Decision ID: 8eb40da6-8402-5a18-be9b-05f8ba77fb24
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X wohnt im Haus seiner Eltern und wird von diesen auch finanziell unterstützt. Er
war seit Anfang des letzten Jahres dreimal wegen einer wahnhaften Störung in der
Psychiatrie St. Gallen Nord (PSGN), Klinik Wil, hospitalisiert; letztmals vom 4. März bis
14. April 2020 aufgrund einer fürsorgerischen Unterbringung durch den Amtsarzt.
B.- Ende Juni 2020 wurde X von seinen Eltern als vermisst gemeldet, weil er nicht mehr
nach Hause gekommen und auch nicht zur Arbeit erschienen war. Die Polizei konnte
ihn am 12. Juli 2020 in Z anhalten und der Amtsärztin zuführen. Diese diagnostizierte
eine psychische Störung mit einer Belastung der Umgebung und wies X für die Dauer
der medizinischen Notwendigkeit, jedoch höchstens für sechs Wochen, in die Klinik Wil
ein. Gegen diese Verfügung erhob X am 14. Juli 2020 Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK).
C.- Am 20. Juli 2020 fand in der Klinik Wil die mündliche Verhandlung statt, an welcher
X teilnahm. Der Assistenzart J war als Auskunftsperson der Klinik anwesend. Dr.med. K
befragte X und erstattete den gutachterlichen Bericht mündlich (vgl. Kurzprotokoll).
Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- [...]
2.- a) Der einweisende Arzt muss die von der fürsorgerischen Unterbringung betroffene
Person selber untersuchen und darf nicht nur auf Angaben Dritter abstellen, auch wenn
solche Informationen für die Beurteilung häufig durchaus wichtig sind. In der Verfügung
müssen alle Befunde aufgeführt werden, die für die Einweisung entscheidend und
notwendig sind, damit die Klinik die ersten Schritte vornehmen kann. Es handelt sich
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um die eigenen Beobachtungen des Arztes und, soweit möglich, die bei der
betroffenen Person und ihrer Umgebung erfragten Informationen. Dazu gehören auch
eine Anamnese der momentanen Lebenssituation sowie ein Psychostatus, d. h. die
Einzelheiten des Zustandsbildes (Syndrom). Die Anhörung kann nur unterbleiben, wenn
der Patient gar nicht ansprechbar ist (vgl. BSK ZGB I-Geiser/Etzensberger, 6. Aufl.
2018, Art. 429/430 N 20 ff.; ESR-Komm-Rosch, 2. Aufl. 2015, Art. 429/430 N 4;
Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz,
Personenrecht und Kindesrecht], 28. Juni 2006, BBl 2006 S. 7065).
b) Aus der angefochtenen Verfügung ist nicht ersichtlich, wie es zur Untersuchung bei
der Vorinstanz kam. Ebenso wurden Zeit und Ort der Untersuchung nicht aufgeführt.
Die Vorinstanz hielt nur fest, sie habe den Beschwerdeführer vor zwei Tagen getroffen.
Auf telefonische Nachfrage hin teilte sie dem Gericht mit, sie habe den
Beschwerdeführer schon zwei, drei Tage vor der Einweisung gesehen. Am 12. Juli
2020 sei er nicht ins übliche Untersuchungszimmer gebracht worden; sie habe ihn im
Polizeifahrzeug untersucht. Dies ist indessen nur in Ausnahmesituationen zulässig,
beispielsweise wenn die zu begutachtende Person praktisch nicht ansprechbar oder
immobil ist, was vorliegend nicht der Fall war. Der Untersuchungssituation
entsprechend fiel die Begründung der Verfügung kurz aus. Die Vorinstanz führte
lediglich aus, der Beschwerdeführer sei von den Eltern als vermisst gemeldet worden,
habe in Bern diverse Botschaften aufgesucht und Briefe an Behörden verschickt. Jetzt
sei er wieder als vermisst gemeldet. Ob zu diesem Zeitpunkt tatsächlich eine akute
Wahnhaftigkeit bestand, ergibt sich aus der Verfügung nicht. Aufgrund des
dokumentierten Aufnahmestatuts der Klinik Wil ist davon eher nicht auszugehen. Dort
wurde festgehalten, der Beschwerdeführer habe sich bei Eintritt wach, adäquat,
orientiert und realitätsnah gezeigt. Die Eltern des Beschwerdeführers hätten um die
Einweisung ihres Sohnes gebeten.
c) Somit ergeben sich die konkreten Gründe für die Einweisung in die Klinik Wil aus der
Verfügung nicht mit der notwendigen Klarheit. Namentlich lässt sich eine solche
Zwangsmassnahme nicht alleine mit einer Belastung der Umgebung begründen. Da die
Vorinstanz weder das Ergebnis ihrer Untersuchung noch den Zweck der Unterbringung
in der Klinik Wil aufführte, leidet die angefochtene Verfügung an einem formellen
Mangel, der jedoch vom Gericht geheilt werden kann (Geiser/Etzensberger, a.a.O.,
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Art. 429/430 N 26 f.). Kostenfolgen ergeben sich daraus nicht, da die Beschwerde
ohnehin gutzuheissen ist.
3.- [...]
4.- [...]
5.- [...]