Decision ID: 215b3bde-173b-41da-b104-1838c2019b53
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1972, war von 2000 bis 2015 bei verschiedenen Arbeitgebern als Koch tätig (Urk. 7/1; Urk. 7/8; Urk. 7/126). Am 21. Februar 2012 meldete er sich unter Hinweis auf Angstzustände und eine Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 27. No
vember 2012 einen
Leistungs
anspruch mangels objektivierbarer, eine Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit begründender Befunde (Urk. 7/23).
1.2
Am 28. Januar 2016 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine bei einem Unfall vom 5. August 2015 erlittene Schulterfraktur sowie Verletzung am rechten Fuss erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/25). Die IV
Stelle klärte die berufliche und medizinische Situation ab, zog die Akten der Unfallversicherung (vgl. insbesondere Urk. 7/27; Urk. 7/82; Urk. 7/137) sowie der Krankentag
geld
versicherung (Urk. 7/172) bei und übernahm im März und Juni 2016 die Kosten von Frühinterventionsmassnahmen in Form von Ausbildungs
kursen (Urk. 7/38; Urk. 7/46; Urk. 7/48).
Die IV-Stelle stellte mit Vorbescheid vom 12. Februar 2018 (Urk. 7/98) die Ver
neinung eines Anspruchs auf weitere berufliche Massnahmen und die
Zusprache
einer
Viertelsrente
ab August 2016 in Aussicht, worauf der Versicherte am 8. März 2018 Einwand erhob (Urk. 7/107). Nach erneut durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 7/158; Urk. 7/164) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 18. Juni 2021 (Urk. 2 = Urk. 7/189 [Verfügungsteil 2 vgl. Urk. 7/182]) von August 2016 bis März 2018 bei einem Invaliditätsgrad von 45 % eine
Viertelsrente
und von April 2018 bis April 2019 bei einem Invalidi
tätsgrad von 100 % eine ganze Rente zu.
1.3
Die zuständige Unfallversicherung
Swica
Gesundheitsorganisation (
Swica
) holte zur Beurteilung der unfallversicherungsrechtlichen Ansprüche aus dem Ereignis vom 5. August 2015 ein
bidisziplinäres
orthopädisch-psychiatrisches Gutachten ein, das am 23. Mai 2017 von der
MEDAS Y._
erstattet wurde (Urk. 7/82/12-76), wobei am 16. September 2017 die gutachterliche Beantwor
tung von Zusatzfragen erfolgte (Urk. 7/82/7-8). Nach einer Schulteroperation vom 18. April 2018 holte die
Swica
ein orthopädisches Gutachten ein, welches am 12. Juli 2019 von den Ärzten der Universitätsklinik
Z._
erstattet wurde (Urk. 7/137). Mit unangefochtener Verfügung vom 18. November 2019 (Urk. 7/149) stellte die
Swica
die vorübergehenden Leistungen ab 11. Oktober 2019 ein, verneinte bei einem Invaliditätsgrad von 8 % einen Rentenanspruch und sprach dem Versicherten eine Integritätsentschädigung von 20 % des versi
cherten Jahresverdienstes, mithin Fr. 25'200.--, zu.
2.
2.1
Der Versicherte erhob am 9. August 2021 Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 18. Juni 2021 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen nach dem Bundesgesetz
über die Invali
denversicherung (IVG)
, namentlich Eingliederungsmassnahmen und/oder eine Rente, zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 15. September 2021 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 9. Novem
ber 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
2.2

Am 15. März 2022 gab das Gericht dem Beschwerdeführer Gelegenheit, zu einer vom Gericht in Erwägung gezogenen
Rückweisung der Sache zur weiteren Sach
verhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin und der somit möglichen Abände
rung der ange
fochtenen Ver
fügung zu seinem Nachteil (
reformatio
in
peius
) Stellung zu nehmen
,
oder die Be
schwerde zurückzuziehen (Urk. 9
). Der Beschwer
deführer
zeigte mit Stellung
nahme vom 5
.
April 2022
an, dass er an d
er Beschwerde festhalte (Urk. 11
), wovon die Beschwerdegegnerin am
28. April 2022
in Kenntnis gesetzt wurde
(Urk. 12
)
.
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar
(BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
li
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.6
IV221120
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_122/2020 vom 26. Februar 2021 E. 2). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im
nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzu
setzenden
-
Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.7
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
-
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines renten
be
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.9
Gemäss
Art.
54a IVG stehen die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) den IV
Stellen für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs zur Verfügung (
Abs.
2). Sie legen die für die Invalidenversicherung nach
Art.
6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich fest (
Abs.
3). Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (
Abs.
4). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E.
8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.10
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass für den Beschwerdeführer die Tätigkeit als Koch seit dem Unfallereignis vom 5. August 2015 nicht mehr geeignet sei. Eine seiner Gesundheit angepasste Tätigkeit wäre ihm jedoch seit spätestens August 2016 wieder zu 60 % zumutbar. Da es sich um reine Unfallfolgen handle, stütze sie sich vollumfänglich auf die Abklärungen der Unfallversicherung
Swica
ab. Aufgrund einer Operation an der Schulter am 18. April 2018 seien die Unfalltaggelder erneut ausgerichtet worden. Im Mai 2019 sei eine neue medizinische Begutachtung durch die
Swica
erfolgt. Die Tätigkeit als Koch sei weiterhin nicht mehr geeignet. Demnach habe in ange
passter Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % im Zeitraum von August 2016 bis März 2018 sowie eine solche von 100 % von April bis Dezember 2018 bestanden. Ab Januar 2019 werde von einer monatlichen Verbesserung des Gesundheitszustands von 20 % ausgegangen. Per Untersuchungszeitpunkt im Mai 2019 bestehe wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit. Für die Zeit von Januar bis April 2019 werde weiterhin eine 100%ige Erwerbs
unfähigkeit anerkannt (Begründungsteil S. 1). Gestützt auf den von der
Swica
vorgenommenen Einkommensvergleich bestehe für den Zeitraum August (gemeint: 2016) bis März 2018 ein Invaliditätsgrad von 45 %, von April 2018 bis April 2019 ein solcher von 100 % und ab Mai 2019 von 7 % (S. 2 oben).
Eine psychiatrische Diagnose werde vom psychiatrischen Behandler in den aktu
ellen Berichten nicht gestellt, es würden differentialdiagnostische Überlegungen angestellt. Der Sachverhalt spreche gegen die vom Behandler zuvor beurteilten ausgeprägten psychischen Beschwerden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und unterstütze die gutachterliche Beurteilung. Von einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes gegenüber der psychiatrischen Beurteilung im MEDAS-Gutachten vom Januar 2017 könne nicht ausgegangen werden (S. 2 Mitte).
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe nicht, da der Beschwerde
führer in einer angepassten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig sei. Es sei weiterhin das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) für die Stellensuche zuständig (S. 2 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe bei ihren neuesten Abklärungen kein versicherungs
externes Gutachten veranlasst und somit einzig auf versicherungsinterne Berichte des RAD-Arztes sowie auf die Akten der Unfallversicherung abgestellt. Die seit dem Unfall bestehenden psychischen Beschwerden seien von der Unfallversiche
rung nicht als unfallbedingt anerkannt und entsprechend bei der Berechnung des diesbezüglichen Invaliditätsgrades auch nicht beachtet worden (S. 7 Ziff. 17). Den ausführlichen und schlüssigen Berichten des behandelnden Psychiaters könne entnommen werden, dass beim Beschwerdeführer entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin weiterhin eine
behandlungsbedürftige
psychische Störung mit klar negativer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 7 Ziff. 18; im Detail vgl. S. 8 ff. Ziff. 19-26). Die genannten Berichte weckten somit begründete Zweifel an der Ansicht der Beschwerdegegnerin beziehungsweise an den medizi
nischen Akten der Unfallversicherung sowie den darauf basierenden Äusserungen des RAD-Arztes, weshalb auf diese nicht abgestellt werden könne. Sollte das Gericht davon ausgehen, dass auch auf die Einschätzung des behandelnden Psy
chiaters nicht abgestützt werden könne, sei entweder ein gerichtliches Gutachten notwendig oder die Sache zur genügenden Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 10 f. Ziff. 27).
Der Einkommensvergleich sei aus näher dargelegten Gründen willkürlich vorge
nommen worden (S. 11 ff. Ziff. 28-58). Bei korrekter Berechnung unter Berück
sichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 55 % bestehe ab dem 1. Mai 2019 sogar bei der bestrittenen vollen Arbeitsfähigkeit in leidens
angepasster Tätigkeit ein Anspruch auf eine halbe Rente (S. 18 Ziff. 55-56).
Aufgrund der gesundheitsbedingten, langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt sowie der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit seien ihm umgehend Integrations
massnahmen und im Anschluss daran berufliche Massnahmen in Form eines Arbeitsversuches zu gewähren (S. 20 Ziff. 63).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt rechtsgenügend abgeklärt hat.
3.
Die leistungsabweisende Verfügung vom 27. November 2012 (Urk. 7/
23
) beruhte auf dem ps
ychiatrischen Gutachten von Dr.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattet am 22. August 2012 zuhanden der Krankentaggeldversicherung (Urk. 7/19
/2-17
). Er nannte als Diagnose eine leicht
gradige depressive Episode (ICD-10 F32.0, S. 11 Ziff. 4).
Der Beschwerdeführer berichte, im Zusammenhang mit zunehmenden Problemen an seinem letzten Arbeitsplatz unter depressiven Symptomen zu leiden, was zu der nunmehr lang andauernden Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Im aktuellen psychiatrischen Befund sei ein leichtgradiges depressives Syndrom mit einer
dysthymen
Grundstimmung, jedoch erhaltener Schwingungsfähigkeit und fehlen
den weiteren wesentlichen ICD-10-konformen Kriterien zu erheben. Das Antidepressivum
Saroten
sei abgesetzt worden (S. 11 Ziff. 5).
Mit einer gut zumutbaren Willensanstrengung sei er gut in der Lage, die ange
stammte Tätigkeit als Koch sowie jedwede vergleichbare oder auch eine andere Tätigkeit im Bildungsniveau vollschichtig (Arbeitsfähigkeit von 100
%
) zu ver
richten (S. 12 unten Ziff. 5).
Rückblickend sei der protrahierte einjährige Verlauf der vollständigen Arbeitsunfähigkeit kaum nachvollziehbar (S. 13 Mitte Ziff. 5).
4.
4.1
Seit der
erneuten
IV-Anmeldung vom 28. Januar 2016 (Urk. 7/25) gingen fol
gende Berichte ein:
4.2
Gemäss Unfallmeldung UVG vom 21. August 2015 (Urk. 7/2
7
/
59-
60)
verunfallte der Beschwerdeführer am 5. August 2015 um zirka 22.25 Uhr in Wädenswil auf der Autobahn in Richtung Zürich und verletzte sich dabei an der linken Schulter und am rechten Fuss.
4.3
Die Ärzte der Chirurgischen Klini
k
des
Spitals
C._
nannten im Operations
bericht vom 11. August 2015 (Urk. 7/27/54) folgende Diagnosen:
-
dislozierte Humeruskopf-3-Fragment-Fraktur links
-
Metatarsale
-I-Basis-Subluxationsfraktur rechts (
Lisfranc
)
Der Eingriff habe eine offene Reposition und Stabilisierung der genannten Frakturen umfasst. Die Indikation zur operativen Versorgung sei klar gegeben gewesen bei einem Motorradunfall vor 5 Tagen, wobei dem Beschwerdeführer auf der Autobahn ein Auto von hinten auf das Motorrad aufgefahren sei.
4.4
Die Ärzte des Sanatoriums
D._
nannten im Bericht vom 13. Januar 2016 (Urk. 7/27/4-5) als Diagnose eine Anpassungsstörung mit vorwiegend Störung von anderen Gefühlen wie Angst, Depression, Sorgen, Anspannung und Ärger (ICD-10 F43.23; Ziff. 3). Aufgrund diffuser Ängste und fra
glicher akuter Suizida
lität
sei es am 14. August 2015 zur psychiatrischen konsiliarischen Beurteilung gekommen. Eine psychiatrische Betreuung sei während der
Hospitalisation
im
Spital C._
aufrechterhalten worden, da es nach den orthopädischen Operationen zu einer Infektion gekommen sei. Nach Spitalaustritt sei es zu zwei weiteren Konsultationen gekommen aufgrund der Anpassungsstörung nach dem schweren Unfall, letztmalig am 9. Oktober 2015 (Ziff. 1).
4.5
Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht vom 15. März 2016 (Urk. 7/35) aus, er behandle den Beschwer
deführer seit dem 20. Januar 2016 (Ziff. 1.2). Er nannte folgende Fachdiagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung anderer Gefühle wie Angst, Depressionen, Anspannung und Ärger (ICD-10 43.23)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Status nach mittelgradiger depressiver Episode 2011-2012
Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
seit dem 5. August 2015 (Ziff. 1.6). Die Behinderungen seien im Moment hauptsächlich körperlich. Erst wenn
d
er
Beschwerdeführer
körperlich wieder arbeitsfähig
sei
, könne beurteilt werden, ob zusätzlich eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen bestehe (Ziff. 1.7).
4.6
Dr. med.
F._
, Facharzt für Chirurgie, Co-Chefarzt Chirurgie des
Spitals C._
, führte im Bericht vom 31. Mai 2016 zuhanden des Vertrauens
arztes der
Swica
(Urk. 7/44
/1-2
= Urk. 7/47/3-4) aus, aktuell bestehe aufgrund der Arbeitsplatzsituation (Koch allei
ne in einer kleinen Restaurantkü
che) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten Arbeitsplatzsituation (Arbeiten auf Arbeitstischhöhe, keine Über-Kopf-Arbeit, kein Heben von schweren Lasten) wäre eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit zunächst zu 25
%
, Steigerung je nach Verlauf, ab sofort möglich (Ziff. 6.1). Eine definitive Beurteilung sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, da sich der Beschwerdeführer in der Rehabili
tationsphase befinde (Ziff. 6.3).
4.7
Die Ärzte der
Klinik G._
führten im Bericht vom 24. August 2016 (Urk. 7/62/2-4) aus, die Vorstellung sei ausschliesslich zur Einholung einer Zweit
meinung erfolgt. Es zeige sich ein komplexes Beschwerdebild. Vor diesem Hin
tergrund erscheine die aktuelle Situation mit Schmerzfreiheit in Ruhe und ledig
lich Einschränkungen bei der Belastung 1 Jahr postoperativ akzeptabel (S. 2 f.).
4.8
Die Fachärzte der
MEDAS Y._
untersuchten den Beschwerdeführer am 21. Dezember 2016 und
erstatteten am 25. Mai 2017 ihr polydisziplinäres inter
nistisch-orthopädisch-psychiatrisches Gutachten zuhanden der
Swica
(Urk. 7/82/12-76).
Interdisziplinär nannten sie folgende Diagnosen mit wesentli
cher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 36
f.
Ziff. 4.1;
die Ver
weise beziehen sich auf die
Akturierung
durch die Beschwerdegegnerin):
-
dislozierte
Humeruskopftrümmerfraktur
links vom 5. August 2015 mit/bei
-
Plattenosteosynthese (
Filosplatte
) am 11. August 2015
-
postoperativem Wundinfekt mit
Methicillin
-resistentem
Staphylo
coccus
aureus
(MRSA)
-
mehrfachen operativen Wundrevisionen mit VAC-Verband, Antibiotika
behandlung
-
vorzeitige Plattenentfernung im November 2015
-
verzögertem
Frakturdurchbau
-
verbleibender Deformation des
Humeruskopfes
mit
Varusstellung
der Kopfkalotte
, Hochstand des
Tuberculum
majus
und Verkürzung des
Humeruskopfdurchmessers
in der Frontalebene
-
schmerzhafte Bewegungs-, Funktions- und Krafteinschränkung
-
Verdacht auf partielle
Humeruskopfnekrose
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert, nannten sie unter anderen folgende Diagnosen (S. 37 Ziff. 4.2):
-
Status nach Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung anderer Gefühle wie Angst, Depression, Sorgen, Anspannung und Ärger (ICD-10 F43.23)
-
positives Drogenscreening auf Kokain vom 21. Dezember 2016 (es s
eien
keine sicheren Angaben möglich, inwieweit eine Kokainabhängigkeit ICD
10 F14.2 besteh
e
)
Es könne davon ausgegangen werden, dass sich der psychische Zustand seit September 2016 richtungsgebend verbessert habe. Diese Beurteilung werde vom Beschwerdeführer geteilt (S. 31 unten Ziff. 2.4.2). Die vom behandelnden Psychiater im September 2016 diagnostizierte Anpassungsstörung sei anhand der damaligen Befunde nachvollziehbar. Abgestützt auf die aktuelle Untersuchung sei davon auszugehen, dass sie folgenlos remittiert sei. Diese Beurteilung decke sich mit der Exploration der Tagesstruktur
(S. 32 oben Ziff. 2.4.2). In den Akten sei die Rede von einer ärztlichen Behandlung wegen Kokainabhängigkeit von 2008 bis 201
1.
Der Beschwerdeführer bestreite Kokainkonsum, er berichte von Probierkonsum im Jahr 200
4.
Im Drogenscreening vom 21. Dezember 2016 sei das Resultat positiv auf Kokain. Aus psychiatrischer Sicht seien keine Angaben möglich, inwieweit eine Kokainabhängigkeit (ICD-10 F14.2) bestehe. Der Kokain
konsum stehe in keinem Zusammenhang mit dem Unfallereignis von 2015 (S. 32 Mitte Ziff. 2.4.2). An das Unfallereignis vom 5. August 2015 habe der Beschwer
deführer keine Erinnerungen, es bestehe eine
antero
- und retrograde Amnesie von vier Stunden. Die vertiefte Exploration ergebe, dass er an den Unfallhergang verschwommene Erinnerungen habe. Er
berichte
, nach dem Unfallereignis zwei Monate lang fast täglich nachts aus dem gleichen Albtraum mit Herzklopfen und Schweissausbrüchen aufgeschreckt zu sein. Er habe sich am Boden liegend gefühlt und habe Scheinwerferlichter passieren gesehen. Diese Albträume hätten im zeitlichen Verlauf an Häufigkeit abgenommen. Der Beschwerdeführer sei der Meinung, dass er seit der Einnahme von
Trittico
nicht mehr aus Albträumen erwacht sei (S. 32 unten Ziff. 2.4.2), dies seit zwei Monaten. Es seien auch keine weiteren intrusiven Erinnerungen
explorierbar
. Insgesamt seien die diagnosti
schen Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung nicht erfüllt
.
Es sei aber unbestritten, dass das Unfallereignis und die Unfallfolgen den Beschwerde
führer psychisch traumatisiert hätten (S. 33 Mitte Ziff. 2.4.2).
Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer in der angestammten Tätig
keit als Koch nicht beeinträchtigt und zu 100
%
arbeitsfähig. Aus orthopädischer Sicht sei er hier weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig. Aus allgemein-internistischer Sicht sei er für leichte bis mittelschwere Arbeiten vollschichtig arbeitsfähig (S. 37 Ziff. 5.1).
In anderer Tätigkeit gelte aus psychiatrischer und allgemein-internistischer Sicht dasselbe. Aus orthopädischer Sicht zumutbar seien Arbeiten mit Heben von Lasten an der linken Schulter von maximal 10 Kilogramm bis Gürtelhöhe bei am Körper anliegendem Oberarm, selten Heben von Lasten bis maximal 5 kg bis etwa 60° Abduktion und Flexion der linken Schulter. Arbeiten in Aussenrotation sowie repe
titive Aussenrotation
-
/Innenrotationsbewegungen und Flexions-/Exten
sions
bewegungen sollten vermieden werden. Unter Berücksichtigung sämtlicher orthopädisch-
traumatologischer
Diagnosen bestehe in einer solchen Verweis
tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40
%
für eine vollschich
tige Tätigkeit.
Aufgrund des komplexen Bildes mit schmerzhaften Bewegungs- und Funktionseinschränkungen, welche durch die weitere konservative Behandlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur teilweise, aber nicht vollständig gebessert werden könnten, wäre zur genauen Beurteilung des möglichen Zumut
barkeitsprofils eine Evaluation der funktionellen Leistungs
fähigkeit zu empfehlen. Polydisziplinär bestehe
zusammengefasst in der ange
stammten Tätig
keit keine Arbeitsfähigkeit mehr, in einer angepassten Tätigkeit unter Berück
sichtigung des genannten Funktionsprofils bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von 60
%
(S. 37 f. Ziff. 5.2).
Dem psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 7/82/60-74) ist zu entnehmen, dass bei der Genese der Anpassungsstörung das Unfallereignis vom 5. August 2015 als überwiegend wahrscheinliche Mitursache erachtet werde (
S.
15 Ziff. 5.2-3). Das aktuelle
Vermeidungsverhalten hingegen stehe nur in einem möglichen Zusammenhang mit dem Unfallereignis (S. 16 Ziff. 5.5.1).
In der ergänzenden Stellungnahme vom 16. September 2017 (Urk. 7/82/7-8) hielt der psychiatrische Teilgutachter fest, das Vermeidungsverhalten sei nicht durch eine psychische Krankheit, die gemäss ICD-10 Krankheitswert habe, zu begründen (S. 1 unten).
4.9
Dr. med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheuma
tologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt in seiner Stellungnahme vom 30. Januar 2018 (Urk. 7/96 S. 5) fest, es könne auf die Abklärungen, die im Zusammenhang mit dem UVG gemacht worden seien, abgestützt werden.
In Bezug auf eine angepasste Tätigkeit könne nach dem Unfall vom 5. August 2015 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden.
Im Bericht des
Spitals C._
vom 31.
Mai 2016 wü
rden dann eine Arbeits
fähigkeit von zunächst 25
%
und Steigerung je nach Verlauf angegeben. Eine schrittweise Erhöhung auf 60
%
Arbeitsfähigkeit sei gemäss orthopädischem Teil
gutachten bis spätestens am Untersuchungstag vom 21. Dezember 2016 erreicht worden. Leider gebe es für die Zwischenzeit in den vorliegenden Unterlagen keine genaueren Angaben
(Stellungnahme RAD-Arzt
Dr.
H._
vom
4.
September 2019, Urk.
7/156 S. 7)
.
4.10
Dr. med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, dokumentierte mit Operationsbericht vom 18. April 2018 (Urk. 7/116/2-3) den an diesem Tag stattgehabten Eingriff. Dieser habe eine Schulter-Arthroskopie links, eine
zirkumferenzielle
Kapsuloto
mie
und Mobilisation in Narkose,
eine
Tenotomoie
und
Tenodese
der
Biceps
longus
Sehne in Lasso-Loop-Technik, eine
subakromiale
Dekompression mit
Akromioplastik
und eine postoperative Analgesie umfasst (S.
1 Mitte). Als Diagnose nannte Dr.
I._
– hier verkürzt wiedergegeben – eine postopera
tive Bewegungseinschränkung Schulter links mit
residueller
Frozen-Shoulder
und
Tendinopathie
der
Biceps
longus
Sehne (S. 1 oben).
Am 10. September 2018 (Urk. 7/123) berichtete Dr.
I._
, insgesamt zeige sich im Vergleich zur Voruntersuchung vom 28. Mai 2018 eine Verbesserung des Bewegungsumfanges der linken Schulter. Er habe dem Beschwerdeführer erklärt, dass nach einem derartigen Eingriff während 6 Monaten noch mit einer Linde
rung der Symptomatik und einer Verbesserung zu rechnen sei. Aus Sicht von Dr.
I._
bestehe noch eine volle Arbeitsunfähigkeit bis Ende Oktober (S. 2).
Am 29. Oktober 2018 (Urk. 7/124
= Urk. 7/127/6-7
) hielt Dr.
I._
fest, die Beweglichkeit der linken Schulter sei noch eingeschränkt und habe sich nicht weiter verbessert im Vergleich zur letzten Konsultation. Insgesamt sei ein guter Bewegungsumfang bis
Scapulaebene
links möglich. Langfristig werde dem Beschwerdeführer auf jeden Fall eine berufliche Reintegration empfohlen. Dieser warte nun auf die Festlegung der Integrationseinbusse seitens der Versiche
rung
.
Von Dr.
I._
aus bestehe noch eine volle Arbeitsunfähigkeit bis Ende Dezember 201
8.
Er habe aber den Beschwerdeführer gebeten, sich nach leichten Arbeiten umzuschauen
.
Dieser sollte versuchen, ab Januar 2019 zumindest teil
weise eine leichte Arbeit aufzunehmen (S. 2
).
4.11
PD Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des B
ewegungsapparates, und Dr. med.
K._
, Universitäts
klinik
Z._
,
untersuchten den Beschwerdeführer am 31. Mai 2019 und
erstatteten am 12. Juli 2019 ihr orthopädisches Gutachten zuhanden der
Swica
(Urk. 7/137). Als – hier verkürzt wiedergegebene – Diagnose nannten sie eine posttraumatische Bewegungseinschränkung bei sekundärer
Omarthrose
links (S. 32 Ziff. V).
Der Beschwerdeführer habe eine schwere posttraumatische
Omarthrose
mit einer Bewegungseinschränkung im Sinne einer limitierten Abduktion über 90° und einer eingeschränkten Belastbarkeit der linken Schulter. Zudem zeige sich eine funktionelle Subluxation in mehreren postoperativen Röntgenbildern, welche als Folge einer postoperativen
Deltaatonie gesehen werden könne (S. 33 oben Ziff. VI). Aktuell sei er im Alltag beschwerdearm und, solange er die linke Schul
ter nicht belaste, weitgehend kompensiert. Der Leidensdruck sei entsprechend überschaubar. Der Beschwerdeführer sei zu 100
%
arbeitsunfähig in der ange
stammten Tätigkeit als Koch, in welcher die linke Schulter stark belastet und vor allem repetitive Tätigkeiten durchgeführt würden (S. 34 Mitte Ziff. VI).
Der Beschwerdeführer könne Tätigkeiten durchführen, welche die linke Schulter nicht belasteten beziehungsweise ohne Abduktion über 90°. Repetitive Tätigkei
ten ohne Belastungen wie zum Beispiel Verkäufer an der Kasse seien ebenfalls zu meiden. Der Beschwerdeführer könne stehende oder sitzende Tätigkeiten ohne zeitliche Limitation durchführen. Das Ellbogen- und Handgelenk beziehungs
weise die Hand linksseitig seien voll belastbar, Tätigkeiten in Neutralstellung der Schulter könnten unter Belastung durchgeführt werden. Das Heben von schweren Lasten sei jedoch auch in Neutralstellung der Schulter zu vermeiden (S. 38 Ziff. 8.2). Als Orthopäden könnten die Gutachter nur zur körperlichen Belastbar
keit, nicht aber zur psychischen Belastbarkeit, Konzentrations- und Aufmerk
samkeitsfähigkeit Stellung nehmen (S. 39 Ziff. 8.2
).
4.12
Dr.
H._
hielt in seiner RAD-Stellungnahme vom 23. April 2020 (Urk. 7/156 S. 11) fest, aufgrund der vorliegenden Unterlagen könne in einer angepassten Tätigkeit seit der Operation 2018 bis Ende 2018 von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit ausgegangen werden. Ab Januar 2019 könne dann eine stufenweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit mit 20
%
beginnen. Ab Februar könne
eine Arbeitsfähigkeit von
40
%
, ab März
von
60
%
, ab April
von
80
%
und nach der Begutachtung i
n
der Klinik
Z._
am 31. Mai 2019 dann ab Juni
2019
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
in angepassten Tätigkeiten angenommen werden.
4.13
Dr.
E._
nannte in seinem Bericht vom 22. Mai 2020 (Urk. 7/159) zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers folgende Fachdiagnosen (S. 2 unten):
-
Differentialdiagnose (DD): rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
chronifizierte
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1). Erste bekannte depressive Episode im Sommer 2011
-
DD: Klaustrophobie (ICD-10 F40.2) seit dem Unfall 2015
-
DD: PTBS (ICD-10 F43.1) nach schwerem Unfall ohne Schuld am 5. August 2015 und nachfolgender lebensgefährlicher Osteomyelitis mit Infektion durch MRSA im gebrochenen Oberarm (
Humerus
-Knochen) links
-
DD: organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2). Der Beschwerdeführer erinner
e
sich gar nicht an den Unfall und
sei
bewusstlos
gewesen
. Amnesie und Bewusstlosigkeit s
eien
Zeichen für eine erlittene Hirnerschütterung
Anfänglich nach der Entlassung aus dem
Spital C._
habe der Beschwerde
führer Hoffnung auf eine vollständige Heilung seines linken Oberarmes gehabt, was ihm etwas geholfen habe, gegen die depressive Stimmung anzukämpfen.
Ab August 2016 habe er sich aber wieder mehr über depressive Symptome beklagt. Der verzögerte Heilungsverlauf des linken Armes habe ihm zu schaffen gemacht. Es seien Zeiten gefolgt, in denen es mal etwas besser, dann wieder schlechter gegangen sei. Die depressiven oder depressionsähnlichen Symptome seien aber nie ganz verschwunden wie damals im Jahr 201
2.
Sie persistierten seit 2015 bis heute (Mai 2020; S. 1 unten
).
Da sehr viele Faktoren eine Rolle spielten, sei eine psychische Gesamtdiagnose sehr schwierig. Somit werde eine Differentialdiagnose mit verschiedenen Mög
lichkeiten präsentiert (S. 2 Mitte). Die 2016 von Dr.
E._
diagnostizierte Anpas
sungsstörung könne heute nicht mehr diagnostiziert werden, da nach ICD-10 die Beschwerden dieser Diagnosen nicht länger als 6 Monate anhalten sollten. Viele Symptome passten heute zu einer Depression oder einem depressionsähnlichen Zustand. Die Flashbackerinnerungen und das Vermeidungsverhalten passten aber eher zu einer PTBS. Klaustrophobie sei klar. Zur Diagnose organisches Psycho
syndrom passten die Symptome Erschöpfbarkeit, Reizbarkeit
,
Störungen der Kon
zentration, des geistigen Leistungsvermögens, des Gedächtnisses, des Schlafes sowie eine verminderte Belastungsfähigkeit bei Stress. Eine Magnetresonanz
tomographie (MRI) Schädel-Hirn und eine neuropsychologische Untersuchung wären zu empfehlen (S. 3 oben).
Es finde eine regelmässige psychiatrische Behandlung statt, anfänglich (2015
2017) alle 14 Tage, seit 2018 eine Konsultation monatlich, bei Krisen auch häufiger. Seit über 4 Jahren sei ein konstantes psychisches Leiden vorhanden mit einem bedeutenden negativen Einfluss auf
die
Arbeitsfähigkeit und die Möglich
keit der Arbeitswiederintegration (S. 3 Mitte).
Die Wiedereingliederungsversuche der Beschwerdegegnerin seien wahrscheinlich zu früh erfolgt. Im Jahr 2016 sei noch überhaupt nicht klar gewesen, wie weit der linke Oberarm genesen werde oder ob er wieder operiert werden müsse. Proble
matisch sei auch die menschliche Inkompatibilität zwischen dem damals zustän
den Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin und dem Beschwerdeführer gewesen. Letzterer habe psychisch sehr unter dem ständigen Druck von ersterem gelitten (S. 3 unten).
Dem Beschwerdeführer sei es aufgrund der heutigen psychischen Beschwerden nicht möglich, einer Arbeit nachzugehen, geschweige denn, sich selber wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auf dem ersten Arbeitsmarkt betrage seine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit heute 100
%
. Damit er diese überwinden oder zumindest (
gemeint:
die Arbeitsfähigkeit) steigern könne, wäre zwingend eine langsame und eng betreute Wiedereingliederung im geschützten Rahmen notwendig (S. 4).
4.14
Am 29. September 2020 (Urk. 7/173
/1-2
) beantwortete Dr.
E._
die von der Beschwerdegegnerin gestellten Rückfragen zum Drogenkonsum. Dabei führte er aus, der Konsum von Kokain sei vom Beschwerdeführer erst thematisiert worden, als er anlässlich der MEDAS-Begutachtung im Dezember 2016 eine Urinprobe habe abgeben müssen, die positiv auf Kokain resultiert sei. Der Beschwerdeführer habe das Gleiche gesagt wie im Jahr 2011: Er konsumiere gelegentlich, aber eher selten Kokain, wenn er mit Freunden im Ausgang sei (S. 1 unten). Klinisch habe Dr.
E._
nie den Eindruck einer wirklichen Kokainabhängigkeit gehabt (S. 2 oben). Aktuell habe ihm der Beschwerdeführer versichert, schon länger, sicher über ein Jahr, nicht mehr Kokain zu konsumieren. Zwei von der Hausärztin am 25.
August
und am 17. September 2020 organisierte Urinproben seien negativ auf K
okain resultiert. Aktuell würde Dr.
E._
einen Konsum abhängigkeits
erzeugender Substanzen überwiegend wahrscheinlich ausschliessen (S. 2 Mitte).
Dr.
E._
informierte zudem darüber, dass
der Beschwerdeführer selber eine Arbeit als Koch gefunden
habe, natürlich
in einem
kleinen
Pensum von 20
%
. Er arbeite seit etwa Mitte August 2020 an 2 Abenden pro Woche während etwa 4
5
Stunden in einem Take-
Away
-Restaurant mit Kurierdienst. Dass diese Arbeit überhaupt möglich sei, sei nur dem
Umstand
zu verdanken, dass die wartenden Kuriere ihm die körperlich schwere Arbeit wie zum Beispiel das Heben von vollen Pfannen abnähmen. Nach einer solchen Schicht habe er aber jeweils starke Schmerzen im verletzten linken Arm, was eine
Pensumssteigerung
verun
mögli
che (S. 2 unten).
4.15
Dr. med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 23. Oktober 2020 (Urk. 7/181 S. 4 f.) aus, gemäss Leistungsauszug der Krankentaggeldversicherung seien näher genannte psychiatrische Behandlungen in den Jahren 2018-2020 erfolgt. Eine psychiatri
sche Diagnose werde vom psychiatrischen Behandler in den aktuellen Berichten nicht gestellt, es würden differentialdiagnostische Überlegungen angestellt. Der dokumentierte Sachverhalt spreche gegen die vom Behandler zuvor beurteilten ausgeprägten psychischen Beschwerden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und unterstütze die gutachterliche Beurteilung
.
Der Beschwerdeführer arbeite wieder in reduziertem Pensum in angestammter Tätigkeit. Zusammengefasst könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands gegenüber der psychiatrischen Beurteilung im MEDAS-Gutachten vom Januar 2017 ausgegangen werden (S. 5).
4.16
Dr.
E._
führte in seinem Bericht vom 23. Juli 2021 zuhanden des Rechtsver
treters des Beschwerdeführers (Urk. 3/3) aus,
seit seinem Bericht vom 22. Mai 2020 hätten sich keine wesentlichen Veränderungen ergeben (S. 1 oben). N
ach
dem die Beschwerdegegnerin Differentialdiagnose
n
als nicht gültig bezeichnet habe, werde zur Klärung nun eine Diagnose gestellt (S. 2):
-
rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig
chronifizierte
mittel
gra
dige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
Die heutige depressive Episode werde kompliziert und sei chronisch geworden durch folgende, hier verkürzt wiedergegebene Nebendiagnosen:
-
Klaustrophobie (ICD-10 F40.2), seit dem Unfall 2015
-
PTBS (ICD-10 F43.1)
-
leichtes organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2). Im MRI Schädel vom 4. August 2020 s
eien
keine pathologischen Befunde sichtbar. Das leichte organische Psychosyndrom erg
ebe
sich aus der Veränderung der Persönlichkeit nach dem Unfall (wenig Initiative, vermehrte Interesselosigkeit) und durch näher genannte kognitive Störun
gen.
Der Beschwerdeführer komme weiterhin mindestens einm
al monatlich zur Kon
sultation. W
enn es ihm schlechter gehe,
komme er
alle 14 Tage (S. 2 unten). Auf dem ersten Arbeitsmarkt betrage seine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit heute 70-80
%
. Er arbeite heute (Mai bis Juli 2021) stundenwe
i
se als Hilfskoch (S. 3 Mitte).
Die Beschwerdegegnerin habe geschrieben, Dr.
E._
habe «nur» eine Differential
diagnose gestellt, und gebe dieser somit keinen Wert. Allerdings sei auch eine Differentialdiagnose eine Diagnose, die dann gestellt werde, wenn es nicht so einfach sei, eine klare Diagnose zu stellen.
Die Psychopathologie sei wichtiger als die Diagnose. Somit sei der ablehnende Bescheid der Beschwerde
gegnerin fragwürdig und nicht nachvollziehbar (S. 3 Ziff. 1). Das psychiatrische MEDAS-Teilgutachten tauge nicht als Entscheidungsgrundlage, nachdem die dortige Diagnose einer Anpassungsstörung bei einem Zeitablauf von über 5 1⁄2 Jahren seit dem Unfall vom 5. August 2015 sicher nicht mehr gebraucht werden könne (S. 3 f.). Die Beschwerden hätten sich seit dem MEDAS-Gutachten ver
stärkt, es müsse von einer Verschlechterung des psychischen Gesundheits
zustands ausgegangen werden (S. 4 oben). Schliesslich habe sich das MEDAS-Gut
achten einzig mit den Unfallfolgen befasst. Die Beschwerdegegnerin müsse dagegen das gesamte Spektrum beurteilen, also auch die nicht unfallbedingten psychischen Einschränkungen. Daher müsse die vorbestehende psychische Erkrankung von 2011 bis 2012 in die Gesamtbeurteilung einfliessen (S. 4 unten
).
5.
5.1
Ausgewiesen und unbestritten ist das Vorliegen eines Revisionsgrundes (E. 1.4
5)
mit Auftreten des
Unfalles vom 5. August 2015
und dessen Folgen
. Die auf Ver
anlassung der Unfallversicherung
Swica
erstellten Gutachten der
MEDAS Y._
vom 25. Mai 2017 (E. 4.8) und der Universitätsklinik
Z._
vom 12. Juli 2019 (E. 4.11) erfüllen
beide
die Voraussetzungen an einen beweiskräfti
gen Bericht (E. 1.8). Auf die entsprechenden Beurteilungen kann entsprechend abgestellt werden, was unbestritten ist (E. 2.1-2).
5.2
5.2.1
In somatischer Hinsicht ist
sodann
z
u Recht unstrittig, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Koch seit dem 5. August 2015
durchgehend
zu 100
%
arbeitsunfähig ist.
In
angepasster, näher bezeichneter Tätigkeit bestand
abgestützt auf die beweis
kräftigen gutachterlichen Feststellungen
im Untersuchungszeitpunkt
vom 21.
Dezember 2016
eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
(E. 4.8) und im Untersu
chungszeitpunkt vom 31. Mai 2019 eine solche von 100
%
(E. 4.11).
Nicht zu äussern hatten sich die Gutachter demgegenüber zum Verlauf der
Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit zwischen dem Unfall und den beiden
genannten
Untersuchungszeitpunkten. Diese Lücken
möchte
die Beschwerde
gegnerin unter Rückgriff auf
die Beurteilungen des
RAD-Arzt
es
Dr.
H._
schliessen.
5.
2.2
Bei der Beurteilung des Zeitraums zwischen dem 5. August 2015 und dem 21. Dezember 2016 mass Dr.
H._
(E. 4.9)
in
nachvollziehbarer Weise dem Bericht des behandelnden Chirurgen Dr.
F._
vom 31. Mai 2016 Bedeutung zu, welcher eine Arbeitsfähigkeit angepasst von 25
%
mit Steigerung je nach Verlauf attestiert hatte (E 4.6). Per 31. Mai 2016 ist somit von einer wesentlichen Ver
besserung des Gesundheitszustands mit einer wiedererlangten Arbeitsfähigkeit von 25
%
auszugehen. Die Einschätzung
von
Dr.
H._
, dass bis spätestens am 21. Dezember 2016
durch
eine schrittweise Erhöhung
eine 60
%
ige
Arbeitsfähig
keit erreicht wurde, ist naheliegend
und seine
Bemerkung
, dass für die Zwischen
zeit keine genaueren Angaben dokumentiert sind, korrekt. Dr.
F._
hatte im Mai 2016
entsprechend
darauf hingewiesen, dass eine definitive Beurteilung aufgrund der laufenden Rehabilitation noch nicht möglich sei (E. 4.6).
Eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands und somit ein Revisions
grund
(E. 1.6)
ist demnach erst per 21. Dezember 2016
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen und
entgegen der Beschwerde
gegnerin (vgl. Urk. 7/96 S. 6 Mitte) nicht schon per August 2016.
5.
2.3
Was die Beurteilung des Zeitraums
zwischen dem 21. Dezember 2016 und dem 31. Mai 2019 betrifft, so ist die Aktenlage bis zum Schulteroperationstermin vom 18. April 201
8 (E. 4.10) sehr dünn. Es ist daher mangels entgegenstehender Anhaltspunkte nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin bis dahin weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 60
%
ausging.
Für den Zeitraum vom 18. April 2018 bis zum 31. Mai 2019 sind sodann zwar mehrere echtzeitliche medizinische Verlaufsberichte des Operateurs vorhanden, ohne dass sich aus diesen jedoch ohne medizinische
Fachkenntnisse
eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit entnehmen liesse.
5.
2.4
So hielt Dr.
I._
am 10. September 2018 fest, er habe dem Beschwerde
führer erklärt, dass während 6 Monaten postoperativ noch mit einer Linderung der Symptomatik und einer Verbesserung zu rechnen sei (E. 4.10). Es erscheint daher als konsequent, dass er
noch eine volle Arbeitsunfähigkeit bis Ende Oktober 2018 attestierte. Dabei machte er jedoch nicht kenntlich, ob damit eine Arbeits
unfähigkeit in der angestammten oder in angepasster Tätigkeit gemeint sei. Es stellt
jedoch
eine Erfahrungstatsache dar, dass Behandler in der Regel die Arbeits
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit quantifizieren, sofern nichts Gegen
teiliges deklariert wird.
Ende Oktober 2018 verlängerte Dr.
I._
die volle Arbeitsunfähigkeit dann nochmals bis Ende Dezember 201
8.
Bei Berichten von behandelnden Ärzten ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen), sprich deren Arbeits
fähigkeit tendenziell eher tiefer ein
schätzen als dies objektiv gerechtfertigt wäre. Vor diesem Hintergrund ist es
bei der derzeitigen Aktenlage
als doch relativ deutliches Zeichen einer
in relevantem Umfang
verbesserten Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit zu werten, dass Dr.
I._
den Beschwerdeführer
Ende Oktober 2018
«gebeten» habe, sich nach leichten Arbeiten umzuschauen, wobei dieser versuchen sollte, zumindest teilweise eine leichte Arbeit aufzunehmen
; der Beschwerdeführer «warte» derzeit noch auf die Festle
gung der Integrationsbusse (E. 4.10).
5.
2.5
Die von Dr.
H._
ohne nähere Begründung
erst ab Januar 2019 angesetzte stufenweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit angepasst von 20 auf 100
%
erscheint damit
unter dem Vorbehalt weiterer Abklärungen derzeit
als
zu
gross
zügig. Es bestehen entsprechend Zweifel an den diesbezüglichen versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen durch Dr.
H._
, weshalb ergänzende Abklä
rungen vorzunehmen sind (E. 1.
9
)
.
Dass die Beschwerdegegnerin für die Zeit von Januar bis April 2019 gar eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit anerkennen
möchte
(E. 2.1)
, erscheint angesichts der
dannzumal bereits 1 Jahr zurückliegenden O
peration
vom 18. April 2018
notabene an der
adominanten
linken Schulter
-
derzeit
erst recht
als
nicht gerechtfertigt
.
Der Sachverhalt kann demnach für den Zeitraum vom 18. April 2018 bis zum 31. Mai 2019 in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
in einer
angepasste
n
Tätigkeit
in somatischer Hinsicht
nicht erstellt werden. Eine
näher begründete
retrospektive Beurteilung durch eine neutrale medizinische Fachperson sollte angesichts der vorliegenden echtzeitlichen Dokumentation indes
gut
möglich sein.
5.2.6
Hinweise schliesslich, dass sich die Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit seit dem 31. Mai 2019 bis heute
in somatischer Hinsicht
noch einmal verändert haben sollte, liegen keine vor. Weitere Operationen an der
linken
Schulter haben offenbar keine stattgefunden, weitere Sprechstunden
betreffend die Schulter
sind nicht aktenkundig. Die aktuell lediglich teilzeitlich ausgeführten Arbeiten als Koch
(E. 4.14; E. 4.16)
entsprechen nicht einer angepassten Tätigkeit. Eine Ver
schlechterung in somatischer Hinsicht wird denn auch gar nicht geltend gemacht
(E. 2.2)
.
5.3
5.
3.1
In psychischer Hinsicht
liegt die beweiskräftige MEDAS-Begutachtung vom 21. Dezember 2016 mit einer attestierten Arbeitsfähigkeit von 100
%
(E. 4.8) bereits längere Zeit zurück. Zu Recht wies Dr.
E._
darauf hin, dass diese Begutachtung
als aktuelle Entscheidungsgrundlage nicht mehr tauge, nachdem damals noch eine Anpassungsstörung
(genauer: ein Status nach Anpassungs
störung
; vgl. E. 4.8
)
diagnostiziert worden sei (E. 4.16)
.
D
ie fachfremden Orthopäden der Universitätsklinik
Z._
ihrerseits gaben im Sommer 2019
richtiger Weise
keine Beurteilung ab.
Dass sie explizit darauf hin
wiesen, dass sie nicht zur psychischen Belastbarkeit, Konzentrations- und Auf
merksamkeitsfähigkeit Stellung zu nehmen hätten (E. 4.11),
weist auf
Auffällig
keiten in diesen Bereichen
hin
.
5.3.2
Seinen Psychiater Dr.
E._
sucht der Beschwerdeführer seit Anfang 2016, somit seit
mehreren
Jahren, regelmässig auf (E. 4.5), nachdem er sich bereits in den Jahren 2011-2012 in dessen Behandlung begeben hatte (E. 4.13
;
Urk. 7/13).
Insbesondere in seinen Berichten vom 22. Mai 2020 (E. 4.13) und vom 23. Juli 2021 (E. 4.16) legte Dr.
E._
ausführlich, differenziert und sorgfältig dar, wie er zu den (Differential-) Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, einer Klaustrophobie, einer PTBS und eines leichten organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma gelangte. Es ist ihm darin zuzustimmen, dass die Nennung «lediglich» von Differentialdiagnosen im Bericht vom 22. Mai 2020 (E. 4.13) deren Bedeutung entgegen der Einschätzung durch RAD-Arzt Dr.
L._
(E. 4.15) nicht zum Vornherein zu schmälern vermag (vgl. E. 4.16), nachdem bei der Beurteilung von psychischen Störungen deren funktionellen Auswirkungen im Vordergrund stehen (E. 1.7). Es spricht eher für die Ernsthaftigkeit der Fest
stellungen
von Dr.
E._
, dass sich dieser nicht vorschnell auf eine klingende Diagnose festlegen wollte und sich auch nicht
retrospektiv
die quantitative Fest
legung einer Arbeitsunfähigkeit anmasste, sondern lediglich von einem seit längerer Zeit
bestehenden
bedeutenden negativen Einfluss der psychischen Störung auf die Arbeitsfähigkeit sprach (vgl. E. 4.13), zumal seine Berichte durch
aus eine differenzierte Auseinandersetzung mit der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers widerspiegeln.
Dass das Unfallereignis und die Unfallfolgen den Beschwerdeführer psychisch traumatisiert hätten, hatte schon der psychiatrische MEDAS-Gutachter festge
stellt, auch wenn er die diagnostischen Kriterien als nicht erfüllt erachtet hatte (E. 4.8).
Indem Dr.
E._
angab, die depressiven oder depressionsähnlichen Symptome würden seit 2015 persistieren, dabei aber einen wellenförmigen Ver
lauf beschrieb (E. 4.13), setzte er sich auch mit dem MEDAS-Gutachten 2016/2017 – dessen Schlussfolgerungen er übrigens nicht kritisierte - nicht in Widerspruch.
Demgegenüber
blieb
RAD-Psychiater
Dr.
L._
zu vage und oberflächlich,
wenn
er ausführte, «der Sachverhalt» spreche gegen die vom Behandler beurteil
ten ausgeprägten psychischen Beschwerden mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (E. 4.15)
.
5.3.3
Dennoch ist auch bei Dr.
E._
als behandelndem Psychiater die bereits ange
sprochene Erfahrungstatsache (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353; vgl. oben E. 5.2.4) nicht aus den Augen zu verlieren, weshalb sich der Sachverhalt in psychischer Hinsicht alleine gestützt auf seine Angaben einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit per 22. Mai 2020 (E. 4.13) beziehungsweise einer 70-80%igen Arbeitsunfähigkeit per 23. Juli 2021 (E. 4.16) nicht erstellen lässt.
Auch sind die von ihm im Juli 2021
unter dem Druck der angefochtenen Verfügung
gestellten Diagnosen nicht unbesehen als gesichert zu übernehmen, nachdem er diese im Mai 2020 noch mehrheitlich als Differentialdiagnosen bezeichnet hatte.
5.3.4
Aufgrund der dargelegten Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen durch Dr.
L._
ist eine
neutrale psychiatrische Expertise unumgänglich
(E. 1.
9
)
. Der zu beauftragende Gutachter hat dabei nicht nur den aktuellen Gesundheitszustand und die Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit gemäss
orthopädischen Belastungsprofil vom 31. Mai 2019 (E. 4.11) zu beurteilen, sondern auch deren zeitlicher Verlauf seit dem 21. Dezember 2016.
Je nach Ausgang der zusätzlichen medizinischen Abklärungen werden auch Ein
gliederungsmassnahmen in Erwägung zu ziehen sein.
5.4
Nachdem der medizinische Sachverhalt derzeit nicht erstellt werden kann,
fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid. Die Sache ist daher an die Beschwer
de
gegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne von E. 5.2.5 und E. 5.3.4 eine neue Beurteilung vornehme und
über den Leistungs
an
spruch des Beschwerdeführers
neu verfüge
(E. 1.10)
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6
.
6
.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6
.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57
E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwer
deführer Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat.
Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr. 2’800.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.