Decision ID: 9107a990-4b7b-47fb-9371-ae62b72aa43a
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971, arbeitete seit dem 1. Januar 2017 als Koch in einem 80 %-Pensum bei der
Y._
und war in dieser Eigenschaft bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) für die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (Urk. 9/A1). Daneben war er in einem 57 %-Pensum als
Zeitungsverträger
bei der
Z._
angestellt (Urk. 9/A6+A24). Am 31. Januar 2019 erlitt der Versicherte als Lenker eines Personenwagens einen Unfall, bei dem er mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte (Urk. 9/A1-A2). Die am Unfalltag erstbehandelnden Ärzte des
A._
diagnostizierten ein Schleudertrauma mit/bei
Contusio
Capitis
mit Prellmarke und Exkoriation supraorbital rechts, HWS-, BWS- und LWS-Kontusion,
Thoraxkontusion
dorsal linksseitig Höhe Costa X-XII sowie einer Kniekontusion rechts mit Exkoriationswunde (Urk. 9/M4). Die AXA kam für die Heilbehandlung auf und erbrachte Taggeldleistungen (Urk. 9/A31+A34).
Mit Verfügung vom 19. September 2019 stellte die AXA die Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung infolge Erreichens des Status quo sine per 31. Juli 2019 ein und entzog einer allfälligen Einsprache die aufschiebende Wirkung (Urk. 9/A65). Dagegen erhob der Versicherte am 17. Oktober 2019 Einsprache (Urk. 9/A74) und begründete diese mit Eingabe vom 18. November 2019 (Urk. 9/A82).
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 28. November 2019 wies die AXA den in der Einsprache gestellten Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Einsprache ab (Urk. 9/A84 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 14. Januar 2020 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 28. November 2019 sei aufzuheben, der Einsprache vom 17. Oktober beziehungsweise 18. November 2019 sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die AXA sei anzuweisen, ihm auch über den 31. Juli 2019 hinaus die Leistungen nach UVG, namentlich Taggeld und Heilbehandlungskosten, auszurichten. Eventualiter beantragte der Versicherte, es sei die AXA im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme anzuweisen, ihm die Leistungen nach UVG über den 31. Juli 2019 hinaus weiterhin auszurichten (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerde
antwort vom 11. März 2020 schloss die AXA auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8, unter Beilage ihrer Akten [Urk. 9/A1-A91 und 9/M1-M13]), was dem
Beschwerdeführer
am 16. März 2020 angezeigt wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 54 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) sind Verfügungen und Einspracheentscheide voll
streckbar, wenn sie nicht mehr durch Einsprache oder Beschwerde angefochten werden können (
lit
. a), wenn sie zwar noch angefochten werden können, die zulässige Einsprache oder Beschwerde aber keine aufschiebende Wirkung hat (
lit
. b) oder wenn einer Einsprache oder Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen wird (
lit
. c).
1.2
Nach
Art.
11
Abs.
1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungsrechts (ATSV) hat
die
Einsprache
aufschiebende
Wirkung, ausser
wenn einer Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid von Gesetzes wegen keine
auf
schiebende
Wirkung
zu
kommt (
lit
. a), der Versicherer
die
aufschiebende
Wir
kung
in
seiner Verfü
gung entzogen hat (
lit
. b) oder
die
Verfüg
ung eine Rechts
folge hat, deren
Wirkung
nicht
aufsc
hiebbar
ist (
lit
. c).
Der Versicherer kann auf Antrag oder von sich aus die aufschiebende Wirkung entziehen oder die mit der Verfügung entzogene aufschiebende Wirkung wieder
herstellen. Über diesen Antrag ist unverzüglich zu entscheiden (Art. 11 Abs. 2 ATSV).
1.3
Aufschiebende Wirkung bedeutet,
dass die im D
ispositiv angeordnete Rechtsfolge vorläufig nicht eintritt, sondern gehemmt wird. Der
Suspensiveffekt
verhindert, dass Verfügungen, die Rechte oder Pflichten feststellen, begründen, ändern oder aufheben, Geltung erhalten. Gegenstand der aufschiebenden Wirkung können nur positive Verfügungen sein, d.h. solche, die eine Pflicht auferlege
n oder einem Gesuch stattgeben (BGE 126 V 407, 124 V 82 E.
1a
)
. Negative Verfügungen, mit
denen ein Begehren um Feststellung, Begründung, Änderung oder Aufhebung von
Rechten oder Pflichten abgelehnt wird, wie namentlich leistungs
verwei
gernde Anordnungen, sind der aufschieb
enden Wirkung nicht zugänglich (BGE 126 V 407, 123 V 39 E. 3, 117 V 185 E.
1b mit Hinweisen
)
. Denn mit solchen Verfü
gungen wird nichts angeordnet, was der Vollstreckung bedürfte und deren Auf
schub überhaupt zugänglich wäre (zum Ganzen vgl. Urteil des Bundesgerichts U 115/06 vom 24. Juli 2007 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Nach Art. 49 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger über Leistungen, Ford
erungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Dies gilt ins
besondere auch dann, wenn über die Frage der aufschiebenden Wirkung zu ent
scheiden ist (vgl. dazu auch SK ATSG-
Kieser
, 4. Auflage 2020, Art. 49 N 118 ff. mit Hinweis auf N 3 ff.).
Gegen Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist (vgl. Art.
52 Abs.
1 ATSG), kann
(direkt)
beim kantonalen Versicherungsgericht
Beschwerde erhoben werden (Art.
56 Abs.
1 ATSG
in Ver
bindung mit Art. 57 ATSG
). Dies gilt namentlich für prozess- und verfahrens
leitende Verfügungen
, mithin
für Zwischenve
rfügungen (vgl.
Kieser
, a.a.O., Art. 49 N 40)
.
2.2
Zur Frage der Anfechtbarkeit von Zwischenverfügungen beinhaltet das ATSG keine ausdrückliche Bestimmung. Nach der Regelung des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) – welche im Rahmen des ATSG aufgrund von Art. 55 Abs. 1 ATSG (vgl. dazu BGE 132 V 418 E. 2.3.1) als allgemeiner ver
fahrensrechtlicher Grundsatz ergänzend zur Anwendung
kommt (vgl.
Kieser
, a.a.O., Art. 49 N 41 und Art. 56 N 11 und 23) – ist die B
eschwerde gegen selb
ständig eröffnete Zwischenverfügungen – soweit es sich nicht um Verfügungen betreffend Ausstand und Zuständigkeit handelt (vgl. dazu Art. 45
VwVG
) – nur zulässig, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit und Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 46 Abs. 1
lit
. b
VwVG
). Eine gleichartige Regelung enthalten auch Art. 92 Abs. 1 und Art. 93 Abs. 1
lit
. a und b des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG), welche in § 13 Abs. 2 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
für die Anfechtbarkeit von Zwischenentscheiden als sinngemäss massgebend erklärt werden.
2.3
Handelt es sich nach dem Ausgeführten bei der angefochtenen Verfügung vom 28. November 2019 betreffend Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Einsprache (Urk. 2) um einen Zwischenentscheid, kann auf die dagegen erho
bene Beschwerde nur unter den dargelegten Voraussetzungen (E. 2.2) eingetreten werden.
Dabei fäll
t eine Berufung auf die in Art. 46 Abs. 1
lit
. b
VwVG
bezie
hungsweise Art. 93 Abs.
1
l
it
.
b BGG alternativ genannte Prozessvoraussetzung von Vornherein ausser Betracht, weil ein kantonales Gerichtsurteil
zur Frage der aufschiebenden Wirkung der Einsprache über die in der Hauptsache strittige Einstellung der
Leistungen nach UVG
nichts aussagen würde und deshalb auch
bei einer Gutheissung der Beschwerde nicht zu einem Endentscheid führen könnte
.
Damit bleibt zu prüfen, wie es sich mit der
Eintretensvoraussetzung
(BGE
127 V 228 E.
1b) des nicht
wieder gutzumachenden
Nachteils
verhält.
Praxisgemäss hat der bloss vorläufige Entzug finanzieller Leistungen in der Regel keinen nicht
wieder gutzumachenden
Nachteil zur Folge. Dies gilt nicht nur im Zusammenhang mit der Einstellung einer Rentenzahlung (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_660/2013 vom 10. Oktober 2013), sondern wurde auch im Zusammenhang mit der Einstellung von Taggeldleistungen und Heilbehand
lungskosten bejaht unter Hinweis, dass für die
Dauer der Einstellung eine Tag
geldnachzahlung erfolgen
werde
und allfällige Heilbehandlungskosten übernom
men
würden
, falls sich im Beschwerdeverfahren ergeben sollte, dass die Versiche
rungsleistungen nicht eingestellt werden; für die Zeit bis dahin
treffe gestützt auf Art. 70 Abs.
2
lit
.
a ATSG die Krankenversicherung eine Vorleistungspflicht
(Urteil des Bundesgerichts 8C_667/2011 vom 22. September 2011).
D
as Bundesgericht
unterscheidet bei Beschwerden gegen Zwischenentscheide betreffend
Suspensiveffekt
im Zusammenhang mit Rentenstreitigkeiten danach, ob das Begehren von der versicherten Person oder von der Verwaltung gestellt wird. Ficht die versicherte Person einen Zwischenentscheid betreffend
Suspensiv
effekt
an, so wird
letztinstanzlich
ein endgültiger (rechtlicher) Nachteil regel
mässig verneint und das Bundesgericht tritt auf die Beschwerde gegen den ent
sprechenden Zwischenentscheid nicht ein, da die versicherte Person bei einem Obsiegen in der Hauptsache eine Nachzahlung erhält. Wendet sich hingegen die Verwaltung gegen einen Entzug der aufschiebenden Wirkung
beziehungsweise
eine Wiederherstellung derselben durch die Beschwerdeinstanz, so bejaht das
Bundesgericht regelmässig einen nicht
wieder gutzumachenden
Nachteil im Sinne
von Art.
93
Abs. 1
lit
.
a BGG. Denn für den Versicherungsträger, der dadurch zur Weiterausrichtung von Leistungen verhalten wird, besteht im Fall einer Rück
forderung die Gefahr der
Uneinbringlichkeit
(Urteil des Bundesgerichts 8C_49/2
019 vom 20. August 2019 E. 1.1.1 mit Hinweisen).
Ob vor diesem Hintergrund
die angefochtene Zwischenverfügung vom 28. November 2019 (Urk. 2) einen nicht
wieder gutzumachenden
Nachteil zu bewirken vermag und auf die dagegen erhobene Beschwerde einzutreten ist, erscheint als fraglich, kann letztlich jedoch offenbleiben, wie sich aus den nach
folgenden Erwägungen ergibt.
3.
3.1
Vorweg zu prüfen ist
aufgrund ihrer formellen Natur
die Rüge der Gehörsver
letzung beziehungsweise der Verletzung der Begründungspflicht durch die Be
schwerdegegnerin
(Urk. 1 S. 5
Rn
1.4 f., S. 8
Rn
2.1 und S. 9
Rn
2.3).
3.2
Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesver
fassung, BV; Art. 42 Satz 1 ATSG) fliessende Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 49 Abs. 3 ATSG), verlangt nicht, dass diese sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor
bringen ausdrücklich widerlegt; vielmehr genügt es, wenn der Entscheid gegebe
nenfalls sachgerecht angefochten werden kann. Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt (BGE 142 III 433 E. 4.3.2 mit Hinweisen).
Diesen Anforderungen genügt die angefochtene Verfügung vom 28. November 2019 (Urk. 2), war es dem Beschwerdeführer doch ohne
Weiteres
möglich, diese sachgerecht anzufechten. Zudem konnte er seinen Standpunkt vor dem mit voller Kognition entscheidenden hiesigen Gericht nochmals vortragen, weshalb selbst unter Annahme einer jedenfalls nicht besonders schwerwiegenden Gehörs
ver
letzung praxisgemäss auf eine Heilung derselben zu schliessen wäre. Im Übrigen wäre von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung – wie vorliegend – zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhö
rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 133 I 201 E. 2.2 mit Hinweisen). Hiervon ging offensichtlich auch der Beschwerdeführer aus, ver
zichtete er doch auf einen Rückweisungsantrag zur Gewährung des rechtlichen Gehörs (Urk. 1 S. 2).
4.
4.1
Die unter den Parteien (Urk. 1 S. 3 ff.
Rn
1.1-1.8, Urk. 2 S. 3 f. Ziff. 2.3, Urk. 8 S. 2 f. Ziff. 1-3) umstrittene Frage, ob der am 19. September 2019 verfügten Einstellung der Leistungen nach UVG (Urk. 9/A65) positiver oder negativer Cha
rakter zukommt, sie mithin der aufschiebenden Wirkung überhaupt zugänglich ist (E. 1.3 hiervor; vgl. dazu Barbara Kobel, Kommentar zum Gesetz über das Sozialversicherungsgericht, 2. Auflage 2009, N 22-24 zu § 17 mit Hinweisen ins
besondere auf
BGE
133 V 57 und
das vorerwähnte
Bundesgerichtsurteil
U
115/06
vom 24. Juli 2007), muss nicht abschliessend beantwortet werden.
Das Bundesgericht hat mit Blick darauf, dass für den Entzug der aufschiebenden Wirkung und für die Anordnung einer entsprechenden positiven vorsorglichen Massnahme die gleichen Grundsätze massgebend sind (BGE 117 V 185 E. 2b; Kobel, a.a.O., N 31 zu § 17), auch schon entschieden, dass die sofortige Ein
stellung bzw. Reduktion von Taggeldleistungen der Unfallversicherung im Rechtsmittelverfahren sowohl unter dem Titel der aufschiebenden Wirkung als auch unter demjenigen der vorsorglichen Massnahmen zu schützen sei, ohne einer der beiden Betrachtungsweisen den Vorzug zu geben (Urteile U 21/02 vom 11. Dezember 2002 E. 5.2
und U 75/04 vom 16. April 2004 E. 2). So verhält es sich – wie nachfolgend aufzuzeigen ist – auch hier.
4.2
Bei der Anordnung vorsorglicher Massnahmen wie auch bei der Beurteilung, ob dem Rechtsmittel gegen einen Entscheid die aufschiebende Wirkung zu gewähren beziehungsweise zu entziehen ist, hat die darüber zu befindende Behörde nach der Rechtsprechung zu prüfen, ob die Gründe, die für die sofortige Voll
streck
barkeit des Entscheids sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können. Dabei steht ihr ein gewisser Beurteilungs
spiel
raum zu, wobei sie im Allgemeinen ihren Entscheid auf den Sachverhalt stützen wird, der sich aus den vorhandenen Akten ergibt, ohne zeitraubende weitere Erhebungen anzustellen. Bei der Abwägung der Gründe für
und gegen die sofortige Vollstreckbarkeit können rechtsprechungsgemäss auch die Aussichten auf den Ausgang des Verfahrens in der
Hauptsache ins Gewicht fallen; sie müssen allerdings
eindeutig
sein (BGE
124 V 8
2 E. 6a,
117 V 185 E
.
2b, je mit Hinweisen).
Bei Verfügungen, mit denen eine laufende Rente im Revisionsverfahren herab
gesetzt oder aufgehoben wird, schützt das
Bundesg
ericht den Entzug der auf
schiebenden Wirkung regelmässig und gewichtet dabei das Interesse der Ver
wal
tung an der Vermeidung möglicherweise nicht mehr einbringlicher Rückfor
de
rungen gegenüber demjenigen der Versicherten, nicht in eine vorübergehende finanzielle Notlage zu geraten, als vorrangig, insbesondere wenn auf Grund der Akten nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die versicherte Person
im Hauptprozess obsiegen werde (Urteil des Bundesgerichts I 4/05 vom 20. Janu
ar
2005 E.
4.2
mit Hinweisen auf BGE
105 V 266
E. 3 und AHI 2000 S. 185 E.
5). Im gleichen Sinne hat das Bundesgericht auch in den bereits zitierten Entscheiden betreffend die Einstellung bzw. Reduktion von Taggeldleistungen der Unfallver
sicherung entschieden (
Urteil
U 21/02 vom 11. Dezember 2002 E. 7.3 und 8.3 und Urteil U 75/04 vom 16.
April 2004 E. 4.1)
.
4.3
4.3.1
Vor diesem Hintergrund ist – im Rahmen einer summarischen Prüfung (Urteil des Bundesgerichts 8C_276/2007 vom 20. November 2007 E. 3.3) – eine Abschätzung der Erfolgschancen im Hauptprozess betreffend Einstellung der Leistungen per 31. Juli 2019 vorzunehmen.
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Leistungseinstellung im Wesentlichen auf die Stellungnahme ihres b
eratenden Arztes Dr. med. B._
, Facharzt FMH für Neurologie, vom 7. August 2019, worin dieser das Vorliegen von strukturellen Veränderungen als Folge des Unfallereignisses vom 31. Januar 2019 verneinte
und von einem Erreichen des Status quo sine per 31. Juli 2019 ausging (Urk. 9/
M12 S. 6). Auch wenn die eigentliche Beurteilung des Dr.
B._
im Rahmen einer ersten und vorläufigen Einschätzung eher knapp erscheinen mag,
ist das Vor
gehen der Beschwerdegegnerin grundsätzlich nicht zu beanstanden mit Blick darauf, dass praxisgemäss auch eine versicherungsinterne Aktenbeurteilung eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage darstellen kann (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_183/2020 vom 22. April 2020 E. 2.2, 4.1 und 4.3.2).
Soweit der
Beschwerdeführer
zur Begründung seines Standpunktes, wonach auf
grund der Aktenlage hinreichende Aussichten auf ein Obsiegen im Hauptver
fahren vorliegen würden, insbesondere auf
den Bericht von Dr. med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 30. September 2019 (Urk. 9/M13)
verwies (Urk. 1 S. 4 f.
Rn
1.4, S. 6 f.
Rn
1.5 f., S. 9 f.
Rn
2.3 und 3.2), fällt auf, dass es darin an einer Dokumentation von erhobenen objektiven Befunden fehlt. Insofern erscheint es als fraglich, ob der betreffende Bericht geeignet ist, auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Einschätzung von Dr.
B._
zu wecken. Jedenfalls kann gestützt auf den Bericht von Dr.
C._
vom 30. September 2019 zumindest nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit auf ein Obsiegen des
Beschwerdeführer
s im Hauptverfahren geschlossen werden.
4.3.2
Im Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor, die Beschwerdegegnerin habe die Leistungseinstellung mitten im Abklärungsverfahren verfügt, als noch weitere Abklärungen abzuwarten und nach deren Vorlage definitiv über die Leistungs
pflicht zu befinden gewesen wäre. Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zu
sammenhang auf das Urteil des Bundesgerichts U 411/04 vom 2. Februar 2005 verwies (Urk. 1
S. 8
f.
Rn
2.2
f.
), ist ihm entgegenzuhalten, dass dem betreffenden Entscheid kein vergleich
barer Sachverhalt zugrunde lag
. So stellte die zuständige Unfallversicherung ihre Taggeldleistungen dort nicht definitiv, sondern lediglich provisorisch mindestens bis zum Eintreffen eines von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens ein. Gestützt darauf kam das
Bundesg
ericht zum Schluss, dass es un
zulässig sei, die Taggeldleistungen mitten im Abklärungsverfahren einzu
stellen, zumal dies dem Grundsatz widerspreche, wonach die Unfallversicherer zuerst den rechtserheblichen Sachverhalt ausreichend abzuklären und gestützt auf die dabei eingeh
olten Unterlagen zu prüfen hätten
, ob die Lohnersatzzahlungen wegfielen (E. 2.2
f.
des zi
tierten Entscheid
s
). Eine vergleichbare Konstellation ist vorliegend nicht gegeben, zumal die Beschwerdegegnerin die Taggeldleistungen
und Heilbe
handlungskosten
mit Verfügung vom 19. September 2019 (Urk. 9/A65) definitiv eingestellt und – soweit ersichtlich – keine weiteren medizinischen Abklärungen veranlasst hat. Anhand der vorliegenden Akten ergeben sich sodann auch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachverhalt vor der verfügten Leistungseinstellung unzureichend abgeklärt hätte. Dies gilt
namentlich
auch für den vom Beschwerdeführer angeführten (Urk. 1 S. 8 f.
Rn
2.2 f.) Bericht von Dr. med.
D._
, Fachärztin für Rheu
ma
tologie und Allgemeine Innere Medizin, vom 5. Juni 2019, worin diese eine
Mit
beurteilung
und -behandlung
durch die Kollegen der Chiropraktik als notwendig erachtete
insbesondere
aufgrund der
midthorakalen
Beschwerden, welche sie indes auf einen Status nach einer vor Jahren erlittenen Deckplatten
impres
sions
fraktur BWK 6 zurückführte (Urk. 9/M11).
4.3.3
Damit
bestehen – entgegen dem Dafürhalten des
Beschwerdeführer
s – keine eindeutigen Hinweise für einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 31. Januar 2019 und den nach Ende Juli 2019 geklagten Beschwerden.
Mithin lässt sich a
ufgrund der Akten
ein Ausgang des Hauptverfahrens zugunsten des
Beschwerdeführer
s
nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit prognostizieren, zumal bei Vorliegen natürlich-kausaler Unfallfolgen im Hinblick auf eine weitere Leistungsausrichtung der Fallabschluss und allenfalls die Adäquanz zu prüfen wäre.
4.4
Der
Beschwerdeführer
begründete das seines Erachtens überwiegende Interesse an einer einstweiligen Weiterausrichtung der Taggeldleistungen und Übernahme der Heilbehandlungskosten ferner mit einem Mangel an finanziellen Mitteln. So habe er nach seiner Kündigung per 31. August 2019 weder einen Anspruch auf Kranken- noch auf Arbeitslosentaggelder gehabt (Urk. 1 S. 7
Rn
1.6). Wie bereits festgehalten (E. 4.2),
wird
das Interesse der Verwaltung an der Vermeidung mög
licherweise nicht mehr einbringlicher Rückforderungen gegenüber dem
jeni
gen des
Versicherten, nicht in eine vor
übergehende finanzielle Notlage
zu
geraten,
regelmässig
als vorrangig
gewichtet
, insbesondere, wenn auf Grund der Akten
– wie vorliegend (E. 4.3) –
nicht mit grosser Wah
rscheinlichkeit feststeht, dass
die
versicherte Person im Hauptprozess obsiegen w
ird. Was der
Beschwerdeführer
dagegen vorbringt ist nicht stichhaltig, zumal
die allfällige Notwendigkeit des Bezugs von Sozia
lhilfe praxisgemäss nicht ohne W
eiteres ein überwiegendes Inte
resse der versicherten Person an der Weiterausrichtung von Leistungen begründet
(Urteil des Bundesgerichts 8C_110/2008 vom 7. Mai 2008 E. 2.3 mit Hinweis). Ferner ist es dem
Beschwerdeführer
anscheinend gelungen, seine Arbeitstätigkeit in einer adaptierten Tätigkeit in einem 50 %-Pensum versuchsweise wiederauf
zunehmen (Urk. 1 S. 9
Rn
2.3).
Die Einstellung der Leistungen für die Heil
be
handlung hat sodann nicht zur Folge, dass der Beschwerdeführer bis zum Ab
schluss des Einspracheverfahrens für die entsprechenden Kos
ten selber aufzu
kommen hat
; vielmehr ist diesbezüglich auf die gesetzliche Vorleistungspflicht der Kranken
versicherung gemäss Art. 70 Abs. 2
lit
.
a ATSG hinzuweisen
.
Im Übrigen ist zumindest fraglich, ob der Beschwerdeführer im Falle eines Unter
liegens in der Lage wäre, die zu Unrecht bezogenen Leistungen zurückzuerstatten.
4.5
Nach dem Gesagten ist dem Interesse der
Beschwerdegegnerin
, ihre Leistungen während der Dauer des Einspracheverfahrens einstweilen nicht mehr erbringen zu müssen, ein grösseres Gewicht einzuräumen als dem Interesse des
Beschwer
deführer
s, die Leistungen währenddessen zu beziehen. Die sofortige Leistungsein
stellung
respektive die Weigerung, Leistungen im Sinne einer vorsorglichen Massnahme
während der Dauer des Einspracheverfahrens
zu erbringen,
erweist sich damit als gerechtfertigt.
Angesichts dessen, dass eine rückwirkende Anpassung von Heilbehandlung und Taggeld bei medizinisch-therapeutisch erreichtem Endzustand grundsätzlich zu
lässig ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_614/2019 vom 29. Januar 2020 E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 133 V 57), ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwer
de
gegnerin
die Leistungseinstellung nicht auf den Verfügungszeitpunkt, sondern bereits auf den 31. Juli 2019 terminierte, zumal ein Fallabschluss gestützt auf eine vorläufige Einschätzung zumindest nicht als eindeutig verfrüht erschiene und die
Beschwerdegegnerin
auf eine Rückforderung der für den Monat August
2019 ausgerichteten Taggelder ohnehin verzichtet hat (Urk. 9/A64-A65). Schlies
s
lich
besteht vorliegend mangels ausgewiesener Notwendigkeit eines Berufs
wechsels infolge
unfallkausaler Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit auch kein Raum für die vom Beschwerdeführer postulierte (vgl. Urk. 1 S. 5
Rn
1.5 und S. 11
Rn
3.4) Anpassungszeit von drei bis fünf Monaten (Urteil des Bundesgerichts 8C_443/2016 vom 11. August 2016 E. 2.1).
4.6
Nach dem Ausgeführten erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist daher abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.