Decision ID: eb5ab1a5-25d2-5e73-8220-64c8e7ff30d1
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a E._, Jahrgang 1960, meldete sich im Oktober 2004 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Dr. med. A._ von der Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen verwies im Arztbericht vom 10. November 2004 auf einen
Status nach Diskushernienoperation L4/5 links am 15. Juli 2004. In der bisherigen
Tätigkeit als Hilfsmaler bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit. Eine andere Tätigkeit mit
geringer körperlicher Belastung sei zumutbar, wobei derzeit nicht beurteilbar sei, ob
eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit bestehe (IV-act. 11-1 ff.). Der Hausarzt des
Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, nannte am
7. Februar 2005 die Diagnose therapieresistentes lumboischialgieformes
Schmerzsyndrom links und degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule sowie
differentialdiagnostisch somatoforme Schmerzstörung. Arbeiten ohne starke
Rückenbelastung, ohne Bücken und Heben schwerer Lasten, seien dem Versicherten
zumutbar. Ob dabei eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe, lasse sich nur in der
Praxis eruieren (IV-act. 15-1 ff.).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle begutachtete das Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie
und Hygiene AG, Zürich (AEH), den Versicherten am 29. und 30. Juni 2006. Im
rheumatologisch-orthopädischen Teilgutachten vom 17. August 2006 werden
insbesondere folgende Diagnosen genannt: chronisches lumbospondylogenes
Syndrom links mit/bei Status nach Diskushernie L4/5, Status nach erweiterter
Fenestration, Sequesterektomie und Nukleotomie L4/5, Status nach Morbus
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Scheuermann, thorakovertebraler Schmerzkomponente, allgemeiner Dekonditionierung
und Symptomausweitung. In der angestammten Tätigkeit als Hilfsmaler, die als
körperlich mittelschwer zu klassifizieren sei, bestehe aus rheumatologisch-
orthopädischer Sicht volle Arbeitsfähigkeit, wobei aufgrund der chronischen
Schmerzentwicklung die Möglichkeit von vermehrten Pausen (zwei Stunden pro Tag)
bestehen sollte (IV-act. 44-5 f.). Das psychiatrische Teilgutachten der Klinik Gais vom
13. März 2007 nennt die Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung,
bestehend seit 2004. Tätigkeiten mit geringer bis leichter körperlicher Belastung,
wechselnden Haltungen, regelmässigen Pausen und einem Arbeitsklima mit
wohlwollenden Bezugspersonen seien dem Versicherten voll zumutbar, wobei
regelmässige kurze Pausen (ca. zehn Minuten pro Stunde) nötig seien. Unter
integrativer psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung mit
psychotherapeutischen Gesprächen und adäquater medikamentöser Einstellung, evtl.
Familiengesprächen sowie etwaigen stationären oder rehabilitativen Bemühungen sei
eventuell eine schrittweise Besserung für körperlich mittelschwere Tätigkeiten möglich
(IV-act. 51). Mit Schreiben vom 5. Mai 2007 nahmen die Teilgutachter Bezug auf eine
Konsenskonferenz. Aus interdisziplinärer Sicht sei eine leichte körperliche Tätigkeit mit
zusätzlichen über den Tag verteilten Pausen von zwei Stunden ganztags zumutbar.
Nach Durchführung der vorgeschlagenen psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung sei auch eine mittelschwere Tätigkeit wie die zuletzt ausgeübte
Malertätigkeit möglich (IV-act. 55).
A.c Gestützt auf diese Einschätzung stellte die IV-Stelle mit zwei Vorbescheiden vom
3. August 2007 die Abweisung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen und auf
Rente in Aussicht (IV-act. 67; 69). Trotz von Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann
in Vertretung des Versicherten erhobenen Einwands vom 14. September 2007 (IV-
act. 70) verfügte die IV-Stelle am 15. Januar 2008 gemäss den Vorbescheiden (IV-act.
72; 73).
B.
B.a Gegen die abweisende Rentenverfügung richtet sich die Beschwerde des
Rechtsvertreters des Versicherten vom 18. Februar 2008. Er beantragt die Aufhebung
der Verfügung. Dem Beschwerdeführer sei für den Zeitraum vom 1. Mai 2005 bis zum
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31. Juli 2007 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Der Beschwerdeführer
habe im August 2007 eine 50%-ige Arbeitstätigkeit aufgenommen und sei mittlerweile
wieder zu 100% arbeitsfähig. Gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten der Klinik
Gais müsse er pro Stunde zehn Minuten Pause machen, was eine Arbeitsunfähigkeit
von rund 17% ergebe. Aufgrund der übrigen attestierten Einschränkungen könne der
Beschwerdeführer zudem im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern nur ein wesentlich
tieferes Einkommen erzielen, weshalb ein Leidensabzug von 20% vorzunehmen sei.
Das Invalideneinkommen betrage maximal Fr. 39'684.-. Selbst wenn man dem
Gutachten folge, ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 43% (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. April 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Die von der Klinik Gais diagnostizierte somatoforme
Schmerzstörung sei nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht
invalidisierend, weil beim Beschwerdeführer keine psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vorliege. Demnach könne aus
psychiatrischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in jeder
Tätigkeit ausgegangen werden. Insofern könne vom Gutachten Gais abgewichen
werden, ohne dass ihm deshalb im restlichen Teil der Beweiswert abgesprochen
werden müsse. Ein Leidensabzug von über 10% sei nicht gerechtfertigt. Der
Invaliditätsgrad belaufe sich entsprechend auf 23% (act. G 4).
B.c Der Beschwerdeführer lässt in der Replik vom 23. April 2008 an seinen Anträgen
gemäss Beschwerde festhalten. Zwei Stunden Pause täglich seien in jeglicher, auch
einer leichten Tätigkeit notwendig. Der Invaliditätsgrad liege bei über 40% (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält am 26. Mai 2008 an ihrem Abweisungsantrag fest
und verzichtet auf eine weitere Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
1.1 Angefochten ist eine Verfügung, die nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am
1. Januar 2008 ergangen ist. Mangels einer übergangsrechtlichen Norm rechtfertigt es
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sich allerdings, für die vor diesem Zeitpunkt massgebenden Verhältnisse
(Rentenanspruch mit Anspruchsbeginn bei Anmeldung unter altem Recht) die im
Folgenden zitierten, bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen
anzuwenden.
1.2 Die abweisende Verfügung betreffend berufliche Massnahmen ist unangefochten
in Rechtskraft erwachsen. Im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist einzig der
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente; da dieser voraussichtlich nur
für einen in der Vergangenheit liegenden Zeitraum in Frage kommt und der
Beschwerdeführer unterdessen beruflich wieder eingegliedert ist, kann der Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" nicht mehr verletzt werden.
2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
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2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
2.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, unterdessen wieder voll arbeitsfähig zu sein
(act. G 1, Ziff. III/2; III/4c). Er beantragt jedoch für den Zeitraum 1. Mai 2005 bis 30. Juli
2007 eine Invalidenrente. Im Übrigen wendet er sich nicht gegen die Ausführungen und
Schlussfolgerungen im AEH-Gutachten bzw. in jenem der psychiatrischen Klinik Gais.
Dennoch sind die Gutachten im Rahmen der Untersuchungsmaxime einer Prüfung zu
unterziehen. Im AEH-Gutachten vom 17. August 2006 wurde festgehalten, die
objektiven Befunde könnten die Beschwerden des Patienten sowie das demonstrierte
Leistungsniveau nicht vollständig erklären. Weit im Vordergrund stünden die Zeichen
der Symptomausweitung. Es lägen positive Waddell-Zeichen, eine zu tiefe
Selbsteinschätzung im PACT-Test und eine ausgeprägte Selbstlimitierung in der
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit vor. Bei grundsätzlich voller
Arbeitsfähigkeit seien aus rheumatologischer Sicht vermehrte Pausen von etwa zwei
Stunden täglich notwendig (IV-act. 44-5). Gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten
der Klinik Gais besteht beim Beschwerdeführer psychiatrisch eine unauffällige
Vorgeschichte, allerdings vor dem Migrations-Hintergrund mit guter Integration der
Kinder, jedoch mangelnder Integration der Ehefrau sowie einer chronischen
Nierenerkrankung eines Kindes, eine gewisse psychosoziale Belastungssituation. Die
Rückenschmerzen, der 2004 erlittene Bandscheibenvorfall mit sehr eindrücklich und
einschränkend erlebter Schmerzproblematik sowie die nicht zufriedenstellenden
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Therapieergebnisse würden zu einer Schmerzverarbeitungsstörung mit
entsprechendem Schonverhalten und einer Fixierung auf das Schmerzerleben führen.
Ausserdem sei das plötzliche Versagen der körperlichen Fähigkeiten als Bedrohung
und die Reaktion des Umfelds gerade im Bereich der Medizin als Kränkung und
Ungerechtigkeit empfunden worden. Aufgrund der erlebten Schmerzen habe der
Beschwerdeführer zudem einen schädlichen Gebrauch von opiathaltigen Analgetika
entwickelt. Vor allem wegen der Diskrepanz des subjektiven Schmerzerlebens und der
im AEH-Gutachten beschriebenen Befunde bestehe eine somatoforme
Schmerzstörung, die bereits 2004 begonnen habe. Für die Tätigkeit als Maler und jede
andere körperlich mittelschwere ungelernte Tätigkeit sei der Beschwerdeführer aktuell
nicht arbeitsfähig. Unter Vornahme einer geeigneten psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung sollte es zu einer Stabilisierung und Besserung der
Arbeitsfähigkeit für leichte körperliche Tätigkeiten sowie eventuell einer schrittweisen
Besserung für körperlich mittelschwere Tätigkeiten kommen. Für Tätigkeiten mit
geringer bis leichter körperlicher Belastung mit wechselnden Haltungen, regelmässigen
kurzen Pausen und einem Arbeitsklima mit wohlwollenden Bezugspersonen könne der
Beschwerdeführer 81⁄2 Stunden arbeiten, wobei pro Arbeitsstunde ca. zehn Minuten
Pause angezeigt seien (IV-act. 51). Die Ausführungen in den Gutachten sind plausibel
und die Schlussfolgerungen stringent und nachvollziehbar. Darauf kann abgestellt
werden, was auch der Beschwerdeführer nicht bestreitet.
2.4 Die vorsichtig-optimistische Prognose der psychiatrischen Teilgutachter hat sich
offensichtlich bewahrheitet, nahm der Beschwerdeführer doch im Juli 2007 seine Arbeit
als Hilfsmaler beim früheren Arbeitgeber wieder auf (IV-act. 61) und ist nun nach
Aussage seines Rechtsvertreters wieder in der Lage, einer Arbeitstätigkeit mit einem
Pensum von 100% nachzugehen. Vor der offensichtlich eingetretenen Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit hielten der rheumatologische und der psychiatrische Teilgutachter
am 5. April 2007 übereinstimmend fest, zur Umsetzung der vollen Arbeitsfähigkeit sei
ein Pausenbedarf von zwei Stunden täglich gegeben. Im Rahmen eines vollen
Arbeitspensums ist täglich üblicherweise eine halbe Stunde Pausenzeit gewährleistet.
Der Beschwerdeführer benötigte folglich 1.5 Stunden mehr Pausen als ein gesunder
Arbeitskollege. Geht man von der vom Bundesamt für Statistik erhobenen
durchschnittlichen betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (bzw.
8.34 Stunden täglich) im Jahr 2006 aus, ergibt sich bei zufolge des grösseren
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Pausenbedarfs lediglich 6.84 Arbeitsstunden mit voller Einsatzfähigkeit (8.34-1.5) eine
Einschränkung der effektiven Leistungsfähigkeit von 18%.
2.5 Die Beschwerdegegnerin weist in der Beschwerdeantwort darauf hin, aufgrund der
Rechtsprechung des Bundesgerichts zur somatoformen Schmerzstörung sei davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer zumutbarerweise aus psychischen Gründen
voll arbeitsfähig sei. Insofern könne vom Gutachten Gais abgewichen werden. Dieser
Auffassung ist nicht beizupflichten. Die Gutachter der Klinik Gais prüften die Kriterien
des Bundesgerichts zur Überwindbarkeit von Schmerzen im Zusammenhang mit
somatoformen Schmerzstörungen. Ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen
Belangen des Lebens sowie ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer
innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung könnten nicht festgestellt werden. Jedoch bestünden
unbefriedigende Behandlungsergebnisse. Aus psychiatrischer Sicht sei die
somatoforme Schmerzstörung durchaus behandelbar trotz einer eher skeptischen
Prognose. Weiterhin bestehe keine psychische Begleiterkrankung. Die festgestellte
somatoforme Schmerzstörung sei zwar derart schwer, dass sie zum Zeitpunkt der
Exploration die Arbeitsfähigkeit für eine mittelschwere Tätigkeit wie die angestammte
Tätigkeit als Maler aufhebe, aber die Willensanstrengung für medizinische
Massnahmen und Schmerzüberwindung für eine Tätigkeit mit geringer bis leichter
körperlicher Belastung durchaus zumutbar sei (IV-act. 51-7). Die Gutachter setzten sich
mit der Zumutbarkeit der Willensanstrengung zur Schmerzüberwindung also
hinreichend und in nachvollziehbarer Weise auseinander. In Kenntnis der
Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung kamen sie zur Überzeugung, dass
der Beschwerdeführer auch bei aller ihm zumutbaren Willensanstrengung einen
vermehrten Pausenbedarf zur Ausschöpfung eines vollen Arbeitspensums hat. Diese
Einschätzung kann nicht einfach übergangen werden. Im Übrigen ist zu beachten, dass
auch die AEH-Gutachter einen erhöhten Pausenbedarf erkannten; dies aus
somatischer Sicht. Auch sie muteten dem Beschwerdeführer zu, in einem deutlich
grösseren Pensum zu arbeiten, als er zu jenem Zeitpunkt subjektiv als möglich
erachtete. Aus rheumatologischer Sicht sei dem Beschwerdeführer die Möglichkeit
vermehrter Pausen (zwei Stunden pro Tag) zu gewähren, dies aufgrund der
chronischen Schmerzentwicklung (IV-act. 44-6). Diese Schlussfolgerung wurde
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schliesslich auch an der Konsensusbesprechung der Teilgutachter bestätigt. Der
erhöhte Pausenbedarf ist demnach grundsätzlich zu berücksichtigen.
3.
3.1 Im gesamten Sozialversicherungsrecht besteht eine Schadenminderungspflicht der
versicherten Person. Im schweizerischen sozialen Rechtsstaat hat die
Eigenverantwortung der Versicherten eine grosse Bedeutung; es muss vermieden
werden, dass die versicherte Person ihr Verhalten zum Nachteil der gesamten
anonymen Risikogemeinschaft verändert, indem die Auffassung aufkommt, der Staat
garantiere in jedem Fall über die eine oder andere Sozialversicherung die Sicherung der
materiellen Existenz (Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 2003,
§ 40 Rz. 25). In diesem Spannungsfeld zwischen sozialer Sicherheit und
Eigenverantwortung kommt der Schadenminderungspflicht des Einzelnen, verstanden
als eine negative Haftungsbegrenzung, eine zentrale Bedeutung zu: Soweit die
Schadenminderungspflicht reicht, besteht keine oder nur eine verminderte
Leistungspflicht (Locher, a.a.O., § 40 Rz. 26).
3.2 Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren
Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung
der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht
aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen gemäss
Art. 21 Abs. 4 ATSG vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie
muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist
eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Das Mahn- und Bedenkzeitverfahren hat
den Zweck, eine versicherte Person zu einem bestimmten regelkonformen Verhalten zu
bewegen. Allerdings muss die Schadenminderungspflicht nicht in jedem Fall im Voraus
abgemahnt werden. Gewisse Schadenminderungspflichten sind derart offensichtlich,
dass jeder vernünftige Mensch von ihrem Bestehen weiss; in solchen Fällen wäre es
missbräuchlich, von der Verwaltung eine explizite Abmahnung der versicherten Person
zu verlangen. Dies hat etwa im Bereich der Arbeitslosenversicherung bei Stellenverlust
zu gelten: Von der versicherten Person wird erwartet, dass sie nach Erhalt einer
Kündigung von sich aus mit der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle beginnt. Bleibt
sie diesbezüglich untätig, so wird dieses Verhalten nach Ablauf der Kündigungsfrist
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durch die Einstellung in der Anspruchsberechtigung sanktioniert, ohne dass eine
Abmahnung nötig gewesen wäre (vgl. etwa Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung. Art. 30/30a AVIG unter Berücksichtigung des
Übereinkommens Nr. 168 der IAO, Zürich 1998, S. 136 f.). Analoges hat für die
Invalidenversicherung zu gelten. Ist beispielsweise offensichtlich, dass eine versicherte
Person in einer geeigneten Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit aufweist, so hat sie diese
im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht zu verwerten, ohne dass die
Invalidenversicherung sie dazu explizit auffordern und abmahnen müsste.
3.3 Im vorliegenden Fall stellt sich die Frage, ob dem Beschwerdeführer eine
Schadenminderungspflicht oblag und ob er diese mangels Abmahnung durch die
Beschwerdegegnerin von sich aus erfüllen musste. Grundsätzlich bestand bis zum
Eingang des psychiatrischen Teilgutachtens der Klinik Gais am 20. März 2007 keine
objektive Kenntnis über die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Das
Teilgutachten und die übrigen Akten lassen nicht darauf schliessen, dass der
Beschwerdeführer bereits bei Begutachtung am 8. November 2006 oder zu einem
sonstigen früheren Zeitpunkt über die ihm als zumutbar erachtete Restarbeitsfähigkeit
informiert wurde. Vom 30. April 2004 bis 1. November 2004 war der Beschwerdeführer
voll arbeitsunfähig geschrieben. Nach Austritt aus der Klinik Valens am 7. Oktober 2004
sollte über drei Wochen ein Arbeitsversuch beim bisherigen Arbeitgeber stattfinden,
initial mit einem Pensum von 50% (IV-act. 12-2; 12-6). Dieser und weitere im Frühjahr
2005 durchgeführte Arbeitsversuche scheiterten nach kurzer Zeit wegen Zunahme der
Schmerzen. Im Januar 2005 und offenbar auch im Januar 2006 kam es zu weiteren
medizinischen Abklärungen. Der Hausarzt veranlasste schliesslich offenbar für August
2006 eine Überweisung an einen weiteren Wirbelsäulenspezialisten (vgl. IV-act. 44-2).
Entsprechende Berichte sind jedoch nicht aktenkundig. Vom 2. bis 24. April 2007 war
der Beschwerdeführer erneut im KSSG zur interdisziplinären Abklärung der
chronifizierten Schmerzstörung hospitalisiert (IV-act. 57). Ob der Hausarzt bzw. andere
behandelnde Ärzte den Beschwerdeführer während dieser Jahre ganz oder teilweise
arbeitsunfähig geschrieben hatten, ist den Akten ebenfalls nicht zu entnehmen. Somit
kann noch nicht beurteilt werden, ob der Beschwerdeführer subjektiv davon ausgehen
durfte, nicht mehr arbeitsfähig zu sein. Die Sache ist zur Vornahme diesbezüglicher
weiterer Abklärungen – etwa die Einholung der Krankengeschichte beim Hausarzt – an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ergeben diese Abklärungen, dass der
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Beschwerdeführer bis zur Kenntnisnahme des Teilgutachtens der Klinik Gais vom
13. März 2007 (die wohl erst nach dem 6. Mai 2007 erfolgte, vgl. IV-act. 58) nicht davon
ausgehen musste, dass er seine Schmerzen weitestgehend überwinden und mit
vermehrten Pausen einer vollen Arbeitstätigkeit nachgehen müsste, so ist der Anspruch
auf eine befristete Rente ab Ablauf des Wartejahres im April 2005 (vgl. IV-act.12-2)
grundsätzlich gegeben.
4.
4.1 Für den Fall, dass der Beschwerdeführer für die Zeit ab November 2004 nicht oder
nicht voll arbeitsunfähig geschrieben war und somit bereits seit damals von einer
zumindest teilweisen Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit ausgehen musste, wäre eine
konkrete Abmahnung der Schadenminderungspflicht durch die Beschwerdegegnerin
nicht zwingend notwendig gewesen. Der Beschwerdeführer hätte von sich aus wissen
müssen, dass er eine angepasste Arbeit aufnehmen müsste. Für diesen Fall erscheinen
betreffend den bei den Parteien umstrittenen Leidensabzug weitere Ausführungen als
gerechtfertigt.
4.2 Die Beschwerdegegnerin hat bei der Bemessung des Invalideneinkommens einen
Abzug von 10% anerkannt, weil der Beschwerdeführer vor Eintritt des
Gesundheitsschadens eine schwere körperliche Tätigkeit ausgeübt habe und
anschliessend nur noch leichte Arbeiten ausführen konnte (IV-act. 23-1; act. G 4,
Ziff. IV/4). Der Beschwerdeführer erachtet demgegenüber einen Abzug von mindestens
20% als angemessen. Ins Gewicht fällt jedenfalls, dass der Beschwerdeführer
gegenüber einem gesunden Konkurrenten für einen bestimmten Arbeitsplatz ein etwas
höheres Krankheitsrisiko haben dürfte. Aus der Sicht eines ökonomisch denkenden
Arbeitgebers senkt dieses Risiko, dessen Verwirklichung die Gesamtlohnkosten des
Betriebes erhöhen würde, den "Wert" des Beschwerdeführers als Arbeitnehmer. Um
dies zu kompensieren und konkurrenzfähig zu bleiben, müsste er mit einem
entsprechend tieferen Lohn rechnen. Der Beschwerdeführer ist körperlich gegenüber
einem gesunden Konkurrenten mit gleichem Teilpensum benachteiligt, sodass er eine
Lohneinbusse würde in Kauf nehmen müssen. Weiter ist zu beachten, dass bei
Männern im tiefsten Anforderungsniveau Teilzeitarbeit statistisch gesehen
hochgerechnet auf ein Vollpensum schlechter entlöhnt ist als Vollzeitarbeit (Tabelle T2*
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auf S. 16 der LSE 2006). Wie bereits in RKUV 1999 S. 412 ff. anerkannte das
Bundesgericht im Entscheid 9C_603/07 vom 8. Januar 2008, dass nicht nur
Teilzeitarbeit als solche, sondern auch ein ganztägiger Einsatz bei reduzierter
Leistungsfähigkeit die Vornahme eines Abzugs rechtfertige (vgl. mit weiteren Hinweisen
auch auf abweichende Rechtsprechung etwa den Entscheid IV 2007/242 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. September 2008, Erw. 4.3.4).
Der Teilzeitnachteil hätte nach dem Gesagten also auch im vorliegenden Fall der
ganztägigen Anwesenheit bei reduzierter Leistungsfähigkeit zum Tragen zu kommen.
Männer im tiefsten Anforderungsniveau erzielten im Jahr 2006 mit einem zwischen
75% und 89% liegenden Arbeitspensum ein aufgerechnet auf ein Vollpensum um
6.14% tieferes Einkommen (LSE 2006, Tabelle T2*). Insgesamt wäre der von der
Beschwerdegegnerin gewährte Abzug von 10% (inkl. "Teilzeitabzug") zwar eher tief
angesetzt, erschiene jedoch nicht als willkürlich, weshalb in das Ermessen der
Beschwerdegegnerin wohl nicht einzugreifen wäre.
4.3 Beim anhand der Tabellenlöhne der LSE festzusetzenden Invalideneinkommen
wären folglich eine Reduktion um 18% wegen vermehrten Pausenbedarfs sowie ein
Leidensabzug von mindestens 10% anzuerkennen.
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung teilweise gutzuheissen und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie etwa mittels Beizugs der
hausärztlichen Krankengeschichte oder der Akten der Krankentaggeldversicherung
abkläre, ob der Beschwerdeführer bis zur Kenntnis des Gutachtens der Klinik Gais in
guten Treuen davon ausgehen durfte, in einer geeigneten Tätigkeit voll arbeitsunfähig
zu sein, und ihm nicht zugemutet würde, seine Schmerzen weitgehend zu überwinden.
Ist diese Frage gestützt auf die Abklärungen zu bejahen, bestünde grundsätzlich ab
Ablauf des Wartejahres ein befristeter Anspruch auf eine ganze Rente. In der
schliesslich erlangten Kenntnis der Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung
(wahrscheinlich mit Zustellung des Gutachtens an den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit Schreiben vom 8. Mai 2007 [IV-act. 58]) wäre ein
Revisionsgrund zu erblicken; auch ab jenem Zeitpunkt ist jedoch ein reduzierter
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Rentenanspruch nicht ausgeschlossen, zumal bei der Invaliditätsbemessung ein Abzug
wegen des vermehrten Pausenbedarfs sowie ein Leidensabzug angezeigt wären.
5.2 Auch zur Rentendauer sind weitere Abklärungen angezeigt. Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers beantragt die Rente bis 31. Juli 2007. Gemäss den Akten
arbeitet der Beschwerdeführer seit 1. Juli 2007 wieder bei der ehemaligen
Arbeitgeberin, wobei diese gegenüber der Beschwerdegegnerin am 18. Juli 2007
telefonisch offenbar angab, er arbeite ganztags mit einer reduzierten Leistung von ca.
50% (IV-act. 61). Sollte er daher noch nicht den vollen Lohn erzielt haben, wäre ein
weiterdauernder Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu prüfen, wobei auch die
Frage zu klären wäre, ob er die ihm verbleibende Restarbeitsfähigkeit in zumutbarer
Weise ausschöpfte. Entsprechende Fragen sind der Arbeitgeberin zu unterbreiten und
anschliessend wenn nötig einem Mediziner vorzulegen, wobei gegebenenfalls eine
Anfrage beim Regionalen Ärztlichen Dienst ausreichend wäre.
5.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich, sodass ihr als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten
befreiter selbstständiger öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr
aufzuerlegen ist. Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-
ist diesem zurückzuerstatten.
5.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
bis
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