Decision ID: c92edfb0-b3ab-4cc5-a069-f569668cf206
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1959 geborene
X._
war seit dem
1.
Februar 2012 bei der
Y._
angestellt und in diesem Rahmen bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 1
4.
Juli 2017 stürzte er am 3
0.
März 2017 circa zwei Meter in die Tiefe und zog sich dabei eine Verletzung an der linken Schulter zu (
Urk.
8/1).
Die medizinische Erstvorstellung erfolgte am 2
6.
Juni 2017 in der
Z._
in Serbien (
Urk.
8/4). Die Erstbehandlung in der Schweiz erfolgte am
4.
Juli 2017 beim Hausarzt des Versicherten (
Urk.
8/9) mit anschliessender fachorthopädischer Behandlung (vgl.
Urk.
8/18). Am 2
1.
Juli 2017 erfolgte eine
MR-Arthrographie
des linken Schultergelenks (
Urk.
8/14). Mit Verfügung vom 1
4.
September 2017 (
Urk.
8/31) verneinte die Suva einen über den
4.
Mai 2017 hinausgehenden Leistungsanspruch des Versicherten. Die dage
gen erhobene Einsprache vom 5. Oktober 2017 (
Urk.
8/35) mit Ergänzung vom
7.
November 2017 (
Urk.
8/42) wies die Suva mit Entscheid vom 1
3.
Dezember 2017 (
Urk.
2 [=
Urk.
8/45]) ab.
2.
Dagegen liess der Versicherte am
2
6.
Januar 2018 Beschwerde (
Urk.
1) erheben und beantragen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es seien ihm auch über den
4.
Mai 2017 hinaus die gesetzlichen Leistungen für den am 30. März 2017 erlittenen Unfall auszurichten. Mit Beschwerdeantwort vom 2. März 2018 (
Urk.
7) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 1
2.
April 2018 (
Urk.
11) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a), Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskus
risse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Band
läsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h). Ausserdem erbringt die Ver
sicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung (
Verordnu
ng über die Unfallversicherung,
UVV)
per 1. Januar 2017 ist das Beste
hen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschä
digung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tat
sache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädi
gung vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbot
schaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallver
sicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) erwog die Beschwerdegegnerin im Wesent
lichen, der medizinische Sachverhalt sei kreisärztlich beurteilt worden. Auf
die Einschätzung der Kreisärztin
könne abgestellt werden, deren Stellungnahme sei beweiswertig. Die Kreisärztin habe überzeugend dargelegt, dass der Unfall vom 3
0.
März 2017 lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des dege
nerativen Vorzustandes an der linken Schulter geführt habe und der
status
quo sine nach vier bis sechs Wochen erreicht gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe erst rund drei Monate nach dem Unfall eine
n Arzt aufgesucht und sei bis zu di
esem Zeitpunkt voll arbeitsfähig
gewesen. In der MR-Untersuchung seien lediglich degenerative Veränderungen der linken Schulter zu erkennen gewesen. Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Sturz auf die linke Schulter (Kon
tusion) sei nicht geeignet
,
die festgestellten Veränderungen zu bewirken. Die Ein
wendungen des Beschwerdeführers seien nicht geeignet
,
Zweifel an der kreisärzt
lichen Beurteilung zu wecken.
Da eine ärztliche Behandlung erst nach Erreichen des Status quo sine aufgenommen worden sei, habe sie zu Recht eine Leistungs
pflicht verneint.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer zusammengefasst geltend (
Urk.
1), an der kreisä
rztlichen Einschätzung bestünden begründete Zweifel, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Sein behandelnder Arzt,
Dr.
A._
, halte dafür (vgl.
Urk.
3), dass der beschriebene Sturz durchaus geeignet sei
,
die festge
stellten Veränderungen
(
transmuraler
Riss) zu bewirken. Die
geringgradige
Volu
menatrophie lasse auf
eine unfallbedingte Läsion
schliessen, da bei einer degene
rativen Veränderung e
i
ne regelhafte Atrophie
entstünde
, was aber vorliegend nicht der Fall sei. Der dargestellte Einriss sei mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auf den Unfall zurückzuführen. Diese Einschätzung wecke begründete Zwei
fel an der kreisärztlichen
Beurteilung
, welche darüber hinaus von einer Anästhe
sistin und nicht von einer Orthopädin verfasst worden sei. Demzufolge seien ihm die gesetzlichen Leistungen
auch nach dem
4.
Mai 2017
zu erbringen oder der Sachverhalt sei mittels Einholung eines Gutachtens weiter abzuklären.
2.3
In ihrer Replik (
Urk.
7)
erklärte
die Beschwerdegegnerin,
die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens aufgelegte Einschätzung Dr.
A._
s (
Urk.
3) sei zur
versicherungsmedizinischen
Stellungnahme unterbreitet worden. Diese Beur
teilung (
Urk.
9) zeige begründet auf, weshalb der Schlussfolgerung Dr.
A._
s nicht gefolgt werden könne. Vielmehr kämen die
Versicherungsmediziner
nachvollziehbar weiterhin zum Schluss, dass die mit dem Ereignis vom 3
0.
März 2017 zugezogenen
– als leicht einzustufenden -
Verletzungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit innerhalb von vier bis sechs Wochen folgenlos ausgeheilt seien. Die Verneinung der Leistungspflicht sei nicht zu beanstanden, da der
status
quo sine am
4.
Mai 2017 erreicht gewesen sei und der Beschwerdeführer erst später eine ärztliche Behandlung aufgenommen habe.
3.
3.1
Die erstmalige ärztliche Behandlung
des Beschwerdeführers
erfolgte am 2
6.
Juni 2017 in der
Z._
in Serbien (
Urk.
8/4). Von diesem Bericht kann den Akten keine offizielle
(beglaubigte)
Übersetzung entnommen werden. Kreis
arzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Radiologie, übersetz
t
e den Bericht wie folgt
(vgl.
Urk.
8/4 S. 2)
: «Schmerzen in der linken Schulter nach einem Sturz vor zwei Monaten. Klagt über Schme
rzen bei Bewegung. Mittelgradige schmerzbe
dingte
eingeschränkte Beweglichkeit. Verletzung der Sehne des langen
Bizeps
kopfes
. Infiltration mit
Diprophos
. Kontrolle in drei Tagen. 2
9.
Juni 2016: In
s
truktion zur physikalischen Therapie. Kontrolle bei
Bedarf.»
3.2
Dr.
med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, untersuchte den Beschwerdeführer erstmals am
4.
Juli 2017 während seiner Sprechstunde (Urk. 8/9).
Er führte aus, der Beschwerdeführer sei am 3
0.
März 2017 aus circa zwei Metern Höhe auf die linke Seite gestürzt und habe sich dabei die linke Schul
ter verdreht.
Die
Abduktion und Elevation der linken Schulter sei erschwert und der linke
Bizepsmuskel
geschwächt. Es bestehe ein partieller Riss der
Bizepsmus
kelsehne
der linken Schulter. Die Abklärung habe in Serbien stattgefunden und der Beschwerdeführer sei seit dem 2
6.
Juni 2017 nicht mehr arbeitsfähig gewesen.
3.3
Im Notfallbericht vom 1
7.
Juli 2017
(
Urk.
8/18)
führte
Dr.
med. A._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie, aus, es bestehe der Verdacht auf eine partielle
Rotatorenmanschettenruptur
an der linken Schulter, nachdem der Beschwerdeführer am 3
0.
März 2017 aus zwei Metern Höhe gestürzt sei. Seither verspüre der Beschwerdeführer Schmerzen im linken Schulterbereich, habe jedoch weiterhin gearbeitet. Bei einer Ferienreise nach Serbien hätten die Schmer
zen dann zugenommen, weshalb dort eine ärztliche Konsultation
stattgefunden
habe. Auf den in Serbien gefertigten Untersuchungsbildern sei eine partielle Ruptur des Caput
longum
der linken
Bizepssehne
zu erkennen. Die Schmerzen würden sich aber statt auf die lange
Bizepssehne
mehr auf den
Deltoideusansatz
beziehen. Im Bereich der linken Schulter könne eine erhebliche
Bewegungsein
schränkug
in der Abduktion und Rotation festgestellt werden. Äusserliche Ent
zündungszeichen seien nicht zu erkennen. Seit rund drei Wochen bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, welche weiterhin andauere. Zur Vervollständi
gung der Diagnostik
sei ein MRI veranlasst worden.
3.4
In der
MR
Arthrographie
des linken Schultergelenks vom 2
1.
Juli 2017 (
Urk.
8/14) befand
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Radiologie, die Aufnahmen zeigten eine
geringgradige
AC Gelenksarthrose bei einem im Übrigen altersentsprechen
den Befund des Schulterskeletts. Im Umfeld des AC Gelenks fänden sich zystische ödematöse Signalalterationen bei im Übrigen normaler
Signalgebung
der Mark
räume. Die lange
Bizepssehne
sei bei erhaltener Kontinuität im intraartikulären Anteil ödematös aufgelockert und nach medial aus dem
Sulcus
intertubercularis
subluxiert. Zusätzlich bestehe ein kleiner Einriss des
Bizepsankers
. Die Sehnen des
Musculus
supraspinatus
,
infraspinatus
und
teres
minor würden intakt darge
stellt. Es best
ünden
eine
transmurale
Ruptur des kranialen Anteils der
Subsca
pularissehne
mit b
egleitender Intervallläsion und eine
geringgradige
Volumenat
rophie des kranialen
Subscapularis
.
3.5
In seiner
kreisärztlichen Stellungnahme
vom 1
0.
August 2017 (
Urk.
8/10) führte
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilita
tion, aus, die Arbeitsunfähigkeit seit dem 2
6.
Juni 2017 stehe nicht überwiegend wahrscheinlich in einem kausalen Zusammenhang zum Ereignis vom 3
0.
März 201
7.
Im MRT sei ein degenerativer Befund zu erkennen. Ein
Bone
bruise
bestehe nicht. Eine Fraktur liege
ebenso wenig
vor. Eine Kontusion sei ungeeignet, eine
Rotatorenmanschettenläsion
zu verursachen.
3.6
Kreisärztin
F._
, Fachärztin für Anästhes
i
ologie
,
führte in der
Beur
teilung
vom 1
2.
September 2017 (
Urk.
8/30) aus, der Versicherte sei am 3
0.
März 2017 aus zwei Metern Höhe auf die linke Schulter gestürzt und habe sich am 2
6.
Juni 2017 in Serbien erstmals ärztlich behandeln lassen. Das MRI vom 2
1.
Juli 2017 zeige eine
Patrialruptur
der
Subscapularissehne
und eine Degeneration des intraartikulären Anteils der langen
Bizepssehne
sowie einen kleinen Einriss des
Bizepsankers
. Ausserdem werde eine diskrete Atrophie des kranialen
Subscapula
ris
und eine
geringgradige
AC-Gelenkarthrose beschrieben. Der MRI-Befund beschreibe degenerative Veränderungen und keine traumatischen Läsionen. Der beschriebene Unfallmechanismus mit direkter Kontusion sei ungeeignet eine
Rotatorenmanschettenläsion
zu verursachen. Ausserdem entspreche das Zeitfens
ter zwischen dem Unfallereignis (3
0.
März 2017) und der ärztlichen Erstkonsul
tation (2
6.
Juni 2017) nicht dem typischen traumatischen Verlauf. Nach einer traumatischen
Rotatorenmanschettenläsion
sei eine akute Symptomatik mit star
ken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu erwarten, welche zu einer raschen Vorstellung beim Arzt führten. Es sei daher von einer Kontusion der Schulter auszugehen und der
status
quo sei vier bis sechs Wochen nach dem Unfallereignis wieder erreicht gewesen.
3.7
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wurde der
Bericht von
Dr.
A._
vom 2
4.
Januar 2018 (
Urk.
3) aufgelegt.
Dr.
A._
führte darin aus, in der klinischen Untersuchung finde sich eine erhebliche schmerzhafte Bewegungsein
schränkung für die
Abspreizbewegung
sowie für die Rotationsbewegungen. In der kernspintomografischen Untersuchung
sei
eine
craniale
,
transmurale
Partial
ruptur der
Subscapularissehne
m
it begleitender Intervallläsion und
ausserdem eine Degeneration/Distorsion des intraartikulären Anteils der langen
Bizepssehne
und ein kleiner Einriss des
Bizepssehnenankers
zur Darstellung gekommen
. Es bestehe eine diskrete, beginnende Atrophie des
cranialen
Subscapularis
und eine
geringgradig
aktivierte AC-Gelenksarthrose. Am 2
5.
Juli 2017 sei eine Infiltration der linken Schulter erfolgt und bei der erneuten Konsultation am 15. August 2017 sei es dem Beschwerdeführer subjektiv besser
gegangen. Bei der letzten Konsul
tation am 1
2.
September 2017 sei es dem Beschwerdeführer gut gegangen und er habe wieder voll und kraftvoll arbeiten können.
In der klinischen Untersuchung hätten allerdings noch deutlich schmerzhafte Bewegungseinschränkungen in der linken Schulter bestanden.
Zur Frage
,
ob die bestehenden Beschwerden degenerativer Natur seien oder mit dem Unfall in Zusammenhang stünden, sei anzumerken, dass es sich um ein gemischtes Erscheinungs- und Schadensbild handle. Seiner Meinung nach sei die
transmurale
Ruptur des
cranialen
Anteils der
Subscapularissehne
mit begleitender Intervallläsion mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 30. März 2017 zurückzuführen. Bei einem Sturz aus zwei Metern Höhe und einem Abfangen dieses Sturzes auf dem linken Arm komme es zu einer erheblichen Krafteinwirkung bei vorgespannter Sehne, wodurch ein
transmuraler
, also ein vollständiger Riss durch alle Schichten vorstellbar sei. Es finde sich eine
gering
gradige
Volumenatrophie des
cranialen
Subscapularis
, was bedeute, dass der Muskel beziehungsweise der Übergang von der Sehne zum Muskel nicht oder noch nicht wesentlich an Umfang und Stärke verloren habe. Bei rein degenerati
ven Läsionen der
Rotatorenmanschette
komme es über Monate und Jahre regel
haft zu einer Atrophie, was beim Beschwerdeführer nicht der Fall sei. Die übrigen Läsionen, insbesondere die Degeneration des intraartikulären Anteils der langen
Bizepssehne
und die
geringgradig
aktivierte AC-Gelenksarthrose seien sicherlich vorbestehend. Der Einriss des
Bizepssehnenankers
sei möglicherweise ebenfalls auf den Sturz zurückzuführen.
Jedenfalls habe der Sturz mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zur akuten Symptomatik der schmerzhaften Bewegungsein
schränkung geführt.
3.8
Ebenfalls im Rahmen des Beschwerdeverfahren
s
liess die Beschwerdegegnerin die versicherungsmedizinische
Beurteilung
vom 2
8.
Februar 2018 (
Urk.
9) auflegen. Darin führten PD
Dr.
med. G._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie, und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, aus, vorab bestünden Widersprüche hinsichtlich Unfallmechanismus und Zeit
punkt. Der Beschwerdeführer habe als Unfalldatum den 3
0.
März 2017 angege
ben. Im Bericht der Erstbehandlung vom 2
6.
Juni 2017 sei jedoch von einem Sturz vor rund zwei Monaten und demnach Ende April die Rede. Der Versicherte selber gebe einen
Sturz aus rund zwei Metern Höhe mit direktem Anprall auf die linke Schulter an.
Dr.
C._
habe zusätzlich eine Verdrehung der linken Schulter angegeben und
Dr.
A._
gebe an, der Beschwerdeführer habe sich auf dem linken Arm abgefangen. Eine zusätzliche Dehnungsbelastung bei vorge
spannter Sehne sei tatsächlich geeignet
,
eine strukturell gesunde
Rotatorenman
schette
zu zerren. Ein Anpralltrauma schliesse eine
Rotatorenmanschetten
läsion
nicht a priori aus, sei
aber im Zusammenhang mit Schultergelenkssprengungen zu b
eobachten, welche
beim Beschwerdeführer nicht vorliege
n würden
.
Unklar sei, seit wann der Beschwerdeführer Schmerzen verspüre. Einerseits gebe er an, sofort Schmerzen verspürt zu haben, im MRI Bericht vom 2
1.
Juli 2017 sei jedoch von persistierenden Schmerzen seit drei Wochen – und demnach seit der Erstkonsultation am 2
6.
Juni 2017 in Serbien – die Rede. Die Begründung des Versicherten, weshalb er während rund drei Monaten keinen Arzt aufgesucht habe (weil die Arbeit auf der Baustelle habe erledigt werden müssen), erscheine nicht plausibel. Bei den angegebenen Schmerzen von 5-10/10 auf der VAS Skala sei es nicht begreiflich, weshalb der Beschwerdeführer keine ärztliche Hilfe gesucht habe.
Dass die Schmerzen in den Ferien
zugenommen hätten
,
spreche für einen
Crescendoverlauf
, welcher bei degenerativen Schulterläsionen typisch sei. Dies entgegen dem
Decrescendoverlauf
bei Unfällen, bei welchem sofortige Schmerzen aufträten, welche zumeist eine Unterbrechung der aktuellen Tätigkeit bewirkten und eine zeitnahe ärztliche Konsultation und in der Folge eine stetige Besserung der Beschwerden zur Folge habe. Selbst bei einer strukturellen Läsion der Schulter sei die Fortsetzung der Arbeit nicht auszuschliessen. Bürotätigkeiten und leichtere Arbeiten seien durchaus weiterhin ausführbar, diese nähmen den Beschwerdeführer jedoch nur zu 30 % in Anspruch, die restlichen 70 % arbeite er als Bauarbeiter, was eine strukturelle Läsion unwahrscheinlich mache.
Ein
Impingementsyndrom
trete bei Überbelastung und bevorzugt bei Arbeitern und Sportlern auf.
Dr.
A._
habe die Schulter am 2
5.
Juli 2017 infiltriert, woraufhin sich Schmerzfreiheit eingestellt habe, was ebenfalls Indiz für ein
Impingementsyndrom
sei. In der Gesamtschau von anamnestischen Angaben
und klinischen Befunden dominiere vorliegend der Schmerz als führendes Symptom. Abgesehen von einem abgeschwächten
Bizepsmuskel
sei in den dokumentierten Befunden keine spezifische Funktionseinschränkung der
Rotatorenmanschetten
muskulatur
beschrieben. Dieses Bild sei typisch für degenerative
Rotatorenman
schettenläsionen
. Eine Schmerzsymptomatik ohne muskelspezifischen Funktions
verlust mache eine akute traumatische
Rotatorenmanschettenläsion
unwahr
scheinlich.
Im MRI vom 2
1.
Juli 2017 lasse sich
eine Läsion der langen
Bizepssehne
in Form einer Strukturauflockerung und einem teilweisen Kontinuitätsunterbruch an ihrem Ursprung bestätigen; am oberen Ende sei sie nach medial subluxiert. Das Schultergelenk sei beginnend
arthrotisch
verändert. Im oberen (
cranialen
) Ant
eil der
Subscapularissehne
best
e
h
e ein vollständiger Kontinuitätsunterbruch mit deutlicher Retraktion des Sehnenstumpfes. Der zugehörige Anteil des Muskelbau
ches zeige eine beginnende fettige Infiltration (
Goutallier
Grad I-II). Dieser Umstand erlaube eine
zeitliche Einordnung des Sehnenunterbruchs, von diesem bis zur hier erkennbaren muskulären Strukturveränderung dauere es drei bis vier Jahre. Folglich könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Kontinuitätsunterbruch der
Subscapularissehne
deutlich weiter zurückliege als der 3
0.
März 201
7.
Die erst verzögert aufgetretenen Beschwerden seien nicht ungewöhnlich, da degenerativ bedingte Läsionen der
Rotatorenman
schette
oft symptomlos bei erstaunlich guter Funktion voranschreiten würden. Der Argumentation
Dr.
A._
s aufgrund der
geringgradigen
Volumen
artrophie
sei der Kontinuitätsunterbruch der
Subscapularissehne
mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 3
0.
März 2017 zurückzuführen, könne nicht vollständig gefolgt werden.
Texturstörungen an den Sehnen der
Rotatoren
manschette
alleine würden noch keine Muskelatrophie begründen, erst bei einem vollschichtigen Kontinuitätsunterbruch der Sehne verliere der Muskel seine Funk
tion, es komme zu einem Zurückschlüpfen des Sehnenstumpfes und zu einer Volumenabnahme des Muskels sowie zur Einlagerung von Fettgewebe zwischen den Muskelfasern.
Dr.
A._
sei dahingehend zuzustimmen, dass die Volumenatrophie tatsächlich gering sei
, was beim
Subscapularismuskel
aber schwierig zu beurteilen sei. Klar erkennbar und gut einzuordnen sei hingegen die Einlagerung von Fettgewebe in den oberen Anteil des
Subscapularismuskels
, was eine gute Bestimmung des Alters des Kontinuitätsunterbruchs erlaube.
Zusammengefasst hätten
beim Beschwerdeführer bereits vor dem Ereignis vom 30. März 2017 im Sinne degenerativer Veränderungen eine beginnende Schulter
gelenksarthrose, eine
Tendinopathie
der langen
Bizepssehne
einschliesslich Arro
sion am Anker und Subluxation im Bereich des
Sulcus
intertubercularis
sowie ein vollständiger Kontinuitätsunterbruch der
Subscapularissehne
cranial
mit fettiger Infiltration des zugehörigen Muskelbauchs bestanden. Eine auf den Sturz vom 3
0.
März 2017 zurückzuführende strukturelle Läsion an der linken Schulter finde sich nicht und liege daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch nicht vor. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit habe sich der Beschwerdeführer beim Sturz am 3
0.
März 2017 eine Prellung der linken Schulter zugezogen. Diese (leichte) Verletzung verheile innert vier bis sechs Wochen folgenlos
aus
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte s
ich bei der Leistungsverneinung
auf die Beur
teilung der Kreisärztin
F._
vom 1
2.
September 2017 (E. 3.6)
und hielt im Beschwerdeverfahren gestützt auf die Beurteilung von PD
Dr.
G._
und
Dr.
H._
(E. 3.8) an ihrer Eischätzung fest.
Ein medizinischer Aktenbericht ist als
Entscheidgrundlage
zulässig, wenn die Akten e
in vollständiges Bild über Anam
nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen, damit der Experte imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein vollständiges Bild zu verschaffen (Urteil des Bundesgerichts 8C_833/2009 vom 26. Januar 2010 E. 5.1 mit Hinweisen), was vorliegend der Fall ist. Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kann Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl. E. 1.
3
). D
ie Beurteilung von PD
Dr.
G._
und
Dr.
H._
wie auch der
Bericht von
Kreisärztin
F._
erfüllen
die genannten Anforderungen an eine
beweiskräftige medizinische
Entscheidgrundlage
in formeller Hinsicht
.
4.2
In materieller Hinsicht ist festzustellen, dass sich sämtliche
aufliegenden medizi
nischen Akten mit der Frage nach der Unfallkausalität
,
nicht aber mit der Frage nach dem Vorliegen einer Listendiagnose (
Art.
6
Abs.
2 UVG, vgl. E. 1.1)
befas
sen.
Angesichts der gestellten Diagnosen (u.a.
Rotatorenmanschettenläsion
,
Bizepssehnenläsion
, Partialruptur der
Subscapularissehne
, Einriss des
Bizepsseh
nenankers
) bestehen jedoch gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass eine Listendi
agnose vorlieg
t
. Das Vorliegen einer Listendiagnose als Hauptbefund
zieht
jedoch eine Leistungspflicht des Unfal
lversicherers nach sich
, sofern dieser nicht nach
weisen kann, dass die Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkran
kung zurückzuführen ist
(vgl. E. 1.2)
.
Weder von der Beschwerdegegnerin noch vom Beschwerdeführer wurde die Frage nach einer Listendiagnose oder deren Verursachung aufgeworfen. Die aufliegen
den medizinischen Berichte setzen sich damit
weder direkt noch indirekt
ausei
nander.
Ob überhaupt eine Listendiagnose
vorliegt und ob diese den Hauptbefund darstellt (vgl. Ad-Hoc-Kommission Schaden UVG, Empfehlungen zur Anwen
dung von UVG und UVV vom 1
0.
Juli 1986, Revision per 2
4.
März 2017
m.H.a
. Urteil des EVG vom 2
0.
August 1997 E. 2b sowie BGE 116 V 152 E. 4d) wird in keinem der aufliegenden Berichte diskutiert.
Ob eine solche allfällig
e
Listendiag
nose vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
wäre, wird ebenfalls kaum diskutiert.
PD
Dr.
G._
und
Dr.
H._
kamen zum Schluss, das Unfallereignis vom März 2017 sei nicht kausale Ursache der geklagten Beschwerden
respektive der festgestellten Befunde
.
Sie hielten
– ohne weitere Begründung
–
dafür
,
die Schultergelenksarthrose und die
Problematik an der lan
gen
Bizepssehne
seien
degenerativ bedingt. Die Kontinuitätsunterbrechung an der
Subscapularissehne
sei überwiegend wahrscheinlich nicht auf das Unfallereignis vom März 2017 zurückzuführen, da die festgestellt
e
Einlagerung von Fettgewebe für eine Entstehung der Verletzung vor drei bis vier Jahren spreche. Zu
dem sei der Beschwerdeverlauf typisch für eine degenerative Entwicklung
(vgl. E. 3.8)
.
D
ie
Dres
.
G._
und
H._
begründeten
mit ihren Ausführungen
demnach
hauptsächlich ihre Feststellung, dass die Beschwerden nicht unfallkausal seien; Aussagen zu einer degenerativen Ursache der Beschwerden erfolgten
vorwiegend
zur Unter
mauerung
der Verneinung der Unfallkausalität.
Mit Blick auf ihre
Aus
führungen zu
den
«degenerativen Ursachen»
wird jedoch
nicht klar,
ob es sich hierbei (vorwiegend)
um Abnützung oder Erkrankung im Sinne des Gesetzes
(
Art.
6
Abs.
2 UVG)
handelt
oder aber
ob auch ein früheres Unfallereignis
in Betracht käme
.
Kreisärztin
F._
hielt ebenfalls dafür, dass die Gesund
heitsschädigung nicht unfallkausal sei.
Ihrer Meinung nach beschreibe d
er MRI-Befund degenerative Veränderungen und der Beschwerdeverlauf entspreche nicht dem typischen traumatischen Verlauf (vgl. E. 3.6).
Auch gestützt auf diese Aus
führungen kann
eine Versicherungspflicht der Beschwerdegegnerin nicht ohne Weiteres au
sgeschlossen werden.
Dr.
A._
spricht sodann von einem gemischten Geschehen, welches sowohl degenerativ als auch unfallkausal bedingt sei (vgl. E. 3.7), ohne dabei auszuführen
,
worauf
und weshalb
die Beschwerden v
orwiegend zurückzuführen seien. Mit
den aufliegenden medizinische Akten
ist
demnach
nicht abschliessend beurteilbar, ob es sich bei den geklagten Beschwer
den als Hauptbefund um eine Listendiagnose nac
h Art. 6 Abs. 2 UVG handelt und bejahendenfalls
,
ob diese allenfalls vorwiegend auf Abnutzung oder Erkrankung zurückzuführen ist.
Eine (medizinische) Auseinandersetzung mit
der Frage nach dem Vorliegen einer Listendiagnose und ob diese vorwiegend auf Abnutzung oder Erkrankung zurückzuführen ist,
ist jedoch zur Beantwortung der Frage nach einer Leistungs
pflicht der Beschwerdegegnerin im vorliegenden Fall unerlässlich. Die aufliegen
den Akten
respektive die getätigten Sachverhaltsabklärungen
sind daher
unzu
reichend, um
die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin abschliessend beurtei
len zu
können.
4.3
Nach dem Gesagten erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
diese
insbesondere
in
rechtsgenüglicher
Weise abklärt, ob und wenn ja
,
welche Listendiagnosen gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG vorliegen
, ob diese
den Haupt
befund darstellen
und
–
bejahendenfalls
-,
ob dieselben vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Hernach hat sie erneut über ihre Leis
tungspflicht zu entscheiden.
5.
In Aufhebung de
s
angefochtenen
Einspracheentscheids
ist die Sache demnach an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese im Sinne der Erwägungen weitere Abklärungen vornimmt. Danach hat die Beschwerdegegnerin über
den An
spruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der
Unfall
versicherung
gesamt
haft
neu zu entscheiden. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
6.
6.1
Das Verfahren ist nach Massgabe von Art. 61
lit
a des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
kostenlos.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57).
Dem Beschwerdeführer
steht ausgangsgemäss eine Prozessent
schädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist
ihm
eine Pro
zessentschädigung von Fr.
1'
6
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.