Decision ID: 14e57ab7-6cf1-4899-9a05-cd811c8281cb
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1991,
erlernte den Beruf der
Coiffeuse
(Urk.
7/
1
, Urk.
7/
2/4). Sie
arbeitete nach dem Lehrabschluss kurzzeitig für die
Y._
AG und bezog zeitweise Taggelder der Arbeitslosenversicherung.
V
om Januar bis Juni 2011
war sie
bei der
Z._
GmbH auf Abruf als
Coiffeuse
beschäftigt (Auszug aus dem individuellen Konto vom 21. Mai 2013
,
Urk.
7/
7
).
Am 2. Mai 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf einen
Status
nach zweimaliger Sinusvenenthrombose (Oktober 2007 und November 2011) sowie
ein Hüftgelen
kleiden (Urk.
7/
2/4-5) be
i der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
7/
2, Urk.
7/
6).
Die IV-
Stelle tätigt
e
Abklärungen in medizinischer (Urk.
7/
5, Urk.
7/
13) und beruf
lich-erwerblicher (Urk.
7/
7, Urk.
7/
10) Hinsicht. Mit
Verfügung
vo
m 28. Okto
ber 2013
wies sie das Leistungsbegehren der Versicherten ab
(Urk.
7/
2
1
).
Die dagegen von
X._
am 27.
November 2013 erhobene Beschwerde (
Urk.
7/24/3-9) hiess das
hiesige Gericht mit Urteil vom 1
7.
März 2015 in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung
aufgeho
ben und die Sache zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhaltes und Neuverfügung an die IV-Stelle
zurückgewiesen wurde
(Urk.
7/33/7).
1.2
In der Folge holte
d
ie IV-Stelle
den Bericht des
A._
vom 1
5.
Juli 2015 (
Urk.
7/40), das Konsilium Gynäkologie d
es
B._
, Klinik für Neurologie, vom
6.
Februar 2013 (
Urk.
7/42) sowie
von
der
C._
den Austrittsbericht
vom
9.
Januar 2014 (
Urk.
7/48)
und den Abschlussbe
richt vom 2
4.
Juli 2014 (
Urk.
7/52)
ein
.
Alsdann wurde die Versicherte am 15.
Dezember 2015
vom
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) untersucht (
Urk.
7/54-55).
Hernach stellte die IV-Stelle
ihr
mit Vorbescheid vom 1
6.
Februar 2016
erneut
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/5
7), wogegen die Versicherte am 18.
März 2016 vorsorglich Einwand erheben liess (
Urk.
7/59). Mit Eingabe vom 2
6.
April 2016 liess die Versicherte eine
Einwandbegründung
einreichen (
Urk.
7/62, unter Beilage der Stellung
n
ahme des
A._
vom 2
2.
April 2016 [
Urk.
7/61]).
Nachdem die
IV-Stelle die Stellungnahme des RAD vom 11.
August 2016 (
Urk.
7/63/2) eingeholt hatte, wies sie
das Leistungsbegehren von
X._
m
it Verfügung vom
1.
September 2016 wie vorbeschieden ab (Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 3
0.
September 2016 Beschwerde und liess beantragen, in Aufhebung der Verfügung vom
1.
September 2016 seien ihr die gesetzlichen Leistungen gemäss IVG zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Mit
Be
schwerdeantwort
vom
1.
November 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6, unter Beilage der IV-Akten [
Urk.
7/1-67]),
was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
2.
November 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Be
schwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
2.3
.1
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an f
örmliche Beweisregeln, sowie um
fassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren be
deutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht
alle Beweismittel, unab
hängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechts
anspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden i
st, in der Beurteilung der medi
zinischen Situation einleuchtet u
nd ob die Schlussfolgerungen be
gründet sind. Aus
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der einge
reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
3
.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach
Art.
6 ATSG
massgebende
funktionelle Leis
tungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (
Art.
59
Abs.
2
bis
IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten durch
führen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (
Art.
49
Abs.
2
der
Verordnung über die Invalidenversicherun
g [IVV]
).
Die
RAD-Ärzte respektive Ärztinnen müssen
über die im Einzel
fall gefragten persönl
ichen und fachlichen Qualifika
tionen verfügen (
SVR 2009 IV Nr. 56 S. 175 E. 4.3.1 mit Hinweisen
).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kommt den RAD-Berichte
n
nach Art. 49 Abs. 2
IVV, die den allgemeinen
be
weisrechtlichen
Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genü
gen (BGE 134
V
231 E. 5.1
; vgl. E. 2.
3
.1), Beweiswert zu
(BGE 137 V 210 E. 1.2.1
, 135 V 254
E. 3.3.2; Urteil
e des Bundesgerichts 8C_120/2014 vom
8.
Juli 2014 E. 4.1 und 9C_28/2015 vom
8.
Juli 2015 E. 3.2, je mit weiteren Hinweisen
)
.
2.3.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E.
3b/cc).
3.
3.1
In ihrer versicherungsmedizinischen Beurteilung vom
30
.
Dezember 2015 führte RAD-Ärztin med.
pract
.
D._, Fachärztin für Orthopädi
sche Chirurgie und
Traumatolgie
FMH, aus, dass bei der Beschwerdeführerin anhand der vorliegenden medizinischen B
erichterstattung und der körper
lichen Untersuchung vom 1
5.
Dezember 20
15 kein somatischer Gesundheits
schaden ausgewiesen
sei
, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. In der bisherigen Tätigkeit als
Coiffeuse
bestehe seit jeher eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/55/8).
3.2
3.2.1
RAD-Arzt
med.
pract
.
E._, Psychiatrie und Psycho
therapie,
stellte im Untersuchungsbericht vom 3
0.
Dezember 2015 keine Diagnosen mit dau
erhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezeichnete er akzentuierte
Persönlich
keitszüge
(ICD-10: Z73.1) sowie eine Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10: F13.2). Sodann
hielt
er
fest
, dass die Beschwerdeführerin in
Bezug auf ihre bisherige Tätig
keit als
Coiffeuse
wie
auch in einer allfälligen
Verweisungstä
tigkeit
zu 100
%
arbeitsfähig sei (Urk.
7/54/7-8).
Der
versicherungspsychiatrischen Beurteilung
von
med.
pract
.
E._
ist
sodann
zu entnehmen
, dass bei der Beschwerdeführerin akzentuierte
Persön
lichkeits
züge
auffallen würden, denn einerseits habe sie „eigentlich“ nicht heiraten wollen, habe dann aber doch zugestimmt (Urk.
7/54/6). Einerseits habe sie keine Kinder gewollt, anderseits sei
sie
dann aber doch bereitwillig dem familiären Druck gefolgt. In diesen wesentlichen Bereichen zeige sie eine geringe Eigenverantwortung und ein Vermeiden von Konflikten. In ihren „Verspreche
r
n“ (Ehemann als Vater benannt) zeige sich eine anhaltende hohe Bindung an den verstorbenen Vater. Die Ablösung vom Elternhaus
s
ei
auch mit 24 Jahren noch gering
.
Es
liege keine posttraumatische
Belas
tungsstörung
vor. Die Beschwerdefüh
rerin könne ruhig und ohne Erre
gung über die damaligen Ereignisse berichten. Dieser Befund beruhe auch nicht auf einer Sedativa-Einwirkung, da die Beschwerdeführerin angegeben habe, an diesem Untersuchungsmorgen kein
Temesta
®
eingenommen zu haben.
Zudem hätten die seit der berichteten Vergewaltigung geschilderten
Selbst
verletzungen
seit Februar 2013 sistiert.
Auch eine emotional instabile
Per
sönlichkeitsstörung
sei nicht gegeben
, da die Beschwerdeführerin nicht zu den entsprechenden intensiven, aber instabilen Beziehungen, nicht mehr zu Selbstverletzung
en
, nicht zu Handlungen ohne Berücksichtigung der Konse
quenzen,
nicht zu Wutausbrü
chen usw. neige
. Sodann sei das „
Stimmenhö
ren
“ der Beschwerdeführerin in Übereinstimmung mit der
C._
nicht als Halluzination zu werten. Schliesslich spreche die weitgehende Entpflichtung von der Haushaltarbeit und der Sorge für ihr Baby für einen hohen Krankheitsgewinn
(Urk.
7/54/7)
.
3.2.2
Im Bericht vom 1
5.
Juli 2015 und
in der
Stellungnahme
vom 2
2.
April 2016 führen med.
pract
.
F._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
phil.
klin
. psych.
G._
, klinischer
Psychologe und Supervisor,
vom
A._
die folgenden Diagnosen an (
Urk.
7/40/6,
Urk.
7/61/2):
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3)
Störung durch Medikamente (ICD-10: F13.2)
Status nach sieben Suizidversuchen (ICD-10: X61, X79)
Dazu hielten
sie
fest, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch die genannten Diagnosen deutlich eingeschränkt sei (
Urk.
7/61/2).
Im Bericht vom 1
5.
Juli 2015 attestierten sie
ihr
auch für angepasste Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/40/7).
4.
4.1
Mit Urteil IV.2013.01080 vom 1
7.
März 2015 erwog das hiesige Gericht,
RAD-Arz
t med.
pract
.
H._
, Facharzt für Neurologie FHM, habe in seiner Stellungnahme vom 29. Juli 2013 festgehalten, dass aus
neurologi
scher Sicht nicht von einer andauernd
en Beeinträchtigung der Arbeitsfähig
keit auszugehen sei
(
Urk.
7/33/6)
.
Zu derselben Einschätzung
war med.
pract
.
H._
auch
in seiner
nachvollziehbar begründeten
Stellungnahme vom
3.
Februar 2014
gelangt
(
Urk.
7/26
/2).
Sodann
schrieb
RAD-Ärztin med.
pract
.
D._
a
m 19. August 20
13
, dass
ein dauerhafter Gesundheitsschaden aus versicherungsmedizinischer Hinsicht in Bezug auf die Hüftgelenke
nicht ausgewiesen
sei
(
Urk.
7/
14/2
)
.
Am 15.
Dezember 2015 hat
sie
die
Beschwerdeführerin zudem
persönlich
umfassend
untersucht (vgl. Urk.
7/55/1). In ihrem Unter
suchungsbericht vom 3
0.
Dezember 2015 berück
sichtigt
e
sie
die
Beschwerden
der Beschwerde
führerin
(vgl.
Urk.
7/55/1) und die
Vorakten
(vgl.
Urk.
7/55/7),
gab
die erhobenen Befunde wieder
(vgl. Urk.
7/55/3-7)
und gelangte mit
nachvollziehbar
er
Begründung zum Schluss,
dass bei der B
eschwerde
führerin kein
somatischer Gesundheitsschaden aus
gewiesen
sei
, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige
(E. 3.1)
.
Darauf kann abgestellt werden.
4.2
Die Beschwerdeführerin
macht geltend
, dass sie an erheblichen psychischen Störungen leide (
Urk.
1 S. 3).
Am 1
5.
Deze
mber 2015 erfolgte eine psychia
t
rische Untersuchung durch RAD-Arzt med.
pract
.
E._. Bei seiner aus
führ
lichen Anamneseerhebung befragte er die Beschwerdeführerin auch zu deren Beschwerden (vgl.
Urk.
7/54/1-2). In seinem Untersuchungsbericht vom 30. Dezember 2015
gab
er den von ihm erhobenen psychopathologischen Be
fund detailliert wieder (vgl.
Urk.
7/54/4) und setzt
e
sich
mit den bislang durchgeführten therapeutischen und medikamentösen Behandlungen sowie den
Vorakten
auseinander (vgl.
Urk.
7/54/3,
Urk.
7/54/5-7).
Die Beur
teilung in seinem
Untersuchungsbericht ist
einleuchtend
und schlüssig, weshalb
diesem Bericht
Beweiswert zukommt. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, dass die Stellungnahme des
A._
vom 2
2.
April 2016 (Urk.
7/61) erheb
liche Zweifel am RAD-Untersuchungsbericht vom 30. Dezember 2015 (Urk.
7/54) begründen würde (
Urk.
1 S. 5-9).
Hierzu ist festzuhalten, dass
nach der bundes
gerichtlichen Recht
sprechung
eine
psychiatrische Explora
tion
von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen
kann
. Der begutachtenden Person ist deshalb praktisch ein gewisser Spiel
raum -
inner
halb dessen versch
iedene medizinische Interpreta
tionen möglich, zulässig und zu respektieren sind
-
zu gewähren, sofern dabei lege
artis
vorgegangen worden ist. Daher und unter B
eachtung der Divergenz von medizini
schem Behandlungs- und Abklärungsauftrag (BGE 124 I 170 E. 4) kann eine medi
zinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise nicht stets in Frage gestellt und zum Anlass weiterer Abklärungen genommen werden, wenn die behan
delnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vor
gängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich nur, wenn diese
objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche
im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_215/2012 vom 11. Juli 2012 E. 7.4 mit weiteren Hinwei
sen).
Letzteres trifft
bezüglich der
Stellungnahme des
A._
vom 22.
April 2016 (
Urk.
7/61)
nicht
zu
.
Wie schon im Bericht vom 15.
Juli 2015 (Urk. 7/40/6)
wurde
in dieser Stellungnahme eine gegenwärtig schwer
e depressive Episode mit psycho
tischen Symptomen diagnostiziert (Urk.
7/61/2). Nach Lage der Akten fand die letzte Konsultation im
A._
aber
am 2
0.
Juni 2015 statt (
Urk.
7/40/1). Zudem liess die Beschwerdeführerin am 29.
Mai 2015 mitteilen, dass sie die Behandlung im
A._
abgebrochen habe, da die Ärzte immer wieder
ge
wechselt
hätten
und sie keine Vertrauensbasis habe aufbauen können, weshalb sie gegenwärtig
einen neuen Psychiater suche
dessen Adresse sie mitteilen werde, sobald sie einen anderen Arzt gefunden habe
(
Urk.
7/56/2).
Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin habe es erneut unt
e
rlassen, weitere Berichte
einzuverlangen
(
Urk.
1 S. 5), geht daher fehl (vgl. auch
Urk.
7/37
, wonach im Juni 2015 ein Bericht der
I._
nicht beizubringen war, da sich die Beschwerdeführerin dort letztmals im Jahr 2013 habe behandeln lassen).
Dass sich die Be
schwerdeführerin im April 2016 noch im
A._
oder bei einem Arzt in Psychotherapie befunden hätte, was
bei einer schweren depressiven Episode wohl
in aller Regel
zu erwarten wäre, ist nicht aktenkundig.
So oder anders sind
d
ie
vom
A._
in
der
Stellungnahme vom 2
2.
April 2016 (
Urk.
7/61)
betonten
biografischen Belastungen
der Beschwer
deführerin
(wie die Vergewaltigung und die Abtreibung)
sowie
die geltend gemachten Halluzina
tionen
auch von RAD-Arzt med.
pract
.
E._
berück
sichtigt
worden
(vgl.
Urk.
7/54/6-7,
Urk.
7/63/2).
Der Umstand, dass er zu einer anderen Beurteilung gelangte, lässt sei
n
en
Untersuchungsbericht vom 30. De
zember 2015 (Urk.
7/54) noch nicht als mangelhaft erscheinen.
Wenn in der
A._
-Stellungnahme
vom 22.
April 2016 (
Urk.
7/61)
weiter
kritisiert
wurde
, dass die RAD-Untersuchung zu kurz gedauert habe (Urk.
7/61/1), so ist
zu berücksichtigen
, dass
sich
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ein genereller Zeitrahmen für eine
psychiatrische Untersuchung
nicht ver
bind
lich angeben
lässt
. Der
Zeitaufwand
für eine solche Untersuchung schwankt in weiten Grenzen, je nach Fragestellung und zu beurteilender Psy
chopatho
logie (Urteil
e
des Bundesgerichts I 58/0
6 vom 13. Juni 2006
E. 2.
2
und 8C_86/2015 vom 6.
Mai 2015 E. 5.2, je
mit weiteren Hinweisen).
Zusammenfassend ist damit
auf
den
Untersuchungsbericht von
RAD-Arzt med.
pract
.
E._
vom 30. Dezember 2015, gemäss welchem die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht nicht eingeschränkt ist (E. 3.2.1)
, abzustellen.
5.
Demnach hat die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch der Be
schwerdeführerin mit angefochtener Verfügung vom
1.
September 2016 (Urk. 2) zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin auf
zuerlegen.