Decision ID: c39dece3-dde2-41b7-9f0c-cd8747c6060f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, Vater von drei Kindern
mit den Jahrgängen
1984, 1985 und 1994,
hat keine Berufsausbildung abgeschlossen (
Urk. 9
/5
). Er
war zuletzt seit 2012 bei
der
A._
AG als Gipser angestellt, als
er
am 18. April 2016 verunfallte,
als
e
r
bei der Arbeit
von
einer Leiter
stürzte und
sich
dabei
am
Rücken verletzte (Urk.
9/17/3
). Die Suva übernahm in der Folge die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilungskosten) für den seit 18. April 2016 zu 100 % arbeitsunfähig geschriebenen Versicherten, und zwar bis Ende September 201
6.
Ab dann verfügte sie eine Einstellung der Leistungen mangels
noch bestehender
Unfallkausalität (Urk. 9
/4/11-13
; vgl. auch
Urk.
9/17
).
Unter Hinweis
auf die
Rückenverletzung beziehungsweise st
arke Schmerzen im Rücken
bereich
infolge des Unfalls vom 18
.
April 2016
meldete
sich der Versicherte
am
28. Oktober 2016 bei der Invalidenversicheru
ng zum Leistungsbezug an (Urk
. 9
/
5
).
Das Arbeitsverhältnis
mit der
A._
AG kündigte die Arbeitgeberin per
Ende
November 2016 (Urk. 9
/4/1).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf erwerbliche und medizinische Abklärungen.
Sie be
schaffte einen IK-Auszug (Urk.
9
/13),
liess
einen Arbeitgeberfragebogen ausfüllen (Ur
k. 9
/26), zo
g die Akten der Suva bei (Urk. 9
/17
/1-93
)
,
holte
diverse Arztberichte ein (Urk. 9
/18
,
Urk.
9
/19
,
Urk.
9
/20
,
Urk.
9
/21
,
Urk.
9
/22) und
liess
den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) dazu Stellung nahmen (Stellungnahme vom 23. Februar 2017; Urk.
9
/31/4).
Am 21. Febru
ar 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen
möglich seien, weil
gemäss
dessen
Hausarzt zurzeit keine Tätigkeit beruflicher Art möglich sei (Urk.
9
/24/1-2).
M
it
Vorbescheid vom 3. März 2017
sodann stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die
gänzliche
Vernei
nung des Anspruchs auf Invalidenversicherungsleistungen in Aussicht
, da zwi
schen
zeitlich
wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit be
stehe (
Urk.
9/28)
. Dagegen
liess
der Versicherte, vertreten durch die
B
e
ra
tungsstelle
B._
, am 31. März 2017 Einwand (Urk.
9
/30) erheben.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2017 (Urk.
9
/34) verneinte die IV-Stelle den
Anspruch auf Invalidenversicherungsleistungen wie angekündigt.
Gegen diese Ver
fügung erhob der Versicherte am
7.
Juni 2017 Beschwerde
(
Urk.
9/47/1-10)
.
Diese
hiess
das
Sozialversicherungsgericht des K
antons Zürich mit Urteil IV.2017
.00
656
vom 2
1.
Dezember 2017
in dem Sinne gut, dass
es
die Verfügung
vom 11. Mai 2017
aufhob und die Sache an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung und neuen Ver
fügung zurückwies (Urk.
9
/
67
).
1.
3
In Nachachtung dieses Urteils vom 2
1.
Dezember 2017 holte die IV-Stelle
zu
sätzliche
Berichte der behandelnden Ärzte
ein
(
Urk.
9
/
81,
Urk.
9/82,
Urk.
9/88,
Urk.
9/
90
,
Urk.
9/100
f.
und
Urk.
9/104). Sodann gab sie
bei der
C._
(MEDAS
D._
)
ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachrichtungen Allgemeine
und
Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie
in Auftrag (
Urk.
9/114
), welches am
2
2.
April 2019
e
rstattet wurde (
Urk.
9/119
)
. Nach Vor
lage des Dossiers an den
RAD
(
Urk.
9/121/4
-6
)
stellte die IV-Stelle dem Ver
si
cherten mit Vorbescheid vom
6.
August 2019
die Abweisung seines Renten
be
gehrens in Aussicht (
Urk.
9/
122
). Dagegen erhob der Versicherte am
1
3.
Septem
ber 2019
Einwand (
Urk.
9/123
). Am
6.
Dezember 2019
verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (
Urk.
2).
2.
Hiergegen
liess
X._
, vertreten durch
Y._
,
am
2
4.
Januar 2020
Beschwerde
erheben
(Urk. 1)
.
Er stellte das
sinngemässe
Rechts
begehren,
es sei
in Aufhebung der
angefochtene
n
Verfügung
eine
Invalidenrente
entsprechend einer Vollinvalidität
zu
zusprechen;
eventualiter
sei die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung
zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht be
an
tragte er
die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(
Urk.
1 S. 2). Mit Ein
gabe vom
2.
März 2020
schloss
die IV-Stelle
auf
Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
8). Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
5.
März 2020 zur Kenntnis gebracht; gleichzeitig wurde sein Gesuch um unentgeltliche Prozess
führung
gutgeheissen
, das Gesuch um unentgeltliche Rechts
vertretung
hingegen abgewiesen (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des S
ozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben
gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfe
n sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2
.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
6.
Dezember 2019 hielt die Beschwer
de
gegnerin fest, dass die Aktenlage
nach erfolgter Rückweisung
aktualisiert und vervollständigt worden sei
;
mithin
seien
die
notwendigen Abklärungen
vorge
nommen w
o
rden
(
Urk.
2 S. 1). Gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten könne beim Beschwerdeführer kein invalidisierender Gesundheitsschaden objektiviert werden und es bleibe damit offen, ob die geltend gemachten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit auf einen IV-relevanten Gesundheitszustand zurückzuführen sei
en
.
Zu beachten sei, dass im Rahmen der
rheumatologischen
Begutachtung
die klinische
Untersuchung
wegen Schmerzangaben
nicht
möglich gewesen sei und daher die
Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nicht auf objektiver Grundlage erfol
gen könne
. Der geltend gemachte, stark erhöhte Leidensdruck korreliere
nicht
mit der nicht vorhandenen Analgesie und der derzeitigen fehlenden Annahme eines therapeutischen Angebots. Internistisch
habe sich ergeben
, dass das Bewegungs
system nur leicht eingeschränkt sei. Neurologisch liege ein unauffälliger Befund vor. Eine Diagnose aus dem somatoformen Bereich habe nicht gestellt werden können (
Urk.
2 S. 2). Überdies sei das rechtliche Gehör nicht verletzt worden und die Auftragsvergabe für das Gutachten sei regelkonform erfolgt, mit Mitteilung an
die damalige Rechtsvertretung
des Beschwerdeführers (
Urk.
2 S. 2
f.
).
2.2
In seiner Beschwerde vom 2
4.
Januar 2020
brachte
der Beschwerdeführer vor,
die Ergebnisse der Begutachtung
seien nicht kommuniziert und
der Vorbescheid vom
6.
August 2019
sei
nicht
hinreichend
begründet w
o
rden (
Urk. 1.
S. 4). Verschiede
ne
Ärzte
hätten bestätigt, dass
eine Arbeitstätigkeit nicht mehr möglich sei
. Die angefochtene Verfügung enthalte
denn
auch keine Information
en
über die Mög
lichkeit
en
betreffend die
Ausübung einer
angepassten
Tätigkeit. Die
C._
sei nicht neutral; die
übrigen
ärztlichen Berichte würden dem Gutach
ten wider
sprechen (
Urk.
1
S. 5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
das Vorliegen eines die
Leistung
sfähigkeit
massgeblich
beeinflussenden Gesundheitsschadens beim Beschwerdeführer.
3
.
3.1
Im Rückweisungsurteil IV.2017.00656 vom 2
1.
Dezember 2017 war das Gericht zum Schluss gekommen,
als rheumatologische Beurteilung liege einzig der Be
richt der
Klinik E._
vom 1
5.
Juli 2016 vor (vgl.
Urk.
9/18), in welchem
degenerative Veränderungen der Wirbelsäule festgestel
lt worden seien, wobei sich
die
Ä
rzte nicht zu den Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
geäussert
hätten. Gestützt auf die vorhandenen Akten lasse sich somit nicht beurteilen
,
ob die
degenerativen Veränderungen die Arbeitsfähigkeit einschränkten. Allein der Hin
weis, die subjektiven Beschwerden korrelierten nicht mit den objektiven Be
fun
d
en
,
lasse den Schluss auf eine vollständig erhaltene Arbeitsfähigkeit nicht zu (
Urk.
9/67/10).
3
.2
3.2.1
Nach
der
gerichtliche
n
Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen holte die Beschwerdegegnerin
zunächst den Bericht von
Dr.
med.
F._
, Oberarzt in der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsspital
G._
,
vom
5.
Februar 2018 ein. Er berichtete
über die
Untersuchung
des Beschwerdeführers aufgrund des chronischen lumbalen Schmerzsyndroms und notierte, dass er eine deutliche Muskelverspannung im Bereich der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
festgestellt habe,
jedoch
keine Ausstrahlungen angegeben
worden seien
und keine Druck- oder
Klopfdolenz
im Bereich der LWS bestand
en hätten
(
Urk.
9/81/1). Weiter führte er aus,
dass der bildgebend eindrücklichste Befund
eine
mediolaterale Diskushernie mit
Foraminalstenose
sei, jedoch keine Symptome bestünden, die mit diesem Befund in Einklang
gebracht werden könnten
. Chirurgisch sei die Schmerz
prob
lematik nicht sinnvoll, adäquat und zielführend zu behandeln; gegebenenfalls könnte eine rheumatologische stationäre Komplexbehandlung erwogen werden (
Urk.
9/81/2).
3.2.2
Mit Bericht vom
6.
April 2018
legte
Dr.
med.
H._
, Leiter des Schmerz
am
bulatoriums des
G._
dar
, dass eine Untersuchung des Beschwerdeführers auf
grund starker Schmerzen nicht konklusiv möglich
gewesen
sei (
Urk.
9/82
/2 ff.
).
3.2.3
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Rheumatologie,
berichtete am 2
3.
April 2018, dass sie den Beschwerdeführer seit rund einem Jahr nicht mehr gesehen habe, da dieser in der interdisziplinären Schmerzsprechstunde des Uni
versitätsspitals
G._
behandelt werde (
Urk.
9/88/2
;
vgl. nachfolgend E. 3.2.
5
). Die Beschwerden hätten sich
gemäss
den Angaben nicht geändert. Diverse Behand
lungsansätze, wie Infiltrationen und Medikamente, hätten kein positives Anspre
chen ergeben.
B
ei Fehlstatik der Wirbelsäule und muskulärer Insuffizienz
be
stünden
keine Hinweise für einen entzündlichen Rückenschmerz (
Urk.
9/88/3). Für die
Gipsertätigkeit
sowie weitere mittelschwere Tätigkeiten
sei von
eine
r
vollständige
n
Arbeitsunfähigkeit
auszugehen
(
Urk.
9/88/4).
3.2.4
Am
8.
Mai 2018 erstattete
n
Dr.
med.
J._
,
stellvertretender
Chef
arzt Rheumatologie
, und
Dr.
med.
K._
, Oberärztin i.V. Rh
eu
matologie
der Universitätsklinik
L._
einen Bericht
.
S
ie hielten fest
, der Beschwer
deführer
sei
vom 1
8.
April bis
5.
Mai
2017 stationär
behandelt worden
(
Urk.
9/90/7
).
Zu den Untersuchungsbefunden vom April 2017 notierten
Dr.
J._
und
Dr.
K._
eine schmerzbedingte linkskonvex flektierte Schonhaltung, Triggerpunkte in der
Glutealmuskulatur
, ein unauffälliges
Iliosakralgelenk
(
ISG
) sowie keine speziell
druckdolenten
Fa
c
ettengelenke (
Urk.
9/90/8).
D
iverse Thera
pie
ansätze
mit
Wärme, Kälte oder Massagen
und auch medikamentöse Behand
lungsansätze hätten
keine Linderung gebracht
.
Eine Facettengelenkinfiltration auf der Höhe L5/S1 beidseits habe sogar zu einer Verschlimmerung der Be
schwerden geführt. Weiter
en In
filt
r
ationen stehe der Beschwerdeführer kritisch gegenüber
(
Urk.
9/90/8).
Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei nicht möglich gewesen (
Urk.
9/90/9).
3.2.5
Dr.
I._
verwies im Schreiben vom
2
7.
Juni 2018
an die IV-Stelle
(
Urk.
9/100)
auf zwei
fachärztliche
Berichte der Klinik für Rheumatologie und der interdisziplinären Schmerzsprechstunde des
G._
vom 2
0.
und 2
7.
April 2018
(
Urk.
9/101
/1-4
).
Diesen ist zu entnehmen, dass aus rheumatologischer Sicht ein typisches lum
bospondylogenes Schmerzsyndrom ohne
fa
c
ett
är
e
oder radikuläre Komponente bestehe, wobei sämtliche therapeutische Optionen bereits ausgeschöpft seien. Empfohlen werde aufgrund der diagnostizierten Anpassungsstörung eine psy
chia
trisch-psychotherapeutische Behandlung. Es bestünden überdies keine Anzei
chen für eine neurologische Erkrankung (
Urk.
9/101/1).
I
n der Untersuchung
sei
die Beweglichkeit in alle Richtungen als massiv schmerzhaft und eingeschränkt angegeben w
o
rden
.
E
s seien ein paravertebraler Muskelhartspann sowie
myo
fasziale
Befunde am Beckenkamm beidseits feststellbar
gewesen
. In der Beur
teilung sei die klinische Untersuchung aufgrund der Schmerzausweitung nicht konklusiv. Für die mittels MRI dargestellte Diskushernie L5/S1 mit linksseitiger
foraminaler
Stenose ergebe sich kein klinisches Korrelat (
Urk.
9/101/4).
3.3
3.3.1
Am 2
2.
April 2019 erstatteten
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für Rheuma
to
logie,
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Neurologie
,
sowie med. pract.
P._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
von der
C._
ihr polydisziplinäres Gutachten (
Urk.
9/119
/2 ff.
).
Dem rheumatologischen Teilgutachten von
Dr.
M._
vom 2
1.
April 2019 ist zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer seit dem Unfallereignis über ständig
vorhandene
Schmerzen klage; vor diesem Ereignis habe er nie über Rücken
beschwerden
berichtet
. Die Schmerzen seien immer vorhanden, im Sitzen, Liegen, beim Laufen und auch in der Nacht. Nebst diesen Schmerzen bestünde ein Ein
schlafen der Beine beidseits bis zum Knie ausstrahlend. Sämtliche Behandlungen, sei es ein stationärer Aufenthalt, Infiltrationen, Physiotherapie, Schmerztherapie und
eine
analgetische Therapie
seien
ohne Effekt
geblieben
(
Urk.
9/119/36).
Schmerzmittel nehme der Beschwerdeführer keine mehr; neue therapeutische
Optionen seien nicht gegeben und eine psychiatrische Behandlung erfolge eben
falls nicht (
Urk.
9/119/37).
Seinen Tagesablauf
habe
der Beschwerdeführer als einen Wechsel zwischen
N
ichtstun,
L
iegen,
S
itzen,
F
ernsehen und Computer
ge
schildert
; Haushalt
s
arbeiten würde er keine durchführen (
Urk.
9/119/39). Die Anfahrt zu
r
Begutachtung sei mit dem Auto und ohne Begleitung erfolgt (
Urk.
9/119/40).
Zu den Befunden notierte
Dr.
M._
eine physiologisch gekrümmte Wirbel
säule, Becken- und Schultergradstand sowie eine ausgeprägte
Druckdolenz
im Bereich der LWS paravertebral beidseits. Eine aktive und passive Untersuchung sei vom Beschwerdeführer nicht zugelassen worden. Ein Druck auf den Kopf habe Schmerzen im Bereich HWS und LWS erzeugt; das Gangbild sei in auffälliger Inklinationshaltung erfolgt. Alle Bewegungsprüfungen seien mit lautem Stöhnen, Schreien und schmerzverzerrte
r
Gestik erfolgt; das An- und Ausziehen hingegen sei problemlos
möglich gewesen
(
Urk.
9/119/40-41). Gewisse Erhebungen, wie beispielsweise die Bewegungsprüfung von BWS und LWS sei nicht zugelassen worden, bei der HWS sei eine ausgeprägte Gegenspannung vorhanden gewesen (
Urk.
9/119/41). Bildgebend lagen neue Röntgenbilder vom 2
2.
Februar 2019 vor, welche in der HWS und der LWS moderate degenerative Veränderungen zeigten (
Urk.
9/119/42).
3.3.
2
Dem internistischen Teilgutachten von
Dr.
N._
vom
5.
Februar 2019 sind keine Befunde von Krankheitswert zu entnehmen.
Der Experte fasste zusammen, inter
nistische Beschwerden seien keine vorgetragen worden. Es seien auch keine nam
haften int
e
rnistischen Erkrankungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit akten
kundig. Anamnestisch sei ein jahrelanger Nikotinkonsum
bekannt
. Es bestünden aber keine Anzeichen für eine pulmonale Erkrankung und der Beschwerdeführer habe auch keine Beschwerden dieser Art erwähnt.
Aus int
e
rnistischer Sicht liege keine Arbeitsunfähigkeit vor (
Urk.
9/119/70 ff.).
Sodann vermerkte
Dr.
N._
,
d
as Gangbild sei unauffällig gewesen, ebenso das An- und Auskleiden sowie das Bewegen im Untersuchungsraum
(
Urk.
9/119/66).
3.3.
3
Dr.
O._
verfasste
am 2
5.
Februar 2019 sein neurologisches Teilgutachten und
notierte, dass während der ganzen Untersuchung immer wieder ein Stöhnen als Schmerzausdruck erfolgt sei; ebenso
sei
das
Ent
- und
das An
kleiden unter
Schmerzäusserung
en
erfolgt
. In der Untersuchung sei eine Tendenz zur demon
strativen Schmerzverstärkung deutlich geworden (
Urk.
9/119/84). Befunde aus dem neurologischen Fachbereich konnte
Dr.
O._
nicht erheben
. Er fasste zu
sammen,
d
ie neurologischen Funktionen bezüglich Riechen, Sehen und Hören seien unauffällig gewesen. Auch die Sprechfunktionen seien unbeeinträchtigt gewesen. Störungen bezüglich Tonus der Muskulatur und der Motorik seien nicht
festzustellen gewesen und auch die Muskeleigenreflexe hätten sich unbeein
trächtigt gezeigt.
B
ezüglich Sen
sibilität, Koordination, Neuropsychologie und Vegetativum seien keine auffälligen Befunde erhoben worden. Somit habe sich ergeben, dass aus neurol
o
gis
cher Sicht auch bezüglich der bisherigen Tätigkeit von keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne
(
Urk.
9/119/85
ff.
).
3.3.
4
I
m
psychiatrische
n
Teilgutachten vom 2
1.
März 2019 führte
med. pract.
P._
aus
, dass
der Beschwerdeführer eine psychiatrische Behandlung nicht als nötig erachte
und eine solche Behandlung auch noch nie stattgefunden
habe
(
Urk.
9/119/100
u. 112
). In der Untersuchung habe der Beschwerdeführer von Anfang an ein gewisses Schmerzgebaren gezeigt,
das
etwas demonstrativ- am ehesten im Sinne einer Verdeutlichungstendenz – gewirkt habe.
Effektiv
schmerz
geplagt habe
er
sich nicht gezeigt
(
Urk.
9/119/105-106). Der Beschwerdeführer sei im Psychostatus
sowie testpsychiatrisch
nahezu unauffällig
gewesen.
K
on
krete Befunde mit Krankheitswert
hätten
nicht erh
o
ben
werden können
(
Urk.
9/119/
106-107).
Obschon nur für einen Teil der geklagten Beschwerden ein organische
s
Korrelat bestehe, lasse sich keine Diagnose aus dem Spektrum der somatoformen Störungen stellen. Das dafür erforderliche Kriterium der hohen Behandlungsaktivität feh
le
.
Sollte ein
e
Anpassungsstörung
(ICD-10 F43-1)
, die in den medizinischen Vorakten im Sinne einer Ve
rdachtsdiagnose Erwähnung ge
fund
en habe, tatsächlich bestanden haben, so sei diese
zwischenzeitlich
wieder ab
geklungen,
was im Übrigen dem
voraussehbaren
Verlauf dieses Leidens ent
spreche.
Ebenso wenig bestünden Anzeichen
dafür
, dass von einer depressiven Störung auszugehen sei. Dasselbe gelte in Bezug auf eine Erkrankung aus dem psychotischen Formenkreis und in Bezug auf eine
allfällige
Persönlich
keits
störung. Da auf psychiatrischem Fachgebiet keine Diagnose gestellt werden könne,
sei
mit Blick auf
die Standardindikatoren
eine Beeinträchtigung in funktioneller Hinsicht
(funktioneller Schwereg
rad)
nicht gege
b
en.
Eine
Behandlungsaktivität auf psychiatrischem Gebiet
bestehe nicht, weswegen Behandlungsm
öglichkeiten
ohne Weiteres vorhanden seien. Eine psychiatr
isch relevante Komorbid
ität be
stehen nicht und bezüglich der Persönlichkeitsdiagnostik bestünden keine Hi
n
weise für eine relevante Störung. Hinsichtlich der
Katego
rie der Konsiste
nz lasse sich das
Ausmass
der ang
egebenen Beschwerden nur teilweise
bis gar nicht begründen. Das Ak
tivitätsniveau im Alltag sei relativ gut. Es besteh
e kein auf
fälliger sozialer Rück
zug.
Eine relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit lasse sich aus psy
chiatrischer Sicht
nicht begründen. Der Beschwerdeführer sei mithin in der Lage, sämtliche aus somatischer Sicht zumutbare
n
Tätigkeiten aus
zuüben
(
Urk.
9/119/109
f
f
.
).
3.3.5
In der interdisziplinären
Konsiliarbeurteilung
(
Urk.
9/119/2-17)
erachteten
die Gutachter aus
s
chliesslich die Diagnose aus dem rheumatologischen Fachgebiet
als für die Leistungsfähigkeit relevant
(
Urk.
9/119/11)
, und zwar die Folgenden
:
Chronisches
Lumbovertebralsyndrom
-
MRI LWS 02/17: Osteochondrose mit Endplattenveränderung Typ
Modic
I L5/S1, Diskusextrusion L5/S1 mit L5-Kontakt links, leichte
foraminale
Stenose linksseitig L5/S1, breitbasige Diskusprotrusionen L2/3 mit Kontakt L3 links
-
MRI LWS 04/16: Deutliche Osteochondrose L5/S1 mit
mässigen
Aktivierungszeichen, Diskushernie L5/S1, Einengung
foraminal
links und linker
Rezessus
, mögliche Nervenwurzelkompression links, Irritation Nervenwurzel S1 links, Facettengelenkarthrosen
Sodann hielten die Experten fest,
die Diagnose
auf rheumatologischem Fach
ge
biet
habe
aus den Akten und anhand der bildgebend erhobenen Befunde gestellt werden können.
Eine klinische Untersuchung der Wirbelsäule sei wegen starken Schmerzen nicht möglich gewesen. Auf psychiatrischem Fachgebiet sei der Beschwerdeführer im Psychostatus und testpsychiatrisch als nahezu unauffällig zu bezeichnen. Im Kontaktverhalten, Gebaren und in den Übertragungsaspekten habe er etwas theatralisch gewirkt und es sei der Eindruck entstanden, dass zu
mindest eine Symptomverdeutlichung bestanden habe. Aus dem somatoformen Diagnose-Spektrum habe keine Diagnose gestellt werden können, da hier etwa eine hohe Behandlungsaktivität als Kriterium nicht festzustellen gewesen sei. Auch eine Schmerzverarbeitungsstörung habe vor dem Hintergrund der Akten
lage und den Gegebenheiten nicht gestellt werden können (
Urk.
9/119/10-11).
Zu den funktionellen Auswirkungen notierten die Gutachter, dass beim Be
schwe
r
deführer bildgebend degenerative Veränderungen im Segment L5/S1 bestünden, welche einen Teil der Schmerzen erklären könnten, nicht jedoch das ausgeprägte
Ausmass
der angegebenen Beschwerden. Eine Untersuchung der Wirbelsäule sei nicht möglich gewesen, weswegen keine validen Aussagen zum Funktionsprofil und der Arbeitsfähigkeit möglich seien. Empfohlen werde aus diesem Grund eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL;
Urk.
9/119/12 und 9/119/15).
Zur Konsistenz hielten die Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer seine Beschwerden in allen Lebensbereichen als gleich stark beschrieben habe; er sei im Alltag seit dem Unfall sehr eingeschränkt und könne weder im Beruf noch privat etwas erledigen. Die Gutachter kamen zum Schluss, dass der stark erhöhte Leidensdruck keinesfalls mit der nicht vorhandenen Analgesie korreliere und der
zeit überdies kein therapeutisches Angebot angenommen werde. Überdies seien die degenerativen Veränderungen sehr wahrscheinlich bereits vor dem Unfaller
eignis vorhanden gewesen und hätten zu keinerlei Beschwerden geführt. Eine
objektive Beurteilung sei mangels Durchführbarkeit einer Untersuchung bei starken
Schmerzen (Skala: 10 von 10) nicht möglich gewesen. Jegliche Bewegungs
prü
fungen seien mit lautem Stöhnen, fast Schreien und mit schmerzverzerrter Gestik erwidert worden. Auf psychiatrischem Fachgebiet sei von einer Symptom
ver
deutlichung auszugehen. Auch auf der neurologischen Ebene sei die Tendenz zur
demonstrativen Schmerzverstärkung deutlich feststellbar gewesen (
Urk.
9/119
/14).
3.4
RAD-Arzt
Dr.
Q._
nahm am 1
3.
Mai 2019 zum
C._
-Gutachten Stellung und stufte dieses als plausibel ein. Er hielt fest, dass
die von den Gutachtern vorgeschlagene EFL nicht sinnvoll sei, da bei dieser eine Mitarbeit des Unter
suchten erforderlich sei. Der RAD-Arzt verwies ebenfalls auf die Diskrepanzen und Verdeutlichungstendenzen (
Urk.
9/121/5
f.
).
4
.
Zunächst ist auf die
Rüge
des Beschwerdeführers betreffend Verletzung
des
rechtlichen Gehörs einzugehen.
Er macht geltend, das Ergebnis
der
Begutachtung
sei
ih
m nicht kommuniziert
und der Vorbescheid s
ei nicht klar begründet worden (
Urk.
1 S. 4).
Wie den IV-Akten zu entnehmen ist, wurde der Vorbescheid de
m
seinerzeitigen
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
zugestellt
(
Urk.
9/122) und ein
anschlies
send
eingegangener Einwand (
Urk.
9/123) vor Erlass der Verfügung geprüft (
Urk.
9/126/2-3).
Im Vorbescheid wurde explizit auf das Ergebnis der Begutach
tung Bezug genommen (
Urk.
9/122/2).
Mit dem
im Gesetz vorgesehenen
Erlass des
Vorbescheides (
Art.
57a
Abs.
1 IVG) ist die Beschwerdegegnerin dem An
spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör in rechtskonformer Weise nachgekommen. Hinzu kommt, dass
der Beschwerdeführer nicht geltend
macht
, es sei ihm das
Recht auf Einsicht in die Akten
und damit auch
die
Einsicht
nahme
in das Gutachten nicht gewährt worden.
Zu beachten ist ferner, dass der Auftrag für das polydisziplinäre Gutachten korrekt
gemäss
Art.
72
bis
der
Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV)
erfolgte
;
mithin
wurde die geplante Begutachtung mitgeteilt
und
der Auftrag
via Zufallsprinzip
über
SwissMED@P
d
er
C._
vergeben
(
Urk.
9/107 und 9/114)
.
Eine
vorgängige
Einigung der Parteien (vgl.
Urk.
1 S. 5) ist hierbei nicht vorgesehen
(BGE 140 V 507 E. 3.2.1)
.
5.
5.1
Nachdem das hiesige Gericht die erste Verfügung der IV-Stelle vom 1
1.
Mai 2017 – in welcher die Erfüllung des Wartejahres verneint
worden war
– mit Urteil vom 2
1.
Dezember 2017 aufgehoben hatte, führte die Beschwerdegegnerin die
gemäss
genanntem Urteil notwendigen Abklärungen durch (vgl. E.
5.
1 des Urteils
IV.2017.00656
). Sie holte bei sämtlichen Behandlern
(
Urk.
9/79/2)
aktuelle Be
richte ein und
liess
den Beschwerdeführer
polydisziplinär
begutachten. Insofern wurde der Umsetzungsauftrag erfüllt. Zu prüfen bleibt, ob
anhand
de
s
nun
meh
rigen
Abklärungsergebnisse
s
eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
ausgewiesen ist.
5.2
5.2.1
Zunächst
einzugehen ist auf die Ergebnisse
der
Begutachtung in den Fachbe
reichen
Innere Medizin, Neurologie und Psychiatrie
. Der Allgemeinzustand des Beschwerdeführer
s
aus internistischer Sicht präsentierte sich unauffällig.
Wed
er klagte
er
über internistische Beschwerden
,
noch konnten solche
vom Gutachter
erhoben werden. Einzig empfahl
Dr.
N._
, den Nikotinkonsum zu s
is
tieren (
Urk.
9/119/62 und 9/119/70).
5.2.2
Dr.
O._
erhob
unauffällige
neurologische
Befunde; dies deckt sich mit der Ein
schätzung von
Dr.
R._
(vgl.
Urk.
9/22/3
). Das neurologische Teilgutachten ist schlüssig
. Der Experte erhob eine sorgfältige Anamnese unter Berück
sich
tigung der medizinischen Vorakten und der vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden.
Seine gutachterlichen
Schlussfolgerungen
sind
nachvollziehbar
begründet
(Urk.
9/119/80
ff.
und 9/119/8
6 ff.
).
5.2.3
In psychiatrischer Hinsicht hat med. pract.
P._
schlüssig dargelegt, dass sich ihm
aufgrund des
erhobenen
Psychostatus und
der
testpsych
iatrisch
en Erkenntnisse
ein insgesamt
unauffälliger
Explorand
präsentiert habe
(
Urk.
9/119/100).
Die
erhobenen Befunde
deuten effektiv
nicht auf
ein
en
mass
gebende
n
Gesundheitsschaden
oder ein
en
spezifische
n
Leidensdruck
h
in
.
D
ie Be
funde
sind
unauffällig und
der Zustand insgesamt
regelkonform, so dass die Ein
schätzung des psychiatrischen Gutachters
überzeugt
, wonach auch die zu einem früheren Zeitpunkt von
Dr.
S._
geäusserte
Verdachtsdiagnose einer Anpas
sungs
störung
(vgl.
Urk.
9/104/7)
– sofern
das Leiden
effektiv
bestanden hat
-
als
vorübergehend und jetzt
abgeheilt
zu betrachten
ist
. Auch
die für eine
soma
toforme Schmerzstörung
erforderlichen Symptome
konnte
med. pract.
P._
anlässlich seiner Untersuchung nicht erheben
(
Urk.
9/119/109
f.
).
Wo
im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen w
erden kann
, bleibt ein
strukturiertes Beweisverfahren entbehrlich
(BGE
143 V 418 E. 7.
1). Insofern kann vorliegend mangels
erhobene
r
Befunde
von Krankheitswert auf die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 verzichtet werden.
Insgesamt
ist in
den
drei Fachbereichen
Innere Medizin, Neurologie und Psy
chiatrie
– auch retrospektiv - keine länger andauernde, relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
aus
ge
wi
e
sen.
5.3
5.3.1
In rheumatologischer Hinsicht stellt sich die Frage nach dem Einfluss der
seit dem Unfallereignis
geklagten Rückenschmerzen
.
Die Gutachterin
Dr.
M._
kam aufgrund der Würdigung der
medizinischen Vora
kten, der Bildgebung sowie der
Angaben
des Beschwerdeführers zum nachvollziehbaren Schluss, dass die
objektiven
Befunde im Sinne
von
degenerativen Veränderungen einerseits bereits vor dem Unfallereignis bestanden und damals zu keinerlei Beschwerden Anlass gegeben hätten
, andererseits aber
das
Ausmass
der geklagten Beschwerden nur zu einem Teil erklären könn
t
en. Zu dieser Schlussfolgerung kamen auch die Fachleute der interdisziplinären Schmerzsprechstunde
des
G._
,
in deren Bericht
vom 2
0.
April 2018 festgehalten wurde, dass für die im MRI dargestellte Dis
kushernie L5/S1 kein klinisches Korrelat
vorhanden sei
(
Urk.
9/101/4).
Auch
Dr.
F._
war zu dieser Einschätzung gekommen und hielt fest, dass keine Symptome bestünden, die mit dem Befund der Diskushernie
im
Einklang stünden (
Urk.
9/81/2). Der geltend gemachte, starke Leidensdruck korreliert
nicht nur
nicht
mit den erhobenen Befunden, sondern
ebenso wenig
- und damit ist der Einschätzung der Besch
w
erdegegnerin in der angefochtenen Verfügung zu folgen
- mit der
geltend gemachten
Therapieresistenz, wonach sämtliche therapeutischen und medikamentösen
Massnahmen
nach Angabe des Beschwerdeführers zu keinerlei
B
esserung geführt, mithin teilweise die Symptome sogar verschlimmert hätten
.
Die von
Dr.
M._
gestellte,
primär
auf
der
Bildgebung
basierende
Diagnose eines chronischen
Lumbovertebralsyndroms
erscheint damit plausibel
.
5.3.
2
Wie aus
dem
rheumatologischen Teilgutachten von
Dr.
M._
hervorgeht,
widersetzte sich
der Beschwerdeführer
jedoch
etlichen Untersuchungen
. Insbe
sondere
passive
Funktionsp
rüfungen
konnten nicht oder nur unzureichend durch
geführt werden
.
Der Beschwerdeführer stellte
ein
auffälliges
Schmerzgebaren zur Schau und begleitete die Untersuchung
sowie sämtliche Bewegungen
mit lautem Stöhnen und Schreien
sowie schmerzverzerrte
r
Gestik
(
Urk.
9/119/41,
Urk.
9/119/45,
Urk.
9/119/
48)
.
Medizinische Gründe für das
unkooperative
Ver
hal
ten des Beschwerdeführers sind nicht gegeben.
Auch die anderen Gutachter wiesen auf Diskrepanzen und S
ymptomverdeutlichung
betreffend die Rücken
be
schwerden
hin
(
Urk.
9/119/88,
Urk.
9/119/113
)
.
D
as Verhalten des Beschwerde
führers
verunmöglichte
es
Dr.
M._
, eine zuverlässige und objektive
Beur
teilung
zum
Ausmass
der gesundheitlichen Beeinträchtigung abzugeben.
Gleich
zeitig
schloss sie aber
eine Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit
aufgrund des
rheumat
ischen
Leiden
s
nicht aus
(
Urk.
9/119/46)
.
Dass
Dr.
M._
keine
auf
durchgehend
validen Befunden basierende
Beur
teilung
der
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
abgeben
konnte, hat
in erster Linie
der Beschwerdeführer zu vertreten. Diesen trifft eine Mitwir
kungs
pflicht
im Rahmen der für eine Anspruchsprüfung notwenigen Untersuchungen. Durch die
mangelnde Kooperation
des Beschwerdeführers konnte der notwendige Sachverhalt nicht
vollständig
erhoben werden.
Die übrigen ärztlichen Berichte
äussern
sich nicht
im erforderlichen
Mass
zur
funktionellen
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
.
Insgesamt standen den Gutachtern aus rheumatologischer Sicht zu geringe Beurteilungsgrundlagen zur Verfügung, um
konkret
abschätzen
zu können, in welchem
Ausmass
und bezüglich welcher körperlicher Belastung die funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinträchtigt ist. Zwecks Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit schlugen die Gutachter
daher
ergänzend
eine EFL
vor
(
Urk.
9/119/10 ff.,
Urk.
9/119/44 ff.
; vgl. auch Mail vom 2
3.
April 2019 in
Urk.
9/118
).
5.3.
3
Obwohl der Beschwerdeführer die Untersuchung durch die rheumatologische Gutachterin
wesentlichen
behinderte
, stellte die Fachärztin
in erster Linie
basie
rend auf der Bildgebung die Diagnose eines chronischen
Lumboverte
bralsyn
droms
. Die Gutachter hielten allerdings fest, dass die objektiven Befunde im Sinne von degenerativen Veränderungen einerseits bereits vor dem Unfallereignis be
standen und damals zu keinerlei Beschwerden Anlass gegeben hätten, anderer
seits aber das
Ausmass
der geklagten Beschwerden nur zu einem Teil erklären könnten. Dass den Gutachtern mangels vollständiger Durchführung sämtlicher Untersuchungen eine
konkrete
Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit nicht möglich war,
legten diese schlüssig dar
.
Indessen leuchtet es nicht ein
,
w
es
wegen
sie
nicht basierend auf den bildgebenden Befunden
eine medizinisch-theo
retische
Schätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit
vorgenommen haben
.
Dass dies nicht möglich
gewesen wäre, legten
die Gutachten nicht dar
.
Somit erweist sich die Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin, ein invalidisierender Gesundheitsschaden liege nicht vor (
Urk.
2 S. 3; vgl. auch
Urk.
9/121/7)
,
als
nicht belegt und
verfrüht.
Da nicht feststeht, dass
es sich als unmöglich erweist,
den für die Beurteilung relevanten
Sachverhalt zu ermitteln
, kann nicht von Beweis
losigkeit ausgegangen werden
.
Daran ändert nichts, dass
der Beschwerdeführer
die
rheumatologische
Untersuchung durch
seine mangelnde Kooperation e
rsch
wert
hat
. Die Begutachtung als solche verweigerte er
jedenfalls
nicht
.
Somit
kann beim Vorliegen
von bildgebenden Befunden und einer nachvollziehbar gestellten
Diag
nose trotz
ung
enügender Mitwirkung durch den Beschwerdeführer nicht sogleich
von einem nicht objektivierbaren
und somit
im invalidenversiche
rungsrecht
lichen Sinn
nicht relevanten Gesundheitsschaden
ausgegangen
werden.
E
s
ist
Aufgabe der Beschwerdegegnerin
,
in Ergänzung des ansonsten beweistauglichen Gutachtens
,
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in medizinisch-theore
tischer Sicht festlegen zu lassen, sei es durch Ergänzung des Gutachtens oder durch den RAD selbst.
Erst wenn dies nicht möglich sein sollte, sind weitere
Untersuchungsmassnahmen
unter expliziter vorgängiger Ermahnung im Sinne von
Art.
43
Abs.
3 ATSG angezeigt.
5.4
Zusammengefasst erweist sich der Sachverhalt
weiterhin
als ungenügend abge
klärt, womit die Sache an die Beschwerdegegnerin zur
Beurteilung
der
medizi
nisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit sowie
hernach
zur
neue
n
Anspruchsprüfung zurückzuweisen ist. In dem Sinne ist die Beschwerde vom 2
4.
Januar 2020
gut
zuheissen
.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.–– bis
Fr.
1‘000.–– festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und vorliegend auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang de
s Verfahrens sind die Kosten
der
un
terliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Ausgangsgemäss
hat der vertretene Beschwerdeführer
gestützt auf
Art.
61 lit. g ATSG Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist
gemäss
§
34
Abs.
1 und
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses festzusetzen. Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte erweist sich eine Entschädigung von
Fr.
1’2
00
.-- als angemessen (inkl. Mehrwertsteuer und Bar
auslagen).