Decision ID: a75325ac-1ae0-5fc3-89eb-81a151b42e64
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 14. Mai 2012 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach.
Er machte geltend, er habe in B._ an Demonstrationen gegen die
iranische Regierung teilgenommen; im Februar respektive März 2010 sei
er festgenommen worden. Nach zwei Jahren sei er aus der Haft entlassen
worden, nachdem seine (...) eine Garantieleistung bezahlt beziehungs-
weise ein (...) ihm zur Flucht aus der Klinik, in der er die letzten Monate
der Haft verbracht habe, verholfen habe. Es sei ein Verfahren gegen ihn
hängig gewesen. Aus Angst vor einer erneuten Inhaftierung habe er sich
am (...) 2012 zur türkischen Grenze begeben und sei am 14. Mai 2012
schliesslich in die Schweiz gelangt. Er leide unter (...) und (...).
A.b Mit Verfügung vom 3. Dezember 2014 stellte das vormalige Bundes-
amt für Migration (BFM; heute: SEM) fest, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
Es erachtete die geltend gemachten Fluchtvorbringen als unglaubhaft und
den Wegweisungsvollzug als zulässig, zumutbar und möglich.
A.c Auf die vom Beschwerdeführer dagegen verspätet erhobene Be-
schwerde trat das Bundesverwaltungsgericht – unter gleichzeitiger Abwei-
sung eines Fristwiederherstellungsgesuchs – mit Urteil D-78/2015 vom
22. Januar 2015 nicht ein.
B.
B.a Mit Schreiben vom 29. Januar 2015 ersuchte der Beschwerdeführer
beim SEM um wiedererwägungsweise Gewährung der vorläufigen Auf-
nahme.
Er brachte vor, nach einem Erdbeben im Süden des Irans anfangs 2015
sei die Versorgung der lokalen Bevölkerung mit Medikamenten erschwert.
B.b Mit Verfügung vom 20. März 2015 lehnte das SEM das Wiedererwä-
gungsgesuch ab.
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B.c Die vom Beschwerdeführer dagegen erhobene Beschwerde erachtete
das Bundesverwaltungsgericht als rechtsmissbräuchlich, weshalb es auf
diese mit Urteil D-2442/2015 vom 28. April 2015 nicht eintrat.
C.
Mit als "Wiedererwägungsgesuch" betitelter Eingabe vom 9. November
2016 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM erneut um Gewährung
des Asyls, eventualiter um vorläufige Aufnahme als Flüchtling.
Er verwies auf die im Asylverfahren vorgebrachten Fluchtgründe und
machte geltend, es sei bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS) diagnostiziert worden, die wahrscheinlich auf die erlittene Inhaftie-
rung zurückzuführen sei. Dadurch werde klar, dass er im Asylverfahren
nicht in der Lage gewesen sei, seine Erlebnisse so darzulegen, dass der
Eindruck von persönlich Erlebtem entstanden wäre. Heute könne er sich
besser erinnern und verbalisieren. Zudem sei er in der Schweiz zum Chris-
tentum konvertiert. Er habe bereits im Iran begonnen, sich mit dem christ-
lichen Glauben auseinanderzusetzen. Eine (...) Christin habe ihn (...) zu
einer Bibelgruppe eingeladen und er habe diese fortan einmal pro Monat
besucht. Hierzulande habe er vor etwa eineinhalb Jahren Anschluss an die
(...) gefunden. Regelmässige Treffen deren internationaler Gruppe seien
integraler Bestandteil seines Soziallebens geworden. Am (...) habe er sich
taufen lassen. Bei einer Rückkehr in den Iran wäre es ihm nicht möglich,
seinen Glauben auszuüben. Wegen der Konversion würde ihm dort die To-
desstrafe drohen.
Der Eingabe lagen drei ärztliche Berichte, eine Taufbestätigung vom (...),
Schreiben von Familienangehörigen und Bekannten sowie eine CD mit Vi-
deos über religiöse Verfolgung im Iran bei.
D.
Mit Verfügung vom 19. Dezember 2016 stellte das SEM fest, dass der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle (Dispositivziffer 1).
Es lehnte das Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2) und ordnete die Wegwei-
sung (Dispositivziffer 3) sowie den Vollzug (Dispositivziffern 4 und 5) an.
Zudem erhob es eine Gebühr von Fr. 600.– (Dispositivziffer 6).
Es führte an, die Eingabe vom 9. November 2016 sei in Bezug auf die neu
vorgebrachte Konversion des Beschwerdeführers zum Christentum als
Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c Abs. 1 AsylG (SR 142.31) zu prüfen.
Hinsichtlich der Vorbringen betreffend die PTBS sei sie als qualifiziertes
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Wiedererwägungsgesuch entgegenzunehmen. Die Diagnose (PTBS) ver-
möge die behauptete Verhaftung und Misshandlung des Beschwerdefüh-
rers nicht zu belegen und die Widersprüche in dessen Aussagen nicht zu
erklären. Eine christliche Glaubensausübung vermöge im Iran Massnah-
men auszulösen, wenn sie hierzulande aktiv und sichtbar praktiziert werde
und davon ausgegangen werden müsse, dass das heimatliche Umfeld da-
von erfahre, da dann die Gefahr einer Denunzierung bei den iranischen
Sicherheitsdiensten bestehen könne. Es werde nicht in Frage gestellt, dass
der Beschwerdeführer sich in einem christlichen Umfeld bewege. Aus den
Akten ergebe sich jedoch nicht, dass er in leitender Funktion tätig wäre
oder sich besonders exponiert hätte. Von einer konkreten Gefahr, den ira-
nischen Behörden aufgrund der Konversion aufgefallen zu sein, sei damit
nicht auszugehen. Der Wegweisungsvollzug sei weiterhin durchführbar.
E.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. Januar 2017
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Er brachte vor, er sei bedingt durch sein Krankheitsbild erst im November
2016 in der Lage gewesen, den fluchtauslösenden Sachverhalt richtig dar-
zustellen. Am (...) sei er zwecks Sicherstellung der Anwesenheit beim Aus-
reisegespräch festgenommen worden. Beim Gespräch am (...) seien nebst
einem Mitarbeiter des SEM auch ein Vertreter der iranischen Botschaft und
ein Mitarbeiter des (...), hingegen kein Dolmetscher anwesend gewesen.
Der Botschaftsmitarbeiter habe das Gesprochene ins Englische übersetzt,
aber ungenau und unvollständig. Auch habe dieser mit ihm in Farsi gespro-
chen, ohne das Gesagte zu übersetzen, und ihm dabei gesagt, dass die
Botschaft Kenntnis von seiner Situation habe und es für ihn aufgrund seiner
Probleme besser wäre, in der Schweiz zu bleiben. Dieser Hinweis lasse
nur den Schluss zu, dass er im Iran nicht in Ruhe gelassen würde. Es sei
bekannt, dass der iranische Geheimdienst seine Leute auch in Botschaften
im Ausland verteilt habe, um Landsleute zu überwachen. Er habe sich be-
reits im Iran mit der christlichen Lehre befasst und sei in der Schweiz zum
Christentum übergetreten. Er besuche regelmässig den Gottesdienst der
(...) und beschäftige sich intensiv mit der Glaubensrichtung. Dies werde
vom (...), der ihn getauft habe, bestätigt. Bei einer Rückkehr in den Iran
würde er den Glauben weiter praktizieren. Er wäre deshalb einer ernsthaf-
ten, aufgrund der politischen Aktivitäten vor der Ausreise noch erhöhten
Gefahr der Verfolgung durch die iranischen Behörden ausgesetzt, zumal
Konvertiten aus freikirchlichen Kreisen per se unterstellt werde, ausländi-
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sche Agenten zu sein. Der Wegweisungsvollzug sei unzulässig und unzu-
mutbar. Er benötige ärztliche Behandlung und die Fortschritte würden bei
einem Behandlungsunterbruch zunichtegemacht.
Er reichte folgende Dokumente ein: Effektenverzeichnis vom (...), Ge-
sprächsprotokoll des (...) vom (...), Arztbericht vom 16. Januar 2017, SFH-
Bericht vom 18. Oktober 2005, UNHCR-Bericht vom 6. Dezember 2001,
Urteil des bayerischen Verwaltungsgerichts Augsburg vom 19. September
2016, Schreiben der Kirche (...) vom 17. Januar 2017, Fotos (Verwandten-
hochzeit), WhatsApp-Chat-Verlauf vom 15. Januar 2017.
F.
Mit Urteil (...) vom (...) 2020 hob das Bundesverwaltungsgericht die Dis-
positivziffern 1, 4 und 5 der Verfügung vom 19. Dezember 2016 auf und
wies die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurtei-
lung der Frage des Vorliegens eines subjektiven Nachfluchtgrunds an das
SEM zurück. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab.
Das Gericht erwog, der Beschwerdeführer vermöge keine andere Ein-
schätzung der als unglaubhaft erachteten Fluchtgründe zu erwirken. In Be-
zug auf die geltend gemachte Konversion zum Christentum sei der Sach-
verhalt nicht rechtsgenüglich erstellt. Das SEM sei diesbezüglich in seiner
Verfügung nicht davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer den ira-
nischen Behörden aufgefallen sei. Auf Beschwerdeebene habe der Be-
schwerdeführer aber vorgebracht, er habe beim Ausreisegespräch vom
(...) einem Vertreter der iranischen Botschaft gegenüber offenbart, dass er
Christ geworden sei; der anwesende Mitarbeiter des (...) habe dies schrift-
lich festgehalten. Aus den vorinstanzlichen Akten sei weder der Inhalt des
besagten Ausreisegesprächs noch der Teilnehmerkreis ersichtlich und das
SEM habe sich in seiner Vernehmlassung nicht mit der vom Beschwerde-
führer geltend gemachten Kenntnis der iranischen Behörden auseinander-
gesetzt. Indem das SEM sich trotz entsprechender Rügen in der Rechts-
mitteleingabe und der Vorlage eines Belegs, aus dem sich hinreichend kon-
krete Hinweise auf eine mögliche Kenntniserlangung der iranischen Behör-
den ergeben würden, nicht zu den Fragen der Richtigkeit des eingereichten
Protokollauszugs und der Gefährdungslage geäussert habe, sei eine un-
vollständige Abklärung des Sachverhalts bezüglich der Frage, ob die Kon-
version des Beschwerdeführers bereits bekannt sei, zu erkennen. In der
Folge könne erst geprüft werden, ob der Beschwerdeführer wegen der
Konversion zum Christentum einer flüchtlingsrechtlich relevanten Bedro-
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hung seitens der iranischen Behörden ausgesetzt wäre. Die Sache sei da-
her zwecks vollständiger Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung der
Frage des Vorliegens eines subjektiven Nachfluchtgrunds an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen.
G.
Mit Verfügung vom 28. April 2020 – eröffnet am 29. April 2020 – wies das
SEM das Mehrfachgesuch vom 9. November 2016 ab (Dispositivziffer 1)
und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz
(Dispositivziffer 2) sowie den Vollzug an (Dispositivziffern 3 und 4). Zudem
erhob es eine Gebühr von Fr. 600.– (Dispositivziffer 5).
Es führte im Wesentlichen an, dass eine christliche Glaubensausübung im
Iran Massnahmen auszulösen vermöge, wenn sie hierzulande aktiv und
sichtbar praktiziert werde und davon ausgegangen werden müsse, dass
das heimatliche Umfeld davon erfahre, da dann die Gefahr einer Denun-
zierung bei den iranischen Sicherheitsdiensten bestehen könne. Neben
der Glaubhaftigkeit der im Ausland erfolgten Konversion müsse daher auch
das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit in Betracht gezogen werden. Es
sei bekannt, dass sich die iranischen Behörden für die Aktivitäten ihrer
Staatsangehörigen im Ausland interessieren würden. Es sei jedoch davon
auszugehen, dass sie sich bei der Überwachung auf Personen konzentrie-
ren würden, die mit ihren politischen oder religiösen Aktivitäten aus der
Masse der regimekritischen Staatsangehörigen hervortreten und als ernst-
hafte Bedrohung für das iranische Regime wahrgenommen würden. Im
Ausland erfolgte Glaubensübertritte würden nicht selten als Mittel zum Er-
werb einer Aufenthaltsmöglichkeit instrumentalisiert. Diese asyltaktische
Handlungsweise iranischer Staatsbürger sei den iranischen Behörden
durchaus bekannt und werde bei der Bewertung des Verhaltens insofern
berücksichtigt, als solche Konversionen bei einer Rückkehr in den Iran
nicht zu ernsthaften Nachteilen führen würden, zumal die diskrete und pri-
vate Glaubensausübung im Iran auch ausserhalb des Islams grundsätzlich
möglich sei. Den Akten seien keine konkreten Hinweise zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführer in Zusammenhang mit seiner christlichen Ge-
sinnung in leitender Funktion tätig wäre oder sich besonders exponiert
hätte. Seine Glaubensausübung beschränke sich weitgehend auf die re-
gelmässige Teilnahme an Gottesdiensten. Damit könne nicht von einer ak-
tiven, fast missionierende Züge annehmenden Glaubensausübung gespro-
chen werden. Sein Verhalten in der Schweiz sei daher nicht geeignet, eine
Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung bei einer Rückkehr in
den Iran zu begründen, auch wenn ein Mitarbeiter der iranischen Botschaft
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über die Konversion in Kenntnis gesetzt worden sei. Selbst wenn der Bot-
schaftsangehörige die Information weitergleitet haben sollte, würden keine
konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass die iranischen
Behörden die Konversion und Glaubensausübung des Beschwerdeführers
als Bedrohung wahrgenommen oder deswegen im Iran Massnahmen ge-
gen ihn eingeleitet hätten. Ferner würden auch keine Hinweise vorliegen,
dass Familienangehörige Kenntnis von der Zuwendung des Beschwerde-
führers zum Christentum hätten oder sich daran stossen würden. Es lägen
damit keine die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG begründenden
subjektiven Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vor. Der Wegwei-
sungsvollzug sei weiterhin als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten.
Den ärztlichen Unterlagen sei nicht zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führer eine medizinische Behandlung benötige, die im Iran nicht gewähr-
leistet wäre. Im Übrigen stehe es ihm frei, Rückkehrhilfe zu beantragen.
H.
Mit Eingabe vom 29. Mai 2020 erhob der Beschwerdeführer durch den
rubrizierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Er ersuchte um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Anwei-
sung der Vorinstanz, ihn als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzuneh-
men, eventualiter um Feststellung der Unzulässigkeit respektive Unzumut-
barkeit oder Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs, und subeventualiter
um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 28. April 2020 und um
Rückweisung der Sache an das SEM zur Neubeurteilung. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchte er zudem um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung.
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, das SEM habe nach der
Kassation keine erkennbaren zusätzlichen Abklärungen getroffen und sich
entgegen der Vorgaben des Gerichts nicht zum Inhalt und dem Teilnehmer-
kreis beim Ausreisegespräch vom (...) respektive der Richtigkeit des vor-
gelegten Protokollauszugs geäussert. Es stelle sich daher die Frage einer
nochmaligen Rückweisung. Er habe den Vertreter der iranischen Botschaft
im Rahmen des Ausreisegesprächs über seinen Glaubenswechsel infor-
miert. Es sei daher davon auszugehen, dass seine Konversion und Abkehr
vom Islam den iranischen Behörden zur Kenntnis gelangt sei. Das SEM
habe sich in seinem Entscheid nicht mit der aktuellen Gefährdungslage von
Konvertiten mit Verbindungen zu evangelikalen Kreisen auseinanderge-
setzt. Er habe hierzulande im Jahr 2015 Anschluss an die (...) gefunden
und sich im (...) taufen lassen. Er besuche jeden Sonntag den Gottesdienst
der (...) und nehme regelmässig an Treffen deren internationaler Gruppe
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und einer ihrer Bibelgruppen teil. Er besuche auch regelmässig Bibelgrup-
pensitzungen der (...) in C._ und amte dabei als Übersetzungshilfe.
Des Weiteren besuche er mehrmals im Monat Hauskreise der freikirchli-
chen (...). Auch habe er verschiedentlich an christlichen (...) teilgenom-
men. Er sei somit nunmehr seit mehreren Jahren in evangelischen und
freikirchlichen Kreisen aktiv, verbringe einen Grossteil seines Privatlebens
in christlichen Gemeinschaften und lebe seinen Glauben mit Überzeugung.
Er wolle diesen auch weiterhin offen ausüben, was ihm bei einer Rückkehr
in den Iran indes nicht möglich wäre. Die dortige Menschenrechtssituation
sei beunruhigend. Der Abfall vom Glauben komme laut dem Koran einem
Verrat an der islamischen Gemeinde gleich und gelte als Bedrohung für
das iranische Regime, unabhängig von Missionierungstätigkeiten. Nur
schon der Besitz von Farsi-sprachigen Bibeln sei verboten. Als Konvertit
müsste er daher im Iran mit ernsthaften Nachteilen in Form langjähriger
Haft oder gar dem Tod rechnen, sei der Abfall vom Glauben doch gemäss
Scharia mit dem Tod zu bestrafen. Die Anzahl der Hinrichtungen im Iran
aufgrund des vage definierten Vergehens "Feindschaft zu Gott" sei besorg-
niserregend. Die Situation von Konvertiten sei nicht mit derjenigen gebür-
tiger Christen zu vergleichen, deren Religionsausübung im Iran nicht
grundsätzlich verboten sei. Der Besuch eines kirchlichen Gottesdiensts sei
im Iran nur nach vorgängiger Registrierung und des Erhalts einer entspre-
chenden Karte möglich. Ein solch offenes Bekenntnis zum Christentum sei
für Konvertiten jedoch aufgrund der drohenden Ahndung des Abfalls vom
Islam undenkbar. Evangelikale oder freikirchliche Gläubige müssten sich
im Untergrund treffen, was mit grossen Gefahren und unzumutbarem psy-
chischem Druck verbunden sei. Evangelikale Christen seien besonders ge-
fährdet, da die iranischen Behörden die Aktivitäten der evangelikalen Be-
wegungen als Angriff auf das Regime erachten würden. Für Menschen aus
der (...) sei der Glaube untrennbar mit dessen Verkündung verbunden. Die
Verbreitung des Evangeliums sei ein zentrales Element dieser missionari-
schen Bewegung. Dies sei zu berücksichtigen, auch wenn er seinen Glau-
ben nicht öffentlichkeitswirksam inszeniere. Seine Angehörigen im Iran hät-
ten Kenntnis von seiner Konversion. Er habe nur noch mit der (...), einer
(...) und einem (...) Kontakt. Diese würden ihn so akzeptieren, wie er sei.
Seine weiteren (...) und Verwandten würden seine Konversion nicht billi-
gen und wollten nichts mehr mit ihm zu tun haben. Nachdem die iranischen
Behörden seit dem (...) Kenntnis von seiner Konversion zum Christentum
hätten, sei davon auszugehen, dass ihnen in den vergangenen (...) Jahren
auch bekannt geworden sei, dass er eine missionarische evangelikale Be-
wegung frequentiere, und dass sie diese Verbindung als Angriff auf den
Staat werten und entsprechend verfolgen würden. Im Übrigen könnte von
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ihm nicht erwartet werden, dass er bei einer Rückkehr in den Iran auf die
Glaubensausübung verzichten würde, um eine sich abzeichnende Verfol-
gung zu vermeiden. Er sei deshalb im Sinne von Art. 54 AsylG als Flücht-
ling vorläufig aufzunehmen.
Zum Beleg seiner Glaubensausübung reichte er Bestätigungsschreiben
der (...) vom 21. Mai 2020, der (...) vom 22. Mai 2020 und der (...) vom
27. Mai 2020 sowie diverse Fotos zu Veranstaltungen (bspw. Taufe) ein.
I.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 3. Juni 2020 den Eingang
der Beschwerde.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2020 stellte die Instruktionsrichterin
fest, dass die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers bislang nicht belegt sei.
Sie verschob den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete
einstweilen auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud
sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
K.
In seiner Vernehmlassung vom 23. Juni 2020 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde.
L.
Mit Eingabe vom 26. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer eine vom
10. Juni 2020 datierende Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung ein.
M.
Die Instruktionsrichterin stellte dem Beschwerdeführer die Vernehmlas-
sung am 30. Juni 2020 zur Kenntnisnahme zu.
N.
Mit Eingabe vom 22. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer ein weiteres
Beweismittel zu den Akten (Bestätigungsschreiben vom 3. Juni 2020 be-
züglich der Teilnahme an drei von kirchlichen Kreisen organisierten [...]).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
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1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt jedoch das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Vorab ist in Bezug auf den Eventualantrag des Beschwerdeführers um
Rückweisung der Sache an das SEM festzustellen, dass keine Veranlas-
sung besteht, die vorinstanzliche Verfügung aus formellen Gründen aufzu-
heben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die formelle Rüge
des Beschwerdeführers, das SEM habe sich nicht zur Richtigkeit des vor-
gelegten Protokollauszugs des Ausreisegesprächs vom (...) geäussert,
vermag nicht zu greifen. Das SEM stellte in seinem Entscheid nicht in
Frage, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des besagten Ausreisege-
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sprächs einem Vertreter der iranischen Botschaft gegenüber die Konver-
sion zum Christentum offenbart habe, und bejahte damit implizit die Rich-
tigkeit des besagten Protokollauszugs. Ob seiner Einschätzung, dass für
den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Iran dennoch keine Ge-
fährdung bestehe, zuzustimmen ist, ist nun im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens zu prüfen.
4.
4.1 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die Frage,
ob der Beschwerdeführer aufgrund seiner Konversion zum Christentum in
der Schweiz bei einer Rückkehr in den Iran befürchten muss, ernsthaften
Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden.
4.2 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus
dem Heimatland (beispielsweise eine Konversion zu einem anderen Glau-
ben) eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht soge-
nannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend.
Solche begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3
AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, un-
abhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt
wurden. Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe
nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig auf-
genommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Es bleiben die Anforderungen an
den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7
AsylG).
4.3 Die allgemeine Menschenrechtslage im Iran ist als schlecht anzuse-
hen. Die Meinungsäusserungsfreiheit wird in systematischer Weise unter-
drückt. Nicht-Muslime werden auf gesetzlicher und wirtschaftlicher Ebene
diskriminiert. Weiter besteht im Speziellen für christlich gläubige Personen
das Verbot der Missionstätigkeit, dessen Zuwiderhandlung rechtlich ver-
folgt wird (vgl. BVGE 2009/28, E.7.3). Auch der Abfall vom Islam ist im Iran
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verboten. Gemäss islamischem Recht existiert für eine muslimische Per-
son keine anerkannte Möglichkeit, dem islamischen Glauben abzuschwö-
ren und zum Christentum überzutreten. Gemäss dem Koran kommt der
Abfall vom Glauben dem Verrat an der islamischen Gemeinde gleich und
soll mit dem Tod bestraft werden. Das kodifizierte iranische Strafrecht kennt
jedoch die Apostasie als Tatbestand bisher nicht. Der Richter kann die To-
desstrafe für einen Konvertiten daher nicht aus dem kodifizierten Strafrecht
begründen, sondern nur mit der Scharia (vgl. Urteile des Europäischen Ge-
richtshofs für Menschenrechte [EGMR] A. gegen Schweiz vom 19. Dezem-
ber 2017, 60342/16, Ziff. 26-31; und zum Ganzen F.G. gegen Schweden
vom 23. März 2016, 43611/11). Der EGMR ist der Auffassung, dass die
allgemeine Menschenrechtslage im Iran per se die Abschiebung eines ira-
nischen Staatsangehörigen nicht verhindert. Daher muss im Einzelfall be-
urteilt werden, ob die persönlichen Umstände, insbesondere die Konver-
sion vom Islam zum Christentum in der Schweiz, mit einer tatsächlichen
Verfolgungsgefahr durch die iranischen Behörden einhergeht. (vgl. wiede-
rum EGMR A. gegen Schweiz vom 19. Dezember 2017, 60342-16).
Allein der Übertritt zu einer anderen Glaubensrichtung führt im Iran grund-
sätzlich noch nicht zu einer (individuellen) staatlichen Verfolgung. Die dis-
krete und private Glaubensausübung ist im Iran grundsätzlich möglich (vgl.
Urteil des BVGer D-4399/2017 vom 15. März 2018 E. 6.3). Mit einer flücht-
lingsrechtlich relevanten Verfolgung durch den iranischen Staat aufgrund
einer Konversion ist nur dann zu rechnen, wenn sich die Person durch eine
missionierende Tätigkeit exponiert und Aktivitäten des Konvertiten vorlie-
gen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden (vgl.
Urteil des BVGer D-4795/2016 vom 15. März 2019 E. 6). Ein Glaubens-
wechsel vermag somit dann flüchtlingsrechtlich relevante Massnahmen
auszulösen, wenn die christliche Glaubensausübung in der Schweiz aktiv
und sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon ausge-
gangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen, al-
lenfalls gar missionierende Züge annehmenden Glaubensausübung er-
fährt und die asylsuchende Person denunziert. Eine Verfolgung durch den
iranischen Staat kommt somit dann zum Tragen, wenn der Glaubenswech-
sel bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die
vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversio-
nen im Ausland muss daher bei der Prüfung im Einzelfall neben der Glaub-
haftigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit
für die betroffene Person in Betracht gezogen werden. Es ist bekannt, dass
die iranischen Behörden nicht vor der Überwachung ihrer Staatsbürger im
Ausland zurückschrecken; es finden sich auch Hinweise darauf, dass
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konvertierte Iranerinnen und Iraner im Ausland von ihrem Heimatstaat
überwacht werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2009/28 E. 7.3.4 f. sowie etwa
die Urteile des BVGer D-5106/2018 vom 12. Dezember 2019 E. 7. und
D-4795/2016/D-4798/2016 vom 15. März 2019 E. 6.2).
4.4 Vorliegend stellte das SEM nicht in Frage, dass der Beschwerdeführer
sich hierzulande in dem dargelegten christlichen Umfeld bewegt. Auch für
das Bundesverwaltungsgericht kann die vorgebrachte Konversion des Be-
schwerdeführers zum Christentum und die Ausübung des neuen Glaubens
im Rahmen der genannten (frei-)kirchlichen Kreise ([...]), als erstellt erach-
tet werden. Für die Beurteilung der Gefährdungslage bei einer Konversion
ist, wie zuvor ausgeführt (vgl. E. 4.3), einerseits die Frage nach dem Be-
kanntwerden des Glaubenswechsels massgeblich, und andererseits die
Frage der diesbezüglichen Exponiertheit der betreffenden Person. Der Be-
schwerdeführer machte geltend, er habe seine Konversion zum christli-
chen Glauben im Rahmen eines beim SEM am (...) erfolgten Ausreisege-
sprächs gegenüber einem anwesenden Vertreter der iranischen Botschaft
offengelegt, und untermauerte diese Angabe mit der Vorlage eines entspre-
chenden Protokollauszugs des bei dem besagten Gespräch ebenfalls an-
wesenden Mitarbeiters des (...). Den vorinstanzlichen Akten lässt sich we-
der der Inhalt dieses Gesprächs noch der Teilnehmerkreis entnehmen. An-
gesichts dessen, dass das SEM die Darlegung des Beschwerdeführers zu
dem besagten Gespräch und die Richtigkeit des vorgelegten Protokollaus-
zugs in seiner Verfügung vom 28. April 2020 nicht bestreitet, ist als erstellt
zu erachten, dass der damals anwesende Vertreter der iranischen Bot-
schaft am (...) von der Konversion des Beschwerdeführers zum Christen-
tum und damit von seiner Abkehr vom muslimischen Glauben Kenntnis er-
langt hat. Allerdings ergibt sich aus den Akten kein Hinweis, dass diese
Person ihre Erkenntnis weitergegeben hätte, insbesondere machte der Be-
schwerdeführer selber nicht geltend, seine im Heimatland verbliebenen Fa-
milienangehörigen seien in dieser Sache von behördlicher Seite auch nur
angesprochen worden. Vor dem Hintergrund, dass der Vertreter der irani-
schen Botschaft bei dem Ausreisegespräch am (...) die Personalien des
Beschwerdeführers aufgenommen habe (vgl. den eingereichten Protokol-
lauszug) und dass, wie zuvor ausgeführt (vgl. E. 4.3), Hinweise auf eine
Überwachung konvertierter Iranerinnen und Iraner im Ausland durch ihren
Heimatstaat bestehen, kann zwar nicht völlig ausgeschlossen werden,
dass die iranischen Behörden im Lauf der vergangenen Jahre das – frei-
kirchliche – Umfeld, in dem der Beschwerdeführer den christlichen Glau-
ben ausübt, eruiert haben. Für die Annahme der notwendigen Gefähr-
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dungswahrscheinlichkeit im Falle einer Rückkehr wird aber, wie zuvor aus-
geführt (vgl. E. 4.3), eine Exponiertheit der betreffenden Person vorausge-
setzt. Dass die (...), in welcher der Beschwerdeführer sich betätige, auch
missionarische Züge aufweist (vgl. [...]), genügt nicht für die Annahme ei-
ner individuellen, gezielten Gefährdung des Beschwerdeführers, zumal er
sich eigenen Angaben zufolge nicht selbst in missionarischer Weise oder
in leitender, kirchlicher Stellung exponiert hat und seinen Glauben nicht öf-
fentlich zelebriert. Die Aktenlage vermittelt denn auch den Eindruck, dass
es sich beim Beschwerdeführer um ein einfaches Mitglied der christlichen
Gemeinschaft handelt, das seinen Glauben nicht in einer exponierenden
oder missionierenden Weise ausübt. Regelmässige Kirchenbesuche und
Treffen als einfache Mitglieder der christlichen Gemeinschaft, wie sie der
Beschwerdeführer praktiziert, stellen keine aktive und von den iranischen
Behörden als potentiell staatsgefährdende Glaubensausübung dar (vgl.
beispielsweise Urteile des BVGer D-4759/2019 vom 7. Oktober 2019,
E. 4.3.1, D-2945/2019 vom 25. Juni 2019 E. 4.3.2, E-6175/2017 vom
28. Mai 2019 E. 6.2.3, D-490/2017 vom 7. Mai 2019 E. 5.7.2, E-3795/2018
vom 14. Februar 2019 E. 5.3.3). Laut den Ausführungen des Beschwerde-
führers in der Rechtsmitteleingabe vom 29. Mai 2020 sei sein Glaubens-
wechsel seinen Angehörigen im Iran zwar bekannt, werde von seinen
engsten Verwandten ([...]) aber akzeptiert. Die Gefahr einer Denunzierung
durch andere Verwandte, die sich aufgrund der Konversion von ihm abge-
wandt hätten, ist nicht ersichtlich, zumal der Beschwerdeführer angab, zu
diesen keinen Kontakt mehr zu haben. Selbst wenn das (religiöse) Leben
des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr in den Iran gewissen Ein-
schränkungen unterliegen könnte, ist nicht davon auszugehen, diese er-
reichten einen Umfang, dass sie beim Beschwerdeführer einen unerträgli-
chen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 AsylG bewirken würden. Das
Vorliegen eines subjektiven Nachfluchtgrunds gemäss Art. 54 AsylG ist so-
mit zu verneinen.
4.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine
begründete Furcht hat glaubhaft machen können, wegen seiner Konver-
sion zum Christentum bei einer Rückkehr in den Iran mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevanten, ernsthaften Nachteilen
im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Er erfüllt damit die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Das SEM hat das entspre-
chende Asylgesuch des Beschwerdeführers im Ergebnis zu Recht abge-
lehnt.
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5.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
6.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
6.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
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schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
6.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-
Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist dem Beschwerdeführer unter Ver-
weis auf die vorstehenden Ausführungen unter E. 4.4 nicht gelungen. Es
bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine ernsthafte und kon-
krete Gefährdung des Beschwerdeführers in seinem Heimatstaat im Sinne
von Art. 3 EMRK. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen.
6.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
6.3.1 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation
allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar
wäre. Auch unter Berücksichtigung der Umstände, dass die Staatsordnung
als totalitär zu bezeichnen ist und die allgemeine Situation in verschiedener
Hinsicht problematisch sein kann, wird der Vollzug der Wegweisung in den
Iran nach konstanter Praxis grundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl. bei-
spielsweise Urteile des BVGer E-4382/2020 vom 22. September 2020
E. 9.5.1 und E-4302/2020 vom 18. September 2020 E. 8.4.1).
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6.3.2 Das SEM hat sodann zu Recht festgestellt, dass nicht davon auszu-
gehen ist, der Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr in den Iran aus
individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur
in eine seine Existenz gefährdende Situation geraten, die als konkrete Ge-
fährdung im Sinne der zu beachtenden Bestimmung zu werten wäre
(Art. 83 Abs. 4 AIG). Auch auf Beschwerdeebene wurden keine individuel-
len Gründe dargelegt, die gegen eine Rückkehr in den Iran sprechen. Der
Beschwerdeführer lebte in (...), ist im (...) Alter und verfügt über einen
(...)schulabschluss sowie Berufserfahrung als angestellter und selbststän-
diger (...). Bis zur Ausreise betrieb er zwei entsprechende (...). Zudem le-
ben verschiedene Familienangehörige im Heimatland, womit er dort auch
über ein soziales Beziehungsnetz verfügt; seinen Angaben zufolge besteht
zur (...) und zwei (...) ein guter Kontakt. Auf Beschwerdeebene wurden
auch keine gesundheitlichen Beschwerden vorgebracht und belegt, die
dem Wegweisungsvollzug entgegenstehen würden. Vor mehreren Jahren
wurden beim Beschwerdeführer eine PTBS, eine leichte depressive Epi-
sode und Anpassungsprobleme bei Veränderungen der Lebensumstände
diagnostiziert und er wurde fachärztlich betreut und behandelt (vgl. Arztbe-
richt vom 16. Januar 2017). Dass es seither zu einer Verschlechterung der
gesundheitlichen Situation gekommen wäre, wurde vom Beschwerdefüh-
rer, der die entsprechende Substanziierungslast trägt, im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren nicht geltend gemacht. Aus gesundheitlichen Gründen
könnte nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne
von Art. 83 Abs. 4 AIG geschlossen werden, wenn eine absolut notwendige
medizinische Behandlung im Heimatland schlicht nicht zur Verfügung steht
und die fehlende Möglichkeit der (Weiter-)Behandlung bei einer Rückkehr
zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-
heitszustands, zur Invalidität oder gar zum Tod der betroffenen Person
führt, wobei Unzumutbarkeit jedenfalls nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat
eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische
Behandlung grundsätzlich möglich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52
E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). Von einer sol-
chen existenziellen medizinischen Notlage ist vorliegend aufgrund der Ak-
tenlage nicht auszugehen. Allfällige Rückkehrängste und damit zusam-
menhängende psychische Beeinträchtigungen vermögen kein Vollzugshin-
dernis zu begründen. Sollte der Beschwerdeführer weiterhin ärztliche Be-
treuung benötigen, ist darauf hinzuweisen, dass der EGMR grundsätzlich
keinen Anspruch auf Verbleib in einem Konventionsstaat anerkennt, um
weiterhin in den Genuss medizinischer Unterstützung zu kommen (vgl. Ur-
teil vom 2. Mai 1997 i.S. D. gegen Vereinigtes Königreich). Das Gesund-
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heitssystem im Iran weist ein relativ hohes Niveau auf und auch die Be-
handlung psychischer Erkrankungen und Traumata ist grundsätzlich si-
chergestellt (vgl. Urteil des BVGer E-2055/2016 vom 19. September 2019
E. 6.3.6). Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt deshalb in ständiger
Rechtsprechung den Vollzug einer Wegweisung in den Iran auch bei Vor-
liegen einer PTBS als zumutbar (vgl. etwa Urteile des BVGer D-2692/2017
vom 11. Mai 2018 E. 7.4 und E-5028/2014 vom 22. August 2016 E. 8.3
m.w.H.). Schliesslich hat das SEM in seiner Verfügung vom 28. April 2020
auch bereits auf die Möglichkeit medizinischer Rückkehrhilfe hingewiesen
(Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). Es ist somit aufgrund der Aktenlage nicht da-
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Iran in eine existenzielle
Notlage geraten würde.
6.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
6.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), wes-
halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist
(Art. 83 Abs. 2 AIG). Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem
Vollzug nicht entgegen. Es handelt sich dabei, wenn überhaupt, um ein
temporäres Vollzugshindernis, dem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten
Rechnung zu tragen ist.
6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwer-
de aber nicht aussichtslos war und die Bedürftigkeit des Beschwerde-
führers belegt ist (Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 10. Juni 2020),
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ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Es sind somit keine Verfahrens-
kosten aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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