Decision ID: db19d92a-e708-560d-ac9c-005c9d02b9d2
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Hagmann, Obere Bahnhofstrasse 11,
Postfach, 9501 Wil SG 1,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a R._, geboren 1977, meldete sich am 22. August 2007 wegen Schwäche und
Müdigkeit zum Bezug von IV-Leistungen an (act. G 5.1/1). Der behandelnde Dr. med.
A._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, diagnostizierte im Arztbericht vom
11. September 2007 ein chronisches Müdigkeitssyndrom seit September 2006; ein
polygranuläres Syndrom mit Hypothyreose bei Status nach Morbus Basedow und
Radiojodtherapie, unter Substitution euthyreot; eine Anämia perniciosa; einen positiven
Antikörpernachweis, B12 substituiert und eine unauffällige Gastroskopie. Seit dem 22.
Februar 2007 bestehe für die angestammte Tätigkeit im gastronomischen Service als
auch für andere Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 5.1/10.3 f. und
G 5.1/10.8). Während des stationären Aufenthaltes vom 30. Mai bis 6. Juni 2007 im
Spital Wil sei eine psychiatrische Abklärung vorgenommen worden, bei der eine
Depression ausgeschlossen worden sei (act. G 5.1/10.4; vgl. den Bericht des Spitals
Wil vom 19. Juni 2007, act. G 5.1/10.11 f.).
A.b Die RAD-Ärztin Dr. med. B._, Fachärztin FMH für Arbeitsmedizin, hielt in ihrer
Stellungnahme vom 19. Oktober 2007 fest, dass ein Gesundheitsschaden nicht klar
ausgewiesen sei. Es liege keine medizinische Diagnose vor, die eine Arbeitsunfähigkeit
nachvollziehbar erklären würde. Es sei daher sowohl für die bisherige, wie auch für
andere adaptierte Tätigkeiten von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (act.
G 5.1/14.2).
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A.c Im Vorbescheid vom 30. November 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen, da aus den Akten kein
Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hervorgehe (act. G 5.1/21).
A.d Am 10. Januar 2008 berichtete Dr. A._, dass sich die Müdigkeit verschlimmert
habe. Tageweise könne sich die Versicherte kaum vom Sofa erheben. Immer wieder
träten auch Schwächeanfälle auf, die bis zu Stürzen führen würden. Am 25. Oktober
2007 habe sich die Versicherte bei einem solchen Sturz eine linksseitige
Klavikulafraktur zugezogen, die indessen komplikationslos ausgeheilt sei. Er habe die
Versicherte für eine weitere Abklärung im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) angemeldet
(act. G 5.10/25.6).
B.
B.a Die Versicherte erhob am 14. Januar 2008 Einwand gegen den Vorbescheid und
beantragte, der Invaliditätsgrad sei nach Vornahme von zusätzlichen medizinischen
Abklärungen neu zu berechnen. Es treffe nicht zu, dass sie 100% arbeitsfähig sei.
Vielmehr gehe aus den medizinischen Akten hervor, dass sie wesentlich in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. Aufgrund einer gesundheitlichen
Verschlechterung sei sie von Dr. A._ zu weiteren Abklärungen an das Departement
für Innere Medizin des KSSG überwiesen worden. Bis zum Vorliegen des
entsprechenden ärztlichen Berichts sei mit dem Erlass einer Verfügung zuzuwarten
(act. G 5.1/25).
B.b Im Bericht vom 14. Februar 2008 stellten die Ärzte des KSSG folgende Diagnosen:
eine chronische Müdigkeit unklarer Ursache, episodenartig auftretende Tachykardien,
ein polyglanduläres Autoimmunsyndrom, eine mögliche Schlafstörung, einen Status
nach Synkope vom Oktober 2007, lumbal betonte Rückenschmerzen und einen Mangel
an Vitamin D. In der Ergometrie habe die Versicherte wegen allgemeiner Erschöpfung
und Atemnot nur 76% der Sollleistung erbracht. Die psychiatrische Abklärung habe
ergeben, dass eine Depression als Ursache der schweren Müdigkeit nach Ausschluss
weiterer Ursachen als möglich erachtet werde (act. G 5.1/31.1 f). Eine
Arbeitsunfähigkeit könne nicht attestiert werden, da die Versicherte seit eineinhalb
Jahren durch den Hausarzt betreut werde und keine sichere Diagnose gestellt werden
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könne. Die Arbeitsfähigkeit werde aber als insgesamt gering eingeschätzt, aktuell
maximal zwei Stunden täglich. Die Versicherte müsse die Möglichkeit haben, eine
körperlich nicht anstrengende Arbeit zu verrichten (act. G 5.1/29.4). Der
Polysomnographiebefund des Interdisziplinären Zentrums für Schlafmedizin des KSSG
vom 25. Februar 2008 ergab, dass bei der Versicherten eine hohe Schlafeffizienz (94%)
besteht (act. G 5.1/31.9).
B.c Dr. A._ berichtete am 3. Juni 2008, dass die Versicherte an einer extremen
Erschöpfbarkeit und bei Anstrengungen an Schmerzen in der Muskulatur leide. Nach
wie vor schlafe sie schlecht. Allerdings habe sich der Verdacht einer Schlafstörung
nicht bestätigt. Die Diagnose einer Depression habe ebenfalls nicht bestätigt werden
können. Mehrere Therapien seien erfolglos geblieben. Die Versicherte leide an einem
medizinisch nicht einzuordnenden Müdigkeitssyndrom, begleitet von ausgesprochener
Muskelschwäche, Fallepisoden und Konzentrationsstörungen. Diese Symptome
würden eine Arbeitsfähigkeit verunmöglichen (act. G 5.1/34.1 ff.).
B.d Die RAD-Ärztin gab in der Stellungnahme vom 30. Juni 2008 an, dass weiterhin
von einer Arbeitsfähigkeit von 100% ausgegangen werden könne. Nach der langen
Inaktivität empfehle sich ein aufbauendes Arbeitstraining bis zu einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit und erst danach eine Wiedereingliederung bei einem verständnisvollen
Arbeitgeber. Die Versicherte habe (noch) eine Stelle und sollte mindestens jetzt die
Gelegenheit packen, andernfalls würde sie diese verlieren (act. G 5.1/35.2).
B.e Am 30. Juni 2008 verfügte die IV-Stelle die Ablehnung eines Rentenanspruchs.
Gemäss der medizinischen Aktenlage bestehe in der bisherigen Tätigkeit als
Buffetdame wie auch in einer leidensangepassten Tätigkeit weiterhin eine volle
Arbeitsfähigkeit. Es liege kein Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
vor (act. G 5.1/36).
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 31. August 2008. Die
Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer IV-Rente.
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Eventualiter sei die Sache zu ergänzenden medizinischen und beruflichen Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Auffassung der Beschwerdegegnerin,
sie verfüge über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit stehe in krassem Widerspruch zu den
Einschätzungen von Dr. A._, der Ärzte des Spitals Wil und des KSSG.
Eingliederungsversuche seien gescheitert. Allein der Umstand, dass bei ihr zumindest
bis anhin keine organische Ursache für das chronische Müdigkeitssyndrom habe
gefunden werden können, dürfe nicht dazu führen, die zweifellos gegebenen
schwerwiegenden Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die
Erwerbsfähigkeit unberücksichtigt zu lassen. Das von der Beschwerdegegnerin
angenommene vollständige Leistungsvermögen fände jedenfalls in den medizinischen
Unterlagen keine Stütze. Sie (die Beschwerdeführerin) befände sich seit dem
25. August 2008 zur Rehabilitation in der Klinik Gais (act. G 1).
C.b Am 29. Oktober 2008 reicht die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeantwort ein.
Sie beantragt die Abweisung der Beschwerde. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung bewirke ein chronisches Müdigkeitssyndrom in der Regel keine lang
dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung. Diese gesundheitliche
Beeinträchtigung oder deren Folgen seien mit einer zumutbaren Willensanstrengung
überwindbar. Nur im Ausnahmefall sei eine Invalidität anzunehmen. Ob ein solcher
Ausnahmefall vorliege, entscheide sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im
vorliegenden Fall fehle das wichtigste Kriterium: Eine psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Mangels eines relevanten
Gesundheitsschadens sei davon auszugehen, die Beschwerdeführerin verfüge über
eine volle Arbeitsfähigkeit (act. G 5).
C.c Die Beschwerdeführerin reicht am 4. November 2008 einen Bericht der Klinik Gais
vom 21. Oktober 2008 ein. Darin wird u.a. eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) diagnostiziert (act. G 6.1). Sie habe sich dort
vom 25. August bis 20. September 2008 zur stationären Rehabilitation aufgehalten. Die
Ärzte der Klinik Gais hätten sie bis 4. Oktober 2008 zu 100% arbeitsunfähig erachtet.
Danach sei eine Neubeurteilung vorzunehmen. Im Weiteren werde ausgeführt, dass
längerfristig aus psychiatrischer Sicht eine körperlich leichte Tätigkeit zu 30 bis 50%
erstrebenswert sei (act. G 6).
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C.d Mit Replik vom 10. Dezember 2008 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
den Anträgen und der Begründung fest (act. G 8).
C.e Die Beschwerdegegnerin teilt am 24. Dezember 2008 ihren Verzicht auf eine Duplik
mit (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
30. Juni 2008 ergangen, wobei im Wesentlichen ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der
vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine
Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007
auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen
Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
2.
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Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin einen invalidisierenden Gesundheitsschaden
aufweist, d.h. ein gesundheitliches Leiden, das sie in ihrer Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit langdauernd beeinträchtigt, so dass ein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultiert (Art. 6 bis 8 und 16 ATSG in Verbindung mit Art. 4 und
28 IVG).
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad
von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-
Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinn von Art. 4 Abs. 1 IVG in
Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt
allerdings nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen
werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten
Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 50 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.3 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, so auch einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung, setzt zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch)
gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem
voraus (BGE 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Wie jede andere psychische
Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme
Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung,
dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren
Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die
Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in
den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht
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über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein
solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener
Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere
Faktoren, wie chronische körperliche Begleiterkrankungen, ein mehrjähriger,
chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne längerdauernde Rückbildung, ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens,
ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer
an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"), das Scheitern einer konsequent
durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem
therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130
V 352 E. 2.2.3). Je mehr diese Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die
entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die
Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (Ulrich Meyer-
Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der
Sozialversicherung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 77).
2.4 Aus medizinischer Sicht steht im Leidensbild der Beschwerdeführerin eine
chronische Müdigkeit im Vordergrund. Die Ärzte des Spitals Wil konnten keine Ursache
für die chronische Müdigkeit finden. Das Vorliegen eines Chronic-Fatigue-Syndroms
schlossen sie wegen fehlender körperlicher Symptome aus (Bericht vom 19. Juni 2007,
act. G 5.1/10.12). Die Ärzte des KSSG diagnostizierten im Bericht vom 31. August 2008
ebenfalls eine chronische Müdigkeit unklarer Ursache (act. G 5.1/31.1). Vor diesem
Hintergrund ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das
gesundheitliche Leiden (chronische Müdigkeit unklarer Ursache) der
Beschwerdeführerin nicht einem wissenschaftlich anerkannten Gesundheitsschaden
zugeordnet werden kann. Dies bildet indessen Voraussetzung für die Annahme eines
rentenrelevanten Gesundheitsschadens (vgl. vorstehende E. 2.3), weshalb die
Ablehnung eines Rentenanspruchs durch die Beschwerdegegnerin zu Recht erfolgte.
Daran ändert nichts, dass der behandelnde Dr. A._ von einem wissenschaftlich
klassifizierbaren chronischen Müdigkeitssyndrom spricht (vgl. etwa act. G 5.1/34.6).
Denn er setzt sich dabei nicht mit den übrigen anderslautenden medizinischen
Einschätzungen auseinander. Ferner hielt er im Bericht vom 3. Juni 2008 selbst fest,
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dass es sich bei der von ihm festgestellten Müdigkeit, Muskelschwäche, Falltendenz
und Schlafstörungen nicht um Diagnosen, sondern um Symptome handelt (act.
G 5.1/34.7). Selbst wenn im Übrigen zugunsten der Beschwerdeführerin von einem
klassifizierbaren chronischen Müdigkeitssyndrom ausgegangen würde, bestünde kein
Rentenanspruch, wie sich aus nachfolgenden Erwägungen ergibt.
2.5 Beim sogenannten Chronic-Fatigue-Syndrom (chronisches Erschöpfungssyndrom;
chronisches Müdigkeitssyndrom) handelt es sich um eine rein deskriptive (Aus-
schluss-)Diagnose. Typisch ist eine gesteigerte geistige und körperliche
Erschöpfbarkeit, die sich naturgemäss einer objektiven Messung entzieht. Im
Vordergrund stehen die subjektiven Beschwerden (Wolfgang Hausotter, Begutachtung
somatoformer und funktioneller Störungen, München 2002, S. 103, 107 und 109).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist das Chronic-Fatigue-Syndrom zu den
somatoformen Störungen zu rechnen und gehört in den gleichen Syndromenkomplex
wie etwa die Somatisierungsstörung, Schmerzstörung, etc. Daher sind die von der
Rechtsprechung im Bereich der somatoformen Schmerzstörungen entwickelten
Grundsätze und Kriterien (vgl. vorstehende E. 2.3) auf das Chronic-Fatigue-Syndrom
analog zur Anwendung zu bringen (Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2008,
I 70/07, E. 5). Es obliegt grundsätzlich der Rechtsanwendung unter Berücksichtigung
dieser Kriterien die Frage zu beantworten, ob der Regel- oder Ausnahmefall gegeben
ist, d.h. ob das Chronic-Fatigue-Syndrom ausnahmsweise eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante Erwerbsunfähigkeit verursacht. Dies schliesst
allerdings nicht aus, sondern setzt geradezu voraus, dass aus medizinischer Sicht die
zur Beurteilung einzelner Kriterien dienlichen anamnestischen und befundmässigen
Angaben gemacht werden.
2.6 Die Ärzte des KSSG hielten im Bericht vom 14. Februar 2008 das Vorliegen einer
depressiven Problematik für möglich (act. G 5.1/31.2). Der behandelnde Dr. A._ gab
am 3. Juni 2008 indessen an, dass eine Depression nicht bestätigt werden konnte (act.
G 5.1/34.3; vgl. auch die telefonische Nachfrage der Beschwerdegegnerin vom
24. Oktober 2007 bei Dr. C._ vom Spital Wil, der die Beschwerdeführerin im Juni
2007 sozialpsychiatrisch untersucht und eine Depression gemäss ICD-Kriterien
ausgeschlossen hatte, act. G 5.1/15 und act. G 5.1/10.12). Vor diesem Hintergrund ist
das Bestehen einer Depression im massgebenden Zeitpunkt der Verfügung (30. Juni
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2008) zu verneinen, zumal sich auch aus den übrigen Akten keine Hinweise ergeben,
die deren Vorliegen als überwiegend wahrscheinlich erachten liessen. Daran ändert
nichts, dass die psychiatrischen Fachpersonen der Klinik Gais im Bericht vom
21. Oktober 2008 eine mittelgradig depressive Episode mit somatischem Syndrom
diagnostizierten (act. G 6.1). Die medizinische Beurteilung vom 21. Oktober 2008 und
der ihr zugrunde liegende stationäre Rehabilitationsaufenthalt vom 25. August bis
20. September 2008 erfolgten erst nach der angefochtenen Verfügung vom 30. Juni
2008. Da nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung die richterliche Überprüfung
einer Verwaltungsverfügung grundsätzlich auf den Zeitraum bis zum Erlass dieser
Verfügung beschränkt ist, sind die im Bericht der Klinik Gais enthaltenen
Einschätzungen des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin während des
Rehabilitationsaufenthaltes nicht zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 28. August 2003, I 596/02, E. 1.1).
2.7 Den Akten ist auch nicht zu entnehmen, dass andere psychische Leiden im Sinn
einer - im Verhältnis zur Müdigkeitsproblematik - eigenständigen Komorbidität
bestehen. Ferner sind auch keine ins Gewicht fallenden weiteren chronischen
somatischen Beschwerden auszumachen (vgl. act. G 5.1/10.3, G 5.2/10.11, G 5.1/31.1
und G 1.3). Damit bleibt zu prüfen, ob vorliegend weitere Faktoren gegeben sind, die
die Zumutbarkeit einer Willensanstrengung ausnahmsweise verneinen liessen (vgl.
vorstehende E. 2.3). Obschon nach Angaben der Beschwerdeführerin eine Änderung in
ihrer sozialen Situation vorliegt (seit Sommer 2006 keine Ausübung einer
Erwerbstätigkeit mehr; vgl. act. G 5.1/31.4), bestehen keine Indizien für einen
umfassenden sozialen Rückzug. Die chronische Müdigkeit trat bereits im Sommer 2006
auf (act. G 5.1/31.1) und dauerte bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
30. Juni 2008 zwei Jahre. Diese Zeitspanne kann nicht als ein ausgeprägter
mehrjähriger Krankheitsverlauf bezeichnet werden. Es besteht weiter auch kein Grund
für die Annahme eines ausgeprägten, therapeutisch nicht mehr angehbaren primären
Krankheitsgewinns (vgl. etwa die Vorschläge im Bericht des KSSG vom 14. Februar
2008 mit Hinweis auf eine unregelmässige Medikamenteneinnahme, act. G 5.1/31.6;
ergänzend kann auf den Bericht der Klinik Gais vom 21. Oktober 2008 verwiesen
werden, worin die Ärzte erfolgsversprechende Therapie- und Trainingsmöglichkeiten
aufzeigten, act. G 6.1, S. 4).
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2.8 In Nachachtung der höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. vorstehende E. 2.2 f.)
ist somit festzustellen, dass - selbst bei Vorliegen eines Chronic-Fatigue-Syndroms -
die Voraussetzungen nicht gegeben sind, um von einer dadurch verursachten
invalidenversicherungsrechtlich relevanten Erwerbsunfähigkeit ausgehen zu können. Es
besteht keine Veranlassung für die Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen. Die
angefochtene Verfügung ist daher zu bestätigen, zumal auch keine Mängel am
vorgenommenen Einkommensvergleich ersichtlich sind und solche von der
Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht werden.
3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG