Decision ID: 04c04b44-395f-4845-bc52-07236c47de95
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Am Mittwoch, 29. Mai 2013, um 13.20 Uhr, lenkte X. ihren Personenwagen auf der
St. Gallerstrasse in Jona in Fahrtrichtung Rapperswil. Beim Fussgängerstreifen auf der
Höhe des Restaurants Kreuz kam es zu einer Kollision zwischen ihrem Fahrzeug und
einem Mädchen mit Fahrrad, das von links her die Strasse überqueren wollte. Das
Mädchen erlitt diverse Prellungen an der rechten Körperseite.
B.- Wegen des Vorfalls vom 29. Mai 2013 wurde X. mit Strafbefehl des
Untersuchungsamtes Uznach vom 10. Oktober 2013 der Verletzung von
Verkehrsregeln schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 300.– bzw. einer
Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen verurteilt. Mit Verfügung vom 28. Februar 2014
entzog das Strassenverkehrsamt X. aufgrund des Vorfalls vom 29. Mai 2013 den
Führerausweis für die Dauer eines Monats zufolge mittelschwerer Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften.
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 28. Februar 2014 erhob X.
durch ihren Vertreter mit Eingabe vom 19. März 2014 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragte, anstelle eines einmonatigen
Führerausweisentzugs sei eine Verwarnung auszusprechen. Die Vorinstanz liess sich
mit Eingabe vom 4. April 2014 vernehmen; sie trug auf Abweisung des Rekurses an.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. März 2014 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
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wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Die mittelschwere Widerhandlung
nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn
nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung und nicht alle
qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung gegeben sind (BGE 135 II
138 E. 2.2.2).
3.- a) In tatsächlicher Hinsicht hielt das Untersuchungsamt Uznach im Strafbefehl vom
10. Oktober 2013 gestützt auf die Feststellungen und Anzeige der Polizei fest, dass es
"mit einer nicht ordnungsgemäss den Fussgängerstreifen querenden Schülerin mit
Fahrrad zu einer Kollision" gekommen sei, die die Rekurrentin mitverschuldet habe. Bei
genügender Aufmerksamkeit hätte die Rekurrentin die Kollision vermeiden können. Sie
habe dadurch Art. 26 Abs. 2 und Art. 31 Abs. 1 SVG verletzt.
b) Die Verwaltungsbehörde ist an die tatsächlichen Feststellungen im Strafverfahren
grundsätzlich gebunden. Nach ständiger Rechtsprechung darf sie vom Strafurteil nur
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren, wenn sich die Erhebung zusätzlicher Beweise aufdrängt,
wenn die Beweiswürdigung des Strafrichters eindeutig im Widerspruch zur
Tatsachenlage stand oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere jene nicht,
welche die Verletzung von Verkehrsregeln betreffen (BGE 124 II 103 E. 1c/aa). Die
Verteidigungsrechte und allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten hat die Beschuldigte
bereits im Strafverfahren wahrzunehmen, wenn sie weiss oder annehmen muss, dass
gegen sie auch ein Führerausweisentzugsverfahren durchgeführt werden wird.
c) Die Voraussetzungen für ein Abweichen von den tatsächlichen Feststellungen im
Strafbefehl sind nicht erfüllt. Die Rekurrentin wurde im Schreiben der Vorinstanz vom
21. August 2013 auf die Bedeutung des Ausgangs des Strafverfahrens für das
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Administrativmassnahmeverfahren aufmerksam gemacht. Der Strafbefehl vom 10.
Oktober 2013 wurde mangels Anfechtung gemäss Art. 354 Abs. 3 der Schweizerischen
Strafprozessordnung (SR 312.0, abgekürzt: StPO) zum rechtskräftigen Urteil. In
tatsächlicher Hinsicht ist dementsprechend der Sachverhalt massgebend, welcher vom
Untersuchungsamt Uznach festgestellt wurde. Es ist somit davon auszugehen, dass
die Rekurrentin aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit eine Kollision mit einer nicht
ordnungsgemäss den Fussgängerstreifen querenden Schülerin, die ein Fahrrad bei sich
hatte, mitverschuldete. Da im Strafbefehl von Kollision die Rede ist, ist von einem
Zusammenprall auszugehen. Darauf, dass sich das Auto der Rekurrentin und die
Schülerin nie berührt haben sollen – wie es die Rekurrentin geltend macht und was
aber im klaren Widerspruch zu den Angaben der Schülerin steht – ist deshalb nicht
weiter einzugehen.
4.- Gegenüber Kindern, Gebrechlichen und alten Leuten ist besondere Vorsicht
geboten, ebenso wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich ein Strassenbenützer
nicht richtig verhalten wird (Art. 26 Abs. 2 SVG). Gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG muss der
Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten
nachkommen kann. Indem die Rekurrentin mit mangelnder Aufmerksamkeit ein
Fahrzeug führte und so eine Kollision mit einem Mädchen mitverschuldete, verletzte sie
diese beiden Verkehrsvorschriften. Zu prüfen ist, ob die Verkehrsregelverletzung eine
mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG oder eine leichte
Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit a SVG war.
5.- a) Die Vorinstanz stufte die Kollision als mittelschwere Widerhandlung im Sinn von
Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur Begründung wird in der angefochtenen Verfügung
ausgeführt, dass der Fussgängerstreifen und der übrige Bereich der Strasse von
weitem sichtbar gewesen seien. Bei entsprechender Aufmerksamkeit hätte die
Schülerin insbesondere aufgrund der Tatsache, dass diese den Fussgängerstreifen von
links nach rechts überquerte, frühzeitig erkannt werden müssen und nicht erst
unmittelbar vor der Kollision. Die Pflicht, allfälligen Fussgängern erhöhte
Aufmerksamkeit zu schenken, sei vernachlässigt worden. Ein solches Verschulden
könne nicht mehr als leicht eingestuft werden. Auch ein allfälliges Fehlverhalten der
Fussgängerin könne das Verschulden nicht aufheben. Im
Administrativmassnahmeverfahren sei eine Schuldkompensation ausgeschlossen.
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Durch das Fehlverhalten sei schuldhaft ein Verkehrsunfall und dabei eine
Verkehrsteilnehmerin konkret gefährdet worden. Damit liege ein mittelschwerer Fall
gemäss Art. 16b Abs. 1 SVG vor.
Gegen die Qualifikation des Verhaltens der Rekurrentin als mittelschwere
Widerhandlung wird im Rekurs im Wesentlichen vorgebracht, dass sich die Rekurrentin
im Bereich eines Fussgängerstreifens in erster Linie auf korrekt den Streifen
passierende Fussgänger zu konzentrieren habe, bevor sie nach unkorrekt und rasch
die Fahrbahn überquerenden Fahrrädern Ausschau zu halten habe. Es könne ihr
höchstens zum äusserst leichten Verschulden gereichen, wenn sie die unvermittelt von
links in einem Zug über den linksseitigen Streifen und ungebremst über die Mittelinsel
fahrende Velofahrerin etwas zu spät wahrgenommen habe. Die daraus resultierende
Sturzgefahr habe aber in erster Linie die Radfahrerin selbst zu vertreten. Hätte sie ihr
Velo vorschriftsgemäss gestossen, so wäre sie nicht gestürzt. Unter diesen Umständen
sei von einem leichten Verschulden und einer bloss geringen Gefährdung auszugehen.
b) Im Strafbefehl wurde die Rekurrentin wegen einfacher Verkehrsregelverletzung
gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG verurteilt. Die Strafbestimmung der einfachen
Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG erfasst administrativrechtlich
leichte und mittelschwere Widerhandlungen (BGE 135 II 138 E. 2.4). Aus der
strafrechtlichen Verurteilung kann die Rekurrentin folglich nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Ebenso wenig lässt die Bussenhöhe ohne Weiteres auf die
administrativrechtliche Qualifikation der Widerhandlung schliessen.
c) Eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt voraus, dass
der Lenker durch die Verkehrsregelverletzung eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorgerufen hat und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Nach der
Rechtsprechung müssen beide Voraussetzungen kumulativ gegeben sein (BGE 135 II
138 E. 2.2.3).
aa) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
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nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November
2011 E. 3.b, in: www.gerichte.sg.ch/Verwaltungsrekurskommission). Der Gefährdung
der Sicherheit kommt durch die seit 1. Januar 2005 geltenden Art. 16a bis 16c SVG
eine wesentliche und eigenständige Bedeutung zu. Der Gesetzgeber hat bewusst dem
Gesichtspunkt der Verkehrsgefährdung ein höheres Gewicht beigemessen.
Insbesondere hat er das Recht des Warnungsentzugs verselbständigt und im Hinblick
auf die Erhöhung der Verkehrssicherheit verschärft (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_267/2010 vom 14. September 2010 E. 3.4).
Gemäss Polizeirapport vom 21. Juni 2013 erlitt das am Unfall beteiligte Mädchen
diverse Prellungen an der rechten Körperseite. Sie war zur Untersuchung im Spital
Uznach. Da die Strassenverkehrsgesetzgebung die körperliche Integrität und die
Gesundheit anderer Personen schützt, genügt jede Gefährdung, welche eine
Beeinträchtigung der Gesundheit nach sich ziehen kann. Eine Verletzung dieser
Rechtsgüter muss deshalb nicht die Schwelle einer Körperverletzung im Sinn des
Strafrechts erreichen (vgl. GVP 2006 Nr. 29). Selbst wenn die Verkehrsregelverletzung
der Rekurrentin nicht zu einer Verletzung der durch die Art. 16 ff. SVG geschützten
Rechtsgüter geführt haben sollte – wie es die Rekurrentin geltend macht –, blieb es
jedenfalls nicht bei einer abstrakten Gefährdung. Mit der Kollision konkretisierte sich
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die Gefahr, und es zeigte sich, dass das Verhalten der Rekurrentin jedenfalls geeignet
war, andere Verkehrsteilnehmer zu verletzen.
bb) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung begeht eine schwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften, wer das Vortrittsrecht einer von links
kommenden Fussgängerin auf dem Fussgängerstreifen missachtet, sein Fahrzeug nicht
mehr rechtzeitig zum Halten bringt und die Fussgängerin noch touchiert (BGer 6A.
78/2006 vom 28. Dezember 2006 E. 2). Dass das Verhalten der Rekurrentin nicht als
schwere Widerhandlung zu qualifizieren ist, hängt damit zusammen, dass die Schülerin
gemäss Strafbefehl vom 10. Oktober 2013 den Fussgängerstreifen "nicht
ordnungsgemäss" überquerte. Dies ist auch im Administrativmassnahmeverfahren zu
berücksichtigen. Dass das Mädchen mit ihrem Fahrrad über den Fussgängerstreifen
gefahren ist – wie im Rekurs geltend gemacht wird –, steht jedoch weder im
Polizeirapport ("ihr Fahrrad auf der rechten Seite stossend") noch im Strafbefehl ("nicht
ordnungsgemäss den Fussgängerstreifen querende Schülerin mit Fahrrad"). Das
Mädchen selbst erklärte, dass es nach der Fussgängerinsel beim zweiten Balken zu
rennen angefangen habe, da das Auto schnell gekommen sei. Die Rekurrentin war sich
nicht sicher, ob das Mädchen gerannt oder gefahren ist. Das Verletzungsbild
(Prellungen an der rechten Körperseite) spricht ebenfalls dafür, dass das Mädchen
gerannt, und nicht gefahren ist, weshalb auch im Administrativmassnahmeverfahren
davon auszugehen ist. Ein leichtes Verschulden liegt deshalb aber nicht vor. Gerade
vor Fussgängerstreifen wird vom Fahrzeugführer eine erhöhte Aufmerksamkeit
erwartet. Hinzu kommt, dass es im Administrativmassnahmerecht – gleich wie im
Strafrecht – keine Schuldkompensation gibt (vgl. VRKE IV-2011/27 vom 30. Juni 2011
E. 3.d, in: www.gerichte.sg.ch/Verwaltungsrekurskommission). Dies bedeutet, dass die
einem Fahrzeuglenker anzulastende Sorgfaltspflichtverletzung durch ein allfälliges
schuldhaftes Verhalten eines Dritten grundsätzlich nicht beseitigt werden kann.
d) Zusammenfassend steht damit fest, dass weder eine geringe Gefährdung noch ein
leichtes Verschulden vorliegt. Die Voraussetzungen der leichten Widerhandlung sind
damit nicht erfüllt. Die Würdigung der Vorinstanz erweist sich als zutreffend. Es liegt
eine mittelschwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG vor, und der
Führerausweis wurde zu Recht entzogen.
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6.- Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz verfügte Dauer des Entzugs des
Führerausweises von einem Monat.
a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Diese beträgt
gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG nach einer mittelschweren Widerhandlung
mindestens einen Monat.
b) Die von der Vorinstanz festgesetzte Dauer des Führerausweisentzugs entspricht der
Mindestentzugsdauer gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG. Da das Gesetz eine
Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer ausschliesst (Art. 16 Abs. 3 SVG), können
massnahmemindernde Umstände, wie ein allfällig ungetrübter automobilistischer
Leumund eine Unterschreitung der Mindestentzugsdauer nicht rechtfertigen.
Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen Mindestentzugsdauer verbleibt der
rechtsanwendenden Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie
Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur
Besserung des Betroffenen anstellen könnte (vgl. Botschaft, in: BBl 1999, S. 4462 ff.).
Daraus folgt, dass die Mindestentzugsdauer selbst in Ausnahmesituationen nicht
unterschritten werden darf.
c) Nach der früheren Rechtsprechung wurde der seit mehr als fünf Jahren ungetrübte
automobilistische Leumund bei der Bemessung der Entzugsdauer zu Gunsten des
Betroffenen berücksichtigt. Diese Rechtsprechung ging davon aus, dass das
automatisierte Datensystem für Administrativmassnahmen zweimal jährlich auf den
neuesten Stand gebracht wird, indem sämtliche Massnahmen, die fünf Jahre und
länger zurückliegen – bei Sicherungsentzügen und Warnungsentzügen wegen Fahrens
in angetrunkenem Zustand sowie Vereitelung der Blutprobe nach zehn Jahren – im
System gelöscht wurden (vgl. BGE 122 II 21 E. 1b). Die Rechtslage hat sich seit diesem
Entscheid insoweit geändert, als Verweigerungen, Entzüge und Aberkennungen von
Lernfahr-, Führer- oder Fahrlehrerausweisen sowie Fahrverbote nicht mehr bereits
nach fünf, sondern erst nach zehn Jahren nach ihrem Ablauf oder ihrer Aufhebung und
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lediglich andere Massnahmen fünf Jahre nach Eintreten der Rechtskraft aus dem
Datensystem entfernt werden (vgl. Art. 104b Abs. 6 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 10
Abs. 1 der Verordnung über das automatisierte Administrativmassnahme-Register,
ADMAS-Register-Verordnung, SR 741.55). Diese Rechtsänderung rechtfertigt es, einen
automobilistischen Leumund, der nicht seit mehr als zehn Jahren ungetrübt erscheint,
grundsätzlich nicht massnahmemindernd zu berücksichtigen. Da die Rekurrentin im
Jahr 2007 einen Verkehrsunfall verursacht hatte und ihr der Führerausweis deswegen
für einen Monat entzogen war, bezeichnete die Vorinstanz ihren automobilistischen
Leumund zu Recht als getrübt.
7.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz der Rekurrentin den
Führerausweis zu Recht wegen einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG für einen Monat
entzogen hat. Der Rekurs ist daher abzuweisen.
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.