Decision ID: 6a7f40dc-7c5a-4628-a0c7-9960aed216de
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Mit Entscheid vom 25. Juli 2022 erkannte das Präsidium des Bezirksge-
richts Kulm Folgendes:
"1. Die mit superprovisorischer Verfügung des Präsidiums des Zivilgerichts Kulm vom 11. Juli 2022 angeordnete Vormerkung der vorläufigen  eines Bauhandwerkerpfandrechtes gemäss Art. 839 ZGB und Art. 961 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB i. V. m. Abs. 2 und 3 ZGB auf dem Grundstück der Gesuchsgegner [...] wird bestätigt.
2. Der Gesuchstellerin wird eine Frist von drei Monaten ab Rechtskraft  Entscheides angesetzt, um gegen die Gesuchsgeger eine Klage auf definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts einzureichen.
Die Gesuchstellerin wird darauf hingewiesen, dass die Klagefrist während der Gerichtsferien nicht stillsteht.
Wird diese Frist nicht genutzt, so wird die vorläufige Eintragung im  gelöscht.
3. Über die Tragung der Entscheidgebühr von Fr. 1'300.00 und über die  der Parteikosten wird im Prozess betreffend definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts oder in einem separaten Kostenentscheid befunden."
Dieser Entscheid ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
2.
Das Präsidium des Bezirksgerichts Kulm erliess am 22. November 2022
folgenden Entscheid:
"1. Das Grundbuchamt Q. wird angewiesen, die mit Entscheid des Präsidiums des Zivilgerichts Kulm vom 25. Juli 2022 angeordnete Vormerkung der  Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts auf dem  der Gesuchsgegner, [...], mit einer Pfandsumme von Fr. 31'681.39 nebst Zins zu 5% seit 15. März 2022 zu löschen.
2. Die Gerichtskosten gemäss Entscheid des Präsidiums des Zivilgerichts Kulm vom 25. Juli 2022 von Fr. 1'300.00 sowie die Gerichtskosten für den vorliegenden Entscheid von Fr. 350.00 (inkl. Kosten der Löschung von Fr. 40.00), total Fr. 1'650.00, werden der Gesuchstellerin auferlegt.
Sie werden mit dem Kostenvorschuss der Gesuchstellerin von Fr. 1'300.00 verrechnet, sodass die Gesuchstellerin der Gerichtskasse Kulm noch Fr. 350.00 zu bezahlen hat.
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3. Eine Parteientschädigung ist nicht geschuldet."
3.
3.1.
Gegen den Entscheid vom 22. November 2022 erhob die Klägerin fristge-
recht am 5. Dezember 2022 beim Obergericht des Kantons Aargau Beru-
fung mit folgenden Anträgen:
"1. Es sei der Entscheid vom 22. November 2022 im Verfahren SZ.2022.50 aufzuheben,
insbesondere sei Ziffer 1 des Entscheids vom 22. November 2022 im  SZ.2022.50 aufzuheben,
d.h. dass das Grundbuchamt Q. nicht angewiesen wird, die mit Entscheid des Präsidiums des Zivilgerichts Kulm vom 25. Juli 2022 angeordnete  der vorläufigen Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts auf dem Grundstück der Gesuchsgegner, [...], mit einer Pfandsumme von Fr. 31'681.39 nebst Zins zu 5 % seit 15. März 2022 zu löschen.
und es seien Ziffer 2 und 3 des Entscheids vom 22. November 2022 im Verfahren SZ.2022.50 aufzuheben;
die mit Entscheid des Präsidiums des Zivilgerichts Kulm vom 25. Juli 2022 beschlossene Ziffer 3
3. Über die Tragung der Entscheidgebühr von Fr. 1'300.00 und über die Verlegung der  wird im Prozess betreffend definitive Eintragung des  oder in einem separaten Kostenentscheid befunden.
hat damit wieder Geltung.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zu Lasten des Staates."
3.2.
Die Vorinstanz erstattete am 8. Dezember 2022, vorab per Mail, eine Stel-
lungnahme.
3.3.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2022 (Eingangsdatum) erstatteten die Be-
klagten die Berufungsantwort.
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Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Streit ist vermögensrechtlicher Natur. Der Streitwert über-
steigt den Betrag von Fr. 10'000.00, so dass als Rechtsmittel gegen den
angefochtenen Entscheid die Berufung gegeben ist (Art. 308 Abs. 1 lit. b
ZPO; Art. 308 Abs. 2 ZPO).
Mit der Berufung können die unrichtige Rechtsanwendung und die unrich-
tige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310
ZPO). Neue Tatsachen und Beweismittel können nur noch berücksichtigt
werden, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und sie trotz zumutba-
rer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten
(Art. 317 Abs. 1 ZPO). Das Obergericht kann aufgrund der Akten entschei-
den (Art. 316 Abs. 1 ZPO).
2.
2.1.
Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, dass innert Frist
beim Präsidium des Bezirksgerichts Kulm weder Klage auf definitive Ein-
tragung des Bauhandwerkerpfandrechts der Klägerin eingegangen noch
mitgeteilt worden sei, dass rechtzeitig andernorts Klage erhoben worden
sei. Demzufolge sei das Grundbuchamt Q. anzuweisen, das auf dem
Grundstück der Beklagten zugunsten der Klägerin vorläufig eingetragene
Bauhandwerkerpfandrecht zu löschen.
2.2.
Mit Berufung bringt die Klägerin vor, es sei nicht korrekt und werde bestrit-
ten, dass innert Frist weder Klage auf definitive Eintragung eines Bauhand-
werkerpfandrechts eingegangen noch mitgeteilt worden sei, dass rechtzei-
tig andernorts Klage erhoben worden sei. Das Präsidium des Zivilgerichts
des Bezirksgerichts Kulm habe am 3. November 2022 bestätigt, dass die
Klage um definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts eingegan-
gen sei und habe die Parteien über das weitere Verfahren informiert.
2.3.
In der Stellungnahme vom 8. Dezember 2022 führte die Präsidentin des
Bezirksgerichts Kulm aus, gemäss Sendungsverfolgungsnummer [...] habe
die Klägerin am Montag, 31. Oktober 2022, eine Klage beim Präsidium des
Zivilgerichts Kulm eingereicht und die definitive Eintragung des Bauhand-
werkerpfandrechts beantragt. In der Folge sei ein entsprechendes Verfah-
ren unter der Verfahrensnummer VZ.2022.17 eröffnet worden, bei welchem
derzeit die Frist zur Klageantwort laufe. Trotz rechtshängiger Klage auf de-
finitive Eintragung sei mit Entscheid vom 22. November 2022 im Verfahren
SZ.2022.50 das Grundbuchamt Q. angewiesen worden, die angeordnete
Vormerkung der vorläufigen Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts zu
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löschen. Dies in der Annahme, dass innert Frist keine Klage betreffend de-
finitive Eintragung des Pfandrechts anhängig gemacht worden sei.
2.4.
Die Beklagten stellten mit Berufungsantwort keine Anträge in der Sache.
Da der Fehler bei der Vorinstanz entstanden sei, sei auf eine Kostenauflage
zu ihren Lasten aber zu verzichten.
3.
Mit Entscheid des Präsidiums des Bezirksgerichts Kulm vom 25. Juli 2022
wurde der Klägerin eine Frist von drei Monaten ab Rechtskraft jenes Ent-
scheids angesetzt, um gegen die Beklagte eine Klage auf definitive Eintra-
gung des Bauhandwerkerpfandrechts einzureichen. Dieser Entscheid
wurde der Klägerin gemäss Sendungsverfolgung der Post am 28. Juli 2022
zugestellt. Die Frist zur Einreichung der Klage auf definitive Eintragung des
Bauhandwerkerpfandrechts begann damit am 9. August 2022 (Ablauf der
Rechtsmittelfrist am 8. August 2022 [Art. 142 Abs. 3 ZPO]) zu laufen und
endete am 9. November 2022 (Art. 142 Abs. 2 ZPO). Ausweislich der Akten
(vgl. Berufungsbeilagen 6-8) hat die Klägerin am 31. Oktober 2022 beim
Bezirksgericht Kulm die definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfand-
rechts beantragt. Die Klage wurde damit fristgerecht eingereicht, weshalb
die vorläufige Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts aufrecht zu er-
halten ist.
Damit erweist sich die Berufung als begründet und ist gutzuheissen. Der
Entscheid des Präsidiums des Bezirksgerichts Kulm vom 22. November
2022 ist ersatzlos aufzuheben.
4.
4.1.
Bei diesem Verfahrensausgang und da auch die Beklagten nicht die Ab-
weisung der Berufung verlangt und sich insofern nicht mit dem angefoch-
tenen Entscheid identifiziert haben, sind angesichts des von der Vorinstanz
ohne Zutun der Parteien verursachten Fehlers keine Gerichtskosten zu er-
heben (Art. 107 Abs. 2 ZPO) und ist der Klägerin gestützt auf Art. 108 ZPO
zulasten der Gerichtskasse des Bezirksgerichts Kulm eine Entschädigung
(inkl. Auslagen) zuzusprechen.
4.2.
4.2.1.
Die Klägerin verlangt eine Entschädigung von Fr. 3'330.00 exkl. Mehrwert-
steuer. Sie begründet dies damit, dass ihr durch den Entscheid vom 22. No-
vember 2022 ein erheblicher Mehraufwand entstanden sei. So habe sie in
der schon sehr ausgelasteten Vorweihnachtszeit die ungeplante Berufung
übers Wochenende schreiben müssen. Derartige Aufwände seien zu ent-
schädigen.
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4.2.2.
Der Klägerin ist darin zuzustimmen, dass sie für dieses Verfahren eine Par-
teientschädigung beanspruchen kann (vgl. E.4.1. hiervor). Diese richtet
sich nach dem Dekret über die Entschädigung der Anwälte (Anwaltstarif;
SAR 291.150). Grundlage hierfür bildet, nachdem es sich um eine vermö-
gensrechtliche Streitigkeit handelt, der Streitwert.
Beim Streitwert von Fr. 31'681.39 beträgt die Grundentschädigung gemäss
§ 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 4 AnwT Fr. 6'391.75, die alsdann in Anwendung von
§ 3 Abs. 2 AnwT (summarisches Verfahren) auf 25 %, d.h. auf Fr. 1'597.95,
zu reduzieren ist. Der Sachverhalt liess sich einfach feststellen und auch
die rechtliche Würdigung stellte keinerlei Schwierigkeiten dar. Die Reduk-
tion der Grundentschädigung auf 25 % ist daher gerechtfertigt. Dass der
Vertreter der Klägerin die Berufung übers Wochenende hat verfassen müs-
sen ändert an dieser Beurteilung nichts, zumal die Rechtsmittelfrist zehn
Tage betrug, somit weit überwiegend auf Arbeitstage fiel und im Übrigen
auch nicht geplante Eingaben zum Anwaltsberuf gehören.
Unter Berücksichtigung eines Abzugs von 20% wegen der fehlenden Ver-
handlung (§ 6 Abs. 2 AnwT) und einer Auslagenpauschale von Fr. 50.00 ist
die Parteientschädigung schliesslich auf gerundet Fr. 1'330.00 festzuset-
zen. Eine der Mehrwertsteuerpflicht unterstehende Partei kann die ihrem
Rechtsvertreter bezahlte Mehrwertsteuer als Vorsteuer von ihrer eigenen
Mehrwertsteuerrechnung in Abzug bringen (Art. 28 MWSTG). Folglich ist
sie durch die von der Rechtsvertretung in Rechnung gestellte Mehrwert-
steuer nicht belastet (vgl. AGVE 2011, S. 465 f.). Entsprechend ist der Klä-
gerin eine Parteientschädigung ohne Mehrwertsteuer zuzusprechen.
4.2.3.
Die Beklagten beantragen keine Parteientschädigung, sodass sich die Prü-
fung eines allfälligen Anspruchs erübrigt.