Decision ID: 67e40c5e-dafe-40e6-9676-7401b4f7f265
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
P._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
1. Helsana Versicherungen AG, Postfach, 8081 Zürich Helsana,
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2. Sozialdienst A. _,
Beigeladene,
betreffend
Rente (Drittauszahlung)
Sachverhalt:
A.
P._ meldete sich am 27. Februar 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Die Helsana
Versicherungen AG teilte der IV-Stelle am 21. März 2006 mit, dass die Versicherte
Taggeldleistungen beziehe. Deshalb werde die Verrechnung der IV-Nachzahlung mit
den Taggeldvorleistungen beantragt. Am 21. Februar 2007 stellte das Sozialamt der
Wohngemeinde ein Gesuch um die Drittauszahlung der zu erwartenden IV-
Nachzahlung, da die Versicherte von der Sozialhilfe unterstützt werde. Mit einem
Vorbescheid vom 16. Oktober 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die
Ausrichtung einer halben Invalidenrente rückwirkend ab 1. Januar 2006 vorgesehen sei.
Die intern zuständige Ausgleichskasse B._ teilte der Helsana Versicherungen AG mit,
dass die Summe der IV-Nachzahlung für Januar 2006 bis Januar 2008 Fr. 45'450.-
betrage. Sie forderte die Helsana Versicherungen AG auf, einen Verrechnungsantrag zu
stellen. Die Helsana Versicherungen AG stellte für die Periode Januar 2006 bis 28.
Januar 2007 eine Forderung von Fr. 18'774.70 zur Verrechnung. Mit einem an den
Rechtsvertreter der Versicherten gerichteten Schreiben vom gleichen Tag legte die
Helsana Versicherungen AG die Überentschädigungsberechnung dar, auf der die
Forderung über Fr. 18'774.70 beruhte. Sie wies die Versicherte darauf hin, dass sie die
zuviel bezahlten Taggelder direkt bei der Ausgleichskasse zurückfordern werde. Die
Versicherte hatte bereits früher gegenüber der Helvetia Versicherungen AG und
gegenüber der Ausgleichskasse B._ klargestellt, dass sie mit einer solchen
Verrechnung nicht einverstanden sei. Am 16. Januar 2008 erklärte sie erneut, sie sei
nicht mit der Verrechnung einverstanden. Die Helsana Versicherungen AG beharrte am
31. Januar 2008 darauf, dass ihre Überentschädigungsforderung korrekt sei. Nachdem
die Versicherte wieder erklärt hatte, sie sei nicht mit der Verrechnung einverstanden,
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machte die Helsana Versicherungen AG in einem an sie gerichteten Schreiben vom 7.
Februar 2008 geltend, laut ihren AVB dürfe es nicht zu einer Überentschädigung
kommen. Die Überentschädigungsgrenze liege bei der Höhe der versicherten
Leistungen. Die Taggeldleistungen würden im Nachgang zu den
Sozialversicherungsleistungen erbracht. Deshalb beschränke sich die Leistungspflicht
der Helsana Versicherungen AG auf die Differenz zwischen den
Sozialversicherungsleistungen und der Überentschädigungsgrenze. Sie ersuchte die
Versicherte um die Zusage zur direkten Verrechnung. Am 27. Februar 2008 verfügte die
IV-Stelle die Ausrichtung der halben Invalidenrente rückwirkend ab 1. Januar 2006. Für
Januar 2006 bis Januar 2008 resultierte eine Nachzahlung, mit der die IV-Stelle sowohl
die Forderung der Helsana Versicherungen AG von Fr. 18'774.70 als auch die
Forderung des Sozialamtes der Wohngemeinde von Fr. 19'983.- vollumfänglich
verrechnen konnte. Der Restbetrag wurde der Versicherten ausbezahlt.
B.
Die Versicherte erhob am 14. März 2008 Beschwerde gegen die
Verrechnungsanordnung zugunsten der Helsana Versicherungen AG. Sie stellte den
Antrag, bei der Berechnung der Nachzahlung sei der Verrechnungsantrag der Helsana
Versicherungen AG ausser Acht zu lassen, eventualiter sei die Verfügung aufzuheben
und die Sache sei zum Erlass einer neuen Rentenverfügung ohne Verrechnung mit den
Leistungen der Helsana Versicherungen AG an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur
Begründung liess die Versicherte ausführen, sie habe bereits vor dem Erlass der
angefochtenen Verfügung klargestellt, dass sie mit einer Auszahlung an die Helsana
Versicherungen AG nicht einverstanden sei. Da die von der Helsana Versicherungen
AG erbrachten Leistungen auf dem VVG beruhten, seien die materiellen
Voraussetzungen einer Verrechnung nicht erfüllt. Zudem sei nicht erstellt, dass diese
Leistungen überhaupt einer Überentschädigungsberechnung zugänglich seien bzw. als
Vorschussleistungen qualifiziert werden könnten. Weder sei dargetan worden, dass die
Leistungen explizit im Hinblick auf eine Invalidenrente erbracht worden seien, noch
könne aus dem Versicherungsvertrag ein eindeutiges Rückforderungsrecht zufolge
Rentennachzahlung abgeleitet werden. Es fehle ausserdem an einer detaillierten
Abrechnung, weshalb die Ausgleichskasse gar nicht habe prüfen können, ob der
Rückforderungsanspruch ausgewiesen sei. Weiter fehle ihre Zustimmung zur
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Auszahlung an die Helsana Versicherungen AG. An die Einwilligung der versicherten
Person seien hohe Anforderungen zustellen. Sie sei nur rechtswirksam, wenn eine
konkrete Abrechnung vorliege, anhand derer die Verrechnungsforderung überprüft
werden könne. Sie habe keine Einwilligung erteilt.
C.
Die Ausgleichskasse B._ führte in einer internen Stellungnahme zuhanden der IV-
Stelle am 15. Mai 2008 aus, es genüge, wenn eine nachgeprüfte
Überversicherungsabrechnung und klare vertragliche Bestimmungen vorlägen, die ein
direktes Rückforderungsrecht gegenüber AHV/IV begründeten. Das Fehlen der
Einwilligung der versicherten Person entbinde die Ausgleichskasse nicht davon, die
Forderung aus Überversicherung zu überweisen. Es habe kein ersichtlicher Grund
bestanden, das Geld nicht der Helsana Versicherungen AG auszuzahlen. Die IV-Stelle
beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2008 die Abweisung der
Beschwerde. Sie führte aus, als Vorschussleistungen gälten gemäss Art. 85bis Abs. 2
lit. b IVV vertraglich erbrachte Leistungen, soweit sich aus dem Vertrag ein eindeutiges
Rückforderungsrecht infolge einer Rentennachzahlung ableiten lasse. Es sei nicht
notwendig, dass die Rückforderung von Vorschussleistungen rechtskräftig feststehe,
wenn die Verrechnung verfügt werde. Die IV-Stelle habe nur die Plausibilität und die
Fälligkeit der Rückforderung von Vorschussleistungen zu prüfen. Die materielle
Begründetheit der Rückforderung müsse zwischen dem Empfänger der
Vorschussleistungen und derjenigen Stelle ausgehandelt werden, welche die
Vorschussleistungen erbracht habe. Mit dem Verrechnungsbegehren erhalte die IV-
Stelle eine Verrechnungsmöglichkeit. Weder eine Abtretung noch eine Zustimmung zur
Verrechnung seien erforderlich. Die Helsana Versicherungen AG sei gestützt auf die
Ziffer 22.2 AVB berechtigt, Leistungen in der Höhe der Überentschädigung
zurückzufordern. Da die Rückforderung plausibel sei, sei die IV-Stelle verpflichtet
gewesen, dem Verrechnungsgesuch zu entsprechen.
D.
Die Versicherte liess am 7. Juli 2008 einwenden, die erste
Überentschädigungsberechnung sei falsch gewesen und habe später um rund Fr.
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9000.- reduziert werden müssen. Das zeige, wie unprofessionell die
Überentschädigungsbemessungen vorgenommen würden. Die Behauptung der IV-
Stelle, die materiellrechtliche Begründetheit der Rückforderung sei keine
Verrechnungsvoraussetzung, treffe nicht zu, denn eine Forderung, von der man nicht
wisse, ob sie existiere, könne nicht zur Verrechnung gebracht werden. Dasselbe gelte
für die Plausibilität der Forderung und für deren Fälligkeit. Die materielle Begründetheit
könne nicht im Verfahren betreffend Verrechnung ausgehandelt werden.
E.
Die IV-Stelle verzichtete am 25. August 2008 auf eine Duplik.
F.
Die Gerichtsleitung räumte am 2. September 2008 der Helsana Versicherungen AG und
dem Sozialdienst der Wohngemeinde eine Gelegenheit zur Stellungnahme ein. Letztere
verzichtete stillschweigend auf eine Eingabe. Die Helsana Versicherungen AG
beantragte am 22. September 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte aus, die
Versicherte habe vom 29. Januar 2005 bis 31. August 2005 gestützt auf eine kollektive
Krankentaggeldversicherung des Arbeitgebers und nach der Auflösung des
Arbeitsverhältnisses gestützt auf eine Einzeltaggeldversicherung Leistungen bezogen.
Die erste Überentschädigungsberechnung vom 20. Dezember 2007 sei aufgrund von
weiteren Angaben der IV-Stelle am 14. Januar 2008 korrigiert worden. Gemäss den Art.
23 AVB für die Kollektivtaggeldversicherung und Ziff. 23.1 der AVB für die
Einzeltaggeldversicherung würden die Leistungen nur in Ergänzung zu den
Sozialversicherungsleistungen erbracht, wobei die Höhe der versicherten Leistung die
Obergrenze bilde. Somit sei in den AVB klar und unmissverständlich festgehalten, dass
die Taggeldleistungen subsidiär zu den Leistungen der Invalidenversicherung erbracht
würden. Konkret betrage die Obergrenze 80% des versicherten Verdienstes. Effektiv
belaufe sich die Rückforderung nicht auf Fr. 18'774.70, sondern auf Fr. 22'184.60.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 18. November 2008 darauf, sich zur Stellungnahme der
Helsana Versicherungen AG vernehmen zu lassen. Die Versicherte wandte am 20.
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Oktober 2008 ein, mit der erneuten Korrektur der Überentschädigungsberechnung sei
erstellt, dass die von ihr kritisierte Bemessung falsch und dass die IV-Stelle nicht in der
Lage gewesen sei, die Bemessung zu überprüfen. Im Übrigen sei auch die jüngste
Berechnung wieder falsch. Wenn die IV-Stelle ausführe, dass die materielle
Begründetheit der Rückforderung zwischen der Helsana Versicherungen AG und der
Versicherten auszuhandeln sei, dann habe sie recht. Allerdings habe sie nicht beachtet,
dass dies vor der Verrechnung geschehen müsse. Im hängigen Beschwerdeverfahren
könne diese Auseinandersetzung jedenfalls nicht geführt werden. Wäre die Auffassung
der Helsana Versicherungen AG und der IV-Stelle richtig, dass die Verrechnung bereits
vorher erfolgen könne, käme es zu einem Parteirollentausch zulasten der Versicherten,
denn diese müsste sich dann aktiv gegen die Rückforderung der Helsana
Versicherungen AG zu Wehr setzen, obwohl an sich die Helsana Versicherungen AG
die Klägerrolle innehaben müsste.
H.
Die IV-Stelle teilte am 8. Dezember 2008 mit, sie halte an ihrer Begründung fest.

Erwägungen:
1.
Den Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet zwar die
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 27. Februar 2008 betreffend die rückwirkende
Zusprache einer halben Invalidenrente und betreffend die Verrechnung der
Nachzahlungssumme mit Forderungen des Sozialamtes und der beigeladenen Helsana
Versicherungen AG. Der Streitgegenstand ist aber weit enger. Er ist beschränkt auf die
Verrechnung der Nachzahlungssumme mit der Forderung der Helsana Versicherungen
AG. Sowohl betreffend die rückwirkende Rentenzusprache als auch betreffend die
Verrechnung der Nachzahlungssumme mit der Forderung des Sozialamtes ist die
Verfügung vom 27. Februar 2008 unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen.
2.
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2.1 Der Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen ist weder abtretbar noch
verpfändbar; jede Abtretung oder Verpfändung ist nichtig (Art. 22 Abs. 1 ATSG).
Nachzahlungen von Sozialversicherungsleistungen können jedoch an eine
Versicherung abgetreten werden, wenn diese Vorschussleistungen erbracht hat (Art. 22
Abs. lit. b ATSG). Entgegen dem klaren Wortlaut dieser Bestimmung ist keine
Abtretung gemäss Art. 164 ff. OR erforderlich (vgl. Franz Schlauri, Die
zweigübergreifende Verrechnung und weitere Instrumente der
Vollstreckungskoordination des Sozialversicherungsrechts, in: Schaffhauser /Schlauri
[Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 190). Eine Drittauszahlung ist ohne
Abtretung zulässig, wenn ein normativ eindeutig festgelegtes Rückforderungsrecht
besteht (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., N. 41 zu Art. 22 ATSG). Mit fälligen
Invalidenrentennachzahlungen können gemäss Art. 50 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 20 Abs. 2
AHVG Forderungen bzw. Rückforderungen anderer bundesrechtlicher
Sozialversicherungsträger verrechnet werden. Der Wortlaut dieser
Gesetzesbestimmung ist offensichtlich zu eng, denn Art. 22 Abs. 2 ATSG verweist für
die Verrechnungsmöglichkeit auch auf ausserhalb des Sozialversicherungssystems
stehende Erbringer von Leistungen mit Vorschusscharakter. Art. 85bis IVV, der eine
Aufzählung jener Dritten enthält, die ihre Vorschussleistungen (ohne Abtretung) mit
einer Invalidenrentennachzahlung verrechnen lassen können, erweist sich deshalb
bezogen auf Art. 22 Abs. 2 ATSG als gesetzmässig, auch wenn der Wortlaut von Art.
50 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 20 Abs. 2 AHVG dies an sich nicht zulassen würde. Der
Krankentaggeldversicherer nach VVG wird in Art. 85bis IVV nicht ausdrücklich erwähnt.
Die dort enthaltene Aufzählung ist aber nicht abschliessend (vgl. Ueli Kieser, a.a.O., N.
34 ff. zu Art. 22 ATSG). Das massgebende Kriterium für eine Aufnahme in die Liste des
Art. 85bis IVV ist, ob eine Bevorschussung erfolgt ist, ob das Krankentaggeld also im
Hinblick auf eine Invalidenrente ausgerichtet worden ist. Auch dies muss weit
interpretiert werden, denn Sinn und Zweck der Verrechnung der
Invalidenrentennachzahlung mit Rückforderungen anderer Leistungserbringer ist es,
über das bundesrechtliche Sozialversicherungssystem hinaus zu verhindern, dass aus
der Existenz weiterer Quellen für Leistungen, die der Deckung desselben Risikos wie
die Invalidenrente dienen, für den Leistungsbezüger und Invalidenrentner
ungerechtfertigte Vorteile resultieren, die nicht vorhanden wären, wenn es nur eine
einzige Leistungsquelle für das entsprechende soziale Risiko gäbe. Es handelt sich
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also im weitesten Sinn um eine Massnahme zur Vereinfachung der
Leistungskoordination über das bundesrechtliche Sozialversicherungssystem hinaus
(vgl. Franz Schlauri, a.a.O., S. 190 f.). Leistungspflichtige, die in der
Koordinationsreihenfolge erst nach der Invalidenversicherung erscheinen, deren
Leistungspflicht aber nicht erst nach langdauernden Sachverhaltsabklärungen
feststeht, wie sie in bezug eine Invalidenrente nötig sind, so dass sie früher zur
Leistungsausrichtung führt, sollen nicht mit dem Inkassoaufwand und -risiko belastet
werden, das mit der Rückforderung ihrer zuviel ausgerichteten Leistungen beim
Leistungsempfänger persönlich unweigerlich verbunden wäre. In diesem Sinn stellt
jede Leistung eine Vorschussleistung im Hinblick auf eine zu erwartende Invalidenrente
dar, die dasselbe soziale Risiko wie die Invalidenrente (krankheitsbedingte
Erwerbseinbusse) deckt, aber entsprechend der (meist selbst definierten) Einordnung in
die koordinationsrechtliche Rangfolge erst nach der Invalidenrente erscheint und
deshalb - ex post betrachtet - koordinationsrechtlich zu Unrecht ausgerichtet worden
ist (sogenannte sachlich kongruente Leistung, vgl. Franz Schlauri, a.a.O., S. 197).
2.2 Dies trifft auf das von der Helsana Versicherungen AG ausgerichtete
Krankentaggeld nach VVG zu, denn gemäss den entsprechenden Regeln in den AVB
besteht der Anspruch auf Krankentaggelder nur insoweit, als nicht bereits
Sozialversicherungsleistungen den Ausfall decken. Die AVB der Helsana
Versicherungen AG stellen also klar, dass die Krankentaggelder in der
Koordinationsrangordnung hinter der Invalidenrente eingeordnet sind. Zwar ist die
Rückabwicklung der Krankentaggeldausrichtung bei einer verzögerten
Invalidenrentenauszahlung mittels einer Taggeldrückforderung im Ausmass der (AVB-
definierten) Überentschädigung nicht näher normiert. Die AVB setzen aber eine
Austragung der entsprechenden Auseinandersetzung im Zivilprozess voraus. Im
Übrigen sind die AVB aber entsprechend ihrem Sinn und Zweck zu ergänzen, denn es
ist offenkundig, dass die AVB nicht jene Krankentaggeldbezüger haben
überentschädigen wollen, die das Glück gehabt haben, dass sich die Auszahlung der
Invalidenrente stark verzögert hat. Es besteht deshalb auch dort ein
Überentschädigungsabschöpfungs- bzw. Rückforderungsrecht - und damit eine
Vorschussleistung im Hinblick auf eine Invalidenrente - wo die AVB der Helsana
Versicherungen AG dies nicht ausdrücklich vorsehen, zumal die
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sozialversicherungsrechtliche Gerichtspraxis das privatversicherungsrechtliche
Bereicherungsverbot anerkennt (vgl. BGE 128 V 252 Erw. 5b).
2.3 Rechtsprechungsgemäss können auch nicht rechtskräftige Rückforderungen von
Vorschussleistungen zur Verrechnung gebracht werden. Grundsätzlich wäre es korrekt,
die Invalidenrentennachzahlung bis zum Eintritt der Rechtskraft der Rückforderung
zurückzuhalten. Aber aus Gründen der Verfahrensökonomie und der Praktikabilität soll
auch eine vorzeitige Verrechnung zulässig sein. Bei allenfalls zu Unrecht verrechneten
Leistungen soll dann die begünstigte Versicherung (im vorliegenden Fall also die
Helsana Versicherungen AG) die in Abzug gebrachten Leistungen der versicherten
Person ausrichten. Grundsätzlich muss es aber auch möglich sein, die Nachzahlung im
Sinne einer echten vorsorglichen Massnahme einzubehalten, solange die
Rückforderung der Vorschussleistungen noch nicht definitiv feststeht (vgl. Franz
Schlauri, a.a.O., S. 162 f. unter Verweis auf ein nicht publiziertes Bundesgerichtsurteil
vom 14. Juni 1988 und auf ZAK 1989 S. 322 ff.). Handelt es sich bei jenem
Leistungserbringer, der die Überentschädigung zurückfordert, um eine zur öffentlichen
Verwaltung gehörende Stelle, so wird über die Rückforderung verfügt. Die durch eine
Anfechtung dieser Rückforderungsverfügung ausgelöste Auseinandersetzung über den
Bestand der Rückforderung erfährt keine Veränderung, wenn die Verrechnung mit der
Invalidenrentennachzahlung erfolgt, bevor diese Auseinandersetzung abgeschlossen
ist. Ergibt das gegen die Rückforderung gerichtete Rechtsmittelverfahren, dass die
Rückforderung der Vorschussleistungen tiefer ist als der Betrag, den der
Leistungserbringer der nachzahlenden IV-Stelle zur Verrechnung gestellt hat, so steht
mit dem Entscheid im Rechtsmittelverfahren auch die Differenz fest. In dieser Situation
wird die versicherte Person aufgrund entsprechender zwingend anwendbarer
öffentlich-rechtlicher Gesetzesbestimmungen kein Problem haben, den durch die
Verrechnung mit einer zu hohen Rückforderung bereicherten Erbringer von
Vorschussleistungen dazu zu bringen, den ungerechtfertigten Teil der verrechneten
Invalidenrentennachzahlung herauszugeben. Die Helsana Versicherungen AG hat ihre
Vorschussleistungen aber aufgrund eines privatrechtlichen Vertrages erbracht. Eine
Auseinandersetzung zwischen der Beschwerdeführerin und ihr über die Höhe der
Taggeldrückforderung wegen Überentschädigung müsste also auf dem Zivilweg
geführt werden. Dabei käme es, wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht,
durch die sofortige Verrechnung mit der Invalidenrentennachzahlung möglicherweise -
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anders als bei der mit einer Verfügung geltend gemachten Rückforderung von
Vorschussleistungen - zu einer Umkehr der Parteirollen. Wäre eine sofortige
Verrechnung der Invalidenrentennachzahlung mit der von der Helsana Versicherungen
geltend gemachten Rückforderung unterblieben, wäre die Helsana Versicherungen AG
möglicherweise gezwungen gewesen, ihre Rückforderung zur Ermöglichung einer
anschliessenden Verrechnung auf dem Klageweg bei der Beschwerdeführerin
einzufordern. Nach der tatsächlich erfolgten sofortigen Verrechnung der
Taggeldrückforderung mit der Invalidenrentennachzahlung ist die Beschwerdeführerin
gezwungen, auf dem Zivilweg gegen die dann möglicherweise ungerechtfertigt
bereicherte Helsana Versicherungen AG vorzugehen. Gemäss der von Franz Schlauri
dargestellten höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. Franz Schlauri, a.a.O., S. 162 f.)
hat die Beschwerdeführerin dies im Interesse der Verfahrensökonomie und der
Praktikabilität bei der Verrechnung in Kauf zu nehmen.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens trägt grundsätzlich die unterliegende Partei, hier die
Beschwerdeführerin, die Verfahrenskosten. Diese betragen zwischen Fr. 200.- und
Fr. 1000.-. Bemessen werden sie nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Dieser rechtfertigt im vorliegenden Fall eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Da der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, ist ihr diese
Gerichtsgebühr zwar aufzuerlegen, aber sie ist gleichzeitig von der Bezahlung dieser
Gebühr zu befreien. Sie ist jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet,
falls ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dies später einmal gestatten sollten. Dasselbe
gilt für die als Folge der Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung vom
Staat zu übernehmenden Parteikosten. Diese bemessen sich nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG).
Entsprechend der durchschnittlichen Schwierigkeit des Prozesses rechtfertigt es sich,
die Parteikosten auf Fr. 3500.- festzusetzen. Die Entschädigung dieser Parteikosten
beläuft sich gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes auf 80%. Der
Staat hat den Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin deshalb mit Fr. 2800.- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG