Decision ID: 40928e2d-dc9e-4676-86a1-87ad5cdf9cf4
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
I._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Patrick F. Wagner, WMP Rechtsanwälte,
Obertorplatz 7, 4310 Rheinfelden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1964 in Mazedonien geborene I._ arbeitete vom 1. Juli 1994 bis ca. 15.
Januar 2006 als Staplerfahrer und Hauswart für die A._ AG (IV-act. 7/1). Er meldete
sich am 23. Januar 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an und beantragte die
Ausrichtung einer Invalidenrente. Im Anmeldeformular gab er an, er leide seit dem 21.
Dezember 2000 an einem unfallbedingten Schleudertrauma und an einer Depression
(IV-act. 1). Im Arztbericht zuhanden der IV-Stelle vom 2. Februar 2007 nannte der
behandelnde Hausarzt Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, die Diagnosen einer
Depression mit somatischen Symptomen seit dem 5. Januar 2006 sowie einer
somatoformen Schmerzstörung bei chronischer Cervico-Cephalgie nach Distorsion der
Halswirbelsäule seit Dezember 2000. Der Hausarzt bescheinigte eine vollständige,
berufsübergreifende Arbeitsunfähigkeit seit dem 5. Januar 2006 (IV-act. 6/5-7).
A.b Die IV-Stelle holte verschiedene Arztberichte ein und nahm die medizinischen
Unterlagen der Krankentaggeldversicherung und der SUVA zu den Akten. Auf
Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes(RAD) der Invalidenversicherung (IV-
act. 16/1-3) wurde am 17. September 2007 eine interdisziplinäre Begutachtung durch
das ABI, Ärztliches Begutachtungsinstitut GbmH, Basel, angeordnet (IV-act. 37). Der
Rechtsvertreter des Versicherten beanstandete am 29. September 2007 die Eignung
dieser medizinischen Abklärungsstelle für die Erfüllung des Auftrags (IV-act. 38). Unter
dem Gesichtspunkt, dass Einwendungen materieller Natur erst im Rahmen der
Beweiswürdigung zu prüfen seien, lehnte die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 8.
Oktober 2007 die Einwände des Rechtsvertreters ab (IV-act. 41). Die Untersuchung
und Begutachtung erfolgten am 14. und 15. Januar 2008. Aus der Diagnose einer
leichten depressiven Episode resultierte nach dem ABI-Gutachten vom 11. Februar
2008 eine Arbeitsfähigkeit von 80% (ganztags) in körperlich leichten bis mittelschwer
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belastenden beruflichen Tätigkeiten (IV-act. 43). Sowohl der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers als auch dessen Hausarzt nahmen am 5. Mai bzw. 27. Mai 2008
zum ABI-Gutachten Stellung (IV- act. 51 und 52).
B.
Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (IV-act. 58-60) und gestützt auf die
Feststellungen im ABI-Gutachten wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 20. Oktober
2008 das Leistungsbegehren des Versicherten ab. Sie begründete ihren Entscheid
damit, dass dem Versicherten die bisherige Tätigkeit sowie eine leidensadaptierte
Tätigkeit zu 80% zumutbar seien. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 60'512.-- und
einem Invalideneinkommen von 48'410.-- ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 20%, der
unter den erforderlichen 40% liege (IV-act. 61).
C.
C.a Gegen die rentenverweigernde Verfügung richtet sich die Beschwerde vom
19. November 2008 (act. G. 1). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, pat.
Rechtsagent Hans Rüdliger, beantragt am 5. Januar 2009 innert angesetzter Nachfrist
- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen - die Ausrichtung einer Rente ab 6. Januar
2007 auf der Basis eines Invaliditätsgrads von 100%. Nach Erreichen der
medizinischen Abklärungen sei eine Neubeurteilung vorzunehmen. Er ersucht zudem
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (act. G. 4). Letzteres wurde ihm am
26. Februar 2009 bewilligt (act. G. 8). In der Beschwerdebegründung führt er im
Wesentlichen aus, alle aktenkundigen Arztberichte hätten eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit seit Januar 2006 attestiert und der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers habe sich seitdem nicht verändert. Er beanstandet, dass das ABI
Basel zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen sei und dass die IV-Stelle das ABI-
Gutachten übernommen habe, ohne eine eigene eingehende Wertung vorzunehmen
und weitere Verlaufsberichte zu verlangen. Die psychiatrische ABI-Diagnose einer
leichten Depression beruhe nicht auf einer sorgfältigen Untersuchung und sei auch
nicht hinreichend begründet worden. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die anderen
vom ABI gestellten Diagnosen keine Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit haben
sollten. Die Beschwerdegegnerin stelle mit dem ABI-Gutachten nicht auf eine
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realistische Verwertbarkeit der Leistungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt, sondern auf
eine rein theoretische Beurteilung ohne besonders umschriebene, zumutbare
Tätigkeiten ab. Zudem habe sie keine EFL-Abklärung durchführen lassen. Es sei auf die
beigelegte Diagnose bzw. Einschätzung der Leistungsfähigkeit vom 22. Dezember
2008 durch Frau Dr. med. C._ als Ärztin der kantonalen psychiatrischen Dienste
abzustellen, welche den Beschwerdeführer als 100% arbeitsunfähig beurteile (act. G.
4).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 26. Februar
2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass das ABI
im Gegensatz zu behandelnden Ärzten strikt versicherungsmedizinischen Prämissen
folge. Der Beschwerdeführer sei beim ABI unter Einbezug eines neurologischen und
psychiatrischen Konsiliums umfassend untersucht worden, womit eine
Gesamtbetrachtung im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung gewährleistet
gewesen sei. Er sei
- unter Berücksichtigung der Vorakten, der persönlichen Anamnese und der erhobenen
Befunde - ausführlich psychiatrisch untersucht worden. Aufgrund der harmlosen
Befundlage habe das ABI zu Recht lediglich eine leicht depressive Episode
diagnostiziert. Der Beschwerdeführer habe sich zwar während der Exploration in einem
etwas apathischen Zustand präsentiert. Er habe aber ausgeprägt aggraviert. Die
Einschätzung des psychischen Gesundheitszustands durch den Hausarzt als
Allgemeinmediziner sei nicht verwendbar und enthalte keine objektiv feststellbaren
Gesichtspunkte, die zur Abweichung von der ABI-Begutachtung führen würden. Das
ABI sei nicht verpflichtet, Verlaufsberichte bei behandelnden Ärzten einzuholen. Der
Bericht des psychiatrischen Zentrums vom 22. Dezember 2008 gehe nicht auf das ABI-
Gutachten ein und begründe seine abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht.
Beim Beschwerdeführer liege nicht der Fall vor, dass die somatoforme Schmerzstörung
zusammen mit der depressiven Episode seine Arbeitsfähigkeit einschränke. Die
aggravatorisch geltend gemachten psychischen und funktionellen Beschwerden sowie
die weiteren Diagnosen seien nicht invalidisierend. Hinzu komme, dass der
Beschwerdeführer die verordneten Antidepressiva gar nicht bzw. nicht in der
verordneten Menge einnehme, was wichtige Hinweise über den effektiven
Leidensdruck und die Konsistenz der Beschwerden liefern würde. Das ABI habe die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers richtigerweise medizinisch-theoretisch
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festgelegt, weil das Invalideneinkommen gestützt auf eine zumutbare Tätigkeit auf dem
hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu bestimmen sei. Es sei nicht ersichtlich,
inwiefern das ABI- Gutachten bezüglich der erhobenen Befunde und der gestellten
Diagnosen rechtsfehlerhaft sein solle. Auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung im
somatischen Bereich sei schlüssig. Demgegenüber stehe die psychiatrisch
festgesetzte Arbeitsfähigkeit von lediglich 80% nicht im Einklang mit der
Rechtsprechung des Bundesgerichts. Die festgestellte leichte depressive Störung sei
von vornherein nicht invalidisierend. Es sei davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Das
Valideneinkommen betrage Fr. 59'280.- und das Invalideneinkommen Fr. 59'197.-.
Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 0%. Der Beschwerdeführer habe somit
keinen Anspruch auf eine Invalidenrente (act. G. 6).
C.c In der Replik vom 2. Juni 2009 macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
unter anderem geltend, dass keine Aggravation im versicherungstechnischen Sinne
vorliege, weil der Beschwerdeführer von seinem Verhalten überhaupt nicht profitiere,
sondern sich selbst und seine Familie belaste. Die Einwände gegen das ABI-Gutachten
seien nicht geprüft und die Verschlechterung des Gesundheitszustandes sowie die
Vorschläge zur Rehabilitation seien ignoriert worden. Die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer während der psychiatrischen Untersuchung eingenässt habe, zeuge
von einer massiven psychischen Belastung, bei der er seine Körperfunktionen nicht
mehr unter Kontrolle gehabt habe, und widerspreche der Annahme einer Aggravation.
Die Voraussetzungen einer Komorbidität seien erfüllt. Die Unterstellung der
Nichteinnahme der Medikamente halte nicht stand, weil die Gutachter nicht einmal
gewusst hätten, welche ärztliche Verordnung zu befolgen sei. Die Gutachter hätten
auch keine Angabe darüber gemacht, welche Werte bei der Dosierung im Blut oder
Urin nachweisbar sein müssten. Andererseits könne man auch keine korrekte
Beurteilung der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vornehmen, solange das gesamte
Krankheitsbild nicht geklärt sei (act. G 14).
C.d Mit Schreiben vom 27. Mai 2010 teilt Rechtsanwalt lic. iur. Patrick F. Wagner,
Rheinfelden, dem Gericht mit, er vertrete inzwischen die Interessen des
Beschwerdeführers im Zusammenhang mit seinem Unfall vom 19. Dezember 2000 (G
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18). Dies ist von pat. Rechtsagent Hans Rüdlinger, Ebnat-Kappel, bestätigt worden (G
20).

Erwägungen:
1.
Das vorliegende Beschwerdeverfahren befasst sich mit dem Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente und die Bemessung des Invaliditätsgrads.
Umstritten ist dabei insbesondere die tatsächliche Feststellung der
Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer gestützt auf das ABl-Gutachten vom
27. Februar 2008 in der bisherigen Tätigkeit als Staplerfahrer bzw. beim
Hauswartdienst sowie in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 80% arbeitsfähig sei. Der
Beschwerdeführer hat zwar im Verwaltungsverfahren nur die Invalidenrente beantragt.
Ergäbe sich aber, dass die Voraussetzungen für eine Rente erfüllt wären, gehörte zum
Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" beachtet bzw. zumutbare Eingliederungsmöglichkeiten
ausgeschöpft habe.
2.
Angefochten ist eine Verfügung, die nach dem Inkrafttreten der 5. IV-Revision vom
1. Januar 2008 ergangen ist. Die massgebenden Grundlagen der
Invaliditätsbemessung haben sich mit der 5. IV-Revision nicht geändert. Diesbezüglich
erübrigt sich die Frage nach dem anwendbaren Recht. Der Beginn des
Rentenanspruches hingegen ist anders geregelt worden. Ein Antragsteller richtet
vertrauensgemäss sein Verhalten bzw. nimmt eine Rechtshandlung vor nach dem zu
jener Zeit geltenden Recht. Vorliegend erfolgte die IV-Anmeldung am 23. Januar 2007
und der Beschwerdeführer brachte eine Arbeitsunfähigkeit ab 5. Januar 2006 vor (IV-
act. 6/1-7). Deshalb ist - im Sinne des Gleichbehandlungsgebots und des Handelns
nach Treu und Glauben - in Bezug auf den allfälligen Rentenbeginn die bis zum 31.
Dezember 2007 gültig gewesene Bestimmung anzuwenden. Gemäss dem früheren Art.
29 Abs. 1 lit. b IVG entstand der Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in dem
die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
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durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen war. Die Rente
könnte zudem für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate nachbezahlt
werden (Art. 48 Abs. 2 aIVG). Streitgegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens ist somit ein allfälliger Anspruch auf Invalidenrente ab Januar
2007.
3.
Unter Invalidität wird bei Personen, welche ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung voll
erwerbstätig wären, die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Invaliditätsbemessung,
welche das Mass der Zurücksetzung der erwerblichen Leistungsfähigkeit infolge
gesundheitlicher Beeinträchtigung ergeben soll, sind zunächst die medizinischen
Vorbedingungen von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 125 V 261 E. 4; ZAK 1982 S. 34; Rz 3047 f. des vom Bundesamt für
Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung = KSIH). Die IV-Stelle hat zu prüfen, wie sich die
invaliditätsbedingten Faktoren auf die Vermittlungsfähigkeit und die
Erwerbsmöglichkeiten auswirken (Rz 3049 KSIH). Ob die versicherte Person eine ihr
zumutbare Tätigkeit auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung
hingegen unerheblich (Rz 3046 KSIH).
Es stellt sich vorliegend primär die Frage, ob gestützt auf das polydisziplinäre ABI-
Gutachten vom 11. Februar 2008 die Beschwerdegegnerin eine Arbeitsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit von 80% im massgeblichen Zeitraum als gegeben
annehmen durfte. Dabei ist zu überprüfen, ob die medizinischen Feststellungen und die
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daraus resultierenden ärztlichen Stellungnahmen zur Arbeitsunfähigkeit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit richtig sind.
4.
Zu prüfen ist zunächst, ob das polydisziplinäre ABI-Gutachten die formellen
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an die Beweistauglichkeit erfüllt.
4.1 Die IV-Stellen können medizinische Abklärungsstellen beiziehen (Art. 59 Abs. 3
IVG). Das Bundesamt für Sozialversicherung trifft mit Spitälern oder anderen
geeigneten Stellen Vereinbarungen über die Einrichtung von medizinischen
Abklärungsstellen, welche die zur Beurteilung von Leistungsansprüchen erforderlichen
ärztlichen Untersuchungen vornehmen (Art. 72 IVV). Auch mit dem ABI in Basel hat
das Bundesamt für Sozialversicherung eine entsprechende Vereinbarung
abgeschlossen. Es handelt sich beim ABI also um eine anerkannte MEDAS. Unter
Hinweis auf frühere medial verbreitete Manipulationsvorwürfe und aufgrund der
schlechten persönlichen Erfahrungen stellt der Rechtvertreter des Beschwerdeführers
die Objektivität jedes ABI-Gutachtens in Frage (IV-act. 38; act. G 14). Eine pauschale
Skepsis über eine MEDAS vermag allerdings den Beweiswert eines Gutachtens nicht
zu entkräften. Vielmehr ist einzelweise zu prüfen, ob das fragliche Gutachten die
Anforderungen an die Beweistauglichkeit erfüllt (vgl. die Urteile des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2007/11 vom 4. Juli 2007 E. 2b; IV
2007/373 vom 20. Dezember 2007 E. 2.3; IV 2007/341 vom 29. Dezember 2008 E. 2.3.;
IV 2006/295 vom 8. Mai 2008 E. 3.1).
4.2 Für den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens ist ausschlaggebend, ob es
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a; BGE 122 V 160 E. 1c).
4.3 Das ABI-Gutachten vom 11. Februar 2008 stellt eine Beurteilung des
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht
bis
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dar, die nach der Aufnahme der Anamnese, nach eigenen Untersuchungen und sowie
unter der Berücksichtigung der Vorakten und der Angaben des Beschwerdeführers
erfolgt ist. Zwar ist dabei nicht zu jeder einzelnen abweichenden ärztlichen Meinung
ausdrücklich Stellung genommen worden, aber dies wird von der Rechtsprechung
auch nicht gefordert (Urteil des Bundesgerichtes 8C_669/2008 vom 25. Februar 2009,
E. 3). Jedenfalls ist zu bestimmten Aspekten gezeigt worden, wo das Gutachten und
die anderen ärztlichen Einschätzungen in Einklang stehen. Die Begutachtung beruht
auf den Erkenntnissen allgemeinmedizinischer, psychiatrischer und neurologischer
Fachrichtungen sowie auf einer multidisziplinären Konsensdiskussion. Sie ist
umfassend, beantwortet die rechtlich relevanten Fragen und legt nachvollziehbar die
Gedankengänge dar, aufgrund derer sie zu ihren Schlussfolgerungen kommt. Die oben
erwähnten differenzierten Anforderungskriterien der Begutachtung sind somit erfüllt. Es
handelt sich dabei allerdings nur um formelle Qualitätskriterien. Damit wird noch nichts
über die inhaltliche Richtigkeit des Gutachtens gesagt, was im Folgenden zu prüfen ist.
5.
Hinsichtlich des Vorgehens bei der psychiatrischen ABI-Untersuchung lässt der
Beschwerdeführer die angeblich kurze Dauer der Exploration rügen. Zudem bemängelt
er, dass für die psychiatrische Begutachtung nicht mehrere Gespräche in Anwesenheit
von zwei Psychiatern geführt, dass keine Testverfahren und auch keine Befragungen
im Umfeld des Beschwerdeführers durchgeführt worden seien (IV-act. 51 und act. G 4).
5.1 Angaben zur Dauer der psychiatrischen Untersuchung fehlen zwar im ABI-
Gutachten. Angesichts der darin enthaltenen detaillierten Feststellungen erscheint es
als wenig glaubwürdig, dass die Exploration nicht mehr als 15 Minuten gedauert haben
soll. Jedenfalls kann es für den Aussagegehalt des Gutachtens nicht auf die Dauer der
Untersuchung ankommen. Massgeblich ist vielmehr, ob das Gutachten inhaltlich
vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Ulrich Meyer-Blaser, Rechtliche Vorgaben an
die medizinische Begutachtung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der
medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, 1997, S. 23 f.; Urteil
9C_170/2009 vom 6. Mai 2009 E. 2.2 mit Hinweisen). Es bestehen vorliegend
schliesslich – auch im Gesamtkontext des medizinischen Dossiers – keinerlei Hinweise
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auf materielle Mängel des Berichts (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_531/2007 vom
3. Juni 2008 E. 2.2.4).
5.2 Der Einbezug eines zweiten Psychiaters mit beobachtender Funktion mag in
konkreten Fällen sinnvoll sein. Dabei kann es sich aber nicht um eine allgemeine
Beweisanforderung handeln. Die durchgeführte multidisziplinäre Konsensdiskussion
und die Berücksichtigung der einschlägigen Vorakten genügen im vorliegend zu
beurteilenden Fall zur Abklärung der Psychopathologie. Es ist auch nicht einzusehen,
weshalb in jedem Fall Tests durchgeführt werden müssten. Denn bei der
psychiatrischen Exploration kommt dem schematischen, testmässigen Erfassen der
Psychopathologie nach bestimmten Skalen, die auf den Angaben und Einschätzungen
der versicherten Person selbst beruhen, höchstens ergänzende Funktion zu;
entscheidend ist die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung,
Symptomenerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichtes
9C_531/2007 vom 3. Juni 2008 E. 2.2.4).
5.3 Die fragliche psychiatrische Untersuchung beschränkte sich nicht auf die
klinischen Erhebungen. Sie berücksichtigte das psychosoziale Umfeld.
Fremdanamnestische Abklärungen sind bei der psychiatrischen Begutachtung nicht
unerlässlich. Eine Fremdanamnese kann zwar eine zentrale Erfahrung für den Arzt
darstellen, aber der medizinische Sachverständige muss sich von entsprechenden
Erhebungen einen wesentlichen Erfahrungsgewinn versprechen können (Urteil des
Bundesgerichtes I 58/06 vom 13. Juni 2006 E. 2.3). Vorliegend verfügte der
psychiatrische Gutachter über umfangreiche medizinische Vorakten und der
Beschwerdeführer lieferte genügend Auskünfte, so dass von einer Fremdanamnese
abgesehen werden konnte.
6.
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers kann nicht gefolgt werden, wenn er das
Vorliegen einer umfassenden neurologischen Untersuchung in Zweifel zieht (IV-act. 51).
Dr. med. D._, Neurologie FMH, hat in seinem ABI-Teilgutachten berichtet, für die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes ab 2006 habe man bildgebend keine
degenerativen Veränderungen feststellen können. Dabei hat er sich auf einen Bericht
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der Abteilung für Radiologie der Klinik Stephanshorn über die cervico-vertebrale
Kernspintomographie und die Funktionsaufnahme der HWS vom 19. Oktober 2006
gestützt (vgl. IV-act. 6/17). Die Beschwerdeschilderung sei somit aus somatischer Sicht
nicht schlüssig erklärbar. Der Beschwerdeführer mache wechselnde Angaben über
Sensibilitätsverminderungen an verschiedenen Stellen des Körpers, welche weder ein
segmentales Verteilungsmuster zeigten noch auf eine zentrale Ursache zurückgeführt
werden könnten. Der Neurologe hat keine somatisch-neurologische Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (IV-act. 43/11-13). Auf Veranlassung des
Hausarztes hatte vom 17. Mai bis 22. Mai 2006 im Kantonspital St. Gallen eine
stationäre, neurologische Abklärung bezüglich Wesensveränderungen beim
Beschwerdeführer stattgefunden. Gemäss Austrittsbericht vom 29. Mai 2006 hatten die
Spezialisten aber keine neurologische Ursache für die Beschwerden eruieren können
(IV-act. 6/9-12). Anlässlich eines Aufenthalts zur stationären Rehabilitation in der Klinik
Gais vom 26. Oktober bis 17. November 2006 war ein neurologisch unauffälliger Status
festgestellt worden (IV-act. 6/19-21). Die verschiedenen Arztberichte stimmen also mit
der Auffassung des neurologischen ABI-Teilgutachtens überein.
7.
7.1 Die Gerichte beauftragen Gutachter als sachverständige Hilfspersonen, damit
diese ihnen das benötigte Fachwissen zur Feststellung des erheblichen Sachverhalts
liefern. Aufgabe des medizinischen Gutachters ist es zu beschreiben, inwiefern die
körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt sind, und ein
Fähigkeitsprofil zu erstellen, das die verbliebene Leistungsfähigkeit in der bisherigen
bzw. in anderen Tätigkeiten und die Eingliederungsaussichten einschätzt. Die ärztliche
Auskunft bildet die Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen
der versicherten Person zuzumuten sind (R. Rüedi, Das Medizinische Gutachten –
Erwartungen des Sozialversicherungsrichters an den Arzt, in: Medizinische Gutachten,
Gabriela Riemer-Kafka (Hrsg.), Zürich 2005, S. 77 f.; vgl. BGE 125 V 261 E. 4).
7.2 Das polydisziplinäre ABI-Gutachten führt als einzige Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) an. Zudem haben die
Gutachter eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54), chronische Kopf- und
Nackenschmerzen, Schlafstörungen und Schwindelbeschwerden, sehr wahrscheinlich
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funktionell bedingt (ICD-10 R51), einen Status nach HWS-Distorsionstrauma am
19. Dezember 2000 (ICD-10 S13.4), ein metabolisches Syndrom (ICD-10 E88.9), einen
Nikotinabusus (ICD-10 F17.1) und eine Medikamenten-Malcompliance (ICD-10 Z91.1)
diagnostiziert. Dass die letzteren Diagnosen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
haben (IV-act. 43), ist nach der Auffassung des Rechtvertreters des Beschwerdeführers
nicht nachvollziehbar und sei von den Gutachtern nicht begründet worden (IV-act. 51;
act. G. 4). Dem ist entgegenzuhalten, dass eine Diagnose zwar notwendig ist, um einen
Gesundheitsschaden zu erfassen; sie besagt aber als solche nichts über die
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Das Ausmass der zumutbaren Leistung
korreliert vielmehr mit den fachärztlich erhobenen Befunden, also den konkreten
Beeinträchtigungen der organischen und psychiatrischen Integrität und mit den
entsprechenden Konsequenzen für die qualitative und quantitative arbeitsbezogene
Funktionalität (Urteil des Bundesgerichtes I 705/06 vom 16. August 2007 E. 3.3.2.).
7.3 Vorliegend sind die vorgebrachten Beschwerden mit somatischen Befunden nicht
erklärbar (IV-act. 43/11-13). Was der Neurologe nicht sichtbar machen könne, sei trotz
langjähriger Therapie und Anamnese nicht da, meint der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers im Sinne einer Kritik des wissenschaftlichen Positivismus (IV-act.
51). Auch wenn sich der Hausarzt kritisch dazu äussert, räumt er in seiner
Stellungnahme vom 5. Mai 2008 ein, dass nur ein Schmerz, dessen Ursache durch
Bildgebung oder Labormessparameter nachweisbar ist, eine Arbeitsunfähigkeit aus
versicherungsmedizinischer Sicht begründe (IV-act. 52). In Anbetracht der sich mit
Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten genügen
gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung die subjektiven Schmerzangaben der
versicherten Person für die Begründung einer Invalidität allein nicht; vielmehr muss im
Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass
die Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare
Befunde hinreichend erklärbar sind, andernfalls sich eine rechtsgleiche Beurteilung der
Rentenansprüche nicht gewährleisten liesse (BGE 130 V 353 E. 2.2.2). Vorausgesetzt
sind objektivierbare Ergebnisse, die reproduzierbar und von der Person der
Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind (Urteil des
Bundesgerichtes 8C_806/2007 vom 7. August 2008 E. 8.2.). Deshalb ist nicht zu
beanstanden, dass die vorliegende Begutachtung versicherungs-medizinischen
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Kriterien folgt und mangels krankheitswertiger Befunde bei mehreren Diagnosen die
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verneint.
7.4 Unter den Befunden sind immerhin auch psychische Beeinträchtigungen erwähnt.
Es herrscht ein fachmedizinischer Konsens darüber, dass sich die Diskussion bei nicht
nachweisbaren Schädigungen im Hinblick auf die ärztlichen Stellungnahmen zur
Arbeitsfähigkeit auf die Frage verlagert, inwiefern die psychische Störung – bei
zumutbarer Willensanstrengung – als überwindbar betrachtet wird. Wichtiger als die
Diagnose ist daher die sozial-praktische Auswirkung einer Erkrankung, also die
gutachterliche Stellungnahme zur Zumutbarkeit einer Arbeitsleistung trotz empfundener
Schmerzen (BGE 130 V 402 E. 6.2.3; vgl. BGE 131 V 50 E. 1.2 und BGE 130 V 353 E.
2.2.1).
8.
Damit kann die Einschätzung der zumutbaren Arbeitsleistung nur ausgehend vom
psychischen Leiden des Beschwerdeführers erfolgen. Dabei sind die vorgebrachten
Schmerzen als solche ohne organisches Substrat einzubeziehen. Die Invalidität kann
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erfasst
wird mit dem Begriff Krankheit jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die medizinische
Untersuchung und Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (Art.
3 Abs. 1 ATSG). Zu prüfen ist deshalb im Folgenden, ob im zu beurteilenden Fall ein
psychisches Leiden mit invalidisierender Wirkung vorliegt.
8.1 Dr. med. E._, Psychiatrie & Psychotherapie FMH, ist in seinem ABI-Teilgutachten
von einer psychischen Überlagerung ausgegangen, weil sich das Ausmass der
geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung mit somatischen
Befunden nicht begründen liessen (IV-act. 43/8-10). Auch wenn gemäss den Angaben
des Beschwerdeführers mehrere Symptome wie Interessenverlust, verminderte
Konzentration, ausgeprägte Müdigkeit, Schuldgefühle oder Gedanken über eigene
Wertlosigkeit, Schlafstörungen, Libidoverlust vorhanden sind, hat der psychiatrische
Gutachter die Diagnose einer leichten depressiven Episode gestellt (vgl. ICD-10 F32.0).
Letzteres entspricht den im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 definierten
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Kriterien, wonach der Grad der depressiven Episode nicht nur nach der Anzahl,
sondern nach der Schwere der Symptome einzuschätzen ist. Der psychiatrische
Gutachter schliesst die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
aus, weil der Beschwerdeführer bis 2006 nicht unter lang anhaltenden psychosozialen
oder emotionalen Belastungsfaktoren gelitten habe (vgl. ICD-10 F45.4). Es handle sich
eher um eine Schmerzverarbeitungsstörung (vgl. ICD-10 F54). Über diese
medizinischen Tatsachenfeststellungen darf sich das Gericht in seiner freien
Beweiswürdigung nicht hinwegsetzen (BGE 130 V 356 E. 2.2.5), es sei denn, andere
ärztliche Berichte liefern hinreichende Beweisgrundlagen, um davon abzuweichen.
8.2 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität bewirken. Das Vorliegen eines
fachärztlich ausgewiesenen psychischen Leidens mit Krankheitswert ist somit aus
rechtlicher Sicht wohl Voraussetzung, aber nicht hinreichende Basis für die Annahme
einer invalidisierenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Vielmehr besteht eine
Vermutung dafür, dass das psychische Leiden oder seine Folgen mit einer zumutbaren
Willensanstrengung überwindbar seien. Damit eine psychische Störung als
invalidisierend gilt, muss sie eine derartige Schwere aufweisen, dass der versicherten
Person die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei
objektiver Betrachtung - und unter Ausschluss von Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit, die auf aggravatorisches Verhalten zurückzuführen sind - sozial-
praktisch nicht mehr zumutbar ist oder dies für die Gesellschaft gar untragbar ist. Die
Annahme einer solchen Unzumutbarkeit setzt jedenfalls das Vorliegen einer
mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher Schwere,
Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer qualifizierter,
mit gewisser Intensität und Konstanz in BGE 130 V 352 erwähnter Kriterien voraus
(BGE 131 V 50 E. 1.2; BGE 130 V 353ff E. 2.2.1, 2.2.2. und 2.2.3).
8.3 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht geltend, die Voraussetzungen
der Komorbidität seien vorliegend erfüllt (act. G 14). Es wäre dann im Sinne von
BGE 130 V 352 zu prüfen, ob der vom Rechtsvertreter vorgebrachte Umstand oder
andere erhebliche Umstände gegeben sind, welche die Schmerzbewältigung im
Hinblick auf die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit behindern. Nach dem ABI-Gutachten
zeigt der Beschwerdeführer jedoch eindeutig ein aggravatorisches und demonstratives
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Verhalten (IV-act. 43), was gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung gegen den
invalidisierenden Charakter des psychischen Leidens spricht. Die Frage ist deshalb
nicht so sehr, ob entsprechend den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und
nach der bislang erfolglosen therapeutischen Behandlung von nicht überwindbaren
Umständen auszugehen ist, als vielmehr, ob triftige Anhaltspunkte für die Annahme
einer Aggravation vorliegen.
8.3.1 Eine Aggravation besteht aus medizinischer Sicht in der bewussten Übertreibung
oder Verstärkung von tatsächlich bestehenden Krankheitssymptomen, während bei
bewusster Vortäuschung nicht vorhandener Krankheitssymptome von Simulation die
Rede ist (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, Berlin/New York 2007; H. Häcker
und K. Stapf, Psychologisches Wörterbuch, Bern 2004). Aus versicherungsrechtlicher
Sicht besteht keine versicherte Gesundheitsschädigung, wenn die
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht.
Eine solche Ausgangslage liegt vor, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den
geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht,
wenn intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage
bleibt, wenn keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen
werden, wenn demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen
unglaubwürdig wirken, oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag behauptet
werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 131 V 51 E. 1.2).
8.3.2 Dr. med. F._ hat bei der internistischen ABI-Untersuchung ein ausgeprägtes
demonstratives Verhalten festgestellt. Der Beschwerdeführer habe einen taumelnden
Gang gezeigt. Mehrmals habe es geschienen, als ob er stürzen würde, was er jedoch
jedesmal mit geschickten Ausfallschritten habe verhindern können (IV-act. 43/6-7). Dr.
med. D._, Neurologie FMH, hat in seinem ABI-Teilgutachten berichtet, dass die
klinische Untersuchung durch eine stark eingeschränkte Kooperationsfähigkeit
gekennzeichnet gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe sich deutlich demonstrativ
verhalten, indem er starke Einschränkungen von sensiblen und motorischen Funktionen
gezeigt habe, die man durch die objektivierbaren Befunde nicht weiter habe erhärten
können und deren Lokalisation sich geändert hätte. Bei den Schwindelbeschwerden
seien keine peripher-verstibulären Funktionsstörungen ersichtlich gewesen. Im HWS-
und Kopfbereich habe der Beschwerdeführer bei fokussierter Untersuchung eine
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äusserst starke Einschränkung der HWS-Beweglichkeit gezeigt. Es habe eine
andauernde Zwangs- und Schonhaltung bestanden, die bei unauffälliger Beobachtung
jedoch deutlich weniger ausgeprägt gewesen sei, als sich dies während der
Untersuchung gezeigt habe. Die Prüfung der passiven HWS-Beweglichkeit sei wegen
eines Gegenhaltens praktisch nicht möglich gewesen (IV-act. 43/11-13). Dr. med.
E._, Psychiatrie & Psychotherapie FMH, hat in seinem ABI-Teilgutachten ein im
Vordergrund deutlich ausgeprägtes aggravatorisches Verhalten des
Beschwerdeführers beschrieben. Am Anfang der Untersuchung habe der
Beschwerdeführer sich über Konzentrations- und Gedächtnisstörungen beklagt, und er
sei nur mangelhaft orientiert gewesen. Zu einem späteren Zeitpunkt habe er dennoch
ganz präzise Angaben zu seinem Lebensalltag und Lebenslauf machen können. In
keinem der früheren ärztlichen Einschätzungen seien die massiven kognitiven
Einschränkungen, unter denen der Beschwerdeführer angeblich leide, erwähnt worden.
Der Beschwerdeführer habe auch ein ausgesprochen demonstratives Verhalten
gezeigt. Mit Hilfe seines Verhaltens und seiner nicht objektivierbaren kognitiven
Einschränkungen dominiere er seine Familie. Mit seinen Beschwerden habe er vor sich
und der Umgebung die Rechtfertigung dafür, nicht mehr einer beruflichen Tätigkeit
nachgehen zu müssen. Er übergebe die Verantwortung für sein Leben an seine Frau,
wisse angeblich nicht, welche Medikamente in welcher Dosierung er einnehme, und
erwecke vordergründig die Vermutung, dass er an einer schweren hirnorganischen
Störung mit fortgeschrittener Demenz leide. Dafür habe sich in der neurologischen
Untersuchung aber kein Anhaltspunkt ergeben. In seiner Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit hat der Psychiater erklärt, es sei dem Beschwerdeführer zumutbar,
trotz der geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um
ganztags einer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können, wobei die
Leistungsfähigkeit geringgradig vermindert sei. Hinweise auf unbewusste Konflikte
fehlten, ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht vorhanden (IV-act. 43/8-10).
8.3.3 Zu Recht kritisiert der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (act. G 14) in
Übereinstimmung mit der Argumentation des Hausarztes (IV-act. 51), dass gestützt auf
Blutuntersuchungen von der Nichteinnahme der Medikamente ausgegangen worden
sei. Gemäss neueren Erkenntnissen der medizinischen Forschung sind
Blutspiegelbestimmungen bei Antidepressiva sehr tückisch, weil aufgrund der
individuellen Bioverfügbarkeit der Spiegel bei gleicher Dosierung von Individuum zu
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Individuum mit einem Faktor von etwa 1:20 schwanken kann. Ein tiefer Spiegel ist
deshalb kein eindeutiger Beweis dafür, dass ein Patient keine Antidepressiva einnimmt
(Mann John J., Drug Therapy. The Medical Management of Depression, in: The New
England Journal of Medicine, Massachusetts Medical Society, Beitrag vom 27. Oktober
2005, S. 1829; vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV
2006/295 vom 8. Mai 2008 E. 4.2.3). Da aber die Frage vorliegend keine
entscheidwesentliche Rolle einnimmt, kann eine weitere Auseinandersetzung damit
unterbleiben.
8.3.4 Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers ist keine
stationäre Beobachtung (IV-act. 51) erforderlich, um eine Aggravation festzustellen.
Dass die drei Gutachter mit verschiedenen Fachrichtungen bei ihren jeweiligen
Untersuchungen das aggravatorische Verhalten des Beschwerdeführers erkannt
haben, zeugt von der Beweiskraft der festgestellten Aggravation. Da regelmässig dem
gesamten anlässlich einer ärztlichen Begutachtung gezeigten Verhalten Aussagekraft
zukommt, ist die Verhaltensweise des Exploranden zu beschreiben und einer
begründeten Würdigung zu unterziehen (Urteil des Bundesgerichtes 9C_566/2008 vom
6. Oktober 2008 E. 4.1). Vorliegend haben sich die Gutachter mittels gezielter
Untersuchung sowie durch unauffällige Beobachtung einen objektiven Eindruck von
der Beschwerdesituation beschaffen können. Die Tragweite, welche diese
Feststellungen in den Schlussfolgerungen des Sachverständigen erhalten haben,
erscheint als sachgerecht. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer während der
psychiatrischen Untersuchung eingenässt hat, zeugt zwar von einer psychischen
Belastung, vermag das gesamte Bild einer übertriebenen Betroffenheit aber nicht zu
beseitigen.
8.3.5 Der Beschwerdeführer profitiere von seinem Verhalten überhaupt nicht, sondern
belaste sich selbst und seine Familie, hält sein Rechtsvertreter entgegen. Es sei unklar
und widersprüchlich, wie der Gutachter zum Schluss komme, dass der
Beschwerdeführer mit seinem Verhalten seine Familie terrorisiere, um nicht mehr
arbeiten zu müssen, und zugleich keinen Krankheitsgewinn feststelle. Werde zudem
kein Krankheitsgewinn attestiert, ergebe sich die Feststellung der Aggravation als
falsch (IV-act. 51). Die Begriffe von "Aggravation" und "Krankheitsgewinn" sind
auseinander zu halten. Unter Krankheitsgewinn ist der aus der Krankheit erzielbare
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Vorteil zu verstehen. Der primäre Krankheitsgewinn besteht in einem inneren Vorteil,
nämlich die Flucht in die Krankheit oder die Neubeziehung zur Umwelt durch die
Krankheit. Mit dem sekundären Krankheitsgewinn wird ein durch die eingetretene
Erkrankung nachträglich erzielbarer Vorteil, etwa eine Rente oder das Beachtetwerden
erfasst (H. Häcker und K. Stapf, Psychologisches Wörterbuch, Bern 2004). Während
der primäre Krankheitsgewinn namentlich bei gewissen psychischen Störungen auf
Krankheitswertigkeit hindeuten kann, ist der sekundäre Krankheitsgewinn für die
Invalidenversicherung nicht von Belang. Der Hausarzt argumentiert, er sei mit der
Feststellung der Aggravation unter dem Vorbehalt einverstanden, dass sie nicht als
"Betrug", sondern als Krankheit einzuordnen sei (IV-act. 52), womit er sich
offensichtlich auf einen primären Krankheitsgewinn bezieht. Das Vorliegen eines
solchen Zustandes schliesst allerdings die Aggravation nicht aus. Und wenn der
Sachverständige keine Konfliktsituation erkennt, welcher der Beschwerdeführer durch
die vorgebrachte Erkrankung entgehen könnte, stellt auch dies keinen Widerspruch
oder logischen Fehler dar, sondern spricht zusätzlich für die Annahme der Aggravation.
8.4 Dem Beschwerdeführer ist somit trotz der vorgebrachten Leiden zumutbar, einer
Arbeit nachzugehen. Gemäss der Gesamtbeurteilung des ABI ergibt sich seit Januar
2006 eine durch die leichte depressive Episode bedingte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 20% für körperlich leichte bis mittelschwer belastende berufliche
Tätigkeiten. Dies trifft auch auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit zu. Durch eine
Behandlung der Depression könnte die Arbeitsfähigkeit verbessert werden. Berufliche
Massnahmen sind unter der Annahme eines ausgesprochen aggravatorischen und
selbstlimitierenden Verhaltens nicht empfohlen worden (IV-act. 43/14-16).
8.4.1 Der Einwand, die Beschwerdegegnerin stelle mit dem ABI-Gutachten auf keine
realistische Verwertbarkeit der Leistungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt, sondern auf
eine rein theoretische Beurteilung ohne besonders umschriebene, zumutbare
Tätigkeiten ab (act. G. 4), ist nicht stichhaltig. Ein Tätigkeitsvergleich erübrigt sich, weil
der Beschwerdeführer von seinem Werdegang als Hilfsarbeiter einzustufen und ihm
aus somatischer Sicht eine körperlich leichte bis mittelschwer belastende Tätigkeit
zumutbar ist. Stellen, die diesen Anforderungen genügen, sind auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt zu finden.
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8.4.2 Auf die beantragte arbeitsorientierte Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (act. G 4) kann in antizipierender Beweiswürdigung verzichtet
werden, weil der Beschwerdeführer davon überzeugt ist, nicht mehr arbeiten zu
können. Die EFL-Testergebnisse sind in Bezug auf die zumutbare Belastbarkeit nur bei
guter Leistungsbereitschaft zuverlässig. Wo eine solche fehlt, kann die Zumutbarkeit
einer Arbeitsleistung nicht anders beurteilt werden als ausgehend vom medizinisch-
theoretischen Zustand, welcher bei normaler Leistungsbereitschaft und nach
bisherigen zumutbaren Behandlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens
erreichbar gewesen wäre. Ein EFL-Testverfahren ist zudem nicht in jedem Fall
durchzuführen, sondern allenfalls in Betracht zu ziehen, wenn sich die beteiligten
Fachärzte ausser Stande sehen, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig
Machbaren vorzunehmen und deshalb eine konkrete leistungsorientierte berufliche
Abklärung als zweckmässigste Massnahme ausdrücklich empfehlen (Urteile des
Bundesgerichtes 9C_512/2009 vom 25. November 2009 E. 5.2 und 5.3 sowie
8C_823/2009 vom 16. Februar 2010 E. 3.3).
9.
Da das ABI-Gutachten formell und materiell als beweistauglich zu würdigen ist, bleibt
zu prüfen, ob die anderen ärztlichen Berichte dessen tatsächliche Feststellungen und
die Arbeitsfähigkeitsschätzung zu erschüttern vermögen.
9.1 Vorliegend sind die behandelnden Ärzte zu abweichenden Einschätzungen
gelangt. Der Hausarzt Dr. med. B._ (IV-act. 6/1-7), die Oberärztin G._ und der
Assistenzarzt H._ des Psychiatrischen Zentrums K._ (IV-act. 32), die behandelnden
Ärzten der Klinik Gais (IV-act. 31) sowie Dr. med. C._ vom Psychiatrischen Zentrum
K._ (IV-act. 70) hielten die Diagnose einer mittelgraden depressiven Episode (ICD-10
F32.1) fest. Der Hausarzt und Dr. med. C._ diagnostizierten überdies eine
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und die Klinik Gais einen
entsprechenden Verdacht. Der Bericht der Klinik Gais vom 9. Januar 2007 (IV-act. 31)
ebenso wie der Bericht des Psychiatrischen Zentrums K._ vom 26. Februar 2007 (IV-
act. 32) befassten sich mit dem Beschwerdenbeschrieb und dem Behandlungsziel. Nur
der Hausarzt und Dr. med. C._ äusserten sich zur Arbeitsfähigkeit bzw. attestierten
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.
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9.2 Das Sozialversicherungsgericht darf bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen
und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Obwohl der Grundsatz der freien Beweiswürdigung gilt,
weicht das Gericht allerdings nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des
amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es gerade ist, seine
Kenntnisse in den Dienst der rechtsanwendende Behörden zu stellen (BGE 125 V 352f
E. 3a und b; BGE 122 V 160 f. E. 1c). Anderslautende medizinische Feststellungen und
Schlussfolgerungen entkräften den Beweiswert des medizinischen Gutachtens nur,
wenn sie sich nicht ausschliesslich auf die gesundheitliche Beeinträchtigung und deren
erfolgreiche Behandlung beschränken, sondern unter versicherungsmedizinischen
Prämissen auf die Ressourcen und das Leistungspotential der versicherten Person
eingehen (Urteil des Bundesgerichtes I 705/06 vom 16. August 2007 E. 3.3.2).
Diesbezüglich drängt sich eine abweichende Beurteilung auf, wenn die behandelnden
Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende -
Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt
geblieben sind (Urteil des Bundesgerichtes I 514/06 vom 25. Mai 2007 E. 2.2.1; Urteil
des Bundesgerichtes I 705/06 vom 16. August 2007 E. 3.2).
9.2.1 Der Arztbericht zuhanden der IV-Stelle vom 2. Februar 2007 (IV-act. 6/1-7) und
die Zusammenfassung des Krankeitsverlaufs vom 9. Februar 2007 (IV-act. 26/1-3)
lassen zwar nach langjähriger Behandlung durch den Hausarzt wertvolle Einsichten in
die Entwicklung des Leidens des Beschwerdeführers gewinnen. Konfrontiert mit der
ABI-Einschätzung vermag der Hausarzt aber keine neuen Erkenntnisse vorzubringen
bzw. die angenommene Aggravation nicht zu widerlegen. Er besteht auf der Diagnose
einer mittelgradigen bis schweren Depression und beanstandet die seiner Meinung
nach von Misstrauen geprägte und auf die versicherungsrechtlich relevante
Arbeitsunfähigkeit fokussierte Sicht der Sachverständigen. Aufgrund seines
Behandlungsauftrags falle es ihm schwer, das Verhalten des Beschwerdeführers eher
unter "Betrug" als unter Krankheit einzuordnen. Für den Mediziner sollte das Interesse
des Patienten im Vordergrund stehen (IV-act. 68). Der Hausarzt zeigt bezüglich der
subjektiven Befindlichkeit seines Patienten die Empathie, die für die Erfüllung seines
Behandlungsauftrages zu erwarten ist. Man vermisst allerdings in seiner Stellungnahme
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eine Auseinandersetzung mit dem, was dem Beschwerdeführer trotz des
vorgebrachten Leidens in beruflich-erwerblicher Hinsicht noch zumutbar wäre.
9.3 Ein mit der Beschwerde eingereichter Arztbericht des Psychiatrischen Zentrums
K._ vom 22. Dezember 2008 weist eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus. Darauf sei
abzustellen, verlangt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers. Konkret sind die
Verhältnisse bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober 2008 zu
prüfen (BGE 121 V 362 E. 1b). Soweit dieser psychiatrische Arztbericht die relevante
Zeitspanne betrifft, ist er im vorliegenden Urteil zu würdigen. Oberärztin Dr. med. C._
stellt darin die Diagnosen einer mittelgradig depressiven Episode (ICD-10 F32.1) und
einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Der Beschwerdeführer gebe
subjektive Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen an. Er sei formal gedanklich
sehr verlangsamt, jedoch kohärent und gebe reichlich Auskünfte. Es seien keine
Anhaltspunkte für inhaltliche Denkstörungen, Ich-Störungen oder Sinnestäuschungen
vorhanden. Er wirke leidend, bedrückt und affektiv niedergestimmt, wenn er über seine
Rückschläge spreche. Er sei psychomotorisch sehr verlangsamt. Der Antrieb sei
deutlich reduziert. Die Oberärztin stellte fest, dass das Weiterbestehen der Schmerzen
zu einem Schonungsverhalten führe und der Beschwerdeführer infolgedessen alltäglich
stark auf andere Personen angewiesen sei. Dies sei einerseits auf eine Chronifizierung
der Beschwerden und anderseits auf die noch nicht ausgeschöpften psychiatrischen-
psychotherapeutischen Behandlungen zurück zu führen. Sie empfiehlt einen
stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, spezialisiert auf die Behandlung
von somatoformen Schmerzstörungen, und anschliessend ein multimodales
Therapieprogramm (IV-act. 70). Diese Stellungnahme rechtfertigt keine Abweichung
vom amtlich bestellten ABI-Gutachten, weil sie sich weder mit den Beurteilungen durch
die Sachverständigen noch mit der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers
auseinandersetzt. Sie bezweckt in erster Linie die therapeutische Behandlung und prüft
keine zumutbare Restarbeitsfähigkeit. Deshalb ist sie für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit ausser Acht zu lassen.
9.4 Somit ist zusammenfassend festzustellen, dass das ABI-Gutachten allen
rechtsprechungsgemässen Anforderungen entspricht und in der medizinischen
Einschätzung überzeugt. Entsprechend ist davon auszugehen, dass der
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Beschwerdeführer in einer körperlich leichten bis mittelschwer belastenden Tätigkeit,
wie auch die zuletzt ausgeübte Tätigkeit war, zu 80% arbeitsfähig ist.
10.
Zu prüfen wäre, wie sich die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in erwerblicher
Hinsicht auswirkt. Es ginge mit anderen Worten um die Bemessung des
Invaliditätsgrades auf der Basis einer durch die leichte depressive Episode reduzierten
Arbeitsfähigkeit von 80% in leidensadaptierter Tätigkeit. Von dieser Arbeitsfähigkeit seit
Januar 2006 ausgehend ist festzustellen, dass die IV-relevante Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers unter der während eines Jahres für die Entstehung einer Rente
erforderlichen Grenze von 40% liegt (siehe oben Erwägung 2 bezüglich früherem Art.
29 Abs. 1 lit. b IVG). Mithin sind die Anforderungen an der Wartezeit nicht erfüllt, und es
erübrigt sich die Bemessung des Invaliditätsgrades.
11.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens trägt grundsätzlich die unterliegende Partei die
Verfahrenskosten. Diese betragen zwischen Fr. 200.- und Fr. 1000.-. Bemessen
werden sie nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser rechtfertigt im
vorliegenden Fall eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Da dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, ist ihm diese Gerichtsgebühr zwar
aufzuerlegen, aber er wird von der Bezahlung befreit. Er ist jedoch zur Nachzahlung der
Gerichtskosten verpflichtet, wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse dies später
gestatten sollten. Dasselbe gilt für die als Folge der Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung vom Staat zu übernehmenden Parteikosten. Diese bemessen
sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
(Art. 61 lit. g ATSG). Entsprechend der durchschnittlichen Schwierigkeit des Prozesses
rechtfertigt es sich, die Parteikosten auf Fr. 3500.- festzusetzen. Die Entschädigung
dieser Parteikosten beläuft sich gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen
Anwaltsgesetzes auf 80%, somit auf Fr. 2800.- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Diese Entschädigung ist dem früheren Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers, pat. Rechtsagent Hans Rüdlinger, Ebnat-Kappel, zu bezahlen, der
bis
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die Vertretung bis kurz vor dem Abschluss des Prozesses vor dem kantonalen
Versicherungsgericht wahrgenommen hat.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG