Decision ID: 4f7efc2c-7fb2-48f5-933a-5d9673322b90
Year: 2005
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 13. Februar 2004 eröffnete die Swissmedic, Schweizerisches  (nachfolgend „Swissmedic“) ein Verwaltungsstrafverfahren gegen B. (nachfolgend „B.“) und C. (nachfolgend „C.“), CEO und Product Manager OTC der A. AG (nachfolgend „A.“), wegen Verdachts der Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz (act. 6.1, S. 7 ff.). Mit Verfügung vom 18. Februar 2004 forderte die Swissmedic B. und C. bzw. die A. AG auf, verschiedene Auskünfte zu erteilen und Dokumente einzureichen,  eine Zusammenstellung der einzelnen mit den Präparaten D. bzw. E. belieferten Kundinnen und Kunden, unter Beilage der jeweiligen  (act. 6.1, S. 11 ff.). Diese Verfügung blieb unangefochten, und die Adressaten kamen ihr diesbezüglich am 17. März 2004 insofern nach, als dass sie eine Zusammenstellung der für die Präparate tatsächlich  Spezialkonditionen unter Abdeckung bzw. Weglassung der  mit einer Beispielfaktura einreichten (act. 6.1, S. 27 ff.). Mit  vom 13. Juli 2004 forderte die Swissmedic B. und C. bzw. die A. AG deshalb unter anderem auf, eine Zusammenstellung der obgenannten  und Rechnungen unter Angabe der Kundennamen einzureichen (act. 6.1, S. 47 f.).
B. Gegen diese Verfügung führte die A. AG mit Eingabe vom 19. Juli 2004
Beschwerde beim Eidgenössischen Departement des Innern (nachfolgend „EDI“) und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben, soweit sie die  der Namen der Kunden der A. AG anordne (act. 1, S. 5, act. 1.1, S. 2 f.). Das EDI wies die Beschwerde mit Entscheid vom 27. Juni 2005 ab (act. 1.1).
C. Mit Eingabe vom 1. Juli 2005 gelangt die A. AG gegen diesen Entscheid an
die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und verlangt bezüglich der Offenlegung der Kundennamen dessen Aufhebung bzw. die  Aufhebung der Verfügung der Swissmedic vom 13. Juli 2005 (recte: 13. Juli 2004), unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.  sei die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz . Zudem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen (act. 1).
Nach Durchführung des Schriftenwechsels betreffend das letztere  (act. 5 und 6) wurde die am 4. Juli 2005 vorläufig gewährte aufschie-
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bende Wirkung (act. 2) am 19. Juli 2005 für die Dauer des  erteilt (act. 8).
In der Sache selber verlangt die Swissmedic mit Beschwerdeantwort vom 29. Juli 2005 die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde (act. 10).
Das EDI schliesst mit Stellungnahme vom 9. August 2005 ebenfalls auf kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde (act. 11).
Mit Replik vom 15. September 2005 hält die A. AG an ihren  vollumfänglich fest (act. 15). Diese Eingabe wurde der Swissmedic und dem EDI am 16. September 2005 zur Kenntnis gebracht (act. 16 und 17).
Auf die Ausführungen der Parteien und der Vorinstanz sowie die  Akten wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gegen einen im Sinne von Art. 27 Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 VStrR ergangenen
Beschwerdeentscheid kann bei der Beschwerdekammer des  Beschwerde geführt werden (Art. 27 Abs. 3 VStrR). Zur  berechtigt ist, wer durch den Beschwerdeentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR). Die Beschwerde ist innert drei Tagen, nachdem dem  der Beschwerdeentscheid eröffnet worden ist, bei der  Behörde schriftlich mit Antrag und kurzer Begründung  (Art. 28 Abs. 3 VStrR).
1.2 Der angefochtene Beschwerdeentscheid datiert vom 27. Juni 2005 und
ging tags darauf beim Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein. Mit Postaufgabe der begründeten Beschwerde am 1. Juli 2005 an die  des Bundesstrafgerichts – mithin an die zuständige  – ist die dreitägige Beschwerdefrist gewahrt (act. 1 und 1.1). Als Adressatin ist die Beschwerdeführerin überdies durch den angefochtenen Entscheid im obgenannten Sinne beschwert und damit zur Beschwerde . Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten.
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1.3 Während mit der Beschwerde gegen Zwangsmassnahmen (Art. 26 VStrR) auch die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 28 Abs. 2 VStrR), ist die Beschwerde gegen gestützt auf Art. 27 VStrR  Beschwerdeentscheide nur wegen Verletzung von Bundesrecht,  Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, möglich (Art. 27 Abs. 3 VStrR). Soweit sich die Beschwerdeführerin daher gegen tatsächliche Feststellungen des angefochtenen Entscheids wendet, ist  nicht einzutreten (BGE 119 Ib 12, 14 f. E. 1b).
2. 2.1 Zur Eröffnung eines Strafverfahrens – worunter selbstverständlich auch ein
Verwaltungsstrafverfahren fällt – bedarf es eines hinreichenden  (vgl. BGE 120 IV 226, 237 f. E. 4b; HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 178 N. 4).  ist keine hohe Wahrscheinlichkeit einer Bestrafung erforderlich; vielmehr genügt es, wenn nicht bloss eine unbestimmte Möglichkeit für ein  Verhalten gegeben ist, sondern konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen. Eine Untersuchung ist demnach immer dann zu eröffnen, wenn aufgrund einer vorläufigen Beurteilung der Indizienlage ein strafbares Verhalten nicht ausgeschlossen werden kann (vgl. OBERHOLZER, Grundzüge des , 2. Aufl., Bern 2005, N. 1336).
Gemäss des hier massgebenden Art. 33 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 15. Dezember 2000 über Arzneimittel und Medizinprodukte (, HMG; SR 812.21) dürfen Personen, die Arzneimittel verschreiben oder abgeben, und Organisationen, die solche Personen beschäftigen, für die Verschreibung oder die Abgabe eines Arzneimittels geldwerte Vorteile weder gewährt noch angeboten noch versprochen werden. Zulässig sind laut Abs. 3 desselben Artikels jedoch geldwerte Vorteile von bescheidenem Wert, die für die medizinische oder pharmazeutische Praxis von Belang sind, sowie handelsübliche und betriebswirtschaftlich gerechtfertigte , die sich direkt auf den Preis auswirken. Bei Widerhandlung gegen diese Bestimmungen liegt eine Übertretung im Sinne von Art. 87 Abs. 1 lit. b HMG vor, die gemäss Art. 90 Abs. 1 HMG von der Beschwerdegegnerin zu verfolgen ist.
2.2 Den umfangreichen Akten kann unter anderem ein Fax-Bestellformular der Beschwerdeführerin entnommen werden, in welchem für die in Frage  Präparate D. und E. eine „Spezialaktion bis 12. September 2003“ ausgekündet wird. Es werden „Konditionen 7/5“ und „Konditionen 4/3" offe-
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riert, was offenbar bedeuten soll, der Kunde bezahle fünfmal bzw. dreimal den Grossistenpreis und könne dafür siebenmal bzw. viermal den  bzw. Detailpreis realisieren. Auf dem Bestellformular wird dieser für den Abnehmer durch den Mengenrabatt erzielbare Gewinn genau , ohne aber den gewährten Rabatt im Patientenpreis zu  (act. 6.1, S. 1 und 3). Allein schon angesichts dieses  besteht der hinreichende Verdacht, dass die Beschwerdeführerin den Abnehmern mit dieser Spezialaktion in unzulässiger Weise geldwerte Vorteile angeboten bzw. versprochen und mithin gegen das  verstossen hat. Die Beschwerdegegnerin hat folglich zu Recht am 13. Februar 2004 ein Verwaltungsstrafverfahren gegen B. und C. als  Personen der Beschwerdeführerin eingeleitet. Ob und  sich dieser Tatverdacht bestätigt, wird sich im Verlaufe des Verfahrens zeigen.
3. 3.1 Das Untersuchungsverfahren dient vor allem dazu, durch Prozesshandlun-
gen verschiedenster Art den Sachverhalt in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht abzuklären (vgl. HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., S. 391 N. 2 und S. 376 N. 8). Dabei hat die untersuchende Behörde das  als Grundsatz staatlichen Handelns zu beachten (Art. 5 Abs. 2 BV), wonach eine Untersuchungshandlung für die Erreichung des Untersuchungsziels notwendig und geeignet sein muss. Kann dieses Ziel durch Massnahmen verschiedener Härte erreicht werden, so ist nach Massgabe des Subsidiaritätsprinzips zumindest vorerst die mildere  zu wählen. Beim Einsatz der Untersuchungmassnahmen muss überdies zwischen dem angestrebten Ziel und dem Eingriff in die  des Betroffenen ein vernünftiges Verhältnis bestehen ( im engeren Sinne; vgl. SCHMID, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich 2004, N. 686; vgl. HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., S. 325 N. 8 ff.).
3.2 Im Rahmen des vorliegenden Untersuchungsverfahrens ist unzweifelhaft
rechtserheblich, ob es sich bei den Abnehmern um Personen im Sinne von Art. 33 HMG handelt. Allein schon unter diesem Gesichtspunkt und ohne zusätzlich auf das selbstverständlich ebenfalls legitime Interesse der  an allfälligen weiteren Straftaten oder -tätern in  Zusammenhang einzugehen, ist die namentliche Kenntnis der  für das vorliegende Verfahren notwendig.
Zur Erlangung der streitigen Kundennamen erscheinen mehrere der  vorgesehenen Untersuchungsmassnahmen geeignet. Insbesonde-
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re bieten sich sowohl eine Durchsuchung als auch eine Beschlagnahme von Papieren im Sinne von Art. 45 ff. VStrR an. In Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips hat die Beschwerdegegnerin jedoch – zumindest vorerst – keine Zwangsmassnahme im vorstehenden Sinne angeordnet, sondern die mildere und für die vorliegende Situation ebenfalls geeignete Eingriffsform des Auskunftsbegehrens im Sinne von Art. 40 VStrR gewählt.
Im Übrigen wiegt das Interesse der Öffentlichkeit an der Durchsetzung des Strafanspruchs schwerer als das Interesse der Beschwerdeführerin an der Geheimhaltung der Kundennamen. Dies insbesondere vor dem , als dass die Beschwerdegegnerin dem Amtsgeheimnis untersteht und die Beschwerdeführerin ihrerseits weder das Amts- noch das  anrufen kann. In diesem Zusammenhang ist darauf , dass sogar das im Vergleich zu den geltend gemachten  ungleich schwerer wiegende Bankgeheimnis hinter dem  zurückzustehen hat (vgl. BGE 119 IV 175, 177 f. E. 3).
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die Bekanntgabe der  sei insofern unverhältnismässig, als dass bereits heute feststehe, ein strafbares Verhalten sei mangels Weitergabepflicht der gewährten  ausgeschlossen, ist sie nicht zu hören. Im Rahmen des  geht es nicht darum, über die Auslegung und  des materiellen Rechts zu debattieren oder gar die rechtliche  des Sachverhalts vorweg zu nehmen. Vielmehr dient die  der Abklärung des tatsächlich und rechtlich erheblichen , wobei der Entscheid, welche Informationen für ein Verfahren relevant und auf welche Weise diese zu erheben sind, der Untersuchungsbehörde zusteht (vgl. BGE 119 IV 175, 177 f. E. 3). Es wird alsdann Aufgabe des Sachrichters sein zu bestimmen, ob aufgrund des erhobenen Sachverhalts ein bestimmter Tatbestand erfüllt ist oder nicht.
Damit ist das angefochtene Auskunftsbegehren für das Erreichen des  Untersuchungsziels nicht nur notwendig und geeignet, sondern auch verhältnismässig im engeren Sinn. Demnach erweist sich die  als unbegründet und ist folglich abzuweisen.
4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Kos-
ten desselben zu tragen (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 245 BStP und Art. 156 Abs. 1 OG). In Berücksichtigung des Entscheids über die Gewäh-
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rung der aufschiebenden Wirkung vom 19. Juli 2005 ist die Gerichtsgebühr auf Fr. 2’000.-- anzusetzen (Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32). Da entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin keine Gründe für eine Reduktion der Gerichtsgebühr bestehen – schliesslich stellen sich  in diesem Beschwerdeverfahren wie aufgezeigt keine  Rechtsfragen – wird diese der Beschwerdeführerin, unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 500.--, auferlegt.
4.2 Aufgrund des Verfahrensausgangs wird keine Parteientschädigung ausge-
richtet (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 245 BStP und Art. 159 Abs. 1 und 2 OG).
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