Decision ID: a260099d-55d0-46be-b82a-8d95044d96e5
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Mit Beschluss vom 18. September 2013 nahm der Kantonsrat das
Kantonsstrassenprojekt „Kantonsstrasse Nr. 00, X., A.“ in das 16.
Strassenbauprogramm auf (www.ratsinfo.sg.ch). Dieses Strassenprojekt liess das
kantonale Tiefbauamt auf Antrag der Politischen Gemeinde Y. auf dem Gebiet der
Politischen Gemeinde X. ausarbeiten. Im Rahmen der Vernehmlassung lehnte der
Gemeinderat X. das Strassenprojekt mit Beschluss vom 20. Januar 2014 ab (act.
3/2/4). Ein Referendum dagegen wurde nicht ergriffen. Mit Schreiben vom 11. Juni
2014 teilte das kantonale Tiefbauamt der Politischen Gemeinde X. mit, dass auf die
Ausführung des Projekts verzichtet werde. Gleichzeitig stellte es ihr unter dem
Briefkopf „Kanton St. Gallen, Baudepartement, Tiefbauamt“ einen Gemeindebeitrag
von Fr. 41‘341.65 (35 % der anrechenbaren Gesamtkosten von Fr. 91‘847.40 plus
Sonderkosten der Gemeinde in der Höhe von Fr. 9195.05) in Rechnung (act. 3/2/1).
B.
Gegen die Rechnung vom 11. Juni 2014 erhob die Politische Gemeinde X. am 26. Juni
2014 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission (act. 2) mit dem Rechtsbegehren,
der Gemeindebeitrag sei von Fr. 41‘341.65 auf Fr. 9195.05 zu reduzieren. Am 11. Juli
2014 nahm das Baudepartement sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der
Zuständigkeit der Verwaltungsrekurskommission zum Rekurs Stellung (act. 3/5). Am
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18. August 2014 liess sich die Politische Gemeinde X. abschliessend vernehmen (act.
3/7). Mit Entscheid vom 25. September 2014 trat die Verwaltungsrekurskommission auf
den Rekurs nicht ein und überwies die Sache dem Verwaltungsgericht. Mit Schreiben
vom 30. Oktober 2014 (act. 4) teilte das Verwaltungsgericht dem Baudepartement
(Vorinstanz) und der Politischen Gemeinde X. (Beschwerdeführerin) mit, dass die
Eingabe der Beschwerdeführerin vom 26. Juni 2014 als Beschwerde ins
Geschäftsverzeichnis aufgenommen worden sei (act. 4).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,

in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen.
1.1.
Anfechtungsgegenstand im Verwaltungsrechtspflegeverfahren bilden Verfügungen und
Entscheide (vgl. Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, VRP, vgl. zum Verfügungsbegriff VerwGE B 2012/68 vom 14. Februar 2013
E. 3.2.1 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Im Normalfall gelten Rechnungen in
öffentlich-rechtlicher Hinsicht nicht als Verfügungen (vgl. J. Bickel, Auslegung von
Verwaltungsrechtsakten, Bern 2013, S. 263 f., Bertschi/Plüss in: A. Griffel [Hrsg.],
Kommentar VRG, Zürich 2014, Vorbemerkungen zu §§ 4-31 N 22 und Wiederkehr/
Richli, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band I, N 2324). Solche Handlungen
sind nicht auf das Erzielen von Rechtswirkungen gerichtet, sondern stellen
Erscheinungsformen des tatsächlichen Verwaltungshandelns (Realakte) dar (vgl. zu den
Verwaltungshandlungen ohne Verfügungscharakter VerwGE B 2013/22 vom 2. Juli
2013 E. 2.2 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, sowie BGE 121 II 473 E. 2b und B.
Waldmann, Vom Umgang mit organisatorischen, innerdienstlichen und anderen
Anordnungen ohne Verfügungscharakter, ZSR 2014 I S. 489 ff.). Eine Rechnung kann
aber ausnahmsweise als Verfügung qualifiziert werden, wenn im Einzelfall
Strukturmerkmale von Art. 24 Abs. 1 VRP vorliegen (vgl. Tschannen/Zimmerli/Müller,
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Allgemeines Verwaltungsrecht, Bern 2014, § 29 N 3). Eine (behördliche) Rechnung
verkörpert eine verbindliche Anordnung, wenn ihr der Adressat diese Bedeutung
aufgrund der Umstände, die ihm im Zeitpunkt des Empfangs bekannt waren oder
hätten bekannt sein müssen, in guten Treuen beilegen durfte und beilegen musste (vgl.
J. Bickel, a.a.O., S. 265).
Im konkreten Fall ist das Begleitschreiben zum Rechnungsformular vom 11. Juni 2014
(act. 3/2/1) als „Rechnung“ und nicht als „Verfügung“ bezeichnet. Es enthält weder die
Rechtsgrundlage für den der Gemeinde auferlegten Beitrag noch eine