Decision ID: 0bcdac3d-96c8-40bf-9f07-56a3fad84f75
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung / Scheidung auf Klage (Abänderung vorsorglicher
Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes im ordentlichen
Verfahren des Bezirksgerichtes Andelfingen vom 18. November 2015; Proz. FE120006
- 2 -
Rechtsbegehren des Beklagten und Berufungsbeklagten: (act. 5/365a)
" 1. Die Klägerin sei berechtigt zu erklären, das Kind C._ jeweils am 1. und 3. Samstag eines jeden Monates von 09:00-18:00 Uhr auf ihre Kosten zu Besuch zu nehmen, beginnend mit dem Besuchssamstag vom 17. Oktober 2015.
2. Ein weitergehendes Besuchsrecht mit Übernachtungen und ein Ferienbe-
suchsrecht sei ersatzlos aufzuheben.
3. Es sei der Klägerin die strikte Auflage zu erteilen, sicherzustellen, dass
C._ während der Dauer der Besuche in keiner Weise (persönlich, schriftlich, telefonisch etc.) mit D._ in Kontakt kommt, unter Androhung der Bestrafung der Klägerin gestützt auf Art. 292 StGB im .
4. Die Strafandrohung i.S. von Art. 292 StGB gegen den Beklagten sei vollum-
fänglich aufzuheben.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin."
Verfügung des Bezirksgerichtes Andelfingen vom 18. November 2015: (act. 4/2 = act. 5/464 = act. 6)
1. Das Besuchs- und Ferienbesuchsrecht der Klägerin wird einstweilen für die
weitere Dauer des Verfahrens wie folgt geregelt:
"Die Klägerin wird berechtigt erklärt, die Tochter C._ jeweils am ersten
und dritten Samstag eines jeden Monats von jeweils 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr
zu sich oder mit sich auf eigene Kosten zu Besuch zu nehmen.
C._ wird jeweils im E._ Restaurant, ... [Adresse], an die Klägerin
übergeben und an der F._ Tankstelle ... [Adresse], vom Beklagten wie-
der abgeholt."
Das Besuchsrecht der Klägerin wird unter Androhung von Art. 292 StGB mit
der Auflage verbunden, dass C._ während der Besuchsrechtsausübung
- 3 -
nicht mit Herrn D._ zusammentrifft. Vorbehalten bleiben zufällige kurz-
fristige Begegnungen ausserhalb der Wohnung der Klägerin. Art. 292 StGB
lautet wie folgt: "Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zu-
ständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an
ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft."
Die Strafandrohung im Sinne von Art. 292 StGB gegen den Beklagten wird
aufgehoben.
Der Antrag der beklagten Partei, das Ferienbesuchsrecht der Klägerin er-
satzlos aufzuheben, wird abgewiesen. Die Klägerin ist berechtigt, die Toch-
ter C._ für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens für vier Wo-
chen in den Frühlings-, Sommer- oder Herbstferien sowie während der Hälf-
te der Weihnachts-/Neujahrsferien auf eigene Kosten mit sich in die Ferien
zu nehmen. Die Klägerin ist verpflichtet, die Ausübung des Ferienbesuchs-
rechts mindestens drei Monate im Voraus dem Beklagten anzumelden. Die
Ausübung des Ferienbesuchsrechts wird neu mit der Auflage verbunden,
dass die Klägerin auf Übernachtungen von C._ an der ... [Adresse
Wohnort Klägerin], verzichtet.
Die abweichenden Anträge der Parteien zum Besuchs- und Ferienbesuchs-
recht werden abgewiesen.
2. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Klägerin und der Beklagte ihre
Zustimmung zum Eintritt von C._ in die Tagesklinik H._ erteilt ha-
ben. Weiter wird davon Vormerk genommen, dass C._ am 16. Novem-
ber 2015 in die Tagesklinik H._ eingetreten ist.
3. Ein Austritt von C._ aus der Tagesklinik H._ ist unter folgenden
Voraussetzungen möglich:
Ablauf der von der Klinik vorgesehenen Aufenthaltsdauer; Freistellung durch
die Leitung der Tagesklinik; richterlicher Entscheid. Ein Austritt durch einsei-
tige Erklärung der Eltern von C._ gegenüber der Tagesklinik H._
ist ausgeschlossen.
- 4 -
4. Die Leitung der Tagesklinik H._ wird ersucht, das Gericht bei Freistel-
lung von C._ bzw. Ablauf der vorgesehenen Aufenthaltsdauer schriftlich
über den Austritt zu informieren und sich schriftlich bezüglich der geplanten
weiteren Betreuungs- und Schulsituation von C._ zu äussern.
5./6. [Mitteilung/Rechtsmittelbelehrung].
Berufungsanträge der Klägerin und Berufungsklägerin: (act. 2)
" 1. Es sei die Dispositivziffer 1 der Verfügung des Bezirksgerichts Andelfingen vom 18. November 2015 vollumfänglich aufzuheben;
2. Es sei der Übergabeort für die Ausübung des Besuchsrechts neu zu regeln;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen [zzgl. 8.0 % MwSt] zulasten des Beklagten.
In prozessualer Hinsicht:
Der Klägerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und ihr in der Person des unterzeichnenden Rechtsanwalts ein unentgeltlicher  zu bestellen."

Erwägungen:
1. Vor- und Prozessgeschichte
1.1. Die Parteien sind die Eltern von C._, geb. am tt.mm.2005. Sie leben
seit 2007 getrennt und befinden sich seit Januar 2012 im Scheidungsverfahren
(act. 5/1). Im Rahmen des Eheschutzverfahrens stellte die Vorinstanz mit Verfü-
gung vom 5. Oktober 2009 C._ unter die Obhut des Vaters (nachfolgend Be-
klagter) und räumte der Mutter (nachfolgend Klägerin) ein Besuchsrecht ein.
Nachdem Schwierigkeiten bei der Ausübung des Besuchsrechts auftraten und die
- 5 -
Besuchstermine ab Dezember 2012 praktisch nicht mehr wahrgenommen werden
konnten, erliess die Vorinstanz im Rahmen des Scheidungsverfahrens am 5.
März 2014 vorsorgliche Massnahmen, mit denen sie u.a. den persönlichen Kon-
takt der Klägerin mit C._ neu regelte (act. 5/145). Nach Weiterzug dieses
Entscheids durch beide Parteien legte die Kammer mit Urteil vom 18. Juli 2014 im
Sinne eines phasenweisen Wiederaufbaus des persönlichen Kontakts der Kläge-
rin und C._ bis und mit Oktober 2014 ein Besuchsrecht von je einem Tag alle
zwei Wochen (jeweils Samstag von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr) und ab November
2014 ein Wochenendbesuchsrecht mit Übernachtungen sowie ab Januar 2015 ein
vierwöchiges Ferienbesuchsrecht fest (Prozess-Nr. LY140013;
act. 5/166). Im August, September und Oktober 2014 fanden Besuche zwischen
der Mutter und C._ wieder regelmässig statt (act. 5/212). Ab Herbst 2014
(zeitlich zusammenfallend mit der vorgesehenen Ausdehnung der Besuche auf
ein ganzes Wochenende) zeigte sich eine Verschlechterung des psychischen Ge-
sundheitszustandes von C._; sie verweigerte den Schulbesuch und es kam
erneut zu einem Abbruch der Kontakte. Im Rahmen eines weiteren Massnahme-
verfahrens änderte die Vorinstanz die vorsorgliche Kontaktregelung mit Verfügung
vom 30. März 2015 dahingehend ab, dass sie bis Ende September 2015 ein ein-
tägiges Besuchsrecht (jeweils Samstag von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr) alle zwei Wo-
chen und ab Oktober 2015 ein Wochenendbesuchsrecht mit Übernachtungen
festlegte (act. 5/303). Mit Urteil vom 20. August 2015 bestätigte die Kammer die-
sen Entscheid und regelte zudem den Übergabeort neu (Prozess-Nr. LY150023;
act. 5/348). Ab Anfang 2015 bis September 2015, während der erweiterten Dauer
des eintägigen Besuchsrechts, konnten die Besuche zwischen der Mutter und
C._ wieder durchgeführt werden, wobei es wiederholt, namentlich bei den
Übergaben, zu unschönen Szenen kam (act. 5/269, act. 5/272 f. und act. 5/331).
Einen Streitpunkt bildete auch das Ferienbesuchsrecht während der Sommerferi-
en 2015, das die Mutter, trotz gerichtlicher Intervention, nicht ausüben konnte
(act. 5/334 ff. und act. 5/362).
1.2. Ab September 2015 kam es bei der Ausübung des Besuchsrechts erneut
zu Schwierigkeiten. Gemäss Bericht des Besuchsbeistandes vom 2. Oktober
2015 scheine sich das bereits im Jahr 2014 erlebte Muster zu wiederholen. Nach-
- 6 -
dem das Obergericht die Ausdehnung der Besuche auf ein ganzes Wochenende
ab Oktober 2015 bestätigt habe, hätten sich bei den Übergaben Ängste und
Unsicherheiten von C._ gezeigt, die vorher kein Thema gewesen seien
(act. 5/362 S. 2). Die Besuchstage vom 5. und 15. September 2015 konnten
nur beschränkt wahrgenommen werden (act. 5/362; act. 5/357). Im Oktober und
November 2015 konnten gar keine Besuchstage stattfinden (act. 5/371 S. 2;
act. 5/372; act. 5/377 S. 10 ff.).
1.3. Mit Eingabe vom 8. Oktober 2015 stellte der Beklagte bei der Vorinstanz
das einleitend wiedergegebene Begehren um Abänderung der Besuchsrechtsre-
gelung (act. 5/365a). Mit Verfügung vom 18. November 2015 traf die Vorinstanz
den eingangs angeführten Entscheid. Dieser wurde den Parteien zunächst im
Dispositiv mitgeteilt (act. 5/407). Nachdem beide Parteien eine Begründung ver-
langt hatten (act. 5/416-417), wurde ihnen am 9. bzw. 10. Februar 2016 die be-
gründete Ausfertigung des Entscheids zugestellt (act. 4/2 = act. 5/464 = act. 6;
act. 5/465/1-2). Gleichzeitig wurde den Parteien auch das Urteil im Scheidungs-
verfahren vom 5. Februar 2016 zugestellt (act. 5/468; act. 5/469/1-2). Mit Eingabe
vom 19. Februar 2016 erhob die Klägerin rechtzeitig Berufung gegen die Verfü-
gung vom 18. November 2015 mit den vorstehenden Rechtsbegehren (act. 2).
Am 10. März 2016 erhoben sodann beide Parteien Berufung gegen das Schei-
dungsurteil vom 5. Februar 2016 (jeweils act. 471 in Verfahren OGer Nrn.
LC160023-24). Für die weitere Vor- und Prozessgeschichte kann auf die Erwä-
gungen im angefochtenen Entscheid sowie in den Entscheiden des Obergerichts
vom 18. Juli 2014 und 20. August 2015 verwiesen werden (act. 6; act. 5/190/31;
act. 7/36).
1.4. Die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens sowie der Verfahren des Ober-
gerichts Nr. LY140013 und LY150023 wurden beigezogen (act. 5/1-469 inkl. Ak-
ten Eheschutzverfahren Nr. EE090005 und Akten Verfahren OGer Nr. LY140013;
act. 7/1-51). Auf die Einholung von Stellungnahmen wurde in Anwendung von
Art. 312 Abs. 1 ZPO verzichtet. Das Verfahren ist spruchreif. Auf die Vorbringen
der Klägerin ist im Folgenden nur insoweit einzugehen, als sie sich auf den ange-
fochtenen Entscheid beziehen und für die Entscheidfindung wesentlich sind.
- 7 -
2. Zur Berufung
2.1. Gegen erstinstanzliche Entscheide über vorsorgliche Massnahmen ist die
Berufung zulässig (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO). Gegenstand des vorliegenden Be-
rufungsverfahrens ist der persönliche Kontakt der Klägerin mit der Tochter
C._. Damit liegt eine nicht vermögensrechtliche Streitigkeit vor.
2.2. Die Vorinstanz erwog, gestützt auf den Bericht des Besuchsbeistandes
vom 2. Oktober 2015 sei davon auszugehen, dass C._ wie schon vor einem
Jahr mit Unsicherheiten und Ängsten auf die Spannungen und Instrumentalisie-
rungen reagiere. Auch aus dem Bericht der Primarschule I._, dem Arztzeug-
nis von Dr. med. J._ vom 14. September 2015 und dem Schreiben von Dr.
med. J._ an die Klägerin vom 1. Oktober 2015 ergebe sich, dass C._
sich zur Zeit in einer schwierigen Situation befinde. Aufgrund des Gutachtens des
KJPD vom 31. August 2015, der Aussage von Dr. med. J._ und der letzten
Anhörung von C._ sei mit ausreichender Sicherheit davon auszugehen, dass
C._ sich regelmässigen Kontakt zu ihrer Mutter und deren Familienumfeld
wünsche und die Wiederaufnahme regelmässiger Besuche wichtig sei. Der KJPD
schlage in seinem Gutachten vom 31. August 2015 einen phasenweisen Aufbau
der Besuche vor, wobei C._ zu Beginn nicht bei der Klägerin übernachten
und keinen Kontakt zu Herrn D._ haben solle. Dieses Vorgehen decke sich
mit den Vorstellungen von C._. Gestützt auf die Ausführungen der Parteien,
die Anhörung von C._, das Schreiben sowie den Präsidialentscheid der Pri-
marschule I._ vom 30. Oktober 2015 sowie die Zeugeneinvernahme von Dr.
med. J._ und das Gutachten des KJPD vom 31. August 2015 kam die Vo-
rinstanz zum Schluss, im Sinne eines erneuten Kontakt- und Beziehungsaufbaus
und unter Berücksichtigung von C._s gegenwärtiger Ängste seien die Besu-
che vorerst auf den ersten und dritten Samstag zu beschränken. Ebenso bleibe
es beim festgelegten Übergabeort und der Auflage, dass C._ nicht mit
D._ zusammentreffe. Angesichts der bestehenden Unsicherheit bei der Be-
suchsausübung sei auf die Strafandrohung im Sinne von Art. 292 StGB auf Seiten
des Beklagten zu verzichten. Ferner sei festzustellen, dass im Grundsatz nichts
gegen die Einräumung eines Ferienbesuchsrechts spreche. Die Ausübung des
- 8 -
Ferienbesuchsrechts sei aber für solange, als C._ im Rahmen des ordentli-
chen Besuchsrechts nicht in der Wohnung der Klägerin übernachte, mit der
Auflage zu verbinden, dass sie auch während dem Ferienbesuchsrecht auf
Übernachtungen von C._ an der ... [Adresse Wohnort der Klägerin] verzichte
(vgl. act. 6).
2.2. Die Klägerin rügt, der vorinstanzliche Entscheid sei in verschiedenen Punk-
ten ungenügend begründet (act. 2 S. 10, S. 17, S. 19). Die Vorinstanz habe sich
zudem nicht mit ihren Vorbringen auseinandergesetzt (act. 2 S. 11, S. 13 und
S. 15).
Aus dem Anspruch der Parteien auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) ergibt
sich, dass die Gerichte verpflichtet sind, die rechtserheblichen Vorbringen der
Parteien anzuhören und bei der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Damit sich
die Parteien ein Bild über die Erwägungen des Gerichts machen können, muss es
seinen Entscheid begründen. Die Begründung hat kurz die Überlegungen zu nen-
nen, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid
stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich der Entscheid mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich widerlegt. Vielmehr kann es sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Es genügt, wenn der Entscheid gegebenenfalls sachgerecht
angefochten werden kann (vgl. statt vieler: BK ZPO-HURNI, Art. 53 N 60 f.). Die-
sen Anforderungen genügt der vorinstanzliche Entscheid. Aus dessen E. 8 und 10
ergibt sich, dass die Vorinstanz die Vorbringen der Klägerin in ihren Stellungnah-
men und Befragungen in ihre Beurteilung einbezogen hat. In E. 4 hielt die Vor-
instanz sodann fest, ab September 2015 habe sich die Situation insofern verän-
dert, als es wieder zu Problemen bei der Ausübung des Besuchsrechts gekom-
men sei, die in vielen Belangen an die Situation vor einem Jahr erinnerten. Die
Auflage gegenüber der Klägerin begründete sie mit den gegenwärtigen Ängsten
von C._ und die Aufhebung der Strafandrohung gegenüber dem Beklagten
mit der bestehenden Unsicherheit bei der Besuchsausübung (act. 6 E. 10 S. 13).
Für die Klägerin war dadurch erkennbar, auf welche Überlegungen die Vorinstanz
- 9 -
ihren Entscheid stützte, und eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres mög-
lich. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.
2.3. Die Klägerin macht weiter geltend, die Voraussetzungen für eine Abände-
rung der Besuchsregelung seien nicht erfüllt. Die Situation sei im Vergleich zu
derjenigen, die der Verfügung vom 30. März 2015 respektive dem obergerichtli-
chen Urteil vom 20. August 2015 zugrunde gelegen habe, unverändert. Bereits im
Herbst 2014 habe C._ die Schule verweigert. Auch daran, dass der Beklagte
die Durchführung des Besuchsrechts erschwere, habe sich nichts geändert. Ein-
zig neu sei das Gutachten des KJPD vom 31. August 2015. Dieses sei jedoch für
den Entscheid ohnehin nicht massgebend, da es bereits vor seinem Versand
überholt gewesen sei. Auf das Abänderungsbegehren sei deshalb nicht einzutre-
ten (act. 2 S. 11 ff.).
2.3.1. Während die Abänderung von vorsorglich festgesetzten Unterhaltsbeiträ-
gen eine dauernde und wesentliche Veränderung der Verhältnisse voraussetzt, ist
die Abänderung vorsorglich getroffener Besuchsrechtsregelungen schneller ge-
rechtfertigt und bereits anzuordnen, wenn das Kindeswohl es gebietet (vgl. Fam-
Komm Scheidung-Büchler/Wirz, 2. Aufl., Art. 134 N 29a; BSK ZGB I-Breitschmid,
5. Aufl. 2014 Art. 134 N 3). Unbestritten ist, dass bei C._ im Herbst 2015 er-
neut eine erhebliche Verunsicherung und Ängste sichtbar wurden. Sowohl der
Besuchsrechtsbeistand als auch Dr. med. J._ wiesen auf eine deutliche Ver-
schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes von C._ hin
(act. 5/362 S. 3, act. 5/400 S. 5). Es ist richtig, dass dies an die Situation vor ei-
nem Jahr erinnert. Dies ändert aber nichts daran, dass die aktuelle starke psychi-
sche Belastung von C._ eine neue Tatsache darstellt, welche es erfordert,
eine Anpassung der Kontaktregelung zu prüfen. Die Abänderung einer vorsorgli-
chen Massnahme setzt nicht voraus, dass die Veränderungen unvorhersehbar
gewesen sein müssen (vgl. OGer ZH LY150020 vom 15. Juli 2015, E. 3.2.).
2.3.2. Ferner wurde nach dem Urteil des Obergerichts vom 20. August 2015 das
kinderpsychiatrische Gutachten des KJPD vom 31. August 2015 erstattet. Dieses
empfiehlt, die Besuchskontakte in Rücksichtnahme auf die Wünsche von C._
phasenweise auszubauen. Konkret wird vorgeschlagen, die Betreuungszeiten in
- 10 -
einer ersten Phase dahingehend zu erweitern, dass C._ jedes zweite Wo-
chenende Samstag und Sonntag ohne Übernachtung bei der Klägerin verbringe.
Wenn dies für zwei bis drei Monate gut funktioniere, könne eine Betreuungserwei-
terung mit Übernachtung von C._ von Samstag auf Sonntag und bei erfolg-
reicher Besuchsregelung anschliessend auch von Freitag auf Sonntag möglich
sein. Der Aufbau der Besuche sei dabei professionell vor- und nach zu bespre-
chen (act. 5/351 S. 52 f., S. 56). Die Klägerin weist zwar zutreffend darauf hin,
dass das Gutachten vor den Schwierigkeiten im Herbst 2015 erstellt wurde. Dies
führt aber nicht dazu, dass die darin enthaltenen Empfehlungen unbeachtlich zu
bleiben hätten. Vielmehr fällt ins Gewicht, dass das Gutachten Ende August 2015
und mithin in einem Zeitpunkt, als die Besuchskontakte seit mehreren Monaten
funktionierten, empfahl, in einer nächsten Phase noch keine Übernachtungen vor-
zusehen. Die Rüge der Klägerin ist damit unbegründet. Die Vorinstanz ist zu
Recht auf das Abänderungsbegehren eingetreten.
2.4. Besuchs- / Ferienbesuchsrecht
2.4.1. Die Klägerin rügt, die Vorinstanz stütze ihren Entscheid ausschliesslich auf
die Zeugeneinvernahme von Dr. med. J._, ohne dessen Ausführungen einer
kritischen Würdigung zu unterziehen. Bei Dr. med. J._ handle es sich nicht
um eine unabhängige Fachperson. Er sei durch den Beklagten eingesetzt und be-
rate diesen auch im Zusammenhang mit dem Prozess (act. 2 S. 14).
Die Kritik der Klägerin ist unberechtigt. Zunächst ist festzuhalten, dass die Vor-
instanz ihren Entscheid nicht allein auf die Ausführungen von Dr. med. J._,
sondern insbesondere auch auf das Gutachten des KJPD vom 31. August 2015,
das im Auftrag des Gerichts erstellt worden war, und die Anhörung von C._
stützte (act. 6 S. 12). Die Ausführungen von Dr. med. J._ erscheinen sodann
differenziert und unparteilich. Er äussert sich klar im Interesse von C._ und
schildert die Situation aus ihrer Optik. So führt er im Wesentlichen aus, die Ängste
von C._ seien auf den enormen Druck zurückzuführen, dem sie im Konflikt
der Eltern ausgesetzt sei. C._ benötige einen regelmässigen, möglichst
spannungsfreien Kontakt zu beiden Elternteilen (act. 5/400 S. 6 f., S. 12). Auch
das Verhältnis von C._ gegenüber beiden Eltern schildert Dr. med. J._
- 11 -
in neutraler Weise, wobei er sich hinsichtlich der Klägerin einer näheren Beurtei-
lung enthält mit dem Hinweis, er habe sie persönlich nie gemeinsam mit C._
erlebt (act. 5/400 S. 8 f., S. 11). Ferner hielt Dr. med. J._ fest, er erachte es
als wichtig, beide Elternteile einzubeziehen, und habe auch die Klägerin zu einem
Gespräch eingeladen, was diese jedoch abgelehnt habe (act. 5/400 S. 3 f., S. 18,
S. 21, S. 28). In diesem Punkt bestätigte die Klägerin die Darstellung von Dr.
J._ (act. 2 Rz 54). Dass die Vorinstanz für ihren Entscheid (auch) auf die An-
gaben von Dr. J._ abstellte, ist somit nicht zu beanstanden.
2.4.2. Die Klägerin rügt weiter, die Vorinstanz habe sich nicht mit ihrer Rolle als
Mutter auseinandergesetzt. Die Fachpersonen seien der Auffassung, dass die
Besuche von C._ bei der Klägerin bereichernd seien und sich eine Erweite-
rung des Besuchsrechts positiv auf C._ auswirken dürfte. Es sei nicht nach-
vollziehbar, weshalb eine Übernachtung bei der Klägerin C._ schaden sollte
(act. 2 S. 15 f.).
Hierzu ist festzuhalten, dass die Wichtigkeit der Besuche von C._ bei der
Klägerin im vorinstanzlichen Entscheid in keiner Weise in Frage gestellt wird. Es
trifft zu, dass die Fachpersonen regelmässige Kontakte von C._ zu ihrer Mut-
ter als wichtig erachten und eine zeitliche Ausdehnung des Besuchsrechts befür-
worten (act. 5/400 S. 11; act. 5/351 S. 53). Auf der anderen Seite gilt es jedoch zu
berücksichtigen, dass C._ mit massiven Ängsten auf die bevorstehenden
Übernachtungen bei der Klägerin reagierte.
Dr. med. J._ führte dazu aus, die Angst vor dem Übernachten und vor ein-
zelnen Personen im Umfeld der Mutter sei auf C._s enorme Belastung im El-
ternkonflikt und die daraus resultierende Verunsicherung zurückzuführen
(act. 5/400 S. 6, S. 8). Wenn sie am Übergabeort nicht mit der Mutter mitgehen
wolle, so liege das ebenfalls in ihrer tiefen Verunsicherung. Ein Kind habe in die-
ser Situation nicht viele Möglichkeiten, um zu reagieren. Eine typische Reaktion
sei quasi ein "Totstellreflex", d.h. bei der Übergabe nicht zur Mutter zu gehen,
sondern zu verweigern und nichts zu tun. In der Folge sei C._ auch nicht
glücklich, dass sie nicht bei der Mutter gewesen sei, aber im Moment der Überga-
be sei sie in einem Konflikt und die Lösung sei, zu erstarren (act. 5/400 S. 12).
- 12 -
Ferner betont er, die zeitliche Ausdehnung des Besuchsrechts bei der Klägerin
hätten C._ nicht belastet. Der qualitative Sprung mit Übernachtung sei der
Knackpunkt, der bei C._ zu einem Widerstand geführt habe (act. 5/400
S. 14). Diese Einschätzung deckt sich auch mit der Beurteilung des KJPD in sei-
nem Gutachten vom 31. August 2015 (vgl. act. 5/351 S. 54). Dieser betont, es
gelte die Beziehung von C._ zu ihrer Mutter so stressreduziert und häufig wie
möglich zu erleben und empfiehlt eine schrittweise Ausdehnung der Betreuung,
wobei in einer ersten Phase auf Übernachtungen zu verzichten sei (act. 5/351
S. 52 f.).
Mit Blick auf die Vorgeschichte und das Wohl von C._ steht momentan im
Vordergrund, dass C._ regelmässig Besuche bei ihrer Mutter erleben kann,
ohne dass sie dabei zu hohen Anforderungen oder Spannungen ausgesetzt ist.
Insbesondere gilt es zu vermeiden, dass C._ in der ohnehin belastenden
Situation zusätzlichem Druck ausgesetzt ist oder gar einen erneuten Abbruch der
Kontakte zur Klägerin erfährt. Dies würde dem Wohl von C._ zweifellos mehr
schaden, als eine vorläufige Festlegung des Besuchsrechts auf einzelne Tage.
Unter diesen Umständen erscheint es als angemessen, für die weitere Dauer des
Verfahrens auf Übernachtungen zu verzichten. Der vorinstanzliche Entscheid ist
insoweit zu bestätigen.
2.4.3. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz auch zutreffend erkannt, während
dem Ferienbesuchsrecht sei auf Übernachtungen von C._ in der Wohnung
der Klägerin zu verzichten. C._ ist die nötige Zeit einzuräumen, um sich da-
ran zu gewöhnen, in der Wohnung der Klägerin zu übernachten. Solange sie nicht
im Rahmen des ordentlichen Besuchsrechts bei der Klägerin übernachtet hat,
würden Übernachtungen im Rahmen des Ferienbesuchsrechts im Widerspruch
zum Gedanken der phasenweisen Erweiterung des Besuchsrechts stehen. Wenn
die Klägerin geltend macht, das Ferienbesuchsrecht werde dadurch praktisch
verunmöglicht, da sie aus finanziellen Gründen nicht während vier Wochen für ei-
ne auswärtige Übernachtung aufkommen könne (act. 2 S. 17), ist darauf hinzu-
weisen, dass das Ferienbesuchsrecht anfänglich auch tageweise ausgeübt wer-
- 13 -
den kann, wobei C._ jeweils an ihrem Wohnort übernachtet. Die Berufung ist
auch in diesem Punkt abzuweisen.
2.5. Übergaberegelung
Die Klägerin macht in ihrer Berufung weiter geltend, die Übergaben von C._
hätten lediglich im September 2015 funktioniert. Nachher habe der Beklagte die
Übergaben sabotiert. Im Oktober 2015 sei er zwar mit C._ zum Übergabeort
gekommen, dabei sei es jedoch zu Streitereien zwischen den Parteien gekom-
men. Die Besuchstage im November 2015 seien von der Klägerin zum Schutz
von C._ ganz abgesagt worden. Es stelle sich die Frage, ob die Übergaben
im Sinne des Kindeswohls nicht anders organisiert werden sollten. Da eine direkte
Übergabe durch den Beklagten nicht funktioniere, solle eine Drittperson oder eine
Behörde zwischengeschaltet werden (act. 2 S. 17 f.).
Im Urteil des Obergerichts vom 20. August 2015 wurden die Übergabeorte neu
festgelegt, nachdem sich die Parteien im Januar 2015 selbständig auf diese Lö-
sung geeinigt hatten (act. 5/348 E. 4). Bis zur Ausdehnung des Besuchsrechts auf
ganze Besuchswochenenden hatten die Übergaben mehr oder weniger reibungs-
los funktioniert. Die ab Oktober 2015 neuerlich aufgetretenen Schwierigkeiten
sind daher in erster Linie im Zusammenhang mit den ab diesem Zeitpunkt vorge-
sehenen Übernachtungen und nicht im Übergabesetting an sich zu sehen. Es darf
von den Parteien erwartet werden, dass mit dem vorläufigen Verzicht auf Über-
nachtungen die Übergaben wieder gemäss der geltenden Übergaberegelung
möglich sind. Diese wird sodann auch im Gutachten des KJPD befürwortet
(act. 5/351 S. 56). Es besteht deshalb im heutigen Zeitpunkt kein Anlass für eine
Anpassung der Übergaberegelung.
2.6. Strafandrohungen
2.6.1. Soweit die Klägerin geltend macht, der vorinstanzliche Entscheid verletze
die Begründungspflicht kann auf die vorstehenden Ausführungen verwiesen wer-
den (E. 2.2.).
- 14 -
2.6.2. Hinsichtlich der Aufhebung der Strafandrohung gegenüber dem Beklagten
ist anzufügen, dass das Besuchsrecht bis und mit September 2015 grundsätzlich
funktionierte und die Verweigerung der Übergaben im Oktober 2015 durch den
Widerstand von C._ begründet war. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu be-
anstanden, wenn die Vorinstanz die Strafandrohung gegenüber dem Beklagten
mit dem Hinweis auf die Unsicherheiten in der Besuchsrechtsausübung aufhob.
Die Verbindung des Besuchsrechts mit der Auflage, dass C._ während der
Besuchsrechtsausübung nicht mit D._ zusammentreffe, deckt sich sodann
mit den Empfehlungen des KJPD (act. 5/351 S. 53). Die Anordnung ist vorläufig
auf die Dauer des Scheidungsverfahrens beschränkt, weshalb sich auch die Kritik
der Klägerin, es fehle eine Befristung (act. 2 S. 19), als unbegründet erweist. Die
Berufung ist auch in diesem Punkt abzuweisen.
3. Unentgeltliche Rechtspflege / Kosten- und Entschädigungsfolgen
3.1. Die Klägerin stellt einen Antrag um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung (act. 2 S. 3). Eine Partei hat Anspruch auf unentgeltliche
Rechtspflege, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzungen be-
steht ein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung, wenn dies zur Wah-
rung der Rechte der Partei notwendig erscheint (Art. 117, 118 Abs. 1 ZPO). Die
Vorinstanz ging im Scheidungsurteil vom 5. Februar 2016 von einem aktuellen
Einkommen der Klägerin von Fr. 2'701.– netto (exkl. Arbeitslosenzahlungen von
Fr. 300.– bis Fr. 400.–) sowie einem Bedarf von Fr. 2'935.– aus und verpflichtete
sie zur Zahlung von Unterhaltsbeiträgen im Betrag von aktuell Fr. 360.–
(act. 5/468 S. 91 f.). Damit ist die Klägerin nicht in der Lage, neben dem Lebens-
unterhalt für sich und den Unterhaltsbeiträgen für C._ die Gerichts- und An-
waltskosten des vorliegenden Verfahrens aus ihrem laufenden Einkommen zu
bestreiten. Im Verfahren Nr. LY140013 kam die Kammer sodann zum Schluss,
die Klägerin sei auch unter Berücksichtigung ihres Vermögens einstweilen nicht in
der Lage, für die Verfahrenskosten aufzukommen (act. 5/190/21 S. 5). Es sind
keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass sich diesbezüglich etwas geändert
hätte. Die Berufung der Klägerin kann zudem nicht von vornherein als aussichts-
- 15 -
los bezeichnet werden. Damit sind die Voraussetzungen zur Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 117 ZPO erfüllt. Die Klägerin verfügt über
keine Rechtskenntnisse und ist zur Wahrung ihrer Rechte insoweit auf einen
Rechtsbeistand angewiesen, als auch die Gegenpartei anwaltlich vertreten ist. Ihr
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist daher gutzuheissen und es ist ihr ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person ihres Rechtsvertreters zu bestellen.
3.2. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens der Klägerin
aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO), jedoch zufolge Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Vorbehalten
bleibt das Nachforderungsrecht des Staates gemäss Art. 123 ZPO. Parteient-
schädigungen sind keine zuzusprechen: Der Klägerin nicht, weil sie unterliegt und
dem Beklagten nicht, weil ihm im Berufungsverfahren keine Umtriebe entstanden
sind, die es zu entschädigen gälte.