Decision ID: ea2bb42e-7ae8-5007-bb6e-9941461ae252
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben am 6. Februar 2016 und reiste am 6. Juni 2016 in die Schweiz ein, wo
er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 13. Juni 2016 fand die Befragung
zur Person (BzP) statt. Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am
25. Oktober 2018 und am 19. März 2020 einlässlich zu seinen Asylgründen
an.
Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei tami-
lischer Ethnie und stamme aus B._, Distrikt C._. Ende Au-
gust 2005 habe er, nachdem er wiederholt von Mitgliedern der LTTE unter
Druck gesetzt worden sei, unfreiwillig eine fünftägige militärische Ausbil-
dung durchlaufen. Im Rahmen dieser Ausbildung seien von ihm Fotos an
der Waffe aufgenommen und am (...) September 2005 in Zeitungen veröf-
fentlicht worden. Nach Ende des Waffenstillstands sei er am (...) April 2006
von Soldaten der sri-lankischen Marine festgenommen und für zwei Tage
inhaftiert, befragt und schwer misshandelt beziehungsweise gefoltert wor-
den. Nach seiner Entlassung habe er B._ am (...) April 2006 ver-
lassen und sich die folgenden Jahre mehrheitlich in der Westprovinz in
D._ und in E._ bei F._ sowie zeitweilig in der Ostpro-
vinz in G._ aufgehalten. Im Jahr 2007 sei sein Bruder, ohne als sein
Bruder identifiziert worden zu sein, von Beamten zu den veröffentlichten
Fotos befragt und geschlagen worden. Im Jahr 2009 habe der Beschwer-
deführer geheiratet und sei zu seiner Frau nach H._ bei G._
gezogen. Anlässlich einer Rückkehr an seinen Heimatort am (...) Oktober
2011 sei er aufgefordert worden, sich auf dem Stützpunkt der sri-lanki-
schen Marine zu melden, worauf er einen Tag festgehalten und betreffend
seine Aufenthaltsorte befragt und geschlagen worden sei. Zurück in
H._ habe er sich aus Angst vor weiteren Repressionen jeweils nur
kurz zuhause und ansonsten an verschiedenen Orten beziehungsweise an
seinen jeweiligen Arbeitsorten aufgehalten. Am (...) Februar 2014 sei er
zuhause in H._ von Beamten des Criminal Investigation Depart-
ment (CID) mitgenommen, befragt und danach ohne weitere Auflagen wie-
der freigelassen worden. Am (...) Februar 2015 sei er durch andere CID-
Beamte in der Stadt I._ befragt und mit dem Tod bedroht worden.
Sie hätten ihm seine Identitätskarte abgenommen und ihn aufgefordert,
sich im Camp des CID in I._ zu melden, um diese wieder abzuho-
len. Er sei dieser Aufforderung jedoch nicht nachgekommen, sondern habe
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sich aus Furcht vor möglichen Repressionen versteckt gehalten und heim-
lich als (...) gearbeitet. Am 6. Februar 2016 sei er mit einem gefälschten
Pass aus Sri Lanka ausgereist.
Seine Frau und Tochter, sowie seine Eltern und Geschwister würden noch
immer in Sri Lanka leben.
Der Beschwerdeführer reichte die Kopien seiner Identitätskarte und seines
Geburtsscheins, ein Bestätigungsschreiben eines Priesters, sowie zwei
Zeitungsartikel (mit Foto) betreffend seine militärische Ausbildung dem
SEM zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 7. April 2020 – eröffnet am 8. April 2020 – verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das
Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 8. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung und die Asylgewährung; eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls
die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vor-
läufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hin-
sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung
eines amtlichen Rechtsbeistands. Ferner sei die aufschiebende Wirkung
seiner Beschwerde festzustellen. Auf die Begründung der Beschwerde
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegan-
gen. Der Beschwerde wurde eine von Januar 2020 datierende Lagebeur-
teilung zu Sri Lanka beigelegt.
D.
Am 12. Mai 2020 wurde der Eingang der Beschwerde vom Gericht bestä-
tigt.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
2.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen
aus, die vorgebrachten Festnahmen im Jahr 2006 und 2011 hätten zum
Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers aus Sri Lanka bereits fünf
respektive zehn Jahre zurückgelegen, so dass sich kein genügend enger
zeitlicher und sachlicher Kausalzusammenhang feststellen lasse, weshalb
diese Vorbringen als asylrechtlich nicht relevant zu qualifizieren seien. Der
Beschwerdeführer habe weder nach dem Ereignis von 2006 noch nach je-
nem von 2011 beabsichtigt oder versucht, sein Heimatland zu verlassen,
sondern weiterhin in Sri Lanka gelebt, gearbeitet und eine Familie gegrün-
det. Zwar würden die Ereignisse von 2006 und 2011, sowie auch im weite-
ren Sinne seine Ausreise im Jahr 2016 in der 2005 absolvierten militäri-
schen Ausbildung gründen, es lasse sich jedoch keine ununterbrochene
Ereigniskette von 2005 bis zur Ausreise 2016 feststellen. Das SEM ver-
kenne die Situation in Sri Lanka während des Krieges und in der ersten
Zeit nach Kriegsende sowie auch sein damals erlittenes Leid nicht. Der
Vorfall von 2006 sei indes vor dem Hintergrund des wieder aufflammenden
Konflikts und seiner den Behörden bereits damals bekannten militärischen
Ausbildung als eine Verfolgungsmassnahme im Rahmen des Bürgerkrie-
ges zu werten. Er sei sowohl 2006 als auch 2011 bereits nach zwei Tagen
respektive wenigen Stunden ohne weitere Auflagen aus der Haft entlassen
worden und die Vorfälle hätten in der Folge jeweils über mehrere Jahre
hinweg keine weiteren behördlichen Massnahmen nach sich gezogen, wo-
mit diese als abgeschlossene Ereignisse zu werten seien.
Es sei davon auszugehen, dass die seit Kriegsende in Sri Lanka bezie-
hungswiese in der Nordprovinz notorischen, teils willkürlichen Schikanen
und Festnahmen, die in der Regel kein asylrelevantes Ausmass annehmen
würden, mit dem übergeordneten Ziel erfolgten, ein Wiederaufleben der
LTTE zu verhindern und die tamilische Bevölkerung unter Kontrolle zu hal-
ten beziehungsweise sie mittels Einschüchterung gefügig zu machen. Es
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werde nicht in Abrede gestellt, dass die Befragungen durch den CID in den
Jahren 2014 und 2015 beziehungsweise das Vorgehen der sri-lankischen
Beamten während der Befragung von 2015 zu einer für den Beschwerde-
führer stark belastenden Situation geführt hätten und auch die subjektiv
empfundene Angst aufgrund des Erlebten in der Haft von 2006 sei ver-
ständlich und nachvollziehbar. Gemäss seinen Angaben habe es sich in-
des beim Vorfall von 2014 um eine «normale» Befragung gehandelt. Die
im Jahr 2015 erlittenen Nachteile (Drohungen, Abnahme der Identitäts-
karte) seien ferner nicht solcher Art gewesen, dass sie ihm in seiner Heimat
ein menschenwürdiges Leben verunmöglicht oder in unzumutbarer Weise
erschwert hätten. Trotz aller behördlichen Massnahmen habe er sich ge-
meinsam mit seiner Familie eine Existenz aufgebaut und bis zu seiner Aus-
reise stets einer beruflichen Tätigkeit nachgehen können. Die geltend ge-
machten Massnahmen der Behörden würden demnach keine Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG darstellen, da es ihnen an der nötigen Intensität
fehle.
Zwar bestehe eine den Behörden bekannte Verbindung zwischen dem Be-
schwerdeführer und den LTTE, welche unter gewissen Umständen als
stark risikobegründeter Faktor zu qualifizieren wäre. Er sei jedoch bereits
vor seiner Ausreise jeweils ohne weitere Auflagen von den Behörden frei-
gelassen worden. Seit 2011 seien, mit Ausnahme der Einvernahmen und
der Abnahme des Identitätsausweises, keine weiteren Massnahmen gegen
ihn ergriffen worden. Auch sei er trotz wiederholter Überprüfung durch Si-
cherheitsbehörden seit Ende des Krieges nicht einem Rehabilitationspro-
gramm zugeführt worden. Da davon auszugehen sei, dass die sri-lanki-
schen Behörden gegen Personen, die ernsthaft in Verdacht stehen, die
LTTE zu unterstützen beziehungsweise unterstützt zu haben, in der Regel
konsequent vorgehen würden, könne daraus geschlossen werden, dass
die sri-lankischen Sicherheitsbehörden nach der Überprüfung seiner Per-
son sich nicht veranlasst gesehen hätten, ihn aufgrund der geltend ge-
machten LTTE-Ausbildung entsprechenden Massnahmen zu unterziehen.
Es seien seinen Aussagen keine weiteren Verbindungen zwischen ihm be-
ziehungsweise seinem familiären Umfeld und den LTTE zu entnehmen. Es
sei auch nicht ersichtlich, dass er seit 2006 bis zu seiner Ausreise den sri-
lankischen Behörden irgendeinen Anlass geboten hätte, ihn als potentiell
separatistisch einzustufen. Weder seine Familienangehörigen noch seine
Ehefrau – mit Ausnahme, dass man sich nach seinem Aufenthaltsort er-
kundigt habe – seien in irgendeiner Weise von den sri-lankischen Behör-
den behelligt worden. Ferner sei es ihm möglich gewesen, sich nach dem
Vorfall von 2015 einen neuen Reisepass ausstellen zu lassen. Aufgrund
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der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter
Weise verfolgt werden sollte. Es sei kein hinreichend persönlicher Bezug
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive der Folgen
dargetan worden, so dass die Anforderungen an die Annahme einer be-
gründeten Verfolgungsfurcht nicht gegeben seien und kein begründeter
Anlass zur Annahme bestehe, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevan-
ten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre. An dieser Einschätzung
vermöchten auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern.
Der Wegweisungsvollzug sei zulässig, da nicht davon auszugehen sei,
dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine Behandlung oder Strafe drohen würde,
die mit Art. 3 EMRK nicht vereinbar sei. In Sri Lanka herrsche keine lan-
desweite Situation allgemeiner Gewalt, weshalb nicht von einer generellen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gesprochen werden könne. Es
würden zudem keine individuellen Gründe den Wegweisungsvollzug unzu-
mutbar erscheinen lassen. Schliesslich sei der Vollzug technisch möglich
und praktisch durchführbar.
5.2 Auf Beschwerdeebene wiederholt der Beschwerdeführer seine bereits
im vorinstanzlichen Verfahren geschilderten Vorbringen und konkretisiert,
die Vorinstanz verkenne, dass der Ursprung aller seiner Probleme in der
Veröffentlichung der Fotografie in der Zeitung liege. Die erste Festnahme
2006, bei welcher er massive Folter erlebt habe, sei keine zufällige Verfol-
gungsmassnahme während des Krieges gewesen. Durch die Veröffentli-
chung der Fotografie sei er mit den LTTE in Verbindung gebracht worden,
den Behörden sei dies bekannt gewesen, weshalb er immer wieder drang-
saliert und bedroht worden sei. Weil er nach der ersten Festnahme 2006
bis 2011 untergetaucht sei, sei er während diesen fünf Jahren nicht ein
weiteres Mal festgenommen worden. Sein Untertauchen habe ihn aber in
den Augen des Militärs und der Behörden umso verdächtiger gemacht. Als
er im Jahr 2011 nach B._ zurückgekehrt sei, sei er unter Verdacht
gestanden, während dieser Zeit Verbindung zu den LTTE gehabt zu haben,
weshalb er vom Militär befragt worden sei. Folglich stünden die Vorfälle in
den Jahren 2006 und 2011 in einem direkten Zusammenhang. Ein Grund
für die Freilassung nach den beiden Vorfällen sei ihm nicht angegeben wor-
den. Er vermute, dass er 2006 aufgrund einer Intervention seiner Eltern,
und 2011 nachdem er seine Aufenthaltsorte während der fünf Jahre sowie
seine Heirat angegeben habe, freigekommen sei.
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Die Kontrollen und Befragungen in den Jahren 2014 und 2015 seien nicht
isolierte Vorfälle während der Nachkriegszeit gewesen, sondern stünden
ebenfalls in direktem Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Fotos
in der Zeitung. Bei beiden Ereignissen sei der Beschwerdeführer erneut mit
den LTTE in Verbindung gebracht worden. Den Behörden und dem Militär
hätten die Fotografien vorgelegen, welche ihn beim LTTE-Training 2005
zeigten, so dass er eine Verbindung zu den LTTE nicht habe abstreiten
können und ihrer Willkür vollständig ausgeliefert gewesen sei. Da er zwei
Mal festgenommen, gefoltert und geschlagen, sowie zwei weitere Male we-
gen seiner Verbindung zu den LTTE befragt, ihm die Identitätskarte abge-
nommen und er bedroht worden sei, erscheine die Gefahr für ihn sehr real.
Damit seien die objektiven Anforderungen an die geforderte Intensität der
ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG erfüllt. Obwohl er
offiziell in seinem Heimatort B._ angemeldet geblieben sei, habe er
aus Angst vor erneuter Verfolgung ständig seinen Wohnort gewechselt. Der
daraus resultierende psychische Druck stelle das subjektive Element dar,
so dass von ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgegan-
gen werden müsse.
Für die Annahme eines Gefährdungsprofils im Sinne der Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts reiche bereits ein Verdacht aus, Handlun-
gen zugunsten der LTTE vorgenommen zu haben. Dieser Verdacht müsse
weiter durch eine Verfolgungsmotivation begründet werden. Es sei jedoch
nicht relevant, dass die betroffene Person tatsächlich jemals ein aktives
Mitglied der LTTE gewesen sei. Der Beschwerdeführer erfülle mehrere
wichtige Risikofaktoren. Auch nach seiner Ausreise sei mehrmals nach ihm
gefragt worden. Es bestehe demnach seitens der Sicherheitsbehörden
nach wie vor ein Interesse an seiner Person. In Anbetracht der aktuellen
Lage in Sri Lanka seit dem Machtwechsel am 16. November 2019 habe
sich die Situation des Beschwerdeführers bei einer allfälligen Rückschaf-
fung ferner eher verschlechtert.
Da der Beschwerdeführer bereits vor seiner Flucht aus Sri Lanka verfolgt
gewesen sei, würde er bei einer Rückkehr erst recht staatlicher Verfolgung
ausgesetzt und mit grosser Wahrscheinlichkeit verhaftet, weil er beschul-
digt würde, die LTTE wiederbeleben zu wollen, und verdächtigt werden
könnte, im Ausland Kontakt zu Personen mit denselben Bestrebungen ge-
habt zu haben. Damit drohe ihm Folter oder gar der Tod, weshalb der Weg-
weisungsvollzug unzulässig und unzumutbar sei.
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6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-
hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Be-
gründet ist eine Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur An-
nahme besteht, Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus-
reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-
licht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr-
scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte
Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen hinreichende An-
haltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem
Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-
schluss zur Flucht hervorrufen würden. Es müssen konkrete Indizien vor-
liegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz
aufgezählten Motive erfolgenden – ernsthaften Nachteile als wahrschein-
lich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvoll-
ziehbar erschienen lassen. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund
einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits
durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um
Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatli-
chen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für
eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1; 2013/11
E. 5.1; 2010/57 E. 2, je m.w.H.).
7.
7.1 Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift vermögen der angefochte-
nen Verfügung nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Die Erwägungen
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der Vorinstanz, wonach die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht asyl-
relevant seien, sind vollumfänglich zu bestätigen. So kann zwar ein sachli-
cher Zusammenhang zwischen den Inhaftierungen in den Jahren 2006 und
2011 bejaht werden. Das konkrete Motiv hinter den geltend gemachten Be-
fragungen in den Jahren 2014 und 2015, welchen es an der asylrechtlich
erforderlichen Intensität mangelt, lässt sich indes nicht eruieren. Der auf
Beschwerdeebene angeführte Zusammenhang zwischen diesen beiden
Vorfällen und den im Jahr 2005 publizierten Fotografien findet keine Stütze
in den anlässlich der Anhörungen gemachten Aussagen des Beschwerde-
führers (vgl. SEM-Akten A40 F51ff.; A43 F51ff.). Insgesamt sind den Akten
keine Hinweise zu entnehmen, dass die Behörden ihm ein separatistisches
Profil unterstellen würden. Selbst wenn im ganzen Distrikt C._ Bil-
der von ihm bei den Behörden gelegen sein sollten (vgl. A43 F54), genügte
dies offenbar nicht, um ein asylrelevantes Behördeninteresse an ihm zu
begründen. So ist seinen Aussagen insbesondere nicht zu entnehmen,
dass die sri-lankischen Behörden zwischen 2011 und 2016, als er sich ver-
steckt gehalten habe, nach ihm gesucht oder sich bei seiner Ehefrau nach
ihm erkundigt hätten (vgl. A43 F48). Auch wurde er nach seinen kurzen
Festnahmen nicht in ein Rehabilitationsprogramm geschickt, was zu erwar-
ten gewesen wäre, wenn die Behörden ihm eine für sie bedrohliche LTTE-
Verbindung vorgeworfen hätten. Stattdessen wurde er jeweils nach kurzer
Zeit und ohne Auflagen wieder freigelassen (vgl. A43 F44 und F52), auch
wenn nicht verkannt wird, dass er in Haft misshandelt wurde. Er vermag
seine subjektiven Befürchtungen, im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr
von den sri-lankischen Behörden verfolgt zu werden, somit nicht substan-
ziell zu konkretisieren. Es sind seinen Aussagen keine Anhaltspunkte dafür
zu entnehmen, dass es aus objektiver Sicht erforderlich gewesen wäre,
sich versteckt zu halten sowie im Jahr 2016 auszureisen. Aus objektiver
Sicht vermögen seine Befürchtungen demnach keine begründete Furcht
vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung zu begründen. An dieser Ein-
schätzung ändern auch die zweimaligen Besuche seit seiner Ausreise bei
seiner Familie durch die Behörden nichts (vgl. A40 F77ff.; A43 F8ff.), zumal
diesen kein asylrechtliches Motiv zu entnehmen ist.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form
von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren
identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
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Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die Teilnahme
an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobe-
gründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten
Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-
deten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentli-
cher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine
gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegrün-
dende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden
Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden be-
strebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und so
den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Ri-
sikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen
in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt seien und
der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Straf-
registereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische
Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt hätten
(vgl. a.a.O. E. 8).
7.3 Betreffend den Beschwerdeführer liegen nicht genügend derartige Ri-
sikofaktoren vor. Nach dem Gesagten bestehen insgesamt keine konkre-
ten Anhaltspunkte dafür, dass er trotz der den sri-lankischen Behörden be-
kannten 15 Jahre zurückliegenden Verbindung zu den LTTE bei einer
Rückkehr gefährdet wäre, zumal nicht davon auszugehen ist, dass er zum
Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka einer asylrelevanten Verfolgung
ausgesetzt war oder dass ein Behördeninteresse an seiner Person be-
stand. Alleine aus der tamilischen Ethnie und der rund vierjährigen Landes-
abwesenheit kann er keine Gefährdung ableiten, zumal er auch nicht exil-
politisch tätig war beziehungsweise ist (vgl. A40 F83). Zu den in der Be-
schwerdeschrift aufgeführten Umständen und Entwicklungen der allgemei-
nen politischen Lage in Sri Lanka ist festzustellen, dass in keiner Weise
erkennbar ist, wie sich diese zum heutigen Zeitpunkt auf den Beschwerde-
führer auswirken könnten. Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzu-
nehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung
nicht zu jener Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Sepa-
ratismus wiederaufleben zu lassen und so eine Gefahr für den sri-lanki-
schen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihm per-
sönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
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7.4 Insgesamt ergeben sich aus den Akten demnach keine hinreichenden
Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt be-
gründete Furcht hat, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer
Zukunft Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG zu erleiden.
Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu
Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
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Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Urteil des BVGer E-186/2017 vom 15. Juli 2016
E. 12.2). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte
dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehend würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts
zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
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festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24
E. 13.2.1). Gemäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die
Nord- und Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zu-
mutbarkeitskriterien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermö-
gen die Gewaltvorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags
von der sri-lankischen Regierung verhängte und am 28. August 2019 auf-
gehobene Ausnahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019
zusammenhängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern
(vgl. dazu auch vorstehend E. 9.3 sowie statt vieler Urteil des BVGer
E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
9.4.2 Sodann sind auch keine individuellen Gründe ersichtlich, die gegen
einen Wegweisungsvollzug sprechen. Der Beschwerdeführer verfügt über
ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz in seiner Heimatregion. Gemäss
eigenen Aussagen leben seine Ehefrau und Tochter sowie Eltern und Ge-
schwister noch immer in Sri Lanka. Demnach kann er bei seiner Rückkehr
im Bedarfsfall auf die Unterstützung seiner Familie zählen. Ausserdem ver-
fügt er über langjährige Arbeitserfahrung als (...) beziehungsweise (...).
Vor diesem Hintergrund ist im Hinblick auf seine soziale und wirtschaftliche
Reintegration in Sri Lanka mit keinen besonderen Schwierigkeiten zu rech-
nen. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch in individueller Hin-
sicht als zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Im Übrigen steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt vo-
raus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, son-
dern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf
Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären
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Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e).
Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatstaat angepasst
wird. In diesem Rahmen wäre auch eine allfällige Zugehörigkeit des Be-
schwerdeführers zu einer Corona-Risikogruppe Rechnung zu tragen.
9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1
Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
11.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten
haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht
gegeben, weshalb das Gesuch abzulehnen ist. Daher ist auch dem Gesuch
um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung nicht stattzugeben.
11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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