Decision ID: 93ffc733-3f87-4c7c-816f-0660f5810e81
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Nötigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Horgen, Einzelgericht, vom 9. Juli 2021 (GG210021)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 29. März 2021
(Urk. 32) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 52 S. 30 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 35 Abs. 7 SVG (betreffend das Erhöhen der  während des Überholmanövers eines anderen Fahrzeugs),
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (betreffend das Erhöhen der  während des Überholmanövers eines anderen Fahrzeugs), sowie
− der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung Art. 37 Abs. 2 SVG (betreffend das Ausbremsen eines anderen  bis zum Stillstand).
2. Hinsichtlich der weiteren Anklagevorwürfe wird das Verfahren eingestellt.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu Fr. 90.– sowie
mit einer Busse von Fr. 700.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'600.– Gebühr für das Vorverfahren
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens werden zu 1/3 dem Be-
schuldigten auferlegt. Die übrigen Kosten (2/3) werden auf die Staatskasse genommen.
8. Dem Beschuldigten wird aus der Gerichtskasse eine Prozessentschädigung von
Fr. 4'784.65 (Betrag enthält MwSt.) für anwaltliche Verteidigung durch RA lic. iur. X._
zugesprochen.
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9. (Mitteilungen)
10. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4)
a) der Verteidigung:
(Urk. 66 S. 2)
"In teilweiser Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils sei der
Berufungskläger der groben Verkehrsregelverletzung und der Nötigung frei-
zusprechen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse."
b) der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 61; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
9. Juli 2021 wurde der Beschuldigte A._ teilweise anklagegemäss diverser
Delikte schuldig gesprochen und mit einer bedingten Geldstrafe sowie einer Bus-
se bestraft. Betreffend mehrere Anklagepunkte (Verletzung der Verkehrsregeln
durch Befahren der Gegenfahrbahn, mehrfaches unnötiges Betätigen von Warn-
signalen und Anhalten/Parkieren auf der Fahrbahn sowie Sachbeschädigung;
Urk. 52 S. 8) wurde das Verfahren eingestellt (Urk. 52 S. 30). Gegen diesen Ent-
scheid liess der Beschuldigte durch seinen erbetenen Verteidiger mit Eingabe
vom 13. Juli 2021 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1
StPO; Urk. 48). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert ge-
setzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 54). Die
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Anklagebehörde hat mit Eingabe vom 8. Dezember 2021 innert Frist mitgeteilt,
dass auf Anschlussberufung verzichtet und die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils beantragt wird (Urk. 61; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO). Beweiser-
gänzungsanträge wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt (Art. 389 Abs. 3
StPO; Urk. 54; Urk. 61; Urk. 66). Die Verteidigung hat die Berufung in ihrer Beru-
fungserklärung ausdrücklich teilweise beschränkt (Urk. 54; Art. 399 Abs. 4 StPO).
2. Gemäss den Anträgen der Parteien sind im Berufungsverfahren nicht ange-
fochten
- die vorinstanzliche Einstellung betreffend diverse Anklagepunkte (Urteilsdis-
positiv-Ziff. 2)
- der vorinstanzliche Schuldspruch betreffend einfache Verkehrsregelver-
letzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 1, Lemma 3)
- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 6) sowie
- die vorinstanzliche Regelung der Prozessentschädigung des Beschuldigten
(Urteilsdispositiv-Ziff. 8).
Der Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab mittels Beschluss fest-
zuhalten (Art. 404 StPO).
II. Schuldpunkt
1.1. Im Berufungsverfahren strittig ist gemäss den Anträgen der Parteien einzig
noch der folgende Lebensvorgang gemäss Abschnitt 4 der Anklageschrift der
Anklagebehörde vom 29. März 2021 (Urk. 32 S. 2 f.): Der Beschuldigte habe am
21. August 2019, kurz vor Mittag, in B._ auf der ...-Strasse die
Geschwindigkeit erhöht, als der ihm nachfolgende C._ mit seinem Fahrzeug
das Fahrzeug des Beschuldigten habe überholen wollen. Um eine Kollision zu
vermeiden, habe C._ sein Überholmanöver abbrechen und ein entgegen-
kommender Fahrzeuglenker habe abbremsen müssen. Gemäss Anklageschrift
habe der Beschuldigte bei seinem Beschleunigen während des Überholmanövers
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von C._ eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer
in Kauf genommen.
1.2. Die Anklagebehörde hat diesen Anklagesachverhalt als grobe Verkehrsre-
gelverletzung qualifiziert (Urk. 32 S. 3). Die Vorinstanz hat den Beschuldigten
diesbezüglich der groben Verkehrsregelverletzung und zusätzlich der Nötigung
schuldig gesprochen (Urk. 52 S. 30 Urteilsdispositiv-Ziffer 1, Lemma 1 und 2).
1.3. Bei Ihrer diesbezüglichen Qualifikation des Beschleunigens während des
Überholt-Werdens ist die Vorinstanz von der Anklage-Intention der Anklagebe-
hörde abgewichen (vgl. Prot. I S. 14 f.). Die Verteidigung hat diesbezüglich weder
im Haupt- noch im Berufungsverfahren ausdrücklich eine prozessuale Rüge be-
züglich einer Verletzung des Akkusationsprinzips erhoben (Prot. I S. 16 f.; Urk. 66
S. 3 ff.). Sie hat vielmehr materiell argumentiert, C._ habe selber nie
geschildert, dass er aufgrund des Beschleunigens des Beschuldigten sein Über-
holmanöver habe abbrechen müssen; er habe nie geltend gemacht, genötigt wor-
den zu sein. C._ habe die Hoheit über sein Verhalten gehabt und sein Über-
holmanöver jederzeit abbrechen können (Prot. I S. 16 f.; Urk. 66 S. 4).
1.4. Das zweite, zitierte Argument der Verteidigung geht an der Sache vorbei:
Dem Beschuldigten wird durch die Vorinstanz ja nicht vorgeworfen, er habe
C._ daran gehindert, das Überholmanöver abzubrechen, sondern gerade im
Gegenteil, er habe ihn dazu genötigt. Zutreffend ist allerdings die Rekapitulation
der Verteidigung, C._ habe nie geschildert, durch das Beschleunigen des
Beschuldigten zum Abbruch seines Überholmanövers gezwungen worden zu
sein: In seiner polizeilichen Einvernahme als Anzeigeerstatter schilderte C._
in keiner Weise, durch den Beschuldigten beim Überholen behindert oder genötigt
worden zu sein; er sei vielmehr nach dem Anhalten an der Wegfahrt gehindert
worden (Urk. 6 S. 1 f.). In der Einvernahme als Zeuge sagte er dann – unpräzise
– aus, "ich wollte ihn überholen, weil ich annahm, dass er stoppt. Er hielt aber
nicht an, weshalb ich mein Überholmanöver wieder abbrach" (Urk. 21 S. 3 f.). Der
Beifahrer von C._, D._, thematisierte sowohl polizeilich einvernommen
wie als Zeuge in keiner Weise ein problematisches respektive erzwungenermas-
sen abgebrochenes Überholmanöver von C._ (Urk. 8 und Urk. 22). Der Nöti-
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gungsvorwurf der Vorinstanz stützt sich denn einzig auf die zusammenfassende –
und offensichtlich interpretierende – Wiedergabe im Polizei-Rapport (Urk. 1 S. 3).
1.5. Nebst diesen Erwägungen zur Beweiswürdigung stehen einer Qualifikation
von Anklageabschnitt 4 als Nötigung jedoch auch weitere Gründe entgegen: In
BGE 141 IV 437 E. 3.2.1. hat das Bundesgericht erwogen: "Gemäss Art. 181
StGB wird wegen Nötigung bestraft, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung
ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit
nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Schutzobjekt von Art. 181
StGB ist die Freiheit der Willensbildung und Willensbetätigung des Einzelnen
(BGE 134 IV 216 E. 4.4.3; BGE 129 IV 6 E. 2.1, BGE 129 IV 262 E. 2.1). Diese ist
strafrechtlich unabhängig von der Art der (legalen) Tätigkeit geschützt, welche der
Betroffene nach seinem frei gebildeten Willen verrichten will (BGE 134 IV 216 E.
4.4.3). Der Tatbestand ist ein Erfolgsdelikt; die Anwendung des Nötigungsmittels
muss den Betroffenen in seiner Handlungsfreiheit beeinträchtigen (Urteil
6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.1). Um dem gesetzlichen und verfassungs-
mässigen Bestimmtheitsgebot ('nullum crimen sine lege') gerecht zu werden, ist
die Tatbestandsvariante der 'anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit' in Art.
181 StGB restriktiv auszulegen. Nicht jeder noch so geringfügige Druck auf die
Entscheidungsfreiheit eines andern führt zu einer Bestrafung nach Art. 181 StGB.
Das Zwangsmittel der 'anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit' muss, um
tatbestandsmässig zu sein, das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung
in ähnlicher Weise eindeutig überschreiten, wie es für die im Gesetz ausdrücklich
genannten Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile gilt.
Es muss ihnen mithin eine den gesetzlich genannten Mitteln vergleichbare
Zwangswirkung zukommen (vgl. BGE 137 IV 326 E. 3.3.1; BGE 134 IV 216 E. 4.1
mit Hinweisen). Es führt somit nicht jeder noch so geringfügige Druck auf die Ent-
scheidungsfreiheit eines andern zu einer Bestrafung nach Art. 181 StGB (zum
Ganzen: BGE 129 IV 262 E. 2.1; BGE 119 IV 301 E. 2a; je mit Hinweisen; Urteil
6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.3, insbesondere E. 5.4 mit verschiedenen
Beispielen aus der Rechtsprechung). Eine Nötigung ist unrechtmässig, wenn das
Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum angestrebten Zweck
nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an
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sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder
sittenwidrig ist (BGE 137 IV 326 E. 3.3.1; BGE 134 IV 216 E. 4.1; BGE 129 IV 6
E. 3.4, BGE 129 IV 262 E. 2.1; BGE 119 IV 301 E. 2b; je mit Hinweisen)."
1.6. Der prozessual verbindliche (vgl. Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO; BGE 143 IV 63
E. 2.2.) Anklagesachverhalt umschreibt lapidar, der Beschuldigte habe beschleu-
nigt, als C._ zum Überholen ansetzte. In der Folge habe C._ sein Über-
holmanöver abbrechen müssen (Urk. 32 S. 2 unten). C._ wurde somit – soll-
te dies überhaupt erstellt sein – allenfalls lediglich während Sekunden im Sinne
von Art. 181 StGB daran gehindert, etwas zu tun (das Überholmanöver
abzubrechen) oder zu unterlassen (zu überholen). Der in Anklageabschnitt 4
geschilderte Sachverhalt umschreibt weder betreffend Dauer noch Intensität eine
im Sinne von Art. 181 StGB rechtsrelevante Nötigungshandlung. Wenn dem
Beschuldigten in der folgenden Anklageschilderung vorgeworfen wird, er habe
C._ am Überholen seines stehenden Fahrzeugs gehindert und damit
genötigt, betrifft dies einen anderen Lebensvorgang, betreffend welchen die
Vorinstanz das Verfahren rechtskräftig eingestellt hat.
1.7. Die Erwägung der Vorinstanz, "der Unrechtsgehalt der Beschleunigung wäh-
rend des Überholmanövers von C._ sei mit einer Verurteilung nach Art. 90
Abs. 2 SVG nicht abgegolten" (Urk. 52 S. 16 f.), trifft daher nicht zu. Die Vo-
rinstanz vermischt hier in unzulässiger Weise den – gegebenenfalls durchaus ho-
hen – Unrechtsgehalt der Handlung des Beschuldigten betreffend die Gefährdung
anderer Verkehrsteilnehmer mit demjenigen – geringen – betreffend die äussert
kurzzeitige, geringfügige Einschränkung der Handlungsfreiheit von C._. Ent-
gegen der Vorinstanz wird somit in Anklageabschnitt 4 weder eine rechtserhebli-
che Nötigungshandlung des Beschuldigten zulasten von C._ ausreichend
umschrieben, noch wäre eine solche erstellt.
1.8. Vergleichbare Lebenssachverhalte wie der in Anklageabschnitt 4 geschilder-
te werden in konstanter Praxis als Verkehrsregelverletzung (und nicht zusätzlich
als Nötigung) angeklagt, wie dies die Anklagebehörde vorliegend ebenfalls getan
hat.
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1.9. Der vorinstanzliche Schuldspruch der Nötigung betreffend Anklageabschnitt
4 (Erhöhen der Geschwindigkeit während des Überholmanövers eines anderen
Fahrzeugs) ist somit aufzuheben.
1.10. Da der Vorwurf der Nötigung nicht Bestandteil von Anklageabschnitt 4 bildet,
wird der dortige Prozessgegenstand bereits mit bzw. trotz der Aufhebung des
vorinstanzlichen Schuldspruchs wegen Nötigung erschöpfend behandelt, womit
kein formeller Freispruch zu ergehen hat (vgl. BGE 142 IV 378 E. 1.3.).
2.1. Zum Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung wird dem Beschuldigten in
Anklageabschnitt 4 der Anklageschrift vorgeworfen, beschleunigt zu haben, als
C._ zum Überholen angesetzt und sich links neben ihm befunden habe.
Dadurch habe der Beschuldigte eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
in Kauf genommen; es hätte zu einem schweren Verkehrsunfall mit Schwerver-
letzten und Toten kommen können (Urk. 32 S. 2 f.).
2.2. Der Fahrer des Suzuki, C._, hat sich in seinen beiden polizeilichen Ein-
vernahmen überhaupt nicht zu seinem Überholmanöver geäussert (Urk. 6 und 7).
Als Zeuge sagte C._ einzig aus, er habe sein Überholmanöver abgebrochen,
weil der Beschuldigte nicht angehalten habe, respektive, weil ein Fahrzeug ent-
gegen gekommen sei; es sei zu gefährlich gewesen, es habe weiter vorne einen
Fussgängerstreifen und es sei ein Fahrzeug entgegen gekommen (Urk. 21 S. 3
f.). Sein Beifahrer, D._, hat sich weder polizeilich einvernommen noch als
Zeuge zum Überholmanöver von C._ geäussert (Urk. 8 und Urk. 22).
2.3. Auf Vorhalt in der polizeilichen Einvernahme, dass er während des Über-
holmanövers von C._ nochmals beschleunigt habe, hat der Beschuldigte
dies zumindest nicht bestritten (Urk. 5 S. 3). In seiner staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme gab der Beschuldigte zu, nach seinem eigenen Überholmanöver
gebremst und dann wieder beschleunigt zu haben. Als er bemerkt habe, dass
C._ ihn überhole, habe er gebremst. Er habe bis zum Stillstand gebremst,
damit es nicht zu einem Frontalunfall mit einem entgegen kommenden Fahrzeug
komme (Urk. 20 S. 2 f.). Sowohl an der Haupt- als auch an der Berufungsver-
handlung hat der Beschuldigte erneut anerkannt, nach Abschluss seines eigenen
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Überholmanövers beschleunigt zu haben (Prot. I S. 9 ff.; Urk. 65 S. 3). Durch sei-
nen Verteidiger liess der Beschuldigte vor Vorinstanz ausführen, es sei "objektiv
zutreffend, dass der Beschuldigte (um 7 km/h von 21 auf 28 km/h) beschleunigt
habe, als C._ ihn überholten wollte" (Urk. 45 S. 7).
2.4. Eine Visionierung der durch den Beschuldigten eingereichten Dashcam-
Aufnahme zeigt in der Tat ein Beschleunigen des Beschuldigten unmittelbar bevor
links von ihm das im Überholen begriffene Fahrzeug von C._ sichtbar wird
(Urk. 4; Spielzeit ca. 1:00).
2.5. Wenn der Beschuldigte zum Subjektiven zusammengefasst ausführt, er ha-
be zum Zeitpunkt des Beschleunigens nicht bemerkt, dass der eben von ihm
überholte C._ seinerseits zum Überholen ansetzte, er sei verwirrt gewesen,
habe sich zuerst sammeln müssen und seine Aufmerksamkeit ausschliesslich
nach vorne gelenkt, wo Hauseingänge in die Strasse gemündet und sich an der
Seite Sträucher befunden hätten (Prot. I S. 10 f.; Urk. 65 S. 2 f.), ist dies eine of-
fensichtliche Schutzbehauptung: Der Beschuldigte und C._ befanden sich
mitten in einem abwechselnden Geplänkel gegenseitiger Provokationen, bei dem
der Beschuldigte entgegen seiner Beteuerung an der Berufungsverhandlung
(Urk. 65 S. 4 f.) nicht "cool" blieb: Er quittierte das in der Tat knappe Einbiegen
von C._ mit Hupen und Gestikulieren, worauf C._ provokativ verlang-
samte, worauf der Beschuldigte ihn ungehalten überholte und seinerseits provo-
kativ abbremste. Dass er nicht mit einem Überholmanöver von C._ gerech-
net haben will, ist abwegig, zumal er seinem eigenen Überholmanöver anerkann-
termassen (Urk. 65 S. 2 f. und S. 6) langsam unterwegs war, was er auch wusste.
Dass er genau zu diesem Zeitpunkt nicht nach hinten geblickt und nicht bemerkt
haben will, dass nun C._ ungehalten zum Überholen ansetzte, ist schlicht
unglaubhaft. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte nach seinem
eigenen ungehaltenen Überholen und provozierenden Abbremsen den nun eben-
falls überholenden C._ mit einem kurzen Beschleunigen erneut provozieren
wollte.
2.6. Somit ist der massgebliche Anklagesachverhalt dahingehend erstellt, dass
der Beschuldigte wissentlich und willentlich beschleunigte, als C._ zum
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Überholen ansetzte. Dadurch hat er fraglos den Tatbestand von Art. 35 Abs. 7
Satz 2 SVG erfüllt.
2.7. Nicht erstellt, gestützt auf die diesbezüglich zugunsten des Beschuldigten
ausfallende Dashcam-Aufzeichnung ja eigentlich widerlegt, ist hingegen die An-
klagedarstellung, der Beschuldigte habe durch sein Beschleunigen eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer bis hin zu einem schweren
Verkehrsunfall mit Schwerverletzen oder Toten in Kauf genommen: Wie die Ver-
teidigung bereits vor Vorinstanz richtig festgehalten hat (Prot. I S. 18) – und auch
der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung zu Protokoll gegeben hat (Urk. 65
S. 5) –, waren sämtliche massgeblichen Fahrzeuge langsam unterwegs: Der
Beschuldigte hatte nach seinem Überholmanöver stark abgebremst und be-
schleunigte während des Überholens von C._ um eine noch einstellige Stun-
denkilometerzahl ca. im Bereich zwischen 20 und 30 km/h. Der überholende
C._ fuhr bei seinem Manöver auch nicht schneller als max. ca. 30 km/h. Das
entgegenkommende rote Fahrzeug war gerade erst dabei, aus dem Stillstand die
Fahrt langsam wiederaufzunehmen. Sodann bestand zum roten, auf die Gegen-
fahrbahn der Streithähne einmündenden Fahrzeug noch ein beträchtlicher Ab-
stand. Wohl wurde das rote Fahrzeug letztlich zweifellos behindert. Der Lenker
dieses Fahrzeugs konnte jedoch problemlos aus sehr langsamer Fahrt bis zum
Stillstand abbremsen. Eine Kollisionsgefahr zwischen dem roten Fahrzeug und
demjenigen von C._ bestand nicht, und eine solche zeichnete sich realisti-
scherweise auch nicht ab. In der damaligen Situation lag angesichts der Umstän-
de (bereits geschilderte Reaktion des Lenkers auf der Gegenfahrbahn; sehr gute
Licht-/Sichtverhältnisse; gerader, übersichtlicher Streckenabschnitt; kein Überhol-
verbot; keine Anwesenheit von Fussgängern in der Umgebung) nur schon eine
abstrakte Gefährdung der Beteiligten oder von Dritten deutlich ferner als in den
Fällen, die in der höchstrichterlichen Rechtsprechung als grobe Verkehrsregelver-
letzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG qualifiziert wurden (vgl. z.B. BGE 137 IV
326).
3. Somit ist der Beschuldigte – zusätzlich zur rechtskräftigen vorinstanzlichen
Verurteilung – betreffend Anklageabschnitt 4 – einzig aber immerhin – der einfa-
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chen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 i.V.m. Art. 35 Abs. 7
Satz 2 SVG schuldig zu sprechen. Dies entspricht im Übrigen dem Eventualan-
trag der Verteidigung vor Vorinstanz, wenn auch entgegen der Verteidigung klar
nicht von fahrlässiger Tatbegehung auszugehen ist (Urk. 45 S. 8).
III. Sanktion
1.1 Der Beschuldigte hat zwei Verkehrsregelverletzungen im Sinne von Art. 90
Abs. 1 SVG begangen und ist dafür mit einer Busse zu bestrafen.
1.2. Die Vorinstanz hat mit grundsätzlich zutreffenden Erwägungen für die
rechtskräftig festgestellte Verkehrsregelverletzung des Ausbremsens eines ande-
ren Fahrzeugs im Sinne von Art. 37 Abs. 2 SVG eine Busse von Fr. 700.-- be-
messen (Urk. 52 S. 22-27). Diese – von der Verteidigung unbeanstandet geblie-
bene (vgl. Urk. 66 S. 5 f.) – Bussenhöhe ist angemessen und mangels rechtser-
heblicher Änderungen der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten (Urk. 60/1-
6; Urk. 65 S. 1 f.) zu übernehmen.
1.3 Diese Busse von Fr. 700.-- ist heute zwecks Abgeltung des Beschleunigens
während des eigenen Überholtwerdens angemessen und in Berücksichtigung des
Asperationsprinzips zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1 StGB; Art. 106 Abs. 1 und 3
StGB).
1.4. Der Beschuldigte beschleunigte objektiv nur kurz und noch gering. Subjektiv
liess er sich durch die Abfolge gegenseitiger Provokationen mit C._ zu einer
neuerlichen Unbeherrschtheit hinreissen, wobei zu beachten ist, dass er mit direk-
tem Vorsatz handelte.
1.5. Insgesamt erscheint eine Bestrafung des Beschuldigten mit einer Busse von
Fr. 1'000.-- angemessen.
1.6. Dass der Beschuldigte heute mit einer gegenüber dem angefochtenen Urteil
höheren Busse bestraft wird, stellt keine reformatio in peius dar, da die vo-
rinstanzlich ausgefällte Geldstrafe entfällt (Art. 391 Abs. 2 StPO; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_536/2020 vom 23. Juni 2021 E. 5.).
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2. Die Busse ist zu bezahlen (Art. 42 Abs. 1 StGB e contrario).
3. Für den Fall des schuldhaften Nichtbezahlens der Busse ist eine Ersatzfrei-
heitsstrafe von 10 Tagen anzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
IV. Kosten
1. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung
und des Hauptverfahrens zu 1/5 aufzuerlegen. Im Übrigen sind diese Kosten auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.-- festzu-
setzen.
3. Im Berufungsverfahren obsiegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen mehr-
heitlich. Daher ist ihm lediglich 1/4 der Kosten dieses Verfahrens aufzuerlegen. Im
Übrigen sind diese Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 StPO).
4. Dem Beschuldigten ist für die erbetene anwaltliche Verteidigung im Beru-
fungsverfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 3'000.-- (inkl. Aus-
lagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse auszurichten (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO;
vgl. Urk. 67).