Decision ID: 35227f8d-f3b2-4a7e-8fdc-bf0cd76acaab
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (geb. 2000) ist der Sohn von A.Y. und B.Y. Die Familie wohnt in Q., wo
X.Y. im Schuljahr 2013/14 die erste Realklasse besuchte. Sein Klassenlehrer stellte
bald fest, dass X.Y. die Hausaufgaben nicht mache, Probleme in Bezug auf die
Selbstorganisation habe, selbständiges Arbeiten nicht möglich sei, X.Y. nicht stillsitzen
könne, er dauernd Unterricht und Mitschüler störe und die Konzentrationsspanne
gering bzw. die Leistungen knapp seien. Mit der Fragestellung, ob den Problemen
ADHS zugrunde liege und ob eine Beschulung in einer Time-out-Schule indiziert sei,
nahm der schulpsychologische Dienst des Kantons St. Gallen (SPD) im Februar 2014
im Einverständnis mit den Eltern eine erste Abklärung vor. Die Schulpsychologin
diagnostizierte Legasthenie und kam in Bezug auf X.Y.s Verhalten zum Schluss, die
Beschulung in einer Time-out-Schule sei derzeit nicht angezeigt, nicht zuletzt weil
momentan eine Kriseninterventionsgruppe mit der ganzen Klasse arbeite und
Massnahmen für einzelne Schüler noch nicht im Vordergrund stünden (act. 9/3a/3).
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B. Weil die weitreichenden Verhaltensauffälligkeiten anhielten, wurde X.Y. im
Sommer 2014 erneut schulpsychologisch begutachtet. Der Schulpsychologe hielt im
Bericht vom 4. Juli 2014 folgendes fest (act. 9/3a/1):
«Die neuerlich erhobenen Befunde (Gespräche und Fragebogenerhebungen) weisen
einmal mehr darauf hin, dass X.Y. Mühe mit der Impulskontrolle bekundet. Diese hat
auch Auswirkungen auf die Aufmerksamkeitssteuerung, welche ebenfalls nicht
altersgemäss entwickelt ist bzw. sich leicht beeinflussbar zeigt. Ebenfalls zeigt sich
eine Anstrengungsvermeidung bzw. ein Fehlen eines gewissen Pflichteifers beim
Erledigen von Aufgabenstellungen. X.Y. kann sich für Arbeiten, die monoton und etwas
schwierig sind, kaum motivieren. Sein Durchhaltevermögen ist gering. Viel lieber lässt
er sich von sozialen Ereignissen ablenken. Die Peergruppe ist ihm sehr wichtig, er
möchte unbedingt dazugehören. Daneben externalisiert X.Y. in extrem hohem
Ausmasse. Dies macht er vor allem gegenüber seiner Mutter, welche sich dadurch
instrumentalisieren lässt. Frau B.Y. übernimmt die Sichtweisen und Darstellungen ihres
Sohnes teilweise 1:1 und vertritt diese in gemeinsamen Gesprächen, welche immer
wieder zu eskalieren drohen. Die Einsicht von X.Y. nach eigener Mitbeteiligung und
notwendiger Verhaltensänderung war kaum anhaltend festzustellen; wenn doch, dann
nur punktuell und unter grossem Druck.»
Der Schulpsychologe kam zum Schluss, die Volksschule könne den derzeit für X.Y.
notwendigen Schulrahmen nicht zur Verfügung stellen. Die Verhaltensauffälligkeit im
Sozialverhalten einerseits und im Arbeits- und Leistungsverhalten andererseits
übersteige die dortigen (sozial-) pädagogischen Möglichkeiten. Dass X.Y. in den zwei
verbleibenden Schuljahren die notwendigen Sach-, Selbst- und Sozialkompetenzen
erreiche, um in einer Lehre bestehen zu können, scheine gefährdet. Ohne anhaltend
positive Entwicklung drohten weitreichende Konsequenzen, u.a. sei die berufliche
Eingliederung in Gefahr. Der Schulpsychologe zeigte sich ferner überzeugt, dass X.Y.s
Mutter aufgrund der seit langer Zeit anhaltenden Schwierigkeiten ihrer Kinder mit der
Schule und der aktuellen familiären Belastung an die Grenze ihrer Belastbarkeit
komme. Er empfahl, X.Y. ab dem Schuljahr 2014/15 für zwei Jahre (d.h. bis Ende der
obligatorischen Schulzeit) einer Sonderschule für verhaltensauffällige Jugendliche
zuzuweisen. X.Y. war bereits am 25. Juni 2014 für eine «Schnupperzeit» ins
Sonderschulheim A. eingetreten. Dieser Versuch war nach vier Tagen von ihm bzw.
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seinen Eltern abgebrochen worden (zum ganzen vgl. den erwähnten Bericht vom 4. Juli
2014 in act. 9/3a/1).
C. In der Folge, am 7. Juli 2014, stellte die Pädagogische Kommission des
Schulrates Q. (Pädagogische Kommission) X.Y.s Eltern in Aussicht, entsprechend dem
Antrag des SPD für X.Y. die Sonderschulung zu verfügen, und gab ihnen Gelegenheit
zur Stellungnahme (act. 9/3a/1). Bis am 5. August 2014 war bei der Pädagogischen
Kommission weder eine Stellungnahme der Eltern eingegangen – die Frist von 14
Tagen war längst abgelaufen – noch lag eine Bestätigung über die von X.Y.s Mutter für
nach den Sommerferien in Aussicht gestellte künftige Privatschulung vor. In einem
Zirkulationsbeschluss verfügte die Pädagogische Kommission am Folgetag (6. August
2014) die Sonderschulung in einer Sonderschule für verhaltensauffällige Jugendliche
ab Schuljahr 2014/15 für zwei Jahre und ersuchte gleichzeitig die Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde, die stationäre Unterbringung anzuordnen (Ziff. 1). Für die
Zeit bis zur Platzierung wies die Pädagogische Kommission X.Y. der Time-out-Schule
B. (Kleinklasse mit besonderem Auftrag) zu (Ziff. 2). Einem allfälligen Rekurs gegen
Ziff. 2 der Verfügung entzog die Pädagogische Kommission die aufschiebende
Wirkung.
D. Noch vor Eröffnung der Verfügung – offenbar während der
Ausfertigungsarbeiten am Morgen des 6. August 2014 – orientierte der
Gemeindepräsident der politischen Gemeinde Q. die Schulratspräsidentin telefonisch,
B.Y. habe ihm eine Bestätigung vom 11. Juli 2014 übergeben, wonach X.Y. ab Montag,
25. August 2014, den Unterricht in der Privatschule C. besuchen werde. In der Folge
erliess die Schulratspräsidentin in Ergänzung bzw. Abänderung des
Zirkulationsbeschlusses folgende Präsidialverfügung, welche A.Y. und B.Y. zusammen
mit dem erwähnten Kommissionsbeschluss am 6. August 2014 eröffnet wurde:
1. Die verfügte Sonderschulung wird dem Bildungsdepartement des Kantons St.
Gallen vorerst nicht zur Kostengutsprache angemeldet. Die stationäre Unterbringung
wird zur Zeit nicht beantragt. Mit der vorsorglichen Gefährdungsmeldung an die KESB
vom 8. Juli 2014 hat die bisher zuständige Schulträgerin Q. sichergestellt, dass die für
den Kindesschutz zuständige zivile Behörde den Fall prüft und ggf. die notwendigen
Massnahmen anordnet.
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2. Das angeordnete Time-out (ab 11. August 2014 bis zur Sonderschulung) wird nicht
vollzogen. X.Y. wird stattdessen während der zwei Schulwochen ab Schulbeginn im
Kanton St. Gallen (11. August 2014) bis zum Schulbeginn/Eintritt in die Privatschule im
Kanton Zug (25. August 2014) vom Unterrichtsbesuch hier in Q. freigestellt mit der
Auflage, dass die Eltern für eine angemessene Betreuung sorgen.
E. Gegen die Verfügung vom 6. August 2014 liessen A.Y. und B.Y. durch
Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 19. August 2014 Rekurs beim Erziehungsrat
erheben (act. 9/1). Sie beantragten im Wesentlichen, dem Rekurs die aufschiebende
Wirkung zu erteilen und die angefochtene Verfügung aufzuheben. In der Folge klärte
der Erziehungsrat den Sachverhalt weiter ab. Die damit betraute Fachperson kam zum
Schluss, die ehemaligen Lehrpersonen seien mit X.Y. an ihre Grenzen gestossen.
Aufgrund seiner mangelnden Selbstkompetenz sei eine normale Beschulung nicht
möglich gewesen. Die Kooperation von X.Y. und seiner Mutter mit der Schule habe
sich schwierig gestaltet. Der SPD spreche sich für eine Sonderschulung aus, weil die
Volksschule derzeit nicht die notwendigen Rahmenbedingungen biete. In der
Regelschule wären die Folgen sowohl für die Mitschülerinnen und Mitschüler als auch
für X.Y.s persönliche Entwicklung gross. Verhaltensprobleme seien auch in der
Schnupperzeit in der Sonderschule sowie beim dreitägigen Aufenthalt in der Time-out-
Schule aufgetreten. Auch in der Privatschule, wo X.Y. derzeit unterrichtet werde, habe
der Klassenlehrer bereits zu Beginn von grossen Verhaltensproblemen berichtet
(act. 9/11, S. 5). Der Erziehungsrat wies den Rekurs mit Entscheid vom 10. Dezember
2014 ab (act. 9/16).
F. Gegen den Rekursentscheid erhoben die Eltern für X.Y. (Beschwerdeführer)
mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 29. Dezember 2014 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Anträgen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben;
eventuell sei die Sache an den Erziehungsrat (Vorinstanz) zurückzuweisen; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. 1). Die Vorinstanz beantragte mit
Vernehmlassung vom 4. Februar 2015, die Beschwerde abzuweisen, soweit überhaupt
darauf einzutreten sei (act. 8). Die Politische Gemeinde Q. (Beschwerdegegnerin) liess
sich nicht vernehmen. Auf die Begründung des angefochtenen Entscheids und die

Darlegungen der Verfahrensbeteiligten ist – soweit wesentlich – in den Erwägungen
einzugehen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als
gesetzliche Vertreter (vgl. Art. 304 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches; SR
210) sind die Eltern des Beschwerdeführers zur Ergreifung des Rechtsmittels sowohl in
eigenem als auch in dessen Namen grundsätzlich legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP; BGer 2C_433/2011 vom 1. Juni 2012 E. 1.2).
1.2. Die Beschwerdebefugnis setzt ein eigenes schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids voraus (vgl. Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Das Anfechtungsinteresse muss aktuell sein, d.h.
die rechtliche oder tatsächliche Situation des Beschwerdeführers muss durch den
Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden können (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 400; B. Waldmann,
in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Bundesgerichtsgesetz,
2. Aufl. 2011, N 17 zu Art. 89 BGG). Vom Erfordernis des aktuellen schutzwürdigen
Interesses ist ausnahmsweise abzusehen, wenn sich die mit der Beschwerde
aufgeworfenen grundsätzlichen Fragen unter ähnlichen Umständen wieder stellen
können, ohne dass im Einzelfall rechtzeitig eine richterliche Prüfung möglich wäre, und
deren Beantwortung im öffentlichen Interesse liegt (VerwGE B 2014/138 vom
11. November 2014 E. 1, www.gerichte.sg.ch, mit Hinweis auf BGE 138 II 42 E. 1.3 und
137 I 23 E. 1.3.1). Ändert sich der Sachverhalt während des Rechtsmittelverfahrens,
stellt sich zunächst die Frage, ob das aktuelle Interesse bestehen bleibt oder ob es
dahingefallen ist; nur im letzteren Fall ist zu prüfen, ob deshalb auch das
Rechtsschutzinteresse weggefallen ist oder ob ausnahmsweise auf das Erfordernis des
aktuellen Interesses zu verzichten ist (vgl. M. Bertschi, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar
zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N 24 zu § 21
VRG).
Die Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1) gewährleistet das Recht,
Privatschulen zu gründen, zu führen und zu besuchen (Art. 3 Ingress und lit. a). Der
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Besuch einer Privatschule beruht auf einem (privatrechtlichen) Schulvertrag zwischen
den Eltern und der Privatschule. Die Eltern wählen den Privatschulbesuch aus freiem
Entschluss und angesichts des flächendeckenden und verfassungsrechtlich
ausreichenden öffentlichen Schulangebots ohne Not. Der Entschluss der Eltern, ihr
Kind an Stelle der öffentlichen Volksschule eine anerkannte Privatschule besuchen zu
lassen, ist grundsätzlich unteilbar: Mit der Privatschule wird deren ganzes Angebot
gewählt und auf das gesamte Angebot der öffentlichen Volksschule verzichtet. Die
Schulgemeinde bleibt indessen jederzeit bereit bzw. verpflichtet, ein aus der
Privatschule zurückkehrendes Kind wieder in den unentgeltlichen öffentlichen
Unterricht aufzunehmen (vgl. J. Raschle, Schulrecht der Volksschule im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2008, S. 170 ff.).
Der Beschwerdeführer sieht ein aktuelles praktisches Interesse darin, dass «eine
Gutheissung der vorliegenden Beschwerde den noch bestehenden Nachteil
(Zuweisung in die Sonderschule) beseitigen könnte» (act. 1. Ziff. 3). Im Rekursverfahren
teilte der Rechtsvertreter dem Erziehungsrat am 3. Oktober 2014 noch mit, der
Beschwerdeführer solle wieder in Q. beschult werden, sobald er wieder die normale
Schule besuchen könne, d.h. die Verfügung bezüglich Sonderschule aufgehoben
werde (vgl. act. 9/8). Gegenüber der von der Vorinstanz mit der Sachverhaltsermittlung
beauftragten Fachperson äusserte die Mutter jedoch, eine weitere Beschulung in Q.
komme für sie nicht in Frage, genauso wenig wie die Sonderschule A. oder die Time-
out-Schule (Bericht vom 6. November 2014, S. 2, act. 9/11). Die Vorinstanz trat
dennoch auf den Rekurs ein mit der Begründung, ein Schüler mit
Verhaltensauffälligkeiten könne in kürzester Zeit von einer Privatschule ausgeschlossen
werden, und die Eltern hätten ein schutzwürdiges Interesse zu wissen, ob der heutige
Beschwerdeführer diesfalls die Regelschule oder eine Sonderschule besuchen müsste
(E. 1.c des angefochtenen Entscheids). In der Beschwerdevernehmlassung wies die
Vorinstanz darauf hin, je länger der Beschwerdeführer in der Privatschule bleibe, desto
eher müsse die Beschwerdegegnerin bei einem allfälligen Übertritt in die öffentliche
Schule die Situation erneut prüfen und dabei insbesondere auch die jüngste
Entwicklung des Schülers berücksichtigen bzw. durch den SPD abklären lassen (vgl.
act. 8, Ziff. 2).
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Aus Ziff. 3 der Beschwerde ergibt sich, dass der Beschwerdeführer eine abstrakte
Prüfung des «wohl bestehenden Nachteil(s)» wünscht, nämlich der – nicht mehr
aktuellen – Zuweisung in die Sonderschule. Weil er derzeit privat beschult wird und
sich aus dem vorinstanzlichen Entscheid die unwidersprochen gebliebene Absicht
seiner Eltern ergibt, ihn nicht wieder in Q. in die Schule zu schicken, lässt sich durch
Aufhebung der streitigen Anordnungen kein Nachteil beseitigen. Die Eltern haben den
Beschwerdeführer der Verfügungsgewalt des öffentlichen Schulträgers entzogen, und
wegen dieses Schulwechsels fehlt es an einem aktuellen praktischen Interesse an einer
verwaltungsgerichtlichen Beurteilung der Angelegenheit (vgl. BGer 2C_276 und
2C_278/2015 vom 13. April 2015 E. 3). Ein aktuelles Rechtsschutzinteresse ist zudem
auch deshalb zu verneinen, weil eine allfällige Rückkehr des Beschwerdeführers an die
Volksschule – wie die Vorinstanz überzeugend ausgeführt hat – inzwischen eine
erneute Beurteilung durch den Schulrat bzw. den SPD erfordern würde. Die Frage, ob
die Sonderschulung zu Recht verfügt worden ist, ist nur mehr theoretischer Natur.
Besondere Umstände, die für eine Behandlung der Beschwerde trotz Fehlens dieser
Legitimationsvoraussetzung sprechen könnten, werden nicht dargetan und sind auch
nicht erkennbar.
1.3. Auf die im übrigen zeitlich, inhaltlich und formal den gesetzlichen
Anforderungen entsprechende Beschwerde (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs.
1 und Art. 48 Abs. 1 VRP) ist demnach mangels aktuellem schutzwürdigem
(Rechtsschutz-) Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen
Entscheids nicht einzutreten. Im übrigen wäre das Rechtsmittel ohnehin abzuweisen
(vgl. E. 2 hiernach).
2.
2.1. Der Beschwerdeführer wendet sich insbesondere mit der Begründung an das
Verwaltungsgericht, die Verfügung der Pädagogischen Kommission sei in Folge
Unzuständigkeit nichtig, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig bzw.
unrichtig festgestellt und in verschiedener Hinsicht ihren Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt.
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2.1.1. Die Vorinstanz hielt fest, die Anordnung einer Sonderschulung liege im
Zuständigkeitsbereich des Schulrates (vgl. Art. 37 des Volksschulgesetzes in der bis
31. Dezember 2014 geltenden Fassung, nGS 40-5). In Ermangelung einer
Delegationsnorm sei die Pädagogische Kommission des Schulrates hierfür nicht
zuständig gewesen. Deren Unzuständigkeit sei aber weder offensichtlich bzw. leicht
erkennbar noch gerügt worden. Eine Rückweisung würde die unter dem Aspekt des
Kindeswohls drängende Frage ausser Acht lassen, ob die Zuweisung zur Sonderschule
angezeigt sei oder nicht. Unter diesen Umständen sei es gerechtfertigt, das
Rechtsmittelverfahren trotz fehlender Zuständigkeit der erstverfügenden Behörde mit
einem Entscheid in der Sache abzuschliessen.
2.1.2. Bei der Abgrenzung zwischen blosser Anfechtbarkeit und Nichtigkeit folgt die
Rechtsprechung der sogenannten «Evidenztheorie», nach der eine Verfügung nichtig
ist, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders schwer ist, offensichtlich oder
zumindest leicht erkennbar ist und zudem die Rechtssicherheit durch die Nichtigkeit
nicht ernsthaft gefährdet wird (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
6. Aufl. 2010, Rz. 956 mit vielen Hinweisen). Im Gegensatz zur vorinstanzlichen
Einschätzung muss darin, dass die nicht zuständige Pädagogische Kommission die
Sonderschulung angeordnet hat, ein schwerer Verfahrensmangel erblickt werden. Die
Unzuständigkeit der Kommission ergibt sich mit grosser Klarheit aus der gesetzlichen
Regelung von aArt. 37 VSG; der Mangel erweist sich deshalb (auch) als offensichtlich
bzw. zumindest leicht erkennbar. Dennoch ist es zutreffend, die Nichtigkeit im Ergebnis
zu verneinen: Unter dem Aspekt der Rechtssicherheit ist eine Abwägung zwischen dem
Interesse am Bestand der Verfügung einerseits und dem Interesse an der richtigen
Rechtsanwendung andererseits erforderlich. Massgeblich ins Gewicht fällt dabei, dass
der Beschwerdeführer trotz Anfechtung der Verfügung keine Einwände dagegen
erhoben hat, dass die Sonderschulung durch die Pädagogische Kommission
angeordnet worden war. Hätte er dies geltend gemacht, so hätte die Verfügung (erneut)
durch den zuständigen Schulrat erlassen werden können bzw. müssen. Die
Beschwerdegegnerin durfte aus dem Verhalten des Beschwerdeführers im
Rekursverfahren den Schluss ziehen, dass er sich nicht gegen die Unzuständigkeit der
Pädagogischen Kommission wenden würde. Dieses berechtigte Vertrauen ist im
Interesse der Rechtssicherheit höher zu gewichten als das Interesse des
Beschwerdeführers an einer nachträglichen formell-richtigen Rechtsanwendung. Die
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Verfügung der Pädagogischen Kommission ist deshalb nicht nichtig (vgl. Wiederkehr/
Richli, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Bd. 1, Bern 2012, Rz. 2566 mit
Hinweis auf VerwGE ZH PB.2008.00041 vom 18. März 2009 E. 2.1), und die Vorinstanz
durfte unter diesen speziellen Umständen den nicht gerügten Mangel heilen und von
einer Rückweisung an den Schulrat absehen.
2.2. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Schulratspräsidentin hätte
die Verfügung der Pädagogischen Kommission nicht abändern dürfen, wobei die
Vorinstanz die entsprechende Rüge übergangen habe (vgl. act. 9/1, Ziff. 15). Dem
vorinstanzlichen Entscheid lässt sich hierzu in der Tat nichts entnehmen.
Aus dem verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101; BV) ergibt sich
die Pflicht der Behörde, Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. auch Art. 24
Abs. 1 lit. a VRP). Die Begründung entspricht den Anforderungen, wenn die Betroffenen
dadurch in die Lage versetzt werden, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und
sie in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die
Behörde ist aber nicht verpflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu
äussern. Vielmehr kann sie sich auf die wesentlichen Überlegungen, von denen sie sich
leiten liess, beschränken (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1706 mit Hinweisen;
Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1057 mit Hinweisen).
Nach Art. 23 Abs. 1 VRP verfügt in Fällen, die keinen Aufschub gestatten und in denen
die Gesamtbehörde nicht rechtzeitig einberufen werden kann, der Vorsitzende der
Behörde (vgl. auch GVP 1999 Nr. 41). Aus der Stellungnahme der Beschwerdegegnerin
im vorinstanzlichen Verfahren ergibt sich in zeitlicher Hinsicht, dass die gesetzlichen
Vertreter des heutigen Beschwerdeführers seit dem 7. Juli 2014 vom streitigen
schulrechtlichen Verfahren Kenntnis hatten und es dennoch bis zum 6. August 2014
(d.h. zweieinhalb Tage vor Schulbeginn) versäumten, dem Schulrat die am 11. Juli 2014
von der Privatschule bestätigte Anmeldung und damit die jüngste Entwicklung des
Sachverhalts zur Kenntnis zu bringen. Aus diesen Umständen ergibt sich ohne weiteres
die zeitliche Dringlichkeit, unter der die Schulratspräsidentin den eben erst ergangenen
Beschluss der Pädagogischen Kommission abänderte. Hätte sie dies unterlassen, wäre
die Verfügung der Gesamtbehörde wegen falscher tatsächlicher Grundlage von Anfang
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an mit einem Rechtsfehler behaftet gewesen. Hätte sie auf den Erlass vollständig
verzichtet, hätte die Gefahr bestanden, dass die Eltern des Beschwerdeführers im
letzten Moment auf die Privatbeschulung verzichtet hätten und diesen am Montag
darauf wieder in Q. in die Schule geschickt hätten und er – mangels anderweitiger
Anordnung – in der Regelklasse hätte beschult werden müssen. Die
Schulratspräsidentin handelte in zeitlicher Dringlichkeit und damit gesetzmässig. Im
übrigen ergab sich die Verwirrung der örtlichen Schulbehörden allein aus dem
Verhalten der Eltern des Beschwerdeführers, weshalb es geradezu als treuwidrig
erscheint, hierin Rechtsfehler zu verorten.
2.3. In der Sache kam die Vorinstanz zum Schluss, die angeordnete
Sonderschulung sei rechtmässig (E. 4.a des angefochtenen Entscheids):
«Gemäss Bericht des SPD vom 4. Juli 2014 kann die Volksschule den derzeit für X.Y.
notwendigen Schulrahmen nicht zur Verfügung stellen. Die Folgen für die
Klassenführung und für X.Y.s persönliche Entwicklung wären gross. Er müsste in der
verbleibenden Schulzeit Sach- wie auch Selbst- und Sozialkompetenzen erreichen, die
ihn befähigen würden, in einer Lehre bestehen zu können. Gemäss SPD wäre bei
einem Besuch in der Regelschule die berufliche Eingliederung von X.Y. gefährdet (...).
Wie sich den übereinstimmenden Ausführungen der Fachpersonen (...) entnehmen
lässt, sind die ehemaligen Lehrpersonen der Regelschule an ihre Grenzen gestossen.
Eine normale Beschulung von X.Y. war aufgrund seiner mangelnden Selbstkompetenz
nicht möglich. Die Verhaltensprobleme haben sich auch in der Schnupperzeit in der
Sonderschule sowie beim dreitägigen Aufenthalt in der Time-out Schule gezeigt. Auch
der Klassenlehrer der Privatschule in Zug berichtete davon, dass X.Y. die Grenzen
immer wieder überschreitet. Zudem ist er auch dort unmotiviert und nicht zum Lernen
bereit. Diese Beobachtungen machte der Klassenlehrer, als X.Y. erst wenige Wochen
die Privatschule besuchte. X.Y. hat somit auch in der Privatschule, wo er gemäss
Angaben des Internatsleiters auch ausserhalb der Schulzeit nahe begleitet und eng
kontrolliert wird, die Chancen eines Neuanfangs bis jetzt nicht wirklich genutzt.»
Der Beschwerdeführer rügt im Wesentlichen, die Vorinstanz habe den Sachverhalt
nicht vollständig abgeklärt (act. 1, Ziff. 6-12). So habe sie eine Aussage des SPD über
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die Mutter des Beschwerdeführers – dass diese aufgrund der seit langer Zeit
anhaltenden Schwierigkeiten ihrer Kinder in der Schule und der aktuellen familiären
Belastung an die Grenze ihrer Belastbarkeit komme – in die Sachverhaltsdarstellung
übernommen, obwohl diese nicht Untersuchungsgegenstand des
schulpsychologischen Gutachtens gewesen sei. Des weiteren sei trotz entsprechender
Rügen im Rekursverfahren nicht abgeklärt worden, «ob an der Schule Q. systemische
Probleme zu verorten seien», ob beim Beschwerdeführer tatsächlich schon in der
Primarschule Verhaltensprobleme aufgetreten seien und wer Anlass zur
Krisenintervention im Frühjahr 2014 gegeben habe. Ferner ist der Rekursentscheid,
genau wie die Verfügung der Pädagogischen Kommission, nach Ansicht des
Beschwerdeführers unzureichend begründet, denn es fehle eine der Schwere des
Eingriffs angemessene Subsumtion.
2.4. Die Pflicht zur Begründung von Verfügungen erschöpft sich darin, die
wesentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sich die verfügende Behörde hat
leiten lassen. Die Behörde ist nicht verpflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der
Parteien zu äussern (vgl. E. 2.2 hiervor). Der Untersuchungsgrundsatz gilt im
Rechtsmittelverfahren nur eingeschränkt; die Rechtsmittelbehörde ist nicht verpflichtet,
Sachverhalte auszuforschen, die auf das Ergebnis des angefochtenen Entscheids
offensichtlich keinen Einfluss hatten und daran auch nichts zu ändern vermögen.
Beweise haben sich auf rechtserhebliche Tatumstände zu beziehen, und deren
Abnahme ist zu verweigern, wenn sie von Vornherein als untauglich erscheinen, den
gewünschten Nachweis zu erbringen (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 614 mit Hinweis).
Beweiserhebungen können sich auch erübrigen, wenn bereits feststeht, dass sie an
den bereits vorliegenden Beweisergebnissen nichts mehr ändern können (sog.
«antizipierte Beweiswürdigung»). Diese Form der Beweiswürdigung ist zulässig, wenn
aufgrund der bereits abgenommenen Beweise der rechtlich erhebliche Sachverhalt für
genügend geklärt erachtet wird und ohne Willkür vorweg die Annahme getroffen
werden kann, die rechtliche Überzeugung werde durch weitere Beweiserhebungen
nicht geändert (ebd., Rz. 622).
Aus dem angefochtenen Entscheid ergibt sich unter zutreffenden Hinweisen auf die
rechtlichen Grundlagen, auf das Gutachten des SPD und auf die zusätzlichen
vorinstanzlichen Sachverhaltsermittlungen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner
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Defizite in seinen Sach- wie auch in den Selbst- und Sozialkompetenzen derzeit nicht
in der Regelklasse unterrichtet werden kann. Die weitreichenden und von seinen Eltern
auch gar nicht mehr bestrittenen Verhaltensauffälligkeiten brachten zum einen die
angestammten Lehrpersonen an ihre Grenzen. Sie manifestierten sich aber auch in der
Time-out-Schule, in der probeweise besuchten Sonderschule und – soweit bekannt –
in der Privatschule, die der Beschwerdeführer nun besucht. Seine
Sonderschulbedürftigkeit ist stringent und konzis begründet, und der angefochtene
Entscheid genügt den Anforderungen an die Begründungsdichte. Die vorinstanzlichen
Feststellungen können durch den Umstand, dass das Anstellungsverhältnis zwischen
dem anfänglichen Klassenlehrer und der Privatschule nach wenigen Monaten wieder
aufgelöst worden ist (act. 1, Ziff. 12), nicht entkräftet werden. Vor dem Hintergrund der
im Grundsatz unbestrittenen Verhaltensauffälligkeiten musste die Vorinstanz ihre
Untersuchungen auch nicht auf Nebenpunkte ausdehnen, die an diesem Befund nichts
zu ändern vermocht hätten: Unerheblich sind etwa die Belastungssituation der Mutter
des Beschwerdeführers und die Ursachen der Krisenintervention. Auch wenn in diesem
Einzelfall das Verhältnis zwischen Eltern und Schulbehörden wohl nicht mehr als
unbelastet gelten kann, sind den Akten (darunter zwei behördenexterne Gutachten des
SPD) keine Hinweise zu entnehmen, die die Vorinstanz zu umfassenden Abklärungen
über die angeblichen und nicht näher substantiierten «systemischen» Probleme im
örtlichen Schulbetrieb hätten veranlassen müssen.
3. (...).