Decision ID: b9944ff9-584c-4742-83d2-9810c8f037c1
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das damalige Bundesamt für Migration (BFM) mit Verfügung vom
7. März 2014 die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers feststellte
und ihm in der Schweiz Asyl gewährte,
dass das SEM mit Verfügung vom 21. Mai 2015 die Einreise der Ehefrau
des Beschwerdeführers, C._, in die Schweiz bewilligte,
dass die Vorinstanz in der Folge die Ehefrau mit Verfügung vom 23. Mai
2016 gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers einbezog und ihr in der Schweiz Asyl gewährte,
dass in den Jahren (...) und (...) in der Schweiz zwei Töchter des Be-
schwerdeführers und seiner Ehefrau geboren wurden, welchen gestützt
auf Art. 51 Abs. 3 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und in der
Schweiz Asyl gewährt wurde,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 14. Oktober 2021 für seine
Tochter B._, geboren am (...), welche aus einer kurzen Beziehung
mit einer Jugendfreundin hervorgegangen, jedoch während der ersten Le-
bensjahre von der jetzigen Ehefrau betreut worden sei, ein Gesuch um Fa-
miliennachzug stellte,
dass dieser Eingabe die Schweizer Aufenthaltstitel des Beschwerdeführers
und seiner Ehefrau, der Taufschein von B._, drei Fotos sowie di-
verse Unterlagen zu den finanziellen Verhältnissen des Beschwerdefüh-
rers beilagen,
dass das SEM den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 3. März 2022
aufforderte, innert Frist diverse Fragen zu beantworten und Beweismittel
einzureichen,
dass der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. März 2022 zu den ge-
stellten Fragen Stellung nahm,
dass das SEM mit Verfügung vom 19. April 2022 – eröffnet am 21. April
2022 – die Einreise von B._ in die Schweiz nicht bewilligte und das
Gesuch um Familiennachzug ablehnte,
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dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 7. Mai 2022 (Poststempel:
9. Mai 2022) beim Bundesverwaltungsgericht gegen diese Verfügung Be-
schwerde erhob und beantragte, das Familiennachzugsgesuch sei zu be-
willigen,
dass der Beschwerde – nebst der angefochtenen Verfügung – das Gesuch
um Familiennachzug vom 14. Oktober 2021, die Stellungnahme vom
10. März 2022, eine Einverständniserklärung der Ehefrau des Beschwer-
deführers vom 7. Mai 2022 sowie eine Einverständniserklärung der leibli-
chen Mutter von B._ vom 16. März 2022 (inkl. Sendungsbeleg) bei-
lagen,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 10. Mai 2022 den
Eingang der Beschwerde bestätigte,
dass der Instruktionsrichter den Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung
vom 18. Mai 2022 aufforderte, bis zum 2. Juni 2022 einen Kostenvor-
schuss von Fr. 750.– einzuzahlen, ansonsten auf die Beschwerde nicht
eingetreten werde,
dass der Beschwerdeführer den Kostenvorschuss am 30. Mai 2022 leis-
tete,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 VGG zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig ist und
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig
entscheidet (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]),
dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde (Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG)
und der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen
hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit, nachdem der Kostenvorschuss am 30. Mai 2022 innert Frist
geleistet wurde, auf die Beschwerde einzutreten ist,
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dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten,
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, vorliegend um eine solche handelt,
dass auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Beschwerdeent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG Ehegatten von Flüchtlingen und ihre
minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt werden und Asyl erhalten,
wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen,
dass, sofern die anspruchsberechtigten Personen nach Art. 51 Abs. 1
AsylG durch die Flucht getrennt wurden und sich im Ausland befinden, ihre
Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen ist (Art. 51 Abs. 4 AsylG),
dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Praxis festhält, dass das
Familienasyl insofern auf die Wiederherstellung von vorbestandenen Fa-
miliengemeinschaften zielt, als die Familiengemeinschaft "allein aufgrund
der Fluchtumstände" und somit "unfreiwillig" getrennt worden sein muss
(vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2 m.w.H.),
dass das Familienasyl weder der Aufnahme von neuen respektive von zu-
vor noch gar nicht gelebten familiären Beziehungen noch der Wiederauf-
nahme von zuvor abgebrochenen Beziehungen dient (vgl. BVGE 2012/32
E. 5.4.2 m.w.H.),
dass "besondere Umstände" zu bejahen sind, wenn aus dem Verhalten der
Familie oder einzelner Familienmitglieder geschlossen werden kann, dass
die Trennung der Familiengemeinschaft auf deren generelle Aufgabe ge-
richtet war oder ist (vgl. Urteil des BVGer E-3706/2021 vom 26. April 2022
E. 5.3),
dass Anhaltspunkte, die auf eine "freiwillige" Trennung im Sinne einer Auf-
lösung der Familiengemeinschaft hinweisen, beispielsweise ein langes Zu-
warten für die Einreichung des Familiennachzugsgesuchs (vgl. dazu BVGE
2018 VI/6 E. 5.5), die Aufnahme einer neuen Beziehung oder ein nach der
Flucht erfolgter Kontaktabbruch durch eines der Familienmitglieder ohne
sachlichen Grund sein können (vgl. Urteil des BVGer E-3706/2021 vom
26. April 2022 E. 5.3 m.w.H.),
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dass hingegen nicht von der "Freiwilligkeit" der Aufgabe der Familienge-
meinschaft im Sinne "besonderer Umstände" auszugehen ist, wenn objek-
tive, aus den Fluchtumständen resultierende Gründe für die Trennung der
Familie ersichtlich sind (vgl. Urteil des BVGer E-3706/2021 vom 26. April
2022 E. 5.3),
dass sich vorliegend für die siebeneinhalb Jahre zwischen der Asylgewäh-
rung und der Stellung des Gesuchs um Familiennachzug in den Akten kein
erkennbarer Wille des Beschwerdeführers zur schnellstmöglichen Wieder-
vereinigung mit B._ manifestiert,
dass auch nach der Einreise der Ehefrau beziehungsweise Stiefmutter in
die Schweiz und deren Einbezug in das Familienasyl mehrere Jahre bis
zur Gesucheinreichung vergingen, obwohl C._ laut Beschwerde
eine starke Bindung zu B._ habe,
dass zwar die Organisation der Ausreise eines noch jungen Kindes aus
Eritrea nicht einfach gewesen wäre,
dass jedoch zu erwarten gewesen wäre, der Beschwerdeführer hätte sich
beim SEM zumindest nach den Möglichkeiten eines Familiennachzugs er-
kundigt,
dass im Übrigen spätestens während der mehrmonatigen Grenzöffnung
zwischen Äthiopien und Eritrea in den Jahren 2018/19 eine legale Ausreise
der Tochter aus Eritrea möglich gewesen wäre,
dass sich daher der Schluss aufdrängt, der Beschwerdeführer habe lange
gar keine Familienzusammenführung angestrebt, da er die Tochter bei sei-
nen Eltern in guter Obhut gewusst habe, und die jahrelange Aufrechterhal-
tung der Trennung demnach freiwillig gewesen ist,
dass vielmehr davon auszugehen ist, der Wille zur Familienzusammenfüh-
rung sei erst mit der – nicht vorab abgesprochenen – Ausreise der Tochter
nach Äthiopien entstanden, was zusätzlich durch folgendes Vorbringen des
Beschwerdeführers in seiner Stellungnahme vom 10. März 2022 unter-
mauert wird: "(...) Wir stellten das Gesuch für B._ erst jetzt, weil
meine Tochter selbständig nach Äthiopien geflüchtet ist. Wir haben nichts
dazu beigetragen. Weil B._ minderjährig ist, ist es unsere Pflicht,
ihr zu helfen und sie in unsere Familie zu holen",
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dass nach dem Gesagten dem Einbezug in das Familienasyl nach Art. 51
Abs. 4 AsylG "besondere Umstände" nach Art. 51 Abs. 1 AsylG entgegen-
stehen, weshalb die Voraussetzungen einer asylrechtlichen Familienzu-
sammenführung nicht erfüllt sind,
dass vor diesem Hintergrund offenbleiben kann, ob vor der Flucht des Be-
schwerdeführers aus Eritrea eine gelebte Beziehung zwischen Vater und
Tochter bestand, ob die vorgebrachten regelmässigen Kontaktaufnahmen
seit der Flucht als glaubhaft zu qualifizieren sind, weshalb der Beschwer-
deführer erst im März 2022 von der im Jahre 2015 erfolgten Kontaktauf-
nahme der leiblichen Mutter zu B._ erfuhr und ob eine finanzielle
Unterstützung der Tochter angezeigt gewesen wäre,
dass das SEM demnach zu Recht die Einreise von B._ in die
Schweiz nicht bewilligte und das Gesuch um Familiennachzug ablehnte,
dass es dem Beschwerdeführer jedoch unbenommen bleibt, bei den dafür
zuständigen kantonalen Migrationsbehörden ein Gesuch um Familien-
nachzug gestützt auf Art. 44 AIG (SR 142.20) einzureichen,
dass sich aus diesen Erwägungen ergibt, dass die angefochtene Verfü-
gung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt
richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und der am
30. Mai 2022 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss zur Bezahlung
der Verfahrenskosten zu verwenden ist.
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