Decision ID: f9f32fd3-ba29-4b1e-a03f-e0724ad450f0
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1991, brach seine erste Lehre als Elekt
r
oinstal
lateur bei der
B._
in
Y._
im November 2007 nach drei Monaten ab (
Urk.
12/17/7). In der Folge war der Versicherte von August 2008 bis Juli 2009 als Mitarbeiter im Bereich Event beim Verein
C._
tätig (
Urk.
12/17/8), ehe er im August 2009 eine zweite Lehre als
Multimedia
elektroniker
bei der
D._
in
E._
begann. Per Ende Juli 2010 wurde der betreffende Lehrvertrag
allerdings
unter Hinweis auf die gesundheit
lichen Probleme des Versicherten aufgelöst (
Urk.
12/11/1).
1.2
Am
4.
Oktober 2010 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
wegen einer chronischen Migräne bei der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/8). Die IV-Stelle nahm beruflich-erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und erteilte dem Ver
sicherten am 2
8.
Juni 2011 Kostengutsprache für eine Abklärung in der berufli
chen Abklärungsstelle
F._
vom
4.
Juli bis
3.
Oktober 2011 (Urk. 12/23). Aufgrund der häufigen krankheitsbedingten Ausfälle des Versicherten musste diese Abklärung
jedoch
per
7.
September 2011
frühzeitig beendet werden (Mit
teilung der IV-Stelle vom 1
9.
Dezember 2011,
Urk.
12/38, vgl. auch
Urk.
12/34/7). Am 1
9.
Dezember 2011 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten Kostengutsprache für ein Arbe
itstraining im
F._
vom 3.
Januar bis zum
2.
Juli 2012 (
Urk.
12/39). Auch dieses Arbeitstraining musste infolge der häufi
gen Absenzen des Versicherten
aber
bereits
per
1
0.
Januar 2012 abgebrochen werden (Mitteilung der IV-S
telle vom 1
9.
Januar 2012, Urk.
12/44, vgl. auch
Urk.
12/42). Nach
ent
sprechendem Vorbescheid vom 27.
April 2012 (
Urk.
12/51)
verneinte die IV-Stelle mit
Verfügung vom
7.
Juni 2012
schliess
lich
einen Rentenanspruch des Versicherten und begründete dies damit, dass es sich bei dessen Migräne zwar um einen namhaften Gesundheitsschaden handle, die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aber jeweils nur vorübergehend gewe
sen sei
(Urk. 12/52)
.
2.
Am
7.
August 2012 meldete sich
X._
erneut bei der
IV-Stelle zum Leistungsbezug an und erklärte, er fühle sich wieder arbeitsfähig und möchte gerne ein neues Arbeitstraining starten (
Urk.
12/53). Die IV-Stelle holte den Bericht von
lic
. phil.
G._
, Psychotherapeut ASP, vom 2
7.
Oktober 2012 (Urk. 12/56) ein und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 23. November 2012 die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 12/59). Dagegen erhob der Versicherte am 2
7.
November 2012 Einwand (
Urk.
12/60), woraufhin die IV-Stelle den Bericht der
H._
vom 2
0.
März 2013
(Urk. 12/72) und den an
lic
. phil.
G._
gerichteten Austrittsbericht der
H._
vom 1
0.
Juni 2013 (
Urk.
12/75) zu den Akten nahm. Mit Verfügung vom 1
7.
September 2013 wies sie das Leistungsbegehren des Versicherten
sodann
ab und führte als Begründung im Wesentlichen an, dass vorliegend kein invalidi
sierender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Sollte zu einem späteren Zeit
punkt erneut eine Anmeldung eingereicht werden, sei
dem Versicherten
zu empfehlen, eine Drogenabstinenz von sechs Monaten einzuhalten, um einen
IV-relevanten Gesundheitsschaden abgrenzen zu können (
Urk.
2).
3.
Hiergegen erhob
X._
am 1
1.
Oktober 2013 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm Leis
tungen der Invalidenversicherung (berufliche
Massnahmen
, evtl. Rente) zuzu
sprechen. Eventualiter sei nach einer ergänzenden psychiatrischen Begutach
tung über seinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung neu zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt
lichen Prozessführung (
Urk.
1). Am 3
0.
Oktober 2013 (
Urk.
7) legte der Beschwerdeführer den Bericht der
I._
in
J._
vom 10.
Oktober 2013 ins Recht (
Urk.
8), welcher der Beschwerdegegnerin mit Ver
fügung vom 3
1.
Oktober 2013 zur Vernehmlassung zugestellt wurde (Urk. 9). Die Beschwerdegegnerin beantragt
e mit Beschwerdeantwort vom 11.
November 2013 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11), was dem Beschwerdeführer am 19. November 2013 angezeigt wurde (
Urk.
13).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers au
f berufliche Massnahmen und
eine Invalidenrente.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Gemäss ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogensucht für sich allein keine Invalidität, sondern nur in Verbindung mit einem die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden geistigen, körperlichen oder psychischen
Gesundheitsscha
den
mit Krankheitswert, der zur Sucht geführt hat oder als deren Folge einge
treten ist (BGE 102 V 167, 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f.
E.
2b; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen).
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die ver
bleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzumuten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das Mass des
Forder
baren
weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 f. E. 2.2.1, 131
V
49).
1.4
Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
der Invalidenversicherung haben nach
Art.
8
Abs.
1 IVG invalide oder von einer Invalidität bedrohte (
Art.
8 ATSG) Versicherte, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder
zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen
Massnahmen
erfüllt sind.
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebe
nen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125
V
351 E. 3a).
2.
2.1
Lic
. phil.
G._
nannte in seinem Bericht vom 2
7.
Oktober 2012 als Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Migräne (ICD-10 G43). Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er nicht fest. Er gab an, dass er den Beschwerdeführer seit dem 1
1.
April 2012 behandle. Die
Sitzungen würden dabei alle 1 bis 2 Wochen stattfinden. In der zuletzt ausge
übten Tätigkeit als Multimediatechniker sei der Beschwerdeführer seit Novem
ber 2011 bis heute zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit in einer geschützten Arbeitsumgebung sei ihm zu 50 bis 80
%
(4 bis 6 Stunden pro Tag) möglich (
Urk.
12/56).
2.2
Die behandelnden Ärzte und Psychologinnen der
H._
stellten im Bericht vom 2
0.
März 2013 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, beste
hend seit ca. 2004 (Beginn der Oberstufe; ICD-10 F33.1), (2) eine emotional instabile Persönlichkeitsakzentuierung, in Kombination mit der Depression, bestehend seit der Adoleszenz (ICD-10 Z73.1) und (3) eine chronische Migräne ohne Aura, bestehend seit 2010 (IHS-Code 1.5; Diagnose
K._
; vorgängig episodische Migräne, Diagnose Hausarzt
Dr.
L._
). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (1) einen sekundären schädlichen
Stimulanziengebrauch
, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung, bestehend seit ca. 2004 (Beginn der Oberstufe;
ICD-10 F15.1) und (2) einen sekundären schädlichen Cannabisgebrauch, gegenwär
tig abstinent, aber in beschützender Umgebung, bestehend seit
ca. 2004 (Beginn der Oberstufe; ICD-10 F12.1). Auf der intellektuellen Ebene würden beim Beschwerdeführer keine Einschränkungen bestehen. Er leide aber unter
Kon
zentrationsschwierigkeiten
und einer erhöhten Ermüdbarkeit. Zudem sei seine psychische Belastbarkeit eingeschränkt. In emotional belastenden Situationen komme es vermehrt zu psychosomatischen Beschwerden bzw. einer Verstär
kung vorbestehender somatischer Beschwerden, wobei er mit starken Kopf
schmerzen reagiere. Aus körperlicher Sicht sei eine chronische Migräne
vor
diagnostiziert
, die während der akuten Phase zu einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit geführt habe. Die Depression habe ebenfalls eine Verstärkung der Kopfschmerzsymptomatik zur Folge. Der Beschwerdeführer sei seit dem
Kli
nikeintritt
am 2
2.
Januar 2013 aufgrund der rezidivierenden depressiven Stö
rung zu 100
%
arbeitsunfähig. Nach dem für den 2
3.
April 2013 geplanten Austritt sei jedoch eine baldige Aufnahme einer angepassten Tätigkeit sinnvoll und möglich, so dass mit Unterstützung die anstehenden (beruflichen) Ent
wicklungsaufgaben bewerkstelligt und auf längere Sicht eine stabile Arbeitsfä
higkeit aufgebaut werden könne. Der Einstieg sollte bei 50
%
erfolgen, mit schrittweiser Erhöhung im Verlauf des Jahres bis auf 80
%
. Die zeitlichen Inter
valle zur stufenweisen Erhöhung der Arbeitsfähigkeit sollten durch den
Nach
behandler
eingeschätzt werden (
Urk.
12/72/1-4).
2.3
Med.
pract
.
M._
, Oberärztin an der
I._
, stellte in ihrem an den Beschwerdeführer gerichteten Bericht vom 1
0.
Oktober 2013 folgende Diagnosen (
Urk.
8):
(1)
ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender
Umgebung (ICD-10 F10.21)
(2)
ein Nikotinabhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
(3)
ein Cannabisabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender
Umgebung (ICD-10 F12.21)
(4)
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1)
(5)
einen Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-
Typus (ICD-10 F60.31)
(6)
eine Migräne (ICD-10 G43)
Med.
pract
.
M._
erklärte, dass der Beschwerdeführer sich seit dem 1
5.
Juli 2013 in stationärer Behandlung in der
I._
befinde. Da ihr aktuell noch keine Testergebnisse vorliegen würden, sei von einem Verdacht einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typus auszugehen, welche sich durch eine psychische Entwicklungsstörung in der Kindheit und Jugend ausgeprägt habe. Basierend auf dieser strukturellen Problematik habe sich eine reduzierte soziale Kompetenz des Beschwerdeführers entwickelt, welche als ursächlich für die rezidivierenden depressiven Episoden zu sehen sei. Zum jet
zigen Zeitpunkt zeige sich eine mittelgradig ausgeprägte depressive Episode. Der Anamnese, insbesondere der Suchtanamnese, sei zu entnehmen, dass die heute bestehende Abhängigkeitserkrankung von Alkohol und
Cannabinoiden
auf dem Boden der Persönlichkeitszüge und der wiederkehrenden depressiven Episoden zu sehen sei. So habe der Beschwerdeführer schon seit frühester Jugend versucht, eine affektive Stabilisierung durch Substanzen zu erreichen. Ob seine psychischen Schwierigkeiten auch als Trigger für die Migräneanfälle zu werten seien, lasse sich
psychiatrischerseits
nicht sicher beurteilen. Sicher erscheine zum jetzigen Zeitpunkt jedoch, dass der Beschwerdeführer aufgrund der oben geschilderten Symptomatik bis heute nicht in der Lage gewesen sei, eine Ausbildung bzw. Lehre erfolgreich abzuschliessen. Im Verlauf der Therapie zeige er sich sehr motiviert und trotz der kognitiven Einschränkung durch die depressive Episode würden sich grosse Fortschritte verzeichnen lassen. Dem
entsprechend sei dringend die betreute Durchführung einer Lehre bzw. Ausbil
dung zu empfehlen. Auf dem freien Arbeitsmarkt sei auch zum jetzigen Zeit
punkt davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den entsprechenden Anforderungen nicht genügen würde, weshalb ein grosses Rückfallrisiko mit massivem Alkohol- und Cannabiskonsum bestehen würde (
Urk.
8).
3.
Was die Kopfschmerzen des Beschwerdeführers betrifft, diagnostizierte aus fach
ärztlich-neurologischer Sicht zuletzt med.
pract
.
N._
, FMH Neurolo
gie, vom
K._
im Bericht vom 2
0.
März 2012 eine chro
nische Mi
gräne. Med.
pract
.
N._
gab
damals zusammengefasst
an
, dass der Beschwerdeführer durch die chronische Migräne in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sei, schloss aber nicht aus, dass er seine Arbeitsfähigkeit evtl. wieder steigern könne (
Urk.
12/48). Med.
pract
.
O._
, Facharzt für Neurologie FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), bemerkte dazu in seiner Aktenbeurteilung vom 3
0.
April 2013, es sei auffällig, dass während des gesamten dreimonatigen Aufenthalts des Beschwerdeführers in der
H._
kein einziger Migräne
an
fall dokumentiert sei. Im Rahmen der Diagnose einer chro
nischen Migräne müssten nämlich per definitionem Kopfschmerzen an mindes
tens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate hinweg festgestellt werden. Beizufügen sei dabei, dass Migräneanfälle die Befindlichkeit der Betroffenen erheblich stören würden und daher auch für nicht-medizinische Beobachter eindrücklich wahrnehmbar seien. Da aktuell keinerlei Migräne-spezifische The
rapie im Sinne einer medikamentösen Prophylaxe durchgeführt und auch kein neurologischer
Behandler
genannt werde, könne anhand der Akten mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, dass zumindest keine chro
nische Migräne im definierten Sinne vorliege. Möglich seien episodische
Migrä
neattacken
, wobei sich auch dafür im Austrittsbericht der
H._
keine Hinweise finden würden. Die Kopfschmerzen des Beschwerdeführers könnten im Übrigen auch einen psychischen Ursprung haben oder mit dem Drogenkonsum assoziiert sein.
Im letzteren Fall müssten allerdings
alle in Frage kommenden Möglich
keiten einer
Komorbidität
, welche die Kopfschmerzen anderweitig (mit-)begrün
den könnte
n
, fachärztlich neurologisch ausgeschlossen werden (Urk. 12/80/3-4). Diese Beurteilung von RAD-Arzt med.
pract
.
O._
ist ohne
Weiteres
nach
vollziehbar und findet in den vorliegenden medizinischen Akten ihre Stütze. Die Ursache der Kopfschmerzen des Beschwerdeführers ist demzufolge noch nicht geklärt und eine
(erstmalige)
umfassende neurologische Abklärung erscheint angezeigt.
4.
4.1
Was die vorliegenden psychischen Beschwerden anbelangt, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass es sich bei
den Diagnosen aus der sogenannten Z-Kategorie (Kapitel XXI) des ICD-10-Systems um Faktoren handelt, die den Gesundheits
zustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen. Die Kategorien Z00-99 sind
dabei
für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als „Diagnosen" oder „Probleme" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Ver
letzung oder
äussere
Ursache unter den Kategorien A-Y klassifizierbar sind. Diese Belastungen als solche fallen
gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (
Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.1 mit weiteren Hinwei
sen
).
Bei der
von den Ärzten und Psychologinnen der
H._
diagnostizierte
n
emotionale
n instabilen
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)
handelt es sich somit
von vornherein
– wie die Beschwerdegegnerin zutreffend geltend machte (
Urk.
2) - nicht
um einen invalidisierenden Gesundheitsschaden.
4.2
Die während der stationären Aufenthalte des Beschwerdeführers in der
H._
und in der
I._
festgestellte rez
idivierende depressive Störung (
ge
genwärtig mittelgradige Episode)
wurde von der Beschwerdegegnerin als
bei Aufbietung allen guten Willens
überwindbar bezeichnet (
Urk.
2).
Sie
begründete dies
– gestützt auf die Stellungnahme ihres Rechtsdienstes vom 1
5.
August 2013 (
Urk.
12/82/2) – damit, dass aufgrund der Akten davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer über die nötigen Ressourcen verfüge, um sich auf dem Arbeitsmarkt einzugliedern. So verspüre er Lust zu
gamen
und zu program
mieren. Zudem hätte er die Energie, einen Kampfsport zu erlernen, wenn er über die nötigen finanziellen Mittel verfügen würde. Weiter verbringe er seine Zeit mit Freunden und sei also sozial integriert. Dafür spreche auch, dass er in seiner Zeit in der
H._
schnell Anschluss an die Gruppe gefunden, bald eine tra
gende Rolle eingenommen und verschiedene Gruppenaktivitäten initiiert habe. Er sei auch für seine gute Arbeitshaltung und seinen Umgang gelobt worden (
Urk.
2). Diese Informationen entnahm die Beschwerdegegnerin etwas selektiv dem Austrittsbericht der Ärzte und Psychologinnen der
H._
vom 1
0.
Juni 2013 (
Urk.
12/75). Komplett unerwähnt liess sie nämlich die in diesem Bericht eben
falls enthaltene ärztliche Beurteilung, worin die nach wie vor bestehenden gesundheitlichen Beschwerden thematisiert wurden. Weiter wies die
Beschwer
degegnerin
auch nicht darauf hin, dass dieselben Ärzte und Psychologinnen der
H._
im Bericht vom 2
0.
März 2013 erklärt hatten, dass der Beschwerdeführer die anstehenden beruflichen Entwicklungsaufgaben nach Klinikaustritt nur mit Unterstützung bewerkstelligen könne. Die Aufnahme
einer angepassten Tätig
keit solle dabei in einem 50%-Pensum erfolgen, mit schrittweiser Erhöhung im Verlauf des Jah
res bis auf 80
%
(vgl. E. 2.2
; im Austrittsbericht vom 1
0.
Juni 2013 äusserten sie sich nicht mehr zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, vgl. Urk. 12/75). Die Ärzte und Psychologinnen der
H._
waren also – im Gegensatz zur Beschwerdegegnerin - nicht der Auffassung, dass der Beschwer
deführer über die nötigen Ressourcen verfügt, um sich auf dem Arbeitsmarkt (selbst) einzugliedern. Auch RAD-Arzt med.
pract
.
O._
teilte diese Einschät
zung der Beschwerdegegnerin nicht. Er führte am 3
0.
April 2013 vielmehr aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Beeinträchtigung seines Gesundheits
zustands nur eingeschränkt in der Lage sei, selbständig eine berufliche Per
spektive zu entwickeln und deshalb zeitnah, gegebenenfalls in Absprache mit dem Psychotherapeuten, eine Berufsberatung sinnvoll wäre (Ur
k.
12/80/3-4
)
.
Die Frage der Überwindbarkeit der depressiv
en Störung wurde im Übrigen
in keinem der vorliegenden Arztberichte näher erörtert.
4.3
Ob das Alkohol- und Cannabisabhängigkeitssyndrom des Beschwerdeführers auf ein psychiatrisches Leiden mit Krankheitswert zurückzuführen ist, ist umstritten. Während RAD-Arzt med.
pract
.
O._
im Rahmen seiner
Akten
beurteilung
vom 3
0.
April 2013 zum Schluss kam, dass die depressiven Symp
tome als drogen-induziert zu werten seien (
Urk.
12/80/4), war med.
pract
.
M._
von der
I._
der Auffassung, dass die Abhängigkeitserkrankung auf dem Boden der Persönlichkeitszüge und der wiederkehrenden depressiven Epi
soden zu sehen sei (
Urk.
8). Auch die Ärzte und Psychologinnen der
H._
erklärten, dass der Suchtkonsum aus psychiatrisc
her Sicht als sekundär zu qua
lifizieren
sei (
Urk.
12/75/2). Keiner der involvierten Ärzte hat sich jedoch mit dieser invalidenversicherungsrechtlich relevanten Frage (vgl. E. 1.3) eingehend auseinandergesetzt und seinen Standpunkt begründet dargetan, weshalb auch auf keine der vorliegenden ärztlichen Einschätzungen abgestellt werden kann.
4.4
Aus
den genannten Gründen ist deshalb auch eine
(erstmalige)
umfassende psy
chiatrische Abklärung indiziert.
5.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass a
ufgrund
der vorliegenden Akten eine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht möglich
ist
.
Der medizinische Sachverhalt erweist sich als ergänzungsbedürftig und die
Sache ist daher in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die
Beschwerdegeg
nerin
zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt in neurologi
scher und psychiatrischer Hinsicht
rechtsgenüglich
selber abklärt oder gut
achterlich abklären lässt.
Anschliessend
hat
sie
über den Leistungsanspruch
(in erster Linie berufl
iche
Massnahmen
)
des Beschwerdeführers neu zu entscheiden.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung erweist sich als gegenstands
los.