Decision ID: 2ff6f6ca-2268-5a06-aacc-8c99f4ca8e89
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde von der IV-Stelle des Kantons St. Gallen am 10. Februar 2015
rückwirkend ab dem 1. Mai 2010 eine ganze Invalidenrente zugesprochen. Am 22. Mai
2015 meldete sie sich bei der EL-Durchführungsstelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von Ergänzungsleistungen an (EL-act. 177). Die Beiständin des am 30. Juni
2012 geborenen Sohnes der Versicherten hatte in einem Begleitschreiben vom 4. Mai
2015 darum gebeten, die behinderungsbedingten Kosten für die Fremdbetreuung des
Sohnes, namentlich die Kosten für die Kinderkrippe sowie die Kosten für die
Aufenthalte in der Pflegefamilie, bei den Ergänzungsleistungen anzurechnen.
A.a.
Mit Verfügung vom 20. Februar 2016 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten rückwirkend ab 1. August 2010 (mit Unterbrüchen wegen
Einnahmenüberschüssen) Ergänzungsleistungen zu (Verfügung vom 20. Februar 2016,
EL-act. 152). Die Kosten für die Kinderkrippe und für die Pflegefamilie waren in der EL-
Berechnung nicht berücksichtigt worden. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
A.b.
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Am 6. Juli 2016 fragte die Versicherte die EL-Durchführungsstelle an (EL-act. 135),
wer die Kosten für die Kinderkrippe und die Pflegefamilie übernehme. Am 11.
November 2016 bat sie die EL-Durchführungsstelle darum, zu prüfen, ob es sich bei
den Kosten für die Fremdplatzierung um Behinderungskosten handle, und verlangte
eine anfechtbare Verfügung (EL-act. 121).
A.c.
Mit Verfügung vom 30. Dezember 2016 (EL-act. 113) eröffnete die EL-Durch
führungsstelle der Versicherten, dass die Betreuungskosten für deren Sohn gemäss
Art. 10 ELG nicht in der EL-Berechnung berücksichtigt werden könnten. Die EL-Durch-
führungsstelle prüfte also nicht, ob die Betreuungskosten gestützt auf Art. 14 ELG
(Krankheits- und Behinderungskosten) vergütet werden könnten. Die gegen diese
Abweisungsverfügung erhobene Einsprache wurde von der EL-Durchführungsstelle mit
Entscheid vom 20. März 2017 abgewiesen (EL-act. 99). Zur Begründung hielt die EL-
Durch-führungsstelle fest, dass Art. 10 ELG keine Deckung von Kosten für die
Kinderkrippe und für Kurzaufenthalte in Pflegeheimen vorsehe, weshalb die
diesbezüglichen Kosten aus dem Lebensbedarf bzw. mit der Kinderrente zu decken
seien. Die Krankheitskosten seien separat zu verfügen, weshalb die Versicherte in
Kürze eine eigenständige Verfügung erhalten werde. Gegen diesen
Einspracheentscheid erhob die Versicherte am 28. April 2017 Beschwerde (EL-act. 91).
A.d.
Mit Verfügung vom 11. April 2018 (EL-act. 51) betreffend Krankheits- und
Behinderungskosten hatte die EL-Durchführungsstelle die Kosten für die Kinderkrippe
für den Zeitraum Februar bis Mai 2017, abzüglich der Verpflegungskosten,
übernommen. Mit Verfügung vom 31. Mai 2018 betreffend Krankheits- und
Behinderungskosten hatte sie auch die Kosten für die Kinderkrippe für den Januar
2017 übernommen und eine Nachzahlung für den Mai 2017 getätigt (EL-act. 35).
A.e.
Das Gericht trat am 28. August 2018 nicht auf die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 20. März 2017 ein (EL 2017/19, EL-act. 27). Es erwog, dass
sich der Einspracheentscheid resp. die ihm zugrundeliegende Verfügung lediglich mit
der Frage befasst hätten, ob die Betreuungskosten als Ausgaben in der laufenden
Ergänzungsleistung zu berücksichtigen seien. Allerdings sei der Umstand, dass die
Betreuungskosten in der laufenden Ergänzungsleistung gar nicht berücksichtigt werden
könnten, von der Versicherten nie bestritten worden. Weder sie noch die EL-
A.f.
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B.
Durchführungsstelle hätten somit ein Interesse an der Aufhebung oder Korrektur des
angefochtenen Einspracheentscheides gehabt. Im Sinne eines obiter dictum wies das
Gericht darauf hin, dass das Gesuch der Versicherten um die Übernahme der Kosten
für die Kinderkrippe und die Pflegefamilie rückwirkend ab Juni 2012 (Geburt des
Sohnes), welches die Versicherte erstmals mit der Anmeldung zum EL-Bezug im Mai
2015 gestellt habe, weiterhin (zumindest weitestgehend) unbehandelt sei. Das Gericht
wies auf die Möglichkeit einer zukünftigen Praxisänderung hin: In Fällen wie dem
vorliegenden dürfte gestützt auf Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG ein Vergütungsanspruch für
kurzzeitige Aufenthalte eines betreuungsbedürftigen Kindes in Kinderkrippen, bei
Pflegefamilien oder in ähnlichen geeigneten Institutionen bestehen, wenn die Eltern
objektiv nicht in der Lage seien, das Kind durchgehend zu betreuen.
Am 17. Oktober 2018 reichte die Versicherte erneut die Unterlagen über die ihr
entstandenen Kinderbetreuungskosten ein (EL-act. 24). Die Betreuungskosten betrafen
den Zeitraum Juni 2012 bis September 2018 und beliefen sich auf insgesamt Fr.
48'302.--. Zudem stellte die Versicherte ein Gesuch um die Übernahme einer
Monatspauschale von Fr. 100.-- ab Mai 2015 für die Betreuung ihres Sohnes durch die
Familie ihrer Mutter.
B.a.
Am 23. Oktober 2018 fragte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte an, wie
das Verhältnis zum Kindsvater sei, ob dieser in der Lage sei, das Kind zu betreuen und
wenn ja, ob und in welchem Umfang er diese Betreuung wahrnehme (EL-act. 23). Die
Versicherte antwortete am 9. November 2018 (EL-act. 22), dass zum Kindsvater kein
Verhältnis bestehe und sie nicht wisse, ob er in der Lage sei, seinen Sohn zu betreuen.
Am 16. April 2018 (EL-act. 22-2 f.) hatte die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
(KESB) der Versicherten mitgeteilt, dass ein Behördenmitglied Ende Februar mit dem
Vater des Kindes ein Gespräch habe führen können. Der Vater habe erklärt, dass es
ihm aufgrund seiner aktuellen Situation emotional nicht möglich sei, derzeit den
Kontakt zu seinem Sohn wieder aufzunehmen. Die KESB werde den Vater vor Ablauf
der nächsten Berichtsperiode im Sommer 2019 erneut kontaktieren und prüfen, ob ein
Kontaktaufbau zwischen Vater und Sohn möglich sei.
B.b.
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Mit Verfügung vom 14. November 2018 betreffend Krankheits- und
Behinderungskosten (EL-act. 21) eröffnete die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten, dass die Kosten des Vereins C._ vom Juni 2012 bis Oktober 2018 nicht
übernommen werden könnten. Zur Begründung führte sie aus, dass es sich gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei den Betreuungskosten für das Kind nicht
um Krankheits- und Behinderungskosten im Sinne von Art. 14 ELG handle.
B.c.
Dagegen erhob die Versicherte am 13. Dezember 2018 Einsprache (EL-act. 16).
Sie machte zusammengefasst geltend, dass der Entscheid widersprüchlich sei, da die
Kosten für die Kinderkrippe im Jahr 2017 von der EL übernommen worden seien.
Zudem seien die Hälfte der von ihr geltend gemachten behinderungsbedingten Kosten
ausgeklammert worden. Es käme die EL-Durchführungsstelle um ein Vielfaches teurer
zu stehen, wenn das Kind dauerhaft fremdplatziert würde. Sie sei krankheitsbedingt auf
ein Notfallnetz in Krisen und regelmässige Entlastung angewiesen.
B.d.
Mit Entscheid vom 25. Februar 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 13). Zur Begründung hielt sie fest, dass die Aufzählung der
Krankheits- und Behinderungskosten in Art. 14 Abs. 1 ELG abschliessend sei. Eine
Gesetzeslücke sei entgegen den nicht verbindlichen Ausführungen des
Versicherungsgerichts im Entscheid vom 28. August 2018 also nicht vorhanden. Unter
Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG fielen rechtsprechungsgemäss zwar hauswirtschaftliche
Leistungen, jedoch keine darüber hinausgehenden Leistungen wie beispielsweise
sozialpädagogische Leistungen. Somit könnten Fremdbetreuungskosten nicht über Art.
14 Abs. 1 lit. b ELG vergütet werden. Die vom Versicherungsgericht im "obiter dictum"
angekündigte Praxisänderung sei bundesrechtswidrig.
B.e.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 26. März 2019 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Vergütung der
Fremdbetreuungskosten für den Sohn (im Zeitraum von Juni 2012 bis Oktober 2018);
die Sache sei zur ziffernmässigen Festlegung der Ansprüche der Beschwerdeführerin
gemäss Art. 14 ELG an die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Evtl. sei die Beschwerdegegnerin im Sinne
einer Rechtsverweigerungsbeschwerde in Bezug auf die in der Verfügung vom 14.
B.f.
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November 2018 nicht erwähnten Fremdbetreuungskosten (sozialpädagogische
Familienhilfe, Kosten der Pflegefamilie, Pauschalentschädigung für die familieninterne
Betreuung durch die Mutter der Beschwerdeführerin sowie Betreuungskosten der
Wohngemeinschaft Mutter und Kind des Kindesschutzzentrums D._ sowie
Fremdplatzierungskosten) gerichtlich anzuweisen, innert einer angemessenen kurzen
Frist über deren Vergütung zu verfügen. Der Rechtsvertreter stellte ausserdem ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung für das
Beschwerdeverfahren. Zur Begründung der Beschwerde machte er geltend, zwischen
den Parteien sei unstreitig, dass der Kindsvater bis zum Verfügungszeitpunkt und bis
auf Weiteres keine Unterstützung bei der Betreuung des Sohnes bieten könne. Es sei
davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 14. November
2018 die zusätzlich zu den Betreuungskosten des Vereins C._ von Juni 2012 bis
Oktober 2018 angefallenen und geltend gemachten Kosten versehentlich nicht erwähnt
habe. Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass die von der Beschwerdeführerin
nebst den Betreuungskosten des Vereins C._ beantragten Kostenvergütungen in der
Verfügung vom 14. November 2018 und dem Einspracheentscheid vom 25. Februar
2019 nicht beurteilt worden seien, sei diese Beschwerde insoweit als
Rechtsverweigerungsbeschwerde entgegenzunehmen. Sowohl die geltend gemachten
Betreuungskosten als auch die geltend gemachten Kosten für die sozialpädagogische
Familienbegleitung seien unbestrittenermassen medizinisch indiziert und somit
notwendige und unvermeidbare Krankheitskosten im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG
i.V.m. Art. 13 Abs. 1 lit. b VKB. Unbestritten sei ebenfalls, dass sämtliche
Krankheitskosten rechtzeitig geltend gemacht worden seien. In rechtlicher Hinsicht
könne vollumfänglich auf die Erwägungen des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 28. August 2018 verwiesen werden. Die dagegen vorgebrachten
Ausführungen der Beschwerdegegnerin überzeugten nicht und seien mit der ratio legis
des ELG nicht vereinbar. Es wäre in keiner Art und Weise nachvollziehbar und stünde in
einem Widerspruch zu Art. 8 BV, Art. 5 Abs. 2 BV und Art. 9 Ziff. 1 der
Kinderrechtskonvention, Eltern mit psychischen Erkrankungen, die sich − mit
Unterstützung der KESB − im Interesse des Kindeswohls und einer natürlichen und
gesunden Entwicklung des Kindes dafür einsetzten, dass ihr Kind im Rahmen ihrer
gesundheitlichen Möglichkeiten zu Hause betreut werden könne und nur punktuell −
aus gesundheitlichen Gründen − auf kurzfristige Fremdbetreuungsangebote
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zurückgriffen, gegenüber Eltern, deren Kinder sich dauernd in einem Heim aufhielten,
zu benachteiligen. Der behandelnde Psychiater Dr. med. B._ hatte im
Musterfragebogen bezüglich des Abzugs von behinderungsbedingen Kosten zuhanden
der Steuerverwaltung am 8. November 2018 angegeben (act. G 1.1.4), dass die
Beschwerdeführerin seit 2009 an einer bipolaren affektiven Störung mit häufigen
manischen Phasen inkl. psychotischen Symptomen, seltener depressiven Phasen und
dazwischen stabilen Phasen, leide. In kranken (manischen oder depressiven) Phasen
sei eine (externe) Kinderbetreuung erforderlich. Am 18. März 2019 hatte derselbe Arzt
in einem Zeugnis festgehalten (act. G 1.1.5), dass die Beschwerdeführerin mit der
alleinigen Betreuung ihres Sohnes auf Dauer überfordert sei. Die bisherige Entlastung
durch die Grosseltern sei wegen wiederholten emotionalen Eskalationen zwischen
Mutter und Tochter inkonstant und werde immer wieder in Frage gestellt resp.
ausgesetzt. Aus psychiatrischer Sicht sei eine regelmässige wöchentliche Entlastung
der Beschwerdeführerin von der Mutterfunktion für 48 Stunden inkl. Übernachtungen
zu empfehlen. Einem Beschluss der KESB vom 12. Oktober 2017 war zu entnehmen
(act. G 1.1.14), dass es aktuell nicht möglich sei, den Kontakt des Kindes zu seinem
Vater wieder in Gang zu bringen und aufzubauen, da der Vater auf telefonische und
schriftliche Kontaktversuche der Beiständin nicht reagiere.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. Mai 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid. Darüber hinaus hielt sie fest, dass inzwischen die
Krankheitskostenverfügung betreffend die übrigen geltend gemachten Kosten erlassen
worden sei. Von einer Rechtsverzögerung oder gar Rechtsverweigerung könne keine
Rede sein. Mit einer Verfügung vom selben Tag betreffend Krankheits- und
Behinderungskosten hatte die Beschwerdegegnerin die Übernahme aller im Zeitraum
von Juni 2012 bis September 2018 geltend gemachten Kosten für die Fremdbetreuung
des Sohnes in der Höhe von Fr. 48'301.75 abgelehnt, d.h. erneut auch die Kosten für
die Kinderkrippe C._. Zur Begründung hatte die Beschwerdegegnerin festgehalten,
dass es sich bei den Betreuungskosten für das Kind nicht um Krankheits- und
Behinderungskosten im Sinne von Art. 14 ELG handle. Erst mit dem neuen ELG,
welches voraussichtlich per 1. Januar 2021 in Kraft treten werde, würden solche
Kosten als Ausgaben ins ELG aufgenommen.
B.g.
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Erwägungen
1.
Am 10. Mai 2019 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 4).
B.h.
In seiner Replik vom 27. Juni 2019 (act. G 8) hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an den in der Beschwerdeschrift gestellten Rechtsbegehren fest.
B.i.
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 22. Juli 2019 ebenfalls an ihrem
Antrag und ihren Ausführungen fest (act. G 10). Ergänzend führte sie aus, dass der
Einspracheentscheid nur denjenigen materiellen Streitgegenstand behandeln könne,
welcher bereits Inhalt der Verfügung gewesen sei, hier also die Kosten des Vereins
C._.
B.j.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ersuchte das Gericht am 5.
November 2019 darum, das vorliegende Beschwerdeverfahren prioritär zu behandeln
(act. G 12).
B.k.
Anfechtungsgegenstand ist der Einspracheentscheid vom 25. Februar 2019. Der
Streitgegenstand ist durch die Verfügung vom 14. November 2018 vorgegeben
worden, denn diese Verfügung liegt dem angefochtenen Einspracheentscheid
zugrunde. Darin hat die Beschwerdegegnerin lediglich darüber entschieden, ob die im
Zeitraum Juni 2012 bis Oktober 2018 angefallenen Kosten für die Aufenthalte in der
Kinderkrippe C._ gestützt auf Art. 14 ELG durch die EL zu tragen seien. Nicht
Streitgegenstand sind die anderen geltend gemachten Betreuungskosten wie
beispielsweise die Kosten für die Aufenthalte in der Pflegefamilie gewesen.
Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist also lediglich die Frage,
ob die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 14 ELG Anspruch auf die Übernahme der
im Zeitraum Juni 2012 bis Oktober 2018 angefallenen Kinderkrippenkosten hat.
1.1.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat für den Fall, dass das Gericht zum
Schluss kommen sollte, dass die von der Beschwerdeführerin nebst den
Betreuungskosten für die Kinderkrippe beantragten Kostenvergütungen in der
Verfügung vom 14. November 2018 und dem angefochtenen Einspracheentscheid
nicht beurteilt worden seien, beantragt, dass die Beschwerde insoweit als
Rechtsverweigerungsbeschwerde entgegenzunehmen sei. Die Beschwerdegegnerin
1.2.
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hat betreffend die Übernahme der nebst den Kosten für die Kinderkrippe geltend
gemachten Betreuungskosten (Kosten der Pflegefamilie etc.) im Laufe des
Beschwerdeverfahrens, nämlich am 9. Mai 2019, eine Verfügung erlassen. Die
Rechtsverweigerungsbeschwerde ist damit gegenstandslos geworden. Im Übrigen hat
im Zeitpunkt der Erhebung der Rechtsverweigerungsbeschwerde wohl kaum eine
Rechtsverzögerung vorgelegen.
Die Beschwerdegegnerin hatte mit den Verfügungen vom 11. April 2018 und vom
31. Mai 2018 die Kosten für die Kinderkrippe (abzüglich Verpflegungskosten) für den
Zeitraum Januar bis Mai 2017 übernommen. Die Beschwerdeführerin hat in ihrer
Einsprache vom 13. Dezember 2018 zu Recht darauf hingewiesen, dass ein inhaltlicher
Widerspruch zwischen der Verfügung vom 14. November 2018 und den Verfügungen
vom 11. April und 31. Mai 2018 bestehe. Die Beschwerdegegnerin hat sich hierzu nicht
geäussert. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin kann nur so interpretiert werden,
dass es sich bei der Verfügung vom 14. November 2018 (die dem angefochtenen
Einspracheentscheid zugrunde liegt) um eine Wiedererwägungsverfügung im Sinne von
Art. 53 Abs. 2 ATSG handelt. Die Beschwerdegegnerin hat also die Verfügungen vom
11. April und 31. Mai 2018 im Nachhinein als zweifellos unrichtig qualifiziert und durch
die Verfügung vom 14. November 2018 ersetzt. Bei der Verfügung vom 14. November
2018 hat es sich demnach um eine Kombination aus einer Gesuchsabweisung
(betreffend die Kinderkrippenkosten für den Zeitraum Juni 2012 bis Dezember 2016
und Juni 2017 bis Oktober 2018) und einer Wiedererwägung der Verfügungen vom 11.
April und 31. Mai 2018 (betreffend die Kinderkrippenkosten für den Zeitraum Januar bis
Mai 2017) gehandelt. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, sind die Voraussetzungen für
eine Wiedererwägung der Verfügungen vom 11. April und 31. Mai 2018 tatsächlich
erfüllt gewesen: Die Übernahme der Kosten für die Kinderkrippe gestützt auf Art. 14
ELG ist nicht gesetzeskonform und damit zweifellos unrichtig gewesen. Darüber hinaus
ist die Berichtigung der Verfügungen vom 11. April und 31. Mai 2018 von erheblicher
Bedeutung gewesen. Eine allfällige, aus der Wiedererwägung resultierende
Rückforderung ist in der Verfügung vom 14. November 2018 nicht enthalten und wäre
separat zu verfügen. Eine allfällige Rückforderung ist somit nicht Streitgegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
1.3.
Mit der Beschwerdeantwort hat die Beschwerdegegnerin eine Verfügung vom
selben Tag eingereicht (act. G 3.1), mit welcher sie alle im Zeitraum vom Juni 2012 bis
September 2018 geltend gemachten Kosten für die Fremdbetreuung des Sohnes der
Beschwerdeführerin abgelehnt hat. Auch die Übernahme der Kosten für die
Kinderkrippe (in der Gesamthöhe von Fr. 25'032.75) hat sie erneut abgelehnt. Gemäss
1.4.
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2.
Art. 53 Abs. 3 ATSG kann der Versicherungsträger einen Einspracheentscheid, gegen
den Beschwerde erhoben wurde, so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der
Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Der Beschwerdeantwort sind keine Hinweise
dafür zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin den angefochtenen
Einspracheentscheid hat widerrufen wollen. Der Rechtsdienstmitarbeiter hat in der
Beschwerdeantwort sogar explizit festgehalten, dass die Beschwerdegegnerin
zwischenzeitlich die Krankheitskostenverfügung betreffend die übrigen geltend
gemachten Kosten erlassen habe. Dies lässt keinen anderen Schluss zu, als dass die
Beschwerdegegnerin die Kosten für die Kinderkrippe in der Verfügung vom 9. Mai 2019
aus Versehen erneut abgelehnt haben. Es ist also kein Verfügungswille vorhanden
gewesen, weshalb der Verfügung vom 9. Mai 2019 mit Bezug auf die Kosten der
Kinderkrippe kein Verfügungscharakter zukommt. Nachfolgend ist demnach zu prüfen,
ob die Beschwerdegegnerin die Übernahme der Kosten für die Kinderkrippe im
Zeitraum Juni 2012 bis Oktober 2018 zu Recht nicht als Krankheits- und
Behinderungskosten im Sinne von Art. 14 ELG anerkannt hat.
Das Gericht hat im Entscheid vom 28. August 2018 (EL 2017/19) in einem obiter
dictum auf die Möglichkeit einer zukünftigen Praxisänderung in Bezug auf die
Übernahme der Kosten für die Kinderkrippe (und die hier nicht streitgegenständlichen
Kosten für die vorübergehenden Aufenthalte in einer Pflegefamilie) hingewiesen (Erw.
1.3). Das Gericht hat dazu festgehalten, dass Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG und die
kantonale Ausführungsgesetzgebung (Art. 13 Abs. 1 der st. gallischen Verordnung über
die Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten bei den Ergänzungsleistungen,
VKB, sGS 351.53) zwar keine Vergütung von Kinderkrippenkosten und Kosten für
vorübergehende Aufenthalte in einer Pflegefamilie vorsähen. Es hat jedoch darauf
hingewiesen, dass es sich hierbei um ein Versehen handeln dürfte, welches auf eine
ausfüllungsbedürftige Lücke in Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG zurückzuführen sei: Bei
drittbetreuungsbedürftigen Kindern, die nicht in einem Heim lebten, weil sie die meiste
Zeit bei einem Elternteil leben könnten, bestehe ein ebenso dringender Bedarf nach
einem Kostenersatz wie bei einem dauernden Heimaufenthalt. Da der Existenzbedarf
des Elternteils und des Kindes nicht gewährleistet wäre, wenn die Kosten der immer
wieder notwendigen, stunden- oder tageweisen Drittbetreuung nicht vergütet würden,
bestehe eine offensichtlich planwidrige Leistungslücke. Nichts deute darauf hin, dass
der Gesetzgeber sich dieser Leistungslücke bewusst gewesen wäre und dass er sie in
Kauf genommen hätte. An diesen Ausführungen kann aus den folgenden Gründen
heute nicht mehr festgehalten werden: Der Bundesrat hatte am 16. September 2016
2.1.
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die Botschaft zur Änderung des ELG erlassen (BBl 2016 7465). Für diese Reform hatte
er die Beträge für den allgemeinen Lebensbedarf von Kindern prüfen lassen (S. 7505).
Er hatte unter anderem auf die BASS-Studie (Studie des Büros für arbeits- und
sozialpolitische Studien BASS: Berechnung der direkten Konsumkosten der Kinder
[ohne Wohnkosten], Heidi Stutz, Severin Bischof; im Auftrag des Amts für Jugend und
Berufsberatung des Kantons Zürich, Carola Gruenberg; Bern Dezember 2013)
hingewiesen, wonach die Beträge der EL nur gering von den durchschnittlichen Kosten
eines Kindes in der Schweiz abweichen würden. Der Bundesrat war zum Schluss
gekommen, dass an den Beträgen für den allgemeinen Lebensbedarf von Kindern
festgehalten werden solle (S. 7507 f.). Die beiden Räte haben dies anders gesehen: Sie
haben sich am 19. März 2019 darauf geeinigt, die Ansätze für den Lebensbedarf von
Kindern unter 11 Jahren zu senken. Im Gegenzug werden zukünftig die Kosten für die
familienexterne Kinderbetreuung berücksichtigt (siehe www.parlament.ch/de/
ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20160065, besucht am 28. Januar
2020). Die neue "Regelung" lautet wie folgt: Gemäss neuArt. 10 Abs. 3 lit. f ELG
werden bei allen Personen die Netto-Betreuungskosten für die notwendige und
ausgewiesene familienergänzende Betreuung von Kindern, die das 11. Altersjahr noch
nicht vollendet haben, als Ausgaben anerkannt (www.admin.ch/opc/de/federalgazette/
2019/2603.pdf). Gemäss neuArt. 16e Abs. 1 ELV werden für die familienergänzende
Betreuung von Kindern unter 11 Jahren Kosten für Kindertagesstätten (lit. a),
Einrichtungen für die schulergänzende Betreuung von Kindern (lit. b) und Tagesfamilien
(lit. c) anerkannt. Die Kosten werden gemäss Abs. 2 nur anerkannt, wenn ein
alleinerziehender Elternteil oder beide Elternteile gleichzeitig einer Erwerbstätigkeit
nachgehen (lit. a) oder die zur Wahrung des Kindeswohls erforderliche Kinderbetreuung
aus gesundheitlichen Gründen nicht vollumfänglich wahrnehmen können (lit. b;
www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/57149.pdf). Die Änderungen
werden am 1. Januar 2021 in Kraft treten (www.admin.ch/gov/de/start/ dokumentation/
medienmitteilungen.msg-id-77929.html, besucht am 30. Januar 2020). Zukünftig
werden also die Kosten für die Kinderkrippe in Fällen wie dem vorliegenden für Kinder
unter 11 Jahren in der EL-Berechnung als Ausgaben berücksichtigt werden. Aufgrund
dieser gesetzgeberischen Entwicklung kann nicht von einer planwidrigen
Leistungslücke im geltenden Recht ausgegangen werden. Aus der parlamentarischen
Debatte geht nämlich klar hervor, dass die familienergänzenden
Kinderbetreuungskosten unter geltendem Recht über den allgemeinen Lebensbedarf
gedeckt sind, d.h. dass sie also keine gesonderte Ausgabenposition und auch keine
Krankheits- und Behinderungskosten im Sinne von Art. 14 ELG darstellen. Der
Gesetzgeber hat somit (bisher) in Kauf genommen, dass in Einzelfällen wie dem
vorliegenden eine existenzgefährdende Leistungslücke im EL-Recht besteht. Das muss
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3.