Decision ID: c9815372-906e-45b6-8bfc-ecd67175693e
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Mit Entscheid vom 7. März 2013, IV 2012/39, hob das Versicherungsgericht die
rentenabweisende Verfügung vom 7. Dezember 2011 (IV-act. 78) auf und wies die
Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen betreffend das am 31. März 2009
von A._ eingereichte Rentengesuch (IV-act. 1) an die IV-Stelle zurück (siehe hierzu
sowie zur bis dahin massgebenden Sachverhaltsentwicklung IV-act. 92).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 21. und 23. Oktober 2013 in der
MEDAS Ostschweiz polydisziplinär (allgemein-internistisch, psychiatrisch, orthopädisch
und neurologisch) untersucht. Die Gutachter diagnostizierten "mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit" einen Status nach Carpaltunnelsyndrom beidseits
01/2008 (ICD-10: G56.0). Als Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit erwähnten sie u.a. eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
(ICD-10: "F00"), akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen, abhängigen und
unreifen Zügen sowie eine anamnestisch diagnostizierte leichte Intelligenzminderung
(ICD-10: F70). Sowohl für die angestammte Tätigkeit als Küchenhilfe als auch für
andere leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigten sie eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
(Gutachten vom 19. Dezember 2013, IV-act. 107).
A.c Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren wies die IV-Stelle ausgehend von der
gutachterlich bescheinigten 100%igen Arbeitsfähigkeit das Rentengesuch ab
(Verfügung vom 27. Februar 2014, IV-act. 114).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 27. Februar 2014 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 31. März 2014. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter
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Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei ihr eine ganze Rente
zuzusprechen. Eventuell sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, der psychiatrische
Teil des MEDAS-Gutachtens sei nicht beweiskräftig (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2014 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, das MEDAS-Gutachten,
insbesondere dessen psychiatrischer Teil, erfülle sämtliche Voraussetzungen einer
beweiskräftigen Expertise (act. G 4).
B.c Die Beschwerdeführerin hat auf eine Replik verzichtet (act. G 6).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
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liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
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2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht
rechtsgenüglich abgeklärt worden ist.
2.1 Hinsichtlich des somatischen Teils des MEDAS-Gutachtens ergeben sich keine
Hinweise, welche Zweifel an der gutachterlichen Beurteilung (100%ige Arbeitsfähigkeit)
entstehen lassen. Die Beschwerdeführerin kritisiert denn auch ausschliesslich den
psychiatrischen Teil des Gutachtens.
2.2 Gegen die Beweiskraft des psychiatrischen Teils des MEDAS-Gutachtens führt die
Beschwerdeführerin die davon abweichende Beurteilung von Dr. med. B._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 17. November 2011 ins Feld (act. G 1,
Rz 1; IV-act. 76-4 ff.). Med. prakt. C._ hat sich mit der Beurteilung von Dr. B._
auseinandergesetzt (IV-act. 107-32). Er hat begründet dargelegt, weshalb die von Dr.
B._ vorrangig gestellte Diagnose einer seit Geburt bestehenden schweren
kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61; siehe hierzu IV-act. 76-5 f.)
unzutreffend ist. Darauf kann verwiesen werden. Anzufügen bleibt, dass in den
medizinischen Vorakten die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung ebenfalls nicht
gestellt wurde (siehe IV-act. 17-2, IV-act. 48-8 und IV-act. 62-14). Die Beurteilung von
Dr. B._ enthält sodann keine objektiv relevanten Gesichtspunkte, die med. prakt.
C._ zu Unrecht ausser Acht gelassen hat. Solche benennt auch die
Beschwerdeführerin nicht. Unter diesen Umständen vermag die Einschätzung von Dr.
B._ keine Zweifel am psychiatrischen Teil des MEDAS-Gutachten zu begründen.
2.3 Des Weiteren rügt die Beschwerdeführerin, med. prakt. C._ versuche
offensichtlich sämtliche psychiatrisch relevanten Diagnosen zu verharmlosen und die
versicherungsmedizinisch irrelevanten Diagnosen wie diejenige der somatoformen
Schmerzstörung überstark zu gewichten. Zudem fokussiere er sich zu Unrecht auf
psychosoziale Faktoren (act. G 1, Rz 2). Ausserdem bringt die Beschwerdeführerin vor,
med. prakt. C._ betrachte jede Diagnose isoliert, anstatt sie umfassend von der
Summe und der Wechselwirkung her zu beurteilen (act. G 1, Rz 2 am Schluss).
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2.3.1 Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nicht die gestellten Diagnosen für sich allein ins Gewicht fallen, sondern massgebend
ist eine individuell-konkrete Würdigung der diesen zugrunde liegenden Befunde und
der daraus folgenden allfälligen Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit.
2.3.2 Med. prakt. C._ stützte seine Arbeitsfähigkeitsschätzung auf ein
umfassendes Bild über die Alltagsaktivitäten und die Ressourcen der
Beschwerdeführerin (zur Beurteilung der Handicaps und erhaltenen Funktionen/
Ressourcen siehe IV-act. 107-33). Die Beschwerdeführerin verfügt über soziale
Kontakte (IV-act. 107-28). Die Besorgung des Haushalts, die Zubereitung des Essens
und die Pflege sowie die Betreuung des Kleinkinds vermag die Beschwerdeführerin
uneingeschränkt zu verrichten (IV-act. 107-28, IV-act. 107-29 und IV-act. 107-33). Ihre
Probleme bespreche sie mit dem Hausarzt. Psychotherapeutische Unterstützung
nimmt sie nicht in Anspruch (IV-act. 107-29). In damit zu vereinbarender Weise ergeben
sich aus den unbestritten gebliebenen Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrem
Leiden keine erheblichen Funktionseinschränkungen (IV-act. 107-29 unten). Bezüglich
der geklagten Schmerzen bzw. deren „diffusen Ausbreitung“ bemerkte med. prakt.
C._, die geäusserte Schmerzproblematik werde anlässlich des
Untersuchungsgesprächs nicht sichtbar. Die Beschwerdeführerin bewege sich
unauffällig, sitze problemlos auf dem Boden und wirke dabei nicht schmerzgeplagt (IV-
act. 107-30 oben und IV-act. 107-32 unten; zur früher von Dr. D._ genannten
Aggravationstendenz siehe IV-act. 62-15 unten). Entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin kann damit keine Rede davon sein, med. prakt. C._ habe sich zu
Unrecht auf psychosoziale Belastungen fokussiert. Dass er daneben psychosoziale
Belastungsfaktoren sowie emotionale Konflikte beschrieb und diesen im Rahmen einer
ganzheitlichen Beurteilung Rechnung getragen hat (IV-act. 107-32 und IV-act. 107-34),
ist nicht zu beanstanden. Dies umso weniger, als die Beschwerdeführerin nicht konkret
substanziiert, inwiefern die medizinische Einordnung dieser Aspekte durch med. prakt.
C._ unzutreffend ist.
2.3.3 Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, med. prakt. C._ habe der
somatoformen Schmerzstörung eine überschiessende Tragweite beigemessen, ist
unbegründet. Med. prakt. C._ legte nachvollziehbar unter Einbezug der Erkenntnisse
der somatischen MEDAS-Gutachter dar, weshalb er die somatoforme Schmerzstörung
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als zentrale Problematik betrachtet (IV-act. 107-32). Die Sichtweise von med. prakt.
C._ wird zudem von Dr. D._ bestätigt, der die anhaltend somatoforme
Schmerzstörung ebenfalls als im Vordergrund stehendes Leiden bezeichnete (IV-act.
62-14).
2.3.4 Bei der Würdigung des psychiatrischen Teils des MEDAS-Gutachtens ist
ausserdem von Bedeutung, dass er auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die
streitigen Belange umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und
die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt
(vgl. auch die RAD-Stellungnahme vom 13. Januar 2014, IV-act. 108). Es bestehen
keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt
worden wären. Vor diesem Hintergrund ist ein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf
zu verneinen. Hinweise für eine in der Zeit seit der MEDAS-Begutachtung bis zum
Verfügungserlass vom 27. Februar 2014 eingetretene gesundheitliche Veränderung
ergeben sich weder aus den Akten noch aus den Ausführungen der Parteien.
2.4 Gestützt auf das Gutachten der MEDAS Ostschweiz ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin (auch
retrospektiv) über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfügt. Die Vornahme eines konkreten
Einkommensvergleichs erübrigt sich, da die Beschwerdeführerin als Gesunde im
Vergleich mit den statistischen Hilfsarbeiterinnenlöhnen nicht erheblich
überdurchschnittliche Löhne erzielt hat (vgl. IV-act. 11-2) bzw. keine Hinweise für eine
erheblich überdurchschnittliche Erwerbsfähigkeit als Gesunde bestehen. Unter diesen
Umständen führt selbst ein Prozentvergleich mit 25%igem Tabellenlohnabzug
offensichtlich zu keinem rentenbegründenden Invaliditätsgrad von mindestens 40%.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
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von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.