Decision ID: 547ae49f-b6f4-5b88-a086-84c3e9f05f09
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 22. Januar 2010 wegen Atem- und Rückenbeschwerden
zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 3).
A.b Dr. med. B._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, spez. Pneumologie, hatte in
seinem Bericht vom 11. Februar 2009 im Wesentlichen folgende Diagnosen aufgeführt:
Chronische obstruktive Lungenkrankheit (COPD; mittelschwere, nicht reversible
obstruktive Ventilationsstörung), Status nach schwerer Pleuropneumonie mit schwerer
Sepsis und Zwei-Organversagen im August 2008, zentrale und periphere
Lungenembolien im November 2006, leichtes obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
(CPAP-Therapie seit Mai 2008), progrediente Adipositas, sowie ein chronisches
spondylogenes und thorakovertebrales Syndrom (IV-act. 19-4).
A.c Gespräche zwischen Dr. med. C._, regionaler ärztlicher Dienst (RAD), Dr. B._
sowie Dr. med. D._, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, Hausärztin des
Versicherten, ergaben am 1./2. Februar 2010, dass der Versicherte neben den von
Dr. B._ gestellten Diagnosen unter morbider Adipositas und einem chronischen
spondylogenen und thorakovertebralen Syndrom leide. In der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Hilfselektriker und Chauffeur eines Kleinlastwagens sei er aus
respiratorischen und rheumatologischen Gründen eingeschränkt. Er könne vollschichtig
körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten in vorwiegend sitzender Position
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ohne lange oder ansteigende Gehstrecken ausüben. Schwere körperliche Arbeiten
seien gänzlich unzumutbar (IV-act. 18, 22, 23).
A.d Am 27. Juli 2010 gewährte die IV-Stelle dem seit 1. Januar 2009 arbeitslosen (IV-
act. 11-1; IV-act. 8) Versicherten finanzielle Beteiligung an einer Ernährungsberatung
als Frühinterventionsmassnahme (IV-act. 45) sowie Arbeitsvermittlung (IV-act. 46). Die
Eingliederungsverantwortliche schloss den Fall am 19./20. Januar 2011 ab, nachdem
der Versicherte keine geeignete Stelle finden konnte (IV-act. 54, 56).
A.e Dr. D._ erwähnte in ihrem Bericht vom 18. März 2011 als Diagnosen ein
chronisches lumbospondylogenes Syndrom bei ausgeprägter Hyperlordose und
degenerativen Veränderungen L4/L5/S1, ein Schlafapnoe-Syndrom, eine chronische
obstruktive Lungenkrankheit (u.a. bei Status nach Lungenembolien zentral und peripher
2006), Hypertonie, Adipositas permagna, Diabetes mellitus Typ II, eine Lebersteatose
sowie eine chronische venöse Insuffizienz. Der Versicherte sei im Atemtraining und
bemühe sich, sein Gewicht zu reduzieren. Er könne keine Arbeit in ständigem Stehen
oder in länger vorgebeugter Haltung ausführen. Aufgrund der Atemnot seien längeres
Gehen und Treppensteigen nicht möglich. Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei zu 50 %
möglich (IV-act. 59-1 ff.).
A.f Dr. B._ berichtete am 31. März 2011, die Lungenkrankheit verlaufe stationär; die
Schlafapnoe sei durch die ausgezeichnete Compliance mit dem CPAP-Gerät korrigiert.
Aus rein pulmonaler Sicht bestehe höchstens eine Einschränkung für mittelschwere bis
schwere körperliche Arbeit von 20 % bis 30 % (IV-act. 60-8 ff.).
A.g Dr. med. E._, RAD, befand am 15. April 2011, aufgrund der chronischen
obstruktiven Lungenkrankheit und des behandelten Schlafapnoe-Syndroms ergäben
sich in Übereinstimmung mit dem Pneumologen keine Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit für leichtere Tätigkeiten sowie für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Lieferwagenchauffeur ohne Ein- und Ausladen grosser Lasten. Für mittelschwere bis
schwere Tätigkeiten, welche auch aus Sicht des Bewegungsapparates weniger
geeignet seien, bestehe eine Einschränkung von 20 % bis 30 %. In der Gesamtwertung
sei aus versicherungsmedizinischer Sicht eine leichte Tätigkeit vollschichtig zumutbar
(IV-act. 61).
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A.h Mit Vorbescheid vom 6. Mai 2011 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Rentengesuch abzuweisen (Invaliditätsgrad 0 %, IV-act. 64). Hiergegen
erhob der Versicherte am 14. Juni 2011 Einwand (IV-act. 65).
A.i Ab dem 24. Juni 2011 wurde der Versicherte ambulant im Psychiatrie-Zentrum
F._ abgeklärt und behandelt. Dabei wurde eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD F32.11), bestehend mindestens seit 24. Juni 2011,
diagnostiziert. Gegenwärtig sei aus rein psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit als
Lieferwagenfahrer nicht gegeben. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei bis auf
weiteres während ca. 4 bis 5 Stunden pro Tag möglich. Dabei sollte es sich um eine
ruhige, gleichmässige Tätigkeit ohne Belastungsspitzen und ohne hohe Anforderungen
an die Konzentration und an die kognitiven Fähigkeiten handeln (Bericht vom 8. Juli
2011, IV-act. 67; vgl. auch Bericht vom 27. Juni 2011, IV-act. 68-3 f.).
A.j Am 2. August 2011 hielt Dr. D._ in einem Verlaufsbericht fest, der
Gesundheitszustand sei stationär bis verschlechtert. Die Rückenschmerzen hätten
zugenommen. Dadurch habe sich auch der psychische Zustand verschlechtert (IV-
act. 68-1 f.). Dr. B._ bezeichnete in seinem Verlaufsbericht vom gleichen Tag den
Gesundheitszustand im Wesentlichen als stationär. Aus pulmonaler Sicht bestehe als
Lieferwagenfahrer ohne Ein- und Ausladen von Lasten sowie für andere leichte
körperliche Tätigkeiten im Stehen oder im Sitzen keine Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 69).
A.k Vom 14. November bis 3. Dezember 2011 wurde der Versicherte stationär in der
Klinik G._ behandelt. Gemäss Austrittsbericht vom 9. Januar 2012 wurden im
Wesentlichen eine mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F32.1), ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom, ein
Schlafapnoesyndrom mit CPAP-Maske versorgt, eine chronische obstruktive
Lungenkrankheit mit Status nach Lungenembolien sowie eine Adipositas permagna
diagnostiziert. Die ersten Zeichen einer sich entwickelnden depressiv-ängstlichen
Problematik würden auf die Zeit der krankheitsbedingten Kündigung der Arbeitsstelle
vor vier Jahren zurückgehen. Es handle sich um eine seither chronifizierte und
aggravierte depressive Entwicklung mit im Vordergrund stehender körperlicher
Grunderkrankung im Sinne einer Komorbidität (IV-act. 79-2 ff.).
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A.l Im Bericht vom 12. Januar 2012 hielten die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums F._
im Wesentlichen fest, die stationäre Behandlung habe dem Versicherten subjektiv keine
Verbesserung gebracht. Es sei eine (weitere) teilstationäre Behandlung und danach
eine neuerliche Beurteilung zu empfehlen (IV-act. 71).
A.m Dr. D._ bezeichnete den Gesundheitszustand in einem weiteren Verlaufsbericht
vom 17. Januar 2012 bei unveränderten Diagnosen als stationär. Sie gehe davon aus,
dass eine 50 %ige angepasste Tätigkeit auch weiterhin zumutbar sei (IV-act. 72-2).
A.n Dr. B._ hielt am 24. Januar 2012 zuhanden der IV-Stelle und in einem Bericht an
Dr. D._ im Wesentlichen fest, das Schlafapnoe-Syndrom sei unter der CPAP-
Therapie völlig korrigiert. Aus pulmonaler Sicht bestehe für schwere körperliche Arbeit
eine Einschränkung von 50 %; für mittelschwere körperliche Tätigkeiten sei der
Versicherte nahezu voll und für leichte körperliche Tätigkeiten voll arbeitsfähig.
Hauptproblem sei das chronische spondylogene und thorakovertebrale Syndrom (IV-
act. 73).
A.o Der Versicherte wurde in der Folge im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 86) durch das
Ärztliche Begutachtungsinstitut Basel (ABI) polydisziplinär (allgemeinmedizinisch,
orthopädisch und psychiatrisch) begutachtet (Untersuchungen am 4./8. Juni 2012,
Gutachten vom 1. November 2012, IV-act. 91). In der Gesamtbeurteilung erhoben die
Experten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische
obstruktive Lungenkrankheit (Stadium II nach GOLD) bei mittelschwerer, nicht
reversibler obstruktiver Ventilationsstörung, mit leichter Einschränkung der körperlichen
Leistungsfähigkeit, ein leichtes obstruktives, erfolgreich korrigiertes
Schlafapnoesyndrom, ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre Symptomatik (ICD-10: M54.5) bei mässiggradigen degenerativen
Veränderungen vor allem der unteren Lendenwirbelsäule, klinisch und bildgebend ohne
Kompromittierung neuraler Strukturen (M47.86/M51.2), sowie eine klinisch beginnende
AC-Gelenksarthrose beidseits (ICD-10 M19.11) fest. In psychiatrischer Hinsicht wurden
eine rezidivierende depressive Störung, remittiert (ICD-10: F33.4), sowie eine
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54), beide ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit, diagnostiziert. Für körperlich leichte, nicht anstrengende Tätigkeiten in
einem arbeitshygienisch einwandfreien Klima ohne Staub, Hitze oder Kälte bestehe
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eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100%. Für körperlich mittelschwer und schwer
belastende berufliche Tätigkeiten sei der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfähig. Es
bestünden keine Hinweise, dass für körperlich leichte, angepasste Tätigkeiten zu einem
früheren Zeitpunkt längerfristig eine Arbeitsunfähigkeit bestanden hätte (IV-act. 91).
Dr. C._, RAD, bezeichnete das Gutachten am 19. November 2012 als umfassend und
widerspruchsfrei. Die massgeblichen Kriterien seien für jedes fachärztliche Gebiet
herausgearbeitet und die konsensuelle Beurteilung sei plausibel nachvollziehbar (IV-
act. 92).
A.p Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den zusätzlichen medizinischen
Abklärungen (IV-act. 93, 94, 96) und Unterbreitung der entsprechenden Stellungnahme
des Beschwerdeführers an den RAD (IV-act. 97) verfügte die IV-Stelle am 29. Januar
2013 die Abweisung des Leistungsbegehrens. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe
medizinisch-theoretisch eine volle Arbeitsfähigkeit. Bei deren Verwertung sei es dem
Versicherten möglich, bei ausgeglichenem Arbeitsmarkt ein Erwerbseinkommen in
gleicher Höhe wie in der bisherigen Tätigkeit zu erzielen. Bei einem Invaliditätsgrad von
0 % bestehe kein Rentenanspruch (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung lässt A._, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
Werner Bodenmann, St. Gallen, mit Eingabe vom 1. März 2013 Beschwerde erheben.
Der Beschwerdeführer beantragt, die Verfügung vom 29. Januar 2013 sei unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50 % zuzusprechen. Allenfalls sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
weitere medizinische Abklärungen zu treffen (act. G 1). Der Beschwerdeführer macht
im Wesentlichen geltend, das ABI-Gutachten überzeuge aus verschiedenen Gründen
nicht, weshalb darauf nicht abgestellt werden dürfe. Vielmehr sei gestützt auf die
Berichte von Dr. D._, der Klinik G._ und des Psychiatriezentrums F._, welche
übereinstimmend eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestierten, eine halbe Rente
zuzusprechen. Selbst wenn aufgrund des ABI-Gutachtens eine aktuelle
Arbeitsunfähigkeit von 50 % nicht angenommen würde, wäre eine solche mindestens
bis zum Zeitpunkt der Begutachtung durch das ABI ausgewiesen und es bestünde bis
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Februar 2013 ein Rentenanspruch (act. G 1). Der Beschwerdeführer legt ausserdem
einen Bericht von Dr. D._ vom 26. Februar 2013 ins Recht. Danach habe sich die
Situation seit Sommer des Vorjahres insofern verändert, dass der Beschwerdeführer
über ständige Müdigkeit klage, schläfrig sei und Mühe habe, im Gespräch zu folgen.
Die Müdigkeit sei teilweise dem Schlafapnoe-Syndrom und teilweise der Wirkung
unverzichtbarer Medikamente (Sedativa, Antidepressiva und Antiepileptikum
Topiramat) zuzuschreiben. Der Beschwerdeführer schlafe tagsüber mehrmals ein und
sei daher höchstens zu 50 % arbeitsfähig (act. G 1.2).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 7. Mai 2013 schliesst die Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde. Das ABI-Gutachten entspreche den Anforderungen
der Rechtsprechung und es könne darauf abgestellt werden. Der nachgereichte Bericht
von Dr. D._ vermöge das Gutachten nicht zu entkräften (act. G 4).
B.c In seiner Replik vom 13. Juni 2013 bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen
vor, abweichend vom psychiatrischen Teilgutachten des ABI liege ein sozialer Rückzug
vor, und entgegen der im Gutachten festgehaltenen subjektiven
Krankheitsüberzeugung und fehlenden Motivation habe er sich bei der von der IV-Stelle
angebotenen Arbeitsvermittlung kooperativ verhalten (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 8, 9).

Erwägungen
1.
Gegenstand des Verfahrens ist der Anspruch auf Ausrichtung einer Rente der IV.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Unter
Erwerbsunfähigkeit versteht das Gesetz den durch die gesundheitliche
Beeinträchtigung verursachten Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
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1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist.
Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, besteht Anspruch auf eine halbe
Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente. Für
die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen).
1.4 In beweisrechtlicher Hinsicht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich
des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Im Sinne einer Richtlinie ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche
aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
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gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/
bb). Anderseits ist bei den medizinischen Berichten behandelnder medizinischer
Fachpersonen der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese aufgrund ihres
therapeutischen Auftrags mitunter in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten
aussagen (BGE 125 V 353 E 3b cc).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer trägt im Wesentlichen vor, die Einschätzung des ABI-
Gutachtens, er sei in adaptierter Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig, treffe nicht zu.
Entgegen dem ABI-Gutachten sei die depressive Störung nicht remittiert, sondern
bedürfe nach wie vor der Behandlung. Das ABI-Gutachten begründe die Abweichung
von der Beurteilung in den anderen medizinischen Berichten nicht, sondern gehe
lediglich von einer zwischenzeitlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes aus.
Die im Gutachten geschätzte 100%ige Arbeitsfähigkeit sei sodann mit der in den
Berichten vermerkten Abnahme der Leistungsfähigkeit beziehungsweise Zunahme der
Müdigkeit nicht vereinbar. Berichte der Klinik G._ vom 9. Januar 2012, des
Psychiatriezentrums F._ vom 8. Juli 2011 und vom 12. Januar 2012 sowie von
Dr. D._ vom 26. Februar 2013 würden ihm eine Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten von lediglich 50 % attestieren. Das ABI-Gutachten vermöge insgesamt
nicht zu überzeugen. Die Arbeitsfähigkeit sei zu mindestens 50 % eingeschränkt.
Selbst wenn dem ABI-Gutachten gefolgt würde, wäre bis zum Zeitpunkt der
Begutachtung eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ausgewiesen (act. G 1).
2.2 In pneumologischer Hinsicht stimmt das ABI-Gutachten mit der Beurteilung von
Dr. B._ überein, der am 31. März 2011 und am 2. August 2011 befunden hatte, aus
pneumonaler Sicht bestehe für adaptierte leichte Tätigkeiten keine Arbeitsunfähigkeit
(IV-act. 60-8 ff. und 69). Die Rheumatologin Dr. D._ schätzte am 18. März 2011 die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angepassten Tätigkeiten auf 50 %. Der
Beschwerdeführer könne keine Arbeiten in ständigem Stehen oder in länger
vorgebeugter Haltung durchführen. Aufgrund der Atemnot sei ihm längeres Gehen oder
Treppensteigen nicht möglich (IV-act. 59-3). Der orthopädische Gutachter des ABI
nimmt - abweichend von Dr. D._ - eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für
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adaptierte Tätigkeiten an. Er führt zum Bericht von Dr. D._ in nachvollziehbarer Weise
aus, diesem lasse sich nicht entnehmen, welchen konkreten Einfluss die erwähnten
Veränderungen am Bewegungsapparat auf die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
hätten. Rein aufgrund der objektivierbaren Befunde lasse sich nicht begründen,
weshalb der Beschwerdeführer allein von Seiten der muskuloskelettalen Strukturen für
eine adaptierte Tätigkeit in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit wesentlich
eingeschränkt sein sollte (IV-act. 91-19). Zwar berichtete Dr. D._ unter anderem, die
Wirbelsäule zeige eine deutliche Hyperlordose und Einschränkungen der Beweglichkeit
durch Schmerzen in alle Richtungen, am meisten bei lumbaler Extension (IV-act. 59-2).
Indes erscheint plausibel, dass dieser Befund eine in quantitativer Hinsicht bedeutende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten nicht zu erklären
vermag. Daran ändert auch der im Beschwerdeverfahren vorgelegte Bericht von
Dr. D._ vom 26. Februar 2013 nichts, da er zur Hauptsache die Müdigkeit des
Beschwerdeführers thematisiert. Ausserdem schätzte Dr. D._ in diesem Bericht die
Arbeitsunfähigkeit auch in Berücksichtigung der beschriebenen Müdigkeit weiterhin auf
50%. Das ABI-Gutachten vom 1. November 2012 ist demnach in pneumologischer und
orthopädischer Hinsicht schlüssig und nachvollziehbar. Es beruht auf vollständigen
Untersuchungen und berücksichtigt die vorhandenen Akten sowie die vom
Beschwerdeführer geschilderten Symptome. In somatischer Hinsicht ist daher auf das
Gutachten abzustellen.
3.
3.1 Es bleibt darüber zu befinden, ob aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung
der Leistungsfähigkeit vorliegt, welche zu einem Rentenanspruch führt.
3.2 Die ambulante Erstkonsultation im Psychiatrie-Zentrum F._, an welches der
Beschwerdeführer von Dr. D._ verwiesen worden war (IV-act. 65-6), erfolgte am
24. Juni 2011. Dabei wurde die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit
somatischem Syndrom (ICD F32.11) gestellt (IV-act. 68-3 f.). Die Berichte des
Psychiatriezentrums F._ vom 27. Juni und 8. Juli 2011 halten fest, der Antrieb des
Beschwerdeführers sei leicht bis mittelschwer reduziert, es bestehe eine leicht bis
mittelschwer ausgeprägte Tendenz zum sozialen Rückzug. Mit der Kündigung sei es zu
einem zunehmend depressiven Zustandsbild mit innerlicher Unruhe, Nervosität, leichter
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Reizbarkeit sowie gedrückter Stimmung gekommen. Auf geistiger Ebene führe dies zu
deutlichem Gedankendrängen mit Selbstabwertung und vermehrten negativen
Zukunftserwartungen. Dies bewirke auf psychischer Ebene ein Zustandsbild mit
gedrückter Stimmung, Interesselosigkeit und Freudlosigkeit. Aufgrund der
beschriebenen Symptome komme es zu einer deutlichen Einschränkung der Flexibilität,
der Umstellungsfähigkeit sowie der Ausdauer und Konzentration mit rascher
Ermüdbarkeit. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei während vier bis fünf
Stunden pro Tag möglich (IV-act. 67-2 ff.; IV-act. 68-3). Vom 14. November bis
3. Dezember 2011 wurde der Beschwerdeführer in der Klinik G._ behandelt (IV-
act. 79-2). Die Klinikärzte berichteten, der Beschwerdeführer habe depressive
Gedankenspiralen, latente Suizidalität, eine negative Polung und eine getrübte
Stimmung beschrieben und geschildert, er sei zuweilen im familiären Umfeld aggressiv
gewesen und ziehe sich zurück. Im Gespräch sei keine Störung vordergründig
gewesen. Im formalen Denken sei der Beschwerdeführer verlangsamt, eingeengt auf
seine körperlich problematische Situation, perseverierend und grübelnd gewesen. Der
Beschwerdeführer habe sich im Affekt ratlos, antriebsarm, mit einer Störung der
Vitalgefühle, deprimiert, teilweise hoffnungslos, ängstlich sowie dysphorisch gereizt
und sehr klagsam gezeigt. Er habe über Insuffizienzgefühle und teilweise affektlabiles
Verhalten berichtet. Der Beschwerdeführer sei latent suizidal gewesen, habe sich aber
glaubhaft davon distanzieren können (IV-act. 79-3). Die Ärzte diagnostizierten eine
mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.1). Es
handle sich um eine seit vier Jahren bestehende und aggravierte depressive
Entwicklung mit im Vordergrund stehender körperlicher Grunderkrankung im Sinne
einer Komorbidität (IV-act. 79-2 ff.). Das Psychiatrie-Zentrum F._ berichtete am
12. Januar 2012, die ambulanten Behandlungen hätten keine und die stationäre nur
eine minimale Verbesserung gebracht. Bei einem sehr ausgeprägten somatischen
Krankheitsbild sei das psychische Zustandsbild im Rahmen der ambulanten
Behandlung weitgehend unverändert geblieben (IV-act. 71-2 f.).
3.3 Der Beschwerdeführer gab anlässlich der psychiatrischen Untersuchung vom 4.
Juni 2012 im ABI an, er sei seit Februar 2012 einmal wöchentlich in der psychiatrischen
Tagesklinik in Behandlung und nehme Sedativa und Antidepressiva ein (Prazine und
Cymbalta, IV-act. 91-9, 11 f.; www.compendium.ch). Der psychiatrische Gutachter
stellte die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, remittiert (ICD-10:
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F33.4), sowie einer Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54), beide ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 91-13). Er führt aus, der Beschwerdeführer habe in der
Untersuchung einen aktiven energischen Eindruck gemacht. Die Stimmung sei
ausgeglichen und die Psychomotorik lebhaft gewesen. Den Schilderungen des
Beschwerdeführers hätten keine Hinweise auf Veränderungen der Stimmung und des
Antriebs im Laufe des Tages entnommen werden können. Er habe nicht über einen
Lebensverleider, Suizidgedanken oder Suizidphantasien berichtet. Zurzeit klage er
einzig über eine leicht verminderte psychische Belastbarkeit und erhöhte Reizbarkeit.
Er fühle sich aufgrund seiner zahlreichen körperlichen Beschwerden nicht arbeitsfähig.
Das Ausmass der beklagten körperlichen Beschwerden sowie die
Krankheitsüberzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, könnten durch die
somatischen Befunde nicht vollständig objektiviert werden, so dass eine psychische
Überlagerung angenommen werden müsse (IV-act. 91-12 f.). Es sei zwar gelegentlich
zu verbalen Auseinandersetzungen mit Familienangehörigen gekommen und der
Kontakt zu Kollegen habe sich etwas vermindert. Doch sei es noch nie zu
handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen. Der Beschwerdeführer besuche
seit über einem Jahr vormittags ein Beschäftigungsatelier, unternehme nachmittags mit
seiner Ehefrau Spaziergänge, helfe ihr beim Einkaufen und reise zweimal im Jahr
zusammen mit ihr in seine Heimat, wo er ein Ferienhaus besitze. Auch habe er
regelmässigen Kontakt zu seinen Kindern und den Enkelkindern. Er sei also im Alltag
durch depressive Symptome nicht eingeschränkt. Ein Lebensverleider oder
Suizidgedanken seien verneint worden. Die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode könne somit nicht bestätigt werden. Die depressive Störung sei remittiert,
wobei zu bemerken sei, dass der Verlauf depressiver Störungen schwankend sei. Es
fänden sich aber keine Hinweise auf lang andauernde mittelgradige oder schwere
Phasen einer depressiven Erkrankung bzw. darauf, dass die Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht während längerer Zeit eingeschränkt gewesen sei. Aufgrund der
rezidivierenden depressiven Störung, die remittiert sei, und der
Schmerzverarbeitungsstörung könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
attestiert werden (IV-act. 91-14 f.).
3.4 In Anbetracht der anlässlich der Begutachtung erhobenen Befunde ist
nachvollziehbar, dass die rezidivierende depressive Störung - unter der fortgeführten
Behandlung - zum Zeitpunkt der Begutachtung remittiert war. Retrospektiv verneint der
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Gutachter die frühere Diagnose einer mittelschweren bis schweren Depression gestützt
auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer schon damals durch die psychischen
Beschwerden in seinem Alltag nicht massgeblich eingeschränkt gewesen sei. Die
Beurteilung der behandelnden Ärzte und des begutachtenden Psychiaters weichen
insofern voneinander ab, inwieweit - in welcher Anzahl und Intensität - die
Diagnosekriterien einer mittelgradigen depressiven Episode erfüllt waren. Die Berichte
der behandelnden psychiatrischen Ärzte sind zwar zeitnah, doch ist in Betracht zu
ziehen, dass die Beurteilung durch die Behandlungssituation mitgeprägt wurde (BGE
125 V 351 E. 3b/cc). Zudem gab der Beschwerdeführer anlässlich der psychiatrischen
Begutachtung am 4. Juni 2012 an, er besuche seit mehr als einem Jahr, also seit etwa
Juni 2011, am Vormittag regelmässig während vier Stunden ein Atelier in H._ (IV-
act. 91-11), was bei einem damaligen Auftreten neuer bedeutender psychischer
Probleme eher nicht möglich gewesen wäre. Weiter erwähnte der Beschwerdeführer
dem begutachtenden Psychiater gegenüber offenbar nicht, dass es ihm erst seit
kürzerer Zeit psychisch besser gehe, was indes naheliegend gewesen wäre, nachdem
das Psychiatriezentrum F._ noch am 12. Januar 2012 festgehalten hatte, die
Therapien hätten bislang keinen Erfolg gezeitigt (IV-act. 71-3). Aus den Berichten der
behandelnden Ärzte geht somit zwar hervor, dass der Beschwerdeführer während
längerer Zeit unter einer depressiven Beeinträchtigung gelitten hat. Indes vermögen
diese das Gutachten hinsichtlich der psychiatrischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nicht zu entkräften.
3.5 Zusammengefasst ist das ABI-Gutachten nachvollziehbar und schlüssig. Es
beruht auf einer umfassenden Untersuchung und berücksichtigt die vorhandenen
Akten und die Beschwerdeschilderungen des Beschwerdeführers. Insgesamt bildet das
ABI-Gutachten eine taugliche Beweisgrundlage. Somit besteht sowohl für die Zeit vor
der Begutachtung als auch für die nachherige Zeit kein Rentenanspruch.
3.6 Selbst wenn davon ausgegangen würde, das psychiatrische Teilgutachten sei in
der rückwirkenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht beweiskräftig, wäre kein
befristeter Rentenanspruch gegeben: Aufgrund des insoweit beweiskräftigen
Gutachtens besteht keine länger dauernde somatisch begründete Arbeitsunfähigkeit.
Eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 50% wurde erstmals für die Zeit ab 24.
Juni 2011 attestiert, womit das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG am 24. Juni
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
2011 beginnen würde und am 4. Juni 2012, als anlässlich der psychiatrischen
Begutachtung die Remission der Depression festgestellt wurde, noch nicht abgelaufen
gewesen wäre.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der von ihm geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung