Decision ID: e8a03308-b6dd-467e-b0c6-32ff89ade581
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ H.E. (geboren 1921) ist in G. wohnhaft. Am 15. April 2004 deklarierte er für die
Steuerperiode 2003 erstmals zwei Banksparkonti mit Guthaben per 31. Dezember 2003
von Fr. 34'198.-- bzw. Fr. 98'095.-- und Zinserträge im Jahr 2003 aus einem der beiden
Konti von Fr. 200.75.
Das kantonale Steueramt eröffnete am 1. Dezember 2004 ein Nachsteuerverfahren.
Nachdem das kantonale Steueramt verschiedene Unterlagen einverlangt und erhalten
hatte, teilte es H.E. mit Schreiben vom 25. Januar 2005 die Nachsteuerfaktoren für die
Steuerjahre 1993 bis 2002 mit. Mit dem gleichen Schreiben wurde das
Untersuchungsverfahren betreffend Steuerhinterziehung eingeleitet und als
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abgeschlossen erklärt. Es wurde eine Busse in der Höhe der halben Nachsteuer in
Aussicht gestellt. Mit Strafbescheid vom 17. Februar 2005 wurde H.E. wegen
Steuerhinterziehung mit Fr. 9'591.15 gebüsst, und es wurden ihm die Verfahrenskosten
von Fr. 450.-- auferlegt. Mit Schreiben vom 25. Februar 2005 erhob H.E. gegen den
Strafbescheid Einsprache. Am 3. März 2005 überwies das kantonale Steueramt die
Strafsache der Verwaltungsrekurskommission zur gerichtlichen Beur-teilung.
B./ Die Verwaltungsrekurskommission forderte die Anklagebehörde zunächst auf, zur
Frage der Verjährung Stellung zu nehmen. In der Vernehmlassung vom 20. September
2005 erachtete die Anklagebehörde die Steuerhinterziehung für die Jahre 1993 und
1994 als verjährt und beantragte, die Busse sei dementsprechend auf Fr. 7'478.05
festzusetzen.
Die Verwaltungsrekurskommission entschied in der Angelegenheit am 15. November
2005. H.E. wurde der fahrlässigen Steuerhinterziehung für die Steuerjahre 1999 bis
2002 schuldig befunden und mit einer Busse von Fr. 2'600.-- be-straft. Die amtlichen
Kosten von Fr. 1'200.-- wurden H.E. zu einem Drittel und dem Staat zu zwei Dritteln
auferlegt. Hinsichtlich der Frage der Verjährung erwog die
Verwaltungsrekurskommission, dass die Anwendung des alten Rechts auf die
Steuerjahre bis 1998 und die Anwendung des neuen Rechts auf die Steuerjahre ab
1999 zur Folge habe, dass das Steuerstrafverfahren für die Steuerjahre bis 1998 in
Anwendung der sechsjährigen Frist gemäss Art. 130 lit. b des bis zum 31. Dezember
1998 gültig gewesenen Steuergesetzes (nGS 29-70, abgekürzt StG-70) bis spätestens
Ende 2004 hätte eingeleitet werden müssen. Somit erweise sich die Einleitung des
Steuerstrafverfahrens am 25. Januar 2005 betreffend das Steuerjahr 1998 und die
früheren Steuerjahre als verspätet. Hingegen seien die Steuerhinterziehungen, welche
die unvollständigen Veranlagungen der Steuerjahre 1999 bis 2002 betreffen würden,
angesichts der Zehnjahresfrist gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. b des seit 1. Januar 1999
gelten-den Steuergesetzes (sGS 811.1, abgekürzt StG) nicht verjährt. Die
Zehnjahresfrist des am 1. Januar 1999 in Kraft getretenen neuen Rechts dürfe nicht
herangezogen werden, um frühere Steuerjahre im Rahmen der Steuerstrafen zu
verfolgen.
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C./ Gegen den Entscheid der Verwaltungsrekurskommission vom 15. November 2005
erhob das kantonale Steueramt am 15. Dezember 2005 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Es beantragt, der Entscheid der Verwaltungsrekurskommission
vom 15. November 2005 sei aufzuheben und es sei gegenüber dem Angeschuldigten
eine Busse von Fr. 4'100.-- wegen Steuerhinterziehung auszusprechen, unter
Kostenfolgen zulasten des Angeschuldigten. Das Steueramt führt aus, der
vorinstanzliche Entscheid werde lediglich im Punkt der Anwendung des Grundsatzes
des milderen Rechts im Zusammenhang mit der Verjährung in Frage gestellt. Dabei
vertritt es im wesentlichen die Auffassung, die Frage der Verjährung richte sich
entsprechend dem Grundsatz der im Strafrecht geltenden lex mitior für sämtliche
Steuerjahre, d.h. auch für jene nach dem Inkrafttreten des neuen Steuergesetzes am 1.
Januar 1999, nach den Regeln des für den Angeschuldigten milderen früheren Rechts.
Demnach sei die Einleitungsverjährung nach Art. 130 lit. b StG-70 für 2002 noch nicht
eingetreten und nach Art. 121 StG-70 reiche die Strafbarkeit sechs Jahre zurück. Der
Beginn der Verjährung ab dem Zeitpunkt des Ausserkrafttretens des alten Rechts nach
der Auffassung der Verwaltungsrekurskommission stelle eine Bevorzugung des An-
geschuldigten dar. Die Privilegierung bestehe gegenüber jenen Pflichtigen, die
ausschliesslich vor dem 1. Januar 1999 Steuern hinterzogen hätten und im Maximum -
aber immerhin - für sechs Jahre gebüsst worden seien, während der Ange-schuldigte
nur für vier Jahre gebüsst werde. Würde man der Ansicht der
Verwaltungsrekurskommission folgen, käme die Privilegierung des Angeschuldigten
paradoxerweise durch den Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen und strengeren
Rechts mit einer längeren Verjährungsfrist von zehn Jahren zustande. Dieses Vorgehen
ähnle einer Amnestie und führe zu einer nicht zu rechtfertigenden Ungleichbehandlung.
Die Verwaltungsrekurskommission beantragt in der Vernehmlassung vom 23. Januar
2006 die Abweisung der Beschwerde. H.E. hat sich nicht vernehmen lassen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ a) Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 270 Abs. 1
StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt VRP). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert
(Art. 270 Abs. 1 StG). Die Eingaben vom 2. und 15. Dezember 2005 entsprechen
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zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 270 StG in
Verbindung mit Art. 161 StG sowie Art. 64 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
b) Nach Art. 270 Abs. 2 StG gelten im Beschwerde-verfahren die Vorschriften über das
Verfahren vor Verwaltungsrekurskommission sachgemäss. Zu prüfen ist daher, ob im
Beschwerdeverfahren eine mündliche öffentliche Verhandlung durchzuführen ist (vgl.
Art. 267 Abs. 1 Satz 1 StG).
Im Strafprozess ist der Grundsatz der öffentlichen Verhandlung im
Rechtsmittelverfahren eingeschränkt. Nach Art. 243 Abs. 2 des Strafprozessgesetzes
(sGS 962.1) kann im Berufungsverfahren in verschiedenen Fällen von einer öffentlichen
Verhandlung abgesehen werden, unter anderem im Einvernehmen mit den Parteien,
wenn die Anwesenheit des An-geschuldigten für die Beurteilung nicht erforderlich ist
(Art. 243 Abs. 2 lit. a StP).
Da die Vorschriften des Verfahrens vor Verwaltungsrekurskommission im
Beschwerdeverfahren nur sachgemäss an-zuwenden sind, rechtfertigt es sich in einer
analogen Anwendung der strafprozessualen Bestimmungen im vorliegenden Fall, auf
eine öffentliche und mündliche Verhandlung zu verzichten, da kein Begehren um
öffentliche Verhandlung gestellt und auch im Einspracheverfahren auf die Durchführung
einer öffentlichen Verhandlung verzichtet wurde, sich der Beschwerdegegner nicht
vernehmen liess und seine Anwesen-heit zur Beurteilung nicht notwendig ist (VerwGE
vom 24. Januar 2006 i.S. E.E. zurzeit auf www.gerichte.sg.ch).
2./ a) Wie eingangs ausgeführt, beanstandet der Beschwerdeführer am angefochtenen
Entscheid einzig die un-richtige Anwendung des strafrechtlichen Grundsatzes des
milderen Rechts im Zusammenhang mit der Verjährung.
b) Art. 2 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt StGB)
bestimmt, dass nach diesem Gesetz beurteilt wird, wer ein Verbrechen oder ein
Vergehen verübt. Mithin ist es verboten, das Gesetz auf Taten anzuwenden, welche vor
seinem Inkrafttreten begangen wurden, bzw. es muss nach dem Gesetz geurteilt
werden, das bei der Begehung galt. Art. 2 Abs. 1 StGB verwirklicht das
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Rückwirkungsverbot und damit einen wesentlichen Aspekt des Legalitätsprinzips (P.
Popp, in: Basler Kommentar zum Strafgesetzbuch, Basel 2003, N 1 zu Art. 2 StGB).
Art. 2 Abs. 2 StGB regelt die Rechtsanwendung, wenn das Gesetz zwischen Tat und
Urteil ändert, indem es vorschreibt, dass das für den Täter mildere Recht (lex mitior)
anzuwenden ist.
In Art. 337 StGB wird der Grundsatz der lex mitior für die Verfolgungs- und
Vollstreckungsverjährung konkretisiert. Dementsprechend gilt das neue
Verjährungsrecht grundsätzlich nur für Taten nach Inkrafttreten des neuen Rechts. Das
alte Verjährungsrecht gilt somit für die vor diesem Zeitpunkt begangenen Straftaten
weiter, es sei denn, dass das neue Recht das mildere ist (BGE 131 IV 89 f.).
Handelt der Täter zu verschiedenen Zeiten, so beginnt die Verjährung nach Art. 71 lit. b
StGB mit dem Tage, an welchem die letzte tatbestandsmässige Tätigkeit ausgeführt
wird. Dauert das strafbare Verhalten an bzw. liegt ein Dauerdelikt vor, beginnt die
Verjährung gemäss Art. 71 lit. c StGB mit dem Tag, an dem dieses Verhalten aufhört.
Art. 2 und Art. 71 lit. b und c StGB gelten als allgemeine Bestimmungen des
Schweizerischen Strafgesetzbu-ches auch für das Strafrecht von Kanton und
Gemeinden, so-weit die kantonale Gesetzgebung nichts anderes bestimmt (Art. 1 Abs.
1 des Übertretungsstrafgesetzes, sGS 921.1, abgekürzt UeStG). Dieser Grundsatz hat
auch für Art. 337 StGB zu gelten, welcher, wie dargelegt, im wesentlichen ei-ne
Konkretisierung der Regel von Art. 2 Abs. 2 StGB dar-stellt, obwohl er systematisch
nicht zu den allgemeinen Bestimmungen des schweizerischen Strafgesetzbuches im
Sinne von Art. 1 UeStG gehört. Bei der vollendeten fahrlässigen Steuerhinterziehung,
wie sie dem Beschwerdegegner vorgeworfen wird, handelt es sich
unbestrittenermassen um eine
Übertretung des kantonalen Steuerstrafrechts (Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl., Muri-Bern
1999, S. 433), weshalb die genannten Bestimmungen vorliegend Anwendung finden.
c) Der Angeschuldigte wurde vom Beschwerdeführer wegen Steuerhinterziehung
während den Steuerjahren 1993 bis 2002 gebüsst. Das Steuergesetz vom 9. April 1998
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wird ab 1. Januar 1999 angewendet (Art. 319 StG). Es löst das Steuergesetz vom 23.
Juni 1970 ab.
d) Gemäss Art. 130 lit. b StG-70 erlischt das Recht, ein Steuerstrafverfahren
einzuleiten, für Steuerhinterziehungen sechs Jahre nach Ablauf des letzten
Steuerjahres, für das der Steuerpflichtige nicht oder unvollständig veranlagt wurde.
Gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. b StG verjährt die Strafverfolgung bei vollendeter
Steuerhinterziehung zehn Jahre nach dem Ablauf der Steuerperiode, für die der
Steuerpflichtige nicht oder unvollständig veranlagt wurde. Damit steht fest und ist im
übrigen auch unwidersprochen, dass die altrechtliche Bestimmung für den
Beschwerdegegner die mildere im Sinne von Art. 337 StGB ist.
e) Im folgenden ist die Anwendbarkeit von Art. 71 lit. b und c StGB zu prüfen.
aa) Eine "vollendete" Steuerhinterziehung liegt vor, wenn den Steuerbehörden
steuerbare Tatbestände (Ein-kommen, Vermögen, Umsätze usw.) verheimlicht werden
und diese Verheimlichung zur Folge hat, dass gemäss der definitiven rechtskräftigen
Veranlagung zu wenig Steuern entrichtet werden (Höhn/Waldburger, Steuerrecht, Bd.
1, 9. Aufl., Bern 2001, § 38 Rz 9; vgl. Art. 248 Abs. 1 StG und Art. 126 Abs. 1 StG-70).
Der objektive Tatbestand der Steuerhinterziehung besteht darin, dass der
Steuerpflichtige in Verletzung der Deklarationspflicht bewirkt, dass eine Veranlagung
ausbleibt oder unrichtig erfolgt und dem Gemeinwesen daraus ein Steuerausfall
entsteht. Erforderlich ist, dass zwischen dem Steuerausfall des Gemeinwesens und
dem Verhalten des Steuerpflichtigen ein Kausalzusammenhang besteht. In der Regel
wird das Delikt dadurch begangen, dass die Steuererklärung nicht oder nicht
ordnungsgemäss ausgefüllt und innert Frist eingereicht wird (R. Sieber, in: Kommentar
zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, 2. Aufl., Basel 2002, N 6a ff. zu Art. 56 StHG; M.
Zweifel, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, 2. Aufl., Basel 2002, N 17
ff. zu Art. 42 StHG).
Vor diesem Hintergrund erweist sich die Auffassung der Vorinstanz, wonach es sich bei
der Steuerhinterziehung nicht um ein Dauerdelikt handelt, als zutreffend. Ein Dau-
erdelikt liegt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur vor, wenn die
Begründung des rechtswidrigen Zustands mit den Handlungen, die zu seiner
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Aufrechterhaltung vorgenommen werden, bzw. mit der Unterlassung seiner Aufhebung
eine Einheit bildet und das auf das Fortdauern des deliktischen Erfolgs gerichtete
Verhalten vom betreffenden Straftatbestand ausdrücklich oder sinngemäss mitumfasst
ist. Dauerdelikte sind mit anderen Worten dadurch gekennzeichnet, dass das zeitliche
Fortdauern eines rechtswidrigen Zustandes oder Verhaltens noch tatbestandsmässiges
Unrecht bildet (BGE 131 IV 87 mit weiteren Hinweisen; P. Müller, Basler Kommentar
zum Strafgesetzbuch, Basel 2003, N 20 zu Art. 71). Wer eine Steuerhinterziehung
begeht, begründet keinen rechtswidrigen Zustand, sondern führt einzig den Taterfolg
herbei, der darin besteht, dass die gemäss rechtskräftiger Veranlagung zu erbringende
Steuerleistung niedriger ist als jene, die bei ordnungsgemässer Versteuerung erbracht
werden müsste. Dementsprechend liegt kein Dauerdelikt vor, und die Anwendbarkeit
von Art. 71 lit. c StGB fällt ausser Betracht.
bb) In seiner Rechtsprechung hat das Bundesgericht gestützt auf Art. 71 lit. b StGB
auch mehrere strafbare Handlungen verjährungsrechtlich zu einer Einheit zusammen-
gefasst, wenn sie gleichartig und gegen dasselbe Rechtsgut gerichtet sind, ohne dass
bereits ein Dauerdelikt im Sinne von Art. 71 lit. c StGB gegeben wäre. Unlängst hat es
die Rechtsfigur der verjährungsrechtlichen Einheit indes aufgegeben. Das
Bundesgericht erwog, es erscheine nicht länger gerechtfertigt, anhand des wenig
klaren Kriteriums des an-dauernden pflichtwidrigen Verhaltens in gewissen Fällen
mehrere Handlungen zu einer verjährungsrechtlichen Einheit zusammenzufassen, in
anderen dagegen nicht. Gleichwohl führe die Aufgabe der Rechtsfigur der
verjährungsrechtlichen Einheit aber nicht zu einem gänzlichen Verzicht, mehrere
tatsächliche Handlungen in gewissen Fällen rechtlich als Einheit zu qualifizieren. Dabei
sei einerseits an Fälle der tatbestandlichen Handlungseinheit zu denken, wo das
tatbestandsmässige Verhalten schon begrifflich, faktisch oder doch typischerweise
mehrere Einzelhandlungen voraussetze. Anderseits seien mehrere Einzelhandlungen
rechtlich eben-falls als Einheit anzusehen, wenn sie auf einem einheitlichen Willensakt
beruhten und wegen des engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei
objektiver Betrachtung noch als ein einheitliches zusammengehörendes Geschehen
erscheinen würden. Eine sogenannte natürliche Handlungseinheit falle allerdings
ausser Betracht, wenn zwischen den einzelnen Handlungen - selbst wenn diese
aufeinander bezogen sei-en - ein längerer Zeitraum liege (BGE 131 IV 93 f.).
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Der objektive Tatbestand der Steuerhinterziehung erschöpft sich, wie vorstehend
dargelegt, darin, dass der Steuerpflichtige in Verletzung der Deklarationspflicht be-
wirkt, dass seine Veranlagung ausbleibt oder unrichtig er-folgt und dem Gemeinwesen
dadurch ein Steuerausfall ent-steht. Dieses tatbestandsmässige Verhalten setzt weder
be-grifflich noch faktisch mehrere Einzelhandlungen voraus. Somit fällt eine
tatbestandliche Handlungseinheit ausser Betracht. Gleiches gilt indes auch für die
natürliche Handlungseinheit, da bei einem Deklarationsrhythmus von einem bzw. zwei
Jahren angesichts des langen Tatzeitraums eine Handlungseinheit zwischen den
einzelnen Taten ausgeschlos-sen ist (vgl. L. Kneubühler, Die Vergehen nach
bernischem Steuergesetz, in: BVR 1999 S. 252; vgl. BGE 131 IV 95). So-mit fällt auch
die Anwendbarkeit von Art. 71 lit. b StGB ausser Betracht, und der Hinweis des
Beschwerdeführers auf BGE 114 IV 3 ff. geht fehl – abgesehen davon, dass das
Bundesgericht das Institut des fortgesetzten Delikts auch im Zusammenhang mit der
Verjährung schon seit geraumer Zeit aufgegeben hat (P. Müller, a.a.O., N 16 zu Art. 71
StGB).
f) Aus dem Gesagten folgt, dass jede Hinterziehungshandlung des
Beschwerdegegners, die zu einer unvollständigen Veranlagung geführt hat, eine eigene
Tat darstellt. Nachdem Art. 71 lit. b und c StGB nicht zur Anwendung kommen, sind die
einzelnen unvollständig veranlagten Steuerperioden auch hinsichtlich der Verjährung
für sich zu betrachten. Daran vermag entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
auch der Wortlaut von Art. 130 lit. b StG-70 nichts zu ändern. Zwar knüpft Art. 130 lit. b
StG-70 für das Erlöschen des Rechts, ein Steuerstrafverfahren einzuleiten, an den
Ablauf des letzten Steuerjahres an, für das der Pflichtige unvollständig oder überhaupt
nicht veranlagt wurde. Indes ist eine Tat gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB nach neuem Recht
zu beurteilen, wenn sie verübt wurde, nachdem dieses in Kraft trat (P. Popp, in: Basler
Kommentar zum Strafgesetzbuch, Basel 2003, N 6 zu Art. 2). Dabei ist neu-es Recht
nicht nur massgeblich, soweit es die materiellen Voraussetzungen der Strafe betrifft,
sondern auch in bezug auf die Verjährungsbestimmungen (St. Trechsel,
Kurzkommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 2. Aufl., Zürich 1997, N 1 zu
Art. 337 StGB; R. Wiprächtiger, in: Basler Kommentar zum Strafgesetzbuch, Basel
2003, N 1 zu Art. 337 StBG mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung sowie die
abweichende Meinung von Stratenwerth; BGE 131 IV 89). Dies bedeutet, dass die
Auffassung des Beschwerdeführers fehl geht, wonach die lex mitior auf den ganzen
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Hinterziehungszeitraum bezogen zu prüfen sei. Bei der lex mitior ist nur zu prüfen, ob
auf die unter dem alten Recht begangenen strafbaren Handlungen das neue Recht als
milderes anzuwenden ist. Stehen gleichzeitig mehrere Taten zur Beurteilung, die
teilweise unter altem, teilweise unter neuem Recht begangen wurden, ist eine getrennte
Beurteilung vorzunehmen (Trechsel, a.a.O., N 5 zu Art. 2 StGB). Dies bedeutet, dass
auf die Straftaten ab dem Jahr 1999 neues Verjährungsrecht anzuwenden ist. Fehl geht
sodann die Auffassung des Beschwerdeführers, wonach das Bundesgericht in seiner
Rechtsprechung verlange, dass der ganze Sachverhalt entweder nach neuem oder
nach altem Recht zu prüfen sei. Zwar fordert das Bundesgericht, dass das Recht bei
Begehung und bei Beurteilung nicht abstrakt, sondern konkret verglichen, d.h. der
Sachverhalt unter je die Gesamtheit der in den beiden Zeitpunkten geltenden Rechten
gestellt wird. Indes bezieht sich diese Vorgabe immer nur auf den Sachverhalt, der sich
vor Inkrafttreten des neuen Rechts ereignet hat. Auch der Hinweis, dass nicht beide
Rechte partiell angewendet werden können, bezieht sich auf die Beurteilung von
Tatbeständen, die sich unter altem Recht verwirklicht haben. In diesem Sinn ist es
bspw. ausgeschlossen, auf einen Sachverhalt, der sich unter altem Recht verwirklicht
hat, für die Strafbarkeit ein anderes Recht anzuwenden als für die Folge (vgl. BGE vom
21. Mai 2002, 2A.293/2001 E. c aa; Popp, a.a.O., N 10 zu Art. 2 StGB mit weiteren
Hinweisen). Hingegen ist die Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht so zu
verstehen, dass die parallele Anwendung von neuem Verjährungsrecht auf Taten, die
unter neuem Recht begangen wurden, und von altem Verjährungsrecht auf Taten, die
unter altem Recht begangen wurden, ausgeschlossen wäre. Vielmehr verlangen Art. 2
bzw. Art. 337 StGB, soweit nicht eine spezialgesetzliche Übergangsnorm etwas
anderes bestimmt, dass Taten, die unter neuem Recht begangen wurden, auch hin-
sichtlich der Verjährung nach neuem Recht beurteilt werden, während für Taten, die
unter altem Recht begangen wurden, das mildere der beiden Verjährungsrechte
anzuwenden ist.
g) Zusammenfassend ergibt sich, dass das letzte unvollständig veranlagte Steuerjahr
nach altem Recht das Jahr 1998 war. Bei der Einleitung des Untersuchungsverfahrens
am 25. Januar 2005 war das Recht gemäss Art. 130 lit. b StG-70, innert sechs Jahren
nach Ablauf des letzten Steuerjahres ein Steuerstrafverfahren für die
Steuerhinterziehung einzuleiten, verjährt. Dies bedeutet, dass die strafbaren
Handlungen, die der Beschwerdegegner bis am 31. Dezember 1998 begangen hat,
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infolge Verjährung nicht mehr verfolgt werden können. Hingegen war im Zeitpunkt der
Einleitung des Steuerstrafverfahrens am 25. Januar 2005 die Verjährung der
Steuerhinterziehungen, die zu unvollständigen Veranlagungen der Steuerjahre 1999 bis
2002 führten, gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. b StG noch nicht eingetreten. Die von der
Anklagebehörde aufgezeigten Disparitäten sind, wie die Vorinstanz in der
Vernehmlassung vom 23. Januar 2006 zutreffend ausführt, hinzunehmen und dürfen
sich nicht zu Ungunsten des Angeschuldigten auswirken. Die vom Beschwerdeführer
beanstandeten Auswirkungen sind Folgen des bundesrechtlichen Grundsatzes von Art.
2 bzw. Art. 337 StGB.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht