Decision ID: 5eaf0174-ab0e-59ed-88e0-676cc8334a06
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 8. Dezember 2014 wegen ADS/Hypersensibilität erneut
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 37; eine erste Leistungsprüfung endete mit
der Verfügung vom 4. Juli 2011, worin das Gesuch um Arbeitsvermittlung aufgrund
Wiedererlangens einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit abgewiesen wurde; IV-
act. 36). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0) in der
Kindheit mit persistierendem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) im
Erwachsenenalter, schwere Ausprägung; akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
Selbstunsicherheit, Impulskontrollstörung und narzisstisch-regressiver Komponente
und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10:
F33.1). In Beachtung des zwischenzeitlichen Verlaufs habe sich gezeigt, dass der
Versicherte sowohl als kaufmännischer Angestellter als auch bei adaptierten
Tätigkeiten an Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit leide (Bericht vom 25. Januar
2015, IV-act. 46). Der RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, ging in der Stellungnahme vom 9. Februar 2015 davon aus, dass der
Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit 100 % arbeitsfähig, aber in der Stellensuche
eingeschränkt sei (IV-act. 49-3).
A.a.
Vom 31. Mai bis 24. Juli 2015 befand sich der Versicherte wegen schwerer
depressiver Dekompensation mit Suizidversuch in stationärer Behandlung in der Klinik
D._. Der dort behandelnde Oberarzt Dr. med. E._ diagnostizierte eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2); einen
Suizidversuch durch Medikamentenintoxikation am 31. Mai 2015 (ICD-10: X84.9!) und
eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung in der Kindheit mit
A.b.
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persistierendem ADS im Erwachsenenalter (ICD-10: F90.0; Austrittsbericht vom
3. August 2015, IV-act. 61). In der Stellungnahme vom 31. August 2015 vertrat der
RAD-Arzt Dr. C._ die Auffassung, bei einer weitgehend remittierten depressiven
Störung müsse medizinisch-theoretisch vom Vorliegen einer beruflichen
Eingliederungsfähigkeit in der Höhe einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden (IV-act. 64).
Vom 9. November 2015 bis 6. Mai 2016 nahm der Versicherte an einer von der IV-
Stelle finanzierten beruflichen Abklärung im F._ teil. Die Abklärungspersonen hielten
im Schlussbericht vom 25. April 2016 ihre Einschätzung fest, dass die Arbeitsfähigkeit
des Versicherten ca. 40 % bei einer 100%igen Präsenz betrage. Eine nachhaltige
Eingliederung in einer schwerpunktmässig kaufmännischen Tätigkeit hielten sie für
unrealistisch (IV-act. 86). Die IV-Stelle sprach dem Versicherten einen Arbeitsversuch
vom 3. Oktober bis 31. Dezember 2016 zu (Mitteilung vom 28. September 2016, IV-
act. 98). Da es im Anschluss an den Arbeitsversuch zu keiner Teilzeitanstellung
gekommen war, entschied sich die IV-Stelle zur Vornahme der Rentenprüfung (siehe
Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung vom 13. Januar 2017, IV-act. 102-28). In
der Mitteilung vom 18. Januar 2017 wies sie das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen ab. Die Möglichkeiten einer beruflichen Wiedereingliederung seien
ausgeschöpft (IV-act. 105).
A.c.
Die im Ambulatorium am Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-Sarganserland seit
27. November 2015 behandelnden medizinischen Fachpersonen berichteten am
28. Februar 2017, der Versicherte leide an einer einfachen Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung seit Kindheit (ICD-10: F90.0) mit persistierendem
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) mit ausgeprägter Hypoaktivität im
Erwachsenenalter, schwere Ausprägung; an einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig remittiert, mit Status nach zweimaligem Suizidversuch (2009, 2015;
ICD-10: F33.4), und an akzentuierten Persönlichkeitszügen (selbstunsicher, asthenisch,
narzisstisch-regressiv, impulsiv). Seit dem 10. November 2015 sei dem Versicherten
eine Leistungsfähigkeit von maximal 50 % zumutbar (IV-act. 107).
A.d.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 4. Oktober 2017 von Dr. med.
G._, Facharzt u.a. für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Der Gutachter
A.e.
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stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein
Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, ADS (ICD-10: F90.0); eine rezidivierend depressive
Störung (ICD-10: F33.1-2) mit zweimaligem schwerem Suizidversuch und akzentuierte
Persönlichkeitszüge (schizoid, vermeidend). Die Tätigkeit im gelernten kaufmännischen
Bereich sei dem Versicherten zu 10 bis 20 % zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit bezogen
auf eine leidensangepasste Tätigkeit schätzte er auf 20 %. Eine differenzierte
neuropsychologische Untersuchung hinsichtlich kognitiver Defizite durch das ADS
werde «- vorbehaltlich übereinstimmender Ergebnisse von den bisher vorliegenden
verkehrsmedizinischen und in H._ durchgeführten kognitiven Testdiagnostiken mit
den Befunden dieses Gutachtens - gegenwärtig nicht empfohlen» (Gutachten vom
9. November 2017 samt psychologischem Testbericht vom 10. November 2017, IV-
act. 119). Der RAD-Arzt dipl. Arzt I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vertrat die Auffassung, auf das Gutachten könne vollumfänglich abgestellt werden. In
der Konsistenzprüfung fänden sich keine relevanten Inkonsistenzen (Stellungnahme
vom 17. November 2017, IV-act. 120).
Durch eine verspätete Nachreichung des verkehrsmedizinischen Gutachtens vom
14. und 25. Oktober 2016 mit Verweis auf ein Vorgutachten vom 15. Dezember 2015
ergänzte Dr. G._ seine Beurteilung am 4. Dezember 2017 wie folgt: Da die Befunde
des verkehrsmedizinischen Gutachtens ein Jahr früher und jene von ihm ein Jahr
später ein durchaus verschiedenes Bild hinsichtlich der kognitiven Fähigkeiten des
Versicherten ergäben und das Gesundheitsgesamtbild offenbar deutlich schwankend
sei, empfehle er eine nachträgliche neuropsychologische Verlaufsbegutachtung beim
verkehrsmedizinischen Gutachter. Sollten die Befunde von 2016 hier konstant gut
ausfallen, seien die Auswirkungen von ADS und rezidivierender depressiver Störung auf
die Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung von 80 % auf 60 % zu revidieren (IV-act. 125; zum
verkehrsmedizinischen Gutachten von Dr. med. J._, Facharzt für Rechtsmedizin, vom
25. Oktober 2016 siehe IV-act. 128-30 ff.; zum verkehrspsychologischen
Untersuchungsbericht von Dr. phil. K._, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP,
vom 14. Oktober 2016 siehe IV-act. 128-22 ff.; zum verkehrsmedizinischen Gutachten
von Prof. Dr. med. L._, Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen vom
15. Dezember 2015, siehe IV-act. 128-50 ff.). Der RAD-Arzt I._ vertrat den
Standpunkt, dass bei der hirnorganischen Störung des Versicherten, die hauptsächlich
A.f.
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die Arbeitsfähigkeit einschränke, keine solch grossen Diskrepanzen in der kognitiven
Leistungsfähigkeit innerhalb eines Jahres auftreten dürften. Aus diesem Grund sei der
Sachverhalt medizinisch erneut zu prüfen (Strategie-Protokoll vom 21. Dezember 2017,
IV-act. 129). Die Diskrepanzen liessen ein suboptimales Verhalten des Versicherten
vermuten. Der RAD-Arzt I._ empfahl eine psychiatrische Begutachtung samt
neuropsychologischer Untersuchung inklusive Symptomvalidierung (Stellungnahme
vom 22. Dezember 2017, IV-act.130).
Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 7. März 2018 mit, zur Klärung der
Leistungsansprüche halte sie eine medizinische Untersuchung (Psychiatrie inklusive
Neuropsychologie) für erforderlich. Mit der Begutachtung würden Dr. med. M._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Dr. phil. N._, Fachpsychologe für
Neuropsychologie FSP, beauftragt (IV-act. 131). In der Stellungnahme vom 16. März
2018 rügte der Versicherte, die neuerliche Begutachtung sei unzulässig, da sie auf eine
second opinion abziele. Der Sachverhalt sei bereits hinreichend geklärt (IV-act. 136).
Mit Zwischenverfügung vom 3. April 2018 ordnete die IV-Stelle die psychiatrische
Begutachtung bei Dr. M._ samt neuropsychologischer Untersuchung durch Dr. N._
an (IV-act. 139). Die dagegen gerichtete Beschwerde vom 8. Mai 2018 (IV-act. 143-2 ff.)
wies das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 26. September 2018, IV 2018/171,
ab (IV-act. 150).
A.g.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 14. Januar und am 1. April 2019
von Dr. M._ psychiatrisch (IV-act. 160-1) sowie am 22. März 2019 von Dr. N._
neuropsychologisch untersucht. Der psychiatrische Gutachter stellte die Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.), mass
ihr indessen keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei. Die depressiven Episoden
hätten jeweils relativ rasch auf die Behandlung angesprochen. Die seither attestierte
Einschränkung sei nicht plausibel. Aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des
Versicherten könne keine weitere Diagnose gestellt werden. Einschränkungen (der
Arbeitsfähigkeit) würden sich darum auch nicht begründen lassen. Im Rahmen der
neuropsychologischen Abklärung habe der Versicherte zwar gravierende
Einschränkungen demonstriert. Die Symptomvalidierung sei aber auffällig gewesen,
sodass man wiederum sagen müsse, der Versicherte habe bei dieser Abklärung nicht
mitgewirkt. Die behandelnden medizinischen Fachpersonen und der Vorgutachter
A.h.
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B.
hätten sich überwiegend auf die subjektiven Angaben des Versicherten bzw. seine
nicht verbalen (aber damit nicht weniger manipulierbaren) Informationen abgestützt.
Man müsse sich bewusst sein, dass auch die von Dr. G._ angewandte ICF kein
objektives Instrument sei, sondern einfach die Anamnese auf wesentliche Fragen lenke.
Insgesamt müsse man festhalten, dass der Versicherte bei verschiedenen Abklärungen,
je nach Kontext, über unterschiedliche Symptome und Einschränkungen klage und
diese demonstriere, sodass von einem manipulativen Verhalten ausgegangen werden
müsse. Abgesehen von den Klinik- und Tagesklinikaufenthalten würden sich
anhaltende Einschränkungen nicht begründen lassen. Dr. M._ bescheinigte dem
Versicherten für die angestammte Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
(insbesondere IV-act. 160-72 und IV-act. 160-75 ff.; zum neuropsychologischen
Teilgutachten vom 25. März 2019 siehe IV-act. 160-81 ff.). Der RAD-Arzt I._ vertrat in
der Stellungnahme vom 10. Mai 2019 den Standpunkt, es könne vollumfänglich auf die
Beurteilung von Dr. M._ abgestellt werden. Ausser während der psychiatrischen
Hospitalisationen bzw. der tagesklinischen Behandlungen habe keine
Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (IV-act. 162).
Die IV-Stelle ermittelte auf der Grundlage einer 100%igen Arbeitsfähigkeit einen
Invaliditätsgrad von 0 % und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 10. Juli
2019 die Abweisung seines Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 165). Dagegen erhob
der Versicherte am 13. September 2019 Einwand (IV-act. 168). Der RAD-Arzt I._
setzte sich mit der einwandweise vorgebrachten Kritik des Versicherten an der
Beurteilung von Dr. M._ auseinander und gelangte zur Auffassung, dass weiterhin an
dessen Arbeitsfähigkeitsschätzung festgehalten werden könne (Stellungnahme vom
20. September 2019, IV-act. 171). Dieser Betrachtungsweise schloss sich der
Rechtsdienstmitarbeitende an (Stellungnahme vom 24. September 2019, IV-act. 172),
sodass die IV-Stelle am 25. September 2019 die Abweisung des Rentengesuchs
verfügte (IV-act. 173).
A.i.
Gegen die Verfügung vom 25. September 2019 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 28. Oktober 2019. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren
Aufhebung und die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente ab Mai 2015. Eventualiter
B.a.
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sei der Invaliditätsgrad nach Erstattung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens
festzusetzen und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine entsprechende neue
Rentenverfügung zu erlassen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung führt der Beschwerdeführer aus, die wirtschaftliche Abhängigkeit des
Dr. M._ von der Beschwerdegegnerin sei gerichtsnotorisch, weshalb die Hürde tief
sei, um die Beweiskraft seines Gutachtens zu erschüttern. Vorliegend bestünden nicht
nur geringe, sondern sogar erhebliche Zweifel an der Beurteilung von Dr. M._. Da
sein Gutachten die Anforderungen an den Beweiswert nicht erfülle und dieser Mangel
nicht allein durch eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung des Gutachtens
behoben werden könne, sei zwingend ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Bei
dieser Ausgangslage sei das vorliegende Verfahren vorzuziehen und nach der
Durchführung eines einfachen Schriftenwechsels darüber zu befinden, ob das
Gutachten von Dr. M._ beweistauglich sei. Im verneinenden Fall sei ein
psychiatrisches Gerichtsgutachten zu veranlassen. Gegen die Beweiskraft der
Beurteilung der Dres. M._ und N._ bringt der Beschwerdeführer verschiedene
Mängel vor (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 10. Dezember
2019 die Abweisung der Beschwerde. Sie hält im Wesentlichen daran fest, dass die
Beurteilung der Dres. M._ und N._ beweiskräftig und die sich darauf stützende
Abweisung des Rentengesuchs zutreffend sei (act. G 4).
B.b.
Am 10. Januar 2020 wird dem Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren unter Anrechnung
des bereits durch den Beschwerdeführer an seinen Rechtsvertreter geleisteten
Kostenvorschusses von Fr. 3'500.-- entsprochen (act. G 5).
B.c.
Gleichentags teilt das Versicherungsgericht dem Beschwerdeführer unter Verweis
auf die Geschäftslast und vergleichbare Fälle mit, dass keine Gründe vorlägen, die eine
vorgezogene Behandlung der Beschwerde rechtfertigen würden. Es setzte ihm deshalb
eine Frist für eine Replik (act. G 6).
B.d.
Der Beschwerdeführer verzichtet stillschweigend auf eine Replik (act. G 7).B.e.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a);
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG verweist bezüglich des Begriffs der
Invalidität auf Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).
1.1.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
1.4.
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu beantworten, ob der
Sachverhalt in medizinischer Hinsicht spruchreif abgeklärt ist. Die Beschwerdegegnerin
stützte ihren Rentenentscheid im Wesentlichen auf die Beurteilung der Dres. M._ und
N._ vom 15. April 2019 (IV-act. 160). Demgegenüber hält die Beschwerdeführerin die
gutachterliche Beurteilung nicht für beweiskräftig.
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a).
Gegen die Person von Dr. M._ als Administrativgutachter bringt der
Beschwerdeführer mit Hinweis auf den Entscheid des Versicherungsgerichts vom
17. September 2019, IV 2018/9, E. 3.2, vor, dieser sei wirtschaftlich von der
Beschwerdegegnerin abhängig, was bei der Beweiswürdigung nicht ausser Acht
gelassen werden könne (act. G 1, Rz 27; zum Vorwurf der wirtschaftlichen
Abhängigkeit siehe auch act. G 1, Rz 22 f.). Im erwähnten Entscheid führte das
Versicherungsgericht sich an der Beweiswertkaskade des Bundesgerichts orientierend
(BGE 135 V 469 f. E. 4.4: Gerichtsexpertisen, versicherungsexterne
Administrativexpertisen und versicherungsinterne Administrativexpertisen) aus, dass
einer Beurteilung von Dr. M._ aufgrund seiner engen wirtschaftlichen Verflechtung
mit der Beschwerdegegnerin ein Stellenwert vergleichbar mit demjenigen von
Einschätzungen versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen zukomme. Das
Bundesgericht, nachdem es zunächst eine ähnliche Rechtsanwendung vertreten hatte
(Urteil vom 25. Oktober 2016, 8C_354/2016, E. 5.3: «Auch den Berichten
versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen hat die Rechtsprechung stets
Beweiswert zuerkannt, sofern keine auch nur geringen Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit
bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2 [...]). Wenn Frau Dr. med. C._, wie sinngemäss
geltend gemacht wird, ihr Einkommen weitgehend durch Gutachtensaufträge der
Invalidenversicherung erzielen sollte und insoweit eine wirtschaftliche Abhängigkeit
bestünde (vgl. SVR 2008 IV Nr. 22 S. 69, 9C_67/2007 E. 2.4), so mag dies allenfalls
beweismässig im Sinne der dargelegten Rechtsprechung zu berücksichtigen sein.»),
verwarf inzwischen diese Sichtweise (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2020,
9C_824/2019). Vorliegend kann offenbleiben, ob die wirtschaftliche Verflechtung von
2.1.
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Dr. M._ «beweismässig» im Sinn der dargelegten älteren Rechtsprechung des
Bundesgerichts (Urteil vom 25. Oktober 2016, 8C_354/2016, E. 5.3) oder der - ohne die
Voraussetzungen einer Praxisänderung prüfenden - neuen Rechtsprechung zu
berücksichtigen ist. Denn selbst wenn zugunsten des Beschwerdeführers von einem
tieferen Beweiswert ausgegangen würde, so fehlt es vorliegend an geringen Zweifeln
an der Zuverlässigkeit der Einschätzung der Dres. M._ und N._, da sich die vom
Beschwerdeführer dagegen vorgebrachte Kritik nicht als stichhaltig erweist (siehe
nachstehende E. 2.2 ff.).
Des Weiteren hält der Beschwerdeführer die von den Dres. M._ und N._
beschriebenen Inkonsistenzen und Aggravationstendenzen für unzutreffend (act. G 1,
Rz 28, Rz 30 und Rz 31).
2.2.
Der Beschwerdeführer macht unbestrittenermassen hauptsächlich psychische
Beeinträchtigungen geltend. Bei psychischen oder psychosomatischen
Krankheitsbildern steht das Beweisproblem im Vordergrund, dass sich die Beurteilung
dieser Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeiten - mangels
zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik - zwangsläufig zunächst auf die Angaben
der versicherten Person und deren Leidenspräsentation stützt, da es an einer
eigentlichen davon unabhängigen, direkten Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist die
umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der Leidensschilderung sowie
-präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler
Bedeutung (vgl. hierzu bereits die Ausführungen im Rechtsgutachten Prof. Dr. O._
und Dr. iur. P._ vom 20. November 2012, S. 66 ff. mit Hinweis auf den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 19. Juni 2012, IV 2010/336, E. 3.2.3; dieser Entscheid
wurde vom Bundesgericht unter der damaligen Praxis gemäss BGE 137 V 64 und 130
V 352 im Urteil vom 13. Januar 2013, 8C_552/2012, aufgehoben; zur inzwischen
erfolgten Praxisänderung des Bundesgerichts siehe etwa BGE 141 V 281). Um eine
möglichst objektive, von der Selbsteinschätzung der Versicherten unabhängige, der
tatsächlichen Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn
von Art. 7 Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten (vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit
des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens etwa das Urteil des Bundesgerichts
vom 11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die medizinischen Fachpersonen nebst
den Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer
Expertise sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und
Ressourcen einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende
Umstände wie etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder
2.2.1.
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ernsthafte Zweifel am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen
Beeinträchtigung begründen, sind zu benennen. Geltend gemachte
Beeinträchtigungen, die auf solchen krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen
Faktoren beruhen oder zweifelhaft erscheinen, sind bei der Beurteilung des
Gesundheitsschadens sowie der Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend
für die Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche
Beeinträchtigungen, deren Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3. vollständig überarbeitete
und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum
Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124,
E. 3.1).
Das Versicherungsgericht legte bereits im Entscheid vom 26. September 2018,
IV 2018/171, E. 2.1, in Würdigung der damaligen medizinischen Aktenlage dar, dass
daraus Zweifel an der Leidenspräsentation des Beschwerdeführers hervorgehen (IV-
act. 150-6 f.). Darauf ist zu verweisen.
2.2.2.
Die Dres. M._ und N._ begründeten gestützt u.a. auf symptomvalidierende
Untersuchungsmethoden ausführlich und überzeugend, dass der Beschwerdeführer
bei der Begutachtung negative Antwortverzerrungen und aggravierende Tendenzen
gezeigt habe und in seiner Leidensdarstellung Diskrepanzen bestehen (IV-act. 160-71;
IV-act. 160-76 und IV-act. 160-88 ff.). Darüber hinaus zeigte Dr. M._ nachvollziehbar
auf, dass sich bereits im Rahmen der psychologischen Abklärung durch die Diplom-
2.2.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/16
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Psychologin Q._ Widersprüche und Inkonsistenzen ergaben (IV-act. 160-70; zu deren
Beurteilung vom 10. November 2017 siehe IV-act. 119-40 ff.). Dass die
Leidenspräsentation des Beschwerdeführers von seiner Motivation und nicht von
einem Gesundheitsschaden abhängt, zeigte sich auch an den für die Wiedererlangung
des Führerausweises erforderlichen positiven verkehrspsychologischen
Fahreignungsabklärungsergebnissen (siehe zur verkehrspsychologischen Beurteilung
vom 14. Oktober 2016, IV-act. 128-22 ff.). Unter diesen Umständen erscheint auch die
Schlussfolgerung von Dr. M._ plausibel, dass sich der Beschwerdeführer
offensichtlich genau bewusst sei, «bei welcher Abklärung er sich wie geben muss» (IV-
act. 160-71). Die hohe Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung des Beschwerdeführers (in
leidensangepassten Tätigkeiten höchstens 20 % arbeitsfähig zu sein, act. G 1, Rz 36)
lässt sich ausserdem weder damit vereinbaren, dass der Beschwerdeführer sich nicht
mehr in psychiatrischer Behandlung befindet, der Medikamentenspiegel sich nicht im
therapeutischen Bereich befand und die depressive Störung bereits seit langer Zeit
remittiert ist (IV-act. 160-68, -70 und -75). Sie deckt sich zudem auch nicht mit dem
von ihm im Alltag gezeigten Funktionsniveau. So vermag er um 5:45 Uhr aufzustehen
und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur halbtägigen Beschäftigung in der R._
(siehe hierzu IV-act. 160-58 f.) zu gehen und die dortigen Tätigkeiten zu verrichten. Er
ist ohne erkennbare Einschränkungen in der Lage, administrative Arbeiten bzw.
Behördengänge selbstständig zu erledigen («Ausweise erneuern lassen»). «Am
Nachmittag würde er mal etwas waschen oder putzen. Ansonsten würde er einfach
Sachen erledigen», wie etwa einkaufen und kochen. Zudem vermag er «relativ oft» zu
lesen (Biografien und Zeitschriften über Sport oder Fahrzeuge). Zu seinem Hobby zählt
neben dem Lesen auch, «sich über Sachen zu informieren». Ausserdem sieht er sich im
Fernsehen gerne «Comedy-Sachen» an. Das ehemals von ihm wöchentlich besuchte
Selbstverteidigungstraining in einer Gruppe von 12 Personen (siehe IV-act. 119-16)
brach der Beschwerdeführer nicht etwa aus gesundheitlichen, sondern aus finanziellen
Gründen ab («relativ teuer gewesen»; IV-act. 160-62). Ausserdem pflegt der
Beschwerdeführer Kontakte mit Kollegen (IV-act. 160-62 f.; zu den gegenüber
Dr. G._ angegebenen Aktivitäten wie Kino- und Konzertbesuche, Singen und Tanzen
siehe IV-act. 119-16 Mitte). Der Beschwerdeführer hat ferner - beim gerichtsnotorisch
mit erhöhter Reizverarbeitung und erhöhten Konzentrationsanforderungen
verbundenen - Autofahren «keine Probleme» (IV-act. 160-63 Mitte).
Die Dres. M._ und N._ legten insgesamt einleuchtend und in einer mit den
vorstehend genannten Verhältnissen zu vereinbarenden Weise dar, dass der
Beschwerdeführer je nach Situation über Symptome berichtet und Einschränkungen
2.2.4.
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demonstriert oder nicht und hierbei recht gezielt vorgeht (IV-act. 160-71). Schliesslich
räumt der Beschwerdeführer selbst ein, «immer wieder das Umfeld über seine
Leistungseinschränkungen zu täuschen» bzw. ein «manipulatives Verhalten» zu zeigen
(act. G 1, Rz 32), was die Beurteilung der Dres. M._ und N._ namentlich unter dem
Aspekt der Diskrepanzen und Aggravation bekräftigt bzw. die Zweifel an der
Leidenspräsentation verstärkt.
Der Beschwerdeführer macht ausserdem geltend, die neuropsychologische
Begutachtung durch Dr. N._ sei nicht umfassend gewesen, insbesondere seien zu
Unrecht keine Persönlichkeitstests durchgeführt worden (act. G 1, Rz 28 f.). Zunächst
ist darauf hinzuweisen, dass die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung,
Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung entscheidend für die medizinische
Beurteilung ist und psychologischen Testverfahren höchstens eine ergänzende
Funktion zukommt (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2020,
9C_362/2020, E. 3.4 mit Hinweisen). Dr. M._ untersuchte den Beschwerdeführer in
psychiatrischer Hinsicht umfassend und berücksichtigte bei seiner Beurteilung des
Gesundheitsschadens und der Arbeitsfähigkeit die Vorakten. Seine Einschätzung wird
ergänzt durch die Ergebnisse der von Dr. N._ durchgeführten zahlreichen
neuropsychologischen Testverfahren (IV-act. 160-81 ff.). Es ergeben sich keine
Hinweise, die einen darüber hinaus gehenden Abklärungsbedarf bezüglich der
Beurteilung der psychischen und geistigen Gesundheit und Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu begründen vermögen. Dies gilt vorliegend umso mehr, als
Dr. M._ die auf die Persönlichkeit bezogenen Ergebnisse der Diplompsychologin
Q._ bei seiner Einschätzung einbezog (IV-act. 160-70). Von Bedeutung ist des
Weiteren, dass das von ihr durchgeführte Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar
ein Testprofil ergab, das «nahezu im Normbereich» lag (IV-act. 119-42 oben). Das
Inventar Klinischer Persönlichkeitsakzentuierungen zeigte ein «gänzlich unauffälliges
Persönlichkeitsprofil». «Alle Werte liegen im Normbereich» (IV-act. 119-43). Auch die
Schlussfolgerung der Diplompsychologin, der klinische Eindruck decke sich
grösstenteils mit den Messungen der Persönlichkeitstests und der Beschwerdeführer
habe sich vermindert schwingungsfähig und sehr kritisch mit sich selbst präsentiert (IV-
act. 119-45), enthält keine Hinweise auf einen weiteren Abklärungsbedarf bzw. auf eine
mangelhafte Abklärung durch die Dres. M._ und N._.
2.3.
Soweit der Beschwerdeführer einen Mangel an der gutachterlichen Beurteilung von
Dr. M._ mit dem Verzicht auf die Einholung fremdanamnestischer Angaben
begründet (act. G 1, Rz 32, Rz 33 Mitte und Rz 35 Mitte), kann ihm nicht gefolgt
werden. Vielmehr machte Dr. M._ etwa im Rahmen der Zusammenfassung der
2.4.
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3.
bisherigen persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen Entwicklung einschliesslich
der aktuellen psychischen, sozialen und gesundheitlichen Situation umfassende
Ausführungen (IV-act. 160-72 ff.). Der Beschwerdeführer legt denn auch weder konkret
dar noch ist erkennbar, welche objektiv relevanten fremdanamnestischen
Gesichtspunkte von Dr. M._ dabei übersehen wurden. Zudem berücksichtigte
Dr. M._ Einschätzungen von anderen mit dem Beschwerdeführer befassten
Personen, etwa den Schlussbericht der beruflichen Abklärung vom 25. April 2016
(siehe etwa IV-act. 160-19 ff.).
Aus seinen Ausführungen zu den Berichten anderer medizinischer Fachpersonen,
wie etwa von Dr. G._ (act. G 1, Rz 35 f.), vermag der Beschwerdeführer nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten. Den Berichten fehlt insbesondere eine ausführliche
Diskussion des Potentials und der Ressourcen des Beschwerdeführers und sie
erwecken in Anbetracht der dort unberücksichtigt gebliebenen Diskrepanzen und
Aggravationstendenzen (siehe hierzu vorstehende E. 2.2.3) den Eindruck, dass den
jeweiligen Beurteilungen im Wesentlichen eine unkritische Übernahme der
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung des Beschwerdeführers zugrunde liegt.
2.5.
Bei der Würdigung der Beurteilung der Dres. M._ und N._ fällt weiter ins
Gewicht, dass sie auf eigenständigen gründlichen Abklärungen beruht und für die
streitigen Belange umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und
diskutiert. Die vom Beschwerdeführer geklagten Leiden wurden berücksichtigt und
nachvollziehbar objektiv im Rahmen einer schlüssigen Konsistenz- und
Ressourcenbeurteilung gewürdigt. Die darin vorgenommene
Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären. Ergänzend kann auf die überzeugenden Ausführungen
des RAD-Arztes I._ vom 20. September 2019 verwiesen werden (IV-act. 171).
Gestützt auf die Einschätzung der Dres. M._ und N._ ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seiner
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist. Dies gilt - abgesehen von der Dauer der Klinik-
und Tagesklinikaufenthalten - auch retrospektiv (IV-act. 160-77 f.). Da der medizinische
Sachverhalt mit dieser Beurteilung spruchreif abgeklärt erscheint, ist der
Eventualantrag des Beschwerdeführers um Einholung eines psychiatrischen
Gerichtsgutachtens (act. G 1) abzuweisen.
2.6.
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Die stationäre Behandlung des Beschwerdeführers dauerte vom 31. Mai bis 24. Juli
2015 (IV-act. 61). Dieser folgte vom 6. August bis 9. November 2015 eine
tagesklinische Behandlung. Vom 4. August bis 3. Oktober 2016 erfolgte erneut eine
tagesklinische Behandlung (siehe zum Ganzen IV-act. 107-3 unten). Vor diesem
Hintergrund fällt ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers allein schon mit Blick auf
das Erfordernis einer einjährigen, ohne wesentlichen Unterbruch dauernden
Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40 % (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG)
ausser Betracht. Abgesehen davon resultiert bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
bezogen auf die angestammte Tätigkeit offensichtlich kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von mindestens 40 %, weshalb die konkrete Ermittlung der
Vergleichseinkommen (Art. 16 ATSG) offenbleiben kann.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
4.2.
bis
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird
vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat
keine Kostennote eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle (siehe etwa den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 30. Juli 2019, IV 2017/216, E. 4.3) eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70), womit der Staat den Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'800.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen hätte. Zu beachten ist vorliegend jedoch, dass die
4.3.
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