Decision ID: c051b114-410f-4b98-99b0-6238cc2650cd
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im September 2014 wegen einer metabolischen Myopathie,
einer Depression und Muskelschmerzen zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Sie gab an, im Heimatland eine Ausbildung zur
Dentalassistentin absolviert zu haben. Derzeit arbeite sie in der Wäscherei bei der
B._ in einem Pensum von 80% und bei der C._ – sie wasche dort ebenfalls die
Wäsche – zu 10%. Am 17. März 2014 hatten Fachärzte des K._ berichtet (IV-act. 4),
aufgrund des Verdachts auf eine metabolische Myopathie bei klinisch chronischer
Erschöpfbarkeit und Müdigkeit sei eine Muskelbiopsie durchgeführt worden. Der
Verdacht habe sich bestätigt. Bei Fehlen bzw. einem Mangel des Enzyms
Myophosphorylase sei die rasche Bereitstellung von Energie durch die Glykolyse für
die Skelett-Muskulatur nicht möglich. Erst die später einsetzende Beta-Oxidation der
Fettsäuren sorge für die Bereitstellung von Energiesubstraten für den Muskel.
Diagnostisch sei noch eine genetische Testung notwendig. Der Hausarzt der
Versicherten, Dr. med. D._, Allgemeine Medizin FMH, hatte für den Zeitraum vom
5. August 2014 bis zum 10. August 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und vom
11. August 2014 bis zum 30. September 2014 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(IV-act. 2). Am 20. August 2014 hatte eine Verlaufskontrolle im K._ stattgefunden. Die
Fachärzte hatten am 22. August 2014 die folgenden Diagnosen mitgeteilt (IV-act. 3):
Glykogenose Typ V (McArdle-Erkrankung, ED Juni 2014), chronische Migräne ohne
Aura und rezidivierende Depressionen. Sie hatten ausgeführt, die Versicherte habe
berichtet, sie arbeite zurzeit zu 50%, da sie den Eindruck habe, ein Fuss sei leicht
geschwollen. In der genetischen Testung habe der Nachweis einer Mutation im PYCM-
A.a.
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Gen, die für die Glykogenose Typ V (McArdle-Erkrankung) typisch sei, erbracht werden
können. Der klinisch und bioptisch gesicherte Verdacht einer metabolischen Myopathie
habe damit bestätigt werden können. Die Erkrankung könne nur symptomatisch und
nicht kausal behandelt werden. Zusätzlich hätten chronifizierte Kopfschmerzen, die a.e.
(wohl: am ehesten) durch eine chronische Form der Migräne zu erklären seien und
durch einen Übergebrauch an Schmerzmitteln getriggert würden, bestanden. Des
Weiteren sei die Versicherte nach in der Vergangenheit erlittenen psychischen
Traumata aufgrund der Diagnose einer Depression in psychiatrischer Behandlung und
unter antidepressiver Medikation gewesen. Die Versicherte habe auch über
Ganzkörperschmerzen, die möglicherweise im Rahmen einer sekundären
"Fibromyalgie" zu erklären seien, geklagt. Durch die Myopathie alleine seien diese nur
schwerlich zu erklären. Die Fachärzte erachteten eine IV-Anmeldung als problematisch,
da die Versicherte gerne arbeiten wolle, der Ehemann bereits berentet sei und
wahrscheinlich eine Verbesserung von zumindest einiger der beschriebenen Symptome
erreicht werden könne.
In einem Arbeitgeberbericht teilte eine Mitarbeiterin der B._ am 17. September
2014 mit (IV-act. 8), die Versicherte sei seit dem 1. April 2013 in einem 80%-Pensum
tätig. Der AHV-pflichtige Jahreslohn betrage seit dem 1. November 2011 Fr. 42‘920.80
(inklusive 13. Monatslohn). Die Arbeit der Versicherten in der Wäscherei sei insofern
körperlich streng, als sie fast immer im Stehen und Gehen gemacht werden müsse.
A.b.
Dr. D._ teilte am 27. September 2014 mit (IV-act. 14), die Versicherte leide an
einer depressiven Entwicklung, an einer chronischen Migräne und an einer Myopathie
(Glykogenose Typ V, McArdle-Erkrankung, mit sekundärer Fibromyalgie und
depressiver Entwicklung). Leichte bis mittelschwere Arbeiten in Wechselbelastung von
bis zu vier Stunden pro Tag seien der Versicherten zumutbar. Er attestierte eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 11. August 2014. Die RAD-Ärztin Dr. med. E._
notierte am 10. Oktober 2014 (IV-act. 24), aufgrund der Diagnosen sei dauerhaft nicht
mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf über 50% zu rechnen. Dies gelte für die
angestammte Tätigkeit in der Wäscherei und für adaptierte Tätigkeiten. Am 2. Februar
2015 berichtete Dr. D._ (IV-act. 22-2), der Gesundheitszustand der Versicherten sei
stationär. Die Versicherte sei vom 8. Oktober 2014 bis zum 29. Oktober 2014 in der
Klinik L._ hospitalisiert gewesen. Der Aufenthalt in der Klinik L._ habe ihr zwar
A.c.
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sichtlich wohl getan, der Effekt sei jedoch nicht für lange Zeit bestehen geblieben.
Noch immer klage sie über eine chronische Schwäche und eine Belastungsintoleranz.
Des Weiteren habe sie die klassischen "Depressiv-Symptome" wie innere Unruhe,
Nervosität, Aggressivität und Konzentrationsstörungen beschrieben. Aufgrund der
Belastungsintoleranz und der chronischen Müdigkeit sei sie nicht mehr in der Lage, ein
volles Arbeitspensum zu verrichten. An der Arbeitsstelle bei der B._ sei sie bestens
integriert; die Leistung sei um 50% vermindert. Dr. D._ legte den Austrittsbericht der
Klinik L._ vom 4. November 2014 bei. Darin hatten die Fachärzte die folgenden
Diagnosen angegeben (IV-act. 22-4 ff.): Glukogenose Typ V (McArdle-Erkrankung, ED
06/2014), chronische Migräne ohne Aura, rezidivierende Depressionen, chronisches
cervicocephales Syndrom und sekundäre Fibromyalgie. Sie hatten vom 8. Oktober
2014 bis zum 2. November 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Zudem
hatten sie festgehalten, ab dem 3. November 2014 sei der Versicherten eine 50%ige
wechselbelastende Arbeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zumutbar; Arbeiten über
Kopf sollten vermieden werden.
Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie, berichtete am 3. Februar 2015 (IV-
act. 27), er betreue die Versicherte seit August 2013 neuro-psychiatrisch. Bekanntlich
sei ein Neurologe in der Lage, psychiatrische Patienten zu betreuen. Die Versicherte
leide seit langem an einer mindestens mittelgradigen Depression. Man könne auch von
einer posttraumatischen Belastungsstörung ausgehen. Sie sei in ihrem Heimatland in
einer politischen Organisation aktiv gewesen. Sie sei verfolgt und verhaftet worden,
eineinhalb Jahre im Gefängnis gewesen und psychisch und physisch gefoltert worden.
Ausserdem habe sie eine schlechte Kindheit gehabt; der Vater sei gewalttätig gewesen.
Auch der Ehemann leide an einer ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung.
Er sei ebenfalls politisch aktiv und im Gefängnis gewesen. Die Versicherte habe zudem
starke Kopfschmerzanfälle und vor kurzem sei eine metabolische Myopathie
festgestellt worden. Sie sei stets extrem müde und sie ermüde rasch. Die
Arbeitsfähigkeit betrage höchstens 50%.
A.d.
Am 11. März 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 34), das
Begehren um berufliche Massnahmen werde abgewiesen.
A.e.
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Am 6. und 7. August 2015 wurde die Versicherte auf Veranlassung der
Krankentaggeldversicherung durch das Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und
Hygiene AG (AEH) untersucht (Fremdakten-act. 1). Die Sachverständigen führten eine
funktionsorientierte medizinische Abklärung, welche unter anderem eine angepasste
Form der Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
beinhaltete, durch. Zusätzlich wurde die Versicherte am 12. August 2015 psychiatrisch
durch Dr. med. G._ untersucht. Im Gutachten vom 7. September 2015 gaben die
Sachverständigen folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an:
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischen Symptomen (ICD-10 F33.11), und Glykogenose Typ V (McArdle-
Erkrankung, ED 06/2014). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie: Chronische Migräne ohne Aura (Attackenfrequenz: etwa drei Mal pro
Monat), chronisches zervikozephales Syndrom und sekundäre Fibromyalgie. Die
Sachverständigen hielten fest, objektiv bestehe eine starke psychische Belastung in
der Anamnese und im täglichen Leben mit dem erkrankten Ehemann. Diese Belastung
wirke sich als Tendomyopathie der Kaumuskulatur mit Kiefergelenksdysfunktion und
als muskuläre Dysbalancen mit Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich aus.
Zusätzlich bestünden Migräneattacken. Dies alles werde noch verstärkt und überlagert
durch die genetische Aberration. Als Folge habe sich der psychische Zustand
somatisiert und als sekundäre Fibromyalgie entwickelt. Bei der EFL habe die
Versicherte eine fragliche Leistungsbereitschaft und eine schlechte Konsistenz gezeigt.
Bei Kraft- und Überkopfarbeitstests habe sie sich wegen einer zunehmenden
Schmerzsymptomatik schnell selbst limitiert. Am zweiten Tag habe sich eine
angeschwollene Schulterhebemuskulatur gezeigt. Die Versicherte scheine sehr
empfindlich zu sein; sie habe jede einzelne Veränderung, besonders in den Händen,
beschrieben. Vordergründig seien die psychischen und nicht die körperlichen
Probleme. In der angestammten Tätigkeit bestehe aus rheumatologisch-orthopädischer
Sicht eine 75%ige Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht liege die Arbeitsfähigkeit
bei 50%. Aus interdisziplinärer Sicht sei damit eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
begründet. Die angestammte Tätigkeit in der Wäscherei sei dem Gesundheitszustand
der Versicherten gut angepasst. Jede andere adäquate Tätigkeit sei der Versicherten
zu 50% zumutbar.
A.f.
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Die Versicherte gab am 17. November 2015 im Fragebogen betreffend
Erwerbstätigkeit / Haushalt an (IV-act. 38), sie arbeite zurzeit 20 Stunden pro Woche.
Die Frage, in welchem Pensum sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig
wäre und was die Gründe hierfür seien, liess sie offen.
A.g.
Dr. F._ berichtete am 23. November 2015 (IV-act. 40), aus somatisch-
neurologischer Sicht könne man bei der Versicherten im Rahmen einer
Routineuntersuchung keine objektiven Befunde erheben. Bei den im Bericht vom
3. Februar 2015 aufgeführten psychischen Beschwerden handle es sich um objektive
psychische Symptome. Die Versicherte könne täglich nicht mehr als drei bis vier
Stunden arbeiten, dies vor allem wegen der metabolischen Myopathie, welche zu
Müdigkeit und rascher Ermüdbarkeit führe.
A.h.
Am 13. Mai 2016 berichtete Dr. D._ (IV-act. 52), der Gesundheitszustand der
Versicherten sei stationär. Die Versicherte sei vom 30. März 2016 bis zum 14. April
2016 auf der psychosomatischen Abteilung der Klinik H._ hospitalisiert gewesen. Sie
betreibe weiterhin Fitness. Dr. D._ legte den Kurzaustrittsbericht der Klinik H._ vom
15. April 2016 bei. Darin hatten die Fachärzte im Wesentlichen folgende Diagnosen
angegeben (IV-act. 52): Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (F33.1), Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (F43.1),
metabolische Myopathie (Glykogenose Typ V, McArdle-Erkrankung, ED 06/2014),
sekundäre Fibromyalgie, chronisches cervicocephales Syndrom, chronische Migräne
ohne Aura und Durchschlafstörung. Sie hatten ausgeführt, angesichts der kurzen
Aufenthaltsdauer habe eine höchstens ansatzweise Stabilisierung des
Gesamtbefindens erzielt werden können. Die Versicherte habe eine Rückkehr von
Antrieb und Motivation, eine Verbesserung des Schlafs und einen körperlichen Aufbau
beschrieben. Die Fachärzte hatten während des Aufenthalts und bis zum 1. Mai 2016
eine 100%ige und vom 2. Mai 2016 bis zum 15. Mai 2016 eine 60%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert.
A.i.
Am 6. Juni 2016 teilte Dr. F._ mit (IV-act. 54), objektiv veränderte Befunde lägen
nicht vor. Die Versicherte fühle sich subjektiv aber schlechter als vor zwei Monaten. Sie
sei stets müde und ermüde rasch, vor allem wegen der metabolischen Myopathie. Die
bisherige Tätigkeit sei ihr zu zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden pro Tag an fünf Tagen
A.j.
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pro Woche zumutbar. Die Leistung sei um 30 – 40% vermindert. Sie könne nicht
ganztags in einer reduzierten Leistung arbeiten, da sie für sich selber drei bis vier
Stunden täglich zur Erholung nach der Arbeitstätigkeit benötige. Sie sei für alle in Frage
kommenden Tätigkeiten zu 50% arbeitsfähig.
Eine Mitarbeiterin der B._ teilte am 8. Juli 2016 mit (IV-act. 57, 58), das
Arbeitspensum der Versicherten betrage ab August 2016 40%. Trotz der grossen
Arbeitsbereitschaft sei die Versicherte mit diesem Pensum an der obersten Grenze.
A.k.
Der RAD-Arzt Dr. med. I._ empfahl am 20. Oktober 2016 eine polydisziplinäre
Begutachtung (IV-act. 66). Er hielt im Wesentlichen fest, die Angaben von Dr. F._
betreffend das zeitliche Leistungsvermögen der Versicherten seien widersprüchlich.
Am 10. November 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 61), zur Klärung
der Leistungsansprüche sei eine polydisziplinäre Untersuchung notwendig. Am
2. Dezember 2016 hielt ein Mitarbeiter der IV-Stelle fest (IV-act. 65), diese habe eine
vertiefte Prüfung des Falles für angebracht gehalten. Bei dieser Prüfung sei erkannt
worden, dass der Ehemann der Versicherten im Rahmen eines
Rentenrevisionsverfahrens an mehreren Tagen im November und Dezember 2014 und
an einem Tag im Dezember 2015 überwacht worden sei. Anlässlich weniger
Situationen sei die Versicherte miterfasst worden. Um den Gutachtern eine möglichst
korrekte und objektive Einschätzung des Gesundheitszustands zu ermöglichen, seien
die betreffenden Sequenzen aus der Überwachung des Ehemannes der Versicherten
herausgeschnitten worden. Die Aufnahmen hätten gezeigt, dass bei der Versicherten
zu keiner Zeit Einschränkungen hätten beobachtet werden können.
A.l.
Am 6. und 7. Februar 2017 wurde die Versicherte durch die Ärztliche
Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch,
rheumatologisch und neurologisch) untersucht. Im Gutachten vom 3. April 2017 gaben
die Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-
act. 72-25): Chronisches zervikoskapuläres Schmerzsyndrom (IDC-10 M53.0) und
metabolische Myopathie (Glukogenose Typ IV [recte: Typ V], McArdle-Erkrankung,
ICD-10 G71.9). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die
Gutachter: Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0), anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4, anamnestisch Verdacht auf Fibromyalgie-Syndrom,
A.m.
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ICD-10 M79.0), Migräne ohne Aura, Adipositas und unklare Leberwerterhöhung. Der
internistische Gutachter hielt fest (IV-act. 72-7 f.), die Versicherte habe vor allem
Migräne- und Muskelschmerzen angegeben. Bei Anstrengungen werde sie rasch
müde. Im klinischen Status habe er eine Adipositas festgestellt. Die übrigen Befunde
seien unauffällig gewesen. Bei den Laboruntersuchungen sei eine mässige Erhöhung
fast aller Leberwerte aufgefallen. Die Ursache sei unklar gewesen. Eine Erklärung für
die von der Versicherten angegebenen Beschwerden habe sich daraus nicht ergeben.
Aus allgemeininternistischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt gewesen.
Aufgrund der Anamnese und der Untersuchungsbefunde hätten sich auch keine
Hinweise für eine frühere, länger andauernde Arbeitsunfähigkeit ergeben. Der
psychiatrische Gutachter führte aus (IV-act. 72-10 ff.), die Versicherte habe traurig
gewirkt und die affektive Modulation sei zum depressiven Pol gerichtet gewesen. Die
Versicherte habe eine erhöhte Ermüdbarkeit und Schlafstörungen sowie Ängste in
Bezug auf das Autofahren auf der Autobahn angegeben. Gemäss ihren eigenen
Angaben habe sie wegen Konzentrationsstörungen schon drei Autounfälle gehabt. Als
Hauptbeschwerde habe sie diffuse, ausgeweitete Schmerzen im Bewegungsapparat
angegeben. Diagnostisch habe eine leichte depressive Episode, gekennzeichnet durch
depressive Verstimmungen, eine erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafstörungen und negative
Zukunftsperspektiven bezüglich der gesundheitlichen und beruflichen Situation,
bestanden. Des Weiteren habe eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung,
gekennzeichnet durch ausgeweitete, diffuse Schmerzen im Bewegungsapparat, die
deutlich ausgeprägt seien bei emotionalen, vor allem lebensgeschichtlichen
Belastungen, bestanden. Die Versicherte sei gemäss ihren eigenen Angaben in ihrem
Heimatland inhaftiert, geschlagen und sogar vergewaltigt worden, nachdem sie bereits
durch ihren Vater häusliche Gewalt erlebt habe. Der Ehemann beziehe eine IV-Rente
und die finanzielle Situation sei angespannt. Im Untersuchungsgespräch habe kein
aggravatorisches Verhalten bestanden. Die Versicherte verfüge über Ressourcen mit
Berufserfahrung. Sie habe auch eine Familie gegründet und zwei Kinder grossgezogen.
Soziale Kontakte pflege sie nach wie vor, wenn auch nicht mehr viele. Die Versicherte
habe angegeben, mit dem Auto kurze Strecken fahren zu können, was gegen das
Vorliegen von deutlichen Konzentrationsstörungen spreche. Eine Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe nicht erhoben werden können. Als Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine leichte depressive Episode (ICD-10
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F32.0) und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) festzustellen
gewesen. Die Arbeitsfähigkeit sei nicht eingeschränkt gewesen. Möglich sei, dass die
Depression im Verlauf punktuell, aber nicht gemittelt stärker ausgeprägt gewesen sei.
Im Vorgutachten des AEH habe der psychiatrische Gutachter wegen einer
mittelgradigen depressiven Störung eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit angegeben. Bei
der EFL seien aber Inkonsistenzen und eine Selbstlimitierung festgestellt worden. Bei
einer Überwachung des Ehemannes sei ebenfalls beobachtet worden, dass die
Versicherte recht aktiv gewesen sei. Der behandelnde Psychiater Dr. F._ habe aber
weiterhin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bei einer mittelgradigen Depression und einer
posttraumatischen Belastungsstörung angegeben. Auch in der Klinik H._ seien die
Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, aufgeführt worden. In der
Klinik L._ seien eine rezidivierende Depression und eine Fibromyalgie festgehalten
worden. Bei der rheumatologischen Diagnose einer Fibromyalgie handle es sich um die
psychiatrische Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung. Die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung habe nicht gestellt werden können, da die
diagnostischen Kriterien nach ICD-10 nicht hinreichend erfüllt gewesen seien. Es
hätten zwar schwere traumatische Erlebnisse in der Heimat bestanden. Deutliche
Erinnerungen, die sich aufdrängten, so als ob das traumatische Ereignis unmittelbar
stattfinde, hätten aber gefehlt, ebenso ein emotionaler Rückzug mit einer Abstufung
der Umgebung gegenüber oder Phasen von Erregtheit. Die Depression sei leicht
ausgeprägt gewesen, was auch mit den täglichen Aktivitäten, die der Versicherten
möglich seien, vereinbar gewesen sei. Ein rezidivierender Verlauf der Depression mit
deutlichen Phasen von Verschlechterung, Verbesserung und symptomfreien Intervallen
sei nicht erwiesen gewesen. Die Versicherte habe zudem einen kontinuierlichen Verlauf
angegeben. Der rheumatologische Gutachter gab an (IV-act. 72-18 ff.), im Vordergrund
der beklagten Beschwerden hätten eine anhaltende starke Müdigkeit und eine
Leistungsintoleranz gestanden. Die Beschwerdeführerin habe berichtet, diese
Müdigkeit sei auch ohne berufliche Tätigkeiten vorhanden. Spezifische Beschwerden,
vor allem im Nackenschultergürtel, träten insbesondere bei repetitiven Tätigkeiten wie
beispielsweise beim zweistündigen, ununterbrochenen Bügeln auf. Bei der
Versicherten habe eine leichte Haltungsinsuffizienz bestanden. Die als intermittierend,
vor allem belastungsabhängig beklagten Nackenschultergürtelbeschwerden im Sinne
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eines zervikoskapulären Schmerzsyndroms hätten auf der Basis einer muskulären
Dekonditionierung erklärt werden können. In der Anamnese sei imponierend gewesen,
dass die Versicherte seit Jahrzehnten über ausgedehnte Ganzkörperschmerzen geklagt
und immer wieder über eine ausgeprägte Müdigkeit, eine Leistungsintoleranz, einen
teilweise nicht erholsamen Schlaf und Konzentrationsstörungen berichtet habe. Die
Fibromyalgie-Kriterien seien damit erfüllt gewesen. Diskutiert werden könne, ob eine
sekundäre Fibromyalgie im Rahmen der metabolischen Myopathie hätte diagnostiziert
werden können. Eine relevante eigenständige Pathologie am Bewegungsapparat habe
hingegen nicht festgestellt werden können. In der Begutachtung durch das AEH hätten
sich bei der Durchführung der EFL eine fragliche Leistungsbereitschaft, eine deutliche
Selbstlimitierung und eine schlechte Konsistenz gezeigt. Diesbezüglich sei von einem
inkonsistenten Verhalten der Versicherten auszugehen. Eine relevante anamnestische
Inkonsistenz habe bei der Aussage der Versicherten, die Fachärzte des K._ hätten ihr
damals mitgeteilt, sie würden eine 100%ige IV-Berentung vorschlagen, aber sie (die
Versicherte) habe dies nicht gewollt, da sie zumindest in einem 50%igen
Arbeitspensum habe weiterarbeiten wollen, bestanden. Dazu sei festzuhalten, dass die
Fachärzte des K._ im betreffenden Bericht eine IV-Anmeldung für problematisch
erachtet hätten. Abschliessend könne postuliert werden, dass sich die beklagten
Leiden nicht konsistent in allen Lebensbereichen ausgewirkt hätten. Als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe ein chronisches zervikoskapuläres
Schmerzsyndrom bestanden. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe die
Diagnose eines anamnestischen Verdachts auf ein Fibromyalgie-Syndrom gehabt. Aus
rheumatologischer Sicht sei eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Wäschereimitarbeiterin zu attestieren gewesen, wobei eine
um 20% reduzierte Leistungsfähigkeit bereits berücksichtigt worden sei. Die
Arbeitsposition müsse regelmässig gewechselt werden können. Das Heben und Tragen
von Lasten bis zur Taillenhöhe sei auf maximal 15 Kilogramm und von Taille bis zum
Kopf auf maximal zehn Kilogramm zu limitieren. Überkopfarbeiten seien nur
intermittierend durchzuführen. Keinerlei Einschränkungen hätten für manuell
verarbeitende Tätigkeiten in mehrheitlicher Schulterneutralstellung bestanden.
Ebensowenig hätten Einbussen in Bezug auf die Gehfähigkeit in der Ebene bestanden.
Die Einschätzungen im Rahmen des Gutachtens des AEH hätten weitgehend bestätigt
werden können. Damals sei aus rheumatologischer Sicht eine 75%ige Arbeits- und
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Leistungsfähigkeit postuliert worden. Weitere Inkonsistenzen hätten unter
Berücksichtigung des Berichts der IV-Stelle vom 2. Dezember 2016 vorgelegen,
wonach keine spezifischen physischen Einschränkungen im Alltag der Versicherten
hätten beobachtet werden können. Der neurologische Gutachter berichtete (IV-
act. 72-23 f.), die Versicherte habe an einem generalisierten Schmerzsyndrom und an
chronischen Kopfschmerzen gelitten, wobei es sich im Wesentlichen um chronische
Spannungskopfschmerzen gehandelt habe. Daneben sei es zu migräneartigen
Exazerbationen gekommen. In der Untersuchung habe die Versicherte hinsichtlich der
Migräne keine Angaben zur Attackenfrequenz machen können. Im Gutachten des AEH
sei von einer Attackenfrequenz von drei pro Monat gesprochen worden. Somit habe
davon ausgegangen werden können, dass die Migräne in Bezug auf die funktionelle
Beeinträchtigung nicht den wesentlichen Faktor dargestellt habe. Im Weiteren sei im
Jahr 2014 der Nachweis einer metabolischen Myopathie erbracht worden. Diese
äussere sich üblicherweise in einer Belastungsintoleranz, indem es bei stärkerer
körperlicher Belastung zum Auftreten einer Schwäche komme, welche teilweise mit
Schmerzen und krampfartigen Muskelkontraktionen verbunden seien. Typischerweise
träten diese Beschwerden jedoch bei stärkerer körperlicher Belastung und nicht bereits
beim Tragen einer Tasche auf. Das generalisierte Schmerzsyndrom (Ruheschmerz) sei
atypisch für die vorliegende Muskelerkrankung. Der Versicherten sei es möglich
gewesen, regelmässig ein Fitnesstraining durchzuführen. Obwohl die
Muskelerkrankung bereits in der Jugend vorhanden gewesen sei, sei es bisher zu
keiner höhergradigen funktionellen Einschränkung gekommen. Somit dürfte ein
Mischbild zwischen einer unspezifischen generalisierten Schmerzsymptomatik
(Fibromyalgie-Syndrom) und gewissen Einschränkungen aufgrund der
Muskelerkrankung vorgelegen haben. Im Weiteren habe sich die Versicherte über
Schlafstörungen beklagt. Aufgrund der anamnestischen Angaben hätten sich Hinweise
auf eine eingeschränkte Schlafhygiene ergeben. Hinweise auf eine somatische Ursache
hätten nicht bestanden. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit alleine aufgrund der
Muskelerkrankung sei schwierig einzustufen gewesen, weil es sich um eine
überlappende Symptomatik mit einem unspezifischen Schmerzsyndrom gehandelt
habe. Da bei der Muskelerkrankung von einer gewissen Belastungsintoleranz habe
ausgegangen werden können, seien Einschränkungen in der aktuellen Tätigkeit, bei
welcher es sich um eine leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeit handle,
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nachvollziehbar gewesen. In der aktuellen Tätigkeit als Wäschereimitarbeiterin habe
eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 60% bestanden. In einer besser angepassten
Tätigkeit mit lediglich leichter körperlicher Belastung, welche vorwiegend im Sitzen
ausgeübt werde und nicht vorwiegend repetitive Körperbewegungen umfasse, habe
eine Arbeits- und Leitungsfähigkeit von 80% bestanden. Diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte seit der Diagnosestellung der Myopathie im Juni 2014.
Dr. F._ habe im Bericht vom 23. November 2015 festgehalten, die Muskelerkrankung
habe zu einer relativ starken Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt; die Versicherte
habe pro Tag nicht mehr als drei bis vier Stunden arbeiten können. Diese relativ
hochgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei aber aus neurologischer Sicht nicht
nachvollziehbar gewesen. Insbesondere sei die von Dr. F._ erwähnte Müdigkeit kein
typisches Symptom der McArdle-Erkrankung. In der Konsensbeurteilung gaben die
Sachverständigen an (IV-act. 72-26), die Versicherte sei in der angestammten Tätigkeit
in der Wäscherei wie auch in anderen, körperlich leichten bis mittelschweren
Tätigkeiten zu 60% arbeits- und leistungsfähig gewesen. Eine angepasste, körperlich
leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne repetitive Körperbewegungen sei mit einer
80%igen Arbeits- und Leistungsfähigkeit möglich gewesen. Die Arbeitsfähigkeit habe in
einem ganztägigen Pensum mit etwas vermehrten Pausen verwertet werden können.
Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte seit der Diagnosestellung der Myopathie im Juni
2014. Möglich sei, dass kurzzeitig eine höhere Arbeitsunfähigkeit durch eine depressive
Phase bestanden habe. Eine längere depressive Episode mit höherer
Arbeitsunfähigkeit habe aber nicht bestätigt werden können. Aufgrund der somatischen
Befunde sei die Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die Haushaltsarbeiten nicht wesentlich
eingeschränkt gewesen. Die schweren Arbeiten hätten individuell angepasst mit
Pausen verrichtet werden können.
Der RAD-Arzt Dr. I._ notierte am 24. Mai 2017 (IV-act. 73), die psychiatrische
Befunderhebung im Gutachten des ABI sei heikel, da die Haupt- und Nebensymptome
einer depressiven Episode nach ICD-10 nicht vollständig dokumentiert worden seien.
Angaben zu einem allfälligen Interessenverlust, zu Freudlosigkeit, zu Selbstwertgefühl/
Selbstvertrauen, zu Gefühlen von Schuld/Wertlosigkeit, zur Antriebslage und zum
Appetit fehlten. Der psychiatrische Gutachter habe angenommen, der Umstand, dass
die Versicherte Auto fahre, schliesse Konzentrationsstörungen aus. Die Versicherte
A.n.
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habe allerdings über multiple Autounfälle infolge von Konzentrationsstörungen
berichtet. Dennoch sei auf das Gutachtenergebnis abzustellen.
Mit einem Vorbescheid vom 29. Mai 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
(IV-act. 75), sie sehe vor, das Begehren um eine Rente abzuweisen. Zur Begründung
gab sie an, sie gehe von der Qualifikation vor der IV-Anmeldung aus, also 90%
Erwerbstätigkeit und 10% Haushaltstätigkeit. In der angestammten Tätigkeit in der
Wäscherei bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60% und in leidensadaptierten Tätigkeiten
eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Im Haushalt liege unter Berücksichtigung der
Schadenminderungspflicht der im selben Haushalt wohnenden Personen kein
anrechenbarer Behinderungsgrad vor. Das Valideneinkommen von Fr. 47‘965.--
entspreche dem letzten Jahreslohn vor der IV-Anmeldung, aufgerechnet auf das Jahr
2014. Das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen von Fr. 43‘034.--
entspreche dem um 20% reduzierten Zentralwert des Einkommens für eine
Hilfsarbeiterin gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik für das
Jahr 2014. Bei einer Erwerbseinbusse von Fr. 4'931.-- betrage der IV-Grad im
Erwerbsbereich damit 10%. Die Einschränkung im Haushalt betrage 0%. Nach der
gemischten Methode ergebe dies einen IV-Grad von 9%. Die Versicherte erhob am
2. Juni 2017 dagegen einen Einwand (IV-act. 76). Sie beantragte die Zusprache einer
halben Rente. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, die eingereichten
Arztberichte belegten, dass sie an gesundheitlichen Beeinträchtigungen leide. Der im
Vorbescheid festgehaltene IV-Grad von 10% sei daher unzutreffend. Als neue Berichte
reichte sie einen Kurzbericht der B._ von Ende Mai 2017 (IV-act. 77) sowie den
(ausführlichen) Austrittsbericht der Klinik H._ vom 27. Mai 2016 betreffend den
stationären Aufenthalt vom 30. März 2016 bis zum 14. April 2016 ein (IV-act. 78). Die
Fachärzte hatten darin im Wesentlichen dieselben Diagnosen wie im
Kurzaustrittsbericht vom 13. April 2016 angegeben. Statt einen Verdacht auf eine
posttraumatische Belastungsstörung hatten sie eine posttraumatische
Belastungsstörung diagnostiziert. Sie hatten notiert, die Versicherte habe beim Eintritt
subjektive Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen und deutliche
Gedächtnisstörungen angegeben, welche im Gespräch aber nicht aufgefallen seien.
Zudem habe sie von Flashbacks und wiederkehrenden Intrusionen berichtet. Hinweise
auf Befürchtungen, Zwänge, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen hätten
A.o.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/28
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nicht bestanden. Im Affekt habe die Versicherte depressiv niedergestimmt und
weinerlich gewirkt. Sie habe Suizidgedanken bejaht, sich jedoch glaubhaft von
Suizidabsichten distanziert. Beim Austritt sei die Versicherte im Affekt traurig und
niedergestimmt gewesen. Der Antrieb sei leicht gebessert gewesen. Unverändert seien
Schlafstörungen und eine hohe Tagesmüdigkeit vorhanden gewesen. Ebenso hätten
nach wie vor Konzentrationsstörungen und eine hohe Vergesslichkeit bestanden. Die
Versicherte habe zudem von Albträumen und Ängsten im sozialen Kontext und von
einem ständigen "auf der Hut sein" (Hyperarousal), welche als Symptome der
Traumafolgestörung gewertet werden könnten, berichtet. Am 8. September 2017
machte die Versicherte ergänzend geltend (IV-act. 86), das Gutachten des ABI sei nicht
verwertbar, da sich die Gutachter mehrfach auf die Observationsaufnahmen, die im
Rahmen des IV-Verfahrens ihres Ehemannes (Ehemann der Versicherten) erstellt
worden seien, bezogen hätten. Diese Aufnahmen seien rechtswidrig erlangt worden.
Zudem habe es an einem Anfangsverdacht gefehlt. Des Weiteren sei das Gutachten
des ABI hinsichtlich der psychiatrischen Beurteilung nicht nachvollziehbar. Sämtliche
anderen Ärzte hätten mindestens eine rezidivierende depressive Störung mittelgradiger
Episode diagnostiziert. Auch der RAD habe festgehalten, die psychiatrische
Befunderhebung sei heikel. Es sei höchstens von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit
auszugehen. Da die angestammte Tätigkeit auch adaptiert und sie weiterhin zu 50%
arbeitstätig sei, sei als Invalideneinkommen das tatsächlich erzielte Einkommen
heranzuziehen.
Mit einer Verfügung vom 4. Januar 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab
(IV-act. 89). Zu den Einwänden gegen den Vorbescheid hielt sie fest, betreffend die
Verwertbarkeit der Ausschnitte aus der Observation des Ehemannes der Versicherten
sei festzuhalten, dass es als normaler Lebensumstand angesehen werden müsse, dass
die Versicherte teilweise ebenfalls aufgenommen worden sei. Der RAD habe zu den
Einwänden Stellung genommen und sei zum Schluss gekommen, dass an der
gutachterlichen Einschätzung festzuhalten sei (zur Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr. I._ vom 30. November 2017 vgl. IV-act. 88).
A.p.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
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B.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 7. Februar 2018 eine
Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 4. Januar
2018 und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Durchführung von weiteren Abklärungen an die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Ergänzend zu den Einwänden im
Vorbescheidverfahren machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, im
Vordergrund stünden die psychiatrischen Erkrankungen – Depression und
posttraumatische Belastungsstörung – und die Glykogenose Typ V (McArdle-
Erkrankung). Die McArdle-Erkrankung verursache insbesondere eine
Belastungsintoleranz, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe und eine chronische Fatigue.
Das Hauptproblem liege in der starken Ermüdung und Erschöpfung. Die Müdigkeit
beeinträchtige sie mehr als die Schmerzen. Sie habe dies den Gutachtern auch
mehrfach mitgeteilt. Neben der McArdle-Erkrankung hätten auch die psychischen
Erkrankungen Auswirkungen auf die Belastbarkeit und die Energie. Hinzu kämen noch
die Muskelschmerzen. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, dass sie in ihrer
Arbeitsfähigkeit nur zu 20% eingeschränkt sein solle. Auch die Beurteilung des
psychiatrischen Gutachters sei nicht nachvollziehbar. Übereinstimmend mit den
behandelnden Ärzten sei von einer rezidivierenden depressiven Störung mittleren
Grades auszugehen. Zudem hätten die Klinik H._ und Dr. F._ eine
posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Die Observationsaufnahmen seien
nicht verwertbar. Sollten diese dennoch verwendet werden dürfen, sei zu beachten,
dass die Aufnahmen einzig zeigten, wie sie mit ihrem Ehemann einkaufen gegangen sei
und einmal das Hallenbad aufgesucht habe. Sie habe nie geltend gemacht, dass sie
keinen Aktivitäten mehr nachgehen könne. Entsprechend sei sie auch noch zu 50%
erwerbstätig – 40% bei der B._ und 10% bei der C._. Mit Ausnahme der Gutachter
hätten alle involvierten Ärzte eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestiert. Bevor das
Gutachten vorgelegen habe, sei auch der RAD dieser Ansicht gewesen. Es sei deshalb
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, das Gutachten des ABI sei
beweiskräftig, weil auf es trotz der Lücken im psychiatrischen Teilgutachten insgesamt
B.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/28
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abgestellt werden könne. Die Beschwerdeführerin habe zudem keine konkreten Gründe
geliefert, um die Zuverlässigkeit des Gutachtens in Zweifel zu ziehen. In Bezug auf die
Frage, ob das Observationsmaterial aus dem IV-Verfahren des Ehemannes der
Beschwerdeführerin verwendet werden könne, sei massgebend, ob Zufallsfunde
verwertbar seien. Es sei als normaler Lebensumstand zu verstehen, dass die
Beschwerdeführerin als Ehefrau der Zielperson auch von den
Überwachungsmassnahmen erfasst werden könne. Des Weiteren seien sämtliche von
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung geforderten Elemente betreffend die
Verwertbarkeit von Observationsmaterial – das Bestehen eines Anfangsverdachts, das
Aufnehmen von unbeeinflussten Handlungen des Versicherten im öffentlichen Raum
und keine systematische oder ständige Überwachung – erfüllt gewesen. Ein
Anfangsverdacht habe vorgelegen, weil die Beschwerdeführerin in der Begutachtung
durch das AEH im Rahmen der Durchführung der EFL erhebliche Inkonsistenzen, eine
fragliche Leistungsbereitschaft und eine undifferenzierte Schmerzbeschreibung zur
Schau gestellt habe. Die Prüfung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281
habe ergeben, dass die Schwere und das Ausmass des Krankheitsgeschehens als
nicht gravierend bezeichnet werden könnten. Der Anspruch auf eine IV-Rente sei damit
zu Recht verneint worden.
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Replik vom 21. August 2018 im
Wesentlichen ergänzend geltend (act. G 11), sie sei vom 12. Juni 2018 bis zum 9. Juli
2018 erneut in der Klinik H._ hospitalisiert gewesen. Seit dem Austritt befinde sie
sich in Behandlung im J._. Aufgrund der kurzen Behandlungsdauer habe noch kein
Bericht erstellt werden können. Die Ärzte der Klinik H._ hätten neben den bekannten
somatischen Erkrankungen sowohl eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, als auch eine posttraumatische Belastungsstörung
diagnostiziert. Aufgrund dieser Beurteilung hätten sie bis zum 9. Juli 2018 eine volle
Arbeitsunfähigkeit attestiert und einen anschliessenden stufenweisen Einstieg mit einer
40%igen Arbeitsfähigkeit empfohlen. Die von der Beschwerdegegnerin vorgebrachten
Inkonsistenzen hätten keine Relevanz. Die Inkonsistenzen seien vom
rheumatologischen Gutachter festgestellt worden. Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe aber vor allem aufgrund der psychischen Probleme.
Insbesondere könne aufgrund dieser angeblichen Inkonsistenzen kein
B.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/28
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 4. Januar 2018
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 9% verneint.
Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
Anfangsverdacht, welcher die Verwendung der Observationen zuliesse, begründet
werden. Die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten, wahrheitswidrigen
Angaben basierten auf einer einzigen Aussage, nämlich dass sie erwähnt haben solle,
die Fachärzte des K._ hätten eine volle IV-Berentung empfohlen; im Bericht hätten
die Fachärzte aber davon abgeraten. Was die Fachärzte genau gesagt hätten, sei
unklar. Es sei ohne weiteres möglich, dass es zu einem Missverständnis gekommen
sei. Einzig aus diesem Grund Inkonsistenzen in Bezug auf den Gesundheitszustand zu
begründen, sei nicht haltbar. Die Beschwerdeführerin legte den Austrittsbericht der
Klinik H._ vom 7. August 2018 bei (act. G 11.1). Die Fachärzte hatten darin die von
der Beschwerdeführerin genannten Diagnosen angegeben. In Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit hatten sie für die Zeit nach dem 9. Juli 2018 einen stufenweisen
Einstieg bei einer 40%igen Arbeitsfähigkeit mit einer sukzessiven und
belastungsangepassten Erhöhung empfohlen. Sie hatten ausgeführt, die
Beschwerdeführerin sei im Zustand einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, in die Klinik eingetreten. Im Verlauf habe eine
Stabilisierung des psychischen Zustandsbildes erzielt werden können. Die erzielten
Fortschritte seien aber noch fragil und die Beschwerdeführerin sei weiterhin reduziert
belastbar gewesen.
Die Beschwerdegegnerin machte in der Duplik ergänzend geltend (act. G 13), die
Rügen der Beschwerdeführerin verfingen nicht. Sie habe bislang keine konkreten
Indizien vorgebracht, die gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen würden.
B.d.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/28
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3.
Vorab ist zu prüfen, ob die Bemessung des Invaliditätsgrades der Beschwerdeführerin
anhand eines reinen Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG)
oder anhand der sog. gemischten Methode mit einer Teilerwerbstätigkeit und einer
Tätigkeit im Aufgabenbereich (Art. 28a Abs. 3 IVG i.V.m Art. 27 IVV) zu erfolgen hat.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom 4. Januar 2018 die sog. gemischte
Methode angewandt. Sie hat dies damit begründet, dass die Beschwerdegegnerin bis
zum Zeitpunkt der IV-Anmeldung zu 90% erwerbstätig und zu 10% im Haushalt tätig
gewesen sei. Sie hat damit an den status quo angeknüpft. Zu klären wäre aber
gewesen, wie hoch die Erwerbsquote der Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung gewesen wäre, ob sie also zu 90% erwerbstätig oder aber
oderverbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR
830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich).
Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und teilweise im Aufgabenbereich tätig
sind, wird der Invaliditätsgrad für beide Bereiche nach der jeweiligen Methode
berechnet; die Teilinvaliditätsgrade werden nach den Anteilen der Bereiche "gewichtet"
und dann addiert (sog. gemischte Methode; Art. 28a Abs. 3 IVG).
2.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
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vollerwerbstätig gewesen wäre. Die Beschwerdeführerin leidet an der McArdle-
Erkrankung. Diese ist genetisch bedingt (vgl. IV-act. 3), was bedeutet, dass die
Beschwerdeführerin seit der Geburt an dieser Krankheit leidet. Damit besteht die
Möglichkeit, dass sie bereits vor der IV-Anmeldung als Folge der
Gesundheitsbeeinträchtigung nur zu 90% einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sein
könnte. Im Fragebogen betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt hat die
Beschwerdeführerin die entsprechende Frage unbeantwortet gelassen. Die
Beschwerdegegnerin ist dem nicht weiter nachgegangen, womit sie ihre
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) verletzt hat. Die Angelegenheit ist deshalb
zur Klärung der Statusfrage an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
Die Beschwerdegegnerin ist beim Einkommensvergleich zur Ermittlung des
Invaliditätsgrades im Erwerbsteil davon ausgegangen, dass die Tätigkeit der
Beschwerdeführerin in der Wäscherei als Validenkarriere zu qualifizieren sei. Die
Beschwerdeführerin hat in ihrem Heimatland jedoch eine Ausbildung zur
Dentalassistentin absolviert. Damit besteht die Möglichkeit, dass sie in der Schweiz als
Dentalassistentin hätte tätig sein können, womit diese Erwerbstätigkeit als
Validenkarriere in Frage käme. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb – wohl unter
Beizug ihrer Berufsberatung – zu klären, ob die Beschwerdeführerin in der Schweiz
eine Tätigkeit als Dentalassistentin hätte ausüben können. Die Angelegenheit ist
deshalb auch zur weiteren Abklärung des für die Wahl der Validenkarriere
massgebenden Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu die
ABI GmbH mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens (internistisch,
psychiatrisch, rheumatologisch und neurologisch) beauftragt. Im Gutachten vom
3. April 2017 ist ausgeführt worden, die Beschwerdeführerin sei in der angestammten
Tätigkeit in der Wäscherei wie auch in anderen, körperlich leichten bis mittelschweren
Tätigkeiten zu 60% arbeits- und leistungsfähig. Eine angepasste, körperlich leichte und
wechselbelastende Tätigkeit ohne repetitive Körperbewegungen sei mit 80%iger
Arbeits- und Leistungsfähigkeit möglich. Diese Arbeitsfähigkeit könne in einem
ganztägigen Pensum mit etwas vermehrten Pausen verwertet werden. Diese
Einschätzung gelte seit der Diagnosestellung der Myopathie im Juni 2014. Möglich sei,
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/28
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dass kurzzeitig eine höhere Arbeitsunfähigkeit durch eine depressive Phase bestanden
habe. Eine längere depressive Episode mit höherer Arbeitsunfähigkeit könne aber nicht
bestätigt werden. Aufgrund der somatischen Befunde habe sich bei den
Haushaltsarbeiten keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergeben. Die
schweren Arbeiten im Haushalt könnten nämlich individuell angepasst mit Pausen
verrichtet werden. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten voller
Beweiswert zukommt, ob es also die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und wenn die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 125 V
352, E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
5.2.
Die Beschwerdeführerin leidet an der McArdle-Erkrankung (Glykogenose Typ V, IV-
act. 3). Die McArdle-Erkrankung zählt zu den seltenen Krankheiten (orphan disease)
und wird durch eine Mutation des PYGM-Gens verursacht (IV-act. 3). Den Patienten
fehlt das Enzym Myophosphorylase oder sie leiden an einem Mangel daran, womit eine
rasche Bereitstellung von Energie durch die Glykolyse für die Skelett-Muskulatur nicht
möglich ist (IV-act. 4). Die Beschwerdeführerin hat mehrfach angegeben, sie leide –
nebst weiteren Beschwerden wie Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen sowie
Durchschlafstörungen – an einer chronischen Erschöpfbarkeit und an Müdigkeit (vgl.
beispielsweise IV-act. 3, 4, 22-7, 27, 40-7). Sie hat dies auch den Gutachtern der ABI
GmbH gegenüber kommuniziert (IV-act. 72-7, 72-8, 72-16, 72-24). Der neurologische
Gutachter hat festgehalten (IV-act. 72-24), bei der vorliegenden Muskelerkrankung
könne von einer gewissen Belastungsintoleranz ausgegangen werden. Im Rahmen der
Würdigung des Berichts von Dr. F._ vom 23. November 2015 (Dr. F._ hatte
angegeben, die Beschwerdeführerin könne täglich nicht mehr als drei bis vier Stunden
arbeiten, dies vor allem wegen der metabolischen Myopathie, welche zu Müdigkeit und
zur raschen Ermüdbarkeit führe) hat er zudem ausgeführt, die von Dr. F._ erwähnte
Müdigkeit sei kein typisches Symptom der McArdle-Erkrankung. Im Übrigen hat er sich
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
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vorwiegend mit den Schmerzen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und
festgehalten, dass ein Mischbild zwischen einer unspezifischen generalisierten
Schmerzsymptomatik (Fibromyalgie-Syndrom) und gewissen Einschränkungen
aufgrund der Muskelerkrankung vorliege. Auch der rheumatologische Gutachter hat
sich primär mit den Schmerzen der Beschwerdeführerin befasst. Er hat aufgrund einer
leichten Haltungsinsuffizienz bei einer muskulären Dekonditionierung ein chronisches
zervikoskapuläres Schmerzsyndrom diagnostiziert. Des Weiteren hat er festgehalten,
unter Berücksichtigung der angegebenen Ganzkörperschmerzen, der Müdigkeit, der
Leistungsintoleranz, des zum Teil nicht erholsamen Schlafs und der
Konzentrationsstörungen seien die Fibromyalgie-Kriterien erfüllt. Diskutiert werden
könne, ob eine sekundäre Fibromyalgie im Rahmen der metabolischen Myopathie
diagnostiziert werden könne. Gestützt darauf hat er einen Verdacht auf ein
Fibromyalgie-Syndrom diagnostiziert (differentialdiagnostisch sekundäre Fibromyalgie
im Rahmen der metabolischen Myopathie). Er hat damit offengelassen, ob die von der
Beschwerdeführerin beklagte Müdigkeit ein Symptom der McArdle-Erkrankung ist und
zu einer objektivierbaren Einschränkung des funktionellen Leistungsvermögens geführt
hat. Dem Bericht der Fachärzte des K._ vom 17. März 2014 ist demgegenüber zu
entnehmen (IV-act. 4), dass die Muskelbiopsie zur Klärung des Verdachts auf eine
metabolische Myopathie bei klinisch chronischer Erschöpfbarkeit und Müdigkeit
durchgeführt worden ist. Dies lässt darauf schliessen, dass die Müdigkeit zu den
Symptomen der McArdle-Erkrankung zählt. Des Weiteren hat die Beschwerdeführerin
einen Fachartikel von Dr. Monika Weingartz eingereicht. Dr. Weingartz hat darin
festgehalten, charakteristisch für die McArdle-Erkrankung seien eine rasche
Ermüdbarkeit und eine Belastungsintoleranz. Zu den typischen Symptomen zählten
unter anderem eine chronische Fatigue (Dr. Monika Weingartz, Morbus McArdle – eine
selten erkannte Krankheit, Ars Medici 18/2016, S. 806 ff., act. G 1.1.5). Schliesslich ist
auf die auf dem Portal www.orpha.net (Portal für seltene Krankheiten und orphan
drugs) publizierten Informationen zu verweisen, wonach eine Fatigue zu den
gelegentlich auftretenden klinischen Symptomen der Glykogenose Typ V, also der
McArdle-Erkrankung, zählt (https://www.orpha.net/consor/cgi-bin/
Disease_HPOTerms.php?lng=DE&data_id=
17&Typ=Pat&diseaseType=Pat&from=rightMenu, zuletzt besucht am 26. März 2020).
Aus der Sicht eines medizinischen Laien könnten die Angaben des neurologischen und
des rheumatologischen Gutachters unter Umständen unzutreffend gewesen sein, da
die Müdigkeit bei gewissen Patienten offenbar ein Symptom der McArdle-Erkrankung
ist. Damit besteht die Möglichkeit, dass die von der Beschwerdeführerin beklagte
Müdigkeit auf die McArdle-Erkrankung zurückzuführen ist. Zu prüfen wäre also
gewesen, ob die Müdigkeit im konkreten Einzelfall, das heisst in Bezug auf die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
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Beschwerdeführerin, eine objektivierbare Symptomatik der McArdle-Erkrankung ist und
ob diese einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat. Da es sich
bei der McArdle-Erkrankung um eine seltene Erkrankung handelt, die spezifisches
Fachwissen über diese Krankheit erfordert, hätten die Gutachter des ABI deshalb wohl
eine medizinische Fachperson beiziehen müssen, die über dieses Fachwissen verfügt
hätte. Das Gutachten der ABI GmbH weist somit aus der Sicht eines medizinischen
Laien eine Lücke auf, da ein wesentlicher Teil des medizinischen Sachverhalts nicht
abgeklärt worden ist. Das Gutachten der ABI GmbH ist also für die streitigen Belange
nicht umfassend. Damit kann das Gutachten mit der darin angegebenen
Arbeitsfähigkeitsschätzung keinen ausreichenden Beweiswert haben. Die Sache ist
deshalb – nebst der Abklärung der Statusfrage und der Validenkarriere – auch zur
ergänzenden Abklärung in somatischer Hinsicht an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Nach der Auffassung des Bundesgerichts ist die Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin in diesem Fall zulässig (vgl. BGE 137 V 264, E. 4.4.1.4, wonach
eine Sache zurückgewiesen werden kann, wenn nur eine Ergänzung des Gutachtens
nötig ist), zumal es nicht sinnvoll wäre, ein Gerichtsgutachten einzuholen und
anschliessend die Sache zur weiteren Abklärung des nicht-medizinischen Sachverhalts
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Der psychiatrische Gutachter hat eine leichte depressive Episode und eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Wie der RAD-Arzt Dr. I._ zu
Recht festgehalten hat (IV-act. 73), hat der psychiatrische Gutachter die Haupt- und
Nebensymptome einer depressiven Episode nach ICD-10 nicht vollständig
dokumentiert. Es fehlen Angaben zu einem allfälligen Interessenverlust, zu
Freudlosigkeit, zu Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen, zu Gefühlen von Schuld/
Wertlosigkeit, zur Antriebslage und zum Appetit. Die Beschwerdegegnerin hätte
deshalb beim psychiatrischen Gutachter eine ergänzende Stellungnahme einholen
müssen. Warum der RAD-Arzt Dr. I._ zur Auffassung gelangt ist, dass im Ergebnis
dennoch auf das psychiatrische Teilgutachten abgestellt werden könne, hat er nicht
begründet. Hinzu kommt, dass es für den psychiatrischen Gutachter angesichts der im
neurologischen und im rheumatologischen Teilgutachten bestehenden Lücken kaum
möglich gewesen sein dürfte abzuschätzen, ob die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden somatisch oder psychisch bedingt waren. Damit vermag seine
Beurteilung nicht zu überzeugen. Auch diesbezüglich wird die Beschwerdegegnerin
eine Gutachtensergänzung einholen müssen. Sie wird auch einen Bericht des J._
einholen, das die Beschwerdeführerin vom 12. Juni bis zum 9. Juli 2018 behandelt hat
(act. G 11). Möglicherweise ergeben sich daraus neue Erkenntnisse in Bezug auf die
5.4.
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vom psychiatrischen Gutachter mit einer kurzen Begründung verneinte Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung.
Das rheumatologische und das psychiatrische Teilgutachten vermögen, wie
nachfolgend aufgezeigt wird, auch aus weiteren Gründen nicht zu überzeugen.
5.5.
Der rheumatologische Gutachter hat eine Inkonsistenz in Bezug auf eine Angabe
der Beschwerdeführerin festgestellt. Er hat ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe
im Rahmen der Untersuchung gesagt, die Fachärzte des K._ hätten ihr damals
mitgeteilt, sie würden eine 100%ige IV-Berentung vorschlagen. Sie habe dies aber
nicht gewollt, da sie zumindest in einem 50%igen Arbeitspensum habe weiterarbeiten
wollen. Im Bericht des K._ vom 22. August 2014 hätten die Fachärzte eine IV-
Anmeldung aber für problematisch erachtet. Der rheumatologische Gutachter hat
festgehalten, dies weise auf eine Verdeutlichungstendenz hin. Was die Fachärzte der
Beschwerdeführerin damals tatsächlich mitgeteilt haben, kann nicht mehr rekonstruiert
werden. Möglicherweise hat ein Missverständnis vorgelegen. Aus diesem Widerspruch
allein kann deshalb nicht auf ein Verdeutlichungsverhalten der Beschwerdeführerin
geschlossen werden.
5.5.1.
Der rheumatologische Gutachter hat des Weiteren aus den im Rahmen der
Observation des Ehemannes der Beschwerdeführerin entstandenen Videoaufnahmen
auf eine weitere Inkonsistenz geschlossen. Die Beschwerdeführerin ist auf einigen
Videosequenzen in Alltagssituationen zu sehen: Beim Einsteigen in das und beim
Aussteigen aus dem Auto als Beifahrerin, beim Gehen auf der Strasse, beim Einkaufen
– die Einkäufe trägt der Ehemann zum Auto – und beim Tragen von drei kleinen
Einkaufssäcken. Der rheumatologische Gutachter hat festgehalten, zu keinem
Zeitpunkt hätten bei der Beschwerdeführerin spezifische physische Einschränkungen
beobachtet werden können. Insgesamt sei von erheblichen Diskrepanzen in Bezug auf
die von der Beschwerdeführerin subjektiv beklagten Einschränkungen bei den
Alltagsverrichtungen auszugehen. Inwiefern hier zusätzlich von einer klaren
bewusstseinsnahen Schmerzausweitung respektive einem Verdeutlichungsverhalten
gesprochen werden müsse, sei nicht abschliessend festzustellen. Auch der
psychiatrische Gutachter hat die Videoaufnahmen erwähnt und notiert, die
Beschwerdeführerin sei recht aktiv gewesen. Zunächst ist zu klären, ob die
Videosequenzen verwertbar sind. Diese sind nämlich im Rahmen einer Observation des
Ehemannes der Beschwerdeführerin entstanden und damit als Zufallsfunde zu
qualifizieren. Zufallsfunde, die rechtmässig auf dem ordentlichen Weg der
Sachverhaltsermittlung hätten beschafft werden können, sind ohne Einschränkungen
5.5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/28
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verwertbar. Soweit eine rechtmässige Beschaffung nicht möglich war, ist im Rahmen
einer Abwägung zwischen dem privaten Interesse an einem ordnungsgemässen
Verfahren und dem öffentlichen Interesse an der Wahrheitsfindung über die
Verwertbarkeit zu entscheiden (Patrick Krauskopf/Katrin Emmenegger/Fabio Babey, in:
Bernhard Waldmann/ Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum
Verwaltungsverfahrensgesetz [VwVG], 2. Aufl., Zürich 2016, N 203 ff. zu Art. 12). Im
Zeitpunkt der Erstellung der Videosequenzen im November und Dezember 2014 hat für
die Durchführung von verdeckten Observationen zur Verhinderung oder Aufdeckung
von Missbräuchen beim Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung keine
ausreichende gesetzliche Grundlage bestanden (vgl. BGE 143 I 384, E. 4). Die
Aufnahmen sind somit unabhängig davon, dass sich die Observation nicht auf die
Beschwerdeführerin bezogen hat, widerrechtlich erlangt worden. Eine rechtmässige
Beschaffung dieses Beweismittels ist gar nicht möglich gewesen. Nach der Auffassung
des Bundesgerichts sind Beweismittel, die im Rahmen einer rechtswidrig angeordneten
Observation im öffentlich frei einsehbaren Raum gewonnen wurden, gestützt auf eine
Abwägung zwischen privaten und öffentlichen Interessen verwertbar (BGE 143 I 384 ff.,
E. 5.1.1; Urteil des Bundesgerichts vom 3. Februar 2020, 8C_770/2019, E. 5.2). Dies
gilt unabhängig von der Frage, ob die Observation objektiv geboten war oder nicht
(Urteile des Bundesgerichts vom 16. Dezember 2019, 9C_308/2019, E. 2.1, und vom
8. Februar 2019, 9C_561/2018 und 9C_631/2018, E. 5.2.2). Vorliegend ist die
Beschwerdeführerin in einem Zeitraum von rund fünf Wochen an fünf Tagen während
jeweils 15 Minuten bis zu acht Stunden bei Aktivitäten, die ausschliesslich im öffentlich
frei einsehbaren Raum stattgefunden haben, (mit)beobachtet worden. Videosequenzen
sind an drei Tagen angefertigt worden. Die Überwachung ist damit kurzzeitig und nicht
systematisch erfolgt. Das Verhalten der Beschwerdeführerin ist von der
Abklärungsperson nicht beeinflusst worden. Das öffentliche Interesse an der
Verhinderung von Versicherungsmissbrauch überwiegt daher das private Interesse der
Beschwerdeführerin am Recht auf Schutz der Privatsphäre. Die Interessenabwägung
zur Beantwortung der Frage, ob die Videosequenzen als Zufallsfunde verwertbar sind –
Abwägung des privaten Interesses an einem ordnungsgemässen Verfahren gegen das
öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung – ist vorliegend identisch mit jener
betreffend die Verwertbarkeit von widerrechtlich erlangten Observationsergebnissen.
Die Videosequenzen (und der Abklärungsbericht der Beschwerdegegnerin vom
2. Dezember 2016) sind damit verwertbar. Die Beschwerdeführerin hat geltend
gemacht, mangels Anfangsverdacht hätte bei ihr keine Observation durchgeführt
werden dürfen. Dementsprechend dürften die Videosequenzen, welche sie
zufälligerweise zeigten, nicht verwendet werden. Ob gegen die Beschwerdeführerin ein
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Anfangsverdacht bestanden hätte, der eine (gegen sie direkt gerichtete) Observation
gerechtfertigt hätte, ist irrelevant, denn Zufallsfunde sind definitionsgemäss auf einen
Zufall und nicht auf einen entsprechenden, sich auf einen Anfangsverdacht stützenden
Beweisbeschluss zurückzuführen. Deshalb kann das Kriterium des Anfangsverdachts
hier keine Bedeutung haben. Massgebend ist in diesem Zusammenhang vielmehr, dass
die Verwertbarkeit von widerrechtlich erlangten Observationsergebnissen nach der
Auffassung des Bundesgerichts ausschliesslich gestützt auf eine Interessenabwägung
zu beurteilen und deshalb im vorliegenden Fall zu bejahen ist. Zu prüfen bleibt, ob die
Videosequenzen Beobachtungen zeigen, die zu den Angaben der Beschwerdeführerin
in Widerspruch stehen. Dies ist nicht der Fall: Die Videosequenzen zeigen die
Beschwerdeführerin beim Einsteigen in das und beim Aussteigen aus dem Auto als
Beifahrerin, beim Gehen auf der Strasse, beim Einkaufen und beim Tragen von drei
kleinen Einkaufssäcken. Die Beschwerdeführerin hat im Rahmen der gutachterlichen
Untersuchung beispielsweise angegeben, sie fahre nicht immer selber mit dem Auto
(IV-act. 72-10), verrichte Einkäufe (IV-act. 72-14), trage den Wäschekorb in den Keller
und wieder hoch, wenn auch nicht mit schwerer Wäsche (IV-act. 72-14), spaziere nach
der Arbeit eine Dreiviertelstunde nach Hause (IV-act. 72-16) und habe bei der Arbeit in
der Wäscherei vor allem bei nicht-wechselbelastenden Tätigkeiten Beschwerden. Aus
der Sicht eines medizinischen Laien ist deshalb nicht nachvollziehbar, wie der
rheumatologische und der psychiatrische Gutachter aus diesen Videosequenzen auf
Inkonsistenzen haben schliessen respektive sich in ihrer Beurteilung von diesen
Aufnahmen haben leiten lassen können. Ihre Beurteilungen sind daher auch aus
diesem Grund nicht überzeugend.
Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, für die Arbeitsfähigkeitsschätzung
sei auf die Berichte der behandelnden Ärzte abzustellen. Mit Ausnahme der Gutachter
des ABI hätten alle involvierten Ärzte eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Die
Berichte der behandelnden Ärzte vermögen die verbleibende Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aber nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen: Zum einen fehlt in den psychiatrischen Berichten – aus
nachvollziehbaren Gründen, dienen diese doch einem therapeutischen Zweck – eine
Auseinandersetzung mit den nach der Auffassung des Bundesgerichts anwendbaren
Standardindikatoren. Zum anderen ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im
Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und dazu neigen, die
pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu
qualifizieren (vgl. etwa BGE 125 V 353, E. 3b.cc).
5.6.
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6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Sache zur Abklärung der Statusfrage und
der Validenkarriere sowie zur ergänzenden Abklärung der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Für die Zeit vor dem
Juni 2014 fehlt im Übrigen eine Arbeitsfähigkeitsschätzung vollständig. Da sich die
Beschwerdeführerin im September 2014 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet, die sechsmonatige Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG
also am 1. März 2015 abgelaufen ist, ist es relevant, ob das Wartejahr (vgl. Art. 28a
Abs. 1 lit. b IVG) zu diesem Zeitpunkt erfüllt gewesen ist.
7.
Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 4. Januar 2018 aufzuheben und die
Sache ist zur Durchführung weiterer bzw. ergänzender Abklärungen und zur
anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
8.
Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, als Invalideneinkommen sei das
tatsächlich erzielte Einkommen heranzuziehen, da die angestammte Tätigkeit in der
Wäscherei auch eine adaptierte Tätigkeit darstelle und da sie – entsprechend der
50%igen Restarbeitsfähigkeit – weiterhin zu 50% arbeitstätig sei (40% bei der B._
und 10% bei der C._). Dazu ist festzuhalten, dass eine real ausgeübte Tätigkeit nur
dann als Invalidenkarriere zu qualifizieren ist, wenn – kumulativ – der verbliebene
Arbeitsfähigkeitsgrad voll ausgeschöpft wird, die Tätigkeit der Berufsausbildung
entspricht und diese angemessen entlöhnt wird. Ist eine Tätigkeit als Hilfsarbeiterin
zumutbar, muss das konkret erzielte Einkommen also mindestens gleich hoch wie der
Zentralwert des Einkommens für eine Hilfsarbeiterin gemäss der Lohnstrukturerhebung
des Bundesamts für Statistik sein. Ob diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt sind,
wird von der Beschwerdegegnerin nach der Durchführung der notwendigen
ergänzenden Abklärungen zu beurteilen sein.
5.7.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles Obsiegen der
8.1.
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