Decision ID: 13a7e79f-58a8-49f1-858b-41368ab0d814
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 19
56
,
war seit September 2004 bei der
Y._
als Bauleiter / Projektleiter tätig (vgl. Arbeitgeberbericht, Urk. 7/34)
.
Am
8.
Mai 2012 erlitt
d
er
Versicherte
einen akuten
posterioren
Infarkt (vgl.
Urk.
7/23/8-9). In der Folge meldete er sich am
6.
November 2012 bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/18). Per 3
1.
März 2013 löste die
Y._
das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten auf (
Urk.
7/34/9). Anschliessend war der Versicherte vom
1.
April bis 3
1.
Dezember 2013 als Bau
leiter f
ür ein Architekturbüro in Z._
tätig (
Urk.
7/35). Die
Sozialversi
che
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und er
werb
liche Situation ab und zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei (
Urk.
7/39).
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
7/44) und Einwand des Versi
cherten (
Urk.
7/49) erfolgten Abklärungen zu einem neu aufgetretenen
Blasen
tumor
(vgl.
Urk.
7/51;
Urk.
7/53;
Urk.
7/57). Mit Verfügung vom 1
0.
Februar
2015
ver
neinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
(
Urk. 7/60
=
Urk.
2).
2.
Der
Versicherte
erhob
am
1
3.
März 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 1
0.
Februar 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und ihm sei eine Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1). Eventuell sei die Sache zur er
gänzenden medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen,
sub
even
tuell
sei ein gerichtliches Gutachten anzuordnen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2 und 3). Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
April 2015 (Urk. 6) um Ab
weisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am 1
0.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allge
mei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftrags
rechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behand
lung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unter
schiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einer
seits und Be
gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Exper
ten ander
seits (BGE 124 I 170
E.
4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklä
rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wich
tige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspring
ende - Aspekte benen
nen, die bei der Begutachtung unerkannt oder unge
wür
digt geblieben sind (Ur
teil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Okto
ber 2014 E. 7.2
mit Hinwei
sen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist
der Anspruch de
s Beschwerdeführers
auf eine Invali
denrente, mithin insbesondere Arbeitsfähigkeit und Invaliditätsgrad.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
aus, es
lägen keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Die dargestellten Einschränkungen begründeten keinen langdauernden
Ge
sundheitsschaden
(S. 1 unten). E
in IV-relevanter Gesundheitsschaden
sei so
mit nicht
ausgewiesen. Auch das seit Sommer 2014 bekannte
Harnblasenkarzi
nom
sei erfolgreich behandelt worden (S. 2
oben
).
2.3
Der
Beschwerdefüh
rer
kritisierte in der Beschwerde (
Urk.
1), dass der medi
zin
ische Sachverhalt seitens der Beschwerdegegner
in unzureichend abgeklärt wor
den sei
,
und verwies auf die Berichte und Stellungnahmen von
Dr.
A._
,
Dr.
B._
,
Dr.
C._
und
Dr.
D._
. Ihm sei anhand der bereits bei den Akten
befindlichen Dokumente eine Invalidenr
ente zuzusprechen (S. 6). Die Tat
sa
che, dass
Dr.
C._
keinen Arztbericht eingereicht
habe, könne sich nicht zu sei
n
en Lasten
auswirken (S. 7).
3.
3.1
V
o
m 1
6.
Mai 2012 bis
5.
Juni 2012 befand sich der Beschwerdeführer zur sta
tionären kardiologischen Rehabilitation in der Klinik
E._
.
Aus d
em entspre
chenden
Bericht vo
m 2
0.
Juni 2012 (
Urk.
7/23/1-4)
ergibt sich
ein
weitgehend unauffälliger Rehabilitationsverlauf
.
3.2
Dem
B
ericht
der Ärzte des
F._
, Klinik für Kardiologie, vo
m 1
9.
Juni 2012 (Urk. 7/23/8-9) ist die Diagnose einer
koronare
n
Dreigefässer
krankung
bei Status nach
posteriorem
STEMI
mit Reanimation
und PCI RCA und RCX
am
8.
Mai 2012 zu entnehmen (S. 1 Mitte).
Zwischenzeitlich habe der Beschwerdeführer nie über
pectanginöse
Beschwerden oder Dyspnoe geklagt (S.
1 unten).
N
un
sei eine
elektive PCI RI
VA durch einen
beschichteten Stent
er
folgt
,
welche komplikationslos verlaufen sei (S. 2 Mitte).
3.3
Im
Bericht des Leitenden Arztes der Kardiologie
des Spitals
G._
vom 1
8.
November 2013 (Urk. 7/32/1-2
) werden folgende
Hauptdiagnosen
genannt
(S. 1 Mitte):
koronare Herzerkrankung
Verdacht auf obstruktives Schlafapnoe
syndrom
gastroösophagealer
Reflux bei axialer
Hiatushernie
Die
Ergometrie
vom
8.
Oktober 2013 sei klinisch und elektrisch normal ausge
fallen
(vgl. auch Bericht vom
9.
Oktober 2013 in
Urk.
7/32/3-5)
. A
us kardiolo
gischer Sicht bestehe keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
für körperlich leichte und mittelschwere Arbeiten
. Es sei jedoch wichtig, dass der Beschwer
deführer das Arbeitsvolumen und das Arbeitstempo im Wesentlichen selber be
stimmen könne
(S. 1 unten)
.
3.4
Dr.
med. B._
, Facharzt für Innere Medizin und für Rheumatologie, berichtete am 2
5.
November 2013
zuhanden
der Krankentaggeldversicherung
(
Urk.
7/39/5-6) über Konzentrationsstörungen
, Schlafstörungen, Erschöpfung
und
ein mittelschweres depressives Zustandsbild (S.
2 Frage 5). Er attestierte dem
Beschwerdeführer
eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
ab dem
3.
Oktober 2013 (S. 2
Frage 8)
.
3.5
Dr.
B._
nannte im Bericht
vom
4.
Dezember 2013
zuhanden der
Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
7/33) neben den bekannten Diagnosen einen zunehmenden Er
schöpfungszustand bei einem mittelschweren depressiven Zustandsbild sowie eine benigne Prostatahyperplasie (
Ziff.
1.1)
. Er führte aus, die
Beschwerdegeg
nerin
solle etwa in einem halben Jahr einen weiteren Bericht anfordern, eine Integration scheine möglich (vor
Ziff.
1.1).
3.6
Assistenzärztin
A._
,
H._
, nannte im
Bericht
vom
9.
März
2014
zuhan
den der
Krankentaggeldversicherung
(Urk.
7/51/9-11
) im Wesentlichen die
Di
agnose einer mittelgradigen d
epressiven Episode (S.
2 unten). Sie führte aus,
die depressi
ve Stimmung stelle sich durch eine innere Unruhe, massive Existenz
ängste, Verzweiflung, Ratlosigkeit und starke Konzentrations-Gedä
chtnisstö
rungen dar. Meist bestünden Einschlafstörungen, ein oberflächlicher Schlaf, woraus Tagesmüdigkeit und körperliche Erschöpfung resultiere. Es bestehe ein ständiges Grübeln, gedanklich sei
d
er
Beschwerdeführer
stark eingeengt auf die Kündigung und das damit verbundene Gefühl der Wertlo
sigkeit. Weiter lägen
Insuffizien
z
ge
fühle, Minderwertigkeitsgefühle, Versagensängste, Antriebslosig
keit und eine rasche Ermüdbarkeit vor
(S.
3 oben).
Seit Oktober
2013 erfolge nebst einer
psy
cho
pharmakologischen
Behandlung eine
stützende Ge
sprächs
therapie wöchent
lich beziehungsweise zweiwöchentlich (S.
3 Mitte).
Es bestehe eine
100%ige
Arbeits
unfähigkeit seit
dem
2
5.
Oktober
201
3.
D
er
Beschwerde
führer
sei aufgrund
des depressiven Zustandsbildes, bedingt einhergehend mit
Konzentrations
störung
en
, reduzierter Belastbarkeit sowie noch diskret redu
zier
ter kognitiver Flexi
bilität für ein 100%-Pensum eingeschränkt. Aktuell sei eine schrittweise Wiederauf
nahme beginnend mit einem Arbeitspensum
von 50 %
durchaus vor
stellbar und vom
Beschwerdefüh
rer
auch gewünscht (S. 3 unten)
.
3.7
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beratender Psychiater der Krankentaggeldversicherung, gab am 1
5.
Mai 2014 (
Urk.
7/51/8) an, dass die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode eine
Arbeitsun
fähigkeit
begründe. Es sei nicht ganz klar, welche
Arbeitsunfähigkeit
attestiert sei.
Gemäss
den Angaben im Bericht
vom März 2014
dürfe von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden
, dies noch bis mindestens Ende Juni 201
4.
Angesichts der vorliegenden Angaben sei eine Remission im Gange, so dass mit einer weiteren Erhöhung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden dürfe.
3.8
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
H._
,
hielt im Ärztlichen Zeugnis
zuhanden
der Krankentaggeldversicherung vom 1
7.
Juni 2014 (
Urk.
7/51/6) fest, dass es aufgrund eines Verdachtes auf einen Blasentumor zu einer Verschlechterung des psychischen Zustandsbildes ge
kommen sei. Er attestierte dem
Beschwerdefüh
rer
vom 3
0.
Mai 2014 bis zum 3
0.
Juni 2014 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
.
3.9
RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, gab mit Stellung
nahme vom 1. Juli 2014 (
Urk.
7/43/3) an, es lägen keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor, insbesondere keine fachärztlich-psy
chiatrisch ausgewiesenen. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten die soweit erfolgreich behandelte und kompensierte koronare Herzkrankheit und das mittelsc
hwere depressive Zustandsbild. D
amit sei in Art und Schwere noch kein relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen. Eine Arbeitsunfähigkeit habe nur während den kurze
n Klinikaufenthalten bestanden.
3.10
Dr.
B._
gab im
Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
vom
2
4.
Septem
ber 2014 (
Urk.
7/53) an,
der
Beschwerdefüh
rer
sei zwischenzeitlich an einem
Urothel
-
Karzinom der Harnblase erkrankt. D
er Gesamtzustand
des Beschwerde
führers
sei weiterhin reduziert respektive
er
sei
zurzeit
100 % er
werbsunfähig (
Ziff.
1.1)
.
3.1
1
Der Oberarzt der U
rologische
n
Klinik des Spitals
G._
gab im
Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
vom 2
7.
Novembe
r 2014 (
Urk.
7/57/1-5) an,
seit dem
2.
Oktober
20
14 sei mit der BCG-Instil
lationstherapie begonnen worden.
D
abei würden wöchentlich einmal während sechs Wochen (
Induktions
zyklus
) BCG-Applikationen durchgeführt; dies könne innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden erhebliche Nebenwirkungen nach sich ziehen, weswegen zumindest für den Tag der Applikation eine passagere
Arbeitsunfähigkeit
attestiert werden könne. Eine Empfehlung für zukünftige Therapien hänge sehr stark davon ab, ob nach dem Induktionszyklus mittels BCG erneut ein Karzinom nachgewiesen werden könne.
In diesem Fall müsste
man nochmals resezieren (stationärer Auf
enthalt) oder einen erneuten Induktionszyklus machen (
Ziff.
1.1). Der
Beschwer
defüh
rer
habe die BCG-Behandlung bis jetzt gut vertragen. Entsprechend werde nicht vo
n Einschränkungen ausgegangen. A
ufgrund der voraussichtlich lang
jährigen Behandlung könne es zumindest während den BCG-Zyklen zu einer passagere
n Arbeitseinschränkung kommen. I
n den ersten 24
Stunden
müsse jeweils mit einer verminderten Leistungsfähigkeit gerechnet werden (
Ziff.
1.7).
3.12
Am
4.
Dezember 2014 nahm RAD-Arzt
Dr.
I._
erneut Stellung (
Urk.
7/59/2). Er gab an, eine aktuelle, relevante fachärztlich-psychiatrische Stellungnahme liege nicht vor. Auch das neue urologische Krankheitsgeschehen (soweit erfolg
reich behandeltes Karzinom der Harnblase) entspreche noch keinem
relevanten Gesundheitsschaden.
3.13
Dr.
B._
nannte
im
Bericht vom 1
2.
März 2015
zuhanden des
Beschwerdefüh
rers
(Urk.
3/3
) die
bekannte
n
Diagnosen (S. 1)
. Er führte aus,
der
Beschwerde
füh
rer
sei immer noch in urologischer Behandlung und
erhalte
regelmässige
BCG-Zyklen. D
iese hätten unmittelbar wie auch mittelfristig eine erneute Verschlechterung seines
Gesundheitszustandes zur Folge.
Vor allem leide d
er
Be
schwerdefüh
rer
unter vermehrten abdominellen Beschwerden,
Pollakisurie
, re
duziertem Allgemeinzustand und rascher Erschöpfung.
Er
sei vorläufig
zu
100 %
arbeitsunfähig
(S. 2)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich auf die Stellungnahmen des
RAD-Arzt
es
Dr.
I._
, welch
er
davon ausging, dass die
beim Beschwerdeführer vorliegenden
Diagnosen keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten.
Demgegenüber
attestierte der Hausarzt
Dr.
B._
dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsun
fähigkeit. Der behandelnde Psychiater
Dr.
C._
wurde mehrmals zur Einrei
chung eines Arztberichtes aufgefordert (vgl.
Urk.
7/36), ist dieser Aufforderung jedoch nicht nachgekommen. Indessen liegt ein Bericht einer anderen Ärztin der
H._
vom März 2014
zuhanden der Krankentaggeldversicherung vor. Darin wird von einer schrittweisen Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit
,
beginnend mit einem 50%-Pensum
,
ausgegangen.
Dr.
C._
selbst teilte der
Krankentaggeldversicherung im Juni 2014 eine
Verschlechterung des psychi
schen Zustandsbildes mit und attestierte dem Beschwerdeführer für
Ende Mai bis Ende
Juni 2014 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
.
4.2
Aufgrund der vorliegenden Akten
ergibt sich, dass der Beschwerdeführer an
einer koronaren Herzkrankheit leidet, welche erfolgreich behandelt werden konnte.
So gab der Leitende Kardiologe
des Spitals
G._
im November 2013
an, dass aus kardiologischer Sicht für körperlich leichte und mittelschwere Arbeiten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe.
4.
3
Das neu aufgetretene Karzinom der Harnblase konnte
ebenfalls
soweit erfolg
reich behandelt werden.
Es ist zwar möglich
, dass es während den jeweils 6-wöchigen BCG-Zyklen zu einer passageren Arbeitseinschränkung – von einem Tag pro Woche – kommen kann. Dies führt aber nicht zu einer wesentlichen und längere Ze
it dauernden Arbeitsunfähigkeit.
4.
4
Aus psychiatrischer Sicht wurde beim Beschwerdeführer eine mittelgradige de
pressive Episode diagnostiziert.
Zu prüfen bleibt, ob aufgrund dieser von einer wesentlichen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden kann.
4.5
Dr.
B._
attestierte
dem Beschwerdeführer
im November 2013 eine volle Arbeitsunfähigkeit, wobei er insbesondere psychiatrische Befunde anführte. Er ging indessen nicht von einem stabilen Gesundheitszustand aus, hielt er doch gemäss Bericht vom Dezember 2013
eine Integration noch für möglich. In den Berichten vom September 2014 und März 2015 attestierte
Dr.
B._
dem Beschwerdeführer wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, jedoch ohne Be
funde zu nennen oder die Arbeitsunfähigkeit näher zu begründen. Er erwähnte insbesondere das neu aufgetretene Karzinom der Harnblase und die entspre
chende Behandlung (BCG-Zyklen).
Dies steht indessen im Widerspruch zur Be
urteilung des urologischen Facharztes, wonach die Therapien einer beruflichen Tätigkeit nicht im Wege stünden (vgl.
Urk.
7/57/1-5
Ziff.
1.9).
Auch aufgrund der von
Dr.
B._
genannten
Beschwerd
en – er berichtete hauptsächlich über einen reduzierten Allgemeinzustand und rasche Er
schöpfung - erscheint eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar.
Schliesslich ist zu beach
ten,
dass
Dr.
B._
als Hausarzt eine Vertrauensstellung gegenüber dem Be
schwer
deführer hat (vgl. E.
1.5)
, was sich auf den Beweiswert seiner Berichte auswirkt.
4.6
Assistenzärztin
A._
stellte
im März 2014
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode,
ging indessen
noch nicht von einem stabilen Gesundheits
zustand aus. Sie hielt eine schrittweise Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit, beginnend mit einem Pensum von 50 %, für durchaus möglich. Auch der be
handelnde Psychiater
Dr.
C._
nahm gemäss Bericht
vom März 2014
noch keine langandauernde
Arbeitsunfähigkeit
an, attestierte er dem Beschwerde
führer doch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von lediglich einem Monat
.
Zu berücksichtigen ist weiter, dass
beim Beschwerdeführer unbestrittenermassen verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren vor
lagen
. Der Beschwerdeführer
machte
im November 2013
Aussagen
über Stress bei der Arbeit, Auseinander
setzungen mit dem Vorgesetzten und einer grossen Verantwortung
. Dies habe bei ihm zu gesundheitlichen Beschwerden geführt
(vgl. Verlaufsprotokoll
Ein
gliederungsberatung
,
Urk.
7/31
S.
1 und
S.
2 unten).
Entsprechend berichtete Hausarzt
Dr.
B._
im November 2013 über ein mittelschweres depressives Zustandsbild mit Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und Erschöpfung.
Offenbar traten depressive Störungen während
d
er – bis Ende Dezember 2013 dauernden – Tätigkeit
des Beschwerdeführers
als Bauleiter für ein
Architektur
büro
auf, begab er sich doch im Oktober 2013 in psychiatrische Behandlung (vgl.
Urk.
7/51/10-11). Assistenzärztin
A._
gab im März 2014 an,
die neue Anstellung sei für den
Beschwerdeführer nicht tragbar gewesen. Er
sei gedank
lich stark eingeengt auf die Kündigung und das damit verbundene Gefühl der Wertlosigkeit
(Urk. 7/51/9-11 S. 1 unten und S. 3 oben)
. In die von
Assistenz
ärztin
A._
attestierten
Arbeitsunfähigkeiten gingen
wohl
psychosoziale, mit
hin IV-fremde Faktoren mit ein.
Soweit die Arbeitsunfähigkeit
durch psychoso
ziale Faktoren bedingt ist, ist sie
indessen
versicherungsrechtlich nicht relevant.
Wesentlich ist schliesslich, dass die
aus
psychiatrische
r Sicht
gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode gemäss höchstrichterlicher Rechtspre
chung grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
gilt (
Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom
4.
März
2014 E.
3.6.1 mit Hinweisen
;
vgl.
auch
Urteil 9C_626/2013 vom 1
8.
Februar 2014 E.
4.3, in welchem eine mittelgradige depressive Episode in Zusammenhang mit einer Brustkrebserkrankung zu beur
tei
len war).
Bei mittelschweren depressiven Episoden verneint das Bundes
ge
richt regelmässig deren invalidisierende Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
4.7
Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
gestützt
auf die Beurteilung
ihres
RAD-
Arztes
davon ausging, es lägen keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor.
Der medizinische Sachverhalt ist als in diesem Sinne erstellt zu betrachten.
W
eitere Abklärungen
sind
nicht erforderlich
.
Damit erweist sich die anspruchsverneinende Verfügung vom
1
0.
Februar
2015
(Urk. 2) als zutreffend, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Die Kosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
600
.-- fes
t
zusetzen und
ausgangsgemäss
dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.