Decision ID: 11d4a99d-c384-4a09-8690-359d409674c7
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
B.
Am 20. November 2020 erhob M._ (Beschwerdeführer), vertreten durch
Rechtsanwältin MLaw Tanja Ivanovic, St. Gallen, beim Verwaltungsgericht Beschwerde
gegen den Entscheid des SJD (Vorinstanz) und beantragte, den Entscheid des SJD
vollumfänglich aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung von M._
(Beschwerdeführer) zu verlängern beziehungsweise den Beschwerdeführer eventualiter
vorläufig in der Schweiz aufzunehmen oder die Angelegenheit subeventualiter zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 1 S. 2). Die Vorinstanz
beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 21. Dezember 2020 die Abweisung der
M._, geb. 1994, Staatsangehöriger von Bosnien und Herzegowina, heiratete am 2. Juli
2018 die Schweizer Bürgerin B._, geb. 1971 (Vorakten Migrationsamt St. Gallen,
nachfolgend Dossier, S. 51 ff.). Am 23. Juli 2018 wurde ihm eine Aufenthaltsbewilligung
im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib bei seiner Ehegattin erteilt. Die Ehe
blieb kinderlos und wurde am 12. November 2019 geschieden.
A.a.
Aufgrund dessen wurde die Aufenthaltsbewilligung von M._ mit Verfügung vom
15. Juni 2020 widerrufen und M._ wurde angewiesen, die Schweiz innert 60 Tagen
nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen.
A.b.
Mit Eingabe vom 7. Juli 2020 erhob M._, vertreten durch Rechtsanwältin MLaw Tanja
Ivanovic, St. Gallen, gegen die Verfügung des Migrationsamtes Rekurs. Dieser Rekurs
wurde seitens des Sicherheits- und Justizdepartements (SJD) mit Entscheid vom
28. Oktober 2020 abgewiesen (zugestellt am 6. November 2020; act. 2/2).
A.c.
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Beschwerde (act. 9).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie

die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe
vom 20. November 2020 erfolgte rechtzeitig und erfüllt formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Als Adressat des angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren
unterlegene Beschwerdeführer zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb grundsätzlich
einzutreten (vgl. allerdings nachfolgend Erwägung 5).
2.
Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
und über die Integration (SR 142.20, AIG) haben ausländische Ehegatten und ledige
Kinder unter 18 Jahren von Schweizerinnen und Schweizern Anspruch auf Erteilung
und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen.
Dies ist vorliegend unbestritten nicht mehr der Fall, auch wenn der Beschwerdeführer
ausführt, dass er nach wie vor in sehr gutem und engem Kontakt zu seiner ehemaligen
Frau stehe (act. 1). Es werden auch keine wichtigen Gründe für getrennte Wohnorte
nach Art. 49 AIG geltend gemacht. Bereits damit entfällt der Bewilligungsanspruch
(unabhängig von allenfalls erfüllten Integrationskriterien) grundsätzlich, weil die
Ehegemeinschaft nicht mindestens drei Jahre gedauert hat (Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG).
3.
bis
Ausnahmsweise besteht der Bewilligungsanspruch in einem Härtefall trotz Auflösung
der Ehegemeinschaft vor Ablauf der Dreijahresfrist fort, wenn “wichtige persönliche
Gründe” einen weiteren Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz “erforderlich”
machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG; VerwGE B 2012/181 vom 30. April 2013 E. 3). Der
“nacheheliche Härtefall” muss sich auf die Ehe und den damit verbundenen Aufenthalt
beziehen. Der blosse Umstand, dass die ausländische Person in Lebensverhältnisse
zurückkehren muss, die in ihrem Herkunftsland allgemein üblich sind, stellt keinen
3.1.
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wichtigen Grund dar, auch wenn diese Lebensumstände weniger vorteilhaft sein
mögen als diejenigen in der Schweiz.
Der Beschwerdeführer macht vorliegend weder eheliche Gewalt geltend, noch einen
Eheschluss, der nicht auf freiem Willen basiert habe (act. 1). Er bringt vielmehr
sinngemäss vor, dass seine soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark
gefährdet sei. Als Grund dafür führt er an, dass sich der Kontakt zu seiner streng
religiösen muslimischen Familie infolge der Scheidung verschlechtert habe, da er mit
der Scheidung in deren Augen Schande über diese gebracht habe. Seine Eltern hätten
ihn mittlerweile verstossen. Er macht zudem eine Hauterkrankung geltend, die ebenfalls
einen wichtigen Grund zum Verbleib in der Schweiz darstelle. Überdies führt er an,
dass sich die wirtschaftliche Lage in seinem Heimatland – nicht zuletzt aufgrund der
Corona-Pandemie – weiter verschlechtert habe. Da seine engen Freunde aufgrund der
dort herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse alle noch zu Hause leben würden,
könnten sie ihn nicht bei sich aufnehmen. Er werde deshalb nach seiner Rückkehr nach
Bosnien und Herzegowina nicht innert angemessener Zeit eine Arbeitsstelle finden,
sondern stattdessen arbeitslos sein und bald obdachlos werden, da er kein Vermögen
habe, von dem er über längere Zeit zehren könne. Aufgrund der fehlenden
wirtschaftlichen Unterstützung seitens seiner Eltern wäre er bei seiner Rückkehr
schlechter gestellt als andere Stellensuchende in Bosnien und Herzegowina. Eine
Rückkehr sei deshalb nicht zumutbar, zumal auch das Corona-Virus dort nicht wie in
anderen europäischen Ländern unter Kontrolle sei und sein Ansteckungsrisiko als
Obdachloser höher wäre als das durchschnittliche Risiko in Bosnien und Herzegowina.
Auch seine Hautkrankheit könnte unter diesen Umständen nicht behandelt werden, da
er sich eine Behandlung nicht leisten könne.
3.2.
Wie der Beschwerdeführer selbst zurecht ausführt, ist bei der Frage nach dem
wichtigen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG die gesamte Situation zu
berücksichtigen. Das Bundesgericht verlangt für das Bejahen eines Härtefalls aber
nichtsdestotrotz, dass sich dieser Härtefall auf die Ehe und den damit verbundenen
Aufenthalt bezieht (BGE 137 II 345 E. 3.2.3). Es setzt aufgrund der gesamten Umstände
des Einzelfalls eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und
Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der gestützt
auf Art. 42 und Art. 43 AIG abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein
muss (BGer 2C_784/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.2.3; BGE 137 II 1 E. 4 ff.). Art. 50
Abs. 1 lit. b AIG zielt also primär auf Sachverhalte ab, welche sich im Zeitpunkt der
3.3.
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Auflösung der ehelichen Gemeinschaft oder kurz vorher (z.B. häusliche Gewalt)
verwirklicht haben. Deshalb geht das Bundesgericht auch davon aus, dass nur
medizinische Gründe, die im Zusammenhang mit der Auflösung der Ehe in Konnex
stehen, geeignet sind, einen persönlichen wichtigen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1
lit. b AIG darzustellen (andere sind bei der allgemeinen Prüfung der
Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen). Dabei fordert es beim medizinischen Grund
neben dem Konnex zur Auflösung der Ehe, dass der medizinische Grund im Falle der
ungenügenden Behandlung im Heimatland eine drastische und lebensbedrohliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich zieht, wie dies bei Art. 83 Abs. 4
AIG der Fall ist. Eine solche Lebensbedrohung ist im Fall einer Hauterkrankung nicht
ersichtlich und wurde auch nicht geltend gemacht, weshalb dieser Grund keinen
wichtigen Grund darstellen kann. Dies ergibt sich im Übrigen schon daraus, dass die
Hautkrankheit nach den eigenen Ausführungen des Beschwerdeführers die Wurzeln in
seiner Kindheit (und demnach nicht in der Ehe) hat. Der blosse Umstand, dass die
Gesundheitsversorgung in der Schweiz besser ist als im Heimatstaat, genügt
rechtsprechungsgemäss nicht, um von einem nachehelichen Härtefall ausgehen zu
können (BGer 2C_837/2016 vom 23. Dezember 2016 E. 4.3.2). Ein wichtiger Grund
kann indessen in tatsächlicher Hinsicht dann vorliegen, wenn aufgrund der
gescheiterten Ehe die familiäre und soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark
erschwert wird. Dabei ist entscheidend, ob die familiäre und soziale
Wiedereingliederung insgesamt als stark gefährdet zu gelten hat und nicht, ob ein
Leben in der Schweiz einfacher wäre und vom Betroffenen vorgezogen würde (BGE
138 II 229 E. 3.1). Die betroffene Person muss im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht
dartun, warum die Wiedereingliederung insgesamt stark gefährdet ist. Allgemeine
Hinweise auf eine Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung (wie z.B. Zitate aus
dem Koran oder Auszüge aus Arbeiten zu Islam und Scheidung) genügen nicht.
Vorliegend hat der Beschwerdeführer trotz seiner Mitwirkungspflicht keine glaubhaften
Hinweise dafür geliefert, dass seine familiäre und soziale Wiedereingliederung in der
Gesellschaft gefährdet sein könnte. Vielmehr hat er nach seinen eigenen Angaben enge
Freunde. Die soziale Wiedereingliederung ist demnach gar nicht gefährdet. Angesichts
des im Heimatland lebenden Bruders sowie dessen Familie ist auch die familiäre
Wiedereingliederung maximal teilweise erschwert, da diese ihn nicht wie die Eltern
verstossen haben. Ausserdem darf und muss angesichts der fehlenden Belege
beziehungsweise anderweitigen konkreten Glaubhaftmachung für den Verstoss durch
die Eltern davon ausgegangen werden, dass dieser nicht stattgefunden hat und damit
auch die familiäre Wiedereingliederung gänzlich unproblematisch ist. Aber selbst im
Falle des Verstosses durch die Eltern wäre die familiäre Wiedereingliederung dadurch –
wie bereits erwähnt – nur teilweise erschwert, nicht aber verunmöglicht. Dies genügt
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4.
Es ist sodann zu prüfen, ob der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung verhältnismässig
ist. Bei der Verhältnismässigkeitsprüfung sind sämtliche Gesichtspunkte zu
berücksichtigen.
Vorliegend ergibt sich aus den Akten unschwer, dass der Beschwerdeführer in sozialer
Hinsicht in der Schweiz nicht besser eingegliedert ist als in seinem Herkunftsland,
macht er doch abgesehen von seiner ehemaligen Frau keine sozialen Kontakte in der
Schweiz geltend. Wohingegen in seinem Herkunftsland noch immer soziale Kontakte
zu engen Freunden sowie seinem Bruder mit dessen Familie bestehen, auch wenn
diese ihn allenfalls nicht bei sich aufnehmen können. In wirtschaftlicher Hinsicht ist
davon auszugehen, dass ebenfalls keine besonderen Schwierigkeiten ersichtlich sind,
die die Wiedereingliederung des Beschwerdeführers in seinem Herkunftsland im
Vergleich zu anderen Rückkehrern oder lokalen Personen besonders erschweren
würde. Der Beschwerdeführer hat im Vergleich zu lokalen Personen vielmehr den
potentiellen Vorteil seiner Arbeitserfahrung in einem deutschsprachigen Land. Es mag
zutreffen, dass er von niemandem finanzielle Unterstützung erwarten kann; doch kann
auch daraus kein ausländerrechtlicher Anspruch auf einen Verbleib in der Schweiz
abgeleitet werden. Auch die Auswirkungen von Corona werden alle sowohl in Bosnien
und Herzegowina als auch der Schweiz im Wesentlichen gleichermassen betreffen,
wobei der Beschwerdeführer weder aufgrund seines – lediglich leicht reduzierten -
Gesundheitszustandes noch angesichts seines Alters zu einer Risikogruppe gehört. In
der Schweiz hingegen hat er keine Arbeit (act. 5 und 6) und weist auch damit keinen
entsprechenden Bezug zum Land auf. Die vergleichsweise günstigen
volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz können ebenfalls nichts
zugunsten der Anliegen des Beschwerdeführers zu ändern. Auch in gesundheitlicher
Hinsicht wiegen die Probleme des Beschwerdeführers ebenfalls nicht dermassen
schwer, dass sie das Interesse der Schweiz an der Umsetzung ihrer normativ
verankerten Migrationspolitik auch nur annähernd überwiegen und seinen Verbleib in
angesichts der vorhandenen engen Freunde sowie des Bruders mit seiner Familie, die
den Beschwerdeführer nicht verstossen haben, dem strengen Erfordernis von Art. 50
Abs. 1 lit. b AIG nicht, da diese Bestimmung eine insgesamt starke Gefährdung der
Wiedereingliederung fordert. Aus diesen Gründen ist das Vorliegen eines wichtigen
Grundes im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG zu verneinen. Eine Beweiserhebung
drängte und drängt sich auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht auf;
entsprechend kann auch das rechtliche Gehör nicht verletzt sein. Auf den Fortbestand
beziehungsweise die beantragte Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aufgrund
eines nachehelichen Härtefalles hat der Beschwerdeführer damit keinen Anspruch.
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der Schweiz rechtfertigen könnten. Dies gilt auch unter zusätzlicher Berücksichtigung
allfälliger (allerdings nicht belegter) Probleme mit seiner Familie, vor allem seinen Eltern.
Denn angesichts seiner Kinderlosigkeit hat der Beschwerdeführer in der Schweiz gar
keine familiären Bindungen. Der Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz war
zudem nur äusserst kurz, weshalb auch die Aufenthaltsdauer nicht für seinen Verbleib
spricht. Dies umso weniger, als bereits erste Betreibungen (Dossier, S. 8 ff.) und
geringfügige Straftaten (Dossier, S. 62 f. und S. 117 f.) gegen eine besonders
gelungene Integration in dieser kurzen Zeit sprechen. Insgesamt überwiegen somit die
persönlichen Interessen des Beschwerdeführers das öffentliche Interesse an der
Durchsetzung der Schweizer Migrationspolitik nicht. Der Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung ist damit nicht unverhältnismässig.
5.
Der Beschwerdeführer beantragt für den Fall, dass seine Aufenthaltsbewilligung nicht
verlängert werde, die vorläufige Aufnahme in der Schweiz. Er bringt in diesem
Zusammenhang zudem vor, die Vorinstanz sei auf seinen entsprechenden
Rekursantrag zu Unrecht nicht eingetreten. Das Migrationsamt habe sich mit dieser
Frage befasst und den Vollzug der Wegweisung als möglich, zulässig und zumutbar
beurteilt.
Die Vorinstanz ist indes auf seinen Antrag mit der Begründung nicht eingetreten, die
vorläufige Aufnahme sei vom Migrationsamt – auch wenn sich aus der Begründung der
Verfügung implizite die Verneinung der erforderlichen Voraussetzungen ergebe – noch
gar nicht explizit geprüft worden und könne deshalb auch nicht Gegenstand des
Rekursverfahrens sein. Ihre Begründung trifft zu. Ist der Vollzug der Weg- oder
Ausweisung nämlich nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so verfügt
gemäss Art. 83 Abs. 1 AIG das Staatssekretariat für Migration die vorläufige Aufnahme.
Sie kann gemäss Art. 83 Abs. 6 AIG von den kantonalen Behörden beantragt werden.
Ein Rechtsanspruch auf vorläufige Aufnahme besteht indes aber nicht (vgl. BGE 137 II
305 E. 3). Die kantonalen Behörden haben also lediglich die Möglichkeit, der
zuständigen Bundesbehörde die vorläufige Aufnahme zu beantragen. Zuständig für den
Entscheid ist demgegenüber aber das Staatssekretariat für Migration. In den Verfahren
vor den kantonalen Behörden kann der Beschwerdeführer mithin also nicht
beantragen, er sei vorläufig aufzunehmen. Der Antrag bewegt sich damit ausserhalb
der Zuständigkeit der kantonalen Behörden, weshalb die Vorinstanz denn auch auf den
entsprechenden Antrag im Ergebnis zu Recht nicht eingetreten ist. Auch im
vorliegenden Verfahren kann auf diesen Antrag nicht eingetreten werden.
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6.
Im Übrigen hat das Migrationsamt Möglichkeit, Zulässigkeit und Zumutbarkeit des
Vollzugs der Wegweisung geprüft und bejaht. Mithin bestand aus Sicht der kantonalen
Behörden von vornherein kein Anlass, beim Staatssekretariat für Migration einen
Antrag auf vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers zu stellen. Dieser hat sich im
Rekursverfahren gegen die entsprechende Beurteilung durch das Migrationsamt
gewandt (act. 10/1 Seite 10). Die Vorinstanz hat sich mit seinen Einwendungen
auseinandergesetzt und ist der Beurteilung durch das Migrationsamt gefolgt unter
Hinweis auf die Möglichkeit, pandemiebedingten Hindernissen im Vollzug der
Wegweisung mit einer Verlängerung der Ausreisefrist oder sonstigen Anpassungen der
Modalitäten Rechnung zu tragen.
Der Beschwerdeführer hält der Möglichkeit und der Zumutbarkeit des Vollzugs der
Wegweisung neben den mit der Pandemie verbundenen Schwierigkeiten und Gefahren
seinen fehlenden Anschluss an das Krankenkassensystem im Heimatland – er sei
mittellos und erhalte nicht sofort Sozialhilfe – entgegen. Die Voraussetzungen, unter
denen der Beschwerdeführer nach Bosnien und Herzegowina zurückkehren muss,
stellen sich damit nicht als belastender dar, als in anderen Fällen. Die Corona-
Pandemie stellt kein dauerhaftes Hindernis dar, das zu einer Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs im Sinn von Art. 83 Abs. 2 AIG und damit verbunden zur
vorläufigen Aufnahme führt (vgl. BGer 2C_270/2020 vom 14. April 2020 E. 4.2.4). Der
Beschwerdeführer ist jung, hat in seinem Heimatland Ausbildungen abgeschlossen, in
der Schweiz Berufserfahrungen gesammelt und Sprachkenntnisse erworbenen und ist
– wie festgestellt – auch in seiner Heimat nicht völlig auf sich allein gestellt. Mit den
Folgen seiner Erkrankung an Psoriasis musste er in seiner Heimat bereits vor der
Einreise in die Schweiz leben. Dass er bereits damals wegen einer medizinischen
Notlage im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AIG konkret gefährdet gewesen wäre, macht er zu
Recht nicht geltend. Es ist auch nicht ersichtlich, dass sich die massgeblichen
Umstände seither derart verändert hätten, dass die Wegweisung mittlerweile aus
medizinischen Gründen unzumutbar erscheinen würde. Die Beschwerde erweist sich
damit auch hinsichtlich der Rechtmässigkeit der Wegweisung als unbegründet.
7.
(...).
8.
(...).
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