Decision ID: 9fdd75b6-e919-56b5-9bcc-6fc754676647
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Schmucki, Marktgasse 3, Postfach,
9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a R._ (Jahrgang 1982) meldete sich am 15. Mai 2000 erstmals zum Bezug von IV-
Leistungen (Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit, Arbeitsvermittlung)
an. Sie verfüge über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Derzeit absolviere sie bei
der A._ eine Bürofachschule (Abschluss Juli 2000); bis 2. Februar 2000
(Unfallzeitpunkt) habe sie zudem zu 50% als Serviceangestellte in einem Café
gearbeitet. Sie gab weiter an, diverse Bänder (im rechten Handgelenk) gerissen zu
haben und operiert worden zu sein. Es sei noch nicht ersichtlich, ob die Operation
etwas gebracht habe, da unklar sei, wie viele Bänder betroffen seien (act. G 4.1.3). In
der Folge tätigte die IV-Stelle verschiedene Abklärungen in medizinischer und
beruflicher Hinsicht. Nachdem die Versicherte eine Arbeitsstelle im administrativen
Bereich gefunden hatte, schloss die IV-Stelle den Fall mit Verfügung vom 15. Januar
2001 ab (act. G 4.1.16).
A.b Am 23. Januar 2002 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an. Anfangs sei es mit ihrer Tätigkeit im Büro ziemlich gut gegangen.
Nach und nach hätten sich jedoch wieder Beschwerden eingestellt, welche sie zu einer
zweiten Hand-Operation gezwungen hätten. Sie habe noch bis Ende Dezember (2001)
weitergearbeitet. Heute sei es ihr unmöglich, weiterhin in einer Tätigkeit zu arbeiten, bei
welcher sie tippen müsse (act. G 4.1.17). Mit Arztbericht vom 1. Februar 2002
attestierte das Kantonsspital St. Gallen, Handchirurgie, der Versicherten als
Büroangestellte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 3. Februar 2000. Sie könne die
rechte Hand nicht einsetzen (act. G 4.1.18). Das Kantonsspital Thurgau, Handchirurgie,
führte im Bericht vom 19. Februar 2002 aus, da die Versicherte die rechte Hand nicht
mehr gebrauchen könne, könne sie leichteste Gegenstände nicht herumtragen. Zudem
sei das Arbeiten am Computer nur einhändig möglich. Dadurch komme es zu einer
extremen Verlangsamung der Arbeitsleistung. Die bisherige Tätigkeit sei ihr fünf
Stunden pro Tag mit einer Arbeitsleistungsproduktion von 50% zumutbar, so dass
maximal eine Leistungsfähigkeit von 30% resultieren dürfte. Zur Frage nach der
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Zumutbarkeit anderer Tätigkeiten führte das Spital aus, es wären lediglich beratende
Arbeiten ohne grössere Büroarbeiten angezeigt; vor allem Arbeiten, bei denen die
rechte Hand nahezu nicht gebraucht werde. Die Arbeitsfähigkeit wäre in einem solchen
Umfeld bis zu 80% realisierbar. Auch ohne Belastung träten aber Beschwerden im
rechten Handgelenk auf, so dass eine ganztägige Präsenz unter Umständen nicht
möglich sein dürfte (act. G 4.1.20). Im Verlaufsbericht vom 4. März 2003 attestierte das
Kantonsspital Thurgau der Versicherten einen stationären Gesundheitszustand (act. G
4.1.33).
A.c Am 20. August 2004 wurde die Versicherte im Auftrag der Unfallversicherung durch
Dr. med. B._, Orthopädische Chirurgie/Handchirurgie, Schulthess Klinik, untersucht
und begutachtet. Im Gutachten vom 30. August 2004 diagnostizierte Dr. B._
Restbeschwerden des rechten Handgelenks mit zum Teil krampfartigen, zum Teil
Dauerschmerzen sowie auch belastungsunabhängigen Schmerzen des rechten
Handgelenks, Bewegungseinschränkung sowie Kraftverlust der rechten dominanten
Hand im Seitenvergleich bei Status nach Kontusionstrauma mit operativer Versorgung
einer partiellen lunotriquetralen Bandläsion mittels intrinsischer und extrinsischer
Kapsel-Bandverstärkung vom 03.03.00, Denervation des rechten Handgelenks am
17.07.01 sowie Arthroskopie des rechten Handgelenks und Lösen von Verwachsungen
vom 23.04.02. In einer adaptierten Tätigkeit wäre eine Arbeitsfähigkeit von 75%
denkbar (act. G 4.2).
A.d Am 15. Oktober 2004 erteilte die IV-Stelle einen Abklärungsauftrag betreffend
berufliche Massnahmen (act. G 4.1.43). In der Folge erteilte die IV-Stelle der
Versicherten Kostengutsprache für die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen
Ausbildung in der Zeit vom 24. April 2006 bis 22. März 2008 (act. G 4.1.89, 4.1.121 bis
125, 4.1.149). Die Versicherte absolvierte diese erfolgreich und erlangte am 31. März
2008 das Kaufmännische Kaderdiplom BVS sowie das interne Diplom der Technischen
Kauffrau BVS des Bildungszentrums BSV St. Gallen (act. G 4.1.150). Im Schlussbericht
vom 27. März 2008 hielt die Berufsberaterin fest, die Versicherte mache unter Berufung
auf die Einschätzung von Dr. med. C._, FMH Handchirurgie und Chirurgie (vgl. act. G
4.1.143), geltend, sie sei (nur) zu 50% arbeitsfähig (act. G 4.1.147). Auf Anfrage der IV-
Stelle führte der Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung (RAD) am 14.
April 2008 aus, es könne an der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. B._ festgehalten
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werden (act. G 4.1.151). Mit Mitteilung vom 25. Juli 2008 schloss die IV-Stelle die
beruflichen Massnahmen ab (act. G 4.1.155).
B.
Mit Vorbescheid vom 25. Juli 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht,
dass sie keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (act. G 4.1.157). Hiergegen
erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Schmucki, am 26.
August 2008 Einwand und beantragte weitere medizinische Abklärungen bzw. die
Zusprache einer halben Invalidenrente (act. G 4.1.160). Mit Verfügung vom 4.
September 2008 entschied die IV-Stelle gemäss Vorbescheid und verneinte einen
Rentenanspruch der Versicherten unter Hinweis auf die neu eingeholte Stellungnahme
des RAD vom 29. August 2008. Sie ermittelte einen Invaliditätsgrad von 22% (act. G
4.1.162 f.).
C.
C.a Mit Eingabe vom 6. Oktober 2008 erhebt der Vertreter der Versicherten
Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom 4. September 2008 sei aufzuheben,
und die Sache sei zur Festlegung eines Invaliditätsgrads von über 50%, eventuell
zwischen 40% und 50%, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Eventuell sei
ein Invaliditätsgrad von über 50%, subeventuell zwischen 40% und 50% festzulegen
und die Sache zur Berechnung der Rente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, Dr. B._ habe lediglich
festgehalten, dass eine Arbeitsfähigkeit von 75% unter bestimmten Voraussetzungen
denkbar sei. An dieser subjektiven Einschätzung seien Zweifel angebracht. Aktuell
betrage die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gemäss Beurteilung von Dr. C._
lediglich 50%. Zudem sei der Einkommensvergleich nicht korrekt durchgeführt worden
(act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. November 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im
Wesentlichen aus, beim Gutachten von Dr. B._ handle es sich um eine objektive
Einschätzung. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich der Gesundheitszustand der
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Beschwerdeführerin seit der Begutachtung verschlechtert habe. Die
Beschwerdegegnerin stellte einen neuen Einkommensvergleich an und ermittelte so
einen Invaliditätsgrad von 18% (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 11. Februar 2009 hält der Vertreter der Beschwerdeführerin an
seinen Anträgen fest. Unter Hinweis auf ein Gutachten des Inselspitals Bern vom 12.
Dezember 2008, den Bericht einer ergotherapeutischen Abklärung vom 12. Januar
2009 sowie das Ergebnis der BTE-Belastungsprobe am Simulator vom 12. Januar 2009
macht er geltend, das Gutachten von Dr. B._ gebe nicht den aktuellen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wieder (act. G 9 bis 9.3).
C.d Mit Duplik vom 17. Februar 2009 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
fest. Es sei keine Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin
ausgewiesen (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E.
1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 4.
September 2008, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der
revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher
und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche
noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
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Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG, des IVG und der IVV
wiedergegeben.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der
für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
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261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.
3.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich die angefochtene Verfügung auf das
Gutachten von Dr. B._ vom 30. August 2004 (act. G 4.2). Die Beschwerdeführerin
bestreitet zu Recht nicht, dass dieses Gutachten den oben genannten Anforderungen
an beweiskräftige Gutachten grundsätzlich genügt, setzt es sich doch eingehend mit
den von ihr geklagten Beschwerden sowie den medizinischen Vorakten auseinander.
3.2 Allerdings macht die Beschwerdeführerin geltend, Dr. B._ habe ihr keine 75%ige
Arbeitsfähigkeit attestiert. Er habe lediglich ausgeführt, dass eine Arbeitsfähigkeit von
75% unter bestimmten Voraussetzungen denkbar sei. Es handle sich somit um eine
subjektive Einschätzung. Wenn eine Arbeitsfähigkeit im bestimmten Umfang denkbar
sei, bedeute dies nicht, dass sie auch im angenommenen denkbaren Ausmass
tatsächlich vorhanden sei. Zweifel an der subjektiven Schätzung seien insbesondere
deshalb angebracht, weil das von Dr. B._ aufgelistete Tätigkeitsprofil den Schluss auf
eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 75% nicht zulasse, da die geforderten Pausen
nicht berücksichtigt worden seien.
Dieser Einwand vermag nicht zu überzeugen. Dr. B._ wurde von der
Unfallversicherung ausdrücklich damit beauftragt, (u.a.) eine detaillierte
Zumutbarkeitsbeurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Tätigkeit vorzunehmen (vgl. Ziff. 6.2 des Gutachtens). Es war denn auch
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Sinn und Zweck dieses Gutachtens, (u.a.) Aufschluss über die der Beschwerdeführerin
noch zumutbare Arbeit zu erhalten. Daher ist davon auszugehen, dass Dr. B._ der
Beschwerdeführerin für die von ihm als zumutbar erachteten Tätigkeiten effektiv eine
75%ige Arbeitsfähigkeit attestierte, auch wenn er diese nur als "denkbar" bezeichnete.
Ob die im Gutachten als zumutbar erachtete Tätigkeit als Leiterin einer Spielgruppe
oder Mitarbeiterin in einem Kinderhort oder Kindergarten (die sich die
Beschwerdeführerin damals gemäss eigenen Angaben durchaus vorstellen konnte)
tatsächlich mit deren Einschränkungen vereinbar ist, ist vorliegend nicht von
Bedeutung, zumal diese sich in der Folge zur Kauffrau ausbilden liess. Entscheidend ist
vielmehr die generelle Umschreibung der Anforderungen an ein zumutbares
Tätigkeitsprofil. Dr. B._ hat in diesem Zusammenhang ausgeführt: "1. Tätigkeit, die
über einen längeren Zeitraum (Tag) verteilt werden kann und mit unterschiedlicher
momentaner Aktualität durchgeführt werden kann. Diese beinhaltet die Möglichkeit bei
Bedarf grössere Pausen einzuschalten. 2. Tätigkeit, die einen repetitiven Charakter
unter Belastung des rechten Handgelenkes aufweist. Längere Tastaturarbeiten sowie
das Bedienen einer Computermaus rechts ist nicht möglich. Auch hier müsste, wenn
ein Bedarf für eine solche Arbeit besteht, diese über einen längeren Zeitraum mit zum
Teil grösseren Pausen verteilt werden. 3. Keine Tätigkeiten, die grob manuellen Einsatz
der rechten Hand verlangt mit einer Gewichtslimite rechts zum einmaligen Heben von
ca. 5 kg und repetitiv 1 kg oder weniger." Der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr.
B._ lag dieses Tätigkeitsprofil zugrunde, weshalb davon auszugehen ist, dass der
Pausenbedarf der Beschwerdeführerin in der attestierten Restarbeitsfähigkeit von 75%
berücksichtigt wurde, geht Dr. B._ doch von einer ganztägigen Präsenz der
Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz (mit entsprechend reduzierter Leistung) aus. Diese
Einschätzung erscheint plausibel, zumal sie sich in etwa mit der Beurteilung des
Kantonsspitals Thurgau deckt, das im Verlaufsbericht vom 4. März 2003 (act. G 4.1.33)
ausgeführt hatte, es wäre voraussichtlich eine ganztägige Arbeit mit reduzierter
Leistung angezeigt, wobei diese Reduktion beim Vorliegen einer für die
Beschwerdeführerin optimalen Arbeit bei maximal 30% liegen könnte.
3.3 Allerdings weist die Beschwerdeführerin zu Recht auf den Umstand hin, dass das
Gutachten von Dr. B._ im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
bereits mehr als vier Jahre alt war. Zudem war es vor der Ausbildung der
Beschwerdeführerin zur Kauffrau erstellt worden. Abgesehen davon, dass es sinnvoll
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gewesen wäre, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nach abgeschlossener
Ausbildung zur technischen Kauffrau nochmals zu überprüfen, ergeben sich aus den
Akten Anhaltspunkte dafür, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
seit der Begutachtung durch Dr. B._ bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
verschlechtert hat. So geht aus dem Gutachten des Inselspitals vom 12. Dezember
2008 (act. G 9.1) hervor, dass die Beschwerdeführerin seit zwei Jahren an einem
Einklemmgefühl wie einer Blockade des rechten Handgelenks leidet. Diese könne zum
Teil in Ruhe oder nach leichter Belastung auftreten. Selbst provozieren könne sie diese
Blockade nicht; sie wisse auch nicht, wie sie zu verhindern sei. Nachts schlafe sie
zeitweilig schlecht und erwache wegen krampfartiger Schmerzen ausstrahlend bis in
die rechte Schulter. Tagsüber könne sie diese krampfartigen Schmerzen besser
ertragen, da sie sich besser ablenken könne. Nach der letzten Operation vom 23. April
2002 bis zirka Oktober 2006 seien die Beschwerden etwa stabil gewesen. In den
letzten zwei Jahren hingegen sei wieder eine leichte Verschlechterung eingetreten, seit
diese Blockaden und damit verbundene krampfartige Schmerzzustände aufträten.
Insgesamt werde die rechte Hand sehr schnell müde. Die Expertin stellte neu die
Diagnose eines CRPS Typ I nach Retinakulumaugmentation zwischen Radius,
Lunatum, Triquetrum und Scaphoid vom 03.03.2000 wegen lunotriquetraler
Bandverletzung und erachtete eine neue Evaluation der Arbeitsfähigkeit in geeignetem
Umfeld für angezeigt. Zwar datiert das Gutachten des Inselspitals erst nach Erlass der
angefochtenen Verfügung, doch erging es nur rund drei Monate später. Zudem nimmt
es ausdrücklich Bezug auf die Entwicklung des Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin im Verlauf der letzten Jahre. Unter diesen Umständen ist davon
auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bereits vor
Erlass der angefochtenen Verfügung verschlechtert hat, weshalb weitere medizinische
Abklärungen angezeigt gewesen wären. Für eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands vor Verfügungserlass spricht auch der Umstand, dass der
Unfallversicherer, der das Gutachten bei Dr. B._ in Auftrag gegeben hatte, der
Beschwerdeführerin seit Abschluss der beruflichen Eingliederung bzw. seit 23. März
2008 Taggelder auf der Basis einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausrichtet (act. G
4.1.153).
3.4 Damit basiert die angefochtene Verfügung in medizinischer Hinsicht auf einem
unzureichend abgeklärten Sachverhalt. Die Verfügung ist daher aufzuheben, und die
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Sache ist zur ergänzenden Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
wobei sich das neue Gutachten ausdrücklich mit der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin als Kauffrau auseinandersetzen müssen wird.
4.
4.1 Was den Einkommensvergleich anbelangt ermittelte die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung ein Valideneinkommen von Fr. 54'498.-- und ein
Invalideneinkommen von Fr. 42'385.--, woraus sich ein Invaliditätsgrad von 22% ergab
(act. G 4.1.163). Das Valideneinkommen dürfte sie dabei aufgrund der vor der
Wiederanmeldung ausgeübten Bürotätigkeit der Beschwerdeführerin im Jahr 2001 (vgl.
act. G 4.1.19), aufgerechnet auf das Jahr 2008, ermittelt haben, während sie für das
Invalideneinkommen auf die Angaben gemäss Lohnempfehlung KV-Schweiz (vgl. act.
G 4.1.147) abgestellt hat (act. G 4.1.154-2). In der Beschwerdeantwort macht die
Beschwerdegegnerin geltend, die Beschwerdeführerin habe vorgehabt, eine
Ausbildung als Servicefachangestellte zu beginnen. Es sei davon auszugehen, dass sie
diese Ausbildung ohne das Unfallereignis erfolgreich absolviert hätte. Entsprechend sei
das Valideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen (Sektor Gastgewerbe,
Anforderungsniveau 3) zu ermitteln, was ein Valideneinkommen von Fr. 47'951.--
ergebe. Für das Invalideneinkommen dürfe gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nicht auf die unverbindlichen Salärempfehlungen des kaufmännischen
Verbands abgestellt werden. Vielmehr seien auch hier Tabellenlöhne (Sektor
Dienstleistungen, Anforderungsniveau 3) heranzuziehen, was einem Einkommen von Fr.
61'312.-- entspreche. Unter Berücksichtigung eines 15%igen Leidensabzugs könne die
Beschwerdeführerin in einem 75%-Pensum ein Invalideneinkommen von Fr. 39'086.--
erzielen. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 18%.
Die Beschwerdeführerin hat das in der angefochtenen Verfügung ermittelte
Valideneinkommen nicht beanstandet. Demgegenüber hat sie betreffend das
Invalideneinkommen geltend gemacht, es sei von den Lohnempfehlungen der KV-
Schweiz für die Ostschweiz auszugehen. Zudem sei dem Invalideneinkommen eine
Arbeitsfähigkeit von 50% zugrundezulegen und es sei ein Leidensabzug von 15% zu
berücksichtigen. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 57%.
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4.2 Während über das Invalideneinkommen erst nach Durchführung der weiteren
medizinischen Abklärungen befunden werden kann, erscheinen in Bezug auf das
Valideneinkommen folgende Bemerkungen angebracht.
4.2.1 Vorliegend geht aus den Akten hervor und ist im Übrigen unbestritten, dass die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls über keine Berufsausbildung verfügte und
eine solche in jenem Zeitpunkt auch nicht absolvierte.
4.2.2 Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden
beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als
Nichtinvalide erzielen könnte, den nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich
aktualisierten Medianwerts gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für
Statistik (Art. 26 Abs. 1 IVV). Konnte eine versicherte Person wegen der Invalidität eine
begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen, entspricht das
Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, dem durchschnittlichen
Einkommen von Erwerbstätigen im Beruf, für den die Ausbildung begonnen wurde (Art.
26 Abs. 2 IVV). Unter diese Bestimmung fallen auch Personen, die wegen der Invalidität
in Bezug auf die ursprünglich beabsichtigte Ausbildung eine weniger qualifizierte
Ausbildung aufnehmen mussten. Unter der beabsichtigten Ausbildung ist die Situation
zu verstehen, in der eine junge Person feststehende Ausbildungspläne hat, kurz vor
dieser Ausbildung jedoch invalid wird (Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit
in der Invalidenversicherung [KSIH], Stand 1. Februar 2010, Rz 3039, mit Hinweis auf
ZAK 1973 S. 579).
4.2.3 Nachdem die Beschwerdeführerin, wie bereits erwähnt, im Zeitpunkt des Unfalls
über keine Berufsausbildung verfügte, erscheint es nicht angebracht, für das
Valideneinkommen auf den von ihr zuletzt erzielten Lohn als Büroangestellte
abzustellen, wie dies in der angefochtenen Verfügung getan wurde, ist doch nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie diese Tätigkeit im
hypothetischen Gesundheitsfall (weiter) ausgeübt hätte. Auch das in der
Beschwerdeantwort geltend gemachte Abstellen auf Art. 26 Abs. 2 IVV erscheint nicht
angemessen. So trifft es zum einen nicht zu, dass die Beschwerdeführerin wegen der
Invalidität eine in Bezug auf die ursprünglich beabsichtigte eine weniger qualifizierte
Ausbildung aufnehmen musste. Zum anderen kann nicht von einem "feststehenden
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Ausbildungsplan" der Beschwerdeführerin ausgegangen werden, hatte die
Beschwerdeführerin im Unfallzeitpunkt doch noch keine konkreten Pläne; sie hatte
damals die Handelsschule begonnen und arbeitete nebenbei im Service.
4.3 Im Rahmen der Rückweisung wird die Beschwerdegegnerin damit auch über die
Vergleichseinkommen neu zu befinden haben. Beim Valideneinkommen wird sie dabei
insbesondere prüfen müssen, ob bei der Beschwerdeführerin ein Anwendungsfall von
Art. 26 Abs. 1 IVV gegeben ist.
5.
5.1 Im Sinn der obigen Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die
angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache ist zu weiteren Abklärungen
und anschliessender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dementsprechend ist
der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht