Decision ID: 9df85732-6391-5977-90b9-80d1addb3720
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte am 15. September 2016 in die Schweiz
und suchte hier noch am selben Tag um Asyl nach. Am 19. Oktober 2016
erhob das SEM im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._
seine Personalien und befragte ihn summarisch zum Reiseweg sowie zu
den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes (sogenannte Befragung
zur Person; BzP). Am 3. November 2016 hörte das SEM ihn einlässlich zu
seinen Asylgründen an. Mit Zwischenverfügung vom 8. November 2016
wies es ihn für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._ zu.
B.
Der Beschwerdeführer machte hinsichtlich seiner persönlichen Verhält-
nisse geltend, er sei tigrinischer Ethnie, in D._ geboren und aufge-
wachsen und habe drei Geschwister. Sein älterer Bruder E._ (N ...)
lebe (als anerkannter Flüchtling) in der Schweiz. Seine ältere Schwester
F._ sei verstorben. Die jüngere Schwester G._ lebe nach
wie vor mit ihrer Mutter in D._. Er selbst habe die Schule bis zur
neunten Klasse besucht, diese dann aber zufolge seiner Verfolgungsge-
schichte abbrechen müssen.
Zur Begründung seines Asylgesuches führte er im Wesentlichen aus, seine
Schwester F._ habe sich im Mai 2012 mit einem in H._
wohnhaften, oppositionell aktiven Landsmann verlobt, welcher nicht per-
sönlich an der Feier teilgenommen habe. Wenige Tage nach dieser Feier
seien F._, sein älterer Bruder E._ sowie sein Vater zuhause
festgenommen und inhaftiert worden. Ungefähr zwei Monate später seien
auch die beiden Geschäfte seines Vaters, der (...) und auch im (...) tätig
gewesen sei, behördlich geschlossen worden. Seine Schwester sei im Ge-
fängnis erkrankt und danach gestorben. Sein Vater sei seit seiner Inhaftie-
rung verschollen. Der ältere Bruder E._ habe indessen aus dem
Gefängnis entkommen und in die Schweiz fliehen können.
Er selber habe nach diesen Ereignissen zusammen mit seiner Mutter und
seiner jüngeren Schwester G._ weiterhin in D._ in der
I._ gelebt und dort die Schule besucht. Ungefähr zweieinhalb Jahre
nach der Schliessung der Geschäfte hätten diese wieder geöffnet werden
dürfen. Im Januar 2016 habe seine Mutter auf der Bank Geld eingetauscht,
weil neue Banknoten herausgegeben worden seien. Zwei Tage später, am
(...), seien in der Nacht sechs Personen bei ihnen zuhause vorbeigekom-
men und hätten ihn und seine Mutter mitgenommen. Er selbst sei nach
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J._ gebracht worden. Dort sei er immer wieder nach der Herkunft
des Geldes (seiner Mutter) gefragt und dabei auch der Geldwäscherei und
der finanziellen Unterstützung oppositioneller Kreise bezichtigt worden.
Vom dritten Tag seiner Haft an sei er während ungefähr zehn Tagen immer
wieder geschlagen worden. Dabei habe er schliesslich gestanden, dass
sein Vater mit Geld gehandelt habe. Etwa zwei Monate nach seiner Fest-
nahme sei er von J._ nach K._ verlegt worden, wo er einen
Monat lang geblieben sei. Dort sei ihm eröffnet worden, dass er demnächst
an einer militärischen Ausbildung teilnehmen werde. Allerdings sei er in
K._ an (...) und (...) erkrankt, weshalb man ihn zur medizinischen
Behandlung in ein Spital in L._ verbracht habe, wo er elf Tage lang
behandelt worden sei. In dieser Zeit habe ein ehemaliger Freund seines
Vaters mit Wohnsitz in M._ seine Befreiung und Ausreise organi-
siert. Eines Tages sei er von einem Arzt des Spitals in L._ mit der
Begründung, er werde nunmehr zur weiteren Behandlung einem anderen
Arzt übergeben, zu einem Fahrzeug gebracht worden, in welchem neben
einem Fahrer noch zwei weitere Personen gesessen hätten. Mit diesem
Fahrzeug sei er über N._ nach O._ in den Sudan gebracht
worden. In der Folge sei er über Ägypten und Italien in die Schweiz gelangt.
Nachdem er sein Heimatland verlassen habe, sei seine Mutter seinetwe-
gen abermals festgenommen worden. Da sie an (...) leide und in der Haft
beinahe verstorben sei, hätten die eritreischen Behörden sie jedoch Mitte
Oktober 2016 wieder aus dem Gefängnis entlassen, wie ihm sein Bruder
E._ erzählt habe. Wie lange sie damals im Gefängnis gewesen sei,
wisse er nicht.
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des erstinstanzlichen Verfah-
rens die Kopie seiner Geburtsurkunde zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 29. November 2018 – eröffnet am 3. Dezember 2018 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
D.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 28. Dezember 2018 erhob der
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die
vorinstanzliche Verfügung und beantragte, die Verfügung des SEM vom
29. November 2018 sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, seine
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Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventuali-
ter sei die Verfügung des SEM vom 29. November 2018 aufzuheben und
wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die
vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Verfügung des
SEM vom 29. November 2018 aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter beantragte er, es sei ihm
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, ihm in der Person seines
Rechtsvertreters die unentgeltliche Verbeiständung zu bewilligen und auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
E.
Mit Schreiben vom 4. Januar 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
F.
Am 7. Januar 2019 ging dem Bundesverwaltungsgericht eine auf die Per-
son des Beschwerdeführers ausgestellte Fürsorgeabhängigkeitsbestäti-
gung des Sozialdienstes des Kantons C._ vom 3. Januar 2019 zu.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 hielt die zuständige Instruk-
tionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfah-
rens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete
dem Beschwerdeführer den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen
Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Einreichung ei-
ner Vernehmlassung bis zum 8. Februar 2019 ein.
H.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 1. Februar 2019 fest, die
Beschwerde enthalte keine neuen und erheblichen Tatsachen und Beweis-
mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten.
Im Übrigen verwies es vollumfänglich auf seine Erwägungen in der ange-
fochtenen Verfügung.
I.
Am 13. Februar 2019 stellte das Bundesverwaltungsgericht dem Be-
schwerdeführer die Vernehmlassung des SEM vom 1. Februar 2019 zur
Kenntnisnahme zu.
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J.
Mit Eingabe vom 14. Januar 2020 erkundigte sich der Beschwerdeführer
beim Bundesverwaltungsgericht nach dem aktuellen Stand des Verfah-
rens. Diese Eingabe wurde vom Gericht mit Schreiben vom 21. Januar
2020 beantwortet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das
AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE
2009/28 E. 7.1).
4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seines negativen Entscheides im We-
sentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten teils den An-
forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG, teils denjenigen
an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Hinsichtlich
der geltend gemachten dreimonatigen Inhaftierung, des elftägigen Kran-
kenhausaufenthalts sowie der organisierten Flucht aus dem Spital im Mai
2016 hielt die Vorinstanz namentlich fest, der Beschwerdeführer habe bei
der BzP ausgesagt, er habe erst nach seiner Ausreise im Sudan erfahren,
dass seine Mutter aus der Haft entlassen worden sei, jedoch die Besitzur-
kunde ihres Hauses als Bürgschaft habe hinterlegen müssen. Auch bei der
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Anhörung habe er zunächst erklärt, seine Mutter sei erst aus der Haft ent-
lassen worden, nachdem er im Sudan eingetroffen sei. Er habe dies durch
einen Anruf erfahren, bei dem sie ihm auch erzählt habe, dass sie die Be-
sitzurkunde als Bürgschaft habe hinterlegen müssen. Im weiteren Verlauf
der Anhörung habe er dann jedoch zu Protokoll gegeben, ein Arzt habe ihm
vier Tage vor seiner Flucht erlaubt, seine Mutter anzurufen, wobei er ihr
mitgeteilt habe, sich im Spital in L._ zu befinden. Diese wider-
sprüchlichen Aussagen habe er auf Nachfragen hin nicht miteinander in
Einklang zu bringen vermocht. Zudem habe er bei der BzP ausgeführt, ein
in M._ lebender Freund seines Vaters habe seine Befreiung und
Ausreise organisiert, während er im Spital in L._ behandelt worden
sei. Dies hätte besagter Freund seines Vaters selbstverständlich nur unter
der Voraussetzung tun können, dass er überhaupt über seinen Aufenthalt
in diesem Spital informiert gewesen wäre. Vor diesem Hintergrund wären
von ihm aber konzise Angaben darüber zu erwarten gewesen, ob seine
Mutter von seinem Aufenthalt in diesem Spital gewusst habe. Im Übrigen
sei es ohnehin als unwahrscheinlich zu erachten, dass ein in M._
lebender Freund seines Vaters innerhalb von vier Tagen seine Befreiung
und Flucht in den Sudan hätte organisieren können. Bezeichnenderweise
habe er sich bei der Anhörung nicht einmal mehr vermutungsweise dazu
geäussert, wie es zu dieser Befreiung gekommen sei. Somit könnten ihm
die für das Jahr 2016 geltend gemachten Nachteile insgesamt nicht ge-
glaubt werden, weshalb deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.
Soweit er geltend mache, seine ältere Schwester F._, sein älterer
Bruder E._ und sein Vater seien im Mai 2012 zuhause abgeholt und
inhaftiert worden, wobei F._ im Gefängnis erkrankt und später ver-
storben und sein Vater seither verschollen sei, seien diese staatlichen
Massnahmen offensichtlich nicht gegen ihn selbst, sondern gegen seine
Familienangehörigen gerichtet gewesen. Im Übrigen sei er eigenen Anga-
ben zufolge erst vier Jahre nach diesen Ereignissen aus Eritrea ausgereist,
weshalb diese unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt offensichtlich nicht
geeignet seien, seine Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Dennoch sei
an dieser Stelle anzumerken, dass seine diesbezüglichen Aussagen bei
der Anhörung wenig überzeugend ausgefallen seien und er auf entspre-
chende Nachfragen hin etwa keine nachvollziehbaren Angaben zum Tode
seiner Schwester habe machen können. Gemäss dem Koordinationsent-
scheid D-7898/2015 des BVGer vom 30. Januar 2017 sei nicht mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich eritreische
Staatsangehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres
Heimatstaates konfrontiert sehen würden, die bezüglich ihrer Intensität und
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der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3
Abs. 2 AsylG darstellen würden. Andere Anknüpfungspunkte, die ihn in den
Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen
könnten, seien ebenfalls nicht ersichtlich. Wie bereits ausgeführt, sei es
ihm nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er selbst inhaftiert gewesen
sei und seine Rekrutierung für den Militärdienst unmittelbar bevorgestan-
den habe. Auch sei nicht davon auszugehen, dass ihm im Zusammenhang
mit den früheren Problemen seiner Familienangehörigen bei einer Rück-
kehr ernsthafte Probleme drohen würden. Aus diesem Grund genügten
seine diesbezüglichen Vorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingsei-
genschaft nicht.
Den Vollzug der Wegweisung nach Eritrea erachtete das SEM als möglich,
zulässig und zumutbar.
4.2 In der Rechtsmitteleingabe wird zunächst hinsichtlich der dreimonati-
gen Inhaftierung im Januar 2016 mit anschliessendem elftägigen Spital-
aufenthalt und Flucht aus Eritrea im Mai 2016 im Wesentlichen an der
Glaubhaftigkeit der gemachten Aussagen festgehalten und ausgeführt, die
Vorinstanz verkenne, dass die Aussagen des Beschwerdeführers zahlrei-
che Realkennzeichen aufweisen würden, welche annehmen liessen, dass
er das Geschilderte tatsächlich erlebt habe. So seien seine Antworten aus-
führlich und an vielen Stellen gebe er Erlebtes via direkte Rede wieder (vgl.
act. A11/22 F13, F17, F26, F67 und F76). Den Anhörungsprotokollen sei
auch zu entnehmen, dass er frei und assoziativ erzählt habe (vgl. act. A6/9
S. 6 und act. A11/22 F26, F67 und F121). Ausserdem lasse die Vorinstanz
völlig ausser Acht, dass er im Zeitpunkt der Anhörungen noch minderjährig
gewesen sei. Trotzdem sei er in der Lage gewesen, die Vorfälle in einer
nachvollziehbaren und kongruenten Art und Weise darzulegen. Hinsichtlich
des vermeintlichen Widerspruchs, dass der Beschwerdeführer einerseits
ausgesagt habe, erst im Sudan von der Freilassung seiner Mutter erfahren
zu haben, um andererseits zu erklären, er habe seiner Mutter vom Spital
aus telefoniert, um ihr seinen Aufenthaltsort mitzuteilen, sei anzumerken,
dass es sich dabei um zwei verschiedene Telefonate gehandelt habe. Beim
Telefon aus dem Spital sei es primär darum gegangen, seiner Mutter kurz
seinen aktuellen Aufenthaltsort mitzuteilen, während das zweite Telefonat
im Sudan dem Zweck gedient habe, Einzelheiten zur Freilassung seiner
Mutter in Erfahrung zu bringen. Die protokollierten Aussagen des Be-
schwerdeführers, er habe erst im Sudan von der Freilassung seiner Mutter
erfahren, seien unglücklich formuliert, was allenfalls auch darauf zurückzu-
führen sei, dass die Befragungen ausschliesslich in Tigrinya durchgeführt
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worden seien, während seine Muttersprache Tigre sei, in der er sich besser
und vor allem präziser ausdrücken könne. Schliesslich habe er auch nicht
wissen können, dass nur einige wenige Formulierungen für den Asylent-
scheid ausschlaggebend sein könnten. Angesichts der Tatsache, dass er
seine Mutter telefonisch über seinen Spitalaufenthalt in L._ infor-
miert habe, verstehe es sich letztlich auch von selbst, dass diese den in
M._ lebenden Freund seines Vaters entsprechend informiert habe.
Hinsichtlich des Vorhalts der Vorinstanz, es erscheine unwahrscheinlich,
dass ein in M._ lebender Freund seines Vaters innerhalb von vier
Tagen seine Befreiung und Flucht in den Sudan habe organisieren können,
sei zu entgegnen, dass dieser Freund in Eritrea über ein relativ gutes Netz-
werk verfügt habe. Ausserdem habe der Beschwerdeführer den Transport
beziehungsweise die Ausreise ins Ausland genügend substanziiert geschil-
dert und insbesondere angeben können, wie lange die Fahrt über die
Grenze gedauert habe, wo er angekommen sei und bei welchen Verwand-
ten in O._ er Unterschlupf gefunden habe. Damit sei er seiner Mit-
wirkungspflicht nachgekommen. Es liege aber nicht an ihm, zu schildern,
wie der Freund seines Vaters seine Befreiung und Flucht konkret bewerk-
stelligt habe. Die Organisation seiner Flucht durch den Freund seines Va-
ters erscheine deshalb auch als durchaus realistisch. Seine Inhaftierung im
Januar 2016 und seine Befreiung im Mai 2016 seien somit glaubhaft. Seine
Inhaftierung und diejenige seiner Mutter beruhten darauf, dass die eritrei-
schen Behörden ihnen Geldwäscherei und Verbindungen zu Oppositionel-
len vorgeworfen hätten, was ohne Weiteres ein Verfolgungsmotiv aus ei-
nem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründen darstelle, weshalb eine
asylrelevante Verfolgung vorliege.
Sollte das Gericht die Glaubhaftigkeit seiner Festnahme, Inhaftierung und
Flucht im Jahr 2016 verneinen, lägen nebst seiner illegalen Ausreise aus
Eritrea aber durchaus weitere Faktoren vor, welche ihn in den Augen der
eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen liessen, seien
doch im Mai 2012 seine ältere Schwester, sein älterer Bruder sowie sein
Vater verhaftet worden, nachdem sich seine Schwester mit einem in
H._ lebenden oppositionellen Landsmann verlobt habe, wobei die
Behörden das Geschäft der Familie sowie deren Ersparnisse konfisziert
hätten. Vor diesem Hintergrund erfülle er jedenfalls die Voraussetzungen
für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft.
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5.
5.1 Der Beschwerdeführer hielt anlässlich der Anhörung fest, seine Mutter
hätte am 18. Januar 2016 versucht, alte Banknoten in neue umzutauschen,
worauf er und seine Mutter am 20. Januar 2016 festgenommen worden
seien (vgl. act. A11/22 S. 3 f. F18 i.V.m. F26 und S. 8 F66). Die Behörden
hätten seine Mutter danach gefragt, woher sie drei bis vier Millionen Nakfa
habe (a.a.O. S. 3 F17). Recherchen des Gerichts haben nun aber ergeben,
dass die eritreische Nationalbank gestützt auf die Legal Notice No. 124/2015
(Legal Tender Nakfa Currency Notes Regulations) vom 4. November 2015
und weitere Ausführungserlasse beschlossen hat, den Austausch der alten
Banknoten nur zwischen dem 18. November und dem 31. Dezember 2015
zuzulassen. Seit dem 1. Januar 2016 sind die alten Banknoten wertlos
(Tesfa News: Bank of Eritrea Announces Currency Notes Redemption Time
Lines < www.tesfanews.net/bank-of-eritrea-announces-currency-notes-re-
demption-time-lines >, abgerufen am 22.04.2020; Tesfa News: Meet the
New Eritrea Nakfa Bank Notes < www.tesfanews.net/new-eritrea-nakfa-
currency-notes-slides/ >, abgerufen am 22.04.2020; Law Library of Con-
gress: Eritrea: Law on Issuance of New Currency Notes Enacted, 10. No-
vember 2015 < www.loc.gov/law/foreign-news/article/eritrea-law-on-issu-
ance-of-new-currency-notes-enacted/ >, abgerufen am 22.04.2020; Wi-
kipedia: Eritrean nakfa < https://en.wikipedia.org/wiki/Eritrean_nakfa >, ab-
gerufen am 22.04.2020; Eritrea: Analyse der Situation und Skizzierung mit-
telfristiger politischer Ansätze, Bericht des Bundesrates in Erfüllung des
Postulats Pfister 15.3954 "Endlich klare Informationen zu Eritrea" vom
24.09.2015, 14. Oktober 2016, S. 8 < www.newsd.admin.ch/newsd/mes-
sage/attachments/45926.pdf >, abgerufen am 27.04.2020; Human Rights
Council: Detailed findings of the commission of inquiry on human rights in
Eritrea, 8. Juni 2016, S. 35–37 < https://view.officeapps.live.com/op/view.
aspx?src=https%3A%2F%2F www.ohchr.org%2FEN%2FHRBodies%
2FHRC%2FRegularSessions%2F Session32%2FDocuments%2FA_HRC_
32_CRP.1_E.docx >, abgerufen am 27.04.2020). Es wird vermutet, dass
die Dauer für den Umtausch von der Regierung bewusst sehr kurz gehalten
wurde, was dazu führte, dass gerade Personen im Ausland keine Gelegen-
heit hatten, ihr Vermögen umzutauschen und alles verloren. Offenbar
konnte auch nur an ganz bestimmten wenigen Tagen überhaupt eine grös-
sere Menge (über 20'000 Nakfa) eingetauscht werden. Angesichts des gel-
tend gemachten für eritreische Verhältnisse riesigen Reichtums der Mutter
des Beschwerdeführers von 3-4 Millionen Nakfa (1 Dollar entsprach 15
Nakfa) erscheint es undenkbar, dass seine Mutter nicht gewusst hätte,
dass sie ihr Geld noch im Laufe des Jahres 2015 hätte eintauschen müs-
sen oder dass sie ein solches Risiko in Kauf genommen hätte. Bereits aus
http://www.tesfanews.net/bank-of-eritrea-announces-currency-notes-redemption-time-lines http://www.tesfanews.net/bank-of-eritrea-announces-currency-notes-redemption-time-lines http://www.tesfanews.net/new-eritrea-nakfa-currency-notes-slides/ http://www.tesfanews.net/new-eritrea-nakfa-currency-notes-slides/ http://www.loc.gov/law/foreign-news/article/eritrea-law-on-issuance-of-new-currency-notes-enacted/ http://www.loc.gov/law/foreign-news/article/eritrea-law-on-issuance-of-new-currency-notes-enacted/ https://en.wikipedia.org/wiki/Eritrean_nakfa http://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/45926.pdf http://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/45926.pdf https://view.officeapps.live.com/op/view.aspx?src=https%3A%2F%2F%20www.ohchr.org%2FEN%2FHRBodies%2FHRC%2FRegularSessions%2F%20Session32%2FDocuments%2FA_HRC_32_CRP.1_E.docx https://view.officeapps.live.com/op/view.aspx?src=https%3A%2F%2F%20www.ohchr.org%2FEN%2FHRBodies%2FHRC%2FRegularSessions%2F%20Session32%2FDocuments%2FA_HRC_32_CRP.1_E.docx https://view.officeapps.live.com/op/view.aspx?src=https%3A%2F%2F%20www.ohchr.org%2FEN%2FHRBodies%2FHRC%2FRegularSessions%2F%20Session32%2FDocuments%2FA_HRC_32_CRP.1_E.docx https://view.officeapps.live.com/op/view.aspx?src=https%3A%2F%2F%20www.ohchr.org%2FEN%2FHRBodies%2FHRC%2FRegularSessions%2F%20Session32%2FDocuments%2FA_HRC_32_CRP.1_E.docx
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diesem Grunde kann dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass
dieser Umtausch erst am 18. Januar 2016 stattgefunden hat und er in die-
sem Zusammenhang am 20. Januar 2016 zusammen mit seiner Mutter von
den eritreischen Behörden festgenommen worden und in der Folge bis zu
seiner organisierten Befreiung aus dem Spital in L._ mehr als drei
Monate lang in behördlichem Gewahrsam gewesen sein soll. Aus den Ak-
ten erschliesst sich denn auch in keiner Weise, wie die Mutter zu einem
solch beachtlichen Vermögen gekommen sein will, obwohl die Familie we-
nige Jahre zuvor vollständig enteignet worden war. Die Erklärungen des
Beschwerdeführers zu seiner Tätigkeit im Geschäft der Mutter und allge-
mein zum Geschäftsgang vermögen jedenfalls nicht zu überzeugen.
Schliesslich kommt hinzu, dass der vom SEM aufgezeigte Widerspruch
zum Zeitpunkt der Entlassung der Mutter aus der Haft diese Zweifel zu-
sätzlich bestätigt, zumal die diesbezüglichen Erklärungen in der Be-
schwerde nicht restlos überzeugen können. Es erübrigt sich somit, auf die
weiteren Ausführungen in der Beschwerde einzugehen. Das SEM hat die
Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Vorfluchtgründen somit im Er-
gebnis zu Recht als unglaubhaft qualifiziert. Dem Beschwerdeführer ist es
damit nicht gelungen, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea beste-
hende oder ihm drohende Gefährdung nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Im Ausreisezeitpunkt erfüllte er die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht.
5.2
5.2.1 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
nach Eritrea aufgrund der illegalen Ausreise – mithin wegen subjektiver
Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) – befürchten müsste, ernsthaften Nach-
teilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden.
5.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil D-7898/2015
vom 30. Januar 2017 unter Bezugnahme auf die konsultierten Quellen fest-
gehalten, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise per se
zur Flüchtlingseigenschaft führe, nicht mehr aufrechterhalten werden
könne. Aus der vorgenommenen Analyse ergebe sich, dass zahlreiche
Personen, welche illegal aus Eritrea ausgereist seien, relativ problemlos in
ihre Heimat hätten zurückkehren können. Daher sei nicht mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person einzig auf-
grund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung
drohe. Damit erscheine die geltend gemachte Furcht vor ernsthaften Nach-
teilen im Sinne von Art. 3 AsylG allein aufgrund einer illegalen Ausreise
nicht als objektiv begründet. Ein erhebliches Risiko einer Bestrafung bei
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einer Rückkehr gestützt auf asylrelevante Motive sei nur dann anzuneh-
men, wenn nebst der illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzuträten, wel-
che die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als
missliebige Person erscheinen liessen (vgl. a.a.O. E. 5.1).
5.2.3 In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass dem älteren Bru-
der des Beschwerdeführers, E._, vom SEM am (...) Asyl gewährt
worden ist. Dessen Aussagen zufolge hätten ihn die eritreischen Behörden
zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester F._ im Verlaufe
des Monats Mai 2012 zuhause abgeholt und inhaftiert. Sein Vater habe
einen (...)laden geführt und die Behörden hätten wissen wollen, woher eine
beachtliche Menge Geld und (...) des Vaters stammen würden. Ausserdem
hätten die Behörden (...) und (...) der Kunden beschlagnahmt und den La-
den konfisziert. Man habe seinem Vater und der Familie vorgeworfen, der
Opposition anzugehören. Er selbst sei zunächst während sieben Monaten
in Einzelhaft in einem Gefängnis des Geheimdienstes in J._,
D._ und nach dem Tode seiner Schwester in Haft ins Gefängnis
K._ verlegt worden, wo er rund ein Jahr und zwei Monate verbracht
habe. Vom Verbleib seines Vaters habe er bis heute keine Nachricht.
5.2.4 Die Aussagen des Bruders E._ des Beschwerdeführers zei-
gen auf, dass er, sein Vater sowie seine Schwester aufgrund der Vermö-
gensverhältnisse der Familie seitens der eritreischen Behörden im Ver-
dacht gestanden haben, der Opposition anzugehören beziehungsweise
diese finanziell unterstützt zu haben. Wohl trifft es zu, dass der Beschwer-
deführer damals nicht festgenommen worden ist. Er war zu besagtem Zeit-
punkt allerdings erst zwölfeinhalb Jahre alt – zu jung, um für die seitens
der eritreischen Behörden unterstellte Unterstützung der Opposition durch
seine Familie zur Verantwortung gezogen zu werden. Angesichts des rigo-
rosen Vorgehens der eritreischen Regierung gegen (mutmassliche) Oppo-
sitionelle sowie des Umstands, dass drei nahe Familienangehörige des Be-
schwerdeführers im Mai 2012 in diesem Zusammenhang inhaftiert worden
sind, wobei der Vater des Beschwerdeführers seither unbekannten Aufent-
halts und dessen ältere Schwester während der Haft verstorben sein sol-
len, ist im Falle des Beschwerdeführers jedoch nicht auszuschliessen, dass
dieser bei seiner Rückkehr nach Eritrea ebenfalls asylrechtlich relevanten
Verfolgungshandlungen seitens der eritreischen Behörden ausgesetzt sein
könnte. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil den eritreischen Behörden
nicht verborgen bleiben dürfte, dass er sich mittlerweile seit bald vier Jah-
ren gemeinsam mit seinem als Flüchtling mit Asyl anerkannten Bruder
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E._ in der Schweiz aufhält, was ihn aus Sicht der eritreischen Re-
gierung ohne Weiteres dem Verdacht aussetzen dürfte, dessen regierungs-
kritische Sicht zu teilen. Wenngleich aufgrund der Aktenlage davon auszu-
gehen ist, dass seine Vorverfolgung nicht den Tatsachen entspricht, hat der
Beschwerdeführer in subjektiver Hinsicht und auf der Grundlage objektiver
massgeblicher Sachumstände begründeten Anlass zu befürchten, ihm
könnten bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG widerfahren.
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass das SEM
dem Beschwerdeführer zu Recht keine flüchtlingsrechtlich relevanten Vor-
fluchtgründe zuerkannt und das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. Je-
doch sind subjektive Nachfluchtgründe in dem Sinne anzunehmen, als der
Beschwerdeführer begründeterweise befürchten muss, bei einer Rückkehr
in sein Heimatland ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 AsylG ausgesetzt
zu werden. Der Beschwerdeführer erfüllt demnach die Flüchtlingseigen-
schaft und ist als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzunehmen (Art. 54
AsylG).
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im
Sinne der Erwägungen Bundesrecht verletzt. Die Beschwerde ist gutzu-
heissen, soweit sie die Frage der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft
und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz betrifft. Im
Übrigen ist sie abzuweisen. Die Dispositivziffern 1, 4 und 5 der Verfügung
vom 29. November 2018 sind aufzuheben und das SEM ist anzuweisen,
den Beschwerdeführer in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufzuneh-
men.
7.
7.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen
(Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüg-
lich seines Antrags auf Asylgewährung unterlegen. Bezüglich der Flücht-
lingseigenschaft sowie der Anordnung des Wegweisungsvollzugs hat er
obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein Obsiegen im Umfang von 2/3.
7.2 Dem Beschwerdeführer wären somit für sein Unterliegen im Anteil von
1/3 reduzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG,
Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2, 3 und 5 des Reglements über die
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Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom
21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.310.2]). Vorliegend wurde indes der An-
trag auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG
mit Verfügung vom 24. Januar 2019 gutgeheissen. Da aufgrund der Akten
nicht davon auszugehen ist, die finanziellen Verhältnisse des Beschwerde-
führers hätten sich seither verändert, ist dieser nach wie vor als bedürftig
zu erachten. Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben.
7.3 Soweit der Beschwerdeführer obsiegt, hat er Anspruch auf eine Par-
teientschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten, die vom
SEM auszurichten ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 4 VGKE). Es
wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Auf die Nachforderung ei-
ner solchen kann verzichtet werden, da der Aufwand für den Rechtsvertre-
ter zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In
casu ist in Anwendung der genannten Bestimmung und unter Berücksich-
tigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 9 -13 VGKE) ein
notwendiger Gesamtaufwand im Betrage von Fr. 1'800.– festzusetzen. Es
ist demnach eine reduzierte Parteientschädigung im Betrage von
Fr. 1'200.– zuzusprechen. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch
das SEM zu entrichten.
7.4 Soweit der Beschwerdeführer – im Anteil von 1/3 – unterliegt, ist dem
unentgeltlichen Rechtsbeistand zu Lasten der Gerichtskasse ein Honorar
im Betrage von Fr. 600.– zuzusprechen.
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