Decision ID: 7a8a2b00-d09c-542d-a531-edb6488e2b21
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die A._ mit Sitz in B._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
bezweckt gemäss Handelsregisterauszug die Betreibung eines Fachge-
schäftes für Maler- und Strahlarbeiten und für die Durchführung von As-
bestsanierungen sowie das Angebot der entsprechenden Serviceleistun-
gen (Akten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens, Aktennummer
[BVGer-act.] 1, Beilage 5). Der Betrieb ist der Schweizerischen Unfallver-
sicherungsanstalt (nachfolgend: Suva oder Vorinstanz) unterstellt und
wurde am [Datum] im Rahmen eines Audits als Asbestsanierungsunterneh-
men anerkannt (vgl. mit Eingabe vom 20. September 2019 [BVGer-act. 12]
auf Datenträger eingereichte [nicht nummerierte] Akten der Suva, Teil 2
[Aktenexport 2], Dokument-Nr. 1033140883).
B.
B.a Die Suva stellte im Rahmen der nachfolgenden vier Kontrollen auf As-
bestsanierungsbaustellen der Beschwerdeführerin mehrere schwerwie-
gende Verstösse gegen die Arbeitssicherheitsvorschriften fest:
 am 6. Januar 2015 in (...) (vgl. mit Vernehmlassung vom 26. August 2019 [BVGer-act. 8]  Akten der Suva, Aktennummer [Suva-act.] 2);
 am 22. Mai 2015 in (...) (vgl. Suva-act. 4);
 am 25. Januar 2018 in (...) (vgl. Suva-act. 6);
 am 13. August 2018 in (...) (vgl. Suva-act. 10).
Am 28. Januar 2015 setzte die Suva die Beschwerdeführerin aufgrund der
anlässlich der Kontrolle vom 6. Januar 2015 festgestellten vier schwerwie-
genden Mängel auf die Stufe 1 im Verfahren über den Entzug der Anerken-
nung (Suva-act. 3). Mit Schreiben vom 11. Juni 2015 setzte die Suva die
Beschwerdeführerin sodann aufgrund der anlässlich der Kontrolle vom
22. Mai 2015 festgestellten zwei schwerwiegenden Mängel auf die Stufe 2
im Verfahren über den Entzug der Anerkennung (Suva-act. 5). Aufgrund
des anlässlich der Kontrolle vom 25. Januar 2018 festgestellten schwer-
wiegenden Mangels erliess die Suva anschliessend die «Ermahnung Stufe
1» vom 31. Januar 2018 (Suva-act. 6) und setzte die Beschwerdeführerin
mit Schreiben vom 31. Januar 2018 auf die Stufe 3 im Verfahren über den
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Entzug der Anerkennung (Suva-act. 7). Zu den hiergegen von der Be-
schwerdeführerin am 20. Februar 2018 erhobenen Einwände nahm die
Suva mit Schreiben vom 6. März 2018 Stellung (Suva-act. 8). Bezüglich
der Kontrolle vom 25. Januar 2018 sowie weiterer Themenpunkte aus der
Vergangenheit im Vollzug fand ferner am 23. April 2018 ein klärendes Ge-
spräch zwischen A._, sowie drei Mitarbeitern der Suva statt (vgl.
Besuchsprotokoll vom 2. Mai 2018 in Suva-act. 9).
B.a Aufgrund des anlässlich der Kontrolle vom 13. August 2018 erneut
festgestellten schwerwiegenden Mangels, wonach bei Abfall der Luftdruck-
differenz kein akustischer oder optischer Alarm ausgelöst wird, erliess die
Suva die «Ermahnung Stufe 2» vom 15. August 2018 (Suva-act. 10) und
gewährte der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 20. August 2018 das
rechtliche Gehör betreffend den von ihr vorgesehenen Entzug der Aner-
kennung als Asbestsanierungsunternehmen (Suva-act. 11). Die Beschwer-
deführerin nahm, nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Hermann
Roland Etter, mit Stellungnahme vom 3. September 2018 ihr rechtliches
Gehör wahr. Sie entschuldigte sich dafür, wenn unabsichtlich nicht alle
Bestimmungen vollumfänglich im Sinne der Suva eingehalten worden
seien. Die akustische Warnvorrichtung sei gemäss der Wochenendkon-
trolle des Vorarbeiters vom vorangehenden Samstag, 11. August 2018,
noch ordnungsgemäss vorhanden gewesen. Das Warnhorn habe erst bei
der Wiederaufnahme der Arbeit am Montag gefehlt, weshalb es sich um
einen Diebstahl durch eine unbekannte Täterschaft gehandelt haben
müsse (BVGer-act. 16, Beilage 2). Mit Verfügung vom 4. Januar 2019
stellte die Suva fest, die Voraussetzungen für die Anerkennung als Asbest-
sanierungsunternehmen seien nicht mehr erfüllt und entzog diese der Be-
schwerdeführerin. Sie führte zur Begründung unter anderem aus, der Ent-
zug erfolge nicht aufgrund eines einzigen Vorkommnisses, sondern wegen
wiederholten Zuwiderhandlungen gegen die einschlägigen Vorschriften.
Insbesondere habe die Suva bereits mehrmals gleichartige Mängel fest-
stellen müssen bei von der Beschwerdeführerin durchgeführten Asbestsa-
nierungsarbeiten. Den Vorbringen der Beschwerdeführerin gemäss Stel-
lungnahme vom 3. September 2018 hielt sie entgegen, dass Verstösse ge-
gen Arbeitssicherheitsvorschriften nicht vorsätzlich begangen werden
müssten, um geahndet zu werden. Massgebend sei nur, ob die Vorschrift
eingehalten worden sei oder nicht (Suva-act. 12).
B.b In der gegen die Verfügung vom 4. Januar 2019 erhobenen Einspra-
che vom 1. Februar 2019 führte die Beschwerdeführerin aus, es sei zwar
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zutreffend, dass das Fehlen des Warnhorns des Unterdrucküberwa-
chungsgerätes am Morgen des ersten Arbeitstages der Kalenderwoche 33
vom entsprechenden Mitarbeiter nicht sofort bemerkt worden sei. Der Vor-
arbeiter habe indessen umgehend ein neues Warnhorn organisiert, nach-
dem das Fehlen des Warnhorns um 09.30 Uhr entdeckt worden sei. Da
das Warnhorn offenbar durch unbekannte Täterschaft gestohlen worden
sei, habe die Polizei am Nachmittag des gleichen Tages den Diebstahl auf-
genommen. Für den dreisten Diebstahl des Horns trage die Beschwerde-
führerin keine Verantwortung (Beilage 2 zu BVGer-act. 1). Mit Einsprache-
entscheid vom 8. April 2019 wies die Suva die Einsprache ab. Sie führte
zur Begründung insbesondere aus, es bleibe in der Einsprache unbestrit-
ten, dass das Fehlen des Warnhorns zunächst unbemerkt geblieben sei.
Im Rahmen der Kontrolle vom 13. August 2018 seien drei Regelverstösse
auf der Sanierungsbaustelle der Beschwerdeführerin registriert worden,
wovon ein Regelverstoss (unzureichende Alarmierung bei Luftdruckabfall)
als schwerwiegend zu taxieren sei. Nach vier groben Regelverletzungen
innerhalb eines Zeitraumes von rund dreieinhalb Jahren seien die Voraus-
setzungen für den Entzug der Anerkennung als Asbestsanierungsunter-
nehmung erfüllt (Suva-act. 13).
C.
Hiergegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 7. Mai 2019
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit den nachfolgenden An-
trägen:
1. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 8. April 2019 sowie die Verfü-
gung vom 4. Januar 2019 seien aufzuheben und es sei davon abzusehen, der
Beschwerdeführerin die Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen zu
entziehen.
2. Es sei festzuhalten, dass der am 13. August 2018 erfolgte Diebstahl eines
Hornes keinen schwerwiegenden Mangel bewirkt hat.
3. Es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin die von der Suva gefor-
derten Massnahmen umgehend umgesetzt hat, um den von der Suva ge-
wünschten Sicherheitsvorschriften zu genügen.
4. Es sei aufgrund des dreisten Horndiebstahls kein faktisches Berufsverbot
über die A._ zu verhängen.
5. Unter Kosten und Entschädigungsfolgen.
In formeller Hinsicht rügte die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres
rechtlichen Gehörs, da die Suva ihre Einwände nicht gebührend beachtet
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habe. In der Hauptsache machte die Beschwerdeführerin geltend, die Suva
sei in überspitzten Formalismus verfallen, indem sie das lediglich zeitweise
Fehlen des Warnhorns als einen Verstoss gegen die EKAS-Richtlinien be-
zeichnet habe. Die Beschwerdeführerin trage kein Verschulden am Dieb-
stahl des Warnhorns. Indem ihr die Suva gestützt darauf die Anerkennung
als Asbestsanierungsunternehmen entzogen habe, habe sie das Prinzip
der Verhältnismässigkeit missachtet. Ausserdem habe die Suva den An-
spruch, von staatlichen Organen ohne Willkür und nach Treu und Glauben
behandelt zu werden, sowie die verfassungsmässig geschützte Wirt-
schaftsfreiheit verletzt (BVGer-act. 1).
D.
Der mit Zwischenverfügung vom 15. Mai 2019 (BVGer-act. 2) bei der Be-
schwerdeführerin einverlangte Kostenvorschuss von Fr. 4'000.– ging am
21. Mai 2019 bei der Gerichtskasse des Bundesverwaltungsgerichts ein
(BVGer-act. 4).
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 26. August 2019 beantragte die Vorinstanz,
die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene Verfügung sei zu
bestätigen. Sie führte zur Begründung aus, sie habe der Beschwerdefüh-
rerin jederzeit ausreichend das rechtliche Gehör gewährt. Überdies habe
sie der Beschwerdeführerin bei der direkten Besprechung vom 23. April
2018 den aktuellen Stand im Aberkennungsverfahren als anerkannter As-
bestsanierungsbetrieb kommuniziert. Die Einschränkung der Wirtschafts-
freiheit müsse die Beschwerdeführerin akzeptieren, da diese gestützt auf
eine gesetzliche Grundlage und in Gleichbehandlung aller Rechtsunter-
worfenen erfolgt sei. Das verfassungsmässig garantierte Prinzip der Ver-
hältnismässigkeit sei gewährleistet, da die Suva der Beschwerdeführerin
nicht bloss aufgrund eines einzigen schwerwiegenden Verstosses die An-
erkennung entzogen habe, sondern bei insgesamt vier Kontrollen mindes-
tens einen groben Verstoss gegen die relevanten Vorschriften habe fest-
stellen müssen. Zudem habe sie die Beschwerdeführerin im Schreiben
vom 31. Januar 2018 ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass die
Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen entzogen werde, wenn
auf einer ihrer Sanierungsbaustellen erneut schwerwiegende Mängel fest-
gestellt würden.
Ausserdem teilte die Vorinstanz mit, dass das Dossier der Beschwerdefüh-
rerin mit nahezu 3'000 Dokumenten sehr umfangreich sei, weshalb sie für
das vorliegende Verfahren eine Aktenexport-Datei ohne die Meldungen der
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Beschwerdeführerin betreffend die Aufnahme von Asbestsanierungsarbei-
ten sowie von Schlussmessungen generiert habe. Bei Bedarf werde sie
noch weitere Dokumente edieren. Die in der Vernehmlassung zitierten 13
Aktenstücke legte die Vorinstanz ausserdem (manuell nummeriert und mit
einem Beilagenverzeichnis versehen) der Vernehmlassung bei (BVGer-
act. 8).
F.
Am 5. September 2019 beantragte die Beschwerdeführerin die Zustellung
der Beilagen 1 bis 13 zur Vernehmlassung sowie der Aktenexport-Datei mit
Inhaltsverzeichnis zur Einsichtnahme und ersuchte das Bundesverwal-
tungsgericht, die Suva zu verpflichten, die übrigen die Beschwerdeführerin
betreffenden Akten offenzulegen und vollständig zu den Akten zu geben,
und diese Dokumente der Beschwerdeführerin (auf einem geeigneten Da-
tenträger) zukommen zu lassen (BVGer-act. 10). Mit Verfügung vom
10. September 2019 hiess das Bundesverwaltungsgericht diese Anträge
der Beschwerdeführerin gut und edierte bei der Vorinstanz sämtliche Akten
vollzählig und in Papierform, nummeriert und in einem Aktenverzeichnis
aufgenommen (BVGer-act. 11). Am 20. September 2019 liess die
Vorinstanz dem Bundesverwaltungsgericht sämtliche Akten sowohl in Pa-
pierform (abgelegt in 10 Ordnern) als auch in elektronischer Form (auf ei-
nem USB-Stick) zukommen. Sie bat um Verzeihung, dass es ihr technisch
nicht möglich sei, diese Akten automatisch zu nummerieren und ersuchte
das Bundesverwaltungsgericht, von der Anordnung einer manuellen Num-
merierung der Akten abzusehen (BVGer-act. 12). Am 24. September 2019
übermittelte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführerin die
Vorakten in Kopie auf einem USB-Stick (BVGer-act. 13). Mit Eingabe vom
25. September 2019 erneuerte die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf
Zustellung der Beilagen 1 bis 13 zur Vernehmlassung (BVGer-act. 14). Mit
Verfügung vom 26. September 2019 überliess das Bundesverwaltungsge-
richt der Beschwerdeführerin die erwähnten Aktenstücke in Kopie (BVGer-
act. 15).
G.
Mit Replik vom 14. November 2019 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Beschwerdebegehren fest. Sie machte neu eine Verletzung des Gleichbe-
handlungsgebots geltend. Ausserdem stellte sie den Beweisantrag, es sei
eine öffentliche Verhandlung durchzuführen und A._ Inhaber und
Verwaltungsratspräsident der Beschwerdeführerin, als Partei – insbeson-
dere zum Funktionsprinzip der in der Praxis verwendeten Anlagen bezie-
hungsweise der Überwachung – zu befragen (BVGer-act. 16).
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Seite 7
H.
Mit Duplik vom 29. Januar 2020 hielt die Suva an ihrem Einspracheent-
scheid fest. Hinsichtlich des Antrags der Beschwerdeführerin auf die
Durchführung einer Hauptverhandlung erklärte die Suva, aus ihrer Sicht
sei eine Parteibefragung nicht angezeigt. Die Erläuterung des Funktions-
prinzips der eingesetzten Anlagen ändere nichts an der Notwendigkeit ei-
ner ausreichenden Alarmierung (BVGer-act. 20).
I.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2020 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch der Beschwerdeführerin um Durchführung einer
öffentlichen Verhandlung mit Parteibefragung ab. Es führte zur Begrün-
dung aus, dass sich eine solche nicht aufdränge, nachdem sich die Par-
teien nach der Durchführung des doppelten Schriftenwechsels hinreichend
zum Streitgegenstand hätten äussern können und die Akten- und Beweis-
lage im aktuellen Zeitpunkt einstweilen genügend erscheine. Damit schloss
das Bundesverwaltungsgericht den Schriftenwechsel ab (BVGer-act. 21).
J.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterla-
gen wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Einspracheentscheid der Suva vom
8. April 2019, mit dem die Suva – in Bestätigung der Verfügung vom 4. Ja-
nuar 2019 – die Anerkennung der Beschwerdeführerin als Asbestsanie-
rungsunternehmen entzog.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG ge-
nannten Behörden. Die Suva ist eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst.
e VGG. Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Einspracheentscheide über Anordnungen zur
Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten ist in Art. 109 Bst. c UVG
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geregelt. Bei dem vorliegend streitigen Entzug der Anerkennung als As-
bestsanierungsunternehmen handelt es sich um eine Massnahme der Ver-
hütung von Unfällen und Berufskrankheiten, weshalb die Zuständigkeit des
Bundesverwaltungsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
gegeben ist.
2.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes be-
stimmt (Art. 37 VGG). Vorbehalten bleiben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG
die besonderen Bestimmungen des ATSG (SR 830.1). Auf den Bereich der
Unfallverhütung (Art. 81 ff. UVG) ist das ATSG – mangels Erwähnung die-
ses Bereichs in der Ausnahmebestimmung von Art. 1 Abs. 2 UVG – an-
wendbar (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, Art. 2 Rz. 64).
2.3 Als Adressatin des Einspracheentscheids hat die Beschwerdeführerin
ein schützenswertes Interesse an dessen Aufhebung oder Abänderung
(Art. 59 ATSG, Art. 48 Abs. 1 VwVG), weshalb sie beschwerdelegitimiert
ist. Die Beschwerde wurde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht
(vgl. Art. 38 ff. und Art. 60 ATSG, Art. 52 VwVG). Da auch der Kostenvor-
schuss innert Frist geleistet wurde (Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die Be-
schwerde einzutreten.
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheids beanstanden (Art. 49 VwVG).
3.2 Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, der
volle Kognition zusteht, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspiel-
raum der Vorinstanz zu respektieren. Sie hat eine unangemessene Ent-
scheidung zu korrigieren, kann aber der Vorinstanz die Wahl unter mehre-
ren angemessenen Lösungen überlassen (BGE 133 II 35 E. 3). Das Bun-
desverwaltungsgericht hat daher nur den Entscheid der unteren Instanz zu
überprüfen und sich nicht an deren Stelle zu setzen (vgl. BGE 126 V 75 E.
6). Insbesondere dann, wenn die Ermessensausübung, die Anwendung
unbestimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung hochste-
hende, spezialisierte technische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche
Kenntnisse erfordert, ist eine Zurückhaltung des Gerichts bei der Überprü-
fung vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3;
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Seite 9
133 II 35 E. 3; 128 V 159 E. 3b/cc). Es stellt daher keine unzulässige Kog-
nitionsbeschränkung dar, wenn das Gericht − das nicht als Fachgericht
ausgestaltet ist − nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz als
Fachbehörde abweicht, soweit es um die Beurteilung technischer, wirt-
schaftlicher oder wissenschaftlicher Spezialfragen geht, in denen die Vor-
instanz über ein besonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296
E. 4.4.3; 133 II 35 E. 3 mit Hinweisen; siehe zum Ganzen auch YVO HAN-
GARTNER, Behördenrechtliche Kognitionsbeschränkungen in der Verwal-
tungsrechtspflege, in: Bovay/Nguyen [Hrsg.], Mélanges en l'honneur de
Pierre Moor, 2005, S. 319 ff.; FELLER/MÜLLER, Die Prüfungszuständigkeit
des Bundesverwaltungsgerichts – Probleme in der praktischen Umset-
zung, Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl]
110/2009 S. 442 ff.).
4.
4.1 Der Vollzug der Bestimmungen über die Verhütung von Berufsunfällen
und Berufskrankheiten obliegt gemäss Art. 85 Abs. 1 UVG (Ausgabe vom
1. September 2017) den Durchführungsorganen des Arbeitsgesetzes vom
13. Mai 1964 (ArG, SR 822.11) und der Suva. Die gestützt auf Art. 85 Abs.
2 UVG eingesetzte eidgenössische Koordinationskommission für die Ar-
beitssicherheit (EKAS) stimmt die einzelnen Durchführungsbereiche aufei-
nander ab, soweit der Bundesrat hierüber keine Bestimmungen erlassen
hat; sie sorgt für eine einheitliche Anwendung der Vorschriften über die
Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten in den Betrieben (Art.
85 Abs. 3 Satz 1 UVG). Die Beschlüsse der EKAS sind für die Versicherer
und die Durchführungsorgane des ArG verbindlich (Art. 85 Abs. 4 UVG).
Die EKAS kann insbesondere Ausführungsbestimmungen zum Verfahren
erlassen (Art. 53 Bst. a der Verordnung über die Verhütung von Unfällen
und Berufskrankheiten [VUV; SR 832.30]), was sie mit verschiedenen
Richtlinien (nachfolgend: EKAS-Richtlinien) und einem Leitfaden (nachfol-
gend: EKAS-Leitfaden) gemacht hat. Die EKAS-Richtlinien stellen nicht un-
mittelbar verbindliches Recht dar, sondern sind konkretisierende Bestim-
mungen, welche den Arbeitgeber nicht verpflichten (vgl. EKAS-Leitfaden
Ziff. 2.3.3). Dasselbe gilt auch für den EKAS-Leitfaden, welcher den Durch-
führungsorganen, die den Vollzug der gesetzlichen Vorschriften betreffend
Arbeitssicherheit zu überwachen und notfalls durchzusetzen haben, Anlei-
tungen gibt, in der Absicht, ein einheitliches und rechtsgleiches Vorgehen
in der Praxis zu fördern (EKAS-Leitfaden Ziff. 1; vgl. auch Art. 52a Abs. 1
VUV). In diesem Sinne stellt auch das von der Suva festgelegte mehrstu-
fige Verfahren zum Entzug der Anerkennung als Asbestsanierungsunter-
nehmen (vgl. nachfolgend E. 4.8) eine Suva-interne Anordnung dar, mit
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welcher das einheitliche und rechtsgleiche Vorgehen beabsichtigt wird, und
führt zu einer Zurücknahme der Prüfungsdichte (vgl. KÖLZ/ HÄNER/ BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1052).
4.2 Gemäss Ziff. 4.2 des EKAS-Leitfadens für das Durchführungsverfahren
in der Arbeitssicherheit (5. Aufl., 2013 [abrufbar unter: https://www.e-
kas.admin.ch/download.php?id=6628, abgerufen am 19. August 2020]) er-
laubt das ordentliche Durchführungsverfahren den zuständigen Organen,
die Unfallverhütungsvorschriften in den Betrieben durchzusetzen. Gemäss
Ziff. 5.2.1 greift in Fällen, in denen ein sicherheitswidriger Zustand nur vo-
rübergehend und während verhältnismässig kurzer Zeit besteht (etwa bei
Bau-, Installations- und Montagearbeiten), ein besonderes Verfahren, das
es ermöglichen soll, auch solchen Betrieben gegenüber Sanktionen zu er-
greifen (ausserordentliches Durchführungsverfahren). Das ausserordentli-
che Durchführungsverfahren hat Ausnahmecharakter und ist ergänzend
dort anzuwenden, wo eine dringliche Erledigung angezeigt ist (Ziff. 5.2.2
und 5.2.3). Gemäss Schema 5.1 des EKAS-Leitfadens (abgebildet auf der
Seite 25) sind im Normalfall bei Feststellungen mit erhöhter oder noch
grösserer Gefährdung drei Ermahnungen auszusprechen und erst bei der
vierten Feststellung entsprechende Sanktionen zu ergreifen (Ziff. 5.2.8).
4.3 Gemäss Art. 82 Abs. 1 UVG ist der Arbeitgeber verpflichtet, zur Verhü-
tung von Betriebsunfällen und Berufskrankheiten alle Massnahmen zu tref-
fen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik an-
wendbar und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 1 UVG hat der Bundesrat neben der VUV weitere Verord-
nungen erlassen, in welchen er die Anforderungen an die Arbeitssicherheit
für bestimmte Tätigkeiten konkretisiert. Dazu gehört namentlich die Verord-
nung vom 29. Juni 2005 über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz
der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten (Bauarbeiten-
verordnung [BauAV], SR 832.311.141).
4.4 Gemäss Art. 6 Abs. 3 VUV sorgt der Arbeitgeber dafür, dass die Arbeit-
nehmer die Massnahmen der Arbeitssicherheit einhalten.
4.5 Art. 44 VUV hält bezüglich gesundheitsgefährdender Stoffe fest: Wer-
den gesundheitsgefährdende Stoffe hergestellt, verarbeitet, verwendet,
konserviert, gehandhabt oder gelagert oder können Arbeitnehmer sonst
Stoffen in gesundheitsgefährdenden Konzentrationen ausgesetzt sein, so
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Seite 11
müssen die Schutzmassnahmen getroffen werden, die aufgrund der Eigen-
schaften dieser Stoffe notwendig sind.
4.6 Die EKAS-Richtlinie Nr. 6503 (2008) betreffend Asbest (abrufbar unter:
https://www.ekas.admin.ch/download.php?id=2756, abgerufen am 19. Au-
gust 2020) gibt den Stand der Technik bei Asbestsanierungsarbeiten wie-
der. Sie hält unter anderem folgende Anforderungen fest:
7.3 Arbeitsplanung, Meldepflicht für Sanierungsarbeiten
Vor Beginn der Sanierungsarbeiten ist der Suva zusammen mit der  (...) ein Arbeitsplan vorzulegen. Darin sind folgende Punkte schriftlich festzuhalten:
- Beschreibung von Baustelle, Asbestart, Menge und Anwendung des schwachgebundenen Asbests;
- Sanierungsablauf und -dauer; - Name der Fachkraft und der weiteren in der Sanierungszone ein-
gesetzten Arbeitnehmenden; - Erschliessung, Zonenplan, Luftbilanz; - vorgesehene Hilfsmittel; - Massnahmen zur Verminderung der Faserfreisetzung (Arbeitssys-
tem), Begründung; - vorgesehene Atemschutzgeräte, Begründung; - messtechnische Überwachung während der Sanierungsarbeiten:
ja / nein; - Messlabor; - Entsorgungskonzept; - Notfallkonzept (...); - Massnahmen zur Koordination mit Drittbetrieben; - weitere Arbeitssicherheitsmassnahmen.
7.4.2 Atemschutz
Neben den technischen Kollektivmassnahmen wie dem Einsatz von Lüftungsanlagen sind zusätzlich persönliche Schutzmassnahmen zu treffen. Insbesondere sind Atemschutzgeräte zu tragen, die von der Umgebungsatmosphäre unabhängig sind (Isoliergeräte), z.B. , Frischluftdruckschlauchgeräte.
Die Dichtigkeit der Atemschutzgeräte ist gemäss Wartungsplan  zu überprüfen. Die Arbeitszeit mit Atemschutzgerät darf 6  pro Arbeitstag nicht überschreiten.
7.4.3 Schutzanzug
Beim Arbeiten in der Sanierungszone sind Schutzanzüge mit Kapuze zu tragen. Diese sind an Gesicht, Armen und Beinen dicht zu , z.B. mit Klebeband.
7.4.5 Dekontaminationsschleusen
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Zwischen der Sanierungszone und der angrenzenden Umgebung sind Dekontaminationsschleusen zu errichten, je eine für den  und für den Materialtransport. Mit dieser Massnahme wird , dass Asbestfasern nach aussen gelangen, wenn Personen,  oder Abfallsäcke die Sanierungszone verlassen.
Die Dekontaminationsschleuse für den Personenverkehr ist in  4 räumlich abgetrennte Kammern zu unterteilen, in denen es  sein muss, ohne Bewegungseinschränkungen folgende  auszuführen (Reihenfolge der Kammern von innen nach aussen):
1. Kammer: Absaugen oder Abspülen der Asbestfasern auf den Schutzanzügen und -masken;
2. Kammer: Ausziehen und Deponieren der Stiefel, Schutzanzüge und Unterwäsche;
3. Kammer: Körperdusche, Ablegen und Nassreinigung des ;
4. Kammer: Anziehen der Strassenkleider.
Für die Körperdusche ist Warmwasser zur Verfügung zu stellen. Bei kalter Witterung ist insbesondere in der Umkleidekammer (Kammer 4) für angenehme Temperaturen zu sorgen.
7.4.6 Unterdruck in der Sanierungszone und in den 
In der Sanierungszone und in den Dekontaminationsschleusen ist mit einem Lüftungsaggregat ein Unterdruck zur nicht abgeschotteten  zu erzeugen. Während der Arbeitszeit ist eine  von mindestens 20 Pa (Pascal) einzuhalten. In der Ruhephase, z. B. nach Schichtende, darf sie auf 10 Pa vermindert werden. Sind  verschiedene Umgebungsluftdrücke vorhanden, so  sich die Differenz auf den niedrigsten Umgebungswert.
Der Unterdruck ist durch ein Messgerät dauernd zu überwachen und aufzuzeichnen. Bei unbeabsichtigter Aufhebung des vorgegebenen Unterdruckes, d. h. bei Abfall der Luftdruckdifferenz, ist automatisch akustisch oder optisch ein Alarm auszulösen. Nach der  sind die Arbeiten umgehend einzustellen und die notwendigen Massnahmen zu treffen, um die Ursache für den Abfall der  zu beheben. Während der Arbeitszeit haben die anwesenden Arbeitnehmenden diese Massnahmen zu treffen. In der Ruhephase, z.B. am Wochenende, ist sicherzustellen, dass diese Arbeit durch  vorgängig bestimmten Verantwortlichen ausgeführt wird.
7.4.10 Anforderungen zur Aufhebung der Schutzmassnahmen
Nach der Schlussreinigung ist mit einer visuellen Kontrolle , dass keine Asbestreste mehr vorhanden sind. Danach ist in der Sanierungszone die Faserkonzentration in der Luft zu messen, wobei
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während der Probenahme die Luftzirkulation entsprechend der  Raumnutzung zu simulieren ist.
4.7 Gemäss Art. 50 VUV kann die Suva Richtlinien über maximale Arbeits-
platz-Konzentrationen gesundheitsgefährdender Stoffe sowie über Grenz-
werte für physikalische Einwirkungen erlassen. Gemäss der Suva-Publika-
tion Nr. 1903 von Juni 2019, Ziff. 1.1 (Vorbemerkungen) ist der Maximale
Arbeitsplatzkonzentrationswert (MAK-Wert) die höchstzulässige Durch-
schnittskonzentration eines gas-, dampf- oder staubförmigen Arbeitsstoffes
in der Luft, die nach derzeitiger Kenntnis in der Regel bei Einwirkung wäh-
rend einer Arbeitszeit von 8 Stunden täglich und bis 42 Stunden pro Woche
auch über längere Perioden bei der ganz stark überwiegenden Zahl der
gesunden, am Arbeitsplatz Beschäftigten die Gesundheit nicht gefährdet.
Bezüglich Asbest hat die Suva in der Ziff. 1.3.3.4 einen MAK-Wert von 0,01
Asbestfasern/ml (= 10'000 Asbestfasern/m3) festgelegt (abrufbar unter
www.suva.ch/1903.d; abgerufen am 19. August 2020).
4.8 Art. 60b Abs. 2 BauAV enthält die Voraussetzungen für die Anerken-
nung von Asbestsanierungsunternehmen: Asbestsanierungsunternehmen
werden anerkannt, wenn diese (a) Spezialisten gemäss Art. 60c BauAV
beschäftigen und sicherstellen, dass während der Asbestsanierung eine
solche Person anwesend ist und die Arbeiten überwacht, (b) Arbeitneh-
mende mit entsprechender Ausbildung (Art. 8 Abs. 1 VUV) und Meldung
(4. Titel VUV, arbeitsmedizinische Vorsorge) beschäftigen, (c) über die not-
wendigen Arbeitsmittel und einen Plan für deren Instandhaltung verfügen
und (d) für die Einhaltung des anwendbaren Rechts, namentlich dieser Ver-
ordnung, Gewähr bieten. Gemäss Art. 60b Abs. 3 BauAV kann die Suva
die Anerkennung entziehen, wenn die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt
sind.
4.9 In Konkretisierung von Art. 60b Abs. 3 BauAV hat die Suva das Merk-
blatt «Entzug Anerkennung» erstellt. Hiernach geht die Suva beim Entzug
der Anerkennung wie folgt schrittweise vor (Beilage zu Suva-act. 5):
- Es handelt sich um ein mehrstufiges Verfahren. Alle Betriebe beginnen bei Stufe 0 (noch kein Verfahren).
- Stellt die Suva bei Kontrollen schwerwiegende Mängel fest, wird das  für den Entzug der Anerkennung eingeleitet, das heisst, der Betrieb wird auf Stufe 1 gesetzt.
- Müssen in der Folge weitere schwerwiegende Sicherheitsmängel bei  festgestellt werden, wird das Verfahren für den Entzug der Anerkennung gemäss der untenstehenden Tabelle fortgesetzt:
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Aktueller Verfahrensstand
Verfahrensstand nach festgestellten, schwerwiegenden
Mängeln:
Es wurde noch kein Verfahren eingeleitet = Stufe 0
S1
S1 > 3 Jahre < 3 Jahre
S1 S2
S2
> 5 Jahre 3-5 Jahre < 3 Jahre
S1 S2 S3
S3
> 5 Jahre 1-5 Jahre < 1 Jahre
S2 S3
Entzug der Anerkennung
S = Stufe
- Schwerwiegende Mängel im vorgenannten Sinn sind in der Checkliste «Kontrolle Sanierungsbaustelle» enthalten und rot markiert.
4.10 Die Suva hat in der Checkliste «Kontrolle Sanierungsbaustelle» von
Februar 2016 zusammengefasst, welche Verhütungsmassnahmen bei As-
bestsanierungen notwendig sind (Suva-act. 1). Hierbei hat sie die nachfol-
genden Massnahmen, deren Nichteinhaltung als grober Verstoss gegen
die Anerkennungsbedingungen gilt, rot markiert: ordentliche Meldung der
Baustelle (RL 7.3); Überwachung der Baustelle durch eine Fachkraft, wel-
che dauernd vor Ort ist (RL 7.4.1); Tragen der erforderlichen Atemschutz-
masken in der Sanierungszone (RL 7.4.2); Tragen von Schutzanzügen
durch alle Arbeitnehmer (RL 7.4.3); Vorhandensein einer räumlich abge-
trennten Sanierungszone (RL 7.4.4); Einrichtung einer Schleuse für Perso-
nen zwischen Sanierungszone und angrenzender Umgebung sowie einer
funktionsfähig angeschlossenen Dusche mit Warmwasser (RL 7.4.5); Ein-
haltung der Luftdruckdifferenz von mindestens 20 Pascal während der Ar-
beit sowie Vorhandensein einer funktionierenden automatischen akusti-
schen oder optischen Alarmauslösung (RL 7.4.6); Einhaltung der stündli-
chen Lüftungsrate von 6 bis 8 Luftwechseln sowie Leitung der Abluft direkt
ins Freie respektive widrigenfalls Wirksamkeit der Filter des Unterdruckge-
räts (RL 7.4.7); Verpackung der Abfälle in reissfeste Plastiksäcke, die luft-
dicht verschlossen sind (RL 7.4.8); Vor Aufhebung der Schutzmassnahmen
Prüfung, ob keine Reste von asbesthaltigem Material mehr sichtbar sind
(RL 7.4.11).
5.
Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der Beweisgrad der über-
wiegenden Wahrscheinlichkeit. Dieser Grad übersteigt einerseits die An-
nahme einer blossen Möglichkeit beziehungsweise einer Hypothese und
C-2173/2019
Seite 15
liegt andererseits unter demjenigen der strikten Annahme der zu beweisen-
den Tatsache. Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, als der be-
gründeten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen (KIE-
SER, a.a.O., Art. 43 Rz. 46 ff.). Ausserdem gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach ist für den Beweiswert grundsätzlich weder die
Herkunft eines Beweismittels noch dessen Kennzeichnung massgebend
(KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 52 ff.; BGE 125 V 352; 122 V 160 f.). Das So-
zialversicherungsgericht hat somit alle Beweismittel, unabhängig davon,
von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung der streitigen
Frage gestatten (BGE 122 V 157 E. 1c; 125 V 351 E. 3a). Die Praxis misst
dabei dem Prinzip Bedeutung zu, wonach den sogenannten „Aussagen der
ersten Stunde“ ein besonderes Gewicht zukommt (BGE 121 V 45 E. 2a;
143 V 168 E. 5.2.2). Der Sachverhalt ist gestützt auf den Untersuchungs-
grundsatz von der Behörde soweit zu ermitteln, dass über die infrage ste-
hende Tatsache zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit entschieden werden kann (KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 20 mit
Hinweisen). Beweislosigkeit wird angenommen, wenn der Sachverhalt
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als erstellt betrachtet werden
kann (KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 59 ff. mit Hinweisen).
6.
Zunächst ist die in formeller Hinsicht von der Beschwerdeführerin erhobene
Rüge zu prüfen, wonach die Vorinstanz ihr rechtliches Gehör gemäss
Art. 29 BV verletzt habe.
6.1 Die Beschwerdeführerin begründet die geltend gemachte Verletzung
ihres rechtlichen Gehörs damit, dass sie die vorliegenden Umstände, wo-
nach einerseits das Warnhorn – ohne eigenes Verschulden – gestohlen
worden sei und andererseits trotz Fehlens des Warnhorns die (akustische)
Alarmauslösung dennoch gewährleistet gewesen sei, der Vorinstanz voll-
umfänglich kommuniziert habe. Dennoch sei die Vorinstanz in ihrem Ent-
scheid vom 8. April 2019 nicht auf diese Einwände der Beschwerdeführerin
eingegangen.
6.2 Die Vorinstanz hält dem in ihrer Vernehmlassung entgegen, sie habe
der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör jederzeit gewährt. Als Nach-
weis beruft sich die Vorinstanz auf ihre Schreiben vom 28. Januar 2015,
11. Juni 2015, 31. Januar 2018 und 20. August 2018 (vgl. hierzu Sachver-
halt Bst. B.a Abs. 2). Ausserdem habe sie der Beschwerdeführerin im Rah-
men der direkten Besprechung vom 23. April 2018 den aktuellen Stand im
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Seite 16
Aberkennungsverfahren als anerkannter Asbestsanierungsbetrieb kommu-
niziert. Ohne funktionierendes Warnhorn könne sodann nicht von einer
ausreichenden Alarmauslösung gesprochen werden.
6.3 Mit ihren Vorbringen rügt die Beschwerdeführerin sinngemäss eine
Verletzung der Begründungspflicht durch die Vorinstanz. Der von der Be-
schwerdeführerin angerufene Art. 29 (Abs. 2) BV gewährt den Parteien An-
spruch auf rechtliches Gehör. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist das
Recht der Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde
geführten Verfahren mit ihren Begehren angehört zu werden, Einblick in
die Akten zu erhalten und zu den für die Entscheidung wesentlichen Punk-
ten Stellung nehmen zu können (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl., 2016, Rz. 1002; HAEFELIN/HALLER/KELLER,
Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Auflage, 2016, Rz. 836). Bei der
Begründungspflicht handelt es sich ebenfalls um einen Teilgehalt des An-
spruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor Bundesverwaltungsgericht,
2. Aufl., 2013, Rz. 3.103; vgl. HAEFELIN/HALLER/KELLER, Schweizerisches
Bundesstaatsrecht, ebd., Rz. 838, letzter Absatz). Nach gefestigter bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung muss ein Verwaltungsakt so abgefasst
sein, dass die Betroffenen ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kön-
nen (BGE 125 II 369 E. 2c, 124 V 180 E. 1a). Dies ist nur dann möglich,
wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz ein Bild
über die Tragweite des Entscheides machen können. Somit müssen in je-
dem Fall die Überlegungen angeführt werden, von denen sich die Behörde
hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt (BGE 129 I 232 E.
3.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor Bundesverwaltungs-
gericht, ebd., Rz. 3.106). Erforderlich ist jedoch stets eine Auseinanderset-
zung mit dem konkret zu beurteilenden Sachverhalt, sodass Erwägungen
allgemeiner Art ohne eine Bezugnahme auf den Sachverhalt im Einzelfall
nicht genügen (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.2.3, Urteil des BVGer A-3629/2007
vom 9. Januar 2008 E. 3.4).
6.4 Die Vorinstanz hat den vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid
vom 8. April 2019 auf insgesamt vier Seiten begründet. In ihrer Begründung
hat sie in der Ziffer 3 insbesondere auch die Argumentation der Beschwer-
deführerin, wonach das Warnhorn vermutlich zwischen Samstag, 11. Au-
gust 2018, und der Arbeitsaufnahme am Montag, 13. August 2018, gestoh-
len worden sei, jedoch die Alarmierung durch den Telealarm beim Mobilte-
lefon des zuständigen Mitarbeiters aktiv geschaltet gewesen sei, ausdrück-
lich wiedergegeben und diese in ihrer Entscheidfindung berücksichtigt. Die
C-2173/2019
Seite 17
Vorinstanz ist damit – entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin –
auf deren Argumentation eingegangen und hat den Einspracheentscheid
vom 8. April 2019 rechtsgenüglich begründet. Die Beschwerdeführerin
macht sodann zu Recht nicht geltend, sie sei aufgrund der Formulierung
des Einspracheentscheids vom 8. April 2019 nicht in der Lage gewesen,
diesen sachgerecht beim Bundesverwaltungsgericht anzufechten. Damit
ist vorliegend keine Verletzung des rechtlichen Gehörs der Beschwerde-
führerin auszumachen.
7.
In der Hauptsache ist der von der Vorinstanz mit dem vorliegend angefoch-
tenen Einspracheentscheid vom 8. April 2019 bestätigte Entzug der Aner-
kennung der Beschwerdeführerin als Asbestsanierungsunternehmen zu
überprüfen. Hierbei ist erstens zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht einen
der anlässlich der vorliegend massgeblichen Suva-Kontrolle vom 13. Au-
gust 2018 festgestellten Mängel als schwerwiegend eingestuft hat und
zweitens, ob sie zu Recht gestützt darauf gefolgert hat, dass die Voraus-
setzungen für die Anerkennung der Beschwerdeführerin als Asbestsanie-
rungsunternehmen nicht mehr erfüllt sind.
7.1 In ihren Eingaben ans Bundesverwaltungsgericht geht die Beschwer-
deführerin davon aus, dass die Suva mit dem angefochtenen Entscheid
den Entzug der Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen aus-
schliesslich gestützt auf die im Rahmen der nicht angekündigten Kontrolle
vom 13. August 2018 festgestellten Beanstandungen verfügt habe (vgl. Be-
schwerde Ziff. 4 Abs. 3). Aufgrund der vorliegenden Akten sowie der Anga-
ben der Suva sowohl in der Verfügung vom 4. Januar 2019 als auch im
vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid vom 8. April 2019 steht in-
dessen fest, dass diese für den Entzug der Anerkennung als Asbestsanie-
rungsunternehmen sämtliche bisher bei der Beschwerdeführerin festge-
stellten groben Verstösse gegen die EKAS-Richtlinien berücksichtigt hat.
Die von der Suva bei der Beschwerdeführerin in der Vergangenheit festge-
stellten, aktenkundigen groben Verstösse sind nachfolgend aufzulisten.
7.1.1 Am 6. Januar 2015 hat die Suva auf der Asbestsanierungsbaustelle
der Beschwerdeführerin in (...) 14 Verstösse gegen die bei Asbestsanie-
rungen geltenden Sicherheitsvorschriften aufgedeckt, welche Massnah-
men zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeitenden erforderten. Diese
Massnahmen hatte sie praxisgemäss bereits anlässlich der Kontrolle mit
der Beschwerdeführerin vereinbart (Anm.: entsprechend ist die Vorinstanz
C-2173/2019
Seite 18
jeweils auch bei den in den nachfolgenden Absätzen beschriebenen Fest-
stellungen vorgegangen). Im Bestätigungsschreiben vom 28. Januar 2015
(Suva-act. 2) listete sie die einzelnen Feststellungen mit Fotos dokumen-
tiert samt den erforderlichen Massnahmen auf. Hiervon handelte es sich
bei den nachfolgend aufgeführten vier Feststellungen um schwerwiegende
Verstösse im Sinne der damals gültigen Checkliste «Kontrolle Sanierungs-
baustelle» (vgl. E. 4.1):
- Feststellung 8: "Für die Körperdusche wird nicht ausreichend Warmwasser zur
Verfügung gestellt" (vgl. EKAS-Richtlinie Ziff. 7.4.5, in vorangehend E. 4.5);
- Feststellung 9: "Während der Arbeitszeit wird eine Luftdruckdifferenz von mindes-
ten 20 Pa (Pascal) nicht eingehalten" (vgl. EKAS-Richtlinie Ziff. 7.4.6, in vorange-
hend E. 4.5);
- Feststellung 11: "Bei Abfall der Luftdruckdifferenz wird kein akustischer oder opti-
scher Alarm ausgelöst" (vgl. EKAS-Richtlinie Ziff. 7.4.6, in vorangehend E. 4.5);
- Feststellung 14: "In der Sanierungszone sind nach der Schlussreinigung Asbest-
faserreste sichtbar" (vgl. EKAS-Richtlinie Ziff. 7.4.10, in vorangehend E. 4.5).
7.1.2 Am 22. Mai 2015 fand die Suva auf der Asbestsanierungsbaustelle
der Beschwerdeführerin in (...) 15 Verstösse gegen die bei Asbestsanie-
rungen geltenden Sicherheitsvorschriften. Diese Feststellungen führte sie
im Bestätigungsschreiben vom 26. Mai 2015 (Suva-act. 4) mit Fotos doku-
mentiert sowie den erforderlichen Massnahmen auf. Hiervon handelte es
sich bei den nachfolgenden zwei Feststellungen um schwerwiegende
Verstösse:
- Feststellung 2: "Die Sanierungsbaustelle wurde nicht ordnungsgemäss gemeldet"
(vgl. EKAS-Richtlinie Ziff. 7.3, in vorangehend E. 4.5);
- Feststellung 9: "Die zwischen der Sanierungszone und der angrenzenden Umge-
bung aufgebaute Dekontaminationsschleuse (1-Kammer-Schleuse ohne Dusche)
entspricht nicht den Anforderungen" (vgl. EKAS-Richtlinie Ziff. 7.4.5, in vorange-
hend E. 4.5).
7.1.3 Am 25. Januar 2018 entdeckte die Suva auf der Asbestsanierungs-
baustelle der Beschwerdeführerin in (...) zwei Verstösse gegen die bei As-
bestsanierungen geltenden Sicherheitsvorschriften. Diese Feststellungen
hielt sie mit Schreiben «Ermahnung Stufe 1» vom 31. Januar 2018 (Suva-
act. 6) fotographisch dokumentiert, samt den erforderlichen Massnahmen,
fest. Hiervon handelte es sich bei der nachfolgenden Feststellung erneut
um einen schwerwiegenden Mangel:
C-2173/2019
Seite 19
- Feststellung 1: "Bei Abfall der Luftdruckdifferenz wird kein akustischer oder opti-
scher Alarm ausgelöst" (vgl. EKAS-Richtlinie Ziff. 7.4.6, in vorangehend E. 4.5).
7.1.4 Anlässlich der vorliegen streitigen Kontrolle vom 13. August 2018 be-
merkte die Suva schliesslich auf der Asbestsanierungsbaustelle der Be-
schwerdeführerin in (...) drei Verstösse gegen die bei Asbestsanierungen
geltenden Sicherheitsvorschriften, welche Massnahmen zum Schutz der
Gesundheit der Mitarbeitenden erforderten. Diese Feststellungen hielt sie
mit Schreiben «Ermahnung Stufe 2» vom 15. August 2018 (Suva-act. 10)
fotographisch dokumentiert, samt den erforderlichen Massnahmen, fest.
Die erste Feststellung qualifizierte die Suva wiederum als einen schwer-
wiegenden Mangel (was vorliegend bestritten und vom Bundesverwal-
tungsgericht nachfolgend zu überprüfen ist):
- Feststellung 1: "Bei Abfall der Luftdruckdifferenz wird kein akustischer oder opti-
scher Alarm ausgelöst" (vgl. EKAS-Richtlinie Ziff. 7.4.6, in vorangehend E. 4.5).
Bei den beiden Feststellungen 2, wonach die Arbeitszeit der Arbeitnehmen-
den mit dem Atemschutzgerät 6 Stunden pro Arbeitstag übersteige (vgl.
EKAS-Richtlinie Ziff. 7.4.2, in vorangehend E. 4.6) und 3, wonach die
Schutzanzüge teilweise nicht korrekt verwendet würden (vgl. EKAS-Richt-
linie Ziff. 7.4.3, in vorangehend E. 4.6), handelt es sich demgegenüber –
mangels Auflistung in der Suva-Checkliste «Kontrolle Sanierungsbau-
stelle» (E. 4.9) – um keine groben Verstösse gegen die EKAS-Richtlinien,
welche keinen Einfluss auf das Verfahren des Entzugs der Anerkennung
haben. Soweit die Beschwerdeführerin in den Ziff. 17 bis 23 der Beschwer-
deschrift geltend macht, es handle sich bei hierbei nicht um schwerwie-
gende Regelverstösse, stimmt sie mit den Angaben der Suva überein. Die
entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführerin sind für das vorlie-
gende Verfahren überdies nicht entscheidrelevant, wie die Suva in der Ver-
nehmlassung Ziff. 21 zu Recht festgestellt hat.
7.2 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, die von der Vorinstanz
als schwerwiegenden Regelverstoss qualifizierte Feststellung des fehlen-
den Alarms bei Abfall der Luftdruckdifferenz könne ihr nicht angelastet wer-
den, da einerseits das Warnhorn ohne Verschulden der Beschwerdeführe-
rin von der Baustelle gestohlen worden sei und andererseits eine Alarmie-
rung mittels Telealarms jederzeit gewährleistet gewesen sei.
C-2173/2019
Seite 20
7.2.1 In der Beschwerde führt die Beschwerdeführerin bezüglich des gel-
tend gemachten Diebstahls aus, das Warnhorn sei am Samstag, 11. Au-
gust 2018, anlässlich der Kontrolle des Vorarbeiters noch ordnungsgemäss
vorhanden gewesen. Erst anlässlich der Kontrolle am Montagmorgen um
09:30 Uhr sei das Fehlen des Warnhorns bemerkt worden. Der Vorarbeiter
habe umgehend ein neues organisiert und die Polizei sei am Nachmittag
desselben Tages auf der Baustelle erschienen, um den Diebstahl aufzu-
nehmen. Mit Replik spezifiziert die Beschwerdeführerin, das Warnhorn
könne möglicherweise auch erst nach Arbeitsbeginn am Montagmorgen
gestohlen worden sei, nachdem die Kontrollliste bereits ausgefüllt gewe-
sen sei.
7.2.2 Die Vorinstanz hält diesen Ausführungen in ihrer Vernehmlassung
entgegen, die Beschwerdeführerin müsse sich trotz des Diebstahls anrech-
nen lassen, dass das Fehlen des Warnhorns vor der Wiederaufnahme der
Arbeiten nach dem Wochenende nicht bemerkt worden sei. Insbesondere
habe der zuständige Mitarbeiter auf der Kontrollliste Sanierungszone zu
Unrecht angekreuzt, dass die automatische, akustische Alarmauslösung
funktioniere. Erforderlich sei eine dauerhafte Überwachung des Unterdru-
ckes mit einer zuverlässigen Alarmierung. In ihrer Duplik ergänzt die Vor-
instanz, es sei auf die überwiegend wahrscheinliche Version abzustellen,
wonach bei Arbeitsbeginn kein Warnhorn vorhanden gewesen sei. Ein
Grund für das fehlende Warnhorn könne darin gelegen haben, dass die
Besucher des sich in unmittelbarer Nähe der Sanierungszone befindlichen
und weiterhin geöffneten Hallenbades nicht aufgeschreckt werden sollten.
7.2.3 Bezüglich des von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Dieb-
stahls des Warnhorns ist vorab darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei
um die Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin handelt. Nach ih-
ren Angaben hat sie diesbezüglich eine Strafanzeige eingereicht. Abgese-
hen von der polizeilichen Bestätigung, dass eine Anzeige erhoben wurde
(Anzeigerapport in Beschwerdebeilage 11) hat die Beschwerdeführerin
keine einschlägigen Strafakten eingereicht. Nachdem die Beschwerdefüh-
rerin auch in der Replik vom 14. November 2019 noch erklärt, die Polizei
habe den Täter bisher nicht gefunden, weshalb auch der genaue Zeitpunkt
des Diebstahls noch nicht bekannt sei, erweist sich der von der Beschwer-
deführerin behauptete Diebstahl alles andere als erwiesen. Aufgrund der
nachfolgenden Ausführungen erübrigen sich indessen diesbezüglich wei-
tere Abklärungen im Sinne einer Edition der allenfalls vorhandenen Straf-
akten durch das Bundesverwaltungsgericht.
C-2173/2019
Seite 21
7.2.4 Nachdem die Beschwerdeführerin sowohl im vorinstanzlichen Ver-
fahren als auch in ihrer Beschwerdeschrift mehrfach darauf hingewiesen
hat, dass das Warnhorn am Wochenende, und somit zwischen der Kon-
trolle des Vorarbeiters vom Samstag, 11. August 2018, und der Arbeitsauf-
nahme am Montag, 13. August 2018, gestohlen worden sei, ist der Vor-
instanz beizupflichten, dass diese Version glaubwürdiger erscheint als die
von der Beschwerdeführerin erst in der Replik geäusserte Darstellung, wo-
nach das Warnhorn möglicherweise auch erst nach der Arbeitsaufnahme
am 13. August 2018 gestohlen worden sein könnte. Die „Aussagen der ers-
ten Stunde“ haben gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl.
E. 5) besonderes Gewicht, weil sie in der Regel unbefangener und zuver-
lässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von
nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art
beeinflusst sein können. Dementsprechend ist auch hier auf die erwähnte
erste Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin abzustellen. Damit
steht nach überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass das Warnhorn am
Montagmorgen des 13. August 2018 bei Arbeitsbeginn bereits gefehlt hat.
7.2.5 Aufgrund der Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin in der
Beschwerde sowie den Feststellungen der Suva ist somit davon auszuge-
hen, dass zwischen der Arbeitsaufnahme der Beschwerdeführerin am frü-
hen Morgen des 13. August 2018 und der anschliessenden Suva-Kontrolle
um 09.30 Uhr kein Warnhorn auf der Baustelle der Beschwerdeführerin in
(...) vorhanden war. Überdies hat der zuständige Mitarbeiter der Beschwer-
deführerin auf der Kontrollliste Sanierungszone vom 13. August 2018, Ziff.
4.3, angekreuzt, dass die automatische, akustische Alarmierung funktio-
niere (Beilage 9 zu BVGer-act. 1), offenbar ohne diesen Umstand effektiv
überprüft zu haben. Dass die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Anga-
ben nach der dahingehenden Feststellung der Suva umgehend ein neues
Warnhorn organisiert habe, entspricht der im Schreiben der Suva vom 15.
August 2018 «Ermahnung Stufe 2» mit der Beschwerdeführerin vereinbar-
ten Sofortmassnahme (Suva-act. 10, Beilage "Feststellungen und Mass-
nahmen", Ziff. 1.1). Dieser Umstand ändert daher nichts an der zuvor ge-
troffenen Feststellung der Suva bezüglich des fehlenden Warnhorns. Auch
spielt keine Rolle, dass das Warnhorn aufgrund des möglicherweise erst
am Wochenende davor erfolgten Diebstahls nur für kurze Zeit gefehlt ha-
ben mag. Nachdem dem Vorarbeiter der Beschwerdeführerin das Fehlen
des Warnhornes am Montagmorgen bei der Arbeitsaufnahme nicht ohne
Weiteres aufgefallen war, hätte die Beschwerdeführerin ohne die zufällig
kurz darauf erfolgte unangekündigte Suva-Kontrolle möglicherweise noch
C-2173/2019
Seite 22
längere Zeit ohne Vorhandensein einer ordentlichen akustischen Alarmie-
rung auf der erwähnten Baustelle gearbeitet.
7.2.6 Die Beschwerdeführerin behauptet beschwerdeweise, beim Unter-
drucküberwachungsgerät sei der Telealarm aktiv geschaltet gewesen. Die-
ser löse bei einem Druckabfall auf den von drei Mitarbeitern vorprogram-
mierten Mobiltelefonnummern einen Anruf mit einer gespeicherten Sprach-
nachricht aus. Klingelton und Vibrationsfunktion seien bei den Mobiltelefo-
nen stets eingeschaltet, weshalb dieser Telealarm das Erfordernis des
akustischen Alarms gemäss EKAS-Richtlinien erfülle.
7.2.7 Die Vorinstanz entgegnet diesbezüglich in ihrer Vernehmlassung, der
der aktiv geschaltete Telealarm stelle keine ausreichende Alarmierung im
Sinne der EKAS-Richtlinie dar. Werde ausschliesslich der Telealarm einge-
setzt, so würden lediglich die entsprechenden Mobiltelefon-Benutzer indi-
viduell gewarnt. Diese müssten sich zudem – um rasch reagieren zu kön-
nen – auf der Baustelle aufhalten. Überdies dürfte der Ton der Mobiltele-
fone nicht durch Baustellenlärm und -vibrationen übertönt werden. Asbest-
sanierungsarbeiten seien typischerweise sehr lärmintensiv, weshalb auch
der Alarm durch Vibration des Mobiltelefons nicht zuverlässig hätte erkannt
werden können.
7.2.8 Die Vorinstanz führt ausserdem in ihrer Vernehmlassung aus, eine
genügende automatische, akustische Alarmierung bedeute, dass bei ei-
nem Druckabfall alle Personen, die sich auf der Baustelle befänden, sofort
gewarnt würden, dass Asbestfasern unkontrolliert in die Umgebung ge-
langten, einen schwer definierbaren Bereich ausserhalb der Baustelle kon-
taminierten sowie weitere Personen gefährdeten (wobei auch nur eine
kleinste Menge sich in der Luft befindlicher Asbestfasern das Risiko schwe-
rer Gesundheitsschäden bedeute). Von dieser nachvollziehbaren Ausle-
gung des Begriffs der automatischen, akustischen Alarmierung durch die
als Fachbehörde ausgestattete Vorinstanz weichte das Bundesverwal-
tungsgericht nicht ohne Not ab (vgl. E. 3.2). Es ist der Vorinstanz daher
beizupflichten, dass die Alarmierung mittels Telealarm der Anforderung der
automatischen, akustischen Alarmierung gemäss der EKAS-Richtlinie
nicht genügt. Damit steht fest, dass infolge des fehlenden Warnhornes die
entsprechende für Asbestsanierungen geltende Sicherheitsvorschrift der
automatischen, akustischen Alarmierung am Montagmorgen des 13. Au-
gust 2018 nicht gewährleistet war.
C-2173/2019
Seite 23
7.2.9 Das Fehlen einer automatischen, akustischen Alarmierung stellt
zweifellos einen schwerwiegenden (vgl. E. 4.9) Verstoss gegen die EKAS-
Richtlinien dar (E. 4.6) dar. Als erstes Zwischenergebnis ist nach dem Ge-
sagten festzuhalten, dass die Vorinstanz das anlässlich der Baustellenkon-
trolle vom 13. August 2018 um 09.30 Uhr festgestellte Fehlen des Warn-
horns zu Recht als einen schwerwiegenden Verstoss gegen die
EKAS-Richtlinien qualifiziert hat.
7.3 Zu prüfen bleibt, ob die Vorinstanz gestützt darauf zu Recht gefolgert
hat, dass die Voraussetzungen für die Anerkennung der Beschwerdeführe-
rin als Asbestsanierungsunternehmen nicht mehr erfüllt sind.
7.3.1 Wie bereits dargelegt (E. 7.1.4 Abs. 2) sind die anlässlich der frühe-
ren, vorliegend nicht streitigen Kontrollen von Januar und Mai 2015 sowie
von Januar 2018 festgestellten schwerwiegenden Mängel (vgl. E. 7.1.1 bis
7.1.3) für die Prüfung des von der Vorinstanz verfügten Entzugs der Aner-
kennung der Beschwerdeführerin als Asbestsanierungsunternehmen mit-
zuberücksichtigen. Die Vorinstanz ist diesbezüglich entsprechend dem
Schema 5.1 des EKAS-Leitfadens (vgl. E. 4.2) sowie ihrem gestützt darauf
erlassenen Merkblatt «Entzug Anerkennung» (E. 4.9) vorgegangen. So hat
sie die Beschwerdeführerin nach dem ersten im Januar 2015 festgestellten
schwerwiegenden Regelverstoss auf die Stufe 1 im Verfahren über den
Entzug der Anerkennung gesetzt. Aufgrund des geringen Zeitablaufs von
nur wenigen Monaten bis zur nächsten Kontrolle mit der Feststellung
schwerwiegender Regelverstösse von Mai 2015 musste sie die Beschwer-
deführerin auf die Stufe 2 im Verfahren über den Entzug der Anerkennung
setzen. Nachdem die dritte Kontrolle mit der Feststellung eines schwerwie-
genden Regelverstosses von Januar 2018 nach Ablauf von weniger als
drei Jahren erging, entspricht die von der Vorinstanz alsdann ausgespro-
chene Stufe 3 im Verfahren über den Entzug der Anerkennung ebenfalls
dem erwähnten Durchführungsschema. Die vorliegend streitige vierte Kon-
trolle von August 2018 datiert lediglich 6.5 Monate nach der von der Vo-
rinstanz ausgesprochenen Ermahnung der Stufe 1. Nachdem es sich bei
einer der anlässlich dieser Kontrolle festgestellten Beanstandungen erneut
um einen schwerwiegenden Verstoss gegen die EKAS-Richtlinien handelt,
führt die Anwendung des dargelegten Durchführungsschemas unweiger-
lich zum Entzug der Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen.
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7.3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Suva habe das Prinzip
der Verhältnismässigkeit missachtet indem sie – obwohl bei den Beanstan-
dungen niemand geschädigt worden sei – die schwerstmögliche Sanktion
verhängt habe.
Die Suva hält dem in ihrer Vernehmlassung entgegen, sie habe den Ver-
hältnismässigkeitsgrundsatz beachtet, indem sie das mehrstufige Verfahren
zum Entzug der Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen eingehal-
ten habe. Der Entzug sei bei einer Kumulation von vier schwerwiegenden
Regelverstössen innerhalb des definierten Zeitrahmens gerechtfertigt.
7.3.2.1 Das Verhältnismässigkeitsprinzip als Verfassungsgrundsatz (BGE
135 V 172 E. 7.3.2) verlangt, dass eine behördliche Massnahme für das
Erreichen des im öffentlichen oder privaten Interesse liegenden Zieles ge-
eignet und erforderlich ist und sich für die Betroffenen in Anbetracht der
Schwere der Grundrechtseinschränkung zumutbar und verhältnismässig
erweist. Erforderlich ist eine vernünftige Zweck-Mittel-Relation. Eine
Massnahme ist unverhältnismässig, wenn das Ziel mit einem weniger
schweren Grundrechtseingriff erreicht werden kann (BGE 133 I 77 E. 4.1;
BGE 132 I 49 E. 7.2 mit Hinweisen).
7.3.2.2 Nachdem es sich bei Asbestsanierungen um eine für die Gesund-
heit der die Asbestsanierungen durchführenden Arbeitnehmenden sowie
auch sich zufällig im näheren Umkreis der Asbestsanierungsbaustelle be-
findlichen Menschen und Tieren sehr riskante Tätigkeit handelt, ist es für
den Schutz der öffentlichen Gesundheit erforderlich, Asbestsanierungen
ausschliesslich durch hierfür anerkannte Unternehmen durchführen zu las-
sen, welche die geltenden Sicherheitsvorschriften vollumfänglich einhalten
(vgl. näheres hierzu unter nachfolgend E. 7.3.4.4 Abs. 2). Die konsequente
Einhaltung dieser Sicherheitsvorschriften ist den als Asbestsanierungsun-
ternehmen anerkannten Betrieben zuzumuten. Ebenso zumutbar ist daher
der Entzug der Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen, wenn
deutlich wird, dass ein Asbestsanierungsunternehmen nicht gewillt oder fä-
hig ist, für hinreichende Sicherheit zum Schutz der Gesundheit der Mitar-
beitenden sowie der sich im näheren Umfeld der Sanierungszone befindli-
chen Bevölkerung zu sorgen. Da Asbestsanierungen somit ein sehr hohes
Mass an Sicherheitsmassnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit
erfordern, ist eine mildere Massnahme als der Entzug der Anerkennung als
Asbestsanierungsunternehmen bei Nichteinhalten dieser Sicherheits-
massnahmen nicht denkbar.
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7.3.2.3 Vorliegend sind acht schwerwiegende Verstösse gegen die Arbeits-
sicherheitsvorschriften innerhalb von vier Jahren verzeichnet. Insbeson-
dere musste die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit bereits zweimal
auf den – auch im vorliegenden Verfahren streitigen – schwerwiegenden
Verstoss betreffend das Fehlen einer automatischen, akustischen Alarmie-
rung bei Druckabfall hingewiesen werden (vgl. vorangehend E. 7.1.1 und
7.1.3). Die Beschwerdeführerin wurde diesbezüglich somit zweimal erfolg-
los durch die Vorinstanz ermahnt. Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass
neben den für den Entzug massgebenden schwerwiegenden Verstössen
unzählige weitere, nicht als schwerwiegend klassierte Verstösse durch die
Beschwerdeführerin dokumentiert sind. So hat die Suva jeweils bei den
vorangehend aufgelisteten Kontrollen vom 6. Januar 2015, 22. Mai 2015,
25. Januar 2018 und 13. August 2018 neben den acht schwerwiegenden
Verstössen ausserdem insgesamt 26 weitere (nicht schwerwiegende)
Verstösse gegen die bei Asbestsanierungen geltenden Sicherheitsvor-
schriften aufgedeckt, welche Massnahmen zum Schutz der Gesundheit der
Mitarbeitenden erforderten (vgl. vorangehend E. 7.1.1 bis 7.1.4). Darüber
hinaus sind rund 70 weitere Bestätigungsschreiben mit Feststellungen von
jeweils mindestens einem (nicht groben) Verstoss gegen die geltenden Si-
cherheitsvorschriften aktenkundig. Die entsprechenden Hinweise der
Vorinstanz in der Vernehmlassung (Ziff. 25) sowie in der Duplik (Ziff. 4 und
25) blieben von der Beschwerdeführerin unwidersprochen.
7.3.2.4 Wie bereits in Erwägung 7.3.1 dargelegt, hat die Suva sodann das
hierfür vorgesehene mehrstufige Verfahren zum Entzug der Anerkennung
als Asbestsanierungsunternehmen Schritt für Schritt umgesetzt. In seiner
Rechtsprechung hat das Bundesverwaltungsgericht das vorangehend dar-
gelegten Verfahrensschema der Suva geschützt und den Umstand, dass
eine sanktionierende Massnahme erst nach drei Verwarnungen ausge-
sprochen wird, als einen Ausdruck des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes
qualifiziert (BVGE 2010/37 E. 2.4.2.2 [im Zusammenhang mit der Sanktio-
nierung mittels Prämienerhöhung]). Unter diesen Umständen kann der von
der Vorinstanz verfügte Entzug der Anerkennung nicht als unverhältnis-
mässig bezeichnet werden.
7.3.3 Die Beschwerdeführerin macht ausserdem geltend, die Suva habe
willkürlich gehandelt und den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt,
indem sie die Sachverhaltselemente, die zu Gunsten der Beschwerdefüh-
rerin sprächen, nicht berücksichtigt habe, sondern rein schematisch und
ohne jede Beachtung der subjektiven Seite des Sachverhalts zu Unguns-
ten der Beschwerdeführerin entscheiden habe.
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Wie bereits in Erwägung 6.4 dargelegt, ist die Vorinstanz im Einsprache-
entscheid vom 8. April 2019 durchaus auf die Argumente der Beschwerde-
führerin eingegangen. Daher kann Beschwerdeführerin weder aus dem
Willkürverbot noch aus dem Grundsatz von Treu und Glauben etwas zu
ihren Gunsten ableiten.
7.3.4 Die Beschwerdeführerin rügt des Weiteren, durch den unverhältnis-
mässig harten Entscheid werde ohne Notwendigkeit die verfassungsmäs-
sig geschützte Wirtschaftsfreiheit tangiert, da es der Beschwerdeführerin
verboten werde, einen für ihren Betrieb zentral wichtigen Bereich weiter zu
bearbeiten.
7.3.4.1 Die Vorinstanz führt hierzu in ihrer Vernehmlassung aus, die Be-
schwerdeführerin müsse eine Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit ak-
zeptieren, wenn diese – wie vorliegend – gestützt auf eine gesetzliche
Grundlage und in Gleichbehandlung aller Rechtsunterworfenen erfolge.
7.3.4.2 Als juristische Person ist die Beschwerdeführerin berechtigt, sich
auf die in Art. 27 BV verankerte Wirtschaftsfreiheit zu berufen. Gemäss
Handelsregisterauszug handelt es sich bei der Tätigkeit als Asbestsaniere-
rin um das Kerngeschäft der Beschwerdeführerin (vgl. Sachverhalt Bst. A).
Die berufliche Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Asbestsaniererin fällt
sodann unter den sachlichen Anwendungsbereich der Wirtschaftsfreiheit.
Indem die Suva mit dem angefochtenen Einspracheentscheid der Be-
schwerdeführerin die zur Durchführung von Asbestsanierungen erforderli-
che Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen entzog und der Be-
schwerdeführerin damit die Ausübung dieses Kerngeschäfts künftig unter-
sagte, schränkt sie die Wirtschaftsfreiheit der Beschwerdeführerin eindeu-
tig erheblich ein.
7.3.4.3 Gemäss Art. 36 Abs. 1 BV bedürfen schwerwiegende Eingriffe in
die Wirtschaftsfreiheit eines Gesetzes im formellen Sinn, während für
leichte Eingriffe ein Gesetz im materiellen Sinne genügt.
Vorliegend ermöglicht es Art. 60b Abs. 3 BauAV der Suva, einem anerkann-
ten Betrieb die Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen zu entzie-
hen, wenn die Voraussetzungen hierfür nicht mehr erfüllt sind (vgl. E. 5.8
letzter Satz). Die BauAV wurde vom Bundesrat gestützt auf Art. 83 Abs. 1
UVG erlassen. Der mit dem Entzug der Anerkennung einhergehende Ein-
griff in die Wirtschaftsfreiheit basiert daher auf einer verfassungsmässig
zustande gekommenen gesetzlichen Grundlage im formellen Sinne.
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7.3.4.4 Staatliche Beschränkungen des Wirtschaftens und damit der Wirt-
schaftsfreiheit müssen ausserdem durch ein verfassungsrechtlich ausrei-
chendes öffentliches Interesse gerechtfertigt sein (Art. 36 Abs. 2 BV). Es
reicht hierfür nicht jegliches öffentliche Interesse aus. Vielmehr muss für
Beschränkungen der Wirtschaftsfreiheit ein verfassungsrechtlich zulässi-
ges öffentliches Interesse namhaft gemacht werden.
Es ist wissenschaftlich belegt, dass das Einatmen von Asbestfasern lang-
fristig schlimme Gesundheitsschäden, wie beispielsweise ein Tumor im
Brust- oder Bauchfell (Mesotheliom) oder Lungenkrebs, verursachen kann.
Insbesondere erhöht bereits eine geringe Konzentration von Asbestfasern
in der Luft das Risiko, später an einer dieser Krebsart zu erkranken (siehe
https://www.suva.ch/de-ch/praevention/sachthemen/asbest#uxlibrary-
lwrslider=1; zuletzt abgerufen am 19. August 2020). Indem Asbestsanie-
rungen nur durch anerkannte Unternehmungen durchgeführt werden dür-
fen, welche die für Asbestsanierungen geltende Sicherheitsvorschriften
konsequent einhalten, wird die Gesundheit einerseits von den die Asbest-
sanierungen durchführenden Arbeitnehmenden sowie andererseits auch
von zufällig sich im näheren Umkreis der Asbestsanierungsbaustelle be-
findlichen Menschen und Tieren geschützt. Damit dient der Entzug der An-
erkennung bei nachträglicher Feststellung des Fehlens der entsprechen-
den Voraussetzungen dem öffentlichen Gesundheitsschutz. Hierbei han-
delt es sich um ein Rechtsgut, welches eine hinreichende Rechtsferti-
gungsgrundlage im Sinne von Art. 36 Abs. 2 BV darstellt (Polizeigüter-
schutz; vgl. hierzu z.B. Urteil des BGer 2C_60/2018 vom 31. Mai 2019
E. 6.1). Damit ist vorliegend mit Blick auf die stark gesundheitsgefährden-
den Asbestfasern das Vorhandensein eines gesundheitspolitischen Inte-
resses ohne Weiteres zu bejahen.
7.3.4.5 Gemäss Art. 36 Abs. 3 BV müssen Einschränkungen von Grund-
rechten sodann verhältnismässig sein.
Das Bundesverwaltungsgericht hat den Grundsatz der Verhältnismässig-
keit bereits in den vorangehenden Erwägungen 7.3.2 ff. geprüft. Die von
der Vorinstanz getroffene Massnahme erweist sich nach dem vorangehend
Gesagten als verhältnismässig.
7.3.4.6 Art. 36 Abs. 4 BV sieht schliesslich vor, dass der Kerngehalt der
Grundrechte unantastbar zu bleiben hat.
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Trotz der von der Suva verfügten, für die Beschwerdeführerin einschnei-
denden Massnahme wird es dieser auch in Zukunft möglich sein, sich wei-
terhin in der Baubranche zu betätigen, auch wenn dies bedingt, dass sie
sich beruflich auf ein neues Umfeld spezialisieren müsste. Aber selbst auf
dem bisherigen Gebiet wäre eine erneute Tätigkeit insoweit möglich, als
der Entzug der Anerkennung für mindestens ein Jahr gilt und die Be-
schwerdeführerin 3 Monate vor Ablauf dieser Frist erneut eine Anerken-
nung als Asbestsanierungsfirma beantragen kann (vgl. Merkblatt "Entzug
der Anerkennung" [Beilage zu Suva –act. 5). Der Kerngehalt des Grund-
rechts auf Wirtschaftsfreiheit wird damit nicht berührt.
7.3.4.7 Nach dem Dargelegten ist zusammenfassend festzuhalten, dass
keine unrechtmässige Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit vorliegt. Die
diesbezügliche Rüge erweist sich deshalb ebenfalls als unbegründet.
7.3.5 In ihrer Replik beanstandet die Beschwerdeführerin schliesslich eine
Verletzung des Gleichbehandlungsgebots, indem sie als grössere Unter-
nehmung mit zahlreichen Baustellen unbesehen davon gleich behandelt
werde wie kleine Asbestsanierer, die nur wenige Aufträge ausführten. Es
sei stossend, dass ihr die Anerkennung bei Vorliegen von vier Beanstan-
dungen innert vier Jahren (2015 bis 2018) entzogen werden solle, obwohl
sie in dieser Zeit etwa 2'800 Asbestsanierungsfälle ausgeführt habe, wel-
che nicht beanstandet worden seien. So sei den umfangreichen Suva-Ak-
ten zu entnehmen, dass sie in einer überwiegenden Vielzahl von anderen
vergleichbaren Baustellen stets tadellos gearbeitet habe, was bei der Be-
urteilung mit zu berücksichtigen sei.
7.3.5.1 Duplikweise entgegnet die Suva, sie habe im vorliegenden Aber-
kennungsverfahren lediglich die schwerwiegenden Verstösse berücksich-
tigt. Daneben habe sie auf Baustellen der Beschwerdeführerin in weiteren
rund 70 Fällen andere, wenn auch weniger gravierende Regelverstösse
konstatieren und mittels Bestätigungsschreiben Korrekturmassnahmen
verlangen müssen. Ausserdem wirkten sich in einer grösseren Firma wie-
derholte Regelverstösse stärker aus, weil auch eine grössere Anzahl von
Arbeitnehmenden davon betroffen sei. Daher dürfe darf das Prinzip der
Gleichbehandlung nicht absolut betrachtet werden.
7.3.5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits mehrfach entschieden,
dass die Befolgung von Durchführungsvorschriften, welche hinsichtlich der
sanktionsweisen Massnahmen auf die Anzahl Zuwiderhandlungen abstellt
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und weitere Faktoren (wie Betriebsgrösse, Anzahl Baustellen etc.) unbe-
rücksichtigt lässt, zu keiner rechtsungleichen Behandlung führt (siehe Ur-
teile des BVGer C-472/2016 vom 14. Februar 2018 E. 6.4.3.2; C-852/2013
vom 17. Dezember 2015 E. 4.2.6.3). Die ausnahmslose Einhaltung der
EKAS-Regeln hat denn auch zur Folge, dass die Vorschriften über die Ar-
beitssicherheit und den Gesundheitsschutz in allen Betrieben nach dem
gleichen Massstab durchgesetzt werden (vgl. dazu EKAS-Leitfaden Ziff.
2.4.1). Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin wäre es vielmehr
stossend, wenn sich ein grösserer Betrieb mehr (festgestellte) Sicherheits-
mängel erlauben und dadurch seine Arbeitnehmenden einer höheren Ge-
fährdung aussetzen dürfte, bis eine sanktionsweise Höhereinreihung im
Verfahren zum Entzug der Anerkennung erfolgen respektive die Anerken-
nung als Asbestsanierungsunternehmen entzogen würde. Entsprechend
ist in Kauf zu nehmen, dass ein grösserer Betrieb mit mehr Baustellen für
die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften mehr Aufwand zu betreiben hat,
damit die Arbeitsplatzsicherheit gleich hoch ist, zumal grössere Betriebe,
welche wiederholt gegen die Vorschriften der Arbeitssicherheit verstossen
beziehungsweise ihre Mitarbeitenden nicht anhalten, diese Vorschriften
konsequent einzuhalten, ein höheres Risiko darstellen (Urteile des BVGer
C-472/2016 vom 14. Februar 2018 E. 6.4.3.2; C-852/2013 vom 17. Dezem-
ber 2015 E. 4.2.6.3). Damit ist vorliegend keine Verletzung des Gleichbe-
handlungsgebots auszumachen.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, es seien die übrigen, stets
tadellos durchgeführten Asbestsanierungen in der Gesamtwürdigung mit-
zuberücksichtigen, sind ihr die aktenkundigen rund 70 Bestätigungsschrei-
ben mit Feststellungen weiterer (nicht grober) Regelverstösse entgegen-
zuhalten (vgl. vorangehend E. 7.3.2.3).
7.3.6 Als zweites Zwischenergebnis ist damit zu folgern, dass der von der
Suva verfügte Entzug der Anerkennung der Beschwerdeführerin als As-
bestsanierungsunternehmen in korrekter Anwendung der massgebenden
Bestimmungen erfolgt ist.
8.
Zusammenfassend ist in Würdigung der Parteieingaben sowie der vorlie-
genden Akten festzuhalten, dass mit dem Fehlen des Warnhorns am
13. August 2018 auf der Baustelle der Beschwerdeführerin in (...) ein si-
cherheitswidriger Zustand in der Form eines groben Verstosses gegen die
EKAS-Richtlinien vorgelegen hat. Nachdem die Beschwerdeführerin be-
reits zuvor auf drei weiteren Baustellen wegen mehrfacher grober
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Verstösse zu Massnahmen zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeitenden
verpflichtet werden musste und bei ihr insbesondere dreimal derselbe
grobe Verstoss (Fehlen einer automatischen, akustischen Alarmierung)
festgestellt wurde, erscheint der von der Suva in korrekter Anwendung der
massgebenden Bestimmungen sowie gestützt auf eine hinreichende ge-
setzliche Grundlage verfügte Entzug der Anerkennung als Asbestsanie-
rungsunternehmen weder willkürlich noch unverhältnismässig, sondern
zum Schutz der öffentlichen Gesundheit erforderlich. Die damit einherge-
hende Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit der Beschwerdeführerin er-
weist sich daher als zulässig respektive gerechtfertigt. Insgesamt ist Ein-
spracheentscheid der Vorinstanz vom 8. April 2019 somit zu bestätigen und
die Beschwerde abzuweisen.
9.
9.1 Die Beschwerdeführerin hat als unterliegende Partei die Verfahrens-
kosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese bemessen sich nach Um-
fang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finan-
zieller Lage der Parteien (vgl. Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). Die Verfahrenskosten sind vorliegend
auf Fr. 4'000.- festzulegen und mit dem geleisteten Verfahrenskostenvor-
schuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
9.2 Der obsiegenden Vorinstanz steht keine Parteientschädigung zu (Art.
7 Abs. 3 VGKE). Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen An-
spruch auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
(Das Dispositiv folgt auf der nächsten Seite.)
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