Decision ID: 9b708c64-8ff5-42f6-91f4-5f29459b86a6
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1975 geborene X._ war ab dem 8. Mai 2015 bei der Y._ als Bauspengler vollzeitlich angestellt und dadurch bei der Suva
obligatorisch gegen die Folgen v
on Unfällen versichert
.
Am 20. No
vember 2015 meldete die Arbeitgeberin, der Versicherte sei am 18. August 2015 auf der Baustelle Z._ von einer Zecke in den linken Oberschenkel gestochen worden (Schadenmeldung vom 20. November 2015 [Urk. 9/1]). Die behan
delnde Hausärztin med. pract. A._ stellte in ihrem Bericht vom 5. Januar 2016 über die Erstbehandlung vom 20. Oktober 2015 die Diagnose einer akuten Borreliose nach einem Zecken
biss. Sie habe dem Versicherten vom 20. Oktober bis am 4. Dezember 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Am 5. Dezember 2015 habe der Versicherte die Arbeit wieder vollzeitlich aufgenommen (Urk. 9/8). Die Suva legte die Akten ihrem versicherungsmedizinischen Dienst, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Neurologie, vor, welcher seinen Bericht über die neurologische Beurteilung am 28. Januar 2016 erstattete (Urk. 9/12). Am 1. Februar 2016 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie keine Versi
cherungsleistungen für das gemeldete Schadenereignis erbringe (Urk. 9/14), woraufhin der Versicherte am 15. Februar 2016 eine einsprachefähige Verfü
gung verlangte (Urk. 9/17). Diese erliess die Suva am 9. März 2016 mit abschlägigem Entscheid (Urk. 9/20), wogegen sowohl der Versicherte (Urk. 9/26; inkl. Begründung [Urk. 9/34]) als auch seine Krankenkasse (Urk. 9/23; inkl. Begründung [Urk. 9/24]) am 23. März 2016 Einsprache erhoben. Dr. B._ nahm am 12. August 2016 erneut Stellung (Urk. 9/38), woraufhin die Suva die vom Versicherten und seiner Krankenkasse erhobe
nen Einsprachen mit Entscheid vom 16. August 2016 abwies (Urk. 2 [= Urk. 9/39]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 15. September 2016 (Poststempel) Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Eventuell sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine externe Begutachtung in Auftrag zu geben und daraufhin neu zu entscheiden (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 21. Oktober 2016 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 26. Oktober 2016 angezeigt wurde (Urk. 10).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungs
leistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbe
stimmungen).
Der hier zu be
urteilende Unfall hat sich am 18. August 2015
ereignet, wes
halb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegen
den Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigun
gen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbe
ziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.3
1.3.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.3.2
Nach der Rechtsprechung erfüllt der Stich der Zecke der Gattung Ixodes sämtli
che Merkmale des Unfallbegriffs, weshalb der obligatorische Unfall
versicherer für die damit verbundenen Infektionskrankheiten (Lyme-Krank
heit, Enzephalitis) und deren Folgen aufzukommen hat (BGE 122 V 230 und seitherige Entscheide, insbesondere Urteil 8C_72/2014 vom 2
8.
April 2014).
1.4
1.4.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja
hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedin
gungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Stö
rung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin
den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4.2
Bei einem Zeckenstich ist massgebend, ob aufgrund der fachärztlichen Stellung
nahmen darauf geschlossen werden kann, dass die im Zeitpunkt der vorhandenen Versicherungsdeckung festgestellte Gesundheitsschädigung überwiegend wahrscheinlich durch einen Zeckenstich verursacht wurde. Der erfolgte Kontakt mit dem Borreliose-Erreger kann mit serologischen Untersu
chungen belegt werden; indessen genügen diese nicht für den Schluss auf eine daraus entstandene Lyme-Borreliose. Deren Diagnose – gleich welchen Stadiums – setzt ein entsprechendes klinisches Beschwerdebild und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach Krankheitssta
dium ein pathologischer laborchemischer Test die Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhöhen kann. Ebenso hilfreich können bei rückblickender Ein
schätzung der Verlauf und die Ergebnisse einer Therapie sein. Weitere Indi
zien sind denkbar (Urteil des Bundesgerichts 8C_924/2011 vom 7. März 2012 E. 3 mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung und Literatur).
1.5
1.5.1
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Ge
richt dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
1.5.2
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Per
son glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbe
griffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vor
liegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
1.6
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gut
achters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in ihrem Einspracheentscheid vom 16. August 2016
(Urk. 2) im Wesentlichen, gestützt auf die
neurologische
Beurteilung von
Dr. B._ sei ein Kausalzusammenhang zwischen der im Oktober 2015 diagnostizierten Rötung und Schwellung am linken Ober
schenkel mit dem gemeldeten Zeckenstich vom 18. August 2015 allenfalls möglich, nicht jedoch überwiegend wahrscheinlich. Die serologischen Befunde seien nicht konklusiv. Ausserdem fehle eine nähere Beschreibung der Hautveränderung am Oberschenkel, weshalb nicht beurteilt werden könne, ob es sich dabei um eine Erythema chronicum migrans (EMC), die typische kutane Frühmanifestation einer Borreliose, handle. Das ECM ent
wickle sich nach 3-32 Tagen, im Mittel nach 7 Tagen, nach einem Zecken
stich. Im vorliegenden Fall habe man es aber mit einem Zeitintervall von circa 2 Monaten zu tun (Urk. 2 S. 4). Wenig nachvollziehbar sei sodann der Unfallhergang. Wie es bei Dacharbeiten auf der Baustelle Y._ zu einem Zeckenbiss habe kommen können, sei nur schwer vorstell
bar. Da die blosse Möglichkeit eines Kausalzusammenhanges nicht ausreiche, bestehe keine Leistungspflicht (Urk. 2 S. 5 f.).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend (Urk. 1), der versicherungsinterne Arzt und die Suva hätten ihre Abklärungs
pflicht verletzt. Der Arzt habe die serologischen Befunde als nicht konklusiv beurteilt, da zwei verschiedene Laboratorien beauftragt worden seien, welche verschiedene Kontrollen durchgeführt hätten. Dabei müssten deren Resultate mit der klinischen Symptomatik interpretiert werden. Die klinische Sympto
matik habe der versicherungsinterne Arzt jedoch gar nicht bestimmen können, zumal er anerkannt habe, dass ihm die Angaben zur Art, Dosierung und Dauer der antibiotischen Therapie gefehlt hätten. Er hätte sich bei med. pract. A._ erkundigen müssen. Nachdem er dies nicht getan habe, sei auf seine Beurteilung nicht abzustellen. Der Beschwerdeführer habe zunächst dreimal täglich Antibiotika einnehmen müssen. Nachdem sich die Werte nach einem Monat gebessert hätten, habe er die Antibiotika noch zweimal täglich einnehmen müssen. Anfang Januar 2016 sei die antibiotische Thera
pie nach einer erneuten Blutuntersuchung schliesslich sistiert worden. Gemäss jahrelanger eindeutiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei der Kausalzusammenhang zu bejahen.
3.
Wie bereits gesagt, erfüllt
der
Zeckenstich s
ämtliche Merkmale des Unfallbe
griffs, weshalb der obligatorische Unfallversicherer für die damit verbunde
nen Infektionskrankheiten und deren Folgen aufzukommen hat
(E. 1.3.2)
.
Der Beschwerdeführer gab an, auf dem Dach der Baustelle Y._ von einer Zecke gebissen worden zu sein (vgl. die Schadenmeldung vom 20. November 2015 [Urk. 9/1] sowie den Bericht von med. pract. A._ vom 5. Januar 2016 [Urk. 9/8]). Dies erscheint, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht erwog (E. 2.1), angesichts der Örtlichkeit und der Lage der Baustelle mitten in Zürich schwer vorstellbar (E. 1.5.2). Da in den infektserologischen Laborwerten allerdings Antiköper gegen Borreliose nachgewiesen werden konnten, ist auf die medizinischen Unterlagen einzugehen und die Frage zu beantworten, ob mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem Kausal
zusammenhang zwischen einem möglicherweise am 18. August 2015 erlitte
nen Zeckenstich und einer allfälligen Borreliose-Infektion beziehungsweise einer dadurch verursachten Arbeitsunfähigkeit vom 20. Oktober bis 4. Dezember 2015 auszugehen ist.
4.
4.1
4.1.1
Im Bericht vom 5. Januar 2016 über die Erstbehandlung vom 20. Oktober 2015 stellte med. pract. A._ die Diagnose einer akuten Borreliose nach Zeckenbiss. Sie hielt sodann fest, der Beschwerdeführer habe seit circa zwei Tagen eine etwa 20 x 20 cm grosse Rötung und Schwellung auf der Haut am linken Oberschenkel bemerkt. Gemäss seiner Aussage sei er circa Mitte August bei der Arbeit auf dem Dach von einer Zecke gebissen worden, wel
che er anschliessend selbst entfernt habe. Eine Schwellung und Rötung am linken Oberschenkel sei festzustellen. Der serologische Befund für eine Borreliose sei positiv gewesen. Dem Beschwerdeführer sei vom 20. Oktober bis am 4. Dezember 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (Urk. 9/8).
4.1.2
Die serologische Untersuchung vom 22. Oktober 2015 ergab, dass neben nicht spezifischen Borrelien-Antikörpern gegen Borrelien-Lysat auch spezi
fische Antikörper nachweisbar waren (Borrelia burgdorferi Best. IgG positiv und Borrelia burgdorferi Best. IgM positiv). Im Bericht wurde sodann festge
halten, die Interpretation des Resultates müsse im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen. Die Indikation zu einer antibiotischen Therapie dürfe nicht von einem Antikörper-Befund abhängig gemacht wer
den. Bei einer klinischen Symptomatik, welche mit einer Borreliose vereinbar sei, sei eine Therapie indiziert (Urk. 9/10 S. 1).
4.1.3
Die serologische Untersuchung vom 17. November 2015 ergab einen fragli
chen Befund des
Western Blot bezüglich IgG-Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi
und einen positiven Befund
bezüg
lich IgM-Antikörpern
. Eine kürzlich erworbene Infektion sei nicht ausgeschlossen
(Urk. 10 S. 2)
.
4.1.4
Dr. B._ hielt in seiner neurologischen Beurteilung vom 28. Januar 2016 fest, d
er
Beschwerdeführer habe
berichtet
, am 18. August
2015 von einer Zecke gestochen worden zu sein. Er habe die Zecke selbst entfernt.
Welcher Körperteil betroffen gewesen sei, gehe
aus der Dokumentation nicht he
rvor. Der erste Arztkontakt habe
am 20
. Oktober
2015 bei der Hausärztin statt
ge
funden. Diese habe bei ihrer Untersu
chung eine Schwellung und Rötung am linken Oberschenkel
des Beschwerdeführers festgestellt. Eine nähere Be
schr
eibung der Hautveränderung liege nicht vor. Es könne
somit nicht beurteilt werden, ob es sich dabei um ein Erythema chronicum migrans (ECM), die typische kutane Frühmanifest
ation einer Borreliose, gehandelt habe. Hierzu sei
anzumerken, dass sich das E
CM nach 3-32 Tagen, im Mittel 7
Tage, n
ach einem Zeckenstich entwickle. Typisch sei
die Ausbildung einer ringf
örmigen Läsion mit
zentraler Abheilung, welche sich langsam ausdehn
e. Im vorliegenden Fall habe
man es also mi
t einem Zeitintervall von circa 2
Monaten zu tu
n. Was die Laborbefunde betreffe, so seien
diese
uneinheit
lich. Im Dossier fänden
sich Untersuc
hungen vom 22. Oktober 2015 und 17. November
2015 aus zwei verschiedenen Laboratorien.
Bei der
erste
n
Unters
uchung auf Antikörper gegen Borrelien seien
sowohl IgM- als auch IgG-Antikörper
festgestellt worden. Bei der Kontrolle vom 17. November 2015 sei
lediglich der Western Blot durchgeführt
worden
. Dabei
hätten
sich lediglich noch IgM-Antikörper gegen die Bo
rrelienstämme B. garinii und B. afzeli
i
gefunden
. Zur Art, Dosierung und Dauer
der antibiotischen Thera
pie gebe
es keine A
ngaben im Dossier. Es entspreche
nicht der klinischen Erfahrung, dass IgG-Antikörper im Verlauf kürzer persistier
t
en als IgM-Anti
körper
. Die serologischen Befunde seien
somit nicht konk
lusiv. Wie vom Laborarzt angege
ben, müss
t
en die Resultate im Zusammenhang mit der kli
nische
n Symptomatik interpretiert werden. Diese sei
jedoch überwiegend wahrs
cheinlich unspezifisch.
Anamnese, klinischer Befund und se
rologische Untersuchungen würden einen kausalen Zusam
menhang der im Oktober 2015 diagnostizierten Rötung und Schwellung am linken Oberschenkel mit dem gemeldeten Zeckenstich vom 18
. August
2015 allenfalls möglich, nicht jedoch überwiegend wahrscheinlich
erscheinen lassen. Aus dem Arztzeugnis sei sodann
nicht nachvollziehbar, wieso die Arbeitsunfähigkeit bis
am
5.
Dezember 2012 (richtig: 4. Dezember 2015) angedauert habe (Urk. 9/12)
.
4.1.5
In der Stellungnahme vom 12. August 2016 führte Dr. B._ aus, die im Ein
spracheverfahren übersandten Schriftsätze würden keine neuen medizini
schen Informationen enthalten, weshalb sich aus neurologischer Sicht keine Weiterungen ergäben. Es werde an der Beurteilung vom 28. Januar 2016 festgehalten (Urk. 9/38).
4.2
4.2.1
Dr. B._ interpretierte die infektserologischen Laborwerte aus fachärztlicher Sicht und gelangte zum Schluss, e
s entspreche nicht der klinischen Erfahrung, dass IgG-Antikörper im Verlauf kürzer persistierten als IgM-Anti
körper
(vgl. dazu auch Norbert Satz, Klinik der Lyme-Borreliose, 3. Auflage 2010, S. 204 und S. 208)
. Die serologischen Befunde seien somit nicht konklusiv.
Mit anderen Worten stand aus Sicht von Dr. B._ eine bereits früher abgelaufene Infektion im Vordergrund. Darüber hinaus wies Dr. B._
darauf hin, dass aus dem Bericht von med. pract. A._ nicht hervorgehe, wo die Zecke den Beschwerdeführer am 18. August 2015 gestochen habe. Dem Bericht fehle sodann e
ine nähere Beschreibung der
erst am 20. Oktober 2015 ärztlicherseits festgestellten
Hautveränderung
am linken Oberschenkel, weshalb nicht
beurteilt werden
könne
, ob es sich dabei um ein ECM, die typische kutane Frühmanifestation einer Borreliose, gehandelt habe.
Das Zeitintervall zwischen dem Zeckenstich und der Hautrötung betrage rund zwei Monate, was ebenfalls nicht dem typischen Verlauf entspreche.
4.2.2
Ob die Beschwerdegegnerin ihre Abklärungspflicht verletzte (Urk. 1 S. 2 f.), indem sie es unterliess, aufgrund der unvollständigen Angaben im Bericht von med. pract. A._ bei dieser Rückfrage zu nehmen, kann offengelassen werden. Nachdem der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren einen nicht unterzeichneten, ergänzenden Bericht von med. pract. A._ vom 23. März 2016 eingereicht hat (Urk. 3), ist ein allfälliger prozessualer Mangel als geheilt zu betrachten, zumal das hiesige Gericht den Sachverhalt sowie die Rechtslage frei überprüfen kann und dem Bericht von med. pract. A._ aus medizinischer Sicht keine wesentlichen neuen Erkenntnisse entnommen wer
den können.
Med. pract. A._ hielt im ergänzenden Bericht vom 23. März 2016 zwar fest, sie habe bei der körperlichen Untersuchung eine runde Rötung, in etwa 15 x 15 cm gross, am linken Oberschenkel des Beschwerdeführers festgestellt. Sie unterliess es jedoch weiterhin, die Rötung genauer zu beschreiben, was von Dr. B._ bemängelt worden war, da mangels genauer Beschreibung der Rötung nicht beurteilt werden könne, ob es sich dabei um ein ECM handle. Med. pract. A._ beschrieb im Bericht vom 23. März 2016 zwar neu die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden (Erschöpfung, Müdigkeit, Glieder- und Gelenkschmerzen, Schweissausbrüche und starke Kopfschmer
zen, vergrösserte Lymphknoten in der linken Leiste), gab jedoch nicht an, ob sie insbesondere die Vergrösserung der Lymphknoten klinisch feststellen konnte. Dem Bericht fehlen sodann weiterhin konkrete Angaben zur Art, Dosierung und Dauer der antibiotischen Therapie, was der Beschwerdeführer durch seine Angaben nicht wettmachen kann. Weiter begründete med. pract. A._ auch nicht, weshalb der Beschwerdeführer vom 20. Oktober bis 4. Dezember 2015, also mehr als sechs Wochen, aufgrund der beschriebenen Beschwerden, welche sich im Verlauf gebessert zu haben scheinen, durchge
hend zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sein soll.
4.2.3
Da die Allgemeinpraktikerin A._ ihre Einschätzung bloss lückenhaft und damit unvollständig begründet hat, besteht kein Anlass, der nachvollziehba
ren fachärztlichen Beurteilung von Dr. B._ die Beweiskraft abzusprechen. Von weiteren Abklärungen sind darüber hinaus keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, zumal nicht ersichtlich ist, welche echtzeitlichen medizinischen Unterlagen noch eingeholt werden könnten. Demzufolge ist die Leistungs
pflicht der Beschwerdegegnerin mangels überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhangs zwischen einem am 18. August 2015 erlittenen Zeckenstich und der vom 20. Oktober bis 4. Dezember 2015 attestierten Arbeitsunfähigkeit zu verneinen. Mit der Beschwerdegegnerin ist zudem fest
zuhalten, dass die blosse Möglichkeit eines Kausalzusammenhangs für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht genügt (Urk. 2 S. 6 und E. 1.4.1).
5.
Nach dem Gesagten
ist die Beschwerde abzuweisen.