Decision ID: 46e49bcb-f73e-435d-b07d-54a7cef0cf7e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
J._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Benedikt Landolt, Rosenbergstrasse 22,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1953 geborene J._ meldete sich am 18. Dezember 2003/12. Januar 2004
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte
Berufsberatung, Umschulung und eine Rente. Er sei 1979 in die Schweiz gekommen
und von 1985 bis Juni 2003 als Chauffeur und Magaziner angestellt gewesen. Er leide
an seit 15 Jahren zunehmenden Schmerzen an Rücken, Hüften und rechtem Bein
sowie an einer Depression.
A.b Dr. med. A._, Allgemeinmedizin FMH, gab in seinem Bericht vom 19. Januar
2004 (act. 161) an, als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen vor: ein
lumbovertebrales, lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, eine Osteochondrose, eine
Spondylarthrose L4/5, eine Coxarthrose rechts, eine Fehlhaltung der LWS, eine
muskuläre Dysbalance sowie eine Depression. Der Versicherte, der seit 1998 in seiner
Behandlung stehe, sei seit dem 16. Dezember 2002 und bis auf weiteres
arbeitsunfähig. Er sei ausserdem in psychiatrischer Behandlung bei Dr. med. B._.
A.c Nach Angaben in der Arbeitgeberbescheinigung vom 16. April 2004 (act. 157) war
der Versicherte als Lagermitarbeiter tätig und arbeitete seit dem Eintritt des
Gesundheitsschadens am 13. Dezember 2002 nicht mehr. Die Arbeitgeberin habe das
Arbeitsverhältnis wegen der schlechten Wirtschaftslage gekündigt. Der Versicherte
würde ohne Gesundheitsschaden einen Monatslohn von Fr. 5'460.-- verdienen.
A.d Dr. B._ unterliess es trotz Aufforderungen, einen Arztbericht einzureichen (vgl.
act. 148).
A.e Das Ärztliche Begutachtungsinstitut ABI erstattete am 16. August 2005 nach
orthopädischer und psychiatrischer Untersuchung und internistischer Besprechung ein
Gutachten (act. 142). Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden
benannt: (erstens) ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre
Symptomatik bei leichtgradigen degenerativen Veränderungen der unteren LWS und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(zweitens) eine beginnende Coxarthrose rechts. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
seien eine reaktive depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, und
anamnestisch ein subakromiales Impingement Schulter beidseits. Der Versicherte sei in
der angestammten, körperlich schweren Tätigkeit mit unregelmässigen Arbeitszeiten
voll arbeitsunfähig. Hingegen bestehe für eine körperlich leichte bis mittelschwere
adaptierte Tätigkeit ohne übermässige Hektik und ohne grossen Zeitdruck sowie ohne
Notwendigkeit zur Schichtarbeit eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100 %. Des
Weiteren seien die bereits durchgeführten medizinischen Massnahmen auf somatischer
Ebene zu reevaluieren, diejenigen auf psychiatrischer Ebene seien fortzusetzen, weitere
Massnahmen seien keine vorzuschlagen. Auch seien keine beruflichen Massnahmen
vorzuschlagen, weil aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung des Versicherten,
wonach keine Arbeitstätigkeit mehr möglich sei, die Prognose einer Reintegration als
ungünstig bezeichnet werde. Es sei davon auszugehen, dass Dr. A._ als empathisch
tätiger Hausarzt in sehr grossem Umfang das subjektive Schmerzempfinden des
Versicherten berücksichtigt habe. Aufgrund des gemessenen Serumspiegels müsse
davon ausgegangen werden, dass der Versicherte entgegen seinen Aussagen die
verordneten Antidepressiva nicht ordnungsgemäss eingenommen habe.
A.f Mit Verfügungen vom 1. September 2005 (act. 137 f.) lehnte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch des
Versicherten um eine Invalidenrente (bei einem Invaliditätsgrad von 18 %) sowie um
berufliche Massnahmen (mangels anspruchsbegründender Erwerbseinbusse) ab.
A.g Mit Einsprache vom 19. September 2005 (act. 132) liess der Versicherte durch
einen damals bestellten Rechtsvertreter berufliche Massnahmen, eventualiter eine
Rente beantragen. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2005 zog der Rechtsvertreter die
Einsprache betreffend berufliche Massnahmen zurück. Es sei dem Versicherten aber
eine volle (wohl: ganze) Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter seien weitere
Abklärungen betreffend die psychische Erkrankung und das noch erzielbare
Invalideneinkommen vorzunehmen. Der beigelegte Arztbericht von Dr. B._ vom
12. November 2004 liege nicht bei den Akten, wo er sich aber bei der Erteilung des
Begutachtungsauftrags bereits hätte befinden müssen. Dr. B._, der auch die
Entwicklung der Erkrankung des Versicherten habe beobachten können, attestierte ihm
darin eine Arbeitsunfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht von 70 %. Hinter das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gutachten sei dagegen ein Fragezeichen zu setzen. Der Versicherte sei nicht in der
Lage, eine irgendwie geartete berufliche Tätigkeit auszuüben. In dem beigelegten
Bericht (act. 124-1 bis 3/5) hatte Dr. B._ eine depressive Störung mit somatischen
Symptomen auf dem Boden einer anankastischen Persönlichkeit (seit ca. zwei Jahren)
und ein chronifiziertes Schmerzsyndrom bei Coxarthrose bds. diagnostiziert und dem
Versicherten für die Zeit ab dem Beginn der Behandlung am 30. Mai 2003 eine
Arbeitsunfähigkeit von 70 % bescheinigt.
A.h Am 15. November 2005 reichte der damalige Rechtsvertreter des Versicherten
einen Bericht von Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin (in
Praxisgemeinschaft mit Dr. A._), vom 14. November 2005 ein. In diesem Bericht
(act. 117) hatte Dr. C._ festgehalten, es seien nebst dem lumbovertebralen und
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom, der Fehlhaltung der LWS, der beginnenden
Coxarthrose rechts und der reaktiven Depression eine Osteochondrose, eine initiale
Spondylarthrose L4/5, eine partielle Dehydratation L3/4 und L4/5 und ein Verdacht auf
ein Fibromyalgiesyndrom 08/05 zu diagnostizieren. In der bisherigen Tätigkeit sei der
Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig. In einer leichten, leidensadaptierten Tätigkeit
(ohne rückenbelastende Arbeiten) sei er aus rein körperlicher Sicht zu 50 %
arbeitsfähig, doch sei ein Bericht von Dr. B._ einzuholen.
A.i Mit Eingabe vom 16. Januar 2006 legte der damalige Rechtsvertreter des
Versicherten eine Stellungnahme von Dr. B._ vom 6. Januar 2006 zum Gutachten ein.
Danach sei das Gutachten nicht schlüssig. Völlig unverständlich sei, wie der
psychiatrische Gutachter zur Auffassung habe gelangen können, der Versicherte
nehme die Antidepressiva nicht ein. Dr. B._ hatte in der Stellungnahme (act. 109-2 f./
5) dafürgehalten, dass weder die gedrückte Stimmung, die Versagensgefühle und die
Interesse- und Lustlosigkeit noch das Schuldgefühl und die Schlafstörungen des
Versicherten erwähnt worden seien. Diese Erscheinungen sprächen aber eindeutig für
eine Depression. Bereits in der Klinik Valens seien eine depressive Störung beobachtet
und eine psychiatrische Behandlung empfohlen worden. Auch die zwanghafte
Charakterstruktur des Versicherten sei im Gutachten nicht beachtet worden. Er (der
Arzt) zweifle nicht an der regelmässigen Einnahme der Medikamente. Die
Restarbeitsfähigkeit von 30 % aus psychiatrischer Sicht könne der Versicherte nur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ohne Leistungs- und Zeitdruck realisieren, also schwerlich in einem normalen Betrieb,
sondern nur in einem geschützten Rahmen.
A.j Das ABI nahm am 15. Februar 2006 (act. 103) zu den ihm vorgelegten ärztlichen
Äusserungen Stellung. Grundsätzlich seien mit dem Gutachten alle relevanten Fragen
beantwortet worden. Dr. A._ habe am 14. November 2005 die vom ABI fachärztlich
gestellten Diagnosen übernommen. Es sei nicht klar, wie die von ihm daraus
abgeleitete Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in adaptierter Tätigkeit
zustande gekommen sei. Auch das ABI, dem der Arztbericht von Dr. B._ vom 24.
November 2004 offenbar nicht vorgelegen habe, habe eine Depression – allerdings nur
eine leichte Episode – diagnostiziert. Die Antidepressiva habe man mittels
Serumspiegel kontrolliert und sei damit zu einem objektiven Resultat der
Nichtnachweisbarkeit gekommen.
A.k Am 27. April 2006 teilte der damalige Rechtsvertreter des Versicherten mit,
Dr. B._ habe den Versicherten wegen häufiger Äusserung von Suizidgedanken in die
Psychiatrische Klinik eingewiesen. Es habe eine erneute psychiatrische Begutachtung
stattzufinden. Dr. B._ hatte in dem beigelegten Schreiben vom 27. April 2006 (act. 97)
dargelegt, es sei unverständlich, weshalb der psychiatrische Gutachter den
Versicherten für lediglich leicht depressiv halte, habe er doch beobachtet, dass dieser
während des Gesprächs mehrfach zu weinen begonnen habe, und sei dieser doch
affektiv labil. Der Versicherte sei durch die Situation, die durch die Beurteilung im ABI
entstanden sei, in eine tiefe psychische Krise geraten. Nach Angaben seiner Frau liege
er meist nur im Bett, habe keine Kontakte mit der Familie und äussere Suizidgedanken.
Deswegen weise er ihn in die Klinik ein.
A.l Der damalige Rechtsvertreter reichte am 24. August 2006 einen Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik Wil an Dr. B._ vom 17. Juli 2006 ein. Darin (act. 87) hatte die
Klinik mitgeteilt, der Versicherte sei vom 23. Mai 2006 bis zum 14. Juli 2006
hospitalisiert gewesen. Es lägen eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom, anamnestisch eine anankastische Persönlichkeit und
anamnestisch eine Panikstörung vor, ausserdem als somatische Diagnose ein
chronifiziertes Schmerzsyndrom und eine Hypercholesterinämie. Ein längerfristiger
zufrieden stellender antidepressiver Wirkeffekt sei insgesamt nicht in ausreichendem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Masse erzielt worden. Trotz Verstärkung der positiven Ressourcen des Versicherten sei
bei fortbestehender Arbeitslosigkeit auch nach Beendigung des Klinikaufenthaltes kein
lange anhaltender Therapieerfolg zu erwarten. Zur Wiederaufnahme der Arbeiten im
Industriebereich sowie der weiteren Tagesstruktur sei der Versicherte an die
psychiatrische Station angebunden worden, wobei die psychologische ambulante
Behandlung weitergeführt werden sollte. Der Versicherte sei bei Austritt zu 100 %
arbeitsunfähig.
A.mDie IV-Stelle widerrief mit Schreiben vom 21. September 2006 (act. 79) die
Verfügung vom 1. September 2005 (das Einspracheverfahren wurde später
abgeschlossen, vgl. act. 76). Gleichentags (act. 78) forderte sie den Versicherten dazu
auf, sich konsequent der psychotherapeutischen und medikamentösen
(antidepressiven) Behandlung zu unterziehen. Die Medikamenteneinnahme habe er bis
zu einer Verlaufsbegutachtung alle 14 Tage unaufgefordert durch
Medikamentenspiegelkontrollen zu belegen. Sollte er sich der zumutbaren Behandlung
entziehen oder widersetzen, könnten die Leistungen vorübergehend oder dauernd
gekürzt bzw. verweigert werden.
A.n Dr. C._ erklärte am 28. September 2006, er sei nicht bereit, die Massnahmen zu
treffen; er erachte sie als absolut unnötig. Am 26. Oktober 2006 reichte die
Krankenversicherung auf Ersuchen der IV-Stelle nach Belegen für den Bezug von
Psychopharmaka des Versicherten diverse Rechnungskopien ein. Die IV-Stelle hielt am
29. Dezember 2006 daran fest, dass die Medikamentenspiegelkontrollen stattzufinden
hätten. Am 3. Januar 2007 gab sie das Verlaufsgutachten in Auftrag.
A.o Am 3. Juli 2007 erstattete das ABI das weitere Gutachten (act. 43). Es wurden
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: (erstens) eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, (zweitens) ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik, bei
leichtgradigen degenerativen Veränderungen der unteren LWS, (drittens) eine
beginnende Coxarthrose rechts. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
wurden eine Schmerzverarbeitungsstörung sowie anamnestisch ein Status nach
Hepatitis B, bei derzeit labormässig leichter Hepatopathie, festgestellt. Der Versicherte
sei in der herkömmlichen Tätigkeit aufgrund der degenerativen Veränderungen im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bereich der unteren Wirbelsäule und der rechten Hüfte aus orthopädischer Sicht seit
Dezember 2002 voll arbeitsunfähig. Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich aufgrund der
leichten Episode einer rezidivierenden depressiven Störung eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um 20 %, indem bei ganztägiger Präsenz ein etwas erhöhter
Pausenbedarf und eine gewisse Verlangsamung des Arbeitstempos bestünden, was zu
einer leichten Verminderung des Rendements führe. Aus internistischer Sicht bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Für körperlich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten in wechselnder Position, mit einer Hebe- und Traglimite von 15 kg und
ohne länger dauernde Zwangshaltungen der Wirbelsäule und der unteren Extremitäten
bestehe aus orthopädischer Sicht eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich die genannte Arbeitsfähigkeit
von 80 %. Erst seit April 2006, als auch eine stationäre Behandlung in der
Psychiatrischen Klinik notwendig geworden sei, müsse dauerhaft von dieser leichten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen ausgegangen werden.
Medizinische Massnahmen (orthopädisch: aktivierende Massnahmen, psychiatrisch:
Fortsetzung der Gesprächstherapie und konsequente Einnahme der verordneten
Medikation, internistisch: Kontrolle der Hepatopathie) seien vorzuschlagen, berufliche
Massnahmen aufgrund der subjektiven Arbeitsunfähigkeitseinschätzung des
Versicherten nicht. Es sei anzunehmen, dass in der Vergangenheit nie über eine längere
Periode hinweg ein wesentlich schlechteres Zustandsbild bestanden habe, als es
derzeit vorliege, da der Versicherte stets über eine Verschlechterung, niemals jedoch
über eine Verbesserung seines subjektiven Befindens berichtet habe. Dank des
gemessenen Serumspiegels und der guten Einstellung der antidepressiven Medikation
sei die depressive Erkrankung gegenwärtig nur leicht ausgeprägt.
A.p Mit Vorbescheid vom 28. August 2007 (act. 30 f.) gab die IV-Stelle bekannt, dass
das Leistungsgesuch bei einem Invaliditätsgrad von 36 % abgewiesen werde.
A.q Der Versicherte liess mit Einwand vom 27. September 2007 (act. 28) die Zusprache
einer ganzen Rente, eventuell eine weitere, eingehende psychiatrische Begutachtung
durch eine unabhängige Gutachterstelle beantragen. Dr. C._ (am 3. September 2007)
und Dr. B._ (am 20. August 2007) hätten je zum Gutachten Stellung genommen.
Beide beigelegten Stellungnahmen wie auch die Beurteilung der Klinik Wil würden
erheblich von der Beurteilung des ABI abweichen. Dr. B._ beweise mit guten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Argumenten, dass das ABI-Gutachten, was die Einschätzung aus psychiatrischer Sicht
angehe, nicht schlüssig, ja teilweise sogar widersprüchlich sei. Auf ein solches
Gutachten könne nicht abgestellt werden. Dr. B._ gelange in Übereinstimmung mit
der Klinik Wil zum Schluss, dass der Versicherte aus psychiatrischer Sicht zu 100 %
arbeitsunfähig sei. Dr. C._ hatte am 3. September 2007 angegeben, die zweite
Begutachtung habe keine im Vergleich zur Begutachtung von 2005 neuen Aspekte im
Krankheitsbild erbracht. Ein MRI der LWS vom 28. August 2007 habe eine Protrusion
der Bandscheibe L5/S1 ohne Nervenwurzelkompression, eine kleine Ruptur im Anulus
fibrosus links und bekannte degenerative Veränderung im Bereich L4/5 gezeigt. Der
Versicherte sei für eine leichte Tätigkeit nach wie vor zu 50 % arbeitsfähig. Praktisch
sehe er (der Arzt) wegen der Ausbildung, dem Alter und der Krankheit des Versicherten
keine Einsatzmöglichkeit (act. 28-4 bis 6/8). Dr. B._ hatte am 20. August 2007
(act. 28-7 f./8) eingewendet, es scheine, dass der Gutachter die psychiatrische
Situation des Versicherten sehr wenig erfasst habe. Obwohl er eine psychomotorische
Verlangsamung sowie eine Herabsetzung der Mimik und Gestik gefunden habe, habe
er den Versicherten als lediglich leicht depressiv beurteilt. Er übersehe dabei, dass der
Versicherte gleichzeitig völlig lust- und interesselos sei, unter starken Schuldgefühlen
leide und eine intensive Störung der kognitiven Funktionen zeige. Er erwähne auch
nicht die Suizidgedanken des Versicherten, obwohl sie häufig seien. Zudem leide der
Versicherte unter starken negativen Zwangsgedanken, habe extreme Schlafstörungen
und fühle sich immerzu erschöpft. All diese Symptome sprächen mindestens für eine
mittelgradige depressive Störung. Der Gutachter meine, die Depression werde
wesentlich durch die fehlende Tagesstruktur, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die
ökonomische Abhängigkeit von der Ehefrau und die ungewissen Zukunftsaussichten
verursacht. Es sei aber nur schwer vorstellbar, dass diese Faktoren eine depressive
Störung verursachen könnten, die mit einer so enorm hohen - nämlich maximalen -
Dosis Medikamente behandelt werden müsse. Von einer leichten Episode könne man
keinesfalls sprechen, zumal die Symptome einer Depression trotzdem
weiterbestünden. Die Depression zum grossen Teil als Reaktion auf äussere Momente
zu betrachten, aber die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
deswegen nicht zu stellen, weil der Versicherte nicht unter lang anhaltenden
psychosozialen oder emotionalen Belastungsfaktoren gelitten habe, sei
widersprüchlich. Die Diagnose einer anankastischen Persönlichkeit, welche er und die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Psychiatrische Klinik Wil gestellt hätten, verneine der Gutachter, weil er den
vorhandenen Symptomen (Unentschlossenheit, Zweifel, übermässige Vorsicht als
Ausdruck einer tiefen persönlichen Unsicherheit, Bedürfnis nach ständiger Kontrolle,
Skrupulosität und Rigidität sowie negative Zwangsgedanken) zu wenig Gewicht
beigemessen habe. Es sei unverständlich, wie der Gutachter die Beurteilung der Klinik
Wil, dass der Versicherte bei der Entlassung 100 % arbeitsunfähig gewesen sei und
dass die Behandlung im Rahmen der Tagesklinik fortgesetzt werden müsse, in Abrede
stellen könne, da sie doch nach einer lang andauernden und gründlichen Beobachtung
des Versicherten gemacht worden sei. Wenn der Gutachter dafürhalte, bei einer
Depression handle es sich selten um ein konstantes Krankheitsbild, sei ihm
entgegenzuhalten, dass zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass dieses Leiden oft
chronifiziert sei. Beim Versicherten bestehe eine Komorbidität, da eine depressive
Störung, eine anankastische Persönlichkeitsstörung und eine chronifizierte
Schmerzstörung vorlägen. Er halte den Versicherten daher aus psychiatrischer Sicht
nach wie vor für zu 100 % arbeitsunfähig.
A.r Das ABI, welchem die beiden ärztlichen Stellungnahmen vorgelegt worden waren,
hielt mit Schreiben vom 6. November 2007 (act. 25) dafür, der Versicherte habe 2002
nicht unter psychosozialen und emotionalen Belastungsfaktoren gelitten. Die
Belastungen seien zum Teil aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten durch die
fehlende Arbeitstätigkeit bedingt gewesen. Bei der Abklärung 2007 habe der
Versicherte keine Suizidgedanken erwähnt. 2006 habe er vorübergehend unter einer
Verschlimmerung der depressiven Störung gelitten. Bei der Untersuchung habe nur
eine leichte depressive Störung festgestellt werden müssen. An einer schweren
Zwangsstörung leide der Versicherte wohl nicht, habe er doch während 30 Jahren
erwerbstätig sein können. Die Depression habe sich während des Klinikaufenthalts
zumindest partiell gebessert. Die Prognose werde durch die Arbeitslosigkeit
verschlechtert. Der Versicherte habe geplant, nach dem Klinikaustritt zusammen mit
seiner Familie die Ferien im Ausland zu verbringen. Das alles weise darauf hin, dass
damals keine schwere depressive Störung vorgelegen haben könne. In einer
angepassten Tätigkeit sei der Versicherte zu 80 % arbeitsfähig.
A.s Mit Verfügung vom 14. November 2007 (act. 22) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Leistungsanspruch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
des Versicherten ab. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 74'228.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 47'222.-- ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 36 %. Das
ABI habe nochmals begründet, weshalb an der Arbeitsfähigkeitsschätzung von 80 %
festzuhalten sei.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Benedikt Landolt für
den Betroffenen am 17. Dezember 2007 erhobene Beschwerde mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer ab 1. April
2006 eine Viertelsrente nach Art. 28 Abs. 1 IVG auszurichten. Das Valideneinkommen
und der Ausgangspunkt zur Bemessung des Invalideneinkommens dürften zutreffend
gewählt worden sein. Der Beschwerdeführer sei aufgrund verschiedener Handicaps
sowohl in somatischer wie psychischer Hinsicht am Arbeitsplatz zusätzlich
eingeschränkt und habe mithin Anspruch auf einen Abzug (vom Ausgangswert; zur
Bestimmung des Invalideneinkommens) von wenigstens 10 %. Im Einzelnen könne der
Beschwerdeführer etwa zwar noch ganztags, aber nur noch mit einer Leistung von
80 % arbeiten. Er sei gegenüber einem gesunden Mitbewerber auf dem Arbeitsmarkt
auch dadurch lohnmässig benachteiligt, dass er auf eine leichte, wechselbelastende
Tätigkeit ohne Heben und Tragen von schweren Gewichten und ohne ungünstige
Haltungen angewiesen sei, umso mehr, als er unter chronischen Schmerzen leide, die
ihn auch bei körperlich leichten Tätigkeiten einschränkten. Dr. B._ habe dem
Beschwerdeführer im Vergleich zum Sommer 2006 deutlich höhere, nämlich maximale
Dosen von Antidepressiva (Efexor, Seroquel, Remeron, Temesta) verschrieben. Bei
Anwendung dieser Medikamente sei Vorsicht bei der Bedienung von Werkzeugen,
Maschinen und Fahrzeugen geboten. Die Medikamente wirkten ausserdem sedativ,
machten also tendenziell langsam, wenn nicht schläfrig, was angesichts der
zunehmend automatisierten und maschinellen Arbeitsprozesse nachteilig sei. Die
zahlreichen ärztlichen Termine durch Gesprächstherapien, Physiotherapie und
hausärztliche Kontrollen führten bei einem vollen Arbeitspensum zwangsläufig zu
Absenzen und Lohnausfall. Mit einem Behindertenabzug von 10 % ergebe sich ein
Invalideneinkommen von Fr. 42'500.--, womit sich der Invaliditätsgrad auf 43 % stelle.
Anspruchsbeginn sei April 2006.
C.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie habe auf das schlüssige Ergebnis des Gutachtens
vom 21. Dezember 2006 (wohl: 3. Juli 2007) abgestellt. Ein Abzug vom Tabellenlohn
falle unter keinem Titel in Betracht. Die selbst in einer der gesundheitlichen
Beeinträchtigung angepassten Tätigkeit verbleibende Beeinträchtigung des
Beschwerdeführers sei abschliessend in der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung
berücksichtigt worden. Die Einsatzmöglichkeiten des Beschwerdeführers seien nach
Einschätzung des ABI nicht auf leichte Hilfsarbeiten beschränkt, sondern er könne,
wenn auch nicht als Dauertätigkeit, Lasten bis zu 15 kg heben und tragen. Weiter
bestehe keine rechtsgenügliche Grundlage, um bei vollzeitlich mit reduzierter Leistung
tätigen Versicherten eine über die Einschränkung der Leistungsfähigkeit hinaus
gehende überproportionale Lohneinbusse anzunehmen und beim leidensbedingten
Abzug zu berücksichtigen. Ein Ausländerabzug sei ebenfalls nicht vorzunehmen, da die
Nationalität angesichts der Tatsache, dass die statistischen Löhne aufgrund der
Einkommen der schweizerischen und der ausländischen Wohnbevölkerung erfasst
würden, vernachlässigt werden könne. Zumindest bei Hilfsarbeitern gebe es keinen
Ausländernachteil, weil der statistische Durchschnittslohn der Hilfsarbeiter zu einem
sehr grossen Teil auf den von ausländischen Hilfsarbeitern effektiv erzielten Löhnen
beruhe. Auch der Faktor Alter wirke sich in keiner Tätigkeit lohnsenkend aus. Dass
jüngere Arbeitnehmer bei der Anstellung bevorzugt würden, rechtfertige ebenfalls
keinen zusätzlichen Abzug, da Erwerbslosigkeit wegen des Alters keinen
Rentenanspruch begründe.
D.
Mit Replik vom 8. Mai 2008 bringt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vor, eine
zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit ergebe sich
orthopädisch nur unter den kumulativen Voraussetzungen, dass der Beschwerdeführer
ausschliesslich für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in wechselnder
Position eingesetzt werde, keine Lasten von mehr als 15 kg heben oder tragen und
weder seine Wirbelsäule noch die unteren Extremitäten länger dauernden
Zwangshaltungen aussetzen müsse. Bei der Festsetzung des Invalidenlohns habe die
Beschwerdegegnerin ausschliesslich die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
psychiatrischer Hinsicht berücksichtigt, indem sie auf das Niveau 4 der Tabelle 1 der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Lohnstrukturerhebung abgestellt habe. Bei der Abgrenzung der Niveaus sei
unerheblich, ob gesundheitliche Handicaps bestünden. Solche Einschränkungen wie
erhöhter Pausenbedarf, Verlangsamung, Notwendigkeit wechselnder Arbeitspositionen
oder limitierte Fähigkeiten beim Heben oder Tragen von Lasten seien damit nicht
berücksichtigt. Das psychiatrische Handicap finde in dem von der
Beschwerdegegnerin bestimmten Invalidenlohn seinen Niederschlag, die weiteren
gesundheitlichen Einschränkungen seien hingegen ausser Acht gelassen worden. Zu
berücksichtigen seien die Limitierung des Beschwerdeführers einerseits hinsichtlich
des Hebens und Tragens sowie der Zwangshaltungen und anderseits jene hinsichtlich
seiner Einsatzmöglichkeiten an Maschinen, ferner der Bedarf, die erforderlichen
Arzttermine wahrnehmen zu können, was mit Absenzen verbunden sei. Die
Erwerbsfähigkeit sei dadurch zusätzlich beeinträchtigt. Ein Abzug von wenigstens 10 %
sei sicherlich gerechtfertigt.
E.
In ihrer Duplik vom 20. Mai 2008 hält die Beschwerdegegnerin daran fest, dass ein
Abzug vom Tabellenlohn nicht zu gewähren sei.

Erwägungen:
1.
1.1 Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügungen am 14. November 2007 entwickelt hat, sind die auf den
1. Januar 2008 in Kraft getretenen Rechtsänderungen nicht anwendbar.
1.2 Streitgegenstand bildet vorliegend zunächst die Rentenfrage. Die
Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung entsprechende Leistungen
abgelehnt, der Beschwerdeführer lässt im Gerichtsverfahren einzig eine Rente
beantragen. Eine Verfügung über die Ablehnung eines Anspruchs auf berufliche
Massnahmen vom 1. September 2005 war nach einem Rückzug der Einsprache formell
rechtskräftig geworden. Ergäbe sich allerdings, dass ohne Eingliederungsmassnahmen
ein Rentenanspruch in Frage steht, so gehörte zum Streitgegenstand
notwendigerweise nach den diversen späteren Abklärungen auch nochmals die Frage,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ob die Verwaltung den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige
Pflicht des Beschwerdeführers zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Für die Invaliditätsbemessung, welche das Mass der Zurücksetzung der
erwerblichen Leistungsfähigkeit infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung ergeben soll,
sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen von Bedeutung. Aufgabe des Arztes
oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage
für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte
Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch tatsächlich ausübt, ist für die
Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046 des vom Bundesamt für
Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflosigkeit in
der Invalidenversicherung = KSIH).
2.3 Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im massgeblichen Zeitraum liegen
unterschiedliche ärztliche Beurteilungen vor. Für eine erste Phase stehen die
Auffassungen von Dr. C._ (mit 50 % Arbeitsunfähigkeit aus rein somatischer Sicht)
und von Dr. B._ (mit 70 % Arbeitsunfähigkeit; während sich die Beurteilung von
Dr. A._ hingegen wohl auf die angestammte Tätigkeit bezog) dem Gutachten vom
August 2005 gegenüber, das dem Beschwerdeführer eine umschriebene angepasste
Tätigkeit voll zumutete. Für die Zeit ab April 2006 attestierte das ABI dem
Beschwerdeführer im Gutachten vom Juli 2007 eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %,
während Dr. C._ weiterhin von einer somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von
50 % und Dr. B._ von einer Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
100 % ausgingen. Die Psychiatrische Klinik hatte dem Beschwerdeführer bei Austritt im
Juli 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bescheinigt.
2.4 Aufgrund der beiden Gutachten erscheint überzeugend begründet, dass der
Beschwerdeführer zunächst an einem lumbovertebralen Schmerzsyndrom und einer
beginnenden Coxarthrose und daneben an einer die Arbeitsfähigkeit nicht
einschränkenden reaktiven depressiven Störung litt, und dass ab April 2006 (bei
psychiatrischer Hospitalisation ab Mai 2006) von einer die Arbeitsfähigkeit
einschränkenden rezidivierenden depressiven Störung auszugehen war. Die
Psychiatrische Klinik hatte eine
- wohl vorübergehende - mittelgradige depressive Episode zu behandeln gehabt. Die
ABI-Gutachten basieren auf einer Kenntnisnahme der Vorakten und einer ausführlichen
Erhebung der Anamnese. Sowohl subjektive als auch objektive Angaben wurden zur
Kenntnis genommen. Es wurden die erforderlichen Untersuchungen gemacht und die
Befunde erhoben. Es handelt sich um detaillierte Darlegungen der medizinischen
Gegebenheiten mit begründeten Schlussfolgerungen, die gesamthaft zu ziehen waren.
Die Gutachter haben sich ferner jeweils mit den Gegenstandpunkten der behandelnden
Ärzte auseinandergesetzt. Die von ihnen dargelegten Ergebnisse erscheinen nach der
gesamten Aktenlage nachvollziehbar und überzeugend. Die Expertisen entsprechen
den vom Bundesgericht verlangten formellen Anforderungen an ein medizinisches
Gutachten. Auf ihre Ergebnisse kann deshalb vollumfänglich abgestellt werden, was im
vorliegenden Verfahren auch nicht bestritten worden ist.
3.
3.1 Was die erwerblichen Auswirkungen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
betrifft, wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist
grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns
abzustellen (BGE 129 V 222).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2 Nach dem hier anwendbaren Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht ein Rentenanspruch
(frühestens) in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig
gewesen war. Unter Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG ist die
durch den Gesundheitsschaden bedingte qualitative und/oder quantitative Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu
verstehen (BGE 130 V 99 E. 3.2). Im Rahmen des Art. 29 Abs. 1 IVG nicht anwendbar
ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Grundsatz, dass bei
langdauernder Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar wird, dass
die Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr in Frage kommt - nach
Ablauf einer gewissen Übergangsfrist auch zumutbare Tätigkeiten in einem andern
Beruf zu berücksichtigen sind. Bei der Anwendung dieser Bestimmung ist
ausschliesslich die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu betrachten
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 23. Oktober 2003,
I 392/02, vgl. BGE 130 V 99 E. 3.2, bereits unter Hinweis auf den künftigen Art. 6
ATSG). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein wesentlicher Unterbruch der
Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens dreissig
aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV). Auch vor der
Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu berücksichtigen (ZAK 1966
S. 58; Ulrich Meyer, a.a.O., S. 238; BGE 117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C. vom 2. März 2000 [I 307/99]). Es kann
hier davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer bei Ablauf einer (ersten
möglichen) Wartezeit von einem Jahr im Dezember 2003 nach ärztlicher Beurteilung in
einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig und damit nicht relevant erwerbsunfähig
war. Ein Rentenanspruch entstand damit nicht. Der Beschwerdeführer blieb aber in
seiner bisherigen Tätigkeit stets voll arbeitsunfähig, so dass unter diesem
Gesichtspunkt ein Wartejahr jederzeit mit dem grösstmöglichen Durchschnitt ablaufen
konnte. Der Beginn des Rentenanspruchs hängt somit lediglich noch vom Zeitpunkt ab,
da auch eine rentenbegründende Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität entstand. Ab April
2006 ist beim Beschwerdeführer auch in adaptierter Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit
von 20 % aufgetreten, womit sich fragt, ob sich daraus ein solcher
rentenbegründender Invaliditätsgrad ergibt.
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.3 Nach der Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Valideneinkommens
entscheidend, was eine versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt auf Grund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Da nach
empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall
weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des
Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste
Verdienst (BGE 134 V 325 E. 4.1). Nach Angaben der Arbeitgeberin hätte der
Monatslohn des Beschwerdeführers 2004 Fr. 5'460.-- betragen, das
Jahreseinkommen, weil von einer regelmässigen Gratifikation ausgegangen werden
kann, demnach Fr. 70'980.--. Um die Nominallohnentwicklung bis 2007 angepasst,
ergibt sich ein Betrag von Fr. 73'690.-- (T1.39 der Lohnentwicklung 2007 des
Bundesamtes für Statistik), der als Valideneinkommen zu betrachten ist.
3.4 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist
kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V
472 E. 4.2.1, Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 19. Juni 2008, 9C_81/2008). Dass
vorliegend auf die Tabellenlöhne abzustellen ist, ist zu Recht unbestritten geblieben, da
angenommen werden kann, auf einem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt
stünden dem Beschwerdeführer grundsätzlich ausreichend viele Arbeitsmöglichkeiten
zur Verfügung. Gemäss der Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
LSE 2006 des Bundesamtes für Statistik, welche heranzuziehen ist (keine regionalen
Löhne, vgl. 8C_742/2008), konnten Männer mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten im
privaten Sektor in jenem Jahr durchschnittlich (statistisches Mittel, Zentralwert; vgl. AHI
1999 S. 50) Fr. 56'784.-- (12mal Fr. 4'732.--) verdienen. Nach Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung (von rund 1.6 %) bis 2007 ergibt sich ein Betrag von
Fr. 57'693.--. Bezogen auf die betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit von im Jahr
2007 41.7 Stunden (statt 40 Stunden, wie sie der Tabelle TA1 zugrunde liegen) macht
dies Fr. 60'145.-- aus.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
4.1 Strittig ist, ob der Beschwerdeführer die Voraussetzungen für einen Abzug vom
Tabellenlohn erfüllt. In der Praxis werden die zur Bestimmung des
Invalideneinkommens herangezogenen Tabellenlöhne gekürzt, wenn Versicherte, die in
ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten, nach Eintritt des
Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur beschränkt einsatzfähig sind,
wenn sie - unabhängig von der früher ausgeübten Tätigkeit - als gesundheitlich
Beeinträchtigte im Rahmen leichter Hilfsarbeitertätigkeiten nicht mehr voll
leistungsfähig sind oder wenn weitere persönliche und berufliche Merkmale wie Alter,
Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben. Tabellenlöhne schliesslich
werden bei gesunden Arbeitskräften erhoben. Der Abzug ist nicht schematisch
vorzunehmen. Vielmehr ist der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen
unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen. Letztlich ist der Abzug vom statistischen Lohn unter
Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale auf insgesamt höchstens
25 % zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 75).
4.2 Zu beachten ist, dass der Beschwerdeführer zwar leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten verrichten kann, dabei aber darauf angewiesen ist, wechselnde Positionen
einnehmen zu können sowie länger dauernde Zwangshaltungen der Wirbelsäule und
der unteren Extremitäten zu vermeiden und eine Limite für Hebe- und Trageleistungen
von 15 kg einzuhalten. Es fällt ferner ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer
gegenüber einem gesunden Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt für einen geeigneten
Arbeitsplatz aufgrund der psychischen Beeinträchtigung der Rücksichtnahme seitens
der Vorgesetzten und Arbeitskollegen bedarf. Da der Beschwerdeführer hohe Dosen an
ärztlich verschriebenen Medikamenten (v.a. Antidepressiva) einnehmen muss, ist mit
einer Verlangsamung, allenfalls mit Konzentrationsproblemen bei der Arbeit zu
rechnen. Dazu kommt ein allfälliges Sicherheitsrisiko. Der Beschwerdeführer ist zudem
behinderungsbedingt weniger flexibel einsetzbar (etwa in Bezug auf Überstunden,
kurzfristige Einsätze an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz). Weiter ist ein höheres
Risiko vorhanden, aus krankheitsbedingten Gründen vom Arbeitsplatz abwesend sein
zu müssen. Diese Risiken, deren Verwirklichung die Gesamtlohnkosten des Betriebes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erhöhen würde, bedeuten für einen potentiellen Arbeitgeber einen wirtschaftlichen
Nachteil. Um diese Nachteile kompensieren zu können und konkurrenzfähig zu bleiben,
muss der Beschwerdeführer seine Arbeitskraft zu einem entsprechend tieferen Lohn
offerieren. Bei diesen Umständen handelt es sich (mit Ausnahme der Verlangsamung)
um Faktoren, die nicht bereits mit dem Ausmass der Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt
sind.
4.3 Männer mit einem Beschäftigungsgrad von maximal 89 % (Teilzeitbeschäftigte)
verdienen ausserdem (auf allen Anforderungsniveaus) in der Regel überproportional
weniger als Vollzeitangestellte. Gemäss den medizinischen Vorgaben besteht eine
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers für eine ganztägige Präsenz mit einem um
20 % reduzierten Rendement (begründet mit einem leicht erhöhten Pausenbedarf und
einer gewissen Verlangsamung des Arbeitstempos). Mit dem Teilzeitabzug soll nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur die eigentliche Teilzeitarbeit erfasst
werden, nicht aber eine vollzeitliche Tätigkeit mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit
(Bundesgerichtsentscheid i/S I. vom 4. März 2009, 9C_980/2008; vgl. auch den
Bundesgerichtsentscheid i/S S. vom 5. Juni 2008, 9C_344/08). Es erscheint jedoch als
gerechtfertigt, einen leidensbedingten Abzug auch bei versicherten Personen
anzuerkennen, die ganztägig, aber mit reduzierter Leistungsfähigkeit anwesend sein
können. Wird ein Versicherter für Arbeit im Ausmass von z.B. 50 % eines Vollpensums
angestellt, so wird er gewiss keinen höheren Lohn erwarten können, wenn er für diese
50% Leistung 100 % der betriebsüblichen Arbeitszeit benötigt. Es ist diesbezüglich der
Argumentation des Bundesgerichts im Entscheid i/S T. vom 8. Januar 2008,
9C_603/07, zu folgen. Kein Arbeitgeber wird bereit sein, dem ganztägig anwesenden
Arbeitnehmer für eine Leistung von z.B. 80 % einen höheren Lohn zu bezahlen als dem
zeitlich nur 80 % Anwesenden ohne Leistungseinbusse; tendenziell dürfte eher das
Gegenteil der Fall sein. Da dies jedoch statistisch nicht belegbar ist, erscheint es als
angezeigt, den statistisch ausgewiesenen Teilzeitnachteil sowohl bei teilzeitlich mit
voller Leistung als auch bei vollzeitlich mit eingeschränkter Leistung arbeitsfähigen
Versicherten anzuwenden (so der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen i/S F. vom 29. September 2008, IV 2007/242). Männer im tiefsten
Anforderungsniveau erzielten im Jahr 2006 mit einem zwischen 75 % und 89 %
liegenden Arbeitspensum ein aufgerechnet auf ein Vollpensum um 5.86 % tieferes
Einkommen (LSE 2006, Tabelle T2*).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.4 Insgesamt erscheint vorliegend für die Berücksichtigung dieser Nachteile ein
Abzug von 15 % als angemessen, womit sich der Tabellenlohn auf Fr. 51'123.--
reduziert. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 80 % ergibt sich ein Invalideneinkommen von
Fr. 40'898.--. Im Vergleich zum Valideneinkommen von Fr. 73'690.-- ergibt sich eine
Einschränkung von 44 %. Auch bei einem Abzug vom Tabellenlohn von lediglich 10 %
ergäbe sich immer noch ein Invaliditätsgrad von 41 % und damit Anspruch auf eine
Viertelsrente.
5.
5.1 Art. 16 ATSG schreibt vor, dass der Einkommensvergleich zur Bemessung des
Invaliditätsgrades erst nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen ist. Da sich ohne
Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch ergibt, muss beurteilt werden, ob vor
der Rentenzusprache zumutbare Eingliederungsmassnahmen in Frage kommen. Aus
den Aussagen der verschiedenen Ärzte und Gutachter geht hervor, dass der
Beschwerdeführer sich aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung und fehlender
Motivation als vollständig arbeitsunfähig betrachtet. Nach eigenen Angaben absolvierte
er das achtjährige Grundschulobligatorium in seinem Heimatland und arbeitete
anschliessend auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb. Eine Berufslehre hatte er
keine abgeschlossen. Er leistete Militärdienst und arbeitete später als Saisonnier, bevor
er 1979 als Hilfsarbeiter (Bauarbeiter, Lagermitarbeiter, Chauffeur) in die Schweiz kam.
Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines
Ausbildungsstandes und seines Alters nicht in der Lage wäre, eine Ausbildung zu
absolvieren. Ein Wiedereingliederungsversuch erschiene, selbst wenn geeignete
Vorkehren in Frage kämen, derzeit nicht erfolgsversprechend.
5.2 Besteht bei einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 100 % im Wartejahr in
der Folge ab April 2006 somit ein rentenbegründender Invaliditätsgrad, beginnt der
Rentenanspruch im April 2006. Der Beschwerdeführer hat ab 1. April 2006 Anspruch
auf eine Viertelsrente. Die Beschwerdegegnerin wird die Rentenhöhe zu berechnen
haben.
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 14. November 2007 gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer ist ab 1. April 2006 eine Viertelsrente zuzusprechen.
6.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Dem
Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
6.3 Der Beschwerdeführer hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Die Honorarnote seines Rechtsvertreters lautet
auf Fr. 3'916.65. Es wird damit offensichtlich das übliche Ergebnis der Pauschalierung
gemäss Gerichtspraxis (Fr. 3'500.--) zum Ausgangspunkt genommen. Die
Schwierigkeit des Falles sowie Art und Umfang der Bemühungen begründen in der Tat
die übliche Pauschale für einen mittleren Fall. Allein nach der Gerichtspraxis ist das in
vergleichbaren Fällen übliche Pauschalhonorar von Fr. 3'500.-- unter Einschluss von
Barauslagen und Mehrwertsteuer zu verstehen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG