Decision ID: eaf3b39c-f5ca-404b-9eb9-a5feafd7b2e3
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Mit Abwesenheitsurteil des Regionalgerichts B._ vom 22.
Dezember 2020 wurde A._ der Pornografie gemäss Art. 197 Abs.
5 Satz 2 StGB schuldig gesprochen. Hierfür wurde er mit einer Geldstrafe,
bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von drei Jahren, zu einer
Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 30.-- sowie einer Busse von
CHF 300.-- bestraft. Dieses Abwesenheitsurteil ohne schriftliche
Begründung wurde A._ per Einschreiben gleichentags zugestellt.
Die Post retournierte die entsprechende Postsendung mit dem Vermerk
"Nicht abgeholt" an das Regionalgericht B._.
2. Mit Schreiben vom 26. Januar 2021 teilte das Kantonsgericht von
Graubünden dem Regionalgericht B._ mit, A._ habe mit
Eingabe vom 2021 "Beschwerde" gegen das Abwesenheitsurteil des
Regionalgerichts B._ vom 22. Dezember 2020 erhoben. Am 27.
Januar 2021 leitete das Kantonsgericht von Graubünden die Originale der
Eingaben vom 20. und 22. Januar 2021 an das Regionalgericht
B._ weiter. Die Weiterleitung der Eingaben von A._
erfolgte zwecks Beurteilung, ob es sich dabei um ein Gesuch um
Neubeurteilung und/oder um eine Berufungsanmeldung handle.
3. Mit Schreiben vom 9. Februar 2021 forderte das Regionalgericht
B._ A._ auf, ihm mitzuteilen, ob seine Eingaben vom 20.
und 22. Januar 2021 als Gesuch um Neubeurteilung oder als
Berufungsanmeldung entgegengenommen werden sollten. Am 10. März
2021 setzte A._ das Regionalgericht B._ darüber in
Kenntnis, dass es sich bei seinen Eingaben sowohl um ein Gesuch um
Neubeurteilung als auch um eine Berufungsanmeldung handle.
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4. Mit Beschluss vom 30. März 2021 kam das Regionalgericht B._
zum Schluss, dass sich A._ geweigert habe, an der
Hauptverhandlung vom 22. Dezember 2020 teilzunehmen bzw. seine
Nichtteilnahme selber verschuldet habe und der Hauptverhandlung somit
unentschuldigt ferngeblieben sei. Aus diesem Gründen wurde das Gesuch
von A._ um Neubeurteilung abgewiesen. Gleichzeitig wurde im
Beschluss vom 30. März 2021 festgestellt, dass die Eingaben von
A._ vom 20. und 21. Januar 2021, weil offensichtlich verspätet,
auch nicht als Berufungsanmeldung entgegengenommen werden
könnten.
5. Die dagegen von A._ erhobene Beschwerde bzw. Berufung wies
das Kantonsgericht von Graubünden mit Verfügungen vom 20. (SK2 21
34) und 21. Mai 2021 (SK1 21 31) ab. Diese Verfügungen erwuchsen
jeweils gleichentags (unangefochten) in Rechtskraft.
6. Mit Eingabe vom 24. Januar 2022 erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
(nachfolgend Verwaltungsgericht) Beschwerde gegen "Beamte,
Staatsanwälte, Richter, Justizvollzugs-Angestellte". Sie alle seien
involviert in illegales Tun von Rechtsbeugung, Amtsanmassung,
Rechtsverweigerung, Willkür, Falschaussage usw. Er werde absolut
widerrechtlich der Pornografie beschuldigt. Ein Rechtsbegehren, einen
Sachverhalt sowie eine Begründung blieb der Beschwerdeführer indes
schuldig. Aus diesem Grund forderte der Instruktionsrichter A._
mit Schreiben vom 26. Januar 2022 auf, seine Beschwerde innert 10
Tagen zu verbessern, ansonsten darauf nicht eingetreten werden könne.
7. In der Folge verweigerte der Beschwerdeführer die Annahme des
Schreibens vom 26. Januar 2022. Aus diesem Grund wurde ihm das
identische Schreiben noch mittels A-Post zustellt. Am 22. Februar 2022
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ging beim Verwaltungsgericht ein Schreiben des Beschwerdeführers ein,
in welchem er im Allgemeinen die Bündner Justiz und im Speziellen den
Beschluss des Regionalgerichts B._ vom 30. März 2021
beanstandete. Zudem beantragte er, dass ihm ein unentgeltlicher Anwalt
nach seiner Wahl zur Seite zu stellen sei.
Auf die Ausführungen des Beschwerdegegners in seinen Eingaben, wird
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) entscheidet das Verwaltungsgericht in
einzelrichterlicher Kompetenz, wenn ein Rechtsmittel offensichtlich
unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet ist. Die
Eingaben des Beschwerdeführers vom 24. Januar und 22. Februar 2022
wären – würden sie sich gegen die Verfügungen des Kantons Gerichts von
Graubünden vom 20. und 21. Mai 2021 richten – fälschlicherweise beim
sachlich unzuständigen Gericht und erst noch verspätet eingereicht
worden (vgl. nachstehende Erw. 2.). Doch selbst dann, wenn das
Verwaltungsgericht für die Beurteilung der Eingaben des
Beschwerdeführers vom 24. Januar und 22. Februar 2022 sachlich
zuständig wäre, vermöchten diese Eingaben den gesetzlichen
Anforderungen an eine Rechtsschrift gemäss Art. 38 Abs. 1 VRG nicht zu
genügen (vgl. nachstehende Erw. 3.). Vor diesem Hintergrund erweisen
sich die Eingaben des Beschwerdeführers vom 24. Januar und 22.
Februar 2022 als offensichtlich unbegründet, weshalb deren Beurteilung
in den Kompetenzbereich des Einzelrichters fällt.
2. Die Verfügungen des Kantonsgerichts von Graubünden vom 20. und 21.
Mai 2021, mit welchen der Beschluss des Regionalgerichts B._
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vom 30. März 2021 bestätigt wurde, sind jeweils gleichentags
(unangefochten) in Rechtskraft erwachsen. Selbst wenn die Eingaben des
Beschwerdeführers vom 24. Januar und vom 22. Februar 2022 als
Beschwerde gegen diese Verfügungen entgegengenommen werden
würden, könnte darauf nicht eingetreten werden. Einerseits wäre nämlich
eine dagegen gerichtete Beschwerde nicht beim Verwaltungsgericht,
sondern ausschliesslich beim Schweizerischen Bundesgericht
eizureichen gewesen. Andererseits wäre die 30-tägige Rechtsmittelfrist
gemäss Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht
(BGG; SR 173.110) am 24. Januar 2022 längstens verstrichen gewesen.
Bereits aus diesem Grund kann auf die Eingaben des Beschwerdeführers
vom 24. Januar und 22. Februar 2022 nicht eingetreten werden.
3. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn das Verwaltungsgericht für
die Beurteilung der Eingaben des Beschwerdeführers sachlich zuständig
und die Rechtsmittelfrist eingehalten worden wäre. Gemäss Art. 38 Abs. 1
VRG haben Rechtsschriften das Rechtsbegehren, den Sachverhalt und
eine Begründung zu erhalten. Weder die Eingabe des Beschwerdeführers
vom 24. Januar noch die "verbesserte" Eingabe vom 22. Februar 2022
genügen diesen gesetzlichen Anforderungen. So geht diesen Eingaben
insbesondere nicht hervor, wogegen sie sich richten bzw. was das
Anfechtungsobjekt ist und inwiefern es sich hier überhaupt um eine
verwaltungsrechtliche Streitigkeit handelt. Auf die Eingaben des
Beschwerdeführers vom 24. Januar und 22. Februar 2022 ist somit in
jedem Fall nicht einzutreten.
4. Der Beschwerdeführer beantragt, dass ihm ein unentgeltlicher
Rechtsanwalt nach seiner Wahl zur Seite zu stellen sei. Dabei verkennt
der Beschwerdeführer, dass das verwaltungsgerichtliche Verfahren – im
Gegensatz zum Strafverfahren – kein Institut ähnlich der amtlichen
Verteidigung bzw. der notwendigen Verteidigung kennt. Mit anderen
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Worten ist im Verwaltungsgerichtsverfahren nicht vorgesehen, dass einer
Person unter bestimmten Voraussetzungen, so insbesondere falls die
Streitigkeit in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten
aufweisen sollte, zwingend ein Rechtsanwalt zur Seite zu stellen ist.
Vielmehr wäre es am Beschwerdeführer gelegen, im Vorfeld einen
Rechtsanwalt zu mandatieren, welcher für ihn gestützt auf Art. 76 Abs. 1
VRG die unentgeltliche Prozessführung beantragt hätte, was allerdings
nicht gemacht wurde. Aufgrund der geschilderten Aussichtslosigkeit des
Falles (vgl. vorstehende Erw. 2. und 3.) wäre diese Rechtswohltat indes
kaum bewilligt worden. Aus diesem Grund ist der Antrag des
Beschwerdeführers in jedem Fall abzuweisen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gemäss
Art. 73 Abs. 1 VRG zu Lasten des Beschwerdeführers. Angesichts der
Tatsache, dass der Aufwand im vorliegenden Fall gering ausgefallen ist
und um die Finanzverwaltung nicht zusätzlich mit dem Inkasso zu
bemühen, wird indes auf die Erhebung von Gerichtskosten verzichtet.
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