Decision ID: a0de2780-b256-51b0-9b06-cb433ca05a08
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge im April 2012 sei-
nen Heimatstaat verliess und sich bis zu seiner Weiterreise in die
Schweiz in Griechenland aufhielt,
dass er am 21. April 2013 über Italien in die Schweiz einreiste und glei-
chentags um Asyl nachsuchte,
dass er anlässlich der Kurzbefragung vom 26. April 2013 und der Anhö-
rung nach Art. 29 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,
SR 142.31) am 3. Juli 2013 zur Begründung seines Asylgesuches geltend
machte, er sei in die Schweiz gekommen, da er in seinem Heimatstaat
keine wirtschaftliche Perspektive habe und die Lebensumstände schwer
seien,
dass das BFM mit Verfügung vom 10. Juli 2013 – eröffnet am 16. Juli
2013 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 AsylG auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug der Wegweisung anordnete,
dass zur Begründung des Entscheids im Wesentlichen ausgeführt wurde,
in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 AsylG werde auf ein Asylgesuch nicht
eingetreten, wenn ein Gesuchsteller kein Asylgesuch im Sinne von Art. 18
AsylG stelle und ein Solches erst dann vorliege, wenn die betroffene Per-
son in irgendeiner Weise zu erkennen gebe, sie ersuche die Schweiz um
Schutz vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG oder Art. 3 der Konventi-
on vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101),
dass der Beschwerdeführer hingegen geltend gemacht habe, aus-
schliesslich aus wirtschaftlichen Gründen in der Schweiz um Asyl nachzu-
suchen und keinerlei Probleme vorgebracht habe, die Hinweise auf eine
Verfolgung im oben genannten Sinne geben könnten, weshalb auf das
Asylgesuch in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 AsylG nicht einzutreten und
in der Folge gestützt auf Art. 44 Abs. 1 AsylG die Wegweisung des Be-
schwerdeführers aus der Schweiz anzuordnen sei,
dass der Vollzug der Wegweisung sich zudem als zulässig, zumutbar und
technisch möglich sowie praktisch durchführbar erweise,
D-4147/2013
Seite 3
dass der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
19. Juli 2013 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhob und in
materieller Hinsicht beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben,
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren,
eventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzuges festzustellen und seine vorläufige Aufnahme
in der Schweiz anzuordnen,
dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege, um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung und
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte sowie
eventualiter die Wiederherstellung der aufschiebende Wirkung und die
vorsorgliche Anweisung zuhanden der zuständigen Behörde beantragte,
die Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat- oder Herkunftsstaa-
tes sowie jegliche Datenweitergabe an dieselben zu unterlassen bezie-
hungsweise bei bereits erfolgter Datenweitergabe, ihn mit separater Ver-
fügung darüber zu informieren,
dass die vorinstanzlichen Akten am 23. Juli 2013 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah-
rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM
entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 - 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), eine solche Aus-
nahme jedoch nicht vorliegt,
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG rich-
tet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
D-4147/2013
Seite 4
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – vor-
behaltlich der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108
Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die
Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es
das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 32 - 35 und Art. 35a Abs. 2 AsylG), die Beurteilungskompe-
tenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist,
ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl.
BVGE 2011/9 E. 5 S. 116),
dass die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von
Asyl nicht Gegenstand des angefochtenen vorinstanzlichen Nichteintre-
tensentscheides bilden, weshalb auf die diesbezüglichen Beschwerdean-
träge nicht einzutreten ist,
dass die Vorinstanz demgegenüber die Frage der Wegweisung sowie des
Wegweisungsvollzuges materiell geprüft hat, weshalb dem Bundesver-
waltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt,
dass die Beschwerde aufschiebende Wirkung hat (vgl. Art. 42 AsylG,
Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung nicht entzogen hat (vgl. Art. 55 Abs. 2 VwVG),
weshalb auf den Eventualantrag, die aufschiebende Wirkung der Be-
schwerde sei wiederherzustellen, ebenfalls nicht einzutreten ist,
dass das Bundesverwaltungsgericht über offensichtlich unbegründete Be-
schwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entscheidet
(Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachstehend aufge-
zeigt, um eine solche handelt, weshalb auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet werden kann und der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu
begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
D-4147/2013
Seite 5
dass nach Art. 32 Abs. 1 AsylG auf Gesuche, welche die Voraussetzun-
gen von Art. 18 AsylG nicht erfüllen, nicht eingetreten wird,
dass nach Art. 18 AsylG als Asylgesuch jede Äusserung gilt, mit der eine
Person zu erkennen gibt, dass sie die Schweiz um Schutz vor Verfolgung
nachsucht,
dass dabei praxisgemäss von einem weiten Verfolgungsbegriff auszuge-
hen ist, der neben den in Art. 3 AsylG genannten Gründen auch Wegwei-
sungshindernisse im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83
Abs. 2-4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslän-
derinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) umfasst,
dass der Geltungsbereich des weiten Verfolgungsbegriffs allerdings auf
erlittene oder befürchtete Benachteiligungen, die direkt oder indirekt von
Menschen ausgehen, eingeschränkt ist und somit vom weiten Verfol-
gungsbegriff einerseits Wegweisungshindernisse ausgeschlossen sind,
die allein in der Person oder deren persönlichen Lebenssituation fussen,
sowie andererseits Ereignisse höherer Gewalt, die nicht von Menschen-
hand verursacht wurden,
dass der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuches angab,
den Heimatstaat ausschliesslich aus wirtschaftlichen Gründen und in der
Hoffnung auf eine bessere Zukunftsperspektive verlassen zu haben
(act. A13/9 S. 5) und er auch auf konkrete Nachfrage explizit vorbrachte,
keine weiteren Ausreise- oder Asylgründe zu haben (act. A 13/9 S. 6),
dass mithin keine Hinweise auf eine Verfolgung im weiten Sinne von
Art. 18 AsylG vorliegen und das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 32
Abs. 1 AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetre-
ten ist,
dass auch die Vorbringen in der Beschwerde, welche sich auf allgemeine
Ausführungen zur politischen und wirtschaftlichen Situation im Heimat-
staat beschränken (Beschwerdeakten, act. 1), zu keiner anderen Beurtei-
lung führen,
dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kan-
ton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf
Erteilung einer solchen besteht, weshalb die verfügte Wegweisung im
D-4147/2013
Seite 6
Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom
Bundesamt zu Recht angeordnet wurde (vgl. BVGE 2009/50 E. 9),
dass die Vorinstanz ferner den Vollzug der Wegweisung zu Recht und mit
zutreffender Begründung – auf welche verwiesen werden kann – als zu-
lässig, zumutbar und möglich erachtete,
dass sich aus den Akten insbesondere keine Anhaltspunkte dafür erge-
ben, dem Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr in den Heimat-
staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbo-
tene Strafe oder Behandlung drohen,
dass allein aufgrund der allgemeinen Menschenrechtssituation und der
politisch-wirtschaftlichen Lage in Algerien nicht von der generellen Unzu-
mutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung auszugehen ist,
dass der junge und – soweit aktenkundig – gesunde Beschwerdeführer
im Heimatstaat über ein familiäres Beziehungsnetz verfügt und er eige-
nen Angaben gemäss während seines Aufenthalts in Europa von seinem
Vater finanziell unterstützt worden ist (act. A13/9 S. 6), weshalb davon
ausgegangen werden kann, dass er bei einer Rückkehr in den Heimat-
staat auf die Hilfe seiner Familie zählen kann und nicht in eine existen-
zielle Notlage geraten wird,
dass es dem Beschwerdeführer zudem zuzumuten ist, sich in seinem
Heimatstaat wieder eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzubauen, zu-
mal er eigenen Angaben gemäss bis zu seiner Ausreise im Baugewerbe
und als Marktverkäufer tätig war (act. A13/9 S. 6),
dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Heimat-
staat schliesslich auch möglich ist, da keine Vollzugshindernisse beste-
hen (Art. 83 Abs. 2 AuG) und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der
Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515),
dass entsprechend der vorstehenden Erwägungen auch der von der Vor-
instanz verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,
dass der Antrag, im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei die Kon-
taktaufnahme mit dem Heimat- oder Herkunftsstaat sowie jede Weiterga-
be von Daten an denselben zu unterlassen, mit dem vorliegenden Urteil
gegenstandslos geworden ist,
D-4147/2013
Seite 7
dass den Akten sodann auch keine Hinweise auf eine bereits erfolgte Da-
tenweitergabe durch das BFM zu entnehmen sind, weshalb der Eventual-
antrag auf Offenlegung einer solchen Weitergabe mittels separater Verfü-
gung ebenfalls gegenstandslos ist,
dass sodann auch das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses mit vorliegendem Urteil gegenstandslos wird,
dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, in-
wiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtser-
heblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unange-
messen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen
ist, soweit darauf einzutreten und diese nicht gegenstandslos ist,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG abzuweisen ist, da die Beschwer-
debegehren als aussichtslos zu bezeichnen sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.–
(Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1
und 5 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
D-4147/2013
Seite 8