Decision ID: 43ee5ea6-8940-4e6a-915f-527fc03fdc21
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1969, bezog zwischen Februar 2003 und März 2005 Ren
ten in wechselnder Höhe und ab 1. Juli 2006 eine halbe Rente der Eidgenössi
schen Invalidenversicherung (Urk. 2 S. 2).
Im März 2014 leitete die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, von Amtes wegen ein Rentenrevisionsverfahren ein. Nach entspre
chenden medizinischen und erwerblichen Abklärungen sowie nach Durchfüh
rung des Vorbescheidverfahrens (vgl. Urk. 8/125) hob die IV
Stelle die Rente mit Verfügung vom 12. Januar 2017 (Urk. 2) nach Zustellung auf Ende des fol
genden Monats auf. Die IV
Stelle war zum Schluss gekommen, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten erheblich verbessert habe; sie errechnete einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 18 % (vgl. Urk. 2 S. 3).
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 15. Februar 2017 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Die Verfügung sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Versicherten über den 28. Februar 2017 hin
aus weiterhin eine halbe IV-Rente zu bezahlen;
2.
Dem Versicherten sei die unentgeltliche Verfahrensführung zu be
willigen und [...] einen unentgeltlichen Rechtsbeistand beizuge
ben; eventualiter sei festzustellen, dass die vorliegende Be
schwerde nicht aussichtslos ist.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Be
schwerdegegnerin.
Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 15. März 2017 (Urk. 7), es sei die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache zur weiteren Abklärung an die IV
Stelle zurückzuweisen sei. Mit Eingabe vom 19. Juni 2017 (Urk. 13) liess der Versicherte erklären, dass er mit der Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur weiteren Sachverhaltsabklärung einverstanden sei. Zudem liess er - unter Beilage einer entsprechenden Honorarnote (Urk. 15) - die Zu
sprechung einer auf einem Stundenansatz von Fr. 300.
(zuzüglich Spesen und Mehrwertsteuer) basierenden Prozessentschädigung beantragen.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
In Bezug auf die zur Anwendung kommenden Rechtsnormen und die dazu ergan
gene Gerichtspraxis ist auf die entsprechenden Erwägungen in der ange
fochtenen Verfügung vom 12. Januar 2017 (Urk. 2) sowie auf die Ausführungen in der Beschwerdeantwort vom 15. März 2017 (Urk. 7) zu verweisen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in der Beschwerdeantwort (Urk. 7) ihren Antrag auf Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zwecks weiterer medizini
scher Abklärung im Wesentlichen damit, dass das Gutachten der Y._ vom 4. Juni 2015 (Urk. 8/121) noch unter der Geltung der alten Schmerzrecht
sprechung erstellt worden sei und demzufolge noch auf die sogenannten Foers
ter-Kriterien abgestellt habe. Diese Tatsache allein habe zwar keinen Einfluss auf die Verwertbarkeit des Gutachtens; das vorliegende Gutachten beantworte aber die durch das Bundesgericht definierten Standardindikatoren und damit die für eine ressourcenorientierte Abklärung notwendigen Fragen teilweise nur un
zureichend. Im Zusammenhang mit dem Gesundheitsschaden seien nur ungenü
gend die Ausprägung und die Schwere der objektiven Befunde abgehandelt worden. Allfällige Ausschlussgründe seien nicht thematisiert worden. Schliess
lich fehle es auch an detaillierten Aussagen betreffend Beeinträchtigung und vorhandenen persönlichen Ressourcen. Im Rahmen des sozialen Kontexts seien der Alltag des Beschwerdeführers nur grob wiedergegeben worden. Es fehlten detaillierte Aussagen über soziale Belastungen (abgesehen von der finanziellen Situation) sowie eine umfassende Darstellung der vorhandenen und mobilisier
baren Ressourcen. Allfällige Wechselwirkungen zwischen den erhobenen Diag
nosen in Bezug auf die funktionellen Auswirkungen in allen Lebensbereichen seien nicht beschrieben worden. In Bezug auf die Konsistenz mangle es an einer ausführlichen Diskussion und einer kritischen Würdigung der festgestellten Dis
krepanzen zwischen geschilderten Symptomen und dem gezeigten Verhalten in der Untersuchungssituation. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass das Gut
achten der Y._ einer Indikatorenprüfung nach neuer Rechtsprechung nicht standhalte. Die Sache sei deshalb an sie zwecks weiterer medizinischer Abklärung zurückzuweisen.
2.2
Der Beschwerdeführer schloss sich - wie erwähnt - in seiner Eingabe vom 19. Juni 2017 (Urk. 13) dem Rückweisungsantrag der Beschwerdegegnerin aus
drücklich an.
2.3
Der von der Beschwerdegegnerin gestellte und vom Beschwerdeführer unter
stützte Rückweisungsantrag entspricht der Sach- und Rechtslage. Die Beschwer
degegnerin zeigte in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 7) detailliert auf, weshalb das Gutachten der Y._ (Urk. 8/121) nach der geänderten höchstrich
terlichen Praxis keine genügende Entscheidgrundlage mehr darstellt. Darauf kann verwiesen werden.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, dass die Verfügung vom 12. Januar 2017 aufzuheben und die Sache an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese weitere medizinische Abklä
rungen veranlasse und hernach betreffend Rentenrevision neu verfüge.
3.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 400.
festzulegen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts U
199/02 vom 10. Februar 2004 E.
6 mit Hinweis auf BGE
110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr.
10 S.
28 E.
3), ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
4.
4.1
Nach § 34 Abs. 1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Da - wie ausgeführt - die Rückweisung der Sache an die Verwaltung als vollstän
diges Obsiegen des Beschwerdeführers gilt, ist die Beschwerdegegnerin zur Bezahlung einer Prozessentschädigung zu verpflichten.
4.2
4.2.1
Mit Eingabe vom 19. Juni 2017 (Urk. 13) liess der Beschwerdeführer eine Honorar
note, die einen Aufwand von 13,95 Stunden und Pauschalspesen von Fr. 30.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) ausweist, einreichen und beantragen, dass der Aufwand zu einem Stundenansatz von Fr. 300.
(zuzüglich Mehrwert
steuer) zu entschädigen sei.
4.2.2
Der geltend gemachte Aufwand erscheint in zeitlicher Hinsicht der Sache (insbe
sondere auch im Hinblick auf die zu berücksichtigenden Akten) ange
messen. Was den geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 300.
betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass der gerichtsübliche Ansatz für freiberuflich tätige An
wälte lediglich Fr. 220.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) beträgt. Auch die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Argumente (Vergleiche mit den Ansätzen der Honorarkommission des Zürcher Anwaltsverbandes, mit den Ergebnissen einer Studie des Schweizerischen Anwaltsverbandes, mit dem Einkommen von So
zialversicherungsrichterinnen und Sozialversicherungsrichtern und mit der Entschädigungspraxis von ausserkantonalen Verwaltungsgerichten sowie der SUVA [vgl. Urk. 13 und Urk. 14/1-5]) sind kein genügender Anlass, um die konsolidierte Praxis des hiesigen Gerichts zu ändern.
Demzufolge ist die dem Beschwerdeführer auszurichtende Prozessentschädigung (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) auf Fr. 3‘346.90 (= 1.08 x [Fr. 220.
x 13.95 + Fr. 30.
]) festzulegen und die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, dem Beschwerdeführer den genannten Betrag zu bezahlen. Das Ge
such um unentgeltliche Rechtspflege erweist sich dadurch als gegenstandslos.