Decision ID: 6cbd99d8-831f-49d0-ae20-56acc946c7f6
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1993
,
nahm
,
g
emäss ihren Angaben (Urk. 3/16),
am 1
5.
Dezember 2018
in der
Stadt
Y._
Wohnsitz
. Anschlies
send na
hm
sie
am
3.
Januar 2019 eine Erwerbstätigkeit in der
S
chweiz auf
.
Am 1
8.
März (Urk. 9/1),
5.
(
Urk.
9/2) und 2
5.
April 2019 (
Urk.
9/3) forderte die
Ein
wohnerkontrolle der Stadt
Y._
beziehungsweise die
Stadt
Y._
, Soziale Dienste, die Versicherte auf, ihr einen Versicherungsnachweis einer schweizerischen Krankenversicherung zukommen zu lassen. Nachdem die Versi
cherte diesen Aufforderungen nicht nachgekommen war, wies sie die
Stadt
Y._
, Soziale Dienste,
m
it Verfügung vom
1
6.
Mai 2019
(Urk.
9/4/3-4
) per
1.
Juni 2019
der
ÖKK Krankenversicherung zu. Die von der Versicherten am 2
4.
Mai 2019 dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
9/5/1) wies die
Stadt
Y._
, Soziale Dienste,
mit Entscheid vom
4.
Juni 2019 (
Urk.
9/6 =
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
4.
Juni 2019 (Urk. 2) erhob die
Versi
cherte am
1
7.
Juni 2019
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
sinngemäss dessen Auf
he
bung
und machte geltend, dass
sie
sich
stattdessen
bei der
SWICA Kranken
ver
siche
rung krankenversichern
wolle
.
Mit Beschwerde
ant
wort vom
2
0.
August 2019
(Urk.
8
)
beantragte die
Stadt
Y._
, Soziale Dienste,
die Abweisung der Beschwerde (
S. 1), wovon der Beschwer
deführerin am 2
7.
August 2019 (
Urk.
11) Kenntnis gegeben wurde. Mit Eingabe vom
2.
Oktober 2019 (
Urk.
12) reichte die
Stadt
Y._
, Soziale Dienste,
ein Schreiben der Beschwerdeführerin vom 2
5.
September 2019 (
Urk.
13) ein, wovon der Beschwerdeführerin am
8.
Oktober 2019 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
14).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Am 1. Juni 2002 ist das Abkommen vom 21. Juni
1999 zwischen der Schweize
ri
schen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und
ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Fre
izügigkeit (Freizügigkeitsab
kom
men;
FZA) in Kraft getreten.
Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage des Art. 8 des FZA
ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II (
«
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
»
) FZA in Verbindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragspar
teien unter
einander insbesondere die VO 883/2004 und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009
(VO 987/2009) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Septem
ber
2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 oder gleichwertige Vorschriften an. Die beiden genannten ge
meinschafts
recht
lichen Verordnungen sind für die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 31. März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit per 1. April 2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_455/2011 vom 4. Mai 2012 E. 2.1).
1.
2
Die VO 883/2004, welche
unter anderem für Rechtsvor
schriften über Zweige der
sozialen Sicherheit, die Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft betreffen, gilt
, enthält
in Kapitel 1 des Titels III besondere Vor
s
chriften für diese Leis
tungs
art. Der
Titel II
VO 883/2004 (Art. 11-16) enthält
allgemeine Kollisionsre
geln zur Bestimmung der anzuwendenden
Rechtsvorschriften. Dabei legt Art. 11 Abs. 1
VO 883/2004 den kollisionsrechtlichen Grundsatz der Einheitlichkeit der an
wend
baren Rechtsvorschriften in dem Sinne fest, dass für jede betroffene Person die Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaates massgebend sind (BGE 138 V 258 E.
4.2
mit Hinweis). Ausnahmen vorbehalten, gilt für Arbeitneh
mende das Be
schäftigungslandprinzip
(Art. 11 Abs. 3 lit. a der VO 883/2004
; BGE 136 V 244 E. 3.2.1 S. 247).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid vom
4.
Juni 2019 (Urk. 2) davon aus, dass die
Beschwerdeführer
in als
eine
seit dem 1
5.
Dezember 2018 in
der Schweiz wohnhafte, deutsche
Staatsangehörige inner
halb einer Frist von 3 Monaten sei
t
der Einreise in die Schweiz eine obligatorische Krankenversicherung in der Sc
hweiz hätte abschliessen müssen. Nachdem es die Beschwerdeführerin
unterlassen habe, innerhalb dieser Frist eine Krankenver
si
cherung abzuschliessen,
sei daher
zu Recht eine Zwangszuweisung zur Kranken
versicherung ÖKK angeordnet worden.
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
bringt hiegegen vor, dass
sie in persönlichem Kontakt mit verschiedenen Krankenversicherern gestanden sei, und dass sie
am 1
4.
Mai 2019
eine
Offerte der SWICA Krankenversicherung für e
inen Beitritt zur Versi
cherung unterzeichnet habe (
Urk.
1 S. 1).
3.
3.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin Staatsangehörige der Bundesrepublik Deutschland ist und am 1
5.
Dezember 201
8
in der Schweiz Wohnsitz nahm (vgl. Aktennotiz vom 2
0.
April 2020;
Urk.
15).
V
on
der Be
schwerdeführerin
wird der Wohnsitz in der Schweiz nicht bestritten. In
dem
von
der
Beschwerdeführerin eingereichten Versicherungsantrag vom
8.
Mai 2019 (
Urk.
3/6) gab die Beschwerdeführerin vielmehr ausdrücklich an, dass sie am 1
5.
Dezember 201
8
in die Schweiz eingereist sei, und dass sie am
3.
Januar 20
19
eine unbefristete Erwerbstätigkeit als Zoll
deklarantin bei der
Z._
be
ziehungsweise der
A._
in
B._
aufgenommen habe.
3.2
In
persön
li
cher Hinsicht
sind das FZA und die VO 883/2004
anwendbar, da
die Beschwerdeführerin
Staatsangehörige der Bundesrepublik Deutschland und damit Staatsangehörige eines
Vertragsstaats des FZA
ist, für welche
n
die Rechtsvor
schriften eines oder mehrerer Mitglied
staaten im Sinne von Art. 2 Abs. 1
der VO 883/2004
gelten. Ebenfalls gegeben ist die sachliche Anwendbarkeit, da sich der Geltungsbereich der
VO 883/2004
unter anderem auf Leistungen bei Krank
heit und Mutterschaft bezieht (Art.
3 Abs. 1 lit. a VO 883/2004
).
Da die Be
schwerdeführerin (ausschliesslich) in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausübte,
war
sie gemäss
Art.
11
Abs.
3 lit. VO 883/2004 ab dem Zeitpunkt ihrer Einreise in die Schweiz den schweizerischen
Rechtsv
orschriften zur Krankenversicherung unterstellt.
4.
4.1
Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung
(KVG) muss sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Mona
ten nach der Wohnsitznahme oder der Geburt in der Schweiz für Kranken
pflege versichern oder von ihrem gesetzlichen Vertreter beziehungsweise ihrer gesetzli
chen Vertre
terin versichern lassen, wobei sie gemäss Art.
4
KVG unter den Versicherern
, die nach dem Krankenversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG) eine Bewilligung zur Durchführung der sozialen Krankenversicherung haben,
frei wählen kann.
4.2
In
Art.
7
Abs.
1
der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) wird kon
kretisiert, dass sich Ausländer und Ausländer
innen mit einer Niederlassungs
bewilligung oder einer Kurzaufenthalts- oder Aufenthalts
bewilligung gemäss
Art.
1
Abs.
2 lit.
a
oder f KVV sich innert drei Monaten seit der Anmeldung bei der zuständigen schweizerischen Einwohnerkontrolle zu versichern
haben, wobei
die Versicherung
bei
rechtzeitigem Beitritt
im Zeitpunkt der einwohneramtlichen Anmeldung des Aufenthalts
beginnt
.
4.3
Nach Art. 6 Abs. 1 KVG obliegt es den Kantonen, für die Einhaltung der Versi
cherungspflicht zu sorgen. Dabei sind Personen, die ihrer Versiche
rungspflicht nicht rechtzeitig nachkommen, nach Art. 6 Abs. 2 KVG durch die vom Kanton bezeichnete Behörde einem Versicherer zuzuweisen. Bei rechtzeitigem Beitritt beginnt die Versicherung im Zeitpunkt der Geburt oder der Wohnsitznahme in der Schweiz (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 KVG). Bei verspäte
tem Beitritt beginnt die Versicherung im Zeitpunkt des Beitritts (Art. 5 Abs. 2 Satz 1 KVG).
4.4
Gemäss § 3 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum KVG (EG KVG) obliegt es grund
sätzlich den Gemeinden, für die Einhaltung der Versicherungspflicht von Per
so
nen zu sorgen, und Personen, die dieser Obliegenheit nicht nach
kommen, einem Versiche
rer zuzuweisen. Der Regierungsrat kann diese Auf
gabe für bestimmte Personen
gruppen der Direktion übertragen (§ 3 Abs. 3 EG KVG).
4
.5
Gemäss § 26 EG KVG richtet sich das verwaltungsinterne (kantonale) Ver
fahren bei der Zutei
lung zu einem Versicherer nach dem Bundesgesetz über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG). Gegen Einsprache
ent
schei
de betreffend Zuteilung zu einem Kranken
versiche
rer im Sinne von § 3 Abs. 1 EG KVG kann beim hiesigen Gericht Be
schwerde erhoben werden (§ 27 EG KVG in Verbindung mit Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 ATSG), wobei gemäss § 28 EG KVG Rechtsmitteln gegen die Zuteilung keine aufschiebende Wirkung zukommt.
5.
5.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass die
Einwohnerkontrolle der Stadt
Y._
beziehungsweise die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin nach deren Einreise in die Schweiz
am 1
5.
Dezember 2018
und
nach ihrer
Anmeldung bei der Einwohnerkontrolle der
Stadt
Y._
am
1
8.
März (
Urk.
9/1),
5.
(
Urk.
9/2) und 2
5.
April 2019 (
Urk.
9/3)
auf
forderte
, sich bei
einem schweizerischen Kran
ken
versicherer gemäss dem KVG gegen Krankheit versichern und
ihr einen Ver
sicherungsnachweis
zukommen zu lassen.
Von der Beschwerdeführerin wird nicht bestritten, die erwähnten Schreiben
erhalten zu haben (vgl.
Urk.
3/1-2). Die Beschwerdeführerin ist denn auch nicht untätig
geblieben und hat verschiedene
Offerten bei schweizerischen Krankenversicherern eingeholt (
Urk.
3/3-6).
5.2
Am
8.
Mai 2019 hat die Beschwerdeführerin sodann das ihr von der SWICA Krankenversicherung zugestellte Formular «Versicherungsantrag» unterzeichnet und
der
SWICA Krankenversicherung zurückgesandt (
Urk.
3/6). Das
ausgefüllte und unterzeichnete
Formular traf am 1
4.
M
ai
2019 bei de
r SWICA Kran
ken
versicherung ein
(
Urk.
3/6, Eingangsstempel).
In der Folge forderte die
SWICA Krankenversicherung
die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
3/7) auf, verschiedene ergänzende Unterlagen einzureichen,
damit ihr
Ver
sicherungsantrag überprüft werden könne
. Gleichentags erliess die Beschwerde
gegnerin
indes
die Verfügung betreffend Zuweisung der Beschwerdeführerin an die ÖKK Krankenversicherung (
Urk.
3/8
=
Urk.
9/4/3-4
).
6.
6.1
Nach Gesagtem steht
einerseits
fest, dass die Beschwerdeführerin der ihr gemäss
Art.
3
Abs.
1 KVG in Verbindung mit
Art.
7
Abs.
1 KVV
obliegenden Pflicht,
sich innerhalb einer Frist von drei Monaten nach der Wohnsitznahme in der Schweiz
vom
1
5.
Dezember 201
8
und mithin bis
spätestens am
1
5.
März 20
19
in der Schweiz für Kranken
pflege versichern zu lassen
, nicht nachgekommen ist
. Ande
rerseits
steht fest, dass es bis
zum
Zeitpunkt
des
Erlass
es
der Verfügung der Be
schwerdegegnerin vom 1
6.
Mai 2019
betreffend Zuweisung (
Urk.
9/4/3-4) noch nicht zu einem Vertragsabschluss zwischen der Beschwerdeführerin und
einer
schweizerischen
Krankenversicherung gekommen
ist
.
Denn obwohl die Be
schwer
deführerin das entsprechende Antragsformular für einen Beitritt zur SWICA Krankenversicherung bereits am
8.
Mai 2019 unterzeichnete hatte, kam ein Ver
trag mit dieser bis zum 1
6.
Mai 2019 nicht zustande.
Vielmehr
forderte
die SWICA Krankenversicherung
die
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
3/7)
auf
, ergänzende Unterlagen
einzureichen
,
damit ihr Versicherungs
an
trag überprüft werden könne.
Demnach steht fest, dass die Beschwerdeführerin
bis
am 1
6.
Mai 2019 weder einen Vertrag
für eine
Krankenversicherung in der Schweiz abgeschlossen hat, noch dass
ihr
zu diesem Zeitpunkt ein Vertrags
ab
schluss durch einen Krankenversicherer bereits verbindlich zugesichert worden wäre.
6.2
Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwer
d
eführerin mit Verfügung vom 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
9/4/3-4) sowie mit dem diese bestätigenden Einspracheentscheid vom
4.
Juni 2019 (
Urk.
2)
per
1.
Juni 2019
einem in der Schweiz, am Wohnort der Beschwerdeführer
in
tätigen Kranken
ver
sicherer, nämlich der
ÖKK
,
zur Krankenversicherung
zugewiesen hat.
Mithin ist die
gegen den
Einspracheentscheid vom
4.
Juni 2019
erhobene Be
schwerde abzuweisen.
D
as
Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
15
-
Stadt
Y._
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
15
-
Bundesamt für Gesundheit
4.