Decision ID: fc7dd19d-88f1-5f94-8d42-30714e69d990
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X. erwarb am 21. Mai 1996 den Führerausweis der Kategorien B und BE sowie der
Unterkategorien A1, D1 und D1E. Vom 19. Februar bis 17. März 2018 war sie zur
Behandlung diverser Erkrankungen in der Klinik K. hospitalisiert. Der Austrittsbericht
der Klinik K. vom 16. März 2018 listet eine Reihe von Diagnosen und Therapien auf und
enthielt unter dem Titel "Prozedere" folgende Formulierung:
"Wir bitten um Reevaluation der Fahrtauglichkeit [von X.] bei Medikation mit Targin
5/2.5mg, üblicherweise hat nach 3 Wochen Medikation diese Schmerzmedikation
keinen Einfluss mehr auf die Fahrtauglichkeit. Therapiebeginn war 07.03.2018."
Der Austrittsbericht gelangte in der Folge an den Regionalen Ärztlichen Dienst der
Invalidenversicherung AI, AR, GR, SG und TG (abgekürzt: RAD Ostschweiz). Der
zuständige Arzt des RAD Ostschweiz, Dr.med. F., stellte in einer Aktennotiz vom 17.
April 2018 als Hauptdiagnosen bei X. eine rheumatoide Arthritis, eine Polyarthrose
sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
fest. In Übereinstimmung mit dem Austrittsbericht der Klinik K. stellte der Arzt fest,
dass erhebliche Bedenken beständen, ob bei X. die körperlichen und seelischen
Voraussetzungen noch vorlägen, um einen Bus zu steuern.
B.- Am 17. April 2018 machte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
(abgekürzt: SVA) dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt eine Meldung gemäss
Art. 66c IVG (Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, SR 831.20), wonach sie bei
X. aus medizinischen Gründen an der Fahrtauglichkeit zweifle. Das
Strassenverkehrsamt ersuchte die SVA in der Folge am 20. April 2018 um Zustellung
der Akten, welche diese am 24. April 2018 übermittelte. Mit Schreiben vom 26. April
2018 stellte das Strassenverkehrsamt X. eine verkehrsmedizinische Untersuchung in
Aussicht und gab ihr Gelegenheit, innert 10 Tagen dazu Stellung zu nehmen. Am 9. Mai
2018 nahm X. gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, Y., Einsicht in die Verfahrensakten.
Am 14. Mai 2018 reichte sie eine Stellungnahme samt Akten ein. Mit Verfügung vom
24. Mai 2018 ordnete das Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinische
Untersuchung an.
C.- Dagegen erhob X. mit Eingabe vom 28. Mai 2018 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen. Sie beantragte sinngemäss die
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Aufhebung der Verfügung vom 24. Mai 2018 und den Verzicht auf die Erhebung von
Kosten. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 8. Juni 2018 auf eine
Vernehmlassung. Mit Schreiben vom 18. Juni 2018 reichte X. weitere Akten ein.
Auf die Ausführungen im Rekurs zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich,
in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Bei der
Verwaltungsrekurskommission können unter anderem die Verfügungen der für den
Vollzug der Strassenverkehrsgesetzgebung zuständigen Behörden mit Rekurs
angefochten werden (Art. 41 lit. g des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Da die Rekurrentin zur Rekurserhebung befugt ist und die
gesetzlichen Anforderungen von Art. 45, Art. 47 und Art. 48 VRP erfüllt sind, ist auf den
Rekurs einzutreten.
2.- Die angefochtene Verfügung vom 24. Mai 2018 ist von Amtes wegen auf ihre
formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen. Hierzu gehört namentlich die Wahrung des
rechtlichen Gehörs. Die beabsichtigte Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung wurde der Rekurrentin von der Vorinstanz vorab mitgeteilt und ihr wurde
Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Die Rekurrentin nahm in die Verfahrensakten
Einsicht und reichte der SVA eine Stellungnahme ein, welche von der Vorinstanz
indessen zur Kenntnis genommen wurde. Die Verfügung der Vorinstanz enthielt eine
kurze Begründung. Insgesamt wurde der Anspruch auf rechtliches Gehör gewahrt, was
von der Rekurrentin auch nicht bestritten wird. Die vorinstanzliche Verfügung erweist
sich daher als formell rechtmässig.
3.- In materieller Hinsicht ist streitig, ob die Vorinstanz zu Recht eine
verkehrsmedizinische Untersuchung anordnete.
a) Gemäss Art. 15d Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen, wenn Zweifel an ihrer
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Fahreignung bestehen. Mit diesem Begriff werden die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen des Individuums umschrieben, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr
sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE
133 II 384 E. 3.1). Zweifel an der Fahreignung bestehen namentlich dann, wenn einer
der Umstände gemäss Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.2). Nach Art. 15d Abs. 1 lit.
d SVG wird eine Person bei einer Meldung einer kantonalen IV-Stelle nach Artikel 66c
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR 831.20, abgekürzt: IVG) einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen. Erfolgt eine solche Meldung, so muss die
Strassenverkehrsbehörde von Amtes wegen die erforderlichen Abklärungen vornehmen
(P. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 15d
N 94). Auch das Fahren unter dem Einfluss von Medikamenten kann die Fahrfähigkeit
beinträchtigen (P. Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 36). Das gilt insbesondere bei
länger andauernder Medikation, selbst wenn die Medikamente ärztlich verordnet
worden sind. Problematisch kann sich auch ein Mix von eingenommenen
Medikamenten auswirken (vgl. Expertengruppe Verkehrssicherheit des
Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation,
Leitfaden "Verdachtsgründe fehlender Fahreignung" vom 26. April 2000, Ziff. 5.1,
abrufbar unter www.astra.admin.ch/Dokumentation/Gesetzgebung/Richtlinien oder in:
Jusletter vom 11. September 2000, Rz. 11), und zwar unter anderem im Hinblick auf
allfällige gegenseitige Wirkungsverstärkungen.
b) Die Vorinstanz begründete die Anordnung der verkehrsmedizinischen Untersuchung
in der angefochtenen Verfügung damit, dass die IV-Stelle an der Fahrtauglichkeit der
Rekurrentin zweifle. Aus der Aktennotiz des RAD Ostschweiz vom 17. April 2018 gehe
hervor, dass aufgrund der bei der Rekurrentin bestehenden Arthritis, der Polyarthrose
und der chronischen Schmerzstörung Zweifel an der Fahreignung bestehen würden.
c) Die Rekurrentin wendet sich in ihrem Rekurs im Wesentlichen gegen gewisse
Feststellungen in den ärztlichen Berichten. Sie habe eine zweiwöchige
Schmerztherapie wegen einer neurologischen Erkrankung gemacht und habe sich
danach zur Erholung und Gesundung während vier Wochen in der Klinik K.
aufgehalten. Es stimme nicht, dass ihre Arbeitsstelle zwischenzeitlich gekündigt
worden sei. Sie habe sich stufenweise wieder auf eine hundertprozentige Tätigkeit
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eingearbeitet. Sie verstehe nicht, wie ein Verdacht auf Einschränkung ihrer
Fahrfähigkeit bestehen könne, obwohl sie nach dem Klinikaufenthalt wieder im
Arbeitsprozess sei. Sie sei seit dem Klinikaufenthalt sozusagen schmerzfrei. Sie
bemängle, dass sie der zuständige Arzt des RAD Ostschweiz noch nie gesehen und
angehört habe. Dieser gehe im Übrigen auch von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus. Ihre
Hausärztin, die sie als Patientin kenne, schreibe zudem, dass sie als Busfahrerin
sukzessive wieder einsteigen könne, nachdem die Opioidmedikation seit Anfang März
2018 eingeleitet und diesbezüglich ein Steady State erreicht worden sei. Schliesslich
sei ihr per 15. Juni 2018 ausgestellter Fahrerqualifizierungsnachweis zu beachten.
d) Im vorliegenden Fall stützt sich die Vorinstanz in erster Linie auf die Meldung der
SVA vom 17. April 2018, wonach bei der Rekurrentin Zweifel an der Fahreignung
beständen. Erhält das Strassenverkehrsamt eine solche Meldung gemäss Art. 66c IVG,
hat sie von Amtes wegen eine verkehrsmedizinische Untersuchung anzuordnen (Art.
15d Abs. 1 lit. d SVG). Es besteht in diesem Fall grundsätzlich kein
Ermessensspielraum (vgl. P. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015,
Art. 15d N 94); eine weitere Abklärung wäre aber etwa dann zu treffen, wenn die
Meldung der IV-Stelle offensichtlich versehentlich erfolgt ist. Die Rekurrentin rügt
sinngemäss, dass die Meldung der SVA auf falschen oder unzureichenden Angaben in
den ärztlichen Berichten beruhe. Sie sei vom Arzt des RAD Ostschweiz niemals
untersucht und angehört worden; sie fühle sich arbeits- und fahrtauglich. Diesen
Vorbringen ist entgegenzuhalten, dass bereits im Austrittsbericht der Klinik K. explizit
erwähnt wird, dass die Fahreignung der Rekurrentin zu überprüfen sei. Die Rekurrentin
wurde während vier Wochen in der Klinik K. behandelt. Die Einschätzung der dortigen
Ärzte muss deshalb als fundiert betrachtet werden; gegenteilige Hinweise sind
jedenfalls nicht ersichtlich. Insofern durfte sich der zuständige Arzt des RAD
Ostschweiz auch auf den Austrittsbericht und die übrigen vorhandenen Akten stützen.
Dass die involvierten Ärzte nicht ausschliessen, dass die Rekurrentin wieder als
Busfahrerin arbeiten kann, bedeutet sodann nicht, dass überhaupt keine Zweifel an
ihrer Fahreignung bestehen; es belegt vielmehr nur, dass die Fachpersonen die
vorhandenen Zweifel unter ihrem aktuellen Kenntnisstand nicht als derart gravierend
erachten, dass sie der Rekurrentin die Fahreignung zum Voraus und ohne weitere
Abklärungen absprechen würden. Hieraus kann die Rekurrentin also nichts zu ihren
Gunsten ableiten. Im Übrigen sind die diagnostizierten Erkrankungen (und namentlich
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die chronische Schmerzstörung) sowie die Vielzahl an eingenommenen Medikamenten
(13 an der Zahl gemäss Bericht der Hausärztin der Rekurrentin vom 7. April 2018) an
sich schon geeignet, Zweifel an der Fahreignung der Rekurrentin zu wecken.
Insbesondere das Medikament Targin 5/2.5mg kann gemäss Beipackzettel die
Reaktionsfähigkeit, die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Werkzeuge und Maschinen zu
bedienen, beeinträchtigen. Da die Rekurrentin als Busfahrerin beruflich Personen
befördert, ist sie schliesslich auch für die Sicherheit der Mitfahrerinnen und Mitfahrer
verantwortlich. Angesichts all dieser Umstände war die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung angezeigt. Daran ändert auch der per 15. Juni
2018 neu ausgestellte Fahrerqualifizierungsnachweis nichts, geht doch aus den
diesbezüglich eingereichten Akten nicht hervor, ob es sich dabei nur um den Ersatz
eines abgelaufenen Ausweises handelt oder ob bzw. wann die Rekurrentin kürzlich
besondere Anforderungen wie namentlich die vorgesehenen Prüfungen oder
Weiterbildungen absolvierte; unbesehen davon werden medizinische Abklärungen vor
der Ausstellung des Fahrerqualifizierungsnachweises nicht routinemässig
vorgenommen (vgl. Art. 6 ff. der Verordnung über die Zulassung von Fahrzeugführern
und Fahrzeugführerinnen zum Personen- und Gütertransport auf der Strasse, SR
741.521).
e) Unter diesen Umständen bestehen Zweifel an der Fahreignung der Rekurrentin. Die
Vorinstanz ordnete deshalb zu Recht eine verkehrsmedizinische Untersuchung an. Der
Rekurs ist abzuweisen.
f) Die Rekurrentin rügt sinngemäss auch die Kosten, die durch die
verkehrsmedizinische Untersuchung verursacht werden. Wer eine Amtshandlung zum
eigenen Vorteil oder durch sein Verhalten veranlasst, hat die vorgeschriebene Gebühr
zu entrichten und kann zudem zum Ersatz der Barauslagen der Behörde verpflichtet
werden (Art. 94 Abs. 1 VRP). Die Kosten der verkehrsmedizinischen Untersuchung
entstehen im Rahmen eines strassenverkehrsrechtlichen
Administrativmassnahmeverfahrens; es handelt sich dabei um eine Verwaltungsgebühr
zur Erlangung oder Beibehaltung des Führerausweises, welche die Fahrzeuglenkerin zu
leisten hat. Dementsprechend ist es zulässig, dass die Kosten der
verkehrsmedizinischen Untersuchung die Rekurrentin trägt (vgl. BGer
1C_248/2011 vom 30. Januar 2012 E. 4.2).
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4.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die Rekurrentin dringt mit
ihren Rügen nicht durch; sie hat als Unterliegende die amtlichen Kosten zu tragen. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12) erscheint angemessen; der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu
verrechnen.