Decision ID: e772d09c-68d9-45c8-ae92-29d72e08f872
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M., serbischer Staatsangehöriger, wurde am 7. Februar 1982 in A., Schweiz,
geboren. Die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte er bei seinen Grosseltern in
Serbien. Am 31. Januar 1987 kehrte er im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib
bei seiner Mutter in die Schweiz zurück, wo ihm die Niederlassungsbewilligung erteilt
wurde. Weil seine alleinlebende Mutter keine Zeit für ihn hatte, lebte er bei
verschiedenen Pflegefamilien.
Am 24. September 1998 verurteilte das Bezirksgericht Rorschach den
Sechzehnjährigen wegen mehrfachen Diebstahls, Hehlerei, mehrfacher
Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, Sachentziehung, mehrfacher
Motorfahrzeugentwendung, mehrfachen Führens eines ungelösten und nicht
versicherten Motorfahrzeugs, mehrfachen Schildermissbrauchs und mehrfachen
Führens eines Motorfahrzeugs ohne den erforderlichen Führerausweis und wies ihn
deswegen in ein Erziehungsheim ein. Der anschliessende Aufenthalt im Platanenhof,
Oberuzwil, musste auf Grund seines unkooperativen Verhaltens vorzeitig abgebrochen
werden. Auch der Aufenthalt in der Beobachtungsstation des Pestalozziheims Burghof
in Dielsdorf scheiterte, weil er sich dort genauso weigerte, sich auf institutionelle
Hilfsangebote einzulassen. Im Juli 1999 musste er deshalb von der angeordneten
Massnahme "beurlaubt" werden. M. lebte in der Folge wieder bei seiner Mutter, von wo
aus er ein Motivationssemester für lehrstellenlose Jugendliche besuchte. Bereits nach
kurzer Zeit delinquierte er wieder, weshalb er am 10. Januar 2000 erneut in eine
Institution eingewiesen werden musste, dieses Mal ins Massnahmenzentrum für junge
Erwachsene Kalchrain, Hüttwilen. Nach zwei Jahren war M. auch dort nicht mehr
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tragbar, weshalb er, nachdem er schon vorzeitig aus der Volksschule ausgestiegen
war, auch die angefangene Lehre als Automonteur abbrechen und bedingt aus der
Massnahme entlassen werden musste. Wieder bei seiner Mutter versuchte er zwei Mal
erfolglos, als Aushilfe zu arbeiten. In der Folge hing er beschäftigungslos herum. Seine
Krankenkassenprämien bezahlte das Sozialamt, den anfänglich geleisteten Beitrag von
Fr. 15.-- pro Tag musste es wieder streichen.
Am 14. Juni 2005 machte die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen gegen ihn
beim Kreisgericht St. Gallen ein weiteres Strafverfahren anhängig. Das Kantonsgericht
des Kantons St. Gallen verurteilte den Angeklagten in zweiter Instanz am 3. September
2007 wegen schwerer Körperverletzung, fahrlässiger Tötung, Hinderung einer
Amtshandlung, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs,
mehrfacher einfacher Körperverletzung, mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer
Datenverarbeitungsanlage, mehrfachen Diebstahls und mehrfacher Widerhandlung
gegen das Strassenverkehrsgesetz zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren und
einer Busse. Zusätzlich ordnete es eine stationäre therapeutische Massnahme an.
Grund für die Verurteilung waren nebst zahlreichen Vermögensdelikten und anderer
Straftaten, dass M. am 12. Dezember 1999 mit Skistöcken bewaffnet auf einen
Erwachsenen losgegangen war und diesen mit kräftigen Schlägen oberhalb beider
Kniescheiben und am rechten Oberschenkel mit Blutergüssen und Rötungen,
Schwellungen im Bereich beider Ohren, einer darauf begründeten leichten
Gehörverminderung rechts sowie einer Rissquetschwunde hinter dem linken Ohr
verletzt hatte. Am 17. Februar 2003 riss er beim Streit um ein Mobiltelefon seinem
Gegner unter anderem Haarbüschel aus. Am 15. Juni 2003 schlug er einem knapp
Vierzehnjährigen mehrmals mit der Faust ins Gesicht und gegen den Hinterkopf, so
dass dieser unter anderem Blutergüsse im Gesicht erlitt. Am 15. Dezember 2004 geriet
M. mit einem Bekannten wegen Fr. 50.-- zuerst verbal und dann handgreiflich in Streit.
Dabei zog er ein Klappmesser, stiess die rund 10 cm lange Klinge in die Brust bzw. ins
Herz seines Gegners. Nach der Tat flüchtete er und überliess es Passanten, sich um
den Sterbenden zu kümmern. Das Kantonsgericht führte zu dieser Straftat aus, dass
zwar starke Indizien für eine (eventual)vorsätzliche Tötung vorlägen. Letzte Zweifel
darüber, ob der Angeklagte den Tod seines Opfers wirklich gewollt bzw. in Kauf
genommen habe, müssten aber - abweichend von der Beurteilung der Vorinstanz -
nach dem Grundsatz in dubio pro reo zu Gunsten des Angeklagten beurteilt werden.
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Am 17. Mai 2005 schlug M. erneut zu, dieses Mal schlug er seinem Opfer eine
Bierflasche aus Glas über den Kopf. Eine offene Kopfwunde und eine
Hirnerschütterung waren die Folge. Drei Tage später wurde M. wegen Gefahr der
Fortsetzung von weiteren strafbaren Taten festgenommen und in den vorzeitigen
Strafvollzug gebracht.
B./ Das Ausländeramt stellte am 12. November 2008 mit Blick auf die genannten
Verurteilungen und seine Schulden - gegen ihn liegen unter anderem Verlustscheine in
der Höhe von über Fr. 13'000.-- vor - den Widerruf der Niederlassungsbewilligung in
Aussicht. Am 19. Januar 2009 nahm M. durch seinen Rechtsvertreter dazu Stellung.
Mit Verfügung vom 23. März 2009 wies das Sicherheits- und Justizdepartement des
Kantons St. Gallen, Amt für Justizvollzug, das Gesuch um bedingte Entlassung aus der
angeordneten stationären therapeutischen Massnahme ab und entschied, dass M.
weiterhin in der Strafanstalt Pöschwies bleiben müsse. Ein Übertritt in eine offene
Vollzugseinrichtung sei derzeit nicht verantwortbar. Die dagegen am 20. April bzw.
20. Mai 2009 erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons
St. Gallen mit Urteil vom 22. September 2009 ab. Das Ausländeramt widerrief am
18. Juni 2009 die Niederlassungsbewilligung und ordnete an, dass er die Schweiz nach
seiner Entlassung aus der Massnahme zu verlassen habe.
C./ Gegen die Widerrufsverfügung erhob M. mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
26. Juni 2009 beim Sicherheits- und Justizdepartement Rekurs. Dieses wies sein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung am 30. Juni 2009
wegen Aussichtslosigkeit rechtskräftig ab. Mit Rekursbegründung vom 20. August
2009 beantragte der Rekurrent, die angefochtene Verfügung aufzuheben und vom
Widerruf der Niederlassungsbewilligung unter Kostenfolge abzusehen. Das Sicherheits-
und Justizdepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom 19. Oktober 2009 ab,
wobei es im wesentlichen erwog, dass das öffentliche Interesse am Widerruf der
Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung des Rekurrenten dessen privates
Interesse überwiegen würden, in der Schweiz bleiben zu dürfen. Die Verfügung des
Ausländeramtes sei daher recht- und verhältnismässig.
D./ Dagegen erhob M. mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 4. November 2009
beim Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen mit folgenden Anträgen Beschwerde:
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"1. Der Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes des Kantons St. Gallen
vom 19. Oktober 2009 sowie die Verfügung des Ausländeramtes vom 18. Juni 2009
seien aufzuheben.
2. Vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung von M. sei abzusehen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Der Präsident des Verwaltungsgerichtes gewährte mit Verfügung vom 5. November
2009 die für das Beschwerdeverfahren beantragte unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung und bestimmte als unentgeltlichen Rechtsbeistand
Rechtsanwalt J., St. Gallen.
Mit Beschwerdeergänzung vom 27. November 2009 bestritt M., dass der Widerruf
seiner Niederlassungsbewilligung verhältnismässig sei. Die Rekursinstanz habe
unberücksichtigt gelassen, dass er aus einer heftigen Gemütsbewegung heraus getötet
und sonst keine weiteren Delikte begangen habe. Zudem habe die Vorinstanz nur
ungenügende Überlegungen zur Prognose seines künftigen Verhaltens angestellt. Er
habe seine Fehler eingesehen und befinde sich in einer stationären therapeutischen
Massnahme. Das Tötungsdelikt stehe primär im Zusammenhang mit seiner
Persönlichkeitsstörung und sekundär mit seiner Aufmerksamkeitsdefizit-
Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Dazu komme eine Suchtproblematik. Dem
psychiatrischen Gutachten lasse sich entnehmen, dass es dafür eine
erfolgsversprechende Behandlung gebe. Das Bundesgericht verlange für den Widerruf
der Niederlassungsbewilligung den sicheren Schluss, dass ein Verurteilter erneut in
vergleichbarem Mass straffällig werde wie bei den Delikten, die zur unbedingten
Freiheitsstrafe geführt haben. Diesen Schluss könne man bei ihm nicht ziehen. Die
Standortbestimmungen der Strafanstalt Pöschwies der Jahre 2008 und 2009 seien
durchwegs positiv. Auch die leitenden Psychologen würden von einer nachhaltigen
Reduktion seiner problematischen und deliktrelevanten Persönlichkeits- und
Verhaltensanteile ausgehen, falls die Behandlung positiv verlaufen sollte. Seine
Wegweisung würden sie mit Blick auf den erhofften Therapieerfolg ablehnen, weil sich
diese destabilisierend und potentiell Risiko steigernd auswirken könnte. Im heutigen
Zeitpunkt könne noch nicht gesagt werden, ob die angeordnete Massnahme Erfolg
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haben werde. Dazu komme, dass er in Serbien kein Beziehungsnetz habe. Seine
einzige Bezugsperson sei seine Mutter. Auf Serbisch könne er sich nur mündlich
verständigen, was ihm zusätzlich erschweren würde, sich in seinem Heimatland zu
integrieren.
E./ Die Vorinstanz beantragte am 1. Dezember 2009 unter Hinweis auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid, die Beschwerde unter Kostenfolge abzuweisen.
F./ Dem jährlichen Therapiebericht des psychiatrisch-psychologischen Dienstes des
Justizvollzugs des Kantons Zürich vom 29. Januar 2010 ist zu entnehmen, dass sich
die deliktorientierte Behandlung seit einiger Zeit in einem stagnierenden Prozess
befinde. Die deliktrelevanten Problemkreise hätten trotz andauernder Massnahme nicht
vertieft bearbeitet werden können. Der Beschwerdeführer vermittle zwar einen
motivierten Eindruck. Die punktuell gesteigerte Aufmerksamkeit therapeutischer
Aufgabenstellung gegenüber breche jedoch jeweils nach kurzer Zeit wieder ein. Zudem
müsse ein dissozial, teils manipulatives Verhalten beobachtet werden, mit dem der
Beschwerdeführer selbst notwendige Entwicklungsschritte behindere. Eine
Zielerreichung innerhalb der vorgeschriebenen Frist sei mit vorsichtiger Skepsis zu
beurteilen. Eine bedingte Entlassung aus der Massnahme komme zum aktuellen
Zeitpunkt nicht in Frage.
Die Strafanstalt Pöschwies beantragte mit Vollzugsbericht vom 23. Februar 2010, den
Antrag auf bedingte Entlassung abzulehnen. Beim Beschwerdeführer bestehe eine
hohe Rückfallgefahr bezüglich Gewaltdelikte. Ihm könne keine günstige Prognose in
bezug auf eine deliktsfreie und sozialverträgliche Lebensführung in Freiheit gestellt
werden. In seinem Verhalten sei vielmehr eine Tendenz sichtbar, die auf einen
Rückschritt im bisherigen Prozessverlauf hindeute.
Der Beschwerdeführer nahm dazu am 2. Juni 2010 Stellung und beantragte den Beizug
des Urteils des Verwaltungsgerichtes vom 22. September 2009 betreffend
Verweigerung seiner bedingten Entlassung aus dem Massnahmenvollzug (B 2009/65)
samt Akten sowie die Einholung einer aktuellen Standortbestimmung ASP bei der
Strafanstalt Pöschwies.
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G./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 4. und 27.
November 2009 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer verlangt einen neuen Therapiebericht, weil dessen Verfasser
bzw. sein Betreuer kein Psychiater, sondern nur Psychologe sei und weil zwischen
ihnen ein angespanntes Verhältnis herrsche. Zudem sei der Bericht in den wesentlichen
Punkten gleich ausgefallen wie im Vorjahr.
Das Gericht hat sich mit den Vorwürfen gegen seinen - aus seiner Sicht inkompetenten
- Therapeuten bereits auseinandergsetzt und dabei festgehalten, dass die Rügen
betreffend die beruflichen Qualifikationen seines Betreuers und dessen Verhalten fehl
gehen (VerwGE B 2009/65 vom 22. September 2009, in www.gerichte.sg.ch). Allein aus
den Tatsachen, dass dieser im aktuellen Bericht das abschlägige Urteil betreffend
seine bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug erwähnt hat und im letzten Jahr keine
relevanten Änderungen im Therapieverlauf feststellen konnte, kann nicht gefolgert
werden, der Bericht sei sachlich nicht korrekt abgefasst worden. Dieser ist zudem mit
dem Vollzugsbericht stimmig, der ebenfalls einen rückläufigen Prozess festhalten
musste. Es ist daher darauf zu verzichten, einen erneuten Standortbericht bei der
Strafanstalt Pöschwies einzuholen.
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3. Die Niederlassungsbewilligung wird unbefristet und ohne Bedingungen erteilt (Art. 34
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20,
abgekürzt AuG). Hält sich der Ausländer - wie der Beschwerdeführer - während mehr
als fünfzehn Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz auf, kann
ihm die Niederlassungsbewilligung nur noch entzogen werden, wenn er in
schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen oder
diese bzw. die innere oder äussere Sicherheit gefährdet hat oder aber zu einer
längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist, was gleichermassen für die
Anordnung einer strafrechtliche Massnahme im Sinn von Art. 64 oder Art. 61 des
Strafgesetzbuches (SR 311.0) gilt (Art. 63 Abs. 2 AuG).
3.1. Die Vorinstanz hat die Niederlassungsbewilligung in Anwendung von Art. 63 Abs. 2
in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG widerrufen. Freiheitsstrafen von mehr als einem
Jahr gelten als längere Freiheitsstrafen im Sinn von Art. 62 lit. b AuG und bilden einen
Grund für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung (BGE 2C_295/2009 vom
25. September 2009 E. 4.2, vgl. auch VerwGE B 2008/199 vom 9. Juli 2009, in:
www.gerichte.sg.ch). Das Kantonsgericht verurteilte den Beschwerdeführer am
3. September 2007 zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Der Widerrufsgrund
nach Art. 62 lit. b AuG ist somit erfüllt.
Dazu kommt, dass der Beschwerdeführer trotz früherer Verurteilung über Jahre hinweg
fortfuhr, die Rechtsordnung in immer schwerwiegenderer Art zu missachten. Selbst der
Tod eines seiner Opfer hielt ihn nicht davon ab, weiterhin Gewalt anzuwenden und sich
dabei strafbar zu machen. Damit hat er gezeigt, dass er auch künftig weder willens
noch fähig ist, sich in die geltende Rechtsordnung einzufügen. Mit der Summierung
und Wiederholung dieser Delikte trotz zahlreicher hängiger Strafverfahren ist auch der
Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt,
auch wenn die mehreren Delikte für sich allein betrachtet nicht zu einer längerfristigen
Freiheitsstrafe führen würden (M. Spescha in Spescha/Thür/Zünd/Bolzli,
Migrationsrecht, 2. Auflage, Zürich 2009, Rz. 10 zu Art. 63 AuG; Zünd/Arquint Hill in
Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, Basel 2009, Rz. 8.29; Nägeli/
Schoch, in Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, a.a.O., Rz. 22.191).
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3.2. Nicht nachvollziehbar ist die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe "keine
weiteren Delikte begangen". Damit blendet er zum einen die zahlreichen Delikte aus
seiner Jugend aus, weshalb ihn der Richter in ein Erziehungsheim einweisen musste.
Diese Straftaten können trotz seines damaligen jungen Alters nicht unbeachtet
gelassen werden, weil bei der ausländerrechtlichen Interessenabwägung zu
berücksichtigen ist, wie sich der betroffene Ausländer während seiner gesamten
Anwesenheit in der Schweiz verhalten hat (BGE 2C_477/2008 vom 24. Februar 2009 E.
3.2.2). Weiter blendet der Beschwerdeführer aus, dass er selbst während und nach
dem Massnahmenvollzug fortfuhr zu delinquieren. So musste er zwischen Dezember
1999 und Februar 2005 sieben Mal während insgesamt 118 Tagen in
Untersuchungshaft genommen werden. Selbst nach dem Tötungsdelikt Ende des
Jahres 2004 blieb er gewalttätig und musste, nachdem er eine weitere Person verletzt
hatte, zur Verhinderung weiterer Straftaten vorsorglich eingesperrt werden.
4. Art. 63 AuG gewährt der zuständigen Behörde beim Entscheid über den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung einen Ermessensspielraum. Der Tatbestand ist als "Kann-
Bestimmung" formuliert. Das Gesetz schreibt den Widerruf nicht zwingend vor, wenn
die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Er ist aber anzuordnen, wenn er bei
sorgfältiger Abwägung der Interessen verhältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2
Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt BV). Dabei berücksichtigen die Behörden nach
Art. 96 Abs. 1 AuG die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie
den Grad der Integration, wobei namentlich die Schwere des Verschuldens, die Dauer
der Anwesenheit in der Schweiz und die dem Ausländer und seiner Familie drohenden
Nachteile ins Gewicht fallen (BGE 2C_295/2009 vom 25. Septeber 2009 E. 4.3). Je
länger ein Ausländer in der Schweiz lebt, desto strengere Anforderungen sind an die
Voraussetzungen einer Ausweisung zu stellen. Eine solche ist indessen selbst bei
einem Ausländer, der - wie der Beschwerdeführer - bereits in der Schweiz geboren ist
und hier die meiste Zeit seines Leben verbracht hat (sogenannter Ausländer der
zweiten Generation), insbesondere bei Gewaltdelikten bzw. wiederholter schwerer
Straffälligkeit, nicht generell ausgeschlossen. Ausschlaggebend ist die
Verhältnismässigkeit der Massnahme im Einzelfall, die praxisgemäss gestützt auf die
gesamten wesentlichen Umstände geprüft werden muss. Dabei kann auch eine
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einzelne Verurteilung wegen einer besonders schwerwiegenden Straftat zur
Ausweisung führen, doch ist diese bei sehr langer Anwesenheit in der Regel erst dann
anzuordnen, wenn eine sich zusehends verschlechternde Situation vorliegt, das heisst
wenn der Ausländer, statt sich zu bessern, mit der deliktischen Tätigkeit fortfährt und
sich namentlich immer schwerere Straftaten zuschulden kommen lässt (VerwGE B
2008/5 vom 3. April 2008 mit Hinweisen, in www.gerichte.sg.ch, BGE 2C_160/2009
vom 1. Juli 2009 E. 3.1, BGE 2A.71/2007 vom 7. Mai 2007 E. 3.2, mit Hinweisen).
5. Der Beschwerdeführer rügt den Zeitpunkt der Überprüfung der
Niederlassungsbewilligung.
5.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, in welchem Zeitpunkt über die Wegweisung
zu befinden ist, wenn der Täter eine längere Freiheitsstrafe absitzen muss oder für
längere Zeit in einem Massnahmenzentrum untergebracht ist. Die Regelung des
Verbleibens in der Schweiz sollte aber vor der Entlassung getroffen werden, damit der
Ausländer seine Rückkehr in die Freiheit bzw. allfällige Ausschaffung in sein
Heimatland rechtzeitig vorbereiten kann (BGE 131 II 329 neues Fenster E. 2.1 ff.). Der
richtige Zeitpunkt hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, wobei auf eine
vernünftige zeitliche Distanz zur Entlassung zu achten ist; in der Regel sollte die
Zeitspanne zwischen der Regelung des künftigen Aufenthalts und der Entlassung aus
dem Vollzug die voraussichtliche Dauer eines Rechtsmittelverfahrens nicht
überschreiten (BGE 131 II 329 E. 2.4). Erst unmittelbar vor der Entlassung zu
entscheiden, hätte zwar den Vorteil, dass das gesamte Verhalten im Strafvollzug in die
Beurteilung miteinbezogen werden könnte. Dem steht gegenüber, dass dem
Wohlverhalten in Unfreiheit praxisgemäss nur eine untergeordnete Bedeutung
zukommt (BGE 2C_194/2008 vom 18. April 2008 E. 5.3., BGE 114 Ib E. 3b). Der
Umstand, dass ein Ausländer im Strafvollzug zu keinen Klagen Anlass gegeben hat,
genügt für sich alleine nicht, um eine Rückfallgefahr auszuschliessen (BGE 2A.
688/2005 vom 4. April 2006 E. 3.1.3, BGE 2C_201/2007 vom 3. September 2007 E. 5).
Auch das Fehlen einer Rückfallgefahr spielt bei der fremdenpolizeilichen
Interessenabwägung keine ausschlaggebende Rolle; namentlich im Zusammenhang
mit Gewaltdelikten kann selbst ein relativ geringes Risiko nicht hingenommen werden.
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Dies gilt selbst dann, wenn der Strafrichter hinsichtlich der Resozialisierungschancen
eine günstige Prognose stellt (Nägeli/Schoch, a.a.O., Rz. 22.192).
5.2. Der Beschwerdeführer hat die Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren abzüglich der
erstandenen Untersuchungshaft von 118 Tagen vorzeitig am 20. Mai 2005 angetreten.
Die stationäre Massnahme begann am 22. Oktober 2007 und dauert längstens bis am
22. Oktober 2012. Die Verfügung des Ausländeramtes, mit der die
Niederlassungsbewilligung erstinstanzlich widerrufen wurde, erging am 18. Juni 2009
und damit gut drei Jahre vor der spätesten Entlassung aus dem Massnahmenvollzug,
wobei zu beachten ist, dass bis zur Rechtsraft der angefochtenen Verfügung eine
längere Zeitdauer verstreichen kann. Dazu kommt, dass auf Grund der Art der Delikte,
der Schwere des Verschuldens und des bisherigen Verhaltens des Beschwerdeführers
in den zahlreichen strafrechtlichen Massnahmen sowie unter Berücksichtigung seiner
persönlichen Verhältnisse für die zuständige Behörde bereits in jenem Zeitpunkt
feststand, dass bei einer umfassenden Interessenabwägung ein Wohlverhalten des
Beschwerdeführers im Strafvollzug allein nicht ausreichen würde, die gegen ihn
bestehenden Bedenken auszuräumen. Dabei konnte sie sich insbesondere auf den
ausführlichen Bericht der zuständigen Sozialarbeiterin der Jugendanwaltschaft vom
28. Januar 2002 betreffend den bisherigen Verlauf der jugendstrafrechtlichen
Massnahmen abstützen. Gemäss diesem entspricht es einem eigentlichen Muster,
dass der Beschwerdeführer zu Beginn eines neuen Abschnitts bzw. anfangs einer
Massnahme grosse Motivation zeigt, an der Verbesserung seiner Situation zu arbeiten,
wobei er sich in einem eng strukturierten Rahmen auch tatsächlich positiv entwickelt.
In der Folge schlugen die Massnahmen aber ausnahmslos fehl, sobald der Rahmen
seiner Betreuung wieder gelockert wurde.
5.3. Diese Feststellungen bestätigen sich im derzeitigen Massnahmenvollzug. So geht
aus dem aktuellen Therapiebericht des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des
Justizvollzugs des Kantons Zürich vom 29. Januar 2010 hervor, dass sich der
Beschwerdeführer auch jetzt wieder motiviert gezeigt hat, sich therapeutischen
Interventionen zu stellen. Zu einem selbstkritischen Bezug zu seinen
Verhaltenstendenzen und Persönlichkeitsakzentuierungen war er aber einmal mehr
nicht in der Lage, obwohl die Massnahme zwischenzeitlich länger andauert.
Deliktrelevante Problembereiche konnten unter diesen Umständen nicht bearbeitet
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werden. Die Fachleute erachten die Weiterführung der angeordneten Massnahme aus
therapeutischer Sicht zwar nach wie vor als sinnvoll. Sie bezweifeln aber, dass in der
vorgegebenen Zeit eine nachhaltige Rückfallrisikosenkung erreicht werden kann. So
musste der Beschwerdeführer am 3. Dezember 2009 erneut in den Eintrittspavillon
zurückversetzt und wegen zahlreicher deliktrelevanten Regelverstössen diszipliniert
werden. Gemäss Vollzugsbericht vom 23. Februar 2010 ist denn auch weiterhin von
einer hohen Rückfallgefahr bezüglich Gewaltdelikten auszugehen.
5.4. Davon abgesehen, dass es für den Beschwerdeführer schwierig sein dürfte, sein
Leben in Freiheit deliktfrei und sozialverträglich zu führen, liegt es auch in seinem
eigenen Interesse und jenem der Strafvollzugsbehörde, frühzeitig über die
fremdenpolizeilichen Folgen informiert zu werden, damit ein zukunfts- und
herkunftsorientierter Vollzug garantiert werden kann (Nägeli/Schoch, a.a.O.,
Rz. 22.186). Vor diesem Hintergrund stellt es keine Rechtsverletzung dar, dass die
Ausländerbehörde schon zu einem frühen Zeitpunkt und nicht erst nach der Entlassung
aus dem Straf- bzw. Massnahmenvollzug die Niederlassungsbewilligung überprüft und
widerrufen hat.
6. Ausgangspunkt und Massstab der fremdenpolizeilichen Güterabwägung ist die
Schwere des Verschuldens, das sich nach dem Wortlaut des Gesetzes in einer
längeren Freiheitsstrafe niederschlagen soll. Die Administrativbehörde hat sich dabei
mit den Erwägungen des Strafrichters auseinanderzusetzen, um zu einer eigenen
Gefahrenprognose zu gelangen (Nägeli/Schoch, a.a.O., Rz. 22.188).
6.1. Bei der schwersten Straftat, die M. am 15. Dezember 2004 begangen hat, handelt
es sich um ein Tötungsdelikt. Das Kantonsgericht wertet das Verschulden des
Beschwerdeführers dabei als sehr schwer. Die Strafe setzte es mit Blick auf das
Verhalten vor und nach der Tat im oberen Bereich an. Dem fahrlässigen Todesstich war
ein Streit um einen kleinen Geldbetrag vorausgegangen. Statt sich nach einer kurzen
Pause im Schlagabtausch zurückzuziehen, nahm M. ein Klappmesser hervor, öffnete
dieses und rammte die Klinge seinem Gegner in die Brust, als dieser ihn am Hals
packte. Als der tödlich verletzte zu Boden ging, rannte er weg, statt sich um sein Opfer
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zu kümmern und die Ambulanz zu rufen. Das Strafgericht verneint ausdrücklich, dass
der Beschwerdeführer dabei in rechtfertigender oder schuldausschliessender Notwehr
gehandelt habe. Auch stand die Tat nicht im Zusammenhang mit seinem
Drogenkonsum oder seiner allfälligen Suchtmittelabhängigkeit. Der Beschwerdeführer
hat das Messer unzweifelhaft unter dem Eindruck einer starken Gefühlserregung
eingesetzt, der Affekt ist nach Meinung des Strafgerichts aber nicht entschuldbar,
sondern vielmehr auf die spezifische, in seiner Persönlichkeit angelegte Kränkbarkeit
zurückzuführen. Aus psychiatrischer Sicht war seine Zurechnungsfähigkeit zum
Zeitpunkt der Tat bei voll erhaltener Einsichtsfähigkeit und einer leicht bis allenfalls
mittelgradig verminderten Fähigkeit zum einsichtsgemässen Handeln gesamthaft nur
leicht vermindert.
6.2. Damit ist auch im Administrativverfahren von einem schwerwiegenden
Verschulden des Beschwerdeführers auszugehen. Nebst der erwähnten Bluttat fallen
insbesondere die weiteren Gewaltdelikte ins Gewicht, die M. unbeeindruckt von
laufenden Strafverfahren über mehrere Jahre hinweg begangen hat. So erklärt sich die
lange Dauer des Strafverfahrens auch nicht etwa damit, dass die
Untersuchungsbehörden das Strafverfahren über Gebühr in die Länge gezogen hätten,
sondern damit, dass der Beschwerdeführer immer wieder neue Delikte gesetzt hat, was
dazu führte, dass der Beschwerdeführer von mehreren Straftaten wegen Verjährung
freigesprochen werden musste. Zwar vermutet das Gesetz grundsätzlich erst bei
rechtskräftiger Verurteilung das Vorliegen einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung. Zu einer fremdenpolizeilichen Massnahme kann ein strafbares Verhalten
aber auch unabhängig von einer gerichtlichen Verurteilung Anlass geben (Nägeli/
Schoch, a.a.O., Rz. 22.177). Das Tötungsdelikt hat der Beschwerdeführer in einer
langen Folge von verschiedenen Straftaten bzw. Gewaltdelikten begangen und sich
trotz bereits erfolgter Verurteilung und laufenden Strafverfahren nicht davon abhalten
lassen, weiter zu delinquieren. Die Vorinstanz hat die Schwere der begangenen
Straftaten und die Schuld des Beschwerdeführers somit zutreffend als äusserst schwer
erachtet, was sich auch in der mehrjährigen Strafdauer widerspiegelt.
Der Beschwerdeführer verweist in diesem Zusammenhang auf BGE 2A.82/2007 vom
27. April 2007, wonach das Bundesgericht den sicheren Schluss verlange, dass der
Verurteilte erneut in vergleichbarem Masse straffällig werde, wie bei den Delikten, die
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zur unbedingten Freiheitsstrafe geführt hätten. Jenem Entscheid lag aber ein ganz
anderer Sachverhalt zu Grunde. Dort ging es um einen Ausländer der zweiten
Generation, der eine nicht therapierbare, psychisch schwer gestörte Persönlichkeit
hatte und kaum in der Lage war, einer geregelten Erwerbstätigkeit nachzugehen, was
beim Beschwerdeführer nicht der Fall ist. Dazu kommt, dass jener Ausländer "bloss"
Diebstähle und andere Vermögensdelikte begangen hatte, wofür er zu einer
Gefängnisstrafe von fünfzehn Monaten verurteilt worden war, während sich der
Beschwerdeführer nebst anderen Delikten schwerer Verbrechen und Vergehen gegen
Leib und Leben schuldig gemacht hat und dafür zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe
verurteilt werden musste. An der Entfernung und Fernhaltung des Beschwerdeführers
besteht somit ein grosses sicherheitspolizeiliches Interesse, das nur durch
entsprechend gewichtige private Interessen aufgewogen werden könnte, d.h. wenn
aussergewöhnlich schwerwiegende Umstände gegen eine Ausweisung sprechen
würden.
6.3. Für den weiteren Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz spricht vor allem
bzw. einzig der Umstand, dass er die meiste Zeit hier gelebt hat, auch wenn er sich die
ersten fünf Jahre in seiner Heimat aufgehalten hat und damit kein eigentlicher
Ausländer der zweiten Generation ist (BGE 2C.689/2008 vom 4. März 2009, E. 2.3).
Seinem langen Aufenthalt in der Schweiz steht in erster Linie gegenüber, dass er
während dieser Zeit durchwegs negativ aufgefallen ist und sich trotz intensiver
fachmännischer Betreuung weder in die Gesellschaft noch ins Berufsleben integrieren
konnte. Die Volksschule beendete er nicht, weil er das Jugendheim wegen seines
unkooperativen Verhaltens trotz angeordneter Massnahme wieder verlassen musste.
Auch in der Beobachtungsstation des nächsten Massnahmenzentrums verweigerte er
die Zusammenarbeit mit den Betreuungspersonen, weshalb die Fortführung der
angefangenen Massnahme ebenfalls abgebrochen werden musste. Wieder bei seiner
Mutter zeigte er sich anfänglich motiviert, eine Lehrstelle zu suchen, wurde aber rasch
wieder straffällig. Im nächsten Massnahmenzentrum klappte seine Betreuung vorerst in
der eng strukturierten internen Suchtgruppe. Sobald er in die Aussenwohngruppe
wechseln konnte, war er vom offeneren Rahmen erneut überfordert, was zum Abbruch
der angefangenen Lehre und abermals zum Ausschluss aus dem Massnahmenzentrum
führte. Dabei wird durchaus anerkannt, dass seine Kindheit durch schwierige
Familienverhältnisse geprägt war. Während er bei seinen Grosseltern und Verwandten
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in Serbien noch eine glückliche Zeit verbringen konnte, war namentlich seine
alleinerziehende Mutter offensichtlich nicht in der Lage, ihm eine stabile und adäquate
Betreuung zu bieten. Dem stehen aber die immensen Bemühungen des Staates, der
Fachleute und seiner zahlreichen Betreuer gegenüber, seine erlittenen familiären
Defizite aufzufangen und auszugleichen. Der Beschwerdeführer sabotierte und
hintertrieb all diese Versuche, wobei er von seiner Mutter sogar noch unterstützt wurde,
indem sie immer wieder offen ihre Zweifel am Nutzen der Massnahmen äusserte, die
Regelverstösse ihres Sohnes stillschweigend duldete oder sogar unterstützte.
Schliesslich zog es der Beschwerdeführer vor, ohne Tagesstruktur wieder zu seiner
Mutter zurückzukehren, die ihm weder Grenzen setzen noch Perspektiven bieten
konnte, statt sich auf die unzähligen fachkundigen Hilfsangebote einzulassen. Dabei
hielten ihn wie gesagt weder die bereits erfolgte strafrechtliche Verurteilung, noch die
professionellen Massnahmen, noch die erneuten Strafverfahren davon ab, weiter zu
delinquieren und Drogen zu konsumieren. Sein konsequentes Fehlverhalten
verunmöglichte es dem Strafrichter auch, den Beschwerdeführer in eine
Arbeitserziehungsanstalt einzuweisen, statt eine Freiheitsstrafe auszusprechen. Die
Gefahr eines Rückfalls wäre mit Blick auf sein bisheriges Verhalten zu gross gewesen.
6.4. Das langjährige kriminelle Verhalten des Beschwerdeführers, der bisher erfolglose
Verlauf unzähliger Therapien und die hohe Rückfallgefahr bezüglich Gewaltdelikten
zeugt von einer hohen Unbelehrbarkeit und einer nicht hinnehmbaren Gleichgültigkeit
gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung. Angesichts der begangenen Delikte
im Gewaltbereich, der schlechten Prognose der Fachleute und der fehlenden
beruflichen Perspektive lässt sich ein Rückfall auch nach (teilweiser) Verbüssung der
Strafe nicht mit der gebotenen hohen Wahrscheinlichkeit ausschliessen (BGE
2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 3.1, mit Verweis auf BGE 2C_36/2009 vom
20. Oktober 2009 E. 3.2 betreffend relative Einschätzung des Rückfallrisikos in
Abhängigkeit von der Schwere möglicher Rechtsgutverletzungen).
6.5. Bei einer Gesamtwürdigung des Verhaltens ist es daher nicht zu beanstanden,
dass die Vorinstanz annimmt, das öffentliche Interesse an einer Fernhaltung des
Beschwerdeführers sei höher zu gewichten als dessen persönliche Interessen an
seinem Verbleib.
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7. Die vom Beschwerdeführer angerufene, in Zusammenhang mit Art. 8 Ziff. 1 der
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) ergangene Rechtsprechung des
Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (abgekürzt EGMR) steht obigem
Ergebnis nicht entgegen.
7.1. Das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens kann zwar verletzt sein, wenn einem Ausländer, dessen
Familienangehörige hier weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das
Familienleben vereitelt wird. Das geschützte Familienleben beschränkt sich aber
grundsätzlich auf die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren
minderjährigen Kindern (BGE 129 II 11 neues Fenster E. 2). Demnach kann der
volljährige Beschwerdeführer diesbezüglich nichts zu seinen Gunsten ableiten. Zwar
hat der EGMR in verschiedenen Entscheiden festgehalten, dass auch die Beziehung
von jungen Erwachsenen zu ihren Eltern vom Begriff des Familienlebens im Sinne der
Konvention erfasst sein kann; Voraussetzung hierfür ist aber, dass der junge
Erwachsene noch keine eigene Familie gegründet hat (BGE 2C_160/2009 vom 1. Juli
2009 E. 4.1) und die nahe verwandtschaftliche Beziehung tatsächlich gelebt wird und
intakt ist (Achermann/Caroni in Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, a.a.O., Rz. 6.32). Eine
solche tragende Beziehung zu der in der Schweiz lebenden Mutter besteht beim
mittlerweile 28-jährigen Beschwerdeführer gerade nicht, trug sie doch nicht
unerheblich dazu bei, dass sämtliche Massnahmen zu Gunsten ihres Sohnes
gescheitert sind. Gemäss Standortbestimmung ASP der Strafanstalt Pöschwies vom
Juni 2009 erhielt der Beschwerdeführer zudem von seiner Mutter auf eigenen Wunsch
keinen Besuch mehr und telefonierte auch nicht mit ihr. Daran ändert sich nichts, dass
er den abgebrochenen Kontakt zwischenzeitlich wieder aufgenommen hat und wieder
regelmässige Besuche stattfinden. Den Kontakt mit seiner Mutter kann er auch von
Serbien aus mit regelmässigen Besuchsaufenthalten, telefonisch oder elektronisch
weiterpflegen.
7.2. Auch aus dem ebenfalls von Art. 8 Ziff. 1 EMRK gewährleisteten Anspruch auf
Schutz des Privatlebens ergibt sich ein Recht auf Verbleib im Land nur unter
besonderen Umständen. Einzig die lange Anwesenheit und die damit verbundene
normale Integration genügen hierzu nicht; erforderlich sind besonders intensive
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Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (BGE 2C_160/2009 vom 1. Juli
2009 E. 4.1, BGE 2C_135/2007 vom 26. Juni 2007 E. 4.4). Solche vertiefte soziale
Beziehungen sind beim Beschwerdeführer - wie bereits dargelegt - ebenfalls nicht
gegeben, obwohl er in der Schweiz geboren und mehrheitlich hier aufgewachsen ist
sowie Schweizerdeutsch spricht. Besonders intensive, über eine normale Integration
hinausgehende private Bindungen gesellschaftlicher oder beruflicher Natur bzw.
vertiefte soziale Beziehungen zum ausserfamiliären bzw. ausserhäuslichen Bereich sind
keine vorhanden. Obwohl sich der Staat intensiv um ihn bemüht und gefördert hat, hat
er weder eine Ausbildung beendet, noch hat er in Freiheit je ernsthaft gearbeitet oder
sonstwie in der Gesellschaft Tritt gefasst. Im wesentlichen ist er herumgehangen, hat
Drogen konsumiert und ist immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Von einer
Verwurzelung in der Schweiz bzw. einer besonders intensiven, über eine normale
Integration hinausgehenden vertieften sozialen Bindung, wie es das Bundesgericht
verlangt (BGE 2C_701/2007 vom 13. März 2008 E. 3.4), kann nicht gesprochen werden.
7.3. Selbst wenn der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK berührt und demnach eine
Verhältnismässigkeitsprüfung im Sinn von Art. 8 Ziff. 2 EMRK durchzuführen wäre,
könnten die Erwägungen der vom Beschwerdeführer herangezogenen Entscheide des
EGMR nicht unbesehen herangezogen werden. Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff
in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut statthaft, soweit er gesetzlich vorgesehen ist
und eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die
nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des
Landes, die Verteidigung der Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren
Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Freiheiten
anderer notwendig ist. In der Sache Boultif, die der Beschwerdeführer zitiert, war der
Ausländer sozial und beruflich voll integriert. Zudem ging von ihm kaum mehr eine
Gefahr für die öffentliche Ordnung aus. Im Strafvollzug wurde ihm eine gute Führung
bescheinigt, weshalb er bedingt entlassen werden konnte. Bis zum Verlassen der
Schweiz arbeitete er sodann als Gärtner und Elektriker. Ausserdem war es seiner
Schweizer Ehefrau nicht zumutbar, ihm in sein Heimatland zu folgen oder in einem
Drittstaat als Familie zu leben (JAAC 65 [2001] n° 138). Ebenso wenig vergleichbar ist
das Urteil des EGMR in Sachen Emre gegen die Schweiz vom 22. Mai 2008
(Beschwerde Nr. 42034/04). Dieser Ausländer wurde insgesamt zu lediglich
achtzehneinhalb Monaten verurteilt. Ausschlaggebend war überdies, dass die Delikte je
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einzeln keine Ausweisung rechtfertigten und der Ausländer psychisch schwer krank
war (Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Labilität und Elementen von Impulsivität
bzw. von einer Borderlinestörung in Kombination mit einer Angststörung). Aus diesem
Grund war er weiterhin auf seine Familie in der Schweiz angewiesen. Dies alles trifft auf
den Beschwerdeführer nicht zu. Kommt dazu, dass er die schwerste Straftat als fast
23-Jähriger begangen hat, womit bei ihm - anders als in der Sache Emre - nicht mehr
von einer sogenannten typischen Kriminalität im Heranwachsendenalter gesprochen
werden kann.
7.4. Aus dem Gesagten folgt, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz nicht
überdurchschnittlich integriert ist. Ausser dem wiederaufgenommenen Kontakt zu
seiner Mutter, macht er weder besondere persönliche noch berufliche oder andere
Bindungen zur Schweiz geltend, die über eine normale Integration hinausgehen. Dem
ledigen und kinderlosen Beschwerdeführer, der im spätesten Zeitpunkt der Entlassung
aus der Massnahme 30 Jahre alt und damit ein reifer Erwachsener sein wird, ist es
somit zumutbar, die Schweiz zu verlassen und in sein Heimatland zurückzukehren, wo
er die ersten Jahre aufgewachsen ist und wo er nebst seiner Grossmutter noch andere
Verwandte hat (Ausländeramt act. 228 f.), mit denen er wieder Kontakt aufnehmen
kann. Kein Kriterium sind dabei die im Vergleich zur Schweiz verminderten
Resozialisierungschancen (Nägeli/Schoch, a.a.O., Rz. 22.194). Die serbische Sprache,
die er eigenen Angaben zu Folge spricht, wird er während seiner restlichen Zeit im
Massnahmenvollzug verbessern können, so dass er sie bis zu seiner Ausreise auch
lesen und schreiben kann. Auch mag es zutreffen, dass ihm in Serbien nicht die
gleichen wirtschaftlichen Perspektiven offen- und namentlich nicht die gleichen
Sozialleistungen zustehen werden. Dies ist aber einzig die Folge seines kriminellen
Verhaltens und vom Beschwerdeführer hinzunehmen. Zudem hat er es auch in der
Schweiz trotz intensivster Unterstützung nicht geschafft, eine Ausbildung zu machen
oder einen Hilfsjob auszuüben. Dem steht das hohe Risiko gegenüber, dass der
Beschwerdeführer wieder gewalttätig und straffällig wird. Diese Gefahr ist untragbar.
Das Gemeinwesen ist gehalten, sowohl die öffentliche Sicherheit (Art. 57 Abs. 1 BV),
als auch das Leben und die Gesundheit seiner Bewohner zu schützen (Art. 10 Abs. 1
Satz 1 und Art. 10 Abs. 2 je in Verbindung mit Art. 35 Abs. 2 BV). Staatliche
Schutzpflichten müssen dort mit besonderer Sorgfalt wahrgenommen werden, wo es,
wie hier, um ein derart elementares Grundrecht wie das Recht auf Leben und
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Gesundheit geht. Nachdem der Beschwerdeführer selbst nach einer fahrlässigen
Tötung fortfuhr, andere gewaltsam zu verletzen, erscheint die Wegweisung als die
einzige geeignete Massnahme, um eine erneute Gefährdung zu verhindern.
8. Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass der Widerruf
der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung auf Grund der schwerwiegenden
Straffälligkeit trotz des Aufenthalts seit seinem fünften Lebensjahr in der Schweiz
gerechtfertigt und verhältnismässig sind. Die Beschwerde ist folglich als unbegründet
abzuweisen.
9. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom
Beschwerdeführer zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden diese vom Staat übernommen
(Art. 99 VRP in Verbindung mit Art. 282 Abs. 1 lit. b des Zivilprozessgesetzes, sGS
961.2, abgekürzt ZPG), wobei auf die Erhebung zu verzichten ist (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Der Beschwerdeführer liess eine Kostennote für das Rekurs- und das
Beschwerdeverfahren einreichen. Bezüglich des Rekursverfahrens hat die Vorinstanz
das entsprechende Gesuch bereits mit separater Verfügung vom 30. Juni 2009
abgewiesen. Diese ist in Rechtskraft erwachsen, nachdem er das zur Verfügung
gestellte Rechtmittel nicht ergriffen und den aufgeforderten Kostenvorschuss bezahlt
hat. Darauf ist nicht mehr zurückzukommen. Bezüglich des Beschwerdeverfahrens ist
die Kostennote des unentgeltlichen Rechtsbeistands mit einem Honorar von
Fr. 2'490.-- sowie Barauslagen von Fr. 49.-- zuzüglich MWSt von Fr. 192.95, insgesamt
Fr. 2'731.95, tarifgemäss und angemessen (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art.
282 Abs. 1 lit. c ZPG und Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten, sGS 963.75, sowie Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS
963.70).
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