Decision ID: 247233f2-c21d-4c2c-815f-d155096089f4
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, meldete sich am 1
4.
April 2001
unter Hin
weis auf
Schmerzen im Handgelenk bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungsbezug
an (
Urk.
8/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom
5.
September 2002 bei einem
Invalidi
tätsgrad
von 100
%
eine ganze Rente ab Februar 2001 zu (Urk. 8/33).
Am 2
1.
Juni 2005 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert (
Urk.
8/53).
1.2
Nach Eingang eines am
3.
Juni 2009 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 8/68) holte die IV-Stelle unter anderem ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, das am 2
3.
November 2010 (
Urk.
8/94) und 2
7.
Januar 2011 (
Urk.
8/96)
erstattet und am
7.
Februar 2012 durch ein Verlaufsgutachten (
Urk.
8/138) ergänzt wurde.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/144,
Urk.
8/146,
Urk.
8/158
)
setzte
die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
6.
Januar 2013 die bisherige ganze auf
eine
Dreiviertelsr
ente
her
ab (Urk.
8/164 +
Urk.
8/163
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
1
4.
Februar 2013
Beschwerde
(Urk. 1)
gegen die Ver
fügung vom
1
6.
Januar 2013
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr weiterhin eine ganze Rente zuzusprechen
(
S. 2 oben
Ziff.
1
)
, und es seien ihr entstandene Abklärungskosten zu vergüten (S. 2 oben
Ziff.
2)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
5.
April 2013
(
Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1
7.
Mai 2013
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2 Verfü
gungsteil 2) davon aus, in somatischer Hinsicht lägen Normalbefunde ohne wesentliche Funktionseinschränkungen vor (S. 2 unten), aus psychiatrischer Sicht sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
in allen Tätigkeiten auszuge
hen; die Kosten für von der Beschwerdeführerin veranlasste Abklärungen wür
den nicht übernommen (S. 3 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt, es seien keine revisionsrelevanten Änderungen eingetreten (S. 5
Ziff.
7), die rheumatologische Gutachterin sei befangen (S. 5 ff.
Ziff.
7.1) und das von ihr erstattete Gutachten leide an - näher genannten - inhaltlichen
Mängeln (S. 7 ff.
Ziff.
7.2). Auch das psychiatrische Gutachten sei mangelhaft (S. 9
Ziff.
7.3). Die Kosten der von ihr eingeholten ärztlichen Berichte seien, da diese
entscheidwesentlich
seien, von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen (S. 10
Ziff.
8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob im Vergleich zu den Verhältnissen bei der 2002 erfolgten
Rentenzusprache
eine relevante Veränderungen eingetreten ist, und auf welche medizinischen Beurteilungen abgestellt werden kann.
3.
3.1
Am
2
9.
Februar (
Urk.
8/15/16) oder
1.
März
(
Urk.
8/15/17)
2000 erlitt die Beschwerdeführerin ein Kontusions-/Rotationstrauma der linken Hand (
Urk.
8/15/12-15).
Dr.
med.
Y._
, Chirurgie FMH, speziell Handchirurgie, berichtete am 1
1.
Juli 2001 über seine am Vortag erfolgte Untersuchung (
Urk.
8/15/2-4). Er nannte folgende Diagnosen (S. 2 Mitte):
complex
regional
pain
syndrome
(CRPS) Typ II (neurodystrophe
Schmerz
entwicklung
, veralteter Begriff: Kausalgie, Zustand nach Kon
tusion peripherer
Ulnarisäste
Handgelenk links)
Status nach zentraler Läsion des
trianguläre
n
fibrokartilaginäre
n
Kom
plex
es (TFCC)
und Läsion im Bereich des Meniskushomologes links, reaktive
Synovialitis
radiocarpal
und
ulnocarpal
Ulnaminusvariante
beidseits symmetrisch (asymptomatisch)
Er führte aus, die heutige Problematik liege in der als CRPS Typ II bezeichneten Schmerzentwicklung (S. 2 unten) und empfahl eine Konzentration auf eine spe
zifische Schmerztherapie (S. 3 oben).
3.2
In seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
0.
April 2002 (
Urk.
8/21) nannte
Dr.
Y._
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
lit
. A):
Status nach Kontusion und Quetschung des linken Handgelenkes mit
Teil
verletzung
des
Discus
articularis
links
posttraumatisches Komplex Regional
Pain
Syndrom
Typ II (Kausalgie) aus
gehend von peripheren Läsionen im
Ulnarisbereich
.
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit 2
8.
Februar 2000 (
lit
. B).
3.3
Gestützt auf den Bericht von
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.2) legte die Sachbear
beitung der Beschwerdegegnerin
am 2
3.
Juli 2002
einen I
nvaliditätsgrad von 100
%
fest (
Urk.
8/24).
3.4
Am
7.
Mai 2004 wurde die Beschwerdeführerin in der
Z._
rheu
matologisch untersucht, worüber gleichentags berichtet wurde (
Urk.
8/50/2-5). Dabei wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1):
myofasziales
Schmerzsyndrom Schultergürtel linksbetont bei / mit
muskulärer
Dysbalance
Verdacht auf CRPS Typ II Arm / Schulter links
Status nach Handgelenkseinklemmung Februar 2000 mit TFCC-Läsion
In der Beurteilung wurde ausgeführt, die Patientin leide unter klinisch deutlich
myofaszial
betonten Beschwerden im Bereich des linken Schultergürtels, welche aufgrund einer bisherig therapieresistenten Schmerzsymptomatik des ganzen linken Arms bei Verdacht auf CRPS bei Status nach Handgelenks-Kontusion wahrscheinlich sekundär aufgetreten sei
(S. 2 unten).
3.5
In einem Bericht vom 2
9.
März 2005 (
Urk.
8/47/1-4; siehe auch
Urk.
8/47/5-9) nannte
Dr.
Y._
als Datum der letzten Kontrolle den 2
1.
Januar 2005 (
Ziff.
8) und stellte
folgende Diagnosen (
Ziff.
2):
ausgeprägtes
complex
regionales Schmerzsyndrom (CRSP Typ II), früher unter dem Begriff Kausalgie bekannt; Status nach Kontusion sensibler
Ulnarisnervenäste
Handgelenk links
Status nach zentraler TFCC-Läsion mit Läsion des Meniskus Homologes Handgelenk links
Dr.
Y._
berichtete, seit zirka Oktober 2002 sei eine massive Verschlechterung des CRPS Typ II mit Ausbreitung in die Kopf-Hals-Region, Ausbreitung in die
Pectoralis
-Gegend, Verspannungen im Schulter- und Schultergürtelbereich ein
getreten. Ferner nannte
er
zusätzliche Blockierungen im Bereich der
Halswirbel
säule
(HWS) mit Wirkung auf die Kopfbeweglichkeit und das Auftreten von Blockaden mit Therapiebedürftigkeit (
Ziff.
3).
3.6
Laut Feststellungsblatt vom 2
1.
Juni 2005 (
Urk.
8/52) stellte die
Beschwerdegeg
nerin
auf den Bericht von
Dr.
Y._
vom 2
1.
Januar
(richtig: 2
9.
März 2005; vorstehend E. 3.5) ab und bestätigte gleichentags einen unveränderten Renten
anspruch (
Urk.
8/53).
4.
4.1
Am 1
3.
August 2009 erstatteten die Ärzte der
Z._
, Rheumatologie, einen Bericht (
Urk.
8/70/7-10), den sie in einzelnen Punkten am 2
2.
September 2009
korrigierten (
Urk.
8/72).
Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
chronisch rezidivierendes
Panvertebralsyndrom
referred
pain
bis in die linke Hand
schwerer
Dekonditionierungszustand
Status nach Exazerbation der
Cervicalgien
nach
Inklinationsbewe
gung
Oktober 2007
aktuell: segmentale Dysfunktion
suboccipital
und am
cervico
-
thora
kalen Übergang
Differentialdiagnose (DD):
Fibromyalgie
bei 18/18
Fibromyalgiepunk
ten
positiv, 2/6 Kontrollpunkte positiv
Status nach Handgelenks-Kontusion links Februar 2000 mit Diskusläsion
Verdacht auf
complex
regional
pain
syndrome
Stadium II mit
Schul
ter
armsyndrom
links (DD:
Panvertebralsyndrom
)
Depression
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin sei bei ihnen erstmals am
7.
Mai 2004 und letztmals am 2
0.
Juli 2009
behandelt worden (
Ziff.
1.2).
Zur Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Bäckerin führten sie aus, seit
Zusprache
einer ganzen IV-Rente seien keine Arbeitsunfähigkeiten mehr attestiert worden (
Ziff.
1.6).
Diese Arbeit betreffend bestehe eine deutliche Einschränkung; die Arbeitsunfähigkeit betrage 75
%
(
Urk.
8/72 S. 1
Ziff.
1.7).
Aktuell bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 25
%
für eine leichte, wechselbe
lastende Tätigkeit
. Für eine leichte Tätigkeit mit maximalem nicht repetitiven Heben von 7.5 kg und Arbeiten mit der dominanten Hand maximal für 6 Stun
den sähen sie die Arbeitsfähigkeit als gegeben an (S. 2
Ziff.
1.11
lit
. b).
4.2
Am
9.
September 2009 berichtete Prof.
Dr.
med.
A._
, Leitender Arzt Schmerz-/Gutachtenszentrum,
Z._
, über die gleichentags erfolgte Konsultation (
Urk.
8/75/2-3
=
Urk.
8/94/104-105
) und führte aus, die Patientin habe sich spontan gemeldet (S. 1 Mitte). Zusammenfassend führte er aus, es bestehe offensichtlich eine schwere Depression, multifaktoriell, insbesondere aufgrund der mannigfachen Belastungen. Er rate der Patientin zur Einnahme von Psychopharmaka, was sie auch akzeptiere (S. 2 Mitte).
4.3
Am 2
9.
März 2010 erstattete
Dr.
med.
B._
, Leitender Arzt, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation,
C._
, ein Gutachten im Auf
trag des Unfallversicherers
(
Urk.
8/87/11-60)
.
Der Gutachter
nannte folg
e
nde
Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähig
keit
(S.
42
Ziff.
4.2
):
Schmerzsyndrom des linken oberen Quadranten
bei Status nach Unfall (linke Hand zwischen zwei Blechwagen in Back
stube eingeklemmt) am 2
9.
Februar 2000
bei Status nach Operation am linken Handgelenk am 2
1.
Juni 2000
mit Entwicklung einer
myofaszialen
Schmerzproblematik im linkssei
tigen Schultergürtel und Nacken linksseitig
Aus streng rheumatologischer Sicht seien aufgrund der Schmerzauslösung be
lastende Tätigkeiten mit der linken oberen Extremität überhaupt nicht auszu
führen (S. 37 unten). Für übrige Tätigkeiten bestehe aus rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 38 oben).
Für eine Tätigkeit ohne Einsatz der linken oberen Extremität bestehe aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung (S. 46
Ziff.
7.3)
.
Bezüglich CRPS II (Kausalgie) ergäben
sich nur noch
geringgradige
Hinweise. Dazu gehöre die Schmerzauslösung bei Bewegung des linken Handgelenks (S.
40
Ziff.
3.3).
4.4
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für
Psyc
hiatrie und Psychotherapie
, führte i
n ihrem Bericht vom
9.
April 2010 (
Urk.
8/79) aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit dem
8.
Januar 2010 (
Ziff.
1.2) und nannte folgende Diag
nosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
mittelgradige depressive Episode ohne Remission, ICD-10 F32.1
Persönlichkeitsveränderung als Folge der andauernden
Schmerzbelas
tung
, ICD-10 F62.0
Sie attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
- wovon 50
%
aus psychiatri
scher Sicht - seit dem 2
1.
Juni 2000 (
Ziff.
1.6).
Die Beschwerdeführerin könne Arbeiten nicht zuverlässig und nicht innert nütz
licher Frist bewältigen; es sei keine Erwerbstätigkeit möglich (
Ziff.
1.7).
4.
5
Ab
7.
Juni 2010 (
Urk.
8/105) wurde die Beschwerdeführerin in der
Z._
wegen
exazerbierter
Schulter-/Armschmerzen, im Verlauf als chronisches Schulter-Armsyndrom diagnostiziert behandelt (
Urk.
8/105-114), dies bis jeden
falls
6.
April 2011 (
Urk.
8/115).
4.
6
Am 17./1
8.
November 2010 fand eine Evaluation der funktionellen Leistungsfä
higkeit (EFL) statt, worüber am 2
4.
November 2010 berichtet wurde (
Urk.
8/92). Als arbeitsrelevantes Problem wurden generalisierte Schmerzen festgehalten (S.
1 Mitte). Die Leistungsbereitschaft sei gut, die Konsistenz mässig, das Schmerzverhalten und die Beschreibung von Schmerz und Einschränkungen sei schlecht. Diese Zeichen wiesen auf eine Schmerzverarbeitungsstörung bezie
hungsweise Symptomausweitung. Die beobachtete Leistungsfähigkeit entspreche einer leichten bis mittelschweren Arbeit (S. 1). Die
Gewichtslimite
wurde mit 12.5 kg angegeben (S. 2 oben).
4.
7
Am 2
3.
November 2010 erstattete
Dr.
med.
E._
, Innere Medizin FMH, speziell Rheumaerkrankungen, ein Gutachten im Auftrag der
Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
8/94/2-96). Sie stützte sich auf die ihr überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben der Beschwerdeführerin (S. 79 f.) und die von ihr am
8.
November 2010 erhobenen Befunde (S. 80 ff.).
Die Gutachterin nannte folgende rheumatologische Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 87
Ziff.
7.1)
:
Status nach Einklemmung der linken Hand bei der Arbeit am 2
9.
Februar 2000 mit
Feststellung einer TFCC-Läsion
arthroskopischer
Behandlung am 2
1.
Juni 2000
wahrscheinlich Auftreten eines CRPS Typ II, das jetzt klinisch und
bild
gebend
nicht mehr nachweisbar
ist mit
normaler Röntgenuntersuchung beider Hände (Februar 2010)
vier weitgehend symmetrischen Armumfängen bei Rechtshändig
keit
Zur Arbeitsfähigkeit führte die Gutachterin aus, 1998 habe die Beschwerdefüh
rerin einen Kurs als Tagesmutter absolviert und sei anschliessend als Tages
mutter tätig gewesen; 1999 habe sie während der Ferien als Reinigungsaushilfe gearbeitet. Am
1.
Dezember 1999 habe sie die Arbeit als Bäckerin aufgenommen und nach dem Unfall vom 2
9.
Februar 2000 habe sie von zirka 1
5.
März bis am
5.
Juni 2000 die Arbeit wieder aufgenommen. An diesem Tag sei sie wegen Ekzemen an beiden Armen zu 100
%
arbeitsunfähig eingestuft worden. Sie wohne zusammen mit ihrem Ehemann und drei Kindern (Jahrgang 1995, 1998 und 2005) in einem eigenen Einfamilienhaus.
In der angestammten Tätigkeit als Bäckerin könnten Teilbereiche auftreten, wel
che die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin überforderten; diese Tätigkeit könne sie
nicht mehr ausüben. Die angestammte Tätigkeit als Tagesmutter und Putzfrau könne die Explorandin uneingeschränkt zu 100
%
ausüben (S. 89
Ziff.
9.1).
Die Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten betrage 100
%
(S. 90
Ziff.
9.3).
Gemäss den Angaben der behandelnden Rheumatologin sei es im Oktober 2007 gegenüber Mai 2004
zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden gekom
men. Jetzt sei kein CRPS mehr vorhanden. Die Beweglichkeit des linken Hand
gelenks habe sich gegenüber den Voruntersuchungen deutlich gebessert. Die Armumfänge hätten sich gegenüber den Befunden von Oktober 2002 weit
gehend normalisiert. Im Vergleich zur EFL im Juni 2003 habe sich die Leis
tungsfähigkeit jetzt deutlich gebessert (S. 93
Ziff.
11).
4.
8
Am 2
7.
Januar 2011 erstatte
Dr.
med.
F._
, Psychiatrie und Psychothe
rapie FMH, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/96/1-11). Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben der Beschwerdeführerin (S.5 ff.) und die von ihm am 1
6.
November 2010 erhobenen Befunde (S. 8).
Der Gutachter nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt, ICD-10 F43.22 (S.
9
Ziff.
5.1), und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anamnestisch und aktenmässig rezidivierende depressive Störung, falls vorhan
den remittiert seit mindestens 2005, ICD-10 F33.4 (S. 9
Ziff.
5.2). Die Arbeits
fähigkeit bezifferte er mit 100
%
(S. 10
Ziff.
7.1).
4.9
Ebenfalls am 2
7.
Januar 2011 erstatteten
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.5) und
Dr.
F._
(vorstehend E. 4.6) eine interdisziplinäre Zusammenfassung und Beurteilung (
Urk.
8/96 S. 12 ff.).
Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie die in den Teilgutachten gestellten Diagnosen (S. 12
Ziff.
9.1.1)
, die Arbeitsfähigkeit als Tagesmutter und Putzfrau sowie in - näher umschriebenen - adaptierten Tätig
keiten bezifferten sie mit 100
%
(S. 12
Ziff.
9.2).
4.
10
Am 2
7.
Mai 2011 erstattete
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.
1
) zuhanden des Rechts
vertreters der Beschwerdeführerin eine
second
opinion
(
Urk.
8/119). Er stützte sich auf die von ihm genannten Akten und eine Untersuchung der Beschwer
deführer
in
am 2
3.
Mai 2011 (S. 3
Ziff.
1).
Er führte aus, die heutigen Untersuchungen belegten unbestritten weiterhin das Vorliegen eines CRPS. Seit seiner Erstuntersuchung am 1
0.
Juli 2001 sei es nachweislich zu einer markanten Ausbreitung und Intensivierung dieses Syn
droms an der linken oberen Extremität gekommen (S. 10
Ziff.
7.1).
Die von der Gutachterin angegebene Begründung, weshalb kein CRPS mehr bestehe, basiere noch auf alten Kriterien und Definitionen; ihre Argumente seien - aus näher dargelegten Gründen - nicht stichhaltig (S. 14 ff.
Ziff.
7.3).
4.11
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.
4
)
beantwortete am
6.
Juni 2011
Fragen des Rechts
vertreters der Beschwerdeführerin
(
Urk.
8/122)
. Sie führte aus, von Januar bis August 2010 hätten 2-3 und seither 1-2 Behandlungen pro Monat statt
gefunden (S. 1
Ziff.
1).
Die Untersuchungen durch den psychiatrischen Gutachter erachtete sie als voll
ständig (S. 1
Ziff.
2), allerdings sei der Bericht von Prof.
A._
(vgl. vorste
hend E. 4.2) nicht berücksichtigt (S. 1 f.
Ziff.
3).
Aufgrund des Krankheitsverlaufes seit 2001, der angegebenen Beschwerden und
der von ihr erhobenen Untersuchungsbefunde teile sie die im Gutachten ge
stellte Diagnose nicht; zu stellen seien ihres Erachtens folgende Diagnosen (S. 3 oben):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, ICD-10 F33.1
Persönlichkeitsveränderung als Folge der andauernden
Schmerzbelas
tung
, ICD-10 F62.0
Nach ihrer Einschätzung sei die Patientin aufgrund der zurzeit bestehenden de
pressiven Symptomatik nicht zu 100
%
arbeits- und leistungsfähig (S. 3
Ziff.
6).
4.12
Die
Gutachterin
Dr.
E._
erstattete am
7.
Juli 2011
eine Stellungnahme
(
Urk.
8/128/1-4)
. Unter anderem wies sie darauf hin, dass der Oberarmumfang rechts seit August 2002 gleich geblieben sei, links hingegen um 1.5 cm zuge
nommen habe; das könne nur durch den vermehrten Gebrauch des linken Ar
mes erklärt werden (S. 2
Mitte).
Die Behandlung eines CRPS II sei eine typische Aufgabe der Rheumatologen. Sie habe ihre Beurteilung anhand anerkannter Referenzen vorgenommen; die für ein CRPS geforderten Symptome seien bei der Beschwerdeführerin nicht vorhanden (S. 3 oben).
Dr.
Y._
(vorstehend E. 4.9) nehme die Ergebnisse der EFL nicht zur Kenntnis; da er die Explorandin beurteile, wie wenn keine Symptomausweitung und mässige Testkonsistenz vorhanden wären, seien seine Schlussfolgerungen falsch (S. 3 unten).
4.13
Am
7.
Februar 2012 erstattete
Dr.
F._
(vorstehend E. 4.7) ein
Verlaufsgut
achten
(
Urk.
8/138)
.
Unter Berücksichtigung der Berichte von Prof.
A._
(vorstehend E. 4.
2) und
Dr.
D._
(E. 4.3) nannte er nun als Diagnose mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen, ICD-10 F33.01/11 (S. 8
Ziff.
5.1).
Die Arbeitsfähigkeit bezifferte er mit 50
%
in der angestammten und in
einer
adaptierten Tätigkeit (S. 9
Ziff.
7.1 und 7.3). Als nicht geeignet bezeichnete er Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die Konzentration wie beispiels
weise Fliessbandarbeit, solche mit sehr hohen Anforderungen an die psychische Belastbarkeit wie beispielsweise Arbeiten unter vielen äusseren Reizen, insbe
sondere Lärm, solche mit sehr hohen Anforderungen an die geistige Flexibilität
und Schnelligk
eit wie beispielsweise Arbeiten mit
sehr häufigem Wechsel der Arbeitsabläufe, und Nachtarbeiten (S. 9
Ziff.
7.4).
4.14
Dr.
Y._
äusserte sich am
9.
Mai 2012
abermals zur Frage eines allfälligen CRPS II
und dazu, inwiefern seines Erachtens dafür die Publikationen der Internatio
nal
Association
for
the
Study
of
Pain
(IASP) massgeblich seien
(
Urk.
8/147/1-4)
.
Dr.
E._
hielt dem am
2
8.
Juli 2012
entgegen, die von ihr verwendete medizi
nische Referenz sei tagesaktuell vollständig und gänzlich unabhängig von den Pharmafirmen, was leider beides bei den Publikationen der IASP nicht der Fall sei
(
Urk.
8/156
/1-2
S. 2
Ziff.
3
)
.
4.15
Dr.
med.
G._
, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, beratender Arzt des Unfallversicherers, erstattete am
1
9.
November 2012
eine
Aktenbeur
teilung
(
Urk.
8/160/2-5)
.
Er wies darauf hin, dass sich rheumatologische und neurologische Folgestörungen von Unfällen grundsätzlich durch eine
Spontan
besserung
im Verlaufe der Zeit auszeichneten. Dies sei typischerweise auch bei einem CRPS der Fall, so dass nur in wenigen sehr schweren Fällen von CRPS über Jahre die gleiche und intensive Symptomatik bestehen bleibe (S. 1 Mitte).
Die überwiegende Anzahl von nachbehandelten Fällen von CRPS gerate in die Hand von Rheumatologen, Reha-Fachärzten und eventuell von Neurologen. Handchirurgen legten in der Regel nach getaner Arbeit und nach Feststellung der Diagnose ihre Arbeit nieder und zeichneten selten für eine
Verlaufseinschät
zung
bei CRP-Fällen verantwortlich
(S. 2 oben).
Aufgrund der Feststellung im Gutachten von
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.3) hät
ten Anfang Februar 2010 praktisch keine für ein klinisch relevantes CRPS erforderliche Symptome mehr vorgelegen (S. 1 unten).
Von den - einzeln genannten - typischen Zeichen eines CRPS sei im Gutachten von
Dr.
B._
nicht die Rede. Einzige Einschränkung seien nach seiner aus
führlichen Untersuchung eine leicht eingeschränkte Handgelenksflexion links und eine verminderte Faustschlusskraft links bei übrigen unauffälligen Befun
den einschliesslich der peripher-neurologischen und Koordination. Es fehlten also verbleibende strukturelle Hinweise für ein CRPS im Bereich
der
linken oberen Extremität (S. 2 Mitte).
Aus den im Gutachten von
Dr.
B._
geschilderten Angaben der Versicherten gehe hervor, dass eine Symptomausweitung erkenntlich geworden sei (S. 2 unten).
5
.
5
.1
Die Beschwerdeführerin stellte sich auf den Standpunkt, die rheumatologische Gutachterin
Dr.
E._
sei aus einem bestimmten Grund befangen (
Urk.
1 S.
5 ff.
Ziff.
7.1). Damit hat es folgende Bewandtnis:
Am
9.
Oktober 2010 wandte sich die nachmalige Gutachterin
Dr.
E._
an die Beschwerdegegnerin, wies darauf hin, dass in einem am 2
2.
September 2009 erstatteten Arztbericht eine EFL als erforderlich bezeichnet worden sei, und empfahl der Beschwerdegegnerin, um bessere Karten in einer eventuell folgen
den rechtlichen Beurteilung zu haben, eine EFL zu bewilligen (
Urk.
8/86).
Ein Erfordernis, dem medizinische Gutachten zu genügen haben, ist, dass sie für die streitigen Belange umfassend sind (vorstehend E. 1.2). Die Gutachterin war demnach im Sinne der Qualitätssicherung tätig, als sie die Beschwerdegegnerin darauf hinwies, dass im konkreten Fall zu einer hinreichenden Abklärung auch eine EFL gehören dürfte.
Ihr Bestreben, das Gutachten so zu verfassen, dass es den Qualitätsanforderungen der Rechtsprechung - die insbesondere bei einer allfälligen gerichtlichen Überprüfung im Streitfall zum Zuge kommen - genügen kann, ist ein Indiz einer korrekten Auftragserfüllung.
Dies in einen Befangenheitsgrund umdeuten zu wollen, ist abwegig.
5
.
2
Sodann machte die Beschwerdeführerin geltend, das Gutachten von
Dr.
E._
sei auch inhaltlich mangelhaft, denn - so die Beurteilung durch
Dr.
Y._
- es bestehe nach wie vor ein CRPS, was sie nicht berücksichtigt habe.
Die Stellungnahmen von
Dr.
Y._
lassen erkennen, dass er - als Handchirurg - die vor einiger Zeit erfolgte terminologische und wohl auch konzeptuelle Ent
wicklung von Morbus
Sudeck
/ Kausalgie über
Algodystrophie
hin zur aktuell gebräuchlichen Diagnose CRPS registriert hat und darauf Wert zu legen scheint, dies auch zu erläutern.
Al
lein
e deshalb ist er
allerdings
zur Beurteilung eines allfälligen CRPS
nicht
berufener als die Fachärzte der Rheumatologie, bei denen die Behandlung von CRPS zum klinischen Alltag gehört. Sowohl
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.3) als auch
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.7) haben mit entspre
chender Begründung festgehalten, dass sie kein CRPS feststellen konnten. Sie haben die massgebenden Kriterien, die praktisch allesamt nicht erfüllt waren, einzeln dargelegt. Darauf hat
Dr.
Y._
nicht substantiell Bezug genommen, son
dern lediglich - dafür aber mit Nachdruck - darauf Wert gelegt, es seien die Publikationen der IASP und keine anderen relevant.
Mit
Dr.
G._
(vorstehend E. 4.15) ist deshalb der Sachverhalt in diesem Punkte als dahingehend erstellt festzuhalten, dass im massgebenden Zeitpunkt kein CRPS nachzuweisen war
.
Sodann ist ein weiteres Eingehen auf das rechthaberisch anmutende Insistieren von
Dr.
Y._
auch insofern müssig, als nicht die genaue Diagnose
anspruchsre
levant
ist, sondern deren allfällige Auswirkungen auf das Leistungsvermögen
.
Dazu finden sich in den Stellungnahmen von
Dr.
Y._
keine Ausführungen, die Anlass gäben, vom Gutachten abzuweichen.
Die Beurteilung durch
Dr.
Y._
ist
somit
nicht
entscheidwesentlich
, weil sie mate
riell nicht zu überzeugen vermag und weil sie sich auf einen Aspekt be
schränkt, der nicht abschliessend anspruchsrelevant ist.
Dementsprechend ist ausgeschlossen, der Beschwerdegegnerin die Kosten für die von ihr nicht veranlassten Bemühungen aufzuerlegen. Diesbezüglich ist die Be
schwerde abzuweisen.
5.3
Die Kritik der Beschwerdeführerin - weitestgehend unter Hinweis auf die Aus
führungen von
Dr.
Y._
- an den beiden Gutachten vermag nicht zu überzeu
gen.
Es ist im Gegenteil festzuhalten, dass das im November 2010 von
Dr.
E._
erstattete Gutachten (vorstehend E. 4.7) wie auch das von
Dr.
F._
im Feb
ruar 2012 erstattete Verlaufsgutachten (vorstehend E. 4.13) den
rechtspre
chungsgemässen
Kriterien (vorstehend E. 1.2) genügt, so dass darauf abgestellt werden kann.
Der Sachverhalt ist mithin dahingehend erstellt, dass aus rheumatologischer Sicht für angepasste Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit und aus psychiatri
scher Sicht eine solche von 50
%
besteht.
5.4
Damit ist im Vergleich zu den Verhältnissen im Zeitpunkt der letzten
rechts
genüglichen
Anspruchsprüfung - vorliegend identisch mit der ursprünglichen
Leistungszusprache
- eine anspruchsrelevante Sachverhaltsänderung ausgewie
sen, womit die revisionsweise Anpassung der Leistung (vorstehend E. 1.1) zu
lässig und geboten ist.
5.5
Die Invaliditätsbemessung, welcher die Beschwerdegegnerin die genannten ärzt
lichen Beurteilungen (vorstehend E. 5.3) zugrunde gelegt hat, wurde von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt und gibt nach Lage der Akten (vgl.
Urk.
8/141) zu keinen Beanstandungen Anlass.
Somit ist erstellt, dass der Invaliditätsgrad noch 60
%
beträgt, womit die Be
schwerdeführerin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat.
Die angefochtene Verfügung erweist sich
demnach
als zutreffend, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IV
G) sind ermessensweise auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.