Decision ID: 66190212-13fd-45f3-8298-7d0b43c26a8b
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1964, war seit 1. Januar
2008 als Geschäftsführer bei
der
Y._
tätig und war damit bei
der
Visana
Versicherungen AG (
Visana
) gegen Unfälle versichert, als er
am 12. Dezember 2012 bei
einem Auffahrunfall eine Halswirbelsäulen-Distorsion erlitt (
Urk. 8/1,
Urk. 8/5
).
In der Folge war
er zunächst
zu 100 %
, ab
7. Januar
2013 zu 50
%
und ab 2
8
. Januar
2013
nurmehr
zu 30 %
arbeitsunfähig (Urk.
8/
32
).
Die
Visana
anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte
die ge
setzlichen
Leis
tungen
.
Mit Verfügung vom 16. September 2013 (Urk. 8/16) stellte sie die Leistungen
im Zusam
menhang mit dem Unfall vom 1
2.
Dezember 2012
per 30. April 2013
ein.
Am
23. September 2013
und 30. Oktober 2013
erhob der Versicherte Einsprache
(
Urk.
8/20
,
Urk.
8/26).
Am 6. Dezember 2013 (Urk. 8/29) reichte der Versicherte eine weitere Stellungnahme ein, in der er
unter anderem
den Ausstand des Sach
bearbeiters der
Visana
wegen Befangenheit beantragte.
Mit
Zwischen
ver
fü
gung
vom 11. Dezember 2013 (Urk. 8/30) lehnte die
Visana
das
Aus
stands
be
gehren
gegen den bisher zuständigen Sachbearbeiter ab.
1.2
Mit Schreiben vom 10. Juni 2014 (Urk. 8/46) teilte die
Visana
dem Versicherten mit, dass
sie
zur Festlegung ihrer Leistungspflicht beabsichtige, ihn durch
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Chirurgie FMH, und
Dr.
med.
A._
,
Facharzt FMH für Neurologie, begutachten zu lassen. Eine Begutachtung durch die vorgeschlagenen
Experten
lehnte der Versicherte ab
und schlug stattdessen
Dr.
med.
B._
,
FMH für
Neurologie, als Gutachter vor
(Urk. 8/49-50). Mit
Zwischen
verfügung
vom 15. Juli 2014 (Urk.
2
)
hielt die
Visana
un
ter dem
Hin
weis, dass der Versicherte keine rechtlich relevanten Ablehnungsgründe vorge
bracht habe, an der Begutachtung durch
die
Dres
.
Z._
und
A._
fest.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 20. August 2014 (Urk. 1) Beschwerde und be
antragte
,
diese sei aufzuheben und das Gericht
habe
einen Neuro
logen FMH als Gutachter zu bestimmen. Eventuell sei die Angelegenh
eit an die
Be
schwerde
geg
nerin
zurückzuweisen
mit dem Auftrag, betreffend Gutachter „glaubwürdig“ eine Einigung mit dem Beschwerdeführer zu suchen
.
Die
Visana
schloss in der
Be
schwerde
antwort
vom
25
.
September
201
4
(Urk. 7
) auf Abwei
sung der Be
schwerde
, was dem Beschwerdeführer am 30. September 2014
(Urk. 9)
zur Kennt
nis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Mit BGE 137 V 210 hat das Bundesgericht im Zusammenhang mit der Einho
lung von Administrativ- und Gerichtsgutachten bei Medizinischen
Abklärungs
stellen
(MEDAS) die bisherige Rechtsprechung, wonach der Anordnung einer Begutachtung durch den Sozialversicherer kein Verfügungscharakter zukommt (BGE 132 V 93), geändert und festgehalten, dass die (bei fehlendem Konsens zu treffende) Anordnung einer Expertise in die Form einer
Zwischenverfügung zu
klei
den sei, welche dem Verfügungsbegriff gemäss Art. 5 des Bundesgesetzes über
das Verwaltungsverfahren
entspreche und die beim kantonalen
Versi
che
rungsge
richt
(bzw. Bundesve
rwaltungsgericht) anfechtbar sei
(BGE 1
37 V 210 E. 3.4.2.6 und 3.4.2.7
). Beschwerdewe
ise geltend gemacht wer
den könnten
ma
te
rielle Einwendungen
(
etwa
des Inhalts
, es handle sich um eine unnötige
second
opinion
), solche gegen Art oder Umfang der Begutachtung (beispiels
weise
be
treffend die Auswahl der medizinischen Disziplinen) oder ge
gen bezeichnete Sachverständige (etwa betreffend deren Fachkompe
tenz)
. Weiter könn
t
en for
melle
Ausstandsgründe
gegen Gutachterpersonen gel
tend gemacht werden (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7).
Diese zur Invaliden
versicherung ergangene Rechtsprech
ung findet
, soweit sie vorliegend zitiert wurde,
auch im Bereich der Unfall
ver
si
cherung Anwendung (BGE 138 V 318
E. 6.1.3-4
).
Im Bereich der Invalidenversicherung hat die Vergabe von Aufträgen für
poly
disziplinäre
Gutachten fortan nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen (BGE 137
V 210
E. 3.1). Ob und gegebenenfalls inwieweit dies für das System der Unfall
ver
sicherung gilt, hat das Bundesgericht bislang offengelassen (vgl. BGE 138
V 318 E. 6.1.1). In BGE 139 V 349 hat das Bundesgericht festgehalten, bei mono- und
bidiszplinäre
Begutachtungen entfalle die zufallsbasierte Zuweisung. Bei diesen Begutachtungen sei im Falle zulässiger Einwendungen konsensorientiert vorzu
gehen. Zulässig seien Einwendungen, die sich aus dem konkreten Einzel
fall er
gä
ben. Einzelfallunabhängige, allgemein-strukturelle Einwendungen seien nicht zu
lässig. Eine Zwischenverfügung habe erst zu ergehen, wenn eine Eini
gung aus
bleibe (BGE 139 V 349 E. 5.2.2; vgl. auch Bundesgerichtsurteil 9C_560/2013 vom 6. September 2013 E. 2.3).
2.
2.
1
Der Beschwerdeführer machte beschwerdeweise geltend (Urk. 1),
Dr.
Z._
sei als Facharzt für Chirurgie gemäss herrschender Praxis des Bun
des
gerichts
(
BGE 134 V 109 E. 9
)
und der pragmatischen Empfehlungen der
multi
dis
zi
pli
nären
Kon
sen
sus
gruppe
Olten
vom 13. Januar 2005 (Schweizerisches Medizin-Forum 2005, S. 1182 ff.) nicht der geeignete Facharzt für die Beur
teilung von
Hals
wirbelsäulen-Distorsionen
. Erst recht sei er dazu nicht geeignet, weil er be
reits seit einigen Jahren – gemäss Verfügung seit 1997
–
of
fen
bar nicht mehr praktiziert habe
. Es sei auch unklar, ob Dr.
Z._
in den letzten vier Jah
ren überhaupt noch beruflich tätig ge
wesen sei
(S. 3
Ziff.
4). Be
züglich
Dr
.
A._
monierte er ferner, dass dieser zwar als Facharzt FMH für Neuro
logie zur Beurteilung der vor
liegenden Beschwerden
grundsätzlich
ge
eignet sei, er aber im Rahmen einer anderen Be
gutachtung im Auftrag einer Un
fall
versi
cherung aufgrund von fehlenden oder fehler
haften Untersuchungen eine falsche Diagnose gestellt und damit die Frage der Unfallkausalität und der daraus ab
geleiteten Arbeitsunfähigkeit falsch beur
teilt habe (S. 3 f.
Ziff.
5 f., vgl. dazu auch Urk. 3/7-8)
, weshalb nicht davon aus
ge
gangen werden könne, dass
Dr.
A._
ein beweiswertiges Gutachten er
stellen würde.
Überdies sei keine ernsthafte Einigung betreffend die Gutachterwahl erfolgt.
2.
2
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich demgegenüber
in der angefochtenen
Zwischen
verfügung
vom 15. Juli 2014 (Urk. 2)
auf den Standpunkt
(S. 3 f.),
es lägen keine triftigen Gründe vor, welche gegen die vorgesehene Begutachtung durch
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
sprächen.
Da auch nicht ann
ähernd be
gründet werde, weshalb die vorgeschlagenen Gutachter nicht beziehung
s
weise der neu vorgeschlagene Gutachter besser geeignet sei
n
soll
als die vorgesehenen Gutachter,
keine An
haltspunkte für eine fehlende Sachkompetenz der
Dres
.
Z._
und
A._
vorlägen und auch kein Anspruch auf einen Gutachter eigener Wahl bestehe, sehe sie sich nicht veranlasst, von den von ihr vor
gese
henen Gutachtern abzuwei
ch
en und sich mit dem Gegenvorschlag des Be
schwerde
führers auseinanderzusetzen.
Daran hielt sie in ihrer Beschwerdeantwort vom 25. September 2014 (Urk. 7)
im Wesentlichen fest.
3.
3.1
3.1.1
Soweit der Beschwerdeführer
unter Hinweis auf BGE 134 V 109 E. 9
.5
sowie auf die Empfehlungen der multidisziplinären
Konsensu
s
gruppe
Olten vom 13.
Januar 2005 (Schweizerisches Medizin-Forum 2005, S. 1182 ff.) geltend
ge
macht hat
,
Dr.
Z._
sei als Facharzt für Chirurgie nicht geeignet, die Fol
gen von
Hals
wirbel
säulen
-D
istorsionen
zu beurteilen
,
ist ihm nicht zu folgen.
Aus
BGE 134 V 109 E. 9.5
kann nämlich nicht abgeleitet werden
, dass
einzig die Fachärzte der aufgezählten Fachdisziplinen
zur Beurteilung von
Hals
wirbel
säulen
-D
istorsionen
befähigt
sind
.
Hinzu kommt, dass
eben gerade eine
bi
dis
ziplinäre
Begutachtung
angeordnet wurde, welche auch eine Abklärung durch einen F
acharzt der Neurologie
umfasst.
3.1.2
Was den Einwand des Beschwerdeführers
anbelangt,
Dr.
Z._
sei erst recht nicht als Gutachter geeignet, weil er
gemäss Verfügung seit 1997 nicht mehr praktiziert habe
und
unklar sei, ob er in den letzten vier Jahren überhaupt beruflich tätig gewesen sei (Urk. 1 S. 3
Ziff.
4)
,
ist
fest
zuhalten, dass
Dr.
Z._
von 1998 bis 2011
als
stellvertretender Kreisarzt
für die
SUVA
arbeitete
(Urk. 8/46) und derzeit für die
C._
als Gutachter tätig ist
(
Urk.
7
S. 6)
, weshalb nicht zu ersehen ist, weshalb er nicht über die notwendige Fach
kom
petenz verfügen soll, zumal die Tätigkeit als Gutachter und die damit ein
her
gehenden medizinische Erfahrung an sich bereits einer Qualitätssicherung
ent
sprechen,
da der oft mit gleich
artigen Fragen befasst
e
Sachverständige so in einem an
dauernden Lern
prozess steht (BGE 137 V 210 E. 3.3.2).
3.2
Be
züglich
Dr.
A._
monierte er, dass dieser im Rahmen einer anderen Be
gutachtung im Auftrag einer Un
fall
versicherung aufgrund von fehlenden oder fehler
haften Untersuchungen eine falsche Diagnose gestellt und damit die Frage der Unfallkausalität und der daraus abgeleiteten Arbeits
un
fähig
keit falsch beur
teilt habe (
Urk. 1
S. 3 f.
Ziff.
5 f., vgl. dazu auch Urk. 3/7-8), wes
halb nicht da
von aus
ge
gangen werden könne, dass
Dr.
A._
ein beweiswertiges Gutach
ten er
stellen würde.
Zu diesem Vorbringen ist auf die Rechtsprechung zu verweisen, wonach
ein
zelfallunabhängige
, allgemein-strukturelle Einwendungen
nicht
zugelassen
sind mit der Begründung, t
ypische Einwendungen - so, Gerichte hätten in früheren Fällen aus verallgemeinerungsfähigen Gründen auf Gutachten des vorgeschla
genen Sachverständigen nicht abgestellt - könn
t
en in der täglichen Praxis mit zumutbarem Aufwand oftmals weder bestätigt noch widerlegt werden
(BGE 139 V 349 E. 5.2.2.1).
Vorliegend handelt es sich nicht einmal um den Vorwurf, auf eine Expertise des betreffenden Gutachters habe aus verallgemeinerungsfähigen Gründen nicht abgestellt werden können, sondern lediglich, in einem Einzelfall sei eine Beur
teilung erfolgt, welche von anderen Gutachtern nicht geteilt worden sei. Uner
wähnt geblieben ist in diesem Zusammenhang, dass das hiesige Gericht im Ur
teil UV.2011.00329 vom 1
1.
Dezember 2013 in der Tat nicht auf das erwähnte Gutachten der
C._
(mit Beteiligung von
Dr.
A._
)
abgestellt hat.
Dass
Dr.
A._
deswegen grundsätzlich nicht in der Lage ist, ein verlässli
ches medizinisches Gutachten zu erstellen, ist demgegenüber nicht einleuch
tend. Nach dieser Logik dürften diverse medizinische Institute von vornherein nicht mehr berücksichtigt werden. Relevant ist indes nicht, ob von den Gerich
ten in Einzelfällen einer anderen Meinung der Vorzug gegeben wurde, sondern ob davon ausgegangen werden kann, ob in der konkreten
Untersuchungssitua
tion
eine
rechtsgenügliche
Expertise zu erwarten ist. Das ist vorliegend der Fall.
Insofern ist nicht er
sicht
lich, weshalb der praktizierende
sowie gutachterlich tä
tige Neurologe
Dr.
A._
,
welcher zudem auch noch über weitere
Fähig
keitsausweise
in
Elekt
roe
ncephalographie
(SGKN), 2004,
Elektro
neuro
myogra
phie
(SGKN), 2004, Psycho
somatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM), 2009, und
zere
brovaskuläre
Krankheiten (SGKN), 2003, verfügt
(vgl. dazu auch Urk. 8/46 und http://www.medregom.admin.ch)
,
nicht geeignet sein soll,
die angeordnete neuro
logische Begutachtung durchzuführen
.
4
.
Zusammenfassend liegen weder Ausst
ands- noch Ausschlussgründe vor,
noch stehen anderweitige triftige Gründe einer Begutachtung des Beschwerdeführers durch
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
entgegen
.
Demgemäss
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit der ange
fochtenen Zwischenverfügung vom 1
5.
Juli 2014 (Urk. 2) an der Begut
achtung durch
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
festhielt
. Der Entscheid be
treffend Gutachterauswahl bleibt – auch wenn die Versicherten Vorschläge ma
chen können – bei der Verwaltung. Demgemäss ist
die Beschwerde abzuweisen.