Decision ID: 490ff8e1-1f33-4e34-b915-17c0662200ab
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
M._ verfügt seit dem 19. Mai 2003 über eine Niederlassungsbewilligung. Mit per
Einschreiben versandter Verfügung vom 6. Januar 2022 widerrief das Migrationsamt
die Niederlassungsbewilligung und wies M._ aus der Schweiz weg (act. G 8.1.1).
Nachdem die Verfügung nicht zugestellt werden konnte und retourniert worden war,
versandte sie das Migrationsamt am 18. Januar 2022 nochmals mit A-Post (act.
G 8.1.2).
A.a.
Am 26. April 2022 schloss M._ einen Arbeitsvertrag mit der X._ GmbH. Vereinbart
wurde ein 50%-iger Beschäftigungsgrad als Reinigungsmitarbeiter ab 1. Mai 2022 (act.
G 8.1.7).
A.b.
M._ ersuchte mit Schreiben vom 20. Mai 2022 beim Migrationsamt um die Erneuerung
einer «Aufenthaltsbewilligung» (persönliche Übergabe am 25. Mai 2022). Er sei aus
gesundheitlichen Gründen nicht dazu gekommen, seine Post zu öffnen und sich darum
zu kümmern (act. G 8.1.5). Das Migrationsamt überwies die Eingabe vom 20. Mai 2022
am 1. Juni 2022 als Rekurs bzw. Fristwiederherstellungsgesuch dem Sicherheits- und
Justizdepartement des Kantons St. Gallen (act. G 8.1). Dieses räumte M._ mit per
Einschreiben versandtem Brief vom 7. Juni 2022 die Gelegenheit zu einer ergänzenden
Begründung des Fristwiederherstellungsgesuchs bis zum 22. Juni 2022 ein (act. G 8.2).
Da dieses Schreiben mangels Abholung retourniert worden war, wurde es am 17. Juni
2022 nochmals mit A-Post versandt (act. G 8.4). Nachdem die Frist für eine ergänzende
Begründung unbenützt verstrichen war, trat das Sicherheits- und Justizdepartement
mit Entscheid vom 8. Juli 2022, RDRM.2022.35 / RDGS.2022.142, sowohl auf das
Fristwiederherstellungsgesuch als auch auf den Rekurs nicht ein (act. G 8.5).
A.c.
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B.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet der Entscheid der
Vorinstanz vom 8. Juli 2022, worin diese die Voraussetzungen für eine
Fristwiederherstellung als nicht erfüllt erachtete und in der Folge auf den Rekurs nicht
eintrat (act. G 2). Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben
(Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
Gegen den Entscheid vom 8. Juli 2022 erhob der Beschwerdeführer, vertreten durch
Rechtsanwältin Nicole Nef, am 29. August 2022 Beschwerde. Er beantragte, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur
Behandlung zurückzuweisen. Diese sei anzuweisen, auf seinen Rekurs einzutreten.
Eventualiter sei der Widerruf der Niederlassungsbewilligung aufzuheben. Zudem sei die
Wegweisungsverfügung vom 16. Februar 2022 aufzuheben, eventualiter sei sie
vorsorglich für die Dauer des Verfahrens nicht zu vollziehen. Des Weiteren ersuchte der
Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung liess der Beschwerdeführer im
Wesentlichen vorbringen, er sei aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage
gewesen, die Post entgegenzunehmen, zu öffnen und erst recht nicht darauf zu
reagieren. Dieser Zustand dauere bis heute an (act. G 1). Am 20. September 2022
orientierte die Rechtsvertreterin das Verwaltungsgericht über die Beendigung des
Mandats (act. G 6).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 20. September 2022 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde (act. G 7). Mit Einschreiben vom 21. September 2022 und
zufolge Nichtabholens mit erneuter A-Post Zustellung wurde dem Beschwerdeführer
Gelegenheit zur Stellungnahme und Akteneinsicht gegeben (act. G 9 ff.). Davon machte
er weder innert Frist noch später Gebrauch.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Verfahrensparteien im Beschwerdeverfahren sowie die Akten wird, soweit
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
B.b.
bis
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Die Beschwerde gegen den am 8. Juli 2022 versandten Rekursentscheid wurde am
29. August 2022 und damit – unter Berücksichtigung der Gerichtsferien vom 15. Juli bis
und mit dem 15. August – rechtzeitig erhoben (Art. 64 i.V.m. Art. 47 Abs. 1 VRP i.V.m.
Art. 30 Abs. 1 VRP i.V.m. Art. 145 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]). Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist daher grundsätzlich einzutreten.
Zu beachten ist allerdings, dass Gegenstand des angefochtenen Entscheids
ausschliesslich ein Nichteintreten auf den am 25. Mai 2022 persönlich überbrachten
Rekurs gegen die Verfügung vom 6. Januar 2022 bildet. Entsprechend kann im
vorliegenden Beschwerdeverfahren mangels Anfechtungsgegenstands auf die
darüberhinausgehenden (materiellen) Rechtsbegehren (Ziffer 3: eventualiter sei der
Widerruf der Niederlassungsbewilligung aufzuheben, und Ziffer 4: die
Wegweisungsverfügung sei aufzuheben) nicht eingetreten werden.
2.
Nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob die Voraussetzungen für eine
Wiederherstellung der Rekursfrist im Verfahren vor der Vorinstanz erfüllt sind, nachdem
diese am 28. Januar 2022 ungenutzt verstrichen war (siehe hierzu die unbestritten
gebliebenen Ausführungen der Vorinstanz in E. 1b des angefochtenen Entscheids, act.
G 8.5). Dass das Migrationsamt einer Wiederherstellung der Rekursfrist nicht
zustimmte, ergibt sich aus den Akten und ist unbestritten (E. 2c des angefochtenen
Entscheids, act. G 8.5).
Die Wiederherstellung einer Frist kann gemäss Art. 30 Abs. 1 VRP unter den
Voraussetzungen von Art. 148 Abs. 1 ZPO oder mit der Zustimmung der
Verfahrensgegner angeordnet werden. Art. 148 Abs. 1 ZPO bestimmt, dass der
säumigen Partei auf Gesuch hin eine Nachfrist gewährt werden kann, wenn diese
glaubhaft macht, dass sie kein oder nur ein leichtes Verschulden trifft. Ein
unverschuldetes Hindernis als Säumnisursache ist ein Umstand, den die säumige
Person nicht zu vertreten hat. War die Gesuchstellerin wegen eines von ihrem Willen
unabhängigen Umstands verhindert, zeitgerecht zu handeln, liegt objektive
Unmöglichkeit vor. Subjektive Unmöglichkeit wird demgegenüber angenommen, wenn
zwar die Vornahme der Handlung objektiv betrachtet möglich gewesen wäre, die
2.1. ter
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betroffene Person aber durch besondere Umstände, die sie nicht zu verantworten hat,
am Handeln gehindert worden ist. Nach Art. 148 Abs. 2 ZPO ist das Gesuch innert
zehn Tagen nach Wegfall des Säumnisgrundes einzureichen. Das Hindernis im Sinn
von Art. 148 Abs. 2 ZPO gilt in dem Zeitpunkt als weggefallen, in dem die Partei
erkannte oder hätte erkennen müssen, dass sie die Frist oder den Termin versäumt hat
(siehe zum Ganzen den Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 10. März 2021,
B 2020/210, E. 2.1).
Der Beschwerdeführer macht als Säumnisgrund einen psychischen
Gesundheitsschaden geltend, der auf seine äusserst schwierige finanzielle Lage und
den gewaltsamen Tod seines Stiefsohns im ._ 2021 zurückzuführen sei (act. G 1,
Rz 15 und 24).
2.2.
Zwar ist es nachvollziehbar, dass der tragische Tod des Stiefsohns im ._ 2021 den
Beschwerdeführer vorübergehend seelisch erschüttert hatte. Allerdings leuchtet nicht
ein, dass er noch Monate später vollständig unfähig gewesen wäre, seine Post
entgegenzunehmen und zu sichten sowie fristwahrende Handlungen vorzukehren. Aus
dem vom Beschwerdeführer eingereichten Bericht des behandelnden Dr. med. S._,
Facharzt für Innere Medizin, vom 25. August 2022 (act. G 3.5) vermag er nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten. Daraus ergibt sich lediglich, dass der Beschwerdeführer,
bei dem seit Ende 2012/Anfang 2013 depressive Symptome (Schlafstörungen,
Stimmungsschwankungen, Antrieblosigkeit) bekannt waren, «möglicherweise» anfangs
Jahr erneut an einer mittelschweren depressiven Episode gelitten habe, aufgrund derer
es ihm als nachvollziehbar erscheine, dass dem Beschwerdeführer alltägliche
Tätigkeiten nicht mehr möglich gewesen sein könnten. Er habe ihn daher wegen einer
möglichen persistierenden depressiven Episode für eine psychiatrische Beurteilung und
allfällige psychotherapeutische Begleitung an die Tagesklinik in A._ überwiesen. Diese
vorläufige Diagnose scheint vorliegend nicht geeignet, eine vollständige Unfähigkeit zur
Postsichtung und Vornahme fristwahrender Handlungen im massgebenden Zeitpunkt
zu belegen. Abgesehen davon, dass Dr. S._ über keine fachpsychiatrische Ausbildung
verfügt, enthält sein Bericht keinen Befund, der die vom Beschwerdeführer geltend
gemachte vollständige Handlungsunfähigkeit nahelegen oder gar rechtfertigen würde.
Vielmehr gibt Dr. S._ lediglich die nicht objektiv geprüfte Selbsteinschätzung des
Beschwerdeführers wieder. Auch aus den übrigen Akten gehen keine Anhaltspunkte
hervor, die eine krankheitsbedingte vollständige Unfähigkeit zur Postentgegennahme
und -sichtung sowie zu einer fristgerechten Rekurserhebung (unter allfälliger
2.2.1.
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3.
Der Beschwerdeführer bringt ausserdem vor, sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei
verletzt worden. In seinem Schreiben vom 20. Mai 2022 habe er explizit um eine
mündliche Anhörung ersucht. Es sei ihm bewusst gewesen, dass er nicht in der Lage
sein werde, sich entsprechend schriftlich zu äussern. Auf dieses Begehren sei die
Vorinstanz mit keinem Wort eingegangen (act. G 1, Rz 27).
Zuhilfenahme einer Drittperson) als glaubhaft erscheinen lassen. Diese
Betrachtungsweise wird durch die Ausführungen in der Beschwerde im Ergebnis
bestätigt. So liess der Beschwerdeführer darin vorbringen, der Zustand der
«Schockstarre» halte bis «heute» an (act. G 1, Rz 24). Der ins Feld geführte andauernde
Zustand steht indessen im klaren Widerspruch zum tatsächlichen Verhalten des
Beschwerdeführers: So vermochte er am 26. April 2022 einen Arbeitsvertrag zu
schliessen (siehe hierzu nachstehende E. 2.2.2), am 20. Mai 2022 ein Gesuch um
«Erneuerung» seiner Aufenthaltsgenehmigung zu stellen (act. G 8.1.5) und am
19. August 2022 eine Rechtsanwältin zu mandatieren (act. G 3.2). Unter diesen
Umständen fehlt es klarerweise an einem Säumnisgrund im Sinn von Art. 30 Abs. 1
VRP i.V.m. Art. 148 Abs. 1 ZPO.
ter
Selbst wenn im Januar 2022 das Vorliegen eines Säumnisgrundes noch zu bejahen
gewesen wäre, so wäre dieser spätestens am 26. April 2022 offensichtlich weggefallen.
Der Beschwerdeführer unterzeichnete nämlich an diesem Tag einen Arbeitsvertrag als
Reinigungsmitarbeiter mit einem 50%-igen Beschäftigungsgrad (act. G 8.1.7); am
20. Mai 2022 äusserte er, sich (wieder) 100%-ig arbeitsfähig zu fühlen (act. G 8.1.5).
Hinzu kommt, dass Dr. S._ ausführte, bei der Konsultation vom 4. Mai 2022 seien vor
allem somatische Beschwerden im Vordergrund gestanden (act. G 3.5, S. 2). Folglich
war der Beschwerdeführer spätestens ab 26. April 2022 über mehrere Wochen in der
Lage, Rechtsgeschäfte abzuschliessen, betrachtete er sich doch selber seither als
zumindest teilweise arbeitsfähig. Im Licht dieser Umstände betrachtet steht fest, dass
er spätestens ab 26. April 2022 fähig gewesen wäre, ein Gesuch um
Fristwiederherstellung einzureichen, was er allerdings nicht innert der zehntägigen Frist
(Art. 30 Abs. 1 VRP i.V.m. Art. 148 Abs. 2 ZPO) tat und was er sich nun entgegen
halten lassen muss. Ergänzend kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden (E. 2b des angefochtenen Entscheids, act. G 8.5).
2.2.2.
ter
Das an das Migrationsamt gerichtete Gesuch um Erneuerung der
Aufenthaltsgenehmigung vom 20. Mai 2022 endete mit dem Satz «Ich würde mich über
3.1.
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eine Kontaktaufnahme von Ihnen freuen[,] um alles weitere persönlich zu
besprechen» (act. G 8.1.5). Das Migrationsamt überwies die Eingabe vom 20. Mai 2022
zuständigkeitshalber an die Vorinstanz (act. G 8.1). Diese orientierte den
Beschwerdeführer im per Einschreiben versandten Schreiben vom 7. Juni 2022 mit
ausführlicher Begründung über die Überweisung, die unbenützt verstrichene Frist für
einen Rekurs gegen die Verfügung vom 6. Januar 2022 und die Anforderungen an ein
Fristwiederherstellungsgesuch. Sie räumte ihm ferner ausdrücklich Gelegenheit ein,
sein Wiederherstellungsgesuch bis zum 22. Juni 2022 zu begründen und zu belegen
sowie die entsprechenden Beweismittel einzureichen. Gleichzeitig stellte sie ihm in
Aussicht, bei unbenützter Frist werde sie aufgrund der Akten entscheiden (act. G 8.2).
Da der Beschwerdeführer das Schreiben vom 7. Juni 2022 nicht abgeholt hatte, sandte
sie ihm dieses am 17. Juni 2022 nochmals per A-Post zu (act. G 8.4).
Nachdem der Beschwerdeführer auf das Schreiben vom 7. Juni 2022 bzw. vom
17. Juni 2022 nicht reagiert hatte, ist es nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz –
wie vorgängig angezeigt – nach unbenützter Frist ohne Weiterungen über das
Fristwiederherstellungsgesuch einerseits und den Rekurs anderseits entschied. Dem
Beschwerdeführer wäre es insbesondere offen gestanden, im Rahmen einer kurzen
schriftlichen Stellungnahme oder auf andere Weise (telefonisch oder mittels Vorsprache
vor Ort) gegenüber der Vorinstanz innert angesetzter Frist um eine mündliche
Verhandlung bzw. eine persönliche Anhörung zu ersuchen. Mit Blick auf die von der
Vorinstanz im Schreiben vom 7. Juni 2022 zutreffend dargelegten aktenkundigen
Tatsachen (Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit ab Mai 2022; siehe hierzu act.
G 8.1.5 und zum Arbeitsvertrag vom 26. April 2022, act. G 8.1.7) und die von ihr
gestützt darauf gegen eine Fristwiederherstellung gezogenen überzeugenden Schlüsse,
erschien die zusätzliche Anordnung einer mündlichen Verhandlung entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 1, Rz 27) weder zur Wahrung der
Parteirechte notwendig noch zweckmässig im Sinn von Art. 55 Abs. 1 VRP. Eine
Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt damit ebenfalls nicht vor.
3.2.
Zusammenfassend ist die Beschwerde daher abzuweisen, soweit auf sie eingetreten
werden kann. Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist dem Gesuch um Erlass
vorsorglicher Massnahmen im Beschwerdeverfahren (vorsorglicher Verzicht auf Vollzug
der Wegweisungsverfügung vom 16. Februar 2022 für die Dauer des Verfahrens;
Ziffer 5 der Rechtsbegehren, act. G 1) die Grundlage entzogen.
3.3.
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4.
Zu prüfen bleibt damit noch das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtspflege, inkl. unentgeltliche Rechtsverbeiständung (Ziffer 6 der Rechtsbegehren).
Die Vorschriften der ZPO über die unentgeltliche Rechtspflege finden im
Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht sachgemässe Anwendung (Art. 99
Abs. 2 VRP). Art. 117 lit. b ZPO setzt für einen Anspruch auf unentgeltliche
Rechtspflege (inkl. unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) zwingend voraus, dass die
Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheinen. Als aussichtslos wiederum sind
Begehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als
die Verlustgefahren und die deshalb kaum mehr als ernsthaft bezeichnet werden
können. Dagegen gilt ein Begehren dann nicht als aussichtslos, wenn sich
Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig
geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel
verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine
Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde,
nicht deshalb anstrengen, weil er sie nichts kostet (BGE 139 III 476 f. E. 2.2).
4.1.
Diesbezüglich gilt es zu beachten, dass die Ziffer 3 (eventualiter sei der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung aufzuheben) und Ziffer 4 (die Wegweisungsverfügung sei
aufzuheben) der Rechtsbegehren als offensichtlich aussichtslos im eingangs erwähnten
Sinne zu qualifizieren sind, da sie nicht den Anfechtungsgegenstand des
angefochtenen Nichteintretensentscheids betreffen, weshalb darauf auch nicht
einzutreten war (siehe vorstehende E. 1 am Schluss). Bezüglich der Rechtsbegehren
Ziffer 1 und Ziffer 2 der Beschwerde ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen
unschwer, dass kein Säumnisgrund ersichtlich ist (E. 2.2.1) bzw. ein solcher zumindest
im massgebenden Zeitraum klarerweise längst weggefallen war (E. 2.2.2). Sodann hat
bereits die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid einlässlich und mit überzeugender
Begründung dargelegt, weshalb die Voraussetzungen für eine Fristwiederherstellung
nicht erfüllt sind. Aufgrund dieser Sachlage und in Anbetracht der strengen Praxis bei
Fristwiederherstellungsgesuchen (siehe das Urteil des Bundesgerichts vom 4. Februar
2020, 2C_764/2019, E. 5.2, worin es sich auf die Praxis des Verwaltungsgerichts des
Kantons St. Gallen bezog) war die Beschwerdeführung insgesamt betrachtet von
vorneweg offenkundig aussichtslos. Entsprechend ist dem Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung (i.c. unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Beschwerdeverfahren) bereits daher kein Erfolg beschieden. Es ist daher abzuweisen,
4.2.
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5.