Decision ID: d4b1550a-dfe9-5c32-8af4-64178889118c
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X überschritt am 28. November 2009 in K die signalisierten
Höchstgeschwindigkeiten von 120 km/h (Autobahn) um 13:17 Uhr um 32 km/h und von
50 km/h (innerorts) um 20:42 Uhr um 16 km/h. Mit Verfügung des Strassenverkehrs-
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und Schifffahrtsamts des Kantons St. Gallen vom 27. Mai 2010 wurde ihm deswegen
der Führerausweis für einen Monat entzogen. Er wurde aufgefordert, den
Führerausweis bis spätestens 27. Juni 2010 einzusenden.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X am 3. Juni 2010 (Datum des Poststempels) Rekurs.
Er beantragte, den Beginn des einmonatigen Führerausweisentzugs auf den 19.
Dezember 2010 festzulegen, und begründete dies im Wesentlichen mit seiner
beruflichen Situation. Da der Rekurs nicht unterzeichnet war, wurde X am 8. Juni 2010
eine Nachfrist bis 21. Juni 2010 angesetzt, um dies nachzuholen, und zwar mit dem
Hinweis, dass auf den Rekurs bei unbenütztem Ablauf der Frist nicht eingetreten
werde. Zudem wurde er zur Bezahlung eines Kostenvorschusses von Fr. 1'200.-- innert
gleicher Frist aufgefordert, unter Androhung der kostenpflichtigen Abschreibung des
Verfahrens bei nicht fristgemässer Bezahlung.
C.- Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- wurde am 21. Juni 2010 eingezahlt. Der
Rekurs wurde innert Frist nicht unterzeichnet eingereicht, worauf der
Abteilungspräsident mit Entscheid vom 2. Juli 2010 auf den Rekurs nicht eintrat.
D.- Am 8. Juli 2010 teilte X mit, dass er den Rekurs auf entsprechende Aufforderung
hin sogleich unterzeichnet und – leider nicht eingeschrieben – ans Gericht
zurückgeschickt habe. Er habe keine Ahnung, wo die Postsendung hängen geblieben
sei. Da er den Kostenvorschuss fristgerecht überwiesen habe, sei davon auszugehen,
dass "dies nicht ohne ernste Absichten geschehen" sei; er bitte deshalb um
"Wiederaufnahme" des Verfahrens.
E.- Die Eingabe vom 8. Juli 2010 wurde als Gesuch um Wiederherstellung der Frist zur
Unterzeichnung des Rekurses entgegengenommen. Die Vorinstanz verzichtete am 19.
Juli 2010 auf eine Stellungnahme zum Wiederherstellungsgesuch.

Erwägungen:
1.- Gemäss Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1,
abgekürzt: VRP) ist der Rekurs der Rekursinstanz schriftlich einzureichen. Er muss
einen Antrag sowie eine Darstellung des Sachverhalts und eine Begründung enthalten
und ist zudem zu unterzeichnen. Fehlen Antrag, Darstellung des Sachverhalts,
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Begründung oder Unterschrift, so fordert die Rekursinstanz oder ein von ihr
beauftragtes Organ den Rekurrenten unter Ansetzung einer Frist auf, den Rekurs zu
ergänzen (Abs. 2). Mit der Aufforderung zur Ergänzung ist anzudrohen, dass nach
unbenützter Frist auf den Rekurs nicht eingetreten werde (Abs. 3). Der Rekurrent oder
sein Vertreter haben die Eingabe eigenhändig zu unterzeichnen (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 928). Aus der
gesetzlichen Regelung ergibt sich, dass es sich bei der eigenhändigen Unterschrift um
ein Gültigkeitserfordernis handelt.
Der Gesuchsteller wurde am 8. Juni 2010 unter Androhung der Säumnisfolgen
aufgefordert, den Rekurs zu ergänzen und die fehlende Unterschrift bis 21. Juni 2010
nachzuholen. In der Folge ging beim Gericht kein unterzeichneter Rekurs ein – mithin
wurde die Frist versäumt.
2.- Gemäss Art. 85 Abs. 1 des Gerichtsgesetzes (sGS 941.1, abgekürzt: GerG) wird
eine Frist wiederhergestellt, wenn der Säumige ein unverschuldetes Hindernis als
Ursache der Säumnis glaubhaft macht. Das Gericht kann die Wiederherstellung
anordnen, wenn den Säumigen ein leichtes Verschulden trifft oder wenn der
Verfahrensgegner zustimmt (Abs. 2). Das Gesuch ist innert zehn Tagen, nachdem das
Hindernis weggefallen oder der Versäumnisentscheid eröffnet worden ist, schriftlich
einzureichen (Art. 87 Abs. 1 GerG). Diese Frist wurde im vorliegenden Fall eingehalten.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Säumnis dann schuldlos
verursacht, wenn der säumigen Person kein Vorwurf gemacht werden kann und sie aus
hinreichenden objektiven und subjektiven Gründen davon abgehalten worden ist,
fristgerecht zu handeln oder eine Vertretung zu bestellen. Dabei muss es sich um
Gründe von einigem Gewicht handeln, wie etwa eine schwere Erkrankung kurz vor
Ablauf der Frist. Unverschuldet ist eine Säumnis nur, wenn sie durch einen Umstand
eingetreten ist, der nach den Regeln vernünftiger Interessenwahrung auch von einer
sorgsamen Person nicht befürchtet werden muss oder dessen Abwendung
übermässige Anforderungen gestellt hätte (Urteil des Bundesgerichts 6P.154/2003 vom
26. Februar 2004, E. 2).
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Der Gesuchsteller macht geltend, dass er den Rekurs innert Frist unterschrieben und
der Post aufgegeben habe. Er legt dar, dass er die fragliche Post nicht eingeschrieben
versandt habe, weshalb er keinen Postbeleg habe, welcher seine Angaben bestätige.
Einen direkten Nachweis der rechtzeitigen Postaufgabe vermag der Gesuchsteller unter
den gegebenen Umständen nicht zu erbringen. Die fristgemässe Postaufgabe hat der
Absender zu beweisen. In der Regel legt er dazu eine Postquittung vor. Es ist ihm
jedoch nicht verwehrt, den Nachweis für die fristgemässe Postaufgabe mit anderen
tauglichen Mitteln zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 5P.113/2005 vom 13.
September 2006, E. 3.1 mit Hinweisen auf BGE 115 Ia 8 E. 3a und 124 V 372 E. 3b).
Entgegen der Auffassung des Gesuchstellers handelt es sich beim Umstand, dass er
den Kostenvorschuss rechtzeitig bezahlt hat, um kein solches taugliches Mittel. Zwar
geht daraus hervor, dass er am Rekurs festhalten will. Die Bezahlung des
Kostenvorschusses und das Nachreichen des unterschriebenen Rekurses sind jedoch
zwei unabhängige Handlungen. Wurde der Kostenvorschuss bezahlt, bedeutet dies
nicht ohne weiteres, dass auch das weitere Prozesserfordernis (Ergänzung des
Rekurses mit der Unterschrift) fristgemäss erfüllt wurde. Andere Beweismittel für den
Nachweis der rechtzeitigen Postaufgabe (wie z.B. Zeugen) nennt der Gesuchsteller
keine. Zudem sind keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich – und werden im Übrigen
vom Gesuchsteller auch nicht geltend gemacht –, dass die fragliche Sendung bei der
Post untergegangen ist.
Der Gesuchsteller wurde auf die prozessualen Folgen der nicht rechtzeitigen
Ergänzung des Rekurses hingewiesen. Die Bedeutung einer fehlenden Unterschrift war
ihm demnach bewusst. Dass er den mit der Unterschrift ergänzten Rekurs unter diesen
Umständen nicht mit eingeschriebener Post spedieren liess, kann ihm nicht mehr als
leichtes Verschulden angerechnet werden. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz auf eine
Stellungnahme zum Wiederherstellungsgesuch verzichtet hat. Somit fehlt es auch an
der Zustimmung des Verfahrensgegners zur Fristwiederherstellung (vgl. Art. 85 Abs. 2
GerG).
3.- Zusammenfassend ist das Wiederherstellungsgesuch abzuweisen. Bei diesem
Ausgang hat der Gesuchsteller die Verfahrenskosten zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.-- erscheint angemessen (Art. 13 Ziff. 522 des
Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- (abzüglich
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Entscheidgebühr VRKE IV-2010/55 von Fr. 200.--) ist zu verrechnen bzw. dem
Gesuchsteller im Mehrbetrag zurückzuerstatten.