Decision ID: 77487671-bb27-4e39-bb9a-8a1a31c0e56b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1978, war ab Juli 2012 als „Agent 24h Contact Center“ bei der
Y._
angestellt und bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 4. Februar 2013 verlor er kurz vor sechs Uhr am Morgen auf vereister Strasse die Herrschaft über den von ihm gelenkten Personenwagen und prallte in eine Strassenlaterne. Dabei zog er sich eine Fissur am Sternum und am zweiten Lendenwirbelkörper (LWK) eine Deckplattenimpressionsfraktur zu. Die Behandlung der Unfallfolgen erfolgte notfallmässig und zog einen stationären Spitalaufenthalt bis zum 8. Feb
ruar 2013 nach sich. Die Helsana kam für die Kosten der Heilbehandlung auf und sie richtete für die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit Taggeldleistungen aus.
Nachdem die Helsana zum weiteren Heilungsverlauf ärztliche Abklärungen getä
tigt hatte
,
erliess
sie
a
m
11. März 2014 eine Verfügung, mit der sie die Taggeld
leistungen
und die ärztliche Heilbehandlung per 1. April 2014 einstellte.
Diesen Entscheid bestätigte die Helsana im Einspracheverfahren
.
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess
das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil UV.2014.00252 vom 20. Juni 2016
gut und stelle
fest, dass
ab
1.
April 2014
weiterhin
Anspruch a
uf
die
betreffenden Leistungen
bestehe und die Helsana ü
ber den Fallabschluss und die her
nach gegebenenfalls zu gewähren
den Leistungen nach Vornahme der noch erforderlichen Schritte im Sinne
der Erwägungen erneut
zu entscheiden habe
.
1.2
Nach weiteren medizinischen Abklärungen verfügte die Helsana a
m 17. April 2018 ab dem 1. April 2014 bis zum 31. März 2015 eine Nachzahlung von Tag
geldern für eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
. Den Anspruch auf darüberhinaus
gehende Leistungen
verneinte
sie
, insbesondere
den Anspruch auf
eine Rente oder
eine Integritätsentschädigung
(Urk. 9/K116). Mit Einspracheentscheid vom 1
7.
August 2018 hielt die Helsana an ihrem Entscheid fest. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht mit Urteil UV.2018.00205
vom 2
9.
November 2018
in dem Sinne gut, dass es den Einspracheentscheid
aufhob und
die Sache
erneut
an die Helsana zurückwies, damit diese im Sinne der Erwä
gungen weiter
e
Abklärungen vornehme und hernach über den Leistungsanspruch neu entscheide. Dieser Entscheid erwuchs in der Folge unangefochten in Rechts
kraft.
Die Sachverhaltsschilderung entspricht derjenigen im Urteil des Sozialversiche
rungsgerichts UV.2018.00205
vom 2
9.
November 201
8.
Dort sind auch die jewei
ligen Fundstellen aufgeführt.
2.
Mit Eingabe vom
1.
Mai 2019 erhob
X._
Rechtsverzögerungsbe
schwerde.
Darin machte e
r geltend,
er
habe
bis heute von der Helsana weder
eine Rückmeldung
noch
einen
Bescheid über den Fall erhalten
. Die Frist sei am 21. Januar 2019 abgelaufen. Auch die Prozessentschädigung
von
Fr.
2'000.--
habe er noch nicht erhalten
. Ferner wies er darauf hin, sein rechtlicher Vertreter
sei Rechtsanwalt Thomas Laube,
Zürich (Urk. 1).
Mit Verfügung vom 1
8.
Mai 2019 wurde dem Beschwerdeführer aufgegebe
n
,
seine Eingabe hinsichtlich Rechtsbegehren und Begründung zu verbessern und
insbesondere
anzugeben, ob er sich in diesem Verfahren vertreten lasse (Urk. 2).
In der Eingabe vom 3
1.
Mai 2019
erklärte
der Beschwerdeführer, er sei in diesem Verfahren unvertreten. Sodann wies er darauf hin, er
stelle
kein anderes Rechts
begehren anstelle des angefochtenen Entscheides und er akzeptiere hiermit die Entscheidung des Gerichts (Urk. 4).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Im So
zialversicherungsrecht kommt der
Raschheit
der Entscheidung eine beson
dere
Bedeutung zu, was darauf zurückzuführen ist, dass bei leistungsrechtlichen Fragen regelmässig über den Anspruch auf existenzsichernde Mittel zu entschei
den ist.
Eine Verletzung von
Art.
29
Abs.
1
der Bundesverfassung (
BV
)
– sowie gegebe
nenfalls von
Art.
6
Ziff.
1
der Konvention
zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(
EMRK
;
BGE 130 I 174 mit Hinweisen) – liegt nach der Recht
sprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungs
behörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Recht
sprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29
Abs.
1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (sog. Rechtsverzögerung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe – beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände – die Rechtsver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b, BGE 124 V 130, 117 Ia 116 E. 3a, 197 E. 1c, 103 V 190 E. 3c).
Die Versicherungsträger haben die von ihnen vorzunehmenden Abklärungen (
Art.
43
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts
;
ATSG)
ohne Verzug voranzutreiben.
Welches die zeitlichen Grenzen sind, bei deren Überschreiten eine Rechtsverzögerung im Verwaltungsverfahren anzunehmen ist, wird durch das Gesetz nicht bestimmt.
Im Abklärungsverfahren gilt praxisgemäss eine
Untätigkeit
des Versicherungsträgers
während neun res
pektive zwölf Monaten als rechtsverzögernd (Kieser, ATSG-Kommentar,
3.
A., Zürich 2015,
Art.
56 Rz 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Im Urteil UV.2018.00205 vom 2
9.
November
2018 hatte das Gericht erkannt, es sei eine Teilremission erfolgt und der Beschwerdeführer habe die bisherige Tätig
keit als Agent in einem Callcenter bei einem neuen Arbeitgeber in einem Pensum von 50 % aufgenommen.
Im eingeholten Gutachten
sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bis Mitte März 2015 attestiert worden, wobei sich diese Einschätzung in erster Linie auf die Folgen der somatisch nicht erklärbaren Beeinträchtigungen beziehe. Offen sei, ob und in welchem Umfang mit Blick auf die somatischen Unfallfolgen über die erfolgte
Leistungseinstellung per Ende März 2015
hinaus Anspruch auf Taggelder und auch Heilbehandlung bestehe und zu welchem Zeit
punkt der Fallabschluss mit Prüfung des Anspruchs auf weitergehende Leistungen (Rente, Integritätsentschädigung) effektiv vorgenommen werden könne. Hierfür
seien
weitere Abklärungen zum Verlauf der somatischen Unfallfolgen erforder
lich. Je nach Ausgang der Adäquanzprüfung
sei
auch eine Verlaufsbeurteilung im Zusammenhang mit den psychischen Unfallfolgen angezeigt.
Die Sache sei daher zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen (E. 7).
2.2
Der Rückweisungsentscheid
vom
2
9.
November 2018 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B
ei frühestmögliche
r
Eröffnung
des Urteils
per Ende November 2018
trat die Rechtskraft
unter Berücksichtigung d
es Friststillstandes
vom
18.
Dezem
ber 2018 bis zum
2.
Januar 2019 (
Art.
38
Abs.
4 lit. c
ATSG)
etwa Mitte
Januar 2019 ein.
Da
der Beschwerdeführer angibt, die Rechtsmittelfrist sei erst am 2
1.
Januar 2019 abgelaufen, erfolgte die Zustellung an ihn effektiv
etwas
später. E
r macht geltend, seither nichts von der Beschwerdegegnerin gehört respektive keinen Bescheid er
halten zu haben
(Urk. 1). Die Rechtsverzögerungsb
eschwerde erhob der Versicherte am
1.
Mai 201
9.
Mithin waren
bis dahin
etwas über
drei
Monate verstrichen, ohne dass die Beschwerdegegnerin gemäss der Darstellung des Beschwerdeführers aktiv geworden ist
respektive ihn über den weiteren Gang des Verfahrens in Kenntnis gesetzt hat
. Dies vermag
praxisgemäss
noch keine Rechtsverzögerung zu begründen. Vor diesem Hintergrund ist die Beschwerde unbegründet und daher abzuweisen. Auf eine Anhörung
d
er Gegenpartei ist zu verzichten (
§
19
Abs.
2
des
Gesetz
es
über
das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer)
.
Die offensichtliche Unbegründetheit der Beschwerde ergibt sich
allein schon
unter dem Gesichtspunkt der vorgeworfenen Dauer der Untätigkeit, die noch keine Rechtsverzögerung zu begründen vermag.
Die Beschwerdegegnerin ist indessen darauf hinzuweisen, dass
sie den Beschwerdeführer über die
vorge
sehenen
Abklärungsschritte
nunmehr
orientiert und über den Fortgang des Abklärungsverfahrens auf dem Laufenden hält, sofern sie dies
inzwischen
nicht bereits getan hat.
2.3
Der Beschwerdeführer bemängelt, die ihm
mit dem Rückweisungsentscheid
zuge
sprochene Prozessentschädigung habe er noch nicht erhalten.
W
as bereits unter
nommen wurde, um die Entschädigung erhältlich zu machen
, liess er unerwähnt
.
Dies kann
auch
offenbleiben. Das Sozialversicherungsgericht
ist zur Voll
streckung von Geldforderungen nicht zuständig. Auf die Beschwerde ist
somit
in diesem
Punkt
nicht einzutreten.