Decision ID: b65bb598-37ce-51af-8e50-06ea095fea81
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Mai 2011 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer im
Februar 2011 rückwirkend per Februar 2009 zugesprochenen Rente der
Invalidenversicherung an (act. G 3.1.186). Mit einer Verfügung vom 2. Dezember 2011
sprach die EL-Durchführungsstelle ihr eine jährliche Ergänzungsleistung mit Wirkung
ab dem 1. Februar 2009 zu, bei deren Berechnung sie ein hypothetisches
Erwerbseinkommen berücksichtigt hatte (act. G 3.1.158). Eine am 27. Januar 2012
gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wurde von der EL-Durchführungsstelle
am 7. Mai 2012 abgewiesen (act. G 3.1.122). Das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen hiess eine gegen diesen Einspracheentscheid erhobene Beschwerde am 23.
September 2013 gut (EL 2012/26; vgl. act. G 3.1.86). Es verpflichtete die EL-
Durchführungsstelle, die Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Februar 2009
ohne ein hypothetisches Erwerbseinkommen und durchgehend – auch für die Dauer
eines Taggeldbezuges in den Monaten April, Mai und Juni 2010 – neu festzusetzen und
auszurichten. Die EL-Durchführungsstelle erliess am 24. November 2013 eine
Verfügung, mit der sie die Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Februar 2009
entsprechend den Vorgaben des Versicherungsgerichtes neu festsetzte und
ausrichtete (act. G 3.1.79). Diese Verfügung sah für die Zeit ab dem 1. Dezember 2013
einen monatlichen EL-Anspruch von 2’717 Franken und für die Zeit bis und mit
November 2013 eine Nachzahlung von 53’218 Franken vor.
A.a.
Am 12. Dezember 2013 (act. G 3.1.57) und am 27. Dezember 2013 (act. G 3.1.56)
ergingen zwei Revisionsverfügungen, mit denen der laufende EL-Anspruch an
A.b.
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Sachverhaltsveränderungen angepasst wurde. Am 12. Januar 2014 erliess die EL-
Durchführungsstelle eine weitere Verfügung, mit der sie die Ergänzungsleistung
rückwirkend ab dem 1. März 2010 unter Berücksichtigung der neu gemeldeten
definitiven Löhne der EL-Bezügerin in der Vergangenheit neu festsetzte (act. G 3.1.45).
Am 7. April 2014 (act. G 3.1.40), am 25. Mai 2014 (act. G 3.1.34) und am 22. Dezember
2014 (act. G 3.1.17) ergingen weitere Revisionsverfügungen. Nach dem Abschluss der
Sachverhaltsabklärungen infolge der Geburt eines Kindes der EL-Bezügerin im
September 2014 erliess die EL-Durchführungsstelle am 3. Mai 2015 eine rückwirkende
Revisionsverfügung, mit der sie die Ergänzungsleistung ab dem 1. September 2014
neu festsetzte (act. G 3.1.2).
Am 21. Dezember 2015 (act. G 3.2.43) und am 19. Dezember 2016 (act. G 3.2.40)
ergingen zwei weitere Revisionsverfügungen. Der Betrag der Ergänzungsleistung belief
sich gemäss der Verfügung vom 19. Dezember 2016 ab Januar 2017 auf 2’368 Franken
pro Monat. Dieser Betrag setzte sich aus einer direkt der EL-Bezügerin ausgerichteten
monatlichen Ergänzungsleistung von 1’795 Franken und einer Drittauszahlung an die
obligatorische Krankenpflegeversicherung von 573 Franken pro Monat zusammen. Bei
der Anspruchsberechnung hatte die EL-Durchführungsstelle die kantonalen
Durchschnittsprämien für die obligatorische Krankenpflegeversicherung der EL-
Bezügerin und der beiden Kinder, drei Viertel des Mietzinses, die
Nichterwerbstätigenbeiträge sowie eine Lebensbedarfspauschale von 39’450 Franken
als Ausgaben berücksichtigt (vgl. act. G 3.2.39). Als Einnahmen hatte sie
Kinderzulagen, die Rentenleistungen der Invalidenversicherung, familienrechtliche
Unterhaltsbeiträge für die beiden Kinder sowie einen Vermögensertrag von 53 Franken
angerechnet. Bei einem Sparguthaben respektive Vermögen von 53’707 Franken hatte
unter Berücksichtigung der Freibeträge für die EL-Bezügerin und die Kinder von
insgesamt 67’500 Franken kein anrechenbares Vermögen und damit auch kein
(hypothetischer) Vermögensverzehr resultiert.
A.c.
Im September 2017 reichte die EL-Bezügerin ein ausgefülltes Formular zur
periodischen Überprüfung ihres EL-Anspruchs ein (act. G 3.2.24). Den dem Formular
beigelegten Unterlagen liess sich unter anderem entnehmen, dass die EL-Bezügerin
über ein Konto bei der B._ mit einem Saldo von 55’199 Franken per 31. Dezember
2016 (act. G 3.2.25–8), über ein Privatkonto bei der C._ mit einem Saldo von 24’687
A.d.
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Franken per 31. Dezember 2016 (act. G 3.2.26–1) und über ein Sparkonto mit einem
Saldo von einem Franken per 31. Dezember 2016 (act. G 3.2.26–2) verfügt hatte. Der
Saldo des Privatkontos hatte sich am 6. September 2017 auf lediglich noch 6’424
Franken belaufen (act. G 3.2.26–3). Die beiden Kinder der EL-Bezügerin hatten über je
ein Bankkonto mit einem Saldo von jeweils 17’473.85 Franken per 31. Dezember 2016
verfügt; dem Kontoauszug liess sich entnehmen, dass die EL-Bezügerin und der
Kindsvater monatlich je 200 Franken auf diese Konti einbezahlt hatten (act. G 3.2.26–4
f.). Am 31. Mai 2018 forderte die EL-Durchführungsstelle die EL-Bezügerin auf, die
Kontoauszüge für sämtliche Konti per 31. Dezember 2017 sowie eine Kopie der
Steuerveranlagung für das Jahr 2014 einzureichen (act. G 3.2.20). Im Juni 2018 reichte
die EL-Bezügerin die verlangten Unterlagen ein (act. G 3.2.19 und G 3.2.17). Diesen
liess sich entnehmen, dass die EL-Bezügerin Ende 2014 noch über ein steuerrechtlich
relevantes Vermögen von 102’054 Franken, Ende 2017 aber nur noch über ein solches
von 58’479 Franken verfügt hatte. Der Saldo des Privatkontos der EL-Bezügerin hatte
sich per 31. Dezember 2014 auf 16’529 Franken und per 31. Dezember 2017 auf 3’271
Franken belaufen. Der Saldo des Kontos bei der B._ war in der Zeit vom 31.
Dezember 2014 bis zum 31. Dezember 2017 praktisch unverändert geblieben; er war
von 55’147 Franken auf 55’208 Franken angestiegen. Die beiden Jugendsparkonti der
Kinder hatten per 31. Dezember 2017 einen Saldo von je 22’332 Franken aufgewiesen.
Der Saldo eines „Geschenksparkontos“ des einen Kindes war von 30’378 Franken am
31. Dezember 2014 auf 10’407 Franken am 31. Dezember 2015 (vgl. act. G 3.2.12)
gesunken und dann weitgehend unverändert geblieben; er hatte sich am 31. Dezember
2017 auf 10’440 Franken belaufen. Mit einer Verfügung vom 23. August 2018 setzte die
EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Januar 2015
unter Berücksichtigung der davor nicht bekannten Vermögenswerte neu fest (act. G
3.2.6). Der laufende EL-Anspruch verringerte sich dadurch von 2’385 Franken pro
Monat auf 2’198 Franken pro Monat (vgl. act. G 3.2.23). Die Korrektur der
Ergänzungsleistung für die Vergangenheit hatte eine Rückforderung von 13’628
Franken zur Folge. Den Berechnungsblättern zur Verfügung vom 23. August 2018 liess
sich im Vergleich zu jenen, die den nun korrigierten Verfügungen beigelegen hatten,
entnehmen, dass die EL-Durchführungsstelle bei ansonsten identischen Ausgaben-
und Einnahmenpositionen neu ein höheres Vermögen und entsprechend höhere
Vermögenserträge sowie einen (hypothetischen) Vermögensverzehr berücksichtigt
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hatte (vgl. act. G 3.2.7 mit act. G 3.1.5, act. G 3.2.4 mit act. G 3.1.3, act. G 3.2.10 mit
act. G 3.2.42, act. G 3.2.5 mit act. G 3.2.39, act. G 3.2.9 mit act. G 3.2.21). Für die Zeit
ab dem 1. September 2018 hatte die EL-Durchführungsstelle die EL-Rückforderung
von 13’628 Franken vom Vermögen abgezogen (vgl. act. G 3.2.8 mit act. G 3.2.9). In
den neuen Berechnungen hatte die EL-Durchführungsstelle jeweils den Saldo am 31.
Dezember des Vorjahres des Privatkontos, des Sparkontos, des Kontos bei der B._,
der Jugendsparkonti der Kinder und des „Geschenksparkontos“ als Sparguthaben
berücksichtigt: 132’432 Franken für das Jahr 2015, 113’135 Franken für das Jahr 2016,
125’258 Franken für das Jahr 2017 und 113’384 Franken für das Jahr 2018 (vgl. act. G
3.2.11).
Am 19. September 2018 liess die EL-Bezügerin eine Einsprache gegen die Ver
fügung vom 23. August 2018 erheben (act. G 3.2.1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Zur Begründung führte er „vorläufig“ aus, die
Vermögenswerte auf den drei Konti der Kinder beruhten auf einer Schenkung der Eltern
der EL-Bezügerin zugunsten der Enkel. Die Konti seien gesperrt; die EL-Bezügerin
habe darauf keinen Zugriff. Vom Vermögen sei bereits für die Jahre 2014, 2015 und
2016 eine Schuld von 20’000 Franken abzuziehen, weil der Lebenspartner der EL-
Bezügerin in jenen Jahren sämtliche Mietzinsen und Haushaltskosten bezahlt habe,
wofür ihm die EL-Bezügerin im Jahr 2017 einen Teilbetrag von 20’000 Franken
zurückerstattet habe. Die sich stetig verschlechternde Augenerkrankung der EL-
Bezügerin sei in der Schweiz nicht mehr behandelbar. Im Ausland existierten alternative
Behandlungsmethoden, die jedoch mehrere zehntausend Euro kosten würden. Die EL-
Bezügerin wolle die Vermögenswerte auf dem Sparkonto der B._ dafür aufwenden,
weshalb dieses Sparguthaben bei der Anspruchsberechnung nicht zu berücksichtigen
sei. Abschliessend stelle sich die Frage, ob es richtig sei, die Kinder bei der
Anspruchsberechnung weiterhin zu berücksichtigen. Am 5. November 2018 machte
der Rechtsvertreter der EL-Bezügerin ergänzend geltend (act. G 3.3.13), das Vermögen
der Kinder dürfe ohne eine Zustimmung der Kindesschutzbehörde nicht angezehrt
werden, weshalb es sich bei den entsprechenden Vermögenswerten nicht um ein
verzehrbares Vermögen der EL-Bezügerin handeln könne. Ein Überweisungsbeleg der
Bank vom 14. Januar 2016 zeige, dass die EL-Bezügerin ihrem Lebenspartner an
jenem Tag 20’000 Franken überwiesen habe (vgl. act. G 3.3.14–3). Offenbar habe die
A.e.
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B.
EL-Durchführungstelle keine Vergleichsberechnungen ohne die Berücksichtigung der
Ausgaben und der Einnahmen der Kinder vorgenommen, obwohl die anrechenbaren
Einnahmen der Kinder je knapp 10’000 Franken betragen würden. Die EL-
Durchführungsstelle habe diese Vergleichsberechnungen vorzunehmen und der EL-
Bezügerin anschliessend das rechtliche Gehör zu gewähren. Mit einem Entscheid vom
8. Januar 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G 3.3.7). Zur
Begründung führte sie an, die gesetzlichen Bestimmungen über das Kindsvermögen
erlaubten unter bestimmten, hier erfüllten Voraussetzungen durchaus einen Zugriff auf
die Vermögenswerte von Kindern. Die Behauptung der EL-Bezügerin, sie habe mit der
Überweisung von 20’000 Franken an ihren Lebenspartner eine Schuld beglichen, sei
nicht überzeugend, denn die EL-Bezügerin habe im fraglichen Zeitraum eine
Ergänzungsleistung bezogen, mit der sie ihren Anteil an den Wohn- und
Haushaltskosten problemlos hätte begleichen können. Die angebliche Schuld sei
gegenüber der Steuerbehörde jeweils nicht deklariert worden. Der Wunsch der EL-
Bezügerin, sich im Ausland behandeln zu lassen, stelle keinen ausreichenden Grund
dafür dar, das Sparguthaben bei der B._ nicht zu berücksichtigen. Da die Ausgaben
jedes der beiden Kinder die entsprechenden Einnahmen des Kindes überstiegen, sei
der Miteinbezug der Kinder in die Anspruchsberechnung korrekt gewesen. Die
Wiedererwägung der ursprünglich falschen Verfügungen und die Rückforderung der
unrechtmässig bezogenen Ergänzungsleistungen seien rechtmässig. Da gemäss dem
Art. 52 Abs. 3 ATSG in der Regel für das Einspracheverfahren keine
Parteientschädigung ausgerichtet werde und da vorliegend kein Grund ersichtlich sei,
der zu einem Abweichen von diesem Grundsatz zwingen würde, sei keine
Parteientschädigung auszurichten.
Am 7. Februar 2019 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. Januar 2019 erheben (act. G
1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides. Zur Begründung führte er aus, die EL-Durchführungsstelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe den Anspruch der Beschwerdeführerin
auf rechtliches Gehör verletzt, weil sie ihr trotz eines entsprechenden expliziten
Antrages die Vergleichsberechnungen nicht vor dem Erlass des Einspracheentscheides
B.a.
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zur Kenntnis und Stellungnahme zugestellt habe. Das Kindsvermögen dürfe nicht als
verzehrbares Vermögen angerechnet werden. Die Schuld der Beschwerdeführerin von
20’000 Franken gegenüber dem Lebenspartner in den Jahren 2015 und 2016 müsse
berücksichtigt werden. Auch wenn die Beschwerdeführerin in der Lage gewesen sei,
ihren Lebensunterhalt mit der Rente und der Ergänzungsleistung zu decken, habe sie
sich nun einmal in jenen Jahren nicht an den laufenden Haushaltskosten beteiligt, was
dazu geführt habe, dass sie ein Sparvermögen geäufnet habe, dem aber
selbstverständlich eine entsprechende Schuld beim Lebenspartner gegenüber
gestanden habe. Im Sinne eines Novums werde die Berücksichtigung der Forderung
eines Kreisgerichtes für das im November 2011 abgeschlossene
Ehescheidungsverfahren von 3’963 Franken beantragt, denn die Beschwerdeführerin
sei verpflichtet, die Gerichtskosten (Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung)
nachzuzahlen und die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
zurückzuerstatten. Abschliessend sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung für das Einspracheverfahren
zuzusprechen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. Februar 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie an, der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör sei nicht verletzt worden, weil die
Beschwerdegegnerin im Einspracheverfahren keine neuen Akten produziert, sondern
lediglich anhand einer beispielhaften Berechnung aufgezeigt habe, dass sie – entgegen
der Behauptung des Rechtsvertreters – sehr wohl Vergleichsberechnungen
vorgenommen habe. Die Herkunft des Kindesvermögens sei irrelevant. Die Behauptung
der Beschwerdeführerin, sie könne nicht auf das Kindesvermögen zugreifen, sei
unzutreffend, da die einschlägigen Bestimmungen des ZGB einen solchen Zugriff
durchaus erlaubten. Die Schuld gegenüber dem Kreisgericht sei nicht zu
berücksichtigen, weil deren Bestand noch ungewiss sei. Die Voraussetzungen für die
Zusprache einer Parteientschädigung für das Einspracheverfahren seien nicht erfüllt.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 1. April 2019 an ihrem Antrag festhalten (act. G
5). Ihr Rechtsvertreter führte einleitend aus, an der Rüge einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs werde festgehalten. Allerdings hätte eine Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin einen formalistischen Leerlauf und eine unnötige Verzögerung zur
B.c.
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Erwägungen
1.
Zunächst ist die Rüge der Beschwerdeführerin zu prüfen, die Beschwerdegegnerin
habe den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Sollte der Anspruch auf rechtliches
Gehör (Art. 42 ATSG) tatsächlich verletzt worden sein, müsste die daraus resultierende
Rechtswidrigkeit des angefochtenen Einspracheentscheides eine Rückweisung der
Sache zur formell rechtmässigen Durchführung des Einspracheverfahrens mit einer
vollständigen Gewährung des rechtlichen Gehörs nach sich ziehen. Das Bundesgericht
vertritt zwar die Auffassung, dass eine Gehörsverletzung „geheilt“ werden könne, aber
damit kann natürlich keine eigentliche „Heilung“ (also eine Beseitigung der formellen
Rechtswidrigkeit), sondern nur ein „Ignorieren“ einer Gehörsverletzung gemeint sein,
weil eine Gehörsverletzung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Das
„Ignorieren" einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör lässt sich nur mit
einer Verfahrensbeschleunigung begründen. Die einzige Partei eines
Beschwerdeverfahrens, die ein Interesse an einer solchen Verfahrensbeschleunigung
haben kann, ist die beschwerdeführende versicherte Person, denn weder für den
Sozialversicherungsträger noch für das Gericht hat die lange Dauer eines
Gesamtverfahrens einen relevanten Nachteil zur Folge. Deshalb kann der Entscheid, ob
der formell in jeder Hinsicht korrekten Erledigung eines Verfahrens oder aber einem
möglichst raschen materiellen Entscheid der Vorzug gegeben werden soll, allein der
versicherten Person zustehen. Nur sie kann also an einem „Ignorieren“ einer
Folge, weshalb davon abzusehen sei. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung sei
davon auszugehen, dass ein Schenker mit einer Schenkung nicht bezwecke, damit die
Rechtsansprüche der Mutter der Beschenkten auf Sozialhilfe zu beschneiden. Die
Frage, ob eine Anzehrung des Kindesvermögens zulässig sei, sei privatrechtlicher und
nicht öffentlich-rechtlicher Natur. In Bezug auf die Schuld aus der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung in dem im Jahr 2011 abgeschlossenen Zivilverfahren sei davon
auszugehen, dass die entsprechende Forderung bekannt, tatsächlich entstanden und
deshalb bei der Ermittlung des "Reineinkommens" zu berücksichtigen sei. Die
Beschwerdegegnerin habe durch ihre unrichtigen Annahmen im Einspracheverfahren
unnötige zusätzliche Kosten verursacht, die der Beschwerdeführerin zu entschädigen
seien.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 7).B.d.
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Gehörsverletzung ein schutzwürdiges Interesse haben. Verlangt die versicherte Person
nicht, dass die Gehörsverletzung zu „ignorieren“ sei, zwingen das Legalitätsprinzip und
das Gleichbehandlungsgebot, die formelle Rechtswidrigkeit zu beurteilen. Die
Beschwerdeführerin hat die (fragliche) Gehörsverletzung in ihrer Beschwerdeschrift
explizit gerügt und sie hat sich auf den Standpunkt gestellt, dass der angefochtene
Einspracheentscheid nur schon wegen dieser (fraglichen) formellen Rechtswidrigkeit
aufgehoben werden müsse. In der Replik hat sie zwar an dieser Rüge festgehalten,
aber sie hat sich auf den Standpunkt gestellt, dass eine entsprechende Rückweisung
zur Verbesserung an die Beschwerdegegnerin einen „formalistischen Leerlauf“
darstellen würde, der zu „unnötigen Verzögerungen“ führen würde und von dem
deshalb „abzusehen“ sei. Das kann nur so verstanden werden, dass die
Beschwerdeführerin ihre Meinung geändert und einem raschen materiellen Entscheid
den Vorzug gegenüber einer formal in jeder Hinsicht korrekten Erledigung der Sache
eingeräumt hat, weshalb eine allfällige Gehörsverletzung zu „ignorieren“ ist. Das
gleichzeitige Festhalten an der Rüge der Gehörsverletzung kann nur als ein
Feststellungsbegehren interpretiert werden, weil sich die Beschwerdeführerin ja explizit
gegen eine – rechtsgestaltende – Beurteilung der (fraglichen) Gehörsverletzung
entschieden hat. Ein entsprechender gerichtlicher Feststellungsentscheid (zusätzlich
zum rechtsgestaltenden Entscheid über den EL-Anspruch der Beschwerdeführerin) ist
aber ausgeschlossen, denn die Beschwerdeführer hat sich für das „Ignorieren“ der
(fraglichen) Gehörsverletzung und damit für eine ausschliesslich materielle Beurteilung
ihres Anspruchs auf Ergänzungsleistungen entschieden. Dazu muss das „Ignorieren“
der (fraglichen) Gehörsverletzung notwendigerweise absolut sein, so dass gar kein
Platz mehr ist für eine (allfällige) gerichtliche Feststellung einer Gehörsverletzung.
2.
Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin im Rahmen des angeblichen Wieder
erwägungsverfahrens sind unzureichend gewesen: Die Beschwerdegegnerin hat
lediglich die Saldi der ihr bekannten Konti der Beschwerdeführerin per 31. Dezember
2014 und per 31. Dezember 2017 eingeholt. Sie hat keinerlei Abklärungen zur Zeit vor
dem 31. Dezember 2014 (und zur Zeit zwischen dem 31. Dezember 2014 und dem 31.
Dezember 2017) getätigt und sie hat sich nicht für die Frage interessiert, wie die
Beschwerdeführerin zu ihrem hohen Vermögen gekommen war. Im
Einspracheverfahren hat sie zwar behauptet, sie habe eine frühere Verfügung in
Wiedererwägung gezogen, aber sie hat nicht angegeben, welche Verfügung das
gewesen sein soll. Tatsächlich hat nämlich gar keine Verfügung mit Wirkungszeitpunkt
per 1. Januar 2015 existiert, weil die am 22. Dezember 2014 erlassene Verfügung mit
2.1.
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Wirkung ab dem 1. Januar 2015 durch die Verfügung vom 3. Mai 2015 mit
Wirkungszeitpunkt ab dem 1. September 2014 integral ersetzt worden war. Die
ungenügende Sachverhaltsermittlung und die daraus resultierende weitgehende
Unkenntnis bezüglich des massgebenden Sachverhaltes haben es der
Beschwerdegegnerin gar nicht erlaubt, die Frage zu beantworten, ob tatsächlich eine
Wiedererwägung im Sinne des Art. 53 Abs. 2 ATSG – nämlich der ursprünglichen
Leistungszusprache ab dem 1. Februar 2009 – oder aber eine rückwirkende Revision
im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG vorzunehmen sei. Die Beschwerdegegnerin hat auch
nicht wissen können, ab wann eine allfällige rückwirkende Revision hätte
vorgenommen werden müssen. Trotzdem hat sie die Ergänzungsleistung ohne jede
Begründung ab dem 1. Januar 2015 neu festgesetzt. Darin ist eine Verletzung des
Legalitätsprinzips zu erblicken, denn diese „Neufestsetzung“ hat sich in
verfahrensrechtlicher Hinsicht auf keine Gesetzesnorm stützen können, weil die
Beschwerdegegnerin ja objektiv gar nicht hat wissen können, welches
verfahrensrechtliche Korrekturinstrument überhaupt anzuwenden gewesen wäre. Eine
allfällige Verwirkung eines Teils der aus der Korrektur resultierenden Rückforderung ist
in diesem Zusammenhang irrelevant, weil die Rückforderung von unrechtmässig be
zogenen Ergänzungsleistungen (gleich wie die Nachzahlung) nur das Resultat der
Korrektur einer früheren EL-Verfügung ist und damit zum Vollzug dieser
Korrekturverfügung gehört. Der Vollzug einer Korrekturverfügung kann aber natürlich
nicht die Zulässigkeit oder die Art der Korrektur oder deren Wirkungszeitpunkt
beeinflussen. Damit erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid als Folge der
unzureichenden Abklärung des massgebenden Sachverhalts sowohl in Bezug auf das
Instrument zur (rückwirkenden) Korrektur der Ergänzungsleistung als auch in Bezug auf
den Wirkungszeitpunkt (1. Januar 2015) dieser Korrektur als rechtswidrig. Er ist
aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und
anschliessenden Verfügung über eine allfällige rückwirkende Korrektur der
Ergänzungsleistung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bei diesem
Verfahrensausgang besteht keine Veranlassung, die Fragen der Anrechnung der
Kindesvermögen, einer allfälligen Schuld der Beschwerdeführerin bei ihrem
Lebenspartner und einer allfälligen Schuld gegenüber dem Kreisgericht aus einer im
Jahr 2011 gewährten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu beantworten, denn der
Beschwerdeführerin wird gegen die das wiederaufzunehmende Verwaltungsverfahren
abschliessende Verfügung wieder das entsprechende Rechtsmittel zur Verfügung
stehen.
Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass eine
wiedererwägungsweise Korrektur der ursprünglichen Leistungszusprache gestützt auf
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
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3.
Für das Einspracheverfahren wird in der Regel keine Parteientschädigung ausgerichtet
(Art. 52 Abs. 3 ATSG). Eine Ausnahme von diesem Grundsatz liegt vor, wenn eine
anwaltliche Vertretung im Einspracheverfahren im Sinne des Art. 37 Abs. 4 ATSG
erforderlich gewesen ist (vgl. dazu den Entscheid EL 2016/17 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 31. Januar 2017). In materieller Hinsicht ist diese
Voraussetzung hier nicht erfüllt gewesen, weil sich keine besonders komplexen
rechtlichen oder tatsächlichen Fragen gestellt haben. Allerdings wäre die
Beschwerdeführerin ohne eine anwaltliche Vertretung nicht in der Lage gewesen, die
Gehörsverletzung zu erkennen und zu rügen. Folglich ist eine anwaltliche Vertretung
diesbezüglich notwendig gewesen. Weil die Beschwerdeführerin die Gehörsverletzung
nicht anders als mit einer Einsprache gegen die Verfügung vom 23. August 2018 hat
rügen können, ist sie von der Beschwerdegegnerin faktisch zur Einspracheerhebung
gezwungen worden. In diesem Sinne hat die Beschwerdegegnerin mit ihrer
Gehörsverletzung das Einspracheverfahren verursacht, weshalb sie nach dem
Verursacherprinzip der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung für das
Einspracheverfahren auszurichten hat. Die Sache wird zur Festsetzung des Betrages
dieser Parteientschädigung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Die
Beschwerdegegnerin wird dabei berücksichtigen, dass der Vertretungsaufwand,
das Ergebnis der nachzuholenden Sachverhaltsabklärung wohl nicht zulässig sein
dürfte, weil die ursprüngliche Leistungszusprache nicht verfügungsweise, sondern mit
einem Urteil – kantonalrechtlich: einem Rekursentscheid – des Versicherungsgerichtes
erfolgt ist, für den die massgebenden kantonalrechtlichen Gesetzesbestimmungen
keine Möglichkeit einer wiedererwägungsweisen Korrektur vorsehen. Diese Möglichkeit
kann wohl auch nicht mit der Begründung „konstruiert“ werden, das
Versicherungsgericht habe sich damals nur mit der Frage nach dem hypothetischen
Erwerbseinkommen beschäftigt, denn in jenem Verfahren ist eine erstmalige
Leistungszusprache strittig gewesen, weshalb das Urteil des Versicherungsgerichts auf
einer Überprüfung aller Anspruchsvoraussetzungen und aller in Frage kommenden
Berechnungspositionen beruht hat. Das Urteil EL 2012/26 vom 23. September 2013
erstreckt sich folglich auf alle Elemente der ursprünglichen Leistungszusprache per 1.
Februar 2009, weshalb eine Wiedererwägung der ursprünglichen Leistungszusprache
wohl ausgeschlossen sein dürfte. In Frage könnte lediglich eine sogenannt prozessuale
Revision des damaligen Urteils kommen, wenn nachgewiesen werden könnte, dass die
Beschwerdeführerin bereits damals über ein den Freibetrag übersteigendes Vermögen
verfügt hätte.
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welcher der Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren entstanden ist, nur zum Teil
auf die Gehörsverletzung zurückzuführen gewesen ist.
4.
Die Rückweisung einer Sache gilt rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der Kosten- und
Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat
der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten, die angesichts des
durchschnittlichen erforderlichen Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf 3’000
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.