Decision ID: 96282595-d9c6-4278-9e22-214cd1b40300
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
mehrfache grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht, vom 18. April 2017 (GG170017)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 24. Februar 2017
(Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 35 S. 29 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
– der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG sowie Art. 35 Abs. 1 SVG,
sowie
– der Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbin-
dung mit Art. 12 Abs. 2 VRV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu
Fr. 100.– sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.–.
3. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so
tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
5. Der für die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 17. Januar 2012
ausgesprochene Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 140.– gewährte bedingte
Vollzug wird widerrufen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
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6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'100.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.00 Gebühr Vorverfahren;
Fr. 28.00 Zeugenentschädigung;
Fr. 4'128.00 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Gerichtsgebühr um einen Drittel.
7. Die Kosten der Untersuchung (Gebühr Vorverfahren sowie Zeugenentschädigung)
und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. (Mitteilung)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 59 S. 3 f.)
"1. Vorfragen / Prozessualer Antrag
1. Es sei das Berufungsverfahren vorderhand auszusetzen resp. sei
die Sache zur Beweisergänzung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen, sofern das Berufungsgericht die beantragte Beweiser-
gänzung zulässt, aber nicht selbst vornimmt.
2. Es sei folgender Beweis zu den Akten zu erheben: Die komplette
Videoaufzeichnung, welche von B._, der Frau des Anzeige-
erstatters C._, am 15.4.2015 erstellt worden ist und von wel-
cher bis heute lediglich das in act. 12 abgelegte Standbild mit der
Bezeichnung
"..." in den Akten enthalten ist.
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2. Hauptantrag
1. Freispruch des Angeklagten in allen Punkten des vorinstanzlichen
Urteils.
2. Angemessene Entschädigung des Berufungsklägers für seine
persönlichen Umtriebe.
3. Angemessene Entschädigung des Berufungsklägers für die Kos-
ten seiner Verteidigung.
4. Kostenauflage an die Staatskasse.
3. Eventualantrag
1. Schuldspruch wegen einmaliger, d.h. nicht mehrfacher grober
Verkehrsregelverletzung im Sinne der Anklage im dortigen Ankla-
gepunkt auf S. 2, zu Dossier 1 (ungenügender Abstand).
2. Schuldspruch wegen mehrfacher einfacher Verkehrsregelver-
letzung.
3. Bestrafung mit einer Geldstrafe von maximal 60 Tagessätzen zu
CHF 100.– und einer Busse von CHF 600.–.
4. Verzicht auf Widerruf des Vollzugs der mit Strafbefehl der
STA Kreuzlingen vom 17.1.2012 bedingt ausgesprochenen Geld-
strafe von 15 Tagessätzen zu CHF 140.–, eventualiter Widerruf
dieser Geldstrafe und Aufschub der Strafe gemäss heutigem Ver-
handlungsgegenstand für eine Probezeit von 5 Jahren.
5. Alles unter Kostenauflage zulasten des Berufungsklägers."
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich; Urk. 42)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
18. April 2017 wurde der Beschuldigte A._ anklagegemäss der mehrfachen
groben sowie der einfachen Verkehrsregelverletzung schuldig gesprochen und
mit einer Geldstrafe sowie einer Busse bestraft, wobei ihm für die Geldstrafe der
bedingte Strafvollzug verweigert wurde. Sodann wurde eine bedingt aufgescho-
bene Vorstrafe vollziehbar erklärt (Urk. 35 S. 29). Gegen diesen Entscheid liess
der Beschuldigte durch seinen - ehemaligen - erbetenen Verteidiger mit Eingabe
vom 27. April 2017 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1
StPO; Urk. 27). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert ge-
setzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 38). Die
Anklagebehörde hat mit Eingabe vom 7. November 2017 innert Frist - sinnge-
mäss - mitgeteilt, dass auf Anschlussberufung verzichtet wird (Urk. 42; Art. 400
Abs. 2f. und Art. 401 StPO). Beweisergänzungsanträge wurden im Berufungsver-
fahren nicht gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 38 und 42). Die Verteidigung hat
die Berufung in ihrer Berufungserklärung nicht beschränkt (Urk. 38; Art. 399
Abs. 4 StPO). Die Anklagebehörde beantragt die Bestätigung des angefochtenen
Entscheides (Urk. 42).
2. Demnach ist das vorinstanzliche Urteil im Berufungsverfahren vollumfänglich
angefochten und dieses in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen (vgl. Art. 404
StPO).
3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Be-
gleitung seines Verteidigers (Prot. II S. 4). Dem von der Verteidigung gestellten
Beweisantrag, es sei die komplette Videoaufzeichnung von B._ zu den Akten
zu erheben und hierfür das Berufungsverfahren vorderhand auszusetzen bzw. die
Sache zur Beweisergänzung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 59 S. 3),
wurde, wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, nicht nachgegangen. Vorfragen
waren keine zu entscheiden und – abgesehen von der Einvernahme des Be-
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schuldigten (Urk. 58) – deshalb auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 6).
Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 7 ff.).
4. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die
urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141
IV 249 E. 1.3.1; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken.
II. Schuldpunkt
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Anklagebehörde vom
24. Februar 2017 zusammengefasst vorgeworfen, er sei am 14. April 2015,
ca. 09.10 Uhr, auf der Autobahn A1 in D._ mit Fahrtrichtung St. Gallen mit
dem von ihm gelenkten Personenwagen ... [Auto-Marke], Kontrollschild TG ...,
während 2 bis 3 Sekunden mit einem Abstand von lediglich ca. 10 Metern hinter
dem auf der Überholspur fahrenden Fahrzeug von C._ hergefahren, habe
dieses Fahrzeug anschliessend rechts überholt und sei vor dem Fahrzeug von
C._ wieder auf die Überholspur eingeschwenkt. Dadurch habe er mehrfach
eine Gefahr für die Sicherheit der Insassen des Fahrzeugs C._ sowie für an-
dere Verkehrsteilnehmer verursacht. Sodann habe er in der Folge sein Fahrzeug
unmittelbar, grundlos und stark abgebremst, weshalb der ihm folgende C._
ebenfalls habe stark abbremsen müssen (Urk. 19 S. 2-4).
2. Der Beschuldigte bestreitet im Berufungs- wie im bisherigen Verfahren, die
inkriminierte Fahrt als Lenker des Fahrzeugs ... [Auto-Marke], Kontrollschild
TG ..., ausgeführt zu haben (Urk. 5/1-3; Prot. I S. 6 ff.; Urk. 58 S. 5).
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3.1. Die gesamte Schilderung des massgeblichen Anklagesachverhalts mit Aus-
nahme der Lenkerschaft des Personenwagens ... [Auto-Marke], Kontrollschild
TG ..., also die inkriminierte Fahrweise, wie dieses Fahrzeug tatzeitaktuell am
mutmasslichen Tatort gelenkt worden sei, stützt sich einzig auf die Darstellungen
des Anzeigeerstatters C._ und dessen Beifahrerin - und Ehefrau - B._.
Da der Beschuldigte nicht der Lenker gewesen sein will, hat er dazu konsequen-
terweise keine Aussagen gemacht. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Ent-
scheid die gesamten Darlegungen von C._ und B._ (wie auch diejeni-
gen des Beschuldigten) ausführlich wiedergegeben, worauf verwiesen wird (Urk.
35 S. 6-12). Der Beschuldigte und sein vormaliger Verteidiger haben im bisheri-
gen Verfahren und auch heute nicht in Abrede gestellt respektive in Zweifel gezo-
gen, dass das Fahrzeug ... [Auto-Marke], Kontrollschild TG ..., tatzeitaktuell am
mutmasslichen Tatort in jener Art gelenkt worden sei, wie dies in der Anklage-
schrift umschrieben wird (Urk. 25; Urk. 59).
3.2. C._ und B._ haben ihrer schriftlichen Anzeige (Urk. 4), als polizei-
liche Auskunftsperson (C._, Urk. 6/1) sowie als Zeugen (C._ und
B._, Urk. 6/2 und 6/3) detailliert und kongruent geschildert, dass und in wel-
cher Weise der Lenker des ... [Auto-Marke], Kontrollschild TG ..., sehr nahe auf
ihr Fahrzeug aufgeschlossen, dieses rechts überholt und anschliessend auf der
Überholspur vor ihnen unnötigerweise ein abruptes Bremsmanöver ausgeführt
hat.
Entgegen dem Einwand der Verteidigung (Urk. 59 S. 12) ist die polizeiliche Ein-
vernahme des Anzeigeerstatters C._ vom 8. Juni 2015 prozessual durchaus
verwertbar. C._ wurde am 27. September 2016 im Beisein des Beschuldig-
ten und seines damaligen Verteidigers als Zeuge einvernommen (Urk. 6/2), wobei
die Einvernahme vom 8. Juni 2015 thematisiert und C._ dazu befragt wurde,
ob er damals die Wahrheit gesagt habe (Urk. 6/2 S. 3 Fragen 15 ff.), sowie dem
Beschuldigten und seinem damaligen Verteidiger Gelegenheit geboten wurde,
selbständig Fragen an den Belastungszeugen C._ zu stellen, von welchem
Recht der Beschuldigte denn auch Gebrauch gemacht hat (Urk. 6/2 S. 8 Fragen
45-50). Dem in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierten Anspruch jeder beschuldig-
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ten Person, Fragen an Belastungszeugen zu stellen oder stellen zu lassen, wurde
vorliegend somit genüge getan, weshalb auch die polizeiliche Einvernahme von
C._ vom 8. Juni 2015 verwertbar ist.
3.3. Weiter versucht die Verteidigung die allgemeine Glaubwürdigkeit insbeson-
dere des Zeugen C._ in Zweifel zu ziehen, indem sie dessen Verhalten im
Zusammenhang mit dem Einreichen der Fotografie kritisiert und dessen Aussa-
gen betreffend die Fahrdistanz beim Rechtsüberholen sinngemäss als falsch be-
zeichnet (Urk. 59 S. 5 ff. und S. 11). Mit der Vereidigung (Urk. 59 S. 11) kann
zwar festgehalten werden, dass ein Überholmanöver bei einer gefahrenen Ge-
schwindigkeit des zu überholenden Fahrzeuges von 120 km/h innerhalb der vom
Zeugen C._ angegeben 100 Meter (Urk. 6/1 S. 3 Frage 17) tatsächlich kaum
realistisch ist. Abgesehen davon, dass Ungenauigkeiten bei Distanzangaben bei
solch hohen Geschwindigkeiten fast schon notorisch sind, beschlägt die Aussage
der Zeugen C._ jedoch in keinster Weise den Wahrheitsgehalt der Kernfrage
des inkriminierten Deliktes; nämlich ob der Beschuldigte den Zeugen C._
rechts überholt hat. Dem Beschuldigten wird in der Anklage in diesem Zusam-
menhang sodann auch keine Geschwindigkeitsübertretung vorgeworfen (Urk. 19
S. 3).
Die Ausführungen der Verteidigung betreffend den Zeitpunkt, wann der Zeuge
C._ das Foto der Untersuchungsbehörde übergeben hat, und wie sich dieses
Verhalten allgemein auf dessen Glaubwürdigkeit auswirke (Urk. 59 S. 5 ff.), sind
hingegen nicht nachvollziehbar und konstruiert. Der Zeuge C._ hat es in sei-
ner Eingabe vom 20. Juni 2015 nachvollziehbar geschildert, warum er erst jetzt
diese Fotoaufnahme einreichte (Urk. 11). Als ... der Verkehrspolizei sind dem
Zeugen C._ zudem die Abläufe von Strafuntersuchungen durchaus bekannt;
er konnte folglich davon ausgehen, dass er irgendwann noch formell als Zeuge
befragt werden würde. Entsprechend hat er die Fotografie relativ kurz nach der
polizeilichen Befragung eingereicht. Die Zeugenbefragung fand dann erst über ein
Jahr später statt (vgl. Urk. 6/1, Urk. 11 und Urk. 6/2). Diese Umstand vermag ent-
sprechend in keinster Weise die allgemeine Glaubwürdigkeit des Zeugen C._
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zu beschlagen und noch viel weniger die Glaubhaftigkeit seiner konkret gemach-
ten Aussagen in Zweifel zu ziehen.
3.4. Mit der Beweiswürdigung der Vorinstanz (Urk. 35 S. 12-14) wirken die Schil-
derungen von C._ und B._ erlebt, nicht übertrieben und sind damit
überzeugend. Gestützt darauf ist der - wie erwogen seitens des Beschuldigten
nicht substantiiert bestrittene - Anklagesachverhalt, mit Ausnahme der Lenker-
schaft des Beschuldigten, ohne Weiteres rechtsgenügend erstellt.
4.1. Die Zeugen B._C._ konnten sich den Fahrzeugtyp und die Kon-
trollschild-Nummer des Wagens, mit welchem die inkriminierte Fahrt ausgeführt
wurde, merken und schildern. Es ist erstellt - und nicht bestritten -, dass es sich
dabei um den ... [Auto-Marke], Kontrollschild TG ..., handelt, welcher auf die Mut-
ter des Beschuldigten zugelassen ist (Urk. 2 S. 2). Der Beschuldigte wohnte zum
Tatzeitpunkt am gleichen Ort wie die Fahrzeughalterin; er hatte selber keinen
Wagen und benutzte das massgebliche Fahrzeug "gelegentlich" (Urk. 5/1 S. 3;
Urk. 2 S. 2). Der Beschuldigte gibt konstant an, sich nicht erinnern zu können, wo
er sich zum Tatzeitpunkt aufgehalten hat (Urk. 5/1 S. 3; Urk. 5/2 S. 1 und S. 4).
Ein konkretes Alibi dahingehend, er habe sich zum Tatzeitpunkt nicht am Tatort
aufgehalten, hat er nie geltend gemacht. In seiner zweiten Einvernahme - und
somit bereits nachgeschoben - schilderte der Beschuldigte eine Fahrt, die er ge-
meinsam mit seinem Vater unternommen habe und stellte vage und allenfalls
sinngemäss in den Raum, dies könne zum vorliegenden Tatzeitpunkt gewesen
sein (Urk. 5/2 S. 2). Dieser zwischenzeitliche und halbherzige Versuch eines Alibi-
Konstrukts wurde im Weiteren jedoch in keiner Weise konkretisiert (Prot. I S. 9 f.).
Der Beschuldigte sagte vielmehr ebenfalls (und dies unmissverständlich), bei der
angedeuteten Fahrt mit dem Vater als Beifahrer "geht es nicht um die Sache, wel-
che mir hier vorgeworfen wird" (also das Rechtsüberholen am 14. April 2015,
ca. 09.10 Uhr, auf der Autobahn A1 in D._; Urk. 5/2 S. 1 f.).
4.2. Der Zeuge C._ beschrieb den fehlbaren Lenker als "Mann, ca. ... bis ...
jährig, ... Typ, ... [Haarfarbe], hinter dem Kopf zu einem Rossschwanz gebunden,
... [Bart]" (Urk. 6/1 S. 4). Der Beschuldigte hat auf entsprechenden Vorhalt nicht
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bestritten, dass diese Beschreibung auf ihn zutrifft (Urk. 5/1 S. 4 f.; Prot. I S. 10
und S. 12).
4.3. Nach dem inkriminierten Fahrmanöver fuhren der ... [Auto-Marke], Kontroll-
schild TG ..., und der Wagen der Zeugen B._C._ einige Sekunden pa-
rallel auf gleicher Höhe, was B._ ermöglichte, mit der Kamera ihres Mobilte-
lefons eine Aufnahme des Lenkers des ... [Auto-Marke] zu machen (Urk. 5/2 An-
hang; Urk. 11). Seitens des Beschuldigten wird und wurde nie geltend gemacht,
B._ habe die fragliche Aufnahme bei anderer Gelegenheit als kurz nach der
vorliegend inkriminierten Fahrt gemacht. Vielmehr anerkennt der Beschuldigte,
dass die Aufnahme den fehlbaren Lenker zeigt.
Der diesbezügliche Einwand und Beweisantrag des Beschuldigten, es sei die ge-
samte Videodatei und nicht lediglich die daraus gezogene Bilddatei ins Verfahren
zu ziehen und zu berücksichtigen (Urk. 59 S. 5 ff.), verfängt nicht. Inwiefern auf
der Videodatei allenfalls Entlastendes für den Beschuldigten enthalten sein sollte,
wurde nicht näher begründet und ist auch nicht ersichtlich. Denn es war nie die
Rede davon, dass die Zeugin B._ allfällige deliktische Taten des Beschuldig-
ten festgehalten haben sollte. Es ging einzig um die Identifizierung des Fahrers
des ... [Auto-Marke]. Die Zeugin B._ hat die Aufnahmen denn auch erst im
Stau gemacht, welcher sich offenbar einige Fahrminuten nach den inkriminierten
Taten auf der Autobahn gebildet hat (vgl. Urk. 6/3 S. 5 Frage 33). Folglich ist nicht
ersichtlich, wie auf den Aufnahmen etwas Entlastendes im Zusammenhang mit
den eingeklagten Sachverhalten vorhanden sein soll. Und dass die eingereichte
Fotografie prozessual nicht verwertbar sein soll, ist nicht ersichtlich und wurde
von der Verteidigung lediglich mit dem pauschalen Verweis auf Kommentarstellen
als fraglich bezeichnet, ohne sich aber substantiiert damit auseinander zu setzen
(Urk. 59 S. 18). Entsprechend erübrigen sich vertiefte rechtliche Ausführungen zu
dieser Thematik.
4.4. In seiner ersten polizeilichen Einvernahme wurde dem Beschuldigten eröff-
net, dass die Auskunftspersonen B._C._ eine Aufnahme des fehlbaren
Lenkers gemacht hätten. Der Beschuldigte sagte darauf aus: "Ich gehe mal davon
aus, dass einer meiner Brüder oder ich auf dem Bild ist" (Urk. 5/1 S. 6 Frage 23).
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Interessanterweise schloss der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt also nicht aus,
der Täter zu sein! In seiner nächsten polizeilichen Einvernahme, nun durch die
Kantonspolizei Zürich, wurde dem Beschuldigten die der Zürcher KaPo zwischen-
zeitlich zugegangene Aufnahme vorgelegt (Urk. 5/2 S. 3; vgl. Urk. 11). Der Vor-
gang ist wörtlich zu zitieren:
Einvernehmender Beamter: "Können Sie mir mitteilen, wer diese Person ist?"
Antwort des Beschuldigten: "Dies ist ein Foto von mir. Jeder kann ein Foto von
mir machen und verwenden." (Urk. 5/2 S. 3 Frage 21).
Der Beschuldigte hat die Protokollierung dieser Einvernahme selber durchgelesen
und mit seiner Unterschrift als richtig bestätigt (Urk. 5/2 S. 5).
Der Beschuldigte hat somit spontan und ohne Umschweife oder Einschränkungen
eingestanden, dass auf der Aufnahme von B._ er abgebildet ist. Auf entspre-
chenden Vorhalt in weiteren Befragungen hat er diese Aussage bestritten: Er ha-
be gesagt, dies sei kein Foto von ihm; er habe "dies in der Hitze des Gefechts
überlesen oder so; keine Ahnung" (Urk. 5/3 S. 2 f.; Prot. I S. 13 f.). Auch die -
vormalige - Verteidigung machte geltend, der Beschuldigte habe "aufgrund der
naturgemässen Nervosität eines Befragten ... eine sinnverändernde Nuance im
Protokolltext übersehen (ein statt kein)" (Urk. 25 S. 7). Dabei handelt es sich of-
fensichtlich um eine unbehelfliche Schutzbehauptung: Mit der Vorinstanz macht
der zweite Satz: "jeder kann ein Foto von mir machen und verwenden" nur Sinn,
wenn vorher gesagt wurde: "Dies ist ein Foto von mir".
Im Berufungsverfahren bestreitet der Beschuldigte nun nicht mehr, dass er auf
diesem Foto ersichtlich ist. Vielmehr ist er heute der Ansicht, dass dieses Foto
und gewisse in diesem Zusammenhang stehende Belastungsaussagen nicht ver-
wertbar sein sollen (vgl. diesbezüglich voranstehende Erwägung 4.3.). Aber der
diesbezügliche Einwand der Verteidigung, diese Befragung durch den Polizisten
sei suggestiv erfolgt und sei deshalb zulasten des Beschuldigten nicht verwertbar
(Urk. 59 S. 13 ff.), verfängt nicht ansatzweise. Entgegen der Ansicht der Vertei-
digung ist in der konkreten Befragung des Beschuldigten (Urk. 5/2 S. 3) keine un-
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zulässige Täuschung ersichtlich. Der Beschuldigte wurde darauf hingewiesen,
dass am Tag der inkriminierten Handlungen ein Foto "des beschuldigten Lenkers"
gemacht worden sei (Urk. 5/2 S. 3 Frage 20), worauf dem Beschuldigten das Foto
vorgelegt wurde und er, wie bereits zitiert, unmissverständlich aussagte, dass
dies ein Foto von ihm sei (Urk. 5/2 S. 3 Frage 21). Wenn die Verteidigung also ar-
gumentiert, "der Polizist hat mit keinem Wort protokolliert, dass er den Berufungs-
kläger ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass es sich beim vorgelegten Foto
um eben jenes handelt, das vom fehlbaren Lenker im Moment des Vorfalls ange-
fertigt worden ist", so ist dies schlichtweg falsch. Es gelingt dem Beschuldigten
und der Verteidigung somit nicht, dieses zwischenzeitliche - und im übrigen ange-
sichts sämtlicher weiterer Indizien stimmige - Geständnis nachträglich zu zer-
reden.
4.5. Die Aussagen der Brüder des Beschuldigten, E._ und F._, können
mit der Vorinstanz und der Verteidigung aus prozessualen Gründen nicht zulasten
des Beschuldigten verwendet werden, da diese Personen nie mit dem Beschul-
digten konfrontiert wurden und dieser folglich seine Verteidigungsrechte nicht
ausüben konnte (Urk. 7 und Urk. 8; Art. 147 Abs. 1 und 4 StPO; Urk. 35 S. 11 f.;
Urk. 59 S. 12). Allerdings ergibt sich daraus auch nichts Entlastendes für den Be-
schuldigten: Der Bruder E._ hat kategorisch ausgeschlossen, bei der inkrimi-
nierten Fahrt der Lenker des Tatfahrzeugs gewesen zu sein. Zum Täter-
Signalement gab er zudem an, er sei älter und habe keinen Rossschwanz (Urk. 7
S. 3). Der Bruder F._ gab zum Täter-Signalement ebenfalls an, er sei älter;
zudem trage er während der Arbeit mehrheitlich Hemden (Urk. 8 S. 4). Auf der
Aufnahme von B._ trägt der fehlbare Lenker ein legeres T-Shirt (Urk. 11).
Bei den Angaben der Brüder handelt es sich sodann offensichtlich um Gefällig-
keitsaussagen zugunsten des Beschuldigten. Einerseits wirken diese abge-
sprochen: Die Brüder wollten sich in keiner Weise erinnern können, wo sie zum
Tatzeitpunkt gewesen sind, und - was noch schwerer wiegt - dies auch unmöglich
nachträglich (z.B. gestützt auf Agenden) eruieren können. In die gleiche Richtung
zeigt die kategorische Verweigerung der Brüder, sich zuhanden weiterer Untersu-
chungshandlungen fotografieren zu lassen; dies war schon die Vorgehensweise
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des Beschuldigten (Urk. 5/1 S. 6). Offensichtlich wurde hier der Vergleich mit der
Aufnahme des Täters gefürchtet. Der Bruder E._ wollte sodann - unbehelflich
- einen ihm unterlaufenen, den Beschuldigten nicht entlastenden Versprecher
nachträglich zurücknehmen (Urk. 7 S. 3). Das gesamte Aussageverhalten der
Brüder des Beschuldigten überzeugt nicht.
4.6. Entgegen der Behauptung des vormaligen Verteidigers entlastet den Be-
schuldigten schliesslich auch nicht, dass das Forensische Institut Zürich auf ent-
sprechende Anfrage der Untersuchungsbehörde die Fotoaufnahme des Lenkers
als "qualitativ schlecht" taxiert hat (Urk. 25 S. 4; Urk. 12/2 und 12/3). Diese Vor-
prüfung erfolgte mit Blick auf eine mögliche morphologische Personenanalyse
durch die Experten des FOR. Das FOR hat in seinem Bericht zur vorläufigen Qua-
litätsprüfung ausgeführt, dass die Aufnahme für eine solche Untersuchungshand-
lung ungeeignet sei. Der grossflächige Schatten auf dem Gesicht, der Bart und
die Sonnenbrille erschweren oder verunmöglichen eine wissenschaftliche
Vermessung der Gesichtsabbildung, die später mit anderen Gesichtsaufnahmen
verglichen werden könnte (sog. morphologischer Bild-Bildvergleich; vgl. Urk. 11).
Entsprechend wurde durch die Untersuchungsbehörde in der Folge auch von der
Erteilung eines Auftrags zur Erstellung eines morphologischen Gutachtens abge-
sehen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass der fehlbare Fahrer auf der frag-
lichen Fotografie recht gut abgebildet ist. Gut genug jedenfalls, dass der Beschul-
digte sich bei erster Vorlage spontan darauf erkannte und dies auch unmissver-
ständlich äusserte.
4.7. Insgesamt ist auch zweifelsfrei erstellt, dass der Beschuldigte der Fahrzeug-
lenker war, welcher die inkriminierte Fahrt ausgeführt hat.
5. Zutreffend bringt die Verteidigung im Berufungsverfahren als Eventualantrag
vor, dass das kurzzeitig zu nahe Aufschliessen des Beschuldigten an das Fahr-
zeug der beiden Zeugen (Urk. 19 S. 2 f.) nicht als grobe Verkehrsregelverletzung
beurteilt werden kann (Urk. 59 S. 19 ff.). Zugunsten des Beschuldigten muss der
Anklagesachverhalt mit der Verteidigung so ausgelegt werden, dass er bei einer
gefahrenen Geschwindigkeit von ca. 120 km/h über 2 Sekunden eine Distanz von
ca. 10 Metern zum Fahrzeug der beiden Zeugen inne hatte, was einer in dieser
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Zeit tatsächlich zurück gelegten Distanz von 66.66 Metern entspricht (Urk. 59
S. 20). Wie die Verteidigung auch die bundesgerichtliche Rechtsprechung zutref-
fend zitiert hat (Urk. 59 S. 20 f.), ist die Dauer des zu nahen Abstandes nur ein
Kriterium neben anderen, wie z.B. das Verkehrsaufkommen, die gefahrene Ge-
schwindigkeit und auch die Witterung. Entsprechend den Aussagen des Zeugen
C._ herrschte zum Zeitpunkt der inkriminierten Delikte schönes und trocke-
nes Wetter sowie geringes Verkehrsaufkommen (Urk. 6/1 S. 3
Fragen 15 f.; Urk. 6/2 S. 6 Frage 33).
Eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG begeht, wer
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt.
Dieser Tatbestand ist objektiv gesehen dann erfüllt, wenn der Täter eine wichtige
Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und dadurch die Ver-
kehrssicherheit ernstlich gefährdet. Auf der subjektiven Seite ist ein rücksichts-
loses oder sonst schwerwiegendes Verhalten des Täters erforderlich (Hans
Maurer, Navigator Kommentar StGB, 19. Aufl., Zürich 2013, N 21 ff. zu Art. 90
SVG, m.w.H.).
Dass der Beschuldigte bei einem Abstand von ca. 10 Metern und einer ge-
fahrenen Geschwindigkeit von ca. 120 km/h eine grundlegende Verkehrsvorschrift
verletzt hat, die für die Verkehrssicherheit wichtig ist oder deren Missachtung ein
hohes Unfallrisiko birgt (Hans Maurer, a.a.O., N 22 zu Art. 90 SVG, m.w.H.), ist
unbestritten und bedarf keiner eingehenderen Erläuterung. Dieser zu geringe Ab-
stand erfolgte jedoch lediglich über eine Dauer von 2 Sekunden und dies wiede-
rum bei geringem Verkehrsaufkommen sowie trockener und schöner Witterung.
Ganz offensichtlich ist der Beschuldigte an besagtem 15. April 2015 dem Fahr-
zeug der Zeugen hinten aufgefahren, in der Hoffnung, sie würden für ihn auf der
Überholspur Platz machen, um dann, als dies nicht eintraf, unverzüglich auf die
rechte Fahrspur zum Überholmanöver auszuweichen. In einer Gesamtbetrach-
tung sämtlicher vorliegende Umstände kann deshalb noch nicht von einer schwe-
ren Missachtung der Abstandsvorschrift und einem rücksichtslosen Verhalten des
Beschuldigten gesprochen werden. Mit der Verteidigung ist dieses Verhalten des
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Beschuldigten deshalb als einfache Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG zu würdigen.
Im Übrigen hat die Verteidigung im Eventualantrag die zutreffende vorinstanzliche
rechtliche Würdigung hinsichtlich des Rechtsüberholens und des Abbrems-
manövers der Vorinstanz anerkannt (Urk. 59 S. 20 und S. 22), weshalb die ent-
sprechenden Schuldsprüche zu bestätigen sind.
III. Sanktion
1. Am 19. Juni 2015 beschloss die Bundesversammlung diverse Änderungen
des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches (AS 2016 1249 ff.), welche gemäss
Mitteilung des Bundesrates vom 29. März 2016 auf den 1. Januar 2018 in Kraft
gesetzt wurden. Die dadurch erfolgte Revision des Sanktionenrechts hat vor-
liegend auf die Sanktionsandrohung in Art. 90 Abs. 2 SVG und die damit einher
gehende Möglichkeit der Ausfällung einer Geldstrafe Auswirkung.
Da die mit der Revision vorgenommenen Änderungen primär den Anwendungs-
bereich der Geldstrafe betreffen bzw. einschränken (Wegfall des teilbedingten
Vollzugs, Verkürzung der maximalen Anzahl Tagessätze auf 180, Festlegung ei-
ner Tagessatzuntergrenze) bzw. die Wiedereinführung der kurzen Freiheitsstrafen
(bis sechs Monate) mit sich bringen, kann das neue Recht gegenüber dem bishe-
rigen Recht grundsätzlich kaum als milder qualifiziert werden (vgl. Art. 2 Abs. 2
StGB). Im vorliegenden Fall, wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, erscheint
konkret jedoch eine bedingte Geldstrafe unter 180 Tagessätzen angemessen,
weshalb der Beschuldigte nicht von dieser Gesetzesrevision betroffen ist. Eine
Anwendung des neu gefassten Art. 41 Abs. 1 StGB, wonach statt auf eine Geld-
strafe auf eine Freiheitstrafe erkannt werden kann, wenn eine solche geboten er-
scheint oder die Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann, erscheint
wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird als nicht notwendig. Das alte Recht ist
im vorliegenden Fall für den Beschuldigten somit nicht das Mildere, weshalb das
neue Recht anzuwenden ist.
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2. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer unbedingten Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu Fr. 100.– und einer Busse von Fr. 1'000.– bestraft. Sodann
hat sie die bedingt aufgeschobene Geldstrafe von 15 Tagessätzen gemäss Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 17. Januar 2012 vollziehbar er-
klärt (Urk. 35 S. 29). Die damalige Verteidigung hat im Hauptverfahren eventuali-
ter eine Geldstrafe (in nicht-substantiierter Höhe) mit einer Tagessatzhöhe von
Fr. 30.–, eine Busse von Fr. 500.– und den Verzicht auf den Widerruf der Vorstra-
fe beantragt (Urk. 25 S. 8f.). In der Berufungserklärung hat die vormalige Verteidi-
gung keine Eventualanträge zum Strafmass gestellt (Urk. 38 S. 2). Die aktuelle
Verteidigung beantragt im Berufungsverfahren im Eventualantrag eine Bestrafung
des Beschuldigten mit einer Geldstrafe von maximal 60 Tagessätzen, welche un-
ter Würdigung aller Umstände angemessen erscheine. Für die beiden einfachen
Verkehrsregelverletzungen sei eine Busse in der Höhe von Fr. 600.– auszuspre-
chen. Zusammen mit dem massiven Führerausweisentzug, welcher mindestens
12 Monate dauern werde, und den Kosten, sei dies Denkzettel genug für den Be-
schuldigten (Urk. 59 S. 22).
3. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der Strafzumessung ange-
führt und den anwendbaren Strafrahmen korrekt bemessen (Urk. 35 S. 20 f.). Da-
rauf wird verwiesen. Entgegen der Vorinstanz gilt es heute jedoch lediglich noch
eine grobe Verkehrsregelverletzung und dafür zwei Übertretungen zu beurteilen.
4. Hinsichtlich des Rechtsüberholens ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
unvermittelt und mit deutlich höherer Geschwindigkeit rechts am Fahrzeug des
Anzeigeerstatters vorbei fuhr. Dieser sagte anschaulich aus, die Situation sei sehr
gefährlich gewesen, da er den ihm dicht aufgeschlossenen Wagen realisiert habe
und deswegen auf den Normalstreifen habe wechseln wollen (Urk. 6/1 S. 1 f.).
Hätte der Anzeigeerstatter tatsächlich die Spur gewechselt, um dem Beschuldig-
ten Platz zu machen, wäre es bei hoher Geschwindigkeit zu einer Kollision mit
dem überraschend rechts vorbeifahrenden Beschuldigten gekommen. Dies hätte
ohne Weiteres zu einem schweren Verkehrsunfall mit schwersten Folgen nicht
nur für die Insassen des Wagens des Anzeigeerstatters, sondern allenfalls auch
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andere Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn führen können. Die objektive Tat-
schwere wiegt erheblich.
Zur subjektiven Tatschwere muss weitgehend gemutmasst werden, da der Be-
schuldigte ja die Täterschaft bestreitet. Als Motiv kommt einzig seine Absicht,
schneller als der Anzeigeerstatter - und damit mit übersetzter Geschwindigkeit -
vorwärts zukommen und sich nicht durch andere, korrekt fahrende Verkehrsteil-
nehmern aufhalten zu lassen. Diese Motivation ist nicht nur egoistisch, sondern
auch rücksichtslos, da der Beschuldigte nicht davor zurückgeschreckte, einzig
zum - nichtigen - Zweck, schneller fahren zu können, eine konkrete Gefährdung
für andere zu schaffen.
Die subjektive Tatschwere relativiert die objektive Tatschwere nicht. Das Ver-
schulden wiegt erheblich. Entsprechend ist eine hypothetische Einsatzstrafe von
rund 40 Tagessätzen Geldstrafe anzusetzen.
5. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persön-
lichen Verhältnisse des Beschuldigen angeführt (Urk. 35 S. 24 f.). An der Beru-
fungsverhandlung wurde aktualisiert, dass er nun mit seiner Freundin zusammen
wohne, welche sich jedoch als Studentin nur beschränkt und in unregelmässiger
Höhe am Mietzins beteiligen könne. Er arbeite nach wie vor bei der G._ als
Vorsorgeberater im Aussendienst, wobei er durchschnittlich Fr. 4'500.– bis
Fr. 5'000.– pro Monat verdiene. Bei einem allfälligen Schuldspruch würde er die-
sen Job jedoch verlieren, da er ohne Führerausweis keine Kundenbesuche mehr
machen könne (Urk. 58 S. 2 ff.).
Die persönlichen Verhältnisse wirken strafzumessungsneutral. Eine besondere
Strafempfindlichkeit weist der Beschuldigte nicht auf. Ein positives Nachtatverhal-
ten in Form von Einsicht, Reue oder auch nur eines Geständnisses kann er nicht
strafmindernd für sich reklamieren. Zu einer massiven Straferhöhung führen hin-
gegen die zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten, allesamt im Bereich des
Strassenverkehrsgesetzes (Urk. 57). Der Beschuldigte hat drei Vorstrafen wegen
Nichtabgabe von Ausweisen und/oder Verkehrsschildern. Dies belegt zwar noch
kein rücksichtsloses Verhalten im Strassenverkehr, hingegen sehr wohl, dass der
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Beschuldigte sich um die im Strassenverkehr geltenden gesetzlichen Regeln
schlicht futiert. Noch schwerer wiegt die einschlägige Vorstrafe gemäss Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen, mit welchem ein gefährliches Überhol-
manöver des Beschuldigten sanktioniert wurde (vgl. Beizugsakten). Sodann hat
sich der Beschuldigte nur kurz vor den hier zu beurteilenden Taten auch in
Deutschland durch eine Geschwindigkeitsüberschreitung strafbar gemacht (Über-
schreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h um 31 km/h;
Urk. 14/4). Zudem wurde dem Beschuldigten bisher schon dreimal für je einen
Monat der Führerausweis entzogen (Urk. 14/6 S. 2). Hinzu kommt, dass das vor-
liegend Inkriminierte während laufender Probezeit des zitierten Strafbefehls be-
gangen wurde. Das Verhalten des Beschuldigten ist insgesamt mit Blick auf die
bundesgerichtlichen Praxis als beharrlich und unbelehrbar zu bezeichnen (Urteil
6B_587/2015 vom 6. April 2016 E. 1.3.4.).
6. Die Beurteilung der Täterkomponente führt zu einer massiven Erhöhung der
nach der Beurteilung der Tatkomponente bemessenen hypothetischen Einsatz-
strafe auf eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen.
7. Die Vorinstanz hat die Tagessatzhöhe mit zutreffender Begründung auf
Fr. 100.– festgesetzt (Urk. 35 S. 25 f.). Dies ist auch den aktuellen Verhältnissen
des Beschuldigten angemessen (Urk. 45; Urk. 58 S. 2 f.) und wurde im Übrigen
von der Verteidigung nicht bemängelt (Urk. 59 S. 22). Die Tagessatzhöhe von
Fr. 100.– ist deshalb zu bestätigen.
8. Angesichts seiner zahlreichen Vorstrafen ist dem Beschuldigten ohne Weite-
res eine schlechte Legalprognose zu stellen (Urk. 57). Wiederholte bedingte wie
unbedingte Geldstrafen vermochten ihn nicht davon abzuhalten, immer wieder
straffällig zu werden. Wenn die vormalige und auch heutige Verteidigung behaup-
tet, der Beschuldigte habe - abgesehen vom Vorliegenden - seit 2010 nicht mehr
delinquiert (Urk. 25 S. 9; Urk. 59 S. 23), ist dies mit Verweis auf die Verurteilung in
Deutschland aktenwidrig (Urk. 14/4).
Die heute auszufällende Geldstrafe ist mit der Vorinstanz (Urk. 35 S. 27) deshalb
zu vollziehen (Art. 42 Abs. 1 StGB).
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9. Für die beiden Übertretungen ist eine Busse auszusprechen (Art. 90 Ziff. 1
SVG).
Zum Bremsmanöver hat die Vorinstanz erwogen, "unter Berücksichtigung des
Verschuldens, der Gefährlichkeit des Bremsmanövers und der finanziellen Situa-
tion des Beschuldigten rechtfertige sich eine Busse von Fr. 1'000.--" (Urk. 35
S. 26).
Das Verschulden wiegt noch leicht: Der Anzeigeerstatter hat selber geschildert,
der Beschuldigte habe sich in einer relativ grossen Distanz vor ihm befunden, als
er gebremst habe; eine Kollisionsgefahr hätte nur bestanden, wenn der Anzeige-
erstatter ohne Verlangsamung weitergefahren wäre (Urk. 6/1 S. 3 f.; Urk. 6/2 S. 4
und 6). Das Bremsmanöver des Beschuldigten war somit wohl eigentlich schika-
nös, jedoch noch nicht gefährlich.
Zum nahen Auffahren des Beschuldigten ist zu bemerken, dass der Beschuldigte
auch hier zum Objektiven eine konkrete Gefahr für die Insassen des Wagens des
Anzeigeerstatters und allenfalls weitere Verkehrsteilnehmer geschaffen hat. Hätte
der Anzeigeerstatter aus irgendwelchen Gründen bremsen müssen, hätte der Be-
schuldigte eine Auffahrkollision bei hoher Geschwindigkeit mit allenfalls schwers-
ten Folgen nicht vermeiden können. Relativierend wirkt, dass die Phase des zu
knappen Abstands nur kurz (gemäss Anklage zugunsten des Beschuldigten:
2 Sekunden) dauerte. Zur subjektiven Tatschwere gilt das zum Rechtsüberholen
Erwogene.
Für beide Übertretungen rechtfertigt es sich, den Beschuldigten mit einer Busse
von je Fr. 500.– zu bestrafen, gesamthaft folglich Fr. 1'000.–, unter Ansetzung ei-
ner Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
10. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Ver-
gehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so
widerruft das Gericht gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB die bedingte Strafe oder den
bedingten Teil der Strafe. Per 1. Januar 2018 - und somit nach Ausfällung des
angefochtenen Urteils durch die Vorinstanz - hat der Gesetzgeber die massgeb-
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liche Bestimmung sodann wie folgt ergänzt: Sind die widerrufene und die neue
Strafe gleicher Art, so bildet es in sinngemässer Anwendung von Artikel 49 eine
Gesamtstrafe.
Da die neue Regelung für den Beschuldigten mutmasslich milder ist, kommt heute
nArt. 46 Abs. 1 StGB zur Anwendung (Art. 2 Abs. 2 StGB).
Heute ist eine unbedingte Geldstrafe auszusprechen und es ist entgegen der An-
sicht der Verteidigung (Urk. 59 S. 4 und 23) dem Beschuldigten eine negative Le-
galprognose zu stellen. Entsprechend ist die bedingt aufgeschobene Vorstrafe
aus dem Jahre 2012 von 15 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 140.– vollziehbar zu
erklären und es ist aus dieser Strafe und der aktuell auszufällenden Strafe eine
Gesamtstrafe zu bilden. Diese ist in Berücksichtigung des Asperationsprinzip auf
70 Tagessätze Geldstrafe anzusetzen.
Mithin ist der Beschuldigte unter Widerruf des bedingten Vollzugs der Strafe ge-
mäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 17. Januar 2012 mit ei-
ner Gesamtstrafe von 70 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 100.– zu bestrafen.
IV. Kosten
1. Anders als noch bei Vorinstanz erfolgt heute lediglich ein und nicht mehrere
Schuldsprüche wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. Dies hat jedoch
keinen Freispruch zur Folge, sondern ist Ausfluss einer anderen rechtlichen Wür-
digung, die ebenfalls zu einem Schuldspruch führt (einfache Verkehrsregel-
verletzung). Ausgangsgemäss ist deshalb die angefochtene Kostenregelung der
Vorinstanz (Urteilsdispositiv Ziff. 6. und 7.) zu bestätigen (Art. 426 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzuset-
zen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der appellierende Beschuldigte mit seinen
Anträgen weitestgehend, lediglich im Eventualantrag obsiegt er mehrheitlich. Es
rechtfertigt sich daher, ihm die Kosten dieses Verfahrens zu drei Vierteln aufzuer-
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legen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 StPO). Für
die anwaltliche Vertretung im Berufungsverfahren ist dem Beschuldigten eine re-
duzierte Prozessentschädigung von Fr. 2'000.– (inkl. Mehrwertsteuer) zuzu-
sprechen.