Decision ID: b802ead1-8b26-5a4e-8720-10a1bf4fc3a5
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrent,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
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betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2011
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 13. April 2011 bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (SVA) zum Bezug einer individuellen Prämienverbilligung für das
Jahr 2011 an, wobei er vermerkte, am 16. März 2010 vom Kanton Bern in den Kanton
St. Gallen zugezogen zu sein.
A.b Mit Verfügung vom 6. Mai 2011 lehnte die SVA den Anspruch auf eine
Prämienverbilligung unter dem Hinweis darauf ab, dass die Berechnung infolge
ausserkantonalem Zuzug ausserordentlich aufgrund der Steuerdaten 2010 und damit
unter Berücksichtigung eines Reineinkommens von Fr. 37'594.-- erfolge.
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob A._ Einsprache und ersuchte sinngemäss um
Aufhebung der Verfügung und Neuberechnung der individuellen Prämienverbilligung
gestützt auf ein Reineinkommen von Fr. 20'890.--. Ein Teil seines Lohns werde
gepfändet, wodurch ihm monatlich lediglich Fr. 1'749.-- verblieben.
B.b Mit Entscheid vom 22. Juli 2011 wies die SVA die Einsprache ab. Zur Begründung
wurde festgehalten, dass bei ausserkantonalem Zuzug im Zwischenjahr vom
massgebenden Steuerjahr zum Bezugsjahr oder per 1. Januar des Bezugsjahrs, auf
neuere Steuerdaten abgestützt werden müsse. Im vorliegenden Fall seien demzufolge
die Steuerdaten 2010 anwendbar. Aus der Veranlagungsberechnung über die Staats-
und Gemeindesteuern 2010 der Gemeinde B._ vom 20. April 2011 resultiere ein
Reineinkommen von Fr. 37'594.--. Der Anspruch bei allein stehenden Personen in der
Region I entfalle jedoch bei einem anrechenbaren Einkommen von Fr. 27'966.--. Die
erwähnte Lohnpfändung habe auf die Berechnung des Anspruchs keinen Einfluss und
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könne nicht berücksichtigt werden. Massgebend seien die relevanten Steuerdaten.
Aufgrund dieser bestehe kein Anspruch.
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von A._ am 4. August 2011
eingereichte Beschwerde (richtig: Rekurs) mit dem sinngemässen Antrag, der
angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und es sei ihm eine individuelle
Prämienverbilligung für 2011 zu gewähren.
C.b In der Vernehmlassung beantragt die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses.
C.c Der Rekurrent hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz das Gesuch des Rekurrenten um eine
Prämienverbilligung für das Jahr 2011 zu Recht abgelehnt hat.
2.
2.1 Nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewähren. Dazu haben sie nach Art. 97 Abs. 1
KVG Ausführungsbestimmungen zu erlassen, bei deren Ausgestaltung die
Bedingungen von Art. 67 KVG sowie Art. 65 Abs. 3 KVG zu beachten sind (Art. 65 Abs.
2 KVG). Der
Kanton St. Gallen ist dieser Verpflichtung durch die Art. 9-16 des Einführungsgesetzes
zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (sGS 331.11; EV-KVG) und die
dazugehörigen Vollzugsvorschriften in Art. 9-38 der Verordnung zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (sGS
331.111; Vo-EG) nachgekommen, wobei er insbesondere die persönlichen (Art. 10 EG-
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KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG) Voraussetzungen sowie die
Höhe der Prämienverbilligung festgelegt hat (Art. 12 EG-KVG).
2.2 In Bezug auf die einkommensmässigen Voraussetzungen bestimmt Art. 11 EG-
KVG, dass das die Prämienverbilligung auslösende Einkommen unter teilweiser
Berücksichtigung des steuerbaren Vermögens von der Regierung durch Verordnung
festgesetzt wird (Abs. 1). Grundlage bildet in der Regel die letzte definitive
Steuerveranlagung (Abs. 2). Entspricht das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, wird auf diese abgestellt (Abs. 3). Eine
Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG Personen gewährt, die im Kanton
St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die Prämienverbilligung
auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). Massgebend nach Art. 9 Abs. 1 Vo-EG sind für
die Anspruchsvoraussetzungen auf Prämienverbilligung für Personen mit
zivilrechtlichem Wohnsitz oder einer fremdenpolizeilichen Bewilligung zum
Jahresaufenthalt im Kanton die persönlichen und familiären Verhältnisse der Person am
1. Januar des Jahres, für das die Prämienverbilligung beansprucht wird. Für definitiv
veranlagte Personen wird das massgebende Einkommen dabei auf der Basis des nach
kantonalem Steuerrecht ermittelten Reineinkommens des vorletzten Jahres unter
Berücksichtigung verschiedener Zuschläge und Abzüge berechnet, wobei auf die
Steuererklärung bzw. auf die die Steuerperiode betreffende definitive Veranlagung des
vorletzten Jahres abgestellt wird (Art. 12 Abs. 1 und 4 Vo-EG). Zieht eine Person aus
dem Ausland oder einem anderen Kanton zu, wird gemäss Art. 12a Vo-EG auf das
massgebende Einkommen des Jahres vor dem Bezugsjahr abgestellt, wenn ein nach
kantonalem Steuerrecht ermitteltes Reineinkommen der Steuerperiode des vorletzten
Jahres fehlt. Fehlt auch das massgebende Einkommen des Jahres vor dem
Bezugsjahr, wird auf das nach kantonalem Steuerrecht ermittelte, voraussichtliche
Einkommen des Bezugsjahres abgestellt.
2.3 Einkommensmässige Basis für die Prüfung des Gesuchs des Rekurrenten bilden
grundsätzlich die definitiven Steuerwerte des Jahres 2009, insbesondere das in diesem
Jahr nach kantonalem Steuerrecht ermittelte Reineinkommen. Da der Rekurrent jedoch
erst im März 2010 in den Kanton St. Gallen zugezogen ist, liegen für das Jahr 2009 nur
Steuerdaten vor, die nach Steuerrecht des Kantons Bern ermittelt wurden. Es müssen
damit bei der Prüfung des Anspruchs des Rekurrenten auf Prämienverbilligung 2011 -
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wie von der Vorinstanz gemacht - die Steuerdaten des Jahres 2010 herangezogen
werden.
3.
3.1 Gemäss Veranlagungsberechnung über die Staats- und Gemeindesteuern 2010
der Gemeinde B._ vom 20. April 2011 betrug das Reineinkommen Fr. 37'594.--.
Dieses entspricht - nachdem die Vorinstanz gemäss vorgenannter
Veranlagungsberechnung keine nennenswerten weiteren Zuschläge und Abzüge zu
berücksichtigen hatte - dem massgebenden Einkommen (vgl. dazu Art. 12 Abs. 2 Vo-
EG). Die Belastungsgrenze für erwerbstätige Personen ohne mitversicherte
Ehepartnerinnen oder -partner und ohne mitversicherte Kinder liegt gemäss Art. 5 des
Regierungsbeschlusses über die Prämienverbilligung 2011 für Personen im Kanton St.
Gallen (sGS 331.538) bei einem massgebenden Einkommen ab Fr. 12'501.-- bei 12%.
Für den Rekurrenten ergibt sich damit bei einem Einkommen von Fr. 37'594.-- eine
Belastungsgrenze und somit ein Selbstbehalt von Fr. 4'511.30. Die Referenzprämie, bei
deren Nichterreichen ein Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung besteht, beläuft
sich im Jahr 2011 für die Region, in welcher der Rekurrent wohnhaft ist, auf Fr. 3'356.--
(Art. 3 lit. a des Regierungsbeschlusses über die Prämienverbilligung 2011 für
Personen im Kanton St. Gallen). Der Selbstbehalt übersteigt diese Referenzprämie um
Fr. 1'155.30, weshalb dem Rekurrenten für das Jahr 2011 keine individuelle
Prämienverbilligung zusteht.
3.2
3.2.1 Die vom Rekurrenten in der Einsprache vom 17. Mai 2011 angeführte
Lohnpfändung rechtfertigt kein Abweichen von den massgeblichen Werten der
Veranlagungsberechnung der Steuerverwaltung für das Jahr 2010. Die Bestimmungen
im EG-KVG sowie in der Vo-EG betreffend Prämienverbilligung bringen eine klare
Übereinstimmung mit dem Steuerrecht zum Ausdruck. Grundlage für die Berechnung
der Prämienverbilligung bildet in Übereinstimmung mit dem Steuerrecht ausdrücklich
das nach kantonalem Steuerrecht ermittelte Reineinkommen (Art. 12 Abs. 1 Vo-EG).
Lohnpfändungen finden dabei keine Berücksichtigung.
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3.2.2 Auch aus der vom Rekurrenten eingereichten Veranlagungsverfügung und
Schlussrechnung für die Kantons- und Gemeindesteuer 2011 vom 22. Juni 2011 bzw.
dem darin angeführten Nettosteuerbetrag von Fr. 0.-- lässt sich kein Anspruch auf eine
individuelle Prämienverbilligung herleiten. Zum einen kann sie nicht Grundlage für die
Festlegung des für die Bemessung der Prämienverbilligung massgebenden
Einkommens bilden (vgl. dazu Erwägung 2.2), zum anderen weist die genannte
Verfügung den Nettosteuerbetrag und nicht das steuerbare Reineinkommen aus.
Selbst wenn der Veranlagungsverfügung und Schlussrechnung für die Kantons- und
Gemeindesteuer 2011 ein gegenüber dem Reineinkommen 2010 tieferes
Reineinkommen zu Grunde liegen sollte, ergeben sich aus den Akten keinerlei Hinweise
für eine grundlegende Veränderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Sinn
einer dauerhaften Veränderung der Einkommensgrundlagen, womit ein Abstellen auf
veränderte Verhältnisse im Anspruchsjahr ausser Betracht fällt (vgl. dazu Art. 65 Abs. 3
KVG, Art. 11 Abs. 3 EG-KVG, Art. 9 Abs. 1 Vo-EG; Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 10. Mai 2005, B 2005/23; Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 24. November 2009, KV-SG 2009/3).
4
Gemäss Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS
951.1) hat in Streitigkeiten grundsätzlich jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder zum Teil abgewiesen werden. Nachdem der Rekurrent im
vorliegenden Verfahren vollständig unterlegen ist, hätte er demnach für die
Gerichtskosten aufzukommen. In Anbetracht der Umstände (bescheidene
wirtschaftliche Verhältnisse im Sinn von Art. 9 EG-KVG) rechtfertigt es sich jedoch, in
Anwendung von Art. 97 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 941.12)
auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Der Rekurs wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
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2021-09-19T14:49:28+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen