Decision ID: c07efbc2-2933-5e05-ab3f-3e07aefd515e
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
C._ (nachfolgend Versicherter) meldete sich im Juli 2014 bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Er verwies dabei auf ein Verfahren
bei der SUVA, die am 21. Juli 2014 ein Meldeverfahren beantragt hatte (IV-act. 1 f.; IV-
act. 4). Der Versicherte hatte im April 1973 die Lehre als Mechaniker erfolgreich
abgeschlossen (IV-act. 6 f.) und ab 1. April 1997 als Klärmeister beim
Abwasserverband H._ gearbeitet (Angaben Arbeitgeberin vom 11. September 2014,
IV-act. 16). Am 18. August 2013 hatte er bei einem Treppensturz eine
Schulterkontusion rechts erlitten, war ab dem 7. Januar 2014 zu 100 % arbeitsunfähig
und hatte sich am 6. März 2014 einer Schulterarthroskopie unterziehen müssen
(Bagatellunfall-Meldung UVG vom 19. September 2013, Fremdakten, act. 1-70;
Unfallschein UVG, IV-act. 16-13; Operationsbericht Spital Männedorf, Fremdakten,
act. 1-50; Arztzeugnis UVG vom 26. Februar 2014, Fremdakten, act. 1-51; RAD-
Fallübersicht vom 10. November 2014, IV-act. 17).
A.a.
Dr. med. D._, Orthopädische Chirurgie FMH, attestierte dem Versicherten in
angepassten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von zunächst 50 % (Arztbericht vom
A.b.
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5. September 2014, IV-act. 24) und später von 100 % in leichten bis mittelschweren
Tätigkeiten ohne Überkopf- und Armvorhaltetätigkeiten (Verlaufsbericht vom
10. Dezember 2014, IV-act. 28). Die IV-Stelle sprach dem Versicherten mit Mitteilung
vom 16. Januar 2015 Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 32). Nachdem die SUVA dem
Versicherten eine Invalidenrente von 35 % zugesprochen hatte (vgl. Verfügung vom
30. März 2015, Fremdakten, act. 4-2 ff.; Einspracheentscheid vom 10. August 2015,
Fremdakten, act. 6), schloss die IV-Stelle die Massnahme am 18. August 2015 ab, da
der Versicherte mit der SUVA-Rente von 35 % und möglicher Frühpensionierung
finanziell abgesichert sei (Protokoll Eingliederungsverantwortliche, IV-act. 37; Mitteilung
Abweisung weitere berufliche Massnahmen vom 20. August 2015, IV-act. 39).
Mit Vorbescheid vom 1. September 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 34 % in Aussicht (IV-
act. 42). Mit Einwand vom 23. September 2015 machte dieser geltend, er könne seine
Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr verwerten.
Eventualiter sei ein Tabellenlohnabzug von 25 % vorzunehmen (IV-act. 43).
A.c.
Mit Verfügung vom 2. November 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch hinsichtlich
Rente ab. Sie führte dabei im Wesentlichen aus, beim Versicherten bestehe ein reiner
Unfallschaden. Der durch die SUVA festgelegte Invaliditätsgrad sei für das IV-Verfahren
bindend. Ein Tabellenlohnabzug von 10 % könne entsprechend dem Einwand gewährt
werden. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 35 %, weshalb kein Rentenanspruch
bestehe (IV-act. 44).
A.d.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 2. Dezember 2015 Beschwerde
erheben. Er rügte unter anderem, die Invaliditätsbemessung der SUVA sei noch nicht
rechtskräftig und für das IV-Verfahren nicht bindend. Die SUVA habe sein Alter nicht
berücksichtigt. Er könne seine Arbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten. Es rechtfertige
sich ein Tabellenlohnabzug von 20 %. Damit ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 46 %
(IV-act. 47). Mit Verfügung vom 13. Januar 2016 widerrief die IV-Stelle die
angefochtene Verfügung (IV-act. 56) und das Versicherungsgericht schrieb das hängige
Verfahren (IV 2015/410) mit Verfügung vom 27. Januar 2016 ab (IV-act. 59).
A.e.
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Mit Entscheid vom 10. Mai 2017 (Verfahren UV 2015/55; Fremdakten act. 29) hiess
das Versicherungsgericht eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der SUVA
teilweise gut. Es erwog, das Merkmal Alter des Versicherten sei zu Unrecht nicht
berücksichtigt worden (E. 3.5). Es sei ihm ein Tabellenlohnabzug von insgesamt 10 %
zu gewähren, womit der Invaliditätsgrad 39 % betrage (E. 3.7.2). Das Bundesgericht
hiess mit Urteil vom 6. Oktober 2017 eine Beschwerde der SUVA gut und hob den
Entscheid des Versicherungsgerichts auf (Verfahren 8C_439/2017; Fremdakten,
act. 35).
A.f.
Vom 4. bis 16. Mai 2018 war der Versicherte wegen eines hämorrhagischen
Schocks und Leberversagens bei tubulärer Oesophagusvarizenblutung Grad II bis III
hospitalisiert. Als weitere Diagnosen wurden eine Leberzirrhose, psychische und
Verhaltensstörungen durch Alkohol, ständiger Substanzgebrauch sowie schädlicher
Gebrauch (ICD-10: F10.25/10.1), ein Diabetes mellitus Typ 2, ED 2007, sowie eine
koronare Zweigefässerkrankung, Status nach inferiorem Myokardinfarkt April 2004,
festgehalten (Bericht Klinik für Innere Medizin Spital Linth vom 25. Mai 2018, IV-
act. 76-10 ff.). Im Verlaufsbericht vom 18. Oktober 2018 hielt Dr. med. E._, Facharzt
Innere Medizin, fest, der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich
verschlechtert. Der chronische Äthylabusus sei seit langem bekannt, entgleist sei die
Situation seit anfangs 2018. Nachfolgend zur Oesophagusvarizenblutung im Frühjahr
2018 sei eine Entzugsbehandlung im Spital Wattwil erfolgt und seither sei der
Alkoholabusus eingestellt (seit 6 Monaten kein Konsum mehr). Es bestehe jedoch eine
fortgeschrittene Leberzirrhose mit noch persistierenden Aszites und vermindertem
Allgemeinzustand. Weiter bestünden chronische Schmerzen in den Schultern.
Selbstkontrolle und Allgemeinzustand seien vermindert (IV-act. 76-1 ff.).
A.g.
RAD-Ärztin Dr. med. F._, Praktische Ärztin, nahm am 5. November 2018
Stellung, bis zur notfallmässigen Hospitalisierung könne weiterhin von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten ausgegangen werden. Es sei anzunehmen,
dass sich der Allgemeinzustand durch den progredienten Alkoholüberkonsum ab
Januar 2018 allmählich verschlechtert habe. Eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
sei ab Anfang Mai 2018 gesichert und könne auch erst ab diesem Zeitpunkt definitiv
bestätigt werden (IV-act. 77). Gestützt darauf gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
am 6. November 2018 das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Abweisung des
A.h.
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B.
Leistungsbegehrens bezüglich Rente. Bis zum Spitaleintritt am 4. Mai 2018 habe eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % in angepassten Tätigkeiten vorgelegen. Seit Mai 2018
beziehe der Versicherte eine Altersrente, demnach habe er ab diesem Zeitpunkt trotz
Verschlechterung des Gesundheitszustands keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
(IV-act. 80). Mit Einwand vom 12. Dezember 2018 brachte der Versicherte vor, er hätte
seine Arbeitsfähigkeit bis zur Pensionierung auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
nicht mehr verwerten können. Eventualiter sei ein Tabellenlohnabzug von 25 %
vorzunehmen (IV-act. 83).
Mit Verfügung vom 14. Februar 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch
hinsichtlich Rente ab. Dass nur noch leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten
zumutbar seien, sein fortgeschrittenes Alter und das Fehlen einer Ausbildung bildeten
im Rahmen des Kompetenzniveaus 1 keinen Grund für einen Tabellenlohnabzug. Der
Versicherte sei ausgebildeter Maschinenmechaniker und weise eine langjährige
Berufserfahrung als Klärwärter auf, wovon er auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
profitieren könne. Es fehlten ausreichende Anhaltspunkte dafür, dass er aufgrund
seines Alters mit einem geringeren Lohn rechnen müsste. Die Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt sei zu bejahen. Selbst unter
Berücksichtigung eines Abzugs von 10 % würde kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultieren (IV-act. 85).
A.i.
Mit Beschwerde vom 15. März 2019 beantragt C._, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. B. Lindegger, die Verfügung vom 14. Februar 2019 sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen
Leistungen zuzusprechen. Er könne seine Arbeitsfähigkeit aufgrund seines
fortgeschrittenen Alters und seiner Polymorbidität nicht mehr verwerten. Er sei über 15
Jahre lang als Klärmeister tätig gewesen. Auf seiner gelernten Tätigkeit als
Maschinenmechaniker habe er demnach seit 1996 nicht mehr gearbeitet. Nebst den
Einschränkungen aufgrund der Schulterverletzung leide er an einer koronaren
Zweigefässerkrankung, an Adipositas, an Diabetes mellitus Typ 2, Hyperlipidämie und
arterieller Hypertonie. Er sei damit polymorbid und es seien ihm aufgrund der
Herzerkrankung und der kardiovaskulären Risikofaktoren keine mittelschweren
B.a.
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Tätigkeiten mehr zumutbar. Ein Wechsel in eine adaptierte Verweistätigkeit sei
praktisch unmöglich. Dies habe sich auch im Rahmen der Arbeitsvermittlung gezeigt.
Falls dennoch von einer Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auszugehen sei, sei ein
Tabellenlohnabzug von mindestens 20 % zu gewähren (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin informiert am 17. Mai 2019 das Gericht über den
Hinschied des Beschwerdeführers am _ (act. G 4). Der Rechtsvertreter reicht am
22. Juli 2019 die Erbbescheinigung ein, wonach die überlebende Ehefrau einzige Erbin
ist (act. G 6; act. G 6.1), und teilt am 12. August 2019 mit, dass diese an der
Beschwerde festhalte (act. G 8).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 26. August 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Im Zeitpunkt, als die medizinisch zumutbare
Erwerbsfähigkeit festgestanden habe, sei der Verstorbene _-jährig gewesen. Bis Mai
2018 habe in leidensangepassten Tätigkeiten eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit
bestanden. Die beschriebenen Adaptionskriterien seien nicht besonders
einschränkend. Auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bestehe eine Vielzahl
zumutbarer Arbeiten. Der Verstorbene habe auf eine vielseitige berufliche Karriere
zurückgeblickt und habe somit eine hohe Flexibilität gezeigt. Er habe bereits in
Tätigkeiten gearbeitet, welche die Adaptionskriterien erfüllten. Aufgrund der
Gesamtumstände sei es ihm möglich gewesen, seine Arbeitsfähigkeit zu verwerten. Zur
Frage, ob ein Tabellenlohnabzug zu gewähren sei, habe sich das bundesgerichtliche
Urteil im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren (Urteil vom 6. Oktober 2017,
8C_439/2017) bereits geäussert, weshalb auf die dortigen Erwägungen verwiesen
werde (act. G 10).
B.c.
Mit Replik vom 10. Oktober 2019 wird vorgetragen, der Verstorbene habe in den
letzten 15 Jahren seiner beruflichen Karriere auf demselben Beruf gearbeitet und ein
Berufswechsel sei in jüngeren Jahren bedeutend einfacher als im Alter. Die
Beschwerdegegnerin lasse ausser Acht, dass die Arbeitsvermittlung erfolglos
geblieben sei, und beschränke sich auf die Feststellung, dass ein Berufswechsel
"gewöhnlich" möglich sei. Die Rechtsprechung zu den Tabellenlohnabzügen sei in der
Unfallversicherungs- und in der Invalidenversicherungsrechtsprechung nicht identisch.
Wenn die Beschwerdegegnerin festhalte, dass die körperlichen Limitierungen bereits in
B.d.
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Erwägungen
1.
den Adaptionskriterien enthalten seien, widerspreche dies der Zusprache eines
10%igen Tabellenlohnabzuges in der Verfügung vom 2. November 2015 (act. G 12).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 13).B.e.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgeblich, ob
eine versicherte Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt
werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich
nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht zwischen Angebot von und Nachfrage nach
Stellen bestünde (ausgeglichener Arbeitsmarkt, Art. 16 ATSG). Der als ausgeglichen
unterstellte Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen-
und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen
vonseiten des Arbeitgebers rechnen können. An der Massgeblichkeit des theoretisch
ausgeglichenen Arbeitsmarktes vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass es
für die versicherte Person im Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im
tatsächlichen Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu finden. Von einer
Arbeitsgelegenheit kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann nicht
mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter
Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder
sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen
1.2.
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2. Der Verstorbene war nach dem Unfall am 18. August 2013 noch arbeitsfähig und
erst ab 8. Januar 2014 durch Dr. E._ (Unfallschein UVG, Fremdakten, act. 1-7) und
ab der Operation am 6. März 2014 von Dr. D._ zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben
(Arztbericht vom 5. September 2014, IV-act. 24). Folglich begann das Wartejahr
gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG am 8. Januar 2014. Die IV-Anmeldung erfolgte im Juli
2014, weshalb ein allfälliger Rentenanspruch erst ab 1. Januar 2015 besteht (Art. 29
Abs. 1 und 3 IVG). Gemäss Art. 30 IVG erlöscht der Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung mit der Entstehung des Anspruchs auf eine Altersrente der
Alters- und Hinterlassenenversicherung. Anspruch auf eine Altersrente haben Männer,
die das 65. Altersjahr vollendet haben (Art. 21 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über
die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Der Anspruch entsteht
am ersten Tag des Monats, welcher der Vollendung des massgebenden Altersjahres
folgt (Art. 21 Abs. 2 AHVG). Der am _ April 1953 geborene Verstorbene vollendete das
65. Altersjahr am _ April 2018 und hatte daher ab 1. Mai 2018 einen Anspruch auf eine
Altersrente der AHV. Zu befinden ist damit über einen IV-Rentenanspruch vom
1. Januar 2015 bis 30. April 2018.
Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von
vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 28. November
2014, 9C_485/2014 E. 2 und E. 3.3.1 mit Hinweisen). Fehlt es an einer wirtschaftlich
verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die
einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (BGE 138 V 460 E. 3.1).
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 % gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu ver
werten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen behinderungs
bedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage,
ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen
persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden Faktoren - des
konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter,
Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
1.3.
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3.
Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates FMH, hielt im Bericht über seine Abschlussuntersuchung vom
13. November 2014 fest, für den bisherigen Beruf als Mitarbeiter der Entsorgungsstelle
und verantwortlicher Leiter für die Kläranlage sei unter Berücksichtigung der vom
Verstorbenen geschilderten Tätigkeiten mit häufig das rechte Schultergelenk
belastenden Überkopfarbeiten sowie stossenden und ziehenden Tätigkeiten mit dem
rechten Arm weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Entsprechend
dem Zumutbarkeitsprofil für das rechte Schultergelenk - keine Überkopf- und
Armvorhaltetätigkeiten, beidseitiges Anheben und Halten von Gewichten bis 20 kg bis
zur Gürtelhöhe möglich, einseitiges Anheben und Halten von Gewichten bis 5 kg auf
Gürtelhöhe möglich, keine Tätigkeiten, die mit vermehrten Vibrationsbelastungen für
das rechte Schultergelenk verbunden seien - könnten leichte bis mittelschwere
körperliche Tätigkeiten vollumfänglich durchgeführt werden (zitiert im Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 10. Mai 2017, UV 2015/55, Fremdakten, act. 29-3). Die
behandelnde Orthopädin Dr. D._ führte damit übereinstimmend im Verlaufsbericht
vom 10. Dezember 2014 aus, es bestehe ein objektiv unveränderter Befund mit
Schmerzen am AC-Gelenk bei Überkopfbelastung. Die bisherige Tätigkeit sei nicht
mehr zumutbar, da es sich um eine schwere Tätigkeit handle. Leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten ohne Überkopf- und Armvorhaltetätigkeiten seien während 8 Stunden pro
Tag zumutbar (IV-act. 28). Dem Verlaufsbericht von Dr. E._ vom 18. Oktober 2018
lässt sich im Wesentlichen entnehmen, dass die Arbeitsfähigkeit zusätzlich durch die
Folgen des Äthylabusus eingeschränkt gewesen sei. Dieser sei seit Jahren bekannt
gewesen, und die Situation sei anfangs 2018 entgleist (IV-act. 76). Im Austrittsbericht
des Spitals Linth vom 25. Mai 2018 sind als zusätzliche Diagnosen ein Diabetes
mellitus Typ 2, Erstdiagnose 2007, sowie eine koronare Zweigefässerkrankung, Status
nach inferiorem Myocardinfarkt im April 2004, erwähnt (IV-act. 76-11). Anlässlich der
kardiologischen Kontrolluntersuchung vom 16. Januar 2015 war der Verstorbene
subjektiv beschwerdefrei und die ergometrische Leistung war altersentsprechend;
allerdings fielen unter maximaler Belastung ST-Senkungen auf, zu deren weiteren
Abklärung er nicht aufgeboten werden konnte (Bericht Zürcher Höhenkliniken Wald
vom 2. März 2015, IV-act. 76-5 f.). Weitere Beschwerden, Behandlungen oder
Einschränkungen ergeben sich aus den Akten nicht. Die Stellungnahme von RAD-Ärztin
Dr. F._ vom 5. November 2018, zwar sei von einer allmählichen Verschlechterung
des Gesundheitszustandes seit Januar 2018 auszugehen, eine Arbeitsunfähigkeit
jedoch erst ab Mai 2018 nachgewiesen (vgl. IV-act. 77), erweist sich somit als
nachvollziehbar und schlüssig. Beizufügen bleibt, dass Dr. E._ im Verlaufsbericht
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vom 18. Oktober 2018 nicht angegeben hatte, wie er den Verlauf der Arbeitsfähigkeit
zwischen Januar und Mai 2018 einschätze (vgl. IV-act. 76). Dies kann jedoch offen
bleiben, denn selbst wenn bereits ab Januar 2018 von einer relevanten
Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgegangen würde, wäre diese erst ab
Mai 2018 rentenrelevant (Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
4.
Das Bundesgericht erwog im den Verstorbenen betreffenden Urteil vom 6. Oktober
2017 (8C_439/2017; Fremdakten, act. 35), ob das Merkmal "Alter" einen Abzug vom
Tabellenlohn rechtfertige, sei jeweils unter Berücksichtigung aller konkreten Umstände
des Einzelfalles zu prüfen. Dies gelte insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf
dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wo sich ein
fortgeschrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswirken müsse. Der Verstorbene
sei ausgebildeter Maschinenmechaniker und weise eine langjährige Berufserfahrung als
Klärwärter auf. Davon könne er auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt profitieren und
somit den Anpassungs- und Angewöhnungsaufwand minimal halten. Zudem fehlten
Hinweise, wonach er in seiner Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit beeinträchtigt
wäre. Sich bei der Wiedereinstellung älterer Arbeitnehmer möglicherweise lohnwirksam
auswirkende Faktoren könnten mangels zuverlässiger statistischer Grundlagen nicht
generell-abstrakt beurteilt werden. Mit Bezug auf den über gute berufliche
Qualifikationen verfügenden Verstorbenen fehlten ausreichende Anhaltspunkte dafür,
dass er auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufgrund seines Alters mit einem geringeren
Lohn rechnen müsste. Ein Abzug vom Tabellenlohn wegen des Alters lasse sich daher
nicht begründen. Das Bundesgericht liess dabei offen, ob ein Tabellenlohnabzug im
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren überhaupt durch das Merkmal "Alter"
begründet werden könne, oder ob dies bereits durch Art. 28 Abs. 4 der Verordnung
über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) ausgeschlossen sei, wonach für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades die Erwerbseinkommen massgebend seien, die ein
Versicherter im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung
erzielen könnte, wenn eine versicherte Person nach dem Unfall die Erwerbstätigkeit
altershalber nicht mehr aufnehme oder sich das vorgerückte Alter erheblich als
Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit auswirke (E. 5.6.4, mit Hinweisen
auf die Rechtsprechung).
4.1.
Für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit ist das Alter im
Zeitpunkt massgebend, in welchem die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)
Erwerbstätigkeit feststeht (BGE 138 V 461 f., E. 3.3 f.; Urteil des Bundesgerichts vom
4.2.
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23. Januar 2018, 8C_613/2017, E. 3.2.1). Dem Verstorbenen wurde das Resultat der
kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 13. November 2014, wonach ihm eine
adaptierte Tätigkeit ganztags zuzumuten sei, am 12. Dezember 2014 mitgeteilt
(Fremdakten, act. 3). Im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren ging der RAD in
einer Stellungnahme vom 10. November 2014 (IV-act. 17) gestützt auf einen Arztbericht
von Dr. D._ vom 5. September 2014 (IV-act. 24) von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in
angepassten Tätigkeiten aus. Der Verstorbene war demnach im relevanten Zeitpunkt
(November/Dezember 2014) rund _ 1/2 Jahre alt. Neben der verbleibenden
Aktivitätsdauer ist die Höhe der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit von gewichtiger
Bedeutung. Indes schliessen weder eine verbleibende Erwerbsdauer von weniger als
fünf Jahren noch eine bestimmte Höhe der Restarbeitsfähigkeit für sich allein deren
Verwertbarkeit aus. Das Bundesgericht selbst bezeichnet die Hürden für die Annahme
der Unverwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit als hoch (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 25. August 2017, 8C_403/2017, E. 5.3 f., vom 31. August 2018,
8C_117/2018, E. 3.3.1, vom 6. Juli 2016, 8C_113/2016, E. 4.3 und vom 28. Mai 2009,
9C_918/2008, E. 4.3). Das den Verstorbenen und die Bemessung des
Tabellenlohnabzuges betreffende Urteil des Bundesgerichts gründet auf denselben
Faktoren, die auch für die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
massgebend sind, zumal dem Verstorbenen in angepassten Tätigkeiten eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % verbleibt. Das Bundesgericht verneinte einen
Tabellenlohnabzug wegen des Alters des Beschwerdeführers mit Blick auf die noch
zumutbaren Tätigkeiten, seine Ausbildungs- und Erwerbsbiographie und die damit
gezeigte Umstellungsfähigkeit. Aus denselben Gründen ist erst Recht von einer
Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Das Bundesgericht hatte sich zudem
im Urteil vom 23. Januar 2018 mit einem dem vorliegenden ähnlichen Fall zu befassen:
Der im massgeblichen Zeitpunkt 61 Jahre und 4 Monate alte Beschwerdeführer war im
erlernten Beruf des Maschinenschlossers zu 100 % arbeitsunfähig, in körperlich
leichten Tätigkeiten mit gewissen vom RAD näher umschriebenen Einschränkungen
hingegen zu 100 % arbeitsfähig. Es bejahte die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit
(Urteil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2018, 8C_613/2017, E. 3.1 und E. 3.3).
Grundsätzlich besteht keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung der
Unfallversicherung für die Invalidenversicherung (BGE 133 V 549; BGE 131 V 362; AHI-
Praxis 2004 S. 186). Ein Abweichen des Invaliditätsgrades kann sich unter anderem
ergeben, wenn die UV bei der Invaliditätsbestimmung das vorgerückte Alter der
versicherten Person unberücksichtigt liess (Art. 28 Abs. 4 UVV) oder wenn zusätzliche
unfallfremde Leiden vorliegen (Urteil des Bundesgerichts vom 18. September 2008,
9C_7/2008, E. 5). Gestützt auf die Vereinbarung zur Interinstitutionellen
4.3.
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5.
Zusammenarbeit, in Kraft seit 1. Januar 2008, spricht sich die IV-Stelle bei rein
unfallbedingter Invalidität vorgängig mit der Unfallversicherung ab (zum Ganzen:
Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]
vom 1. Januar 2015, Rz 9019 ff.).
Vorliegend sind der 2007 diagnostizierte Diabetes und die seit 2004 bestehende
koronare Herzkrankheit unfallfremd. Sie wurden auch im unfallversicherungsrechtlichen
Verfahren bei der Diskussion um den Tabellenlohnabzug nicht berücksichtigt. Gemäss
RAD-Ärztin Dr. F._ haben diese Erkrankungen keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (Stellungnahme vom 5. November 2018, IV-act. 77), und eine solche
wurde auch nie festgestellt, diskutiert oder geltend gemacht. Somit ist eine
Berücksichtigung dieser Gesundheitsbeeinträchtigungen bei der Festlegung des
Tabellenlohnabzugs im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren nicht
ausgeschlossen. Schwere körperliche Tätigkeiten, in denen der Verstorbene durch
Diabetes und Herzkrankheit beeinträchtigt gewesen sein dürfte, waren ihm indes
bereits aufgrund des orthopädischen Adaptionsprofils nicht mehr zumutbar. Das
Belastbarkeitsprofil ist gegenüber körperlich leichten Arbeiten im Allgemeinen nur leicht
zusätzlich eingeschränkt, indem rechts nur Lasten bis 5 kg hantiert werden sollten. Ein
Tabellenlohnabzug erscheint daher nicht gerechtfertigt. Selbst wenn in
Berücksichtigung der Koronarkrankheit und des Diabetes von der
unfallversicherungsrechtlichen Einschätzung abgewichen würde, wäre höchstens ein
Tabellenlohnabzug von 10 % zulässig, wie er auch in der später widerrufenen
Verfügung vom 2. November 2015 (IV-act. 44) zugestanden worden war.
4.4.
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des
Rentenanspruchs maßgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf
zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der
Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V
222). Maßgebend auch für die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges sind somit
vorliegend die Verhältnisse im Jahr 2015.
5.1.
Gemäss Angaben der Arbeitgeberin hätte der Verstorbene als Klärmeister im
Abwasserverband H._ im Jahr 2015 einen Jahreslohn von Fr. 98'201.-- erzielt
(Angaben vom 8. Oktober 2015, Fremdakten, act. 14). Es ist davon auszugehen, dass
er im Gesundheitsfall diese Tätigkeit bis zu seiner Pensionierung ausgeführt hätte,
weshalb dieser Lohn dem Valideneinkommen entspricht (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1, mit weiteren Verweisen).
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
6.