Decision ID: ea2071d9-1e12-5ab3-98f0-d27d8c1e1447
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 20.09.2012 Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG; Art. 21 Abs. 3 Vo EG-KVG: Eine versicherte unter 25-jährige Person in Ausbildung hat grundsätzlich einen selbständigen Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung, wenn ihre Eltern nicht zur Hauptsache für ihren Unterhalt aufkommen. Im konkreten Fall bestreitet der Rekurrent seinen Lebensunterhalt während der Ausbildung hauptsächlich aus der Unterhaltszahlung des Vaters (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. September 2012, KV-SG 2012/1).Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider, Versicherungsrichter Martin Rutishauser; a.o. Gerichtsschreiberin Nataša StankovićEntscheid vom 20. September 2012in SachenA._,Rekurrent,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Vorinstanz,betreffendindividuelle Prämienverbilligung 2011Sachverhalt:
A.
A.a Der 1986 geborene A._ meldete sich Ende 2011 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) zum Bezug einer individuellen
Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr 2011 an. Auf dem Anmeldeformular der SVA
vermerkte er, dass er sich am 1. Januar 2011 noch in Ausbildung befunden habe, seine
Eltern für den Monat Januar 2011 keine Ausbildungszulage nach dem
Familienzulagengesetz bezogen hätten und sie überwiegend für seinen
Lebensunterhalt aufkommen würden (act. G 6.1.1).
A.b Mit Verfügung vom 21. Dezember 2011 lehnte die SVA einen Anspruch des
Gesuchstellers auf IPV ab, da er bestätigt habe, seine Eltern hätten für ihn am 1. Januar
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des Bezugsjahrs eine Ausbildungszulage bezogen und/oder würden überwiegend für
seinen Lebensunterhalt aufkommen (act. G 6.1.2).
B.
B.a Mit Eingabe vom 20. Januar 2012 erhob der Gesuchsteller Einsprache gegen die
vorinstanzliche Verfügung und beantragte sinngemäss deren Aufhebung sowie die
rückwirkende Zuerkennung einer IPV ab 2011. Sein im Ausland lebender Vater habe
ihm im Jahr 2008 eine Einmalzahlung in der Höhe von Fr. 96'000.-- als
Unterhaltsbeitrag bis zur Beendigung seiner Ausbildung überwiesen. Für die
Berechnung dieses Betrags sei man von einer ab Zeitpunkt der Zahlung noch vier
Jahre dauernden Ausbildung ausgegangen; der aufgestellte Zeitplan betreffend
Studienzeit habe allerdings aus verschiedenen Gründen nicht eingehalten werden
können. Sodann verfüge er über kein Einkommen und bestreite seinen Lebensunterhalt
durch Vermögensverzehr. Schliesslich hätten seine Eltern seit 2008 keine
Steuerabzüge in Sachen Kinderunterhalt tätigen können, da der geschiedene und
unterhaltspflichtige Vater zum Zeitpunkt der Überweisung der besagten Einmalzahlung
bereits im Ausland Wohnsitz gehabt habe (act. G 6.1.3).
Zur Stützung seines geltend gemachten Vorbringens legte der Gesuchsteller folgende
Unterlagen in Kopie ins Recht (act. G 6.1.3a - 3c): Schreiben der B._ an das
Steueramt C._ vom 27. Februar 2010, Schreiben von Dr. Nicole Zürcher Fausch,
Rüesch Rechtsanwälte, an das kantonale Steueramt St. Gallen vom 8. September
2008, Zins- und Kapitalbescheinigung der Bank D._ an A._ vom 1. Januar 2011
sowie eine eTaxes 2010-Quittung des kantonalen Steueramts St. Gallen vom 3. August
2011.
B.b Mit Entscheid vom 30. Januar 2012 wies die SVA die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, der Gesuchsteller bestreite seinen
Lebensunterhalt während der Ausbildung überwiegend aus der erfolgten
Unterhaltszahlung des Vaters in der Höhe von Fr. 96'000.--. Über eigene Einkünfte
verfüge er nicht respektive diese würden sehr gering ausfallen. Daraus resultiere, dass
für den Lebensunterhalt in der Hauptsache der Vater durch elterliche Unterstützung
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aufkomme, weshalb ein allfälliger Anspruch durch denjenigen Elternteil geltend zu
machen sei, welcher das elterliche Sorgerecht inne habe (act. G 6.1.4).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 10. Februar 2012 (Datum Poststempel: 13. Februar 2012)
reichte A._ beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde (richtig:
Rekurs) gegen diesen Einspracheentscheid ein und beantragte sinngemäss die
Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die Gewährung der IPV für das Jahr
2011. Der Rekurrent hielt der Argumentation der Vorinstanz entgegen, es sei
unverständlich, dass der Entscheid, ob ihm eine IPV zustehe, nicht von seinen
tatsächlichen finanziellen Verhältnissen abhänge, sondern es vielmehr
ausschlaggebend sei, ob er nebenbei über eigene Einkünfte verfüge. Überdies hätten
seine Eltern in den letzten Jahren keine Kinderabzüge getätigt beziehungsweise keine
Ansprüche auf Kinderabzüge geltend gemacht. Weiter sei es nicht nachvollziehbar,
weshalb im vorliegenden besonderen Fall – die Unterhaltsbeiträge seines Vaters seien
vor einigen Jahren in einer Einmalzahlung erfolgt, anstatt dass sie monatlich oder
jährlich überwiesen worden wären und mithin von den Eltern steuertechnisch in Abzug
hätten gebracht werden können – die Vorinstanz darauf hinweise, ein allfälliger
Anspruch sei durch denjenigen Elternteil geltend zu machen, welcher das elterliche
Sorgerecht inne habe, denn schliesslich sei er 2011 25 Jahre alt geworden (act. G 1).
C.b Mit Vernehmlassung vom 22. März 2012 beantragt die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses unter Hinweis, es sei unbestritten, dass der Versicherte seinen
Lebensunterhalt zur Hauptsache nicht selber finanziere. 2009 und 2010 habe er ein
Erwerbseinkommen von lediglich unter Fr. 1'000.-- je Jahr erzielt und sein
Barvermögen, welches sich Ende 2008 auf Fr. 93'165.-- belaufen habe, innert zwei
Jahren auf Fr. 38'934.-- abgebaut. Angesichts dieser Zahlen sei es offensichtlich, dass
die Eltern überwiegend für den Lebensunterhalt des Gesuchstellers aufkommen
würden. Zudem sei nicht von Relevanz, dass sein bereits seit etlichen Jahren in E._
wohnender Vater seine Unterhaltspflicht gemäss Art. 277 Abs. 2 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 2007 (ZGB; SR 210) mit einer Einmalzahlung
beglichen habe. Im Übrigen sei der Umstand, ob und in welchem Umfang die Eltern
des Versicherten Steuerabzüge für diesen tätigen könnten, unerheblich (act. G 6).
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C.c Mit Schreiben vom 27. März 2012 liess das Versicherungsgericht dem
Rekurrenten ein Doppel der gegnerischen Stellungnahme zukommen. Die gewährte
Frist zur Einreichung einer Replik liess er unbenützt verstreichen (act. G 7 und G 8).

Erwägungen:
1.
Streitig und im vorliegenden Verfahren zu beurteilen ist, ob dem Rekurrenten ein
eigenständiger Anspruch auf eine IPV für das Jahr 2011 zusteht.
2.
2.1 Gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG;
SR 832.10) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen Prämienverbilligungen für die Krankenversicherung zu gewähren. Dazu
haben sie nach Art. 97 Abs. 1 KVG Ausführungsbestimmungen zu erlassen, bei deren
Ausgestaltung die Bedingungen von Art. 65 Abs. 3 KVG zu beachten sind. Der Kanton
St. Gallen ist dieser Verpflichtung durch die Art. 9 - 16 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (EG-KVG; sGS 331.11) und die
dazugehörigen Vollzugsvorschriften von Art. 9 - 38 der Verordnung zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (Vo-EG;
sGS 331.111) nachgekommen, wobei er insbesondere die persönlichen (Art. 10 EG-
KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG) Voraussetzungen sowie die
Höhe der Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG) festgesetzt hat.
2.2 Nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG wird eine Prämienverbilligung Personen gewährt, die
im Kanton St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die
Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). Massgebend für die
Anspruchsberechtigung auf Prämienverbilligung sind für Personen mit zivilrechtlichem
Wohnsitz im Kanton die persönlichen und familiären Verhältnisse am 1. Januar des
Jahres, für das die Prämienverbilligung beansprucht wird (Art. 9 Abs. 1 Vo-EG). Keine
(eigene) Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG in Ausbildung
stehenden Personen bis zum vollendeten 25. Altersjahr gewährt, für deren Unterhalt die
Eltern zur Hauptsache aufkommen. Für diese Personen erhalten nach Art. 21 Abs. 3
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Vo-EG die Eltern die Prämienverbilligung, wenn ein Anspruch auf Ausbildungszulage
besteht. Gleichzeitig wird den Eltern für diese Personen ein Kinderabzug von
Fr. 10'000.-- vom massgebenden Einkommen gewährt (Art. 14 Abs. 2 Vo-EG). Mit
dieser Lösung hat der st. gallische Gesetzgeber für in Ausbildung stehende, unter 25-
jährige Personen analog zum Steuerrecht den familienrechtlichen Unterhalt als
Anknüpfungspunkt gewählt (vgl. ABl 1995 S. 1536; vgl. auch Art. 10 Abs. 1 Ziff. 3 EG-
KVG sowie Art. 14 Abs. 2 Vo-EG), und dabei eine klare Unterscheidung getroffen
zwischen Personen, für deren Lebensunterhalt zur Hauptsache die Eltern aufkommen,
und solchen, für die dies nicht zutrifft, sei es, dass sie selbst dafür aufkommen oder
von Dritten unterstützt werden. Für Angehörige der ersten Gruppe erhalten, wenn ein
Anspruch auf Ausbildungszulage besteht, die Eltern die Prämienverbilligung (Art. 10
Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG i.V.m. Art. 21 Abs. 3 Vo-EG), jene der zweiten Gruppe verfügen
unter den Voraussetzungen von Art. 10 Abs. 1 EG-KVG über einen eigenen Anspruch.
3.
3.1 Der Rekurrent beanstandet, es sei unverständlich, dass, obwohl aus den
Unterlagen hervorgehe, dass er von weit weniger als Fr. 2000.-- im Monat lebe, der
Entscheid, ob ein Anspruch auf IPV für das Jahr 2011 bestehe, nicht von seinen
tatsächlichen finanziellen Verhältnissen abhänge, sondern es vielmehr
ausschlaggebend sei, ob er nebenbei über eigene Einkünfte verfüge.
3.2 Aufgrund der Aktenlage ist im vorliegenden Fall unbestritten, dass der Rekurrent
von seinem Vater im Jahr 2008 eine Einmalzahlung in der Höhe von Fr. 96'000.-- für die
künftig noch zu leistenden Unterhaltsbeiträge bis zur Beendigung seiner Ausbildung
erhielt (vgl. act. G 6.1.3 - 3a). Des Weiteren ist aus den Unterlagen ersichtlich, dass der
Rekurrent 2009 und 2010 lediglich ein Erwerbseinkommen von unter Fr. 1'800.-- pro
Jahr (inklusive Erwerbsausfallentschädigung) erzielte (act. G 6.1.3). Sein Barvermögen,
welches Ende 2008 noch Fr. 93'165 betrug, wies per 31. Dezember 2010 einen Saldo
in der Höhe von 38'934.10 auf (act. G 6.1.3 sowie 3c). Angesichts dieser Zahlen sowie
des Umstands, dass die Einmalzahlung im Rahmen der Unterhaltspflicht erfolgte, ist in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der Rekurrent seine
Lebenshaltungskosten (vgl. zur Zusammensetzung der Lebenshaltungskosten
Landesindex der Konsumentenpreise [Dezember 2005 = 100], Methodische
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Grundlagen, hrsg. vom Bundesamt für Statistik [BFS], 2007, S. 8 f. und S. 24 ff.)
während der Ausbildung hauptsächlich aus besagter Unterhaltszahlung bestreitet. Im
Übrigen ist den Angaben des Rekurrenten zu entnehmen, dass er selber der Ansicht
ist, seine Eltern würden für seine Lebenshaltungskosten überwiegend aufkommen (act.
G 6.1.1 sowie G. 6.1.3). Aus den Akten geht überdies hervor, dass er im Zeitpunkt der
erfolgten Einmalzahlung bereits ein Studienjahr absolviert hatte und sich zumindest bis
anfangs 2012 an seinem Status als Student einer hochschulischen Ausbildung nichts
geändert hat (act. G 6.1.3). Folglich ergibt sich, dass sich der Rekurrent, welcher im
Jahr 2011 sein 25. Altersjahr vollendete, am für die Beurteilung der IPV massgebenden
Stichtag des 1. Januar 2011 (Art. 9 Abs. 1 Vo EG-KVG) noch im Studium befand sowie
die gesetzlich normierte Altersgrenze von 25 Jahren noch nicht erreicht hatte.
Aufgrund vorstehender Erwägungen ist festzustellen, dass dem Rekurrenten kein
selbständiger Anspruch gemäss Art. 10 Abs. 2 Ziff.3 EG-KVG auf IPV für das Jahr 2011
zusteht.
3.3 Schliesslich vermag der Einwand des Rekurrenten, kein Elternteil habe die
geleistete Unterhaltszahlung steuertechnisch in Abzug bringen können, vorstehende
Erwägungen nicht umzustossen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, ist im
vorliegenden Zusammenhang nicht von Relevanz, ob und in welchem Umfang die
Eltern des Rekurrenten Steuerabzüge für ihn tätigen können, sondern einzig
wesentlich, ob die Voraussetzungen der obengenannten einschlägigen gesetzlichen
Bestimmungen erfüllt sind.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist der Rekurs gegen den Einspracheentscheid vom
30. Januar 2012 abzuweisen.
4.2 Bei diesem Verfahrensausgang würde der Rekurrent gemäss Art. 95 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) grundsätzlich
kostenpflichtig. Angesichts der gesamten Umstände (geringes Einkommen;
bestehendes Vermögen wird für Unterhalts- und Ausbildungskosten benötigt)
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rechtfertigt es sich jedoch, in Anwendung von Art. 97 VRP auf die Erhebung von
Gerichtskosten zu verzichten
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP