Decision ID: 5c16b0ab-07b2-43e9-81e5-c409f15346bf
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, war vom 1. August 2008 bis 30. November 2011 (Urk. 7/16 Ziff. 2) bei der
Y._
AG,
Z._
, als
Sales
Executive tätig. Am 21. September 2011 meldete sich die Versicherte beim Re
gionalen
Ar
beitsvermittlungszentrum
A._
(RAV) zum Bezug von Leistungen der Ar
beitslosenversicherung ab 1. Dezember 2011 an und stell
te sich ab diesem Zeitpunkt der Arbeitsver
mittlung im Um
fang eines Arbeitspensums von 100 % zur Verfügung (Urk. 7/15). Die Versicherte meldete dem RAV am 14. November 2011
(telefonisch;
Urk.
7/13 S. 2) und
am
5. Dezember 2011
(schriftlich;
Urk.
7/18), dass sie vom 18. Dezember 2011 bis 18. Januar 2012 Fer
ien
im Ausland (
B._
)
verbringen werde, worauf das RAV die Sache an das Amt für Wirtschaft und
Arbeit des Kan
tons Zürich (AWA) zum Entscheid über die
Ver
mittlungsfähigkeit
überwies
(Urk.
7/13 S. 2
).
Mit Verfügung vom
14. Februar
2012 (Urk.
7/19
)
verneinte das AWA die
Vermitt
lungsfähigkeit
der Versicherten für die Zeit vom 1. Dezember 2011 bis 19. Januar 2012 und bejahte de
ren
Vermittlungsfähigkeit für die Zeit ab 20. Ja
nuar 201
2.
In teilweiser Gutheissung der
von der Versicherten am 19. Mär
z 2012 dagegen erhobenen Einsprache (
Urk.
7/20) bejahte das AWA
mit
Ein
spracheentscheid
vom 16. Mai 2012 (
Urk.
7/21)
die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten für die Zeit vom 1. bis 17. Dezember 2011 und verneinte
deren
Vermittlungsfähigkeit
sowie
deren
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung für die Zeit vom 18. Dezember 2011 bis 19. Januar 201
2.
Dieser Entscheid ist un
angefochten in Rechtskraft erwachsen.
1.2
Am
24. Januar 2012
meldete das RAV dem AWA, dass die Versicherte für den Monat Dezember 2011 ungenügende
Arbeits
bemühungen
nachgewiesen habe (Urk. 7/6), worauf das AWA die Versicher
te mit Verfügung vom 14. Februar 2012 (Urk. 7/7) wegen ungenügender
Arbeits
bemühungen
während der Zeit vom 1. bis 31. Dezember 2011 für vier Tage mit Beginn am 1. Januar 2012 in der
An
spruchsberechtigung
einstellte. Die von der Versicherten am 19. März 2012 da
gegen erhobene Einsprache (Urk. 7/8) wies das AWA mit Entscheid vom 16. Mai 2012 (Urk. 7/9 =
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
betreffend Einstellung in der
Anspruchs
berechti
gung
vom
16. Mai 2012
(
Urk.
2) erhob die Versi
cherte am
20. Juni 2012
Beschwerde und bean
trag
te die un
gekürzte Ausri
ch
tung der
Arbeitslosent
schä
digung
(Urk. 1 S. 2). Mit
Beschwer
deantwort
vom
14. August 2012
(Urk.
6
) be
an
tragte das AWA die Ab
we
i
sung der Beschwerde, wovon der
Versi
cherten am
16. August 2012
eine Kopie zugestellt wurde (Urk.
8
).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosen
-
entschä
digung
ist die
Vermittlungs
fähigkeit
(Art.
8
Abs.
1
lit
.
f des Bundes
-
gesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versi
cherung und die In
sol
venz
-
entschädigung, AVIG). Gemäss Art.
15
Abs.
1 AVIG ist die arbeitslose Per
son vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zu
mutbare Arbeit anzuneh
men und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Zur
Ver
mitt
lungs
fähigkeit
gehört demnach nicht nur die Arbeits
fähigkeit im objektiven Sinn, sondern subjektiv auch die Bereitschaft, die Arbeitskraft ent
sprechend den persön
liche
n Verhält
nissen währ
end der üblichen Arbeitszeit ein
zu
setzen (BGE 125 V 51 E. 6a, 123 V 214 E. 3, je mit Hinweis; ARV 2004
Nr. 2 S. 48 E. 1.2, S. 122 E. 2.1, S. 188 E. 2.2).
Als Anspruchsvoraussetzung schliesst der Begriff der Vermittlungsfähigkeit gradu
elle Abstufungen aus. Entweder sind Versicherte vermittlungsfähig, insbe
sondere bereit, eine zumutbare Arbeit (im Umfang von mindestens 20 Prozent eines Normalarbeitspensums; vgl. Art. 5 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIV) anzunehmen, oder nicht (BGE 125 V 51 E. 6a mit Hinweisen; Nussbaumer, Arbeitslosen
versi
cherung, in: SBVR, S. 85
Rz
. 213).
1.3
Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Per
son, die Versicherungs
leistun
gen beanspruchen will, mit Unter
stützung des zu
stän
di
gen Arbeitsamtes alles Zumutbare unterneh
men, um Arbeitslosigkeit zu
ver
mei
den oder zu ver
kürzen. Insbe
sonde
re ist sie verpflich
tet, Arbeit zu su
chen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Be
mühun
gen nachweisen können. Gemäss Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG ist die versi
cherte Person in der
An
spruchsberechtigung
ein
zustellen, wenn sie sich persön
lich nicht genügend um zumut
bare Arbeit bemüht.
1.4
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine Person genügend um zumutbare Ar
beit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ihrer Be
werbungen von Bedeutung (BGE 124 V 225 E. 4a mit Hinweis). Was die Quan
tität der persönlichen Arbeitsbemühungen anbelangt, können keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden. Eine allgemein gültige Aussage über die erfor
derliche Mindestzahl an Bewerbungen ist nicht möglich. Das Quantitativ beur
teilt sich vielmehr nach den konkreten Umständen (BGE 124 V 225 E. 4a mit Hinweis). Die Verwaltungspraxis verlangt in der Regel 10 bis 12 Bewerbungen pro Monat, wobei es sich nicht um eine starre Grenze handelt, sondern die sub
jektiven und objektiven Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen sind (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_583/2009 vom 22. Dezember 2009 E. 5.1 und
C 62/06 vom
7.
August 2006 mit Hinweisen; Gerhard Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz,
Bd. I, N
15 zu Art.
17 AVIG). Dabei sind die persönlichen Umstände und Möglichkeiten der versicherten Person wie Alter, Schul- und Berufsbildung sowie die
Usanzen
des für sie in Betracht fallenden Arbeitsmarktes zu beachten (BGE 120 V 74 E. 4a S. 78; Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV,
2.
Aufl. 2007, S. 2430
Rz
. 839). Zudem ist auch zu berücksichtigen
,
wie lange eine Arbeitslo
sigkeit bereits dauert und wie die Chancen der betreffenden Person auf dem Ar
beitsmarkt
stehen
. Insgesamt gilt es bei der Würdigung des Verhaltens des Ver
sicherten unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens alle Umstände des kon
kreten Einzelfalls einzubeziehen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_583/2009 vom 22. Dezember 2009 E. 5.1)
.
1.5
Nach der Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts C 50/06 vom 23. Mai 2006 E. 2.2) stellt die Pflicht zur Vornahme persönlicher Arbeitsbemühungen eine elementare Verhaltensregel dar, die auch ohne vorgängige Aufklärung oder - im Falle ungenügender Arbeitsbemühungen - Verwarnung seitens der Ver
waltung befolgt werden muss, was sich schon daraus ergibt, dass die versicherte Person bereits vor Eintritt der Arbeitslosigkeit ihren diesbezüglichen Obliegen
heiten nachkommen und sich schon während der Kündigungsfrist um einen neuen Ar
beitsplatz bewerben muss (Urteil des Bundesgerichts C 144/05 vom 1. Dezember 2005 E. 5.2.1 mit Hinweisen). Aus diesem Grunde vermag eine versicherte Per
son nichts zu ihren Gunsten abzuleiten, wenn ihr der Berater oder die Beraterin des RAV nicht bereits bei der Anmeldung zur Ar
beitsvermittlung, sondern erst anlässlich der ersten Besprechung bekanntgibt, wie viele Bewerbungen von ihr monatlich erwartet werden (Urteile des Bundes
gerichts C 50/06 vom 23. Mai 2006 E. 2.1 und C 14/06 vom 6. September 2006 E. 2.2).
1.6
Grundsätzlich sanktioniert Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG eine Verletzung der in Art. 17 Abs. 1 AVIG statuierten Schadenminderungspflicht, insbesondere der
Pflicht, sich genügend um Arbeit zu bemühen. Diese Verknüpfung soll Arbeits
lose zur Stellensuche anspornen und eine missbräuchliche Beanspruchung der Arbeitslosenversicherung verhindern. Die Einstellung in der
Anspruchs
berechti
gung
bezweckt eine angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person an je
nem Schaden, den sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosen
versi
cherung natürlich und adäquat kausal verursacht hat (BGE 124 V 225 E. 2b mit weiteren Hinweisen). Kern der Pflicht, alles Zumutbare zu unter
nehmen, um Ar
beitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen, sind die persönli
chen
Arbeitsbe
mühungen
der versicherten Person selbst, die in der Regel streng beurteilt wer
den. Es gilt gewissermassen der Grundsatz, dass die
Arbeitsbemü
hungen
umso intensiver sein müssen, je weniger Aussicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden. Dabei stehen sowohl Tatsache als auch Inten
sität, nicht aber der Erfolg dieser Bemühungen im Vordergrund (BGE 133 V 89 E. 6.1.1).
2.
2
.1
Für den Monat
Dezember 2011
hat die Beschwerdeführerin insgesamt
sechs
Arbeits
bemühungen
nach
gewiesen, wobei sämtliche Arbeitsbemühungen im Zeitraum vom 6. bis 19. Dezember 2011 getätigt wurden (
Urk.
7/5).
Die Be
schwerdeführerin hat für den gesamten Monat Dezember 2011 daher weniger als
die
für einen Monat
in der Regel
verlangt
en
10 bis 12 Bewerbungen
(vgl. E.
1.4
) nachgewiesen.
Für die Zeit vom 20. bis 31. Dezember 2011 hat
sie
zudem überhaupt
keine Bewerbungen nachgewiesen.
2.2
Obwohl qualifizierte Berufsleute ihre persönlichen Bemühungen zunächst auf ihren bisherigen Berufszweig beschränken können, sofern dieser offene Stellen anbietet (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgericht
s
8C_278/2013 vom 2
2.
Oktober 2013 E. 2.1.3), durfte die Beschwerdeführerin ihre persönlichen Bemühungen,
Tätigkeiten im eigenen Berufsfeld zu suchen, nicht einfach wäh
rend
der Zeit
vom 20. bis 31. Dezember 2011 und damit während rund einem Drittel
des Monats Dezember
2011
unterbrechen
(
zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgericht
s
8C_278/20
13 vom 2
2.
Oktober 2013 E. 4.2)
.
Die Be
schwerdeführerin vermag sich auch nicht mit
dem Hinweis auf nur wenige Stellenausschreibungen
in ihre
m
Tätigkeitsbereich
über
die Feiertage und
den Jahreswechsel
(
Urk.
1 S. 5)
von der Pflicht der regelmässigen Arbeitssuche zu entlasten.
Nach der Rechtsprechung
gilt
sodann
der Grundsatz, dass die
Ar
beitsbemühungen
umso intensiver sein müssen, je weniger Aussicht eine versi
cherte Person hat, eine Stelle zu finden. Dabei stehen sowohl Tatsache als auch Intensität, nicht aber der Erfolg dieser Bemühungen im Vordergrund
(Urteil des Bundesgerichts C 351/05 vom 3. Juli 2006 E. 3.2.1). Die Beschwerdeführerin
hätte ihre Arbeitsbemühungen auf weitere Berufsfelder
ausdehnen müssen
,
wenn in dem für sie infrage kommenden Tätigkeitsbereich vor Jahresende
of
fene Stellen eher rar
waren
.
2.3
Im Übrigen entbindet eine Landesabwesenheit bei fehlender
Vermittlungs
fähig
keit
während einer laufenden Rahmenfrist
gemäss
der Rechtsprechung (ARV 2005 Nr. 4 S. 56 ff. = Urteil des Bundesgerichts C 208/03 vom 31. Juli 2003) die versicherte Person nicht, sich persönlich genügend um Arbeit zu bemühen.
Vielmehr hat die
V
ersicherte auch während der Zeit einer solchen
Landesabwe
senheit
- analog zur Pflicht zu Stellenbewerbungen während der
Kündigungs
zeit
- genügende Arbeitsbemühungen nachzuweisen.
2.4
Nach Gesagtem steht
daher fest, dass die Beschwerdeführerin für den Monat
Dezember 2011
lediglich
sechs
Arbeit
sbemühungen nachgewiesen (
Urk.
7/5) und sich damit in quantitativer Hinsicht nicht in genügender Weise um Arbeit bemüht hat. Damit hat sie im Monat Dezember 2011 den Tatbestand der unge
nügenden Arbeitsbemühungen im Sinne
von Art.
30
Abs.
1
lit
. c AVIG erfüllt, weshalb eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung grundsätzlich zu Recht erfolgte.
3.
3.1
Zu prüfen bleibt die Dauer der Einstellung, insbesondere der Grad des dafür massgebenden Verschuldens.
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3 AVIV).
3.2
Gemäss dem Einstellraster von
Ziff.
D72 des Kreisschreibens über die
Arbeitslo
senentschädigung
(AVIG-Praxis 2005-2012; www.treffpunkt-arbeit.ch) des Staatssekretariats für Wirtschaft (
seco
) ist bei erstmals ungenügende
n
Arbeits
bemühungen
während der Kontrollperiode leichtes Verschulden anzunehmen und eine Einstellung in
der
Anspruchsberechtigung im Umfang von drei bis vier Tagen anzuordnen.
3.3
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Ent
scheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zu
lassen. Das Gericht weicht nicht ohne triftigen Grund von
Verwaltungsweisun
gen
ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorga
ben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1 und 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen).
3.4
Die verfügte Einstellung von vier Tagen bewegt sich im Rahmen der vom
seco
für die hier zu beurteilende Konstellation vorgesehenen Richtmasse. In Würdi
gung der gesamten Umstände ist das Verhalten der Beschwerdeführerin im un
teren Bereich des leichten Verschuldens einzustufen, so dass auch unter diesem Aspekt eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung von vier Tagen als an
gemessen erscheint.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
ist deshalb zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.