Decision ID: bb36c31a-9906-565f-af62-e32e73d20818
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden reichten am 10. Januar 2017 bei der Gemeinde Langnau
im Emmental ein Baugesuch ein für die "Installation einer freistehenden All-In-One-
Solaranlage vom Typ smartflower zur Eigendeckung des Strombedarfs mittels Solarstrom"
auf Parzelle Langnau im Emmental Grundbuchblatt Nr. D._. Die Parzelle liegt in
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der Landwirtschaftszone. Die Gemeinde verzichtete gestützt auf Art. 24 BewD1 auf eine
Publikation des Bauvorhabens, da bereits die Voranfrage der freistehenden Solaranlage
vom AGR negativ beantwortet wurde. Mit Gesamtentscheid vom 21. September 2017
erteilte die Gemeinde – gestützt auf die negative Verfügung des AGR vom 22. Mai 2017 –
den Bauabschlag.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 20. Oktober 2017 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Gesamtentscheides vom 21. September 2017 und der Verfügung des AGR
vom 22. Mai 2017. Es sei festzustellen, dass die geplante Anlage bewilligungsfrei sei.
Eventualiter sei dem Bau- und Ausnahmegesuch nach vorgängiger Publikation die
Bewilligung zu erteilen. Dabei machen sie geltend, das Bauvorhaben sei bewilligungsfrei
und könne – im Falle der Baubewilligungspflicht – entweder als zonenkonform oder
allenfalls mit einer Ausnahmebewilligung bewilligt werden.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Mit Stellungnahme vom 20.
November 2017 beantragt das AGR die Abweisung der Beschwerde. Die Gemeinde stellt
mit Stellungnahme vom 22. November 2017 den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen
und der angefochtene Entscheid sei zu bestätigen. Mit Schreiben vom 12. Januar 2018
nahmen die Beschwerdeführenden zu diesen Eingaben Stellung.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide – und
mit ihnen zusammen die Verfügungen des AGR nach Art. 24 ff. RPG – können nach
Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE
angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den
Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen und
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen und Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden, deren Baugesuch abgewiesen wurde, sind durch den
vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf
ihre form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. So sei
ihnen die Verfügung des AGR vom 22. Mai 2017 erst zusammen mit dem Bauabschlag
eröffnet worden, so dass sie keine Möglichkeit gehabt hätten, dazu vorgängig Stellung zu
nehmen. Zudem sei das AGR in seiner Verfügung mit keinem Wort auf die im Schreiben
vom 9. März 2017 vorgebrachten Argumente eingegangen, sondern habe sich mit einer
nahezu identischen Eingabe zur Stellungnahme vom 1. Februar 2016 begnügt. Eine
Heilung der Gehörsverletzung sei im Verfahren vor der BVE zwar möglich, müsse aber bei
der Kostenverlegung berücksichtigt werden.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein Teilaspekt des allgemeinen Grundsatzes
des fairen Verfahrens von Art. 29 BV5. Als grundlegende Verfahrensgarantie umfasst er
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 5 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101).
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insbesondere auch das Recht der Parteien, von jedem eingereichten Aktenstück bzw. jeder
Stellungnahme Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können, und zwar
unabhängig davon, ob dieses Aktenstück neue Tatsachen oder Argumente enthält.6
Demnach sind den Parteien im Baubewilligungsverfahren etwa die Amts- und Fachberichte
zuzustellen, so dass diese Gelegenheit haben, sich dazu zu äussern, sofern sie dies als
erforderlich erachten.7
Es ist unbestritten, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführenden die Verfügung des AGR
vom 22. Mai 2017 erst mit dem Entscheid vom 21. September 2017 zugestellt hat.
Allerdings erliess das AGR am 1. Februar 2017 bereits eine Stellungnahme, zu welcher
sich die Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren äussern konnten und welche
– wie dies die Beschwerdeführenden selber vorbringen – nahezu identisch mit der
späteren Verfügung war. Die Beschwerdeführenden hatten damit bereits früh Kenntnis von
den Gründen, welche aus Sicht des AGR zur Verweigerung der Bewilligung führen
mussten. Zu beachten ist sodann, dass das AGR über die Zonenkonformität sowie
Ausnahmegesuche nach den Art. 24 ff. RPG bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone
entscheidet (Art. 84 Abs. 1 BauG). Die Leitbehörde ist an den Entscheid des AGR –
welcher in Form einer Verfügung ergeht – gebunden. Die Verfügung des AGR musste
daher den Verfahrensbeteiligten nicht vor dem Entscheid durch die Leitbehörde zugestellt
werden. Vielmehr reicht es aus, wenn diese zusammen eröffnet werden und die Verfügung
des AGR entsprechend nur zusammen mit dem Entscheid der Leitbehörde angefochten
werden kann. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.
c) Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG8 muss eine Verfügung eine Begründung enthalten.
Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.9
6 BGE 133 I 100, Regeste und E. 4.3 ff.; BGer 5P.385/2005 E. 2.1 f. vom 17. Januar 2006. 7 VGE 100.2008.23254 vom 26. Februar 2009 in BVR 2009 S. 328 ff. E. 2.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 38/39 N. 9b; Urs Eymann, Das rechtliche Gehör im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren, KPG-Bulletin 2006 S. 47 ff. 8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 9 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5
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Die Beschwerdeführenden bemängeln die Begründung des AGR in der Verfügung vom
22. Mai 2017, da diese nicht auf ihre Argumente gemäss Stellungnahme vom 9. März 2017
eingegangen sei. In der Verfügung vom 22. Mai 2017 geht das AGR ausführlich darauf ein,
wieso die umstrittene Anlage aus ihrer Sicht bewilligungspflichtig ist und weder unter dem
Titel der Zonenkonformität noch mittels einer Ausnahmebewilligung bewilligt werden kann.
Wie die Beschwerdeführenden richtig festhalten, ist die Verfügung nahezu identisch mit der
Stellungnahme vom 1. Februar 2017. Dies bedeutet jedoch einzig, dass die Eingabe der
Beschwerdeführenden vom 9. März 2017 nichts an der Beurteilung der Fachbehörde
geändert hat. Daraus lässt sich jedoch nicht schliessen, dass die Verfügung vom 22. Mai
2017 ungenügend begründet wäre. So musste sich das AGR nicht mit sämtlichen
Einwänden der Beschwerdeführenden auseinandersetzen. Aus der Verfügung ergeben
sich die wesentlichen Überlegungen, von denen sich das AGR hat leiten lassen. Die
Beschwerdeführenden konnten damit nachvollziehen, aus welchen Gründen das AGR die
Bewilligung verweigerte. Sie waren entsprechend in der Lage, den Bauabschlag
sachgerecht anzufechten. Das AGR und die Vorinstanz sind deshalb ihrer
Begründungspflicht nachgekommen und es liegt keine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör vor.
3. Rechtsverweigerung
a) Die Beschwerdeführenden weisen darauf hin, dass das Baugesuch auch den
Abbruch des ehemaligen Hühnerstalls umfasse. Das AGR stelle in der Verfügung zwar
fest, dass der Abbruch dieses Schopfes unproblematisch und bewilligungsfähig sei, erteile
dann aber im Dispositiv die Bewilligung für diesen Teil des Bauvorhabens nicht. Dies stelle
eine Rechtsverweigerung dar und müsse von der BVE korrigiert werden. Sie hätten auf
jeden Fall ein Interesse an der Bewilligung des Abbruchs.
b) Will eine Behörde in einer Sache keine Verfügung erlassen bzw. keinen Entscheid
fällen oder behandelt sie die Sache nicht, obwohl sie dazu verpflichtet wäre, liegt eine
Rechtsverweigerung vor.10
10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 64.
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c) Es ist Sache der Bauherrschaft, das zu bewilligende Bauvorhaben im Baugesuch zu
umschreiben. Hierzu ist das amtliche Formular zu verwenden (Art. 10 Abs. 1 BewD).
Dieses Bauvorhaben gemäss Baugesuch ist für die Bewilligungsbehörden massgebend.
Im Formular 1.0 des Baugesuchs vom 10. Januar 2017 haben die Beschwerdeführenden
das Bauvorhaben wie folgt umschrieben: "Installation einer All-In-One-Solaranlage vom
Typ smartflower zur Eigendeckung des Strombedarfs mittels Solarstrom". Ein Abbruch des
Gebäudes Nr. E._ wird darin nicht erwähnt. Ebenso wenig ist der Abbruch dieses
Gebäudes im Situationsplan eingetragen. Die Vorinstanz war nicht verpflichtet, über einen
Abbruch dieses Gebäudes zu befinden, welcher gar nicht Bestandteil des Baugesuchs war.
Aus diesem Grund kann nicht von einer Rechtsverweigerung gesprochen werden. Die
Rüge erweist sich als unbegründet.
4. Baubewilligungspflicht
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, die umstrittene Solaranlage sei
baubewilligungsfrei. Auch wenn die geplante Anlage bei einer engen Auslegung nicht unter
Art. 18a Abs. 1 RPG falle, so müsse diese Bestimmung im vorliegenden Fall dennoch
berücksichtigt werden. Mit dieser Bestimmung habe der Bundesgesetzgeber ein
unmissverständliches Signal für die rasche und unkomplizierte Bewilligung und
Realisierung von Solaranlagen gesetzt. Diesem gesetzgeberischen Willen sei zu wenig
Rechnung getragen worden. Es handle sich sodann gestützt auf Art. 6 Abs. 1 Bst. f BewD
um eine bewilligungsfreie kleine Nebenanlage zu einem Gebäude. Die Smartflower verfüge
in zusammengefaltetem Zustand über ein Gesamtvolumen von 4.30 m3. Zwar werde die
maximale Höhe gemäss der Richtlinie "Baubewilligungsfreie Anlagen zur Gewinnung
erneuerbarer Energien" geringfügig überschritten, jedoch seien das Gesamtvolumen und
auch die Bruttofläche des Sockels mit 1.617 m2 deutlich unter dem festgelegten Grenzwert.
Die maximale Höhe von 2.50 m gemäss Richtlinie dürfe nicht ohne weiteres auf dieses
Produkt angewendet werden. Zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Richtlinie seien solche
Solarsysteme noch gänzlich unbekannt gewesen. Es müsse daher auch der
Fördergedanke von Solaranlagen miteinbezogen werden, was zu einer Bewilligungsfreiheit
der umstrittenen Anlage führe.
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b) Gemäss Art. 22 Abs. 1 RPG11 dürfen Bauten und Anlagen grundsätzlich nur mit
behördlicher Bewilligung errichtet oder geändert werden. Nicht baubewilligungspflichtig
sind Kleinvorhaben, die keine nennenswerten Einflüsse auf Raum, Erschliessung und
Umwelt haben. Nach Art. 18a RPG bedürfen auf Dächern genügend angepasste
Solaranlagen in Bau- und in Landwirtschaftszonen keiner Bewilligung nach Art. 22 RPG.
Solche Vorhaben sind lediglich der zuständigen Behörde zu melden.
Der bernische Gesetzgeber hat die baubewilligungspflichtigen und baubewilligungsfreien
Vorhaben gemäss den bundesrechtlichen Vorgaben in den Art. 1a und Art. 1b BauG in
genereller Art und Weise definiert und im Bewilligungsdekret festgelegt, welche
geringfügigen Vorhaben keiner Baubewilligung bedürfen. Art. 6 Abs. 1 Bst. f BewD
bestimmt, dass Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie baubewilligungsfrei erstellt
werden dürfen, wenn sie an Gebäuden angebracht oder als kleine Nebenanlagen zu
Gebäuden installiert werden und den kantonalen Richtlinien entsprechen. Nach den
erwähnten kantonalen Richtlinien12, denen die baubewilligungsfreien Anlagen entsprechen
müssen, handelt es sich bei der hier interessierenden zweiten Kategorie um kleine
freistehende Nebenanlagen bis maximal 10 m2 Bruttofläche und einer Höhe von max. 2.50
m ab Boden. Zu beachten ist sodann Art. 7 Abs. 1 BewD, wonach ein Bauvorhaben nach
Artikel 6 trotzdem baubewilligungspflichtig ist, wenn es ausserhalb der Bauzone liegt und
geeignet ist, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem es zum Beispiel den Raum
äusserlich erheblich verändert, die Erschliessung belastet oder die Umwelt beeinträchtigt.
c) Die projektierte Solaranlage "smartflower" ist als freistehende Anlage auf der Parzelle
Langnau im Emmental Grundbuchblatt Nr. D._ in der Landwirtschaftszone
geplant. Gemäss dem technischen Datenblatt13 weist diese Anlage im zusammengefalteten
Zustand eine Länge von 1.45 m und eine Höhe von 2.65 m auf. In Betriebszustand erreicht
die Anlage eine maximale Höhe von 4.72 m und eine Breite von 4.74 m. Der Freihalteraum
der Anlage beträgt 125 m3 (5 m x 5 m x 5 m).
Dem klaren Wortlaut folgend nimmt Art. 18a Abs. 1 RPG nur Solaranlagen auf Dächern
von der Bewilligungspflicht aus (sofern diese genügend angepasst sind). Hier handelt es
11 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 12 Richtlinien des Regierungsrats des Kantons Bern "Baubewilligungsfreie Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien, Januar 2015. 13 Vorakten Ziff. 5.07.
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sich jedoch um eine freistehende Solaranlage, so dass sich diese nicht unter Art. 18a RPG
subsumieren lässt. Die von den Beschwerdeführenden erwähnte gesetzlich vorgesehene
Interessengewichtung von Art. 18a Abs. 4 RPG bezieht sich zum einen nicht auf die Frage
der Baubewilligungspflicht, zum anderen ist in dieser Bestimmung auch nur von
Solaranlagen auf bestehenden oder neuen Bauten die Rede. Eine Befreiung von der
Bewilligungspflicht lässt sich auch aus dieser Bestimmung nicht ableiten.
Eine Baubewilligungsfreiheit der umstrittenen Anlage lässt sich auch nicht aus Art. 6 Abs. 1
Bst. f BewD ableiten. So sind Anlagen nach dieser Bestimmung nur bewilligungsfrei, wenn
sie den kantonalen Richtlinien entsprechen. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden kommt diesen Richtlinien daher bei der Beurteilung der
Baubewilligungsfreiheit nach Art. 6 Abs. 1 Bst. f BewD verbindlicher Charakter zu. Die
projektierte Solaranlage überschreitet unbestrittenermassen die nach der Richtlinie für
bewilligungsfreie Nebenanlagen maximal zulässige Höhe von 2.50 m. Im zugeklappten
Zustand zwar nur knapp, im Betriebszustand jedoch deutlich. Massgebend für die Frage
der Bewilligungspflicht muss primär der Betriebszustand der Anlage tagsüber sein, dann
also wenn man die Anlage auch sehen kann. Wie das AGR überzeugend ausführt, ist die
Anlage aufgrund ihrer hohen Effizienz tagsüber fast immer geöffnet (unabhängig von den
Witterungsverhältnissen). Eine freistehende Anlage mit einer maximalen Höhe von 4.70 m
und einem Durchmesser von rund 5 m kann nicht unter die kleinen Nebenanlagen nach
Art. 6 Abs. 1 Bst. f BewD subsumiert werden. Kommt dazu, dass sich die Anlage
ausserhalb der Bauzone befindet und aufgrund ihrer Grösse den Raum äusserlich
erheblich verändert, was unabhängig von Art. 6 Abs. 1 Bst. f BewD zur Bewilligungspflicht
führt (Art. 7 Abs. 1 BewD).
An der Baubewilligungspflicht der umstrittenen Anlage ändern auch die Einwände der
Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit der Förderung erneuerbarer Energien
nichts. Falls dem gesetzgeberischen Willen der Förderung erneuerbarer Energien mit
diesen Bestimmungen (Art. 18a RPG, Art. 6 Abs. 1 Bst. f BewD und kantonale Richtlinie)
zu wenig Rechnung getragen worden sein soll – wie dies die Beschwerdeführenden
monieren – so müssten auf gesetzgeberischer Ebene Änderungen angestrebt werden. Hier
muss darüber nicht befunden werden. Die rechtsanwendenden Behörden haben sich an
die geltenden rechtlichen Grundlagen zu halten. Aufgrund dieser untersteht die umstrittene
Anlage der Baubewilligungspflicht. Eine Normkorrektur kann nicht im Rahmen eines
Baubewilligungsverfahrens erfolgen.
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5. Zonenkonformität nach Art. 16a RPG
a) Die Beschwerdeführenden rügen, entgegen der Ansicht des AGR sei es für die Frage
der Zonenkonformität nicht entscheidend, ob es sich um ein landwirtschaftliches Gewerbe
im Sinne des BGBB14 handle. Dies spiele nur bei Bauten für den Wohnbedarf eine Rolle
(Art. 34 Abs. 3 RPV15). Es reiche aus, wenn es sich um einen Landwirtschaftsbetrieb
handle, was vorliegend der Fall sei. Von einer Freizeitlandwirtschaft könne hier keine Rede
sein. Entgegen den Ausführungen des AGR sei nicht nur die Energieerzeugung aus
Biomasse zonenkonform, sondern auch andere energieerzeugende Bauten und Anlagen,
die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung nötig seien. Insbesondere müsse die Aktivität
kein traditionelles Landwirtschaftsprodukt hervorbringen; ein ökologischer Nutzen genüge.
Mit der geplanten Smartflower solle u.a. der Strombedarf für landwirtschaftliche Maschinen
und Geräte abgedeckt werden. Die Anlage diene damit unmittelbar der Produktion
landwirtschaftlicher Produkte und sei zonenkonform. Auch die weiteren Voraussetzungen
von Art. 34 Abs. 4 RPV seien erfüllt.
b) Gemäss Art. 16a Abs. 1 RPG sind in der Landwirtschaftszone nur Bauten und
Anlagen zonenkonform, die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den
produzierenden Gartenbau nötig sind. Zonenkonform kann nur sein, was den baulichen
Bedürfnissen dieser Aktivitäten dient. Was Landwirtschaft oder produzierender Gartenbau
ist, umschreiben Art. 34 Abs. 1 und 2 RPV: Die Produktion verwertbarer Erzeugnisse aus
Pflanzenbau und Nutztierhaltung, die Bewirtschaftung naturnaher Flächen und die
Aufbereitung, die Lagerung sowie der Verkauf landwirtschaftlicher oder gartenbaulicher
Produkte im von Art. 34 Abs. 2 RPV näher bestimmten Umfang und Charakter.
Landwirtschaftsnahe Tätigkeiten wie der Agrotourismus oder die Energieproduktion (mit
Ausnahme der Energiegewinnung aus Biomasse, Art. 16a Abs. 1bis RPG) sind in der
Landwirtschaftszone grundsätzlich nicht zonenkonform. Für den landwirtschaftlichen oder
gartenbaulichen Zweck kommt es nicht darauf an, ob die Landwirtschaft bzw. der
produzierende Gartenbau haupt- oder nebenberuflich oder gar im Rahmen eines
landwirtschaftlichen Gewerbes betrieben wird.16 Die Bewilligung darf zudem nur erteilt
14 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB; SR 211.412.11). 15 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1). 16 Ruch/Muggli, Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone, Schulthess 2017, Vorb. zu Art. 16 bis 16b, N. 46 sowie Art. 16a N. 12 ff.
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werden, wenn die Voraussetzungen von Art. 34 Abs. 4 RPV erfüllt sind. Nach dieser
Bestimmung muss die Baute oder Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig
sein (Bst. a), es dürfen ihr am vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen (Bst. b) und der Betrieb muss voraussichtlich längerfristig bestehen
können (Bst. c).
c) Entgegen den Ausführungen des AGR gelangt Art. 16a RPG nicht nur bei
landwirtschaftlichen Gewerben im Sinne des BGBB zur Anwendung. Es reicht, wenn es
sich um einen Landwirtschaftsbetrieb handelt, was etwa auch nebenberufliche Betriebe
umfasst. Einzig Bauten und Anlagen für die Freizeitlandwirtschaft sind nicht zonenkonform
(Art. 34 Abs. 5 RPV), wovon vorliegend aber nicht auszugehen ist.
Für die Begründung der Zonenkonformität der umstrittenen Solaranlage genügt es aber
nicht, dass diese – wie von den Beschwerdeführenden vorgebracht – den Strombedarf für
landwirtschaftliche Maschinen und Geräte deckt und damit einen ökologischen Nutzen mit
sich bringt. Dies würde zur Folge haben, dass jegliche Anlagen zur Gewinnung von
Energie für die Eigennutzung eines Betriebs in der Landwirtschaftszone zonenkonform
wären, was nicht dem Sinn und Zweck von Art. 16a Abs. 1 RPG entspricht. Vielmehr
können Bauten und Anlagen nur dann als zonenkonform gelten, wenn sie unmittelbar der
landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder dem produzierenden Gartenbau dienen und
dafür nötig sind. Die umstrittene Solaranlage dient höchstens mittelbar der
landwirtschaftlichen Produktion oder Bewirtschaftung, indem der gewonnene Strom für
landwirtschaftliche Maschinen und Geräte genutzt wird. Die Anlage dient jedoch selber
nicht baulichen Bedürfnissen dieser Aktivitäten. Dazu kommt, dass auch keine betriebliche
Notwendigkeit dieser Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung im Sinne von Art.
34 Abs. 4 Bst. a RPV vorliegt. Zum einen verfügt der Betrieb der Beschwerdeführenden
bereits heute über einen Stromanschluss, so dass man nicht zwingend auf die Erzeugung
von zusätzlicher Energie vor Ort angewiesen ist. Zum anderen könnte die vorgesehene
Energiegewinnung mittels Solaranlage statt mit der geplanten freistehenden Anlage auch
auf dem Dach des Hauptgebäudes erfolgen. Es mag zwar sein, dass Solarpanels auf dem
Dach weniger effizient sind als die gewünschte Kompaktanlage, indessen kann auf dem
Dach eine grössere Fläche für die Energiegewinnung genutzt werden. Das vorliegende
Hauptgebäude der Beschwerdeführenden ist zudem nicht geschützt, so dass einer
Dachanlage nichts im Weg stehen dürfte. Dem Einwand der Beschwerdeführenden, dass
viele Dachsolaranlagen faktisch ausgeschlossen seien, weil die damit verbundene
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Sanierung des Daches in der Regel eine nicht bewilligungsfähige Nutzungsänderungen im
Wohnteil mit sich bringe, kann nicht gefolgt werden. Sowohl in das Dach eingebaute
Solaranlagen als auch auf dem Dach aufgebaute Solaranlagen sind problemlos möglich,
ohne dass Veränderungen am Wohnteil vorgenommen werden müssen. Letztlich ist eine
Solaranlage auf einer bestehenden Baute im Vergleich zu einer freistehenden Anlage aus
Sicht des Landschaftsschutzes von Vorteil und trägt dem Grundsatz Rechnung, wonach
die Nichtbauzonen so weit als möglich von Bauten freizuhalten sind. Von einer
betrieblichen Notwendigkeit der umstrittenen, freistehenden Anlage kann daher nicht
gesprochen werden.
Bauten und Anlagen zur Energiegewinnung sind schliesslich dann zonenkonform, wenn es
um eine Energiegewinnung aus Biomasse im Sinne von Art. 16a Abs. 1bis RPG und
Art. 34a RPV geht. Die Energieproduktion, die sich anderer Ausgangssubstanzen als
Biomasse bedient, fällt nicht unter diese Bestimmung.17
Die Zonenkonformität der umstrittenen Anlage wurde daher im Ergebnis zu Recht verneint.
Die Rüge erweist sich als unbegründet.
6. Ausnahme nach Art. 24 RPG
a) Die Beschwerdeführenden bringen weiter vor, die umstrittene Solaranlage könne
unter Art. 24 RPG bewilligt werden. Entgegen der Darstellung des AGR sei keine absolute
Standortgebundenheit verlangt. Vielmehr reiche es aus, wenn sich der Standort ausserhalb
der Bauzone gegenüber Standorten in der Bauzone als viel vorteilhafter erweise (relative
Standortgebundenheit). Die Kompaktanlage sei vorliegend standortgebunden, könnte doch
der Strombedarf des Betriebs nicht mit einer Kompaktanlage in der Bauzone gedeckt
werden. Die Anlage liege zudem in unmittelbarer Nähe zur Hauptliegenschaft und stelle
daher eine mit der standortgebundenen Hauptanlage betrieblich eng verknüpfte
Zusatzanlage dar, solle doch der Strombedarf des Betriebs sichergestellt werden.
Überwiegende Interessen stünden der Anlage nicht entgegen.
17 Ruch/Muggli, a.a.O. Art. 16a, N 20.
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b) Eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG setzt voraus, dass der Zweck der
Bauten und Anlagen einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert
(Standortgebundenheit, Art. 24 lit. a RPG) und keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen (Art. 24 lit. b RPG). Die Standortgebundenheit im Sinne von Art. 24 lit. a
RPG ist nach ständiger bundesgerichtlicher Praxis zu bejahen, wenn eine Anlage aus
technischen oder betriebswirtschaftlichen Gründen oder wegen der Bodenbeschaffenheit
auf einen Standort ausserhalb der Bauzone angewiesen ist (positive
Standortgebundenheit), oder wenn ein Werk aus bestimmten Gründen in einer Bauzone
ausgeschlossen ist (negative Standortgebundenheit). Dabei genügt eine relative
Standortgebundenheit: Es ist nicht erforderlich, dass überhaupt kein anderer Standort in
Betracht fällt; es müssen jedoch besonders wichtige und objektive Gründe vorliegen, die
den vorgesehenen Standort gegenüber anderen Standorten innerhalb der Bauzone als viel
vorteilhafter erscheinen lassen. Dies setzt eine Interessenabwägung voraus, die sich mit
derjenigen von Art. 24 Bst. b RPG überschneidet. Auf subjektive Vorstellungen und
Wünsche von Einzelnen kann es ebensowenig ankommen wie auf die persönliche
Zweckmässigkeit und Bequemlichkeit. Angesichts der vom RPG bezweckten Trennung
zwischen Bau- und Nichtbaugebiet stellt die Praxis an die Voraussetzungen der
Standortgebundenheit generell strenge Anforderungen.18
c) Die freistehende Solaranlage ist – im Unterschied etwa zu einer Wasserkraftanlage –
nicht auf einen Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen. Es sind weder technische
noch betriebswirtschaftliche Gründe ersichtlich, welche die Standortgebundenheit im Sinne
von Art. 24 RPG begründen könnten. Die Beschwerdeführenden sind – wie schon
ausgeführt (E. 5c) – nicht zwingend auf eine solche freistehende Anlage angewiesen,
weshalb keine betriebliche Notwendigkeit besteht. Es sind auch keine besonderen
wichtigen und objektiven Gründe erkennbar, wieso der geplante Standort in der
Landwirtschaftszone gegenüber anderen Standorten innerhalb der Bauzone viel
vorteilhafter sein sollte. Eine solche Anlage kann ebenso gut in der Bauzone betrieben
werden. Der Wunsch der Bauherrschaft, eine solche Anlage bei seinem Hof zu erstellen,
kann in diesem Zusammenhang nicht berücksichtigt werden. Würden solche subjektiven
Gründe berücksichtigt, so liesse sich praktisch jedes zonenfremde Bauvorhaben
ausserhalb der Bauzonen rechtfertigen.
18 VGE 100.2012.456 vom 11. Juni 2014, E. 8.1; BGE 136 II 214, E. 2.1; Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, Art. 24 N. 8 ff; Muggli, Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone, Schulthess 2017, Art. 24 N. 5.
https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReference=CH%2F700%2F24%2Fa https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReference=CH%2F700%2F24%2Fb https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReference=CH%2F700%2F24%2Fa https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReference=CH%2F700%2F24%2Fa
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Weiter ist zu beachten, dass im Rahmen von Art. 24 RPG nicht nur eine Standortevaluation
vorzunehmen ist, sondern ebenso verlangt wird, dass nicht die erstbeste Ausführungsart
gewählt wird. Es ist nach Alternativen zu suchen, mit welchen die Auswirkungen auf die
Umwelt so weit begrenzt werden können, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar ist.19 Wie bereits festgehalten (E. 5c), wäre eine Solaranlage auf dem
Dach des Hauptgebäudes mit weniger Auswirkungen auf die Umgebung verbunden als
dies bei einer freistehenden Solaranlage im geplanten Umfang der Fall ist. Es sind auch
keine Gründe erkennbar, wieso eine Solaranlage auf dem Dach nicht eine betrieblich
mögliche Alternative darstellen würde (vgl. E. 5c).
Die Beschwerdeführenden machen sodann geltend, die umstrittene Anlage stelle eine mit
der standortgebundenen Hauptanlage betrieblich eng verknüpfte Zusatzanlage dar. Unter
dem Titel der "abgeleiteten Standortgebundenheit" können allenfalls Zusatzanlagen als
standortgebunden anerkannt werden, wenn sie einem zonenfremden, aber
standortgebundenen Betrieb dienen, mit diesem betrieblich eng verknüpft sind und aus
technischen oder betriebswirtschaftlichen Gründen notwendig sind.20 Diese
Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Einerseits handelt es sich vorliegend nicht
um eine bestehende, zonenfremde Hauptanlage. Andererseits fehlt es an der technischen
oder betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit der Nebenanlage (die hier umstrittene
Solaranlage). Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass unter diesem Titel nur
Erweiterungen zulässig sind, welche für sich gesehen ebenfalls standortgebunden sind
oder einen anderen Ausnahmetatbestand erfüllen.21 Diese Voraussetzung ist vorliegend
ebenfalls nicht erfüllt, wie der vorliegende Entscheid zeigt.
Die umstrittene Anlage kann daher auch nicht als standortgebunden bewilligt werden. Die
Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG wurde zu Recht verweigert.
7. Ausnahme nach Art. 24c RPG
19 Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, Art. 24 N. 22 Lemma 3. 20 Muggli, a.a.O., Art. 24 N. 16; BGE 124 II 256 E. 4b. 21 Muggli, a.a.O., Art. 24 N. 16.
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a) Das AGR kam in seiner Verfügung vom 22. Mai 2017 zum Schluss, die vorgesehene
freistehende Solaranlage verändere das äussere Erscheinungsbild der Liegenschaft und
beinhalte eine volumenmässige Erweiterung. Sie diene weder der zeitgemässen
Wohnnutzung noch der energetischen Sanierung der Liegenschaft. Die Einpassung der
Liegenschaft in die Landschaft werde durch die ortsfremde Anlage beeinträchtigt. Die
Voraussetzungen nach Art. 24c Abs. 4 RPG für Erweiterungen ausserhalb des
bestehenden Gebäudevolumens seien damit nicht erfüllt.
b) Die Beschwerdeführenden erachten die umstrittene Solaranlage unter Art. 24c RPG
als bewilligungsfähig. So diene die Umstellung auf Solarenergie einer zeitgemässen
Wohnnutzung im Sinne von Art. 24c Abs. 4 RPG. Dabei sei auch hier die
gesetzgeberischen Bestrebungen zu beachten, solche Anlagen auch auf der Ebene des
Raumplanungsrechts zu fördern. Bei der Kompaktanlage handle es sich sodann um eine
Anbaute für die Energieversorgung, so dass auch der Tatbestand der energetischen
Sanierung gemäss dieser Bestimmung erfüllt sei. Das Volumenkriterium nach Art. 42 Abs.
3 lit. b RPV gelange gar nicht zur Anwendung, da es sich bei der umstrittenen Baute nicht
um unbebauten Raum handle. Selbst wenn dieses jedoch zur Anwendung gelangen sollte,
sei die zulässigen Erweiterungen dieser Bestimmung eingehalten. Die Identität der
Liegenschaft bleibe durch den Bau der umstrittenen Solaranlage gewahrt, da sich die in
unmittelbarer Nähe des Hauptbaus und am alten Standort des Hühnerhauses befinde. Die
Anlage verliere sich aufgrund ihres Aufbaus in der Landschaft und sei bereits ab einer
relativ geringen Distanz kaum mehr optisch wahrnehmbar. Es sei zu beachten, dass die
Wahrung der Identität im Interesse der Förderung der Solarenergie besonders grosszügig
betrachtet und die Solaranlage im Vergleich zur Hauptanlage als äusserst klein und
unscheinbar bezeichnet werden müsse.
c) Nach Art. 24c RPG werden bestimmungsgemäss nutzbare Bauten und Anlagen
ausserhalb der Bauzonen, die nicht mehr zonenkonform sind, in ihrem Bestand
grundsätzlich geschützt (Abs. 1). Vorliegend ist unbestritten, dass die Liegenschaft der
Beschwerdeführenden vor dem 1. Juli 1972 rechtmässig erstellt wurde und Art. 24c RPG
damit grundsätzlich zur Anwendung gelangt.
Bauten und Anlagen, die unter den Geltungsbereich von Art. 24c RPG fallen, können
erneuert, teilweise geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden (Art. 24c
Abs. 2 RPG). In jedem Fall bleibt die Vereinbarkeit mit den wichtigen Anliegen der
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Raumplanung vorbehalten (Abs. 5). Nach Art. 42 RPV gilt eine Änderung als teilweise und
eine Erweiterung als massvoll, wenn die Identität der Baute oder Anlage einschliesslich
ihrer Umgebung in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt (Abs. 1). Ob die Identität der
Baute gewahrt bleibt, ist unter Würdigung der gesamten Umstände zu beurteilen (Abs. 3).
Für Erweiterungen sind dabei die quantitativen Grenzen zu beachten (Abs. 3 Bst. a und b).
Erweiterungen ausserhalb des Gebäudevolumens führen zu einer Veränderung am
äusseren Erscheinungsbild. Damit Veränderungen ausserhalb des Gebäudevolumens
zulässig sind, müssen sie für eine zeitgemässe Wohnnutzung oder für eine energetische
Sanierung nötig oder darauf ausgerichtet sein, die Einpassung in die Landschaft zu
verbessern (Art. 24c Abs. 4 RPG).
d) Die umstrittene Solaranlage ist gemäss Situationsplan 8.60 m von der
Hauptliegenschaft der Beschwerdeführenden entfernt. Gemäss den Aussagen der
Beschwerdeführenden soll mit ihr "u.a. der Strombedarf für landwirtschaftliche Maschinen
und Geräte gedeckt werden".22
e) Es ist vorab zweifelhalft, ob sich die umstrittene Anlage aufgrund des fehlenden
körperlichen Zusammenhangs und der doch beträchtlichen Grösse im Betriebszustand
(maximale Höhe von 4.70 m und Durchmesser von rund 5 m) der Hauptbaute noch so
unterordnet, dass die Identität im Sinne von Art. 42 RPV gewahrt bleibt. Von einer äusserst
kleinen und unscheinbaren Anlage, wie dies die Beschwerdeführenden behaupten, kann
jedenfalls nicht gesprochen werden. Letztlich kann dies jedoch offen bleiben, da das
Vorhaben die Voraussetzungen von Art. 24c Abs. 4 RPG nicht erfüllt (vgl. nachfolgend).
f) Bei der vom Hauptbau knapp 9 m entfernten Anlage handelt es sich um eine
Erweiterung ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens, für welche Art. 42 Abs. 3
Bst. b RPV explizit die Einhaltung der Voraussetzungen von Art. 24c Abs. 4 RPG verlangt.
Die umstrittene Anlage muss somit für eine zeitgemässe Wohnnutzung oder für eine
energetische Sanierung nötig oder darauf ausgerichtet sein, die Einpassung in die
Landschaft zu verbessern. An diese Voraussetzungen sind gemäss der
bundesgerichtlichen und verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung hohe Anforderungen zu
stellen.23
22 Beschwerde vom 20. Oktober 2017, Rz. 40. 23 BGer 1C_247/2015 vom 14. Januar 2016, E. 4.2; VGer 2014/322 vom 3. Mai 2016, E. 3.5 ff.
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Beim Tatbestand der zeitgemässen Wohnnutzung sind Änderungen am äusseren
Erscheinungsbild grundsätzlich nur zulässig, wenn sie nötig sind, um die ursprüngliche
Wohnnutzung auf einen zeitgemässen Stand zu bringen. So können beispielsweise
Raumhöhen und Belichtung von bestehenden Wohnflächen unter grösstmöglicher
Wahrung des Erscheinungsbildes den heutigen Bedürfnissen angepasst werden. Unter
Umständen können auch weitere Bauten oder Bauteile unter diesem Titel nötig sein, etwa
ein Aussensitzplatz oder ein Balkon oder ein gedeckter, mindestens zweiseitig offener
Fahrzeugunterstand.24 Der Bau einer freistehenden Solaranlage gehört nicht zu den
Vorhaben, welche für eine zeitgemässe Wohnnutzung nötig sind. Der blosse Umstand,
dass erneuerbare Energieformen grundsätzlich zu fördern sind, vermag entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführenden nicht zur Notwendigkeit einer solchen Anlage für eine
zeitgemässe Wohnnutzung zu führen.
Bewilligungsfähig sind sodann bauliche Massnahmen an einem Gebäude, die im Rahmen
einer energetischen Sanierung nötig sind. In der BSIG des Kantons Bern25 werden als
Beispiele eine Aussenisolation der Fassaden, eine Änderung der Befensterung oder
Anbauten für die Energieversorgung (wie etwa Luft/Wasser-Wärmepumpen) erwähnt. Es
geht mit anderen Worten um energetische Sanierungsmassnahmen an einem Gebäude.
Die umstrittene Anlage steht in keinem Zusammenhang mit einer energetischen Sanierung
des angrenzenden Hauptgebäudes. Es handelt sich um eine freistehende Anlage, die
Strom erzeugt. Dies ist nicht vergleichbar mit dem Ersatz eines alten Heizsystems, etwa
durch eine Wärmepumpe. Zwar kann mit dem gewonnenen Solarstrom indirekt eine
energetische Sanierung unterstützt werden, indem dieser Strom etwa zur
Warmwasseraufbereitung oder zum Betreiben einer neuen Heizform wie einer
Wärmepumpe benutzt wird. Dies führt aber nicht dazu, dass die Erzeugung von Solarstrom
durch eine freistehende Solaranlage ohne energetische Sanierungsmassnahmen im oder
am Gebäude selber als energetische Sanierung eines Hauses bezeichnet werden könnte.
Vorliegend kommt noch dazu, dass die Beschwerdeführenden nicht geltend machen, den
gewonnenen Solarstrom in der erwähnten indirekten Form (d.h. für die
Warmwasseraufbereitung oder das Betreiben einer neuen Heizanlage) zu nutzen. Vielmehr
führen sie einzig aus, damit den Strombedarf für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte
zu decken. Das umstrittene Bauvorhaben kann damit nicht unter den Tatbestand der
"energetischen Sanierung" subsumiert werden.
24 Bernische Systematische Information Gemeinden BSIG, Nr. 7/721.0/14.2 vom 13. September 2017, Ziff. 2.2. 25 Bernische Systematische Information Gemeinden BSIG, Nr. 7/721.0/14.2 vom 13. September 2017, Ziff. 2.2.
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Die umstrittene Anlage ist letztlich auch nicht darauf ausgerichtet, die Einpassung in die
Landschaft zu verbessern. Somit widerspricht das Vorhaben auch den Voraussetzungen
von Art. 24c Abs. 4 RPG. Sie kann auch aus diesem Grund nicht mittels einer
Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG bewilligt werden.
g) Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die umstrittene Anlage aufgrund des
fehlenden körperlichen Zusammenhangs zur Hauptbaute überhaupt noch als Erweiterung
dieses Gebäudes im Sinne von Art. 24c RPG gelten kann.
Schliesslich lässt sich aus dem in der Beschwerde vorgebrachten Bundesgerichtsentscheid
(BGE 1C_345/2014 vom 17. Juni 2015) nichts zugunsten der Beschwerdeführenden
ableiten, handelte es sich doch dort – im Unterschied zum vorliegenden Fall – um eine
Solaranlage auf dem Dach eines bestehenden Hauses.
8. Beweismittel, Wirtschaftsfreiheit
a) Die Beschwerdeführenden bemängeln, dass die Vorinstanz keinen Fachbericht beim
Amt für Umweltkoordination und Energie (AUE) eingeholt habe. Sie hätten diesen
Beweisantrag mehrfach gestellt. Es gehe in diesem Verfahren um grundsätzliche Fragen
der Förderung von erneuerbaren Energien, welche bei der Interessenabwägung zu
berücksichtigen seien. Es sei zu einseitig auf die raumplanerischen Interessen abgestellt
worden. Die verschiedenen Interessen seien zu ermitteln und sorgfältig gegeneinander
abzuwägen, was eine Stellungnahme des AUE erfordere. Mit Eingabe vom 12. Januar
2018 halten die Beschwerdeführenden ausdrücklich an diesem Beweisantrag fest.
Die Behörden stellen den Sachverhalt von Amtes wegen fest; sie sind nicht an die
Beweisanträge der Parteien gebunden (Art. 18 VRPG). Der Anspruch auf rechtliches
Gehör (Art. 21 ff. VRPG) verpflichtet aber die Behörden, die von den Parteien angebotenen
Beweise abzunehmen, sofern diese nötig sind für die Klärung des Sachverhalts. Erscheint
die Sachlage jedoch umfassend abgeklärt und versprechen zusätzliche Erhebungen keine
wesentlich neuen Erkenntnisse, so brauchen keine weiteren Untersuchungen angestellt zu
werden, selbst wenn nicht alle denkbaren Möglichkeiten der Beweisführung ausgeschöpft
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worden sind.26 Wenn die Behörde damit bei freier, pflichtgemässer Beweiswürdigung zur
Überzeugung gelangt, die vorhandenen Akten erlaubten die richtige und vollständige
Feststellung des Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der
Streitsache nicht von Bedeutung, so kann sie auf das Erheben weiterer Beweise
verzichten. Diese sogenannte antizipierte Beweiswürdigung verletzt den Anspruch auf
rechtliches Gehör nicht.27
Das umstrittene Vorhaben scheitert vorliegend bereits an Grundvoraussetzungen der
Zonenkonformität nach Art. 16a RPG und der Ausnahmebewilligungen von Art. 24 RPG
und Art. 24c RPG. Die bei diesen Tatbeständen ebenfalls verlangte Interessenabwägung
musste daher gar nicht vorgenommen werden. Entsprechend war es auch nicht angezeigt,
eine Stellungnahme des AUE hierzu einzufordern, hätte das umstrittene Bauvorhaben
doch unabhängig davon nicht bewilligt werden können. Die Vorinstanz konnte daher darauf
verzichten. Der Vorwurf der Beschwerdeführenden erweist sich daher als unbegründet.
Gleiches gilt für den von den Beschwerdeführenden beantragten Augenschein. Auch von
diesem Beweismittel waren hier keine weiteren, entscheidrelevanten Erkenntnisse zu
erwarten.
b) Die Beschwerdeführenden bringen schliesslich vor, das AGR habe mit seiner
negativen Stellungnahme im Ergebnis den freien Marktzugang eines Produkts verhindert
und damit unter dem Deckmantel der Raumplanung unzulässige Wettbewerbspolitik
betrieben. Gleiches gelte für das Bundesamt für Raumentwicklung und die Kantone,
welche gemäss Aussagen des AGR an einem Erfahrungsaustausch die Solaranlage vom
Typ smartflower generell als nicht bewilligungsfähig erachtet hätten (vgl. Stellungnahme
Beschwerdeführende vom 12. Januar 2018). Der Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit sei nicht
durch eine gesetzliche Grundlage gedeckt, liege nicht im öffentlichen Interesse und sei
unverhältnismässig.
Nach Art. 27 Abs. 1 BV28 ist die Wirtschaftsfreiheit gewährleistet. Sie umfasst insbesondere
die freie Wahl des Berufes sowie den freien Zugang zu einer privatwirtschaftlichen
Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung (Art. 27 Abs. 2 BV). Inwiefern die
Wirtschaftsfreiheit der Beschwerdeführenden durch den Bauabschlag tangiert sein soll, ist
26 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 10. 27 BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3, mit Hinweisen. 28 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101).
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nicht erkennbar und wird durch die Beschwerdeführenden nicht näher ausgeführt. Die
Wirtschaftsfreiheit gibt keinen Anspruch darauf, eine freistehende Solaranlage für den
Eigengebrauch aufzustellen. Im Übrigen wird der freie Marktzugang des Produkts nicht
verhindert, da mit diesem Entscheid nicht ein Verbot von solchen Solaranlagen einhergeht;
vorab innerhalb des Baugebiets ist der Bau solcher Anlagen nicht ausgeschlossen.
9. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend ergibt sich, dass die umstrittene Solaranlage vom Typ
smartflower baubewilligungspflichtig ist und diese vom AGR und der Vorinstanz zu Recht
als nicht bewilligungsfähig eingestuft wurde. Die Anlage ist nicht zonenkonform und kann
nicht mittels Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG bewilligt werden. Die Beschwerde
ist daher abzuweisen.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1
GebV29).
c) Weder die Beschwerdeführenden noch die Gemeinde haben Anspruch auf
Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 1 und 4 sowie Art. 108 Abs. 3 VRPG). Demzufolge
werden keine Parteikosten gesprochen.