Decision ID: b0f602ec-518d-46ec-93ce-c8fda4f3705f
Year: 2011
Language: de
Court: VS_TC
Chamber: VS_TC_001
Canton: VS
Region: Région lémanique
Law Area: 

Sachverhalt
A. Der am 10. Juli 1983 geborene A. ist bei der Schweizerischen Unfallversicherung SUVA gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle  versichert. Am 11. April 2009 begab er sich nach X. Von dort
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ceg Texte tapé à la machine KGVS S2 10 37
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wurde er gegen 22.30 Uhr von seinem Vetter mit dem Personenwagen abgeholt und nach Y. chauffiert. Nachdem sie dort noch kurz in einem Restaurant eingekehrt waren, fuhren sie zum Parkplatz des  des Versicherten. Dort trat der Versicherte den Weg zum  zu Fuss an, stieg schliesslich aber in seinen Personenwagen ein und fuhr los. Gegen 23.55 Uhr verlor der Versicherte die Kontrolle über sein Fahrzeug, wobei dieses von der Strasse abkam, gegen eine  prallte und den Abhang hinunterrollte. Der Versicherte zog sich bei diesem Selbstunfall verschiedene Verletzungen zu. Die am 12. April 2009 um 02.30 Uhr entnommene Blutprobe ergab einen Mittelwert von 2.19‰ bei einer Blutalkoholkonzentration von 2.08‰ bis 2.30‰.
B. Mit Entscheid vom 23. November 2009 stellte der  das gegen den Versicherten eröffnete Strafverfahren wegen Führen eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustand mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration im Sinne von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG ein. In seiner Begründung führte er aus, einerseits stehe fest, dass der Beschuldigte Alkohol getrunken habe, ohne Wissen und Absicht, danach noch Auto zu fahren, sowie dass er sich erst zum  mit dem Auto entschlossen habe, als er infolge des Alkoholkonsums offensichtlich in der Zurechnungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt gewesen war, weshalb die Strafe ohnehin nach Art. 19 Abs. 2 StGB erheblich gemildert werden müsse. Andererseits sei der Beschuldigte durch die Folgen seiner Tat sehr stark betroffen und durch die  schon genug bestraft worden, so dass es sich rechtfertige, gemäss Art. 54 StGB auf eine Weiterführung des Verfahrens zu verzichten.
C. Am 3. Dezember 2009 verfügte die SUVA eine Kürzung von 50 %, da der Unfall in Ausübung eines Vergehens (Führen eines  in angetrunkenem Zustand) herbeigeführt worden sei. Dagegen erhob der Versicherte am 24. Dezember 2009 Einsprache mit der Begründung, das Fahren in angetrunkenem Zustand sei ohne Absicht bzw. Eventualabsicht verübt worden. Er habe im Wissen um den  bewusst das Auto zu Hause gelassen und habe erst nach seiner Rückkehr in völliger Unzurechnungsfähigkeit und ohne  Grund sein Fahrzeug bestiegen. Mit Entscheid vom 3. Februar 2010 hielt die SUVA an der Leistungskürzung im Umfang von 50 % fest. Sie legte insbesondere dar, der Versicherte habe ein Vergehen im Sinne von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG begannen, weshalb eine Leistungskürzung gemäss Art. 37 Abs. 3 UVG zu erfolgen habe. Gemäss  Rechtsprechung sei bei einer Blutalkoholkonzentration von
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zwei bis drei Promille eine Verminderung der Zurechnungsfähigkeit zu vermuten. Bei einer durchschnittlichen Blutalkoholkonzentration von 2.19‰ könne nicht von einer Schuldunfähigkeit gesprochen . Ferner sei die SUVA an die strafrichterliche Würdigung nicht gebunden. Sofern schliesslich dargelegt werde, es sei nicht Art. 91 Ziff. 1 SVG, sondern Art. 263 StGB anwendbar, setzte letztere Bestimmung (selbstverschuldete) Unzurechnungsfähigkeit voraus. Die  von Art. 263 StGB würde im Übrigen zum gleichen Ergebnis führen. Am 4. März 2010 reichte der Versicherte gegen den Entscheid der SUVA vom 3. Februar 2010 Beschwerde beim Kantonsgericht ein mit der Begründung, am Vorsatz und Eventualvorsatz fehle es im konkreten Fall. Ausserdem habe er keinen Grund zur Annahme gehabt, nach dem Alkoholkonsum noch ein Fahrzeug lenken zu müssen, weshalb er  nach dem privilegierten Tatbestand von Art. 263 StGB hätte bestraft werden können. In ihrer Vernehmlassung vom 22. März 2010 hielt die SUVA an ihrem Entscheid fest.

Erwägungen
(...)
3. Streitig und zu prüfen ist, ob die SUVA die Leistung im Umfang von 50 % kürzen durfte.
4. a) Gemäss Art. 21 Abs. 1 ATSG können der versicherte Person, die den Versicherungsfall vorsätzlich oder bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführt oder verschlimmert, die Geldleistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder in schweren Fällen verweigert werden. In Abweichung von Art. 21 Abs. 1 ATSG werden gemäss Art. 37 Abs. 2 UVG in der Versicherung der  die Taggelder, die während der ersten zwei Jahre nach dem Unfall ausgerichtet werden, gekürzt, wenn der Versicherte den Unfall grob fahrlässig herbeigeführt hat. Die Kürzung beträgt jedoch höchstens die Hälfte der Leistungen, wenn der Versicherte im  des Unfalls für Angehörige zu sorgen hat, denen bei seinem Tode Hinterlassenenrenten zustehen würden. Hat der Versicherte den Unfall bei nicht vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführt, so können ihm ebenfalls in Abweichung von Artikel 21 Absatz 1 ATSG die Geldleistungen gekürzt oder in besonders schweren Fällen verweigert werden. Hat der Versicherte im Zeitpunkt des Unfalles für Angehörige zu sorgen, denen bei seinem Tode  zustünden, so werden Geldleistungen höchstens um die Hälfte gekürzt (Art. 37 Abs. 3 UVG). Die Besonderheit des Art. 37 Abs.
3 UVG liegt darin, dass der Unfall »bei Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens» herbeigeführt wurde. Einerseits ist der im konkreten Straftatbestand umschriebene Verschuldensgrad erforderlich, also nicht notwendigerweise Absicht oder Grobfahrlässigkeit, andererseits ist die Erfüllung des objektiven Straftatbestandes notwendig. Während Abs. 1 und Abs. 2 die absichtliche oder grobfahrlässige Herbeiführung eines Unfalles regeln, geht es in Abs. 3 um das schuldhafte Verüben eines Verbrechens oder Vergehens. Der Unfall seinerseits muss nicht schuldhaft herbeigeführt werden, sondern nur in Ausübung eines  oder Vergehens. Insofern ist der Tatbestand des Abs. 3 eine lex specialis (A. Rumo-Jungo, Die Leistungskürzung oder - gemäss Art. 37-39 UVG, S. 170).
b) Die Begriffe «Verbrechen» und «Vergehen» sind im  Sinne aufzufassen. Als Vergehen gelten nach Art. 10 Abs. 3 StGB Taten, die mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bedroht sind. Soweit es das Gesetz vorsieht, gehören dazu auch  begangene Handlungen (Art. 12 StGB). Kein Vergehen liegt vor, wenn die strafbare Handlung im Zustand der (nicht verschuldeten) Unzurechnungsfähigkeit (bzw. Zurechnungsunfähigkeit) begangen wurde (Art. 19 StGB). Wurde der Zustand der Unzurechnungsfähigkeit vom Handelnden selbst verschuldet und in diesem Zustand eine als Verbrechen oder Vergehen bedrohte Tat verübt, ist dies strafbar (Art. 263 StGB). Die Leistungen des Unfallversicherers sind alsdann trotz Unzurechnungsfähigkeit im Zeitpunkt der Tat zu kürzen oder zu  (BGE 129 V 354 mit Hinweisen). Mithin ist bei  Unzurechnungsfähigkeit der Art. 263 StGB anwendbar, welcher zur Anwendung von Art. 37 Abs. 3 UVG und mithin zur Kürzung oder Verweigerung der Geldleistungen führt (A. Rumo-Jungo, a.a.O., S. 171).
Art. 263 StGB, welcher die Begehung eines Vergehens oder  im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit infolge  Trunkenheit oder Betäubung sanktioniert, kommt nur zur Anwendung, wenn weder der Tatbestand der absichtlichen oder jener der fahrlässigen actio libera in causa erfüllt ist. Die in Art. 263 StGB sanktionierte Handlung stellt ein Vergehen dar, weshalb die Leistungen in Anwendung von Art. 37 Abs. 3 UVG trotz Unzurechnungsfähigkeit im Zeitpunkt der Straftat zu kürzen oder zu verweigern sind (A. , a.a.O., S. 171 mit Hinweisen).
Diesbezüglich hat das Bundesgericht bereits mit Urteil vom 17.  1982 i.S. S.M.C. (publiziert im Anhang Nr. 6 S. 11 des SUVA- 1982) festgehalten, dass das Führen eines Motorfahrzeuges
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in einem durch übermässigen Alkoholkonsum selbstverschuldeten Zustand der Unzurechnungsfähigkeit eine Vergehenshandlung  und der Leistungsausschluss des Unfallversicherers  ist. In jenem Fall hatte sich der Versicherte abends zu einem  begeben, wo er Alkohol konsumierte, und sich anschliessend von seinem Freund nach Hause fahren lassen. Nachdem ihn dieser vor dem Hause abgesetzt hatte, begab sich der Versicherte kurze Zeit  in den Wagen und fuhr wieder weg, wobei es zu einem Unfall kam. Die danach verfügte Leistungsverweigerung durch die SUVA bestätigte das Bundesgericht (Urteil des Bundesgerichtes vom 17. September 1982 i.S. S.M.C.).
c) In Bezug auf Alkoholisierungen wurde im Strafrecht die  entwickelt, dass bei einem Blutalkoholgehalt von unter zwei  in der Regel keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit, bei zwei bis drei Gewichtspromillen eine Verminderung der  und bei über drei Gewichtspromillen eine vollständige  zu vermuten ist. Allerdings sind in die Beurteilung der  stets Gewöhnung, Persönlichkeit und Tatsituation einzubeziehen (Urteil des Bundesgerichtes U 612/06 vom 5. Oktober 2007, E. 4.1.2 ; BGE 129 V 354 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
5. a) Laut Polizeirapport hat sich der Unfall ereignet, als der  mit seinem Personenwagen in angetrunkenem Zustand von der Strasse abkam. Der Versicherte wies eine Blutalkoholkonzentration von weit über 0.8‰ auf. Er hat damit den Straftatbestand von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG (Fahren in fahrunfähigem Zustand) erfüllt, wofür das Gesetz Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe als Strafe . Der Beschwerdeführer hat den Unfall demnach bei der Ausübung eines Vergehens herbeigeführt. Die im vorliegenden Fall gestützt auf Art. 54 StGB erfolgte Einstellung des Strafverfahrens ändert daran nichts (BGE 129 V 354 E. 3.2). Die Leistungskürzung hat daher  zu erfolgen.
b) Nicht gefolgt werden kann dem Beschwerdeführer, soweit er  macht, von einer Leistungskürzung sei mangels  im Zeitpunkt der Tat abzusehen. Nach der genannten  Rechtsprechung liegt bei einer Blutalkoholkonzentration zwischen 2‰ und 3‰ im Regelfall (bloss) eine verminderte  vor. Für einen anderen Schluss besteht auch im  Fall kein Anlass. Es liegen keine besonderen Umstände vor, die
zu einer von der Vermutungsregel abweichenden Beurteilung Anlass zu geben vermöchten. Beim Versicherten handelt es sich um einen , jungen und sportlichen Mann. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Versicherte im Unfallzeitpunkt an einer die  beeinträchtigenden psychischen Störung gelitten hat. Es ist daher vom Unfallversicherer zu Recht nicht von einer (nicht selbstverschuldeten) Unzurechnungsfähigkeit, sondern von einer  Zurechnungsfähigkeit ausgegangen worden, was – da der Unfall grobfahrlässig und in Ausübung eines Vergehens herbeigeführt wurde – zur Anwendung von Art. 37 Abs. 3 UVG führt.
c) Als ebenfalls unbegründet erweist sich die , soweit darin geltend gemacht wird, aufgrund von Art. 263 StGB müsse von einer Leistungskürzung abgesehen werden. Die in Art. 263 StGB sanktionierte Handlung stellt ein Vergehen dar, weshalb die Leistungen in Anwendung von Art. 37 Abs. 3 UVG selbst bei () Unzurechnungsfähigkeit im Zeitpunkt der Straftat zu  oder zu verweigern sind (vgl. E. 4b oben mit Hinweisen). Insofern lässt sich aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer vor dem  sein Auto zu Hause gelassen hatte, nichts zu dessen  ableiten. Dass er dies angeblich öfters getan hat, mag daran  nichts zu ändern.
d) Nicht nachvollziehbar ist ferner die Behauptung des , er werde ungleich behandelt. Inwiefern eine solche Ungleichheit resultieren sollte, ist nicht erkennbar, zumal der  sogar die selbstverschuldete Unzurechnungsfähigkeit als  erachtete.
e) Schliesslich beanstandet der Beschwerdeführer zu Recht nicht die im üblichen Rahmen liegende Kürzung von 50 %. Die SUVA hat  ihr Ermessen korrekt ausgeübt. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
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