Decision ID: be054a04-02cd-4438-8f93-aa0671dedd6e
Year: 2016
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Einsprache sei der Sachverhalt nicht umfassend dargelegt und der
Nachweis für die Unrichtigkeit der Ermessenstaxation nicht erbracht
worden. Die Einsprache genüge den Anforderungen an die
Begründungspflicht nicht, weshalb sie zu Recht nicht auf diese
eingetreten sei.
7. Am 15. September 2016 hielten die Beschwerdeführer replicando an
ihrem Antrag fest und bestritten gleichzeitig, je eine Mahnung bezüglich
Einreichung der Steuererklärung 2014 erhalten zu haben. Ergänzend
wiesen sie noch darauf hin, dass ihnen durch Eintragung im Grundbuch
eine Pflicht zur Eigennutzung und ein Verbot der Dauervermietung
auferlegt sei. Einerseits werde ihnen verboten, Einkünfte aus der
Vermietung der Wohnung zu erzielen und anderseits würden nicht
erzielbare Einkünfte der Besteuerung unterworfen, was paradox sei. Wo
es keine Vermietung geben könne, scheide ein Mietwert aus. Als
Ausländer seien sie nicht berechtigt, sich dauernd in der Schweiz
aufzuhalten, weshalb sie rechtlich nicht in der Lage seien, die Wohnung
dauernd zu bewohnen. Ihnen gleichwohl für das gesamte Kalenderjahr
einen Mietwert zuzurechnen, sei nicht richtig.
8. Am 5. Oktober 2016 hielt auch die Beschwerdegegnerin 1 duplicando an
ihren Anträgen fest. Soweit die Beschwerdeführer geltend machten, sie
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hätten vor Erlass der Ermessenstaxationen keine Mahnung und
Androhung einer Ermessenstaxation erhalten und die Veranlagung nach
Ermessen sei somit nicht rechtsgültig erfolgt, handle es sich um ein
unzulässiges neues Rechtsbegehren, welches vor Verwaltungsgericht
erstmals angeführt werde. Darauf sei nicht einzutreten. Selbst wenn
darauf eingetreten werden könnte, wäre es als Schutzbehauptung zu
qualifizieren. Die Beschwerdeführer seien mit Schreiben vom 12. Oktober
2015 gemahnt und aufgefordert worden, die Steuererklärung 2014 innert
zwanzig Tagen einzureichen, ansonsten eine Ermessenstaxation
erlassen werde.
9. Am 6. Oktober 2016 reichten die Beschwerdeführer dem streitberufenen
Gericht noch eine Bestätigung des Gemeindevorstands X._ vom
26. September 2016 ein, wonach sie ihre Wohnung nur eingeschränkt
und nur unter Inkaufnahme erheblicher bürokratischer Anstrengungen
länger als drei Monate nutzen könnten.
10. Am 21. Oktober 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin 1 unter
Verweis auf ihre eingereichten Rechtsschriften auf die Einreichung einer
weiteren Stellungnahme.
11. Am 26. Oktober 2016 verzichteten auch die Beschwerdeführer auf eine
weitere Stellungnahme zur Sache. Darüber hinaus hielten sie noch fest,
dass allenfalls die Durchführung einer mündlichen Verhandlung Sinn
machen könnte, um ein erneutes gerichtliches Verfahren betreffend die
Steuerveranlagungen 2015 zu vermeiden.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften
sowie im angefochtenen Einspracheentscheid vom 18. Mai 2016 wird,
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. Das vorliegende Urteil wird gestützt auf Art. 43 Abs. 3 lit. b VRG in
einzelrichterlicher Kompetenz erlassen, da die Beschwerde − wie
nachfolgend zu zeigen ist − offensichtlich unbegründet ist. Im Übrigen
läge auch der Streitwert unter Fr. 5'000.-- (Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG),
betrifft das vorliegende Beschwerdeverfahren doch das Steuerjahr 2014,
für welches die Beschwerdeführer mit Veranlagungsverfügungen vom
16. November 2015 zur Zahlung von Fr. 1'714.-- an Kantonssteuern,
Fr. 1'699.-- an Gemeindesteuern und Fr. 1'003.95 an direkten
Bundessteuern, total somit Fr. 4'416.95, verpflichtet wurden. Daraus
ergibt sich, dass der Streitwert hier maximal − der Höhe der veranlagten
Steuern entsprechend − Fr. 4'416.95.-- betragen kann. Da der Streitwert
Fr. 5'000.-- somit nicht überschreitet und die vorliegende Streitsache nicht
in Fünferbesetzung zu entscheiden ist, wäre die Zuständigkeit des
Einzelrichters auch aufgrund der Höhe des Streitwerts gegeben.
2. a) Anfechtungsobjekt des vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens bildet der Einspracheentscheid vom 18. Mai 2016
betreffend die Kantons-, Gemeinde- und direkte Bundessteuer 2014, mit
welchem die Beschwerdegegnerin 1 auf die Einsprache der heutigen
Beschwerdeführer vom 25. November 2015 nicht eingetreten ist. Solche
Entscheide können gemäss Art. 140 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11), Art. 50 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden (StHG; SR 642.14) i.V.m. Art. 139 Abs. 1 des
Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR 720.00) bzw.
Art. 29 Abs. 2 des Gesetzes über die Gemeinde- und Kirchensteuern
(GKStG; BR 720.200) mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden angefochten werden. Die sachliche Zuständigkeit
des Verwaltungsgerichtes ergibt sich aus Art. 49 Abs. 1 lit. b VRG,
wonach das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von
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Dienststellen der kantonalen Verwaltung und von unselbständigen
Anstalten des kantonalen Rechts beurteilt, soweit das kantonale Recht
den direkten Weiterzug vorsieht, was hier − wie gesehen (vgl. Art. 139
Abs. 1 StG) − der Fall ist. Demzufolge fällt die Beurteilung der
vorliegenden Streitsache in die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes
des Kantons Graubünden. Die Beschwerdeführer sind als formelle und
materielle Adressaten des angefochtenen Einspracheentscheids
beschwert und damit zur Beschwerdeerhebung befugt (vgl. Art. 50 VRG).
Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten.
b) Die Beschwerdegegnerin 1 ist auf die Einsprache der heutigen
Beschwerdeführer vom 25. November 2015 betreffend die Kantons-,
Gemeinde- und direkte Bundessteuer 2014 nicht eingetreten, da die
Beschwerdeführer auch im Einspracheverfahren ihrer Deklarationspflicht
nicht nachgekommen seien. Streitig und zu prüfen ist somit einzig, ob die
Beschwerdegegnerin 1 infolge nicht nachgekommener Deklarationspflicht
zu Recht auf die Einsprache nicht eingetreten ist. Nicht Gegenstand des
vorliegenden verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens bilden
demgegenüber die materiellen steuerlichen Aspekte. Somit beschränken
sich die folgenden Ausführungen auf die Frage der Rechtmässigkeit des
angefochtenen Nichteintretensentscheids vom 18. Mai 2016.
3. Vorab gilt es festzuhalten, dass die Beschwerdeführer für das Jahr 2014
zu Recht nach Ermessen veranlagt wurden. Gemäss Art. 130 Abs. 2 DBG
und Art. 46 Abs. 3 StHG i.V.m. Art. 131 Abs. 1 lit. a StG ist eine
Ermessenstaxation zulässig, wenn der Steuerpflichtige gemahnt und ihm
die Ermessenstaxation angedroht wurde. Voraussetzung für eine
rechtswirksame Mahnung wiederum ist, dass der Steuerpflichtige mit der
Erfüllung seiner Verfahrenspflichten in Verzug ist. Die Beschwerdeführer
sind Eigentümer einer in der Gemeinde X._ gelegenen Liegenschaft.
Als ausserhalb des Kantons wohnhafte Personen mit Liegenschaften im
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Kanton Graubünden hatten sie ihre Steuererklärung 2014 gemäss
Wegleitung zur Steuererklärung 2014 bis zum 30. September 2015
einzureichen. Mangels fristgerechter Einreichung der Steuererklärung
mahnte die Beschwerdegegnerin 1 die Beschwerdeführer mit Schreiben
vom 12. Oktober 2015, die Steuererklärung samt Beilagen innert 20
Tagen vollständig ausgefüllt und unterzeichnet einzureichen und drohte
ihnen eine Ermessensveranlagung an. Die gegenteilige Behauptung der
Beschwerdeführer ist als reine Schutzbehauptung zu werten, zumal sich
das fragliche Schreiben vom 12. Oktober 2015 bei den Akten befindet.
Nachdem die Beschwerdeführer auch innerhalb dieser Frist die
Steuererklärung 2014 nicht einreichten, erfolgte mit Verfügungen vom
16. November 2015 sowohl für die Kantons- und Gemeindesteuer als
auch für die direkte Bundessteuer 2014 eine Ermessensveranlagung.
Dies ist, nachdem die Beschwerdeführer ihren Verfahrenspflichten trotz
Mahnung und Androhung einer Ermessenstaxation anerkanntermassen
nicht nachgekommen waren und die Steuererklärung nicht innert 20
Tagen nach Erhalt der Mahnung vom 12. Oktober 2015 eingereicht
hatten, nicht zu beanstanden.
4. a) Eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen kann der
Steuerpflichtige gemäss Art. 132 Abs. 3 DBG und Art. 48 Abs. 2 StHG
i.V.m. Art. 137 Abs. 4 StG nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit
anfechten. Die Einsprache ist zu begründen und muss allfällige
Beweismittel nennen. Genügt die Einsprache diesen Erfordernissen nicht,
wird auf sie nicht eingetreten. Die erhöhten prozessualen Anforderungen
finden ihre Erklärung in der besonderen Natur der
Ermessensveranlagung. Da die Steuerbehörde mangels genügender
Unterlagen nicht alle Steuerfaktoren genau ermitteln kann, muss sie diese
schätzen. Dabei hat sie notwendigerweise auf Annahmen und
Vermutungen abzustellen. Weil eine Ermessenseinschätzung somit
naturgemäss eine gewisse Unschärfe aufweist, ist die Möglichkeit, sie
anzufechten, entsprechend eingeschränkt. Der Steuerpflichtige kann sie
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nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit in Frage stellen. Er hat
nachzuweisen, dass die Ermessensveranlagung den tatsächlichen
Verhältnissen nicht entspricht. Mittels umfassendem
Unrichtigkeitsnachweis hat er die bisher vorhandene Ungewissheit
bezüglich des Sachverhalts zu beseitigen; blosse Teilnachweise genügen
nicht. In der Begründung der Einsprache ist daher der Sachverhalt in
substantiierter Weise darzulegen, und es sind die Beweismittel für diese
Sachverhaltsdarstellung zu nennen. Es reicht nicht aus, die Einschätzung
bloss in pauschaler Weise zu bestreiten oder lediglich einzelne Positionen
der Einschätzung als zu hoch zu bezeichnen. Vielmehr wird der
Steuerpflichtige, der seine Mitwirkungspflichten im
Veranlagungsverfahren nicht erfüllt und dadurch eine
Ermessensveranlagung bewirkt hat, in der Regel die versäumten
Mitwirkungshandlungen nachholen müssen, um die Einsprache genügend
begründen zu können (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 2C_579/2008 vom
29. April 2009 E.2.1 mit weiteren Hinweisen). Die erwähnten gesetzlichen
Bestimmungen schreiben indessen nicht vor, dass eine Einsprache gegen
eine Ermessenseinschätzung wegen versäumter Mitwirkungshandlungen
nur gültig ist, wenn damit gleichzeitig das Versäumte nachgeholt wird.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist daher das Nachreichen
einer bisher nicht vorgelegten Steuererklärung (für sich allein) nicht
Gültigkeitsvoraussetzung der Einsprache, sofern die Begründung in
anderer Form erbracht wird (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
2C_579/2008 vom 29. April 2009 E.2.2, 2A.72/2004 vom 4. Juli 2005 E. 6,
je mit weiteren Hinweisen). Das Nachholen der versäumten
Mitwirkungshandlungen stellt somit nur eine mögliche Form dar, wie die
Begründung einer Einsprache gegen eine Ermessensveranlagung
vorgebracht werden kann (vgl. RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER,
Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., Zürich 2016, Art. 132 Rz. 58).
b) Nach dem soeben Gesagten lässt sich allein aus dem Umstand, dass die
Beschwerdeführer mit ihrer Einsprache vom 25. November 2015 keine
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Steuererklärung nachreichten, nicht automatisch auf deren mangelhafte
Begründung schliessen. Allerdings ändert dies nichts daran, dass die
Beschwerdegegnerin 1 vorliegend auf die Einsprache der
Beschwerdeführer zu Recht nicht eingetreten ist. Die heutigen
Beschwerdeführer beantragten in ihrer Einsprache vom 25. November
2015 lediglich die Herabsetzung der veranlagten Einkommens-,
Vermögens- und Liegenschaftensteuer auf angemessene Beträge und
begründeten dies damit, dass die Grundstückwerte in letzter Zeit in der
Gemeinde X._ nicht gestiegen seien und ihre Liegenschaft überdies
mit einem besonders hohen Kostenaufwand verbunden sei. Das Ausfüllen
einer zweiten Steuererklärung in der Schweiz einzig zur Besteuerung des
Eigenmietwerts sei ihnen nicht zumutbar. Damit wurden aber die
ermessensweise vorgenommenen Veranlagungen von den
Beschwerdeführern lediglich in pauschaler Weise bestritten, ohne dass
der Sachverhalt umfassend dargelegt und der Nachweis für die
Unrichtigkeit der angefochtenen Ermessenstaxationen erbracht wurde.
Bei dieser Sachlage ist die Beschwerdegegnerin 1 auf die Einsprache der
heutigen Beschwerdeführer vom 25. November 2015 zu Recht nicht