Decision ID: 3b4060f5-d6ab-49f5-8a42-2a0f18dc6329
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
1. A._ H._,
2. B._ H._,
Beschwerdeführer,
beide vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Adrian Rüesch, Oberer Graben 43, 9000 St.
Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Nachbelastung von Nichterwerbstätigenbeiträgen 2006
Sachverhalt:
A.
A.a Am 15. Dezember 2006 reichten A._ und B._ H._ den Fragebogen 5 zur
Abklärung der Beitragspflicht AHV/IV/EO für Nichterwerbstätige ein. Dabei gab A._
H._ an, er sei weiterhin für die H._ AG tätig und erziele ein AHV/IV/EO-pflichtiges
Einkommen von Fr. 8'533.--. Daneben habe er von der Suva Taggelder in Höhe von
Fr. 26'132.10 erhalten (act. G 4.1). Mit Verfügungen vom 28. Dezember 2006 erhob die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen vom Ehepaar für das Jahr 2006 A-
Konto-Beiträge für Nichterwerbstätige in Höhe von je Fr. 2'184.60. Dabei ging sie von
einem Renteneinkommen von je Fr. 13'066.-- (X 20) sowie einem Reinvermögen per
31. Dezember 2006 von je Fr. 857'588.--, somit von einem massgebenden Vermögen
von Fr. 1'118'908.--, aus (act. G 4.3).
A.b Am 14. November 2007 meldete das Kantonale Steueramt St. Gallen der
Sozialversicherungsanstalt ein Erwerbseinkommen des Ehemannes von Fr. 33'977.--
sowie ein Reinvermögen des Ehepaares von Fr. 3'693'779.--, jedoch kein
Renteneinkommen (act. G 4.4).
A.c Mit Nachtragsverfügungen vom 4. Dezember 2007 ging die
Sozialversicherungsanstalt von einem massgebenden Vermögen von je Fr. 1'846'889.--
aus und setzte die zu entrichtenden Beiträge auf je Fr. 3'692.90 (inkl.
Verwaltungskosten) fest (act. G 4.5 und 4.6).
A.d Mit Einsprachen vom 14. Dezember 2007 beantragten A._ und B._ H._, das
massgebende Vermögen sei auf je Fr. 821'830.--, total somit Fr. 1'643'661.--,
festzusetzen. Die Differenz zur Steuerveranlagung betrage Fr. 1'025'043.--, welche aus
einer Vermögensaufrechnung für die Jahre 2004 und 2005 resultiere (act. G 4.10).
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A.e Mit Entscheiden vom 22. Januar 2008 wies die Sozialversicherungsanstalt die
Einsprachen ab. Aus der rechtskräftigen Steuerveranlagung ergebe sich ein
Reinvermögen von insgesamt Fr. 3'693'779.--. Die Einsprecher übersähen, dass die
Vermögensaufrechnung auch für das Jahr 2006 Gültigkeit habe. Diese
Steuerveranlagung sei für die Sozialversicherungsanstalt verbindlich (act. G 4.11 und
4.12).
B.
B.a Gegen diese Entscheide richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 19. Februar
2008 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Entscheide. Weiter seien die
Nichterwerbstätigen-Beiträge der Beschwerdeführer für 2006 auf der Basis eines
massgebenden Vermögens von je Fr. 1'346'924.-- festzusetzen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Neufestsetzung der Beiträge auf Basis desselben Vermögens an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung wird vorgebracht, die Beiträge
der Nichterwerbstätigen seien gemäss Art. 29 Abs. 2 AHVV auf Grund des im
Beitragsjahr tatsächlich erzielten Renteneinkommens und des Vermögens am 31.
Dezember zu bemessen. Es sei davon auszugehen, dass sich die Einschränkung
"tatsächlich" auch auf das Vermögen beziehe. Vorliegend sei bei der Veranlagung 2006
einmalig eine Aufrechnung für in den Jahren 2004 und 2005 unveranlagt gebliebene
Vermögensteile erfolgt, so dass diese 2006 zweimal besteuert worden seien. Für die
Bemessung der AHV-Beiträge dürften jedoch keine fiktiven Vermögensbestandteile
herangezogen werden. Dies sei auch nicht nötig, weil die Beschwerdeführer in den
Jahren 2004 und 2005 noch erwerbstätig gewesen seien (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 29. Februar 2008 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer
verzichtet auf eine weitere Stellungnahme zu den von der Beschwerdegegnerin
eingereichten Akten (act. G 7).

Erwägungen:
1.
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Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführer als Nichterwerbstätige für die
AHV/IV/EO-Beiträge beitragspflichtig sind. Zwar veranlagte die Steuerverwaltung das
ganze im Jahr 2006 vom Beschwerdeführer 1 bei der H._ AG erzielte (Netto-)
Einkommen von Fr. 33'977.-- als solches aus unselbstständigem Erwerb (act. G 4.8,
Ziff. 1.1). Würde man vom entsprechenden Bruttolohn gemäss Lohnausweis (Fr.
34'665.-- [act. G 4.2]) einen Prozentsatz von 10,1 % abziehen, ergäbe dies einen
Beitrag, der im Sinn von Art. 28 Abs. 2 AHVV mehr als die Hälfte der - selbst bei auf
dem vorliegend umstrittenen höheren Vermögen berechneten - vom Beschwerdeführer
1 als Nichterwerbstätiger geschuldeten Beiträge ausmachen würde, sodass eine
weitere Beitragspflicht entfiele. Indessen gehen die Beschwerdeführer (bzw. der
Beschwerdeführer 1) selbst davon aus, dass das ahv-pflichtige Jahreseinkommen bei
der H._ AG lediglich Fr. 8'533.-- betragen hatte und der Rest von Fr. 26'132.10 aus
Kranken- oder Unfalltaggeldern bestanden hatte (act. G 4.1). Solche Taggelder
gehören jedoch nicht zum massgebenden Lohn (Art. 6 Abs. 2 lit. b AHVV; Wegleitung
über den massgebenden Lohn [WML] in der AHV, IV und EO, Ziff. 2065).
Konsequenterweise waren sodann auf dem Lohnausweis lediglich Fr. 516.--
(entsprechend 6,05 % [inkl. ALV-Beiträge] von Fr. 8'533.--) als
Sozialversicherungsbeiträge abgezogen (act. G 4.2). Weiter deklarierten die
Beschwerdeführer, die Erwerbstätigkeit grundsätzlich per 31. Mai 2005 aufgegeben zu
haben (act. G 4.1). Mithin ist davon auszugehen, dass beim vorliegenden
Verfahrensausgang die vom Beschwerdeführer 1 aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit (inkl. Arbeitgeberbeiträge) abgelieferten Beiträge weniger als die Hälfte
der als Nichterwerbstätiger geschuldeten Beiträge ausmachen (vgl. Berechnung
gemäss Schreiben vom 18. Januar 2007 [act. G 4.2]).
2.
Nichterwerbstätige natürliche Personen mit Wohnsitz in der Schweiz sind bis zum Ende
des Monats, in dem Frauen das 64. und Männer das 65. Altersjahr vollendet haben,
beitragspflichtig (Art. 1a Abs.1 lit. a des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10] in Verbindung mit Art. 3 Abs.1 Satz 2
AHVG). Gemäss Art. 10 Abs. 1 AHVG bezahlen Nichterwerbstätige je nach ihren
sozialen Verhältnissen einen Beitrag von Fr. 353.- bis Fr. 8'400.- pro Jahr (nur AHV).
bis
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Inklusive IV und EO beträgt die Spanne Fr. 425.-- bis Fr. 10'100.-- in den Jahren 2003 -
2006 (vgl. Anhang 2c in: Gesetzesausgabe 2008 der Informationsstelle AHV/IV).
Gemäss Art. 28 Abs. 1 AHVV bemessen sich die Beiträge der Nichterwerbstätigen auf
Grund ihres Vermögens und Renteneinkommens. Dabei werden das Vermögen und
das mit 20 multiplizierte jährliche Renteneinkommen addiert; auf der Summe wird
gemäss der in Art. 28 Abs. 1 AHVV enthaltenen Beitragstabelle der Jahresbeitrag
ermittelt. Ist eine verheiratete Person als Nichterwerbstätige beitragspflichtig, so
bemessen sich ihre Beiträge auf Grund der Hälfte des ehelichen Vermögens und
Renteneinkommens (Art. 28 Abs. 4 AHVV). Die Beiträge bemessen sich auf Grund des
im Beitragsjahr tatsächlich erzielten Renteneinkommens und des Vermögens am 31.
Dezember (Art. 29 Abs. 2 AHVV).
3.
3.1 Vorliegend ist umstritten, wie das massgebende Vermögen zu berechnen ist.
Ursprünglich setzte die Beschwerdegegnerin dieses gestützt auf die Selbstangaben
der Beschwerdeführer auf je Fr. 1'118'908.-- fest (Verfügungen vom 28. Dezember
2006). Dabei ging sie vom deklarierten Vermögen per 31. Dezember 2004 in Höhe von
Fr. 1'715'176.-- sowie von einem Renteneinkommen von Fr. 26'132.-- (X 20) aus und
rechnete jedem Ehegatten die Hälfte zu (vgl. act. G 4.1). Nach Eingang der
Steuermeldung vom 14. November 2007 (act. G 4.4) ging sie nunmehr von einem
Vermögen von Fr. 3'693'779.--, das sie den Ehegatten je zur Hälfte anrechnete, jedoch
von keinem Renteneinkommen mehr aus.
3.2 Zunächst ist festzustellen, dass es sich nicht rechtfertigt, auf die Anrechnung der
Taggeldleistungen als Renteneinkommen zu verzichten. Vielmehr gehören solche
Leistungen zum massgebenden Renteneinkommen (Wegleitung über die Beiträge der
Selbstständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO [WSN], Ziff.
2089 f.). Im Gegensatz zum massgebenden Vermögen, das von der kantonalen
Steuerbehörde zu ermitteln ist (Art. 29 Abs. 3 AHVV), hat die Ausgleichskasse das
Renteneinkommen - in Zusammenarbeit mit der kantonalen Steuerbehörde - selbst zu
ermitteln (Art. 29 Abs. 4 AHVV). Vorliegend differenzierte die Steuerbehörde nicht
zwischen Lohn und Taggeldern, da beides als Einkommen zu versteuern ist. Wie unter
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Erwägung 1 ausgeführt, ist jedoch die Taggeldleistung in Höhe von Fr. 26'132.-- ahv-
rechtlich nicht als massgebender Lohn anzusehen und der entsprechende Betrag als
Renteneinkommen der Multiplikation mit dem Faktor 20 zu unterstellen (Art. 28 Abs. 2
AHVV). Wie die Beschwerdegegnerin bereits in ihren Verfügungen vom 28. Dezember
2006 festgestellt hat, resultiert daraus ein anrechenbares Vermögen von je Fr.
261'320.-- (Fr. 26'132.-- X 20 : 2).
3.3 In Bezug auf die Höhe des anrechenbaren Reinvermögens ist die Frage zu prüfen,
ob die im Jahr 2006 von den Steuerbehörden getätigte Aufrechnung von Fr.
1'025'043.-- für die Bemessung der AHV-Beiträge ebenfalls zu übernehmen ist.
Diesbezüglich machen die Beschwerdeführer geltend, es handle sich um für die Jahre
2004 und 2005 nicht deklarierte Vermögenswerte, und zwar um ein Seniorensparkonto
bei der Bank C._ sowie um ein Depotkonto bei der Bank D._ bzw. Bank E._.
Diese Vermögenswerte seien dann im Jahr 2006 doppelt angerechnet worden.
Tatsächlich rechnete die Steuerbehörde gemäss Bestätigung vom 13. Dezember 2007
für die genannten Konten und für die genannten Jahre 2004 und 2005 im Jahr 2006
einen Betrag von Fr. 1'025'043.-- auf, da diese bisher nicht deklariert worden seien
(act. G 4.7). Dabei handelt es sich um Fr. 179'593.-- (Kontostand Bank C._ am 31.
Dezember 2004), Fr. 183'640.-- (Kontostand 31. Dezember 2005 [act. G 1.3]) sowie um
Fr. 661'810.--, welcher Betrag (in etwa) dem Bestand des Wertschriftendepots bei der
Bank D._/Bank E._ per 31. Dezember 2005 entspricht (gemäss Depotauszug: Fr.
664'865.-- [inkl. Barbestände]; act. G 1.4). Ob dieses Vorgehen steuerrechtlich zulässig
ist, oder ob allenfalls ein formelles Nach- und Strafsteuerverfahren hätte durchgeführt
werden müssen, ist vorliegend nicht zu prüfen. Tatsächlich wurden die entsprechenden
Konten in der Steuererklärung 2006 angegeben. Der Wert des Sparkontos bei der Bank
C._ wurde per 31. Dezember 2006 mit Fr. 39'647.-- deklariert (Kontoauszug nicht bei
den Akten, von den Steuerbehörden aber offenbar akzeptiert). Für das
Wertschriftendepot bei der Bank E._ wurde in Übereinstimmung mit dem
beiliegenden Steuerauszug ein Wert von insgesamt Fr. 695'977.-- (Teil A: Fr.
212'776.--; Teil B: Fr. 465'913.-- zuzügl. Sammelausweis "Zusätzl. Steuerrückbehalt
USA": Fr. 17'288.--) deklariert. Insgesamt deklarierten die Beschwerdeführer per 31.
Dezember 2006 Wertschriften- und Guthaben in Höhe von Fr. 1'643'661.-- (act. G 1.9).
Daran nahm das Steueramt - mit Ausnahme der Aufrechnung von Fr. 1'025'043.-- -
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keine Änderung vor (Veranlagungsprotokoll vom 7. August 2007 [act. G 4.7-8]).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin betrifft somit die fragliche Aufrechnung
nicht das Jahr 2006. Nachdem die Steuerbehörde offenbar der Ansicht ist, es sei
steuerlich belanglos, in welchem Jahr die Anrechnung erfolge, ist dies für die
Beitragsbemessung in der AHV zu korrigieren, da gemäss Art. 29 Abs. 2 AHVV auf das
tatsächlich erzielte Renteneinkommen und das (tatsächlich vorhandene) Vermögen am
31. Dezember des Beitragsjahres abzustellen ist. In diesem Punkt kann somit die
Meldung der Steuerbehörde keine Bindungswirkung entfalten (vgl. BGE 111 V 289 Erw.
3c). Die Aufrechnung von Fr. 1'025'043.-- ist deshalb vom in der Steuermeldung
angegebenen Vermögen von Fr. 3'693'779.-- abzuziehen, sodass ein Reinvermögen
von Fr. 2'668'736.--, bzw. Fr. 1'334'368.-- für jeden Ehegatten, resultiert.
Das für die Beitragsbemessung massgebende Vermögen beträgt somit für die
Beschwerdeführer je Fr. 1'595'688.-- (Fr. 1'334'368.-- + Fr. 261'320.--).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und das
massgebende Vermögen auf je Fr. 1'595'688.-- für das Jahr 2006 festzusetzen. Die
Streitsache ist sodann zum Erlass entsprechender Nachtragsverfügungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Indessen haben die
Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung, die vom Gericht ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff.
VRP/SG, sGS 951.1). Vor Versicherungsgericht beträgt das Honorar pauschal
Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.- (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO/SG, sGS 963.75). Die
Parteientschädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 98 VRP/SG). Vorliegend obsiegen die Beschwerdeführer nur zum Teil.
Mit Rücksicht auf den eher geringen Aufwand und das teilweise Obsiegen rechtfertigt
es sich. ihnen eine reduzierte Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1'500.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG