Decision ID: 30f6cb5c-96e1-5224-bd5b-dd8b99621514
Year: 2019
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_001
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: civil_law

Sachverhalt
A. Mit Entscheid vom 27. September 2018 hat der Präsident des Zivilgerichts des Seebezirks das Gesuch der Gemeinde B._ gutgeheissen und ihr in der Betreibung Nr. ccc des  des Seebezirks für den Betrag von CHF 140.- zu Lasten der A._ AG die definitive Rechtsöffnung erteilt. Der Entscheid beruht auf zwei Strafbefehlen mit Rechnungs-Nr. ddd und eee, mit welchen der betriebenen Gesellschaft Ordnungsbussen für Zuwiderhandlungen gegen Vorschriften über das Parkieren mit beschränkter Parkzeit auferlegt wurde.
B. Gegen diesen Entscheid erhob die A._ AG mit Eingabe vom 29. Oktober 2018 Beschwerde. Sie vertritt die Ansicht, die Rechtsöffnung hätte nicht erteilt werden dürfen, denn die der Betreibung zugrundeliegenden Strafbefehle seien nichtig. Sie macht geltend, die Strafbefehle seien auf eine nicht existierende juristische Person, die Firma F._ AG, ausgestellt, und die Ordnungsbussen seien von einer Privatperson, der G._ AG, eingezogen worden. Zudem sei die A._ AG deliktsunfähig. Und schliesslich sei die Gemeinde B._ nicht befugt, Strafbefehle nach Bundesrecht zu erstellen.
Mit Entscheid des Präsidenten des II. Zivilappellationshofs vom 28. November 2018 wurde der Beschwerde auf Antrag der Beschwerdeführerin die aufschiebende Wirkung erteilt.
In ihrer Stellungnahme vom 16. November 2018 schloss die Gemeinde B._ auf  der Beschwerde. Sie macht geltend, die betriebene Firma habe nach Erhalt der Strafbefehle die Frist, um dagegen Einsprache zu erheben, unbenutzt ablaufen lassen. Im Übrigen sei die Gemeinde B._ ermächtigt, Ordnungsbussen zu verhängen. Mit Brief vom 6. März 2019 hat die Beschwerdegegnerin zudem mitgeteilt, auf den beiden Strafbefehlen sei am 7. September 2018 je eine Zahlung von CHF 40.05 eingegangen, so dass pro Rechnung noch ein Betrag von CHF 19.95 zuzüglich Kosten und Verzugszinsen offen bleibe.

Erwägungen
1.
1.1. Mangels Berufungsfähigkeit unterliegt der angefochtene Rechtsöffnungsentscheid vom 27. September 2018 der Beschwerde (Art. 309 Bst. b Ziff. 3 i.V.m. Art. 319 Bst. a ZPO).
1.2. Als Rechtsmittelinstanz für das erstinstanzliche Gericht am Betreibungsort ist der II.  in funktioneller und örtlicher Hinsicht zuständig (Art. 84 Abs. 1 i.V.m. Art. 46 Abs. 1 SchKG und Art. 46 ZPO e contrario; Art. 321 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 52 des Justizgesetzes vom 31. Mai 2010 [JG; SGF 130.1], Art. 17 Abs. 1 Bst. c des Reglements für das Kantonsgericht vom 22. November 2012 [RKG; SGF 131.11]).
1.3. Gemäss Art. 251 Bst. a ZPO werden Entscheide in Rechtsöffnungssachen im  Verfahren gefällt. Die Beschwerdefrist beträgt im summarischen Verfahren 10 Tage (Art. 321 Abs. 2 ZPO). Der angefochtene Entscheid wurde der Beschwerdeführerin am 18. Oktober 2018 zugestellt. Die am Montag, den 29. Oktober 2018, der Post übergebene Beschwerde erfolgte somit innert der 10-tägigen Frist.
1.4. Mit der Beschwerde kann einerseits eine unrichtige Rechtsanwendung gerügt werden (Art. 320 Bst. a ZPO). Diesbezüglich entscheidet das Kantonsgericht mit voller Kognition. Anderer-
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seits kommt als Beschwerdegrund die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts in Frage (Art. 320 Bst. b ZPO). In tatsächlicher Hinsicht ist somit lediglich eine Willkürprüfung .
1.5. Neue Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel sind ausgeschlossen (Art. 326 ZPO).
1.6. Über eine Beschwerde kann aufgrund der Akten entschieden werden (Art. 327 Abs. 2 ZPO).
1.7. Der Streitwert beträgt CHF 140.-; Zinsen, Betreibungskosten, Gerichtskosten und  werden nicht berücksichtigt (Art. 91 Abs. 1 ZPO).
2.
Die Beschwerdeführerin vertritt die Ansicht, die Rechtsöffnung hätte nicht erteilt werden dürfen, denn die der Betreibung zugrundeliegenden Strafbefehle seien aus verschiedenen Gründen nichtig.
2.1. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die Nichtigkeit ergebe sich daraus, dass die Strafbefehle auf eine nicht existierende juristische Person, die Firma F._ AG, ausgestellt worden seien, kann ihr nicht gefolgt werden. Es ist offensichtlich, dass mit der Bezeichnung F._ AG in den beiden Strafbefehlen die Beschwerdeführerin gemeint war. Die einfache Umkehr von Vornamen und Familiennamen des Firmeninhabers, aber unter Angabe der richtigen Adresse, lässt weder Zweifel noch Verwechslungsgefahr aufkommen (vgl. BGE 131 I 57 E. 2.2). Unter diesem Gesichtspunkt kann somit keine Nichtigkeit angenommen werden.
2.2. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die Strafbefehle seien nichtig, weil die Bussenerhebung durch eine Privatperson, die G._ AG, unzulässig sei. Die Einleitung der Ordnungsbusse durch eine funktionell und sachlich unzuständige Person sei als besonders  Mangel zu qualifizieren. Zudem sei die Gemeinde B._ nicht befugt, Strafbefehle nach Bundesrecht zu erstellen.
2.2.1. Gemäss Art. 80 Abs. 1 SchKG hat der Richter die definitive Rechtsöffnung zu erteilen, sofern die Forderung auf einem vollstreckbaren gerichtlichen Entscheid beruht. Strafbefehle werden mangels Einsprache zu rechtskräftigen Urteilen (vgl. Art. 354 Abs. 3 StPO). Die auf Grund des Strafrechts des Bundes oder der Kantone ergangenen rechtskräftigen Entscheide sind mit Bezug auf Geldstrafen, Bussen, Kosten und Einziehungen in der ganzen Schweiz vollstreckbar (Art. 373 StGB) und berechtigen zur definitiven Rechtsöffnung (vgl. BGE 106 IV 211 E. 2).
Die Nichtigkeit eines Entscheides ist jederzeit und von sämtlichen rechtsanwendenden Behörden von Amtes wegen zu beachten. Sie kann auch im Rechtsmittelverfahren und selbst im  geltend gemacht werden (vgl. BGE 133 II 366 E. 3.1). Fehlerhafte Entscheide sind nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nichtig, wenn der ihnen anhaftende Mangel besonders schwer ist, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn zudem die  durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Inhaltliche Mängel einer Entscheidung führen nur ausnahmsweise zur Nichtigkeit. Als Nichtigkeitsgründe fallen vorab funktionelle und sachliche Unzuständigkeit der entscheidenden Behörde sowie krasse  in Betracht (vgl. BGE 138 II 501 E. 3.1).
2.2.2. Der Erlass von Strafbefehlen nach Art. 352 ff. StPO fällt in die Zuständigkeit der  (Art. 318 Abs. 1 StPO). Bund und Kantone können die Verfolgung und Beurteilung von Übertretungen jedoch Verwaltungsbehörden übertragen (Art. 17 Abs. 1 StPO). Die zur Verfolgung
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und Beurteilung von Übertretungen eingesetzten Verwaltungsbehörden haben die Befugnisse der Staatsanwaltschaft (Art. 357 Abs. 1 StPO). Das Übertretungsstrafverfahren vor der  richtet sich sinngemäss nach den Vorschriften über das Strafbefehlsverfahren (Art. 357 Abs. 2 StPO; BGE 142 IV 70 E. 3.2.3). Zuständig ist eine Behörde, wenn sie im konkreten Fall  und verpflichtet ist, sich mit der in Frage stehenden Strafsache zu befassen.  haben insbesondere den in ein Strafverfahren verwickelten Bürger vor Übergriffen  Behörden zu bewahren. Die Regeln über die Zuständigkeit sind daher zwingender Natur (vgl. Urteil BGer 6B_1304/2018 vom 5. Februar 2019 E. 1.6).
2.2.3. Nach Art. 24 Abs. 1 des Gesetzes zur Ausführung der Bundesgesetzgebung über den Strassenverkehr vom 12. November 1981 (AGSVG; SGF 781.1) wird die Zuständigkeit zur Verhängung von Ordnungsbussen an die Strassenbenützer für Zuwiderhandlungen gegen Vorschriften über das Parkieren mit beschränkter Parkzeit vom Staatsrat den Gemeinden , die ein entsprechendes Gesuch einreichen und diese Parkzonen auf eigene Kosten erstellen und unterhalten. Die Ordnungsbusse wird in solchen Fällen vom Gemeindebeamten eingezogen, der von der Gemeinde hierfür ermächtigt ist (Art. 25 Abs. 1 AGSVG) und eine entsprechende Ausbildung erhalten hat (vgl. Beschluss über die Verhängung von Ordnungsbussen durch die Gemeinden vom 20. September 1993; SGF 781.21).