Decision ID: 3f2a275b-77d3-4b35-a5f0-ebf2d52b2e0b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Angestellter der B._ Switzerland AG bei
der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen
von Unfällen versichert, als er am 3. Februar 2017 beim Skifahren stürzte und mit dem
Kopf auf den Skiern aufschlug (Suva-act. 1). Eine Erstbehandlung fand am Unfalltag
durch Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, statt, der die
Befunde einer 3cm langen Wunde Unterlid links sowie einer deutlichen Schwellung
daselbst erhob und eine Schnittwunde Unterlid links diagnostizierte (Suva-act. 23). Die
Nachbehandlung wurde durch den Hausarzt des Versicherten, Dr. med. D._,
Facharzt Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie, durchgeführt, der dem
Versicherten ab 6. bis 8. Februar 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte
(Suva-act. 2, 14). Mit Schreiben vom 8. Februar 2017 sicherte die Suva dem
Versicherten die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) zu (Suva-act.
6).
A.a.
Am 8. Februar 2017 konsultierte der Versicherte Dr. med. E._, Augenarzt FMH,
Ophthalmochirurgie FMH, der am 22. Februar 2017 am linken Auge des Versicherten
eine YAG-Laser-Kapsulotomie zur Therapie eines Nachstars durchführte (Suva-act. 31,
36, 40, 45, 53).
A.b.
Am 28. März 2017 wurde beim Versicherten in der Augenklinik des Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG) durch die leitende Ärztin Dr. med. F._ am linken Auge eine
Pseudophakieamotio mit abgehobener Makula bzw. eine Netzhautablösung (vgl. Suva-
act. 16, 40, 49, 53) bei Status nach YAG-Kapsulotomie mit einer Pars Plana Vitrektomie
(= Entfernung des Glaskörpers) behandelt (Suva-act. 16; vgl. auch Suva-act. 36). Der
Versicherte hielt sich vom 28. bis 30. März 2017 stationär im KSSG auf und wurde vom
A.c.
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27. März bis 13. April 2017 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben (Suva-act. 16, 30). Am
6. April 2017 wurde die Suva um Kostengutsprache für den Spitalaufenthalt und die
operative Behandlung ersucht (Suva-act. 17), worauf diese Dr. C._ und Dr. D._ um
Einreichung des Arztzeugnisses UVG bzw. eines ärztlichen Zwischenberichts (Suva-
act. 20 f.) und das KSSG um Zustellung eines Berichts ersuchte (Suva-act. 22; zu den
eingereichten medizinischen Unterlagen vgl. Suva-act. 23, 24 f., 27). Noch vor
Einreichung des Zwischenberichts durch Dr. D._ (Suva-act. 27) legte die Suva den
Schadenfall ihrem Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, mit der Frage vor, ob die geltend gemachten
Beschwerden auf das Ereignis vom 3. Februar 2017 zurückzuführen sein und
Kostengutsprache für die durchgeführte Operation erteilt werden könne. Dr. G._
stellte in einer Stellungnahme vom 22. April 2017 Unklarheiten fest und empfahl weitere
Abklärungen, insbesondere betreffend den Zustand des linken Auges vor dem Unfall
und den Verlauf der Augenproblematik seit dem Unfall (Suva-act. 26).
Mit Arztzeugnis vom 18. April 2017 schrieb Dr. F._ den Versicherten bis 30. April
2017 zu 100% und vom 1. bis 7. Mai 2017 zu 50% arbeitsunfähig (Suva-act. 30; vgl.
Suva-act. 24).
A.d.
Am 8. Juni 2017 legte die Suva den Schadenfall Dr. med. H._, Facharzt für
Ophtalmologie, Kompetenzzentrum Versicherungsmedizin der Suva, vor, der diese
aufforderte, Dr. E._ bestimmte Fragen zu unterbreiten (Suva-act. 35 f.). Dem kam die
Suva mit Schreiben vom 21. Juni 2017 nach (Suva-act. 37) und Dr. E._ nahm am 29.
Juni 2017 zu den Fragen Stellung (Suva-act. 38). Gestützt auf den Bericht von Dr. E._
kam Dr. H._ am 10. Juli 2017 zum Schluss, dass die geltend gemachten
Augenbeschwerden (Netzhautablösung) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit,
sondern nur möglicherweise, auf den Unfall vom 3. Februar 2017 zurückzuführen seien
(Suva-act. 40).
A.e.
Mit Schreiben vom 18. Juli 2017 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass
zwischen den am 6. Februar 2017 gemeldeten Augenbeschwerden links und dem
Ereignis vom 3. Februar 2017 aufgrund der medizinischen Unterlagen kein sicherer
oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang bestehe. Die Suva sei demzufolge nicht
leistungspflichtig (Suva-act. 41).
A.f.
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B.
C.

Erwägungen
1.
Auf Aufforderung des Versicherten vom 9. August 2017 (Suva-act. 45), bestätigte
die Suva die Ablehnung ihrer Leistungspflicht mit einsprachefähiger Verfügung vom 10.
August 2017 (Suva-act. 46).
A.g.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 6. September
2017 Einsprache (Suva-act. 49) und legte dieser Fotos vom 3. Februar 2017 (Suva-act.
52) sowie Berichte von Dr. E._ und Dr. F._ vom 22. bzw. 30. August 2017 bei
(Suva-act. 49-4 ff.).
B.a.
Die Suva wies die Einsprache nach Einholung einer weiteren Beurteilung von Dr.
H._ (Suva-act. 53) und nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (Suva-act. 55) mit
Einspracheentscheid vom 23. Februar 2018 ab (Suva-act. 58).
B.b.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 9. April 2018 Beschwerde mit folgendem Antrag:
In Aufhebung des Einspracheentscheids vom 23. Februar 2018 sei die Suva zu
verpflichten, die gesetzlichen Leistungen im Zusammenhang mit den von mir als Folge
des Skiunfalls vom 3. Februar 2017 erlittenen Verletzungen (insbesondere Contusio
bulbi mit Netzhautablösung) zu erbringen (act. G 1). Der Beschwerdeführer legte erneut
die bereits mit der Einsprache eingereichten Fotos vom 3. Februar 2017 (act. G 1.2 f.)
und ausserdem ein Foto vom 9. April 2018 (act. G 1.4) als Farbfotos ins Recht.
C.a.
In der Beschwerdeantwort vom 18. Mai 2018 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 3. Juli 2018 (act. G 7) und Duplik vom 27. Juli 2018 (act. G 9)
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
C.c.
Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
1.1.
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Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.).
Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181
E. 3.1, 123 III 110, 112 V 30). Bei physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als
rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich
ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (BGE 118 V 291 f. E.
3a, 117 V 365 mit Hinweisen; SVR 2000 Nr. 14 S. 45). Ob ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit;
die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen; Thomas Locher/
Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N.
58 f.).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss, zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, N 120 zu
Art. 61 ATSG). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw.
der Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweis). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
1.2.
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2.
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Auf das Ergebnis
versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen kann nicht abgestellt werden, wenn auch
nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 135 V
470 E. 4.4 und 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In diesem Fall sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.6).
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz (BGE
125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 I 183 f. E. 3.2)
schliesst die Beweislast im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 4 f., 55).
2.1.
Die Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht für das Unfallereignis
vom 3. Februar 2017, wobei sich der Beschwerdeführer laut Arztzeugnis UVG von Dr.
C._ vom 13. April 2017 unbestrittenermassen eine Schnittwunde am Unterlid links
zugezogen hatte und weswegen ihm von Dr. D._ vom 6. bis 8. Februar 2017 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war (Suva-act. 14-3, 23), und erbrachte
die entsprechenden Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeld; vgl. Suva-
act. 6, vgl. auch Suva-act. 3 ff.). Am 28. März 2017 wurde beim Beschwerdeführer im
KSSG durch Dr. F._ bei den Diagnosen Pseudophakieamotio mit abgehobener
Makula sowie Status nach YAG-Kapsulotomie eine Pars Plana Vitrektomie des linken
Auges durchgeführt, weshalb sich der Beschwerdeführer vom 28. bis 30. März 2017 im
Spital aufhielt (Suva-act. 18). Am 6. April 2017 reichte das KSSG der
Beschwerdegegnerin für den Spitalaufenthalt sowie die genannte Operation ein
Kostengutsprachegesuch ein (Suva-act. 17). Die Beschwerdegegnerin nahm daraufhin
spezifische Abklärungen zur Frage der Kausalität der operativ behandelten
Augenbeschwerden zum Unfall vom 3. Februar 2017 vor (Suva-act. 20 ff.), wovon der
Beschwerdeführer Kenntnis hatte (Suva-act. 19). Die Beschwerdegegnerin hat
demnach nie einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen der beim
Beschwerdeführer am 28. März 2017 durch Dr. F._ operierten Netzhautablösung am
linken Auge und dem am 3. Februar 2017 erlittenen Skiunfall bejaht. Im Zeitpunkt ihrer
Leistungsanerkennung (Suva-act. 6) war eine Netzhautablösung noch gar nicht
aktenkundig. Hinsichtlich der Frage, ob ein solcher Kausalzusammenhang besteht, ist
mithin der Beschwerdeführer beweisbelastet (Urteil des Bundesgerichts vom 20.
2.2.
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3.
4.
August 2009, 8C_363/2009, E. 1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG] vom 27. April 2005, U 6/05, auszugsweise publiziert in: AJP 2006 S. 1290 ff.).
Wie bereits erwähnt, greift jedoch die Beweislast erst dann Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b;
Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 8C_662/2015, E. 3.2). Wie zu
zeigen sein wird, trifft dies im konkreten Fall nicht zu.
Während die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilungen von Dr. H._
vom 10. Juli 2017 (Suva-act. 40) und 12. September 2017 (Suva-act. 53) davon
ausgeht, die natürliche Kausalität zwischen der Netzhautablösung und dem Skiunfall
vom 3. Februar 2017 sei nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, stellt sich der Beschwerdeführer insbesondere
gestützt auf die Berichte von Dr. E._ und Dr. F._ vom 22. (Suva-act. 49-5) bzw. 30.
August 2017 (Suva-act. 49-4) auf den Standpunkt, der Skiunfall spiele für die
Netzhautablösung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine
kausale Rolle.
3.1.
Laut medizinischer Literatur kann eine Netzhautablösung im Rahmen eines
unfallfremden, häufig auch degenerativen Alterungsprozesses entstehen, aber auch
Folge eines Traumas sein (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin/
Boston 2017, S. 1250; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 5 "Ablatio
retinae"). So erkennt grundsätzlich auch Dr. H._ in seinen Beurteilungen die beiden
vorgenannten Ursächlichkeiten einer Netzhautablösung. Nachfolgend ist zu
entscheiden, von welcher Kausalität (Degeneration oder Operation / Unfall) mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auszugehen ist.
3.2.
4.1.
Die bei einem Unfall erlittene Verletzung, d.h. die Unfalldiagnose mit den
echtzeitlich erhobenen Befunden, bildet den massgebenden Ausgangspunkt für
traumatische Folgeschäden, wovon Dr. H._ wie auch Dr. F._ und Dr. E._
ausgehen (vgl. Suva-act. 40, 49). Dies in dem Sinne, als es offensichtlich erscheint,
dass in der Regel nur ein vom Unfall betroffener Körperteil eine Verletzung mit
4.1.1.
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nachfolgenden Beschwerden zeitigen kann und sich auch sekundär traumatische
Spätfolgen in der Regel im ursprünglichen Verletzungsgebiet und nicht verletzungsfern
entwickeln. So nimmt Dr. H._ in seinen Beurteilungen zur Frage Stellung, ob im Falle
des Beschwerdeführers zeitnah objektivierbare ophthalmologische Befunde, wie
beispielsweise eine Blutung in der Vorkammer, eine erweiterte Pupille, Veränderungen
im Bereich des Kammerwinkels, eine Blutung im Bereich des Glaskörpers oder der
Netzhaut sowie ein Netzhautödem, erhoben worden seien, welche auf ein direktes
okuläres Trauma hinweisen könnten. Während er Zeichen eines direkten okulären
Traumas verneint, gehen Dr. F._ und Dr. E._ davon aus, dass der
Beschwerdeführer eine Contusio bulbi (Suva-act. 49-4), also ein direktes Augentrauma
(Suva-act. 49-5), erlitten habe, welche bzw. welches zur Netzhautablösung geführt
habe. Fest steht damit, dass die vom Beschwerdeführer vertretene Kausal- bzw.
Beweiskette eine bedeutsame, einer Unfallkausalität widersprechende Lücke aufweisen
würde, sollte dieses direkte Augentrauma nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen sein. Wie die nachfolgenden
Erwägungen zeigen, ist eine traumatische Einwirkung auf den Augapfel des
Beschwerdeführers nicht mit dem genannten Beweisgrad erstellt.
Dr. C._ erhob anlässlich der Erstbehandlung am Unfalltag als Unfallverletzung
eine Schnittwunde am linken Unterlid und eine deutliche Schwellung daselbst (Suva-
act. 23), welche als unbestritten gilt. Am 8. Februar 2017 konsultierte der
Beschwerdeführer Dr. E._, der als Befunde insbesondere gut adaptierte
Schnittwunden temporal Oberlid/Unterlid links sowie eine Glaskörperabhebung links,
jedoch keine weitere Pathologie, erhob (Suva-act. 38; betreffend Konsultationsdatum
vgl. Suva-act. 31). Die zeitnah zum Unfall erhobene Glaskörperabhebung kann laut
medizinischer Literatur - wie auch von Dr. F._ in ihrem Bericht vom 30. August 2017
beschrieben (Suva-act. 49) - im Verlauf zu Netzhautrissen mit einer Netzhautablösung
führen. In der Regel geschieht dies im Rahmen eines nichttraumatischen, häufig
degenerativen Alterungsprozesses (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 1250
"Netzhautablösung"; "Netzhautdegeneration, periphere"; https:// augenklinik.uk-
essen.de/ fileadmin/ storage/ augenklinik/ datenseatze_der_einrichtung/downloads/
Info_Netzhautabloesung_2.pdf, abgerufen am 1. Oktober 2019). Es ist selbstredend,
dass die Kausalkette "hintere Glaskörperabhebung, im Verlauf Netzhautrisse mit einer
Netzhautablösung" nur dann traumatisch ausgelöst werden und damit unfallbedingt
sein kann, wenn am Anfang ein direktes Augentrauma steht (vgl. einstimmig Suva-act.
49, 53).
4.1.2.
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In den initialen medizinischen Akten fehlen hingegen Diagnosen oder Befunde
entsprechend einer Contusio bulbi. Dr. F._ konnte zwar anlässlich der Operation vom
28. März 2017 eine Netzhautablösung am linken Auge bestätigen, dokumentierte
jedoch im Operationsbericht vom 4. April 2017 sichtbare kleine Risse, welche zahlreich
("multiple") vorhanden waren, sowie Degenerationen (Suva-act. 16), was für einen
unfallfremden Prozess spricht. Auf den vom Beschwerdeführer eingereichten Fotos
sind sodann die frisch genähte Schnittwunde und die verheilte Narbe gut sichtbar.
Auch anhand der Fotos kann jedoch - entgegen des auf den Dokumenten
angebrachten Vermerks "= Beweis für ein direktes Augentrauma" (act. G 1.4 f.) - nicht
als nachgewiesen gelten, dass der Beschwerdeführer am 3. Februar 2017 ein direktes
okuläres Trauma erlitten hat. Auf den Fotos ist eindeutig erkennbar, dass sich die
Wunde links vom Unterlid ausdehnte und sich entsprechend auch die Narbe nicht - wie
angegeben - im Lid über dem Augenapfel, sondern neben dem Lid befindet (act. G 1.3
ff.). Eine Tangierung des Augapfels ist nicht offenkundig. Der alleinigen Feststellung
von Dr. E._ in seinem Bericht vom 22. August 2017 - der Beschwerdeführer habe am
3. Februar 2017 ein direktes Augentrauma erlitten - kommt keine Beweiskraft zu. Wie
dargelegt, erhob auch er anlässlich der unfallnahen Untersuchung vom 8. Februar 2017
als mit dem Skiunfall zu begründenden Befund nur die Schnittwunde temporal Oberlid/
Unterlid links und die deutliche Schwellung. Die Glaskörperabhebung zusammen mit
der Netzhautablösung sind angesichts der von Dr. F._ festgestellten multiplen kleinen
Risse und Degenerationen unfallfremd. Im Übrigen basiert die Schlussfolgerung von Dr.
E._ darauf, dass es durch den Aufprall der Skibrille, des Skistocks und/oder der
Skibindung bzw. des Skis zu einer unmittelbaren Gewalteinwirkung auf das linke Auge
gekommen sei, wodurch ein Unterlidhämatom links sowie Schnittwunden und
Prellmarken am lateralen Orbitarand entstanden seien. In Bezug auf den
Unfallmechanismus sowie die von Dr. E._ angeführten und unbestrittenen
Unfallfolgen ist zwar nichts einzuwenden, doch sind diese Fakten - entgegen dem vom
Beschwerdeführer in der Replik vom 3. Juli 2018 vertretenen Standpunkt - kein
ausreichender Beweis für ein direktes Augentrauma mit einhergehender Contusio bulbi.
Bei dem von Dr. E._ im Bericht vom 29. Juni 2017 (Suva-act. 38) angeführten
martegianischen Ring handelt es sich schliesslich - wie von der Beschwerdegegnerin in
der Beschwerdeantwort vom 18. Mai 2018 zutreffend definiert (act. G 3, Ziff. 4.3) - nicht
um eine pathologische Erscheinung, sondern um die physiologische Anheftungsstelle
des Glaskörpers am Papillenrand. Als Unfallverletzung kommt der martegianische Ring
demzufolge nicht in Frage. Das Fehlen von Hinweisen auf ein direktes Augentrauma in
Form der von Dr. H._ in seiner Beurteilung vom 12. September 2017 angeführten
Begleiterscheinungen wie zum Beispiel eine Blutung in der Vorderkammer, eine
4.1.3.
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erweiterte Pupille und andere (Suva-act. 53) stellt eine weitere überzeugende und
schlüssige Begründung gegen eine traumatisch bedingte Netzhautablösung dar. Die
Argumentation des Beschwerdeführers in der Beschwerde vom 9. April 2018 (act. G 1)
- die Ärzte hätten keinerlei Veranlassung gehabt, auf Begleiterscheinungen eines
eigentlichen Augentraumas hinzuweisen bzw. mittels Aufzählung der
Begleiterscheinungen die Diagnose eines direkten Augentraumas, d.h. eine Contusio
bulbi, zu untermauern, weil sie eine solche mit Sicherheit erkannt hätten - greift
insofern nicht, als eine Contusio bulbi aus den unfallnahen medizinischen Akten eben
nicht hervorgeht. Aus demselben Grund ist schliesslich die Bestätigung von Dr. F._
vom 30. August 2017 - der Beschwerdeführer habe am 3. Februar 2017 eine Contusio
bulbi erlitten, welche anschliessend zu einer hinteren Glaskörperabhebung geführt und
diese wiederum im Verlauf zu Netzhautrissen mit einer Netzhautablösung geführt habe
(Suva-act. 49-4) - nicht stichhaltig. Da eine Contusio bulbi echtzeitlich nicht
dokumentiert ist, fehlt der Kausalkette von Dr. F._ die Grundlage. Dass eine Contusio
bulbi allgemein zu einer Netzhautablösung führen kann, ist nicht in Abrede zu stellen,
doch muss eben im Einzelfall eine solche stattgefunden haben bzw. rechtsgenüglich
nachgewiesen sein. Zu ergänzen bleibt, dass auch mit der von Dr. D._ im ärztlichen
Zwischenbericht vom 25. April 2017 (Suva-act. 27) festgehaltenen posttraumatischen
Netzhautablösung links deren Unfallkausalität beweismässig nicht erstellt ist. In seiner
Diagnose "Schädel- und okuloses linksseitiges Trauma bei Skiunfall 03.02.2017"
bezieht er sich zwar auch auf das Auge, definiert allerdings keine Augenverletzung, für
die es denn auch - wie zu wiederholen ist - keinen überzeugenden Beweis gibt.
Dem Hinweis des Beschwerdeführers in der Beschwerde vom 9. April 2018 (act.
G 1) auf das zeitliche Zusammentreffen "von Skiunfall, Contusio bulbi, martegianischer
Ring und kausal darauffolgende Netzhautablösung" in Gegenüberstellung zur geringen
Wahrscheinlichkeit von allfälligen Nebenwirkungen einer YAG-Laser-Kapsulotomie,
Myopie oder einem Katarakt kann - soweit die angeführten Elemente im Rahmen eines
zeitlichen Zusammentreffens überhaupt stichhaltig sein könnten (vgl. zum
martegianischen Ring Erwägung 4.1.3) - insofern keine Bedeutung zukommen, als die
Kausalkette, wie dargelegt, eine bedeutsame Lücke aufweist. Im konkreten Fall ist das
für eine unfallbedingte Netzhautablösung unabdingbare Element einer Contusio bulbi
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
4.1.4.
Mit Blick auf die obigen Ausführungen ist zusammenfassend festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer beim Skiunfall vom 3. Februar 2017 mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit kein direktes Augentrauma erlitten hat. Wie
dargelegt, ist daraus zu folgern, dass der Nachweis der Unfallkausalität der
4.1.5.
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5.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 23. Februar 2018 (Suva-act. 58) ist somit
nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist im Sinne der
vorstehenden Erwägungen abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. a ATSG).