Decision ID: 3bbe1309-174c-4dc1-a064-ba171de38be4
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Kanton Zürich,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Sicherheitsdirektion, Kanton Zürich, und diese durch das Kantonale
Sozialamt, Schaffhauserstrasse 78, Postfach, 8090 Zürich,
gegen
Kontrollstelle für Krankenversicherung A._,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung des Krankenversicherungsschutzes für D._
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Sachverhalt:
A.
Die brasilianische Staatsangehörige D._ (nachfolgend: Versicherte) hatte seit 19. Juni
1998 ihren Wohnsitz in der Gemeinde A._. Gemäss Auskunft des Einwohneramtes
A._ vom 12. April 2006 erfolgte eine Abmeldung am 5. Juli 2004 wegen Wegzug der
Versicherten nach unbekannt am 31. März 2004 (act. G 1.1/3). Mit Schreiben vom 19.
Februar, 22. März und 25. Juli 2007 teilte das Sozialamt des Kantons Zürich
(nachfolgend: Sozialamt) dem Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen mit,
der Wohnsitz der Versicherten befinde sich nach wie vor in A._. Daher sei der
Krankenversicherungsschutz der Versicherten abzuklären. Bei allfälligen
Leistungssperren wegen ausstehenden Prämien seien diese zu begleichen (act. G
1.1/19, 20, 22). In der Folge gab die Kontrollstelle für Krankenversicherung der
Gemeinde A._ (nachfolgend: Kontrollstelle) dem Sozialamt mit Verfügung vom 5.
September 2007 bekannt, die Versicherte habe spätestens Anfang 2005 in Zürich einen
neuen zivilrechtlichen Wohnsitz begründet. Auf das Begehren, die Versicherungspflicht
der Versicherten zu überprüfen, werde mangels Zuständigkeit nicht eingetreten (act. G
1.1/24). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (act. G 1.1/25) wies die
Kontrollstelle mit Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2007 ab (act. G 1.1/1).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob der Kanton Zürich, vertreten durch das Sozialamt,
mit Eingabe vom 1. November 2007 Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid sei
aufzuheben, und die Kontrollstelle sei zu verpflichten, den Krankenversicherungsschutz
für die Versicherte lückenlos für die Vergangenheit und für die Zukunft, längstens bis
zur Begründung eines neuen zivilrechtlichen Wohnsitzes, sicherzustellen. Zur
Begründung legte der Beschwerdeführer unter anderem dar, die Versicherte habe nach
der Trennung von ihrem Ehemann in der Stadt Zürich keinen zivilrechtlichen Wohnsitz
begründet. Der Umstand, dass sie im Lauf des Jahres 2004 seitens der Gemeinde
A._ rückwirkend per 31. März 2004 abgemeldet worden sei, vermöge noch nicht die
Aufgabe des dortigen Wohnsitzes zu postulieren. Dies sei nur der Fall, wenn sie einen
neuen zivilrechtlichen Wohnsitz begründet habe. Die Versicherte sei in den Jahren 2004
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und 2005 an verschiedenen Adressen wegen Erwerb und Konsum von Drogen
verhaftet worden. Dies lege den Schluss nahe, dass sie sich zwecks Drogenerwerb an
diesen Adressen aufgehalten habe. Es sei keineswegs unwahrscheinlich, dass
Drogenkonsumenten immer wieder an die Orte zurückkehren würden, an denen sie
Drogen erwerben und konsumieren könnten. Selbst wenn sie gelegentlich in der
Wohnung B._ übernachtet und gegessen haben sollte, genüge dies nicht für die
Begründung eines Wohnsitzes. Die Versicherte habe nichts unternommen, um einen
allfälligen inneren Willen, in der Stadt Zürich Wohnsitz zu begründen, nach aussen
sichtbar werden zu lassen. Sie habe weder versucht, sich bei der Einwohnerkontrolle
der Stadt Zürich anzumelden noch habe sie ihre Meldepflichten gegenüber dem
Migrationsamt des Kantons Zürich erfüllt. Die Stadtpolizei Zürich habe trotz
aufwändiger Abklärungsarbeiten keine wohnsitzähnliche Situation feststellen können.
Indem die Versicherte regelmässig zu Protokoll gegeben habe, über keinen festen
Wohnsitz zu verfügen und zuletzt in A._ gewohnt zu haben, seien die
Grundvoraussetzungen für eine Wohnsitznahme nicht annähernd gegeben. Eine
Person, die auf der Gasse lebe, erfülle die gesetzlichen Voraussetzungen für eine
Wohnsitznahme nicht. Die Versicherte müsse für die Aushändigung von Strafbefehlen
etc. regelmässig polizeilich ausgeschrieben werden, da sie nicht über eine feste
Wohngelegenheit verfüge. Sie habe weder Möbel bei sich noch verfüge sie über eine
Adresse. Die Beschwerdegegnerin verhalte sich widersprüchlich, indem sie einerseits
geltend mache, die Versicherte habe spätestens Anfang des Jahres 2005 in Zürich
einen neuen Wohnsitz begründet, anderseits jedoch die Krankenversicherungs-
Prämien seitens der Gemeinde A._ nur bis zum 30. Juni 2004 bezahlt worden seien.
Der Wohnsitz in A._ bestehe nach wie vor. Der Beweis, dass die Versicherte an
einem anderen Ort Wohnsitz begründet habe, sei von der Gemeinde A._ nicht
erbracht worden. Andere Kantone seien jeweils ohne weiteres bereit, auf der Gasse (in
Zürich) lebende Personen zu versichern, auch wenn sie sich nicht mehr im eigenen
Kantonsgebiet aufhalten würden.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 27. November 2007 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Zur
Begründung führte sie unter anderem aus, die Legitimation des Beschwerdeführers
stehe nicht zweifelsohne fest. Als Gemeindebehörde habe sie (die
Beschwerdegegnerin) nicht näher prüfen können, ob Anspruch auf eine Verfügung
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bestanden habe. Für die Versicherte sei es offensichtlich nicht von Bedeutung, ob ihr
Strafbefehle oder andere Dokumente zugestellt werden könnten. Auch wenn es in der
Regel üblich sei, dass Personen über Möbel und eine Korrespondenzadresse
verfügten, sei unter den konkreten Umständen (Drogenmissbrauch, Prostitution)
verständlich, dass ausserordentliche Verhältnisse vorliegen würden. Die Wohnung von
B._ an der C._ habe für die Versicherte eine feste Wohngelegenheit dargestellt. Der
dortige Drogenkonsum und die Tatsache, dass sie sich oft auf der Gasse anstatt in der
Wohnung aufhalte, stehe in keinem Widerspruch zum Bestand eines Wohnsitzes. Die
Abklärungen der Stadtpolizei Zürich hätten vorwiegend im Jahr 2006 stattgefunden,
also über ein Jahr nach der Wohnsitzbegründung an der C._. Es werde nicht
behauptet, die Versicherte sei mit R. B._ an dessen neue Adresse (E._)
umgezogen. Auch wenn die Versicherte den Wohnsitz an der C._ wieder aufgegeben
habe, bleibe er bis zum Erwerb eines neuen Wohnsitzes bestehen. Die Absicht des
dauernden Verbleibens in Zürich sei nach aussen erkennbar. Insbesondere sei die
Versicherte immer in der K._ anzutreffen, wo sich auch die L._ befinde. Hingegen
sei sie schon über drei Jahre nicht mehr in A._ gewesen, und offensichtlich habe sie
nicht die Absicht, dorthin zurückzukehren. Die Gemeinde A._ habe keineswegs eine
krankenversicherungsrechtliche Zuständigkeit bis zu einem bestimmten Zeitpunkt
anerkannt. Es sei ausdrücklich festgestellt worden, dass die Versicherte spätestens
Anfang des Jahres 2005 in Zürich Wohnsitz begründet habe. Es sei aber sehr
wahrscheinlich, dass dies schon vorher der Fall gewesen sei. Die Leistungen des
Kantons Zürich seien keine Sozialhilfeleistungen, sondern Unterstützungen im Notfall
gemäss Art. 20 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 13 des Zuständigkeitsgesetzes (ZUG, SR
851.1). Die Versicherte habe sich bei keinem Sozialamt angemeldet. Da sie im Kanton
Zürich Wohnsitz begründet habe und somit die Gemeinde A._ nicht zuständig sei, sei
es nicht von Bedeutung, ob die Voraussetzungen von Art. 14bis des
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (EGKVG;
sGS 331.11) gegeben seien.
B.c Mit Replik vom 10. Dezember 2007 bestätigte der Beschwerdeführer seinen
Standpunkt. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik.
B.d Die Krankenversicherung Concordia beantwortete am 5. Mai 2008 eine Anfrage
des Versicherungsgerichts vom 26. März 2008 (act. G 9-13). Auf ein Schreiben des
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Beschwerdeführers vom 16. Juni 2008 gelangte das Versicherungsgericht mit einer
ergänzenden Anfrage vom 26. Juni 2008 an die Concordia, welche diese am 11. Juli
2008 beantwortete (act. G 15-17).

Erwägungen:
1.
1.1 Mit Verfügung vom 5. September 2007 hatte die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer eröffnet, die Versicherte habe spätestens Anfang 2005 in Zürich
einen neuen zivilrechtlichen Wohnsitz begründet. Auf das Begehren, die
Versicherungspflicht der Versicherten zu überprüfen, werde mangels Zuständigkeit
nicht eingetreten (act. G 1.1/24). Die Beschwerdegegnerin stellt sinngemäss sowohl
ihre Berechtigung zum Erlass der erwähnten Verfügung als auch die Legitimation des
Beschwerdeführers zur Beschwerdeerhebung in Frage (act. G 3.1). - Über Leistungen,
Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene
Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträger - oder eine Behörde,
welche für die Einhaltung der Versicherungspflicht zuständig ist (vgl. dazu U. Kieser,
ATSG-Kommentar, Rz 16 zu Art. 49 ATSG) - schriftlich Verfügungen zu erlassen
(Art. 49 Abs. 1 ATSG). Unter den Begriff der betroffenen Person fallen auch andere
Versicherungsträger, welche durch den Entscheid betroffen sind (Kieser, a.a.O., Rz 11
zu Art. 49 ATSG). Der Beschwerdeführer übernahm nach Lage der Akten für die
Versicherte in den Jahren 2005 bis 2007 Gesundheitskosten in beträchtlichem Umfang
(G 1.1/6-16) und ist daher von einer Ablehnung der Versicherungspflicht betroffen. Die
Beschwerdegegnerin war somit berechtigt, dem Beschwerdeführer eine Verfügung im
erwähnten Sinn zukommen zu lassen und diese im anschliessenden
Einspracheverfahren zu überprüfen.
1.2 Nach Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch die angefochtene
Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse
an deren Aufhebung oder Änderung hat. Als schutzwürdiges Interesse im
legitimationsrechtlichen Sinne gilt jedes praktische oder rechtliche Interesse, welches
eine von einer Verfügung betroffene Person oder Behörde an deren Änderung oder
Aufhebung geltend machen kann. Das schutzwürdige Interesse besteht somit im
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praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde dem Verfügungsadressaten
verschaffen würde, oder - anders ausgedrückt - im Umstand, einen Nachteil
wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen
die angefochtene Verfügung mit sich bringen würde. Das rechtliche oder auch bloss
tatsächliche Interesse braucht somit mit dem Interesse, das durch die von der
Beschwerde führenden Person als verletzt bezeichnete Norm geschützt wird, nicht
übereinzustimmen. Immerhin wird verlangt, dass die Person durch die angefochtene
Verfügung stärker als jedermann betroffen sei und in einer besonderen,
beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache stehe (BGE 133 V 188 Erw. 4.3).
Mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführer für die Versicherte wie erwähnt während
mehrerer Jahre Krankheitskosten in erheblichem Umfang übernommen hatte und er
daher unmittelbar von der Ablehnung der Versicherungspflicht durch die
Beschwerdegegnerin betroffen ist, ist die Beschwerdelegitimation ohne weiteres zu
bejahen (vgl. auch BGE 133 V 188 Erw. 4.4 und 5).
2.
Bei Personen mit Wohnsitz in der Schweiz (im Sinn von Art. 23ff ZGB) beginnt die
Versicherung im Zeitpunkt der Wohnsitznahme (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 KVG). Begründen
Ausländer mit einer Niederlassungs- oder einer mindestens drei Monate gültigen
Aufenthaltsbewilligung (Art. 1 Abs. 2 lit. a KVV) keinen schweizerischen Wohnsitz,
beginnt die Versicherung am Tag des der Einwohnerkontrolle gemeldeten Aufenthaltes
(Art. 7 Abs. 1 KVV in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 Satz 2 KVG; BGE 125 V 76). Der
zivilrechtliche Wohnsitz einer Person befindet sich an dem Ort, wo sie sich mit der
Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1 ZGB) und den sie sich zum
Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen gemacht hat (BGE 127 V 237 Erw. 1, 125 III 100
Erw. 3). Für die Begründung des Wohnsitzes müssen somit zwei Merkmale erfüllt sein:
ein objektives äusseres, der Aufenthalt, sowie ein subjektives inneres, die Absicht
dauernden Verbleibens. Nach der Rechtsprechung kommt es nicht auf den inneren
Willen, sondern darauf an, auf welche Absicht die erkennbaren Umstände objektiv
schliessen lassen (BGE 127 V 237 Erw. 1, 125 V 76 Erw. 2a). Der Wohnsitz bleibt an
diesem Ort bestehen, solange nicht anderswo ein neuer begründet wird (Art. 24 Abs. 1
ZGB). - Schiebt der Versicherer die Übernahme der Kosten für Leistungen auf, weil die
versicherungspflichtige Person fällige Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht bezahlt
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hat, übernimmt die politische Gemeinde gemäss Art. 14bis EGKVG Prämien und
Kostenbeteiligungen sowie Betreibungskosten und Verzugszinsen, wenn die Mittel der
versicherungspflichtigen Person für den eigenen Lebensunterhalt und denjenigen ihrer
Familienangehörigen nicht ausreichen (lit. a) und die Zahlungsunfähigkeit der
versicherungspflichtigen Person nachgewiesen ist (lit. b). Der Kanton vergütet der
politischen Gemeinde die Kosten (Art. 14bis Abs. 2 EGKVG).
3.
3.1 Die Versicherte reiste am N._ in die Schweiz ein. Ihre im Kanton St. Gallen
erteilte Niederlassungsbewilligung C lief am 19. Juni 2004 ab (act. G 1.1/2). Am 19.
Juni 1998 war sie von F._ nach A._ gezogen. Die Abmeldung in A._ erfolgte am
5. Juli 2004 wegen Wegzugs der Versicherten nach unbekannt am 31. März 2004 (act.
G 1.1/3). Die Krankenversicherung Concordia hatte den Austritt der Versicherten
aufgrund einer Mitteilung des Ausländeramtes St. Gallen und der Einwohnerkontrolle
A._ auf den 30. Juni 2004 vorgenommen. Einen Leistungsaufschub hatte die
Concordia nie eingeleitet. Die Krankenversicherungsprämien wurden durch das
Sozialamt A._ bezahlt (act. G 13, 17). Nach Darstellung der Parteien hatte sich die
Versicherte bereits seit Ende 2003 in Zürich aufgehalten. Im April 2004 wurde ihre Ehe
getrennt und die Kinder dem Vater zugeteilt (act. G 1.1/4, 16). Im Amtsblatt wurde sie
aufgrund unbekannten Aufenthalts gerichtlich zur Scheidungsverhandlung vorgeladen.
3.2 Das Sozialamt A._ stellte sich in einem Schreiben vom 24. Januar 2007 an die
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich auf den Standpunkt, es sei für die Erteilung der
Kostengutsprache nicht zuständig, da die Versicherte ihren Unterstützungswohnsitz
seit Oktober 2003 nicht mehr in A._ habe; die Prämien der Krankenkasse Concordia
seien vom Sozialamt bis 30. Juni 2004 übernommen worden (act. G 1.1/16). - Die
Frage des interkantonalen Unterstützungswohnsitzes beurteilt sich unabhängig vom
zivilrechtlichen Wohnsitz nach den Bestimmungen des ZUG. Nach Art. 4 Abs. 1 ZUG
obliegt die Unterstützung eines Bedürftigen (d.h. einer Person, welche für ihren
Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln
aufkommen kann; vgl. Art. 2 ZUG) dem Kanton, in welchem dieser sich mit der Absicht
dauernden Verbleibens aufhält; dort liegt sein so genannter Unterstützungswohnsitz.
Als Aufenthalt gilt dabei die tatsächliche Anwesenheit in einem Kanton; dieser wird als
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Aufenthaltskanton bezeichnet (Art. 11 ZUG). Dass und wann eine Person an einem Ort
ihren Unterstützungswohnsitz begründet hat, ist gemäss einer weitgehend auch im
öffentlichen Recht geltenden Beweisregel (Art. 8 ZGB) von dem Kanton zu beweisen,
der daraus Rechte ableitet. Dabei stellt das Zuständigkeitsgesetz in Art. 4 Abs. 2 die
gesetzliche Vermutung auf, dass eine Person mit der polizeilichen Anmeldung (beim
Einwohneramt) am betreffenden Ort Unterstützungswohnsitz begründet hat. Die
Vermutung entfällt jedoch, wenn eine der besonderen Bestimmungen des
Zuständigkeitsgesetzes zutrifft (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2002 i/S
Kanton X. [2A.603/1999], Erw. 2a, mit Hinweis auf Werner Thomet, Kommentar zum
Bundesgesetz über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger [ZUG], 2. Aufl.
Zürich 1994, Rz 106). Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz werden vom Wohnkanton
unterstützt (Art. 20 Abs. 1 ZUG). Bedarf ein Ausländer, der sich in der Schweiz aufhält,
hier aber keinen Wohnsitz hat, sofortiger Hilfe, so ist der Aufenthaltskanton
unterstützungspflichtig (Art. 21 Abs. 1 ZUG). Der Aufenthalt in einem Heim, einem
Spital oder einer andern Anstalt begründet keinen Unterstützungswohnsitz (Art. 5
ZUG). Ein bestehender Unterstützungswohnsitz geht verloren, wenn der Bedürftige aus
dem bisherigen Wohnkanton wegzieht (Art. 9 Abs. 1 ZUG). Nicht beendigt wird der
Wohnsitz jedoch durch den Aufenthalt in einem Heim, einem Spital, einer anderen
Anstalt oder in Familienpflege (Art. 9 Abs. 3 ZUG).
3.3 Die Niederlassungsbewilligung C erlischt, anders als die Aufenthaltsbewilligung B,
nicht mit dem Ablauf der Kontrollfrist (vgl. Art. 9 des bis 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer; ANAG
[SR 142.20]; für die rechtliche Lage ab 1. Januar 2008 vgl. Art. 34 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG; SR 142.20). Die
Versicherte verfügte somit grundsätzlich auch nach Ablauf der Kontrollfrist am 19. Juni
2004 (vgl. act. G 1.1/2) über eine Niederlassungsbewilligung im Kanton St. Gallen.
Damit ist jedoch die Frage, ob die Versicherte ihren Unterstützungswohnsitz in A._
mit ihrem Wegzug aufgegeben hatte, noch nicht beantwortet, zumal für den Wohnsitz
nicht massgebend ist, ob eine Person eine fremdenpolizeiliche Niederlassungs- oder
Aufenthaltsbewilligung hat (BGE 125 V 76, Erw. 2a; Daniel Stahelin, Basler Kommentar
zum ZGB, 3. Auflage, Rz 23 zu Art. 23 ZGB).
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Gemäss Erhebungsbericht der Stadtpolizei Zürich vom 4. April 2006 wurde der
Versicherten von einem Bekannten (B._, C._ [später: E._]) Kost und Logis
gewährt (Journaleinträge vom 18. März 2005 und 30. Januar 2006). Im Januar 2005
wurde sie zweimal wegen Erwerbs und Konsums von Drogen an dieser Adresse
angezeigt und am 17. März 2005 dort verhaftet. Am 16. Juni 2004 und 13. April 2005
waren an anderen Orten in Zürich weitere polizeiliche Anzeigen gegen die Versicherte
erfolgt (act. G 1.1/5 S. 2-5). Im Rahmen der ambulanten Behandlung im Stadtspital
Triemli im Mai 2006 hatte die Versicherte angegeben, sie verfüge über keinen festen
Wohnsitz und über keine Krankenversicherung (act. G 1.1/9). Am 9. Januar, 26. Februar
und 7. März 2007 wurden Kostengutsprachegesuche für einen stationären Aufenthalt in
der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, gestellt, wobei unter der Rubrik
"Angehörige" der frühere Ehemann der Versicherten sowie G._ (richtig wohl: B._);
E._, aufgeführt wurden (act. G 1.1/11-13).
3.4 Zu prüfen ist, ob nach ihrem Wegzug in A._ im Jahr 2004 (objektiv) ein
Aufenthalt der Versicherten in Zürich vorlag bzw. weiterhin vorliegt und ob (subjektiv)
die konkreten Umstände - für aussenstehende Personen erkennbar - auf die Absicht
des dauernden Verbleibens schliessen lassen (vgl. dazu auch M. Levante, Wohnsitz
und gewöhnlicher Aufenthalt im internationalen Privat- und Zivilprozessrecht der
Schweiz, Diss. 1998, S. 50f). Obschon im ganzen in Frage stehenden Zeitraum keine
feste Adresse in Zürich bekannt war, lebte die Versicherte jedenfalls seit Juni 2004 -
offenbar mit zeitlich nicht genau bestimmbaren Unterbrüchen (im erwähnten
Polizeibericht wurden die Gemeinden H._ und I._ als Aufenthaltsorte vermerkt; act.
G 1.1/5 S. 4 und 6) - "auf der Gasse" in Zürich. Die - konkret unterbliebene -
Anmeldung bei der Einwohnerkontrolle bildet dabei lediglich ein Indiz für die Absicht
des dauernden Verbleibens; deren Fehlen erlaubt für sich allein den Schluss auf das
Nichtvorliegen dieser Absicht nicht (vgl. BGE 127 V 241). Auf einen (physischen)
Aufenthalt der Versicherten in Zürich deutet der Umstand, dass sie zeitweise offenbar
bei einem Bekannten (B._) einquartiert war (vgl. vorstehende Ausführungen mit
Hinweis auf act. G 1.1/5). Das Vorbringen des Beschwerdeführers, dass sich die
Versicherte einzig zwecks Drogenerwerbs an den im Polizeibericht vom 4. April 2006
erwähnten Orten aufgehalten habe, lässt sich durch die Tatsache, dass sie - nach
vorheriger Verhaftung - wieder am gleichen Ort angetroffen wurde und auch
angegeben hatte, dort Kost und Logis zu erhalten (act. G 1.1/5), nicht ohne weiteres
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widerlegen. Zu beachten ist anderseits, dass sie unbestrittenermassen an ihren
früheren Wohnort in A._, welchen sie kurz vor bzw. nach der Trennung von ihrem
früheren Ehemann und ihren Kindern verlassen hatte, offenbar nie mehr zurückgekehrt
war. Dementsprechend nahm auch die Concordia den Austritt den Versicherten auf
den 30. Juni 2004 vor. Für die Zeit davor waren die Prämien wie erwähnt durch die
Gemeinde A._ beglichen worden (act. G 13, 17), womit damals auch von einer
Bedürftigkeit der Versicherten im Sinn von Art. 2 ZUG ausgegangen worden war. In der
Folge hielt sich die Versicherte faktisch wohl mehrheitlich in Zürich auf. Am 24. Oktober
2006 wurde sie infolge Obdachlosigkeit durch die Sozialen Dienste Zürich
vorübergehend für eine Woche in einem Zweibett-Zimmer der M._ untergebracht
(act. G 1.1/22 S. 2). Die Versicherte beanspruchte in Zürich sodann auch Leistungen
der medizinischen Versorgung. Das Sozialamt Zürich erbrachte im Jahr 2007
Leistungen für medizinische Behandlungen im Betrag von rund 60'000.-- Franken (act.
G 1.1/17). In den Jahren 2005 bis 2007 bezog die Versicherte Leistungen im Rahmen
der zürcherischen Sozialhilfegesetzgebung von insgesamt rund 80'000.-- Franken (act.
G 1.1/22 S. 3; vgl. auch act. G 1.1/6-16).
Hat eine Person ihren bisherigen Wohnsitz verlassen und noch keinen neuen Wohnsitz
begründet, so besteht der bisherige Wohnsitz als fiktiver fort (Staehelin, a.a.O., Rz 1 zu
Art. 24 ZGB). Mit Blick auf diesen Grundsatz erscheint die durch die Gemeinde A._
von Amtes wegen vorgenommene "Abmeldung" der Versicherten auf Ende März 2004
problematisch. Angesichts der geschilderten Gegebenheiten kann die Absicht der
Versicherten, sich dauerhaft in Zürich aufzuhalten, nicht als nachgewiesen gelten. Die
dargelegten Akten, insbesondere der Polizeibericht, zeigen lediglich bruchstückhaft
einzelne Ereignisse und wechselnde Aufenthaltsorte in Zürich in den Jahren 2004 bis
2007. Eine plausible Verlaufsschilderung für den ganzen in Frage stehenden Zeitraum
oder auch nur einzelne Zeitabschnitte daraus vermögen sie nicht zu liefern. Inwiefern
für den in den Akten mehrfach erwähnten B._ oder für aussenstehende Dritte, welche
mit der Versicherten Kontakt hatten, die Absicht des dauernden Verbleibens erkennbar
war, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Nicht im einzelnen geklärt erscheint
insbesondere auch, ob der tatsächliche Aufenthalt in Zürich nicht im Wesentlichen der
Beschaffung und dem Konsum von Drogen diente. Wenn dies zuträfe, könnte wohl
nicht von einem Mittelpunkt der Lebensbeziehungen in Zürich gesprochen werden. Die
Versicherte hatte zwar angegeben, bei B._ Kost und Logis zu erhalten, daneben aber
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auch regelmässig erklärt, über keinen festen Wohnsitz zu verfügen und zuletzt in A._
gewohnt zu haben (vgl. act. G 1.1/5-13 ["ofW"]). Dem Erhebungsbericht vom 4. April
2006 kann entnommen werden, dass es zumindest bis Anfang 2006 nie stabile
räumliche Verhältnisse gab, welche auf ein "Wohnen" im landläufigen Sinn hätten
schliessen lassen können. Von den in der Literatur angeführten tatsächlichen
Umständen, welche als Indizien mit eigenständiger Bedeutung für die
Wohnsitzbegründung gelten (Levante, a.a.O., S. 51), traf allenfalls ein einziger
(regelmässiges Gesehenwerden) auf die Versicherte zu. Weitere Abklärungen,
insbesondere eine Befragung der Versicherten selbst und gegebenenfalls von weiteren
Personen (B._) würden im heutigen Zeitpunkt - bezogen auf den streitigen Zeitraum -
überwiegend wahrscheinlich nicht zu neuen Erkenntnissen führen. Damit ist davon
auszugehen, dass mit Blick auf die gesetzliche Fiktion des Art. 24 Abs. 1 ZGB sich der
Wohnsitz der Versicherten auch nach deren Abmeldung - zumindest bis April 2006 -
weiterhin in A._ befand. Es kann nicht angehen, dass die zuständige
Gemeindebehörde eine Person, die ihren Wohnsitz einmal rechtmässig in der
Gemeinde begründet hatte, von Amtes wegen abmeldet, ohne dass stichhaltige bzw.
nachgeprüfte Hinweise für die Neubegründung des Wohnsitzes an einem anderen Ort
vorliegen. Die Abmeldung erfolgte deshalb zu Unrecht. Die Beschwerdegegnerin bleibt
deshalb für die Überprüfung der Versicherungspflicht der Versicherten zuständig. Dabei
steht es ihr frei, abzuklären, ob sich an der wohnsitzmässigen Situation der
Versicherten nach April 2006 etwas geändert hat. Der angefochtene Entscheid lässt
sich bei diesem Sachverhalt nicht aufrecht erhalten.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 3. Oktober 2007 gutzuheissen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG