Decision ID: 26234aab-53a7-4f85-85aa-5a3ebbc61680
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Marti, Postgasse 27, Postfach 649,
8750 Glarus,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a Der 1978 geborene S._ meldete sich am 30. März/10. April 2007 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Arbeitsvermittlung.
Er habe in seiner Heimat eine Anlehre gemacht und sei 2001 in die Schweiz
gekommen. Zuletzt sei er vom 1. Mai 2004 bis 30. September 2006 als Koch (vorher als
Pizzaiolo) angestellt gewesen. Seit einer Heckkollision am 19. März 2005 leide er an
chronischen Nacken-, Kopf- und Wirbelsäulenbeschwerden. Seit zwei Jahren sei er
nicht mehr derselbe. Sei er früher kräftig und arbeitswillig gewesen, hielten ihn nun
Rückenschmerzen zurück, den Tag zu beginnen, und es gelinge ihm nicht, sitzen oder
nachts liegen zu bleiben; er müsse sich immer ein wenig bewegen. Er könne zu 50 %
arbeiten, aber danach sei er am Ende.
A.b Dr. med. A._, FMH für Physikalische Medizin, gab in seinem Arztzeugnis vom
17. April 2007 (IV-act. 22) als Diagnosen an, es lägen vor (erstens) ein chronisches
myofasciales cervicocephales Schmerzsyndrom, St. n. zweifachem HWS-Distorsions
tauma 19.03.05, Kopfprotraktion (seit dem 19.03.05), (zweitens) ein chronisches
Thorakolumbovertebralsyndrom, muskuläre Dysbalance, Streckhaltung LWS (seit dem
19.03.05), und (drittens) der Verdacht auf Anpassungsstörungen mit depressiver
Symptomatik (seit Mitte 2005). Der Versicherte sei seit dem 19. März 2005 wechselnd
zu 100 %, 50 %, 75 % oder 25 % arbeitsunfähig. Seit dem 8. August 2006 sei er zu
100 % arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit sei wegen der Minderbelastbarkeit des
Schultergürtels und Schmerzzunahme durch die Arbeit nicht mehr möglich. Unter
Vorbehalt psychologischer Störungen könne eine wechselnd belastende Tätigkeit mit
Handhabung nur leichter bis mittelschwerer Lasten, unter Vermeiden von repetitivem
Heben und Bücken und bei nur vereinzeltem Arbeiten über Kopf (nach einer
Einarbeitungszeit von zwei Monaten mit einem Pensum von 50 bis 75 %) an acht
Stunden pro Tag mit unverminderter Leistung ausgeübt werden. Seit August 2006 habe
er den Versicherten nicht mehr gesehen. Auf Ende September 2006 sei ihm die Stelle
gekündigt worden. In der Beilage fand sich unter anderem ein Bericht der
Rheumatologischen und Interdisziplinären Schmerz-Sprechstunde (RISS) an der
Rheumaklinik am Universitätsspital Zürich vom 13. Oktober 2006. Danach hatten bei
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der klinischen Untersuchung neben einer eingeschränkten Beweglichkeit der HWS in
sämtlichen Bewegungsrichtungen mit Endphasenschmerz positive Irritationszonen
HWK 2 bis BWK 7, am ehesten Wirbelkörperblockierungen entsprechend, imponiert.
Zudem hatten sich neben einer verkürzten subokzipitalen Muskulatur eine ausgeprägte
muskuläre Dysbalance mit Trigger-Punkten im Pars descendens des M. trapezius bds.
sowie am skapulären Ansatz des M. levator scapulae rechts mit
Schmerzausstrahlungen gegen zephal von bekanntem Charakter gefunden. Zusätzlich
hatte eine muskuläre Dekonditionierung bestanden. Neurologisch hatten Defizite der
oberen und unteren Extremitäten gefehlt. Das zweifache Wiplashtrauma sei auf eine
vorbestehende Haltungsinsuffizienz getroffen, die einen protrahierten Verlauf
begünstige. Der Versicherte sei in seiner Stresstoleranz eingeschränkt. Er verfüge über
keine Copingstrategien im Umgang mit den Schmerzen und sei nicht in der Lage, mit
eigenen Ressourcen seinen Beschwerden aktiv entgegenzutreten. Daraus resultierten
Frustration und Resignation, die mit sozialem Rückzug einhergingen. Zur
Arbeitsfähigkeit des Versicherten war ausdrücklich nicht Stellung genommen worden.
Ferner hatte Dr. A._ einen Bericht der Ergonomieabteilung der Klinik Valens vom
14. Februar 2006 beigelegt. Danach hatte der Versicherte vom 11. Januar bis
8. Februar 2006 dort eine stationäre Therapie (aktives leistungsorientiertes
Ergonomietrainingsprogramm) absolviert. Die arbeitsbezogene körperliche
Leistungsfähigkeit hatte einer mittelschweren Arbeitsbelastung entsprochen. Für die
bisherige Arbeit sei der Versicherte zu 50 % arbeitsfähig. Nach vier Wochen sollten die
Ausdauerdefizite minimiert sein und die Arbeitsfähigkeit sollte auf 100 % gesteigert
werden.
A.c Nach dem Beizug der Unfallversicherungsakten erklärte der Regionale Ärztliche
Dienst (RAD) der Invalidenversicherung am 2. Mai 2007 (IV-act. 27), es liege ein
Beschleunigungstrauma der HWS ohne fassbare strukturelle Läsionen (Quebec Task
Force Grad II) vor. Die Arbeitsfähigkeit könne nicht beziffert werden. Vielmehr sei die
Verfügung des Unfallversicherers abzuwarten. Für die Eingliederungsbemühungen sei
auf die laufenden Aktivitäten des vom Unfallversicherer beauftragen Case
Managements abzustellen.
A.d Der Arbeitgeberbescheinigung vom 2. Mai 2007 (IV-act. 30) war zu entnehmen,
dass der Versicherte vom 1. Mai 2004 bis 30. September 2006 als Koch angestellt
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gewesen sei und seit 2005 einen Monatslohn von Fr. 5'150.-- erzielt habe. Dieser
entspreche dem Verdienst ohne Gesundheitsschaden. Im Jahr 2005 ergebe sich damit
ein Einkommen von Fr. 61'800.-- (Fr. 5'150.-- "einschliesslich 13. Monatslohn", mal 12).
A.e Dr. med. B._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, gab in seinem Arztzeugnis vom
7. Mai 2007 (IV-act. 46) unter anderem an, der Versicherte habe nach einem
Arbeitsversuch dekompensiert und sei vom 8. August bis 31. Oktober 2006 ganz
arbeitsunfähig gewesen. Seither sei er in der bisherigen Tätigkeit bis auf weiteres zu
50 % (vier Stunden) arbeitsfähig. Andere Tätigkeiten seien nicht zumutbar.
A.f Die Unfallversicherung teilte am 30. Juli 2007 mit, der Versicherte habe vom
21. Mai bis 21. Juni 2007 einen Arbeitsversuch in einem Restaurant gemacht, habe das
Stellenangebot aber anschliessend abgelehnt, weil es ihm finanziell zu unsicher
gewesen sei.
A.g Der RAD hielt am 25. September 2007 eine polydisziplinäre Begutachtung für
zwingend notwendig.
A.h Dem Gutachten des BEGAZ Begutachtungszentrums BL vom 28. Februar 2008 (IV-
act. 78-1 bis 26/46) war als Hauptdiagnose zu entnehmen, es liege ein Status nach
zweiphasiger Heckauffahrkollision am 19.03.05 vor mit (einerseits) HWS-Distorsion,
heute residuelles, mässig ausgeprägtes, rechtsbetontes, vorwiegend unteres
Cervicalsyndrom mit leichter, schmerzhafter Funktionseinschränkung, und (anderseits)
LWS-Distorsion, heute residuelles, leicht bis mässig ausgeprägtes, rechtsbetontes
Lumbovertebralsyndrom ohne Funktionseinschränkung. Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit sei eine leichtgradige depressive Episode. In der angestammten
Tätigkeit sei der Versicherte neurologisch gesehen zu 50 % arbeitsunfähig, wobei 10 %
davon durch eine Dekonditionierung verursacht würden, die aber als IV-fremd gelte.
Die Arbeitsunfähigkeit betrage demnach 40 %. Durch ein zumutbares Aufbautraining
lasse sich die Dekonditionierung kompensieren, sodass innerhalb eines halben Jahres
eine Arbeitsfähigkeit von 70 % (recte wohl: 60 %, ohne Ausblendung der 10 %) erreicht
werden könne. In einer alternativen Tätigkeit bestehe eine vollschichtige
Arbeitsfähigkeit.
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A.i Der RAD hielt am 11. März 2008 (IV-act. 68) dafür, auf das Gutachten könne
grundsätzlich abgestellt werden. Die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit betrage
somit 100 %. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im angestammten Bereich hingegen
müsse kritisiert werden. Eine Arbeitsunfähigkeit als Koch von mehr als 30 % lasse sich
(ab Mitte Juni 2005) nicht rechtfertigen.
A.j Mit Vorbescheid vom 17. April 2008 (IV-act. 74 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten die
Abweisung seines Leistungsgesuchs (Rente und berufliche Massnahmen
einschliesslich Berufsberatung) in Aussicht.
A.k Der Versicherte liess am 19. Mai 2008 (IV-act. 79) betreffend die Rentenfrage
Einwand erheben und um Akteneinsicht ersuchen. Danach werde er eine
Einwandergänzung einreichen lassen. Am 23. Mai 2008 wurde seinem Rechtsvertreter
Akteneinsicht gewährt.
A.l Am 18. Juni 2008 (IV-act. 82) erliess die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen eine die Leistungsansprüche abweisende Verfügung. Es sei dem
Versicherten zumutbar, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen.
Eine Invalidität im Sinne des IVG liege nicht vor. Der Versicherte möge sich an das
Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) wenden. Bis anhin sei keine Begründung
des Einwandes eingegangen.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Werner Marti für den
Betroffenen am 25. August 2008 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, eventuell dem
Beschwerdeführer eine Teilrente zuzusprechen, subeventuell das Verfahren bis zum
Abschluss der Berentung durch die Unfallversicherung zu sistieren. Gegen die
Verweigerung von Berufsberatung habe der Beschwerdeführer nichts einzuwenden; er
werde auch weiterhin als gelernter Pizzaiolo arbeiten. Hingegen beanstande er die
Erledigung der Rentenfrage. Am 9. Juni 2008 habe die Unfallversicherung dem
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Beschwerdeführer in Aussicht gestellt, die Leistungen auf den 31. Mai 2008
einzustellen. Der Beschwerdeführer habe dagegen eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 30 % geltend gemacht. Sollte sich im UV-Verfahren eine Arbeitsunfähigkeit
von 40 % ergeben, habe der Beschwerdeführer auch Anspruch auf eine Viertelsrente
der IV. Nur schon, um seine Rechte im UV-Verfahren zu wahren, müsse er eine
Verfügung anfechten, wonach der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit zu
70 % und in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Die Sache sei an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie zum Rentenanspruch
verfügungsweise Stellung nehme. Mit dem Rentenentscheid sei so lange zuzuwarten,
bis das UV-Verfahren abgeschlossen sei. Sollte die Unfallversicherung rechtskräftig
eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % festlegen, würde dieses Verfahren gegenstandslos.
Werde dem Rückweisungsantrag nicht gefolgt, so sei die Rentenberechtigung
aufgrund der Akten auf eine Viertelsrente bei einer Arbeitsunfähigkeit von 40 %
festzulegen, allerdings wiederum erst, wenn das UV-Verfahren abgeschlossen sein
werde. Beigelegt war unter anderem eine Stellungnahme des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers zuhanden der Unfallversicherung vom 21. Juli 2008.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 17. November 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Selbst wenn die
Unfallversicherung wider Erwarten eine Rente bei einer Arbeitsunfähigkeit als Koch von
30 % zuspräche, wäre keine Invalidenrente der IV geschuldet. Massgebend sei die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit. Eine Sistierung sei nicht angebracht. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers begründe weder die 30- noch die 40-
prozentige Arbeitsunfähigkeit. Gemäss dem Gutachten sei der Beschwerdeführer in
einer leichten, adaptierten Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig. In der bisherigen
Tätigkeit hätte er mit Fr. 61'800.-- in den Jahren 2006 und 2007 ein Einkommen erzielt,
das 4 % über dem Tabellenlohn für Hilfsarbeiter liege. In einer adaptierten Tätigkeit
werde der Beschwerdeführer - wenn überhaupt - nur eine minimale Erwerbseinbusse
erleiden. Mangels Invalidität habe er keinen Anspruch auf IV-Leistungen.
D.
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Von der ihm mit Schreiben vom 20. November 2008 eingeräumten Möglichkeit, zur
Beschwerdeantwort Stellung zu nehmen, hat der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers keinen Gebrauch gemacht.

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin
hat die angefochtene Verfügung am 18. Juni 2008, also unter der Geltung des Rechts
dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum
Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in
eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Soll auf bestimmte Sachverhalte
nicht neues Recht Anwendung finden, sondern das aufgehobene Recht massgebend
bleiben, muss eine geltende Norm die Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für
bestimmte Sachverhalte anordnen. Die 5. IV-Revision enthält keine die Rente
betreffende übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für
Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl.
das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007). Die Definition der Sachverhalte,
auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte durch ein materiellrechtliches,
unbeeinflussbares Merkmal erfolgen. In Frage kommen der Zeitpunkt der Entstehung
des Auszahlungsanspruchs oder der Eintritt des Versicherungsfalls, beide definiert
nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht (zum Ganzen im Detail der Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S M. vom 28. Oktober 2009, IV
2009/5). Bezüglich des Rentenbeginns sind deshalb vorliegend angesichts der IV-
Anmeldung von 2007 und des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit im März 2005 die bis zum
31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen (im Folgenden angeführt)
anzuwenden. Für die Invaliditätsbemessung hat sich indessen keine Änderung der
Rechtslage ergeben.
1.2 Gemäss dem Dispositiv der angefochtenen Verfügung hat die
Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen. Die
Abweisung umfasst
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- trotz des irreleitenden Titels - die Ansprüche auf berufliche Massnahmen wie auf
Rentenleistungen.
2.
2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar
bedrohte versicherte Personen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern. Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem in Massnahmen beruflicher Art
(Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung und
Arbeitsvermittlung; Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
2.2 Als invalid im Sinne von Art. 17 IVG gilt eine versicherte Person, wenn sie wegen
der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den
ihr ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von
mindestens etwa 20 % erleidet (Entscheide des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S A. vom 22. Januar 2004, I 91/03, und i/S F. vom 9. April
2002, I 167/03; BGE 124 V 110 f. E. 2b; AHI 2000 S. 62 E. 1; Ulrich Meyer, Die
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 125; für die MV: BGE 130 V 491). Es
handelt sich um eine Art Selbstbehalt, der sich schon darum rechtfertigt, weil kleine
Einbussen erfahrungsgemäss durch blossen zumutbaren Stellenwechsel grösstenteils
kompensiert werden können. Es wird den Versicherten in diesem Rahmen zugemutet,
entweder an der bisherigen Stelle zu bleiben oder sich aus eigenen Kräften beruflich
neu zu orientieren. Bei Hilfsarbeitern und Hilfsarbeiterinnen ist es, wenn sie ihre
bisherige Erwerbstätigkeit krankheits- oder unfallbedingt nicht mehr ausüben können,
grundsätzlich ohne berufliche Massnahmen möglich, in eine andere, ihrer Behinderung
angepasste Hilfsarbeitertätigkeit zu wechseln. Im Gegensatz zur (ganz oder teilweise)
berufsunfähig gewordenen ausgebildeten versicherten Person bemisst sich die
umschulungsspezifische Invalidität bei Hilfskräften nicht nach der konkreten
Erwerbseinbusse am letzten Arbeitsplatz, sondern nach der Erwerbseinbusse in einer
der Behinderung angepassten Hilfsarbeit (nicht veröffentlichter Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S M.V. vom 4. März 2003).
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2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.4 Was die erwerblichen Auswirkungen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
betrifft, wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die für den Rentenanspruch der
Invalidenversicherung ausschlaggebende Erwerbsunfähigkeit wird verstanden als das
Unvermögen, auf dem gesamten für die versicherte Person in Frage kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt die verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise
wirtschaftlich zu verwerten (BGE 130 V 346 f. E. 3.2, BGE 121 V 331 E. 3b).
2.5 Im Entscheid U 148/06 vom 28. August 2007 hielt das Bundesgericht im Sinne
einer Praxisänderung fest, die in AHI 2004 S. 181 genannten Gründe gegen eine (auch
im Sinne von BGE 126 V 288 relativierte) Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung
der IV für die UV würden auch im umgekehrten Verhältnis gelten (E. 6.2). Die
Beurteilung der Unfallversicherung braucht somit nicht abgewartet zu werden.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer hat nach der Aktenlage in seiner Heimat eine Anlehre (im
Bereich Gastronomie) gemacht. Er hat in der Schweiz als Pizzaiolo und als Koch
gearbeitet. Gemäss dem IK-Auszug hat er im Jahr vor dem Unfall ein Einkommen von
insgesamt Fr. 52'996.-- erzielt. Im Jahr 2005, da die Arbeitsunfähigkeit eingetreten war,
waren es gemäss IK-Auszug Fr. 52'695.--, gemäss der Arbeitgeberbescheinigung
Fr. 61'800.--. Die Durchschnittseinkommen von Männern mit einfachen und repetitiven
Tätigkeiten lagen im Jahr 2004 bei Fr. 57'258.-- und 2005 bei Fr. 58'389.--
(Textausgabe Invalidenversicherung, ATSG, Gesetze und Verordnungen, Anhang 2).
Die Beschwerdegegnerin hat den (noch jungen) Beschwerdeführer jedenfalls zu Recht
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als Hilfsarbeiter betrachtet, dem es grundsätzlich zumutbar ist (und bereits bei Ablauf
der Wartezeit zumutbar war), auch eine andere als die angestammte (Hilfs-) Tätigkeit
auszuüben.
3.2 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in
der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch
tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über die
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
3.3 Zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers liegt ein Gutachten des BEGAZ
vom 28. Februar 2008 vor. Danach ist der Beschwerdeführer in der angestammten
Tätigkeit unter neurologischem Aspekt (unter Berücksichtigung einer durch Training
zumutbarerweise künftig kompensierbaren Dekonditionierung) zu 50 % arbeitsunfähig,
während in einer alternativen, adaptierten Tätigkeit eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit
besteht. Das Gutachten basiert auf einer Kenntnisnahme von den Vorakten, einer
Erhebung der Anamnese und des allgemein-internistischen Status sowie
psychiatrischen und neurologischen Untersuchungen. Auf das begründete Ergebnis
der Begutachtung kann abgestellt werden, zumal es durch weitere ärztliche
Einschätzungen untermauert wird. So hatte etwa die Klinik Valens im Februar 2006 -
allerdings erst für die Zeit nach einem Ausdauertraining von vier Wochen - das
Wiedererlangen einer Arbeitsfähigkeit von 100 % selbst in der angestammten Tätigkeit
erwartet. Der Beschwerdeführer hatte eine arbeitsbezogene körperliche
Leistungsfähigkeit für eine mittelschwere Arbeitsbelastung gezeigt. Reduziert waren die
Belastbarkeit im Nacken- und Schultergürtelbereich im Sinn einer reduzierten
Ausdauerleistung der Muskulatur und die Stabilisationsfähigkeit der Lendenwirbelsäule.
Auch Dr. A._ hatte im April 2007 dafürgehalten, eine angepasste Tätigkeit sei
(ebenfalls nach einer Einarbeitungszeit; von zwei Monaten) an acht Stunden pro Tag
mit unverminderter Leistung erbringbar. Wenn Dr. B._ anderseits die Zumutbarkeit
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einer anderen Tätigkeit ausschliesst, mag das in einer Einschätzung der erwerblichen
Situation, aber wohl nicht mit einer medizinischen Arbeitsunfähigkeit begründet sein.
Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit
voll arbeitsfähig ist.
3.4 Unter diesen Umständen lässt sich festhalten, dass der Beschwerdeführer keine
relevante invaliditätsbedingte Einbusse hinzunehmen hat. Angepasst ist eine Tätigkeit
für den Beschwerdeführer nach medizinischer Beurteilung, wenn sie keine
längerdauernde unveränderte Körperhaltung verlangt, d.h. unter Wechselbelastung
ausgeübt werden kann, und wenn keine Arbeiten über Kopf oder im Bücken oder mit
Gewichtsbelastung von über 10 kg notwendig sind. Diese Anforderungen sind nicht so
einschränkend, dass auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht ausreichend viele
solcher Arbeitsmöglichkeiten vorhanden wären und stattdessen angenommen werden
müsste, eine Anstellung wäre auf diesem massgeblichen Arbeitsmarkt realitätsfremd.
3.5 Nach den Arbeitgeberangaben hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2005 ohne
Gesundheitsschaden ein Jahreseinkommen von Fr. 61'800.-- erzielt. Es kann
angenommen werden, dass er ohne Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung an
dieser Stelle verblieben wäre. Der genannte Betrag kann daher als Valideneinkommen
2005 betrachtet werden. Von einer Aufrechnung auf das Jahr 2006 kann abgesehen
werden, da sie für das Verhältnis der Vergleichseinkommen nicht von Bedeutung ist.
3.6 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das
Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint,
gilt grundsätzlich der von ihr tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 129 V
472 E. 4.2.1, Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 19. Juni 2008, 9C_81/2008). Der von
invaliden Versicherten tatsächlich erzielte Verdienst für sich allein betrachtet bildet also
grundsätzlich kein genügendes Kriterium für die Bestimmung des Invaliditätsgrades
(Bundesgerichtsentscheid i/S R. vom 8. Januar 2009, 8C_357/2008). Nach Lage der
Akten hat der Beschwerdeführer nach Eintritt des Gesundheitsschadens zeitweise zu
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50 % im Gastgewerbe weitergearbeitet bzw. ab August 2007 in C._ wieder eine
Anstellung zu 50 % aufgenommen (IV-act. 78-29/46). Wenn seine Absicht, im
bisherigen Tätigkeitsbereich weiterzuarbeiten, auch verständlich sein mag, kann doch
nicht davon ausgegangen werden, dass er damit seine Restarbeitsfähigkeit in
zumutbarer, ausreichender Weise ausschöpft. Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist deshalb auf die Tabellenlöhne abzustellen. Selbst wenn vom
oben erwähnten Durchschnittslohn für Hilfsarbeiten von Fr. 58'389.-- ein Abzug von
(maximal gerechtfertigten) 10 % gemacht wird (Fr. 52'550.--), ergibt sich mit 15 % ein
Ausfall, welcher die für berufliche Massnahmen massgebliche Schwelle von 20 % nicht
erreicht. Der Beschwerdeführer hat demnach keinen Anspruch auf berufliche
Massnahmen der IV.
3.7 Auch einen Rentenanspruch hat die Beschwerdegegnerin zu Recht abgelehnt, da
sich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergibt.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Als
unterliegende Partei hat der Beschwerdeführer die Gerichtskosten zu bezahlen (vgl.
Art. 95 Abs. 1 VRP). Diese sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen. Mit
dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist die geschuldete Gerichtsgebühr
getilgt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG