Decision ID: 99e9d8f3-0520-442b-a664-1487fb0a2b5d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1967 geborene
X._
erlitt am 16. März 2002
ein
Distor
sionstrauma der linken Schulter
mit rezidivierenden Schmerzen und Kraftverlust. Am 24.
Juni 2002 wurde
eine
arthroskopische
Akromioplastik
durchgeführt.
Nachfolgend war der Verlauf verbessert, aber der Versicherte nicht beschwerde
frei.
In
zwei
Kontroll-MRI
zeigte sich eine
tiefe
bursaseitige
Partialruptur der
Supraspinatussehne
links
, welche am 14. April 2003
von Dr. med.
Y._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates,
operativ saniert wurde
(Schulterarthroskopie mit offener
Rotatoren
manschettennaht
[
Supraspinatus
vollständig
]
und
Akromioplastik
[
Urk.
10/M1
]
)
.
Am 10. April 2009
zog sich der inzwischen (seit 1. März 2008) bei der
Z._
AG als Account Manager angestellte und dadurch bei der
Helsana Unfall AG
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versicherte
X._
bei einer Liegestütz-Übung erneut eine Verletzung der
linken
Schulter zu (Unfallmeldung vom 7. Mai 2008 [
recte 2009,
Urk.
10/
K
1]). Die Erstkonsultation erfolgte am 14. April
(telefonisch) beziehungsweise am 21. April 2009 bei Dr.
Y._
. Im Bericht vom 25. Juni 2009 stellte dieser fest, dass es zu einer
Reruptur
der
Rotatorenmanschette
und einer adhäsiven
Kapsulitis
links
gekommen sei
(
Urk.
10/M9
)
.
Die weiteren Behandlungen und auch
Operation
en fanden in der Uniklinik
A._
durch
Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
statt (Operation vom
11.
Juni 2009
[Urk. 10/M8], vom 3.
November 2015
[Urk. 10/M26), vom 26.
Februar 2018
[Urk. 10/M49
, 10/M52
]
)
. Die Helsana Unfall AG richtete
während mehreren Jahren
d
ie gesetzlichen Leistungen aus und sprach dem Versi
cherten mit Verfügung
vom 10.
September
2010
eine Integritäts
entschädigung
aufgrund einer Integritätseinbusse
von
12 %
(Fr. 15'120.--) zu, welche am 5. Dezember 2016 auf
20
%
(Fr. 25'000.--)
erhöht wurde
(Urk.
10/K9,
10/K
26)
.
Mit Schreiben vom 5.
Juli 2018 stellte
die Helsana Unfall AG
fest, dass das Ereignis vom 10. April 2009 die Voraussetzungen eines Unfalles im
Rechts
sinne sowie eines
unfallähnlichen
, sinnfälligen Ereignisses nicht erfüll
e, weshalb eine
wiedererwägungsweise Aufhebung der
Leistungszusprache
sowie Rück
forderung der zu Unrecht ausgerichteten Leistungen in Betracht komme
(Urk. 10/K46)
.
Mit Verfügung vom 12.
September 2019
verneinte sie schliesslich einen Leistungsanspruch des Versicherten im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 1
0.
April 2009
und machte eine Rückforderung von Taggeldern
in der Höhe von «Fr. 81’76.55»
seit dem 1. Oktober 2014 geltend
(
Urk.
10/K80)
.
Die dagegen erhobene Einsprache vom 7. Oktober 2019 (
Urk.
10/K81
) wies sie mit Entscheid vom 12. Juni 2020 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 10. August 2020 Beschwerde mit dem Antrag, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zu gewähren und es sei fest
zu
stellen, dass keine Rückforderung bestehe. Zudem beantragte er die Durch
führung eines zweiten Schriftenwechsels (
Urk.
1
S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 17. November 2020 schloss die
Helsana Unfall AG
auf Abweisung der Beschwerde
und
berichtigte
, dass es sich bei der
verfügten Rückforderung
um
den Betrag von
Fr. 81'576.55
handle
(
Urk.
9
)
. Am 16. März 2021 reichte der Beschwer
deführer seine Replik ein (
Urk.
14). Die
Helsana Unfall AG
erstattete am 19. April 2021 ihre Duplik (
Urk.
18), wovon der Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 26. April 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
20).
Mit Eingabe vom
12. Mai 2021
nahm
der Beschwerdeführer
nochmals
Stellung
(
Urk.
21
),
was
der Beschwerdegegnerin
am
18. Mai 2021
angezeigt
wurde
(
Urk.
22
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
ge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
ver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Sep
tember 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende
Vorfall
hat sich
im
April
2009
ereignet, weshalb die bis 31. Dezem
ber 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Aus
serdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Ver
unfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.3
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.4
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls
schwer
wiegende
, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.5
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100 E. 2d mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 176 f.) bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Ver
änderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1, Nr. U 510 S. 275, Nr. U 523 S. 541 E. 3.1).
Ohne besonderes Vorkommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2; RKUV 2004 Nr. U 523 S. 541 E. 3.2).
1.6
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Fol
gen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 UVV Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.7
Bei den unfallähnlichen Körperschädigungen im Sinne von Art. 9
Abs.
2 UVV entfällt im Vergleich zu den eigentlichen Unfällen nach
Art.
4 ATSG einzig das Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles müssen hingegen auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt nament
lich für das Erfordernis des einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnfälliger – eben unfallähnlicher – Einfluss auf den Körper zu verstehen ist. Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen Bewegung bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 327 E. 3.1, 3.3.1; 129 V 466 E. 2.2, 4.1; 123 V 43 E. 2b).
Erforderlich für die Bejahung eines äusseren Faktors ist ein gesteigertes Schädigungspotenzial, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäg
lichen Lebensverrichtung führenden Faktors. Die physiologische Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_696/2013 vom 1
4.
November 2013 E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E. 3.3.1, 129 V 466 E. 4.2.2, 4.3). Ein äusserer Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial liegt nach der Recht
sprechung vor, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, verbunden ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E. 3.3.1). Erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufstehen aus der Hocke, bei heftigen belastenden Bewegungen oder bei einer wegen äusserer
Einflüsse unkontrollierbar gewordenen Positionsänderung (vgl. BGE 129 V 466 E. 4.2.3, Urteil des Bundes
gerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3).
Der Zweck des Instituts der unfallähnlichen Körperschädigung besteht nicht da
rin, krankhafte oder degenerative Körperschäden von der obligatorischen Unfall
versi
cherung auszuschliessen, sondern darin, die oft schwierige Abgrenzung zwischen Unfall und Krankheit zugunsten der Versicherten zu vermeiden. Die sozialen Unfallversicherer haben somit ein Risiko zu übernehmen, das nach der geltenden begrifflichen Abgrenzung von Unfällen und Krankheiten den letzteren zuzuordnen wäre. Hinzu kommt, dass es für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen
hangs praxisgemäss genügt, wenn das schädigende Geschehen eine Teilursache bildet. Ein degenerativer oder pathologischer Vorzustand schliesst daher eine unfallähnliche Körperschädigung nicht aus, sofern ein unfallähnliches Ereignis den vorbestehenden Gesundheitsschaden verschlimmert oder manifest werden lässt. Bei den in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a bis h UVV abschliessend erwähnten Verletzungen muss aber eine schädigende, äussere Einwirkung wenigstens im Sinne eines Auslösungsfaktors zu den (vor- oder überwiegend) krankhaften oder degenerativen Ursachen hinzutreten, damit eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt (vgl. BGE 123 V 43 S. 45 E. 2b mit Hinweisen, insbes. auf BGE 116 V 155 E. 6c, 117 V 360 E. 4a, 114 V 301 E. 3c; RKUV 1988 Nr. U 57 S. 373 E. 4b).
Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach
Art.
9
Abs.
2 UVV fallen als massgebender äusserer Faktor nicht in Betracht, wenn sie bei einer alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass ein davon unterscheidbares äusseres Moment mitspielen würde. Wer also etwa beim blossen Aufstehen, Absitzen, Ab
liegen, bei Bewegungen im Raum, Handreichungen und so weiter einen ein
schiessenden Schmerz verspürt, kann allein deswegen noch keine unfallähnliche Körperschädigung geltend machen. Ein äusserer Faktor ist nicht gegeben, wenn die versicherte Person einzig das erstmalige Auftreten von Schmerzen angibt, aber keine gleichzeitig mitwirkende äussere Komponente zu benennen vermag. Auch ist das Erfordernis eines äusseren schädigenden Faktors nicht erfüllt, wenn das Auftreten von Schmerzen bloss mit einem von der versicherten Person beschriebenen gewöhnlichen Bewegungsablauf einhergeht. Verlangt wird viel
mehr ein Geschehen, welchem ein gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt, was zutrifft, wenn die als Schmerzauslöser angegebene Betätigung im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies bei vielen sportlichen Aktivitäten der Fall ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 129 V 466 E. 4.2.1, 4.2.2).
1.8
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
1.9
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie unvoll
ständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
2.
2.1
Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer am 10. April 2009 einen Unfall oder eine unfallähnliche Körperschädigung erlitten hat.
2.2
Mit angefochtenem
Einspracheentscheid
vom 12. Juni 2020 (
Urk.
2) wurde dies verneint.
Die Beschwerdegegnerin
führ
t
e
dazu
im Wesentlichen
aus
,
dass es am 10. April 2009
überwiegend wahrscheinlich zu einer erneuten Verletzung der er
heblich vorgeschädigten und nach 2003 nie beschwerdefreien linken Schulter gekommen
sei
, als der Beschwerdeführer Liegestütze gemacht habe. Derartige Kraft- und Dehnübungen mit Körperbelastung stellten mangels gesteigerter Gefahrenlage und äusserem Faktor keine Unfallereignisse und auch keine unfall
ähnlichen sinnfälligen Ereignisse dar.
An dieser Einschätzung
würden
auch die späteren Sachverhaltsschilderungen de
s
Beschwerdeführers vom 20. Aug
u
st 2018 sowie die
erstmals mit Schreiben vom 10.
Se
ptem
b
er 2018 eingereichten
Einträge
aus der Krankengeschichte (KG)
von Dr.
Y._
nichts ändern. Zum einen seien die ersten Aussagen und medizinischen Berichte nach einem schädigenden Ereig
nis in der Regel als unbefangener und zuverlässiger zu bewerten als spätere Sach
verhaltsdarstellungen. Zum anderen komme den KG-Einträgen
von Dr.
Y._
angesichts der
nachträglichen Anpassung
en anlässlich der Konsultation vo
m 4. September 2018 kein Beweiswert zu.
Die formlose Ausrichtung unter anderem der Taggelder erscheine offensichtlich unrichtig, weshalb diese zurückzuerstatten seien.
2.3
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde
(
Urk.
1) geltend,
dass er am 10. April 2009 bei der Ausübung von Liegestützen ausgerutscht sei, was dazu geführt habe, dass er sich habe auffangen müssen, aber nicht habe halten können und deshalb am Boden aufgeschlagen sei. Dabei sei es sofort zu den einschiessenden Schmerzen gekommen. Dieses Ereignis erfülle sowohl den Begriff eines Unfalles als auch einer
unfallähnlichen Körperschädigung
, weshalb die Beschwerdegegnerin nach eingehender und mehrmaliger Prüfung ihre Leistungspflicht
auch
während Jahren anerkannt habe.
Entsprechend
könne sie nunmehr
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dar
legen, dass diese Einschätzung
(
offensichtlich
)
unrichtig gewesen sei.
Zudem se
ien an den KG-Einträgen von Dr.
Y._
keine materiellen Änderungen vor
genommen worden, sondern höchstens
Rechtschreibk
orrekturen. Schliesslich seien auch d
ie Voraussetzungen für eine
Rückforderung
mangels
Rückkommens
titel
und infolge eingetretener Verwirkung
nicht erfüllt.
3.
3.1
Es liegen unterschiedliche Schilderungen zum Unfallhergang vor, weshalb diese hier einzeln wiedergegeben werden:
3.
2
In der Schadenmeldung vom
7. Mai 2009 schilderte der Beschwerdeführer, dass er bei
m Verrichten von
Liegestützen zusammengebrochen sei, da die linke Schulter total eingeknickt sei (
Urk.
10/K1).
Mit der Stellungnahme vom 10
. September 2018 zum Schreiben der Beschwerde
gegnerin vom 5. Juli 2018 re
i
chte der Beschwerdeführer eine detaillierte Beschreibung des U
nfallhergangs ein: Danach sei er am 10.
April 2009 bei seinen Eltern zum Essen eingeladen gewesen. Nach
der
Rückkehr in seine Wohnung habe er begonnen, L
iegestütze zu machen. Bei der 4
2.
Liegestütze sei er mit dem linken Arm
plötzlich
«weggeschlipft»,
vermutlich
weil er
(gemeint: der Boden)
vom Schwitzen etwas feucht gewesen sei. Er habe den linken Arm zurückziehen wollen und sei dabei im Ellenbogengelenk total eingeknickt und regelrecht zusammen
gebrochen. Der ganze Körper sei auf dem Parkett aufg
eschlagen (
Urk.
10/K52 Beilage 2
).
Wie
d
er
Beschwerdeführer
in der Beschwerde
schrift vom 10.
August 2020 ausführte, sei es dann sofort zu den einschiessenden Schmerzen gekommen (
Urk.
1 S.
12).
3.
3
Der von Dr.
Y._
geführten Krankengeschichte lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 14. April 2009 während der Abwesenheit des Arztes ange
rufen und geschildert habe, dass er das Gefühl von einem erneuten Abriss in der Schulter nach einem Sturz beim Fitnesstraining habe. Anlässlich der Erstkonsultation
am 21. April 2009
berichtete
der Beschwerdeführer
weiter
, dass er am 10. April 2009 beim Heimtraining (L
iegestützen) mit der
Hand ausgerutscht und auf dem Boden aufgeschlagen sei und
dabei eine offene Nasenbeinfraktur und eine Kontusion der linken operierten Schulter erlitten habe
(
Urk.
10/K52 Beilage 3)
.
3.
4
Prof.
Dr
. med.
C._
, Facharzt FMH für Radiologie
, führte in seinem Bericht vom 28. April 2009 unten den klinischen Angaben «plötzliche Schmerzen nach Kraftakt» auf (
Urk.
10/M2).
3.
5
Prof.
B._
berichtete am
5. Juni 2009
von einem
Schultertrauma am 10. April 2009 und erwähnte, dass der Beschwerdeführer bei Liegestützen einschiessende Schmerzen gehabt habe (
Urk.
10/M3).
I
n
den
späteren Berichten
hielt er
ebenfalls
ein Schultertrauma am 10. April 2009
sowie im Bericht vom 16. Juni 2009 zudem eine Verstauchung und Zerrung des Schultergelenkes
fest
(
Urk.
10/M6, 10/M7)
. Im Operationsbericht vom 17. Juni 2009
führte
Prof.
B._
sodann
einen Sturz am 10. April 2009
an
(
Urk.
10/M8).
Am
15. August 2018
berichtete er
wiederum
über einschiessende
Schmerzen bei den Liegestützen und erwähnte, dass genauere Details zum Unfallmechanismus nicht protokolliert worden seien (
Urk.
10/M
55).
3.
6
Dr.
Y._
beantwortete am 25. Juni 2009 verschiedene Fragen der Beschwerde
gegnerin und berichtete über eine Schulterdistorsion am 10. April 2009 (
Urk.
10/M9).
3.
7
Auf die Frage der Beschwerdegegnerin nach unfallfremden Ursachen antwortete die Uniklinik
A._
am 22. Juli 2010
mit «keine bekannt» (
Urk.
10/M18).
4.
4.1
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicheru
ngsrechts in der Regel auf die «
Aussagen der ersten Stunde
»
ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbe
wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder ande
rer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
4.
2
In der
Scha
denmeldung vom 7. Mai 2009
(
Urk.
10/K1) wurde bezüglich des Her
gang
s
des Ereignisses erstmals geschildert, dass der Beschwerdeführer zusammengebrochen sei, da die linke Schulter total eingeknickt sei.
Damit
weit
gehend
übereinstimmend berichtete der Beschwerdeführer auch in seiner «detaillierten Beschreibung des Unfallhergangs»
vom 20. August 2018
, im Ellen
bogengelenk total eingeknickt und regel
recht zusammengebrochen zu sein
, wobei er ergänzte, dass d
em Einknicken
ein Ausrutschen der Hand infolge Schwitzens
vorausgegangen
sei
(
Urk.
10/K52 Beilage 2)
.
D
iese ausführliche
re
Schilderung des Ereignis
herganges
erfolgte zwar
erst
gut
neun
Jahre nach dem
besagten
Vorfall
.
Allerdings
erkundigte sich d
ie Beschwerdegegnerin
– welche bis ins Jahr 2018 stets vom Vorliegen eines Unfalles oder zumindest einer unfallähnlichen Körper
schädigung
ausging
–
zuvor
auch
nie nach dem konkr
e
ten Unfallhergang
.
Ausser
dem deckt sich diese
Darstellung
des Ereignisherganges durch den Beschwerdeführer
massgeblich
mit den Einträgen in
der Krankengeschichte durch Dr.
Y._
: Danach hab
e der Beschwerdeführer am 14. April 2009 telefonisch von einem Sturz berichtet und anlässlich der Konsultation vom 21. April 2009 geschildert, dass er bei Liegestütz-Übungen mit der Hand ausgerutscht und auf den Boden aufgeschlagen
sei
(
Urk.
10/K52 Beilage
3).
Von
diesem Ereignis
hergang kann, wie nachfolgend erläutert,
ausgegangen werden.
4.3
Insofern die Beschwerdegegnerin
den
KG-
Einträgen von Dr.
Y._
den Beweis
wert
abspricht mit der Begründung, dass diese nachträglich mutiert worden seien und ihr ursprünglicher Inhalt nicht mehr nachvollziehbar sei
(
Urk.
2 S. 8,
Urk.
9 S. 4
), kann ihr nicht gefolgt werden.
Abgesehen
von
der Tatsache
, dass kein
sach
licher
Grund ersichtlich ist,
weshalb
Dr.
Y._
eine solche,
möglicherweise
straf
rechtlich relevante Mutation für einen Patienten
–
der
nicht
einmal (mehr)
regelmässig
in seiner Behandlung steht – vornehmen sollte
, lassen auch die konkreten Umstände nicht auf eine
derartige Abänderung schliessen: Mit dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 5. Juli 2018 wurde eine
wieder
erwägungsweise
Aufhebung der
Leistungszusprache
und die Rückforderung der Leistungen
in Aussicht gestellt und
dem Beschwerdeführer
Gelegenheit zur Stellungnahme
eingeräumt (
Urk.
10/K46). Daraufhin
verlangte
der Beschwerde
führer bei Dr.
Y._
offensichtlich
eine Kopie der KG-Einträge,
was d
urchaus verständlich
erscheint,
war es doch
in seinem Interesse,
den
von ihm dargelegten
Hergang der Ereignisse vom 10. April 2009
durch objektive Belege zu unter
mauern.
Da
ss
Dr.
Y._
beziehungsweise seine Praxisassistentin im Folgenden
vor
der
Herausgabe
der Krankengeschichte
verschiedene
Recht
schreib
e
fehler
(vor allem Gross- und Kleinschreibung)
korrigiert
en
,
erscheint
nachvollziehbar,
sind
derartige Fehler
dem Verfasser doch regelmässig etwas unangenehm, auch wenn sie i
m hektischen Behandlungsalltag
eines Arztes
wohl
häufig vorkommen.
Der zeitliche Konnex
zwischen dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 5. Juli 2018 und der
Korrektur der KG-Einträge anlässlich der Konsultation vom 4. September 2018
d
rängt sich damit nachgerade auf
und weist keineswegs – wie die
Be
schwerdegegnerin
anzudeuten scheint
(
Urk.
2 S. 8,
Urk.
10/K70,
Urk.
18 S. 2
)
–
auf eine inhaltliche Mutation
hin, um die Voraussetzungen eines Unfalles im Rechtssinne darin nachträglich abzubilden.
Rechtschreibek
orrekturen
lassen
sich
denn auch
den
von Dr.
Y._
in Zusammenarbeit mit der
D._
AG
erstellten Mutationsprotokollen
ent
nehmen
(
Urk.
10/K65).
Insbesondere wurden darin die Anfangsbuchstaben der Begriffe Heimtraining, Hand, Boden, Nasen
bein
fra
ktur, Kontusion, Pseudo
paralyse und
Druckdolenz
, welche
zunächst
klein geschrieben waren, auf Gross
buchstaben umgestellt. Solche Mutationen wurden insbesondere auch in Text
passagen vorgenommen, welche keine Erläuterungen zum Unfallhergang ent
halten, wodurch sich das
den
Mutationen
zugrundeliegende Motiv
– nämlich wie erwähnt die Korrektur von
Schreibf
ehlern – abermals zeigt.
Diese Rechtschreibe
korrekturen wu
rden auch von der
leitenden Arztsekretärin
von Dr.
Y._
,
E._
, in ihrer E
-M
ail vom 25. Februar 2019
bestätigt (
Urk.
15)
.
Was die Mutmassung der Beschwe
rdegegnerin anbelangt, dass Dr.
Y._
bereits zu einem früheren Zeitpunkt Mutationen an der Krankengeschichte vorge
nommen haben solle, welche nunmehr nicht mehr überprüfbar seien (
Urk.
9 S. 4),
so
stösst sie
damit
ebenfalls ins Leere, bestehen hierfür doch keinerlei
Anhalts
punkte. D
as Vorliegen eines Unfal
les oder einer unfallähnlichen Körpers
chädigung
wurde
bis ins Jahr 2018 nie in Frage gestellt
. Damit fehlte es
vor diesem Zeitpunkt
– erst recht (vgl. oben) – an
ein
em vernünftigen
Grund
zur Vornahme von
Mutationen
. Allfällige
Abänderungen des
Jahre
s
2018
, und sogar des Jahres 2017,
wären zum Zeitpunkt der Erstellung der Mutationsprotokolle im Januar 2019 demgegenüber ersichtlich gewesen, da Mutationsprotokolle
im Normalfall
erst nach
zwei Jahren
(aus Platzgründen) gelöscht
werden
(vgl.
hierzu
Urk.
10/K57,
10/K69).
Ausserdem gilt auch zu berücksichtigen, dass es
die Beschwerde
gegnerin selbst zu verantworten hat,
dass der genaue Unfallhergang nicht bereits Jahre zuvor geklärt wurde. Sie ging während beinahe zehn Jahren
– bei wiederholter Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen anlässlich verschiedener Leistungsübernahmen (Kosten der Heilbehandlung inklusive mehrerer Operationen, Taggelder, Integrationsentschädigung)
–
vom Vorliegen eines Unfalles oder einer unfallähnlichen Körperschädigung aus, ohne den Beschwerdeführer oder Dr.
Y._
je
nach dem detaillierten Hergang de
r Ereig
nisse
zu befragen.
Insoweit sie aus dem
Schreiben vom 10. Juni 2009
an Dr.
Y._
(Urk. 10/M4)
etwas
anderes
abzuleiten
scheint (10/K53)
,
widerspricht dies
offensichtlich
den Tatsachen
. U
nter Ziffer 3
des besagten Schreibens wurde
ganz allg
emein nach der Anamnese, nicht aber nach einer
detaillierten
Schilderung des Ereignis
herganges
gefragt
(
Urk.
10/M4).
Wenn nunmehr der genaue Unfallhergang nach beinahe zehn Jahren
nur erschwert
eruier
bar
ist
,
kann
dies
jedenfalls
nicht dem Beschwerdeführer
angelastet werden
.
Dies gilt umso mehr, als
die Beschwerdegegnerin
in Verletzung der
für Verwaltung und Behörden
bestehenden Aktenführungspflicht
(
Art.
29
Abs. 2 BV
,
Art.
4
3
und 46
ATSG
)
Telefongespräche
zum Teil offensichtlich
nicht
protokollierte, obwohl
solche
aktenkundig
stattgefunden haben
(vgl. hierzu beispielsweise Urk. 10/K12, 10/K36, 10/K42, 10/K56, 10/K66, 10/K67
)
,
was möglicherweise auch auf die vom Beschwerdeführer behauptete telefonische Unfallschilderung (
Urk.
1 S. 12; Bestreitung der Beschwerdegegnerin in
Urk.
9 S. 5) zutreffen mag
(vgl. hierzu auch
den Grundsatz von Treu und Glauben und eine allfällige Umkehr der Beweislast
[
Urteil des Bundesgerichts 8C_693/2010 vom 25. März 2011 E. 12
]
).
4.4
Die in
den
weiteren
Arztberichten
(vgl. E
. 3.4 bis 3.7
)
aufgeführten Darstellung
en
des Ereignishergangs stehen
den Schilderungen des Beschwerdeführers sowie
den KG-Einträgen
von Dr.
Y._
sodann nicht entgegen
, insbesondere auch deshalb, weil sie allesamt sehr knapp ausfallen. Namentlich die
mehrfach
verwendeten
Begriffe Schultertrauma, Schulterdistorsion und Sturz weisen sodann ebenfalls auf eine Verursachung durch
einen äusseren Umstand hin
. Insofern sich in zwei Arztberichten die Formulierungen «plötzliche Schmerzen nach Kraftakt» beziehungsweise «... bei Liegestützen am 10.04.2009 einschiessende Schmerzen...» finden
(E. 3.5)
, kann daraus
namentlich
vor dem Hintergrund der Äusserungen in der Schadenmeldung
und
der Formulierung
en
in den anderen Arztberichten nicht gefolgert werden, dass der Beschwerdeführer nicht
ausgerutscht
sei.
4.5
Zusammenfassend ist damit gestützt auf die Aussagen der ersten Stunde
und da
bei auch
die beweiskräftigen KG-Einträge von Dr.
Y._
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer am 10. April 2009 anlässlich der Liegestütz-Übungen mit der Hand ausgerutscht, im Ellbogen beziehungsweise der Schulter eingeknickt und auf den Boden
gestürzt
ist.
Damit hat
ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf
der
Körperbewegung
programmwidrig
beeinflusst.
Da
diese plötzliche und nicht beab
sichtigte
schädigende Einwirkung auf den Körper die bekannte Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit zu
r
Folge hatte, liegt augen
fällig
ein Unfall im Sinne von A
rt.
4 ATSG vor, weshalb die Beschwerdegegnerin hier
für leistungspflichtig ist.
4.6
Der Vollständigkeit halber
ist
aber
darauf hinzuweisen, dass die Leistungspflicht der Unfallversicherung selbst dann gegeben wäre, wenn die KG-Einträge von Dr.
Y._
und die späteren Sachverhaltsschilderungen des Beschwerdeführers
nicht berücksichtigt
und ein Ausrutschen der Hand
verneint würde
.
Denn
die erlittenen
Sehnenrisse (
Reruptur
der
Rotatorenmanschette
[
Supraspinatussehne
] und Teilruptur der
Bizepssehne
[Operationsbericht von
Prof.
B._
vom 17. Juni 2009,
Urk.
10/M8]) gehören
zu den in Art.
9 Abs. 2
lit
. a – h UVV aufgeführten Listenverletzungen
und sind vorliegend auf
einen schädi
gen
den äusseren Faktor im Sinne der Recht
spre
chung zur unfallähnlichen Körpe
r
schädigung zurück
zuführen (E. 1.7
)
:
Bei der Ausübung von Liegestützen handelt es sich zwar um eine Verrichtung, die üblicherweise im Rahmen einer physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers erfolgt und bei welcher grundsätzlich kein besonderes Schädigungspotenzial vorhanden ist. Allerdings ist vorliegend durch das
– bereits in de
r Schadenmeldung vom 7. Mai 2009
geschilderte (vgl.
Urk.
10/K1) und soweit auch unbestrittene (vgl.
Urk.
9 S. 2 f.
) –
Einknicken in
der
Schulter/
im Ellbogen
mit anschliessendem Zusammenbrechen
ein in den Bewegungsabla
uf hinein
spielendes äusseres Moment
hinzugetreten
, das zur Unkontrollierba
rkeit der Bewegung geführt hat
.
Dass
einschiessende Schmerzen zum Einknicken in der Schulter/im Ellbogen geführt haben könnten,
wie die Beschwerdegegnerin geltend macht (Urk. 10/K46),
erscheint
dabei
nicht über
wiegend wahrscheinlich.
Wenn
Schmerzen eine derart dominante und auslösende Rolle beim Ereignishergang gespielt
hätten
, wäre
doch
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer diese in der Schadenmeldung zumindest erwähnt
hätte. Etwas
anderes
kann auch nicht aus den
äusserst knappen Angaben in den Berichten von Prof.
B._
vom 5. Juni 2009 (Urk. 10/M3) und 15. August 2018 (Urk. 10/M55)
abgeleitet werden, zumal
im
Grossteil der vorliegenden Arzt
berichte keine solchen
einschiessenden
Schmerzen
erwähnt wu
rden
(vgl. auch E. 4.4)
.
Folglich
ist ein schädigender äusserer Faktor
im Sinne der Rechtsprechung
zu bejahen (vgl. hierzu
Urteil des Bundesgerichts
8C_822/2007 vom 5. August 2008: Abknicken mit Fuss). Dabei spielt es keine Rolle, dass der Beschwerdeführer allenfalls
schon vor dem Ereignis vom 10.
April 2009 an Schulterbeschwerden litt.
Denn auch bei einer degenerativen oder krankheitsbedingten Vorschädigung des betroffenen Körperteils genügt es, wenn ein äusseres Ereignis im Sinne eines Auslösungsfaktors hinzutritt (
vgl. E. 1.7
; BGE 129 V 466 E. 2.2).
4.7
Folglich sind die am 10. April 2009 vom Beschwerdeführer erlittenen Verletzungen
jedenfalls auf ein versichertes Ereignis
zurückzuführen
.
5.
Damit ist der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
12. Juni 2020
(
Urk.
2) in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und es ist festzustellen,
dass die
Beschwerdegegnerin
für das Ereignis vom 10. April 2009 leistungspflichtig ist.
6.
Ausgangsgemäss hat der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer gestützt
auf Art. 61
lit
.
g ATSG Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gemäss § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses festzusetzen. Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte erweist sich eine Entschädigung von Fr.
2’0
00.-- als angemessen (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen).