Decision ID: da2a854c-57d2-473c-b4b3-481b25732201
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Felix Schmid, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision und berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a M._, Jahrgang 1959, meldete sich im Januar 2000 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 2). Im Auftrag der IV-Stelle verfasste das
Ärztliche Begutachtungsinstitut, Basel (ABI), am 28. August 2000 ein polydisziplinäres
Gutachten. Mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lagen folgende Diagnosen vor:
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, depressive Episode mittleren Grades und
chronisches zerviko- sowie lumbalbetontes panvertebrales Schmerzsyndrom bei
leichten degenerativen LWS-Veränderungen und muskulärer Dysbalance bei
Wirbelsäulenfehlform, Fehlhaltung. Aufgrund der depressiven Symptomatik bestehe
derzeit nur eine Restarbeitsfähigkeit von ca. 25% für sämtliche, d.h. körperlich
angepasste Tätigkeiten. Auf jeden Fall müsse die Situation in einem Jahr psychiatrisch
reevaluiert werden (IV-act. 16). Gestützt auf dieses Gutachten sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Verfügung vom 22. Januar 2001 per 1. Februar 2000 eine ganze
Invalidenrente und zwei Kinderrenten bei einem Invaliditätsgrad von 75% zu (IV-
act. 20-3). Im Rahmen eines Rentenrevisionsverfahrens bescheinigte Dr. med. A._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, am 19. März 2002, der Gesundheitszustand der
Versicherten sei stationär (IV-act.22), woraufhin die IV-Stelle weiterhin eine ganze IV-
Rente ausrichtete (IV-act. 23).
A.b Dr. A._ ersuchte die IV-Stelle am 30. Juni 2005 unter Hinweis auf eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands der Versicherten um Rentenrevision (IV-
act. 29). Mit Schreiben vom 21. Juli 2005 teilte die IV-Stelle dem Hausarzt mit, sie
könne "das Gesuch nicht einleiten", weil es von der Versicherten selbst eingereicht
werden müsse und weil sie bereits eine ganze Rente beziehe (IV-act. 30). Am
16. August 2005 teilte der Ehemann der Versicherten der IV-Stelle telefonisch mit, seine
Frau erhalte seines Erachtens zu Unrecht eine Rente. Sie arbeite an verschiedenen
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Orten, u.a. im Restaurant B._. Von Dr. A._ bekomme sie Tabletten, die sie nicht
einnehme, sondern wegwerfe. Im Weiteren wolle sie sich scheiden lassen (IV-act. 31).
Noch am selben Tag leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren ein. Eine am
22. August 2005 erfolgte telefonische Nachfrage beim Restaurant B._ ergab, dass
die Versicherte dort nie gearbeitet habe (IV-act. 32). Der behandelnde Psychiater
Dr. med. C._ berichtete am 24. September 2005 von einem stationären
Gesundheitszustand. Aufgrund seiner Beobachtungen und der Aussage der
Versicherten habe sich an ihrem Zustand leider nichts gebessert. Die Prognose sehe er
als ungünstig (IV-act. 41). Am 12. September 2005 gab die Versicherte im Fragebogen
für die Rentenrevision an, ihr Gesundheitszustand habe sich seit März 2004
verschlimmert (IV-act. 34). Auch Dr. A._ bescheinigte im Verlaufsbericht vom
13. September 2005 eine Verschlechterung. Zusätzlich habe sich eine mittelschwere
chronisch obstruktive Pneumopathie entwickelt. Es bestehe eine schwere
psychosoziale Belastungssituation. Weder die bisherige noch andere Tätigkeiten seien
der Beschwerdeführerin zumutbar, sie sei nicht belastbar (IV-act. 37-1 ff.). Im Auftrag
der IV-Stelle erstattete das ABI am 26. Juni 2006 ein weiteres polydisziplinäres
Gutachten. Dieses nennt mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen
mittelschwere chronisch-obstruktive Pneumopathie, rezidivierende depressive Störung
bei gegenwärtig leichter depressiver Episode, anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre
Symptomatik. Seit der letzten Begutachtung im Jahr 2000 hätten sich die depressiven
Verstimmungen zurückgebildet. Für körperlich leichte Tätigkeiten ohne repetitive
Zwangshaltungen der Wirbelsäule bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50% (IV-
act. 55-17; 55-19 f.).
A.c Gestützt auf dieses Gutachten berechnete die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von
58% und kündigte mit Vorbescheid vom 11. September 2006 an, sie gedenke, die
ganze Rente auf eine halbe herabzusetzen (IV-act. 61). In seiner Stellungnahme vom
16. Oktober 2006 bestritt der Rechtsanwalt der Versicherten, Dr. iur. Felix Schmid,
dass diese zu 50% arbeitsfähig sei (IV-act. 65). Nach Rückfrage bei ihrem Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) setzte die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 14. November
2006 auf eine halbe herab, wobei sie von einem Invaliditätsgrad von 58% ausging.
Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung (IV-act. 73).
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A.d Am 24. Oktober 2006 leitete die IV-Stelle eine berufliche Abklärung ein (IV-act. 71).
Das Beratungsgespräch fand am 23. November 2006 statt. Der zuständige
Eingliederungsberater hielt im Schlussbericht vom 5. Dezember 2006 fest, die
Versicherte fühle sich nicht in der Lage, eine Arbeit anzunehmen (IV-act. 75). Mit
Vorbescheid vom 8. Dezember 2006 wurde der Versicherten deswegen der Abschluss
der Arbeitsvermittlung in Aussicht gestellt (IV-act. 79).
B.
B.a Am 18. Dezember 2006 erhob der Rechtsvertreter der Versicherten Beschwerde
gegen die Rentenverfügung vom 14. November 2006. Er beantragte deren Aufhebung.
Der Beschwerdeführerin sei weiterhin eine ganze Rente zuzusprechen. Die
aufschiebende Wirkung sei wiederherzustellen. Der Beschwerdeführerin sei die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Das ABI-
Gutachten sei aus dem Recht zu weisen und eine neue, unabhängige interdisziplinäre
oder psychiatrische Begutachtung sei durchzuführen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Dr. A._ behandle die Beschwerdeführerin seit Jahren und
könne deshalb ihre gesundheitliche Situation am besten beurteilen. Anhaltspunkte, an
den Feststellungen von Dr. A._ zu zweifeln, bestünden nicht. Dass der Hausarzt den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin jeweils objektiv festgestellt habe, zeige
auch die Tatsache, dass er entgegen den Empfindungen seiner Patientin über Jahre
eine Stabilisierung des Gesundheitszustands festgestellt habe. Die Basis für das ABI-
Gutachten scheine ungenügend. Dass der begutachtende Psychiater mit einer knapp
des Deutschen kundigen Person eine Stunde lang spreche und dann bereits ein Urteil
fälle, sei unzureichend. Zudem fehle eine fundierte Auseinandersetzung mit den
Einschätzungen der anderen Psychiater und im Sachverhalt habe es massive Lücken.
Weiter wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügt, weil das ABI nicht auf
erstes Begehren hin die Krankengeschichte offengelegt habe. In diesem
Zusammenhang wird eine Verletzung von Art. 6 EMRK gerügt, sollten das Gutachten
berücksichtigt und die vollständigen Akten des ABI nicht offen gelegt werden.
Entgegen den Feststellungen des ABI habe sich der psychische Zustand der
Beschwerdeführerin eher verschlechtert. Es sei bezeichnend, dass die
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Beschwerdeführerin monatlich in Behandlung zu ihrem Psychiater Dr. C._ gehe. Sie
sollte derzeit vier verschiedene Medikamente einnehmen. Im Übrigen habe sich der
Gesundheitszustand nach Angaben von Dr. A._ verschlechtert. Die
Beschwerdeführerin habe nach wie vor starke Schwindelgefühle und Probleme mit
dem Blutdruck. Offenbar leide sie auch an Asthmaproblemen. Auch diesbezüglich sei
eine neue Begutachtung sinnvoll. Zum Einkommensvergleich macht der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend, beim Invalideneinkommen müsse
wegen des multiplen Beschwerdebilds, wegen der Tatsache, dass sie lange nicht mehr
eingegliedert sei und wegen ihres Alters ein Abzug von 20% berücksichtigt werden.
Grundsätzlich sei es nicht gerechtfertigt, überhaupt auf die Tabellenlöhne der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen, da in aller Öffentlichkeit weit
herum bekannt sei, dass die Tieflöhne auch für voll valide Personen im Bereich von
Fr. 3'000.- pro Monat lägen. Der Rechtsvertreter wirft die Frage auf, wie eine mehrfach
gesundheitlich geschädigte, ältere Mitbürgerin aus einem südosteuropäischen Land zu
einem höheren Lohn eingestellt werden solle (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin, das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
sei im Umfang der Weiterausrichtung einer Dreiviertelsrente gutzuheissen. Es sei
festzustellen, dass der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2007 eine Dreiviertelsrente
zustehe. Die Rechtsprechung verlange nicht, dass ein polydisziplinäres Gutachten
zwingend aus einzelnen Teilgutachten bestehe. Vielmehr sei zulässig, dass die
Ausführungen der einzelnen Gutachter direkt im Hauptgutachten enthalten seien. Da
die Beschwerdeführerin im ABI ausschliesslich begutachtet worden sei, sei nicht
ersichtlich, weshalb das ABI Unterlagen zu einer medizinischen Behandlung oder gar
eine eigentliche Krankengeschichte haben sollte. Zudem seien die Gutachter rechtlich
nicht verpflichtet, allfällige Handnotizen über die Begutachtung aufzubewahren. Es
genüge, wenn das Gutachten von sämtlichen Gutachtern unterzeichnet sei. Mit
Schreiben vom 12. Dezember 2006 habe Dr. A._ ausgeführt, er habe eine
Rentenrevision in die Wege geleitet, um der Beschwerdeführerin auch zu einer Rente
der Pensionskasse zu verhelfen. Die Beschwerdegegnerin wertet dies als Hinweis
darauf, dass der Hausarzt zugunsten der Beschwerdeführerin befangen sei. Auf seine
Beurteilung könne daher von Vornherein nicht abgestellt werden. Zudem sei er als
Allgemeinmediziner nicht fachärztlich kompetent, den psychischen
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Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Bezüglich der
psychiatrischen ABI-Begutachtung sei entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
nicht die Dauer der Untersuchung massgebend; vielmehr komme es darauf an, ob ein
Gutachten inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sei. Gemäss dem zweiten
ABI-Gutachten verfüge die Beschwerdeführerin über gute Deutschkenntnisse. Weil
somit eine ausreichende Verständigung möglich gewesen sei, habe kein Dolmetscher
beigezogen werden müssen. Es sei ohne Abstriche auf das zweite ABI-Gutachten
abzustellen. Beim Einkommensvergleich ging die Beschwerdegegnerin von einem
Valideneinkommen im Jahr 1999 von Fr. 50'245.- und von einem Invalideneinkommen
(ebenfalls Basis 1999) von Fr. 19'826.- aus, wobei sie beim Invalideneinkommen einen
Abzug von 10% berücksichtigte. Sie errechnete einen Invaliditätsgrad von 60%
(act. G 4).
B.c Mit Zwischenentscheid vom 24. Januar 2007 hiess der Präsident der Abteilung II
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen das Gesuch um Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung insoweit gut, als die Revision auf eine halbe
Invalidenrente im Streit liege, wies es hingegen ab, soweit die Revision auf eine
Dreiviertelsrente betroffen sei. Die Frage der Gerichtskosten und der
Parteientschädigung bleibe bei der Hauptsache (act. G 5; Verfahren IV 2006/295 Z).
C.
C.a Zum Vorbescheid vom 8. Dezember 2006 betreffend Arbeitsvermittlung nahm der
Rechtsvertreter der Versicherten gegenüber der IV-Stelle am 23. Januar 2007 Stellung.
Er beantragte, der Versicherten sei eine Arbeitsstelle im geschützten Rahmen und unter
Überwachung zu vermitteln, wo unter Begleitung und motivierender Betreuung genau
abgeklärt werden könne, welche Arbeit ihr zuzumuten sei und welche Leistung sie dort
erbringen könne (act. G 1.2 im Verfahren IV 2007/92; sofern im Folgenden nicht anders
gekennzeichnet, werden die unter der Verfahrensnummer IV 2006/295 geführten Akten
zitiert). Mit Verfügung vom 29. Januar 2007 schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung
ab. Der Begründung ist zu entnehmen, berufliche Eingliederungsmassnahmen könnten
nicht durchgeführt werden, weil sich die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig fühle
(act. G 1.1 im Verfahren IV 2007/92).
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C.b Gegen diese Verfügung erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 21. Februar
2007 Beschwerde. Er beantragt die Aufhebung der Verfügung. Sofern der
Beschwerdeführerin keine ganze IV-Rente zugesprochen werde, sei festzustellen, dass
sie Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen habe. Der Beschwerdeführerin sei die
unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Zu Recht sei die Beschwerdeführerin
völlig verunsichert, ob und wie viel sie arbeiten könne und müsse. Wenn der
Berufsberater einzig auf die Aussage der Beschwerdeführerin abstelle, wie stark sich
diese arbeitsfähig fühle, habe er weder die Problematik noch seine Aufgabe erkannt:
Eine wirkliche Eingliederung müsse mit einer sorgfältigen und motivierenden Abklärung
der tatsächlichen Leistungsfähigkeit einhergehen. Der Rechtsvertreter macht geltend,
gemäss seiner Wahrnehmung sei es keineswegs so, dass die Beschwerdeführerin sich
generell weigere, einen Arbeitsversuch zu machen. Sie habe ihm gegenüber
ausdrücklich ihre Bereitschaft erklärt, allfällige vom RAV oder vom Sozialamt geforderte
Einsätze zumindest zu versuchen. Im Übrigen sei die angefochtene Verfügung unklar.
Im Verfügungsteil heisse es, Arbeitsvermittlung sei geprüft worden und erscheine nicht
als möglich. Formell beziehe sich die Verfügung somit nur auf
Arbeitsvermittlungsmassnahmen. Im Text würden allerdings generell berufliche
Eingliederungsmassnahmen erwähnt. Ob damit über den Anspruch auf irgendwelche
Eingliederungsmassnahmen oder nur auf Arbeitsvermittlung verfügt werde, bleibe offen
(act. G 1 im Verfahren IV 2007/92).
C.c Die Beschwerdegegnerin beantragte im Verfahren IV 2007/92 betreffend
Arbeitsvermittlung am 6. März 2007 die Sistierung des Verfahrens (act. G 3 im
Verfahren IV 2007/92). Demgegenüber beantragte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin am 22. März 2007 die Vereinigung jenes Verfahrens mit dem
Rentenverfahren (act. G 5 im Verfahren IV 2007/92). Damit erklärte sich die
Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 24. April 2007 einverstanden (act. G 7 im
Verfahren IV 2007/92). Entsprechend wurden die beiden Verfahren vereinigt (act. G 7).
Im Schreiben vom 15. Mai 2007 wies die Beschwerdegegnerin betreffend berufliche
Massnahmen darauf hin, dass der Anspruch auf Umschulung allein aus Gründen der
Verhältnismässigkeit nicht gegeben sei. Sie beantragt die Abweisung der Beschwerde
(act. G 9 im Verfahren IV 2007/92).
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C.d Die Beschwerdeführerin liess am 11. Juni 2007 eine beide Verfahren betreffende
Replik einreichen. An den Anträgen lässt sie festhalten. In formeller Hinsicht rügt ihr
Rechtsvertreter weiterhin, dass die dem ABI-Gesamtgutachten zugrundeliegenden
Feststellungen nicht mehr im Einzelnen rekonstruiert werden könnten. Durch die
Unterzeichnung des Gutachtens durch sämtliche Gutachter werde nun auf
eigentümliche Art und Weise versucht, den rechtlichen Bedenken der
Beschwerdeführerin etwas entgegenzusetzen. Beim ABI handle es sich um ein
gewinnorientiertes Unternehmen, was dazu führe, dass die entsprechenden
Abklärungen in erster Linie den Leitlinien der Rentabilität und Effizienz und erst in
zweiter Linie der ärztlichen Sorgfaltspflicht zu folgen hätten. Dass das ABI nicht über
alle Zweifel erhaben sei, zeige auch die Tatsache, dass gegen den Gesellschafter und
Geschäftsführer des ABI derzeit eine Strafuntersuchung hängig sei. Dies, weil beim ABI
offenbar Teilgutachten von versicherten Personen zu deren Ungunsten abgeändert
worden seien. Nur schon unter diesem Aspekt dränge sich eine Neubeurteilung auf.
Gemäss einem Artikel der Sonntagszeitung hätte eine Studie der SUVA ergeben, dass
30% der in Auftrag gegebenen Gutachten untauglich und weitere 30% mangelhaft
seien. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin stellt den Antrag, diese Studie bei
der SUVA anzufordern um festzustellen, ob das ABI zu den Gutachterstellen gehöre,
die mangelhafte oder gar unbrauchbare Gutachten ablieferten. Sofern der Studie keine
Beurteilung der einzelnen Gutachterstellen entnommen werden könne, sei diese
Evaluation noch vorzunehmen. Betreffend ABI-Gutachten sei weiter zu rügen, dass das
ABI nicht zulasse, dass abzuklärende Personen begleitet würden. Für die
Beschwerdeführerin wäre eine Begleitung notwendig gewesen, da sie einerseits
aufgrund ihrer Beschwerden, andererseits aufgrund ihrer nicht ausreichenden
Deutschkenntnisse auf eine Begleitperson angewiesen sei. Die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin ihre Antidepressiva nicht mehr einnehme, dürfe im Übrigen nicht
zum Schluss führen, dass sich ihre depressive Verstimmung zurückgebildet habe
(act. G 9).
C.e Der zuständige Abteilungspräsident des Versicherungsgerichts bewilligte das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) am 19. Juni 2007 (act. G 11).
C.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 25. Juni 2007 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 12).
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Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügungen vom 14. November 2006 bzw. 29. Januar 2007
eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind vorliegend die
bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Streitig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist die von der
Beschwerdegegnerin vorgenommene Rentenrevision, die zu einer Herabsetzung der
Rente führte. Sollte die Rentenherabsetzung bestätigt werden, wäre weiter zu
beurteilen, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen hat. Obwohl gemäss Dispositiv der Verfügung vom 29. Ja
nuar 2007 nur die Arbeitsvermittlung abgeschlossen wurde, geht aus der Begründung
der Verfügung doch hervor, dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen insgesamt überprüft hat. So hatte der IV-Berufsberater in
seinem Schlussbericht vom 5. Dezember 2006 denn auch festgehalten, weder die
Voraussetzungen für ein Arbeitstraining, eine berufliche Abklärung noch
Arbeitsvermittlung seien gegeben. Berufliche Massnahmen und die Stellensuche seien
unrealistisch und zwecklos aufgrund des Umstands, dass sich die Beschwerdeführerin
gesundheitsbedingt nicht in der Lage fühle, eine Arbeit anzunehmen (IV-act. 75). In der
Stellungnahme vom 15. Mai 2007 hatte die Beschwerdegegnerin zudem einen
Anspruch auf Umschulung schon allein aus Gründen der Verhältnismässigkeit als nicht
gegeben bezeichnet (act. G 9 im Verfahren IV 2007/92). Sie ging also davon aus, den
Anspruch auf berufliche Massnahmen insgesamt geprüft zu haben. Der
Anfechtungsgegenstand der Verfügung vom 29. Januar 2007 ist somit nicht auf die
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Arbeitsvermittlung beschränkt, sondern erstreckt sich auf die beruflichen Massnahmen
insgesamt.
3.
3.1 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin möchte das ABI-Gutachten aus dem
Recht weisen lassen. Zur Begründung kritisiert er u.a. das ABI und dessen
Geschäftsführer pauschal unter Hinweis auf Beiträge in den Medien sowie ein hängiges
Strafverfahren. Die gegen das ABI in den Medien erhobenen Vorwürfe dürfen nicht zum
Anlass genommen werden, alle Gutachten des ABI pauschal als unglaubwürdig zu
qualifizieren. Zu einer strafrechtlichen Verurteilung des Geschäftsführers des ABI ist es
bisher nicht gekommen. Die Beschwerdegegnerin hat jedes Gutachten sorgfältig
darauf zu prüfen, ob es die Anforderungen an ein Gutachten mit vollem Beweiswert
erfüllt (vgl. die Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2007/11
vom 4. Juli 2007, Erw. 2b, und IV 2007/373 vom 20. Dezember 2007, Erw. 2.3). Dem
Antrag, eine von der SUVA erarbeitete allgemeine Studie zur Qualität von
medizinischen Gutachten beizuziehen und daraus nötigenfalls Rückschlüsse auf die
Qualität des ABI an sich zu ziehen, kann nicht stattgegeben werden. Es ist nicht
ersichtlich, inwiefern eine solche Studie Rückschlüsse auf den Beweiswert des
vorliegend zu beurteilenden konkreten Gutachtens zulassen sollte.
3.2 Auf das Gutachten im vorliegenden Fall bezogen rügt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin formell, dass kein Dolmetscher beigezogen wurde, obwohl die
Beschwerdeführerin des Deutschen nur knapp kundig sei. Die Beschwerdegegnerin
weist zu Recht darauf hin, dass es grundsätzlich Sache des Gutachters ist, im Rahmen
sorgfältiger Auftragserfüllung über den Beizug eines Dolmetschers zu entscheiden. Es
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass aufgrund von
Verständigungsschwierigkeiten zwischen der Beschwerdeführerin und dem
begutachtenden Psychiater Dr. D._ die Begutachtung nicht umfassend und
vollständig hätte erfolgen können. Dr. D._ wies explizit darauf hin, die
Beschwerdeführerin verfüge über gute Deutschkenntnisse (IV-act. 55-16 Ziff. 4.2.2). Er
sah also keine Veranlassung, einen Dolmetscher beizuziehen, was seitens der
Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung nicht bemängelt worden war (vgl.
auch das Urteil I 506/05 des Bundesgerichts vom 1. März 2006, Erw. 4.3). Auch bei der
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ersten Begutachtung im Jahr 2000 war offenbar der Beizug eines Dolmetschers nicht
notwendig. Die Forderung, das ABI-Gutachten wegen des unterbliebenen Beizugs eine
Dolmetschers aus dem Recht zu weisen, dringt bei dieser Aktenlage nicht durch.
Ebenso unbeachtlich ist die pauschale Rüge, dass das ABI es nicht zulasse, dass
abzuklärende Personen begleitet würden, zumal die Akten keinen Hinweis darauf
liefern, dass die Beschwerdeführerin vor der Begutachtung je den Wunsch äusserte,
von irgendwem begleitet zu werden.
3.3 Offen bleiben kann, ob das ABI-Gutachten formell zu beanstanden ist, weil
offenbar erst auf Insistierung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin hin alle
Teilgutachter das Gutachten unterzeichneten. Wie nachfolgend zu zeigen ist, kann auf
das zweite ABI-Gutachten nämlich ohnehin nicht abgestellt werden.
4.
4.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Anlass zur Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG
massgeblichen Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. Erw. 3.5). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen praxisgemäss
keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 Erw. 2b). Ob eine
revisionsbegründende Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten (der versicherten Person eröffneten)
rechtskräftigen Verfügung bestand, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in
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den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108),
mit dem Sachverhalt zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 Erw. 2).
4.2 Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) ist in einem Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der
Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert habe. Diese
Eintretensvoraussetzung muss auch dann erfüllt werden, wenn die IV-Stelle an einem
von ihr zuvor festgesetzten Termin einen Revisionsfragebogen verschickt. Nur wenn die
versicherte Person durch ihre Angaben in diesem Fragebogen glaubhaft darlegen kann,
dass eine erhebliche Veränderung eingetreten sei, darf ein materielles
Revisionsverfahren eröffnet werden (vgl. das unveröffentlichte Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2003/104 vom 29. April 2004, Erw. 1).
Die IV-Stelle kann die Angaben der versicherten Person im Fragebogen durch die
naheliegenden Abklärungen ergänzen, ohne damit den Rahmen der Eintretensprüfung
zu verlassen. Häufigster Anwendungsfall ist die Einholung eines Verlaufsberichts des
Hausarztes. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin mit dem Einholen des
Verlaufsberichts vom 20. März 2002 bei Dr. A._ (IV-act. 22) den Rahmen der
Eintretensprüfung noch nicht überschritten. 2002 erfolgte keine materielle Prüfung.
Demnach bildet der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin am 22. Januar 2001 die
Vergleichsbasis, denn an diesem Tag ist ihr ausgehend von einem Invaliditätsgrad von
75% eine ganze Invalidenrente zugesprochen worden, die erst im vorliegend zu
beurteilenden, im August 2005 eingeleiteten Revisionsverfahren herabgesetzt worden
ist (vgl. auch IV 2006/73 vom 31. Mai 2006, Erw. 3a).
4.2.1 Gemäss dem ersten ABI-Gutachten vom August 2000 war die attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 75% "eindeutig im psychischen Bereich" begründet (IV-
act. 16-11, Ziff. 6.1.2). Sie liege hauptsächlich an der depressiven Symptomatik und
nicht zuletzt auch an der Schmerzsymptomatik, so der begutachtende Psychiater
Dr. med. E._. Die Beschwerdeführerin zeige ein vermindertes Selbstwertgefühl, eine
Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle gegenüber den Verwandten, habe negative
Zukunftsaussicht, auch Suizidgedanken, Schlafstörungen, eine Appetitverminderung,
ein deutlich vermindertes Interesse an Kontakten, eine Freudlosigkeit und einen
Libidoverlust. Die Symptomatik sei chronifiziert, die Prognose müsse als ernst
betrachtet werden. Mit der Schmerzsymptomatik sei die depressive Symptomatik als
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solche in einem circulus vitiosus verbunden. Die Bewältigungsmechanismen und die
minimalen sozialen Ressourcen seien ausgeschöpft (IV-act. 16-8 f.). Weiter wird
erwähnt, die Beschwerdeführerin habe grosse Probleme mit ihrem Ehemann, er sei ein
schwieriger Mensch geworden, seit er dreimal am Kopf operiert worden sei. Nachts
habe er oft epileptische Anfälle, sie werde von ihm häufig geweckt (IV-act. 16-19). Aus
rheumatologischer Sicht wurde der Beschwerdeführerin volle Arbeitsfähigkeit attestiert
für leichte bis mittelschwere, wechselnd belastende Tätigkeiten unter Vermeidung von
Heben und Tragen von schweren Lasten, repetitiven Bewegungsmustern oder fixierten
Körperhaltungen.
4.2.2 Am zweiten ABI-Gutachten vom 26. Juni 2006 war als psychiatrischer
Teilgutachter nicht mehr Dr. E._, sondern Dr. D._ beteiligt. Er stellte die Diagnosen
der rezidivierenden depressiven Störung bei gegenwärtig leichter depressiver Episode
und der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Die Beschwerdeführerin habe
berichtet, seit der letzten psychiatrischen Begutachtung im Jahr 2000 habe sich wenig
verändert. Nach wie vor leide sie unter Schmerzen. Die Beschwerdeführerin fühle sich
verlassen, von niemandem unterstützt. Dies dürfe wesentlich damit zusammenhängen,
dass ihre leibliche Mutter wenige Stunden nach ihrer Geburt gestorben sei und sie in
ihrer frühen Kindheit die notwendige Unterstützung und Geborgenheit vermisst habe.
Dieses Gefühl des Verlassenseins habe sie während Jahren durch ihre Leistungen für
ihre Familie kompensieren können. Sie habe hohe narzisstische Gratifikationen aus
ihrer Aufopferung für ihre Familie bezogen. In Folge der zunehmenden Erschöpfung,
der sich entwickelnden Depression, sei sie dazu immer weniger in der Lage gewesen.
Das Gefühl des Verlassenseins habe sich durch den Tod ihres Vaters im Jahr 2005
verstärkt. Die psychiatrische Behandlung habe wenig am depressiven Zustandsbild
geändert. Allerdings nehme die Beschwerdeführerin entgegen ihren Behauptungen die
verordneten Antidepressiva gar nicht ein, wie die Blutserumkontrolle ergeben habe. Sie
scheine sich selbst also nicht als depressiv einzuschätzen. Die depressiven
Verstimmungen hätten sich somit im Vergleich zum Jahr 2000 zurückgebildet. Aus
psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin zu mindestens 50% arbeitsfähig (IV-
act. 55-17 und 55-20).
4.2.3 Im Gutachten wird wiederholt darauf hingewiesen, die Beschwerdeführerin
nehme die Antidepressiva entgegen ihren Angaben nicht ein, wie ein Bluttest ergeben
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habe. Dies betrachten die Gutachter als Beweis der Verbesserung des psychischen
Gesundheitszustands. Eine solche Beurteilung vermag nicht zu überzeugen. Gemäss
neueren Erkenntnissen der medizinischen Forschung sind Blutspiegelbestimmungen
bei Antidepressiva sehr tückisch, weil aufgrund der individuellen Bioverfügbarkeit der
Spiegel bei gleicher Dosierung von Individuum zu Individuum mit einem Faktor von
etwa 1:20 schwanken kann. Ein tiefer Spiegel ist deshalb kein Beweis dafür, dass ein
Patient keine Antidepressiva einnimmt (Mann John J., Drug Therapy. The Medical
Management of Depression, in: The New England Journal of Medicine, Massachusetts
Medical Society, Beitrag vom 27. Oktober 2005, S. 1829). Der von den ABI-Gutachtern
als zentral betrachtete, in Bezug auf Antidepressiva tiefe Blutserumspiegel erscheint
somit nicht als tauglich für den Beweis, dass die Beschwerdeführerin die Medikamente
nicht einnimmt. Daher kann allein gestützt auf das Ergebnis der Blutuntersuchung erst
recht keine Verbesserung der psychischen Erkrankung der Beschwerdeführerin
konstruiert werden. Zudem ist zu beachten, dass der Blutserumspiegel im Rahmen der
Begutachtung 2000 offenbar gar nicht gemessen wurde, weshalb die Ergebnisse der
Blutuntersuchung 2006 ohnehin keine Rückschlüsse auf eine Verbesserung zulassen. -
Es wäre im Übrigen sinnvoll, wenn die Beschwerdegegnerin das ABI über die
vorstehenden Feststellungen informieren würde.
4.2.4 Weitere Argumente für eine Verbesserung des psychiatrischen Zustandsbilds
liefern die ABI-Gutachter 2006 nicht. Im Gegenteil wird darauf hingewiesen, dass sich
die als (zumindest mit-) ursächlich betrachtete Problematik des Sich-verlassen-Fühlens
der Beschwerdeführerin durch den Tod ihres Vaters 2005 verstärkt habe. Zudem hatte
sich nach der Trennung vom Ehemann die gemeinsame ältere Tochter von der
Beschwerdeführerin abgewendet, was ihr offenbar ebenfalls zu schaffen machte. Mit
dem Zerfall ihrer Familie musste die Beschwerdeführerin wohl weitgehend auf die im
zweiten ABI-Gutachten erwähnten verbleibenden "narzisstischen Gratifikationen"
verzichten, die sie aus der Aufopferung für ihre Familie bezogen haben sollte. Dr. A._
wies mit Schreiben vom 12. Dezember 2006 darauf hin, dass die ältere Tochter der
Beschwerdeführerin, die er auch behandle, schwer erkrankt sei, was sich sehr
erschwerend auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin auswirke (IV-
act. 82-33). Der behandelnde Psychiater Dr. C._ hatte im Verlaufsbericht vom
24. September 2005 darauf hingewiesen, dass sich nach seinen Beobachtungen der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht gebessert habe. Sie wirke
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resigniert, hilflos. Er sehe die Prognose als ungünstig; es sei keine ins Gewicht fallende
Besserung zu erwarten (IV-act. 41-1). Die Entwicklungen weisen jedenfalls nicht auf
eine Verbesserung der psychischen Problematik hin; erst recht lassen sie eine solche
nicht als überwiegend wahrscheinlich erscheinen.
4.2.5 Insgesamt liefern die Akten keinerlei Hinweise auf eine Verbesserung der
Gesundheitssituation der Beschwerdeführerin zwischen 2000 und 2006. Eine
erhebliche Veränderung, wie für die Durchführung einer Rentenrevision erforderlich, ist
nicht ausgewiesen. Bei der Beurteilung von Dr. D._ im zweiten ABI-Gutachten
handelt es sich lediglich um eine von der ursprünglichen Einschätzung von Dr. E._
abweichende Würdigung des psychischen Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin. Die psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her
nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater deshalb
praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren
seien, sofern der Experte lege artis vorgegangen sei (vgl. die Leitlinien der
Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung
psychischer Störungen, in: SAeZ 2004 S. 1050 f., zitiert u.a. im höchstrichterlichen
Urteil I 783/05 vom 18. April 2006, Erw. 2.2). Gemäss den obigen Erwägungen gelingt
es den Gutachtern im zweiten ABI-Gutachten nicht, eine Verbesserung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
darzulegen. Es ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist zu beurteilen, ob die
damalige Einschätzung von Dr. E._ und die daraus resultierende rechtliche
Beurteilung des Falles über jeden Zweifel erhaben sind. Zu genügen hat, dass die
Revisionsvoraussetzungen nicht gegeben sind, weshalb die Beschwerde gutzuheissen
ist. Mangels überwiegend wahrscheinlich ausgewiesener erheblicher Veränderung des
psychischen Gesundheitszustands hat die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 75%. Mangels
Revisionsvoraussetzungen ist auf den im Rahmen der Rentenzusprache im Jahr 2001
vorgenommenen Einkommensvergleich nicht zurückzukommen.
5.
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Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen für den Fall, dass der Beschwerdeführerin keine ganze IV-
Rente zugesprochen werde. Da die Beurteilung der Rentenfrage ergab, dass die
Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat, ist deshalb
davon auszugehen, dass auf berufliche Massnahmen kein Anspruch besteht und dass
die Beschwerdeführerin daran nicht länger interessiert ist. Damit wird das Verfahren IV
2007/92 gegenstandslos.
6.
6.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Rentenverfügung
vom 14. November 2006 bei Gutheissung der Beschwerde vom 18. Dezember 2006
aufzuheben. Bei diesem Ausgang wird das Verfahren IV 2007/92 gegenstandslos und
ist abzuschreiben.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten eines Verfahrens werden
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-
bis Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die Verfahren IV 2006/295 und IV
2007/92 wurden vereinigt. Aufgrund der Aufhebung der Verfügung vom 14. November
2006 im Rentenverfahren wurde das Verfahren IV 2007/92 betreffend berufliche
Massnahmen gegenstandslos. Insgesamt erscheinen daher Gerichtskosten in der Höhe
von Fr. 800.- als angemessen (Fr. 200.- für den Zwischenentscheid, Fr. 600.- für den
Rentenentscheid). Da die Beschwerdeführerin voll obsiegt, sind die Gerichtskosten des
Rentenverfahrens in der Höhe von Fr. 600.- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung wurde insoweit
gutgeheissen, als die Revision auf eine halbe Rente im Streit lag, hingegen
abgewiesen, soweit die Revision auf eine Dreiviertelsrente betroffen war. Die
Beschwerdeführerin ist mit dem Gesuch also etwa hälftig durchgedrungen, weshalb sie
grundsätzlich Kosten in der Höhe von Fr. 100.- zu übernehmen hätte. Infolge der
bewilligten unentgeltlichen Prozessführung ist auf die Erhebung dieser Kosten jedoch
zu verzichten. Die Beschwerdegegnerin trägt die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.- zuzüglich Fr. 100.- für den Zwischenentscheid.
bis
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6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Im Verfahren IV 2006/295
obsiegte die Beschwerdeführerin vollständig. Die Beschwerdeerhebung im Verfahren IV
2007/92 war ebenfalls gerechtfertigt. Insgesamt erscheint für die beiden Verfahren eine
Parteientschädigung von Fr. 4'500.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
als angemessen. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung, das integral in der
Beschwerde vom 18. Dezember 2006 gegen die Rentenverfügung eingereicht wurde,
verursachte dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin keinen nennenswerten
Zusatzaufwand. Eine separate Parteientschädigung ist dafür nicht zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG