Decision ID: 523ff2b9-eefd-592f-81d5-87ffcbe3bed5
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am (...) suchte der Beschwerdeführer in der Schweiz um Asyl nach.
B.
Im Rahmen der Anhörung vom 7. November 2018 machte der Beschwer-
deführer zur Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend,
syrischer Staatsbürger kurdischer Ethnie zu sein, aus dem Dorf B._
(Bezirk C._, Provinz D._) zu stammen und vom 18. März
1992 bis am 18. September 1994 Militärdienst geleistet zu haben. Nach
der Machtübernahme durch die Volksverteidigungseinheiten (YPG) sei er
aus innerer Überzeugung Mitglied der YPG geworden und für die Lebens-
mittellieferungen zuständig gewesen. Während eines Lebensmitteltrans-
portes sei er im Januar 2014 zusammen mit anderen Angehörigen der YPG
von Angehörigen der Terrororganisation Jabhat Al-Nusra entführt und ge-
foltert worden. Am 15. März 2014 habe man ihn im Rahmen eines Gefan-
genenaustausches freigelassen. Er sei durch die lange, qualvolle Gefan-
genschaft psychisch angeschlagen gewesen und habe erst nach drei Mo-
naten seine Tätigkeit für die YPG wiederaufgenommen. Schliesslich habe
er aufgrund von erneuten Kampfhandlungen im April 2017 wegen seines
psychisch angeschlagenen Zustands um Freilassung aus dem Dienst ge-
beten, was ihm gewährt worden sei. Am 20. August 2017 habe er Syrien
verlassen. Nach seiner Ausreise sei seine Familie insgesamt drei Mal von
Angehörigen des syrischen Geheimdienstes, welche sich nach seinem
Aufenthaltsort erkundigt hätten, aufgesucht worden. Diese Suche könnte
im Zusammenhang mit der Festnahme eines ehemaligen Kameraden
E._ bei der YPG stehen, der von der Regierung festgenommen
worden sei und möglicherweise etwas über ihn erzählt habe. Es sei nicht
auszuschliessen, dass er von E._ im Wissen, dass er das Land ver-
lassen habe, belastet worden sei, um selber entkommen zu können.
C.
Mit Verfügung vom 29. Mai 2019 (Eröffnung am 6. Juni 2019) lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Weg-
weisung an, nahm ihn indessen wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs in der Schweiz vorläufig auf.
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D.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Juli 2019 erhob der Beschwer-
deführer gegen diese Verfügung Beschwerde. Er beantragte die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an
das SEM zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung,
eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm unter
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht wurde um Einsicht in die Aktenstücke A2/8, A18/2 und
A26/2 und um Gewährung einer damit verbundenen Frist zur Beschwerde-
ergänzung sowie unter Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG ersucht.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 5. August 2019 wurde das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG gut-
geheissen und auf das Erheben eines Kostenvorschusses verzichtet. Im
Weiteren wurde dem Rechtsvertreter Einsicht in das Aktenstück A2/8 ge-
währt. Der Antrag um Gewährung einer Frist zur Beschwerdeergänzung
wurde abgewiesen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
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Seite 4
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde in Anwendung von
Art. 111a Abs. 2 AsylG verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 5
5.
5.1 Die Vorinstanz erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers als
nicht asylrelevant. Sie führte aus, dass der Beschwerdeführer in Syrien kei-
nen gezielt gegen seine Person gerichteten staatlichen Verfolgungsmass-
nahmen aus den in Art. 3 AsylG genannten Gründen ausgesetzt gewesen
sei.
5.2 Der Beschwerdeführer habe angegeben, mit den syrischen Behörden,
auch wenn diese von der Zugehörigkeit zur YPG gewusst hätten, keine
Schwierigkeiten gehabt zu haben. So sei er beispielsweise auf der Fahrt
nach D._ oder C._ nur angehalten und kontrolliert worden
(vgl. SEM-Protokoll S. 12). Im Weiteren habe der Beschwerdeführer ange-
geben, abgesehen von seiner Tätigkeit für die YPG keiner politischen Tä-
tigkeit nachgegangen zu sein. Die Entführung im Jahre 2014 durch die Jab-
hat-Al-Nusra sei Ausdruck der Situation allgemeiner Gewalt in Syrien und
zudem mangels eines sachlichen und zeitlichen Kausalzusammenhangs
mit der Ausreise nicht asylrelevant. Die geltend gemachte behördliche Su-
che nach ihm nach seiner Ausreise sei aufgrund der spekulativen, unbe-
stimmten Angaben nicht geeignet, eine begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung herbeizuführen. Schliesslich seien die exilpolitischen Aktivitä-
ten in der Schweiz (Teilnahme an Demonstrationen der Hawala) als gering
einzustufen.
6.
6.1 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, die Vorinstanz habe den
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt und den rechtserheblichen Sach-
verhalt unvollständig und unrichtig festgestellt beziehungsweise sei seiner
Abklärungspflicht ungenügend nachgekommen.
So habe das SEM den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem es
keine Einsicht in die als «Rapport GWK» (A2/8), «Mailverkehr SEM-NDB»
(18/2) und «Korrespondenz» (A26/2) bezeichneten Aktenstücke gewährt
habe. A2/8 sei zu Unrecht mit «C» (Akten anderer Behörden) bezeichnet
worden, sei doch der «Rapport GWK» mit der Zustellung an das SEM zu
Akten desselben geworden. Beim Aktenstück «Mailverkehr SEM-NDB»
(A18/2) könne es sich per se nicht um eine interne Akte handeln. Im Wei-
teren sei aus der Bezeichnung des Aktenstückes A26/2 mit «Korrespon-
denz» nicht ersichtlich, weshalb dieses wegen überwiegend öffentlichen
und privaten Interessen geheim gehalten werden sollte. Daher habe das
SEM die Pflicht zur vollständigen und richtigen Aktenführung sowie den
Anspruch auf Akteneinsicht verletzt. Diese Verletzung müsse zwingend die
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Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur Folge haben. Eventualiter sei
nach Gewährung der Akteneinsicht eine Frist zur Beschwerdeergänzung
zu gewähren. Im Weiteren habe das SEM den Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt, indem es die Akten der Verwandten der Beschwerdefüh-
renden nicht herbeigezogen und gewürdigt habe. Hierzu sei auf die jüngste
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu verweisen (vgl. Urteile
D-2068/2019 und D-2073/2019). Schliesslich habe die Anhörung zu lange
gedauert (5 Stunden 45 Minuten).
6.2 In materieller Hinsicht machte die Rechtsvertretung geltend, es sei of-
fensichtlich, dass eine aus der Haft der Jabhat-Al-Nusra entlassene Person
im Verdacht stehe, mit dieser zusammenzuarbeiten. Bereits aus diesem
Grund sei der Beschwerdeführer ins Visier der syrischen Behörden gera-
ten. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer glaubhaft geschildert, dass
die syrischen Behörden ihn nach seiner Ausreise gesucht hätten. Die dies-
bezüglichen Angaben des Beschwerdeführers seien nicht spekulativ, sei
es doch nicht dem Beschwerdeführer und dessen Ehefrau vorzuwerfen,
wie die erscheinenden syrischen Behördenmitglieder über den Grund der
Suche informiert hätten. Der Beschwerdeführer habe ausdrücklich ange-
geben, dass er davon ausgehe, aufgrund der Angaben seines verhafteten
Kameraden gesucht zu werden. Schliesslich habe das SEM nicht berück-
sichtigt, dass der Beschwerdeführer bereits im Heimatstaat politisch sehr
aktiv gewesen sei (behördliche Suche aufgrund der Teilnahme an regime-
kritischen Demonstrationen). Wie sich aus dem mit der Beschwerde einge-
reichten Bestätigungsschreiben vom 25. Juni 2019 ergebe, sei der Be-
schwerdeführer Mitglied (...) und beteilige sich in der Schweiz regelmässig
an Veranstaltungen sowie an Kundgebungen.
7.
7.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-
che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer stellt
den Antrag, die angefochtene Verfügung seien wegen unrichtiger und un-
vollständiger Sachverhaltsfeststellung und wegen der Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör aufzuheben und die Akten zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
7.2 Dem Rechtsvertreter wurde im Rahmen des Akteneinsichtsgesuches
Aktenstück A2/8 nicht zugestellt und damit die Akteneinsicht unvollständig
gewährt, handelt es sich doch hierbei nicht um eine interne Akte im Sinne
der bundesgerichtlichen Praxis (BGE 115 V 303). Mit Zwischenverfügung
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vom 5. August 2019 wurde dem Rechtsvertreter eine Kopie des genannten
Aktenstückes zugestellt. Da es sich hierbei lediglich um einen Kontrollrap-
port der Grenzwacht vom (...) im Zusammenhang mit der illegalen Einreise
des Beschwerdeführers handelt, wurde der Antrag um Gewährung einer
damit verbundenen Frist zur Beschwerdeergänzung abgewiesen. Wie mit
Zwischenverfügung vom 5. August 2019 bereits festgehalten, unterliegen
die Aktenstücke A26/2 und A18/2 der Geheimhaltungspflicht. Die aus der
unvollständig gewährten Akteneinsicht entstandene Verletzung des recht-
lichen Gehörs ist als geheilt zu betrachten. Eine Verletzung der Aktenfüh-
rungspflicht, wie in der Beschwerde geltend gemacht, liegt insofern vor, als
der Beschwerdeführer aufgrund der Bezeichnung des Aktenstückes A26/2
mit «Korrespondenz» nicht feststellen kann, ob ihm die Akteneinsicht zu
Recht verweigert wurde. Indessen wurde der entsprechende Mangel in der
Zwischenverfügung vom 5. August 2019 geheilt und ihm die Akteneinsicht
ohnehin zu Recht verweigert. Inwiefern die erfolgte Heilung auf Beschwer-
deebene vorliegend relevant für den Kostenentscheid ist, ist im Kosten-
punkt zu beurteilen.
Im Weiteren war das SEM war nicht gehalten, den allfälligen Beizug der
Dossiers der Verwandten des Beschwerdeführers zu dokumentieren. An-
ders als in den in der Beschwerdeschrift zitierten Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts D-2068/2019 und D-2073/2019 begründete der Be-
schwerdeführer sein Asylgesuch vorliegend nicht mit einer (Reflex-)Verfol-
gung aufgrund seiner Verwandten. Schliesslich ist weder die Befragungs-
weise an der Anhörung noch deren Dauer im Hinblick auf den Grundsatz
der Verfahrensfairness zu beanstanden. Zwar erscheint die Dauer der An-
hörung von 5 Stunden 45 Minuten auf den ersten Blick recht lang, ist aber
angesichts integrierter Pausen keineswegs unzumutbar.
7.3 Nach dem Gesagten besteht daher keine Veranlassung, die angefoch-
tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur
Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachver-
halts und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. Die entspre-
chenden Anträge sind demzufolge abzuweisen.
8.
8.1 In materieller Hinsicht ist festzuhalten, dass das SEM die Vorbringen
des Beschwerdeführers zu Recht und mit zutreffender Begründung als
nicht asylrelevant erachtet hat.
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Seite 8
8.2 Die Entführung des Beschwerdeführers im Jahre 2014 durch die Jab-
hat-Al-Nusra ist mangels eines sachlichen und zeitlichen Kausalzusam-
menhangs mit der Ausreise nicht asylrelevant.
8.3 Die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers, nach seiner Ausreise
sei seine Familie insgesamt drei Mal von Angehörigen des syrischen Ge-
heimdienstes, welche sich nach seinem Aufenthaltsort erkundigt hätten,
aufgesucht worden, wurden von der Vorinstanz nicht als unglaubhaft be-
zeichnet. Indessen vermochte der Beschwerdeführer nicht genügend kon-
krete Anhaltspunkte für eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung
plausibel zu machen. Er gab an, dass diese Suche im Zusammenhang mit
der Festnahme eines ehemaligen Kameraden E._ bei der YPG ste-
hen könnte, der von der Regierung festgenommen worden sei und mög-
licherweise etwas über ihn erzählt habe. Es sei nicht auszuschliessen,
dass er von E._ im Wissen, dass er das Land verlassen habe, be-
lastet worden sei, um selber entkommen zu können. Bei diesen Angaben
handelt es sich um blosse Mutmassungen. Die Annahme in der Be-
schwerde, wonach eine aus der Haft der Jabhat-Al-Nusra entlassene Per-
son in Verdacht stehe, mit dieser zusammenzuarbeiten, erscheint nicht
zwingend, zumal der Beschwerdeführer nach der Entlassung aus der Haft
bis zu seiner Ausreise keinen behördlichen Behelligungen ausgesetzt war.
Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben
aufgrund der Zugehörigkeit zur YPG keine Schwierigkeiten mit den syri-
schen Behörden gehabt habe und vor seiner Ausreise keiner sonstigen po-
litischen Aktivität nachgegangen sei, ist allein aufgrund der geltend ge-
machten behördlichen Suche nach dem ausgereisten Beschwerdeführer,
deren Grund wie erwähnt auf blossen Mutmassungen beruht, ein Verfol-
gungsinteresse der syrischen Behörden nicht ersichtlich.
8.4 Auch die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers im geringen
Ausmass (gelegentliche Teilnahme an Demonstrationen) ist für die An-
nahme einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung nicht geeignet.
Im als Referenzurteil publizierten Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-3839/2013 vom (...) wurde ausgeführt, dass der Schwerpunkt der
Aktivitäten der syrischen Geheimdienste im Ausland nicht bei einer gross-
flächigen, sondern bei einer selektiven und gezielten Überwachung der im
Ausland lebenden Opposition liege. Die Annahme, die betroffene Person
habe die Aufmerksamkeit der syrischen Geheimdienste in einer Weise auf
sich gezogen, welche auf eine begründete Furcht vor Verfolgung wegen
exilpolitischen Tätigkeiten schliessen lasse, rechtfertige sich deshalb nur,
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Seite 9
wenn diese sich in besonderem Mass exponiere (vgl. Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3.2–6.3.6
m.w.H.). Eine solche Exponierung ist im Falle des Beschwerdeführers zu
verneinen. Wie der Beschwerdeführer angab, hätten sich die Demonstrati-
onen, an der er teilgenommen habe, aufgrund von militärischen Eingriffen
in der von der YPG kontrollierten Grenzregion insbesondere gegen die Tür-
kei gerichtet. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeit vom syrischen Geheimdienst als
Regimegegner betrachtet wird.
8.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-
tritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.3 Mit der angefochtenen Verfügung wurde der Beschwerdeführer wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufge-
nommen. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind
(vgl. BVGE 2009/51), besteht kein schutzwürdiges Interesse an der Über-
prüfung, aus welchen Gründen die Vorinstanz den Vollzug aufgeschoben
hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG).
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwischen-
verfügung vom 5. August 2019 das mit der Beschwerde gestellte Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1
VwVG gutgeheissen. Demzufolge sind keine Verfahrenskosten zu erhe-
ben.
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11.
Praxisgemäss wäre eine anteilmässige Parteientschädigung zuzuspre-
chen, wenn, wie vorliegend, eine Verfahrensverletzung auf Beschwerde-
ebene geheilt wird. Indessen ist dem Beschwerdeführer aus der nicht ge-
nügenden Bezeichnung des Aktenstückes A26/2 kein schwerwiegender
Rechtsnachteil erwachsen, zumal die Einsicht in das genannte Aktenstück
auf Beschwerdeebene aus Geheimhaltungsgründen verweigert wurde. Da-
her ist von der Zusprechung einer (anteilsmässigen) Parteientschädigung
abzusehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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