Decision ID: c96dd472-3daf-4b3e-9d77-9a0df141b525
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
Eltern
der
im
Dezember 2002
geborenen
X._
(
Urk.
6/3
) meldete
n
ihre
Tochter im Juni 2012
unter Hinweis auf
eine
„ADHS“
für medizinische Massnah
men
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfol
gend: IV-Stelle), an (
Urk.
6/2
).
Am
1
8.
Januar 2013
leistete
die IV-Stelle Kosten
gutsprache für medizinische Massnahmen
zur Behandlung
des Geburtsge
brechens
Ziff.
404 des Anhangs der Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
)
bis
Ende
Juli 201
6.
Ergänzend wies sie darauf hin, dass
in begründeten Fällen und mit ihrer vorgängigen Zustimmung auch
die Kosten für Kontrollen mittels Elektroenzephalografie (EEG) übernommen werden könnten (
Urk.
6/7).
Ab August 2015 besuchte die Versicherte die Tagesschule
A._
, wo
bei
die Gemeinde
B._
für die Kosten aufkam
(
Urk.
6/10).
Im November 2016 meldeten die Eltern die Versicherte
zur
berufliche
n
Einglie
derung erneut bei der
IV-Stelle
an (
Urk.
6/11). Diese forderte einen Bericht bei
m behandelnden
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapie
,
Dr.
med.
C._
,
an.
Er
teilte
am
8.
März 2017 mit,
es würden
noch keine Resultate der Abklärung bezüglich eines allfälligen Epilepsie-Geschehens oder anderer somatischer Leiden vorl
iegen
, weshalb die Arbeitsfähigkeit
der Versicher
ten
nicht beurteilt werden könne. Eine
Berufsberatung sei auf alle Fälle aufgrund der Aufmerksamkei
tsstörung indiziert (
Urk.
6/16). Im gleichen Monat wurde die Versicherte b
ei Verdacht auf epileptische Absencen
, wie sie bei ihrer Mutter bestehen,
eingehend in der Klinik
D._
abge
klärt. Sämtliche Untersuchungen
waren
indes
ohne Befund
(
Urk.
24/4-6
,
22/2-3
und 3/6
).
Mit Schreiben vom 28. April 2017
ersuchte
alsdann
die Krankenver
sicherung der Versicherten, die SWICA Gesundheitsorganisation, die IV-Stelle
um Rückerstattung der Kosten für die Rechnungen von Dr.
C._
und
der Klinik
D._
im Zug
e
einer Verlängerung der Kostengutsprach
e für das
Geburtsge
brechen
(
Urk.
6/17).
Nach Vorliegen eines
älteren
B
erichts des Schulpsychologischen Dienstes
zur Sonderbeschulung
(Urk. 6/21)
sowie aktueller
Berichte von
Dr.
C._
und
der Klinik
D._
(Urk. 6/22)
liess die IV-Stelle die behandelnden Ärzte
einige
Ergän
zungsfragen
beantworten (
Urk.
6/2
4
und 6/25).
Hernach
kündigte sie der Ver
sicherten m
it
Vorbescheid vom 2
8.
August 2017
an, für die von der Kranken
kasse eingereichten Rechnungen
keine Kostengutsprache im Rahmen der Geburts
ge
brechen
Ziff.
404 und 387
GgV
Anhang
zu leisten (
Urk.
6/26)
. Am 9.
Oktober 2017 verfügte sie dementsprechend (
Urk.
2)
.
Zwischenzeitlich fand am 8.
Sep
tember 2017 in der Klinik
D._
zusätzlich eine neuropsychologische Abklärung statt, welche
eine
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Sinne von ICD-10: F90.0 bestätigte (
Urk.
3/7)
2.
Gegen
die Verfügung vom
9.
Oktober 2017
erhob
die Versicherte, vertreten durch ihre Eltern,
mit Eingabe vom 6.
November
2017 Beschwerde. Unter Beilage diverser Arztberichte (
Urk.
3/
2
-6) beantragte sie, die Invalidenversicherung sei zu verpflichten,
die Kosten
der Behandlung bei
Dr.
C._
sowie der
Untersuchun
gen
in der Klinik
D._
, in
s
besondere
der neuropsychologischen Abklärung im
September 2017
,
im
Rahmen des
Geburtsgebrechen
s
Ziff.
404 zu übernehmen (
Urk.
1).
Die IV-Stelle schloss
in der Beschwerdeantwort vom 1.
Dezember 2017 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren
sind
grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich –
vorliegend
in Form einer Verfü
gung – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwer
deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a). Bezieht sich die Beschwerde nur auf einen Teil des durch die Verfügung bestimm
ten Rechtsverhältnisses, gehören die nicht beanstandeten Teilaspekte des verfü
gungsweise festgelegten Rechtsverhältnisses zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegenstand (BGE 110 V 48 E. 3c).
1.2
Das Verfahren kann alsdann
aus prozessökonomischen Gründen auf eine aus
serhalb des Anfechtungsgegenstandes liegende Frage ausgedehnt werden, wenn diese spruchreif ist und mit dem bisherigen Streitgegenstand derart eng zusam
menhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und wenn sich die Verwaltung zu dieser Streitfrage mindestens in Form einer Prozes
serklärung geäussert hat (BGE 130 V 501, 122 V 34 E. 2a mit Hinweisen).
1.
3
Wie sich aus dem Wortl
aut der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
ergibt, bilde
n
Gegenstand derselben
die von der
Swica
Gesundheitsorganisation mit Schreiben vom 2
8.
April 2017 eingereichten
bzw.
der Beschwerdegegnerin
am
2.
Mai 2017 zugegangen
en Rechnungen
von
Dr.
C._
sowie der Klinik
D._
(
Urk.
6/17/1)
. Diese
betreffen
Abklärung
en
zwischen
November 2016
und
März 2017
(
Urk.
6/17/2-5)
im Zusammenhang mit dem Verdacht auf ein
e
pileptisches Geschehen
, zumal die Ärzte keine Kenntnis von der früheren Anerkennung eines Geburtsgebrechens gemäss
Ziff.
404
GgV
hatten (
Urk.
6/24/5 und 6/25)
.
Die
Kosten der im September 2017
ebenfalls in der Klinik
D._
durchgeführte
n neu
ropsychologischen Abklärung
(Zuweisungsdiagnose ADHS, Fragestellung nach dem Ressourcenprofil für eine berufliche Tätigkeit,
Urk.
3/7)
gehören
demnach
nicht zum
Anfechtungsgegenstand
.
Eine Ausdehnung
desselben
ist
nicht mög
lich
, da bei Abkl
ärungen
verschiedener Fachrichtungen zu unterschiedlichen Leiden nicht ohne weiteres von einer Tatbestandseinheit auszugehen ist und sich die Beschwerdegegnerin bisher nicht z
u den Kosten der späteren
Abklärung vernehmen liess.
2.
Die vier
fraglichen
Rechnungen weisen insgesamt Kosten von rund Fr. 4'500.– aus.
Da der Streitwert
somit
Fr.
20’000.
—
zweifelsohne nicht übersteigt,
fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
3.
Zwischen den Parteien strittig ist die Frage, ob die in den Rechnungen ausgewie
sen
en
Kosten im Zusammenhang mit dem bereits früher diagnostizierten (
Urk.
6/1) und mit Mitteilung vom 1
8.
Januar 2013 anerkannten (
Urk.
6/7) Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
Anhang anfielen und deshalb von der Invali
denversicherung zu übernehmen sind. Die Beschwerdeführerin begründet nicht näher, weshalb
sie
ein
en
Zusammenhang
bejaht
(
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin verneint einen solchen
unter Verweis
auf die im Bericht der Klinik
D._
vom 1
3.
Juni 2017 genannten Zuweisungsgründe (
Urk.
5).
4.
4.1
Nach
Art.
13
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte bis zum vollendeten 2
0.
Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) notwendigen medizinischen Massnah
men (
Abs.
1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Mass
nahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebre
chen von geringfügiger Bedeutung ist (
Abs.
2). Der Bundesrat hat von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht und in der Liste im Anhang zur einschlägigen Verordnung die in Betracht fallenden Geburtsgebrechen aufgeführt (
Art.
1
Abs.
2
GgV
i.V.m
.
Art.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die
bei vollendeter Geburt
bestehen
. Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsge
brechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist
in der Regel
u
nerheblich (
vgl.
Art.
1
Abs.
1
GgV
).
4
.2
Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
)
.
Nach der Rechtsprechung
erstreckt
sich der Anspruch auf medizinische Massnah
men
im Sinne von
Art.
13 IVG ausnahmsweise auch auf die Behandlung sekun
därer Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die Folge dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsgebrechen und dem sekundären Leiden muss demnach ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang beste
hen. Nur wenn im Einzelfall dieser qualifizierte ursächliche Zusammenhang zwischen sekundärem Gesundheitsschaden und Geburtsgebrechen gegeben ist und sich die Behandlung überdies als notwendig erweist, hat die Invalidenver
sicherung
dafür gestützt auf
Art.
13 IVG
aufzukomme
n.
An
die Erfüllung der Voraussetzungen des rechtserheblichen Kausalzusammenhangs sind strenge Anforderungen zu stellen, zumal der Wortlaut
dieser Bestimmung
den Anspruch der versicherten Minderjährigen auf die Behandlung des Geburtsgebrechens an sich beschränkt (BGE 100 V 41 mit Hinweisen; AHI 2001 S. 79 E. 3a und 1998 S. 249 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts I 220/05 vom 2. August 2005; vgl. auch BGE 129 V 207 E. 3.3 mit Hinweis).
Die Häufigkeit des sekundären Leidens stellt nicht das allein entscheidende Kriterium für die Bejahung eines solchen Kausal
zusammenhangs dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_674/2009 vom 2
6.
Februar 2010 E. 2.2). Nicht
ausschlaggebend
ist ferner
, ob das sekundäre Leiden unmit
telbare Folge des Geburtsgebrechens ist; auch mittelbare Folgen des angeborenen Grundleidens können zu diesem in einem qualifiziert adäquaten Kausalzusam
menhang stehen (
Pra
1991 Nr. 214 S. 906 E. 3b; Urteile des Bundesgerichts
I 220/05 vom 2. August 2005 und I 108/02 vom 9. Dezember 2002).
4.3
Gemäss Berichten der Klinik
D._
vom 1
3.
Juni 2017 und 2
4.
Juli 2017 ergaben das 20-minütige Standard-Video-Wach-EEG, das Ganznacht-Schlaf-EEG sowie das mehrstündige Video-EEG unauffällige Befunde. Die Ärzte schlussfolgerten deshalb, es bestehe kein Anhalt für das Vorliegen einer Epilepsie, speziell einer Absence-Epilepsie (
Urk.
3/5-6).
Den Parteien ist deshalb insoweit beizupflichten, als sie explizit
bzw.
implizit davon ausgingen, dass sich ein Geburtsgebrechen
Ziff.
387
GgV
Anhang (angeborene Epilepsie) bis anhin nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachweisen liess.
Wie das Bundesgericht in seinem Urteil 9C_16/2014 vom 2
5.
Juni 2014 E. 3.3
im Zusammenhang mit
Rz
404.6
des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialver
sicherungen (BSV) über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen (KSME
; seit
her
im Wesentlichen unverändert
e Formulierung
)
ausführlich begründete, ist b
is zu
r
sicheren Diagnosestellung die
Krankenversicherung die
Kostenträgerin notwe
ndiger medizinischer Massnahmen
. Erst im Zeitpunkt der sicheren Diagno
sestellung fällt
die
für den Zeitraum umstrittener Leistungspflicht geltende Vorleistungspflicht
der Krankenversicherung
dahin. Da der Fall erst ab jenem Zeitpunkt von der Invalidenversicherung übernommen wird, hat diese nur die Vorleistungen ab diesem Zeitpunkt zurückzuerstatten. Die gesetzliche Grundlage dafür findet sich in
Art.
71 Satz 2 ATSG, wonach der andere Träger die Vorleis
tungen "im Rahmen seiner Leistungspflicht" zurückzuerstatten hat, falls er den Fall von dem einen Träger übernimmt.
Bereits
im
Entscheid 9C_156/2008 vom 1
8.
November 2008 E. 3.3 hatte das Bundesgericht festgehalten, dass die Frage, ob ein Geburtsgebrechen vorlieg
e
, nicht prognostisch, sondern
ex
post
zu beur
teilen
sei
. Es kam zum Schluss, die Leistungsvoraussetzungen seien
deshalb
nicht erfüllt, wenn sich die ursprünglich gestellte
Geburtsgebrechens-
Di
a
gnose im Nachhinein als falsch erweise. Dasselbe müsse gelten, wenn sich eine Verda
chts
diagnose im Rahmen einer me
d
i
zinischen Massnahme
nicht bestätigen lasse.
Insofern lässt sich auch aus
Rz
387.8 KSME
(in der seit
1.
Januar 2009 unverän
derten Fassung)
kein Leistungsanspruch
ableiten, wenn letztlich kein Geburtsge
brechen diagnostiziert wurde.
4.4
Geburtsgebrechen im Sinne von
Ziff.
404 Anhang
GgV
sind Störungen des Ver
haltens bei Kindern mit normaler Intelligenz, im Sinne krankhafter Beeinträchti
gung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen oder Wahrnehmung, der Konzentrations
fähigkeit sowie der Merkfähigkeit [ADHS; früher "psychoorganisches Syndrom", POS], sofern sie mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des
9.
Altersjah
res auch behandelt worden sind.
Ein solches wurde von der Beschwerdegegnerin im Januar 2013 gestützt auf die Berichte des Kantonsspital
s
E._
vom 2
4.
September 2010, 27. März 2012 und 1
2.
Oktober 2012 (
Urk.
6/1 und 6/5) anerkannt (
Urk.
6/7).
D
as
Andau
ern
ein
er
einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
wurde zudem aktu
ell
im
neuropsychologische
n
Untersuchungsbericht der Klinik
D._
v
om 29.
September 2017
bestätigt
(
Urk.
3/7)
.
Die
Beschwerdegegnerin
liess die Frage
i
m angefochtenen Entscheid letztlich
offen, ob weiterhin von einem
behand
lungsbedürftigen
Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
An
hang
auszugehen
ist.
So
stellte sie sinngemäss
bereits
in Abrede
, dass
die strittigen
Aufwendungen
in irgendeiner Form der
Diagnostizierung
eines Geburtsgebrechens
Ziff.
404
GgV
Anhang
oder der
Behebung
bzw.
Milderung
der daraus folgenden Beeinträch
tigungen
dien
t
en
.
Aus den
strittigen
Rechnungen ist ersichtlich,
dass die
B
eschwerdeführerin
nach
der ersten
Sitzung
mit
Dr.
C._
am 1
0.
November 2016 von diesem zur wei
teren Abklärung an die Klinik
D._
überwiesen wurde, die verschiedene EEG durchführte (
Urk.
6/17). Die Aufwendungen von
Dr.
C._
erfolgten
also
allein im Hinblick auf die
Diagnostizierung
einer möglichen Epilepsie
, zumal eine
ein
zige
Sitzung zur Behandlung einer
Aufmerksamkeitsstörung
auch
keinen
Sinn
ergäbe
.
Gleiches gilt für die Kosten, welche die Klinik
D._
in Rechnung stellte,
denn
ein EEG
gibt
keinen Aufschluss
über ein Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
Anhang (
vgl. Ruf-
Bächtiger
, Frühkindliches psychoorganisches Syndrom – POS,
ADS,
4.
Auflage, 2003, S. 159).
Es kommt hinzu, dass die
medikamentöse Behandlung der ADHS mit Ritalin bzw. später
Concerta
bereits im Jahr 2015 beendet wurde (
Urk.
3/5 S. 2), weshalb auch keine unbehandelte Epilepsie als allfällige Kontraindikation für eine
Stimulanzientherapie
zur Diskussion stand.
In seinem Urteil 9C_917/2011 vom 2
8.
März 2012 E. 3.2 (mit Hinweisen) stellte das Bundesgericht
darüber hinaus
fest, es gelte
in der medizinischen Fachwelt
als
grundsätzlich anerka
nnt, dass die Symptome des POS
bzw.
der
ADHS andere
psy
chische Erkrankungen wie Depressionen, Sucht- und Angsterkrankungen hervor
rufen od
er mit ihnen einhergehen können. Bereits früher habe es erwogen,
das POS sei ein komplexes Leiden mit breitem Symptomspektrum wie beispielsweise emotionalen Schwierigkeiten, niedrigem Selbstwertgefühl, Unsicherheit, Reizbar
keit, Antriebsarmut, Stimmungslabilität, Aggression und Depression. Die Symp
tome könnten vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter auftreten mit
lebensalter
- und geschlechtstypischer Symptomausprägung. Jedes von einer solchen Störung betroffene Kind sei hinsichtlich der Beeinträchti
gungen und deren Ausmass anders und habe ein entsprechend unterschiedliches Therapiebedürfnis. In der Adoleszenz stünden beispielsweise folgende Symptome im Vordergrund: Unauf
merksamkeit, "Nullbock-Mentalität", Leistungsver
weigerung, oppositionell-
agressives
Verhalten, stark vermindertes Selbstwert
gefühl, Ängste, Depressionen
,
Kontakt zu sozialen Randgruppen, Neigung zu Delinquenz, Alkohol und Drogen.
Trotz der grossen
Bandbreite sekundärer Gesu
ndheitsschäden
infolge einer ADHS
und
obschon in der Fachwelt
diskutiert wird, dass
bei Epileptikern (aus bislang ungeklärten Gründen)
in erhöhtem Mass
eine ADHS
auftritt,
gehört eine Epilepsie nicht zu den mit einer ADHS assozi
i
erten Störungen (
vgl. zu den
«Begleitstörungen»
www.adhs-deutschland.de
und
www.adhs-organisation.ch
; ferner Brunner/
Jokeit
, Aufmerksamkeitsstörungen und Epilepsie – Prävalenz von Symp
tomen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Kindern und Erwachsenen mit Epilepsie, 2007, abrufbar unter
https://www.epi.ch/wp-content/uploads/Epileptologie-200703.pdf
).
In Anbetracht des vorstehend Ausgeführten
bzw.
n
achdem die Abklärungen weder
zum
Ausschluss einer
ADHS
noch
im Kontext mit
deren medikamentöser Behandlung erfolgten,
lag
auch
kein
«
begründeter Fall
»
im Sinne
von
Rz
406.12
KSME
(ebenfalls in der seit
1.
Januar 2009 unveränderten Fassung)
vor.
Es
erüb
rigen sich weitere
, diesbezügliche
Ausführungen.
5.
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
e
inen Anspruch auf
Ü
bernahme
der Abklärungskosten bei
Verdacht auf eine Absence-Epilepsie gestützt auf die von der Krankenversicherung mit
Urk.
6/17 eingereich
ten Rechnungen verneinte. Einerseits
konnte
bisher
keine
angeborene Epilepsie nachgewiesen
werden
, andererseits
besteht aufgrund einer (nicht medikamentös behandelten
und
zuvor schon
eingehend abgeklärten
)
ADHS keine sachliche Not
wendigkeit zur Abklärung einer Epilepsie.
Die Beschwerde ist folglich abzuwei
sen
, soweit darauf mit Blick auf Erwägung 1.3
einzutreten ist
.
Der Vollständigkeit halber
ist darauf hinzuweisen, dass
blosse
diagnostische
Vor
kehren mangels eines therapeutischen Charakters nicht als medizinische Mass
nahmen im Sinne von
Art.
12 IVG in Verbindung mit
Art.
2 Abs.1 IVV gelten (Meyer/
Reichmuth
, Bu
ndesgesetz über die Invalide
nversicherung,
3.
Aufl. 2014, N
1
4
zu
Art.
12
IVG
mit Hinweis auf AHI 1999 43). Als unerlässliche Abklärungs
massnahme im Sinne von
Art.
78
Abs.
3 IVV
kann
die Abklärung
des
V
erdachts auf eine Absence-Epilepsie
ebenfalls nicht gelten
.
Für den Fall
,
d
ass die Mass
nahme von der IV-Stelle nicht angeordnet wurde, setzt die Bestimmung nämlich in Abweichung von
Art.
45
Abs.
1 ATSG eine nachfolgende
Leistungs
zusprache
voraus (vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl., 2015, N 21 zu
Art.
45; BGE 97 V 236; Urteil des Sozialversicherungsgericht
s
des Kantons Zürich IV.2014.00582 vom 1
1.
Dezember 2014 E. 4.3)
.
Eine solche ist (zumindest bis zum Erlass der
a
ngefochtenen Verfügung) nicht erfolgt.
Die Parteien habe diese Anspruchs
grundlagen
daher
zu Recht nicht thematisiert.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind auf
Fr.
4
00.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführ
erin aufzuerlegen.