Decision ID: 553c14e7-ab66-412b-8fb0-e3863508b4fa
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 20. Februar 1984. Sie ist im
Administrativmassnahme-Register nicht verzeichnet. Am Mittwoch, 10. Dezember
2014, um ca. 13.20 Uhr fuhr sie mit einem Personenwagen auf der Neugutstrasse in
Buttikon, Gemeinde Schübelbach SZ, in Fahrtrichtung Tuggen. Gemäss eigenen
Angaben musste sie vor der Eisenbahnunterführung einer Katze ausweichen. In der
Folge kollidierte sie mit der linksseitigen Stützmauer der Eisenbahnunterführung.
Anschliessend schleuderte der Personenwagen mit dem Heck nach rechts und
kollidierte mit der rechtsseitigen Stützmauer der Eisenbahnunterführung.
B.- Wegen des Vorfalls vom 10. Dezember 2014 wurde X mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Bezirk March vom 16. Februar 2015 der Verletzung der
Verkehrsregeln durch Nichtbeherrschen des Fahrzeugs schuldig gesprochen und zu
einer Busse von Fr. 200.– verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in
Rechtskraft. Das Strassenverkehrsamt entzog X in der Folge den Führerausweis mit
Verfügung vom 5. Juni 2015 für die Dauer eines Monats zufolge mittelschwerer
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften.
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 5. Juni 2015 erhob X durch
ihren Rechtsvertreter am 15. Juni 2015 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und von
einer Administrativmassnahme abzusehen, eventualiter sei eine Verwarnung
auszusprechen, subeventualiter sei der Führerausweis für die Dauer eines Monats zu
entziehen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete am
14. Juli 2015 auf eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen im Rekurs zur

Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. Juni 2015 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47, und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Die Rekurrentin macht vorab in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs geltend. Die Vorinstanz sei auf die konkreten Vorbringen der Rekurrentin nicht
eingegangen. Die Begründung der Vorinstanz lasse eine tatsächliche Prüfung und
Auseinandersetzung mit den von der Rekurrentin vorgebrachten Argumenten missen.
Um ihrer Begründungspflicht nachzukommen, hätte die Vorinstanz zumindest
ausführen müssen, weshalb sie von einer konkreten Gefahr und/oder von einem nicht
mehr als leicht einzustufenden Verschulden ausgegangen sei. Sie behaupte jedoch
pauschal, dass der Tatbestand der mittelschweren Verkehrsregelverletzung erfüllt sei.
Damit sei es der Rekurrentin nicht möglich, zu beurteilen, weshalb die Vorinstanz
entgegen ihrem Antrag entschieden habe. Eine sachgerechte Anfechtung auf Basis der
erlassenen Verfügung sei ebenfalls nicht möglich. Damit würden die Ausführungen der
Vorinstanz den Anforderungen an das rechtliche Gehör nicht genügen. Die
Verwaltungsrekurskommission könne aufgrund ihrer vollen Kognition den
Verfahrensmangel zwar heilen, die Verletzung des rechtlichen Gehörs sei aber bei der
Kostenverteilung zu berücksichtigen.
b) Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 BV leitet das
Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung auch die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270 E.
3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder
der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und
berücksichtigt und ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet (vgl. Steinmann,
in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung,
St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N 49). Die von einem Entscheid oder einer
Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen ihrem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass sie den
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Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III
439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Auflage 2010, N 1706). Dies ist nur möglich, wenn sowohl die
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein
Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
N 1706). Umfang und Dichte der Begründung richten sich generell nach den
Umständen (Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Ist die Sachlage klar und sind die
anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen,
während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder
unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht fallenden
Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b,
104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Die Begründungspflicht, welche aus
dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst, hat der
st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP ausdrücklich
festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter anderem die Gründe
enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010 E. 2.1, in: www.gerichte.sg.ch).
c) Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass die Rekurrentin
wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs einen Verkehrsunfall verursacht habe. Sie
erwog, dass es sich dabei um eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften handle, da die Rekurrentin die Verkehrsregel schuldhaft
verletzt und dabei die übrigen Verkehrsteilnehmer erhöht abstrakt gefährdet habe. Die
massgebenden Überlegungen wurden damit genannt. Die Vorinstanz erwähnte weiter,
dass sie die Stellungnahme des Rechtsvertreters vom 26. Mai 2015 geprüft habe. Die
Argumente würden die Einstufung als mittelschwere Widerhandlung jedoch nicht
abzuwenden vermögen. Das zeigt, dass sich die Vorinstanz mit den Vorbringen der
Rekurrentin auseinandergesetzt hat. Die angefochtene Verfügung ist zwar knapp, aber
jedenfalls noch so abgefasst, dass sich die Rekurrentin über deren Tragweite ein Bild
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machen und sachgerecht anfechten konnte. Insgesamt genügt die Begründungsdichte
den Anforderungen an das rechtliche Gehör.
3.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. BBl 1999 S. 4487).
b) Es ist unbestritten, dass die Rekurrentin am 10. Dezember 2014 mit einem
Personenwagen auf der Neugutstrasse in Buttikon, Gemeinde Schübelbach SZ, in
Fahrtrichtung Tuggen unterwegs war und zunächst mit der linksseitigen und alsdann
mit der rechtsseitigen Stützmauer einer Eisenbahnunterführung kollidierte. Nach Art. 31
Abs. 1 SVG muss der Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen
Vorsichtspflichten nachkommen kann. Beherrschen bedeutet, jederzeit in der Lage
sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede
Gefahr ohne Zeitverlust genügend schnell und zweckmässig zu reagieren. Dies
verlangt, dass Fahrzeugführer jederzeit die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug ausüben
und die Verkehrsregeln beachten können. Entsprechend muss der Führer jederzeit in
der Lage sein, auf selbst überraschende Verkehrsverhältnisse mit einer
durchschnittlichen Reaktionszeit angemessen zu reagieren (Philippe Weissenberger,
Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 31 N 1). Art. 31 Abs. 1 SVG wird durch
Art. 3 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) konkretisiert.
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Danach muss der Fahrzeugführer seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr
zuwenden. Er darf beim Fahren keine Verrichtung vornehmen, welche die Bedienung
des Fahrzeugs erschwert. Er hat ferner dafür zu sorgen, dass seine Aufmerksamkeit
insbesondere durch Tonwiedergabegeräte sowie Kommunikations- und
Informationssysteme nicht beeinträchtigt wird.
c) Indem die Rekurrentin die Herrschaft über ihr Fahrzeug verlor und mit der
Stützmauer der Eisenbahnunterführung zuerst linksseitig und in der Folge rechtsseitig
kollidierte, verletzte sie die Verkehrsvorschrift gemäss Art. 31. Abs. 1 SVG und Art. 3
Abs. 1 VRV. Umstritten ist, ob die Verkehrsregelverletzung als mittelschwere (Art. 16b
SVG) oder als leichte Widerhandlung (Art. 16a SVG) einzustufen ist. Diesbezüglich sind
die Gefährdung von Drittpersonen sowie das Verschulden genau zu prüfen. Nach einer
mittelschweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens einen Monat
entzogen (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG). Eine leichte Widerhandlung zieht eine Verwarnung
oder den Entzug des Führerausweises nach sich (vgl. Art. 16a Abs. 2 und 3 SVG). In
besonders leichten Fällen wird gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG auf jegliche Massnahme
verzichtet.
4.- a) Die Vorinstanz stufte das Verhalten der Rekurrentin als mittelschwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur Begründung wird in der
angefochtenen Verfügung ausgeführt, dass die Rekurrentin durch ihr Fehlverhalten
schuldhaft die Verkehrsregeln verletzt und dabei die übrigen Verkehrsteilnehmer erhöht
abstrakt gefährdet habe. Damit liege eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Verkehrsvorschriften vor.
b) Gegen die Qualifikation des Verhaltens der Rekurrentin als mittelschwere
Widerhandlung wird im Rekurs im Wesentlichen vorgebracht, dass der Rekurrentin
höchstens ein leichtes Verschulden und höchstens eine leichte Gefährdung der
Verkehrssicherheit angelastet werden könne. Sie habe sich bei einer erlaubten
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h mit einem Tempo von ca. 40 km/h einer
Eisenbahnunterführung genähert. Sie sei damit nicht mit übersetzter Geschwindigkeit
unterwegs gewesen und im Strafbefehl sei ihr ein solcher Vorwurf auch nicht gemacht
worden. Der Unfall habe sich auf einer geraden Strecke ereignet. Der Himmel sei
bedeckt, die Strasse jedoch trocken und die Sicht nicht beeinträchtigt gewesen. Die
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Anwesenheit der Katze zum Unfallzeitpunkt am Unfallort habe mangels vorhandener
Spuren nicht festgestellt werden können. Die detaillierte Darstellung des
Unfallhergangs der Rekurrentin erweise sich dennoch als plausibel und unwiderlegbar.
Es müsse daher zu Gunsten der Rekurrentin von dem dargestellten Sachverhalt
ausgegangen werden. Kollisionen, in denen unvermittelt Tiere auf die Strassen
springen, liessen sich nicht gänzlich vermeiden. Der Rekurrentin könne insofern nur
angelastet werden, dass sie nach dem von ihr zu Recht eingeleiteten
Ausweichmanöver die Kollision ihres Fahrzeugs nicht habe vermeiden können. Dies sei
als leichtes Verschulden zu werten. Es habe zu keiner Zeit eine Gefährdung von Dritten
bestanden. Im Unfallzeitpunkt hätten sich keine weiteren Verkehrsteilnehmer in der
Nähe des Unfallortes befunden. Es sei keine Gefahr für die Sicherheit anderer
geschaffen worden. Die reale Möglichkeit einer Rechtsgutverletzung anderer
Verkehrsteilnehmer sei in weiter Ferne gelegen. Es sei nur der unfallbeteiligte
Personenwagen leicht beschädigt worden. Die Rekurrentin selber habe keine
Verletzungen erlitten. Ferner besitze die Rekurrentin den Führerausweis seit dem Jahr
1984 und verfüge über einen tadellosen Leumund. An ihrer Fahrsicherheit und -
tüchtigkeit könne daher nicht gezweifelt werden. Aufgrund der Busse von Fr. 200.–
hätte auch ein Ordnungsbussenverfahren durchgeführt werden können, wenn kein
Sachschaden entstanden wäre. Es liege auf der Hand, dass die Staatsanwaltschaft von
einer besonders leichten Widerhandlung ausgegangen sei. Es sei deshalb ebenfalls von
einer besonders leichten Widerhandlung im Sinne von Art. 16a Abs. 4 SVG, höchstens
jedoch von einer leichten Widerhandlung im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG
auszugehen. Von einer Administrativmassnahme sei entsprechend abzusehen oder
höchstens eine Verwarnung auszusprechen.
5.- a) Eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt voraus,
dass der Lenker durch die Verkehrsregelverletzung eine geringe Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorgerufen hat und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft.
Nach der Rechtsprechung müssen beide Voraussetzungen kumulativ gegeben sein
(BGE 135 II 138 E. 2.2.3). Ein besonders leichter Fall liegt dann vor, wenn die
Verletzung von Verkehrsregeln eine besonders geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer geschaffen hat und den fehlbaren Fahrzeuglenker nur ein besonders leichtes
Verschulden trifft (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.52/2005 vom 2. Dezember
2005 E. 2.2.3; Philippe Weissenberger, a.a.O., Art. 16a N 22). Die Auslegung des
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besonders leichten Falls orientiert sich an den Verkehrsregelverletzungen, die nach
dem Ordnungsbussengesetz erledigt werden und keine Administrativmassnahmen
nach sich ziehen (vgl. BGer 1C_406/2010 vom 29. November 2010 E. 4.2). Die
Feststellung, dass ein Lenker die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und ins
Schleudern geriet, erlaubt ohne Würdigung der Umstände im Einzelfall noch keine
Aussage darüber, ob eine schwere, eine mittelschwere oder eine leichte
Widerhandlung gegeben ist (vgl. BGer 1C_235/2007 vom 29. November 2007 E. 2.2).
Ein Kontrollverlust kann nicht von vornherein als Indiz für das Vorliegen einer
mindestens mittelschweren Widerhandlung eingestuft werden (vgl. BGer 1C_3/2008
vom 18. Juli 2008 E. 5.2).
b) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2011/113 vom 24. November 2011 E. 3b, im
Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Der Gefährdung der Sicherheit kommt
durch die seit 1. Januar 2005 geltenden Art. 16a bis 16c SVG eine wesentliche und
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eigenständige Bedeutung zu. Der Gesetzgeber hat bewusst dem Gesichtspunkt der
Verkehrsgefährdung ein höheres Gewicht beigemessen.
Am Unfall vom Mittwoch, 10. Dezember 2014, war nur die Rekurrentin beteiligt. Sie
blieb gemäss Polizeirapport der Kantonspolizei Schwyz vom 5. Januar 2015 unverletzt.
Eine konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ergab sich nicht. Mit dem
Verlust der Herrschaft über das Fahrzeug schuf die Rekurrentin aber jedenfalls eine
abstrakte Gefahr. Zu beurteilen ist unter Berücksichtigung der im Unfallzeitpunkt
gegebenen Umstände die Wahrscheinlichkeit der Konkretisierung und Verwirklichung
dieser abstrakten Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. Dabei stellt ein vom Lenker
nicht mehr beherrschtes Fahrzeug naturgemäss eine erhebliche Gefahr dar (VRKE
IV-2012/11 vom 28. Juni 2012 E. 5 b/cc und IV-2010/108 vom 27. Januar 2011 E. 4;
GVP 1983 Nr. 92). Der Unfall ereignete sich indes auf einer Nebenstrasse im
Ausserortsbereich an einem Mittwochnachmittag. Im Polizeirapport der Kantonspolizei
Schwyz vom 5. Januar 2015 wurde festgehalten, die Verkehrsbedingungen seien
„schwach“ gewesen. Die Rekurrentin gab zu Protokoll, zum Zeitpunkt der Kollision
seien keine weiteren Fahrzeuge oder Personen in der Nähe gewesen. Die Möglichkeit,
dass durch das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs durch die Rekurrentin andere
Verkehrsteilnehmer wie Autolenker oder Fussgänger gefährdet werden konnten, ist
unter diesen Umständen als gering zu erachten. Es ist deshalb lediglich von einer leicht
erhöhten abstrakten Gefährdung auszugehen. Eine besonders leicht erhöhte abstrakte
Gefährdung liegt deswegen nicht vor, weil die Rekurrentin die Kontrolle über ihr
Fahrzeug verloren hatte und trotz reduzierter Geschwindigkeit kein unerheblicher
Sachschaden entstand. Gemäss Polizeirapport waren der Kotflügel vorne links
eingedrückt und die Fahrzeugfront, die Vorderachse vorne links sowie der Kotflügel
hinten rechts beschädigt (act. 8/4). Ein besonders leichter Fall gemäss Art. 16a Abs. 4
SVG scheidet damit aus.
c) Auch wenn das Verschulden der Rekurrentin im Strafbefehl vom 16. Februar 2015
nicht ausdrücklich gewürdigt wurde und von der Bussenhöhe in der Regel nicht ohne
Weiteres auf das Mass des Verschuldens geschlossen werden kann, weil bei der
Bussenbemessung noch andere Faktoren hineinspielen, ist aufgrund der Verurteilung
nach Art. 90 Abs. 1 SVG und der geringen Bussenhöhe (Fr. 200.–) davon auszugehen,
dass es vom Strafrichter als leicht beurteilt wurde (vgl. dazu VRKE IV-2010/109 vom
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24. Februar 2011 E. 3 b, in: www.gerichte.sg.ch). Aus der Anwendung von Art. 90 Abs.
1 SVG darf jedoch nicht automatisch auf ein geringes Verschulden geschlossen
werden. Auch einer strafrechtlich einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinn von
Art. 90 Abs. 1 SVG kann massnahmerechtlich ein schweres Verschulden zugrunde
liegen (VRKE IV-2011/105 vom 29. März 2012 E. 4 c/cc und IV-2012/11 vom 28. Juni
2012 E. 5 c/cc). Im Weiteren ist die Verwaltungsbehörde in der rechtlichen Würdigung
des Verschuldens frei, ausser die rechtliche Qualifikation hänge stark von der
Würdigung der Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa weil er die
Beschuldigte persönlich einvernommen hat (BGer 1C_382/2011 vom 12. Dezember
2011, E. 2.2). Davon ist vorliegend aufgrund der Akten nicht auszugehen.
Der Rekurrentin ist vorzuwerfen, dass sie die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und in
der Folge zuerst mit der linken Stützmauer und dann mit der rechten Stützmauer der
Eisenbahnunterführung kollidierte. Als Grund gab sie gegenüber der Polizei an, dass
aus dem Nichts von links eine Katze vor ihrem Auto durchgerannt sei, als sie durch die
Unterführung geblickt habe. Deswegen habe sie ein Ausweichmanöver nach links
gemacht, da sie die Katze nicht habe überfahren wollen. Sodann habe es irrsinnig
geklöpft (act. 8/5). Im Strafbefehl wird die Katze nicht erwähnt. Nach ständiger
Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen Feststellungen im
Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zu Grunde
legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, wenn sich die Erhebung zusätzlicher
Beweise aufdrängt, wenn die Beweiswürdigung des Strafrichters eindeutig im
Widerspruch zur Tatsachenlage stand oder wenn der Strafrichter bei der
Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat,
insbesondere jene nicht, welche die Verletzung der Verkehrsregeln betreffen (BGE 124
II 103 E. 1c/aa). Daher ist die Verwaltungsbehörde zu eigenen Sachverhaltsabklärungen
nur dann verpflichtet, wenn klare Anhaltspunkte bestehen, dass die Feststellungen im
Strafurteil unrichtig sind (BGE 119 Ib 158 E. 3c/aa). Die grundsätzliche Bindung der
Verwaltungsbehörden an Strafurteile bezweckt, voneinander abweichende
Würdigungen des gleichen Beweismaterials durch Straf- und Verwaltungsinstanzen zu
vermeiden. Die Verteidigungsrechte und allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten hat die
Beschuldigte bereits im Strafverfahren wahrzunehmen, wenn sie weiss oder annehmen
muss, dass gegen sie auch ein Administrativmassnahmeverfahren durchgeführt
werden wird.
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Aufgrund der knappen tatsächlichen Feststellungen im Strafbefehl ist nicht klar, ob der
Strafrichter die Tatversion mit der Katze als Schutzbehauptung und somit als nicht
erwiesen erachtete und sie deshalb nicht erwähnte, oder ob er sich überhaupt nicht
damit befasst hatte. In einem ähnlichen Fall, wo es ebenfalls um eine über die Strasse
laufende Katze und einen Selbstunfall ging, wurde festgestellt, dass es keine
verwertbaren Zeugenaussagen gebe, sondern nur die Angaben des Beschuldigten.
Nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ könne jedoch nicht ausgeschlossen werden,
dass der Beschuldigte durch eine auf die Fahrbahn laufende Katze zum Ausweichen
gezwungen worden sei, weshalb in der Folge von diesem Sachverhalt ausgegangen
wurde (vgl. VRKE IV-2010/94 vom 9. Januar 2014 E. 3 c).
Ginge man auch im vorliegenden Fall davon aus, dass die Rekurrentin einer Katze
ausweichen musste und deshalb die Herrschaft über ihr Fahrzeug verlor, so könnte ihr
nur ein leichtes Verschulden angelastet werden. Das Bundesgericht hielt nämlich fest,
dass man immer damit rechnen müsse, dass unvermittelt ein Tier auf die Strasse
springen könne. Kollisionen könnten jedoch auch bei tiefen Geschwindigkeiten nicht
zuverlässig vermieden werden. Gehe man von einer Bremsreaktion von 1 Sekunde
respektive 0,6 – 0,7 Sekunden bei erstellter Bremsbereitschaft aus, so wäre
beispielsweise bei einem plötzlich 10 m vor dem Fahrzeug auftauchenden Tier auch bei
einem Tempo von 30 km/h eine Kollision durch Bremsen kaum zu vermeiden. Es
lastete deshalb einem Motorradführer, der bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit
von 80 km/h mit einem Tempo zwischen 50 und 60 km/h fuhr und sein Fahrzeug
aufgrund einer Behinderung durch einen Fuchs nach einer Vollbremsung kontrolliert zu
Fall brachte und in der Folge auf der Gegenfahrbahn mit einem beinahe stehenden
Fahrzeug kollidierte, einzig an, dass er nach der von ihm eingeleiteten Vollbremsung
die vollständige Kontrolle über sein Motorrad verloren hatte; dies wertete das
Bundesgericht als leichtes Verschulden (vgl. BGer 1C_382/2011 vom 12. Dezember
2011 E. 3).
Letztlich kann offen gelassen werden, ob eine über die Fahrbahn rennende Katze der
Grund für den Verlust der Herrschaft über das Fahrzeug war; denn selbst wenn der
Hinweis auf eine Katze nur eine Schutzbehauptung war, kann der Rekurrentin einzig
ungenügende Aufmerksamkeit angelastet werden. Andere Gründe, weshalb sie die
Herrschaft über ihr Fahrzeug verlor, sind nicht ersichtlich. Davon, dass sie ihre
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Geschwindigkeit nicht den Umständen angepasst hatte, ist nicht auszugehen. Die Sicht
war nicht beeinträchtigt, die Strecke gerade, es herrschte Tageslicht und die Witterung
war zwar bedeckt, die Strasse jedoch trocken. Gemäss ihren Aussagen gegenüber der
Polizei war sie mit einem Tempo von rund 40 km/h bei einer erlaubten
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h unterwegs. Darauf ist abzustellen, denn im
Strafbefehl wurde sie nicht wegen unangepasster Geschwindigkeit bestraft. Die
gefahrene Geschwindigkeit scheint somit den Strassenverhältnissen ausreichend
angepasst gewesen zu sein. Dass sie irgendeine Verrichtung vorgenommen hätte,
welche die Bedienung des Fahrzeuges erschwert hätte, ist in tatsächlicher Hinsicht
ebenfalls nicht erstellt. Angesichts dieser Umstände erscheint ihr Verschulden
insgesamt als leicht.
d) Zusammenfassend ist der Rekurrentin eine leicht erhöhte abstrakte Gefährdung
sowie ein leichtes Verschulden vorzuwerfen. Dementsprechend handelt es sich nicht
um eine mittelschwere, sondern um eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1
lit. a SVG.
6.- Eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zieht eine Verwarnung
nach sich, wenn der fehlbaren Person in den vorangegangenen zwei Jahren der
Ausweis nicht entzogen war und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde
(Art. 16a Abs. 3 SVG). Da kein besonders leichter Fall im Sinne von Art. 16a Abs. 4 SVG
vorliegt und in den letzten zwei Jahren keine Administrativmassnahme gegen die
Rekurrentin verhängt wurde, ist sie zu verwarnen.
7.- Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1) sieht im Fall eines
Ausweisentzugs einen Gebührenrahmen von Fr. 100.– bis Fr. 800.– vor. Für eine
Verwarnung liegt dieser bei Fr. 70.– bis Fr. 250.– (Ziff. 206.01). Die Vorinstanz bezifferte
die Verfahrenskosten auf
Fr. 300.– und bewegte sich damit in der für den Entzug von Führerausweisen
vorgesehenen Bandbreite. Nachdem nun aber feststeht, dass gegen die Rekurrentin
lediglich eine Verwarnung auszusprechen ist, müssen auch die Verfahrenskosten
entsprechend reduziert werden. Besteht für die Gebühr ein Mindest- und ein
Höchstsatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der Bedeutung
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der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der erforderlichen Sachkenntnis
zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und Entschädigungen im
Verwaltungsverfahren, sGS 821.1, abgekürzt: Verwaltungsgebührenverordnung). Es
erscheint angemessen, die von der Rekurrentin zu bezahlende Gebühr für das
vorinstanzliche Verfahren auf Fr. 150.– festzulegen.
8.- a) Die Rekurrentin unterliegt mit dem Hauptantrag und dringt mit dem
Eventualantrag durch. Dies entspricht einer teilweisen Gutheissung des Rekurses. Bei
diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten je zur Hälfte der Rekurrentin und
dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘200.–
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen und der Rekurrentin im
Restbetrag von Fr. 600.– zurückzuerstatten.
b) Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).