Decision ID: f5daf810-c6ea-5208-941c-9415b0270f69
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am
2. Februar 2016 und gelangte über die Malediven, Katar, Russland, Un-
garn, Österreich und weitere ihm unbekannte Länder am 12. April 2016 in
die Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Am 15. April 2016
wurde er summarisch befragt. Mit Verfügung vom 11. Mai 2016 trat das
SEM in Anwendung der Dublin-Bestimmungen auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein. Dieser Entscheid wurde mit Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts D-3444/2016 vom 19. Juni 2017 aufgehoben. Das
SEM erklärte das Dublin-Verfahren mit Verfügung vom 11. Januar 2018 für
beendet und hörte den Beschwerdeführer am 14. Dezember 2018 einläss-
lich zu den Asylgründen an.
Zur Begründung seines Gesuches gab er im Wesentlichen an, er sei im
März 2008 zwangsweise von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE)
mitgenommen worden und habe bis Kriegsende Verletzte für diese trans-
portiert beziehungsweise er sei im Jahr 2009 zwangsrekrutiert worden und
habe zwei bis drei Wochen im Einsatz für die LTTE gestanden, wobei sie
ihn nach einer Woche Training in den Kampf geschickt hätten, wo er sich
verletzt habe und deshalb nun Narben trage. Aufgrund dieser Tätigkeit sei
er nach dem Krieg zwei Jahre in Rehabilitationshaft gewesen, ohne dass
er gerichtlich verurteilt worden wäre. Nach seiner Entlassung im November
2011 sei er viermal vom Criminal Investigation Department (CID) zu Hause
aufgesucht und zweimal mitgenommen und verhört worden. Am (...) No-
vember 2015 habe er wie im Jahr zuvor anlässlich des Heldentages im
Tempel eine Öllampe angezündet, um den Verstorbenen zu gedenken. Da-
bei sei er beobachtet und verraten worden. Noch am gleichen Abend sei er
vom CID mitgenommen und erst spätnachts beziehungsweise am Abend
des nächsten Tages wieder freigelassen worden. Beziehungsweise er sei
am nächsten Tag vom CID mitgenommen und bis abends um 18 Uhr fest-
gehalten worden. Er sei verhört und dabei geschlagen worden. Sie hätten
wissen wollen, wo er stationiert gewesen sei und was er für die LTTE ge-
macht habe. Beziehungsweise sie hätten ihm vorgeworfen, dass er durch
das Anzünden der Öllampe mit den LTTE sympathisiere, was er als Reha-
bilitierter nicht tun dürfe. Er sei gewarnt worden, wenn er weiterhin solche
Sachen mache, werde er entführt oder umgebracht. Seither sei er kein
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Sympathisant der LTTE mehr. Am nächsten Tag beziehungsweise einen
Monat später habe er sein Dorf verlassen und sei nach Colombo gegan-
gen. Seit seiner Einreise in die Schweiz habe er sich exilpolitisch betätigt.
In der Beschwerde gegen den Dublinentscheid hatte der Beschwerdefüh-
rer zudem angegeben, seit seiner Ausreise sei seine Ehefrau zweimal von
zwei Männern der sri-lankischen Armee aufgesucht und nach seinem Ver-
bleib befragt worden.
Zur Stützung seines Gesuches reichte der Beschwerdeführer verschie-
dene Dokumente und Fotografien aus seiner Rehabilitationshaft zu den
Akten.
B.
Mit Verfügung vom 11. Oktober 2019 – eröffnet am 14. Oktober 2019 –
lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete
die Wegweisung sowie den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 13. November 2019 erhob der Beschwerdeführer – han-
delnd durch seine Rechtsvertreterin – gegen diesen Entscheid beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und
die Asylgewährung, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit bezie-
hungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Erteilung
einer vorläufigen Aufnahme sowie subeventualiter die Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz für weitere Abklärungen. In formeller Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 27. November 2019 stellte die zuständige In-
struktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies sie das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung zu-
folge fehlender Bedürftigkeit ab und forderte den Beschwerdeführer zur
Zahlung eines Kostenvorschusses innert angesetzter Frist auf.
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E.
Am 2. Dezember 2019 wurde der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet.
F.
Mit Eingabe vom 29. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere Be-
weismittel zu den Akten.
G.
In seiner Vernehmlassung vom 22. März 2021 hielt das SEM vollumfäng-
lich an seinen Erwägungen fest.
H.
Mit Replik vom 21. April 2021 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm-
lassung des SEM Stellung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten, nachdem der einverlangte Kostenvorschuss frist-
gerecht eingezahlt wurde.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht
richtig festgestellt. Diese Rüge ist vorab zu behandeln, da sie zu einer Kas-
sation der Verfügung führen könnte. Der Beschwerdeführer führt dabei zur
Begründung aus, die Anhörung habe inklusive Rückübersetzung nur drei
Stunden gedauert. Die Sachbearbeiterin habe keine Rück- und Vertie-
fungsfragen gestellt. So sei bei F45 nicht abgeklärt worden, was falsche
Antworten gewesen seien. Seine Tätigkeit als (...) für die Polizei der LTTE
und seine finanziellen und familiären Verhältnisse sowie seine Integration
in der Schweiz seien ebenfalls nicht abgeklärt worden. In der Verfügung
sei auch nicht geprüft worden, ob er über ein Risikoprofil im Sinne des Re-
ferenzurteils verfüge.
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein
aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde
trotz der geltenden Untersuchungsmaxime (Art. 12 ff. VwVG) den Sachver-
halt nicht von Amtes wegen abgeklärt, oder nicht alle für den Entscheid
wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. BENJAMIN SCHINDLER,
in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29).
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Das SEM hat den Sachverhalt vorliegend trotz der kurzen Anhörung rechts-
genüglich festgestellt. Dem Protokoll sind keine Hinweise zu entnehmen,
der Beschwerdeführer habe nicht alles zu seinem Asylgesuch sagen kön-
nen. Er hat seine Aussage sodann am Schluss unterschriftlich bestätigt.
Die kurze Dauer der Anhörung lag wohl viel eher in den kurzen Ausführun-
gen des Beschwerdeführers begründet. Dieser ist hier an seine Mitwir-
kungspflicht gemäss Art. 8 AsylG zu erinnern. Es ist an ihm, seine Vorbrin-
gen substantiiert darzulegen. Die Sachbearbeiterin hat geeignete Rückfra-
gen gestellt. Dabei war sie nicht gehalten, jegliches Detail zu erfragen.
Dem Gericht wird nicht ersichtlich, weshalb die Frage nach den falschen
Antworten in der Rehabilitationshaft zur Erstellung des Sachverhaltes der-
art relevant sein sollte, zumal sich auch aus dem Zusammenhang ergab,
was die falschen Antworten (Bezug zu den LTTE) gewesen sein könnten
(vgl. A32 F45). Auch die Tätigkeit als (...) für die LTTE, hätte der Beschwer-
deführer von sich aus weiter substantiieren können, hätte er diese als re-
levant empfunden. Die Verhältnisse in Bezug auf den Wegweisungsvollzug
wurden ebenfalls rechtsgenüglich abgeklärt. Schliesslich wurde in der Ver-
fügung auch eine Prüfung des Risikoprofils des Beschwerdeführers vorge-
nommen (vgl. II., E. 2.1. der Verfügung). Eine Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz drängt sich vorliegend jedenfalls nicht auf. Der entspre-
chende Antrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM fest, die Vorbringen
des Beschwerdeführers in Bezug auf die Ereignisse vom November 2015
seien nicht glaubhaft. Der Beschwerdeführer habe zu diesem Vorbringen
keine konstante Schilderung zustande gebracht. In der Befragung habe er
ausgeführt, das CID habe ihn am Tag nach dem Anzünden der Öllampe
mitgenommen und einen Tag bis am Abend festgehalten, während er an
der Anhörung ausgesagt habe, dies sei eineinhalb Stunden danach gewe-
sen und er sei bis zirka Mitternacht festgehalten worden. Seine Erklärung
anlässlich der Anhörung, wonach er an der Befragung etwas verwechselt
habe, könne nicht gehört werden, zumal es sich bei diesem Vorbringen um
ein zentrales Element seiner Asylvorbringen handle, sodass er sich kon-
stant erinnern können müsste. Widersprüchlich seien auch seine Angaben
zum Abreisezeitpunkt ausgefallen. An der Befragung habe er zu Protokoll
gegeben, dass er sich bis zum (...). Dezember 2015 in seinem Heimatdorf
aufgehalten habe und am (...). Dezember 2015 letztmals zum Fischen aufs
Meer gefahren sei. An der Anhörung habe er hingegen behauptet, dass er
sich einen Tag nach dem Vorfall vom (...) November 2015 nach Colombo
begeben habe. Auf Vorhalt habe er seine widersprüchlichen Angaben mit
fehlendem Erinnerungsvermögen begründet, was als Schutzbehauptung
zu werten sei. Zudem seien seine Schilderungen zur geltend gemachten
Mitnahme sowie den Vorkommnissen im CID-Camp trotz Nachfragens
knapp und substanzlos geblieben. Danach gefragt, was er in den Stunden
während seiner fünf- bis sechsstündigen Haft erlebt habe, habe er pau-
schal gemeint, dass er befragt und geschlagen worden sei, auch als er
nach weiteren Details gefragt worden sei. In seinen Schilderungen seien
keinerlei persönliche Eindrücke und Betroffenheit auszumachen.
Der Beschwerdeführer habe weiter dargelegt, dass das CID ihn nach sei-
ner Entlassung aus der Rehabilitationshaft im November 2011 immer wie-
der aufgesucht und mehrere Stunden befragt habe. Hierzu sei festzuhal-
ten, dass rehabilitierte Personen nach ihrer Entlassung überwacht würden.
Diese Massnahmen würden aber in der Regel kein asylrelevantes Aus-
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mass erreichen. Die vom Beschwerdeführer angeblich erlittenen Massnah-
men wie Befragungen im CID-Büro seien nicht intensiv genug, um als asyl-
relevant im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu gelten.
Eine Prüfung der Risikofaktoren ergebe auch im Falle einer Rückkehr nach
Sri Lanka keine begründete Angst vor Verfolgung. Er habe in Sri Lanka ein
Rehabilitationsprogramm durchlaufen. Mit der Entlassung aus der Rehabi-
litationshaft seien die betroffenen Personen in den Augen der sri-lanki-
schen Behörden bereit für die Reintegration in die Gesellschaft. Allerdings
würden diese Personen von den Sicherheitsbehörden vielfach überwacht.
Diese Überwachungsmassnahmen und die damit verbundenen Beein-
trächtigungen würden jedoch in der Regel kein asylrelevantes Ausmass er-
reichen. Auch der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, nach
der Rehabilitation Opfer von Verfolgungsmassnahmen asylrelevanten Aus-
masses geworden zu sein. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise beste-
hende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der
sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Auch lägen keine konkre-
ten Anhaltspunkte dafür vor, dass sich dies seit seiner Ausreise aus Sri
Lanka geändert habe. Die eingereichten Beweismittel zur Rehabilitations-
haft vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern
Exilpolitische Aktivitäten vermöchten dann eine relevante Furcht vor ernst-
haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen, wenn der be-
troffenen Person seitens der sri-lankischen Behörden infolgedessen ein
überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des tamilischen
Separatismus zugeschrieben werde. Bei der vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Teilnahme an Kundgebungen und am Heldentag handle
es sich um ein äusserst niederschwelliges Engagement, weshalb nicht da-
von auszugehen ist, dass die sri-lankischen Behörden ihn – sollten sie
überhaupt davon Kenntnis haben – als ernsthafte Bedrohung erachten
würden. Die diesbezüglich eingereichten Beweismittel vermöchten an die-
ser Einschätzung nichts zu ändern.
5.2 Diesen Erwägungen des SEM hielt der Beschwerdeführer entgegen,
seine Aussagen würden zwar auf den ersten Blick etwas widersprüchlich
wirken. Jedoch könne daraus keineswegs geschlossen werden, dass er
nicht von Selbsterlebtem berichtet habe. Zum Zeitpunkt der Anhörung hät-
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ten die Ereignisse schon drei Jahre zurückgelegen, was seinem Erinne-
rungsvermögen abträglich gewesen sei. Sein Leben habe sich während-
dessen grundlegend verändert und er habe sich grosse Sorgen um seine
Familie gemacht. Er habe denn an der Bundesanhörung auch mehrfach
offen zugegeben, dass er sich nicht richtig erinnern könne. Dies als Schutz-
behauptung abzutun, mute angesichts seiner Erlebnisse gesucht an. Die
Vorinstanz lasse bei ihrer Glaubhaftigkeitsprüfung ausserdem ausser Acht,
dass seine Vorbringen plausibel seien. Das Anzünden von Öllampen in ei-
nem Tempel am Heldentag habe in Sri Lanka Tradition. Dabei handle es
sich um eine Handlung, die von der Zentralregierung als regimekritisch ein-
gestuft werde. Deshalb habe er dies in den Jahren zuvor auch unterlassen
und es erst unter der neuen Regierung wieder gewagt. Die vom SEM er-
wähnten zeitlichen Widersprüche seien unwesentlich und hätten keine ent-
scheidrelevante Bedeutung. Ausserdem hätte durchaus auch ein Fehler
bei der Übersetzung passiert sein können, komme doch in beiden Aussa-
gen die Uhrzeit 18 Uhr vor. Zudem fänden sich im Protokoll diverse Stellen,
an welchen seine Antwort an der Fragestellung vorbeigehe, ohne dass
nachgefragt worden sei. Es sei deshalb unklar, ob er tatsachlich sprachli-
che oder allenfalls intellektuelle Schwierigkeiten gehabt habe, die Fragen
korrekt zu beantworten (vgl. A32 F 32/38/66/72). Jedenfalls hätte die be-
fragende Person bei den aufgezählten Antworten nachhaken sollen, ge-
rade weil diese Aussagen nun den Endentscheid massgeblich beeinflus-
sen würden. Die Aussagekraft des Protokolls der Befragung sei grundsätz-
lich in Zweifel zu ziehen. So gehe aus dem Protokoll beispielsweise nicht
hervor, dass die Befragung abgebrochen worden sei, weil die Zuständigkeit
unter der Dublin-Verordnung zuerst habe abgeklärt werden müssen (vgl.
A32 F 64). Er habe zudem an der Anhörung berichtet, dass der Dolmet-
scher an der Befragung ihm bei einigen Antworten zu verstehen gegeben
habe, dass er die Ausführungen für unwichtig halte und deshalb nicht über-
setzen werde (vgl. A32 F76), womit er seine Kompetenzen klar überschrit-
ten habe. Der Widerspruch um seinen Aufenthalt vor der Ausreise, lasse
sich leicht ausräumen, da der Name der Stadt in verschiedenen Schreib-
weisen protokolliert worden sei. Er habe sich während eines Monats in
B._ aufgehalten. Dem Vorwurf der Vorinstanz, wonach er die Inhaf-
tierung nicht substantiiert beschrieben habe, sei sein allgemein kurzer Er-
zählstil entgegen zu halten. Die Vorinstanz hätte vertieft nachfragen müs-
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sen. Die Befragung habe lediglich zwei Stunden gedauert. Insgesamt ver-
wundere es auch, dass die Vorinstanz ihm alles bis auf das fluchtauslö-
sende Ereignis glaube. Die Widersprüche würden sich lediglich auf die
chronologische Darlegung der Ereignisse beziehen. Nach dem Durchleb-
ten habe er aber Mühe mit der zeitlichen Einordnung von Ereignissen. So
habe er auch das Jahr des Regierungswechsels falsch genannt. Die Vo-
rinstanz messe den genannten Widersprüchen zu viel Gewicht bei. Es sei
zudem anzumerken, dass er sich nicht an der Anhörung selber in Wider-
sprüche verwickelt habe, sondern diese in Bezug auf die Befragung ent-
standen seien. Dies dürfe nur mit Zurückhaltung zum Vergleich herange-
zogen werden, zumal zwischen dieser und der Anhörung zweieinhalb
Jahre vergangen seien.
Mit seiner Beschwerde habe er darlegen können, dass die sri-lankischen
Behörden, namentlich das CID, nach ihm suchen würden und ihn vor sei-
ner Flucht massiv bedrängt hätten. Dass er als rehabilitierte Person keiner
asylrelevanten Verfolgung unterstehe, stütze das SEM auf eine einzige und
erst noch hausgemachte Quelle (Focus Sri Lanka: Lage ehemaliger Mit-
glieder der LTTE, 15. Marz 2019). Dabei werde auch in diesem Bericht auf
die ungenügende Quellenlage zu diesem Thema verwiesen. Das SEM be-
ziehe seine Überwachung durch das CID und die jeweils erlittenen Miss-
handlungen während den Verhören nicht in ihre Würdigung mit ein. Die
Vorinstanz anerkenne zwar die Überwachung rehabilitierter Personen. Ver-
kenne aber, dass sich die letzte Mitnahme von den bisherigen unterschie-
den habe, weil sie an eine konkrete verbotene Handlung geknüpft habe.
Dadurch sei er als LTTE-Unterstützer wahrgenommen und die bisherigen
Verdächtigungen bestätigt worden. Entsprechend sei ihm auch gedroht
worden. Die Argumentation der Vorinstanz widerspreche auch zahlreichen
aktuellen Länderberichten und der Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts. Das CID wie auch die sri-lankische Armee hätten nach wie
vor ein Interesse daran, LTTE-Mitglieder und Sympathisanten zu verfolgen.
Die Überwachungsaktivitäten gerade in der Nordprovinz seien intensiviert
worden. Darauf würden auch die Besuche des CID bei seiner Familie nach
seiner Flucht hindeuten. lm Rahmen der Fahndung sei es zu mehreren
Hausdurchsuchungen und Drohungen gegen seine Ehefrau gekommen.
Deshalb sei diese mit der gemeinsamen Tochter an einen anderen Ort in
Jaffna geflüchtet, wo sie alleine und einzig von seiner finanziellen Unter-
stützung lebe.
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Zur Stützung seiner Beschwerde reichte der Beschwerdeführer verschie-
dene Berichte zur allgemeinen Lage in Sri Lanka zu den Akten.
5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM dem Vorbringen in der Be-
schwerde, wonach der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise vom CID
massiv bedrängt und auch misshandelt worden sei, entgegen, im erstin-
stanzlichen Verfahren habe er lediglich ausgeführt, er sei vor dem Novem-
ber 2015 vom CID viermal zu Hause aufgesucht, zweimal mitgenommen
und dabei einige Stunden befragt worden. Bei den vorhandenen Narben
am Arm und am Rücken handle es sich lediglich um einen schwach risiko-
begründenden Faktor. Dem Beschwerdeführer seien aufgrund dessen –
abgesehen von Nachfrage bei Kontrollen – keine flüchtlingsrechtlich rele-
vanten Nachteile entstanden. Es lägen auch keine Hinweise vor, dass
diese bei einer allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit zu asylrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen führen
würden. Die mit der Beschwerde eingereichten Berichte zur allgemeinen
Lage in Sri Lanka würden an den Erwägungen des SEM nichts zu ändern
vermögen. Es bestehe kein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zu
den jüngsten politischen Ereignissen.
5.4 In der Replik wurde dem entgegengehalten, vor dem Hintergrund der
unbestrittenen Rehabilitationshaft sei bei mehrfachem Aufsuchen zu
Hause während den vier Jahren nach der Haftentlassung von einer syste-
matischen Überwachung und Einschüchterung durch das CID auszuge-
hen. Der Beschwerdeführer sei nie aus dessen Blickfeld geraten und im
November 2015 erneut verhaftet worden. Die Narben am Rücken und am
rechten Oberarm seien sehr gut sichtbar. Er habe denn auch schon vor
seiner Flucht mehrfach Probleme an Checkpoints erhalten und sei mehr-
fach nach der Herkunft seiner Narben ausgefragt worden. Die eingereich-
ten allgemeinen Berichte würden ein verschlechtertes politisches Klima be-
legen, auch wenn er persönlich nicht erwähnt werde. Das SEM gehe darauf
bezeichnenderweise nicht ein. Hinzu komme, dass er von seiner Mutter
informiert worden sei, dass im Juli 2020 erneut Vertreter des CID bei ihr
vorbeigekommen seien und nach ihm gesucht hätten. Auch sein exilpoliti-
sches Engagement in der Schweiz habe er fortgesetzt. Er habe am Hel-
dentag teilgenommen und bei dessen Vorbereitungen geholfen. Er sei
auch aktiv bei einem kulturellen Verein, welcher sich für die Integration und
Bildung von Migrantinnen und Migranten in der Schweiz einsetze.
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Seite 12
Zur Stützung seiner Replik reichte der Beschwerdeführer drei Fotografien
von sich am Heldentag und eine Bestätigung der erwähnten Organisation
zu den Akten.
6.
6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit
der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen
oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Ge-
samtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentli-
chen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, per-
sönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller bzw.
die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung,
wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht
es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist,
aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende
Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
6.2 Die Erwägungen der Vorinstanz können in Bezug auf die zeitlichen Wi-
dersprüche zum Zeitpunkt der Mitnahme vollumfänglich bestätigt werden.
Dass es sich dabei um unwesentliche Widersprüche handle, überzeugt
nicht. Der Beschwerdeführer sollte sich erinnern können, ob er gleich im
Anschluss oder erst am nächsten Tag mitgenommen beziehungsweise ob
er vom Morgen bis am frühen Abend oder vom Abend bis in die Nacht fest-
gehalten wurde. Die diesbezügliche Erklärung des Beschwerdeführers an
der Anhörung, er habe es verwechselt, vermag auch das Gericht nicht zu
überzeugen. Zudem gilt es ergänzend festzuhalten, dass sich der Be-
schwerdeführer dabei gleich noch einmal widersprach, indem er ausführte,
er sei bis am Abend des nächsten Tages festgehalten worden (vgl. A32
F75). Auch die Erwägungen des SEM zu den widersprüchlichen Aussagen
des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt, wann er sein Dorf verlassen habe,
sind zu bestätigen. Dabei gilt es zu betonen, dass der Widerspruch zum
Aufenthalt vor der Ausreise in erster Linie in zeitlicher Hinsicht besteht,
nicht in örtlicher. So gab der Beschwerdeführer an der Befragung an, nach
dem Besuch durch das CID noch einen Monat zu Hause geblieben zu sein
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Seite 13
(vgl. A4 S. 7), während er an der Anhörung angab, am nächsten Tag ge-
flüchtet zu sein (vgl. A32 F17 und F77). Wo er sich vor seiner Ausreise
aufgehalten hat, ist dabei zweitrangig. Der lange zeitliche Abstand zwi-
schen den Ereignissen und der Anhörung ist zwar zu berücksichtigen, ver-
mag aber derartige Widersprüche in Bezug auf die zentralen Asylvorbrin-
gen nicht überzeugend zu erklären. Auch Übersetzungsprobleme oder
grundlegende Verständnisschwierigkeiten lassen sich den Akten nicht ent-
nehmen, auch wenn der Beschwerdeführer nicht alle Fragen auf Anhieb
verstand. Dass der Beschwerdeführer die Fragen nicht korrekt habe beant-
worten können, wird aus den in der Beschwerde aufgezählten Aussagen
und auch aus den Protokollen im Allgemeinen nicht ersichtlich. Hätte sich
der Dolmetscher, wie an der Anhörung behauptet (vgl. A32 F76), anlässlich
der Befragung die Übersetzung gewisser Aussagen verweigert, wäre dies
natürlich ein grober Verfahrensfehler. Dies hätte der Beschwerdeführer
aber schon anlässlich der Befragung äussern müssen. Anlässlich dieser
bestätigte er aber, alles Wesentliche gesagt und den Dolmetscher gut ver-
standen zu haben. Erst anlässlich der Anhörung bei der Konfrontierung mit
den Widersprüchen geäussert, kann dieser Einwand nur als Schutzbe-
hauptung gewertet werden. Der Beschwerdeführer ist noch einmal an
seine Mitwirkungspflicht zu erinnern. Es ist an ihm, seine Vorbringen sub-
stantiiert darzulegen und nachzufragen, wenn er etwas nicht versteht. In
der Beschwerde wird weiter allgemeine Kritik am Protokoll der Befragung
geäussert, weil daraus nicht hervorgehe, dass diese abgebrochen worden
sei, um die Dublin-Zuständigkeit abzuklären. Dabei stützt sich die Be-
schwerde auf eine Aussage des Beschwerdeführers an der Anhörung, wel-
che den Anschein erweckt, die Befragung sei nach den Fragen zum Pass
abgebrochen worden. Die Befragung wurde danach aber normal zu Ende
geführt. Die Aussage des Beschwerdeführers kann nur so verstanden wer-
den, dass ihm am Schluss der Befragung mitgeteilt worden war, dass nun
zuerst die Dublin-Zuständigkeit abgeklärt werde. Dass die Vorinstanz dem
Beschwerdeführer alles bis aufs fluchtauslösende Ereignis glaube, ist sei-
ner Darstellung inhärent, dass er wohl mittels eines erfundenen fluchtaus-
lösenden Ereignisses versucht, eine vergangene Verfolgung aktuell er-
scheinen zu lassen. Dass der Beschwerdeführer Mühe habe mit der zeitli-
chen Einordnung von Ereignissen, vermag diese Widersprüche insgesamt
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Seite 14
nicht überzeugend zu erklären. Auch hat die Vorinstanz diesen Widersprü-
chen nicht zu viel Gewicht beigemessen, dies auch nicht angesichts der
langen Zeitdauer zwischen der Befragung und der Anhörung.
6.3 Im Weiteren führte das SEM insbesondere zu Recht aus, dass die
Schilderungen des Beschwerdeführers in Bezug auf seine Verhaftung und
die Haft selber unsubstanziiert ausgefallen sind (vgl. A32 F21 ff.), dies
nachdem er der Frage zunächst ausgewichen war (vgl. A32 F21 f.). Wenn
dies in der Beschwerde mit dem allgemeinen Aussageverhalten des Be-
schwerdeführers erklärt wird, vermag dies nicht zu überzeugen. Im Gegen-
teil fällt auf, dass er in Bezug auf seine Inhaftierung nach Kriegsende viel
detaillierter und authentischer Auskunft geben konnte (vgl. A32 F45), ob-
wohl diese überdies viel länger her ist. Ausserdem sagte er an der Anhö-
rung, es seien ihm im November 2015 nur Fragen zum Anzünden der Öl-
lampe gestellt worden (vgl. A32 F28), während er an der Befragung noch
angab, sie hätten ihn über die Tätigkeit bei den LTTE befragt, wo er statio-
niert gewesen sei und was er für die LTTE gemacht habe (vgl. A4 S. 9).
Nach durchlebter Rehabilitationshaft würde das ohnehin keinen Sinn erge-
ben, zumal solche Sachverhalte damals wohl schon erfragt worden wären
und viel eher Fragen nach seinen aktuellen Verbindungen zu den LTTE zu
erwarten gewesen wären. An dieser Einschätzung vermögen die Ausfüh-
rungen in der Beschwerde, wonach die Aussagen des Beschwerdeführers
plausibel seien, weil er auf das allgemein bekannte Anzünden von Öllam-
pen am Heldentag verwiesen habe, nichts zu ändern.
6.4 Überdies gilt es anzumerken, dass der Beschwerdeführer auch sein
angebliches Engagement für die LTTE unterschiedlich beschrieb. So gab
er an der Befragung an, er sei im März 2008 rekrutiert worden, habe für die
LTTE verschiedene Arbeiten erledigt, wie die Mithilfe beim Transport von
Verletzten, und sich am (...) Mai 2009 gestellt (vgl. A4 S. 9). An der Anhö-
rung gab er hingegen an, er sei im Jahr 2009 rekrutiert worden, er wisse
nicht genau wann, habe zwei bis drei Wochen im Einsatz gestanden, sei
nach einem einwöchigen Training in den Kampf geschickt worden, wo er
sich verletzt habe, und habe sich anschliessend am (...) Mai 2009 gestellt
(vgl. A32 F38 ff.).
6.5 Schliesslich sind auch die Aussagen des Beschwerdeführers zu sei-
nem Pass äusserst widersprüchlich ausgefallen. So behauptete er an der
D-5988/2019
Seite 15
Befragung, er habe seinen Pass in Ungarn verloren und gab zunächst an,
er wisse nicht, wann sein Pass ausgestellt worden sei beziehungsweise
antwortete auf Rückfrage, dieser sei letztes Jahr (2015) ausgestellt worden
(vgl. A4 S. 6f.). An der Anhörung gab er hingegen an, der Agent habe ihm
den Pass in Moskau abgenommen und dieser sei Anfang 2016 ausgestellt
worden (vgl. A32 F62 ff.). Zudem erstaunt in diesem Zusammenhang, dass
der Pass in derart kurzer Zeit hat ausgestellt werden können (vgl. A32 F56
ff.), zumal der Beschwerdeführer offenbar relativ spontan in Colombo ent-
schieden hat, auszureisen (vgl. A32 F55). Auch dass er die Ausreise mit
Ersparnissen aus seinen Einkünften als (...) und (...) hat bezahlen können
(vgl. A4 S. 8), erscheint äusserst unwahrscheinlich.
6.6 Die schon in der Beschwerde zum Dublin-Nichteintretensentscheid gel-
tend gemachte Suche nach seiner Ausreise erwähnte der Beschwerdefüh-
rer bezeichnenderweise weder an der nachfolgenden Anhörung noch ver-
mochte er sie in der vorliegenden Beschwerde oder der Replik substantiiert
darzulegen. Somit ist diese ebenfalls als unglaubhaft zu bezeichnen.
6.7 Nach dem Gesagten vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers
zu seiner Verhaftung im November 2015 und der Suche nach der Ausreise
die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu er-
füllen.
7.
7.1 Weiter gilt es zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund der Reha-
bilitationshaft und der nachgehenden Überwachung asylrelevanten Nach-
teilen ausgesetzt war.
7.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-
barer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität be-
fürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive
zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staat-
lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2,
jeweils m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vor-
liegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es
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Seite 16
müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhan-
den sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfol-
gung hervorrufen würden. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das
vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in ver-
gleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmass-
nahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub-
jektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2,
je m.w.H).
7.3 Aufgrund der Haft und der Rehabilitation allein ist die Begründetheit der
Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers nicht anzunehmen, zumal diese
Vorverfolgung zum Zeitpunkt der Ausreise vier Jahre zurücklag. Wie in der
angefochtenen Verfügung zutreffend ausgeführt wurde, erreichen die mit
dem Abschluss der Rehabilitationshaft regelmässig einhergehenden Über-
wachungsmassnahmen in der Regel kein asylrelevantes Ausmass. Vorlie-
gend konnte der Beschwerdeführer nach seiner Entlassung aus der Reha-
bilitation wieder nach Hause zurückkehren und sich ohne Auflagen frei be-
wegen. Er konnte nicht dartun, dass er nach der Rehabilitation Opfer von
Verfolgungsmassnahmen asylrelevanten Ausmasses geworden wäre. So
wurde er gemäss seinen Angaben nach der Entlassung während vier Jah-
ren lediglich viermal durch die Sicherheitsbehörden aufgesucht. Zweimal
wurde er zu einer kurzen Befragung mitgenommen, jedoch nach kurzer
Zeit wieder gehengelassen. Dieser allgemeinen Überwachung rehabilitier-
ter LTTE-Kämpfer unterstand der Beschwerdeführer seit Jahren, ohne
dass es ihn zur Ausreise veranlasste hätte. Entgegen den Aussagen in der
Beschwerde wurde er vor der Ausreise nicht massiv bedrängt und miss-
handelt. Nur im Zusammenhang mit der Mitnahme im November 2015
machte er geltend, geschlagen worden zu sein. Diese Ereignisse können
ihm aber, wie oben ausgeführt, nicht geglaubt werden. Es ist nicht anzu-
nehmen, die sri-lankischen Behörden hätten es über einen Zeitraum von
vier Jahren bei gelegentlichen Besuchen und Befragungen belassen, wäre
tatsächlich von einem ernsthaften Interesse am Beschwerdeführer auszu-
gehen. Nach dem Gesagten sind die Massnahmen der sri-lankischen Be-
hörden weder intensiv genug noch vermochten sie einen unerträglichen
psychischen Druck zu verursachen. Das Vorliegen einer objektiven Furcht
vor künftiger asylrelevanter Verfolgung im Zeitpunkt der Ausreise ist zu ver-
neinen.
D-5988/2019
Seite 17
7.4 Nach dem Gesagten erfüllte der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner
Ausreise die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es bleibt zu prüfen, ob er bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernst-
hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb die
Flüchtlingseigenschaft festzustellen wäre.
8.
8.1 Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesver-
waltungsgericht eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden
nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive
der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri-
sikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung
und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es
sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktu-
ellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exil-
politischen regimekritischen Handlungen und um Vorliegen früherer Ver-
haftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-
menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE
(sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem
gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen
ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach
Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt
werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM)
nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben
(sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.4 und 8.4.5).
Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Ri-
sikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Per-
son ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkeh-
rer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3
AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben
wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatismus wiederaufle-
ben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1).
An dieser Einschätzung vermag die aktuelle – zwar als volatil zu bezeich-
nende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungsge-
D-5988/2019
Seite 18
richt ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Ent-
wicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfin-
dung. Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass
seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
8.2 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer nach seiner ordentlichen Entlassung aus der Rehabilitationshaft im No-
vember 2011 bis zu seiner Ausreise im Februar 2016 und damit noch vier
Jahre in Sri Lanka wohnhaft gewesen ist, ohne dass er dabei in asylrele-
vanter Weise behelligt worden wäre. Dass er nunmehr bei einer Wieder-
einreise eine Verfolgung zu befürchten hätte, ist nicht ersichtlich. Es ist
nicht davon auszugehen, dass ihm die Behörden bei einer Rückkehr eine
enge Verbindung zu den LTTE im Sinne obiger Rechtsprechung unterstel-
len würden. Wie dargelegt, kann ihm nicht geglaubt werden, dass er im
November 2015 verhaftet beziehungsweise dass ihm Verbindungen zu den
LTTE unterstellt wurden. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er nur
zwei bis drei Wochen bei Kriegsende bei den LTTE war. Zwar erklärte er
an der Anhörung, dass er zuvor als (...) für die Polizei der LTTE gearbeitet
habe. Dies erwähnte er aber ein einziges Mal am Rand und machte keine
substantiierten Angaben hierzu. Insbesondere machte er diesbezüglich
nicht geltend, asylrelevante Nachteile erlitten zu haben. Dass er nunmehr
bei einer Wiedereinreise eine Verfolgung zu befürchten hätte, ist nicht er-
sichtlich. Schliesslich vermag auch die behauptete exilpolitische Tätigkeit
an dieser Analyse nichts zu ändern, zumal diese mit der Teilnahme an ver-
einzelten Demonstrationen und am Heldentag in einem äusserst nieder-
schwelligen Bereich anzusiedeln ist. Auch die eingereichten Fotografien
des Beschwerdeführers am Heldentag, wo er Fotos aufgestellt habe, und
die Mitgliedschaft in einem Verein, der sich für Integration einsetzt, vermö-
gen sein politisches Profil nicht zu schärfen. Das Gesagte gilt auch unter
Berücksichtigung der schwach risikobegründenden Faktoren. Die Narben
fallen hier nicht genügend ins Gewicht, zumal der Beschwerdeführer dies-
bezüglich vor seiner Ausreise auch keine Probleme geltend gemacht hat.
Auch dass er einige Zeit in der Schweiz geweilt hat und aus diesem Land
zurückgeschafft würde, vermag in der Sache nichts zu ändern. Ebenso we-
nig vermögen dies die politischen Veränderungen seit November 2019. Der
Beschwerdeführer hat keinen persönlichen Bezug zu diesen Ereignissen.
D-5988/2019
Seite 19
8.3 Eine Gesamtwürdigung aller Risikofaktoren lässt es vorliegend nicht
überwiegend wahrscheinlich erscheinen, dass der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausge-
setzt wäre und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu
befürchten hätte. Das SEM hat demnach zu Recht festgestellt, dass er die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, und das Asylgesuch abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
D-5988/2019
Seite 20
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er-
geben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in
den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte
dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre.
D-5988/2019
Seite 21
Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich die
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter Weise
auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen
Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen (vgl. statt vieler Urteil
des BVGer D-6898/2019 vom 14. Januar 2022, E. 9.2.3).
10.3
10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter
Berücksichtigung der aktuellen dortigen Ereignisse und Entwicklungen.
Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri
Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass
der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorlie-
gen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines
tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten
auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann
(vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.3.3). Diese
Einschätzung hat weiterhin Gültigkeit (vgl. statt vieler Urteil des BVGer
D-6898/2019 vom 14. Januar 2022, E. 9.3.2).
10.3.3 Das SEM hielt hierzu fest, der Beschwerdeführer verfüge in seiner
Herkunftsregion über ein familiäres Beziehungsnetz. Seine Ehefrau und
seine Tochter würden gemäss seinen Angaben in C._, Jaffna leben.
Seine Mutter und sein Bruder würden noch immer in seinem Herkunftsort
D._ wohnen. Ein Bruder lebe in Katar. Der Beschwerdeführer sei
als (...) tätig gewesen und habe einen (...) gehabt. Vor diesem Hintergrund
sei nicht davon auszugehen, dass er bei einer allfälligen Rückkehr nach Sri
Lanka in eine existenzbedrohende Lage geraten werden. Auch seien keine
gesundheitlichen Wegweisungshindernisse ersichtlich.
D-5988/2019
Seite 22
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, er verfüge über kein tragfähi-
ges Beziehungsnetz in der Heimat. Seine Ehefrau und Tochter hätten aus
D._ fliehen müssen und würden in prekären Verhältnissen leben.
Sie hätten keine Einkünfte und würden von seinem Lohn leben. Auch einer
seiner Brüder habe nach Katar fliehen müssen. Zudem sei vorliegend seine
überdurchschnittlich gute Integration in der Schweiz zu beachten. Dazu
reichte der Beschwerdeführer zahlreiche Dokumente zu seiner Integration
in der Schweiz zu den Akten.
10.3.4 Das Gericht erachtet den Vollzug vorliegend ebenfalls als zumutbar.
Diesbezüglich kann zu Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich
auf die überzeugenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden.
Auch wenn die Ehefrau und die Tochter an einem anderen Ort leben, aber
immer noch in Jaffna, ist von einem tragfähigen Beziehungsnetz auszuge-
hen. Bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers können sie weiterhin von
dessen Lohn leben. Diesbezüglich gilt es auch zu berücksichtigen, dass
der Beschwerdeführer in der Schweiz einiges an Arbeitserfahrung sam-
meln konnte. Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass er
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzbedrohende Situation
geraten würde. An dieser Einschätzung vermag auch seine gute Integra-
tion in der Schweiz nichts zu ändern.
10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
D-5988/2019
Seite 23
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind dem in gleicher Höhe einbezahlten Kos-
tenvorschuss zu entnehmen.
(Dispositiv nächste Seite)
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