Decision ID: fd457e24-3631-5ce9-abaf-18c2f5a49f80
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X und YZ sind verheiratet. XZ ist bei der D AG in C angestellt, während YZ als
Inhaberin einer Bijouterie in A einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachgeht. Die
Eheleute wohnen in B in einem Einfamilienhaus. Dessen Mietwert wurde am 26. April
2000 auf Fr. 13'200.-- und der Verkehrswert auf Fr. 340'000.-- geschätzt. Am 19.
Januar 2011 erfolgte die periodische Neuschätzung mit einem Mietwert von Fr.
19'278.-- und einem Verkehrswert von Fr. 463'000.--. In der Steuererklärung für 2010
deklarierten die Steuerpflichtigen – ausgehend von der Grundstückschätzung aus dem
Jahr 2000 – ein steuerbares Einkommen von Fr. 118'646.-- und ein steuerbares
Vermögen von Fr. 26'412.--. Die Veranlagungsbehörde passte den Mietwert und den
Verkehrswert des Grundstücks der Schätzung vom 19. Januar 2011 an und nahm noch
weitere Änderungen vor (beim Wertschriftenertrag, bei den Berufskosten und bei den
Liegenschaftsunterhaltskosten). X und YZ wurden für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2010 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 131'300.-- und
einem steuerbaren Vermögen von Fr. 149'000.-- veranlagt. Bei der gleichzeitig mit der
Veranlagung vorgenommenen Steuerausscheidung wurden die Einkünfte aus
selbständiger Erwerbstätigkeit der Ehefrau je hälftig auf die Wohnsitzgemeinde B und
den Geschäftsort A verteilt.
X und YZ erhoben mit Eingabe ihrer Vertreterin vom 24. Februar 2012 Einsprache. Sie
beantragten, als Miet- und Verkehrswert der Liegenschaft sei jener der Schätzung vom
26. April 2000 anzuwenden und die geltend gemachten Liegenschaftsunterhaltkosten
seien vollumfänglich zum Abzug zuzulassen. Ferner sei das gesamte Einkommen aus
selbständiger Erwerbstätigkeit dem Geschäftsort A zur Besteuerung zuzuweisen. Mit
Entscheid vom 30. Mai 2012 wies das kantonale Steueramt die Einsprache ab.
B.- Gegen den Einsprache-Entscheid erhoben X und YZ mit Eingabe ihrer Vertreterin
vom 29. Juni 2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, bei
der Besteuerung des Miet- und Verkehrswerts sei auf die Schätzung vom 26. April
2000 abzustellen und bei der Ausscheidung seien die Einkünfte aus selbständiger
Erwerbstätigkeit vollumfänglich am Geschäftsort A zu versteuern. Die Vorinstanz
beantragte mit Vernehmlassung vom 14. August 2012 die kostenfällige Abweisung des
Rekurses. Die Rekurrenten erhielten Gelegenheit zur Stellungnahme, verzichteten
jedoch darauf. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer
Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 29. Juni 2012 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Umstritten ist einerseits die Höhe des Miet- und des Verkehrswerts des im
Eigentum des Rekurrenten stehenden Grundstücks Nr. 1719 (Grundbuch B) mit dem
Gebäude Nr. 835.
a) Die Rekurrenten machen geltend, gemäss geltender Praxis würden die
Liegenschaften im Kanton St. Gallen alle zehn Jahre neu geschätzt. Dass die
Schätzung statt im Jahr 2010 erst im Jahr 2011 vorgenommen worden sei, habe die
Vorinstanz zu verantworten. Der Turnus von zehn Jahren bringe eine gewisse
Steuersicherheit für den Steuerpflichtigen mit sich. Unter dem Aspekt des
Vertrauensschutzes sei es mehr als fragwürdig, wenn die Schätzung vom 19. Januar
2011 rückwirkend auf die Steuerperiode angewendet werde.
Dem hält die Vorinstanz entgegen, mangels Vertrauensbetätigung seitens der
Steuerpflichtigen sei nicht ersichtlich, inwiefern ein Anwendungsfall des
Vertrauensschutzes vorliegen solle. Die Neuschätzung vom 19. Januar 2011 sei um
46% (Eigenmietwert) bzw. 36% (Verkehrswert) höher als jene aus dem Jahr 2000. Im
umgekehrten Fall (bei tieferer Schätzung) wäre ebenfalls der neue tiefere Wert zur
Veranlagung herangezogen worden. Eine Ungleichbehandlung mit anderen
Steuerpflichtigen liege sodann nicht vor. Bis zum 19. Januar würden jeweils noch keine
Veranlagungen für das Vorjahr vorgenommen. Massgebend für die Schätzung der
Grundstückwerte sei der Marktwert. Es treffe nicht zu, dass eine Schätzung zehn Jahre
lang Gültigkeit entfalte. Aus dem Wortlaut "in der Regel" in Art. 6 GGS könne keine
Verbindlichkeit der Schätzung abgeleitet werden. Vielmehr handle es sich beim 10-
Jahres-Turnus um die Vorgabe, dass Liegenschaften im Kanton St. Gallen alle zehn
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Jahre neu geschätzt werden müssten. Lege man diesen Turnus streng aus, hätte die
Neuschätzung der Liegenschaft des Rekurrenten ohnehin im Jahr 2010 vorgenommen
werden müssen. Die Schätzung sei nur 19 Tage nach dem für die Veranlagung 2010
massgebenden Stichtag vorgenommen worden. Es erscheine unwahrscheinlich, dass
zwischen dem Stichtag 31.12.2010 und dem Schätzungsdatum 19.01.2011 massive
wertvermehrende Investitionen getätigt worden seien. Es sei nicht erkennbar, weshalb
diese Neuschätzung nicht marktgerecht für das Jahr 2010 sein solle.
b) Das steuerbare Einkommen bemisst sich nach den Einkünften in der Steuerperiode
(Art. 67 Abs. 1 StG). Steuerbar sind die Erträge aus unbeweglichem Vermögen,
insbesondere der Mietwert von Grundstücken, soweit sie dem Steuerpflichtigen
aufgrund von Eigentum oder aufgrund eines unentgeltlichen Nutzungsrechts für den
Eigengebrauch zur Verfügung stehen (Art. 34 Abs. 1 lit. b StG). Der Mietwert entspricht
dem mittleren Preis, zu dem Grundstücke gleicher oder ähnlicher Grösse, Lage und
Beschaffenheit in der betreffenden Gegend vermietet werden (Art. 34 Abs. 2 StG). Der
Mietwert nach Art. 34 Abs. 1 lit. b StG wird im Verfahren nach dem Gesetz über die
Durchführung der Grundstückschätzung (sGS 814.1, abgekürzt: GGS) ermittelt (Art. 14
Abs. 1 Satz 1 der Steuerverordnung, sGS 811.11, abgekürzt: StV).
Gemäss Art. 68 Abs. 1 StG bemisst sich das steuerbare Vermögen nach dem Stand
am Ende der Steuerperiode. Das Vermögen wird gemäss Art. 54 StG grundsätzlich
zum Verkehrswert bewertet, wobei der Verkehrswert von Grundstücken dem mittleren
Preis entspricht, zu dem Grundstücke gleicher oder ähnlicher Grösse, Lage und
Beschaffenheit in der betreffenden Gegend veräussert werden (Art. 57 Abs. 1 StG). Der
Verkehrswert nach Art. 57 Abs. 1 StG wird gemäss Art. 30 Abs. 1 Satz 1 StV im
Verfahren nach dem Gesetz über die Durchführung der Grundstückschätzung ermittelt.
Die Regierung regelt die Schätzung des Verkehrswertes durch Verordnung (Art. 57
Abs. 2 StG).
Nach Art. 7 der Verordnung über die Durchführung der Grundstückschätzung (sGS
814.11, abgekürzt: VGS) werden die Steuerwerte, wozu bei nichtlandwirtschaftlichen
Grundstücken der Miet- und der Verkehrswert im Sinn von Art. 34 Abs. 1 bzw. Art. 57
Abs. 1 StG gehören, entsprechend den Verhältnissen im Zeitpunkt der
Grundstückschätzung ermittelt. Rechtskräftige Grundstückwerte sind gemäss
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Art. 178 Abs. 2 StG für die Veranlagung der laufenden Steuerperiode verbindlich (vgl.
VRKE I/1-2012/149 vom 30. August 2012 in Sachen I.K., S. 3 f.).
c) Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist unbestritten, dass sich der amtlich
geschätzte Mietwert des Grundstücks Nr. 1719 (Grundbuch B) am 31. Dezember 2010
entsprechend der Schätzung vom 26. April 2000 auf Fr. 13'200.-- und der amtlich
geschätzte Verkehrswert auf Fr. 340'000.-- beliefen. Art. 14 Abs. 1 Satz 2 bzw. Art.
30 Abs. 1 Satz 2 StV beschränken die Möglichkeit, vom amtlich geschätzten Miet-
bzw. Verkehrswert ohne Neubeurteilung der Schätzung abzuweichen, auf die
Anpassung an die Entwicklung der Marktpreise, wenn sich diese im Vergleich zum
Stand der letzten Wertermittlung um mehr als zehn Prozent verändert haben. Ohne
eine Neuschätzung kann zudem bei Neu-, Um- und Ausbauten beim Verkehrswert ein
Zuschlag zur geltenden Schätzung in der Höhe von 80 Prozent der Kosten
vorgenommen werden. Die Vorinstanz beruft sich zur Begründung der Erhöhung des
Verkehrswertes per 31. Dezember 2010 zu Recht nicht auf Art. 14 Abs. 1 Satz 2 bzw.
Art. 30 Abs. 1 Satz 2 StV; das Instrumentarium zur Bestimmung der Entwicklung der
Marktpreise ist noch nicht geschaffen. Mangels Neu-, Um- und Ausbauten steht auch
ein Baukostenzuschlag zur geltenden Schätzung nicht in Frage.
Die Vorinstanz stützt sich bei der Festlegung des Verkehrswertes zwar auf einen
amtlich geschätzten Verkehrswert. Diese Schätzung wurde jedoch erst am 19. Januar
2011 und damit nach dem für die Bemessung der Einkünfte bzw. des Vermögens
massgebenden Zeitpunkt, der Steuerperiode 2010 bzw. dem Ende der Steuerperiode
am 31. Dezember 2010, durchgeführt. Sie bezieht sich – entsprechend der Vorgabe in
Art. 7 VGS, der keine Schätzung eines früheren Zustandes vorsieht – auf den Zeitpunkt
der Schätzung, mithin nicht auf die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode. Eine
rückwirkende Anwendung des am 19. Januar 2011 geschätzten neuen amtlichen
Mietwerts von Fr. 19'278.-- bzw. Verkehrswertes von Fr. 463'000.-- zur Ermittlung des
steuerbaren Einkommens und Vermögens entspricht damit nicht den dargelegten
Rechtsgrundlagen. Insbesondere steht ihr der klare Wortlaut von Art. 178 Abs. 2 StG
entgegen. Die rückwirkende Berücksichtigung neuer amtlicher Schätzungen würde
zudem in verschiedener Hinsicht Unsicherheiten schaffen. Insbesondere würde sich die
Frage nach der zeitlichen Beschränkung der Rückwirkung stellen. Sodann wäre zu
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berücksichtigen, ob zwischen der neuen Schätzung und dem Ende der Steuerperiode
den Verkehrswert beeinflussende Änderungen am Grundstück eingetreten sind.
d) Da die Steuerrechtsordnung weder die Schätzung eines früheren Zustandes noch –
umgekehrt – die rückwirkende Berücksichtigung eines späteren Miet- oder
Verkehrswertes vorsieht, erweist sich der Rekurs in diesem Punkt als begründet. Der
Ertrag aus Eigennutzung ist auf Fr. 9'240.-- herabzusetzen (Fr. 13'200.-- abzüglich
30% [Fr. 3'960.--]), womit das steuerbare Einkommen für 2010 neu Fr. 127'000.--
beträgt. Unter Berücksichtigung des Verkehrswerts der Liegenschaft von Fr. 340'000.--
vermindert sich das steuerbare Vermögen auf Fr. 26'000.--.
3.- Weiter rügen die Rekurrenten die Steuerausscheidung zwischen den Gemeinden B
und A.
a) Sie bringen vor, die Rekurrentin betreibe ihre Einzelfirma ausschliesslich in A. Ihr
zivilrechtlicher Wohnsitz befinde sich in B. Nach geltender interkantonaler
Rechtsprechung sei das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit, das am
Geschäftsort mit ständigen Einrichtungen erzielt werde, und das dieser Tätigkeit
dienende bewegliche Vermögen ausschliesslich am Geschäftsort zu versteuern. Die
selbständige Erwerbstätigkeit ausserhalb des Hauptsteuerdomizils begründe für das
Geschäftseinkommen und das Geschäftsvermögen ein Spezialsteuerdomizil. Im
Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden (abgekürzt: StHG, SR 642.14) seien die gesetzlichen Grundlagen geregelt.
Nach Art. 1 Abs. 3 StHG sei insbesondere die Bestimmung der Steuertarife,
Steuersätze und Steuerfreibeträge Sache der Kantone. Die in Art. 89 StV vorgesehene
von der erwähnten Rechtsprechung abweichende Zuteilung des Einkommens aus
selbständiger Erwerbstätigkeit falle nicht darunter. Es könne davon ausgegangen
werden, dass interkantonales Steuerrecht dem interkommunalen vorgehe.
Die Vorinstanz macht geltend, die Zuteilung der selbständigen Erwerbseinkünfte sei
nach Art. 89 Abs. 2 StV vorzunehmen, wonach bei Inhabern von Einzelunternehmungen
die Hälfte der Einkünfte jener Gemeinde zugewiesen werde, in welcher diese kraft
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig seien.
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b) Nach Art. 234 Abs. 1 StG erfolgt eine Steuerausscheidung zwischen gleichartigen
Gemeinden, wenn ein Steuerpflichtiger ausserhalb der Wohnsitzgemeinde
Geschäftsbetriebe oder Betriebsstätten unterhält oder an Grundstücken Eigentum,
dingliche Rechte oder diesen wirtschaftlich gleichkommende persönliche
Nutzungsrechte hat. Die Steuerausscheidung wird durch Verordnung geregelt (Art. 234
Abs. 2 StG). Das Steueramt der Wohnsitzgemeinde nimmt die Steuerausscheidung vor
und eröffnet sie dem Steuerpflichtigen und den beteiligten Gemeinden (Art. 235 Abs. 1
StG). Sowohl der Steuerpflichtige als auch die beteiligten Gemeinden können gegen
die Ausscheidung innert 30 Tagen beim Gemeindesteueramt der Wohnsitzgemeinde
Einsprache erheben (Art. 235 Abs. 2 StG).
c) Die Ausscheidung der Steuerfaktoren auf die beteiligten Gemeinden ist folglich
Gegenstand einer besonderen Verfügung und nicht Bestandteil der Veranlagung. Die
innerkantonale Steuerausscheidung kann erst vorgenommen werden, wenn das im
Kanton steuerbare Einkommen und Vermögen feststehen. Zudem liegt die
Zuständigkeit, über Einsprachen gegen die innerkantonale Steuerausscheidung zu
entscheiden, beim Gemeindesteueramt und nicht bei der Vorinstanz bzw. der
Veranlagungsbehörde.
Die Rekurrenten haben zusammen mit der Veranlagung die umstrittene
Steuerausscheidung zwischen der Wohnsitzgemeinde B und dem Geschäftsort A
erhalten (act. 6/II.14 und II.15). Im Veranlagungsprotokoll auf dem
Steuererklärungsformular (S. 1 unten) ist sowohl beim Einkommen wie auch beim
Vermögen nur der in der Wohnsitzgemeinde B steuerbare Anteil vermerkt, und zwar in
der Rubrik der Veranlagung wie auch in jener des Einsprache-Entscheids. Im Dispositiv
des Einsprache-Entscheids sind jedoch die gesamten im Kanton steuerbaren Faktoren
aufgeführt. Die Ausscheidung wurde offenbar gleichzeitig mit der Veranlagung