Decision ID: c6b41e32-052e-42eb-9cca-8812a365211d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 9. April 2020 (DG190028)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 6. November
2019 (Urk. D1/31) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 199 S. 79 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 2 StGB und Ziff. 3 Abs. 2 StGB;
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB; − des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie − der schweren Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziffer. 2 lit. b StGB.
2. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 48 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 373 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 30.00.
3. Die Freiheitsstrafe und Geldstrafe des Beschuldigten A._ werden vollzogen.
4. Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland
vom 20. Juli 2007 gegenüber dem Beschuldigten A._ ausgesprochenen bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.00 wird verzichtet.
5. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
− des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 2 StGB und Ziff. 3 Abs. 2 StGB;
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB; − des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie − der schweren Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziffer. 2 lit. b StGB.
6. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 351 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 30.00.
7. Die Freiheitsstrafe und Geldstrafe des Beschuldigten B._ werden vollzogen.
8. Der Beschuldigte C._ ist schuldig
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− der Gehilfenschaft zu gewerbs- und bandenmässigem Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 2 StGB und Ziff. 3 Abs. 2 StGB und in Verbindung mit Art. 25 StGB;
− der Gehilfenschaft zu mehrfacher Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB;
− der Gehilfenschaft zu mehrfachem Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB sowie
− der Gehilfenschaft zu schwerer Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziffer. 2 lit. b StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB.
9. Der Beschuldigte C._ wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 351 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.00.
10. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und Geldstrafe des Beschuldigten C._ wird bedingt aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
11. Der Beschuldigte A._ wird im Sinne von Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes  (obligatorische Landesverweisung).
12. Der Beschuldigte B._ wird im Sinne von Art. 66a StGB für 8 Jahre des Landes  (obligatorische Landesverweisung).
13. Der Beschuldigte C._ wird im Sinne von Art. 66a StGB für 6 Jahre des Landes  (obligatorische Landesverweisung).
14. Die folgenden, sichergestellten und bei der Asservaten-Triage lagernden Gegenstände sind
innerhalb von 30 Tagen nach Rechtskraft an den Beschuldigten A._ auf Verlangen herauszugeben, wobei die Gegenstände nach unbenutztem Ablauf dieser Frist der Lager-
behörde zur Verwendung überlassen werden:
− Mobiltelefon Samsung YATELEY, weiss, Asservatnr. A012'500'195
− SIM Karte, Asservatnr. A012'811'119
− iPad, weiss-/silberfarben, Camouflage Hülle, Asservatnr. A012'505'338
− Mobiltelefon Huawei, schwarz, Asservatnr. A012'505'270
− Rollkoffer, schwarz, Asservatnr. A013'020'376
15. Die folgenden, sichergestellten und bei der Kantonspolizei Zürich lagernden Gegenstände
sind innerhalb von 30 Tagen nach Rechtskraft an den Beschuldigten B._ auf  herauszugeben, wobei die Gegenstände nach unbenutztem Ablauf dieser Frist der La-
gerbehörde zur Verwendung überlassen werden:
− Mobiltelefon Huawei, schwarz, Display beschädigt, A'013'019'233
16. Die folgenden, sichergestellten und bei der Kantonspolizei Zürich lagernden Gegenstände
sind innerhalb von 30 Tagen nach Rechtskraft an den Beschuldigten C._ auf Verlan-
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gen herauszugeben, wobei die Gegenstände nach unbenutztem Ablauf dieser Frist der La-
gerbehörde zur Verwendung überlassen werden:
− Mobiltelefon Huawei, schwarz, mit braunfarbenem Etui, Display beschädigt, A'013'019'299
− 2 USB-Sticks (1 MediaRange / 1 MicroHC M2), in einer schwarzfarbenen Schachtel, A013'019'404
17. Die folgenden, sichergestellten und bei der Asservaten-Triage lagernden Gegenstände
verbleiben bis zum Abschluss des Verfahrens 2019/29689 gegen D._ bei der Asserva-
ten-Triage:
− Sturmhaube schwarzfarben, Asservatnr. A012'500'117
− Sturmhaube schwarzfarben, Asservatnr. A012'500'139
− Mobiltelefon Apple, iPhone, schwarz, Asservatnr. A012'505'292
− SIM Karte, Asservatnr. A012'720'239
− SIM Karte, Asservatnr. A012'720'308
− SIM Karte, Asservatnr. A012'720'320
− SIM Karte, Asservatnr. A012'720'386
− SIM Karte, Asservatnr. A012'720'411
− SIM Karte, Asservatnr. A012'720'444
− SIM Karte, Asservatnr. A012'720'466
18. Die folgenden, sichergestellten und bei der Asservaten-Triage lagernden Gegenstände sind
innert 30 nach Rechtskraft auf Verlangen des Eigentümers und unter Nachweis seiner
Eigentümerschaft an ihn herauszugeben oder verbleiben ansonsten bis zum Abschluss des
Verfahrens 2019/29689 gegen D._ bei der Asservaten-Triage:
− Navigationsgerät TomTom, Asservatnr. A012'500'151
− drei Paar Handschuhe, schwarz, Asservatnr. A013'032'989
− zwei Baseballmützen, schwarz, Asservatnr. A013'033'017
− Rucksack, blau, Asservatnr. A013'933'028
− Jacke, blau, JB, Asservatnr. A013'033'040
− Jacke, schwarz, North Face, Asservatnr. A013'033'051
− zwei Schlüssel John Deere, Asservatnr. A013'029'497
19. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten A._ wird für ihre Bemühungen und  mit Fr. 53'850.00 (inkl. Fr. 3'850.00 Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschä-
digt. Davon wurden bereits Fr. 23'884.70 (inkl. Mehrwertsteuer) akonto von der Staatsan-
waltschaft II des Kantons Zürich ausbezahlt. Die Bezirksgerichtskasse wird angewiesen,
den noch offenen Betrag von Fr. 29'965.30 (inkl. Fr. 2'142.35 Mehrwertsteuer) auszuzahlen.
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20. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten B._ wird für ihre Bemühungen und  mit Fr. 20'609.45 (inkl. Fr. 1'473.45 Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschä-
digt. Davon wurden bereits Fr. 4'370.65 (inkl. Mehrwertsteuer) akonto von der Staatsan-
waltschaft II des Kantons Zürich an die vormalige amtliche Verteidigerin des Beschuldigten B._ (Rechtsanwältin lic. iur. Y._) ausbezahlt. Die Bezirksgerichtskasse wird , den noch offenen Betrag von Fr. 16'238.80 (inkl. Fr. 1'161.00 Mehrwertsteuer)
auszuzahlen.
21. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten C._ wird für ihre Bemühungen und  mit Fr. 21'623.90 (inkl. Fr. 1'546.00 Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse
entschädigt.
22. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 15'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Beschuldigter A._:
Fr. 5'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 591.35 Auslagen (Gutachten)
Fr. 1'900.00 Telefonkontrolle
Fr. 1'645.90 Auslagen
Fr. 1'975.00 Auslagen Polizei
Fr. 805.80 Entschädigung Dolmetscher Untersuchungsbehörde
Fr. 53'850.00 Entschädigung amtliche Verteidigung Beschuldigter A._
Beschuldigter B._:
Fr. 2'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 116.30 Auslagen (Gutachten DNA Spur Auswertung)
Fr. 270.00 Entschädigung Dolm. (Übersetzung Strafregisterauszug)
Fr. 20'609.45 Entschädigung amtliche Verteidigung Beschuldigter B._
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Beschuldigter C._:
Fr. 3'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 116.35 Auslagen (Gutachten DNA Spur Auswertung)
Fr. 21'623.90 Entschädigung amtliche Verteidigung Beschuldigter C._
23. Die Entscheidgebühr wird wie folgt auferlegt:
Fr. 7'500.00 Beschuldigter A._
Fr. 3'750.00 Beschuldigter B._
Fr. 3'750.00 Beschuldigter C._
Die Kosten der Untersuchung und die übrigen gerichtlichen Verfahrenskosten, ausser dieje-
nigen der amtlichen Verteidigung, werden den Beschuldigten A._, B._ und C._ anteilsmässig gemäss Auflistung in Dispositivziffer 22 auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten A._, B._ und C._ werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO.
Die Beschuldigten A._, B._ und C._ haften solidarisch für die gesamten - und Untersuchungskosten.
24. [Mitteilung]
25. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
a) der Verteidigung des Beschuldigten 1 (Urk. 206 S. 1 f., Urk. 309 S. 13 f.):
"1. Der Beklagte sei von Schuld und Strafe freizusprechen;
2. Pro Tag erstandene Haft seien dem Beschuldigten Fr. 250.-- unter dem
Titel "Genugtuung" zuzusprechen;
3. Aufgrund der bundesgerichtlich festgestellten Rechtsverzögerung be-
treffend der Zustellung des begründeten Urteils der Vorinstanz ist der
Beschuldigte mit pauschal Fr. 6'000.-- an Genugtuung zu entschädi-
gen.
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4. Der Beschuldigte sei unverzüglich aus der Haft zu entlassen;
5. Die Zivilforderungen, soweit sie gestellt worden sein sollten, seien ab-
zuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen;
6. Sämtliche beschlagnahmten Gegenstände des Beschuldigten seien
ihm herauszugeben;
7. Ziff. 19 des Dispositives, S. 82 des angefochtenen Urteils, sei aufzu-
heben und die Verteidigung des Beschuldigten sei angemessen für die
Bemühungen bis Urteil der Vorinstanz zu entschädigen, wobei insbe-
sondere keine Kürzungen für Bemühungen im Bereich Medizin vorzu-
nehmen sind;
8. Für die Bemühungen der Verteidigung ab Hauptverhandlung der Vor-
instanz sei die Verteidigung angemessen zu entschädigen unter Be-
rücksichtigung der eingereichten Unterlagen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse un-
ter Berücksichtigung der gewährten amtlichen Verteidigung."
b) der Verteidigung des Beschuldigten 2 (Urk. 216 S. 3, Urk. 304 S. 1 f.):
"1. Herr B._ sei von den Vorwürfen der Geldwäscherei (schwerer
Fall), des mehrfachen Hausfriedensbruchs und der mehrfachen Sach-
beschädigung freizusprechen.
2. Herr B._ sei der mehrfachen Gehilfenschaft zum Diebstahl i.S.v.
Art. 139 i.V.m. Art. 25 StGB schuldig zu sprechen.
3. Herr B._ sei zu einer vollziehbaren Freiheitsstrafe von 12 Monaten
zu verurteilen.
4. Die bereits erstandene Haft, sowie der bereits erstandene vorzeitige
Strafvollzug - insgesamt 608 Tage -, seien auf die Freiheitsstrafe anzu-
rechnen.
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5. Herr B._ sei für die erstandene Überhaft von 243 Tagen ange-
messen zu entschädigen (Genugtuung).
6. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.
7. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien zu 1⁄4 Herrn B._
und zu 3⁄4 dem Kanton Zürich aufzuerlegen.
8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inkl. Kosten der amtlichen Ver-
teidigung, seien vollumfänglich und definitiv dem Kanton Zürich aufzu-
erlegen.
9. Die amtliche Verteidigung sei gemäss eingereichten Honorarnoten an-
gemessen zu entschädigen."
c) der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 248, Urk. 249 und Urk. 311; teilweise sinngemäss)
1. Abänderung von Dispositiv-Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgericht Hor-
gen vom 9.4.2020 wie folgt:
"Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe
von 60 Monaten sowie mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu
Fr. 30.00."
2. Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten.
3. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils betreffend den Beschuldigten
B._
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und der Anschlussberufung sowie Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 199 S. 6-8 E. I.1.-11.).
1.2. Mit Urteil der Vorinstanz wurden die Beschuldigten gemäss dem eingangs
wiedergegebenen Urteilsdispositiv verurteilt. Gegen dieses Urteil meldeten die
Beschuldigten 1 (A._) und 2 (B._) mit Eingaben vom 15. und
24. April 2020 fristgemäss Berufung an (Urk. 131 und 137; vgl. Urk. 126/2-3). Ihr
begründetes Urteil versandte die Vorinstanz am 2. November 2020
(Urk. 213/201/1-7).
1.3. Innert Frist erklärten die Beschuldigten 1 und 2 mit Eingaben vom 23. und
25. November 2020 Berufung, wobei Ersterer gleichzeitig die unverzügliche Ent-
lassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug beantragte und verschiedene Beweis-
anträge stellte und Letzterer die Durchführung eines schriftlichen Verfahrens
beantragte (Urk. 206, 208/1-14, 216, 220 und 223). Mit Eingabe vom 19. bzw.
24. November 2020 beantrage der Beschuldigte 2 die bedingte Entlassung aus
dem vorzeitigen Strafvollzug (Urk. 212). Mit Verfügungen vom 8. und
14. Dezember 2020 wurden der Staatsanwaltschaft bzw. der Staatsanwaltschaft
und der Verteidigung Frist angesetzt, um zu den Haftentlassungsgesuchen der
Beschuldigten 1 und 2 Stellung zu nehmen (Urk. 225 und 234). Nach Eingang der
Vernehmlassungen bzw. des Verzichts auf Vernehmlassung (Urk. 227, 242 und
244) wurden mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 das Haftentlassungsgesuch
des Beschuldigten 1 abgewiesen (Urk. 236) und mit Verfügung vom
22. Dezember 2020 jenes des Beschuldigten 2 gutgeheissen und wurde Letzterer
per 23. Dezember 2020 aus dem vorzeitigen Strafvollzug entlassen (Urk. 245 und
247).
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1.4. Mit Verfügung vom 16. Dezember 2020 wurden der Staatsanwaltschaft und
dem Privatkläger je eine Kopie der Berufungserklärungen zugestellt und Frist an-
gesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird, oder um begründet
ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen, sowie ihnen ferner Frist ange-
setzt, um zu den Beweisanträgen des Beschuldigten 1 Stellung zu nehmen und
schliesslich den Beschuldigten 1 und 2 Frist angesetzt, um dem Gericht das Da-
tenerfassungsblatt sowie diverse Unterlagen einzureichen (Urk. 238). Mit Einga-
ben vom 18. Dezember 2020 erhob die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung in
Bezug auf den Beschuldigten 1, opponierte ausdrücklich nicht gegen einen Bei-
zug der Verfahrensakten des Strafverfahrens gegen D._, beantragte die Ab-
lehnung der weiteren Beweisanträge des Beschuldigten 1, verzichtete auf eine
Anschlussberufung in Bezug auf den Beschuldigten 2 und beantragte betreffend
diesen die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 248 f.). Der Privatkläger
liess sich innert Frist nicht vernehmen. Mit Eingabe vom 6. Januar 2021 reichte
der Beschuldigte 1 diverse Unterlagen zu den finanziellen Verhältnissen ein
(Urk. 252 und 254/1-8). Ebenfalls unterm 6. Januar 2021 liess der Beschuldigte 2
mitteilen, das Datenerfassungsblatt könne dem Gericht nicht eingereicht werden.
Gleichzeitig ersuchte er um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungs-
verhandlung, sollte nicht ohnehin antragsgemäss ein schriftliches Verfahren
durchgeführt werden (Urk. 255). Mit Verfügung vom 13. Januar 2021 wurde der
Antrag des Beschuldigten 2 auf Durchführung eines schriftlichen Verfahrens ab-
gewiesen. Gleichzeitig wurde er vom Erscheinen an der Berufungsverhandlung
dispensiert. Die vom Beschuldigten 1 eingereichten Unterlagen wurden zu den
Akten genommen und die Verfahrensakten des Strafverfahrens gegen D._
wurden beigezogen. Die übrigen Beweisanträge des Beschuldigten 1 wurden ab-
gewiesen (Urk. 257).
1.5. Mit Urteil des Bundesgerichtes, I. öffentlich-rechtliche Abteilung, vom
2. Februar 2021 wurde die vom Beschuldigten 1 gegen die Abweisung seines
Haftentlassungsgesuchs erhobene Beschwerde vom 15. Dezember 2020 abge-
wiesen, soweit darauf eingetreten wurde (Urk. 268).
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1.6. Die am 24. September 2020 vom Beschuldigten 1 beim Obergericht des
Kantons Zürich, III. Strafkammer, erhobene Rechtsverweigerungs- bzw. Rechts-
verzögerungsbeschwerde aufgrund zu späten Versands des begründeten Urteils
des Bezirksgerichts Horgen an die Parteien wurde mit Beschluss vom 21. Januar
2021 abgewiesen, soweit das Verfahren nicht als gegenstandslos geworden ab-
geschrieben wurde. Mit Urteil des Bundesgerichtes, I. öffentlich-rechtliche Abtei-
lung, vom 9. September 2021 wurde die vom Beschuldigten 1 dagegen erhobene
Beschwerde gutgeheissen und festgestellt, dass das Bezirksgericht Horgen sein
begründetes Urteil zu spät verschickt und dadurch das Beschleunigungsverbot
verletzt habe. Das Bundesgericht erwog zudem, ob und wieweit die Verletzung
des Beschleunigungsgebots eine Strafreduktion rechtfertige, sofern es beim
Schuldspruch bleibe, werde das Berufungsgericht zu entscheiden haben
(Urk. 280 S. 6 E. 2.5). Darauf wird bei der (allfälligen) Strafzumessung einzuge-
hen sein.
1.7. Mit Eingabe vom 24. September 2021 ersuchte der Beschuldigte 1 bei der
hiesigen Kammer einerseits um Sicherstellung der Bezahlung sämtlicher Ge-
sundheitskosten und beanstandete andererseits, dass ihm nicht die notwendige
medizinische Gesundheitsvorsorge zuteilwerde. Für den Fall, dass sich die Ver-
fahrensleitung für die Behandlung seiner Eingabe als unzuständig erachte, er-
suchte er um Übermittlung der Eingabe an die zuständige Behörde bzw. an das
zuständige Gericht (Urk. 281 und 283). Mit Schreiben der Verfahrensleitung vom
28. September 2021 wurde die genannte Eingabe mitsamt Beilage zuständig-
keitshalber dem Justizvollzug und Wiedereingliederung zur weiteren Veranlas-
sung übermittelt (Urk. 284).
1.8. Mit Eingaben vom 23. September 2021 bzw. 8. Oktober 2021 – hier einge-
gangen am 14. Oktober 2021 – ersuchte der Beschuldigte 1 um bedingte Entlas-
sung aus dem vorzeitigen Strafvollzug (Urk. 285 und 287/2). Innert angesetzter
Frist reichten die Staatsanwaltschaft (Urk. 290) und die amtliche Verteidigung
(Urk. 291) je ihre Stellungnahme hierzu ein. Während die Staatsanwaltschaft die
Abweisung des Haftentlassungsgesuchs beantragte, ersuchte die amtliche Ver-
teidigung um dessen Gutheissung und gleichzeitig um Dispensation des Beschul-
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digten 1 von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung. Nachdem die jeweilige
Stellungnahme der jeweils anderen Partei zugestellt worden war, verzichtete die
Staatsanwaltschaft mit Zuschrift vom 20. Oktober 2021 auf eine weitere Stellung-
nahme (Urk. 296). Die amtliche Verteidigung reichte ihre Stellungnahme zur
Vernehmlassung der Staatsanwaltschaft unterm 20. Oktober 2021 hierorts ein
(Urk. 293). Mit Verfügung vom 27. Oktober 2021 wurden das Haftentlassungs-
gesuch und das Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungs-
verhandlung des Beschuldigten 1 abgewiesen (Urk. 297).
1.9. Mit Eingabe vom 22. November 2021 ersuchte die amtliche Verteidigung
des Beschuldigten 2 um Erlaubnis, ihr Plädoyer gleich zu Beginn der Berufungs-
verhandlung zu halten und gleichzeitig um Dispensation von der weiteren Beru-
fungsverhandlung bis und mit Urteilseröffnung (Urk. 299). Am 23. November 2021
wurde ihr die Teilnahme an der Berufungsverhandlung freigestellt, woraufhin sie
auf eine Teilnahme sowie auf eine mündliche Urteilseröffnung verzichtete und in
Aussicht stellte, ihr Plädoyer schriftlich bei der hiesigen Kammer einzureichen
(Urk. 301). Unterm 26. November 2021 reichte sie ihr Plädoyer hierorts ein
(Urk. 303 f.).
1.10. Am 29. November 2021 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit
des Beschuldigten 1 und seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur.
X1._, sowie des Staatsanwalts Dr. iur. Umberto Pajarola statt. Vorfragen wa-
ren keine zu entscheiden (Prot. II S. 20). Das Urteil erging im Anschluss an die
Berufungsverhandlung (a.a.O. S. 46 ff.).
2. Umfang der Berufung und der Anschlussberufung
2.1. Beschuldigter 1
2.1.1. Der Beschuldigte 1 lässt Dispositiv-Ziffer 19 (Entschädigung der amtlichen
Verteidigung) des vorinstanzlichen Entscheids mittels Berufung anfechten.
Konkret werden die von der Vorinstanz vorgenommenen Honorarkürzungen
beanstandet. Die dem amtlichen Verteidiger von der Vorinstanz zugesprochene
Entschädigung für das Untersuchungs- und erstinstanzliche Verfahren soll mithin
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zu tief sein (Urk. 206 S. 2, Urk. 309 S. 13). Gegen eine zu tiefe Entschädigung der
amtlichen Verteidigung ist die beschuldigte Person nicht zur Ergreifung der
Berufung legitimiert, da die Entschädigungsfrage alleine eine Angelegenheit
zwischen der amtlichen Verteidigung und dem Staat ist und die beschuldigte
Person in diesem Zusammenhang kein rechtlich geschütztes Interesse an der
Aufhebung oder Änderung des Entscheids hat. Die amtliche Verteidigung zählt
nicht zu den Verfahrensparteien (Art. 104 Abs. 1 StPO). Ihre
Rechtsmittellegitimation hinsichtlich der Festsetzung des Honorars ergibt sich
nicht aus Art. 382 StPO, sondern aus der besonderen Regelung in Art. 135 Abs. 3
StPO. Sie kann bzw. muss gegen den erstinstanzlichen Entschädigungsentscheid
in ihrer Eigenschaft als Verfahrensbeteiligte in eigenem Namen strafprozessuale
Beschwerde führen (BGE 140 IV 213 E. 1.4.; BGE 139 IV 199 E. 5.2; BSK StPO-
RUCKSTUHL, Art. 135 N 15 f.). Die amtliche Verteidigung hat den vorinstanzlichen
Entschädigungsentscheid bei der Beschwerdeinstanz nicht angefochten (Prot. II
S. 21). Mangels Beschwer des Beschuldigten 1 ist auf die Berufung insoweit nicht
einzutreten.
2.1.2. Der Beschuldigte 1 verlangt mit seiner Berufung einen vollumfänglichen
Freispruch unter ausgangsgemässer Regelung der Nebenfolgen (Urk. 206 S. 1 f,
Urk. 309 S. 13). Die Staatsanwaltschaft beantragt mittels Anschlussberufung eine
schärfere Bestrafung (Urk. 248, Urk. 311 S. 1). Die anlässlich der Berufungs-
verhandlung gestellten Anträge gemäss Ziffer 1 (soweit es den Widerruf betrifft),
Ziffer 5 (Zivilforderungen) und Ziffer 6 (Beschlagnahmungen) zog der Beschul-
digte 1 zurück (Prot. II S. 20 f. und 24), wovon Vormerk zu nehmen ist. Zufolge
Nichteintretens (vgl. Ziff. I.2.1.1.) bzw. Rückzugs der Berufungsanträge (vgl. das
soeben Ausgeführte) bzw. mangels Anfechtung wurden die Dispositiv-Ziffern 4,
14-19 und 22 des vorinstanzlichen Urteils rechtskräftig, was in Form eines
Beschlusses festzuhalten ist. Im Berufungsverfahren zur Disposition stehen damit
noch die Dispositiv-Ziffern 1-3, 11 und 23 vorinstanzlichen Urteils.
2.2. Beschuldigter 2
Die Berufung des Beschuldigten 2 richtet sich gegen die rechtliche Würdigung
des Anklagesachverhalts, die Sanktion, die Landesverweisung und die
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Kostenauflage (Urk. 216 S. 2 f., Urk. 304 S. 1 f.). Die Staatsanwaltschaft
beantragt die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 249). Nicht
angefochten wurden somit die Dispositiv-Ziffern 14-18, 20 und 22 des
vorinstanzlichen Urteils, die folglich rechtskräftig wurden, was in Form eines
Beschlusses festzuhalten ist. Im Berufungsverfahren zur Disposition stehen noch
die Dispositiv-Ziffern 5-7,12 und 23 des vorinstanzlichen Urteils. Es gilt das
Verschlechterungsverbot im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zu beachten.
2.3. Beschuldigter 3
Der Beschuldigte 3 erhob innert Frist keine Berufung gegen das vorinstanzliche
Urteil. Auch seitens der Staatsanwaltschaft unterblieb eine solche. Damit blieb
das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf den Beschuldigten 3 (Dispositiv-Ziffern 8-
10,
13-18, 21-23) unangefochten und ist in Rechtskraft erwachsen.
3. Prozessuales
3.1. Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit
Erwähnung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem An-
spruch auf rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu
begründen. Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen,
von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid
stützt. Es darf sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und
muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf
die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässi-
ger Motivationsaufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt sich
Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes
Argument gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer Urteil des Bundesgerichtes
6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
- 15 -
3.2. Die massgeblichen Strafanträge wegen Hausfriedenbruchs und Sachbe-
schädigung (Urk. 1/1 S. 13 und Urk. 14/2) liegen vor.
3.3. Indem das Strafverfahren gegen D._ mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft vom 28. Juli 2020 mangels anklagegenügender Belastungen für eine Mittä-
terschaft oder Gehilfenschaft bei den beiden Einbruchdiebstählen rechtskräftig
eingestellt wurde (Untersuchungsakten D._ der Staatsanwaltschaft II des
Kantons Zürich Unt.-Nr. C-7/2019/10029689, Urk. 21 S. 6), liegt ein sachlicher
Grund für eine Verfahrenstrennung im Sinne von Art. 30 StPO vor. Die von der
Staatsanwaltschaft am 5. September 2019 vorgenommene Verfahrenstrennung
(Urk. 9) ist daher nicht zu beanstanden (vgl. die Ausführungen des Beschuldigten
1 dazu in Urk. 206 S. 3).
3.4. Der Beschuldigte 1 monierte im Berufungsverfahren, die
Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz hätten trotz entsprechender Gesuche der
Verteidigung keine Akteneinsicht in die Einstellungsverfügung und die
Untersuchungsakten D._ gewährt (Urk. 309 S. 20 f.). Gleichzeitig räumte sie
ein, dass die von der hiesigen Kammer beigezogenen Strafakten betreffend
D._ den Beschuldigten 1 weder entlasten noch belasten (Prot. II S. 43). Es
ist folglich nicht ersichtlich, welche Nachteile dem Beschuldigten 1 entstanden
wären, wenn dem so wäre. Es ist sodann festzuhalten, dass die Vorinstanz die
Strafakten betreffend D._ beigezogen hat und der Beschuldigte 1 Einsicht
nehmen konnte (Urk. 92 f.). Auch die Einstellungsverfügung wurde nicht
vorenthalten. Sie erging nach dem erstinstanzlichen Schuldspruch (9. April 2020)
am 28. Juli 2020 (Untersuchungsakten D._ der Staatsanwaltschaft II des
Kantons Zürich Unt.-Nr. C-7/2019/10029689, Urk. 21). Inwiefern dem
Beschuldigten 1 massgebliche Akten vorenthalten worden sein sollen, erschliesst
sich daher nicht. Der Inhalt der Einstellungsverfügung ist für die vorliegende
Sachverhaltserstellung unbestrittenermassen auch nicht relevant. Sie gründet in
erster Linie auf jenen Akten bzw. auf jenem Beweisfundament, das auch
Grundlage des vorliegenden Verfahrens bildet und nicht auf anderen Beweisen.
Das Strafverfahren gegen D._ wurde mangels anklagegenügender Beweise
für eine Tatbeteiligung rechtskräftig eingestellt (Untersuchungsakten D._ der
- 16 -
Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich Unt.-Nr. C-7/2019/10029689, Urk. 21
S. 6).
3.5. Der Beschuldigte 1 monierte vor Vorinstanz und auch im Berufungsver-
fahren sinngemäss, er sei mit E._ nicht konfrontiert worden (Urk. 121 S. 7 ff.,
Urk. 309 S. 22). Die Vorinstanz hat sich in ihrem Entscheid mit diesem Einwand,
der nicht verfängt, einlässlich auseinandergesetzt (Urk. 199 S. 11 f. E. II.3.). Auf
diese zutreffenden Ausführungen ist vorab zu verweisen. Ergänzend ist
hinzuzufügen, dass Zwangsmassnahmen wie
Fahrzeuginnenraumüberwachungen keine Beweisabnahmen sondern
Beweissicherungen und damit keine Beweiserhebungen im Sinne von Art. 147
Abs. 1 StPO sind, zumal die Teilnahme von Parteien (die in der Regel zum
Zeitpunkt der Beweissicherung keine Kenntnis davon haben) am Beweisergebnis
nichts zu ändern vermag. Das Akteneinsichtsrecht und das Recht, Beweisanträge
zu den gesicherten und eingesehenen Beweisen zu stellen, gibt der
beschuldigten Person die Möglichkeit, einzugreifen und die Aktenlage zu
verändern, indem zum Beispiel eine Einvernahme beantragt wird (vgl.
SCHMID/JOSITSCH, StPO Praxiskommentar, Art. 147 N 2). Vorliegend sind einzig
überwachte Gespräche von E._ aktenkundig. Eine Einvernahme hat nicht
stattgefunden. Die überwachten Gespräche bzw. Aussagen von E._ sind
zudem für die vorliegende Beweiswürdigung nicht relevant. Dementsprechend ist
auch eine Konfrontation entbehrlich. Solches wurde vom Beschuldigten 1 im
Berufungsverfahren denn auch nicht beantragt.
3.6. Soweit der Beschuldigte 1 vor Vorinstanz beanstandete, dass sich die An-
klageschrift nicht mit der Frage auseinandersetze, ob es sich beim Beschuldig-
ten 1 um "F''._" handle, der offenbar die beiden Fahrraddiebstähle begangen
habe, ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass es nicht Aufgabe der Anklage ist, die
vorgebrachten Behauptungen zu belegen oder zu beweisen (Urk. 199 S. 12
E. I.4.). In die Anklage gehören keine Hinweise auf Beweise oder Ausführungen,
welche die Anklagebehauptungen in sachverhaltsmässiger Hinsicht oder bezüg-
lich der Schuld- oder Rechtsfragen stützen (Urteil des Bundesgerichts
6B_1030/2015 vom 13. Januar 2017 E. 1.3). Dass in der Anklageschrift die Ar-
- 17 -
gumente, die darauf schliessen lassen, dass es sich beim Beschuldigten 1 um
den an den Einbruchdiebstählen beteiligten "F''._" handelt, nicht aufgelistet
werden, führt somit nicht zu einer Verletzung des Anklageprinzips oder des recht-
lichen Gehörs des Beschuldigten 1. Der Vollständigkeit halber ist zu bemerken,
dass auch keine Verletzung des Anklageprinzips betreffend den Vorwurf der
Geldwäscherei vorliegt, wie dies der Beschuldigte 1 vor Vorinstanz geltend mach-
te (Urk. 121 S. 34) Es reicht, wenn die Anklageschrift die Tatsachen vollständig
darstellt, die den massgeblichen Elementen der nach Auffassung der Staatsan-
waltschaft erfüllten Straftatbestände entsprechen (Urteil des Bundesgerichts
6B_694/2020 vom 17. Juni 2021, E. 1.2.). Dass die Anklage betreffend den Vor-
wurf der Geldwäscherei – nebst dem Transport der Deliktsbeute über die Grenze
– keine weiteren Tathandlungen umschreibt, ist nicht schädlich. Mit dem Verbrin-
gen der gestohlenen Fahrräder ins Ausland liegt bereits eine tatbestandsmässige
Verschleierungshandlung vor (Urteil des Bundesgerichts 6B_27/2020 vom
20. April 2020, E. 2.4.2.). Eine Verletzung des Anklageprinzips ist zu verneinen.
3.7. Der Beschuldigte 1 beanstandete vor Vorinstanz, dass Akten bezüglich der
Verhaftung und Freilassung von F._ bzw. F'._ von den deutschen
Strafverfolgungsbehörden nicht herausverlangt wurden. Zudem wurde moniert,
dass das TÜ-Protokoll vom 3. Juni 2018 der Verteidigung nicht zur Verfügung
gestellt worden sei (Urk. 121 S. 16). Diese Rügen wurden im Berufungsverfahren
nicht mehr erhoben. Es ist dennoch zu bemerken, dass das TÜ-Protokoll
aktenkundig ist (Urk. D1/2/1/4/9/5 Nr. 120) und der Verteidiger im vorinstanzlichen
Verfahren Einsicht in die Akten nahm. Der Verteidiger selbst reichte das TÜ-
Protokoll zudem mit der Berufungserklärung bei der hiesigen Kammer nochmals
ein (Urk. 208/3), was beweist, dass er darüber verfügte. Die deutschen Er-
mittlungen führten, wie sogleich zu zeigen sein wird, nach einem falschen
Anfangsverdacht zum Beschuldigten 1 und nie zu einer Person namens F._
oder F'._, weshalb die Existenz von Haftakten betreffend eine Person
namens F._ ausgeschlossen werden kann. Im Berufungsverfahren be-
antragte die Verteidigung des Beschuldigten 1, es sei beim Landeskriminalamt
Baden-Würtemberg eine amtliche Auskunft über die Existenz von F._ mit
dem Vornamen "F''._" oder "F'''._" einzuholen (Urk. 206 S. 10, Urk. 309
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S. 12). Auch wenn die Beschuldigten 2 und 3 im überwachten Telefongespräch
vom 3. Juni 2018 laut dem darauf basierenden TÜ-Protokoll ein einziges Mal über
eine unbekannte Person namens F._ sprachen, geht daraus nicht hervor, ob
es in diesem Gespräch inhaltlich um die verfahrensgegenständlichen
Einbruchdiebstähle oder allenfalls um andere Delikte ging, in welche die
Beschuldigten 2 und 3 ebenfalls involviert waren. Immerhin wurden ihre
Gespräche von den deutschen Strafverfolgungsbehörden wegen Verdachts auf
illegalen Drogenhandel abgehört und handelt es sich bei den Erkenntnissen
betreffend die verfahrensgegenständlichen Fahrraddiebstähle um Zufallsfunde.
Die deutschen Strafverfolgungsbehörden gingen gestützt auf das genannte
Telefongespräch anfänglich irrtümlicherweise davon aus, der andernorts in den
abgehörten Gesprächen im Zusammenhang mit den Fahrraddiebstählen
mehrfach erwähnte mutmassliche Tatbeteiligte "F''._" trage den Nachnamen
F._ bzw. sei mit dem ein einziges Mal erwähnten F._ identisch
(Urk. D1/2/1/4/9/5 Nr. 120 = Urk. 208/3), Rechtshilfeakten aus Deutschland in
Kopie [roter Ordner I] Urk. 2/37). Nach weiteren Ermittlungen kamen sie jedoch
zum Schluss, dass es sich beim mutmasslichen Tatbeteiligten "F''._" um den
in G._ (Litauen) wohnhaften A._ (Beschuldigter 1) handeln müsse.
Hierbei stützten sie sich auf folgende Erkenntnisse: Die Beschuldigten 2 und 3
sprachen in den abgehörten Gesprächen im Zusammenhang mit den Einbruch-
diebstählen mehrfach von einer unbekannten mutmasslich tatbeteiligten Person,
die sie als "F''._" bezeichneten. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden
konnten die Rufnummer 1 aufgrund diverser Telefongespräche des
Beschuldigten 2 mit diesem Gegenanschluss, welche inhaltlich mit den Ge-
sprächen zwischen den Beschuldigten 2 und 3 korrespondierten, der
unbekannten Person "F''._" zuordnen. Am 8. Mai 2019 teilte der
Beschuldigte 2 der unbekannten Person "F''._" mit der Rufnummer 1
telefonisch mit, dass der Bus EUR 300.– koste (Anhang zu Urk. D1/3/2/2 TÜ-
Protokoll vom 8. Mai 2018, 17:01:37 Uhr). Dieses Gespräch handelte – wie bei
der Sachverhaltserstellung zu zeigen sein wird – von der Mietgebühr des
Fahrzeugs, welches in der Folge für den Transport der beim ersten
Einbruchdiebstahl entwendeten Fahrräder nach Deutschland benutzt wurde. Am
- 19 -
12. Mai 2018 wurde mittels Western Union von der Person A._, wohnhaft in
G._ (Litauen), mit der Rufnummer 1, aus der Western Union Niederlassung
in G._/Litauen genau dieser Betrag von EUR 300.– an den Tatbeteiligten
Beschuldigten 3, den Bruder des Beschuldigten 2, transferiert. Die Rufnummer 1
konnte folglich dem Beschuldigten 1 zugeordnet werden. Die Ermittlungen führten
folglich zum Beschuldigten 1 und nicht zu einer Person mit dem Nachnamen
F._ (Rechtshilfeakten aus Deutschland in Kopie [roter Ordner I] Urk. 1/2 und
1/11 f.). Der anfängliche Verdacht, der Tatbeteiligte "F''._" trage den
Nachnamen F._, erwies sich somit rasch als falsch. Selbst wenn das
Landeskriminalamt Baden-Würtemberg die Existenz einer Person mit dem
Nachnamen F._ und dem Vornamen "F''._" oder "F'''._" bestätigen
würde, änderte dies nichts daran, dass die Ermittlungen in Bezug auf den
mutmasslichen Tatbeteiligten "F''._" zum Beschuldigten 1 führten und – wie
bei der Sachverhaltserstellung zu zeigen sein wird – keine ernsthaften Zweifel
daran bestehen, dass der Beschuldigte 1 der Tatbeteiligte "F''._" ist. Daran
würde auch die Existenz einer in Deutschland lebenden Person namens
F'''._ oder F._ nichts ändern. Auf die Einholung einer solchen Auskunft
ist folglich zu verzichten und der entsprechende Beweisantrag abzuweisen.
3.8. Der Beschuldigte 1 rügte im Berufungsverfahren wie schon vor Vorinstanz
eine Verletzung seines Rechts auf einen Anwalt der ersten Stunde. Die erste Be-
sprechung mit seinem Verteidiger habe ohne Kenntnis des Tatvorwurfs stattfinden
müssen, wodurch er weder wirksam beraten noch verteidigt habe werden können
(Urk. 121 S. 37, Urk. 309 S. 34 f.). Ob eine Verletzung des Rechts auf einen
Anwalt der ersten Stunde im Sinne von Art. 159 Abs. 1 und 2 StPO vorliegt, muss
nicht abschliessend beurteilt werden. In der ersten Einvernahme vom
3. April 2019 belastete sich der Beschuldigte 1 nicht und machte generell keine
für die Beweiswürdigung entscheidenden Aussagen. In den nachfolgenden
Einvernahmen im Untersuchungsverfahren verweigerte er sodann durchwegs die
Aussage (vgl. Urk. D1/3/1/1-6; Urk. D1/3/4). Spätestens vor Vorinstanz war dem
Beschuldigten 1 der Anklagevorwurf wie auch das Beweisfundament schliesslich
umfassend bekannt. Selbst wenn eine Verletzung des Rechts auf einen Anwalt
der ersten Stunde bejaht würde und diese eine Unverwertbarkeit der am
- 20 -
3. April 2019 gemachten Aussagen zuungunsten des Beschuldigten 1 zur Folge
hätte (relevante Sekundärbeweise liege nicht vor), zeitigte dies somit keine
relevanten Auswirkungen auf das Beweisergebnis. Dennoch rechtfertigt sich der
Hinweis auf die in der Lehre vertretene Auffassung, wonach die Verteidigung über
den Tatvorwurf zu orientieren ist, sofern die Eröffnung nach Art. 158 Abs. 1 lit. a
StPO bereits erfolgt ist (ZK StPO-GODENZI, Art. 159 N 23). Vorliegend fand die
Besprechung der Verteidigung mit dem Beschuldigten 1 vor Beginn der ersten
Einvernahme statt (Urk. D1/3/1/1 S. 1). Würde der Auffassung der Verteidigung
des Beschuldigten 1 gefolgt, würde dies bedeuten, dass die beschuldigte Person,
welche einen Verteidiger beizieht, besser gestellt wäre als eine beschuldigte
Person, welche auf den Beizug eines Anwalts verzichtet. Erstere hätte nämlich –
der Auffassung der Verteidigung des Beschuldigte 1 folgend – Anspruch auf
Voraborientierung über den Tatvorwurf und könnte sich folglich zusammen mit der
Verteidigung vor Eröffnung der Einvernahme eine Verteidigungsstrategie zurecht
legen, während Letztere nach Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO erst zu Beginn der
Einvernahme über den Tatvorwurf orientiert würde. Eine solche
Ungleichbehandlung ist vom Gesetzgeber nicht gewollt. Entsprechend wäre der
dargelegten Lehrmeinung zu folgen, wonach auch die Verteidigung und die
verteidigte beschuldigte Person erst mit Beginn der Ersteinvernahme nach
Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO Anspruch auf Orientierung über den Tatvorwurf hat. Im
Zeitpunkt der Erstbesprechung der Verteidigung mit dem Beschuldigten 1 bestand
folglich kein Anspruch auf Bekanntgabe des Tatvorwurfs durch die
Strafverfolgungsbehörde. Entsprechend läge ohnehin keine Verletzung des
Rechts auf einen Anwalt der ersten Stunde vor.
3.9. Der Beschuldigte 1 machte im Berufungsverfahren wie bereits vor Vor-
instanz geltend, er erhalte in der Haft keine adäquate Gesundheitsversorgung. Mit
dem Vorbringen des Beschuldigten 1 vor Vorinstanz, wonach seine Verteidigung
dadurch eingeschränkt gewesen sei, hat sich die Vorinstanz unter Bezugnahme
auf die Akten sorgfältig auseinandergesetzt (Urk. 199 S. 14-16 E. II.7.2-7.5 u.a.
unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 1B_416/2019 vom
12. September 2019 [Urk. D1/20/50]), auf diese zutreffenden Ausführungen kann
zunächst verwiesen werden. Im Berufungsverfahren liess der Beschuldigte 1
- 21 -
durch seine Verteidigung konkret vorbringen, ihm sei bis weit ins Jahr 2021 eine
EMRK-konforme Grundversorgung KVG vorenthalten worden und die
vorinstanzlichen Ausführungen zu seiner Hafterstehungs- und
Einvernahmefähigkeit seien unzutreffend. Er sei mit Mahnungen betreffend
Medizinalkosten eingedeckt worden und ihm sei immer wieder gesagt worden,
ohne Bezahlung erhalte er keine Leistungen. Erst im Oktober 2021 habe das Amt
für Justiz des Kantons Zürich (Frau H._) anerkannt, dass er unabhängig von
Kostenträgern immer auf dem Niveau der Grundversorgung Anspruch auf
medizinische Versorgung habe. Er habe zunächst eine falsche
Schmerzmedikation erhalten und es seien nicht sämtliche Leiden (Halsbeulen,
blutiger Auswurf) abgeklärt worden. Erst mit der Abgabe von Antiepileptika habe
eine richtige Schmerzeinstellung stattgefunden. Und erst die Bündner Leistungs-
erbringer hätten ihm in einer ihm verständlichen Sprache seinen Zustand und
seine Behandlung erklärt (Urk. 309 S. 2-4 und 10 f., Urk. 206 S. 5 f. und 10-13).
Die Hafterstehungsfähigkeit des Beschuldigten 1 wurde nach seiner Verhaftung
vom 3. April 2019 durch den Dienstarzt der Mobilen Ärzte erstmals geprüft und als
gegeben beurteilt (Urk. 20/12). Ab dem 8. April 2019 befand er sich im Unter-
suchungsgefängnis Zürich in Untersuchungshaft. Bereits am Eintrittstag wurden
die vorhandenen Erkrankungen schriftlich aufgenommen. Dem Schreiben aus
Litauen, welches der Beschuldigte 1 mitgebracht hatte, war die Diagnose eines
Oropharynxkarzinom pT2N3M0 (Halsrachenkrebs) zu entnehmen. Im
Oktober 2018 war der Beschuldigte 1 infolge der Krebserkrankung in Litauen (ein
zweites Mal) operiert und anschliessend chemotherapeutisch behandelt worden.
Ab der Erstbeurteilung im Untersuchungsgefängnis Zürich vom 9. April 2019
fanden in kurzen Abständen regelmässige ärztliche Visiten statt. Zudem wurde
am 6. und 25. Juni 2019 die Hafterstehungs- und Einvernahmefähigkeit des
Beschuldigten 1 erneut geprüft und von Dr. med. I._ bzw. Dr. med. J._
des Universitätsspitals Zürich als gegeben bestätigt (Urk. D1/20/32 f.,
Urk. D1/20/20, Urk. D1/20/35 S. 16 ff., Urk. 85 f., vgl. auch Urk. 308 S. 3 f.). Der
medizinische Dienst des Untersuchungsgefängnisses fand ebenfalls keine
Hinweise für eine Einschränkung der Einvernahmefähigkeit. Es konnte angesichts
der regelmässigen Tätigkeit des Beschuldigten 1 in der Küche keine Belastung im
- 22 -
Gefängnisalltag beobachtet werden (Urk. D1/20/33). Neben den dargestellten
ärztlichen Visiten fand und findet die Krebsnachsorge regelmässig und in den
gemäss Standard empfohlenen Abständen (im ersten Jahr der Krebserkrankung,
d.h. bis Dezember 2019, alle zwei Monate, im zweiten Jahr nach
Therapiabschluss, d.h. bis Dezember 2020, alle drei Monate und anschliessend
halbjährlich bis fünf Jahre nach Abschluss der Therapie) statt. Am 26. April 2019
wurde ein erstes MRI samt Sonographie durchgeführt und diese bildgebenden
Untersuchungen förderten keine Hinweise auf ein Tumorrezidiv, neue
raumfordernde Läsionen oder vergrösserte oder pathologische Lymphknoten zu
Tage. Infolge zunehmender Schmerzproblematik trotz intensivierter Therapie und
trotz unauffälligem MRI wurde am 7. Juni 2019 zusätzlich ein PET-CT veranlasst.
Dieses wurde am 21. Juni 2019 durchgeführt und bestätigte das Ergebnis des
MRI bzw. zeigte sich ebenfalls unauffällig. Am 18. September 2019 fand die
nächste onkologische Sprechstunde und am 16. Dezember 2019 eine allgemeine
Sprechstunde statt. Gemäss dem Bericht der Sprechstunde vom
16. Dezember 2019 fanden am 29. April 2019, 4. September 2019 und
6. November 2019 weitere Sprechstunden in der HNO Klinik für
Posttumornachsorge statt. Zudem fanden am 9. August 2019,
6. September 2019, 11. September 2019, 31. Oktober 2019 und
12. Dezember 2019 Konsultationen in der Schmerzsprechstunde
(Anästhesiologie) zufolge anhaltender Schmerzen statt. Am 14. Dezember 2019
fand ein PET-CT zufolge Weichteilplus im Bereich SC-Gelenk statt. Am
30. Dezember 2019 fand eine weitere PET-CT Bildgebung im Rahmen der
Posttumornachsorge statt. Im Januar 2020 wurde eine weitere Sprechstunde
infolge Blutauswürfen durchgeführt. Am 6. Februar 2020 fand eine weitere
onkologische Sprechstunde statt. Am 13. Februar 2020 fand auf Zuweisung durch
die Nuklearmedizin eine Sprechstunde in der Rheumatologie statt. Am
10. Juni 2020 fand eine weitere onkologische Sprechstunde statt. Am 3. Juli 2020
erfolgte eine weitere PET-CT Bildgebung, welche keine Hinweise auf ein
Tumorrezidiv oder eine Neumanifestation zu Tage förderte. Seit der Verlegung in
die Strafvollzugsanstalt ... wird der Beschuldigte 1 im Kantonsspital Graubünden
medizinisch betreut. Eine erste onkologische Sprechstunde samt Sonographie
- 23 -
fand am 15. Oktober 2020 statt. Gemäss Schreiben des Amts für Justizvollzug
Graubünden vom 6. November 2020 wurde eine Tumornachsorge in Abständen
von drei Monaten sowie weitere allfallende Behandlungen und Untersuchungen
vorgesehen. (Urk. D1/20/33, Urk. 85 f., Urk. 310/13 [ärztliche Berichte],
Urk. 208/8 f.). Hinweise, dass sich seither die medizinische Betreuung des
Beschuldigten 1 verschlechtert hätte, liegen nicht vor. Solches wird auch vom
Beschuldigten 1 nicht geltend gemacht. Vielmehr soll sich laut dem Verteidiger die
Gesundheitsversorgung unter den Bündner Behörden sogar zunehmend auf ein
adäquates Niveau verbessert haben (Urk. 309 S. 10 f.). Zwischenzeitlich nimmt
der Beschuldigte 1 im Übrigen nur noch Medikamente gegen Prostata-Probleme
(Urk. 208 S. 4). Insgesamt ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte, dass
der Beschuldigte 1 nicht adäquat medizinisch betreut würde bzw. worden wäre.
Dass die Hafterstehungs- und Einvernahmefähigkeit des Beschuldigten 1 nicht
hinreichend geprüft worden sein soll, erweist sich ebenso als unzutreffend.
Vielmehr belegen die umfangreichen ärztlichen Berichte, dass die
Tumornachsorge in den gemäss Standard vorgesehenen Abständen stattfindet
und die weiteren Erkrankungen des Beschuldigten 1 – insbesondere die
chronischen Schmerzen – polydisziplinär untersucht und behandelt werden. Es ist
zu bemerken, dass die richtige Diagnose oder Behandlungsmethode gerade bei
chronischen krebsassoziierten Schmerzen oftmals verschiedene polydisziplinäre
Untersuchungen bedarf, welche eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Eine
allenfalls zu Beginn noch nicht optimale medikamentöse Einstellung bedeutet
daher nicht ohne Weiteres, dass die medizinische Betreuung unzureichend oder
gar falsch wäre. Im Übrigen bestätigte der Beschuldigte 1 heute auf die Frage des
Verteidigers, ob sich die medizinische Behandlung seit der Verhaftung verändert
habe, dass man sich medizinisch sehr gut um ihn gekümmert habe (Urk. 308
S. 10). Daran vermögen die weiteren Einwände der Verteidigung nichts zu
ändern. Aus den eingereichten Rechtsschriften und Entscheiden betreffend
Versicherungsdeckung (-unterstellung) des Beschuldigten 1 nach KVG und der
Mahnung des Universitätsspitals Zürich ergibt sich höchstens, dass über den
Träger der medizinischen Kosten Unklarheit besteht bzw. bestand. Daraus kann
indes nichts für die Frage der medizinischen Versorgung abgeleitet werden. Aus
- 24 -
der genannten Mahnung ergibt sich im Übrigen im Gegenteil, dass medizinische
Leistungen erbracht wurden. Eine Befragung von Prof. Dr. K._ dazu, ob er
für den Beschuldigten 1 vor Bundesgericht die Versicherungsunterstellung nach
KVG erstreiten will, kann zur Frage, ob dem Beschuldigten 1 eine ausreichende
medizinische Versorgung zuteilwurde nichts Erhellendes beitragen. Dieser
Beweisantrag ist folglich abzuweisen. Ähnlich verhält es sich mit dem
Beweisantrag auf Befragung von H._ und L._, Justizvollzug und
Wiedereingliederung. Der Justizvollzug und Wiedereingliederung hielt (unter
anderem) in seiner Beschwerde vom 22. März 2021 gegen den
Einspracheentscheid der M._ AG betreffend Annullation der obligatorischen
Krankenversicherung fest, dass inhaftierte Personen gemäss Äquivalenzprinzip
Anspruch auf Leistungen gemäss KVG und damit auf eine Krankenversicherung
nach KVG hätten (a.a.O. S. 15, Urk. 310/12). Diese Ausführungen erfolgten
ausschliesslich im Zusammenhang mit der in Frage stehenden KVG-Unterstellung
des Beschuldigten 1. Aus der Ausführung, dass inhaftierte Personen gemäss
Äquivalenzprinzip Anspruch auf Leistungen gemäss KVG hätten, kann folglich
nicht abgeleitet werden, dass dem Beschuldigten 1 diese Leistungen nicht
zuteilwurden. Die KVG-Unterstellung des Beschuldigten 1 betrifft einzig die Frage,
wer die entstandenen medizinischen Kosten des Beschuldigten 1 zu tragen hat.
Wie gesehen befasste sich das Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung
(bzw. H._, L._) mit der Frage des Kostenträgers. Die erbrachten
medizinischen Leistungen ergeben sich hingegen schlüssig aus den
aktenkundigen medizinischen Berichten. Dass H._ oder L._ etwas
Zusätzliches zur Frage der Gesundheitsversorgung des Beschuldigten 1
beitragen können, ist daher nicht zu erwarten. Der Beweisantrag auf Befragung
dieser Personen dazu ist daher ebenfalls abzuweisen. Es bleibt dabei, dass eine
adäquate medizinische Betreuung des Beschuldigten 1 aufgrund der
vorhandenen medizinischen Berichte erstellt ist. Die medizinische Versorgung des
Beschuldigten 1 ist ausreichend bekannt. Der Beweisantrag auf das Einholen
diverser weiteren medizinischen Krankenakten des Beschuldigten 1 (Urk. 206
S. 12 und 14, Urk. 309 S. 12) ist daher abzuweisen. Gemäss der Stellungnahme
des Universitätsspitals Zürich vom 6. März 2020 wurde der Beschuldigte 1
- 25 -
anlässlich sämtlicher Untersuchungen und Besprechungen im Universitätsspital
Zürich über seinen Gesundheitszustand informiert. Im Rahmen der
Schmerzsprechstunden wurde er zusätzlich darüber orientiert, dass er unter
chronischen, krebsassoziierten Schmerzen leide. Dabei wurden ihm mit aller
gebotenen Sorgfalt die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten erläutert, sowie
deren Chancen und Risiken. Zudem wurde er bei der Schmerzsprechstunde vom
31. Oktober 2019 darauf hingewiesen, dass die Therapieoptionen im Bereich der
Schmerztherapie mehr oder weniger ausgeschöpft seien. Der Beschuldigte 1
wurde gefragt, ob mit ihm auf Deutsch oder Englisch kommuniziert werden könne,
was von ihm bejaht wurde. Er wurde deshalb auf Englisch oder Deutsch
aufgeklärt. Die Untersuchung vom 21. Februar 2020 erfolgte zudem mit einer
telefonischen Übersetzung auf Russisch. Der Beschuldigte 1 zeigte gemäss den
beteiligten Ärzten keine Anzeichen, die Aufklärungen nicht verstanden zu haben
(Urk. 85). Auch der Beschuldigte 1 bestätigte heute immerhin, dass ihm sämtliche
medizinischen Diagnosen "halbpatzig" übersetzt wurden (Urk. 308 S. 10). Es ist
folglich erstellt, dass der Beschuldigte 1 über seinen Gesundheitszustand und die
Untersuchungen sowie Besprechungen aufgeklärt wurde und diese zumindest in
groben Zügen verstanden hat. Im Übrigen war und ist der amtliche Verteidiger,
welcher offenbar mit dem Beschuldigten 1 auf Russisch kommuniziert (Urk. 206
S. 5), stark in die Gesundheitsversorgung von Letzterem involviert und steht in
direktem Kontakt mit dem Spital, weshalb sehr unwahrscheinlich ist, dass er
allfällige Unklarheiten nicht aus dem Weg geräumt hat.
II. Schuldpunkt
1. Anklagevorwurf
Der eingeklagte Sachverhalt ergibt sich aus der beigehefteten Anklageschrift
(Urk. D1/31 S. 3 ff.), darauf kann verwiesen werden.
2. Ausgangslage
2.1. Was den Standpunkt der Beschuldigten 1 und 2 bzw. den unstrittigen und
den zu erstellenden Sachverhalt betrifft, kann vorab auf die zutreffenden vor-
- 26 -
instanzlichen Ausführungen verwiesen werden (Urk. 199 S. 19 E. III.3.5.). Dem-
nach bestreitet der Beschuldigte 2 die ihm zur Last gelegten Tatbeiträge nicht
(vgl. Urk. 216 S. 4), weshalb der Anklagesachverhalt in Bezug auf ihn erstellt ist.
Vom Beschuldigten 1 wird aufgrund der Untersuchungsakten nicht in Abrede
gestellt, dass die eingeklagten Taten stattgefunden haben (Urk. 121 S. 3).
Hingegen bestreitet er, der mutmassliche Tatbeteiligte "F''._" zu sein
(Urk. 3/1/1 F/A 178, Urk. 309 S. 25, Urk. 308 S. 13). Im Folgenden ist deshalb
anhand der im Recht liegenden Akten zunächst zu prüfen, ob als erwiesen
anzusehen ist, dass es sich beim Beschuldigten 1 um die in den überwachten
Gesprächen mehrfach erwähnte Person "F''._" handelt, und ob sich eine
Beteiligung an den beiden Taten anklagegemäss erstellen lässt.
3. Beweismittel und Verwertbarkeit
3.1. Zur Erstellung des strittigen Sachverhalts liegen als persönliche
Beweismittel die Aussagen der Beschuldigten 1 bis 3 vor. Als sachliche
Beweismittel stehen Aufzeichnungen von Telefon- und
Fahrzeuginnenraumgesprächen, Auswertungen eines Telefonanschlusses samt
Standortermittlung sowie von Western-Union-Transaktionen zur Verfügung. Aus
den von den zuständigen deutschen Behörden angeordneten Audio- und
Telefonanschlussüberwachungen resultierten Zufallsfunde, deren Verwertung
vom Zwangsmassnahmengericht genehmigt wurde (Urk. D1/5/2/3 und D1/5/2/6).
Die Beschuldigten wurden zu Beginn der Untersuchung auf ihr strafprozessualen
Rechte und Pflichten aufmerksam gemacht, ihnen wurden die relevanten
Untersuchungsakten vorgehalten und sie wurden miteinander konfrontiert.
3.2. Die Verteidigung des Beschuldigten 1 machte im Berufungsverfahren
geltend, einziges verwertbares Beweismittel sei die Konfrontationseinvernahme
zwischen den Beschuldigten 1, 2 und 3 vom 22. Oktober 2019. Die angeblich
belastenden Aussagen des Beschuldigten 2 in der Einvernahme vom 8. Juli 2019
seien von ihm in der genannten Konfrontationseinvernahme nicht bestätigt
worden. Diese Aussagen seien folglich nicht verwertbar (Urk. 309 S. 29 f.).
Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei
Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu
- 27 -
sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Dieses spezifische
Teilnahme- und Mitwirkungsrecht fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör
(Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO). Es kann nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen
(Art. 108, Art. 146 Abs. 4 und Art. 149 Abs. 2 lit. b StPO, siehe auch Art. 101
Abs. 1 StPO) eingeschränkt werden. Beweise, die in Verletzung von Art. 147
StPO erhoben worden sind, dürfen gemäss Art. 147 StPO nicht zulasten der
Partei verwertet werden, die nicht anwesend war. Der Anspruch der
beschuldigten Person auf Teilnahme an Beweiserhebungen gemäss Art. 147
Abs. 1 StPO gilt grundsätzlich auch für die Einvernahmen von mitbeschuldigten
Personen im gleichen Verfahren. Indes kann die Staatsanwaltschaft – ähnlich wie
bei der Akteneinsicht nach Art. 101 Abs. 1 StPO – im Einzelfall prüfen, ob
sachliche Gründe für eine vorläufige Beschränkung der Parteiöffentlichkeit
bestehen. Solche Gründe liegen insbesondere vor, wenn im Hinblick auf noch
nicht erfolgte Vorhalte eine konkrete Kollusionsgefahr gegeben ist. Falls die
Befragung des Mitbeschuldigten sich auf untersuchte Sachverhalte bezieht,
welche den noch nicht einvernommenen Beschuldigten persönlich betreffen und
zu denen ihm noch kein Vorhalt gemacht werden konnte, darf der Beschuldigte
von der Teilnahme ausgeschlossen werden (BGE 139 IV 25 E. 5.5.4., Urteil des
Bundesgerichts 6B_1214/2019 vom 1. Mai 2020 E. 1.3.2.). Vorliegend wurde der
Beschuldigte 1 von der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme des
Beschuldigten 2 vom 8. Juli 2019 mit der Begründung ausgeschlossen, dass die
Erhebung der wichtigsten Beweise noch nicht abschliessend stattgefunden habe
(Urk. 3/3/2 S. 1). Tatsächlich lagen damals noch keine Aussagen des
Beschuldigten 2 zur Sache vor, weshalb der Ausschluss der Beschuldigten 1 und
3 von der Einvernahme sachlich gerechtfertigt war. Anlässlich der
Konfrontationseinvernahme vom 22. Oktober 2019 wurden dem Beschuldigten 2
seine in der Einvernahme vom 8. Juli 2019 getätigten Aussagen vorgehalten.
Insbesondere wurde er damit konfrontiert, dass er den Beschuldigten 1 auf einem
vorgelegten Fotobogen als den Tatbeteiligten "F''._" identifiziert hatte
(Urk. 3/4 S. 6). Zudem erhielt der Beschuldigte 1 Gelegenheit, dem
Beschuldigten 2 Fragen zu stellen, worauf er verzichtete (a.a.O. S. 12). Soweit
der Beschuldigte 2 seine Belastung anlässlich der Konfrontationseinvernahme
- 28 -
nicht mehr bestätigte, führt dies im Lichte der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung entgegen der Darstellung der Verteidigung des Beschuldigten 1
nicht zur Unverwertbarkeit der belastenden Aussagen. Welche Bedeutung den
ursprünglichen Aussagen angesichts der fehlenden Bestätigung anlässlich der
Konfrontationseinvernahme zukommt, ist eine Frage der freien richterlichen Be-
weiswürdigung (vgl. statt Weiterer Urteil des Bundesgerichts 1P.102/2006 vom
26. Juni 2006 E. 3.5, Urteil des Bundesgerichts 6B_325/2011 vom
22. August 2011 E. 2.3).
3.3. Soweit die Verteidigung des Beschuldigten 1 im Berufungsverfahren wie
schon Vorinstanz weiter vorbrachte, dem Beschuldigten 1 seien während der
ganzen Strafuntersuchung weder die Western Union-Belege über die Zuordnung
der Telefonnummer 1 vorgehalten noch sei ihm eröffnet worden, dass diese
Telefonnummer im Tatzeitraum im Mobilfunknetz von N._ eingeloggt
gewesen sei (Urk. 309 S. 14 f.), ist zu konstatieren, dass dies aktenwidrige
Behauptungen sind. In der polizeilichen Einvernahme vom 19. Juni 2019 wurde
der Beschuldigte 1 mit beiden Beweiserkenntnissen konfrontiert (Urk. 3/1/4 F/A 31
und 80 f. mit Beilagen).
3.4. Die vorliegend relevanten Beweismittel sind somit vollständig verwertbar.
4. Grundsätze der Beweiswürdigung und allgemeine Glaubwürdigkeit
4.1. Die Vorinstanz hat die massgebenden Grundsätze der Beweiswürdigung
zutreffend dargestellt (Urk. 199 S. 19 f. E. III.4.), worauf zur Vermeidung unnötiger
Wiederholungen vorab verwiesen werden kann. Ergänzend ist dazu festzuhalten,
dass bei der Beantwortung der Frage, ob sich der dem Beschuldigten in der
Anklageschrift vorgeworfene Sachverhalt verwirklicht hat, das Gericht keinen
Beweisregeln verpflichtet ist. Vielmehr gilt der Grundsatz der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO), wonach das Gericht sein Urteil nach
seiner freien, aus den vorhandenen Beweismitteln geschöpften Überzeugung fällt.
Eine Verurteilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit
hinreichender Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger Zweifel
darüber bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vor-
- 29 -
geworfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das Gericht
eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vorliegenden
Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, das Gericht
aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Allfällige abstrakte theoretische
Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute
Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausreichen, wenn vernünftige
Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden können. Die
blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu begründen. Nur
wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von der
Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu über-
zeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende Grundsatz "in
dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche und nicht zu
unterdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der objektiven Sachlage
aufdrängen), so muss es den Beschuldigten freisprechen. Als Beweislastregel
bedeutet der Grundsatz "in dubio pro reo" einerseits, dass es Sache der
Anklagebehörde ist, die Schuld des Beschuldigten zu beweisen, und nicht dieser
seine Unschuld nachweisen muss. Ein Beschuldigter darf nie mit der Begründung
verurteilt werden, er habe seine Unschuld nicht nachgewiesen (BGE 127 I 38,
E. 2a mit Hinweis). Wenn allerdings ein Beschuldigter eine ihn entlastende
Behauptung aufstellt, ohne dass er diese wenigstens in einem Mindestmass
glaubhaft machen kann, findet der Grundsatz keine Anwendung. Es tritt nämlich
insoweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene
Schutzbehauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis
widerlegt werden muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn
gewisse Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für
die Richtigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft
erscheinen lassen, oder wenn der Beschuldigte sie sonst wie glaubhaft macht
(vgl. BGer Urteil 6B_678/2013 vom 4. Februar 2014, E. 4.4; BGer Urteil
6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011 E. 1.6). Andernfalls könnte jede Anklage
mit einer abstrusen Schutzbehauptung zu Fall gebracht werden.
4.2. Weiter kann auf die grundsätzlich ebenfalls zutreffenden vorinstanzlichen
Ausführungen zur allgemeinen Glaubwürdigkeit der Beschuldigten verwiesen
- 30 -
werden (Urk. 199 S. 21-23 E. III.5.). Jedoch kann offen gelassen werden, ob der
Beschuldigte 1 zu Beginn des Untersuchungsverfahrens abstritt, die Beschuldig-
ten 2 und 3 zu kennen, oder ob es sich dabei, wie die Verteidigung dafürhält, um
ein Missverständnis bei der Übersetzung handelte (Urk. 309 S. 18 f.). Der von der
Vorinstanz daraus abgeleiteten leichten Verminderung der Glaubwürdigkeit des
Beschuldigten 1 ist im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine
massgebende Bedeutung beizumessen. Für die Sachverhaltserstellung ist in
erster Linie die Glaubhaftigkeit der Aussagen und nicht die allgemeine
Glaubwürdigkeit der Aussagenden relevant (BGE 133 I 33 E. 4.3). Dennoch ist zu
bemerken, dass der Beschuldigte 1 in der Hafteinvernahme vom 3. April 2019
zweimal gefragt wurde, ob er die Beschuldigten 2 und 3 kenne, welche Fragen
von ihm allesamt verneint wurden (Urk. 3/1/1 F/A 168-171). Der Verteidiger,
welcher mit dem Beschuldigten 1 auf Russisch kommuniziert (Urk. 206 S. 5), war
anwesend bzw. ist sogar für die Dolmetscherin eingesprungen. Das Protokoll
wurde vom Beschuldigen 1 so unterzeichnet. Wären seine Aussagen tatsächlich
falsch übersetzt worden, wäre zu erwarten gewesen, dass er das Protokoll
entsprechend korrigiert hätte. Der Beschuldigte 1 monierte weiter, dass die
Vorinstanz die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 3 als leicht eingeschränkt
taxiert habe, weil dieser bestritten habe, den Beschuldigten 1 zu kennen,
gleichzeitig aber die abgehörten Gespräche zwischen den Beschuldigten 2 und 3
als glaubhafte Schilderungen angesehen habe (Urk. 206 S. 8). Aus der
allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person können gegebenenfalls Rückschlüsse
in Bezug auf ihr Verhalten im Strafverfahren gezogen werden. Sie beschlägt indes
nicht überwachte Gespräche, zumal die betreffende Person von der
Überwachung typischerweise gerade keine Kenntnis hat. Auch vorliegend kann
nicht ernsthaft davon ausgegangen werden, dass die Beschuldigten 2 und 3
Kenntnis davon hatten, dass ihre Gespräche abgehört wurden, auch wenn der
Verteidiger des Beschuldigten 1 solches suggeriert. Darauf wird bei der
nachfolgenden Sachverhaltserstellung näher eingegangen. Folglich beschlägt die
leicht eingeschränkte Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 3 die abgehörten
Gespräche nicht. Die vorinstanzlichen Ausführungen sind in diesem Punkt daher
nicht zu beanstanden. Zu präzisieren bleibt, dass die leichte Einschränkung der
- 31 -
Glaubwürdigkeit der Beschuldigten 2 und 3 aufgrund der erstellten Bekanntschaft
zum Beschuldigten 1 (Urk. 309 S. 18, Prot. I S. 37 f.) ohnehin dergestalt ist, dass
sie versucht sein könnten, zu seinen Gunsten auszusagen. Hinweise, dass sie
geneigt sein könnten, den Beschuldigten 1 zu Unrecht zu belasten, liegen
demgegenüber keine vor. Solches wird im Übrigen auch nicht geltend gemacht
(Urk. 309 S. 12 f.).
5. Beweiswürdigung
5.1. Die Vorinstanz hat die vorliegenden Beweise unter Bezugnahme auf die vor
Vorinstanz vorgebrachten Einwände der Verteidigung des Beschuldigten 1 sehr
sorgfältig und überzeugend gewürdigt, weshalb auf die entsprechenden Aus-
führungen ebenfalls vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 199 S. 23-38
E. III. 6.-8.). Die nachfolgenden Erwägungen sind deshalb als teilweise rekapitu-
lierende und ergänzende zu verstehen.
5.2. Im abgehörten Gespräch vom 16. Mai 2018, 17:20:54 Uhr, schilderte der
Beschuldigte 2 dem Beschuldigten 3 den Ablauf des Einbruchdiebstahls bei der
O._ AG, welcher in der Nacht vom 15./16. Mai 2018 verübt worden war.
Konkret erzählte er, wie er, "D._" und "F''._" die Fahrräder entwendet
hätten, indem diese aus dem Lager geholt und anschliessend gemeinsam zum
Transportfahrzeug getragen worden seien. Weiter führte er aus, wie er das Fahr-
zeug gelenkt habe und es von den anderen beiden ein Stück weit habe ange-
schoben werden müssen (Anhang zu Urk. D1/3/3/1). Dass es in diesem abgehör-
ten Gespräch den Ablauf des eingeklagten Einbruchdiebstahls bei der
O._ AG schilderte, wurde vom Beschuldigten 2 in der Einvernahme vom
8. Juli 2019, welcher seine Tatbeiträge gemäss Anklageschrift eingestanden hat
(Urk. D1/3/3/2 F/A 8), denn auch ausdrücklich bestätigt (a.a.O. 17). Anlässlich der
Einvernahme vom 8. Juli 2019 gab der Beschuldigte 2 auf entsprechendes Befra-
gen weiter zu Protokoll, der im genannten Gespräch erwähnte "F''._" sei sein
Bekannter. Auf Vorhalt eines Fotobogens identifizierte er den Beschuldigen 1 als
den erwähnten "F''._" (Urk. D1/3/3/3 F/A 21, 35 und 44). Auch wenn der Be-
schuldigte 2 bemüht war, den Beschuldigten 1 nicht zu belasten, indem er mehr-
mals ausführte, er übernehme die Verantwortung nur für sich selbst (a.a.O.
- 32 -
F/A 12, 20 und 23), hat er den Beschuldigten 1 dennoch als denjenigen
"F''._" identifiziert, welcher an der Verübung des Einbruchdiebstahls bei der
O._ AG beteiligt war. Soweit die Verteidigung des Beschuldigten 1 dafürhielt,
der Beschuldigte 2 habe den Beschuldigten 1 lediglich als Person identifiziert und
seine Aussagen hätten sich nicht auf das Tatgeschehen bezogen, ist dies folglich
eine aktenwidrige Behauptung. Nicht entscheidend ist bei dieser Sachlage, ob der
Beschuldigte 2 den richtigen Nachnamen des Beschuldigten 1 kannte oder nicht.
Seine diesbezüglich unklaren Angaben dürften auf dem Bestreben gründen, den
Beschuldigten 1 nicht zu belasten.
5.3. Der Beschuldigte 2 hat seine Belastung weder in der Konfrontations-
einvernahme noch vor Vorinstanz vor Schranken bestätigt. Er hat sie aber auch
nicht widerrufen, obwohl ihm seine Belastung in der Konfrontationseinvernahme
vorgehalten wurde (Urk. D1/3/4 S. 6). Danach gefragt, wer am ersten Einbruch-
diebstahl beteiligt gewesen sei, antwortete der Beschuldigte 2 in der Konfronta-
tionseinvernahme, er habe nichts mehr hinzuzufügen (Urk. D1/3/4 S. 5). Ebenso
auf die Frage, wie der zweite Einbruchdiebstahl abgelaufen sei (a.a.O. S. 7). Auf
Vorhalt des Anklagesachverhalts erklärte er, er könne nicht für andere sprechen.
Er sei geständig, was er getan habe (a.a.O. S. 4). Vor Vorinstanz gab er dies-
bezüglich einzig zu Protokoll, er wolle mit seinen Aussagen keine Personen
belasten (Prot. I S. 28 f.). Angesichts seines im ganzen Strafverfahren zurück-
haltenden Aussageverhaltens in Bezug auf die weiteren Tatbeteiligten und seines
ausdrücklich kundgegebenen Standpunkts in der Einvernahme vom 8. Juli 2019,
wonach er die Verantwortung nur für sich übernehme (Urk. D1/3/3/2 F/A 23, 25,
42) und er nur für sich selbst spreche (a.a.O. F/A 119), ist der Umstand, dass er
seine Identifizierung des Beschuldigten 1 als den Tatbeteiligten "F''._" in der
Konfrontationseinvernahme nicht mehr bestätigte, nur so zu verstehen, dass er
den Beschuldigten 1 nicht (mehr) belasten wollte. Dies ist nachvollziehbar,
kündigte der Beschuldigte 1 doch sogar Personen an, die einen allfälligen
Verräter aufspüren sollten (Urk. D1/2/1/4/9/5 S. 117, TÜ-Protokoll vom
31. Mai 2018, 10:08:25., vgl. dazu hinten E. II.5.14.). Hätte er den
Beschuldigten 1 in der Einvernahme vom 8. Juli 2019 hingegen fälschlicherweise
als den Tatbeteiligten "F''._" identifiziert, wäre es denkbar einfach gewesen,
- 33 -
seine frühere belastende Aussage anlässlich der Konfrontationseinvernahme zu
widerrufen. Dies hat er jedoch gerade nicht getan. Eine Motivation des
Beschuldigten 2, den Beschuldigten 1 zu Unrecht zu belasten, ist sodann – das
sei an dieser Stelle nochmals erwähnt – nicht ersichtlich. Solches wurde denn
auch vom Beschuldigten 1 bzw. dessen Verteidigung nicht geltend gemacht.
5.4. Gemäss dem abgehörten Telefongespräch zwischen den Beschuldigten 2
und 3 vom 8. Mai 2018, 12:31:21 Uhr, sollte der Beschuldigte 3 für den 14. bis
16. Mai 2018 einen Kleinbus ohne Aufkleber organisieren bzw. bei einem Be-
kannten des Beschuldigten 2 mieten. Etwas später, um 14:47:21 Uhr, teilte der
Beschuldigte 3 dem Beschuldigten 2 mit, er habe den Bus organisiert. Dieser
koste für drei Tage EUR 200.– und es müsse keine Kaution geleistet werden. Der
Beschuldigte 2 solle "denen" ruhig sagen, dass der Bus EUR 400.– koste. In der
Folge, um 17:01:37 Uhr, teilte der Beschuldigte 2 dem Gegenanschluss 1
telefonisch mit, dass der Bus EUR 300.– koste (Anhänge zu Urk. D1/3/2/2, TÜ-
Protokolle vom 8. Mai 2018, 12:31:21 Uhr, 14:47:21 Uhr und 17:01:37 Uhr). Am
12. Mai 2018, um 06:27:00 Uhr, wurden mittels Western Union schliesslich
EUR 300.– an den Beschuldigten 3 überwiesen. Sender war A._, der
Beschuldigte 1, mit der Rufnummer 1. Das Geld wurde von G._, Litauen,
vom Wohnort des Beschuldigten 1, überwiesen (Urk. D1/8 Beilage 4). Anlässlich
der Konfrontationseinvernahme vom 22. Oktober 2019 erklärte der Beschuldigte 3
in Bezug auf die beiden Einbruchdiebstähle, er habe jeweils den Bus für den
Transport der Fahrräder reserviert und bezahlt (Urk. D1/3/4 S. 9). Während der
delegierten Einvernahme vom 16. August 2019 bestätigte er auf Vorhalt des oben
wiedergegebenen Gesprächs zwischen ihm und dem Beschuldigten 2, es sei
darin um die Reservation des Kleinbusses, welcher für den Abtransport des
Deliktsguts aus dem Einbruchdiebstahl vom 15./16. Mai 2018 benutzt wurde,
gegangen (Urk. D1/3/2/2 F/A 48-52). Auf Vorhalt des Auszuges der genannten
Geldüberweisung gab der Beschuldigte 3 zu Protokoll, er wisse es nicht
ausführlich, aber wahrscheinlich habe er die EUR 300.– für den Bus erhalten.
Wahrscheinlich sei es so gewesen (a.a.O. F/A 62 f.). Daraus sowie mit Blick auf
die zeitliche Abfolge folgt, dass es sich bei den überwiesenen EUR 300.– um die
Miete für den Bus handeln musste, welcher für den Transport des Deliktsguts aus
- 34 -
dem Einbruchdiebstahl bei der O._ AG benutzt wurde. Es handelte sich um
den Beschuldigten 1, welcher die Busmiete finanzierte.
5.5. Zudem ergab die RTI auf die Telefonnummer des Beschuldigten 1 1, dass
die Rufnummer im Zeitraum vom 17. Mai 2018 bis 22. Mai 2018, mithin ab
unmittelbar nach dem ersten Einbruchdiebstahl bis unmittelbar nach dem zweiten
Einbruchdiebstahl, insgesamt fünfmal im schweizerischen Netz über dieselbe
Funkantenne in N._ eingeloggt war (Urk. D1/5/1/5). Hierfür hatte der in
Litauen wohnhafte Beschuldigte 1 keine nachvollziehbare Erklärung. Hinsichtlich
seines Einwandes, er habe zu diesem Zeitpunkt die genannte Rufnummer nicht
mehr genutzt, der nicht verfängt, kann auf die nachfolgenden Ausführungen
verwiesen werden (E. II. 5.8.). Es ist zu bemerken, dass N._ zufälligerweise
auf dem direkten Weg zwischen dem Tatort P._ und Q._, wohin die
Fahrräder transportiert wurden, liegt. Dies ist ein weiteres Indiz, dass der
Beschuldigte 1 der "F''._" ist, der vor Ort an den Einbruchdiebstählen
mitgewirkt hat. Soweit der Beschuldigte 1 geltend machte, er habe sich nie
eingeloggt und immer über Viber telefoniert, indem er Orte aufgesucht habe, wo
er zu Wifi gelangen konnte (Urk. 206 S. 21), ist dies mit Blick auf die dargelegte
RTI-Auswertung widerlegt. Aus allfälligen in den letzten sechs Monaten vor der
Verhaftung des Beschuldigten 1 über Viber geführten Telefongesprächen mit der
Rufnummer 2 kann nichts Relevantes für die Frage der Nutzung der Rufnummer
1 im Tatzeitraum gewonnen werden. Dieser Beweisantrag (Urk. 206 S. 22) ist
daher abzuweisen.
5.6. Soweit die Verteidigung des Beschuldigten 1 geltend machte, es könne sich
bei der aktenkundigen Überweisung von EUR 300.– nicht um die Busmiete han-
deln, weil bei der angeblich benutzten Firma R._ Transporter schon ab
EUR 29.– pro Tag gemietet werden könnten (Urk. 206 S. 20), muss ihr entgegen-
gehalten werden, dass der günstigste Tarif bei R._ bei Spontanmiete eines
Kleinbusses ab S._/T._/U._ zwischen EUR 100.– und 190.– für
drei Tage beträgt, wobei eine Kaution geleistet werden muss (vgl.
www.R._.com [besucht am 14. Oktober 2021]. Dass der Beschuldigte 3 –
entgegen der Darstellung der Verteidigung des Beschuldigten 1 – einen Bus für
- 35 -
EUR 200.– bei einem Bekannten des Beschuldigten 2 ohne Leistung einer
Kaution mieten konnte (Anhang zu Urk. D1/3/2/2 TÜ-Protokoll vom 8. Mai 2018,
14:47:21 Uhr), erscheint daher durchaus nachvollziehbar und überzeugt. Wie
gesehen, gab der Beschuldigte 2 gegenüber dem Beschuldigten 1 lediglich vor,
die Busmiete betrage EUR 300.– (Anhang zu Urk. D1/3/2/2 TÜ-Protokolle vom
8. Mai 2018, 14:47:21 Uhr und 17:01:37 Uhr). Der Beweisantrag auf Einholung
einer Expertise über die Mietpreise von Transportern in Deutschland (Urk. 206
S. 20, Urk. 309 S. 12) ist abzuweisen, sind die marktüblichen Mietpreise von
Transportern bis 3.5 Tonnen aufgrund des Besuchs der Website der von der
Verteidigung angeführten Firma R._ doch ohne Weiteres bekannt. Im
Übrigen wurde der Bus wie gesehen bei einem Bekannten des Beschuldigten 2
gemietet.
5.7. Der Beschuldigte 1 liess vor Vorinstanz durch seinen Verteidiger
anerkennen, dass er die Überweisung von EUR 300.– an den Beschuldigten 3
vorgenommen hat. Ebenso eine zweite Überweisung von EUR 450.–, welche von
seiner Frau ausgeführt wurde (vgl. dazu die Ausführungen zum zweiten
Einbruchdiebstahl). Der Gesamtbetrag von EUR 750.– sei jedoch als Entgelt für
Autoteile und Transport überwiesen worden. Dass die Überweisungen in der
"periode suspecte" erfolgten, belege gerade nicht seine Tatbeteiligung. Vielmehr
belegten diese Vorgänge, dass insbesondere nach der Warnung durch E._
(dass die Gespräche abgehört würden) und dem weiteren Reden über "F''._"
bewusst eine Spur gelegt worden sei, um "F''._" bzw. ihn als Kopf der Bande
hinzustellen (Urk. 121 S. 25 f.). Heute führte der Beschuldigte 1 aus, er könne
sich nicht genau an die Überweisungen erinnern. Wenn es aber zu diesen
Überweisungen gekommen sei, hätten sie möglicherweise mit seinem damaligen
kleinen Business bzw. Geschäft zu tun gehabt. Zu dem Zeitpunkt habe er ein
kleines Geschäft mit dem Schwerpunkt Ankauf von Autoersatzteilen geführt
(Urk. 308 S. 12). Bereits aufgrund des der ersten Geldüberweisung
vorangehenden Telefongesprächs zwischen dem Beschuldigten 1 mit der
Rufnummer 1 und dem Beschuldigten 2, worin man ausdrücklich von EUR 300.–
für die Busmiete und nicht etwa für Autoersatzteile sprach, ist dies nicht
überzeugend. Auch der Beschuldigte 3 gab – wie bereits gesehen – auf Vorhalt
- 36 -
des Western Union-Auszugs, aus welchem hervorgeht, dass der Beschuldigte 1
EUR 300.– an den Beschuldigten 3 überwies, an, dass diese Transaktion
wahrscheinlich zur Bezahlung der Busmiete getätigt worden sei (Urk. D1/3/2/2
F/A 62 f.). Mit anderen Worten sprach auch der Beschuldigte 3 nie von einem
Autoteilkauf. Solches wird einzig vom Beschuldigten 1 pauschal behauptet.
Insbesondere hat der Beschuldigte 1 nie substantiiert dargelegt, für was die
Überweisung konkret erfolgt sein soll bzw. was er vom Beschuldigten 3 gekauft
haben will, obschon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweise
vernünftigerweise erwartet werden dürfte, sondern beschränkte sich darauf, eine
pauschale Behauptung aufzustellen, die durch nichts glaubhaft gemacht wurde.
Seine Darstellung, er habe just zur Zeit, als die Beschuldigten 2 und 3 mit
mindestens einer weiteren Person die verfahrensgegenständlichen
Einbruchdiebstähle planten und die Drittperson EUR 300.– und EUR 450.– an
den Beschuldigten 3 für die Miete des Busses für den Transport der gestohlenen
Fahrräder nach Deutschland überwies – dies ergibt sich aus den abgehörten
Gesprächen – exakt dieselben Beträge ebenfalls an den Beschuldigten 3 über-
wiesen, was jedoch ein Entgelt für Autoteile und Transport gewesen sei, erweist
sich damit als Schutzbehauptung. Ob die überwiesenen Beträge auch üblich sind
für Autoersatzteile, vermag an diesem Ergebnis nichts zu ändern. Und auch wenn
sich mit der Einholung sämtlicher Akten der Western Union und jene der Money
Gram über vom Beschuldigten in der Zeit von 2015 bis Ende 2018
vorgenommene Überweisungen allenfalls beweisen liesse, dass der
Beschuldigte 1 regelmässig Geldüberweisungen getätigt hat, lässt sich daraus
noch keine Erkenntnis hinsichtlich der fraglichen Überweisungen gewinnen.
Entsprechend ist der Beweisantrag auf Einholung der genannten Unterlagen
(Urk. 206 S. 19 f.) abzuweisen. Die von der Verteidigung angeführte Warnung von
E._ (vgl. auch Urk. 309 S. 26) erfolgte am 30. Mai 2018, mithin erst nach
beiden Einbruchdiebstählen bzw. nach Tatausübung. Die Mehrzahl der
abgehörten Gespräche zwischen den Beschuldigten 2 und 3 über die
Einbruchdiebstähle und den Tatbeteiligten "F''._" hat davor stattgefunden
(insbesondere auch die detaillierten Schilderungen des Beschuldigten 2 zum
Ablauf der ersten Tat). E._ äusserte am 30. Mai 2018 die Vermutung, dass
- 37 -
die Telefone abgehört werden und erklärte, er wolle künftig nur noch per E-Mail
kommunizieren (Rechtshilfeakten aus Deutschland in Kopie [roter Ordner II], STA
S._ Sonderband TKÜ S. 58, TÜ-Protokoll vom 30. Mai 2018, 10:28:41 Uhr).
Hinweise, dass die Beschuldigten 2 und 3 vor diesem Zeitpunkt Anhaltspunkte für
die Überwachung hatten oder sogar davon wussten, liegen nicht vor. Solche
wurden denn auch weder vom Beschuldigten 1 noch von dessen Verteidiger
vorgebracht. Wäre dem so gewesen, machten die massiven Eigenbelastungen
der Beschuldigten 2 und 3 denn auch keinen Sinn. Es verhielt sich nämlich so,
dass sie sich in den abgehörten Gesprächen vor allem selber belasteten. Ein
Zweck bzw. eine Motivation, den Beschuldigten 1 zu Unrecht zu belasten, ist
zudem nicht ersichtlich. Ferner ist festzuhalten, dass sich aus dem von der
Verteidigung heute eingereichten V._-Artikel (Urk. 310/5) nichts zu Gunsten
des Beschuldigten 1 ableiten lässt. Dass sie von den Abhörungen Kenntnis hatten
und die Strafuntersuchung steuerten, wie die Verteidigung des Beschuldigten 1
suggerierte (Urk. 309 S. 32), fällt folglich nicht ernsthaft in Betracht bzw. geht
nicht über ein rein hypothetische Möglichkeit ohne objektive Anhaltspunkte
hinaus.
5.8. Der Beschuldigte 1 liess weiter geltend machen, die Rufnummer 1 gehöre
der Firma W._ in G._, bei welcher er bis spätestens März 2018
angestellt gewesen sei. Im Rahmen dieser Berufstätigkeit habe er diese
Rufnummer als Geschäftsnummer benutzt. Die Rufnummer habe er bei
Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückgegeben, indem er das Telefon und
die SIM-Karte ausgehändigt habe. Im Tatzeitraum habe er mithin nichts mehr mit
dieser Rufnummer zu tun gehabt. Dass die Rufnummer gemäss Überweisungs-
beleg trotzdem noch bei Western Union unter seinem Namen registriert gewesen
sei, erkläre sich wie folgt: Auf den Überweisungsstellen müsse man sich lediglich
in der Regel ausweisen. Kleinere Filialen von Western Union verzichteten bei
ihnen bekannten Personen auch auf die Kontrolle des Ausweises. Eine einmal an-
gegebene Rufnummer werde bei einer neuerlichen Überweisung automatisch
mitverwendet. Deren Gültigkeit werde nicht überprüft. Weiter hält er dafür, dass in
den baltischen Staaten (Litauen) nur noch Mobiltelefonnummern verwendet
würden und diese Staaten das Festnetz ausser Betrieb setzten sowie es üblich
- 38 -
sei, dass mehrere SIM-Karten derselben Rufnummer verwendet würden. SIM-
Karten würden in den baltischen Staaten ohne das Vorlegen des Ausweises und
ohne Registrierung der Adresse des Benützers herausgeben. Deshalb könne
über die Zurechnung der Rufnummer zum Beschuldigten 1 nur gesprochen
werden, wenn feststehe, dass keine zweite SIM-Karte herausgegeben worden sei
(Urk. 206 S. 15-18, Urk. 309 S. 14-22). Zu Letzterem ist zu sagen, dass sich die
Verteidigung darauf beschränkte, allgemeine Ausführungen dazu zu machen, wie
es sich in den baltischen Staaten üblicherweise mit der Verwendung von
Mobilrufnummern verhalte. Eine allfällige Praxis im Baltikum in Bezug auf die
Herausgabe und Verwendung von SIM-Karten sagt indes nichts über die
Verwendung der Rufnummer 1 aus. Der Beweisantrag auf Einholung einer
Expertise betreffend die Telefonpraxis von Durchschnittsbürgern aus dem
Baltikum (Urk. 206 S. 22, Urk. 309 S. 12) ist entsprechend abzuweisen. Der
Beschuldigte 1 machte nie konkret geltend, es hätten zum Tatzeitpunkt
tatsächlich mehrere SIM-Karten der Rufnummer 1 existiert, geschweige denn,
dass diese von unterschiedlichen Personen verwendet wurden. Hinweise, dass
dem so gewesen wäre, fehlen gänzlich. Es handelt sich um eine rein theoretische
Möglichkeit, wofür keine objektiven Anhaltspunkte bestehen, weshalb sie
auszuschliessen ist. Entsprechend ist auch der Beweisantrag auf Einholung einer
Auskunft bei der Betreibergesellschaft, welche die Rufnummer herausgegeben
hat, betreffend "die Entwicklung der Voraussetzungen für die Herausgabe dieser
Rufnummer" abzuweisen. Eine Auskunft, wonach mehrere SIM-Karten existierten,
vermöchte das Beweisergebnis im Übrigen nicht zu erschüttern. Die weiteren
Behauptungen des Beschuldigten 1 sind abwegig. Träfen diese zu, würde dies
bedeuten, dass ein Arbeitnehmer der angeblich früheren Arbeitgeberin des
Beschuldigten 1 der Drahtzieher (vgl. dazu hinten E. II.5.15.-16.) der
Einbruchdiebstähle wäre, welcher zufälligerweise den in Deutschland lebenden
Beschuldigten 2 ebenfalls gekannt hätte und mit Letzterem darüber telefoniert
hätte, dass die Busmiete für den ersten verfahrensgegenständlichen
Einbruchdiebstahl 300.– Euro koste und ein paar Tage später, unmittelbar vor der
ersten Tatausübung, genau dieser Betrag dann aber vom Beschuldigten 1
zufälligerweise an den Beschuldigten 2 überwiesen wurde. Zudem wäre
- 39 -
hinzugekommen, dass dieser unbekannte Drahtzieher, welcher nicht der
Beschuldigte 1 sein soll, zufälligerweise von den Beschuldigten 2 und 3
"F''._" genannt wurde. Dabei ist zu beachten, dass der in Litauen gängige
Vornamen A._ auf Russisch – in welcher Sprache sich die Beschuldigten 1,
2 und 3 miteinander unterhielten – nicht existiert und stattdessen "F''._"
üblich ist (vgl. dazu nachfolgend E. II.5.10.). Eine solche Häufung von Zufällen ist
derart unwahrscheinlich und unglaubhaft, dass sie nicht ernsthaft in Betracht fällt.
Es bestehen folglich keine ernsthaften Zweifel daran, dass der Beschuldigte 1 im
inkriminierten Zeitraum die Rufnummer 1 (weiterhin) benutzte, so wie es sich aus
dem Überweisungsbeleg von Western Union ergibt, selbst wenn die bei Western
Union hinterlegte Rufnummer nicht bei jeder Überweisung aktualisiert werden
muss. Die Einholung einer Expertise bei Western Union zu dieser Frage (Urk. 206
S. 18 f., Urk. 309 S. 17) ist folglich vernachlässigbar, weshalb dieser
Beweisantrag abzuweisen ist. Die aus den vorliegenden Beweisen gewonnene
Erkenntnis vermöchte eine Befragung der Mitglieder der Geschäftsleitung der
Firma W._ zur Nutzung der genannten Rufnummer nicht zu erschüttern,
weshalb auch dieser Beweisantrag (Urk. 309 S. 19-21, Urk. 206 S. 16 f.)
abzuweisen ist. Wie die Verteidigung des Beschuldigten 1 darauf kommt, dass
D._ Zugriff auf die genannte Rufnummer gehabt haben könnte, ist nicht
nachvollziehbar. Der Umstand, dass D._ bei der Verhaftung zusammen mit
dem Beschuldigten 1 unterwegs war und sich im Auto eine Sturmhaube mit der
DNA von D._ befand, begründet kein Indiz dafür, dass er jemals Zugriff auf
die Rufnummer hatte. Hinweise, dass AA._ Zugriff auf die Rufnummer
gehabt haben soll, bestehen ebenfalls nicht (vgl. Urk. 309 S. 20 f.). Abklärungen
dazu waren entsprechend nicht vonnöten. Da einzig entscheidend ist, wer die
Rufnummer benutzt hat und nicht, wer jeweils die Rechnungen bezahlt hat, sind
die Anträge auf Einholung eines Gutachtens über die Betreibergesellschaft der
Rufnummer 1, auf Beizug aller Rechnungen bzw. Belege über Prepaidkarten ab
Januar 2018 für diese Rufnummer samt Belege des Zahlungsortes (Urk. 206
S. 15 f., Urk. 209 S. 20 f.) ebenfalls abzuweisen.
5.9. Die Verteidigung des Beschuldigten 1 brachte weiter vor, der Beschuldigte 1
werde ausser von seinem Sohn und seiner Frau von niemandem in Litauen
- 40 -
"F''._" genannt (Urk. 206 S. 14 f., Urk. 309 S. 32). Die Beschuldigten 2 und 3
stammen aus Lettland und sprechen untereinander Russisch. Zudem sprachen
sie auch mit dem Beschuldigten 1 Russisch (Anhänge zu Urk. 3/2/2). Im Übrigen
hat der Beschuldigte 1 eingeräumt, dass der Name A._ in der russischen
Sprache nicht existiert und sich Russen daher untereinander mit dem Namen
"F''._" ansprechen (Urk. 206 S. 14 f.). Dies deckt sich im Kern mit den
Ausführungen der in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung anwesenden
Dolmetscherin, welche auf Nachfrage des Vorsitzenden ausführte, bei den
Namen "A._" und "F''._" handle es sich um den gleichen Namen in
unterschiedlicher Schreibweise. So sei in Litauen die Schreibweise "A._"
gebräuchlich, wohingegen der Name auf Russisch "F''''._" laute. "F''._"
sei ein Kosename, der "kleiner F''''._" bedeute (Prot. I S. 48). Auch wenn der
Beschuldigte 1 in Abrede stellte, dass "F''._" eine russische Kurzform oder
ein Kosename sei (Urk. 206 S. 15), ist dennoch klar, dass die Russisch
sprechenden Beschuldigten 2 und 3 den Beschuldigten 1 "F''._" genannt
haben, da der Name A._ unbestritten in der russischen Sprache nicht
existiert und Russen untereinander den Namen "F''._" verwenden. Auf
weitere Abklärungen kann bei dieser Sachlage verzichtet werden. Der
Beweisantrag auf Einholung einer Expertise über die Nationalität und
Muttersprache des Beschuldigten 1 bzw. dessen Ehefrau sowie über die kulturell
gebräuchliche Verwendung der Vornamen F''._ bzw. A._ in der
russischen bzw. litauischen Sprache (Urk. 206 S. 14 f., Urk. 309 S. 12) ist
abzuweisen. Soweit die Verteidigung des Beschuldigten 1 suggeriert, die
Beschuldigten 2 und 3 hätten mehrere Personen als "F''._" bezeichnet
(Urk. 309 S. 31 f.), kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Dass sie im
Zusammenhang mit "F''._" auch Autos bzw. mögliche Autokäufe
thematisierten, bedeutet höchstens, dass sie von der offenbar legal betriebenen
Tätigkeit des Beschuldigten 1 Kenntnis hatten.
5.10. Insgesamt besteht eine für die Täterschaft des Beschuldigten 1 überzeu-
gend sprechende Indizienlage, für die der Beschuldigte 1 keine annähernd plau-
siblen Erklärungen zu liefern vermag. Fehlen Anhaltspunkte für die Richtigkeit
seiner entlastenden Behauptungen, darf das Gericht in freier Beweiswürdigung
- 41 -
zum Schluss kommen, dessen Vorbringen seien unglaubhaft (vgl. hierzu Urteile
des Bundesgerichts 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in
BGE 147 IV 176]; 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4; 6B_453/2011 vom
20. Dezember 2011 E. 1.6 [nicht publ. in BGE 138 IV 47]; 6B_30/2010 vom
1. Juni 2010 E. 4.1 mit Hinweisen; 1P.641/2000 vom 24. April 2001, publ. in: Pra
90/2001 Nr. 110, E. 3; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 3. Aufl., 2017, N 231;
Entscheid des EGMR vom 8. Februar 1996, Murray gegen Vereinigtes König-
reich, in: EuGRZ 1996, S. 587, Nr. 47; MEYER-LADEWIG/HARRENDORF/KÖNIG,
EMRK, Handkommentar, 4. Aufl., 2017, Art. 6 N 138 mit Hinweisen). Die Summe
der den Beschuldigten 1 belastenden Indizien und das Fehlen einer glaubhaften
Erklärung dafür lassen keine vernünftigen Zweifel aufkommen, dass es sich beim
Beschuldigten 1 um den Täter "F''._" handelt, welcher am eingeklagten Ein-
bruchdiebstahl bei der O._ AG im Sinne der Anklage beteiligt war. Rein er-
gänzend ist im Sinne der diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz festzuhal-
ten, dass es dem Beschuldigten 1 nach der Überweisung der 300.– Euro ohne
weiteres möglich war, zur Tatausführung in die Schweiz zu reisen, standen ihm
hierfür doch drei Tage zur Verfügung.
5.11. Am 14. Mai 2018, in der Vortatphase, schilderte der Beschuldigte 2 in einem
Telefongespräch mit dem Beschuldigten 3 "F''._" habe gemeint, es sei
geplant, bis Ende der Woche sogar zwei Mal zu fahren, aber der Bus müsse
weiss sein (Urk. D1/2/4/9/5 S. 69, TÜ-Protokoll vom 14. Mai 2018, 14:56:25 Uhr).
Am 17. Mai 2018 schilderte der Beschuldigte 2 dem Beschuldigten 3, dass er am
nächsten Tag wieder "zu diesem Mann" fahren müsse. Dieser habe ihm gesagt,
dass sie ("wir") in der Nacht von Sonntag auf Montag oder von Montag auf
Dienstag (21./22. Mai 2018) "eine zweite Ladung machen würden". Der
Beschuldigte 2 habe dann "Geld für das Auto, für dies und jenes" verlangt, worauf
der andere zugesichert habe, alles zu klären (Urk. D/12/1/2/1 TÜ-Protokoll vom
17. Mai 2018, 17:58:15 Uhr). Hierbei ging es um den zweiten Einbruchdiebstahl,
welcher schliesslich in der Nacht vom 21./22. Mai 2018 bei der AC._
stattfand. Der dritte Mann sollte wiederum – wie beim ersten Einbruchdiebstahl –
die Busmiete bezahlen und offenbar auch für weitere Auslagen aufkommen. Wie
gesehen, hatte der Beschuldigte 3 für beide Einbruchdiebstähle den Bus für den
- 42 -
Transport des Deliktsgutes gemietet und bezahlt (vgl. dazu vorne E. II.5.4.). Dies
bestätigte er auch anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
8. Juli 2019 (Urk. D1/3/3/2 F/A 74). Am 19. Mai 2018 teilte der Beschuldigte 2
dem Beschuldigten 3 mit, dass der Mann ("er") 450.– Euro überwiesen habe und
wies den Beschuldigten 3 an, das Geld bei Western Union abzuheben. Wie die
Verteidigung des Beschuldigten 1 sodann richtig ausführte (Urk. 309 S. 31 f.),
erklärte er weiter: "Wenn du um fünf kommst, kaufen wir zusammen Lebensmittel
ein. Dazu brauche ich das Geld." Weiter führte er aus: "Wir müssen noch die Folie
kaufen. Nun... Er hat darum gebeten..." (Urk. D1/2/1/2/1 TÜ-Protokoll vom
19. Mai 2018, 12:49:47). Wie gesehen, hatte der Beschuldigte 2 vom dritten Mann
dieses Mal nicht nur die Finanzierung der Busmiete, sondern auch die
Finanzierung weiterer Auslagen verlangt. Da der dieses Mal überwiesene Betrag
jenen vom ersten Mal um stolze EUR 150.– überstieg, ist angesichts der offenbar
beengten finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten 2 und 3 (der Beschuldigte 2
erklärte am 17. Mai 2018 im Zusammenhang mit dem Tanken, wenn er kein Geld
habe, mache er "Tankbetrug", a.a.O. TÜ-Protokoll vom 17. Mai 2018, 08:18:01)
durchaus denkbar, dass ein Teil des überwiesenen Betrages für Lebensmittel
angedacht war, zumindest aber dafür eingesetzt wurde. Damit blieb aber immer
noch genügend Geld für die Busmiete übrig. Entgegen der Darstellung der
Verteidigung bedeutet dies keineswegs, dass das Geld nicht für die
Einbruchdiebstähle verwendet worden wäre. Zudem sprach der Beschuldigte 2
ausdrücklich von der Folie zum Einpacken der Fahrräder (vgl. dazu nachfolgend
E. II.5.12.), welche noch gekauft werden musste.
5.12. Dem Western Union-Auszug lässt sich sodann entnehmen, dass am
19. Mai 2018 die Ehefrau des Beschuldigten 1 von G._ aus 450.– Euro an
den Beschuldigten 3 überwiesen hatte (Urk. D1/8 Beilage 4). Der Beschuldige 1
musste folglich zwischen den Taten gar nicht zurückreisen, weshalb der vom
Verteidiger aufgeworfenen Frage, ob dies praktisch zeitlich möglich gewesen
wäre, nicht nachgegangen werden muss. Daraus und insbesondere aus der
nahezu identischen Vorgehensweise wie beim ersten Einbruchdiebstahl ergibt
sich, dass der Beschuldigte 1 in derselben Weise auch beim zweiten
Einbruchdiebstahl mitgewirkt hat. Für das Argument des Beschuldigten 1, wonach
- 43 -
die Überweisung von 450.– Euro für Autoteile gedacht gewesen sei, bestehen
keine Anhaltspunkte (vgl. dazu auch vorne E. II.5.6.). Dieses Vorbringen ist als
Schutzbehauptung zu werten.
5.13. Unmittelbar nach der ersten Tat, am 16. Mai 2018, gab der Beschuldigte 2
dem Beschuldigten 3 die Anweisung von "F''._" weiter, man müsse die
Fahrräder in Folie einwickeln (Urk. D1/2/1/2/1 TÜ-Protokoll vom 16. Mai 2018,
11:16:35 Uhr, S. 2). Am 19. Mai 2018 sagte der Beschuldigte 2 erneut zum
Beschuldigten 3, sie müssten noch Folie kaufen, weil "er" darum gebeten habe.
"Die komplette vorhandene Produktion" müsse mit Folie verpackt werden
(Urk. D/12/1/2/1 TÜ-Protokoll vom 19. Mai 2018, 12:49:47). Die in der Folge
sichergestellten, aus den beiden Einbruchdiebstählen stammenden Fahrräder
waren allesamt in schwarze Folie eingewickelt. Anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung bestätigte der Beschuldigte 2 sodann, dass sowohl die
Fahrräder aus dem ersten als auch diejenigen aus dem zweiten
Einbruchdiebstahl in schwarze Folie eingepackt wurden und es ansonsten keine
speziellen Einpack-Kriterien gab (Prot. I. S. 32 f.). Daraus ergibt sich, dass
offenbar der Beschuldigte 1 die Anweisung gegeben hatte, die gestohlenen
Fahrräder in Folie einzupacken. Aus dem Umstand, dass sowohl die Fahrräder
der O._ AG als auch jene der AC._ mit derselben Folie umwickelt
vorgefunden wurden, folgt, dass man auch diesbezüglich identisch vorging, sich
die Weisung des Beschuldigten 1 damit auf das Deliktsgut beider
Einbruchdiebstähle bezog. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Beschul-
digte 1 am zweiten Einbruchdiebstahl im gleichen Masse wie am ersten beteiligt
war. Schliesslich ist nochmals festzuhalten, dass die Rufnummer des in Litauen
wohnhaften Beschuldigten 1 1 im Tatzeitraum mehrmals über die Funkantenne in
N._ eingeloggt war und N._ zufälligerweise auf dem direkten Weg
zwischen dem Tatort P._ und Q._, wohin die Fahrräder transportiert
wurden, liegt (vgl. dazu vorne E. II.5.5.). Dies spricht auch hinsichtlich des zweiten
Einbruchdiebstahls für eine Tatbeteiligung bzw. ein Mitwirken des Beschuldigten 1
vor Ort.
- 44 -
5.14. Nachdem ein Teil der gestohlenen Fahrräder, welche von AB._ nach
Litauen hätten transportiert werden sollen, von der Polizei beschlagnahmt worden
war, sagte der Beschuldigte 3 in einem Telefongespräch vom 29. Mai 2018 zum
Beschuldigten 2, er wisse nicht, wie Letzterer "das alles" "F''._" erklären solle
(Urk. D1/2/1/2/1 TÜ-Protokoll vom 29. Mai 2018, 23:01:37 Uhr). Am 31. Mai 2018
erzählte der Beschuldigte 2 dem Beschuldigten 3 sodann, er habe einen Anruf
von "F''._" bekommen und dieser habe ihm mitgeteilt, dass zwei Personen
kommen würden, denen der Beschuldigte 2 alles erzählen und erklären müsse
(a.a.O. TÜ-Protokoll vom 31. Mai 2018, 10:45:41 Uhr). Damit bezog er sich auf
das um 10:08:25 Uhr stattgefundene Telefongespräch mit dem Beschuldigten 1,
worin Letzterer sagte, dass AB._ mit seiner Idee, Zettel [Lieferscheine] zu
machen, an der schlimmen Situation Schuld sei und der Beschuldigte 2 ihn nicht
daran gehindert habe. Es würden zwei Personen kommen, welche die Situation
überprüfen würden, denen der Beschuldigte 2 alles zeigen und erklären müsse,
und die untersuchen würden, ob es einen Verräter gegeben habe. Weiter wies der
Beschuldigte 1 den Beschuldigten 2 an, seine alte Handynummer wieder zu
benutzen und dem Beschuldigten 3 sowie der Mutter zu sagen, dass sie mit
niemandem darüber reden sollten (Anhang zu Urk. D1/3/1/4 TÜ-Protokoll vom
31. Mai 2018, 10:08:25 Uhr). Ferner besprach er sich mit dem Beschuldigten 2
über die Strategie, welche man gegenüber der Untersuchungsbehörde fahren
wolle. Er wies den Beschuldigten 2 an, zu schweigen. Zudem solle er aufpassen,
dass auch der Beschuldigte 3 und die Mutter nichts sagen würden. Schliesslich
müsse er aufpassen, dass es nicht zu viele Mitwirkende gebe (Urk. D1/2/4/9/5
TÜ-Protokoll vom 2. Juni 2018, 18:38:01 Uhr und 19:44:52 Uhr). Der
Beschuldigte 1 hatte demnach eine tragende Rolle inne. Er hielt die "Zügel" in den
Händen und prüfte auch, als die Fahrräder aus der Lagerhalle verschwunden
waren, ob es einen Verräter gab.
5.15. Insgesamt besteht eine für die Täterschaft des Beschuldigten 1 überzeu-
gend sprechende Indizienlage, für die der Beschuldigte 1 keine annähernd plau-
siblen Erklärungen zu liefern vermag. Fehlen Anhaltspunkte für die Richtigkeit
seiner entlastenden Behauptungen, darf das Gericht in freier Beweiswürdigung
zum Schluss kommen, dessen Vorbringen seien unglaubhaft (vgl. hierzu Urteile
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des Bundesgerichts 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in
BGE 147 IV 176]; 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4; 6B_453/2011 vom
20. Dezember 2011 E. 1.6 [nicht publ. in BGE 138 IV 47]; 6B_30/2010 vom
1. Juni 2010 E. 4.1 mit Hinweisen; 1P.641/2000 vom 24. April 2001, publ. in: Pra
90/2001 Nr. 110, E. 3; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 3. Aufl., 2017, N 231;
Entscheid des EGMR vom 8. Februar 1996, Murray gegen Vereinigtes König-
reich, in: EuGRZ 1996, S. 587, Nr. 47; MEYER-LADEWIG/HARRENDORF/KÖNIG,
EMRK, Handkommentar, 4. Aufl., 2017, Art. 6 N 138 mit Hinweisen). Die Summe
der den Beschuldigten 1 belastenden Indizien und das Fehlen einer glaubhaften
Erklärung dafür lassen keine vernünftigen Zweifel aufkommen, dass es sich beim
Beschuldigten 1 um den Täter "F''._" handelt, welcher am eingeklagten Ein-
bruchdiebstahl bei AC._ in P._ im Sinne der Anklage beteiligt war.
5.16. Im Berufungsverfahren liess der Beschuldigte 1 erstmals mehrere Alibis vor-
bringen, die belegen sollen, dass er sich zum Tatzeitpunkt nicht in der Schweiz
sondern in Litauen aufgehalten hat und reichte dazu diverse Unterlagen ein. Dass
er die Alibis erst im Berufungsverfahren vorbrachte, liess er wie folgt begründen:
Die während der ganzen Untersuchungshaft mangelhafte Gesundheitsbetreuung
und -aufklärung, habe ihn gedanklich so stark beschäftigt, dass er sich nicht mehr
mit den Gegebenheiten des Jahres 2018 auseinandergesetzt habe. Die
psychische Belastung sei gross gewesen. Seine Gedanken seien nicht um Tat
oder Alibi gekreist, sondern nur um seine Gesundheit. Die Gedanken an seine
Ehefrau und sein Kind seien für ihn tagesprägend gewesen und er habe
befürchtet, sie nicht mehr zu sehen. Erst ab dem vorzeitigen Strafantritt habe er
mit seiner Ehefrau über die Tat und die Zusammenhänge sprechen dürfen. Diese
habe sich dann an das im Jahre 2018 erworbene Ausbildungsdiplom erinnert
sowie daran, dass er zur Tatzeit an Unterrichtslektionen bzw. -prüfungen
teilgenommen habe (Urk. 309 S. 11 f., Urk. 206 S. 5-8). Die Vorbringen der
Verteidigung zur Gesundheitsversorgung in der Untersuchungshaft stehen den
eigenen Aussagen des Beschuldigten 1 diametral entgegen. Dieser führte heute
auf die Frage, ob sich die medizinische Behandlung seit der Verhaftung verändert
habe, ausdrücklich aus, dass man sich medizinisch sehr gut um ihn gekümmert
habe (Urk. 308 S. 10). Es ist zwar nicht abwegig, dass der Beschuldigte 1 sich mit
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Blick auf seine Vorerkrankung zumindest in der Anfangsphase seiner Inhaftierung
verunsichert, gestresst oder gar ausgeliefert fühlte (a.a.O.), zumal er nicht wusste,
was ihn erwartete. Eine langfristige ausserordentliche Belastung, welche dem Be-
schuldigten 1 eine gedankliche Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten zur
Tatzeit verunmöglicht haben soll, wurde indes nicht glaubhaft dargetan. Wie
gesehen ist anhand der diversen ärztlichen Belege ausreichend belegt, dass der
Beschuldigte 1 von Anfang an eine angemessene, an seinen Gesundheitszustand
angepasste medizinische Betreuung erfuhr und er darüber auch aufgeklärt wurde.
Sämtliche bildgebenden Untersuchungen der Posttumornachsorge zeigten sich
bis heute unauffällig (vgl. dazu vorne unter E. I.3.9.). Hinweise auf eine objektiv
begründete Befürchtung, während der Inhaftierung zu sterben, oder dass sich die
Gesundheit zufolge ungenügender medizinischer Betreuung verschlechtern
könnte, liegen folglich nicht vor. Dass sich der Beschuldigte 1 in einer ausser-
ordentlichen belastenden Situation befunden haben soll, sprich einer Belastung
ausgesetzt gewesen sein soll, die das Mass jener Belastung massgeblich
überschreitet, die jede Inhaftierung mit sich bringt, ist daher nicht nachvollziehbar.
Eine zu Unrecht beschuldigte inhaftierte Person würde nach Konfrontation mit
einem Tatvorwurf gewöhnlich zunächst überlegen, wo sie sich zur Tatzeit aufge-
halten hat und ein Alibi umgehend der Untersuchungsbehörde mitteilen. Dass der
Beschuldigte 1 angebliche Alibis aber erst nach Abschluss der Untersuchung und
des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens vorbringen lässt, weckt grosse Zweifel
an der Richtigkeit seiner Behauptungen. Kommt hinzu, dass er nicht nur ein Alibi
sondern einen ganzen Strauss möglicher Albis durch die Verteidigung vorbringen
lässt (vgl. die nachfolgenden Ausführungen). In Bezug auf die Ausbildung, die
eine Tatverübung verunmöglicht haben soll, mutet zudem seltsam an, dass sich
nicht einmal der Beschuldigte 1 selber, sondern offenbar seine Ehefrau an das
angebliche Alibi erinnert hat. Der Beschuldigte 1 persönlich machte nie – auch
heute nicht – geltend, dass er zur Tatzeit an Unterrichtslektionen oder -prüfungen
teilgenommen habe. Das diesbezügliche Vorbringen der Verteidigung ist daher
nicht glaubhaft. Entgegen der Darstellung der Verteidigung (Urk. 309 S. 6) lässt
sich dem dazu eingereichten Diplom nichts hinsichtlich Unterrichtslektionen bzw.
Prüfungsdaten entnehmen. Daraus ergibt sich einzig, dass es am 22. Juni 2018
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ausgestellt wurde und der Beschuldigte 1 im Jahr 2018, nach Absolvierung eines
dreimonatigen Baudienstleistungsprogramms, den Beruf des Baudienstleisters er-
worben haben soll (Urk. 310/7, Prot. II S. 28-30). Dem Schreiben desselben
Schuldirektors, welcher das genannte Diplom unterzeichnet hat, vom
15. Januar 2021 lässt sich was folgt entnehmen: Die Lernkompetenz des
Beschuldigten 1 sei vom 15. bis 18. Juni 2018 geprüft worden (Urk. 310/8, Prot. II
S. 30), also nicht zur Tatzeit. Die Einholung einer Bestätigung bei den Personen
Sestokoas und Mantas zu den Prüfungsdaten, erübrigt sich folglich. Es bestehen
keine Hinweise, dass der Beschuldigte 1 auch zur Tatzeit Prüfungen abgelegt
hätte. Dieser Beweisantrag ist abzuweisen. Auch dieses Schreiben entlastet den
Beschuldigten 1 nicht. Selbst wenn im Tatzeitraum Unterrichtslektionen
stattgefunden hätten, würde dies nicht automatisch bedeuten, dass der
Beschuldigte 1 daran teilgenommen hat. Über drei Jahre später lässt sich nicht
mehr zuverlässig ermitteln, ob der Beschuldigte 1 an Unterrichtslektionen
teilgenommen hat. Eine allfällige Anwesenheits- oder Absenzenliste der Schule
vermag keinen abschliessenden Beweis über die tatsächliche Präsenz des
Beschuldigten 1 zu erbringen, zumal in keiner Weise ausgeschlossen werden
könnte, dass der Beschuldigte 1 Einfluss auf eine solche Erklärung der
angeblichen Schule nahm. Zudem hat der Beschuldigte 1 im bisherigen Verfahren
eine solche Ausbildung nie erwähnt. Heute vermochte er sich an die Adresse der
Schule an seinem Wohnort, wo er zwei Jahre lang Präsenzunterricht besucht
haben will, nicht bzw. nur ungefähr zu erinnern (Urk. 208 S. 5 f.). Während der
Beschuldigte 1 geltend machte, die Ausbildung habe zwei Jahre (2017-2018)
gedauert (a.a.O.), ergibt sich aus dem Schreiben des Schuldirektors vom
15. Januar 2021, dass der Beschuldigte ab dem Jahr 2015 bis 2018 Schüler
gewesen sei (Urk. 310/8, Prot. II S. 30). Demgegenüber geht aus dem Diplom
eine dreimonatige Ausbildungsdauer hervor (Urk. 310/7, Prot. II S. 29). Es
bestehen folglich mehrere Ungereimtheiten bzw. Vorbehalte hinsichtlich der
geltend gemachten Ausbildung. Insgesamt bestünden an einer Auskunft der vom
Beschuldigten 1 angegebenen Schule erhebliche Zweifel, weshalb sie das
Beweisergebnis ohnehin nicht zu erschüttern vermöchte. Der Beweisantrag auf
Einholung einer Auskunft bzw. einer etwaigen Anwesenheits- oder Absenzenliste
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bei der vom Beschuldigten 1 genannten Schule ist daher abzuweisen. Aus
etwaigen Unterlagen der Schule zur Prüfungsvorbereitung und Prüfung sowie zu
schriftlichen Arbeiten des Beschuldigten 1 sind keine für die Beweiswürdigung
relevanten Umstände zu erwarten. Dieser Beweisantrag ist ebenfalls abzuweisen
(Urk. 309 S. 6 f., Urk. 206 S. 8).
5.17. Der Beschuldigte 1 liess als weiteres Alibi im Berufungsverfahren erstmals
vorbringen, er habe am 22. Mai 2018 an der Geburtstagsfeier der Ehefrau seines
Vaters an deren Adresse teilgenommen (Urk. 309 S. 4 f.). Dem dazu
eingereichten Bestätigungsschreiben der Ehefrau des Vaters des Beschuldigten 1
lässt sich entnehmen, dass der Beschuldigte 1 sie in der zweiten Tageshälfte,
nach ihrer Arbeit, am 22. Mai 2018 während einer Stunde an ihrem Wohnort in
G._ besucht haben soll (Urk. 310/1, Prot. II S. 27 f.). Auch diesbezüglich gilt
zunächst das oben Ausgeführte (vgl. E. II.5.16.), wonach diese Behauptung
unglaubhaft ist, zumal dieses angebliche Alibi ohne ersichtlichen Grund erstmals
im Berufungsverfahren vorgebracht wird und der Beschuldigte 1 persönlich eine
solche Feier nie erwähnt hat. Weiter ist zu erwähnen, dass das angebliche Alibi –
wenn überhaupt – nur den ersten Einbruchdiebstahl beträfe. Und selbst wenn der
Beschuldigte 1 am Abend des 22. Mai 2018 an dieser Feier teilgenommen hätte,
wäre seine Täterschaft nicht ausgeschlossen. Der erste Einbruchdiebstahl fand in
der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 2018 statt. Bei einer ungefähren Fahrzeit von
knapp 17 Stunden zwischen Zürich und G._ (gemäss Google Earth, vgl.
Prot. II S. 45) hätte er es sogar an die Feier geschafft. Das Vorbringen des
Beschuldigten 1 mag das Beweisergebnis somit nicht zu erschüttern. Unerheblich
ist, ob an der Feier noch weitere Personen teilnahmen. Der diesbezügliche
Beweisantrag auf Befragung der Ehefrau des Vaters des Beschuldigten 1 ist
folglich abzuweisen. Eine Beweistatsache in Bezug auf die beantragte Befragung
der Ehefrau des Beschuldigten 1 fehlt gänzlich, weshalb dieser ebenfalls
abzuweisen ist (Urk. 309 S. 5).
5.18. Der Beschuldigte 1 machte weiter geltend, zur Tatzeit ein Praktikum
absolviert zu haben und seinen Autraggeber AD._ täglich gesehen bzw. auf
Baustellen begleitet zu haben (Urk. 309 S. 6). Der dazu eingereichten Bestätigung
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lässt sich entnehmen, dass der Beschuldigte 1 im Mai 2018 beinahe täglich er-
schienen sei, um Bauarbeiten zu betreuen (Urk. 310/3, Prot. II S. 28). Auch
diesbezüglich gilt zunächst das oben Ausgeführte (vgl. E. II.5.16.), wonach diese
Behauptung unglaubhaft ist, zumal dieses angebliche Alibi ohne ersichtlichen
Grund erstmals im Berufungsverfahren vorgebracht wird und der Beschuldigte 1
persönlich nie erwähnt hat, zur Tatzeit auf einer Baustelle gewesen zu sein.
Weiter hatte der Beschuldigte 1 demgegenüber vor Vorinstanz noch angegeben,
er habe im Jahr 2018 wegen seiner Krebserkrankung keiner Erwerbstätigkeit
nachgehen können (Prot. I S. 36). Heute führte der Beschuldigte 1 aus, das
Praktikum habe etwa sechs Monate (Anfang bis Mitte 2018) gedauert (Urk. 308
S. 6 f.), wohingegen sich aus dem ins Recht gelegten Schreiben ergibt, dass der
Beschuldigte zwei Jahre dauernde Bauarbeiten (2017 bis 2019) betreut habe
(Urk. 310/3, Prot. II S. 28). Noch vor Vorinstanz gab der Beschuldigte zu Protokoll
noch nie eine andere Arbeitstätigkeit als jene als Automechaniker ausgeübt zu
haben (Prot. I S. 35). Es bestehen deshalb insgesamt erhebliche Zweifel an der
Richtigkeit des Vorbringens bzw. des eingereichten Schreibens. Und selbst wenn
der Inhalt des Schreibens der Wahrheit entspräche, wäre die Täterschaft des
Beschuldigten 1 nicht ausgeschlossen, zumal er nicht täglich, sondern nur
beinahe täglich erschien. Eine Befragung von AD._ ist entbehrlich, zumal
nicht ernsthaft davon ausgegangen werden kann, dass er in Abweichung von der
schriftlichen Stellungnahme mündlich bestätigen würde, dass ihn der
Beschuldigte 1 täglich zur Baustelle begleitet habe. Selbst wenn dem so wäre,
würde eine solche Bestätigung das Beweisergebnis nicht erschüttern, zumal
aufgrund des Gesagten dennoch erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der
heutigen Behauptung des Beschuldigten 1 verblieben. Der entsprechende
Beweisantrag ist folglich abzuweisen (Urk. 309 S. 6).
5.19. Die vom Beschuldigten 1 eingereichten Belege der Swedbank tangieren
nicht die Tatzeit und vermögen ihn daher nicht zu entlasten (Urk. 310/4). Zumal
dieses angebliche Alibi ohne ersichtlichen Grund erstmals im Berufungsverfahren
vorgebracht wird und der Beschuldigte 1 persönlich nie erwähnt hat, zur Tatzeit in
Filialen der Swedbank physisch anwesend gewesen zu sein, ist dieses
Vorbringen der Verteidigung unglaubhaft. Selbst wenn die Swedbank eine
- 50 -
entsprechende Bestätigung ausstellen würde, würde das Beweisergebnis dadurch
nicht erschüttert, zumal aufgrund des Gesagten erhebliche Zweifel am Vorbringen
des Beschuldigten 1 verblieben. Der Beweisantrag auf Einholung einer Auskunft
bei der Swedbank über Zahlungsaufträge bzw. -Transaktionen und Art der
Transaktionsabwicklung ist daher abzuweisen (Urk. 309 S. 7 f.).
5.20. Der heute eingereichte Informationsbrief trägt nichts Erhellendes zur Frage
der Täterschaft des Beschuldigten 1 bei (Urk. 310/11, Prot. II S. 31). Ebenso die
beantragte Anfrage bei den staatlichen Eisenbahnen von Litauen zur Frage, ob
um die Tatzeit herum Fahrkarten auf den Beschuldigten 1 ausgestellt wurden,
zumal dadurch eine Täterschaft des Beschuldigten 1 nicht ausgeschlossen wer-
den kann. Er konnte auch andere Verkehrsmittel, insbesondere das Auto, benut-
zen, um sich in die Schweiz zu begeben. Der Beweisantrag ist abzuweisen (Urk.
309 S. 7).
5.21. Schliesslich liess der Beschuldigte 1 vorbringen, er wäre gesundheitlich gar
nicht in der Lage gewesen, die Einbruchdiebstähle zu begehen. Er hätte nicht
Fahrräder während langer Zeit bzw. Stunden und über Distanzen von 400 m bei
Gefälle über eine Wiese transportieren können (Urk. 309 S. 8 f.). Dem vom Be-
schuldigten 1 dazu eingereichten Arztzeugnis vom 31. Mai 2018 lässt sich
lediglich entnehmen, dass am Hals des Beschuldigten 1 heterogene bzw.
zystische Gewebeveränderungen festgestellt wurden (Urk. 310/9, Prot. II S. 30 f.).
Dies lässt sich mit dem Schreiben aus Litauen, welches der Beschuldigte 1 bei
seiner Verhaftung dabei hatte, welchem die Diagnose eines Oropharynxkarzinom
pT2N3M0 (Halsrachenkrebs) zu entnehmen ist, in Einklang bringen (vgl. dazu
vorne E. I.1.6.). Der Beschuldigte 1 brachte heute vor, seine Anfang Januar 2018
diagnostizierte Krebserkrankung habe zu einem hohen Gewichtsverlust geführt.
Folge davon sei gewesen, dass er im Jahr 2018 mangels Kraft nicht habe
arbeiten können (Urk. 308 S. 3 f. und 9). In Widerspruch dazu liess er wie
gesehen geltend machen, zur Tatzeit gearbeitet zu haben und gleichzeitig
Unterrichtslektionen bzw. -prüfungen einer Ausbildung besucht zu haben. Der
Beschuldigte persönlich führte heute – in Widerspruch zu seinen Ausführungen
vor Vorinstanz, wo er noch angegeben hatte, 2018 infolge seiner
- 51 -
Krebserkrankung nicht berufstätig gewesen zu sein (Prot. I S. 36) – aus, zur
Tatzeit zwei Arbeitstätigkeiten parallel nachgegangen zu sein. Er habe sowohl als
Automechaniker gearbeitet als auch im Bausektor ein Praktikum absolviert.
Zudem habe er seine Ausbildung im Bausektor abgeschlossen. Es sei eine
herausfordernde Zeit für ihn gewesen (a.a.O. S. 5-7, vgl. auch Urk. 309 S. 6). Die
erste Krebsoperation erfolgte gemäss seinen Angaben im Juli 2018 (a.a.O. S. 4).
Daraus erhellt, dass der Beschuldigte 1 trotz Erkrankung immerhin genügend
Kraft hatte, der körperlich anspruchsvollen Arbeit als Automechaniker
nachzugehen. Daran ändert nichts, dass diese Tätigkeit offenbar auch mit
Büroarbeit verbunden war (a.a.O. S. 9 und 17 f.). Gleichzeitig war er in der Lage,
seine Ausbildung im Bausektor abzuschliessen und zudem ein Praktikum im
Bausektor zu absolvieren. Zum Tatzeitpunkt führte er darüber hinaus ein kleines
Geschäft mit dem Schwerpunkt Ankauf von Autoersatzteilen (a.a.O. S. 12). Die
Krebsbehandlung begann sodann erst nach den Taten. Eine gesundheitliche
Beeinträchtigung, welche die Begehung der Einbruchdiebstähle ausschliessen
würde, ist damit nicht erstellt. Die aus den Aussagen des Beschuldigten 1 ge-
wonnene Erkenntnis liesse sich durch Aussagen von (bisher nicht eruierten)
litauischen medizinischen Leistungserbringern zum damaligen Gesundheits-
zustand nicht erschüttern, zumal der Beschuldigte 1 am besten darüber Bescheid
weiss, zu was er damals in der Lage war. Der Beweisantrag auf Einholung einer
Auskunft bei den (bisher nicht eruierten) litauischen medizinischen Leistungs-
erbringern zur Frage, ob der Beschuldigte 1 in der Lage war, die Einbruch-
diebstähle zu begehen, ist daher abzuweisen. Der Beschuldigte 1 persönlich
machte, anders als sein Verteidiger heute (Urk. 309 S. 8), nie geltend, sich zur
Tatzeit einer medizinischen Untersuchung oder Behandlung unterzogen zu
haben. Vielmehr führte er wie gesehen heute aus, dass der Krebs Anfang 2018
diagnostiziert worden sei, er sich jedoch zufolge anfänglichen Zögerns erst im
Juli 2018 einer ersten Operation und anschliessend weiteren Behandlungen
(Chemotherapie, Bestrahlung) unterzogen habe. Zwar bestätigte er auf Er-
gänzungsfragen seines Verteidigers, dass auch im März 2018 ärztliche Konsulta-
tionen stattgefunden hätten. Er vermochte sich aber weder an die Namen der
Ärzte erinnern, noch konnte er die Daten der Konsultationen näher eingrenzen
- 52 -
(Urk. 308 S. 17). Wenn tatsächlich solche Konsultationen auf die Tatzeit gefallen
wären, was nur der Verteidiger als Möglichkeit in Betracht zieht, nicht aber der
Beschuldigte 1 persönlich, und der Beschuldigte 1 folglich zu Unrecht beschuldigt
worden wäre, wäre zu erwarten gewesen, dass er sich an solche Konsultationen
erinnert, insbesondere wenn sie sich belegen liessen. Es bestehen keine
Hinweise dafür, dass sich der Beschuldigte exakt zur Tatzeit einer Untersuchung,
geschweige denn einer Behandlung, unterzogen hat. Insbesondere ergeben sich
auch keine aus dem heute eingereichten Arztzeugnis vom 31. Mai 2018
(Urk. 310/9, Prot. II S. 30 f.). Der Beweisantrag auf Eruierung der litauischen
medizinischen Leistungserbringer und Befragung derselben, ob zur Tatzeit
medizinische Untersuchungen oder Behandlungen stattfanden, sowie auf Beizug
von Belegen über medizinische Behandlungen in Litauen (Urk. 309 S. 8) ist
abzuweisen, weil nicht ernsthaft in Betracht zu ziehen ist, dass sich daraus etwas
Erhellendes bzw. von den Aussagen des Beschuldigten 1 Abweichendes ergibt.
Selbst wenn dem so wäre, vermöchten solche Auskünfte das Beweisergebnis
nicht zu erschüttern, zumal mit Blick auf das Ausgeführte erhebliche Zweifel an
deren Richtigkeit bestünden.
5.22. Zusammenfassend bleibt es dabei, dass keine vernünftigen Zweifel daran
bestehen, dass es sich beim Beschuldigten 1 um den Täter "F''._" handelt,
welcher an den eingeklagten Einbruchdiebstählen bei der O._ AG und
AC._ im Sinne der Anklage beteiligt war. Der Anklagesachverhalt ist damit
erstellt.
6. Rechtliche Würdigung
6.1. Der Beschuldigte 1 hat die von der Vorinstanz vorgenommene rechtliche
Würdigung nicht beanstandet. Der Beschuldigte 2 bestritt, die Einbruchdiebstähle
als Mittäter begangen zu haben und stellte sich auf den Standpunkt, im
Transportauto in der Nähe des Tatorts gewartet zu haben, die von der unmittel-
baren Täterschaft gestohlene Ware in den Lieferwagen eingeladen und in ein
Versteck in Deutschland gebracht zu haben. Bei dieser Sachlage sei
Gehilfenschaft zum Diebstahl anzunehmen. Mittäterschaft sei zudem nach
Tatvollendung nicht mehr möglich. Vorliegend sei der Diebstahl mit Verlassen der
- 53 -
Räumlichkeiten der O._ AG bzw. der AC._ vollendet gewesen. Zudem
beanstandete er die vorinstanzliche Annahme einer Banden- und
Gewerbsmässigkeit bezüglich des Diebstahls. Zur Sachbeschädigung und zum
Hausfriedensbruch habe er keine Förderbeiträge geleistet, weshalb auch keine
Gehilfenschaft dazu gegeben sei. Zur Geldwäscherei führte er folgendes aus:
Aufgrund der Konkurrenzlehre sei eine mitbestrafte Nachtat anzunehmen, wenn
die Vereitelungshandlung in unmittelbarem zeitlichen Konnex zur Vortat stehe,
darüber hinaus hingegen eine selbständige Geldwäscherei. Vorliegend stehe der
Transport der Fahrräder in unmittelbarem zeitlichen Konnex zum Diebstahl, zu
dem er Beihilfe geleistet habe, sodass eine mitbestrafte Nachtat vorliege (Urk.
304 S. 3 ff.).
6.2. Die Vorinstanz hat den erstellten Anklagesachverhalt unter Bezugnahme auf
die Vorbringen der Verteidigungen rechtlich zutreffend gewürdigt (Urk. 199
S. 38-52 E. IV.), worauf vorab zu verweisen ist. Die nachfolgenden Erwägungen
sind deshalb als ergänzende und auszugsweise rekapitulierende zu verstehen.
6.3. Gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB macht sich des Diebstahls schuldig, wer je-
mandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder
einen andern damit unrechtmässig zu bereichern. Die Tathandlung der Wegnah-
me liegt im Bruch fremden und der Begründung neuen (meist eigenen) Gewahr-
sams. Der Gewahrsam besteht in der tatsächlichen Sachherrschaft, d. h. in der
unmittelbaren, ungehinderten Einwirkungsmöglichkeit auf die Sache, verbunden
mit dem Willen, diese auszuüben. Bruch des Gewahrsams ist die Aufhebung des
fremden Gewahrsams gegen den Willen des bisherigen Inhabers. Ein solcher er-
folgt in der Regel dadurch, dass die Sache aus dem Machtbereich des Berechtig-
ten entfernt wird (vgl. statt Weiterer Urteil des Bundesgerichts 6B_1360/2019 vom
20. November 2020, E. 2.3.1.). Gemäss erstelltem Anklagesachverhalt wartete
der Beschuldigte 2 draussen vor den Geschäften, als der Beschuldigte 1 und der
nicht näher bekannte "D._" eindrangen und die Fahrräder inkl. weiteres De-
liktsgut nach draussen trugen. Der Beschuldigte 2 nahm die Fahrräder vor den
Geschäften entgegen und trug sie zusammen mit den anderen beiden zum in der
Nähe bereitgestellten Transporter, wo er sie einlud und anschliessend wegtrans-
- 54 -
portierte. Dies ergibt sich insbesondere aus den am 16. Mai 2018 erfolgten an-
schaulichen Ausführungen des Beschuldigten 2 gegenüber seinem Bruder, dem
Beschuldigten 3 (vgl. Urk. 199 E. III.7.6. S. 31 f.). Als der Beschuldigte 2 in das
Geschehen eingriff, war der neue Gewahrsam noch nicht begründet. Anders hätte
es sich verhalten, wenn die Fahrräder von den anderen beiden an einen anderen
Ort gebracht und erst dort an ihn ausgehändigt worden wären. Folglich war die
Tat im Zeitpunkt des Eingreifens des Beschuldigten 2 noch nicht vollendet. Mittä-
terschaft ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohnehin bis zur Been-
digung des Diebstahls möglich.
6.4. Nach der Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, Planung
oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender Weise mit ande-
ren Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei kommt
es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles und
dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm
steht oder fällt. Erforderlich ist mithin (Mit-)Tatherrschaft. Das blosse Wollen der
Tat, der subjektive Wille allein genügt zur Begründung von Mittäterschaft jedoch
nicht. Der Mittäter muss vielmehr bei der Entschliessung, Planung oder
Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwirken. Daraus folgt aber nicht, dass
Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen Tatausführung beteiligt ist oder sie zu
beeinflussen vermag. Dass der Mittäter bei der Fassung des gemeinsamen
Tatentschlusses mitwirkt, ist nicht erforderlich; es genügt, dass er sich später den
Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht (BGE 125 IV 134 E. 3a, Urteil
6B_259/2017 des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2017, E. 3.3.-3.5.). Wenn
ein Täter eine führende Rolle innehält, schliesst dies ein mittäterschaftliches
Zusammenwirken mit anderen involvierten Personen nicht aus. Die
Beschuldigten 1, 2 und "D._" haben gemäss erstelltem Anklagesachverhalt
gemeinsam und arbeitsteilig an der Tatausführung mitgewirkt. Während der
Beschuldigte 1 und "D._" zusammen in die Geschäfte eindrangen und die
Fahrräder nach draussen trugen, wartete der Beschuldigte 2 draussen vor den
Geschäften, nahm pro Tat rund 35 Fahrräder entgegen und trug sie zusammen
mit den beiden anderen zum in der Nähe bereitgestellten Transporter, lud sie ein
und transportierte sie weg (vgl. E. II.6.3.). Er fuhr mit dem Transporter über
- 55 -
300 km bis nach Q._ (Deutschland) und brachte die Fahrräder dort in einer
gemieteten Lagerhalle unter. Anschaulich schilderte er am 16. Mai 2018 seinem
Bruder, dem Beschuldigten 3, auch Komplikationen bei der Tatverübung, die man
gemeinsam überwand. So überlegten sie sich aufgrund Zeitknappheit, den
Transporter näher zum Gebäude zu fahren. Der Transporter blieb im Dreck
stecken, weshalb er vom Beschuldigten 1 und "D._" rausgeschoben werden
musste, während der Beschuldigte 2 am Steuer sass und Gas gab (vgl. Urk. 199
E. III.7.6. S. 31 f.). Die dargelegte gemeinsame und arbeitsteilige Vorgehensweise
und die weiteren Umstände, insbesondere auch die Vereinbarung über die
Aufteilung des Deliktserlöses (Prot. I S. 30 und 33), manifestieren einen
gemeinsamen Tatentschluss. Der Tatbeitrag des Beschuldigten 2 war in Würdi-
gung der gesamten Umstände wesentlich für die Tatverübung. Er ging weit über
blosses "Schmiere Stehen" hinaus. Er hatte denn auch Anspruch auf einen Drittel
des Deliktserlöses (Prot. I S. 30 und 33). Es kann daher nicht gesagt werden, er
habe sich auf blosse Hilfestellungen im Sinne von Art. 25 StGB beschränkt. Die
Gesamtheit der Umstände lässt einzig den Schluss zu, dass der Beschuldigte 2
(Mit-)Tatherrschaft hatte. Daran ändert nichts, dass der Beschuldigte 1 die
führende Rolle innehielt. Der Beschuldigte 2 ist damit Mittäter. Offen bleiben kann,
ob der Beschuldigte 2 in die Tatplanung involviert war, wobei er zumindest den
Transporter und den Lagerraum in Deutschland gemietet hat (Urk. D1/3/3/2
F/A 8). Der Beschuldigte 1 ist nach dem Gesagten ebenfalls Mittäter, was von ihm
auch nicht in Abrede gestellt wird.
6.5. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Bandenmässigkeit ge-
geben, wenn zwei oder mehrere Täter sich mit dem ausdrücklich oder konkludent
geäusserten Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbstän-
diger, im Einzelnen möglicherweise noch unbestimmter Straftaten zusammen-
zuwirken. Dieser Zusammenschluss (auch nur zweier Personen) ist es, der den
Einzelnen psychisch und physisch stärkt, ihn deshalb besonders gefährlich macht
und die Begehung von weiteren solchen Straftaten voraussehen lässt. Der Um-
stand, dass sich "nur" zwei Personen zur fortgesetzten Begehung von Straftaten
zusammengefunden haben, schliesst eine bandenmässige Tatbegehung nicht
aus, wenn nur gewisse Mindestansätze einer Organisation (etwa einer Rollen-
- 56 -
oder Arbeitsteilung) oder die Intensität des Zusammenwirkens ein derartiges
Ausmass erreichen, dass von einem bis zu einem gewissen Grade fest
verbundenen und stabilen Team gesprochen werden kann, auch wenn dieses
allenfalls nur kurzlebig war. Ist demgegenüber schon die Zusammenarbeit derart
locker, dass von Anfang an nur ein loser und damit völlig unbeständiger
Zusammenhalt besteht, läge keine Bande vor (Urteil des Bundesgerichts
6B_693/2008 vom 28. Mai 2009, E. 2 ff.). Die gemeinsame deliktische Tätigkeit
der Beschuldigten 1 und 2 beschränkte sich auf zwei Taten. Die Taten wurden
innerhalb einer Woche verübt. Der Zusammenschluss war daher nur kurzlebig.
Dies schliesst eine Bandenmässigkeit indes nicht aus. Die Beschuldigten 1 und 2
stahlen rund 70 hochpreisige Fahrräder im Gesamtwert von über Fr. 400'000.–,
die allesamt in einer Lagerhalle in Q._ zwischengelagert wurden. Aufgrund
der Vorgehensweise, der Menge, der Art und des Werts des Deliktsguts drängt
sich auf, dass eine Planung und Organisation im Vorfeld stattgefunden hat. Es
mussten nicht nur spezifische Tatvorkehrungen getroffen werden (Organisation
Transporter, Folie zum Einpacken der Fahrräder, Lagerhalle in Deutschland),
sondern auch die weiteren Schritte, insbesondere der angedachte Absatz in
Litauen, organisiert werden. Letzteres auch deshalb, weil solch hochpreisige
Fahrräder in der Regel nicht einfach so abgesetzt werden können. Insbesondere
mit Blick auf die erste Tatörtlichkeit, ein Lager eines Grosshändlers, das von
aussen nicht ohne Weiteres einsehbar ist, drängt sich zudem auf, dass vor der
Tatverübung Erkundungen bezüglich des Zielobjekts angestellt wurden. Es
bestand eine feste, klar umrissene Arbeitsteilung und die Rollen waren klar verteilt
(vgl. E. II.6.4.). Die Gesamtheit dieser Umstände lässt einzig den Schluss zu,
dass die Beschuldigten 1 und 2 ein einigermassen fest verbundenes, stabiles
Team bildeten, das sich zur fortgesetzten Verübung von Fahrraddiebstählen
zusammengetan hatte. Dieser Schluss wird durch folgende Aussagen der
Beschuldigten 1 und 2 untermauert: Der Beschuldigte 2 führte anlässlich eines
Telefongesprächs mit dem Beschuldigten 1 folgendes aus: "Ich bin nicht seit
gestern dabei. Das ist alles klar." (Urk. D1/2/1/4/9/5 TÜ-Protokoll vom
27. Juli 2018, 19:44:52 Uhr). Der Beschuldigte 2 teilte seinem Bruder, dem
Beschuldigten 3, nach der ersten Tat mit, er werde nun noch einmal "fahren" und
- 57 -
"dort verdienen". Danach werde er noch einmal "fahren". Sie ("wir") müssten es
so machen, dass sie immer 15'000.– bis 20'000.– (Euro) haben (a.a.O. TÜ-
Protokoll vom 19. Mai 2018, 15:24:18 Uhr). Der Beschuldigte 1 führte gegenüber
dem Beschuldigen 2 aus, Letzterer solle für ein paar Monate untertauchen "und
danach könnten sie wieder das alles weiter machen" (a.a.O. TÜ-Protokoll vom
9. Juni 2018, 19:18:45 Uhr). Ferner waren im iPad des Beschuldigten 1 diverse
weitere Adressen von Fahrradhändlern in der Schweiz gespeichert (Urk. 3/1/6
F/A 63 ff. und Anhänge). Die vorinstanzliche Annahme eines bandenmässigen
Diebstahls ist damit korrekt.
6.6. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts liegt der Ansatzpunkt für die
Definition der Gewerbsmässigkeit im berufsmässigen Handeln. Der Täter handelt
berufsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische
Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines
bestimmten Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften
ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Berufes ausübt.
Wesentlich für die Annahme der Gewerbsmässigkeit ist, dass sich der Täter, wie
aus den gesamten Umständen geschlossen werden muss, darauf eingerichtet
hat, durch deliktische Handlungen Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften
Beitrag an die Kosten zur Finanzierung seiner Lebensgestaltung darstellen.
Zudem muss er die Tat bereits mehrfach begangen haben (Urteil 6B_259/2017
des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2017, E. 5.1.). Die grosse Anzahl
gestohlener Fahrräder innert einer Woche und deren Gesamtwert von über
Fr. 400'000.– im Vergleich zum geringen Einkommen der Beschuldigten 1 und 2
(vgl. Urk. 199 E. IV.4.4.2.2.2. f. S. 46 f.) deutet darauf hin, dass die
Beschuldigten 1 und 2 innert möglichst kurzer Zeit so viel Deliktsgut wie möglich
erbeuten wollten. Die Beschuldigten bildeten ein einigermassen festes, stabiles
Team, das sich zur fortgesetzten Tatbegehung zusammengetan hatte (vgl.
E. II.6.4.). Hinweise darauf, dass die Beschuldigten 1 und 2 die deliktische
Tätigkeit ohne ihre Verhaftung beendet hätten, fehlen. Die Gesamtheit dieser
Umstände lässt einzig den Schluss zu, dass die Beschuldigten 1 und 2 die
deliktische Tätigkeit nach der Art eines Berufs ausübten. Die vorinstanzliche An-
nahme eines gewerbsmässigen Diebstahls ist damit korrekt.
- 58 -
6.7. Der Beschuldigte 2 hat die Türen und Fenster in den Liegenschaften der
O._ AG und AC._ (vgl. Urk. 199 E. IV.5. S. 48 f.) zwar nicht selber be-
schädigt, muss sich aber die Handlungen des Beschuldigten 1 zurechnen lassen,
da die Voraussetzungen von Mittäterschaft gegeben sind. Dasselbe gilt für das
unrechtmässige Eindringen in die Liegenschaften der O._ AG und AC._
(vgl. a.a.O. E. IV.6. S. 49 f.).
6.8. In Bezug auf die Geldwäscherei geht der Einwand des Beschuldigten 2 fehl,
wonach der Transport der Fahrräder nach Deutschland (die Geldwäscherei) auf-
grund der Konkurrenzlehre eine zum Diebstahl mitbestrafte Nachtat sei. Gemäss
ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts besteht zwischen der Vortat und
der Geldwäscherei echte Konkurrenz, denn strafbares Verhalten soll sich nicht
lohnen (BGE 129 IV 322 E. 2.2.4, BGE 124 IV 274 E. 3; BGE 122 IV 211 E. 3,
BGE 120 IV 323 E. 3, Urteil des Bundesgerichts 6B_291/2012 vom 16. Juli 2013
E. 5.2). Dies gilt auch im Verhältnis zum Diebstahl und – entgegen dem
Dafürhalten des Beschuldigten 2 – insbesondere auch dann, wenn die
Deliktsbeute nach der Tat auf direktem Weg nach Deutschland transportiert wird,
mithin ein enger zeitlicher Konnex besteht (Urteil des Bundesgerichts 6B_27/2020
vom 20. April 2020, E. 2.4.2. f. [sinngemäss]).
6.9. Fazit
Die Beschuldigten 1 und 2 sind des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls im
Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 2 StGB und Ziff. 3
Abs. 2 StGB, der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB, des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie der
schweren Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 lit. b StGB schuldig zu
sprechen.
III. Sanktion
1. Anträge/Grundsätze
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten 1 mit 48 Monaten Freiheitsstra-
fe und mit einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 30.–. Der Be-
- 59 -
schuldigte 2 wurde mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten und ei-
ner unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft.
Die Verteidigung des Beschuldigten 1 beantragte, der Beschuldigte 1 sei von
Schuld und Strafe freizusprechen (Urk. 34 S. 2) und verzichtete explizit darauf,
sich zur Sanktion zu äussern (Prot. II S. 27).
Die Verteidigung des Beschuldigten 2 beantragte, der Beschuldigte 2 sei mit einer
unbedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten zu bestrafen. Eventualiter, im
Falle der Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs, sei der Beschuldigte 2
zusätzlich mit einer (unbedingten) Geldstrafe von 120 Tagessätzen mit minimaler
Tagessatzhöhe zu belegen (Urk. 304 S. 1 und 14). Zur Begründung verwies die
Verteidigung des Beschuldigten 2 auf ihre vor Vorinstanz gemachten
Ausführungen (a.a.O. S. 14): Unabhängig von der rechtlichen Würdigung des
Verhaltens des Beschuldigten 2 sei sein Tatbeitrag "auf der Schwelle" zwischen
Gehilfenschaft und Mittäterschaft liegend zu qualifizieren. Eventualiter, bei
Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs, müsste im Lichte von BGE 144
IV 217 für jedes begangene Delikt eine angemessene Einzelstrafe bestimmt
werden. Für den Diebstahl wäre eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf
Monaten (aspiriert) auszusprechen, für den mehrfachen Hausfriedensbruch, die
mehrfache Sachbeschädigung und die mehrfache Geldwäscherei je eine
Geldstrafe. Die Geldstrafe sei auf maximal 120 Tagessätze (aspiriert) mit
minimaler Tagessatzhöhe anzusetzen (Urk. 305 S. 17-20).
Die Staatsanwaltschaft beantragte die Bestrafung des Beschuldigten 1 mit einer
Freiheitsstrafe von 60 Monaten sowie mit einer unbedingten Geldstrafe von
50 Tagessätzen zu Fr. 30.–. Zusammengefasst begründete sie ihren Antrag
damit, dass die vorinstanzlich ausgefällte Strafe gemessen am Vorgehen, dem
Vorleben und den Vorstrafen des Beschuldigten 1 zu tief angesetzt sei. Die
Vorinstanz habe zwar die wesentlichen Elemente des Tatverschuldens genannt,
diese jedoch zu wenig stark berücksichtigt. Selbst bei Annahme eines
mittelschweren Verschuldens (gemäss vorinstanzlicher Einstufung) hätte
aufgrund des schwersten Delikts (banden- und gewerbsmässiger Diebstahl) mit
einem Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren Freiheitsstrafe eine
- 60 -
Freiheitsstrafe von über fünf Jahren resultieren müssen. Es sei von einem
erheblichen Verschulden auszugehen und die Einsatzstrafe bei 42 Monaten
Freiheitsstrafe anzusetzen. Die weiteren Delikte seien mit 7 Monaten zu
veranschlagen. Das Vorleben bzw. die Vorstrafen führten zu einer Erhöhung um
11 Monate. Daraus resultiere eine Freiheitsstrafe von 60 Monaten. Dazu komme
eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je Fr. 30.– aufgrund der schweren
Geldwäscherei (Urk. 311).
Die Staatsanwaltschaft beantragte in Bezug auf den Beschuldigten 2 die Be-
stätigung des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 249).
1.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die
Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwen-
dung des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1 S. 316 ff., 217 E. 2.2 und
E. 3 S. 219 ff.; 141 IV 61 E. 6.1.2 S. 67 f.; je mit Hinweisen). Darauf sowie auf die
zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 199 E. V.1.2. f.) kann verwiesen
werden.
Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Un-
gleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip
nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Mehrere
gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden
einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzu-
wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt
nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f.; je mit
Hinweisen). Wie zu zeigen sein wird, sind für die schwere Geldwäscherei, die
Sachbeschädigungen und die Hausfriedensbrüche jeweils Freiheitsstrafen aus-
zufällen. Damit sind die Voraussetzungen für die Bildung einer Gesamt-
freiheitsstrafe gegeben.
Das Bundesgericht unterstreicht in seiner jüngeren Rechtsprechung, dass
Art. 49 Abs. 1 StGB keine Ausnahme von der konkreten Methode erlaubt. Es
- 61 -
schliesst die Ausfällung einer Einheitsstrafe im Sinne einer Gesamtbetrachtung
aus (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 S. 235 f. mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung
wurde wiederholt bestätigt (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2 S. 317 f. und Urteile
6B_141/2021 vom 23. Juni 2021 E. 1.3.2; 6B_712/2018 vom 18. Dezember
2019 E. 3.1; 6B_1033/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 5.2 und 5.3;
6B_166/2019 vom 6. August 2019 E. 3.2.4; 6B_409/2018 vom 7. Juni 2019
E. 2.3). Damit sind nach der "konkreten Methode" für sämtliche Delikte ge-
danklich Einzelstrafen zu bilden.
2. Wahl Sanktionsart/Strafrahmen
2.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässig-
keit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-
les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97
E. 4.2 S. 100 mit Hinweisen). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll
nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden und hin-
sichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige
gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen ein-
greift (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; Urteil 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018
E. 1.3.2; je mit Hinweis).
2.2. Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2
S. 101). Sie wiegt als Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein
Eingriff in die persönliche Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; 134 IV 97
E. 4.2.2 S. 101, 82 E. 7.2.2 S. 90). Am Vorrang der Geldstrafe hat der
Gesetzgeber im Rahmen der erneuten Revision des Sanktionenrechts
entgegen der ursprünglichen Stossrichtung festgehalten (BGE 144 IV 217
E. 3.6 S. 237 f. mit Hinweisen). Art. 41 StGB statuiert diese Priorität. Eine kurze
Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe von höchstens 180 Tagessätzen ist unter
anderem zulässig, wenn eine solche geboten erscheint, um den Täter von der
Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 41 Abs. 1 lit. a
StGB).
- 62 -
2.3. 2007 wurde der Beschuldigte 1 von den Amtsgerichten Kempten und
Kassel zweimal wegen gemeinschaftlich begangener Diebstähle in besonders
schwerem Fall verurteilt und mit einer unbedingten Gesamtstrafe von drei Jahren
und drei Monaten Freiheitsstrafe bestraft (Urk. 26/7). 2009 wurde er vom
Landgericht Wiener Neustadt wegen schweren Diebstahls, Diebstahl durch
Einbruch oder Waffen, gewerbsmässigen Diebstahls bzw. Diebstahl im Rahmen
einer kriminellen Vereinigung, schwerer Körperverletzung, versuchten
Widerstands gegen die Staatsgewalt, Urkundenfälschung und Fälschung
besonders geschützter Urkunden verurteilt und mit einer Freiheitsstrafe von zwei
Jahren und sechs Monaten belegt. Vom Strafvollzug wurde wegen eines Einreise-
oder Aufenthaltsverbotes vorläufig abgesehen. 2013 wurde der Beschuldigte 1
vom Landgericht für Strafsachen Wien wegen Urkundenfälschung und Fälschung
besonders geschützter Urkunden verurteilt und mit einer unbedingten
Freiheitsstrafe von sechs Monaten bestraft (Urk. 26/5). 2017 wurde der
Beschuldigte 1 mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland
wegen Diebstahl und Hinderung einer Amtshandlung verurteilt und mit einer
bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer
Busse von Fr. 250.– belegt (Urk. 203). Der Beschuldigte 1 hat den genannten
Strafbefehl nicht zur Kenntnis genommen (Urk. 117a). Der Beschuldigte 1 liess
sich weder durch die früheren Untersuchungs- und Gerichtsverfahren noch durch
die ihm auferlegten Freiheitsstrafen von weiteren Straftaten abhalten. Er hat
sich auch durch die Verbüssung der ihm auferlegten Freiheitsstrafen nicht
abschrecken lassen. Seine Delinquenz muss deshalb als beständig und er als
uneinsichtig bezeichnet werden. Vor diesem Hintergrund und der fehlenden
Einsicht und Reue des Beschuldigten 1 bestehen erhebliche Zweifel an der
spezialpräventiven Wirkung einer Geldstrafe. Vielmehr ist eine Geldstrafe
angesichts der bisherigen Wirkungslosigkeit von unbedingten Freiheitsstrafen
nicht zweckmässig. Bei separater Beurteilung jeder Tat scheint es geboten, für
jedes der begangenen Delikte je eine Freiheitsstrafe auszufällen, um den
Beschuldigten 1 von der Begehung weiterer Verbrechen und Vergehen
abzuhalten.
- 63 -
2.4. 2009 wurde der Beschuldigte 2 in Lettland zur einer bedingten Freiheits-
strafe von fünf Jahren verurteilt. Diese Freiheitsstrafe wurde später vollstreckt
(Urk. 25/3). 2011 wurde er vom Landgericht für Strafsachen Wien wegen
gewerbsmässigen Diebstahls bzw. Diebstahl im Rahmen einer kriminellen
Vereinigung und schweren sowie gewerbsmässigen Betrugs zu einer unbedingten
Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt (Urk. 25/4). 2018
wurde der Beschuldigte 2 von den Amtsgerichten Q._ und S._ wegen
Körperverletzung und Diebstahl je mit einer Geldstrafe bestraft. Die Verurteilung
wegen Diebstahl erfolge jedoch kurz nach der vorliegend zu beurteilenden
Delinquenz (Urk. 25/7). Der Beschuldigte 2 liess sich weder durch die früheren
Untersuchungs- und Gerichtsverfahren noch durch die ihm auferlegten Geld- und
Freiheitsstrafen von weiteren Straftaten abhalten. Er hat sich auch durch die
Verbüssung der ihm auferlegten Freiheitsstrafen nicht abschrecken lassen.
Seine Delinquenz muss deshalb als beständig und er als uneinsichtig bezeichnet
werden. Vor diesem Hintergrund bestehen erhebliche Zweifel an der
spezialpräventiven Wirkung einer Geldstrafe. Vielmehr ist eine Geldstrafe
angesichts der bisherigen Wirkungslosigkeit der Geldstrafen und vollzogenen
Freiheitsstrafen nicht zweckmässig. Bei separater Beurteilung jeder Tat scheint es
geboten, für jedes der begangenen Delikte je eine Freiheitsstrafe auszufällen, um
den Beschuldigten 2 von der Begehung weiterer Verbrechen und Vergehen
abzuhalten.
2.5. Der gewerbs- und bandenmässige Diebstahl ist die schwerste Straftat.
Entgegen der Vorinstanz beträgt der Strafrahmen Freiheitsstrafe von sechs
Monaten bis zu zehn Jahren. Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe füh-
ren nur bei aussergewöhnlichen Umständen dazu, die Grenzen des ordentli-
chen Strafrahmens zu verlassen und sie nach oben oder unten zu erweitern
(BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63 mit Hinweisen). Dies entspricht konstanter höchst-
richterlicher Rechtsprechung (anstatt vieler: BGE 142 IV 265 E. 2.4.5 S. 272 f.;
Urteil 6B_918/2020 vom 19. Januar 2021 E. 6.4.1), wobei das Bundesgericht
darauf zurückzukommen scheint (Urteil 6B_938/2020 vom 12. November 2021
E. 4.8, zur Publikation bestimmt). Im vorliegenden Fall jedoch kann die Strafe
innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festgesetzt werden. Strafschärfungs-
- 64 -
gründe sind aber straferhöhend und Strafmilderungsgründe strafmindernd zu
berücksichtigen. Die Deliktsmehrheit ist straferhöhend zu berücksichtigen. Für
die schwere Geldwäscherei ist zusätzlich eine Geldstrafe von bis zu
500 Tagessätzen auszusprechen.
3. Gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl
3.1. Die objektive Tatschwere des von den Beschuldigten 1 und 2 begange-
nen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls ist innerhalb des zur Verfügung
stehenden Strafrahmens zu bemessen und damit zum breiten Spektrum von
denkbaren gewerbs- und bandenmässigen Diebstählen in Relation zu setzen.
Der Umstand, dass zwei Qualifikationsmerkmale erfüllt sind, fällt straferhöhend
ins Gewicht (Urteil 6B_662/2015 des Bundesgerichts vom 12. Januar 2016
E. 2.4.3). In Bezug auf die objektive Tatschwere ist massgebend, dass die Be-
schuldigten 1 und 2 innerhalb von nur einer Woche insgesamt 74 hochpreisige
Fahrräder mit einem Wert von über Fr. 400'000.– gestohlen haben. Zur Art und
Weise der Herbeiführung des Deliktserfolgs ist zu sagen, dass die Beschuldig-
ten 1 und 2 als Kriminaltouristen zwei Mal in die Schweiz einreisten, in ein La-
ger eines Grosshändlers und in ein Fahrradgeschäft einbrachen, um 35 bzw.
39 Fahrräder zu entwenden. Sie stahlen nicht wahllos einzelne, auf öffentli-
chem Grund abgestellte Fahrräder. Die Tatobjekte wurden mit anderen Worten
nicht spontan ausgewählt. Die Handlungen waren geplant. Die Beschuldigten
gingen sodann mit einer gewissen Professionalität vor, indem der Beschuldigte 1
in die Räumlichkeiten eindrang und die Fahrräder nach draussen trug, während
der Beschuldigte 2 draussen wartete, dort die Fahrräder behändigte und zum in
der Nähe abgestellten Transporter trug, einlud und diese schliesslich weg- bzw.
nach Deutschland transportierte. All dies manifestiert einen hohen Grad an krimi-
neller Energie. Dass sie nur in Liegenschaften einbrachen, in denen sich zur Tat-
zeit niemand aufhielt, mindert das Verschulden nur marginal, diente dieses Vor-
gehen doch primär dazu, das eigene Risiko, ertappt und verhaftet zu werden, zu
vermindern.
3.2. Der Beschuldigte 2 behändigte die Fahrräder vor dem Lager/Geschäft
und trug sie zusammen mit dem Beschuldigten 1 bis zum in der Nähe abge-
- 65 -
stellten Transporter, lud sie ein und entfernte sie anschliessend mit dem
Transporter von der Tatörtlichkeit. Sein Tatbeitrag ist daher als gewichtig, be-
deutend und entscheidend für den Deliktserfolg zu taxieren. Dies spiegelt sich
auch in seinem Anteil von einem Drittel am Erlös aus dem Verkauf der Fahrrä-
der wieder. Seine hierarchische Stellung ist im Vergleich zu jener des Be-
schuldigten 1 jedoch tiefer. Er führte die Anweisungen des Beschuldigten 1
aus und unterstand diesem. Dies zeigt sich daran, dass der Beschuldige 1 ihm
Anweisungen in Bezug auf die konkrete Tatausführung (wann und wo, Organi-
sation Transporter und Folie) und das Nachtatverhalten gab sowie Untersu-
chungen ankündigte, die einen allfälligen Verräter zu Tage fördern sollten (vgl.
E. II.5.4., II.5.11. und II.5.13. f.). Dennoch war er Herr über den zur Tatbe-
standsverwirklichung führenden Geschehensablauf. Unter Berücksichtigung aller
denkbaren gewerbs- und bandenmässigen Diebstähle ist das objektive Ver-
schulden des Beschuldigten 2 im mittleren bis oberen Bereich des unteren
Strafrahmendrittels anzusiedeln.
3.3. Der Beschuldigte 1 drang in die Tatörtlichkeit ein, trug die Fahrräder nach
draussen und trug sie zusammen mit dem Beschuldigten 2 zum in der Nähe
bereit gestellten Transporter. Er hielt die federführende Rolle inne. Er gab dem
Beschuldigten 2 Anweisungen in Bezug auf die konkrete Tatausführung (wann
und wo, Organisation Transporter und Folie) und das Nachtatverhalten. Zudem
kündigte er Untersuchungen an, die einen allfälligen Verräter zu Tage fördern
sollten (vgl. E. II.5.4., II.5.11. und II.5.13. f.). Er hat die Taten geplant,
organisatorische Vorkehrungen delegiert, war massgeblich an der
Tatausführung beteiligt und erteilte Anweisungen bezüglich des
Nachtatverhaltens. Mit anderen Worten traf er die wichtigen Entscheide. Er
nahm die Position des Chefs ein. Sein Tatbeitrag ist damit grösser und seine
hierarchische Stellung höher als jene(r) des Beschuldigten 2. Unter
Berücksichtigung aller denkbaren gewerbs- und bandenmässigen Diebstähle
ist das objektive Verschulden des Beschuldigten 1 im unteren Bereich des
mittleren Strafrahmendrittels anzusiedeln.
- 66 -
3.4. Die Beschuldigten 1 und 2 handelten vorsätzlich und aus rein finanziel-
len Interessen. Es ist keine eigentliche Notlage zu erkennen, die den Beschuldig-
ten 1 und 2 keine andere Wahl gelassen hätte, als die Fahrräder zu stehlen. Es
wäre ihnen möglich gewesen, ihren Lebensunterhalt mit Einkommen aus lega-
ler Arbeitstätigkeit zu bestreiten, auch wenn die Einkommen eher bescheiden
waren. Der Beschuldigte 1 verfügte gemäss eigenen Angaben zur Tatzeit über
eine abgeschlossene Ausbildung als Automechaniker und arbeitete in Litauen
(unter anderem) als Automechaniker (Urk. 308 S. 5-7). Der Beschuldigte 2 ar-
beitete gemäss eigenen Angaben in Deutschland als Staplerfahrer und Lager-
mitarbeiter bzw. Lieferant (Prot. I S. 19 f.). Die Elemente der subjektiven Tat-
komponente vermögen die objektive Tatschwere damit nicht zu relativieren.
3.5. Die Vorinstanz taxierte des Gesamtverschulden des Beschuldigten 1 als
mittelschwer. Bei einem mittelschweren Gesamtverschulden resultiert ange-
sichts des Strafrahmens indes eine höhere Einsatzstrafe als 33 Monate. Das
Gesamtverschulden des Beschuldigten 1 ist im unteren Bereich des mittleren
Strafrahmendrittels anzusiedeln. Es rechtfertigt sich, in Bezug auf den
Beschuldigten 1 die Einsatzstrafe auf 37 Monate festzusetzen.
Das Gesamtverschulden des Beschuldigten 2 ist im mittleren bis oberen Be-
reich des unteren Strafrahmendrittels anzusiedeln und die Einsatzstrafe auf
26 Monate festzusetzen. Einer Berücksichtigung des Verschuldens im grösseren
Umfang steht bereits das Verschlechterungsverbot entgegen.
4. Schwere Geldwäscherei
Auch die objektive Tatschwere der von den Beschuldigten 1 und 2 begangenen
schweren Geldwäscherei ist innerhalb des zur Verfügung stehenden Straf-
rahmens von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, womit eine Geldstrafe von bis
zu 500 Tagessätzen zu verbinden ist, zu bemessen und damit zum breiten
Spektrum von denkbarer schwerer Geldwäscherei in Relation zu setzen. In
Bezug auf die objektive Tatschwere ist massgebend, dass es sich beim ge-
waschenen Deliktsgut um hochpreisige Fahrräder im Gesamtwert von über
Fr. 400'000.– handelt. Sie gingen zwar nicht besonders raffiniert vor. Indes
- 67 -
hatten sie den Transport nach Deutschland im Vorfeld organisiert und geplant,
was sich bereits daran zeigt, dass in Deutschland eine Lagerhalle angemietet
worden war. Während der Beschuldigte 1 die Organisation der Transporter
delegierte, organisierte der Beschuldigte 2 die Transporter und führte die
Transporte aus. Darin manifestiert sich eine gewisses professionelles
Vorgehen. Die Beschuldigten 1 und 2 brachten die gestohlenen Fahrräder auf
direktem Weg nach Deutschland. Es bestand ein enger zeitlicher Konnex
zwischen dem Diebstahl und der Geldwäschereihandlung. Der entsprechende
Unrechtsgehalt geht daher teilweise in jenem des gewerbs- und
bandenmässigen Diebstahls auf, an welchem die Beschuldigten 1 und 2 als
Vortäter beteiligt waren. Unter Berücksichtigung aller denkbaren
Konstellationen von schwerer Geldwäscherei ist das objektive Verschulden im
mittleren Bereich des unteren Strafrahmendrittels anzusiedeln. Der
Beschuldigten 1 und 2 handelten vorsätzlich. Ihre Motivation bestand darin, die
Sachherrschaft über die gestohlenen Fahrräder zu sichern und den
behördlichen Zugriff auf das Deliktsgut zu erschweren bzw. zu vereiteln. Die
Elemente der subjektiven Tatkomponente vermögen die objektive Tatschwere
nicht zu relativieren. Insgesamt ist das Gesamtverschulden im mittleren
Bereich des unteren Strafrahmendrittels anzusiedeln. Als Einzelstrafe ist
gedanklich eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten und eine Geldstrafe von
100 Tagessätzen festzusetzen. Aufgrund der beengten finanziellen Verhältnisse
der Beschuldigten 1 und 2 erscheint ein Tagessatz von Fr. 30.– angemessen.
Eine Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe um je eine Freiheitsstrafe von
fünf Monaten in Verbindung mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 30.–
trägt dem Tatverschulden der Beschuldigten 1 und 2 angesichts des Straf-
rahmens angemessen Rechnung.
5. Sachbeschädigungen
Die am 15./16. Mai 2018 und 21./22. Mai 2018 aufgrund des Eindringens in die
Deliktsörtlichkeit verursachten Sachbeschädigungen erfolgten in ähnlicher Art
und Weise, weshalb es sich rechtfertigt, beide Vorfälle zusammen zu
beurteilen. Durch das Aufwuchten der Fenster und Türen mittels Werkzeug
- 68 -
und Körpergewalt entstand ein Sachschaden von rund Fr. 5'500.– bzw.
Fr. 700.–. Sachbeschädigungen stellen die logische Folge von
Einbruchdiebstählen dar, weshalb der entsprechende Unrechtsgehalt
weitgehend in jenem des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls aufgeht.
Entgegen der Vorinstanz handelten die Beschuldigten 1 und 2
direktvorsätzlich. Sie zielten darauf ab, in die Deliktsörtlichkeit einzudringen
und die sich darin befindenden Fahrräder zu entwenden. Unter
Berücksichtigung aller denkbaren Sachbeschädigungen ist das
Gesamtverschulden im untersten Bereich des unteren Strafrahmendrittels
anzusiedeln. Als Einzelstrafe ist gedanklich für jedes Delikt eine Freiheitsstrafe
von einem Monat (total zwei Monate) festzusetzen. Eine Erhöhung der
hypothetischen Einsatzstrafe um insgesamt je eine Freiheitsstrafe von einem
Monat trägt dem Tatverschulden der Beschuldigten 1 und 2 angesichts des
Strafrahmens angemessen Rechnung.
6. Hausfriedensbrüche
Die am 15./16. Mai 2018 und 21./22. Mai 2018 aufgrund des Eindringens in die
Deliktsörtlichkeit begangenen Hausfriedensbrüche erfolgten in ähnlicher Art
und Weise, weshalb es sich rechtfertigt, beide Vorfälle zusammen zu beurtei-
len. Unter Berücksichtigung sämtlicher denkbaren Hausfriedensbrüche ist das
objektive Tatverschulden aufgrund des Eindringens in Geschäftsräumlichkeiten
ohne Anwesenheit von Drittpersonen als nicht besonders gravierend zu ge-
wichten. Hausfriedensbrüche stellen die logische Folge von Einbruchdiebstäh-
len dar, weshalb der entsprechende Unrechtsgehalt weitgehend in jenem des
gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls aufgeht. Entgegen der Vorinstanz
handelten die Beschuldigten 1 und 2 direktvorsätzlich. Sie zielten darauf ab, in
die Deliktsörtlichkeit einzudringen und die sich darin befindenden Fahrräder zu
entwenden. Unter Berücksichtigung aller denkbaren Hausfriedensbrüche ist
das Gesamtverschulden im untersten Bereich des unteren Strafrahmendrittels
anzusiedeln. Als Einzelstrafe ist gedanklich für jedes Delikt eine Freiheitsstrafe
von zwei Monaten (total vier Monate) festzusetzen. Eine Erhöhung der hypothe-
tischen Einsatzstrafe um insgesamt je eine Freiheitsstrafe von einem Monat
- 69 -
trägt dem Tatverschulden der Beschuldigten 1 und 2 angesichts des Strafrah-
mens angemessen Rechnung.
7. Täterkomponente
Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse der Beschul-
digten 1 und 2 korrekt wiedergegeben. Darauf kann zunächst verwiesen werden
(Urk. 199 E. V.3.4.1. f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung ergab sich in Be-
zug auf die persönlichen Verhältnisse nichts Neues, was für die Strafzumessung
relevant wäre. Aus den persönlichen Verhältnissen ergibt sich nichts für die Straf-
zumessung Relevantes. Der Gesundheitszustand des Beschuldigten 1 ist stabil.
Gleiches gilt in Bezug auf das Nachtatverhalten betreffend den Beschuldigten 1.
Die von der Vorinstanz richtig dargelegten einschlägigen Vorstrafen der Beschul-
digten 1 und 2 sind Teil des Vorlebens. Das Vorleben wirkt sich folglich entgegen
der Vorinstanz erheblich straferhöhend aus. Die Vorinstanz hat die einschlägigen
Vorstrafen indes dennoch mit zutreffender Begründung straferhöhend berücksich-
tigt (Urk. 199 E. V.3.4.1.2. und V.3.4.2.2.). Die Beschuldigten 1 und 2 weisen je
einschlägige und weitere Vorstrafen auf. Es kann auf das bereits Ausgeführte
verwiesen werden (vgl. dazu auch E. III.2.3. f.). Diese je mehrfache Delinquenz
offenbart eine gewisse Unbelehrbarkeit. Sie war wiederholt unter anderem
gegen das Vermögen gerichtet und wirkt sich deutlich straferhöhend aus. Die
einschlägige Delinquenz des Beschuldigten 1 liegt weiter zurück als jene des
Beschuldigten 2. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland wurde
dem Beschuldigten 1 wie gesehen nicht eröffnet. Hingegen weist der Beschul-
digte 1 soweit ersichtlich zwei einschlägige Vorstrafen mehr auf. Der Beschul-
digte 2 weist jedoch zusätzlich eine fünfjährige Freiheitsstrafe aus unbekannter
Delinquenz auf. Insgesamt erscheint es angemessen, das Vorleben der Be-
schuldigten 1 und 2 im gleichen Umfang straferhöhend zu berücksichtigen. Mit
der Vorinstanz ist die hypothetische Einsatzstrafe um je acht Monate zu
erhöhen. Das Geständnis und der Beitrag zur Aufklärung der verfahrens-
gegenständlichen Delinquenz des Beschuldigten 2 wirken sich deutlich straf-
mindernd aus. Aufgrund des Nachtatverhaltens rechtfertigt sich in Bezug auf
den Beschuldigten 2 eine Strafreduktion von elf Monaten. Einer Berücksichti-
- 70 -
gung des Nachtatverhaltens im geringeren Umfang steht bereits das
Verschlechterungsverbot entgegen.
8. Verletzung des Beschleunigungsgebotes
Die Vorinstanz hat gemäss dem verbindlichen Urteil des Bundesgerichtes,
I. öffentlich-rechtliche Abteilung, vom 9. September 2021, in Bezug auf die Zustel-
lung der schriftlichen Urteilsbegründung das Beschleunigungsgebot verletzt. Ob
und wieweit die Verletzung des Beschleunigungsgebots eine Strafreduktion recht-
fertigt, ist nachfolgend zu prüfen (vgl. dazu bereits vorne E. I.1.6.). Die Vorinstanz
hat die gesetzliche Maximalfrist von Art. 84 Abs. 4 StPO zur Zustellung der Ur-
teilsbegründung an die Verfahrensparteien um annährend drei Monate überschrit-
ten, was eine wesentliche Verzögerung darstellt. Zudem ist zu berücksichtigen,
dass sich die Beschuldigten in Haft befinden bzw. befanden, weshalb die mit der
Verletzung des Beschleunigungsgebots zum Nachteil der Beschuldigten einher-
gehende Verfahrensverzögerung selbstredend zu einer zusätzlichen Belastung
der Beschuldigten 1 und 2 geführt hat. Aufgrund des Gesagten erscheint es an-
gemessen, die hypothetische Einsatzstrafe um je vier Monate zu reduzieren.
9. Zusammenfassung
Insgesamt erscheint betreffend den Beschuldigten 1 eine Freiheitsstrafe von
48 Monaten und eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à Fr. 30.– angemessen.
Betreffend den Beschuldigten 2 erscheint insgesamt eine Freiheitsstrafe von
26 Monaten und eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à Fr. 30.– angemessen.
Einer höheren Strafe steht bereits das Verschlechterungsverbot entgegen.
Der Anrechnung der erstandenen Haft steht nichts entgegen.
10. Vollzug und Widerruf
In Bezug auf den Vollzug der auszufällenden Freiheits- und Geldstrafen sowie
des nicht möglichen Widerrufs der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-
Mittelland vom 20. Juni 2017 ausgesprochenen Strafe mangels Zustellung des
Strafbefehls an den Beschuldigten 1 und damit mangels Laufens der Probezeit im
- 71 -
Tatzeitpunkt kann vorab auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen
verwiesen werden (Urk. 199 S. 60 f. E. V.3.7.1. f. und 4.). Die Beschuldigten 1
und 2 sind wie ausgeführt einschlägig vorbestraft und mussten deswegen je
schon längere Freiheitsentzüge erdulden. Die Lebensumstände der
Beschuldigten 1 und 2 erscheinen heute unverändert. Es ist davon auszugehen,
dass sie sich weder durch einen ganzen noch durch einen teilweisen
Strafaufschub im Hinblick auf ihr künftiges Legalverhalten positiv beeinflussen
lassen. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe sind folglich jeweils zu vollziehen.
IV. Landesverweisung
Die vorinstanzlich ausgesprochene Landesverweisung des Beschuldigten 1 gilt
zwar mit dem Antrag auf vollumfänglichen Freispruch als mitangefochten. Der
Beschuldigte 1 bzw. dessen Verteidiger haben die vorinstanzlichen Ausführungen
für den Fall eines Schuldspruchs indes explizit nicht in Zweifel gezogen (Prot. II
S. 27). Der Beschuldigte 1 erklärte heute wie schon vor Vorinstanz, im Falle eines
Schuldspruchs mit einer Landesverweisung einverstanden zu sein (Urk. 308
S. 15).
Der Beschuldigte 2 lässt seinen Antrag auf Absehen von einer Landesverweisung
im Wesentlichen damit begründen, dass im Falle einer Verurteilung wegen mehr-
facher Gehilfenschaft zu Diebstahl eine Landesverweisung weder obligatorisch
anzuordnen noch sonst angezeigt sei. Die vorinstanzlichen Ausführungen im Fall
der Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs wurden indes nicht in Zweifel
gezogen (Urk. 304 S. 15).
Es kann in Bezug auf die Anordnung der obligatorischen Landesverweisung zu-
nächst auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in ihrem Entscheid ver-
wiesen werden (Urk. 199 S. 61 f. E. V.5.1.-5.4.). Die Vorinstanz hat die
rechtlichen Grundlagen für die Anordnung einer Landesverweisung zutreffend
wiedergegeben und richtig festgehalten, dass die Beschuldigten 1 und 2 als
Ausländer mit ihrer Delinquenz zwei Katalogdelikte im Sinne von Art. 66a StGB
(Art. 66a Abs. 1 lit. c und d StGB) erfüllen, weshalb grundsätzlich obligatorisch
- 72 -
eine Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB anzuordnen ist und davon
lediglich abgesehen werden kann, wenn die Landesverweisung für die
Beschuldigten 1 und 2 einen persönlichen Härtefall darstellen würde und die
öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten
Interessen der Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Mit
der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Beschuldigten 1 und 2 keinen
nennenswerten Bezug zur Schweiz haben. Damit stellt die Landesverweisung für
die Beschuldigten 1 und 2 offensichtlich keine besondere persönliche Härte dar,
womit sich eine Interessenabwägung erübrigt und die Landesverweisung
anzuordnen ist.
Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB ist die Landesverweisung für 5 bis 15 Jahre auszu-
sprechen. Bei der Dauer der anzuordnenden Landesverweisung sind straf-
rechtliche Grundsätze wie etwa das Schuldprinzip im Allgemeinen und die
Strafzumessungsgrundsätze im Besonderen zu beachten. Zudem muss der dem
Massnahmenrecht zugrundeliegende Grundsatz der Verhältnismässigkeit berück-
sichtigt werden.
Das Gesamtverschulden des Beschuldigten 1 in Bezug auf den gewerbs- und
bandenmässigen Diebstahl ist im unteren Bereich des mittleren Strafrahmendrit-
tels anzusiedeln. Die auszusprechende Freiheitsstrafe von 48 Monaten bewegt
sich zwar noch im unteren Bereich des Strafrahmens, jedoch nicht bei der unters-
ten Grenze. Da es sich bei einem gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl um
eine schwerwiegende Straftat handelt, erscheint es angemessen, eine Landesver-
weisung für die Dauer von zehn Jahren anzuordnen.
Das Gesamtverschulden des Beschuldigten 2 ist im mittleren bis oberen Be-
reich des unteren Strafrahmendrittels anzusiedeln. Die auszusprechende Frei-
heitsstrafe von 26 Monaten ist tiefer als jene des Beschuldigten 1, bewegt sich je-
doch ebenfalls nicht bei der untersten Grenze des Strafrahmens. Da es sich bei
einem gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl um eine schwerwiegende Straf-
tat handelt, erscheint es angemessen, eine Landesverweisung für die Dauer von
acht Jahren anzuordnen.
- 73 -
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
Die im angefochtenen Entscheid getroffene Kostenregelung (Urk. 199 S. 65-67
E. VIII.1.-9.) erweist sich ausgangsgemäss nach wie vor als angemessen und ist
zu bestätigen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 5'000.–
festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf
deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigten 1 und 2 unterliegen mit ihrer Berufung
je vollumfänglich. Soweit der Beschuldigte 1 einen Teil seiner Berufungsanträge
zurückgezogen hat (vgl. E. I.2.1.2.), gilt er ebenfalls als unterliegend. Zu berück-
sichtigen ist, dass der Beschuldigte 1 einen vollumfänglichen Freispruch verlangt
hat, während sich die Berufung des Beschuldigten 2 auf die rechtliche Würdigung
und die Strafzumessung beschränkte. Die Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihrer
Anschlussberufung betreffend den Beschuldigten 1 teilweise. Ausgangsgemäss
sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der
amtlichen Verteidigungen der Beschuldigten 1 und 2, dem Beschuldigten 1 zu drei
Fünfteln und dem Beschuldigten 2 zu einem Fünftel aufzuerlegen und im Übrigen
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen der
Beschuldigten 1 und 2 sind einstweilen, d.h. unter Vorbehalt der
Nachzahlungspflicht nach Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO, auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten für den Nichteintretensbeschluss sind ausnahmsweise
ausser Ansatz fallen zu lassen.
2.3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 2, Rechtsanwalt Dr. iur.
X2._, verlangte im Berufungsverfahren einen Betrag von insgesamt
Fr. 10'468.55 (Urk. 300 [Rechnungsfehler: 35.5 anstatt 35.8 Stunden] und 306).
- 74 -
Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 1, Rechtsanwalt Dr. iur. X1._,
verlangte im Berufungsverfahren (unter geschätzter Einsetzung von 8.33 Stunden
für die Berufungsverhandlung) einen Betrag von insgesamt Fr. 92'162.25 (Urk.
302).
2.4. Gemäss § 1 Abs. 2 AnwGebV setzt sich die Entschädigung aus der
Gebühr und den notwendigen Auslagen zusammen. Die Grundgebühr ist dabei
nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemü-
hungen und Schwierigkeiten des Falles, zu bemessen (§ 2 Abs. 1 AnwGebV). Die
Grundgebühr für die Führung eines Strafprozesses einschliesslich Vorbereitung
des Parteivortrags und Teilnahme an der Hauptverhandlung vor den Bezirksge-
richten beträgt Fr. 1'000.– bis Fr. 28'000.– (§ 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV), wobei für
jede weitere notwendige Rechtsschrift ein Zuschlag berechnet wird (§ 17 Abs. 2
lit. b AnwGebV). Dieser Rahmen gilt auch im Berufungsverfahren, wobei jedoch
zu berücksichtigen ist, ob das Urteil vollumfänglich oder nur teilweise angefochten
worden ist (§ 18 Abs. 1 AnwGebV). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung ist es zulässig, für das Anwaltshonorar Pauschalen vorzusehen (BGE 143
IV 453 E. 2.5.1).
2.5. Im Urteilsdispositiv vom 29. November 2021 wurde bei der Festsetzung der
Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten 2, Rechtsanwalt
Dr. iur. X2._, nur die am 26. November 2021 eingereichte Honorarnote
(Urk. 306) berücksichtigt, nicht jedoch auch jene, welche am 23. November 2021
bei der hiesigen Kammer einging (Urk. 300). Mit Nachtragsurteil vom
1. Dezember 2021 wurde im Nachgang zum Urteilsdispositiv noch über die weite-
ren geltend gemachten anwaltlichen Bemühungen und Auslagen entschieden.
Angesichts des Berufungsumfangs, der konkreten Schwierigkeit der sich noch
stellenden Fragen sowie unter Berücksichtigung der getätigten und angemessen
erscheinenden Bemühungen des Verteidigers wurde darin für das Berufungsver-
fahren ein Honorar von insgesamt pauschal Fr. 8'000.– (inkl. Barauslagen und
MwSt.) festgesetzt. Entsprechend wurde mit Nachtragsurteil vom
1. Dezember 2021 Dispositiv-Ziffer 10 berichtigt bzw. ergänzt (Urk. 324). Das be-
richtigte Dispositiv ist dem begründeten Urteil angefügt.
- 75 -
3.10. Rechtsanwalt Dr. iur. X1._ machte im Berufungsverfahren einen
zeitlichen Aufwand von 372.68 Stunden und Auslagen in der Höhe von
Fr. 2'2254.90 geltend (Urk. 302). Es steht ausser Frage, dass ein Anwaltsaufwand
von 372.68 Stunden weder angemessen noch notwendig war, um die
Verteidigung des Beschuldigten 1 im vorliegenden Verfahren wahrzunehmen,
auch wenn ein vollumfänglicher Freispruch beantragt wurde. Der Aktenumfang
war nicht klein, jedoch aus dem Untersuchungs- und vorinstanzlichen Verfahren
hinlänglich bekannt. Die sich stellenden Fragen waren weder in tatsächlicher noch
in rechtlicher Hinsicht überdurchschnittlich kompliziert, wobei im
Berufungsverfahren insofern von einer weiteren Vereinfachung ausgegangen
werden darf, als der Prozessstoff bereits einmal umfassend bearbeitet wurde,
mithin der Verteidigung bereits bekannt war. Der eingeklagte Sachverhalt
umfasste inhaltlich gerade einmal vier Seiten. Einen Grossteil seiner Argumente
brachte der Verteidiger bereits vor Vorinstanz vor. Zudem beschränkte er sich in
seinen Ausführungen auf den Schuldpunkt. Er plädierte weder zur rechtlichen
Würdigung noch zur Sanktion, welche zudem aufgrund der Anschlussberufung
der Staatsanwaltschaft erhöht werden konnte. Im Wesentlichen wurden einzig
neue Beweise eingereicht, welche ein Alibi des Beschuldigten 1 belegen sollten.
Die in diesem Zusammenhang gestellten Beweisanträge wie auch die weiteren
wurden allesamt abgewiesen, weil sie auf nicht benannten, unerheblichen (bzw.
das Beweisergebnis nicht zu erschüttern vermögenden) oder untauglichen
Beweistatsachen gründeten. Soweit er die ihm von der Vorinstanz zugesprochene
Entschädigung anficht, war mangels Beschwer des Beschuldigten 1 nicht darauf
einzutreten. Die diesbezüglich betriebenen Aufwände sind ebenso wenig
angemessen und notwendig wie jene im Zusammenhang mit der im vorliegenden
Verfahren erneut – wie schon vor Voristanz – aufgeworfenen Thematik der
Gesundheitsversorgung des Beschuldigten 1 in der Haft. Spätestens seit dem am
12. September 2019 ergangengen Urteil des Bundesgerichts 1B_416/2019
(Urk. D1/20/50) hätte dem Verteidiger klar sein müssen, dass dem
Beschuldigten 1 in der Haft eine genügende Gesundheitsversorgung zuteilwurde
und -wird. Wie er mit dem Einreichen zahlreicher ärztlicher Berichte zudem selbst
unter Beweis stellte, war er über die Gesundheitsbetreuung des Beschuldigten 1
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ausreichend im Bilde. Der Beschuldigte 1 bestätigte sodann heute wie gesehen
ausdrücklich, dass man sich seit seiner Verhaftung medizinisch sehr gut um ihn
gekümmert habe (vgl. E. I.3.9.). Mit dem Rückzug einiger seiner
Berufungsanträge mangels Beschwer des Beschuldigten 1 bzw. Anfechtungs-
objekt (Prot. II S. 20 f.) stellte der Verteidiger sodann selber unter Beweis, dass
seine betriebenen Aufwände teils weder angemessen noch notwendig waren.
Soweit der Verteidiger im vorliegenden Verfahren Aufwendungen im Zusammen-
hang mit den bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren betreffend
Haftentlassung und Rechtsverzögerung in Rechnung stellte, kann er hierfür nicht
zusätzlich entschädigt werden. Der Verteidiger wurde dafür bereits vom
Bundesgericht entschädigt (Urk. 268 S. 10, Urk. 280 S. 7). Ebenfalls nicht zu
entschädigen sind Sekretariatsarbeiten wie zeitliche Aufwendungen für die
Retoure von Gerichtsakten (Urk. 302 S. 15) oder für die Rechnungsstellung
(a.a.O. S. 19). Der Verteidiger machte zahlreiche Aufwendungen für Besuche des
Beschuldigten 1 geltend. Bei einem Fall wie dem vorliegenden müsste indes im
Berufungsverfahren ein bis maximal zwei Besuche der beschuldigten Person
zwecks Instruktion ausreichen. Soziale Betreuungsarbeit gehört nicht zum
Verteidigungsmandat. Schliesslich machte der Verteidiger zeitliche Bemühungen
infolge Studiums und Übersetzung der vorinstanzlichen Urteilsbegründung im
Umfang von 16 Stunden und infolge telefonischer Urteilseröffnung von
1.17 Stunden geltend (a.a.O. S. 1 und 6). Die Vorinstanz hat ihn indes hierfür
bereits entschädigt (Urk. 116 S. 21, Urk. 199 E. VIII.10.6.-10.8. S. 76 f.).
Zusammengefasst und nicht zuletzt auch im Vergleich mit den vom Verteidiger
des Beschuldigten 2 im vorliegenden Verfahren getätigten Aufwendungen
erweisen sich die Aufwendungen des Verteidigers des Beschuldigten 1 als
deutlich überhöht und unverhältnismässig bzw. nicht entschädigungsfähig. Unter
Berücksichtigung der in Zusammenhang mit dem Entlassungsgesuch und dem
Gesuch um vorzeitige Entlassung ausgewiesenen und angemessen
erscheinenden Bemühungen und dem Umstand, dass der Verteidiger mit dem
Beschuldigten 1 auf Russisch kommuniziert, was zu einer gewissen Einsparung
von Übersetzungskosten führte, sowie des heute effektiv angefallenen Aufwandes
im Zusammenhang mit der Berufungsverhandlung erscheint es angemessen, den
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amtlichen Verteidiger des Beschuldigten 1, Rechtsanwalt Dr. iur. X1._, mit
pauschal Fr. 15'000.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) zu entschädigen.