Decision ID: 422474ce-dece-4ad8-92bd-c12194dbff6d
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Testamentseröffnung / Wiedererwägung
im Nachlass von E._, geboren am tt. September 1934, von F._ und G._, gestorben am tt.mm.2021, wohnhaft gewesen in H._,
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Meilen vom 18. Februar 2022 (EL210501/EM220041)
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Rechtsbegehren: (sinngemäss)
Es sei das Urteil vom 5. Januar 2022 in Wiedererwägung zu ziehen.
Urteil des Einzelgerichtes: (act. 16 [Aktenexemplar])
1. Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils vom 5. Januar 2022 wird wie folgt in Wiedererwägung
gezogen:
"2. Den gesetzlichen Erben gemäss Ziffer II. lit. aa), ab) und b) der  wird auf Verlangen die auf sie lautende Erbbescheinigung ausgestellt, sofern
ihre Berechtigung nicht innert Monatsfrist ab Zustellung dieses Urteils von einem
gesetzlichen Erben oder einem aus einer früheren Verfügung Bedachten durch
schriftliche Eingabe an das Einzelgericht ausdrücklich bestritten wird.
Bis heute eingegangene Erbscheinbestellungen gelten als vorgemerkt. Die Ausstel-
lung einer Erbbescheinigung erfolgt in jedem Fall erst nach Ablauf der vorgenann-
ten Frist. Eine Abkürzung derselben ist nicht möglich."
2. Sämtliche übrigen Anordnungen des Urteils vom 5. Februar 2022 bleiben in Kraft.
3. Das Gesuch von A._, I._-strasse ..., J._, um Ausstellung der Erbbe-
scheinigung wird abgewiesen (Geschäfts-Nr. EM220041-G).
4. Die Kosten für diesen Berichtigungsentscheid fallen ausser Ansatz.
5./6. (Mitteilung / Rechtsmittel).
Berufungsanträge:
der Berufungsklägerin (act. 17):
Das Gesuch um Ausstellung der Erbbescheinigung für die  und für die übrigen gesetzlichen Erben sei gutzuheissen.
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Erwägungen:
1. Sachverhalt und Prozessgeschichte
1.1 Am tt.mm.2021 verstarb E._ (nachfolgend: Erblasserin), zuletzt wohn-
haft gewesen in H._. Sie hinterliess als gesetzliche Erben Nichten und Nef-
fen sowie deren Nachkommen resp. die Kinder und Enkel ihres im Jahr 2009 vor-
verstorbenen einzigen Geschwisters K._. Aus der Verbindung von K._
und seiner ersten Ehefrau ist ein Sohn hervorgegangen: L._. Dieser war im
Jahr 2008 verstorben und hatte seinerseits zwei Kinder hinterlassen: C._
(nachfolgend: Berufungsbeklagter 2) und D._ (nachfolgend: Berufungsbe-
klagte 3). Sodann ist aus der Verbindung von K._ und seiner zweiten Ehe-
frau ein Sohn hervorgegangen: B._ (nachfolgend: Berufungsbeklagter 1),
und aus seiner Verbindung mit seiner dritten Ehefrau ein Sohn, M._, sowie
zwei Töchter, A._ (nachfolgend: Berufungsklägerin) und N._ (vgl. act. 3,
4, 6 und 7).
1.2 Mit Urteil vom 5. Januar 2022 (act. 9 = act. 19) eröffnete die Einzelrichterin
des Bezirksgerichtes Meilen im summarischen Verfahren eine eigenhändige
letztwillige Verfügung der Erblasserin vom 20. Mai 2013 (a.a.O., letzte Seite). Sie
ermittelte die erwähnten Nichten und Neffen sowie deren Nachkommen (vgl.
soeben E. 1.1) als gesetzliche Erben (act. 9 E. I. und II.). In vorläufiger Auslegung
der eingereichten letztwilligen Verfügung kam die Vorinstanz zum Schluss, alle
gesetzlichen Erben seien erbberechtigt. Deshalb stellte sie ihnen allen eine auf
sie lautende Erbbescheinigung in Aussicht; unter dem Vorbehalt, dass ihre Be-
rechtigung nicht innert Monatsfrist von einem gesetzlichen Erben oder einem aus
einer früheren Verfügung Bedachten bestritten werde (a.a.O., E. IV. und Disposi-
tiv-Ziffer 2).
1.3 Dieses Urteil der Einzelrichterin wurde – auf ein Schreiben des Berufungs-
beklagten 1 vom 3. Februar 2022 hin (vgl. act. 11) – vom Einzelrichter des Be-
zirksgerichtes Meilen (nachfolgend: Vorinstanz) mit Urteil vom 18. Februar 2022
(act. 12 = act. 16 [Aktenexemplar] = act. 18) in Wiedererwägung gezogen. In
Wiedererwägung der vorläufigen Auslegung stellte er nur noch den Berufungsbe-
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klagten 1-3 eine auf sie lautende Erbbescheinigung unter dem erwähnten Vorbe-
halt in Aussicht (a.a.O., Dispositiv-Ziffer 1 und 2). Das Gesuch der Berufungsklä-
gerin um Ausstellung der Erbbescheinigung (vgl. Geschäfts-Nr. EM220041) wies
er ab (a.a.O., Dispositiv-Ziffer 3); Kosten setzte er keine fest (a.a.O., Dispositiv-
Ziffer 4).
1.4 Gegen dieses (Wiedererwägungs-)Urteil erhebt die Berufungsklägerin mit
Eingabe vom 3. März 2022 (Datum Poststempel) fristgerecht (vgl. act. 12 i.V.m.
act. 13/4 i.V.m. act. 17 S. 1) Berufung (act. 17).
1.5 Die vorinstanzlichen Akten wurden von Amtes wegen beigezogen (act. 1-
14). Mit Verfügung vom 30. März 2022 (act. 20) wurde von der Berufungsklägerin
ein Kostenvorschuss für das Berufungsverfahren eingeholt. Dieser ist eingegan-
gen (act. 23). Auf weitere prozessleitende Schritte wird verzichtet. Das Verfahren
ist spruchreif.
2. Prozessuales
2.1 Die Eröffnung eines Testaments – in deren Rahmen das Testament ausge-
legt wird (hier wiedererwägungsweise) – gehört zu den Angelegenheiten der frei-
willigen bzw. nichtstreitigen Gerichtsbarkeit, welche der Kanton Zürich dem Ein-
zelgericht im summarischen Verfahren zugewiesen hat (vgl. Art. 556 ZGB i.V.m.
Art. 551 Abs. 1 ZGB und Art. 54 Abs. 3 SchlT ZGB, § 24 lit. c und § 137 lit. c GOG
i.V.m. Art. 248 lit. e ZPO sowie zum Ganzen auch ZK ZPO-FELLER/ BLOCH,
3. Aufl. 2016, Art. 19 N 5 ff. m.w.H.). Gegen erstinstanzliche Summarentscheide
in vermögensrechtlichen Angelegenheiten ist die Berufung zulässig, sofern der
Streitwert mindestens Fr. 10'000.– beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Erbrechtliche
Angelegenheiten sind naturgemäss vermögensrechtlicher Art (vgl. BGE 135 III
578 ff., E. 6.3), was auch für die erbrechtlichen Sicherungsmassregeln – wie die
Testamentseröffnung – gilt (vgl. DIGGELMANN, DIKE-Komm-ZPO, 2. Aufl. 2016,
Art. 91 N 30; ENGLER/JENT, Behördliche Mitwirkung beim Erbgang – Mechanik ei-
nes «eigenartigen» Verfahrens, in: SJZ 113/2017, S. 421 ff., S. 424). Angesichts
des Wertes des letzten steuerbaren Vermögens des Erblassers (vgl. nachfolgen-
de E. 4.1) ist von der Zulässigkeit der Berufung auszugehen.
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2.2 Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und/oder unrichtige
Sachverhaltsfeststellung geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufung
ist zu begründen (Art. 311 Abs. 1 ZPO), d.h. die Berufungsklägerin hat im Einzel-
nen darzulegen, aus welchen Gründen der angefochtene Entscheid ihrer Meinung
nach falsch ist und deshalb abgeändert werden muss (Begründungslast, vgl. ZK
ZPO-REETZ/THEILER, 3. Aufl. 2016, Art. 311 N 36).
2.3 Mit ihrer Berufung wendet sich die Berufungsklägerin gegen die (wiederer-
wägungsweise) vorläufige Auslegung der eröffneten letztwilligen Verfügung bzw.
des Testamentes der Erblasserin vom 20. Mai 2013 durch die Vorinstanz. Die
Vorinstanz sah u.a. die Berufungsklägerin nicht als erbberechtigt an und stellte ihr
(wiedererwägungsweise doch) keinen Erbschein in Aussicht und wies ihr Gesuch
um Ausstellung der Erbbescheinigung (act. 14) ab. Die Berufungsklägerin ist
dadurch beschwert. Dem Eintreten auf die Berufung steht daher nichts entgegen.
3. Materielles
3.1 Die zuständige Behörde hat von Amtes wegen die zur Sicherung des Erb-
ganges nötigen Massregeln zu treffen, wozu insbesondere die Eröffnung der
letztwilligen Verfügungen gehört (vgl. Art. 551 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB). Die Tes-
tamentseröffnung gemäss Art. 557 f. ZGB bedeutet, dass die Behörde vom Inhalt
einer letztwilligen Verfügung Kenntnis nimmt und diesen den Betroffenen zur
Kenntnis gibt. Ihr Zweck ist die Information der Erben über das Vorhandensein
sowie den Inhalt des Testaments und die Einräumung einer Kontrollmöglichkeit
(vgl. BSK ZGB II-KARRER/VOGT/LEU, 6. Aufl. 2019, Art. 557 N 1 f., Art. 558 N 1).
Das eröffnende Gericht hat – im Hinblick auf die nach Art. 559 ZGB auszustellen-
de Erbbescheinigung – die gesetzlichen und allenfalls eingesetzten Erben zu er-
mitteln, zu diesem Zweck allenfalls Testamente auszulegen, aber bloss vorläufig
und unpräjudiziell für ein ordentliches Gerichtsverfahren, ferner Einsicht in öffent-
liche Register wie das Zivilstands- und das Einwohnerregister zu nehmen sowie
sich bei bereits bekannten Erben, dem Willensvollstrecker etc. zu erkundigen
(vgl. BSK ZGB II-KARRER/VOGT/LEU, 6. Aufl. 2019, Art. 557 N 7 und 11 m.w.H.).
Primär massgebend ist bei der Auslegung der Wortlaut der Testamente. Anhalts-
punkte ausserhalb der Verfügungen (Externa), wie z.B. Beziehung des Erblassers
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zu Anwärtern der Nachlasswerte, können beigezogen werden, aber nur soweit,
als dadurch eine im Text enthaltene Angabe geklärt oder erhärtet und der in ge-
setzlicher Form manifestierte Wille des Erblassers dadurch erhellt wird (vgl.
BGE 131 III 601 ff. = Pra 95 [2006] Nr. 65). Bei der Eröffnung muss das Eröff-
nungsgericht nach billigem Ermessen auf den soweit erkennbar wahren Willen
der Erblasserin abstellen (vgl. ZR 82 [1983] Nr. 66 S. 171 f.). Über die definitive
Auslegung der letztwilligen Verfügung und die damit verbundene Frage, ob einer
Person Erbenstellung zukommt oder nicht, befindet das Eröffnungsgericht nicht;
dies bleibt im Streitfall dem anzurufenden ordentlichen Zivilgericht vorbehalten
(vgl. statt vieler: OGer ZH LF130079 vom 27. Mai 2014, E. 2.1, ZR 77 [1978]
Nr. 131, ZR 82 [1983] Nr. 66 und ZR 84 [1985] Nr. 90, je m.w.H.; BSK ZGB II-
KARRER/VOGT/LEU, a.a.O., Vor Art. 551-559 N 10). Mit der Eröffnung beginnt die
absolute zehnjährige Verwirkungsfrist für die Ungültigkeitsklage (Art. 521 ZGB),
die Herabsetzungsklage (Art. 533 ZGB) und die Erbschaftsklage (Art. 600 ZGB)
zu laufen (BSK ZGB II-KARRER/VOGT/LEU, 6. Aufl. 2019, Art. 557 N 22 m.w.H.).
Da im Testamentseröffnungsverfahren somit grundsätzlich nicht über mate-
rielles Recht entschieden wird, prüft die Kammer nach ständiger Praxis im
Rechtsmittelverfahren auch lediglich, ob das Einzelgericht bei der Testamentser-
öffnung in diesem beschränkten Rahmen zutreffend vorgegangen ist (vgl. OGer
ZH LF160054 vom 29. September 2016, E. 2; LF160012 vom 10. März 2016, E.
3b; LF160062 vom 18. Oktober 2016, E. 2.3; LF130079 vom 27. Mai 2014, E.
2.1).
Dasselbe gilt auch, wenn die Testamentseröffnungsbehörde – wie hier – ih-
ren Testamentseröffnungsentscheid in Wiedererwägung zieht und entsprechende
Anordnungen aufhebt oder abändert. Eine Anordnung der freiwilligen Gerichts-
barkeit – wie namentlich das In-Aussicht-Stellen eines Erbscheins gestützt auf ei-
ne vorläufige Auslegung eines Testamentes im Rahmen der Testamentseröffnung
– kann vom Amtes wegen oder auf Antrag aufgehoben oder abgeändert werden,
wenn sich diese im Nachhinein als unrichtig erweist, es sei denn, das Gesetz oder
die Rechtssicherheit ständen entgegen (vgl. Art. 256 Abs. 2 ZPO).
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3.2 Im angefochtenen Urteil zog der Einzelrichter die Dispositiv-Ziffer 2 des Tes-
tamentseröffnungsurteils der Einzelrichterin vom 5. Januar 2022 in Wiedererwä-
gung und wies das Gesuch der Berufungsklägerin um Ausstellung der Erbbe-
scheinigung ab. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, mit Schreiben vom 3.
Januar 2022 habe der Berufungsbeklagte 1 das Gericht darauf aufmerksam ge-
macht, dass M._, die Berufungsklägerin und N._ nicht erbberechtigt
seien, da sie gemäss Testament nur den Pflichtteil erhalten sollten und für Nich-
ten und Neffen kein Pflichtteil bestehe. Die Auslegung des Testaments durch die
Einzelrichterin im Urteil vom 5. Januar 2022 sei offensichtlich falsch (vgl. act. 16
E. I./3.).
3.3 Die Berufungsklägerin macht demgegenüber im Wesentlichen geltend, die
Vorinstanz habe (wiedererwägungsweise) das eigene Urteil ohne sachliche Be-
gründung widerrufen. Sie habe das Testament der Erblasserin vom 20. Mai 2013
nicht richtig ausgelegt. Gemäss dem klaren Wortlaut in Ziffer 3 des Testamentes
seien M._ (Neffe), N._ (Nichte) und sie (die Berufungsklägerin, ebenfalls
eine Nichte) "erbberechtigt"; die Erblasserin habe sie eindeutig als Erben einge-
setzt. Die Erblasserin sei eine korrekte Person gewesen. Es widerspreche dem
Sinn und Zweck des Testamentes, dass die Erblasserin – wie die Vorinstanz mei-
ne – zuerst die Erbberechtigung anerkenne und dann mit einem juristischen
Schachzug diese Erben unter Ziffer 3 wieder zu enterben versuche. Mit dem Hin-
weis auf den Pflichtteil habe die Erblasserin sie nicht enterben wollen, sondern
ihnen einen kleineren Anteil vermachen wollen als den übrigen Erben. Die Erblas-
serin sei juristisch ungebildet gewesen und habe ihr Testament lediglich unge-
schickt und uninformiert formuliert (vgl. act. 17 S. 2).
3.4 Im Testament vom 20. Mai 2013 (vgl. act. 19 letzte Seite) hielt die Erblasse-
rin folgendes fest:
"[...] Im Falle meines Ablebens sind Erbberechtig 1. B._ Sohn v. K._
O._ -strasse ..., P._ 2. Q._ und D._
Kinder v. L._ Sohn v. K._ R._-strasse, S._
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3. Kinder von K._ (3. Ehe) nur Pflichtteil"
3.5 Es trifft zu, dass das Gesetz für Nichten und Neffen keinen Pflichtteil vor-
sieht. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist das Urteil der Eröffnungsrichterin
deswegen aber nicht offensichtlich falsch. Dennoch entspricht die wiedererwä-
gungsweise Auslegung der Vorinstanz aus folgenden Gründen nach billigem Er-
messen dem soweit erkennbar wahren Willen der Erblasserin:
Die Erblasserin zählte unter dem Titel "Im Falle meines Ablebens sind Erb-
berechtig" sämtliche gesetzlichen Erben auf. Sie übernahm damit die gesetzliche
Erbfolge. Jedoch geht aus dem Wortlaut des Testamentes auch hervor, dass sie
den Kindern aus dritter Ehe ihres Bruders nur "den Pflichtteil" zukommen lassen
wollte und diese im Übrigen – im Gegensatz zu jenen aus dessen erster und
zweiter Ehe – auch nicht mit Namen nennt. Es erscheint daher naheliegender, die
Anordnung so zu verstehen, dass sie den Kindern aus dritter Ehe ihres Bruders
nur denjenigen Anteil zukommen lassen wollte, den sie ihnen von Gesetzes we-
gen auf jeden Fall (vermeintlich) zukommen lassen muss. Die Erblasserin war of-
fensichtlich eine juristische Laiin, weil sie fälschlicherweise davon ausging, dass
das Gesetz für Nichten und Neffen einen Pflichtteil vorsieht. Mangels gesetzlich
vorgesehener Pflichtteile für Nichten und Neffen besteht aber keine Pflicht der
Erblasserin, den Kindern von K._ (3. Ehe) einen Anteil im Sinne eines "ge-
setzliches Minimums" zukommen zu lassen. Deshalb ist nach billigem Ermessen
davon auszugehen, dass es der Wille der Erblasserin war, diese
– das heisst auch die Berufungsklägerin – von der Erbfolge auszunehmen. Aus
welchen Gründen sie dies so gewollt haben könnte, spielt für diese vorläufige
Auslegung keine Rolle.
3.6 Nach dem Gesagten ist die Berufung abzuweisen und das Urteil des Einzel-
gerichtes im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Meilen vom 18. Feb-
ruar 2022 (EL210501/EM220041) zu bestätigen.
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4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1 Die in erster Instanz nicht streitige Erbschaftsangelegenheit wandelt sich in
zweiter Instanz in eine strittige vermögensrechtliche Angelegenheit (vgl. etwa
OGer ZH LF170002 vom 13. Januar 2017, E. 6 m.w.H.). Ausgangsgemäss sind
die Prozesskosten der mit ihrer Berufung unterliegenden Berufungsklägerin auf-
zuerlegen (vgl. Art. 106 Abs. 1 ZPO).
Ausgehend vom Wert des Gesamtnachlasses von Fr. 209'000.– (vgl.
act. 22) ist – unter Berücksichtigung der Umstände, dass der behauptete Erbteil
der Berufungsklägerin nicht bestimmbar ist und dass kein erheblicher gerichtlicher
Aufwand angefallen ist – die zweitinstanzliche Entscheidgebühr in Anwendung
von § 12 i.V.m. § 4 und § 8 GebV OG auf Fr. 500.– festzusetzen und der Beru-
fungsklägerin aufzuerlegen.
4.2 Partei- oder Umtriebsentschädigungen sind keine zuzusprechen: der Beru-
fungsklägerin nicht, weil sie mit ihrer Berufung unterliegt, und den Berufungsbe-
klagten 1-3 nicht, weil ihnen keine Aufwendungen entstanden sind, die zu ent-
schädigen wären.