Decision ID: fd8be400-2f92-5ccc-80e9-52632369d6d8
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 17. März/3. April 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Berufsberatung, Umschulung,
Wiedereinschulung, Arbeitsvermittlung und eine Rente. Er habe eine Lehre als Z._
gemacht. Im Oktober 2008 habe eine HWS-Bandscheibenoperation stattgefunden.
A.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung erhielt am 9. April
2009 (IV-act. 9) von Dr. med. B._, Neurochirurgie FMH, unter anderem zur Auskunft,
es lägen beim Versicherten ein St. n. mikrochirurgischer Diskektomie und Einsetzen
einer Bandscheibenprothese C4/C5 am 23. Oktober 2008 bei chronischem
zervikocephalem und akutem zervikobrachialem Schmerzsyndrom links bei
Spondylosis und intraforaminaler Diskushernie C4/C5 links sowie postoperativ eine M.-
deltoideus-Parese links, im Verlauf regredient, vor. Der Versicherte sei seit dem
13. Oktober 2008 voll arbeitsunfähig und werde es voraussichtlich bis mindestens im
Mai 2009 bleiben. Sein Ziel sei es, eine der früheren (inzwischen gekündigten)
entsprechende Tätigkeit wieder aufzunehmen; dieses Ziel sei neurochirurgisch gesehen
realistisch.
A.c In einer Arbeitgeberbescheinigung vom 29. Mai 2009 (IV-act. 16) wurde
bekanntgegeben, der Versicherte sei vom 1. Februar 2004 bis 31. Dezember 2008
angestellt und bis zum 2. Oktober 2008 als Teamleiter tätig gewesen. Das
Arbeitsverhältnis sei gekündigt worden, weil der Vertrag als Y._leiter-Stellvertreter
nicht erfüllt worden sei. Der Gesundheitszustand des Versicherten habe nichts mit der
Arbeitsleistung zu tun gehabt, welche nicht dem Lohn entsprochen habe.
A.d Die Taggeldversicherung des Versicherten teilte am 28. August 2009 (IV-act. 20)
mit, dieser sei noch voll arbeitsunfähig geschrieben, halte sich aber bereits für zu 30 bis
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40 % arbeitsfähig und habe sich um eine entsprechende Stelle beworben und beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet.
A.e Gemäss dem FI-Assessmentprotokoll vom 18. September 2009 (IV-act. 28)
berichtete der Versicherte damals von verschiedenen Absagen auf Bewerbungen. Er
bewerbe sich auf Beginn des nächsten Jahres, denn mindestens drei Monate werde es
[mit der vollen Arbeitsunfähigkeit] noch dauern. Er gab unter anderem auch an, zwei
Wochen nach der vollen Wiederaufnahme der Arbeit nach einer vollen und
anschliessend hälftigen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Darmoperation [vom August
2008] habe er die Kündigung erhalten. Diese habe bestimmt mit der Nackenoperation
zu tun gehabt. Am 21. Oktober 2009 (IV-act. 30) teilte die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten mit, berufliche
Eingliederungsmassnahmen seien zurzeit wegen seines Gesundheitszustands nicht
möglich.
A.f Dr. med. C._, Allgemeine Medizin und Physikalische Medizin FMH, erklärte im
Arztbericht vom 3. Juni 2010 (IV-act. 43), als Hauptdiagnosen bestünden ein
rezidivierendes lumbovertebrales/lumbospondylogenes Syndrom bei St. n.
mikrochirurgischer Diskektomie L2/L3 links bei grosser mediolateraler nach kaudal frei
luxierter DH L2/L3 links [am 1. Oktober 2009, vgl. IV-act. 52] sowie medianer/
paramedianer flacher DH L5/S1 links und klinischem Verdacht auf Instabilität,
bestehend seit ca. 16 Jahren, sowie ein rezidivierendes cervicobrachiales Syndrom bei
St. n. vorderer mikrochirurgischer Diskektomie und Einsetzen einer
Bandscheibenprothese C4/C5 am 23.10.2008 und postoperativer M.-deltoideus-
Parese links. Daneben lägen eine arterielle Hypertonie (seit 2003), ein St. n.
Cholezystektomie (April 2009), ein St. n. diagnostischer Laparoskopie und kompletter
Dünndarmrevision am 16.08.2008 bei paralytischem Ileus im oberen Dünndarmbereich
im Rahmen einer Enteritis und ein Restless-legs-Syndrom vor. Bei der Konsultation
vom 15. März 2010 (wegen postprandialen Beschwerden, ohne rheumatologische
Untersuchung) habe der Versicherte im Übrigen eine Belastungsintoleranz mit
einschiessenden Schmerzen angegeben, die für eine [WS-]Instabilität spreche.
Ausserdem bestünden nun auch rechtsseitige Schmerzen nach zweistündigem Sitzen.
Dr. B._ habe eine Reoperation geplant, der Versicherte daraufhin Dr. med. D._
konsultiert. Die Arbeitsfähigkeit sei bei den Neurochirurgen zu erfragen.
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A.g Am 16. September 2010 ging schliesslich ein Arztbericht von Dr. B._ vom 15.
und 16. September 2010 und 16. August 2010 ein (IV-act. 52; im Folgenden Arztbericht
vom 16. September 2010). Als Diagnosen bezeichnete Dr. B._ im Wesentlichen einen
St. n. vorderer mikrochirurgischer Diskektomie und Einsetzen einer
Bandscheibenprothese C4/C5 am 23. Oktober 2008, einen St. n. mikrochirurgischer
Diskektomie L3/L4 links am 1. Oktober 2009, einen St. n. lumbovertebrogenem
Schmerzsyndrom und Claudicatio spinalis bei kleiner mediolateraler Rezidivhernie L2/
L3 links und Spondylolisthesis L2/L3, Osteochondrose und medianer breitbasiger
subligamentärer Diskushernie L1/L2, medianer subligamentärer flacher Diskushernie
L4/L5 und Spondylarthrose L3/L4 und L4/L5 sowie einen V. a. schmerzbedingte
Depression. Nach der Operation vom 1. Oktober 2009 sei der Versicherte zunächst
schmerzfrei gewesen, doch sei Ende Oktober 2009 eine Rezidivhernie aufgetreten (in
der Folge rückläufig). Die durchgeführte Rehabilitation (vom August 2010) habe die
Schmerzen bei Belastungen sogar noch verstärkt. Er (der Arzt) habe eine
stabilisierende Operation auf Höhe L2/L3 empfohlen. Eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit sei aber fraglich. In seinem Beruf sei der Versicherte seit dem
13. Oktober 2008 voll arbeitsunfähig. Wegen der anhaltenden Lumbalgien und der
Lumboischialgie links sowie den Zervikalgien sei auch eine behinderungsangepasste
Tätigkeit nicht möglich. Es bestünden eine leichte M.-quadriceps-Parese links und
Parästhesien im Dermatom L3, L4 und L5 links. Nach einer Gehstrecke von 30 Minuten
Dauer trete eine Claudicatio spinalis auf.
A.h Das Rehazentrum E._ reichte am 11. Oktober 2010 seinen Bericht an Dr. C._
vom 22. September 2010 (IV-act. 58-2 ff.) ein. Darin war erklärt worden, die Schmerzen
bestünden weiterhin, zum Teil sogar mehr als vor der Rehabilitation. Auch die Kraft-
und die Sensibilitätsstörung habe sich nicht verbessert. Eine Operation sei sinnvoll.
A.i Nachdem die Taggeld-Versicherung am 7. Oktober 2010 (IV-act. 56) mitgeteilt
hatte, der Versicherte habe sich trotz Risikos nochmals zu einer Operation
entschlossen, gab dieser im März 2011 (IV-act. 74) bekannt, er habe Dr. B._ erklärt,
es werde keine weiteren Operationen mehr geben. In einem Arztbericht vom 30. Mai
2011 (IV-act. 76) bestätigte Dr. B._, der Versicherte sei auch für eine leichte Tätigkeit
voll arbeitsunfähig. Er leide postoperativ an einem zervikocephalen Schmerzsyndrom,
besonders beim Nach-oben-Schauen, ausserdem an einem lumbovertebrogenen und -
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radikulären Schmerzsyndrom links, unter anderem mit leichter M.-quadriceps-Parese
links (Grad IV-V), und sei deswegen nicht belastbar.
A.j Am 22. Juni 2011 (IV-act. 84) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen dem Versicherten mit, Anspruch auf berufliche Massnahmen
bestehe nicht; solche seien beim derzeitigen Gesundheitszustand nicht angezeigt.
A.k Am 16. September 2011 erstattete das Medizinische Gutachtenzentrum St. Gallen
(MGSG) das in Auftrag gegebene orthopädisch-psychiatrische Gutachten (IV-
act. 90;Untersuchungen vom 17. August 2011). Als Hauptdiagnosen lägen vor eine
Kraftverminderung des linken Arms bei St. n. mikrochirurgischer Diskektomie und
Bandscheiben-Prothesenimplantation C4/5 10/2008, eine deutliche Osteochondrose
und Spondylarthrose speziell L2/3 und geringer L1/2 mit rechts recessaler Diskushernie
L2/3 und mässiger Kompression der Nervenwurzel L3 rechts recessal sowie kleiner
links foraminaler Diskushernie L5/S1 mit mässiger Kompression der Nervenwurzel L5
links foraminal bei leichter linkskonvexer Skoliose und St. n. mikrochirurgischer
Diskektomie L2/4 links 10/2009, und eine Präadipositas. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien eine arterielle Hypertonie, ein Nikotinabusus und eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, bestehend seit etwa 10/2009.
Vorwiegend im Stehen auszuübende Tätigkeiten mit häufigen inklinierten und rotierten
Körperhaltungen und Heben und Tragen von Lasten von 5 bis 10 kg könnten nicht
mehr vollumfänglich zugemutet werden, weshalb für die bisherige Tätigkeit ab der
Begutachtung eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % bestehe. Von Oktober 2008 bis April
2010 habe diesbezüglich volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Körperlich leichte
Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend
ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei häufig inklinierte und reklinierte oder
rotierte Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände über 3 kg gehoben oder
getragen werden müssten und die nicht mit Arbeiten über der Horizontalen verbunden
seien, könnten dem Versicherten bei voller Stundenpräsenz zu 90 % zugemutet
werden. Während der jeweils ersten vier postoperativen Monate in den Jahren 2008
und 2009 habe allerdings auch für solche adaptierten Tätigkeiten volle
Arbeitsunfähigkeit bestanden.
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A.l Am 14. November 2011 (Eingangsdatum; IV-act. 94) schrieb der Versicherte,
obwohl er dem Gutachter [...] vor dem Untersuch mitgeteilt habe, dass die Schmerzen
bei jeder Manipulation grösser würden, sei im Rücken und Nacken kräftig gezogen
worden. Seither habe er doppelt so starke Schmerzen wie vorher. Im Nacken habe er
eine neue Bandscheibe. Die Nackenschmerzen würden ihn seit dem Untersuch aus
dem Schlaf holen. Er habe es dem Gutachter mitgeteilt. Ausserdem sei der Stil dessen
Befragung zu kritisieren. Am 12. Dezember 2011 (IV-act. 97) erklärte der Versicherte,
Dr. B._ werde eine entsprechende Bestätigung direkt einreichen. - In einem Bericht
an Dr. C._ vom 4. Januar 2012 (IV-act. 100) gab Dr. B._ bekannt, als aktuelle
Diagnose liege unter anderem eine Exacerbation der zervikovertebrogenen
Schmerzsymptomatik vor. Nach Angaben des Versicherten hätten die Zervikalgien
nach einer Manipulation der HWS zugenommen und es gebe eine Ausstrahlung in die
Schulter rechts. Der Versicherte klage über anhaltende Lumbalgien, eine
Lumboischialgie links und eine Claudicatio spinalis. Nach einer Gehstrecke von 300 m
werde das linke Bein müde; er müsse ein paar Minuten warten. Dass er noch
irgendeine Tätigkeit in bisheriger Weise durchführe, sei nicht mehr zumutbar.
A.m Der RAD hielt am 23. Januar 2012 (IV-act. 104) dafür, es gebe keine
objektivierbaren Hinweise auf eine für die Arbeitsfähigkeit relevante
Gesundheitsverschlechterung seit der Begutachtung. Bereits bei der Begutachtung
seien stechende Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in die rechte Schulter beklagt
worden und also bekannt gewesen. Die Beweglichkeitsprüfung der HWS sei im Januar
2012 (gemacht durch Dr. B._) sogar besser ausgefallen als bei der Begutachtung.
Dr. B._ beschreibe zudem einen deutlich besseren Befund betreffend Kraft in den
Armen als der Gutachter. Das nach der Untersuchung erstellte Kernspintomogramm
der HWS vom 23. August 2011 zeige nebst der Bandscheibenprothese ein normales
zervikales Bild. Neurologisch habe Dr. B._ im Mai 2011 und im Januar 2012
dieselben Befunde beschrieben. Eine HWS-Manipulation werde im Gutachten nicht
erwähnt und es wäre auch sehr erstaunlich, wenn eine solche therapeutische
Massnahme aus dem Bereich der Manuellen Medizin durchgeführt worden wäre.
A.n Mit Vorbescheid vom 8. Februar 2012 (IV-act. 106 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Rechtsvertretung des
Versicherten die Abweisung seines Leistungsgesuchs um eine Rente in Aussicht. Der
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Invaliditätsgrad betrage 23 % (Valideneinkommen Fr. 71'907.--, Invalideneinkommen
Fr. 55'116.--). Das Wartejahr sei nicht erfüllt, denn nur während jeweils vier Monaten
nach den Operationen habe auch in adaptierten Tätigkeiten volle Arbeitsunfähigkeit
bestanden.
A.o Bei einer Vorsprache bei der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle vom 15. Februar
2012 (IV-act. 109) teilte der Versicherte unter anderem mit, sein Medikamentenbedarf
sei im Gutachten unvollständig geschildert worden. Er habe den Gutachter ausserdem
am 26. August 2011 auf die Schmerzverstärkung hingewiesen. Trotzdem stehe davon
im Gutachten nichts. Es sei ihm nicht möglich, vier Stunden zu sitzen bzw. zu stehen.
Auch der Einkommensvergleich sei unzutreffend. - In einem Einwand seiner
Rechtsvertretung vom 12. März 2012 (IV-act. 110) wurde die Zusprechung der
geschuldeten IV-Leistungen, eventualiter wurden ergänzende Abklärungen beantragt.
Die gutachterliche Beurteilung stehe in Widerspruch sowohl zur subjektiven
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Versicherten als auch zur Beurteilung der
behandelnden Ärzte. Trotz der Reiz- und Ausfallssymptome sei keine neurologische
Untersuchung erfolgt. Es werde im Gutachten auch nicht dargelegt, weshalb die
Beschwerden angeblich nicht mit dem medizinischen Befund sollten erklärt werden
können. Dr. C._ habe kürzlich eine neurologische Untersuchung veranlasst. Ein
Bericht werde nachgereicht.
A.p Am 23. April 2012 (IV-act. 112) verfügte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
des Kantons St. Gallen im Sinn des Vorbescheids.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Guido Bürle Andreoli, Helsana
Rechtsschutz AG, für den Betroffenen am 23. Mai 2012 erhobene Beschwerde. Der
Beschwerdeführer lässt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprechung der ihm zustehenden Leistungen, eventualiter eine Vervollständigung der
Sachverhaltsabklärung durch ein fachärztliches Gutachten, beantragen. Die
Beschwerdegegnerin habe die Abklärungspflicht verletzt, indem sie allein auf das
Gutachten abgestellt habe. Dieses sei nicht umfassend, da es den neurologischen
Befund von Nervenkompressionen ausgeklammert habe und auf keinen
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neurologischen Untersuchungen basiere. Gemäss einem beigelegten Bericht von
Dr. med. F._, Fachärztin Neurologie FMH, vom 1. März 2012 seien klinisch eine
residuelle Radikulopathie C5 links und eine nicht ganz klare Hyposensibilität am
rechten Handrücken und residuelle Ausfälle in den Segmenten L3 bis S1 links
gefunden worden, elektrophysiologisch eine axonale Läsion der linksseitigen Mm.
rectus femoris und tibialis anterior. Dr. B._ habe am 4. Januar 2012 einen positiven
Lasègue links und rechts erhoben. Die geklagten Beschwerden seien nicht ausreichend
berücksichtigt worden, es fehle eine Schmerzanamnese. Weshalb gerade eine
Arbeitsunfähigkeit von 10 % und nicht etwa eine solche von 30, 40 oder 50 % bestehe,
sei unbegründet geblieben. Die Diskrepanz zwischen den von ihm (dem
Beschwerdeführer) erlebten Schmerzen und der Zumutbarkeitsbeurteilung erkläre der
Gutachter einzig damit, dass das Ausmass der Nackenschmerzen und der abnormen
Untersuchungsbefunde der HWS bei unauffälligem MRI nicht nachvollzogen werden
könne. Das Schmerzausmass allein anhand des angeblich unauffälligen MRI
bestimmen zu wollen, gehe aber nicht an. Es bliebe diesfalls bei sozusagen blandem
MRI nämlich unerklärt, woher die anerkannte, persistierende Muskelschwäche der
linken oberen Extremität kommen sollte. Dr. B._ attestiere ihm im Unterschied zum
Gutachten eine volle Arbeitsunfähigkeit. Um die funktionelle Leistungsfähigkeit
beurteilen zu können, dränge sich eine Belastungsabklärung in einer BEFAS auf.
Danach habe eine spezialärztliche orthopädische, neurologische und rheumatologische
Begutachtung stattzufinden. In der Folge müssten als Erstes Integrationsmassnahmen
geprüft werden. Schliesslich wäre bei der Bestimmung des Invalideneinkommens ein
Abzug von mindestens 15 % vorzunehmen gewesen.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 27. September 2012 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Gemäss der Stellungnahme des
RAD vom 13. August 2012 habe der Gutachter der Orthopädie einen detaillierten
neurologischen Befund erhoben. Dieser decke sich im Wesentlichen mit jenen von
Dr. F._ und Dr. B._. Aufgrund der Muskelschwäche des linken Arms habe der
Gutachter eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit angenommen. Die Kraftentwicklung
sei beim Gutachter geringer gewesen als bei Dr. F._. Dr. B._ habe keine Schwäche
an den oberen Extremitäten festgestellt. Gefühlsstörungen habe der Gutachter im
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linken Arm und Bein nicht festgestellt. Der Lasègue sei einzig bei Dr. B._ positiv,
beim Gutachter und bei Dr. F._ aber negativ gewesen. Die Beschwerden würden im
Gutachten beschrieben und bei den Kriterien für eine adaptierte Tätigkeit
berücksichtigt. Die von Dr. B._ im Januar 2012 gemessene Beweglichkeit der HWS
sei deutlich besser gewesen als jene bei der Begutachtung. Die LWS-Schmerzen seien
gemäss dem Gutachter durch die Befunde erklärbar. Die Arbeitsfähigkeit werde
unterschiedlich beurteilt. Der Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung
nicht verändert. Diese fachmedizinischen Feststellungen des RAD würden überzeugen,
die aus Sicht eines medizinischen Laien erhobene Kritik am Gutachten dagegen sei in
keinem Punkt begründet. Da feststehe, dass kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
vorliege, könne über den Rentenanspruch verfügt werden, auch ohne
Eingliederungsmassnahmen genauer zu prüfen. In Betracht fiele ohnehin einzig eine
Arbeitsvermittlung, welche nur erfolgreich sein könnte, wenn der Beschwerdeführer
von der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung Abstand nähme. Eine Umschulung wäre
angesichts dessen Alters von vornherein unverhältnismässig.
D.
Mit Replik vom 14. Januar 2013 beantragt Rechtsanwalt lic. iur. Rémy Wyssmann als
Rechtsvertreter (vgl. sein Schreiben vom 2. Juli 2012) des Beschwerdeführers die
Durchführung einer gerichtlichen Begutachtung samt Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) sowie einer öffentlichen Instruktions- und Parteiverhandlung,
um die Diskrepanzen auszuräumen und die Sache einer vergleichsweisen Lösung
zuzuführen. Ein Neurostatus sei bei der Begutachtung durch den Orthopäden mangels
fachlicher Befähigung nicht erhoben worden, obwohl beim Beschwerdeführer eine
mässige Kompression der Nervenwurzel und begleitende Lähmungserscheinungen des
linken Beins bestünden. Es hätte ein Gutachter der Neurologie beigezogen und es
hätten etwa die Hoffmann-Tinel-Zeichen erhoben und eine elektrophysiologische
Untersuchung durchgeführt werden müssen. Hieran ändere auch die Stellungnahme
der RAD-Ärztin nichts, deren fachliche Befähigung in neurologischer Hinsicht nicht
bekannt sei. Weshalb die Beschwerdegegnerin den Gutachter nicht zu den
Ergebnissen von Dr. F._ Stellung nehmen lassen wolle, sei nicht klar. Dass der vom
Gutachter der Orthopädie erhobene "detaillierte neurologische Befund" sich im
Wesentlichen mit jenem von Dr. F._ und von Dr. B._ decke, treffe nicht zu. Bei
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Dr. B._ sei der Lasègue-Test positiv verlaufen, der Gutachter habe das Ergebnis als
"unauffällig" (nicht als "negativ") bezeichnet, was in der medizinischen Nomenklatur
nicht vorgesehen und daher nicht verständlich sei. Drei beigelegte Berichte von
Dr. med. G._, Facharzt Neurologie und Neurochirurgie, Leiter Gutachtenzentrum an
der Klinik H._, vom 17. September 2012 (zwei) und 10. Januar 2013 bestätigten die
Unvollständigkeit der Abklärungen. Erforderlich sei danach, jedenfalls im Hinblick auf
therapeutische Optionen, die noch nicht ausgeschöpft seien, eine ausführliche
elektromyographische Untersuchung, ergänzt durch evozierte Potenziale und
paraspinale Ableitungen. Ausserdem sei eine EFL notwendig. Auch die
Schmerzbegutachtung durch den Gutachter der Psychiatrie sei unvollständig, da ihr
keine ausreichend geklärten somatischen Grundlagen vorgelegen hätten. Da es sich
um ein altrechtliches Gutachten handle, müsse nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts (Bundesgerichtsentscheide i/S B. vom 17. September 2012,
9C_148/12, und i/S A. vom 4. Oktober 2012, 9C_495/12) bereits bei geringen Zweifeln
eine neue Begutachtung erfolgen, hier eine gerichtliche Begutachtung. - Dr. G._ hatte
unter anderem in einer Stellungnahme (datiert vom 17. September 2012) dafürgehalten,
es sei zu diskutieren, ob noch eine Entfernung des Bandscheibenvorfalles (LWK2/3
oder LWK3/4) in Frage komme, in welcher Höhe eine Stenose vorliege oder ob die
Spondylolisthese für die Claudicatiosymptomatik verantwortlich sei und ob
diesbezüglich operativ vorzugehen sei, oder ob eine Stabilisierungsoperation in Frage
komme, ausserdem ob eine konservativ-medikamentöse Schmerzbehandlung
ausreiche, eine Rehabilitation in Frage komme oder ein neurochirurgischer
Schmerzeingriff (z.B. spinal cord stimulation) Linderung bringen könne. Nach einer
Konsultation des Beschwerdeführers hielt er in einem weiteren Schreiben (vom
17. September 2012) fest, es sei vorab zu klären, ob überhaupt Bandscheibenvorfälle
in den Höhen LWK2/3 und lumbosakral bestünden.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 24. Januar 2013 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet, der Beschwerdeführer am 5. November 2014 auf die Durchführung einer
mündlichen Verhandlung.
F.
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Am 25. November 2014 hat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen einen
Beweisbeschluss gefällt und den Parteien anschliessend Gelegenheit geboten, sich zur
vorgesehenen Begutachtung unter neurologischem, neurochirurgischem und
orthopädischem Gesichtspunkt, zum in Aussicht genommenen Begutachtungsinstitut
und zu den vorbereiteten Fragen vernehmen zu lassen. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat sich mit Schreiben vom 11. Dezember 2014 mit dem Institut
und den Fragen einverstanden erklärt, sich aber vorbehalten, sich nach Vorlage zum
Gutachten zu äussern und allenfalls Ergänzungsfragen zu stellen. Am 18. Dezember
2014 wurde der Auftrag (einschliesslich EFL) erteilt. Das Institut hat am 4. Februar 2015
vorgeschlagen, über die Notwendigkeit einer dort nicht durchführbaren EFL nach der
Abklärung (nochmals) zu entscheiden und zum Ausschluss einer möglichen
psychiatrischen oder psychosomatischen Problematik beim Beschwerdeführer eine
entsprechende Teilbegutachtung durchzuführen. Die Gerichtsleitung hat am
18. Februar 2015 geantwortet, der Entscheid über die Notwendigkeit einer EFL könne
nach der medizinischen Abklärung getroffen werden; gegebenenfalls sei ein Vorschlag
zu unterbreiten. Des Weiteren erkenne das Gericht bezüglich des relevanten
Sachverhalts bis 23. April 2012 keinen Abklärungsbedarf in psychiatrischer Hinsicht,
sei aber, falls die Begutachtenden aufgrund ihrer Abklärungsergebnisse eine
psychiatrische Begutachtung für angezeigt halten würden, mit deren Veranlassung
einverstanden. Nach der Abklärung gab das Institut am 2. Juni 2015 bekannt, eine EFL
wäre sinnvoll. Auf Anfrage der Gerichtsleitung vom 9. Juni 2015 hin hat sich der
Beschwerdeführer mit der Durchführung einverstanden erklärt.
G.
Am 30. November 2015 hat das Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB) das
Gutachten über seine Untersuchungen vom 26. bis 29. Mai 2015 sowie die EFL vom
23. und 24. September 2015 in den Kliniken Valens erstattet (act. G 45). Als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden bekannt gegeben:
- Chronisches cervikovertebrogenes Schmerzsyndrom mit/bei
- residueller radikulärer sensomotorischer Ausfallssymptomatik der Wurzel C5
links bei
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- St. n. anteriorer mikrochirurgischer Diskektomie und Implantation einer Band-
scheibenprothese C4/5 am 23.10.2008
- aktivierten Facettenarthrosen, Tendomyosen sowie Bewegungseinschränkung
- geringen degenerativen Veränderungen bei regelrechtem Implantat-Sitz
(Rx 27.05.2015)
- Chronisches lumbovertebrogenes Schmerzsyndrom mit/bei
- residueller radikulärer sensomotorischer Ausfallssymptomatik der Wurzel L3
links (sensibel auch L4) bei
- St. n. mikrochirurgischer Diskektomie L2/3 links am 01.10.2009 mit
- nachfolgendem Segmentkollaps und skoliotischer Winkelbildung (16° nach
Cobb)
- belastungsabhängig aktivierten Facettenarthrosen
- degenerativen LWS-Veränderungen mit Osteochondrose, Retroposition und
skoliotischer Winkelbildung bei L2/3 mit Spondylarthrose L2/3 (Rx 27.05.2015).
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei unter anderem eine DISH (wohl: Diffuse
idiopathische Skeletthyperostose) der BWS. Es sei anzunehmen, dass der
Beschwerdeführer in der bisherigen mittelschweren Tätigkeit mit schweren Anteilen seit
dem 3. Oktober 2008 bleibend nicht mehr arbeitsfähig sei. Von Beginn bis zum
Sommer des Jahres 2009 habe für eine angepasste Tätigkeit, insbesondere ohne die
Notwendigkeit des Hochhebens des linken Armes, wieder volle Arbeitsfähigkeit
bestanden. Danach sei der Beschwerdeführer wegen der lumbalen Problematik bis
Ende 2009 auch für solche Tätigkeiten arbeitsunfähig gewesen. Seither sei die
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Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit (zeitlich) nicht eingeschränkt.
Angepasst sei eine Tätigkeit, wenn sie körperlich leicht sei, ohne Heben und Tragen
von Lasten über 5 kg auskomme, abwechslungsweise sitzend, stehend und gehend
(nicht ausschliesslich stehend und gehend) auszuüben sei und ohne inklinierte oder
reklinierte sowie stark rotierte Körperhaltungen, ohne Tätigkeiten mit den Armen
oberhalb der Horizontalen und ohne Hocken und Kniebeugen ausgeführt werden
könne.
H.
Die Beschwerdegegnerin stellt sich mit Eingabe vom 18. Dezember 2015 auf den
Standpunkt, aufgrund des Gutachtens stehe fest, dass der Beschwerdeführer keinen
Rentenanspruch habe.
I.
Der Beschwerdeführer lässt in der Stellungnahme vom 8. Februar 2016 vorbringen, in
der Klinik X._ habe ihm niemand glauben wollen. Das sei eine Kränkung für ihn
gewesen. Er sei nicht in der Lage gewesen, das geforderte Gewicht von 70 kg zu
schieben. Er beantragt, es sei eine psychiatrische Teilbegutachtung durchzuführen und
es seien den Gutachtern nebst dem Fragenkatalog gemäss IV-Rundschreiben Nr. 339
elf Ergänzungsfragen zu stellen. Im Gutachten seien eine erhebliche
Symptomausweitung und Selbstlimitierung festgestellt worden. Inkonsistenzen
schlössen jedoch eine relevante psychische Erkrankung nicht aus, sondern bedingten
sie oder stellten ihre Folge dar. Eine psychiatrische Teilbegutachtung habe noch nicht
stattgefunden, weshalb eine Diskussion und transparente Bewertung der Auffälligkeiten
fehle. Wenn Hinweise für eine Aggravation oder Simulation fehlten und die Kooperation
anerkanntermassen gut gewesen sei, könne die Ursache dafür, dass die hochgradigen
Schmerzangaben im Bereich der HWS durch objektivierbare Befunde als nicht
nachvollziehbar beschrieben worden seien, nur eine psychische sein. Die anderen
Fachrichtungen als der Psychiatrie angehörigen bisherigen Gutachter könnten dies
nicht abschliessend beurteilen. Das psychiatrische Teilgutachten des MGSG habe auf
unzutreffenden Annahmen zur Qualität der angestammten Tätigkeit des
Beschwerdeführers basiert, so dass ihm kein Beweiswert zukommen könne. Der
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betreffende Gutachter habe zudem eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion diagnostiziert, die sich gemäss WHO-Richtlinien maximal zwei Jahre lang
auswirken könne. Die entsprechende Feststellung bei der Untersuchung vom August
2011 - somit nach dem 3. Oktober 2010, dem Ablauf von zwei Jahren nach dem vom
Gerichtsgutachten benannten Beginn der Arbeitsunfähigkeit - erweise sich als
Diagnosefehler. Die dort vorgenommene juristische Willensprüfung habe ferner eine
Kompetenzüberschreitung dargestellt. Des Weiteren sei damit aber der Charakter der
Erkrankung als pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild ohne
nachweisbare organische Grundlage bestätigt worden. Es sei beim erhärteten Verdacht
auf eine Somatisierungsstörung der Fragenkatalog gemäss IV-Rundschreiben Nr. 339
zu beantworten. Die für eine Abkehr vom Beweiswert erforderlichen geringen Zweifel
lägen überdies ohne weiteres vor. Schliesslich erlaubten die umfangreichen
medizinischen Unterlagen keine Beurteilung im Licht der Beurteilungsindikatoren,
weshalb eine unverbindliche Tatsachenfeststellung vorliege. - Mit Eingabe vom 8. März
2016 entgegnet der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers der Stellungnahme des
Beschwerdegegnerin vom 18. Dezember 2015, eine verbindliche Feststellung zur
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit könne noch nicht gemacht werden.

Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 23. April 2012 hat die Beschwerdegegnerin das
Gesuch des Beschwerdeführers um eine Rente abgewiesen. Am 22. Juni 2011 hatte
sie ihm (wie bereits am 21. Oktober 2009) mitgeteilt, Anspruch auf berufliche
Massnahmen bestehe beim betreffenden Gesundheitszustand nicht. Strittig ist der
Anspruch des Beschwerdeführers auf IV-Leistungen, namentlich auf eine Rente.
2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 2008 in Kraft stehenden Fassung) besteht
der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens
zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe
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Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine
Viertelsrente. Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die
(nebst den Anforderungen nach lit. a) während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein wesentlicher Unterbruch der
Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens
30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004, I 19/04). Nach
Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG.
3.
3.1 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Sache des Arztes ist es, den Gesundheitszustand der versicherten
Person zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Lauf der Zeit zu
beschreiben, also mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter
Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt
darauf die Diagnose zu stellen. Er nimmt dazu Stellung, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen
Auskünfte sind im Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl.
BGE 140 V 193 E. 3.2, BGE 107 V 17 = ZAK 1982 S. 34, BGE 132 V 99 f. E. 4).
3.2 Zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sind diverse medizinische
Berichte und zwei Gutachten erstellt worden. Danach kann davon ausgegangen
werden, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit seit dem
3. Oktober 2008 nicht mehr (gemäss Gerichtsgutachten des ZMB; gemäss Gutachten
des MGSG von Oktober 2008 bis April 2010) oder jedenfalls nicht mehr zu mehr als
30 % (gemäss dem Gutachten des MGSG: ab August 2011; Zustand von April 2010 bis
August 2011 sei nicht eindeutig beurteilbar) arbeitsfähig ist.
ter
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3.3 Was die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit
betrifft, wurde im Gutachten des MGSG vom 16. September 2011 nach der
orthopädischen und psychiatrischen Abklärung vom 17. August 2011 festgehalten,
körperlich leichte, umschriebenen Voraussetzungen entsprechende Tätigkeiten seien
ihm während der jeweils ersten vier postoperativen Monate in den Jahren 2008
(entspricht dem Zeitraum vom 23. Oktober 2008 bis 23. Februar 2009) und 2009 (also
1. Oktober 2009 bis 1. Februar 2010) nicht zumutbar gewesen, seien ihm seither aber
bei voller Stundenpräsenz zu 90 % zumutbar. Im Gerichtsgutachten des ZMB
betreffend die Untersuchungen vom Mai und September 2015 wurde erklärt, bis vor
Beginn des Jahres 2009 habe diesbezüglich volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen,
danach bis Sommer 2009 volle Arbeitsfähigkeit. Anschliessend sei der
Beschwerdeführer bis Ende des Jahres 2009 wieder voll arbeitsunfähig gewesen.
Seither sei er in der Arbeitsfähigkeit (zeitlich) nicht eingeschränkt. - Bei Ablauf einer
möglichen Wartezeit im Oktober 2009 war der Beschwerdeführer nach beiden
gutachterlichen Beurteilungen voll arbeitsunfähig, und zwar gemäss ZMB bis
Dezember 2009, gemäss MGSG bis 1. Februar 2010. Für die Zeit danach liegen die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen um (lediglich) 10 % auseinander, da das MGSG 90 %,
das ZMB aber volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in adaptierter Tätigkeit
beschreibt.
3.4 Zu einer anderen Arbeitsfähigkeitsschätzung war der Neurochirurg gelangt, welcher
den Beschwerdeführer operiert hat: Nach Auffassung von Dr. B._ kann dem
Beschwerdeführer - namentlich wegen den anhaltenden Lumbalgien, der
Lumboischialgie links und Zervikalgien - auch in einer angepassten Tätigkeit keine
Arbeit mehr zugemutet werden. Dr. C._, das Rehazentrum E._, Dr. F._ und
Dr. G._ hatten sich einer Arbeitsfähigkeitsschätzung enthalten.
3.5 Die Gerichtsbegutachtung ist durch Zusammenwirken von medizinischen Experten
nach Kenntnisnahme von den Vorakten, nach Erfragen der Anamnese und der
Angaben zu den Beschwerden und nach Aufnahme der Befunde erhoben worden.
Nunmehr ist, wie sich aus dem Folgenden ergibt, von einer vollständigen Abklärung
auszugehen. Die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise sind erfüllt. Es
rechtfertigt sich, auf das Ergebnis der ZMB-Gerichtsbegutachtung (und nicht auf die
abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung des Operateurs) abzustellen, zumal dieses im
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Übrigen auch wie erwähnt weitgehend mit demjenigen der ersten gutachterlichen
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch das MGSG
übereinstimmt.
4.
4.1 Das ZMB-Gutachten befasst sich namentlich auch mit den (im ersten Gutachten
nicht enthaltenen) neurologischen und neurochirurgischen Aspekten des Leidens des
Beschwerdeführers. Gemäss der neurologischen Expertise persistiert ein
sensomotorischer Ausfall der Wurzel C5 links mit einer leichten Schulterabduktions-
(oder Deltoideus-) Schwäche und einer Sensibilitätsstörung an der Aussenseite des
linken Oberarms. Ausserdem persistiere residuell links ein sensomotorischer Ausfall der
Wurzel L3, allenfalls auch L2. Relevant auch motorisch betroffen sei
schwerpunktmässig das Segment L3. Es finde sich entsprechend eine
Hüftadduktionsparese mit fehlendem Adduktorenreflex, ausserdem eine leichte
Oberschenkelhypotrophie. Eine relevante radikuläre Reiz-, d.h. Schmerzsymptomatik
liege nicht (mehr) vor. Die Beschwerden im Bereich der LWS seien besser durch
klinisch und bildgebend zu erhebende Befunde zu erklären als jene im Bereich der
HWS. Neurochirurgisch betrachtet wurden lumbal eine Neuropathie der Wurzeln L3
und L4 links und Instabilitätszeichen der LWS (zum grossen Teil erklärt durch eine
Retrolisthese L2/3) mit Aufrichteschmerz gefunden. Cervikal bestünden ein vor allem
rotationsabhängiges Cervikalsyndrom mit eingeschränkter Beweglichkeit und eine
leichte Restparese der cervikalen Wurzeln C5 und C6 links mit M.-deltoideus- und M.-
biceps-Parese. - Zusammenfassend wurde im ZMB-Gutachten festgehalten, die HWS-
Problematik stehe im Vergleich zu jener im Bereich LWS im Hintergrund. Die
betreffenden (HWS-)Schmerzangaben seien durch die objektivierbaren Befunde in ihrer
Intensität nicht nachvollziehbar. Im Bereich der LWS stünden das eingestauchte und
von der Listhesis betroffene Segment L2/3 bzw. dessen Facetten bei der
Schmerzerzeugung im Vordergrund, doch sei es mittlerweile zu einer weitgehenden
Stabilisierung gekommen. Die diesbezüglich angegebenen Schmerzen seien durch
objektivierbare Befunde erklärbar. - Auch in dieser letztgenannten Hinsicht stimmen die
beiden gutachterlichen Beurteilungen im Wesentlichen wiederum überein, war im
MGSG-Gutachten doch dargelegt worden, die lumbalen Schmerzen und
pathologischen objektiven Befunde der LWS seien im Wesentlichen durch die im MRI
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nachgewiesenen Schäden bedingt, das Ausmass der Nackenschmerzen und der
abnormen Untersuchungsbefunde der HWS könne bei unauffälligem MRI dagegen
nicht vollständig nachvollzogen werden.
4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Ursache für die mangelnde
Nachvollziehbarkeit seiner Schmerzangaben im Bereich der HWS könne, da Hinweise
für eine Aggravation oder Simulation fehlten, nur eine psychische sein. Eine
transparente Bewertung der Auffälligkeiten (Inkonsistenzen, Symptomausweitung,
Selbstlimitierung) habe aber mangels psychiatrischer ZMB-Begutachtung bisher nicht
stattgefunden.
4.3
4.3.1 Bei der allgemeinmedizinischen/internistischen wie der neurologischen ZMB-
Untersuchung hatte der Beschwerdeführer gut kooperiert. Bei der orthopädischen
Befundschilderung wurde angegeben, es sei eine kooperative Anamneseschilderung
erfolgt und es seien weder eine erkennbare Aggravierung noch eine übermässige
Verdeutlichungstendenz festzustellen gewesen. Aufgrund der EFL wurden dann
Umgang mit Schmerz, Leistungsbereitschaft und Konsistenz mit der Feststellung einer
erheblichen Symptomausweitung bewertet. Gezeigt worden sei bei dieser Evaluation
eine Belastbarkeit, die einer leichten Tätigkeit (mit Hantieren mit Lasten von bis zu
10 kg) entspreche. Anzunehmen sei aber eine solche für leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten (mit Hantieren mit Lasten von selten bis zu 15 kg) mit den Einschränkungen,
dass beim Tragen rechts und links nur selten maximale Gewichte von 7.5 kg sowie
Arbeiten über Schulterhöhe, Hockestellung und Kniebeugen gar nicht vorkommen
sollen und keine Anforderungen ans Gleichgewicht gestellt werden dürfen. Die
Annahme der Symptomausweitung wurde im EFL-Bericht (Anhang 1) begründet.
Danach liess sich der Beschwerdeführer etwa im Problembereich nicht bis an eine
beobachtbare funktionelle Leistungsgrenze belasten und war seine Selbsteinschätzung
im PACT-Test erheblich zu tief. Möglicherweise bildet Hintergrund eine
Bewegungsängstlichkeit, wie sie der Gerichtsgutachter der Orthopädie festgestellt hat.
4.3.2 Für die Annahme, dass die Ursache der beschriebenen Diskrepanzen eine
psychiatrische Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sein könnte und der
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Sachverhalt unter diesem Gesichtspunkt ungenügend abgeklärt wäre, gibt es keine
Anhaltspunkte. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wurde im August
2011 in psychiatrischer Hinsicht vom MGSG fachärztlich begutachtet. Gemäss dem
Gutachten vom September 2011 lagen damals seit etwa 10/2009 leichte
Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion vor, welche ohne
wesentlichen Krankheitswert seien und die Arbeitsfähigkeit nicht tangierten. Eine
Beeinträchtigung der Schmerzverarbeitung und -bewältigung sei nicht anzunehmen.
Der Beschwerdeführer verfüge über ausreichende Ressourcen für den Umgang mit den
Schmerzen und diese seien, sofern sie organisch nicht begründbar seien, mit einer
zumutbaren Willensanstrengung ausreichend überwindbar. Diese Beurteilung erscheint
überzeugend. Dass unzutreffende Sachverhaltsvorstellungen des MGSG-Gutachters
der Psychiatrie in Bezug auf die Anforderungen der angestammten Tätigkeit an den
Beschwerdeführer den Beweiswert seiner Beurteilung entfallen lassen würden, ist nicht
zu bestätigen. Seine Feststellung eines Beginns der leichten Störungen nach dem
operativen Eingriff vom Oktober 2009 wurde zudem begründet; der Beginn korreliert
danach nicht mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit. Dass ein abklärungsbedürftiges
pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare
organische Grundlage vorgelegen hat, ist ebenfalls nicht anzunehmen. Des Weiteren
kann nach der Aktenlage davon ausgegangen werden, dass auch bis zum
massgeblichen Zeitpunkt vom April 2012 nicht noch ein relevanter psychiatrischer
Gesundheitsschaden eingetreten ist, welcher eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt
hätte. Die Gerichtsgutachter zeigten dem Gericht denn auch nach ihren
Untersuchungen keinen entsprechenden Abklärungsbedarf an, anders als sie es für die
Erforderlichkeit einer EFL getan haben. Dass sie allesamt selber keine Fachärzte der
Psychiatrie sind, führt zu keiner anderen Würdigung. Von einer ergänzenden
psychiatrischen Begutachtung sind keine für die Arbeitsfähigkeit relevanten
zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten.
4.4 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, diverse Punkte seien
gutachterlich noch nicht beantwortet worden. So seien Fragen offen zur Erforderlichkeit
freier Einteilung der Arbeitszeit, eines wohlwollenden Vorgesetzten, von Pausen (Dauer
der zumutbaren ununterbrochenen Arbeitszeit und der Pausen) und von gelegentlichen
Positionen im Liegen während der Arbeitszeit. Zu klären sei, ob Einschränkungen der
Arbeitsgeschwindigkeit oder Arbeitsproduktivität und der Kritik-, Team- und
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Gruppenfähigkeit bestünden, ob die empfohlene Therapie eine Voraussetzung für die
Umsetzung der Arbeitsfähigkeit sei, ob das Training als Selbsteingliederung möglich
sei, und ob berufliche Eingliederungsmassnahmen zu empfehlen seien. Es sei
ausserdem eine Einschätzung der aktuellen Arbeitsfähigkeit bis zum erfolgreichen
Abschluss der Rehabilitation und des Therapiebedarfs pro Woche einzuholen. Diese
ergänzenden Abklärungen erübrigen sich. Gemäss dem Gutachten und der EFL ist die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bei einer leidensadaptierten Tätigkeit zeitlich
nicht eingeschränkt und ganztags möglich. Über die von den Gutachtern erwähnten
Anforderungen an eine geeignete Tätigkeit hinaus sind keine weiteren Bedingungen
mehr nötig. Es ist davon auszugehen, dass die Gutachter die bei der Begutachtung
beim Beschwerdeführer vorgefundene (und nicht etwa eine erst künftig durch
Massnahmen zu erreichende) Arbeitsfähigkeit eingeschätzt und die relevanten Fragen
beantwortet haben. Die angepasste Tätigkeit haben sie als körperlich leichte
beschrieben, die kein Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, keine inklinierten oder
reklinierten sowie stark rotierten Körperhaltungen, keine Tätigkeiten mit den Armen
oberhalb der Horizontalen und keine Hocken und Kniebeugen umfasst, und die
abwechslungsweise sitzend, stehend und gehend ausgeübt werden kann.
4.5 Im Gerichtsgutachten wurden schliesslich die übrigen fachärztlichen Berichte und
Stellungnahmen diskutiert und allfällige Differenzen zu ihnen wurden begründet. Das
Ergebnis der EFL floss als eine der verschiedenen Erkenntnisquellen in die gesamthafte
(polydisziplinäre) ärztliche Beurteilung ein. Bei dieser ärztlichen Gesamtbeurteilung
wurden an eine adaptierte Tätigkeit des Beschwerdeführers um einiges höhere
Anforderungen gestellt (beispielsweise wurde die Zumutbarkeit auf ein Hantieren mit
geringeren Gewichten limitiert), als sie bei der EFL umschrieben worden waren. Auf das
Ergebnis der Gerichtsbegutachtung, somit auf eine volle Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in adaptierter Tätigkeit, kann abgestellt werden.
5.
Da der Beschwerdeführer wie erwähnt im Oktober 2009 (bei Ablauf der einjährigen
Wartezeit mit einer für eine ganze Rente ausreichenden durchschnittlichen
Arbeitsunfähigkeit auch in einer adaptierten Tätigkeit) voll arbeitsunfähig und damit
ebenso erwerbsunfähig (und unfähig zu beruflichen Massnahmen; die
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Beschwerdegegnerin hat denn auch am 21. Oktober 2009 - wie allerdings später
wieder am 22. Juni 2011 - aus diesem Grund berufliche Massnahmen als nicht möglich
erachtet) war, ist damals (ab 1. Oktober 2009) ein Anspruch auf eine ganze Rente
entstanden. Die Anmeldung erfolgte hierfür rechtzeitig.
6.
6.1 Nach der Rekonvaleszenz war gemäss dem ZMB-Gutachten ab Januar 2010
wieder die volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erreicht worden. Auch für den
Zeitpunkt der Verbesserung ist auf die Beurteilung durch das Gerichtsgutachten
abzustellen. Zu prüfen ist, ob die Auswirkungen dieser Verbesserung des
Gesundheitszustands ab Januar 2010 zu einer Rentenstufe führen. Denn im Fall einer
rückwirkenden Rentenfestsetzung ist es unter Umständen notwendig, die Rente für
verschiedene zurückliegende Zeitabschnitte nach Massgabe des jeweiligen
Invaliditätsgrads unterschiedlich hoch zu bemessen (vgl. BGE 106 V 16;
BGE 109 V 125).
6.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG ist das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist
rechtsprechungsgemäss entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden
Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde
tatsächlich verdienen würde. Da nach empirischer Feststellung in der Regel die
bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist
Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der
letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S K. vom 23. März 2009, 8C_515/08; BGE 129 V 222).
Gemäss IK-Auszug hat der Beschwerdeführer zuletzt im Jahr 2007 ein Einkommen von
Fr. 71'656.-- verdient. Dieser Betrag ist als Valideneinkommen 2007 zu betrachten. Es
kann davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer ohne
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Gesundheitsschaden ein entsprechendes Einkommen jedenfalls (ob die Kündigung
invaliditätsbedingt erfolgt sei oder nicht) weiterhin hätte erzielen können.
6.3 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Hat sie nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung
statistische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1,
Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 19. Juni 2008, 9C_81/2008). Der
Beschwerdeführer hat keine Tätigkeit mehr aufgenommen. Zumutbar wären ihm
allerdings körperlich leichte Tätigkeiten, die den im Gerichtsgutachten umschriebenen,
oben wiedergegebenen Voraussetzungen entsprechen. Diese Voraussetzungen sind
nicht so eingrenzend, dass ein ausgeglichener Arbeitsmarkt entsprechende
Arbeitsmöglichkeiten nicht in genügender Zahl aufweisen würde. Es ist daher auf die
Tabellenlöhne abzustellen. Das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Männern für
einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im privaten Sektor lag im
Jahr 2007 bei Fr. 60'167.-- (vgl. Anhang 2 der Textausgabe Invalidenversicherung,
Gesetze und Verordnungen, 2012, herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV,
S. 234, basierend auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des
Bundesamtes für Statistik).
6.4 Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur
mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist ein Abzug von den
Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzugs ist der Einfluss
aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 %
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen: BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE
126 V 75). - Ob und gegebenenfalls in welcher Höhe ein Abzug von den Tabellenlöhnen
angebracht ist, kann vorliegend unter dem Aspekt des Rentenanspruchs dahingestellt
bleiben. Denn selbst beim Maximalabzug ergäbe sich ab dem Zeitpunkt der
Verbesserung des Gesundheitszustands mit der Folge voller Arbeitsfähigkeit kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr (Invalideneinkommen diesfalls Fr. 45'125.--,
Invaliditätsgrad dann 37 %).
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6.5 Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist die anspruchsbeeinflussende
Änderung nach Art. 88a Abs. 1 IVV für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung
von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie
voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen,
nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird.
6.6 Vorliegend hat demnach auf den 30. April 2010 (drei Monate nach Januar 2010) hin
eine Aufhebung des Rentenanspruchs zu erfolgen. Für die Zeit danach war die
Abweisung eines Rentenanspruchs rechtmässig. - Da die Beschwerdegegnerin bei
diesen Gegebenheiten zu beruflichen Massnahmen nicht verpflichtet ist und der
Beschwerdeführer, der solche beantragen kann, sich als nicht (Gerichtsgutachten
S. 48) bzw. höchstens zu 25 % arbeitsfähig (EFL S. 2) betrachtet, erübrigen sich in
diesem Verfahren weitere Ausführungen zu einem allenfalls möglichen Anspruch auf
berufliche Massnahmen. Für Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeitsstelle kann
sich der Beschwerdeführer jederzeit bei der IV-Stelle anmelden.
7.
7.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 23. April 2012 gutzuheissen und ist dem
Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. Oktober 2009 bis 30. April 2010 eine ganze Rente
zuzusprechen.
7.2 Der Beschwerdeführer, der die gesetzlichen Leistungen beantragt hat, hat mit der
Aufhebung der Verfügung und der Zusprache einer befristeten Rente obsiegt. Bei
diesem Verfahrensausgang ist für die Kostenfrage von einem vollen Obsiegen des
Beschwerdeführers auszugehen. Daher sind die Gerichtskosten, die nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1
IVG), gesamthaft der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG).
Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- erscheint angesichts des infolge der
Gerichtsbegutachtung erhöhten Aufwands als angemessen. Dem Beschwerdeführer ist
der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
bis
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7.3 Die Beschwerdegegnerin hat die Kosten der Gerichtsbegutachtung zu tragen (vgl.
Art. 45 Abs. 1 ATSG, Art. 78 Abs. 3 IVV, BGE 137 V 210 S. 265 f. E. 4.4.2). Diese
belaufen sich auf Fr. 17'099.35.
7.4 Der Beschwerdeführer hat bei diesem Ausgang des Verfahrens gegenüber der
Beschwerdegegnerin Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff.
VRP/SG, sGS 951.1). Da es sich rechtfertigt, vorliegend von einem erhöhten
erforderlichen Aufwand auszugehen, erscheint eine Parteientschädigung von pauschal
Fr. 4'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.