Decision ID: 86e37be0-808b-55c8-8fa9-48c19753ab8f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 5. Oktober 2011 lehnte das vormalige Bundesamt für
Flüchtlinge (BFM) die Asylgesuche des Beschwerdeführers und dessen
Familie (Ehefrau D._ und die gemeinsamen Kinder C._ und
B._) vom 11. Oktober 2010 ab und ordnete deren Wegweisung aus
der Schweiz an, nahm diese indessen wegen Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf.
B.
Aufgrund der freiwilligen Rückkehr des Beschwerdeführers und dessen Fa-
milie nach Serbien erlosch die vorläufige Aufnahme am 10. Oktober 2012
beziehungsweise 9. November 2012.
C.
Auf das zweite Asylgesuch der Obengenannten trat das BFM mit Verfü-
gung vom 11. April 2013 nicht ein, nachdem sie bereits kurz zuvor in
Deutschland ein Asylverfahren anhängig gemacht hatten. Die Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft und es erfolgte die Überstellung
nach Deutschland.
D.
Am 5. April 2017 reisten der Beschwerdeführer und seine Familie von Ma-
zedonien herkommend in die Schweiz ein und reichten mit Eingabe vom
9. April 2017 beim SEM ein Mehrfachgesuch ein. Dieses wurde mit Verfü-
gung des SEM vom 16. November 2018 abgewiesen.
E.
Mit Schreiben vom 7. August 2019 stellte der E._ dem Gericht die
Anordnung der provisorischen Auslieferungshaft des Bundesamtes für Jus-
tiz vom (...) sowie den von der gleichen Amtsstelle erlassenen Ausliefe-
rungshaftbefehl vom (...), beide den Beschwerdeführer betreffend, zu. Am
(...) wurde der Beschwerdeführer infolge eines hängigen Strafverfahrens,
in welchem ihm der schwere sexuelle Missbrauch eines Kindes zur Last
gelegt wurde, an die deutschen Behörden überstellt.
F.
Mit Urteil E-6757/2018 vom 18. März 2020 wies das Bundesverwaltungs-
gericht eine gegen die Verfügung des SEM vom 16. November 2018 ge-
richtete Beschwerde betreffend die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
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schaft und die Gewährung von Asyl ab. Es stellte fest, dass die Wegwei-
sung des Beschwerdeführers aufgrund der erfolgten Auslieferung an die
deutschen Behörden zwecks Durchführung eines möglichen Strafverfah-
rens aufzuheben sei und schrieb die Beschwerde in diesem Punkt als ge-
genstandslos geworden ab. Gleichzeitig ordnete es die vorläufige Auf-
nahme der Ehefrau des Beschwerdeführers und der Kinder in der Schweiz
an.
G.
Aus den Akten geht hervor, dass gemäss der Verfügung des F._
vom (...) der Beschwerdeführer, der seit rund einem Jahr wegen des ihm
zur Last gelegten Vorwurfs des schweren sexuellen Missbrauchs eines
Kindes in Untersuchungshaft verbrachte, aus der Haft entlassen und der
gegen ihn erlassene Haftbefehl aufgehoben wurde. Unterlagen hinsichtlich
einer allfälligen Einstellung des Strafverfahrens oder eines definitiven ge-
richtlichen Verfahrensabschlusses liegen bis dato nicht vor.
H.
Mit Eingabe vom 21. Juli 2020 an das Bundesverwaltungsgericht teilte der
Gesuchsteller mit, dass er sich nunmehr seit dem 10. Juli 2020 wieder in
der Schweiz aufhalte. Aufgrund seiner Anwesenheit und derjenigen seiner
beiden Kinder habe er ein aktuelles Interesse daran, dass die Zumutbarkeit
seines Wegweisungsvollzuges nach Serbien geprüft werde. Er ersuche
deshalb darum, die Anordnung der Vorinstanz unter Berücksichtigung des
Rechtes auf Familie gemäss Art. 8 EMRK und des Kindeswohles nach
Art. 3 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des
Kindes (KRK, SR 0.107) als unzumutbar zu qualifizieren und seinen Ein-
bezug in die vorläufige Aufnahme seiner Frau und seiner Söhne nach
Art. 44 AsylG (SR 142.31) zu prüfen. Zudem sei ihm für die Dauer seines
Aufenthaltes eine Kurzaufenthaltsbewilligung beziehungsweise ein N-Aus-
weis auszustellen.
I.
Mit Urteil E-3686/2020 vom 28. Juli 2020 wies das Bundesverwaltungsge-
richt das (sinngemässe) Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerde-
verfahrens E-6767/2018 ab. Hinsichtlich des Gesuchs um Einbezug in die
vorläufige Aufnahme seiner Familienmitglieder überwies es die Eingabe
vom 21. Juli 2020 an das SEM als zuständige Behörde zur weiteren Be-
handlung gemäss Art. 8 Abs. 1 VwVG.
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J.
Mit Schreiben vom 1. Dezember 2020 forderte das SEM den Beschwerde-
führer und dessen Ehefrau dazu auf, zum Stand ihrer Ehe sowie der Be-
ziehung zu ihren Kindern Auskunft zu geben.
K.
Mit Eingabe vom 17. Dezember 2020 teilte der Beschwerdeführer mit, dass
er und seiner Ehefrau sich getrennt hätten und ein Eheschutzverfahren
eingeleitet worden sei (Beilagen: Verfügung des G._ im Eheschutz-
verfahren vom [...], Rektifikat vom [...] betreffend den Entscheid der
H._ vom [...] über die Anordnung einer Beistandschaft gemäss
Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB).
L.
Nach schriftlicher Aufforderung des SEM vom 22. Dezember 2020 und
17. Mai 2021 teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Ein-
gabe vom 7. Juni 2021 an die Vorinstanz unter anderem mit, dass das Ehe-
schutzverfahren mit Entscheid des G._ vom (...) abgeschlossen
worden sei. Die zwischen den Ehegatten am (...) abgeschlossene Tren-
nungsvereinbarung sei gerichtlich genehmigt und die bestehende Bei-
standschaft über die gemeinsamen Kinder zusätzlich auf eine Besuchs-
rechtsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB ausgedehnt worden. Die
zusätzliche Aufgabe der Beistandsperson bestehe darin, die Eltern bei der
Umsetzung der Kontaktrechtsregelungen zu unterstützen. In nächster Zeit
würden von der Beiständin initiierte begleitete Besuchskontakte stattfin-
den. Sobald aus Sicht des Kindeswohls möglich, seien unbegleitete Be-
suchskontakte beabsichtigt, welche in mehreren Schritten langfristig auf-
zustocken seien (Beilagen: u.a. Eheschutzentscheid vom [...] samt Tren-
nungsvereinbarung).
M.
Mit Entscheid vom 9. August 2021 stellte das SEM fest, dass kein Anspruch
des Beschwerdeführers auf Einbezug in die vorläufige Aufnahme der Kin-
der gemäss Art. 44 AsylG (Grundsatz der Einheit der Familie) bestehe,
wies das Gesuch um Gewährung der vorläufigen Aufnahme ab und ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an.
N.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 9. September 2021 Beschwerde. Er beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache
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an das SEM zur Regelung des Aufenthalts. In verfahrensrechtlicher Hin-
sicht wurde unter Beilage einer Fürsorgebestätigung um die Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung und der Rechtverbeiständung ersucht.
O.
Mit Schreiben vom 14. September 2021 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.3
Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, so-
weit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung hinsichtlich des
Wegweisungsvollzugs einleitend fest, dass der Beschwerdeführer, da er,
wie mit Urteil E-6757/2018 des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. März
2020 rechtskräftig festgestellt, die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, auch
der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 AsylG nicht ange-
wandt werden könne. Ferner ergäben sich aus den Vorbringen des Be-
schwerdeführers auch keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte für
die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung in sein Heimatland mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre.
3.2 Im Weiteren stehe dem Beschwerdeführer aufgrund des Umstands,
dass seine Ehefrau und seine Kinder vorläufig in der Schweiz aufgenom-
men worden seien, ein Aufenthaltsrecht gemäss Art. 8 EMRK (Recht auf
Achtung des Privat- und Familienlebens) oder Art. 44 AsylG (Grundsatz der
Einheit der Familie) nicht zu. Zum einen stelle eine vorläufige Aufnahme
wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs kein gefestigtes Anwe-
senheitsrecht dar, aus welchen sich Ansprüche nach Art. 8 EMRK ableiten
liessen. Zum anderen bestehe zwischen dem Beschwerdeführer und sei-
nen Kindern (von seiner Ehefrau sei er ohnehin getrennt) im heutigen Zeit-
punkt keine enge, tatsächlich gelebte und intakte familiäre Beziehung, wo-
mit auch der Grundsatz der Einheit der Familie nicht zur Anwendung ge-
lange. Folglich bestehe kein Anspruch auf Einbezug in die vorläufige Auf-
nahme der Kinder gemäss Art. 44 AsylG. Im Weiteren sei der Wegwei-
sungsvollzug auch als zumutbar und möglich zu erachten.
4.
In der Beschwerde wurde insbesondere geltend gemacht, dass der Be-
schwerdeführer mittlerweile seine Kinder zweimal pro Monat im Rahmen
begleiteter Besuche sehen könne und ein weiterer «Ausbau des Kontakt-
rechts» gewünscht sei. Ein solcher sei bisher daran gescheitert, dass der
Beschwerdeführer seit seiner Rückkehr in die Schweiz in einem Rückkehr-
zentrum untergebracht und sein Sohn C._ aus psychischen Grün-
den in einer Pflegefamilie fremdplatziert worden sei. Im Hinblick auf das
Kindeswohl wäre wünschbar, wenn nach einer Stabilisierung der Situation
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das Besuchsrecht ausgeweitet und eine normale Beziehung zwischen El-
tern und Kindern gelebt werden könnte. Ferner werfe ihm die Vorinstanz
(«mindestens zwischen den Zeilen») vor, dass er nicht für den Unterhalt
aufkomme. Sie übersehe dabei, dass es die Migrationsbehörden seien, die
ihm eine wirtschaftliche Selbstständigkeit verunmöglichten.
5.
5.1 Wie bereits vom SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest-
gehalten, steht mit Urteil E-6757/2018 des Bundesverwaltungsgerichts
vom 18. März 2020 rechtskräftig fest, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Dies hat zur Folge, dass auch der
Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 AsylG nicht zur Anwen-
dung gelangt. Ferner ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhalts-
punkte dafür, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den
Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre.
5.2 Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann sich je-
mand nur dann auf den Schutz des Familienlebens im Sinne von Art. 8
EMRK berufen, wenn eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre
Beziehung vorliegt, wobei wesentliche Faktoren zur Beurteilung des geleb-
ten Familienlebens das gemeinsame Wohnen, die finanzielle Verflochten-
heit, die Länge und Stabilität der Beziehung sowie das Interesse und die
Bindung der Partner aneinander sind (vgl. CHRISTOPH GRABENWARTER/KA-
THARINA PABEL, Europäische Menschenrechtskonvention, 6. Aufl., Mün-
chen/Basel/Wien 2016, S. 204; MARK E. VILLIGER, Handbuch der Europäi-
schen Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Zürich 1999, S. 365; Urteil des
BVGer E-7613/2016 E. 4.4). Im Weiteren muss das in der Schweiz lebende
Familienmitglied hier über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen (vgl.
BGE 139 I 330 E. 2.1), wobei nach der Rechtsprechung des Europäischen
Gerichtshofes für Menschenrechte sich in Ausnahmesituationen auch Per-
sonen auf den Schutz des Privat- und Familienlebens berufen können, de-
ren Anwesenheit rechtlich nicht geregelt ist beziehungsweise die allenfalls
über kein (gefestigtes) Anwesenheitsrecht verfügen, deren Anwesenheit
aber faktisch als Realität hingenommen wird beziehungsweise aus objek-
tiven Gründen hingenommen werden muss (vgl. BGE 138 I 246 E. 3.3.1
m.w.H.).
Vorliegend ist festzustellen, dass die vorläufige Aufnahme der Kinder
(durch Einbezug in die vorläufige Aufnahme ihrer Mutter D._, von
welcher der Beschwerdeführer getrennt lebt) praxisgemäss nicht einem
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gefestigten Anwesenheitsrecht im beschriebenen Sinn entspricht. Mangels
anderweitiger konkreter Indizien ist auch nicht davon auszugehen, dass die
Kinder des Beschwerdeführers beziehungsweise deren Mutter in der
Schweiz über besonders intensive private Bindungen gesellschaftlicher
oder beruflicher Natur verfügen, welche dazu führen könnten, dass ihnen
das Aufenthaltsrecht im Sinne einer faktischen Realität zugesprochen wer-
den müsste. Indessen kann eine abschliessende Beurteilung dieser Frage
offenbleiben, da, wie sich aus nachfolgenden Gründen ergibt, bereits das
Kriterium der schützenswerten Familiengemeinschaft nicht erfüllt ist.
Gemäss dem Entscheid des G._ vom (...) im Eheschutzverfahren
wurden die Kinder unter die Obhut der Kindsmutter gestellt und dem Be-
schwerdeführer ein begleitetes Besuchsrecht eingeräumt. Die bestehende
Beistandschaft über die Kinder wurde auf eine Besuchsrechtsbeistand-
schaft gemäss Art. 320 Abs. 2 ZGB ausgedehnt. Aus den Akten ergibt sich,
dass der Beschwerdeführer seit seiner Auslieferung nach Deutschland am
(...) seine Kinder etwa anderthalb Jahre nicht mehr gesehen hat. Erst seit
Ende Januar 2021 finden einmal pro Monat begleitete Besuchskontakte an
einem Sonntagnachmittag statt. Seit Juni 2021 sind zwei begleitete Be-
suchskontakte pro Monat vorgesehen. Aufgrund des geringen Umfangs
des Besuchsrechts und des bereits längeren Kontaktabbruchs kann ganz
offenkundig nicht von einer hinreichend engen Beziehung ausgegangen
werden. Weiter kommt erschwerend hinzu, dass es den Eltern nach Ein-
schätzung der KESB bereits vor der erfolgten Trennung nicht gelungen sei,
den Kindern stabile Verhältnisse zu bieten (vgl. Rektifikat vom [...]). Daran
vermag auch der in der Beschwerde erwähnte Wunsch, nach einer allfälli-
gen Stabilisierung der Situation das Besuchsrecht gegebenenfalls auszu-
weiten (vgl. Bericht der Beiständin Frau I._ vom [...]), nichts zu än-
dern. Da die Kinder bereits seit längerem allein bei der Kindsmutter leben,
ist auch davon auszugehen, dass diese die Hauptbezugsperson der Kinder
ist, so dass sich auch unter dem Aspekt des Kindeswohls keine andere
Beurteilung ergibt. Zudem ist es dem Beschwerdeführer möglich und zu-
mutbar, die Beziehung zu seinen Kindern auch von Serbien aus sowie im
Rahmen von Besuchen in der Schweiz zu unterhalten. Im Übrigen besteht
auch in wirtschaftlicher Hinsicht keine Beziehung des Beschwerdeführers
zu seinen Söhnen. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde ist uner-
heblich, dass die mangelnde Fähigkeit, Unterhaltsleistungen zu leisten,
auf den Aufenthaltsstatus des Beschwerdeführers zurückzuführen sein
könnte.
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Aus den genannten Gründen ist festzustellen, dass zwischen dem Be-
schwerdeführer und seinen Kindern (von seiner Ehefrau ist er getrennt)
keine enge, tatsächlich gelebte und intakte familiäre Beziehung besteht,
weshalb er keine aus Art. 8 EMRK fliessenden Ansprüche geltend machen
kann und der Vollzug der Wegweisung auch diesbezüglich zulässig er-
scheint. Bei dieser Sachlage gelangt auch der Grundsatz der Einheit der
Familie gemäss Art. 44 AsylG nicht zur Anwendung.
6.
Das Gericht sieht sich abschliessend veranlasst darauf hinzuweisen, dass
die Vorinstanz es unterlassen hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers
hinsichtlich des behaupteten Ausgangs des gegen ihn in Deutschland ein-
geleiteten Strafverfahrens wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines
Kindes zu verifizieren und entsprechende Beweismittel einzuholen.
Hierzu Folgendes: Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer
aufgrund des Vorwurfs des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes
nach Deutschland ausgeliefert und dort in Untersuchungshaft genommen
wurde. Aus der von ihm mit Eingabe vom 21. Juli 2020 ins Recht gelegten
gerichtlichen Entlassungsanordnung des F._ vom (...) geht lediglich
hervor, dass der Beschwerdeführer nach fast einem Jahr erstandener Haft
aus der Untersuchungshaft entlassen und der gegen ihn am (...) erlassene
Haftbefehl aufgehoben wurde. Aus welchen Gründen indes die Entlassung
aus der Untersuchungshaft angeordnet wurde, geht aus dem betreffenden
Dokument nicht hervor. Bis dato wurden weder gerichtliche Unterlagen ein-
gereicht, die eine allfällige Einstellung des Strafverfahrens oder wie vom
Beschwerdeführer behauptet, einen gerichtlichen Freispruch in dieser
Strafsache belegen könnten. Der blosse Umstand, dass eine Person aus
der Untersuchungshaft entlassen wird, bedeutet jedoch nicht, dass damit
eo ipso auch das Strafverfahren eingestellt wurde. Aus einer an die Vo-
rinstanz gerichteten Eingabe des Beschwerdeführers vom 17. Dezember
2020 (act. C 29/12) geht denn auch hervor, dass die entsprechende
Rechtssache noch nicht rechtskräftig erledigt war. Der Ausgang des (aus-
ländischen) Strafverfahrens ist somit aufgrund der bestehenden Aktenlage
aktuell nicht ausgewiesen.
Angesichts des vorliegend ohnehin abschlägigen Verfahrensausgangs ver-
zichtet das Gericht vorerst auf eine Nachforderung entsprechender Be-
weismittel. Bereits an dieser Stelle ist indes deutlich festzuhalten, dass die
Migrationsbehörden im Falle eines allfälligen Folgeverfahrens gehalten
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wären, sich zwingend über den Ausgang des vorgenannten Strafverfah-
rens Klarheit zu verschaffen. Die Vorinstanz hätte diesbezüglich vorab zu
prüfen, ob Sachumstände im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AIG vorliegen könn-
ten, die der Anordnung einer vorläufigen Aufnahme allenfalls bereits in
grundsätzlicher Weise entgegenstehen.
7.
7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Die allgemeine Lage in Serbien ist weder von Bürgerkrieg noch von allge-
meiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung dort-
hin grundsätzlich zumutbar ist. Zudem hat der Bundesrat mit Beschluss
vom 25. Oktober 2017 Serbien per 1. Januar 2018 als Staat bezeichnet, in
den die Rückkehr in der Regel zumutbar ist (Art. 83 Abs. 5 AIG). Es handelt
sich dabei um eine Regelvermutung, die aufgrund konkreter Hinweise um-
gestossen werden kann.
In individueller Hinsicht führte das SEM unter anderem aus, dass der nach
eigenen Angaben gesunde, relativ junge Beschwerdeführer seit 2011 über
die serbische Staatsangehörigkeit verfüge und immer wieder für einige Zeit
in Serbien gelebt habe. Es könne daher davon ausgegangen werden, dass
er über soziale Kontakte in Serbien verfüge. Zudem lebe ein Halbbruder in
der Schweiz, der ihn bei der Rückkehr unterstützen könne. Er habe Arbeits-
erfahrung in verschiedenen Bereichen (u.a. Baugewerbe, Landwirtschaft,
Handel), die ihm den Aufbau einer neuen wirtschaftlichen Existenz erleich-
tern dürfte. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich dieser Einschät-
zung an. Auf Beschwerdeebene werden keine gegenteiligen Angaben ge-
macht. Aus den genannten Gründen ist der Vollzug der Wegweisung auch
zumutbar.
7.2 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12).
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7.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als von vornherein aus-
sichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Vo-
raussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist.
Aus demselben Grund ist auch das weitere Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE], SR 173.320.2) somit dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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