Decision ID: 2d039952-19f9-4e1b-81ab-6473ac8da799
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom
25. November 2011 (DG110014)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich ist diesem Urteil
beigeheftet (Urk. 23).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 91 S. 31 ff.))
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte wird von den Vorwürfen der Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189
Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne
von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freigesprochen.
2. Auf die Zivilforderungen der Privatklägerin wird nicht eingetreten.
3. Die Ausweis- und Schriftensperre gemäss dem Beschluss des Obergerichts des
Kantons Zürich vom 9. Mai 2011 wird aufgehoben. Die beim Bezirksgericht Horgen
hinterlegten Pass und Identitätskarte des Beschuldigten werden diesem ausge-
händigt.
4. Das Kontaktverbot gemäss Ziffer 5 des Beschlusses des Obergerichts des Kantons
Zürich vom 9. Mai 2011 wird aufgehoben.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 5'000.– die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'436.85 Auslagen Untersuchung
Fr. 12'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. .– Kosten für den schriftlichen Bericht von Mme Dresse
C._ und Dresse D._
Fr. 300.– Kosten für den schriftlichen Bericht von Mme E._
Fr. 150.– Zeugenentschädigung
Fr. 16'807.05 amtliche Verteidigung
Fr. .– Geschädigtenvertretung.
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6. Die Kosten des Verfahrens werden auf die Gerichtskasse genommen.
7. Dem Beschuldigten werden Fr. 7'500.– als Schadenersatz und Fr. 7'100.– als
Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Das Verrechnungsrecht des
Staates bleibt vorbehalten. Die weitergehenden Schadenersatz- und Genug-
tuungsansprüche werden abgewiesen.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Privatklägerschaft A._:
(Prot. II S. 5 f.)
Es sei das angefochtene Urteil vom 25. November 2011 vollumfänglich auf-
zuheben und es sei
I. Im Strafverfahren:
1. Der Beschuldigte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen, nämlich
wegen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1
StGB, wegen sexueller Nötigung im Sinne von Art. 189 Ziff. 1 StGB
und wegen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte angemessen zu bestrafen.
II. Im Adhäsionsverfahren:
1. Der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin Schadenersatz im
Gesamtbetrag von Fr. 875.00 zu bezahlen.
2. Der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin für ihre Umtriebe
Fr. 288.50 zu bezahlen.
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3. Der Beschuldigte zu verpflichten, die Kosten der therapeutischen
Begleitung der Geschädigten, soweit diese nicht von einem Dritten
(Krankenkasse/Unfallversicherung) übernommen werden und soweit
sie im Zusammenhang stehen mit dem inkriminierten Sachverhalt,
innert 10 Tagen nach Unterbreitung der Rechnungen zu bezahlen.
4. Der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin den Genugtuungs-
betrag von Fr. 15'000.– zu bezahlen.
5. Der Genugtuungsbetrag gemäss Ziff. 4 zu verzinsen, und zwar zu
5% vom Zeitpunkt der ersten inkriminierten Handlung an, d.h. ab dem
15.08.2008.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen der ersten und 2. Instanz zu-
züglich Mehrwertsteuer von 8% zulasten des Beschuldigten.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Prot. II. S. 6 f.)
1. Die Berufung sei abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil des Bezirks-
gerichts Horgen, I. Abt., vom 25.11.2011 (DG 110014) sei zu bestätigen,
was heisst
a) Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
b) Nichteintreten auf die Zivilforderungen der Privatklägerin
c) Aufhebung der Ausweis- und Schriftensperre und des Kontaktverbots
d) Bestätigung der vorinstanzlichen Kostenregelung
e) Bestätigung der Zusprechung von CHF 14'600.– (näml. CHF 7'500.–
Schadenersatz und CHF 7'100 Genugtuung)
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2. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive die Kosten der amtlichen
Verteidigung, seien der Privat- und Berufungsklägerin aufzuerlegen oder
eventualiter auf die Gerichtskasse zu nehmen.
c) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich; Urk. 102)
Verzicht auf das Stellen eines Antrages.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
25. November 2011 wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der Vergewaltigung, der
mehrfachen sexuellen Nötigung sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit
Kindern freigesprochen. Auf die Zivilforderungen der Privatklägerin wurde nicht
eingetreten und die Ausweis- und Schriftensperre sowie das Kontaktverbot
gemäss dem Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom 9. Mai 2011
wurden aufgehoben. Schliesslich wurden die Kosten auf die Gerichtskasse
genommen und dem Beschuldigten Fr. 7'500.-- als Schadenersatz und Fr. 7'100.-
- als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen (Urk. 91 S. 31 f.).
1.2. Gegen diesen Entscheid liess die Privatklägerin innert Frist Berufung erhe-
ben (Urk. 76; Art. 399 Abs. 1 StPO). Die Berufungserklärung der Privatklägerin
ging ebenfalls innert Frist ein (Urk. 94; Art. 399 Abs. 3 StPO). Die Vertreterin der
Privatklägerin beantragt die vollumfängliche Aufhebung des vorinstanzlichen
Urteils, insbesondere einen Schuldspruch des Beschuldigten wegen Vergewalti-
gung, sexueller Nötigung und sexuellen Handlungen mit Kindern. Weiter verlangt
sie, der Beschuldigte sei zur Zahlung von Schadenersatz im Betrag von Fr. 875.--,
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von Umtriebsentschädigung von Fr. 288.50, von Kosten der mit dem inkriminier-
ten Sachverhalt im Zusammenhang stehenden therapeutischen Begleitung sowie
von Genugtuung von Fr. 15'000.-- inkl. Zinsen an die Privatklägerin zu verpflich-
ten, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten.
Weiter lässt die Privatklägerin beantragen, es sei ein ergänzender Bericht über
die laufende Therapie der Privatklägerin im Departement de Psychiatrie SUPEA
in Lausanne einzuholen, es sei Frau Dr. med. C._ als Zeugin einzu-
vernehmen sowie Rechnungen der laufenden Therapie der Privatklägerin ab 18.
Juli 2011 im Departement de Psychiatrie SUPEA zu edieren (Urk. 94 S. 2ff.). Mit
Verfügung vom 19. Juli 2012 wurden diese Beweisanträge abgewiesen
(Urk. 108). Sowohl die Verteidigung wie auch die Staatsanwaltschaft verzichteten
auf eine Anschlussberufung (Urk. 100 bzw. Urk. 102).
1.3. Mit Eingabe vom 17. Juli 2012 liess die Privatklägerin beantragen, dass dem
urteilenden Gericht eine Person des gleichen Geschlechts angehöre, dass sie
– sofern eine weitere Befragung als notwendig erscheine – von einer Person
gleichen Geschlechts einvernommen werde und dass auch für die Übersetzung
ihrer Befragung eine Personen gleichen Geschlechts beigezogen werde
(Urk. 106). Mit Präsidialverfügung vom 19. Juli 2012 wurden die Beweisanträge
der Privatklägerin abgewiesen (Urk. 108). Am 2. August 2012 wurde zur
Berufungsverhandlung auf den 3. Oktober 2012 vorgeladen (Urk. 110). Mit
Schreiben vom 28. September 2012 vorab per Telefax (Urk. 112) teilte Rechts-
anwältin lic.iur. F._ unter Beilage eines entsprechenden Arztzeugnisses (Urk.
113) mit, dass ihre Bürokollegin, Frau Rechtsanwältin lic.iur. X._ krankheits-
halber länger ausfalle und ersuchte um Ladungsabnahme für die Verhandlung
vom 3. Oktober 2012 (Urk. 115).
1.4. Am 17. Januar 2013 wurde schliesslich auf den 21. März 2013 zur
Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 118). Nach entsprechender Nachfrage
durch die Vertreterin der Privatklägerin (Urk. 120) wurde dieser mitgeteilt, dass
eine persönliche Befragung der Privatklägerin nicht stattfinden werde (Urk. 121).
1.5. Zur Berufungsverhandlung am 21. März 2013 erschienen der Beschuldigte,
sein amtlicher Verteidiger und die Vertreterin der Privatklägerin (Prot. II S. 5). Im
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Rahmen von Vorfragen stellte der Verteidiger des Beschuldigten den Antrag auf
ein Schuldinterlokut im Sinne von Art. 342 Abs. 1 lit. a StPO. Nach der Befragung
des Beschuldigten (Urk. 122) beantragte die Vertreterin der Privatklägerin die
Befragung von Dr. C._ als Zeugin und Einholung eines aussagepsychologi-
schen Gutachtens (Prot. S. 9). Nach einer Zwischenberatung wurde dem Antrag
der Verteidigung auf ein Schuldinterlokut stattgegeben (Prot. II S. 9). Die Partei-
vertreter plädierte in der Folge zum Schuldpunkt mit je zwei Vorträgen (Prot. II
S. 9-17, Urk. 123, Urk. 125). Dem Beschuldigten wurde Gelegenheit zum
Schlusswort gegeben (Prot. II S. 17 f.). Nach entsprechender Beratung wurde den
Parteien mitgeteilt, dass das Gericht die Zeugenbefragung der behandelnden Ärz-
tin der Privatklägerin als nicht notwendig erachte, demgegenüber die Einholung
eines aussagepsychologischen Gutachtens für angezeigt halte (Prot. II S. 18). Es
wurde vorgesehen, das Verfahren schriftlich fortzusetzen (Prot. II S. 18).
1.6. Nach entsprechender Rücksprache mit den Parteivertretern (Urk. 129-135)
wurde mit Beschluss vom 4. Juni 2013 die Einholung eines aussagepsychologi-
schen Gutachtens beschlossen und als Gutachter Dr. med. G._,
... Arzt Jungendforensik, Forensisch-Psychiatrische Klinik der Universitäten Psy-
chiatrischen Klinken Basel (UPK), eingesetzt (Urk. 136).
1.7. Mit Präsidialverfügung vom 24. Juni 2013 wurde den Parteien der – von
Dr. med. G._ bereits eingesehene – Fragenkatalog (Urk. 142) zu-gestellt und
Frist für das Stellen von Ergänzungsfragen angesetzt (Urk. 143). Die Staatsan-
waltschaft IV verzichtete mit Schreiben vom 28. Juni 2013 auf das
Stellen von Ergänzungsfragen (Urk. 145).
1.8. In der Folge liess der Beschuldigte für eine Reise zu seinem Vater die
vorübergehende Aufhebung der Ausweis- und Schriftensperre in der Zeit vom
20. Juli 2013 bis und mit 20. August 2013 beantragen (Urk. 147), wobei ent-
sprechende Unterlagen und Arztberichte betreffend H._ ins Recht
gelegt wurden (Urk. 149/1-3). Per Mail vom 5. Juli 2013 wurde der Vertreterin der
Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft die entsprechende Eingabe übermittelt
und um Stellungnahme innert drei Arbeitstagen ersucht (Urk. 150). Mit Eingabe
vom 7. Juli 2013 – vorab per Mail – teilte die Vertreterin der Privatklägerin mit, mit
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der Aufhebung der Ausweis- und Schriftensperre im beantragten Umfang einver-
standen zu sein. Die Staatsanwaltschaft IV erhob ebenfalls keine Einwände
gegen die temporäre Aufhebung der Ersatzmassnahme (Urk. 157). Mit Präsidial-
verfügung vom 10. Juli 2013 wurde die Ausweis- und Schriftensperre für die Zeit
vom 19. Juli 2013 bis 23. August 2013 aufgehoben (Urk. 159).
1.9. Zwischenzeitlich reichten der amtliche Verteidiger und die Vertreterin der
Privatklägerin je mit Schreiben vom 8. Juli 2013 Ergänzungsfragen ein (Urk. 153
und 155). Mit Eingabe vom 10. Juli 2013 erhob die Vertreterin der Privatklägerin
Einwände gegen die Ergänzungsfragen des Beschuldigten (Urk. 161). Mit
Beschluss vom 22. Juli 2013 wurde über die Zusatzfragen befunden und der
Fragekatalog durch vertiefende und präzisierende Zusatzfragen ergänzt (Urk. 163
und 165). Am 26. Juli 2013 wurde Dr. med. G._ mit der Erstellung
eines aussagepsychologischen Gutachtens beauftragt, wobei ihm die Fragen
gemäss Fragekatalog unterbreitet und die vollständigen Prozessakten inklusive
Protokoll übersandt wurden (Urk. 166).
1.10. Unter Hinweis auf die Anzahl der Fragen, den Umfang der Akten und deren
Komplexität stellt der Gutachter das Gutachten auf Ende Dezember 2013 in
Aussicht (Urk. 169) und ersuchte dann aber um Fristerstreckung bis Ende Januar
2014 (Urk. 171). Mit Schreiben vom 24. Januar 2014 teilte der Gutachter mit, dass
nun in Frau I._, Sozialarbeiterin FH, eine geeignete Kulturreferentin habe ge-
funden werden können und ersuchte um das Einverständnis der
verschiedenen Parteien (Urk. 173). Das Schreiben des Gutachters wurde mit
Präsidialverfügung vom 28. Januar 2014 den Parteien zugestellt und Frist ange-
setzt, um sich zur vorgeschlagenen Kulturreferentin zu äussern, wobei bei
Säumnis vom Einverständnis ausgegangen würde (Urk. 175). Das Einverständnis
des amtlichen Verteidigers datiert vom 2. Februar 2014 (Urk. 177) und dasjenige
der Vertreterin der Privatklägerin vom 4. Februar 2014 (Urk. 179). Die Staats-
anwaltschaft liess sich nicht vernehmen. Mit Schreiben vom 10. Februar 2014
teilte der Präsident der I. Strafkammer dem Gutachter mit, dass seitens der
Parteien keine Einwände gegen den Beizug der Kulturreferentin Frau I._ er-
hoben worden seien (Urk. 181). In der Folge ersuchte der Gutachter mit Hinweis
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auf personelle Engpässe um Fristerstreckung für das Gutachten bis zum 17. März
2014 (Urk. 182).
1.11. Mit Begleitschreiben vom 18. März 2014 (Urk. 185) reichte der Gutachter
das wissenschaftlich begründete, jugendforensisch-psychiatrische, aussage-
psychologische Gutachten über die Privatklägerin vom 17. März 2014 (Urk. 187)
ein. Das Gutachten wurde den Parteien mit Präsidialverfügung vom 1. April 2014
zugestellt und der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft eine Frist von
20 Tagen ab Zustellung dieser Verfügung angesetzt, um obligatorisch Stellung zu
nehmen sowie die Anträge zum Schuldpunkt abschliessend zu stellen und zu
begründen (Urk. 188).
1.12. Mit Eingabe vom 22. April 2014 teilte die Staatsanwaltschaft IV mit, dass das
Gutachten von Dr. med. G._ vom 17. März 2014 detailliert und schlüssig sei,
so dass darauf abgestellt werden könne (Urk. 192). Die Vertreterin der Privatklä-
gerin reichte ihre Stellungnahme am 20. Mai 2014 ein (Urk. 194). Mit Präsidialver-
fügung vom 22. Mai 2014 wurde die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft und
der Vertretung der Privatklägerin dem Beschuldigten zugestellt und diesem Frist
angesetzt zur Stellungnahme zum Gutachten und zu den Ausführungen der Ge-
genparteien sowie zur Stellung und Begründung abschliessender Anträge zum
Schuldpunkt (Urk. 196). Die Stellungnahme des amtlichen Verteidigers vom
21. Juli 2014 (Urk. 202) wurde den übrigen Parteien zugestellt.
2. Anwendbares Recht für Straftaten gegen Minderjährige im Ausland
Bezüglich der Vorwürfe sexueller Handlungen in Indien ist festzuhalten, dass es
sich dabei zwar um Auslandstaten handelt, welche jedoch gemäss Art. 5 Abs. 1
lit. a u. lit. b StGB ebenfalls Schweizer Strafrecht unterstehen, und zwar unab-
hängig davon, ob diese Taten in Indien strafbar wären oder nicht.
3. Umfang der Berufung
Infolge der vollumfänglichen Anfechtung des vorinstanzlichen Urteils durch die
Privatklägerin mit Ausnahme der Kostenfestlegung (Dispositiv-Ziffer 5; Urk. 94
S. 3f.) ist dieses nur betreffend Dispositiv-Ziffer 5 in Rechtskraft erwachsen.
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4. Beweisanträge
4.1. Die Verteidigung hat anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. März
2013 erneut den Beweisantrag betreffend Befragung von Dr. med. C._ als
Zeugin gestellt.
4.2. Mit Bezug auf die beantragte Zeugeneinvernahme der behandelnden
Therapeutin Dr. med. C._ ist davon auszugehen, dass die Therapeutin ledig-
lich Aussagen über den heutigen Zustand der Privatklägerin und den Verlauf seit
der ersten Konsultation machen kann. Diese Ausführungen können sich nur auf
Angaben beziehen, die die Privatklägerin gegenüber der Therapeutin nach Erstat-
tung des ersten Berichtes vom 8. November 2011 (Urk. 50) machte. Solche An-
gaben und Feststellungen über den Zustand der Privatklägerin sowie den
Verlauf der Therapie können zudem auch in Form eines ärztlichen Berichtes in
die Akten eingeführt werden. Einer Zeugeneinvernahme bedarf es dafür nicht. Der
Beweisergänzungsantrag betreffend Zeugeneinvernahme ist daher abzuweisen.
II. Schuldpunkt
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich vom 14. Juli 2011 vorgeworfen, er habe ca. im Juli 2008 während
Ferien in ... (Indien) die Privatklägerin mindestens zwei Mal im ersten Stock des
Ferienhauses an einem Arm ins Zimmer neben dem Balkon gezogen und dort
über deren Kleider an Brüsten und der Scheide berührt, wobei ihre
Gegenwehr erfolglos gewesen sei. Der Beschuldigte habe jeweils erst von der
Privatklägerin gelassen, als jemand das Zimmer betreten habe oder die Privat-
klägerin gerufen worden sei. Während einem dieser Vorfälle habe der Beschuldig-
te zudem versucht, der Privatklägerin einen Zungenkuss zu geben, was ihm
jedoch aufgrund deren Widerstands nicht gelungen sei. Aus Angst vor Schlägen
habe die Privatklägerin jeweils nicht versucht zu fliehen. Sie habe nicht um Hilfe
geschrien, da der Beschuldigte mit Suizid gedroht habe, falls sie jemandem davon
erzählen würde.
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Weiter wird dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorgeworfen, zwischen
August 2008 und Oktober 2010, vermutlich zwischen dem 29. März 2010 und
dem 4. April 2010, während dem die Privatklägerin Ferien beim Beschuldigten
und seiner Familie in J._ [Ort im Kt. Zürich] verbracht habe, an einem nicht
mehr genau bestimmbaren Tag, vermutlich vor 17 Uhr, die Privatklägerin in seiner
Wohnung aufgefordert zu haben, ihre Kleider auszuziehen. Als die Privatklägerin
sich geweigert habe, habe der Beschuldigte ihren Jupe aufgerissen und ihr Ober-
teil sowie ihre Unterhosen ausgezogen. Der Privatklägerin sei es dann gelungen,
ins Badezimmer zu fliehen. Der Beschuldigte habe ihr dann gesagt, er werde ihr
die Kleider wieder geben, wenn sie die Badezimmertür öffne. Als sie die Tür ein
wenig geöffnet habe, habe der Beschuldigte sie am Handgelenk gepackt und in
das Schlafzimmer der Tochter gezogen. Er habe die Privatklägerin dort mit dem
Rücken aufs Bett geworfen und sei über sie gekniet. Er habe beide Hände der
Privatklägerin mit einer Hand auf deren Hüfthöhe überkreuzt festgehalten, so
dass die Privatklägerin sich nicht mehr habe wehren können. Mit seiner anderen
Hand habe er sich ein Kondom über seinen Penis gestreift und sei in der Folge
mit seinem Penis vaginal in die Privatklägerin eingedrungen. Dann habe er mit
beiden Händen über den Kleidern an die Brüste der Privatklägerin gegriffen. Auf
diese Weise habe er mit der Privatklägerin den Geschlechtsverkehr vollzogen, bis
er zum Samenerguss gekommen sei. Die Privatklägerin habe während des
Geschlechtsverkehrs geschrien, der Beschuldigte solle aufhören und habe
versucht, ihre Hände aus dem Griff des Beschuldigten zu befreien bzw. diesen
wegzustossen, was ihr jedoch aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit nicht
gelungen sei. Der Beschuldigte habe dabei gewusst, dass die Privatklägerin das
16. Altersjahr bei der Vornahme der Handlungen noch nicht erreicht habe und
habe trotzdem gegen deren Willen sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen
(Urk. 23 S. 1 ff.).
2. Der Beschuldigte hat im gesamten Verfahren bestritten, dass es zwischen ihm
und der Privatklägerin zu sexuellen Handlungen gekommen sei (Urk. 8/1 S. 7ff.,
Urk. 8/2 S. 2ff., Urk. 8/6 S. 2ff., Urk. 57 S. 7ff., Urk.122 S. 4).
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3. Es ist zu prüfen, ob sich die eingeklagten Sachverhalte aufgrund der vorhande-
nen Beweismittel erstellen lassen. Es sind dabei die Aussagen des Beschuldigten
und der Privatklägerin sowie von Drittpersonen – soweit relevant – heranzuzie-
hen. Weiter liegt dem Gericht ein Bericht der Frauenärztin Dr. K._ vom
2. März 2011 (Urk. 11/7) vor, welcher als Indiz herangezogen werden kann. Eben-
falls liegt der Bericht von Dr. med. C._ vom 14. März 2013 (Urk. 124/2), bei
welcher die Privatklägerin in Therapie ist, bei den Akten. Sodann liegt das vom
Gericht in Auftrag gegebene wissenschaftlich begründete, jugendforensisch-
psychiatrische, aussagepsychologische Gutachten über die Privatklägerin vom
17. März 2014 (Urk. 187) vor.
4. Die Vorinstanz hat sich ausführlich zu den theoretischen Grundsätzen der
Beweiswürdigung, insbesondere auch zur Glaubwürdigkeit von einvernommenen
Personen sowie zur Glaubhaftigkeit deren Aussagen geäussert, weshalb darauf
verwiesen werden kann (Urk. 91 S. 7f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5. Weiter hat die Vorinstanz erwogen, dass bezüglich der Glaubwürdigkeit des
Beschuldigten zu berücksichtigen sei, dass dieser als direkt ins vorliegende Straf-
verfahren Involvierter ein legitimes Interesse am Ausgang des Verfahrens habe
und deshalb versuchen könnte, sich durch seine Aussagen zu entlasten. Hinsicht-
lich der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin sei zu berücksichtigen, dass diese bei
der Polizei und vor Gericht als Auskunftsperson einvernommen worden sei und
dabei unter Hinweis auf die Straffolgen von Art. 303 - 305 StGB ausgesagt habe,
jedoch nicht unter Androhung von Art. 307 StGB zur Wahrheit verpflichtet worden
sei und als Privatklägerin ein Interesse am Ausgang des Verfahrens habe.
Ausserdem habe diese unter grossem Druck der Familie gestanden, welche die
Angelegenheit habe intern lösen wollen. Weiter sei das Verfahren nicht direkt
durch die Initiative der Privatklägerin ausgelöst worden, sondern erst durch den
Schulleiter. Die Personen, welche als Zeugen einvernommen worden seien, seien
auf die strengen Strafandrohungen von Art. 307 StGB aufmerksam gemacht
worden und weisen teilweise eine starke Beziehungsnähe zu den Parteien auf,
was sich auf die Glaubwürdigkeit auswirke. Es sei jedoch die Glaubhaftigkeit der
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Aussagen massgebend. Auf diese Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 91
S. 8ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
6. Gutachten
6.1. Die Gutachter haben gemäss eigenen Angaben zuerst die ihnen zur Ver-
fügung gestellten Akten gesichtet und die wichtigsten Elemente zusammenge-
fasst. Anschliessend sei ein Transkript der Einvernahme vom 3.12.2010 erstellt
und die Videoaufnahme sowie das Transkript aussagepsychologisch analysiert
worden. Weiter sei auch die Videoaufnahme vom 8. April 2011 analysiert worden.
Die Explorandin sei zweimal durch die Gutachter in Anwesenheit einer sie beglei-
tenden Erzieherin untersucht und zu ihrer aktuellen Situation und zu den Vor-
würfen befragt worden. Schliesslich seien Fremdauskünfte eingeholt worden
(Urk. 187 S. 6).
6.2. Es handle sich bei der Privatklägerin um eine 17 1⁄2-jährige tamilische
Jugendliche in gutem Allgemein- und Entwicklungszustand. Sie sei attraktiv, voll
entwickelt, modisch gekleidet und wirke gepflegt. Sie sei wach, bewusstseinsklar
und zu allen Qualitäten (zur Person, zum Ort, zur Zeit und zur Situation) voll
orientiert. Auf Fragen antworte sie offen, jedoch eher einsilbig und knapp, es
müsse oft nachgefragt werden. Es seien jedoch innerhalb der beiden Gespräche
auch im Querschnitt keine grossen Stimmungsschwankungen zu beobachten. Der
Rapport sei meistens herstellbar, jedoch vermindert schwingungsfähig, eher
affektflach/starr. Die Privatklägerin könne freundlich und euthym sein, bei den
Themen um den Tod des Kindsvater und bei anderen sie belastenden Themen
wirke sie eher angespannt und gereizt. Beim Thema der sexuellen Übergriffe
wirke sie belastet und beginne schnell zu weinen. Im Gespräch wirke die Privat-
klägerin durchschnittlich intelligent. Auffassung und Aufmerksamkeit seien unauf-
fällig, anamnetisch seien Konzentrationsprobleme erwähnt worden. Ansonsten
würden keine formalen Denkstörungen auffallen. Ebenso wenig gäbe es
Anzeichen auf Sinnestäuschung oder Ich-Störung. Im Gespräch seien keine
Wahnstimmen, Wahnwahrnehmungen oder Wahnideen eruierbar. Es seien – vor
allem situationsabhängige – Schlafstörungen erwähnt worden. Die Privatklägerin
berichte von massiven Stimmungsschwankungen während des Tages bis hin zu
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stark angespannt sein und selbstverletzendem Verhalten im Sinne von Ritzen
an den Armen. Betreffend Suizidalität gebe die Explorandin an, vor zwei bis
drei Jahren bis im April 2013 regelmässig Suizidgedanken gehabt zu haben,
heute jedoch nicht mehr, es sei nie zu einem Suizidversuch gekommen und auch
nicht zu konkreteren Umsetzungsplänen (Urk. 187 S. 26).
6.3. Anlässlich der videodokumentierten Einvernahme vom 3. Dezember 2010
habe die Privatklägerin emotional kontrolliert, angespannt aber global ausge-
glichen, aufmerksam und konzentriert, psychomotorisch und mimisch, soweit
einsehbar, kontrolliert, fast erstarrt gewirkt. Sie habe sich inhaltlich korrekt und
akzentfrei auf französisch ausgedrückt. Denkstörungen seien keine feststellbar
gewesen. Gesamthaft seien ihre Aussagen logisch konsistent gewesen, wobei
der Detaillierungsgrad beschränkt gewesen sei. Es seien drei verschiedene
Ereignisse beschrieben worden zu drei verschiedenen Orten: Südindien, Zürich
(bzw. J._) und London. Von den drei allgemeinen Merkmalen der Realkenn-
zeichen nach Steller und Köhnken sei in dieser Aussage zumindest die logische
Konsistenz der Aussage gegeben. Die aufgeführten Details würden alle Ereignis-
se betreffen, für jedes einzelne habe es relativ wenige. Die Darstellung sei zwar
zeitweise sprunghaft gewesen, doch sei dies häufig durch die Befragungstechnik
und nicht durch Gedankenassoziationen der Privatklägerin bedingt. Die raumzeit-
liche Verknüpfung finde man bei der Beschreibung des Ablaufs der Vergewalti-
gung in J._ sowie in London. Es gebe mehrere Interaktionsschilderungen,
insbesondere als die Privatklägerin ihre Entweichversuche beschreibe. Die
wiedergegebenen Gespräche seien lückenhaft und einseitig, ein wenig reichhalti-
ger bei der Beschreibung des Ereignisses in London als in J._. Als Kompli-
kationen im Handlungsablauf könne man die Flucht in die Toilette, sowohl in
J._ (vor der Vergewaltigung) als auch in London, bezeichnen. Eigene
psychische Vorgänge würden quasi nicht beschrieben, hingegen würden psychi-
sche Vorgänge beim Beschuldigten vermutet, wenn sie bei beiden das Element
"du bist wie meine eigene Tochter" als ein Ausdruck von Unwohlsein vermutet.
Inhaltliche Besonderheiten finde man wenige, ausser mehrere Äusserungen, dass
sie das Verhalten der beiden Männer bzw. deren Absicht nicht verstanden habe.
Motivationsbezogene Inhalte finde man relativ häufig im Sinne von Eingeständnis
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von Erinnerungslücken, selten auch Korrekturen von eigenen Aussagen. Delikt-
spezifische Inhalte seien höchst beschränkt, einzig die Aussage, dass der Onkel
aus London erstaunt gewesen sei, dass die Vagina grösser als erwartet gewesen
sei, könne so interpretiert werden. Zusammenfassend könne festgehalten
werden, dass während der Einvernahme das emotionale Klima durch die
Gehemmtheit, Ausdrucksarmut und verwirrliche Narrationsart der Zeugin geprägt
gewesen sei, so dass die Polizeibeamtin sehr häufig zu neuformulierenden
Fragen habe greifen müssen (Urk. 187 S. 27f.). Die Gehemmtheit im Aussage-
verhalten der Privatklägerin könne verschiedene Gründe haben. Zum einen
handle es sich um Inhalte mit sexuellem Charakter, was insbesondere bei einer
14-jährigen tamilischen Zeugin schambesetzt sein könne. Zum anderen könne es
bei der Privatklägerin zu ihrem Kommunikationsstil gehören, da sie ausserhalb
des Familienkreises als diskret und zurückhaltend beschrieben werde (Urk. 187
S. 38 unten).
6.4. Anlässlich der videodokumentierten Einvernahme vom 8. April 2011 habe
sich die Privatklägerin während den ersten Stunden der Einvernahme aufmerk-
sam und äussert kollaborativ, ruhig und beherrscht gezeigt. Bei Unklarheiten und
Unverständnissituationen habe sie meistens nachgefragt, habe sich nicht durch
wiederholte Fragestellungen irritieren lassen, sondern habe an ihrer Version fest-
gehalten. Konfrontiert mit Widersprüchen zu vorherigen Gesprächen habe sie
entweder damit argumentiert, dass sie sich nicht erinnern könne oder dass dies
möglicherweise auf einem Missverständnis beruhe. Als nach über dreieinhalb
Stunden die Sachbearbeiterin nach einer Pause zurückgekommen sei, habe die
Privatklägerin geweint und dies damit erklärt, dass es hart für sie sei, das Gefühl
zu haben, dass ihr nicht geglaubt werde. Gesamthaft bestehe eine logische
Konsistenz bei dieser erneuten Einvernahme bezüglich der strafrechtlich ahnd-
baren Ereignisse. Auch in dieser Einvernahme zeige sich die Privatklägerin sehr
zurückhaltend mit spontanen Äusserungen oder Beschreibungen. Im Allgemeinen
antworte sie mit ein paar Sätzen, Details würden meistens nur auf Nachfrage
angegeben und auch da im Allgemeinen mit minimalen Aussagen. In diesem
Zusammenhang könne auch die Sprunghaftigkeit der Aussagen nicht beurteilt
werden, da die festgestellte Sprunghaftigkeit eher mit dem Fragenkatalog der
- 16 -
Sachbearbeiterin als mit dem Narrationsfluss der Geschädigten zusammenhänge.
Es würden keine raumzeitlichen Verknüpfungen und Interaktionsschilderungen
angegeben, Gespräche würden wenig wiedergegeben oder in einer überarbeite-
ten Form, wobei anzunehmen sei, dass diese Gespräche auf Tamilisch geführt
worden seien und die Privatklägerin diese somit in einer übersetzten Form
wiedergebe. Es komme zu keiner reellen Beschreibung von ausgefallenen
Einzelheiten, wenigen Angaben zu Nebensächlichkeiten oder zu indirekt hand-
lungsbezogenen. Eigene psychische Vorgänge würden in dieser Einvernahme ein
wenig häufiger erwähnt im Sinne empfundenen Ekels oder von Wehrlosigkeit,
doch auch auf Nachfrage würden keine Emotionen nach den Ereignissen ange-
geben. Motivationsbezogene Inhalte wie spontane Verbesserung der eigenen
Aussage oder Einwände gegen die Richtigkeit eigener Aussagen, Selbst-
belastungen oder Entlastungen des Beschuldigten würden nicht vorkommen. Hin-
gegen würden immer wieder Gedächtnislücken angegeben, wobei sich diese als
nicht beständig erwiesen. Gesamthaft wirke auch diese Aussage kohärent und
einigermassen konsistent, sei aber wegen der beschränkten Menge an Spontan-
aussagen aussagepsychologisch schwer zu beurteilen. Non-verbale Aspekte
sowie Kongruenzen oder Divergenzen zwischen den beobachtbaren Affekten und
den angesprochenen Themen hätten ebenfalls nicht festgestellt werden können,
da sich die Geschädigte während dem grössten Teil des Gesprächs kontrolliert
und psychomotorisch besonders ruhig verhalte (Urk. 187 S. 28ff.).
6.5. Es könne festgestellt werden, dass es keine offensichtlichen Motive gebe,
wieso die Privatklägerin während der polizeilichen Einvernahme beide Verge-
waltigungen erwähnt habe, der Gynäkologin gegenüber aber dann nur noch eins
(Urk. 187 S. 31).
6.6. Im Zusammenhang mit der transkulturellen Analyse wurde unter Einbezug
der Tamilin I._ darauf hingewiesen, dass die tamilische Gesellschaft sich
durch eine ausgesprochene familien- und clanbezogene Vernetzung charakteri-
siere, wobei eine Einbeziehung von Dritten und insbesondere von
Behörden nur ausnahmsweise geschehe und als Versagen der familieninternen
Problemlösungskompetenzen interpretiert werde. Weiter bestünden noch ausge-
- 17 -
sprochene genderspezifische Rollenzuteilungen, wobei den Männern die haupt-
sächliche Entscheidungskompetenz und Verantwortung zukomme. Den Frauen
komme eine familieninterne Stützfunktion zu. Die Gesellschaft sei in Kasten
strukturiert, welche gewissen Regeln unterworfen seien. Unter anderem sei
Kastenvermischung durch die Eheschliessung nicht erwünscht. In diesem Kultur-
kreis werde in Anwesenheit von Kindern kaum über Sexualität gesprochen, diese
würden nur selten durch die Eltern aufgeklärt. Bei Eintritt der Menarche werde
eine Pubertätszeremonie im Rahmen eines grossen Freudenfestes gefeiert. In
der Diaspora habe dies eher symbolischen und traditionellen Wert. In Indien
werde dies heute noch so praktiziert.
Die Kernfamilie der Privatfamilie bilde wegen des Todes des Vaters und der
Abwesenheit eines männlichen Familienoberhauptes im tamilischen Kultur- und
Sozialgefüge eine Besonderheit und sei sicherlich gewissen Ausgrenzungskräften
ausgesetzt. Dies umso mehr, da die Mutter der Privatklägerin mit ihrem Telefon-
anruf an die Polizei beim fatalen Ehestreit die ungeschriebene Regel verletzt
habe, die Familienprobleme nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. Dass diese
Regelverletzung als indirekte Konsequenz den Tod ihres Ehemannes zur Folge
gehabt habe, verstärke möglicherweise noch ihre Schuld. Dies könne zur Aus-
grenzung der Familie aus der tamilischen Gemeinschaft, wie sie von der Privat-
klägerin beschrieben werde, beigetragen haben. In diesem von der Männer-
domination geprägten Umfeld sei es nicht unwahrscheinlich, dass auch eine
deplatzierte Geste des Grossvaters nicht zu einer für die Privatklägerin ersichtli-
chen missbilligenden Reaktion geführt habe. Sofern weitere, vom Onkel mit väter-
licher Rolle deplatzierte Gesten stattgefunden hätten, sei es vorstellbar, dass sich
die Privatklägerin nicht anders zu helfen gewusst habe als zu versuchen, heiklen
Situationen aus dem Weg zu gehen. Die Androhung eines Suizids als Machtmittel
scheine vom kulturellen Standpunkt her nicht abwegig. Im Gegenteil stelle die
Drohung, einer Kernfamilie das männliche Oberhaupt wegzunehmen, ein beson-
ders starkes Druckmittel dar. Erwähnenswert sei in diesem Zusammenhang, dass
tamilische Frauen, die keinen männlichen "Beschützer" haben, leicht von
gewissen Mitgliedern der Gesellschaft als Freiwild betrachtet würden. Die Autori-
tätshörigkeit könne den Hintergrund bilden für das Verhalten der Privatklägerin
- 18 -
vor, während und nach der mutmasslichen Vergewaltigung in J._ durch ihren
Onkel. Die beschriebenen Abwehrstrategien seien vereinbar mit einer inneren
Konfliktsituation zwischen Wahrung der eigenen körperlichen Integrität und Intimi-
tät und Respekt vor einer "väterlichen" Autoritätsperson. Diese stehe nicht im
Widerspruch mit dem in der Kernfamilie gezeigten Oppositionsverhalten, da es
sich bei der Mutter um eine weibliche Autoritätsperson handle. Im Zusammen-
hang mit dem Versuch des Schulwechsels nach London sei die Privatklägerin der
Empfangsfamilie doppelt verpflichtet gewesen, da sie nicht nur zu Gast gewesen
sei, sondern weil es eine Lösung aus einer selbstverschuldeten Misserfolgs-
situation gewesen sei. Ausserdem sei der Gastgeber das nächste männliche
Familienoberhaupt gewesen. Abschliessend sei vom kulturellen Standpunkt her
erstaunlich, dass die Privatklägerin einen solchen Sachverhalt überhaupt publik
gemacht habe und dass es bis zur Anzeige gekommen sei. Durch eine solche
Handlung habe sie die grundlegende Regel der familieninternen Problemlösung
missachtet. Zudem habe sie die Isolationstendenz der Familie noch vergrössert
und ihre eigene schutzlose Situation offizialisiert (Urk. 187 S. 31ff.).
6.7. Die Privatklägerin habe zum aktuellen Zeitpunkt ein altersentsprechendes
Entwicklungsniveau erreicht. Psychopathologisch manifestierten sich diskrete
Zeichen einer vergangenen Depression im Sinne von intermittierenden leichten
Schlafstörungen und Momenten von Traurigkeit. Andere psychopathologische
Zeichen seien eine gewisse Rückzugstendenz, Angstgefühle insbesondere im
Zusammenhang mit der Übergriffsthematik, leicht erhöhte Irritabilität. Diese
Symptome seien aber nicht ausgeprägt genug, um Krankheitscharakter zu haben.
Im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung seien Abhängigkeitszüge und fehlen-
des Selbstvertrauen sowie eine leicht beschränkte Symbolisierungs- und Verbali-
sierungskapazität zu beschreiben.
Die Aussagetüchtigkeit der Privatklägerin sei nicht eingeschränkt. Sie habe eine
durchschnittliche Intelligenz, keine psychiatrische Erkrankung, welche ihre Wahr-
nehmungsfähigkeiten beeinflusse, keine Anzeichen einer neurologischen
Erkrankung, welche die Gedächtnis- oder die Ausdrucksfunktionen beeinträchti-
gen würde (Urk. 187 S. 37).
- 19 -
6.8. Zusammenfassend erlaube es die reine aussageanalytische Beurteilung nicht
im positiven Sinne über jeden Zweifel erhaben zu bestätigen, dass die gemachten
Aussagen auf einem realen Hintergrund beruhen. Dies bedeute aber bei weitem
nicht, dass die gegenteilige Aussage belegt wäre. In der Tat seien verschiedene
Aspekte bei der Gesamtbeurteilung zu berücksichtigen, welche im Folgenden
diskutiert werden. Da die Privatklägerin selber keinen Vater mehr habe, werde die
Suiziddrohung eines Familienvaters als ausschlaggebendes Argument erwähnt,
die mutmasslich erlittenen sexuellen Übergriffe nicht zu verraten. Weiter sei in der
tamilischen Gesellschaft noch mehr als bei uns verankert, dass die Probleme
primär in der Familie zu lösen seien. Das Vertrauen in die Behörde sei noch
geringer als das in die tamilische Gemeinschaft. Die Mutter der Privatklägerin
habe eine begrenzte Kommunikationsfähigkeit. Es sei für die Privatklägerin sehr
schwierig gewesen, mit ihrer Mutter über ein sexuelles Erlebnis zu sprechen.
Weiter sei nicht klar, wie mit den inadäquaten Berührungen durch den Grossvater
der Privatklägerin umgegangen worden sei. Unter diesen Umständen scheine es
besonders schwierig, Missstände aufzudecken, was die lange Zeit bis zur ersten
Aussage erklären könne. Indirekte Zeichen für eine Traumatisierung seien nur
schwer auszumachen. Weiter spiele eine Rolle, dass im mittel- und ostasiatischen
Kulturraum ein sehr flexibler Zeitbegriff üblich sei und es sich ausserdem um die
Tendenz zur Konfliktvermeidung zwecks Scheinwahrung handle. Es seien dem
Gutachter leider keine kulturspezifischen entwicklungspsychologischen Modelle
bekannt, die diese beiden Aspekte einbeziehen würden. Diese Aspekte könnten
dazu führen, dass die Privatklägerin eine relative Toleranz für in der Zeit sich
befindende Divergenzen und Widersprüche aufweise. Dies würde erklären, wieso
sie sich nicht mehr daran erinnern könne, dass sie zwischen der ersten und der
zweiten polizeilichen Einvernahme der Gynäkologin nur von einer Vergewaltigung
erzählt habe.
Im ganzen Aussageprozess seien keine Fremdeinflüsse erkennbar. Insbesondere
im nahen Umfeld der Privatklägerin habe die Information, dass ein intrafamiliärer
sexueller Übergriff stattgefunden habe, eine Überraschungs- und Ablehnungs-
reaktion bewirkt. Die erste Reaktion der Mutter sei besonders ungläubig und
ablehnend gewesen, was man üblicherweise bei einer Suggestionssituation nicht
- 20 -
finde (die Mutter der Privatklägerin habe behauptet, der Beschuldigte habe sie vor
Jahren auch sexuell belästigt). Auch die Hypothesen einer Verlagerung, sei es im
Sinne der Bezeichnung eines falschen Täters oder eines beobachtenden aber
nicht selber erlebten Ereignisses hätten keine Grundlage. Die Privatklägerin
bezeichne klar und unmissverständlich die beiden Täter, wobei keine anderen
Verdächtigen bekannt seien. Weiter bestünden auch keine Indizien für einen
familienfremden Täter. Ausserdem gehe aus der gynäkologischen Untersuchung
hervor, dass die Privatklägerin nicht mehr jungfräulich sei. Da die Realkenn-
zeichen nur in beschränkter Anzahl vorhanden seien, müsse auch die Lügen-
hypothese exploriert werden. Es gebe keine Angaben, dass die Privatklägerin
motiviert sei, zwei ihrer Onkel grundlos anzuklagen. Im Gegenteil sei es als vater-
lose Waise besonders erstrebenswert, mit ihnen guten Kontakt zu wahren. Die
Neidhypothese gegenüber der gleichaltrigen Cousine könne nicht ohne weiteres
verworfen werden. Jedoch hätten die beiden Mädchen bis zur Anzeige ein gutes
Verhältnis gehabt. Die Neidhypothese sei auch gegenüber dem Onkel in London
schwer anwendbar. Es sei unzweifelhaft, dass die Privatklägerin eine Lügen-
geschichte erfinden könnte. Die Konstanz, mit der sie die wesentlichen Elemente
der Ereignisse wiedergegeben habe, spreche jedoch eher für erlebnisbasierte
Ereignisse. Es erscheine aufgrund dem Mangel an Aufklärung und der beschüt-
zenden und konservativen Erziehung jedoch als wenig wahrscheinlich, dass die
Privatklägerin das Wissen gehabt habe, diese Geschichte zu erfinden. Gesamt-
haft gesehen und in Anbetracht aller Elemente sei die Wahrscheinlichkeit, dass
die gemachten Aussagen erlebnisbasiert seien und nicht durch Suggestions-
effekte entstanden oder erlogen seien, deutlich grösser als die gegenteiligen
Hypothesen (Urk. 187 S. 39ff.).
6.9. Es gebe Übereinstimmungen im Aussageverhalten und Unterschiede in der
Beschreibung der mutmasslichen Ereignisse. Die Übereinstimmungen beträfen
vor allem das Ausmass der Gewaltanwendung, die Erwähnung der familiären
Beziehung zwischen dem mutmasslichen Täter und dem Opfer und der Angabe,
dass vor allem die Kleider der unteren Körperhälfte entfernt worden seien. Diver-
gierende Angaben beträfen die Benützung eines Kondoms, die Vorbereitungs-
- 21 -
strategien und den Rückzug ins Badezimmer. Diese verschiedenen Elemente
sprächen eher für eine erhöhte Glaubwürdigkeit (Urk. 187 S. 45).
6.10. Das Gutachten über die Privatklägerin ist nachvollziehbar und soweit
schlüssig. Dem Gutachter werden Fragen nach der Urteilsfähigkeit und/oder nach
psychischen Störungen gestellt, welche mit Blick auf den Gegenstand der Ein-
vernahme von Relevanz sein können. Gemäss Gutachten zeigte die Privat-
klägerin einen ausgeglichenen psychischen Zustand und es eröffneten sich keine
Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Aussagetüchtigkeit. Der Gutachter hielt
jedoch fest, dass die Privatklägerin nur wenige spontane Angaben gemacht habe
und deshalb nur eine beschränkte Anzahl an Realkennzeichen festgestellt werden
konnten. Die Haltung der Privatklägerin sei durch eine starke Selbstkontrolle und
eine Gehemmtheit charakterisiert, so dass wenig spontane Äusserungen statt-
gefunden hätten. Dies erschwere die Beurteilung der Glaubhaftigkeit, da Details
nur auf Nachfrage angegeben worden seien. Es entspreche aber dem generellen
Kommunikationsverhalten der Privatklägerin, das sie auch bei der Untersuchung
während des Gutachtens gezeigt habe. Die Kernaussage des Gutachtens ist
darin zu sehen, dass aufgrund der aussagenanalytischen Beurteilung nicht über
jeden Zweifel erhaben bestätigt werden könne, dass die Aussagen der Privat-
klägerin der Realität entsprechen würden. Gemäss Gutachter ist gesamthaft
gesehen und in Anbetracht aller Elemente aber die Wahrscheinlichkeit, dass die
gemachten Aussagen erlebnisbasiert sind und dass sie nicht durch Suggestions-
effekte entstanden oder erlogen sind deutlich grösser als die gegenteiligen Hypo-
thesen. Der Gutachter muss es bei der Einschätzung dieser Wahrscheinlichkeit
belassen, er hat nicht den Auftrag bereits gemachte Aussagen als Beweis im
Gesamtzusammenhang zu würdigen, dies ist Aufgabe des Gerichtes.
7. Vorfälle in Indien
7.1. Aussagen der Privatklägerin
7.1.1. Die Privatklägerin führte anlässlich der ersten Videobefragung vom
3. Dezember 2010 aus, sie habe vor zwei Jahren mit ihrer Familie, der Familie
ihrer Cousine und mit der Familie deren Cousine väterlicherseits in Indien Ferien
- 22 -
gemacht. Der Beschuldigte habe dann eines Tages Spass gemacht und gesagt,
sie sei wie seine Tochter und habe sie dann berührt. Sie habe nicht verstanden,
was er habe tun wollen. Er habe sie dann aufgefordert, nach oben zu gehen. Sie
habe gedacht, er wolle ihr etwas zeigen. Er habe dann aber gesagt, sie solle ihn
küssen. Sie habe nicht verstanden, wieso er das gesagt habe und habe ab-
gelehnt. Er habe gesagt, er sei ihr Onkel, worauf sie erwidert habe, dass sie ihn
deshalb nicht küssen müsse. Dann habe er begonnen, sie zu berühren.
Eines Tages habe er dann gesagt, sie solle nach oben kommen. Dann habe er
sie berührt und versucht, "es" zu machen und dann habe er "es" ihr gemacht und
dann habe er an den anderen Tagen versucht, "es" zu machen, wenn sie zu ihm
gegangen sei. Sie habe Angst gehabt und das ihrer Mutter nicht sagen können,
weil sie sowieso schon so viele Probleme gehabt habe.
In Indien sei es so gewesen, dass die Mütter eher in der Küche und die Männer
im Wohnzimmer am Fernsehen gewesen seien, währenddem die Kinder im
ganzen Haus Verstecken gespielt hätten. Der Beschuldigte sei ins Zimmer
gekommen. Sie hätten miteinander gesprochen und dann habe er angefangen,
die Privatklägerin über den Kleidern an den Brüsten und am Geschlechtsteil zu
berühren. Sie habe nicht verstanden, weshalb. Sie habe gesagt, er solle aufhören
und habe seine Hand weggenommen. Er habe sie aber festgehalten. Dann habe
jemand hineinkommen wollen, worauf er sie losgelassen habe und so getan habe,
als würde er mit ihr reden. Sie habe versucht, wegzugehen, aber er habe sie nicht
gehen lassen wollen, weshalb er gesagt habe, sie müsse aufräumen oder so
etwas in der Art, damit sie bei ihm bleibe. Als die Leute reingekommen seien,
habe er ihr gesagt, dass es ihm gefalle, damit sie wiederkomme und zu den
anderen habe er gesagt, sie (die Privatklägerin) müsse aufräumen bzw. irgend-
etwas machen, damit sie bei ihm bleibe. Dann seien zwei Personen gekommen,
worauf er sie losgelassen habe und sie weggegangen sei. Er habe sie während
der Ferien in Indien mehrmals berührt. Er habe jeweils erfolglos versucht, mit ihr
Liebe zu machen, wenn niemand da gewesen sei. Der Beschuldigte habe dabei
ihre Hand festgehalten, so dass sie sich nicht habe bewegen können. Er habe sie
dabei auch versucht zu küssen, was er schliesslich geschafft habe, wobei sie ihn
- 23 -
angespuckt habe. Dann habe er sich bekleidet auf sie gelegt, wobei sie versucht
habe, ihn wegzustossen, was ihr nicht gelungen sei. Sie habe auch nicht schreien
können. Sie wisse nicht genau, was er gemacht habe, er habe versucht, seine
Hand unter ihre Kleider auf die Brüste und die Geschlechtsteile zu legen, aber sie
habe ihn nicht gelassen. Diese Übergriffe hätten zweimal stattgefunden. Als sie
es dann gewusst habe, sei sie immer mit ihren Cousinen gewesen und habe ver-
sucht, ihm aus dem Weg zu gehen. Die Übergriffe in Indien seien zwei Jahre
zuvor während der Sommerferien passiert. Sie habe damals die 7. Klasse
wiederholen müssen, es sei in den Sommerferien zwischen diesen 7. Klassen
passiert (Urk. 9/4 S. 3ff.).
7.1.2. Anlässlich der zweiten Videobefragung vom 8. April 2011 gab die Privat-
klägerin zu Protokoll, sie habe Angst davor gehabt, ihrer Mutter von den Über-
griffen zu erzählen, weil sie gedacht habe, dass sie dann von ihr verstossen
würde. Ihre Mutter habe ihr erst nach den gynäkologischen Untersuchungen
geglaubt. Sie sei vor drei oder vier Jahren in Indien gewesen. Jedes Mal, wenn
sie mit den anderen Kindern gespielt habe, habe der Beschuldigte sie allein ins
Zimmer genommen. Er habe versucht, sie zu berühren und zu küssen. Einmal
habe er zu ihr gesagt, sie solle ihm helfen, ein Hemd zu suchen. Sie habe nein
gesagt, worauf der Beschuldigte sie am Arm gezogen und gesagt habe, er wolle
sie küssen. Dies sei wohl am Nachmittag gewesen. Die Schwester des Onkels
und die Frau seines jüngeren Bruders könnten gesehen haben, wie er sie am Arm
gezogen habe. Die Türe habe der Beschuldigte jeweils zugemacht, ohne abzu-
schliessen. Der Beschuldigte habe sie über den Kleidern mit der Hand an den
Brüsten und an der Scheide berührt. Die Privatklägerin habe sich geekelt und
versucht, seine Hand wegzunehmen und ihn wegzustossen. Dies sei ihr jedoch
nicht gelungen. Sie habe nicht geschrien. Der Beschuldigte habe gedroht, sich
umzubringen, falls sie darüber sprechen sollte. Es sei richtig, dass jemand ins
Zimmer gekommen sei. Wer es gewesen sei, könne sie nicht mehr sagen, even-
tuell die Tochter des Beschuldigten. Sie habe Angst vor einem Angriff oder
Schlägen gehabt, falls sie das Zimmer verlassen würde. Der Beschuldigte habe
versucht, die Privatklägerin mit der Zunge zu küssen. In Indien sei es nur zu
einem solchen Vorfall gekommen, in der Mitte oder Ende der Ferien. Der
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Beschuldigte habe in diesen Ferien nicht versucht, mit der Privatklägerin den
Geschlechtsverkehr zu vollziehen.
Im Erdgeschoss des Hauses in Indien sei es nie zu Berührungen durch den
Beschuldigten gekommen. Der Beschuldigte habe sie in Indien mehrmals berührt,
wie oft, könne sie nicht sagen, ca. zwei oder drei Mal. Die Privatklägerin erklärte,
dass sie glaube, dass dieses Problem familienintern gelöst worden wäre, wenn
sie es ihrer Cousine erzählt hätte und es keine Anzeige gegeben hätte.
Schliesslich erklärte die Privatklägerin, der Beschuldigte sei ihr in Indien einmal
gefolgt und habe sie an einen Ort gebracht, wo niemand gewesen sei. Das
andere Mal habe sie sich versteckt und gespürt, dass er sie suche. Sie habe
manchmal nicht gewusst, weshalb er ihr gefolgt sei. Sonst habe sie sich versteckt,
weil sie gewusst habe, dass er kommen könnte. Auf Frage gibt die Privatklägerin
zur Antwort, dass sie in diesem Moment jeweils nicht daran gedacht habe, zu den
anderen Personen zu gehen. Die Namen der Personen, die gesehen haben
könnten, wie der Beschuldigte sie ins Zimmer gezogen habe, kenne sie nicht.
Einmal sei sie mit dem Beschuldigten im Zimmer gewesen, als die Tante oder ihre
Mutter sie gerufen habe. Sie habe dann ja gesagt und das Zimmer verlassen. Der
Beschuldigte habe sie gehen lassen (Urk. 9/15 S. 2f., S. 5, S. 7).
7.1.3. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 22. November 2011
sagte die Privatklägerin sehr knapp und einsilbig aus (Urk. 58). Fragen beant-
wortete sie meist nur mit ja oder nein oder antwortete in sehr kurzen abgehackt
wirkenden Sätzen. Ihre Aussagen betreffend die einzelnen Vorfälle blieben
abstrakt. Häufig antwortete sie, sie könne sich nicht mehr erinnern. Nie schilderte
sie Begebenheiten von sich aus. Betreffend die Vorfälle in Indien verneinte sie die
Frage, ob sie in der Lage sei, diese nochmals zu erzählen (Urk. 58 S. 9). Ent-
sprechend fehlen diesbezügliche konkrete Aussagen. Sie bestätigte einzig, sie sei
vom Beschuldigten belästigt worden (Urk. 58 S. 8).
Wie die Vorinstanz richtig erwogen hat, hat die Privatklägerin zuerst ausgesagt,
dass der Beschuldigte sie aufgefordert habe, nach oben zu gehen, wo dann in
einem Zimmer die Übergriffe stattgefunden hätten, wogegen sie wenig später in
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der selben Einvernahme erklärte, der Beschuldigte sei in das Zimmer zu ihr hin-
eingekommen, als sie Verstecken gespielt hätten (Urk. 9/4 S. 4 oben und Urk. 9/4
S. 5 unten; Urk. 91 S. 10). In der zweiten Einvernahme erklärte sie erstmals, der
Beschuldigte habe sie aufgefordert, ihm bei der Suche nach einem Hemd bzw.
Pullover (Urk. 9/14, 00: 55) zu helfen, was sie abgelehnt habe, worauf er sie am
Arm in ein Zimmer gezogen habe (Urk. 9/14, 00:51). Er sei ihr manchmal nach-
gekommen, als sie verstecken gespielt hätten und habe sie an einen Ort bringen
wollen, wo niemand gewesen sei. Manchmal habe sie auch versucht, sich vor
ihm zu verstecken (Urk. 9/14, 04:24). Nach dem Gesagten zeichnen sich die
Schilderungen, wie es zur Tat gekommen sei, durch erhebliche Inkonstanzen aus.
Bezüglich der Anzahl der Übergriffe ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen,
dass die Angaben der Privatklägerin hierzu variieren. In der ersten Einvernahme
sagte sie, der Beschuldigte habe sie mehrmals bzw. zweimal berührt. In der
zweiten Einvernahme gab sie dagegen zu Protokoll, es sei immer so gewesen,
dass er ihr hinterher gekommen sei, wenn sie im oberen Stock oder sonst im
Haus gespielt hätten. Er habe das die ganze Zeit gemacht. Er habe immer
geschaut, ob niemand da sei, und sie dann berührt (Urk. 9/14, 00:17). In Über-
einstimmung dazu erklärte die Privatklägerin dann in der selben Einvernahme, der
Beschuldigte habe sie jedes Mal, wenn sie nach oben gegangen sei, um mit den
anderen zu spielen, ganz allein ins Zimmer genommen (Urk. 9/14, 45:00). Später
in derselben Einvernahme verneinte die Privatklägerin dagegen die Frage nach
einem zweiten Übergriff in Indien und bejahte die Feststellung der Befragenden,
dass der Beschuldigte die Privatklägerin in Indien nur einmal geküsst bzw. berührt
habe. Die daraufhin erneut gestellte und präzisierte Frage, ob es ein zweites Mal
in Indien gegeben habe, anlässlich welchem der Beschuldigte versucht habe, die
Privatklägerin zu berühren, ihr nahe zu sein oder mit ihr den Geschlechtsverkehr
zu vollziehen, verneinte sie wiederum (Urk. 9/14, 1:05). Noch später erklärte die
Privatklägerin dagegen wieder, sie sei in Indien vom Beschuldigten mehrmals
berührt worden (Urk. 9/14, 2:16). Auf diese Ungereimtheiten angesprochen,
erwiderte die Privatklägerin, sie habe doch gesagt, er habe ihr das mehrmals
gemacht, sie habe zwei- bis dreimal gesagt (Urk. 9/14 4:00). Ihre Angaben zur
Häufigkeit der Übergriffe in Indien reichen damit von einmal, über zwei- bis drei-
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mal bis hin zu '"immer", wenn sie nach oben ging, was einer Vielzahl ent-
sprechen würde. Diese Widersprüche lassen aufhorchen.
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin verschiedene Varianten des
Tatgeschehens zu Protokoll gab: Einmal sagte sie, der Beschuldigte habe ver-
sucht sie zu küssen und sie an den Geschlechtsteilen berührt, dann sagte sie
aus, er habe sie an den Geschlechtsteilen berührt und versucht "es" zu machen
bzw. er habe "es" ihr gemacht und schliesslich erklärte sie, der Beschuldigte habe
sie an den Geschlechtsteilen berührt und sich bekleidet auf sie gelegt und
versucht, seine Hand unter ihre Kleider auf ihre Brüste und ihre Scheide zu legen.
Es ist dabei nicht klar, ob es sich bei diesen unterschiedlichen Schilderungen
immer wieder um andere oder um – zumindest teilweise – dieselben Vorfälle
handelt.
Nicht ganz nachvollziehbar erscheint trotz des damals kindlichen Alters der
Privatklägerin, dass ihr – anstatt sich vor dem Beschuldigten zu verstecken –
nicht eingefallen sein will, dass sie sich zu ihrem eigenen Schutz hätte zu den
anderen Personen im Haus begeben können. Erklären konnte sie das nicht, sie
habe jeweils einfach nicht daran gedacht.
Weiter scheint schwer nachvollziehbar, dass sich der Beschuldigte an der Privat-
klägerin bei zugemachter, aber nicht verschlossener Zimmertür (Urk. 9/14, 00:56)
sexuell vergangen haben soll, während sich im ganzen Haus 50 Personen auf-
gehalten (Urk. 9/14, 00:39) und acht Kinder Verstecken gespielt hätten (Urk. 9/14,
00:49) und der Beschuldigte somit offensichtlich in Kauf genommen hätte, ent-
deckt zu werden. Auch die Schilderung der räumlichen Verhältnisse im Feriendo-
mizil in Indien durch die Privatklägerin lassen die inkriminierten Vorfälle wenig
realistisch erscheinen. Gemäss ihren Aussagen war im Ferienhaus nur das Erd-
geschoss und der erste Stock bewohnt. Der Dachstock war leer. Im ersten Stock
hätten sich nur gerade zwei Zimmer befunden, ein Zimmer mit Balkon und ein
zweites Zimmer, in dem die Übergriffe stattgefunden hätten. Es ist nur schwer
nachvollziehbar, wie der Beschuldigte bei diesen übersichtlichen Raumverhältnis-
sen trotz Verstecken spielender Kinderschar im ersten Stock - offenbar mehrmals
- die Gelegenheit gefunden hatte die Privatklägerin am Arm ins eine Zimmer zu
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ziehen um sie dort zur Duldung von mehreren sexuellen Handlungen zu nötigen.
Dabei soll er sich sogar bekleidet auf die Privatklägerin gelegt und versucht haben
seine Hand unter ihre Kleider auf ihre Brüste und Scheide zu legen. Gemäss
Aussagen der Privatklägerin ist dann tatsächlich jemand in das entsprechende
Zimmer hineingekommen, wobei mit der Vorinstanz (Urk. 91 S. 13) festzuhalten
ist, dass schwierig nachzuvollziehen ist, dass die Privatklägerin sich nicht mehr an
diese Person zu erinnern vermag (Urk. 9/14, 01:00). Es ist doch davon auszu-
gehen, dass der Privatklägerin im Moment, als diese unbekannte Person das
Zimmer betreten hat, Einiges durch den Kopf gegangen sein muss, wie zum
Beispiel, dass diese Person sie aus ihrer misslichen Lage befreit hat oder ob
diese Person etwas vom Übergriff mitbekommen hat. Dies erstaunt umso mehr,
als dass sich die Privatklägerin dagegen noch daran erinnern konnte, wer sich
während eines Vorfalls ebenfalls im oberen Stock aufhielt, nämlich die Schwester
ihres Onkels und die Frau seines jüngeren Bruders (Urk. 9/14, 00:54).
Weiter hatte die Privatklägerin in der ersten Einvernahme noch erwähnt, dass der
Beschuldigte sich auf sie gelegt habe (Urk. 9/4 S. 7), was sie in der zweiten Ein-
vernahme mit keinem Wort mehr erwähnte. Die Übergriffe in Indien werden nicht
in eine nachvollziehbare Vorgeschichte eingebettet geschildert, was auch bezüg-
lich der Schilderungen betreffend die Vergewaltigungen in J._ und in London
gilt. Es ist zwar durchaus plausibel, dass die geltend gemachten Übergriffe für die
damals erst 12 -jährige Privatklägerin völlig überraschend waren und das Ver-
halten des Onkels unverständlich war, indessen erschwert die fehlende Ein-
bettung der Vorkommnisse in eine Vorgeschichte und die pauschale Art der
Schilderungen die Prüfung der Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt.
Schliesslich ist lebensfremd, dass die Privatklägerin nach diesen geltend gemach-
ten Übergriffen in Indien gegenüber ihrer Mutter den Wunsch äusserte, allein
nach J._ zum Beschuldigten zu reisen und dies auch tat, hätte sie doch mit
weiteren Übergriffen rechnen müssen.
Die Aussagen der Privatklägerin sind in Bezug darauf, wie sich die Übergriffe in
Indien abgespielt haben sollen, unübersichtlich und teilweise widersprüchlich. Es
geht daraus nicht hervor, wie es zu den Übergriffen kam und was jeweils dabei
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genau geschehen ist. Insbesondere ist auch nicht klar, ob es sich bei den
unterschiedlichen Versionen der Privatklägerin um unterschiedliche oder teilweise
um bereits geschilderte Vorfälle handelt. Die Privatklägerin konnte sich – wie
erwähnt – auch nicht auf die Anzahl der Übergriffe festlegen. Weiter ist auf die
von der Vorinstanz erläuterten Widersprüche in den Aussagen hinzuweisen
(Urk. 91 S. 10ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Nicht nachvollziehbar ist ausserdem, wes-
halb die Privatklägerin Berührungen, welche nach ihrer Darstellung seitens ihres
Grossvaters während desselben Ferienaufenthaltes in Indien stattgefunden
haben, umgehend in der Familie zur Sprache brachte und ihre Mutter davon in
Kenntnis setzte, während sie vom Verhalten des Beschuldigten niemandem
erzählte. Darauf ist im Zusammenhang mit der Darlegung der Aussagen der
Mutter der Privatklägerin und der Ehefrau des Beschuldigten zurückzukommen.
7.2. Aussagen des Beschuldigten
7.2.1. Anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme erklärte der Beschuldigte,
es sei klar, dass er die Privatklägerin schon umarmt habe, aber so, wie sein
eigenes Kind. Zu verbotenen Handlungen zwischen ihm und der Privatklägerin sei
es aber nie gekommen (Urk. 8/1 S. 7). Während den Ferien in Indien habe die
Privatklägerin einmal gesagt, sie sei von ihrem Grossvater sexuell angegangen
worden. Dies seien aber haltlose Vorwürfe gewesen und sie hätten dieses
Problem familienintern lösen können. Zwischen ihm selber und der Privatklägerin
sei in Indien nie etwas passiert. Es könne sein, dass er die Privatklägerin in Indien
einmal aufgefordert habe, nach oben zu kommen. Dies sei aber nie in sexueller
Absicht geschehen oder weil er sie habe küssen wollen. Diese Vorwürfe stimmten
nicht. Es könne sein, dass er die Privatklägerin einmal auf die Backe geküsst
habe, so wie die anderen Kinder auch (Urk. 8/1 S. 7-10).
7.2.2. In der Hafteinvernahme bei der Staatsanwaltschaft sagte der Beschuldigte
aus, die Privatklägerin sei wie seine Tochter, da er und seine Frau nach dem Tod
des Vaters der Privatklägerin nach deren Familie geschaut hätten. Er selber habe
von den vorliegenden Vorwürfen von seiner Frau erfahren. Er sei in Indien nie
allein mit der Privatklägerin gewesen (Urk. 8/2 S. 3-6).
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7.3. Bericht der Frauenärztin Dr. K._
7.3.1. Gemäss dem Bericht der Gynäkologin Dr. K._, die die Privatklägerin
am 7. Dezember 2010 erstmals untersuchte, sagte die Privatklägerin anlässlich
dieser Untersuchung, ihr Onkel in London habe sie im Oktober 2010 vergewaltigt.
Auf Frage habe die Privatklägerin zur Antwort gegeben, davor noch nie
Geschlechtsverkehr gehabt zu haben (Urk. 11/7 S. 3f. der deutschen Über-
setzung). Anlässlich der Untersuchung vom 8. März 2011 habe die Privatklägerin
angegeben, ihr Onkel habe ihr in Anwesenheit anderer Familienmitglieder in
Indien über den Kleidern an die Brüste gegriffen und sie danach von den anderen
Kindern getrennt und schliesslich gewaltsam vaginal penetriert. Sie habe dabei
auch heftige Vor- und Rückwärtsbewegungen beschrieben, die ihr Onkel bei der
Penetration gemacht habe. Sie habe dann gespürt, wie weisse Flüssigkeit aus
ihrer Scheide geflossen sei. Sie habe danach geblutet. Nach der Vergewaltigung
in London habe sie dagegen nicht geblutet (Urk. 11/7 S. 4 der deutschen Über-
setzung). Die untersuchende Frauenärztin war insbesondere deshalb irritiert, da
die Privatklägerin trotz ausdrücklicher Nachfrage in der ersten Untersuchung vom
7. Dezember 2010 noch verneint hatte, dass es vor dem Übergriff in London
weitere Vorfälle gegeben habe (Urk. 11/10 S. 1, vgl. Urk. 11/7 S. 2 u. S. 4 der
deutschen Übersetzung). Auf den Widerspruch angesprochen, dass sie bei der
Frauenärztin offenbar von einer Vergewaltigung in Indien gesprochen habe,
bestritt die Privatklägerin dies und stellte sich auf den Standpunkt, nur von
Berührungen gesprochen zu haben. Sie könne sich nicht daran erinnern, bei der
Ärztin von einer Vergewaltigung gesprochen zu haben (Urk. 9/15 S. 6).
7.3.2. Offenbar hat die Privatklägerin gegenüber der Frauenärztin Dr. K._
eine neue Version eines Vorfalls in Indien erzählt, nämlich dass der Beschuldigte
ihr in Anwesenheit anderer Familienmitglieder an die Brüste gegriffen habe und
sie in der Folge separiert und vergewaltigt habe. Es erscheint doch einigermassen
zweifelhaft, dass der Beschuldigte sich derart offensichtlich an der Privatklägerin
vergriffen haben soll, zumal dies dann von den anderen Verwandten, z.B. von der
Mutter der Privatklägerin, hätte gesehen werden können. Ausserdem bestreitet
die Privatklägerin in der Folge, dies bei der Frauenärztin gesagt zu haben. Die
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Privatklägerin erzählte ihrer Frauenärztin offenbar erst beim zweiten Treffen, in
Indien vergewaltigt worden zu sein, wobei sie dies anlässlich des ersten Treffens
trotz expliziter Nachfrage nach weiteren Vorfällen noch verschwieg. In den polizei-
lichen Einvernahmen, welche vor (3. Dezember 2010) und nach (8. April 2011)
dem Treffen mit der Frauenärztin stattfanden, gab sie dann jedoch jeweils zu
Protokoll, in Indien von ihrem Onkel zwar sexuell angegangen, jedoch nicht ver-
gewaltigt worden zu sein, wobei sie in der ersten Einvernahme noch erklärte, der
Beschuldigte habe sich bekleidet auf sie gelegt und habe etwas machen wollen
(Urk. 9/4 S. 6 f.), dies dann aber in der zweiten Einvernahme nicht mehr erwähn-
te. Dieses Aussageverhalten lässt aufhorchen. Hinsichtlich des Verschweigens
von Vorfällen in Indien lassen sich die Aussagen der Privatklägerin auch nicht
dadurch erklären, dass der Onkel in London der Privatklägerin angeblich – im
Gegensatz zum Beschuldigten – nicht gedroht habe, sich umzubringen (Urk. 9/4
S. 16) und sie deshalb weniger Angst gehabt hätte, über den Vorfall von London
zu sprechen, weil sie dann konsequenterweise von gar keinen Übergriffen seitens
des Beschuldigten hätte erzählen können. Weiter ist nicht klar, wieso die Privat-
klägerin bei der Frauenärztin im Zusammenhang mit Indien – im Gegensatz zu
ihren Aussagen im Strafverfahren – offenbar von einer Vergewaltigung ge-
sprochen hat.
7.4. Aussagen von L._
7.4.1. Anlässlich der Erstattung der Strafanzeige gab die Mutter der Privat-
klägerin, L._, am 4. Dezember 2010 zu Protokoll, was jene ihr im Zusam-
menhang mit sexuellen Übergriffen erzählt habe. Bezüglich Indien war dabei le-
diglich ein angeblicher sexueller Übergriff des Grossvaters der Privatklägerin auf
dieselbe ein Thema, nicht jedoch ein Übergriff des Onkels der Privatklägerin auf
dieselbe (Urk. 10/1 S. 1ff. der deutschen Übersetzung). Die Mutter sagte aus, die
Privatklägerin habe ihr während des Aufenthaltes in Indien im Jahre 2008 oder
2009 gesagt, der Grossvater habe sie berührt, worauf sie selber sofort mit ihrer
Mutter (Grossmutter der Privatklägerin) gesprochen habe, welche wiederum mit
dem Vater (Grossvater der Privatklägerin) gesprochen habe (Urk. 10/1 S. 2 der
deutschen Übersetzung).
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7.4.2. Am 13. April 2011 wurde die Mutter der Privatklägerin von der Staats-
anwaltschaft als Zeugin befragt. Sie hat dabei ausgesagt, dass ihre Tochter ihr
bezüglich Indien nur erzählt habe, dass ihr Opa sie berührt habe. Am Freitag vor
dieser Einvernahme habe die Privatklägerin erstmals von den Vergewaltigungen
erzählt, wobei es sich bei den Vorfällen in Indien um Berührungen durch den
Onkel der Privatklägerin (den Beschuldigten) gehandelt hätte. Am Anfang habe
die Privatklägerin nur von Berührungen durch den Grossvater in Indien erzählt;
nachdem sie ihr von der Vergewaltigung in Zürich erzählt habe, habe sie sie auch
von Berührungen des Beschuldigten in Indien erzählt. Sie habe mit anderen
gespielt, da sei der Beschuldigte gekommen und habe die Tür zugemacht. Erst
als eine Cousine oder eine Schwester nach ihr gerufen habe, habe er von ihr
abgelassen (Urk. 10/2 S. 9). Davon, dass der Beschuldigte die Privatklägerin vor
anderen Familienmitgliedern an den Brüsten berührt habe, wisse sie nichts, dass
sei angeblich ihr Vater, also der Grossvater der Privatklägerin gewesen (Urk. 10/2
S. 12). Die Zeugin berichtete von einem Selbstmordversuch der Privatklägerin im
Jahre 2011 (Urk. 10/2 S. 14). Die Privatklägerin habe ein Messer genommen und
versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden, sie habe gesagt, dass alle in der
Familie Probleme hätten wegen ihr (Urk. 10/2 S. 4).
Offenbar hat die Privatklägerin bis März/April 2011 weder ihrer Frauenärztin (vgl.
Ziff. 7.3.) noch ihrer Mutter von den eingeklagten Vorfällen in Indien erzählt. Dies
wirft Fragen auf.
7.5. Aussagen von M._
7.5.1. Die Vertreterin der Privatklägerin stützt sich in ihrer Berufungserklärung
explizit auf die Einvernahme der Zeugin M._ (Urk. 94 S. 4 unten).
Anlässlich der Zeugenbefragung vom 17. Mai 2011 gab M._ zu Protokoll, die
Privatklägerin seit der 1. Klasse zu kennen. Diese sei jetzt in der 8. Klasse. Sie
sei bisher von ihr noch nie angelogen worden. Nachdem die Privatklägerin aus
London zurückgekommen sei, habe sie an ihr eine Veränderung festgestellt. Sie
habe eine andere Miene gehabt, habe nicht glücklich ausgesehen. Kurz nach ih-
rer Rückkehr aus London habe die Privatklägerin in der Schule geweint. Sie habe
- 32 -
die Privatklägerin dann gefragt, was los sei, worauf diese gesagt habe, dass sie
(die Zeugin) nicht mehr mit ihr sprechen würde, wenn sie es ihr (der Zeugin) sa-
gen würde, da sie sich für sie schämen würde. Sie (die Zeugin) habe dann ge-
sagt, dass dem nicht so sei, worauf die Privatklägerin ihr erzählt habe, was ge-
schehen sei: Ihr Onkel in London habe versucht, sie zu vergewaltigen, als sie dort
gewesen sei. Es sei nicht das erste Mal, dass dies jemand versucht habe. Auf
Nachfrage erklärte die Zeugin, nicht mehr zu wissen, ob die Privatklägerin gesagt
habe, dass es sich um eine Vergewaltigung oder um einen Vergewaltigungsver-
such gehandelt habe. Zuvor habe jemand in Indien sie vergewaltigt oder es ver-
sucht und dann in Zürich noch einmal. Sie wisse nicht, ob es sich beim Übergriff
in Indien um denselben Mann wie in London gehandelt habe oder denselben wie
in Zürich. Beim Vorfall in Zürich habe es sich auch um einen Onkel der Privatklä-
gerin gehandelt. Die beiden Onkel hätten damit gedroht, sich umzubringen, falls
die Privatklägerin es ihrer Mutter erzählen würde. Die Privatklägerin habe auch
gesagt, sie habe Angst um ihre Mutter, da sie sich nie mehr davon erholen würde,
wenn sie wüsste, dass jemand aus der Familie sie vergewaltigt habe. Da die Pri-
vatklägerin ihrer Mutter nichts davon habe erzählen wollen, habe sie (die Zeugin)
vorgeschlagen, die Mediatorin einzuschalten. Diese habe dann wiederum die Mut-
ter der Privatklägerin informiert (Urk. 10/5 S. 4ff.).
7.5.2. Aus den Aussagen der Zeugin M._ geht einzig hervor, dass die Privat-
klägerin ihr nach ihrer Rückkehr aus London von Vergewaltigungen oder Verge-
waltigungsversuchen in Indien, London und Zürich erzählt hat. Was dabei genau
vorgefallen sein soll, konnte die Privatklägerin aber nicht sagen. Aus diesen Zeu-
genaussagen lässt sich nichts Wesentliches zur Erstellung des Sachverhalts ab-
leiten. Es ist ihnen immerhin zu entnehmen, dass die Privatklägerin nach ihrer
Rückkehr aus London psychisch stark belastet wirkte und der Zeugin von Verge-
waltigungen bzw. Vergewaltigungsversuchen durch zwei Onkel erzählte.
7.6. Aussagen von N._
7.6.1. Die Vertreterin der Privatklägerin stützt sich in ihrer Berufungserklärung
weiter auf die Aussagen von N._ (Urk. 94 S. 4).
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Die Mediatorin N._ wurde am 17. Mai 2011 als Zeugin befragt. Sie gab zur
Protokoll, dass die Privatklägerin ihr anlässlich eines Gesprächs anfangs
Dezember 2010 in Begleitung von M._ erzählt habe, dass sie in Indien als
12-jährige mehrfache Übergriffe durch den Beschuldigten erlitten habe. Ihr sei
dabei gedroht worden. Diese Übergriffe seien noch nicht vorbei, da der Beschul-
digte, der in Zürich wohne, anfangs Dezember nach O._ kommen werde, um
den Geburtstag des Bruders der Privatklägerin zu feiern. Davor habe die
Privatklägerin Angst gehabt und sei deshalb zu ihr gekommen. Sie hätte der
Privatklägerin helfen sollen, deren Mutter von den Vorfällen zu erzählen, da jene
Angst davor gehabt habe. Die Privatklägerin habe ihr erzählt, dass sie oft und
stark in der Schule geweint habe, weshalb sich ihre Klassenkameraden Sorgen
um sie gemacht hätten. Sie (die Zeugin) habe dann sofort den Schuldirektor
informiert (Urk. 10/6 S. 6ff.). Die Privatklägerin habe ihr von sexuellen Übergriffen
in England und in Indien erzählt, in ihren Notizen habe sie (die Zeugin) nichts über
die Schweiz geschrieben. Sie habe nicht versucht, mehr über die Details zu
erfahren (Urk. 10/6 S. 7).
7.6.2. Gestützt auf diese Aussagen lassen sich einzig die Aussagen von M._
und der Privatklägerin bestätigen, wonach sie Kontakt zur Mediatorin gesucht ha-
ben. Ansonsten und in Bezug auf den eingeklagten Sachverhalt lässt sich nur ab-
leiten, dass die Privatklägerin N._ offenbar von Übergriffen in Indien und
England, nicht aber vom eingeklagten Vorfall in J._ erzählt hat.
7.7. Aussagen von P._
Weiter verwies die Vertreterin der Privatklägerin auf die Zeugeneinvernahme von
P._ anlässlich der Hauptverhandlung (Urk. 94 S. 4). P._ hat gemäss
diesen Aussagen als Sozialberater für den Dienst zum Schutz von Jugendlichen
seit Februar 2008 mit der Familie der Privatklägerin zu tun. Die Betreuung durch
diesen Dienst habe 2006 nach dem Tod des Vaters der Privatklägerin begonnen.
Die Privatklägerin habe dem Zeugen vor Eröffnung des Strafverfahrens nichts be-
treffend die sexuellen Übergriffe erzählt (Urk. 59 S. 2f.). Er bestätigte, dass die
Privatklägerin heute an Depressionen leide und medikamentös behandelt werde,
ebenso, dass es im Juli 2011 zu einem Suizidversuch der Privatklägerin gekom-
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men sei (Urk. 59 S. 13f.). Auch die Aussagen von P._ belegen, dass die Pri-
vatklägerin an erheblichen psychischen Belastungen leidet; es lassen sich daraus
jedoch keine Hinweise im Zusammenhang mit den inkriminierten Sachverhalten
ableiten.
7.8. Aussagen von Q._
Bei dieser Zeugin handelt es sich um die Tante der Privatklägerin und Ehefrau
des Beschuldigten. Sie sagte in der Zeugeneinvernahme aus, dass die Privat-
klägerin ihr einmal in Indien erzählt habe, der Grossvater habe sie berührt (Urk.
10/4 S. 5 und S. 9). Diese Zeugenaussage stimmt mit den Aussagen der Mutter
der Privatklägerin überein, welche ebenfalls aussagte, die Privatklägerin habe zu-
erst nur von Berührungen des Grossvaters in Indien gesprochen (vgl. vorstehend
Ziff. 7.4.).
An dieser Stelle ist nochmals festzuhalten, dass es nicht ohne weiteres nachvoll-
ziehbar ist, weshalb die Privatklägerin in Indien ihrer Mutter und ihrer Tante von
den Berührungen durch den Grossvater erzählte, nicht jedoch von den Berührun-
gen durch den Beschuldigten. Die angeführte Drohung des Beschuldigten mit sei-
nem Suizid, kann das nur ansatzweise erklären (vgl. auch Urk. 187 S. 33) Es
bleiben Fragen offen.
7.9. Berichte von Dr. E._ und Dres. D._/C._
7.9.1. Weiter trägt der von der Vertreterin der Privatklägerin erwähnte Bericht von
Dr. D._ und Dr. C._ (Urk. 94 S. 5, Urk. 50) nichts Wesentliches zur
Sachverhaltserstellung bei. In diesem Bericht vom 8. November 2011 wird festge-
halten, dass die Privatklägerin am 18. Juli 2011 die Beratungsstelle erstmals auf-
gesucht habe und dass das Thema der Vergewaltigung und anderer illegaler se-
xueller Handlungen erst kürzlich angesprochen worden sei, wobei die Therapeu-
tinnen ausführten, sie wüssten von drei Missbräuchen durch zwei verschiedene
Onkel und sie hätten keinen Zugang zu Schilderungen der Privatklägerin betref-
fend illegale sexuelle Handlungen. Die aktuelle Problematik der Privatklägerin
könne in Zusammenhang mit vorangehenden sexuellen Missbräuchen stehen.
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Die Privatklägerin habe mehrfache Traumatisierung erlebt und bedürfe einer län-
gerfristigen therapeutischen Begleitung (Urk. 50). Diesem Bericht kann demzufol-
ge entnommen werden, dass die Privatklägerin traumatisiert ist, indessen lassen
sich daraus keinerlei Hinweise entnehmen, dass die Traumatisierung auf konkrete
Handlungen des Beschuldigten zurückzuführen wäre.
7.9.2. Die Psychologin E._ hält in ihrem Bericht vom 8. November 2011 fest
(Urk. 52), dass die Privatklägerin am 25. Februar 2011 ein Eintrittsgespräch bei
der Vereinigung "..." gehabt habe und in der Folge 5 Sitzungen besucht habe. Sie
sei sehr traurig gewesen, habe viel geweint und scheine grosse Probleme zu ha-
ben, sich einer Drittperson gegenüber zu öffnen. Sie habe die Tendenz, in kurzen
Sätzen zu antworten und habe Vergewaltigungen und erlittene illegale sexuelle
Handlungen nicht beschrieben. Sexueller Missbrauch sei in den erwähnten fünf
Sitzungen nicht angegangen worden, die Privatklägerin habe gesagt, über sexuel-
len Missbrauch zu sprechen tue ihr weh (Urk. 52 S. 2). Es sei demzufolge nicht
über Fakten gesprochen worden. Die Psychologin hält fest, dass die Privatkläge-
rin verschiedene Symptome zeige, welche auf sexuellen Missbrauch hindeuten.
Diesem Bericht ist daher einzig zu entnehmen, dass die Privatklägerin psychisch
belastet ist und die bei ihr beobachteten Symptome auf erlebten sexuellen Miss-
brauch hindeuten. Indessen bestehen keine Hinweise auf ein strafbares Handeln
des Beschuldigten.
7.9.3. Die eingeholten Berichte stützen die Aussage der Privatklägerin, wonach
sie Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist. Die Feststellungen der Therapeu-
tinnen stimmen mit den Beobachtungen der Mutter der Privatklägerin, von
P._ und M._ überein, wonach die Privatklägerin psychisch sehr belastet
ist und im Jahre 2011 einen Suizidversuch begangen hat. Jedoch ergeben sich
weder aus den Berichten der Therapeutinnen noch aus den Aussagen der Mutter
der Privatklägerin oder der Zeugen P._ und M._ Anhaltspunkte betref-
fend die konkreten Tatvorwürfe. Insbesondere hat die Privatklägerin niemandem
die Tatabläufe detailliert geschildert.
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7.10. Fazit
Es kann auf die im Zusammenhang mit den einzelnen Aussagen der Beteiligten
bereits vorgenommene Beweiswürdigung verwiesen werden. Es ist insgesamt
betrachtet nicht zu übersehen, dass die Aussagen der Privatklägerin im Kernge-
schehen unbeständig sind und sich bezüglich des Ablaufs teilweise wider-
sprechen. Bei der ersten Befragung war die Privatklägerin bereits knapp 15-jährig,
weshalb sich Ungereimtheiten nicht mit ihrem kindlichen Alter begründen lassen.
Es ist erstaunlich, dass die Privatklägerin Berührungen in Indien seitens des
Grossvaters gegenüber ihrer Mutter und der Ehefrau des Beschuldigten noch in
Indien zur Sprache brachte, nicht jedoch Übergriffe seitens des Beschuldigten.
Das Verhalten der Privatklägerin nach ihrer Rückkehr aus London in der Schule
und die von verschiedener Seite beobachtete psychische Belastung der Privat-
klägerin lassen es als denkbar erscheinen, dass sie tatsächlich Opfer eines gra-
vierenden Vorfalls geworden ist (wobei es allerdings keine verhaltensspezifischen
Besonderheiten in Missbrauchsfällen gibt; vgl. Volbert / Dahle, Forensisch-
psychologische Diagnostik im Strafverfahren, 2010 S. 52). Dass es sich dabei
aber um den angeklagten 1. Teilsachverhalt gehandelt hat, lässt sich mit den vor-
handenen Beweismitteln nicht erstellen. In Anwendung des Grundsatzes 'in dubio
pro reo' lassen sich dem Beschuldigten keine sexuellen Handlungen bzw. sexuel-
len Nötigungen zulasten der Privatklägerin im Juli 2008 in Indien rechtsgenügend
nachweisen, weshalb der Beschuldigte in diesem Punkt freizusprechen ist. Ein
Mitglied des Richtergremiums hat gemäss § 124 GOG einen Minderheitsantrag
auf Schuldspruch gestellt (Prot. II. S. 29). Dieser Minderheitsantrag wurde zu den
Akten genommen (Urk. 218).
8. Vorfall in J._
8.1. Aussagen der Privatklägerin
8.1.1. Anlässlich der ersten polizeilichen Videobefragung vom 3. Dezember 2010
gab die Privatklägerin zu Protokoll, es sei noch etwas passiert, als sie – wohl
kurze Zeit nach Indien – einmal allein mit dem Zug die Familie ihrer Tante in
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J._ besucht habe. Sie sei eine Woche dort geblieben. Ihr Onkel habe sie
vom Zug abgeholt. Ihr Onkel habe ihr gesagt, dass ihre Tante nicht kommen wer-
de an diesem Tag, sie (die Privatklägerin) solle sagen, sie habe Bauchschmerzen
oder so. Sie habe dies aber ihrer Tante nicht sagen wollen. Diese habe sie dann
aus dem Tamilisch-Unterricht nach Hause geschickt und gesagt, dass es nichts
mache, dass sie (die Privatklägerin) wohl ein bisschen müde sei. Sie habe nein
sagen wollen, aber ihre Tante habe sie aufgefordert, nach Hause zu gehen. Sie
sei dann mit dem Beschuldigten mit dem Auto zu ihm nach Hause gefahren. Es
sei niemand beim Beschuldigten zu Hause gewesen, was er ausgenutzt habe. Er
habe gesagt, sie solle sich ausziehen, was sie abgelehnt habe. Er habe sie dann
erneut aufgefordert, sich auszuziehen und habe es dann geschafft, sie auszu-
ziehen. Sie habe das nicht gewollt und sei dann auf die Toilette gegangen und
habe abgeschlossen. Er habe sie dann aufgefordert, aufzumachen, er gebe ihr
die Kleider zurück. Sie habe gesagt, er solle ihr die Kleider wieder geben, dann
komme sie wieder hinaus. Er habe gesagt, ok, habe ihre Kleider genommen und
sei in die Toilette gekommen. Dann habe er sie geschlagen, habe sie gezogen
und dann habe er angefangen, es zu machen. Er habe sie dabei berührt und
seinen Penis bei ihr unten vorne eingeführt. Er habe gesagt, er sei sehr gerne mit
ihr und sie habe geschrien, er solle aufhören. Dies sei in seinem Schlafzimmer
geschehen, wohin er sie zuvor gezogen habe. Er habe sich dabei ein Kondom
übergezogen. Sie habe zuvor noch nie Geschlechtsverkehr gehabt (Urk. 9/4
S. 8ff.). Nach der Vergewaltigung habe die Privatklägerin darauf geachtet, dass
sie den Rest der Woche nicht mehr mit dem Beschuldigten allein sei. In der Folge
habe sie schon noch gefragt, ob sie zu dieser Familie gehen könne, wenn sie ihre
Cousine habe sehen wollen. Inzwischen wolle ihre Mutter aber diese Familie nicht
mehr besuchen, da sie "es" jetzt wisse (Urk. 9/4 S. 10f.).
Die Aussage der Privatklägerin, dass sie auch in der Folge ihre Cousine noch
habe besuchen wollen irritiert nicht zuletzt deshalb, weil der Beschuldigte angeb-
lich gesagt haben soll, dass sie es wieder machen würden, wenn sie das nächste
Mal zu ihm käme (Urk. 9/4 S. 10).
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8.1.2. In der zweiten polizeilichen Einvernahme vom 18. April 2011 (Urk. 9/15)
machte die Privatklägerin zum Kerngeschehen grundsätzlich dieselben Aussagen
wie bei der ersten Befragung. Neu erzählte sie allerdings, sie glaube, der Vorfall
in J._ habe sich Jahre nach demjenigen in Indien abgespielt (Urk. 9/14,
01:10). Weiter habe sie den 16.20 Uhr Zug in O._ genommen und sei in
Zürich vom Beschuldigten abgeholt worden. Die Vergewaltigung habe aber nicht
an diesem Tag stattgefunden. Ausserdem ergänzte sie, sie habe beim Vorfall ei-
nen knie-langen Jupe mit Knöpfen getragen, welchen der Beschuldigte aufgeris-
sen habe. Die Knöpfe seien dabei kaputt gegangen. Sie habe den Jupe in der
Folge zu Hause in den Kleidersack geworfen. Ausserdem habe er ihr die Unter-
hose ausgezogen. Danach sei die Privatklägerin in das Badezimmer gerannt. Der
Beschuldigte habe sie dann am Handgelenk gepackt. Geschlagen habe er sie
nicht. Die Privatklägerin könne sich nicht daran erinnern, in der ersten Befragung
etwas anderes ausgesagt zu haben. Der Beschuldigte habe danach seinen Penis
in die Scheide der Privatklägerin getan. Weiter habe er ihre Brüste über dem BH
berührt, zuvor habe er ihr das Oberteil ausgezogen. Der Beschuldigte habe über
ihr gekniet. Er habe mit einer Hand beide Hände der Privatklägerin festgehalten
und mit der anderen Hand ein Kondom übergezogen, welches er zuvor aus seiner
Tasche genommen habe. Ein Bein der Privatklägerin sei angewinkelt gewesen
und das andere sei ausserhalb des Bettes gewesen. Ihr Rücken habe die
Matratze nicht berührt. Zuerst habe er seinen Penis eingeführt und dann mit
beiden Händen ihre Brüste berührt. Der Geschlechtsverkehr habe 10 bis
15 Minuten gedauert. Sie habe versucht, ihn wegzustossen, was ihr aber nicht
gelungen sei. Es sei zu keiner weiteren Gewalt gekommen. Die Vergewaltigung
habe auf dem Bett ihrer Cousine stattgefunden. Sie denke, dass der Beschuldigte
zum Samenerguss gekommen sei, da sie im Kondom etwas Weisses gesehen
habe. Das Kondom habe der Beschuldigte im Kücheneimer entsorgt. Nach dem
Vorfall sei die Privatklägerin noch ein bis zwei Tage dort geblieben. Am Freitag
sei ein Fest gewesen, an das ihre Mutter auch gekommen sei. Wegen der
Drohungen des Beschuldigten habe die Privatklägerin niemandem vom Übergriff
erzählt. Sie habe dabei auch an ihre Cousine und an ihre Mutter gedacht.
Schliesslich habe sie sich ein bis zwei Wochen nach ihrer Rückkehr aus London
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einer Freundin anvertraut. Am Samstag der Woche, als sie in J._ gewesen
sei, habe ein Fest stattgefunden. Die Privatklägerin glaube, dass es ein Geburts-
tagsfest gewesen sei. Auf die Frage, wieso sie nach der Vergewaltigung nicht
nach Hause gegangen sei, erklärte die Privatklägerin, sie habe ein wenig Angst
gehabt, dass sich ihre Mutter Sorgen gemacht hätte oder dass ihre Tante sich
gefragt hätte, wieso sie (die Privatklägerin) einfach allein weggehe. Daran denke
sie erst jetzt, vorher habe sie nicht daran gedacht (Urk. 9/14, 03:46ff.). Auf die
Frage, wieso sie nach den Übergriffen in Indien nach J._ gegangen sei,
erklärte die Privatklägerin, dass sie gedacht habe, dass sie mit ihrer Cousine
zusammen sein werde und sie nicht gedacht hätte, dass er sie vergewaltigen oder
nochmals berühren würde (Urk. 9/15 S. 3f., S. 5ff.).
Auch wenn die Privatklägerin nur schon aufgrund ihres Alters dem Beschuldigten
körperlich unterlegen gewesen sein dürfte, ist es dennoch schwer vorstellbar, wie
dieser mit nur einer Hand die Hände der Privatklägerin derart fixieren konnte,
dass sie sich aus diesem Griff nicht zu befreien vermochte oder zumindest durch
das Bewegen ihrer Hände den Beschuldigten beim einhändigen Überziehen des
Kondoms hätte stören können. Es ist weiter mit der Vorinstanz festzustellen, dass
die Privatklägerin das Tatgeschehen jeweils nur sehr rudimentär zu Protokoll gab
und von sich aus Details der Tathandlungen kaum erzählte, sondern erst auf
Nachfragen der einvernehmenden Person. Dies führt letztlich zu einer kaum reali-
tätsnahen Schilderung der Penetration der Privatklägerin. Die Privatklägerin will
halb sitzend auf dem Bett gewesen sein, als der Beschuldigte in sie eindrang. Ihr
Rücken habe die Matratze nicht berührt, ein Bein sei angewinkelt gewesen und
das andere ausserhalb des Bettes. Der Beschuldigte konnte sie mithin nicht mit
seinem Körpergewicht fixieren. In dieser Stellung soll der Beschuldigte mit einer
Hand ihre beiden Hände festgehalten haben und trotz Gegenwehr mit der
anderen Hand sich ein Kondom übergezogen haben. Das ist nur schwer nach-
zuvollziehen. Weiter lässt in diesem Zusammenhang aufhorchen, dass die Privat-
klägerin zwar offenbar realisierte, wie der Beschuldigte ein Kondom aus seinem
Hosensack genommen und dieses in der Folge über seinen Penis gestülpt habe.
Ob und wie der Beschuldigte dieses Kondom ausgepackt hatte kann die Privat-
klägerin indes nicht angeben.
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Dann ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin in der ersten Einvernahme
noch ausgesagt hatte, die Vergewaltigung habe auf dem Bett des Beschuldigten
stattgefunden, während dem sie in der zweiten Einvernahme erklärte, der Über-
griff habe auf dem Bett der Cousine stattgefunden. Auf diesen Widerspruch ange-
sprochen, erklärte sie, dass das Zimmer ihrer Cousine früher das Elternschlaf-
zimmer gewesen sei (Urk. 9/15 S. 6). Gemäss den Aussagen des Beschuldigten
schlafen er und seine Frau im Wohnzimmer (Urk. 8/1 S. 13). Es ist also möglich,
dass das jetzige Zimmer der Cousine der Privatklägerin früher das Schlafzimmer
des Beschuldigten und seiner Frau war, was von der Frau des Beschuldigten
implizit bestätigt wird (Urk. 10/4 S. 7). Dennoch leuchtet nicht ein, weshalb die
Privatklägerin vom Schlafzimmer des Beschuldigten spricht, wenn dieses Zimmer
inzwischen offensichtlich dessen Tochter zugeteilt ist und die Privatklägerin eine
ganze Woche dort verbracht hatte. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die
Privatklägerin im Gegensatz zur ersten Einvernahme verneint, dass der Beschul-
digte sie geschlagen habe.
Weiter lässt aufhorchen, dass die Privatklägerin erst in der zweiten Einvernahme
vom zerrissenen Jupe und den kaputten Knöpfen erzählt hat und dass sie diesen
in der Folge zu Hause in den Kleidersack geworfen habe. Dass ein solch auf-
fälliges Detail bei der ersten Schilderung einfach vergessen geht, irritiert. Sonder-
bar erscheint weiter, dass die Privatklägerin in der gleichen Einvernahme, in der
sie erstmals von den kaputten Knöpfen spricht, an einer früheren Stelle, explizit
gefragt wurde, ob etwas mit den Knöpfen gewesen sei, worauf sie diese Frage
verneinte.
8.1.3. Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte die Privatklägerin ihre bisheri-
gen Aussagen sehr rudimentär, da sie oftmals geltend machte, sich nicht mehr er-
innern zu können. Bestätigt hat sie jedoch im Zusammenhang mit dem Kernge-
schehen, dass der Beschuldigte sie über den Kleidern an den intimen Stellen
berührt und danach vergewaltigt habe. Er habe ihre Hände mit einer Hand gehal-
ten, während dem er sie mit der anderen Hand ausgezogen habe. Dies sei im
Zimmer ihrer Cousine geschehen. Sie habe niemandem davon erzählt, weil sie
Angst davor gehabt habe, die Familie zu zerstören. Sie sei danach noch zwei
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Tage geblieben. Auf die Frage, wieso sie denn nach dem Vorfall nicht sofort
abgereist sei, gab die Privatklägerin zur Antwort, dass sie nicht gewusst hätten,
wo sie sei, wenn sie gegangen wäre und sie sich verirrt hätte, da sie Zürich nicht
kenne. Auf die Frage, ob sie nach der Tat im Schlafzimmer geblieben sei, erklärte
die Privatklägerin, dies nicht mehr zu wissen (Urk. 58 S. 3ff., S. 22).
Zuerst fällt auf, dass die Privatklägerin den Vorfall in J._ zeitlich offensichtlich
überhaupt nicht einzuordnen vermochte. Sie sagte zwar aus, dass dieser nach
Indien stattfand, konnte sich jedoch nicht darauf festlegen, ob gleich nach Indien
(erste Einvernahme, Urk. 9/4 S. 8 Mitte) oder erst Jahre nachher (Urk. 9/14,
01.10). Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte sie schliesslich, dass der Vor-
fall in J._ im Frühling 2010 stattgefunden habe (Urk.58 S. 9). In diesem
Zusammenhang liefert der gemäss Gutachten "sehr flexible Zeitbegriff, der im
mittel- und ostasiatischen Raum üblich ist" (Urk. 187 S. 41), keine hinreichende
Erklärung, ist doch die Privatklägerin in der Schweiz aufgewachsen und zur
Schule gegangen (Urk. 9/4 S. 2), weshalb davon auszugehen ist, dass sie an das
hiesige eher präzise Zeitverständnis gewohnt ist. Völlig unerklärbar wird die
mangelnde zeitliche Einordnung, wenn auf ihre letzte Angabe in der vorinstanz-
lichen Hauptverhandlung abgestellt würde. Wieso sich eine knapp 15-jährige
Schülerin im Dezember 2010 bei ihrer ersten Einvernahme nicht mehr daran
erinnern konnte, ob der Vorfall im Frühling desselben Jahres oder aber Jahre zu-
vor stattgefunden hat, harrt einer Erklärung die die Privatklägerin nicht geben
kann. Es war - gemäss ihrer Schilderung - der erste Geschlechtsverkehr über-
haupt und erst noch ein erzwungener. Mithin ein äusserst gravierender Vorfall.
Wieso die Privatklägerin ein so dramatisches Erlebnis zeitlich nicht näher einord-
nen kann bleibt unerklärlich. Die weit auseinander liegenden Schilderungen der
Privatklägerin führten auch zu einem sehr unpräzisen Anklagesachverhalt, der
den Übergriff in die Zeit zwischen August 2008 und Oktober 2010 legen muss. Bei
der vorliegenden Sachlage ist hier sogar die Anklagesubstantiierung grenzwertig.
Es handelt sich nicht um unzählige Übergriffe während langer Zeit und auch nicht
um einen Übergriff auf ein Kleinkind, der schon sehr lange zurücklag. Auffallend
ist zudem, dass sich die Privatklägerin an andere zeitliche Aspekte sehr genau
erinnern kann. So gab sie an, die Sommerferien in Indien hätten 7 Wochen
- 42 -
gedauert und ihr Aufenthalt bei dem die Vergewaltigung stattgefunden habe habe
eine Woche gedauert. Erstaunlicherweise konnte sie auch die genaue Abfahrts-
zeit des Zuges, mit dem sie damals nach Zürich fuhr, angeben. Geht es aber
wieder um die konkret inkriminierten Vorfälle zeigen sich bei der Privatklägerin
Erinnerungsschwächen, so kann sie bei den angeblichen Vergewaltigungen in
J._ und London nicht angeben an welchem Tag beziehungsweise Wochen-
tag ihres jeweiligen Aufenthaltes diese einschneidenden Ereignisse stattgefunden
haben sollen.
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, dass die zur Tatzeit 14-jährige Privatklägerin
trotz den angeblichen Vorfällen in Indien alleine für eine Woche zur Familie des
Beschuldigten fährt. Es ist anzunehmen, dass jemand, der zuvor solchen Über-
griffen ausgesetzt war, sich der Gefahr weiterer Übergriffe nicht aktiv aussetzt.
Die Privatklägerin musste doch in Betracht ziehen, dass der Beschuldigte wie in
Indien – wo ebenfalls ihre Cousine mit ihr zusammen Ferien verbrachte – eine
Gelegenheit suchen oder schaffen würde, um sich wiederum an der Privatklägerin
zu vergehen, was ja dann eben gerade geschehen sein soll. Umso weniger ist
vor diesem Hintergrund verständlich, dass die Privatklägerin nach dem eingeklag-
ten Vorfall nicht instinktiv das Haus des Beschuldigten verliess, um nach Hause
zu reisen und stattdessen weitere zwei Tage beim Beschuldigten verbrachte. Sie
musste doch damit rechnen, dass der Beschuldigte sich nochmals an ihr vergeht.
Jedenfalls ist davon auszugehen, dass in so einer Situation das Bedürfnis nach
Selbstschutz prioritär ist, selbst wenn man sich in dieser Gegend nicht auskennt.
Nachvollziehbar erklären kann das die Privatklägerin nicht. In der zweiten Einver-
nahme erklärt sie einmal dazu, sie sei geblieben, weil sie habe bleiben müssen.
Etwas später in dieser Einvernahme räumt sie gar ein, dass sie eigentlich schon
gewusst hätte, wie sie hätte weggehen können. Der Grund, dass sie geblieben
sei, weil sonst die Tante nicht gewusst hätte wo sie sei, kann letztlich nicht über-
zeugen.
Die Privatklägerin kann in der zweiten Einvernahme auch nicht mehr klar sagen,
ob sie nach der Vergewaltigung noch einmal in J._ gewesen sei. Auch dieser
Umstand lässt Zweifel aufkommen. In der ersten Einvernahme hatte sie noch
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ausgeführt, dass sie den Beschuldigten danach schon noch gesehen habe, aller-
dings immer in Begleitung ihrer Mutter.
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin anlässlich der Haupt-
verhandlung erstmals vorgebracht hat, der Beschuldigte habe sie mit einer Hand
ausgezogen, während dem er mit der anderen Hand ihre Hände fixiert habe. Zum
Einen ist schwer vorstellbar, dass der Beschuldigte ihre Hände mit einer Hand
derart fixiert haben soll, dass die Privatklägerin zu absolut keiner Gegenwehr
mehr fähig war, obwohl sie das offenbar versuchte und sie gleichzeitig mit der
anderen Hand ausziehen konnte. Zum anderen ist darauf hinzuweisen, dass die
Privatklägerin im Gegensatz dazu in der zweiten Einvernahme noch davon
sprach, der Beschuldigte habe ihre Hände fixiert und gleichzeitig ein Kondom
über seinen Penis gestreift. An das Auspacken eines Kondoms konnte sich die
Privatklägerin jedoch anlässlich der Hauptverhandlung nicht mehr erinnern
(Urk. 58 S. 9).
8.2. Aussagen des Beschuldigten
8.2.1. Der Beschuldigte bestritt auch bezüglich diesem Vorwurf, die Privatklägerin
je in sexueller Weise angegangen zu sein (Urk. 8/1 S. 11ff., Urk. 8/2 S. 7, 8/6
S. 3ff., Urk. 57 S. 9ff., Urk. 122 S. 4). Er erklärte jedoch in Übereinstimmung mit
den Aussagen der Privatklägerin, diese am Hauptbahnhof abgeholt zu haben,
bestritt jedoch vehement, ihr gesagt zu haben, sie solle sagen, sie habe Bauch-
schmerzen. Die Privatklägerin habe während diesen Ferien tatsächlich die
Tamilisch-Schule seiner Frau besucht. Es treffe nicht zu, dass die Privatklägerin
von ihm wegen Müdigkeit nach Hause gefahren worden sei. Er habe die Privat-
klägerin jedoch jeweils nach der Schule nach Hause gefahren. Seine Kinder seien
dabei aber auch zu Hause gewesen, es sei nie etwas zwischen ihm und der
Privatklägerin passiert. Den Vorwurf der Vergewaltigung bestritt der Beschuldigte
klar (Urk. 8/1 S. 11ff.).
8.2.2. Anlässlich der Hafteinvernahme sagte der Beschuldigte aus, nur beim
Abholen der Privatklägerin vom Bahnhof mit dieser allein gewesen zu sein, sonst
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jedoch nicht. Die Vorwürfe bezüglich der Vergewaltigung bestritt der Beschuldigte
aber weiterhin (Urk. 8/2 S. 7).
8.2.3. In der Hauptverhandlung gab der Beschuldigte zu Protokoll, die Privatklä-
gerin sei Ende März allein zu ihnen nach Hause gekommen. Anfang April sei eine
kulturelle Veranstaltung gewesen, welche von den Dorfbewohnern organisiert
worden sei. Die Privatklägerin sei wegen des Tanzunterrichts zu ihnen gekom-
men, da am Fest auch ein Tanzfest stattgefunden hätte. Seine Tochter und die
Privatklägerin hätten an diesem Tanzfest teilgenommen. Davon würden sogar
Videoaufnahmen existieren. Die Privatklägerin sei ungefähr fünf oder sechs Tage
bei ihnen gewesen. Sie sei bei ihnen zu Hause gewesen. Seine Frau sei auch
dort gewesen. Die Privatklägerin habe jeweils zusammen mit seiner Frau die
Tamilisch-Schule besucht. Sie sei am Montag zu ihnen gekommen und habe von
Dienstag bis Donnerstag mit seiner Frau zusammen die Schule besucht und am
Freitag hätten sie einen Feiertag gehabt. Die Privatklägerin sei nie wegen Bauch-
schmerzen vorzeitig nach Hause gekommen. Er habe die Privatklägerin am
Mittwoch von der Schule abgeholt, als sie für das Fest chinesische Fleischrollen
hätten zubereiten müssen. Sein Sohn sei bereits zu Hause gewesen und seine
Tochter sei ihnen mit dem Fahrrad nach Hause gefolgt. Es habe aber niemand
die Tür geöffnet, da sein Sohn geschlafen habe. Die Privatklägerin habe dann an
das Fenster geklopft, um seinen Sohn zu wecken. Danach habe er mit der Privat-
klägerin in der Wohnung das Fleisch geschnitten. Seine Tochter sei kurz darauf
gekommen und anschliessend sei seine Frau um ca. 18 Uhr eingetroffen. Er habe
die Privatklägerin nur an diesem Tag von der Schule abgeholt. Bauchschmerzen
seien in diesen Ferien nie ein Thema gewesen (Urk. 57 S. 9ff.).
Die Aussagen des Beschuldigten bezüglich der Zubereitung von Fleischrollen
wurden von der Privatklägerin bestätigt. Sie gab zu Protokoll, sich nicht mehr
daran erinnern zu können, ob dies vor oder nach der Vergewaltigung gewesen sei
(Urk. 58 S. 20). Ebenso vermochte sie die Tanzaufführung, welche sie mit ihrer
Cousine gemacht hat, zeitlich nicht mehr einzuordnen, auch nicht, ob sie vor oder
nach der Vergewaltigung stattgefunden hat (Urk. 58 S. 22f.). Anlässlich der
zweiten polizeilichen Befragung hat sie jedoch noch ausgesagt, dass am Freitag
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oder Samstag ein Fest stattgefunden habe (Urk. 9/15 S. 4 u. S. 6). In Bezug auf
das gemeinsame Zubereiten der Fleischrollen sind die Aussagen der Privat-
klägerin insofern nicht leicht nachzuvollziehen, als dass es für sie doch einen
wesentlichen Unterschied gemacht haben müsste, ob sie vor oder nach der
Vergewaltigung, einem sicherlich einschneidenden und prägenden Ereignis, aus-
gerechnet mit dem Beschuldigten, also ihrem mutmasslichen Peiniger, nochmals
etwas zusammen gemacht hat. Umso mehr, als dass es sich hierbei um den
ersten Geschlechtsverkehr der Privatklägerin gehandelt hätte. Es ist auch davon
auszugehen, dass die Tanzaufführung nach der Vergewaltigung für die Privat-
klägerin wohl anders im Bewusstsein verankert sein dürfte, als wenn sie vorher
stattgefunden hätte. Wenn die Privatklägerin in diesem Zusammenhang eine
Erinnerungslücke geltend machen will, erscheint dies folglich wenig überzeugend.
Der Beschuldigte bestreitet dagegen differenziert, das heisst, er erklärt zum
Beispiel in Übereinstimmung mit den Aussagen der Privatklägerin als zutreffend,
dass er diese allein vom Hauptbahnhof abgeholt habe und jeweils von der Schule
allein nach Hause gebracht habe, jedoch zu Hause nie mit ihr allein gewesen sei.
8.3. Aussagen von Q._
Bei der Polizei gab die Ehefrau des Beschuldigten als Zeugin am 18. März 2011
zu Protokoll, dass ihr Mann (der Beschuldigte) sicher nicht allein mit der Privat-
klägerin nach Hause gefahren sei, da er jeweils in der Schule mitgeholfen habe
(Urk. 10/3 S. 16f.). Anlässlich der Zeugenbefragung vom 13. April 2011 erklärte
die Zeugin, dass die Privatklägerin am Montag 29. März 2010 zu ihrer Familie
gekommen sei. Da sie am Montag keine Tamilisch-Schule hätten, sei sie selber
sicher zu Hause gewesen. Am 3. April sei ein Fest gewesen, an welchem die
Privatklägerin ausgelassen getanzt habe (Urk. 10/4 S. 7f.).
Aus den Aussagen der Ehefrau des Beschuldigten lässt sich weder zugunsten
noch zulasten des Beschuldigten etwas Wesentliches zur Erstellung des ange-
klagten 2. Teilsachverhalts herleiten. Dass der Beschuldigte zumindest jeweils
während bestimmten Autofahrten allein mit der Privatklägerin war, wird jedoch
sogar von jenem bestätigt (Urk 8/1 S. 12).
- 46 -
8.4. Bericht von Dr. K._
8.4.1. Gemäss dem Bericht von Dr. K._ hat die Privatklägerin anlässlich der
ersten Untersuchung auch auf Nachfrage nach früherem Geschlechtsverkehr nur
von einer Vergewaltigung in London erzählt (Urk. 11/7 S. 4 der deutschen Über-
setzung). Erst in der zweiten Untersuchung habe die Privatklägerin von den
Vorfällen in Zürich (recte: J._) und Indien erzählt (Urk. 11/10). Darauf ange-
sprochen, erklärte die Privatklägerin, nicht zu wissen, wieso sie beim Untersuch
nicht alles gesagt habe, sie habe gedacht, man habe bereits über beide Verge-
waltigungen gesprochen (Urk. 9/15 S.6).
Aus dem Bericht der Frauenärztin geht weiter hervor, dass beim Hymen der
Privatklägerin eine Vertiefung in U-Form vorliegt, was auf mehrfachen
Geschlechtsverkehr hindeute (Urk. 11/7 S. 2, S. 5). Daraus kann abgeleitet
werden, dass die Privatklägerin (vermutlich mehrfachen) Geschlechtsverkehr
hatte, jedoch nicht, wann, wo und mit wem dieser stattgefunden hat.
8.4.2. Wie die Vorinstanz und die Frauenärztin Dr. K._ (Urk. 11/10) richtig
bemerkt haben, hat die Privatklägerin die Vergewaltigungen in J._ und in
London im Kerngeschehen sehr ähnlich beschrieben. Auch der Onkel in London
habe sie zuerst über den Kleidern berührt und dann ebenfalls aufgefordert, die
Kleider auszuziehen und schliesslich den Geschlechtsakt an ihr auf dem Bett voll-
zogen (Urk. 9/4 S. 15, Urk. 9/15 S. 4). Eigenartig mutet die Aussage der Privat-
klägerin an, der Onkel in London habe während der Vergewaltigung gefragt, wie
es komme, dass es so gross sei, wenn er ihn hineintue, ob sie es schon mit
jemandem gemacht habe, normalerweise sei es klein. Sie habe nicht gewusst,
was sie sagen solle, wenn sie es ihm gesagt hätte, hätte er vielleicht ihren Onkel
(den Beschuldigten) geschlagen, weshalb sie nein gesagt habe (Urk. 9/4 S. 15).
Einerseits erstaunt wohl, dass die Privatklägerin auf eine so seltsame Frage
während einer Vergewaltigung überhaupt adäquat und überlegt antworten kann
und sich andererseits gar noch um ihren anderen Onkel (den Beschuldigten)
sorgt, der sie ja zuvor vergewaltigt haben soll.
- 47 -
8.5. Aussagen von M._, N._, P._ und Berichte von Dr. E._
und von Dres. D._ und C._
Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf die obigen Ausführungen unter
Ziff. 7.5 - 7.7, Ziff. 7.9 verwiesen. Aus den Aussagen dieser Zeugen und den
Berichten lässt sich nichts zur Erstellung des Sachverhalts ableiten.
8.6. Fazit
Es muss an dieser Stelle nicht nochmals alles aufgerollt werden, vielmehr kann
auf die bereits vorgenommene Würdigung im Zusammenhang mit den einzelnen
Aussagen der Beteiligten verwiesen werden. Es ist jedoch noch Folgendes zu
ergänzen: Die Aussagen der Privatklägerin im Zusammenhang mit dem Kern-
geschehen des 2. Anklagesachverhalts wirken stereotyp, karg und insbesondere
ohne Schilderung gefühlsmässigen Erlebens (wie Angst Schmerz, Verunsiche-
rung oder Trauer). Es fehlen individuelle Merkmale. Angst schilderte die Privat-
klägerin nur dort, wo es um die Frage ging, weshalb sie nicht früher von den
Übergriffen und der Vergewaltigung durch den Beschuldigten erzählt habe, indem
sie erklärte, sie habe Angst gehabt, die Familie zu zerstören bzw. Angst gehabt,
der Beschuldigte werde seine Androhung, sich umzubringen, wahrmachen.
Die Schilderungen betreffend die Vergewaltigungen in London und in J._
unterscheiden sich zudem kaum. Auch auf entsprechende Frage, welche Unter-
schiede es zwischen den Handlungen des Onkels in J._ und denjenigen des
Onkels in London gegeben habe, konnte die Privatklägerin keine differenzieren-
den Angaben machen. Sie erklärte lediglich, die Berührungen des Beschuldigten
seien stärker gewesen als diejenigen des Onkels in London (Urk. 9/14,
01.44 -01.47). Angesprochen auf die Unterschiede bei den Geschlechtsakten in
London und in J._, erklärte die Privatklägerin es habe keine Unterschiede
gegeben (Urk. 9/14, 01:50).
Die Übergriffe der beiden Onkel sind nur sehr rudimentär in eine Vorgeschichte
und einen Verhaltensablauf nach der Tat eingebettet. Es bleibt unklar, wie es
dazu gekommen sein soll, dass die beiden Onkel völlig unabhängig voneinander
- 48 -
die Privatklägerin auf die gleiche Weise missbraucht haben. Die pauschal
gehaltenen nicht zwischen den verschiedenen Vorfällen unterscheidenden Aus-
sagen vermitteln insgesamt nicht den Eindruck von real Erlebtem und lassen an
der Glaubhaftigkeit der Darstellung der Privatklägerin zweifeln.
Wie bereits unter Ziff. 7.5.2. und Ziff. 7.10. erwogen, erscheint zwar insbesondere
wegen ihres Verhaltens nach ihrer Rückkehr aus London und ihrer offenkundigen
psychischen Belastung denkbar, dass die Privatklägerin einer Sexualtat
zum Opfer gefallen ist. Der eingeklagte Sachverhalt kann aber aufgrund der
widersprüchlichen, detailarmen und damit wenig glaubhaften Aussagen der
Privatklägerin nicht erstellt werden. Vor diesem Hintergrund verbleiben erhebliche
Zweifel an der Version der Privatklägerin, weshalb bei dieser Sachlage auch
hinsichtlich des 2. Anklagesachverhaltes in Anwendung des Grundsatzes
'in dubio pro reo' ein Freispruch zu ergehen hat. Ein Mitglied des Richtergremiums
hat auch bezüglich dem 2. Anklagesachverhalt gemäss § 124 GOG einen
Minderheitsantrag auf Schuldspruch gestellt (Prot. II. S. 29). Dieser Minderheits-
antrag wurde zu den Akten genommen (Urk. 218).
III. Zivilansprüche
Die Anträge der Privatklägerin betreffend Zivilansprüche sind infolge des vollum-
fänglichen Freispruchs und mangels Spruchreife auf den Zivilweg zu verweisen
(Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
IV. Ersatzmassnahmen
Wie die Vorinstanz bereits richtig erwogen hat, sind Ersatzmassnahmen nur dann
anzuordnen bzw. aufrechtzuhalten, wenn ein dringender Tatverdacht und ein
besonderer Haftgrund besteht (Art. 237 Abs. 1 i.V.m. Art. 221 StPO). Nachdem
der Beschuldigte durch dieses Urteil vollumfänglich freigesprochen wird und die
erwähnten Voraussetzungen somit nicht mehr erfüllt sind, sind die mit dem
Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, III. Strafkammer, vom 9. Mai
2011 (Urk. 16/24) angeordneten Ersatzmassnahmen (Ausweis- und Schriften-
- 49 -
sperre sowie Kontaktverbot) aufzuheben und die sich bei den Akten befindlichen
Ausweise (Urk 92) dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft herauszu-
geben.
V. Kosten und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen
(Urk. 91 S. 32 Ziff. 6; Art. 428 Abs. 3 StPO).
2. Weiter sind die Kosten des Berufungsverfahrens ausgangsgemäss der
Privatklägerin aufzuerlegen (Art. 428 StPO). Aufgrund des jugendlichen Alters der
Privatklägerin, der damit verbundenen angespannten finanziellen Situation und
um ihr Fortkommen nicht derart zu belasten, sind diese Kosten jedoch gestützt
auf Art. 425 StPO abzuschreiben (zum Ganzen Domeisen in: BSK-StPO, 2. Auf-
lage, Basel 2014, N 4ff. zu Art. 425).
3. Dem Beschuldigten sind keine Aufwendungen für die angemessene Aus-
übung seiner Verfahrensrechte angefallen (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO), da er
amtlich verteidigt ist, welche Kosten ohnehin als Teil der Verfahrenskosten der
Privatklägerin aufzuerlegen und abzuschreiben sind. Hingegen ist dem Beschul-
digten wie beantragt (Urk. 211) eine Entschädigung für die Zeit seiner Inhaftie-
rung infolge des vorliegenden Strafverfahrens auszusprechen (Art. 429 Abs. 1 lit.
b StPO). Es ist dabei auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu ver-
weisen, wonach dem Beschuldigten eine Entschädigung von Fr. 7'500.-- zuzu-
sprechen ist (Urk. 91 S. 30; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Weiter verlangte der Beschuldigte die Bestätigung der von der Vorinstanz
zugesprochenen Genugtuung im Betrag von Fr. 7'100.-- (Urk. 211). Diesbezüglich
ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen, wonach bei kürzeren
Freiheitsentzügen in der Regel von Fr. 200.-- (verzinst) pro Tag als angemessene
Entschädigung auszugehen ist, sofern nicht aussergewöhnliche Umstände eine
höhere oder geringere Entschädigung zu rechtfertigen vermögen. Wenn die
Untersuchungshaft mehrere Monate gedauert hat, ist der Tagesansatz zu senken,
weil insbesondere die erste Haftzeit besonders erschwerend ins Gewicht fällt
- 50 -
(Urteil 8G.122/2002 Erw. 6.1.6. m.w.H.). Bei einer Haftdauer von 71 Tagen, also
gut zwei Monaten, und unter Berücksichtigung des schwerwiegenden Vorwurfs,
seine minderjährige Nichte sexuell genötigt und vergewaltigt zu haben, erweist
sich die von der Vorinstanz zugesprochene Genugtuung von Fr. 7'100.-- als
angemessen.
Es wird am 12. Januar 2015 beschlossen:
1. Es wird davon Vormerk genommen, dass die vorinstanzliche Kostenfest-
setzung (Dispositiv-Ziffer 5 ) in Rechtskraft erwachsen ist.
"1. (...)
2. (...)
3. (...)
4. (...)
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 5'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'436.85 Auslagen Untersuchung
Fr. 12'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. .– Kosten für den schriftlichen Bericht von Mme Dresse C._ und Dresse D._
Fr. 300.– Kosten für den schriftlichen Bericht von Mme E._
Fr. 150.– Zeugenentschädigung
Fr. 16'807.05 amtliche Verteidigung
Fr. .– Geschädigtenvertretung.
6. (...)
7. (...)
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
- 51 -
Es wird am 12. Januar 2015 erkannt:
1. Der Beschuldigte B._ wird vollumfänglich freigesprochen.
2. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich − die Vertreterin der Privatklägerschaft im Doppel für sich und zuhanden
der Privatklägerin A._
3. Rechtsmittel:
Dieser Entscheid kann erst nach Erlass des vollständigen Urteils weiter-
gezogen werden (Art. 342 Abs. 4 StPO).
Sodann wird am 9. April 2015 erkannt:
1. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin A._
werden auf den Zivilweg verwiesen.
2. Die Ausweis- und Schriftensperre sowie das Kontaktverbot gemäss
Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom 9. Mai 2011 werden
aufgehoben. Die sich in den Akten befindliche Identitätskarte und der Pass
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft an diesen heraus-
gegeben.
3. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff.6) wird bestätigt.
- 52 -
4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.-- ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 6'403.70 amtliche Verteidigung
Fr. 11'131.15 unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft
Fr. 13'967.-- Gutachten
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtli-
chen Verteidigung und der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatkläger-
schaft, werden der Privatklägerin auferlegt, aber abgeschrieben.
6. Dem Beschuldigten werden Fr. 7'500.-- als Schadenersatz und Fr. 7'100.--
als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
7. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an
− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
− die Vertreterin der Privatklägerschaft im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin A._
und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung all-
fälliger Rechtsmittel an
− die Vorinstanz − die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss
Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 96 − die KOST Zürich mittels Formular „Löschung des DNA-Profils und
Vernichtung des ED-Materials“ zwecks Löschung des DNA-Profils
− die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben (§ 54a Abs. 1 PolG)
8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen
erhoben werden.
Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen,
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung
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des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-
gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.
Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen
richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-
gesetzes.
Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer