Decision ID: 33e9b2d9-92ab-42c4-b6fc-c86e3320f11b
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 27. September 2003 stellte die mobile Grenzwacht auf dem  von Z._/SO einen Personenwagen der Marke BMW mit dem französischen Kontrollschild _ fest und unterzog den Lenker, A._, sowie dessen Mitfahrer, B._, einer Kontrolle. A._ wies sich dabei mit einem Ausländerausweis N sowie einem russischen Führerausweis aus. Zwecks näherer Überprüfung und da die Grenzwacht im Innern des Fahrzeugs sowie im Kofferraum Natels, verdächtige  und diverse Kleider vorgefunden hatte, wurden die beiden Brüder auf den Polizeiposten in Y._ verbracht.
Weder der Personenwagen noch die erwähnten Effekten konnten in der Folge strafbaren Handlungen zugeordnet werden. Allerdings stellte der Kriminaltechnische Dienst der Kantonspolizei Solothurn fest, dass es sich beim Führerausweis um eine Totalfälschung handelt. Entsprechend wurde A._ wegen Fahrens ohne Führerausweis (Art. 95 SVG) sowie  von Ausweisen (Art. 252 StGB) am 3. November 2003 beim  Oensingen zur Anzeige gebracht.
B. Am 5. Januar 2004 ersuchte das Untersuchungsrichteramt Oensingen den Kanton Zug gestützt auf Art. 349 StGB um Übernahme des . Es verwies dabei auf ein hängiges Verfahren, welches von den  Behörden des Kantons Zug im Zusammenhang mit einem  in X._/ZG vom 9./10. Dezember 2003 gegen A._ eröffnet worden war.
In seiner Antwort vom 22. Januar 2004 lehnte der Untersuchungsrichter des Kantons Zug die Übernahme des Strafverfahrens ab. Zur Begründung führte er aus, dass der Kanton Solothurn (bereits) am 27. September 2003 gegen A._ ein Verfahren wegen Diebstahls angehoben habe,  der Gerichtsstand nach Art. 305 Ziff. 1 Abs. 2 StGB im Kanton  liege.
Die weiteren Gerichtsstandsverhandlungen zwischen den Behörden der beiden Kantone führten zu keiner Einigung.
C. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn wandte sich mit Eingabe vom 1. März 2004 an die Anklagekammer des Bundesgerichts, welche das
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entsprechende Gesuch am 1. April 2004 zuständigkeitshalber an die  des Bundesstrafgerichts in Bellinzona übermittelte. Die solothurnische Staatsanwaltschaft beantragt darin, es seien die Behörden des Kantons Zug zur Strafverfolgung und Beurteilung des A._  und verpflichtet zu erklären (act. 1).
Das Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug seinerseits stellt mit  vom 15. März 2004 den Antrag, die Behörden des Kantons Solothurn seien als zur Strafverfolgung und Beurteilung des A._ berechtigt und verpflichtet zu erklären (act. 4).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid über die bei der - per 31. März 2004 aufgelösten -  des Bundesgerichts hängigen Verfahren betreffend  ergibt sich aus Art. 33 Abs. 1 i.V.m. 28 Abs. 1 lit. g SGG sowie Art. 351 StGB.
2. 2.1 Wird jemand wegen mehrerer, an verschiedenen Orten verübter strafbarer
Handlungen verfolgt, so sind die Behörden des Ortes, wo die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat verübt worden ist, auch für die Verfolgung und die Beurteilung der andern Taten zuständig (Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Sind diese strafbaren Handlungen mit der gleichen Strafe bedroht, so sind die Behörden des Ortes zuständig, wo die Untersuchung zuerst  wird (Art. 350 Ziff. 1 Abs. 2 StGB).
Bei der Beurteilung der Gerichtsstandsfrage muss von der Verdachtslage ausgegangen werden. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten  werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der  bildet, es sei denn, diese erweise sich von vornherein als  (BGE 98 IV 60 E. 2 S. 63; 97 IV 146 E. 1 S. 149). Die Kantone haben dabei von jener Aktenlage auszugehen, die zur Zeit der Verhandlungen über den Gerichtsstand vorliegt. Wo zur Klärung weitere Erhebungen  wurden, geht die Beschwerdekammer von der Aktenlage im  ihres Urteils aus (Urteil der Anklagekammer des Bundesgerichts 8G.2/2004 vom 26. Januar 2004 E. 1 sowie 8G.43/2003 vom 3. Juni 2003 E. 1.1; vgl. auch SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale  in Strafsachen, 2. Aufl., 2004, N. 286).
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2.2 Vorliegend ergibt sich aufgrund der Aktenlage, dass sowohl zum Zeitpunkt der Gerichtsstandsverhandlungen als auch des vorliegenden Entscheids ein Diebstahlsverdacht gegen A._ im Kanton Solothurn nicht in Frage kommt. Weder die Abklärungen, welche von der Polizei des Kantons  vorgenommen wurden, noch die Ermittlungen der Zuger Behörden lassen auf ein solches oder ein anderes, mit der gleichen oder einer  Strafe bedrohtes Delikt schliessen. Damit steht im Kanton Solothurn als schwerste strafbare Handlung der Tatbestand des Fälschens von  (Art. 252 StGB) zur Diskussion. Dieser wird vom Gesetz lediglich mit Gefängnis oder mit Busse und demgemäss mit einer geringeren Strafe bedroht als der im Kanton Zug verfolgte Diebstahl (Art. 139 StGB). Gemäss Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ist der Kanton Zug folglich für zuständig zu .
Am vorstehenden Ergebnis würde sich selbst dann nichts ändern, wenn man mit dem Gesuchsgegner davon ausgehen wollte, dass im Kanton  zu einem früheren Zeitpunkt eine Untersuchung betreffend  angehoben worden ist (vgl. hierzu BGE 86 IV 128 E. 1 b S. 130 f.;  der Anklagekammer 8G.73/2003 vom 7. Juli 2003 E. 2; SCHWERI/, a.a.O., N. 141). Stellen die Behörden eines Kantons - vor der  der Verfolgung mehrerer strafbarer Handlungen in der Hand der Behörde eines Kantons - die Untersuchung bezüglich des schwersten  ein, ohne zu wissen, dass der Beschuldigte noch in anderen  verfolgt war, so wird der Kanton, der das Verfahren einstellte,  nicht mehr gezwungen, das gleichzeitig geführte Verfahren zu übernehmen (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 299 ff.). Dies muss a fortiori gelten, wenn ein Kanton wie hier das Verfahren bezüglich eines gleich schwer wiegenden Delikts eingestellt hat, bevor das Verfahren im andern Kanton überhaupt angehoben worden ist. Entgegen der Auffassung des Gesuchsgegners (vgl. Schreiben vom 11. Februar 2004) muss dabei das solothurnische Verfahren betreffend Diebstahl als eingestellt betrachtet werden. Zwar trifft zu, dass ein formeller Abschluss nicht erfolgte.  gilt ein Verfahren im Zusammenhang mit Art. 350 Ziff. 1 StGB auch dann als beendet, wenn es als tatsächlich erledigt anzusehen ist bzw. wenn eine Untersuchung zwar eröffnet, in der Folge aber nicht  wurde, ohne dass sie je formell eingestellt worden wäre (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 269).
2.3 Zusammenfassend ist damit das Gesuch der Staatsanwaltschaft des  Solothurn gutzuheissen.
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