Decision ID: 4e300eba-682b-52a7-a5f3-62ac87f70ce3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer (kosovarischer Staatsangehöriger, geb. 1979) reis-
te 1995 im Familiennachzug zu seiner Mutter (geb. 1955) in die Schweiz
ein. Aufgrund seiner Straffälligkeit entzog ihm das Amt für Migration des
Kantons Schwyz mit Verfügung vom 28. Dezember 2010 die Niederlas-
sungsbewilligung. Die hiergegen eingelegten Rechtsmittel blieben erfolg-
los (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Schwyz vom 23. No-
vember 2011). In der Folge verhängte das SEM gegen ihn ein vom 1. März
2012 bis zum 28. Februar 2017 gültiges Einreiseverbot.
B.
Am 4. Dezember 2018 beantragte der Beschwerdeführer bei der Schwei-
zer Botschaft in Pristina ein Schengen-Visum für einen 30-tägigen Be-
suchsaufenthalt bei seiner Mutter in der Schweiz. Mit Formularentscheid
vom 21. Dezember 2018 lehnte es die Schweizer Botschaft ab, das ge-
wünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass
die fristgerechte Ausreise des Beschwerdeführers nicht gewährleistet sei.
C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 28. Dezember
2018 Einsprache bei der Vorinstanz. Im Rahmen des Einspracheverfah-
rens nahm die Vorinstanz Einsicht in die bei der Schweizer Vertretung ein-
gereichten Unterlagen und liess durch das Amt für Migration des Kantons
Schwyz weitere Abklärungen zum Sachverhalt vornehmen. Mit Entscheid
vom 26. März 2019 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Zur Begrün-
dung führte sie im Wesentlichen an, die fristgerechte Wiederausreise des
Beschwerdeführers erscheine aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse
im Kosovo und der persönlichen Situation des Beschwerdeführers nicht
gesichert.
D.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 10. Mai 2019 beantragte der Beschwerdefüh-
rer die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids und die Gutheissung
des Visumsantrags. Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks weiterer
Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In seiner Begründung beruft sich der Beschwerdeführer darauf, dass die
Vorinstanz sich in Bezug auf seine Lebenssituation im Kosovo auf einen
unvollständigen Sachverhalt abgestützt habe. So sei er familiär stark ein-
gebunden. Er lebe zusammen mit seinem Onkel und dessen Tochter, die
F-2265/2019
Seite 3
auf seine Unterstützung angewiesen seien. Die Vorinstanz habe auch nicht
berücksichtigt, dass er dabei sei, seinen Schulabschluss nachzuholen (Ab-
schluss im Dezember 2019). Nach dem Abschluss wolle er wieder arbeits-
tätig sein. Er wolle in der Schweiz seine Mutter besuchen. Sie sei verwitwet
und leide unter Epilepsie. Aufgrund des Alters falle ihr die Reise in den Ko-
sovo immer schwerer. Er wolle sie während 30 Tagen besuchen und sie im
Alltag unterstützen. Er habe nicht die Absicht, in der Schweiz zu bleiben.
E.
Mit Vernehmlassung vom 12. Juni 2019 beantragte die Vorinstanz die Ab-
weisung der Beschwerde. Sie hielt insbesondere fest, der Beschwerdefüh-
rer habe den Schulbesuch weder gegenüber der Schweizer Vertretung
noch in der Einsprache erwähnt; zudem habe er auch mit der Beschwerde
keine entsprechenden Belege eingereicht. Der 40-jährige Beschwerdefüh-
rer habe die Schweiz 2012 verlassen. Er könne im Kosovo keine gefestig-
ten beruflichen und wirtschaftlichen Verhältnisse vorweisen. Die Beziehung
zur Tochter seines Onkels könne nicht als familiäre Verpflichtung angese-
hen werden, die seine Anwesenheit im Kosovo zwingend erforderlich ma-
che. Die Voraussetzungen für das beantragte Schengen-Visum seien nicht
erfüllt. Es liege auch kein Grund vor, aus humanitären Gründen ein Visum
nur für die Schweiz auszustellen, da nicht erstellt sei, dass es der Mutter
des Beschwerdeführers nicht (mehr) möglich sei, in den Kosovo zu reisen.
F.
In seiner Replik vom 13. August 2019 führte der Beschwerdeführer aus, er
habe von der Schule die Auskunft erhalten, dass ihm kein Beleg für seinen
Schulbesuch ausgestellt werden könne. Die fehlenden Belege könnten ihm
demnach nicht zugerechnet werden. Entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz bestehe zudem Grund, ihm aus humanitären Gründen ein Vi-
sum mit räumlich beschränkter Gültigkeit auszustellen. Seiner Mutter sei
es aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht mehr möglich, in den Kosovo
zu reisen.
Der Beschwerdeführer präzisierte seine Anträge insoweit, als er um Aus-
stellung eines räumlich auf die Schweiz begrenzten Visums aus humanitä-
ren Gründen ersuchte.
Der Eingabe lag eine undatierte Bestätigung der Hausärztin der Mutter
(inkl. Ausdruck der persönlichen Anamnese) bei.
F-2265/2019
Seite 4
G.
Mit Eingabe vom 7. Januar 2020 reichte der Beschwerdeführer einen seine
Mutter betreffenden Eintrittsbericht eines Zentrums für Psychiatrie und
Psychotherapie vom 19. Dezember 2019 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Einspracheentscheide des SEM bezüglich Schengen-Visa sind mit Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 AIG
[SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich
nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat grundsätzlich zur
Beschwerde berechtigt (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Wie in den meisten Ver-
fahren betreffend Schengen-Visa ist jedoch der ursprünglich angestrebte
Besuchszeitraum längst abgelaufen, so dass sich die Frage nach dem ak-
tuellen Rechtsschutzinteresse stellt (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). Aufgrund
des Zwecks des Besuchsaufenthalts (Besuch bei Familienangehörigen)
sowie der Eingaben im vorliegenden Verfahren (zuletzt am 7. Januar 2020)
ist jedoch davon auszugehen, dass nach wie vor ein schützenswertes In-
teresse am vorliegenden Verfahren besteht. Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52
VwVG).
1.3 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal-
tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Am-
tes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der
Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als
den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend
ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl.
BVGE 2014/1 E. 2 m.H).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/1
F-2265/2019
Seite 5
3.
3.1 Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eines kosovarischen
Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen 30-tägigen Be-
suchsaufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich der Beschwerdeführer
nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann
und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die
vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungs-
bereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz
den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtli-
chen Rechtsakte übernommen hat (BVGE 2014/1 E. 3; 2011/48 E. 3). Das
Ausländer- und Integrationsgesetz und dessen Ausführungsbestimmun-
gen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungs-
abkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 4
AIG).
3.2 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei-
lung eines Visums. Die Schweiz ist daher grundsätzlich nicht verpflichtet,
Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich
völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autono-
men Entscheid (vgl. statt vieler Urteil des BVGer F-785/2020 vom 21. April
2020 E. 3.2 m.H.). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen
Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für Einreise
und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw.
das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Ei-
nen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt aber auch das Schengen-
Recht nicht (BVGE 2014/1 E. 4.1.1 m.H.).
3.3 Drittstaatsangehörige benötigen zur Einreise in den Schengen-Raum
für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums
von 180 Tagen ein gültiges Reisedokument, das zum Grenzübertritt be-
rechtigt und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist (vgl. Anhang I der Ver-
ordnung [EU] 2018/1806 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 14. November 2018 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren
Staatsangehörige bei Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines
Visums sein müssen [...] [Kodifizierter Text; ABl. L 303/39 vom
28.11.2018). Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und
die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über
ausreichende finanzielle Mittel verfügen. Namentlich haben sie in diesem
Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des
bewilligungsfreien Aufenthalts verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für
F-2265/2019
Seite 6
eine fristgerechte Wiederausreise bieten. Des Weiteren dürfen Drittstaats-
angehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreisever-
weigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ord-
nung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internatio-
nalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (vgl. Art. 5 Abs. 1 und 2
AIG; Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemein-
schaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Kodifi-
zierter Text] [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom
23.03.2016]).
3.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1
Bst. e SGK ist beispielsweise dann anzunehmen, wenn die drittstaatsan-
gehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums
fristgerecht wieder zu verlassen. Die Behörden haben daher zu prüfen und
die drittstaatsangehörige Person hat zu belegen, dass die Gefahr einer
rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht
besteht respektive dass die gesuchstellende Person für die gesicherte Wie-
derausreise Gewähr bietet. (vgl. Art. 5 Abs. 2 AIG; Art. 14 Abs. 1 und
Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemein-
schaft [Visakodex; ABl. L 243/1 vom 15.9.2009]). Bestehen begründete
Zweifel daran, dass die gesuchstellende Person das Hoheitsgebiet der Mit-
gliedstaaten fristgerecht wieder verlässt, so ist das Visum zu verweigern
(Art. 32 Abs. 1 Bst. b Visakodex).
3.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die Einreisevoraussetzungen
nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter
Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden
Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betreffende Mitglied-
staat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitären
Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund internatio-
naler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 und 5 VEV;
Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). In der Regel wird
der betreffende Mitgliedstaat seinen Entscheid gestützt auf eine Abwägung
der sich gegenüberstehenden Interessen fällen, wobei er die Vorausset-
zungen für ein Abweichen von den Einreisevoraussetzungen nicht leichthin
annehmen darf (BVGE 2011/48 E. 6.1 m.H.). Als humanitäre Gründe wer-
den beispielsweise eine schwere Erkrankung oder der Tod eines nahen
Angehörigen angesehen (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.2 m.H.).
F-2265/2019
Seite 7
3.6 Aufgrund seiner Staatsangehörigkeit unterliegt der Beschwerdeführer
der Visumpflicht (vgl. Anhang I der bereits erwähnten Verordnung
Nr. 2018/1806).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründet die Abweisung der Einsprache im Wesentli-
chen damit, dass die Wiederausreise des Beschwerdeführers nicht ge-
währleistet sei. Bei der Beurteilung des Kriteriums der gesicherten Wieder-
ausreise muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Hierzu sind le-
diglich Prognosen möglich, wobei jedoch sämtliche Umstände des konkre-
ten Einzelfalls zu würdigen sind. Dabei ist einerseits die allgemeine Lage
im Herkunftsland und andererseits die individuelle Situation der gesuch-
stellenden Person in die Beurteilung miteinzubeziehen. Die Beweisfüh-
rungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen Person (Art. 14 Abs. 1
Bst. d Visakodex; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II Visakodex; Art. 6 Abs. 1
Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1).
4.2 Im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage im Kosovo weist die
Vorinstanz auf die nachteiligen wirtschaftlichen Verhältnisse und den damit
verbundenen Migrationsdruck hin. Diese Einschätzung ist nicht zu bean-
standen (vgl. etwa Urteil des BVGer F-7232/2018 vom 8. August 2019
E. 5.2 m.H.; vgl. auch die Website der Deutschen Botschaft Pristina:
https://pristina.diplo.de > Themen > Wirtschaft > Wirtschaftsübersicht Ko-
sovo [Artikel], zuletzt besucht am 15. Mai 2020) und wird vom Beschwer-
deführer auch nicht bestritten.
4.3 Angesichts dieser Umstände und unter Berücksichtigung, dass die Be-
reitschaft, das Heimatland zu verlassen, erfahrungsgemäss dort begünstigt
wird, wo – wie im vorliegenden Fall – bereits Verbindungen im Ausland be-
stehen, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Risiko einer nicht
fristgerechten Wiederausreise in Bezug auf Personen aus dem Kosovo all-
gemein als hoch einschätzt.
5.
5.1 Neben den allgemeinen Umständen im Herkunftsland sind – wie er-
wähnt – sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berück-
sichtigen. Obliegt der gesuchstellenden Person im Heimatland beispiels-
weise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verant-
wortung, kann dies die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise
begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine be-
sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht
F-2265/2019
Seite 8
regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch einge-
schätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1 m.H.).
5.2 Vorab ist auf den Vorwurf des Beschwerdeführers einzugehen, die
Vorinstanz habe ihre Verfügung in Bezug auf seine persönliche Situation
(familiäre Verpflichtungen; Schulbesuch) auf einen unvollständigen Sach-
verhalt gestützt (vgl. Art. 49 Bst. b VwVG). Diese Rüge ist unbegründet,
enthalten doch weder die Akten der Schweizer Botschaft noch die Akten
des Einspracheverfahrens Hinweise auf den geltend gemachten Sachver-
halt. Vielmehr hatte die Mutter im Rahmen der Inlandabklärungen gegen-
über dem Amt für Migration des Kantons Schwyz erklärt, ihr Sohn lebe al-
leine und arbeite in einem Callcenter.
5.3 Die persönliche Situation des Beschwerdeführers stellt sich wie folgt
dar: Er ist 40 Jahre alt, kinderlos und ledig. Von 1995 bis 2012 lebte er bei
seiner Mutter in der Schweiz. Gemäss seinen eigenen Angaben besuchte
er ab 2018 die Schule, um seinen Sekundarschulabschluss nachzuholen.
Er lebe bei seinem Onkel und dessen mittlerweile etwa fünfjährigen Toch-
ter. Da er zur Schule gehe, verfüge er über die notwendige zeitliche Flexi-
bilität, um das Mädchen mehrmals pro Woche zu betreuen, während sein
Onkel arbeite. In beruflicher Hinsicht macht der Beschwerdeführer geltend,
in einem Callcenter gearbeitet zu haben. Vorübergehend unterstütze ihn
seine Mutter in finanzieller Hinsicht. Mit dem Sekundarschulabschluss
habe er intakte Zukunftsperspektiven im Kosovo.
5.3.1 Der Beschwerdeführer hat offenbar vor seiner Einreise in die Schweiz
im Kosovo keinen Schulabschluss erworben und weder im Kosovo noch in
der Schweiz eine Berufsausbildung absolviert (vgl. Urteil des Verwaltungs-
gerichts Schwyz vom 21. November 2011). Ob er tatsächlich von 2018 bis
2019 den Schulabschluss nachgeholt hat, kann aufgrund der Akten nicht
als erstellt angesehen werden, da er keinerlei Belege eingereicht hat. Auf-
fällig ist zudem, dass die Mutter gemäss Schreiben des Amts für Migration
des Kantons Schwyz vom 14. März 2019 (Akten SEM 6) weder den Schul-
besuch noch die Wohnsituation erwähnt hat. Vielmehr gab sie an, der Be-
schwerdeführer arbeite in einem Callcenter und wohne alleine. Insgesamt
sind somit die Gründe, die der Beschwerdeführer zugunsten seiner fristge-
rechten Wiederausreise geltend macht, nicht glaubhaft. Aber selbst wenn
es zutreffen sollte, dass er bei seinem Onkel wohnt und eine enge Bezie-
hung zu seiner Nichte aufgebaut hat, könnte daraus nicht auf eine derart
starke Verpflichtung geschlossen werden, die den Beschwerdeführer von
F-2265/2019
Seite 9
einer Emigration abhalten könnte. Auch die Berufsaussichten des Be-
schwerdeführers im Kosovo sind trotz des möglicherweise erworbenen
Schulabschlusses und angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von mindes-
tens 35 % (vgl. den in E. 4.2 erwähnten Artikel der Deutschen Botschaft in
Pristina) nicht als intakt anzusehen.
5.3.2 Insgesamt lassen sich aus den eingereichten Unterlagen keine be-
sonderen familiären, beruflichen oder sozialen Verpflichtungen des Be-
schwerdeführers in seinem Heimatland erkennen, welche die aufgrund der
allgemeinen Lage im Kosovo negative Prognose zugunsten des Beschwer-
deführers beeinflussen könnte. Besonders ins Gewicht fällt im vorliegen-
den Fall, dass der Beschwerdeführer viele Jahre in der Schweiz gelebt hat,
und es ihm seit seiner Rückkehr in den Kosovo im Jahr 2012 offenbar nicht
gelungen ist, sich wirtschaftlich gefestigte Verhältnisse zu schaffen. Das
Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise erscheint vor diesem Hin-
tergrund besonders hoch. Aus diesen Gründen kann kein Visum für den
gesamten Schengen-Raum erteilt werden.
5.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, es lägen humanitäre Gründe
vor, welche die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gül-
tigkeit (vgl. E. 4.5) rechtfertigen würden. Seine Mutter sei aufgrund ihres
Alters und ihres Gesundheitszustands nicht mehr in der Lage, in den Ko-
sovo zu reisen. Deshalb wolle er sie in der Schweiz besuchen.
5.4.1 Den eingereichten medizinischen Unterlagen (vgl. Beilage zur Replik
[undatierte persönliche Anamnese gemäss Hausärztin] bzw. zur Eingabe
vom 7. Januar 2020 [Eintrittsbericht Zentrum für Psychiatrie und Psycho-
therapie vom 19. Dezember 2019]) ist zu entnehmen, dass die Mutter des
Beschwerdeführers 65 Jahre alt ist. Sie leidet unter verschiedenen Krank-
heiten und Beschwerden, darunter Epilepsie (seit 2008 kein Anfall mehr),
Gastritis, verschiedenen schmerzhaften Beschwerden des Bewegungsap-
parats sowie Migräne- und Schwindelanfällen. Die ihr verschriebenen Me-
dikamente bewirken anscheinend, dass sie schnell ermüdet, und beein-
trächtigen ihre Orientierung und ihre Konzentrationsfähigkeit. Aus dem er-
wähnten Eintrittsbericht des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie
vom 19. Dezember 2019 geht hervor, dass sie im Rahmen diverser psy-
chosozialer Belastungsfaktoren (Pensionierung, unerfüllte Lebensziele,
fehlende Tagesstruktur und Sozialkontakte) eine depressive und ängstliche
Symptomatik zeigt.
F-2265/2019
Seite 10
5.4.2 Aus den eingereichten Unterlagen wird zwar deutlich, dass die Mutter
des Beschwerdeführers unter gesundheitlichen Problemen leidet. Dabei
handelt es sich jedoch nicht um derart schwerwiegende Beeinträchtigun-
gen, die, gemessen an den oben erwähnten (vgl. E. 3.5) sehr hohen An-
forderungen, die Erteilung eines humanitären Visums rechtfertigen könn-
ten.
6.
Die angefochtene Verfügung ist im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu bean-
standen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
7.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
F-2265/2019
Seite 11