Decision ID: 28fc0b5e-0639-4e52-8471-98ece1515f81
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
SS._
TS._
RS._
Beschwerdeführende,
Erben des S._ sel., vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Bachmann,
Rosenbergstrasse 42, 9000 St. Gallen,
gegen
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avanex Versicherungen AG, Versicherungsrecht, Postfach, 8081 Zürich Helsana,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
S._, geboren 1948, gab am 27. Mai 2004 gegenüber der zur Helsana-Gruppe
gehörenden Krankenkasse Progrès eine Unfallmeldung ab. Er habe sich am 20. März
2004 beim Verlassen eines Restaurants den Fuss vertreten und sei gestürzt. Dabei
habe er sich unter anderem eine Zahnverletzung zugezogen. Die Krankenkasse versah
die Meldung mit einem vom 3. Juni 2004 datierenden Eingangsstempel. Darauf visierte
eine Sachbearbeiterin oder ein Sachbearbeiter und kreuzte das Kästchen "Unfall z.L.
Helsana" an (act. G 10.1/1). Mit Schreiben vom 29. September 2008 wandte sich S._
an die ebenfalls zur Helsana-Gruppe gehörende Krankenkasse Avanex (avanex
Versicherungen AG), bei welcher er mittlerweile die obligatorische
Krankenpflegeversicherung unterhielt. Er bezog sich gegenüber einer Mitarbeiterin auf
ein "heutiges Gespräch", gemäss welchem er "die Unterlagen der Zahnschäden"
einreiche, wobei er einen ersten Zahnschaden vom 20. April (richtig wohl: März) 2004
und einen zweiten vom 6. September 2008 erwähnte und angab, dass er am Mittwoch
den 1. Oktober 2008 den ersten Zahnarzttermin habe. Er ersuchte um Zusendung der
Kostengutsprache (act. G 10.1/2). Ein von Dr. med. dent. A._ ausgefüllter Kosten
voranschlag vom 24. September 2008 erwähnt einen Folgeschaden Zahn 11 mit der
Diagnose periapikaler Abszess als Folge von Trauma 11. Zum Unfallhergang wird
angegeben "Patient abgestürzt und auf Zahn 11 geschlagen". Die Schadensbehebung
werde Fr. 2'152.70 kosten (act. G 10.1/3). Auf Nachfrage der Krankenkasse hin gab
S._ an, er sei nach dem Unfall vom 20. März 2004 nie bei einem Zahnarzt gewesen,
da ihn der Zahn nie gestört habe. Zudem hätte er Probleme mit dem Herzen und
deswegen Angst vor einer zahnärztlichen Behandlung gehabt. Röntgenbilder über den
Vorzustand existierten nicht (act. G 10.1/5 und G 6). Mit Schreiben vom 15. Oktober
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2008 lehnte die Avanex eine Kostenübernahme aus der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung ab. Der unfallbedingte Befund könne aufgrund der
vorhandenen Unterlagen nicht mehr beurteilt werden. Ein Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis vom 20. März 2004 und der (im Herbst 2008) nötig
gewordenen Behandlung sei nicht gegeben (act. G 10.1/7). Auf Intervention des
Versicherten hin unterbreitete die Avanex die Angelegenheit ihrem Vertrauenszahnarzt
Dr. med. dent. B._. Dieser beantwortete die Frage, ob der Sturz vom 20. März 2008
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Teilursache des beschriebenen periapikalen
Abszesses (Eiteransammlung um die Wurzelspitze des ersten oder inneren rechten
oberen Front- oder Schneidezahns herum) darstelle, mit nein. Zur sicheren Diagnose
wollte er aber noch die Röntgenbilder sehen (Stellungnahme vom 7. November 2008;
act. G 10.1/11). Nachdem Dr. A._ noch ein Foto vom akuten Abszess nachgereicht
hatte - auf den aktuellen Röntgenbildern seien keine apikalen Aufhellungen zu
erkennen -, hielt Dr. B._ am 30. Januar 2009 an seiner Beurteilung fest. Er führte aus,
dass nach einer Kontusion ca. 5 bis 7 % der Zähne innerhalb des ersten Jahres devital
würden mit einer apikalen radiologischen Veränderung. Nach Ablauf des ersten Jahres
fände keine Veränderung mehr statt bezüglich Vitalität. Da seit dem Unfall schon vier
Jahre vergangen seien, müsste radiologisch eine apikale Veränderung sichtbar sein,
wenn die Nervenentzündung unfallbedingt wäre. Viel wahrscheinlicher sei, dass sich
der periapikale Abszess durch die Präparation, das Zementieren der Krone oder den
radiologisch ersichtlichen undichten Randschluss und die damit verbundenen Noxen
(Reize) auf die Pulpa ergeben und das Absterben des Nervs verursacht habe (act. G
10.1/19). Mit Schreiben vom 8. Februar 2009 lehnte die Avanex die Kostenübernahme
im Zusammenhang mit dem Zahnschaden vom 20. März 2004 erneut ab. Die
zahnärztlichen Massnahmen im Zusammenhang mit dem ebenfalls gemeldeten Unfall
vom 6. September 2008 (Porzellanabsplitterung bei der Brücke von Zahn 24 zu Zahn
26 übernahm sie dagegen [act. G 10.1/20]). An der Verweigerung der
Kostenübernahme bezüglich des Schadens an Zahn 11 hielt die Krankenkasse mit
Verfügung vom 18. Februar 2009 (act. G 10.1/23) und nach Einsprache (act. G 10.1/24)
und weiteren Abklärungen zum geltend gemachten Sturz vom 20. März 2004 mit
Einspracheentscheid vom 22. Mai 2009 (act. G 10.1/33) fest.
B.
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Gegen diesen Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Daniel Bachmann,
St. Gallen, eingereichte Beschwerde vom 24. Juni 2009 sowie die
Beschwerdeergänzung vom 3. September 2009 mit dem Antrag, es sei die
Leistungspflicht grundsätzlich festzustellen und die Beschwerdegegnerin insbesondere
zur Übernahme der Krankenpflegeversicherungskosten, also der Kosten der
zahnärztlichen Behandlung von u.a. Fr. 2'152.70 zu verpflichten. Zur Begründung wird
im Wesentlichen angeführt, die Vorversicherung Progrès habe es in sträflicher Weise
unterlassen, die Unfallmeldung weiterzubearbeiten und den Beschwerdeführer zu
weiteren Handlungen aufzufordern, etwa zu einer eingehenden Untersuchung durch
einen Zahnarzt. Unter diesen Umständen mute der Vorwurf, der Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und dem von Dr. A._ diagnostizierten und behandelten
Zahnschaden sei nicht nachgewiesen, grotesk an (act. G 1 und G 6). Mit
Beschwerdeantwort vom 23. Oktober 2009 lässt die Avanex auf Abweisung der
Beschwerde antragen (act. G 10). Von der Durchführung eines weiteren
Schriftenwechsels wurde abgesehen (act. G 11 und G 12).
C.
S._ verstarb am 8. Mai 2010. Das anhängig gemachte Gerichtsverfahren wurde in der
Folge am 18. Mai 2010 sistiert. Mit Schreiben vom 6. September 2010 teilte
Rechtsanwalt Bachmann mit, dass die Erben in den Prozess eingetreten seien. Er
reichte die Eröffnungsverfügung des Amtsnotariats vom 15. Juni 2010 sowie die
Erbenbescheinigung vom 12. August 2010 ein. Das Verfahren ist deshalb mit den
Erben fortzusetzen. S._ sel. wird im Folgenden weiterhin als Beschwerdeführer
bezeichnet.

Erwägungen:
1.
Nach Lage der Akten hat der Vorversicherer Progrès die Unfallmeldung vom 27. Mai
2004 entgegengenommen und das geltend gemachte Ereignis wurde, so ist aus der
Ankreuzung "Unfall z.L. Helsana" im Eingangsstempel zu schliessen, von der
bearbeitenden Person auf den ersten Blick als Pflichtleistung taxiert. Damit wurde das
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Verwaltungsverfahren im Sinn von Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) korrekt eröffnet.
Entgegen Art. 111 Abs. 1 lit. b der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV; SR
832.102) hat der Beschwerdeführer in der Unfallmeldung jedoch keinen
Leistungserbringer für den geltend gemachten Zahnschaden bezeichnet. Vielmehr füllte
er die entsprechende Postition mit der Frage, "Welcher Arzt/welches Spital führt die
Behandlung weiter", mit "Zahnarzt?" aus. Den Facharzt für Allgemeinmedizin FMH
Dr. med. C._, welchen er in der Unfallmeldung als erstbehandelnden Arzt aufführte,
hatte der Beschwerdeführer gemäss den Abklärungen der Krankenkasse (act.
G 10.1/30) am 29. März 2004, also neun Tage nach dem Unfall, krankheitshalber
aufgesucht. Dabei habe er den Sturz zwar erwähnt, eine diesbezügliche Behandlung
habe jedoch nicht stattgefunden, und Verletzungen seien in der Krankengeschichte
keine vermerkt. Somit wurden auch von Dr. C._ keine Leistungen im Zusammenhang
mit dem fraglichen Unfall erbracht. Eine Rechnungsstellung im Sinn von Art. 42 des
Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) erfolgte nicht. Bei
dieser Ausgangslage hatte die Krankenkasse keinen Anlass, die Unfallmeldung aktiv
weiter zu bearbeiten. Namentlich ergibt sich aus dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG
verbrieften Grundsatz der Abklärung von Amtes wegen - anders als Rechtsanwalt
Bachmann anzunehmen scheint - keine Verpflichtung des Krankenversicherers, eine
versicherte Person nach Eingang der Unfallmeldung zu einer (zahn-)ärztlichen
Untersuchung oder Behandlung aufzufordern oder sie gar einer solchen zuzuführen.
Was einzig bemängelt werden kann ist, dass der Fall nie abgeschlossen wurde. Die
Krankenkasse hätte, nachdem im Anschluss an die Unfallmeldung über Monate hinweg
weder von Seiten des Versicherten noch von möglichen Leistungserbringern
Forderungen eingingen, dem Beschwerdeführer mitteilen müssen, dass sie
beabsichtige, den gemeldeten Unfall abzuschliessen. Das hat sie aus nicht bekannten
und auch nicht mehr in Erfahrung zu bringenden Gründen nicht getan. Indessen kann
nicht angenommen werden, dass sich diese Unterlassung nachteilig auf den
Beschwerdeführer ausgewirkt hätte. Nichts deutet darauf hin, dass dieser, wenn ihm
die Versicherung denn mitgeteilt hätte, sie beabsichtige, das eröffnete
Verwaltungsverfahren, ohne Leistungen auszurichten, abzuschliessen, viele Monate
nach dem Unfallereignis zur Klärung der zahnmedizinisch relevanten Ausgangslage
doch noch einen Zahnarzt aufgesucht hätte. Doch selbst wenn der Beschwerdeführer
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das wider Erwarten doch noch gemacht hätte, ist zu beachten, dass eine zahnärztliche
Notfallbehandlung nach dem Sturz ja offensichtlich nicht notwendig war. Daraus ist zu
schliessen, dass es sich bei der zugezogenen Verletzung höchstens um eine
Frontzahnkontusion (Anschlagen) gehandelt haben konnte. Wäre der betroffene Zahn
11 subluxiert (gelockert) gewesen, was Dr. A._ ebenfalls als möglich erachtet (vgl.
Zahnschadenformular act. G 10.1/3), hätte der Beschwerdeführer seinen Hausarzt, den
er ja - wie erwähnt - wenige Tage nach dem Sturz krankheitsbedingt aufsuchte und
dem er vom Sturz berichtete (vgl. act. G 10.1/30), dazu konsultiert, schon weil bei einer
solchen Verletzung erfahrungsgemäss ein erheblicher Bewegungsschmerz bei der
Nahrungsaufnahme und der Mundhygiene resultiert. Oder er hätte deswegen gleich
einen Zahnarzt aufgesucht. Zu beachten ist überdies, dass der Beschwerdeführer die
Unfallmeldung erst am 27. Mai 2004, also mehr als zwei Monate nach dem Sturz
einreichte. Eine bei Zahnkontusionen in den ersten Tagen und Wochen häufig
vorkommende negative Vitalitätsreaktion hätte daher - nachdem bis zu einem
ordentlichen Fallabschluss mit Sicherheit nochmals mehrere Monate hätten vergehen
müssen - ohnehin nicht mehr als Befund erhoben werden können. Dafür wäre es
bereits zu spät gewesen. Es hätte deshalb keine sichere Devitalität der Pulpa
festgestellt werden können und eine zahnärztliche Therapie wäre mithin nicht
erforderlich geworden (vgl. Hartmut Schulz, Traumatisch bedingte dentogene
Verletzungen der ersten und zweiten Dentition [Düsseldorfer Studie], Diss. Düsseldorf
2006, S. 13 und 22; vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Frontzahntrauma → Kapitel
2.1 "Stauchung [Kontusion]", Abfrage vom 16. Dezember 2010). Unter diesen
Umständen ist auszuschliessen, dass es bei korrekter Weiterbearbeitung der
Unfallmeldung durch den damaligen Krankenversicherungsträger Progrès, nämlich der
Mitteilung über den bevorstehenden Fallabschluss, zu einer (engmaschigen)
Nachbehandlung des Versicherten gekommen wäre, welche zu einem besseren
Beweisergebnis bezüglich einer unfallbedingten Schädigung des betroffenen Zahns
geführt hätte, als es bei der erneuten Vorsprache bei der Krankenkasse Avanex im
Herbst 2008 vorlag.
2.
Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob der geltend gemachte Gesundheitsschaden
(periapikaler Abszess am Zahn 11) mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein
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geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf einen Unfall
zurückzuführen ist, hier auf den Sturz vom 20. März 2004. Das bedeutet mit anderen
Worten, der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem
Gesundheitsschaden ist zu untersuchen.
2.1 Ursachen im Sinn des natürlichen Kausalzusammenhangs sind nach der
Rechtsprechung alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg
nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit
eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die
alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass
das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder
geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern
Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer
gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine
Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der
ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat (BGE 129 V 177
E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und
dem Auftreten der Gesundheitsbeeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen
sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu
stellen. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruchs nicht (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c und RKUV 1994
Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen).
2.2 Der Beschwerdeführer fiel beim Sturz am 20. März 2004 laut seiner
Unfallmeldung vom 27. Mai 2004 auf den Bauch und zog sich Verletzungen an Zahn,
Mund und Hand zu (act. G 10.1/1). Genauere Angaben, welcher Zahn und in welcher
Weise dieser geschädigt sei, machte er nicht. Er suchte auch keinen Zahnarzt auf.
Gemäss seinen telefonischen Angaben gegenüber der Beschwerdegegnerin vom
7. und 20. Oktober 2008 hatte ihn die Zahnverletzung nicht gestört bzw. hatte er bis im
Herbst 2008 keine Beschwerden (vgl. act. G 10.1/6 und G 10.1/8]. Bei seinem
Hausarzt, Dr. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, hatte er anlässlich der
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krankheitsbedingten Konsultation vom 29. März 2004, neun Tage nach dem Sturz,
zwar von diesem berichtet. Eine Behandlung der Unfallverletzungen hatte Dr. C._
nicht dokumentiert (vgl. act. G 10.1/30). Der Beschwerdeführer hatte somit eine
(behandlungsbedürftige) Zahnschädigung anlässlich des Sturzes am 20. März 2004
nicht genügend belegt, weshalb es bezüglich Zahnschädigung an der
Leistungsvoraussetzung der Glaubhaftmachung eines Gesundheitsschadens fehlt, was
sich zu seinen Lasten auswirkt (vgl. A. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. Aufl. 2003, S. 20 f.; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50 E. 2).
2.3 Selbst wenn jedoch Sturz und Gesundheitsschaden ausreichend glaubhaft
gemacht wären, gälte für die Beurteilung der natürlichen Kausalität folgendes:
Entstehungsursache von Abszessen sind nach der Literatur entzündliche Prozesse.
Pschyrembel (Klinisches Wörterbuch 2011, 262. Aufl. 2010) führt zu den Ursachen
wörtlich aus: "vorwiegend Weichteilentzündung von Haut und Unterhaut,
Durchwanderung von Eitererregern durch Hohlorgane oder bei Perforation,
postoperativ, postentzündlich, posttraumatisch", wobei Bakterien Hauptverursacher
sind (a.a.O. S. 10). Eine im Internet publizierte Abhandlung zu Abszessen in der
Mundhöhle stellt diese als Eiteransammlungen in neu gebildeten Körperhöhlen dar, die
am ganzen Körper auftreten können. Im Bereich der Mundhöhle seien Abszesse
danach meist odontogenen Ursprungs, d.h. der Abszess gehe von einem oder
mehreren Zähnen aus. Als mögliche Hauptursachen von Abszessen nennt die genannte
Abhandlung in dieser Reihenfolge apikale Parodontitis (Entzündungsprozesse am
Zahnbett bzw. Zahnfleischtaschen), Schmutznischen an Weisheitszähnen, Infektionen
durch einen Eingriff, Infektionen von Wurzelresten nach Zahnextraktionen sowie
Implantate (http://www.zahnlabor.de/artikel-445.htm ["Abszess"] Abfrage vom
16. Dezember 2010). - Ein Unfall als Ursache eines Abszesses wird in diesen
Aufzählungen nicht (Abhandlung "Abszess") oder höchstens indirekt an letzter Stelle
("posttraumatisch", Pschyrembel, a.a.O.) genannt und ist somit eine weit weniger
wahrscheinliche Ursache als eine Entzündung krankhaften Ursprungs. Auch die
Gesetzgebung zur Krankenversicherung nennt Abszesse einzig im Zusammenhang mit
einem Krankheitsgeschehen an den Zähnen (Art. 17 lit. a Ziff. 2 der Verordnung des
Eidgenössischen Departements des Innern über Leistungen in der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung [Krankenpflege-Leistungsverordnung, KLV; SR
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832.112.31]). Diese Tatsachen lassen darauf schliessen, dass ein Abszess weit
wahrscheinlicher durch Krankheit als durch Unfall entsteht.
2.4 Wie in Erwägung 2.1 angeführt, sind die Anforderungen an den Beweis, dass
mögliche Spätfolgen eines Unfalls, für den die Leistungspflicht grundsätzlich anerkannt
wurde, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ebenfalls auf diesen zurückzuführen
sind, umso strenger, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem
Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist (Urteil des Bundesgerichts
8C_169/2007 vom 5. Februar 2008 E. 2.3 mit Hinweis). In der Zeitspanne von über 41⁄2
Jahren zwischen dem Sturz am 20. März 2004 und dem ersten Zahnarztbesuch des
Beschwerdeführers am 1. Oktober 2008 hat vorliegend die Wahrscheinlichkeit, dass
der Abszess am Zahn 11 durch Krankheit verursacht wurde, diejenige dass er als Folge
des Unfalls entstanden ist, bei weitem überholt. Wäre der Eitererreger nach dem Sturz
am 20. März 2004 in die Mundhöhle eingedrungen, wäre der Abszess um Jahre früher
entstanden und hätte dem Beschwerdeführer ebenfalls um Jahre früher Schmerzen
bereitet und seine Beiss- und Kaufunktion beeinträchtigt (http://www.zahnlabor.de/
artikel-445.htm). Hätte die Abszessbildung zeitnah zum Sturz stattgefunden, hätte
dieser auch weit erheblichere Auswirkungen gehabt und während der 41⁄2 Jahre bis zur
zahnärztlichen Erstbehandlung auch den Kieferknochen angegriffen (vgl. Aufsatz
"Infekte im Kiefer- / Gesichtsbereich" auf der Internetseite der Fachärzte FMH für
Kiefer- und Gesichtschirurgie Dres. med. et med. dent. M. Baltensperger, R. Lebeda
und T. Bottler, Winterthur, http://www.kiefergesichtschirurgie.ch/kgcs.php?id=41).
2.5 Der Beschwerdeführer beruft sich auf die Feststellungen der behandelnden
Zahnärztin, Dr. A._, wonach der periapikale Abszess am Zahn 11 die Folge eines
Traumas sei, bei dem der Patient abgestürzt und auf Zahn 11 geschlagen sei. Als
unfallbedingte Befunde vermutete sie im Zahnschaden-Fragebogen (mit Fragezeichen
versehen), dass Zahn 11 subluxiert (gelockert) oder kontusioniert (angeschlagen) sei.
Eindeutig festgestellt hatte sie lediglich eine Schwellung Regio 11 B (act. G 10.1/3).
Damit führte die Zahnärztin keinerlei Begründung an, weshalb der Abszess an der
Zahnwurzel 11 durch den Sturz am 20. März 2004 entstanden sei. Sie vermerkte nicht
einmal ein Unfalldatum. Der einzige klare Befund "Schwellung Regio 11 B" erklärt sich
durch den Abszess, der unbestritten anlässlich der zahnärztlichen Untersuchung vom
24. September 2008 festgestellt wurde, jedoch nichts über die Abszessursache
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aussagt. Aufgrund der Angaben der Zahnärztin kann der Abszess somit nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Sturz am 20. März 2004 zurückgeführt
werden. - Mit dieser Feststellung werden keine Aussagen über die Art und
Angemessenheit der zahnärztlichen Behandlung gemacht, zu der der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers Beweisanträge stellt. Solche Aussagen erübrigen sich an
dieser Stelle, da die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Behandlung des
Abszesses vollumfänglich zu verneinen ist.
2.6 Der Beschwerdeführer lässt durch seinen Rechtsvertreter beantragen, die
Stellungnahmen von Dr. B._ seien aus dem Recht zu weisen, da sie unerheblich
seien. Eine nähere Begründung dafür, wieso dem so sein sollte, gibt er nicht. Der
beratende Zahnarzt nahm am 7. November 2008 und 30. Januar 2009 zu den Fragen
der Beschwerdegegnerin unterschriftlich Stellung (act. G 10.1/11 und G 10.1/19). Dabei
lagen ihm alle vorhandenen Dokumente vor, besonders die 3 Röntgenbilder und das
Foto des Abszesses vom 24. September 2009 sowie das am 24. September 2009
ausgefüllte Formular für Zahnschäden gemäss KVG und der Kostenvoranschlag
gleichen Datums (act. G 10.1/3). Dr. B._ nahm begründet Stellung und führte
nachvollziehbar aus, dass unfallbedingte Veränderungen am Zahn 11 innerhalb des
ersten Jahres nach dem Sturz aufgetreten und radiologisch sichtbar wären, wenn die
Nervenentzündung unfallbedingt wäre. Radiologisch war Zahn 11 jedoch mehr oder
weniger unauffällig. Die Stellungnahmen des beratenden Zahnarztes erscheinen
schlüssig, sind nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei. Da auch
keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen, kommt ihnen nach der
Rechtsprechung Beweiswert zu (BGE 125 V 351 E. 3b/ee S. 354) und es kann
vorliegend auf sie abgestellt werden.
2.7 Zusammenfassend ist aufgrund der vorstehend angeführten Aspekte klar, dass
der periapikale Abszess am Zahn 11, der am 24. September 2008 festgestellt wurde,
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Sturz des Beschwerdeführers am
20. März 2004 zurückzuführen ist und es damit am natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und dieser Zahnschädigung fehlt.
3.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist damit ein Anspruch des Beschwerdeführers
auf Versicherungsleistungen der Beschwerdegegnerin für die Behandlung des
periapikalen Abszesses am Zahn 11 zu verneinen und die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG