Decision ID: 4a9f81ab-5099-50ca-b21c-d602f59bfba5
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1958 geborene A._ (nachfolgend: Versicherter oder
Beschwerdeführer) ist französischer Staatsangehöriger und wohnhaft in
(...), Frankreich. Er arbeitete von 1984 bis 2015 mit Unterbrüchen als
Grenzgänger in der Schweiz, seit November 2009 als Rohrschlosser für
die Firma B._ GmbH (s. Bst. B). In dieser Zeit entrichtete er wäh-
rend 184 Monaten Beiträge an die Schweizerische Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung (Akten der Vorinstanz [doc.] B 9, S. 2).
B.
Am 2. November 2009 gründete der Versicherte die B._ GmbH mit
Sitz in (...), Kanton C._. Am 16. Juli 2012 stellte er bei der IV-Stelle
C._ (nachfolgend: IV-Stelle) einen Antrag auf Gewährung einer In-
validenrente und machte als gesundheitliche Einschränkungen Depres-
sion, Angst und Stress geltend (doc. A 2). Aus dem von der IV-Stelle ver-
anlassten Gutachten von Dr. med. D._ vom 19. April 2014 ergibt
sich aufgrund der psychiatrischen Diagnosen seit November 2011 eine
50%-ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als auch in einer
Verweistätigkeit (doc. A 67). In seiner Stellungnahme vom 28. April 2014
stützte sich der Regionale Ärztliche Dienst E._ (nachfolgend: RAD)
auf diese Begutachtung und stellte eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit seit No-
vember 2011 in der angestammten Tätigkeit und einer Verweistätigkeit fest.
Im Abklärungsbericht Selbständigerwerbende vom 31. Oktober 2014
wurde festgehalten, dass der Versicherte bei Eintritt des Gesundheitsscha-
dens mehr als 25% seines Einkommens in seinem Heimatstaat Frankreich
erwirtschaftet habe (doc. A 95).
C.
Mit Vorbescheid vom 17. Dezember 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicher-
ten mit, dass aufgrund seiner Erwerbstätigkeit in mehreren Staaten und der
25%-igen Erwerbstätigkeit in Frankreich kein Rentenanspruch bestehe
(doc. A 98). Dagegen erhob der Versicherte am 2. Februar 2015 Einwand
(doc. A 105). Nach erneuter Prüfung stellte die IV-Stelle dem Versicherten
mit Vorbescheid vom 27. Januar 2016 aufgrund eines Invaliditätsgrades
von 43% ab 1. Januar 2013 eine Viertelsrente in Aussicht (doc. A 135).
Dagegen erhob dieser am 4. Februar 2016 erneut Einwand mit dem Hin-
weis, dass das rechtliche Gehör nicht gewährt worden sei. Bestritten wur-
den die angenommene Arbeitsfähigkeit von 50% sowie die Annahme des
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Invaliden- und Valideneinkommens und die unklare Anwendung der Kom-
petenzniveaus. Eine Anpassung an die Lohngegebenheiten in Frankreich
ergebe einen Invaliditätsgrad von 71% oder 67%, was einer ganzen Rente
oder Dreiviertelsrente entsprechen würde. Ausserdem bestehe ein An-
spruch auf Verzugszinsen (doc. A 138). Mit Verfügung vom 29. April 2016
sprach die Vorinstanz dem Versicherten aufgrund eines Invaliditätsgrades
von 43% ab 1. Januar 2013 eine Viertelsrente zu.
D.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 30. Mai 2016 be-
antragte der Beschwerdeführer, es seien die Verfügung der Vorinstanz auf-
zuheben, ihm ab 1. Januar 2013 eine ganze IV-Rente zuzusprechen und
die auszusprechenden monatlichen Renten mit dem Zinssatz von 5% zu
verzinsen. Es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (Beschwer-
deakten [B-act.] 1).
E.
Mit Verfügung vom 10. August 2016 sprach die Vorinstanz dem Beschwer-
deführer Verzugszinsen von 5% ab 1. Januar 2015 in der Höhe von
Fr.°344.– zu (B-act. 6).
F.
Die IV-Stelle reichte am 26. August 2016 ihre Stellungnahme gegenüber
der Vorinstanz ein mit dem Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen. Als
Begründung führte sie insbesondere auf, dass eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes nicht nachgewiesen worden sei und die Berech-
nung des Invaliditätsgrades nachvollziehbar sei. So sei die Ermittlung des
Invaliditätsgrades aufgrund des Betätigungsvergleiches mit erwerblicher
Gewichtung erfolgt, wobei sich der Betätigungsvergleich auf die Angaben
des Versicherten und die konkreten Umstände abgestützt habe. Fachkor-
rekt sei ein IV-Grad von 43% ermittelt worden. Die Vorinstanz stützte sich
in ihrer Vernehmlassung vom 1. September 2016 im Wesentlichen auf die
Ausführungen der IV-Stelle (B-act. 10).
G.
Am 7. November 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein und
hielt dabei an seinen Ausführungen in der Beschwerde fest. Insbesondere
machte er geltend, dass die Arbeitsfähigkeit aufgrund eines veralteten Gut-
achtens festgelegt und eine Vielzahl von ärztlichen Attesten nicht berück-
sichtigt worden sei. Ausserdem sei die Berechnung des Invaliditätsgrades
nicht nachvollziehbar (B-act. 14).
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H.
Mit Zwischenverfügung vom 14. November 2016 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Pro-
zessführung und Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes gut
(B-act. 15).
I.
Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 24. November 2016 auf die
Einreichung einer Duplik mit der Begründung, dass in der Replik nichts
Neues vorgebracht worden sei (B-act. 18).
J.
Mit Zwischenverfügung vom 30. November 2016 sandte das Bundesver-
waltungsgericht dem Beschwerdeführer ein Doppel der Duplik zu und
schloss den Schriftenwechsel ab (B-act. 19).
K.
Mit Schreiben vom 5. Juli 2017 reichte der Rechtsvertreter des Beschwer-
deführers unter anderem eine Kostennote für seine Aufwendungen vom 9.
Mai 2016 bis 5. Juli 2017 ein (B-act. 22).
L.
Mit Zwischenverfügung vom 20. August 2018 teilte das Bundesverwal-
tungsgericht dem Beschwerdeführer mit, es beabsichtige, die angefoch-
tene Verfügung vom 29. April 2016 in Gutheissung der Beschwerde aufzu-
heben, soweit darauf einzutreten sei, und die Sache an die Vorinstanz zu
weiteren Abklärungen (polydisziplinäre Begutachtung) und zu neuem Ent-
scheid zurückzuweisen. Damit könnte der Bestand der bisher gewährten
Viertelsrente in Frage gestellt werden. Dem Beschwerdeführer werde des-
halb die Möglichkeit gegeben, innert Frist zur beabsichtigten Rückweisung
Stellung zu nehmen und seine Beschwerde allenfalls zurückzuziehen (B-
act. 23).
M.
Der Beschwerdeführer hielt mit Stellungnahme vom 1. Oktober 2018 an
seiner Beschwerde fest, reichte eine ergänzte Kostennote zu den Akten
und ersuchte um deren integrale Übernahme (B-act. 27).
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Seite 5
N.
Auf die weiteren Vorbringen und Unterlagen der Parteien wird – soweit für
die Entscheidfindung notwendig – in den nachstehenden Erwägungen ein-
gegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invaliden-
versicherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfü-
gungen der IVSTA. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht
vor.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) anwendbar ist.
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist durch die angefochtene Verfügung vom 29. April 2016 berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 ATSG).
Er ist daher zur Beschwerde legitimiert.
1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht
wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten (60 ATSG, Art. 52 VwVG).
2.
2.1 Zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldungen von Grenzgängern
ist die IV-Stelle zuständig, in deren Tätigkeitsgebiet der Grenzgänger eine
Erwerbstätigkeit ausübt. Dies gilt auch für ehemalige Grenzgänger, sofern
sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen Wohnsitz noch in der benachbar-
ten Grenzzone haben und der Gesundheitsschaden auf die Zeit ihrer Tä-
tigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die Verfügungen werden von der IV-
Stelle für Versicherte im Ausland erlassen (Art. 40 Abs. 2 IVV).
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Seite 6
2.2 Der Beschwerdeführer war Grenzgänger und hatte seine letzte Arbeits-
stelle im Kanton C._. Er wohnt zudem noch in (...), Frankreich, im
benachbarten Grenzgebiet. Somit hat er sich zu Recht bei der IV-Stelle
C._ zum Leistungsbezug angemeldet und hat diese die Abklärun-
gen zum Leistungsgesuch vorgenommen. Gemäss den Ausführungen in
E. 2.1 ist auch der Erlass der Rentenverfügung durch die IV-Stelle für Ver-
sicherte im Ausland bzw. die Eröffnung durch sie nicht zu beanstanden.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist französischer Staatsangehöriger mit Wohn-
sitz in Frankreich, weshalb das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkom-
men vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsstaaten
andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681) anzuwenden
ist. Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage von Art. 8 FZA ausgearbeite-
ten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II
("Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit") des FZA in Verbin-
dung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien unter-
einander insbesondere die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom
14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Ar-
beitnehmer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die in-
nerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (SR 0.831.109.268.1; nach-
folgend: Verordnung Nr. 1408/71), und die Verordnung Nr. 574/72 oder
gleichwertige Vorschriften an. Diese sind am 1. April 2012 durch die Ver-
ordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicher-
heit sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchfüh-
rung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Sys-
teme der sozialen Sicherheit abgelöst worden.
3.2 Nach Art. 4 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004, haben Personen, für
die diese Verordnung gilt, die gleichen Rechte und Pflichten aufgrund der
Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats wie die Staatsangehörigen dieses
Staates. Dabei ist im Rahmen des FZA auch die Schweiz als "Mitglied-
staat" im Sinne dieser Koordinierungsverordnungen zu betrachten (Art. 1
Abs. 2 Anhang II des FZA).
C-3415/2016
Seite 7
3.3 Laut Art. 46 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 ist eine vom Trä-
ger eines Mitgliedstaats getroffene Entscheidung über den Grad der Inva-
lidität eines Antragstellers für den Träger jedes anderen in Betracht kom-
menden Mitgliedstaats verbindlich, wenn die in den Rechtsvorschriften die-
ser Mitgliedstaaten festgelegten Definitionen des Grads der Invalidität in
Anhang VII dieser Verordnung als übereinstimmend anerkannt sind. Letz-
teres ist mit Bezug auf das Verhältnis zwischen Frankreich und der
Schweiz nicht der Fall.
3.4 Der Träger eines Mitgliedstaats hat jedoch gemäss Art. 49 Abs. 2 der
Verordnung (EG) Nr. 987/2009 bzw. nach Art. 40 der Verordnung (EWG)
Nr. 574/72 die von den Trägern der anderen Mitgliedstaaten erhaltenen
ärztlichen Unterlagen und Berichte sowie die verwaltungsmässigen Aus-
künfte ebenso zu berücksichtigen, als wären sie in seinem eigenen Mit-
gliedstaat erstellt worden. Jeder Träger behält indessen die Möglichkeit,
die antragstellende Person durch einen Arzt oder eine Ärztin seiner Wahl
untersuchen zu lassen. Es besteht hingegen keine Pflicht zur Durchfüh-
rung einer solchen Untersuchung.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung seines An-
spruchs auf rechtliches Gehör.
4.1.1 Er macht geltend, dass er das Protokoll der Besprechung vom 18.
August 2015 – sofern ein solches erstellt worden sei – sowie den dazuge-
hörigen Abklärungsbericht vom 30. September 2015 von der IV-Stelle nicht
zugestellt bekommen habe.
4.1.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtli-
ches Gehör (vgl. auch Art. 42 ATSG; Art. 29 VwVG). Das rechtliche Gehör
dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlich-
keitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, wel-
cher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbeson-
dere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides
zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die
Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und
an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich
zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den
Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst
als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen
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Seite 8
sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung
bringen kann (BGE 143 V 71 E. 4.1 mit Hinweisen).
4.1.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Deshalb führt
dessen Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in
der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung (BGE 127
V 431 E. 3d/aa, 126 I 19 E. 2d/bb). Nach der Rechtsprechung kann jedoch
eine Verletzung des Gehörsanspruchs dann geheilt werden, wenn die un-
terbliebene Gewährung des rechtlichen Gehörs in einem Rechtsmittelver-
fahren nachgeholt wird, in dem die Beschwerdeinstanz mit der gleichen
Prüfungsbefugnis entscheidet wie die untere Instanz (BGE 137 I 195 E. 2.2
mit Verweis auf 135 I 279 E. 2.6.1)
4.1.4 Der Beschwerdeführer wurde von der IV-Stelle über das Ergebnis
des Abklärungsberichtes vom 30. September 2015 nicht informiert und
hatte damit auch nicht die Möglichkeit, sich diesbezüglich zu äussern. Die
Vorinstanz stützte sich mit Verfügung vom 29. April 2016 massgeblich auf
diesen Bericht. Damit wurde das rechtliche Gehör verletzt. Ob vorliegend
ausnahmsweise Gründe für eine Heilung vorliegen, kann offengelassen
werden, zumal die Sache aus anderen Gründen an die Vorinstanz zurück-
zuweisen ist (vgl. E. 6 f.).
4.2 Der Beschwerdeführer rügt weiter, ihm sei der Entscheid der IV-Stelle
nicht durch diese separat eröffnet, sondern lediglich als Beilage zur Be-
rechnung des Rentenbetrages der Vorinstanz zugestellt worden. Ausser-
dem enthalte der Entscheid der IV-Stelle kein Datum.
4.2.1 Aus einer mangelhaften Eröffnung einer Verfügung darf der betroffe-
nen Person kein Nachteil erwachsen (Art. 49 Abs. 3 ATSG, Art. 38 VwVG).
Fehlt ein Datum auf einer Verfügung oder ist es unrichtig oder unvollstän-
dig, ist eine Verfügung nicht schon deshalb mangelhaft. Für den Beginn
der Rechtsmittelfrist ist vielmehr das Datum der Zustellung massgebend
(UHLMANN/SCHILLING-SCHWANK in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Pra-
xiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Auflage, 2016, Art. 38 N.
29 S. 852).
4.2.2 Festzuhalten ist zum einen, dass aufgrund der Zuständigkeitsrege-
lung in Art. 40 Abs. 2 IVV (vgl. E. 2) die Rentenverfügung zurecht von der
IVSTA zugestellt worden ist und es keiner separaten Eröffnung durch die
kantonale IV-Stelle bedurfte. Zum andern macht das fehlende Datum auf
der Verfügung diese noch nicht mangelhaft (vgl. E. 4.2.1). So ist das Datum
http://links.weblaw.ch/BGE-127-V-431 http://links.weblaw.ch/BGE-127-V-431 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-19
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Seite 9
der Zustellung für die Rechtsmittelfrist massgebend. Die Beschwerde
wurde sodann fristgerecht eingereicht (vgl. E. 1.4). Hieraus ist somit kein
Eröffnungsmangel erkennbar.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG; BENJAMIN
SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren, Zürich 2008, Rz. 1 ff. zu Art. 49).
5.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.
Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invaliditätsgrad von
weniger als 50% entsprechen, nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren
Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz ha-
ben. In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind Viertelsrenten je-
doch entgegen Art. 29 Abs. 4 IVG exportierbar (BGE 130 V 253 E. 2.3 und
3.1).
5.3 Die Behörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
festzustellen (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG). Diese Untersuchungspflicht dauert
so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforder-
lichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrund-
satz weist enge Bezüge zum – auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe gelten-
den – Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf. Führen die im Rahmen
des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden Ab-
klärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender,
sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132
V 393 E. 4.1) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als über-
wiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 353 E. 5b, BGE 125 V 193 E. 2) zu
betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem fest-
stehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Ab-
nahme weiterer Beweise keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 134 I 140 E. 5.3, BGE 124 V
90 E. 4b; Urteil des BGer 8C_392/2011 vom 19. September 2011 E. 2.2).
C-3415/2016
Seite 10
5.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4, BGE 115 V 133 E.
2; AHI-Praxis 2002 S. 62 E. 4b/cc).
5.5 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Exper-
ten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder
Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a).
5.6 Die Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweis-
würdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzustellen
(vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil des BGer
I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). Den im Rahmen des Verwaltungs-
verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, die aufgrund ein-
gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu-
zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen).
Berichte behandelnder Ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Ver-
trauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353
E. 3b/cc). Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt ebenso wie
für den behandelnden Spezialarzt (Urteil des BGer I 655/05 vom 20. März
2006 E. 5.4 mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27.
Mai 2008 E. 2.3.2).
C-3415/2016
Seite 11
5.7 Gemäss Art. 59 Abs. 2bis IVG steht der ärztliche Dienst der IV-Stelle zur
Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
zur Verfügung. Versicherungsinterne Ärzte müssen über die im Einzelfall
gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen, spielt
doch die fachliche Qualifikation des Experten für die richterliche Würdigung
einer Expertise eine erhebliche Rolle. Bezüglich der medizinischen Stich-
haltigkeit eines Gutachtens müssen sich Verwaltung und Gerichte auf die
Fachkenntnisse des Experten verlassen können. Nach Art. 49 Abs. 2 IVV
führt der medizinische Dienst für die Beurteilung der Voraussetzungen des
Leistungsanspruchs nur bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen durch.
In den übrigen Fällen stützt der versicherungsinterne Arzt seine Beurtei-
lung auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen ab. Das Absehen von ei-
genen Untersuchungen ist somit kein Grund, um einen Bericht des medizi-
nischen Dienstes in Frage zu stellen. Dies gilt insbesondere dann, wenn
es im Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht, und die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten
Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile des BGer 9C_323/2009 vom
14. Juli 2009 E. 4.3.1 und I 1094/06 vom 14. November 2007 E. 3.1.1, je
mit Hinweisen). Ein Aktenbericht ist zulässig, wenn die Akten ein vollstän-
diges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und
diese Daten unbestritten sind; der Untersuchungsbefund muss lückenlos
vorliegen, damit der Experte imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen
Unterlagen ein vollständiges Bild zu verschaffen (Urteil des BGer
8C_653/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 5.2). Die IV-Stelle kann auf die
Stellungnahmen des medizinischen Dienstes nur abstellen, wenn diese
den allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Be-
richt genügen und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl.
Urteil des BGer 9C_1063/2009 vom 22. Januar 2010 E. 4.2.3 mit Hinweis
auf das Urteil des EVG I 694/05 vom 15. Dezember 2006 E. 2). Die Tatsa-
che allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Ver-
sicherungsträger steht, lässt indes nicht schon auf mangelnde Objektivität
und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Um-
stände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung ob-
jektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee mit Hin-
weisen).
6.
6.1 Die Vorinstanz stützte sich für ihre Beurteilung des Gesundheitszustan-
des und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf das Gutachten
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Seite 12
von Dr. med. D._ vom 19. April 2014 (doc. A 67) sowie die medizi-
nische Stellungnahme von Dr. med. F._ vom 28. April 2014, RAD,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Darin wird festgehalten, dass
beim Beschwerdeführer in der angestammten wie auch in einer Verweistä-
tigkeit eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit bestehe (doc. A 69).
6.2 Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, die Vorinstanz
stütze sich auf ein Gutachten vom April 2014 und damit auf ein veraltetes
Gutachten. Es werde nicht berücksichtigt, wie sich die psychische Situation
aktuell präsentiere. Insbesondere habe eine erneut manifestierende Dis-
kushernie einen negativen Einfluss auf die Psyche. Die gesundheitliche
und psychische Situation habe sich erheblich verschlimmert (B-act. 1). Völ-
lig ausser Acht gelassen habe die Vorinstanz die aktenkundigen Rücken-
probleme. Arztzeugnisse, welche dem Beschwerdeführer eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigen würden, seien von der Vorinstanz nicht
beachtet worden (B-act.14).
6.3 Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung lagen der Vo-
rinstanz im Wesentlichen folgende medizinische Akten vor:
 Arztbericht von Dr. G._ vom 1. Februar 2012 mit Bestäti-
gung einer Arbeitsunfähigkeit von 100% für den Zeitraum vom 2.
November 2011 bis 21. Februar 2012 unter anderem aufgrund einer
Depression (Aussagen teilweise unleserlich) (doc. A 11 S.45)
 Medizinischer Bericht von Dr. G._ vom 22. Dezember 2012
mit einer Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 2. No-
vember 2012 bis 26. Januar 2013 aufgrund einer Depression und
Agoraphobie bestehend seit 2. November 2011 (doc. A 30)
 Schreiben von Dr. H._ vom 24. September 2013 vom Hopi-
taux I._ mit Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall auf der
Höhe L4-L5 mit Wurzelreizung L4 auf der rechten Seite (doc. A 48)
 Medizinische Stellungnahme von Dr. med. F._, RAD, vom
24. Oktober 2013 mit dem Hinweis, dass sich die Rückenbeschwer-
den zurückgebildet hätten und keine somatischen Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, sondern hauptsächlich eine
psychiatrische Problematik vorliege (doc. A 50)
C-3415/2016
Seite 13
 Gutachten von Dr. med. D._, Spezialarzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 19. April 2014. Als Diagnosen mit Aus-
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit werden aufgeführt: Kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und emotional instabilen
Anteilen (F. 61.0), episodische Panikstörung (F.40.01) sehr wahr-
scheinlich mit Tendenz zur Agoraphobie und regressivem Rück-
zugsverhalten, sonstige depressive Episode (F 32.8) mit Angabe
von Suizidgedanken, Störungen durch Alkohol, Alkoholabhängig-
keitssyndrom (F 10.25), gegenwärtig ständiger Substanzgebrauch
mit inkonstanter kognitiver Leistungseinbusse (F 10.74) / Verhal-
tensstörung (F 10.9) / Status nach Pankreatitis / Status nach 3 Mo-
naten Hospitalisierung in (...) ca. im Jahre 2000 und wenige Tage
in (...) ca. im Jahre 2003 (unklar), Störung durch Sedativa, gegen-
wärtig Tranquilizerüberkonsum (F 13.25). Arbeitsfähigkeit in der an-
gestammten Tätigkeit und der Verweistätigkeit von 50% seit No-
vember 2011 (doc. A 67)
 Medizinische Stellungnahme von Dr. med. F._, RAD, vom
28. April 2014: Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä-
higkeit werden genannt: kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
narzisstischen und emotional instabilen Anteilen, episodische Pa-
nikstörung sehr wahrscheinlich mit Tendenz zu Agoraphobie und
regressivem Rückzugsverhalten, sonstige depressive Episode mit
Angabe von Suizidgedanken, Alkoholabhängigkeitssyndrom und
Sedativa. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% in ange-
stammter Tätigkeit sowie Verweistätigkeit (doc. A 69)
 Arztzeugnis von Dr. J._ vom 16. September 2014 mit der
Bestätigung, dass der Beschwerdeführer aufgrund einer Depres-
sion arbeitsunfähig sei (doc. A 88)
 Zahlreiche unleserliche Arztzeugnisse von Dr. G._ und Dr.
J._ zur Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers vermu-
tungsweise für den Zeitraum 2011- 2015, ausgestellt aufgrund der
Diagnose Depression (doc. A 11, 58, 61, 62, 65, 74, 79, 82, 84, 88,
89, 90, 97, 111, 113, 120, 126, 129, 130)
 Arztzeugnis von Dr. J._ vom 1. Februar 2016 mit der Diag-
nose Depression sowie Bandscheibenvorfall (doc. A 143)
C-3415/2016
Seite 14
 Medizinische Stellungnahme von Dr. med. F._, RAD, vom
24. Februar 2016 mit dem Hinweis, dass keine neuen medizini-
schen Beschwerden oder Befunde seitens des Beschwerdeführers
aufgeführt worden seien, welche die bisherigen Abklärungen – ins-
besondere die RAD-Stellungnahme vom 28. April 2014 – in Frage
stellen würden.
 Arztzeugnis von Dr. J._ vom 4. April 2016 mit der Diagnose
Depression und Bandscheibenvorfall (doc. A 155)
7.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft nachfolgend, ob die Vorinstanz den
rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig erhoben hat.
7.1 Der Beschwerdeführer beanstandet im Wesentlichen, dass sich die Vo-
rinstanz auf ein veraltetes Gutachten stütze. Insbesondere hätten die sehr
lange Verfahrensdauer und die sich daraus ergebenden finanziellen
Schwierigkeiten sowie die sich erneut manifestierende Diskushernie, wel-
che operiert werden müsse, einen sehr negativen Einfluss auf die Psyche.
Der Beschwerdeführer verweist generell auf die Akten des Vorverfahrens
sowie auf E-Mails und Schreiben des Beschwerdeführers an die Vo-
rinstanz. Nicht berücksichtigt worden sei unter anderem das Arztzeugnis
von Dr. J._ vom 1. Juni 2016, gemäss welchem der Beschwerde-
führer aufgrund von Depressionen und einer Lumbalgie als Folge eines
Bandscheibenvorfalles arbeitsunfähig sei (B-act. 29).
7.2 Im Arztzeugnis von Dr. J._ vom 1. Februar 2016 wird erstmals
seit dem Schreiben von Dr. H._ vom 24. September 2013 vom
Hopitaux I._ wieder Bezug genommen auf das Rückenleiden. Dr.
J._ nennt eine Depression und einen Bandscheibenvorfall als
Grund für die Arbeitsunfähigkeit (doc. A 143). Auch im Arztzeugnis von Dr.
J._ vom 4. April 2016 werden eine Depression und ein Bandschei-
benvorfall als Grund für die Arbeitsunfähigkeit genannt (doc. A 155). Aus
beiden Arztzeugnissen ist nicht ersichtlich, in welchem Ausmass das Rü-
ckenleiden Auswirkungen auf die Arbeitsunfähigkeit haben soll.
7.3 Die Vorinstanz macht demgegenüber geltend, dass die seit der Begut-
achtung eingereichten Arztzeugnisse weder psychiatrische noch somati-
sche Befunde enthielten, die es erlauben würden, das Gutachten von Dr.
med. D._ in Frage zu stellen. Aus der RAD-Stellungnahme von Dr.
med. F._ vom 24. Februar 2016 ergebe sich dasselbe. Was die
C-3415/2016
Seite 15
Rückenprobleme anbelange, so sei darauf hingewiesen, dass diese in die
gesamtmedizinische Beurteilung des RAD eingeflossen seien. Die geltend
gemachte Diskushernie vermöge jedoch nicht die um 50% eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit weiter zu limitieren.
7.4
7.4.1 Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind, und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in ei-
nem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht
schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpartei-
lichkeit der Beurteilung als objektiv begründet erscheinen lassen (BGE 122
V 157 E. 1c; 123 V 331 E. 1c; zur Beweiskraft von Stellungnahmen der
RAD vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.1).
7.4.2 Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht
nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die versicherungs-
interne Beurteilung zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweis-
würdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei
auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl.
vorne E. 4.4). Ein Aktenbericht ist zulässig, wenn die Akten ein vollständi-
ges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und
diese Daten unbestritten sind; der Untersuchungsbefund muss lückenlos
vorliegen, damit der Experte imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen
Unterlagen ein gesamthaft lückenloses Bild zu verschaffen. Mithin hat sich
ein Aktengutachten auf beweiskräftige Arztberichte abzustützen (vgl. etwa
Urteile des Bundesgerichts 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3,
9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1).
7.5
7.5.1 Vorliegend stützte der Arzt des medizinischen Diensts, Dr. med.
F._, seine Einschätzungen vom 28. April 2014 und 24. Februar
2016 ohne Vornahme einer eigenen Untersuchung auf den Arztbericht von
Dr. med. D._ vom 19. April 2014. Entscheidend ist somit, ob ihm
diese Akten erlaubten, sich ein umfassendes Bild der gestellten Diagno-
sen, der gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen
C-3415/2016
Seite 16
auf die Arbeitsfähigkeit zu machen, und ob seine Schlussfolgerungen
nachvollziehbar und schlüssig sind.
7.5.2 Dr. med. D._ hält in seinem Gutachten vom 19. April 2014 aus
psychiatrischer Sicht folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Ar-
beitsfähigkeit fest: Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen
und emotional instabilen Anteilen (F 61.0), episodische Panikstörung (F
40.01), sonstige depressive Episode (F 32.8) mit Angabe von Suizidgedan-
ken, Störungen durch Alkohol, Alkoholabhängigkeitssyndrom (F 10.25) ge-
genwärtig ständiger Substanzgebrauch mit inkonstanter kognitiver Leis-
tungseinbusse (F 10.74) / Verhaltensstörung (F 10.9), Störung durch Se-
dativa, gegenwärtig Tranquilizerüberkonsum (F 13.25). Dabei hält er eine
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und der Verweistätigkeit
von 50% seit November 2011 fest (doc. A 67). Dem schliesst sich Dr. med.
F._ gänzlich an. Zu den zusätzlich eingereichten Arztzeugnissen
von Dr. G._ und Dr. J._ äussert er sich dahingehend, dass
diese keine medizinischen Informationen enthielten, weder medizinische
Argumente noch Beschwerden oder psychiatrische oder somatische Be-
funde, die es erlauben würden, das Gutachten von Dr. med. D._
vom 19. April 2014 in Frage zu stellen. Nicht gewürdigt werden in seiner
Stellungnahme damit die somatischen Beschwerden aufgrund der Dis-
kushernie, welche mit Arztzeugnis von Dr. J._ vom 1. Februar 2016
erwähnt werden. Bereits mit Bericht des Hopitaux I._ vom 24. Sep-
tember 2013 wurde diese von Dr. H._ erwähnt. Die damaligen Ab-
klärungen vom 7. Juli 2013 zeigten einen Bandscheibenvorfall L4-L5 mit
Wurzelreizung L4 rechts. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte der Hinweis, dass
es eine Verbesserung gegeben habe und eine Operation nicht unmittelbar
gerechtfertigt sei (doc. A 48). Die Diagnose Bandscheibenvorfall wird in der
medizinischen Stellungnahme von Dr. med. F._ in keiner Weise ge-
würdigt.
7.5.3 Treffen – wie vorliegend – verschiedene (anspruchsrelevante) Ge-
sundheitsbeeinträchtigungen zusammen, ist in der Regel eine interdiszip-
linäre Untersuchung durchzuführen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_168/2008 vom 11. August 2008 E. 6.2.2), und der Grad der Arbeitsun-
fähigkeit ist grundsätzlich in einer sämtliche Behinderungen umfassenden
medizinischen Gesamtbeurteilung zu bestimmen (vgl. Urteil des BGer
9C_948/2012 vom 22. Juli 2013 E. 4.3). In den Akten befindet sich keine in
diesem Sinn zuverlässige und schlüssige bidisziplinäre oder interdiszipli-
näre Begutachtung des Beschwerdeführers, auf die sich der medizinische
Dienst der Vorinstanz hätte stützen können. Die Akten zeigen auch den
C-3415/2016
Seite 17
Verlauf der psychiatrischen Erkrankung seit der Begutachtung durch Dr.
med. D._ nicht auf. Aus den medizinischen Abklärungen und den
Vorakten erschliesst sich dem Gericht auch nicht, inwiefern die gutachter-
lich festgestellten Störungen durch Alkohol, Alkoholabhängigkeitssyndrom
(F 10.25), gegenwärtig ständiger Substanzgebrauch mit inkonstanter kog-
nitiver Leistungseinbusse (F 10.74) eine IV-relevante Leistungseinbusse
oder andere Erkrankungen mit IV-beachtlicher Leistungseinbusse zur
Folge haben (vgl. zum Ganzen beispielsweise Urteil des BGer
9C_213/2011 vom 2. November 2011 E. 4.4.2). Schliesslich ist vorliegend
hinsichtlich der diagnostizierten psychischen Erkrankungen keine Prüfung
der Standardindikatoren erfolgt, wie sie das Bundesgericht seit BGE 143 V
418 zur Beurteilung der funktionellen Einschränkungen in der bisherigen
und/oder einer angepassten Verweistätigkeit verlangt.
7.5.4 Die medizinische Stellungnahme von Dr. med. F._ ist damit
für die streitigen Belange nicht umfassend und nimmt auch nicht ausführ-
lich Bezug auf die Vorakten (Anamnese). Vorliegend geht es um eine erst-
malige Klärung des Rentenanspruchs mit uneingeschränktem Untersu-
chungsgrundsatz. Die medizinische Stellungnahme entspricht damit nicht
den Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten, weshalb ihm kein
hinreichender Beweiswert zukommt.
7.6 Zusammenfassend sind aufgrund der vorhandenen medizinischen Be-
richte der medizinische Sachverhalt und dessen Auswirkungen auf die Ar-
beitsfähigkeit nicht rechtsgenüglich erstellt. Damit kann nicht mit dem er-
forderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126
V 353 E. 5b) beurteilt werden, ob der Beschwerdeführer in der angestamm-
ten Tätigkeit und in einer Verweistätigkeit zu 50% arbeitsfähig ist. Unter
diesen Umständen hätte sich die Vorinstanz nicht massgeblich auf die me-
dizinische Stellungnahme von Dr. med. D._ vom 19. April 2014 ab-
stützen dürfen, ohne weitere polydisziplinäre Abklärungen vorzunehmen.
Insbesondere fehlt es an der Abklärung hinsichtlich der Auswirkungen des
Bandscheibenvorfalles in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in der angestamm-
ten Tätigkeit und einer Verweistätigkeit, einer aktualisierten und die Stan-
dardindikatoren berücksichtigenden Beurteilung der psychischen Erkran-
kung sowie einer Abgrenzung zu allfälligen gesundheitlichen Folgen wegen
Alkoholkonsums im Sinne der Rechtsprechung.
7.7 Nach dem Gesagten ist die Sache zu ergänzenden Abklärungen und
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese ist anzuwei-
sen, in der Schweiz ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachrichtungen
C-3415/2016
Seite 18
Innere Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie einzuholen. Ob weitere
Spezialisten beizuziehen sind, wird in das pflichtgemässe Ermessen der
Vorinstanz bzw. der Gutachter gestellt (vgl. Urteil des BVGer C-1810/2017
vom 14. Juni 2018, E. 6.4.4). Im Rahmen der polydisziplinären Begutach-
tung werden die Gutachter insbesondere auch im Hinblick auf das Zusam-
menwirken der verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine
Gesamtbeurteilung vorzunehmen haben. Die beauftragten Sachverständi-
gen sind letztverantwortlich einerseits für die fachliche Güte und die Voll-
ständigkeit der interdisziplinär erstellten Entscheidungsgrundlage, ander-
seits aber auch für eine wirtschaftliche Abklärung (BGE 137 V 210 E.
1.2.4).
7.8
7.8.1 Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt auch nach neuerer Recht-
sprechung möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bis-
her vollständig ungeklärten Frage begründet ist, oder wenn lediglich eine
Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführun-
gen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.). Die Rechtsstaatlichkeit der
Versicherungsdurchführung litte empfindlich und wäre von einem Sub-
stanzverlust bedroht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen
könnte, dass ihre Arbeit in jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozi-
alversicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbes-
serung unterliege (BGE 137 V 210 E. 4.2).
7.8.2 Es liegen die medizinische Stellungnahme von Dr. med. F._
vom 28. April 2014 sowie diejenige vom 24. Februar 2016 im Recht. Da
kein umfassendes, von der Vorinstanz eingeholtes Administrativgutachten
vorliegt, das den medizinischen Sachverhalt in internistischer, rheumatolo-
gischer und psychiatrischer Hinsicht vollständig feststellt und sich mit einer
möglichen Wechselwirkung der verschiedenen Beeinträchtigungen (auch
bezüglich Suchterkrankung) und die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
auseinandersetzt, kann die Angelegenheit zur Vornahme weiterer medizi-
nischer Abklärungen an die Vorinstanz zurückgewiesen werden. Würde
eine – wie vorliegend – mangelhafte Sachverhaltsabklärung respektive -
würdigung durch Einholung eines Gerichtsgutachtens im Beschwerdever-
fahren korrigiert, bestünde die Gefahr der unerwünschten Verlagerung der
den Durchführungsorganen vom Gesetz übertragenen Pflicht, den rechts-
erheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs.
C-3415/2016
Seite 19
1 ATSG) abzuklären, auf das Gericht. Von der Einholung eines Gerichts-
gutachtens oder der Erhebung anderer Beweismassnahmen ist daher ab-
zusehen.
8.
8.1 Der Beschwerdeführer macht über die ungenügende Feststellung des
medizinischen Sachverhalts hinaus geltend, die Berechnung des Invalidi-
tätsgrades der Vorinstanz widerspreche den Ausführungen des RAD. Aus-
serdem sei dem Entscheid der Vorinstanz nicht zu entnehmen, wie die Be-
schwerdegegnerin das Einkommen mit Behinderung ermittelt habe. Die
Anwendung der Kompetenzniveaus zwischen 2 und 3 lasse sich aufgrund
der Verfahrensakten nicht rechtfertigen. Hinzukomme, dass das verwen-
dete Invalideneinkommen auf das französische Niveau umgerechnet wer-
den müsse (B-act. 1). Aufgrund vorstehender Ausführungen und unter Be-
rücksichtigung der ausstehenden medizinischen Abklärungen kann hier of-
fen bleiben, ob die Vorinstanz eine korrekte Berechnung des Invaliditäts-
grades vorgenommen hat.
8.2 In seiner Beschwerde vom 30. Mai 2016 machte der Beschwerdeführer
zudem geltend, dass er Anspruch auf Verzugszinsen habe. Die Zahlung
von Verzugszinsen war jedoch nicht Gegenstand der angefochtenen Ver-
fügung; vielmehr erfolgte mit Verfügung vom 10. August 2016 eine sepa-
rate Zusprache von Verzugszinses von 5% ab 1. Januar 2015 in der Höhe
von Fr. 344.– (B-act. 6). Diese Rüge war deshalb nicht im vorliegenden
Verfahren zu prüfen, womit auf dieses Begehren nicht einzutreten ist. Der
Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer
in seiner Eingabe vom 16. August 2016 ausführt, dadurch [durch Erlass
des Entscheids vom 10. August 2016] sei sein Rechtsbegehren 1 b der
Beschwerde vollumfänglich anerkannt worden.
9. Zusammenfassend ist die Beschwerde – soweit darauf einzutreten ist –
insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Sache im Sinne der Erwägungen zur Durchführung weiterer Abklärun-
gen und anschliessendem Erlass eines neuen Entscheids an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen ist (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
10.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
C-3415/2016
Seite 20
10.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1
VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Eine
Rückweisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei (BGE 132 V 215 E. 6), sodass dem Beschwerdeführer keine Kosten
aufzuerlegen sind. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfahrenskos-
ten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
10.2 Der obsiegende und anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat ge-
mäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteient-
schädigung zu Lasten der Vorinstanz. Die eingereichte Kostennote vom 5.
Juli 2017 (B-act. 22) beschreibt einen Aufwand von Total Fr. 10‘788.95. Der
Betrag setzt sich zusammen aus dem Honorar in der Höhe von 28,80 Stun-
den à Fr. 320.- und Auslagen von Fr. 773.75. Mit aktualisierter Kostennote
vom 1. Oktober 2018 machte der Beschwerdeführer neu einen Aufwand
von Fr. 13‘065.98 (35,05 Stunden à Fr. 320.- und Auslagen von Fr. 885.85
sowie Fr. 962.85 MwSt.) geltend (B-act. 27).
Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG kann die Beschwerdeinstanz der ganz oder
teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine
Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig
hohen Kosten zusprechen. Die obsiegende Partei hat die entstandenen
Kosten für nicht notwendige und unverhältnismässig hohe Aufwände selbst
zu tragen. Parteikosten sind dann als notwendig zu betrachten, wenn sie
zur sachgerechten und wirksamen Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidi-
gung unerlässlich erscheinen (BGE 131 II 200 E. 7.2). Fristerstreckungs-
gesuche sind als unnötiger Aufwand zu qualifizieren (vgl. Urteil des BGer
9C_412/2015 vom 23. Oktober 2015 E. 5.3.1). Folglich sind die Aufwände
vom 6. Oktober 2016, 17. Oktober 2016, 10. September 2018, 14. Septem-
ber 2018, 29. September 2018 und 1. Oktober 2018 nicht zu entschädigen.
Als unnötig zu werten und nicht zu entschädigen sind auch die Aufwände
„Tel. an BVGer“, „Verfassen Brief an BVGer“ und „Verfassen Brief an Klient“
vom 23. März 2017, „Eingang und Studium Schreiben BVGer“ und „Verfas-
sen Brief an Klient“ vom 3. April 2017 (Stand Beschwerdeverfahren), „Tel.
von Klient“ vom 5. April 2017, „Eingang und Studium E-Mail Klient inkl. Bei-
lagen“ vom 30. Juni 2017. Aufwände, wie die reine Information des Klienten
über den Verfahrensstand sind ebenfalls als nicht notwendig zu betrachten
und können nicht entschädigt werden.
C-3415/2016
Seite 21
10.2.1
Nicht entschädigt werden kann Sekretariatsarbeit (Redaktion, Rechtschrei-
bung), welche im Stundenansatz als inbegriffen gilt (vgl. Urteil des BVGer
C-1893/2015 vom 4. Januar 2018 E. 8.3.1). Nicht zu entschädigen ist somit
unter anderem administrativer Aufwand, wie das Erstellen der Kostennote,
welche mit „Verfassen Brief an BVGer“ vom 5. Juni 2017 aufgeführt wird.
10.2.2 Vorliegend hat der Rechtsvertreter bereits im vorinstanzlichen Ver-
fahren Akteneinsicht genommen, weshalb keine umfassende Neueinarbei-
tung in die Sachlage für die Redaktion der Beschwerde erforderlich war.
Zudem hat er Aufwand für Eingaben an die Vorinstanz geltend gemacht,
der noch vor Beschwerdeerhebung am 30. Mai 2016 entstanden ist. Dazu
gehören folgende in der Honorarnote aufgeführten Positionen: „Eingang
und Studium Schreiben SVA“ vom 9. Mai 2016, „Verfassen Brief an Klient“
und „Verfassen Kurzbrief an Klient“ vom 10. Mai 2016, „Eingang und Stu-
dium E-Mail Klient“ vom 11. Mai und 17. Mai 2016, „Verfassen Brief an SVA
C._“ und „Verfassen Brief an Ausgleichskasse“ vom 17. Mai 2016,
„Tel. von Klient“ und „Verfassen E-Mail an K._“ vom 18. Mai 2016
sowie „Verfassen E-Mail an Klient“ vom 27. Mai 2016. Diese Aufwände sind
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht zu entschädigen (vgl. BGE
132 II 47 E. 5.2).
10.2.3 Der Stundenansatz für Anwälte und Anwältinnen beträgt mindes-
tens 200, höchstens aber 400 Franken (Art. 10 Abs. 2 des Reglements über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VKGE; SR 173.320.2]). Der in der Kostennote vom 5. Juli 2017 und 1.
Oktober 2018 aufgeführte Stundenansatz von Fr. 320.- wird aufgrund der
für vergleichbare Fälle im Bereich der IV in Rechnung gestellte Ansatz auf
Fr. 250.- gekürzt.
10.2.4 Gemäss Art. 11 Abs. 4 VGKE können für Kopien 50 Rappen pro
Seite berechnet werden. Die Auslagen werden damit von Fr. 885.85 auf
692.35 gekürzt.
10.2.5 Schliesslich ist in der vorliegenden Konstellation keine Mehrwert-
steuer geschuldet (vgl. dazu Urteil des BVGer C-822/2011 vom 12. Februar
2013 E. 8.2.4 m.H.), weshalb auch eine Entschädigung der Mehrwert-
steuer von Fr. 1‘938.74 entfällt.
C-3415/2016
Seite 22
10.2.6 Vorliegend erachtet das Bundesverwaltungsgericht – unter Berück-
sichtigung der oben erwähnten Kürzungen und zusätzlich der Bedeutung
der Streitsache, der Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Be-
schwerdeverfahrens eine gekürzte Parteientschädigung von Fr. 3‘442.35
(rund 11 Stunden à Fr. 250.- sowie Auslagen von Fr. 692.35), als angemes-
sen.
10.3 Das am 14. November 2016 gutgeheissene Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege erweist sich damit als gegenstandslos.
C-3415/2016
Seite 23