Decision ID: 532327ce-05aa-5d14-af79-e66013e1147f
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Mit Urteil vom 28. November 2002 sprach das Bezirksgericht A. X. des Mordes
sowie des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Führerausweisentzugs schuldig und
verurteilte sie zu vierzehn Jahren Zuchthaus, unter Anrechnung von 358 Tagen
Untersuchungshaft. Zudem wurde der mit Strafbescheid vom 9. Februar 2001
gewährte bedingte Strafvollzug für eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen widerrufen
und eine Landesverweisung von zwölf Jahren ausgesprochen.
Der Strafvollzug begann am 11. Februar 2002 im Bezirksgefängnis St. Gallen. Seit dem
6. März 2002 verbüsst X. die Freiheitsstrafe im geschlossenen Strafvollzug in den
Anstalten Hindelbank. Sie wird im Juni 2010 zwei Drittel ihrer Strafe verbüsst haben.
Im Oktober 2003 hat X. in den Anstalten Hindelbank wieder geheiratet.
B./ Mit Führungsbericht vom 24. Februar 2006 ersuchten die Anstalten Hindelbank um
Prüfung der Gewährung von Vollzugslockerungen. X. sei gegenüber den
Mitinsassinnen hilfsbereit und freundlich und verhalte sich auch dem Personal
gegenüber meist freundlich und kooperativ. Ihr wurde eine sehr gute Arbeitsleistung
attestiert. In bezug auf das Delikt beteuere sie weiterhin ihre Unschuld. Von ihrem
Ehemann erhalte sie regelmässig Besuch; diese Beziehung scheine von zentraler
Bedeutung zu sein. Ob sie Kontakte ins Ausland pflege, sei nicht bekannt.
X. besuche freiwillig eine Therapie. Der Forensisch-Psychiatrische Dienst habe sie im
März 2002 erstmals wegen einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion untersucht. Die Gespräche seien stützend und würden sich hauptsächlich auf
die Alltagsbewältigung im Bereich interpersoneller Beziehungen, also auf
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Schwierigkeiten, denen sie im Kontakt mit Mitinsassinnen begegne, beziehen. Sie sei
bemüht, friedliche Beziehungen zu pflegen.
Die Fachkommission des Ostschweizer Strafvollzugskonkordates zur Überprüfung der
Gemeingefährlichkeit von Straftätern und Straftäterinnen (im folgenden
Fachkommission) nahm am 10. Mai 2006 Stellung und hielt fest, unter dem Aspekt der
Gemeingefährlichkeit sei die Gewährung von Vollzugslockerungen nicht verantwortbar.
Trotz guten Vollzugsverhaltens und freiwilligen Besuchs einer Therapie könne X. vor
dem Hintergrund aller prognostisch relevanten Faktoren keine günstige Legalprognose
gestellt werden.
Mit Schreiben vom 31. Mai 2006 machte die Vollzugsbehörde die Weiterbehandlung
des Gesuchs um Bewilligung von Vollzugslockerungen von der Leistung eines
Kostenvorschusses abhängig. Das Gesuch wurde formlos abgeschrieben, nachdem
der Vorschuss nicht bezahlt worden war.
Mit Verfügung vom 28. März 2007 wurde X. durch das Ausländeramt für die Dauer von
10 Jahren aus der Schweiz ausgewiesen. Vorgängig war die erleichterte Einbürgerung
widerrufen worden.
Am 25. April 2007 gelangte die Leiterin Betreuung der Anstalten Hindelbank an die
Vollzugsbehörde mit dem Antrag um Gewährung eines begleiteten Ausgangs. Am 10.
Dezember 2007 ermächtigte das Sicherheits- und Justizdepartement die Leitung der
Anstalten Hindelbank, X. als Vollzugslockerung einen dreistündigen Ausgang mit
Doppelbegleitung durch Strafvollzugspersonal zu gewähren, der bei gutem weiterem
Vollzugsverlauf jährlich zu gewähren sei. Weiter hielt das Departement fest, es bestehe
weiterhin keine Aussicht auf Gewährung von Beziehungsurlauben. X. sollte jedoch mit
den gewährten Ausgängen den Bezug zur Aussenwelt nicht ganz verlieren.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 22. September 2008 ersuchte X. die
Vollzugsbehörde, ihr Gesuch um Gewährung von Urlauben erneut zu prüfen und ab
2009 bis Ende Juni 2010 eine zunehmende Anzahl Urlaube von zunehmender Dauer zu
gewähren. Sie machte im wesentlichen geltend, die Kriterien der Beurteilung ihrer
Gemeingefährlichkeit könnten gut 2 1⁄2 Jahre nach der letzten Beurteilung durch die
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Fachkommission anders gewertet werden. Auch bestünden nicht die geringsten
Anhaltspunkte dafür, dass sie in die Slowakei fliehen könnte, zumal die Slowakei wie
die Schweiz dem Europäischen Auslieferungsabkommen beigetreten sei.
Mit Schreiben vom 8. Oktober 2008 teilten die Anstalten Hindelbank mit, X. habe zwei
begleitete Ausgänge von je drei Stunden bezogen, die problemlos verlaufen seien. Im
Vollzug verhalte sie sich angepasst, halte die Regeln ein und arbeite an den
Vollzugszielen mit.
Mit Verfügung vom 14. Oktober 2008 wies das Amt für Justizvollzug des Sicherheits-
und Justizdepartements das Gesuch um Bewilligung von Beziehungsurlaub ab. Es
erwog, trotz korrekten Verhaltens im Vollzug bestehe kein Interesse an einer
Wiedereingliederung von X. in die Schweiz, weil sie die Schweiz nach dem Strafvollzug
verlassen müsse. Der Vollzug sei darauf auszurichten, die Ausweisung sicherzustellen
und sie auf die Rückkehr in ihre Heimat möglichst gut vorzubereiten. Angesichts des
begangenen Delikts überwiege das öffentliche Interesse an der Sicherstellung des
Strafvollzugs und später an der Ausweisung. Die Vorinstanz wies das Gesuch
unabhängig von der Frage einer allfälligen Gemeingefährlichkeit ab.
D./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 29. Oktober und 19. November 2008
erhob X. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, die Verfügung vom
14. Oktober 2008 sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihr Gesuch um
Gewährung von Beziehungsurlauben der Fachkommission zu unterbreiten. Zur
Begründung machte sie im wesentlichen geltend, die angefochtene Verfügung verletze
Art. 74 ff. und Art. 84 des Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt StGB) sowie den
verfassungsrechtlichen Anspruch auf rechtsgleiche Behandlung (Art. 8 Abs. 1 und 2 der
Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt BV) und das Willkürverbot (Art. 9 BV). Sie erfülle
die Voraussetzungen für die Gewährung von Vollzugslockerungen im Sinne von Art. 85
StGB (wohl Art. 84 StGB), insbesondere bestehe keine konkrete Fluchtgefahr.
Das Verwaltungsgericht hiess die Beschwerde von X. mit Urteil vom 19. Februar 2009
gut. Es erwog, der Anspruch auf Gewährung von Urlaub bestehe für Schweizer und
Ausländer in gleichem Mass und sei unter den gleichen Voraussetzungen zu gewähren.
Auch bei ausländischen Gefangenen, die nach Verbüssung der Strafe aus der Schweiz
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ausgewiesen würden, bestehe ein öffentliches Interesse an deren Resozialisierung. Die
Gewährung von Urlaub gelte als wesentliche Voraussetzung der sozialen Eingliederung
nach der Entlassung aus dem Strafvollzug. Dazu gehöre es, Beziehungen zur
Aussenwelt, insbesondere zu Familienangehörigen, aufrechterhalten zu können. Der
Umstand, dass bei ausländischen Strafgefangenen, die nach Verbüssung ihrer Strafe
aus der Schweiz ausgewiesen würden, kein Interesse an einer Wiedereingliederung
bestehe, bilde keinen Grund für die generelle Verweigerung von Urlaub. Dies wäre
gesetzes- und verfassungswidrig. Weiter hielt das Verwaltungsgericht fest, es könne
aufgrund der vorliegenden Akten weder einfach davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin unverändert gemeingefährlich sei, noch dass sich die verbleibende
Gefahr eindeutig beantworten lasse. Daher wurde die Vorinstanz angewiesen, das
Gesuch um Gewährung von Beziehungsurlauben der Fachkommission zu unterbreiten.
Hinsichtlich der Fluchtgefahr liess das Verwaltungsgericht offen, ob die Begründung
der Vorinstanz hinreichend sei. Da die Vorinstanz die Frage der Fluchtgefahr nach
eigenen Angaben nicht mehr geprüft habe, seien nicht die gesamten Verhältnisse der
Beschwerdeführerin berücksichtigt und gewürdigt worden. Die Vorinstanz und die
Fachkommission würden die Frage der Fluchtgefahr näher prüfen müssen.
Unmittelbar nach der Zustellung des Urteils forderte das Amt für Justizvollzug bei der
Strafanstalt Hindelbank einen aktuellen Vollzugsbericht an. Dieser wurde gemäss
Aktennotiz auf die Woche 12 zugesichert, in der Folge aber erst am 21. September
2009 erstattet. Am 23. September 2009 forderte das Amt für Justizvollzug die
Fachkommission zur Berichterstattung auf. Diese behandelte die Angelegenheit am
2. November 2009 und erstattete ihren Bericht am 19. November 2009. Die
Fachkommission erachtete die Gewährung von unbegleiteten Beziehungsurlauben und
weiteren Vollzugslockerungen als nicht verantwortbar.
Die Gesuchstellerin beantragte mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 10. Dezember
2009, es seien ihr monatliche unbegleitete Urlaube und Ausgänge zu gewähren und es
sei die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu bewilligen.
Mit Verfügung vom 29. Dezember 2009 entschied das Amt für Justizvollzug über die
Angelegenheit. Es hielt zusammenfassend fest, das Gesuch sei abzuweisen, weil keine
hinreichende Gewähr bestehe, dass die Gesuchstellerin eine solche Vollzugsöffnung
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nicht zur Flucht missbrauchen oder gar erneut straffällig werde. Ausserdem sei die
Bewilligung solcher Vollzugsöffnungen im vorliegenden Fall für die Förderung des
sozialen Verhaltens nicht erforderlich und unzweckmässig. Sie stünde sodann in einem
offensichtlichen Widerspruch zum ausländerrechtlichen Entscheid, wonach die
Gesuchstellerin die Schweiz nach dem Strafvollzug zu verlassen habe. Auf die
Erhebung amtlicher Kosten wurde verzichtet. Das Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wurde abgewiesen.
B./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 18. Januar 2010 erhob X. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Verfügung des Amts für Justizvollzug vom
29. Dezember 2009 sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, der
Beschwerdeführerin unverzüglich Beziehungsurlaube zu gewähren und es sei ihr für
das Verfahren vor der Vorinstanz und für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Prozessführung zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, der Entscheid verletze Bundesrecht
und sei willkürlich. Ausländer würden damit von vornherein davon ausgeschlossen,
überhaupt in den Genuss von Vollzugserleichterungen zu gelangen, denn nach der
neuen Praxis würden Ausländer grundsätzlich weggewiesen, wenn sie zu einer
Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren verurteilt worden seien. Diese Auslegung
verletze die Rechtsgleichheit und diskriminiere Ausländer. Auch könne nicht allein
wegen des Wegweisungsentscheids auf Fluchtgefahr geschlossen werden. Ausserdem
werde der ausländerrechtliche Wegweisungsentscheid mit dem Strafrecht und dem
Zweck der Strafe vermengt. Die Fachkommission habe sich im übrigen nicht konkret
mit der Beschwerdeführerin befasst, sondern einzig die Anlasstat und die Akten
beurteilt. Auf die einzelnen Vorbringen wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2010 gewährte der Präsident des Verwaltungsgerichts
der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
und bestimmte Rechtsanwalt Dr. Y. als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
In ihrer Vernehmlassung vom 8. Februar 2010 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit, zur vorinstanzlichen
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Vernehmlassung Stellung zu nehmen. Dies tat sie mit Eingabe ihres Rechtsvertreters
vom 17. Februar 2010.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Entscheide des Departements über Gesuche um
Versetzung in den offenen Vollzug oder um Gewährung von Urlaub gelten als
anfechtbare Verfügungen im Sinne von Art. 59bis Abs. 1 VRP. Die Beschwerdeschrift
vom 18. Januar 2010 wurde rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich
den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Die massgebenden Rechtsnormen sind dieselben, wie sie im Urteil vom 19. Februar
2009 angewendet wurden. Der Vollständigkeit halber werden sie nochmals aufgeführt.
Nach Art. 75 Abs. 1 StGB hat der Strafvollzug das soziale Verhalten des Gefangenen zu
fördern, insbesondere die Fähigkeit, straffrei zu leben. Der Strafvollzug hat den
allgemeinen Lebensverhältnissen so weit als möglich zu entsprechen, die Betreuung
des Gefangenen zu gewährleisten, schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges
entgegenzuwirken und dem Schutz der Allgemeinheit, des Vollzugspersonals und der
Mitgefangenen angemessen Rechnung zu tragen. Die Resozialisierung des Inhaftierten
stellt somit ein vordergründiges Vollzugsziel dar.
2.1. Für den Vollzug von Freiheitsstrafen und Massnahmen hat der Kanton St. Gallen
mit anderen Ostschweizer Kantonen eine Vereinbarung abgeschlossen (Ostschweizer
Strafvollzugskonkordat, sGS 962.51, abgekürzt Konkordat).
Nach Art. 10 lit. b des Konkordats koordiniert der einweisende Kanton die Planung des
gesamten Vollzugs einschliesslich der Probezeit nach der Entlassung aus der
Vollzugseinrichtung. Er entscheidet über Vollzugsöffnungen wie die Bewilligung von
Urlaub, die Verlegung in den offenen Vollzug, den Vollzug in Form des Arbeits- sowie
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des Wohn- und Arbeitsexternats, die bedingte Entlassung sowie die Unterbrechung
des Vollzugs (Art. 10 lit. c des Konkordats).
Nach Art. 9 Abs. 2 des Konkordats richtet sich der Vollzug nach den Vorschriften für
die einzelnen Vollzugseinrichtungen. Sie werden von dem Kanton erlassen, der die
Vollzugseinrichtung führt.
2.2. Nach Art. 2 Abs. 2 lit. a des Konkordats obliegt der Strafvollzugskommission die
Aufsicht über die Anwendung der Vereinbarung. Sie erlässt Richtlinien zur
Zusammenarbeit im Vollzugsbereich und zur Ausgestaltung des Vollzugs, die mit
Zustimmung aller Beteiligten als verbindlich erklärt werden können (Art. 2 Abs. 2 lit. c
des Konkordats). Die Strafvollzugskommission hat u.a. Richtlinien über die Ausgangs-
und Urlaubsgewährung erlassen (publiziert unter: www.justizvollzug.ch).
Nach Art. 75 Abs. 3 StGB sieht die Anstaltsordnung vor, dass zusammen mit dem
Gefangenen ein Vollzugsplan erstellt wird. Dieser enthält namentlich Angaben über die
angebotene Betreuung, die Arbeits- sowie die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten,
die Wiedergutmachung, die Beziehungen zur Aussenwelt und die Vorbereitung der
Entlassung. Art. 75 Abs. 4 StGB bestimmt, dass der Gefangene bei den
Sozialisierungsbemühungen und den Entlassungsvorbereitungen aktiv mitzuwirken hat.
2.3. Art. 84 Abs. 6 StGB gibt einem Gefangenen ein Recht auf Urlaub in
angemessenem Umfang, soweit sein Verhalten im Strafvollzug dem nicht
entgegensteht und weder Flucht- noch Wiederholungsgefahr besteht.
Präzisierend hält Ziff. 3.1 der Richtlinien über die Ausgangs- und Urlaubsgewährung
fest, dass einer eingewiesenen Person Urlaub bewilligt werden kann, wenn keine
Gefahr besteht, dass sie flieht oder weitere Straftaten begeht, wenn sie den
Vollzugsplan einhält und bei den Eingliederungsbemühungen aktiv mitwirkt, wenn ihre
Einstellung und Haltung im Vollzug sowie ihre Arbeitsleistungen zu keinen
Beanstandungen Anlass geben, wenn Grund zur Annahme besteht, dass die
eingewiesene Person rechtzeitig zurückkehrt, sich an die durch die zuständige Behörde
festgelegten Bedingungen und Auflagen hält und während des Urlaubs das in sie
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gesetzte Vertrauen nicht missbraucht, und schliesslich, wenn sie über genügend Mittel
verfügt, um die Kosten des Ausgangs oder des Urlaubs zu bezahlen.
Nach Ziff. 2 der Richtlinien über die Ausgangs- und Urlaubsgewährung entscheidet die
Einweisungsbehörde über die Bewilligung von Ausgang und Urlaub, wobei sie diese
Kompetenz an die Vollzugseinrichtung delegieren kann.
Nach Art. 75a Abs. 1 StGB beurteilt eine Fachkommission bestehend aus Vertretern
der Strafverfolgungsbehörden, der Vollzugsbehörden sowie der Psychiatrie (Art. 62d
Abs. 2 StGB) im Hinblick auf die Einweisung in eine offene Strafanstalt und die
Bewilligung von Vollzugsöffnungen die Gemeingefährlichkeit des Täters, wenn dieser
ein Verbrechen nach Art. 64 Abs. 1 StGB (was im vorliegenden Fall zutrifft) begangen
hat (lit. a) und die Vollzugsbehörde die Frage der Gemeingefährlichkeit des Gefangenen
nicht eindeutig beantworten kann. Vollzugsöffnungen sind nach Art. 75a Abs. 2 StGB
Lockerungen im Freiheitsentzug, namentlich die Verlegung in eine offene Anstalt, die
Gewährung von Urlaub, die Zulassung zum Arbeitsexternat oder zum Wohnexternat
und die bedingte Entlassung. Gemeingefährlichkeit ist dann anzunehmen, wenn die
Gefahr besteht, dass der Gefangene flieht oder eine weitere Straftat begeht, durch die
er die physische, psychische oder sexuelle Integrität einer anderen Person schwer
beeinträchtigt.
Nach Art. 6 Abs. 2 des Konkordats beurteilt die Fachkommission auf Antrag des für
den Vollzug zuständigen Kantons die Gefährlichkeit von Straftätern. Sie gibt
Empfehlungen ab in den vom Bundesrecht vorgeschriebenen Fällen (lit. a) und falls die
Gemeingefährlichkeit von der Vollzugsbehörde nicht eindeutig beantwortet werden
kann oder trotz Bejahung der Gemeingefährlichkeit eine Vollzugslockerung in
Erwägung gezogen wird (lit. b).
2.4. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung folgt aus dem Grundrecht der
persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) kein Anspruch auf die Gewährung von
Hafturlauben. Allerdings dürfen die Beschränkungen der Freiheitsrechte von
Gefangenen nicht über das hinausgehen, was zur Gewährleistung der Haftzwecke und
zur Aufrechterhaltung eines ordnungsgemässen Gefängnisbetriebs erforderlich ist
(BGE 6B_772/2007 vom 9. April 2008 E.2; BGE 124 I 203 E. 2b). Wird ein
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Urlaubsgesuch ohne ernsthafte und objektive Gründe verweigert, so verstösst dies
gegen das in Art. 9 BV verankerte Willkürverbot. Dabei ist zu beachten, dass den
kantonalen Behörden im Bereich des Strafvollzugs ein weiter Ermessensspielraum
zukommt (BGE 1P.10/2006 vom 31. Januar 2006; BGE 1P.470/2004 vom 15. Oktober
2004).
2.5. Dem Verwaltungsgericht steht ausschliesslich die Rechtskontrolle zu. Es kann
lediglich prüfen, ob die Vorinstanz den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig
festgestellt hat oder Rechtsnormen und allgemeine Rechtsgrundsätze fehlerhaft
angewendet hat (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Die Kontrolle des Ermessens der
Strafvollzugsbehörde steht ihm dagegen nicht zu (vgl. VerwGE B 2004/167 vom
25. Januar 2005, publiziert in: www.gerichte.sg.ch). Das Gericht ist indessen an die
Richtlinien der Strafvollzugskommission nicht gebunden. Es berücksichtigt aber, dass
die Richtlinien von einer Fachbehörde erlassen wurden und eine einheitliche und
rechtsgleiche Vollzugspraxis gewährleisten.
2.6. Die Vorinstanz erwog, die Eingliederung ausländischer Gefangener, welche die
Schweiz nach dem Strafvollzug verlassen müssten, in die schweizerische Gesellschaft
sei unerwünscht. Die grammatikalische Auslegung von Art. 84 Abs. 6 StGB gebe die
wirkliche Bedeutung der Bestimmung nicht eindeutig wieder. Schon gestützt auf das
frühere Recht habe die gefestigte Praxis bestanden, verurteilten Personen, welche die
Schweiz nach dem Vollzug verlassen müssen, grundsätzlich keine unbegleiteten
Ausgänge und Urlaube zu bewilligen. Aus den Gesetzesmaterialien und der
parlamentarischen Diskussion ergebe sich nicht, dass diese bewährte Praxis geändert
werden wollte.
Das Verwaltungsgericht entschied im Urteil vom 19. Februar 2009, die generelle
Verweigerung von Urlaub für ausländische Strafgefangene, die nach Verbüssung ihrer
Strafe aus der Schweiz ausgewiesen würden, da kein Interesse an einer
Wiedereingliederung bestehe, sei verfassungs- und gesetzwidrig (E. 2.6.2). Gleichwohl
hält die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 29. Dezember 2009 an ihrer rechtswidrigen
Auffassung fest. Ihre Argumentation ist im übrigen widersprüchlich. Selbst wenn nach
früherem Recht eine solche gefestigte Praxis bestand, wie sie die Vorinstanz
behauptet, ist nunmehr das neue Recht von Art. 84 Abs. 6 StGB massgebend. In
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diesem wurde diesbezüglich keine Unterscheidung von ausländischen und
schweizerischen Straftätern gemacht. Insbesondere wurde in Art. 75 StGB keine
Beschränkung des Vollzugsziels der Wiedereingliederung ausschliesslich in die
schweizerische Gesellschaft statuiert. Die Vorinstanz entschied somit im Widerspruch
zum Urteil des Verwaltungsgerichts vom 19. Februar 2009.
Weiter erwog die Vorinstanz, das Urlaubsgesuch sei auch deshalb abzuweisen, weil
das Ausländeramt beim Wegweisungsentscheid die persönliche Integration der
Gesuchstellerin in der Schweiz geprüft und entschieden habe, ihre weitere
Anwesenheit sei nicht mehr erwünscht. Dieser Entscheid sei rechtskräftig. Die
Zulassung der Gesuchstellerin zu unbegleiteten Ausgängen und Urlauben würde
diesen Entscheid unterlaufen und wäre auch unzweckmässig, weil ihr Übungsfelder
geboten würden, die nicht dem realen Umfeld nach der Strafentlassung entsprechen
würden.
Aus der Verfügung des Ausländeramts vom 28. März 2007 geht nicht hervor, dass die
Integration der Beschwerdeführerin besonders geprüft wurde. Es wurde lediglich
erwogen, sie halte sich erst seit Juli 1995 in der Schweiz auf und befinde sich seit
18. Februar 2001 im Strafvollzug. Irgendwelche weiteren Tatsachen, welche besondere
Aspekte der Integration betreffen, wurden in der Verfügung nicht festgestellt. Auch ist
nicht nachvollziehbar, inwiefern ein Urlaub unzweckmässig ist, weil der
Beschwerdeführerin "Übungsfelder" geboten würden, die nicht dem realen Umfeld
nach der Strafentlassung entsprechen. Falls damit zum Ausdruck gebracht werden
sollte, die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz seien grundsätzlich anders als
in der Slowakei, so ist dies unzutreffend. Auch in der Slowakei ist die Befähigung für
ein straffreies Leben (Art. 75 Abs. 1 Satz 1 StGB) von entscheidender Bedeutung. Im
Lichte dieser Feststellung besteht kein Grund, ausländischen Strafgefangenen generell
Urlaube zu verweigern. Es wird im weiteren nicht näher konkretisiert, inwiefern bei
Personen, die die Schweiz nach dem Strafvollzug verlassen müssen, das gesetzlich
geforderte soziale Training für die Vorbereitung der Entlassung innerhalb der
Vollzugseinrichtung angeboten wird.
Nach den Richtlinien für die Vollzugsplanung wird bei Personen, die die Schweiz nach
dem Aufenthalt in der Vollzugseinrichtung verlassen müssen, das Vollzugsziel darauf
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ausgerichtet, sie zu befähigen, im künftigen Umfeld straffrei leben und den
Lebensunterhalt legal bestreiten zu können (Ziff. 2). Ein generelles Verweigern von
Urlaub ist dabei nicht vorgesehen (vgl. auch A. Baechtold, Strafvollzug, 2. Aufl., Bern
2009, S. 215).
Weiter macht die Vorinstanz geltend, die Legalprognose der Gesuchstellerin sei
belastet. Dabei wird aber im wesentlichen auf den Umstand abgestellt, dass die
Beschwerdeführerin das Delikt, das der rechtskräftigen Verurteilung zugrundeliegt,
nach wie vor bestreitet. In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass
nach dem urteilenden Gericht der Sicherungszweck der Landesverweisung als
untergeordnet betrachtet wurde, da die Tat als Beziehungsdelikt zu werten sei. Der
jetzige Ehemann der Beschwerdeführerin ist nicht besonders zu schützen, da er um die
Vergangenheit seiner Ehefrau wusste. Konkrete Anhaltspunkte für eine
Gemeingefährlichkeit, welche die Verweigerung von Urlaub rechtfertigen, sind nicht
ausgewiesen.
Auch ist die Entscheidung der Fachkommission wenig fundiert. Es wird das Fehlen
einer Tataufbereitung oder einer Opferempathie festgestellt, ebenso eine grundsätzlich
vorhandene Gewaltbereitschaft. Weiter wird Fluchtgefahr angenommen und
festgehalten, bei der Beurteilung des Fluchtrisikos ausländischer Staatsangehöriger sei
insbesondere zu prüfen, ob diese Aussicht darauf hätten, sich durch Flucht in ihr
Heimatland dem Strafvollzug auf Dauer zu entziehen. Ein Interesse am
ordnungsgemässen Abschluss des Strafvollzugs sei regelmässig nur dann gegeben,
wenn nicht nur ein Interesse am Verbleib in der Schweiz nach dem Strafvollzug
vorliege, sondern mindestens die Wahrscheinlichkeit bestehe, dass ein solcher Verbleib
von den zuständigen Behörden auch zugelassen werde.
Mit keinem Wort geht die Fachkommission darauf ein, dass die Beschwerdeführerin
Aussicht hat, im Juni 2010 bedingt entlassen zu werden. Dieser Aspekt wurde von der
Fachkommission und der Vorinstanz nicht bzw. nicht hinreichend gewürdigt. Es
bedeutet jedenfalls einen erheblichen Unterschied, ob ein Straftäter wenige Monate vor
dem möglichen Zeitpunkt einer bedingten Entlassung eine Flucht in Erwägung zieht,
wenn er dabei die Verbüssung einer Reststrafe von mehreren Jahren riskiert, oder ob er
kurz nach Antritt des Vollzugs oder mehrere Jahre vor dem Termin einer möglichen
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bedingten Entlassung an eine Flucht denkt. Weiter ist es widersprüchlich, dass die
Fachkommission davon ausgeht, dass die Beschwerdeführerin noch namhafte
Bezugspunkte in die Slowakei habe und dort eine Wohnung besitze, während im
Vollzugsbericht festgehalten wird, die Beschwerdeführerin habe nach eigenen Angaben
keinen Kontakt mit Personen in der Slowakei. Eine Fluchtgefahr erscheint unter den
gegebenen Umständen, jedenfalls im heutigen Zeitpunkt, angesichts der in kurzer Zeit
zu erwartenden vorzeitigen bedingten Entlassung eher gering.
Der Vollzugsbericht enthält nur wenige und jedenfalls keine hinreichend überzeugenden
Argumente, um die Gewährung von Urlaub zu verweigern.
Die Vollzugsbehörde geht offenbar davon aus, dass die Gemeingefahr mit der
Ausweisung gebannt ist. Dafür lassen sich aus schweizerischer Optik gute Gründe
anführen, aber diese Betrachtung steht im Widerspruch zur gesetzlichen Ordnung des
Strafvollzugsrechts.
2.7. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde materiell gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfügung des Amts für
Justizvollzug vom 29. Dezember 2009 ist in Ziff. 1 aufzuheben. Die Angelegenheit ist
gestützt auf Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zur Behandlung des
Urlaubsgesuchs im Sinne der vorstehenden Erwägungen und zur neuen Entscheidung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dabei sind die Feststellungen des
Verwaltungsgerichts für die Vorinstanz verbindlich.
3. Die Beschwerdeführerin focht die Verweigerung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung im Verfahren vor der Vorinstanz an.
Die Vorinstanz verweigerte die unentgeltliche Rechtspflege unter Hinweis auf das
Guthaben der Gesuchstellerin aus Arbeitsentgelt von über Fr. 16'000.--. Die
Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, sie könne darüber grundsätzlich nicht
während der Strafe verfügen. Es erscheine auch nicht gerechtfertigt, dass das
Departement erst mit der Verfügung vom 29. Dezember 2009, nach geleisteter Arbeit
durch den Vertreter, mitteile, dass dieser nicht vom Staat bezahlt werde. Wenn das
Gesuch rechtens mit der Begründung abgewiesen werde, dass die Gesuchstellerin
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über ein Guthaben aus Arbeitsentgelt verfüge, hätte dies unmittelbar nach Einreichen
des Gesuchs abschlägig entschieden werden können.
Im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht wurde der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung gewährt. Da die Beschwerde
gutzuheissen ist, gehen die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zu Lasten
des Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist
angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist
zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Aufgrund der Gutheissung der Beschwerde hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis VRP). Eine Entschädigung für das
Beschwerdeverfahren von Fr. 3'000.-- zuzügl. MWSt ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit.
b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt
HonO). Aufgrund des Verfahrensablaufs ist ausnahmsweise auch für das Verfahren vor
der Vorinstanz eine Entschädigung zuzusprechen (Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP). Eine
Entschädigung von Fr. 1'000.-- ist gerechtfertigt (Art. 22 Abs. 1 lit. a HonO).
Demnach hat das Verwaltungsgericht