Decision ID: f4272f4c-f289-404f-9047-bf96fc077bdb
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 28. März 2019 (GG180245)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. November 2018
(Urk. 35) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 89 S. 49 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB in
Verbindung mit Art. 15 und Art. 16 Abs. 1 StGB sowie
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 300.– (entsprechend Fr. 18'000.–), wovon 1 Tagessatz als durch Haft geleistet
gilt.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt.
4. Es wird die Löschung des DNA-Profils sowie des ED-Materials mittels separatem
Löschformular angeordnet.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz von Fr. 432.–
zuzüglich 5 % Zins ab 10. Mai 2017 zu bezahlen. Im Übrigen wird die Zivilklage auf
den Zivilweg verwiesen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 200.– zuzüglich 5 % Zins
ab 10. Mai 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
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7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'110.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 862.45 Ärztliches Gutachten.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten zu 2/3 auferlegt und zu 1/3 auf die Gerichtskasse genommen.
9. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 5'500.– (inkl. MwSt.)
für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerschaft für das gesamte Verfah-
ren eine reduzierte Prozessentschädigung im Umfang von 2/3 in der Höhe von
Fr. 2000.– zu bezahlen.
11. [Mitteilungen]
12. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten B._:
(Urk. 131 S. 1 f.)
1. In Gutheissung der Berufung sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe
freizusprechen betreffend der Vorwürfe der einfachen Körperverletzung und
der Sachbeschädigung.
2. Es sei zusätzlich zur Löschung der Daten zum erhobenen DNA-Profil und zu
den ED-Materialien des Beschuldigten auch die Vernichtung der DNA- und
ED-Materialien anzuordnen.
3. Es sei die Vernichtung der Daten und Unterlagen zur Odara-Standard-
interpretation zum Rückfallrisiko des Beschuldigten als Gewalttäter als allen
Datensammlungen und die diesbezügliche Mitteilung an den Beschuldigten
anzuordnen.
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4. Die Verfahrenskosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfah-
rens seien gesamthaft auf die Staatskasse zu nehmen.
5. Dem Beschuldigten sei eine Prozessentschädigung für die Untersuchung
und das erstinstanzliche Verfahren in der Höhe von CHF 16'500.– inkl. MwSt
zuzusprechen.
6. Dem Beschuldigten sei für zu Unrecht erlittene Haft eine Genugtuung
in Höhe von CHF 200.– zzgl. 5 % Zins ab dem 10. Mai 2017 auszurichten.
7. Die Forderung der Privatklägerin betreffend Prozessentschädigung sei voll-
umfänglich abzuweisen.
8. Die weiteren Zivilforderungen der Privatklägerin aus Schadenersatz und
Genugtuung seien abzuweisen, dies auch dem Grundsatze nach. Eventuell
seien diese gesamthaft auf den Zivilweg zu verweisen.
Alles unter Kostenfolgen für das zweitinstanzliche Verfahren zulasten der Staats-
kasse und Zusprechung einer Entschädigung an den Beschuldigten nach richter-
lichem Ermessen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 101; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Privatklägerschaft A._:
(Urk. 129 S. 2)
1. Der Beschuldigte B._ sei der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Mit Bezug auf den Schuldspruch wegen Sachbeschädigung im Sinne von
Art. 144 Abs. 1 StGB sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 28. März
2019 (Geschäfts-Nr. GG180245) zu bestätigen.
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3. Der Beschuldigte sei neben dem bereits vorinstanzlich zugesprochenen
Schadenersatz (Dispositiv Ziffer 5) zu verpflichten, der Berufungsklägerin
Schadenersatz wie folgt zu bezahlen:
− CHF 1'062.70 zzgl. 5% Zins seit 27. Juni 2018,
− CHF 432.70 zzgl. 5 % Zins seit 8. Februar 2019 und
− CHF 399.40 zzgl. 5 % Zins seit 6. März 2019.
4. Der Berufungsklägerin seien keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
5. Der Berufungsklägerin sei eine angemessene Prozessentschädigung
(zzgl. MwSt) für das Berufungsverfahren auszurichten.

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung
1. Die Privatklägerin und der Beschuldigte lernten sich Ende Mai 2014 über die
Datingplattform C._ kennen. Ab August 2014 führten sie für rund ein Jahr ei-
ne Lebensgemeinschaft. Am tt.mm.2015 gebar die Privatklägerin den gemein-
samen Sohn D._. Im August 2015 verliess der Beschuldigte die gemeinsame
Wohnung in Zürich und bezog im Herbst 2015 die nunmehr fertiggestellte, ur-
sprünglich für die Familie gekaufte Eigentumswohnung in E._.
Hintergrund des vorliegenden Verfahrens ist eine angeblich vorgefallene verbale
und körperliche Auseinandersetzung zwischen der Privatklägerin und dem Be-
schuldigten vom 10. Mai 2017, ca. 18.15 Uhr anlässlich der Übergabe des damals
zweijährigen Sohnes vom Beschuldigten an die Privatklägerin nach Ausübung
des Besuchsrechts. Die Privatklägerin und der Beschuldigte erhoben am 11. Mai
2017 und am 23. Mai 2017 je gegeneinander Strafanzeige (Urk. D1/1 und D2/1).
Diese mündeten am 6. November 2018 je in Anklagen, einerseits wegen einfa-
cher Körperverletzung und Sachbeschädigung (vgl. Urk. 35, vorinstanzliches Ver-
fahren GG180245 sowie vorliegendes Verfahren SB190331 gegen den Beschul-
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digten B._) und anderseits wegen Beschimpfung und Tätlichkeiten (vgl. Urk.
36, vorinstanzliches Verfahren GG180247 sowie Parallelverfahren SB190332 ge-
gen die Privatklägerin A._).
Die zwei Gerichtsverfahren werden mit umgekehrten Parteirollen geführt. Auch
wenn die Parteien sowohl als Privatklägerschaft wie auch als beschuldigte Perso-
nen auftreten, werden sie im jeweiligen Verfahren aufgrund ihrer Rolle bezeich-
net. Dasselbe gilt für ihre Rechtvertreter, die sich sowohl als Rechtsbeistände wie
auch als Verteidigerinnen betätigen.
2. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die Aus-
führungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 89 S. 4-6). Wie schon
in erster Instanz, werden die beiden Verfahren infolge Sachzusammenhangs
(thematisch und personell) gleichzeitig verhandelt und beurteilt.
3.1 Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
10. Abteilung, Einzelgericht vom 28. März 2019 liessen die Privatklägerin durch
ihren damaligen Rechtsvertreter am 29. März 2019 und der Beschuldigte durch
seine Verteidigerin am 1. April 2019 fristgerecht je die Berufung anmelden
(Urk. 75 und 76). Mit Eingabe vom 25. Juni 2019 liess die Privatklägerin durch ih-
re neue Rechtsvertreterin in der Frist die Berufungserklärung übermitteln (Urk. 90
und 92; Urk. 87/3). Die Berufungserklärung des Beschuldigten erfolgte ebenfalls
rechtzeitig durch dessen Verteidigerin mit Schreiben vom 27. Juni 2019, wobei
zugleich Beweisanträge gestellt wurden (Urk. 93; Urk. 87/2). Die Privatklägerin
leistete die ihr auferlegte Prozesskaution rechtzeitig (Urk. 96-98).
3.2 Mit Präsidialverfügung vom 6. August 2019 wurde dem Beschuldigten, der
Privatklägerin sowie der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um schriftlich zu er-
klären, ob Anschlussberufung (bezüglich Berufung der Gegenseite) erhoben wer-
de oder begründet ein Nichteintreten zu beantragen. Weiter wurde der Privat-
klägerin sowie der Staatsanwaltschaft eine Frist angesetzt, um zu den Beweis-
anträgen des Beschuldigten Stellung zu nehmen. Schliesslich wurde dem Be-
schuldigten Frist angesetzt, Unterlagen betreffend seine finanziellen Verhältnisse
einzureichen (Urk. 99). Die Staatsanwaltschaft verzichtete ausdrücklich auf An-
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schlussberufung (Urk. 101), der Beschuldigte und die Privatklägerin liessen sich
diesbezüglich nicht vernehmen.
Innert je erstreckter Frist erstattete die Privatklägerin eine kurze Stellungnahme
zu den Beweisanträgen des Beschuldigten (Urk. 109) und der Beschuldigte reich-
te das Datenerfassungsblatt samt Beilagen ein (Urk. 111-116). Die Beweisanträge
des Beschuldigten wurden mit Präsidialverfügung vom 19. September 2019 ab-
gewiesen (Urk. 117).
3.3 Der Beschuldigte beantragt auch in zweiter Gerichtsinstanz Freisprechung
von Schuld und Strafe. Entsprechend ficht er das Urteil grundsätzlich vollumfäng-
lich an. Ausgenommen sind einzig die Dispositivziffern 4 (Löschung DNA-Profil
und ED-Material) und 7 (Kostenfestsetzung; vgl. Urk. 93 S. 2 f.; Urk. 131 S. 1 f.).
Die Privatklägerin verlangt Änderungen im Schuldpunkt und in der Schaden-
ersatzregelung (Urk. 90 S. 2; Urk. 129 S. 2). Es ist daher vorab mit Beschluss
festzustellen, dass das Urteil in den Dispositivziffern 4 und 7 in Rechtskraft er-
wachsen ist (Prot. II S. 11).
4. Die Berufungsverhandlung fand am 11. Juni 2020 in Anwesenheit des Be-
schuldigten in Begleitung seiner erbetenen Verteidigung und der Privatklägerin in
Begleitung ihrer Rechtsvertreterin statt. Das Urteil erging gleichentags und wurde
den Parteien schriftlich im Dispositiv eröffnet (Prot. II S. 8 und S. 18 ff.).
5. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1;
Urteil des Bundesgerichts 6B_46/2018 vom 14. Februar 2018 E. 4 mit Hinweisen).
Das Berufungsgericht kann sich somit auf die für seinen Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken.
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II. Prozessuales
1. Strafantrag und Konstituierung Privatklägerschaft
Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass in den beiden Verfahren die erfor-
derlichen Strafanträge der Parteien vorliegen und dass sich die Parteien recht-
zeitig als Privatklägerin bzw. Privatkläger konstituierten (Urk. 89 S. 6 f.).
2. Beweisanträge
2.1 Mit der Berufungserklärung erhob der Beschuldigte Beweisanträge auf Ein-
vernahme von 12 Personen als Zeugen, nämlich von (1) F._ und (2)
G._ sowie – eventualiter – (3) H._, (4) I._, (5) J._,
(6) K._, (7) L._, (8) M._, (9) N._, (10) O._, (11) P._
und (12) Q._ (Urk. 93 S. 3 ff.). Die erwähnten Zeugeneinvernahmen wurden
schon vor Vorinstanz bergründet beantragt (Urk. 62 S. 2 ff.; Urk. 39) und – in ähn-
licher Zusammensetzung – im Vorverfahren (Urk. D1/10 S. 7 ff.).
Zur Begründung wird angeführt, die Zeugen könnten Angaben zu analogen Vor-
fällen machen, bei welchen sie miterlebt hätten, wie die Privatklägerin in gleicher
Weise wie vorliegend verbal und physisch übergriffig gegen den Beschuldigten
gewesen sei. Insbesondere hätten die Eltern des Beschuldigten, (1) F._ und
(2) G._, die angeklagten Beschimpfungen seitens der Privatklägerin mitanhö-
ren und erleben müssen, wie die Privatklägerin dem Beschuldigten den Säugling
aus dem Arm habe reissen wollen und – als dieser zu schreien angefangen und
die Privatklägerin ihren Willen nicht bekommen habe – die Fäuste erhoben und
den Beschuldigten geschlagen habe. Es gebe daher Zeugen dafür, dass die Pri-
vatklägerin schon früher exakt gleich wie angeklagt gegen den Beschuldigten
vorgegangen sei und dabei keinerlei Rücksicht auf den kleinen D._ genom-
men habe. Die Einvernahme der Zeugen (3) bis (12) wird nur für den Eventualfall
beantragt, dass die Privatklägerin die von diesen miterlebten früheren Vorfälle
und Übergriffe bestreiten sollte. Dann könnten die Glaubwürdigkeit der Privatklä-
gerin und die Glaubhaftigkeit ihrer Behauptungen bezüglich ihrer Gewaltbereit-
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schaft zum Nachteil des Beschuldigten und von D._ einer genaueren Über-
prüfung unterzogen werden (Urk. 93 S. 5 f.).
2.2 An der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte die erwähnten Zeugen-
einvernahmen nochmals mit derselben Begründung beantragen (Urk. 125). Zu-
dem wurden vom Beschuldigten Schilderungen von 5 Personen (F._,
H._, K._, L._ und J._) über frühere Vorfälle sowie ein Be-
schluss und Urteil des Bezirksrates Zürich vom 6. Juni 2019 und ein Auszug eines
Beschlusses der KESB Stadt Zürich vom 4. Juli 2019 als Beweisofferten zu den
Akten gereicht (Urk. 126/1/1-5 und Urk. 126/2/1+2).
2.3 Wie bereits im Beweisergänzungsentscheid der Staatsanwaltschaft vom
25. Oktober 2018 (Urk. D1/13), in den Verfügungen des vorinstanzlichen Einzel-
gerichts vom 15. Januar 2019 und 21. März 2019 (Urk. 45 S. 5 f.; Prot. I S. 39 f.),
im angefochtenen Urteil vom 28. März 2019 (Urk. 89 S. 8) und zuletzt in der ober-
gerichtlichen Präsidialverfügung vom 19. September 2019 (Urk. 117) – womit
die Beweisanträge einstweilen abgelehnt wurden – ausgeführt, ist vorliegend ein
4-Augen-Delikt zu beurteilen. Den als Zeugen angerufenen Personen fehlt es
mangels persönlicher Anwesenheit anlässlich des angeklagten Geschehens an
eigener Wahrnehmung. Sie könnten daher keine Angaben zum angeklagten Vor-
fall selber machen, was auch der Beschuldigte einräumt. Auch Bezeugungen zu
früher stattgefundenen gleichartigen Ereignissen blieben ohne hinreichende Rele-
vanz für die vorliegende Entscheidfindung. Solchen Aussagen von unbeteiligten
Drittpersonen würde nicht mehr als untergeordnete Bedeutung zukommen. Je-
denfalls liesse sich damit weder Gewaltbereitschaft noch Gewalttätigkeit
der Privatklägerin im hier zu beurteilenden Fall einer Kindsübergabe belegen. Seit
den vorläufigen Abweisungen dieser erneut beantragten Beweiserhebungen hat
sich keine Veränderung in der Ausgangslage ergeben. Die beantragten Zeugen-
einvernahmen des Beschuldigten sind daher abzuweisen.
Die Entscheide des Bezirksrates Zürich vom 6. Juni 2019 und der KESB Stadt
Zürich vom 4. Juli 2019 über die Regelung der elterliche Sorge und das Besuchs-
recht betreffend das Kind D._ sind für die vorliegend zu beurteilende Straf-
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sache ebenso wenig von Relevanz. Sie werden jedoch als Unterlagen zu den
Akten genommen (Urk. 126/2/1+2).
Anzufügen ist, dass im Zusammenhang mit den Beweisanträgen diverse weitere
schriftliche Unterlagen – etwa WhatsApp Chat-Verläufe sowie Beschlüsse und
Schreiben von Behörden (Urk. D1/11/2 ff.; Urk. 63/3 ff.) – zu den Akten genom-
men wurden.
2.4 Die Privatklägerin liess an der Berufungsverhandlung den Beweisantrag
stellen, dass R._ als Zeugin zu befragen sei. R._ sei ca. von November
2017 bis Ende Mai 2018 mit dem Beschuldigten in einer Beziehung gewesen.
Gegenüber ihr habe sich der Beschuldigte mehrfach und auch widersprüchlich
über den Vorfall vom 10. Mai 2017 geäussert. Sie könne mit Verweis auf ihre E-
Mail vom 23. März 2020 an die Privatklägerin auch Angaben zum Motiv des Be-
schuldigten machen (Urk. 127 und Urk. 128/1).
R._ ist die ehemalige Freundin des Beschuldigten und nach Angaben des
Beschuldigten nicht gut auf ihn zu sprechen (Prot. II S. 12). Sie war am inkrimi-
nierten Vorfall nicht dabei und ihre Aussagen beruhen ebenfalls nur auf Hörensa-
gen. Auch dieser Beweisantrag ist deshalb abzuweisen.
3. Nichtanhandnahmeverfügung
3.1 Die Verteidigung des Beschuldigten beanstandet, dass im Urteil der Vor-
instanz der Schutz des Kindes D._ nicht berücksichtigt worden sei, da der
Beschuldigte den Sohn D._ während des inkriminierten Vorfalls auf dem Arm
getragen und grosse Angst um D._ gehabt habe, weshalb auch von Not-
wehrhilfe auszugehen sei (Urk. 131 S. 5 f.).
3.2 Am 20. Februar 2020 ist gestützt auf Art. 310 StPO die Nichtanhandnahme-
verfügung der Staatsanwaltschaft betreffend die Strafanzeige des Beschuldigten
vom 28. November 2018 hinsichtlich einer mutmasslichen Gefährdung der Ge-
sundheit zum Nachteil des Sohnes D._ ergangen (vgl. Urk. 96 in SB190332).
Die Staatsanwaltschaft begründete ihren Entscheid im Wesentlichen dahin, es
bestehe weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht ein Anfangsverdacht, die
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Voraussetzungen für die Eröffnung einer Untersuchung seien nicht gegeben. Der
Beschuldigte habe erst in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ein Jahr
nach dem Vorfall erstmals erwähnt, dass er aufgrund der Angriffe durch die Pri-
vatklägerin auch um das Wohl seines Kindes gefürchtet habe, namentlich, dass
sie den Sohn treffen würde, dieser herunterfallen und sich schwer verletzen könn-
te. Die Befürchtung erweise sich als spekulativ. Selbst wenn der Beschuldigte
sein auf dem Arm getragenes Kind hätte fallen lassen, wäre beim damals knapp
26 Monate alten Sohn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge davon auszuge-
hen gewesen, dass dieser auf seinen Füssen gelandet wäre, weshalb eine
schwere Verletzung als abwegig erscheine. Damit entfalle auch der Nachweis ei-
nes Vorsatzes seitens der Privatklägerin. Die Verfügung der Staatsanwaltschaft
ist rechtkräftig (vgl. in SB190332 Urk. 95 und 96).
Dementsprechend ist auf den Einwand der Verteidigung, es sei neben Notwehr
auch von Notwehrhilfe zugunsten des Kindes D._ auszugehen, in den nach-
folgenden Erwägungen nicht weiter einzugehen. Bei der Bemessung des subjek-
tiven Verschuldens ist der Umstand, dass der Beschuldigte seinen Sohn auf dem
Arm gehalten hat und ihn schützen wollte, jedoch wie noch zu zeigen sein wird,
Rechnung zu tragen.
III. Schuldpunkt – Eingeklagte Sachverhalte
Vorab ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten im vorliegenden Verfahren und
der Privatklägerin im Parallelverfahren SB190332 verschiedene, gegeneinander
verübte Delikte zur Last gelegt werden. Da diese im Rahmen desselben Lebens-
sachverhaltes begangen worden sein sollen, drängt es sich mit der Vorinstanz
auf, bei der Sachverhaltserstellung sämtliche Erkenntnisse beider Verfahren zu
berücksichtigen (vgl. Urk. 89 S. 24).
1. Anklagevorwürfe gegenüber dem Beschuldigten
1.1 Dem Beschuldigten wird von der Staatsanwaltschaft zusammengefasst die
Begehung einer einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB; Anklagesach-
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verhalt 1) sowie einer Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB; Anklagesach-
verhalt 2) jeweils zum Nachteil der Privatklägerin vorgeworfen (Urk. 35 S. 2 f.).
Konkret wird ihm vorgeworfen, am 10. Mai 2017 um ca. 18.15 Uhr anlässlich ei-
nes verbalen Streits mehrere Male mit der linken Hand der Privatklägerin gegen
den linken Kopf- bzw. Schläfenbereich geschlagen zu haben. Anschliessend habe
er ihr einen Stoss gegen den Oberkörper versetzt, wodurch sie zu Boden gefallen
sei. Durch das Verhalten des Beschuldigten habe die Privatklägerin zwei
Quetsch-Risswunden erlitten, eine an der linken Stirn und eine am Hinterkopf,
sowie Schürfungen an der linken Augenbraue, am rechten Ellbogen und am
linken Oberarm. Durch den Sturz sei die Privatklägerin zudem kurz bewusstlos
gewesen. Diese Verletzungen habe der Beschuldigte durch sein Tun zumindest
billigend in Kauf genommen (Urk. 35 S. 2).
Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, dass die Sonnenbrille der Privat-
klägerin zu Boden gefallen und beschädigt worden sei, als er sie ins Gesicht ge-
schlagen habe. Den Sachschaden von ca. Fr. 400.– habe der Beschuldigte durch
sein Tun zumindest in Kauf genommen (Urk. 35 S. 3).
1.2 Der Beschuldigte machte von Beginn weg im Wesentlichen geltend, er sei
das Opfer von verbalen und physischen Übergriffen der Privatklägerin gewesen
und nicht der Täter. Er habe ausschliesslich versucht, in rechtfertigender Notwehr
für sich und in Notwehrhilfe für den sich auf seinem Arm befindlichen 2-jährigen
Sohn mit der linken Hand die Schläge und Fusstritte der Privatklägerin abzu-
wehren. Aus Furcht, dass er wegen eines Treffers stürzen und das Kind fallen
lassen könnte, sei er vor der Privatklägerin rückwärts die Aussentreppe hinauf zu-
rückgegangen. Die Privatklägerin habe aber erst von ihren Trittversuchen abge-
lassen, als sie selber hingefallen sei. Zur Sachbeschädigung an der Sonnenbrille
gab der Beschuldigte an, es sei nicht feststellbar, wann im Zuge der Auseinan-
dersetzung diese zu Boden gefallen sei. Die Privatklägerin habe sich diesen
Sachschaden aufgrund ihrer Faust- und Fussattacken gegen ihn primär selber
zuzurechnen (Prot. I S. 17 f.; Urk. 93 S. 4 f.). An diesem Standpunkt hielt der Be-
schuldigte auch an der Berufungsverhandlung fest (Urk. 124 S. 3 f.; Urk. 131).
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Der Beschuldigte bestreitet somit, sich der einfachen Körperverletzung und der
Sachbeschädigung schuldig gemacht zu haben.
2. Anklagevorwürfe gegenüber der Privatklägerin im Parallelverfahren
2.1 Der Privatklägerin wird im Parallelverfahren SB190332 von der Staats-
anwaltschaft zusammengefasst eine Beschimpfung (Art. 177 StGB; Anklage-
sachverhalt 1) sowie Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB; Anklagesachverhalt 2)
jeweils zum Nachteil des Beschuldigten vorgeworfen (Urk. 36 S. 2 f.).
Die Vorwürfe lauten konkret dahin, dass sie dem Beschuldigten anlässlich der
Auseinandersetzung vom 10. Mai 2017 folgende Fragen gestellt habe: "Hast
du dich wieder in den Arsch ficken lassen?" sowie "Wie viele Schwänze hast du
gelutscht?". Sie sei sich dabei bewusst gewesen, dass diese Worte geeignet ge-
wesen seien, den Beschuldigten in seiner Ehre zu verletzen (Urk. 36 S. 2).
Zudem habe die Privatklägerin den Beschuldigten anlässlich der erwähnten Aus-
einandersetzung ca. 10 bis 20 Mal geschlagen bzw. getreten und ihm dadurch
eine Schürfung am Unterarm zugefügt (Urk. 36 S. 2 f.).
2.2 Die Privatklägerin bestritt durchwegs, die in der Anklageschrift im Parallel-
verfahren SB190332 genannten Äusserungen gemacht zu haben. Zudem ver-
neinte sie, den Beschuldigten 10 bis 20 Mal geschlagen bzw. getreten zu haben.
Sie beruft sich in diesem Zusammenhang auf den Rechtfertigungsgrund der Not-
wehr. Sie habe lediglich auf den durch den Beschuldigten gegen ihren Kopf aus-
geführten Schlag resp. die Schläge reagiert. In rechtlicher Hinsicht lässt sie be-
streiten, die Tatbestände der Beschimpfung und der Tätlichkeiten erfüllt zu haben.
3. Unstrittige Sachverhalte
3.1 Gemäss den übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und der Pri-
vatklägerin kam es am 10. Mai 2017 um ca. 18.15 Uhr zu einer Auseinanderset-
zung, nachdem die Privatklägerin 15 Minuten zu spät zur Übergabe von D._
erschienen war.
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3.2 Der Beschuldigte räumte ein, dass es beim Aufeinandertreffen zu einer tät-
lichen Auseinandersetzung gekommen sei, ferner, dass er die Privatklägerin ge-
stossen habe, so dass sie zu Boden gestürzt sei und sich durch den Sturz den
Hinterkopf aufgeschlagen habe. Die Verletzungen der Privatklägerin sind durch
das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin der
Universität Zürich vom 18. Mai 2017 (Urk. D1/6/3) sowie durch die Fotos der Ver-
letzungen unmittelbar nach dem Vorfall (Urk. D1/3/1) aktenkundig. Gemäss dem
genannten Gutachten lagen folgende Verletzungen vor: Je eine Quetsch-
Risswunde am Hinterkopf und an der Stirn, Schürfungen an der linken Augen-
braue, dem rechten Ellbogen sowie am linken Oberarm und ein Bluterguss an der
rechten Wange. Abschliessend erklärte der Beschuldigte, dass die damals durch
die Privatklägerin getragene Sonnenbrille während der Auseinandersetzung auf
den Boden gefallen sei.
3.3 Die Privatklägerin bestreitet nicht, an einer zunächst verbalen und im An-
schluss körperlichen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten beteiligt gewe-
sen zu sein, wobei sie sich gegenseitig verbal provoziert hätten. Sie räumte ferner
ein, während dieser Auseinandersetzung den Beschuldigten insgesamt vier bis
sechs Mal mit den Füssen getreten bzw. geschlagen zu haben (Prot. I S. 29).
4. Beweismittel
Die Staatsanwaltschaft stützt sich hinsichtlich der angeklagten Delikte hauptsäch-
lich auf die Aussagen der Parteien in ihrer jeweiligen Rolle als Privatklägerin
resp. Privatkläger. Als weitere Beweismittel liegen namentlich bei den Akten: der
Polizeirapport vom 11. Mai 2017 (Urk. D1/1), verschiedene Fotodokumentationen
resp. Fotos (Urk. D1/3/1-5; Urk. D1/8/3; Urk. D1/17; Urk. D2/3; Urk. 63/1-2), diver-
se von den Parteien oder ihren Rechtsvertretern eingereichte Dokumente
(Urk. D1/8/1-2 und Urk. D1/8/5-6; Urk. D1/11/1-10, Urk. 49/1-2; Urk. 53 und 55;
Urk. 63/3-8; Urk. 126/1/1-5; Urk. 126/2/1+2; Urk. 128/1 und Urk. 130/1-6), das
IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin vom 18. Mai
2017 (Urk. D1/6/3) sowie die Strafanzeige des Beschuldigten (Urk. D2/1). Anhand
dieser Beweismittel ist nachfolgend zu prüfen, ob die bestrittenen Vorwürfe
rechtsgenügend nachgewiesen werden können.
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5. Grundsätze der Beweiswürdigung
Zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung, namentlich zu den Kriterien der Beur-
teilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen, ist auf die korrekten und vollständigen
Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 89 S. 12 f.).
Was die Erwägungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der beteiligten Per-
sonen betrifft (vgl. Urk. 89 S. 13 und 15), ist relativierend festzuhalten, dass der
allgemeinen Glaubwürdigkeit einer einvernommenen Person im Sinne einer dau-
erhaften personalen Eigenschaft gegenüber der Glaubhaftigkeit der konkreten
Aussage für die Wahrheitsfindung nur untergeordnete Bedeutung zukommt
(BGE 133 I 33 E. 4.3 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_1051/2019
vom 9. April 2020 E. 4.2 und 6B_1094/2017 vom 11. Juni 2019 E. 3.1). Entschei-
dend ist letztlich die Glaubhaftigkeit der Aussage zum Tathergang bzw. die Über-
zeugung des Gerichts betreffend deren Wahrheitsgehalt (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_382/2019 vom 8. August 2019 E. 1.1 mit Hinweisen).
6. Aussagen der Privatklägerin
6.1 In der polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017 (Urk. D1/4) führte die
Privatklägerin allgemein zur Beziehung zwischen den Parteien aus, diese habe
gut angefangen, sie sei in den gemeinsamen Ferien schwanger geworden. Es sei
jedoch bald zu Streitigkeiten über die jeweiligen Eigenschaften des andern ge-
kommen. Der Beschuldigte habe sie bereits in der Schwangerschaft über ihr Aus-
sehen, ihre Herkunft und ihren Charakter beleidigt und sie zum Beispiel eine
Missgeburt genannt. Nach 9 Monaten ständiger Beleidigungen und nachdem sie
ihn unzählige Male angefleht habe, damit aufzuhören, habe sie im April 2015
ebenfalls begonnen, ihn zu beleidigen. Das Ganze habe sich in der Folge gestei-
gert. Es sei zunächst zu verbalen und dann auch mehrmals zu körperlichen Über-
griffen des Beschuldigten durch Schubsen gekommen. Verletzungen habe sie
dabei keine erlitten. Die Belastung sei zu gross geworden und habe im Auszug
des Beschuldigten im August 2015 gegipfelt. Es habe sich eine gewisse Tren-
nungsroutine eingestellt. Der Beschuldigte habe gewünscht, dass D._, der
damals Trennungsängste gehabt habe, auch bei ihm übernachten könne und dies
- 16 -
gegen ihren Willen mittels Beschwerde beim Bezirksrat per April 2017 durchge-
setzt. Das habe sich natürlich nicht förderlich auf die Beziehung ausgewirkt
(Urk. D1/4 S. 2 f. Fragen 8 ff.).
In Bezug auf den angeklagten Vorfall führte die Privatklägerin aus, dass der Be-
schuldigte den Sohn um 16.30 Uhr in der Kindertagesstätte abgeholt habe und
ihn ihr um 18.00 Uhr wieder habe zurückbringen müssen. Da sie etwas verspätet
gewesen sei, habe sie den Beschuldigten kurz vor dem vereinbarten Zeitpunkt te-
lefonisch darüber informiert. Bei ihrer Ankunft zu Hause um ca. 18.15 Uhr habe
der Beschuldigte mit dem Sohn auf dem rechten Arm bei seinem parkierten Auto
gewartet. Er sei wütend gewesen und habe wissen wollen, wo sie gewesen
sei, was zu einem verbalen Streit geführt habe. Da sie am Tag darauf mit dem
gemeinsamen Sohn in die Ferien habe reisen wollen, habe der Beschuldigte ihr
gesagt: "Pass gut auf D._ auf, sonst schneide ich dir den Hals ab." Dann ha-
be er begonnen sie zu beleidigen, worauf sie sich gegenseitig beleidigt hätten.
Plötzlich habe er ihr, D._ auf dem rechten Arm haltend, mit der linken Hand,
vermutlich der Handkante, einmal gegen den Kopf, den linken Stirn- bzw. Schlä-
fenbereich geschlagen. Von dem Schlag sei ihre Sonnenbrille verbogen worden
und das linke Glas herausgefallen. Zudem habe sie oberhalb der linken Augen-
braue eine Platzwunde sowie, möglicherweise von der Brille, einen kleinen Schnitt
erlitten. Um sich zu wehren, habe sie ihm mit der Oberseite beider Füsse zwei
oder drei Tritte gegen die Beine versetzt und auch versucht, ihn zwischen den
Beinen zu treffen. Daraufhin habe er sie heftig gegen den Oberkörper geschubst,
so dass sie zu Boden gefallen sei. Schmerzen habe sie in diesem Moment keine
gespürt, weil sie voller Adrenalin gewesen sei. Sie sei aufgestanden, auf ihn zu-
gegangen und habe das noch immer auf seinem Arm befindliche Kind nehmen
wollen. Er habe D._ auf den Boden gestellt, worauf sie das Kind genommen
habe und in die Wohnung gegangen sei (Urk. D1/4 S. 3 f. Frage 22).
Auf Nachfrage verneinte sie weitere Schlägen durch den Beschuldigten
(Urk. D1/4 S. 4 Frage 23). Sodann führte sie aus, mit seinem Hinweis, sie solle
gut auf D._ aufpassen, habe der Beschuldigte zum Beispiel gemeint, dass
D._ gut esse, gut schlafe, einen ausgeglichenen und gesunden Rhythmus
- 17 -
habe. Sie vermute, es sei für ihn eine Möglichkeit gewesen, sie auf einer persön-
lichen Ebene anzugreifen (Urk. D1/4 S. 4 f. Frage 28 f.). Ferner gab sie an zu
vermuten, dass sie als Folge des Sturzes kurz ohnmächtig gewesen sei oder  in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt (Urk. D1/4 S. 5 Frage 30).
6.2 Anlässlich der Konfrontationseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom
15. Mai 2018 (Urk. D1/7) schilderte die Privatklägerin, der Beschuldigte habe sie
aufgrund ihrer Verspätung gefragt, wo sie gewesen sei und mit wem sie was ge-
macht habe. Als sie ihm geantwortet habe, dass sie jemanden Neues kennen-
gelernt habe, habe er gesagt, er wisse, dass bei ihr alte und junge Männer nach
Hause kommen würden. Daraufhin habe sie ihm geantwortet, dies sei so wie bei
ihm. Nach einer kurzen Pause habe der Beschuldigte ihr den aus der Beziehung
bereits bekannten Satz gesagt: "Pass gut auf mein Kind auf, sonst schneide ich
dir den Hals ab!". Auf dem Weg zur Eingangstüre hätten sie sich gegenseitig be-
leidigt. Der Beschuldigte habe ihr unter anderem unterstellt, eine Hure zu sein und
sich für Geld zu verkaufen und sie ihn im Gegenzug gefragt, ob er seine Männer
auch bezahlen müsse. Vor der Eingangstüre habe sie ihn gefragt, weshalb er sie
so beleidige und ihm erklärt, sie habe nun jemanden gefunden, der sie auf allen
Ebenen unterstütze, so dass sie sich finanziell alles, auch Ferien leisten könne.
Dass sie keine gemeinsame Familie mehr seien sei seine Schuld. Er solle sein
Leben anschauen, jeden Morgen um 6 Uhr aufstehen und eine Stunde nach
Winterthur fahren und wieder zurück. Sie denke, diese Aussage habe den Be-
schuldigten gekränkt. Die ganze Zeit über habe sie ihre Umhängetasche, eine
Windjacke, eine Einkaufstasche, einen Schal und den Rucksack von D._ in
den Händen gehabt, bis zur Ankunft in der Wohnung (Urk. D1/7 S. 3 f., 15). Sie
habe die Haustüre arretiert und – ihre Arme soweit wie möglich nach oben aus-
streckend und eine entsprechende Geste machend – gewartet, dass der Be-
schuldigte ihr das Kind gebe. Keine halbe Sekunde danach habe sie unvermittelt
Schläge gegen den Kopf verspürt, wodurch auch ihre Sonnenbrille, welche sie zu
diesem Zeitpunkt getragen habe, auf den Boden gefallen sei. Nach mehreren
Schlägen des Beschuldigten habe sie eine Abwehrhaltung eingenommen. Sie ha-
be ihren noch in den Armen des Beschuldigten befindlichen Sohn nicht in Gefahr
sehen können und deshalb begonnen, mit dem Fuss Tritte gegen den Beschuldig-
- 18 -
ten auszuführen. Damit habe sie ihn zu Fall bringen wollen (Urk. D1/7 S. 4 und 9).
Nach ein paar Tretversuchen habe sie einen Filmriss erlitten, da sie aufgrund der
Schläge des Beschuldigten zu Boden gefallen sei und durch den Aufprall kurzzei-
tig das Bewusstsein verloren habe. Was danach passiert sei wisse sie nicht, habe
aber eine Szene im Kopf, wo sie sich ohne ihr Kind entweder im Treppenhaus
oder in der Wohnung befunden habe. Danach sei es erneut zu einem Filmriss ge-
kommen und sie könne sich erst wieder erinnern, wie sie mit D._ die Treppe
hochgestiegen sei. Im Spiegel in der Wohnung habe sie festgestellt, dass sie ge-
blutet habe und daraufhin ihren Lebenspartner kontaktiert (Urk. D1/7 S. 4).
Auf Vorhalt einiger ihrer Aussagen in der polizeilichen Befragung vom 11. Mai
2017 erklärte sie, jenen Aussagen mehrfach zu widersprechen. Als sie nach
Rückkehr aus den Ferien die Eingabe des Beschuldigten gegen das Kontaktver-
bot an das Bezirksgericht im Gewaltschutzverfahren gelesen habe, seien ihr die
Filmrisse bewusst geworden und nachträglich zusätzliche Erinnerungen in den
Sinn gekommen (Urk. D1/7 S. 8 ff.).
Auf die Diskrepanz in ihren Aussagen hinsichtlich der Anzahl erlittener Schläge
angesprochen – dass bei der Polizei nur von einem einzigen Schlag des Beschul-
digen die Rede gewesen sei – gab die Privatklägerin zu Protokoll, dass sie meh-
rere Schläge vom Beschuldigten erhalten habe, entnehme sie dem Bericht des
Universitätsspitals Zürich. Aufgrund ihrer darin dokumentierten Verletzungen
müsse es sich um mehrere Schläge durch den Beschuldigten gehandelt haben.
Es sei so gewesen, er habe geschlagen, sie habe getreten, er habe geschlagen,
geschlagen, geschlagen und dann sei ihr Sturz erfolgt (Urk. D1/7 S. 9). Auch be-
tonte sie erneut den Verlust des Bewusstseins und wendete abschliessend ein,
sich nach dem Vorfall in einem schlechten Gemütszustand befunden zu haben.
Zwar habe sie der Einvernahme bei der Polizei folgen können, aber richtige Aus-
sagen machen und Erinnerungen hervorrufen habe sie nicht gekonnt. Sie habe
damals nicht präsent gehabt, was sie nun beim Staatsanwalt beschrieben habe
(Urk. D1/7 S. 8 ff.).
6.3 Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 21. März 2019
(Prot. I S. 26 ff.) schilderte die Privatklägerin zusammengefasst und auf ent-
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sprechende Fragen den Vorfall vom 10. Mai 2017 weitestgehend wie schon in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Mai 2018. Sie hielt fest an einer
Mehrzahl von Schlägen seitens des Beschuldigen gegen und auf ihren Kopf, an
Bewusstseinsschwund und erst später auftauchenden Erinnerungen (Prot. I S. 27,
29 und 33). An den (verbalen) Streit mit den Beleidigungen könne sie sich noch
genau erinnern. Sie bestritt, den Beschuldigten anklagegemäss gefragt zu haben,
ob er sich wieder in den Arsch habe ficken lassen und wie viele Schwänze er ge-
lutscht habe (vgl. Urk. 36 S. 2), denn an jenem Tag habe sie sich auf die bevor-
stehenden Ferien in Fuerteventura mit einer Freundin und deren gleichaltrigem
Jungen gefreut. Mit diesen Worten habe sie es nicht gesagt, sondern ihn bei der
Auseinandersetzung lediglich gefragt, ob er seine Männer auch bezahlen müsse.
Dies sei eine Reaktion auf die Unterstellung des Beschuldigten gewesen, dass sie
sich für Geld verkaufe. Die Privatklägerin räumte aber ein, dass sie während der
Beziehung sehr viel Streit in Bezug auf seine von ihr vermutete Homosexualität
gehabt hätten. Sie habe ihn aufgrund von Indizien immer wieder darauf auf-
merksam gemacht und diesbezüglich beschimpft (Prot. I S. 28). Zudem legte die
Privatklägerin auf Frage nochmals dar, was sie kurz vor Beginn der körperlichen
Auseinandersetzung vor der Haustüre geäussert hatte: nämlich, dass sie dem
Beschuldigten die Schuld am Bruch der Familie zugewiesen und ihm mitgeteilt
habe, dass sie nun jemanden habe, der sie unterstütze und er nun wisse, woher
das Geld für ein Auto, die Reisen, neue Kleider etc. stamme. Sie habe sich noch
einmal hin und her bewegt und die Arme nach oben genommen. Sie habe endlich
das Kind entgegennehmen, packen und in die Ferien gehen wollen. Deshalb habe
sie die Gestik mit den Händen gemacht (Prot. I S. 32 f., 34 f.).
Dass sie den Beschuldigen 10 bis 20 Mal geschlagen bzw. getreten habe, wie
dies in der Anklageschrift stehe (Urk. 36 S. 2 f.), dementierte sie. Sie habe ihn
zwei bis drei Mal getreten, Schläge von ihm gegen/auf den Kopf bekommen, ihn
wieder zwei bis drei Mal getreten und sei dann "weg" gewesen. Ihre Tritte mit der
Schuhspitze habe sie dem Beschuldigten zwischen seinem Knie und der Hälfte
des Oberschenkels zugefügt, so hoch, wie es ihr möglich gewesen sei. Sie habe
lange Beine und sei sehr schlank. Es seien jedoch nur kurze Schläge, ganz leich-
te "Stiche" gewesen. Sie habe so versucht, sich gegen die Schläge des Beschul-
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digten zu wehren (Prot. I S. 28 ff., 35). Woher die Schürfung des Beschuldigten
am Unterarm stamme, wisse sie nicht (Prot. I S. 30).
Die Frage, warum sie nicht davon gelaufen sei, habe sie sich auch gestellt. Viel-
leicht habe sie aus Angst oder im Affekt zugeschlagen oder gedacht, dadurch
würde er sich beruhigen. Zudem habe sie gedacht, dass er sie wegen der Anwe-
senheit des Kindes nicht verprügeln könne. Nach den ersten zwei Tritten sei die
Dynamik da gewesen (Prot. I S. 31). Er hätte jederzeit das Kind ablegen können
(Prot. I S. 35). Die von ihm getätigte Aussage, wonach sie versucht habe, ihm
D._ zu entreissen, entspreche nicht der Wahrheit. Als mögliches Motiv seiner
Schläge nannte die Privatklägerin Eifersucht. Der Beschuldigte sei auf die Situati-
on, dass sie sich Ferien mit dem Sohn leisten könne, eifersüchtig gewesen. Die
aus ihrer Sicht falschen Belastungen des Beschuldigten gegen sie erklärte sie
sich damit, dass es für ihn als angesehene Person eine Niederlage wäre, wenn
herauskäme, dass er sie geschlagen habe. Zuletzt bestätigte sie, dass derzeit
drei Verfahren bei der KESB betreffend das Kind hängig seien und sie den Antrag
auf das alleinige Sorgerecht gestellt habe (Prot. I S. 37 f.).
6.4 An der Berufungsverhandlung sagte die Privatklägerin – einvernommen als
Beschuldigte im Parallelverfahren SB190332 (Urk. 100) – zusammengefasst aus,
der Beschuldigte habe sie nach ihrer Ankunft gefragt, mit wem sie unterwegs ge-
wesen sei. Sie habe ihm mitgeteilt, dass sie jemanden Neues kennengelernt ha-
be. Daraufhin habe er gesagt, er wisse, dass alte und junge Männer bei ihr ins
Haus kämen. Woraufhin sie gesagt habe, wie bei ihm auch. Er habe gesagt, sie
sei eine Hure und verkaufe sich fürs Geld. Er habe das Kind im rechten Arm ge-
halten und gesagt, sie soll gut auf den Sohn aufpassen, ansonsten werde er ihr
den Hals abschneiden. Sie habe ihn gefragt, ob er die Männer auch bezahle,
wenn sie bei ihm zuhause seien. Sie sei weiter zum Eingang gegangen und habe
gewartet, bis er ihr das Kind gebe. Sie habe die Arme vollgepackt gehabt, mit ei-
nem Rucksack, einer Windjacke, einer Einkaufstasche und einem Schal und die
Arme seien angezogen gewesen. Sie habe die Hände nach vorne gestreckt. Etwa
eine halbe Sekunde danach habe er ihr eins gegen den Kopf geschlagen. Sie ha-
be Angst bekommen und habe sich aufgrund der vollgepackten Arme nur mit den
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Beinen schützen können. Sie habe sich mit den Füssen wehren müssen. Die Ab-
wehr sei leicht gewesen. Sie sei wie benommen gewesen und wisse, dass sie
umgefallen sei.
7. Aussagen des Beschuldigten
7.1 In der polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017 (Urk. D1/5) führte der
Beschuldigte betreffend den eingeklagten Vorfall vom 10. Mai 2017 zusammenge-
fasst aus, nach Eintreffen der Privatklägerin um ca. 18.15 Uhr seien sie zu dritt
vom Parkplatz, wo er mit dem gemeinsamen Sohn gewartet habe, zum Haus-
eingang gegangen. Als er seinen Sohn habe verabschieden wollen, habe ihn die
Privatklägerin wie schon oftmals früher aus dem Nichts heraus aufs Übelste zu
beschimpfen begonnen, ihn als "Schwanzlutscher" und "Arschficker" betitelt. Die-
se seit zwei Jahren vorkommenden Behauptungen, dass er sich mit Männern tref-
fen würde, entsprächen absolut nicht der Tatsache. D._ habe Papa gerufen
und offensichtlich noch bei ihm bleiben wollen. Dies habe die Privatklägerin be-
merkt und versucht, ihm D._ zu entreissen und ihn (Beschuldigten) dabei am
linken Unterarm gekratzt. Das sei der Auslöser einer tätlichen Auseinander-
setzung gewesen. Er habe versucht, sie mit der linken Hand abzuwehren. Die
Privatklägerin habe weiter mit den Füssen Tritte ausgeteilt und versucht, ihn zwi-
schen den Beinen zu treffen, während er D._ noch immer im Arm gehalten
habe. D._ habe in der Folge zu weinen begonnen. Er sei vom Hauseingang
zurückgewichen und habe D._ und sich verteidigen und vor ihren Schlägen
schützen wollen, indem er die Privatklägerin weggeschubst habe, wodurch sie
gestolpert und rückwärts zu Fall gekommen sei. Dabei habe sie den Hinterkopf an
der Mauer an- bzw. auf dem Boden aufgeschlagen, so dass sie zu bluten begon-
nen habe. Er habe sich sofort nach ihrem Wohlbefinden erkundigt. D._ auf
seinem Arm habe laut geschrien. Nach ca. dreissig Sekunden sei die Privatkläge-
rin aufgestanden und wortlos ins Haus gegangen. Er habe versucht, seinen Sohn
zu beruhigen und sei mit ihm zum Auto zurück gegangen. Etwa drei bis fünf Minu-
ten später sei sie wieder gekommen und habe ihn in der gleichen Art und Weise
lautstark weiter beschimpft. Er habe ihr den Sohn übergeben. Sie habe gefasst
gewirkt. Auch seien keine weiteren Blutungen sichtbar gewesen. Sie sei mit
- 22 -
D._ ins Haus gegangen und er nach Hause gefahren (vgl. Urk. D1/5 Frage 7
ff.).
Auf entsprechende Nachfrage verneinte der Beschuldigte, dass seine Eifersucht
der Auslöser der Auseinandersetzung gewesen sei. Er habe sie wegen ihrer Ver-
spätung gefragt und sie ihm erklärt, am Flughafen Tickets für die Ferien abgeholt
zu haben. Auch stellte er entschieden in Abrede, der Privatklägerin gedroht zu
haben. Lediglich wegen der bevorstehenden Badeferien habe er gesagt, sie solle
gut auf D._ aufpassen. Dass er ihr plötzlich gegen den Kopf geschlagen ha-
be, stimme so nicht. Sie habe begonnen, ihn tätlich anzugreifen, als D._ sig-
nalisiert habe, noch bei ihm bleiben zu wollen. Er räumte jedoch ein, dass er sie
möglicherweise bei der Abwehr ihrer Angriffe mit der linken Hand am Kopf getrof-
fen habe und dass ihre Sonnenbrille während des Gerangels zu Boden gefallen
sei. Sodann bestätigte er die umschriebenen Fusstritte der Privatklägerin gegen
ihn und dass er während des Rückwärtsgehens mit der linken Hand ihre Fusstritte
und Schläge abgewehrt und sie und letztlich weggestossen habe, worauf sie rück-
lings gestürzt sei (Urk. D1/5 Frage 12 ff.). Ferner hielt er die im Waidspital bei der
Privatklägerin diagnostizierten Verletzungen an der linken Schläfe und am Hinter-
kopf aufgrund seines Treffers mit der linken Hand und ihres Sturzes für möglich.
Den geltend gemachten Schaden von Fr. 400.– wegen der beschädigten Son-
nenbrille nahm er zur Kenntnis (Urk. D1/5 Frage 18 f., 23).
Konfrontiert mit der Behauptung der Privatklägerin, fortwährende Diffamierungen
und Kritik seinerseits wegen ihres äusseren Aussehens hätten zum Bruch der
Beziehung geführt, reagierte der Beschuldigte empört und nannte als wahren
Trennungsgrund ihre im Oktober 2014 aus heiterem Himmel begonnenen Unter-
stellungen seiner angeblichen Homosexualität, was er als unhaltbar und unwahr
bezeichnete. Deshalb sei für ihn das weitere Zusammenleben mit ihr dann unzu-
mutbar geworden (Urk. D1/5 Frage 20; Urk. D1/7 S. 7 f.). Zudem erwähnte er
psychische Labilität und sehr starke Stimmungsschwankungen bei der Privat-
klägerin, was ihn während des Zusammenlebens zweimal veranlasst habe, den
Notfallpsychiater aufzubieten, die Privatklägerin aber keine Behandlung zuge-
lassen habe. Nicht er habe die Privatklägerin während des Zusammenlebens ge-
- 23 -
schubst, sondern sie immer wieder ihn angegriffen und auch einmal eine Tasse
nach ihm geworfen. Er hoffe, sie begebe sich in psychotherapeutische Behand-
lung, er sorge sich um das Wohl des gemeinsamen Sohnes. Es sei ihm ein gros-
ses Anliegen zu erläutern, dass nie Aggressionen seinerseits gegen die Privatklä-
gerin erfolgt seien, sondern dass es sich stets um seine Abwehr auf ihre Attacken
gehandelt habe (Urk. D1/5 Fragen 20 ff. und 8).
7.2 Wie eingangs erwähnt, erstattete der Beschuldigte am 23. Mai 2017 wegen
des Vorfalls vom 10. Mai 2017 seinerseits Strafanzeige gegen die Privatklägerin
(Urk. D2/1) und äusserte sich darin im Wesentlichen wie bereits anlässlich der
polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017. Abweichend schilderte er,
die Privatklägerin habe ihn neben "Schwanzlutscher" mit den Worten "Hast du
dich wieder von Männern in den Arsch ficken lassen" beschimpft und beleidigt.
Diese Worte benütze sie schon seit 1 1⁄2 Jahren regelmässig bei der Kindesüber-
gabe. Beim Versuch, ihm D._ aus den Händen zu entreissen, habe sie be-
gonnen auf ihn einzuschlagen. Er betonte erneut, dass er sich sehr um D._
gesorgt habe und deshalb reflexartig die linke Hand gehoben und sich
und D._ zu schützen versucht habe. Da die Privatklägerin die "Attacke" trotz
seines Zurückweichens nicht eingestellt habe, habe er sich gezwungen gesehen,
sie wegzustossen. In der Folge sei sie nach hinten gefallen und habe sich dabei
am Kopf verletzt (Urk. D2/1 S. 3 f.).
7.3 In der Konfrontationseinvernahme vom 15. Mai 2018 (Urk. D1/7) gab der
Beschuldigte den Vorfall vom 10. Mai 2017 erneut detailliert zu Protokoll. Er schil-
derte wiederum, wie die Privatklägerin ihn die ca. 50 Meter vom Parkplatz zum
Hauseingang mit den Worten "Hast du dich wieder in den Arsch ficken lassen?"
oder "Wie viele Schwänze hast du gelutscht?" beschimpft habe, wie schätzungs-
weise 100 Mal zuvor. Er habe keine Erklärung für diese Beschimpfungen, da er
früher wie auch aktuell in Beziehungen mit Frauen gewesen sei. Bei der Überga-
be des Sohnes habe dieser gezögert und sich geweigert, zur Privatklägerin zu
gehen, worauf diese versucht habe, ihm den Sohn zu entreissen. Er (Beschuldig-
ter) habe sich gewehrt und dabei die Privatklägerin mit der Hand am Kopf getrof-
fen. Es habe sich um eine Abwehrhaltung gegen die Aggressionen gegen seinen
- 24 -
Sohn und sich gehandelt. Zehn bis zwanzig Mal habe die Privatklägerin mit
den Händen und Füssen auf ihn eingeschlagen und versucht, ihn zwischen den
Beinen zu treffen. Auch seine ausweichende Rückwärtsbewegung habe sie nicht
dazu veranlasst, ihre Angriffe einzustellen. Daher sei er gezwungen gewesen, die
Attacken mit der linken Hand abzuwehren. Die Privatklägerin sei zu Boden ge-
stürzt und anschliessend in die Wohnung gegangen, er zum Auto zurückgekehrt
um zu warten, bis die Privatklägerin nach drei bis fünf Minuten erschienen sei, um
den Sohn entgegenzunehmen (Urk. D1/7 S. 5 f.).
7.4 Im Rahmen der Hauptverhandlung vor Vorinstanz vom 21. März 2019 schil-
derte der Beschuldigte zusammengefasst erneut zunächst in freiem Bericht und
ergänzend auf diverse Nachfragen (vgl. Prot. I S. 16 ff.), wie er am 10. Mai 2017
gegen 18.00 Uhr bei der Privatklägerin zu Hause gewesen und sie – wie vorgän-
gig telefonisch angekündigt – erst um 18.15 Uhr erschienen sei. Im Zusammen-
hang mit ihren anstehenden Ferien habe er ihr gesagt, sie solle gut auf D._
aufpassen, worauf sie mit Beschimpfungen begonnen habe. Als er mit D._
auf dem Arm und ihr vom Parkplatz zum Hauseingang gelaufen sei, habe sie ihn
– wie schon hundert Mal bei vorherigen Übergaben – mit "Schwanzlutscher" und
"Arschficker" beschimpft. Er bestritt jedoch, dass er auch sie beschimpft oder be-
droht habe. Aufgrund ihrer Beschimpfungen sei D._ eingeschüchtert gewe-
sen und habe sich an ihn geklammert. Daraufhin habe sie versucht, ihm D._
aus den Armen zu entreissen, worauf er mit seiner linken Hand eine Abwehrhal-
tung eingenommen habe, um sie fernzuhalten. Er habe grosse Angst um D._
gehabt und ihn stets auf dem rechten Arm getragen. Er bezeichnete es als mög-
lich, die Privatklägerin bei dieser Abwehr am Kopf und an ihrer Sonnenbrille ge-
troffen zu haben. Das habe sie in Rage versetzt und sie habe versucht, ihn mit
Tritten zwischen den Beinen zu treffen. Um seinen Sohn vor den Schlägen und
Tritten der Privatklägerin zu schützen, sei er reflexartig zurückgewichen, denn er
habe befürchtet, D._ bei einem Treffer zwischen seine Beine fallen zu las-
sen. Er sei überzeugt, dass sie nicht D._ habe treffen wollen, das würde er
nie behaupten. Da die Privatklägerin weiterhin geschlagen habe, habe er sie mit
der linken Hand von sich ferngehalten, worauf sie rückwärts zu Fall gekommen
sei. Nach dem Sturz sei sie zwar benommen, aber sicher nicht bewusstlos gewe-
- 25 -
sen, sondern nach ein paar Sekunden wieder aufgestanden und dann wortlos für
mehrere Minuten in ihrer Wohnung verschwunden. Anschliessend sei sie zu ihm
und D._ zurückgekehrt und habe ihn weiter beschimpft (Prot. I S. 16 ff., 25).
Auf entsprechende Nachfragen erklärte er, seine "Abwehrreaktion" resp. die Zu-
fügung der Verletzungen der Privatklägerin seien verhältnismässig gewesen. Er
begründete dies damit, dass er während des ganzen Vorfalls seinen Sohn auf
dem Arm getragen und befürchtet habe, diesen bei einem Tritt zwischen seine
Beine fallen zu lassen. Er habe sie von sich und D._ fernhalten müssen und
dabei auf ihren Oberkörper gewirkt, was zum Sturz geführt habe. Er habe ihren
Sturz nicht gesucht, sie nicht zu Fall bringen, sondern sie lediglich fernhalten wol-
len. Sie sei in Rage gewesen, habe mit ihrer Attacke nicht aufgehört und er habe
keinen anderen Ausweg gesehen. Der Beschuldigte bekräftigte abschliessend,
Angst um sich und seinen Sohn gehabt zu haben (Prot. I S. 20 ff.). Zu den Um-
ständen der Beschädigung der Sonnenbrille konnte er keine Angaben mehr ma-
chen (Prot. I S. 22). Ein Motiv, weshalb die Privatklägerin ihn zu Unrecht belasten
sollte, sah der Beschuldigte in den laufenden Verfahren bei der KESB betreffend
das Sorge- und Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn D._. Er könne
sich gut vorstellen, dass sie ihn im Hinblick auf die genannten Verfahren in ein
schlechtes Licht rücken wolle. Im Oktober 2018 habe sie das alleinige Sorgerecht
für den gemeinsamen Sohn beantragt (Prot. I S. 23 f.).
7.5 An der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte zusammengefasst
aus, er habe während des ganzen Vorfalls den Sohn D._ auf dem Arm ge-
habt. Die Privatklägerin habe ihn aufs Übelste – als "Schwanzlutscher" und "in
den Arsch ficken" – beschimpft. Dies habe er während den Übergaben und der
Beziehung immer wieder gehört. D._ habe gezögert zu ihr zu gehen. Sie sei
dann total ausgerastet, in Rage gewesen und habe auf ihn eingeschlagen. Er ha-
be sich wehren müssen und eine Abwehrhaltung mit der Hand vorgenommen. Sie
habe weiter auf ihn eingeschlagen. Er sei zurückgewichen. Sie habe ihn getroffen
und gekratzt. Dann hätten die Fusstritte begonnen. Er habe Angst gehabt, zu Fall
zu kommen und habe sich nochmals gewehrt. Sie sei dann zu Fall gekommen. Er
habe grosse Sorge um sich und D._ gehabt. Sie dann wieder aufgestanden,
- 26 -
in die Wohnung gegangen, wieder rausgekommen und habe ihn nochmals be-
schimpft. Er habe ihr D._ gegeben und sei dann ins Auto gegangen
(Urk. 124).
8. Beweiswürdigung
8.1 Mit der Vorinstanz steht aufgrund des Untersuchungsergebnisses zunächst
fest, dass es zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten am 10. Mai
2017 zu einer erst verbalen und im Anschluss tätlichen Auseinandersetzung ge-
kommen ist. Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen der Involvierten ist
sodann erstellt, dass die Privatklägerin den Beschuldigten im weiteren Verlauf
mehrmals mit den Füssen getreten und der Beschuldigte sie schliesslich wegge-
stossen hat, so dass sie rücklings auf den Boden stürzte und sich dabei am Kopf
verletzte. Zudem steht fest, dass die Privatklägerin während des Vorfalls eine
Sonnenbrille trug, welche im Zuge der Auseinandersetzung zu Boden fiel. Bezüg-
lich der verbalen Äusserungen sowie zur Frage, von wem die tätliche Auseinan-
dersetzung ausging, divergieren die Angaben. Das ist nachfolgend zu prüfen.
8.2 Anklagesachverhalt 1 betreffend Beschimpfung (Urk. 36 S. 2)
Aufgrund der Schilderungen des Beschuldigten, der teilweisen Zugeständnisse
der Privatklägerin und ergänzend der aktenkundigen Chat-Korrespondenz zwi-
schen den zwei Beteiligten ist in Übereinstimmung mit dem Bezirksgericht vorerst
als erwiesen anzusehen, dass der Beschuldigte von der Privatklägerin in der (im
Parallelverfahren SB190332) angeklagten Art und Weise beschimpft wurde
(Urk. 36 S. 2).
8.2.1 Wie sich aus seinen vorne dargelegten Aussagen ergibt, hat der Beschul-
digte während des gesamten Verfahrens authentisch, konstant, im Ausdruck sehr
ähnlich und im Ergebnis überaus glaubhaft ausgeführt, dass die Privatklägerin ihn
nach ihrem Eintreffen am 10. Mai 2017 im Zusammenhang mit seiner von ihr
vermuteten Homosexualität massiv beschimpfte, ihn konkret als "Schwanz-
lutscher" und "Arschficker" betitelt und ihn gefragt hat, "wie viele Schwänze" er
gelutscht und ob er sich "wieder in den Arsch hat ficken lassen". Nachvollziehbar
- 27 -
hat der Beschuldigte umschrieben, dass die Unterstellung einer angeblichen
Homosexualität aus heiterem Himmel begonnen hat und Beschimpfungen durch
die Privatklägerin wie die hier zu beurteilende im Anschluss an die Trennung ab
August 2015 in grosser Zahl und regelmässig bei der Kindesübergabe vorkamen.
Die Mutmassung einer angeblichen Homosexualität des Beschuldigten durch die
Privatklägerin lässt sich zusätzlich den eigenen Aussagen der Privatklägerin und
ihren Chat-Nachrichten an den Beschuldigten entnehmen. Dieser Thematik kam
offensichtlich sogar ein zentraler Stellenwert in der Beziehung der Beteiligten so-
wie betreffend deren Scheitern zu (vgl. nachstehende Erw. 8.2.2 und 8.2.3).
8.2.2 Auch die Privatklägerin räumte ein, dass es an besagtem Vorfall zu (ge-
genseitigen) Beschimpfungen gekommen sei. Im Verlaufe der Untersuchung und
anlässlich der Hauptverhandlung konkretisierte sie ihre Beschimpfungen und be-
stätigte, dass diese im Zusammenhang mit der mutmasslichen Homosexualität
des Beschuldigten geäussert worden waren. Ihre Mutmassung der Homosexuali-
tät begründete sie mit ihrem Gespür, dass er fremdgehe. Weil sie keine An-
zeichen dafür gehabt habe, dass es um Frauen ging, habe sie ihn mit der Homo-
sexualität konfrontiert. Auf die Frage, ob sie dies konkretisieren könne, führte die
Privatklägerin aus, einerseits wisse sie aus der Intimität ihr gegenüber, dass er
eine grosse Erregung im Analbereich verspürt habe, dies die einzige Möglichkeit
gewesen sei für ein funktionierendes Sexualleben. Überdies, wenn er am Abend
von der Arbeit nach Hause gekommen sei, habe er jeweils Flecken gleicher
Art auf den Unterleibchen gehabt, die trotz zweimaligem Waschen mit 90 Grad
nicht ausgegangen seien. Zudem habe er sich komisch verhalten. Das habe sie
misstrauisch gemacht (Urk. D1/7 S. 12 f.). Die Privatklägerin erklärte sodann, sie
hätten während der Beziehung sehr viel Streit in Bezug auf seine von ihr vermute-
te Homosexualität gehabt. Immer wieder habe sie ihn aufgrund von Indizien da-
rauf aufmerksam gemacht und ihn in diesem Zusammenhang schon beschimpft.
Sie anerkannte sogar, den Beschuldigten auch schon früher im Sinne der ihr vor-
gehaltenen Anklage, aber nicht mit diesen Worten, beschimpft zu haben (Prot. I
S. 28 f.). Diese Zugeständnisse stützen die Sachdarstellung des Beschuldigten,
- 28 -
auch wenn die Privatklägerin bis zuletzt pauschal bestritt, am 10. Mai 2017 die in
der Anklageschrift genannten Wörter resp. Formulierungen benutzt zu haben.
8.2.3 Aus den zahl- und umfangreichen Chat-Verläufen (vgl. Urk. D1/11/2) geht
hervor, dass die Privatklägerin geradezu besessen war von der Vorstellung, dass
der Beschuldigte homosexuelle Beziehungen unterhalte. Während es dem Be-
schuldigten in sachlichen und knappen Mitteilungen des Chats jeweils um die
elterliche Koordination betreffend Besuchsrecht ging, warf die Privatklägerin dem
Beschuldigten zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit immer wieder eine
"Sucht" vor und machte ihn resp. diese Sucht für ihre Trennung verantwortlich.
Sie verlangte wiederholt von ihm, mit dieser "Sache" (die es laut dem Beschuldig-
ten nicht gibt, vgl. u.a. Urk. D1/11/2/10), aufzuhören oder dann halt die Folgen
tragen zu müssen.
Zur Veranschaulichung einige Beispiele: Am 12. August 2015 schrieb die Privat-
klägerin dem Beschuldigten, sie spüre und denke etwas über ihn mit dem sie
nicht zurechtkomme, sie könne so nicht leben, das mache sie kaputt
(Urk. D1/11/2/1). Am 9. Oktober 2015 schrieb sie dem Beschuldigten, ihr Gefühl
habe sie noch nie getäuscht, es sei ihre sehr grosse Hoffnung, dass er sich für die
Familie entscheide und mit dieser Sache aufhöre. Sie werde die Sache von ihrer
Seite aus begraben, sobald er damit aufhöre. Sie sehe dies als ganz wichtige Vor-
aussetzung für ihr (gemeinsames) Vorhaben als vereinte Familie (Urk. D1/11/2/2).
Weiter teilte die Privatklägerin am 14. November 2015 dem Beschuldigten unter
anderem mit, es gehe ihr so schlecht, er wisse, dass wenn er sie kaputt mache, er
seinem Sohn sehr schade und das werde er sich später nicht verzeihen können.
Die Sache, die er mache sei vergänglich, aber die Narben in der Seele würden
bleiben. Diese Sucht zerstöre nicht nur D._, sondern auch sie, die Familie
und nicht zuletzt auch ihn selber. Viel Vergnügen und Ausdauer wünsche sie ihm.
Sie werde ihren eigenen Weg gehen (Urk. D1/11/2/3). Aufgrund der Sache, die er
mache – so ihre Worte vom 4. Dezember 2015 –, könne sie mit ihm nie leben.
Wenn er nie aufhöre mit der Sache, dann werde diese Situation auf ewig so blei-
ben. Er habe es nur seiner Sucht (zuzuschreiben), dass er D._ nicht immer
bei sich habe (Urk. D1/11/2/4). In ihrer Nachricht vom 18. Dezember 2015 be-
- 29 -
zeichnete die Privatklägerin den Beschuldigten als aussichtslosen Fall, der vor
Unglück in seiner Sucht versinken werde. Er solle gehen und diese Sache ma-
chen, aber sie in Ruhe lassen. Sie sei sehr enttäuscht von ihm und das töte alle
Gefühle ab. Schwarze Weihnachten alleine in den Bergen werde er haben, das
sei, was er erreicht habe. Dazu wünschte sie ihm viel Spass (Urk. D1/11/2/5). Am
19. Dezember 2015 betonte die Privatklägerin mehrfach, obwohl sie wolle, könne
sie nicht mit ihm leben, solange er diese Sache mache. Während fast einer hal-
ben Stunde bis kurz vor Mitternacht fügte sie kurze Botschaften an den Beschul-
digten aneinander, des Inhalts, es müsse echt hart für ihn sein, so viele Opfer zu
erbringen, nur weil er diese Sache mache. Sie ertrage es wirklich nicht zu sehen,
wie er immer ins Bad gehe und sich da abwische. Die ganzen Hinweise würden
ihr keine Ruhe lassen. Wie arm er dran sein müsse so was zu tun. Wenn sie sich
vorstelle was er alles in den Mund nehme wenn er diese Sache mache, wie eklig
und erniedrigend das für ihn sein müsse, und trotzdem sei er verrückt danach. Sie
warf ihm vor, D._ deswegen keine vereinte Familie bieten zu können, was
fast verantwortungslos sei. Er habe mit seiner Sucht zu leben und die ganzen
Konsequenzen zu tragen. Sie habe es bereits öffentlich gemacht, weil sie die
Wahrheit gerne mit den Leuten teile. Alle würden sich ihren Teil denken. So viel
Schmutz auf einem Menschen habe sie noch nie gesehen. Zuletzt folgten die
Worte: "lebe wohl mit deiner traurigkeit und muntere dich dann wieder auf mit der
Sache" (Urk. D1/11/2/6). Noch in derselben Nacht in den frühen Morgenstunden
des 20. Dezember 2015 machte die Privatklägerin den Beschuldigten verantwort-
lich dafür, dass D._ kein Geschwisterchen bekomme, dass er selber leide,
seine Familie leide und sie leide. Dass D._ leiden werde sei das Schlimmste.
Ihr Familientraum gehe nicht in Erfüllung und sein (des Beschuldigten) Alptraum
beginne. Das alles, weil er nicht mit der Sache aufhöre. Und sie bezeichnete den
Beschuldigten als armseligen süchtigen Menschen, nur noch zum Bedauern
(Urk. D1/11/2/7). Analog äusserte sie sich in ihren Chat-Nachrichten vom
21. Dezember 2015: Sein Sohn werde erfahren was er mache und am meisten
darunter leiden. Sie wünsche sich von tiefstem Herzen, dass diese Sache ver-
schwinde, er sich für die Familie entscheide und sie glücklich als Familie zu-
- 30 -
sammen leben würden. Sie möge auch seine kleinen Macken und würde versu-
chen gut zu machen, was ihn an ihr störe (Urk. D1/11/2/8).
Auch die folgenden zahlreichen Chat-Nachrichten aus dem Jahr 2016 – hervor-
zuheben ist etwa Urk. D1/11/2/10 – sind einerseits von analogen, ständig wieder-
kehrenden Schuldzuweisungen der Privatklägerin an den Beschuldigten geprägt,
ergänzt durch die mehrfache Aufforderung an ihn, seine Sucht zu beenden, er sei
krank, solle sich behandeln lassen. Anderseits enthalten sie wiederholte, teilweise
mit Fotos unterlegte Zukunftsvisionen der Privatklägerin betreffend eine vereinte
und glückliche (sowie durch ein zweites Kind erweiterte) Familie, deren Verwirk-
lichung aber zwingend eine Abkehr des Beschuldigten von seiner Sucht bedinge
(Urk. D1/11/2/9-20).
Diese WhatsApp-Auszüge belegen, dass die Privatklägerin der fixen Idee verfal-
len war, dass sich der Beschuldigte in promiskuitiver Weise homosexuell betätige,
und ebenso, dass sie ihn deswegen laufend diffamierte. Sie bestärken die Aus-
sagen des Beschuldigten. Auch ergeben sich daraus wiederholt abrupte Stim-
mungswechsel der Privatklägerin zwischen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit
einerseits, aus ihrer Sicht verursacht durch den Beschuldigten, und geradezu
leidenschaftlichen Beziehungs- und Familienwünschen anderseits. Die Privatklä-
gerin sprach selber einmal von einer Achterbahn der Emotionen (Urk. D1/11/2/9).
8.2.4 Der vormalige Vertreterin der Privatklägerin wendete ein, dass der Be-
schuldigte die mutmasslichen Beschimpfungen in der polizeilichen und staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme unterschiedlich wiedergegeben habe. An der Beru-
fungsverhandlung wurde dies erneut vorgebracht und behauptet, der Beschuldig-
te hätte sich die Beschimpfungen der Privatklägerin nur ausgedacht (vgl. Urk. 102
in SB190332 N 25 ff.). Dies trifft insoweit zu, als dass der Wortlaut nicht völlig
kongruent ist. Dem ist jedoch mit der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass zwi-
schen diesen Einvernahmen des Beschuldigten ein Jahr liegt. Zudem erhellt auf-
grund seiner ansonsten durchwegs plausiblen Sachdarstellung und der eben zi-
tierten Chat-Verläufe, dass ihm entsprechende Vorwürfe bereits seit dem Jahr
2015 wiederholt und in hoher Frequenz gemacht wurden. Es ist deshalb davon
auszugehen, dass der Beschuldigte – wie er auch stimmig und von Beginn weg
- 31 -
ausführte – sehr häufig, er sprach mehrfach von schätzungsweise 100 Mal,
im Zusammenhang mit der angeblichen Homosexualität von der Privatklägerin
beschimpft worden war. Aus dem Umstand, dass er die hier angeklagten Be-
schimpfungen anlässlich seiner Befragungen nicht im exakt gleichen Wortlaut
wiedergegeben hat, ist daher nichts zu seinen Ungunsten abzuleiten. Im Kern-
gehalt sind seine diesbezüglichen Aussagen jedenfalls übereinstimmend und
glaubhaft. Die Erklärung der Verteidigung des Beschuldigten, der Beschuldigte
habe sich auch geschämt, zu sagen, dass solche Äusserungen gefallen seien, ist
zudem ebenfalls nachvollziehbar (Prot. II S. 13 im Parallelverfahren SB190332).
Die pauschale Bestreitung der Privatklägerin und der von ihrer Rechtsvertreterin
vorgebrachte Einwand vermögen die überzeugenden Schilderungen des Be-
schuldigten nicht zu erschüttern.
8.2.5 Es steht somit fest, dass sich die Privatklägerin auf dem Weg vom Park-
platz zum Hauseingang gegenüber dem Beschuldigten in der von der Anklage-
schrift genannten Art und Weise geäussert hat. Der Anklagesachverhalt 1 be-
treffend Beschimpfung (vgl. Urk. 36 S. 2) ist erstellt.
Nur der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass der Beschuldigte der Privat-
klägerin keinerlei ersichtlichen Grund für diese Beschimpfungen gegeben hatte.
Wie sich den Aussagen des Beschuldigten entnehmen lässt – und was durch die
zitierten Chat-Nachrichten untermauert wird –, waren Beschimpfungen solcher Art
vielmehr eine regelmässige Begleiterscheinung bei den Kindesübergaben. Der
damalige Hinweis des Beschuldigten, sie solle gut auf D._ aufpassen, bezog
sich nach seinen plausiblen Angaben auf die bevorstehenden Ferien der Privat-
klägerin mit dem Kind am Meer, was bei einem fürsorglichen Vater verständlich
ist. Auch die Privatklägerin führte auf diesbezügliche Nachfrage konkretisierend
aus, der Beschuldigte habe zum Beispiel damit gemeint, dass D._ gut esse,
gut schlafe sowie einen ausgeglichenen und gesunden Rhythmus habe
(Erw. III. 6.1 a.E.). Dafür, dass der Beschuldigte der Privatklägerin im gleichen
Atemzug mit "Halsabschneiden" gedroht haben soll, wie die Privatklägerin geltend
machte, fehlt es an jeglichem nachvollziehbaren Anlass. Solches ist im Übrigen
nicht angeklagt und folglich auch nicht Verfahrensgegenstand.
- 32 -
8.3 Anklagesachverhalt 2 betreffend Tätlichkeiten (Urk. 36 S. 2 f)
Diesbezüglich ergibt sich übereinstimmend mit der Vorinstanz (Urk. 89 S. 25 f.)
und teilweise in Ergänzung dazu das Nachstehende:
Gemäss den widerspruchsfreien und konstanten Aussagen des Beschuldigten
haben die erwiesenen Beschimpfungen durch die Privatklägerin auf dem Weg zur
Haustüre stattgefunden. Dort hätte es zur Übergabe des Sohnes kommen sollen.
Es ist davon auszugehen, dass der gemeinsame Sohn D._, der sich damals
auf dem Arm des Beschuldigten befunden hat, aufgrund der verbalen Auseinan-
dersetzung eingeschüchtert war und sich deshalb an den Beschuldigten klammer-
te. Die Ausführungen des Beschuldigten sind lebensnah. Gleichermassen leuch-
tet ein, dass D._ vor dem Hintergrund der verbalen Angriffe der Privatkläge-
rin zögerte, zu ihr zu gehen. Dafür spricht überdies sein bald darauf einsetzendes
Weinen. Namentlich die Tonalität des Gesprochenen dürfte dazu geführt haben,
dass D._ Geborgenheit beim Beschuldigten suchte. Das ist beim damals erst
2-jährigen Knaben auch nicht verwunderlich, konnte er doch das Geschehen nicht
begreifen. Schon kleine Kinder verfügen aber über ein feines Gespür betreffend
angespannter Atmosphäre in ihrem unmittelbaren Umfeld, und sie reagieren ent-
sprechend mit Angst. Das Vorbringen der Rechtsvertreterin der Privatklägerin, der
Beschuldigte habe D._ unnötig lange auf dem Arm gehalten, um Macht bzw.
physische Überlegenheit zu demonstrieren, ist demnach nicht nachvollziehbar
(Urk. 129 N 27). Die Privatklägerin hat laut der ebenfalls schlüssigen Sachdarstel-
lung des Beschuldigten dann versucht, D._ aus dem Arm des Beschuldigten
zu entreissen. Das stellte die Privatklägerin zwar entschieden in Abrede und führ-
te aus, lediglich die Arme ausgestreckt zu haben, um D._ in Empfang neh-
men zu können. Ihre Darstellung lässt sich jedoch nicht mit dem übrigen Untersu-
chungsergebnis in Einklang bringen. Aufgrund der in den Akten liegenden Fotos
besteht kein Zweifel darüber, dass der Beschuldigte am linken Unterarm gekratzt
wurde (vgl. Urk. D1/3/5; Urk. 63/1). Dies deckt sich mit seinen diesbezüglichen
Aussagen und widerspricht denjenigen der Privatklägerin, welche ihn lediglich
leicht mit den Füssen im unteren Körperbereich traktiert haben will. Die Behaup-
tung der Privatklägerin, der Beschuldigte habe sich den Kratzer an ihrer spitzen
- 33 -
Haarspange selber zugefügt, indem er ihr mit seiner linken Hand gegen den Kopf
geschlagen habe, ist sehr abenteuerlich, als abwegig und nicht überzeugend zu
erachten (Urk. 129 N 6). Die Schilderungen der Privatklägerin sind demnach an-
gesichts des übrigen Beweisergebnisses als Schutzbehauptungen zu werten.
Somit steht zweifelsfrei fest, dass die Privatklägerin den Beschuldigten am linken
Arm kratzte und ihm eine Schürfung zufügte, als sie versuchte, ihm den auf dem
Arm befindlichen Sohn D._ zu entreissen. Ihr Vorgehen kommt einer physi-
schen Attacke auf den Beschuldigten gleich. Der Einwand der Rechtsvertreterin
der Privatklägerin, dass die Anklage von einem Kratzer am Unterarm ausgehe,
wogegen die Untersuchungsakten und die Vorinstanz von einer Schürfung spre-
chen, ist nicht weiter von Belang (Urk. 102 N 63 ff. im Parallelverfahren
SB190332). Handelt es sich dabei doch entgegen der Auffassung der Privatkläge-
rin um Synonyme.
Wie vorne dargelegt (vgl. Erw. III. 3.3 und III. 8.1), anerkennt die Privatklägerin
zudem, dass sie den Beschuldigten in der Folge mehrere Male, jedenfalls vier bis
sechs Mal – wovon auszugehen ist –, mit den Füssen getreten hat, was wiederum
physischen Angriffen entspricht. Aufgrund der Ausgangslage vor der Haustüre
war sie fraglos negativ tangiert und geriet in Rage, wie es der Beschuldigte tref-
fend umschrieb. Auch die Privatklägerin selber sprach davon, voller Adrenalin
gewesen zu sein und dass nach den ersten zwei Tritten die Dynamik dagewesen
sei (vgl. Erw. III. 6.1 und 6.3). Betreffend diese Fusstritte ist gemäss ihrer eigenen
Darstellung in der Erstaussage davon auszugehen, dass sie dabei versuchte, den
Beschuldigten zwischen den Beinen zu treffen (vorne Erw. III. 6.), was auch der
Beschuldigte so berichtete. Das steht ebenso im Einklang mit ihrer Aussage vor
Vorinstanz, sie habe so hoch getreten, wie es ihr möglich sei. Sie habe lange Bei-
ne und sei sehr schlank. Ihre Behauptung, es seien nur ganz leichte Stiche vom
Knie bis Mitte des Oberschenkels gewesen, um zu zeigen, dass er aufhören solle
(Prot. I S. 30 f., 35) bzw. abwehrende leichte "Tritte" oder "Schläge" mit den
Füssen gewesen (Urk. 129 N 32), steht in frappantem Widerspruch dazu. Der Be-
hauptung der Rechtsvertreterin der Privatklägerin an der Berufungsverhandlung,
dass in der rumänischen Sprache "mit den Füssen treten" bedeute, dass man
ausschliesslich mit der Unterfläche des Fusses getreten werde, alles andere be-
- 34 -
deute "mit den Füssen schlagen", weswegen vorliegend "mit den Füssen schla-
gen" gemeint sei, dass die Privatklägerin mit der Oberseite des Fusses leicht
gegen die Beine des Beschuldigten getreten habe (vgl. dazu Urk. 102 N 52 f. im
Parallelverfahren SB190332), ist die Aussage der Privatklägerin entgegenzuhal-
ten, wonach sie den Beschuldigten [mit den Tritten] habe zu Fall bringen wollen
(vgl. hiervor Erw. III 6). Diese Verharmlosungen der Tritte der Privatklägerin über-
zeugen mithin nicht.
Es ist somit auch erstellt, dass die physischen Angriffe von der Privatklägerin
ausgingen. Neben der Schürfung erwiesen sind jedenfalls vier bis sechs Tritte.
8.4 Anklagesachverhalt 1 betreffend einfache Körperverletzung (Urk. 35 S. 2)
8.4.1 Schlag gegen den Kopf
Der Beschuldigte führte gleichbleibend aus, er habe die Angriffe der Privatklägerin
mit seiner linken Hand abzuwehren versucht, wobei er sie bei seiner Abwehr-
haltung am Kopf getroffen habe.
Sowohl das IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung als auch die in den
Akten befindlichen Fotos sprechen hingegen eine andere Sprache. Es ist hinläng-
lich nachgewiesen, dass die Privatklägerin im Rahmen der Auseinandersetzung
an der linken Stirnseite eine Quetsch-Risswunde und an der linken Augenbraue,
nahe dem Aussenrand, eine 1.5 cm lange, strichförmige, nicht wegdrückbare
Hautverfärbung mit darin befindlicher, ca. 0.5 cm langer, strichförmiger Haut-
abtragung erlitt (Urk. D1/6/3 S. 3). Die Quetsch-Risswunde dürfte gemäss dem
Gutachten infolge stumpfer Gewalteinwirkung entstanden sein, wobei als nicht
entscheidend taxiert wird, ob die stumpfe Gewalteinwirkung erfolgte, indem sich,
wie bei einem Schlag, ein Gegenstand auf den Kopf zu bewegte oder indem sich
der Kopf, wie bei einem Sturz, auf einen Gegenstand/Untergrund zu bewegte.
Die an der linken Augenbraue festgestellten Schürfungen dürften durch eine tan-
gential-schürfende Gewalteinwirkung entstanden sein (Urk. D1/6/3 S. 4). Die Ent-
stehung der dokumentierten Verletzungen an der Stirn und an der linken Augen-
braue durch stumpfe Gewalteinwirkung – konkret Schlag mit der Hand ins Ge-
- 35 -
sicht, wobei auch die Sonnenbrille verbogen wurde und dann das linke Glas her-
ausfiel, wie die Privatklägerin in der Untersuchung wiederholt geltend machte – ist
plausibel. Entscheidend ist überdies der Umstand, dass diese Verletzungen auch
auf den unmittelbar nach dem Vorfall durch Funktionäre der Stadtpolizei Zürich
erstellten Fotos sichtbar sind (vgl. Urk. D1/3/1). Es kann deshalb auch offen ge-
lassen werden, ob die mit Eingabe vom 30. Oktober 2018 eingereichten Fotos
(vgl. Urk. D1/16-17) unmittelbar nach dem Vorfall und ohne Hilfe von Make-up
oder Ähnlichem aufgenommen wurden. Vielmehr drängt sich aufgrund der Foto-
dokumentation der Stadtpolizei Zürich sowie des IRM-Gutachtens zur körper-
lichen Untersuchung der Schluss auf, dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit
der flachen Hand und einer gewissen Intensität geschlagen hat. Der Standpunkt
des Beschuldigten, wonach der Kontakt zwischen der Hand und dem Kopf bei
blossen Abwehrhaltungen seinerseits entstanden sein soll, ist vor dem Hinter-
grund des übrigen Beweisergebnisses und in Übereinstimmung mit dem ange-
fochtenen Urteil als Schutzbehauptung zu qualifizieren.
Angeklagt ist, dass der Beschuldigte die Privatklägerin mehrere Male gegen den
Kopf geschlagen habe (Urk. 35 S. 2). Völlig zu Recht ist die Vorinstanz von einem
einzigen Schlag ausgegangen (Urk. 89 S. 27). Die Privatklägerin verstrickte sich
bei der Frage nach der Anzahl Schläge nämlich in erhebliche Widersprüche. Bei
der Polizei sagte sie unmissverständlich aus, der Beschuldigte habe einmal ge-
gen ihren Kopf, den linken Stirn- bzw. Schläfenbereich geschlagen, und von dem
Schlag sei ihre Sonnenbrille verbogen worden. Auch auf Nachfrage verneinte sie
ausdrücklich weitere Schläge durch den Beschuldigten (vgl. vorne Erw. III. 6.1). In
der Konfrontationseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft und vor Vorinstanz
sprach sie dann durchwegs von mehreren Schlägen gegen den Kopf (vgl. vorne
Erw. III. 6.2 und 6.3). Diese Aggravierung erscheint bewusst und gezielt; die Be-
hauptung einer Mehrzahl von Schlägen ist unglaubhaft. Auch wenn den Fotos
zweifelsfrei zu entnehmen ist, dass die Privatklägerin eine stumpfe Gewalteinwir-
kung gegen den Kopf mit gewisser Intensität erlitten hat, liegen keine Anzeichen
vor, dass dies mehrfach der Fall gewesen wäre. Nicht ausser Acht zu lassen ist in
diesem Zusammenhang auch, dass die Privatklägerin selber ausführte, lediglich
aufgrund der ärztlichen Berichte auf eine Mehrzahl von Schlägen zu schliessen
- 36 -
(Urk. D1/7 S. 8 f.). Dieser Auffassung ist jedoch nicht zu folgen. Träfen die Aus-
führungen resp. Annahmen der Privatklägerin zu, müssten aufgrund der dy-
namischen Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten mehrere Stellen ihres
Körpers, namentlich ihres Gesichts, solche Verletzungen aufweisen. Dies kann
aufgrund des Gutachtens und der Fotos jedoch ausgeschlossen werden
(Urk. D1/3/1 und D1/6/3).
Als der Privatklägerin hinsichtlich der Diskrepanz zur Anzahl erlittener Schläge die
Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt wurde, machte sie geltend, einen
Filmriss erlitten und deshalb bei der Polizei nicht korrekt resp. vollständig ausge-
sagt zu haben (Urk. D1/7 S. 8 ff.). Dieser Einwand wird jedoch von den Akten
nicht im Ansatz bestätigt. Zu Beginn der polizeilichen Befragung, welche nur we-
nige Stunden nach dem inkriminierten Vorfall bei noch frischer Erinnerung statt-
fand, erklärte die Privatklägerin auf entsprechende Fragen, zwar müde zu sein
und aufgrund des Geschehens Schmerzen zu haben, sich aber dennoch einver-
nahmefähig zu fühlen und auch Aussagen machen zu wollen (Urk. D1/4 S. 1 Fra-
gen 3, 5 f.). In der Folge äusserte sie sich während rund drei Stunden präzis und
relativ detailliert, ohne Anzeichen irgendwelcher Schwierigkeiten, zu ihrer Sicht
des Ereignisses. Ihre Schilderungen erfolgten über grössere Strecken auch in
freier Rede. Am Ende der Einvernahme und auf entsprechende Frage sah sie
sich nicht veranlasst, Ergänzungen und/oder Korrekturen zum Einvernahmeproto-
koll anzubringen. Überdies bejahte sie, dass sie ihre Aussagen wenn nötig vor der
Staatsanwaltschaft oder dem Gericht wiederholen würde (Urk. D1/4 S. 5 Fragen
34 und 38). Das Verhalten der Privatklägerin während der polizeilichen Befragung
ist unauffällig und in jeder Hinsicht als adäquat zu bezeichnen. Aufgrund der ge-
samten Umstände gibt es keinen Grund, die volle Einvernahmefähigkeit der Pri-
vatklägerin bei der Polizei anzuzweifeln. Dass sie sich damals nach dem Ereignis
in einem schlechten Gemütszustand befunden haben soll (Urk. D1/7 S. 9), was
durchaus nachvollziehbar ist, ändert nach all dem Gesagten aber nichts daran,
dass von uneingeschränkter Einvernahmefähigkeit auszugehen ist.
Auch die ärztlichen Unterlagen vermögen einen möglichen Filmriss oder eine gel-
tend gemachte Bewusstlosigkeit (aufgrund des nachfolgenden Sturzes; siehe
- 37 -
Erw. III. 8.4.2 hiernach) nicht zu stützen. Laut dem IRM-Gutachten präsentierte
sich den Expertinnen 2 1⁄2 bis 3 1⁄2 Stunden nach dem Vorfall eine zwar sehr auf-
geregte und psychisch erregte Frau, die aber vollumfänglich orientiert wirkte
(Urk. D1 /6/3 S. 3). Von einer erlittenen Ohnmacht ist nirgends die Rede. Das
deckt sich auch mit der Angabe der behandelnden Ärztin im Waidspital, med.
pract. S._, die eine Bewusstlosigkeit verneinte (Urk. D1/1 S. 2) und schliess-
lich ebenso mit der Beobachtung des am Vorfall beteiligten Beschuldigen und
seiner dezidierten Aussage, dass die Privatklägerin sicher nicht bewusstlos ge-
wesen sei, sondern (nur) benommen (Prot. I S. 18). Die Diskrepanz in den Aus-
sagen des Beschuldigten, nach wie vielen Sekunden sie wieder aufgestanden sei,
ist nicht weiter relevant. Die Privatklägerin erwähnte in der polizeilichen Einver-
nahme von sich aus nichts von Ohnmacht; erst auf Nachfrage äusserte sie die
Vermutung, kurz ohnmächtig oder zumindest in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt
gewesen zu sein. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme bei der Staats-
anwaltschaft und ebenso vor Vorinstanz und vor Berufungsgericht statuierte sie
dann, kurzzeitig das Bewusstsein verloren zu haben mit erst später auftauchen-
den Erinnerungen (vgl. vorne Erw. III. 6.1 - 6.3). Die Berufung der Privatklägerin
auf Bewusstlosigkeit und (vorübergehenden) Erinnerungsverlust erscheint daher
ebenfalls konstruiert und nachgeschoben. Es liegt mit der Vorinstanz der Schluss
nahe, dass sie versucht, den Beschuldigten übermässig zu belasten und in einem
schlechten Licht darzustellen. Dies wird auch durch die Akten gestützt. Die Privat-
klägerin zielt offensichtlich darauf ab, den Beschuldigten in allgemeiner Hinsicht
zu diffamieren (z.B. Urk. 54 f. und 60 f.). Das ist als blosse Stimmungsmache ge-
gen den Beschuldigten zu qualifizieren. Demgegenüber beschränken sich die
Eingaben des Beschuldigten darauf, ein mögliches Motiv für Übertreibungen der
Privatklägerin zu liefern. Die Aussagen der Privatklägerin erscheinen auch vor
dem Hintergrund ihres übrigen Verhaltens im Verfahren als übertrieben und nicht
glaubhaft.
Zusammengefasst ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz erwiesen, dass der
Beschuldigte mit der linken flachen Hand gegen den Kopf der Privatklägerin ge-
schlagen hat (Urk. 89 S. 27). Dabei bestehen aber keine Zweifel, dass es bei die-
- 38 -
sem einen Schlag blieb. Die dadurch erlittenen und angeklagten Verletzungen der
Privatklägerin sind erstellt (Urk. 35 S. 2).
8.4.2 Stoss gegen den Oberkörper
Wie eingangs erwähnt, ist der angeklagte Stoss gegen den Oberkörper der Pri-
vatklägerin mit deren anschliessendem Sturz samt den daraus resultierenden
Verletzungen durch den Beschuldigten anerkannt (vorne Erw. III. 3.2). Wie in der
vorstehenden Erw. III. 8.4.1 aufgezeigt, ist aber weder eine Bewusstlosigkeit der
Privatklägerin noch ein Filmriss erwiesen. Es gilt analog das dort Gesagte. Die
gemäss Anklage durch den Sturz bewirkten Verletzungen sind ebenfalls erstellt.
8.5 Anklagesachverhalt 2 betreffend Sachbeschädigung (Urk. 35 S. 3)
Der Anklagesachverhalt ist aufgrund der Akten ebenfalls erstellt. Gemäss Aus-
sage der Privatklägerin wurde die Sonnenbrille durch den Schlag des Beschuldig-
ten in ihr Gesicht in Mitleidenschaft gezogen und fiel in der Folge auch zu Boden.
Das leuchtet ein. Diese Darstellung wird vom Beschuldigten nicht substantiiert
bestritten. Er lässt zwar vortragen, es sei aus den Akten nicht feststellbar, ob die
Sonnenbrille beim Schlag an den Kopf der Privatklägerin, beim Stoss gegen ihren
Oberkörper oder bei ihrem Sturz zu Boden heruntergefallen und ein Glas aus der
Fassung gesprungen sei (Urk. 93 S. 5). Die Privatklägerin habe erst bei der
Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass der Schlag ihre Brille getroffen hätte und die-
se zu Boden gefallen sei. Es sei daher anzunehmen, dass der Schaden an der
Brille beim Sturz der Privatklägerin entstanden sei und damit sei der Sachscha-
den Folge der gerechtfertigten Abwehr des Angriffs der Privatklägerin (Urk. 131
S. 7. Dieser Argumentation ist entgegenzuhalten, dass der Anklagesachverhalt
sowohl bezüglich des Schlages als auch des Stosses zu Lasten des Beschuldig-
ten erwiesen ist und dass die Sonnenbrille bereits durch den Schlag tangiert wur-
de. Die Privatklägerin sagte schon in der polizeilichen Einvernahme aus, dass die
Sonnenbrille durch den Schlag verbogen und das linke Glas herausgefallen sei
(vgl. Erw. III S. 6), so dass sie in der Folge – wann genau kann offen bleiben – zu
Boden fiel. Den geltend gemachten Sachschaden bzw. den Wert der Sonnenbrille
in der Höhe von Fr. 432.–, der im Übrigen belegt ist (Urk. 69/1), hat der Beschul-
- 39 -
digte ohne Widerspruch zur Kenntnis genommen (Urk. D1/5 Frage 18 f.; Prot. I
S. 22 f.). Es wird vom Beschuldigten aber die Abweisung der Schadenersatz-
forderung der Privatklägerin beantragt, worauf später eingegangen wird (Erw. VII).
8.6 Fazit Sachverhaltserstellung
Somit steht aufgrund der Beweiswürdigung fest, dass die Privatklägerin nach ih-
rem Eintreffen gemeinsam mit dem Beschuldigten vom Parkplatz zum Haus-
eingang lief und ihn währenddessen fragte, ob er sich wieder in den Arsch habe
ficken lassen und wie viele Schwänze er wieder gelutscht habe. Sodann ist er-
wiesen, dass die Privatklägerin vor dem Hauseingang den Beschuldigten auch
physisch zu attackieren begann und versuchte, dem Beschuldigten den gemein-
samen Sohn aus dem rechten Arm zu entreissen und ihn dabei kratzte. Der Be-
schuldigte seinerseits hat in der Folge mit der linken flachen Hand gegen die linke
Seite des Kopfes der Privatklägerin geschlagen, wodurch sie eine Quetsch-
Risswunde und eine Schürfung erlitt. Im Anschluss daran trat die Privatklägerin
mehrfach gegen den Beschuldigten, dies zumindest vier bis sechs Mal. Schliess-
lich stiess der Beschuldigte die Privatklägerin mit der flachen Hand von sich weg,
wodurch diese rückwärts stürzte und mit dem Kopf auf der sich dort befindlichen
Mauer resp. dem Boden aufschlug, was am Hinterkopf zu einer zweiten Quetsch-
Risswunde sowie Schürfungen an Ellbogen und Oberarm führte. Die Sonnen-
brille, welche die Privatklägerin während des Vorfalles getragen hatte, fiel infolge
der Auseinandersetzung zu Boden, wobei ein Glas aus der Fassung sprang.
IV. Schuldpunkt – Rechtliche Würdigung
1. Einfache Körperverletzung (Anklagesachverhalt 1, Urk. 35 S. 2)
Die Vorinstanz hat die Tatbestandselemente der Gesetzesbestimmung von
Art. 123 Ziff. 1 StGB vollständig und richtig aufgelistet und ebenso korrekt dar-
gelegt, welche Art Körperschädigungen unter diesen Straftatbestand zu subs-
umieren sind. Gestützt auf den erstellten Sachverhalt (vgl. vorne Erw. III. 8.4 und
8.5) und mit zutreffender Begründung ist sie zum Ergebnis gelangt, dass die von
der Privatklägerin erlittenen Verletzungen in objektiver und subjektiver Hinsicht als
- 40 -
geringfügig und das Ausmass einer Tätlichkeit nur leicht überschreitend zu quali-
fizieren sind. Sie hielt dem Beschuldigten mit Recht zugut, dass weder ein direkter
Vorsatz noch die Absicht vorlag, der Privatklägerin mehr als geringfügige Verlet-
zungen zuzufügen, dass er jedoch gewisse leichte Schädigungen in Kauf nahm,
auch wenn er sich in einer emotional aufgeladenen Stresssituation befand. So-
wohl für den Schlag ins Gesicht wie auch für den Stoss gegen den Oberkörper
sowie – dies als Ergänzung – für die erlittenen Verletzungen ist lediglich Even-
tualvorsatz gegeben. In Berücksichtigung aller relevanten Umstände erachtete die
Vorinstanz es als gerechtfertigt, das Verhalten des Beschuldigten als leichten Fall
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB zu würdigen (Urk. 89 S. 29-31). Diese
Einschätzung ist ohne weiteres zu teilen (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Sachbeschädigung (Anklagesachverhalt 2, Urk. 35 S. 3)
Wiederum in zutreffender Würdigung des erstellten Sachverhalts hat die Vor-
instanz den objektiven und subjektiven Tatbestand der Sachbeschädigung im
Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB als erfüllt angesehen (Urk. 89 S. 32 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte nahm zumindest billigend in Kauf, dass durch
seinen Schlag gegen den Kopf der Privatklägerin deren Sonnenbrille beschädigt
würde. Da diese erwiesenermassen einen Wert von Fr. 432.– aufwies (Urk. 69/1)
und das Bundesgericht den Grenzwert für einen geringfügigen Fall gemäss
Art. 172ter Abs. 1 StGB bei Fr. 300.– festgelegt hat (BGE 142 IV 129 E. 3.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_651/2018 vom 17. Oktober 2018), findet
dieser privilegierende Tatbestand vorliegend keine Anwendung. Es ist jedoch zu
vermerken, dass der Grenzwert nur um wenig überschritten wurde.
3. Rechtfertigungsgründe
3.1 Allgemeines
Der Beschuldigte beruft sich auf Notwehr und gibt an, sich lediglich gegen die an-
greifende Privatklägerin verteidigt zu haben (vgl. Urk. D1/5 S. 2 ff., Urk. D1/7 S. 7,
Urk. D2/1 S. 4; Prot. I S. 17 ff.; Urk. 124 S. 3 und Urk. 131 S. 3 f.).
- 41 -
Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB bezeichnet die rechtmässige Abwehr gegen
einen rechtswidrigen Angriff. Das Recht auf Notwehr setzt das Vorliegen einer
Notwehrlage voraus. Eine solche liegt vor bei einem gegenwärtigen oder un-
mittelbar drohenden Angriff, worunter ein auf die Verletzung eines Individual-
rechtsguts gerichtetes menschliches Verhalten zu verstehen ist. Der Angriff muss
rechtswidrig sein; der Angreifer darf sich bei seinem Handeln nicht auf einen
Rechtfertigungsgrund berufen können. Ist die Notwehrlage durch absichtliche
Provokation verschuldet, entfällt das Abwehrrecht (TRECHSEL/GETH, in: Trechsel/
Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2018, Art. 15 N 4 ff.). Die Abwehr muss sodann bestimmten Anforde-
rungen genügen, um rechtmässig zu sein.
Ein sog. Notwehrexzess liegt dann vor, wenn der Täter in einer mindestens in
seiner Vorstellung bestehenden Notwehrsituation die durch den Grundsatz der
Verhältnismässigkeit gezogenen Grenzen überschreitet (z.B. BGE 99 IV 187 oder
102 IV 5). Art. 16 StGB umfasst somit nur den intensiven, quantitativen Exzess
(TRECHSEL/GETH, a.a.O., Art. 16 N 1).
3.2 Schlag gegen den Kopf / Sachbeschädigung
3.2.1 Wie schon die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, steht aufgrund des ge-
würdigten Untersuchungsergebnisses fest, dass die Privatklägerin den Beschul-
digten vor dem Hauseingang physisch angriff. Der Beschuldigte musste sodann
aufgrund der gesamten Umstände davon ausgehen, dass sie diesen Angriff so-
lange fortführt, bis sie ihr Ziel, nämlich den gemeinsamen Sohn D._ zu sich
zu holen, erreicht. Dieser Angriff seitens der Privatklägerin gegen die physische
Integrität des Beschuldigten erfolgte offensichtlich rechtswidrig. Es lag somit ein
gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff gegen die physische Integrität des Beschul-
digten vor. Demnach ist erwiesen, dass sich dieser in einer Notwehrlage befand.
Folglich stand ihm das Recht auf Notwehr zu.
3.2.2 Es ist jedoch mit der Vorinstanz festzuhalten, dass es sich bei den unmit-
telbaren Angriffen der Privatklägerin in dieser ersten Phase um solche von noch
eher geringer Intensität handelte. Die Reaktion des Beschuldigten mittels Schla-
- 42 -
ges gegen das Gesicht der Privatklägerin erfolgte somit angesichts der geschil-
derten Umstände in einer zu heftigen Art und Weise. Der Schlag wies immerhin
eine gewisse Intensität auf und führte zu Verletzungen im Gesicht der Privat-
klägerin. Das Verhalten des Beschuldigten steht nicht im Verhältnis zur Attacke
der Privatklägerin gegen seine physische Integrität. Auch unter Berücksichtigung
der erwiesenermassen bestehenden angespannten und aufgeladenen Situation
zwischen den beiden Widersachern ist der ausgeführte Schlag gegen den Kopf
der Privatklägerin als unangemessen bzw. unverhältnismässig einzustufen.
3.2.3 In Würdigung der gesamten Umstände ist festzuhalten, dass die Reaktion
des Beschuldigten bis zu einem gewissen Grad zwar nachvollziehbar ist, aber
letztlich dennoch unangemessen und unverhältnismässig war. Die Angriffe der
Privatklägerin führten aufgrund der noch eher geringen Intensität nicht zu einer
entschuldbaren Aufregung oder Bestürzung im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB.
Für die Entschuldbarkeit ist ein strenger Massstab anzulegen (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_480/2011 vom 17. August 2011 E. 2.3), wobei es auch auf die indivi-
duellen Verhältnisse des konkret Betroffenen ankommt (BSK StGB I-Niggli/
Göhlich, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 16 N 3 mit Hinweisen). Vorliegend waren der
physischen Attacke durch die Privatklägerin ihre Beschimpfungen vorange-
gangen, sie war erkennbar in einer aggressiven Stimmung. Zudem hatte der Be-
schuldigte gemäss seiner Darstellung schon bei früheren Gelegenheiten nebst
den verbalen auch physische Attacken der Privatklägerin gegen sich erlebt. Sein
damaliges Befinden bezeichnete er auf Nachfrage als angespannt, aber nicht als
Rage (vgl. Prot. I S. 21 f.); letzteres wäre gleichbedeutend mit Aufregung. Unter
all diesen Umständen fällt die Anwendung von Art. 16 Abs. 2 StGB ausser Be-
tracht. Das Vorgehen des Beschuldigten ist nach dem Gesagten allerdings als
Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB zu werten, was strafmildernd zu
berücksichtigen ist.
Ein Rechtfertigungsgrund liegt somit nicht vor, wohl aber ein Strafreduktions-
grund, was im Rahmen der konkreten Strafzumessung zu berücksichtigen ist.
3.2.4 Im Berufungsverfahren lässt der Beschuldigte durch seine Verteidigerin
ausführen, das angefochtene Urteil habe die Schläge der Privatklägerin mit den
- 43 -
Fäusten, namentlich den erwähnten schmerzhaften Treffer an den Kopf des Be-
schuldigten, übergangen (Urk. 93 S. 4; Urk. 131 S. 5). Der Beschuldigte habe am
Tag darauf immer noch Kopfschmerzen gehabt (Urk. 131 S. 3 und S. 5).
Dieses Vorbringen ist nicht stichhaltig. Wohl hat der Beschuldigte zu Beginn sei-
ner polizeilichen Einvernahme am Morgen nach dem Vorfall auf die Frage nach
seiner Einvernahmefähigkeit erklärt, leichte Kopfschmerzen zu verspüren, zumal
er am Tag zuvor einen leichten Schlag an den Kopf erhalten habe (Urk. D1/5 Fra-
ge 3). In der Folge erwähnte der Beschuldigte aber weder in der betreffenden Be-
fragung noch in einer der späteren Einvernahmen im Zuge der Sachdarstellung
einen ihm durch die Privatklägerin an seinen Kopf verabreichten schmerzhaften
Schlag, dies, obwohl er jeweils den Geschehensablauf aus seiner Sicht zuerst in
freiem Bericht zu Protokoll gab und anschliessend weitere Fragen beantwortete
(vgl. Urk. D1/4, D1/7; Prot. I S. 16 ff.). Auch in seiner eigenen Strafanzeige gegen
die Privatklägerin findet sich kein diesbezüglicher Hinweis (Urk. 40). Folgerichtig
ist ein derartiger Treffer an seinen Kopf auch nicht angeklagt. Weitere Ausführun-
gen hierzu erübrigen sich daher.
3.3 Stoss gegen den Oberkörper
3.3.1 Die Vorinstanz hat den Stoss des Beschuldigten gegen den Oberkörper der
Privatklägerin als rechtfertigende Notwehr gewürdigt (Urk. 89 S. 35 f.). Dem ist
zuzustimmen. Nachdem der Beschuldigte die Privatklägerin gegen den Kopf ge-
schlagen hatte, schaukelte sich die bereits emotional belastete Situation weiter
hoch. Die Privatklägerin begann nun, den Beschuldigten mehrfach zu treten. Sie
wollte ihn zugegebenermassen mit ihren Fusstritten zwischen den Beinen treffen
und ihn zu Fall bringen (vgl. Urk. D1/4 Frage 22 und D1/7 S. 9). Aus diesem
Grund war der Beschuldigte in berechtigter Sorge, dass er bei einem Treffer der
Privatklägerin das Gleichgewicht verlieren und sein Sohn auf den Boden fallen
könnte, obschon wie eingangs erwähnt, eine konkrete Gefährdung des Sohnes
nicht anzunehmen ist (Erw. II Ziff. 3). Ebenso wenig ist davon auszugehen, dass
die Privatklägerin den Sohn gefährden wollte. Sie befand sich in Rage. Der Be-
schuldigte musste fürchten, durch die Tritte verletzt zu werden. Aufgrund des Um-
standes, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten mehrere Tritte versetzte,
- 44 -
musste sie teilweise zwingend auf einem Bein stehen, wodurch ihr Gleichgewicht
erheblich beeinträchtigt war. Der Stoss des Beschuldigten gegen den Oberkörper
der Privatklägerin war angesichts der Vehemenz ihrer Attacken nicht unangemes-
sen. Der daraus resultierende Sturz der Privatklägerin war auch der Rücklage
bzw. dem bestehenden Ungleichgewicht geschuldet. Es trifft sie somit ein nicht
unbeträchtliches Selbstverschulden für den erfolgten Sturz auf den Boden. Ange-
sichts der noch geringen Intensität des Stosses ist davon auszugehen, dass die
Privatklägerin nicht umgefallen wäre, wenn sie mit beiden Beinen stabil auf dem
Boden gestanden hätte. Der Stoss durch den Beschuldigten war somit in An-
betracht der gestiegenen physischen Einwirkung durch die Privatklägerin ange-
messen sowie verhältnismässig.
3.3.2 Der Stoss gegen den Oberkörper stellt somit rechtfertigende Notwehr im
Sinne von Art. 15 StGB dar, weshalb dieses Verhalten des Beschuldigten straflos
bleibt. Insoweit ist er von Schuld und Strafe freizusprechen, was auch im Urteils-
dispositiv festzuhalten ist.
4. Fazit
Der Beschuldigte hat sich der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 2 StGB sowie der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB
schuldig gemacht. Wie gesehen, liegt nur in Bezug auf den Stoss gegen den Kör-
per der Rechtfertigungsgrund der Notwehr (Art. 15 StGB) vor, welcher der Bestra-
fung des Beschuldigten entgegensteht. Die Strafe für den Schlag gegen den Kopf
wird aufgrund des Notwehrexzesses (Art. 16 Abs. 1 StGB), wegen Provokationen
und aufgrund des leichten Falls der einfachen Körperverletzung zu reduzieren
sein. Weitere Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind nicht gegeben.
V. Strafzumessung und Vollzug
1. Anwendbares Recht, Strafrahmen, Strafzumessungskriterien
Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz das alte, vor dem 1. Januar 2018
geltende Sanktionenrecht für anwendbar erklärt, den anzuwendenden Strafrah-
- 45 -
men korrekt abgesteckt, die Strafart festgelegt, die Methodik der Strafzumessung
umschrieben, die Strafmilderungsgründe des leichten Falles und des Notwehr-
exzesses sowie die weiteren massgebenden Strafzumessungskriterien genannt.
Auf diese Ausführungen kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen
werden (Art. 89 S. 36 ff., 42; Art 82 Abs. 4 StPO).
2. Einfache Körperverletzung durch Schlag gegen den Kopf
2.1 Tatkomponente
2.1.1 In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die Privat-
klägerin (nur) ein Mal gegen den Kopf geschlagen hat. Die daraus resultierenden
Verletzungen sind wie erwähnt im untersten Bereich des massgebenden Tat-
bestands einzuordnen, da das Ausmass einer Tätlichkeit nur geringfügig über-
schritten wurde (vgl. vorne Erw. IV. 1.). Zudem gingen dem tatbestandsmässigen
Handeln Aggressionen und Provokationen seitens der Privatklägerin voraus, nicht
nur die erstellten Beschimpfungen, sondern auch – noch vor dem eigentlichen
Beginn der körperlichen Auseinandersetzung bei der Haustüre – ihre äusserst
abwertenden Bemerkungen zum Berufsalltag des Beschuldigten und dass sie nun
einen Partner habe, der sie auf allen Ebenen, auch finanziell unterstütze (vorne
Erw. III. 6.2 und 6.3). Das wirkt sich zusätzlich zum Umstand, dass ein Notwehr-
exzess vorliegt, verschuldensmässig zu Gunsten des Beschuldigten aus. Das
Verschulden des Beschuldigten erweist sich in Berücksichtigung all dieser Aspek-
te in objektiver Hinsicht daher als gerade noch sehr leicht.
2.1.2 Bei der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der Beschuldigte le-
diglich mit Eventualvorsatz handelte, was sein Verschulden reduziert. Zum Motiv
ist zu sagen, dass er im Rahmen eines von der Privatklägerin angezettelten
Streits delinquierte, was bereits berücksichtigt wurde. Obwohl die Tat demnach in
einem emotional geladenen Moment geschah, ist das Verhalten des Beschuldig-
ten dennoch nicht völlig entschuldbar. Unweigerlich leistete auch er seinen Bei-
trag zur angespannten Atmosphäre zwischen den Beteiligten am Ereignisabend.
Die Tatsache, dass der Beschuldigte seinen Sohn auf dem Arm gehalten hat und
- 46 -
ihn schützen wollte, fällt jedoch ebenfalls zu seinen Gunsten aus. Insgesamt ver-
mag das subjektive Tatverschulden das objektive Tatverschulden zu relativieren.
2.1.3 Das Tatverschulden für die einfache Körperverletzung wiegt insgesamt sehr
leicht. Die Einsatzstrafe ist in Würdigung aller genannten Umstände am untersten
Rand des Strafrahmens anzusiedeln, bei 25 Tagessätzen Geldstrafe.
3. Sachbeschädigung
3.1 Tatkomponente
3.1.1 In objektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass ein Schaden
von Fr. 432.– entstanden ist, wobei es sich um einen noch geringen Sachschaden
handelt. Die Schadenshöhe liegt nur leicht über der Grenze von Fr. 300.–, die bei
Art. 172ter Abs. 1 StGB massgebend ist. Weiter waren keine anderen Gegenstän-
de gefährdet. Ferner sind wiederum die vorangegangenen Aggressionen und
Provokationen seitens der Privatklägerin in die Waagschale zu legen (vgl. vorne
Erw. V. 2.1.1), und ebenso ist das Vorliegen eines Notwehrexzesses strafmin-
dernd zu berücksichtigen. Das objektive Tatverschulden erweist sich insgesamt
als sehr leicht.
3.1.2 Bei der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der Beschuldigte nur
eventualvorsätzlich handelte, was sein Verschulden reduziert. Zum Motiv gilt
ebenso, dass sich die Sachbeschädigung im Rahmen eines von der Privatkläge-
rin angezettelten Streits ereignete, was schon gewertet wurde. Die Sachbe-
schädigung stellt gewissermassen ein Begleitschaden der Handlung dar, die zur
Körperverletzung führte und damit örtlich, zeitlich und sachlich unmittelbar mit
dieser verknüpft ist. Die subjektive Tatschwere ist als sehr leicht zu bezeichnen
und relativiert das objektive Tatverschulden zusätzlich.
3.1.3 Ausgehend von der Einsatzstrafe für die Körperverletzung von
25 Tagessätzen Geldstrafe, in Berücksichtigung des engen Zusammenhangs mit
dieser schwereren Tat und in Beachtung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1
StGB) ist die Einsatzstrafe infolge der Sachbeschädigung um 5 Tagessätze zu
erhöhen.
- 47 -
4. Dem Tatverschulden des Beschuldigten ist somit eine Strafe von
30 Tagessätzen Geldstrafe angemessen.
5. Täterkomponente
5.1 Zum Werdegang und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
kann vorab auf die Erwägungen im erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden
(Urk. 89 S. 42). An der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aktuali-
sierend aus, wieder in einer Partnerschaft zu leben und einen neuen Arbeitgeber
zu haben, wobei die Entlohnung etwas weniger sei (Urk. 124 S. 1 f.). Aus der
Biografie des Beschuldigten ergeben sich keine relevanten Strafzumessungs-
faktoren.
5.2 Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf. Das ist strafzumessungsneutral
zu werten.
5.3 Der Beschuldigte war im Grundsatz nicht geständig und zeigte sich weder
einsichtig noch reuig. Aus dem Nachtatverhalten lassen sich daher keine straf-
mindernden Umstände ableiten.
5.4 Es ist keine besondere Strafempfindlichkeit ersichtlich, die zu Gunsten des
Beschuldigten zu berücksichtigen wäre.
6. Gesamtwürdigung
6.1 Da die Täterkomponente weder straferhöhende noch strafmindernde Um-
stände enthält, bleibt es bei 30 Tagessätzen Geldstrafe.
6.2 Mit der Vorinstanz und unter Verweis auf ihre Begründung ist die Tages-
satzhöhe auf Fr. 300.– festzusetzen (Urk. 89 S. 42 f.). In Würdigung aller mass-
geblichen Strafzumessungsgründe erweist sich zusammenfassend eine Strafe
von 30 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 300.– als dem Verschulden und den per-
sönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
6.3 Die vom Beschuldigten erstandene Haft von einem Tag, was einem Tages-
satz Geldstrafe entspricht, ist an die Strafe anzurechnen (Art. 51 StGB).
- 48 -
7. Vollzug
Mit zutreffender Begründung, auf die zu verweisen ist, hat die Vorinstanz dem
Beschuldigten den bedingten Strafvollzug gewährt und die Probezeit auf das ge-
setzliche Minimum von 2 Jahren festgesetzt. Das ist zu bestätigen (Urk. 89 S. 43).
VI. Löschung aus Datenbanken
1. Die Verteidigung des Beschuldigten beantragt, es sei zusätzlich zur
Löschung der Daten zum erhobenen DNA-Profil und zu den ED-Materialien des
Beschuldigten auch die Vernichtung der DNA- und ED-Materialien anzuordnen.
Weiter beantragt sie, es sei die Vernichtung der Daten und Unterlagen zur
ODARA-Standardinterpretation zum Rückfallrisiko des Beschuldigten als Ge-
walttäter aus allen Datensammlungen und die diesbezügliche Mitteilung an den
Beschuldigten anzuordnen (vgl. Urk. 93 S. 2; Urk. 131 S. 1). Die beiden Anträge
werden damit begründet, dass sie schon vor Vorinstanz gestellt und in der Be-
gründung des angefochtenen Entscheids gutgeheissen worden seien, jedoch
nicht ins Urteilsdispositiv einflossen (Urk. 93 S. 5; Urk. 131 S. 8).
2. Es trifft zu, dass die Vorinstanz zwar in ihren Erwägungen den Anträgen
entsprochen hat, das Urteilsdispositiv aber unvollständig ist (Urk. 89 S. 44 f., 49).
Das ist im Berufungsverfahren nachzuholen. Es ist daher ergänzend anzuordnen,
dass nebst der bereits erfolgten und nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens
bildenden Anordnung zur Löschung des DNA-Profils sowie des ED-Materials mit-
tels separatem Löschformular (vgl. Dispositivziffer 4 der Vorinstanz) auch die
DNA- und ED-Materialien zu vernichten sind. Die Löschung ist dem Beschuldigten
mitzuteilen. Ebenso ist die Löschung der ODARA-Standardinterpretation zum
Rückfallrisiko des Beschuldigten als Gewalttäter einschliesslich der Vernichtung
der dazugehörenden Daten und Unterlagen aus allen Datensammlungen anzu-
ordnen. Die Löschung in dem Beschuldigten mitzuteilen.
- 49 -
VII. Zivilansprüche
1. Hinsichtlich der Voraussetzungen für die adhäsionsweise Geltendmachung
von Schadenersatz und Genugtuung kann auf das angefochtene Urteil verwiesen
werden (Urk. 89 S. 45 f.).
2. Die Privatklägerin erlitt durch den Schlag gegen den Kopf nachgewiesener-
massen eine Quetsch-Risswunde an der linken Stirn sowie eine Schürfung an der
linken Augenbraue. Da der Beschuldigte betreffend des angeklagten Stosses ge-
gen den Oberkörper infolge rechtfertigender Notwehr nicht widerrechtlich gehan-
delt hat und daher freizusprechen ist, sind die dadurch bewirkten Verletzungen –
entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 89 S. 47) für die Beurteilung und Bemessung
der Zivilansprüche irrelevant (vgl. Art. 52 Abs. 1 OR, Art. 41 Abs. 1 OR e contrario
und Art. 49 Abs. 1 OR e contrario).
3.1 Vor Berufungsgericht wird im Gegensatz zum vorinstanzlichen Verfahren
seitens der Privatklägerin keine Genugtuung mehr geltend gemacht (vgl. Urk. 129
S. 1). Entsprechend ist der Privatklägerin keine Genugtuung zuzusprechen.
3.2 Die Privatklägerin macht Schadenersatz für ihre nicht mehr gebrauchsfähige
Sonnenbrille Salt Corsa in der Höhe von Fr. 432.– zuzüglich Zins seit 10. Mai
2017 geltend (Urk. 129 N 72). Der geltend gemachte Schaden ist durch den
Kaufbeleg für die Sonnenbrille (Urk. 69/1) belegt und wird vom Beschuldigten in
der Höhe nicht substantiiert bestritten. Ebenso ist der Schaden natürlich und adä-
quat kausal durch den Beschuldigten verursacht worden. Den Beschuldigten trifft
auch ein Verschulden, zumal er damit rechnen musste, dass die Sonnenbrille
durch den Schlag und Stoss Schaden nehmen könnte. Entsprechend ist in der
Beschuldigte in Bestätigung der vorinstanzlichen Erwägungen zu verpflichten, der
Privatklägerin Schadenersatz in der Höhe von Fr. 432.– zzgl. Zins von 5 % (Ver-
zugszins) seit dem 10. Mai 2017 (schädigendes Ereignis) zu bezahlen.
Die Privatklägerin verlangt zudem Schadenersatz für Heilungskosten in der Höhe
von Fr. 1'062.70 zzgl. Zins von 5 % seit 27. Juni 2018 (Kosten für das MR des
Gesichtsschädels) und für die Kosten der Psychotherapie für die posttraumati-
- 50 -
sche Belastungsstörung in der Höhe von Fr. 432'70 zzgl. 5 % Zins seit 8. Februar
2019 und Fr. 399.40 zzgl. 5 % Zins seit 6. März 2019 (Urk. 129 N 78 ff.). Der Be-
schuldigte beantragt die Abweisung (Urk. 131 S. 2 und S. 9). Die Privatklägerin
begründet die Kosten für das MRI des Gesichtsschädels damit, dass sie "in der
Folge" vermehrt an Kopfschmerzen gelitten und am 25. Juni 2018 ihren Arzt
Dr. med. T._ aufgesucht habe. Hätte der Beschuldigte die Privatklägerin
nicht gegen den Kopf geschlagen oder sie durch den Stoss gegen den Ober-
körper zu Fall gebracht, hätte sie auch nicht derartige Kopfschmerzen gehabt
(Urk. 129 N 82). Diese Auffassung ist nicht zu teilen. Bekanntermassen ereignete
sich der inkriminierte Vorfall am 10. Mai 2017. Mithin liegt zwischen dem Arzt-
besuch wegen Kopfschmerzen und dem Vorfall eine Zeitdauer von über einem
Jahr. Zum damaligen Zeitpunkt wurde der Privatklägerin im Waidspital mangels
Hinweis auch keine MRI Untersuchung empfohlen. Ein natürlicher und adäquater
Kausalzusammenhang zwischen den Kopfschmerzen im Juni 2018 und dem Vor-
fall im Mai 2017 ist demnach nicht genügend substantiiert behauptet worden und
aufgrund der Beweislage zu verneinen.
Dasselbe gilt für die Behauptung der posttraumatischen Belastungsstörung, wel-
che durch den Vorfall am 10. Mai 2017 verursacht worden sei. Wie gezeigt, kam
es bei dem Beschuldigten und der Privatklägerin immer wieder zu Vorfällen. Die
Beziehung bzw. das Verhältnis ist/war offensichtlich sehr belastet. Es fehlt daher
an einer substantiierten Behauptung, dass die Kosten für die psychotherapeu-
tische Abklärungsgespräche durch das Ereignis vom 10. Mai 2017 natürlich und
adäquat kausal bedingt waren. Auch hier ist zudem der Zeitverlauf in Erinnerung
zu rufen. Die Schadenersatzforderung der Privatklägerin für die Kosten der psy-
chotherapeutischen Abklärungsgespräche ist demnach ebenso abzuweisen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kostenregelung der Vorinstanz (vgl. Urk. 89 S. 47 und 49; Dispositiv-
ziffer 8) ist ausgangsgemäss zu bestätigen. Zu bestätigen sind ebenso die zu-
gesprochene Prozessentschädigung für die anwaltliche Verteidigung und die
- 51 -
reduzierte Prozessentschädigung an die Privatklägerin (vgl. Urk. 89 S. 48; Dis-
positivziffern 9 und 10).
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Im Berufungsverfahren
erwirkt der Beschuldigte nebst einem Teilfreispruch eine tiefere Strafe und obsiegt
auch im Zivilpunkt teilweise, unterliegt aber überwiegend im gewichtigen Schuld-
punkt. Die Privatklägerin unterliegt mit ihren Anträgen im Berufungsverfahren be-
treffend Schuldpunkt und Schadenersatz vollumfänglich. Bei dieser Ausgangslage
rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens zu 2/3 dem Beschuldig-
ten und zu 1/3 der Privatklägerin aufzuerlegen.
3.1 Aufgrund seines teilweise Obsiegens steht dem Beschuldigten für das Beru-
fungsverfahren eine auf 1/3 reduzierte Entschädigung für anwaltliche Verteidigung
zu. Drei Viertel davon sind gestützt auf Art. 432 Abs. 2 StPO durch die Privat-
klägerin zu tragen, ein Viertel ist dem Beschuldigten gestützt auf Art. 429 Abs. 1
lit. a StPO aus der Gerichtskasse zuzusprechen (zum Ganzen auch BSK StPO-
Wehrenberg/Frank, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 430 N 16 und Art. 432 N 15, 15a,
15b).
Die Verteidigung des Beschuldigten beantragt für das Berufungsverfahren eine
Entschädigung nach richterlichen Ermessen (Urk. 131 S. 2). Es scheint ange-
messen, die reduzierte Prozessentschädigung für anwaltliche Vertretung auf
Fr. 2'000.– festzusetzen.
3.2 Da die Privatklägerin im Berufungsverfahren mit ihren Anträgen vollumfäng-
lich unterliegt, ist ihr keine Prozessentschädigung zuzusprechen.
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