Decision ID: bb56d8ee-21f6-4bf8-b64a-5643f7e50b44
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Ortsgemeinde Sevelen ist Eigentümerin der Parzelle Nr. 2503 im Gebiet
Campiun/Eschalär in der Politischen Gemeinde Sevelen. Das Grundstück liegt am
westlichen Talhang des Rheintals, oberhalb der Bauzonen von Rans und Oberräfis.
Nach dem Zonenplan Talgebiet (1:5'000) der Politischen Gemeinde Sevelen vom 6.
März 1998 ist das Grundstück teils der Landwirtschaftszone, teils dem übrigen
Gemeindegebiet zugeteilt. Ausserdem stellen Teile der Parzelle Nr. 2503 gemäss
Waldfeststellung des Volkswirtschaftsdepartements vom 14. Januar 1997 Wald dar.
Die Basaltstein AG, Buchs, hat auf einem Teil der Parzelle Nr. 2503 etwa 70 m oberhalb
von Rans und Oberräfis von 1927 bis 1996 den Steinbruch Campiun betrieben. Die
Zufahrt zum Steinbruchareal führte durch das Wohngebiet von Rans. Nachdem die
Abbaukonzession am 1. Juli 1996 abgelaufen ist und der Abbau eingestellt wurde,
beabsichtigt die Basaltstein AG, den Steinbruch in südliche Richtung zu erweitern. Das
Abbauvolumen soll auf einer Fläche von 9,5 ha rund 2,5 Mio. m3 oder 7 Mio. t
Gesteinsmaterial betragen. Beim Gestein handelt es sich um Hartgestein, d.h. um kalk-
armen, stark quarzhaltigen Sandstein der Brisi- und Gamserschichten. Die jährliche
Abbaumenge ist bedarfsabhängig und soll etwa 200'000 t betragen, woraus sich eine
Abbaudauer von rund 35 Jahren ergibt. Die Gesteinsgewinnung soll mit sechs bis zehn
Grossbohrlochsprengungen pro Jahr im Tagbau und in fünf von Nord nach Süd
aufeinanderfolgenden Abbau-etappen erfolgen. Um das Wohngebiet von Rans vor
Lärmimmissionen zu schützen, soll das Abbaugebiet neu erschlossen werden. Zu
diesem Zweck ist vorgesehen, südlich von Rans eine Umfahrungsstrasse zu bauen und
diese durch einen Tunnel ins alte Steinbruchareal zu führen. Für die Erweiterung und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erschliessung des Steinbruchs müssten insgesamt 39'588 m2 Wald gerodet werden.
Nach der Stillegung des Steinbruchs ist gemäss dem Umweltverträglichkeitsbericht
vom 14. Februar 2000 (abgekürzt UVB) geplant, das alte und das neue Abbaugebiet zu
rekultivieren und als ökologische Vorrangfläche zu gestalten. Als zusätzliche
ökologische Ersatzmassnahme ist die Extensivierung der Bewirtschaftung auf rund 13
ha an den Steinbruch angrenzenden Wiesen vorgesehen, die im Eigentum der
Ortsgemeinde Sevelen stehen.
B./ Nachdem die Bürgerschaft der Ortsgemeinde Sevelen der Erweiterung des
Steinbruchs zugestimmt hatte, wurden der Abbauplan mit UVB, Strassenprojekt und
Rodungsgesuch vom 8. Januar bis 6. Februar 1997 öffentlich aufgelegt. Gegen das
Vorhaben wurden zahlreiche Einsprachen von Anwohnern und Umweltorganisationen
erhoben.
Entsprechend der damals gültigen Zuständigkeitsregelung stellte das Kantonsforstamt
dem Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft (abgekürzt BUWAL) am 2. Juli 1997
den Antrag auf Erteilung der Bewilligung für die Rodung von 39'588 m2 Wald. Mit
Schreiben vom 27. April 1998 teilte das BUWAL mit, die Rodungsbewilligung könne
nicht in Aussicht gestellt werden. Am 14. März 2000 zog die Basaltstein AG das
Gesuch beim Gemeinderat Sevelen vollumfänglich zurück, nachdem sie bereits am 14.
Februar 2000 das gesamte, gegenüber der ersten öffentlichen Auflage unveränderte
Gesuch ein zweites Mal eingereicht hatte. Am 6. März 2000 erliess der Gemeinderat
Sevelen Abbauplan und Teilstrassenplan. Diese Planerlasse sowie der UVB und das
Rodungsgesuch wurden vom 27. März bis 26. April 2000 erneut öffentlich aufgelegt.
Nachdem zwischenzeitlich die Zuständigkeit für die Erteilung einer Rodungsbewilligung
vom BUWAL auf die kantonale Forstbehörde übergegangen war, übermittelte das
kantonale Forstamt das Rodungsgesuch mit Schreiben vom 28. März 2000 dem
BUWAL zur Anhörung.
Innert der Auflagefrist erhoben nahezu sämtliche Einwohner von Rans und Oberräfis
beim Gemeinderat Sevelen Einsprache gegen Abbauplan und Strassenprojekt und
beim kantonalen Forstamt gegen das Rodungsgesuch.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 25. April 2000 erhoben der Einwohnerverein Rans-Oberräfis, M. und G.D., W.H.
sowie H.Sch. beim Gemeinderat Sevelen gemeinsam durch ihren Rechtsvertreter
Einsprache gegen den Abbauplan und das Strassenprojekt. Gleichentags erhoben
dieselben Einsprecher beim kantonalen Forstamt auch gegen das Rodungsgesuch
Einsprache.
Am 14. April 2001 teilte das BUWAL dem kantonalen Forstamt mit, der Abbauplan
beruhe nicht auf einer kantonalen oder überregionalen Abbauplanung. Zudem befinde
sich der Abbauperimeter im Objekt Nr. 1613 "Speer-Churfirsten-Alvier" des
Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung
(abgekürzt BLN). Die hohe Bedeutung des Waldes und die Erhaltung des BLN-
Objektes würden das Interesse am Hartschotterabbau überwiegen, weshalb beantragt
werde, das Rodungsgesuch der Basaltstein AG abzuweisen. Entgegen diesem Antrag
erteilte das kantonale Forstamt am 24. April 2001 die Rodungsbewilligung und
übermittelte diese dem Planungsamt (heute: Amt für Raumentwicklung, abgekürzt ARE)
als federführender Stelle des Staates.
Mit Gesamtentscheid vom 28. Mai/25. Juni 2001 stellte der Gemeinderat Sevelen die
Umweltverträglichkeit des geplanten Abbaus fest. Der Abbau- und Teilstrassenplan
wurden bestätigt und die Einsprachen dagegen abgewiesen, soweit darauf eingetreten
wurde. Der Gemeinderat erwog, das Vorhaben sei unter Auflagen umweltverträglich.
C./ Gegen die Gesamtverfügung des Gemeinderates Sevelen erhoben der
Einwohnerverein Rans-Oberräfis, M. und G.D., W.H. sowie H.Sch. durch ihren
Rechtsvertreter am 6. Juli 2001 gemeinsam Rekurs bei der Regierung. Sie beantragten
die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Nichtgenehmigung bzw.
Abweisung des Abbauplans, des Rodungsgesuchs sowie des Stras-senplans.
Eventuell sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanzen zurückzuweisen.
Zur Begründung wurde im wesentlichen geltend gemacht, der Sachverhalt sei
unzutreffend und unvollständig festgestellt worden. Insbesondere sei der Bedarf an
Hartschotter von den Vorinstanzen völlig ungenügend abgeklärt worden. Im weiteren
erweise sich der Steinbruch in der Landwirtschaftszone als zonenfremd und die
Erteilung einer Ausnahmebewilligung komme mit Blick auf die Grösse des Vorhabens
nicht in Frage. Der Abbauplan und der UVB seien unvollständig und unklar. Schliesslich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
würden sämtliche Gründe, die gegen den Abbauplan sprächen, auch gegen die
Rodungsbewilligung und die naturschutzrechtliche Bewilligung sprechen.
Gegen die Gesamtverfügung des Gemeinderates Sevelen erhoben im weiteren auch
T.A. und 120 Mitunterzeichner, alle Sevelen, am 11. Juli 2001 Rekurs bei der
Regierung. Sie beantragten die Aufhebung des angefochtenen Gesamtentscheides
sowie der Rodungsbewilligung und der naturschutzrechtlichen Bewilligung. Die
Bewilligung zur Erweiterung des Steinbruches Campiun sei nicht zu erteilen. Zur
Begründung wurde im wesentlichen geltend gemacht, auf die Gesuche hätte nicht
eingetreten werden dürfen, weil sie in rechtsmissbräuchlicher Weise zuerst
zurückgezogen und dann in unveränderter Form erneut eingereicht worden seien, nur
um die Zuständigkeit des BUWAL für die Erteilung der Rodungsbewilligung zu
umgehen. Die Gegend müsse als unersetzbares Naherholungsgebiet für die
Bevölkerung unverändert erhalten bleiben, zumal das Abbaugebiet in der kommunalen
Schutzverordnung vom 22. November 1996 als Landschaftsschutzgebiet Ranserholz-
Valcupp aufgeführt sei. Die zu erwartenden Staub- und Lärmimmissionen seien für die
Bevölkerung nicht zumutbar. Zudem seien die Gefährdungspotentiale nicht hinreichend
geklärt und keine alternativen Abbaustandorte untersucht worden. Schliesslich beruhe
die Beurteilung des Bedarfsnachweises und der regionalen Versorgung mit Gestein auf
äusserst schwachen Argumenten und trage vor allem der aktuellen regionalen
Verfügbarkeit von Gestein keine Rechnung.
Im Amtsbericht vom 20. Dezember 2001 nahm das Tiefbauamt zur Qualität des im
Steinbruch Campiun gewinnbaren Gesteinsmaterials und zum Bedarf nach dem
Material Stellung.
Mit Vernehmlassung vom 22. Dezember 2001 stellte das ARE als federführende Stelle
des Staates im Namen aller beteiligten kantonalen Amtsstellen den Antrag, die Rekurse
seien abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Am 4. März 2002 reichte der Vertreter der Basaltstein AG ein vom 2. Oktober 2001
datiertes Schreiben des Bundesamtes für Strassen (abgekürzt ASTRA) an den Verband
Schweizerischer Hartsteinbrüche (abgekürzt VSH) ein. Aus dem Schreiben ergibt sich,
dass der VSH anlässlich einer Besprechung im Juni 2001 die Vertreter von BUWAL,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eidgenössischer Natur- und Heimatschutzkommission (abgekürzt ENHK), Bundesamt
für Raumentwicklung, ASTRA und SBB über die Versorgung mit felsgebrochenem
Hartgestein dahingehend informiert hat, dass die bewilligten Abbaureserven
gesamtschweizerisch bei gleichbleibendem Bedarf noch für rund zehn Jahre
ausreichten. Derzeit förderten noch acht bis zehn Steinbrüche Hartgestein. Das ASTRA
zeigte sich darüber beunruhigt und erklärte, die Bemühungen des VSH zu unterstützen,
die bestehenden Hartsteinbrüche der Schweiz zu erhalten, weil diese von nationaler
Bedeutung seien.
Auf Aufforderung durch die Rechtsabteilung des Baudepartements hin teilte der
Fachverband für Sand und Kies (abgekürzt FSK) mit Schreiben vom 28. Februar 2002
mit, dass es derzeit noch rund acht wichtigere Hartsteinbrüche in der Schweiz gebe.
Bei sechs dieser Steinbrüche werde der jährliche Ausstoss auf über 200'000 t
geschätzt; weder über die Abbaumenge noch über die Reserven gebe es aber
verlässliche Angaben. Allerdings könne aufgrund verschiedener Unterlagen davon
ausgegangen werden, dass die bewilligten Abbaureserven gesamtschweizerisch bei
gleichbleibendem Bedarf nur noch für rund zehn Jahre reichten. Die Betreiber der
Hartsteinbrüche verfügten bei den SBB über geschätzte jährliche Lieferkontingente
zwischen 40'000 und 50'000 t. Die Gesamtliefermenge an die SBB liege bei rund
500'000 t Schotter pro Jahr, wovon etwa 92% Hartschotter erster Qualität seien.
Am 5. Juni 2002 führte die Rechtsabteilung des Baudepartements in Anwesenheit der
Verfahrensbeteiligten sowie je eines Mitarbeiters des ARE und des AFU einen
Augenschein an Ort und Stelle durch. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass
sowohl der Abbauplan als auch das Strassenprojekt Mängel aufweisen, weil das Ende
der geplanten Erschliessungsstrasse in einem Felskopf zu liegen käme, dessen Abbau
nicht vorgesehen war. Die Basaltstein AG passte in der Folge den Abbauperimeter und
das Strassenprojekt an und reichte dem Gemeinderat Sevelen am 26. Juli 2002 die
Korrekturpläne ein. Danach ist vorgesehen, die nördliche Abbaugrenze auf die
tatsächlichen Verhältnisse anzupassen. Dadurch soll einerseits das Vorantreiben des
Gesteinsabbaus vom alten Steinbruchareal gegen Süden ermöglicht und anderseits der
westliche Teil des Felskopfs abgebaut werden, damit über die neue
Erschliessungsstrasse ungehindert bis in den alten Steinbruch gefahren werden kann.
Die Fläche des neuen Abbaus wird damit um 25'000 m3 oder ca. 0,2 ha vergrössert.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Gesamtfläche umfasst somit 9,7 ha. Das Abbauvolumen wurde indes nicht
verändert, weil die fünfte Abbauetappe im gleichen Umfang reduziert wurde. Die
Änderungen wurden vom 13. August bis 12. September 2002 öffentlich aufgelegt. Mit
Gesamtentscheid vom 13. Dezember 2002 wies der Gemeinderat Sevelen alle gegen
die Änderungen eingereichten Einsprachen ab, soweit er darauf eintrat.
Am 24. Oktober 2002 führte die Rechtsabteilung des Baudepartements in Anwesenheit
einer Dreierdelegation der Regierung, der Verfahrensbeteiligten sowie von Mitarbeitern
des Kantonsforstamtes, des ARE und des AFU einen weiteren Augenschein durch.
Anlässlich dieses Augenscheins stellte das ARE den nach dem ersten Augenschein
erarbeiteten Amtsbericht "Beurteilung der ökologischen Wertigkeit der für das
Erweiterungsprojekt Steinbruch Campiun vorgesehenen Fläche sowie vergleichbare
Standorte im Hangbereich zwischen Buchs und Wartau" vor. Auf Intervention des
Vertreters der Basaltstein AG wurde der Amtsbericht im Anschluss an den
Augenschein vom ARE ergänzt und auf die Gebiete "Schollberg" und "Malanser Berg"
ausgeweitet.
Am 3. Juni 2003 forderte die Rechtsabteilung des Baudepartements die Basaltstein AG
auf, den Sachverhalt zur Frage der Hartschotterqualität und der abbaubaren
Hartschottermengen im geplanten Abbauperimeter zu ergänzen. Am 17. Dezember
2003/8. Januar 2004 reichte die Basaltstein AG der Rechtsabteilung des
Baudepartements das Gutachten der Baugeologie Chur betreffend qualitative und
quantitative Untersuchungen zur Gesteinsqualität/Hartgesteinsvorkommen/
Sondierbohrungen 2003 ein.
Die Regierung entschied über die Rekurse an der Sitzung vom 27. April 2004. Der
Rekurs des Einwohnervereins Rans-Oberräfis, von M. und G.D., W.H. sowie H.Sch.

wurde im Sinne der Erwägungen abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde
(Beschluss Nr. 245). Ebenso wurde der Rekurs von T.A. und den Mitbeteiligten im Sinn
der Erwägungen abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde (Beschluss Nr. 243). Die
Regierung erwog in beiden Entscheiden im wesentlichen, dass mit dem
Abbauvorhaben zwar ein schwerer Eingriff in das BLN-Objekt Nr. 1613 verbunden sei,
der - bezogen auf ein prioritäres Schutzziel - umfangreiche Beeinträchtigungen mit sich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bringe. Allerdings bestehe in Anbetracht der angespannten Eigenversorgungssituation
der Ostschweiz mit Hartgestein bester Qualität und des Mangels an geeigneten
anderweitigen Abbaustandorten nach Auffassung der Regierung ein das
Einhaltungsinteresse überwiegendes Interesse von ebenfalls nationaler Bedeutung am
Abbauvorhaben. Auch die anderen im Rahmen der Interessenabwägung
berücksichtigten Interessen würden insgesamt gesehen für den Abbau sprechen,
zumal er einerseits bei weitem keinen vollständigen Verlust eines ganzen
Lebensraumtyps zur Folge habe und sich der Standort anderseits infolge seiner in
verschiedener Hinsicht optimalen Lage und der neuen Erschliessung auch mit den
berechtigten Anliegen der angrenzenden Wohnbevölkerung in Einklang bringen lasse.
Hinzu komme, dass sehr umfangreiche Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen
verlangt würden. Diese gewährleisteten, dass langfristig gesehen der spezielle
Lebensraumtyp flächenmässig grösser und vielfältiger werde, weil die Massnahmen
nicht nur für das Abbaugebiet selbst, sondern auch für das Areal des alten Steinbruchs
und das gesamte Umland gelten würden. Folglich sei das Abbauvorhaben vom
Gemeinderat Sevelen zu Recht als umweltverträglich beurteilt worden. Abbauplan,
Strassenprojekt, naturschutzrechtliche Bewilligung und Rodungsbewilligung würden
sich - zumindest nach den vom Gemeinderat Sevelen mit Gesamtentscheid vom 13.
Dezember 2002 bewilligten Korrekturen - als rechtmässig erweisen.
D./ Mit Eingabe vom 19. Mai 2004 erhoben der Einwohnerverein Rans-Oberräfis, M.
und G.D., W.H., H.Sch., T.A. sowie 117 Mitbeteiligte gemeinsam Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. In der Beschwerdeergänzung vom 18. Juni 2004 stellen sie
folgenden Antrag:
"1. Es seien aufzuheben:
a) Der Rekursentscheid der Regierung des Kantons St. Gallen vom 27. April 2004, Nr.
243, in den Ziffern 1 und 2;
b) Der Rekursentscheid der Regierung des Kantons St. Gallen vom 27. April 2004, Nr.
245, in den Ziffern 1, 2 und 3.
2. Es sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Zur Begründung wird im wesentlichen geltend gemacht, die Zuständigkeit betreffend
Rodungsbewilligung sei in rechtsmissbräuchlicher Weise umgangen worden.
Ausserdem verstosse der Abbauplan gegen den Zonenplan und das Projekt sei daher
ohne Zonenplanänderung unzulässig. Sodann sei der UVB in mehrfacher Hinsicht
mangelhaft und unvollständig. Gleiches gelte in bezug auf die Interessenabwägung,
welche in verschiedenen Punkten auf unzutreffenden Annahmen und Feststellungen
sowie unzureichenden Grundlagen beruhe. Schliesslich wird eingewendet, die
Regierung sei auf die Rügen der falschen Einteilung der Zufahrtsstrasse zum neuen
Steinbruch und der fehlenden Verpflichtung und rechtlichen Sicherung eines
Strassenrückbaus zu Unrecht nicht eingetreten.
Die Regierung beantragt in der Vernehmlassung vom 28. Juni 2004 die Abweisung der
Beschwerde.
Die Basaltstein AG trägt in der Vernehmlassung vom 23. August 2004 auf Abweisung
der Beschwerde an, soweit darauf einzutreten ist, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdeführer.
Mit Schreiben vom 15. September 2004 nahm der Vertreter der Beschwerdeführer zur
Eingabe der Basaltstein AG vom 23. August 2004 bzw. zum neu eingereichten
Aktenstück "Runder Tisch Hartsteinbrüche-Landschaftsschutz, Schlussbericht des
Mediators vom 31. Januar 2003" Stellung.
Die Politische Gemeinde Sevelen und die Ortsgemeinde Sevelen liessen sich innert
Frist nicht vernehmen.
Am 11. April 2005 wurde vorgängig ein Augenschein an Ort und Stelle durchgeführt, an
dem das Verwaltungsgericht durch eine Delegation vertreten war. Die
Verfahrensbeteiligten wurden dazu eingeladen und erhielten Gelegenheit zur
Stellungnahme. Im Anschluss wurden den Beteiligten das Augenscheinprotokoll sowie
der vom Vertreter der Beschwerdegegnerin anlässlich des Augenscheins ins Recht
gelegte Bericht "Konfliktanalyse bezüglich Vermeidung eines Versorgungsnotstandes
der schweizerischen Bauwirtschaft mit felsgebrochenen Hartgesteinen zur Herstellung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hochwertiger Beläge und Bahnschotter" des ASTRA vom September 2004 (abgekürzt
Bericht ASTRA) zur Vernehmlassung zugestellt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ a) Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs.
1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
b) Die Beschwerdeführer sind, soweit sie mit ihren Anträgen im Rekursverfahren
unterlegen sind, zur Ergreifung der Beschwerde legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Der angefochtene Beschluss Nr. 243 betrifft ausschliesslich
T.A. sowie die 117 Mitbeteiligten und der angefochtene Beschluss Nr. 245
ausschliesslich den Einwohnerverein Rans-Oberräfis sowie M. und G.D., W.H. und
H.Sch. Dies bedeutet, dass auf die Beschwerde insoweit mangels Legitimation nicht
eingetreten werden kann, als T.A. und die 117 Mitbeteiligten nicht zur Anfechtung des
Beschlusses Nr. 245 und der Einwohnerverein Rans-Oberräfis sowie M. und G.D., W.H.
und H.Sch. nicht zur Anfechtung des Beschlusses Nr. 243 berechtigt sind. Soweit den
Beschwerdeführern die Rechtsmittelberechtigung in bezug auf materielle Rügen fehlt,
wird darauf im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Auf die nähere
Abklärung der Legitimation der 117 Mitbeteiligten von T.A. wird verzichtet, nachdem
deren Berechtigung von keiner beteiligten Partei in Zweifel gezogen wurde und die
Legitimation der Einwohner von Rans und Oberräfis sowie der unmittelbaren
Umgebung unbestritten ist.
c) Die Beschwerdeerhebung vom 19. Mai 2004 sowie die Beschwerdeergänzung vom
28. Juni 2004 erfüllen die gesetzlichen Anforderungen an die Beschwerdeführung in
zeitlicher, formaler und inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist - unter dem erwähnten
Vorbehalt sowie den nachfolgenden Einschränkungen - einzutreten.
2./ a) In der Vernehmlassung vom 9. Mai 2005 zum Bericht ASTRA machen die
Beschwerdeführer geltend, der vom Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin am
Augenschein eingereichte Bericht müsse als verspätet aus dem Recht gewiesen
werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b) Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 50 Abs. 1 VRP bestimmt, dass der
Beschwerdeeingabe auch die entsprechenden Beweismittel beizulegen sind. Dabei
handelt es sich nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung indes lediglich um
eine Ordnungsvorschrift. Soweit keine Frist im Sinne von Art. 50 Abs. 2 VRP angesetzt
worden ist, ist ein nachträgliches Einreichen von weiteren Beweismitteln ohne weiteres
zulässig (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen
2003, Rz. 930 mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung; vgl. ferner GVP 1978
Nr. 25 in bezug auf das Rekursverfahren).
c) Vorliegend wurde keine Frist im Sinne von Art. 50 Abs. 2 VRP zur Einreichung der
Beweismittel angesetzt. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer besteht
deshalb keine Veranlassung, den Bericht ASTRA aus dem Recht zu weisen. Hinzu
kommt, dass die Sachverhaltsfeststellung im Zeitpunkt des Augenscheins noch nicht
abgeschlossen war.
3./ a) Zunächst rügen die Beschwerdeführer, die Beschwerdegegnerin habe die
Zuständigkeit des BUWAL für die Erteilung der Rodungsbewilligung
rechtsmissbräuchlich umgangen, indem sie ihr Gesuch am 14. März 2000
vollumfänglich zurückgezogen, das Projekt aber am 14. Februar 2000 ein zweites Mal
in unveränderter Form eingereicht habe, nur um die Zuständigkeit des kantonalen
Forstamtes zu erwirken. Diese Rüge sei bereits im Rekursverfahren erhoben worden,
wobei die Regierung mit keinem Wort darauf eingetreten sei. Darin liege eine
unzulässige Verweigerung des Anspruchs auf rechtliches Gehör.
b) Bei der ersten öffentlichen Projektauflage vom 8. Januar bis 6. Februar 1997 lag die
Prüfung des Rodungsgesuchs gestützt auf die damals gültige Fassung von Art. 5 Abs.
3 der Waldverordnung (SR 921.01, abgekürzt WaV) in der Zuständigkeit des BUWAL.
Die Änderung der Zuständigkeit zugunsten des kantonalen Forstamtes erfolgte durch
das Bundesgesetz vom 18. Juni 1999 über die Koordination und Vereinfachung von
Entscheidverfahren (AS 1999, S. 3'122). Demnach liegt die Zuständigkeit für die
Erteilung von Rodungsbewilligungen seit dem 1. Januar 2000 bei den kantonalen
Behörden, wenn sie über die Errichtung oder Änderung eines Werkes, für das gerodet
werden soll, entscheiden (Art. 6 Abs. 1 lit. b des Waldgesetzes, SR 921.0, abgekürzt
WaG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) aa) Die Rechtsmittelberechtigung setzt nach Art. 45 Abs. 1 VRP die Schutzwürdigkeit
der geltend gemachten Interessen voraus. Die Schutzwürdigkeit kann dabei
tatsächlicher oder rechtlicher Natur sein. Sie liegt im "praktischen Nutzen", den ein
erfolgreich geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in seiner rechtlichen oder
tatsächlichen Situation einträgt, bzw. in der Abwendung materieller, ideeller oder
sonstiger Nachteile, den ein Bestand der angefochtenen Verfügung oder des
Entscheids mit sich bringen würde (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 389 f.).
bb) Es ist nicht ersichtlich und wird auch nicht dargelegt, inwiefern die
Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse daran haben, dass das BUWAL und
nicht die kantonale Behörde entscheidet. Im Umstand, dass das BUWAL eine
Ablehnung des Rodungsgesuchs in Aussicht gestellt hat, kann jedenfalls kein
schutzwürdiges Interesse erblickt werden. Dementsprechend ist auf den Einwand der
Beschwerdeführer, die Zuständigkeitsordnung sei in rechtsmissbräuchlicher Weise
umgangen worden, mangels Legitimation nicht einzutreten.
d) Selbst wenn die Rechtsmittelberechtigung zur Rüge der unzulässigen Umgehung
der Zuständigkeitsordnung gegeben wäre, erwiese sich der Einwand als nicht
stichhaltig. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer kann im Rückzug des
ersten Gesuchs im Hinblick auf die veränderte Zuständigkeit kein Rechtsmissbrauch
erblickt werden. Das Rechtsmissbrauchsverbot ist Teil des Grundsatzes von Treu und
Glauben. Rechtsmissbrauch liegt namentlich dann vor, wenn ein Rechtsinstitut
zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses
Rechtsinstitut nicht schützen will (Häfelin/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4.
Aufl., Zürich 2002, Rz. 715 f.). Dies ist vorliegend nicht der Fall; es verhält sich nicht
wesentlich anders, als wenn im Hinblick auf eine lex mitior ein Gesuch zurückgezogen
wird, was ebenfalls ohne weiteres zulässig ist. Am Gesagten vermögen auch die
übergangsrechtlichen Regelungen nichts zu ändern, welche für am 1. Januar 2000
hängige Gesuche die Zuständigkeit des BUWAL vorsehen. Sinn und Zweck dieser
Übergangsregelungen ist die Vermeidung von unnötigen Verzögerungen von
Bewilligungsgesuchen. Sie schliessen aber den Rückzug von bereits anhängigen
Gesuchen keineswegs aus. Als unbegründet erweist sich im weiteren der Einwand der
Beschwerdeführer, das Rodungsgesuch sei nach wie vor beim BUWAL hängig. Den
Akten kann entnommen werden, dass die Beschwerdegegnerin am 23. März 2000
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beim kantonalen Forstamt ein neues Rodungsgesuch gestellt hat. Daraufhin hat das
Forstamt mit Schreiben vom 28. März 2000 das BUWAL gestützt auf Art. 6 Abs. 2 lit. a
WaG zur Stellungnahme aufgefordert. Unter diesen Umständen kann nicht von einer
andauernden Zuständigkeit des BUWAL ausgegangen werden.
e) aa) Zu prüfen bleibt der Einwand der Beschwerdeführer, die Vorinstanz sei auf die
Rüge der unzulässigen Umgehung der Zuständigkeitsordnung betreffend
Rodungsbewilligung nicht eingegangen und habe dadurch das rechtliche Gehör
verletzt.
bb) Ein Mindestanspruch auf Begründung folgt aus dem Anspruch auf rechtliches
Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,
SR 101, abgekürzt BV; Art. 15 f. VRP). Der Anspruch auf Begründung verlangt, dass die
Behörde die Vorbringen der vom Entscheid Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und
ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Den Anforderungen ist
Genüge getan, wenn die Betroffenen in die Lage versetzt werden, die Tragweite der
Entscheidung zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere
Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht verpflichtet, sich zu jedem
Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es genügt, wenn ersichtlich ist,
von welchen Überlegungen sich die Behörde leiten liess (Häfelin/Müller, a.a.O., Rz.
1'706 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Der Gehörsanspruch
ist formeller Natur und führt bei einer Verletzung grundsätzlich zur Aufhebung des
betreffenden Entscheides (kritisch: H. Seiler, Abschied von der formellen Natur des
rechtlichen Gehörs, in: SJZ 2004, S. 377 ff.). Eine Heilung des Mangels im
Rechtsmittelverfahren wird aber in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung als
zulässig erachtet, wenn die Rechtsmittelinstanz über die gleiche Kognition verfügt wie
die Vorinstanz und wenn dem Betroffenen die gleichen Mitwirkungsrechte zustehen. Im
Kanton St. Gallen gilt die gleiche Praxis (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 990 mit Hinweisen
auf die bundesgerichtliche und kantonale Rechtsprechung).
cc) Es trifft zu, dass die Vorinstanz im Beschluss Nr. 243 den Einwand der Rekurrenten,
die Zuständigkeitsordnung sei in bezug auf die Rodungsbewilligung in unzulässiger
Weise umgangen worden, nicht behandelt hat. Ob es sich dabei um eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gehörsverletzung handelt, kann indes offen bleiben. Eine solche wäre nämlich im
Beschwerdeverfahren geheilt worden, nachdem sich das Verwaltungsgericht in den
vorstehenden Ausführungen mit dem Einwand der Beschwerdeführer
auseinandergesetzt hat und es sich dabei um eine Rechtsfrage handelt, welche das
Verwaltungsgericht mit voller Kognition überprüft (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 732).
4./ a) Die Beschwerdeführer machen geltend, der Abbauplan verstosse gegen den
Zonenplan und sei ohne vorgängige Zonenplanänderung unzulässig. Indem nur das
bisherige Steinbruchareal dem übrigen Gemeindegebiet, das gesamte angrenzende
Gebiet aber der Landwirtschaftszone zugeteilt worden sei, enthalte der Zonenplan eine
raumplanerische Grundordnung, die eine Erweiterung bzw. einen neuen Steinbruch
bewusst nicht vorsehe und nicht gestatte. Der Erlass und das Inkrafttreten des
Zonenplanes zu einem Zeitpunkt, als das Vorhaben für einen weiteren Steinbruch
bereits bekannt gewesen sei, begründe in jeden Fall ein berechtigtes Vertrauen der
Bevölkerung, dass ohne Zonenplanänderung ein Steinbruch in der
Landwirtschaftszone nicht zulässig sei. Im weiteren würde der angefochtene
Abbauplan auch eine Änderung der kommunalen Schutzverordnung bedingen. Daran
vermöge auch die fehlende Genehmigung durch das Baudepartement nichts zu
ändern. Schliesslich wird geltend gemacht, das Sondernutzungsplanverfahren trage
der Mitsprache der Bevölkerung im Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über die
Raumplanung (SR 700, abgekürzt RPG) nicht genügend Rechnung, soweit der
Abbauplan von der raumplanerischen Grundordnung abweiche. Dazu sei ein
fakultatives Referendum wie beim Zonenplanverfahren erforderlich.
b) aa) Gemäss Art. 28quater Abs. 1 des Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt BauG)
werden Kies- und Lehmgruben sowie Steinbrüche aufgrund eines Abbauplans
bewilligt. Der Plan ordnet den Abbau und in den Grundzügen die Endgestaltung. Beim
Abbauplan handelt es sich um einen Sondernutzungsplan im Sinne von Art. 22 ff.
BauG. Als solcher untersteht er im Gegensatz zum Zonenplan (vgl. Art. 30 BauG) nicht
dem fakultativen Referendum. Ein spezielle Zone für Abbaugebiete kennt das st.
gallische Baugesetz nicht.
bb) Der geplante neue Steinbruch liegt in der Landwirtschaftszone, wo er sich
unbestrittenermassen als nicht zonenkonform erweist. Grundsätzlich können
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zonenfremde Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone nur aufgrund der
Ausnahmebestimmungen von Art. 24 ff. RPG bewilligt werden. Allerdings dürfen nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts für Anlagen, die ihrer Natur nach nur in einem
Planungsverfahren angemessen erfasst werden können, keine Ausnahmebewilligungen
erteilt werden. Unter die Planungspflicht fallen insbesondere auch grössere
Abbauvorhaben (BGE 123 II 93 mit weiteren Hinweisen; unveröffentlichter BGE vom 23.
Februar 2004 1A. 115/2003 Erw. 2.3 mit weiteren Hinweisen). In bezug auf die
Anforderungen an die Planungspflicht hat das Bundesgericht entschieden, dass eine
umfassende Beurteilung sämtlicher raum- und umweltschutzrelevanter Gesichtspunkte
vorzunehmen ist und vorsorglich auch die Anliegen des Umweltschutzes
mitzuberücksichtigen sind. Dabei sind mindestens dieselben Anforderungen zu
beachten, die auch zu berücksichtigen wären, wenn Art. 24 RPG zur Anwendung
gelangen würde. Massgeblich ist, ob die Planungsmassnahme den Zielen und
Grundsätzen der Nutzungsplanung gemäss RPG entspricht. Daneben ist der
Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Koordinationspflicht in geeigneter Weise
Rechnung zu tragen (BGE 124 II 393, 120 Ib 213). In formeller Hinsicht ist neben der
Festsetzung des Standortes auf Richtplanstufe auch die Festsetzung in einem
kantonalen Nutzungsplan erforderlich. Dabei kommt nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts wohl am ehesten ein Sondernutzungsplan in Frage (unveröffentlichter
BGE vom 23. Februar 2004 1A. 115/2003 Erw. 2.4; BGE 116 Ib 55 in bezug auf eine
Deponie).
cc) Mit Blick auf die dargelegte bundesgerichtliche Rechtsprechung ist es nicht
nachvollziehbar, inwiefern die Überlagerung der Landwirtschaftszone durch einen
Abbauplan im Sinne von Art. 28quater BauG nicht bundesrechtskonform sein soll.
Wesentlich ist nach der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass eine
umfassende Beurteilung sämtlicher raum- und umweltschutzrelevanter Gesichtspunkte
vorgenommen wird. Diesen Anforderungen genügt der Abbauplan nach Art. 28quater
BauG. Auch in anderen Kantonen sind Sondernutzungspläne vielfach Voraussetzung
für die Realisierung von Abbauvorhaben (vgl. P. Hänni, Planungs-, Bau- und
besonderes Umweltschutzrecht, 4. Aufl., Bern 2002, S. 227; vgl. ferner § 44a des
zürcherischen Planungs- und Baugesetzes betreffend Gestaltungspläne, welche die
Materialgewinnung und -ablagerung regeln). Folglich steht der Umstand, dass sich das
Steinbruchareal in der Landwirtschaftszone befindet, der Verwirklichung des Projektes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht entgegen. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass beim Abbauplan anders als
beim Überbauungs- und Gestaltungsplan die Grenzen der materiellen
Zonenplanänderung überschritten werden und kein Referendum möglich ist. Wie
bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, verlangt das Bundesgericht nicht,
dass jeder Nutzungsplan im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren beschlossen
werden muss. Das Verfahren des Sondernutzungsplanes trägt der Mitsprache der
Gemeinden und der Bevölkerung im Sinne von Art. 2 und 4 RPG ausreichend
Rechnung und genügt auch den Rechtsschutzanforderungen von Art. 33 RPG (BGE
117 Ia 362). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer entspricht somit der
Abbauplan nach Art. 28quater BauG den bundesrechtlichen Anforderungen gemäss
der höchstrichterlichen Rechtsprechung (ABl 1994 S. 2258; B. Heer, St. Gallisches
Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 166); der Einwand der Beschwerdeführer,
wonach das Projekt eine Zonenplanänderung voraussetze, erweist sich somit als
unbegründet.
c) Die kommunale Schutzverordnung der politischen Gemeinde Sevelen von 1990
wurde vom Baudepartement bezüglich des Abbauplangebiets unbestrittenermassen
noch nicht genehmigt (vgl. Art. 31 BauG) und ist damit noch nicht rechtsgültig (Art. 6
Abs. 1 des Gemeindegesetzes, sGS 151.2, abgekürzt GG). Die kantonale
Genehmigung von rechtssetzenden Erlassen der Gemeinden ist nach st. gallischem
Recht konstitutiv, d.h., die genehmigungspflichtigen Erlasse der Gemeinde werden erst
rechtsgültig, wenn sie die departementale Genehmigung erhalten haben. Dies ergibt
sich insbesondere aus dem Wortlaut von Art. 6 Abs. 1 und Art. 233 Abs. 1 GG, wonach
die Rechtsgültigkeit des Erlasses mit der departementalen Genehmigung eintritt, und
wird zum anderen bestätigt durch die Gesetzesmaterialien (H.R. Arta, Die
Zuständigkeitsordnung nach st. gallischem Gemeindegesetz in der politischen
Gemeinde mit Bürgerversammlung, Diss. St. Gallen 1990, S. 92 f. mit weiteren
Hinweisen). Indem die Rechtsgültigkeit eines Erlasses an die departementale
Genehmigung geknüpft ist, kann ein kommunaler Erlass vor der Genehmigung keine
Rechtswirkungen entfalten (VerwGE vom 10. Juni 2004 i.S. politische Gemeinde St.G.).
Somit erweist sich auch der Hinweis der Beschwerdeführer auf die kommunale
Schutzverordnung als nicht stichhaltig.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5./ a) Die Beschwerdeführer machen im weiteren geltend, der UVB sei in verschiedener
Hinsicht mangelhaft und unvollständig. Diese Rüge sei bereits im Einspracheverfahren
erhoben worden, wobei der Gemeinderat in seinem Entscheid vom 25. Mai/25. Juni
2001 darauf überhaupt nicht eingegangen sei. In der Folge seien die Rügen im
Rekursverfahren unter Angabe von konkreten Verweisen auf die
Einsprachebegründung erneut vorgebracht worden. Trotzdem habe die Vorinstanz die
entsprechenden Rügen nicht behandelt und beurteilt. Die Streitsache sei deshalb unter
Aufhebung der angefochtenen Entscheide an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
materieller Hinsicht gehöre zu einem vollständigen UVB die Beurteilung der
Auswirkungen des mit dem Abbau verbundenen Werkverkehrs, wobei bekannt sein
müsse, wohin sich dieser abwickle und wo das abgebaute Material weiter aufbereitet
werde. Ohne diese Angaben könne zur Prüfung der Umweltverträglichkeit jedenfalls
nicht mit einer Werkverkehrsverteilung von 80% nach Buchs gerechnet werden,
sondern es müsse auch davon ausgegangen werden, dass sich der gesamte
Werkverkehr nach und durch Sevelen zu einem allenfalls möglichen, jedoch nicht
abgeklärten Bahnverlad bzw. weiteren Strassentransport abwickeln werde. Sodann
schwiegen sich der UVB, die UVP und die angefochtenen Rekursentscheide darüber
aus, in welchen Mengen Materialbeschaffungen zwecks Wiederauffüllung und
Rekultivierung des Abbaugebietes erforderlich seien, wie es sich mit einer
diesbezüglichen Sicherstellung des erforderlichen Materials innert nützlicher Frist
verhalte, mit welchem Zeitraum bis zum Vorliegen der geplanten Endgestaltung zu
rechnen sei und welche Verkehrsimmissionen der nötige Materialzutransport mit sich
bringe. Weder der Gemeinderat noch die Vorinstanz hätten sich mit den
entsprechenden Rügen befasst. Schliesslich wird gerügt, der UVB und die
Rodungsbewilligung verletzten Art. 6 Abs. 1 lit. b WaV (richtig: Art. 6 Abs. 2 lit. b WaV),
weil nur die mit dem neuen Abbau verbundenen Rodungsflächen und nicht auch die
Rodungsflächen, welche vom alten Steinbruch herrührten, miteinberechnet worden
seien. Ausserdem würden zur Berechnung der Ersatzaufforstungsflächen auch solche
Flächen hinzugezogen, welche aufgrund der Rodungen im alten Steinbruch bereits
vorgeschrieben seien und daher nicht ein zweites Mal als Ersatzaufforstungsfläche
gerechnet werden dürften. Die Vorinstanz sei auf die entsprechende Rüge nur
unvollständig und unzutreffend eingegangen, weshalb auch in dieser Hinsicht eine
Rückweisung der Streitsache an die Vorinstanz notwendig sei.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b) aa) Das Verwaltungsgericht lehnt es in ständiger Rechtsprechung ab, dass anstelle
einer Begründung pauschal auf die vorinstanzlichen Eingaben verwiesen wird. Ein
solcher Verweis ist ungenügend, da aus ihm nicht hervorgeht, in welchen Punkten und
weshalb der Entscheid der Vorinstanz angefochten wird. Es ist nicht Aufgabe der
Rechtsmittelinstanz, in vorinstanzlichen Eingaben der Beteiligten nach Gründen zu
suchen, weshalb der angefochtene Entscheid unrichtig sein könnte. Dies hat der
Rechtssuchende durch die Begründung zumindest in groben Zügen zu bezeichnen. Für
einzelne Punkte kann es jedoch genügen, auf bestimmte, genau bezeichnete
Ausführungen in den früheren Eingaben zu verweisen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 921
mit Hinweis auf GVP 2000 Nr. 49).
bb) In der Eingabe vom 30. August 2001 an die Vor-instanz wurde geltend gemacht, in
der Einsprache vom 25. April 2000 sei in den Kapiteln B und C, S. 5 bis 12, in
mehrfacher Hinsicht die Unvollständigkeit und das Ungenügen des UVB und des
Abbauplanes gerügt worden. Der Gemeinderat sei in seinem Gesamtentscheid darauf
nicht eingegangen, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle. Im weiteren
wurde festgehalten, dass die in der Einsprache vom 25. April 2000 erhobenen Rügen
erneuert würden und in der Rekursbegründung darauf als integrierender Bestandteil
verwiesen werde.
cc) Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde vom 18. Juni 2004 genügt der
Verweis in der Eingabe vom 30. August 2001 den dargelegten Anforderungen an die
Begründungspflicht nicht. Die Erneuerung der Rügen und der Verweis erfolgten
pauschal im Hinblick auf die Einsprache vom 25. April 2000. Bestimmte, genau
bezeichnete Angaben, für welche der Verweis gelten sollte, fehlen. Die Ausführungen
zu den Rügen in den Kapiteln B und C, S. 5 bis 12, in der Einspracheschrift beziehen
sich auf die geltend gemachte Verletzung des rechtlichen Gehörs. Angesichts der
strengen Voraussetzungen, die an die Zulässigkeit von Verweisen auf vorinstanzliche
Eingaben zu stellen sind, war die Regierung nicht gehalten, weitere Einwände als die in
der Rekursschrift erhobenen zu behandeln. Die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör erweist sich deshalb als unbegründet.
c) Die Vorinstanz hat im Beschluss Nr. 245 vom 27. April 2004 klargestellt, dass der
Abbauplan keine Weiterverarbeitung des Gesteins im Steinbruch vorsieht und zulässt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Erw. 11 b). Gemäss UVB werden Vorgrundsteine, Mauersteine für Lärmschutzwälle
sowie Koffer- und Planiermaterial direkt zum Verbraucher gefahren. Dementsprechend
wird davon ausgegangen, dass sich der Verkehr auf der Kantonsstrasse Sevelen-
Buchs zu 10% Richtung Sevelen und zu 90% Richtung Buchs abwickeln wird. Im
weiteren wird angenommen, dass 70% der Fahrten zum Werk Buchs und 30% direkt
zum Verbraucher unternommen werden. Gründe, die zu Zweifeln an den Grundlagen
und Annahmen im UVB berechtigen würden, werden von den Beschwerdeführern nicht
geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich; letzteres gilt um so mehr, als
bezüglich der Anzahl Fahrten keine Änderung gegenüber dem früheren
Steinbruchbetrieb geplant ist (vgl. Ziff. 6.2 des UVB vom 14. Februar 2000, S. 19 f.).
Wesentlich ist indes, dass die Beschwerdeführer über kein schutzwürdiges Interesse
an der Klärung der Frage verfügen, wie sich der Verkehr auf der Hauptstrasse im
einzelnen aufteilen wird. Zum einen sind die Beschwerdeführer vom Verkehr auf der
Kantonsstras-se nicht stärker betroffen als die Allgemeinheit. Zum andern sind
entsprechend dem UVB auf der Kantonsstrasse in lärmmässiger Hinsicht keine
Änderungen zu erwarten (vgl. UVB vom 14. Februar 2000, Ziff. 12.1.1, S. 42). Insofern
ist der Einwand der Beschwerdeführer, der UVB erweise sich hinsichtlich der weiteren
Materialaufbereitung und des zu erwartenden Werkverkehrs als mangelhaft,
unbegründet.
d) Als nicht stichhaltig erweist sich sodann die Rüge der Beschwerdeführer, der UVB
befasse sich ausschliesslich mit den Auswirkungen des Gesteinsabbaus selbst. So
wird im UVB unter Ziff. 2.3, S. 6, das Konzept der Endgestaltung erläutert und auf den
zeitlichen Ablauf wird unter Ziff. 5.1 f., S. 15 f., eingegangen. Dabei wird zwischen dem
zukünftigen Abbau sowie der Endgestaltung unterschieden. Die Arbeiten für die
Endgestaltung sind im UVB in den Jahren 2010 bis 2055 vorgesehen (vgl. Ziff. 4
"Vorgenommene Aktualisierungen", S. 5), wobei sich dieser Zeitplan im Zuge der
Rechtsmittelverfahren entsprechend verschieben dürfte. Im weiteren wird in bezug auf
den Bodenschutz ausgeführt, dass aufgrund des Abbaus und der Rekultivierung in
Etappen die Möglichkeit bestehe, vor Ort gewachsenes Bodenmaterial direkt, d.h. ohne
Zwischenlagerung, von der Abbau- in die Rekultivierungszone zu transferieren. Bei der
Rekultivierung soll kein nährstoffreiches Oberbodenmaterial aus
Landwirtschaftsflächen der Tallagen verwendet werden, weil die Entwicklung von
Vegetationsbeständen auf Magerstandorten angestrebt wird (Ziff. 7.2, S. 22). Von den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführern befürchtete Verkehrsimmissionen im Zusammenhang mit
Materialzutransporten können somit ausgeschlossen werden. Schliesslich kann der
Vorinstanz keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vorgeworfen werden,
nachdem diese erwogen hat, dass sich alle wesentlichen Elemente der Endgestaltung
in ihren Einzelheiten aus dem UVB bzw. den Plänen ergeben würden (vgl. Erw. 11 a des
Beschlusses Nr. 245 vom 27. April 2004).
e) Art. 6 Abs. 2 lit. b WaV besagt, dass zur Rodungsfläche, nach der sich die Pflicht zur
Anhörung des Bundesamtes bestimmt (Art. 6 Abs. 2 WaG), alle Rodungen zu rechnen
sind, die in den letzten fünfzehn Jahren vor der Einreichung des Rodungsgesuchs für
das gleiche Werk ausgeführt wurden oder noch ausgeführt werden dürfen. Gemäss Art.
6 Abs. 2 WaG ist das BUWAL vor der Erteilung einer Rodungsbewilligung durch eine
kantonale Behörde anzuhören, wenn die Rodungsfläche grösser als 5'000 m2 ist.
Letzteres ist vorliegend unbestrittenermassen der Fall, weshalb das BUWAL
vorschriftsgemäss zur Stellungnahme eingeladen wurde. Eine Verletzung von Art. 6
Abs. 2 lit. b WaV liegt somit nicht vor. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer
stellt Art. 6 Abs. 2 lit. b WaV keine Grundlage für Wiederaufforstungsverpflichtungen für
bereits erfolgte Rodungen im Zusammenhang mit dem alten Steinbruch dar.
Ausserdem ist nicht nachvollziehbar, inwiefern zur Berechnung der
Ersatzaufforstungsfläche auch solche Flächen miteingerechnet worden sein sollen,
welche aufgrund der Rodungen im alten Steinbruch bereits vorgeschrieben seien. Im
gegenwärtigen Zeitpunkt sind keine konkreten Flächen für die Aufforstung des alten
Steinbruchs ausgeschieden (vgl. Verfügung des Gemeinderates Sevelen vom 18.
August 1998). Schliesslich liegt auch keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör vor, nachdem die Vorinstanz in den angefochtenen Entscheiden (vgl. Beschluss
Nr. 245 Erw. 12 a bb bzw. Beschluss Nr. 243 Erw. 8 a bb) zur Auffassung gelangt ist,
dass die Ausnahmebewilligung für die etappenweise Rodung und Ersatzaufforstung im
Gebiet des bestehenden Steinbruchs und des neuen Abbaustandortes rechtmässig sei.
6./ a) Die Beschwerdeführer beanstanden im weiteren, die von der Vorinstanz
vorgenommene Interessenabwägung zwischen der Zulassung des angefochtenen
Abbauplans und des Gebotes der ungeschmälerten Erhaltung des Schutzgebietes und
BLN-Objektes nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Natur- und
Heimatschutz (SR 451, abgekürzt NHG) sei in mehrfacher Hinsicht unvollständig, nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sachgerecht und mangelhaft. Namentlich müsse der Abbau auf Hartsteingewinnung
der ersten Qualität beschränkt werden, da nur darin allenfalls ein Interesse von
nationaler Bedeutung liege, welches den Abbau rechtfertige. Ein weitergehender Abbau
und eine damit verbundene sachlich und zeitlich grössere Zerstörung und
Beeinträchtigung des Schutzgebietes sei zum vornherein nicht zu bewilligen. Sodann
seien in Verletzung von Art. 2 lit. b der Verordnung über die Raumplanung (SR 700.1,
abgekürzt RPV) keine alternativen Standorte für den Abbau von Hartgestein der ersten
Qualität geprüft worden. Entsprechend den Ergebnissen des Gutachtens Baugeologie
erweise sich das Abbauplangebiet im südlichen bzw. südöstlichen Bereich des
Abbaugebiets und darüber hinaus für einen Hartgesteinsabbau der ersten Qualität als
besonders geeignet. Unhaltbar sei in diesem Zusammenhang der Hinweis der
Vorinstanz auf das kantonale Abbaukonzept und den kantonalen Richtplan. Das
Abbaukonzept und in der Folge der kantonale Richtplan folgten ausschliesslich den
Abklärungen und Planungen der Beschwerdegegnerin. Sodann habe die Vorinstanz bei
ihrer Interessenabwägung für die Beurteilung des Interesses am Steinbruch Campiun
ausschliesslich auf Stellungnahmen des FSK, VSH, ASTRA und TBA abgestellt. All
diese Organisationen, Verbände und Amtsstellen hätten in einem hohen Masse eigene
Interessen wirtschaftlicher Natur an einer Bewilligung möglichst vieler Hartsteinbrüche.
Auch habe die Vorinstanz bei der Interessenabwägung zu Unrecht auf den UVB und die
Stellungnahme der kantonalen UVP-Fachstelle abgestellt. Insbesondere sei die
Regierung zu Unrecht davon ausgegangen, die Beschwerdeführer würden die
Behauptung nicht bestreiten, Rans und Oberräfis würden durch den neuen Steinbruch
entlastet. Schliesslich werde im angefochtenen Entscheid unzutreffend ausgeführt, die
Rekultivierung des alten Steinbruchareals sei ohne den Abbauplan im Hinblick auf
langwierige Rechtsmittelverfahren nicht absehbar. Nachdem die Verfügung des
Gemeinderates Sevelen vom 18. August 1998 rechtskräftig geworden sei, sei über die
Renaturierungspflicht und -möglichkeit im alten Steinbruch längst rechtskräftig
entschieden worden. In der Replik vom 15. September 2004 stellen sich die
Beschwerdeführer auf den Standpunkt, der von der Beschwerdegegnerin eingereichte
Schlussbericht des Mediators "Runder Tisch Hartsteinbrüche – Landschaftsschutz"
vom 31. Januar 2003 (Beilage 1 der Beschwerdegegnerin, abgekürzt Schlussbericht
des Mediators) stelle keinen Beweis dar für einen drohenden Versorgungsnotstand mit
Hartgestein erster Qualität. Aus-serdem sei das Versorgungsinteresse in bezug auf den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geplanten Steinbruch völlig unbedeutend, da der Beitrag von Campiun bei einer
gesamtschweizerischen Sichtweise vernachlässigbar sei.
b) Das Verwaltungsgericht ist nur zur Rechtskontrolle befugt (Art. 61 Abs. 1 VRP); eine
Ermessenskontrolle gegenüber den Verwaltungsbehörden steht ihm dagegen nicht zu.
Dies bedeutet, dass es den Ermessensspielraum der Verwaltungsbehörden zu
respektieren hat. Das Verwaltungsgericht darf daher in einem Planerlassverfahren nur
eingreifen, wenn Rechtsnormen und -grundsätze verletzt werden. Soweit es um die
Ausübung des pflichtgemässen Ermessens geht, ist ihm eine Korrektur hingegen
verwehrt. Das Verwaltungsgericht ändert einen sachlich haltbaren und zweckmässigen
Planungsentscheid selbst dann nicht ab, wenn es eine andere Lösung als ebenso
zweckmässig erachtet oder sogar bevorzugen würde (vgl. GVP 1996 Nr. 9; VerwGE
vom 17. November 1997 i.S. P.M. und andere sowie VerwGE vom 16. März 2000 i.S.
M.W.).
c) aa) Gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG wird durch die Aufnahme eines Objektes von
nationaler Bedeutung in ein Inventar des Bundes dargetan, dass es in besonderem
Masse die ungeschmälerte Erhaltung, jedenfalls aber unter Einbezug von
Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmassnahmen die grösstmögliche
Schonung verdient. Ein Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der
Inventare darf nach Art. 6 Abs. 2 NHG bei Erfüllung einer Bundesaufgabe nur in
Erwägung gezogen werden, wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen
von ebenfalls nationaler Bedeutung entgegenstehen.
bb) Grundsätzlich ist festzuhalten, dass zwischen den Beteiligten nicht mehr umstritten
ist, dass das Abbauvorhaben zu einem Abweichen vom Gebot der ungeschmälerten
Erhaltung nach Art. 6 Abs. 1 NHG führen würde. Es ist sodann unwidersprochen, dass
das Projekt nur zulässig ist, wenn einerseits ein gleich- oder höherwertiges, ebenfalls
nationales Interesse am Abbau des Hartschotters besteht und anderseits eine
Gesamtinteressenabwägung zwischen dem Eingriffs- und Erhaltungsinteresse den
Ausschlag zugunsten des Abbaus gibt. Die Beschwerdeführer bestreiten hingegen das
Vorhandensein eines Versorgungsnotstandes in bezug auf Hartschotter der ersten
Qualität und ein Versorgungsinteresse von nationaler Bedeutung im Sinne von Art. 6
Abs. 2 NHG am geplanten Abbau in Campiun. Ausserdem machen sie mit dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hinweis, der Abbau sei - wenn schon - auf den Abbau von Hartgestein der ersten
Qualität zu beschränken, sinngemäss geltend, der Grundsatz der grösstmöglichen
Schonung gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG sei nicht eingehalten.
cc) Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer hat der Versorgungsnotstand in
bezug auf Hartgestein der ersten Qualität als ausgewiesen zu gelten. Gemäss
Schreiben des FSK vom 28. Februar 2002 reichen die bewilligten Reserven
gesamtschweizerisch bei gleichbleibendem Verbrauch noch rund zehn Jahre (vorinst.
act. 23 bzw. 27). Von ähnlichen Werten wird im Schlussbericht des Mediators
ausgegangen (S. 12). Die Zweifel der Beschwerdeführer hinsichtlich der
Beweistauglichkeit der Angaben und Feststellungen im Schlussbericht des Mediators
sind unbegründet. Am "runden Tisch" war neben Produzenten und Abnehmern mit
dem BUWAL und der ENHK auch die Schutzseite vertreten, weshalb von der
inhaltlichen Ausgewogenheit des Berichts ausgegangen werden kann. Dem Einwand,
der Steinbruch Campiun vermöchte nur einen bescheidenen Beitrag zur nationalen
Versorgung zu leisten, ist entgegenzuhalten, dass in erster Linie auf die regionale
Versorgung abzustellen ist. So beruht nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
die Landesversorgung mit Kies auf der Versorgung der Regionen (unveröffentlichter
BGE vom 27. Juni 1984 i.S. Einwohnergemeinde Neuheim, Erw. 5b bb). Dies hat auch
hinsichtlich der Versorgung mit Hartgestein erster Qualität zu gelten, auf welche die
SBB und die Bauwirtschaft angewiesen sind. Gerade für die SBB sind Schotterbezüge
über grosse Distanzen mit Blick auf die umständlichen und teuren Transporte sowie
Lagerhaltungen problematisch. Hinzu kommt, dass lange Transportwege die Umwelt
belasten (vgl. Schreiben der SBB vom 28. Oktober 1997, Anhang 3 zum UVB, S. 3).
Auch im Schlussbericht des Mediators ist festgehalten, dass eine gute geografische
Verteilung der Abbaustandorte erforderlich ist, wenn Wert auf kurze Transportdistanzen
gelegt wird (S. 12), und im Bericht ASTRA wird ausgeführt, dass die Transportkosten in
den nächsten Jahren unter ökologischen Gesichtspunkten steigen werden, weshalb
der regionalen Versorgung grössere Bedeutung erwächst (S. 27). Campiun ist für die
Ostschweiz, wo unwidersprochen ein erhebliches Manko an Abbaustandorten besteht
(Schlussbericht des Mediators, S. 12; Bericht ASTRA, S. 105), und damit für die
Versorgung der Region von entscheidender Bedeutung. Hinzu kommt, dass die
heutigen Abbaureserven bei gleichbleibendem Bedarf, wie dargelegt, nur noch für die
nächsten zehn bis zwölf Jahre ausreichen. Vor diesem Hintergrund ist der Beitrag von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Campiun auch im Rahmen einer gesamtschweizerischen Betrachtung nicht
vernachlässigbar. Unter diesen Umständen kann der Vorinstanz keine
Rechtsverletzung vorgeworfen werden, wenn sie dem zu beurteilenden Abbauvorhaben
nationale Bedeutung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 NHG zugemessen hat.
dd) Art. 6 NHG schliesst nicht jede Veränderung der Inventarobjekte aus. Ein Eingriff
kann aber in jedem Fall nur dann erlaubt werden, wenn neben allen anderen
Voraussetzungen auch das Gebot der grösstmöglichen Schonung erfüllt wird (J.
Leimbacher, Kommentar NHG, Zürich 1997, N 8 zu Art. 6). Grösstmögliche Schonung
verlangt dabei nach der bundesgerichtlichen Praxis in erster Linie, dass sich das
Projekt in Ausmass und Gestaltung an die unumgänglich notwendigen Mindestmasse
hält. Der geplante Eingriff in das Inventarobjekt darf mit anderen Worten nicht weiter
gehen, als dies zur Erreichung des Ziels erforderlich ist, und es dürfen keine
ungeeigneten oder überflüssigen schädigenden Massnahmen ergriffen werden
(Leimbacher, a.a.O., N 9 zu Art. 6; URP 2003, S. 241 mit Hinweis auf BGE 127 II 282 ff.
und 115 Ib 145).
ee) Dem geologischen Gutachten vom 23. September 1998/9. Oktober 1998 kann
entnommen werden, dass das Projekt in der engeren Umgebung in hohem Masse an
den Standort gebunden ist und der projektierte Perimeter das örtliche Vorkommen an
nutzbaren Gesteinen optimal abdeckt. Das Vorkommen wird bergseits (gegen Westen)
und gegen Süden praktisch vollständig ausgeschöpft; eine Erweiterung gegen Norden
fällt wegen der mangelnden Gesteinsqualität ausser Betracht. Weitere nutzbare
Gesteine liegen nur zwischen dem jetzigen Steinbruchprojekt und der Siedlung Rans
(S. 4). Auch das Gutachten der Baugeologie Chur vom 28. November 2003 bestätigt
das Vorhandensein der abbauwürdigen Gesteinsschichten südlich des alten
Steinbruchs. Hinsichtlich Lage und Fläche ist deshalb davon auszugehen, dass der
neue Steinbruch die Voraussetzung der grösstmöglichen Schonung gemäss Art. 6 Abs.
1 NHG erfüllt. Bezüglich der von den Beschwerdeführern angesprochenen Tiefe des
geplanten Abbaus fällt in Betracht, dass der Hartgesteinsanteil erster Qualität etwa
42% des Abbauvolumens ausmacht. Der Rest betrifft im wesentlichen Gestein der
zweiten Qualität in tiefer liegenden Schichten. In bezug auf die Frage, ob neben dem
Abbau von Gesteinsmaterial der ersten Qualität, welcher im nationalen Interesse steht,
im Hinblick auf die grösstmögliche Schonung auch ein Abbau von Gestein der zweiten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Qualität gestattet ist, ist zu berücksichtigen, dass sich die grösstmögliche Schonung
entsprechend dem Wortlaut von Art. 6 Abs. 1 NHG ausdrücklich "unter Einbezug von
Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmassnahmen" beurteilt. Dabei fällt in
Betracht, dass vorliegend mit Blick auf die mit dem Inventar verfolgten Schutzziele
(Erhaltung der vielfältig strukturierten Natur- und Kulturlandschaften mit ihren
charakteristischen Elementen, Erhaltung der wertvollen Wälder und der mosaikartig
vernetzten Lebensräume) die vom Abbauvorhaben betroffene Fläche und nicht die
Tiefe des Bruchs im Vordergrund steht. Wie vorstehend dargelegt, ist beabsichtigt, den
Boden durch vor Ort gewachsenes Bodenmaterial wieder aufzufüllen. Für das Resultat
der Endgestaltung ist die Menge des aufgeschütteten Materials von untergeordneter
Bedeutung. Hinzu kommt, dass teilweise auch das Gesteinsmaterial der Oberen
Gamserschichten und Niederischichten für Anwendungen mit einem hohen
Anforderungsgrad verwendet werden kann (Gutachten Baugeologie Chur vom 28.
November 2003, S. 9). Das nationale Interesse beschränkt sich somit nicht
ausschliesslich auf die Brisischicht. Schliesslich fällt in Betracht, dass die Erweiterung
eines bestehenden Steinbruchs, wo in der Regel zumindest ein Teil der nötigen
Infrastruktur bereits vorhanden ist, in ökologischer Hinsicht generell verträglicher ist als
der Abbau in einem bislang gänzlich intakten Gebiet. Auch in dieser Hinsicht ist somit
das Erfordernis der grösstmöglichen Schonung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 NHG erfüllt,
und der Einwand der Beschwerdeführer, der Abbau sei auf Gestein der ersten Qualität
zu beschränken, erweist sich als unbegründet.
d) aa) Gemäss Art. 2 lit. b RPV sind bei der Nutzungsplanung Alternativen und
Varianten zu prüfen. Ferner darf auch gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG eine
Rodungsbewilligung nur erteilt werden, wenn der Gesuchsteller nachweist, dass das
Werk, für das gerodet werden soll, auf den vorgesehenen Standort angewiesen ist.
Soweit die Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang Versäumnisse geltend
machen, fällt zunächst in Betracht, dass, wie vorstehend ausgeführt, namentlich im
geologischen Gutachten vom 23. September 1998/9. Oktober 1998 festgestellt wurde,
dass der projektierte Perimeter das örtliche Vorkommen an nutzbaren Gesteinen
optimal abdeckt. Das Vorkommen wird bergseits, d.h. gegen Westen, und gegen
Süden praktisch vollständig erschöpft, gegen Norden musste wegen mangelnder
Gesteinsqualität auf eine Erweiterung verzichtet werden. Der Einwand der
Beschwerdeführer, die Interessenabwägung sei unvollständig und könne ohne die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Prüfung der Lagen im südlichen bzw. südöstlichen Bereich des geplanten
Abbaugebietes nicht gutgeheissen werden, entbehrt unter diesen Umständen einer
sachlichen Grundlage.
bb) Im weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Regierung am 19. November 1996 das
kantonale Abbaukonzept für Steine und Erden erliess. Die Ergebnisse dieses
Konzeptes wurden im Nachtrag 1997 zum Richtplan übernommen, der von der
Regierung am 3. Juni 1998 erlassen und vom Bundesrat am 20. Januar 1999
genehmigt wurde. Im Abbaukonzept werden die bewilligten Abbaustellen aufgeführt
und die geplanten und vermuteten Vorkommen einer raumplanerischen Grobbewertung
hinsichtlich relevanter Nutzungskonflikte unterzogen. Die Aufnahme der
Abbaustandorte in den Richtplan erfolgte aufgrund der Grobbewertung im
Abbaukonzept und in Berücksichtigung des Planungsstandes der Vorhaben. Damit
wurde bezweckt, dass die zuständigen Behörden keine Entscheide treffen, die den
späteren Abbau an diesen Orten zum vornherein verhindern oder schwerwiegend
einschränken. Als Zwischenergebnis wurden die geplanten Abbaustandorte – darunter
auch der Steinbruch Campiun - erfasst. Die Vorkommen, zu denen noch weniger klare
Vorstellungen bestehen (vermutete Abbaustandorte), wurden als Vororientierung
aufgenommen (Nachtrag 1997 zum Richtplan 1987, S. 43). Die Grundlagen des
Abbaukonzeptes bezüglich der vermuteten Abbaustellen stammen aus Erhebungen
des Planungsamtes (kantonales Abbaukonzept vom 19. November 1996, Ziff. 2.2, S. 3).
Der Einwand der Beschwerdeführer, das Abbaukonzept bzw. der kantonale Richtplan
beruhten ausschliesslich auf Abklärungen und Planungen der Beschwerdegegnerin,
findet deshalb keine Grundlage.
cc) Schliesslich genügt die raumplanerische Grobbeurteilung im Abbaukonzept und
Richtplan den Anforderungen von Art. 2 Abs. 1 lit. b RPV bzw. Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG
(vgl. URP 2001, S. 297). Dies ergibt sich, wie die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid zutreffend ausgeführt hat, auch aus dem Schreiben des Bundesamtes für
Raumplanung vom 19. Dezember 1997, wo bestätigt wurde, dass der Kanton mit dem
Richtplannachtrag 1997 die planerischen Voraussetzungen für die Festlegung und
Bewilligung von Abbaustandorten geschaffen habe. Auf der Basis des breit
abgestützten Abbaukonzepts habe der Kanton die für die Behandlung von
Abbaugesuchen massgeblichen Grundsätze festgelegt und die planerische Sicherung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 28/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
künftiger Abbaustandorte im Richtplan vorgenommen. Im übrigen nennen die
Beschwerdeführer keine Standorte, die ihrer Auffassung nach mit Blick auf Art. 2 Abs.
1 lit. b RPV hätten zusätzlich geprüft werden müssen.
e) Im weiteren kann der Vorinstanz entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer im
Hinblick auf die Würdigung der beteiligten Interessen keine unkritische Haltung
vorgeworfen werden. Es trifft auch nicht zu, dass es sich bei ASTRA und TBA um
Interessenvertreter handelt, die alleine an billigen Beschaffungskosten für
Hartgesteinskomponenten interessiert wären. In den verschiedenen im Recht liegenden
Stellungnahmen wird übereinstimmend und überzeugend ausgeführt, dass Hartgestein
in hoher Qualität in der Schweiz ein knappes Gut ist. Weshalb diese Feststellung und
die Angaben über die Abbaureserven nicht zutreffen sollten, wird von den
Beschwerdeführern nicht dargelegt.
f) Als unbegründet erweist sich im weiteren der Einwand, die Vorinstanz habe die
Anliegen der Anwohner nicht bzw. nicht genügend berücksichtigt. Es ist nicht zu
beanstanden, wenn die Vorinstanz zur Beurteilung der zu erwartenden Immissionen
auch auf die Belastungen im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Betrieb
hingewiesen hat, auch wenn für die Beurteilung der Auswirkungen der Emissionen auf
die Bevölkerung vom Ist-Zustand auszugehen ist. Wesentlich bei der
Interessenabwägung ist, dass sämtliche gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden.
Hinzu kommt, dass in luft- und lärmmässiger Hinsicht verschiedene projektintegrierte
Massnahmen vorgesehen sind, welche die Beeinträchtigungen für die betroffene
Bevölkerung wesentlich mindern. Die Forschung hat bezüglich der Reduzierung von
Lärm- und Erschütterungsemissionen in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte
gemacht (vgl. Bericht ASTRA, S. 74). Schliesslich legen die Beschwerdeführer nicht
konkret dar, inwiefern ihre Interessen bei der Abwägung ungenügend berücksichtigt
worden sein sollen. Eine unsorgfältige oder gar rechtswidrige Interessenabwägung ist
unter diesen Voraussetzungen nicht auszumachen.
g) Es stellt auch keine Rechtsverletzung dar, wenn die Vorinstanz den Umstand, dass
die Renaturierungspflicht im Zusammenhang mit dem alten Steinbruchareal im Rahmen
des umstrittenen Abbauplans geregelt werden kann, bei der
Gesamtinteressenabwägung berücksichtigt hat. Entgegen der Auffassung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 29/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer ist die Frage der Renaturierung des alten Steinbruchareals nicht
abschliessend geklärt. Auch in der Verfügung des Gemeinderates Sevelen vom 18.
August 1998 wurde nur eine Teilrenaturierung für den nördlichen Teil des alten
Steinbruchs beschlossen. Im übrigen wurde die Renaturierung ausdrücklich auch vom
Entscheid über das hängige Gesuch der Beschwerdegegnerin betreffend den neuen
Abbauplan abhängig gemacht.
h) Zusammenfassend steht somit fest, dass mit dem Abbauvorhaben zwar ein
schwerer Eingriff in das BLN-Objekt Nr. 1613 verbunden ist, der umfangreiche
Beeinträchtigungen für ein prioritäres Schutzziel mit sich bringt. Indes besteht in
Anbetracht der prekären Eigenversorgungssituation in der Schweiz im allgemeinen und
in der Ostschweiz im speziellen ein Interesse von ebenfalls nationaler Bedeutung am
Abbauvorhaben. Hinzu kommt, dass der Abbau aufgrund des Standorts und der neuen
Erschliessung den berechtigten Anliegen der betroffenen Wohnbevölkerung so weit als
möglich Rechnung trägt. Schliesslich werden sehr umfangreiche Wiederherstellungs-
und Ersatzmassnahmen verlangt, die zumindest langfristig einen Ersatz schaffen. Unter
diesen Umständen kann der Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden,
wenn sie im Rahmen einer Gesamtinteressenabwägung die Interessen an der
Verwirklichung des Projektes schwerer gewichtet hat als die Interessen an der
Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes.
7./ a) Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, die Vorinstanz sei zu Unrecht auf ihre
Vorbringen im Zusammenhang mit dem Strassenplan nicht eingetreten, soweit die
Einteilung der Strasse als öffentliche Strasse gerügt und die Sicherstellung des
Rückbaus verlangt worden sei. Die Realisierbarkeit und Zulässigkeit sei bei einer
Privatstrasse anders zu beurteilen als bei einer Gemeindestrasse. Ausserdem müsse
durch den Rückbau sichergestellt werden, dass die das Schutzgebiet
beeinträchtigende Strasse nicht länger als nötig und zu anderen Zwecken weiter
bestehen bleiben dürfe.
b) Die Rechtsmittelberechtigung nach Art. 45 Abs. 1 VRP setzt, wie bereits vorstehend
(vgl. Erw. 3./ c) ausgeführt worden ist, die Schutzwürdigkeit der geltend gemachten
Interessen voraus. Ausserdem wird verlangt, dass der Rechtsmittelkläger "eigene
Interessen" geltend macht. Dadurch wird zum Ausdruck gebracht, dass der Zweck der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 30/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verwaltungsrechtspflege vorab dem Schutz des einzelnen Bürgers dient. Gegen
staatliches Handeln soll nur einschreiten können, wer selbst davon betroffen ist.
Dementsprechend wird die Rechtsmittelbefugnis grundsätzlich verneint, wenn jemand
bei der Prozessführung nicht eigene, sondern Dritt- oder Allgemeininteressen verfolgt.
Schliesslich muss das Rechtsschutzinteresse für jede Rechtsbehauptung vorliegen
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 387 ff.).
c) Es ist nicht einzusehen, welche schützenswerten Interessen betroffen sind, wenn die
Beschwerdeführer geltend machen, die Erschliessungsstrasse hätte richtigerweise als
Privatstrasse und nicht als öffentliche Strasse aufgelegt werden müssen. Die
Strassenführung berührt das Grundeigentum der Beschwerdeführer nicht. Auch der
Einwand, die Einteilung beschlage die Realisierbarkeit bzw. Zulässigkeit, ist nicht
stichhaltig, da die Einteilung als Gemeinde- oder Privatstrasse für die
Beschwerdeführer weder mit Vor- noch Nachteilen verbunden ist. Im weiteren ist die
Vorinstanz auch auf das Vorbringen, im Plan müsse eine Verpflichtung zum Rückbau
sichergestellt werden, zu Recht nicht eingetreten. Zum einen ist es sachlich durchaus
vertretbar, wenn die Frage eines allfälligen Rückbaus der Erschliessungsstrasse nicht
im heutigen Zeitpunkt entschieden wird. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Strasse
auch nach der Beendigung des Abbaus ein Verwendungszweck, z.B. im
Zusammenhang mit der Pflege des geschützten Gebiets, zukommen könnte. Zum
andern ist nicht einzusehen und wird von den Beschwerdeführern auch nicht
substantiiert dargelegt, inwiefern sie vom Rückbau der Strasse mehr betroffen sind als
die Allgemeinheit. Wie bereits ausgeführt worden ist, führt die Strasse nicht über
Grundeigentum der Beschwerdeführer. Die Interessenlage der Anwohner am Rückbau
der Strasse kann nicht mit derjenigen an der Rekultivierung des Abbaugebiets
verglichen werden. Auch wenn die Strasse bestehen bleiben sollte, stünde den
Anwohnern nach erfolgter Rekultivierung ihr Naherholungsgebiet wieder zur Verfügung.
8./ Zusammenfassend steht somit fest, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit
darauf einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs.
1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 5'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des
Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Sie ist mit dem einbezahlten Kostenvorschuss in
gleicher Höhe zu verrechnen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 31/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Beschwerdegegnerin hat für das Beschwerdeverfahren Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung durch die Beschwerdeführer (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP). Da der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin keine
Honorarnote eingereicht hat, ist das Honorar nach Ermessen festzusetzen (Art. 6 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Mit Blick auf den Umstand, dass der Rechtsvertreter die Beschwerdegegnerin in drei
weiteren, gleich gelagerten Beschwerdeverfahren vertritt, ist eine Entschädigung von
Fr. 3'000.-- (zuzügl. MWSt) angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 19
HonO). Die Parteientschädigung wird den Beschwerdeführern je zu gleichen Teilen und
unter solidarischer Haftung auferlegt (Art. 98ter VRP in Verbindung mit Art. 271 des
Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).