Decision ID: 3ebaadbf-b65b-43ef-ab6c-7cd6235e89b0
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1968 geborene
X._
ist gelernte Lebensmittelverkäuferin mit Zusatzausbildung mit Diplomabschluss Gastronomie (
Urk.
12/5/1, Urk. 12/8/5) und Mutter eines 1990 sowie eines 1992 geborenen Sohnes (
Urk.
12/13/2). Nach
dem sie zuletzt von Mitte April bis Ende August 2010 mit einem Pensum von 50
%
im Schwimmbad-Restaurant
Y._
angestellt gewesen war (Urk. 12/2,
Urk.
12/3/1), meldete sie sich am 3
0.
September 2011 bei der Eidge
nössischen Invalidenversicherung zur Früherfassung an (Urk. 12/3). Am 21. November 2011 folgte die Anmeldung zum Leistungsbezug unter Hinweis auf ein seit 2009 beste
hendes chronisches
zervikothorakales
Schmerzsyndrom (Urk. 12/8/5). Die
Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte erwerbliche sowie medi
zinische Abklärungen und wies das Leistungs
begehren der Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
mit Ver
fügung vom 1
5.
Mai 2012 ab (Urk. 12/20). Diese Verfügung erwuchs unange
fochten in Rechtskraft.
1.2
Nachdem sie vom
1.
November 2016 bis am
4.
Juni 2017 (letzter effektiver Arbeits
tag) während 36 Stunden pro Woche als Verkäuferin für die
Z._
AG gearbeitet hatte (
Urk.
12/48/1-2), meldete sich
X._
am 1
3.
September 2017 erneut
bei der IV-Stelle
zum Leistungsbezug an (Urk. 12/22). Dabei gab sie als gesundheitliche Beeinträchtigung starke Schmerzen im Hals
wirbel und Ausstrahlungen in Arme und Rücken an (Urk. 12/22/6). Die IV-Stelle nahm daraufhin medizinische Berichte zu den Akten (
Urk.
12/29,
Urk.
12/35), zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 12/23-24, Urk. 12/39) und teilte der Versicherten nach einem Telefongespräch mit ihr (Urk. 12/42) am
4.
April 2018 mit, Eingliederungsmassnahmen seien zurzeit nicht möglich (Urk. 12/43). Dagegen opponierte die Versicherte am 1
2.
April 2018 (
Urk.
12/44), ergänzt am 1
5.
August 2018 (
Urk.
12/54). Im weiteren Verlauf holte die IV-Stelle
den Arbeitgeberfragebogen der
Z._
AG vom 2
8.
Mai 2018 (Urk. 12/48) sowie weitere Angaben der Versicherten ein (Urk. 12/51). Zudem wurden ein weiterer Arztbericht (Urk. 12/53) sowie Berufsunterlagen (
Urk.
12/58) zu den Akten genommen und die IV-Stelle liess einen Auszug aus dem indivi
duellen Konto der Versicherten erstellen (IK-Auszug, Urk. 12/57). Mit Mitteilung vom 4. Dezember 2018 gewährte sie der Versicherten für die Zeit vom 2
7.
November 2018 bis zum 2
6.
April 2019 Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche in Form von Arbeitsvermittlung Plus (Urk. 12/60). Diese wurde mit Mitteilung vom 2
6.
März 2019 bis zum 2
4.
September 2020 verlängert (Urk. 12/69). Mit Verfügung vom
5.
April 2019 wurden ihr sodann für die Dauer des Arbeitsversuchs vom 2
5.
März
bis 2
4.
September 2019 Taggelder zugespro
chen (Urk. 12/71). Mit Mitteilung vom 1
2.
Februar 2020 wurde die Arbeitsver
mittlung abgeschlossen (Urk. 12/76).
Die IV-Stelle nahm laufend weitere medizinische Berichte zu den Akten (Urk. 12/64-65, 12/78, 12/80-81, 12/85-86, 12/88) und legte das Dossier dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vor, für welchen med.
pract
.
A._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, am 1
3.
Juli 2020 abschliessend Stellung nahm (Urk. 12/90/8-9). Nach Durchführung eines Einkommensvergleichs (Urk. 12/89) stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom
7.
August 2020 die Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 12/91). Dagegen erhob die Versicherte am
9.
September 2020 Einwand (Urk. 12/94). Am 1
2.
Oktober 2020 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 12/99 =
Urk.
2).
2.
Gegen die rentenabweisende Verfügung vom 1
2.
Oktober 2020 erhob die Versi
cherte am 1
1.
November 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Ver
fügung sei aufzuheben und es sei ihr spätestens ab dem
1.
Juni 2018 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei ein neutrales, umfassendes, polydis
ziplinäres Gutachten unter Berücksichtigung der Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 anzuordnen (
Urk.
1 S. 2). Mit Eingabe vom 1
8.
Dezember 2020 (
Urk.
7) reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren Arztbericht ein (
Urk.
8). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
3.
Februar 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11). Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Gerichts
verfügung vom
8.
Februar 2021 mitgeteilt (
Urk.
13), woraufhin diese mit Schreiben vom 2
9.
März 2021 (
Urk.
14) erneut einen medizinischen Bericht zu den Akten reichte (
Urk.
15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 2
7.
April 2021 auf das Einreichen einer Stellungnahme dazu (
Urk.
17), was der Beschwer
deführerin am
3.
Mai 2021 mitgeteilt wurde (
Urk.
18).
Auf die Ausführungen der Parteien und die
eingereicht
en Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Ver
ordnung
über die Invalidenversicherung;
IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswir
kungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl mass
geblichen (hypothetischen) Sachverhalts beste
hen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V
343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unter
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachver
halts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hin
wei
sen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einord
nung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbes
serten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundes
gerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung vom 12. Oktober 2020 auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin wäre im Gesund
heitsfall
–
wie bei der Erstanmeldung angegeben
–
zu 80
%
als Verkäuferin arbeitstätig und bei den restlichen 20
%
handle es sich um Freizeit. Gemäss ihren Abklärungen sei die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig, jedoch weise sie für eine leidensangepasste Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
auf, wobei die Leistungseinschränkung von 20
%
aus einem erhöhten Pausenbedarf resultiere. Die Beschwerdeführerin weise primär soma
tische Beschwerden auf und depressive Störungen seien nicht langandauernd, weshalb keine
Indikatorenprüfung
vorzunehmen sei. Die Beschwerdegegnerin ermit
telte einen Invaliditätsgrad von 7
%
und verneinte folglich einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin legte in ihrer Beschwerde vom 1
1.
November 2020 ihre gesundheitliche Situation dar (
Urk.
1 S. 4 ff.) und wies zusammengefasst darauf hin, dass sich sowohl aus den Berichten der behandelnden Ärzte als auch aus der
Analyse der Spezialisten der Eingliederungsberatung eine
geringe
re Arbeitsfähig
keit in angepasster Tätigkeit ergebe, als die Beschwerdegegnerin sie angenommen habe (
Urk.
1 S. 5 und S. 8 ff.). Aus dem Abschluss der Arbeitsvermittlung müsse geschlossen werden, dass sie auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar sei (
Urk.
1 S. 12 oben). Ferner machte sie geltend, ihr Gesundheits
zustand habe sich zwischenzeitlich weiter verschlechtert (
Urk.
1 S. 12 und S. 14), sodass keine Vermittelbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr bestehe (
Urk.
1
S. 16-17). Zudem sei die Therapierbarkeit einer psychischen Krankheit an sich kein Ausschlussgrund für die Entstehung eines Rentenanspruchs (Urk. 1 S. 15), wobei sie sich aktuell in Therapie befinde (
Urk.
1 S. 13), und es treffe nicht zu, dass eine depressive Störung per se nicht invalidisierend sein könne (Urk. 1 S. 14). Im Eventualstandpunkt postulierte die Beschwerdeführerin daher, die Beschwer
degegnerin habe den massgebenden medizinischen Sachverhalt unter Verletzung der Untersuchungsmaxime gemäss
Art.
43 ATSG ungenügend abgeklärt (
Urk.
1 S. 17-18). Namentlich sei das psychische Leiden nicht abgeklärt worden (
Urk.
1 S. 15) und sie sei nie polydisziplinär begutachtet worden (
Urk.
1 S. 17).
In ihrer Eingabe vom 2
9.
März 2021 postulierte sie zudem, ihre COPD habe sich vom Gold Stadium 2 auf Stadium 3 erhöht, was nachweislich eine massgebliche Verschlechterung ihres Lungenleidens darstelle (
Urk.
14 S. 2).
3.
3.1
Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditäts
grad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich durch die Gegenüber
stellung des Sachverhaltes im Zeitpunkt der strittigen Verfügung mit demjenigen, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung bestanden hatte (BGE 130 V 71 E. 3.1). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchs
erheblichen Änderung bildet folglich die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruches mit rechtskonformer Sach
verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleiches beruht (BGE 134 V 131 E. 3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E. 3.2).
Mit Verfügung vom 1
5.
Mai 2012 (Urk. 12/20) verneinte die IV-Stelle nach materieller Prüfung des Sachverhaltes (vgl. Urk. 12/15,
Urk.
12/17/2-3)
ein
en Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung. Zu prüfen ist folglich, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Erlass dieser Verfügung bis zum Erlass der nun angefochtenen Verfügung vom 12. Oktober 2020 in rentenanspruchsrelevanter Weise verschlechtert hat.
3.2
3.2.1
Die Verfügung vom 1
5.
Mai 2012 basierte im Wesentlichen auf der RAD-Stellungnahme von med.
pract
.
A._
vom
9.
Februar 2012 sowie auf den dieser zugrundeliegenden, von der IV-Stelle eingeholten Arztberichten (vgl. Urk. 12/17/2-3).
3.2.2
Dem Bericht von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Radiologie und Oberarzt an
der Universitätsklinik
C._
, vom 1
9.
April 2011 ist zu entnehmen, die gleichentags erfolgten Untersuchungen hätten eine altersentsprechend unauffäl
lige Halswirbelsäule (HWS), ein erhaltenes Alignement der Wirbelkörper, leichte degenerative Veränderungen in den Facettengelenken der unteren HWS, jedoch keine wesentlichen
Unkarthrosen
gezeigt. Ferner keine
Pleuraergüsse
, indes ein
zelne unspezifische Granulome bilateral
perihilär
betont. Die Pleura (Brustfell) apikal rechts habe unregelmässig und verdickt imponiert (Urk. 12/15/13).
Am
4.
Januar 2012 berichtete
Dr.
B._
über die CT-Untersuchung von BWK1 bis und mit LWK4 und gelangte zur Beurteilung, es sei keine
ossäre
Läsion nach
weisbar. Es lägen indes
–
nebst einer unauffälligen
Osteopenie
–
Pleuraschwielen
apikal bilateral mit angrenzenden Narbensträngen und
Bullae
bilateral sowie ein
zelne
pleurale
knotige Veränderungen vor. Die Ätiologie dieser Veränderungen sei computertomographisch nicht weiter differenzierbar (Urk. 12/15/17-18).
3.2.3
Der Hausarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, nannte in seinem Bericht vom 1
0.
Januar 2012 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
zervikothorakales
Schmerzsyndrom seit 2009 (
Urk.
12/15/6). Er gab an, die Beschwerdeführerin sei seit dem
1.
November 2011 bis auf Weiteres vollumfänglich arbeitsunfähig. Denn schmerzbedingte und durch
psycho-physische
Erschöpfung verursachte Einschränkungen führten zur voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit (Urk. 12/15/7). Für angepasste Tätigkeiten weise sie eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
auf. Konzentrations- und Auffassungsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit seien infolge
Schmerzexazerbationen
ein
geschränkt (Urk. 12/15/9).
3.2.4
RAD-Arzt med.
pract
.
A._
gelangte in seiner Stellungnahme vom 9. Februar 2012 zum Schluss, die vorliegende Diagnose gehöre zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare orga
nische Grundlage.
Den
vorliegenden Akten seien keine objektivierbaren anato
mischen Befunde zu entnehmen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen könnten - namentlich sei die Hals
wirbelsäule altersentsprechend unauffällig. Auch lägen keine Anhaltspunkte für eine psychische Komorbidität oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen vor. Medizinisch-theoretisch könne aus versicherungsmedizinischer Sicht für den erlernten Beruf als Verkäuferin unter Berücksichtigung der
Gewichtslimite
von 20 Kilogramm für Heben und Tragen von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus
gegangen werden (Urk. 12/17/2-3).
3.2.5
Gestützt auf die RAD-Stellungnahme respektive mangels objektivierbarer Befunde, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeits
unfähigkeit zu begründen vermöchten, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
5.
Mai 2012
ein
en Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invaliden
rente (Urk. 12/20).
3.3
3.3.1
Anlässlich der
am 2
2.
September 2017 bei der IV-Stelle eingegangenen
Neuan
meldung (Urk. 12/22) nahm die IV-Stelle abermals medizinische Berichte zu den Akten.
3.3.2
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie, führte in ihrem Bericht vom 2
1.
September 2015 aus, akute Schmerzphasen im
Thorax
bereich
, bei welchen die Beschwerdeführerin den linken Arm kaum mehr bewegen könne, seien in letzter Zeit immer häufiger aufgetreten (Urk. 12/29/19). In ihrer Beurteilung hielt sie fest, sie könne nicht ausschliessen, dass die
pleuralen
Lungen
befunde am Schmerzgeschehen mitbeteiligt seien. Im Vordergrund stün
den aber als Schmerzgenerator die degenerativen Veränderungen der Brustwir
belsäule und
costotransversal
/-vertebral, wozu die Bewegungsabhängigkeit und -aus
lösung sowie das Ansprechen auf Wärme und n
icht-
steroidale
Entzündungs
hemmer
(
NSAR) gut passe (Urk. 12/29/18).
3.3.3
Dem Bericht des Spitals
F._
vom 2
1.
Juli 2016 über die Computertomographie des Thorax vom Vortag lässt sich entnehmen, eine Fraktur des BWK6 - wie sie zuvor von einem anderen Arzt vermutet worden war (vgl.
Urk.
12/29/15) - nach einem Sturz vom 2
5.
Juni 2016 habe ausgeschlossen werden können. Im Wei
teren finde sich eine regelrechte Darstellung des Achsenskeletts bei insgesamt deut
licher
Osteopenie
, am ehesten im Rahmen einer Osteoporose. Der in der Vorun
tersuchung vom 2
4.
März 2015 (vgl. Urk. 12/29/7) beschriebene
Rundherd
im schrägen
Interlobium
links sei grössenstationär. Es hätten sich eine erhebliche Destruktion des Lungenparenchyms mit
zentrilobulärem
und
paraseptalem
Emphy
sem sowie
peribronchiale
Vernarbungen gezeigt (Urk. 12/29/4).
3.3.4
Der seit September 2016 behandelnde Hausarzt
Dr.
med. univ. (A)
G._
nannte in seinem Bericht vom 1
9.
Juli 2017 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit degenerative Veränderungen der gesamten Wirbelsäule, beson
ders der HWS mit Tangierung der Nervenwurzeln C2-C5, sowie ein
e
COPD II (Urk. 12/23/1). Er attestierte der Beschwerdeführerin eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit, hielt indes eine angepasste Tätigkeit für zumutbar (Urk. 12/23/2).
3.3.5
Laut dem Operationsbericht der Universitätsklinik
C._
vom 2
8.
August 2017 wurden gleichentags eine mikrochirurgische ventrale Diskektomie und Fusion C4/5 durchgeführt. Dies weil die
Beschwerdeführerin
unter einer ausgeprägten
Zervikobrachialgie
linksseitig litt, wobei sich in der Bildgebung eine
Foraminal
stenose
auf der Höhe C4/5 links gezeigt hatte (Urk. 12/29/43). Für die Zeit von der Operation bis zum 3
0.
September 2017 wurde der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 12/29/51,
Urk.
12/29/46).
Im Austrittsbericht vom
1.
September 2017 gaben die Ärzte der Universitätsklinik
C._
an, der postoperative Verlauf sei komplikationslos gewesen und es habe
sich eine rasche Besserung der präoperativen Symptomatik gezeigt (Urk. 12/29/45). Am
4.
Oktober 2017 führten sie aus, die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Nachkontrolle vom 2
9.
September 2017 angegeben, keine Nackenschmerzen mehr zu haben, jedoch unveränderte Schmerzen im linken Arm bis zum Unterarm (Urk. 12/29/39). Diese könnten nicht klar auf eine C5-Symp
tomatik zurückgeführt werden (Urk. 12/29/40).
3.3.6
Dr.
G._
verwies in seinem Bericht vom 1
6.
März 2018 auf die durch die Ärzte der Universitätsklinik
C._
erhobenen Befunde und gab an, der Beschwerde
führerin sei keine Tätigkeit mehr zumutbar (Urk. 12/35/3-4). Am 1
5.
August 2018 führte er aus, bei der Beschwerdeführerin liege aufgrund gravierender Probleme von Seiten des Bewegungsapparates eine lange Arbeitsunfähigkeit vor. Degene
rative Veränderungen im Bereich der HWS mit Einengungen der Nervenwurzeln C3/4/5 links mit sehr schmerzhaften Brachialgien hätten eine Diskektomie not
wendig gemacht. Zusätzlich habe sich eine
Frozen
Shoulder
links entwickelt, welche jetzt eher für die Arbeitsunfähigkeit verantwortlich sei und in der Univer
sitätsklinik
C._
behandelt werde. Diese Therapie werde hoffentlich Anfang Oktober soweit Besserung gebracht haben, dass die motivierte Beschwerdefüh
rerin einen im Rahmen der medizinischen Wiedereingliederung zu findenden Arbeits
platz mit einer Arbeitsleistung von zumindest 50
%
erfüllen könne. Nicht möglich seien Tätigkeiten mit Heben von Lasten über fünf Kilogramm sowie solche, welche das Anheben der Arme über die Horizontale erforderten (Urk. 12/53).
In seinem Bericht vom
4.
März 2019 gab er an, die Beschwerdeführerin sei im August 2018 zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen. Leider sei im September 2018 infolge einer Lungenembolie links eine deutliche Zustandsverschlechterung ein
getreten mit Synkope und Schmerz auf der rechten
Thoraxseite
. Auch die vorbe
stehenden Schäden im Bereich der HWS sowie der linken Schulter hätten sich wieder verschlechtert. Sie könne sich nicht schmerzfrei bewegen und sei weiter
hin zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 12/64).
3.3.7
Dem Bericht des Spitals
F._
vom 1
3.
November 2018 ist zu entnehmen, die
Beschwerdeführerin habe sich wegen einer unklaren Synkope vorgestellt (Urk. 12/65/2). Der unklare Sturz mit kurzdauernder Bewusstlosigkeit vom 13. September 2018 könne retrospektiv nicht näher zugeordnet werden. Nament
lich ergäben sich keine Hinweise auf eine Epilepsie. Möglicherweise sei sie
–
nach
Alkoholkonsum und bei enger Wegstelle
–
auch einfach gestolpert (Urk. 12/65/3
4).
3.3.8
Die Ärzte des universitären Wirbelsäulenzentrums der Universitätsklinik
C._
führten nach am 2
9.
April 2019 durchgeführter CT-Untersuchung der HWS in ihrem Bericht vom
6.
Mai 2019 aus, es habe sich eine persistierende
Nuchalgie
bei unveränderter Stellung nach
intercorporeller
Fusion C4/5 mit weiterhin fehlender
ossärer
Durchbauung
gezeigt; zudem stationär multisegmentale Facet
ten
gelenksarthrosen mit
Punctum
maximum
C4/5 links mit dort stationär
mässig
gradiger
ossärer
Foramenstenose
. Eine Revision mit Re-
Spondylodese
und Becken
kammanlagerung sei indiziert, die Beschwerdeführerin wünsche aber derzeit keine operative Versorgung (Urk. 12/81/13-14).
3.3.
9
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Neurologie, berichtete am 1
6.
September 2019 über ihre Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 1
3.
September 201
9.
Sie äusserte den Verdacht auf ein mild
cognitive
impairment
und hielt fest, die Beschwerdeführerin befinde sich in einer mittelschweren Depression, weshalb der durchgeführte MOCA Test unter Umständen nicht aussagekräftig sei. Eine psychiatrische Betreuung sei dringend notwendig und gewünscht, jedoch sei es schwierig, einen Psychiater zu finden (Urk. 12/78/1-2). Am
7.
November 2019 ergänzte sie, die MRI-Untersuchung des Schädels vom 1
7.
Oktober 2019 habe eine leichtgradige
Leukenzephalopathie
gezeigt, welche am ehesten vaskulär bedingt sei (Urk. 12/78/3).
3.3.10
Am 1
2.
Februar 2020 führte die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle aus, das Pensum von 60
%
für repetitive einfache Aufgaben, welche eher einem geschützten Umfeld entsprochen hätten, habe die Beschwerdeführerin bis Ende des Arbeitsversuchs einhalten können. Eine Steigerung des Pensums und eine Erhöhung der Anforderungen seien nur bedingt umsetzbar gewesen. Es seien auch psychische Defizite beobachtet worden und die Beschwerdeführerin werde sich ab März 2020 in entsprechende Behandlung begeben. Die Stellensuche im Anschluss an den Arbeitsversuch sei ohne Erfolg geblieben. Die Akquisitions
phase werde nun vorzeitig abgeschlossen, da die Beschwerdeführerin mittlerweile voll arbeitsunfähig sei aufgrund ihrer diversen gesundheitlichen Beeinträchti
gungen. Subjektiv fühle sie sich nicht eingliederungsfähig (Urk. 12/77/2).
3.3.1
1
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für
Pneumologie
und Allgemeine Innere Medizin, Spital
F._
, berichtete am 1
9.
Februar 2020, sie sehe die Beschwerde
führerin alle sechs bis zwölf Monate zwecks regulärer
pneumologischer
Kontrol
len (Urk. 12/80/2). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine chronisch obstruktive
Pneumopathie
GOLD Stadium II Risikogruppe B mit einem
zentrilobulären
, teils
paraseptalen
oberlappenbetonten Lungenem
physem, Erstdiagnose am 3
0.
Juni 2017, sowie eine
Periarthropathia
humeros
capularis
links. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mass sie insbesondere dem Status nach Lungenembolie im Unterlappen links auf segmentaler Ebene im September 2018 zu (Urk. 12/80/3). Sie führte aus, aufgrund der mittelschweren obstruktiven
Pneumopathie
bestehe eine medizinisch-theoretische Ateminvalidi
tät von mindestens 45
%
. Daher könne die Beschwerdeführerin aus
pneumolo
gischer
Sicht nur leichte bis maximal mittelschwere körperliche Arbeit verrichten. Die Arbeit sollte vorwiegend in sitzender Position erfolgen. Der Arbeitsplatz müsse frei von Witterungseinflüssen und
inhalativen
Noxen sein. Zudem sollte die Beschwerdeführerin Rückzugsmöglichkeiten für Reserveinhalationen haben. In einer solchen Umgebung sei eine Anstellung zumindest in einem Teilpensum, beginnend mit 50
%
, zumutbar (Urk. 12/80/4-5).
3.3.1
2
Dem Bericht von
Dr.
G._
vom 2
0.
Februar 2020 ist zu entnehmen, in letzter Zeit sei ein rascher geistiger/dementieller Abbau zu den unverändert starken Beschwerden seitens des Bewegungsapparates hinzugetreten. Ferner liege unter anderem eine Depression vor (Urk. 12/81/2-3, Urk. 12/81/6). Bei der angestamm
ten Tätigkeit müsse
die Beschwerdeführerin
immer wieder Dinge heben, was sie nicht könne (Urk. 12/81/4).
3.3.1
3
Die vom
2.
April bis am 2
5.
Mai 2020 behandelnde (vgl.
Urk.
12/88/2 und Urk. 12/88/4)
Dr.
med. J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, äusserte in ihrem Bericht vom 2. Juli 2020 den Verdacht auf eine depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F32.0), differentialdiag
nostisch mittelgradig, ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/88/4).
3.3.1
4
Dr.
med.
lic
. phil.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt am 11. November 2020 fest, die Beschwerdeführerin leide an Schmerzstö
rungen aufgrund diverser Schäden im Bewegungsapparat sowie an rezidivie
renden depressiven Störungen (bis mittelgradig, ICD-10 F32.0-1). Gegenwärtig seien keine Hinweise auf
Substanzabusus
vorhanden. Ein Wechsel von s
elektive
n
Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI)
auf
Serotonin-Noradrenalin-Wie
der
aufnahmehemmer
(
SSNRI
) habe keine Besserung der klinischen Sympto
matik
–
namentlich der Schmerzsymptomatik
–
zur Folge gehabt. Eine leichte Besserung der psychischen Befindlichkeit könne psychotherapeutisch möglich sein, jedoch werde die Beschwerdeführerin kaum mehr als zwei Stunden pro Tag in leichter Tätigkeit effizient arbeiten können. Insbesondere die Aufmerksam
keitsspanne werde je nach Schmerzsymptomatik auch über diesen Zeitraum kaum kontinuier
lich erbracht werden können (Urk. 3/6 S. 2).
In seinem Bericht vom 1
2.
Dezember 2020 führte
Dr.
K._
zusätzlich aus, wegen Schmerzen
sei
die Beschwerdeführerin seit gut sieben Jahren nur in kurzen Zeitspannen für wenige Stunden arbeitsfähig gewesen (
Urk.
8 S. 1). Sodann äusserte er ergänzend den Verdacht auf neuropsychologische Defizite (
Urk.
8 S. 2).
3.3.1
5
Dem Bericht
der Ärzte
des Universitätsspitals
L._
, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und klinische Ernährung, vom
8.
März 2021 ist zu entnehmen, die Beschwerdeführerin sei ihnen zur Abklärung einer nächtlichen Hyperhid
r
osis zugewiesen worden (
Urk.
15 S. 2). Eine
zugrunde liegende
endokrinologische
Patho
logie sei per se unwahrscheinlich und laborchemisch hätten sie eine Hypo
thyreose ausschliessen können. Differentialdiagnostisch seien weiterführende Abklä
rungen zum Ausschluss eines
zugrunde liegenden
Malignoms
vorgesehen (
Urk.
15 S. 3 des Berichts). Unter den Diagnosen führten sie zudem namentlich ein
e
COPD Gold Stadium 3, Risikogruppe B, auf (
Urk.
15 S. 1).
4.
4.1
Währenddem
im Vergleichszeitpunkt (Verfügung vom 1
5.
Mai 2012) das Vorlie
gen objektivierbarer Befunde bei namentlich altersentsprechend unauffälliger Halswirbelsäule verneint worden war (E. 3.2.4 vorstehend),
wurde die Beschwer
deführerin a
m 2
8.
August 2017
–
kurz vor der im September 2017 erfolgten Neu
anmeldung (vgl.
Urk.
12/22)
–
in der Universitätsklinik
C._
operiert. Die
Diskektomie und Fusion C4/5
erfolgten
aufgrund einer bildgebend nachgewie
senen
Foraminalstenose
auf der Höhe C4/5 links
(Urk.
12/29/43), welche im Vergleichszeitpunkt no
ch nicht vorgelegen hatte (Urk.
12/15/13)
,
was zu einer
zumindest
vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin führte (vgl. E. 3.3.5 vorstehend). Sodann hielt
das
postoperative
Fehlen
von Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule offenbar nicht an (E. 3.3.5 und 3.3.6). Ferner berichtete der Hausarzt
Dr.
G._
neu über eine
Frozen
Shoulder
links, welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin einschränke (E. 3.3.6 vorstehend). Die Ärzte der Universitätsklinik
C._
beschrieben 2019 eine persistierende
Nuchalgie
,
eine weiterhin fehlende
ossäre
Durchbauung
,
multisegmentale Facet
tengelenksarthrosen mit
Punctum
maximum
C4/5 links mit dort stationär
mässig
gradiger
ossärer
Foramenstenose
und hielten eine Re-
Spondylodese
mit Becken
kammanlagerung für indiziert (E. 3.3.8 vorstehend), womit eine Ver
schlechterung der Befunde ausgewiesen ist im Vergleich zum Jahr 2011, als lediglich leichte degenerative Veränderungen in den Facettengelenken der unteren HWS auszu
machen waren (Urk. 12/15/13).
4.
2
Der Umstand, d
ass
von einer Verschlechterung
zumindest
des
somatischen Gesundheits
zustand
s der
Beschwerdeführerin seit der Verfü
gung vom
15. Mai 2012 (Urk. 12/20)
auszugehen
ist, hat eine umfassende Neubeurteilung zur Folge (E. 1.3 vorstehend).
Währenddem
der RAD-Arzt von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit mit 20%iger Leistungseinschränkung für eine
körperlich leichte, sitzende od
er wechselbelas
tende Tätigkeit
ohne Arbeiten über Schulterhöhe, ohne Heben und Tragen
von Lasten über fünf Kilogramm sowie ohne Arbeiten in feuchten und kalten Räumen ausging (Urk. 12/90/9), attestierte
Dr.
G._
der Beschwerdeführerin wegen der Schmerzen an Nacken, Schulter und oberer HWS ab März 2018 eine Arbeits
unfähigkeit auch für angepasste Tätigkeiten (Urk. 12/35/4). Am
4.
März 2019 merkte
Dr.
G._
zur weiterhin 100%igen Arbeitsunfähigkeit an, die Beschwer
deführerin könne sich nicht schmerzfrei bewegen (Urk. 12/64).
Bezüglich der Schmerzen
ist darauf hinzuweisen, dass in Anbetracht der sich mit Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten subjektive Schmerz
angaben der versicherten Person nicht genügen für die Begründung einer Erwerbs
unfähigkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_94/2018 vom 2. August 2018 E. 5.1.1 mit Hinweisen).
Nachdem der Hausarzt ohne weitere Begründung auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit schloss, kann auf seine Beurteilung mangels objektiv nachvollziehbarer Befunde nicht abgestellt werden und verbie
tet sich der Schluss auf eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
,
zumal die Beschwer
deführerin von März bis September 2019 in einem Arbeitsversuch stand (vgl.
Urk.
12/73).
Wie sich die Problematik an der
–
erneut operationsbedürftigen (E.
3.3.8)
–
HWS in funktioneller Hinsicht auswirkt und inwieweit die Schul
ter
prob
lematik ausgeheilt ist (vgl. E. 3.3.6), lässt sich indessen gestützt auf die vorlie
genden Akten nicht abschliessend feststellen. Ebenso bleibt ungeklärt, ob und bejahendenfalls mit welcher Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
sich die Befunde an der Lunge verschlimmert haben, zumal die Ärzte des Spitals
F._
am 2
1.
Juli 2016 von einer erheblichen Destruktion des Lungenparenchyms mit
zentrilobulärem
und
paraseptalem
Emphysem sowie
peribronchialen
Vernarbungen sprachen
(E. 3.3.3) und
Dr.
E._
bereits damals eine Mitbeteiligung der
pleuralen
Lungenbefunde am Schmerzgeschehen für zumin
dest möglich gehalten
hatte
(Urk. 12/29/18).
I
n der Zwischenzeit
ist
die Diagnose einer COPD (
chronic
obstructive
pulmonary
disease
; Urk. 12/23/1) respektive
eine
r
chronisch obstruktive
n
Pneumopathie
GOLD Stadium II Risiko
gruppe B mit einem
zentrilobulären
, teils
paraseptalen
oberlappenbetonten Lungen
emphysem, Erstdiagnose am 3
0.
Juni 2017
(Urk. 12/80/3), hinzugetreten. Als funktionelle Auswirkung nannte Dr.
I._
eine medizinisch-theoretische Atem
invalidität von mindestens 45
%
und führte aus, der Beschwerdeführer
in
seien aus
pneumologischer
Sicht nur leichte bis maximal mittelschwere körper
liche Arbeiten in vorwiegend sitzender Position und frei von Witterungsein
flüssen und
inhalativen
Noxen zumutbar. Dabei ging sie von der Zumutbarkeit zumindest in einem Teilpensum, beginnend mit 50
%
, aus (E. 3.3.1
1
vorstehend).
Obgleich sie
das Pensum damit implizit für
steigerbar
hielt
und
davon sprach
, eine Anstellung sei «zumindest» in einem Teilpensum denkbar (Urk. 12/80/4),
lassen ihre Schilderungen nicht unbesehen auf eine Arbeitsfähigkeit von 80%, wie es der RA
D
vertritt, schliessen. D
er RAD
hat es aber unterlassen, sich
mit
dieser abweichenden fachärztlichen Beurteilung auseinander
zusetzen
(vgl.
Urk.
12/90/8-9), was zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner Beurteilung erweckt
, worin er der Beschwerdeführerin eine vollschichtige Tätig
keit zumutet
. Dies
e geringen Zweifel reichen
aus, um die Beweiskraft seiner
ver
sicherungsinternen
Aktenbeurteilung zu verneinen.
Hinzu kommt, dass die
Neurologin
Dr.
H._
einen
Verdacht auf
ein
mild
cognitive
impairment
(
Urk.
12/78/1-2), das Vorliegen einer mittelschweren Depres
sion (Urk. 12/78/2)
und
einer
bildgebend
nachgewiesenen
leichtgradigen
Leukenzephalopathie
nannte
(Urk. 12/78/3). Allerdings beschrieb Dr.
H._
keine konkreten Auswirkungen dieser neu gestellten Diagnosen
und attestierte keine Arbeitsunfähigkeit
,
während
Dr.
G._
von einem
rasche
n
geisti
ge
n
/demen
tielle
n
Abbau
sprach
(E. 3.3.1
2 vorstehend)
.
Schliesslich ist die
Kritik der Beschwerdeführerin an der angefochtenen Verfü
gung
sodann
insoweit berechtigt, als die Beschwerdegegnerin zu Unrecht generell davon ausgegangen ist, depressive Störungen könnten die Arbeitsfähigkeit von vornherein nicht langandauernd einschränken (vgl.
Urk.
2 S. 2 unten).
Dr.
J._
äusserte zwar den Verdacht auf eine depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, differentialdiagnostisch mittelgradig, mass dieser Diagnose jedoch keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu (Urk. 12/88/4).
Mittlerweile hat sich die Beschwerdeführerin jedoch erneut in psychiatrische Behandlung begeben.
Dr.
K._
ging in seinem
–
bei Erlass der angefochtenen Verfügung im Übrigen noch nicht
vorliegenden
–
Bericht vom 11.
November 2020 von einer starken Einschränkung der Erwerbsfähigkeit aus, begründete dies indes mit der Schmerzsymptomatik. Diese führte er nicht auf eine psychiatrische Diagnose, sondern auf diverse Schäden am Bewegungsappara
t zurück
,
stellte aber gleichzeitig die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung (E. 3.3.14)
.
Da
mithin
zumindest eine depressive Störung fachärztlich diagnostiziert wurde und nicht ausgeschlossen ist, dass sich diese auf die Möglichkeiten der Schmerz
verarbeitung und den Umgang mit den Schmerzen auswirken könnte, sind auch
im psychiatrischen Bereich weitere Abklärungen angezeigt. Ferner ist angesichts
mehrer
er Hinweise in den Akten auf Alkohol- und Cannabiskonsum (Urk. 12/
65/4
,
Urk.
12/80/2
,
Urk.
15 S. 1-2 und S. 7)
unklar, ob daneben eine allenfalls relevante Suchtproblematik vorliegt.
4.
3
Die Beschwerdeführerin brachte vor, aus dem Abschluss der Arbeitsvermittlung müsse zwingend geschlossen werden, dass sie auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt nicht mehr vermittelbar sei (
Urk.
1 S. 12 oben).
Es trifft zu, dass der Berater der
M._
AG die Meinung vertreten hat, die Beschwerdeführerin sei psychisch und physisch nicht in der Lage, mehr als 60 % zu leisten im ersten Arbeitsmarkt
–
und dies im repetitiven Umfeld (Urk. 12/73/7). Nach der Rechtsprechung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung jedoch in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteile des Bundesgerichts 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.2.2; je mit Hinweis). Vor diesem Hintergrund kommt der Einschätzung des Beraters keine
abschliess
ende Bedeutung zu.
Demzufolge ist nicht
–
wie die Beschwerdeführerin dies postuliert (
Urk.
1 S. 12 oben)
–
bereits aufgrund des Abschlusses der Arbeits
vermittlung
von einer Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin auszugehen, sondern diese Frage wird zu beantworten sein, wenn das quantitative und qualitative Ausmass ihrer Restarbeitsfähigkeit rechtsgenügend feststeht.
4.
4
Zusammenfassend
reichen die Berichte der behandelnden Ärzte und die ohne vorgängige Untersuchung erfolgte RAD-Stellungnahme nicht aus, um den für die Beurteilung des Leistungsbegehrens relevanten Sachverhalt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festzustellen. Es ist noch unklar,
wie sich die verschiedenen Beschwerden der Beschwerdeführerin gesamthaft auf ihre Erwerbsfähigkeit aus
wirken. Namentlich ist unklar, wie es um die Schulterproblematik und deren funktionelle Auswirkungen bestellt ist, wie sich die Beschwerden an der erneut operationsbedürftigen HWS auswirken, welchen Einfluss die COPD auf das Aus
mass der zumutbaren Arbeits
fäh
igkeit hat
, ob die geklagten kognitiven Beschwer
den
(vgl.
Urk.
12/78/1)
und die von Dr.
K._
erwähnten
neuropsychologische
n
Defizite (
Urk.
8 S. 2)
sich erhärten lassen sowie
welche psychischen Erkrankungen
–
allenfalls in Wechselwirkung mit den somatischen Beeinträchtigungen
–
Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben
.
Dementsprechend erweist sich eine aus gemeinsamer somatischer sowie psychia
trischer Sicht zu erfolgende Beurteilung der Fragen als notwendig, ob seit
dem 1
5.
Mai 2012
eine anspruchsrelevante Ver
schlechterung ei
ngetreten ist und wie es gegebenen
falls um die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
bestellt ist. Da die Beschwerde
gegnerin den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und das Leistungsbegehren ohne ausreichende materielle Prüfun
g abgelehnt hat, ist die Angele
genheit zur weiteren Abklärung sowie zur neuen Entscheidung
an sie zurück
zuweisen (vgl. E. 1.
4
vorstehend). In diesem Sinn
e ist die Beschwerde gutzu
heissen
und die Sache zur polydisziplinären Begut
achtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
5
.
5
.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
800.--
anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5
.2
Die
vertretene Beschwerdeführer
in
hat demnach
Anspruc
h auf eine Prozessent
schädigung.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
1’8
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.