Decision ID: 01a6c36d-f7b8-5e7c-91ce-be25581f2f2a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 1. Februar 2008 reichte die C._ (nachfolgend: Anmelderin,
auch ursprüngliche Anmelderin) beim Eidgenössischen Institut für Geisti-
ges Eigentum (nachfolgend: IGE oder Vorinstanz) einen Antrag auf Ertei-
lung eines Erfindungspatentes für die Schweiz und Liechtenstein für ein
(...) ein. Diese Patentanmeldung registrierte das IGE unter der Nummer
(...) (nachfolgend: Patentanmeldung).
A.b Mit Schreiben vom 11. September 2008 teilte die Anmelderin dem IGE
über ihre Rechtsvertretung mit, sie habe alle ihre Rechte aus der Patent-
anmeldung an E._, F._ übertragen. Als Beleg legte die An-
melderin dieser Mitteilung eine entsprechende Übertragungserklärung bei.
Diese hatte E._ für die Anmelderin mit einer Einzelunterschrift – d.h.
allein – unterzeichnet.
A.c Darauf bestätigte das IGE der Rechtsvertretung der Anmelderin am
12. September 2008, dass es die mitgeteilte Übertragung der Rechte aus
der Patentanmeldung auf E._ antragsgemäss im Patentregister
vermerkt habe.
A.d Am 27. November 2008 teilte das Konkursamt M._ dem IGE
mit, dass über die ursprüngliche Anmelderin am (...) 2008 der Konkurs er-
öffnet worden sei. Somit könne nur noch die Konkursverwaltung über die
Patentanmeldung verfügen.
Gleichzeitig machte das Konkursamt das IGE darauf aufmerksam, dass
der Alleinunterzeichner der (dem Konkursamt ebenfalls vorliegenden)
Übertragungserklärung – E._ – laut Handelsregisterauszug für die
Anmelderin nur zu zweit unterschriftsberechtigt sei, d.h. über keine Einzel-
zeichnungsberechtigung für diese verfüge.
A.e Aufgrund dieses dem IGE zugetragenen neuen Sachumstands zog
dieses die am 12. September 2008 bestätigte Registeränderung am
30. Dezember 2008 in Wiedererwägung und widerrief die damals im Pa-
tentregister vorgemerkte Übertragung der Patentanmeldung auf E._.
Ergänzend wies das IGE die Rechtsvertretung der Anmelderin auf die in-
folge der Konkurseröffnung zu beachtende Verfügungsbeschränkung hin
(vgl. Beschwerde, Beil. 4).
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A.f Am (...) 2009 stellte das zuständige kantonale Gericht das am (...) 2008
gegen die Anmelderin eröffnete Konkursverfahren mangels Aktiven wieder
ein. Das Konkursverfahren wurde als geschlossen erklärt, falls nicht ein
Gläubiger bis zum (...) 2009 die Durchführung verlangt und für die Deckung
der Kosten einen Vorschuss im festgelegten Umfang leistet (vgl. Amtsblatt
für den Kanton G._ Nr. (...) vom (...); abrufbar unter: (...), abgerufen
im März 2021).
A.g Das Konkursverfahren blieb in der Folge definitiv eingestellt, da innert
Frist kein Gläubiger den Kostenvorschuss für die Durchführung des Ver-
fahrens geleistet hat. Mit Schreiben vom 3. März 2009 orientierte das Kon-
kursamt M._ das IGE entsprechend und bestätigte sinngemäss,
dass die Verfügungsbeschränkung über die Patentanmeldung damit auf-
gehoben sei.
A.h Darauf übertrug die ursprüngliche Anmelderin (in Liquidation) ihre
Rechte aus der Patentanmeldung laut der Darstellung des IGE an
I._. Diese habe dem IGE mit Schreiben vom 4. Mai 2010 mitgeteilt,
dass die Patentanmeldung zurückgezogen werde (vgl. Ziffer 6 f. der nach-
folgend [B.f] genannten Verfügung).
A.i Aufgrund dieser Rückzugsmeldung betrachtete das IGE das am
1. Februar 2008 eingeleitete Patentanmeldeverfahren als beendet. Die
Veröffentlichung der Patentanmeldung bzw. der entsprechenden Offenle-
gungsschrift war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgt. Im Übrigen wurde
die Firma der ursprünglichen Anmelderin (in Liquidation) aufgrund der be-
schriebenen Konkurseröffnung inzwischen im Handelsregister gelöscht
(vgl. Löschungsvermerk unter < https://www.zefix.ch> zu CHE (...), abge-
rufen im März 2021).
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B.
B.a A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer 1) ist einzelzeichnungs-
berechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer der B._GmbH (...)
(nachfolgend: Beschwerdeführerin 2; vgl. Handelsregistereintrag unter
< https://www.zefix.ch > zu CHE (...), abgerufen im März 2021). Anfangs
Dezember 2019 wandte sich der Beschwerdeführer 1 persönlich an das
IGE und ersuchte dieses um Beantwortung verschiedener Fragen zum vor-
stehend erwähnten Patentanmeldeverfahren.
B.b Das IGE beantwortete die Anfrage mit E-Mail vom 3. Dezember 2019
(vgl. Vorinstanz, act. 16). Es hielt fest, dass die fragliche Patentanmeldung
nicht veröffentlicht sei und das IGE daher nur unter Beachtung von Art. 90
der Patentverordnung (zitiert in E. 3.1) befugt sei, darüber Auskunft zu er-
teilen. Falls der Anfragende eine der in dieser Bestimmung beschriebenen
(und im Antwortschreiben einzeln erwähnten) Voraussetzungen erfülle,
könne er dem IGE entsprechende Unterlagen zustellen.
B.c Darauf wandte sich der Beschwerdeführer 1 mit einer E-Mail vom
8. Januar 2020 an das IGE und stellte ausdrücklich den Antrag, es sei ihm
("für mich") Akteneinsicht in die nicht veröffentlichte Patentanmeldung zu
gewähren. Zur Begründung machte der Beschwerdeführer 1 geltend, er sei
im Zeitpunkt, als die ursprüngliche Anmelderin das Patent im Jahr 2008
angemeldet habe (vgl. A.a), Aktionär derselben gewesen und habe damals
zudem ein Anrecht auf einen Sitz im Verwaltungsrat der Gesellschaft ge-
habt.
Um dies zu belegen, reichte der Beschwerdeführer 1 einen Kaufvertrag
vom 12./13. Dezember 2007 zwischen dem Beschwerdeführer 1 als Käufer
eines Aktienanteils von 1% an der ursprünglichen Anmelderin sowie
E._ als Verkäufer (sowie Hauptaktionär und Verwaltungsratsmit-
glied der ursprünglichen Anmelderin) ein. Der eingereichte Kaufvertrag ent-
hielt weiter die Klausel, dass der Beschwerdeführer 1 mit der Bezahlung
des erworbenen Aktienanteils "das Recht auf ein Verwaltungsratsmandat
in der Muttergesellschaft" erwerbe (vgl. Beschwerde, Beil. 2; Vorinstanz,
act. 16).
B.d Mit E-Mail vom 10. Januar 2020 bekräftigte das IGE, dass für die Frage
der Erteilung von Auskunft bzw. Akteneinsicht in eine unveröffentlichte Pa-
tentanmeldung Art. 90 der Patentverordnung massgeblich sei. Laut dieser
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Bestimmung sei das IGE nur befugt, den folgenden Gesuchstellern Akten-
einsicht in eine unveröffentlichte Patentanmeldung zu gewähren:
"a) dem Anmelder und seinem Vertreter
b) Personen, die nachweisen, dass ihnen der Anmelder die Verletzung seiner
Rechte aus der Anmeldung vorwirft oder dass er sie vor solcher Verletzung
warnt.
c) Dritte, die sich über die Zustimmung des Anmelders oder seines Vertreters
ausweisen können."
Sei – so das IGE – eine unveröffentlichte Patentanmeldung übertragen
worden, beziehe sich Bst. a "auf den aktuell eingetragenen Patentanmel-
der." Der vorliegende Antrag auf Akteneinsicht erfülle zum jetzigen Zeit-
punkt keinen dieser Punkte. Das IGE forderte den Beschwerdeführer 1 da-
her erneut auf, den Antrag entsprechend zu ergänzen (vgl. Vorinstanz,
act. 16).
B.e In seiner Antwort per E-Mail vom 6. März 2020 hielt der Beschwerde-
führer 1 am Antrag auf Gewährung der Akteneinsicht in die Patentanmel-
dung fest. Er wiederholte im Wesentlichen, dass er zum Zeitpunkt der Pa-
tentanmeldung ein für den Verwaltungsrat der Anmelderin vorgesehener
Aktionär und somit ein wichtiger Teil der Anmelderin gewesen sei. Er sei
aufs Engste in die Angelegenheit involviert gewesen. Über die Patentan-
meldung wie den detaillierten Beschrieb des Patents habe er sehr gut Be-
scheid gewusst. Nur dank den von ihm über den Aktienkauf eingebrachten
finanziellen Mitteln sei es möglich geworden, die Patentanmeldung sofort
zu starten. Er bitte das IGE, auf die ablehnende Haltung bezüglich der be-
antragten Akteneinsicht zurückzukommen (vgl. Beschwerde, Beil. 5; Vor-
instanz, act. 17).
B.f Am 18. März 2020 erliess das IGE eine – an den Beschwerdeführer 1
und die (...) Beschwerdeführerin 2 adressierte – Verfügung mit dem folgen-
den Dispositiv:
"1. Das Gesuch vom 8. Januar/6. März 2020 um Akteneinsicht in die
Patentanmeldung N°(...) wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gebühren erhoben.
3. Diese Verfügung wird dem Gesuchsteller schriftlich eröffnet."
Das Gesuch um Akteneinsicht sei abzuweisen, weil "der Gesuchsteller"
keine der in Art. 90 der Patentverordnung vorgesehenen Voraussetzungen
erfülle. So sei dieser weder aktuell registrierter Anmelder noch Vertreter
desselben. Ebenso wenig habe er geltend gemacht, dass ihm der Anmel-
der die Verletzung seiner Rechte aus der Anmeldung vorwirft oder dass ihn
der Anmelder vor solcher Verletzung warnt. Auch über die Zustimmung des
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Anmelders oder seines Vertreters zur Einsichtnahme könne sich "der Ge-
suchsteller" nicht ausweisen. Als behaupteter Aktionär der ursprünglichen
Anmelderin sei der Beschwerdeführer 1 nicht Organ dieser juristischen
Person gewesen.
C.
C.a Am 17. April 2020 reichte der Beschwerdeführer 1 für sich als Privat-
person sowie ausdrücklich auch für die Beschwerdeführerin 2 Beschwerde
gegen die Verfügung des IGE vom 18. März 2020 ein.
Die Beschwerdeführer stellen die folgenden Rechtsbegehren:
"a) Dem Beschwerdeführer sei vollumfänglich Akteneinsicht zu gewähren.
b) Die Verfügung des IGE vom 18. März 2020 sei aufzuheben. Eventualiter
sei die Sache ans IGE gestützt auf die Erwägungen zurückzuweisen."
Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, beide beschwerdefüh-
renden Parteien würden "durch die Patentanmelder und die Verfügung des
IGE" in ihren Rechten verletzt (vgl. Beschwerde, Ziff. 2).
C.b Mit Eingabe vom 22. April 2020 ergänzten die Beschwerdeführer diese
Rechtsbegehren mit dem folgenden Begehren zu den Kostenfolgen
(Bst. c), welches in der Beschwerdeschrift vom 17. April 2020 versehent-
lich nicht aufgeführt worden sei:
"Alles unter den gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin."
C.c Die Vorinstanz liess sich am 5. Juni 2020 vernehmen. Gleichzeitig
reichte sie aufforderungsgemäss die Vorakten ein. Die Vorinstanz bean-
tragt die vollumfängliche und kostenfällige Abweisung der Beschwerde, zu-
mal die Voraussetzungen für eine Einsicht in die Patentanmeldung gemäss
Art. 90 der Patentverordnung nicht erfüllt seien.
In formeller Hinsicht stellt sie den Antrag, die Einsichtnahme der Beschwer-
deführer in die eingereichten Vorakten sei auf die Vorakten Nr. 16 und
Nr. 17 zu beschränken. Denn bei allen anderen eingereichten Vorakten
handle es sich um eben jene Akten, in welche die Vorinstanz die Einsicht-
nahme mit der angefochtenen Verfügung verweigert habe. Die Prüfung der
Frage, ob überhaupt ein Anspruch auf Einsicht in diese Akten bestehe, sei
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
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C.d Am 8. Juni 2020 liess das Bundesverwaltungsgericht den Beschwer-
deführern (adressiert an die [...] Beschwerdeführerin 2) ein Doppel der Ver-
nehmlassung der Vorinstanz vom 5. Juni 2020 sowie einzig Kopien der
Vorakten Nr. 16 und 17 zukommen.
C.e Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die sich bei den Ak-
ten befindlichen Dokumente wird – soweit entscheiderheblich – in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Bei der angefochtenen Verfügung vom 18. März 2020 handelt es sich
um einen abschlägigen materiellen Entscheid der Vorinstanz über ein Ge-
such um Einsicht in die Akten des am 1. Februar 2008 eingeleiteten Pa-
tentanmeldeverfahrens. Die Patentanmeldung ist unveröffentlicht geblie-
ben, und das Verfahren war im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung nicht mehr rechtshängig (vgl. im Sachverhalt unter A.a, A.h f.,
B.c).
1.2 Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz stellt eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) dar. Das Bundesverwaltungsge-
richt ist zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (Art. 31,
32 und 33 Bst. e des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
[VGG, SR 173.32]).
1.3 Der Beschwerdeführer 1 ist als Teilnehmer am vorinstanzlichen Verfah-
ren und Adressat der angefochtenen Verfügung, mit welcher die vom Be-
schwerdeführer 1 – "für mich" (vgl. im Sachverhalt unter B.c) – beantragte
Akteneinsicht abschlägig beurteilt wurde, ohne Weiteres zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.4 Anders verhält es sich bei der Beschwerdeführerin 2. Zwar stellte die
Vorinstanz die angefochtene Verfügung laut der darauf aufgedruckten
Adressierung offenbar formell auch dieser zu. Inhaltlich lässt sich der Ver-
fügung aber kein abschlägiger Entscheid zulasten der Beschwerdeführe-
rin 2 entnehmen. So bestehen keine Hinweise, dass die Vorinstanz in der
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angefochtenen Verfügung von einem Akteneinsichtsgesuch (auch) der Be-
schwerdeführerin 2 ausgegangen ist und einen entsprechenden Antrag ab-
gewiesen hat. Im Gegenteil bezeichnet die Vorinstanz in der Verfügung
ausdrücklich allein den Beschwerdeführer 1 als den "Gesuchsteller" des
tatsächlich behandelten Akteneinsichtsgesuchs (vgl. Erwägung, Ziff. 8).
Diese Terminologie wird in den Erwägungen wie im Dispositiv der Verfü-
gung unmissverständlich aufrechterhalten. Sie stimmt auch mit den Darle-
gungen des Beschwerdeführers 1 im vorinstanzlichen Verfahren überein.
Darin begründete er sein Gesuch um Akteneinsicht hauptsächlich mit Um-
ständen, die seine Person betreffen. Auf die Beschwerde der Beschwerde-
führerin 2 ist daher mangels materieller Beschwer bzw. Legitimation nicht
einzutreten (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.5 Im Übrigen wurde der eingeforderte Kostenvorschuss fristgerecht be-
zahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Der von der Beschwerdeführerin 2 geleistete
Kostenvorschuss wird entsprechend den vorstehenden Erwägungen neu
als Kostenvorschuss beider Beschwerdeführer angesehen. Auf die frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52
Abs. 1 VwVG) ist daher, soweit den Beschwerdeführer 1 betreffend, einzu-
treten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat bei der Registrierung des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens versehentlich nur die Beschwerdeführe-
rin 2 als beschwerdeführende Partei erfasst. Entsprechend führte es auf
den verfahrensführenden Anordnungen jeweils irrtümlich lediglich die Be-
schwerdeführerin 2 auf. Dieses Versehen wird mit dem vorliegenden Urteil
von Amtes wegen berichtigt, d.h. das Rubrum wird mit dem Beschwerde-
führer 1 ergänzt. Dadurch erfährt dieser zunächst insofern den (ihm recht-
lich zustehenden) Vorteil, als er formell ebenfalls als beschwerdeführende
Partei anerkannt wird, womit seine Beschwerde überhaupt materiell be-
handelt werden kann. Rechtsnachteile sind für ihn nicht ersichtlich, hat er
seinen Standpunkt mit der vorliegenden Beschwerdeschrift doch nicht nur
als Vertreter der Beschwerdeführerin 2, sondern gerade – und hauptsäch-
lich – auch bereits für sich als Privatperson ausführlich in das vorliegende
Beschwerdeverfahren eingebracht. Abgesehen davon hat sich die Vor-
instanz, welche zu Recht ohnehin den Beschwerdeführer 1 als den mate-
riellen Verfügungsadressaten betrachtet (vgl. E. 1.4), in der Vernehmlas-
sung im Wesentlichen auf einen Verweis auf die angefochtene Verfügung
beschränkt. Ein zweiter Schriftenwechsel wurde darauf nicht durchgeführt.
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Unter diesen Umständen geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus,
dass mit der beschriebenen Berichtigung des Rubrums die Verfahrens-
rechte aller Verfahrensparteien gewahrt sind.
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit uneinge-
schränkter Kognition. Es überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen – einschliesslich Rechtsfehler bei der Ermessensaus-
übung –, auf unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts sowie auf Angemessenheit hin (Art. 49 VwVG). Es
wendet das Recht von Amtes wegen an und ist nicht an die rechtliche Be-
gründung der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG; Urteil des BVGer
B-5476/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2.2.1).
2.3 Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob die Vorinstanz dem
Beschwerdeführer 1 die Einsichtnahme in die Akten des am 1. Februar
2008 eingeleiteten – letztlich aber unveröffentlicht geblieben – Patentan-
meldeverfahrens zu Recht verweigert hat, oder ob die Vorinstanz dadurch
Bundesrecht verletzt hat.
2.4 Dem in der Beschwerde gestellten Verfahrensantrag auf vollumfängli-
che Akteneinsicht (vgl. C.a) hat das Bundesverwaltungsgericht mit verfah-
rensleitender Verfügung vom 8. Juni 2020 insoweit entsprochen, als es
dem Beschwerdeführer 1 Kopien der Vorakten Nr. 16 und Nr. 17 zugestellt
hat (vgl. E. C.d). Diese umfassen die E-Mail-Korrespondenz des Be-
schwerdeführers 1 mit dem IGE über dessen Gesuch um Einsicht in die
Patentanmeldung (vgl. B). Ob der Beschwerdeführer 1 Anspruch auf Ein-
sicht in die Akten des Patentanmeldeverfahrens hat, bildet – wie die Vor-
instanz zutreffend ausführt (vgl. C.c) – Gegenstand dieses Verfahrens (vgl.
E. 2.3).
3.
3.1 Die Vorinstanz hat das Gesuch des Beschwerdeführers 1 um Einsicht
in die unveröffentlichte Patentanmeldung auf der Grundlage von Art. 90 der
Verordnung über die Erfindungspatente vom 19. Oktober 1977 (Patentver-
ordnung, PatV, SR 232.141) beurteilt. Sie gelangt dabei zum Ergebnis,
dass keine der Voraussetzungen nach Art. 90 Abs. 1 PatV für eine Einsicht
in die unveröffentlichte Patentanmeldung erfüllt sei.
Der Beschwerdeführer 1 bestreitet diese Einschätzung der Vorinstanz im
Ergebnis nicht.
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3.2 In materieller Hinsicht ist zunächst zu beurteilen, ob die Vorinstanz in
Zusammenhang mit der Anwendung von Art. 90 PatV eine Rechtsverlet-
zung begangen hat.
3.3 Art. 90 Abs. 1 PatV regelt nach seinem Wortlaut die Einsicht in das
Aktenheft vor der Veröffentlichung der Offenlegungsschrift oder – falls
diese früher erfolgt – der Erteilung des Patents. Die Bestimmung erklärt die
folgenden Personen als zur Einsicht befugt:
– den Anmelder und seinen Vertreter (Bst. a);
– Personen, die nachweisen, dass ihnen der Anmelder die Verletzung
seiner Rechte aus der Anmeldung vorwirft oder dass er sie vor solcher
Verletzung warnt (Bst. b) und
– Dritte, die sich über die Zustimmung des Anmelders oder seines Ver-
treters ausweisen können (Bst. c).
Nach Art. 90 Abs. 2 PatV dürfen diese Personen auch in Anmeldungen Ein-
sicht nehmen, auf die nicht eingetreten worden ist oder die abgewiesen
oder zurückgezogen worden sind.
Nach dem in Absatz 1 genannten Zeitpunkt steht das Aktenheft jedermann
zur Einsichtnahme offen (Art. 90 Abs. 3 PatV, in diesem Sinne auch Art. 65
Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die Erfindungspatente vom
25. Juni 1954 [Patentgesetz, PatG, SR 232.14]). Die Offenlegung trägt den
Interessen Dritter an einer frühzeitigen Kenntnisnahme von Patentgesu-
chen Rechnung (vgl. BGE 110 II 315 E. 4; PEDRAZZINI/HILTI, Europäisches
und schweizerisches Patent- und Patentprozessrecht, 3. Aufl. 2008,
Fn. 730). Zudem besteht nach der Veröffentlichung des Patentgesuchs
aufgrund von Art. 73 Abs. 3 PatG ein begrenzter vorläufiger Schutz. Da-
nach kann ein Patentanmelder zwar erst mit der Erteilung des Patents
Schadenersatzklage gegen Dritte erheben. Er kann aber den Schaden gel-
tend machen, den der Beklagte verursacht hat, seit dieser vom Inhalt des
Patentgesuchs Kenntnis erlangt hat, spätestens jedoch seit dessen Veröf-
fentlichung (vgl. Botschaft PatG, BBl 2006 87 f.).
Die Regelung von Art. 90 Abs. 1 PatV über die zur Einsicht befugten Per-
sonen ist nach ihrem Wortlaut abschliessend zu verstehen. Nichts anderes
ergibt sich aus ihrem Sinn und Zweck. Dieser besteht darin, das Interesse
des Gesuchstellers an der Wahrung der Vertraulichkeit seiner (noch unver-
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öffentlichten) Patentanmeldung zu schützen (vgl. Botschaft des Bundes-
rats zur Änderung des Patentgesetzes vom 23. November 2005, BBl 2006
88, nachfolgend: Botschaft PatG; vgl. auch E. 3.6). Ob sich aus höherran-
gigem Recht weitergehende Einsichtsrechte ergeben, ist an anderer Stelle
zu beurteilen (vgl. E. 4).
3.4 Auch das – von der Schweiz ratifizierte – Europäische Patentüberein-
kommen vom 5. Oktober 1973 in seiner revidierten Fassung vom 29. No-
vember 2000 (EPÜ, SR 0.232.142.2) geht vom Grundsatz der Vertraulich-
keit der unveröffentlichten Patentanmeldung aus. So wird nur mit Zustim-
mung des Anmelders Einsicht in die Akten europäischer Patentanmeldun-
gen, die noch nicht veröffentlicht worden sind, gewährt (Art. 128 Abs. 1
EPÜ). Nach Art. 128 Abs. 2 EPÜ kann vor Veröffentlichung dieser Anmel-
dung und ohne Zustimmung des Anmelders Akteneinsicht verlangen, wer
nachweist, dass der Anmelder sich ihm gegenüber auf seine europäische
Patentanmeldung berufen hat. Dies entspricht den Tatbeständen von
Art. 90 Abs. 1 Bst. b und c PatV (vgl. E. 3.1).
3.5 Vorliegend steht die Einsicht in eine unveröffentlichte Patentanmeldung
in Frage. Die Vorinstanz hat Art. 90 Abs. 1 PatV zu Recht als anwendbare
Rechtsgrundlage herangezogen. Diese Bestimmung regelt in gleicher
Weise auch die Einsicht in Patentanmeldungen, die zurückgezogen wor-
den sind. Sie erfasst demnach auch die vorliegende Patentanmeldung (vgl.
A.h f.).
Auch nach der Beurteilung des Bundesverwaltungsgerichts kann der Be-
schwerdeführer 1 die von ihm angestrebte Einsicht in die unveröffentlichte
Patentanmeldung nicht auf Art. 90 PatV abstützen. Weder aus den Akten
noch aus den Vorbringen des Beschwerdeführers 1 ergeben sich Hinweise
darauf, dass eine der drei (alternativ geltenden) Voraussetzungen von
Art. 90 Abs. 1 PatV für eine Einsichtnahme erfüllt sein könnte. So ist der
Beschwerdeführer 1 weder aktueller Anmelder noch dessen Vertreter im
Sinne von Art. 90 Abs. 1 Bst. a PatV. Auch hat er nicht geltend gemacht,
dass ihm der Anmelder die Verletzung seiner Rechte aus der Anmeldung
vorwirft oder dass dieser ihn vor solcher Verletzung warnt (Art. 90 Abs. 1
Bst. b PatV). Ebenso wenig weist der Beschwerdeführer 1 die Zustimmung
des Anmelders oder seines Vertreters zur Einsichtnahme vor (Art. 90
Abs. 1 Bst. c PatV). Wer gegenwärtig Rechtsinhaber ist und gegebenen-
falls als Anmelder im Sinne von Art. 90 Abs. 1 PatV einzustufen ist, kann
bei diesem Ergebnis offengelassen werden.
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Seite 12
Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen nach
Art. 90 PatV für eine Einsicht in die unveröffentlichte Patentanmeldung
nicht erfüllt sind.
3.6 Der Beschwerdeführer 1 rügt weiter, die Vorinstanz stütze ihre Begrün-
dung lediglich auf Art. 90 PatV und damit auf eine Verordnung, die nicht auf
Gesetzesstufe stehe, mithin "demokratisch nicht legitimiert" sei. Damit
macht er sinngemäss geltend, die Verordnungsbestimmung könne sich
nicht auf eine formell-gesetzliche Grundlage stützen.
Die Bestimmung von Art. 65 PatG regelt entsprechend ihrer Marginalie die
Akteneinsicht im Anwendungsbereich des Patentgesetzes. Nach Art. 65
Abs. 1 Satz 1 PatG darf – wie erwähnt (vgl. E. 3.3) – nach der Veröffentli-
chung des Patentgesuchs jedermann in das Aktenheft Einsicht nehmen.
Der Bundesrat darf das Einsichtsrecht nur einschränken, wenn Fabrikati-
ons- oder Geschäftsgeheimnisse oder andere überwiegende Interessen
entgegenstehen (Art. 65 Abs. 1 Satz 2 PatG).
Der vom Bundesrat erlassene Art. 90 PatV beruht auf Art. 65 Abs. 2 PatG.
Danach regelt der Bundesrat, in welchen Fällen vor der Veröffentlichung
des Patentgesuchs Einsicht in das Aktenheft gewährt wird (Satz 1). Er re-
gelt insbesondere auch die Einsichtnahme in Patentgesuche, die vor deren
Veröffentlichung zurückgewiesen oder zurückgenommen wurden (Satz 2).
Der Bundesgesetzgeber hat dem Bundesrat demnach die Zuständigkeit
übertragen, die Einsicht in nicht veröffentlichte Patentanmeldungen zu re-
geln. Es liegt eine Übertragung von Rechtsetzungsbefugnissen des Ge-
setzgebers auf die Exekutive vor. Eine Rechtsetzungsdelegation ist zuläs-
sig, sofern sie durch die Bundesverfassung nicht ausgeschlossen ist, die
Delegationsnorm in einem Gesetz in formellem Sinn enthalten ist, die De-
legation sich auf eine bestimmte Materie beschränkt und die Grundzüge
der delegierten Materie in einem Gesetz umschrieben sind (Art. 164 Abs. 2
BV, vgl. BGE 128 I 113 E. 3c, m.w.H.; Urteil des BVGer A-1751/2006 vom
25. März 2009 E. 2.2).
Die vorliegende Rechtsetzungsdelegation in Art. 65 Abs. 2 PatG wird durch
die Bundesverfassung nicht ausgeschlossen. Sie beschränkt sich zudem
auf die Einsicht in die unveröffentlichte Patentanmeldung. Indem der Ge-
setzgeber dem Bundesrat die Zuständigkeit überträgt zu regeln, "in wel-
chen Fällen" vor der Offenlegung des Patentgesuchs Einsicht in das Ak-
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Seite 13
tenheft genommen werden kann, ermächtigt er diesen, die Einsicht auf be-
stimmte Personengruppen zu beschränken. Hingegen darf – wie Art. 65
Abs. 1 Satz 1 PatG ausdrücklich festlegt – nach Veröffentlichung des Pa-
tentgesuchs jedermann Einsicht in das Aktenheft nehmen.
Die Bestimmung von Art. 90 Abs. 1 und 2 PatV über die Einsicht in eine
unveröffentlichte Patentanmeldung beruht demzufolge auf einer formell-
gesetzlichen Grundlage, welche die Grundsätze der Gesetzesdelegation
wahrt. Sie ist als gesetzesvertretende Verordnung demokratisch hinrei-
chend legitimiert. Ob die Regelung der Einsicht in Art. 90 PatV i.V.m. Art. 65
Abs. 2 PatG auch sonst mit dem Verfassungsrecht vereinbar ist, kann of-
fengelassen werden. Der Beschwerdeführer 1 vermag jedenfalls – wie
nachfolgend aufzuzeigen sein wird (vgl. E. 4) – aus höherrangigem Recht
keinen Anspruch auf Einsicht in die unveröffentlichte Patentanmeldung für
sich abzuleiten. Im Übrigen sind nach Art. 190 der Bundesverfassung vom
18. April 1999 (BV, SR 101) Bundesgesetze und Völkerrecht für die rechts-
anwendenden Behörden massgebend (sog. Anwendungsgebot; vgl. Urteil
des BVGer A-7025/2016 vom 5. Juli 2017 E. 1.2.4).
3.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 1
keine der in Art. 90 PatV aufgeführten Voraussetzungen für eine Einsicht
erfüllt. Er kann aus Art. 90 Abs. 1 PatV keinen Anspruch auf Einsicht in die
Patentanmeldung ableiten.
4.
4.1 Weiter ist zu beurteilen, ob der Beschwerdeführer 1 der Vorinstanz zu
Recht eine Verletzung einer höherrangigeren Rechtsnorm vorwirft. Es stellt
sich in diesem Zusammenhang zunächst die Frage, ob die Vorinstanz mit
der Verweigerung der Akteneinsicht den verfassungsmässigen Anspruch
auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verletzt hat.
4.1.1 Der Beschwerdeführer 1 bringt im Einzelnen vor, die Vorinstanz habe
durch die Verweigerung der Akteneinsicht sein verfassungsmässiges
Recht auf Akteneinsicht verletzt. Das Recht auf Akteneinsicht sei ein Teil
des verfassungsmässigen Anspruchs des Beschwerdeführers 1 auf recht-
liches Gehör, auf Rechtsweggarantien sowie auf Verfahrensgarantien und
umfasse alle für einen angestrebten Entscheid erheblichen Akten (m.H. auf
Art. 29 und Art. 29a BV und Art. 6 Abs. 1 der Konvention vom 4. November
1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK,
SR 0.101]). Das Gesetz betrachte die Gewährung der Akteneinsicht als
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Grundsatz (m.H. auf Art. 26 VwVG) und deren Verweigerung als Aus-
nahme (m.H. auf Art. 27 und Art. 28 VwVG). Zwar gelte das Recht auf Ak-
teneinsicht nicht absolut. Wie jeder grundrechtliche Anspruch könne es un-
ter den Voraussetzungen von Art. 36 BV (gesetzliche Grundlage, Eingriffs-
interesse, Verhältnismässigkeit, Respektierung des Kerngehalts) einge-
schränkt werden. Lägen keine überwiegenden Geheimhaltungsinteressen
vor, müsse die Einsicht in die Akten aber zwingend gewährt werden. Ob
ein überwiegendes Geheimhaltungsinteresse besteht, müsse unter Be-
rücksichtigung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes aufgrund einer kon-
kreten, sorgfältigen und umfassenden Abwägung der entgegenstehenden
Interessen beurteilt werden.
4.1.2 Die Bestimmung von Art. 29 BV legt entsprechend ihrer Überschrift
allgemeine Verfahrensgarantien für Verfahren vor Verwaltungs- und Ge-
richtsinstanzen fest. Nach Art. 29 Abs. 2 BV haben "die Parteien" Anspruch
auf rechtliches Gehör. Es handelt sich hierbei um einen verfassungsrecht-
lichen Mindestanspruch, der in den Verfahrensgesetzen des Bundes und
der Kantone konkretisiert wird und nur für den Fall einer unzureichenden
verfahrensrechtlichen Regelung Bedeutung erlangt (vgl. BGE 113 Ia 1 E. 2;
BIAGGINI, BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 29 N 6, 18, m.H.).
Ein Teilgehalt des Anspruchs der Parteien auf rechtliches Gehör ist das
Recht auf Akteneinsicht. So bestimmt Art. 26 Abs. 1 VwVG, dass jede Par-
tei oder ihr Vertreter Anspruch darauf haben, in ihrer Sache die Verfahrens-
unterlagen einzusehen. Das Akteneinsichtsrecht ist grundsätzlich an die
Parteistellung gebunden und wird insofern nur in einem hängigen Verfah-
ren gewährt (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Ver-
waltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl. 2013, Rz. 503).
Nach der Legaldefinition von Art. 6 VwVG gelten als Parteien Personen,
deren Rechte oder Pflichten die Verfügung berühren soll und andere Per-
sonen, Organisationen oder Behörden, denen ein Rechtsmittel gegen die
Verfügung zusteht. Sofern die Rechte und Pflichten einer Person nicht un-
mittelbar berührt werden, bestimmt sich die Parteistellung nach der Be-
schwerdelegitimation (vgl. Urteil des BVGer A-7312/2007 vom 27. Mai
2008 E. 3; MARANTELLI/HUBER, in: Praxiskommentar Verwaltungsverfah-
rensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 6 N 1 ff., 17). Zur Beschwerde ist gemäss
Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teil-
genommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (Bst. a),
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist (Bst. b) und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c).
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4.1.3 Partei des vorliegend in Frage stehenden Patentverfahrens war zu-
nächst die ursprüngliche Anmelderin. In der Folge wurden die Rechte aus
der Patentanmeldung – und damit auch die Parteistellung – an E._
und später an I._ übertragen. Letztere zog die Patentanmeldung
mit Schreiben vom 4. Mai 2010 zurück, worauf die Vorinstanz das Patent-
verfahren als beendet erachtete (vgl. Sachverhalt, A.i). Dieses Verfahren
war im Zeitpunkt des Gesuchs des Beschwerdeführers 1 um Einsicht vom
8. Januar 2020 seit fast zehn Jahren nicht mehr hängig. Der Beschwerde-
führer 1 kann bereits aus diesem Grund nicht als Partei eingestuft werden.
Entsprechend kann sich der Beschwerdeführer 1 nicht auf eine Parteistel-
lung berufen, um ein aus Art. 29 Abs. 2 BV fliessendes Akteneinsichtsrecht
geltend zu machen.
4.2 Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Beschwerdeführer 1 auch ohne
Parteistellung gestützt auf Verfassungsrecht ein Akteneinsichtsrecht gel-
tend machen kann.
4.2.1 Auch ausserhalb eines hängigen Verfahrens können Personen ein
verfassungsmässiges Recht auf Akteneinsicht haben, wenn sie ein beson-
deres schutzwürdiges Interesse glaubhaft machen können. Ein solches
kann sich aus der Betroffenheit in einem Freiheitsrecht, aus einer sonstigen
besonderen Sachnähe oder im Hinblick auf die Rechtswahrung in einem
anderen Verfahren ergeben. Das Akteneinsichtsrecht findet indes seine
Grenzen an berechtigten Interessen Dritter und an überwiegenden öffent-
lichen Interessen. Diesfalls sind die einander entgegenstehenden Interes-
sen an der Akteneinsicht einerseits und an deren Verweigerung anderer-
seits gegeneinander abzuwägen (vgl. BGE 129 I 249 E. 3 m.w.H.; Urteile
des BVGer A-1675/2016 und A-1681/2016 vom 12. April 2017 E. 6.2.1 so-
wie A-6320/2014 vom 23. August 2016 E. 8.9.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHL-
MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 1032; STEINMANN,
in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die Schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N. 54). So
attestierte das Bundesgericht in BGE 129 I 249 (E. 5.2) einem Dritten ein
schutzwürdiges Interesse an der Einsichtnahme in Akten einer Administra-
tivuntersuchung, damit er allenfalls ein Verfahren zur Erlangung eines Aus-
gleichs, sei es im Sinne einer Entschädigung, einer Rehabilitation oder gar
einer Revision eines gegen ihn ausgesprochenen Strafurteils, führen kann.
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4.2.2 Der Beschwerdeführer 1 macht in diesem Zusammenhang die Ver-
letzung seiner Rechte "durch die Patentanmelder" geltend (vgl. Be-
schwerde, Ziff. 2). Die Vorinstanz sei nicht auf aus den Akten ersichtliche
Hinweise eingegangen, dass er in seinen Rechten habe verletzt sein kön-
nen. Zumindest einen bedeutenden solchen Hinweis habe es gegeben.
Der dem IGE vorgelegte Vertrag bezüglich Kauf von Aktien der ursprüngli-
chen Anmelderin durch den Beschwerdeführer 1 enthalte die Bestimmung,
dass dieser auch im Falle einer Nachfolgegesellschaft seine Rechte wah-
ren würde. Das IGE sei aber auch über den Umstand informiert, dass die
Patentanmeldung versuchsweise oder tatsächlich und teilweise auf formell
problematische Weise mehrmals übertragen worden sei, so an E._
(Hauptaktionär und CEO der ursprünglichen Anmelderin), an (...)
I._ und schliesslich an die X._. Ausserdem sei ein Konkurs-
verfahren hängig gewesen. Auch dem IGE müsse somit klar sein, dass der
Beschwerdeführer 1 Gründe habe, eine Verletzung seiner Rechte zu ver-
muten und somit ein Interesse an Akteneinsicht habe (vgl. Beschwerde,
Ziff. 3d und e). Der Beschwerdeführer 1 führt weiter aus, er könne plausibel
darlegen, dass sein Vertragspartner, E._, seine Eigentums- und
Mitwirkungsrechte an der ursprünglichen Anmelderin tatsächlich verletzt
habe und dass das angemeldete und später übertragene Patent das ein-
zige Aktivum der in den Konkurs geschickten ursprünglichen Anmelderin
war, welchem eine millionenschwere Forderung seitens E._ gegen-
übergestanden habe. Als vorläufiger Beweis hierfür gelte die Betreibung
von E._ durch den Beschwerdeführer 1 vom 13. Dezember 2017,
die auch der Unterbrechung der Verjährung diene (vgl. Beschwerde, Ziff.
3f). Der Beschwerdeführer 1 hat in diesem Zusammenhang einen auf sei-
nen Namen lautenden Zahlungsbefehl vom 13. Dezember 2017 gegen
E._ über einen siebenstelligen Forderungsbetrag eingereicht (Be-
schwerde, Beil. 7), der als Forderungsgrund "Schadenersatz" angibt.
4.2.3 Aus den Ausführungen des Beschwerdeführers 1 und den einge-
reichten Unterlagen ergibt sich nicht hinreichend klar, für welche Zwecke
er die aus der Akteneinsicht möglicherweise gewonnenen Informationen
verwenden möchte.
Aus den Akten ergeben sich keine stichhaltigen Anhaltspunkte darauf, dass
der Beschwerdeführer 1 durch eine Einsicht in die Patentanmeldung
Kenntnis von Informationen erhalten könnte, die ihm bei der Wahrung sei-
ner Rechte nützlich sein könnten. Konkrete Hinweise, dass er aus der Ein-
sicht einen praktischen Vorteil erlangen könnte, fehlen. Noch weniger ist
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ersichtlich, dass er zur Rechtsverfolgung auf eine Einsicht in die Patentan-
meldung angewiesen ist.
Insgesamt ist kein besonderes schutzwürdiges Interesse des Beschwerde-
führers 1 an einer Einsicht in die unveröffentlichte Patentanmeldung im
Sinne der beschriebenen Rechtsprechung erkennbar.
Weitergehende Ansprüche aus völkerrechtlichen Garantien – insbeson-
dere aus Art. 6 EMRK – vermag der Beschwerdeführer 1 unter diesen Um-
ständen für sich nicht abzuleiten (vgl. BGE 129 I 249 E. 3).
4.3 Sodann ist mit Blick auf den Grundsatz der Rechtsanwendung von Am-
tes wegen (vgl. E. 2.2) auch ohne entsprechendes Vorbringen des Be-
schwerdeführers 1 zu beurteilen, ob dieser gestützt auf das Bundesgesetz
über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung vom 17. Dezember 2004
(Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ, SR 152.3) einen Anspruch auf Einsicht in die
Patentanmeldung hat.
4.3.1 Das BGÖ soll mit der Einführung des Prinzips der Öffentlichkeit mit
Geheimhaltungsvorbehalt die Transparenz der Verwaltung fördern. Zu die-
sem Zweck wird jeder Person das grundsätzliche Recht gewährt, Einsicht
in Dokumente der Bundesbehörden zu nehmen. Dieses Recht besteht un-
abhängig von der Geltendmachung eines besonderen Interesses. Es steht
jedoch unter Vorbehalt eines überwiegenden öffentlichen oder privaten In-
teresses an der Geheimhaltung (Art. 1 und 6 ff. BGÖ; vgl. Botschaft des
Bundesrates zum Bundesgesetz über die Öffentlichkeit der Verwaltung
vom 12. Februar 2003, BBl 2003 1964, 1976, nachfolgend: Botschaft BGÖ;
Urteil des BVGer A-1675/2016 vom 12. April 2017, E. 4.2).
Der persönliche Geltungsbereich des BGÖ umfasst auch das IGE als (de-
zentrale) Einheit der Bundesverwaltung (Art. 1 Bst. a BGÖ; Botschaft BGÖ,
BBl 2003 1986). In sachlicher Hinsicht gilt das Gesetz nach Art. 3 Abs. 1
Bst. a Ziff. 5 BGÖ nicht für den Zugang zu amtlichen Dokumenten betref-
fend Verfahren der Staats- und Verwaltungsrechtspflege. Gemäss der Bot-
schaft ist das BGÖ im Umkehrschluss auf das erstinstanzliche Verfahren
auf Erlass einer Verfügung anwendbar (vgl. Botschaft BGÖ, BBl 2003
1989). Vorbehalten bleiben gemäss Art. 4 BGÖ spezielle Bestimmungen
anderer Bundesgesetze, die von diesem Gesetz abweichende Vorausset-
zungen für den Zugang zu bestimmten Informationen vorsehen.
4.3.2 Vorliegend besteht mit Art. 90 PatV eine Spezialregelung über die
Einsicht in unveröffentlichte Patentanmeldungen. Diese ist – wie aufgezeigt
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(vgl. E. 3.3) – abschliessend und stützt sich auf Art. 65 Abs. 2 PatG. Wie
auch die Botschaft festhält, begründet diese Gesetzesbestimmung eine
spezialgesetzliche Ausnahme im Sinne von Art. 4 BGÖ, die durch Art. 90
PatV näher ausgeführt wird (Botschaft PatG, BBl 2006 88). Demzufolge
ergibt sich für den Beschwerdeführer 1 aus dem BGÖ kein Anspruch auf
Einsicht in die Patentanmeldung.
4.4 Zu beurteilen ist schliesslich die Rüge der Rechtsverweigerung.
4.4.1 Der Beschwerdeführer 1 rügt, die Vorinstanz habe eine formelle
Rechtsverweigerung begangen, weil sie seine Argumentation lediglich auf-
geführt und das Akteneinsichtsgesuch ohne jede Reflexion und ohne Vor-
nahme einer umfassenden Interessenabwägung bzw. einer begründeten
Güterabwägung abgelehnt habe. Die Vorinstanz habe sich nicht mit der
Frage des Eingriffsinteresses, der Verhältnismässigkeit und der Respektie-
rung des Kerngehaltes der Verfassungsbestimmung auseinandergesetzt.
4.4.2 Das Verbot der Rechtsverweigerung ist ein Teilgehalt der allgemei-
nen Verfahrensgarantien von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede Person
vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und ge-
rechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist. Eine
formelle Rechtsverweigerung kann unter anderem vorliegen, wenn die Be-
hörde wesentliche Vorbringen des Rechtssuchenden nicht berücksichtigt,
obschon sie aufgrund des Gehörsanspruchs nach Art. 29 Abs. 2 BV dazu
verpflichtet ist (vgl. BGE 142 II 243 E. 2.4; Urteil des BVGer B-5476/2007
vom 11. Juli 2008 E. 2.2.2). Aus der – in Art. 32 Abs. 1 VwVG kodifizierten
– Pflicht zur Berücksichtigung aller rechtserheblichen Parteivorbringen
folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35
Abs. 1 VwVG). Die Begründungspflicht wird jedoch nicht bereits dadurch
verletzt, dass sich die Behörde nicht mit allen Parteistandpunkten einläss-
lich auseinandersetzt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid we-
sentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BGE 130 II 530
E. 4.3).
4.4.3 Vorliegend begründet die Vorinstanz ihre abschlägige Verfügung
über das Gesuch um Einsicht in die Patentanmeldung im Wesentlichen da-
mit, dass keine der Voraussetzungen nach Art. 90 Abs. 1 PatV erfüllt sei
(vgl. E. 3.1). Dabei geht sie – wenn auch kurz – auf den konkreten Sach-
verhalt und auf einzelne Vorbringen des Beschwerdeführers 1 ein. Ihre
Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt und die Begründung erscheinen
insgesamt hinreichend. Die Vorinstanz war nicht verpflichtet, auf die – wie
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erwähnt (vgl. E. 4.2.3) – vagen Ausführungen des Beschwerdeführers 1
zum Hintergrund seines Gesuchs näher einzugehen und eine weiterge-
hende Interessenabwägung vorzunehmen. Dies auch deshalb, weil der
Verordnungsgeber – wie aufgezeigt (vgl. E. 3.6) – mit Art. 90 PatV eine
klare Regelung über die Einsicht in unveröffentlichte Patentanmeldungen
geschaffen hat, die keine Interessenabwägung vorsieht. Eine formelle
Rechtsverweigerung liegt nicht vor.
4.5 Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet, womit sie abzu-
weisen ist, soweit auf sie eingetreten werden kann. Bei diesem Verfah-
rensausgang gelten die Beschwerdeführer als unterliegend, weshalb sie
die Verfahrenskosten zu tragen haben. Diese werden auf Fr. 1'000.– fest-
gesetzt (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser Betrag ist nach dem
Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils dem in gleicher Höhe ge-
leisteten Kostenvorschuss zu entnehmen. Den unterliegenden Beschwer-
deführern ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1
VwVG).
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