Decision ID: cfc96c1c-840b-4f61-9a91-2448468fc2fe
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft führt gegen B. (nachfolgend: Beschul-
digter) eine Strafuntersuchung wegen Betruges, ungetreuer Geschäftsbe-
sorgung, Misswirtschaft, Unterlassung der Buchführung, Urkundenfäl-
schung und Geldwäscherei.
2.
Mit Verfügung vom 11. Oktober 2021 belegte die Kantonale Staatsanwalt-
schaft die im Alleineigentum der A. AG stehende Liegenschaft/Parzelle
Grundbuchblatt XXXX Z., Grundstück-Nr. XX, Plan XX, mit Beschlag und
wies das Grundbuchamt Y. an, auf dieser Liegenschaft eine Grundbuch-
sperre anzumerken.
3.
3.1.
Gegen diese ihr am 20. Oktober 2021 zugestellte Verfügung erhob die A.
AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 25. Oktober 2021 bei der Be-
schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau
Beschwerde mit folgenden Anträgen:
"• Die verfügte Grundbuchsperre zu Lasten unserer Liegenschaft -Nr. XX in Z., W-Strasse X, ist sofort und vollumfänglich aufzuheben.
• Alles unter allfälliger Entschädigungs- und Kostenfolge zu Lasten der Kantonalen Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau."
3.2.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft beantragte mit Beschwerdeantwort vom
22. November 2021 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge.
3.3.
Mit Beschwerdeantwort vom 2. Dezember 2021 beantragte der Beschul-
digte die Gutheissung der Beschwerde.
3.4.
Am 16. Dezember 2021 liess sich die Kantonale Staatsanwaltschaft erneut
vernehmen.
3.5.
Der Beschuldigte nahm mit Eingabe vom 24. Dezember 2021 Stellung.
- 3 -

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Die Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft sind
mit Beschwerde anfechtbar (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Beschwerdeaus-
schlussgründe gemäss Art. 394 StPO liegen nicht vor. Damit ist die Be-
schwerde zulässig. Die Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt und geben
zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) ist somit
einzutreten.
2.
2.1.
Nach Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO können Gegenstände und Vermögens-
werte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt
werden, wenn diese voraussichtlich zur Sicherung von Verfahrenskosten,
Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden (sog. Kos-
tendeckungsbeschlagnahme). Gemäss Art. 71 Abs. 3 StGB können über-
dies Vermögenswerte zur Durchsetzung einer Ersatzforderung mit Be-
schlag belegt werden.
2.2.
Die Grundbuchsperre (Art. 266 Abs. 3 StPO) stellt eine besondere Form
der Beschlagnahme gemäss Art. 263 StPO und damit eine Zwangsmass-
nahme im Sinne von Art. 196 StPO dar. Die Kostendeckungsbeschlag-
nahme setzt zunächst das Vorliegen eines hinreichenden Tatverdachts vo-
raus (Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO). Sodann darf das damit angestrebte Ziel
nicht durch mildere Massnahmen erreicht werden können (Art. 197 Abs. 1
lit. c StPO). Überdies muss die Bedeutung der Straftat die Zwangsmass-
nahme rechtfertigen (Art. 197 Abs. 1 lit. d StPO). Zwangsmassnahmen,
welche in die Grundrechte nicht beschuldigter Personen eingreifen, sind
besonders zurückhaltend einzusetzen (Art. 197 Abs. 2 StPO). Diese allge-
meinen Voraussetzungen gelten auch bei der Ersatzforderungsbeschlag-
nahme gemäss Art. 71 Abs. 3 StGB (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1B_114/2015 vom 1. Juli 2015 E. 4).
2.3.
Gemäss Art. 268 Abs. 1 StPO kann vom Vermögen der beschuldigten Per-
son grundsätzlich so viel beschlagnahmt werden, als voraussichtlich zur
Deckung der Verfahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigun-
gen nötig ist. Während die Einziehungsbeschlagnahme (Art. 263 Abs. 1
lit. d StPO) der allfälligen Abschöpfung deliktischen Profits dient, kann für
Deckungsbeschlagnahmen auch das rechtmässig erworbene Vermögen
eines Beschuldigten herangezogen werden. Für Deckungsbeschlagnah-
- 4 -
men bei Dritten gelten grundsätzlich die für Ersatzforderungsbeschlagnah-
men geltenden Durchgriffsregeln: Gegenüber dem Eigentum von Dritten
sind Ersatzforderungsbeschlagnahmen nach der bundesgerichtlichen Pra-
xis in der Regel unzulässig. Angezeigt können sie indessen sein, wenn es
sich beim "Dritten" um wirtschaftlich dieselbe Person handelt und demge-
mäss die Voraussetzungen für einen strafprozessualen Durchgriff vorlie-
gen. Dasselbe gilt hinsichtlich von Vermögenswerten, die wirtschaftlich be-
trachtet im Eigentum der beschuldigten Person stehen, weil sie etwa nur
durch ein Scheingeschäft an eine "Strohperson" übertragen worden sind
(Urteil des Bundesgerichts 1B_300/2013 vom 14. April 2014 E. 5.3.2 und
5.4, vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_993/2019 vom 15. Juni 2020
E. 3.3.3).
2.4.
Bei der Beschlagnahme handelt es sich um eine provisorische konservative
Massnahme, über welche die zuständige Strafverfolgungsbehörde rasch
entscheiden können muss. Das schliesst aus, dass sie vor ihrem Entscheid
schwierige juristische Fragen klärt oder zuwartet, bis sie eine genaue und
vollständige Kenntnis des Sachverhalts hat. Bei der Beurteilung der Zuläs-
sigkeit der Beschlagnahme sind daher nicht alle Tat- und Rechtsfragen ab-
schliessend zu prüfen. Eine Beschlagnahme ist nur aufzuheben, wenn ihre
Voraussetzungen offensichtlich nicht erfüllt sind. Dementsprechend sind
etwa auch die Eigentumsverhältnisse an beschlagnahmten Gegenständen
nicht abschliessend zu klären, sondern genügt es, wenn deren spätere Ver-
wendung entsprechend dem jeweiligen Beschlagnahmezweck in Beach-
tung der Aktenlage und der Vorbringen der Betroffenen als nicht ausge-
schlossen erscheint (betreffend Ersatzforderungsbeschlagnahme:
BGE 140 IV 57 E. 4.1.2, betreffend Einziehungsbeschlagnahme: Urteil des
Bundesgerichts 1B_362/2020 vom 20. August 2020 E. 2.4 und 2.5 mit Hin-
weisen).
3.
Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass ein hinreichender Tatverdacht
gegeben ist, keine milderen Massnahmen vorhanden sind und die Bedeu-
tung der dem Beschuldigten vorgeworfenen Straftaten die Grundbuch-
sperre rechtfertigt. Ein unverhältnismässiger Grundrechtseingriff wird nicht
dargetan und ist nicht ersichtlich. Diesbezüglich wird auf die unbestritten
gebliebenen zutreffenden Ausführungen der Kantonalen Staatsanwalt-
schaft in ihrer Beschwerdeantwort verwiesen. Weitere Ausführungen erüb-
rigen sich hierzu.
Damit ist einzig umstritten, ob die streitgegenständliche Liegenschaft wirt-
schaftlich betrachtet im Eigentum des Beschuldigten steht, weil sie nur
durch ein Scheingeschäft an eine "Strohperson" übertragen worden ist und
damit mit einer Grundbuchsperre belegt werden darf.
- 5 -
4.
4.1.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft hielt in der angefochtenen Verfügung
vom 11. Oktober 2021 fest, gegen den Beschuldigten werde ein Strafver-
fahren wegen verschiedener Delikte geführt. Zur Sicherstellung der Verfah-
renskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen werde das ge-
nannte Grundstück im Sinne eines zivilrechtlichen Durchgriffs aufgrund ei-
ner wirtschaftlichen Einheit zwischen dem Beschuldigten und der Be-
schwerdeführerin gestützt auf Art. 263 ff. StPO mit einer Sperre belegt. So-
dann finde dadurch eine Sicherstellung einer Ersatzforderung i.S.v. Art. 71
StGB statt.
4.2.
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, ihre Aktien lauteten auf den
Namen der Ehefrau des Beschuldigten. Diese sei seit ca. 1999 von ihm
gerichtlich getrennt. Im Trennungsurteil seien sie güterrechtlich auseinan-
dergesetzt worden und hätten ohnehin einen Ehevertrag betreffend Güter-
trennung abgeschlossen. Es bestehe zwischen ihnen keine wirtschaftliche
Einheit. Der Beschuldigte sei an der Beschwerdeführerin nicht berechtigt.
Des Weiteren sei das Aktienkapital an C. verpfändet.
4.3.
Mit Beschwerdeantwort legte die Kantonale Staatsanwaltschaft dar, der
Beschuldigte bewohne die Liegenschaft mit seiner Familie und diese stehe
in seinem Eigentum. Die Kosten für Energie sowie Renovationsarbeiten der
Liegenschaft würden mit finanziellen Mitteln des Beschuldigten oder ande-
rer Gesellschaften finanziert, in welchen er Organstellung habe. Es bestün-
den keinerlei Hinweise, dass die Ehefrau des Beschuldigten tatsächliche
Eigentümerin der Beschwerdeführerin sei. Zudem stelle sich die Frage, mit
welchen Mitteln sie die Aktien im April 2021 erworben haben wolle, seien
doch damals gegen sie Verlustscheine in Höhe von Fr. 163'003.43 offen
gewesen. Ferner werde nicht dargelegt, unter welchem Rechtstitel die Ak-
tien übertragen worden seien. Die Ehe des Beschuldigten sei nie geschie-
den worden und er sei per 1. August 2013 wieder in die eheliche Liegen-
schaft gezogen. Die Trennungskonvention vom 1. Januar 1999 sei somit
hinfällig. Der Beschuldigte setze seine Ehefrau häufig ein; so habe sie je-
weils eine Kollektivzeichnungsberechtigung für die Bankkonten zweier von
ihm geführter Firmen. Nachdem weder der Beschuldigte noch dessen Ehe-
frau ihre privaten Steuererklärungen ausfüllten, seien hierüber keine Rück-
schlüsse auf das Eigentum an den Aktien möglich. Bei einer Verschuldung
des Beschuldigten von über Fr. 2.2 Mio. sei davon auszugehen, dass er
nicht als alleiniger Aktionär der Beschwerdeführerin in den Vordergrund tre-
ten wolle. Vielmehr werde dessen Ehefrau als Strohfrau vorgeschoben.
Einziges Organ der Beschwerdeführerin sei seit Mai 2021 der Schwieger-
sohn des Beschuldigten, der ebenfalls dort lebe. Der Beschuldigte habe
faktische Organstellung bei der Beschwerdeführerin. Er sei seit Jahren in
- 6 -
Straf- und Konkursverfahren verwickelt. Wirtschaftlich handle es sich bei
ihm und der Beschwerdeführerin um dieselbe Person. Ausserdem bestehe
der Verdacht, dass der Beschuldigte im Zuge des gegen ihn laufenden
Pfändungsverfahrens das aufgelegte Aktienzertifikat hergestellt habe, um
über die Eigentumsverhältnisse hinwegzutäuschen. Dass er vor der Her-
stellung unwahrer Urkunden nicht zurückschrecke, sei dem Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau SST.2020.21 vom 10. Mai 2021 zu ent-
nehmen. Die Liegenschaft werde einzig in missbräuchlicher Weise über die
Gesellschaft gehalten, um sie dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen.
4.4.
Der Beschuldigte hielt in seiner Beschwerdeantwort fest, die Aktien der Be-
schwerdeführerin seien im Herbst 2020 ins Eigentum seiner von ihm ge-
richtlich getrennten Ehefrau übergegangen. Aktienbuch und -zertifikat be-
legten die Eigentümerschaft. Darüber hinaus seien die Aktien bereits vor
der Übertragung an C. verpfändet worden. Der Beschuldigte habe diese an
seine Ehefrau übertragen, weil er ihr gegenüber offene Verbindlichkeiten
aus Unterhaltsverpflichtungen gehabt habe.
4.5.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft legte in der Stellungnahme vom 15. De-
zember 2021 dar, inwiefern der Beschuldigte mit der Übertragung der ver-
pfändeten Aktien seinen Unterhaltsverpflichtungen nachgekommen sein
wolle, erschliesse sich nicht. Seine Ehefrau habe dadurch keinen wirt-
schaftlichen Gegenwert erhalten. Ohnehin habe sie ab dem Zeitpunkt des
erneuten Zusammenlebens keinen Anspruch mehr auf Unterhaltszahlun-
gen gehabt. Solche wären gemäss dem Urteil über die gerichtliche Tren-
nung maximal bis zum 31. Dezember 2015 zu bezahlen gewesen. Überdies
habe der Beschuldigte seiner Ehefrau auch nach der Wiederaufnahme des
Zusammenlebens regelmässig Geld u.a. mit dem Betreff "a konto" auf ihre
Konten überwiesen. Der Rechtsgrund für diese Zahlungen erhelle nicht. Es
sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte seiner Ehefrau über einen
längeren Zeitraum habe Gelder zukommen lassen, um damit den Strafver-
folgungsbehörden Haftungssubstrat zu entziehen. Der Beschuldigte sei bis
zur Saldierung der Bankkonten der Beschwerdeführerin Ende März 2021
wirtschaftlicher Berechtigter an deren Vermögenswerten gewesen.
4.6.
Der Beschuldigte nahm am 24. Dezember 2021 dazu Stellung und führte
aus, sämtliche Aktien seien bereits vor der Übertragung vollumfänglich an
C. verpfändet gewesen. Damit sei dieser wirtschaftlich an der streitgegen-
ständlichen Liegenschaft berechtigt. Ein Durchgriff sei damit nicht möglich.
- 7 -
5.
5.1.
5.1.1.
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass der Beschuldigte vor der an-
geblichen Übertragung der Aktien der Beschwerdeführerin an seine Ehe-
frau deren Alleinaktionär war. Zudem war er an der Beschwerdeführerin bis
zur Saldierung der Bankkonten der Beschwerdeführerin Ende März 2021
wirtschaftlich allein berechtigt (Beilage 7 und 8 zur Stellungnahme der Kan-
tonalen Staatsanwaltschaft vom 15. Dezember 2021). Insbesondere war er
an den Vermögenswerten der Beschwerdeführerin und somit der Liegen-
schaft auch wirtschaftlich berechtigt, als das jetzige Strafverfahren mit der
Strafklage vom 19. März 2019 angehoben wurde (Beilage 1 zur Beschwer-
deantwort der Kantonalen Staatsanwaltschaft). Dem Handelsregister des
Kantons Aargau lässt sich entnehmen, dass der Beschuldigte zwischen
März 2014 und Mai 2021 einziges Mitglied des Verwaltungsrates mit Ein-
zelunterschrift gewesen war. Demnach war er oberstes Organ der Be-
schwerdeführerin, als das jetzige Strafverfahren begann.
5.1.2.
Dem Aktienbuch der Beschwerdeführerin lässt sich entnehmen, dass de-
ren Inhaberaktien am 29. April 2021 in Namensaktien lautend auf die Ehe-
frau des Beschuldigten umgewandelt wurden. Zudem enthält dieses den
Hinweis, dass die Aktien - wie bereits zuvor - vollumfänglich an C. verpfän-
det seien. Der Beschuldigte unterzeichnete als Verwaltungsrat der Be-
schwerdeführerin die Umwandlung der Aktienzertifikate. Mit der Erklärung
vom 29. April 2021 hielt die Ehefrau des Beschuldigten fest, dass sie die
Namensaktien der Beschwerdeführerin an eine Drittperson im Sinne einer
Verpfändung abtrete und damit die bestehende Faustpfandbestellung an
den Inhaberaktien ersetzt würde (Beschwerdebeilagen 1 bis 3).
Vorliegend bestehen ernsthafte Zweifel daran, dass die verbrieften Aktien
der Beschwerdeführerin tatsächlich an C. verpfändet wurden. Selbst wenn
sie tatsächlich an C. verpfändet worden wären, würde dies einer Beschlag-
nahme nicht entgegenstehen. Der Gläubiger eines Faustpfandes hat ge-
stützt auf Art. 891 Abs. 1 ZGB im Falle der Nichtbefriedigung nur ein Recht
darauf, sich aus dem Erlös des Pfandes bezahlt zu machen. Demnach ist
eine Beschlagnahme trotz des bestehenden Faustpfandrechts möglich.
5.1.3.
Anlässlich seiner delegierten Einvernahme am 30. November 2021 legte
der Beschuldigte dar, die besagte Liegenschaft gehöre der Beschwerde-
führerin, deren Aktien wiederrum seiner Ehefrau. Er habe ihr diese im
Herbst 2020 übertragen, nachdem die Grundbuchsperre im letzten diesbe-
züglichen Verfahren aufgehoben worden sei. Im April 2021 seien die Aktien
lediglich in Namensaktien umgewandelt worden. Die Übertragung habe
- 8 -
einzig der Begleichung alter Unterhaltsverpflichtungen gedient. Ihre wirt-
schaftliche Situation habe sich dadurch nicht verbessert, seien die Aktien
schliesslich bereits verpfändet gewesen. Der Beschuldigte und seine Ehe-
frau seien 1999 gerichtlich getrennt worden. Auf die Frage, dass er seit
2013 offiziell an derselben Adresse angemeldet sei wie seine Ehefrau und
ob die Ehegatten zusammenlebten, gab er an, sie seien zurzeit wieder zu-
sammen, wie lange, wisse man aber nicht. Er lebe in der besagten Liegen-
schaft (Beilage 4 zur Stellungnahme der Kantonalen Staatsanwaltschaft
vom 15. Dezember 2021, S. 5 f.).
Die Ehe des Beschuldigten und seiner Ehefrau wurde am 18. Mai 1999
getrennt. Er schuldete ihr laut ihrer Scheidungskonvention bis zum 31. De-
zember 2015 Unterhaltsbeiträge (Beilage 1 zur Stellungnahme der Kanto-
nalen Staatsanwaltschaft vom 15. Dezember 2021). Der Beschuldigte lebt
seit 2013 zusammen mit seiner Ehefrau in der streitbetroffenen Liegen-
schaft und führt mit ihr wieder eine Beziehung (Beilage 13 zur Beschwer-
deantwort der Kantonalen Staatsanwaltschaft). Gestützt auf Art. 179 Abs. 2
ZGB fallen die für das Getrenntleben angeordneten Massnahmen mit Aus-
nahme der Gütertrennung und der Kindesschutzmassnahmen dahin, so-
bald die Ehegatten das Zusammenleben wiederaufnehmen. Weshalb der
Beschuldigte seiner Ehefrau sieben Jahre nach Wiederaufnahme des ehe-
lichen Zusammenlebens Unterhaltszahlungen entrichten sollte, die zu die-
sem Zeitpunkt gar nicht mehr geschuldet und sogar verjährt waren, er-
schliesst sich dem Obergericht nicht. Die Übertragung erfolgte somit ver-
mutungsweise ohne Rechtsgrund. Ferner bleibt im Dunkeln, wie der Be-
schuldigte angeblich bestehenden Unterhaltszahlungen mit angeblich an
eine Drittperson verpfändeten Aktien nachkommen wollte. Auffällig ist zu-
dem, dass er ihr die Aktien im Herbst 2020 übertragen haben will, nachdem
die Grundbuchsperre im letzten diesbezüglichen Verfahren aufgehoben
wurde, was als Hinweis dafür dient, dass er lediglich eine erneute Grund-
buchsperre hat verhindert wollen. Irgendwelche Nachweise für diese Über-
tragung legte er nicht auf.
Das Vorgehen, die Aktien zu übertragen und zu verpfänden, erscheint da-
her vielmehr als Indiz dafür, dass der Beschuldigte Vorkehren gegen eine
mögliche Beschlagnahme der Liegenschaft treffen wollte.
5.1.4.
Der Sitz der Beschwerdeführerin befindet sich an der streitgegenständli-
chen Liegenschaft (https://ag.chregister.ch/cr-portal/auszug/aus-
zug.xhtml?uid=CHE-113.213.793, zuletzt eingesehen am 8. März 2022).
Die Beschwerdeführerin bestreitet die Ausführungen der Kantonalen
Staatsanwaltschaft nicht, dass ihr einziges eingetragenes Organ der
Schwiegersohn des Beschuldigten ist, der offenbar auch in der Liegen-
schaft lebt. Demnach bestehen enge familiäre und wirtschaftliche Verflech-
tungen zwischen dem Beschuldigten und der Beschwerdeführerin.
- 9 -
5.2.
Vorliegend sind die Eigentumsverhältnisse an der streitgegenständlichen
Liegenschaft nicht abschliessend zu klären; es genügt, wenn die Verwen-
dung der Liegenschaft entsprechend dem jeweiligen Beschlagnahme-
zweck in Beachtung der Aktenlage und der Vorbringen der Betroffenen als
nicht ausgeschlossen erscheint (vgl. E. 2.4 hiervor). Es deutet alles darauf
hin, dass der Beschuldigte sich seines Eigentums an der Beschwerdefüh-
rerin und somit an der Liegenschaft entledigte, um diese vor dem Zugriff
der Strafverfolgungsbehörden zu schützen. Die Übertragung der Aktien der
Beschwerdeführerin an seine Ehefrau kann als ein Scheingeschäft an eine
"Strohperson" gewertet werden (vgl. E. 2.3 hiervor) und es bestehen Hin-
weise, dass die streitgegenständliche Liegenschaft wirtschaftlich betrachtet
weiterhin im Eigentum des Beschuldigten steht. Die tatsächlichen Eigen-
tumsverhältnisse werden im Laufe der hängigen Strafuntersuchung zu klä-
ren sein wie auch die Frage, ob die Übertragung der Aktien dazu diente,
den Gläubigern des Beschuldigten Haftungssubstrat vorzuenthalten. Zu
prüfen bleibt auch, ob die Finanzierungsmittel für die Liegenschaft aus de-
liktischen Quellen stammten. Die Kantonale Staatsanwaltschaft legte im
vorliegenden Beschwerdeverfahren jedenfalls konkrete Verdachtsgründe
dar, wonach die Ehefrau des Beschuldigten nur "vorgeschoben" worden
sei, um die Liegenschaft dem Zugriff von Gläubigern des Beschuldigten zu
entziehen, und dieser zumindest faktisch und wirtschaftlich wie ein Eigen-
tümer darüber verfügen kann. Bis zur Abklärung dieser Verdachtsgründe
erscheint eine Beschlagnahme im Hinblick auf eine allfällige Heranziehung
zur Kostendeckung oder Sicherstellung einer Ersatzforderung als zulässig.
Die Zusprechung einer staatlichen Ersatzforderung oder eine richterliche
Verwertung des Beschlagnahmesubstrats zu Kostendeckungszwecken er-
scheint im jetzigen Verfahrensstadium nicht ausgeschlossen.
6.
Zusammengefasst erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb
sie abzuweisen ist.
7.
7.1.
Bei diesem Ausgang hat die Beschwerdeführerin die Kosten des Be-
schwerdeverfahrens zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
7.2.
Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten für die-
ses Beschwerdeverfahren ist am Ende des Strafverfahrens von der dann-
zumal zuständigen Instanz festzulegen (Art. 135 Abs. 2 StPO).
- 10 -