Decision ID: 38bbce3b-e138-5485-a719-1cf65772b3c4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben gemäss am 4. Oktober
2016 aus dem Heimatland aus und über verschiedene Länder von Italien
kommend am 11. April 2017 in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein
Asylgesuch stellte. Die Befragung zur Person (BzP) fand am 18. April 2017,
die Bundesanhörung am 13. August 2018 statt.
A.b Der Beschwerdeführer brachte zu seinen persönlichen Verhältnissen
vor, er sei Angehöriger der Ethnie der Pashtunen und stamme aus dem Ort
B._ (Distrikt C._, Provinz Nangarhar).
Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen geltend,
er habe sich im Oktober 2014 freiwillig für den Militärdienst gemeldet. Nach
der Rekrutierung sei er zunächst nach Kabul geschickt worden, die etwa
dreimonatige Grundausbildung habe in D._ stattgefunden. Danach
habe er seinen Militärdienst in E._ (F._), an der Grenze zu
G._, absolviert. Nach einem Jahr und vier Monaten habe er erst-
mals Urlaub vom Militärdienst nehmen können, der etwa vierzig Tage ge-
dauert habe. Nach einem weiteren Jahr, es sei Oktober 2016 gewesen,
habe er wieder Urlaub bekommen. In der ersten Nacht seines zweiten Ur-
laubes zu Hause habe er einen Anruf von einer ihm unbekannten Person
bekommen, die ihn aufgefordert habe, zu einem bestimmten Treffpunkt zu
kommen. Obwohl er nicht vorgehabt habe, dorthin zu gehen, da er gewusst
habe, dass sie ihn dann töten würden, habe er vorgegeben, er würde kom-
men. Er habe bereits von anderen Leuten gehört gehabt, die getötet wor-
den seien oder unschuldige Menschen hätten töten müssen.
Drei Tage später seien mehrere Personen der Taliban beziehungsweise
des Daesh (Islamischer Staat [IS]) vor der Tür seines Elternhauses er-
schienen und hätten Einlass verlangt. Sein Vater habe sie gebeten zu war-
ten, er müsse den Hausschlüssel hole. In der Zwischenzeit hätten ihn seine
Eltern im Hof des Hauses im Maisstroh versteckt. Nach einigen Minuten
hätte sein Vater die Personen ins Haus gelassen, wobei sie nach dem Be-
schwerdeführer gefragt hätten. Sein Vater habe behauptet, er sei nicht zu
Hause, sondern bei Freunden. Sie hätten das ganze Haus und den Hof
erfolglos nach ihm durchsucht und beim Gehen seinem Vater gesagt, dass
sich der Beschwerdeführer melden solle. Am darauffolgenden Morgen
habe sein Vater die Ausreise organisiert und er sei über Jalalabad, Kabul
und Nimroz nach Pakistan ausgereist. Er habe keine andere Möglichkeit
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gesehen, als auszureisen, da er von islamistisch gesinnten Personen iden-
tifiziert und als gegnerisches Ziel aufgenommen worden sei und sie ihn
überall hätten finden können. Nach seiner Ausreise seien die von den Tali-
ban geschickten Dorfältesten zu den Eltern nach Hause gekommen, ge-
schickt von den Taliban. Sein Vater habe ihnen gesagt, der Beschwerde-
führer sei nicht zu Hause. Die Taliban hätten gedroht, ihn zu töten und auch
seinen Vater, weil er ihn unterstützen würde.
Zudem wies der Beschwerdeführer darauf hin, die Sicherheitssituation im
Dorf sei sehr schlecht bedingt durch die Daesh-Mitglieder, die sich dort auf-
hielten, rigorose Regeln aufstellten und Frauen schlügen.
A.c Der Beschwerdeführer reichte bei der Vorinstanz eine Bankkarte, ei-
nen Militärausweis, seine Tazkira und zwei Lohnzahlungsbelege des Mili-
tärs ein.
B.
Mit Verfügung vom 28. Oktober 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Gleichzeitig lehnte es sein
Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, verfügte
aber wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige
Aufnahme in der Schweiz.
C.
Der Beschwerdeführer focht den Entscheid des SEM mit Beschwerde vom
28. November 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, die
Verfügung der Vorinstanz sei in den Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs aufzu-
heben und die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustel-
len. Die Vorinstanz sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu ge-
währen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Prozess-
führung sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den unter-
zeichnenden Rechtsvertreter zu bewilligen und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses sei zu verzichten.
Der Beschwerde lagen eine Vollmacht sowie eine Unterstützungsbestäti-
gung vom 25. November 2019 bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 5. Dezember 2019 hiess die Instruktionsrich-
terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch
um Bestellung einer amtlichen Rechtsverbeiständung hiess sie ebenfalls
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gut und ordnete dem Beschwerdeführer antragsgemäss den rubrizierten
Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; zu den praxisgemässen An-
forderungen an das Glaubhaftmachen vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, weshalb darauf verzichtet
werden könne, die Asylrelevanz zu prüfen. Zur Begründung hielt sie fest,
die Vorbringen seien teilweise nachgeschoben, zudem widersprüchlich
und wenig detailliert.
So habe der Beschwerdeführer den Anruf der Mujaheddin ohne Grund erst
in der Anhörung erwähnt, während er ihn in der BzP gänzlich unerwähnt
gelassen habe. In Bezug auf den Zeitraum und die Dauer des Militärdiens-
tes und der Diensturlaube habe er unterschiedliche zeitliche Angaben ge-
macht, die nicht in Übereinstimmung zu bringen seien. Auch habe er den
Anruf der Mujaheddin in der Anhörung nur undetailliert beschrieben und
nicht erwähnt, explizit bedroht worden zu sein. Bei den Aussagen, er habe
gewusst, dass er von den Anrufern getötet worden wäre oder aber andere
Personen in ihrem Auftrag hätte töten müssen, handle es sich nur um Ver-
mutungen, die auf vagen Annahmen beruhten. Auch habe er unterschied-
liche Urheber des Anrufes und der Hausdurchsuchung genannt, und wi-
dersprüchliche und unpräzise Aussagen zu den Verfolgern gemacht. Zu-
dem habe er nicht konkret schildern können, wie er von diesen Verfolgern
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identifiziert worden sei, sondern lediglich stereotype und teils widersprüch-
liche Erklärungen hierzu vorgebracht. Des Weiteren habe er unterschiedli-
che Angaben zum Ablauf der Hausdurchsuchung und zu seinem Versteck
gemacht. Auch die Angaben zur Dauer der Durchsuchung hätten variiert.
4.2 In der Beschwerde wurde dem entgegengehalten, die erst in der Anhö-
rung gemachten Ausführungen zum Anruf, der vor der Haudurchsuchung
erfolgt sei, seien lediglich als Ergänzung des Sachverhaltes und nicht als
Nachschub zu qualifizieren. Es sei zu betonen, dass der Beschwerdeführer
in der Anhörung bereits den für ihn viel bedeutenderen Vorfall der Haus-
durchsuchung vergleichsweise ausführlich geschildert habe.
Die vermeintlichen Widersprüche zu den Zeiten des Militärdienstes und der
Diensturlaube, die nicht mit den Verfolgungsvorbringen und dem Ausreise-
Datum in Übereinstimmung zu bringen seien, liessen sich ohne Weiteres
auflösen. Der Beschwerdeführer habe zwar gesagt, er habe zwei Jahre
und drei Monate seinen Dienst geleistet, damit sei aber der gesamte Dienst
ab der Rekrutierung inklusive der Zeit in Kabul und der Ausbildungszeit in
D._ gemeint gewesen. Den eigentlichen Dienst in Herat habe er
erst am 23. Oktober 2014 angetreten. Auch bei den Zeiträumen der Dien-
sturlaube sei von der Rekrutierung im Frühsommer 2014 auszugehen, so
dass die beiden Diensturlaube im September 2015 und Ende September
2015/Anfang Oktober 2016 stattgefunden haben müssten. Es sei im Übri-
gen unklar, was das SEM aus den behaupteten Widersprüchen ableiten
wolle, zumal es nicht explizit anzweifle, dass der Beschwerdeführer Dienst
in der afghanischen Armee geleistet habe. Der Beschwerdeführer habe
seinen Militärdienst, die Aufgaben und Erlebnisse mit den Taliban detailliert
und anschaulich geschildert. Insgesamt habe er damit glaubhaft gemacht,
dass er Dienst geleistet habe und von wann bis wann dieser gedauert
habe.
Soweit die Vorinstanz bemängle, der Anruf der Verfolger sei wenig detail-
liert beschrieben worden, sei dem zu entgegen, das der Beschwerdeführer
den Inhalt so wiedergegeben habe, wie er ihn erlebt habe. Es sei für ihn
offensichtlich gewesen, dass es sich beim Anrufer um einen Angehörigen
des Daesh oder der Taliban habe handeln müssen, auch wenn er dies nicht
ausdrücklich gesagt habe, da er sonst mit niemanden Probleme gehabt
habe. Selbst ohne das Aussprechen der Konsequenzen sei für den Be-
schwerdeführer aufgrund der Umstände und der Erfahrung unzweifelhaft
gewesen, welche Konsequenzen ihn erwarteten.
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Auch sei der Vorwurf der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe in Bezug
auf die Urheber des Anrufs sowie der Hausdurchsuchung widersprüchliche
und unpräzise Aussagen gemacht, indem er sie unter anderem als Daesh,
Taliban, Leute von Amir al-Mu'minin sowie Mujaheddin des islamischen
Staates genannt habe, ungerechtfertigt. So sei ihm von den ihn bedrohen-
den Personen nie mitgeteilt worden, in wessen Dienst sie gestanden hät-
ten. Er könne nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob es sich um Taliban
oder Angehörige des Daesh gehandelt habe, gehe aber vom Daesh aus.
Es lägen keine widersprüchlichen Aussagen vor, da sowohl die Taliban als
auch der Daesh die Begriffe Amir al-Mu'minin und Mujaheddin benutzten.
Wenn die Vorinstanz vom Beschwerdeführer verlange, dass er die Haus-
durchsuchenden zu beschreiben vermöge und ihre Anzahl benennen
könne, so verlange sie von ihm Unmögliches, da er während der Haus-
durchsuchung versteckt gewesen sei.
Auch der Vorwurf der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe nur stereo-
type Erklärungen dazu vorgebracht, wie er identifiziert worden sei, indem
er ausgesagt habe, die Mujaheddin hätten Spione und Kontakte in allen
Provinzen, sei nicht gerechtfertigt. Der Beschwerdeführer könne aufgrund
seiner Erfahrungen nur vermuten, wie er identifiziert worden sei. Es sei of-
fensichtlich, dass er identifiziert worden sei, angesichts des Anrufs und des
Erscheinens der Personen bei ihm zu Hause, wobei die Personen gewusst
hätten, dass er in der Armee gewesen sei. Es sei nachvollziehbar, dass er
sich gefürchtet habe, da er aus eigener Erfahrung und aus den Berichten
seiner Familie gewusst habe, was mit Personen in einer solchen Situation
passiere. Dass die Taliban beziehungsweise der Daesh kurz nach der
Flucht gegenüber den Dorfältesten erklärt hätten, der Beschwerdeführer
sei nicht zu Hause, widerspreche nicht der Aussage, die Taliban wüssten
alles, da sie zu dem Zeitpunkt noch nicht hätten wissen können, dass er
das Land verlassen habe. Auch die vom Beschwerdeführer vorgetragene
Omnipräsenz der Taliban stehe nicht im Widerspruch zur Tatsache, dass
er bei den Reisen nach Hause und zurück zur Armee keine Probleme ge-
habt habe, da er lediglich Glück gehabt habe, nicht in Kontrollen geraten
zu sein.
Soweit die Vorinstanz dem Beschwerdeführer vorwerfe, er habe unter-
schiedliche Angaben über den Ablauf der Hausdurchsuchung und sein
Versteck gemacht, sei dies nicht zutreffend. Er habe keine unterschiedli-
chen Wörter für den Maisstroh verwendet, sondern sich in der Anhörung
lediglich präziser ausgedrückt. Die Dauer der Hausdurchsuchung habe er
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nur ungefähr angeben können, da er in seinem Versteck und in permanen-
ter Angst kein echtes Zeitgefühl gehabt habe.
Insgesamt habe sich die Vorinstanz auf das Aufführen von minimalen Wi-
dersprüchen beschränkt, aber es versäumt, eine Gesamtbetrachtung vor-
zunehmen. Die Ausführungen seien von zahlreichen Realkennzeichen ge-
prägt gewesen. Auch dürfte kaum bestritten sein, dass der Beschwerde-
führer in der afghanischen Armee gedient habe. Die Vorinstanz habe es
denn auch versäumt, die Asylrelevanz der Vorbringen zu prüfen, obwohl
der Beschwerdeführer individuell und aus asylrechtlichen Motiven Ziel ei-
ner terroristischen Gruppierung geworden sei. Allein als Angehöriger des
Militärs verfüge er über ein erhöhtes Risiko, Opfer von Verfolgungshand-
lungen zu werden. Er sei als Angehöriger der afghanischen Armee auf-
grund seiner Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt,
wobei er keinen staatlichen Schutz erwarten könne.
5.
5.1 Vorab ist der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass sich die Vorin-
stanz – wie vom Beschwerdeführer zutreffend erwähnt – nicht explizit zur
Frage der Glaubhaftigkeit der Militärdienstleistung geäussert hat. Mit dem
Beschwerdeführer ist indessen davon auszugehen, dass deren Glaubhaf-
tigkeit vom SEM nicht bezweifelt wurde (vgl. auch die vom Beschwerde-
führer dazu eingereichten Beweismittel [vorstehend Bst. A.c]).
5.2 Nach Durchsicht der Akten schliesst sich das Bundesverwaltungsge-
richt indessen den vom SEM gezogenen Schlussfolgerungen im Ergebnis
an. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene in Bezug auf die Glaubhaf-
tigkeit der angeblichen Vorverfolgung vermögen daran nichts zu ändern.
5.2.1 So überzeugt es bereits nicht, dass der Beschwerdeführer den Anruf
der Verfolger in der BzP nicht erwähnt hat, was er auf Vorhalt in der Anhö-
rung wenig überzeugend bestritt (vgl. act. A7, S. 7-9; A20, S. 13). Die Er-
wähnung erst anlässlich der Anhörung ist von der Vorinstanz zutreffend als
nachgeschoben erachtet worden, insbesondere da dieser Anruf den Be-
ginn der Verfolgungshandlungen gewesen sein soll. Insofern kann auch
der Erklärung in der Beschwerde, beim Anruf handle es sich nur um eine
Sachverhaltsergänzung ohne weiteren Belang (vgl. Beschwerde, S. 5)
nicht gefolgt werden. Seine Reaktion auf den Anruf, den er "nicht ernst ge-
nommen habe" (vgl. act. A20, S. 9), vermag ebenfalls nicht zu überzeugen.
Dass er gar nicht reagiert habe und zu Hause geblieben sei (vgl. act. A20,
S. 9), obwohl ihm beim Anruf gesagt worden sei, man wisse, dass er zu
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Hause sei (vgl. act. A20, S. 9), überzeugt angesichts der geltend gemach-
ten Gefährdung nicht (A20, S. 13). Umso mehr als er anlässlich der Anhö-
rung zu Protokoll gab, er habe gewusst, dass sie ihn töten würden, wenn
er zu ihnen gegangen wäre (vgl. act. A20, S. 9).
5.2.2 Der Vorinstanz ist auch darin zuzustimmen, dass der Beschwerde-
führer verschiedene, nicht in Übereinstimmung zu bringende Daten zu sei-
nen Militärdienstzeiten, den Diensturlauben, der Hausdurchsuchung und
seiner Ausreise gemacht hat. So hat er den Beginn des Militärdienstes auf
den 23. Oktober 2014 datiert (vgl. act. A20, S. 6), wobei der Militärdienst
zwei Jahre und drei Monate gedauert habe (vgl. act. A7, S. 4), dies wäre
bis mindestens Dezember 2016/Januar 2017 gewesen. Der Beschwerde-
führer will aber bereits am 4. Oktober 2016 ausgereist sein (vgl. act. A7, S.
6). Nach einem Jahr (vgl. act. A7, S. 8) habe er erstmals einen Diensturlaub
gehabt, genauer gesagt nach einem Jahr und vier Monaten (vgl. act. A20,
S. 6). Ausgehend vom Dienstbeginn am 23. Oktober 2014 hätte der erste
Urlaub somit Ende Februar 2016 sein müssen. Da dieser etwa 40 Tage
gedauert habe und der zweite Urlaub ein Jahr später erfolgt sei (vgl. act.
A20, S. 6; A7, S.7, 8), hätte der zweite Urlaub, bei dem sich bei ihm zu
Hause die Hausdurchsuchung zugetragen habe, im Februar/März 2017
stattgefunden haben müssen (vgl. auch Verfügung des SEM, S. 4). Statt-
dessen müsste der zweite Diensturlaub mit der Hausdurchsuchung aber
nach Aussagen des Beschwerdeführers im Oktober 2016 stattgefunden
haben, wenn er bereits am 4. Oktober 2016 ausgereist sein will. Die in der
Beschwerde dazu angebotenen Erklärungsversuche vermögen nicht zu
überzeugen, sie erscheinen vielmehr wie eine nachträgliche Neuinterpre-
tation des vorgetragenen Sachverhaltes. Die in der BzP angegebene Ant-
wort zur Dienstdauer von zwei Jahren und drei Monaten habe sich auf die
Frage, von wann bis wann der Beschwerdeführer in der Armee gewesen
sei, mithin auf die gesamte Zeit ab der Rekrutierung bezogen. Die Antwort
in der Anhörung auf die Frage, wann er in den Militärdienst gegangen sei,
habe sich aber vom Kontext der Anhörung her ausschliesslich auf seinen
Dienst in Herat bezogen, wann also der eigentliche Dienst in Herat begon-
nen habe, weshalb die Antwort 23. Oktober 2014 nur den Beginn des
Dienstes in Herat meine (Beschwerde, S. 6). Dies erscheint nicht logisch,
da vorher von seinem Militärdienst an sich die Rede gewesen ist (vgl. act.
A20, S. 5, 6), inklusive der Rekrutierung, der Zeit in Kabul, in D._
und in Herat. Auch hat er weder in der BzP noch in der Anhörung Zeitpunkte
genannt, wann er sich zur Rekrutierung, in Kabul, in D._ und in He-
rat eingefunden habe. Schliesslich erscheint auch wenig nachvollziehbar,
warum er den Beginn des Militärdienstes in der BzP und in der Anhörung
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gemäss den Beschwerdeausführungen unterschiedlich verstanden haben
soll, zumal er in der Anhörung auch nicht nachgefragt oder Erklärungen zu
einzelnen Zeitpunkten des Dienstes geliefert hat beziehungsweise dass er
insbesondere die militärische Ausbildung nicht als "Militärdienst" verstan-
den haben wollte.
Auch sind die Erklärungen widersprüchlich. So wird in der Beschwerde be-
hauptet, die Aussage in der Anhörung, bei der als Dienstbeginn der 23.
Oktober 2014 genannt worden sei, sei ausschliesslich im Kontext zu Herat
genannt worden, der Dienst in Herat habe also am 23. Oktober 2014 be-
gonnen. Gleichzeitig sollen sich aber die direkt darauffolgenden Antworten
in der Anhörung zu den Fragen, wann er das erste Mal Urlaub bekommen
habe, nämlich nach einem Jahr und vier Monaten, um die Familie zu besu-
chen, auf den Dienstbeginn ab der Rekrutierung bezogen haben, also auf
Frühsommer 2014. Auch die Antwort zum zweiten Diensturlaub, der nach
einem weiteren Jahr erfolgt sei, sei ab der Rekrutierung im Frühsommer
2014 zu verstehen, somit sei der zweite Urlaub Ende September/Oktober
2016 erfolgt (vgl. Beschwerde, S. 6). Allerdings erfolgten auch diese Zeit-
angaben im Anschluss an die Aussage des Dienstbeginns am 23. Oktober
2014, also in dem Zusammenhang, in dem es angeblich nur um den
Dienstbeginn in Herat ging. Wieso der Beschwerdeführer seine Angaben
zu den Diensturlauben auf einen anderen Anfangszeitpunkt als den ge-
nannten 23. Oktober 2014 bezogen haben soll, leuchtet nicht ein. Die Da-
ten des Militärdienstes und der Diensturlaube sind insofern von Belang, als
dass die geltend gemachte der Hausdurchsuchung bereits fraglich ist,
wenn sie im Zeitraum Februar/März 2017 gar nicht stattgefunden haben
kann, weil der Beschwerdeführer bereits Anfang Oktober 2016 ausgereist
ist.
5.2.3 Die Ausführungen in der Beschwerde zum Verfolger können eben-
falls nicht überzeugen. Der Beschwerdeführer sprach einmal von den Tali-
ban, einmal vom Daesh. So sagte er in der BzP, die Taliban beziehungs-
weise Daesh seien zu ihm gekommen, ganz C._ sei in der Hand
des Daesh, wenig später sagte er, die Taliban hätten ihn bei sich zu Hause
gesucht, sie hätten überall ihre Spione (vgl. act. A7, S. 8). Und in der An-
hörung vermag er auf Nachfrage nicht zu erklären, warum sich der Daesh,
der in der Gegend des Beschwerdeführers zu der Zeit die Kontrolle gehabt
haben soll, als Anhänger von Amir al-Mu'minin ausgegeben haben soll, da
letzteres doch eine Bezeichnung für den obersten Führer der Taliban sei.
Darauf angesprochen, dass sich Mitglieder des Daesh und der Taliban teil-
weise bekämpfen und es somit fraglich sei, warum sich Anhänger des
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Seite 11
Daesh als Taliban ausgegeben haben sollen, antwortete er ausweichend
und wenig überzeugend, sie versuchten mit verschiedenen Methoden, ei-
nem nahezukommen (act. A20, S, 14, F 102, 103). Auch sprach er wieder
von den Taliban, nicht vom Daesh, die ihn über die Dorfältesten gleich nach
seiner Ausreise bei ihm zu Hause gesucht hätten und die den Dorfältesten
gesagt hätten, er habe sich bis jetzt noch nicht bei ihnen gemeldet (vgl. act.
A20, S. 14, F104).
5.2.4 Sodann vermochte der Beschwerdeführer nach Auffassung des Ge-
richts weder den Anruf noch die Hausdurchsuchung in zu erwartender Sub-
stanziiertheit zu beschreiben. So sei ihm beim Anruf nur gesagt worden,
man wisse, dass er zu Hause sei, er solle sich stellen und es sei ein Ort
genannt worden, zu dem er habe gehen sollen. Der Beschwerdeführer will
nicht nachgefragt haben, wer ihn angerufen habe. Auch konnte er nicht
detailliert erzählen, wie es ihm bei und nach dem Anruf gegangen sei (vgl.
act. A20, S. 8, 9). Seine Angaben im Zusammenhang mit der Hausdurch-
suchung blieben sodann wenig anschaulich (vgl. act. A20, S. 7-10), selbst
wenn das Verstecktsein des Beschwerdeführers zu berücksichtigen ist. So
gab er in der BzP an, zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung seien neben
seinen Eltern und ihm auch seine Brüder anwesend gewesen (vgl. act. A7,
S. 8). Allerdings erwähnte er bei seiner Schilderung der Hausdurchsu-
chung nicht, wo sich die Brüder während der Hausdurchsuchung aufgehal-
ten hätten oder was diese gemacht hätten (vgl. act. A20, S. 7-10, A7, S. 7,
8). Dies erstaunt insofern, als wohl nicht hätte ausgeschlossen werden
können, dass die Verfolger anstelle des Beschwerdeführers ein anderes
männliches Familienmitglied hätten mitnehmen können. Auch kann man
sich mangels substantiierter Aussagen die Reaktionen seiner Eltern, als an
die Tür geklopft worden sei, nicht genau vorstellen, ebenso wenig, wie es
seine Mutter geschafft habe, ihn innerhalb weniger Minuten im Maisstroh
zu verstecken (vgl. act. A20, S. 9, 10). Auch schildert der Beschwerdefüh-
rer nicht anschaulich, wie er sich bei der Hausdurchsuchung gefühlt habe
(vgl. act. A20, S. 9, 10).
5.2.5 Der Vorinstanz ist schliesslich zuzustimmen, wenn sie seine Aussa-
gen zur Identifizierung durch den Daesh beziehungsweise die Taliban als
stereotyp bezeichnet. So sagte er nur allgemein, er sei identifiziert, als Ziel
aufgenommen worden, sie hätten alle Informationen über ihn und würden
ihn überall finden (vgl. act. A20, S. 8, 11). Gleichzeitig gab er zu Protokoll,
er sei einfacher Soldat gewesen (vgl. act. A7, S. 4) und er hätte bei seinen
Fahrten im Rahmen des Urlaubes, die er mit einem Bus und nicht im Mili-
tärfahrzeug unternommen habe, keine Probleme gehabt (vgl. act. A20,
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S. 7). Wie er unter diesen Umständen genau identifiziert worden sein soll,
bleibt unklar, zumal sich der Einsatzort des Beschwerdeführers nicht an-
satzweise in der Nähe seines Herkunftsortes befindet.
5.3 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer keine gegen ihn gerichtete
Vorverfolgung – weder den angeblichen Telefonanruf noch die geschilderte
Hausdurchsuchung oder eine Suche der Taliban oder des Daesh nach ihm
– glaubhaft machen.
6.
6.1 Zu prüfen bleibt damit, ob der Beschwerdeführer alleine aufgrund sei-
ner Militärdienstleistung begründete Furcht vor künftiger Verfolgung hatte
oder hat, was die Vorinstanz implizit verneinte.
6.2 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft im Sinne
von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat,
beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-
barer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und auf-
grund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive
zugefügt worden sind respektive zugefügt zu werden drohen. Eine begrün-
dete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn
ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung hätte sich – aus
der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger
Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk-
lichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete
Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer
Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorru-
fen würden. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zu-
künftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Aus-
reise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeit-
punkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Anspruch auf Asyl nach
schweizerischem Recht hat somit nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernst-
haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war (Vorflucht-
gründe) oder aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen
Umständen, auf die er keinen Einfluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr
ins Heimatland solche ernsthaften Nachteile befürchten müsste (soge-
nannte objektive Nachfluchtgründe).
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6.3 Wie bereits vorstehend zur Frage der Glaubhaftigkeit ausgeführt
wurde, erachtet das Bundesverwaltungsgericht das Vorbringen des Be-
schwerdeführers, er sei von den Taliban beziehungsweise vom Daesh kon-
kret bedroht worden, als unglaubhaft. Der allgemeinen, latenten Gefähr-
dung, welcher er durch seine berufliche Tätigkeit für die afghanische Armee
ausgesetzt war, kommt keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu. Massge-
bend für die Frage der flüchtlingsrechtlichen Relevanz einer Verfolgung ist,
ob diese wegen äusserer oder innerer Merkmale erfolgt ist beziehungs-
weise künftig droht, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des
Opfers verbunden sind. Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes und der
Flüchtlingskonvention erfolgt immer wegen des Seins, nicht wegen des
Tuns; zwar kann der Verfolger gleichzeitig oder sogar vordergründig haupt-
sächlich auf Handlungsweisen einer Person abzielen; bedeutsam für die
Flüchtlingseigenschaft wird der Eingriff des Verfolgers aber nur, wenn die-
ser die hinter einer Handlungsweise steckende Eigenart und Gesinnung
der entsprechenden Person treffen will (Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 32 E. 8.7.1
sowie WALTER STÖCKLI, in: Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.11). Die seitens der
Taliban oder anderer islamistischer Gruppierungen bestehende allgemeine
Gefährdung von Angehörigen der afghanischen Sicherheitskräfte kann we-
der als politisch, ethnisch, rassistisch, nationalistisch noch aufgrund der
sozialen Zugehörigkeit motiviert erachtet respektive begründet werden,
sondern wäre als krimineller Akt der Taliban im Kontext des Afghanis-
tankonflikts zu qualifizieren, dem nach der Schweizer Asylpraxis keine
flüchtlingsrechtliche Relevanz zukommt. Das Bundesverwaltungsgericht
geht auch nicht davon aus, dass Angehörige der Sicherheitskräfte in Af-
ghanistan eine soziale Gruppe repräsentieren, da ihr Beruf nicht untrenn-
bar mit der Persönlichkeit verknüpft ist. Es handelt sich somit um ein "Tun"
und nicht um ein flüchtlingsrechtlich relevantes "Sein" (vgl. etwa Urteile des
Bundesverwaltungsgerichts D-7288/2017 vom 18. Februar 2019 E. 5.3.
sowie D-1267/2018 vom 30. August 2019 E. 6.2).
6.4 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine erlittene oder
ihm drohende asylrechtlich relevante Verfolgung zu beweisen oder zumin-
dest glaubhaft zu machen. Das SEM hat zu Recht festgestellt, dass er die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, und das Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
D-6280/2019
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Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG). Da das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um der unentgelt-
lichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 5. Dezember 2019 gut-
geheissen hat und keine Veränderung seiner finanziellen Verhältnisse er-
sichtlich ist, sind keine Kosten zu erheben.
9.2 Der amtliche Rechtsbeistand hat keine Kostennote zu den Akten ge-
reicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indessen verzichtet wer-
den, weil der Vertretungsaufwand zuverlässig abgeschätzt werden kann
(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmung
und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren
(Art. 8 ff. VGKE) ist dem Rechtsvertreter zulasten der Gerichtskasse ein
Honorar in der Höhe von Fr. 1'800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer-
zuschlag) zu entrichten.
(Dispositiv nächste Seite)
http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/37
D-6280/2019
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