Decision ID: fc4292be-4208-46bd-8234-0c10717a6d8b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Arbeitslosenentschädigung (Anspruchsverwirkung)
Sachverhalt:
A.
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B._ beantragte im Januar und Dezember 2006 Leistungen der
Arbeitslosenversicherung (act. G 10.14, 10.72). Am 14. März 2007 stellte er erneut
einen Leistungsantrag. Im Antragsformular erklärte der Versicherte, er sei vom 8.
Januar bis 14. März 2007 für die C._ GmbH, vollzeitlich tätig gewesen. Die
Arbeitgeberin habe das Arbeitsverhältnis aufgelöst (act. G 10.87). Mit Verfügung vom
6. Juli 2007 gab die Kantonale Arbeitslosenkasse dem Versicherten bekannt, sein
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 14. März 2007 müsse abgelehnt
werden. In den Schreiben vom 18. April, 18. Mai und 18. Juni 2007 (act. G 10.92,
10.98, 10.99) sei er aufgefordert worden, die Bescheinigungen der Arbeitgeber sowie
die Kopien sämtlicher Einsatzverträge für den Zeitraum vom 3. April 2006 bis 13. März
2007 einzureichen. Bis heute sei nur die Zwischenverdienstbescheinigung der C._
GmbH für den Februar 2007 eingetroffen. Da er darauf aufmerksam gemacht worden
sei, dass seine Ansprüche ganz oder teilweise erlöschen würden, wenn die
notwendigen Unterlagen nicht innert Frist eingereicht würden, könne auf den Antrag
nicht eingetreten werden. Der Anspruch müsse abgelehnt werden (act. G 10.102).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 21. Juli 2007
Einsprache. Darin führte er aus, er habe schon öfters versucht, die Bestätigungen der
E._ AG für die Zeit von Juli 2006 bis Januar 2007 zu erhalten. Gleichzeitig reichte er
weitere Arbeitgeberbescheinigungen der D._ AG nach (act. G 10.103-105). Am 31.
Juli 2007 liess der Versicherte der Arbeitslosenkasse weitere Bescheinigungen der
X._ AG zukommen (act. G 10.106, 10.107). Die Arbeitslosenkasse wies die
Einsprache mit Einspracheentscheid vom 2. August 2007 insoweit ab, als sie die
Verfügung vom 6. Juli 2007 bestätigte und vermerkte, dass der Anspruch (erst) ab April
2007 geprüft werden könne (act. G 10.108).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 2. August 2007 erhob der Versicherte am
29. August 2007 Beschwerde. Zur Begründung verwies er sinngemäss auf seine
Eingaben im Verwaltungsverfahren und legte dar, ihm stehe das Arbeitslosengeld zu.
Er habe schon genug Schulden abzuzahlen. Er bat um Prüfung seines Anliegens (act. G
1). In der Beschwerdeergänzung vom 3. November 2007 führte der Beschwerdeführer
aus, mit der E._ AG sei er "so richtig harmonisch" gewesen, weshalb auch nie eine
Bestätigung von dieser Unternehmung gekommen sei. Die anderen Firmen habe er
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auch oft kontaktiert, aber es sei nichts zurückgekommen. So habe sich die
Angelegenheit in die Länge gezogen und sei, da er in die neue Arbeitsstelle vertieft
gewesen sei, in Vergessenheit geraten. Er entschuldige sich für die Umstände, aber er
habe nicht seine Arbeitsstelle verlieren wollen (act. G 8).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 9. November 2007 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Aufgrund der Dreimonatsfrist sei der
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung für den Monat März 2007 bereits verwirkt.
Der Beschwerdeführer hätte auf die Schreiben der Arbeitslosenkasse reagieren und ihr
die Probleme bei der Beschaffung der Arbeitgeberbescheinigung rechtzeitig mitteilen
müssen. Da sie nun nachträglich über die Probleme bei der Beschaffung der
Arbeitgeberbescheinigung bei der E._ AG informiert worden sei, habe die
Arbeitslosenkasse diese direkt bei der Arbeitgeberin angefordert. Dies ändere aber
nichts daran, dass der Anspruch für März 2007 bereits verwirkt gewesen sei.
B.c Mit Replik vom 1. Dezember 2007 bestätigte der Beschwerdeführer seinen
Standpunkt. Er habe es aus Zeitgründen nicht geschafft, etwas zu unternehmen. Er
habe seine Arbeit nicht wieder verlieren wollen. Er sei froh, bei der jetzigen
Arbeitgeberin arbeiten zu können (act. G 12). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf
eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Taggeldleistungen für den
März 2007 hat. Nach Art. 20 Abs. 3 AVIG erlischt der Entschädigungsanspruch, wenn
er nicht innert dreier Monate nach dem Ende der Kontrollfrist, auf die er sich bezieht,
geltend gemacht wird. Unzustellbare Entschädigungen verfallen drei Jahre nach dem
Ende der Kontrollfrist. Die Form der Geltendmachung wird im Art. 29 AVIV
unterschiedlich geregelt, je nachdem, ob der Entschädigungsanspruch für die erste
Kontrollperiode während der Rahmenfrist für den Leistungsbezug (Art. 9 Abs. 1 und 2
AVIG) sowie bei erneuter Arbeitslosigkeit nach einem Unterbruch von wenigstens sechs
Monaten (Art. 29 Abs. 1 AVIV) oder für die weiteren Kontrollperioden (Art. 29 Abs. 2
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AVIV) in Frage steht. Zur Geltendmachung ihres Entschädigungsanspruchs für die
weiteren Kontrollperioden, die der ersten Kontrollperiode oder einer ihr gleichgestellten
Folgeperiode nach einem mindestens sechsmonatigen Unterbruch folgen, muss die
versicherte Person der Kasse gemäss Art. 29 Abs. 2 AVIV den Datensatz
"Kontrolldaten" oder das Formular "Angaben der versicherten Person" (a), die
Arbeitsbescheinigung für Zwischenverdienste (b) sowie weitere Unterlagen vorlegen,
welche die Kasse zur Beurteilung ihres Anspruches verlangt (c). Gemäss Art. 29 Abs. 3
AVIV setzt die Kasse der versicherten Person nötigenfalls eine angemessene Frist für
die Vervollständigung der Unterlagen und macht sie auf die Folgen der Unterlassung
aufmerksam. Wird dies unterlassen oder eine andere, weniger einschneidende
Säumnisfolge angedroht, kann die Verwirkungsfolge trotz versäumter Frist für die
Geltendmachung nicht eintreten (ARV 1993/94, 234, Erw. 2b mit Hinweisen). In den
vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen entschiedenen Fällen betreffend
Arbeitslosenentschädigung wurde jeweils verlangt, dass die versicherte Person in
unmissverständlicher Weise darauf hingewiesen wird, dass der Anspruch erlischt,
wenn er nicht rechtzeitig geltend gemacht wird (Entscheide vom 6. März 2001 i/S G. C.
[2001/216], vom 10. April 2002 i/S E.K. [2001/149] und vom 10. April 2002 i/S C.R.
[2001/236]; vgl. auch Entscheid vom 25. Oktober 2007 i/S S.G. [AVI 2007/79]). Die in
Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG für die Geltendmachung des Entschädigungsanspruchs
gesetzte Frist ist eine Verwirkungsfrist, die weder einer Erstreckung noch einer
Unterbrechung, jedoch einer Wiederherstellung zugänglich ist (vgl. BGE 114 V 123 mit
Hinweisen). Die Wiederherstellung einer versäumten Frist ist möglich, sofern ein
entschuldbarer Grund für das Versäumnis vorliegt (BGE 114 V 123 Erw. 3b; ARV 2000
Nr. 6, 27).
1.2 Mit Schreiben vom 18. April 2007 forderte die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer auf, die Arbeitgeberbescheinigungen für die Zeit vom 3. April 2006
bis 13. März 2007 sowie die Kopien aller Einsatzverträge in derselben Periode
einzureichen. Hiefür setzte sie ihm eine Frist bis 3. Mai 2007 (act. G 10.92). In der Folge
gingen bei der Beschwerdegegnerin Bescheinigungen über Zwischenverdienste für
März und April 2007 sowie die Angaben der versicherten Person für März und April
2007 ein (act. G 10.93-10.97). Im eingeschrieben versandten Erinnerungsschreiben
vom 18. Mai 2007 wurde der Beschwerdeführer unter Ansetzung einer Frist bis 4. Juni
2007 erneut um Einreichung der im ersten Schreiben erwähnten Unterlagen gebeten
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mit dem folgenden Hinweis: "Wir machen Sie erneut darauf aufmerksam, dass wir ohne
Aktenvollständigkeit ihren Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung nicht weiter prüfen
können. Falls wir bis Ablauf der neu gesetzten Frist die fehlenden Unterlagen nicht
erhalten, müssen wir annehmen, dass Sie auf weitere Ansprüche verzichten (Art. 20
Abs. 3 AVIG)". Auf dem Schreiben wurde sodann kleingedruckt der Wortlaut von Art.
20 Abs. 3 AVIG wiedergegeben (act. G 10.98). Missverständlich ist dabei der Hinweis,
dass vom Verzicht auf weitere Ansprüche ausgegangen werde, wenn die verlangten
Unterlagen innert Frist nicht eingereicht würden. Richtigerweise hätte der
Beschwerdeführer darauf aufmerksam gemacht werden müssen, dass bei fehlender
Reaktion innert gesetzter Frist dessen Ansprüche erlöschen. Nur ein solcher Hinweis
hätte das Erfordernis der ausreichenden Bestimmtheit einer Androhung erfüllt, indem er
klargestellt hätte, dass als Folge der Nichtreaktion der Anspruch untergeht. Ein blosser
Verzicht kann dagegen dadurch in Abrede gestellt werden, dass - wie vorliegend -
Einsprache bzw. Beschwerde eingereicht wird. Bei formrichtiger Androhung hätte sich
im übrigen auch eine weitere Aufforderung erübrigt. Aufgrund des Schreibens vom 18.
Mai 2007 wären die Ansprüche des Beschwerdeführers für März 2007 auch deshalb
noch nicht verwirkt gewesen, da bei Ablauf der angesetzten Frist die Frist nach Art. 20
Abs. 3 AVIG noch nicht abgelaufen war. Die Beschwerdegegnerin setzte daher im
ebenfalls eingeschrieben versandten Schreiben vom 18. Juni 2007 ("Letzte Mahnung")
eine weitere "letzte Frist" bis 30. Juni 2007 zur Einreichung der "gewünschten
Unterlagen" und führte erneut den Art. 20 Abs. 3 AVIG im Wortlaut an (act. G 10.99).
Eine detaillierte Umschreibung der "gewünschten Unterlagen" erübrigte sich insofern,
als diesbezüglich auf die vorangegangenen Schreiben vom 18. April und 18. Mai 2007,
auf welche der Beschwerdeführer nicht reagiert hatte, verwiesen wurde. Es war somit
klar, welche Unterlagen gemeint waren. Der Ablauf der in diesem Schreiben
angesetzten Frist bewirkte insofern den Eintritt der angedrohten Verwirkungsfolge
bezüglich der Ansprüche für März 2007, als gleichzeitig auch die Frist nach Art. 20 Abs.
3 AVIG abgelaufen war. Am 31. Juli 2007 - einen Monat nach Fristablauf betreffend die
Kontrollperiode März 2007 - ging die Arbeitgeberbescheinigung der F._, für die Zeit
vom 3. April bis 30. Juni 2006 bei der Beschwerdegegnerin ein (act. G 10.101). Am 8.
August 2007 erhielt die Beschwerdegegnerin im Nachgang zu ihrer Aufforderung vom
3. August 2007 eine Arbeitgeberbescheinigung der E._ AG, für die Zeit vom 1. Juli bis
31. Dezember 2006 (act. G 10.109, 10.110).
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2.
Zu prüfen ist, ob von einem entschuldbaren Grund für das Versäumnis ausgegangen
werden kann, der zu einer Wiederherstellung der versäumten Frist führt. Der
Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, es sei ihm nicht möglich gewesen, von
der E._ AG eine Arbeitgeberbescheinigung beizubringen, weil er mit dieser
Arbeitgeberin "so richtig harmonisch" gewesen sei und sie deshalb auch nie eine
Bestätigung ausgestellt habe. Auch die anderen Firmen habe er oft kontaktiert, ohne
dass etwas zurückgekommen sei (act. G 8). Aus dem Schreiben der E._ AG vom 7.
August 2007 kann geschlossen werden, dass das Verhältnis zum Beschwerdeführer
nicht harmonisch war (act. G 10.118), und er deshalb möglicherweise Probleme bei der
Beschaffung der Bestätigung hatte. Ihm ist jedoch vorzuwerfen, dass er die
Beschwerdegegnerin hierüber nicht informierte (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
vom 17. Juli 2007 i/S G. [C 114/06], Erw. 4.3). Diesfalls hätte nämlich die
Beschwerdegegnerin die Arbeitgeberbescheinigung direkt bei der Arbeitgeberin
angefordert, wie sie es später auch machte. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er
habe sich in die neue Arbeitsstelle vertieft, sodass die Sache in Vergessenheit geraten
sei (act. G 8), kann nicht als zureichender Entschuldigungsgrund gelten. Eine
Fristwiederherstellung kommt damit nicht in Betracht. So ist der Anspruch auf
Taggeldleistungen für den Monat März 2007 verwirkt. Die Beschwerdegegnerin wird
hingegen den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab April 2007 noch zu
beurteilen haben (vgl. Ziffer 2 des Einspracheentscheides vom 2. August 2007).
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 2. August 2007 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG