Decision ID: ca752c9e-14bf-4cba-bdca-c97d725f876b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich im September 2013 erstmals bei der
IV-Stelle des Kantons Z._ für berufliche Massnahmen und Rentenleistungen an (IV-
act. 1). Sie hatte zuletzt als Y._ in einem Pensum von 100 % bei der B._ AG
gearbeitet, jedoch war ihr Anstellungsverhältnis nach einem vom 15. Mai bis 22. Juni
2013 dauernden stationären Aufenthalt in der Klinik C._ (IV-act. 15; zur
anschliessenden Arbeitsunfähigkeit vgl. IV-act. 2), auf Ende August 2013 gekündigt
worden (IV-act. 7). In einem Bericht vom 10. Oktober 2013 nannte Dr. med. D._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, als Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig mittelgradige
depressive Episode bei psychosozialer Belastung), spezifische Phobien (Autofahren auf
Autobahnen und in Tunnels) sowie ängstlich-selbstunsichere Persönlichkeitszüge.
Weiter erklärte er, dass die Versicherte seit dem 19. Dezember 2011 (mit einem
Unterbruch im 2012) bei ihm in ambulanter Behandlung stehe. Sie leide an einer
raschen Erschöpfung bei Schlafstörungen, einem verminderten Leistungsvermögen,
depressiven Stimmungseinbrüchen mit negativen Gedankenmustern sowie einer
Antriebsschwäche. Die Arbeitsfähigkeit schätzte er damals sowohl in der
angestammten als auch in angepassten Tätigkeiten auf 50 %. Die Prognose machte er
davon abhängig, ob es der Versicherten gelingen werde, einen Arbeitsplatz zu finden,
an welchem sie sich gut aufgehoben fühle. Unter günstigen Bedingungen schätzte er
die Möglichkeit zur beruflichen Integration als positiv ein (IV-act. 20). Am ._ 2013 trat
die Versicherte eine neue Anstellung bei E._ in einem Arbeitspensum von 100 % an
(IV-act. 21). Nach einem entsprechenden Vorbescheid (IV-act. 26) verfügte die IV-Stelle
des Kantons Z._ am 11. Dezember 2013, dass kein Anspruch auf berufliche
Massnahmen bestehe, da die Versicherte seit dem ._ 2013 wieder zu 100 %
arbeitsfähig und angemessen eingegliedert sei (IV-act. 28).
A.a.
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Im Mai 2015 erfolgte eine erneute Anmeldung bei der IV-Stelle des Kantons Z._
(IV-act. 31 ff.). In einem Bericht vom 8. Juni 2015 nannte Dr. med. F._, Facharzt FMH
Allgemeine Medizin, als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung
(Erschöpfungsdepression). Weiter attestierte er der Versicherten zwischen dem 4.
November 2014 und 31. Januar 2015 eine 100%ige, zwischen dem 1. und 28. Februar
2015 eine 50%ige, zwischen dem 1. März und 31. Mai 2015 eine 30%ige und zwischen
dem 1. und 30. Juni 2015 noch eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit. Sodann erklärte Dr.
F._, dass weder körperliche noch geistige Einschränkungen bestünden, die
Belastbarkeit insgesamt jedoch reduziert sei. Die Versicherte sei am aktuellen
Arbeitsplatz objektiv einer Überbelastung ausgesetzt und müsse Funktionen ausüben,
die ihr gemäss Arbeitsvertrag eigentlich gar nicht übergeben werden könnten (IV-act.
57). Am 16. Juni 2015 berichtete Dr. med. G._, Klinik H._, dass die Versicherte seit
dem 20. November 2014 in der Klinik in ambulanter Behandlung stehe. Als Diagnosen
nannte er eine Anpassungsstörung (längere depressive Reaktion) im Rahmen einer
psychophysischen Erschöpfung bei bestehender Belastung am Arbeitsplatz. Ab dem 1.
Juni 2015 bestehe eine 80%ige Arbeitsfähigkeit, die erhöht werden könne (IV-act. 60).
Nach einem entsprechenden Vorbescheid (IV-act. 62) verneinte die IV-Stelle des
Kantons Z._ mit Verfügung vom 28. September 2015 einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen, da kein invalidisierender Gesundheitsschaden
ausgewiesen sei. Die angestammte Tätigkeit als X._ sowie jede angepasste Tätigkeit
sei zu 100 % zumutbar (IV-act. 63).
A.b.
Am 13. Dezember 2017 meldete sich die inzwischen im Kanton St. Gallen
wohnhafte Versicherte (vgl. IV-act. 49 f.) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und Rentenleistungen an (IV-act.
65). Zur Glaubhaftmachung einer Veränderung des Gesundheitszustandes seit der
letzten Rentenablehnung (vgl. IV-act. 80) reichte sie einen Bericht von Dr. F._ vom
15. Januar 2018 ein. Darin hielt dieser fest, dass die Versicherte wegen rezidivierenden
depressiven Störungen bzw. Erschöpfungssyndromen bei ihm in Behandlung stehe.
Eine seit 1. September 2017 erneut aufgetretene Arbeitsunfähigkeit habe zur
Kündigung des Anstellungsverhältnisses geführt. Aufgrund der langen
Krankheitsgeschichte habe er die Versicherte an Dr. med. I._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, verwiesen (IV-act. 85). In einer E-Mail vom 29. Januar
A.c.
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2018 erklärte Dr. I._, dass er diagnostische Abklärungen im Hinblick auf bislang
möglicherweise übersehene psychiatrische Krankheitsbilder in die Wege geleitet habe
(IV-act. 88; vgl. dazu auch IV-act. 90).
In einer im Auftrag der Krankentaggeldversicherung erstellten psychiatrischen
Kurzbeurteilung vom 29. Mai 2018 nannte med. pract. J._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, als Diagnose eine sonstige depressive Episode (larvierte Depression;
Fremdakten act. 4-11). Sodann kam sie zum Schluss, dass die Versicherte als
Verkäuferin in der freien Wirtschaft für zwei Monate zu 20 % arbeitsunfähig sei. Die
psychische Störung sei nur in Einzelsymptomen leicht bis mittelgradig ausgeprägt,
weshalb die Prognose bezüglich einer vollständigen Remission in zwei Monaten gut
sei. Rein medizinisch-theoretisch bestehe aus psychiatrischer Sicht dauerhaft eine
Leistungseinschränkung von 30 % in Tätigkeiten mit komplexen Arbeitsabläufen und
für solche mit Verantwortungsübernahme, eigenständiger Arbeitsorganisation und
intellektuellen Belastungen. In einer leidensangepassten Tätigkeit mit einfachen
Arbeitsabläufen, repetitiven Tätigkeiten und klarer Aufgaben- und Organisationsstruktur
bestehe eine volle Leistungsfähigkeit (Fremdakten, act. G 4-14).
A.d.
In einem Bericht vom 23. Juni 2018 nannte Dr. I._ als Diagnosen eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, eine
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sowie eine anankastische
Persönlichkeitsstörung. Weiter erklärte er, dass die Versicherte nicht mehr bei ihm in
Behandlung stehe und er aufgrund der Kürze der Behandlung nur sehr eingeschränkt
Aussagen zur Arbeitsfähigkeit machen könne. Die Arbeitsfähigkeit sei sicher durch die
Aufmerksamkeitsstörung beeinträchtigt (diesbezüglich verwies Dr. I._ auf einen
beigelegten Untersuchungsbericht der K._ GmbH vom 4. März 2018; IV-act. 103-7
ff.). Zudem seien aufgrund der zwanghaften Persönlichkeitsstörung die
Umstellungsfähigkeit und die Flexibilität erheblich gemindert (IV-act. 104).
A.e.
Am 16. Juli 2018 berichtete dipl. med. L._, Fachärztin Anästhesie FMH,
Fachärztin Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (D), Psychosomatische und
Psychosoziale Medizin SAPPM, dass die Versicherte seit dem 25. Mai 2018 bei ihr in
Behandlung stehe. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie
eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung, eine Agoraphobie (ohne Angabe
A.f.
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einer Panikstörung) sowie eine rezidivierende depressive Erkrankung (mittelgradig). Als
Einschränkungen bestehe bei der Versicherten ein einfaches Aufmerksamkeitssyndrom
gepaart mit einer ausgeprägten Teilleistungsschwäche im Sprachverständnis und einer
unterdurchschnittlichen Verarbeitungsgeschwindigkeit, in deren Folge sich immer
wieder dissoziative und zunehmend depressive Zustände entwickelten. Durch hohen
Druck und Mehrbelastung gerate die Versicherte in ein deutliches, aber
bewusstseinsfernes Überforderungserleben, in dem es ihr dann an
Konzentrationsfähigkeit (ADHS) fehle. Die gennannten Teilleistungsschwächen des
Sprachverständnisses und der reduzierten Verarbeitungsgeschwindigkeit förderten die
Überforderung und führten zu einer Abwärtsspirale. Diese scheine dann nur noch durch
dissoziative Zustände, Angst und psychische Abwehr (Müdigkeit,
Konzentrationsstörungen, depressive Entwicklung) regulierbar zu sein. Bei klar
definierten Arbeitsbedingungen und einer stufenweisen Wiedereingliederung sei die
bisherige Tätigkeit aus medizinischer Sicht noch zumutbar. Zunächst für zwei Stunden
pro Tag, anschliessend steigerbar (IV-act. 108). In einem Bericht der K._ GmbH vom
22. September 2018 wurde festgehalten, dass eine Untersuchung der Psychiatrischen
Dienste M._ erhöhte Werte für eine einfache Störung der Aufmerksamkeit ergeben
habe. Aufgrund der Exploration habe sich gezeigt, dass die Versicherte vor allem in
stressreichen Situationen Schwierigkeiten habe. Sie fühle sich dann schnell ausgelaugt
und ermüde schnell. Die Ermüdung sei darauf zurückzuführen, dass sie die Arbeit
einerseits sehr genau machen wolle, andererseits auch einen erhöhten inneren Druck
verspüre, der sich in einem erhöhten Arousel zeige. Die erhöhten Arousel-Werte
während des Konzentrationsverlaufstests seien assoziiert mit Angstzuständen,
Versagensängsten, Erschöpfungszuständen, Aufmerksamkeitsstörungen und
Stresszuständen. Die Symptomatik der erhöhten inneren Anspannung sei zusätzlich
durch massiv erhöhte Sensitivitätsmarker durch erhöhte Stressmarker und durch eine
erhöhte sensorische Aktivierung belegt (IV-act. 116). Am 24. September 2018 nahm
med. pract. J._ zu Einschätzungen von Dr. F._ und dipl. med. L._ Stellung und
hielt an ihrer gutachterlichen Einschätzung vom Mai 2018 fest (vgl. Fremdakten, act. G
5-3 ff.). In einer Beurteilung vom 4. Dezember 2018 kam der regionale ärztliche Dienst
(RAD) zum Schluss, dass aufgrund der widersprüchlichen Diagnostik und Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit eine Begutachtung angezeigt sei (IV-act. 121).
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Am 30. April 2019 erstattete Dr. med. N._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, im Auftrag der IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 129). Im
Rahmen der Begutachtung war am 19. Februar 2019 eine neuropsychologische
Beurteilung durch lic. phil. O._, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP,
durchgeführt worden (IV-act. 129-80 ff.). Unter Mitberücksichtigung der
neuropsychologischen Abklärung hielt Dr. N._ in seinem Gutachten fest, dass keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Als Diagnose ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung (IV-act. 129-64 ff.). Sodann kam er zum Schluss, dass in einer
ideal adaptierten Tätigkeit (auch im Verkauf) von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen sei. Weil die letzte Arbeitsstelle nicht den Kriterien für eine ideal adaptierte
Tätigkeit entsprochen habe, seien Probleme aufgetreten und daher sei eine
vorübergehende Krankschreibung bis zum Ablauf der Kündigungsfrist sicher
gerechtfertigt gewesen, da eine Zustandsverschlechterung hätte befürchtet werden
müssen, wenn die Versicherte dort weitergearbeitet hätte. Zumutbar seien einfache
Routinetätigkeiten, welche die Versicherte nach klaren Vorgaben jeweils sequentiell
nacheinander erledigen könne. Zu vermeiden seien eigene Problemanalysen und
Problemlösungen. Ungünstig wären auch Tätigkeiten, bei denen die Versicherte häufig
mit Texten zu tun hätte oder häufig neue Inhalte aufnehmen und lernen müsste. In einer
derart optimal angepassten Tätigkeit habe nie eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bestanden (IV-act. 129-74 ff.). Im Vergleich zur letzten rentenablehnenden Verfügung
vom 28. September 2015 habe sich keine Veränderung des Gesundheitszustandes
ergeben. Die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung bestehe bereits seit der
Kindheit, sei jedoch früher nicht diagnostiziert worden (IV-act. 129-76 f.). In einer
Stellungnahme vom 27. Mai 2019 hielt der RAD fest, dass das Gutachten von Dr. N._
den geltenden Qualitätsleitlinien entspreche, sodass darauf abgestellt werden könne
(IV-act. 135).
A.g.
Am 16. August 2019 unterzeichnete die Versicherte einen Eingliederungsplan der
IV-Stelle zur Arbeitsvermittlung mit dem Ziel der Eingliederung in den ersten
Arbeitsmarkt (IV-act. 142). Mit Mitteilung vom 19. August 2019 gewährte die IV-Stelle
der Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 143). Am 19.
September 2019 unterzeichnete die Versicherte einen Eingliederungsplan der IV-Stelle
A.h.
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für einen am 1. Oktober 2019 beginnenden Arbeitsversuch bei der P._ AG mit einem
Einstiegspensum von 50 % und dem Ziel, dieses bis März 2020 auf ein Pensum von
100 % zu steigern (IV-act. 148). Mit Mitteilung vom 18. Oktober 2019 erteilte die IV-
Stelle Kostengutsprache für den vom 1. Oktober 2019 bis 31. März 2020 dauernden
Arbeitsversuch bei der P._ AG (IV-act. 155). In einer E-Mail vom 7. November 2019
teilte die IV-Stelle Dr. F._ mit, dass die P._ AG anlässlich des ersten
Standortgesprächs eine sehr positive Rückmeldung gegeben habe. Die Versicherte
erbringe ein stabiles 50 %-Pensum mit einer 100%igen Leistung. Sie sei ein Mehrwert
für den Betrieb. Nun sei ein Pensum von 60 %, verteilt auf drei Tage, abgemacht
worden, welches man bis Ende des Jahres 2019 zu stabilisieren versuche (IV-act. 157,
vgl. ferner IV-act. 177-6). In einer Stellungnahme vom 2. Dezember 2019 hielt eine IV-
Mitarbeiterin fest, dass die versicherte Person im Arbeitsversuch einen schonenden
Einstieg mit einer langsamen Steigerung des Pensums habe. Die Adaptationskriterien
seien alle gegeben und die Arbeitgeberin sei sehr sozial eingestellt, sodass eine
Anschlusslösung als möglich erscheine. Die Versicherte werde aktuell nur im (...)
eingesetzt, wie sie es sich wünsche. Trotzdem bekunde sie Mühe mit dem
Arbeitsversuch. Sie empfinde das Team als zu jung, möge keine Kassenarbeit machen,
die Musik im Laden störe sie und sie fühle sich dahingehend nicht verstanden, dass sie
am Abend jeweils müde sei. Der Fall sei dem RAD geschildert worden, der mit der
behandelnden Ärztin Kontakt aufnehmen werde, damit diese unterstützend mitwirken
könne (IV-act. 158). Anlässlich eines Telefongesprächs vom 10. Januar 2020 gab dipl.
med. L._ zu verstehen, dass sie den Plan, die Arbeitsfähigkeit zu steigern,
unterstütze, sofern die Tätigkeit ideal leidensadaptiert sei (IV-act. 163). In einer E-Mail
vom 20. Januar 2020 liess die Versicherte, vertreten durch die Procap St. Gallen-
Appenzell (nachfolgend: Procap), der IV-Stelle ein Arztzeugnis von dipl. med. L._
zukommen, wonach die Erhöhung des Pensums auf 80 % im Rahmen des aktuellen
Wiedereingliederungsversuchs zu einer Verschlechterung des Zustandes mit
Schlafstörungen, schneller Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen und vermehrter
innerer Unruhe geführt hätte. Ab dem 16. Januar 2020 betrage die Arbeitsfähigkeit bis
auf Weiteres 40-50 % bei einem Pensum von 60 % (IV-act. 165 f.). Am 27. Januar 2020
erklärte sich dipl. med. L._ mit dem vom RAD erstellten Gesprächsprotokoll
bezüglich Telefonat vom 10. Januar 2020 als einverstanden. Sie bestätigte, dass im
ideal adaptierten Bereich eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit (auch ein Pensum von
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über 50 %) gut möglich erscheine. Bei rasch wechselnden Anforderungen komme es
aufgrund der bestehenden Defizite zu einem Überforderungserleben. Weiter erklärte sie
sich damit einverstanden, dass ideal adaptierte Tätigkeiten solche seien, die keine
Anforderungen an die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie an die Multitasking-
Fähigkeiten stellten und bei denen es klare Anweisungen, ein klares Tätigkeitsprofil und
klare Strukturen ohne rasche Tätigkeitswechsel gebe (IV-act. 169). Am ._ 2020
schloss die Versicherte mit der P._ AG einen Arbeitsvertrag mit Stellenantritt per 1.
April 2020 für ein Pensum von 60 % bei einer Arbeitsleistung von 40 % ab (IV-act. 173;
vgl. dazu auch IV-act. 171-3, oben). In ihrer Schlussbeurteilung vom 16. April 2020 hielt
die IV-Eingliederungsverantwortliche fest, dass die Versicherte immer bremsend erlebt
worden sei, jedoch habe sie mit gutem Zureden vieles geschafft und ihr Pensum beim
Arbeitsversuch auf 80 % steigern können. Aus Sicht der Eingliederungsberatung hätte
dieses Pensum auch funktionieren können, wenn die Versicherte nicht Unterstützung
im negativen Sinn erhalten hätte. Sie habe sich von jeder Hilfe abgewendet, die nicht
ihrer Vorstellung entsprochen habe. Den Vorschlag der Arbeitgeberin, eine Stelle im (...)
anzutreten, habe die Versicherte eingeschnappt abgelehnt und nicht eingesehen,
diesen Prozess gelenkt zu haben. Die P._ AG sei eine soziale Arbeitgeberin, welche
die Aufgaben nach den Bedürfnissen der Versicherten kreiert habe und für die eine
Leistungsminderung kein Thema gewesen sei. Die Arbeitgeberin habe die Versicherte
anlässlich des ersten Standortgesprächs als vollwertige Mitarbeiterin bezeichnet. Am
Anfang habe die Versicherte noch Probleme, wie die Musik im Laden, angesprochen,
jedoch sei dies nachher kein Thema mehr gewesen. Im Pensum von 80 % habe sie
eine Müdigkeit am Abend erwähnt, die sie aber nicht näher habe beschreiben können.
Die Procap habe demgegenüber eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt lange Zeit gar
nicht für möglich gehalten. Nach Ansicht der Eingliederungsberatung seien die
Adaptationskriterien auf dem ersten Arbeitsmarkt gut umsetzbar und hätten auch bei
der P._ AG gut umgesetzt werden können (IV-act. 177-10; zum Schlussbericht der
beigezogenen Q._; vgl. IV-act. 171-1 ff.).
Mit Mitteilung vom 17. April 2020 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch auf weitere
berufliche Massnahmen ab, da die Versicherte per 1. April 2020 eine Festanstellung
erhalten habe (IV-act. 179),
A.i.
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In einem bei der IV-Stelle am 5. Mai 2020 eingegangenen Bericht nannte dipl. med.
L._ als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine einfache Aktivitäts-
und Aufmerksamkeitsstörung, eine Agoraphobie sowie eine Teilleistungsschwäche.
Weiter erklärte sie, dass die Teilleistungsschwäche der Intelligenz dazu führen würde,
dass die Versicherte gewisse Rahmenbedingungen benötige (keine Erwartung von
Flexibilität, keine Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen, und eine verlässliche
Tätigkeit). Unter Berücksichtigung dieser Kriterien sei die bisherige Tätigkeit in einem
Pensum von 60 % noch zumutbar, wobei eine Leistungsfähigkeit von 40 % zu erwarten
sei (IV-act. 183). In einer Beurteilung vom 26. Mai 2020 kam der RAD zum Schuss, aus
den Arztberichten der behandelnden Ärzte sei nicht ersichtlich, inwiefern sich der
Gesundheitszustand der Versicherten seit ihrer letzten mehrjährigen beruflichen
Tätigkeit als Verkäuferin anhaltend verändert haben sollte. Die aktuell genannten
Diagnosen einer Teilleistungsschwäche und einer einfachen Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung bestünden seit der Kindheit. Die von den Behandelnden
geltend gemachten Einschränkungen seien im Gutachten bereits diskutiert und
gewürdigt worden. Die angeführte Müdigkeit habe beim Arbeitsversuch dazu geführt,
dass die Steigerung der Arbeitstätigkeit auf ein Pensum von 80 % nicht toleriert
worden sei, jedoch habe die Versicherte früher über Jahre hinweg in einem Pensum
von 100 % gearbeitet. Die aktuelle Einschätzung der Behandelnden stelle eine andere
Beurteilung des gleichen Sachverhalts dar. Die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit
in der angestammten als auch in einer anderen angepassten Tätigkeit betrage 100 %
(IV-act. 184).
A.j.
Mit Vorbescheid vom 27. Mai 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einer Arbeitsfähigkeit von 100 % und einem
Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht (IV-act. 187).
A.k.
Gegen diesen Vorbescheid liess die weiterhin durch Procap vertretene Versicherte
am 23. Juni 2020 Einwand erheben und einen Bericht der P._ AG vom 4. Mai 2020
einreichen (IV-act. 193).
A.l.
Mit Verfügung vom 15. Juli 2020 wies die IV-Stelle das Rentengesuch der
Versicherten im Sinne des Vorbescheids ab (IV-act. 194).
A.m.
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B.

Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
2.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 14. September 2020 Beschwerde, in welcher sie die Zusprache einer Teilrente
beantragte (vgl. act. G 1). Weiter beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 1 und 4).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 27. November 2020 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
B.b.
Am 4. Dezember 2020 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das Verfahren vor
Versicherungsgericht entsprochen (act. G 8).
B.c.
Mit Eingabe vom 10. Februar 2021 hielt die Beschwerdegegnerin am gestellten
Antrag fest und verzichtete auf die Erstattung einer ausführlichen Duplik (act. G 12).
B.d.
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
2.1.
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3.
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 und 115 V 134 E. 2). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (zum Ganzen BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.2.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs in
medizinischer Hinsicht in erster Linie auf das psychiatrische Gutachten von Dr. N._
sowie auf RAD-Beurteilungen (vgl. act. G 7). Die Beschwerdeführerin moniert, dass
Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens von Dr. N._ bestünden, da eine
wirtschaftliche Abhängigkeit des Gutachters von der IV-Stelle evident sei (vgl. act. G 1
S. 2). Sie verweist diesbezüglich auf einen bereits im Einwandverfahren eingereichten
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Januar 2019. In
diesem war eine Beschwerde gegen eine Zwischenverfügung der IV-Stelle, mit welcher
diese eine Begutachtung angeordnet hatte, aufgehoben worden, da das Gericht das
Vorliegen gewichtiger Einwände gegen einen vorgeschlagenen Gutachter bejaht hatte
(vgl. IV-act. 193-9 ff.). Aus diesem Entscheid lässt sich indes keine Befangenheit von
Dr. N._ ableiten, befasst sich doch der Entscheid vom 9. Januar 2019 mit einer
anderen Gutachtensperson. Im Übrigen beruht der Entscheid vom 9. Januar 2019 auf
einer eingehenden Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten des konkreten Falles.
Konkrete, auf ihren Fall bezogene Umstände, die eine Befangenheit vermuten lassen
3.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/17
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könnten, bringt die Beschwerdeführerin nicht vor. Auch ergeben sich aus der Aktenlage
und namentlich dem Gutachten keine Anhaltspunkte für eine Befangenheit von Dr.
N._.
Das Gutachten von Dr. N._ beruht auf einer ausführlichen Anamnese und einer
eingehenden Exploration. Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass objektiv
wesentliche Tatsachen in den Untersuchungen nicht berücksichtigt worden wären oder
dass diese nicht lege artis durchgeführt worden wären. Die gutachterliche Beurteilung
ist in Kenntnis der Vorakten erstellt worden. Auch hat Dr. N._ die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, sich mit anderslautenden ärztlichen Einschätzungen
befasst und ist unter Berücksichtigung der nach der Rechtsprechung einschlägigen
Standardindikatoren in nachvollziehbarer Weise zum Schluss gekommen, dass in
optimal leidensangepassten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vorliege und in
solchen Tätigkeiten auch in der Vergangenheit keine Einschränkung bestanden habe
(vgl. IV-act. 129). Diese Einschätzung hat der RAD in seinen Beurteilungen vom 27. Mai
2019 (IV-act. 135) und vom 26. Mai 2020 geteilt (IV-act. 184). Im Übrigen hat auch dipl.
med. L._ anlässlich des Telefonats mit dem RAD vom 10. Januar 2020 den Plan
unterstützt, die Arbeitsfähigkeit zu steigern, sofern die Tätigkeit optimal angepasst sei
(IV-act. 163). Dass sie der Beschwerdeführerin ab dem 16. Januar 2020 dann plötzlich
nur noch eine 40-50%ige Leistungsfähigkeit in der Tätigkeit bei der P._ AG attestiert
hat, hat dipl. med. L._ primär mit vermehrten Schlafstörungen, einer schnellen
Ermüdbarkeit, einer vermehrten inneren Unruhe und Konzentrationsstörungen
begründet. Dabei handelt es sich in erster Linie um subjektiv empfundene
Einschränkungen. Objektive Befunde, welche die Verschlechterung erklären könnten,
sind nicht ersichtlich (IV-act. 165 f.). Bereits am 27. Januar 2020 hat dipl. med. L._
denn auch wieder angegeben, dass im ideal adaptierten Bereich eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit (auch ein Pensum von über 50 %) gut möglich sei (IV-act. 169). In
ihrem Bericht vom 5. Mai 2020 dürfte dipl. med. L._ die attestierte Arbeitsfähigkeit im
Wesentlichen an den abgeschlossenen Arbeitsvertrag angepasst haben. Jedenfalls hat
sie sich in diesem Bericht in erster Linie auf die Tätigkeit bei der P._ AG bezogen,
ohne explizit eine allgemeingültige Aussage zur Arbeitsfähigkeit in einer optimal
angepassten Tätigkeit zu machen (vgl. IV-act. 183). Da die Beschwerdeführerin die
Tätigkeit bei der P._ AG selber als nicht optimal angepasst bezeichnet (vgl. act. G 1
und 10), steht die Einschätzung von dipl. med. L._ derjenigen von Dr. N._, wonach
in optimal angepassten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, nicht
entgegen. Schliesslich hat auch der RAD in seiner Beurteilung vom 26. Mai 2020
schlüssig dargelegt, weshalb die Beurteilungen der behandelnden Ärzte die
Beweiskraft des Gutachtens von Dr. N._ nicht entkräften (vgl. IV-act. 184). Soweit die
3.2.
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Beschwerdeführerin geltend macht, med. pract. J._ habe in ihrer psychiatrischen
Kurzbeurteilung eine dauerhafte Leistungseinschränkung von 30 % attestiert (vgl. act.
G 1 S. 1), kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Med. pract. J._ hat eine derartige
Leistungseinschränkung nur für Tätigkeiten mit komplexen Arbeitsabläufen, die eine
konstante Verantwortungsübernahme, eine intellektuelle Belastung sowie eine
eigenständige Arbeitsorganisation erfordern, attestiert. In einer leidensangepassten
Verweistätigkeit mit einfachen Arbeitsabläufen, repetitiven Tätigkeiten und klarer
Aufgaben- und Organisationsstruktur ist sie von einer vollen Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ausgegangen (vgl. Fremdakten, act. 4-14).
Die Beschwerdeführerin sieht in der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung
dahingehend einen Widerspruch, dass Dr. N._ ihr im Gutachten unter Punkt 8.1.2
bzw. 8.1.3 in der bisherigen Tätigkeit keine Leistungseinbusse attestiert habe, unter
Punkt 8.1.4 jedoch ausgeführt habe (vgl. IV-act. 129-75), dass bei der letzten
Arbeitsstelle Probleme aufgetreten seien, weil diese Tätigkeit nicht einer optimal
angepassten Tätigkeit entsprochen habe und daher eine vorübergehende
Krankschreibung gerechtfertigt gewesen sei (vgl. act. G 1 S. 1 f.). Aus dem Gutachten
wird indessen deutlich, dass Dr. N._ mit der "bisherigen Tätigkeit" eine
Verkaufstätigkeit meint, die den von ihm definierten Anforderungen an eine optimal
angepasste Tätigkeit entspricht. Den letzten Arbeitsplatz hat Dr. N._, wie im
Gutachten unter Punkt 8.1.4 dargelegt, aber gerade nicht als optimal angepasst
erachtet, obwohl es sich dabei auch um eine Verkaufstätigkeit gehandelt hat; mithin hat
er nicht sämtliche Verkaufstätigkeiten als angepasst eingestuft. Aus diesem Grund hat
er eine vorübergehende Krankschreibung im Rahmen der vor der Begutachtung zuletzt
ausgeübten Verkaufstätigkeit als gerechtfertigt erachtet, um den psychischen Zustand
der Beschwerdeführerin zu stabilisieren. Dies ändert aber nichts daran, dass er eine
optimal angepasste Tätigkeit (sei es im Verkauf oder in einer anderen Branche) auch in
der Vergangenheit als zumutbar erachtet hat. Aus dem Gutachten geht demnach
eindeutig hervor, dass Dr. N._ für optimal angepasste Tätigkeiten eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit attestiert hat (vgl. IV-act. 129-74 ff.). Ein Widerspruch ist entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin nicht zu erkennen.
3.3.
Andere konkrete Einwände gegen die von Dr. N._ attestierte 100%ige
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit bringt
die Beschwerdeführerin nicht vor. Sie stellt sich im Wesentlichen lediglich auf den
Standpunkt, dass die von ihr aktuell ausgeübte Verkaufstätigkeit bei der P._ AG nicht
einer optimal angepassten Tätigkeit entspreche (vgl. act. G 1 und 10). Die von Dr. N._
als optimal angepasst umschriebenen einfachen Routinetätigkeiten (vgl. Sachverhalt
3.4.
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A.g) gleichen im Wesentlichen dem von dipl. med. L._ anlässlich des Telefonats mit
dem RAD vom 10. Januar 2020 angegebenen bzw. vom RAD wiedergegebenen Profil
(vgl. IV-act. 169; vgl. Sachverhalt A.h). Auf dieses Zumutbarkeitsprofil verweist auch die
Beschwerdeführerin (vgl. act. G 1 S. 2). Auf das gutachterliche Zumutbarkeitsprofil
sowie die gutachterlich attestierte 100%ige medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit
ist demnach abzustellen.
Ob die aktuell bei der P._ AG ausgeübte Tätigkeit einer optimal angepassten
Tätigkeit entspricht, ist für die Invaliditätsbemessung grundsätzlich nicht
ausschlaggebend. Massgebend für die Festsetzung des Invaliditätsgrades und die
Beurteilung des Rentenanspruchs ist in erster Linie die ärztlich festgestellte
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 21.
Februar 2018, 8C_802/2017, E. 5.1.1, und vom 28. Mai 2009, 9C_332/2009, E. 3; je mit
Hinweisen; vgl. ferner act. G 7 S. 3), sofern diese sozialpraktisch verwertbar ist (vgl.
dazu E. 3.6).
3.5.
Dass eine Tätigkeit mit dem gutachterlichen Zumutbarkeitsprofil auf dem
allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertbar sein sollte, ist nicht
ersichtlich. Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ist ein
theoretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht
berücksichtigt (BGE 134 V 70 f. E. 4.2.1). Er umschliesst einerseits ein gewisses
Gleichgewicht zwischen dem Angebot von Stellen und der Nachfrage nach solchen.
Andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen
Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4b; Urteil des Bundesgerichts vom 28.
November 2014, 9C_485/2014, E. 2.2; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 3. Dezember 2003, I 349/01, mit Hinweisen). Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also
Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers gerechnet werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 28.
November 2014, 9C_485/2014, E. 2.2 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts vom
29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3). Von einer Arbeitsgelegenheit kann allerdings
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch
nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts
3.6.
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vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E 3.3 mit weiteren Hinweisen). Zwar schränken die
zu beachtenden Adaptationskriterien die in Betracht fallenden Arbeitsmöglichkeiten für
die Beschwerdeführerin ein, doch vermag dieser Umstand an der Massgeblichkeit des
theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarktes nichts zu ändern. Für die
Invaliditätsbemessung ist grundsätzlich nicht entscheidend, ob eine invalide Person
unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig,
ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein
Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften bestünde
(ausgeglichener Arbeitsmarkt, Art. 16 ATSG; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts
vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 2 und 3.3.1 mit Hinweisen). Vorliegend ist
es der Beschwerdeführerin bereits gelungen, eine Tätigkeit zu finden, die einer optimal
angepassten Stelle zumindest recht nahe zu kommen scheint. Immerhin hat sie ihr
Pensum phasenweise bis zu 80 % steigern können und die IV-
Eingliederungsverantwortliche hat die Tätigkeit als angepasst und die Verwertbarkeit
der vollen Arbeitsfähigkeit für möglich erachtet (vgl. IV-act. 177-10). Der Umstand, dass
sich die Beschwerdeführerin in der aktuell ausgeübten Tätigkeit zu höchstens 60 %
leistungsfähig fühlt (vgl. dazu act. G 1), muss also nicht einzig darauf zurückzuführen
sein, dass die Stelle möglicherweise nicht optimal angepasst ist, sondern könnte auch
im subjektiven Empfinden der Beschwerdeführerin begründet sein. Immerhin hat, wie
bereits erwähnt, auch dipl. med. L._ eine Steigerung des Pensums in der von der
Beschwerdeführerin aktuell ausgeübten Tätigkeit zunächst für möglich gehalten (vgl.
IV-act. 163 und 169) und erst später ein Attest für eine Leistungsfähigkeit von lediglich
40-50 % ausgestellt (vgl. IV-act. 165 f. und 183; vgl. hierzu auch E. 3.2). Auch die P._
AG hat anlässlich des ersten Standortgesprächs berichtet, nichts vom Krankheitsbild
zu merken (vgl. IV-act. 157 und 177-6). Nachdem die von der Beschwerdeführerin
aktuell ausgeübte Tätigkeit dem gutachterlich definierten Adaptationsprofil immerhin in
weiten Teilen zu entsprechen scheint (vgl. dazu namentlich IV-act. 177), ist die volle
Verwertbarkeit der attestierten 100%igen medizinisch-theoretisch Arbeitsfähigkeit auf
dem gesamten in Betracht kommenden allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt
jedenfalls nicht ausgeschlossen.
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der allgemeine ausgeglichene
Arbeitsmarkt Stellen für die Beschwerdeführerin bereithält, in der sie ihre 100%ige
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit verwerten kann. Ob die volle Verwertbarkeit
an der aktuellen Stelle möglich ist, braucht nicht genauer beleuchtet zu werden. Aus
dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin Eingliederungsbemühungen bei der
P._ AG und somit an einem aus Sicht der Beschwerdeführerin nicht optimal
angepassten Arbeitsplatz (vgl. dazu act. G 1) in die Wege geleitet hat, kann nichts zu
3.7.
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4.
5.
Gunsten eines Rentenanspruchs abgeleitet werden. Zum einen bietet der reale
Arbeitsmarkt nicht immer optimale Eingliederungsmöglichkeiten, zum anderen ist die
Beschwerdegegnerin, wie bereits erwähnt, davon ausgegangen, die
Beschwerdeführerin sei in der Lage, ihr Pensum zu steigern (vgl. namentlich IV-act.
177-10). Indem die Beschwerdeführerin mit der P._ AG einen Arbeitsvertrag für ein
Pensum von 60 % mit einer 40%igen Leistungsfähigkeit abgeschlossen hat (vgl. IV-act.
173), hat sie zum Ausdruck gebracht, dass weitere Eingliederungsbemühungen nicht
mehr zielführend sind. Demnach ist es verständlich, dass die Beschwerdegegnerin die
beruflichen Massnahmen abgeschlossen hat (vgl. IV-act. 179).
Zwar ist die Beschwerdeführerin im angestammten Beruf als Verkäuferin zu 100 %
arbeitsfähig, jedoch nur an einem optimal angepassten Arbeitsplatz. Demnach besteht
die 100%ige Arbeitsfähigkeit nur für angepasste Tätigkeiten. Folglich wären
grundsätzlich die erwerblichen Auswirkungen der sich zwar nicht quantitativ, aber
qualitativ auswirkenden Leistungsbeeinträchtigung anhand eines
Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2).
4.1.
Von der Durchführung eines Einkommensvergleichs kann jedoch abgesehen
werden, da im konkreten Fall ohnehin bereits das Wartejahr i.S.v. Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG nicht erfüllt ist. Eine während eines Jahres durchgehend bestehende mindestens
40%ige Arbeitsunfähigkeit in der vor der zu beurteilenden IV-Anmeldung zuletzt
ausgeübten Verkaufstätigkeit bei E._ (vgl. IV-act. 56, 65-4, 79-1 und 86) ist nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Gemäss Dr. N._ ist eine
Krankschreibung nämlich längstens bis zum Ablauf der Kündigungsfrist indiziert
gewesen (vgl. IV-act. 129-75). Die Beschwerdeführerin ist gemäss IV-Anmeldung für
die Arbeit bei E._ seit September 2017 arbeitsunfähig geschrieben worden (vgl. IV-
act. 65-3) und das Anstellungsverhältnis hat per ._ 2018 geendet (vgl. IV-act. 86-2).
Folglich ist eine während mindestens eines Jahres bestehende 40%ige
Arbeitsunfähigkeit nicht ausgewiesen, sodass die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch zu Recht verneint hat.
4.2.
Zusammenfassend ist die Beschwerde gegen die angefochtene Verfügung im
Sinne der Erwägungen abzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
5.2.
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