Decision ID: 43a1044c-a301-4c25-8e42-5f539f0d858f
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Brühlgasse 39, Postfach 22,
9004 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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St.Galler Gerichte
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
betreffend
Versicherungsleistungen, Invalidenrente und Integritätsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1977 geborene B._ war als angelernter Bodenleger bei der A._ tätig und
dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am
1. Juli 2002 beim Heruntertragen einer Maschine auf einem Holzbrett ausrutschte und
auf der Treppe stürzte (Suva-act. 1 und 3). Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH,
bestätigte im Arztzeugnis vom 7. August 2002 (Suva-act. 2) eine Erstbehandlung am 2.
Juli 2002 und diagnostizierte eine Kontusion der Lendenwirbelsäule (LWS). Als Befunde
erhob er insbesondere eine Druckdolenz über der LWS und vor allem über dem rechten
Iliosakralgelenk (ISG), jedoch keine Hämatombildung. Die Röntgenuntersuchung hatte
sodann keine ossären Läsionen gezeigt. Eine vertebro-spinale Computertomographie
im Röntgeninstitut Dr. med. Alder, St. Gallen, vom 16. August (Suva-act. 4) ergab eine
kleinvolumige medio-rechts-laterale Diskushernie L3/L4, eine Diskusprotrusion L4/L5
ohne Einengung nervaler Strukturen und eine initiale Spondylarthrose L5/S1. Dr. med.
D._, Innere Medizin, speziell Rheumatologie FMH, diagnostizierte im Bericht vom 11.
November 2002 vor allem ein lumboradikuläres Reizsyndrom L4 rechts. Vom 19.
Februar bis 26. März 2003 erfolgte ein stationärer Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon.
Im Austrittsbericht vom 25. März 2003 (Suva-act. 23) wurden ein Dysfunktionsschmerz
im rechten ISG mit pseudoradikulären Ausstrahlungen, ein mögliches lumboradikuläres
Reizsyndrom L4 rechts und eine Anpassungsstörung sowie Angst und depressive
Reaktion gemischt diagnostiziert. In der Zeit vom 27. Oktober bis 24. November 2004
erfolgte ein weiterer Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon. Im Austrittsbericht vom 28.
November 2004 (Suva-act. 91) wurden ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
(lumboradikuläre Reizkomponente nicht ausgeschlossen) und eine leichte depressive
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Episode (Major Depression) festgehalten. Die Suva erbrachte für den Unfall vom 1. Juli
2002 die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen).
A.b Mit Verfügung vom 9. März 2005 (Suva-act. 105) eröffnete die Suva dem
Versicherten, dass die heute bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt,
sondern ausschliesslich krankhafter Natur seien. Der Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall mit
Wahrscheinlichkeit eingestellt hätte (Status quo sine), sei gemäss medizinischer
Beurteilung schon lange erreicht. Die festgestellten psychischen Beschwerden würden
in keinem adäquaten Zusammenhang mit dem Unfall vom 1. Juli 2002 stehen. Der
Unfall hinterlasse aus medizinischer Sicht keine Folgen, welche die Erwerbsfähigkeit
messbar beeinträchtigen könnten. Ebenso resultiere keine unfallbedingte bleibende
Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität. Die Voraussetzungen für weitere
Geldleistungen (Invalidenrente/Integritätsentschädigung) seien nicht erfüllt. Die
Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) würden daher per 31. März 2005
eingestellt. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 14. März 2007 (Suva-act. 141) ab.
B.
B.a Dagegen richtet sich die von Rechtsanwalt Robert Baumann, St. Gallen, im
Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 13. April 2007 mit den
Anträgen, der Einspracheentscheid vom 14. März 2007 sei vollumfänglich aufzuheben
und es seien über den 31. März 2005 hinaus die gesetzlichen Leistungen aus dem
Unfallereignis vom 1. Juli 2002 zu erbringen, insbesondere sei dem Beschwerdeführer
nach Abschluss der ärztlichen Behandlung sowie allfälliger Eingliederungsmassnahmen
gestützt auf rechtsgenügliche Abklärungen eine Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 100% sowie eine angemessene Integritätsentschädigung
zuzusprechen und auszurichten. Eventualiter sei in Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids die Streitsache im Sinn der nachstehenden Ausführungen ins
Abklärungsverfahren zur Durchführung der beantragten medizinischen Abklärungen
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird
im Wesentlichen ausgeführt, dass der Bericht von Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Neurochirurgie, vom 30. Januar 2007 unmissverständlich zum Ausdruck bringe, dass
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die beim Beschwerdeführer vorliegenden organischen Leiden mit 100%iger
Arbeitsunfähigkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen, also unfallkausal seien. Die
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin sei auch deshalb zu bejahen, weil in Bezug
auf die psychischen Beschwerden der adäquate Kausalzusammenhang gegeben sei.
Eine Gesamtwürdigung der diesbezüglich massgeblichen Kriterien habe die Bejahung
der Adäquanz zur Folge.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2007 beantragt der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Die Diskushernien-Problematik sei,
unter Hinweis auf die konstante Rechtsprechung des Bundesgerichts, des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen und aufgrund der medizinischen
Erkenntnisse, nicht unfallkausal. Dr. E._ habe sich zur entsprechenden Frage der
Unfallkausalität nicht geäussert. Sodann fehle es bezüglich der psychischen Probleme
- welche beim Beschwerdeführer offensichtlich als Grund für seine Arbeitsunfähigkeit
im Vordergrund stünden - am natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang.
B.c Mit Replik vom 28. September 2007 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an seinem Rechtsbegehren unverändert fest und führte zusätzlich
aus, dass Dr. E._ im Bericht vom 30. Januar 2007 den natürlichen
Kausalzusammenhang nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
bestätigt habe.
B.d Mit Duplik vom 2. Oktober 2007 hielt auch der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin am gestellten Antrag fest.

Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob die nach dem 31. März 2005 anhaltenden psychischen und
physischen Beschwerden des Beschwerdeführers eine natürliche und adäquate Folge
des Unfalls vom 1. Juli 2002 bilden und demnach eine weitere Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin begründen.
2.
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2.1 Ist die Unfallkausalität für die ursprünglichen Beschwerden einmal mit der
erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte
Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche
und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur
noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Wird durch einen Unfall
ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die
Leistungspflicht des Unfallversicherers, wenn entweder der (krankhafte)
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine), erreicht ist. Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich
fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um
eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast nicht
bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 S. 45, 1994 S.
328 Erw. 3b mit Hinweisen).
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden Arztberichten den Prozess nicht erledigen, ohne das
gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
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medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist
grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten
(BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte
kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311).
Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Bezug eines Gerichtsgutachtens -
abschliessen. (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
3.
3.1 Dr. med. F._, Spezialarzt FMH Innere Medizin, Physikalische Medizin und
Rehabilitation, und Dr. med. G._, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, diagnostizierten im interdisziplinären Gutachten vom 24. August 2005
(Suva-act. 122.3) eine unspezifische Wirbelsäulenhaltungs- und Gehstörung,
neuroradiologisch eine klinisch nicht relevante Bandscheiben-Degeneration L3/4 und
L4/5 sowie eine somatoforme Schmerzstörung oder eine depressive Episode. Dr. E._
stellte im Bericht vom 13. Dezember 2006 (Suva-act. 131) als aktuelle Diagnose ein
therapieresistentes lumbovertebrogenes- und lumboradikuläres Schmerzsyndrom
rechts und ein zervikocephales Schmerzsyndrom mit psychischer- und körperlicher
Dekonditionierung fest.
3.2 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bereits in
der Zeit vom 8. bis 26. Mai 2000 wegen einer akuten Lumbago (Verhebetrauma) bei
Dr. C._ in Behandlung war (Suva-act. 16). Kreisarzt Dr. med. H._ hielt mit
Schreiben vom 13. Dezember 2004 fest, dass Diskushernien nie unfallbedingt seien
und höchstens durch einen Unfall vorübergehend symptomatisch werden könnten. Bei
der kreisärztlichen Untersuchung vom 5. Februar 2003 sei der Lasègue negativ
gewesen, weshalb der Status quo ante schon lange erreicht sei. Im Bericht der
Rehaklinik Bellikon vom 9. Februar 2005 führen Dr. med. I._, Oberärztin und Dr. med.
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J._, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, aus, dass die
Diskushernie L3/L4 nicht durch den Sturz ausgelöst worden sei. Es sei von einer
vorübergehenden Traumatisierung der vorbestehenden Diskushernie auszugehen. Das
Bestehen eines lumboradikulären Reizsyndroms L4 sei wiederholt als fraglich
eingeschätzt worden. Bereits beim Aufenthalt im Februar 2003 hätten sie vier Wochen
nach Austritt eine unfallbedingte Arbeitsfähigkeit von 100% vorgeschlagen. Psychische
Faktoren seien zunehmend in den Vordergrund geraten, weshalb sie der Beurteilung
von Dr. H._ bezüglich des Status quo sine zustimmen würden. Kreisarzt Dr. med.
K._, Facharzt für Chirurgie FMH, teilte im Bericht vom 23. Januar 2007 (Suva-act.
135) mit, bereits bei den ersten Untersuchungen seien keine Kontusionsmarken oder
schwerere Verletzungen festgestellt worden. Die Abklärungen hätten eine Diskushernie
L3/4, L4/5 und degenerative Veränderungen, Spondylarthrosen L4-S1, welche nicht als
unfallbedingt eingeordnet werden könnten, ergeben. Die Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit seien nicht aufgrund des Unfallereignisses, sondern im Rahmen der
krankheitsbedingten Veränderungen erklärbar. Es sei im gesamten Verlauf
nachgewiesen, dass keine traumatischen Läsionen vorhanden seien und die
Beschwerden durch die degenerativen Veränderungen einerseits und die
psychiatrischen Diagnosen andererseits erklärbar seien. Nach dem Unfallereignis habe
sich die Beschwerdesituation im Verlauf - atypischerweise für Unfallfolgen - nur
unwesentlich verändert. Die eher banal einzuordnende Kontusion ohne nachweisbare
Verletzung könne die anhaltende Schmerzsituation nicht erklären. Die Beurteilungen
von Dr. H._ vom 13. Dezember 2004 und der Bericht der Rehaklinik Bellikon vom 9.
Februar 2005 könnten bezüglich der Unfallfolgen bestätigt werden.
3.3 Die Beurteilung von Dr. K._ vom 23. Januar 2007 erfolgte in Kenntnis der
Vorakten, unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden sowie unter allseitigen
Untersuchungen. Die Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ist einleuchtend
und die Schlussfolgerungen sind begründet und nachvollziehbar. Insbesondere stimmt
die Einschätzung der Unfallkausalität mit den Berichten von Dr. H._ und der
Rehaklinik Bellikon überein. Der Beurteilung von Dr. K._ kommt volle Beweiskraft zu.
Sie entspricht auch der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
(EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts), wonach Diskushernien in aller Regel degenerative Erkrankungen
darstellen. Ein Bandscheibenvorfall kann nur dann als weitgehend durch eine äussere
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Einwirkung entstanden betrachtet werden, wenn die dabei wirkende Kraft
ausserordentlich hoch, der Unfall mithin geeignet war, eine prätraumatisch vollständig
unauffällige Bandscheibe zu zerreissen (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192, 193 Erw. 2a mit
Hinweisen; Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005 [U 163/05] in Sachen R., Erw. 3.1;
Urteil des EVG vom 18. Februar 2002 [U 459/00] in Sachen K., Erw. 3b; Medizinische
Mitteilungen der Suva Nr. 68, S. 17). Eine durch den Unfall verursachte organische
Gesundheitsschädigung ist somit aufgrund der medizinischen Akten beim
Beschwerdeführer ebenso auszuschliessen wie eine richtunggebende, mithin
dauernde, unfallbedingte Verschlimmerung seiner degenerativen Gesundheitsschäden
im Bereich der Wirbelsäule. Es ist eine medizinische Erfahrungstatsache, dass eine
solche Verschlimmerung nur dann als erwiesen gelten kann, wenn ein plötzliches
Zusammensinken der Wirbel sowie das Auftreten und Verschlimmern von Verletzungen
nach einem Trauma radioskopisch erstellt sind (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 f. Erw. 3a
mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 25. November 2004 [U 107/04] in Sachen Z.I.). Das
Vorliegen einer richtunggebenden Verschlimmerung einer degenerativen Erkrankung
wird sodann allgemein in den medizinischen Akten nicht diskutiert. Eine Kontusion der
Wirbelsäule kann zwar ohne weiteres eine bisher stumme, vorbestehende
Wirbelsäulenerkrankung symptomatisch machen, wobei es sich aber meistens nur um
eine vorübergehende Verschlimmerung handelt (Debrunner/Ramseier, Die
Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 5). Die von Dr. E._ gestellte
Diagnose eines lumbovertebrogenen- und lumboradikulären Schmerzsyndroms vermag
schliesslich ebenfalls keine unfallkausale Restfolge zu begründen. Das Vorliegen von
Schmerzsyndromen bedeutet keinesfalls automatisch auch das Vorliegen
unfallkausaler struktureller Gesundheitsschädigungen. Laut Roche
Lexikon Medizin (5. Aufl., 2003 S. 1791) handelt es sich bei einem Syndrom um ein sich
stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen, d.h. einer Symptomatik mit weitgehend
identischem "Symptommuster" manifestierendes Krankheitsbild mit unbekannter,
vieldeutiger, durch vielfältige - eben auch degenerative - Ursachen bedingter oder nur
teilweise bekannter Ätiogenese. Wie bereits angedeutet, kann ein Vorzustand durch
einen Unfall ausgelöst oder vorübergehend verschlimmert werden. In diesem Fall
übernimmt die Unfallversicherung jedoch lediglich den durch das Unfallereignis
ausgelösten Beschwerdeschub (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 Erw. 2a mit Hinweisen).
Aufgrund der medizinischen Akten ist davon auszugehen, dass die Kontusion der LWS
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des Beschwerdeführers durch das Unfallereignis zu einer vorübergehenden
Verschlechterung eines vorbestehenden degenerativen Leidens im Bereich der
Wirbelsäule geführt hat. Gemäss Beurteilung von Dr. K._ - in Übereinstimmung mit
sämtlichen medizinischen Akten - wurden keine traumatischen Läsionen festgestellt.
Die anhaltenden Beschwerden seien nicht mehr mit dem Unfallereignis, sondern im
Rahmen der krankheitsbedingten Veränderungen erklärbar. Er bestätigte dabei die
Einschätzungen bezüglich der natürlichen Kausalität von Dr. H._ vom 13. Dezember
2004 sowie die der Rehaklinik Bellikon vom 9. Februar 2005. Diese Beurteilungen
waren insbesondere für die Einstellung der Versicherungsleistungen durch die
Beschwerdegegnerin per 31. März 2005 massgebend. Es sind keine Gründe
ersichtlich, welche die Richtigkeit der vorgenannten Beurteilungen in Zweifel ziehen
lassen, zumal sie medizinischen Erkenntnissen entsprechen (vgl. dazu Bär/Kiener,
Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule, Medizinische Mitteilungen der
Suva Nr. 67, S. 45). So unterstreicht etwa auch der angelsächsische Autor Hadler, dass
ein einzelnes Weichteiltrauma, auch wenn heftig, keine Signifikanz in der Entwicklung
chronischer Rückenschmerzen entfalte, oder lediglich dann, wenn eine strukturelle
Läsion nachweisbar sei. Für die Autoren Lippert und Teitz wird der Status quo sine im
Rahmen posttraumatischer Lumbalgien (Kreuzschmerzen), ja sogar Lumboischialgien
(Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung in Gesäss und Oberschenkel) bereits drei bis vier
Monate nach dem Unfall erwartet. Macnab vertritt grundsätzlich die Meinung, es sei im
Rahmen von Rückenprellungen praktisch unmöglich, einen Kausalzusammenhang
zwischen Trauma und folgenden chronischen Beschwerden herzustellen (vgl. die
zusammenfassende Darstellung bei Bär/Kiener, a.a.O., Nr. 67, S. 45 f. mit weiteren
Hinweisen).
3.4 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht in der Beschwerde geltend,
dem Schreiben von Dr. E._ vom 30. Januar 2007 (Suva-act. 138, Beilage) sei zu
entnehmen, dass beim Beschwerdeführer unfallbedingte organische Leiden/
Beschwerden vorlägen, die zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit führen würden. Dr.
E._ führt im erwähnten Bericht aus, dass aus neurochirurgischer Sicht der Sturz
primär mit grösster Wahrscheinlichkeit für die festgestellte paramediane Diskushernie
L3/L4 sowie die kleine mediolaterale Diskushernie L4/L5 eine grosse Rolle spiele, weil
die lumboradikuläre Schmerzsymptomatik rechts unmittelbar nach dem Sturz
aufgetreten sei. In den obigen Erwägungen wurde dargelegt, dass der Unfall zu einer
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vorübergehenden Verschlechterung eines vorbestehenden degenerativen Leidens im
Bereich der Wirbelsäule geführt hat. Insofern ist der Sturz unbestritten Auslöser der
vorübergehenden Verschlechterung der degenerativen Beschwerden. Der Bericht
vermag allerdings nicht überzeugend darzulegen, dass die über den Zeitpunkt der
Leistungseinstellung hinaus geklagten Beschwerden weiterhin unfallkausal seien,
respektive der Status quo sine noch nicht erreicht sei. Der Bericht von Dr. E._
vermag an den schlüssigen Beurteilungen von Dr. H._ und Dr. K._ sowie am
Bericht der Rehaklinik Bellikon nichts zu ändern.
3.5 Aufgrund der vorhandenen medizinischen Akten, die den Sachverhalt hinreichend
und insgesamt miteinander harmonierend darstellen, kann mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass spätestens seit 31. März 2005,
als die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen einstellte, keine somatischen Unfallfolgen
mehr gegeben waren und der Status quo sine wieder erreicht war. Die über diesen
Zeitpunkt hinaus geklagten lumbalen Beschwerden sind jedenfalls nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen. Sie sind somatisch
nicht mehr oder bestenfalls mit den nicht unfallbedingten Befunden degenerativer Art
sowie den psychischen Beschwerden erklärbar.
3.6 Dem Eventualbegehren, es sei das Verfahren zu weiteren medizinischen
Abklärungen zurückzuweisen, ist nicht stattzugeben. Da nicht anzunehmen ist, dass
weitere medizinische Abklärungen für die Beurteilung des vorliegend relevanten
Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen, kann darauf verzichtet werden (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b; Pra 88 Nr. 117; SVG-UV 1996 Nr.
62.211).
4.
4.1 Zu prüfen bleibt, ob die beim Beschwerdeführer diagnostizierten psychischen
Beschwerden in einem kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 1. Juli
2002 stehen. Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
geltende Rechtsprechung bei der Beurteilung eines adäquaten Kausalzusammenhangs
zwischen psychischen Beschwerden und einem Unfall zutreffend dargelegt (Erw. 4);
darauf kann verwiesen werden. Bei der Prüfung, ob die beim Beschwerdeführer
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bestehenden psychischen Beschwerden als unfallkausal einzustufen sind, kann die
Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs offen bleiben, wenn ein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Störungen und dem Unfall verneint
werden muss (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67). Selbst wenn vorliegend ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden des
Beschwerdeführers und dem Unfall zu bejahen wäre, müsste - wie nachfolgend zu
zeigen sein wird - das Bestehen des adäquaten Kausalzusammenhangs verneint
werden.
4.2 Aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs sowie mit Blick auf die
entsprechende Kasuistik (vgl. Alexandra Rumo-Jungo, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, UVG, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 55 ff.) ist
vorliegend von einem mittelschweren Ereignis auszugehen. Die Frage der genauen
Zuteilung des Unfalls innerhalb der mittelschweren Unfälle braucht vorliegend nicht
beantwortet zu werden, weil die folgende Beurteilung zeigt, dass die in die Prüfung mit
einzubeziehenden Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) weder in gehäufter oder
auffallender Weise erfüllt sind noch eines der Kriterien in besonders ausgeprägter
Weise gegeben ist. Der Unfall vom 1. Juli 2002 hat sich nicht unter besonders
dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er von besonderer Eindrücklichkeit.
Schwere Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art, welche geeignet sind
psychische Fehlentwicklungen auszulösen, lagen nicht vor. Nicht erfüllt ist sodann das
Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, nachdem bereits
anlässlich des stationären Aufenthalts in der Rehaklinik Bellikon vom 19. Februar bis
26. März 2003 eine Anpassungsstörung sowie Angst und depressive Reaktion
gemischt diagnostiziert wurde und die psychischen Beschwerden in der Folge immer
mehr in den Vordergrund rückten. Der psychische Gesundheitsschaden darf aber nicht
in die Adäquanzbeurteilung einbezogen werden (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Sodann
beschränkte sich die Behandlung der somatischen Beschwerden bereits relativ früh auf
physiotherapeutische Massnahmen, weshalb nicht von einer ungewöhnlich langen
Dauer ausgegangen werden kann. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden, wie
von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Es bedarf
hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Kriterien des
Grads und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit sowie der Dauerschmerzen sind sodann
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sicher nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt, nachdem bereits bei der
kreisärztlichen Untersuchung vom 5. Februar 2003 von psychosozialen Schwierigkeiten
ausgegangen wurde. Die ursprünglich unfallbedingten Beschwerden wurde in der
Folge durch vorbestehende und psychische Beschwerden abgelöst, weshalb die
Kriterien aufgrund der ausschliesslich unfallbedingten Beschwerden sicher nicht
besonders ausgeprägt erfüllt sind. Da somit die Kriterien nicht in gehäufter oder
auffallender Weise und kein Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, ist
die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen.
4.3 Zusammenfassend lässt sich der angefochtene Einspracheentscheid, mit
welchem eine weitere Leistungsausrichtung ab 1. April 2005 mangels eines
nachweisbaren unfallkausalen somatischen oder unfalladäquaten psychischen
Gesundheitsschadens abgelehnt wurde, nicht beanstanden.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG