Decision ID: b1bfaa72-4678-4141-99c8-ec3dc99de01d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, war von Oktober 2008 bis Mai 2013 beim Zentrum
Y._
als Familienbegleiterin in einem
Teilzeitp
ensum angestellt (Urk. 7/13).
Seit
Mitte April 2013
wurde der Versicherten von ihrem
Hausarzt und im Verlauf auch von ihrem behandelnden Psychiater
eine
100
%ige Arbeits
unfä
higkeit attestiert (vgl.
Urk. 8/
27/2-5 und Urk. 8/33/2-8
)
.
Nachdem die Versicherte am 25. Juni 2013 (Eingangsdatum) durch den Lohn
aus
fall
versicherer bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, unter Hinweis auf psychische Beschwerden zu
r
Früherfassung gemeldet
worden war
(Urk. 8/15), meldete sich die Versicherte am 2. September 2013 (Ein
gangs
da
tum) unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression sowie starke Kopf- und Rücken
schmerzen zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 8/23). Gestützt auf d
as
durch die Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen Gutachten von Dr. med.
Z._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 26. August 201
4
(Urk. 8/54/2-14) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23.
März 2015 einen Rentenanspruch (Urk. 8/77).
Das ein
ge
leitete Beschwerdeverfahren wurde infolge Rückzugs der Beschwerde als erledigt abgeschrieben (Prozess Nr. IV.2015.00413, Urk. 8/84).
Seit
Februar 2016
war die Versicherte als Besuchs
begleitung bei der Stiftung Jugendnetzwerk
O._
in einem 10-15%-Pensum und seit August 2016 in einem 5%-Pensum als Klassenassistenz bei der Gemeindeverwaltung
A._
tätig (vgl. Urk. 8/87
und Urk. 8/92
).
1.2
Am 20. März 2017 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 8/87). Von der IV-Stelle darauf hingewiesen, dass sie zur Glaubhaftmachung einer gesundheitlichen Veränderung entsprechende aktuelle Beweismittel beibringen müsse, (Urk. 8/90) reichte die Versicherte den Bericht ihres Hausarztes, Dr. med.
B._
, vom 17. April 2017 (Urk. 8/91) ein. Hierauf bat die IV-Stelle um Auflage eines psychiatrischen Berichts, sollte die Versicherte in fachärztlicher Behandlung sein (Urk. 8/93). Der behandelnde Psychiater reichte alsdann seinen Bericht vom 23. Juni 2017 nach (Urk. 8/95). Mit Vorbescheid vom 13. Juli 2017 stellte die IV-Stelle in Aussicht, auf das Leistungsbegehren nicht einzutreten (Urk. 8/97).
Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 21.
August 2017 (Urk. 8/102) sowie ergänzend am 18. September 2017 (Urk.
8/106) Einwand, woraufhin d
ie IV-Stelle
auf die Neuanmeldung eintrat (Urk. 8/110) und
einen
weiteren Bericht des
behandelnden
Psychiaters
(Urk.
8/119) ein
holte
.
Dr.
med.
C._
, Fachärztin orthopädische Chirurgie und Traumato
logie sowie Ärztin des Regionalen Ärztli
chen Dienstes (RAD)
,
nahm am 26.
Feb
ruar 2018 zu den gesamten Akten Stellung
(vgl.
Fest
stellungsblatt; Urk.
8/121).
Ausgehend von einem unveränderten medizinischen Sachverhalt und vom Fehlen eines Gesundheitsschadens stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 5. April 2018
nunmehr
die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht (Urk.
8/122). Dagegen erhob die Versicherte am 2
3
.
April
201
8
(Urk
.
8/1
2
3
)
Ein
wand
. Mit Verfügung vom 12.
Juni 2018 ver
neinte die IV-Stelle wie vorbe
schieden einen Renten
anspruch (Urk. 2).
2.
Gegen die Leistungsabweisung erhob die Versicherte mit Eingabe vom 11. Juli 2018 Beschwerde und beantragte
sinngemäss
,
die angefochtene Verfügung vom 12. Juni 2018 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr eine Rente der Invalidenversicherung auszurichten. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 13. September 2018 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2018 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zuge
stellt (Urk. 11).
Das Formular zum Nachweis der finanziellen Bedürftigkeit reichte die Beschwerdeführerin am 1. Oktober 2018 ein (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburtsgebre
chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über
die Invaliden
versicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt Anlass zur Rentenrevision jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit dem Rentenentscheid, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Dies ist insbesondere bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes der Fall. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeu
tung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Metho
denwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
ach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 12. Juni 2018 (Urk. 2) hielt die Beschwer
de
gegnerin fest,
aus versicherungsmedizinischer Sicht habe sich die gesundheit
liche Situation seit der Verfügung vom 23. März 2015 nicht verändert. Die attestierten psychiatrischen Diagnosen hätten bereits im Jahr 2014 bestanden. Entsprechend bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 11. Juli 2018 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
sie leide nach wie vor an einer Erschöpfungs
depression. Sie habe versucht in einem 20%-Pensum zu arbeiten, wobei der Arbeitgeber ihr Pensum zufolge einer Leistungsverminderung auf 5 % reduziert habe. Sie könne nicht mehr als 10 bis maximal 20 % arbeiten und benötige deshalb eine Rente der Invalidenversicherung.
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 20. März 2017 (Eingangsdatum; Urk. 8/87) eingetreten. Streitig und zu prüfen ist demnach, ob seit der mit Verfügung vom
23. März 2015
(Urk. 8/77) erfolgten Rentenabweisung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 12. Juni 2018 (Urk. 2) eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist
(E. 1.3)
.
3.
3.1
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet die Verfügung vom 23
. März 2015
(Urk. 8/77)
.
Damals lagen
in medizinischer Hinsicht im Wesentli
chen die durch die Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen Gutachten von Dr.
Z._
vom 26. August 2014 (Urk. 8/54/2-14) und
das wenige Tage nach Verfügungserlass eingegangene
,
von Dr. med.
D._
, Spezial
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 27. Dezember 2014 (Urk. 8/78) vor.
3.2
3.2.1
Die Beschwerdeführerin wurde am 22. Juli 2014 von Dr.
Z._
psychiatrisch untersucht. Der psychiatrische Gutachter konstatierte in seinem Bericht vom 26. August 2014 (Urk. 8/54/2-14),
die Beschwerdeführerin imponiere jugendlich-dynami
sch
, die Bewegungsabläufe seien unauffällig, die Mimik und Gestik stets ausdrucksstark.
Es bestehe ein gut modulierter affektiver Rapport.
Sie wirke selbstbewusst und in keinem Moment verunsichert. Die Stimmung sei gut modu
liert, tendenziell dysphorisch. Irritationen des Selbstwertgefühls würden sich keine zeigen. Ebenso wenig gebe es Einschränkungen der Kognition, der Kon
zentration, des Gedächtnisses oder der Auffassung. Entsprechende Symptome würden auch subjektiv nicht beklagt werden. Die Beschwerdeführerin habe materielle - nachvollziehbare - Ängste beschrieben, Hinweise für eine Angst
stö
rung gebe es hingegen keine. Weiter habe sie über Erschöpfungsgefühle geklagt, wobei solche während der über zwei Stunden dauernden Untersuchung nicht erkennbar gewesen seien. Die Beschwerdeführerin sei über die ganze Zeit auf
merksam und agil gewesen. Es würden sich weder formale noch inhaltliche Denk
störungen finden lassen. Auffällig seien passiv-delegierende Denkmuster, ver
bunden mit einer hohen Erwartungs
haltung an andere, fehlender Bereitschaft oder Fähigkeit zur selbst
kritischen Auseinandersetzung sowie Tendenz zu Ego
zentrismus.
Während der Exploration habe sich die Beschwerdeführerin oft über widrige Umstände und problematische Menschen in ihrem privaten und beruf
li
chen Umfeld beklagt. Es sei eine Not in Bezug auf die sozioökonomische Situation und Finanzprobleme erkennbar. Dies sei von der Beschwerdeführerin während der Begutachtung immer wieder ins Zentrum der Erklärungen gerückt worden. Ausserdem sei eine hohe Erwartungshaltung bei einem inadäquaten Gerechtig
keitsverständnis erkennbar. Die Beschwerdeführerin fühle sich von allen und allem ungerecht behandelt und stelle sich ausschliesslich als Opfer ihrer Kindheit, ihrer Beziehungen und der Arbeitsumstände dar. Dabei blende sie allfällige eigene Anteile an den Problemen vollkommen aus
(Urk. 8/54/8f.)
. Hinsichtlich der Behandlungsmassnahmen habe die Beschwerdeführerin ange
geben, monatlich drei Therapiesitzungen beim Psychiater wahrzunehmen. Zum Behandlungskon
zept habe sie jedoch keine Angaben machen können. Sie würde ihn einfach «belabern» (Urk. 8/54/8). Sie habe auch verschiedene Medikamente ausprobiert und würde momentan das Antidepressivum
Fluocim
(20 mg pro Tag)
einnehmen, wobei dies bisher keinen durchbrechenden subjektiven Erfolg gebracht habe (Urk.
8/54/12).
3.2.2
Im Rahmen seiner Beurteilung führte der Gutachter aus, die Beschwerdeführerin
sehe sich
als Opfer
und
verharre in einer passiv-delegierenden Heils
erwartung
, sie
glaube, etwas «zugute zu haben». Die Beschwerdeführerin sei getragen von der (unrealistischen) Idee, sofort ein vollkommen neues Leben, losgelöst von jeg
lichen Verpflichtungen führen zu wollen. Obwohl sie ansonsten in keiner Weise naiv oder unüberlegt erscheine, sei eine entsprechende Haltung durch
gehend fest
zustellen. Eigenartig sei auch, dass sowohl die Beschwerde
führerin als auch ihr behandelnder Psychiater ihren Erschöpfungs
zustand mit dem Umstand erklären würden
, alleinerziehend für drei Kinder zuständig
zu
sein. Diesbezüglich sei anzumerken, dass sich zwei der drei Kinder im Erwachsenen
alter befinden wür
den
, weshalb d
iese Einschätzung den Unt
ersuchungsbefunden widerspreche
. Das passiv-delegierende Denkmuster, die überhöhte Erwartungs
haltung sowie die Opferidentität mit vollkommener Externalisierungs
tendenz der Urs
achen ihrer aktuellen Probleme seien durch Auffälligkeiten in Persönlichkeits
strukturen und im Rahmen dysfunktionaler Coping-Mechanismen erklärbar und nicht einer schweren depressiven Episode zuzuordnen. Aufgrund der beschriebenen Befunde und unter Berücksichtigung der biographischen Umstände mit schwieriger
Kind
heit
, problematischen Liebesbeziehungen und beruflichen Problemen seien die Voraussetzungen für die Diagnose einer akzentuierten Persönlichkeit mit narzissti
schen und histrionischen Zügen (ICD-10: F73.1) gegeben.
Differentialdi
agnostisch könne auch das Vorliegen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0) nicht ausgeschlossen werden. Bezogen auf die beruflichen Umstände habe sich die Persönlichkeits
problematik
nicht allzu stark ausgewirkt, s
e
i
die Beschwerde
führerin doch über zehn Jahre in der Familienarbeit teilzeitlich tätig gewesen
(Urk. 8/54/9f.)
.
Eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht gegeben. Ob ein volles Arbeitspensum störungsunab
hängig aufgrund anderweitiger Auf
gaben überhaupt realistisch sei, lasse sich anhand der Angaben nicht ab
schliessend abschätzen.
Hingegen sei davon auszu
gehen, dass aufgrund der akzentuierten Persönlichkeitsstruktur gewisse Inkom
patibilitäten mit bestimmten Arbeitsaufgaben bestehen würden.
So dürfte die Arbeit in einem Team wohl eher schwierig und konfliktgefährdet sein. Vor diesem Hintergrund stelle die Arbeit als Einzelbetreuerin und Beraterin von Familien aus psychiatrischer Sicht eine gute Variante dar
(Urk. 8/54/13)
.
3.3
3.3.1
Am 15. Dezember 2014 wurde die Beschwerdeführerin von Dr.
D._
erneut psychiatrisch untersucht.
Dieser hielt in seinem Bericht vom 27. Dezember 2014 (Urk. 8/78) fest,
es seien keine psychomotorischen Auffälligkeiten erkennbar.
Die Mimik sei jedoch wenig lebendig.
Anfänglich
habe
d
ie Beschwerdeführerin etwas misstrauisch
gewirkt
und den Blickkontakt
vermieden
.
Sie
sei
etwas abwesend, schwerbesinnlich und im Gedankengang öfters innehaltend
gewesen
. Im Verlauf habe sie sich
jedoch
zugänglicher und lebendiger gezeigt, insgesamt aber nur wenig eigeninitiativ.
Im Denken sei sie inhaltlich in einer passiven Erwartungs
haltung geblieben und habe spontan keine Ideen für einen aktiven Beitrag zu einer Veränderung in ihrem Leben entwickeln können.
Auf ihre eigenen Mög
lichkeiten zu einer Veränderung angesprochen, habe sie mit Abwehr reagiert und auf subjektiv erlebte Zweifel an einer positiven Zukunft sowie schon zeitlebens fehlendes Selbstvertrauen hingewiesen. In Bezug auf die psychopatho
logischen Befunde führte der Gutachter aus, die Beschwerdeführerin sei wach, bei klarem Bewusstsein und in allen Qualitäten allseits orientiert. Die mnestischen Funk
tionen seien kursorisch geprüft ungestört, die Auffassung intakt, der Antrieb leicht vermindert. Aufmerksamkeit und Konzentration seien im Verlauf der Untersuchung nicht eingeschränkt. Das Denken sei formal etwas verlangsamt und schwerbesinnlich, inhaltlich ausschliesslich auf die subjektiv er
lebten Defizite eingeengt. Hinw
e
i
se auf Phobien gebe es keine. Ebenso seien keine Zwangs
hand
lungen, Wahrnehmungsstörungen oder paranoide Ideen feststellbar. Die Grund
stimmung sei leicht deprimiert, affektiv etwas labil, dysphorisch, reizbar, im affektiven Kontakt zurückhalten
d
und misstrauisch. Die affektive Modula
tions
fähigkeit sei leicht eingeschränkt. Ausserdem würden Selbstwertzweifel, Versa
gens- und Zukunftsängste bestehen, konkrete Suizidgedanken hingegen nicht. Ferner habe die Beschwerdeführerin über Ein- und Durchschlafstörungen, ver
frühtes morgendliches Erwachen und einen verminderten Appetit berichtet
(Urk. 8/78 S. 5f.)
.
3.3.2
Dr.
D._
konstatierte,
die Befunde seien deutlich diskordant zur Selbst
ein
schätzung der Beschwerdeführerin und den Angaben des behandelnden Psychia
ters, der von einer schweren depressiven Episode ausgehe. Aufgrund der eigenen Befunde könne eine solche nicht bestätigt werden. Im vorliegenden Fall seien die Kriterien für eine akzentuierte Persönlichkeit (ICD-10: Z73.1) erfüllt.
Ob die Kriterien für eine kombinierte Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 erfüllt seien, könne nach einer einmaligen Untersuchung und aufgrund der vorliegenden Informationen aus den Akten nicht sicher beurteilt werden.
Dr.
D._
ver
wies auf eine
weitgehende Übereinstimmung mit den Befunden und Schluss
fol
gerungen von Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E.
3.2
).
Er äusserte ausserdem, n
ega
tive Überzeugungen bezüglich der beruflichen Fähigkeiten, die nun schon lange attestierte Arbeitsunfähigkeit und die fehlende Auseinander
setzung mit vorhan
denen Ressourcen hätten zu einer Verfestigung der Über
zeugung einer fehlenden beruflichen Perspektive geführt.
Aufgrund der eigenen Befunde sei der Beschwer
deführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Familien
helferin eine uneinge
schränkte Arbeitsfähigkeit zumutbar (Urk. 8/78 S. 7-9).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 20. März 2017 sind die Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 23. Juni 2017 (Urk. 8/95) sowie vom 18. Januar 2018 (Urk. 8/1
19) aktenkundig.
4.2
In Bezug auf die im Jahr 2014 durchgeführten Begutachtungen hielt Dr.
E._
in seinem Bericht vom 23. Juni 2017 (Urk. 8/95)
fest, angesichts dessen, dass
Dr.
Z._
die Beschwerdeführerin bereits früher einmal therapiert habe und sie die Therapie bei ihm aufgrund Differenzen abgebrochen habe, sei dieser befan
gen. Dr.
D._
beschreibe die Beschwerde
führerin zwar depressiv, habe am Ende seines Gutachtens jedoch auf die Diagnosen des befangenen Dr.
Z._
abge
stellt
, was nicht nachvollziehbar sei. Dr.
E._
diagnostizierte eine seit Juni 2014 bestehende mindestens mittelschwere bis schwere chroni
fizierte Depression (ICD
10: F33.9) und führte aus,
seit Sommer 2017 nehme die Beschwerdeführerin
nur noch
an monatlichen Therapie
sitzungen teil.
In seinem Be
richt vom 18.
Januar 2018 (Urk.
8/119)
konstatierte Dr.
E._
,
die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar sowie zeitlich und örtlich orientiert. Hinweise auf Wahn- oder Ich-Störungen gebe es keine. Ebenso wenig seien akustische oder optische Hal
luzinationen feststellbar. Der affektive Rapport sei herstellbar, die Beschwer
de
führerin sei in ihrer Emotionalität aber nur einge
schränkt schwingungs
fähig. Sie wirke ernst und sei bemüht
,
sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Sie habe über ein Gefühl der Hoffnungs
losigkeit berichtet und angegeben, mit ihrem Leben unzufrieden zu sein sowie immer Schuld
gefühle zu haben. Entscheidungen treffen könne sie nicht. Ausserdem leide sie an Schlaf
störungen, wache immer einige Stunden zu früh auf und könne dann nicht mehr einschlafen. Dadurch fühle sie sich ermüdet und ohne Lebenskraft. Ihre im November 2016 aufge
nommene Arbeitstätigkeit habe sie entsprechend im Juni 2017 auf 10 bis 20 % reduzieren müssen.
Im Rahmen der Befunderhebung äusserte Dr.
E._
weiter, die Beschwerdeführerin wirke ratlos, affektarm, deprimiert und hoffnungs
los und klage über reduzierte Lebenslust und Lebendig
keit. Lebens
frische sei kaum vor
handen, alles sei mühsam und beschwer
lich. Gegenüber ihrem jüngsten Sohn würde sie rasch gereizt reagieren und die Geduld
verlieren, sobald sie gefordert werde. Es seien ausgeprägte Insuffizienz- und Schuldgefühle, eine Affektstarre,
ein
stark reduzierter Elan und eine Antriebsarmut festzustellen.
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit äusserte Dr.
E._
, insgesamt scheine die Arbeitsfähigkeit nach so langer Krankheitsphase und Unterbruch der Arbeit längerfristig reduziert zu sein. Vor dem Hintergrund eines inzwischen chroni
fi
zierten depressiven Zustandsbilds sowie einer nur noch geringen Belastbarkeit und hochgradigen Konzentrationsstörung, im Rahmen derer sich die Beschwer
de
führerin an ihre ursprünglichen Intentionen nicht erinnern könne
,
sei von einer andauernden 70 bis 80%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Dies gelte seit 13. Juni 2013 bis auf weiteres.
5.
5.1
Ein Vergleich mit den seit der Neuanmeldung im März 2017 eingegangenen medizinischen Berichte
n
zeigt, dass
der
behandelnde Psychiater Dr.
E._
im Unterschied zu den beiden Gutachtern unverändert
eine seit
(mindestens)
Juni 2014 bestehende mittelschwere bis schwere
chronifizierte Depression (vgl.
vor
stehend E. 4.2)
diagnostiziert
.
Damit stellt er zwar eine andere Diagnose als die Gutachter, legt jedoch keine Veränderung des Gesundheitszustandes dar, weshalb von einer anderen Beurteilung desselben Sachverhalts auszugehen ist. Das
selbe gilt für die von ihm seit Juni 2013 attestierte hochgradige Arbeits
unfähigkeit, die im Vergleich zu seiner Einschätzung im Jahre 2014, als er noch von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit ausging (vgl. Arztbericht vom 1. Mai 2014, Urk. 8/36), sich sogar verbessert zu haben scheint. Ferner berichtete er
, dass die Beschwerdeführerin die Therapie
sitzungen seit Sommer 2017 nur noch einmal monatlich wahrnimmt
und die im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr.
Z._
bestehende
Medikation durch ein Johanniskraut-Präparat ersetzt
e
(E. 4.2).
Gemäss Dr.
E._
lehnt die Beschwerdeführer «chemische Präparate» ab (Urk. 8/119/10).
Auch eine stationäre Behandlung wurde bislang nicht in Erwä
gung gezogen. Dies lässt
weder den von ihm seit Juni 2014 diagnostizierten Schweregrad oder die Chronifizierung der depressiven Erkrankung als schlüssig erscheinen, noch
mit Blick auf das Ausmass der geklagten Beschwerden auf
einen hohen
Leidensdruck
und damit auch auf keine Verschlechterung schliessen
.
Im Übrigen erweisen sich die
von den psychiatrischen
Gutachtern
erhobenen Befunde im Vergleich zur psychiatrischen Befunderhebung durch Dr.
E._
als
nahezu unverändert. So imponierte die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen der Exploration bei Dr.
D._
in der Grundstimmung leicht deprimiert, affektiv etwas labil, dysphorisch und reizbar (vgl. E. 3.3.1) und auch Dr.
Z._
beschrieb die Stimmung der Beschwerdeführerin als tendenziell dysphorisch (vgl.
E. 3.2.1). Selbstwertzweifel, Versagens- und Zukunftsängste, einen vermin
derten Antrieb und eine passive Erwartungshaltung, Erschöpfungs
gefühle ver
bunden mit Ein- und Durch
schlaf
störungen sowie vermindertem Appetit prägten ebenfalls bereits im Jahr 2013 das Beschwerdebild (vgl. E. 3.2.1 und E.
3.3.1). Dr.
E._
hielt ausserdem eine hochgradige Konzentrationsstörung fest, im Zuge derer die Beschwerdeführerin fortlaufend ihre ursprünglichen Intentionen ver
gesse und somit Dinge unerledigt bleiben würden (E. 4.2). Ange
sichts dessen, dass sich Dr.
E._
einzig auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin stützte und bereits in seinem Arztbericht vom 1. Mai 2014 (Urk. 8/36) selbige Beeinträchtigung äusserte, wobei weder Dr.
D._
noch Dr.
Z._
Ein
schränkungen der Aufmerksamkeit und Konzentration festgestellt haben (vgl.
E.
3.2 und E. 3.3), ist auch diesbezüglich kein verändertes Beschwerdebild ausge
wiesen.
5.
2
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass es sich bei der Beurteilung von Dr.
E._
(E. 4.2) um eine andere Beurteilung des seit Erstattung der psychiatri
schen Gutachten von Dr.
Z._
(E. 3.2) und Dr.
D._
(E. 3.3) im Wesent
lichen gleich ge
bliebenen medizinischen Sachverhalts handelt.
Aus versiche
rungs
medi
zi
nischer Sicht ist entsprechend eine Verschlech
te
rung der gesundheit
lichen Situ
ation seit dem letzten Entscheid nicht
mit
überwiegend
er
Wahrschein
lichkeit eingetreten
.
In Anbetracht dessen, dass sich gegenüber dem Zeitpunkt der letztmaligen ren
ten
ver
neinenden Verfügung im März 2015
weder in gesundheitlicher Hinsicht noch im Erwerbs- oder Aufgabenbereich etwas verändert hat, ist es nicht zu bean
standen, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine Invaliden
rente verneinte.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
6.
6.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Als bedürftig gilt eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhalts nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (Urteil des Bundesgerichts 9C_617/2009 vom 1
5. Januar 2010 E. 6.2.1 mit Hin
weisen).
Die Beschwerdeführerin ersuchte mit Beschwerde vom
11. Juli 2018
um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege
(
Urk.
1). Die Vorausset
zungen zur Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege
gemäss §
16 des Gesetzes
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind erfüllt (vgl.
Urk. 9
und Urk. 10/1-2
), weshalb dem Gesuch stattzugeben ist.
6.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
, wonach eine Partei, der die unent
geltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.