Decision ID: 2935ef3f-5ca3-51b7-8f6a-eae55dadc84a
Year: 2003
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. K._, geboren 1948, arbeitete ab 1. April 2000 als Controller bei der Firma B._. Die Firma kündigte das Arbeitsverhältnis am 28. Mai 2002 auf den 31. August 2002 (Urk. 7/6). Am 30. August 2002 meldete sich K._ als arbeitslos und erhob ab 1. September 2002 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (Urk. 7/4). Die Arbeitslosenkasse GBI zahlte ihm ab 1. September 2002 Taggelder in Höhe von 70 % des versicherten Verdienstes aus (vgl. Urk. 2/1-6, Urk. 7/8-9).
2. Mit Eingabe vom 24. Februar 2003 erhob K._ Beschwerde gegen die Taggeldabrechnungen betreffend die Monate September 2002 bis Januar 2003 (Urk. 1, Urk. 2/1-6) und beantragte, es seien ihm rückwirkend ab 1. September 2002 Taggelder in Höhe von 80 % statt wie bisher in Höhe von 70 % sowie Kinderzulagen von Fr. 150.-- monatlich auszurichten (Urk. 1). Zur Begründung führte er an, sein 1982 geborenes Kind, A._, studiere an einem Lehrinstitut in G._ und befinde sich somit noch in Ausbildung. Die Familienausgleichskasse habe den Anspruch auf Kinderzulagen erst mit Verfügung vom 7. Dezember 2002 anerkannt und ihm die Kinderzulagen rückwirkend ab 1. September 2000 ausgerichtet (vgl. Urk. 3/2). In der Beschwerdeantwort vom 12. März 2003 hielt die Arbeitslosenkasse fest, da A._ das Studium an einem von der Familienausgleichskasse anerkanntem Lehrinstitut absolviere, könne das Taggeld auf 80 % erhöht werden (Urk. 6). Dazu sei allerdings gemäss Kreissschreiben des seco (Urk. 7/2) bei Ausbildungsstätten im Ausland eine durch die Botschaft oder das Konsulat beglaubigte Übersetzung der Ausbildungsbescheinigung erforderlich. Die Beschwerde sei deshalb teilweise gutzuheissen. In der Folge reichte der Beschwerdeführer eine durch Apostille beglaubigte Ausbildungsbescheinigung der Ausbildungsstätte in G._ ein (Urk. 14/1). Nachdem die Arbeitslosenkasse innert Frist keine Duplik eingereicht hatte, so dass Verzicht darauf anzunehmen war, wurde der Schriftenwechsel am 25. Juni 2003 geschlossen (Urk. 18).
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Der Beschwerdeführer hat die Taggeldabrechnungen betreffend die für die Monate September 2002 bis Januar 2003 ausbezahlten Taggelder angefochten. Die Abrechnungen wurden am 27. September 2002, am 25. Oktober 2002, am 2. Dezember 2002 (für November), am 12. Dezember 2002 sowie am 28. Januar 2003 ausgestellt (Urk. 2/1-6).
Die streitigen Taggeldabrechnungen sind nicht als Verfügungen bezeichnet und auch nicht mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen. Zu prüfen ist zunächst, ob sie trotz Fehlens dieser formellen Merkmale anfechtbare Verfügungen darstellen.
Die Frage beurteilt sich in Bezug auf die noch im Jahr 2002 ausgestellten Taggeldabrechnungen für die Monate September bis Dezember 2002 nach der bis dahin gültig gewesenen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 129 V 111 Erw. 1.2.1, 111 V 253). Danach kommt einer Taggeldabrechnung trotz Fehlens formeller Verfügungsmerkmale materiell Verfügungscharakter zu. In Bezug auf die Monate September bis Dezember 2002 müssten die Taggeldabrechnungen demnach als Verfügungen anerkannt werden (Urk. 2/2-5).
Demgegenüber beurteilt sich die Frage in Bezug auf die im Januar 2003 ausgestellte Taggeldabrechnung für den Monat Januar nach den Verfahrensbestimmungen des seit 1. Januar 2003 in Kraft stehenden Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG). Danach müssen Taggeldabrechnungen zwar weiterhin nicht in Form von Verfügungen ergehen (Art. 51 in Verbindung mit Art. 49 Abs. 1 ATSG und Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIG). Gestützt auf Art. 49 ATSG muss jedoch neu die getroffene formlose Anordnung durch eine Verfügung ersetzt werden, wenn die betroffene Person mit der formlosen Anordnung nicht einverstanden ist. Gegen diese Verfügung kann alsdann bei der verfügenden Verwaltungsstelle Einsprache erhoben werden.
Auf die im Januar 2003 ergangene Taggeldabrechnung betreffend den Monat Januar 2003 (Urk. 2/1) könnte demnach nicht eingetreten werden und die Sache müsste an die Arbeitslosenkasse zum Erlass einer Verfügung zurückgewiesen werden.
2. Die Arbeitslosenkasse hat nun aber im Beschwerdeverfahren zu verstehen gegeben, dass sie bereit ist, auf die im Streite stehenden Abrechnungen seit 1. September 2002 zurückzukommen und dass sie die Angelegenheit unter den neu gegebenen Gesichtspunkten anders entscheiden würde. Gestützt auf die Beschwerdeantwort der Arbeitslosenkasse (Urk. 6) und die neu eingereichten Unterlagen (Urk. 14/1, Urk. 3/2) erscheint es daher zweckmässig, die Sache an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen, damit sie aufgrund der aktuellen Dokumente und, allenfalls nach ergänzender Abklärung, darüber befinde, ob der Beschwerdeführer seit 1. September 2002 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung in Höhe von 80 % des versicherten Verdienstes sowie auf Kinderzulagen habe. Zu prüfen wäre insbesondere, was für eine Ausbildung A._ genoss, bevor er das Studium am Lehrinstitut in G._ aufnahm, welcher Art die Ausbildung in G._ ist, und ob es sich um eine Erstausbildung oder um eine Zweit- oder Zusatzausbildung handelt, für welche der Vater nicht aufkommen muss. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass die Kasse zu Recht keinen Zuschlag im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Satz 2 AVIG anstelle der Kinderzulage zugesprochen hat, endet doch der Anspruch auf Kinderzulagen für Kinder ohne Wohnsitz in der Schweiz in jedem Fall mit Vollendung des 16. Altersjahres (§ 5 a Abs. 1 des zürcherischen Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer), wobei als Kinder ohne Wohnsitz in der Schweiz solche gelten, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland haben (§ 4 a Abs. 1 der Vollziehungsverordnung zum Gesetz über Kinderzulagen für Arbeitnehmer; siehe auch Urk. 7/1).
Die Beschwerde gegen die Taggeldabrechnungen betreffend die Monate September 2002 bis Januar 2003 ist demzufolge in dem Sinne gutzuheissen, dass die Taggeldabrechnungen aufzuheben sind und die Sache an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen ist, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und neu entscheide.