Decision ID: 904d417d-b5c7-491a-b7dc-31ef43ce9161
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 14. Mai 2008 wegen seit 1997 bestehender
Rückenschmerzen („chronisches lumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom“)
und psychischer Beschwerden zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
an (IV-act. 2). Sie gab an, keinen Beruf erlernt zu haben. Der Hausarzt Dr. med. B._
(IV-act. 15), Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, berichtete am 3. Juni 2008, die
Versicherte leide mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an einem chronischen
lumbal betonten Panvertebralsyndrom mit Tendenz zur Symptomausweitung sowie an
einer Anpassungsstörung mit/bei Angst und depressiver Komponente. Die Versicherte
sei seit dem 1. Juni 2008 zu 50% arbeitsfähig. In den beigelegten Berichten von Dr.
med. C._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie FMH, vom 28. März 2008
(IV-act. 15-24 ff.) und der Fachpersonen der Klinik D._ vom 6. Mai 2008 (IV-act.
15-29 f.) waren im Wesentlichen dieselben Diagnosen angegeben worden. Die
Fachpersonen der Klinik D._ hatten ausgeführt, seit dem 13. Mai 2008 bestehe eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit (inkl. 20%iger Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht);
die Arbeitsfähigkeit sei schrittweise auf 80 % steigerbar. Die behandelnde Psychiaterin
Dr. med. E._ (IV-act. 33), Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gab
am 30. Juni 2008 an, folgende Diagnosen erhoben zu haben: Längere, ängstlich
gefärbte depressive Reaktion auf anhaltende Schmerzen mit im Vordergrund
stehenden generalisierten vor allem Rücken- und Kopfschmerzen, emotionaler Labilität,
Störung der Vitalgefühle, Isolationstendenz und schweren Schlafstörungen. Diese
Diagnosen bestünden seit August 2007 und hätten eine volle Arbeitsunfähigkeit für
sämtliche Tätigkeiten zur Folge. Die letzte Arbeitgeberin der Versicherten berichtete am
28. August 2008 (IV-act. 51), die Versicherte sei vom 5. Juni 2001 bis 31. August 2008
in einem 100%-Pensum als Verkäuferin in der Metzgereiabteilung tätig gewesen und
A.a.
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habe dabei ab 1. Januar 2008 ein Einkommen von Fr. 3'995.-- pro Monat erzielt. Am
8. Oktober 2008 berichtete Dr. med. F._ (IV-act. 57), Facharzt FMH für
Anästhesiologie, die Versicherte leide an einem chronischen Schmerzsyndrom mit
Persönlichkeitsveränderung. Er attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit für sämtliche
Tätigkeiten.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Ostschweiz am 20. Februar 2009 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 61). Die
Gutachter erhoben folgende Diagnosen: Eine mittelgradige depressive Episode, eine
generalisierte Angststörung mit Panikattacken, einen Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung und ein generalisiertes chronisches Schmerzsyndrom
mit Hyperalgesie rechts und Hypästhesie rechts, einhergehend mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden. Sie attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von über 70% für
sämtliche Tätigkeiten. Der RAD-Arzt Dr. med. G._ notierte am 4. März 2009
sinngemäss (IV-act. 62), auf das MEDAS-Gutachten könne abgestellt werden. Mit
einem Vorbescheid vom 8. Oktober 2009 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer ganzen Rente bei einem Invaliditätsgrad von 70% an (IV-act. 73).
A.b.
Bereits am 13. Mai 2009 hatte der RAD-Arzt Dr. G._ eine interne medizinische
Stellungnahme betreffend eine allfällige Observation der Versicherten abgegeben (IV-
act. 87). In der Folge war die Versicherte vom 29. September bis zum 1. Oktober 2009
observiert worden. Die Ergebnisse wurden im Observationsbericht vom 9. Oktober
2009 festgehalten (IV-act. 89). Im Bericht wurde ausgeführt, bei der Versicherten seien
zu keinem Zeitpunkt offensichtliche körperliche Einschränkungen beobachtet worden.
Die Versicherte habe sich uneingeschränkt bewegen können; Anzeichen von
Schmerzen fehlten. Sie habe rasche, sichere Bewegungen durchgeführt und sei in der
Lage gewesen, sich verschieden tief zu bücken und sich ohne Mühe wieder
aufzurichten. Drittpersonen sei sie jeweils mit einem Lachen begegnet. Sie sei weiter in
der Lage gewesen, eine halbe Stunde in einem voll besetzten Zug zu fahren und
mehrere schwere Gegenstände zu tragen.
A.c.
Am 24. November 2009 berichtete Dr. F._ (IV-act. 81), die Versicherte leide an
einem chronischen Schmerzsyndrom und an einer psychischen Veränderung bei
chronischem Schmerz. Die Versicherte sei nach wie vor voll arbeitsunfähig.
A.d.
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Am 26. Januar 2010 nahm die RAD-Ärztin Dr. med. H._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Stellung zu den Ergebnissen der Observation
(IV-act. 90). Sie führte aus, die Versicherte habe ganz andere Fähigkeiten gezeigt, als
sie gegenüber den behandelnden und begutachtenden Ärzten geltend gemacht habe,
durchaus einer beruflichen Tätigkeit im Reinigungsdienst mit leichten und
mittelschweren Aspekten entsprechend. Angesichts der Ergebnisse und auch der
schon im MEDAS-Gutachten geäusserten Zweifel an der Konsistenz der Befunde sei es
aus medizinischer Sicht nicht ausreichend wahrscheinlich, dass den geschilderten
Beschwerden ein tatsächlicher anhaltender Gesundheitsschaden zugrunde liege.
Weitere medizinische Abklärungen dürften jedoch keine neuen Erkenntnisse bringen,
da bereits umfassend abgeklärt worden sei, wobei sowohl eine Selbstlimitierung als
auch Inkonsistenzen aufgefallen seien und da die Versicherte Angaben gemacht habe,
die mit dem tatsächlichen Funktionsniveau nicht in Einklang zu bringen seien. Die
Versicherte wurde gleichentags mit den Ergebnissen der Observation konfrontiert. Sie
machte im Wesentlichen geltend, dass es ihr nicht besser gehe als in den
medizinischen Berichten und im MEDAS-Gutachten wiedergegeben (IV-act. 91, 92 und
94).
A.e.
Nach einem Vorbescheidsverfahren (Vorbescheid vom 10. Februar 2010 [IV-act.
97], Einwand vom 15. März 2010 [IV-act. 100]) verfügte die IV-Stelle am 22. April 2010
die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 102). Am 19. Mai 2010 liess die Versicherte
Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. April 2010 erheben (IV-act. 120). Am 3.
März 2011 hiess das Versicherungsgericht die Beschwerde (IV 2010/218) teilweise gut
(IV-act. 128). Es hob die Verfügung vom 22. April auf und wies die Angelegenheit zur
weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur anschliessenden Neuverfügung
an die IV-Stelle zurück. In der Urteilsbegründung legte es im Wesentlichen dar, die
Observationsergebnisse seien mangels begründeten Verdachts, mangels
Erforderlichkeit und wegen Verletzung von Art. 179 StGB nicht verwertbar; die
entsprechenden Akten seien aus dem Dossier zu entfernen. Bezüglich des MEDAS-
Gutachtens vom 20. Februar 2009 kam das Gericht zum Schluss, es sei mangelhaft
und überzeuge nicht. Die MEDAS Ostschweiz habe sich zu wenig mit den
abweichenden Behandlerberichten auseinandergesetzt. Sie habe auch nicht
ausgeführt, wieso sie im Gegensatz zu diversen Behandlerberichten eine eigenständige
A.f.
quater
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depressive Störung und eine eigenständige Angststörung diagnostiziert und einen
Verdacht einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung angenommen habe. Weiter
sei im MEDAS-Gutachten das Verhalten der Versicherten (Verdeutlichungstendenzen
und Selbstlimitierung), nicht gewürdigt worden. Insgesamt entstehe der Eindruck, der
psychiatrische Gutachter habe die subjektive Krankheitsüberzeugung der Versicherten
übernommen und darauf abgestellt. Da aber für die Bemessung des Invaliditätsgrads
die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und
inwiefern der Versicherten trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch
sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (mit Verweis auf BGE
127 V 298 E. 4c), entscheidend sei, bilde das Gutachten der MEDAS Ostschweiz keine
genügende Grundlage für die Bemessung des Invaliditätsgrads. Deshalb dränge sich
eine erneute psychiatrische Abklärung auf. Die IV-Stelle erhob gegen den Entscheid
des Versicherungsgerichts Beschwerde. Das Bundesgericht hiess in seinem Entscheid
vom 11. November 2011 die Beschwerde teilweise gut (BGer 8C_272/2011; IV-act.
133); es stellte fest, der Observationsbericht sei zu berücksichtigen und die
Abklärungen hätten im Sinne der Erwägungen zu erfolgen. Im Übrigen werde die
Beschwerde abgewiesen. In seinen Erwägungen hielt es fest, die Beweiserhebung
mittels der Observation sei rechtmässig gewesen. Aufgrund der Abweichung zwischen
dem Gutachten und der Observation seien weitere medizinische Abklärungen sowohl
psychiatrischer als auch somatischer Art notwendig.
Am 30. April 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zur Klärung der
Leistungsansprüche eine medizinische Untersuchung (Allgemeine Innere Medizin,
Rheumatologie, Psychiatrie) notwendig sei (IV-act. 140). Am 19. Oktober 2012
erstattete das Schweizerische Zentrum für medizinische Abklärungen und Beratungen
(SMAB AG) ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 147). Die Sachverständigen gaben
an, die Versicherte leide mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an einer
rezidivierenden depressiven Störung, aktuell leicht- bis mittelgradige Episode mit
Panikattacken, und an einem chronifizierten lumbospondylogenen Syndrom infolge
segmentaler Instabilität /L4/L5) mit Ventralgleiten L4 gegenüber L5 um ca. 6mm. Sie
erhoben folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Chronisches
Schmerzsyndrom bzw. anhaltende somatoforme Schmerzstörung (DD: myofasciales
A.g.
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Schmerzsyndrom bei einer muskulären Dysbalance des Schulter- und Beckengürtels),
Verdacht auf Migräne und Autoimmun-Thyreoiditis (behandelt). Der psychiatrische
Sachverständige führte in seinem Fachgutachten aus (IV-act. 147-35 ff.), bei der
aktuellen Untersuchung habe sich im Psychostatus zwar nur eine eher leicht depressiv
getönte Stimmungslage mit Anhedonie, affektiver Abflachung und Perspektiv- und
Freudlosigkeit gezeigt. Zusammen mit den anamnestischen Angaben könne aber
darauf geschlossen werden, dass tatsächlich eine leicht- bis mittelgradige Ausprägung
der depressiven Episode mit einer entsprechenden Beeinträchtigung im Alltag bestehe.
Die Schmerzsymptomatik werde von der Versicherten beschrieben, aber nicht in den
Vordergrund gestellt. Aggravationstendenzen seien nicht erkennbar.
Zusammenfassend könne das Bild einer leicht- bis mittelgradigen Episode bei einer
rezidivierend depressiven Störung diagnostiziert werden. Diese Störung sei
möglicherweise durch die Überforderungssituation mit der Rolle in der Familie und dem
Beruf gleichzeitig bei zunehmender Beeinträchtigung durch die Schmerzproblematik
bei Panvertebralsyndrom ausgelöst worden. Die beschriebenen Panikattacken und
Schwindelanfälle stünden nicht im Vordergrund der eigentlichen psychiatrischen
Erkrankung und seien als sekundär im Gefolge der Depression zu interpretieren. Die
von der Versicherten beschriebenen Schmerzen führten nicht zur einer Gefangenheit im
Schmerzerleben und seien zumindest zum Teil auch willentlich überwindbar, könnten
aber durchaus eine Einschränkung bedeuten. Aus psychiatrischer Sicht sei eine
aktuelle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor allem durch die depressive
Komponente gegeben. In einer angepassten Verweistätigkeit bestehe seit August 2007,
spätestens aber seit dem aktuellen Untersuchungstermin, eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei vor allem durch die
affektive Störung gegeben. Der rheumatologische Sachverständige gab in seinem
Teilgutachten an (IV-act. 147-45 f.), er habe eine leichte bis mittelgradige Reduktion der
zumutbaren Belastbarkeit des Achsenskelettes für alle rückenbelastenden
Arbeitshaltungen und -verrichtungen und eine leichte Reduktion der zumutbaren
Leistungsfähigkeit infolge einer schmerz- und inaktivitätsbedingten Dekonditionierung
festgestellt. Gesamthaft betrachtet betrage die zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit acht Stunden pro Tag bei einer Leistungsminderung von
20%. Die bisherige Tätigkeit sei mit teils starken rückenbelastenden
Arbeitsverrichtungen assoziiert gewesen; diese Tätigkeit sei infolge der
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Rückenschmerzen noch zu 4.5 Stunden pro Tag an 5 Wochentagen ohne zusätzliche
Leistungsminderung zumutbar. Am 13. November 2012 hielt der RAD-Arzt Dr. med.
I._ fest, formell sei das SMAB-Gutachten nicht zu beanstanden (IV-act. 150).
Mit einem Vorbescheid vom 1. Mai 2013 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 153). Hiergegen liess die Versicherte
am 3. Juni 2013/19. Juni 2013 Einwand erheben (IV-act. 155 und 157). Sie beantragte
die Aufhebung des Vorbescheids, die Einholung eines Arztberichtes bei Dr. med. J._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
FMH, und die Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung dieses
Arztberichtes. Eventualiter sei eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Auf Nachfrage der
IV-Stelle berichtete Dr. J._ am 7. Januar 2014 (IV-act. 163- 5 f.), bei der Versicherten
sei am 13. August 2013 bei SLAP-Läsion II und Supraspinatussehnenteilruptur mit
Impingement rechts ein arthroskopisches Shaving mit subacromialer Dekompression,
Bursektomie und Labrumteilresektion rechts durchgeführt worden. Postoperativ
bestünden weiterhin Schmerzen in der rechten Schulter. Das MRI der rechten Schulter
im Dezember 2013 habe eine leicht aktivierte AC-Arthrose bei sonst unauffälligem
Befund gezeigt. Aus orthopädischer Sicht bestehe keine Einschränkung der
körperlichen Leistungsfähigkeit, nachdem die Beschwerden somatisch nicht hätten
objektiviert werden können. Am 7. März 2014 notierte die RAD-Ärztin Dr. med. K._
(IV-act. 164), im Gutachten sei ausgeführt worden, dass eine Ellbogenoperation im April
2011 die dortigen Schmerzen nicht gelindert habe. Eine ähnliche Situation liege
hinsichtlich der aktuellen Schulteroperation vor. Somit spreche die Persistenz der
Schmerzen nach der Schulteroperation nicht unbedingt für eine zwischenzeitliche
Verschlechterung des psychischen Zustandes. Weiter lägen keine psychiatrischen
Berichte vor, die eine Verschlechterung seit der Begutachtung im Oktober 2012
dokumentieren würden. Diesbezüglich sei also von einem nicht relevant veränderten
Zustand auszugehen. Die Versicherte wandte am 16. Mai 2014 (IV-act. 168) ein, dass
sie voll erwerbsunfähig sei, so dass ihr eine ganze IV-Rente zuzusprechen sei.
Eventualiter sei eine Ergänzung des SMAB-Gutachtens einzuholen. Weiter liess sie
Berichte von Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom
11. April 2014 (IV-act. 168-20 f.) und von Dr. med. L._, Facharzt für Neurochirurgie
FMH, vom 21. Februar 2014 (IV-act. 168-22 f.) nachreichen. Dr. E._ hatte angegeben,
A.h.
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die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
schwere Episode mit somatischem Syndrom, an einer Panikstörung und an einer
andauernden Persönlichkeitsänderung nach chronischem Schmerzsyndrom. Der
Zustand der Versicherten sei weitgehend chronifiziert; er könne therapeutisch nicht
relevant verbessert werden. Die Versicherte sei in der freien Wirtschaft daher voll
arbeitsunfähig. Dr. L._ hatte aus neurochirurgischer Sicht folgende Diagnosen
erhoben: Chronische Lumbago, Spondylolyse mit instabiler Spondylolisthesis L4/5
Grad II, linkskonvexe Skoliose der Brustwirbelsäule mit rechtskonvexer Skoliose der
Lendenwirbelsäule, Schmerzen im BWS-Bereich. Am 9. Januar 2015 berichtete Dr.
E._ (IV-act. 172-3 f.), der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich
verschlechtert; die depressive Episode sei gegenwärtig aber nur noch mittelschwer.
Neu hielt sie eine Störung durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom fest; im Übrigen
berichtete sie von unveränderten Diagnosen. Dr. J._ berichtete am 10. Januar 2015
(IV-act. 173-5 f.) und Dr. B._ am 27. Januar 2015 (IV-act. 177) von einem
verschlechterten Zustand. Seit einem Jahr bestünden neben den bekannten
Schulterschmerzen lumbale Schmerzen rechts.
Am 15. Oktober 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 195), zur
Klärung der Leistungsansprüche erachte sie eine umfassende medizinische
Untersuchung als notwendig. Am 14. März 2016 erstattete das Zentrum für
Medizinische Begutachtung (ZMB) in Basel ein interdisziplinäres (Allgemeine Innere
Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie) Gutachten (IV-act. 206). Die
Sachverständigen gaben an, mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit leide die
Versicherte an einem chronischen lumbovertebralen Syndrom mit intermittierender
spondylogener Schmerzausstrahlung nach rechts, segmentaler Instabilität L4/5 bei
Spondylolisthesis L4/5 und Diskopathie L4/5 bei Spondylolisthesis L4/5 sowie an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode. Sie gaben
folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an: Polyglanduläres
Autoimmunsyndrom Typ II mit Vitiligo, Status nach Autoimmun-Thyreoiditis mit aktuell
Hypothyreose substituiert und AK gegen Intrinsic Faktor, Dornwarze linker Fuss in
Behandlung, Schwindelangaben (möglicherweise psychogen), chronisches
zervikovertebrales Syndrom mit cephaler Schmerzbeteiligung, chronisches
thorakovertebrales Syndrom bei Fehlform der Wirbelsäule mit Hyperkyphose der BWS,
A.i.
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Restbeschwerden an der rechten Schulter bei einem Status nach operativem Eingriff
an der rechten Schulter im August 2013 mit arthroskopischem Shaving mit
subacromialer Dekompression, Bursektomie und Labrumteilresektion SLAP-Läsion II
und Plastik bei Supraspinatussehnen-Teilruptur, leichte Epicondylopathia humeri
lateralis rechts bei einem Status nach Denervations-Operation nach Wilhelm am
rechten Ellbogen April 2011, Fingerpolyarthrose beidseits und Heberdenarthrose
beidseits, beginnende Coxarthrose linksbetont gemäss Aktenlage, leicht ausgeprägte
Gonarthrose links, somatoforme Schmerzstörung, Störungen durch psychotrope
Substanzen, Abhängigkeitssyndrom von Sedativa und Hypnotika, übermässiger
Gebrauch psychotroper Substanzen, Hyperlipidämie und chronische Bronchitis bei
massivem Nikotinabusus. Hinweise auf eine Schwindelproblematik seien bei der
gesamten Untersuchung nicht manifest gewesen; diese Symptomangabe sei im
Rahmen einer eindeutigen Verdeutlichungstendenz zu sehen (IV-act. 206-53). Auch die
Medikamentenspiegel stünden in höchster Diskrepanz zu den angegebenen
eingenommenen Dosierungen. Diese Diskrepanz gepaart mit den Ergebnissen der
Observation lasse den Gedanken nicht nur an eine Symptomverdeutlichung, sondern
gar an eine Rentenbegehrlichkeit nicht abwenden. Die letzte Tätigkeit als Charcuterie-
Verkäuferin sei zu 80% zumutbar (IV-act. 206-56 f.); die 80%ige Arbeitsfähigkeit habe
seit 2007 (Aufgabe der Berufstätigkeit) durchgehend bestanden. Die Einschränkung sei
begründet durch einen etwas vermehrten Pausenbedarf und den Bedarf nach einer
Arbeit in Wechselhaltung. Diese Einschränkung sei führend durch die
rheumatologischen Diagnosen begründet. Die psychiatrische Hauptdiagnose sei nur
geringgradig an der Arbeitsunfähigkeitsbemessung beteiligt, da die Beschwerden
weitgehend überwindbar seien. Für schwere Arbeiten bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Dies sei vor allem für eine langdauernde und anhaltende schwere
Arbeit von Belang; kurzfristige Einsätze, wie sie bei der Observation festgehalten
worden seien, seien aber durchaus möglich. Im Gutachten der SMAB AG vom 19.
Oktober 2012 sei der Versicherten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden.
Angesichts der seit Jahren unveränderten Situation könne dies nicht nachvollzogen
werden. Die im Jahr 2011 und 2013 durchgeführten Operationen am rechten Ellbogen
bzw. der Schulter hätten die Arbeitsfähigkeit nur kurzfristig beeinflusst. Für die
Diskrepanzen im psychiatrischen Teilstatus werde auf die entsprechenden
Untersuchungsbefunde verwiesen. Der psychiatrische Sachverständige führte in
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seinem Fachgutachten aus (IV-act. 206-48 f.), im Hamilton-Depressions-Index finde
sich ein aktueller Wert (32 Punkte), der einer mittelschweren depressiven Episode
entspreche. Widersprüchlich dazu sei die Funktionalität im Alltag. Die Versicherte habe
einen relativ geregelten Tagesablauf und erledige die Haushaltsarbeiten weitestgehend
selbständig. Die Versicherte leiste nach eigenen Angaben den Therapieangeboten
Folge. Dazu im Widerspruch ständen die tiefen Medikamentenspiegel, die auf eine sehr
unregelmässige Einnahme der Medikation hinwiesen. Ebenfalls widersprüchlich seien
die Eindrücke, welche die Versicherte anlässlich der Observation gezeigt habe. Die
Aufnahmen belegten eine völlig normale Funktionsfähigkeit im Alltag. Die Versicherte
habe soziale Kontakte und bewege sich frei und ohne sichtbaren Leidensdruck in der
Öffentlichkeit. Wiederum widersprüchlich dazu sei der Suizidversuch durch
Tablettenintoxikation im Jahr 2012 zu werten. Offenbar habe dieser Versuch nicht zu
einer psychiatrischen Hospitalisation geführt. Der Gesamteindruck, den die Versicherte
hinterlasse, weise nicht auf eine depressive Erkrankung hin. Die Versicherte wirke
willensstark, differenziert, lebendig. Ihr affektiver Zustand sei teilweise aufgesetzt und
übertrieben. Die RAD-Ärztin Dr. K._ notierte am 25. Mai 2016 (IV-act. 207), das
Gutachten sei umfassend und weise keine formellen Mängel auf. Darauf könne
vollumfänglich abgestellt werden; aus medizinischer Sicht sei das Gutachten nicht
anfechtbar.
In einem Vorbescheid vom 19. Oktober 2016 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 210). Am 21. November
2016 berichtete Dr. med. M._, Facharzt für Neurochirurgie FMH, von der N._ AG
(IV-act. 214), die Versicherte habe sich am 31. Oktober 2016 einer mikrochirurgischen
Dekompression mit mikrochirurgischer Discectomie L4/5 beidseits sowie einer
ventralen (interkorporelle) und einer dorsalen Spondylodese L4/5 beidseits unterzogen.
Der postoperative Verlauf sei komplikationslos gewesen. Die Schmerzmedikation habe
rasch reduziert werden können. Zu keinem Zeitpunkt hätten gravierende Schmerzen
bestanden. Neurologisch seien keine Defizite vorhanden. Die Versicherte sei gut und
sicher gehfähig. Die postoperative Röntgenkontrolle vom 4. November 2016 habe
einen regelrechten Befund gezeigt. Mit einem Einwand vom 5. Januar 2017 liess die
Versicherte die Aufhebung des Vorbescheids vom 19. Oktober 2016 beantragen (IV-
act. 215). Weiter sei ein Obergutachten einzuholen und der Observationsbericht vom 1.
A.j.
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Oktober 2009 sei aus dem Recht zu weisen bzw. dürfe nicht berücksichtigt werden.
Zur Begründung liess sie ausführen, die ZMB-Gutachter hätten auf den
Observationsbericht abgestellt, was nicht zulässig gewesen sei; entsprechend könne
auch nicht auf das ZMB-Gutachten abgestellt werden. Zudem seien die
Standardindikatoren (BGE 141 V 281) nicht geprüft worden und das Gutachten setze
sich nicht mit dem vorgängigen SMAB-Gutachten auseinander. Die Versicherte reichte
unter anderem eine Mail von Dr. E._ vom 29. November 2016 ein (IV-act. 216-17).
Darin hatte Dr. E._ im Wesentlichen von unveränderten Diagnosen berichtet; sie hatte
statt der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode mit
somatischem Syndrom, neu eine rezidivierende ängstliche-depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Ausprägung, festgestellt. Am 28. April 2017 berichtete Dr.
M._ gegenüber der IV-Stelle (IV-act. 218), in den letzten zwei Monaten habe sich ein
erfreulicher Aufwärtstrend gezeigt; die Kreuzschmerzen hätten sich deutlich gebessert,
wobei in den letzten zwei Wochen rechts lumbosacral etwas vermehrt Schmerzen
aufgetreten seien. Links sei eine Hüftoperation geplant; eine Infiltration habe
vorübergehend eine deutliche Besserung gebracht. Die RAD-Ärztin Dr. K._ hielt am
6. Juli 2017 fest, der Gesundheitszustand sei instabil; die Hüftoperation sei
abzuwarten. Am 10. Mai 2017 war die Versicherte in der N._ AG (vgl. Bericht vom 9.
Oktober 2017, IV-act. 220) aufgrund von persistierenden Knieschmerzen links am
linken Knie operiert worden (Operation: Arthroskopie Knie links, anterolaterale
Meniscusteilentfernung, Resektion Plica medio- und infrapatellaris). Die Fachpersonen
der N._ AG führten aus, postoperativ habe sich ein normaler, erfreulicher Verlauf
gezeigt. Im Vordergrund stünden nun Beschwerden der rechten Schulter. Am 26. Juni
2017 war die rechte Schulter infiltriert worden. Anlässlich der Verlaufskontrolle am 10.
August 2017 gab die Versicherte an, die Infiltration habe zu Beginn einen deutlichen
Beschwerderückgang bewirkt, nun würden die Schmerzen aber wieder zunehmen. Im
Vordergrund stünden jetzt die bekannten bewegungs- und belastungsabhängigen
Hüftschmerzen links. Am 26. Oktober 2017 notierte die RAD-Ärztin Dr. K._ (IV-act.
222-3), der operative Eingriff an der linken Hüfte sei bis heute nicht durchgeführt
worden; auch sei keine Operation geplant. Der Zustand sei somit aktuell nicht als
instabil zu bezeichnen. Daher könne weiterhin an der im ZMB-Gutachten festgestellten
80%igen Arbeitsfähigkeit festgehalten werden. Am 26. Oktober 2017 gewährte die IV-
Stelle der Versicherten die Möglichkeit zu einer zweiten Anhörung zum Vorbescheid
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vom 19. Oktober 2016 (IV-act. 223). In einer Stellungnahme vom 30. November 2017
liess die Versicherte beantragen (IV-act. 226), der Vorbescheid sei aufzuheben, ein
Obergutachten sei einzuholen, berufliche Massnahmen seien anzuordnen und der
Observationsbericht vom 1. Oktober 2009 sei aus dem Recht zu weisen. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die neuen Arztberichte sagten nichts über
die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus, insbesondere auch nicht, wie sich diese nach
der Knieoperation verhalten habe. Die ZMB-Sachverständigen hätten nicht begründet,
wieso die von den SMAB-Gutachtern attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit nicht
nachvollziehbar sei. Die beiden psychiatrischen Hauptdiagnosen (rezidivierende
depressive Störung und somatoforme Schmerzstörung) seien zu Unrecht nicht als
invalidisierend qualifiziert worden. Gemäss einem Bericht von Dr. med. O._ von der
N._ AG vom 10. November 2017 (IV-act. 235-3) hatte die Versicherte neuerlich über
starke Schulterbeschwerden rechts berichtet. Weder eine Infiltration noch eine
Physiotherapie hatten zu einer Besserung geführt. Dr. O._ hatte der Versicherten
daher zu einer Operation an der rechten Schulter geraten. Einem Bericht von Dr. F._
vom 11. November 2017 war zu entnehmen (IV-act. 236), dass dieser bei
gleichbleibender Befunderhebung nach wie vor eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert
hatte. Die RAD-Ärztin Dr. K._ hielt am 27. Februar 2018 fest (IV-act. 240), aktuell
bestehe ein instabiler Gesundheitszustand bei rechtsseitigen Schulterbeschwerden
und einem damit verbundenen operativen Eingriff. Am 7. März 2018 berichtete Dr.
O._ (IV-act. 241), die am 21. November 2017 vorgenommene Operation an der
rechten Schulter sei sowohl peri- als auch postoperativ problemlos verlaufen; die
Beschwerden seien deutlich zurückgegangen. Am 29. Januar 2018 habe die
Versicherte von Schmerzen im Bereich des rechten Rippenbogens berichtet, nachdem
sie drei Wochen zuvor eine Hustenattacke erlitten habe. Zusätzlich habe sie über
starke Beschwerden im Bereich des rechten Hüftgelenks berichtet. Am 12. März 2018
fand eine Infiltration an der rechten Hüfte statt (IV-act. 242); bereits 15 Minuten nach
der Infiltration habe sich ein weitgehender Beschwerderückgang gezeigt, was für eine
intraartikuläre Schmerzursache gesprochen habe. Am 19. April 2018 hielt Dr. O._ fest
(IV-act. 244-3), klinisch und radiologisch zeige sich nur eine geringe Chondropathie des
rechten Hüftgelenks. Die ausgeprägte Beschwerdesymptomatik der Versicherten sei
dadurch nicht erklärbar. Dr. E._ gab im Juni 2018 (IV-act. 249) im Wesentlichen
gleichbleibende Diagnosen an; es lägen chronische Verhältnisse vor. Die Versicherte
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sei seit dem August 2007 auf dem ersten Arbeitsmarkt voll arbeitsunfähig. Die RAD-
Ärztin Dr. K._ notierte am 30. August 2018 (IV-act. 250), aus medizinischer Sicht sei
eine Verlaufsbegutachtung durch das ZMB indiziert.
Am 20. November 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 252), dass
zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische
Verlaufsuntersuchung notwendig sei. Am 10. Februar 2020 erstatteten die
Sachverständigen des ZMB ihre Verlaufsbegutachtung in den Fachgebieten
Psychiatrie, Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie und Rheumatologie (IV-act. 289).
Die Sachverständigen gaben an, die Versicherte leide mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit an folgenden Krankheiten: Somatoforme Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren, rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte bis mittelschwere Episode, Störungen durch Sedativa und
Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, Störungen durch Opioide, gegenwärtiger
Gebrauch, chronisches lumbovertebrogenes Syndrom mit belastungsabhängig
symptomatischer lumbosakraler Facettenarthrosen sowie ISG-Symptomatik ohne
radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik (bei Fehlstatik, muskulärer Insuffizienz/
Dysbalance sowie Adipositas, einem Status nach mikrochirurgischer Dekompression
mit mikrochirurgischer Diskektomie L4/5, ventraler intercorporeller Spondylodese L4/5
mit Cage, autologem Knochen sowie Tutoplast-Chips, dorsaler Spondylodese mit
Pedikelschraubenstabsystem L4 auf L5 beidseits mit etwa 90%iger Reposition, rechts
dorsolateraler autologer Knochenchipsanlagerung bei Spondylolisthesis L4/5 und
massiven Instabilitätsbeschwerden und Rx 18.12.2019: regelrechter Status nach
Spondylodese L4/5, geringe persistierende ventrale Olisthesis, Facettenarthrose L5/S1,
Hyperlordose, geringe Seitausweichung der LWS). Die Sachverständigen erhoben
folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Status nach
endoprothetischer Versorgung der rechten Hüfte am 16.01.2019 mit uneingeschränkter
Funktion, Belastungsschmerzangabe und operativer Läsion des Nervus cutaneus
fermoris lateralis (Hüfte röntgenologisch unauffällig [18.12.2019]), Chondromalazie
linkes Kniegelenk mit belastungsabhängiger Schmerzhaftigkeit bei regulärer
Beweglichkeit, Status nach Arthroskopie, anterolateraler Meniskusteilentfernung,
Chondropathie Grad I-II, Rx 18.12.2019: Minime medialseitige
Gelenkspaltverschmälerung und FPA-Zeichen) chronisches Schultersyndrom rechts
A.k.
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mit leichter Bewegungseinschränkung und leicht verminderter Kraft der
schulterführenden Muskulatur (bei einem Status nach Arthroskopie am 13.08.2013,
subacromialer Dekompression, Bursektomie, Labrumteilresektion bei SLAP-Läsion II
mit Plastik bei Supraspinatussehnenteilruptur, einem Status nach Arthroskopie am
21.11.2017, Refixation SLAP-Läsion und mittleres glenohumerales Ligament,
Bursektomie subacromial, ventrale Acromioplastik, Rx 18.12.2019: Stufenbildung im
ACG, geringe Osteophytenbildung), chronisches cervikovertebrogenes Syndrom mit
geringer Bewegungseinschränkung der HWS, myofasciales Schmerzsyndrom und
leicht aktivierter cervikothorakaler Facettenarthrose ohne radikuläre Reiz- oder
Ausfallsymptomatik (bei Rx 18.12.2019: Facettenarthrose cervikothorakal, darüber
geringgradige degenerative Veränderungen), Heberden- und Bouchard-Arthrose
leichten Grades beidseits ohne Funktionsbeeinträchtigung, Epicondylopathia radialis
rechts mit Restsymptomatik (bei einem Status nach Operation nach Wilhelm
20.04.2011), polyglanduläres Autoimmunsyndrom Typ II (mit Vitiligo, Status nach
Autoimmun-Thyreoiditis mit aktuell substituierter Hypothyreose, Antikörper gegen
Intrinsic-Faktor), Übergewicht (BMI 29), Schwindelangaben. Im Rahmen der
interdisziplinären Gesamtbeurteilung gaben die Sachverständigen folgendes an: Aus
internistischer Sicht bestünden keine funktionellen Auswirkungen. Aus
rheumatologisch-orthopädischer Sicht bestehe ein Zustand nach mehreren
Operationen am Bewegungsapparat, die insgesamt alle als zufriedenstellend in ihrem
Resultat eingestuft werden könnten. Bezüglich der Situation am Bewegungsapparat
bestehe eine funktionelle Einschränkung bei regelmässigem Bücken, beim Tragen von
Lasten über 5kg und bei Arbeiten über Schulterhöhe. Eine Arbeit müsse daher den
Wechsel der Positionen, d.h. abwechslungsweise sitzen, stehen und gehen,
ermöglichen. Bezüglich der psychiatrischen Einschränkungen könne aufgrund der sehr
niedrigen Medikamentenspiegel sowohl der Antidepressiva wie auch der
Schmerzmedikamente darauf geschlossen werden, dass die Versicherte weder eine
potentiell wirksame Medikation ihrer Depression noch ihrer
Schmerzverarbeitungsstörung einnehme. Auch könne angesichts der objektiv
gemessenen Medikamentenspiegel eine Opioid- und Benzodiazepinabhängigkeit mit
einer hohen Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Rein klinisch bestünden aus
psychiatrischer Sicht nur wenige Einschränkungen. Subjektiv habe die Versicherte eine
starke Schmerzproblematik geäussert; die Versicherte richte ihren Lebensunterhalt
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ganz darauf aus. Diskrepant hierzu sei wiederum der niedrige Medikamentenspiegel.
Aufgrund der Schmerzproblematik sei die psychische Funktionsfähigkeit der
Versicherten eingeschränkt. Insbesondere bei der Planung und Strukturierung von
Aufgaben fänden sich mittelgradige Einschränkungen, indem die Versicherte
ausschliesslich auf ihre momentane Befindlichkeit Rücksicht nehme. Subjektiv seien
aufgrund der Schmerzen schwere Einschränkungen in der Umstellungs- und
Durchhaltefähigkeit, in der Fähigkeit zu Spontanaktivitäten sowie in der Flexibilität
vorhanden. Subjektiv habe die Versicherte auch von kognitiven Einschränkungen,
Merkfähigkeitsstörungen und Gedächtnisstörungen berichtet; diese Einschränkungen
könne sie jedoch begrenzen, indem sie sich Dinge aufschreibe. Somit sei aus
psychiatrischer Sicht eine insgesamt leichte bis mittelschwere Einschränkung gegeben.
Bezüglich der Konsistenzprüfung führten die Gutachter aus, in den somatischen
Untersuchungen habe sich das Ausmass der Beschwerden nicht durch objektive
Befunde erklären lassen. Allerdings sei keine bewusste Aggravation oder Simulation
gegeben; vielmehr handle es sich einerseits um ein psychosomatisches Geschehen
und andererseits um eine Verdeutlichung, die bei einer Begutachtung regelmässig
vorkomme. Die Angaben bezüglich der verordneten und der tatsächlich
eingenommenen Medikation variiere sehr stark. Hier könne von einer bewussten
Übertreibung ausgegangen werden. Damit könne davon ausgegangen werden, dass
das Ausmass der geschilderten Schmerzen nicht den erlebten Schmerzen entspreche.
Hier bestehe eine deutliche Inkonsistenz. Im letzten ZMB-Gutachten sei als bisherige
Tätigkeit die Charcuterie-Verkäuferin genannt worden. Die Versicherte habe aber
berichtet, dass sie vor allem im Lager einer Metzgerei gearbeitet habe und dort
schwere Lasten bis zu 25kg habe tragen müssen. Eine solche Tätigkeit sei nicht mehr
möglich, womit in der bisherigen Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Die
vollständige Arbeitsunfähigkeit ergebe sich seit 2016 aus der Summe der Belastungen
und der Eingriffe am Bewegungsapparat, die seit 2016 stattgefunden hätten. Bezüglich
der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit führten die Sachverständigen aus,
aus orthopädischer Sicht seien teils sitzende, teils stehende Tätigkeiten unter
Berücksichtigung der genannten Einschränkungen für die Versicherte, bezogen auf die
gegenwärtige rheumatologische Statuserhebung, weitgehend möglich.
Schmerzbedingt und infolge der Einhaltung von Pausen sei der Versicherten eine
Einschränkung des Rendements ab Gutachten von 30% zu gewähren. Retrospektiv
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könnten rein aktenmässig keine neuen Angaben zur Arbeitsfähigkeit ab dem ZMB-
Gutachten von 2016 gemacht werden. Seither hätten vier weitere orthopädische
Operationen stattgefunden, die zu einer aktuellen residuellen Einschränkung des
Rendements von 30% geführt hätten. Die Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit aus dem
ZMB-Gutachten vom 14.03.2016 hätten daher keine Gültigkeit mehr. Auch aus
psychiatrischer Sicht bestehe eine Verminderung des Rendements. Diese
Verminderung sei teils der Schmerzproblematik mit vermehrtem Pausenbedarf, teil der
psychiatrischen Problematik im engeren Sinne, d.h. den rezidivierenden depressiven
Phasen und der psychosomatischen Entwicklung, geschuldet. Die Annahme, dass
auch die eingenommenen Medikamente die Leistungsfähigkeit beeinträchtigten, könne
nach der Objektivierung der Medikamentenspiegel fallengelassen werden. Die
Einschränkungen führten ebenfalls zu einer Effizienzverminderung, d.h. bei der Tätigkeit
ergebe sich eine Verlangsamung, ein grösserer Pausenbedarf und eine längere
Erholungszeit. Die Einschränkungen in der angepassten Tätigkeit gälten auch für die
angestammte Tätigkeit. Insgesamt, d.h. somatisch und psychisch, seien die
Einschränkungen jedoch nicht höher als 30% zu beziffern. Seit der letzten ZMB-
Begutachtung (im März 2016) seien vier Operationen am Bewegungsapparat
durchgeführt worden, weshalb sich eine Änderung der Einschätzung in Bezug auf die
angestammte Tätigkeit ergeben habe; diese sei wie dargelegt nicht mehr möglich.
Ausserdem habe sich das damals schon als eingeschränkt bezeichnete Rendement um
weitere 10% verringert; die damals angegebene Verminderung der Arbeitsfähigkeit von
20% für eine angepasste Tätigkeit sei aufgrund der erfolgten Eingriffe neu auf 30%
festzusetzen. Dem orthopädischen Fachgutachten ist allerdings bezüglich der
angepassten Tätigkeit zu entnehmen, dass eine leichte Tätigkeit (im Wechsel von
Sitzen, Stehen und Gehen ohne regelmässiges Bücken, Tragen von Lasten über 5kg
und Arbeiten über Schulterhöhe) nur halbtags möglich sei. Die RAD-Ärztin Dr. K._
hielt am 20. Februar 2020 fest (IV-act. 291), auf das ZMB-Verlaufsgutachten könne
abgestellt werden.
Mit einem Vorbescheid vom 8. April 2020 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
aufgrund eines IV-Grades von 32% die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act.
292). Am 26. Mai 2020 liess die Versicherte Einwand erheben (IV-act. 295); sie
beantragte die Aufhebung des Vorbescheids, die Einholung eines interdisziplinären
A.l.
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B.
B.a. Am 4. September 2020 liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
vom 7. Juli 2020 erheben (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung und
die Einholung eines Obergutachtens. Eventualiter sei die Sache zwecks Einholung
eines Obergutachtens an die Vorinstanz zurückzuweisen und der Observationsbericht
der Sphinx Investigation GmbH vom 1. Oktober 2009 sei den Gutachtern für die
Erstellung des Gutachtens nicht zu übergeben. Subeventualiter sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien mindestens eine halbe Rente
zuzusprechen und berufliche Massnahmen zu gewähren. Sie wiederholte im
Wesentlichen das bisher Vorgebrachte.
Obergutachtens, das Ausbleiben der Übergabe des Observationsberichts der Sphinx
Investigation GmbH vom 1. Oktober 2009 an die Gutachter, die Anordnung beruflicher
Massnahmen und subeventualiter die Zusprache mindestens einer halben Rente. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, auf den im Gutachten festgehaltenen
Medikamentenspiegel dürfe nicht abgestellt werden; die Annahme eines zu tiefen
Medikamentenspiegels sei nicht korrekt. Dem Einwand legte sie unter anderem einen
Bericht von Dr. E._ vom 29. April 2020 bei (IV-act. 295-19). Dr. E._ hatte folgende
Diagnosen erhoben: Rezidivierende ängstlich-depressive Störung, mittelschwerer bis
periodisch schwerer Ausprägung mit somatischem Syndrom, Panikstörung,
andauernde Persönlichkeitsänderung nach chronischem Schmerzsyndrom, Störung
durch Sedativa, Hypnotika und Tabak, Abhängigkeitssyndrom, ständiger
Substanzgebrauch, andere Kontaktanlässe mit Bezug auf die wirtschaftliche Lage, die
soziale Umgebung und andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren
Familienkreis. Sie hatte angegeben, es bestünden weitgehend chronische Verhältnisse;
die Versicherte sei auf dem ersten Arbeitsmarkt voll arbeitsunfähig. Am 7. Juli 2020
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 297). Bezüglich der Rüge wegen des
Medikamentenspiegels verwies sie auf die RAD-Stellungnahme vom 6. Juli 2020, worin
die RAD-Ärztin ausführte, dass infolge teils erhöhter Werte ein schneller Abbau der
Medikamente ausgeschlossen werden könne und die von der Versicherten
eingereichten Leberwerte unvollständig und damit nicht verwertbar seien (IV-act. 300).
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B.b. In einer Beschwerdeantwort vom 4. November 2020 beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.c. In einer Replik vom 3. Dezember 2020 liess die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen festhalten (act. G 9).
B.d. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 12).
B.e. Am 19. Oktober 2021 (act. G 13) ersuchte das Versicherungsgericht die ZMB-
Sachverständigen, zu noch offenen Fragen/Unklarheiten Stellung zu nehmen.
Insbesondere sei zu erläutern, wie sich der Widerspruch einer möglichen halbtägigen
Präsenzzeit (also 50% Arbeitsfähigkeit) im orthopädischen Teilgutachten mit der
interdisziplinären Beurteilung einer 70%igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten
erklären lasse, ob sich die Aussage, dass die "Arbeitsfähigkeitsschätzung aus dem
ZMB-Gutachtem vom 14. März 2016 aus somatischer Sicht keine Gültigkeit mehr"
habe, nur auf den Zeitraum von der ersten ZMB-Begutachtung bis zur
Verlaufsbegutachtung beziehe, wie hoch die Arbeitsunfähigkeiten nach den erwähnten
Operationen (Punkt 8.2 S. 59) jeweils gewesen seien bzw. wie lange diese jeweils
angedauert hätten und ob es sich im Gutachten auf S. 14, unter Punkt 4.8, einleitend
um einen Verschrieb bei "orthopädischer Sicht" handle und es korrekterweise "aus
rheumatologischer Sicht" heissen müsse.
B.f. Am 12. November 2021 teilte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit (act.
G 14), die Beschwerdeführerin sei am 20. Oktober 2021 zum dritten Mal an der rechten
Schulter operiert worden. Er reichte einen Austrittsbericht vom 2. November 2021 (act.
G 14.1) und einen Operationsbericht vom 20. Oktober 2021 (act. G 14.2) ein. Im
Austrittsbericht vermerkte die Fachperson einen problemlosen peri- und
postoperativen Verlauf.
B.g. Am 20. Dezember 2021 nahm das ZMB Stellung zum Schreiben des
Versicherungsgerichts vom 19. Oktober 2021 (act. G 16). Es gab an, die
interdisziplinäre Beurteilung einer 70%igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten
sei korrekt; die im orthopädischen Teilgutachten angegebenen 50% seien im
Nachgang zur interdisziplinären Diskussion nicht korrigiert worden. Die
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Arbeitsfähigkeitsschätzung des ersten ZMB-Gutachtens vom 14. März 2016 habe ab
März 2016 bis zum Verlaufsgutachten vom Februar 2020 keine Gültigkeit. Infolge der
durchgeführten Operationen gaben die Gutachter folgende volle Arbeitsunfähigkeiten
an: ab 31. Oktober 2016 für rund drei Monate, ab 10. Mai 2017 für rund einen Monat,
ab 21. November 2017 für rund sechs Wochen und ab 16. Januar 2019 für rund sechs
Wochen. Bei der interdisziplinären Beurteilung sei es korrekt, dass ein Tippfehler
unterlaufen sei; korrekt müsse es "aus rheumatologischer Sicht" heissen.
B.h. Am 18. Januar 2022 wandte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein (act.
G 18), die Stellungnahme des ZMB sei ein untauglicher Rechtfertigungsversuch; darauf
könne nicht abgestellt werden.
B.i. Die Beschwerdegegnerin äusserte am 24. Januar 2022 (act. G 19), die Operation
vom 20. Oktober 2021 sei lange nach dem Verfügungserlass erfolgt. Die Akten dazu
belegten denn auch keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes.

Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin hat sich im Mai 2008 zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet. Gemäss der seit dem 1. Januar 2008 geltenden Fassung des Art. 29 Abs.
1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Demnach könnte die
Beschwerdeführerin frühestens ab 1. November 2008 einen Anspruch auf eine
Invalidenrente begründen. Laut einer (lückenfüllend geschaffenen) Übergangsregelung
(vgl. das IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007 des Bundesamtes für
Sozialversicherungen) ist die altrechtliche, am 31. Dezember 2007 ausser Kraft
getretene Regelung der Entstehung des Rentenanspruchs aber weiter anwendbar,
wenn der Versicherungsfall vor dem 1. Januar 2008 eingetreten ist und die Anmeldung
spätestens am 31. Dezember 2008 (gemäss BGE 138 V 475 ff. Erw. 3.4: bis 30. Juni
2008) eingereicht wird. In einem solchen Fall gilt gemäss aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG, dass
der Anspruch auf eine Invalidenrente mit der Erfüllung des sogenannten Wartejahrs
entsteht. Gemäss aArt. 48 Abs. 2 IVG ist die Nachzahlung allerdings auf die zwölf der
Anmeldung vorausgehenden Monate beschränkt. Ist die Anmeldung also
beispielsweise achtzehn Monate nach der Erfüllung des Wartejahres und damit nach
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der Entstehung des Rentenanspruchs entstanden, ist der Anspruch auf eine
Nachzahlung für die ersten sechs Monate verwirkt. Unter Berücksichtigung dieser
zwölfmonatigen Verwirkungsfrist für Rentennachzahlungen kann die
Beschwerdeführerin frühestens ab 1. Mai 2007 einen Anspruch auf die Auszahlung
einer Invalidenrente begründen. Massgebend für die Anwendbarkeit dieser
Übergangsregelung ist der Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalls, d.h. der
Zeitpunkt der Erfüllung des Wartejahres. Gemäss den überzeugenden ZMB-Gutachten
vom 14. März 2016 und 10. Februar 2020 (vgl. dazu nachfolgend Erw. 4) ist der
Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit (welche für die Berechnung des Wartejahres
massgebend ist) bis zum März 2016 zu 80% möglich gewesen. Erst ab dem März 2016
ist dann eine volle Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit eingetreten. Der
Versicherungsfall ist damit erst nach dem 1. Januar 2018 eingetreten, womit die
neurechtliche Regelung zur Anwendung kommt. Unter Berücksichtigung des
Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und der sechsmonatigen Frist nach Art. 29
Abs. 2 IVG ist der potentielle Rentenbeginn daher auf den März 2017 festzusetzen.
Basis für einen Einkommensvergleich bilden somit die Verhältnisse im Jahr 2017.
2.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 7. Juli 2020 hat die Beschwerdegegnerin das
Rentenbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen. Da das Beschwerdeverfahren
die Prüfung der Rechtmässigkeit dieser Verfügung zum Ziel hat, muss es sich auf den
in der Verfügung enthaltenen Gegenstand beschränken. Die Beschwerdegegnerin hat
in der angefochtenen Verfügung festgehalten, die Beschwerdeführerin habe als
Hilfsarbeiterin keinen Anspruch auf befähigende berufliche Massnahmen. Es könne
also ohne vorgängige Massnahmen über den Rentenanspruch entschieden werden.
Die Formulierung in der Verfügung bezieht sich damit klar auf den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" und nicht auf einen Anspruch auf berufliche Massnahmen an
sich. Der gesetzlich vorgeschriebene Eingliederungsgrundsatz beinhaltet lediglich das
Gebot, dass eine Invalidenrente erst und nur dann zugesprochen werden darf, wenn
die beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Falls bereits vor der
Durchführung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad besteht, kann der Rentenentscheid unabhängig von allfälligen
Eingliederungsmassnahmen gefällt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Mai
2021, 8C_204/2021, E. 4.2.2 mit Hinweisen), da diesen von vornherein eine
rentenrelevante Eingliederungswirkung fehlt (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 9. Dezember 2021, IV 2020/189, Erw. 4.1). Die
angefochtene Verfügung ist deshalb so zu interpretieren, dass kein Anwendungsfall der
Eingliederung vor Rente vorliegt. Die beruflichen Massnahmen an sich bilden somit
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nicht Bestandteil der angefochtenen Verfügung. Folglich ist nur zu prüfen, ob die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat. Auf den Antrag um die
Zusprache von beruflichen Massnahmen kann daher nicht eingetreten werden.
3.
4.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Beschwerde unter anderem sinngemäss gerügt,
dass der Observationsbericht der Sphinx Investigation GmbH vom 1. Oktober 2009
den Gutachtern zur Verfügung gestanden hat. Der Observationsbericht der Sphinx
Investigation GmbH vom 1. Oktober 2009 ist von der Beschwerdegegnerin jedoch zu
Recht in den Akten belassen und damit auch den Gutachtern zur Verfügung gestellt
worden. Das Bundesgericht hat nämlich in seinem Entscheid vom 11. November 2011
festgehalten (BGer 8C_272/2011; IV-act. 133), dass die Beweismittelerhebung mittels
der Observation rechtmässig erfolgt und damit verwertbar sei. Dieser Entscheid ist
auch für das vorliegende Verfahren verbindlich, denn das vorliegende
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/28
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Beschwerdeverfahren ist die Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens, für welches das
Bundesgericht am 11. November 2011 die Berücksichtigung des Ergebnisses der
Observation angeordnet hat. Auf den Antrag, den Gutachtern den Observationsbericht
nicht zu übergeben, kann daher nicht eingetreten werden.
5.
Für die Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens kommt
den Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit in der
Regel eine zentrale Rolle zu. Zur Abklärung des Gesundheitszustandes für den
gesamten relevanten Zeitraum hat die Beschwerdegegnerin mehrere Gutachten
eingeholt. Auf das MEDAS-Gutachten vom 20. Februar 2009 hat gemäss dem
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 3. März 2011 (IV
2010/218) nicht abgestellt werden können. Infolge dessen ist bei der SMAB AG ein
weiteres Gutachten in Auftrag gegeben worden, welches am 19. Oktober 2012
ausgefertigt worden ist. Auch auf dieses Gutachten der SMAB AG kann aber nicht
abgestellt werden. Gemäss den Vorakten neigt die Beschwerdeführerin nämlich zu
einer Symptomverdeutlichung und sie weist Aggravationstendenzen auf. Der
psychiatrische SMAB-Gutachter hat in seinem Teilgutachten festgehalten (IV-act.
147-35), die aktuelle Untersuchung zeige nur eine eher leicht depressiv getönte
Stimmungslage. Zusammen mit den anamnestischen Angaben könne aber darauf
geschlossen werden, dass tatsächlich ein leicht- bis mittelgradige Ausprägung der
depressiven Episode mit entsprechender Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin im
Alltag bestehe. Der psychiatrische Sachverständige hat damit auf die im Rahmen der
Anamneseerhebung erhobenen subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin
abgestellt, obwohl aus den Akten hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin Verdeut
lichungstendenzen aufweist. Der psychiatrische Gutachter hätte deshalb die
subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin kritisch würdigen und eine
Symptomvalidierung durchführen müssen, was er unterlassen hat. Er hat lediglich
vermerkt, Aggravationstendenzen seien nicht erkenntlich gewesen. Der psychiatrische
SMAB-Sachverständige hat in seinem Teilgutachten festgehalten, dass eine
Verweistätigkeit noch zu 50% zumutbar sei; die Einschränkung sei vor allem auf die
affektive Störung zurückzuführen. Erläuterungen dazu fehlen. Um die angegebene
Arbeitsfähigkeit von 50% für Verweistätigkeiten nachvollziehbar zu machen, wäre es
notwendig gewesen, die Differenz zwischen der Schwere der diagnostizierten
Depression (welche als eher leicht angegeben wird) und der Höhe der
Arbeitsunfähigkeit von 50% detailliert und überzeugend zu begründen. Diese Differenz
ist nämlich anhand der Ausführungen des psychiatrischen SMAB-Gutachters nicht
5.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/28
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nachvollziehbar, da aufgrund der gestellten Diagnose für einen medizinischen Laien
eine höhere Arbeitsfähigkeit zu erwarten wäre. Folglich hat die Beschwerdegegnerin zu
Recht ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben, da das SMAB-Gutachten nicht
verwertbar gewesen ist. Am 14. März 2016 hat die ZMB ihr (erstes) Gutachten erstattet.
Am 1. Juli 2019 (IV-act. 274) hat die Beschwerdegegnerin bei der ZMB ein
Verlaufsgutachten in Auftrag gegeben, mit der Begründung, dass das erste Gutachten
der ZMB nun mehr als zwei Jahre zurückliege, dass der Eingriff an der Wirbelsäule zu
einer Zunahme der Mindestbelastbarkeit des Achsenskeletts geführt habe könnte und
dass aus psychiatrischer Sicht (infolge der rezidivierenden ängstlich-depressiven
Störung) eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes möglich sei, wobei dies aus
dem Bericht vom 22. Juni 2018 (IV-act. 249) nicht konkret hervorgehe. Aus
medizinischer Sicht sei deshalb die Durchführung eine Verlaufsbegutachtung
angezeigt. Im ersten Gutachten der ZMB vom März 2016 haben die Gutachter eine
Arbeitsfähigkeit von 80% ab 2007 angegeben (IV-act. 206-56 f.). Diese Einschätzung
hat gemäss dem zweiten ZMB-Gutachten vom Februar 2020 und der Stellungnahme
des ZMB vom 20. Dezember 2021 bis zum 14. März 2016 Gültigkeit gehabt. Im zweiten
ZMB-Gutachten haben die Sachverständigen ab ihrer ersten Begutachtung (also ab
dem 14. März 2016) eine volle Arbeitsunfähigkeit als Verkäuferin und eine 70%
Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten angegeben. Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob
die in den ZMB-Gutachten angegebene Arbeitsfähigkeit je mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt ist.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 351, E. 3a).
5.2.
Die ZMB-Sachverständigen haben in beiden Gutachten den Anlass der
Begutachtung umschrieben. Sämtliche Akten der Beschwerdegegnerin mit den darin
enthaltenen medizinischen Berichten haben den Sachverständigen der ZMB zur
Verfügung gestanden. Die Sachverständigen haben diese medizinischen Vorakten
eingehend gewürdigt, die von ihnen während ihrer Untersuchung erhobenen objektiven
klinischen Befunde anschaulich und vollständig dargelegt und die subjektiven Klagen
der Beschwerdeführerin umfassend wiedergegeben. Es besteht kein Grund zur
Annahme, dass sie eine wesentliche medizinische Tatsache übersehen oder
versehentlich ignoriert hätten. Der für ihre Beurteilung massgebende medizinische
5.3.
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Sachverhalt ist ihnen also vollumfänglich bekannt gewesen. Sie haben ihre
versicherungsmedizinische Beurteilung detailliert begründet. Die ermittelten
Funktionseinschränkungen und gestellten Diagnosen sind nachvollziehbar gewesen.
Weiter haben die Gutachter eine Konsistenzprüfung vorgenommen und Diskrepanzen/
Verdeutlichungstendenzen aufgezeigt. Insbesondere sind in beiden Gutachten
Diskrepanzen zwischen der angegebenen Medikamentendosierung und dem
gemessenen Medikamentenspiegel umschrieben worden. Daraus haben sie die
nachvollziehbare Schlussfolgerung gezogen, dass das Ausmass der geschilderten
Schmerzen nicht den erlebten Schmerzen entspreche. Abschliessend haben die
Sachverständigen eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten
als auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit abgegeben. Die beiden ZMB-Gutachten
sind im Sinne der Rechtsprechung (BGE 125 V 351) inhaltlich vollständig und
umfassend. Im ersten ZMB-Gutachten vom 14. März 2016 (IV-act. 206) basiert die 20%
Arbeitsunfähigkeit insbesondere auf den rheumatologisch bedingten Einschränkungen
der Beschwerdeführerin. Die psychiatrische Hauptdiagnose ist aufgrund der
weitgehenden Überwindbarkeit der Beschwerden nur geringgradig an der
Arbeitsunfähigkeitsbemessung beteiligt gewesen. Die Gutachter haben ausgeführt,
dass die 20%ige Einschränkung insbesondere auf den vermehrten Pausenbedarf
zurückzuführen sei. Die interdisziplinär abgegebene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist
damit überzeugend begründet, nachvollziehbar, mit den Teilgutachten vereinbar und
widerspruchsfrei. Im zweiten ZMB-Gutachten vom 10. Februar 2020 (IV-act. 289) ist
interdisziplinär eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit angegeben
worden (IV-act. 289-14), wohingegen im orthopädischen Teilgutachten (IV-act. 289-47)
vermerkt worden ist, der Beschwerdeführerin seien leichte Tätigkeiten nur noch
halbtags (also zu 50%) möglich. Auf Rückfrage des Versicherungsgerichts vom 19.
Oktober 2021 haben die Sachverständigen diesen Widerspruch bezüglich der
adaptierten Arbeitsfähigkeit aufgelöst und ausgeführt, eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit
für adaptierte Tätigkeiten sei korrekt. Die Angabe einer "halbtags" möglichen
Arbeitsfähigkeit im orthopädischen Gutachten sei im Nachgang zur interdisziplinären
Besprechung versehentlich nicht korrigiert worden. Auch haben die Sachverständigen
ausgeführt, dass im ersten Abschnitt der interdisziplinären Beurteilung der adaptierten
Arbeitsfähigkeit auf S. 14 die "rheumatologische Sicht" und nicht die "orthopädische"
Sicht wiedergegeben werde. Aufgrund der Formulierung im zweiten ZMB-Gutachten
vom 10. Februar 2020 ist nicht klar gewesen, ab wann die neue
Arbeitsfähigkeitsschätzung (Arbeitsunfähigkeit von 30%) für adaptierte Tätigkeiten hat
gelten bzw. ab wann die Einschätzung im Gutachten vom 14. März 2016 keine
Gültigkeit mehr hat haben sollen. Hierzu haben die Sachverständigen ausgeführt, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des ersten ZMB-Gutachtens vom 14. März 2016 habe
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(infolge der notwendig gewordenen Operationen) seit März 2016 keine Gültigkeit mehr.
Ausserdem hätten die durchgeführten Operationen folgende volle Arbeitsunfähigkeiten
für sämtliche Tätigkeiten zur Folge gehabt: ab 31. Oktober 2016 für rund drei Monate,
ab 10. Mai 2017 für rund einen Monat, ab 21. November 2017 für rund sechs Wochen
und ab 16. Januar 2019 für rund sechs Wochen. Die ZMB-Sachverständigen haben
überzeugend dargelegt, dass seit der letzten Begutachtung aufgrund des um weitere
10% verringerten Rendements von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin auszugehen sei. Sie haben dazu ausgeführt, dass sich dies
insbesondere als Effizienzminderung auswirke; bei der Beschwerdeführerin komme es
daher zu Verlangsamungen und sie benötige vermehrte Pausen sowie längere
Erholungszeiten. Nach der Klärung dieser Widersprüche und Unklarheiten ist damit
auch das zweite ZMB-Gutachten vom 10. Februar 2020 nachvollziehbar und frei von
Widersprüchen.
Zu prüfen bleibt, ob die Einwendungen der Beschwerdeführerin berechtigte Zweifel
an den beiden ZMB-Gutachten wecken.
5.4.
Die ZMB-Gutachten halten der Prüfung anhand des strukturierten
Beweisverfahrens des Bundesgerichts stand (Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015).
Die Beschwerdeführerin hat angegeben, dass sich die Gutachterstelle nicht mit dem
darin geschaffenen "Kriterienkatalog" auseinandergesetzt habe. Sie hat dazu
vorgebracht, dass die beiden ZMB-Gutachten nicht bzw. zu wenig auf das
vorangehende Gutachten der SMAB AG eingegangen seien. Da wie oben ausgeführt
ohnehin nicht auf das Gutachten der SMAB AG abgestellt werden kann, kann
vorliegend offenbleiben, ob in den ZMB-Gutachten genügend auf das Gutachten der
SMAB AG eingegangen worden ist.
5.4.1.
Eine Vorbefassung des psychiatrischen ZMB-Gutachters und auch der übrigen
Gutachter bei der zweiten Begutachtung hat die Beschwerdeführerin ebenfalls nicht
überzeugend begründen können. Sie hat nämlich lediglich moniert, der psychiatrische
Gutachter sei bei der Verlaufsbegutachtung vorbefasst gewesen, da er bereits bei der
ersten ZMB-Begutachtung mitgewirkt habe. Eine Verlaufsbegutachtung bei der
gleichen Gutachterstelle bzw. gleichen Gutachtern begründet noch keine
Voreingenommenheit der Gutachter. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ist eine Gutachterstelle, die bereits das Erstgutachten erstattet hat, sogar zur
Beurteilung des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit und der Entwicklung des
Gesundheitszustands seit der Erstbegutachtung im Vergleich mit noch nicht mit dem
Fall einer versicherten Person befassten Gutachterstellen prädestiniert (Urteil des
5.4.2.
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6.
Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsbildung absolviert. Sie ist zuletzt als
Verkäuferin in der Metzgerei eines Grossverteilers tätig gewesen und hat dabei einen
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt. Bei der Ausübung der früheren
Erwerbstätigkeiten (Verkäuferin) hat die Beschwerdeführerin keine qualifizierten
Bundesgerichts vom 14. September 2009, 9C_273/2009, E. 4.3; vgl. auch BGE 132 V
110 E. 7.2.2). Hinzu kommt, dass aus den Akten über die Vorbefassung im Rahmen der
Erstbegutachtung hinaus keine Hinweise auf ein voreingenommenes oder sonstwie
sachfremdes Verhalten der ZMB-Gutachter hervorgehen. Die Kritik der
Beschwerdeführerin ist nicht geeignet, den Anschein der Befangenheit der ZMB-
Sachverständigen bei der Verlaufsbegutachtung zu begründen, da sich diese nicht zur
Beweiskraft des Erstgutachtens zu äussern, sondern nur die danach eingetretene
Sachverhaltsentwicklung beurteilt haben.
Weiter hat die Beschwerdeführerin vorgebracht, auf die Schlussfolgerung der
ZMB-Gutachter, aufgrund des gemessenen Serumspiegels müsse von einer nicht
korrekten bzw. nicht der Verordnung entsprechenden Medikamenteneinnahme
ausgegangen werden, könne nicht abgestellt werden. In einer Stellungnahme vom 6.
Juli 2020 hat die RAD-Ärztin überzeugend dargelegt (IV-act. 300), dass die Einwände
der Beschwerdeführerin keine Zweifel an der Schlussfolgerung der Gutachter weckten.
Insbesondere seien alle Werte bis auf Pregabalin und Oxycodon (Opioid) deutlich
unterhalb des therapeutisch wirksamen Bereichs gewesen. Der Spiegel des Pregabalin
sei deutlich erhöht gewesen, was einen von der Beschwerdeführerin behaupteten zu
schnellen Abbau der Medikamente ausschliesse. Die von der Beschwerdeführerin
eingereichten Leberwerte seien zudem unvollständig, womit deren Beurteilung nicht
vorgenommen werden könne. Eine erneute Bestimmung des Medikamentenspiegels
sei nicht zielführend, da dies nichts zur Klärung der Frage nach dem Sachverhalt zum
Zeitpunkt der Begutachtung beitragen könne.
5.4.3.
Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erwiesen, dass seit dem Jahre
2007 (Aufgabe der Berufstätigkeit) bis zum März 2016 die bisherige Tätigkeit als
Charcuterie-Verkäuferin und adaptierte Tätigkeiten zu 80% möglich gewesen sind und
dass ab März 2016 die bisherige Tätigkeit nicht mehr möglich gewesen ist, eine
adaptierte Tätigkeit aber noch zu 70% hat ausgeübt werden können. Die diversen
Operationen haben nie zu einer längeren (also einer länger als sechs Monate
dauernden) Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit geführt, sondern nur kurze Phasen einer
relevanten Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt (vgl. IV-act. 206-58 und act. G 16).
5.5.
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Berufskenntnisse erworben. Die Validenkarriere der Beschwerdeführerin besteht also in
der Verrichtung von Hilfsarbeiten. Die Akten enthalten keine Hinweise auf eine
(erheblich) über- oder unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung. Die Validenkarriere
besteht deshalb in der Ausübung einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit. Auch die
Invalidenkarriere besteht in der (zumutbaren) Verrichtung einer solchen Hilfsarbeit. Da
sowohl die Validen- als auch die Invalidenkarriere in der Verrichtung einer
durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeiterinnentätigkeit besteht und damit der
Ausgangswert des zumutbaren Invalideneinkommens dem Valideneinkommen
entspricht, kann der Betrag dieser beiden identischen Vergleichsgrössen bei der
Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen; der
Invaliditätsgrad ist folglich mittels eines sogenannten Prozentvergleichs zur ermitteln.
Er entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen
zusätzlichen, dem sogenannten Tabellenlohnabzug analogen Abzug. Zu prüfen ist, ob
die Beschwerdeführerin auch bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30% zusätzliche
Lohnnachteile erleiden würde. Da die betriebswirtschaftlichen Nachteile bei einem
hohen Arbeitsfähigkeitsgrad praktisch vernachlässigbar sind, rechtfertigt sich
vorliegend kein zusätzlicher Abzug. Ab dem März 2017 (pot. Rentenbeginn) ergibt sich
damit ein IV-Grad von höchstens 30%, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente
besteht.
7.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine IV-Rente verneint; die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die Gerichtskosten sind angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf Fr. 600.-- festzusetzen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
7.1.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Dem
infolge des grossen Aktenumfangs (insbesondere Aktenstudium und Würdigung vier
7.2.
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