Decision ID: 3278b0ed-5f55-4da4-9af8-c356afc17465
Year: 2019
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Kenntnissen des Sachverhalts aus. So gehe dieser von heftigen
Eheproblemen und vermehrten Suizidäusserungen aus, was aktenwidrig
sei. Insbesondere würden die im Gutachten zitierten Äusserungen der
Ehefrau betreffend die Trennung bestritten, da diese im Widerspruch zu
ihren Aussagen im früheren Zeitpunkt stünden. Sodann widersprächen
die Aussagen von Herrn K._ klar der Annahme des Gutachters,
wonach über Jahre ein massiver Alkoholabusus vorliege. Die Annahme
einer hohen Alkoholtoleranz sei falsch, da die Alkoholabhängigkeit nicht
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belegbar sei. Hinzu komme, dass keine Befragung von C._ durch
den Gutachter erfolgt sei, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
darstelle. Alles in allem würden keine konkreten Anhaltspunkte für einen
Suizid vorliegen und bestünden erhebliche Zweifel, ob der
Gesundheitsschaden durch C._ absichtlich verursacht worden sei.
Deshalb sei von der Vermutung auszugehen, dass kein Versuch einer
Selbsttötung vorliege. Folglich habe die B._ AG für die
Gesundheitskosten und den Erwerbsausfall aufgrund des Unfalls vom 13.
September 2015 aufzukommen.
6. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Juni 2017 beantragte die B._ AG
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie
brachte im Wesentlichen vor, aufgrund der drohenden Konsequenzen
eines Selbstmordversuchs im Bereich der Unfallversicherung sei ein
Abstreiten der suizidalen Absichten seitens C._ nachvollziehbar.
Zudem sei es nachvollziehbar, dass C._ seine Suizidabsicht nicht bei
seinen Kollegen und seiner Ehefrau angekündigt habe. Schliesslich sei es
auch nicht Voraussetzung für eine suizidale Absicht, dass diese bereits
seit Tagen oder Wochen bestehe. Eine suizidale Handlung könne auch
spontan erfolgen. Sodann sei die Aussage von C._, wonach die
WhatsApp-Nachrichten in einem Frustmoment versendet worden sein
sollen, widersprüchlich und nicht überzeugend, da dieser von Beginn weg
ausgesagt habe, er könne sich nicht mehr an den Abend vom 13.
September 2015 erinnern. Zudem sei es ein unbestrittener Fakt, dass
C._ gegenüber seiner Tochter bereits einmal Suizidabsichten
geäussert habe. Der Begriff "alleine lassen" müsse sich im Kontext
betrachtet auf den Selbsttötungsversuch beziehen. Weiter führte die
Beschwerdegegnerin aus, bereits in den OP-Berichten vom 14.
September 2015 und 19. September 2015 seien Hinweise auf eine
Suizidabsicht zu finden. Auch in der Einstellungsverfügung der
Staatsanwaltschaft Graubünden vom 15. April 2016 werde explizit darauf
hingewiesen, dass Anzeichen für eine absichtliche Handlung bestünden.
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Aus den gesamten Akten werde ersichtlich, dass von Anfang an die
Vermutung einer Handlung in suizidaler Absicht festgehalten worden sei.
Zusammen mit den versendeten WhatsApp-Nachrichten und dem
Gutachten der AGU sei der einzig mögliche Schluss, dass C._ sich
am 13. September 2015 habe das Leben nehmen wollen. Die
Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach die Nachrichten im
Trennungskontext zu betrachten seien, sei widersprüchlich, wenn diese
gleichzeitig ausführe, das Ehepaar hätte der Ehe noch eine Chance
geben wollen. Sodann habe sich die Ehefrau in ihrer ersten Aussage
gegenüber der Polizistin Frau N._ dahingehend geäussert, dass
C._ sich habe das Leben nehmen wollen. Einen Tag später habe sie
gegenüber der Polizei zu Protokoll gegeben, dass C._ vor zwei
Wochen Suizidabsichten geäussert habe, diese aber relativiert habe. In
der Folge habe die Ehefrau eine Suizidabsicht von C._ abgestritten.
Die Selbsttötungsabsicht von C._ sei aufgrund der Aktenlage
überwiegend wahrscheinlich anzunehmen. Im Übrigen sei das Motiv für
den Suizidversuch irrelevant, weshalb die diesbezüglichen Ausführungen
der Beschwerdeführerin nicht sachdienlich seien. Im Weiteren werde
bestritten, dass die AGU eine juristische Beurteilung des Sachverhalts
vornehme. Vielmehr würde die AGU Ergebnisse interpretieren und
spräche sich für eine Unfallwahrscheinlichkeit aus. Schliesslich hielt die
Beschwerdegegnerin fest, dass sie auf eine ausführliche Stellungnahme
zur psychiatrischen Beurteilung des Sachverhalts durch die
Beschwerdeführerin verzichte. Die Beschwerdeführerin bringe kein
einziges medizinisches Argument gegen den Beweiswert des
psychiatrischen Gutachtens vor, sondern beschränke sich auf eine eigene
Interpretation des Sachverhalts. Zudem wäre eine Deckung durch den
Unfallversicherer ohnehin nur gegeben, wenn eine vollständige
Urteilsunfähigkeit vorgelegen hätte. Inwiefern eine Befragung von
C._ durch den Gutachter für die Beurteilung der Urteilsfähigkeit
notwendig gewesen wäre, erschliesse sich nicht, da C._ sich
gemäss seinen Aussagen nicht an das Ereignis vom 13. September 2015
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erinnern könne. Zusammenfassend hielt die Beschwerdegegnerin fest,
aufgrund der Aktenlage sei erstellt, dass C._ neun Minuten vor dem
Notruf WhatsApp-Nachrichten versendet habe, welche auf einen Suizid
hindeuten würden. Gemäss dem Gutachten der AGU sei ein Sturz über
das Geländer nur möglich, wenn eine aktive Absprungbewegung
stattfinde und eine Kollision mit dem Geländer mit einer Geschwindigkeit
zwischen 20-25 km/h erfolge. Die Kollision habe sich unmittelbar vor der
Wohnung von C._ ereignet, womit dieser mit dem Gelände dort
bestens vertraut gewesen sei. Zudem sei C._ gemäss dem
Gutachten von Dr. med. I._ im Ereigniszeitpunkt urteilsfähig
gewesen. Angesichts dieses Gesamtbilds (alkoholisiert, WhatsApp-
Nachrichten, Sturz über Geländer wenige Minuten nach Versand, Sturz
nur mit aktiver Absprungbewegung möglich) sei nur die Schlussfolgerung
möglich, dass C._ in suizidaler Absicht gehandelt habe. Nicht
nachvollziehbar sei der Hinweis der Beschwerdeführerin, dass die
WhatsApp-Nachrichten eine Kurzschlusshandlung gewesen seien.
C._ habe konstant angegeben, sich nicht mehr an die Geschehnisse
vom 13. September 2015 erinnern zu können. Und selbst wenn er sich
erinnern könnte, habe dieser die Nachrichten nicht als
Kurzschlusshandlung, sondern als Frusthandlung bezeichnet, was etwas
anderes sei. Alles in allem sei die Vermutung, wonach die Schädigung
unfreiwillig erfolgt sei, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit widerlegt.
7. In ihrer Replik vom 14. August 2017 hielt die Beschwerdeführerin am
dargelegten Sachverhalt in der Beschwerdeschrift vollumfänglich fest und
führte zudem aus, dass die von der Beschwerdegegnerin selber und von
ihr beauftragten Dritten festgehaltenen Äusserungen der Parteien oder
Zeugen bestritten würden, sofern die Aussagen den amtlichen
Dokumenten widersprächen. Die Berichte des Schadensinspektors
würden als Parteibehauptung gelten. Die Sachverhaltserstellung basiere
fast ausschliesslich auf Aussagen von Drittpersonen. Weder die AGU
noch Dr. med. I._ würden sich mit den Aussagen von C._ in der
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polizeilichen Einvernahme auseinandersetzen, noch diesen befragen.
C._ sei am 15. Januar 2016 durch den Schadensinspektor erstmals
mit der Selbsttötung konfrontiert worden und völlig überrascht gewesen.
Seine Reaktion und die Antworten könnten als Aussagen der ersten
Stunde verstanden werden. C._ könne aufgrund seiner generellen
Lebenseinstellung und seiner damaligen Lebensumstände eine
Selbsttötungsabsicht glaubhaft ausschliessen. Zum gleichen Schluss
komme man bei einer objektiven Betrachtung der Zeugenaussagen. Es
werde deshalb bestritten, dass C._ Aussagen zu seinen Gunsten
gemacht habe. Lediglich interpretierbare WhatsApp-Nachrichten und eine
schwierige Ehesituation würden keine gewichtigen Indizien darstellen und
könnten die gesetzliche Vermutung nicht widerlegen. Die angeblich
geäusserte Suizidabsicht gegenüber der Tochter sei sodann nicht belegt
und deren Inhalt unbekannt. Die WhatsApp-Nachrichten liessen sowohl
auf eine Trennung als auch auf eine Selbsttötung schliessen. Hätte die
Ehefrau aus den Zeilen eine Selbsttötungsabsicht gelesen, hätte sie
reagiert und nicht einfach abgewartet. Demzufolge seien die Nachrichten
überwiegend wahrscheinlich als Trennungsandrohung zu verstehen. Die
Aussagen, wonach die Ehefrau gegenüber der Polizistin Frau N._
geäussert haben soll, C._ habe sich das Leben nehmen wollen, sei
nirgends in den Akten vermerkt und werde deshalb bestritten. Ebenfalls
werde bestritten, dass angesichts des Gesamtbildes nur die
Schlussfolgerung einer suizidalen Handlung möglich sei. Die
Beschwerdegegnerin beziehe sich lediglich auf Vermutungen und
Indizien, die nicht zweifelsfrei interpretiert werden könnten und blende
dabei die klaren Indizien, wie die amtlich festgehaltenen Partei- und
Zeugenaussagen vollständig aus. Schliesslich sei das Gutachten von Dr.
med. I._ nicht verwertbar, da dieser C._ nicht befragt habe und
von falschen Kenntnissen des Sachverhalts ausgegangen sei. Zudem sei
gemäss Rechtsprechung in Zweifelsfällen zu Ungunsten des
Unfallversicherers zu entscheiden.
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8. In ihrer Duplik vom 24. August 2017 verwies die Beschwerdegegnerin auf
den Sachverhalt im Einspracheentscheid vom 18. April 2017 und brachte
vor, der Sachverhalt basiere – entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin – nicht fast ausschliesslich auf Aussagen von
Drittpersonen, sondern auf feststehenden Fakten wie WhatsApp-
Nachrichten, Auffinde-Position von C._ und des E-Bikes, Schäden
am E-Bike, Verletzungen von C._ und seine ungefähre
Blutalkoholkonzentration. Ergänzend dienten die Aussagen von
Drittpersonen dazu, den Sachverhalt zu interpretieren. Sie stütze sich
sodann auch nicht nur auf die WhatsApp-Nachrichten und das Gutachten
der AGU. Dass ein Suizidversuch im Raum stehe, ergebe sich ebenfalls
aus dem Polizeirapport und der Einstellungsverfügung der
Staatsanwaltschaft. Sodann sei davon auszugehen, dass C._ im
Zeitpunkt der Befragung durch den Schadensinspektor bereits über die
Abklärungen informiert gewesen sei. Zutreffend sei, dass sie den Inhalt
der SMS an die Tochter – wenn es sich denn um eine SMS handeln sollte
– nicht nachweisen könne. Es sei jedoch kein Grund ersichtlich, weshalb
die Ehefrau gegenüber der Polizei falsche Angaben machen sollte. Dass
in der SMS-Historie keine Nachricht an die Tochter zu finden sei, könnte
daran liegen, dass die Nachricht gelöscht worden sei. So habe C._
im Januar 2016 ausgeführt, dass er seine Nachrichten gelöscht habe und
bei dem Sturz auf den Boden viele Daten verloren gegangen seien.
Weiter führte die Beschwerdegegnerin aus, es sei nicht nachvollziehbar,
wie die WhatsApp-Nachrichten im Kontext einer Trennung verstanden
werden könnten. Insbesondere seien diese im Gesamtkontext zu
verstehen. Sodann sei anzumerken, dass C._ auf die Erhebung
einer Einsprache verzichtet und den Entscheid akzeptiert habe. Im
Übrigen sei dem Gutachten von Dr. med. I._ volle Beweiskraft
zuzusprechen. Eine auf der gesamten Aktenlage beruhende
Beweiswürdigung führe zum Ergebnis, dass die
Unfreiwilligkeitsvermutung mit dem Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit widerlegt sei, womit keine Leistungspflicht der
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Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom 13. September
2015 bestehe.
9. Mit Verfügung der Instruktionsrichterin vom 28. August 2017 wurde
C._ zur Teilnahme am Verfahren beigeladen.
10. Mit Stellungnahme vom 16. Oktober 2017 beantragte C._
(nachfolgend: Beigeladener) die vollumfängliche Gutheissung der
Beschwerde der Beschwerdeführerin. Der Beigeladene bestritt zunächst,
dass er mit dem Verzicht auf die Einsprache die Sachverhaltsvariante der
Beschwerdegegnerin akzeptiert habe. Er habe die ablehnende Verfügung
deswegen nicht angefochten, da voraussehbar gewesen sei, dass eine
Einsprache abgelehnt würde (was so geschehen sei). Ihm hätten schlicht
die finanziellen Mittel für ein aufwändiges Verfahren, womöglich bis vor
Bundesgericht, gefehlt. Zudem sei er davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin ein Rechtsmittel ergreifen würde. Weiter machte der
Beigeladene im Wesentlichen geltend, es liege völlig im Dunkeln, wie der
Suizidverdacht entstanden sei. Die Behauptung des Schadensinspektors,
wonach seine Ehefrau gegenüber der Polizistin Frau N._ einen
Suizidverdacht geäussert haben soll, finde in den Akten keine Stütze und
stelle eine reine Parteibehauptung dar. In ihrer ersten Aussage
gegenüber dem Schadensinspektor am 19. Oktober 2015 habe seine
Ehefrau deutlich ausgeführt, dass er sich bestimmt nicht das Leben habe
nehmen wollen. Diese Aussage decke sich auch mit der Aussage von
Herrn K._. In den Berichten des G._ tauche dann plötzlich und
unerklärlich auf, dass suizidale Absicht bestanden habe. Dies obwohl
keine ihm nahestehende Person dies gesagt habe. Diese entwickelte
Eigendynamik dürfe nicht zu seinen Lasten gehen. Sodann gäbe es keine
Hinweise auf verbale Kommunikation von Suizidgedanken durch ihn,
auch keine psychische Diagnose oder sonstige Hinweise auf psychische
Beeinträchtigungen bzw. vorbestehende Risikofaktoren. Den Polizeiakten
könne sodann keine tiefere Bedeutung zukommen, da keine
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umfassenden Ermittlungen erfolgt seien. Weiter führte der Beigeladene
aus, gemäss dem biomechanischen Gutachten sei ein anderer
Geschehensablauf ausser Suizid genauso plausibel und möglich. Folglich
habe dieses Gutachten für die These der Beschwerdegegnerin keinen
Beweiswert. Seine Erklärung gegenüber der Beschwerdegegnerin am 6.
April 2016 vor Erstellung des Gutachtens, wonach er wahrscheinlich nicht
mehr rechtzeitig habe bremsen können, decke sich sodann mit der These
im AGU Gutachten, wonach er im letzten Moment das Geländer bemerkt
haben könnte. Im psychiatrischen Gutachten gehe Dr. med. I._ von
einem Jahre langen Alkoholmissbrauch aus und spreche von
Alkoholabhängigkeit, ohne mit ihm selbst gesprochen zu haben. Die
Feststellungen des Gutachters würden auf falschen Tatsachen beruhen
und seien wissenschaftlich nicht begründet, womit das Gutachten
prozessual nicht verwertbar sei. Zudem werde bestritten und sei nicht
erhärtet, dass er eine hohe Alkoholtoleranz ausweise. Tatsache sei, dass
nach dem Unfall kein Entzug habe durchgeführt werden müssen. Auch
die Aussagen seiner Ehefrau sprächen gegen eine hohe Alkoholtoleranz.
Dass er trotz hohen Alkoholgehalts noch Velo gefahren sei und
WhatsApp-Nachrichten versendet habe, spreche weder für das Vorliegen
von Urteilsfähigkeit noch für einen Suizidversuch. Die diesbezüglichen
Überlegungen des Gutachters seien nicht nachvollziehbar, zumal dieser
eine psychische Ausnahmesituation verneine. Das Naheliegendste sei,
den Unfall auf den zu hohen Blutalkoholgehalt zurückzuführen. Bei den
WhatsApp-Nachrichten müsste es sich um unüberlegte
Kurzschlussreaktionen gehandelt haben. Um einen überlegten
Suizidversuch könne es sich nicht gehandelt haben.
11. Mit Eingabe vom 30. Oktober 2017 verzichtete die Beschwerdeführerin
auf das Einreichen einer weiteren Stellungnahme.
12. In ihrer Stellungnahme vom 17. November 2017 hielt die
Beschwerdegegnerin fest, die Formulierung "Mein Mandant akzeptiert
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diese Verfügung" zusammen mit dem Kostenerlassgesuch müsse als
implizite Bestätigung des in der Verfügung vom 17. Januar 2017
dargestellten Sachverhalts – zumindest des Dispositivs – gelten. Der
Verdacht auf eine mögliche suizidale Handlung sei aufgrund
verschiedener medizinischer Berichte entstanden, in welchen ein
Verdacht auf einen Selbstmordversuch geäussert worden sei. Dieser
Verdacht beruhe offenbar auf Aussagen eines guten Freundes gegenüber
den behandelnden Medizinalpersonen. Soweit der Beigeladene alsdann
die Argumente der Beschwerdeführerin wiederholt, werde auf die
Ausführungen in der Beschwerdeantwort und der Duplik verwiesen.
Aktenwidrig sei die Aussage, wonach es keine verbale Kommunikation
von Suizidgedanken gegeben habe. Einerseits habe die Ehefrau
gegenüber der Polizei ausgesagt, der Beigeladene habe einige Wochen
zuvor eine Suizidabsicht geäussert, welche er im Anschluss wieder
zurückgenommen habe. Andererseits ergebe sich aus dem
Verlegungsbericht des Spitals F._, dass eine Suizidabsicht wenige
Tage vor dem Ereignis zumindest thematisiert worden sei. Die Akten der
Strafuntersuchung seien sodann im Rahmen der freien Beweiswürdigung
und des Untersuchungsgrundsatzes zu berücksichtigen. Zutreffend sei,
dass gemäss dem Gutachten der AGU zwar ein anderer Ereignishergang
möglich wäre. Angesichts der übrigen Erkenntnisse sei ein anderer
Hergang aber als unwahrscheinlich zu qualifizieren. Wie sich der
Beigeladene den Ereignishergang im Nachhinein vorstelle, sei
unbeachtlich, da dieser sich an die Geschehnisse nicht mehr erinnern
könne. Die Schilderung des Beigeladenen vom 6. April 2016 über den
Ereignishergang erscheine an den Haaren herbeigezogen. Entgegen der
Ansicht des Beigeladenen sei das Gutachten von Dr. med. I._ in sich
schlüssig und nachvollziehbar begründet. Sowohl die Beschwerdeführerin
als auch der Beigeladene fänden keine sinnvolle Erklärung für die
versendeten WhatsApp-Nachrichten. Wenn es kein Suizidversuch
gewesen wäre, sei nicht ersichtlich, weshalb der Beigeladene auf die
Urteilsunfähigkeit bestehe. Denn bei Vorliegen eines Unfalls wäre die
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Urteils(un)fähigkeit irrelevant. Ausschlaggebend seien allein die
absichtliche Herbeiführung des Gesundheitsschadens (Art. 37 Abs. 1
UVG) und die Fähigkeit, vernunftgemäss zu handeln (Art. 48 UVV e
contrario). Aufgrund der gesamten Aktenlage sei damit davon
auszugehen, dass der Beigeladene sich das Leben habe nehmen wollen.
Die Unfreiwilligkeitsvermutung sei anhand der Aktenlage widerlegt.
13. Mit Stellungnahme vom 5. Dezember 2017 machte der Beigeladene
geltend, durch die Einsprache der Beschwerdeführerin gegen die
Verfügung vom 17. Januar 2017 sei diese nicht in Rechtskraft erwachsen,
auch nicht gegenüber ihm. Er habe den in der Verfügung dargelegten
Sachverhalt nie bestätigt. Der von der Beschwerdegegnerin dargestellte
Sachverhalt werde bestritten. Die im Verlegungsbericht enthaltenen
Ausführungen betreffend den Suizid fänden in den Akten keine Stütze.
Der einzige Familienfreund sei Herr K._. Dieser habe aber zu
Protokoll gegeben, dass ihm nicht bekannt sei, dass die Ehefrau gesagt
haben soll, sich scheiden lassen zu wollen. Damit seien die Ausführungen
im Bericht komplett falsch. Wahrscheinlich hätten das Rettungsteam und
die Mediziner aufgrund der Notfallsituation den Inhalt allfälliger am Rande
aufgeschnappter Gespräche nicht richtig verstanden. Im Übrigen werde
an den Ausführungen in der Stellungnahme vom 16. Oktober 2017
festgehalten.
14. Die Beschwerdeführerin verzichtete mit Eingabe vom 14. Dezember 2017
wiederum auf das Einreichen einer Stellungnahme.
15. In ihrer Stellungnahme vom 3. Januar 2018 führte die
Beschwerdegegnerin alsdann aus, sowohl der Verlegungsbericht als auch
die Berichte des Schadensinspektors seien Teil der Akten und somit
Beweismittel, welche der freien Beweiswürdigung unterliegen würden. Die
Angaben des Freundes im Verlegungsbericht seien sehr detailliert
wiedergegeben, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass diese falsch
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verstanden worden seien. Im Übrigen werde an den Ausführungen in den
bisherigen Eingaben festgehalten.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht
liegenden Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 18. April 2017. Ein solcher Entscheid kann
gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) beim Versicherungsgericht desjenigen Kantons angefochten
werden, in dem die versicherte Person oder der Beschwerde führende
Dritte zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Vorliegend handelt
es sich bei der Beschwerdeführerin als Versicherungsträgerin um eine
Beschwerde führende Dritte. Zur Bestimmung der örtlichen Zuständigkeit
ist bei Leistungsstreitigkeiten der Wohnsitz der Beschwerde führenden
Dritten jedoch nur dann von Belang, wenn ein solcher der versicherten
Person nicht besteht und ist die örtliche Zuständigkeit im Übrigen – auch
etwa bei einer Beschwerdeerhebung durch einen anderen
Versicherungsträger – immer nach dem Wohnsitz der versicherten
Person zu bestimmen (vgl. BGE 139 V 170 E.5.3, KIESER, ATSG
Kommentar, 3. Auflage, 2015, N 18 und N 20 zu Art. 58 ATSG). Der
versicherte Beigeladene wohnt in X._, weshalb die örtliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden für die
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben ist. Dessen sachliche
und funktionelle Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
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370.100). Damit ist die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts zu
bejahen. Die Beschwerdeführerin ist als Krankenversicherer des
Beigeladenen vom angefochtenen Einspracheentscheid berührt und weist
ein schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf (Art. 59 ATSG),
da der Leistungsansprüche verneinende Einspracheentscheid unmittelbar
ihre prinzipielle Leistungspflicht begründet (BGE 134 V 153 E.5.3.1).
1.2. Der Einspracheentscheid datiert vom 18. April 17 (Beilage
Beschwerdegegnerin [Bg-act.] K62) und ist bei der Beschwerdeführerin
am 19. April 2017 (Beilage Beschwerdeführerin [Bf-act.] 28) eingegangen.
Im vorliegend interessierenden Kalenderjahr 2017 fiel der Ostersonntag
auf den 16. April 2017, womit bis zum 23. April 2017 (sieben Tage nach
Ostern) die gesetzliche Beschwerdefrist von 30 Tagen stillstand und am
23. Mai 2017 endete. Demzufolge ist auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde vom 23. Mai 2017 einzutreten (Art. 1 UVG
i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. a ATSG).
2. Bezüglich des anwendbaren Rechts gilt zu beachten, dass am 1.
Januar 2017 die revidierten Bestimmungen des UVG und der Verordnung
über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten sind.
Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25.
September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor
dem Inkrafttreten der Änderung vom 25. September 2015 ereignet haben,
und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind,
nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend ereignete sich der Unfall im
September 2015, so dass diesbezüglich grundsätzlich die bis zum 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung finden. Hinsichtlich
der für das vorliegende Verfahren anwendbaren Bestimmungen haben
sich indessen mit Inkrafttreten der neuen Rechtssätze keine Änderungen
ergeben.
http://links.weblaw.ch/de/BGE-134-V-153
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3. Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht für die Folgen des Ereignisses vom 13. September 2015
gestützt auf Art. 37 Abs. 1 UVG zu Recht verweigert hat und der
Einspracheentscheid vom 18. April 2017 daher zu schützen ist.
3.1. Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat die zuständige
Unfallversicherungsgesellschaft, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
Versicherungsleistungen zu gewähren. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den
Tod zur Folge hat.
3.2. Hat die versicherte Person den Gesundheitsschaden oder den Tod
absichtlich herbeigeführt, so besteht kein Anspruch auf
Versicherungsleistungen, mit Ausnahme der Bestattungskosten (Art. 37
Abs. 1 UVG). Wollte sich die versicherte Person nachweislich das Leben
nehmen oder sich selbst verstümmeln, so findet Art. 37 Abs. 1 UVG dann
keine Anwendung, wenn die versicherte Person zur Zeit der Tat ohne
Verschulden gänzlich unfähig war, vernunftgemäss zu handeln, oder
wenn die Selbsttötung, der Selbsttötungsversuch oder die
Selbstverstümmelung die eindeutige Folge eines versicherten Unfalles
war (Art. 48 UVV).
3.2.1. Im Falle einer Selbsttötung ist auf Grund der Macht des
Selbsterhaltungstriebes in der Regel von einer natürlichen Vermutung der
Unfreiwilligkeit einer solchen Tat und damit vom Vorliegen eines Unfalles
auszugehen, wenn Zweifel bestehen, ob der Tod einer versicherten
Person durch Unfall oder Suizid herbeigeführt worden ist. Dass die
versicherte Person willentlich aus dem Leben geschieden ist, darf daher
nur dann als nachgewiesen gelten, wenn gewichtige Indizien jede andere
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den Gegebenheiten angemessene Deutung ausschliessen. Deshalb ist in
solchen Fällen zunächst von der durch den Selbsterhaltungstrieb
gegebenen Vermutung auszugehen, es liege keine Selbsttötung vor, und
sodann zu fragen, ob derart überzeugende Umstände vorliegen, dass
diese Vermutung widerlegt wird (Urteile des Bundesgerichts 8C_773/2016
vom 20. März 2017 E.3.3, 8C_271/2012 vom 17. Juli 2012 E.3.2.1
m.w.H.). Damit wird die Beweislast zwar nicht umgekehrt, im Ergebnis
aber eine ähnliche Wirkung erzielt. Denn sind die für eine Selbsttötung
sprechenden Indizien nicht gewichtig (überzeugend) genug, sodass die
Unfreiwilligkeitsvermutung bei objektiver Betrachtung nicht als widerlegt
gelten kann, so ist in Zweifelsfällen zuungunsten des obligatorischen
Unfallversicherers zu entscheiden und das Vorliegen eines Unfalls zu
bejahen (Urteil des Bundesgerichts 8C_271/2012 vom 17. Juli 2012
E.3.2.1 m.w.H.).
3.2.2. Ob eine Selbstschädigung vorliegt, beurteilt sich hingegen nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit. Dabei dürfen angesichts praktischer
Beweisschwierigkeiten an den Nachweis einer freiwilligen
Selbstbeeinträchtigung keine überspitzten Anforderungen gestellt werden
(Urteile des Bundesgerichts 8C_271/2012 vom 17. Juli 2012 E.3.2.2,
8C_256/2010 vom 22. Juni 2010 E.3.2.3 und 8C_663/2009 vom 27. April
2010 E.2.4 mit diversen Hinweisen).
3.3. Die leistungsansprechende Person muss, da sie das Vorliegen eines
Unfalls zu beweisen hat, auch die Unfreiwilligkeit der Schädigung und bei
Suizid oder Suizidversuch die Urteilsunfähigkeit nach Art. 16 ZGB zur Zeit
der Tat nachweisen (Urteil des Bundesgerichts 8C_271/2012 vom 17. Juli
2012 E.3.3 mit weiteren Hinweisen). Den Parteien obliegt jedoch in dem
vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten Sozialversicherungsprozess
keine subjektive Beweisführungslast im Sinne von Art. 8 ZGB. Eine
Beweislast besteht nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der
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Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen
gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteile
des Bundesgerichts 8C_271/2012 vom 17. Juli 2012 E.3.3, 8C_256/2010
vom 22. Juni 2010 E.3.2.1 und 8C_663/2009 vom 27. April 2010 E.2.2).
4.1. Vorliegend verneinte die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid
vom 18. April 2017 ihre Leistungspflicht und führte zusammengefasst aus,
es sei davon auszugehen, dass sich der Beigeladene am Abend des
13. September 2015 in suizidaler Absicht über das Geländer des
Parkplatzes gestürzt habe, wobei die Vermutung, dass die Schädigung
unfreiwillig erfolgt sei, durch die "Abschieds-WhatsApp" und die Tatsache,
dass eine Überwindung des Geländers (vom fahrenden E-Bike aus) nur
möglich sei, wenn eine Absprung-Bewegung stattfinde, mit dem
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit widerlegt werde (vgl.
Bg-act. K62 S. 12).
4.2. Die Beschwerdeführerin und der Beigeladene wenden dagegen ein, dass
erhebliche Zweifel bestünden, ob der Gesundheitsschaden durch den
Beigeladenen absichtlich verursacht worden sei (vgl. Beschwerdeschrift
S. 12, Stellungnahme des Beigeladenen vom 16. Oktober 2017 S. 10).
4.3. Nachfolgend ist damit zu prüfen, ob die am 13. September 2015 erfolgte
schädigende Einwirkung unfreiwillig war bzw. ob der Vorfall vom 13.
September 2015 in suizidaler Absicht erfolgt ist. Hierfür ist der
Sachverhalt anhand der Akten zu erstellen.
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5.1. Zum eigentlichen Ereignis ergibt sich aus den Akten und ist unbestritten,
dass der Beigeladene am 13. September 2015 zwischen 20:17 Uhr (letzte
WhatsApp-Nachricht) und 20:26 Uhr (Meldungseingang durch das
Regionalspital) vom Parkplatz des Hotels O._ über ein Geländer
9.10 Meter in die Tiefe auf den Vorplatz der P._ in X._ stürzte.
Dort wurde er schwer verletzt aufgefunden (vgl. Bg-act. P13 S. 3). Sein E-
Bike lag auf dem Parkplatz beim Hotel O._ unmittelbar vor dem
Geländer (Bg-act. P31). Gemäss dem Bericht vom Institut für
Rechtsmedizin, St. Gallen, vom 2. Oktober 2015 ergab die
Blutalkoholkonzentration (BAK)-Rückrechnung, dass der Beigeladene
zum Ereigniszeitpunk eine BAK zwischen 1.94 und 2.54 Promille
aufgewiesen habe (vgl. Bg-act. P7).
5.2. Gemäss den diversen Operationsberichten des G._ wurde folgende
Diagnose (unmittelbar) nach dem Ereignis gestellt (Bg-act. M2-M5; M6-
M8; M10):
Polytrauma nach unklarem Sturz aus ca. 8-10 Metern Höhe am 13.9.15 (ISS 41) - DD in suizidaler Absicht
- BAK 2.3 Promille
Kopf/Hals:
- Mittelschweres Schädelhirntrauma Thorax:
- Rippenserienfrakturen 4-10 links mit instabilem Thorax - kleiner Hämatopneumothorax links - Sternumfraktur im unteren Drittel Abdomen:
- Retroperitoneales Hämatom links ohne aktive Blutung - extraperitoneale Blasenruptur Wirbelsäule:
- Flexions-Distraktionsverletzung Th12/L1 mit kranialem Keilbruch L1 Fraktur - mehrere Processi transversi-Frakturen lumbal Becken/Extremitäten:
- Instabile Beckenfraktur (AO C3.3) mit Symphysensprengung und Sakrumlängsfraktur bds,
- 20 -
- Jumpers Fraktur S1/2 - Acetabulumfraktur links - anteriore Schulterluxation links - Oberarmkompartementsyndrom links - Pilon tibiale-Fraktur links - mehrfragmentäre Talusfraktur links - Weichteiltrauma mit Rhabdomyolyse
Dass diese schweren Verletzungen vom Sturz stammen, ist unbestritten.
5.3. Weiter ergibt sich aus den Akten, dass der Beigeladene kurz vor dem
streitgegenständlichen Ereignis am 13. September 2015 um 18:10 Uhr
und zwischen 20:12 Uhr bis 20:17 Uhr folgende WhatsApp-Nachrichten
an seine Ehefrau versandte (Bg-act. P12 S. 4):
18:10: "I wünscha miar dass du glücklich wirsch mit all dem wo do isch, i han immer
dfamilia vorzoga nid wie du hesch wella aber glich, du willsch dini freiheit mit df
Q._ voll zia und mi ins elend werfa"
20:12: "Ciao liabi"
20:12: "Alles isch verbi"
20:13: "Jetzt gobi"
20:13: "Gobi"
20:13 "Goni"
20:13 "Dis glück"
20:14: "Mis ned"
20:14: "Ciao"
20:17: "Du weisch dass i ned das lo chon wo ier wend
Bandai"
5.4. Aus dem Verlegungsbericht des Spitals F._ vom Tag des
Ereignisses, mithin vom 13. September 2015, ergibt sich, dass
fremdanamnestisch durch einen Freund der Familie berichtet worden sei,
dass die Ehefrau des Beigeladenen am vergangenen Freitag, dem 11.
September 2015, dem Beigeladenen mitgeteilt habe, sie wolle sich von
ihm trennen. Der Freund habe weiter berichtet, dass er zu jenem
- 21 -
Zeitpunkt mit dem Beigeladenen über Suizidgedanken gesprochen habe
und dieser solche verneint habe (Bg-act. M1).
5.5. Im Weiteren wurden im Rahmen der Ereignisabklärung diverse Personen
von der Polizei und/oder dem Schadensinspektor der
Beschwerdegegnerin (nachfolgend: Schadensinspektor) befragt.
5.5.1. Die Ehefrau des Beigeladenen (nachfolgend: Ehefrau) gab in der
polizeilichen Einvernahme vom 14. September 2015 im Wesentlichen zu
Protokoll, der Beigeladene habe am 13. September 2015 zu Hause etwa
zwei Flaschen Prosecco getrunken bis 17 Uhr. Dann sei er ins Restaurant
M._ gegangen. Was er dort getrunken habe, wisse sie nicht. Um ca.
18.40 Uhr sei der Beigeladene zurückgekehrt und habe gefragt, ob es
nichts zu Essen gebe. Als das Essen fertig gewesen sei, habe er nichts
mehr gewollt und gesagt, er gehe nochmals raus. Wohin er gehe, habe er
nicht gesagt. In der Vergangenheit sei dies bereits ein paar Mal
vorgekommen. Der Beigeladene sei dann immer betrunken nach Hause
gekommen und auf dem Sofa eingeschlafen. Der Beigeladene habe ein
Problem im Umgang mit Alkohol. Sie habe auch immer wieder Angst,
wenn er zu viel getrunken habe. Es sei sehr oft vorgekommen, dass der
Beigeladene am nächsten Tag keine Ahnung gehabt habe, was er im
Alkoholrausch gesagt oder getan habe. Vor etwa zwei Wochen habe der
Beigeladene der Tochter geschrieben, dass er nicht mehr leben wolle.
Daraufhin habe er sich aber entschuldigt und gesagt, dass er sie (die
Familie) nicht alleine lassen wolle. Nachdem der Beigeladene am
13. September 2015 die Wohnung verlassen habe, habe er ihr sehr
verwirrende Nachrichten per WhatsApp geschrieben. Sie habe bewusst
nicht geantwortet, weil sie befürchtet habe, er könne etwas falsch
verstehen und etwas tun, was er später bereue. Seit zwei Wochen hätten
sie eine starke Ehekrise. Alkohol konsumiere der Beigeladene aber schon
lange. Dies sei ein grosser Grund für die Krise. Sie hätten aber auch
schöne Zeiten miteinander. Die Frage, ob schon Massnahmen in die
- 22 -
Wege geleitet worden seien (Trennung/Scheidung), verneinte die Ehefrau
und führte aus, sie hätten erst darüber gesprochen. Sie hätten es zuerst
ein halbes Jahr versuchen wollen, selber in Griff zu kriegen und falls es
nicht klappe, würden sie eine Eheberatung in Anspruch nehmen (vgl. Bg-
act. P9).
5.5.2. Gemäss der Telefonnotiz des Schadensinspektors erklärte die Ehefrau
am 19. Oktober 2015 diesem gegenüber, der Beigeladene habe sich
bestimmt nicht das Leben nehmen wollen. Es entspreche nicht der
Wahrheit, dass sie dem Beigeladenen am 11. September 2015 gesagt
haben solle, sie wolle sich scheiden lassen. Es sei sehr fraglich, woher
diese Annahmen kämen. Sie hätten sich in eine Ehetherapie begeben,
aber nicht scheiden lassen wollen (Bg-act. SI3).
5.5.3. Herr K._ – Vorgesetzter des Beigeladenen und ein Freund der
Familie – sagte gemäss Telefonnotiz des Schadensinspektors am 19.
Oktober 2015 diesem gegenüber aus, Tatsache sei, dass der
Beigeladene und seine Ehefrau Eheprobleme gehabt hätten. Nicht
bekannt sei ihm, dass die Ehefrau gesagt haben solle, sich scheiden
lassen zu wollen. Er sei überzeugt, dass der Beigeladene zu ihm
gekommen wäre und dies erzählt hätte. Dass der Beigeladene sich das
Leben habe nehmen wollen, sei absolut unwahrscheinlich. Dies hätten
ihm seine Geschwister und Mutter bestätigt. Auch die Ehefrau habe nie
solche Aussagen gehört (Bg-act. SI3).
5.5.4. Frau N._ von der Kantonspolizei Graubünden gab gemäss
Besprechungsrapport am 23. Oktober 2015 gegenüber dem
Schadensinspektor an, die Ehefrau des Beigeladenen habe ihr gegenüber
gesagt, dass sich der Beigeladene bestimmt das Leben habe nehmen
wollen. Viel mehr Angaben könne sie nicht machen, da der Rapport noch
erstellt werden müsse (vgl. Bg-act. SI6).
- 23 -
5.5.5. Am 23. Oktober 2015 sagte die Ehefrau des Beigeladenen gemäss
Besprechungsrapport gegenüber dem Schadensinspektor aus, der
Beigeladene habe die Wohnung um ca. 18 Uhr bereits alkoholisiert
verlassen. Nachdem sie ihn darauf aufmerksam gemacht habe, dass er
kein Auto lenken dürfe, habe er ihr gesagt, er werde ihr E-Bike benützen.
Kurz nach 20 Uhr sei sie darüber informiert worden, dass der
Beigeladene schwer verletzt aufgefunden worden sei. In Bezug auf die
Frage, ob sie sich vom Beigeladenen habe scheiden lassen wollen, führte
die Ehefrau aus, sie hätten eine Ehetherapie eingeleitet und sich
entschieden, sich noch 1⁄2 bis 3⁄4 Jahre Zeit zu geben und danach eine
allfällige Entscheidung zu treffen. Es stimme nicht, dass sie am 11.
September 2015 gesagt haben soll, sich scheiden lassen zu wollen. Der
angebliche "Freund" könne ihre Ehesituation nicht einschätzen, zumal
dieser noch der Chef des Beigeladenen sei. Sie könne sich nicht
vorstellen, dass der Beigeladene sich das Leben hätte nehmen wollen
(vgl. Bg-act. SI7).
5.5.6. Sodann erzählte die Ehefrau des Beigeladenen am 24. November 2015
dem Schadensinspektor, dass der Beigeladene im Alter von 15 Jahren
von zu Hause ausgezogen sei. Bis vor acht Jahren habe er in der
Immobilienbranche gearbeitet. Der Beigeladene habe diese Branche
verlassen wollen. Herr K._ habe dem Beigeladenen dann eine Stelle
bei der D._ angeboten. Mit dem Stellenantritt bei der D._ habe
der Beigeladene angefangen, jeden Abend in der M._ in X._ ein
Feierabendbier zu trinken, manchmal auch zwei oder drei, zwischendurch
auch Weisswein. Aufgrund des erhöhten Alkoholkonsums hätten zu
Hause die Probleme begonnen. Der Beigeladene sei im Rausch oftmals
böse gewesen und habe laut geschrien. Zu Hause habe er oft Vodka
getrunken. Sie habe ihm immer wieder gesagt, dass dies so nicht
weitergehen könnte und sie gemeinsam etwas unternehmen müssten.
Der Beigeladene habe gesagt, er könne mit dem Alkohol aufhören, wann
er wolle. Er habe damit kein Problem. Sie habe es wirklich mit einer
- 24 -
Ehetherapie versuchen wollen, wobei der Beigeladene dann eine
entsprechende Kur hätte absolvieren müssen. Der 13. September sei ein
Tag wie jeder andere gewesen. Der Beigeladene habe im Verlaufe des
Nachmittags zwei Flaschen Prosecco getrunken, bis er um ca. 18.00 Uhr
das Haus verlassen habe (Bg-act. SI9 S. 1).
5.5.7. Die Wirtin des Restaurants M._ in X._, Frau L._, gab am
24. November 2015 gegenüber dem Schadensinspektor telefonisch an,
sie kenne den Beigeladenen von seinen regelmässigen
Restaurationsbesuchen. Dieser sei immer nach Feierabend auf ein Bier
gekommen, auch am 13. September 2015. An jenem Tag habe er das
Restaurant aufgestellt verlassen und sei mit dem Fahrrad weggefahren.
Die Angestellte hätte keinen übermässigen Alkoholkonsum feststellen
können, zumal er mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sei. Sie hätten ein
einfaches Gespräch geführt, etwas Persönliches habe der Beigeladene
nicht erzählt (Bg-act. SI9 S. 2).
5.5.8. Die Ehefrau des Beigeladenen führte am 2. Dezember 2015 zum
Sachverhalt gegenüber dem Schadensinspektor aus, der Beigeladene
habe zu Hause um 14 Uhr angefangen, Prosecco zu trinken. Um ca. 18
Uhr sei er mit dem E-Bike zum Restaurant M._ gefahren. Was er
dort getrunken habe, könne sie nicht sagen. Er sei nach Hause
gekommen und habe nach dem Nachtessen gefragt. Als sie geantwortet
habe, es gäbe Cervelat, habe der Beigeladene gemeint, das esse er nicht
und gesagt, er verlasse nun das Haus und er werde dann schon einen
Unterschlupf finden. In der Zwischenzeit habe sie via WhatsApp Kontakt
mit dem Beigeladenen gehabt. Von Suizid sei nie die Rede gewesen. Seit
der Arbeit bei der Bank habe der Beigeladene zunehmend
Einschlafprobleme bekommen, weshalb er abends jeweils ein Glas Wein
getrunken habe. In den vergangenen Jahren sei der Konsum massiv
gestiegen. Er habe keine diagnostizierten psychischen Probleme gehabt.
Die Ehefrau betonte, dass sie nicht mehr genau wisse, was sie bei der
- 25 -
Polizei ausgesagt habe. Sie könne aber nicht bestätigen, dass der
Beigeladene sich das Leben habe nehmen wollen. Eine Scheidung sei
damals nie Thema gewesen, denn sie habe gemeinsam mit dem
Beigeladenen eine Ehetherapie beginnen wollen (Bg-act. SI11).
5.5.9. Gemäss dem CM Verlaufsbericht wurde der Beigeladene am 15. Januar
2016 bei einem Gespräch in H._ vom Schadensinspektor darauf
aufmerksam gemacht, dass zurzeit noch Abklärungen bezüglich des
Unfallereignisses durchgeführt würden, da die Frage nach einem
allfälligen Suizidversuch im Raum stehe. Der Beigeladene sei sichtlich
darüber erstaunt gewesen und habe gefragt: "Wie kommt die
Versicherung dazu, seinen Unfall, respektive die Frage nach einem
Suizidversuch zu stellen?" Der Beigeladene führte aus, er sei weder von
der Polizei noch von einem Arzt befragt worden. Für ihn sei dies kein
Thema und auch nie eins gewesen. Er habe sich nicht das Leben
nehmen wollen. Auf entsprechende Fragen des Schadensinspektors
antwortete der Beigeladene, er sei vor dem Unfall weder jemals bei einem
Psychiater in Behandlung gewesen noch habe er vor dem Unfall
psychische Probleme gehabt. Er habe auch keine Psychopharmaka
eingenommen. Am Samstag dem 12. September 2015 habe er mit seiner
Ehefrau eine Auseinandersetzung gehabt und schon damals etwas
Alkohol getrunken. Am Sonntag dem 13. September 2015 habe er die Ex-
Freundin seines Sohnes zum Bahnhof gebracht und sei danach wieder
nach Hause zurückgekehrt. Dann habe er etwas Alkohol getrunken. Vom
Hören Sagen wisse er, dass es zwei Flaschen Prosecco gewesen seien.
Hätte er sich das Leben nehmen wollen, gäbe es in der Nähe eine
Brücke, von der er hätte springen können. Seine Nachrichten vom Handy
habe er gelöscht und zudem sei es zu Boden gefallen und habe viele
Daten verloren (Bg-act. SI13).
5.5.10. In der polizeilichen Einvernahme vom 10. März 2016 gab der Beigeladene
zu Protokoll, es sei schwierig, den Tagesablauf vom 13. September 2015
- 26 -
zu rekonstruieren. Er wisse nur noch, dass er sein Büro aufgeräumt habe.
Danach sei "dunkel". Er wisse nicht, wann er das Haus verlassen habe.
Er meine, sich erinnern zu können, dass er einen Apéro habe trinken
gehen wollen; wo wisse er nicht. Ebenfalls wisse er nicht, wie es zur
Kollision gekommen sei; auch nicht, ob er gestossen worden sei. Er halte
dies aber für möglich. Freiwillig wäre er nicht dort hinuntergefallen.
Angesprochen auf die WhatsApp-Nachrichten führte der Beigeladene
aus, es sei eine Frusthandlung gewesen. Er habe halt die Nachrichten
verschickt. Auf die Frage, wer Q._ sei, antwortete der Beigeladene,
Q._ sei eine Bekannte seiner Frau. Die Fragen zu seinem generellen
Alkoholkonsum beantwortete der Beigeladene nicht. Zum
Familienverhältnis vor dem Unfall führte er sodann aus, sie hätten keine
Eheprobleme gehabt, aber Meinungsverschiedenheiten. Der Rest sei
Privatsache. Er wolle aber klar festhalten, dass er keinen Suizid habe
machen wollen (Bg-act. P23).
5.5.11. Mit Schreiben vom 6. April 2016 beantwortete die Rechtsvertreterin des
Beigeladenen die von der Beschwerdegegnerin an diesen gerichteten
Fragen und hielt für den Beigeladenen fest, er habe keine Erinnerung an
die Ereignisse vor dem Unfall und auch nicht an den Unfall selbst. Der
Beigeladene erinnere sich einzig noch daran, dass er zu Hause Prosecco
getrunken und mit seiner Ehefrau eine Auseinandersetzung gehabt habe,
worauf er das Haus verlassen habe. An das, was danach vorgefallen sei,
erinnere sich der Beigeladene nicht. Auch habe er keine Erinnerung, dass
er WhatsApp-Nachrichten geschrieben habe. Der Beigeladene habe sich
sicher nicht absichtlich über das Geländer gestürzt. Er habe keinen Grund
gehabt, sich das Leben zu nehmen. Die einzige plausible Erklärung in der
Retrospektive und nach Kenntnisnahme des Vorgefallenen sei, dass der
Beigeladene den Abgang zur Garage um wenige Meter verfehlt haben
müsse und aufwärts zum Hochparkplatz anstatt hinunter in die Garage
gefahren sei. Wahrscheinlich habe der Beigeladene dann nicht mehr
rechtzeitig bremsen können (Bg-act. K23).
- 27 -
5.6. Da sich der Beigeladene an die Ereignisse vor dem Unfall und auch an
den Unfall selbst nicht erinnern konnte, gab die Beschwerdegegnerin am
27. April 2016 ein unfallanalytisches Gutachten zur Abklärung des
Unfallhergangs bei der AGU Zürich in Auftrag (vgl. Bg-act. K25). Die
biomechanische Beurteilung der AGU Zürich erfolgte am 8. August 2016
(Bg-act. K39).
Der Beurteilung kann entnommen werden, dass die Beschädigungen der
Fahrradgabel eindeutig dem Ereignis zuzuordnen seien, da das Velo so
nicht fahrbar sei (vgl. Bg-act. K39 S. 3). Weiter halten die Gutachter fest,
dass für den Aufbau des Modells viele Annahmen haben getroffen
werden müssen, welche nicht ausführlich haben validiert werden können.
Weiter könnten die aktiven Bewegungen, welche der Beigeladene
möglicherweise vor dem Aufprall ausgeführt habe, nicht rekonstruiert
werden. Der Beigeladene könnte sich beispielsweise erst unmittelbar vor
dem Aufprall aufgerichtet haben, er könnte vor dem Anprall
abgesprungen und durch den Schwung dieser Bewegung über das
Geländer gestürzt sein usw. Man könne durch die Simulation nur zeigen,
wie sich das Ereignis abgespielt haben könne bzw. welche Varianten
nicht möglich seien, aber nicht, dass sich das Ereignis so abgespielt
haben müsse (Bg-act. K39 S. 16 f.). Zur Frage der Beschwerdegegnerin
zur gefahrenen Geschwindigkeit führten die Gutachter aus, aufgrund der
Simulationsresultate müsse der Beigeladene mit einer relativ hohen
Geschwindigkeit nahe an der mit dem E-Bike möglichen
Höchstgeschwindigkeit von 25km/h, in einem Winkel in der
Grössenordnung von 70-80 Grad, mit dem Geländer kollidiert sein. Bei
Geschwindigkeiten unterhalb von 20km/h erreiche der Dummy in der
Simulation die dokumentierte Endlage nicht. Um über das Geländer in die
Tiefe zu stürzen, müsse sich der Beigeladene vor dem Anprall ans
Geländer in den Pedalen aufgerichtet und zudem, z.B. durch ein leichtes
Aufspringen, eine Bewegung in vertikaler Richtung ausgeführt haben.
- 28 -
Andere Varianten, bei denen sich der Velofahrer beim Anprall in sitzender
Position befunden habe oder bei denen der Velofahrer zwar in den
Pedalen aufgerichtet gewesen sei, aber keine aktive Bewegung
ausgeführt habe, hätten in einem Sturz des Velofahrers zurück auf das
Parkfeld resultiert (Bg-act. K39 S. 17). Die erwähnte
Höchstgeschwindigkeit von 25km/h sowie der Anprallwinkel könnten bei
einem weitgehend freien Parkplatz erreicht werden (Bg-act. K39 S. 5). Zur
Frage, ob aus dem Verletzungsbild sowie der Sturzrichtung ein
Rückschluss entweder auf einen Unfall, Suizid oder Tötungsversuch
gezogen werden könne, ist der Beurteilung zu entnehmen, dass für eine
Einwirkung Dritter keine Hinweise vorlägen. Das dokumentierte
Verletzungsbild sei mit einem Sturz aus ca. 9 Metern Höhe vereinbar. Aus
dem Verletzungsbild könne zwar grob auf die Aufprallsituation, aber nicht
auf die Ursache des Sturzes geschlossen werden. Die Tatsache, dass ein
Aufrichten und eine aktive Bewegung erforderlich seien, um mit der
notwendigen Geschwindigkeit über das Geländer in die Tiefe zu stürzen,
spreche eher für einen Suizidversuch. Es wäre aber auch denkbar, dass
der Beigeladene mit der erwähnten hohen Geschwindigkeit über den
Parkplatz gefahren sei, das Geländer erst im letzten Moment bemerkt und
sich reflexartig aufgerichtet habe bzw. in den Pedalen aufgesprungen sei
(Bg-act. K39 S 18). Rein theoretisch könnten auch andere Abläufe
konstruiert werden. So wäre es zum Beispiel auch möglich, dass der
Beigeladene auf dem Fahrrad sitzend mit dem Geländer kollidiert, auf das
Parkfeld zurückgefallen, anschliessend über das Geländer geklettert und
in die Tiefe gesprungen sei (Bg-act. K39 S. 18).
5.7. Des Weiteren gab die Beschwerdegegnerin zur Abklärung ihrer
Leistungspflicht (Suizid ja oder nein) mit Schreiben vom 13. Juli 2016 ein
psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, in Auftrag (Bg-act. K36). Dieser erstattete das
Gutachten am 10. Januar 2017 (Bg-act. M16).
- 29 -
Dr. med. I._ kommt in seinem Gutachten in Bezug auf die
medizinisch-psychiatrische Ausgangslage im Zeitraum vor dem Ereignis
zunächst zum Schluss, zusammenfassend sei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beigeladene einen
langjährigen regelmässigen Alkoholkonsum betrieben habe, welcher sich
in den letzten Jahren intensiviert habe. Der Konsum habe mit einer
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu einer Alkoholabhängigkeit,
mindestens jedoch zu einem erheblichen Missbrauch und mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer hohen Alkoholtoleranz
geführt (Bg-act. M16 S. 16). Hinsichtlich der Beurteilung der
Urteilsfähigkeit zum Zeitpunkt des Ereignisses vom 13. September 2015
hält er sodann zusammenfassend fest, es könne mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht davon ausgegangen werden, dass beim
Beigeladenen zum Unfallzeitpunkt eine schwere psychische Störung bzw.
kognitive Beeinträchtigung, Intoxikation, eine schwere
Bewusstseinsstörung oder ein ähnlicher Zustand vorgelegen habe. Im
Gegenteil könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
ausgegangen werden, der Beigeladene habe noch genügend psychische
und kognitive Funktionen besessen, um eine mögliche suizidale Handlung
zu intendieren und umzusetzen. Vorbestehende Risikofaktoren
(Alkoholabhängigkeit, vorgängige Suizidankündigungen, auch unmittelbar
vor dem Ereignis unter Alkoholeinfluss, Trennungssituation) und ein
komplexer Handlungsablauf seien ebenfalls mit dieser Beurteilung
vereinbar (Bg-act. M16 S. 20). Weiter führt Dr. med. I._ zur
Beurteilung einer möglichen suizidalen Handlung aus, der Beigeladene
habe im Vorfeld im Rahmen von heftigen Ehekonflikten
Suizidäusserungen gemacht, was als Risikofaktor zu werten sei, wie auch
der Kontext mit Trennungsabsichten der Ehefrau. Diese Absicht soll der
Beigeladene erstmals schriftlich der Tochter gegenüber gemacht haben.
Unmittelbar vor dem Ereignis habe der Beigeladene zudem Mitteilungen
geschrieben, welche ebenfalls mit den von der Ehefrau geäusserten
Trennungsabsichten und einer Suizidankündigung kontextuell in
- 30 -
Zusammenhang stünden. Die Angaben der Wirtin, der Beigeladene sei in
aufgestelltem Zustand weggegangen, spreche nicht gegen eine suizidale
Handlung. Es sei bekannt, dass gerade nach dem Entschluss zum Suizid
bei den Betroffenen eine gewisse Ruhe einkehre. Suizidale Handlungen
kämen gehäuft unter Alkoholeinfluss vor. Das Suizidrisiko sei in der
Population der alkoholabhängigen Menschen 120-fach höher als in der
Normalbevölkerung. Zudem sei bekannt, dass 25% aller Suizide unter
Alkoholeinfluss verübt würden. Zusammenfassend seien bestehende
Risikofaktoren, Kontext, Suizidankündigungen – auch unmittelbar vor dem
Ereignis – vereinbar mit einer intendierten suizidalen Handlung (vgl. Bg-
act. M16 S. 21).
6.1. In Würdigung der in den vorstehenden Erwägungen wiedergegebenen
Berichten, Aussagen sowie Gutachten ist zunächst festzuhalten, dass
sich der Beigeladene weder an den Unfall selbst noch an die Ereignisse
zuvor zu erinnern vermag. Auf seine Aussagen, wonach er keinen Suizid
habe begehen wollen (Bg-act. SI13 und P23), kann damit vorliegend nicht
abgestellt werden. Aus demselben Grund erscheint auch seine Aussage,
wonach es sich bei den WhatsApp-Nachrichten um eine Frusthandlung
gehandelt habe (Bg-act. P23), nicht glaubhaft. Wenn er nicht mehr weiss,
dass er solche geschrieben hat, wie soll er dann wissen, aus welchem
Grund er solche verfasst hat.
6.2. Im Weiteren ergibt sich, dass keine der von der Polizei oder dem
Schadensinspektor befragten Personen, namentlich die Ehefrau (Bg-act.
P9, SI3, SI7 und SI11), Herr K._ (Bg-act. SI3) und Frau L._ (Bg-
act. SI9), aussagten, dass der Beigeladene sich das Leben habe nehmen
wollen. Im Gegenteil führte die Ehefrau mehrfach aus, dass der
Beigeladene sich bestimmt nicht habe das Leben nehmen wollen und
auch Herr K._ gab an, dass dies absolut unwahrscheinlich sei. Die
angebliche Aussage der Ehefrau, wonach diese gemäss dem
Besprechungsrapport vom 23. Oktober 2015 (Bg-act. SI6) gegenüber der
- 31 -
Polizistin Frau N._ gesagt haben soll, der Beigeladene habe sich
bestimmt das Leben nehmen wollen, ergibt sich sodann nicht aus ihrer
polizeilichen Einvernahme am 14. September 2015 (Bg-act. P9). Dies
obwohl die Ehefrau von Frau N._ einvernommen wurde. Hätte die
Ehefrau tatsächlich eine solche Äusserung gegenüber der Polizistin Frau
N._ gemacht, erstaunt es doch sehr, dass diese keinen Eingang in
das Protokoll der polizeilichen Einvernahme gefunden hat bzw. die
Polizistin dies in der Einvernahme nicht aufgegriffen und diesbezüglich
nochmals nachgefragt hat. Damit bestehen erhebliche Zweifel, ob diese
Aussage der Ehefrau wirklich so stattgefunden hat.
6.3. Tatsache ist sodann, dass der Beigeladene und seine Ehefrau
Eheprobleme hatten. Dies ergibt sich aus diversen Einvernahmen der
Ehefrau und von Herrn K._ (Bg-act. P9, SI3, SI7, SI9 und SI11). Der
Beigeladene selber spricht in der polizeilichen Einvernahme vom 10. März
2016 zwar nicht von Eheproblemen, sondern Meinungsverschiedenheiten
und meinte, der Rest sei Privatsache (Bg-act. P23).
6.4. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin und des Beigeladenen
(vgl. Beschwerdeschrift S. 5, Stellungnahme des Beigeladenen vom
16. Oktober 2017 S. 4) trifft es allerdings nicht zu, dass der
Suizidverdacht völlig aus dem Nichts auftaucht. So ergibt sich einerseits
aus dem Verlegungsbericht des Spitals F._ vom 13. September 2015
(Bg-act. M1), dass ein Freund der Familie gesagt haben soll, dass die
Ehefrau am 11. September 2015 dem Beigeladenen mitgeteilt habe, sich
von ihm trennen zu wollen. Der Freund habe zu jenem Zeitpunkt mit dem
Beigeladenen über Suizidgedanken gesprochen, was dieser verneint
habe. Zudem äusserte die Ehefrau in ihrer Aussage der ersten Stunde
gegenüber der Polizei am 14. September 2015, dass der Beigeladene vor
etwa zwei Wochen der Tochter geschrieben habe, dass er nicht mehr
leben wolle. Daraufhin habe er sich aber entschuldigt und gesagt, dass er
sie (die Familie) nicht alleine lassen wolle (Bg-act. P9 S. 2). Ebenso sagte
- 32 -
die Ehefrau am 14. September 2015 in der polizeilichen Einvernahme
betreffend die sehr verwirrenden WhatsApp-Nachrichten aus, dass sie
dem Beigeladenen bewusst nicht geantwortet habe, weil sie befürchtet
habe, er könne etwas falsch verstehen und dann etwas tun, was er später
bereue (Bg-act. P9 S. 2). Diese Aussage ist im vorliegenden Kontext
seltsam und auffallend.
6.4.1. Was die erwähnte Nachricht an die Tochter angeht, ist es – wie die
Beschwerdeführerin geltend macht – zutreffend, dass diese Nachricht
nicht belegt ist. Die Rechtsvertreterin des Beigeladenen führte in ihrem
Schreiben vom 20. Juli 2017 an die Beschwerdeführerin (Bf-act. 32) zur
Frage, was der Beigeladene zu dieser Nachricht an die Tochter oder zu
dieser Aussage sagen könne, aus, der Beigeladene könne sich nicht
erinnern, je eine solche SMS an seine Tochter geschrieben zu haben. Für
den Beigeladenen gebe es weder eine Erklärung, weshalb er seiner
Tochter eine SMS mit dem behaupteten Inhalt geschrieben haben sollte,
noch ersichtliche Gründe dafür. Sie hätten als Ehegatten beschlossen,
eine Ehetherapie zu machen. Der Beigeladene sei denn von seiner
Tochter auch nie auf eine solche SMS angesprochen worden. Zudem
habe der Beigeladene in seinem Handy keine SMS an seine Tochter mit
besagtem Inhalt finden können. Diese Ausführungen wirken als
konstruierte Schutzbehauptungen. In der Frage der Beschwerdeführerin
waren weder die Form als "SMS" noch der Inhalt des Ehekonflikts
thematisiert. Dass der Beigeladene keine entsprechende SMS auf seinem
Handy finden konnte – sollte es denn eine SMS gewesen sein – ist wohl
darauf zurückzuführen, dass der Beigeladene gemäss eigenen Aussagen
seine Nachrichten gelöscht hat und zudem viele Daten verloren gingen,
als das Handy zu Boden fiel (vgl. Bg-act. SI13 S. 2). Demgegenüber gibt
es keinen Grund, weshalb die Ehefrau diesbezüglich lügen sollte. Hinzu
kommt, dass die Aussage der Ehefrau, wonach der Beigeladene vor etwa
zwei Wochen der Tochter geschrieben habe, dass er nicht mehr leben
wolle, anlässlich ihrer ersten Einvernahme am 14. September 2015
- 33 -
erfolgte und damit zu einem Zeitpunkt, zu welchem die Ehefrau noch
unbeeinflusst gewesen sein dürfte und sich insbesondere auch nicht im
Klaren über die möglichen Konsequenzen eines Suizidversuchs war. Vor
diesem Hintergrund erscheint die Aussage der Ehefrau, wonach der
Beigeladene der Tochter mitgeteilt haben solle, dass er nicht mehr leben
wolle, als glaubhaft.
6.4.2. Sodann bringt der Beigeladene in seiner Stellungnahme vom 5.
Dezember 2017 vor, die erwähnte Aussage im Verlegungsbericht sei
falsch, da es sich beim Freund um Herrn K._ handle und dieser
gegenüber dem Schadeninspektor ausgesagt habe, es sei ihm nicht
bekannt, dass die Ehefrau dies gesagt haben soll.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die besagte Äusserung im
Verlegungsbericht des Spitals F._ vom 13. September 2015 (Bg-
act. M1) sehr detailliert aufgenommen wurde, sogar mit genauem Datum,
wann die Ehefrau dies gesagt haben soll, weshalb dieses Gespräch wohl
kaum nur so am Rande aufgeschnappt wurde, wie der Beigeladene
geltend macht. Immerhin aber sagte Herr K._, der Beigeladene habe
Suizidgedanken verneint.
Die Ehefrau selber antwortete in der polizeilichen Einvernahme vom
14. September 2015 denn auch auf die Frage, ob schon Massnahmen in
die Wege geleitet worden seien (Trennung/Scheidung), nein, sie hätten
erst darüber gesprochen. Sie hätten es zuerst ein halbes Jahr selber
versuchen wollen, in den Griff zu kriegen und falls es nicht klappe, eine
Eheberatung in Anspruch nehmen wollen (Bg-act. P9 S. 3 oben).
Gegenüber dem Schadensinspektor bestritt die Ehefrau, am 11.
September 2015 gesagt zu haben, sich scheiden lassen zu wollen (Bg-
act. SI3). Gemäss dem Verlegungsbericht des Spitals F._ vom 13.
September 2015 (Bg-act. M1) war nie von Scheidung die Rede, sondern
von Trennung. Die Ehefrau gab denn auch zu, dass darüber gesprochen,
- 34 -
aber offenbar entschieden wurde, es nochmals zu probieren. Die
Aussagen der Ehefrau stehen damit nicht im Widerspruch zu der im
Verlegungsbericht vom 13. September 2015 wiedergegebenen Aussage
eines Freundes, mithin von Herrn K._. Zudem erwähnt die Ehefrau
gegenüber dem Gutachter Dr. med. I._ – dessen Gutachten volle
Beweiskraft zukommt (vgl. E.6.8.4 nachstehend) – auch wieder, dass sie
damals bereits den Wunsch nach Trennung geäussert habe. Am Tag des
Ereignisses sei es wieder zu Auseinandersetzungen gekommen und sie
habe den bereits einige Zeit zuvor gefassten und geäusserten Wunsch
nach Trennung an diesem Abend wiederholt ("es reicht jetzt") (Bg-act.
M16 S.12). Soweit die Beschwerdeführerin alsdann einerseits vorbringt,
die Eheleute hätten nochmals einen Versuch machen wollen und
andererseits gleichzeitig ausführt, die WhatsApp-Nachrichten seien vor
dem Trennungshintergrund verfasst worden, sind diese Ausführungen
widersprüchlich.
Auffallend und seltsam erscheint sodann der Umstand, dass wegen einer
Trennung offenbar Suizidgedanken angesprochen wurden. Dies deutet
darauf hin, dass Suizidgedanken bereits vorgängig mal Thema gewesen
waren, was wiederum mit der Aussage der Ehefrau in der polizeilichen
Einvernahme vom 14. September 2015 übereinstimmt, wonach der
Beigeladene bereits zwei Wochen zuvor Suizidäusserungen gegenüber
der Tochter gemacht habe, sie seit zwei Wochen eine starke Ehekrise
hätten und sie auf die verwirrenden WhatsApp-Nachrichten des
Beigeladenen bewusst nicht geantwortet habe, weil sie befürchtete, er
könne etwas falsch verstehen und dann etwas tun, was er später bereue
(vgl. Bg-act. P9 S. 2). Es erscheint doch eher ungewöhnlich und
entspricht nicht einer üblichen/erwartungsgemässen Reaktion, bei einer
Trennung sogleich einen Suizid zu thematisieren, sofern hierfür nicht
irgendwelche Anhaltspunkte bestehen.
- 35 -
Zutreffend ist zwar, dass Herr K._ gegenüber dem
Schadensinspektor am 19. Oktober 2015 aussagte, er wisse von
Eheproblemen, aber nicht, dass die Ehefrau die Scheidung gewollt habe
(Bg-act. SI3). Im Verlegungsbericht des Spitals F._ vom 13.
September 2015 ist – wie bereits erwähnt – von Trennung und nicht von
Scheidung die Rede (Bg-act. M1). Zudem ist es durchaus möglich, dass
Herr K._ seine erste Aussage im Nachhinein zu relativieren
versuchte, nachdem er die möglichen Auswirkungen seiner Aussage
erkannte. Fakt ist, dass die Aussage, welche im Verlegungsbericht des
Spitals F._ vom 13. September 2015 enthalten ist, unmittelbar nach
dem Unfallereignis erfolgte und damit stärker zu gewichten ist, als
diejenige vom 19. Oktober 2015, als bereits Abklärungen der
Beschwerdegegnerin im Gange waren. Im Übrigen liegen keine
Anhaltspunkte vor, weshalb die Ärzte diese Aussage im Bericht nicht
richtig hätten festhalten sollen und ergibt diese Aussage auch ein
stimmiges Bild mit den Aussagen der Ehefrau.
6.4.3. In Würdigung der Aussagen der befragten Personen ist überwiegend
wahrscheinlich davon auszugehen, dass Suizidgedanken beim
Beigeladenen bereits einmal vorhanden waren, solche zuletzt, d.h. zwei
Tage vor dem Unfallereignis, aber gegenüber Herrn K._ vom
Beigeladenen verneint wurden.
6.5. Der biomechanischen Beurteilung der AGU Zürich vom 8. August 2016
(Bg-act. K39) ist zu entnehmen, dass es bei einem Aufprall des E-Bikes
am Geländer nur dann zu einem Sturz über das Geländer in die Tiefe
komme, wenn sich der Beigeladene vor dem Aufprall in den Pedalen
aufgerichtet und zudem z.B. durch ein leichtes Aufspringen, eine
Bewegung in vertikaler Richtung ausgeführt habe. Nach Ansicht der
Gutachter spreche die Tatsache, dass ein Aufrichten und eine aktive
Bewegung für einen Sturz über das Geländer erforderlich seien, eher für
einen Suizidversuch. Gleichzeitig halten diese aber auch fest, es wäre
- 36 -
auch denkbar, dass der Beigeladene das Geländer erst im letzten
Moment bemerkt und sich reflexartig aufgerichtet habe bzw. in den
Pedalen aufgesprungen sei. Damit kann aber anhand der
biomechanischen Beurteilung der AGU Zürich vom 8. August 2016 (Bg-
act. K39) alleine gerade nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen werden, dass es sich beim streitgegenständlichen Ereignis
vom 13. September 2015 um einen Suizidversuch handelte, ist es
gemäss der Beurteilung sowohl möglich, dass der Beigeladene
absichtlich oder aber eben reflexartig abgesprungen ist.
6.6. Des Weiteren liegen die kurz vor dem Ereignis versendeten WhatsApp-
Nachrichten des Beigeladenen an seine Ehefrau (vgl. Bg-act. P12 S. 4)
bei den Akten. Die um 18:10 Uhr gesendete Nachricht zusammen mit der
später versendeten Nachricht "Alles isch verbi" deutet daraufhin, dass
zumindest der Beigeladene offenbar keine Zukunft mehr für die
Beziehung gesehen und diese als gescheitert angesehen hat. Die
weiteren Nachrichten, wonach er jetzt gehe, können sowohl im Kontext
mit der seiner Ansicht nach gescheiterten Ehe als auch im Sinne eines
Abschiedsbriefs verstanden werden.
6.7. Bei einer Würdigung der Gesamtumstände ist zu berücksichtigen, dass
der Beigeladene bereits ca. zwei Wochen vor dem 13. September 2015
Suizidgedanken geäussert hatte. Sodann geht aus den
übereinstimmenden Aussagen des Beigeladenen und seiner Ehefrau
hervor, dass diese am 13. September 2015 eine Auseinandersetzung
miteinander hatten. Offenbar äusserte die Ehefrau an diesem Tag ihren
Wunsch nach Trennung erneut ("es reicht jetzt"). Weiter muss der
Beigeladene unmittelbar nach dem Absenden der WhatsApp-Nachrichten
auf sein E-Bike gesessen sein. Um über das Geländer stürzen zu können,
musste der Beigeladene gemäss der biomechanischen Beurteilung der
AGU vom 8. August 2016 auf dem Parkplatz praktisch die
Höchstgeschwindigkeit von 25km/h mit dem E-Bike erreichen, was
- 37 -
bedeutet, dass der Beigeladene in die Pedale treten musste. Zu beachten
ist sodann, dass sich der Beigeladene in der Gegend, wo sich das
Ereignis abspielte, auskannte, da sich dieses unmittelbar neben seiner
Wohnung zutrug. Unter Berücksichtigung dieser Gesamtumstände sind
die WhatsApp-Nachrichten überwiegend wahrscheinlich als
Abschiedsbrief zu verstehen und ist überwiegend wahrscheinlich davon
auszugehen, dass der Beigeladene den Sturz am 13. September 2015
absichtlich herbeigeführt hat.
Die Ausführungen der Rechtsvertreterin des Beigeladenen, wonach die
einzige plausible Erklärung in der Retrospektive sei, dass der
Beigeladene den Abgang zur Garage um wenige Meter verfehlt haben
müsse, dieser aufwärts zum Hochparkplatz anstatt hinunter zur Garage
gefahren sei und wahrscheinlich dann nicht mehr habe bremsen können
(vgl. Stellungnahme vom 16. Oktober 2017 S. 7), erscheint nicht
einleuchtend. Einerseits ist dem Beigeladenen die Gegend bestens
bekannt und andererseits ist nicht davon auszugehen, dass der
Beigeladene unmittelbar nach den versendeten WhatsApp-Nachrichten –
wären diese im Kontext einer Trennung zu verstehen – nach Hause
fahren wollte, zumal er schrieb "jetzt goni" und gemäss der Aussage der
Ehefrau beim Verlassen des Hauses gesagt haben soll, er werde schon
einen Unterschlupf finden (Bg-act. SI11).
6.8. Dass sich der Unfall sodann aufgrund des hohen Alkoholkonsums des
Beigeladenen an jenem Tag ereignete, erscheint demgegenüber nicht
wahrscheinlich. So war der Beigeladene noch im Stande, WhatsApp-
Nachrichten zu verfassen – praktisch ohne Tippfehler – und im Falle
eines Tippfehlers noch zu merken, dass er sich vertippt hatte (vgl. Bg-act.
P12 S. 4). Zudem hält der Gutachter Dr. med. I._ in seinem
Gutachten vom 10. Januar 2017 fest, es könne mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, der Beigeladene habe
noch genügend psychische und kognitive Funktionen besessen, um eine
- 38 -
mögliche suizidale Handlung zu intendieren und umzusetzen (vgl. Bg-act.
M16 S. 20). Damit geht Dr. med. I._ davon aus, dass der
Beigeladene im Ereigniszeitpunkt urteilsfähig war. Die
Beschwerdeführerin und der Beigeladene bringen vor, das Gutachten sei
nicht nachvollziehbar begründet und beruhe auf falschen Tatsachen,
weshalb diesem kein Beweiswert zukommen könne (vgl.
Beschwerdeschrift S. 10 ff., Replik S. 6 ff., Stellungnahme des
Beigeladenen vom 16. Oktober 2017 S. 7 ff.). Nachfolgend ist damit zu
prüfen, ob dem Gutachten von Dr. med. I._ vom 10. Januar 2017
(Bg-act. M16) volle Beweiskraft zukommt.
6.8.1. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a
m.w.H.). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c m.w.H.). Dennoch
hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286
E.1b, 112 V 30 E.1a m.w.H.). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und
bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
- 39 -
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb).
6.8.2. Das Gutachten von Dr. med. I._ vom 10. Januar 2017 (Bg-act. M16)
wurde in Kenntnis der Vorakten verfasst. Sodann hat Dr. med. I._ am
1. Dezember 2016 ein Telefonat mit der Ehefrau, am 7. Dezember 2016
mit dem Chefarzt vom Institut für Rechtsmedizin, St. Gallen, und am
8. Dezember 2016 mit Herrn K._ geführt. Die Schlussfolgerungen
(vgl. E.5.7 vorstehend) sowie die übrigen Ausführungen im Gutachten,
namentlich auch die Angaben von den genannten Drittpersonen, sind für
die strittigen Fragen umfassend. Die Ausführungen von Dr. med. I._
leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und der
Beurteilung der medizinischen Situation ein und seine
Schlussfolgerungen sind begründet, nachvollziehbar und in sich
schlüssig.
6.8.3.1.Die Beschwerdeführerin und der Beigeladene versuchen dem Gutachten
die Beweiskraft abzusprechen, indem sie ausführen, die Annahme einer
hohen Alkoholtoleranz sei falsch und die Aussagen von Herrn K._
widersprächen klar der Annahme, dass über Jahre ein massiver
Alkoholabusus vorliege. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass Dr. med.
I._ in seinem Gutachten betreffend den Alkoholkonsum festhält, die
diesbezüglichen Angaben der Ehefrau seien detailliert. Sie habe jeweils
spontan konkrete Beispiele genannt, welche mit dem Vorliegen einer
Alkoholproblematik vereinbar seien (Wesensveränderung unter
Alkoholeinfluss, Uneinsichtigkeit und Ablehnung einer Behandlung,
Alkoholgeruch auch noch am Morgen, "Blackouts" nach massivem
Alkoholkonsum, Führerscheinentzug). Solche detaillierten und konkreten
Schilderungen würden Glaubhaftigkeitskriterien darstellen. Ihre Angaben
seien auch insofern konsistent mit den Angaben der Wirtin des
Stammlokals des Beigeladenen, welche einen jahrelangen, zumindest
regelmässigen Alkoholkonsum nach Arbeitsschluss angegeben habe,
- 40 -
wenn auch keinen übermässigen (Bg-act. M16 S. 16). Damit begründet
Dr. med. I._ schlüssig, weshalb er auf die Aussagen der Ehefrau
abstellt und folglich von einer hohen Alkoholtoleranz ausgeht. Dafür
spricht denn auch der Umstand, dass die Angestellte des Restaurants
M._ beim Beigeladenen nach zwei Flaschen Prosecco am
Ereignistag keinen übermässigen Alkoholkonsum feststellen konnte (vgl.
Bg-act. SI9 S. 2). Im Übrigen ist sodann festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache vom 31. Januar 2017 (Bg-
act. K54) selber noch festhält, klar sei, dass der Beigeladene seit
mehreren Jahren ein Alkoholproblem habe.
6.8.3.2.Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, Dr. med. I._
gehe von heftigen Eheproblemen und vermehrten Suizidäusserungen
aus, was aktenwidrig sei. Insbesondere würden die zitierten Äusserungen
der Ehefrau im Gutachten betreffend Trennung bestritten, da diese im
Widerspruch zu den vielen Aussagen im früheren Zeitpunkt stünden (vgl.
Beschwerdeschrift S. 10). Dr. med. I._ hält in seinem Gutachten
diesen Widerspruch fest, indem er im Zusammenhang mit den ehelichen
Auseinandersetzungen ausführt, es fänden sich inkonsistente Angaben
der Ehefrau hierzu. Diese habe nach Aktenlage früher angegeben, sie
habe sich nie zu einer Trennung geäussert. Ihm gegenüber habe sie dann
aber angegeben, sie habe ihren bereits vor einiger Zeit gefassten und
geäusserten Wunsch nach Trennung am Tage des Ereignisses wiederholt
("es reicht jetzt") (Bg-act. M16 S. 14). Damit kann aber nicht gesagt
werden, Dr. med. I._ stütze sich auf falsche Tatsachen. Dass
Eheprobleme beim Beigeladenen und seiner Ehefrau vorhanden waren,
ergibt sich zweifellos aus den Akten (vgl. E.6.3 vorstehend). Zudem geht
bereits aus der polizeilichen Einvernahme der Ehefrau am 14. September
2015 hervor, dass über Trennung/Scheidung gesprochen wurde (vgl. Bg-
act. P9). Auch sind die vermehrten Suizidäusserungen nicht aktenwidrig,
ergeben sich solche aus den Dr. med. I._ zur Verfügung
gestandenen Akten, namentlich dem Verlegungsbericht des Spitals
- 41 -
F._ vom 13. September 2015 (Bg-act. M1) sowie dem Protokoll der
polizeilichen Einvernahme der Ehefrau vom 14. September 2015 (Bg-act.
P9). Dass Dr. med. I._ auf diese Akten abstellte, ist nicht zu
beanstanden.
6.8.3.3.Sofern die Beschwerdeführerin zudem vorbringt, der Beigeladene sei von
Dr. med. I._ nicht untersucht bzw. befragt worden und deshalb eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend macht, zielt dieser Einwand
ins Leere. Dr. med. I._ war von der Beschwerdegegnerin beauftragt
worden, anhand der vorliegenden Akten und aufgrund einer
Untersuchung des Beigeladenen (wenn nötig) zu den Fragen betreffend
Suizidversuch ja oder nein Stellung zu nehmen (vgl. Bg-act. K36). Dr.
med. I._ erstattete in der Folge das Gutachten gestützt auf die Akten
und die Angaben von Drittpersonen und verzichtete damit auf eine
Begutachtung des Beigeladenen (vgl. Bg-act. M16 S. 1). Bei seinem
psychiatrischen Gutachten handelt es sich somit um ein Aktengutachten.
Dies ist insofern nicht zu beanstanden, als dass von einer Befragung des
Beigeladenen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen wären, da
sich dieser ohnehin nicht an das Ereignis vom 13. September 2015 zu
erinnern vermag und aus seiner polizeilichen Einvernahme am 10. März
2016 hervorgeht, dass er zu seinem Alkoholkonsum keine Aussagen
macht (Bg-act. P23). Zudem konnte die Rechtsvertreterin des
Beigeladenen mit Schreiben vom 5. Juli 2016 Ergänzungsfragen stellen
(vgl. Bg-act. K33), deren Beantwortung Eingang im Gutachten fanden
(vgl. Bg-act. M16 S. 22 f.). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt
damit nicht vor.
6.8.4. Folglich ergibt sich, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin und des
Beigeladenen nicht geeignet sind, das Gutachten von Dr. med. I._ in
Zweifel zu ziehen, womit dem Gutachten von Dr. med. I._ vom 10.
Januar 2017 (Bg-act. M16) volle Beweiskraft zukommt und auf dieses
abzustellen ist. Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
- 42 -
auszugehen, dass der Beigeladene noch genügend psychische und
kognitive Funktionen besessen hat, um eine mögliche suizidale Handlung
zu intendieren und umzusetzen (vgl. Bg-act. M16 S. 20).
6.9. Es sei zudem darauf hingewiesen, dass der Beigeladene bzw. seine
Rechtsvertreterin die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 17. Januar
2017, wonach gestützt auf Art. 37 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 48 UVV kein
Anspruch auf Leistungen des Unfallversicherers bestehe (vgl. Bg-act.
K47), am 6. Februar 2017 explizit akzeptierte (vgl. Bg-act. K55).
7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beigeladene den Sturz am
13. September 2015 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit absichtlich
herbeigeführt hat. Demzufolge ist die Unfreiwilligkeitsvermutung widerlegt.
Da gemäss Gutachten von Dr. med. I._ vom 10. Januar 2017 auch
keine vollständige Urteilsunfähigkeit beim Beigeladenen im Tatzeitpunkt
vorhanden war, hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für das
Ereignis vom 13. September 2015 zu Recht verneint. Aus diesen
Gründen erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid vom 18.
April 2017 als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde
abzuweisen ist.
8. Gerichtskosten werden vorliegend keine erhoben, da das kantonale Be-
schwerdeverfahren in Sozialversicherungsstreitigkeiten gemäss Art. 61
lit. a ATSG grundsätzlich kostenlos ist. Die Beschwerdegegnerin hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG e
contrario).