Decision ID: 4ef14f05-1d8d-4ae3-908a-75321550ae69
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1917 und Bezüger eine
r
Altersrente,
wohnte
ab
1.
Mai 1999
bis zu seinem
Ü
bertritt
ins Heim
A._
per Ende April 2014
in einer
gemieteten
Alterswohnung an der
B._
,
C._
, und zwar bis zum 2
7.
November 2012 zusammen mit seiner Ehefrau
D._
(geboren
1922
), die zu diesem Zeitpunkt in ein Heim über
trat und am
7.
September 2014 verstarb (
Urk.
8/21-32).
Während dieses Zeit
raums verneinte die Stadt Zürich, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV (AZL)
,
mehrmals
einen Anspruch des Versicherten auf Zusatzleistungen infolge eines Einnahmenüberschusses (Schreiben und Verfügungen des AZL vom 2
3.
Juni 2011, 2
8.
März 2012 für die Zeit ab
1.
März 2012 und vom 1
6.
April 2013 für die Zeit ab
1.
D
ezember 2012 und
1.
Januar 2013;
Urk.
8/21/2,
Urk.
8/23,
Urk.
8/27).
Für die Zeit ab
1.
November 2013
wurde der bisherige Miet
vertrag ab
ge
löst durch einen vom
9.
Oktober 2013 datier
enden
Miet- und Pensionsvertrag, welcher eine Tagestaxe
von
Fr.
126.- vorsah
, wobei der Versicherte weiterhin in seiner Wohnung an der
B._
wohnte
(
Urk.
3/3-4
). Nachdem
das AZL
am 1
8.
November 2013
davon
Kenntnis
erlangt hatte (
Urk.
8/28
), ver
neinte
e
s
m
it Verfügung vom
9.
Januar 2014
einen Anspruch des Versicherten auf Zusatzleistungen für die Zeit ab
1.
November 2013 und
ab
1.
Januar 2014, abgesehen von monatlichen Gemeindezuschüssen von
Fr.
10.- ab
1.
November 2013 und
Fr.
13.-
ab
1.
Januar 2014
(
Urk.
8/34
).
Die Zusatzleistungen
ermit
-
telte
es
dabei
-
wie
bis anhin
während des Aufenthaltes an der
B._
-
auf der Basis für zu Hause lebende Person
en
.
Daran hielt es nach
ergangener
Einsprache vom 2
7.
Januar 2014 (
Urk.
3/1) mit Entscheid vom 1
0.
Februar 2014 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am
6.
März 2014 Beschwerde erheben (
Urk.
1) mit dem sinngemässen Antrag, in Aufhebung
des angefochtenen Entscheids sei der Anspruch auf Zusatzleistungen für die Zeit ab
1.
November 2013 und
ab
1.
Januar 2014
neu
auf der
Berechnungsbasis
für
Heimbewohn
er zu ermitteln. In der Beschwerdeantwort vom 2
9.
April 2014 schloss das AZL auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
, was dem Beschwerdeführer am 1
5.
Juni 2015 mitgeteilt wurde (
Urk.
16).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Vor
aussetzungen nach Art. 4-6 des
Bundesgeset
zes über Ergänzungsleistungen zur Alters-
, Hinterlassenen- und Invalidenversi
cherung (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tungen bestehend aus Ergänzungsleistungen, Beihilfen und Zuschüssen zur Deckung ihres Exis
tenzbe
darfs (Art. 2 Abs. 1 ELG; §§ 1, 13, 15 und 20 Abs. 1 des
Zusatz
leistungsgesetzes,
ZLG).
1.2
Die Ergänzungsleistungen bestehen aus der jährlichen Ergänzungsleistung sowie aus der Vergü
tung von Krankheits- und Behinderungskosten (Art. 3 Abs. 1 ELG). Die jährliche Ergänzungsleistung hat dem Betrag zu entsprechen, um den die aner
kannten
Ausgaben
die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG).
Für in Heimen oder Spitälern wohnende Personen sind dazu in den Art. 10 Abs. 2 und 11 Abs. 2 ELG spezielle Regelungen getroffen wor
den. So wird gemäss Art. 10 Abs. 2 ELG die Tagestaxe als Ausgabe anerkannt; die Kantone können die Kosten begrenzen, die wegen des Aufenthaltes in einem Heim oder Spital berücksichtigt werden; sie sorgen dafür, dass durch den Auf
enthalt in einem anerkannten Pflegeheim in der Regel keine
Sozialhilfeab
-
hängigkeit
begründet wird (
lit
. a).
Bei Personen, die nicht dauernd oder längere Zeit in einem Heim oder Spital leben (zu Hause lebende Personen),
wird nach Art. 10 Abs. 1 ELG unter anderem ein Höchstbetrag
für die Mietkosten als Ausgabe
anerkannt (
lit
. b).
1.3
Nach Art. 9 Abs. 5
lit
. h ELG bestimmt der Bundesrat die Definition des Heimes. Auf dieser Delegationsgrundlage hat er in Art. 25a Abs. 1
der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversiche
rung (ELV)
geregelt, dass als Heim jede Einrichtung gilt, die von einem Kanton als Heim anerkannt wird oder über eine kantonale Betriebsbewilligung verfügt.
Die
Begriffsbestimmung von Art. 25a Abs. 1 ELV
ist bundesrechtskonform (BGE 139 V 358). Sie
entbindet Durchführungsstellen und Gerichte von schwierigen Abgrenzungsfragen, indem sich die genannten Behörden an das rein formelle Kriterium einer kantonalen Heimanerkennung oder einer kantonalen
Betriebs
bewilligung
als Heim zu halten haben (
Urteil des Bundesgerichts 9C_212/2014 vom
8.
April 2015, E.
3.1). Der gesetzlichen Vorgabe
von Art. 25a Abs. 1 ELV
genügt eine kantonale
Liste (
BGE 139 V 358 E. 4.5)
.
2.
Streitig und zu prüfen ist,
ob
d
er
Beschwerdeführer
bei der
Ermittlung
der
Zusatz
leistungen
für die Zeit ab
1.
November 2013 und
ab
1.
Januar 2014
als zu Hause lebende Person (Art. 10 Abs. 1 ELG) oder als Person, die dauernd oder längere Zeit in einem Heim lebt (Art. 10 Abs. 2 ELG), zu betrachten ist.
Diese Frage hängt davon ab, ob der Beschwerdeführer in dieser Zeit in einem Heim im Sinne von Art. 25a Abs. 1 ELV ge
lebt hat.
Dies ist zu verneinen.
Denn
das Haus an der
B._
war
im mass
gebenden Zeitraum weder vom Kanton als Heim anerkannt
,
noch
bestand
eine ents
prechende Betriebs
bewilligung
im Sin
ne von Art. 25a Abs. 1 ELV (Alters- und Pflegeheimliste des Kantons Zürich, Stand 1
5.
Januar 2014,
Urk.
3/6 S. 5; Auskunft der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich vom
7.
Januar 2014 per E-Mail,
Urk.
8/9
;
§
1 der Zusatzleistungsverordnung, ZLV
), was unbestritten ist (
Urk.
1-2). Demnach lebte der Beschwerdeführer im mass
gebenden Zeitraum nicht in einem
Heim nach
Art.
25a Abs. 1 ELV.
Die
Vor
bringen
des Versicherten
,
wonach er bereits seit langer Zeit an der
B._
gewohnt und bis Ende Oktober 2013
noch mehrheitlich selb
er
für sich
gesorgt
,
danach jedoch infolge zunehmender Altersbeschwerde
n
den ihn entlastenden Miet- und Pensionsvertrag abgeschlossen habe
und ein Umzug in seinem Alter belastend sei
,
ändern nichts
daran
.
Denn d
iese Umstände sind nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht
massgebend
bei der
Definition des
Heim
s
.
Die
Anspruchsermittlung der Zusatzleistungen für die Zeit ab
1.
November 2013
und
ab
1.
Januar 2014
durch die Beschwerdegegnerin
ent
spricht somit
der Rechts- und Aktenlage und ist
daher
grundsätzlich zu bestäti
gen.
3.
3.1
Mit Blick auf den Grund
satz von Treu und Glauben macht
der Beschwerdefüh
rer geltend, die Beschwerde
gegnerin habe bei der Verfügung
für seine Frau nach deren Umzug nicht erwähnt,
dass
der Abschluss eines P
ensionsvertrages
nachteilige
Konsequenzen haben könne. Sie habe daher die
Aufklärungspflicht
verletzt
.
3.2
Nach
Art.
27 Abs. 2 ATSG besteht ein individuelles Recht auf Beratung durch den zuständigen Versicherungsträger. Jede versicherte Person kann vom Versicherungsträger im konkreten Einzelfall eine unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten verlangen. Sinn und Zweck der Beratungspflicht ist, die betreffende Person in die Lage zu versetzen, sich so zu verhalten, dass eine den gesetzgeberischen Zielen des jeweiligen Erlasses entsprechende Rechtsfolge eintritt. Die Beratungspflicht nach
Art.
27 Abs. 2 ATSG besteht aber nicht
voraussetzungslos. Es muss ein hinreichender Anlass zur Information gegeben sein, was etwa dann der Fall ist, wenn für den zuständigen Versicherungsträger bei einem durchschnittlichen Mass an Aufmerksamkeit erkennbar die versicherte Person durch ein bestimmtes Verhalten Leistungsansprüche zu gefährden vermag (Urteil des Bundesgerichts 8C_988/2008 vom 1
4.
Ma
i 2009, E. 4.2.2
).
3
.3
Ein solcher hinreichender Anlass zur Information ist
hier
nicht ersichtlich.
Denn weder
macht der
Beschwerdeführer geltend
,
noch liegen
aufgrund der Akten
Anhaltspunkte
dafür vor, dass er oder seine Rechtsv
ertreter rechtzeitig vor dem Abschluss des vom
9.
Oktober 2013 datieren
den
Miet- und Pensionsvertrag
s
(
Urk.
3/3) mit einer
entsprechend
konkreten Anfrage an die Beschwerdegegnerin gelangten.
Andererseits
kann vom Versicherungsträger nicht verlangt werden, dass er die Versicherten über alle auch nur theoretisch
denkbaren Ansprüche informiert.
Somit bestand kein Anlass für eine weitergehende
Informations
pflicht
seitens der Beschwerdegegnerin.
Der
angefochtene Entscheid
hält somit auch
unter vertrauensschutzrechtlichen Gesichtspunkten stand.
4.
Die Ermittlung der Zusatzleistungen für die Zeit ab
1.
November 2013
und
ab
1.
Januar 2014
blieb im Übrigen unbestritten, und es bestehen diesbezüglich keine Anhaltspunkte für Fehler.
Diese Erwägungen fü
hren
zur Abweisung der Beschwerde.