Decision ID: 46be0dd1-d586-4984-a4f8-9e7afc436a82
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren am 10. März 1966, arbeitete zuletzt in der Bäckerei
B._ in C._ als Verkäuferin. Am 2. Oktober 2016 meldete sie sich
u.a. unter Hinweis auf die an der Lenden- und Halswirbelsäule
durchgeführten Operationen bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an.
2. Ihr Hausarzt, Dr. med. D._, diagnostizierte im Bericht vom
14. Oktober 2016 namentlich ein chronisches lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei St. n. Mikrodiskektomie und Käfigspondylodese
L5/S1 am 20. Juli 2000, St. n. Mikrodiskektomie L4/L5 am 25. Oktober
2013, St. n. zweimaliger ISG-Infiltration rechts im Jahr 2016 und St. n.
Thermo-Ablation ISG rechts im August 2016. Gestützt darauf wies er eine
seit dem 1. November 2016 bestehende Arbeitsunfähigkeit von 25% aus.
3. Mit Bericht vom 21. Oktober 2016 stellte Dr. med. E._ bei A._
ausserdem den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS) bei depressiver Verstimmung aufgrund des Suizids ihres Sohnes.
4. Bereits zuvor wurde am 29. Februar 2016 bei diagnostiziertem C7-
Syndrom links bei Diskushernie C6/7 und Spondylarthrose C4/5, C5/6 und
C6/7 und beklagten Parästhesien am linken Arm mit Ausstrahlung eine
Mikrodiskektomie C6/7 links mit DCI-Einlage durchgeführt. Nach
anfänglicher Besserung und regelrechtem Verlauf der Zervikobrachialgie
stellten sich ab ca. September 2016 Nacken- und Armschmerzen links ein.
Diese wurden bei diagnostiziertem chronischem HWS-Schmerzsyndrom
mit zervikobrachialgieformer Komponente links und zervikaler
Osteochondronse mit neuroforaminaler Enge C5 mittels
Nervenwurzelinfiltration C5 links und zweimaliger lokaler Infiltration an der
HWS behandelt, wobei die Beschwerden persistierten. Ab dem
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20. Februar 2017 wurde A._ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt und vom 22. März 2017 bis zum 15. April 2017 befand sie sich
zur multimodalen Therapie in stationärer Behandlung in den Kliniken
Valens, wodurch sich ihre Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit
verbesserte und sich eine deutliche Schmerzregredienz einstellte.
Während die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als nicht mehr zumutbar erachtet
wurde, wurde ihr für ein Arbeitstraining in einer leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50% ab dem
2. Mai 2017 attestiert.
5. Mit Mitteilung vom 4. Mai 2017 gewährte die IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) A._ Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche bzw. ein Bewerbungstraining durch die
F._ in C._, wobei ein Beschäftigungsgrad von 50% ab dem
1. Mai 2017 vereinbart wurde. Mit Mitteilung vom 27. Juli 2017 wurde ihr
sodann ein Arbeitstraining bei der F._ im Bewerbungszentrum
(Sekretariatsarbeiten) vom 2. August 2017 bis zum 22. November 2017 im
Rahmen eines 50%-Pensums gewährt.
6. Im Zeitraum vom 19. September 2017 bis zum 25. September 2017, nach
stattgehabter Facettengelenksinfiltration LWK4/5, wurde A._ bei
exazerbiertem LWS-Schmerzsyndrom mit aktuell ischialgieformen
Beschwerden bzw. unklarer Hypästhesie der linken unteren Extremität
sowie einer S-förmigen Torsionsskoliose thorakolumabal hospitalisiert.
Dabei wurde sie erneuten Infiltrationen unterzogen (ISG-Infiltration links
und Facettengelenksinfiltration L4 und L5), wobei der Therapieerfolg
mässig war.
7. Mit Mitteilung vom 20. Oktober 2017 wurde die Arbeitsvermittlung
aufgrund der bevorstehenden Operation und der vollständigen
Arbeitsunfähigkeit abgeschlossen.
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8. Nach weiteren sequentiellen Facettengelenksinfiltrationen S1-Th12 wurde
am 23. Februar 2018 eine grosse Operation an der LWS durchgeführt
(Skolioseaufrichtung, L4/5 dorsoventrale Stabilisation und Spondylodese,
L3/4 dorsoventrale Stabilisation und Spondylodese mittels
Pedikelschrauben und Stäben, L5 Nervenwurzeldekompression/Re-
Dekompression beidseitig, L4 Nervenwurzeldekompression beidseitig, L3
Nervenwurzeldekompression beidseitig, S1 Nervenwurzel-Re-
Dekompression links, Einbringen von autologem Knochen, gemischt mit
Knochenmarkspunktat vom Beckenkamm links in die Bandscheibenfächer
L4/5 und L3/4). Während A._ in der Folge nach einer stationären
Rehabilitation praktisch keine Schmerzen mehr im Lendenbereich
verspürte, erlitt sie postoperativ eine transitorische ischämische Attacke
(TIA) mit Schwindel und Taubheit im Gesicht. Zudem wies sie eine
schwere Druckempfindlichkeit im Bereich des Dermatoms und
Neuroforamens C5 links auf.
9. Infolge eines schweren chronischen Schmerzsyndroms im Bereich des
Nackens mit Ausstrahlung über die Schulterblätter und in die Schultern
beidseits, links mehr als rechts, mit vor allem stark eingeschränkter
Beweglichkeit des Kopfes wurde A._ am 16. August 2018 erneut an
der HWS operiert (C5/C6 bzw. C4/C5 ventrale Dekompression des
Spinalkanals und der Neuroforamen, C5/C6 Implantation eines Zero-P-
Cages, C4/C5 Implantation einer Bandscheibenprothese). Als Ursache für
den beklagten starken Schwankschwindel, die Gangunsicherheit und die
Hypästhesie im Gesicht erachteten die Dres. med. G._ und H._
eine periinterventionelle Hirnischämie als am wahrscheinlichsten. Mit
Bericht vom 25. September 2018 diagnostizierten die Dres. med. I._
und Riemenschnitter einen chronischen Schwankschwindel mit u.a.
persistierenden und bewegungsabhängigen Schwindelbeschwerden
(anamnestisch initial begonnen nach der Wirbelsäulenoperation im
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Februar 2018), begleitender Hypästhesie der linken Wange und ein
Druckgefühl auf dem linken Ohr sowie einer ausgeprägten Unsicherheit im
Stand und Gang mit Drang nach links. Durch die
Schwankschwindelbeschwerden sei A._ zusehends auch psychisch
eingeschränkt bei sichtbarer Angstkomponente im Rahmen der
Fortbewegung. Gestützt darauf und der starken Einschränkung in der
Konzentrationsfähigkeit sowie einem vermehrten Pausenbedarf von max.
20-30% erachtete die neue Hausärztin, Dr. med. J._, in ihrem
Verlaufsbericht vom 31. Dezember 2018 sowohl die bisherige wie auch
eine adaptierte Tätigkeit als nicht mehr zumutbar.
10. Am 22. November 2018 wurde A._ wegen einer depressiven Störung
mit Suizidalität notfallmässig fürsorgerisch in einer Klinik untergebracht,
wo eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert wurde. Nach einer
rund zweiwöchigen stationären Behandlung konnte sie am 13. Dezember
2018 mit einem positiven Zukunftsbild in einem stabilen psychischen
Zustand entlassen werden.
11. Nachdem sich anfänglich nach stattgehabter Operation an der HWS im
August 2018 die Wirbelsäulenbeschwerden gemäss Bericht von PD Dr.
med. K._ vom 24. Oktober 2018 insoweit deutlich gebessert hatten,
als dass A._ genauso wie mit Blick auf die LWS nur noch über wenig
Schmerzen im Nacken und den Armen berichtet hatte, traten in der Folge
starke Blockierungen bei Kopfbewegungen mit Ausstrahlungen vor allem
in die linke Schulter und Schmerzen über den Schulterblättern auf. PD Dr.
med. K._ hielt eine Lockerung des Implantats C5/C6 und eine
Überbeweglichkeit der Bandscheibenprothese C4/C5 für wahrscheinlich,
weshalb A._ am 28. Februar 2019 erneut an der HWS operiert wurde
(C4 bis C7 dorsale Stabilisation mit Facettenschrauben und Stäben sowie
Anlagerung von autologem Knochen posterolateral links sowie C4 bis C7
Foraminotomie beidseits und Dekompression der Nervenwurzeln C5 bis
- 6 -
C7 beidseits). In der Folge kam es zu einer leichten Besserung der
Beschwerden, insbesondere des Schwankschwindels, bei aber
persistierenden Parästhesien im Gesichtsbereich. Zudem berichtete
A._, dass sie im Nacken-, Schulter- und Armbereich keinerlei
Schmerzen mehr verspüre, jedoch weiterhin Schwindel und
Kopfschmerzen bestünden. PD Dr. med. K._ befand es für
überwiegend wahrscheinlich, dass sie nicht mehr in die Arbeitswelt
zurückkehren könne, weshalb eine entsprechende Rentenprüfung
einzuleiten sei.
12. In der Folge liess die IV-Stelle A._ polydisziplinär bei der MEDAS
Zentralschweiz in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie
und Psychotherapie, Rheumatologie, Neurologie und Oto-Rhino-
Laryngolgie begutachten, wobei die jeweiligen Explorationen im August
und September 2019 stattfanden. Das Gutachten wurde am 26. November
2019 erstattet. Darin wurden namentlich folgende relevanten Diagnosen
gestellt: Residualzustand mit tendomyotischem Zervikalsyndrom rechts
und erheblicher Bewegungseinschränkung der HWS, residuelles
lumbovertebragenes Syndrom mit erheblicher Funktionseinschränkung,
Verdacht auf zerebrovaskulären Insult in der dorsolateralen Medulla
oblongata links, Migräne in der klassischen Form (in den letzten Jahren
nur noch selten), ausgeprägte Gleichgewichtsstörung mit
Gangunsicherheit sowie erhöhter Sturzgefahr sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig remittiert. Die Gutachterin und Gutachter
erachteten die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Verkäuferin in einer
Bäckerei aus somatischen Gründen für nicht mehr zumutbar. Hingegen
bestehe ab dem 14. November 2019 in einer körperlich leichten,
vorwiegend sitzend auszuführenden angepassten Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von maximal 65% bei zweifellos bestehendem erhöhtem
Pausenbedarf.
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13. In seiner Abschlussbeurteilung vom 8. Januar 2020 wies der Arzt des
Regionalen Ärztlichen Dienstes Ostschweiz (RAD) Dr. med. L._
gestützt auf das MEDAS-Gutachten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für
die bisherige Tätigkeit als Verkäuferin aus und erachtete leichte
körperliche Arbeiten im Wechselrhythmus und überwiegend im Sitzen bei
ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung zu 65% ab dem 26. November
2019 als zumutbar.
14. Mit Vorbescheid vom 8. Januar 2020 stellte die IV-Stelle A._ die
Ausrichtung einer befristeten ganzen Invalidenrente in Aussicht, wobei
über den 29. Februar 2020 hinaus, d.h. drei Monate nach der gestützt auf
das MEDAS-Gutachten angenommenen Besserung des
Gesundheitszustands, kein rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr
vorliege.
15. Dagegen liess A._ am 29. Januar 2020 vorsorglich und am
27. Februar 2020 einen begründeten Einwand erheben. Aufgrund der
darin geäusserten Kritik am MEDAS-Gutachten, holte die IV-Stelle eine
ergänzende Stellungnahme zum polydisziplinären Gutachten vom
26. November 2019 ein, welche am 9. April 2020 erstattet wurde.
Nachdem A._ an ihrem Einwand festgehalten hatte, verfügte die IV-
Stelle am 23. Juni 2020 wie vorbeschieden und sprach ihr vom
1. November 2017 befristet bis zum 29. Februar 2020 eine ganze
Invalidenrente zu.
16. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 22. Juli
2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit
folgenden Rechtsbegehren:
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"1. Die Verfügung vom 23. Juni 2020 sei aufzuheben soweit es den Rentenanspruch ab dem 1. März 2020 betrifft.
2. Die Sache sei zur Abklärung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin an die IV-Stelle zurückzuweisen.
3. Die IV-Stelle sei nach rechtsgenüglicher Abklärung der Leistungsfähigkeit zu verpflichten, erneut über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ab dem 1. März 2020 zu entscheiden.
4. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin ab dem 1. März 2020 eine -Rente auszurichten.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. der gesetzlich geschuldeten Mehrwertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin."
17. Zur Begründung brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor,
ihre Leistungsfähigkeit, und dabei insbesondere das Wechselspiel
zwischen den massiven rheumatologischen Behinderungen und des
aufgrund des Hirninsults aufgetretenen erheblichen Schwankschwindels,
sei ungenügend abgeklärt worden. Kritisiert werde, dass die
rheumatologischen Einschränkungen und die vom HNO-Gutachter
festgestellten Beeinträchtigungen bezüglich der Leistungseinschränkung
nicht koordiniert worden seien.
18. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in der
Vernehmlassung vom 19. August 2020 auf Abweisung der Beschwerde.
Eventualiter sei bei der MEDAS Zentralschweiz eine Klarstellung,
Präzisierung oder Ergänzung der gutachterlichen Konsensbesprechung,
inkl. Unterschrift der beteiligten Gutachter, einzuholen. Letzteren Antrag
begründete sie damit, dass unbestritten sei, dass weder aus der Expertise
selber noch aufgrund der Stellungnahme vom 9. April 2020 ersichtlich sei,
ob und allenfalls in welcher Form eine Konsensbesprechung zwischen den
Fachärzten stattgefunden habe. Sollte das streitberufene Gericht
entgegen ihrer Auffassung zum Schluss kommen, dass vorliegend eine
Konsensbesprechung und die Wiedergabe des daraus resultierenden
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Ergebnisses notwendig sei, mithin eine Klarstellung, Präzisierung oder
Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich sei, wäre es
wünschenswert, wenn das Verwaltungsgericht diese Abklärungen
vornehmen würde, womit ein prozessualer Leerlauf vermieden werden
könne. Hinzu komme, dass die MEDAS Zentralschweiz offensichtlich nicht
bereit sei, auf eine entsprechende Nachfrage ihrerseits zu reagieren. Eine
Rückweisung würde folglich ins Leere laufen und sie wäre wohl
gezwungen, ein neues Gutachten einzuholen.
19. Mit Eingabe vom 27. August 2020 replizierte die Beschwerdeführerin und
vertiefte ihren Standpunkt punktuell.
20. Am 2. September 2020 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Duplik ein, in
welcher sie ihre bisherigen Ausführungen im Wesentlichen weiter
untermauerte.
21. Darauf triplizierte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 17. September
2020.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die angerufenen
Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
näher eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 23. Juni 2020. Eine solche Anordnung, die
laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort der
verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden als das örtlich und sachlich zuständige
Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
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Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]
i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Als formelle und materielle Verfügungsadressatin ist die
Beschwerdeführerin von der angefochtenen Verfügung unmittelbar
betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung. Sie ist somit zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1
IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und
formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2
ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG sowie Art. 61 lit. b ATSG), weshalb darauf
eingetreten werden kann.
2. Streitgegenstand bildet der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ab
dem 1. März 2020. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin nach
Ablauf des Wartejahres ab dem 1. November 2017 bis zum 29. Februar
2020 einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. Uneins sind sich
die Parteien zunächst hinsichtlich der Restarbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit, wobei das MEDAS-Gutachten kritisiert wird,
welches eine Arbeitsfähigkeit von 65% in einer adaptierten Tätigkeit
festhält. Die Beschwerdeführerin erachtet sich in einer Tätigkeit auf dem
ersten Arbeitsmarkt zu 100% arbeitsunfähig. Ferner ist die Bemessung des
Invalideneinkommens, insbesondere die Vornahme eines Leidensabzugs
von mindestens 15%, streitig. Letztlich stimmen die Parteien bezüglich der
Bemessung des Valideneinkommens auch nicht überein.
3. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das MEDAS-
Gutachten vom 26. November 2019 abgestellt hat oder ob konkrete Indizien
gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen, so dass von der 65%igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, d.h. einer körperlich leichten,
vorwiegend sitzenden Arbeit, für den hier massgebenden Zeitraum ab März
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2020 infolge der ab Ende November 2019 angenommenen Verbesserung
(vgl. Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]) abzuweichen wäre.
3.1. Im Sozialversicherungsrecht gilt generell das Untersuchungsprinzip.
Demnach hat die Behörde und im Beschwerdefall das Gericht den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei
an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (Art. 43 Abs. 1 ATSG und
Art. 61 lit. c ATSG; vgl. auch KIESER, Kommentar ATSG, Zürich/St. Gallen
2020, Art. 43 Rz. 13 ff.; Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2018 vom
5. Dezember 2019 E.3.1).
Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten einem Versicherten eine Erwerbstätigkeit noch zugemutet
werden kann, sind die Verwaltung und das im Beschwerdefall angerufene
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls
andere Fachleute zur Verfügung stellen (BGE 132 V 93 E.4). Dabei können
sich die IV-Stellen und im Streitfall die Sozialversicherungsgerichte auf die
RAD (Art. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG), auf die Berichte der behandelnden
Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische Sachverständige
abstützen (Art. 59 Abs. 3 IVG). Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die
einzelnen Beweismittel zu würdigen sind, vielmehr gilt für das gesamte
Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (BGE 143 V 124 E.2.2.2, 125 V 351 E.3).
Den MEDAS-Gutachten kommt nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts und der Lehre ein erhöhter Beweiswert zu; solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen,
können die Gerichte darauf abstellen (BGE 143 V 124 E.2.2.2, 125 V 351
E.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_270/2020 vom 13. Juli 2020 E.3 und
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9C_564/2020 vom 9. Dezember 2020 E.2.2; LOCHER/GÄCHTER, Grundriss
des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl., Bern 2014, § 70 N 13).
3.2. Vorliegend erfüllt das MEDAS-Gutachten die von der höchstrichterlichen
Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Berichts
gestellten Anforderungen. Die Gutachterin und Gutachter haben sich in
ihren Beurteilungen in Kenntnis der medizinischen Vorakten (vgl. Akten der
Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 197 S. 2 ff.) sorgfältig mit den
gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin, den beklagten
Beschwerden sowie mit ihrer Vor- bzw. Krankheitsgeschichte
auseinandergesetzt und ihre Schlussfolgerungen gestützt auf die eigenen
Explorationen sowie den bildgebenden und laborchemischen
Untersuchungen getroffen (Bg-act. 197 S. 20 ff., 197 S. 45 ff., 197 S. 57 ff.,
197 S. 79 ff., 197 S. 88 ff.). Die Ausführungen in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge sind einleuchtend und die gezogenen
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand sowie zur
versicherungsrechtlich relevanten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nachvollziehbar begründet (vgl. Bg-act. 197 S. 40 f., 197 S. 70 ff., 197 S. 82
ff., 197 S. 96 ff.). Ferner ist das MEDAS-Gutachten für die streitigen
Belange umfassend. Darin stellten die Gutachterin und Gutachter
namentlich folgende Diagnosen: Residualzustand mit tendomyotischem
Zervikalsyndrom rechts und erheblicher Bewegungseinschränkung der
HWS, residuelles lumbovertebragenes Syndrom mit erheblicher
Funktionseinschränkung, Verdacht auf zerebrovaskulären Insult in der
dorsolateralen Medulla oblongata links, Migräne in der klassischen Form (in
den letzten Jahren nur noch selten), ausgeprägte Gleichgewichtsstörung
mit Gangunsicherheit und erhöhter Sturzgefahr sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig remittiert (vgl. Bg-act. 197 S. 27 ff. bzw.
197 S. 38 ff.). Dazu wurde in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise
ausgeführt, dass aus rheumatologischer Sicht aufgrund des ausführlich
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erhobenen Krankheitsverlaufs, der klinischen Befunde und der gestellten
Diagnosen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin deutlich
beeinträchtigt sei. Die Beschwerdeführerin habe bereits vor Jahren eine TIA
mit passagerem Hemisyndrom links und Sprachstörung erlitten und sei am
24. Februar 2018, einen Tag nach der lumbalen Spondylodese, an
Schwindel und Hemisymptomatik links erkrankt, mit persistierendem
Schwankschwindel und Gangunsicherheit. Aus neurologischer Sicht habe
sie wahrscheinlich einen zerebrovaskulären Insult in der dorsolateralen
Medulla oblongata links erlitten, im Sinne einer "Minimalvariante" eines
Wallenberg-Syndroms mit beinbetonter Hemiataxie links und Hypästhenie
im Bereich des Gesichts links. Nach einer Schwindelabklärung aus HNO-
ärztlicher Sicht hätten keine Hinweise für eine akute oder chronische
peripher-vestibuläre Funktionsstörung gefunden werden können. Der
Schwindel werde im Sinne eines zentralen Schwindels bei Status nach
zerebrovaskulärem Insult beurteilt. Nachdem bei der klinischen
Untersuchung zusätzlich eine gewisse Orthostaseneigung mit
Blutdruckabfall stehend festgestellt worden sei, spiele dies bei der
Schwindelgenese wohl auch eine Rolle. Die Arbeitsfähigkeit werde durch
die Insult-Residuen beeinträchtigt. In psychischer Hinsicht sei die
Beschwerdeführerin im Jahr 2018 krankheitsbedingt in eine depressive
Verstimmung geraten und sei im Zeitraum zwischen November und
Dezember 2018 kurz hospitalisiert worden. Diesbezüglich habe sie sich in
letzter Zeit unter ambulanter Psychotherapie gut erholt. Dementsprechend
könne zurzeit keine wesentliche Psychopathologie festgestellt werden.
Diagnostiziert werde eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
remittiert. Die Beschwerdeführerin werde aus psychiatrischer Sicht für voll
arbeitsfähig befunden (vgl. Bg-act. 197 S. 38 bzw. 197 S. 31 ff., 197 S. 99).
Die Gutachterin und Gutachter erachteten die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
als Verkäuferin in einer Bäckerei aus somatischen Gründen für nicht mehr
zumutbar. Hingegen bestehe in einer körperlich leichten, vorwiegend
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sitzend auszuführenden angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von
maximal 65% bei zweifellos bestehendem erhöhtem Pausenbedarf (Bg-act.
197 S. 41 bzw. 197 S. 33).
3.3. Die Beschwerdeführerin kritisiert das MEDAS-Gutachten insbesondere
aufgrund der fehlenden Konsensbesprechung mit dem HNO-ärztlichen und
rheumatologischen Teilgutachter, weshalb das Wechselspiel zwischen den
massiven rheumatologischen Beeinträchtigungen und dem erheblichen
Schwankschwindel bzw. deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit nur
ungenügend abgeklärt worden seien. Eine solche Koordination wäre
absolut notwendig gewesen, da ein Widerspruch zwischen dem HNO-
ärztlichen und rheumatologischen Belastungsprofil bestehe, welcher
nirgends aufgelöst werde: Während der HNO-Teilgutachter eine
ausschliesslich sitzende Tätigkeit als zumutbar erachtet habe, weise der
rheumatologische Teilgutachter eine 65%ige Arbeitsfähigkeit für
wechselbelastende, und eben nicht für vorwiegend sitzende, Tätigkeiten
aus. Letzterer hätte aber die zumutbare Leistungsfähigkeit ausschliesslich
für sitzende Tätigkeiten beurteilen müssen. Da er die Einschränkungen
infolge des Hirninsults nicht gewürdigt habe, sei seine Einschätzung der
Leistungsfähigkeit zu hoch, weshalb sie nicht von der Beschwerdegegnerin
hätte übernommen werden dürfen. Hinzu komme, dass mangels
Konsensbesprechung unklar sei, inwiefern sich die vom HNO- und
rheumatologischen Teilgutachter ausgewiesenen vermehrten
Pausenbedürfnisse überschneiden dürften. Da diese unterschiedlich
begründet würden, sei von einer Addition auszugehen. Insgesamt sei
mangels rechtsgenüglicher Würdigung des Wechselspiels der
Einschränkungen im MEDAS-Gutachten die Höhe der Leistungsfähigkeit
durch eine geeignete Abklärungsstelle (BEFAS) zu prüfen.
3.4. Wie bereits die Beschwerdegegnerin anerkannt hat, ist der
Beschwerdeführerin darin beizupflichten, dass aus dem MEDAS-Gutachten
- 15 -
nicht ersichtlich ist, ob bzw. inwiefern sich die daran beteiligten Teilgutachter
hinsichtlich ihrer Beurteilungen miteinander koordiniert haben. Vielmehr ist
dem Gutachten einzig zu entnehmen, dass die Konsensfindung auf einer
vorgängig im Zirkularverfahren erarbeiteten interdisziplinären
Schlussbesprechung zwischen der fallführenden Gutachterin, Dr. med.
M._, und dem Chefarzt, Dr. med. N._, beruhe (Bg-act. 197 S. 41).
Die Beschwerdegegnerin hat sich nach daran erhobener Kritik im
Einwandverfahren insoweit um eine Gutachtensergänzung bemüht, als die
MEDAS-Begutachtungsstelle aufgefordert wurde, eine
Konsensbesprechung aller beteiligten Gutachter vorzunehmen und eine
von allen unterzeichnete Beurteilung zu unterbreiten. Zudem sei zur Kritik,
dass das Wechselspiel zwischen den rheumatologischen Einschränkungen
am Bewegungsapparat und den Einschränkungen durch die Folgen des
cerebro-vaskulären Insults nicht geklärt worden sei, Stellung zu beziehen
(vgl. Schreiben vom 18. März 2020 [Bg-act. 212]). Mit Schreiben vom
9. April 2020 äusserten sich die Dres. med. M._ und O._ (neuer
Chefarzt) dahingehend, dass ihre Gutachten derart aufgestellt seien, dass
nach einem vorgängigen Zirkulationsverfahren zwischen allen
Teilgutachtern die Konsensfindung in einer Schlussbesprechung zwischen
dem Chefarzt und dem Fallführer erfolge. Das Gesamtgutachten werde
zuletzt vom Chefarzt und dem Fallführer unterschrieben. Eine Unterschrift
der Teilgutachter sei nicht nötig, nachdem ihre jeweiligen Beurteilungen in
toto dem Gesamtgutachten beiliegen würden. Ihre Gutachten seien in
dieser Form vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) kontrolliert
und genehmigt worden. Zur Frage des Wechselspiels zwischen den
einzelnen Befunden und Einschränkungen hielten die Dres. med. M._
und O._ fest, dass die Teilgutachter orientiert bzw. sich bei Bedarf auch
austauschen würden. Ihre Beurteilung sei aber rein fachspezifisch. Die
Gesamtbeurteilung obliege dem Chefarzt und dem Fallführer im
Hauptgutachten (vgl. Bg-act. 213).
- 16 -
Vorliegend ist insofern weiterhin unklar, ob überhaupt bzw. in welchem
Rahmen eine Koordination zwischen den am MEDAS-Gutachten vom
26. November 2019 beteiligten Expertinnen und Experten stattgefunden
hat. Mit der Beschwerdegegnerin ist aber davon auszugehen, dass dieser
Mangel das MEDAS-Gutachten nicht derart in Frage zu stellen vermag,
dass von dessen Feststellungen abzuweichen wäre. Zunächst ist
festzuhalten, dass das Bundesgericht die Frage, ob die Unterschrift durch
alle beteiligten Experten ein Formerfordernis darstellt, bisher offengelassen
hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_114/2017 vom 21. August 2017
E.7.2.1, 8C_904/2012 vom 28. März 2013 E.4.4, 8C_499/2007 vom
4. November 2008 E.3.2.2). Dabei ging es – wie vorliegend – um
Konstellationen, in denen das Hauptgutachten nicht durch alle mitbeteiligten
Gutachterinnen und -gutachter unterschrieben worden war, indes deren
Teilgutachten als integrierende Bestandteile davon schon. Dass die
Unterzeichnung der interdisziplinären Gesamtbeurteilung durch die
einzelnen Teilgutachter fehlt, vermag dem MEDAS-Gutachten auch im hier
zu beurteilenden den Beweiswert nicht abzusprechen. Denn Anhaltspunkte
dafür, die daran zweifeln liessen, dass die Ergebnisse der
Gesamtbeurteilung nicht mit den einzelnen Beurteilungen der am MEDAS-
Gutachten beteiligten Experten übereinstimmten bzw. die Einschätzungen
Letzterer in für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin wesentlichen Punkten nicht korrekt wiedergeben
würde, sind − wie auch nachfolgend aufgezeigt wird − nicht ersichtlich.
3.5. Soweit die Beschwerdeführerin einen Widerspruch zwischen dem HNO-
ärztlichen und rheumatologischen Belastungsprofil moniert, verfängt ihr
Einwand nicht. Zwar trifft es zu, dass der HNO-Teilgutachter Dr. med.
P._ einzig Arbeiten im Sitzen als geeignet erachtete, bei welchen die
Beschwerdeführerin keine repetitiven Kopfbewegungen (z.B.
Fliessbandarbeit) durchführen müsse. Zudem merkte er an, dass durch die
- 17 -
anderen Teilgutachten beurteilt werden müsse, ob die Rückenprobleme ein
langes Sitzen zuliessen (vgl. Bg-act. 197 S. 49). Demgegenüber erachtete
der rheumatologische Teilgutachter leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
ohne körperlich mittelschwere oder schwere Arbeiten und ohne den Rücken
belastende Arbeitspositionen, wie z.B. Tätigkeiten mit vorgeneigtem oder
abgedrehtem Oberkörper oder gehäuft sitzende oder stehende
Zwangshaltungen, als leidensangepasst (vgl. Bg-act. 197 S. 75 i.V.m. 197
S. 73). Indes bringt die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung zu Recht vor, dass es nicht unüblich ist, dass die Teilgutachter
zu den aus ihrem Fachbereich noch möglichen angepassten Tätigkeiten
nicht zu den gleichen Einschätzungen kommen (vgl. Bg-act. 219 S. 4). Der
rheumatologische Experte Dr. med. Q._ war denn auch nicht gehalten,
fachfremde Befunde, wie die durch die Schwindelbeschwerden verursachte
ausgeprägte Gleichgewichtsstörung mit Gangunsicherheit und Sturzgefahr,
bei der Diagnosestellung sowie in seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
und der leidensangepassten Tätigkeiten mitzuberücksichtigen (vgl. aber
ausführliche Befundung samt Erhebung des Neurostatus [Bg-act. 197 S. 66
f.]). Dass − wie aus HNO-ärztlicher Sicht festgehalten − aufgrund der
schweren Gangunsicherheit und der Sturzgefahr keine stehenden, sondern
nur sitzende Tätigkeiten als leidensangepasst in Frage kommen (vgl. Bg-
act. 197 S. 48 f.), vermag nicht zu überzeugen. So gab die
Beschwerdeführerin selbst bereits anlässlich der ORL-Untersuchung an,
dass sie seit Anfang Juli (recte: Mitte Juni 2019) jeweils vormittags bei der
R._ im geschützten Rahmen arbeite, wobei sie in der Regel 60-90
Minuten die Kasse bediene, bevor sie mithilfe eines Wagens, an dem sie
sich abstützen könne, die Regale einräume (vgl. Bg-act. 197 S. 47; vgl.
ferner rheumatologisches Teilgutachten [Bg-act. 197 S. 60], neurologisches
Teilgutachten [Bg-act. 197 S. 81] und psychiatrisches Teilgutachten [Bg-
act. 197 S. 92]). Auch aus den von ihr beigebrachten Verlaufsberichten der
Fachstelle für Arbeitsintegration − Werknetz geht hervor, dass sie im
- 18 -
R._ in C._ Tätigkeiten ausführe, welche mit ihren körperlichen
Einschränkungen vereinbar seien. Dabei habe sie namentlich die
Möglichkeit, immer wieder aufzustehen sowie jeweils abzuwechseln
zwischen stehenden und sitzenden Tätigkeiten bzw. solchen, bei denen sie
herumgehen könne. Denn bei sitzenden Tätigkeiten müsse die
Beschwerdeführerin nach eigenen Aussagen nach einer gewissen Zeit
aufstehen und sich bewegen können, ansonsten sich die Verspannungen
und Schmerzen im Nacken und Rücken verschlimmern würden (vgl. Akten
der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 6 S. 1 und Bf-act. 7 S. 1 unten und S. 2
Mitte; vgl. ferner rheumatologisches Teilgutachten, wonach die
Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben ein langes Sitzen
beschwerdebedingt nicht toleriere [Bg-act. 197 S. 59 und 197 S. 61]; vgl.
ähnlich neurologisches Teilgutachten [Bg-act. 197 S. 81]). Dass aufgrund
der Wirbelsäulenproblematik leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne
statische Arbeiten und ausgedehnten Dreh- und Beugebewegungen als
geeignet erachtet wurden, geht denn auch aus früheren medizinischen
Beurteilungen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte (vgl. Verlaufsbericht
von Dr. med. J._ vom 3. Oktober 2018 [Bg-act. 139 S. 4], Bericht von
Dr. med. S._ vom 7. Oktober 2017 [Bg-act. 115 S. 8], provisorischer
Austrittsbericht der Dres. med. T._, U._ und V._ vom
25. September 2017 [Bg-act. 90 S. 3], Bericht von Dr. med. E._ vom
27. Juli 2016 [Bg-act. 14 S. 24] und Bericht von Dr. med. T._ vom
26. Oktober 2016 [Bg-act. 20 S. 3]) sowie aus den durchgeführten
beruflichen Eingliederungsmassnahmen hervor (vgl. Nachricht von Frau
W._, Mitarbeiterin des EP F._, vom 20. Juli 2017 [Bg-act. 66],
Nachricht von Frau X._ vom EDV-Schulungszentrum vom 28. Juli
2017 [Bg-act. 55], Erfahrungsbericht vom 25. Juli 2017 [Bg-act. 73]). Dabei
wird insbesondere im Schlussbericht des Einsatzprogramms F._ vom
20. Oktober 2017 ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
- 19 -
körperlichen Beschwerden nicht über längere Zeit sitzen könne (Bg-act. 104
S. 8, vgl. gleichermassen 104 S. 5).
3.6. Insofern ist nicht zu beanstanden, wenn in der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung in Anlehnung an das rheumatologische Teilgutachten
von einer maximalen 65%igen Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte,
vorwiegend (aber nicht ausschliesslich) sitzende Tätigkeiten ausgegangen
wurde (Bg-act. 197 S. 41). Dabei wurde der aus HNO-ärztlicher und
rheumatologischer Sicht ausgewiesene erhöhte Pausenbedarf
ausdrücklich mitberücksichtigt. Der ORL-Teilgutachter begründete diesen
mit der notwendigen Erholung infolge des hohen Energieverbrauchs zur
Gleichgewichtskontrolle und wies aufgrund dessen eine um 25-30%
verminderte Leistungsfähigkeit aus (vgl. Bg-act. 197 S. 49). Der
rheumatologische Teilgutachter schätzte die Leistungseinschränkung
aufgrund des schmerzbedingten Bedarfs an vermehrten Pausen auf 10%
(vgl. Bg-act. 197 S. 76). Weshalb diese pausenbedingten
Leistungsminderungen, welche beide Erholungszwecken dienen, nicht in
der in quantitativer Hinsicht um 35% reduzierten Arbeitsfähigkeit in der
Gesamtbeurteilung aufgehen können, ist weder ersichtlich noch wird dies
von der Beschwerdeführerin plausibel dargelegt. Vielmehr kann davon
ausgegangen werden, dass die im MEDAS-Gutachten vom 26. November
2019 ausgewiesene maximale Arbeitsfähigkeit von 65% für
leidensangepasste Tätigkeiten sowohl die bestehenden rheumatologischen
Einschränkungen am Bewegungsapparat als auch die
otorhinolaryngologischen (genauso wie die neurologischen)
Beeinträchtigungen als Folgen des zerebrovaskulären Insults hinreichend
berücksichtigt.
3.7. Wenn nun die Dres. med. K._ und J._ die Beschwerdeführerin
aufgrund der diversen somatischen Beschwerden im ersten Arbeitsmarkt
zu 100% arbeitsunfähig erachten (vgl. Bericht von Dr. med. K._ vom
- 20 -
23. Juli 2020 [Bf-act. 8] und Stellungnahme von Dr. med. J._ vom
21. August 2020 [Bf-act. 9]), ist der sich darauf abstützenden
Beschwerdeführerin entgegenzuhalten, dass es rechtsprechungsgemäss
nicht geboten ist, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, nur weil die behandelnden
Ärztinnen und Ärzte zu einer anderen Einschätzung gelangen bzw. an
vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 9C_292/2018 vom 15. Januar 2019 E.5.2.2.2,
9C_494/2018 vom 6. November 2018 E.4.2, 9C_363/2018 vom
10. Oktober 2018 E.4.2.3). Die Dres. med. K._ und J._ bringen
denn auch nichts vor, was in der polydisziplinären Begutachtung im
Allgemeinen und in den rheumatologischen, otorhinolaryngologischen oder
neurologischen Teilgutachten im Speziellen unerkannt oder ungewürdigt
geblieben sein soll (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_379/2019 vom
21. August 2019 E.2.2). Dabei leuchtet insbesondere nicht ein, weshalb
aufgrund der von ihnen beschriebenen − im Wesentlichen mit dem
gutachterlichen Belastungsprofil übereinstimmenden − Anforderungen an
eine leidensadaptierte Tätigkeit (kein Heben von schweren Lasten sowie
kein repetitives Beugen des Oberkörpers und des Kopfes [vgl. Bf-act. 8 S. 2
und Bf-act. 9]) eine solche nunmehr im geschützten Rahmen verwertbar
sein soll. Ferner werden die von Dr. med. J._ in ihrer Stellungnahme
vom 21. August 2020 vermerkten Schwindelbeschwerden mit
herabgesetzter Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit sowie rascher
Ermüdbarkeit mit häufigem Pausenbedarf (vgl. Bf-act. 9) im MEDAS-
Gutachten ausführlich gewürdigt (vgl. insb. Bg-act. 197 S. 48 f., 197 S. 84)
und im Rahmen der Arbeitsfähigkeit-Einschätzung mitberücksichtigt (vgl.
Bg-act. 197 S. 29 ff., 197 S. 41, 197 S. 84 f.).
3.8. Insgesamt ergibt sich daher, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin
nicht geeignet sind, den Beweiswert des MEDAS-Gutachtens mit seinen
- 21 -
Feststellungen zu dem hier massgebenden Zeitraum ab dem 1. März 2020
zu schmälern. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin auf die im Gutachten attestierte 65%ige
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit abstellte. Da ausserdem
gestützt auf das gutachterliche Belastungsprofil sowie − in
Übereinstimmung damit − den vorbefundlichen medizinischen und
berufspraktischen Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit (vgl.
dazu auch nachfolgende Erwägungen 4.1 ff.) hinreichend feststeht, welche
Arbeiten der Beschwerdeführerin noch zumutbar sind, kann auf die
beantragte Rückweisung zur Durchführung einer BEFAS-Abklärung
verzichtet werden, zumal das streitberufene Gericht aufgrund der bereits
abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und annehmen
kann, dass diese Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht
geändert würde (vgl. BGE 136 I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3, 131 I 53 E.3).
4. Des Weiteren kritisiert die Beschwerdeführerin die Bemessung des
Invalideneinkommens. Sie erachtet insbesondere einen Leidensabzug von
mindestens 15% als angemessen und begründet diesen mit ihren
zahlreichen Einschränkungen.
4.1. Ein leidensbedingter Abzug kommt auch bei Heranziehen der
Lohnstrukturerhebung (LSE) zur Bestimmung des Invalideneinkommens
nicht generell und in jedem Fall zur Anwendung. Ein Abzug soll nicht
automatisch, sondern dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte
dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer
einkommensbeeinflussender Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE
126 V 75 E.5a/bb und E.5b/aa; bestätigt u.a. in den Urteilen des
Bundesgerichts 9C_323/2019 vom 2. September 2019 E.4.2, 9C_549/2018
vom 20. Februar 2019 E. 4.1 m.H., Urteil des Verwaltungsgerichts des
- 22 -
Kantons Graubünden S 15 162 vom 19. Mai 2016 E.3.a; GÄCHTER/LOCHER,
§ 38 N 10). Praxisgemäss soll mit dem Abzug vom Tabellenlohn der
Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche
Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter,
Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad
je nach Ausprägung Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE
135 V 297 E.5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2017 vom 11. Juli 2017
E.3.1). Der Abzug ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25% nicht
übersteigen (BGE 135 V 297 E.5.2, 134 V 322 E.5.2, 126 V 75 E.5b/bb-cc,
Urteile des Bundesgerichts 9C_114/2020 vom 12. Mai 2020 E.4.1,
9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E.3.1).
Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen
körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E.5a/bb). Zu beachten ist jedoch, dass
allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit
enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die
Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer
doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteile
des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E.4.1.1 m.H.,
8C_303/2012 vom 6. Dezember 2012 E.6.2). Praxisgemäss werden keine
separat quantifizierten Abzüge je für die massgeblichen Kriterien
vorgenommen und addiert, sondern vielmehr der Abzug gesamthaft
geschätzt (Urteil des Bundesgerichts 8C_536/2019 vom 26. September
2019 E.5.2.2 f.).
4.2. Im vorliegenden Fall wurde der verminderten somatischen Belastbarkeit,
einschliesslich des sich daraus ergebenden erhöhten Pausenbedarfs, zwar
in quantitativer Hinsicht bei der auf 65% reduzierten Arbeitsfähigkeit
- 23 -
Rechnung getragen. Wenn die Beschwerdegegnerin nun daraus schliesst,
es sei kein Leidensabzug vorzunehmen, übersieht sie, dass die
Beschwerdeführerin – auch wenn sie über eine abgeschlossene
kaufmännische Ausbildung und Berufserfahrung in verschiedenen
Betrieben verfügt (vgl. Fähigkeitszeugnis [Bg-act. 11] und Lebenslauf [Bg-
act. 10, 62]) – über die Verrichtung körperlich leichter und einfacher
Tätigkeiten (Kompetenzniveau 1) hinaus massgeblich in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. So ist sie aufgrund der zahlreichen
Einschränkungen des Bewegungsapparats, der ausgeprägten
Gleichgewichtsstörung mit Gangunsicherheit und erhöhter Sturzgefahr
sowie den Folgen des zerebrovaskulären Insults aus gutachterlicher Sicht
zusätzlich insbesondere auf mit Gehstöcken bzw. einer Gehhilfe
ausführbare Tätigkeiten ohne den Rücken belastende Arbeitspositionen,
wie z.B. Arbeiten mit vorgeneigtem oder abgedrehtem Oberkörper oder
gehäuft sitzende oder stehende Zwangshaltungen, sowie Tätigkeiten,
welche kein Tragen von Gegenständen erfordern, angewiesen, wobei sich
die geklagte Konzentrationsstörung, die rasche Ermüdbarkeit bzw.
Erschöpfbarkeit sowie die verminderte Belastungstoleranz limitierend
auswirkten (vgl. Bg-act. 197 S. 75 i.V.m. 197 S. 73, 197 S. 48, 197 S. 84 f.).
Auch RAD-Arzt Dr. med. L._ wies in seiner Abschlussbeurteilung vom
8. Januar 2020 zahlreiche Defizite in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit aus: So
sei der Beschwerdeführerin das Heben und Tragen mittelschwerer bis
schwere Lasten nicht möglich. Ebenso seien Arbeiten auf unebenem
Boden, auf Leitern oder Gerüsten, überwiegend stehende oder gehende
Tätigkeiten, solche mit vorgeneigter Körperhaltung, kniende Arbeiten oder
solche mit häufigen Rumpfbeugungen und -rotationen ungeeignet (Case
Report [Bg-act. 221 S. 19]). In Übereinstimmung damit wurde auch im
Rahmen der Eingliederungsmassnamen bzw. der aktuellen Tätigkeit im
R._ betont, dass die Beschwerdeführerin auf regelmässige Bewegung
und Wechselbelastung angewiesen gewesen sei, wobei ihr ein Sitzball
- 24 -
sowie eine Liege zur Verfügung gestanden habe (vgl. Nachricht von Frau
X._ vom EDV-Schulungszentrum vom 28. Juli 2017 [Bg-act. 55],
Nachricht von Frau W._, Mitarbeiterin des Einsatzprogramms F._
vom 20. Juli 2017 [Bg-act. 66], Erfahrungsprotokoll, Einträge vom 25. Juli
und 26. Juli 2017 [Bg-act. 73], Schlussbericht des Einsatzprogramms
F._ vom 20. Oktober 2017 [Bg-act. 104 S. 5, 8], undatierter
Verlaufsbericht der Fachstelle für Arbeitsintegration [Bf-act. 6],
Verlaufsbericht der Fachstelle für Arbeitsintegration vom 29. Juli 2020 [Bf-
act. 7]). Hingegen seien Tätigkeiten ungeeignet, bei denen die
Beschwerdeführerin sich bücken, auf Leitern steigen, in gebeugter Haltung
oder Überkopfhöhe arbeiten oder Sachen tragen müsse (undatierter
Verlaufsbericht der Fachstelle für Arbeitsintegration [Bf-act. 6],
Verlaufsbericht der Fachstelle für Arbeitsintegration vom 29. Juli 2020 [Bf-
act. 7]). Bei den Arbeitsabläufen sei sie auf Hilfestellungen und
Unterstützung durch andere Mitarbeitende sowie einen vermehrten
Pausenbedarf angewiesen. Neben Schwierigkeiten, längere Zeit zu sitzen,
werde beim Gehen durch den Gang und im Treppenhaus offensichtlich,
dass die Beschwerdeführerin sich aufgrund des Schwindels bemühen
müsse, die Balance zu halten, weshalb sie in der Nähe der Wand gehe, sich
abstütze etc. Auch bei stehenden Tätigkeiten müsse sie sich abstützen oder
anlehnen. Besonders herausfordernd seien Tätigkeiten, bei denen sie beide
Hände benötige. Wenn sie sich im Raum bewege, achte sie darauf, dass
sie immer eine Wand oder einen Gegenstand in der Nähe habe, um sich
gegebenenfalls abstützen zu können (Verlaufsbericht der Fachstelle für
Arbeitsintegration vom 29. Juli 2020 [Bf-act. 7]).
Aufgrund der zahlreichen somatischen Limitierungen, welche Anpassungen
am Arbeitsplatz notwendig machen, erscheinen die funktionellen
Einschränkungen der Beschwerdeführerin insgesamt nicht ohne Weiteres
- 25 -
mit den gewöhnlichen betrieblichen Anforderungen vereinbar, weshalb sich
ein Leidensabzug von insgesamt 15 % rechtfertigt.
4.3. Allerdings erscheint das gutachterliche Anforderungsprofil, wonach
körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeiten in einem Pensum von
65% zumutbar seien, nicht derart eingeschränkt, dass der ausgeglichene
Arbeitsmarkt eine solche Stelle praktisch nicht kennt (siehe Urteile des
Bundesgerichts 8C_143/2019 vom 21. August 2019 E.5.2, 9C_183/2017
vom 30. Oktober 2017 E.4.2 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1
m.H.). Vielmehr umfasst das hier anwendbare Kompetenzniveau 1
(einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) auch für die
Beschwerdeführerin geeignete Tätigkeiten, welche insbesondere im
Wechselrhythmus mit vermehrten Pausen ausgeführt werden können.
Zudem kann auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers (Nischenarbeitsplätze)
gerechnet werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli
2017 E.2.2.1 m.H.). Dass der Betreuungsaufwand für den Arbeitgeber
derart gross wäre, dass das benötigte Entgegenkommen realistischerweise
von einem durchschnittlichen Arbeitgeber auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht
erwartet werden kann (vgl. ähnlich Urteil des Bundesgerichts 9C_321/2018
vom 16. Oktober 2018 E.5 m.H.), ist nicht ersichtlich. Schliesslich verfügt
die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Ausbildung und der bisherigen
beruflichen Laufbahn mit Anstellungen im kaufmännischen Bereich und als
Verkäuferin (vgl. Lebenslauf [Bg-act. 10, 62], und das Arbeitszeugnis vom
30. Juni 2017 [Bg-act. 60]) über Fertigkeiten, welche sie durchaus in einer
geeigneten Verweistätigkeit nutzbar machen könnte. Insofern stehen ihr auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend Einsatzmöglichkeiten in einer
leidensadaptierten Tätigkeit offen.
5. Auf eine vertiefte Prüfung des ebenfalls umstrittenen Valideneinkommens
kann verzichtet werden, da – wie nachfolgende Berechnung zeigt – selbst
- 26 -
bei dem von der IV-Stelle gestützt auf die Angaben des Arbeitgebers vom
21. Oktober 2016 (vgl. Fragebogen Arbeitgeber [Bg-act. 15 S. 4]) per 2019
ermittelten Valideneinkommens von Fr. 51'925.70 (vgl. Bg-act. 222) bei der
Vornahme eines Leidensabzugs von 15 % im Ergebnis ein Anspruch auf
eine Viertelsrente resultiert:
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 51'925.70 und einem gestützt auf die
LSE-Tabelle bemessenen Invalideneinkommen von Fr. 30'513.45 (gemäss
LSE-Tabelle 2018, welche am 21. April 2020, d.h. bereits vor Erlass der
Verfügung am 23. Juni 2020, publiziert war und somit gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung Anwendung findet [vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_15/2018 vom 2. Juli 2018 E.4.2, 9C_414/2017 vom
21. September 2017 E.4.2 und 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E.5.2])
resultiert ein Invaliditätsgrad von 41.2 %. Dabei setzt sich die Berechnung
wie folgt zusammen: Wie aus den vorstehenden Erwägungen 4.2 f.
ersichtlich ist, wird gemäss der LSE-Tabelle 2018 vom Kompetenzniveau 1
ausgegangen, die Beschwerdeführerin ist weiblichen Geschlechts, wobei
die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit 41.7 Stunden und die
Arbeitsfähigkeit 65% betragen, eine Aufindexierung per 2019 von 1% und
ein Leidensabzug von 15% erfolgt, womit ein Invalideneinkommen von
Fr. 30'513.45 resultiert (Fr. 4'371.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.01 x 0.65 x 0.85).
Bei einem Invaliditätsgrad von 41.2 % steht der Beschwerdeführerin in
Übereinstimmung mit ihrem Eventualantrag ein Anspruch auf eine
Viertelsrente zu.
6. Die Beschwerde erweist sich somit als begründet und ist im
Eventualbegehren gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom
23. Juni 2020 ist insoweit aufzuheben, als dass der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente bis zum 29. Februar 2020
befristet wurde. Der Beschwerdeführerin steht für den Zeitraum ab dem
1. März 2020 eine Viertelsrente zu.
- 27 -
7. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 83 ATSG). Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1ꞌ000.-- festgelegt. Infolge des
Ausgangs des Beschwerdeverfahrens, sind die Gerichtskosten von
Fr. 700.-- demnach der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73
Abs. 1 VRG).
8. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 17. September
2020 eine Honorarnote im Betrag von Fr. 3'927.-- (14.16 Stunden à Fr. 250.-
- [Fr. 3'540.--], zzgl. 3% Kleinspesenpauschale [Fr. 106.20] sowie 7.7%
MWST [Fr. 280.80]) ein. Ebenfalls liegt eine Honorarvereinbarung über den
geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 250.-- im Recht. Der für das
vorliegende Verfahren ausgewiesene Vertretungsaufwand erscheint als
angemessen. Demnach hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung im Betrag von Fr. 3'927.-- zu
bezahlen.