Decision ID: 992b350e-cbba-58fb-b52d-6b6c48f9beec
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 22. April 2021 reichte A._ (nachfolgend: Gesuchsteller) bei
der Eidgenössischen Zollverwaltung (nachfolgend: EZV), Abteilung Alkohol
und Tabak, mit den vorgesehenen offiziellen Formularen der EZV je ein
Gesuch für eine Lohnbrennereikonzession sowie für den Erwerb eines
Brennapparats ein. Er wolle nach seiner Frühpensionierung sein langjähri-
ges Hobby als Winzer und Kleinproduzent ausbauen und mit einer kleinen
Lohnbrennerei Obst und Früchte verwerten, die von Bekannten aus der
Umgebung angebaut würden.
A.b Am 1. Juli 2021 lehnte die EZV, Direktionsbereich Grundlagen, Sektion
Spirituosensteuer (nachfolgend: S SPIR), beide Gesuche ab. Aufgrund hin-
reichender Anzahl Lohnbrennereien in der Umgebung des Gesuchstellers
bestehe kein wirtschaftliches Bedürfnis für eine Lohnbrennereikonzession.
Bei veränderter Situation – wenn z.B. eine bestehende Lohnbrennerei die
Brenntätigkeit aufgebe – könne das wirtschaftliche Bedürfnis erneut ge-
prüft werden. Zudem könne er innert 30 Tagen eine mit Einsprache an-
fechtbare Verfügung verlangen.
A.c Mit E-Mail vom 20. Juli 2021 verlangte der Gesuchsteller von der S
SPIR eine anfechtbare Verfügung.
A.d Mit Verfügung vom 23. Juli 2021 hielt die S SPIR an der Ablehnung der
Gesuche für eine Lohnbrennereikonzession sowie für den Erwerb eines
Brennapparats fest.
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 23. Juli 2021 reichte der Gesuchsteller am
25. August 2021 schriftlich Einsprache bei der Oberzolldirektion (nachfol-
gend: OZD), Sektion Recht, Dienst Beschwerdewesen, ein. Zur Begrün-
dung führte er an, dass eine von ihm durchgeführte und der Einsprache
beigelegte Umfrage bei Landwirten und Kleinproduzenten in und um sei-
nen Wohnort (...) (nachfolgend: Wohnort) belege, dass die Lohnbrennerei
einem Bedürfnis entspreche.
B.b Mit Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2021 wies die OZD, Direkti-
onsbereich Grundlagen, Sektion Recht, die Einsprache ab. Im Umkreis von
20 km Radius um den Wohnort des Gesuchstellers gebe es bereits 18
Brennereien. Zudem sei die in Frage stehende Brennmenge des reinen
Alkohols gering. Bei dieser Sachlage bestehe kein wirtschaftliches Bedürf-
A-4911/2021
Seite 3
nis des Landes für eine Lohnbrennereikonzession für den Beschwerdefüh-
rer. Es handle sich bei allem Verständnis für das Hobby des Beschwerde-
führers lediglich um Partikularinteressen.
C.
C.a Dagegen erhob der Gesuchsteller (nachfolgend: Beschwerdeführer)
am 7. November 2021 (eine als «Einsprache» bezeichnete) Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt die Erteilung einer Lohn-
brennerkonzession per August 2022 sowie die Erlaubnis für den Erwerb
eines Brennapparats per Frühling 2022. Aufgrund eigener Recherchen
seien nur 14 Brennereien im Umkreis von 20 km Radius um seinen Woh-
nort angesiedelt und davon lediglich 4 als reine Lohnbrennereien regis-
triert. Dadurch entspreche eine Lohnbrennerei in seinem Wohnort durch-
aus dem wirtschaftlichen Bedürfnis. Im Weiteren verwies er u.a. auf seine
Qualifikation als Brenner nach absolviertem Modulkurs.
C.b In ihrer Vernehmlassung vom 20. Dezember 2021 hält die OZD, Direk-
tionsbereich Grundlagen, Sektion Recht, die beschwerdeführerischen Vor-
bringen zur Anzahl der Lohnbrennereien im Umkreis von 20 km Radius um
den Wohnort des Beschwerdeführers für unbelegt. Sie betrachtet die fach-
liche Qualifikation des Beschwerdeführers als Brenner als nicht relevant.
Die EZV verneint weiterhin das wirtschaftliche Bedürfnis für eine Lohnbren-
nereikonzession für den Beschwerdeführer und schliesst auf Abweisung
der Beschwerde.
C.c Per 1. Januar 2022 wurde die EZV in Bundesamt für Zoll und Grenzsi-
cherheit (BAZG, nachfolgend auch: Vorinstanz) umbenannt.
C.d Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidwe-
sentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt im vorliegenden Fall nicht vor,
und das BAZG ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG (siehe auch die
Liste der Verwaltungseinheiten der Bundesverwaltung im Anhang 1
A-4911/2021
Seite 4
Ziff. V./1.6 zur Regierungs- und Verwaltungsorganisationsverordnung vom
25. November 1998 [RVOV, SR 172.010.1]). Die Zuständigkeit des Bun-
desverwaltungsgerichts zur Behandlung der Beschwerde ist somit gege-
ben.
1.2 Das Verfahren richtet sich gemäss Art. 37 VGG nach den Bestimmun-
gen des VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
1.3 Gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer vor
der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur
Teilnahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung oder Änderung hat (Bst. c). Der Beschwerdeführer erfüllt diese Vo-
raussetzungen und ist entsprechend beschwerdelegitimiert.
1.4 Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50
Abs. 1 VwVG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verlet-
zung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder un-
vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
2.2 Das Verfahren vor dem BAZG wie auch jenes vor dem Bundesverwal-
tungsgericht werden von der Untersuchungsmaxime beherrscht. Danach
muss die entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von
sich aus abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (Art. 1
Abs. 2 Bst. a und cbis i.V.m. Art. 12 VwVG; vgl. Urteil des BVGer A-479/2021
vom 8. September 2021 E. 1.4.1 m.w.H.).
2.3 Die Parteien sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mit-
zuwirken in einem Verfahren, das sie durch ihr Begehren einleiten (Art. 13
Abs. 1 Bst. a VwVG; siehe dazu auch E. 4.3).
2.4 Die Beschwerdeinstanz nimmt jedoch nicht von sich aus zusätzliche
Sachverhaltsabklärungen vor oder untersucht weitere Rechtsstandpunkte,
für die sich aus den vorgebrachten Rügen oder den Akten nicht zumindest
Anhaltspunkte ergeben (BVGE 2010/64 E. 1.4.1; ANDRÉ MOSER/MICHAEL
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
A-4911/2021
Seite 5
gericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.49 ff., 1.54 f., 3.119 ff.). Sodann gilt im Verfah-
ren vor dem Bundesverwaltungsgericht der Grundsatz der freien Beweis-
würdigung. Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid
darüber, ob eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder
nicht. Der Beweis ist geleistet, wenn das Gericht gestützt auf die freie Be-
weiswürdigung zur Überzeugung gelangt ist, dass sich der rechtserhebli-
che Sachumstand verwirklicht hat (BGE 130 II 482 E. 3.2; Urteil des BVGer
A-2244/2020 vom 13. Januar 2022 E. 1.6 m.w.H.).
2.5 Gelangt das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung nicht zum
Ergebnis, dass sich ein rechtserheblicher Sachumstand verwirklicht hat,
kommen die Beweislastregeln zur Anwendung. Gemäss der allgemeinen
Beweislastregel hat, wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, diejenige
Person das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, die
aus ihr Rechte ableitet (Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom
10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210]). Bei Beweislosigkeit ist folglich zu Un-
gunsten derjenigen Person zu entscheiden, welche die Beweislast trägt
(vgl. BGE 144 II 332 E. 4.1.3 und 142 II 433 E. 3.4.2 m.w.H.; BVGE 2012/33
E. 6.2.2; Urteil des BVGer A-429/2021 vom 26. Januar 2022 E. 2 m.w.H.).
2.6
2.6.1 Die von den Verwaltungsbehörden veröffentlichten Broschüren,
Kreisschreiben und Merkblätter stellen lediglich Verwaltungsverordnungen
dar, das heisst generelle Dienstanweisungen, die sich an nachgeordnete
Behörden oder Personen wenden und worin die Verwaltungen ihre Sicht-
weise darlegen. Sie dienen der Sicherstellung einer einheitlichen, gleich-
mässigen und sachrichtigen Praxis des Gesetzesvollzugs (BVGE 2010/33
E. 3.3.1; MARTIN KOCHER, in: Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson [Hrsg.],
Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die
Mehrwertsteuer, 2015, Art. 65 N 31; MICHAEL BEUSCH, Was Kreisschreiben
dürfen und was nicht, in: Der Schweizer Treuhänder 2005, S. 613 ff.). Als
solche sind sie für die als eigentliche Adressaten figurierenden Verwal-
tungsbehörden verbindlich, wenn sie nicht klarerweise einen verfassungs-
oder gesetzeswidrigen Inhalt aufweisen (Urteile des BVGer A-5601/2019
vom 6. Mai 2020 E. 1.7.1, A-2204/2018 vom 16. Dezember 2019 E. 3.2,
A-6253/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 2.6.1; MICHAEL BEUSCH, in: Zwei-
fel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundes-
gesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl. 2017, Art. 102
N 15 ff.).
2.6.2 Nicht verbindlich sind Verwaltungsverordnungen dagegen für die
Justizbehörden, deren Aufgabe es ist, die Einhaltung von Verfassung und
A-4911/2021
Seite 6
Gesetz im Einzelfall zu überprüfen (vgl. BGE 145 II 2 E. 4.3; vgl.
ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor
dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.173 f.). Die Gerichts-
behörden sollen Verwaltungsverordnungen bei ihrer Entscheidung aller-
dings mitberücksichtigen, sofern diese eine dem Einzelfall angepasste und
gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmun-
gen darstellen. Dies gilt umso mehr, als es nicht Aufgabe der Gerichte ist,
als Zweitinterpreten des der Verwaltungsverordnung zugrunde liegenden
Erlasses eigene Zweckmässigkeitsüberlegungen an die Stelle des Voll-
zugskonzepts der zuständigen Behörde zu setzen (vgl. BGE 146 I 105
E. 4.1, 146 II 359 E. 5.3, 141 V 139 E. 6.3.1; BVGE 2010/33 E. 3.3.1,
2007/41 E. 3.3).
3.
3.1 Gemäss Art. 105 BV ist die Gesetzgebung über Herstellung, Einfuhr,
Reinigung und Verkauf gebrannter Wasser Sache des Bundes. Der haupt-
sächliche Zweck der Alkoholordnung liegt im Schutz der öffentlichen Ge-
sundheit (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-477/2018 vom 11. September
2018 E. 2.1 m.w.H.; ebenso bereits in der Botschaft des Bundesrates zum
Entwurf eines Bundesgesetzes über die gebrannten Wasser [Alkoholge-
setz] vom 1. Juni 1931 [nachfolgend: Botschaft zum AlkG 1931], BBl 1931
I 697, 700 f.).
3.2 Seinen gesundheitspolitischen Auftrag erfüllt der Bund insbesondere
durch Reduktion der Nachfrage nach gebrannten Wassern mittels fiskali-
scher Belastung (vgl. Art. 131 Abs. 1 Bst. b BV). Gleichzeitig reguliert er
über das Alkoholmonopol das Angebot (vgl. Urteil des BVGer A-477/2018
vom 11. September 2018 E. 2.3 m.w.H.).
4.
4.1 Nach Art. 3 Abs. 1 des Alkoholgesetzes vom 21. Juni 1932 (AlkG, SR
680) steht das Recht zur Herstellung und zur Reinigung gebrannter Wasser
ausschliesslich dem Bund zu (sog. Alkoholmonopol). Die Ausübung dieses
Rechts wird allerdings genossenschaftlichen und anderen privatwirtschaft-
lichen Unternehmungen durch Brennereikonzessionen übertragen (Art. 3
Abs. 2 AlkG).
4.2 Das System der Konzessionierung erlaubt zum einen eine Herabset-
zung der Zahl der aktiven Brennereien und zum anderen eine bessere
Qualitätskontrolle ihrer Erzeugnisse. Diese Wirkungen wurden bereits an-
lässlich der Schaffung des Alkoholgesetzes als Hauptziele genannt (Bot-
schaft zum AlkG 1931, BBl 1931 I 697, 700; Urteil des BVGer A-477/2018
A-4911/2021
Seite 7
vom 11. September 2018 E. 2.3 m.w.H.). Sodann bedingt die Durchsetzung
des Systems der Konzessionierung eine effiziente Missbrauchsbekämp-
fung. Um eine solche zu gewährleisten, stehen die konzessionspflichtigen
Brennereien unter der Kontrolle des BAZG (Art. 7 Abs. 1 AlkG; vgl. Urteil
des BVGer A-477/2018 vom 11. September 2018 E. 2.3).
4.3 Die Brennereikonzessionen werden auf Gesuch hin durch das BAZG
erteilt und erneuert. Sie sind gebührenfrei (Art. 6 Abs. 1 AlkG). Über die
Erteilung und Erneuerung der Konzession wird eine Urkunde ausgestellt
(Art. 6 Abs. 2 AlkG). Werden Konzessionsbedingungen nicht eingehalten
oder fällt eine Voraussetzung der Konzessionserteilung weg, so kann das
BAZG die Konzession nach Anhörung des Inhabers vor Ablauf der Konzes-
sionsdauer entziehen (Art. 6 Abs. 3 AlkG).
4.4 Nach Art. 5 Abs. 1 AlkG sollen Brennereikonzessionen erteilt werden,
soweit dies den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes entspricht. Hin-
sichtlich der Bedürfnisfrage ist der Verwaltung naturgemäss ein weites Feld
der Würdigung eingeräumt (BGE 100 Ib 176 E. 4 m.w.H.; Urteil des BVGer
A-335/2015 vom 2. Oktober 2015 E. 3.2.1). Die Konzessionen sollen die
rechtzeitige Verwertung der Abfälle und Rückstände des Obst-, Wein- und
Zuckerrübenbaues und der Überschüsse des Obst- und Kartoffelbaues er-
möglichen, soweit diese Rohstoffe nicht anders zweckmässig verwendet
werden können (Art. 5 Abs. 2 AlkG).
4.5 Brennapparate und Brennanlagen dürfen nur mit Bewilligung des
BAZG erworben, aufgestellt, an einen neuen Standort verbracht, ersetzt
oder umgeändert werden (Art. 7 Abs. 3 AlkG). Dies gilt gleichermassen im
Zusammenhang mit Einrichtungen, die zur Herstellung gebrannter Wasser
dienen können und für die keine Konzession besteht, zumal solche Ein-
richtungen ebenfalls der Kontrolle des BAZG unterstehen (Art. 7 Abs. 4
AlkG i.V.m. Art. 15 der Alkoholverordnung vom 15. September 2017 [AlkV,
SR 680.11]; vgl. zum im Wesentlichen gleichlautenden altrechtlichen
Art. 14 der Alkoholverordnung vom 12. Mai 1999 [AS 1999 1731] Urteil des
BVGer A-335/2015 vom 2. Oktober 2015 E. 2.4 m.H.a. die Botschaft des
Bundesrates vom 14. April 1949 zur Revision des AlkG, BBl 1949 I 673,
703).
5.
5.1 Das geltende Alkoholgesetz unterscheidet zwischen «Gewerbebrenne-
reien» (Art. 4 ff. AlkG) – wozu im weiteren Sinne auch die «Lohnbrenne-
reien» (Art. 13 AlkG) gehören – und «Hausbrennereien» (Art. 14 ff. AlkG).
Entsprechend werden gemäss Alkoholverordnung die Konzessionen für
A-4911/2021
Seite 8
das Herstellen oder Reinigen von gebrannten Wassern den Kategorien
«Gewerbebrennerei», «Lohnbrennerei» und «landwirtschaftliche Brenne-
rei» (letzteres gemäss Art. 1 Bst. f AlkV Synonym für «Hausbrennerei»)
zugeordnet (Art. 3 Abs. 1 AlkV). In der jeweiligen Konzession werden ins-
besondere die erlaubten Brennereirohstoffe, die Grösse und die Leistung
der Brennerei sowie allfällige Bedingungen und Auflagen festgelegt (Art. 3
Abs. 2 AlkV). «Brennaufträge» werden in Art. 19 AlkG sowie Art. 7 AlkV
geregelt (Urteil des BVGer A-477/2018 vom 11. September 2018 E. 2.4).
5.2 Bei der «Lohnbrennerei» handelt es sich – wie erwähnt (E. 5.1) – um
eine Form der Gewerbebrennerei. Konzessionen zum Betrieb einer Lohn-
brennerei werden gemäss Art. 13 Abs. 1 AlkG für fahrbare Brennereien,
und nur soweit diese nicht ausreichen oder wo örtliche oder bereits beste-
hende sonstige Verhältnisse es rechtfertigen, auch für feststehende Bren-
nereien erteilt. Lohnbrennereien dürfen, soweit sie nicht eine weitere Kon-
zession gemäss Art. 4 AlkG besitzen, nicht auf eigene Rechnung, sondern
nur kraft Brennauftrags brennen. Ausserdem dürfen sie für ihre Auftragge-
ber nur die in Art. 14 AlkG genannten Rohstoffe verarbeiten (Art. 13 Abs. 2
AlkG). Das Brennerzeugnis ist dem Auftraggeber auszuhändigen (Art. 13
Abs. 3 AlkG). Eine Lohnbrennerei liegt vor, wenn der Brennauftraggeber
wirtschaftlich an den hergestellten Produkten berechtigt bleibt und damit
über das Schicksal der hergestellten Produkte entscheiden kann. Massge-
blich ist damit die wirtschaftliche Sichtweise (Urteil des BVGer
A-7558/2010 vom 24. Mai 2012 E. 4.3).
6.
Im vorliegenden Fall ist streitig und zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Konzession für eine Lohnbrennerei sowie auf den Er-
werb eines Brennapparats hat. Dabei ist der Hauptstreitpunkt das wirt-
schaftliche Bedürfnis für eine solche Lohnbrennereikonzession.
7.
7.1 Damit eine Lohnbrennerkonzession erteilt wird, muss eine entspre-
chende wirtschaftliche Notwendigkeit für eine Lohnbrennerei in der Region
gegeben sein. Für die mögliche Erteilung einer Konzession werden die An-
zahl Kunden, die produzierte Menge an Spirituosen, deren Qualität, beson-
dere Kundenbedürfnisse und andere, in der Region bereits vorhandene
Lohnbrennereien in Betracht gezogen (Merkblatt Brennereikonzessionen
des BAZG vom April 2019 [auf der übergeordneten Website deklarierter
Stand am 15. Dezember 2021], S. 4, <https://www.bazg.admin.ch/dam
https://www.bazg.admin.ch/dam%20/bazg/de/dokumente/abgaben/AAT/Herstellung/Merkblatt%20Konzessionen.pdf.download.pdf/merkblatt%20konzessionen_d.pdf
A-4911/2021
Seite 9
/bazg/de/dokumente/abgaben/AAT/Herstellung/Merkblatt%20Konzessio-
nen.pdf.download.pdf/merkblatt%20konzessionen_d.pdf>, zuletzt abgeru-
fen am 8. Februar 2022).
7.2 Mit diesem öffentlich zugänglichen Merkblatt hat die Vorinstanz das ge-
setzliche Erfordernis des wirtschaftlichen Bedürfnisses für eine Lohnbren-
nereikonzession konkretisiert und so ihre Praxis adressatengerecht publi-
ziert (vgl. Urteil des BVGer A-335/2015 vom 2. Oktober 2015 E. 4.2.4, wo-
rin das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss kam, dass das seinerzei-
tige Merkblatt der Eidgenössischen Alkoholverwaltung [welche ab 1. Ja-
nuar 2018 in die EZV überführt wurde] den richtig verstandenen Sinn der
einschlägigen Rechtsnormen wiedergab und sich die Voraussetzung einer
erwiesenen Mindestproduktion von 200 Litern reinen Alkohols für eine Kon-
zessionierung als Gewerbebrenner als korrekt erwies).
7.3 Die im Merkblatt der Vorinstanz aufgeführten Kriterien (Anzahl Kunden,
die produzierte Menge an Spirituosen, deren Qualität, besondere Kunden-
bedürfnisse und andere, in der Region bereits vorhandene Lohnbrenne-
reien) erscheinen sachgerecht. Es besteht für das Bundesverwaltungsge-
richt kein Anlass, von diesen Vorgaben abzuweichen (E. 2.6.2).
8.
In einem ersten Schritt ist auf das Kriterium der Anzahl bereits vorhandener
Lohnbrennereien einzugehen. Dabei ist vorweg festzustellen, dass die Par-
teien von einer unterschiedlichen Anzahl Brennereien in der Umgebung
des Wohnorts des Beschwerdeführers ausgehen.
8.1
8.1.1 Laut Beschwerdeführer seien aufgrund seiner Recherchen bei Ag-
roscope und dem Verband der Schweizer Brenner nicht 18 Brennereien,
sondern lediglich 14 Brennereien im Umkreis von 20 km rund um seinen
Wohnort angesiedelt. Von diesen 14 Brennereien seien 5 Hausbrenne-
reien, 5 Gewerbe- und Lohnbrennereien und lediglich 4 reine Lohnbrenne-
reien registriert. Diese Tatsache zeige sehr deutlich, dass eine Lohnbren-
nerei in seinem Wohnort durchaus seine Berechtigung habe und dem wirt-
schaftlichen Bedürfnis des Landes entspreche.
8.1.2 Die Vorinstanz hält diese Aussagen für unbelegt und verweist auf das
Kundendossier, das sie für jede der 18 Lohnbrennereien im Umkreis von
20 Kilometer vom Wohnort des Beschwerdeführers führe.
https://www.bazg.admin.ch/dam%20/bazg/de/dokumente/abgaben/AAT/Herstellung/Merkblatt%20Konzessionen.pdf.download.pdf/merkblatt%20konzessionen_d.pdf https://www.bazg.admin.ch/dam%20/bazg/de/dokumente/abgaben/AAT/Herstellung/Merkblatt%20Konzessionen.pdf.download.pdf/merkblatt%20konzessionen_d.pdf
A-4911/2021
Seite 10
8.2 Der Beschwerdeführer vermag die Darstellung der Vorinstanz nicht
rechtsgenüglich zu erschüttern. Die von der gesetzlich zur Vergabe von
Brennkonzessionen bestimmten Vorinstanz (E. 4.3) eingereichte detail-
lierte Liste mit den Lohnbrennereien im Umkreis von 20 km Radius um den
Wohnort des Beschwerdeführers sowie die zugehörige Landkarte zeich-
nen für das Bundesverwaltungsgericht ein hinreichend genaues Bild der
Situation der Lohnbrennereien in der Umgebung des Beschwerdeführers.
Angesichts dieser Aktenlage besteht keine Veranlassung, diese vor-
instanzlichen Dokumente in Zweifel zu ziehen. Dass in der Umgebung des
Wohnorts des Beschwerdeführers ganz allgemein eine hinreichende An-
zahl Brenngelegenheiten besteht, lässt sich mit einfacher Internetrecher-
che plausibilisieren (vgl. hierzu E. 9.4 hernach). Somit ist davon auszuge-
hen, dass es im Umkreis von 20 km Radius um den Wohnort des Be-
schwerdeführers bereits 18 Lohnbrennereien gibt.
9.
Im Weiteren ist auf die rechtliche Bedeutung der bisher in der Region des
Beschwerdeführers gebrannten Menge reinen Alkohols für das wirtschaft-
liche Bedürfnis einer Lohnbrennereikonzession für den Beschwerdeführer
einzugehen.
9.1 Gemäss Vorinstanz reichen die vom Beschwerdeführer künftig anvi-
sierten Kunden und die nach ihrer Statistik in den letzten drei Jahren vom
Beschwerdeführer durch einen Lohnbrenner hergestellten Spirituosen von
durchschnittlich 3.08 Litern reinen Alkohols nicht aus, um ein wirtschaftli-
ches Bedürfnis in der Region des Beschwerdeführers zu begründen (Ab-
lehnung des Gesuchs vom 1. Juli 2021; Sachverhalt Bst. A.b).
9.2 Der Beschwerdeführer wird bei seinem Vorhaben, eine Lohnbrennerei
zu betreiben, von 15 Landwirten und 12 Kleinproduzenten in und um sei-
nen Wohnort unterstützt. Sie bekräftigen je unterschriftlich das lokale wirt-
schaftliche Bedürfnis für eine Lohnbrennerei (Sachverhalt, Bst. B.a). Die
Vorinstanz hat die Unterschriftenliste analysiert. Sie kam zum Schluss,
dass von den 27 Unterzeichnern elf noch nie Spirituosen produziert hätten
oder hätten produzieren lassen. Von den 16 beim BAZG registrierten Land-
wirten oder Kleinproduzenten hätten weitere elf in den letzten zwei Jahren
keine Spirituosen produzieren lassen. Die verbleibenden fünf Unterzeich-
ner hätten in den letzten zwei Jahren insgesamt (nur) 62.72 Liter reinen
Alkohols produziert oder produzieren lassen. Es bestehe angesichts der
18 Lohnbrennereien in der Umgebung des Beschwerdeführers kein wirt-
A-4911/2021
Seite 11
schaftliches Bedürfnis für eine Lohnbrennereikonzession für den Be-
schwerdeführer (Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2021; Sachverhalt
Bst. B.b).
9.3
9.3.1 Der Beschwerdeführer bestreitet keineswegs die laut Vorinstanz von
ihm durch einen Lohnbrenner hergestellten Spirituosen von durchschnitt-
lich 3.08 Liter reinen Alkohols (E. 9.1) sowie die von seinen Unterstützern
in den letzten zwei Jahren produzierten insgesamt 62.72 Liter reinen Alko-
hols (E. 9.2). Er hält jedoch dem Argument der Vorinstanz, wonach die
Brennmenge von 62.72 Litern reinen Alkohols innerhalb der letzten zwei
Jahre zu gering sei, entgegen, dass der Grund für diese geringe Brenn-
menge von 62.72 Litern einerseits auf das fehlende Wissen über die Ver-
wertung von reifem Obst, den (fehlenden) Bezug zu einem bekannten
Brenner oder auf die langen Anfahrtswege bis zu einer geeigneten Bren-
nerei zurückzuführen sei. Andererseits hätten die Produzenten nur selten
die Möglichkeit, ihr vergorenes Brenngut in eine Brennerei zu transportie-
ren, weil die nötigen Transportmittel fehlen würden.
9.3.2 Die Vorinstanz erwidert, dass es selbstredend jedem Obstproduzen-
ten in der Schweiz geläufig sei, dass sein Obst auch für die Spirituosen-
produktion verwendet werden könne. Selbst Privatpersonen mit entspre-
chenden Obstbäumen stehe diese Möglichkeit zur Verwertung ihrer
Früchte offen. Weiter sei die Suche nach einer geeigneten Brennerei heut-
zutage sicherlich keine ernsthafte Hürde für die Verwertung von ihrem
Obst. Diesbezügliche Adressen seien problemlos im Internet auffindbar.
Schliesslich sei es wenig überzeugend, dass es den Produzenten an den
notwendigen Transportmöglichkeiten fehlen sollte. In der Regel werde das
Obst in Fässern à 30 oder 60 Litern vergoren, die problemlos mit einem
PKW zur Brennerei gebracht werden könnten.
9.4 Dieser vorinstanzlichen Auffassung ist zuzustimmen. Es darf wie auch
in anderen Lebensbereichen grundsätzlich erwartet werden, dass an einer
speziellen Dienstleistung – hier an einer Lohnbrennerei – Interessierte die
notwendigen Informationen grundsätzlich selbstverantwortlich und selbst-
ständig einholen, sei es durch blosses Erfragen im Umfeld und/oder durch
Konsultation weiterer leicht zugänglicher Quellen. Tatsächlich können be-
reits mit einer oberflächlichen Internetrecherche (z.B. kombinierte Suchbe-
griffe «Lohnbrenner Obst Mindestmenge») sofort etliche Lohnbrenner in
der Schweiz identifiziert werden. Auf diese Weise zeigt sich auch, dass
verschiedene Anbieter eine Mindestmenge von lediglich ca. 30 Kilo Brenn-
gut verlangen. Es sind keine Gründe ersichtlich, warum dies nicht auch im
A-4911/2021
Seite 12
Umkreis von 20 km Radius um den Wohnort des Beschwerdeführers gelten
sollte. Es ist demnach ohne Weiteres davon auszugehen, dass in diesem
hier interessierenden Einzugsgebiet in den meisten Fällen ein üblicher
PKW für den Transport des Brennguts in die Lohnbrennerei genügt. Der
hinreichende Zugang zu einer Brennerei ist somit gegeben. Daher entfallen
die Argumente, wonach das «Nichtwissenkönnen» der Interessierten bzw.
deren erschwerter Zugang zu Brenngelegenheiten (nur) zu einer (zu) ge-
ringen Menge an gebranntem reinem Alkohol geführt hat (E. 9.3.1).
10.
10.1 Unter den gegebenen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz die vom Beschwerdeführer künftig anvisierten Kunden, die in
den letzten drei Jahren vom Beschwerdeführer durch einen Lohnbrenner
hergestellten Spirituosen von durchschnittlich 3.08 Litern reinen Alkohols
(E. 9.1) sowie die von den Unterstützern des Beschwerdeführers in den
letzten zwei Jahren produzierten insgesamt 62.72 Liter reinen Alkohols
(E. 9.2) als ungenügend erachtet, um ein wirtschaftliches Bedürfnis für eine
Lohnbrennereikonzession für den Beschwerdeführer zu begründen. Insbe-
sondere ein hinreichend grosses Kundenbedürfnis (E. 7.1) lässt sich nicht
feststellen. Eine rechtsfehlerhafte Ermessensausübung der Vorinstanz bei
der Beurteilung des wirtschaftlichen Bedürfnisses für eine Lohnbren-
nereikonzession für den Beschwerdeführer ist nicht ersichtlich (E. 4.4).
10.2 Der Beschwerdeführer hätte nach geltendem Recht (unabhängig von
der produzierten Menge an Alkohol) das wirtschaftliche Bedürfnis an seiner
Produktion darzulegen, bevor ihm eine Konzession erteilt werden könnte
(vgl. Urteil des BVGer A-335/2015 vom 2. Oktober 2015 E. 4.2.4 m.w.H.).
Dieser Nachweis gelingt ihm vorliegend nicht (E. 2.5).
10.3 Auch wenn der Beschwerdeführer keine entsprechenden Rügen vor-
bringt, ist festzustellen, dass sich die Vorinstanz jeweils mit den Argumen-
ten des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und teils weitere Abklärun-
gen vorgenommen hat (E. 9.2). Sie ist ihrer Untersuchungspflicht jedenfalls
nachgekommen (E. 2.2).
10.4 Dem Beschwerdeführer ist es unbenommen, bei einer Änderung des
wirtschaftlichen Bedürfnisses (wie etwa die Einstellung einer bestehenden
Brennerei) ein neues Gesuch für eine Lohnbrennereikonzession und den
Erwerb eines Brennapparats einzureichen. Sollte sich allerdings die Inkon-
gruenz der Beurteilung der Anzahl (Lohn-)Brennereien in der Umgebung
des Beschwerdeführers tatsächlich erhärten, wäre die Vorinstanz gehalten,
von Amts wegen die im Umkreis von 20 km Radius um den Wohnort des
A-4911/2021
Seite 13
Beschwerdeführers erteilten Konzessionen zu überprüfen (E. 2.2) und bei
erfüllten gesetzlichen Voraussetzungen allenfalls neue Konzessionen zu
vergeben (E. 4.3). Dabei hätte sich die Vorinstanz bei Bedarf wohl mit dem
in E. 8.1.1 erwähnten «Agroscope» (dem Bundesamt für Landwirtschaft
[BLW] angegliederten Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftli-
che Forschung, <https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/
ueber-uns/agroscope.html>, zuletzt abgerufen am 8. Februar 2022) zu ko-
ordinieren.
11.
Zusammenfassend besteht nach dem Dargelegten gegenwärtig kein wirt-
schaftliches Bedürfnis für eine Lohnbrennereikonzession für den Be-
schwerdeführer und demzufolge auch kein Anspruch auf den Erwerb eines
Brennapparats. Somit erübrigen sich Weiterungen zur Qualifikation des
Beschwerdeführers als Brenner (Sachverhalt Bst. C.a und C.b). Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
12.
Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschwerdeführer die Verfahrens-
kosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 800.-- festzu-
setzen (vgl. Art. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss ist zur
Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/ueber-uns/agroscope.html https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/ueber-uns/agroscope.html
A-4911/2021
Seite 14