Decision ID: 0450c1be-c044-4312-a334-9573f49a2506
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein jamaikanischer Staatsangehöriger, reiste
am 21. Februar 2000 in die Schweiz ein. Aufgrund der Heirat mit einer
Schweizer Staatsbürgerin verfügte er über eine Aufenthaltsbewilligung bis
zum 30. Juni 2004.
A.b Das nach seiner Ehescheidung eingereichte Verlängerungsgesuch der
Aufenthaltsbewilligung wurde vom zuständigen Kanton abgewiesen,
gleichzeitig wurde ihm der Aufenthalt im Kanton verweigert und es wurde
ihm Frist zum Verlassen des Kantons gesetzt. Mit Verfügung vom 26. März
2007 dehnte das damalige Bundesamt für Migration (BFM, heutiges SEM),
die kantonale Wegweisungsverfügung auf das Gebiet der gesamten
Schweiz aus.
A.c Der Beschwerdeführer hielt sich in der Folge illegal in der Schweiz auf.
Am 21. März 2008 wurde er verhaftet und in Ausschaffungshaft gesetzt.
A.d Aufgrund erneuter Heirat mit einer Schweizer Staatsbürgerin wurde er
vorzeitig aus der Haft entlassen und ihm wurde abermals eine Aufenthalts-
bewilligung erteilt.
A.e Mit Verfügung vom 28. Juli 2015 wurde die Aufenthaltsbewilligung vom
zuständigen kantonalen Migrationsamt nicht mehr verlängert. Das Bundes-
gericht wies die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil 2C_504/2017
vom 6. Juni 2017 letztinstanzlich ab.
A.f Am 9. September 2021 wurde der Beschwerdeführer aufgrund rechts-
widrigen Aufenthalts erneut verhaftet und in Ausschaffungshaft gesetzt.
B.
Der Beschwerdeführer wurde am 24. Mai 2022 aus der Ausschaffungshaft
entlassen und suchte gleichentags in der Schweiz um Asyl nach.
C.
Am 2. Juni 2022 mandatierte er die Rechtsvertretung des Bundesasylzent-
rums (BAZ) B._.
D.
Am 27. Juli 2022 erfolgte gestützt auf Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) die
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Anhörung des Beschwerdeführers unter Anwesenheit seiner Rechtsvertre-
tung durch das SEM.
Der Beschwerdeführer machte dabei geltend, er sei in C._, Ja-
maika, geboren und aufgewachsen. Er habe mit zwei Brüdern und einer
Schwester in einem kleinen Haus im Bezirk D._ gelebt. Nachdem
er die Sekundarschule beendet habe, habe er ein Kleider- und Schuhge-
schäft gegründet, in welchem er bis zu seiner Ausreise im Jahr 2000 gear-
beitet habe. Das Geschäft sei anschliessend von seiner Mutter weiterge-
führt worden. Jamaika habe er wegen der Politik und der Regierung ver-
lassen. Er habe in Jamaika keine Möglichkeit gehabt zu leben. Überall
gebe es Gewalt und Gangs, die Menschen einfach töten würden. Er selbst
sei während seiner Zeit in Jamaika mit einer Machete bedroht worden, weil
man an sein Geld habe gelangen wollen. Die Polizei habe den Angreifer
zwar verhaftet, ihn dann aber wieder freigelassen. Zudem habe er sich kei-
ner Gang anschliessen wollen, obwohl er dazu aufgefordert worden sei.
Das Leben sei in Jamaika nichts wert. Seine Mutter habe ihr Heimatgebiet
aufgrund der Gewalt verlassen müssen und ihm gesagt, er solle nicht nach
Jamaika zurückkehren. Heutzutage sei es in Jamaika noch gefährlicher
und er selbst könne sich aufgrund seines Alters nicht mehr gegen die
Gangs zur Wehr setzen.
Auf seine gesundheitliche Situation angesprochen, gab der Beschwerde-
führer zu Protokoll, dass es ihm eigentlich gut gehe.
E.
Am 4. August 2022 stellte das SEM den Entwurf des Asylentscheids der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers zur Stellungnahme zu.
F.
Mit Stellungnahme vom 5. August 2022 führte die Rechtsvertretung des
Beschwerdeführers aus, der Entscheidentwurf würde die zweiundzwanzig-
jährige Landesabwesenheit des Beschwerdeführers vollkommen ausser
Acht lassen. Das SEM könne nicht einfach davon ausgehen, dass es ihm
möglich sei, seine Brüder zu kontaktieren und in seinem Alter in Jamaika
eine neue Existenz sowie ein soziales Netz aufzubauen, welches ihm ein
Leben in Würde ermögliche, zumal die Aussagen des Beschwerdeführers
dieser Annahme entgegenständen. Das SEM sei vielmehr gehalten, im
Rahmen seiner Untersuchungspflicht den Sachverhalt eingehend zu prü-
fen, allenfalls mittels einer konsularischen Abklärung. Der Beschwerdefüh-
rer fürchte bei einer allfälligen Rückkehr um sein Leben. Das jamaikanische
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Justizsystem sei in die Bandenkriminalität verwickelt und könne ihm nicht
den notwendigen Schutz gewähren. Er selbst verfüge aufgrund seines Al-
ters nicht mehr über eine ausreichende physische und mentale Verfas-
sung, um zu kämpfen und sich selbst zu schützen. Das SEM habe sich
dementsprechend vertieft mit der allgemeinen Sicherheitslage in Jamaika
auseinanderzusetzen.
G.
Mit Verfügung vom 8. August 2022 – gleichentags eröffnet – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie deren Vollzug an. Gleichzeitig händigte das SEM dem Beschwerde-
führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
H.
Mit Eingabe vom 6. September 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben, auf sein Asylgesuch sei einzutreten, ihm sei die
Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren, eventualiter
sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und er sei als Flüchtling
vorläufig aufzunehmen, sub-eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug
der Wegweisung unzumutbar oder unzulässig im Sinne von Art. 83 Abs. 4
AIG (SR 142.20) beziehungsweise Art. 83 Abs. 3 AIG in Verbindung mit
Art. 3 EMRK und der weitere Aufenthalt entsprechend im Sinne von Art. 83
Abs. 1 AIG zu regeln sei, sub-sub-eventualiter sei der Fall zur erneuten
Sachverhaltsfeststellung und erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG inklusive Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
I.
Am 7. September 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem Be-
schwerdeführer den Eingang der Beschwerde.
Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsgericht die vorinstanzlichen
Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105, Art. 108 Abs. 1
AsylG und Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Massnahmen im
Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verord-
nung Asyl, SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.
Zur Begründung führte sie – soweit an dieser Stelle von Belang – aus, die
vom Beschwerdeführer beschriebenen Nachteile (insbesondere Gewalt,
Bandenkriminalität, fehlende Perspektiven) seien auf die in Jamaika vor-
herrschenden allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Le-
bensbedingungen zurückzuführen und stellten keine asylbeachtliche Ver-
folgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar.
5.2 Der Beschwerdeführer hält in seiner Rechtsmitteleingabe an seinen
vorinstanzlichen Ausführungen fest und weist erneut darauf hin, dass die
Gangs in seiner Heimat seinen Familiennamen kennen würden und er als
friedlicher Mensch ein einfaches Opfer ihrer «Raub- und Mordlust» sei.
Diese würden nicht zögern da weiterzumachen, wo sie vor seiner Abreise
aus Jamaika aufgehört hätten.
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6.
6.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die
vorinstanzlichen Erwägungen nicht zu beanstanden sind. In der angefoch-
tenen Verfügung wird überzeugend dargelegt, weshalb die Vorbringen des
Beschwerdeführers keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG darstellen und somit nicht zur Asylgewährung füh-
ren können. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vollumfänglich auf
die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden. In der Beschwerdeschrift werden den Argumenten des SEM keine
substanziellen Einwände entgegengehalten, zumal sich der Beschwerde-
führer mit den vorinstanzlichen Erwägungen nicht auseinandersetzt und le-
diglich das bereits Gesagte wiederholt. Weitere Ausführungen seitens des
Gerichts erübrigen sich dementsprechend.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht kommt demnach in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG
nicht standhalten. Das SEM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
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als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 In Jamaika herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt. Wie das
SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festgehalten hat, ist auf-
grund der dort herrschenden allgemeinen politischen Lage nicht von der
generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen.
Die Vorinstanz hielt fest, es lägen keine persönlichen Gründe vor, welche
die Rückführung des Beschwerdeführers unzumutbar erscheinen liessen.
Er habe ausgeführt, mit zwei Brüdern und einer Schwester in Jamaika auf-
gewachsen zu sein, jedoch seit dem Tod seiner Mutter und seiner Schwes-
ter mit niemandem mehr Kontakt gehabt zu haben. Möglicherweise verfüge
er noch über weitere Familienangehörige in Jamaika. Zudem stehe er in
Kontakt mit den Nichten und Neffen seiner Schwester, die in E._
lebten. Aufgrund dieser Umstände sei davon auszugehen, dass es ihm
durchaus möglich wäre, seine Familie zu kontaktieren. Es sei nicht Sache
des SEM, bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen
nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen. Deshalb
sei vermutungsweise davon auszugehen, der Wegweisung ständen keine
Vollzugshindernisse im Sinne des Gesetztes entgegen (unter Verweis auf
BVGE 2014/12 E. 6). Diese Ansicht teilt das Gericht. Die Ausführungen des
Beschwerdeführers, er verfüge aufgrund seiner langen Landesabwesen-
heit über kein genügendes Beziehungsnetz in Jamaika, könne aufgrund
seines Alters keine Stelle mehr finden und sich gegen die Gangs nicht mehr
zur Wehr setzen, erweisen sich als blosse, nicht weiter konkretisierte Par-
teibehauptungen. Der Beschwerdeführer reiste erst mit (...) Jahren in die
Schweiz ein, hat somit den grösseren Teil seines Lebens in seinem Hei-
matland Jamaika verbracht. Es ist davon auszugehen, dass er mit den dor-
tigen Verhältnissen nach wie vor vertraut ist respektive sich dort nach einer
gewissen Eingewöhnungszeit wieder zurechtfinden wird. Dass sich die
wirtschaftliche Situation und die Sicherheitslage in Jamaika im Vergleich
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zur Schweiz als schwieriger präsentieren, vermag noch keine konkrete Ge-
fährdung des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr in sein Heimatland
darzutun. Soweit er im Übrigen vorbringt, er verfüge dort über keine Arbeit,
ist ihm entgegenzuhalten, dass er auch hier nicht erwerbstätig ist. Medizi-
nische Probleme lassen sich den Akten schliesslich keine entnehmen, der
Beschwerdeführer gilt als gesund. Es besteht somit kein Grund zur An-
nahme, dass er bei einer Rückkehr nach Jamaika in eine existenzielle Not-
lage geraten wird. Dementsprechend erweist sich der Vollzug auch in indi-
vidueller Hinsicht als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz be-
steht nach dem Gesagten somit kein Anlass. Die Beschwerde ist abzuwei-
sen.
10.
Mit vorliegendem Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos.
11.
Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Rechtsbegehren
nach dem Gesagten als aussichtslos erwiesen haben. Folglich sind die
Kosten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63
Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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