Decision ID: 3ae2e9f7-5b77-59f8-b8be-bf2357588373
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der afghanische Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Beschwerde-
führer) reiste am 5. November 2021 in die Schweiz ein und suchte glei-
chentags im Bundesasylzentrum (BAZ) (...) um Asyl nach.
B.
B.a. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der eu-
ropäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab,
dass er bereits am (...) 2017 in Griechenland ein Asylgesuch gestellt hatte
und ihm am (...) 2019 von den griechischen Behörden internationaler
Schutz gewährt worden war.
B.b. Am 9. November 2021 ersuchte das Staatssekretariat für Migration
(SEM) die griechischen Behörden gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG
des Europäischen Parlaments und des Rats vom 16. Dezember 2008 über
gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückfüh-
rung illegal anwesender Drittstaatsangehöriger (nachfolgend: Rückfüh-
rungs-Richtlinie) und auf das Abkommen zwischen der Schweiz und Grie-
chenland über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufent-
halt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729) schriftlich um Rücküber-
nahme des Beschwerdeführers.
B.c. Die griechischen Behörden stimmten am 12. November 2021 dem
Rückübernahmeersuchen der Vorinstanz zu. Sie teilten mit, dass der Be-
schwerdeführer am (...) 2019 als Flüchtling anerkannt worden sei und er
über eine vom (...) 2019 bis am (...) 2022 gültige Aufenthaltsbewilligung
verfüge.
C.
C.a. Am 18. November 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) statt und
am 22. November 2021 erfolgte – im Beisein der zugewiesenen Rechts-
vertretung – das persönliche Gespräch und die Gewährung des rechtlichen
Gehörs zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid zur Rückführung in
einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 lit. b des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31).
Im Rahmen des ihm vom SEM gewährten rechtlichen Gehörs brachte der
Beschwerdeführer vor, aufgrund seiner sexuellen Orientierung sei er auch
in Griechenland von Afghanen wiederholt beleidigt, beschimpft und brutal
zusammengeschlagen worden. Als er sich deshalb an die Polizei gewandt
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habe, hätten ihm die Beamten gesagt, dass dies ein Problem unter Afgha-
nen sei und sie deshalb nichts machen könnten. Da er nicht versichert ge-
wesen sei, habe er seine Verletzungen medizinisch nicht behandeln lassen
können. Ferner sei ihm von den griechischen Behörden von Anfang an
keine Unterkunft zur Verfügung gestellt worden. Er habe deshalb ein Zim-
mer für EUR 150.– von einem Schlepper gemietet, wobei er unter men-
schenunwürdigen Bedingungen untergebracht gewesen sei. Da der
Schlepper mit Drogen gehandelt und andere schlimme Sachen gemacht
habe, habe er (der Beschwerdeführer) mehrmals seine Unterkunft gewech-
selt. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, habe er gegen Geld (...).
Nach seinem Gesundheitszustand gefragt führte der Beschwerdeführer
aus, er leide an (...), weshalb er zu einem Facharzt geschickt werden
würde.
C.b. Da es dem Beschwerdeführer unangenehm war, den während der Be-
fragung anwesenden Frauen von der ihm angeblich widerfahrenen ge-
schlechtsspezifischen Verfolgung zu erzählen, räumte ihm das SEM in der
Folge die Möglichkeit ein, seine Aussagen durch eine schriftliche Stellung-
nahme zu ergänzen und setzte ihm hierfür eine Frist bis zum 29. Novem-
ber 2021.
C.c. Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 29. November 2021 nahm
der Beschwerdeführer zur beabsichtigten Wegweisung nach Griechenland
schriftlich Stellung. Dabei wurde ergänzend geltend gemacht, er habe nicht
nur von der Polizei keinen Schutz erhalten, sondern auch von anderen Be-
hörden und Nichtregierungsorganisationen. Aufgrund der schlechten Ar-
beits- und Lebensbedingungen sowie den Beleidigungen, welche er tag-
täglich habe erleiden müssen, habe er schliesslich – trotz erfolgter Schutz-
gewährung – den Entschluss gefasst, Griechenland zu verlassen. Des
Weiteren wurde bezüglich der aktuellen Situation von internationalen
Schutzberechtigten auf die Stellungnahme der Stiftung Pro Asyl vom Ap-
ril 2021 verwiesen, wonach Griechenland seinen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nicht nachzukommen vermöge. Deshalb hätten auch bereits
zwei deutsche Oberverwaltungsgerichte entschieden, anerkannte Schutz-
berechtigte aus Griechenland grundsätzlich nicht mehr zurückzuschicken.
Die Situation habe sich aufgrund der Covid-19-Situation weiter zugespitzt.
Gemäss der Stellungnahme der Stiftung Pro Asyl und Refugee Aegean
Support (RSA) vom 21. April 2021 sowie weiteren Berichten bestehe für
Schutzberechtigte eine reale Gefahr der Obdachlosigkeit und Verelen-
dung, da es an sozialer Unterstützung mangle. Ausserdem sei der Zugang
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zur medizinischen Grundversorgung erschwert. Ferner wurde auf die Dis-
kriminierung von LGBTIQ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Interse-
xual and Queer) Personen in Griechenland hingewiesen. Insgesamt wür-
den erhärtete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Beschwerdeführer
bei einer Wegweisung nach Griechenland dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung nach
Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihei-
ten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) ausgesetzt sein würde,
weshalb der Wegweisungsvollzug als unzulässig oder – da individuelle
Vollzugshindernisse bestehen würden – zumindest als unzumutbar zu er-
achten sei.
D.
Durch das SEM am 3. Dezember 2021 getätigte telefonische Abklärungen
beim Gesundheitsdienst des BAZ B._ ergaben, dass sich der Be-
schwerdeführer seit seiner Ankunft nie mit gesundheitlichen Beschwerde
gemeldet hatte. Es hätten weder Arzttermine stattgefunden, noch seien
solche geplant gewesen und er habe keine Medikamente genommen.
E.
E.a. Am 3. Dezember 2021 übermittelte das SEM der Rechtsvertretung
den Entwurf des Entscheids betreffend Nichteintreten auf das Asylgesuch
und Drittstaatenwegweisung des Beschwerdeführers nach Griechenland
zur Stellungnahme.
E.b. Mit Stellungnahme vom 6. Dezember 2021 teilte die Rechtsvertretung
mit, der Beschwerdeführer habe mit Fassungslosigkeit und Verzweiflung
auf den geplanten Entscheid reagiert. Weiter wurde erneut festgehalten,
dass eine Wegweisung nach Griechenland unzulässig und unzumutbar sei.
Der pauschale Verweis auf die Umsetzung der Richtlinie 2011/95/EU des
Europäischen Parlaments und Rats vom 13. Dezember 2011 (nachfol-
gend: Qualifikationsrichtlinie) vermöge nicht über die notorisch desolate Si-
tuation von anerkannten Flüchtlingen in Griechenland hinweg zu täuschen.
Diesbezüglich werde die Vorinstanz darum ersucht, konkret darzulegen,
mit welchen Mitteln der Beschwerdeführer im Falle einer Wegweisung nach
Griechenland die Gewährleistung seiner elementarsten Grundbedürfnisse
sicherstellen könne, denn ihm sei keine Möglichkeit bekannt, diese gericht-
lich einzufordern. Er befürchte im Falle einer Rückkehr ohne jegliche staat-
liche Unterstützung sich selbst überlassen zu sein, was sich mit zahlrei-
chen Länderberichten und auch der Stellungnahme der Stiftung Pro Asyl
decke. So habe er bereits während seines knapp dreijährigen Aufenthalts
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in Griechenland keine staatliche Unterstützung erhalten. In Anbetracht der
gravierenden Unzulänglichkeiten im griechischen Asyl- und Aufnahmever-
fahren, gehe sodann der Hinweis, er könne sich zur Deckung seiner Grund-
bedürfnisse an private oder internationale Organisationen wenden, fehl.
Weiter wurde darauf hingewiesen, dass sowohl die deutsche als auch die
niederländische Rechtsprechung von der Abschiebung von anerkannten
Flüchtlingen nach Griechenland absehe. Schliesslich würden angesichts
der erlebten Verfolgung durch andere Afghanen aufgrund seiner Homose-
xualität sowie der fehlenden Schutzwillig- und Schutzfähigkeit der griechi-
schen Polizeibehörden konkrete Hinweise dafür vorliegen, dass ihm bei ei-
ner Überstellung eine ernsthafte Gefahr ("real risk") einer Verletzung von
Art. 3 EMRK drohe.
F.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 7. Dezember 2021 trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Grie-
chenland und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf
der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wurde der Kanton
C._ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Schliesslich wur-
den dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis ausgehändigt.
Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, da der Be-
schwerdeführer in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor
Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde, sei das Non-Refou-
lement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates nicht zu prü-
fen. Den geltend gemachten Angriffen, Verspottungen und Beleidigungen
durch afghanische Landsleute aufgrund seiner sexuellen Orientierung hielt
das SEM entgegen, dass Griechenland ein Rechtsstaat sei und über eine
funktionierende Polizeibehörde verfüge, die sowohl schutzwillig als auch
schutzfähig sei. Es sei dem Beschwerdeführer zuzumuten, allfällige Bedro-
hungen auch nach einer abschlägigen Antwort erneut bei der Polizei anzu-
zeigen oder sich nötigenfalls mit einer Beschwerde an die zuständigen
Stellen zu wenden. Neben staatlichen Strukturen könne er sich zudem an
private und internationale Organisationen wenden. Mithin gelte Griechen-
land gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts als sicherer
Drittstaat, in dem keine Situation von allgemeiner Gewalt herrsche. Grie-
chenland komme seinen völkerrechtlichen Pflichten als Signatarstaat der
EMRK, des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK;
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SR 0.142.30), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Fol-
ter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung
oder Strafe (FoK; SR 0.105) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom
31. Januar 1967 (SR 0.142.301) nach und sei verpflichtet sich an die Qua-
lifikationsrichtlinie zu halten; es würden keine erhärteten Hinweise dafür
vorliegen, wonach sich Griechenland nicht daran halten würde. Auch wenn
die Lebensbedingungen in Griechenland nicht einfach seien, insbesondere
auch für den Beschwerdeführer und unter Berücksichtigung seiner persön-
lichen Erlebnisse, so würden dennoch keine ausreichend begründeten Hin-
weise für die Annahme vorliegen, dass ihm bei einer Rückkehr dorthin eine
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK
respektive eine Notlage oder Verelendung drohe. Weiter würden weder die
in Griechenland herrschende Situation noch andere Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat sprechen. Griechenland sei an
die Qualifikationsrichtlinie gebunden und dem Beschwerdeführer würden
sämtliche Rechte aus der Flüchtlingskonvention zustehen. Es würden
keine ausreichend begründeten Hinweise dafür vorliegen, dass er bei einer
Rückkehr nach Griechenland einer existenziellen Notlage ausgesetzt
wäre. Sollten ihm wider Erwarten die ihm zustehenden Rechte verwehrt
werden, stehe es ihm offen, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechi-
schen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem
Rechtsweg einzufordern. Schliesslich sei der Vollzug auch möglich, Grie-
chenland habe die entsprechende Zustimmung gegeben. Vorübergehende
Einschränkungen des Flugverkehrs oder vorübergehende Einreisebe-
schränkungen im Zusammenhang mit der aktuellen Situation rund um die
Covid-19-Pandemie vermöchten keine Unmöglichkeit des Wegweisungs-
vollzugs zu begründen.
G.
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2021 (Datum des Poststempels) erhob der
Beschwerdeführer, handelnd durch seine Rechtsvertreterin, gegen die
vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
und beantragte in materieller Hinsicht, die Verfügung vom 7. Dezem-
ber 2021 sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihn aufgrund
der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit der Wegweisung in
der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die angefochtene
Verfügung zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die
Vorinstanz anzuweisen, von den griechischen Behörden individuelle Ga-
rantien betreffend die adäquate Unterbringung und die soziale Unterstüt-
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zung zur Deckung der elementaren Grundbedürfnisse einzuholen. In pro-
zessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.
Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen unter Hin-
weis auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte (EGMR) und des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus,
aufgrund der allgemein schwierigen Situation von Schutzberechtigten so-
wie Personen der LGBTIQ-Gemeinschaft in Griechenland, habe er bei ei-
ner Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zu befürchten, dass er
völlig auf sich allein gestellt wäre und unabhängig von seinem Willen und
seinen persönlichen Entscheidungen in eine Situation extremer materieller
Not geraten würde und seine elementarsten Bedürfnisse für einen länge-
ren Zeitraum nicht würde befriedigen können. Darüber hinaus handle es
sich bei ihm um eine vulnerable Person, welche aufgrund ihrer sexuellen
Orientierung gezielt verfolgt worden sei und der weitere Verfolgung drohe,
wobei in Griechenland die entsprechenden Schutz- und Unterstützungs-
massnahmen fehlen würden. So habe er bei früheren Misshandlungen auf-
grund der fehlenden Versicherung keine medizinische Behandlung in An-
spruch nehmen können. Ferner dürfte es aufgrund seiner individuellen Er-
lebnisse sowie der allgemeinen schwierigen Situation und insbesondere
der angespannten Wirtschaftslage in Griechenland nicht realistisch sein,
dass er in absehbarer Zeit eine Arbeit finden würde, weshalb ihm im Falle
einer Rückkehr ein "real risk" einer unmenschlichen und erniedrigenden
Behandlung drohe. Insgesamt würde die Wegweisung nach Griechenland
gegen das menschenrechtliche Refoulement-Verbot nach Art. 3 EMRK
und gegen Art. 14 sowie 16 FoK verstossen und sei daher als unzulässig,
eventualiter zumindest unzumutbar, zu beurteilen.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung des SEM
vom 7. Dezember 2021, eine Kopie der Empfangsbestätigung vom 7. De-
zember 2021, eine Vollmacht vom 12. November 2021, zwei Fotos (in Ko-
pie) sowie ein USB-Stick bei.
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
15. Dezember 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
Am gleichen Tag bestätige dieses den Eingang der Beschwerde.
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Seite 8

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-
richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1986
(VwVG; SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom
17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5
E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und
des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vor-
genommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle
Kognition zukommt.
3.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines
Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
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Seite 9
4.
Das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers, die Verfügung des SEM sei
aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen, wurde in der Beschwerde inhaltlich nicht begründet. Man-
gels Hinweise in den Akten auf eine ungenügende Verfahrensführung
durch die Vorinstanz, welche eine Rückweisung der Sache zwecks erneu-
ter Prüfung rechtfertigen würde, ist auf dieses Eventualbegehren (Rechts-
begehren 3 der Beschwerde) nicht weiter einzugehen.
5.
5.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2
Bst. b AsylG als sicheren bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in
welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
5.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrats vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
5.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland – als Mitglied der EU – um einen sicheren
Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt, und legte aus-
führlich und zutreffend dar, weshalb sie nicht auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers eingetreten ist. Sodann ist den Akten zu entnehmen, dass
die griechischen Behörden den Beschwerdeführer als Flüchtling aner-
kannt, ihm eine Aufenthaltsbewilligung erteilt und seiner Rückübernahme
am 12. November 2021 ausdrücklich zugestimmt haben (vgl. SEM-
Akte 1114626-12/1). Darüber hinaus dürfte die offenbar bis (...) 2022 gül-
tige Aufenthaltsbewilligung verlängerbar sein, solange die von Griechen-
land gewährte Schutzgewährung Bestand hat; der Schutz würde erst erlö-
schen, wenn die Umstände, die zu ihm geführt haben, weggefallen sind,
wofür es vorliegend jedoch keinerlei Hinweise gibt (vgl. Urteil des BVGer
D-5056/2021 vom 29. November 2021 E. 5.2).
5.4 Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid
nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist. Dies wurde
vom Beschwerdeführer im Übrigen auch nicht bestritten.
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Seite 10
6.
6.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-
länderinnen und Ausländer und über die Integration [AIG; SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
7.2
7.2.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25
Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
vom 18. April 1999 [BV; SR 101], Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK) einer Wei-
terreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts-
oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
7.2.2. Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie
Griechenland – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflich-
tungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-Verbot und grundle-
gende menschenrechtliche Garantien, einhalten (vgl. FANNY MATTHEY, in:
AMARELLE/SON NGUYEN [Hrsg.], Code annoté de droit des migrations, Bern
2015, N 12 zu Art. 6a AsylG, S. 68). Es obliegt der betroffenen Person,
diese Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhalts-
punkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage stehenden
Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwen-
digen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen
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Seite 11
aussetzen würden respektive, dass sie im in Frage stehenden Staat auf-
grund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesund-
heitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler
das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
7.2.3. Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Rechtsprechung
davon aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK, des FoK und
des FK sowie des Zusatzprotokolls des FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflichtungen
nachkommt. Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem Aspekt
der Zulässigkeit bei Personen, denen von den griechischen Behörden ein
Schutzstatus verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht praxis-
gemäss nur dann bejaht, wenn im jeweiligen Einzelfall konkrete Anhalts-
punkte für Völkerrechtsverletzungen vorliegen. Obgleich die Lebensbedin-
gungen in Griechenland schwierig sind, ist gemäss Rechtsprechung dies-
bezüglich nicht von einer generellen unmenschlichen oder entwürdigenden
Behandlung von Schutzberechtigten im Sinne von Art. 3 EMRK respektive
einer existenziellen Notlage auszugehen (so insbesondere das Urteil des
BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 [als Referenzurteil publiziert]
E. 8.2, m.w.H.). Die bekannten Unzulänglichkeiten treten nicht in einer
Weise auf, die darauf schliessen liesse, dass Griechenland grundsätzlich
nicht gewillt oder nicht fähig wäre, Schutzberechtigten die ihnen zustehen-
den Rechte und Ansprüche zu gewähren, beziehungsweise dass diese bei
Bedarf nicht auf dem Rechtsweg durchgesetzt werden könnten (vgl. bei-
spielsweise Urteile des BVGer E-3183/2021 vom 16. Juli 2021 E. 8.4.4,
D-3708/2021 vom 27. August 2021 E. 5.4.4, E-319/2021 vom 27. Ja-
nuar 2021 E. 5.3 und E-4617/2020 vom 24. September 2020 E. 9.1). An
dieser Einschätzung vermögen auch die zitierten Urteile deutscher und nie-
derländischer Verwaltungsgerichte nichts zu ändern, zumal diese für die
Schweiz nicht verbindlich sind. Personen mit Schutzstatus sind – unabhän-
gig von ihrer sexuellen Orientierung – griechischen Bürgerinnen und Bür-
gern gleichgestellt in Bezug auf Fürsorge und den Zugang zu Gerichten
respektive anderen Ausländern und Ausländerinnen gleichgestellt bei-
spielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit oder die Gewährung einer Un-
terkunft (vgl. Art. 16–24 FK). Unterstützungsleistungen und weitere Rechte
können direkt bei den zuständigen Behörden eingefordert werden, falls
notwendig auf dem Rechtsweg. Nicht zuletzt können Schutzberechtigte
sich auch auf die Garantien in der Qualifikationsrichtlinie berufen, insbe-
sondere die Regeln betreffend den Zugang von Personen mit Schutzstatus
zu Beschäftigung (Art. 26 FK), Bildung (Art. 27 FK), Sozialhilfeleistungen
(Art. 29 FK), Wohnraum (Art. 32 FK) und medizinischer Versorgung
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Seite 12
(Art. 30 FK). Es darf inskünftig vom Beschwerdeführer erwartet werden,
sich bei allfälligen vorübergehenden Einschränkungen – beispielsweise
wegen der geltend gemachten nicht angemessenen Unterbringen – an die
griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls
auf dem Rechtsweg einzufordern. Im Falle einer Verletzung der Garantien
der EMRK steht gestützt auf Art. 34 EMRK letztlich der Rechtsweg an den
EGMR offen (vgl. Urteil des BVGer D-2873/2021 vom 3. September 2021
E. 7.2 m.H. auf das Referenzurteil des BVGer D-559/2020 vom 13. Feb-
ruar 2020 E. 8.2).
7.2.4. Im vorliegenden Fall bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte
dafür, dass für den Beschwerdeführer persönlich ein "real risk" bestehen
würde, bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt zu werden.
So hat er nicht vorgebracht, bei den griechischen Behörden um entspre-
chenden Schutz ersucht zu haben, und es ist ausserdem nicht ersichtlich,
dass er rechtlich gegen eine allfällige Verweigerung von Unterstützungs-
leistungen vorgegangen wäre. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedin-
gungen in Griechenland schwierig sind. Die blosse Möglichkeit, in nicht ab-
sehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebens-
situation geraten zu können, vermag die Schwelle zu einem entsprechen-
den "real risk" nicht zu überschreiten.
7.2.5. Gemäss Praxis des EGMR kann der Vollzug der Wegweisung eines
abgewiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen im Einzel-
fall einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz
aussergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil Paposhvili gegen
Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10, §183). Von einer solchen Si-
tuation ist vorliegend nicht auszugehen. Zwar gab der Beschwerdeführer
anlässlich des persönlichen Gesprächs zu Protokoll, er leide an (...)
(vgl. SEM-Akte 1114626-17/4, S. 3). Gemäss Abklärungen des SEM beim
Gesundheitsdienst des BAZ, habe er sich jedoch nie mit Beschwerden ge-
meldet und es sei weder ein Arzttermin in Auftrag gegeben worden noch
seien zurzeit Arzttermine ausstehend (vgl. SEM-Akte 1114626-22/1). Auch
auf Beschwerdeebene wurden keinerlei ärztliche Unterlagen eingereicht,
woraus zu schliessen ist, dass eine Behandlung bislang offenbar nicht not-
wendig geworden ist. Damit weist der Beschwerdeführer aktuell keine ge-
sundheitlichen Beschwerden auf, welche im Sinne der genannten Recht-
sprechung relevant sein könnten. Im Übrigen verfügt Griechenland als EU-
Staat über eine hinreichende medizinische Infrastruktur für die vorliegend
geltend gemachten, jedoch nicht belegten Gesundheitsbeschwerden. Das
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Seite 13
Land hat sich, wie im Urteil des BVGer E-3110/2020 vom 24. Juni 2020
ausführlich dargelegt wurde, völkerrechtlich verpflichtet, Asylsuchenden
und ausländischen Personen mit einem Schutzstatus die erforderlichen
medizinischen Behandlungen zur Verfügung zu stellen (vgl. a.a.O. E. 7.4).
Der Beschwerdeführer ist gehalten, bei Bedarf einer medizinischen Be-
handlung diese ihm zustehenden Rechte einzufordern und nötigenfalls auf
dem Rechtsweg durchzusetzen.
7.2.6. In Bezug auf die geltend gemachten Beleidigungen und gewalttäti-
gen Übergriffe seitens Afghanen aufgrund der sexuellen Orientierung des
Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass es bedauerlicherweise keinem
Staat gelingt, seine Einwohner und Einwohnerinnen jederzeit und überall
vor Übergriffen zu schützen. Griechenland ist indes ein Rechtsstaat, der
über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat verfügt (vgl. Refe-
renzurteil des BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 9.2, m.w.H.;
ferner Urteil des BVGer D-3708/2021 vom 27. August 2021 E. 5.4.5). Das
SEM führte demnach zu Recht aus, der Beschwerdeführer könne sich bei
Schutzbedarf erneut an die griechische Polizei respektive – sollte die Poli-
zei ihm trotz ernstzunehmender Bedrohung seiner Rechte und seiner Si-
cherheit (weiterhin) keinen Schutz gewähren – an die nächst höhere In-
stanz wenden. Ihm steht auch ohne Weiteres die Möglichkeit offen, wie von
der Vorinstanz ebenfalls zutreffend ausgeführt, sich für Hilfe ergänzend an
eine der vor Ort tätigen Hilfsorganisationen zu wenden.
7.2.7. Nach dem Gesagten liegen keine konkreten Hinweise vor, dass der
Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr nach Griechenland einer un-
menschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK
ausgesetzt wäre. Im Übrigen kann zur Vermeidung von Wiederholungen
auf die ausführlichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
(vgl. dort E. III, Ziff. 1) verwiesen werden. Der Vollzug der Wegweisung er-
weist sich somit als zulässig.
7.3
7.3.1. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht die Vermutung, dass eine
Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl.
Anhang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung so-
wie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL;
SR 142.281]). Der Bundesrat ist – auch in Anbetracht der gegenwärtigen
Asylpolitik Griechenlands – auf seine diesbezügliche Einschätzung, wel-
che periodisch zu überprüfen ist (vgl. Art. 83 Abs. 5bis AIG), bisher nicht zu-
rückgekommen.
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7.3.2. Die Vorinstanz hat zutreffend auf die Verpflichtungen Griechenlands
gegenüber Schutzberechtigten bezüglich Unterbringung, medizinischer
Versorgung, Sozialhilfe und Erwerbstätigkeit hingewiesen, welche sich ins-
besondere aus der Qualifikationsrichtlinie sowie auch aus dem FK erge-
ben. Das Bundesverwaltungsgericht geht, wie bereits ausgeführt, nach wie
vor davon aus, dass Personen mit Schutzstatus griechischen Bürgerinnen
und Bürgern respektive anderen Ausländern und Ausländerinnen in Bezug
auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten, Erwerbstätigkeit oder die Gewäh-
rung einer Unterkunft gleichgestellt sind (vgl. Art. 16–24 FK sowie E. 7.2.3
hiervor). Die Schutzberechtigten können sich auf die Garantien in der Qua-
lifikationsrichtlinie berufen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-3183/2021
vom 16. Juli 2021 E. 8.5.2). Auch wenn eine adäquate Eingliederung des
Beschwerdeführers in die sozialen Strukturen Griechenlands als anerkann-
ter Flüchtling mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden ist,
vermögen seine Vorbringen die Anforderungen an eine konkrete Gefähr-
dung nicht zu erfüllen. An dieser Einschätzung können weder die Hinweise
auf verschiedene öffentlich zugängliche Berichte betreffend die Situation in
Griechenland, noch die Verweise auf die ausländische Rechtsprechung
oder die mit der Beschwerde eingereichten Videoaufnahmen zur Unterbrin-
gungssituation sowie den zwei Screenshots daraus etwas ändern. Der Voll-
ständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer ei-
genen Angaben zufolge erwerbstätig war (vgl. SEM-Akte 1114626-17/4,
S. 2). Zudem ist festzuhalten, dass aus den vorliegenden Akten nicht her-
vorgeht, dass er aktiv um Hilfe bei den griechischen Behörden oder Hilfs-
organisationen ersucht hätte oder diese ihm grundsätzlich verweigert wor-
den wäre. Es darf denn auch von ihm erwartet werden, sich bei Unterstüt-
zungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderli-
che Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern, selbst wenn die
diesbezüglichen Prozedere langwierig sein sollten. Zur Vermeidung unnö-
tiger Wiederholungen kann im Übrigen auf die Erwägungen in der ange-
fochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. dort E. III, Ziff. 2). Bei dieser
Sachlage besteht denn auch kein Anlass zur Einholung individueller Ga-
rantien betreffend adäquate Unterbringung und medizinische Betreuung
(vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-319/2021 vom 27. Januar 2021 E. 5.5).
Der entsprechende Subeventualantrag (Rechtsbegehren 4 der Beschwer-
de) ist abzuweisen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich im Übrigen –
und entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – nicht um eine
besonders vulnerable Person.
7.3.3. Somit lassen weder die allgemeine Situation in Griechenland noch
individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers
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im Falle einer Rückkehr dorthin schliessen. Der Vollzug der Wegweisung
erweist sich damit auch als zumutbar.
7.4
7.4.1. Schliesslich erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich (Art. 83 Abs. 2 AIG), nachdem die griechischen Behörden einer Rück-
übernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben und
den Akten keine Hinweise auf eine Reisunfähigkeit zu entnehmen sind. Der
gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers kann, falls erforderlich,
bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten angemessen Rechnung ge-
tragen werden.
7.4.2. Auch die Covid-19-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug nicht
entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein temporä-
res Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch
die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeit-
punkt des Vollzugs der Situation in Griechenland angepasst wird.
7.5 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug nach Griechenland
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete, weshalb die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1–
4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
9.
9.1 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er-
weist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos.
9.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist
– ungeachtet der nicht nachgewiesenen Bedürftigkeit – abzuweisen, zumal
sich die Beschwerde entsprechend den vorstehenden Erwägungen bereits
bei Eingang als aussichtslos im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erwiesen
hat. Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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