Decision ID: f66bab59-bb28-54b8-885a-60a784fcef71
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene
X._
, ohne Berufsausbildung, war zuletzt bis Ende Dezember 2016 als BPO IT Service
Delivery
Manager im Corporate Center der
Y._
angestellt; letzter effektiver Arbeitstag war der 3
1.
August
2016 (
Urk.
7/21;
vgl.
Urk.
7/91/29).
Nach einer Anmeldung zur Früherfassung durch die
Arbeitgeberin
im Dezember 2016 (vgl.
Urk.
7/2 ff.) meldete
er sich
am 2
5.
Januar 2017 unter Hinweis auf eine Depressio
n sowie Gelenkprobleme bei der E
idgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinisch-erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
7/13
,
Urk.
7/53
, worunter das psychiatrische Konsilium von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
7.
Novem
ber 2017
Urk.
9/53/5 ff.
)
bei. Am 2
0.
November 2017 schloss die IV-Stelle ihre Bemühungen in Sachen Arbeitsvermittlung ab (
Urk.
7/47).
Im Oktober 2018
erteilte sie dem Versicherten Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining
, zuzüglich eines Taggeldes
(
vgl. Mitteilung vom 2
5.
Oktober 2018,
Urk.
7/64
f.
).
Dieses wurde aus subjektiven Gründen
nicht angetreten
(vgl. Verlaufsprotokoll der Eingliederung
sberatu
ng,
Urk.
7/68/2;
Mitteil
ung vom 1
3.
November 2018, Urk.
7/67)
. I
m Hinblick auf die Rentenprüfung
veranlasste die IV-Stelle
das polydisziplinäre
(Allgemein
-internistisch
e Medizin/Psychiatrie/Rheumatologie)
Gutacht
en der MEDAS
A._
vom
6
.
Mai 2019 (
Urk.
7/91).
Nach
durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/95 f.) verneinte
sie mit Verfügung vom 16.
Dezember 2019 einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 3
0.
Januar 2020 Beschwerde und beantragte in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
vom 16.
Dezember 2019
eine IV-Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 70
%
. Eventualiter sei ihm eine Schadenminderungspflicht aufzuerlegen (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerde
geg
nerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Februar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am
5.
März 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Allgemeinen Teils des Sozialver
sicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditäts
fremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychia
trisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den
invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens
beei
nflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
sicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
gaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
zuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
b
en,
das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2
, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E.
4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mung
en (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE
133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden –
Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle
gung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin,
gestützt auf das MEDAS-Gutachten bestehe eine unvollständig remittierte depressive Episode. Der Beschwerdeführer nehme keine Medikamente ein, dennoch habe sich sein Zu
stand wesentlich verbessert. So sei er wieder zu 40
%
arbeitsfähig; berufliche Mass
nahmen hätten aber nicht durchgeführt werden können.
Es
bestünden noch The
rapieoptionen.
Es sei allerdings auf einen fehlenden Leidensdruck zu schliessen. Damit erreiche der Schweregrad nicht das erforderliche Ausmass. Der Schwere
grad bestimmt sich nicht mit der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit, sondern «durch Faktoren wie Diagnosen, relevante Befunde, Objektivität der Diagnosen,
Ressoursen
sowie Therapieresistenz
» (
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein, gestützt auf das MEDAS-Gutachten sei er in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit arbeitsunfähig; hinsichtlich einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 5.5 Stunden/Tag. Mithin
sei der
Invalidit
ätsgrad
mittels Einkommensvergleich
zu eruieren, was
die Beschwerdegegnerin zu Unrecht unterlassen
habe
. Alsdann gehe aus dem psy
chiatrischen Teilgutachten nicht klar
hervor, inwiefern die bisherige
Behandlung nicht lege
artis
durchgeführt worden sei.
Gem
äss dem behandelnden Psychiater
bestehe im Rahmen der Grunderkrankung
eine Medikamentenphobie
. Es handle
sich somit
um
ein krankheitsinhärentes Symptom und nicht um
fehlende
Mit
wirkungsbereitschaft. Eine psychopharmakologische Behandlung sei ihm (dem Beschwerdeführer) nicht zuzumuten. Überhaupt sei der Nutzen von Antidepres
siva nicht erwiesen. Demgegenüber gehe die Beschwerdegegnerin davon aus, dass
unter pharmakologischer Behandlung eine höhere Arbeitsfähigkeit
erreicht
werden
könnte
. Dies
sei
statistisch nicht erw
i
e
sen. Gestützt auf die gutachterliche Arbeits
fähig
keitsbeurteilung ergebe sich ein
IV-Grad von mindestens 67
%
; unter Be
rück
sichtigung eines
l
eidens
bedingten A
bzugs sogar von mehr als 70
%
.
Die
Be
schwer
degegnerin
sei
im Rahmen einer
unzulässigen juristischen Parallel
be
urtei
lung von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abgewichen. Zu
dem
sei der Beschwerdeführer weder abgemahnt
noch
sei
ihm eine
Bedenkfrist
ein
ge
räumt
worden
.
Folge dessen
sei ihm auf jed
en Fall eine Rente zuzusprechen,
als
dann
sei ihm
eine entsprechende
Bedenkfrist
anzusetzen und nach Ablauf der
selben gegebenenfalls eine Revision durchzuführen (
Urk.
1).
3.
3.1
Die angefochte
ne Verfügung vom 1
6.
Dezember 2019
(Urk. 2, vgl. Titel), welche ausschliesslich den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zum Inhalt hat, bildet den Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens und stellt eine Sachurteilsvoraussetzung dar (BGE 125 V 413 E. 1a).
Soweit der Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdefahren
eventuell
die Auferl
egung einer Schaden
minderungspflicht
beantragt,
ist
die Notwendigkeit einer solchen allenfalls in Zusammenhang der
zu prüfenden Anspruchsvoraussetzungen für eine Rente zu beurteilen
,
ist sein Eventualantrag einzig innerhalb der zu prü
fen
den Anspruchsvoraussetzungen für eine Rente zu beurteilen.
3.2
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
4
.
4
.1
Im von der Krankentaggeldversicherung veranlassten psychiatrischen Konsilium
vom 3
1.
Oktober 2017 (Untersuchungsdatum) diagnostizierte
Dr.
Z._
(1) eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig bis schwere Episode (ICD-10: F 33.1/2), (2) Panikstörung (ICD-10:
F41.0) und (3) narzisstisch akzen
tuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10
: Z73.1,
Urk.
7
/53/16).
Der Beschwerdeführer habe berichtet, er sei depressiv wegen der Kündigung durch die
Arbeitgeberin
. Er fühle sich so, als ob man eine Kerze ausgepustet hätte.
Zudem sei seine Konzentration schlecht. Da seine Mutter nicht mehr reisen könne, habe er sich eine Kamera gekauft, die er auf dem
Velohelm
montiert habe. Damit unternehme er
Fahrten mit dem E-Bike im Wald,
die
Aufnahmen schicke
er seiner Mutter. Dabei sei ihm aufgefallen, dass er das Bildbearbeitungsprogramm kaum habe erlernen können, obschon er beruflich ständig mit Applikationen zu tun gehabt habe. Er könne sich kaum mehr konzentrieren und sei nicht mehr in der Lage, simple Sachen zu erlernen. Seine Merkfähigkeit sei auch beeinträchtigt. Zu Hause in der Wohnung vergesse er, was er gerade habe tun wollen und er vergesse auch Dinge in der Wohnung, wenn er diese verlasse. Weiter habe er Angst vor Armut und davor, seine Mutter nicht mehr unterstützen zu können. Er beschäftige sich viel mit Armut in der Schweiz. Er fühle sich nicht mehr als Teil der Ge
sellschaft und gehe auch nicht mehr dorthin, wo viele Menschen seien. Er halte sich li
eber allein in der Natur auf. Es
gäbe Leute, die ihn anschauten, als sei er drittklassig. Wenn er in der Nacht schlagartig aufwache, sei er hellwach, schwitze, habe Herzklopfen und zittere am ganzen Körper. So ein «Anfall» daure Sekunden und gehe von selbst wieder weg
. Seine Stimmung sei traurig. Er sei ernst ge
wor
den, die
Gedanken kreisten ständig; immer wieder denke er daran, dass er einen neuen Job finden müsse. Er habe keine Freunde und keine Freude mehr am Leben, da er das
,
was er mit Liebe geta
n habe, nicht mehr tun könne. Es
habe ihn auch verletzt, dass sein von seinem Psychiater unterstützter Besuch bei seiner Mutter in den USA von der Versicherung nachträglich sanktioniert worden sei. Er
habe Suizidgedanken, würde sich aber
so lange nichts antun, wie sei
n
e
Mutter
lebe
.
Ausserdem sei er
zu feige
dafür
und könne das nicht
tun
. Er schäme sich für seine Situation und erlebe im Moment alles als demütigend. Sein Appetit sei unverändert, die Libido gleich null
. Er stehe aktuell um ca. 12 Uhr auf und habe keine fixe Tagesstruktur. Er koche für
s
ich
und esse ein- bis zweimal am Tag
. Manchmal schlafe er auch tagsüber 1-3 Stunden
. Er denke viel, grüble, tue nichts Produktives
, schaue fern, lese und höre Musik. Es falle ihm schwer, die Wohnung zu verlassen. Wenn es ihm aber gelinge,
gehe er spazieren oder fahre
mit dem E-Bike in den Wald.
Um ca. 3 Uhr früh gehe er ins Bett, wo er dann ca. 1 bis 4
Stunden wachliege; d
ie traurigen Gedanken hielten ihn vom Einschlafen ab
(Urk. 7
/53/
8,
Urk.
7
/53/
10
f.).
Klinisch hätten sich keine Hinweise auf Diskrepanzen, Demonstration oder Agg
ra
vation ergeben. Der Beschwerdeführer habe mit leiser Stimme gesprochen und einen deutlich depressiven Eindruck hinterlassen. Seine Stimmung sei ernst und deutlich zum depressiven Pol verschoben. Im Antrieb sei der Beschwe
rdeführer deutli
ch reduziert; im Kontakt freundlich und kooperativ. Die affektive Schwin
gungsfähigkeit und die Psychomotorik seien
reduziert,
die affektive Kontine
nz
sei
weitgehend erhalten. E
in affektiver Rapport sei gut mö
glich
(
Urk.
7
/53/12 f.)
.
Damit seien alle drei Kardinalsymptome einer depressiven Störung nach ICD-10 gegeben: eine depressive/gedrückte Stimmung, ein Interessenverlust/
A
n
hedonie
und eine erhöhte Ermüdbarkeit. Zudem bestehe eine Antriebsminderung, vermin
derte Konzentration und Aufmerksamkeit, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Scham- und Schuldgefühle, negative/pessimistische Zukunftsvorstellungen, Sui
zidgedanken und Schlafstörungen (Verlust von Tagesstruktur)
. Vor diesem Hin
tergrund und unter Berücksichtigung des klinischen Eindrucks
sowie
Ratings der Hamilton Depressionsskala (20 Punkte = mittelgradige Ausprägung
[20-26 Punkte]
) bestehe eine mittelgradige bis schwere depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung. Die Schwere der Störung werde zum Teil maskiert durch das freundliche und kooperative Auftreten des Beschwerde
führers
. Dieser sei für sämtliche Tätigkeit
en
zu 100
%
arbeits
un
fähig. Die seitens
Dr.
B._
attestierte 40%ige Arbeitsfähigkeit sei unrealistisch. Eine Optimierung der Therapie sei drin
gend angezeigt und könne im Sinne einer Schaden
min
de
rungspflicht verlangt werden
; einerseits sei die Frequenz
der durchgeführten The
rapie
unzureichend, andererseits sei eine antidepressive Pharmakotherapie zwei
fel
sfrei indiziert.
Eine solche sei aber, um keine Verschlechterung des Ge
sund
heitszustandes zu pro
vozieren, mit dem behandelnden Psychiater abzuspre
chen.
Ferner
sei eine statio
näre oder teilstationäre Therapie indiziert
(Urk.
7
/53/14
f.
).
4.2
Im polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom 1
3.
Mai 2019
diagnostizierten
die beurteilenden Fachärzte
eine d
epressive Episode (ICD-10: F32), gegenwärtig un
vollständig remittiert, vormals als mittelgradig, teilweise als mittel- bis
schwer
gradig
beschrieben, DD rezidivierende depressive Episode, DD Anpassungs
stö
rung
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/91/7).
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie folgen
de Diagnosen fest (
Urk.
7/91/8):
-
Zustand nach Alkoholmissbrauch (ICD-10: F10.1)
-
d
ysfunktionale Störungsverarbeitung (ICD-10: F54)
-
d
ysfunktionale Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73)
-
l
aterale
femorotibiale
Arthrose
-
Femoropatellar
-Arthrose rechts bei Status nach Meniskus-Operation
-
Femoropatellar
-Arthrose links
-
AC-Gelenksarthrose
-
Multietagendegeneration an der HWS mit dorsalen
Diskuspro
t
r
usio
nen
/
Herni
atio
n
auf drei Seg
mentebenen ohne
r
a
dikuläre
Komp
ression und Myelopathie
-
Hypertonie
-
Fettleber
Im
Rahmen der Anamnese habe
der Beschwerdeführer an
gegeben
, er verfüge über ei
ne Doppelbürgerschaft (Schweiz/
USA), sei in San Francisco geboren und
habe seine Kindheit in
El
Salvador
und in den USA verbracht; weil er in der Schul
e Mühe gehabt habe, sei er im Alter von vier
Jahren zu Verwandten nach
El
Salvador geschickt worden
(vgl. demgegenüber das psychiatrische Konsilium von
Dr.
Z._
vom 3
1.
Oktober 2017,
Urk.
7
/53/7, w
onach der Beschwerdeführer mit acht
Jahren gemeinsam mit seiner Schwester nach
El
Salvador verbracht worden sei, weil seine Mutter aus unbekannten Gründen fast gestorben sei
;
vgl. auch der Austrittsbericht der
C._
vom
1.
November 2018,
Urk.
7
/69/4
)
. Dort sei er von seinem Onkel geschlagen und mit einer ungeladenen Pistole bedroht worden. Diese Zeit sei sehr traumati
sierend gewesen und er habe seine
in den
USA lebende Mutter sehr vermisst.
Danach sei
d
er
Beschwerdeführer
wieder zu seiner Mutter in die USA.
Nach der
Highs
choo
l
habe
er
keine Berufsausbildung absol
viert. Mit 14 Jahren habe er angefangen zu arbeiten; zunächst e
infachere Com
puterreparaturen, später
als Helpdesk-Supervisor bei
D._
(Cal/USA), als PC-Techniker bei
E._
(
F._
), als Systemadministrator bei
G._
(
H._
),
als Site Administrator bei der
I._
, als IT-Spezialist bei der
J._
AG sowie
als Netzwerkad
ministrator, IT Request-Manager
,
BPO IT Service
Delivery
Manager
und schliesslich Head
of
Application
Management im Corporate-Center
der
Y._
.
Mithin habe er sich in der IT-Branc
he von
einfachen
Computer
r
eparaturen
zum IT-Ingenieur und Netzwerk-Spezialisten hochgearbeitet. Von ca. 1989 bis 1996 sei er mit einer Schweizerin, die er in den USA kennengelernt habe, verheiratet gewesen.
Auf
grund
der Scheidung sei es zu einem weiteren depressiven Schub gekommen. Der dritte bis heute anhaltende depressive Schub stehe im Zusammenhang
mit
der Kündigung der le
tzten Arbeitsstelle; die
Arbeitgeber
in habe ihm die Stelle
aus
Rationalisierungsgr
ünden
im Mai 2016
per 3
0.
April 2017
(
Urk.
7
/91/26, vgl.
auc
h Austrittsbericht des Sanatoriums
K._
vom 2
8.
März 2017,
Urk.
7
/2
7
/1; vgl.
demgegenüber
Urk.
7
/91/29, wonach die Kündigung per 3
1.
Dezember
2016 erfolgt sei)
gekündigt.
Das
Umplatzierungsangebot
habe er nicht annehmen können
. Seither sei er arbeitslos und fühle sich nicht mehr
befähigt
, sich beruflich zu
reintegrieren
. Er habe nach der Kündigung auch keine neue Stelle finden können. Dies obschon er 400 Bewerbungen verfasst habe. Wegen seines Alters habe er grosse Bedenken, im IT-Bereich wi
eder Anschluss finden zu können. E
r habe bereits während seiner
ehemaligen
Tätigkeit beobachtet, dass die Mitarbeiter immer jünger würden. Das Belastbarkeitstraining habe er abgesagt, weil er sich dazu nicht im Stande gefühlt habe.
Dies
i
nsbesondere wegen der für ihn nicht erträgliche
n Knie- und Fussabrollschmerzen
(Urk.
7
/91/26 ff.).
In
allgemeinmedizinischer Hinsicht
habe der Beschwerd
ef
ührer Gelenksprobleme (Schulter, Fuss, Ellbogen, Knie) berichtet.
Die seit der Jugendzeit vorbestehenden Knieschmerzen hätten sich im Rah
men der Kündigung ausgeweitet; d
ie Schulter- Ellbogen
-
und Fussbeschwerden seien später dazugekommen
. Die Knie schmerz
ten bei Belastung und seien eigentlich immer geschwollen. Es bestehe dies
be
züglich eine Langzeitphysiotherapie
(
Urk.
7/91/26
,
Urk.
7/91/34
)
.
Klinisch
habe
sich ein etwas breitbeinig-schwerfällig
es
Gangbild mi
t leichtem Hinken rechts gezeigt; i
m rechten Knie
zudem
eine mediale Narbe nach anamnestischer
Menis
kektomie
, eine «tanzende» Patella und ein deutlicher Patella-Schiebeschmerz.
Bildgebend
sei
eine fortgeschrittene
Valgusgonarthrose
im linken Knie sowie beidseitige AC-Gelenkarthrose in den Schultern
ausgewiesen
. Die G
e
l
enkbe
schwerden seien in der
Klinik
L._
abgeklärt und
dem degenerativen F
ormenkreis zugesc
hrieben worden
(
Urk.
7/91/31 ff.,
Urk.
7/91/35 f.).
Im Rahmen der
psychiatrischen Exploration habe
der Beschwerd
ef
ührer
an
ge
geben
, am meisten bedrücke ihn die Zukunft. Er wisse n
icht, was aus ihm werde
, ob er auf dem Arbeitsm
arkt noch gefragt sei und
seiner Mutter weiterhin Geld schicken könne. Er sei wenig belastbar u
nd schnell erschöpft. M
anchmal
finde er
gar keinen Sinn mehr im Ganzen und denke «an das Ende»
.
Angefangen habe
es
beim Verlust seiner letzten Stelle.
Dies habe ihn gebrochen.
Hätte er seine Arbeit noch, wäre er heute nicht hier.
Sein Umfeld bestehe hauptsächlich aus seiner in den USA lebenden Mutter; mit
ihr
habe er
wöchentlichen
Kontakt via «
facetime
».
Davon abgesehen
bestünden
wenig Kontakte.
E
r
habe
die letzten sieben
Jahre hauptsächlich gearb
eitet und ab 19.00 Uhr
teilweise einfach
Bier getrunken (
3 Liter)
. Wegen seiner psychischen Leiden sei er
seit Oktober 2016
in
ambulanter
psychiatrischer Behandlung
, aktuell zwei Mal monatlich
. Das beruhige ihn ganz gut.
Dr.
B._
habe eine humo
rvolle Einstellung, das relativ
iere seine Angst.
Die
beiden Aufenthalte in
psychiatrischen Tagesklinik
en
2017 sowie
2018 hätten
keine substanziellen Besserungen erbracht. Immerhin habe er dabei seine Freude am Nähen entdeckt
.
Aktuell
profitiere er von
Ausflügen mit dem
E-Bike in die Natur. Dabei sehe
er sich die Tiere
und
Blumen
an und
könne
s
ich regenerieren. Allerdings
müsse er sich dazu überwinden, aus dem Haus zu gehen.
Wenn er aber einmal draussen sei, wolle er oft nicht mehr nach Hause.
Psychopharmaka nehme er nicht ein. Seine Mutter habe damit
schlechte Erfahrungen gemacht. S
ie habe schlecht darauf reagiert. Ausserdem habe er viel über Medikamente gelesen und wisse, dass die Patienten als Ve
r
suchskaninchen benutzt würden. B
ei seinen Mitpatienten in der Psychiatrie
habe er
selbst gesehen, wie sie darauf reagierten
.
Fragen nach der Libido und Sexualität habe der Beschwerdeführer mit «keine Lust» beantwortet.
Überhaupt ziehe er sich zurück und habe auf vieles keine Lust.
Er
wohne alleine in einer schönen Zweizimmerwohnung in Thalwil. Bier trinke er seit Jahren nicht mehr.
Er sei ein Nachtmensch und gehe oftmals erst früh
morgens zu Bett, dafür stehe er erst mittags auf. E
r schlafe ca. 10 Stunden am Tag,
er brauche viel Schlaf. Sein Schl
af sei
viel besser seit seinem letzten USA-Auf
enthalt. Der Appetit sei ohne Besonderheiten. Er koche regelmässig für
sich
allein.
Den Einkauf besorge er selber
(
Urk.
7/91/27,
Urk.
7/91/29,
Urk.
7/91/42
f
f.)
.
In objekti
ver Hinsicht hätten sich keine relevanten Beeinträchtigungen der Auf
merksamkeit
und des Gedächtnisses ergeben
.
Das formale Denken sei ungestört und es hätten sich keine krankheitswertigen
B
efürchtungen oder Zwänge gezeigt.
Im Rahmen der Untersuchung habe sich
der Beschwerdeführer
auch
nicht ängst
lich gezeigt.
De
mgegenüber bestünden ausgeprägte Störungen der Vitalgefühle. Der Beschwerdeführer sei teilweise leicht deprimiert, streckenweise leicht
dispho
risch
,
teilweise leicht
klagsam
, jedoch
nicht gereizt, innerlich unruhig,
hoffnung
s
los
oder antriebsarm. Es bestünden
ausgeprägte Insuffizienzgefühle und eine verminderte Sexualität. Schlaf-, Vi
gil
anz- und Ap
petitstörungen bestünden nicht
(
Urk.
7/91/48 f.).
In
den
Vorakten
seien – wenn auch wenig
konsistent
- immer wieder depressive Episoden dokumentiert wo
rden. Gleichzeitig habe sich der Beschwerdeführer in der Vergangenheit weder psychotherapeutisch
be
handeln lassen noch
Psychopharmaka eingenommen
. Zudem
liessen die früheren Beur
tei
lungen eine differenzialdiagnostische Diskussion vermissen. Die vergangenen Schwierigkeiten könnten
aufgrund der äusseren Auslöser
jedenfalls
auch als Anpassungsstörunge
n oder Krisen betrachtet werden
.
Zuletzt habe sich der Be
schwer
deführer im Anschluss an die Umstrukturierung/Kündigung als gebrochen erlebt. Weitere
relevante
psychosoziale Belastungsfaktoren seien die
fehlende Vermittelbarkei
t und
Ausbildung
sowie
das
fortgeschrittene
Alter des Beschwer
deführers. Diskutiere man das aktuelle Persönlichkeitsbild und die biographische
Persönlichkeitsentwicklung sowie die persönlichen Ressourcen (Ehrgeiz
und Moti
vation)
l
iessen sich keine erwerbsrelev
a
n
ten
Defizite objektivieren (Urk. 7
/91/56,
Urk.
7
/91/60).
Eine Vollremission sei abhängig von der Konse
quenz der durchge
führten Massnahmen sowie von äusseren, krankheitsunab
hän
gigen Faktoren wie Anreizsystem und Motivation des Beschwerdeführers.
Die fehlende Pharmako
therapie s
preche für einen eher leichteren
Schweregrad; die Teilnahme an reha
bilitativen Massnahmen für einen eher schwereren Grad. Von einem definitiven Scheitern einer indizierten lege
artis
und
unter
optimaler Kooperation
des Be
schwerdeführers durchgeführten Therapie könne nicht ausgegangen werden
, da Therap
ieoptionen noch offen
stünden.
Die
bisherige Therapie sei nicht leg
e
artis
,
aber in wichtigen Teilen angemessen und konsequent.
Das Ausmass der zwi
schenmenschlichen Probleme sowie des sozialen Rückzugs erreiche kein arbeits
relevantes Ausmass. Demgegenüber trete teilweise eine Antriebshemmung auf.
Gleichzeitig
sei für den Beschwerdeführer viele
s überwindbar. So etwa
, das Haus
zu
verlassen; h
abe er sich
einmal
dazu überwunden, wolle er oft gar nicht mehr zurück nach Hause
. Ein Leidensdruck sei erkennbar, aber nicht dominie
rend. Zudem bestünden insoweit Inkonsistenzen, als dass sich der Beschwerde
führer einerseits subjektiv zu 100
%
arbeitsunfähig fühle und andererseits
wie ein Adrenalinjunkie Rad
fahre und für einen Monat in die USA verreise. Sim
ulation liege indes nicht vor
.
Die Anpassungs-, Flexibilitäts-, Selbstbehauptungs-,
Durch
setzungs
- und Umstellungsfähigkeit sowie Fähigkeit zur Planung und Struktu
rierung von Aufgaben seien leicht eingeschränkt. Die Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompetenzen sei mittel- bis
schwergradig
und die Durchhaltefähigkeit leicht- bis mittelgradig eingeschränkt. Die Interaktions- und Kommunikations
fähigkeit des Beschwerdeführers sei intakt; die Entscheidungs- und Urteilsfähig
keit weitestgehend erhalten. Die Bereitschaft zur Veränderung sei nicht voll
ständig erkennbar und die Leistungsmotivation scheine gegenwärtig nicht im Vordergrund zu stehen. Vielmehr stünden p
sychosoziale Belastungen
im Vorder
grund
.
Die bisherige Tätigkeit sei
de
m
Beschwerdeführer
nicht mehr zuzumuten. Hinsichtlich einer
– näher umschriebenen -
Verweistätigkeit
bestehe eine Leis
tungsfähigkeit von 5.5 Stunden am Tag, entsprechend einem Pensum von 66
%
. Diese Angaben würden gelten ab
Januar 2019; für die Zeit davor
enthielten sich die Gutachter einer eigenen Einschätzung und verwiesen auf die
in
den
Vorakten
genannten Arbeits
un
fähigkeit
sbescheinigung
en
(
Urk.
7/91/51
ff.
,
Urk.
7/91/
57ff.
,
Urk.
7/91/61f.
).
Im Rahmen der rheumatologischen Untersu
chung habe der Beschwerdeführer
primär rechtsbetonte Kniegelenksbeschwerden
(permanente Schwellung und Schmerzen mit Zunahme bei kniebelastenden Tätigkeiten, Bewegungsein
schrän
kung, insbesondere bei der Kniebeugung)
berichtet.
Ähnliche Beschwerden be
stünden auch am linken Kniegelenk, al
lerdings weniger intensiv. Links
schmerze das Knie vor allem
beim Treppenabgehen.
Zudem bestünden Schulterbe
schwer
den beidseits und Nackenschmerzen links.
Die Schulterbeschwerden würden kommen und gehen und seien niemals so intensiv wie die Knieschmerzen. Teil
weise habe er Mühe, die Schultergelenke zu mobilisieren;
zu
verstärkte
n Schmer
zen komme es
beim Anheben der Arme auf oder über Schulterhöhe. Die Be
schwer
den am Nacken seien unterschiedlich intensiv und manifestierten sich ins
beso
ndere beim Kopfdrehen nach links
.
Im Oktober 2018 sei ein Tennisellbogen rechts aufgetreten.
Inzwischen hätten sich die Beschwerden von der Aussenseite
auf die Innenseite des Ellbogengelenks verschoben. Zudem seien die Beschwerden «im Gelenk drinnen» zu lokalisieren (
Urk.
7/91/70
f.
).
Klinisch
hätten
sich im Wesentlichen
ein
weitestgehend
hinkfreies
Gangbild, eine in der Seitenneigung beidseits eingeschränkte Beweglichkeit der HWS sowie
Valgusfehlstellung
mit deutlicher Bewegungskrep
i
t
ati
on
lateral im rechten, gegenüber links leicht über
wärmt
en Kni
egelenk sowie
eine deutliche laterale Bandinstab
ilit
ät am rechten Sprunggelenk
gezeigt
(
Urk.
7/91/73).
Die
Beschwerden am Bewegungsapparat seien auf eine objektivierbare Polydegeneration der peripheren Gelenk sowie Multietagendegeneration HWS ohne
radikuläre
Kompression zurückzuführen. Trotzdem sei die funktionelle Kapazität weitestgehend erhalten
-
bis
auf
die eingeschränkte Flexion (bis 115°) im rechten Kniegelenk. Zudem sei das rechte Kniegelenk konstant leicht
inflammatorisch
aktiviert und instabil. Aus rheuma
tologischer Sicht sei der Beschwerdeführer seit jeher sowoh
l in der bisherigen als auch in
jede
r
andere
n,
nicht kniebelastenden Tätigkeit
uneingeschränkt (
Urk.
7/91/75
ff.).
Im Rahmen der interdisziplinären Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, der Beschwerdeführer sei aufgrund
seiner psychiatrischen Störung
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Hinsichtlich einer leidens
angepassten Verweistätigkeit
, ohne Bedienung gefährlicher Maschinen,
ohne
be
sondere Anforderungen an die
Teamfähigkeit, Stresstoleranz und Reaktionsfähig
keit, ohne Führungsaufgaben, ohne Wechselschichten
,
ohne störende Lärmbe
lastung
oder Lichtverhältnisse, jedoch
mit beschränkter Verantwortung und be
grenztem Kundenkontakt,
mit
der Möglichkeit vermehrter Pausen sowie struktu
rierter Arbeiten
bestehe
seit Januar 2019
eine 66%ige Arbeitsfähigkeit.
Rück
wirkend sei von den in den
Vorakten
dokumentierten
Arbeitsfähigkeitsbeur
tei
lungen auszugehen
(
Urk.
7
/91/7f.,
Urk.
7
/91/61 ff.
).
5
.
5
.1
Das MEDAS-Gutachten erfüllt die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweisbildende Entscheidungsgrundlage
(vgl. E. 1.6)
, weshalb grundsätzlich
darauf abgestellt werden kann
.
Zudem
verblieb unbestritten
, dass in somatischer Hinsicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht.
5.2
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe
der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträch
ti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch an
hand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine
lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann
als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Be
weis
themen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamt
bild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuun
gunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
5
.3
Vorliegend sind dem psychiatrischen Teilgutachten
zwar
gewisse Angaben
und Ausführungen
im
Zusammenhang mit den im
Regelfall anzuwendenden Stand
artindikatoren zu
entnehmen (vgl.
Urk.
7
/
91/58 ff.). Allerdings
erging
die Arbeits
fähigkeitsbeurteilung
davon losgelöst
; der psychiatrische Gutachter hielt aus
drücklich fest, die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
stütze sich
auf die Ergebnisse des Mini-ICF-Ratings (vgl.
Urk.
7
/91/58,
Urk.
7
/91/61). Dies wird denn auch deutlich, wenn
dem Beschwerdeführer einerseits eine 66%ige
Arbeits
fähigkeit in
einer a
n
gepassten Tätigkeit attestiert
(
vgl.
Urk.
7
/91/9) und
andererseits fest
gehalten wird
,
unter Berücksichtigung der Persönlichkeit
,
Persönlichkeitsbio
gra
phie sowie Resso
urce
n des Beschwerdeführers ergäben sich keine er
werbsrele
vanten Defizite (Urk. 7
/91/56)
.
Andernorts hielt
d
er
psychiatrische Gutachter
zu
dem fest, es bestünden auf der Persönlichkeitsebene des Beschwerdeführers keine schwerwie
genden Gründe, die es ihm verwehrten, trotz seiner Beschwerden einer beruf
lichen Tätigkeit nachzugehen (
Urk.
7
/91/50).
Es bestünden Funktionseinschrän
kungen, diese stünden jedoch auch in engem Zusammenhang (mit) den psycho
sozialen Faktoren (Arbeitsplatzsituation) und therapeutische Optionen würden nicht genutzt (Urk. 7/91/58).
Mithin ist mangels
einlässli
che
r
Auseinandersetzung mit den normativen Vorgaben
und
unter Hinweis auf das unter E.
5.2 Gesagte durch das Gericht
im Folgenden
zu prüfen, ob und inwieweit
die
erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen
(vgl. E.
1.4
). Von einer unzulässigen Parallelprüfung – so wie beschwerdeweise geltend gemacht (
Urk.
1 S. 9)
–
kann
damit
nicht die Re
de sein.
5
.4
Aus dem MEDAS-Gutachten
erhe
llt
zunächst
, dass die Ausprägun
g der psy
chi
schen
(
und somatischen
)
diagnoserelevanten Befunde
nicht
stark ins Gewicht fällt
(Urk. 7/91/54)
.
Der psychiatrische Gutachter notierte
eine lebhafte – wenn auch etwas müde – Mimik und Gestik
des Beschwerdeführers
, ohne depressive
n
Habi
tus
. Die
Auffassung
s-
, Konzentration
s- und
Me
rkfähigkeit sowie das
Gedächtnis
des Be
schwerdeführers
erwiesen sich als
nicht relevant be
einträchtigt.
Der
Ge
danken
gang
des Beschwerdeführers
war
unauffällig, insbeson
dere nicht
gehemmt
,
ver
langsamt, umständlich,
eingeengt und ohne Gedankengedränge und Grübeln. Zudem verneinte der psychiatrische Gutachter Hinweise für Misstrauen, zwang
haftes Verhalten und Phobien mit Krankheitswert
. Ebenso verneint
e
er eine
Affektlabilität, Affekt- und Antriebsarmut, zirkadiane Besonderheiten sowie
irgendwie geartete Schlafstörungen mit krankheitswertigem Charakter
(Urk. 7
/91/
47
f
.).
Das Mini-ICF-Rating erbrachte weitestgehend leichte Ein
schrän
kungen (
Urk.
7
/91/58 f.) und d
ie Hamilton Depressionsskala erg
ab
bei
einem
Wert von 9
(
wobei der Schwellenwert
für eine leichte
Depression
bei 10 liegt
)
-
dem klinischen Eindruck entsprechend
-
kein schwerwiegendes depressives Syndrom
(
vgl.
Urk.
7
/91/50).
Hervorzuheben sind ausserdem die gutachterlichen Hinweise auf die wenig ausgeprägte Änderungsbereitschaft und Leistungsmotivation sowie den fehlenden Leidensdruck des Beschwerdeführers
(
Urk.
7
/91/57).
In subjektiver Hinsicht
plagten
den Beschwerdeführer
insbesondere
wirtschaftlic
he/berufs
per
spektivische Sorgen
(
Urk.
7
/9
1/42). Er gab an,
«das Ganze» habe angefangen, als er seinen J
ob verloren habe (
Urk.
7
/91/44);
der Stellenverlu
st 2016 habe ihn gebrochen,
h
ätte er seine Arbeit noch, «wäre er h
eute nicht hier» (
Urk.
7
/91/43; damit konkordant
das p
sychiatrische Konsilium von
Dr.
Z._
vom 31.
Okto
ber 2017, wonach der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben
wegen der Kün
digung d
urch die letzte Arbeitgeberin
depressiv
geworden sei; er fühle sich so, als sei eine Kerze ausgepustet word
en, Urk. 7
/53
/10
; vgl. auch die ärzt
lichen
Hinweise auf das depressive Erleben auslösenden und aufrechterhaltende Fakto
ren wie höheres Alter, abgebrochene Integrationsmassnahmen, den als ein
schnei
den
d
und kränkend erl
ebten Arbeitsplatzverlust mit d
e
r
damit einherge
hende
n
Einbusse an sozialem Status, finanziellen Ressourcen und sozialen Konta
kten im
Zwischenbericht der
C._
vom 28.
August 2018
,
Urk.
7
/62/6
)
.
Entsprechend kamen
die Gutachter zum
Schluss, beim Beschwerdeführer
be
stünden IV-fremde Belas
tungen in relevantem
Ausmass resp.
stünden psychosoziale Belastungsfak
toren (
Arbeitsplatzverlust, anhaltende Arbeitslosigkeit, Migration, fortgeschritte
nes Alter,
wirtschaftliche Sorgen, finanziellen Verpf
lichtungen gegenüber der Mutter)
im Vordergrund
(
Urk.
7
/91/56,
Urk.
7
/91/58
f.);
eine Voll
remission sei abhängig von äusseren Faktoren (
Urk.
7
/91/63).
In diesem Zusam
menhang erwähnenswert
sind
ausserdem die subjektive Krankheitsüberzeugung des Beschwerdeführers
und die gutachterlichen Hinweise auf seine Erwartungs
haltung in Richtung Be
rentung (
Urk.
7
/91/27,
Urk.
7
/91/29).
Bei alle dem
wird
bereits
deutlich, dass
die
depressive
Symptomatik und deren Bewältigung
mass
geblich
durch invaliditäts
fremde Faktoren
verursa
cht resp. behindert wird,
wofür die Invalidenversicherung
grundsätzlich
nicht einzustehen hat (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3
)
.
I
m Zusammenhang mit den im Regelfall anzuwen
den
den Standardindikatoren
bleibt
immerhin
zu ver
merken, dass das Sozialleben und private Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers bereits vor der psychischen Dekompensation 2016 stark limitiert war.
Gab er doch an
,
in den
letzten sieben Jahr
e
n
habe er hauptsächlich gearbeitet
(
Urk.
7
/91/43
; vgl. auch Urk. 7/91/55
). Ein IV-relevanter
sozialer
Rüc
kzug ist damit
je
denfalls nicht ausgewiesen
.
Der psychiatrische Gutachter hielt
fest,
in sozialer Hinsicht s
ei der Beschwerdeführer nicht in
erwerbsrelevante
m
Ausmass beein
trächtigt (
Urk.
7
/91/56).
Alsdann
ver
fügt der Beschwerdeführer insoweit
über
gewisse
Copingstrategien
, als er
zur Re
generation in die Natur und
Bike
fährt
(
Urk.
7/
91/55)
und er vergangene, ähnlich gelagerte
depressive
Zustände
offenbar
-
ohne
therapeutische
Unter
stüt
zung
– zu
überw
i
nden
vermochte
(Urk.
7/91/60, vgl. auch Urk. 7
/53/10)
.
Her
vor
zuheben ist auch, dass der Beschwerdeführer un
geachtet der nach eigenen An
gaben seit frühester Kindheit wiederholt
durchlitte
nen
depressiven Episoden
und ohne berufliche Ausbildung
eine bemerkenswerte Karriere vorzuweisen hat.
Die enge Beziehung zur in den USA lebenden Mutter sowie seine Religiosität wurden
gutachterlicherseits
als weitere Ressourcen gewürdigt (vgl.
Urk.
7/27/3; vgl. auch
Urk.
7/53/9).
Als
Hobby
s
/Interessen nannte
d
er
Beschwerdeführer schliesslich
das Nähen sowie Editieren von selbstgedrehten Filmen auf
Youtube
(
Urk.
7
/91/27,
Urk.
7
/91/46
,
Urk.
7
/91/55
).
Mithin
ergeben sich
im Sinne eines Zwischenfazits
auch
unter Berücksichtigung
der normativen
Vorgaben
(vgl. E.
1.2
ff.
)
keine
erheb
lichen funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten Diagno
sen
im Zeitpunkt der Begutachtung
.
5.5
Der beschwerdeweise eingereichte
Bericht
des behandelnden
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
datiert
vom 1
2.
Januar 2020
(
Urk.
3/3)
und erging somit nach Erlass der angefochtenen Verfügung. Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Gesetz
mässigkeit des angefochtenen Entscheids demgegenüber in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normal
fall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b). Abgesehen davon
lässt die im genannten Bericht postulierte
100%ige Arbeitsunfähigkeit
eine
hin
reichende Begründung vermissen
und
bleibt
damit auch
fra
glich, ob und inwieweit
Dr.
B._
dabei
leidensfremde Faktoren berücksic
h
tigte.
Zudem hat
sich
Dr.
B._
nicht
mit dem MEDAS-Gutachten
auseinander
gesetzt und k
ommt
schliesslich
hinzu, dass
das Gericht
der Erfah
rung
statsache Rechnung zu tragen
, dass be
handelnde Ärzte mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten au
ssagen (BGE 125 V 353
E. 3b/cc);
in um
strittenen Fällen
kann es
nicht Sache des behandelnden Arztes sein, verbindlich zur Arbeitsunfähigkeit Stellung zu nehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Mai 2011, 9C_152/2011).
Mangels Relevanz erübrigen sich Weiterungen zu den beschwerdeweisen Vor
bringen im Zusammenhang mit Zweck- und Notwendigkeit
psychopharma
ko
therapeutischer
Massnahmen (vgl.
Urk.
1 S. 9).
5.5
Zur Arbeitsfähigkeit in retrospektiver Hinsic
h
t verwiesen die MEDAS-Gutachter
auf die
Vorakten
(
Urk.
7
/91/63)
.
5.5.1
Im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenanspruchs (
1.
November
2017,
vgl.
hienach
E.
6.1
)
attestierte
Dr.
Z._
dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten (vgl.
E. 4.1
). Darauf kann
mit Blick auf die
Schwere der
objektiv festgestellten
Befunde
,
die Ergebnisse des Hamilton De
pressionsratings
sowie
die vom 5.
März bis
1.
Oktober 2018
durchgeführt
e tages
stationäre Behandlu
ng (3-4
Halbtage
/Woche) in der p
sychiatrischen
K
linik
C._
(
vgl.
Austrittsbericht vom 1. November aus,
Urk.
7
/69/4 ff
.
)
– zugunsten des Beschwerdeführers
(vgl.
Zwis
chenbericht der
C._
vom 29.
August
2018, worin
dem Beschwerdeführer in
einer leidensangepassten Tätig
keit
eine Arbeitsfähigkeit von
täglich
zwei Stunden
attestiert wird
,
Urk.
7/62/3 ff.)
–
abge
stellt werden
.
5.
5
.2
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt des Klinikaustritts schwiegen sich die behandelnden
C._
-Ärzte
a
us
;
im
äusser
st knapp gehaltenen
Verlaufsbericht
vom 1
1.
November 2018
hielt
Dr.
B._
gänzlich unbegründet
weiterhin
eine
100%ig
e Arbeitsunfähigkeit
und dazu
diskrepant
gleichzeitig
eine Verbesser
u
ng
fest (
Urk.
7/69/1)
.
5.6
Zusammenfassend ist
im Beweisgrad der
massgeblichen
überwiegenden Wahr
scheinlichkeit erstellt,
dass der Beschwerdefü
hrer
seit dem
1.
November 2017
zu 100
%
arbeitsunfähig war und
sich sein
Gesundheitszustand im Nachgang
tages- und
ambulant
therapeutischer
Massnahmen in erheblicher We
ise verbesserte, so dass
jedenfalls im Zeitpunkt der
psychiatrischen
Begutachtung
(
2.
April 2019
, vgl.
Urk.
7/91/2
)
keine IV-relevante
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit mehr vorl
ag
.
5.7
Da der Beschwerdeführer seine letzte Anstellung vor seiner Erkrankung verloren
hat bzw. die Arbeitsunfähigkeit erst nach der Kündigung eintrat, kann ein Er
werb
s
vergleich unterbleiben. Dem Beschwerdeführer sind spätestens im Zeit
punkt der gutachterlichen Untersuchung (20. März/2. April 2019; vgl. Urk. 7/91/2) sämt
liche seinem Ausbildungsstand und seinen beruflichen Erfahrungen entspre
chen
de Tätigkeiten in einem 100%-Pensum bei voller Leistungsfähigkeit zumutbar. Damit ist sowohl für das hypothetische Validen- wie für das Invalideneinkommen von sogenannten Tabellenwerten auszugehen. Sind Validen- und Invalidenein
kommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeits
unfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1). Ob hier ein sogenannter Leidensabzug zu erfolgen hätte, kann angesichts des maximal zulässigen Um
fangs von 25 %
(vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc)
mangels Anspruchsrelevanz offengelassen werden.
6.
6.1
Dem Beschwerdeführer wurde
seit dem
1
.
November 2016
für seine bisherige Tätigkeit eine 100%ige
resp.
seit Ende März
2017 eine
60%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert
(vgl.
Urk.
7/7
f.,
Urk.
7
/13,
Urk.
7
/28/3,
Urk.
7
/91/67
)
. Damit bestand für die
Dauer des Wartejahrs bis zum 1. November 2017
eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit
von
76.7
% (vgl. E. 1.4
).
6.2
Nach Ablauf der Wartezeit (und Anmeldefrist, vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG) am 1. November 2017
war der Beschwerdeführer
für sämtliche Tätigkeiten
zu 100 % arbeitsunfähig
.
Somit
bestand
ab dem 1.
November 2017
(Art. 29 Abs. 3 IVG)
ein
Anspruch auf eine ganze Rente.
6.3
Seit
jedenfalls anfangs
April 2019
lag
keine krankheitswertige Beeinträchtigung
der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
mehr vor
, weshalb
die Rente
bis
zum 3
1.
Jun
i 2019
(Art. 88a Abs. 1 IVV, E. 1.
6
) zu befristen
ist.
7.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
1
6.
Dezember 2019
aufzuheben und es ist festzustellen,
dass der Beschwerde
führer
vom 1.
November 2017
bis 31.
Jun
i 2019
Anspruch auf eine ganze R
ente
hat.
Im Übrigen ist die Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist, abzuweisen.
8
.
8.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Partei kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem
Verfah-rensaufwand
festzulegen und vorliegend auf Fr. 700.-- anzusetzen.
Da der Be
schwerdeführer
bezüglich des Rentenanspruchs an sich obsiegt, sind die Kosten vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.2
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts rechtfertigt der Umstand allein, dass einem Beschwerdeführer in einem Beschwerdeverfahren eine geringere (Teil-) Rente als beantragt zugesprochen wird, noch keine Reduktion der Parteientschä
digung, jedenfalls soweit der Aufwand nicht vom beantragten Umfang der Rente beeinflusst wird (Urteil des Bundesgerichts 9C_466/2007 vom 25. Januar 2008
E. 5). Entsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwer
de
füh
rer eine volle Prozessentschädigung zu bezahlen.
Rec
htsanwältin Dr.
Schiavi
machte mit Honorarnote vom 3
0.
Januar 2020 einen Aufwand von insgesamt 7.5
Stunden geltend (
Urk.
3/6), was als angemessen erscheint. Beim gerichtsüb
lichen Ansatz von
Fr.
220.-- resultiert daraus eine Prozessentschädigung von
Fr.
1'83
0.--
(inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer)
.