Decision ID: 323c5c4e-5746-4d6e-a569-f4ae00be9d6d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 13. Februar 2022 gemeinsam mit sei-
ner religiös angetrauten Ehefrau B._ (nachfolgend: B._) und
deren minderjährigen Tochter in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der
europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab,
dass er am 27. Juni 2020 in Österreich ein Asylgesuch eingereicht hatte.
Darüber hinaus war aus der europäischen Visumsdatenbank (CS-VIS) er-
sichtlich, dass B._ und ihrer Tochter für den Zeitraum vom 5. bis
zum 14. Januar 2022 durch Frankreich ein Schengen-Visum ausgestellt
worden war.
B.
Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 3. Mai 2022 das recht-
liche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglich-
keit einer Überstellung nach Österreich oder Frankreich. Er erklärte, er
habe nicht gewusst, dass er in Österreich ein Asylgesuch gestellt habe, da
er nur die Fingerabdrücke abgegeben habe. Er habe dort niemanden ge-
habt, die Umstände seien schlecht gewesen, und es gebe keine Lebenssi-
cherheit. Deshalb sei er danach nach Serbien gegangen, wo er Freunde
und einen Onkel habe. Er sei mehr als zwei Jahre in Serbien geblieben. Es
gebe jedoch keine Beweismittel für seinen Aufenthalt dort. Schliesslich sei
er mit einem LKW in die Schweiz gereist, wo er am 13. Februar 2022 an-
gekommen sei. Er sei im Jahr 2016 in der Türkei mit seiner Ehefrau
B._ religiös getraut worden. Sie seien abgesehen von seiner Zeit
im Gefängnis immer zusammen gewesen. Nach seiner Ausreise aus der
Türkei im Jahr 2020 hätten sie nur sporadisch telefonischen Kontakt ge-
habt. Beweise betreffend die religiöse Trauung oder den Kontakt zu seiner
Ehefrau habe er nicht. Zum Zeitpunkt der Geburt seiner Tochter sei er im
Gefängnis gewesen, sei aber sicherlich in der Geburtsurkunde als Vater
eingetragen. Er wolle weder nach Österreich noch nach Frankreich gehen.
In Frankreich seien einige Kurden getötet worden und es gebe dort wie
auch in Österreich keine Lebenssicherheit. Er sei seit langem wieder mit
seiner Familie zusammen und wolle mit dieser zusammenbleiben. Er habe
sich auf die Schweiz verlassen.
In Bezug auf seinen Gesundheitszustand gab der Beschwerdeführer an,
es gehe ihm gut, seitdem er seine Tochter wieder zurückhabe. In der
Schweiz habe er weder psychische noch körperliche Beschwerden. Falls
er nach Frankreich oder Österreich weggeschickt würde, würde dies je-
doch bei ihm ein Trauma auslösen.
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C.
Die französischen Behörden hiessen das Gesuch der Vorinstanz um Auf-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 11 der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), am 24. Juni 2022
gut.
Das Aufnahmeersuchen betreffend B._ und deren Kind hiessen die
französischen Behörden gleichentags gestützt auf Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-
VO gut.
D.
Mit Verfügung vom 27. Juni 2022 (eröffnet tags darauf) trat die Vorinstanz
auf das gemeinsame Asylgesuch des Beschwerdeführers sowie von
B._ und deren Kind nicht ein, ordnete deren Wegweisung nach
Frankreich an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der
Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte sie die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde
gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
E.
Am 5. Juli 2022 gelangte der Beschwerdeführer an das Bundesverwal-
tungsgericht mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung (betreffend
ihn) sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihre Pflicht oder ihr
Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für vorliegendes Asylverfah-
ren zuständig zu erklären. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Sach-
verhaltsfeststellung und Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Ferner ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, Anweisung
der Vollzugsbehörden, von einer Überstellung abzusehen, bis über die vor-
liegende Beschwerde entschieden worden sei, sowie um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege.
F.
Am 7. Juli 2022 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisorischen
Vollzugsstopp an.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des
Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich
keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
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3.3. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als
zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechte-
charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-
stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann.
Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der
Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-
gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
3.4. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
4.
4.1. Nachdem die französischen Behörden innert der in Art. 22 Abs. 1 Dub-
lin-III-VO festgelegten Frist dem Aufnahmeersuchen der Vorinstanz zuge-
stimmt haben, ist die Zuständigkeit Frankreichs grundsätzlich gegeben.
4.2. Der Vollständigkeit halber ist in Bezug auf die Ausführungen der Vor-
instanz zur Tatsache, dass der Beschwerdeführer zunächst in Österreich
um Asyl ersucht hat, Folgendes festzuhalten: Die Vorinstanz führt aus,
dass ohne Berücksichtigung der Familie des Beschwerdeführers mutmass-
lich die Schweiz für dessen Asylverfahren zuständig wäre, da die Zustän-
digkeit Österreichs erloschen sei. Gemäss Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO er-
lischt die Pflicht eines Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme eines Antrag-
stellers, wenn der zuständige Mitgliedstaat nachweisen kann, dass der An-
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tragsteller das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten für mindestens drei Mo-
nate verlassen hat. Der Beschwerdeführer führt keinerlei Belege für seinen
angeblich mehr als zweijährigen Aufenthalt in Serbien an und konnte an-
lässlich des Dublin-Gesprächs auch keine detaillierten Angaben über seine
Reise dorthin machen. Er führte lediglich aus, er habe aus Angst vor einer
Ausschaffung nach Serbien alles weggeworfen. Angesichts dieser pau-
schalen Ausführungen ist es nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz of-
fenbar davon ausgeht, der Beschwerdeführer habe einen Aufenthalt aus-
serhalb des Dublin-Raums glaubhaft gemacht. Folglich würde – selbst
wenn Frankreich nicht für das Asylverfahren des Beschwerdeführers zu-
ständig wäre – nicht automatisch eine Übertragung der Zuständigkeit auf
die Schweiz nach Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO erfolgen, zumal zunächst die
Zuständigkeit Österreichs zu prüfen wäre.
4.3. Der Beschwerdeführer bringt in seiner Rechtsmitteleingabe betreffend
Zuständigkeit vor, der Sachverhalt habe sich inzwischen geändert. Seine
Tochter und seine Frau würden sich seit Kurzem nicht mehr in der Schweiz
befinden. Ihr Aufenthaltsort sei ihm nicht bekannt, aber sie seien wahr-
scheinlich aus dem Schengen-Raum ausgereist. Seine Frau habe zu ihm
gesagt, sie wolle nicht, dass sein Asylgesuch in der Schweiz ihretwegen
gefährdet sei. Mit diesen Worten habe sie sich von ihm verabschiedet. Der
angefochtene Entscheid basiere auf dem französischen Visum seiner Frau.
Er selbst erfülle gemäss Ausführungen der Vorinstanz die Voraussetzun-
gen für ein Asylverfahren in der Schweiz und sei einzig aufgrund der ge-
meinsamen Antragstellung mit seiner Familie in das Dublin-Verfahren sei-
ner Ehefrau einbezogen worden. Angesichts ihres Verschwindens bitte er
darum, dass die Schweiz auf sein Asylgesuch eintrete und sein Asylverfah-
ren unabhängig von dem seiner Familie durchgeführt werde.
4.4. Der Beschwerdeführer, der im Rahmen des vorinstanzlichen Verfah-
rens noch betont hat, wie wichtig es für ihn sei, mit seiner – gemäss eige-
nen Aussagen – religiös angetrauten Frau und deren Kind zusammen sein
zu können, ändert im Beschwerdeverfahren plötzlich seine Argumentation
und beantragt eine Behandlung seines Asylgesuchs unabhängig von sei-
ner Familie. Dies hängt mit einiger Wahrscheinlichkeit mit den Ausführun-
gen der Vorinstanz zur (hypothetischen) Zuständigkeit der Schweiz für sein
Asylverfahren zusammen. Abgesehen davon, dass keine konkrete Zustän-
digkeit der Schweiz ersichtlich ist (vgl. E. 5.2.), ist das Vorgehen des Be-
schwerdeführers als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren. Entgegen sei-
nen möglichen Erwartungen kann er aus dem angeblichen Untertauchen
seiner Familie nichts zu seinen Gunsten ableiten. Wie bereits erwähnt, ha-
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ben die französischen Behörden dem Ersuchen der Vorinstanz zur Auf-
nahme des Beschwerdeführers fristgemäss zugestimmt. Es spielt dabei
keine Rolle, ob er zeitgleich mit B._ und deren Tochter oder unab-
hängig von diesen nach Frankreich überstellt wird, zumal die Zustimmung
Frankreichs ohnehin in separaten Schreiben festgehalten ist.
5.
5.1. Im Weiteren führt der Beschwerdeführer aus, die Situation in Frank-
reich sei sehr schlecht. Bei einer Überstellung dorthin drohe ihm aufgrund
fehlender Unterbringungskapazitäten eine Verletzung von Art. 3 EMRK.
Gemäss neuestem AIDA-Bericht sowie weiterer Organisationen hätten
Dublin-Rückkehrende nach ihrer Überstellung nach Frankreich meist kei-
nen Zugang zu einer Unterkunft. Laut Schätzungen von Organisationen vor
Ort würden lediglich die Hälfte aller Asylsuchenden einen Unterkunftsplatz
erhalten. Da Asylsuchende erst ab dem Moment der offiziellen Registrie-
rung ihres Asylgesuchs einen Anspruch auf Unterbringung hätten und die
Termine für die Registrierung schwierig zu bekommen seien, müssten viele
Personen des Dublin-Systems auf der Strasse leben. Er habe keinerlei Be-
ziehungsnetz in Frankreich und würde dort keine Unterstützung erhalten.
5.2. Frankreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen entsprechenden völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie, ABl.
L 180/96 vom 29. Juni 2013) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur
Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationa-
len Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie, ABl. L 180/96 vom
29. Juni 2013) ergeben. An dieser Einschätzung vermögen die Hinweise in
der Beschwerde auf Berichte über die allgemeine Situation für Asylsu-
chende in Frankreich nichts zu ändern. Darüber hinaus ist darauf hinzu-
weisen, dass in der vom Beschwerdeführer zitierten Passage des AIDA-
Berichts nicht erwähnt ist, dass Asylsuchende in Frankreich keinen Zugang
zu einer Unterkunft erhalten. Vielmehr wird beschrieben, dass Rückkehrer
aus Dublin-Staaten bei ihrer Ankunft am Flughafen von der Polizei oder
den Flughafenbehörden an das Notaufnahmezentrum des Roten Kreuzes
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verwiesen werden. Als problematisch wird beschrieben, dass Asylbewer-
ber selbstständig in die für sie zuständigen Präfekturen gelangen müssten.
Der Bericht zeigt folglich auf, dass es in Frankreich zuständige Stellen gibt,
an die sich asylsuchende Rückkehrer wenden können. Die Behauptung
des Beschwerdeführers, er werde in Frankreich keine Unterstützung erhal-
ten, ist somit nicht nachvollziehbar. Gemäss bundesverwaltungsgerichtli-
cher Praxis weisen das Asylverfahren und das Aufnahmesystem in Frank-
reich keine systematischen Mängel auf, welche eine Anwendung von Art. 3
Abs. 2 Dublin-III-VO rechtfertigen würden (Urteile des BVGer F-4191/2021
vom 29. September 2021 E. 4.2; E-2905/2021 vom 29. Juni 2021 E. 5.1;
F-3467/2021 vom 10. August 2021 E. 5.2).
5.3. Der Beschwerdeführer hat darüber hinaus kein konkretes und ernst-
haftes Risiko dargetan, dass die französischen Behörden in seinem Fall
ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen würden. Er er-
hebt diesbezüglich auch keine Einwände. Nichtsdestotrotz ist festzuhalten,
dass Frankreich ein funktionierender Rechtsstaat ist und die Behörden
grundsätzlich gewillt und fähig sind, staatlichen Schutz zu gewähren. Auch
unter dem Blickwinkel von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 erscheint ein Selbstein-
tritt nicht angezeigt. Die Aussage des Beschwerdeführers anlässlich des
Dublin-Gesprächs, eine Überstellung nach Frankreich würde bei ihm ein
Trauma auslösen, ist nicht nachvollziehbar, zumal er offensichtlich noch
gar nie in Frankreich war.
5.4. Zusammenfassend ist die Schweiz weder völkerrechtlich verpflichtet,
auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe vor, wel-
che einen Selbsteintritt nahelegen würden.
6.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und
hat seine Wegweisung nach Frankreich angeordnet.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-
den Urteil fällt der am 7. Juli 2022 angeordnete Vollzugsstopp dahin. Das
Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegenstandslos ge-
worden.
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8.
8.1. Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ungeachtet einer allfälligen pro-
zessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
8.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.-
festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR173.320.2]).
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