Decision ID: 6e8a8e6e-c8b4-55ee-b4e6-f491b069c064
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Z., geb. 25. Mai 1969, ist irakischer Staatsangehöriger. Er reiste am 27. November
1998 in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Das Bundesamt für Flüchtlinge
gewährte ihm mit Verfügung vom 1. Dezember 2000 Asyl. In der Folge wurde ihm eine
Niederlassungsbewilligung erteilt. Am 21. März 2002 heiratete er in St. Gallen die
vietnamesische Staatsangehörige T.N., geb. 1978. Seit 2005 bezieht Z. in seiner
Wohngemeinde Kirchberg finanzielle Sozialhilfeleistungen. Mit Entscheid des
Kreisgerichts Alttoggenburg-Wil vom 2. Oktober 2008 wurde die Ehe Z.N. geschieden.
Am 9. November 2008 stellte die syrische Staatsangehörige L., geb. 1977, bei der
Schweizer Vertretung in Damaskus ein Einreisegesuch zwecks Vorbereitung der
Eheschliessung mit Z..
Mit Verfügung vom 7. Juli 2009 wies das Ausländeramt das Gesuch von L. um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der Eheschliessung ab. Zur
Begründung führte es im wesentlichen an, Z. gehe keiner Erwerbstätigkeit nach und
werde vom Sozialamt unterstützt. Er sei nicht in der Lage, für seinen finanziellen
Unterhalt und für jenen von L. aufzukommen.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhoben Z. und L. durch ihre
Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 21. Juli 2009 Rekurs, der vom Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 11. Januar 2010 abgewiesen wurde.
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C./ Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 27. Januar 2010 erhoben Z. und L.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht und stellten folgende Anträge:
"1. Die Verfügung des Ausländeramtes des Kantons St. Gallen vom 7. Juli 2009 sei
aufzuheben und es sei Frau L. eine Aufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der
Eheschliessung mit Herrn Z. zu erteilen.
2. Den Beschwerdeführern sei die unentgeltliche Rechtsbeiständin in der Person von
Frau Rechtsanwältin Dr. iur. C. zu gewähren.
3. Es sei davon abzusehen den Beschwerdeführer zu verpflichten, für das
Beschwerdeverfahren einen Kostenvorschuss zu leisten.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Ausländeramtes des
Kantons St. Gallen."
Am 3. Februar 2010 reichten die Beschwerdeführer ein Urteil des
Versicherungsgerichts vom 8. Januar 2010 ein.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Februar 2010 die Abweisung
der Beschwerde.
Am 11. Februar 2010 gab das Verwaltungsgericht den Beschwerdeführern Gelegenheit,
bis 26. Februar 2010 eine allfällige Stellungnahme zur vorinstanzlichen Vernehmlassung
einzureichen. Ausserdem stellte es ihnen ein Formular für das Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung zu und forderte sie auf, dieses innert derselben Frist
vollständig und wahrheitsgetreu ausgefüllt und unterzeichnet dem Verwaltungsgericht
einzureichen.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 26. Februar 2010 nahmen die
Beschwerdeführer Stellung und zogen das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
zurück.
Am 7. April 2010 reichten die Beschwerdeführer ergänzende Unterlagen über die
Gründung der M. Trading GmbH ein.
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Die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die Vorbringen der
Beschwerdeführer werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 27. Januar 2010
wurde rechtzeitig innerhalb der gesetzlichen Beschwerdefrist von vierzehn Tagen
eingereicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP).
Das Rechtsbegehren in der Sache lautet, die Verfügung des Ausländeramts des
Kantons St. Gallen vom 7. Juli 2009 sei aufzuheben und es sei L. eine
Aufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der Eheschliessung mit Z. zu erteilen (Ziff. 1),
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Ausländeramts des Kantons
St. Gallen (Ziff. 4). Anfechtungsobjekt im Beschwerdeverfahren ist aber nicht die
Verfügung des Ausländeramts vom 7. Juli 2009, sondern der Rekursentscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements vom 11. Januar 2010. Beim Rechtsbegehren der
Beschwerdeführer handelt es sich offenbar um eine versehentliche Bezeichnung des
Anfechtungsobjekts, da im Rubrum der Beschwerdeschrift ausdrücklich auf den
Rekursentscheid hingewiesen wird. Da die Beschwerdeschrift auch eine Darstellung
des Sachverhalts und eine Begründung enthält, ist auf die Beschwerde einzutreten
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP).
2. Nach Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten von Personen mit
Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Nach einem
ordnungsgemässen und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren haben die
Ehegatten Anspruch auf Erteilung der Niederlassungsbewilligung.
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2.1. Nach Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG erlöschen die Ansprüche nach Art. 43 AuG, wenn
Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Solche sind bei Sozialhilfebezug
gegeben. Nach Art. 62 lit. e AuG liegt ein Widerrufsgrund vor, wenn die Ausländerin
bzw. der Ausländer oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe
angewiesen ist.
Diese Bestimmungen stehen im Einklang mit Art. 8 Ziff. 1 und 2 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK). Art. 8 Ziff. 1 EMRK verschafft
einen Anspruch auf Schutz des Familienlebens. Auf diesen können sich Angehörige
von Personen mit einem festen Rechtsanspruch auf Aufenthalt in der Schweiz berufen.
Dieser Anspruch ist allerdings nicht schrankenlos. Das Recht auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung für einen Angehörigen einer in der Schweiz niedergelassenen
Person kann gestützt auf Art. 8 Ziff. 2 EMRK u.a. eingeschränkt werden, wenn es für
das wirtschaftliche Wohl des Landes notwendig ist. Dies kann die Verweigerung bzw.
den Widerruf von Bewilligungen rechtfertigen, wenn die Ausländerin bzw. der
Ausländer oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe
angewiesen ist (vgl. Uebersax/Rudin/ Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel
2009, Rz. 8.30 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
2.2. Der Beschwerdeführer machte bei der Einreichung des Gesuchs um Erteilung der
Bewilligung für L. geltend, er habe keine Steuerschulden und keine anderen finanziellen
Verpflichtungen. Diese Angaben bestätigte er unterschriftlich (Akten Ausländeramt S.
39). Nach der Auskunft des Sozialamts Kirchberg vom 22. April 2009 wird der
Beschwerdeführer aber seit 1. Oktober 2005 sozialhilferechtlich unterstützt. Der offene
Saldo per 22. April 2009 betrug Fr. 102'276.40. Davon waren Fr. 13'881.05
Krankenkassenprämien und Kostenbeteiligungen. Das Sozialamt hielt fest, ein
zusätzliches Einkommen habe der Beschwerdeführer nicht (Akten Ausländeramt S. 72).
Im Gesuchsverfahren machte der Beschwerdeführer weiter geltend, er sei im Online-
Handel tätig und erwirtschafte damit monatlich nach Abzug der Unkosten zwischen
Fr. 300.-- und Fr. 500.--. In den entsprechenden Unterlagen wies er unter anderem
einen Fahrzeugaufwand von Fr. 600.-- pro Monat und Zins für Lagermiete von
Fr. 1'470.-- für April 2009 aus (vgl. Akten Ausländeramt S. 85 bis 88). Nachdem der
Beschwerdeführer im Rahmen der Prüfung des Gesuchs um unentgeltliche
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Prozessführung auf diese Angaben hingewiesen wurde, zog er das Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung zurück und machte geltend, er habe im Jahr 2009 den
Fahrzeugaufwand versehentlich falsch berechnet. Er habe damals die
Versicherungsprämien für das ganze Halbjahr 2009 miteinberechnet, was
selbstverständlich zu höheren Kosten führe. Der tatsächliche monatliche
Fahrzeugaufwand betrage lediglich Fr. 300.--. Die Miete für den Lagerraum im Jahr
2009 sei ihm zu hoch gewesen, weshalb er einen neuen Raum für Fr. 450.-- pro Monat
angemietet habe.
Weitere Angaben über seine Einkünfte machte der Beschwerdeführer nicht. Gegenüber
dem Ausländeramt deklarierte er für die ersten vier Monate des Jahres 2009 einen
Erlös aus Warenverkauf von Fr. 5'500.--. Im Beschwerdeverfahren macht er geltend, er
habe nun im Dezember 2009 endlich eine Arbeitsstelle mit einem monatlichen
Bruttolohn von Fr. 2'677.70 antreten können. Zusätzlich sei er seit längerem Inhaber
einer Einzelfirma, welche ihm ein ungefähres monatliches Zusatzeinkommen von
Fr. 600.-- liefere.
Die Angaben des Beschwerdeführers sind unvollständig und unklar. Einerseits
bestätigte das Sozialamt im April 2009, der Beschwerdeführer habe neben den
finanziellen Sozialhilfeleistungen keine weiteren Einkünfte. Demgegenüber behauptet er
in der Beschwerde, er sei "seit längerem" Inhaber einer Einzelfirma. Unter der
angegebenen Internetadresse findet sich ein sogenannter Online-Shop. Genaue
Angaben mit Belegen über die aus diesem Online-Shop erzielten Einkünfte macht der
Beschwerdeführer nicht. Er beziffert seine Einkünfte auf "rund Fr. 600.-- pro Monat". Er
allein wäre imstande, nähere Angaben zu machen, seit wann er diese Tätigkeit betreibt
und ob er diese dem Sozialamt gegenüber offengelegt hat. Die Gründung der GmbH
wurde jedenfalls erst während des Beschwerdeverfahrens bewerkstelligt, und der
Beschwerdeführer unterliess es, auch den Sacheinlagevertrag einzureichen. Damit
versucht er offensichtlich, seine finanzielle Situation zu verschleiern.
Hinzu kommt, dass der Arbeitsvertrag des Werk- und Technologiezentrums Linthgebiet
vom 30. November 2009 befristet ist und es sich nicht um ein Arbeitsverhältnis auf dem
freien Arbeitsmarkt handelt, sondern um eine Integrationsmassnahme für Stellenlose.
Trotz dieser geringen Einkünfte und des Bezugs von Sozialhilfeleistungen ist der
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Beschwerdeführer aber imstande, ein Motorfahrzeug zu unterhalten, wie aus seinen
Angaben über die Verbuchung von Fahrzeugkosten hervorgeht. Auch fällt auf, dass der
Beschwerdeführer erhebliche Aufwendungen für einen Lagerraum aufbringen kann,
obwohl es ja geradezu ein Wesensmerkmal eines Online-Shops ist, dass ein solcher
ohne Lager betrieben werden kann. Auch macht er keine näheren Angaben über die
Verwendung des Lagerraums, die gelagerten Güter und deren Wert.
Ausserdem ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers eingeschränkt. Aufgrund der
verschiedenen ärztlichen Zeugnisse bestehen bei ihm gesundheitliche Schwierigkeiten.
Allerdings wurden bislang seine Gesuche um eine IV-Rente wiederholt abgewiesen. Ein
definitiver Entscheid ist darüber noch nicht ergangen.
Zusammenfassend steht fest, dass der Beschwerdeführer für seinen Lebensunterhalt
seit 2005 Sozialhilfe bezog und nur ein geringes Zusatzeinkommen aus selbständiger
Erwerbstätigkeit erzielt. Die Wohnung des Beschwerdeführers kostet Fr. 1'130.--
(Akten Ausländeramt S. 49). Hinzu kommen Aufwendungen für den Lagerraum von
Fr. 450.-- und für das Fahrzeug von Fr. 300.-- pro Monat gemäss den Angaben des
Beschwerdeführers. Der übrige Lebensbedarf ist auf mindestens Fr. 1'500.-- zu
veranschlagen. Hinzu kommen Krankenkassenprämien von Fr. 280.-- pro Monat (Akten
Ausländeramt S. 40). Der Fahrzeugaufwand erscheint gering veran-schlagt. Damit
ergibt sich ein gesamter Mindestbedarf von rund Fr. 4'000.-- pro Monat. Daraus folgt,
dass der Beschwerdeführer bzw. die Beschwerdeführerin weiterhin auf Sozialhilfe
angewiesen sind, weshalb der Widerrufsgrund von Art. 62 lit. e AuG erfüllt und die
Verweigerung des Familiennachzugs bzw. die Verweigerung der Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der Eheschliessung gestützt auf Art. 51 Abs. 2
lit. b rechtmässig ist.
2.3. Im Beschwerdeverfahren wurde eine schriftliche Zusicherung der P. Trading
GmbH, Zürich, eingereicht, worin der Beschwerdeführerin eine Anstellung als
Auslandkorrespondentin zugesichert wird. Diese Bescheinigung vermag allerdings den
Umstand nicht zu beseitigen, dass der Beschwerdeführer auf Sozialhilfe angewiesen
ist. Die Bestätigung erscheint ohnehin als Gefälligkeitsbescheinigung. Es ist nicht
ersichtlich, inwiefern die ausstellende Unternehmung eine Auslandkorrespondentin für
arabische Länder beschäftigen soll, die im Teilzeitpensum einen Stundenlohn von
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Fr. 30.-- bezieht. Die P. Trading GmbH ist eine Gesellschaft mit einem minimalen
Stammkapital von Fr. 20'000.--. Nähere Angaben über ihre tatsächliche
Geschäftstätigkeit werden nicht gemacht. Namentlich wird nicht näher ausgeführt, ob
bzw. aus welchem Anlass die Organe der P. Trading GmbH die in Syrien lebende
Beschwerdeführerin kennen. Allein der Umstand, dass sie aus einem
arabischsprachigen Land stammt, bildet jedenfalls nicht ohne weiteres einen Grund,
einer Person eine Anstellung zuzusichern, ohne sie genauer zu kennen.
2.4. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht