austrittsleistung
mitgegeben. Vorliegend wolle die Beklagte gerade nicht das gesamte Sparguthaben
ausrichten.
B.d Mit Duplik vom 7. Februar 2014 (act. G21) hielt die Beklagte an ihrem
Rechtsstandpunkt fest. Die Aktennotiz vom 11. Juni 2013 zeige die Zahlen auf und
erläutere sie. Sie habe vollen Beweiswert. Der Verlauf des Altersguthabens könne aus
dem Auszug aus dem Versichertenkonto ab 1. Januar 2004 nachverfolgt werden und
dieser habe ebenfalls vollen Beweiswert. Der Kläger könne aus der individualisierten
und beitragsfreien Weiteräufnung des passiven Teils des Altersguthabens nichts zu
seinen Gunsten ableiten.
B.e Mit weiteren Eingaben vom 28. Mai 2014 (act. G31) und vom 14. Juli 2014
(act. G37) hielten die Parteien an ihren bisherigen Standpunkten fest.

Erwägungen:
1.
Unter den Parteien streitig ist die Höhe des Todesfallkapitals. Vorliegend besteht
Einigkeit darüber, dass der Kläger zum Kreis der reglementarisch vorgesehenen
Anspruchsberechtigten im Sinne des Art. 30 Abs. 3 lit. d des Reglements der
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Vorsorgeeinrichtung der B._ (gültig ab 1. Januar 2009, act. G1.3; nachfolgend:
Reglement) gehört und der einzige Begünstigte der Versicherten ist. Entsprechend hat
ihm die Beklagte bereits Fr. 193'180.25 unter diesem Titel ausbezahlt. Der Kläger rügt
die Berechnung des Todesfallkapitals und macht geltend, gemäss Art. 30 Abs. 2 des
Reglements stehe ihm ein höherer Betrag zu.
2.
2.1 Die Rechtsbeziehungen zwischen versichertem Arbeitnehmer und privater
Vorsorgeeinrichtung werden im Bereich der weitergehenden beruflichen Vorsorge
durch den Vorsorgevertrag geregelt. Auf diesen von der Lehre und Rechtsprechung
den Innominatverträgen sui generis zugeordneten Vertrag ist der Allgemeine Teil des
Obligationenrechts anwendbar (Art. 1-183 des Bundesgesetzes betreffend die
Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht;
OR, SR 220]). Reglement oder Statuten stellen den vorformulierten Inhalt des
Vorsorgevertrags dar, vergleichbar Allgemeinen Vertrags- oder
Versicherungsbedingungen, denen sich der Versicherte konkludent, durch Antritt des
Arbeitsverhältnisses und unwidersprochen gebliebene Entgegennahme von
Versicherungsausweis und Vorsorgereglement, unterzieht. Nach ständiger
Rechtsprechung hat die Auslegung der Vorsorgeverträge nach dem Vertrauensprinzip
zu erfolgen, wenn sich in Bezug auf eine statutarische oder reglementarische Vorschrift
kein übereinstimmender, allenfalls vom Wortlaut abweichender wirklicher Parteiwille
feststellen lässt. Es ist darauf abzustellen, wie die zur Streitigkeit Anlass gebende
Willenserklärung vom Empfänger in guten Treuen verstanden werden durfte und
musste. Dabei ist nicht auf den inneren Willen des Erklärenden abzustellen, sondern
auf den objektiven Sinn seines Erklärungsverhaltens. Der Erklärende hat gegen sich
gelten zu lassen, was ein vernünftiger und korrekter Mensch unter der Erklärung
verstehen durfte. Ausgehend vom Wortlaut und unter Berücksichtigung des
Zusammenhanges, in dem die streitige Bestimmung innerhalb der Statuten oder des
Reglements als Ganzes steht, ist der objektive Vertragswillen zu ermitteln, den die
Parteien mutmasslich gehabt haben. Dabei ist zu berücksichtigen, was sachgerecht ist,
weil nicht angenommen werden kann, dass sie eine unvernünftige Lösung gewollt
haben. Unklare, mehrdeutige oder ungewöhnliche Wendungen sind im Zweifel zu
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Lasten ihres Verfassers auszulegen (BGE 132 V 149 E. 5 und Urteil vom 15. Februar
2012, 9C_88/2011, E. 4.2 je mit Hinweisen).
2.2 Bei der Auslegung und Anwendung von statutarischen und reglementarischen
Bestimmungen im weitergehenden Vorsorgebereich ist zudem zu berücksichtigen,
dass die Vorsorgeeinrichtungen in der Ausgestaltung der Leistungen und deren
Finanzierung grundsätzlich autonom sind (Art. 49 des Bundesgesetzes über die
berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40]). Dabei
haben sie jedoch das Gebot der Rechtsgleichheit, das Willkürverbot und das
Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten. Die Rechte der Versicherten dürfen nur
soweit beschränkt werden, als dies für die sachgerechte Durchführung des
Vorsorgeverhältnisses erforderlich ist (BGE 134 V 223 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.3 Beim Todesfallkapital handelt es sich um Hinterlassenenleistungen der
weitergehenden beruflichen Vorsorge (Hans-Ulrich Stauffer, Berufliche Vorsorge,
2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013, N 850ff.). Art. 30 Abs. 2 des Reglements regelt das
Todesfallkapital wie folgt:
"Stirbt ein aktiver Versicherter vor dem reglementarischen Pensionierungsalter, ohne
dass ein Rentenanspruch gemäss Art. 27 (Ehegattenrente) entsteht, wird den
Anspruchsberechtigten gemäss Abs. 3 ein Todesfallkapital ausbezahlt, welches der
Summe der im Basisplan geleisteten persönlichen Altersgutschriften, Einkaufssummen
und/oder eingebrachten Austrittsleistungen, alles verzinst, entspricht."
3.
3.1 Aus dem Wortlaut des Art. 30 Abs. 2 des Reglements ergibt sich eindeutig, dass
bei Eintritt des Todes der versicherten Person nach dem reglementarischen
Pensionierungsalter kein Todesfallkapital ausbezahlt wird. Dieses Alter hatte die
Versicherte im Zeitpunkt ihres Ablebens unbestrittenermassen noch nicht erreicht.
3.2 Auch die weitere, negative Leistungsvoraussetzung - kein Anspruch auf
Ehegattenrente – war im Fall der ledigen Versicherten erfüllt.
3.3
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3.3.1 Die Auszahlung eines Todesfallkapitals wird dieser Reglementsbestimmung
zufolge auch noch davon abhängig gemacht, dass ein aktiver Versicherter verstirbt.
Was damit gemeint ist, geht aus Art. 18 Abs. 6 des Reglements hervor. Danach wird
bei Teilinvalidität das dem invaliden Teil entsprechende Altersguthaben wie für einen
vollinvaliden Versicherten und das dem aktiven Teil entsprechende Altersguthaben wie
für einen aktiven Versicherten weitergeführt. Daraus schlussfolgernd kann eine
vollinvalide versicherte Person nach Treu und Glauben nicht als aktiver Versicherter im
Sinne des Art. 30 Abs. 2 des Reglements gelten und ihr Tod keinen Anspruch auf ein
Todesfallkapital auslösen. Hingegen ist eine nicht invalide versicherte Person nach
dieser Reglementsbestimmung klarerweise als aktive Versicherte anzusehen.
3.3.2 Die Versicherte bezog von der Beklagten ab 8. Juli 2009 eine Dreiviertelsrente
(act. G1.9). In diesem Umfang bestand eine (Teil-)Invalidität. Drei Viertel (75%) ihres
Altersguthabens wurden in die Rentenversicherung umgebucht und die Versicherte galt
für diesen Teil nicht mehr als "aktiv" im Sinne des Art. 18 Abs. 6 des Reglements. Das
von der IV-Stelle festgelegte zumutbare Invalideneinkommen von Fr. 48'500.-- konnte
die Versicherte ab Rentenbeginn bzw. ab 8. Juli 2009 gemäss Vertrag vom 8. April
2009 in einer leidensadaptierten Tätigkeit von 50% effektiv erzielen (act. G1.6 und
G1.8). Dementsprechend wurde ihr mit Schreiben vom 9. Juni 2009 durch die Beklagte
mitgeteilt, der neue Versicherungsausweis zeige ihre Situation für das Restpensum als
aktive Versicherte auf (vgl. act. G1.9). Im Versicherungsausweis per 8. Juli 2009 sind
folgerichtig als Jahressalär Fr. 48'500.-- aufgeführt und nicht mehr – wie im
Versicherungsausweis per 31. März 2009 – Fr. 112'160.-- (act. G5.4, act. G1.5).
3.3.3 Aus Art. 18 Abs. 6 des Reglements, dem Schreiben vom 9. Juni 2009 und den
Vorsorgeausweisen durfte ein vernünftiger und korrekter Mensch unmissverständlich
verstehen, dass die Versicherte im Umfang des Restpensums aktiv zu versichern war.
Somit erfüllte die Versicherte auch diese Leistungsvoraussetzung.
3.4
3.4.1 Nach Art. 30 Abs. 2 des Reglements umfasst das Todesfallkapital die "Summe
der im Basisplan geleisteten persönlichen Altersgutschriften, Einkaufssummen und/
oder eingebrachten Austrittsleistungen, alles verzinst".
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3.4.2 Fundamentaler Grundgedanke des Vorsorgevertrags ist es, die versicherten
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor den wirtschaftlichen Folgen von Alter,
Invalidität und Tod zu schützen (Art. 1 Abs. 2 des Reglements). Im Fokus stehen die
Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen als Pensionierte, als Invalide und als
Verstorbene. In diesem letzten Fall liegt das Augenmerk auf den Hinterbliebenen. Die
Erfüllung des vertraglichen Vorsorgezwecks geschieht durch Massnahmen auf
kollektiver Basis nach den Grundsätzen der Angemessenheit, der Kollektivität, der
Gleichbehandlung, der Planmässigkeit und des Versicherungsprinzips (Art. 1 Abs. 1
und 3 BVG). Namentlich der Kollektivitäts- und Versicherungsgedanke leben von der
Solidarität und vom Risikoausgleich unter den Vorsorgenehmern. Allfällige Gewinne der
Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der Altersvorsorge werden zur Deckung der
Risikoversicherung Invalidität und zur Gewährleistung tiefer Prämien eingesetzt. Die
Konzeption der beruflichen Vorsorge ist stark darauf ausgerichtet, dass Mittel, die ihr
einmal gewidmet wurden, dem Vorsorgezweck erhalten bleiben. Der Anspruch auf ein
Todesfallkapital stellt eine spezielle überobligatorische Leistung dar, welche das
Versicherungs- und Kollektivitätsprinzip durchbricht. Wenn zudem – wie vorliegend –
ein Begünstigter anspruchsberechtigt ist, bei dem kein Versorgerschaden erkennbar
ist, verträgt sich dies nur schwer mit dem ganzen Konstrukt (vgl. zum
Versorgerschaden als tragender Gedanke für jeden Anspruch auf
Hinterlassenenleistungen: Urteil des Bundesgerichts vom 15. Februar 2012,
9C_88/2011, E. 6.4; BGE 137 V 373, E. 6.2). Das Vertrauen, das ein vernünftiger und
korrekter Mensch objektiviert betrachtet in eine Bestimmung des Vorsorgevertrags
entwickeln darf, kann nicht losgelöst von diesen konzeptionellen Grundlagen
entstehen.
3.4.3 In einem nicht publizierten Entscheid vom 25. März 2008 hielt das
Bundesgericht fest, der Bezug einer Teil-Altersrente schliesse den Anspruch auf
Zahlung eines anteilsmässigen (nach dem noch aktiven Altersguthaben bemessenen)
Todesfallkapitals nicht aus (9C_671/2007, E. 4.3.2). Zu dieser Schlussfolgerung kam
das Bundesgericht durch Lückenfüllung des Reglements einer Vorsorgeeinrichtung des
öffentlichen Rechts und bei Interpretation nach den Regeln der Gesetzesauslegung.
Vorliegend handelt es sich um eine private Vorsorgeeinrichtung, weshalb die
Auslegung der Reglementsbestimmungen nach dem Vertrauensprinzip zu erfolgen hat,
sofern sich kein übereinstimmender, allenfalls vom Wortlaut abweichender wirklicher
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Parteiwille feststellen lässt (vgl. E. 2.1). Im Schreiben vom 9. Juni 2009 (act. G1.9) wies
die Beklagte die Versicherte darauf hin, dass sie (nur) für das Restpensum als aktive
Versicherte gelte. Der Versicherungsausweis per 8. Juli 2009 (act. G5.4) zeigte der
Versicherten die neue Situation nach Aufteilung des Altersguthabens in einen aktiven
und passiven Teil auf. Wenn die Versicherte ihre Restarbeitsfähigkeit nicht im
bisherigen Betrieb verwertet hätte, würde der Kläger von der Beklagten überhaupt kein
Todesfallkapital beanspruchen können. Umgekehrt hätte sich das Todesfallkapital einer
neu mit einem Teilpensum eintretenden, bei der Beklagten versicherten Person bei
sonst gleichen Verhältnissen ebenfalls nicht nach ihrem vorherigen Vollpensum,
sondern dem aktiven (Rest-)Pensum bemessen. In guten Treuen und mit Blick auf den
Versicherungs- und Kollektivitätsgedanken der beruflichen Vorsorge musste die
Versicherte davon ausgehen, dass sich die in Art. 30 Abs. 2 des Reglements erwähnte
"Summe" nur auf den aktiven Teil ihres Altersguthabens beziehen konnte und sie einzig
den Anspruch auf ein entsprechend gekürztes Todesfallkapital auszulösen vermochte.
Für die Ausrichtung eines ungekürzten Todesfallkapitals im Rahmen einer objektivierten
Auslegung nach dem Vertrauensprinzip müsste eine klare reglementarische Grundlage
vorhanden sein (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 15. Februar 2012,
9C_88/2011, E. 6.4). Eine solche ist mit der Formulierung in Art. 30 Abs. 2 des
Reglements nicht gegeben.
3.5 Zur Berechnung des Todesfallkapitals ist noch anzumerken, dass der gewählte
Wortlaut "geleisteten persönlichen Altersgutschriften" die Altersgutschriften des
Arbeitgebers aus dem Leistungsumfang ausnimmt und einzig die Arbeitnehmerbeiträge
umfasst. Gemäss Art. 16.4 ihres alten Vorsorgereglements (gültig ab 1. Januar 2004;
act. G21.2) wurden von der Beklagten bereits ausgerichtete Leistungen vom Anspruch
auf ein Todesfallkapital in Abzug gebracht. Im vorliegend anwendbaren Reglement fehlt
eine entsprechende Bestimmung, weshalb die Beklagte die bereits ausgerichteten
Invalidenrentenleistungen nicht abziehen kann. Mit Ausrichtung des Todesfallkapitals
von Fr. 193'180.25 hat die Beklagte ihre reglementarische Leistungspflicht abgegolten
(vgl. auch act. G5.8).
4.
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4.1 Nach dem Gesagten ist die Klage abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Eine Parteientschädigung ist aufgrund des
vollumfänglichen Unterliegens des Klägers nicht zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht