Decision ID: 1be1ca83-8b41-431f-8dcd-4d3061d65cd6
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Fritz J. Becker, Küng Rechtsanwälte, Poststrasse 13,
6300 Zug,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, Jahrgang 1976 und ledig, reiste am 6. Januar 1999 aus B._ in die
Schweiz ein. Ab September 2002 wurde der Versicherte von Dr. med. C._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, wegen posttraumatischer Belastungsstörung sowie
Wesensveränderung mit posttraumatischer Epilepsie behandelt (IV-act. 42-57 f.). Am
18. August 2008 meldete er sich zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
(IV) an (IV-act. 1-1 ff.),
A.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde durch die MEDAS Ostschweiz am 3. März 2009 ein
Gutachten erstellt (IV-act. 28-1 ff.), welches dem Versicherten aus psychiatrischer und
neurologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestierte. Die Ärzte führten aus,
dass der Versicherte im Januar 1999 sowohl mit einem sicher dokumentierten
Hirnschaden als auch mit der aktenanamnestisch dokumentierten Epilepsie eingereist
sei. Aus psychiatrischer Sicht dürfte bei der Einreise in die Schweiz im Januar 1999
bereits eine Teilarbeitsunfähigkeit bestanden haben. Ob diese damals schon 50 %
betragen habe, sei im Nachhinein nicht mehr zu eruieren, da der Versicherte eine
Verdeutlichungstendenz aufweise wegen des sprachlichen Unvermögens und der
chronifizierten Opferhaltung. Aufgrund der Aktenlage und der Angaben des
Versicherten lasse sich eine weitgehende Arbeitsunfähigkeit bei Einreise weder belegen
noch widerlegen. Eine nachträglich konstruierte quantitative Angabe wäre willkürlich,
aus naturwissenschaftlich-medizinischer Sicht unseriös (IV-act. 28-15 f.).
A.c In einer internen Stellungnahme vom 21. Dezember 2009 wurde vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz im Wesentlichen ausgeführt, dass von
1999 bis 2000 nirgends Angaben zu einer Arbeitsunfähigkeit dokumentiert seien.
Aufgrund der jetzt zusätzlich vorliegenden medizinischen Daten mit erster
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hausärztlicher Behandlung rund 2 1⁄2 Monate nach Einreise in die Schweiz am 6. Januar
1999 ergäben sich keine somatischen bzw. psychiatrischen Hinweise, die mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits zum Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz
eine medizinisch ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit begründen würden (IV-act. 50-1 f.).
A.d Mit Vorbescheid vom 18. Mai 2010 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsgesuchs in Aussicht (IV-act. 54-1 f.).
A.e Am 12. Juli 2010 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid. Ihre Abklärungen
hätten ergeben, dass die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit spätestens seit dem 19.
September 2002 bestehe. Das geforderte Wartejahr und somit der Eintritt der Invalidität
sei der 19. September 2003. Aus den Unterlagen gehe hervor, dass bis zum Eintritt des
Versicherungsfalls keine Beiträge entrichtet worden seien und diese auch nicht
rückwirkend entrichtet werden könnten (IV-act. 57-1 f.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Rechtsvertreter am 6. August 2010
erhobene Beschwerde, in der beantragt wird, die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente und sonstige IV-Leistungen zu
bewilligen. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, gemäss Urteil der
Schweizer Asylkommission vom 18. Oktober 2006 sei der Beschwerdeführer als
Asylbewerber anerkannt und das Bundesamt für Migration (BFM) angewiesen worden,
ihn vorläufig aufzunehmen. Im Juli 2010 habe der Beschwerdeführer beim zuständigen
Ausländeramt ein Gesuch um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung
gestellt; das Gesuch sei noch anhängig. Da der Beschwerdeführer kein anerkannter
Flüchtling, sondern "nur" ein vorläufig aufgenommener Asylbewerber sei, würden für
ihn nicht die Bestimmungen der IV für Flüchtlinge und Staatenlose, sondern besondere
Regelungen gelten. Der Beschwerdeführer sei im Krieg am 1. August 1992 bei einem
Granatenbeschuss durch eine Granate schwer verletzt worden. Er habe sich eine
Kopfverletzung und diverse Körperverletzungen zugezogen. In der Folge habe er über
Depressionen, Ängste, innere Spannungszustände und Kopfschmerzen geklagt. Die
durch das Ereignis vom 1. August 1992 eingetretenen Beeinträchtigungen bestünden
über die Jahre weiter fort (act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Januar 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, das
MEDAS-Gutachten habe bestätigen können, dass aus psychiatrischer Sicht bereits bei
der Einreise in die Schweiz im Januar 1999 eine Teilarbeitsunfähigkeit bestanden
haben dürfte. Das Gutachten habe jedoch nicht angeben können, welchen Umfang
diese damals gehabt habe. Aktenmässig genügend dokumentiert sei diese erst mit
Behandlungsbeginn durch Dr. C._ am 19. September 2002 gewesen. Auch die
Konsultation von umfangreichen weiteren medizinischen Unterlagen aus der Zeit ab
März 1999 bis 2003 habe keine anderen Erkenntnisse gebracht. Demnach sei nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass bereits zum Zeitpunkt der Einreise in
die Schweiz eine medizinisch ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit begründet gewesen sei.
Der Versicherungsfall sei somit spätestens am 19. September 2003 eingetreten.
Gemäss IK-Auszug habe der Beschwerdeführer bis August 2008 nie Beiträge bezahlt.
In Art. 14 Abs. 2 AHVG sei festgehalten, dass die AHV-Beiträge von Asylsuchenden,
vorläufig Aufgenommenen und Schutzbedürftigen ohne Aufenthaltsbewilligung, die
keine Erwerbstätigkeit ausüben, erst dann festzusetzen und unter Vorbehalt von Art. 16
Abs. 1 AHVG zu entrichten seien, wenn diese Personen als Flüchtlinge anerkannt
worden seien, ihnen eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werde oder aufgrund des Alters,
des Todes oder der Invalidität dieser Personen ein Leistungsanspruch im Sinne dieses
Gesetzes oder des IVG entstehe. Für sozialhilfeunterstützte Personen werde der
jährliche AHV/IV/EO-Mindestbeitrag erst dann bezahlt, wenn der Eintritt eines
Versicherungsfalls gegeben sei. Trete der Versicherungsfall ein, habe die
Wohnsitzgemeinde die Pflicht, bei sozialhilfeunterstützten Nichterwerbstätigen die
AHV-Mindestbeiträge rückwirkend an die AHV-Zweigstelle zu überweisen. Beiträge
könnten aber nur innerhalb von fünf Jahren seit Ablauf des Kalenderjahres, für welches
sie geschuldet seien, nachbezahlt werden. Für die Jahre 2006 bis 2010 wäre es
rückwirkend möglich, die Beiträge nachzuzahlen; eine weitere Rückwirkung sei gemäss
Art. 16 Abs. 1 AHVG ausgeschlossen. Bei Eintritt des Versicherungsfalles spätestens
2003 könne der Beschwerdeführer das Erfordernis, mindestens während eines Jahres
Beiträge geleistet zu haben, nicht erfüllen, weshalb er keinen Rentenanspruch erwirken
könne (act. G 9).
B.c Aufgrund unbenützten Fristablaufs hat der Beschwerdeführer auf die Einreichung
einer Replik verzichtet (act. G 11).
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Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist in erster Linie, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint
hat. Ergäbe sich, dass ein Rentenanspruch grundsätzlich im Raum stände, wäre zu
prüfen, ob die Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen zuverlässig geprüft
wurden.
2.
Am 1. Januar 2008 und 1. Januar 2012 sind mit der 5. IVG-Revision sowie im Zug des
ersten Teils der 6. Revision verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Der Beschwerdeführer ist
unbestrittenermassen mindestens seit September 2002 in erheblichem Ausmass in
seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (vgl. IV-act. 42-57 f., 28-9, 28-15 f., 50-1 f.). Der
Eintritt des Versicherungsfalls ist somit unter Berücksichtigung des Wartejahrs gemäss
Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der bis Ende 2003 gültig gewesenen Fassung) auf
spätestens 1. September 2003 festzusetzen. Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich
diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen
führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; Urteil 8C_589/2007
vom 14. April 2008, E. 3; vgl. auch das IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember
2007), sind vorliegend die vor Inkrafttreten der 4. IV-Revision bis zum 31. Dezember
2003 gültig gewesenen materiellen Bestimmungen anzuwenden.
3.
3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 IVG haben schweizerische und ausländische
Staatsangehörige sowie Staatenlose Anspruch auf Leistungen gemäss den
nachstehenden Bestimmungen. Abs. 2 bezeichnet ausländische Staatsangehörige –
vorbehältlich Art. 9 Abs. 3 IVG – nur als anspruchsberechtigt, solange sie ihren
Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt
der Invalidität während mindestens eines Jahres Beiträge geleistet oder sich
ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. Betreffend
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Renten legt Art. 36 Abs. 1 IVG in der vorliegend massgebenden Fassung fest, dass der
Anspruch auf eine ordentliche Rente besteht, wenn bei Eintritt der Invalidität während
mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet wurden.
3.2 Flüchtlinge mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz haben
gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesbeschlusses über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
und Staatenlosen in der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (FlüB;
SR 831.131.11) unter den gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürger Anspruch
auf ordentliche Renten der Invalidenversicherung. Das Jahr Mindestbeitragszeit gilt
folglich für Flüchtlinge und Staatenlose ebenso wie für sonstige Ausländer und für
Schweizer.
3.3 Gemäss Ziff. 5 des Merkblatts 1.01 "Auszug aus dem individuellen Konto (IK)",
herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV in Zusammenarbeit mit dem
Bundesamt für Sozialversicherungen, Stand am 1. Juli 2008, sind Einkommen des
laufenden Jahres erst auf dem Konto-Auszug des folgenden Jahres vermerkt. Es ist
folglich davon auszugehen, dass der sich in den Akten befindende IK-Auszug vom
22. August 2008 (IV-act. 10-1) nur allfällige Beiträge bis und mit 2007 erfasst. In diesem
IK-Auszug finden sich jedoch keine Einträge. Daher ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer während seiner Aufenthaltsdauer in der Schweiz zumindest bis Ende
2007 weder Beiträge aus Erwerbseinkommen noch Nichterwerbstätigenbeiträge
leistete. Der Beschwerdeführer muss das Mindestbeitragsjahr erfüllen ungeachtet
dessen, ob er nun als Flüchtling im Sinn des FlüB zu qualifizieren ist oder nicht. Weitere
Ausführungen zur Qualifikation erübrigen sich folglich.
4.
4.1 Art. 2 IVG verweist betreffend Beitragspflicht unter anderem auf Art. 3 des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10).
Dieser bezeichnet Versicherte als beitragspflichtig, sobald sie eine Erwerbstätigkeit
ausüben. Für Nichterwerbstätige beginnt die Beitragspflicht am 1. Januar nach
Vollendung des 20. Altersjahres und dauert bis zum Ende des Monats, in dem Frauen
das 64. und Männer das 65. Altersjahr vollendet haben (Abs. 1).
http://www.admin.ch/ch/d/sr/831_131_11/index.html http://www.admin.ch/ch/d/sr/831_131_11/index.html http://www.admin.ch/ch/d/sr/831_131_11/index.html
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4.2 Da der Beschwerdeführer zumindest bis Ende 2007 weder als Erwerbstätiger
noch als Nichterwerbstätiger während zwölf Monaten Beiträge bezahlte, erfüllt er die
Mindestbeitragsdauer gemäss Art. 36 IVG für den Rentenbezug nicht. Werden Beiträge
nicht innert fünf Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, für welches sie geschuldet
sind, durch Verfügung geltend gemacht, so können sie gemäss Art. 16 Abs. 1 AHVG
nicht mehr eingefordert oder entrichtet werden (Verwirkungsfrist). Vorliegend ist es also
nicht möglich, die Beiträge ab 1999 bis zum Eintritt des Versicherungsfalls spätestens
im September 2003 nachzubezahlen. Der Beschwerdeführer weist demnach nicht zwölf
Beitragsmonate auf. Somit erfüllt der Beschwerdeführer die versicherungsmässigen
Voraussetzungen für den Rentenbezug nicht.
4.3 Offen bleiben kann, wie vorzugehen wäre, wenn Art. 14 Abs. 2 AHVG bei
Einreise des Versicherten in die Schweiz bzw. bei seiner vorläufigen Aufnahme bereits
in Kraft gestanden hätte. Diese Bestimmung sieht u.a. für vorläufig Aufgenommene
ohne Erwerbstätigkeit vor, dass die AHV- (und IV-)Beiträge erst (rückwirkend)
festgesetzt werden, wenn u.a. aufgrund von Invalidität ein Leistungsanspruch im Sinn
des IVG entsteht (lit. c); die Verwirkungsfrist des Art. 16 Abs. 1 AHVG bleibt
vorbehalten. Diese Bestimmung wurde im Rahmen der per 2007 in Kraft getretenen
Revision des Asylgesetzes ins AHVG eingeführt. Der Grund dieser Norm ist gemäss
Botschaft vom 4. September 2002 (BBl 2002 6845 ff; 6923) verwaltungstechnischer
Natur: Solange das dauernde Bleiberecht nicht feststeht, soll der Aufwand der
Beitragserhebung und – bei späterer Ausreise – der Rückerstattung der Beiträge
vermieden werden. Es ging aber nicht darum, vorläufig Aufgenommene vom
Versicherungsschutz an sich auszunehmen. Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob Art.
14 Abs. 2 AHVG nicht insofern eine ausfüllungsbedürftige Lücke aufweist, als die
Verwirkungsfrist des Art. 16 Abs. 1 AHVG auf Fälle wie den vorliegenden, in denen der
Entscheid über das Bleiberecht über fünf Jahre dauert, nicht anwendbar ist. Diese
Frage kann jedoch offen bleiben, da der Beschwerdeführer bereits 1999 und damit vor
der Gesetzesnovelle im AHVG in die Schweiz einreiste. Weshalb er seine Beiträge nicht
bezahlte (bzw. kein Herabsetzungs- oder Erlassgesuch im Sinn von Art. 11 AHVG
i.V.m. Art. 31 und 32 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
[AHVV; SR 831.101] gestellt wurde), ist nicht aktenkundig, wegen des Verstreichens der
Verwirkungsfrist zur Nachzahlung gemäss Art. 16 Abs. 1 AHVG aber auch nicht von
Relevanz.
bis
bis
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5.
5.1 Nach Art. 39 Abs. 1 IVG richtet sich der Anspruch von Schweizer Bürgern auf
ausserordentliche Renten nach den Bestimmungen des AHVG (Art. 42-43 AHVG).
Flüchtlinge mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz haben nach
Art. 1 Abs. 2 FlüB unter den gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürger Anspruch
auf ausserordentliche Renten der Invalidenversicherung, wenn sie sich unmittelbar vor
dem Zeitpunkt, von welchem an die Rente verlangt wird, ununterbrochen fünf Jahre in
der Schweiz aufgehalten haben. Der Anspruch auf ausserordentliche Rente setzt unter
anderem auch voraus, dass der Rentenansprecher während der gleichen Zahl von
Jahren versichert war wie sein Jahrgang (Art. 42 Abs. 1 AHVG). Diese Voraussetzung
ist erfüllt, wenn eine Person vom 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres bis
zum Eintritt des Versicherungsfalls lückenlos obligatorisch oder freiwillig versichert war
(vgl. Rz 7003 der vom Bundesamt für Sozialversicherung herausgegebenen Wegleitung
über die Renten [RWL]). Ausserordentliche Invalidenrenten erhalten somit in der
Schweiz wohnende Geburts- und Kindheitsinvalide, d.h. Personen, die von Geburt an
invalid sind oder vor der Vollendung des 21. Altersjahres in rentenbegründendem
Ausmass invalid geworden sind, aber keinen Anspruch auf eine ordentliche Rente
erworben haben (Rz. 7006 RWL). Wurden diese Personen im Ausland invalid, kann nur
dann Anspruch auf eine ausserordentliche IV-Rente entstehen, wenn die Einreise in die
Schweiz vor Vollendung des 20. Altersjahrs erfolgte (Rz 7007 RWL).
5.2 Im vorliegenden Fall erfüllt der bei Einreise in die Schweiz 22 1⁄2 Jahre alt
gewesene Beschwerdeführer die Voraussetzung des Art. 42 Abs. 1 AHVG nicht. Ein
Anspruch auf eine ausserordentliche Rente besteht somit nicht.
6.
Aus dem (weiterhin) auch auf Angehörige von Nachfolgestaaten der Föderativen
Volksrepublik Jugoslawien anwendbaren Abkommen zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien über
Sozialversicherung vom 8. Juni 1962 (vgl. BGE 126 V 198 E. 2b; 119 V 101, Urteile des
Bundesgerichts I 270/06 vom 8. Juni 2006 I 275/02 des Eidg. Versicherungsgerichts
[seit 2007: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. März 2005, E. 2),
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das vorliegend grundsätzlich anwendbar ist, kann der Beschwerdeführer sodann nichts
zu seinen Gunsten ableiten. Für einen Anspruch auf eine Schweizer Invalidenrente
muss er im Sinn der schweizerischen Gesetzgebung invalid sein und während
mindestens eines vollen Jahres Beiträge an die schweizerische Sozialversicherung
geleistet haben (vgl. EVGE I 463/00 vom 20. Juni 2001, E. 2; BGE 119 V 98 E. 3; zur
Anrechnung von in der Schweiz zurückgelegten Versicherungszeiten in den
Nachfolgestaaten Jugoslawiens vgl. Art. 10 des Abkommens). Diese Anforderung erfüllt
er wie erläutert nicht.
7.
Am Rand ist zu erwähnen, dass selbst bei Erfüllung der Beitragszeit ein
Rentenanspruch des Beschwerdeführers fraglich wäre. Sofern nämlich eine Person bei
ihrer erstmaligen Einreise in die Schweiz bereits 40% invalid ist, ist der
rentenspezifische Versicherungsfall eingetreten, bevor die Anspruchsvoraussetzungen
erfüllt sein konnten (Urteil I 76/05 des Bundesgerichts vom 30. Mai 2006). Die
Gesundheitsbeeinträchtigung des Beschwerdeführers besteht offenbar seit dem Krieg
in seiner Heimat im Jahr 1992. Nach Angabe der Ärzte der MEDAS Ostschweiz vom
3. März 2009 bestanden arbeitsfähigkeitsrelevante psychische Beeinträchtigungen (vor
allem die depressive Störung) schon bei der Einreise in die Schweiz 1999 (IV-act. 28-15
f.). Sollten diese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits eine Invalidität von
mindestens 40% unterhalten haben (worauf es Hinweise gibt, was aber letztlich offen
bleiben kann), käme ein Rentenanspruch selbst dann nicht in Frage, wenn der
Beschwerdeführer die erforderliche Mindestbeitragsdauer erfüllen würde.
8.
8.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung vom
12. Juli 2010 nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
8.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt.
bis
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Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95
Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren
ganz oder teilweise abgewiesen werden. Angesichts des vollen Unterliegens des
Beschwerdeführers rechtfertigt es sich, ihm die Gerichtskosten unter Anrechnung des
von ihm in selbiger Höhe geleisteten Kostenvorschusses gesamthaft aufzuerlegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP