Decision ID: be5859ac-412f-455a-b09f-babca141be45
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Karin Bürki, Auerstrasse 2, Postfach 91,
9435 Heerbrugg,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Die 1971 geborene C._ meldete sich am 8./10. November 2004 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Rente. Sie
erklärte, sie sei 1987 in die Schweiz gekommen, sei Mutter zweier Kinder (geb. 1995
und 1999) und habe bis 2001 als Arbeiterin und im Jahr 2003 während etwa fünf
Wochen als Aushilfskraft gearbeitet. Seit 2001 leide sie an Rückenschmerzen,
Schwindel und Nervosität.
A.b Die A._ AG gab in ihrer Arbeitgeberbescheinigung vom 23. November 2004 an,
die Versicherte habe vom 10. Juli bis 10. August 2003 und vom 25. September bis
18. Oktober 2003 in einem befristeten Ferienaushilfevertrag als Reinigerin gestanden
und würde gegenwärtig einen Stundenlohn von Fr. 16.-- zuzüglich 8.33 % verdienen.
A.c Der Arbeitgeberbescheinigung der B._ AG vom 22. Dezember 2004 war zu
entnehmen, dass die Versicherte vom 1. Februar 2000 bis 30. November 2001 als
Betriebsmitarbeiterin beschäftigt gewesen und ihr wegen ungenügender
Arbeitsleistung gekündigt worden sei. Ihr letzter effektiver Arbeitstag sei der
15. Oktober 2001 gewesen. Im Jahr 2000 habe sie einen Verdienst von Fr. 43'154.80
und 2001 einen solchen von Fr. 38'156.55 erzielt. Der Monatslohn würde gegenwärtig
Fr. 3'484.-- ausmachen.
A.d Dr. med. D._, Allgemeinmedizin FMH, gab in seinem Arztbericht vom
27. Dezember 2004 bekannt, eine Arbeitsunfähigkeit bestehe nach seiner Auffassung
nicht. Es lägen - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - Adipositas und rezidivierende
Rückenschmerzen lumbal vor. Die Abklärung der Rentenfrage sei durch den Psychiater
vorgeschlagen worden. Er selber sehe aber keine diesbezügliche psychische
Erkrankung, derentwegen die Versicherte nicht arbeiten könnte. Sie sei eingeschränkt
durch die schwere Adipositas und die damit verbundene allgemeine Schwäche und die
sporadischen Rückenschmerzen. In der Beilage fand sich ein Bericht von Dr. med.
H._, FMH Innere Medizin und Pneumologie, vom 9. Januar 2004 über eine
pneumologische Abklärung wegen Atembeschwerden und Husten. Der Arzt hatte den
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Verdacht auf ein hyperreaktives Bronchialsystem geäussert und eine Sensibilisierung
gegen Milben und Küchenschaben festgestellt. Persistiere die anamnestisch
vorliegende depressive Verstimmung, sei an ein OSAS (Obstruktives Schlafapnoe-
Syndrom) oder ähnliche Schlafstörungen zu denken.
A.e Die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie (FSP; Dr. med. E._)
berichtete am 20. Juli 2005, es liege bei der Versicherten seit ca. drei Jahren eine
Somatisierungsstörung vor, die von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei. Es handle sich
um ein zunehmendes Beschwerdebild mit teilweise wechselnden körperlichen
Symptomen, depressiven Verstimmungen, Reizbarkeit und Störungen im sozialen
Verhalten. Im September 2003 sei die Versicherte durch den Hausarzt zur Behandlung
angemeldet worden. Sie sei seit Oktober 2003 zu 100 % arbeitsunfähig. Bei jeder
Anstrengung verstärke sich das Beschwerdebild (Schmerzen, Schwindel usw.) und
anschliessend trete eine langdauernde Erschöpfung ein. Auch eine andere als die
bisherige Tätigkeit sei nicht zumutbar. Die Beschwerden seien unabhängig von der Art
der Beschäftigung.
A.f Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung (Dr. med. F._)
befürwortete am 13. September 2005 eine Begutachtung.
A.g Im Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 21. November 2006 wurden als
Hauptdiagnosen eine komplexe Somatisierungsstörung, nächtliche Panikattacken und
eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ bezeichnet. Eine
schwerwiegende gesundheitliche Störung liege nicht vor. Die Versicherte sei nicht im
eigentlichen Sinne krank bzw. schwerwiegend somatisch erkrankt, sondern sie sei als
eine durch die Vielfalt ihrer sozialen und familiären Probleme überforderte Frau zu
betrachten. Sie bedürfe nicht in erster Linie medizinischer Behandlung, sondern einer
ständigen Sozialberatung, daneben einer geduldigen hausärztlichen Führung. Sie
müsse unbedingt Eigeninitiative entwickeln, ihr Gewicht drastisch reduzieren und eine
Aufbau-Gymnastik betreiben. In allen früher ausgeübten ausserhäuslichen und
sämtlichen heutzutage durch eine Frau ausgeübten Tätigkeiten sei die Versicherte zu
70 % arbeitsfähig und im eigenen Haushalt voll arbeitsfähig, und zwar ab dem
16. Oktober 2006.
A.h Der RAD schätzte den Beginn der Arbeitsunfähigkeit von 30 % auf Oktober 2003.
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A.i Mit Vorbescheid vom 13. März 2007 stellte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
des Kantons St. Gallen der Versicherten eine Abweisung des Gesuchs bei einem
Invaliditätsgrad von 30 % in Aussicht. Ein Rentenanspruch bestehe nicht.
A.j Die Versicherte liess am 5. April 2007 einwenden, es gebe für sie keine
leidensangepasste Tätigkeit. Sie sei gänzlich arbeitsunfähig, wie es ihr der
behandelnde Arzt attestiere. Es bestehe daher Anspruch auf eine ganze Rente bei einer
Invalidität von 100 %.
A.k Mit Verfügung vom 10. Mai 2007 wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle den
Anspruch der Versicherten ab. Sie erleide keine rentenbegründende Erwerbseinbusse,
da sie gemäss dem Gutachten zu 70 % arbeitsfähig sei.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Karin Bürki für die
Betroffene am 11. Juni 2007 erhobene Beschwerde. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sei eine Rente zuzusprechen, eventualiter sei ein Gutachten eines
Facharztes für Psychiatrie einzuholen; der Beschwerdeführerin sei ferner die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Aus eigener und der Sicht des sie seit
Januar 2004 behandelnden Arztes Dr. E._ sei die Beschwerdeführerin zu 100 %
arbeitsunfähig. Der psychiatrische Gutachter (Dr. med. G._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie) habe festgehalten, die Untersuchung stimme mit der
Aktenlage
- insbesondere dem Bericht von Dr. E._ - überein, sei aber trotzdem zur Ansicht
gelangt, die Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung seien "eher nicht" erfüllt. Er
sei sich dieser Diagnose also nicht sicher. Ohne Beachtung des Berichts von Dr. E._
stelle die Beschwerdegegnerin auf das Gutachten ab. Sie habe ausser Betracht
gelassen, dass die Beschwerdeführerin monatlich bei Dr. E._ in Therapie stehe, dass
ein Vertrauensverhältnis aufgebaut sei und der Arzt schon seit mehreren Jahren den
Krankheitsverlauf mitbeobachten könne und die Unzumutbarkeit einer Arbeit sehe,
während es nicht möglich sei, in einer oder zwei Begutachtungsstunden ein
umfassendes Bild des psychiatrischen Zustands zu erstellen. Die Beschwerdeführerin
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sei massiv reizempfindlich, nervös und aggressiv. Das führe zur Arbeitsunfähigkeit. Der
psychiatrische Gutachter attestiere der Beschwerdeführerin ausserdem auch
körperliche Beschwerden, die er aber bei der psychiatrischen Beurteilung ausser Acht
lasse. Der rheumatologische Gutachter habe die Beschwerdeführerin nur aus der Sicht
seiner Disziplin begutachtet. Eine Gesamtbegutachtung, welche die infolge der
psychischen Beschwerden auftretenden körperlichen Beschwerden (Atemnot,
empfindungsloser linker Arm, Stechen im linken Arm, Schwindel, Übelkeit,
Kopfschmerzen usw.) mitberücksichtigt hätte, habe nicht stattgefunden. Der
angefochtene Entscheid sei nicht nachvollziehbar; die Beschwerdegegnerin setze sich
mit den unterschiedlichen Ergebnissen nicht auseinander. Sollte sich das Gericht nicht
auf einen Invaliditätsgrad festlegen können, werde das Einholen eines weiteren
Arztberichts beantragt. Die Beschwerdeführerin wäre auch bereit, den behandelnden
Arzt zu wechseln. Allerdings setze eine richtige Beurteilung des Leidens und der
Arbeitsunfähigkeit mehrere Konsultationen bzw. einen regelmässigen Kontakt voraus.
Eine einmalige Konsultation genüge hierzu nicht.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 10. August 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Der Meinung der neutralen MEDAS-Experten sei ein
grösserer Stellenwert beizumessen als derjenigen des erfahrungsgemäss nicht ganz
unbefangenen behandelnden Psychiaters, der aufgrund der Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zugunsten seiner Patienten aussage. Ein behandelnder Arzt wie
Dr. E._ habe nicht die Stellung eines Sachverständigen, sondern einer
Auskunftsperson. Im Übrigen gebe der Hausarzt gar keine Arbeitsunfähigkeit an. Es sei
auf das MEDAS-Gutachten abzustellen.
D.
Mit Replik vom 3. September 2007 bringt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
vor, ein Vorrang eines Beweismittels sei in Art. 43 ATSG nicht vorgesehen. Wenn
lediglich zwei fachärztliche Berichte vorlägen und diese erheblich voneinander
abweichen würden, dürfe nicht ohne weiteres auf das Gutachten abgestützt werden.
Dass Dr. E._ nicht unabhängig sei und im Zweifel zugunsten der Beschwerdeführerin
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aussage, halte nicht stand. Die längere Begleitung, die eingehende Kenntnis der
Krankengeschichte und der enge direkte Kontakt ermöglichten einem behandelnden
Arzt eine bessere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und der Langzeitprognose als die
kurze gutachterliche Untersuchung. Wenn der behandelnde Arzt an der Schätzung
einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % in Kenntnis des Gutachtens festhalte, werde das
seinen Grund haben. Der MEDAS-Gutachter habe lediglich eine Momentaufnahme an
einem einzigen Tag zu sehen bekommen. Die Beschwerdegegnerin habe es nicht
einmal für nötig befunden, von Dr. E._ einen aktuellen Arztbericht einzuholen; der
letzte Bericht liege mehr als zwei Jahre zurück (20. Juli 2005). Dies sei nachzuholen
und gegebenenfalls sei die Beschwerdeführerin von einem unabhängigen Dritten
nochmals untersuchen zu lassen. Bei letzterem sei zu beachten, dass die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit nicht nach einem einzigen Gespräch, sondern erst dann erfolge,
wenn eine mehrmalige Behandlung erfolgt sei. Es bestehe keine gesetzliche Grundlage
dafür, allein auf das Gutachten abzustellen. Hiefür sei die Diskrepanz zwischen den
Aussagen von Dr. E._ und des psychiatrischen Gutachters zu gross.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 7. September 2007 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Da vorliegend ein Sachverhalt zu beurteilen ist, wie er sich bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung am 10. Mai 2007 entwickelt hat, sind die am 1. Januar 2008
in Kraft getretenen Änderungen der massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen nicht
anwendbar.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin das
Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin abgelehnt. Die Beschwerdeführerin lässt in
diesem Verfahren - wie bereits bei der Anmeldung - einzig Rentenleistungen
beantragen. Streitgegenstand bildet daher der allfällige Rentenanspruch. Ergäbe sich
allerdings, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein solcher in Frage stünde, so
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gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung
den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der
Beschwerdeführerin zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in
der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch
tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über die
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
2.3 Den medizinischen Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin über
eine Fülle von verschiedenen Beschwerden klagt (act. 13-2/6). Die körperliche
Symptomatik sei beinahe grenzenlos vielfältig (act. 21-15/18). In somatischer Hinsicht
liegt nach Angaben von Dr. D._ keine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende
Erkrankung vor, allerdings bestünden eine Adipositas und rezidivierende lumbale
Rückenschmerzen. Bei der Begutachtung wurde rheumatologisch ein generalisiertes,
diffuses, therapierefraktäres Ganzkörperschmerzsyndrom ohne entsprechendes
Korrelat am Bewegungsapparat diagnostiziert. Es liege eine leichte Fehlstatik vor.
Insgesamt sei das Krankheitsbild von rheumatologischer Seite nicht erklärbar. Die
Adipositas sei morbid, aber ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Aus somatischer
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Sicht ist die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nach übereinstimmender
ärztlicher Auffassung nicht eingeschränkt.
2.4 Was den psychiatrischen Aspekt betrifft, besteht nach Auffassung des Hausarztes
keine die Arbeitsfähigkeit einschränkende Störung. Die Fachärzte - der behandelnde
Arzt der FSP und der begutachtende Psychiater - haben allerdings übereinstimmend
die Diagnose einer Somatisierungsstörung erhoben, das Gutachten präzisierend eine
komplexe Somatisierungsstörung. Das Gutachten benennt daneben nächtliche
Panikattacken und eine emotional instabile Persönlichkeitsstruktur vom impulsiven Typ
mit chronifiziertem generalisiertem diffusem Ganzkörperschmerzsyndrom ohne
adäquates Korrelat am Bewegungsapparat. Die Beurteilungen der Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin gehen jedoch (mit 100 % und 30 %) weit auseinander.
2.5 Die Beschwerdegegnerin stellt auf das Ergebnis der Begutachtung ab, die
Beschwerdeführerin beruft sich auf die Einschätzung der FSP. Liegen - wie hier -
unterschiedliche ärztliche Beurteilungen vor, so hat der Sozialversicherungsrichter
aufgrund des im Sozialversicherungsrecht geltenden Grundsatzes der freien
Beweiswürdigung (BGE 125 V 352 E. 3a) alle Beweismittel, unabhängig davon, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Gutachten und
Berichte Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 352 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb; Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S G. vom 4. September 2006, I 713/05). Es geht aber nicht an,
den Aussagen des Hausarztes ohne nähere und unter dem Gesichtspunkt des
Willkürverbotes haltbare Begründung die Glaubwürdigkeit von vornherein
abzusprechen (Entscheid des Schweizerischen Bundesgerichts vom 21. Dezember
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2005, 4P.254/2005), ebenso wenig jenen eines behandelnden Spezialarztes (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S V. vom 16. Mai 2007).
2.6 Das vorliegende Gutachten basiert auf einer Kenntnisnahme von den Vorakten
(insbesondere einschliesslich des Berichts der FSP, ferner etwa von Berichten über
eine kardiologische und über eine neurologische Abklärung). Es wurde ausserdem
unter anderem die Familien-, Sozial- und Berufsanamnese erhoben. Auch die geklagten
Beschwerden wurden detailliert aufgenommen. Die Befunderhebung erstreckte sich auf
den Allgemeinstatus und es fanden ein rheumatologisches und ein psychiatrisches
Konsilium statt. Die Schlussfolgerung wurde in einer Schlussbesprechung gezogen, an
welcher ein Internist, welcher die Anamnese und den Allgemeinstatus erhoben hatte,
und ein Rheumatologe (nicht der Konsiliarius), nicht aber der Psychiater beteiligt waren.
Dabei wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in einer schweren, alltäglichen,
chronischen Überforderungs- und Belastungssituation stehe, indem offenbar
schwierige Familien- und Sozialverhältnisse in der Kindheit mit diversen
Entwurzelungen, ausserdem eine schwierige psychosoziale Situation in der Ehe
(arbeitsunfähiger Ehemann), und schliesslich eine schwere Belastung durch die
Situation der in der Entwicklung retardierten und sonderschulbedürftigen Tochter
bestünden. Die Beschwerdeführerin stehe somit unter täglichem Druck und Stress. Sie
sei aber nicht eigentlich krank und bedürfe nicht in erster Linie des Arztes, sondern
einer ständigen Sozialberatung. Wie der psychiatrische Gutachter dafürgehalten hatte,
wurde den erhobenen psychiatrischen Diagnosen in der Gesamtbeurteilung eine
Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten von 30 % zugeordnet.
2.7 Die FSP anderseits gelangte wie erwähnt zur Einschätzung, die
Beschwerdeführerin sei nicht mehr arbeitsfähig. Die Beurteilung stützt sich nicht auf
eine umfassende Aktenkenntnis und ist nicht im interdisziplinären Zusammenwirken
zustande gekommen. Stattdessen beruht sie aber auf einer Beobachtung der
Beschwerdeführerin über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Beschwerdeführerin war
damals knapp eineinhalb Jahre lang in Intervallen von drei bis vier Wochen behandelt
worden. Dies brachte den Vorteil, die gesundheitliche Situation (im Unterschied zum
Gutachten) an mehreren Tagen und im Zeitablauf beobachten zu können. Das
Eidgenössische Versicherungsgericht hat in diesem Sinn festgehalten, der Richter
könne [unter Umständen] auf die speziellen, etwa dank der langjährigen Betreuung nur
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einem Hausarzt zugänglichen Kenntnisse des Gesundheitszustandes eines
Versicherten abstellen (nicht veröffentlichter Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 255/96, zit. in 4P.254/2005). Anderseits hat ein behandelnder
Arzt eine wesentlich andere Sicht auf seinen Patienten als ein Gutachter auf eine
versicherte Person, weil sein Auftrag ein therapeutischer ist. Der Arzt konzentriert sich
auf die Behandlung. Er steht zudem zum Patienten in einem Vertrauensverhältnis. Nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu
tragen, dass es dieser auftragsrechtlichen Vertrauensstellung wegen mitunter
vorkommt, dass behandelnde Ärzte in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (so etwa der Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C.
vom 6. Dezember 2006, I 329/06; BGE 125 V 353 E. 3b/cc; vgl. Ulrich Meyer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 229 f.). Bei behandelnden Ärzten
muss auch damit gerechnet werden, dass sie sich durch die "Macht des Faktischen"
von der pessimistischen subjektiven Einstellung ihrer Patienten überzeugen lassen (so
der nicht veröffentlichte Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/
S A.M.-C. vom 27. März 2003). Der Arztbericht der FSP fällt durch seine detaillierte
Wiedergabe der angegebenen Beschwerden der Beschwerdeführerin auf, was aus der
Behandlungssituation heraus verstanden werden muss. Dass dadurch eine
vollständige, jede Tätigkeit betreffende Arbeitsunfähigkeit bewirkt sei, dass jede
Anstrengung das Beschwerdebild verstärke und zu einer anschliessenden
langdauernden Erschöpfung führe, erscheint aufgrund der erhobenen Befunde als
wenig nachvollziehbar. Die Einschätzung des Gutachtens geht von einer
Überforderungssituation der Beschwerdeführerin aus. Ihre Arbeitsfähigkeit
einschränkend wirkt sich eine psychische Störung von Krankheitswert, nämlich die
Somatisierungsstörung, aus. Daneben wurde die (dringende) Verdachtsdiagnose einer
Persönlichkeitsstörung (emotional instabil, vom impulsiven Typus) gestellt. Es wird im
Teilgutachten nachvollziehbar dargelegt, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
sich auf die multiplen körperlichen Beschwerden, die emotionelle Instabilität und die
geringe Stress- und Frustrationstoleranz zurückführen lasse. Hierauf kann abgestellt
werden. Insgesamt ist dem Ergebnis der Gesamtbeurteilung der eigens dafür
spezialisierten Fachstelle der Invalidenversicherung der Vorrang einzuräumen.
3.
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In erwerblicher Hinsicht kann mit der Beschwerdegegnerin davon ausgegangen
werden, dass die Arbeitsunfähigkeit von 30 % in jeglicher Erwerbstätigkeit nicht zu
einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad führt. Denn es rechtfertigt sich, sowohl das
Validen- wie das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin auf der Grundlage der
Tabellenlöhne zu bestimmen, waren die Einkünfte aus den verschiedenen Anstellungen
doch allzu unterdurchschnittlich. Mit einem Abzug von 10 % von diesen statistischen
Einkommen (weil diese Zahlen von gesunden Arbeitskräften erhoben werden) zur
Bemessung des Invalideneinkommens ergibt sich eine invaliditätsbedingte Einbusse
lediglich von 37 %, sodass kein Rentenanspruch besteht.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Der
Beschwerdeführerin wurde am 19. Juni 2007 die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung bewilligt. Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind zwar die
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher
Rechtspflege ist sie jedoch von der Bezahlung zu befreien. Wenn ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse es ihr gestatten, kann sie allerdings zur Nachzahlung der Gerichtskosten,
der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten Parteikosten
verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
4.3 Der Staat ist zufolge der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für
die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Der
Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Diese ist in
Anwendung von Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) um
einen Fünftel auf Fr. 2'800.-- zu reduzieren.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG