Decision ID: 34a8c6d6-3669-5f56-b896-3a4a2d9d79e1
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute E. und D.B. sind in X. wohnhaft. Der Ehemann ist selbständig
erwerbstätig, die Ehefrau bezieht eine IV-Rente. Sie deklarierten in der Steuererklärung
für 2001 ein steuerbares Einkommen von Fr. 0.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr.
458'138.--. Im Veranlagungsverfahren wurden die Steuerpflichtigen wiederholt
aufgefordert, einen Jahresabschluss der selbständigen Erwerbstätigkeit mit Bilanz und
Erfolgsrechnung oder zumindest eine Aufstellung über Aktiven und Passiven,
Einnahmen und Ausgaben sowie Privatentnahmen und -einlagen einzureichen. Trotz
Hinweis auf die Säumnisfolgen reichten die Pflichtigen die verlangten Unterlagen nicht
ein. Die Steuerbehörde nahm in der Folge eine Ermessensveranlagung vor. Die
Pflichtigen wurden für 2001 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 91'200.-- und
ohne steuerbares Vermögen veranlagt. Die Einkünfte aus selbständiger
Erwerbstätigkeit wurden ermessensweise auf Fr. 60'000.-- festgelegt. Ausserdem
wurden von den geltend gemachten Krankheitskosten bzw. Kosten im Zusammenhang
mit dem Unfall der Ehefrau von insgesamt Fr. 29'402.-- lediglich Fr. 3'047.-- als
abzugsfähig anerkannt.
Die Pflichtigen erhoben am 21. Oktober 2003 Einsprache. In der Folge wurden sie
nochmals aufgefordert, die im Veranlagungsverfahren verlangten Unterlagen
(Buchhaltung oder Aufzeichnungen) einzureichen. Die Pflichtigen reichten die
verlangten Unterlagen aber nicht ein.
Mit Entscheid vom 7. September 2004 hiess das kantonale Steueramt die Einsprache
teilweise gut und reduzierte das steuerbare Einkommen auf Fr. 81'500.--. Das
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 60'000.-- wurde bestätigt und
das Begehren um Gewährung zusätzlicher Abzüge für Krankheits- und Pflegekosten
abgewiesen.
B./ Gegen den Einspracheentscheid erhoben die Pflichtigen mit Eingabe vom 6.
Oktober 2004 Rekurs. Sie hielten am Antrag fest, für Aufwendungen im
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Zusammenhang mit dem Unfall bzw. mit der Behandlung der Unfallfolgen der Ehefrau
sei ein Abzug als direkte Heilungskosten im Betrag von Fr. 29'402.-- zu gewähren.
Die Verwaltungsrekurskommission wies den Rekurs mit Entscheid vom 27. April 2005
ab. Sie erwog, es seien nur diejenigen krankheitsbedingten Kosten abzugsfähig,
welche ärztlich notwendig seien. Es könnten nicht sämtliche Lebenshaltungskosten,
die sich infolge einer Krankheit als notwendig erweisen würden, als Krankheitskosten
betrachtet werden. Aufwendungen, die nur mittelbar oder indirekt mit einer Krankheit
oder einer Heilung bzw. Pflege im Zusammenhang stünden, könnten daher nicht
abgezogen werden.
C./ Mit Eingaben vom 31. Mai und 27. Juni 2005 erhoben die Pflichtigen Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. Sie stellten den Antrag, die Veranlagung für die
Steuerperiode 2001 sei nochmals zu prüfen. Das steuerbare Einkommen sei aufgrund
ihrer finanziellen Situation zu hoch ausgefallen. Sie ersuchten deshalb um Akzeptanz
bei der Anrechnung der Beilagen. Im wesentlichen erhoben die Beschwerdeführer
Einwendungen gegen die Anrechnung der Krankheitskosten sowie gegen die
Festlegung der Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit. Auf die einzelnen
Vorbringen wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz und das kantonale Steueramt beantragen in ihren Vernehmlassungen
vom 5. und 14. Juli 2005 die Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeführer sind zur
Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert, und die Beschwerdeeingaben wurden
rechtzeitig innerhalb der gesetzlichen bzw. angesetzten Frist eingereicht (Art. 196 Abs.
1 StG). Die Beschwerdeeingaben enthalten, zumindest formal, einen Antrag und eine
Begründung. Insoweit sind die Eintretensvoraussetzungen erfüllt (Art. 161 StG in
Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
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Im Antrag ist darzutun, inwieweit der angefochtene Entscheid aufgehoben oder
abgeändert werden soll und wie das steuerbare Einkommen bzw. das steuerbare
Vermögen neu festzusetzen ist. Die Beschwerdeführer stellten lediglich das Begehren,
die Veranlagung 2001 sei zu prüfen bzw. nochmals zu berechnen, und ersuchten um
"Akzeptanz bei der Anrechnung unserer Beilagen". Ihren Eingaben lässt sich immerhin
entnehmen, dass sie an ihrem in der Einsprache bzw. im Rekurs gestellten Antrag um
Abzug der geltend gemachten Krankheitskosten festhalten und die Einkünfte aus
selbständiger Erwerbstätigkeit reduziert haben wollen. Letztere waren im Rekurs nicht
angefochten worden, wie die Vorinstanz zutreffend festhält. Die Beschwerdeführer sind
allerdings befugt, neue Anträge zu stellen, da im steuerrechtlichen
Beschwerdeverfahren das Novenverbot nicht gilt.
In der Begründung haben die Beschwerdeführer darzulegen, in welchen Punkten der
angefochtene Entscheid auf einem fehlerhaft festgestellten Sachverhalt oder einer
unrichtigen Rechtsanwendung beruht (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 914 ff.). Die Beschwerdeführer bemängeln die
angefochtenen Teile der Veranlagung, ohne sich im einzelnen mit den Erwägungen im
angefochtenen Entscheid auseinanderzusetzen. Insoweit ist fraglich, ob die
Beschwerde den gesetzlichen Anforderungen an eine Begründung genügt und die
Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind. Da die Einwendungen unbegründet sind, wie
nachfolgend auszuführen ist, kann diese Frage aber offen bleiben.
2./ a) Nach Art. 177 StG nimmt die Veranlagungsbehörde die Veranlagung nach
pflichtgemässem Ermessen vor, wenn Steuerfaktoren oder Steuersubstrat mangels
zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden können oder der
Steuerpflichtige seine Verfahrenspflichten trotz Mahnung nicht erfüllt hat. Nach Art. 180
Abs. 2 StG kann eine Ermessensveranlagung vom Steuerpflichtigen nur wegen
offensichtlicher Unrichtigkeit angefochten werden.
Die Steuerpflichtigen haben im Veranlagungsverfahren lediglich Unterlagen über die
Mehrwertsteuerabrechnung eingereicht und trotz mehrfacher Aufforderung keine
Buchhaltungsunterlagen bzw. keine Aufstellungen über Aktiven und Passiven,
Einnahmen und Ausgaben sowie Privatentnahmen und Privateinlagen beigebracht.
Unter Berücksichtigung des mehrwertsteuerpflichtigen Umsatzes und nach Abzug des
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vorsteuerbelasteten Aufwands hat die Veranlagungsbehörde einen steuerbaren
Reingewinn von rund Fr. 60'000.-- ermittelt. Inwiefern diese Ermessensveranlagung
offensichtlich unrichtig bzw. fehlerhaft ist, wird in der Beschwerde nicht dargetan. In
der Beschwerde werden sogar widersprüchliche Angaben gemacht, indem in der
Eingabe vom 31. Mai 2005 das Erwerbseinkommen auf rund Fr. 20'000.--, in der
Beschwerdeergänzung vom 27. Juni 2005 dagegen auf Fr. 38'491.-- beziffert wird. Von
einem Nachweis einer offensichtlichen Unrichtigkeit der ermessensweise auf Fr.
60'000.-- festgelegten Einkünfte kann jedenfalls nicht gesprochen werden. In diesem
Punkt ist die Beschwerde unbegründet.
b) Nach Art. 46 lit. a StG können von den Nettoeinkünften die Krankheits-, Unfall- und
Invaliditätskosten des Steuerpflichtigen und der von ihm unterhaltenen Personen
abgezogen werden, soweit der Steuerpflichtige die Kosten selbst trägt und diese 2 %
der Nettoeinkünfte übersteigen.
Die Vorinstanz hat im Rekursentscheid ausführlich begründet, weshalb die von den
Pflichtigen geltend gemachten Aufwendungen von über Fr. 29'000.-- nicht
vollumfänglich zum Abzug zugelassen wurden. Zutreffend hat die Vorinstanz darauf
hingewiesen, dass nur diejenigen krankheitsbedingten Kosten abziehbar sind, die
ärztlich notwendig sind und belegt werden können, also namentlich Ausgaben für
medizinische Behandlung, Kosten für Massnahmen zur Erhaltung und
Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Gesundheit, insbesondere für
Spitalkosten sowie Auslagen für Medikamente und Heilmittel, medizinische Apparate
und Brillen etc., und dass diese Aufwendungen zu belegen bzw. nachzuweisen sind.
Demgegenüber werden Aufwendungen, die nur mittelbar oder indirekt mit der
Krankheit oder einer Heilung bzw. Pflege im Zusammenhang stehen, nicht zum Abzug
zugelassen. Es kann diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen
Entscheid (E. 2a) verwiesen werden.
Die Beschwerdeführer wenden dagegen lediglich ein, der Unfall der Ehefrau am 7.
November 1996 habe enorme wirtschaftliche sowie irreparable Gesundheitsschäden
zur Folge gehabt. Die Leistungsträger seien ihren Verpflichtungen bis heute gar nicht
oder nur teilweise und mit grossen Verzögerungen nachgekommen. Die Fahrspesen
würden nicht vergütet. Mit der Begründung des angefochtenen Entscheides setzen
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sich die Beschwerdeführer allerdings nicht auseinander und legen nicht dar, inwiefern
die Verweigerung des beantragten Krankheitskostenabzugs auf einem fehlerhaft
festgestellten Sachverhalt oder einer unrichtigen Rechtsanwendung beruht. Somit ist
die Beschwerde auch in diesem Punkt unbegründet. Im übrigen fehlen auch jegliche
Beweismittel für die Behauptung der Beschwerdeführer, Versicherer seien mit
Leistungen im Zusammenhang mit dem Unfall der Ehefrau in Verzug. Wenn Leistungen
erst in folgenden Steuerjahren ausgerichtet wurden, sind sie von der
Veranlagungsbehörde zu erfassen, und es ist gegebenenfalls die Vollständigkeit der
Deklaration zu prüfen.
3./ Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf
einzutreten ist. Dementsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Die Beschwerdeführer sind
unterlegen (Art. 98bis VRP), und der Beschwerdegegner hat keinen Anspruch auf
Kostenersatz (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 176).