Decision ID: 210d91bf-3b92-5af6-b9d4-9c238e4c845a
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ erlitt am 14. Juli 2011 als Beifahrer einen Verkehrsunfall (zum Unfallhergang
siehe den Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 24. August 2011, fremd-
act. 1-66 ff.). Dabei erlitt er ein Polytrauma mit: Schädelhirntrauma mit kognitiven
Defiziten leichter Art; Gesichts-, Kiefer- und Verletzung des linken Auges mit
Strabismus convergens bei Abducensparese; dislozierter Femurfraktur rechts und
Tibiaschaftfraktur rechts (siehe hierzu das Protokoll vom 5./7. Dezember 2012 zum
Gespräch zwischen dem RAD-Arzt Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin, und
Dr. med. C._, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Rehaklinik
Bellikon, vom 29. November 2011, IV-act. 91).
A.a.
Im Auftrag der IV-Stelle begann der Versicherte am 2. Juli 2012 eine bis 5. Oktober
2012 befristete berufliche Abklärung beim D._. Bereits ab dem 4. Juli 2012 erschien
der Versicherte nicht mehr beim D._. In der Folge wurden die beruflichen
Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen (siehe IV-Bericht «Abklärung/Ausbildung»
des HPV vom 16. August 2012, IV-act. 120, und den Schlussbericht der beruflichen
Eingliederung vom 14. August 2012, IV-act. 115; zur am 22. August 2012 mitgeteilten
Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen siehe IV-act. 125). Der RAD-Arzt
Dr. B._ vertrat in der Stellungnahme vom 5. August 2013 die Auffassung, der
Versicherte verfüge für eine Tätigkeit als CNC-Operateur über eine volle
Arbeitsfähigkeit. Wie der Suva-Kreisarzt im Bericht vom 26. März 2013 (siehe hierzu
fremd-act. 9-15 ff.) festgehalten habe, seien dem Versicherten leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten bei voller Präsenz, ohne Einnahme von Zwangshaltungen vollumfänglich
zumutbar (IV-act. 132-2). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (zum
A.b.
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Vorbescheid vom 15. August 2013 siehe IV-act. 136) verfügte die IV-Stelle am
30. September 2013 die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 137).
Am 6. Februar 2014 berichteten die medizinischen Fachpersonen der Klinik E._
über die im Zusammenhang mit einem Alkoholentzug erfolgte stationäre Behandlung
des Versicherten vom 13. Juni 2013 bis 13. Januar 2014. Nach einer komplikationslos
verlaufenen Entgiftungs- und Stabilisierungsphase habe er auf die Entwöhnungs- und
Suchttherapiestation übertreten können, wo er die Therapie nach weiteren 4 Monaten
im stabilen Zustand ohne jegliche Rückfälle erfolgreich habe beenden können (IV-
act. 215). F._, Sozialarbeiterin FH, ersuchte die IV-Stelle am 6. März 2014 um «eine
wohlwollende Prüfung für eine Wiederaufnahme bei der IV» (IV-act. 139). Die IV-Stelle
teilte dem Versicherten - nach einer telefonischen Vorbesprechung mit der
Sozialarbeiterin vom 12. Mai 2014 (IV-act. 144) - daraufhin am 13. Mai 2014 mit, dass
nur er persönlich eine Anmeldung bei der Invalidenversicherung einreichen könne. Da
sie schon mehrere Leistungsgesuche geprüft habe, müsse er bei einer erneuten
Anmeldung eine Verschlechterung des Gesundheitszustands (unter Ausschluss des
Abhängigkeitssyndroms) seit der letzten Verfügung vom 30. September 2013
nachweisen. In der Beilage erhalte er ein Anmeldeformular (IV-act. 141; zur
Orientierung der Sozialarbeiterin siehe IV-act. 142). Gleichentags ging die am 12. Mai
2014 unterzeichnete IV-Anmeldung bei der IV-Stelle ein (IV-act. 143). Am 14. Mai 2014
forderte die IV-Stelle den Versicherten unter nochmaligem Hinweis auf die
rentenabweisende Verfügung vom 30. September 2013 auf, eine allfällige Veränderung
seines Gesundheitszustands glaubhaft zu machen (IV-act. 146). Der inzwischen
mandatierte Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt M. Bivetti, ersuchte am
12. August 2014 um Zustellung der vollumfänglichen Akten (IV-act. 152). Diese wurden
ihm am 14. August 2014 zugesandt (IV-act. 154).
A.c.
Am 24. Oktober 2014 berichteten die vom 13. Januar bis 30. Oktober 2014 im
G._, Zentrum für Suchttherapie und Rehabilitation, betreuenden Fachpersonen, der
Versicherte sei von Anfang an in herzlichem und gutem Kontakt zur Mitklientel
gestanden. Er habe sich über seinen gesamten Aufenthalt hinweg sehr gut an die
Therapie- und Hausregeln gehalten. Er habe sich trotz der Länge seiner stationären
Therapie motiviert und arbeitsbereit gezeigt. Es fielen seine weitsichtige Art des
Denkens und seine überdurchschnittliche Sprach- und Sozialkompetenz auf. In der
A.d.
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Sozialberatung sei wahrgenommen worden, dass bei der Bearbeitung der
anspruchsvollen Themen die Konzentrationsfähigkeit des Versicherten beeinträchtigt
gewesen sei. Dies besonders bei länger andauernder Konzentration, insbesondere bei
zusätzlicher Anstrengung der Augen. Der Versicherte habe hierzu erklärt, aufgrund der
seit seinem Verkehrsunfall vorhandenen Doppelbilder müsse er öfter Pausen machen.
In der Gärtnerei habe der Versicherte ein Pensum von ca. 50% eines
Normalarbeitsverhältnisses absolvieren können. Im Umgang mit der Mitklientel und den
Vorgesetzten habe der Versicherte gute Sozialkompetenzen gezeigt, sei es im
allgemeinen Miteinander bei der Arbeit oder bei spezifisch wahrgenommenen
Führungsaufgaben (IV-act. 161).
Es folgten weitere Abklärungen und ein Auftrag an die Eingliederungsberatung der
IV-Stelle. Da sich der Versicherte auf die Kontaktversuche der Eingliederungsberaterin
nicht mehr gemeldet hätte, sei er mit Schreiben vom 4. August 2016 auf seine
Mitwirkung hingewiesen worden. Daraufhin habe er sich wieder gemeldet und es sei
eine berufliche Abklärung aufgegleist worden, die am 12. Dezember 2016 hätte
stattfinden sollen. Der Versicherte sei jedoch nicht zur Arbeit erschienen (siehe zum
Ganzen das Feststellungsblatt «Berufliche Massnahmen» vom 13. September 2018, IV-
act. 265, sowie das Strategieprotokoll vom 13. September 2018, IV-act. 264). Die
Eingliederungsverantwortliche führte im Assessment- und Verlaufsprotokoll vom
6. Januar 2017 aus, aufgrund eines Rückfalls des Versicherten seien
Eingliederungsmassnahmen zurzeit nicht möglich. Vorerst sei der weitere Verlauf
abzuwarten. Zudem sei festzuhalten, dass der Versicherte seiner Mitwirkungspflicht
zum wiederholten Male nicht nachgekommen sei (IV-act. 210-8).
A.e.
Wegen vermehrten Amphetamin- und Alkoholkonsums befand sich der Versicherte
vom 26. Januar bis 10. Mai 2017 erneut zu einer qualifizierten Entzugsbehandlung in
der Klinik E._. Der Versicherte habe angegeben, dass er seit 4 Monaten vor Eintritt
täglich Bier und Amphetamine konsumiert habe. Bei Austritt aus der Klinik sei der
psychopathologische Befund insgesamt unauffällig gewesen (Bericht vom 6. Juni 2017,
IV-act. 219). Der RAD-Arzt Dr. B._ schätzte die Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf
50% ein. Sollten im Rahmen der Eingliederungsbemühungen Unregelmässigkeiten
auftreten, müssten ärztlich vorzunehmende Suchtmittelkontrollen eingeführt werden
(Stellungnahme vom 23. Juni 2017, IV-act. 221). In der Stellungnahme vom
A.f.
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13. September 2017 ergänzte er, abgesehen vom schweren Suchtleiden, das seit
Jahren psychische und Verhaltensstörungen zur Folge habe, lägen beim Versicherten
keine Gesundheitsschäden vor, die sich auf seine Arbeitsfähigkeit auswirkten. Ein
telefonisches Gespräch mit der Suchtberaterin habe ergeben, dass der Versicherte seit
dem 13. Juni 2017 nicht mehr in der Suchtberatung erschienen sei. Es sei damit davon
auszugehen, dass der Versicherte weiterhin seiner Sucht fröne (Alkohol, Amphetamine,
Kokain). Der RAD-Arzt empfahl eine Begutachtung des Versicherten (IV-act. 224).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 18. bis 22. Juni 2018 im ZMB
Zentrum für Medizinische Begutachtung polydisziplinär (allgemeininternistisch,
orthopädisch, neurologisch, ophthalmologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch)
begutachtet. Die Gutachterinnen und Gutachter stellten folgende Diagnosen, denen sie
eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimassen: ein organisches Psychosyndrom
nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2) in Kombination mit einer sonstigen
organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit,
Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F07.8); ein Schädelhirntrauma
und einen Verdacht auf einen Basis-nahen Ausriss des N. abducens links. Keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe u.a. die vorbestehende Polytoxikomanie, die
«aktuell laut Angabe sistiert» sei. Aufgrund der Einschränkungen, bedingt durch das
organische Psychosyndrom sei eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft nicht möglich. Der
Versicherte sei eingeschränkt in zahlreichen Funktionen: Einhalten von Regeln,
Durchhaltefähigkeit, Flexibilität, Umstellungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Er
sei deutlich vermindert belastbar. Aus ophthalmologischer Sicht könne der Versicherte
nur in Tätigkeiten eingesetzt werden, die kein wesentlich gutes Stereosehen
benötigten. In einer angepassten Tätigkeit, wie sie vom Versicherten aktuell als
Mitarbeiter Recycling von Elektroartikeln leiste, sei eine Arbeitsfähigkeit sehr wohl
möglich. Die jetzige Tätigkeit werde als eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen erachtet.
Sie werde mit einem 50%igen Pensum ausgeführt. Ob eine Steigerung möglich sei,
werde sich im weiteren Verlauf zeigen (Gutachten vom 8. August 2018, IV-act. 262,
insbesondere S. 7 ff.). Der RAD-Arzt Dr. B._ hielt die gutachterliche Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht für schlüssig (Stellungnahme
vom 13. September 2018, IV-act. 263).
A.g.
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B.
Am 13. September 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des
Gesuchs um berufliche Massnahmen mit (IV-act. 266).
A.h.
Mit Vorbescheid vom 14. November 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zusprache einer ganzen Rente ab 1. November 2014 in Aussicht (IV-act. 271). Dagegen
erhob der Versicherte am 3. Januar 2019 Einwand. Entgegen der Auffassung der IV-
Stelle sei nicht davon auszugehen, dass die bei den Akten liegende Verfügung vom
30. September 2013 in Rechtskraft erwachsen sei. Diese habe ihn nicht erreicht und
deshalb auch nicht in Rechtskraft erwachsen können. Unabhängig hiervon müsste die
Verfügung vom 30. September 2013 in prozessuale Revision gezogen werden. Das
ZMB habe am 8. August 2018 mit Verweis auf das anlässlich des Unfalls vom 15. Juli
2011 (richtig: 14. Juli 2011, fremd-act. 1-66) erlittene organische Psychosyndrom nach
Schädelhirntrauma festgestellt, dass eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft nicht
möglich sei. Die vor der Verfügung vom 30. September 2013 von der IV-Stelle bzw.
dem RAD vertretene Ansicht, wonach er (der Versicherte) lediglich ein
Schädelhirntrauma mit kognitiven Defiziten «leichter Art» erlitten haben soll, hätten sich
mit der Vorlage der aktuellen, auch nach Ansicht der IV-Stelle, korrekten Begutachtung
«als nachweislich und offensichtlich unrichtig» erwiesen (IV-act. 274).
A.i.
Mit Verfügung vom 2. Mai 2019 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung
ab 1. November 2014 eine ganze Rente zu und nahm bei den nachzuzahlenden
Beträgen verschiedene Verrechnungen vor (IV-act. 280; zur Notiz der Ausgleichskasse
vom 30. April 2019 bezüglich der Verrechnungsaufteilung siehe act. G 7.2.18).
A.j.
Gegen die Verfügung vom 2. Mai 2019 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 6. Juni 2019. Der Beschwerdeführer beantragt darin: 1. Die Verfügung vom 2. Mai
2019 sei insoweit aufzuheben, als ihm erst ab November 2014 eine ganze Rente
zugesprochen und Verrechnungen aus Nachzahlungen vorgenommen worden seien.
2. Ihm sei ab Oktober 2011 eine ganze Rente zuzusprechen. 3. Es sei festzustellen,
dass keine Verrechnungen vorzunehmen seien; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die Begründung lautet im Wesentlichen ähnlich wie diejenige
des Einwands vom 3. Januar 2019. Ergänzend rügt der Beschwerdeführer, dass den
Akten nicht zu entnehmen sei, auf welcher Basis die Verrechnungsansprüche geltend
B.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers. Da die rückwirkende und auf unbestimmte Zeit wirkende
Rentenzusprache ein einheitliches Rechtsverhältnis bildet, ist der Rentenanspruch für
den gesamten vom Leistungsgesuch erfassten Zeitraum Gegenstand der gerichtlichen
Überprüfung (vgl. BGE 131 V 164).
gemacht würden. Er habe deshalb keine Möglichkeit gehabt, deren Rechtmässigkeit zu
prüfen (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom
26. September 2019 die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt die Standpunkte, dass
die Verfügung vom 30. September 2013 formell rechtskräftig geworden sei und dass
die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision nicht erfüllt seien. Bezüglich der
Verrechnung von Nachzahlungen verweist sie auf die eingereichten Akten der
Ausgleichskasse (act. G 7; zu den Akten der Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen
siehe act. G 7.2, insbesondere die Stellungnahme vom 18. Juli 2019, act. G 7.2.1).
B.b.
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2019 wird dem Gesuch des Beschwerdeführers
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Verfahren vor
Versicherungsgericht entsprochen (act. G 8).
B.c.
In der Replik vom 18. November 2019 hält der Beschwerdeführer unverändert an
den Beschwerdeanträgen fest (act. G 10).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 12).B.e.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
1.1.
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2.
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
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Zwischen den Parteien ist zunächst umstritten, ob die rentenabweisende Verfügung
vom 30. September 2013 in Rechtskraft erwuchs. Dabei kann offenbleiben, ob der
Beschwerdeführer während der Zeit, als er sich in stationärer Behandlung in der Klinik
E._ befand (zum stationären Aufenthalt vom 13. Juni 2013 bis 13. Januar 2014 siehe
IV-act. 215), von der Verfügung Kenntnis nahm, wofür immerhin das Gesuch um
«Wiederaufnahme» der Sozialarbeiterin vom 6. März 2014 spricht (IV-act. 139). Denn
selbst wenn dies zu verneinen wäre, gilt es vorliegend zu beachten, dass die IV-Akten -
samt der Verfügung vom 30. September 2013 - dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers (zum Gesuch um Akteneinsicht vom 12. August 2014 siehe IV-
act. 152) am 14. August 2014 (IV-act. 154) unbestrittenermassen (act. G 10, Rz 7)
zugesandt wurden und dieser im Rahmen der Akteneinsicht davon Kenntnis nahm.
Folglich ist davon auszugehen, dass die Verfügung spätestens Mitte August 2014 dem
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eröffnet wurde. Dem Rechtsvertreter hätte zu
diesem Zeitpunkt die Bedeutung der damaligen Verfügung vom 30. September 2013 im
mit der Wiederanmeldung vom 13. Mai 2014 (Datum Posteingang, IV-act. 143) in Gang
gesetzten IV-Verfahren bewusst sein müssen. Dies gilt umso mehr, als die
Beschwerdegegnerin auf die Bedeutung der Verfügung vom 30. September 2013 für
das erneut angemeldete Leistungsgesuch hinwies (per «Lettre signature» versandtes
Schreiben vom 14. Mai 2014, IV-act. 146). Im Rahmen einer sorgfältigen und
gewissenhaften Berufsausübung (Art. 12 lit. a des Bundesgesetzes über die
Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [BGFA; SR 935.61]) wäre der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers daher verpflichtet gewesen, sich über eine
erfolgreiche Zustellung der Verfügung im Herbst 2013 bei seinem Klienten zu
erkundigen bzw. sich über die Rechtskraft der Verfügung zu vergewissern, zumal sich
dieser bei Versand der damaligen Verfügung in stationärer Behandlung befand. Die
Kenntnisnahme der Verfügung vom 30. September 2013 durch den Rechtsvertreter hat
sich der Beschwerdeführer anrechnen zu lassen. Jedenfalls ist davon auszugehen,
dass die Verfügung vom 30. September 2013 und die darin angeordnete Abweisung
des damaligen Leistungsgesuchs mangels Anfechtung spätestens Ende September
2014 in Rechtskraft erwuchs.
3.
Damit stellt sich die Frage, ob die in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom
30. September 2013 in prozessuale Revision zu ziehen ist.
Formell rechtskräftige Verfügungen und Einspracheentscheide müssen gemäss
Art. 53 Abs. 1 ATSG in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder
3.1.
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der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war.
Eine prozessuale Revision aufgrund neuer Tatsachen und Beweismittel ist
angezeigt, wenn Tatsachen vorliegen, die sich vor Erlass des Entscheids, der einer
Revision unterzogen werden soll, verwirklicht haben, jedoch der gesuchstellenden
Person damals trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren; es handelt sich somit
um unechte Noven. Die neuen Tatsachen müssen erheblich sein, also geeignet, die
tatbeständliche Grundlage des Entscheids, dessen Revision beantragt wird, zu
verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entscheidung
zu führen. Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis einer eine Revision
begründenden neuen erheblichen Tatsache oder dem Beweis von Tatsachen zu
dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des
Revisionsgesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweismittel,
wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Urteil geführt, falls die
Entscheidinstanz davon Kenntnis gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das
Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der
Sachverhaltsermittlung dient. Es bedarf dazu neuer Elemente tatsächlicher Natur,
welche die Entscheidgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. Oktober 2015, 8C_683/2015, E. 2.2 mit Hinweisen; vgl. auch
Miriam Lendfers, Möglichkeiten und Grenzen der Korrektur von Dauerleistungen mittels
prozessualer Revision, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2011, St. Gallen 2012, S. 189 ff.).
3.2.
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Der rentenabweisenden Verfügung vom 30. September 2013 (IV-act. 137) lag die in
Würdigung der Aktenlage erfolgte Beurteilung des RAD-Arztes Dr. B._ vom 5. August
2013 zugrunde, worin dem Beschwerdeführer für eine Tätigkeit als CNC-Operateur
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt wurde (siehe hierzu IV-act. 132). Diese
Einschätzung stützte sich u.a. auf die neuropsychologischen und neurologischen
Berichte der Rehaklinik Bellikon vom 27. und 28. März 2012 (IV-act. 103). Der
Beschwerdeführer erblickt in der davon abweichenden Beurteilung der ZMB-
Gutachterinnen und Gutachter einen prozessualen Revisionsgrund. Denn darin werde
ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma diagnostiziert und eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit für eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
bescheinigt (IV-act. 274-2 f., act. G 1, II. Rz 8 und act. G 10, Rz 10). Zudem hält der
Beschwerdeführer auch die stationäre Behandlung in der Klinik E._ vom 13. Juni
2013 bis 13. Januar 2014 (IV-act. 215) für einen prozessualen Revisionsgrund (act.
G 10, Rz 9).
3.3.
Die Diagnose eines organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma
stellte der neurologische ZMB-Gutachter im Wesentlichen gestützt auf die
Leidensangaben des Beschwerdeführers (siehe IV-act. 262-56 f.). Von Bedeutung für
die Prüfung eines prozessualen Revisionsgrunds ist, dass der Beschwerdeführer
bereits gegenüber den medizinischen Fachpersonen der Rehaklinik Bellikon von
neuropsychologischen Defiziten und einer vermehrten Reizbarkeit berichtete (IV-
act. 103-2; «aggressiver geworden», IV-act. 103-6 unten; zu den «Auffälligkeiten im
Sozialverhalten» siehe IV-act. 103-9). Allein schon deshalb vermag die neue
diagnostische Einordnung dieser Leidensangaben in Form eines organischen
Psychosyndroms keine neue Tatsache im prozessual revisionsrechtlichen Sinn zu
begründen, sondern stellt vielmehr eine andere Würdigung der Leidensangaben des
Beschwerdeführers dar, wie die Beschwerdegegnerin zurecht vorbringt (act. G 7, Rz 2).
Ausserdem führte der neurologische ZMB-Gutachter schlüssig aus, dass die
Neuropsychologen der Rehaklinik Bellikon jeweils bei Nachweis einer leichten
neuropsychologischen Störung die Diagnose ICD-10: F07.8 gestellt, also eine sonstige
organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit,
Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns diagnostiziert hätten. Aus
neurologischer Sicht könne diese Diagnose gestützt werden (IV-act. 262-57 Mitte).
3.3.1.
Nichts anderes gilt hinsichtlich der von der psychiatrischen ZMB-Gutachterin
gestützt auf die Diagnose des organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma
bescheinigten vollständigen Arbeitsunfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt (IV-
act. 262-11 oben). Die psychiatrische ZMB-Gutachterin begründete die vollständig
3.3.2.
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fehlende Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt im Wesentlichen damit, dass
der Beschwerdeführer nicht mehr klar denken könne, dass er emotional dünnhäutiger
werde und sich nicht mehr steuern könne (IV-act. 262-74). Eine neu erkannte Tatsache,
die bereits vor der Verfügung vom 30. September 2013 vorlag, kann darin nicht erblickt
werden. Wie bereits erwähnt (siehe vorstehende E. 3.3.1 sowie IV-act. 103-2 Mitte),
klagte der Beschwerdeführer bereits vor dem Verfügungserlass über entsprechende
Stresssymtpome.
Der Eintritt in die Klinik E._ erfolgte freiwillig (IV-act. 215-4 oben) und «zum
wiederholten Male zum Alkoholentzug» (IV-act. 215-3 oben) und somit wegen der
längst bekannten Suchtproblematik. Diese stand damals im Vordergrund, währenddem
inzwischen deren Spätfolgen sowie die Spätfolgen der Schädelverletzung dominierend
sind (IV-act. 262-7). Der Austrittsbericht vom 6. Februar 2014 enthält denn auch keine
relevanten Tatsachen, die bereits zum Zeitpunkt der Verfügung vom 30. September
2013 bestanden hätten und erst anlässlich des stationären Aufenthalts erstmals
entdeckt worden wären. Wesentliche Unterschiede zum Inhalt der vom RAD
berücksichtigten Berichte der Rehaklinik Bellikon vom 27. und 28. März 2012 (IV-
act. 103) sind weder erkennbar noch vom Beschwerdeführer substanziiert geltend
gemacht worden. Ein Revisionsgrund kann somit weder in der erfolgten stationären
Behandlung noch im Austrittsbericht vom 6. Februar 2014 erblickt werden.
3.3.3.
Zusammenfassend liegen weder erhebliche neue Tatsachen noch Beweismittel im
Sinn von Art. 53 Abs. 1 ATSG vor. Ein Rückkommen auf die Verfügung vom
30. September 2013 im Rahmen einer prozessualen Revision fällt daher ausser
Betracht. Der Beschwerdeführer hat damit, wie von der Beschwerdegegnerin
zutreffend verfügt (IV-act. 280), gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens 6 Monate nach
der Wiederanmeldung im Mai 2014 (zur vom Beschwerdeführer am 12. Mai 2014
unterzeichneten Wiederanmeldung siehe IV-act. 143; zum gemäss Aktenverzeichnis am
13. Mai 2014 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen Schreiben der
Sozialarbeiterin vom «6. März 2014» siehe IV-act. 139) und damit vorliegend ab
1. November 2014 einen Rentenanspruch.
3.4.
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4.
Zu prüfen ist des Weiteren, ob der Sachverhalt betreffend die mit Verfügung vom
2. Mai 2019 ab dem 1. November 2014 zugesprochene ganze Rente spruchreif
abgeklärt wurde.
Die Rentenzusprache stützt sich auf die Erkenntnisse aus den beruflichen
Massnahmen sowie auf die Beurteilung der ZMB-Gutachterinnen und Gutachter, worin
eine auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbare Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
vollständig verneint wird (IV-act. 262-10; siehe bezüglich der in Frage gestellten
Vermittelbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt die E-Mail der
Eingliederungsverantwortlichen vom 19. Oktober 2016, IV-act. 201; zur fehlenden
Ausbildungsfähigkeit siehe den Schlussbericht der Berufsberatung vom 22. Dezember
2015, IV-act. 169). Das ZMB-Gutachten erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an beweiskräftige Expertisen (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). So
beruht es namentlich auf umfassenden Untersuchungen, einer ausführlichen
Auseinandersetzung mit den Vorakten sowie einer Konsistenz- und
Ressourcenprüfung. Die mit Blick auf die Diagnose und die Beeinträchtigungen der
Arbeitsfähigkeit gezogenen Schlüsse leuchten ein (IV-act. 262). Ergänzend kann auf die
Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. B._ vom 13. September 2018 (IV-act. 263)
verwiesen werden. Zwischen den Parteien ist die Beweiskraft der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der ZMB-Gutachterinnen und -gutachter denn auch zu
Recht unbestritten geblieben.
4.1.
Da der Beschwerdeführer gemäss gutachterlicher Einschätzung seit dem Unfall
vom 14. Juli 2011 (fremd-act. 1-66 ff.) über keine auf dem ersten Arbeitsmarkt noch
verwertbare Arbeitsfähigkeit verfügt (IV-act. 262-10), ermittelte die
Beschwerdegegnerin einen 100%igen Invaliditätsgrad (siehe zum
Einkommensvergleich IV-act. 269) und sprach dem Beschwerdeführer zutreffend mit
Wirkung ab 1. November 2014 eine ganze Rente zu (IV-act. 280; zum frühest
möglichen Rentenbeginn siehe vorstehende E. 3.4).
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
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St.Galler Gerichte
5.
Zu prüfen bleibt damit die Zulässigkeit der von der Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung vom 2. Mai 2019 angeordneten Verrechnung von
Rentenleistungen im Betrag von insgesamt Fr. 70'072.-- (IV-act. 280-2).
In der Beschwerde rügte der Beschwerdeführer, die Beschwerdegegnerin
verrechne die ihm ab November 2014 zugesprochene Invalidenrente mit
«Vorleistungen» sozialer Dienste zweier Gemeinden und (mutmasslich) IV-Taggeldern.
Den zur Verfügung stehenden Akten sei nicht zu entnehmen, auf welcher Basis die
Verrechnungsansprüche geltend gemacht worden seien. Er habe deshalb keine
Möglichkeit gehabt, die Rechtmässigkeit der Verrechnungsbeträge bzw. der verfügten
Verrechnungen zu prüfen, weshalb sich diese als unrechtmässig erweisen würden (act.
G 1, Rz 9).
5.1.
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass eine
Verrechnung der auf Nachzahlungen der Rentenleistungen mit Leistungen der
Gemeinden H._ sowie I._ und der SVA St. Gallen vorgenommen werde: «Mit der
Nachzahlung werden folgende Forderungen direkt verrechnet: SVA St. Gallen
CHF 5'104.45 offene Beitragsforderungen, Sozialamt I._ CHF 744.30
Vorschussleistungen 01.11.2014 bis 30.11.2014, Soziale Dienste H._-J._
CHF 64'223.25 Vorschussleistungen 01.11.2014 bis 30.4.2019» (IV-act. 280-1 f.). In
Ergänzung hierzu reichte die Beschwerdegegnerin mit der Beschwerdeantwort vom
26. September 2019 die Akten der Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen ein (act.
G 7.2). Darin werden die angeordneten Verrechnungen ausführlich und schlüssig
begründet (act. G 7.2.1, act. G 7.2.3 und act. G 7.2.18; zum Verrechnungsgesuch der
Gemeinde H._ samt Abtretungserklärung vom 14. Dezember 2016 bzw. 22. Februar
2019 siehe act. IV-act. 208 bzw. act. G 7.2.26-2; zum Verrechnungsantrag der
Gemeinde I._ vom 20. Februar 2019 siehe act. G 7.27-2). Hierzu unterliess der
rechtskundig vertretene Beschwerdeführer in der Replik jegliche Ausführungen. Er legte
namentlich weder konkret dar noch ist ersichtlich, dass die Nachzahlungen an die
beiden Gemeinden nicht mit Art. 85 Abs. 2 lit. b der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) i.V.m. Art. 13 des kantonalen
Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1) vereinbar wären. Nichts anderes gilt mit Blick auf die in
Nachachtung von Art. 50 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 20 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) erfolgte
Verrechnung mit offenen Beitragsforderungen.
5.2.
bis
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6.