Decision ID: bec4fee2-af5f-4603-b5a0-1b632b2115ba
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera, Hadwigstrasse 6a, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a W._, Jahrgang 1968, war seit Geburt aufgrund mehrerer Geburtsgebrechen bei
der Invalidenversicherung (IV) leistungsberechtigt. Ab April 1987 bezog sie bei einem
Invaliditätsgrad von 55% eine halbe (IV-act. 126) und ab April 1993 bei einem solchen
von 70% eine ganze IV-Rente (IV-act. 158). Nach der Geburt der ersten Tochter erhielt
sie ab Juli 1995 eine Kinderrente und nach der Geburt der zweiten Tochter ab Juli 1997
zwei Kinderrenten zur eigenen Rente (IV-act. 162, 167). Zwei 1996 und 2002
durchgeführte Rentenrevisionen ergaben keine rentenbeeinflussende Änderung (IV-
act. 165, 170).
A.b Im November 2005 leitete die IV-Stelle ein weiteres Rentenrevisionsverfahren ein.
Im Fragebogen vom 10. November 2005 gab die Versicherte wie im Jahr 2002 an, im
eigenen Haushalt tätig zu sein. Der Gesundheitszustand sei gleich geblieben (IV-
act. 171, ferner 168). Dr. med. A._, Facharzt FMH für Innere Medizin, berichtete am
21. November 2005 ebenfalls von einem stationären Gesundheitszustand (IV-act. 173).
Dasselbe gilt für Dr. med. B._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, von
dem ein Bericht vom 25. Januar 2006 aktenkundig ist (IV-act. 177). Die IV-Stelle liess
am 30. Juni 2006 eine Haushaltabklärung durchführen und ermittelte einen
Invaliditätsgrad von 13.81%. Im Abklärungsbericht vom 31. Juli 2006 hielt sie fest, die
Versicherte würde ohne Behinderung keiner Erwerbstätigkeit nachgehen (IV-act. 183).
Die Versicherte unterschrieb den Abklärungsbericht nicht und wies handschriftlich
unter anderem darauf hin, dass sie als Gesunde sicherlich arbeiten würde (IV-
act. 187-8). Mit Vorbescheid vom 3. August 2006 stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Renteneinstellung auf den der Verfügung folgenden Monat in Aussicht (IV-act. 184).
Dazu nahm Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera in Vertretung der Versicherten am
14. September 2006 Stellung. Der Versicherten sei weiterhin mindestens eine halbe IV-
Rente auszurichten. Als Gesunde wäre sie zu ca. 20% arbeitstätig. Im Übrigen
kritisierte der Rechtsvertreter verschiedene Punkte der Haushaltabklärung (IV-act. 191).
A.c Mit Verfügung vom 20. September 2006 stellte die IV-Stelle die Rente auf den der
Zustellung der Verfügung folgenden Monat ein. Die Versicherte habe bei der
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Haushaltabklärung ausgesagt, dass sie auch als Gesunde zu 100% im Haushalt tätig
wäre. Die Abklärung sei sachlich und korrekt durchgeführt worden. Der Lebenspartner
der Versicherten habe deren Äusserungen bestätigt (act. G 1.1.2).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Rechtsvertreters der
Versicherten vom 19. Oktober 2006. Er beantragt die Aufhebung der Verfügung und die
Zusprache mindestens einer halben Rente. Eventualiter sei das Verfahren an die
Beschwerdegegnerin zwecks Einholung einer neutralen Expertise zurückzuweisen,
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Erneut macht er geltend, die
Beschwerdeführerin wäre als Gesunde wegen finanzieller Notwendigkeit zu ca. 20%
arbeitstätig. Ohne kleinen Zusatzverdienst der Beschwerdeführerin könne die Familie
das Existenzminimum nicht decken. Bei der Haushaltabklärung habe die
Abklärungsperson nicht berücksichtigt, dass Dritte die Beschwerdeführerin oft
überschätzen würden und diese sich selbst auch überschätze. Zudem könnten die
Antworten der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer intellektuellen Leistungsdefizite kaum
immer auf Anhieb korrekt ausfallen. An der Fachkompetenz und Unbefangenheit der
Abklärungsperson müssten erhebliche Zweifel geäussert werden. Die Tatsache, dass
ein und dieselbe Person sowohl die Haushaltabklärung durchführe, den Vorbescheid
erlasse und die Einwände auf den Vorbescheid prüfe, sei unter rechtsstaatlichen
Gesichtspunkten schlechterdings inakzeptabel. Die Beschwerdeführerin sei damit der
Willkür des Abklärers ausgesetzt. Der Abklärungsbericht stehe im klaren Gegensatz zur
Aktenlage, aus der eine erhebliche Einschränkung im Haushalt abgeleitet werden
müsse. Lediglich in guten Phasen könne die Beschwerdeführerin ca. 70% des
Haushalts besorgen. Neben den Schlechtphasen, in denen die Beschwerdeführerin
den Haushalt nur noch sehr ungenügend erledigen könne, gebe es drei- bis fünfmal pro
Jahr gesundheitliche Krisensituationen, in denen sie gar nichts mehr im Haushalt tun
könne. Diese Phasen könnten ein bis zwei Wochen andauern. Der Abklärungsbericht
entspreche einer Momentaufnahme in einer guten Phase. Diese mache aber nur einen
kleinen Teil des Jahres aus. Weiter rügt der Rechtsvertreter die Gewichtung der
einzelnen Bereiche der Haushaltabklärung. Insbesondere die Bereiche Kinderbetreuung
und Wäsche seien zu tief gewichtet. Die angerechnete Mithilfe des Lebenspartners im
Haushalt hält der Rechtsvertreter für fehl am Platz. Die Schadenminderungspflicht einer
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Drittperson habe bei der Bemessung des Invaliditätsgrads nichts zu suchen. Bei der
Invaliditätsermittlung im Berufsbereich werde ja auch nur geschaut, was jemand ohne
Behinderung verdienen könnte und was er mit Behinderung noch verdienen kann. Dort
komme niemand auf die Idee zu sagen, dass ein Lebenspartner einen Teil seines
Einkommens beim Invalideneinkommen des Versicherten anrechnen lassen müsse
(act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 24. Januar
2007 die Abweisung der Beschwerde. Die zuständige Ärztin des IV-internen Regionalen
Ärztlichen Diensts (RAD) sei in ihrer Stellungnahme vom 18. Dezember 2006 in
Würdigung der medizinischen Aktenlage zum Schluss gekommen, dass der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nachvollziehbar gleich geblieben sei. Die
Arbeitsfähigkeit (richtig: Arbeitsunfähigkeit) für die angestammte Tätigkeit als
Serviertochter betrage weiterhin 70%. Aus dieser Beurteilung schliesst die
Beschwerdegegnerin, es liege kein medizinischer Revisionsgrund vor. Die
Beschwerdeführerin könne im Revisionszeitpunkt unbestrittenermassen nicht mehr als
Vollerwerbstätige qualifiziert werden. Durch die andere Art der Invaliditätsbemessung
liege ein Revisionsgrund vor. Ob die Beschwerdeführer als Gesunde ein geringes
Teilzeitpensum (20-30%) ausüben würde, könne offen bleiben. Der erfahrene
Abklärungsbeauftragte, dessen fachliche Kompetenz vorausgesetzt werde, habe die
Behinderung der Beschwerdeführerin im Haushalt zutreffend ermittelt. Der
nachträgliche Einwand der Beschwerdeführerin, die ermittelten Einschränkungen
bezögen sich lediglich auf eine gute Phase, greife nicht, denn mit Sicherheit habe die
Teilnahme des Lebenspartners an der Abklärung dafür gesorgt, dass dem
Abklärungsbeauftragten ein über das ganze Jahr betrachtet durchschnittliches Bild der
Einschränkungen der Beschwerdeführerin vermittelt worden sei. Die prozentualen
Anteile der einzelnen Tätigkeiten habe der Abklärungsbeauftragte gemeinsam mit der
Beschwerdeführerin und ihrem Lebenspartner ermittelt. Für die Richtigkeit der bei der
Abklärung ermittelten Einschränkungen im Aufgabenbereich Haushalt spreche weiter,
dass die RAD-Psychiaterin das Abklärungsergebnis aus medizinischer Sicht als
plausibel beurteilt habe. Die Beschwerdeführerin sei im Haushalt also zu 14%
eingeschränkt. Selbst bei Annahme einer Erwerbstätigkeit von 20-30% resultiere ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 10 und 11% (act. G 8).
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B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete am 6. Februar 2007 auf die
Einreichung einer Replik und beantragte stattdessen die Durchführung einer
Gerichtsverhandlung, an der die Beschwerdeführerin und ihr Lebenspartner zu
befragen seien. Andernfalls sei die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass die
Haushaltabklärung von keiner neutralen Seite aus überprüft würde. Sinn und Zweck der
Befragung der Beschwerdeführerin und deren Lebenspartner werde denn auch die
Überprüfung der Fragen rund um die Haushalttätigkeit der Beschwerdeführerin sein
(act. G 10).
B.d Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erklärte am 30. Januar 2008 den
Verzicht auf eine mündliche Verhandlung.

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung vom 20. September 2006 eingetretenen Sachverhalt
abzustellen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind auf die angefochtene Verfügungdie bis
zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Streitig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
im Rahmen des im November 2005 eingeleiteten Revisionsverfahrens zu Recht einen
Statuswechsel der Beschwerdeführerin vorgenommen und diese als nichterwerbstätige
Hausfrau qualifiziert hat.
3.
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3.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt aArt. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20; Fassung bis 31. Dezember 2007): Es ist darauf
abzustellen, in welchem Mass die betreffende Person behindert ist, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen. Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person
gelten insbesondere die übliche Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie
gemeinnützige und künstlerische Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). aArt. 28 Abs. 2 IVG regelt die so genannte
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig
und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind
der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich
festzulegen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden
Bereichen zu bemessen. Ist bei einer Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist,
anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den
Gesundheitsschaden vollzeitlich erwerbstätig wäre, so ist die Invaliditätsbemessung
ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).
Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente (aArt. 28 Abs. 1 IVG).
3.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen
unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde (BGE 125 V 150 Erw. 2c). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im
bis
ter
bis
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Besonderen sind nach der Rechtsprechung die persönlichen, familiären, sozialen und
erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben
gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die
persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt
sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150
Erw. 2c; BGE 117 V 194 f. Erw. 3b mit Hinweisen; AHI 1997 S. 288 ff. Erw. 2b, AHI
1996 S. 197 Erw. 1c, je mit Hinweisen).
3.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG massgeblichen Rechtsprechung
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die IV-Rente ist nicht
nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch
dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f.
Erw. 3.5). Eine einmal vorgenommene Anwendung einer bestimmten Methode ist nach
BGE 97 V 241 nicht unveränderlich. Eine spätere Änderung der persönlichen und damit
verbundenen wirtschaftlichen Situation kann – im Rahmen eines Revisionsverfahrens –
Anlass geben, die bisherige Methode aufzugeben. Ein Methodenwechsel als solcher ist
nie Revisionsgrund; für einen solchen bedarf es immer einer erheblichen
Sachverhaltsevolution (in der Invaliden- oder der Validenkarriere). Eine
Sachverhaltsevolution bedingt (möglicherweise) einen Methodenwechsel und nicht
umgekehrt (vgl. den Entscheid IV 2006/57 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 4. April 2007, Erw. 1a).
3.4 Die Rechtsprechung verlangt für neue Annahmen bei der Validenkarriere einen
überwiegend wahrscheinlichen hypothetischen Verlauf (BGE 117 V 194 Erw. 3b;
SVR 1996 IV Nr. 76 Erw. 2c). Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit ist der im Sozialversicherungsrecht übliche
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Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (vgl. BGE 125 V 150
Erw. 2c, 117 V 194 f. Erw. 3b, je mit Hinweisen; Ulrich Meyer-Blaser, Die
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 28). Der Richter hat
jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die er von allen möglichen
Geschehensabläufen unter den gegebenen Umständen als die wahrscheinlichste
würdigt (BGE 121 V 47 Erw. 2a). Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen
der Versicherten nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen (ZAK
1985 S. 468 Erw. 1). Denn Tatfragen, über die sich gemäss der Natur der Dinge nur
Hypothesen aufstellen lassen, beurteilen sich nach Erfahrungssätzen (BGE 117 V 195
E. 3b mit Hinweis auf Guldener, Beweiswürdigung und Beweislast nach
schweizerischem Zivilprozessrecht, S. 13).
3.5 Ein Methodenwechsel darf nach der älteren Praxis nur vorgenommen werden,
wenn er zwingend notwendig ist (vgl. ZAK 1969 S. 745; BGE 104 V 149 Erw. 2). Das ist
auch heute noch zu postulieren (vgl. Gabriela Riemer-Kafka, Veränderungen der
familiären Verhältnisse als Rentenrevisionsgrund in der IV, in: René Schaffhauser/
Franz Schlauri [Hg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung,
St. Gallen 1999, S. 111). Der Methodenwechsel setzt eine Nachführung der
hypothetischen Lebensentwicklung voraus. Es wird auf den realen Verlauf persönlicher
und familiärer Verhältnisse nach Eintritt der Invalidität (und unter den Einwirkungen der
Invalidität) abgestellt, obwohl diese Verhältnisse an sich ohne kausalen Einfluss auf die
Invalidität sind. Aus dieser Realität wird auf wesentliche Änderungen im massgeblichen
hypothetischen Sachverhalt (BGE 117 V 199 Erw. 3b) geschlossen. Auf eine allgemeine
Erfahrung über das Verhalten der Mütter nach der Geburt von Kindern lässt sich
indessen heute nicht mehr zurückgreifen (Riemer-Kafka, a.a.O., S. 93 ff., S. 115 und
116). Auf eindeutige Lebensentwürfe und Lebenserfahrungen ist in der modernen
Gesellschaft mit gleichen Chancen für unterschiedlichste Arten beruflichen
Fortkommens immer weniger Verlass. Darum ist es gerechtfertigt, den
Methodenwechsel nur bei triftigen Gründen zuzulassen, etwa wenn nach einer
eindeutigen (hypothetischen) Sachlage ein Festhalten an der bisherigen Methode
missbräuchlich wäre (vgl. den Entscheid IV 2001/3 des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 25. Oktober 2001, Erw. 3e).
4.
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4.1 Die Beschwerdeführerin leidet insbesondere an einer angeborenen Hypothyreose.
C._, ehemaliger Arzt beim Sozialpsychiatrischen Dienst, schätzte die Arbeitsfähigkeit
als Hilfsarbeiterin in seinem Gutachten vom 14. September 1989 auf 30-50% (IV-
act. 116). Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin, schätzte die
Beschwerdeführerin im Arztbericht vom 10. April 1993 als zu 30% arbeitsfähig als
Serviertochter (IV-act. 143). Im Arztbericht vom 1. Juni 1993 bezeichnete C._ den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin als sich eher verschlechternd. Sie sei als
Serviertochter zu ca. 70% arbeitsunfähig, wobei sie bei diesem Pensum keine
wirtschaftlich relevante Leistung mehr erbringe (IV-act. 147). Am 19. Oktober 1999 hielt
er fest, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich eher verschlechtert.
Sie sei über 70% arbeitsunfähig (IV-act. 5). Dr. med. A._ bescheinigte in den
Verlaufsberichten vom 21. Oktober 2002 und 21. November 2005 einen stationären
Gesundheitszustand (IV-act. 169, 173). Den psychischen Gesundheitszustand
bezeichnete Dr. med. B._ am 30. Januar 2006
ebenfalls als stationär (IV-act. 177). Die RAD-Ärztin hielt am 18. Dezember 2006 unter
Bezugnahme auf die medizinischen Akten fest, die Arbeitsunfähigkeit von 70% als
Serviertochter/Hilfsarbeiterin sei ausgewiesen (act. G 8.1.1.). Bei dieser Aktenlage kann
von einer Arbeitsunfähigkeit von 70% ausgegangen werden.
4.2 Bei der erstmaligen Rentenzusprache wurde die Beschwerdeführerin zu Recht als
Vollerwerbstätige qualifiziert. Gemäss Bericht der Haushaltabklärung vom 31. Juli 2006
würde sie als Gesunde keiner Erwerbstätigkeit nachgehen (IV-act. 183-2). Dieser
Darstellung widersprach die Beschwerdeführerin jedoch. Sie erklärte, die Frage falsch
verstanden zu haben. Wenn sie gesund wäre, würde sie sicherlich arbeiten gehen (IV-
act. 187-8). Wie der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zutreffend ausführt, reicht
das Einkommen des Lebenspartners der Beschwerdeführerin nicht aus, um den
Existenzbedarf des Paares und der beiden gemeinsamen Kinder zu decken. Der
Lebenspartner muss offenbar Alimente für ein nichtgemeinsames Kind in der Höhe von
Fr. 11'400.- pro Jahr bezahlen. Die gemeinsamen Kinder waren im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung bereits neun und elf Jahre alt, also im Schulalter; sie
benötigten längst nicht mehr vollzeitige Betreuung. Die Beschwerdeführerin erhält
Unterstützung durch ihre Mutter. Gemäss Haushaltabklärung ist der Vater der Kinder
zudem mittags zuhause, sodass er gegebenenfalls sogar das Mittagessen zubereiten
könnte. Weiter ist zu beachten, dass die Beschwerdeführerin nicht verheiratet ist und
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demnach gegenüber ihrem Lebenspartner keinen gesetzlichen Anspruch auf Unterhalt
hat. In ihrer Situation als unverheiratete Frau stünde sie im Falle einer Trennung von
ihrem Lebenspartner mittellos da, was ebenfalls den Schluss zulässt, dass sie als
Gesunde einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde, um nicht übermässig abhängig zu
sein. Als Unverheiratete hat sie zudem keinerlei Ansprüche, an den
Altersvorsorgeleistungen (1. und 2. Säule) des Lebenspartners zu partizipieren. Sie
müsste also alleine um ihre Altersvorsorge bemüht sein. Unter diesen Umständen ist
davon auszugehen, dass sie ohne Gesundheitsschaden – hauptsächlich aus
finanziellen Gründen – im Zeitpunkt der Revision eine vollzeitliche ausserhäusliche
Erwerbstätigkeit ausgeübt hätte. Nach der Aktenlage ist ein hypothetischer Wechsel
aus der bisher angenommenen vollen Erwerbstätigkeit zwar möglich, nicht aber
überwiegend wahrscheinlich. Da die IV-Stelle einen rechtsverändernden Eingriff in ein
Dauerschuldverhältnis vornehmen will, trägt sie die Beweisführungslast bzw. das Risiko
der Beweislosigkeit bei der Eruierung der Tatsachengrundlagen für diesen Eingriff,
nicht etwa die Beschwerdeführerin (vgl. den bereits zitierten Entscheid IV 2001/3,
Erw. 4a). Von einer zwingenden Notwendigkeit zu einem Methodenwechsel kann bei
diesen Verhältnissen sicher nicht gesprochen werden.
4.3 Der Hinweis der Beschwerdegegnerin auf die höhere Glaubwürdigkeit der
"Aussagen der ersten Stunde" vermag nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin
leidet an Geburtsgebrechen; sie durfte ein Leben als Gesunde, voll arbeitsfähige
Person nie kennenlernen. Gerade vor dem Hintergrund ihrer seit Geburt bestehenden
u.a. geistigen Einschränkungen kann unmöglich davon ausgegangen werden, dass sie
über ein derartiges Abstraktionspotential verfügt, um sich nachvollziehbar in ein Leben
als Gesunde hineinzuversetzen und dazu einigermassen verlässliche, verwertbare
Aussagen zu machen. Selbst wenn man von einem derartigen Abstraktionsvermögen
ausginge, ist durchaus glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin nicht zuletzt aufgrund
ihrer Intelligenzminderung die Frage nach ihrem Status nicht richtig verstand, wie sie
dies geltend macht. Im Übrigen ist zu beachten, dass die Beschwerdeführerin gegen
ihre Qualifikation als "Nur-Hausfrau" protestierte und den Abklärungsbericht nicht
unterzeichnete, sodass für die Richtigkeit der Angaben darin erst recht keine Gewähr
besteht. Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, der Lebenspartner der
Beschwerdeführerin habe deren Angaben bei der Abklärung bestätigt, ist in keiner
Weise bewiesen. Die Beschwerdegegnerin hat ihn weder als Zeugen noch als
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Auskunftsperson einvernommen, und er hat sich nie unterschriftlich oder in einer
anderen Form erkennbar zur Sache geäussert. Doch selbst wenn er dies getan hätte,
wäre seine Aussage kaum beweistauglich, kennt er seine Partnerin doch auch nicht als
vollständig gesunde, durchschnittlich intelligente Person ohne gesundheitliche
Einschränkungen und könnte nicht beurteilen, wie sie ihr Leben als Gesunde gestalten
würde.
4.4 Die Argumente der Beschwerdegegnerin reichen nach den obigen Erwägungen
nicht aus, um den Statuswechsel als nicht nur möglich, sondern als überwiegend
wahrscheinlich anzunehmen. Mangels rechtsgenüglichen Beweises durfte die
Beschwerdegegnerin demnach keine Revision vornehmen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 20. September 2006 bei
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Der vorgenommene Methodenwechsel ist
rechtswidrig, weil die Beschwerdegegnerin den Beweis, dass die Beschwerdeführerin
als Gesunde unter ihren konkreten Lebensumständen nicht mehr voll erwerbstätig
wäre, nicht mit dem nötigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
erbringen vermag. Die Beschwerdeführerin hat damit weiterhin Anspruch auf eine
ganze Rente.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich. Da sie gemäss
Art. 3 Abs. 1 lit. b des st. gallischen Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung
über die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der So
zialversicherungsanstalt und damit Teil einer selbstständigen öffentlich-rechtlichen
Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP (Befreiung von der Pflicht zur Übernahme
amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl. Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz. 792). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb
bis
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die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen. Der Beschwerdeführerin ist der
geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.- zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung der
Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG