Decision ID: cc8a03ec-28b9-470d-9a0c-848c94fe1190
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg verurteilte A. mit Strafbe-
fehl ST.2022.508 vom 23. Februar 2022 wegen grober Verletzung der Ver-
kehrsregeln durch ungenügenden Abstand beim Hintereinanderfahren
(Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG) zu
einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 40 Tagessätzen à Fr. 30.00 (un-
ter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren) und einer Busse von
Fr. 400.00.
Die eingeschriebene Postsendung mit diesem Strafbefehl wurde am
24. Februar 2022 bei der Schweizerischen Post aufgegeben und A. am
25. Februar 2022 zur Abholung bis am 4. März 2022 gemeldet. Am 5. März
2022 wurde die Sendung mit dem Vermerk "nicht abgeholt" an die Staats-
anwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg zurückgesandt.
2.
2.1.
Gegen diesen Strafbefehl erhob A. mit Eingabe vom 13. Mai 2022 bei der
Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg Einsprache und ersuchte
gleichzeitig um Wiederherstellung der Einsprachefrist.
2.2.
Am 30. Mai 2022 überwies die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg
die Einsprache samt Akten an das Bezirksgericht Rheinfelden zur Prüfung
der Gültigkeit der Einsprache und bejahendenfalls zur Durchführung des
Hauptverfahrens.
2.3.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Rheinfelden entschied mit Verfügung
vom 15. August 2022:
" 1. Auf die Einsprache des Beschuldigten vom 13. Mai 2022 wird nicht .
2. Der Strafbefehl STA6 ST.2022.508 der Staatsanwaltschaft  vom 23. Februar 2022 erwächst somit in Rechtskraft.
3. Die Akten werden nach Rechtskraft der Staatsanwaltschaft  zur Beurteilung des hängigen Gesuchs um Wiederherstellung der Einsprachefrist überwiesen.
- 3 -
4. Die Verfahrenskosten bestehen aus:
a) der Gebühr von Fr. 300.00 b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 0.00 c) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung von Fr. 0.00 d) den Kosten für Übersetzungen von Fr. 0.00 e) den Kosten für Gutachten von Fr. 0.00 f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr. 0.00 g) den Spesen von Fr. 24.00 h) andere Auslagen Fr. 0.00
Total Fr. 324.00
Dem Beschuldigten werden die Gebühr sowie die Kosten gemäss lit. a und g im Gesamtbetrag von Fr. 324.00 auferlegt.
5. Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber."
3.
3.1.
Gegen diese ihm am 5. September 2022 zugestellte Verfügung reichte A.
mit Eingabe vom 13. September 2022 (Postaufgabe am 14. September
2022) bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des
Kantons Aargau eine Beschwerde ein. Er beantragte sinngemäss, die Ver-
fügung vom 15. August 2022 sei aufzuheben und die Präsidentin des Be-
zirksgerichts Rheinfelden sei anzuweisen, das erstinstanzliche Hauptver-
fahren durchzuführen. Ausserdem ersuchte er sinngemäss um Bestellung
seiner früheren Wahlverteidigerin zu seiner amtlichen Verteidigerin.
3.2.
Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg ersuchte mit Beschwerde-
antwort vom 21. September 2022 um Abweisung der Beschwerde unter
Kostenfolgen.
3.3.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Rheinfelden verzichtete mit Eingabe
vom 21. September 2022 auf eine Vernehmlassung.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO sind die Verfügungen und Beschlüsse
sowie die Verfahrenshandlungen der erstinstanzlichen Gerichte mit Be-
schwerde anfechtbar; ausgenommen sind verfahrensleitende Entscheide.
Vorliegend angefochten ist eine das erstinstanzliche Verfahren abschlies-
- 4 -
sende Verfügung der Präsidentin des Bezirksgerichts Rheinfelden. Nach-
dem keine Beschwerdeausschlussgründe i.S.v. Art. 394 StPO bestehen,
ist die Beschwerde zulässig.
Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt und geben zu keinen
Bemerkungen Anlass. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde
(vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) ist folglich einzutreten.
2.
2.1.
Die Vorinstanz führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung im
Wesentlichen aus, gemäss Sendungsverfolgung der Schweizerischen Post
sei am 25. Februar 2022 versucht worden, dem Beschwerdeführer den mit-
tels Einschreiben versendeten Strafbefehl zuzustellen. Gleichentags sei
das Einschreiben zur Abholung gemeldet worden. Am 26. Februar 2022 sei
das Einschreiben an eine neue Abhol-/Zustellstelle weitergeleitet worden.
Die Frist zur Abholung habe gemäss Abholungseinladung bis zum 4. März
2022 gedauert. Der Beschwerdeführer sei anlässlich der Befragung durch
die Kantonspolizei Aargau vom 27. Januar 2022 darauf hingewiesen wor-
den, dass gegen ihn eine Verzeigung an die zuständige Staatsanwaltschaft
Rheinfelden-Laufenburg wegen ungenügendem Abstand beim Hinter-
einanderfahren erfolgen werde, er von dieser Stelle eingeschriebene Brief-
post erhalten werde und er sich den Strafverfolgungsbehörden weiterhin
zur Verfügung zu halten und allfällige Adressänderungen umgehend der
Verfahrensleitung mitzuteilen habe. Somit habe der Beschwerdeführer
Kenntnis vom Strafverfahren gegen ihn gehabt, weshalb die Zustellfiktion
gemäss Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO zum Tragen komme. Das Einschreiben
sei an die Wohnadresse des Beschwerdeführers in Q. adressiert gewesen.
Der Strafbefehl vom 23. Februar 2022, welcher dem Beschwerdeführer am
25. Februar 2022 zur Abholung gemeldet worden sei, gelte folglich als am
4. März 2022 mit fristauslösender Wirkung zugestellt. Die zehntägige Ein-
sprachefrist habe somit am 4. März 2022 zu laufen begonnen und am
14. März 2022 geendet. Folglich sei die Einsprache des Beschwerdefüh-
rers vom 13. Mai 2022 als verspätet zu betrachten. Aus diesem Grund sei
die Einsprache vom Beschwerdeführer auch mit einem Gesuch um Wie-
derherstellung der Einsprachefrist verbunden worden. Der Strafbefehl vom
23. Februar 2022 sei demnach in Rechtskraft erwachsen. Diese Feststel-
lung vermöge die Wiederherstellung der Einsprachefrist nicht auszu-
schliessen. Die Akten seien nach Rechtskraft der Verfügung der Staatsan-
waltschaft Rheinfelden-Laufenburg zur Beurteilung des hängigen Gesuchs
um Wiederherstellung der Einsprachefrist zu überwiesen.
2.2.
Der Beschwerdeführer wandte dagegen in seiner Beschwerde im Wesent-
lichen ein, es habe weder eine Zustellung noch ein Zustellversuch oder
eine fiktive Zustellung des Strafbefehls an ihn stattgefunden. Er habe auch
- 5 -
weder mündlich noch schriftlich einen Hinweis der Polizei bekommen, dass
ein Einschreiben zu erwarten sei. Er habe keine Kopie der Befragung oder
des Vorhalts erhalten und keine Kontaktdaten gehabt. Also habe er mit kei-
ner Zustellung rechnen können und müssen. Das angebliche Beweisstück
"Kurzbefragung" sei ihm lediglich online auf einem kleinen Tablet vielleicht
zehn Sekunden gezeigt worden für die Unterschrift. Darin stehe nichts von
einer Kontaktmöglichkeit oder einer Pflicht, sich zur Verfügung zu halten.
Ebenfalls seien die ganzen angeblichen Hinweise in der Mitte der Seite auf
dem Tablet gar nicht sichtbar gewesen. Selbst wenn er mit einer Zustellung
hätte rechnen müssen (was nicht stimme) und er sich hätte melden müs-
sen, falls er nicht da gewesen wäre, hätte er dies nicht tun können, weil er
keine Kontaktdaten gehabt habe. Weiter sei es inakzeptabel, dass die zu-
ständige Polizei und die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg laut
Protokoll alle seine Daten offensichtlich habe und nach nicht erfolgter Zu-
stellung nicht in der Lage sei, ihm ein E-Mail zu schreiben oder den Brief
mit A-Post zu schicken. Man müsse davon ausgehen, dass geradezu da-
rauf abgezielt werde, die Frist zu verpassen. Soweit er informiert worden
sei, würden nicht abgeholte behördliche Mitteilungen nochmals per A-Post
verschickt.
3.
3.1.
Der Strafbefehl wird den Personen, die zur Einsprache befugt sind (d.h.
nach Art. 354 Abs. 1 StPO insbesondere der beschuldigten Person), un-
verzüglich schriftlich eröffnet (Art. 353 Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 85
Abs. 2 StPO erfolgt die Zustellung des Strafbefehls durch eingeschriebene
Postsendung oder auf andere Weise gegen Empfangsbestätigung, insbe-
sondere durch die Polizei. Sie ist erfolgt, wenn die Sendung von der Adres-
satin oder dem Adressaten oder von einer angestellten oder im gleichen
Haushalt lebenden, mindestens 16 Jahre alten Person entgegengenom-
men wurde. Vorbehalten bleiben Anweisungen der Strafbehörden, eine Mit-
teilung der Adressatin oder dem Adressaten persönlich zuzustellen (Art. 85
Abs. 3 StPO). Bei einer eingeschriebenen Postsendung, die nicht abgeholt
worden ist, gilt sie zudem als erfolgt am siebten Tag nach dem erfolglosen
Zustellungsversuch, sofern die Person mit einer Zustellung rechnen musste
(Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO). Die Zustellung von Strafbefehlen per E-Mail
oder mit uneingeschriebener Postsendung (A- oder B-Post) ist gesetzlich
nicht vorgesehen und damit nicht rechtsgültig. Bei diesen Zustellungsfor-
men ist eine Dokumentation des Zeitpunkts der Zustellung bzw. des Zustel-
lungsversuchs nicht gewährleistet. Sie können deshalb keine fristauslö-
sende Wirkung entfalten und auch keine Zustellungsfiktion eintreten las-
sen.
Eine Einsprache gegen den Strafbefehl ist u.a. dann ungültig, wenn sie ver-
spätet erfolgt. Die Einsprache ist verspätet, wenn sie nicht innert zehn Ta-
gen bei der Staatsanwaltschaft schriftlich erhoben wird (Art. 354 Abs. 1
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StPO e contrario). Fristen, die durch eine Mitteilung oder den Eintritt eines
Ereignisses ausgelöst werden, beginnen am folgenden Tag zu laufen
(Art. 90 Abs. 1 StPO). Eine eingeschriebene Postsendung, die nicht abge-
holt worden ist, gilt am siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsver-
such als zugestellt, sofern die Person mit einer Zustellung rechnen musste
(Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1155/2014
vom 19. August 2015 E. 1).
Bei eingeschriebenen Postsendungen gilt gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung eine widerlegbare Vermutung, dass der Postangestellte
den Avis ordnungsgemäss in den Briefkasten oder in das Postfach des
Empfängers gelegt hat und das Zustellungsdatum korrekt registriert worden
ist. Es findet in diesem Fall eine Umkehr der Beweislast in dem Sinne statt,
als bei Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten des Empfängers aus-
fällt, der den Erhalt der Abholungseinladung bestreitet. Diese Vermutung
kann durch den Gegenbeweis umgestossen werden. Sie gilt so lange, als
der Empfänger nicht den Nachweis einer überwiegenden Wahrscheinlich-
keit von Fehlern bei der Zustellung erbringt. Da der Nichtzugang einer Ab-
holungseinladung eine negative Tatsache ist, kann dafür naturgemäss
kaum je der volle Beweis erbracht werden. Die immer bestehende Möglich-
keit von Fehlern bei der Poststelle genügt nicht, um die Vermutung zu wi-
derlegen. Vielmehr müssen konkrete Anzeichen für einen Fehler vorhan-
den sein (BGE 142 IV 201 E. 2.3).
3.2.
3.2.1.
Der Beschwerdeführer wurde am 27. Januar 2022, 13.57 Uhr, von der Kan-
tonpolizei Aargau angehalten. Gemäss Protokoll der anschliessenden
Kurzbefragung wurde der Beschwerdeführer zum soeben von den Polizei-
beamten festgestellten Sachverhalt sowie zu seiner Person befragt, wobei
er keine Aussagen machte. Weiter wurde festgehalten, dass der Beschwer-
deführer nach Massgabe von Art. 143 Abs. 1 lit. c StPO in einer ihm ver-
ständlichen Sprache umfassend über seine Rechte belehrt wurde.
Schliesslich wurde der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass er bei
der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg verzeigt und er von dieser
Amtsstelle eingeschriebene Briefpost erhalten werde. Ausserdem wurde er
aufgefordert, während des laufenden Strafverfahrens Adressänderungen
den Strafbehörden mitzuteilen. Unmittelbar unter die letztgenannten Hin-
weise setzte der Beschwerdeführer seine Unterschrift (Untersuchungsak-
ten [UA] act. 12).
3.2.2.
Die eigenhändige Unterzeichnung durch die einvernommene Person am
Schluss des Protokolls gibt die Gewähr für die Richtigkeit des Protokolls.
Mit der Unterschrift wird bestätigt, dass die einvernommene Person die pro-
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tokollierten Angaben tatsächlich machte (PHILIPP NÄPFLI, in: Basler Kom-
mentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 25 zu
Art. 78 StPO). Das Protokoll als öffentliche Urkunde erbringt gemäss Art. 9
Abs. 1 ZGB für die dadurch bezeugten Tatsachen vermutungsweise vollen
Beweis, solange nicht die Unrichtigkeit seines Inhalts nachgewiesen ist
(DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, in: Kommen-
tar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 5 zu Art. 76
StPO).
Mit seiner Unterschrift hat der Beschwerdeführer somit die Richtigkeit des
Protokolls der Kurzbefragung vom 27. Januar 2022 anerkannt (UA act. 12).
Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass er von den Polizeibeam-
ten nicht über seine Rechte belehrt sowie darauf hingewiesen wurde, dass
er bei der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg verzeigt und von
dieser Amtsstelle eingeschriebene Briefpost erhalten werde. Der Umstand,
dass er auf alle Fragen ausser einer die Antwort verweigerte und auf eine
Sichtung der Videoaufnahme verzichtete (UA act. 12), spricht vielmehr da-
für, dass er insbesondere über sein Aussage- und Mitwirkungsverweige-
rungsrecht gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. b StPO aufgeklärt wurde. Ausser-
dem erscheint es nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer den Hinweis
betreffend die Zustellung eingeschriebener Briefpost von der Staatsanwalt-
schaft Rheinfelden-Laufenburg nicht gekannt haben will, befindet sich die-
ser Hinweis doch am Schluss des Protokolls unmittelbar über der Stelle, an
der er seine Unterschrift anbrachte. Daran vermag nichts zu ändern, dass
ihm das Protokoll offenbar nicht auf Papier, sondern auf einem Tablet zum
Lesen und Unterzeichnen vorgelegt wurde. So oder anders oblag es ihm,
das ganze Protokoll durchzulesen und nach Kenntnisnahme zu unterzeich-
nen (Art. 78 Abs. 5 StPO).
3.2.3.
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von
der Kantonspolizei anlässlich der Einvernahme vom 27. Januar 2022 kor-
rekt über seine Rechte belehrt sowie darauf hingewiesen wurde, dass er
bei der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg wegen ungenügendem
Abstand beim Hintereinanderfahren i.S.v. Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12
Abs. 1 VRV i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG verzeigt werde und er von dieser
Amtsstelle eingeschriebene Briefpost erhalten werde.
3.3.
Die eingeschriebene Postsendung mit dem Strafbefehl vom 23. Februar
2022 wurde gemäss Sendungsverfolgung am 24. Februar 2022 der
Schweizerischen Post übergeben und am 25. Februar 2022 – nachdem sie
weder vom Beschwerdeführer noch von einer anderen nach Art. 85 Abs. 2
StPO berechtigten Person entgegengenommen worden war – dem Be-
schwerdeführer zur Abholung bis am 4. März 2022 gemeldet. Am 5. März
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2022 wurde sie mit dem Vermerk "nicht abgeholt" an die Staatsanwalt-
schaft Rheinfelden-Laufenburg zurückgesandt (UA act. 22 f.). Konkrete
Hinweise, dass der Sendungsverlauf von der Schweizerischen Post falsch
erfasst worden wäre, gibt es nicht und wurden vom Beschwerdeführer auch
nicht geltend gemacht. Von daher besteht in Beachtung der einschlägigen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. etwa BGE 142 IV 201 E. 2.3)
keine Veranlassung, den von der Schweizerischen Post dokumentierten
Sendungsverlauf zu hinterfragen. Da der Beschwerdeführer aufgrund des
anlässlich der polizeilichen Befragung vom 27. Januar 2022 erfolgten Hin-
weises mit der Zustellung eingeschriebener Briefpost von der Staatsanwalt-
schaft Rheinfelden-Laufenburg rechnen musste (UA act. 12), hat die ein-
geschriebene Postsendung mit dem Strafbefehl vom 23. Februar 2022 auf-
grund von Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO dem Beschwerdeführer als am 4. März
2022 (dem siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsversuch) zuge-
stellt zu gelten. Die zehntägige Frist zur Erhebung der Einsprache gegen
den Strafbefehl begann daher am 5. März 2022 zu laufen und endete am
14. März 2022 (vgl. Art. 90 Abs. 1 i.V.m. Art. 91 Abs. 1 und 2 StPO). Die
am 13. Mai 2022 der Post übergebene Einsprache des Beschwerdeführers
(UA act. 34 ff., 46) wurde somit verspätet eingereicht und ist deshalb un-
gültig.
3.4.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht auf die Einsprache des Beschwerde-
führers vom 13. Mai 2022 nicht eingetreten und hat zutreffend festgestellt,
dass der Strafbefehl ST.2022.508 der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-
Laufenburg vom 23. Februar 2022 in Rechtskraft erwachsen ist. Die Be-
schwerde ist deshalb abzuweisen.
4.
4.1.
Der Beschwerdeführer ersuchte in seiner Beschwerde um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren, weil er allein
nicht in der Lage sei, die komplexen Sachverhalte zu behandeln, und sich
aufgrund seines niedrigen Einkommens keine anwaltliche Vertretung leis-
ten könne. Wenn es dazu komme, bitte er um Einsetzung seiner bisherigen
Rechtsvertreterin. Damit beantragte er sinngemäss die Anordnung einer
amtlichen Verteidigung.
4.2.
Eine amtliche Verteidigung ist insbesondere anzuordnen, wenn die be-
schuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die Ver-
teidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist (Art. 132 Abs. 1 lit. b
StPO). Zur Wahrung der Interessen der beschuldigten Person ist die Ver-
teidigung namentlich geboten, wenn es sich nicht um einen Bagatellfall
handelt und der Straffall in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Schwie-
rigkeiten bietet, denen die beschuldigte Person allein nicht gewachsen
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wäre (Art. 132 Abs. 2 StPO). Ein Bagatellfall liegt jedenfalls dann nicht
mehr vor, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Monaten oder eine
Geldstrafe von mehr als 120 Tagessätzen zu erwarten ist (Art. 132 Abs. 3
StPO).
Der Beschwerdeführer hat im vorliegenden Beschwerdeverfahren seine
Beschwerde selbst verfasst und eingereicht. Tatsächliche oder rechtliche
Schwierigkeiten lagen nicht vor; aus der Beschwerde ergibt sich, dass der
Beschwerdeführer in der Lage war, den vorinstanzlichen Entscheid sach-
gerecht anzufechten. Die Strafsache ist mit Blick auf die von der Staatsan-
waltschaft Rheinfelden-Laufenburg für den Fall der Gültigkeit der Einspra-
che beantragte Geldstrafe von 40 Tagessätzen (Gerichtsakten act. 1 f.;
UA act. 20) überdies noch als Bagatellfall i.S.v. Art. 132 Abs. 2 StPO zu
qualifizieren (vgl. Art. 132 Abs. 3 StPO). Das Gesuch des Beschwerdefüh-
rers um Anordnung der amtlichen Verteidigung ist deshalb abzuweisen.
4.3.
Im Gegensatz zur unentgeltlichen Rechtspflege für die Privatklägerschaft,
die auch die Befreiung von den Verfahrenskosten umfasst (Art. 136 Abs. 2
lit. b StPO), beschränkt sich jene für die beschuldigte Person gemäss Urteil
des Bundesgerichts 6B_758/2013 vom 11. November 2013 E. 3.2 auf die
Beiordnung einer amtlichen Verteidigung (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO). Un-
ter dem Gesichtspunkt des verfassungsmässig garantierten Minimalan-
spruchs (Art. 29 Abs. 3 BV) kommt es allein darauf an, dass einer bedürfti-
gen Partei der Zugang zum Gericht nicht infolge ihrer Bedürftigkeit verwehrt
oder erschwert ist (BGE 110 Ia 87 E. 4). Nach konstanter Praxis des Bun-
desgerichts ergibt sich aus Art. 29 Abs. 3 BV kein Anspruch von (aktuell)
mittellosen Rechtsuchenden auf definitive Befreiung von selber verursach-
ten Verfahrenskosten. Finanziell bedürftige Rechtsuchende, die nicht zum
vornherein aussichtslose Rechtsmittel erheben, haben im Rahmen der un-
entgeltlichen Prozessführung lediglich Anspruch auf Befreiung von der
Kostenvorschussobliegenheit (Urteil des Bundesgerichts 1B_203/2015
vom 1. Juli 2015 E. 6.2).
Vom Beschwerdeführer wurde im vorliegenden Beschwerdeverfahren kein
Kostenvorschuss einverlangt. Als Beschuldigter hat er nach dem Gesagten
weder gemäss StPO noch gestützt auf Art. 29 Abs. 3 BV einen Anspruch
auf Befreiung von den Verfahrenskosten.
5.
Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO) und es ist ihm keine
Entschädigung zuzusprechen.
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