Decision ID: 0a668e9d-75e2-4b8d-8995-8151ffa3d0df
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1954 geborene
X._
war vom 12. Juli 2007 bis zum 30. Juni 2009 bei der
Y._
als Betriebsangestellte tätig, wobei der letzte effektive Arbeitstag der 6. August 2008 war (Urk. 7/14). Am 6. Juli 2009 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
Rückenbe
schwerden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge Auszüge aus dem Individuellen Konto der Versicherten (Urk. 7/1-2, Urk. 7/13), einen Arbeitgeberbericht (Urk. 7/14) und diverse Arztberichte (Urk. 7/15, Urk. 7/16 und Urk. 7/18) ein. Am 3. März 2010 wurde die Versicherte vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) untersucht (Urk. 7/22). Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 3. November 2010 eine befristete ganze Rente ab 1. Januar bis 31. Mai 2010 und eine
Viertelsrente
ab 1. Juni 2010 zu (Urk. 7/42). Die dagegen erho
bene Beschwerde der Versicherten wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 29. Februar 2012 in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung betreffend Gewährung einer
Viertelsrente
mit Wirkung ab 1. Juni 2010 aufge
hoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese nach erfolgter Abklärung über den Leistungsanspruch der Versicherten neu verfüge (Urk. 7/55).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge weitere medizinische Berichte ein (Urk. 7/64-67) und veranlasste am 11. Januar 2013 eine medizinische Abklärung (Urk. 7/70). Vom
8.
bis 9. April 2013 wurde bei der
Z._
eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt (Urk. 7/71). Am 7. Mai 2013 erstatteten
Dr.
med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
med.
B._
, Innere Medizin FMH, ein
bidis
ziplinäres
Gutachten (Urk. 7/73-76). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 14. März 2014 eine
Viertelsrente
ab 1. Juni 2010 zu und hob diese auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats wieder auf (Urk. 7/94 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 7. April 2014 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr ab
1.
Juni 2010 eine ganze Rente zuzusprechen; eventualiter sei ihr eine
Teil
rente
im Umfang von mindestens 50 % auszurichten und es seien die notwendi
gen Eingliederungsmassnahmen anzuordnen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 19. Mai 2014 angezeigt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Ein
schränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Auf
bietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hin
weisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen
kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, gemäss inter
nistisch-rheumatologischem Gutachten vom 7. Mai 2013 sei die Beschwerde
führerin in einer angepassten Tätigkeit nie langfristig arbeitsunfähig gewesen. Zum Zeitpunkt der Begutachtung
habe
eine Arbeitsfähigkeit von 100 % für eine angepasste Tätigkeit
bestanden
. Da der Invaliditätsgrad bei einem
Validenein
kommen
von Fr. 72‘310.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 54‘325.-- 25 % betrage, bestehe kein Rentenanspruch mehr (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte dagegen im Wesentlichen geltend, gemäss
dem psychiatrischen
Gutachten von
Dr.
A._
vom 22. April 2013 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Die Beschwerdegegnerin habe sich darüber hinweg
gesetzt. Der Gutachter habe die Abgrenzung der mittelgradigen depressiven Episode zur schweren Episode vorgenommen und ausdrücklich festgehalten, dass keine leichte Episode vorliege. An keiner Stelle im Gutachten sei die Rede davon, dass es sich bei den psychischen Beschwerden nur um ein vorüberge
hendes Leiden handle. Es werde mehrmals auf den kontinuierlichen Verlauf hingewiesen (Urk. 1).
3.
3.1
Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts bis zum Zeitpunkt der Begutach
tung kann auf die entsprechenden Erwägungen im Urteil des hiesigen Gerichts vom 29. Februar 2012 (Urk. 7/55 E. 2) verwiesen werden.
3.2
Im Bericht betreffend Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) vom 3. März 2013 wurde ausgeführt,
d
ie
Beschwerdeführerin habe
sich bei 17 der 31 Test
s unter
Angabe von Schmerzen selbst
limitiert
, bevor eine funktionelle
Leistungslimite
habe beobachtet werden können. Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die Beurteilung der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Das Ausmass der demonstrierten physi
schen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden aus somatischer Sicht nur zum Teil erklären. Es sei davon auszuge
hen, dass bei gutem
Effort
eine bessere Leistung erbracht werden könne, als bei den Leistungstests gezeigt worden sei. Die beobachtete Belastbarkeit entspreche im Wesentlichen einer leichten Tätigkeit (Hantieren von Lasten selten bis max. 10 kg). Hinsichtlich der Zumutbarkeit sei aus somatischer Sicht aufgrund der festgestellten Symptomausweitung von einer höheren Belastbarkeit auszugehen (Urk. 7/71).
3.3
Dr.
A._
führte im psychiatrischen Gutachten vom 22. April 2013 aus,
m
it ihren subjektiven Angaben erfülle die Beschwerdeführerin sämtliche
Kardinal
kriterien
gemäss ICD10 für eine depressive Störung. Es stelle sich die Frage, ob diese Störung schwer oder mittelgradig sei. Eine leichte depressive Störung könne ohnehin ausgeschlossen werden, zumal die Beschwerdeführerin über einen Schweregrad und eine Kontinuität dieser Symptome berichte, die das Ausmass einer leichten depressiven Episode deutlich überschritten. Folge man einzig den subjektiven Angaben, so könne man eine schwere depressive Episode vermuten. Allerdings habe die Explorandin im objektiven Psychostatus nie
schwergradig
depressiv niedergestimmt imponiert. Sie habe immer wieder affektiv mitschwingen können und keine erhebliche Affektverarmung gezeigt. Sie habe mehrere affektlabile Einbrüche gezeigt, habe dann aber immer wieder etwas aufhellen können. Zu keinem Zeitpunkt habe sie als
schwergradig
depressiv imponiert. Sprachmotorisch hätten sich keinerlei Einbussen der innerpsychischen Vitalität gezeigt. In ihrer Psychomotorik habe sie nicht ver
langsamt gewirkt, auch nicht in ihrem Denktempo. Auch ihre kognitiven Res
sourcen seien im klinischen Eindruck nicht defizitär gewesen. Somit zeige der objektive Psychostatus zwar mehrere pathologisch ausgelenkte Befunde, diese Befunde seien aber nie über ein mittelgradiges Ausmass pathologisch verändert gewesen, auch jene nicht, die aus objektiver Sicht sehr gut die innerpsychische Vitalität abzubilden vermöchten, so das äussere Erscheinungsbild, die Psycho- und Sprachmotorik, die Mimik und Gestik, das Denktempo, die kognitiven Leistungen, die Affektverarmung sowie die affektive Schwingungsfähigkeit. Es bestehe eine kleine Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin und den objektiven Untersuchungsbefunden, was aber nicht auf eine Verdeutlichungstendenz zurückzuführen sei. Vielmehr habe dies damit zu tun, dass
der
Alltag der Beschwerdeführerin inhaltslos geworden sei. Sie habe sehr viel Zeit, um sich mit ihrer schwierigen und von vielen Entwertungen und Traumatisierungen geprägten Anamnese zu beschäftigen, und sie habe kaum Möglichkeiten, sich mit auch positiveren Aspekten des Lebens auseinan
derzusetzen. Insofern erlebe sie am häufigsten eine ausgeprägte depressive Grundstimmung. Aus objektiver Sicht beziehungsweise in der aktuellen klini
schen Untersuchung
könne
aber eine schwere depressive Symptomatik nicht
bestätigt werden. Und auch bei Würdigung der Tagesaktivitäten der Beschwer
deführerin könne festgestellt werden, dass sie nicht gänzlich inaktiv sei und einzelnen Tätigkeiten nachgehen könne, was nicht möglich wäre, wenn eine schwere depressive Störung vorliegen würde.
Nachvollziehbar sei die depressive Entwicklung vor dem Hintergrund der schwieri
gen langjährigen Anamnese. Die Beschwerdeführerin blicke auf schwierige Startbedingungen in ihrer Ursprungsfamilie
zurück, auf eine lang
jährige
von Gewalt geprägte Ehe zu einem schizophrenen Mann, mit dem sie zwangsverheiratet worden sei, und vor zwei Jahren sei dann unerwartet ihr Sohn verstorben. Unterdessen habe sie auch ihre Arbeitsfähigkeit zumindest teilweise verloren und habe seit nunmehr viereinhalb Jahren keine ausserhäus
liche Arbeit mehr ausgeübt. In der Untersuchung sei der Eindruck entstanden, dass die Beschwerdeführerin eine Person sei, die stets engagiert und motiviert ihrer Arbeit nachgegangen sei und für die die Arbeit immer einen sehr hohen Stellenwert gehabt habe. Umso schwieriger sei es für sie nun, die neue Situation adäquat zu verarbeiten, was die depressive Fehlentwicklung zu erklären ver
möge.
Es liege noch eine Panikstörung vor, allerdings in deutlich verbessertem Aus
mass. Gemäss eigenen Angaben erlebe die Beschwerdeführerin noch einmal pro Monat eine Panikattacke. Vor mehreren Jahren scheine die Frequenz noch deutlich höher gewesen zu sein. Im Zusammenhang mit der
höherfrequenten
Panikstörung habe eine Zeit lang eine
Benzodiazepinabhängigkeit
bestanden, die heute aber nicht mehr diagnostiziert werden könne. Die Panikstörung habe mit einer Frequenz von einer Panikattacke pro Monat keinen Einfluss mehr auf die Arbeitsfähigkeit.
Gemäss den versicherungsmedizinischen Richtlinien der Swiss Insurance
Medi
cine
(SIM) könnten bei Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Episode qua
litative Funktionseinbussen in der Höhe von 50 % attestiert werden. Dabei seien eine erhöhte Ermüdbarkeit, eine Antriebsminderung und eine allgemein redu
zierte psychische Belastbarkeit berücksichtigt. Sowohl in der angestammten wie auch in einer Verweistätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht somit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/73/7 ff.).
3.4
Dr.
B._
führte im internistisch-rheumatologischen Gutachten vom 7. Mai 2013 aus, in der aktuellen klinischen Untersuchung seien eine deutlich einge
schränkte Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule in alle Richtungen sowie beid
seits pfeifende Atmungsgeräusche bei bekannter chronisch obstruktiver Lungenkrankheit bei Nikotin-Abusus die wesentlichsten Befunde. Die Beweg
lichkeit der Halswirbelsäule normalisiere sich unter Ablenkung. Die
Brustwir
belsäule
sei normal beweglich.
Radikuläre
Zeichen seien nicht vorhanden. Die Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung spontan den
Langsitz
auf der Liege eingenommen, was eine relevante lumbale neurale Kompression
aus
schliesse
. Alle
grossen
peripheren Gelenke seien normal beweglich.
Gelenkser
güsse
,
Synovitiden
, überwärmte Gelenke oder
Tophi
seien nicht vorhanden, ebenso wenig eine akute
Kristallarthropathie
. Die
palpatorische
Beurteilung des Spannungszustands der Muskulatur sei wegen des darüber liegenden Fettgewe
bes bei Übergewicht deutlich erschwert. Die Bioimpedanz-Analyse zeige trotz des Übergewichts eine erfreulich
grosse
Muskelmasse. Eine langandauernde körperliche Schonung habe offensichtlich nicht stattgefunden. In der
Dolo
rimetrie
seien alle 18 Tender Points sowie sechs der acht Kontrollpunkte
patho
logisch
. Dies entspreche einem pathologischen
Dolorimetrie
-Befund im Sinne einer Schmerzausweitung. Bei der Evaluation der funktionellen Leistungsfähig
keit (04/2013) habe sich die Beschwerdeführerin bei 17 der 31 Tests selbst limi
tiert, bevor eine funktionelle
Leistungslimite
habe beobachtet werden können. Die MR-Untersuchung der Lendenwirbelsäule (05/2013) zeige eine deutlich
kyphotische
Fehlhaltung der Lendenwirbelsäule von 14° in den Segmenten L3 bis S
1.
Ausserdem
sei eine schwere
Foramenstenose
L5/S1 links mit leichter Kompression der Nervenwurzel L5 links erkennbar. Da dieser bildgebende Befund links liege, die Explorandin jedoch über rechtsbetonte Beschwerden klage, sei unklar, ob dieser Befund eine klinische Relevanz habe. Schmerzmittel brauche die Beschwerdeführerin keine. Muskelschmerzen könnten ein Symptom eines Vitamin-D-Mangels sein. Die vorhandenen Befunde erklärten die Beschwerden der Beschwerdeführerin nicht vollständig.
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt die Gutachterin fest, die Beschwerdeführe
rin sei durch die eingeschränkte Funktion der
Lendenwirbel
säule
limitiert. Rückenfunktionseinschränkungen könnten sich je nach Art und Ausmass unterschiedlich auf die Fähigkeit auswirken, häufig Lasten ohne Hilfsmittel zu heben und zu tragen. Ebenso seien unerwartete, asymmetrische Lasteinwirkungen auszuschliessen. Eher günstig seien wechselbelastende Tätig
keiten. Aufgrund der Resultate der Evaluation der funktionellen Leistungsfähig
keit könne die Beschwerdeführerin Lasten bis zu 12.5 kg heben oder tragen. Es sei denkbar, dass ein Teilbereich der angestammten Tätigkeit bei der
Y._
nicht adaptiert sei. Diesen Teilbereich könne sie nicht mehr ausüben. Als
Servicean
gestellte
, Büffetangestellte, Küchen- oder Druckereimitarbeiterin bzw.
Betriebs
mitarbeiterin
in einer Schokoladenfabrik könne sie uneingeschränkt arbeiten, sofern sie dabei keine Lasten über 12.5 kg hantieren müsse.
Sie sei in der Lage, eine adaptierte Tätigkeit zu 100 % beziehungsweise ganztags auszuüben.
In einer adaptierten Tätigkeit sei sie nie langfristig arbeitsunfähig gewesen. Nicht
adaptierte Tätigkeiten könne sie seit September 2008 nicht mehr ausüben (Urk. 7/75/58 ff.).
3.5
In der
bidisziplinären
Zusammenfassung des Gutachtens vom 7. Mai 2013 wur
den folgende Diagnosen genannt:
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD
10 F33.1)
lumbospondylogenes
Syndrom rechts mehr als links bei
Status nach
Spondylodese
L3 bis L5 und
foraminaler
Dekompression L3/L4 rechts am 17.6.2009 wegen intermittierender Reizung L4 rechts bei rechtsbetonter
Protrusion
L3/L4 rechts mit möglicher Tangierung der Nervenwurzel L4 rechts;
postoperativ kein Nachweis einer Spinalkanalstenose und guter Sitz der Implantate bei deutlicher
kyphotischer
Fehlhaltung der LWS (14°), teil
weise durch die
Spondylodese
vorgegeben und schwere
Foramenstenose
L5/S1 links mit leichter Kompression der Nervenwurzel L5 links (MRI 05/2013)
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, aus
bidisziplinärer
Sicht könne die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit seit August 2008 zu 50 % arbeiten (Urk. 7/76).
3.6
Der RAD-Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, kam in seiner Stellungnahme zum Schluss, dass das umfangreiche Gutachten unter vollständiger Würdigung der vorhandenen medi
zinischen Akten nach ausführlicher Anamneseerhebung, genauem Eingehen auf die geschilderten Beschwerden und umfassender Untersuchung erstellt worden sei. Die Gutachter seien nach ausführlicher fachspezifischer Diskussion in einer interdisziplinären Zusammenfassung zu plausiblen Diagnosen und nachvoll
ziehbaren Schlussfolgerungen hinsichtlich der bestehenden Leistungsfähigkeit gekommen. Auf das Gutachten sei daher abzustellen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit seit August 2008 eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, während aus rheumatologischer Sicht für eine adaptierte rückenschonende Tätigkeit mit Hantieren von Lasten nicht über 12.5 kg eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe.
Bidisziplinär
sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % seit August 2008 sowohl für die bisherige als auch für eine angepasste Tätigkeit auszugehen (Urk. 7/78).
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen und wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben. Es würdigt die vorhandenen Arztberichte so
rgfältig, berücksichtigt die von
der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend auseinander. Die Darlegung der medizinischen
Zusammen
hänge ist einleuchtend
und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist nachvollzieh
bar
. Es kann somit ohne weiteres darauf abgestellt werden.
4.2
Aus dem Gutachten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin aus rheumatologi
scher Sicht zu 100 % arbeitsfähig ist, was auch von keiner Seite beanstandet wird.
In psychiatrischer Hinsicht wird im Gutachten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode (ICD-10 F33.1) genannt (Urk. 7/73/7 und Urk. 7/76) und
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Die Beschwerdegegnerin hält in ihrer inter
nen Stellungnahme vom 14. August 2013 sowie im Feststellungsblatt für den Beschluss vom 6. Januar 2014 fest, im psychiatrischen Gutachten werde als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode (ICD 10 F32.1) genannt. Dabei handle es sich definitionsgemäss um ein vorübergehendes Leiden, da solche Episoden im Mittel etwa sechs Monate, selten länger als ein Jahr dauerten und länger dauernde Störungen unter F33 oder F34 zu subsumieren seien (Urk. 7/78 und Urk. 7/80). Diese Ausführungen der Beschwerdegegnerin sind
im vorliegend zu beurteilenden Fall nicht einschlägig
, zumal der Gutachter eben gerade eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episod
e (ICD-10 F33.1) diagnostiziert hat
und damit nicht von einem vorübergehenden Leiden auszugehen ist. Die Auffassung der Beschwerdegegnerin widerspricht im Übri
gen auch der Beurteilung des RAD-Arztes
Dr.
C._
, welcher die Einsch
ätzung des Gutachters bestätigt hat
(Urk. 7/78)
. Es sind keine medizinischen Berichte ersichtlich, die die Beurteilung des Gutachters in
Frage zu stellen
vermöchten. Mit der Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit hat sich die
Beschwerdegeg
nerin
somit zu Unrecht über das
beweiskräftige
Gutachten hinweggesetzt.
4.3
Nach dem Gesagten ist gestützt auf das Gutachten mit dem
im
Sozialversiche
rungsrecht
massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin aus
bidisziplinärer
Sicht in einer adaptier
ten rückenschonenden Tätigkeit mit Hantieren von Lasten bis zu 12.5 kg zu 50 % arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invaliden
einkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Für
die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40
Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.
6.1
Bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
ist grundsätzlich vom
Erwerbsein
kommen
auszugehen,
das
die Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Arbeits
unfähigkeit erzielte. Die Beschwerdeführerin verdiente an ihrer l
etzten Arbeits
stelle im Jahr
2009
Fr. 5‘340.-- pro Monat
, was einem Jahreseinkommen von Fr.
69‘420.
--
entspricht
(Urk. 7/14)
. Unter Berück
sichtigung der Entwicklung des Nominallohnindexes der Saläre für weibliche Arbeitskräf
te von
2552
Punkten im Jahr 2009
auf
2579
Punkte im J
ahr 201
0
(Die Volkswirtschaft
8-2014 S. 93
Tabelle B10.3) resultiert für ein 100%
Pens
um ein Bruttoeinkommen von Fr. 70‘154.--.
6.2
Zur Berechnung des Invalideneinkommens ist die Tabelle TA1 (Total,
Anforde
rungsniveau
4) der LSE 2010 heranzuziehen und von einem
Einkommen von Fr. 4‘225.-- pro Monat beziehungsweise
Fr.
50‘700
.-- pro Jahr auszugehe
n. Angepasst an die im Jahr 2010
betriebsübliche durchschnittliche w
öchentliche Arbeitszeit von 41.6
Stunden (D
ie Volks
wirtschaft
8-2014
S.
92
Tabelle B9.2) ergibt dies Fr. 52‘728
.--.
Da der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätigkeit bloss in einem Pensum von 50 % zumutbar ist, bet
rägt das
Invalideneinkom
men
Fr
.
26‘364
.--.
6.3
Der Vergleich
des
Valideneinkommens
von Fr. 70‘154
.-- mit
dem
Invalidenein
kommen
von Fr.
26‘364
.-- ergibt e
ine Einkommenseinbusse von Fr. 43‘790
.--, was einem
Invaliditätsgrad von gerundet 62
% entspricht. Die Beschwerde
führerin hat somit
ab 1.
Juni 2010
Anspruch auf eine
Dreiviertelsr
ente
.
Anzu
merken bleibt, dass die Beschwerdeführerin jederzeit
bei der
Beschwerdegegne
rin
ein Gesuch um
berufliche
Massnahmen (
Arbeitsvermittlung
, Berufsberatung)
stellen kann
.
7.
7.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
7.2
Die vertretene Beschwerdeführerin hat sodann gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
Anspruch auf eine
Parteientschä
digung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses auf Fr.
1‘600
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und
Bar
auslagen
) festzusetzen.