Decision ID: b1160e31-6031-57a8-80f4-3bc55a251084
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die aus Usbekistan stammende A._ (geb. ... 1973) reiste am 6. Februar 1998 zwecks Aufnahme einer befristeten Erwerbstätigkeit in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung, die aufgrund einer (im Jahr 2000 geschiedenen) Ehe mit einem Schweizer Bürger und eines Studiums an der Universität Zürich mehrfach verlängert wurde. Nachdem sie die Hochschule verlassen hatte, verfügte das Migrationsamt des  Zürich am 20. Februar 2007 ihre – später auf die ganze Schweiz  – Wegweisung, die jedoch unter anderem aus gesundheitlichen Gründen nicht vollzogen werden konnte. Ihr anschliessender Aufenthaltsort ist nicht bekannt.
B.
Seit Juni 2016 kontrollierte die Kantonspolizei Bern A._ mehrmals und händigte ihr drei Ausreisemeldekarten aus (8.6.2016, 12.6.2016 und 28.8.2016). Weiter stellte sie während einer am 28. Juni 2017 durchgeführten Personenkontrolle fest, dass das Staatssekretariat für Migration (SEM) gegen A._ ein Einreiseverbot verhängt hatte, gültig vom 30. November 2016 bis 29. November 2019. Ebenfalls am 28. Juni 2017 wies die Einwohnergemeinde (EG) Bern, Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei (EMF), A._ aus der Schweiz weg und ordnete die Ausschaffungshaft an. Das kantonale  (ZMG) bestätigte die Administrativhaft mit Entscheid vom 30. Juni 2017 bis am 27. Juli 2017 und verlängerte sie anschliessend bis am 7. September 2017 (Verfahren KZM 17 862 und 17 969). A._ wurde am 16. August 2017 frühzeitig aus der Haft entlassen und am 3. Dezember 2017 erneut inhaftiert, um sie gleichentags mit einem Linienflug via Istanbul nach Usbekistan zurückzuführen. Da sie sich renitent verhielt, konnte der Fortsetzungsflug in Istanbul nicht angetreten werden. Nach der Rückkehr in die Schweiz wurde A._ am 4. Dezember 2017 aus der Ausschaffungshaft entlassen und bis am 15. Januar 2018 in
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.02.2018, Nr. 100.2018.28U, Seite 3
den Räumen der B._ fürsorgerisch untergebracht. Diesen Aufenthalt verlängerte sie anschliessend auf freiwilliger Basis. Am 18. Januar 2018 wies die EG Bern A._ erneut aus der Schweiz weg und ordnete am 19. Januar 2018 die Ausschaffungshaft an.
C.
Mit Entscheid vom 22. Januar 2018 bestätigte das ZMG die  bis am 28. Februar 2018 im schriftlichen Verfahren, da die zuvor angesetzte mündliche Verhandlung abgebrochen werden musste ( KZM 18 108).
D.
Dagegen hat A._ am 30. Januar 2018 (Eingang: 1.2.2018) per Fax Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und sie sei aus der Haft zu entlassen.
Mit Verfügung vom 1. Februar 2018 hat der Instruktionsrichter den  eröffnet und die EG Bern ersucht, sich insbesondere zur  Situation von A._ zu äussern und das Original der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhältlich zu machen.
Mit Stellungnahme vom 5. Februar 2018 beantragt die EG Bern die  der Beschwerde. Gleichzeitig hat sie das Original der  und einen ärztlichen Bericht zu den Akten gereicht. Das ZMG hat mit Vernehmlassung vom 7. Februar 2018 unter Verweis auf seinen  vom 22. Januar 2018 auf weitere Ausführungen verzichtet. A._ hat mit undatierter Eingabe (Faxeingang: 9.2.2018) zur Sache Stellung genommen. Von der Gelegenheit, ergänzende Unterlagen  (Verfügung vom 9.2.2018), hat sie innert Frist keinen Gebrauch gemacht (Faxeingang am 12.2.2018 um 12.40 Uhr ohne Dokumente).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.02.2018, Nr. 100.2018.28U, Seite 4

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 12 Abs. 2 des Einführungsgesetzes vom 20. Januar 2009 zum Ausländer- und zum Asylgesetz [EG AuG und AsylG; BSG 122.20]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid  berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG).
1.2 Gemäss Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 VRPG muss die  unter anderem einen Antrag und eine  enthalten. An die Begründung werden praxisgemäss – und  bei Laieneingaben – keine hohen Anforderungen gestellt (BVR 2006 S. 470 E. 2.4; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15). Auf dem Gebiet der  Zwangsmassnahmen ist auf Laieneingaben grosszügig  und der angefochtene Entscheid dahin gehend zu untersuchen, ob die Haftgenehmigung Bundesrecht verletzt (BGE 122 I 275 E. 3b). – Die Beschwerdeführerin ersucht um Verlängerung der Beschwerdefrist («extention of the deadline for submitting of my recourse») und geht dabei auf ihre gesundheitliche Situation ein. Insgesamt kann der Eingabe der sinngemässe Antrag auf Entlassung aus der Ausschaffungshaft  werden (vgl. auch undatierte Stellungnahme, act. 8, S. 2), so dass die Beschwerde den auf dem Gebiet der ausländerrechtlichen  geltenden herabgesetzten Begründungsanforderungen an Laieneingaben (knapp) genügt. Auf die fristgerecht und nach Eingang des handschriftlich unterzeichneten Originals auch formgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten (vgl. aber hinten E. 3.3). Dem Anliegen der Beschwerdeführerin um Fristverlängerung wurde im Übrigen insofern Rechnung getragen, als sie Gelegenheit erhielt, sich nochmals zur
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.02.2018, Nr. 100.2018.28U, Seite 5
Sache zu äussern (Verfügung vom 5.2.2018, act. 6) bzw. ergänzende Unterlagen einzureichen (Verfügung vom 9.2.2018, act. 9).
1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).
1.4 Der vorliegende Entscheid fällt in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 2 Bst. e des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die  der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2.
Wurde ein erstinstanzlicher (nicht notwendigerweise auch rechtskräftiger) Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet, kann die zuständige Behörde zur Sicherstellung des Vollzugs die ausländische Person in  nehmen, wenn die Voraussetzungen von Art. 76 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG; SR 142.20) erfüllt sind. Dabei muss einer der in Art. 76 Abs. 1 AuG genannten Haftgründe bestehen und der Vollzug der Wegweisung mit dem nötigen Nachdruck verfolgt werden (Beschleunigungsgebot; Art. 76 Abs. 4 AuG). Die Administrativhaft hat insgesamt den sich aus dem  ergebenden Erfordernissen zu genügen (Art. 36 Abs. 3 der Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 28 Abs. 3 der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]), es dürfen keine Haftbeendigungsgründe vorliegen (Art. 80 Abs. 6 AuG) und es ist die maximal zulässige Haftdauer zu beachten (Art. 79 AuG). Die Rechtmässigkeit und die Angemessenheit der Haft sind gemäss Art. 80 Abs. 2 AuG spätestens nach 96 Stunden durch eine richterliche Behörde aufgrund einer mündlichen Verhandlung zu überprüfen.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin wurde am 19. Januar 2018, 15.50 Uhr, in den Räumen der B._ angehalten und zwecks Anordnung der
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.02.2018, Nr. 100.2018.28U, Seite 6
Ausschaffungshaft der Bewachungsstation Spital C._ zugeführt (Antrag zur Prüfung der Rechtmässigkeit und Angemessenheit der Ausschaffungshaft vom 22.1.2018, unpag. Haftakten KZM 18 108, S. 1). Das ZMG bestätigte die Anordnung der Administrativhaft, wobei die mündliche Verhandlung vom 22. Januar 2018, 16.15 Uhr, abgebrochen werden musste; die Beschwerdeführerin weinte stark, beruhigte sich trotz mehrmaliger Aufforderung nicht und wurde immer lauter (vorne Bst. C; vgl. Protokoll ZMG vom 22.1.2018, unpag. Haftakten KZM 18 108, S. 2). Die Beschwerdeführerin nahm den schriftlich eröffneten Entscheid spätestens am Morgen des 23. Januars 2018 entgegen (vgl. E-Mail und Empfangsbestätigung vom 23.1.2018, unpag. Haftakten KZM 18 108). Die gesetzliche Frist von 96 Stunden gemäss Art. 80 Abs. 2 AuG ist damit eingehalten.