Decision ID: d420f8a5-3076-40d7-8cdb-d634206da4a9
Year: 2019
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:
A. A._ (Beschwerdeführerin) wurde von der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region Emmental-Oberaargau (Steuerverwaltung), mit Verfügung datiert vom 20. August 2018,
betreffend die direkte Bundessteuer 2017 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 76'700.-
- veranlagt. Dabei war der aus einer Witwenrente der Pensionskasse (PK) bestehende Anteil
des Einkommens erstmals zu 100 % statt wie in den Vorjahren zu 80 % in die Veranlagung
einbezogen worden.
B. Dagegen hat die Beschwerdeführerin am 10. September 2018 Einsprache erhoben, mit dem Antrag die Witwenrente aus der PK weiterhin nur zu 80 % als Einkommen zu besteuern.
C. Mit Vorbescheid und Begründung zum nachfolgenden Einspracheentscheid vom 26. September 2018 hat die Steuerverwaltung die Beschwerdeführerin darauf hingewiesen, dass
nur jene Renten, die vor dem 1. Januar 2002 zu laufen begonnen haben, zum privilegierten
übergangsrechtlichen Bemessungssatz berücksichtigt werden könnten. Wenn wie im Fall der
Beschwerdeführerin der Rentenanspruch erst nach Ablauf der Übergangsfrist am 1. Januar
2002 auf einen Rechtsnachfolger übergegangen sei und die Rente erst nach diesem Datum zu
laufen begonnen habe, sei die Rente zu 100 % steuerbar.
D. Nach einem weiteren Briefwechsel, in dem die Steuerverwaltung ergänzend darauf hinwies, dass mit dem Versterben des Ehemannes der Beschwerdeführerin im Jahr 2006 die
Altersrente in eine Witwenrente umgewandelt worden sei und somit diese Witwenrente an sich
bereits ab dem Jahr 2006 zu 100 % zu besteuern gewesen wäre, hat die Steuerverwaltung die
Einsprache mit Entscheid vom 4. Dezember 2018 abgewiesen.
E. Am 18. Dezember 2018 hat die Beschwerdeführerin durch Rechtsanwalt B._ (Vertreter) bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) mit
gleichbleibendem Antrag dagegen Beschwerde erheben lassen. Er bemängelt dabei, dass die
Veranlagung keinen Hinweis auf die Besteuerung zu 100 % enthalten habe und dass der
Einspracheentscheid nicht genügend begründet worden sei. Weiter verstosse die von der
Steuerverwaltung angewandte Besteuerung gegen das Prinzip der Rechtsgleichheit, weil ihm
gleiche Fälle bekannt seien, in denen Renten nur zu 80 % besteuert würden, und gegen das
Gebot der Gleichbehandlung der Geschlechter. Dies, weil je nach Geschlecht des
überlebenden Ehegatten andere Steuerfolgen resultieren würden. Denn, wenn die
Beschwerdegegnerin vorverstorben wäre, so würde die Altersrente des Mannes anders als die
Witwenrente weiterhin nur zu 80 % besteuert. Im Übrigen verstosse die Besteuerung zu 100 %
gegen den Zweck der diesbezüglichen Übergangsregelung. Denn damit würden in die
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berufliche Vorsorge geleistete Beiträge, die seinerzeit nicht vom Einkommen hätten abgezogen
werden können, nun bei ihrem Bezug zu Unrecht trotzdem voll besteuert. Ergänzend wird
geltend gemacht, dass die damit aufgeworfene Rechtsfrage von allgemeinem Interesse sei,
weshalb der Rekurrentin keine Kosten aufzuerlegen und kein Kostenvorschuss einzuverlangen
sei.
F. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Februar 2019 schliesst die Steuerverwaltung auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung weist sie auf die gesetzliche Regelung betreffend
die Besteuerung von Leistungen aus der 2. Säule hin, die grundsätzlich eine volle Besteuerung
vorsehe und auf die Übergangsregelung, welche nur für Leistungen beansprucht werden könne,
die vor dem 1. Januar 2002 zu laufen begonnen hätten.
Betreffend die vom Vertreter geltend gemachte rechtsgleiche Behandlung mit Steuerpflichtigen,
die bei gleicher Ausgangslage noch zu 80 % besteuert würden, hält sie fest, dass grundsätzlich
kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht bestehe.
Betreffend den Vorwurf, dass die Anpassung der Besteuerung von 80 % auf 100 % "heimlich
und stillschweigend" erfolgt sei, hält sie fest, dass die Besteuerung zum reduzierten Satz von
80 % in all den vorangegangenen Jahren jeweils explizit begründet worden sei. Da die
Deklaration (recte wohl die Besteuerung) zum vollen Satz aber den Regelfall darstelle, sei dafür
keine Erklärung notwendig gewesen.
G. In seiner Stellungnahme vom 22. Februar 2019 zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung macht der Vertreter insbesondere geltend, dass die Witwenrente aus
demselben Vorsorgeverhältnis stamme wie zuvor die Altersrente des verstorbenen Ehemannes,
weshalb weiterhin der reduzierte Satz zur Anwendung kommen müsse.
H. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission angefochten werden (Art. 140 des Bundesgesetzes
vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der
Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV;
BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die
Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen.
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Sie ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m.
Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG;
BSG 155.21]). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist deshalb einzutreten.
Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt,
da sich der vorliegende Entscheid auch auf die nachfolgenden Veranlagungen auswirkt und der
Streitwert unbestimmt ist (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009
über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Streitig ist im vorliegenden Fall, ob die Witwenrente aus beruflicher Vorsorge, die an die Stelle der Ehepaar- resp. Altersrente des verstorbenen Ehemannes der Beschwerdeführerin
getreten ist, zum privilegierten Satz von 80 % oder voll zu 100 % zu besteuern ist.
3. Gemäss Art. 22 Abs. 1 DBG sind u.a. Einkünfte aus Einrichtungen der beruflichen Vorsorge (2. Säule) in Übereinstimmung mit der Bestimmung von Art. 83 des Bundesgesetzes
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge vom 25. Juni 1982 [BVG;
SR 831.40] grundsätzlich in vollem Umfang steuerbar. Dies als Gegenstück zur vollen
steuerlichen Abziehbarkeit der Einlagen, Prämien und Beiträge an Einrichtungen der
beruflichen Vorsorge, die während der gesamten Erwerbstätigkeit in die Pensionskasse
einbezahlt werden (Art. 38 Abs. 1 Bst. d DBG auf der Grundlage von Art. 81 Abs. 2 BVG).
Dieses sog. Waadtländer Modell wurde mit dem Bundesgesetz vom 22. März 1985 zur
Anpassung des Bundesratsbeschlusses über die Erhebung einer direkten Bundessteuer
[BdBSt] an das Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge per 1. Januar 1987 eingeführt und
in Kraft gesetzt. Der Grundsatz der vollen Abziehbarkeit der Einlagen in die PK und der vollen
Steuerbarkeit der Renten aus der PK gemäss Art. 38 Abs. 1 Bst. d DBG und Art. 22 DBG wird
aber nach der Übergangsbestimmung von Art. 204 Abs. 1 DBG für jene Versicherten
durchbrochen, deren Vorsorgeverhältnis bereits vor dem 1. Januar 1987 bestand und die ihre
Beiträge und Einlagen in die PK deshalb in der Zeit vor diesem Datum bei der
Einkommenssteuer nicht voll zum Abzug bringen konnten. Renten und Kapitalabfindungen, die
auf solchen Vorsorgeverhältnissen beruhen und die vor dem 1. Januar 2002 fällig wurden oder
zu laufen begannen, werden deshalb zum Ausgleich der vor Einführung des Waadtländer
Modells begrenzten Abzugsfähigkeit der Prämien Beiträge und Einlagen zu einem privilegierten
Satz von 60 % (bei ausschliesslich selbstfinanzierten Leistungen) oder von 80 % (bei
mindestens zu 20 % selbstfinanzierten Leistungen) besteuert (vgl. Art. 204 Abs. 1 Bst. a und
Bst. B DBG).
Die Übergangsregelung wurde im Sinne der Einfachheit und Praktikabilität vom Gesetzgeber
bewusst schematisch gehalten. Dabei wurde in Kauf genommen, dass einerseits
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Vorsorgeleistungen, die auf einem Vorsorgeverhältnis beruhen, das am 31. Dezember 1986
bereits bestand, und die vor dem 1. Januar 2002 zu laufen begonnen haben, während ihrer
ganzen Laufzeit privilegiert besteuert werden, andererseits aber jene die erst nach dem 31.
Dezember 2001 zu laufen begannen, an sich entgegen dem Zweck der Übergangsbestimmung
gar nicht in den Genuss einer privilegierten Besteuerung kommen würden (vgl. Steiner/Lang in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
[DBG], 3. Aufl., 2017, N. 4 zu Art. 204 DBG). Allfällige Ungleichbehandlungen der
Steuerpflichtigen, die auf diesem Schematismus beruhen, sind deshalb gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung hinzunehmen (vgl. BGE 116 Ia 277 E. 3a, S. 281 mit
Hinweisen auf die Materialien). Soweit der Vertreter sich in diesem Sinn auf eine
rechtsungleiche Besteuerung infolge der Anwendung von Art. 204 DBG beruft, lässt sich daraus
somit nichts zugunsten der Beschwerdeführerin ableiten.
4. Nach der Bestimmung von Art. 204 DBG unterliegen Renten und Kapitalabfindungen dann nicht mehr der privilegierten Besteuerung, wenn sie nach dem 31. Dezember 2001 zu
laufen begonnen haben. Die Steuerverwaltung begründet vorliegend die Besteuerung der
Witwenrente im vollen Umfang damit, dass mit der Umwandlung der bisherigen Altersrente des
Ehemannes der Beschwerdeführerin in eine ab Januar 2007 laufende Witwenrente eine neue
Rente entstanden sei. Diese neue Witwenrente habe erst nach dem 31. Dezember 2001 zu
laufen begonnen und könne somit entsprechend der Bestimmung von Art. 204 DBG nicht mehr
privilegiert zu 80 % besteuert werden.
4.1 Der Steuerverwaltung ist darin zuzustimmen, dass es sich bei der Witwenrente um eine von der vormaligen Ehepaar- resp. Altersrente sich unterscheidende Rente handelt, die sich auf
einen anderen Rechtsgrund für die Ausschüttung stützt. Insofern handelt es sich denn auch um
eine "neue" Rente. Gleichzeitig ist aber festzuhalten, dass mit der Ehepaar- resp. Altersrente
des Ehemannes, u.a. in Erfüllung familienrechtlicher Unterhaltspflichten auch
Lebenshaltungskosten der Ehefrau gedeckt wurden. Aus demselben Alterskapital, das der
Finanzierung der Altersrente des nun verstorbenen Ehemannes gedient hat, fliesst nun an
Stelle der Altersrente eine Witwenrente, die jenen Teil der Altersvorsorge der
Beschwerdeführerin, der zuvor von der Altersrente abgedeckt wurde, ab 2007 ablöst und
fortführt. Aus steuerrechtlicher Sicht handelt es sich deshalb nicht um ein neues
Rentenverhältnis, sondern um die Fortführung eines bereits bestehenden, vor dem 31.
Dezember 2001 fällig gewordenen Vorsorgefalles. Die Witwenrente löst zwar die Altersrente ab,
aber sie wird von derselben Pensionskasse, aufgrund desselben vorbestehenden
Vorsorgeverhältnisses und auf derselben vorbestehenden Vertragsbasis entrichtet und setzt
damit das bestehende Rentenverhältnis fort. Anders als bei der AHV, bei der die einfache AHV-
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Rente aus eigenem Recht der (nun) alleinstehenden Person bezogen wird, beruht die
Witwenrente im Bereich der beruflichen Vorsorge auf demselben (zum Teil bereits vor dem Jahr
1987 geäufneten) Pensionskassenkapital und leitet sich somit aus demselben
Rentenstammrecht ab, wie zuvor die Altersrente des verstorbenen Ehegatten (vgl. Recueil de
jurisprudence neuchâteloise (RJN) 2005 p. 208 einsehbar auf swisslex unter:
<https://www.swisslex.ch/de/doc/unknown/36b7e400-cf2f-4d13-bac1-0b6b75d6d632>
abgerufen am 16.7.2019; sowie Hans-Jörg Müllhaupt in: Kommentar zum Aargauer
Steuergesetz, 4. Aufl., 2015, N. 5. zu § 267 StG AG).
4.2 Zu laufen begonnen hat die Witwenrente als solche zwar erst ab 1. Januar 2007, der Wortlaut von Art. 204 Abs. 1 DBG ist aber so auszulegen, dass für die Bestimmung des
Beginns des Laufs der Rentenleistungen nicht die Fälligkeit der einzelnen Rentenleistung
heranzuziehen, sondern darauf abzustellen ist, wann das Rentenverhältnis als Ganzes "fällig"
geworden ist (vgl. Peter Locher, Kommentar zum DBG, Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, III. Teil, 2015, N. 6 zu Art. 204 DBG). Vorliegend ist auf den Beginn der
Altersleistungen des verstorbenen Ehemannes im Jahr 2000 abzustellen. Denn mit dem Beginn
der Altersleistungen an den Ehemann und damit dem Eintreten des Vorsorgefalles aus diesem
Vorsorgeverhältnis wurde das Rentenverhältnis, aus dem auch die Witwenrente ab 2007
entrichtet wird, als Ganzes fällig. Die der Altersrente nachfolgende Witwenrente ist deshalb, wie
zuvor die Altersrente gemäss der Übergangsbestimmung von Art. 204 Abs. 1 DBG während
ihrer gesamten Laufzeit privilegiert zu 80 % zu besteuern (vgl. dazu auch: Merkblatt
Besteuerung von Renten und Pensionen des kantonalen Steueramts des Kantons Aargau,
Ziff. 2/212, einsehbar unter:
<https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/steuern/natuerliche_personen/merk
blaetter_np/20190101_MB_Besteuerung_Renten_Pensionen.pdf> abgerufen am 16.9.2019;
Baselbieter Steuerbuch Band 1 - Einkommen, 27 Nr. 3, einsehbar unter: <https://www.basel-
land.ch/politik-und-behorden/direktionen/finanz-und-kirchendirektion/steuerverwaltung/steuer-
buch/band-1/einkommen> 27 Nr. 3, Ziff. 3.2 Übergangsregelung, 6. Absatz, abgerufen am
16.9.2019; Luzerner Steuerbuch, Band 1, Weisungen StG: Einkommenssteuer, § 29 Nr. 3
einsehbar unter: <https://steuerbuch.lu.ch/index/band_1_weisungen_stg_einkommenssteuer.-
html> § 29 Nr. 3, abgerufen am 16.9.2019; Solothurner Steuerbuch, Renten und übrige
Einkommen, § 30 Nr. 1 Einkünfte aus beruflicher Vorsorge Ziff. 2.2 Witwer- oder Witwenrente
einsehbar unter <https://steuerbuch.so.ch/steuern/einkommenssteuer/renten-und-uebrige-
einkom-men/30-nr-1/> abgerufen am 16.9.2019; Steuerpraxis des Kantons Thurgau Ziff. 3.1 der
Steuerpraxis Seite StP 24 Nr. 2, abrufbar unter: <http://steuerverwaltung.steuerpra-
xis.tg.ch/html/5ACD0FB2-9AEC-BFCE-07879273CAE7AC9E.html> abgerufen am 16.9.2019.
Weitere kantonale Praxen wurden nicht geprüft).
https://www.swisslex.ch/de/doc/unknown/36b7e400-cf2f-4d13-bac1-0b6b75d6d632 https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/steuern/natuerliche_personen/merkblaetter_np/20190101_MB_Besteuerung_Renten_Pensionen.pdf https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/steuern/natuerliche_personen/merkblaetter_np/20190101_MB_Besteuerung_Renten_Pensionen.pdf https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/direktionen/finanz-und-kirchendirektion/steuerverwaltung/steuerbuch/band-1/einkommen https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/direktionen/finanz-und-kirchendirektion/steuerverwaltung/steuerbuch/band-1/einkommen https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/direktionen/finanz-und-kirchendirektion/steuerverwaltung/steuerbuch/band-1/einkommen https://steuerbuch.lu.ch/index/band_1_weisungen_stg_einkommenssteuer.html https://steuerbuch.lu.ch/index/band_1_weisungen_stg_einkommenssteuer.html https://steuerbuch.so.ch/steuern/einkommenssteuer/renten-und-uebrige-einkom-men/30-nr-1/ https://steuerbuch.so.ch/steuern/einkommenssteuer/renten-und-uebrige-einkom-men/30-nr-1/ http://steuerverwaltung.steuerpra-xis.tg.ch/html/5ACD0FB2-9AEC-BFCE-07879273CAE7AC9E.html http://steuerverwaltung.steuerpra-xis.tg.ch/html/5ACD0FB2-9AEC-BFCE-07879273CAE7AC9E.html
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Die obgenannte Weiterführung der privilegierten Besteuerung entspricht dem Normzweck der
Übergangsregelung besser und garantiert überdies, indem sie eine je nach Geschlecht
unterschiedliche Besteuerung von Witwenrenten und Altersrenten aus demselben
Rentenstammrecht vermeidet, eine rechtsgleiche Anwendung betreffend die überlebenden
Ehegatten. Deshalb ist die Witwenrente der Beschwerdeführerin, soweit die direkte
Bundessteuer betreffend, gemäss Art. 204 Abs. 1 Bst. b DBG privilegiert zu 80 % zu besteuern.
5. Der Vertreter bemängelt weiter die fehlende Begründung zur veränderten Besteuerung der Witwenrente in der Veranlagung vom 20. August 2018. Er macht geltend, dass man auf die
Idee kommen könnte, dass die Steuerverwaltung darauf spekuliert habe, dass die
Beschwerdeführerin die Steuerhöhung nicht bemerken und die Rechnung einfach bezahlen
würde. Sinngemäss wirft er der Steuerverwaltung damit treuwidriges Verhalten vor.
Auch wenn die steuerpflichtigen Personen grundsätzlich gehalten sind, die
Veranlagungsverfügung nach Erhalt genau zu prüfen, so wäre es sicher angebracht, auf die
veränderte Besteuerung hinzuweisen und diese zumindest in ein paar Sätzen kurz zu
begründen, wenn nach fast zehn Jahren eine Witwenrente statt wie bisher zu 80 % neu
plötzlich zu 100 % besteuert wird. Ob dieses wenig kundenfreundliche Verhalten als treuwidrig
einzustufen ist, kann aber offenbleiben, da der Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall
dadurch kein Nachteil entstanden ist.
6. Überdies wird gerügt, dass die Steuerverwaltung im vorangegangenen Verfahren insb. im Einspracheverfahren nicht auf die Argumentation der Beschwerdeführerin resp. des Vertreters
eingegangen sei und sich im Wesentlichen darauf beschränkt habe, auf den Handkommentar
zum DBG (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 10 zu
Art. 204 DBG) zu verweisen. Damit wird implizit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend
gemacht.
6.1 Dazu ist festzuhalten, dass es nicht erforderlich ist, dass die Steuerverwaltung sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte
beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die
Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die
höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid
stützt (BGE 143 III 65 E. 5.2).
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An die Begründung von Verfügungen sind im Allgemeinen keine hohen Anforderungen zu
stellen, insbesondere dann nicht, wenn den Betroffenen die wesentlichen Umstände bereits
bekannt sind und wenn es sich, wie vorliegend, um Akte der Massenverwaltung handelt. Unter
solchen Verhältnissen können sehr einfache, knappe oder formelhafte Begründungen z.B. der
Hinweis auf eine Rechtsnorm genügen (Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Gesetz
über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 1997, N. 7 f. zu Art. 52 VRPG).
6.2 Dem Vertreter sind mit Mail vom 28. August 2018 und mit dem Vorbescheid zum Einspracheentscheid die der Auffassung der Steuerverwaltung zugrunde liegenden Argumente
für die Besteuerung der Witwenrente zu 100 % offengelegt worden. Auch wenn sich die
Begründung im Wesentlichen auf einen Hinweis auf den Handkommentar zum DBG beschränkt
hat, ist die Steuerverwaltung damit zumindest auf das Grundanliegen der Beschwerdeführerin
eingegangen und der Vertreter war in der Lage, den Einspracheentscheid vor der
Steuerrekurskommission substantiiert anzufechten. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
liegt nicht vor.
7. Aus den Erwägungen folgt, dass die Witwenrente nach Art. 204 Abs. 1 Bst. b DBG privilegiert zu 80 % zu besteuern und die Beschwerde gutzuheissen ist.
8. Bei diesem Ausgang hat die Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten zu tragen (Art. 144 Abs. 1 DBG), weshalb auf das diesbezügliche Begehren des Vertreters nicht weiter
einzugehen ist.
9. Weil die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren vertreten ist und ihr notwendige und verhältnismässig hohe Kosten entstanden sind, wird ihr eine Parteikostenentschädigung
zugesprochen (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20.
Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR
172.021]). Diese wird gemäss dem vorgesehenen Rahmentarif (Art. 11 der Verordnung vom 17.
Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes [Parteikostenverordnung, PKV; BSG
168.811]) festgesetzt. Der Vertreter beantragt in seiner Stellungnahme zur Vernehmlassung der
Steuerverwaltung vom 22. Februar 2019 in Ziff. 9 die Bemessung der Höhe des
Parteikostenersatzes der Steuerrekurskommission zu überlassen. Die Steuerrekurskommission
erachtet vorliegend eine pauschale Parteikostenentschädigung von CHF 1'600.--, inklusive
Mehrwertsteuer und Auslagen, als angemessen.