Decision ID: 86e92ed6-2893-48e0-8b2b-637f2ca6a1bc
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 05.08.2011 Art. 43bis AHVG; Art. 46 Abs. 2 AHVG. Anspruch auf Hilflosenentschädigung der AHV. Die Hilflosenentschädigung kann bei verspäteter Geltendmachung des Anspruchs in der Regel lediglich für die 12 vor Anmeldung liegenden Monate nachbezahlt werden. Ausnahmsweise ist eine weiter zurückgehende Nachzahlung möglich (maximal 5 Jahre), wenn die versicherte Person den anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht kennen konnte. Vorliegend kann offen bleiben, ob diesbezüglich die aus psychischen Gründen fehlende Einsichtsfähigkeit ausreicht, da nicht bewiesen ist, dass die Versicherte sich deshalb nicht früher anmeldete (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. August 2011, AHV-H 2011/2). Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Fides Hautle Entscheid vom 5. August 2011 in Sachen A._ Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Fiona Carol Forrer, Bellerivestrasse 49, Postfach 352, 8034 Zürich, gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, betreffend Hilflosenentschädigung für B._ sel., / Parteientschädigung im Einspracheverfahren Sachverhalt:
A.
B._ meldete sich im Jahr 2002 erstmals zum Bezug einer Hilflosenentschädigung zur
Altersrente an (act. 1 der Akten der IV-Stelle des Kantons Thurgau; nachfolgend IV-
act.). Nach einer Abklärung an Ort und Stelle teilte die IV-Stelle des Kantons Thurgau
der Versicherten mit Vorbescheid vom 27. November 2002 die Absicht mit, das Gesuch
abzuweisen, weil sie nur in einer Lebensverrichtung hilflos sei (IV-act. 9). Dies wurde
von der Ausgleichskasse der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: SVA) am 24. Dezember 2002 verfügt (IV-act. 11).
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B.
B.a Am 9. Februar 2009 wurde die Versicherte erneut zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung angemeldet. Mit der Anmeldung wurden mehrere Berichte
eingereicht, darunter ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, vom 17. Dezember 2008, der eine Pflegebedürftigkeit seit
Behandlungsbeginn am 22. Dezember 2006 sowie einen seit Ende 2007 bestehenden
erheblichen Pflegeaufwand bescheinigt hatte (IV-act. 14-1). Am 3. Februar 2009 hatte
Dr. C._ darauf hingewiesen, dass bei der Versicherten ein Diabetes mellitus, eine
Herzinsuffizienz, hoher Blutdruck, eine offene Zehe, offene Beine und zunehmende
Gangunsicherheit im Vordergrund stünden (IV-act. 14-2). Weitere Akten betreffen
mehrere kürzere Hospitalisationen im Kantonsspital Frauenfeld zwischen Dezember
2006 und August 2008 (IV-act. 14-3 bis 14-24) sowie einen wegen eines deliranten
Syndroms erfolgten Aufenthalt in der Clienia Littenheid AG, Privatklinik für Psychiatrie
und Psychotherapie, vom 2. Juli bis 22. Oktober 2008 (IV-act. 14-25 ff.; unterbrochen
durch mehrtägige Aufenthalte im Kantonsspital Frauenfeld im Juli und August 2008; IV-
act. 14-19; 14-22).
B.b Mit Schreiben vom 11. Mai 2009 reichte Rechtsanwältin lic. iur. Fiona Forrer in
Vertretung der Versicherten einen Bericht von PD Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 4. Mai 2009 ein und wies darauf hin, dass der
Überwachungsaufwand bereits seit 2005 erheblich gewesen sei, was für schwere
Hilflosigkeit bereits seit dann spreche. PD Dr. D._ hatte in seinem Bericht Angaben
der Tochter der Versicherten betreffend die Situation seit 2004 wiedergegeben,
wonach erstere die Einkäufe für die Mutter erledigt und sie zum Arzt oder zu Bekannten
begleitet habe. Die Spitex habe Medikamente verabreicht und die Wundpflege
gemacht, die Tochter habe die Mutter ein- bis zweimal wöchentlich gebadet. Die
Versicherte habe sich nicht mehr richtig anziehen können. An Essen habe sie bis ca.
2006 Vorgekochtes heiss machen können und ab 2007 habe sie es kalt gegessen (IV-
act. 29-2 f.). Im Fragebogen kreuzte PD Dr. D._ bei allen Lebensverrichtungen
regelmässigen und erheblichen Hilfsbedarf an ausser beim Zuführen von Speisen zum
Mund (IV-act. 29-5). Am 25. Mai 2009 fand eine Abklärung in der Thurgauer Klinik
St. Katharinental statt, in der sich die Versicherte seit 22. Oktober 2008 aufhielt (IV-
act. 34).
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B.c Mit Verfügungen vom 3. Juli 2009 sprach die Ausgleichskasse der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen der Versicherten für 1. Februar 2008
bis 30. Juni 2008 eine Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades und ab
1. Oktober 2008 für Hilflosigkeit schweren Grades zu (IV-act. 39). Dagegen liess die
Versicherte durch Rechtsanwältin lic. iur. Fiona Forrer am 17. Juli 2009 Einsprache
erheben und darauf hinweisen, dass zumindest eine mittlere Hilflosigkeit schon seit
sehr langer Zeit bestanden habe (IV-act. 41-1 ff.). Mit ergänzender Begründung vom 2.
November 2009 beantragte die Rechtsanwältin die Ausrichtung von
Hilflosenentschädigungen in vollem Umfang rückwirkend bis mindestens März 2006,
eventuell auch weiter rückwirkend. Eventuell sei eine polydisziplinäre Expertise beim
Institut für interdisziplinäre Begutachtung in Zürich anzuordnen zwecks Feststellung, ab
welchem Zeitpunkt und in welchem Schweregrad eine Hilflosigkeit vorgelegen habe.
Die Hilflosigkeit müsse schon sehr lange Zeit bestanden haben, wobei sich die
Versicherte aufgrund einer in der Zwischenzeit erstellten vaskulären Altersdemenz
darüber kaum habe bewusst sein können und auch die Tochter diese Krankheit nicht
erkannt habe, weshalb auch nicht früher eine Anmeldung bei der IV-Stelle erfolgt sei
(IV-act. 41-3 ff.). Der Eingabe lagen mehrere medizinische Berichte bei, darunter ein
Bericht der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen vom 27. Oktober 2009. Gemäss
diesem befand sich die Versicherte vom 1. bis 25. Juni 2009 erstmals in stationärer
Behandlung in der Klinik. Den Patientenakten sei zu entnehmen, dass die Patientin seit
März 2006 einen progredienten schweren Abbau mit Verlust der Selbständigkeit zeige.
Sie sei seit 2006 zunehmend auf fremde Hilfe angewiesen. Da in den Patientenakten
erst seit 2006 ein deutlicher Leistungsabbau berichtet worden sei, könne auf dieser
Basis von einer schweren Hilflosigkeit aus psychischen Gründen seit März 2006
ausgegangen werden (IV-act. 41-72 f.).
B.d Die Versicherte verstarb am 5. April 2010. In Unkenntnis darüber erliess der
Rechtsdienst der SVA am 3. Juni 2010 den Einspracheentscheid und wies die
Einsprache ab. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass die Einsprecherin bereits vor
dem Spitaleintritt im Juni 2008 in allen sechs Lebensverrichtungen hilflos gewesen sei.
Eine schwere Hilflosigkeit sei frühestens ab Juni 2008 ausgewiesen, sodass die
Entschädigung für Hilflosigkeit schweren Grades nicht vor September 2008 (drei
Monate nach Verschlechterung) ausgerichtet werden könne. Eine Hilflosigkeit mittleren
Grades liege gemäss den Abklärungen seit Dezember 2006 vor. Selbst wenn die
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Einsprecherin nicht selber über das subjektive Einsichtsvermögen in ihre Hilflosigkeit
verfügt habe, könne nicht behauptet werden, der anspruchsbegründende Sachverhalt
sei vor Eintritt ins Pflegeheim objektiv nicht feststellbar gewesen. Auch der Einwand
der Einsprecherin, ihre Tochter sei erst durch die Betreuungsperson in der Klinik
Littenheid auf den Anspruch auf Hilflosenentschädigung aufmerksam gemacht worden,
könne nicht gehört werden, da niemand aus eigener Rechtsunkenntnis Vorteile für sich
ableiten könne. Aus diesem Grund könne die Hilflosenentschädigung rückwirkend
höchstens bis ein Jahr vor der Anmeldung, somit ab Februar 2008, ausgerichtet
werden (IV-act. 50).
B.e Rechtsanwältin Forrer erhob am 7. Juli 2010 gegen den Einspracheentscheid vom
3. Juni 2010 in den Namen der Verstorbenen und deren Tochter A._ Beschwerde. Mit
Entscheid AHV-H 2010/3 vom 27. September 2010 trat die zuständige Einzelrichterin
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen auf die im Namen der Verstorbenen
erhobene Beschwerde nicht ein und stellte die Nichtigkeit des Einspracheentscheids
fest.
B.f Mit Schreiben vom 21. Oktober 2010 reichte Rechtsanwältin Forrer der SVA eine
Erbenbescheinigung vom 3. September 2010 ein und teilte mit, dass nur die Tochter
A._ die Erbschaft der verstorbenen Mutter nicht ausgeschlagen habe und den
Prozess alleine weiterführen werde (AHV-act. 3). Am 22. November 2010 reichte die
Rechtsanwältin eine weitere Einsprachebegründung ein. Die mit den Abklärungen
befasste IV-Stelle des Kantons Thurgau liess am 4. Januar 2011 die Abweisung der
Einsprache beantragen (AHV-act. 2). Mit Einspracheentscheid vom 12. Januar 2011

wies die SVA die Einsprache ab. Die Erwägungen des Einspracheentscheids vom
3. Juni 2010 sowie die Ausführungen der IV-Stelle des Kantons Thurgau vom 4. Januar
2011 erklärte sie zum integrierenden Bestandteil des Einspracheentscheids (act. G 1.1).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von ihrer Rechtsvertreterin für
die Tochter der Verstorbenen am 16. Februar 2011 erhobene Beschwerde. Sie
beantragt unter Entschädigungsfolge die rückwirkende Zusprache einer "vollen"
Hilflosenentschädigung rückwirkend bis mindestens März 2006 und weiter rückwirkend
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eine mittlere/leichte Hilflosenentschädigung. Beim Universitätsspital Zürich sei eine
polydisziplinäre Expertise zwecks Feststellung zu veranlassen, ab welchem Zeitpunkt
und in welchem Schweregrad eine Hilflosigkeit vorgelegen habe. Die
Beschwerdegegnerin sei anzuhalten, weitere medizinische Berichte aus der
Vergangenheit einzuholen wie auch einen Bericht der Spitex Münchwilen über den
Pflegebedarf und den Gesundheitszustand und das allgemeine Verhalten der
Verstorbenen, sofern erforderlich. Der Beschwerdebegründung ist zu entnehmen, dass
die Abklärung der Hilflosigkeit durch dieselbe Person vorgenommen worden sei, die im
Jahr 2002 bereits mit der Abklärung betraut gewesen sei. Aus den medizinischen
Berichten gehe hervor, dass die Verstorbene bereits seit langem an verschiedenen
gesundheitlichen Problemen gelitten habe. Insbesondere sei sie zumindest teilweise
inkontinent gewesen. Die Abklärungsperson der IV-Stelle habe hingegen im Jahr 2002
angegeben, die Verstorbene sei weder inkontinent noch auf medizinisch-pflegerische
Hilfe angewiesen. Gegen die am 24. Dezember 2002 erfolgte Ablehnung der
Hilflosenentschädigung habe die Versicherte lediglich mündlich protestiert, was als
Einsprache zu interpretieren gewesen wäre. Der äusserst rudimentäre Bericht der
Abklärungsperson sei in Verletzung der Untersuchungsmaxime und des rechtlichen
Gehörs erfolgt. Gemäss der damaligen Anmeldung durch Dr. med. E._ sei die
Verstorbene bereits 2002 in praktisch allen Lebensverrichtungen eingeschränkt
gewesen und habe somit die Voraussetzungen für eine Entschädigung für mittlere
Hilflosigkeit schon erfüllt. Die Verfügung vom 24. Dezember 2002 sei nicht begründet
gewesen bzw. stütze lediglich auf die in krasser Diskrepanz zum Hausarzt und zu den
anderen Arztberichten stehenden Feststellungen der nichtmedizinischen
Abklärungsperson ab, sodass sie an einem wesentlichen schweren und
offensichtlichen Mangel leide, weshalb sie als nichtig betrachtet werden sollte. Im
Rahmen der zweiten Anmeldung 2009 habe die IV-Stelle die früheren medizinischen
Akten nicht beigezogen und erneut dieselbe, klar voreingenommene Abklärungsperson
wie 2002 mit der Abklärung betraut. Die Beschwerdeführerin lässt den
Abklärungsbericht vom 26. Mai 2009 in verschiedener Hinsicht und in Bezugnahme auf
mehrere Arztberichte kritisieren. Bereits seit 1995 habe Pflege- und
Überwachungsbedarf bestanden; den entsprechenden Aufwand habe die
Beschwerdeführerin auf sich genommen. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin habe die Verstorbene nicht nur der lebenspraktischen Begleitung
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bedurft. Die Demenz sei von der Tochter und den Ärzten lange nicht erkannt worden,
habe aber wohl schon seit langem bestanden. Dies möchte die Beschwerdeführerin
insbesondere mit verschiedenen Hinweisen auf die Krankengeschichte der
Verstorbenen belegen. Sollte nicht von einer Hilflosigkeit bereits 2002 ausgegangen
werden, sei eine polydisziplinäre Begutachtung durch eine spezialisierte Stelle in
Auftrag zu geben. Weitere Spitexberichte betreffend die einzelnen Lebensverrichtungen
könnten zwar eingeholt werden, diese seien aber möglicherweise nicht aussagekräftig,
weil die Verstorbene Dritthilfe grösstenteils verweigert, auf Selbständigkeit beharrt und
es bevorzugt habe, von der Tochter gepflegt zu werden. Spätestens ab 2002 bis Ende
2005 sei von einer mittleren Hilflosigkeit auszugehen. Die Verstorbene und die
Beschwerdeführerin hätten den anspruchsbegründenden Sachverhalt lange Zeit nicht
gekannt. Insbesondere habe auch die Beschwerdeführerin nicht wissen können, dass
eine Herzkrankheit und neurologische Erkrankung später in Kombination mit einer
Stuhl- und Urininkontinenz und einer Demenz zu einer Hilflosigkeit berechtigten. Die
Verstorbene habe sich gegen die Leistungsabweisung 2002 zunächst noch gewehrt
und die Behörde habe ihre mündlichen Einwände nicht als Rechtsmittel berücksichtigt,
weshalb es das Vertrauensprinzip hier gebiete, die Verwirkungsfrist unbeachtet zu
lassen. Die Hilflosenentschädigung solle sogar rückwirkend bis 1997 gewährt werden.
Zur beantragten Entschädigungsfolge führt die Rechtsvertreterin an, dass ihr Aufwand
für die Einholung der Arztberichte erheblich gewesen sei, was gebührend zu
entschädigen sei. Auch für das Verfahren vor der Beschwerdegegnerin sei ihr eine
Prozessentschädigung zuzusprechen.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 28. Februar 2011 die Abweisung der
Beschwerde und verweist zur Begründung auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid (act. G 3).
Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat die Zulässigkeit der Prozessnachfolge der
Beschwerdeführerin betreffend Ansprüche ihrer verstorbenen Mutter auf
Hilflosenentschädigung der Alters- und Hinterlassenenversicherung geprüft und im
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vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid unbestrittenermassen zu Recht bejaht.
Auf die Beschwerde der Tochter der Verstorbenen ist einzutreten.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, ihre Mutter habe im Februar 2003
mündlich gegen die damalige Verfügung protestiert, was als Einsprache zu
interpretieren gewesen wäre. Ob dies zutrifft, kann offen bleiben. Gemäss Telefonnotiz
der zuständigen Sachbearbeiterin der IV-Stelle vom 5. Februar 2003 hatte die
Versicherte an jenem Tag mitgeteilt, dass sie mit der Leistungsabweisung nicht
einverstanden sei (IV-act. 12). Die Einsprachefrist wäre am 5. Februar 2003 auch unter
Berücksichtigung des Fristenstillstands vom 18. Dezember bis und mit 2. Januar
(Art. 38 Abs. 4 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) bereits abgelaufen gewesen. Die
Versicherte hatte beim Telefongespräch vom 5. Februar 2003 offenbar angegeben, sie
hätte keine Möglichkeit gehabt, Rekurs einzulegen, weil sie nicht mehr schreiben
könne. Dies würde jedoch das gänzliche Untätigbleiben der Versicherten während der
Rechtsmittelfrist nicht erklären, zumal eine Einsprache grundsätzlich auch mündlich
erhoben werden könnte (vgl. Art. 10 Abs. 3 der Verordnung über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR 830.11]) oder die Versicherte sich bei
geeigneten Personen in ihrem Umfeld (etwa ihrer Tochter, gegebenenfalls auch der
Spitex oder dem behandelnden Arzt) hätte Hilfe holen können. Selbst wenn der Anruf
der Versicherten vom 5. Februar 2003 als Gesuch um Wiederherstellung der Frist
gemäss Art. 41 ATSG interpretiert werden könnte, das die Beschwerdegegnerin hätte
förmlich behandeln sollen, so verdient das späte Berufen auf eine gültige Einsprache
bereits 2003 nach dem jahrelangen Untätigbleiben der Versicherten doch keinen
Schutz. Auf die rechtskräftige Abweisungsverfügung vom 24. Dezember 2002 ist daher
nicht weiter einzugehen. Von der behaupteten Nichtigkeit kann keine Rede sein. Eine
Wiedererwägung hat die Beschwerdegegnerin mangels zweifelloser Unrichtigkeit zu
Recht nicht vorgenommen.
2.2 Im Übrigen erscheint der von der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
geäusserte, undifferenzierte und nicht substantiiert begründete Vorwurf der
Befangenheit der IV-Abklärungsperson wegen Vorbefasstheit als haltlos. Worin die
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Befangenheit gelegen haben sollte, ist nicht ersichtlich, sodass sich weitere
Erwägungen hierzu erübrigen.
3.
Altersrentner mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz haben einen
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung, wenn sie in mindestens mittlerem Grad
hilflos sind (Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10] in der bis Ende 2010 gültig gewesenen
Fassung). Der Anspruch erlischt am Ende des Monats, in dem die Voraussetzungen
gemäss Abs. 1 nicht mehr gegeben sind (Art. 43 Abs. 2 AHVG). Die Versicherte
verstarb am 5. April 2010, also vor Inkrafttreten der Rechtsänderung per 1. Januar
2011. Daher sind im vorliegenden Verfahren die bis Ende 2010 gültig gewesenen
Bestimmungen massgebend.
4.
4.1 Umstritten ist vorliegend insbesondere der Beginn des Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung sowie in zweiter Linie die Höhe der Hilflosenentschädigung.
Vom 1. Februar bis 30. Juni 2008 hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf
Entschädigung für mittelgradige und ab 1. Oktober 2008 für schwere Hilflosigkeit
anerkannt.
4.2 Für die Bemessung der Hilflosigkeit sind die Bestimmungen der
Invalidenversicherung sinngemäss anwendbar (Art. 43 Abs. 5 AHVG). Gemeint sind
Art. 37 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a und b der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201; vgl. Art. 66 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV gilt die
Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der
Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher
Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder
persönlichen Überwachung bedarf. Als mittelschwer ist die Hilflosigkeit nach Art. 37
Abs. 2 IVV zu betrachten, wenn die versicherte Person trotz Abgabe von Hilfsmitteln in
den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die
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bis
bis
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Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a) oder wenn sie in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen
ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (lit. b).
Praxisgemäss betreffen die massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen folgende
sechs Bereiche: An- und Auskleiden, Auf-stehen/Absitzen/Abliegen, Essen,
Körperpflege, Verrichten der Notdurft und Fortbewegung (vgl. Rz 8010 des vom
Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Kreisschreibens über Invalidität
und Hilflosigkeit [KSIH]). Eine dauernde persönliche Überwachung liegt vor, wenn eine
Drittperson mit kleineren Unterbrüchen bei der versicherten Person anwesend sein
muss, weil diese nicht allein gelassen werden kann (vgl. Rz 8035 KSIH).
5.
5.1 Der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung entsteht am ersten Tag des Monats,
in dem sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind und die Hilflosigkeit schweren oder
mittleren Grades ununterbrochen während mindestens eines Jahres bestanden hat
(Art. 43 Abs. 2 AHVG). Art. 46 AHVG trägt den Gliederungstitel "Nachzahlung nicht
bezogener Renten und Hilflosenentschädigungen". Gemäss Abs. 1 richtet sich der
Anspruch auf Nachzahlungen nach Art. 24 Abs. 1 ATSG. Diese Bestimmung lässt den
Anspruch auf ausstehende Leistungen fünf Jahre nach dem Ende des Monats, für den
die Leistung geschuldet war, erlöschen. Für den Fall, dass ein Versicherter den
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mehr als zwölf Monate nach dessen
Entstehung geltend macht, schreibt Art. 46 Abs. 2 AHVG vor, dass die
Hilflosenentschädigung in Abweichung von Art. 24 Abs. 1 ATSG lediglich für die zwölf
Monate ausgerichtet wird, die der Geltendmachung des Anspruchs vorausgehen.
Weiter gehende Nachzahlungen werden gemäss jenem Absatz jedoch erbracht, wenn
der Versicherte den anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht kennen konnte und die
Anmeldung innert zwölf Monaten nach Kenntnisnahme vornimmt.
5.2 Art. 46 Abs. 2 AHVG fand im Zug der Einführung des ATSG per 1. Januar 2003
Eingang ins AHVG und entspricht der diesbezüglich bereits zuvor geltenden Praxis
(analoge Anwendung des damaligen Art. 48 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]; vgl. den Entscheid H 374/00 des
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Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 9. August 2002, E. 3.2).
5.3 Mit der Kenntnis des anspruchsbegründenden Sachverhalts (hier der Hilflosigkeit)
ist gemäss der höchstrichterlichen Praxis nicht das subjektive Einsichtsvermögen der
versicherten Person gemeint, sondern entscheidend ist vielmehr, ob der
anspruchsbegründende Sachverhalt objektiv feststellbar ist bzw. gewesen wäre oder
nicht (EVGE H 374/00, E. 3.2, und H 22/02 vom 8. Juli 2002, E. 2b; BGE 100 V 114 E.
2c). In einigen Urteilen hat das Bundesgericht allerdings festgehalten, dass die Nicht-
Erkennbarkeit eines objektiv gegebenen anspruchsbegründenden Sachverhalts etwa
bei Vorliegen eigentlicher Geisteskrankheiten wie Schizophrenie (BGE 108 V 226), bei
fehlender Urteilsfähigkeit (Urteil I 71/00 vom 29. März 2001) oder krankheitsbedingter
Unfähigkeit, gemäss der vorhandenen Einsicht zu handeln (Urteil I 149/99 vom 16.
März 2000), gegeben ist. Dies würde bedeuten, dass es in diesen Fällen doch genügt,
wenn es den betroffenen Versicherten an der subjektiven Einsichtsfähigkeit oder der
Fähigkeit, einsichtsgemäss zu handeln, fehlt. Die Praxis ist folglich nicht hinreichend
klar.
5.4 Die Anspruchsvoraussetzung des Art. 46 Abs. 2 Satz 2 AHVG könnte
folgendermassen verstanden werden:
5.4.1 Die Kenntnis des anspruchsbegründenden Sachverhalts muss objektiv unmöglich
sein. Diese Unmöglichkeit hat objektiv-objektiv zu sein; d.h. neben der versicherten
Person konnte auch sonst niemand den anspruchsbegründenden Sachverhalt
erkennen. Bei der Hilflosenentschädigung dürften keine Konstellationen denkbar sein,
die auf eine so verstandene Objektivität schliessen liessen. Um Anspruch auf
Hilflosenentschädigung zu begründen, muss die effektive Hilfsbedürftigkeit
ausgewiesen und erkennbar sein; die Hilflosigkeit hat also offen zutage zu treten.
Art. 46 Abs. 2 Satz 2 AHVG wäre folglich zumindest weitgehend toter Buchstabe.
5.4.2 Eine weitere Interpretationsmöglichkeit ist die subjektiv-objektive Unmöglichkeit
der Kenntnis des anspruchsbegründenden Sachverhalts. D.h. die versicherte Person
konnte aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht erkennen, dass sie den
anspruchsbegründenden Sachverhalt erfüllte. Aus diesem Grund meldete sie sich nicht
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früher zum Leistungsbezug an. Im Gegensatz zur subjektiv-subjektiven Betrachtung hat
nicht nur die versicherte Person keine Kenntnis, sondern diese konnte von ihr (auch
durch einen Dritten) in Berücksichtigung der konkreten gesundheitlichen – meistens
wohl psychischen – Situation auch nicht erwartet werden. Problematisch an dieser
Variante ist einerseits die Beweislage: In der Regel dürfte es äusserst schwierig sein,
beispielsweise den Zeitpunkt des Eintritts einer massgebenden Urteilsunfähigkeit, der
in der bereits ferneren Vergangenheit liegt, im Nachhinein noch zu beweisen.
Andererseits dürfte regelmässig die Abgrenzung zwischen bewusstem Nichtanmelden
bzw. Nichtanmelden wegen Rechtsunkenntnis einerseits und Nichtanmelden wegen
gesundheitsbedingten Unvermögens (im Sinn von fehlender Einsichtsfähigkeit in die
eigene Hilflosigkeit oder von fehlender Fähigkeit, entsprechend zu handeln) anderseits
schwer fallen, wenn nicht gänzlich unmöglich sein.
5.4.3 Die subjektiv-subjektive Unkenntnis als dritte Möglichkeit wäre ein Nicht-Kennen
des anspruchsbegründenden Sachverhalts, ohne dass die Kenntnis aber bei objektiver
Betrachtung in Berücksichtigung der gesundheitlichen Situation der versicherten
Person oder anderer Umstände unmöglich gewesen wäre. Eine solche Unkenntnis
kann von Art. 46 Abs. 2 Satz 2 AHVG klarerweise nicht gemeint sein.
6.
6.1 Die Beschwerdegegnerin ist vorliegend davon ausgegangen, dass das Wartejahr
gemäss Art. 43 Abs. 2 AHVG am 1. Februar 2008 bereits erfüllt gewesen war, die
Hilflosigkeit mittleren Grades also mindestens seit Februar 2007 bestanden hatte. In
materieller Hinsicht liegen jedenfalls keine ausreichenden Hinweise auf eine mindestens
mittelgradige Hilflosigkeit vor Dezember 2006 vor. Die Hilfsbedürftigkeit erhöhte sich
nach den von der Tochter der Versicherten bei der Abklärung vom 25. Mai 2009
gemachten Angaben offenbar nach dem Sturz, der am 4. Dezember 2006 zum
Spitaleintritt geführt hatte (vgl. IV-act. 14-3 ff.; 34). Wie nachfolgend zu zeigen ist, ist
letztlich aber nicht relevant, ob eine mittelgradige Hilflosigkeit bereits im Dezember
2006 oder noch früher bestand.
6.2 Würde zur Anwendung der Ausnahmebestimmung des Art. 46 Abs. 2 Satz 2 AHVG
gemäss der obigen E. 4.5.1 eine objektiv-objektive Unkenntnis des
bis
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anspruchsbegründenden Sachverhalts verlangt, so wäre im vorliegenden Fall ein
bereits vor 1. Februar 2008 bestehender Anspruch auf Hilflosenentschädigung zu
verneinen. Die Beschwerdeführerin behauptet, dass die Hilflosigkeit der Versicherten
seit längerem offenkundig gewesen sei und insbesondere sie selbst seit Jahren
erhebliche Hilfe geleistet habe. Selbst wenn ab Dezember 2006 bereits eine
mittelgradige Hilflosigkeit im Sinn von Art. 36 Abs. 2 IVV vorgelegen haben sollte (was
nach der Aktenlage nicht erstellt ist; siehe auch den Bericht der Tochter der
Versicherten vom 3. Oktober 2007, IV-act. 13-12), so wäre dies für die Tochter oder für
weitere Drittpersonen jedenfalls erkennbar gewesen, sodass nicht von einem objektiv-
objektiven Nicht-Erkennenkönnen ausgegangen werden könnte.
6.3 Ob eine solche objektiv-objektive Nicht-Erkennbarkeit zu fordern ist (was einen vor
1. Februar 2008 liegenden Anspruchsbeginn ausschliessen würde) oder bereits eine
subjektiv-objektive Nicht-Erkennbarkeit ausreicht, kann vorliegend offen bleiben. Denn
der Beweis für eine subjektiv-objektive Nicht-Erkennbarkeit gelingt nicht.
Sozialversicherungsleistungen werden nicht von Amtes wegen, sondern grundsätzlich
nur auf Antrag der versicherten Person zugesprochen (vgl. Art. 29 Abs. 1 ATSG).
Fraglich ist, ob sich die Versicherte nach der rechtskräftigen Abweisung ihres Gesuchs
um Hilflosenentschädigung von 2002 bewusst nicht erneut zum Leistungsbezug
anmeldete, obwohl sie etwa aufgrund der Verschlechterung des Gesundheitszustands
ab Dezember 2006 die Anspruchsvoraussetzungen möglicherweise erfüllt hätte, ob die
Anmeldung schlicht vergessen wurde oder ob sie wegen einer allfälligen mangelnden
subjektiven Einsichtsfähigkeit in die Hilfsbedürftigkeit nicht erfolgte. Nur bei der
letztgenannten Variante würde Art. 46 Abs. 2 Satz 2 AHVG allenfalls Anwendung
finden. Von einer erkennbaren Beeinträchtigung des psychischen Zustands, die der
Versicherten die nötige Einsicht in eine Hilfsbedürftigkeit verunmöglicht hätte, wird in
den älteren Akten nicht berichtet. Ein Mini Mental-Test, der offenbar im Kantonsspital
Frauenfeld durchgeführt wurde, ergab gemäss einem Verlaufseintrag vom 10. März
2004 keine Hinweise auf eine dementielle Entwicklung (IV-act. 41-154). Am 7. März
2004 wurde seitens des Kantonsspitals festgehalten, die Versicherte sei allseits
orientiert gewesen (IV-act. 41-107). Weitere Berichte aus jener Zeit (vgl. act. 41-110 f.;
41-112 ff.; 41-116 ff.; 41-122 f.) enthalten keine gegenteiligen Hinweise. Im Bericht des
Kantonsspitals Frauenfeld vom 20. Dezember 2006 wird zwar ein Verdacht auf eine
demenzielle Entwicklung geäussert und festgehalten, dass eine Vergesslichkeit
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aufgefallen sei (IV-act. 14-4 f.). Dies ist jedoch kein genügend konkretes Indiz auf eine
relevante mangelnde Einsichtsfähigkeit in einen anspruchsbegründenden Sachverhalt,
zumal im Bericht des Spitals vom 14. Januar 2008 die Verdachtsdiagnose nicht mehr
erwähnt wurde und dieser auch sonst keine Hinweise auf eine erhebliche psychische
Beeinträchtigung liefert (IV-act. 14-8 ff.). Auch der behandelnde Arzt Dr. C._ hielt am
3. Februar 2009 fest, in der von ihm im Dezember 2006 aufgenommenen Behandlung
seien die körperlichen Probleme im Vordergrund gestanden. Für die psychische
Auffälligkeit habe er nie eine Diagnose gesehen und auch keine gestellt (IV-act. 14-2).
Erst im Rahmen des Spitaleintritts vom Juni 2008 wurde ein delirantes Syndrom
bemerkt, der Verdacht auf eine dementielle Entwicklung wurde erst im Bericht des
Kantonsspitals vom 17. Juli 2008 erneut geäussert (IV-act. 14-19; 25). Der Bericht der
Psychiatrischen Klinik Münsterlingen vom 27. Oktober 2009 (IV-act. 41-72) ist nicht
geeignet zu belegen, dass die Versicherte sich wegen einer gravierenden psychischen
Erkrankung nicht rechtzeitig zum Bezug einer Hilflosenentschädigung angemeldet
hatte. Behandlungsbeginn in Münsterlingen war erst am 1. Juni 2009, sodass die im
Bericht behauptete seit März 2006 erfolgte "deutliche dementielle Entwicklung" keine
nachvollziehbare Begründung aufweist, in den Akten keine taugliche Stütze findet und
erst recht keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Einsichtsfähigkeit der Versicherten
in ihre Hilflosigkeit Jahre zuvor zulässt. Folglich ist nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit bewiesen, dass die Versicherte sich wegen ihrer aus psychischen
Gründen mangelnden Einsichtsfähigkeit in die Hilflosigkeit im Anschluss an die
behauptete Vergrösserung derselben nicht zum Leistungsbezug anmeldete.
Entsprechend bleibt auch bei Abstellen auf einen subjektiv-objektiven Massstab für die
Anwendung der Ausnahmebestimmung des Art. 46 Abs. 2 Satz 2 AHVG kein Raum.
6.4 Von weiteren Abklärungen zum psychischen Zustand und zur Einsichtsfähigkeit
der Versicherten insbesondere ab Dezember 2006 sind keine neuen relevanten
Erkenntnisse zu erwarten, sodass darauf verzichtet werden kann (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. den Entscheid 8C_77/2008 des Bundesgerichts vom 5. Juni
2008, E. 3.2.1). Auch eine Befragung der Beschwerdeführerin zum psychischen
Zustand ihrer Mutter seit Dezember 2006 wird keine brauchbaren Erkenntnisse liefern,
zumal diese aufgrund ihres direkten eigenen Interesses am Ausgang des Verfahrens
ohnehin als befangen erscheinen muss.
7.
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Dass die Beschwerdeführerin über einen allfälligen früheren Anspruch ihrer Mutter auf
Hilflosenentschädigung nicht informiert war, ist unbeachtlich. Wie die
Beschwerdegegnerin zutreffend geltend machte, kann niemand aus der eigenen
Rechtsunkenntnis Vorteile für sich ableiten. Das Bundesgericht hat wiederholt
festgehalten, dass es allein auf die Kenntnis des anspruchsbegründenden
Sachverhalts, also auf die Kenntnis des entsprechenden Gesundheitszustands bzw.
der Hilfsbedürftigkeit und nicht etwa darauf ankomme, ob sich daraus ein Anspruch auf
eine Hilflosenentschädigung ableiten lasse. Die Tatsache, dass sich eine versicherte
Person oder deren Angehörige keine Gedanken über den (rechtlichen) Begriff der
Hilflosigkeit machten und von niemandem darauf hingewiesen wurden, kann also nicht
wesentlich sein (mit zahlreichen Hinweisen auf die Praxis EVGE H 22/02, E. 2b).
8.
Die Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte am 9. Februar 2009. In Anwendung von
Art. 46 Abs. 2 Satz 1 AHVG hat die Beschwerdegegnerin den Auszahlungsbeginn auf
den 1. Februar 2008 festgelegt. Demnach musste das Wartejahr (Art. 43 Abs. 2
AHVG) spätestens im Februar 2007 zu laufen begonnen haben, die Hilflosigkeit musste
dann also bestanden haben. Dies kann nach der Aktenlage bejaht werden (vgl.
insbesondere den Abklärungsbericht vom 26. Mai 2009, IV-act. 34). Der
Auszahlungsbeginn am 1. Februar 2008 ist somit nicht zu beanstanden. Auf welchen
Zeitpunkt der eigentliche Anspruchsbeginn fällt, kann ausnahmsweise offen bleiben, da
er auf die Nachzahlung an sich gemäss den erläuterten Bestimmungen (insbes. Art. 46
Abs. 2 Satz 1 AHVG) und auf die Höhe der Hilflosenentschädigung keinen Einfluss hat.
9.
9.1 Zu überprüfen bleibt das Ausmass des Hilfsbedarfs bzw. die Höhe der
Hilflosenentschädigung. Da ab 1. Oktober 2008 eine Entschädigung für schwergradige
Hilflosigkeit ausgerichtet wurde und dies nach Lage der Akten nicht zu beanstanden ist
und weil der Anspruch ab Februar 2008 jedenfalls nicht höher ausfallen kann als er der
(nach Ablauf der Wartezeit) ab Februar 2008 bestehenden Hilflosigkeit entspricht,
beschränkt sich der Zeitraum der Überprüfung des Hilfsbedarfs auf die Monate Februar
bis September 2008.
bis
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9.2
9.2.1 Im Rahmen der Abklärung der Hilflosigkeit in der Klinik St. Katharinenthal vom
25. Mai 2009 wurde festgehalten, dass in der Verrichtung des Aufstehens/Absitzens/
Abliegens erst seit Juni 2008 Hilfsbedürftigkeit bestehe. Seit jener Zeit (wohl seit dem
Sturz vom 12. Juni 2008; IV-act. 14-13) sitze die Versicherte im Rollstuhl (IV-act. 34-3).
Ein Bedarf nach regelmässiger und erheblicher Dritthilfe in jener Lebensverrichtung ist
für die Zeit vom 1. Februar bis 11. Juni 2008 aktenmässig nicht erstellt. Zwar waren die
Spitex und die Beschwerdeführerin offenbar in jener Zeit mehrmals täglich bei der
Versicherten; ein erheblicher Hilfsbedarf beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen wurde aber
nicht geltend gemacht.
9.2.2 Bis zum Sturz vom 12. Juni 2008 war die Versicherte gemäss den Angaben der
Beschwerdeführerin im Abklärungsprotokoll in der Lage, sich vorgekochtes Essen
warm zu machen und dieses selbständig einzunehmen. Das Fleisch habe geschnitten
werden müssen. Dies reicht für eine AHV-rechtlich relevante Hilfsbedürftigkeit in der
Lebensverrichtung des Essens nicht aus. Auch wenn die Versicherte für die
Zerkleinerung von Fleisch oder allfällig auch anderer harter Speisen regelmässig Hilfe
gebraucht hätte, ist doch nicht anzunehmen, dass die für die Versicherte zubereiteten
Mahlzeiten regelmässig solche Speisen enthielten (vgl. auch den Entscheid AHV-H
2008/1 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. August 2008,
E. 2.3.2).
9.3 Wie es sich mit dem Hilfsbedarf in den übrigen Lebensverrichtungen verhielt, kann
bei dieser Aktenlage offen bleiben, zumal eine mittelgradige Hilflosigkeit ohne weiteres
erwiesen ist. Es ist hinreichend erstellt, dass vor Juni 2008 nicht in allen
Lebensverrichtungen Hilflosigkeit bestand, sodass die Ausrichtung einer
Entschädigung für schwergradige Hilflosigkeit zu Recht verweigert wurde.
10.
10.1Gemäss Art. 67 Abs. 2 ATSG entfällt der Anspruch auf die Hilflosenentschädigung
bei Aufenthalt in einer Heilanstalt, der zu Lasten der Sozialversicherung geht, für jeden
vollen Kalendermonat des Aufenthalts in der Heilanstalt. Die Versicherte hielt sich vom
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21. Juni 2008 bis 22. Oktober 2008 im Kantonsspital Frauenfeld und in der Klinik
Littenheid auf (IV-act. 14-16; 14-19; 14-22; 14-25 ff.). Folglich ist nicht zu beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin für die Monate Juli bis und mit September 2008 keine
Hilflosenentschädigung zugesprochen hat.
10.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Versicherte von 1. Februar bis
30. Juni 2008 Anspruch auf Entschädigung für mittelgradige und ab 1. Oktober 2008
bis 30. April 2010 (vgl. Art. 43 Abs. 2 AHVG) für schwergradige Hilflosigkeit hatte. Die
Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 3. Juli 2009 bzw. der angefochtene
Einspracheentscheid sind folglich nicht zu beanstanden, die Beschwerde ist
abzuweisen.
10.3 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
10.4 Bei diesem Verfahrensausgang ist der Beschwerdeführerin keine
Parteientschädigung zuzusprechen. Der in der Beschwerde gestellte Antrag um
Zusprache einer Entschädigung für das Verfahren vor der Beschwerdegegnerin ist
folglich ebenfalls abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP