Decision ID: 4e61aa56-be29-4dd3-b49f-e507f26002a2
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.02.2017 Art. 15 ff. IVG und Art. 28 IVG. Anspruch auf berufliche Massnahmen mangels Eingliederungsbereitschaft verneint. Beweiskraft Gutachten. Rückwirkend befristete Rentenzusprache (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Februar 2017, IV 2016/205). Entscheid vom 28. Februar 2017 Besetzung Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen Geschäftsnr. IV 2016/205 Parteien A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Advokatur Glavas AG, Haus zur alten Dorfbank, 9313 Muolen, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand IV-Leistungen Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 8. November 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an. Er machte geltend, seit einem Arbeitsunfall am 15. April 2005
an Schmerzen im Rücken und in den Beinen zu leiden (IV-act. 1). Gestützt auf die von
der IV-Stelle eingeholte interdisziplinäre Arbeitsfähigkeitsbeurteilung vom 22. Januar
2007, worin dem Beschwerdeführer für eine leidensangepasste Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigt wurde (IV-act. 51; zum somatischen Teilgutachten vom 19.
September 2006 siehe IV-act. 47; zum psychiatrischen Teilgutachten vom 11. Januar
2007 siehe IV-act. 50), wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch des Versicherten mit
Verfügungen vom 18. Mai 2007 (IV-act. 62 f.) ab. Die vom Versicherten dagegen
erhobene Beschwerde vom 12. Juni 2007 (IV-act. 65-2 f.) wies das
Versicherungsgericht ab (Entscheid vom 28. Oktober 2008, IV 2007/238, IV-act. 71).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.b Am 6. Juli 2011 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei der
IV-Stelle an (IV-act. 73), nachdem er am 3. November 2010 zuhause auf der Treppe auf
den linken Arm gestürzt und seither arbeitsunfähig geschrieben worden war (vgl.
Fremd-act. 3-1 ff.; zum Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon vom 28. April bis 22. Juni
2011 vgl. Fremd-act. 3-5 ff.). Der behandelnde Dr. med. B._, Arzt für allgemeine
Medizin, diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf eine
beginnende frozen shoulder bei Status nach Acromioplastik, Bursektomie und
Rotatorenmanschettenrekonstruktion; ein LWS-Syndrom; ein schwergradiges
obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom und eine Septumdeviation, „hyperplastische
inferior Muscheln beidseits“. Er bescheinigte dem Versicherten für sämtliche
Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom 21. Juli 2011, IV-act. 81;
vgl. auch den Verlaufsbericht von Dr. B._ vom 19. September 2012, IV-act. 121). Die
behandelnde Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, teilte der
IV-Stelle am 7./9. März 2012 mit, der Versicherte leide an keiner invaliditätsrelevanten
Erkrankung (IV-act. 111).
A.c Der Versicherte unterzog sich am 18. Juni 2012 in der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates am Kantonsspital St.Gallen
(KSSG) einer Schulterarthroskopie, Bicepstenotomie, zirkumferenziellen Kapsulotomie,
einem subacromialen Débridement mit Adhäsiolyse und einer Acromioplastik links
(siehe zum Operationsbericht IV-act. 125-9 f.; vgl. auch den Bericht des KSSG vom 28.
September 2012, IV-act. 125-1 f.). Im Bericht vom 13. September 2012 bescheinigte
der behandelnde Dr. med. D._, Spezialarzt Orthopädische Chirurgie FMH, für die
angestammte Tätigkeit als CNC-Fräser (siehe hierzu IV-act. 1-4 und IV-act. 43) eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. In adaptierten Tätigkeiten liege wahrscheinlich eine
Restarbeitsfähigkeit vor (IV-act. 120; vgl. auch den Bericht von Dr. D._ vom 2. August
2011, IV-act. 96). Zur stationären Rehabilitation weilte der Versicherte vom 26.
September bis 31. Oktober 2012 erneut in der Rehaklinik Bellikon. Die dort
behandelnden medizinischen Fachpersonen nannten bei Austritt als Probleme eine
schmerzhafte Bewegungseinschränkung der linken Schulter und gelegentliche LWS-
Schmerzen. Das Bestehen einer psychischen Störung, die eine arbeitsrelevante
Leistungsminderung begründen könnte, verneinten sie. Aufgrund der noch laufenden
„medizinischen Phase“ hielten sie eine Zumutbarkeitsbeurteilung bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten noch für verfrüht (Austrittsbericht vom 30. Oktober
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2012, IV-act. 131-24 ff.). Am 6. August 2013 berichtete Dr. D._, der Versicherte sei
am 24. Februar 2013 gestürzt. Seither bestünden auch therapieresistente ruhe- und
belastungsabhängige Schmerzen in der rechten Schulter. In der Folge habe sich auch
eine Kapsulitis rechts bei Supraspinatussehnenruptur mit Luxation der langen
Bicepssehne entwickelt (IV-act. 139-2). In Würdigung der Aktenlage gelangte RAD-Arzt
Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie, in der Stellungnahme vom 23. Juni 2014 zur
Auffassung, dem Versicherten sei eine leidensangepasste Tätigkeit zwischenzeitlich
ganztags mit ein bis zwei zusätzlichen Pausen zumutbar (IV-act. 164; vgl. auch die
RAD-Stellungnahme vom 20. November 2014, IV-act. 182). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 9. Juli 2014, IV-act. 168; Einwand vom 11.
August 2014, IV-act. 169) verfügte die IV-Stelle am 16. Oktober 2014 die Abweisung
des Rentengesuchs (IV-act. 174). Nachdem der Versicherte am 18. November 2014
dagegen Beschwerde erhoben hatte (IV-act. 190-2 ff.), widerrief die IV-Stelle die
angefochtene Verfügung am 10. Dezember 2014 und stellte weitere Abklärungen in
Aussicht (IV-act. 200; zum Abschreibungsbeschluss des Versicherungsgerichts vom 8.
Januar 2015, IV 2014/535, siehe IV-act. 206).
A.d Der seit 7. März 2014 behandelnde Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, berichtete am 22. Dezember 2014, der Versicherte leide mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seit ca. 2002 an einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10:
F33.11). Er bescheinigte dem Versicherten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 205;
vgl. auch den Verlaufsbericht von Dr. F._, vom 13. März 2015, IV-act. 226). Im
Bericht vom 28. November 2014 gab der behandelnde Dr. med. G._, Facharzt für
Kardiologie FMH, an, die koronare Herzkrankheit habe sich deutlich verbessert (IV-act.
215-2 ff.; vgl. auch den Bericht von Dr. G._ vom 2. April 2015, IV-act. 231). Im
Auftrag der IV-Stelle befand sich der Versicherte vom 4. bis. 8. Mai 2015 zur
Integrationspotentialabklärung in der Abklärungsstelle Appisberg. Die
Abklärungspersonen führten im Bericht vom 11. Mai 2015 aus, die gezeigte Leistung
des Versicherten habe bei 50% gelegen. Die zumutbare Leistung könne gegenwärtig
nicht wesentlich höher eingeschätzt werden. Sie könnte aber mit der empfohlenen
Gewichtsreduktion und einem anschliessenden Arbeitstraining erheblich verbessert
werden. Die Reintegrationsfähigkeit des Versicherten sei durch dessen
eingeschränkten Integrationswillen geschmälert (IV-act. 237; zur Taggeldverfügung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 26. März 2015 siehe IV-act. 230). Da sich der Versicherte mit der Beendigung der
Unterstützung bei der Stellensuche einverstanden gezeigt habe, teilte die IV-Stelle ihm
am 5. Juni 2015 mit, dass sein Begehren um berufliche Massnahmen abgewiesen
werde (IV-act. 242; zum vorangegangenen Gespräch zwischen der IV-Stelle und dem
Versicherten vom 5. Juni 2015 siehe IV-act. 241).
A.e Im Verlaufsbericht vom 22. Juni 2015 bescheinigte Dr. B._ dem Versicherten
weiterhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 248). Der Verlauf des
psychischen Gesundheitszustands wurde von Dr. F._ für die Zeit ab März 2015 als
stationär bezeichnet. Er bescheinigte dem Versicherten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
(Verlaufsbericht vom 3. Juli 2015, IV-act. 250). Dr. G._ berichtete am 6. Juli 2015,
insgesamt bestehe derzeit bezüglich der koronaren und hypertensiven Herzkrankheit
eine stabile Situation. Von kardialer Seite aus sei eine reduzierte Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten durchaus möglich (IV-act. 249). Dr. D._ empfahl im
Verlaufsbericht vom 17. Juli 2015 zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten eine polydisziplinäre Begutachtung (IV-act. 251).
A.f Am 25. und 29. September sowie am 26. Oktober 2015 wurde der Versicherte im
Auftrag der IV-Stelle polydisziplinär (orthopädisch, internistisch, neurologisch und
psychiatrisch) in der SMAB AG, Bern, begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit): 1. eine koronare und hypertensive
Herzkrankheit; 2. eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0); 3. eine partielle
Schultersteife links, Status nach zweimaliger Operation und postoperativ komplizierend
eintretender Frozen shoulder, Abriss der langen Bizepssehne links; 4. eine partielle
Schultersteife rechts nach Sturz mit nachgewiesener Ruptur der Supraspinatussehne
sowie der Subscapularissehne. Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als CNC-Fräser sei als aufgehoben anzusehen. Für leidensangepasste Tätigkeiten
könne von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Kardiologisch werde eine
längere Übergangszeit mit reduzierter Arbeitsfähigkeit „z.B.“ 50% empfohlen.
Retrospektiv sei allerdings ab dem Sturzereignis vom 3. November 2010 bis zum
Abschluss der Rehabilitation im Juni 2011 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen. Dies gelte ebenso für 6 Monate ab 18. Juni 2012 (zweite
Schulteroperation) und für 3 Monate nach dem Sturzereignis vom 24. Februar 2013.
Kardiologisch könne von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dem Auftreten der Angina pectoris II ab November 2014 ausgegangen werden. Die
nach der invasiven Behandlung mit Besserung der Symptomatik ab 1. Januar 2015
attestierte teilzeitliche Arbeitsfähigkeit liege für angepasste Tätigkeiten bei rund 50%.
Mit Abschluss der Rehabilitationsbehandlung, die auf den Abschlussbericht nach
ambulanter Rehabilitation am 1. April 2015 terminiert werden könne, bestehe keine
Arbeitsunfähigkeit mehr für adaptierte Tätigkeiten (Gutachten vom 23. November 2015,
IV-act. 261). RAD-Arzt Dr. E._ vertrat in der Stellungnahme vom 9. Dezember 2015
die Auffassung, das Gutachten erfülle die versicherungsmedizinischen Anforderungen.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne die administrative Entscheidung darauf
abgestützt werden (IV-act. 262). Der Versicherte machte in der Eingabe vom 29.
Dezember 2015 geltend, das Gutachten sei mangelhaft und nicht beweiskräftig (IV-act.
267).
A.g Ausgehend von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 27% und stellte dem
Versicherten im Vorbescheid vom 4. Januar 2016 die Abweisung des
Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 268). Im dagegen am 20. Januar 2016
erhobenen Einwand beantragte der Versicherte die Sistierung des Rentenverfahrens
und die erneute Einleitung beruflicher Massnahmen. Er erfülle die Voraussetzungen für
eine Umschulung (IV-act. 269; vgl. auch die Eingaben vom 7. und 30. März 2016, IV-
act. 273 und IV-act. 275). Daraufhin leitete die IV-Stelle intern die Durchführung von
Arbeitsvermittlung ein (IV-act. 271). Das Versicherungsgericht bestätigte im
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren die von der Suva zugesprochene 27%ige
Invalidenrente (Entscheid vom 26. Februar 2016, UV 2014/57). Mit Schreiben vom 5.
April 2016 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, die von ihm unternommenen
Eingliederungsbemühungen nachzuweisen (IV-act. 277). Dieser antwortete am 9. April
2016, dass er noch keine besonderen Bemühungen unternommen habe. Er warte auf
den Support der IV-Stelle, um zu schauen, was er noch könne, weil dies weder ihm
noch seinen Ärzten klar erscheine (IV-act. 279). Am 20. Mai 2016 verfügte die IV-Stelle
die Abweisung des Leistungsbegehrens. Hinsichtlich des Antrags um berufliche
Massnahmen führte sie aus, aufgrund der Tatsache, dass sich der Versicherte
arbeitsunfähig fühle und er deshalb auch seiner Selbsteingliederungspflicht nicht
angemessen nachkomme, mache eine weitere Unterstützung durch die IV-Stelle keinen
Sinn (IV-act. 282).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 20. Mai 2016 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 21. Juni 2016. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und die
Zusprache beruflicher Massnahmen. Eventualiter seien ihm mindestens eine halbe
Rente und parallel dazu berufliche Massnahmen zu gewähren. Subeventualiter sei ihm
vorübergehend eine 50%ige Rente zu gewähren und danach berufliche Massnahmen
zu initialisieren; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er bringt vor, dass sich die
lädierten Schultern bei jeder Tätigkeit einschränkend auswirkten, und beantragt in
diesem Kontext, einen sehbehinderten Juristen als Zeugen zu befragen. Tätigkeiten,
welche die leidensbedingten Anforderungen erfüllten, seien ihm nicht bekannt und von
der Beschwerdegegnerin nicht aufgezeigt worden. Des Weiteren rügt er, die
Beschwerdegegnerin habe ein zu tiefes Valideneinkommen ermittelt. Soweit ihm dies
zumutbar sei, werde er gerne Eingliederungsbemühungen unternehmen. Mindestens
für die Zeiträume, in denen die Gutachter eine Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten bescheinigt hätten, habe er Anspruch auf Rentenleistungen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 28. Juli 2016
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Anfechtungsgegenstand
des Beschwerdeverfahrens bilde einzig der Rentenanspruch. Demnach sei auf den
Antrag bezüglich beruflicher Massnahmen nicht einzutreten. Im Übrigen sei der
Beschwerdeführer subjektiv nicht eingliederungsfähig. Gestützt auf das beweiskräftige
Gutachten sei der Rentenanspruch zu Recht abgewiesen worden. Für den
Beschwerdeführer geeignete Tätigkeiten seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-,
Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten, leichtere Arbeiten bei der Lager-
und Ersatzteilbewirtschaftung, eine Beschäftigung an einem Empfang oder als
Telefonist sowie Kurier- und leichtere Lieferdienste (act. G 4).
B.c In der Replik vom 29. September 2016 hat der Beschwerdeführer unverändert an
den Beschwerdeanträgen festgehalten (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung das
„Leistungsbegehren“ abgewiesen. Sie hat nebst den Ausführungen zum
Rentenanspruch begründet, weshalb der vom Beschwerdeführer im Einwand vom 20.
Januar 2016 (IV-act. 269) geltend gemachte Anspruch auf berufliche Massnahmen
ausser Betracht fällt (IV-act. 282-3; vgl. auch die ELAR-Notiz vom 20. Mai 2016, worin
verwaltungsintern darum ersucht wurde, die vorgesehene Verfügung um eine
„Erklärung/Begründung betreffend BM zu ergänzen“; IV-act. 281). Der Anspruch auf
berufliche Massnahmen bildet daher entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
(act. G 4) im vorliegenden Verfahren Anfechtungsgegenstand, woran das - vom
Vorbescheid (IV-act. 268) wohl unbesehen übernommene - Betreffnis „Kein Anspruch
auf eine Invalidenrente“ nichts zu ändern vermag.
2.
In einem ersten Schritt ist der geltend gemachte Anspruch des Beschwerdeführers auf
berufliche Massnahmen (Art. 15 ff. des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20]) zu prüfen.
2.1 Die Beschwerdegegnerin wies einen Anspruch auf berufliche Massnahmen mit der
Begründung ab, dem Beschwerdeführer fehle (weiterhin) die Eingliederungsbereitschaft
(IV-act. 282-3).
2.2 Hinsichtlich der (beruflichen) Integrationsfähigkeit des Beschwerdeführers hielten
die Abklärungspersonen der Abklärungsstelle Appisberg im Bericht vom 11. Mai 2015
fest, die Reintegrationsfähigkeit sei durch einen eingeschränkten Integrationswillen
geschmälert. Der Beschwerdeführer glaube selbst nicht mehr an eine
Wiedereingliederung und habe diesbezüglich resigniert (IV-act. 237-4). Dies deckt sich
mit den Wahrnehmungen der Gutachter („der Versicherte [habe] sich mit der Situation
abgefunden“, „Es bestehe eine geringe Motivation zur Veränderung“, IV-act. 261-18
oben; „er habe keine Vorstellung, wie er je wieder arbeiten könne“, IV-act. 261-57;
nach der misslungenen Wiedereingliederung sehe er keine Möglichkeit, sich beruflich
wieder einzugliedern, IV-act. 261-73 unten; „eine Motivation für eine Rückkehr in eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
regelmässige Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist nicht erkennbar“, IV-act.
261-75). In damit zu vereinbarender Weise gelangte die Eingliederungsverantwortliche
im Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 19. April 2016 zur Ansicht, der
Beschwerdeführer habe über Jahre keine erkennbare Motivation für
Eingliederungsmassnahmen gezeigt. Es sei davon auszugehen, dass sich die fehlende
Eingliederungsmotivation nicht verändert habe. Sodann habe der Beschwerdeführer
keine Massnahmen zur Selbsteingliederung vorgenommen. Weitere
Eingliederungsbemühungen machten daher keinen Sinn (IV-act. 280-2). Vor diesem
Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung die Eingliederungsbereitschaft des Beschwerdeführers
verneint und den Antrag um Gewährung von beruflichen Massnahmen abgewiesen hat.
2.3 Daran ändert die über den Rechtsvertreter bloss verbal erklärte
Eingliederungsbereitschaft und die anfangs der 90-er Jahre erfolgreich absolvierte
„Umschulung“ zum CNC-Fräser nichts (zum diesbezüglichen Vorbringen des
Beschwerdeführers siehe IV-act. 269 und IV-act. 276). So ergibt sich weder aus den
Eingaben im Vorbescheidverfahren noch im Beschwerdeverfahren ein ernsthafter Wille
für eine Eingliederung bzw. eine Abkehr von der bisherigen Krankheitsüberzeugung.
Die Anträge des Beschwerdeführers um berufliche Massnahmen orientieren sich
ausschliesslich an seinem unverändert gebliebenen Krankheitskonzept und seiner
subjektiven Leistungseinschätzung. Zumindest bringt er keinen ernsthaften
Eingliederungswillen für die Verwertung der für Verweistätigkeiten bescheinigten
100%igen Arbeitsfähigkeit (zu dessen Beweiskraft siehe nachfolgende E. 3.4.1 ff.) im
Rahmen beruflicher Massnahmen zum Ausdruck (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 25. Juni 2014, IV 2013/256, E. 1.6). Noch in der Eingabe
vom 9. April 2016 stellte er die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung in Frage („Er
wartet auch auf Ihren Support, um zu schauen, was er noch machen könnte, weil
weder ihm noch seinen Ärzten dies klar erscheint“, IV-act. 279). Sollte sich die
Krankheitsüberzeugung bzw. die Mitwirkungsbereitschaft ändern, steht es dem
Beschwerdeführer frei, sich bei der Beschwerdegegnerin zur Prüfung eines allfälligen
Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen erneut zu melden.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Des Weiteren ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf den am 6. Juli 2011 (IV-act.
73) wieder angemeldeten Rentenanspruch zu prüfen.
3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.2 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Die Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG
wird durch einen Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG).
3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.4 Zu beantworten gilt es vorweg die Frage, ob der medizinische Sachverhalt
rechtsgenüglich abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Verfügung
in medizinischer Hinsicht auf das Gutachten der SMAB vom 23. November 2015 (IV-
act. 282). Der Beschwerdeführer hält dieses für nicht beweiskräftig (act. G 1 und G 8).
3.4.1 Der Beschwerdeführer rügt, „dass die Gutachter - ohne eine saubere
Gesamtschau vorzunehmen - nur die beiden Schultern und auch diese nur teilweise als
verniedlichend angesehen haben, weil sie zumindest auf S. 39 des Gutachtens
festhalten, dass der Versicherte in den sogenannten angepassten Tätigkeiten zu 100%
und ohne jegliche Einschränkung arbeitsfähig sei“. Dies werde kritisiert, weil solche
Tätigkeiten nicht existierten und weder von den Experten noch von der IV-Stelle
genannt würden (act. G 1, II Rz 9 und III Rz 3 f.; siehe auch act. G 8, ad III/3). Die
Gutachter der SMAB hatten umfassende Kenntnis der Voraktenlage (IV-act. 261-3) und
setzten sich sowohl in den einzelnen Teilgutachten als auch in der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung (IV-act. 261-36 ff.) - die von sämtlichen beteiligten Experten
unterzeichnet wurde (IV-act. 261-41) - umfassend mit den vom Beschwerdeführer
geklagten Leiden auseinander. Insbesondere der orthopädische Gutachter hat
schlüssig dargelegt, weshalb der Beschwerdeführer aufgrund des Schulterleidens in
einer leidensangepassten Tätigkeit (siehe hierzu IV-act. 261-50) quantitativ nicht
eingeschränkt ist. Nach dessen plausiblen Ausführungen ist der Beschwerdeführer
hauptsächlich bei Tätigkeiten in und über Kopfhöhe eingeschränkt (IV-act. 261-49).
Weder aus dem Gutachten (insbesondere IV-act. 261-50) noch den übrigen Akten
ergibt sich objektiv, dass der Beschwerdeführer für leichte Tätigkeiten unter Kopfhöhe
aufgrund des Schulterleidens relevant eingeschränkt wäre. Die Alltagsaktivitäten des
Beschwerdeführers lassen sich mit dieser Sichtweise vereinbaren. Der
Beschwerdeführer vermag die Körperpflege selbstständig zu verrichten, fährt die
Ehefrau mit dem Auto zur Arbeit und holt sie dort nach Arbeitsschluss wieder ab („das
Autofahren gehe soweit gut, wenn es nicht lange Strecken seien“) und erledigt mit ihr
Einkäufe. Zudem besorgt er das Aufräumen nach dem Mittagessen, das er für die
Familie zubereitet (IV-act. 261-53). Der Beschwerdeführer legt im Übrigen weder
substanziiert dar noch ergibt sich aus dem Gutachten, dass objektiv relevante
Gesichtspunkte ausser Acht gelassen worden wären. Die Frage, ob der ausgeglichene
Arbeitsmarkt Tätigkeiten anbietet, die den von den Gutachtern medizinisch-theoretisch
formulierten Anforderungen entsprechen, betrifft ausschliesslich einen erwerblichen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht medizinischen Gesichtspunkt. Deshalb kann von vornherein nichts aus den
Ausführungen des Beschwerdeführers zur fehlenden Existenz entsprechender
Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt gegen die gutachterliche Beurteilung abgeleitet
werden (siehe zu den Verweistätigkeiten nachfolgende E. 3.5.2).
3.4.2 Des Weiteren bemängelt der Beschwerdeführer, die Gutachter hätten die
morbide Adipositas nicht gewürdigt (act. G 1, III Rz 5). Die Gutachter berücksichtigten
die Adipositas (138 kg, IV-act. 261-57; BMI 39 und viszerale Fettverteilung, IV-act.
261-35), massen ihr als kardiovaskulärem Risikofaktor allerdings keine Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit zu (IV-act. 261-35; zum fehlenden Einfluss auf die
Leistungsfähigkeit siehe auch IV-act. 261-60). Der Beschwerdeführer bringt nichts
Überzeugendes vor, was diese Sichtweise in Frage zu stellen vermag. Aus den Akten
ergibt sich, dass der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2005 an einer Adipositas in
vergleichbarem Ausmass litt (anamnestisch 125 kg, IV-act. 17-6, bzw. 130 kg, IV-act.
18-10). Insofern ist seine Aussage, erst seit Sistieren des Rauchens mehr als 20 kg
zugenommen zu haben (IV-act. 261-45; Rauchstopp offenbar ca. 2008, IV-act. 261-44
und 261-54), nicht belegt. Indessen kann den Akten nicht entnommen werden, dass ihn
dies in der damaligen Tätigkeit, geschweige denn in einer leidensangepassten Tätigkeit
quantitativ beeinträchtigt hätte. Der damalige Hausarzt mass der Adipositas ebenfalls
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu (Bericht vom 24. November 2005, IV-act.
17-1). In damit zu vereinbarender Weise erwähnte der Beschwerdeführer anlässlich der
internistisch-kardiologischen Begutachtung die Adipositas nicht im Rahmen seiner
detaillierten Leidensangaben (IV-act. 261-53).
3.4.3 Die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zieht der Beschwerdeführer
sodann unter Verweis auf die Beurteilung der Abklärungspersonen der Abklärungsstelle
Appisberg in Zweifel. Diese hätten ihn lediglich für 50% arbeitsfähig gehalten (act. G 1,
III Rz 6 f.). Der Integrationspotentialabklärungsbericht vom 11. Mai 2015 war den
Gutachtern bekannt (IV-act. 261-32). Bei dessen Würdigung ist von Bedeutung, dass
die dortigen Experten eine Integrationspotentialabklärung vornahmen.
Abklärungsgegenstand bildeten die Integrationsfähigkeit und der Integrationswille (IV-
act. 237-2). Die objektive Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
stand nicht im Vordergrund. Zwar äusserten sich die Abklärungspersonen auch zur
„gezeigten“ Leistung, welche 50% betragen habe. Die zumutbare Leistungsfähigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
schätzten sie „aktuell“ nicht wesentlich höher ein. Unter diesen Umständen und da die
Abklärungspersonen einen erheblich eingeschränkten Integrationswillen beschrieben
(IV-act. 237-4), ist ihre knappe, sich nicht auf eine erkennbare Konsistenz- und
Ressourcenprüfung stützende Leistungsbeurteilung nicht geeignet, die Beweiskraft des
SAMB-Gutachtens zu erschüttern. Dies gilt umso mehr, als sich daraus keine
objektiven Gesichtspunkte ergeben, welche die Gutachter unberücksichtigt gelassen
haben.
3.4.4 Da die medizinisch-theoretischen Verhältnisse durch die gutachterliche
Beurteilung bereits spruchreif abgeklärt sind, besteht kein Anlass für weitere
Abklärungen oder die vom Beschwerdeführer beantragte Zeugeneinvernahme (siehe
hierzu act. G 1, Rz 7). Gestützt auf das SMAB-Gutachten ist deshalb von folgenden
Arbeitsunfähigkeiten für leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen: für die Zeit vom 3.
November 2010 bis Juni 2011 (Abschluss der Rehabilitation) und vom 18. Juni 2012 (2.
Schulteroperation) bis 18. Dezember 2012 (6 Monate) 100%ige Arbeitsunfähigkeit;
ebenso ab 24. Februar bis 24. Mai 2013 sowie ab November 2014 bis 31. Dezember
2014. Von 1. Januar 2015 bis 31. März 2015 bestand eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
(IV-act. 261-37). Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausgeführt hat (act. G 4, III Rz
3 am Schluss), kann im vom kardiologischen Gutachter empfohlenen Wiedereinstieg
mit der Verwertung einer vorerst 50%igen Arbeitsfähigkeit (IV-act. 261-61) entgegen
der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 1, III Rz 7) keine medizinisch-
theoretische Arbeitsunfähigkeit erblickt werden. Bei dieser Empfehlung scheint es sich
um eine Massnahme zur Angewöhnung bzw. zur Erleichterung des Wiedereinstiegs zu
handeln. In der polydisziplinären Beurteilung des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit haben die Gutachter denn auch ausdrücklich eine
Arbeitsunfähigkeit ab 1. April 2015 verneint (IV-act. 261-37 unten; siehe auch im
internistisch-kardiologischen Gutachtenteil IV-act. 261-61 unten). Dass ein
Wiedereinstieg mit einer Verwertung der bescheinigten 100%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten medizinisch unzumutbar wäre oder einem solchen
pathologische Befunde entgegenstehen, ergibt sich nicht aus dem SMAB-Gutachten
(vgl. etwa zur kardiologischen Prognose IV-act. 261-62).
3.5 Zu bestimmen bleibt der Invaliditätsgrad.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.5.1 Bei der Festsetzung des Valideneinkommens besteht kein Anlass, von dem von
der Beschwerdegegnerin berücksichtigten Betrag von Fr. 73‘450.-- (Basis 2011)
abzuweichen (vgl. IV-act. 85-3). Soweit der Beschwerdeführer auf die in den Jahren
1995 bis 2002 erzielten, vergleichsweise höheren Einkommen verweist (act. G 1, III Rz
1; zum IK-Auszug siehe IV-act. 6), gilt es zu beachten, dass er diese Tätigkeit aus
wirtschaftlichen Gründen verloren hat und er als Arbeitskraft zu teuer gewesen sei (IV-
act. 261-56; vgl. auch IV-act. 47-4; zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung in der
Zeit vom Januar bis August 2003 siehe IV-act. 6-1). Entscheidend ist weiter, dass der
Beschwerdeführer im Rahmen des damaligen Arbeitsverhältnisses hauptsächlich
Nachtschicht „und 15 bis 16 Stunden“ gearbeitet habe (IV-act. 261-56; siehe zur
Nachtschichtarbeit auch IV-act. 50-2). Dass er das für damals geltend gemachte
zeitliche Pensum oder die Nachtschichtarbeit im Gesundheitsfall ab 2003 bis heute
fortgeführt hätte, erscheint nicht überwiegend wahrscheinlich. Im Licht der genannten
Umstände ist vielmehr davon auszugehen, dass die später bei der H._ ab August
2003 erzielten Löhne (IV-act. 43) und deren Lohnangabe (IV-act. 85) Ausdruck der
Erwerbsfähigkeit im Gesundheitsfall und eine geeignete Grundlage für die Bestimmung
des Valideneinkommens sind.
3.5.2 Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens ist zu beachten, dass bereits
anlässlich der Integrationspotentialsabklärung leidensangepasste Tätigkeiten auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt konkret benannt wurden, die dem Beschwerdeführer offen
stehen (leichte Montage- und Verpackungsarbeiten, Maschinenbedienungen und
Qualitätskontrollen, IV-act. 237-4) und sich mit dem medizinisch-theoretischen
Anforderungsprofil im SMAB-Gutachten vereinbaren lassen (siehe hierzu IV-act. 261-36
f.). Daher besteht kein Anlass, an der Verwertbarkeit der bescheinigten Arbeitsfähigkeit
für leidensangepassten Tätigkeiten zu zweifeln. Zur Festsetzung des
Invalideneinkommens ist unbestrittenermassen auf den statistischen Hilfsarbeiterlohn
abzustellen. Dieser beträgt für das Jahr 2011 Fr. 61‘910.-- (vgl. hierzu Anhang 2:
Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe
2015). Wie vom Unfallversicherer anerkannt und vom Versicherungsgericht im
Entscheid vom 26. Februar 2016, UV 2014/57, E. 3.2.3 ff., bestätigt wurde, erscheint
ein Tabellenlohnabzug von 15% angemessen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.5.3 Für die Zeiträume, in denen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat,
beträgt der Invaliditätsgrad 100%. Bei einer 50%igen Arbeitsfähigkeit resultieren ein
Invalideneinkommen von Fr. 26‘312.-- (Fr. 61‘910.-- x 0,5 x 0,85), eine
Erwerbsunfähigkeit im Betrag von Fr. 47‘138.-- (Fr. 73‘450.-- - Fr. 26‘312.--) und ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von abgerundet 64% ([Fr. 47‘138.-- / Fr. 73‘450.--]
x 100). Eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten führt zu einem
Invalideneinkommen von Fr. 52‘624.-- (Fr. 61‘910.-- x 0,85), einer Erwerbsunfähigkeit
im Betrag von Fr. 20‘827.-- (Fr. 73‘450.-- - Fr. 52‘624.--) und einem nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad von abgerundet 28% ([Fr. 20‘827.-- / Fr.
73‘450.--] x 100).
3.5.4 Für die angestammte Tätigkeit wird seit 3. November 2010 eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (IV-act. 261-37). Die Wiederanmeldung erfolgte am 6.
Juli 2011 (IV-act. 73) und ein Anspruch auf eine Rente kann damit in Nachachtung von
Art. 29 Abs. 1 IVG nicht vor dem 1. Januar 2012 entstehen. Gestützt auf die
vorübergehend bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten und in Berücksichtigung der
Anpassungsfristen gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) resultieren folgende Rentenansprüche (zu den
massgebenden Arbeitsunfähigkeiten siehe IV-act. 261-37): ganze Rente für die Dauer
vom 1. Juni 2012 bis 31. März 2013 bzw. bis 31. August 2013 unter Berücksichtigung
der neuerlichen dreimonatigen vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab 24. Februar 2013;
ganze Rente ab 1. November 2014 bis 31. März 2015 und ab 1. April 2015 bis 30. Juni
2015 eine Dreiviertelsrente. Bezüglich der Leistungsausrichtung für den Monat Mai
2015 hat die Beschwerdegegnerin aufgrund der ausbezahlten Taggeldleistungen für
die Zeit vom 4. bis 8. Mai 2015 (IV-act. 230) die intrasystemische Regelung von Art. 47
Abs. 1ter IVG zu beachten.
4.
4.1 Die Beschwerde betreffend den Anspruch auf berufliche Massnahmen ist
abzuweisen.
4.2 Betreffend den Rentenanspruch ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und
dem Beschwerdeführer für die Dauer vom 1. Juni 2012 bis 31. August 2013 sowie vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. November 2014 bis 31. März 2015 eine ganze und ab 1. April bis 30. Juni 2015 eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen.
4.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem hälftigen
Obsiegen entsprechend bezahlen die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführer
die Gerichtsgebühr je im Betrag von Fr. 300.--. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist dem Beschwerdeführer im Umfang von Fr. 300.-- daran anzurechnen und im
Umfang von Fr. 300.-- zurückzuerstatten.
4.4 Da der Beschwerdeführer teilweise obsiegt, hat er einen reduzierten Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Dieser ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist. Bei vollständigem Obsiegen wäre eine Parteientschädigung von Fr. 3‘500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Wegen des nur teilweisen
Obsiegens erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1‘750.-- als gerechtfertigt. Die
Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer somit eine Parteientschädigung von
Fr. 1‘750.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.