Decision ID: 9994c2f6-8c2e-49e3-9f7c-1b8d8dcc0a25
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 31. März 2015 (EE140036-G)
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Rechtsbegehren: (Urk. 2 sinngemäss)
Es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen, die von ihnen am 27. Mai 2014 unterzeichnete Vereinbarung sei zu genehmigen und der Kinderunterhalt sei vom Gericht festzulegen.
Anlässlich der Hauptverhandlung vom 9. Dezember 2014 ergänztes  der Gesuchstellerin:
(Urk. 20 S. 14 f., sinngemäss)
Der Gesuchsgegner sei rückwirkend ab 1. September 2014 zur Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen an die Gesuchstellerin persönlich sowie von  für die beiden Kindern C._, geboren am tt.mm.2006, und D._,  am tt.mm.2009, in der Höhe von insgesamt mindestens Fr. 3'750.– pro Monat zu verpflichten.
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 31. März 2015:
(Urk. 26 S. 21 ff.):
1. Die Gesuche der Parteien um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege werden abge-
wiesen.
2. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Parteien das Getrenntleben auf unbestimmte
Zeit vereinbart haben und seit dem 28. Januar 2014 getrennt leben.
3. Die gemeinsamen Töchter der Parteien, C._, geb. tt.mm.2006, und D._, geb.
tt.mm.2009, werden für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Gesuchstellerin
gestellt.
4. Die Teilvereinbarung der Parteien vom 27. Mai 2014 wird ─ was die restlichen Kinderbelan-
ge anbetrifft ─ genehmigt.
5. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin rückwirkend ab 1. September
2014 monatliche Kinderunterhaltsbeiträge in der Höhe von CHF 1'500.– pro Kind (d.h. ins-
gesamt CHF 3'000.–) zuzüglich allfälliger Familien- und Kinderzulagen zu bezahlen, zahlbar
jeweils monatlich im Voraus auf den Monatsersten.
6. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin persönlich monatliche Unterhalts-
beiträge wie folgt zu bezahlen:
- Fr. 2'755.– vom 1. September 2014 bis 31. Dezember 2014;
- Fr. 2'640.– vom 1. Januar 2015 bis 31. März 2015;
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- Fr. 2'440.– ab 1. April 2015 für die weitere Dauer des Getrenntlebens.
Diese Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monatlich im Voraus, jeweils auf den Ersten eines je-
den Monats.
7. Zwischen den Parteien wird mit Wirkung ab 1. Januar 2014 die Gütertrennung angeordnet.
8. Von den Ziffern II.2., II.7, II.8, II.10 und Ziff. II.11 der Teilvereinbarung der Parteien vom
27. Mai 2014 wird Vormerk genommen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 3'500.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 487.50 Dolmetscherkosten
CHF 3'987.50 Total
10. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt
11. Vom gegenseitigen Verzicht der Parteien auf Parteientschädigung wird Vormerk genom-
men.
12. (Schriftliche Mitteilung).
13. (Rechtsmittelbelehrung: Berufung, Frist 10 Tage, Hinweis auf fehlenden Fristenstillstand gemäss Art. 145 Abs. 2 lit. b ZPO).
Berufungsanträge:
des Berufungsklägers (Urk. 29 S. 2 sinngemäss):
Das vorinstanzliche Urteil sei an die veränderten finanziellen Verhältnisse des  anzupassen und die Unterhaltsbeiträge seien aufzuheben.

Erwägungen:
1.1 Am 10. Juli 2014 reichten die Parteien gemeinsam das vorliegende
Eheschutzbegehren ein (Urk. 1-4/1-15). Nach zweimaliger Verschiebung fand die
Hauptverhandlung am 9. Dezember 2014 statt (Urk. 6; Urk. 11-12; Urk. 14-16;
Prot. I S. 1 ff.). Im Anschluss an die Hauptverhandlung wurde der Gesuchsgegner
und Berufungskläger (fortan Gesuchsgegner) mit Verfügung vom 12. Dezember
2014 aufgefordert, Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen einzureichen
(Urk. 21). Dieser Aufforderung kam der Gesuchsgegner mit Schreiben vom 7. Ja-
nuar 2015 nach (Urk. 23/1-11). Mit Verfügung vom 8. Januar 2015 wurde der Ge-
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suchstellerin und Berufungsbeklagten (fortan Gesuchstellerin) Gelegenheit zur
Novenstellungnahme gewährt (Urk. 24); innert Frist liess sich die Gesuchstellerin
nicht vernehmen. Am 31. März 2015 erging vorgenanntes Urteil (Urk. 26 S. 21 ff.
= Urk. 30 S. 21 ff.).
1.2 Mit Schreiben vom 16. April 2014 (Datum Poststempel: 17. April 2015,
eingegangen am 20. April 2015) erhob der Gesuchsgegner innert Frist Berufung
mit eingangs aufgeführtem sinngemässem Antrag (Urk. 29 S. 2).
2. Der Gesuchsgsgegner bringt massgeblich vor, dass ihm seine Arbeit-
geberin per 30. April 2015 gekündigt habe, weshalb er ab dann gar kein Einkom-
men mehr haben werde. Aufgrund der Tatsache, dass er in den letzten zwei Jah-
ren nur während insgesamt sieben Monaten gearbeitet habe, werde er keine Ar-
beitslosenunterstützung erhalten. Für den Fall, dass er keine neue Arbeit finden
werde, würde er gezwungen sein, Sozialhilfe zu beantragen. Somit werde er nicht
in der Lage sein, die mit Urteil der Vorinstanz vom 31. März 2015 festgesetzten
Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, da er selber auf dem Existenzminimum leben
werde. Entsprechend seien die Unterhaltsbeiträge seiner veränderten Arbeitssitu-
ation anzupassen (Urk. 29 S. 2). Damit macht der Gesuchsgegner sinngemäss
geltend, die Unterhaltsbeiträge seien bei künftiger Arbeitslosigkeit auf Fr. 0.– zu
setzen.
3.1 Der vom Gesuchsgegner gestellte Berufungsantrag kommt einer Kla-
geänderung gleich. Eine Klageänderung ist im Berufungsverfahren nur zulässig,
wenn der geänderte Anspruch auf neuen Tatsachen und Beweismitteln beruht
(Art. 317 Abs. 2 lit. b ZPO). Solche können im Berufungsverfahren nur noch be-
rücksichtigt werden, wenn diese (a) ohne Verzug vorgebracht wurden und wenn
sie (b) trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht wer-
den konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Das Bundesgericht hat eine analoge Anwen-
dung von dem im erstinstanzlichen Verfahren geltenden Art. 229 Abs. 3 ZPO für
das Berufungsverfahren abgelehnt und festgehalten, dass einzig Art. 317 Abs. 1
ZPO massgeblich sei (BGE 138 III 626 f. Erw. 2.2). Auch in den Verfahren, die
der Untersuchungsmaxime unterstehen, ist deshalb Art. 317 Abs. 1 ZPO zu be-
achten. Dies gilt auch bei Verfahren in Kinderbelangen, in denen gemäss Art. 296
Abs. 1 ZPO der Sachverhalt von Amtes wegen zu erforschen ist. Unechte Noven,
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die bei zumutbarer Sorgfalt bereits vor erster Instanz hätten geltend gemacht
werden können, können daher grundsätzlich nicht mehr vorgebracht werden, es
sei denn, eine Partei rüge, die Vorinstanz habe eine bestimmte Tatsache in Ver-
letzung der Untersuchungsmaxime nicht beachtet (Hohl, Procédure civile, Tome
II, Deuxième Edition, Rz. 2414 f.). Solche unechten Noven sind im Sinne von
Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO ohne Verzug, d.h. mit der Berufungsbegründung bzw.
der Berufungsantwort vorzubringen. Nach Berufungsbegründung und -antwort
können nur noch echte Noven vorgebracht werden, und zwar längstens bis zum
Beginn der Urteilsberatung. Dies gilt auch für Verfahren, die der Untersuchungs-
maxime unterstehen (BGE 138 III 788 Erw. 4.2; Hohl, a.a.O., Rz 1172).
3.2 Der Gesuchsgegner reicht zum Beleg seiner Behauptung das Kündi-
gungsschreiben seiner Arbeitgeberin ein (Urk. 31). Dieses datiert vom 12. März
2015 und trägt die Unterschrift des Gesuchsgegners, mit welcher er den gleichen-
tags erfolgten Erhalt der Kündigung bestätigt hat. Damit aber hat der Gesuchs-
gegner die Kündigung vor Erlass des vorinstanzlichen Urteils am 31. März 2015
erhalten. Entsprechend handelt es sich um ein unechtes Novum, welches im Be-
rufungsverfahren nur noch zuzulassen ist, wenn es selbst bei zumutbarer Sorgfalt
bei der Vorinstanz nicht mehr rechtzeitig hätte eingereicht und geltend gemacht
werden können. Dies trifft vorliegend nicht zu. So wies die Vorderrichterin den
Gesuchsgegner anlässlich der Verhandlung vom 9. Dezember 2014 auf entspre-
chende Frage seinerseits darauf hin, dass ihm der Weg des Abänderungsverfah-
rens offenstehe, sollte er in Zukunft – wie von ihm behauptet – tatsächlich weniger
als (damals) aktuell verdienen. Ausserdem wies sie ihn ausdrücklich darauf hin,
dass er bis zum Erlass des Urteils neue Dokumente einreichen könne (Urk. 20
S. 17). Der Gesuchsgegner legt mit keinem Wort dar, aus welchen Gründen es
ihm nicht hätte möglich sein sollen, das am 12. März 2015 erhaltene Kündigungs-
schreiben umgehend bei der Vorinstanz einzureichen. Damit aber kann diese
Tatsache im Berufungsverfahren nicht mehr vorgebracht werden und ist entspre-
chend nicht zu beachten. Weitere Einwendungen gegen den vorinstanzlichen
Entscheid bringt der Gesuchsgegner nicht vor, weshalb die Berufung abzuweisen
ist.
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4. Selbst wenn aber der Verlust der Arbeitsstelle vorliegend zu berück-
sichtigen wäre, wäre die Berufung abzuweisen: So macht der Gesuchsgegner
nicht geltend, per Mai 2015 tatsächlich keine neue Stelle gefunden zu haben bzw.
nicht mehr das von der Vorinstanz angerechnete Einkommen von Fr. 10'246.– pro
Monat zu erzielen. Daher aber bliebe es selbst dann beim vorinstanzlichen Ent-
scheid, wenn der Umstand des Stellenverlustes per 30. April 2015 vorliegend zu
berücksichtigen wäre. Der Vollständigkeit halber ist der Gesuchsgegner darauf
hinzuweisen, dass er die Abänderung des Entscheids in einem neuen Verfahren
verlangen könnte, sollte er tatsächlich kein bzw. ein wesentlich geringeres Ein-
kommen generieren als von der Vorinstanz angenommen. Hierauf wies ihn be-
reits die Vorinstanz zutreffend hin (Urk. 30 S. 15 Erw. 3.3.3). Dabei aber hätte die
Änderung wesentlich und dauerhaft zu sein; eine kurzfristige Arbeitslosigkeit oder
bloss kurzfristige Einkommensreduktion rechtfertigten keine Abänderung der Un-
terhaltsbeiträge. Sodann müsste der Grund für die Abänderung effektiv eingetre-
ten sein; die Prognose einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Leistungsfä-
higkeit würde nicht ausreichen.
5. Entsprechend erweist sich die Berufung als offensichtlich unbegründet,
weshalb auf das Einholen einer Berufungsantwort der Gegenpartei verzichtet
werden kann (Art. 312 Abs. 1 ZPO). Die Berufung ist abzuweisen.
6.1 Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
§ 12 Abs. 1 und 2 GebV OG in Verbindung mit § 5 Abs. 1 GebV OG auf
Fr. 1'200.– festzusetzen. Die Kosten des Berufungsverfahren sind ausgangsge-
mäss dem unterliegenden Gesuchsgegner aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
6.2 Der Gesuchstellerin ist mangels relevanter Umtriebe im Berufungsver-
fahren keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 95 Abs. 3 ZPO).