Decision ID: 4a162f94-7093-4aa8-9392-b9649b06394d
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 28. August 2006. Wegen
einer schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften, begangen am
20. November 2006 durch Nichtanpassen der Geschwindigkeit und Verursachen eines
Verkehrsunfalls bei einem Überholmanöver, war er ihm vom 16. August bis 15.
November 2007 für die Dauer von drei Monaten entzogen.
B.- Am Samstag, 28. Juni 2008, überschritt X um 11.37 Uhr als Lenker des
Personenwagens "BMW M6" auf der Autobahn A13 in Oberriet in Fahrtrichtung St.
Margrethen die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h nach Abzug der
Toleranz um 44 km/h. Mit unangefochten rechtskräftig gewordenem Strafbescheid des
Untersuchungsamtes Altstätten vom 18. März 2009 wurde er deswegen zu einer
Geldstrafe von zwanzig Tagessätzen zu je Fr. 80.-- verurteilt. Am Dienstag, 10. März
2009, überschritt er zudem um 21.16 Uhr als Lenker eines Personenwagens auf der St.
Gallerstrasse in Goldach die allgemeine Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h
nach Abzug der Geräte- und Messunsicherheit um 20 km/h. Mit unangefochten
rechtskräftig gewordener Bussenverfügung vom 11. Mai 2009 verurteilte ihn das
Untersuchungsamt St. Gallen deswegen zu einer Busse von Fr. 450.--.
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C.- Mit Verfügung vom 8. Juli 2009 entzog das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt
des Kantons St. Gallen X den Führerausweis wegen einer schweren und einer leichten
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von 15 Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 17. Juli
2009 und Ergänzung vom 29. Juli 2009 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
mit dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei nach mündlicher
Verhandlung die angefochtene Verfügung aufzuheben, die Dauer des
Führerausweisentzugs massiv zu reduzieren und die Kategorie F vom Entzug
auszunehmen. Die Vorinstanz verzichtete am 15. August 2009 auf eine
Vernehmlassung. Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers in seinen Angaben und
anlässlich der heutigen mündlichen Verhandlung wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 17. Juli 2009 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 29. Juli 2009 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
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schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- Angesichts der Feststellungen in den rechtskräftigen Strafentscheiden des
Untersuchungsamtes Altstätten vom 18. März 2009 und des Untersuchungsamtes St.
Gallen vom 11. Mai 2009 bestreitet der Rekurrent zu Recht nicht, am 28. Juni 2008 auf
der Autobahn A 13 in Oberriet die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um
44 km/h und am 10. März 2009 innerorts in Goldach die allgemeine
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 20 km/h überschritten zu haben. Er hat die
entsprechenden Signale missachtet und dadurch Art. 27 Abs. 1 SVG, wonach Signale
und Markierungen zu befolgen sind und diese den allgemeinen Regeln vorgehen, und
Art. 32 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. a und lit. d der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11), wonach die allgemeine Höchstgeschwindigkeit
für Fahrzeuge unter günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen in
Ortschaften 50 km/h und auf Autobahnen 120 km/h beträgt, verletzt.
4.- Zur Sanktionierung von Geschwindigkeitsüberschreitungen hat die Rechtsprechung
im Interesse der rechtsgleichen Behandlung Grenzwerte festgelegt. Diese
schematischen Grenzen gelten auch unter dem seit 1. Januar 2005 geltenden Recht
(vgl. BGE 132 II 234 E. 3).
Auf Autobahnen ist objektiv eine schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG bzw. eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Ziff. 2 SVG
gegeben, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit ungeachtet der konkreten
Umstände wie beispielsweise günstiger Verkehrsverhältnisse oder eines tadellosen
automobilistischen Leumundes um 35 km/h oder mehr überschritten wurde (vgl. BGE
132 II 234). Wer auf einer Autobahn die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um 35
km/h oder mehr überschreitet, tut das in der Regel mindestens grobfahrlässig. Der
subjektive Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung ist hier deshalb regelmässig
zu bejahen (vgl. dazu BGE 122 IV 173 E. 2e). Angesichts dieser klaren
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bundesgerichtlichen Rechtsprechung vermögen die Vorbringen des Rekurrenten nichts
daran zu ändern, dass die von ihm begangene Überschreitung der allgemeinen
Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen von 120 km/h um 44 km/h als schwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG zu behandeln ist. Der Ausbau der
Autobahn im Bereich der Messstelle entspricht dem üblichen Standard. Da die
allgemeine Höchstgeschwindigkeit, welche der Rekurrent überschritten hat, nur bei
günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen gilt (vgl. Art. 4a Abs. 1 Ingress
VRV), stellen geringes Verkehrsaufkommen, guter Strassenzustand, schönes Wetter
und allerbeste Sicht konkrete Umstände dar, welche nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung an der Qualifikation nichts zu ändern vermögen. Ohne Belang sind
zudem die vom Rekurrenten an Schranken geschilderten weiteren Umstände der Fahrt,
wie die Verspätung auf dem Weg zur Arbeit und die mangelnde Gewöhnung im
Umgang mit dem hochmotorisierten Fahrzeug, welches seiner Freundin gehöre. Von
einer schweren Widerhandlung ist deshalb auch unabhängig davon, ob die
Administrativbehörde an die rechtliche Beurteilung durch den Strafrichter gebunden ist,
auszugehen.
Überschreitungen der zulässigen allgemeinen Höchstgeschwindigkeit innerorts bis 15
km/h können im Ordnungsbussenverfahren erledigt werden und ziehen deshalb
gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG keine Administrativmassnahme nach sich. Innerorts ist
objektiv eine mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG
gegeben, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 21 km/h oder
mehr überschritten wird (vgl. BGE 128 II 202 E. 1b); die Widerhandlung ist schwer,
wenn die Überschreitung 25 km/h oder mehr beträgt (vgl. BGE 124 II 259 E. 2b/cc). Mit
der vom Rekurrenten begangenen Überschreitung der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 20 km/h liegt dementsprechend
noch eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG vor. Als
besonders leichter Fall, der gestützt auf Art. 16a Abs. 4 SVG den Verzicht auf jegliche
Massnahme rechtfertigen würde, stellt sich die Widerhandlung jedoch nicht dar. Das
Ausmass der nachts und bei feuchter Fahrbahn begangenen Überschreitung liegt in
objektiver Hinsicht vielmehr an der Grenze zur mittelschweren Widerhandlung. Dem
Rekurrenten, der nach seinen Angaben an Schranken mit einem Ersatzfahrzeug ohne
Warmhaltevorrichtung für die zu transportierenden Pizzas unterwegs und deshalb im
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"Stress" war, wird schliesslich auch nicht mehr als ein leichtes Verschulden
vorgeworfen.
5.- Die Vorinstanz hat den Führerausweis für die Dauer von 15 Monaten entzogen. Im
Rekurs wird eine massive Reduktion beantragt.
a) Bei der Festsetzung der Entzugsdauer sind gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden. Der Führerausweis wird nach einer schweren
Widerhandlung für mindestens zwölf Monate entzogen, wenn in den vorangegangenen
fünf Jahren der Ausweis einmal wegen einer schweren Widerhandlung oder zweimal
wegen mittelschweren Widerhandlungen entzogen war (Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG).
Nach einer leichten Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens einen Monat
entzogen, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder
eine andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 16a Abs. 2 SVG). Werden
durch mehrere Handlungen mehrere Entzugsgründe gesetzt, ist Art. 49 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0) sachgemäss anzuwenden (vgl. zum
früheren Recht Urteil des Bundesgerichts 6A.2/2003 vom 21. Februar 2003, E. 2.1 mit
Hinweisen). Dementsprechend ist die für die schwerste Widerhandlung auszufällende
Massnahme angemessen zu erhöhen.
b) aa) Der Führerausweis war dem Rekurrenten wegen einer am 20. November 2006
begangenen schweren Widerhandlung für die Dauer von drei Monaten bis 15.
November 2007 entzogen. Unbehelflich ist der Hinweis im Rekurs, jene
Verkehrsregelverletzung sei zu Unrecht als schwer behandelt worden. Wie der Vertreter
des Rekurrenten an Schranken zu Recht feststellte, ist diese Massnahme am
16. Januar 2007 rechtskräftig verfügt worden. War der Rekurrent – wie er an Schranken
vorbrachte – davon überzeugt, der Unfall sei auf eine defekte Benzinpumpe
zurückzuführen gewesen, hätte er dies in erster Linie im damaligen Strafverfahren
vorbringen müssen. Dies wäre ihm auch nach der am 24. November 2006 wenige Tage
nach dem Unfall durchgeführten polizeilichen Befragung, bei der er ausdrücklich keinen
technischen Defekt geltend machte, weil es ihm psychisch nicht gut gegangen sei,
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insbesondere durch die Ergreifung eines Rechtsmittels noch möglich gewesen. Mit der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 28. Juni 2008 hat der Rekurrent erneut eine
schwere Widerhandlung begangen. Da – entgegen der im Rekurs vertretenen
Auffassung – nicht von einer mittelschweren Widerhandlung ausgegangen werden
kann, beträgt die Mindestentzugsdauer zwölf, und nicht vier Monate (vgl. Art. 16b Abs.
2 lit. b SVG). Die Vorinstanz hat die Entzugsdauer mit Hinweis auf das Ausmass der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 28. Juni 2008 und die Tatmehrheit erhöht.
Wo sich die objektive Tatschwere, wie bei Überschreitungen der zulässigen Höchst
geschwindigkeit, zumindest teilweise in einem Messergebnis niederschlägt, ist es
grundsätzlich nicht zu beanstanden, für die Bemessung der Massnahme auf Tarife
abzustellen. Da ihnen aber lediglich eine Richtlinienfunktion zukommt, dürfen sie nicht
schematisch gehandhabt werden. Der Tarif dient deshalb lediglich als Ausgangspunkt,
von dem aus die Sanktion im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen
Zumessungsfaktoren des Einzelfalls festgesetzt werden muss (vgl. Ph. Weissenberger,
Die Zumessung des Warnungsentzugs von Führerausweisen, in: SJZ 95/1999, S. 461
mit Hinweis auf BGE 124 II 44). Nach den vorinstanzlichen Richtlinien vom 26. Oktober
2005 (unverändert in der Version vom 7. Januar/30. Juni 2009) hat eine Überschreitung
der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten von 44 km/h auf der Autobahn ohne
Anwendung von Rückfallbestimmungen eine Erhöhung der Mindestentzugsdauer um
einen Monat zur Folge.
Die vom Rekurrenten am 10. März 2009 begangene Geschwindigkeitsüberschreitung
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 20 km/h ist zwar noch ein
leichter Fall. Da der Rekurrent die Widerhandlung jedoch innerhalb von zwei Jahren
nach dem Ende der letzten Massnahme am 15. November 2007 beging, zieht sie – für
sich allein betrachtet – gestützt auf Art. 16a Abs. 2 SVG einen Entzug des
Führerausweises für die Dauer von einem Monat nach sich. Eine entsprechende
Erhöhung der Dauer der gesamten Massnahme rechtfertigt sich umso mehr, als das
Ausmass der Überschreitung an der Grenze zur mittelschweren Widerhandlung liegt.
bb) Der automobilistische Leumund des Rekurrenten ist getrübt. Gemäss Auszug aus
dem Eidgenössischen Administrativmassnahmen-Register (ADMAS) war ihm der
Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung vom 16. August bis 15.
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November 2007 für die Dauer von drei Monaten entzogen. Dieser Umstand zieht – wie
dargelegt – eine Mindestentzugsdauer von zwölf Monaten gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c
SVG nach sich. Dass die dreimonatige Massnahme erst in der zweiten Hälfte des
Jahres 2007 vollzogen wurde, ist auf ein Verschiebungsgesuch des Rekurrenten
zurückzuführen.
Die Frist, innert welcher die Mindestentzugsdauer nach einer früheren schweren
Widerhandlung zwölf Monate beträgt, ist in Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG auf fünf Jahre
angesetzt. Der Rekurrent hat die erneute schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften am 28. Juni 2008 und damit bereits innerhalb rund eines
halben Jahres nach Ablauf der früheren Massnahme begangen. Dieser Umstand fällt
bei der Bemessung der Entzugsdauer zu Ungunsten des Rekurrenten ins Gewicht,
ohne dass dadurch der Rückfall in unzulässiger Weise zweimal berücksichtigt würde.
Vielmehr wird die konkrete zeitliche Nähe zur Vortat gewichtet. Vor dem Hintergrund
des Zwecks der Administrativmassnahmen, namentlich der Besserung und Erziehung
eines fehlbaren Lenkers, erscheint eine Massnahmeerhöhung bei Rückfällen innerhalb
der ersten Hälfte der Rückfallfrist als zulässig. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung,
wonach unter der Geltung des alten Rechts das Fahren in angetrunkenem Zustand
sowie die Tatsache des Rückfalls in der Mindestentzugsdauer des FiaZ-Rückfalls
erfasst waren und daher weder beim Verschulden noch beim Leumund zusätzlich zu
Ungunsten des Betroffenen berücksichtigt werden durften, ist nicht einschlägig.
Einerseits erging der Entscheid unter der Geltung des alten Rechts, anderseits ging es
um die Beurteilung eines Vorfalls, der sich nicht innerhalb, sondern nach Ablauf der
Rückfallfrist ereignet hatte. Zudem wurde auch auf Ausnahmefälle verwiesen (vgl.
VRKE IV-2009/48 vom 29. Oktober 2009, E. 3b/cc mit Hinweis auf BGE 128 II 182 E.
3a). Eine Erhöhung der Entzugsdauer um einen Monat erscheint unter dem Aspekt des
getrübten automobilistischen Leumundes als angemessen.
Der Gesichtspunkt des Vorlebens bei der Bemessung des Führerausweisentzugs
erfasst nicht primär die gesamte Lebensgeschichte des Täters, sondern in erster Linie
seinen automobilistischen Leumund. Verkehrsfremde Gesichtspunkte können dann ins
Gewicht fallen, wenn sie Schlüsse auf die Prognose zulassen (vgl. Weissenberger,
a.a.O., S. 464). Der gute allgemeine Leumund des Rekurrenten entspricht dem
Regelfall und rechtfertigt deshalb keine Herabsetzung der Entzugsdauer.
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cc) Im Rekurs wird geltend gemacht, der Rekurrent führe eine Pizzeria in Z. Er sei für
den Einkauf der Lebensmittel – teilweise im CC Gossau und an anderen entfernten
Orten – zuständig und in diesem Zusammenhang relativ stark auf ein Fahrzeug
angewiesen. Der im Geschäft mitarbeitende Bruder verfüge über keinen Führerausweis.
Der Rekurrent sei auch mit Pizzalieferungen beschäftigt. Er sei in existenziellem
Ausmass auf den Führerausweis angewiesen. Ohne zwingende Gründe dürfe deshalb
die Entzugsdauer nicht über das gesetzliche Minimum hinaus erhöht werden.
Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Massnahmeempfindlichkeit zu
berücksichtigen, in welchem Mass ein Fahrer aus beruflichen Gründen auf seinen
Führerausweis angewiesen ist (vgl. BGE 123 II 572 E. 2c). Die berufliche Notwendigkeit,
ein Fahrzeug zu führen, wird nach der Praxis des Bundesgerichts grundsätzlich nur
angenommen, wenn die Ausübung des Berufs durch den Führerausweisentzug
materiell verboten wird, wie dies z.B. bei einem Berufschauffeur der Fall ist, der für die
Fahrdienste entschädigt wird. Ebenso ist die berufliche Notwendigkeit zu bejahen,
wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu führen, einen solchen Einkommensverlust
oder so beachtliche Kosten verursachen würde, dass diese Massnahme offensichtlich
als unverhältnismässig erscheint (Pra 79/1990 Nr. 150). Ein Fahrzeugführer kann aber
auch erhöht sanktionsempfindlich sein, ohne dass geradezu eine berufliche
Notwendigkeit vorliegt. Deshalb ist bei der Beurteilung der beruflichen Angewiesenheit
eines Fahrzeuglenkers auf den Führerausweis dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit
Rechnung zu tragen. Die Reduktion der Entzugsdauer bemisst sich danach, in
welchem Mass der Fahrzeugführer infolge beruflicher Angewiesenheit stärker als der
normale Fahrer von der Massnahme betroffen ist (BGE 123 II 572 E. 2c).
Der Rekurrent ist gemäss Eintrag im Handelsregister zusammen mit seinem Vater
Gesellschafter der Pizzeria Y in Z, die auch einen Hauslieferdienst unterhält. Durch den
Führerausweisentzug wird ihm seine Tätigkeit als Teilhaber der Pizzeria nicht verboten.
In der Befragung anlässlich der mündlichen Verhandlung führte er aus, er übe mehr
oder weniger alle Funktionen im Geschäft aus und leiste viele Überstunden. Den
Service erledige er grundsätzlich allein. Bei Bedarf stünden jedoch jederzeit
Hilfspersonen auf Abruf bereit. Das Restaurant sei von 10.00 bis 14.00 Uhr und von
17.00 bis 23.00 Uhr geöffnet. In der Zeit zwischen 14.00 und 17.00 Uhr kümmere er
sich in erster Linie um das Administrative wie die Buchhaltung und tätige die Einkäufe,
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vor allem im CC Gossau und St. Gallen. Dafür sei er auf den Führerausweis
angewiesen. Würde er sich die Einkäufe liefern lassen, hätte dies Mehrkosten von
wöchentlich rund Fr. 4'000.-- zur Folge. Dies sei nicht tragbar. Die Einkäufe könne er
nicht durch Angestellte erledigen lassen. In der Pizzeria arbeiteten vier Personen. Sein
Bruder sei nach wie vor nicht im Besitz eines Führerausweises und sein Vater sei vor
allem für sein A-geschäft tätig und arbeite nicht mehr so oft in der Pizzeria. Aus diesen
Darlegungen ist zu schliessen, dass sich der Rekurrent soweit er für die Ausübung
seiner Tätigkeiten auf ein Motorfahrzeug angewiesen ist, organisieren kann. Es stehen
ihm Hilfspersonen zur Verfügung, welche ihn chauffieren oder die Einkäufe selbständig
erledigen können. Ergänzend bestünde auch die Möglichkeit, den Restaurationsbetrieb
beliefern zu lassen. Auch der Hauslieferdienst kann aufrecht erhalten bleiben, indem
diese Aufgabe einem fahrberechtigten Mitarbeiter überlassen wird. Beim Rekurrenten
liegt daher keine massnahmemindernde erhöhte Sanktionsempfindlichkeit vor.
dd) Im Rekurs erklärte sich der Rekurrent ausdrücklich gewillt, den von der Vorinstanz
angebotenen Verkehrsunterricht zu besuchen. Anlässlich der mündlichen Verhandlung
gab er an, die Vorinstanz habe ihn mit der Begründung nicht zugelassen, die
Anmeldung sei verspätet. Er solle das Begehren im Rekurs vorbringen. Im
vorinstanzlichen Verfahren wurde der Rekurrent am 3. Juni 2009 auf die Möglichkeit,
den Verkehrsunterricht zu besuchen, und die Berücksichtigung einer Teilnahme bei der
Bemessung der Entzugsdauer hingewiesen. Der Rekurrent hat den Verkehrsunterricht
auch während des seit Juli 2009 hängigen Rekursverfahrens nicht besucht. Im Laufe
des Rekursverfahrens wurde auch nicht aktenkundig, dass die Vorinstanz den
Rekurrenten nicht zugelassen hätte. Dieser vorinstanzliche Standpunkt wurde erstmals
anlässlich der heutigen mündlichen Verhandlung vorgebracht. Für die Bemessung der
Entzugsdauer ist deshalb davon auszugehen, dass der Rekurrent den
Verkehrsunterricht nach wie vor nicht besucht hat. Allein die erneute Äusserung des
Interesses an einer solchen Teilnahme kann nicht zu einer Herabsetzung der
Entzugsdauer führen. Damit kann auch offen bleiben, ob in Übereinstimmung mit der
vorinstanzlichen Praxis der erfolgreiche Besuch des Verkehrsunterrichts bei der
Bemessung der Entzugsdauer, unter Beachtung der gesetzlichen
Mindestentzugsdauer, mit einer Reduktion um einen Monat zu veranschlagen wäre.
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c) Unter Berücksichtigung der Mindestentzugsdauer von zwölf Monaten, dem Ausmass
der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 28. Juni 2008, der Tatmehrheit, des Rückfalls
innerhalb eines knappen halben Jahres und der fehlenden erhöhten
Sanktionsempfindlichkeit erscheint eine Entzugsdauer von 15 Monaten als
angemessen. Mit der Berücksichtigung der in Art. 16 Abs. 3 SVG genannten
Bemessungskriterien wurde auch dem in Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV)
verankerten Grundsatz der Verhältnismässigkeit ausreichend Rechnung getragen.
Zudem verbietet das Massgeblichkeitsgebot von Art. 190 BV eine Unterschreitung der
im Gesetz vorgesehenen Mindestentzugsdauern aus Gründen der
Verhältnismässigkeit.
6.- Im Rekurs wird schliesslich beantragt, den Rekurrenten den Lieferdienst und
allenfalls auch weitere berufsbedingte Fahrten mit einem plombierten Personenwagen
mit einer Geschwindigkeitseinschränkung bis 40 oder 45 km/h durchführen zu lassen.
Zum Antrag auf Erlass einer entsprechenden vorsorglichen Massnahme führte der
Abteilungspräsident am 5. August 2009 aus, die Gutheissung des Gesuchs liefe darauf
hinaus, dass mit einem Führerausweisentzug belegte Personen auf die
Spezialkategorie F ausweichen könnten. Dies sei jedoch seit dem 1. Januar 2008 nicht
mehr zulässig. Entsprechend erfasse das Fahrverbot auch diese Spezialkategorie.
Gemäss Art. 33 Abs. 5 der Verordnung über die Zulassung von Personen und
Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) kann in Härtefällen unter
Einhaltung der gesetzlichen Mindestdauer der Ausweisentzug je Kategorie,
Unterkategorie oder Spezialkategorie für eine unterschiedliche Dauer verfügt werden,
sofern der Ausweisinhaber namentlich die Widerhandlung, die zum Ausweisentzug
führt, mit einem Motorfahrzeug begangen hat, auf dessen Benutzung er beruflich nicht
angewiesen ist (lit. a) und als Führer eines Motorfahrzeuges der Kategorie,
Unterkategorie oder Spezialkategorie, für welche die Entzugsdauer verkürzt werden
soll, unbescholten ist (lit. b).
Vorab ist festzuhalten, dass selbst bei einer Differenzierung des Entzugs die
gesetzliche Mindestentzugsdauer von zwölf Monaten auch für die Spezialkategorie F
zu beachten wäre. Der Rekurrent hat die Widerhandlungen gegen die
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Strassenverkehrsvorschriften, die zum Entzug des Führerausweises führen, mit einem
Personenwagen, auf dessen Benutzung er nach eigener Darstellung beruflich
angewiesen ist, begangen. Damit würde es – bei einer strengen wörtlichen Auslegung –
bereits an der Voraussetzung von Art. 33 Abs. 5 lit. a VZV für eine Differenzierung der
Massnahme fehlen. Schliesslich wurde mit der am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen
Neufassung von Art. 33 Abs. 1 und Abs. 4 lit. a VZV die Möglichkeit, die
Spezialkategorie F vom Führerausweisentzug auszunehmen, aufgehoben. Nach der bis
31. Dezember 2007 geltenden Rechtslage hatte der Entzug des Lernfahr- oder
Führerausweises einer Kategorie oder Unterkategorie den Entzug des Ausweises aller
Kategorien und Unterkategorien – nicht jedoch der Spezialkategorien – zur Folge. Die
Entzugsbehörde konnte mit dem Ausweis einer Kategorie oder Unterkategorie auch
jenen der Spezialkategorie entziehen. Nach dem geltenden Recht hat der Entzug des
Lernfahr- oder des Führerausweises einer Kategorie oder Unterkategorie ausdrücklich
auch den Entzug der Spezialkategorie F zur Folge, und eine Ausdehnung durch die
Entzugsbehörde ist dementsprechend nur noch auf die Spezialkategorien G und M
möglich. Diese Rechtsänderung schliesst bei einem Entzug des Führerausweises für
die Kategorie B ein Ausweichen auf die Spezialkategorie F – nämlich Personenwagen
mit vorübergehend auf 45 km/h beschränkter Höchstgeschwindigkeit – aus.
7.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- ist
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf die Entschädigung
ausseramtlicher Kosten (vgl. Art. 98 und 98 ; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach
st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.).
bis ter
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2021-08-06T19:09:51+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen