Decision ID: c6b40902-635f-5c7f-8958-9825feef7edb
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) begann nach Abschluss der obligatorischen
Schule am 4. August 2014 eine vierjährige Lehre als Anlagen- und Apparatebauer bei
der B._ AG (IV-act. 7-3). Nach rund einem Jahr wurde das Lehrverhältnis per 21.
August 2015 aufgelöst (IV-act. 7-18). Der Versicherte konnte das Lehrverhältnis bei der
Firma C._ AG fortsetzen. Wegen unentschuldigten Fernbleibens vom Arbeitsplatz
sowie von der Berufsschule seit dem 25. Juni 2016 löste die Arbeitgeberin das
Lehrverhältnis auf (IV-act. 9-2/13).
A.a.
Ab dem 28. Juli 2016 wurde der Versicherte - nach Zuweisung durch den Hausarzt
Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, - durch die Kinder- und
Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen, Regionalstelle E._ (nachfolgend: KJPD),
behandelt. Im Arztbericht vom 9. November 2016 diagnostizierten lic. phil. F._,
Psychologin, und Dr. med. G._, Oberärztin, KJPD, gestützt auf jugendpsychiatrische
Abklärungen in der Zeit vom 28. Juli bis 26. Oktober 2016 eine Anpassungsstörung mit
vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10: F43.23) mit Gefühlen
von Reizbarkeit, Energielosigkeit, Unruhe und Anspannung, mit Schlafstörungen,
Gewichtsverlust und Grübeln. Als aktuelle abnorme psychosoziale Umstände wurden
angeführt die psychische Störung eines Elternteils, eine abweichende Elternsituation
und Ereignisse, die zur Herabsetzung der Selbstachtung führen, und bei der
Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung eine mässige soziale
Beeinträchtigung. Eine weitere Diagnostik (DISYPS II und DCL-DS) ergab eine
depressive Symptomatik im Sinne einer leichten depressiven Episode mit reizbarer
Verstimmung, mit Energielosigkeit und Erschöpfung, mit Gefühlen von Unruhe und
A.b.
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Anspannung, mit Einschlafstörungen, mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust und mit
Grübeln (IV-act. 8-3f.).
Am 24. März 2017 meldete sich der Versicherte zum Bezug von Leistungen
(berufliche Integration/Rente) der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1).
A.c.
Im Arztbericht vom 7. April 2017 diagnostizierte Dr. D._ eine Anpassungsstörung
mit Beeinträchtigung von anderen Gefühlen sowie eine Depression (IV-act. 8-1f.).
A.d.
Gemäss Arztbericht der KJPD vom 12. April 2017 zeigte der Versicherte nach dem
zweiten Lehrabbruch ein depressives Zustandsbild und berichtete im Verlaufe der
Behandlung persistierend über depressive Symptome wie Reizbarkeit,
Gedankendrehen, Energielosigkeit, Schlafstörungen und Appetitverlust. Deshalb sei
zunächst die Diagnose einer Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung
von anderen Gefühlen (ICD-10: F43.23) und im weiteren Verlaufe die Diagnose einer
mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F32.1) gestellt worden. Der Versicherte
sei mit antidepressiven Medikamenten behandelt worden. Eine zuvor im August 2016
durchgeführte kognitive Leistungstestung habe eine überdurchschnittliche intellektuelle
Leistungsfähigkeit ergeben. Weitere Untersuchungen hätten aber auch eine
Verminderung des Antriebs und der Interessen gezeigt. Aufgrund der depressiven
Erkrankung sei der Versicherte nicht in der Lage, Entschlüsse und Entscheide
ausreichend umzusetzen. Er sei auf Unterstützung angewiesen, unter anderem
hinsichtlich der beruflichen Erstausbildung (IV-act. 13-2f.).
A.e.
Am 25. April 2017 forderte die RAD-Ärztin Dr. med. H._, Fachärztin für Kinder-
und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, die IV-Stelle auf, ein psychiatrisches
Gutachten in Auftrag zu geben (IV-act. 15-2). Dessen Erstellung vergab die IV-Stelle an
Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (IV-act. 16ff.).
A.f.
Am 10. Mai 2017 errichtete die KESB E._ eine Vertretungsbeistandschaft für den
Versicherten (IV-act. 20).
A.g.
Die psychiatrische Untersuchung des Versicherten durch Dr. I._ fand am 21.
August 2017 statt. Im Gutachten vom 11. September 2017 (IV-act. 24) erklärte Dr. I._
gestützt auf die Akten und die Untersuchung (beinhaltend eine Testung nach der
A.h.
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B.
Hamilton Depressionsskala 17 und eine Medikamentenanamnese, jedoch keine
Fremdanamnese bzw. Auskunftseinholung), dass er keine affektive Störung und keine
depressive Episode habe diagnostizieren können. Aufgrund der fehlenden
Symptomatik liege auch keine Anpassungsstörung vor. Es gebe keine Hinweise dafür,
dass - abgesehen von einer fehlenden Motivation und Unterstützung - tatsächlich ein
psychisches Leiden von Krankheitswert bestehe oder bestanden habe. Er könne keine
psychiatrische Diagnose stellen. Die Arbeitsfähigkeit sei nicht eingeschränkt und eine
psychiatrische Behandlung nicht notwendig. Zudem wies er darauf hin, dass mit
zunehmender Dauer die Eingliederung natürlich nun schwieriger werde.
In der Stellungnahme vom 18. September 2017 erklärte RAD-Ärztin Dr. H._, dass
das Gutachten plausibel und nachvollziehbar sei. Ein psychiatrischer
Gesundheitsschaden liege nicht vor. Die Voraussetzungen für IV-gestützte berufliche
Massnahmen seien daher nicht gegeben (IV-act. 25).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 4. Oktober 2017 zeigte die IV-Stelle dem Beistand des
Versicherten ihre Absicht an, das Gesuch um berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen abzuweisen, da kein Gesundheitsschaden vorliege, der die
Arbeitsfähigkeit einschränke (IV-act. 28).
A.j.
Am 18. Januar 2018 erhob der Versicherte, vertreten durch eine Mitarbeiterin der
Procap Sarganserland - Werdenberg, Einsprache gegen den Vorbescheid.
Miteingereicht wurde ein Arztbericht von Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, und lic. phil. K._, Fachpsychologe für klinische Psychologie
und Psychotherapie FSP, vom 18. Januar 2018. Die Fachspezialisten erklärten, dass
sie aufgrund ihrer Untersuchungen die gutachterliche Aussage, dass es keinen Anhalt
für eine psychiatrische Diagnose gebe, nicht vollständig nachvollziehen könnten. Sie
erachteten aufgrund der erhobenen Befunde die von der KJPD gestellten Diagnosen
nach wie vor als gültig und empfahlen dringlich berufsbegleitende Massnahmen durch
Fachpersonen der SVA und danach allenfalls berufsintegrierende IV-Massnahmen (IV-
act. 34-2ff.). Am 8. Februar 2018 wurde nachgereicht der Untersuchungsbericht von lic.
phil. L._, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, Kinder- und Jugendpsychiatrie
M._ (nachfolgend: KJP GR), vom 22. Januar 2018. Der Psychologe erhob leicht
B.a.
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C.
defizitäre Leistungen der mentalen Funktionen (geteilte Aufmerksamkeit, verbale Inhalte
betreffend Arbeitsgedächtnis und freier Abruf aus dem Langzeitgedächtnis,
Introspektionsfähigkeit, Denkspontanität, Abstraktionsfähigkeit bei nonverbalen
Inhalten). Er erachtete die Auswirkungen der kognitiven Beeinträchtigungen als leicht:
Betroffen seien die Aufgabenbereiche Lernen und Wissensanwendung, allgemeine
Aufgaben und Anforderungen, Kommunikation sowie interpersonelle Interaktionen und
Beziehungen (IV-act. 36). Zudem wurde der Bericht der KJPD vom 30. Januar 2018
nachträglich eingereicht. Darin beschrieb Dr. G._ die bisher erfolgte Behandlung und
erläuterte, weshalb dazumal eine mittelgradig depressive Episode diagnostiziert
worden sei. Der Versicherte sei trotz der guten kognitiven Ressourcen auf der
Handlungsebene vermehrt auf professionelle sozialpädagogische Strukturen für die
erstberufliche Ausbildung und Freizeitgestaltung angewiesen, um einen seinem
Potential entsprechenden Abschluss einer erstberuflichen Ausbildung erreichen zu
können. Für eine erfolgreiche Bewältigung des Einstiegs und der Weiterführung der
erstberuflichen Ausbildung sei nebst den Rahmenbedingungen eine
psychotherapeutische Begleitung ebenfalls indiziert (IV-act. 38).
Mit Schreiben vom 5. März 2018 bat die IV-Stelle Dr. I._ um die Beantwortung
der Frage, ob sich aufgrund der neuen Berichte - verglichen mit dem Gutachten vom
September 2017 - eine andere Einschätzung des medizinischen Sachverhalts ergebe
(IV-act. 40). In der Stellungnahme vom 13. März 2018 verneinte Dr. I._ dies (IV-act.
41). Am 20. März 2018 erklärte die zuständige RAD-Ärztin, dass sich ihre Einschätzung
mit derjenigen von Dr. I._ decke (IV-act. 43).
B.b.
Mit Verfügung vom 22. März 2018 wies die IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen ab, da kein Gesundheitsschaden vorliege, der die
Arbeitsfähigkeit einschränke (IV-act. 42).
B.c.
Dagegen gelangte der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja
Zuber, Procap Schweiz, Olten, mit Beschwerde vom 7. Mai 2018 (act. G 1) und
ergänzender Beschwerdebegründung vom 28. Juni 2018 (act. G 5) ans
Versicherungsgericht. Beantragt wurde: 1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin
vom 22. März 2018 sei aufzuheben. 2. Dem Beschwerdeführer seien berufliche
C.a.
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Massnahmen zuzusprechen. 3. Dem Beschwerdeführer sei eine Invalidenrente
zuzusprechen. 4. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 5. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche
Prozessführung zu bewilligen und er sei von allfälligen Vorschuss- und
Sicherheitsleistungen zu befreien. Zudem sei ihm die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
(zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur
Begründung wurde insbesondere ausgeführt, dass der Gutachter Dr. I._ keine
neutrale Haltung eingenommen habe. So fehle eine ausreichende Auseinandersetzung
mit den Aussagen des Beschwerdeführers, seiner Biographie sowie den Berichten der
behandelnden Ärzte und Fachstellen. Die Unabhängigkeit des Gutachters werde
aufgrund der Häufigkeit der Gutachtereinsätze angezweifelt (act. G 1-4f.). Im Weiteren
wurde gerügt, dass die bundesgerichtlichen Anforderungen an psychiatrische
Gutachten (strukturiertes Beweisverfahren, Arbeits- und Leistungsfähigkeitsermittlung
anhand von Indikatoren) nur unzureichend erfüllt würden, und es fehle eine Prüfung
und Untersuchung der Persönlichkeitsdiagnostik. Eine Leistungsabweisung in Bezug
auf berufliche Massnahmen sei nicht rechtens, da es Hinweise auf eine drohende
Invalidität gebe (act. G 1-4ff., G 5-3ff.).
In der Beschwerdeantwort vom 2. August 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde abzuweisen (act. G 7). Zur Begründung wurde
insbesondere ausgeführt, dass das Gutachten überzeugender sei als die Berichte der
behandelnden Ärzte, da Dr. I._ seine Beobachtungen mit den Aussagen des
Beschwerdeführers abgeglichen und zu den Diskrepanzen Stellung genommen habe.
Ausserdem habe er begründet, wieso keine Depression gemäss ICD-10 Kodierung
vorliegen könne. Zudem führe der Beschwerdeführer seine Erfolglosigkeit im Beruf
selbst auf seinen inneren Schweinehund (Motivationslosigkeit, Lustlosigkeit) zurück.
Die neu eingereichten Arztberichte hätten ebenfalls gezeigt, dass die wenigen leicht
negativen Ergebnisse auf die verminderte Motivation des Beschwerdeführers
zurückzuführen seien. Zudem werde nur von der Möglichkeit gesprochen, dass sich ein
psychisches Leiden entwickeln könnte, ein solches aber zurzeit noch nicht vorhanden
sei. Eine Auseinandersetzung mit den Indikatoren habe sehr wohl stattgefunden. Diese
sei in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers miteingeflossen.
C.b.
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Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Massnahmen
beruflicher Art und auf Rentenleistungen hat.
2.
Am 23. August 2018 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 8).
C.c.
In der Replik vom 22. Oktober 2018 wurde an den Rechtsbegehren gemäss
Beschwerde vom 7. Mai 2018 festgehalten (act. G 12). In der Begründung wurde
insbesondere ausgeführt, dass aufgrund der hohen Anzahl der an Dr. I._ vergebenen
Gutachten, eine unabhängige und neutrale Begutachtung nicht mehr gegeben sei. Im
Weiteren wurde darauf hingewiesen, dass es sich bei Motivations- und Lustlosigkeit
um Aspekte handle, die auch die Diagnose aus dem Bereich der depressiven
Erkrankungen stützen würden. Der Gutachter habe sich nicht ausreichend damit
auseinandergesetzt. Zudem gebe die Beschwerdegegnerin ein verzerrtes Bild der
Aktivitäten des Beschwerdeführers wieder. Der Beschwerdeführer sei auf Hilfe
angewiesen, um seine Ressourcen aktivieren zu können.
C.d.
In der Duplik vom 29. Oktober 2018 hielt die Beschwerdegegnerin am gestellten
Antrag fest und wies darauf hin, dass aus der Anzahl Gutachtenaufträge keine
Rückschlüsse auf die Befangenheit des Gutachters im vorliegenden Fall gezogen
werden könnten (act. G 14).
C.e.
2.1.
Nach Art. 28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente.
2.1.1.
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Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit (als Folge unter anderem von
Krankheit, vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG) verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG). Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann entsprechend nur relevant
sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
Gesundheitsbeeinträchtigung ist (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 18. November
2015, 9C_125/2015, E. 5.3, BGE 130 V 396).
2.1.2.
2.2.
Nicht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr gelten als
invalid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge
haben wird (Art. 8 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG).
2.2.1.
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben
gemäss Art. 8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1): a. diese
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern;
und b. die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt
sind. Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der
Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der
Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu
berücksichtigen (Abs. 1 ).
2.2.2.
bis
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem in
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Art. 8
Abs. 3 lit. a IVG) und in den Massnahmen beruflicher Art selber (Berufsberatung,
erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; Art. 8
Abs. 3 lit. b IVG). Arbeitsunfähige Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben
Anspruch auf eine aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes
2.2.3.
bis
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(Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG). Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht
erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen
Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf
Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person
entspricht.
Ein solcher Anspruch setzt stets einen Gesundheitsschaden voraus, der mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist (BGE 129 V 177
E. 3.1). Bei einem psychischen Leiden wird eine fachärztlich gestellte Diagnose nach
einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem gefordert (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Dezember 2018, 9C_546/2018, E. 2.2, BGE 130 V 396 E. 5.3).
2.2.4.
2.3.
Nach der früheren Rechtsprechung wurde bei leichten bis mittelschweren
Störungen aus dem depressiven Formenkreis ausser bei Konstellationen mit
Therapieresistenz angenommen, dass in der Regel keine IV-rechtlich relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.3, 141 V 281
E. 3.7). Mit den Urteilen vom 30. November 2017 (143 V 418 und 143 V 409) hat das
Bundesgericht erkannt, dass sämtliche psychischen Erkrankungen, namentlich auch
depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur, einem strukturierten
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wie es bei Vorliegen
somatoformer Schmerzstörungen anhand eines Katalogs von Indikatoren durchgeführt
wird.
2.3.1.
Gemäss früherem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten verlieren jedoch
nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des
Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen
entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen
Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die
materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu
prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen
Sachverständigengutachten - gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen
Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgebenden Indikatoren
erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter
Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
2.3.2.
Das strukturierte Beweisverfahren ist jedoch entbehrlich, wenn im Rahmen
beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in
2.3.3.
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nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen
Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein
Beweiswert beigemessen werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 30. November
2017, 8C_841/2016).
2.4.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Arztes begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.4.1.
Im Weiteren ist einerseits der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass
behandelnde Ärzte im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135
V 465 E. 4.5) und andererseits ein nach Art. 44 ATSG eingeholtes
Administrativgutachten nicht stets in Frage zu stellen ist, bloss weil es zu anderen
Einschätzungen als die behandelnden Ärzte gelangt; vorbehalten bleiben Fälle, in
denen sich eine klärende Ergänzung oder direkt eine abweichende Beurteilung
aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige, nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende Aspekte benennen. Diesbezüglich ist auch auf die
unterschiedliche Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag zu verweisen (vgl.
statt vieler Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juli 2019, 8C_229/2019, E. 5.1 mit
Hinweisen). Schliesslich kommt den Administrativgutachtern ein grosser
Ermessensspielraum bei der Auswahl der erforderlichen Abklärungen, dem Beizug
weiterer Experten und den Untersuchungsmethoden zu (vgl. etwa Urteil des
Bundesgerichts vom 20. August 2019, 8C_151/2019, E. 6.2.1 mit Hinweisen).
2.4.2.
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3.
Zu prüfen ist zunächst, ob der Sachverhalt und dessen Folgen auf die Arbeitsfähigkeit
medizinisch spruchreif abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der
angefochtenen Verfügung vom 22. Mai 2018 (IV-act. 42) auf das psychiatrische
Gutachten von Dr. I._ vom 11. September 2017 (IV-act. 24), seine ergänzende
Stellungnahme vom 13. März 2018 (IV-act. 41) sowie die Stellungnahmen des RAD
vom 18. September 2017 (IV-act. 25) und 20. März 2018 (vgl. IV-act. 43). Daran bringt
der Beschwerdeführer verschiedene Mängel vor.
Zunächst hält der Beschwerdeführer Dr. I._ für befangen bzw. für nicht
unabhängig. Zur Begründung lässt er im Wesentlichen ausführen, aufgrund der hohen
Anzahl Gutachtensaufträge sei Dr. I._ derart von der Beschwerdegegnerin abhängig,
dass er als befangen zu betrachten sei. So habe er im Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis
30. September 2018 95 mono-/bidisziplinäre Gutachten im Auftrage der IV-Stelle/SVA
St. Gallen erstellt (act. G 1-4f., G 12-2, G 12.1). Das Bundesgericht hielt im kürzlich
ergangenen Entscheid vom 25. Februar 2020 (8C_760/2019, E. 3.3) mit Verweis auf
BGE 135 V 465 fest, dass auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes
Gutachten abzustellen sei, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen. Dies gelte unabhängig von der Anzahl der von den jeweiligen
Experten für die Invalidenversicherung erstellten Gutachten (vgl. dazu auch das Urteil
des Bundesgerichts vom 14. Januar 2020, 9C_824/2019, E. 3.2 und E. 4). Folglich ist
die hohe Anzahl der von Dr. I._ für die IV-Stelle erstellten psychiatrischen Gutachten
alleinig noch kein Grund, nicht auf das Gutachten vom 11. September 2017 (IV-act. 24)
und die ergänzende Stellungnahme vom 13. März 2018 (IV-act. 41) abzustellen.
3.1.
Aus der Sicht des Beschwerdeführers hat sich Dr. I._ unzureichend mit den
Berichten der behandelnden Ärzte und den Aussagen des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt. Die Berichte der behandelnden Fachleute und Fachstellen seien
überzeugender als diejenigen des Gutachters. Das Gutachten entspreche zudem nicht
der bundesgerichtlichen Vorgaben, nach denen bei psychischen Leiden in einem
strukturierten Beweisverfahren zu untersuchen und anhand von Indikatoren die Arbeits-
und Leistungsfähigkeit zu bestimmen sei (act. G 1-5, G 5-3f.).
3.2.
Vorweg ist festzuhalten, dass der Sachverhalt beim Verfügungserlass am 22.
März 2018 massgebend ist (BGE 144 V 224 E. 6.1.1 mit Hinweis).
3.2.1.
Eine Untersuchungsdauer von 90 Minuten inklusive einer Testung (IV-act. 24-2)
erscheint in Anbetracht der dünnen Aktenlage (vgl. Aussage des Gutachters, IV-act.
3.2.2.
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24-29) als eher kurz. Allerdings rügten weder der Beschwerdeführer noch der Beistand
des Beschwerdeführers und auch nicht die Rechtsvertreterin, dass die im Gutachten
enthaltenen Aussagen des Beschwerdeführers unvollständig oder falsch widergegeben
worden seien.
Festzustellen ist, dass vom Beschwerdeführer während der Begutachtung nicht
geltend gemacht wurde, dass die beiden Lehrabbrüche auf gesundheitliche Probleme
bzw. psychische Leiden zurückzuführen seien, sondern er führte die Abbrüche auf
seine fehlende Motivation und seine Lustlosigkeit zurück. Diesbezüglich erwähnte er
seinen riesigen inneren Schweinehund und eine innere Zerrissenheit zwischen dem
Nichtstun und dem Sich-Aufraffen. Eine Anpassung an die gesellschaftlichen
Erwartungen erachtete er nur bis zu einem gewissen Punkt als notwendig. Am
einfachsten sei es, wenn er so weit, wie es für ihn nötig sei, mitschwimme, also einfach
mache, was nötig sei. Nötig sei für ihn, dass er eigenständig leben und sein Leben
finanzieren könne. Den zweimaligen Lehrstellenverlust führte er auf seine häufigen
unentschuldigten Abwesenheiten am Arbeitsplatz zurück. Den vom RAV vermittelten
Einsatz im Jugendprogramm N._ brach er nach drei Monaten vorzeitig ab. Der
Beschwerdeführer gab zum Zeitpunkt der Begutachtung an, aktuell in einem 80%-
Pensum in der Institution O._ zu arbeiten. Bei der dortigen Arbeit habe er keine
Einschränkungen, jedoch habe er jeden Morgen einen Kampf dort hinzugehen (IV-act.
24-8ff.).
3.2.3.
Etwa zwei, drei Monate vor der Begutachtung war der Beschwerdeführer das
letzte Mal in psychiatrischer Behandlung. Den Nutzen der Medikamente sah er nicht
ganz ein (IV-act. 24-8ff.). Gemäss den KJPD sei das Ziel der psychotherapeutischen
Gespräche gewesen, den Beschwerdeführer bei seiner Identitätsfindung positiv zu
unterstützen. Es sei jedoch nicht darum gegangen, ein psychisches Leiden zu
therapieren (IV-act. 24-35).
3.2.4.
Vor diesem Hintergrund kann in den Ausführungen von Dr. I._ zur fehlenden
Motivation des Beschwerdeführers als Grund für den zweimaligen Lehrstellenabbruch
weder ein Mangel am Gutachten noch ein Hinweis für eine konkret voreingenommene
Haltung erblickt werden. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass der
Beschwerdeführer in belastenden Verhältnissen aufwuchs (IV-act. 24-11f./22), welche
zwar durchaus (mit-)ursächlich für eine psychische Fehlentwicklung sein könnten.
Jedoch ergeben sich aus den Schilderungen des Beschwerdeführers keine
Anhaltspunkte für eine psychische Fehlentwicklung oder ein Leiden, dem
Krankheitswert zukommen könnte, Da selbst der Beschwerdeführer den Lehrabbruch
3.2.5.
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auf die fehlende Motivation zurückführte, ist es nicht zu beanstanden, dass auch
Dr. I._ dies erkannte und in seine Beurteilung einfliessen liess.
Im Weiteren ist festzustellen, dass Dr. I._ im Gutachten die wesentlichsten
Aussagen der Arztberichte der behandelnden Ärzte korrekt zusammenfasste (IV-act.
24-3ff.) und auch nachvollziehbar darlegte, wieso er aktuell zu einer anderen
Einschätzung hinsichtlich der erhobenen Befunde und Diagnosen als die behandelnden
Ärzte kam. So wies er darauf hin, dass die KJPD in ihrem Bericht nicht dargelegt
hätten, welche Kriterien für eine depressive Episode erfüllt gewesen seien. Er habe zum
Zeitpunkt der Begutachtung jedenfalls keine Hinweise für das Vorliegen einer
depressiven Erkrankung finden können (IV-act. 24-28ff.).
3.2.6.
Festzuhalten ist damit, dass Dr. I._ im Gutachten vom 11. September 2017 (IV-
act. 24) nachvollziehbar und schlüssig darlegte, dass es keine Hinweise auf eine
affektive Störung bzw. eine anhaltende depressive Verstimmung gebe und wegen der
fehlenden Symptomatik auch keine Anpassungs- oder Persönlichkeitsstörung vorliege.
Der RAD ging in der Stellungnahme vom 18. September 2017 (IV-act. 25) ebenfalls
nicht vom Vorliegen einer psychiatrischen Diagnose aus. Er schätzte den
Beschwerdeführer zu 100% als arbeits- und ausbildungsfähig ein und erachtete die
versicherungsmedizinischen Voraussetzungen für IV-gestützte berufliche Massnahmen
als nicht erfüllt (IV-act. 25).
3.2.7.
Hinsichtlich der nach dem Vorbescheid vom 4. Oktober 2017 (IV-act. 28)
eingereichten Arztberichte (IV-act. 34-2ff., 36, 38) ergeben sich - wie von Dr. I._ (IV-
act 41), vom RAD (IV-act. 43) und von der Beschwerdegegnerin (IV-act. 42-2, act.
G 7-3) kundgetan - keine neuen relevanten Erkenntnisse hinsichtlich des Vorliegens
eines psychischen Leidens bzw. einer psychiatrischen Diagnose. So erklärten Dr. J._
und lic. phil. K._ zwar in ihrem Bericht vom 18. Januar 2018, dass die von der KJPD
gestellten Diagnosen nach wie vor gültig seien, ohne dies allerdings zu begründen und
ohne sich mit den Aussagen im Gutachten von Dr. I._ detailliert
auseinanderzusetzen. Bezüglich der von Dr. J._ und lic. phil. K._ erhobenen
aktuellen Befunde ist festzustellen, dass diese sehr vage geäussert werden (es gebe
Hinweise) und die angeführten Leiden und Krankheitsbilder lediglich eine in der Zukunft
eintretende Möglichkeit darstellen (mögliches Krankheitsbild/psychisches Leiden). Der
Bericht ist daher in erster Linie als Appell einzustufen, den Beschwerdeführer bei der
Berufswahl und Berufslehre zu unterstützen, denn nach zweimaligem Lehrabbruch
wegen Motivationsmangels und Lustlosigkeit wird es kaum einfach sein, in der freien
Wirtschaft nochmals einen Lehrbetrieb zu finden (vgl. IV-act. 34-2ff.). Im
Untersuchungsbericht vom 22. Januar 2018 erhob lic. phil. L._ lediglich eine
3.3.
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minimale bis leichte Hirnfunktionsstörung mit leichten Beeinträchtigungen attentiver
und exekutiver Bereiche (geteilte Aufmerksamkeit, verbale Inhalte betreffend
Arbeitsgedächtnis und freier Abruf aus dem Langzeitgedächtnis,
Introspektionsfähigkeit, Denkspontanität, Abstraktionsfähigkeit bei nonverbalen
Inhalten). Die übrigen Testungen ergaben dagegen altersgerechte Leistungen. So lägen
die Ressourcen durchaus im Erwartungsbereich, teilweise auch deutlich darüber.
Festzuhalten ist daher, dass sich aus dem Bericht von lic. phil. L._ nicht ergibt, dass
beim Beschwerdeführer ein psychisches Leiden mit Krankheitswert vorliegt (vgl. IV-act.
36). Beim Bericht der KJPD vom 30. Januar 2018 handelt es sich in erster Linie um eine
Schilderung der früher durchgeführten Behandlung sowie eine Erklärung, weshalb
dazumal eine mittelgradig depressive Episode diagnostiziert worden sei, jedoch erneut
ohne Nennung der entsprechenden Befunde. Der Bericht enthält weder aktuelle
Befunde und Diagnosen noch erfolgte eine Auseinandersetzung mit dem Gutachten
von Dr. I._. Damit bleibt es lediglich beim Appell, den Beschwerdeführer bei der
erstberuflichen Ausbildung zu unterstützen (Anbieten von professionellen
sozialpädagogischen Strukturen; vgl. IV-act. 38). Diese nach dem Vorbescheid
eingereichten Berichte (IV-act. 41; IV-act. 34-2ff., 36, 38) vermögen nach dem
Gesagten und entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers keine Zweifel an den
Einschätzungen von Dr. I._ im Gutachten vom 11. September 2017 (IV-act. 24) und
an den ergänzenden Erläuterungen vom 13. März 2018 (IV-act. 41) zu wecken.
Da das Gutachten in Anbetracht der vorangehenden Ausführungen zu überzeugen
vermag, ist darauf abzustellen. Die Beschwerdegegnerin hat daher weder den
Sachverhalt offensichtlich unrichtig festgestellt noch hat sie in anderer Hinsicht
Bundesrecht verletzt, als sie dem Gutachten von Dr. I._ vollen Beweiswert
zuerkannte. Somit liegt keine invalidenversicherungsrechtliche relevante psychische
Diagnose und damit auch keine gesundheitsbedingte Einschränkung der Leistungs-
und Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers vor.
3.4.
Es ist vorliegend demnach auch nicht bundesrechtswidrig, wenn hinsichtlich der
geltend gemachten psychischen Leiden auf die Durchführung eines strukturierten
Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 verzichtet wurde. Denn ein solches Verfahren
zur Validierung der attestierten Arbeitsunfähigkeit bleibt entbehrlich, wenn im Rahmen
beweiswertiger fachärztlicher Berichte und Gutachten eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar
begründeter Weise verneint wird (vgl. Erwägung 2.3.3). Das trifft, wie ausgeführt, auf
die Darlegungen des psychiatrischen Gutachters Dr. I._ vollumfänglich zu, der keine
3.5.
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4.
Diagnose gemäss gängigem Klassifikationssystem zu stellen vermochte. Weiterungen
zu den einzelnen Standardindikatoren erübrigen sich daher.
Da keine Invalidität vorliegt, d.h. keine gesundheitliche Beeinträchtigung, welche
den Beschwerdeführer in seinen Ausbildungsmöglichkeiten einschränkt (angewiesen
sein auf spezielle angepasste Ausbildungsangebote) und deshalb erhebliche
invaliditätsbedingte Mehrkosten verursacht, besteht kein Anspruch auf berufliche
Massnahmen. Weil die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht eingeschränkt
ist, besteht auch kein Anspruch auf Rentenleistungen (vgl. Erwägung 2.1.2, 2.2.4).
3.6.
Da weitere Beweismassnahmen keinen entscheidrelevanten neuen Aufschluss
erwarten lassen, ist das eventualiter gestellte Rechtsbegehren, die Angelegenheit zu
weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, ebenfalls
abzuweisen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 141 I 60 E. 3.3 mit Hinweis).
3.7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.4.1.
Anzumerken bleibt, dass es dem Versicherten frei steht, sich bei einer dauerhaften
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes bei der Invalidenversicherung erneut
anzumelden (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV sowie Art. 17 Abs. 1 ATSG).
4.2.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Gerichtskosten von Fr. 600.- erscheinen in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der vollständig
unterliegende Beschwerdeführer hat die gesamten Gerichtskosten von Fr. 600.- zu
tragen. Zufolge gewährter unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 8) ist er von der
Bezahlung zu befreien.
4.3.
bis
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird
vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.- bis Fr. 15'000.-. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle (vgl. etwa den Entscheid des
4.4.
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