Decision ID: e1726568-2c03-542d-a955-b6352cf79920
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der eritreische Beschwerdeführer reiste gemäss eigenen Angaben im De-
zember 2008 aus seinem Heimatland in den Sudan und stellte mit Eingabe
vom 3. März 2011 (Eingang Botschaft am 19. April 2011) bei der Schwei-
zerischen Vertretung in Khartum ein Asylgesuch. Nachdem ihn das dama-
lige Bundesamt für Migration (BFM) mit Schreiben vom 25. Juli 2013 zur
Beantwortung eines Fragenkataloges aufgeforderte hatte, teilte er der Vor-
instanz im November 2013 schriftlich mit, er halte sich nunmehr in Israel
auf. In der Folge wurde er am 4. Februar 2014 von einem Mitarbeiter der
Schweizer Botschaft in Tel Aviv angehört. Mit Verfügung vom 29. Dezem-
ber 2014 verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Erteilung einer
Einreisebewilligung und lehnte sein Asylgesuch ab. Die dagegen gerichtete
Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes
D-953/2015 vom 12. März 2015 gutgeheissen, worauf das SEM dem Be-
schwerdeführer am 20. März 2015 die Einreise zur Durchführung eines or-
dentlichen Asylverfahrens bewilligte.
B.
B.a. Am 28. April 2015 reiste der Beschwerdeführer auf dem Luftweg von
Tel Aviv in die Schweiz, wo er sich gleichentags bei den Asylbehörden mel-
dete. Die Befragung zur Person erfolgte am 22. Mai 2015, die Anhörung
am 14. Januar 2016.
B.b. Mit Verfügung vom 18. August 2016 lehnte das SEM das Asylgesuch
des Beschwerdeführers ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus
der Schweiz, erachtete den Vollzug der Wegweisung nach Eritrea im ge-
genwärtigen Zeitpunkt aber als nicht zumutbar und ordnete die vorläufige
Aufnahme des Beschwerdeführers an.
B.c. Die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde wurde vom Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil D-5632/2016 vom 17. Januar 2019 gutge-
heissen und das SEM wurde angewiesen, dem Beschwerdeführer in der
Schweiz Asyl zu gewähren. Mit Verfügung vom 24. Januar 2019 hob das
SEM seinen Entscheid vom 18. August 2016 auf und gewährte ihm Asyl in
der Schweiz.
C.
C.a. Mit Eingabe vom 13. Februar 2019 ersuchte der Beschwerdeführer
beim SEM um Familienzusammenführung mit seiner Ehefrau B._.
Hierbei reichte er eine Kopie der Eheurkunde («Marriage Certificate») ein,
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mit dem Hinweis, das Original der Eheurkunde befinde sich bereits in den
Akten des SEM.
C.b. Mit Schreiben vom 28. Februar 2019 forderte das SEM den Beschwer-
deführer auf, verschiedene Fragen zum Zusammenleben und zur Bezie-
hung zwischen ihm und B._ zu beantworten und Beweismittel zum
Identitätsnachweis und zum Familienleben in Eritrea einzureichen.
C.c. Der Beschwerdeführer antwortete mit Schreiben vom 21. März 2019,
er habe kein Foto von der Hochzeit und auch kaum Fotos von ihnen ge-
meinsam. Die wenigen, die er gehabt habe, seien durch die Flucht abhand-
engekommen. Er reiche aber zwei aktuelle Passfotos von B._ so-
wie einen Identitätsnachweis ein. Er habe mit seiner Frau, die er im Jahr
2000 in der "Secondary School" kennengelernt habe, im Zeitraum Januar
2008 bis September 2008 zusammen mit seinen Eltern in deren Wohnung
gelebt. Heute lebe sie in Khartoum und er stehe über einen Internet-
Sprachdienst mit ihr in Kontakt. Sie hätten am (...) in Anwesenheit sämtli-
cher Familienmitglieder kirchlich geheiratet, wobei sein Vater die Hochzeit
vorgeschlagen habe, sie aber bereits vorher zusammen gewesen seien. Er
habe seine Frau im September 2008 zuletzt in der gemeinsamen Wohnung
in C._ gesehen.
C.d. Mit Schreiben vom 26. Juli 2019 erbat das SEM die Beantwortung
weiterer Fragen zu der geltend gemachten Ehe. Dabei wies es insbeson-
dere darauf hin, dass er seine Ehefrau sowohl in seinem Asylgesuch aus
dem Ausland im Jahr 2011 als auch anlässlich der Anhörung im Februar
2014 gänzlich unerwähnt gelassen habe.
C.e. Der Beschwerdeführer antwortete mit Schreiben vom 20. August 2019
und hielt dabei unter anderem fest, er sei er davon ausgegangen, dass es
zu einem schnelleren Entscheid komme, wenn er angebe, ledig zu sein.
C.f. Mit Verfügung vom 7. November 2019 – eröffnet am 9. November 2019
– verweigerte das SEM die Erteilung einer Einreisebewilligung für
B._ und lehnte das Gesuch um Familienasyl ab.
D.
Mit Beschwerde seines Rechtsvertreters vom 9. Dezember 2019 an das
Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer, die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben und das Gesuch um Familiennachzug gut-
zuheissen. Eventualiter sei das Verfahren zur weiteren Sachverhaltsabklä-
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rung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und die Beiordnung des Rechtsvertreters als unentgeltlichen
Rechtsbeistand.
Der Beschwerde lagen unter anderem Kopien der kirchlichen Heiratsur-
kunde ("Marriage Certificate") sowie des Studentenausweises von
B._ für das Jahr 2011 bei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 wies die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsvertretung wegen aussichtslos erscheinender Be-
schwerdebegehren ab. Dabei wurde unter anderem erwogen, beim einge-
reichten Heiratszertifikat handle es sich lediglich um eine Kopie. Gleichzei-
tig wurde der Beschwerdeführer zur Bezahlung eines Kostenvorschusses
aufgefordert. Dieser wurde am 23. Januar 2020 geleistet.
F.
Mit Schreiben vom 29. Januar 2020 wandte sich der Beschwerdeführer an
das Gericht und informierte mit beigelegtem Zahlungsbeleg über die er-
folgte Kostenvorschusszahlung. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass er
seine Original-Heiratsurkunde bereits bei der Vorinstanz eingereicht habe,
was auch dem Anhörungsprotokoll entnommen werden könne. Ausserdem
ersuchte er um umfassende Einsicht in die Akten des Verfahrens um Fa-
miliennachzug.
G.
Mit Instruktionsverfügung vom 10. Februar 2020 wurde das SEM aufgefor-
dert, zum Verbleib der Heiratsurkunde und anderer im vorinstanzlichen
Asylverfahren vom Beschwerdeführer abgegebener Dokumente Stellung
zu nehmen. Gleichzeitig wurde das Akteneinsichtsgesuch zur Behandlung
an das SEM weitergeleitet.
H.
In seiner Vernehmlassung vom 25. Februar 2020 erklärte das SEM, es
könne leider nicht mit weiteren Angaben zum Verbleib der vermissten Do-
kumente dienen, namentlich der Identitätskarte des Beschwerdeführers,
dessen Studentenausweis in Kopie und des israelischen Laissez-Passer.
Es würden sich aus den Akten auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür
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ergeben, wie es zum Verlust der Dokumente habe kommen können. Es sei
aber darauf hinzuweisen, dass dem Beschwerdeführer beziehungsweise
seiner Ehefrau aus dem Verlust der Dokumente kein Nachteil entstanden
sei. Die Verfügung des SEM vom 7. November 2019 beziehe sich auf die
vom Beschwerdeführer gemachten Angaben und stelle somit nicht auf die
fehlenden Dokumente ab. Ausserdem seien in den Akten Kopien der Hei-
ratsurkunde, der Identitätskarte und des Studentenausweises der Ehefrau.
Der bedauerliche Verlust der genannten Dokumente vermöge die ange-
fochtene Verfügung nicht umzustossen. Im Übrigen werde auf die Erwä-
gungen verwiesen, an denen vollumfänglich festgehalten werde.
I.
Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 5. März 2020 die bean-
tragte Akteneinsicht.
J.
Mit Instruktionsverfügung vom 9. März 2020 wurde dem Beschwerdeführer
Frist zur Einreichung einer Replik eingeräumt. Davon machte er innert er-
streckter Frist mit Eingabe vom 24. April 2020 Gebrauch, wobei dieser Ein-
gabe als neue Beweismittel drei Fotos vom Besuch des Beschwerdefüh-
rers bei seiner Ehefrau im Jahr 2019 in Khartoum beilagen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.
Vorab ist festzuhalten, dass trotz des bedauerlichen Umstandes, dass der-
zeit die Original-Identitätskarte, die Original-Heiratsurkunde, das Laisser-
Passer sowie die Kopie des Studentenausweises des Beschwerdeführers
unauffindbar sind, keine Kassation des vorinstanzlichen Entscheides an-
gezeigt ist, da die Untersuchungspflicht durch die Vorinstanz vorliegend
nicht verletzt wurde und der Sachverhalt umfassend abgeklärt ist. Insbe-
sondere sind keine entscheidwesentlichen Beweismittel abhandengekom-
men, da weder die Identität des Beschwerdeführers fraglich ist, noch sein
Aufenthalt in Israel oder der Studienaufenthalt von B._. Zudem
kommt auch der Heiratsurkunde, obschon deren Vorliegen nur in Kopie in
der Zwischenverfügung vom 9. Januar 2020 irrtümlich erwähnt wurde,
keine entscheidende Bedeutung zu (vgl. nachfolgende Erwägungen).
5.
5.1. Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten und minderjährige
Kinder eines Flüchtlings in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehepartners
respektive Elternteils einbezogen und erhalten Asyl, wenn keine besonde-
ren Umstände dagegen sprechen. Dem Einbezug in die Flüchtlingseigen-
schaft und der Asylgewährung entgegenstehende besondere Umstände
sind gemäss Rechtsprechung beispielsweise anzunehmen, wenn das Fa-
milienmitglied Bürger eines anderen Staates als der Flüchtling ist und die
Familie in diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Sta-
tus derivativ erworben hat oder wenn das Familienleben während einer
längeren Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmit-
glieder nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben. In jedem
Fall bedingt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, dass die an-
spruchsberechtigte Person ihren Heimat- oder Herkunftsstaat verlassen
hat. Im Hinblick hierauf haben Personen, welche nach Art. 51 Abs. 1 AsylG
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als Flüchtlinge anzuerkennen sind, aus Art. 51 Abs. 4 AsylG einen An-
spruch auf Erteilung einer Einreisebewilligung, sofern sie sich im Ausland
aufhalten und durch die Flucht des anerkannten Flüchtlings von diesem
getrennt wurden.
5.2. Wer um Erteilung einer Einreisebewilligung zum Zweck des Familien-
asyls ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen
zur Familiengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Fa-
miliengemeinschaft, die Familientrennung durch Flucht sowie die fest be-
absichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzuwei-
sen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG).
6.
6.1. Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, es bestün-
den vorliegend Zweifel an einer vorbestandenen Ehegemeinschaft, da der
Beschwerdeführer im vorangegangenen Auslandverfahren angegeben
habe, er sei ledig, und er auch, nach seinen Familienangehörigen befragt,
keine Ehefrau erwähnt habe. Er habe nicht überzeugend begründen kön-
nen, warum er sie unerwähnt gelassen habe. Erstmalig habe er seine Ehe-
frau nach der Einreise in die Schweiz bei der Befragung zur Person und
der darauffolgenden Anhörung genannt. Auch habe der Beschwerdeführer
nicht überzeugend darlegen können, warum er die Ausreise ohne seine
Ehefrau vorgenommen habe. Angesichts der wenig schlüssigen und un-
vereinbaren Aussagen sei auch nicht glaubhaft, dass die Ehefrau nach der
im Jahr 2008 geschlossenen Hochzeit und der einen Monat später erfolg-
ten Rückkehr in den Militärdienst regelmässig jeden Abend mit dem Bus
eine Stunde nach Hause gefahren sei. Zudem seien die Angaben zum Mi-
litärdienst der Ehefrau überraschend, da verheiratete Frau in Eritrea nor-
malerweise vom Dienst freigestellt würden.
Auch habe er Eritrea ohne vorgängige Benachrichtigung und ohne Angabe
eines Reiseziels verlassen und danach über längere Zeit keinen Kontakt
zu seiner Ehefrau gehabt, obwohl es angesichts der geltend gemachten
Ehegemeinschaft zu erwarten gewesen wäre, dass er seine Ehefrau mög-
lichst rasch über seinen Verbleib informiere. Die angebliche Kontaktauf-
nahme in Israel sei angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer seine
Ehefrau im Verfahren nicht genannt habe, fraglich.
Die Abreise ohne vorherige Benachrichtigung und die fehlende Kontaktauf-
nahme über einen längeren Zeitraum stellten zumindest einen konkluden-
ten Abbruch der ehelichen Beziehung dar. Es müsse davon ausgegangen
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werden, dass zu dem Zeitpunkt keine tatsächlich gelebte und allein durch
die Flucht getrennte Beziehung mehr bestanden habe, unabhängig davon,
wie eng die Beziehung gegenwärtig sei. Angesichts der unstimmigen Da-
ten zur tatsächlich gelebten Ehegemeinschaft sei diese zweifelhaft. Davon
unabhängig habe die Ehegemeinschaft im Zeitpunkt der Ausreise höchs-
tens acht Monate bestanden, weshalb es sehr unwahrscheinlich sei, dass
der Beschwerdeführer und seine Ehefrau in dieser kurzen Zeit eine Bezie-
hung hätten aufbauen können. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass
er seine Ehefrau kaum kenne. Demnach sei nicht anzunehmen, dass zwi-
schen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau eine tatsächlich gelebte
Beziehung vorliege. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass diverse
zwingende Voraussetzungen aus Art. 51 AsylG, namentlich die Trennung
durch Flucht und die tatsächlich ununterbrochen gelebte Beziehung, nicht
erfüllt seien.
6.2. In der Beschwerde wurde dagegen vorgebracht, es sei durchaus plau-
sibel, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seines Auslandsgesuches in
Israel seine Ehefrau nicht genannt habe, weil er nicht gewollte habe, dass
sich sein Verfahren in die Länge ziehe. Hinsichtlich der von der Vorinstanz
kritisierten Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Ausreise im Sep-
tember 2008 ohne seine Ehefrau sei zu konkretisieren, dass er seine Ehe-
frau noch im September 2008 in der gemeinsamen Wohnung beziehungs-
weise in der Wohnung seiner Eltern in C._, in der sie ein Zimmer
für sich gehabt hätten, gesehen habe, da er erst im Verlauf der ersten Sep-
temberwoche beim Militärdienst habe eintreffen müssen. Zum Militärdienst
der Ehefrau nach der Eheschliessung sei zu ergänzen, dass seine Ehefrau
vor dem Eintritt in den Nationaldienst die Abschlussprüfungen im Fach (...)
absolviert habe, weshalb sie verpflichtet gewesen sei, anschliessend in
den National Service zu gehen. Nach dem Monat, den sie aufgrund ihrer
Heirat freibekommen habe, habe sie ihre Arbeit im National Service in
D._ fortgesetzt. Sie habe nach der Heirat auch unbedingt weiterar-
beiten wollen, um anschliessend eine Weiterbildung in E._ zu ab-
solvieren. Dorthin sei sie 2009 tatsächlich für die Weiterbildung zurückge-
kehrt und bis 2012 geblieben, bis sie die Weiterbildung 2012 mit einer Prü-
fung abgeschlossen habe. Nach der Heirat sei die Ehefrau mit dem Bus
von C._ nach D._ gependelt. Somit habe das Paar nach der
Heirat bis zum Einzug in den Nationaldienst eine Ehegemeinschaft leben
können. Hinsichtlich des Vorwurfs der Vorinstanz, der Beschwerdeführer
habe den Kontakt zur Ehefrau abgebrochen, sei einzuwenden, dass er
während seines Aufenthaltes in F._ keine Möglichkeit gehabt habe
zu telefonieren, da er selber über kein Mobiltelefon verfügt habe und auch
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seine Familie weder ein Festnetztelefon noch ein Mobiltelefon besessen
habe. Seine Ehefrau habe ebenfalls über kein Telefon verfügt. Er habe
seine Ehefrau bis zu seiner Ankunft in Israel nicht kontaktieren können, da
sie weder über einen Telefonanschluss noch eine Emailadresse verfügt
habe. Es habe keine freiwillige Beendigung der zuvor gelebten ehelichen
Gemeinschaft vorgelegen, da er erst von Israel aus Kontakt zu seiner Ehe-
frau habe aufnehmen können.
7.
7.1. Das Gericht schliesst sich nach Durchsicht der Akten den vorinstanz-
lichen Erwägungen an und gelangt mit dem SEM zur Auffassung, dass es
dem Beschwerdeführer insbesondere nicht gelungen ist, eine ununterbro-
chen gelebte Beziehung mit B._ glaubhaft zu machen.
7.2.
7.2.1. Der Vollständigkeit halber ist im Hinblick auf die vorgebrachte Ehe-
schliessung festzuhalten, dass es insgesamt gestützt auf die Akten als
durchaus möglich erscheint, dass der Beschwerdeführer und B._
am (...) die Ehe geschlossen haben. Der Beschwerdeführer reichte im
Asylverfahren mit dem "Marriage Certificate" eine Bestätigung der religiö-
sen Eheschliessung im Original bei der Vorinstanz ein (vgl. act. B11, S. 2).
Dass das Original gemäss den Ausführungen des SEM in der Vernehmlas-
sung vom 25. Februar 2020 nicht mehr in den Akten enthalten ist, ist uner-
heblich, da die Echtheit des Dokumentes vorliegend dahinstehen kann. Al-
lein der Umstand, dass ein Paar geheiratet hat, genügt – wie vorstehend
bereits erwähnt – nicht, um ein Familienzusammenführungsgesuch gutzu-
heissen.
7.2.2. Offenbleiben kann im Weiteren, ob zwischen dem Beschwerdeführer
und B._ – bei Wahrunterstellung der diesbezüglichen Angaben des
Beschwerdeführers – eine tatsächlich gelebte Ehegemeinschaft bestanden
hat. Es trifft zwar zu, dass im eritreischen Kontext die Umstände der Flucht
und der Militärdienst adäquat zu berücksichtigen sind. Ein Zusammenle-
ben von lediglich acht Monaten (Januar bis September 2008) hielte den
Anforderungen an eine tatsächlich gelebte Familiengemeinschaft vor der
Flucht indessen kaum stand (vgl. etwa BVGE 2018 VI/6 E. 5.3.2).
7.2.3. Als entscheidend erweist sich vorliegend, dass der Anspruch auf Fa-
milienzusammenführung (auch) voraussetzt, dass die eheliche Beziehung
seit der Trennung durch Flucht ununterbrochen Bestand hatte und noch
hat. Dabei ist nicht der formelle Fortbestand der Ehe massgeblich, sondern
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es muss vielmehr eine echte, willentliche Bindung glaubhaft gemacht wer-
den. Dies gelang dem Beschwerdeführer nicht. Zunächst wäre vor dem
geltend gemachten Hintergrund einer ehelichen Gemeinschaft zu erwarten
gewesen, dass der Beschwerdeführer seine Ehefrau über seine Ausreise
informiert hätte oder informieren liess (etwa durch seine Schwester, von
wo aus der geflüchtet sei [vgl. act. B11 F118 f. S. 12]) oder zumindest bald-
möglichst versucht hätte, zu ihr Kontakt aufzunehmen. Die Erklärungen,
wonach er drei Jahre lang ab Dezember 2008 keinen Kontakt zu
B._ gehabt habe, da weder er noch sie ein Mobiltelefon gehabt hät-
ten, auch seine Familie keinen Telefonanschluss gehabt habe und keine
Kontaktmöglichkeiten via Facebook oder E-Mail vorhanden gewesen seien
und auch der briefliche Kontakt nicht in Frage gekommen sei, sind als
Schutzbehauptungen zu werten. Dies umso mehr, als als notorisch be-
zeichnet werden kann, dass Kontaktaufnahmen sehr häufig über Freunde
und Bekannte in der Diaspora beziehungsweise im Heimatland erfolgen.
Gegen das Bestehen einer ununterbrochenen Beziehung zwischen dem
Beschwerdeführer und B._ spricht sodann vor allem, dass er sie
beziehungsweise den Umstand, mit ihr verheiratet zu sein, weder in sei-
nem schriftlichen Asylgesuch aus dem Ausland noch im Rahmen der per-
sönlichen Anhörung in Israel erwähnte. Der Erklärungsversuch des Be-
schwerdeführers, er habe als Single auf einen schnelleres Verfahren ge-
hofft, überzeugt das Gericht nicht. Vielmehr spricht alles dafür, durch die
Ausreise und den darauffolgenden Abbruch des Kontaktes habe der Be-
schwerdeführer die eheliche Beziehung – sofern eine solche tatsächlich
bestanden hat – als beendet betrachtet.
7.3. Bei einer Gesamtwürdigung aller Umstände ist demnach mit der Vor-
instanz davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer keine bis heute
ununterbrochen fortdauernde Familiengemeinschaft mit B._ hat
glaubhaft machen können.
7.4. Die Voraussetzungen für den Einbezug von B._ in die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers und für die Gewährung des Fa-
milienasyls (Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG) sind damit nicht erfüllt. Die Vor-
instanz hat das Gesuch um Familiennachzug beziehungsweise um Ertei-
lung einer Einreisebewilligung für B._ zu Recht abgelehnt.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
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sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750. – fest-
zusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der am 23. Januar 2020 geleistete Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe wird zur Bezahlung verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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