Decision ID: c380b860-cf91-4068-b034-d77c4af84753
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezieht als zu 100 % im Haushalt Tätige seit 1. August 2010 auf Grund einer
Funktionseinbusse an der rechten Hand eine Viertelsrente der Invalidenversicherung
(Anmeldung vom 23. Februar 2010; Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 23. Oktober 2013, IV 2011/336, act. G 5.2/94). Am 20. Dezember 2018
liess sie durch die Pro Infirmis eine Rentenerhöhung beantragen, da sich ihr
Gesundheitszustand seit der letzten IV-Abklärung stark verschlechtert habe (act.
G 5.2/116). Gleichzeitig legte sie je einen (nicht formalisierten) Arztbericht ihrer
Hausärztin pract. med. B._ vom 27. September 2018 und ihrer behandelnden
Psychiaterin Dr. med. C._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom
12. Dezember 2018 bei. Dabei führte pract. med. B._ aus, die Versicherte sei
A.a.
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inzwischen von ihrem Ehemann getrennt und wohne nun mit ihren Kindern alleine. Dies
habe den gesundheitlichen Zustand verschlechtert. Die Versicherte sehe momentan
keine Möglichkeit zu arbeiten, um ihre drei Kinder zu versorgen (act. G 5.2/117). Dr.
C._ führte aus, die Versicherte berichte von massiver psychischer und körperlicher
Gewalt von Seiten ihres Ex-Ehemannes. Sie gebe Aufmerksamkeits- und
Konzentrationsstörungen an. Sie vergesse sehr viel und sei unkonzentriert. Sie habe so
viel zu tun mit ihren Kindern. Sie berichte über Albträume, vermeide jedoch die
Auseinandersetzung mit den Kriegstraumata. Ein wichtiger Teil der Beschwerden
erkläre sich über die aktuelle Überforderungssituation als alleinerziehende Mutter von
drei Kindern. Dazu komme, dass sie als Migrantin ohne genügende Sprachkenntnisse
vielfach mehr gefordert werde. Aktuell sei die Versicherte aus psychiatrischer Sicht zu
70 % arbeitsunfähig (act. G 5.2/118).
Im Haushaltsfragebogen vom 3. Mai 2019 gab die Versicherte an, sie wäre im
Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig (act. G 5.2/128.1). In einem weiteren
(formalisierten) Arztbericht vom 19. Juli 2019 gab Dr. C._ als aktuelle Diagnose eine
rezidivierende depressive Störung gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), eine
posttraumatische Belastungsstörung (F43.1) sowie chronische Schmerzen mit
somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) an. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
in sämtlichen Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von ca. 30 % (act. G 5.2/149.4). Am
7. November 2019 ging der RAD Ostschweiz, Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, von einer nicht überzeugend dargelegten Verschlechterung des
Gesundheitszustands aus. Näher liege wohl, dass die Versicherte aus Gründen der
existentiellen Bedrohung genötigt sei, über das zumutbare Mass hinaus zu arbeiten
(act. G 5.2/153.4).
A.b.
Am 15. Januar 2020 fand eine (erneute) Haushaltsabklärung durch die IV-Stelle St.
Gallen statt. Die Abklärungsperson kam auf eine Einschränkung im Haushalt von 26 %.
Beim Einkommensvergleich ging sie gestützt auf die RAD-Angaben von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Daraus ergab sich bei einer Aufteilung von je
50 % im Aufgaben- und Erwerbsbereich ein Gesamtinvaliditätsgrad von 63 %. Die
Abklärungsperson erachtete auf Grund des Auszugs des Ex-Ehemannes einen
Statuswechsel als ausgewiesen (Teilerwerbstätigkeit, spätestens bei Eintritt des
jüngsten Kindes [in die Oberstufe] Vollerwerbstätigkeit [act. G 5.2/159]).
A.c.
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Im Bericht vom 5. Februar 2020 ging der RAD, Dr. D._, von Anzeichen eines
wesentlich verbesserten Gesundheitszustands aus. Zudem bestehe eine reduzierte
medizinische Nachvollziehbarkeit in der Beschreibung der (haushaltlichen)
Einschränkungen, indem nicht nachvollziehbar sei, dass die fehlenden Finger 4 und 5
der dominanten Hand bei mittelschweren Tätigkeiten weiterhin relevante
Einschränkungen begründen würden und kein Umlernen oder Kompensieren durch die
adominante Hand oder die verbleibenden Finger eingetreten sei. Er regte eine
bidisziplinäre Begutachtung Orthopädie/Psychiatrie bei der SMAB AG, St. Gallen, Dr.
med. E._, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates und Fachärztin für orthopädische Rheumatologie sowie Dr. med.
F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, an (act. G 5.2/162).
A.d.
Nachdem für die psychiatrische Expertise kurzfristig Dr. med. G._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, aufgeboten worden war, erstattete die SMAB AG am
5. Juni 2020 ihr Gutachten. Im Konsens diagnostizierten die Experten - mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit - eine posttraumatische Belastungsstörung, unvollständig
remittiert (ICD-10: F43.1) sowie eine rezidivierte depressive Störung, unvollständig
remittiert (F33.8). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die
Gutachter eine Teilamputation des rechten Ring- und Kleinfingers im Mittelphalanx-
Bereich vom 18. Mai 2009 sowie einen Rundrücken. Dazu führten sie aus, die
psychiatrisch bedingten Funktionsstörungen ergäben sich durch die Folgen der
wiederholten depressiven Episoden in der Vergangenheit und die Folgen der
posttraumatischen Belastungsstörung in Form von verminderter psychomentaler
Ausdauer, Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sowie verminderter Stress- und
Frustrationstoleranz. Von orthopädisch-traumatologischer Seite beständen
Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit für mittelschwere Tätigkeiten. Die
Arbeitsfähigkeit betrage 70 % in körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten. Die
psychomentale Ausdauer und Belastbarkeit sowie die Stress- und Frustrationstoleranz
seien nach unten verschoben. Diese Einschätzung gelte für die letzten Jahre,
namentlich auch für die Zeit seit der letzten Verfügung vom Mai 2014 (act.
G 5.2/174.7 f. und 174.10). Die orthopädische Gutachterin führte weiter aus, dass fast
11 Jahre seit der Teilamputation des rechten Ring- und Kleinfingers von einer guten
Adaptation der Versicherten an die nur geringen Funktionsdefizite der rechten Hand
A.e.
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auszugehen sei. Dafür sprächen die normal entwickelte Ober- und
Unterarmmuskulatur, der spontane Einsatz der rechten Hand beim Ent- und Bekleiden
sowie die seitengleiche Beschwielung beider Hände, die eine vermehrte
schmerzbetonte Schonung des rechten dominanten Armes ausschlössen (act.
G 5.2/174.49). Der psychiatrische Gutachter ging davon aus, dass die Versicherte
anlässlich der Exploration diverse psychosoziale Belastungsfaktoren in den
Vordergrund stelle. Die früher gestellten Diagnosen posttraumatische
Belastungsstörung und depressive Episoden seien aktuell definitiv nicht erfüllt. Einige
der Auffälligkeiten im psychopathologischen Befund seien als Residuen und Folgen
dieser früheren Erkrankungen zu interpretieren, einige wiederum seien als
normalpsychologische Reaktionen vor dem Hintergrund von diversen psychosozialen
Belastungsfaktoren zu verstehen. Es habe eine moderate Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustands seit 2014 stattgefunden, die sich aus heutiger Sicht
inzwischen auf sämtliche Tätigkeiten auswirke. Zum jetzigen Begutachtungszeitpunkt
sei noch eine moderate Restsymptomatik jeweils aus dem depressiven
Symptomenkreis und aus dem posttraumatischen Formenkreis feststellbar (act.
G 5.2/174.68).
Mit Stellungnahme vom 12. Juni 2020 ging der RAD, Dr. D._, davon aus, dass
keine klinisch floride posttraumatische Belastungsstörung mehr bestehe. Wohl werde
zwar eine Verzweiflung und Verbitterung festgestellt, die aber klar der psychosozialen
Gesamtsituation zugeordnet werden könnten. Es seien keine eindeutig depressiven
klinischen Zeichen vorhanden und wenn überhaupt höchstens in leichtem Ausmass.
Insgesamt sei verständlich, dass auf Grund der früheren Traumatisierung mit dazumal
entwickelter posttraumatischer Belastungsstörung und Retraumatisierung durch den
Unfall 2009 eine Reduktion der psychomentalen Ausdauer und Belastbarkeit sowie der
Stress- und Frustrationstoleranz zu erkennen seien. Auf Grund dieser Feststellungen
könne der Versicherten weiterhin eine etwa 30%ige Reduktion der Arbeitsfähigkeit
zugestanden werden. Das Gutachten überzeuge sowohl im orthopädischen wie auch
im psychiatrischen Teil, weshalb darauf abzustellen sei. Demnach habe sich die
Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht seit dem Referenzzeitpunkt gebessert, aus
psychiatrischer Sicht moderat verschlechtert. Gesamthaft habe sich die
gesundheitliche Situation soweit stabilisiert, dass aus psychiatrischer Sicht von einem
A.f.
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B.
Restzustand ausgegangen werden könne, der die Versicherte sowohl in der
angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit zu etwa 30 % einschränke (act.
G 5.2/175).
Mit Einkommensvergleich vom 17. Juni 2020 ging die IV-Stelle St. Gallen von einer
invaliditätsbedingten Einbusse von 30 % aus (act. G 5.2/177). Mit Feststellungsblatt
gleichen Datums ging die IV-Stelle sodann von einer Verteilung Erwerbstätigkeit/
Haushalt von je 50 % aus. Bei einer Einschränkung von je 30 % in beiden Bereichen
ergab sich ein Invaliditätsgrad von ebenfalls 30 % (act. G 5.2/178). Mit Vorbescheid
vom 18. Juni 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Aufhebung der bisher
ausgerichteten Viertelsrente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats in Aussicht (act. G 5.2/179).
A.g.
Am 6. August 2020 stellte der Rechtsvertreter der Versicherten ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege im Einwandverfahren (act. G 5.2/183). Am 28. Oktober
2020 erhob er sodann Einwand gegen die vorgesehene Renteneinstellung. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, das Gutachten vom 5. Juni 2020 und
der RAD-Bericht vom 12. Juni 2020 entsprächen nicht den bundesgerichtlichen
Anforderungen an einen ärztlichen Bericht im Zusammenhang mit einer
posttraumatischen Belastungsstörung. Unter Berücksichtigung der vom Bundesgericht
herausgearbeiteten Standardindikatoren sei vorliegend die für die Bejahung einer
posttraumatischen Belastungsstörung bedeutsame Schwere der Belastung gegeben.
Es seien deshalb weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. In formeller Hinsicht
wurde die Aktenführung durch die IV-Stelle bemängelt (act. G 5.2/190).
A.h.
Mit Verfügung vom 26. Januar 2021 hiess die IV-Stelle das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidsverfahren gut (act. G 5.2/194).
Mit Verfügung vom 3. Februar 2021 hob die IV-Stelle sodann die Rente wie
angekündigt auf das Ende des folgenden Monats auf und entzog einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
A.i.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 3. März
2021 mit dem Antrag auf deren Aufhebung. Der Beschwerdeführerin sei eine volle
B.a.
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(ganze) Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei ein neutrales und objektives
(Ober-)Gutachten bei einer externen Sachverständigenstelle einzuholen oder weitere
medizinische Abklärungen vorzunehmen und der Beschwerdeführerin eine dem
Ergebnis entsprechende Rente zuzusprechen. Subeventualiter sei der
Beschwerdeführerin mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen. Der
Beschwerdeführerin sei sodann die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gewähren. In formeller Hinsicht wird wiederum die
Aktenführung der Beschwerdegegnerin bemängelt. Diese genüge den Anforderungen
gemäss Art. 46 ATSG nicht. Aus dem Aktenverzeichnis ergebe sich nicht immer,
welche Person Empfänger bzw. Absender des Dokuments sei. Ferner seien die
Bezeichnungen der Dokumente hinsichtlich deren Inhalts nicht immer als sinnvoll zu
erachten. Im Weiteren sei der Untersuchungsgrundsatz verletzt worden. Der Entscheid
habe sich auf schlüssige medizinische Berichte zu stützen. Sofern solche nicht
vorlägen, seien weitere Abklärungen unabdingbar. Die Beschwerdeführerin habe im
Jugend- und frühen Erwachsenenalter in den Jahren 1998 bis 2000 schwerste
traumatische Erlebnisse erlitten. Eine Kopfverletzung im Jahr 2003, ein Arbeitsunfall im
Jahr 2009 sowie die Vergewaltigung einer Freundin im Frühjahr 2020 hätten jeweils zu
einer Retraumatisierung geführt. Die traumatischen Erlebnisse bzw.
Retraumatisierungen hätten unter anderem eine posttraumatische Belastungsstörung
und eine depressive Störung bewirkt, auf Grund deren die Beschwerdeführerin zu
100 % arbeitsunfähig sei. Sowohl Dr. med. H._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, wie auch med. pract. I._, Fachärztin Psychiatrie und
Psychotherapie, seien in ihren Gutachten vom 26. November 2010 bzw. vom 16. April
2012 von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausgegangen. In Bezug auf die
vorliegend vorzunehmende Bewertung der bidisziplinären Gesamtbeurteilung vom
5. Juni 2020 sei nicht nachvollziehbar, weshalb das Teilgutachten in der Disziplin
Psychiatrie und Psychotherapie nicht von einer Fachperson im Bereich Trauma und
posttraumatische Belastungsstörung vorgenommen worden sei. Es sei aktenkundig,
dass die Beschwerdeführerin ein Trauma mit mehrfachen Retraumatisierungen erlitten
und auf Grund dessen eine Invalidenrente bezogen habe. Die Gesamtbeurteilung vom
5. Juni 2020, auf welche sich die angefochtene Verfügung stütze, entspreche nicht den
bundesgerichtlichen Anforderungen an die Begutachtung von Personen, die an einer
posttraumatischen Belastungsstörung litten. So habe es der psychiatrische Gutachter
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unterlassen, nach den Kriegstraumata zu fragen. Dies wäre aber nach der
behandelnden Ärztin, Dr. C._, zwingend notwendig gewesen, da nicht zu erwarten
sei, dass Patienten mit schweren Traumata aktiv davon erzählen würden. Hinzu
komme, dass es gemäss dem Bericht von Dr. C._ vom 21. August 2021 im Frühjahr
2020 zu einer erneuten Retraumatisierung gekommen sei, als eine Freundin der
Beschwerdeführerin vergewaltigt worden sei. Ferner seien auch die Erkenntnisse des
Teilgutachtens in der Disziplin Orthopädie von Dr. E._ nicht nachvollziehbar. Die
Beurteilung widerspreche grundlegend den Erkenntnissen von Dr. B._. Die
bidisziplinäre Gesamtbeurteilung vom 5. Juni 2020 genüge somit nicht den
beweisrechtlichen Anforderungen (act. G 1). Auf die weiteren Ausführungen der
Beschwerdeführerin wird - soweit erforderlich - in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Mit Beschwerdeantwort vom 4. Mai 2021 beantragt die Verwaltung die Abweisung
der Beschwerde. Bezüglich Aktenführung wird angemerkt, dass bei der von der
Beschwerdegegnerin gewählten Informatiklösung das Akteneinsichtsrecht durch die
nur rudimentär wiedergegebenen Aktenbezeichnungen wohl etwas erschwert, nicht
aber verunmöglicht werde. In materieller Hinsicht wird ausgeführt, dass zunächst die
Statusfrage zu beantworten sei. Diesbezüglich habe die Beschwerdeführerin im
Fragebogen vom 3. Mai 2019 angegeben, sie wäre heute im Gesundheitsfall zu 80 %
erwerbstätig. Bei der Haushaltsabklärung vom 5. Januar 2020 habe sie sodann
angegeben, sie müsste heute in einem Pensum von 50 % erwerbstätig sein. Dafür,
dass die Beschwerdeführerin als Gesunde zu mehr als 50 % erwerbstätig wäre,
sprächen vor allem finanzielle Gründe. Wie der durch Entscheid des Kreisgerichts St.
Gallen vom 5. Dezember 2019 genehmigten Scheidungskonvention der Ehegatten zu
entnehmen sei, habe der geschiedene Ehegatte der Beschwerdeführerin keinen
nachehelichen Unterhalt zu leisten. Bis und mit März 2020 sei er auch nicht in der Lage
gewesen, zusätzlich zum Barunterhalt auch noch Betreuungsunterhalt für die drei
minderjährigen Kinder zu bezahlen. Die Beschwerdeführerin sei damit in finanzieller
Hinsicht gezwungen gewesen, im fiktiven Gesundheitsfall mehr als 50 % zu arbeiten
um den Lebensbedarf zu decken. Die Ausübung eines 80%igen Pensums hätte dies
wohl ermöglicht und sie hätte daneben ausreichend zeitliche Kapazität und
Ressourcen gehabt für die Haushaltsführung und die Erziehung der drei
B.b.
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schulpflichtigen Söhne. Demgegenüber erscheine die erstmals in der Beschwerde
geltend gemachte 100%ige Erwerbstätigkeit unwahrscheinlich, da die
Beschwerdeführerin dadurch als Hausfrau und Mutter überfordert gewesen wäre,
selbst wenn eine von der Beschwerdeführerin nicht näher konkretisierte Möglichkeit
einer Inanspruchnahme von Fremdbetreuungsangeboten bestehen sollte. Somit sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
als Gesunde im Verfügungszeitpunkt zu 80 % erwerbstätig und zu 20 % im Haushalt
tätig wäre. Damit sei ein Revisionsgrund gegeben. In medizinischer Hinsicht stütze sich
die angefochtene Verfügung massgeblich auf das im Verfahren nach Art. 44 ATSG
eingeholte bidisziplinäre, psychiatrisch-orthopädische Gutachten der SMAB AG vom
5. Juni 2020. Nach Ansicht der SMAB-Gutachter wirkten sich die Diagnosen einer
posttraumatischen Belastungsstörung, unvollständig remittiert (F43.1), und einer
rezidivierenden depressiven Störung, ebenfalls unvollständig remittiert (F33.8),
quantitativ in einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus. Sie erachteten die
Beschwerdeführerin in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit sowie auch im
Haushalt noch als zu 70 % arbeitsfähig. Die 30%ige Einschränkung in der
Arbeitsfähigkeit als Erwerbstätige sowie als Hausfrau seien psychiatrisch begründet
worden. Die Beschwerdeführerin beanstande in erster Linie das psychiatrische
Teilgutachten von Dr. G._ vom 8. Mai 2020 unter Bezug auf einen Bericht von Dr.
C._ vom 21. August 2020. Diesbezüglich sei darauf hinzuweisen, dass der Bericht
von einer behandelnden Ärztin stamme, so dass der Erfahrungstatsache Rechnung zu
tragen sei, dass sie im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patientin aussage. Im
Weiteren hätten die Dr. G._ zur Verfügung gestandenen Vorakten detaillierte
Schilderungen zu den traumatischen Ereignissen während des J._ enthalten. Dass
Dr. G._ deren Relevanz nicht ausreichend hätte erfassen können, sei nicht
ersichtlich. Der Experte stelle denn auch die Schwere der ursprünglichen
Traumatisierung nicht in Abrede. Jedoch habe er nachvollziehbar dargelegt, dass bei
der Beschwerdeführerin im Begutachtungszeitpunkt die Kriterien für eine
posttraumatische Belastungsstörung nicht mehr erfüllt seien. Hinsichtlich der
diagnostischen Differenzen zwischen Dr. C._ und dem psychiatrischen Gutachter
komme es nicht in erster Linie auf die Diagnose, sondern auf den Schweregrad der
psychischen Symptomatik sowie die damit verbundenen Funktionseinschränkungen
an. Der pauschale Einwand, wonach die Erkenntnisse des orthopädischen
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Teilgutachtens vom 27. April 2020 nicht nachvollziehbar seien resp. den Erkenntnissen
von Dr. B._ widersprächen, sei nicht geeignet, die Beurteilung der orthopädischen
SMAB-Gutachterin in Zweifel zu ziehen, zumal keine Hinweise beständen, dass die
klinisch-orthopädische Untersuchung nicht lege artis durchgeführt worden sei. Das
SMAB-Gutachten beruhe somit auf gründlichen orthopädischen und psychiatrischen
Abklärungen und sei für die streitigen Belange umfassend. Die von der
Beschwerdeführerin geklagten Leiden seien berücksichtigt und nachvollziehbar unter
Berücksichtigung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 im Rahmen einer
Konsistenz- und Ressourcenprüfung gewürdigt worden; die Arbeitsfähigkeitsschätzung
leuchte in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Haushalt
sei nicht die medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend, sondern,
wie sich der Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen Betätigung konkret
auswirke. Nach dem Abklärungsbericht Haushalt vom 29. Januar 2020 betrage die
Einschränkung 33 %. Unter Berücksichtigung einer geringen zumutbaren Mithilfe der
Kinder sei die Abklärungsperson zu einem Einschränkungsgrad im Haushalt von 26 %
gelangt. Insgesamt ergebe sich damit ein Invaliditätsgrad von 28 % (richtig: 29 % [0,8 x
30 %] + [0,2 x 26 %]; act. G 5).
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 12. Mai 2021 wurde der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten
und unentgeltliche Rechtsverbeiständung) bewilligt (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 8. September 2021 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. In Bezug auf die Aktenführung wird ausgeführt, dass das Bundesgericht bereits im
Urteil 8C_319/2010 E. 2.3.1 signalisiert habe, dass hinsichtlich der Informatiklösung
Optimierungsbedarf bestehe. Es sei nicht plausibel, dass die Beschwerdegegnerin über
einen derart langen Zeitraum von zehn Jahren nicht in der Lage gewesen sein soll, die
notwendigen Anpassungen im Informatiktool vorzunehmen. Der Beschwerdegegnerin
sei sodann bei der Statusfrage zu widersprechen. Es entspreche der allgemeinen
Lebenserfahrung von alleinerziehenden Müttern, dass die Beschwerdeführerin ohne
gesundheitliche Einschränkungen zu 100 % erwerbstätig gewesen wäre. Im Weiteren
erwecke die Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin, bei welcher es sich um
eine psychiatrische Fachärztin handle, Zweifel am Vorgehen des psychiatrischen
B.d.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend ein vor dem
1. Januar 2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die neuen
Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Revisionsverfahren keine Anwendung
(Urteil des Bundesgerichts vom 11. Mai 2021, 8C_602/2021, E. 2.2; siehe auch
Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität und Rente in
der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab 1. Januar 2022, Rz 9100 f.).
2.
Experten und damit am Ergebnis seines Teilgutachtens. Dieses widerspreche der
gesamten bisherigen Krankengeschichte der Beschwerdeführerin. Dr. C._ habe denn
auch nicht einfach eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert, sondern
weise vielmehr auf die damit verbundene Funktionseinschränkung hin, die in einer
Arbeitsunfähigkeit von 70 % resultiere. Entgegen dem orthopädischen Gutachten, das
die volle Arbeitsunfähigkeit unter anderem mit der fehlenden Inanspruchnahme
jeglicher handchirurgischen oder orthopädischen Behandlung begründe, könne dem
Bericht von Dr. B._ vom 13. August 2020 entnommen werden, dass die
Beschwerdeführerin nicht weniger als vier Mal operiert worden sei. Daher sei die
Auffassung, dass die Beschwerdeführerin zu 70 % arbeitsfähig sei, deutlich
zurückzuweisen. Vielmehr sei unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus den
relevanten Gutachten in keiner Weise denkbar, dass die Beschwerdeführerin zu mehr
als 30 % arbeitsfähig sei (act. G 14).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 16).B.e.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
2.1.
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Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten
Beschwerden objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw.
Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch unklare
Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte Diagnosen),
psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen und
Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis einer lang andauernden und erheblichen
gesundheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit nach dem strukturierten Verfahren mittels
Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429 E. 7.2; BGE 141 V
294 f. E. 3.5 f. und E. 4.2). Er kann nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die
Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung
ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz)
für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427 E. 6 a. E.). Die
Rechtsanwender prüfen insbesondere, ob die Ärzte ausschliesslich funktionelle
Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung
sind (Art. 7 Abs. 1 erster Satz ATSG), sowie, ob die versicherungsmedizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektiver Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz
ATSG). Berücksichtigen die Experten die in BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen
überzeugend, hat ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung auch aus Sicht des
Rechtsanwenders Bestand. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein
Abweichen davon gebietet (BGE 145 V 368 f. E. 4.3).
2.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
2.3.
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allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen [Art. 16 ATSG]). Für teilerwerbstätige Versicherte
richtet sich die Berechnung des Invaliditätsgrades nach der sogenannten gemischten
Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG und Art. 27 IVV).bis
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden
Instanzen haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
ärztinnen, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227
E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Juli 2020,
8C_335/2020, E. 4.1, und vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
2.4.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu auf Grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/30
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Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 61 N 107). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht
seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b;
BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG; vgl. auch
Art. 87 Abs. 2, Art. 88a und Art. 88 IVV). Anlass zur Revision einer Invalidenrente gibt
jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer
wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes oder der erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar.
Dagegen stellt die unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit
allein keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 144 I 105
E. 2.1). Ein Wechsel des Status (nicht, teil- oder voll erwerbstätig) stellt einen
Revisionsgrund dar (Urteil des Bundesgerichts vom 8. März 2011, 9C_998/2010,
E. 3.1.3, unter anderem mit Hinweis auf BGE 117 V 199 E. 3.b). Dies gilt nach der
bundesgerichtlichen Praxis explizit für familiär bedingte Statuswechsel (BGE 147 V 124
E. 5 f.). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine
Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 11 E. 2.3).
2.6.
bis
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des
aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des
Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf
einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. Juli 2020,
8C_196/2020, E. 3.2.1, und vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 3.1). Eine
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, oder eine Verminderung der Hilflosigkeit, des invaliditätsbedingten
Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs ist für die Herabsetzung oder Aufhebung der
Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann,
dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu
berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert
hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Eine Verschlechterung der
2.7.
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3.
Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu
berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(Art. 88a Abs. 1 und 2 IVV).
3.1.
In formeller Hinsicht wird zunächst die Aktenführung der Beschwerdegegnerin
beanstandet. Gemäss Art. 46 ATSG habe der Versicherungsträger alle Unterlagen, die
massgeblich sein können, systematisch zu erfassen. Dies setze voraus, dass die
Aktenführung nach festgelegten, allgemeinen, sachgerechten und zweckmässigen
Kriterien erfolgen müsse (Kieser, a.a.O., Art. 46 N 23). Vorliegend genüge die
Aktenführung den Anforderungen gemäss Art. 46 ATSG nicht. So ergebe sich aus dem
Aktenverzeichnis nicht immer, welche Person Empfänger bzw. Absender des
Dokuments sei. Insbesondere hinsichtlich der ärztlichen Berichte, die als äusserst
wichtige Aktenstücke gälten, müsse sich aus dem Aktenverzeichnis ergeben, wer den
Bericht verfasst oder veranlasst habe. Ferner seien die Bezeichnungen der Dokumente
hinsichtlich deren Inhalts nicht immer als sinnvoll zu erachten. Gerade vor dem
Hintergrund der sehr umfassenden Aktenstücke sei es für die Beschwerdeführerin nicht
zumutbar, sich ohne sinnvolle Bezeichnungen der Akten im Verzeichnis mit den
Aktenstücken zurechtfinden zu müssen. Das Aktenverzeichnis werde somit dem
Anspruch der sachgerechten und zweckmässigen Aktenführung nicht gerecht.
3.1.1.
Gemäss Art. 46 ATSG hat der Versicherungsträger alle Unterlagen, die für das
Sozialversicherungsverfahren massgeblich sein können, systematisch zu erfassen. Dies
bedeutet nach der auch vom Rechtsvertreter zitierten Literatur, dass die Aktenführung
so vonstatten gehen muss, dass ein Nachweis der Verwaltungstätigkeit möglich ist und
dass nachvollzogen werden kann, wie die Sachverhaltsabklärung erfolgt und wie der
Weg der Entscheidfindung verlaufen ist (Kieser, a.a.O., Art. 46 N 23). Ferner sind die
Unterlagen von Beginn weg in chronologischer Reihenfolge abzulegen; bei Vorliegen
eines Gesuchs um Akteneinsicht und spätestens im Zeitpunkt des Entscheids ist das
Dossier zudem durchgehend zu paginieren. In der Regel ist auch ein Aktenverzeichnis
zu erstellen, welches eine chronologische Auflistung sämtlicher in einem Verfahren
gemachter Eingaben enthält (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2013,
8C_725/2012, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Vorliegend ist zwar mit der Beschwerdeführerin
einig zu gehen, dass das von ihr monierte Inhaltsverzeichnis mit wenig
aussagekräftigen Hinweisen versehen ist und hier durchaus Verbesserungspotential
vorhanden ist. Indessen ist - nachdem auch das urteilende Gericht mit denselben
3.1.2.
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4.
Akten arbeitet und allfällige Fragen zu Anlass sowie Herkunft von Arztberichten ohne
Weiteres von Mitarbeitenden der Beschwerdegegnerin beantwortet werden können -
nicht davon auszugehen, dass die Sachverhaltsabklärung oder die Entscheidfindung
der Beschwerdegegnerin nicht nachvollzogen und in einem Rechtsmittelverfahren nicht
adäquat Stellung genommen werden könnte. Zudem ist nicht ersichtlich und wird nicht
geltend gemacht, dass das Aktenverzeichnis bzw. das Dossier nicht vollständig sein
könnten. Das Akteneinsichtsrecht erscheint damit zwar etwas erschwert, wird jedoch
nicht verunmöglicht.
Weiter rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes. Nachdem mit diesen Vorbringen weniger eine eigentliche
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes im Sinn einer fehlenden
Sachverhaltserhebung von Amtes wegen gerügt wird (Art. 43 ATSG), sondern
materielle Einwände gegen die Beweistauglichkeit insbesondere des psychiatrischen
Gutachtens erhoben werden, sind diese nachfolgend zusammen mit den weiteren
sachlichen Einwänden gegen dieses zu behandeln.
3.2.
Im vorliegenden Verfahren sind sowohl die psychiatrisch-orthopädische Expertise
der Dres. G._ und E._ wie auch die Qualifikation der Beschwerdeführerin
umstritten.
4.1.
In der angefochtenen Verfügung vom 3. Februar 2021 ging die
Beschwerdegegnerin von einer Aufteilung Erwerbstätigkeit/Haushalt von je 50 % aus
(act. G 5.2/197.2). Dabei stützte sie sich im Wesentlichen auf die Abklärung an Ort und
Stelle vom 15. Januar 2020, in welcher die Beschwerdeführerin angegeben hatte, sie
wäre im Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig. Einerseits wolle sie etwas zum
Lebensunterhalt beitragen und auch von Seiten der Ergänzungsleistungen müsse sie
sich auf Stellen bewerben (act. G 5.2/159.5). Im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die Beschwerdeführerin am 3. Mai 2019 an,
sie wäre heute ohne gesundheitliche Einschränkung im Bereich Fabrik- oder
Reinigungsmitarbeiterin oder als Zeitungsausträgerin zu 80 % erwerbstätig (act.
G 5.2/128.1). Im vorliegenden Verfahren macht sie sodann geltend, sie wäre heute im
Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig. Dies ergebe sich daraus, dass sie ihre
Arbeitstätigkeit stets fortgeführt habe, auch als sie noch verheiratet und ihr Sohn im
Kleinkindalter gewesen sei. Die Annahme, dass die Beschwerdeführerin heute in einem
vollen Pensum arbeiten würde, werde auch durch den Umstand gestützt, dass der Ex-
Ehemann keinen nachehelichen Unterhalt leisten müsse. In diesem Sinn habe sich die
4.2.
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Beschwerdeführerin gemäss Abklärungsbericht geäussert, wonach sie sogar zum
damaligen Zeitpunkt verpflichtet gewesen wäre, in einem Pensum von 50 % und bei
Eintritt des jüngsten Kindes in die Oberstufe in einem vollen Pensum zu arbeiten (act.
G 1 Ziff. 65 ff.).
In der Beschwerdeantwort vom 4. Mai 2021 gesteht die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin eine im Validenfall ausgeübte Erwerbstätigkeit von 80 % zu. Dafür,
dass die Beschwerdeführerin als Gesunde zu mehr als 50 % erwerbstätig wäre,
sprächen in erster Linie finanzielle Gründe. Wie der durch Entscheid des Kreisgerichts
St. Gallen vom 5. Dezember 2019 genehmigten Scheidungskonvention der Ehegatten
vom 29. November 2019 (act. G 5.4) zu entnehmen sei, habe der geschiedene
Ehegatte der Beschwerdeführerin keinen nachehelichen Unterhalt bezahlen müssen.
Bis und mit März 2020 sei er auch nicht in der Lage, zusätzlich zum Barunterhalt auch
noch Betreuungsunterhalt für die drei minderjährigen Kinder zu leisten. Die
Beschwerdeführerin sei damit in finanzieller Hinsicht sicherlich gezwungen, im fiktiven
Gesundheitsfall mehr als 50 % zu arbeiten, denn ein halber Lohn als Hilfsarbeiterin
hätte mit Blick auf die tiefen Kinderalimente und den fehlenden Betreuungsunterhalt
offensichtlich nicht ausgereicht, den Lebensbedarf zu decken. Die Ausübung eines
80%igen Pensums hätte dies wohl ermöglicht und die Beschwerdeführerin hätte
daneben ausreichend Kapazität und Ressourcen gehabt für die Haushaltsführung und
die Erziehung ihrer drei schulpflichtigen Söhne. Dies entspreche auch ihren Angaben
im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt (act.
G 5.2/128.1). Demgegenüber erscheine die erstmals in der Beschwerde geltend
gemachte 100%ige Erwerbstätigkeit unwahrscheinlich, da die Beschwerdeführerin
dadurch als Hausfrau und Mutter von drei schulpflichtigen Kindern gewiss überfordert
wäre, selbst wenn eine von der Beschwerdeführerin nicht näher konkretisierte
Möglichkeit einer Inanspruchnahme von Fremdbetreuungsangeboten bestehen sollte.
Unter diesen Umständen sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin als Gesunde im Verfügungszeitpunkt zu 80 %
erwerbstätig und zu 20 % im Haushalt tätig wäre (act. G 5 Ziff. 4.3 ff.).
4.3.
Dem widerspricht die Beschwerdeführerin in der Replik vom 8. September 2021.
So erscheine es auf Grund der angespannten finanziellen Situation ausgeschlossen,
dass sie ohne gesundheitliche Einschränkungen einer Erwerbstätigkeit von weniger als
100 % nachgehen würde. Dies entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung bei
alleinerziehenden Müttern, sofern keine ausreichende Absicherung über den
Betreuungsunterhalt sichergestellt sei (act. G 14 Ziff. 11 f.). Dem ist jedoch
entgegenzuhalten, dass das jüngste Kind der Beschwerdeführerin im
4.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/30
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5.
Nach dem vorstehend Gesagten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
zum Verfügungszeitpunkt vom 3. Februar 2021 zu 80 % erwerbstätig und zu 20 % im
Aufgabenbereich tätig gewesen wäre. Dies stellt im Vergleich zum Sachverhalt, wie er
sich anlässlich der Rentenzusprache (Urteil des Versicherungsgerichts vom 23.
Oktober 2013 als massgebendem Referenzzeitpunkt [vgl. vorstehende Erwägung 2.7])
präsentiert hat, als die Beschwerdeführerin noch als zu 100 % im Aufgabenbereich
qualifiziert und ihr die Rente einzig gestützt auf die Abklärung an Ort und Stelle vom
10. Mai 2011 (Funktionseinbussen an der rechten Hand [act. G 5.1/56]) zugesprochen
wurde, eine erhebliche Änderung im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin wurde ihr die Rente nicht auf Grund der jetzt geltend
gemachten Traumatisierung[en] zugesprochen, welche damals - zumindest im IV-
Verfahren - noch kaum eine Rolle spielte[n] [vgl. Urteil vom 23. Oktober 2013, IV
2011/336, Erw. 3.2 f. [act. G 5.2/94.7]]). Nachdem vorliegend ein Statuswechsel mit
entsprechendem Methodenwechsel vorliegt, ist unbestrittenermassen ein
Revisionsgrund gegeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 2014,
8C_823/2013, E. 2.1 letzter Satz mit Hinweis; vgl. auch Ulrich Meyer/Marco Reichmuth,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3. Aufl., Rz 27 zu Art. 30 - 31). Der Anspruch ist
demzufolge umfassend neu zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen
besteht (vgl. vorstehende Erwägung 2.6).
Verfügungszeitpunkt (3. Februar 2021) erst acht Jahre und das mittlere erst elf Jahre
alt, mithin beide noch im Primarschulalter waren. Damit erscheint nicht plausibel, dass
die Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt ein grösseres als das durch die
Beschwerdegegnerin zugestandene Erwerbspensum von 80 % innegehabt hätte. Dies
würde auch ihren eigenen Angaben im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt vom 3. Mai 2019 sowie ihren Angaben gegenüber der
Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin vom 15. Januar 2020 widersprechen, gab
sie dort doch ebenfalls 80 % bzw. gar nur 50 % an. Da die Einschränkungen in beiden
Bereichen mit 30 % bzw. 26 % (vgl. nachstehende Erw. 7.1) aber ohnehin sehr nahe
beieinanderliegen, hat die Frage letztlich keine praktische Relevanz und braucht daher
nicht abschliessend beantwortet zu werden (Invaliditätsgrad 29,2 % [bei Aufteilung
80/20 %] vs. 30 % [100% erwerbstätig]; vgl. Erw. 6.5).
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6.
Bezüglich des psychiatrischen Gutachtens bemängelt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin zunächst, dass die psychiatrische Begutachtung nicht von einer
Fachperson im Bereich Trauma und posttraumatische Belastungsstörung
vorgenommen worden sei, obwohl aktenkundig gewesen sei, dass die
Beschwerdeführerin ein Trauma mit mehrfachen Retraumatisierungen erlitten habe und
auf Grund dessen eine IV-Rente beziehe. Der Gutachter Dr. G._, der in K._ eine
Gutachter-Praxis unterhalte, verfüge über keine ausgewiesenen Fachkenntnisse im
Bereich Trauma und posttraumatische Belastungsstörungen. Vor diesem Hintergrund
sei die fachliche Qualifikation des Gutachters zu verneinen. Dem ist jedoch
entgegenzuhalten, dass Dr. G._ unbestrittenermassen einen Facharzttitel in
Psychiatrie und Psychotherapie (sowie in Neurologie) hält und damit zweifellos über die
nötige Qualifikation für die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin verfügt (vgl. act. G 1.3). Der Gutachtensauftrag lautete sodann zu
Recht auf eine (umfassende) psychiatrische Exploration der Beschwerdeführerin zur
Feststellung sämtlicher möglicher psychischer Einschränkungen und nicht nur einer
allfälligen posttraumatischen Belastungsstörung (act. G 5.2/165). Die fachliche
Qualifikation von Dr. G._ ist demnach nicht zu beanstanden.
6.1.
Alsdann bemängelt der Rechtsvertreter, das Teilgutachten von Dr. G._ sei vor
dem Hintergrund der breit umstrittenen Praxis der ausländischen Ärzte als sogenannte
90-Tage-Dienstleister grundsätzlich in Frage zu stellen. Im Allgemeinen werde bei der
erwähnten Praxis insbesondere kritisiert, dass die räumliche Distanz zu übermässiger
Härte führe und die Vertrautheit mit Schweizer Verhältnissen wie dem Arbeitsmarkt,
gesellschaftlichem Umfeld und Gesundheitswesen zu bezweifeln sei. Dies gelte
vorliegend ganz besonders, da das Teilgutachten auf Grund der Diskrepanz mit
sämtlichen weiteren Gutachten als übermässig hart erscheine. Ferner sei insbesondere
fraglich, ob Dr. G._ der vorliegenden besonderen Situation der bereits bestehenden
sprachlichen Barriere ohne Kenntnisse des Schweizer Dialekts habe gerecht werden
können. Auch dieser Einwand verfängt nicht. Abgesehen davon, dass die Erkenntnisse
von Dr. G._ denjenigen früherer Gutachterinnen und Gutachter nicht grundlegend
widersprechen - wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird (Erwägung 6.3.3 f.) -
brauchte er als medizinischer Sachverständiger lediglich eine psychiatrische
Diagnosestellung sowie eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeitsschätzung
abzugeben. Dazu sind keine spezifischen Kenntnisse der schweizerischen Verhältnisse
erforderlich. Erst recht ist nicht ersichtlich, weshalb er mit der Beschwerdeführerin
Schweizer Dialekt sprechen sollte, ist sie diesem Idiom aktenkundig doch selber kaum
6.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/30
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mächtig. Anlässlich der Exploration wurde somit zu Recht eine Dolmetscherin für die
Übersetzung Deutsch-L._isch beigezogen. Im Übrigen ist nicht ersichtlich und wird
auch nicht geltend gemacht, dass dabei konkrete sprachliche Schwierigkeiten
bestanden hätten.
6.3.
Im Weiteren wird geltend gemacht, das psychiatrische Teilgutachten entspreche
nicht den bundesgerichtlichen Anforderungen an die Begutachtung von Personen, die
an einer posttraumatischen Belastungsstörung litten. Das Bundesgericht habe nämlich
ausgeführt, dass bei einer posttraumatischen Belastungsstörung zunächst das
Belastungskriterium, mithin das auslösende Trauma in den Blick zu nehmen sei. Dieses
sei nicht in erster Linie oder allein von der Gutachtensperson selbst zu klären, sei aber
von dieser zwingend zu referieren (BGE V 342, E. 5.2.2). Vor diesem Hintergrund sei
das Teilgutachten von Dr. G._ als ungenügend zu bewerten. So habe es dieser
unterlassen, sich mit den Kriegserlebnissen als auslösendes Trauma
auseinanderzusetzen. Es werde von Dr. G._ nur bemerkt, dass nach dem Unfall
wieder traumatische Erinnerungen an frühere Kriegserlebnisse aufgekommen seien und
weder Intrusionen oder Flashbacks noch ein Vermeidungsverhalten vorlägen. Dr. G._
führe sogar aus, es erscheine aus gutachterlicher Sicht verzichtbar, nicht erneut nach
den konkreten traumatischen Kriegserlebnissen der Beschwerdeführerin zu fragen.
Auch der Arbeitsunfall im Jahr 2009 und die Kopfverletzung im Jahr 2003 würden nicht
in den Blick genommen, welche gemäss der Beschwerdeführerin sowie den Akten
jeweils eine Retraumatisierung hervorgerufen hätten. Als weitere traumatische
Erlebnisse würden allein die Gewalterfahrungen durch den Ehemann erwähnt.
6.3.1.
Diesbezüglich ist festzustellen, dass der psychiatrische Gutachter über
detaillierte Aktenkenntnis verfügt hat. Namentlich kannte er die in den drei früher
erstellten psychiatrischen Gutachten vom 26. November 2010 (Dr. H._), vom 5. April
2012 (med. pract. I._) und vom 25. September 2013 (med. pract. M._)
geschilderten traumatischen Kriegs- sowie weiteren Ereignisse. Er führte sodann aus,
dass nach seiner Ansicht aktuell weder eine posttraumatische Belastungsstörung noch
eine rezidivierende depressive Störung als aktive Erkrankungen vorlägen. Die
diagnostischen Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung seien aktuell
definitiv nicht erfüllt. Vielmehr habe die Exploration eindeutig gezeigt, dass
psychosoziale Belastungsfaktoren im Vordergrund ständen. Dementsprechend
diagnostizierte er jeweils eine - wenn auch unvollständige - Remission sowohl der
posttraumatischen Belastungsstörung als auch der rezidivierenden depressiven
6.3.2.
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Störung (act. G 5.2/174.64 und 174.66). Der RAD Ostschweiz, Dr. D._, bestätigte mit
Stellungnahme vom 26. Januar 2021, dass aus fachärztlicher Sicht eine Beurteilung der
geltend gemachten Traumata anhand der Aktenlage und der klinischen Exploration
möglich sei, ohne das Trauma selber zu explorieren, sofern das Trauma, wie
vorliegend, in den Akten dokumentiert und dem Gutachter bekannt sei. Ob eine
(erneute) Exploration der früheren Traumata vorzunehmen sei, sei in der
Untersuchungssituation dem Gutachter zu überlassen. Die ursprüngliche
Traumatisierung werde weder vom Gutachter noch vom RAD angezweifelt (act.
G 5.2/195). Es ist somit davon auszugehen, dass der Gutachter anhand des
Explorationsverlaufs eine nochmalige Erhebung der bereits bekannten Kriegstraumata
für entbehrlich hielt, wie er auch selber angab (act. G 5.2/174.59). Anlässlich der
früheren Befragung durch Dr. H._ - auf welche sich die Beschwerdeführerin
vorliegend unter anderem beruft - gab die Beschwerdeführerin zudem selber an, nicht
über die früheren Ereignisse reden zu wollen (act. G 5.3/12.543). Auch med. pract. I._
- auf deren Gutachten sich die Beschwerdeführerin vorliegend ebenfalls beruft -
verzichtete auf Grund der sehr traumatischen Lebensgeschichte der
Beschwerdeführerin teilweise auf eine dezidierte Exploration der Beschwerdeführerin
und liess sich lediglich die Eckdaten und Ereignisse kurz bestätigen (act. G 5.3/12.343).
Entgegen ihrer Ansicht vermag die Beschwerdeführerin sodann aus der von ihr zitierten
Rechtsprechung (BGE 142 V 342 E. 5.2.2) nichts für ihren Standpunkt abzuleiten, geht
es dort im Wesentlichen um die Frage, ob eine posttraumatische Belastungsstörung in
den Anwendungsbereich von BGE 141 V 281 E. 4.2 fallen solle und dass bezüglich
dem Vorliegen einer solchen grundsätzlich ein strenger (beweisrechtlicher) Massstab
anzulegen ist, also das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer
damit zusammenhängenden Arbeitsunfähigkeit - nachdem es sich dabei um eine
Störung handle, die nicht nur keinen Bezug zu einem organischen Geschehen
aufweise, sondern für die sich keine oder kaum objektivierbare Befunde erheben
liessen - genau zu begründen und insbesondere auf Ausschlussgründe (Aggravation
und dergleichen) zu achten sei.
Die Ausführungen von Dr. G._ stehen sodann nicht in unvereinbarem
Widerspruch zu den früheren psychiatrischen Expertisen. So diagnostizierte Dr. H._
in seinem Gutachten vom 26. November 2010 ebenfalls eine posttraumatische
Belastungsstörung (F43.1), seit ca. 1999 zeitweilig remittiert, 1. Rezidiv 2003, 2. Rezidiv
seit Arbeitsunfall 2009 anhaltend, sowie eine leichte bis mittelschwere Depression
(F32.1), Beginn unklar, wahrscheinlich reaktiv nach Arbeitsunfall in Verbindung mit der
gesamten psychosozialen Belastungssituation. Zusätzlich diagnostizierte er eine
6.3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/30
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Panikstörung (F41.0), wahrscheinlich ebenfalls reaktiv auf den Arbeitsunfall und die
gesamte psychosoziale Belastungssituation. Zudem ging er aus rein psychiatrischer
Sicht - ohne Berücksichtigung der Situation als Hausfrau und Mutter sowie der
somatisch bedingten Einschränkungen - von einer damals bestehenden
Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer Tätigkeit als Verpackerin und von 60 % im Haushalt
aus. Unter Ausschöpfen der medizinischen Möglichkeiten hielt er eine volle
Arbeitsfähigkeit bzw. Leistungsfähigkeit innert zweier Monate für erreichbar (act.
G 5.3/12.553 f.). Die zweite Gutachterin, med. pract. I._, ging in ihrer Expertise vom
5. April 2012 bei grundsätzlich gleicher Diagnose (posttraumatische Belastungsstörung
[F43.1], jedoch mittelgradig bis schwerer depressiver Störung [F33.2]) von einer
Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin und von einer
psychiatrisch bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 100 %
(Arbeitsfähigkeit somit 0 %) für mindestens drei bis sechs Monate aus. Die Prognose
sei abhängig von der möglichen Einflussnahme auf die psychosoziale
Belastungssituation (gemeint wohl: vom Einfluss der psychosozialen
Belastungssituation) und damit vor allem vom Verlauf der depressiven Symptomatik
(act. G 5.3/12.348 und 12.353). Ein weiterer Gutachter, med. pract. M._,
diagnostizierte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 15. August 2013
(bidisziplinäre Beurteilung) ebenfalls eine posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)
sowie neuropathische Beschwerden mit Hyperalgesie und Hyperästhesie der
Fingerstümpfe Dig. IV und V rechts (act. G 5.3/12.142). Aus psychiatrischer Sicht
beurteilte er die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit als nicht eingeschränkt.
Er habe auch keine Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit
in den letzten Jahren längerfristig eingeschränkt gewesen sei. Wahrscheinlich sei sie
aber während der Zeit, als die Beschwerdeführerin eine mittel- bis schwergradige
depressive Episode gehabt habe, zwischen 50 und 80 % eingeschränkt gewesen. Aus
den Akten ergäben sich aber keine Hinweise darauf, wie lange diese mittel- bis
schwergradige Episode gedauert habe (act. G 5.3/12.153).
Aus dieser Gegenüberstellung erhellt, dass die hier zu beurteilende Expertise von
Dr. G._ nicht wesentlich von den drei psychiatrischen Vorgutachten abweicht bzw.
die vorhandenen Abweichungen in einen stimmigen zeitlichen Ablauf gebracht werden
können. Zwar diagnostizierten Dr. H._ und med. pract. I._ eine (aktive)
posttraumatische Belastungsstörung. Dr. H._ ging davon aus, dass die
Beschwerdeführerin die Kriegstraumata über den Arbeitsunfall verarbeite, da dies
intrapsychisch einfacher sei als sich den Erinnerungen daran direkt auszusetzen.
Indessen ging auch Dr. H._ davon aus, dass sich ein Grossteil der Beschwerden über
6.3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/30
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die (damals) aktuelle Überforderung erkläre und erwähnte ebenfalls die Betreuung von
(damals) fünf Kindern, die Situation als Migrantin ohne ausreichende Sprachkenntnisse,
sodass die Erschöpfung der Beschwerdeführerin selbst ohne Kriegstrauma und
Arbeitsunfall auf Grund der sozialen Situation durchaus nachvollziehbar sei (act.
G 5.3/12.551 unten f.). Auch med. pract. I._ berichtete von einer Vermischung der
Bilder des Arbeitsunfalls mit jenen früherer Traumatisierungen, wobei im Verlauf eine
Zentrierung auf das aktuelle traumatische Unfallereignis stattgefunden habe. Weiter
führte sie ebenfalls aus, dass die ganze Symptomatik nicht zuletzt durch die sehr
schwierige soziale und familiäre Situation (bei einem langjährig bestehenden
Drogenkonsum des Ehemannes und Auszug der Beschwerdeführerin aus der ehelichen
Wohnung) verstärkt und unterhalten werde. Überzeugend widerlegte sie sodann die
von Dr. H._ gestellte Diagnose einer Panikstörung, da es sich bei den
Angstzuständen der Beschwerdeführerin nicht um ein eigenständiges Geschehen ohne
jegliche Trigger handle, wie dies bei einer Panikstörung der Fall sei, sondern die
Angstkorrelate immer zusammen mit bestimmten Gedanken oder äusseren Umständen
aufträten, die im Zusammenhang mit den Traumatisierungen ständen (act.
G 5.3/12.349). Bei med. pract. M._ fällt schliesslich auf, dass er das Vorhandensein
einer posttraumatischen Belastungsstörung einzig auf den Unfall vom Mai 2009
zurückgeführt hatte, während er das Kriegstrauma im Wesentlichen für überwunden
ansah und lediglich die unfallbedingte Retraumatisierungswirkung auf Grund der
früheren Ereignisse stärker ausgefallen sei, als wenn diese Vorbelastung nicht
bestanden hätte (act. G 5.3/12.150 unten f.). Namentlich führte er aus, es sei
anzunehmen, dass fast jede Person auf einen solchen Arbeitsunfall mit einer
tiefgreifenden Verzweiflung reagieren würde und dass die Beschwerdeführerin immer
wieder Bilder vom Unfall sehe oder die Maschine höre, an der sie sich verletzt habe
(act. G 5.3/12.149). Dieser Darstellung widersprach jedoch Dr. N._, der in seinem
Aktengutachten vom 8. Januar 2014 ausführte, das Trauma, wie es die
Beschwerdeführerin erfahren habe, führe nach natürlichem Verlauf der Dinge (und ohne
psychiatrische Vorerkrankung) innert sechs bis acht Wochen zu einer erfolgreichen
Wiedereingliederung (act. G 5.3/12.79). Zwar ist Dr. N._ kein Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie. Als Spezialarzt für Chirurgie FMH, speziell Handchirurgie und
periphere Nerven FMH, ist er im vorliegenden Zusammenhang gleichwohl als
fachkompetent für die Beurteilung der Frage anzusehen, ob eine solche
Handverletzung, wie sie die Beschwerdeführerin erlitten hat, nach seiner Expertise
normalerweise zu schwerwiegenden psychischen Problemen führt, was er explizit
verneint hat (act. G 5.3/12.79 unten f.).
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Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die posttraumatische
Belastungsstörung im zeitlichen Ablauf zumindest seit der Begutachtung durch med.
pract. M._ im August 2013 keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
mehr begründete. Die Diagnose einer depressiven Episode, die in den Vorgutachten
noch gestellt worden war, war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls soweit remittiert, dass
med. pract. M._ diese Diagnose - in der bidisziplinären Beurteilung - nicht mehr
stellte (in seiner Stellungnahme zur aktuellen gesundheitlichen Situation und der
Begründung der hauptgutachterlichen [psychiatrischen] Diagnosestellung formulierte er
dagegen die - inhaltlich übereinstimmende - Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig remittiert [act. G 5.3/12.150]). Es lässt sich somit
zwanglos in den geschilderten zeitlichen Ablauf integrieren, wenn Dr. G._ betreffend
den aktuellen Zustand sowohl die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung als auch jene einer rezidivierenden depressiven Störung jeweils als
unvollständig remittiert angab und damit nicht von einem aktuell aktiven
Krankheitsgeschehen ausging. Indem der Gutachter seit der letzten Verfügung vom
Mai 2014 von einer moderaten Verschlechterung des Gesundheitszustands ausging
und der Beschwerdeführerin nunmehr eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % in einer
adaptierten Tätigkeit (vergleichbar mit der zuletzt ausgeübten Tätigkeit) zubilligte,
erscheinen die als Folge (Residuen bzw. unvollständige Remission) der früheren
Erkrankungen resultierende Reduktion der psychomentalen Ausdauer und
Belastbarkeit und der Stress- und Frustrationstoleranz sowie eine erhöhte Vulnerabilität
für zukünftige psychische Dekompensationen gebührend berücksichtigt (vgl. act.
G 5.3/174.70 ff.). Nach dem vorstehend Gesagten trifft entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin zudem nicht zu, dass sämtliche Vorgutachten auf ein
schwergradiges Krankheitsgeschehen - und jedenfalls auch nicht auf schwergradige
Auswirkungen des Krankheitsgeschehens auf die Arbeitsfähigkeit - hinweisen. Mithin
erscheint die Beurteilung durch Dr. G._ nicht als unverhältnismässig hart.
6.3.5.
Im Weiteren hat sich der psychiatrische Experte auch mit anderen medizinischen
Einschätzungen auseinandergesetzt, namentlich mit jener der behandelnden
Psychiaterin Dr. C._. Dabei stellte er fest, dass Dr. C._ in ihrem Bericht vom
12. Dezember 2018 zwar eine rezidivierende Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (F33.2), eine posttraumatische Belastungsstörung (F43.1) sowie chronische
Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziere (vgl. act.
G 5.2/118), als wichtigsten Teil der Beschwerden der Beschwerdeführerin aber
psychosoziale Faktoren aufführe: Mutter von drei Kindern, alleinerziehend, Migrantin
ohne genügende Sprachkenntnisse, Probleme mit dem Ex-Mann. Dass daraus eine
6.3.6.
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70%ige Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werde, sei mangels medizinisch begründeter
Funktionsstörungen nicht korrekt. Zur letzten Diagnose der behandelnden Ärztin führte
der Gutachter aus, dass diese kontrovers diskutiert werden könne. Zwar könnten die
psychischen Beeinträchtigungen sehr wohl Einfluss auf die Schmerzverarbeitung und
Schmerzwahrnehmung haben, was aber im Ausmass nicht differenziert werden könnte.
Einfluss auf die berufsbezogene Leistungsfähigkeit hätte dieser Anteil aber nicht.
Zudem stellte der Gutachter fest, dass bei der Beschwerdeführerin die Schmerzen
nicht im Vordergrund ständen und keine anhaltende Beschäftigung damit vorliege (act.
G 5.2/174.66 und 174.71). Alsdann erscheint auch der zu Prozesszwecken
(Einwandverfahren) erstellte Bericht von Dr. C._ vom 21. August 2020 nicht geeignet,
die Feststellungen und Schlussfolgerungen des Gutachters umzustossen. So nahm Dr.
G._ zu den Kriterien für das Vorliegen bzw. den Ausschluss einer posttraumatischen
Belastungsstörung Stellung. Er verneinte das Vorliegen von Intrusionen und Flashbacks
(es kämen aber intermittierend auftretende Gedanken an frühere traumatische
Kriegserlebnisse vor), einer emotionalen Taubheit sowie eines Vermeidungsverhaltens
in Bezug auf das Heimatland der Beschwerdeführerin. Allenfalls könne ein
Hyperarousal angenommen werden (act. G 5.2/174.64). Damit begründete der
psychiatrische Experte nachvollziehbar, weshalb seiner Ansicht nach gegenwärtig
keine aktive posttraumatische Belastungsstörung besteht. Demgegenüber berichtete
Dr. C._ in ihrem Bericht vom 21. August 2020, dass die Beschwerdeführerin in ihrer
Therapie sehr wohl und immer wieder über Ereignisse wie Intrusionen und Flashbacks
berichte und ein Vermeidungsverhalten und eine Übererregung vorhanden seien (act.
G 5.2/190.19). Sie beschränkt sich damit im Wesentlichen auf die blosse Bestreitung
der vom Gutachter gemachten Ausführungen. Damit vermögen jedoch dessen
Feststellungen und Schlussfolgerungen nicht in Zweifel gezogen zu werden, handelt es
sich doch lediglich um eine unterschiedliche psychiatrische Interpretation desselben
medizinischen Geschehens (vgl. auch statt vieler: Urteil des Bundesgerichts vom 21.
April 2020, 8C_147/2020, E. 3.2, wonach einerseits der Erfahrungstatsache Rechnung
zu tragen ist, dass behandelnde Ärzte im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen [BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470] und andererseits ein nach Art. 44 ATSG
eingeholtes Administrativgutachten nicht stets in Frage zu stellen ist, bloss weil es zu
anderen Einschätzungen als die behandelnden Ärzte gelangt). Im Übrigen beschrieb
selbst die Behandlerin in ihren Berichten vom 12. Dezember 2018 und vom 19. Juli
2019 keine Flashbacks (act. G 5.2/118 und 149). Interessant erscheint in diesem
Zusammenhang auch, dass der psychiatrische Gutachter von einem durchaus
erfolgreichen Therapieansatz ausgeht, indem er die Remission des aktiven
Krankheitsgeschehens auf die Behandlung durch Dr. C._ zurückführt, während diese
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selbst beschreibt, dass die Therapie bei solchen schweren traumatischen Ereignissen,
wie sie bei der Beschwerdeführerin immer wieder vorgekommen seien, an ihre Grenzen
stosse. Zwar bringe die Beschwerdeführerin manchmal die erforderliche psychische
Stabilität für eine Traumakonfrontation auf. Sie sei jedoch immer wieder instabil,
weshalb sich die therapeutischen Ansätze auf die Alltagsbewältigung und die
erzieherischen Aufgaben beschränkten (act. G 5.2/174.65 unten und 190.20).
Nachdem Dr. G._ keine aktuell aktive psychische Erkrankung diagnostiziert hat
und die postulierte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen mit noch
vorhandenen Residuen, einer damit einhergehenden erhöhten Vulnerabilität für bloss
mögliche zukünftige psychische Dekompensationen sowie einer reduzierten
psychomentalen Ausdauer und Belastbarkeit sowie Stress- und Frustrationstoleranz
begründet hat (vgl. vorstehende Erwägung 6.3.5), kann die Indikatorenprüfung
vorliegend kursorisch ausfallen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.3 und BGE 143 V 418 E. 7.1
zweiter Abschnitt). Bei wenig medizinischem Korrelat ist mit der Beschwerdegegnerin
davon auszugehen, dass sich Dr. G._ ausreichend mit den Befunden, Fähigkeiten,
Belastungen und Ressourcen befasste, und unter Einbezug einer Konsistenz- und
Plausibilitätsprüfung sowie unter Ausklammerung der psychosozialen
Belastungsfaktoren und damit in Berücksichtigung eines strukturierten
Beweisverfahrens nachvollziehbar zum Ergebnis gelangte, dass die
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht unter Berücksichtigung einer
verminderten psychomentalen Ausdauer und Belastbarkeit sowie einer verminderten
Stress- und Frustrationstoleranz in ihrer Leistungsfähigkeit zu 30 % eingeschränkt ist
(vgl. act. G 5.2/196.2). Zusammenfassend ist damit auf das Gutachten des
psychiatrischen Sachverständigen abzustellen.
6.3.7.
6.4.
In Bezug auf das orthopädische Gutachten bringt die Beschwerdeführerin
lediglich in allgemeiner Weise vor, die Erkenntnisse von Dr. E._ seien nicht
nachvollziehbar bzw. widersprächen grundlegend den Erkenntnissen der
behandelnden Ärztin Dr. B._. Dazu reicht sie einen Bericht von Dr. B._ vom 13.
August 2020 ein, worin diese ausführte, die beiden Finger der Beschwerdeführerin
seien vier Mal operiert worden. Bis heute beständen ausgedehnte Schmerzen, die bis
in die rechte Schulter ausstrahlten. Daneben plagten die Beschwerdeführerin starke
Phantom-Schmerzen. Offenbar habe sie den Verlust zerebral, motorisch und sensibel
noch nicht ganz verarbeitet (act. G 5.2/190). Nach dem in vorstehender Erwägung 6.3.6
Gesagten, sind jedoch pauschale Einwände nicht geeignet, die Beurteilung der
6.4.1.
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orthopädischen Expertin in Frage zu stellen, zumal keine Hinweise darauf bestehen,
dass die klinisch-orthopädische Untersuchung durch Dr. E._ nicht lege artis
durchgeführt worden wäre. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird im
Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung alsdann verlangt, dass
geltend gemachte Schmerzen durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig
feststellbare Befunde hinreichend erklär- und objektivierbar sind (BGE 139 V 556
E. 5.4). Bei der Untersuchung fand Dr. E._ reizlose Verhältnisse an der rechten Hand
vor. Lediglich der grosse und der kleine Faustschluss seien rechts auf Grund der
vorhandenen Teilamputationen im Bereich des Ring- und Kleinfingers unvollständig
gewesen. Im Weiteren führte Dr. E._ aus, dass von orthopädisch-traumatologischer
Seite die von der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden anhand der
aktuellen Untersuchungsbefunde nur zum geringen Teil nachvollzogen werden
könnten. Es beständen keine objektivierbaren pathologischen Korrelate für die von der
Beschwerdeführerin angegebenen ständigen Schmerzen im rechten Arm und in der
rechten Kopfhälfte. Nach fast elf Jahren seit der Teilamputation des reizlosen rechten
Ring- und Kleinfingers sei von einer guten Adaptation der Beschwerdeführerin an die
nur geringen Funktionsdefizite der rechten Hand auszugehen. Dafür spreche auch die
normal entwickelte Ober- und Unterarmmuskulatur und die seitengleiche Beschwielung
beider Hände, die eine vermehrte schmerzbetonte Schonung des rechten dominanten
Armes ausschliesse (act. G 5.2/174.43 f.).
Dr. E._ hat somit überzeugend begründet, weshalb ihrer Ansicht nach für
leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit besteht. Das orthopädisch-traumatologische Teilgutachten steht
schliesslich nicht im Widerspruch zu früheren gutachtlichen (orthopädischen)
Einschätzungen. So führte Dr. E._ etwa aus, dass anlässlich der Begutachtung durch
die Rehaklinik Bellikon vom 5. April 2012 ausser dem tast- und hörbaren
Schnappphänomen am Ringfinger Dig. IV. kaum pathologische Befunde erhoben
worden seien. Ansonsten hätten bereits damals ausgesprochen reizlose Verhältnisse
an den beiden Amputationsstümpfen und für die Verletzung eine durchaus adäquate
Restfunktion mit üblicher Sensibilitätsstörung volar und seitlich der Stümpfe
bestanden. Inzwischen sei es wie erwartet zu einer Verbesserung und Adaptation an
die Teilamputation des rechten Ring- und Kleinfingers gekommen. Eine relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe von orthopädisch-traumatologischer Seite
nicht mehr. Im Weiteren wies sie auf das handchirurgische Gutachten von med. pract.
O._ vom 21. August 2013, wonach ebenfalls im Grundsatz ein weitgehend
unauffälliger Befund (nach Status Amputation Endglieder Dig. IV und V rechts) erhoben
6.4.2.
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7.
worden sei. In der Zusammenfassung sei dann plötzlich eine Hyperalgesie beider
Stümpfe angegeben worden (vgl. act. G 5.3/12.162), was zwar nicht zum
handchirurgischen Untersuchungsbefund, jedoch gut zu den subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin passe (auch Dr. N._ äusserte sich kritisch zum Begriff der
Hyperalgesie, da noch keine Algesie nachgewiesen worden sei [act. G 5.3/12.84]). Die
dort postulierte Einschätzung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit als Verpackerin für Käse sowie einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten sei retrospektiv bei seit September 2013 fehlender
Inanspruchnahme jeglicher handchirurgischer oder orthopädischer Behandlungen nicht
nachvollziehbar. Auch mit den Einschätzungen im handchirurgischen Aktengutachten
von Dr. N._ vom 8. Januar 2014 stellte Dr. E._ eine Übereinstimmung fest, indem
auch dieser Experte von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten
Tätigkeit ausgegangen sei (act. G 5.2/174.44 f.). Somit ist auch auf das Teilgutachten
der orthopädisch-traumatologischen Expertin abzustellen.
Zusammenfassend ist demnach - wie im gutachtlichen Konsens dargelegt - von
einer Arbeitsfähigkeit von 70 % sowohl in der angestammten als auch in einer
adaptierten Tätigkeit auszugehen (act. G 5.2/174.10). Auch für den Bereich Haushalt
gingen die Experten von einer medizinisch-theoretischen Einschränkung der
Leistungsfähigkeit von 30 % aus (act. G 5.2/174.15). Gemäss dem für den
Aufgabenbereich massgebenden Abklärungsbericht Haushalt vom 15. Januar 2020
liegt demgegenüber eine Einschränkung von lediglich 26 % vor, wobei dies auf das
Resultat wie gesagt keinen Einfluss hat (vgl. zur Massgeblichkeit der Abklärung an Ort
und Stelle (Haushaltsabklärung) den die Beschwerdeführerin betreffenden Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 23. Oktober 2013, IV 2011/336, Erw. 3.3 [act.
G 5.2/94.7]).
7.1.
Nachdem die Beschwerdeführerin bereits seit dem Arbeitsunfall im Mai 2009
keiner Erwerbstätigkeit mehr nachging, ist mit der Beschwerdegegnerin von einem
Prozentvergleich auszugehen. Der Invaliditätsgrad beträgt demnach 29,2 % ([30 % x
0,8] + [26 % x 0,2]). Folglich besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente mehr. Daran
würde selbst ein Leidensabzug von 15 % nichts ändern (Invaliditätsgrad 37,6 % [100%
- [100 x 0,7 x 0,85 x 0,8] - [100 x 0,74 x 1 x 0,2]]). Im Übrigen ist mit der
Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass mit der Berücksichtigung der auf Grund
der früheren Erkrankung reduzierten psychomentalen Ausdauer und Belastbarkeit
sowie der Stress- und Frustrationstoleranz bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung die
bestehende Leistungseinschränkung bereits berücksichtigt ist. So gab Dr. G._ an,
7.2.
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8.
dass während der Anwesenheitsdauer von 6 Stunden keine zusätzliche Einschränkung
der Leistung vorliege (act. G 5.2/174.69). Auch die übrigen geltend gemachten Gründe
wie die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, mangelnde Ausbildung und
Sprachkenntnisse sowie der Ausländerstatus rechtfertigen keinen Abzug (Urteile des
Bundesgerichts vom 25. November 2020, 8C_390/2020, E. 4.5.1; vom 30. April 2021,
8C_111/2021, E. 4.3.3; vom 30. Juli 2020, 8C_139/2020, E. 6.3.4 und vom 25. Oktober
2018, 9C_898/2017, E. 3.4). Es besteht somit kein Anspruch auf die Berücksichtigung
eines sogenannten Leidensabzugs.
Die Aufhebung der Rente erfolgte korrekt per erstem Tag des zweiten, auf die
Verfügung vom 3. Februar 2021 folgenden Monats, mithin per 1. April 2021
(Auszahlung somit bis Ende März 2021).
7.3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.8.1.
Das Verfahren ist kostenpflichtig, nachdem dies für Streitigkeiten über IV-
Leistungen im IVG vorgesehen ist. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 - 1000 Franken festgelegt (Art. 61
lit. f ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege (act. G 6)
ist sie von der Bezahlung zu befreien.
8.2.
bis bis
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Staat bezahlt zufolge der gewährten unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung (act. G 6) die Kosten der Rechtsvertretung der
Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote
eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 3'200.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
8.3.
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