Decision ID: 3529ccad-0e0d-5b9d-8470-1c6bf7723f46
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 30. September 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (Umschulung, Rente) an (act. G 6.1/1). Ein von der IV-Stelle St.
Gallen eingeholtes Gutachten der Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel,
ergab die Diagnose eines unklaren Schmerzsyndroms inguinal/gluteal beidseits (R52.9)
bei Status nach Hüft-Totalprothese beidseits im Februar 2005 sowie eine leichte
depressive Episode (F32.0). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die
Gutachter eine Schmerzverarbeitungsstörung (F54) sowie einen Status nach
rezidivierendem Lumbovertebralsyndrom (M54.5). Die angestammte Tätigkeit als
Serviceangestellte im Gastgewerbe erachteten die Gutachter aus somatischer Sicht
noch zu 50 % als zumutbar. Psychiatrisch sei die Leistungsfähigkeit um 20 %
eingeschränkt, wobei sich dies nicht zusätzlich auf die Gesamtarbeitsfähigkeit
auswirke. In einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit sei die
Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht nicht eingeschränkt. Auf Grund der leichten
depressiven Episode sei gesamtmedizinisch von einer 80 %-igen Arbeits- und
Leistungsfähigkeit auszugehen (act. G 6.1/56.18 f.).
A.b In der Folge wies die IV-Stelle die Leistungsgesuche (berufliche Massnahmen,
Rente) mit Verfügungen je vom 10. September 2007 ab (act. G 6.1/72 f.). Mit Entscheid
vom 29. Mai 2009 hob das hiesige Versicherungsgericht die Verfügungen auf und
ordnete an, es seien die Berichte der Klinik Balgrist vom 22. März 2007 sowie eine
Eingabe der Versicherten vom 15. August 2007 zu berücksichtigen, wonach weitere
Abklärungen bzw. Behandlungen anständen. Insbesondere gehe Prof. Dr. B._ davon
aus, dass die Hüftbeschwerden am ehesten auf einem extraartikulären sowie einem
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intraartikulären Impingement zwischen Trochanter und Becken bzw. Prothesenhals und
hinterem Pfannenrand bzw. einem Iliopsoasimpingement beruhten und damit mög
licherweise eine somatische Ursache haben könnten (act. G 6.1/97).
B.
B.a Die IV-Stelle holte weitere Arztberichte beim Hausarzt Dr. med. C._, FMH
Allgemeine Medizin, sowie beim Psychiatrischen Zentrum D._ (Dr. med. E._) ein
(act. G 6.1/103 und 104). Da seit der ABI-Begutachtung weitere orthopädische und
psychiatrische Diagnosen hinzugekommen seien, ordnete die IV-Stelle auf Anregung
des RAD Ostschweiz eine grundsätzliche Neubeurteilung durch die Medas Ostschweiz
an (act. G 6.1/106 und 107).
B.b Diese erfolgte vom 12. bis 17. August 2010. Im entsprechenden Gutachten vom
21. September 2010 diagnostizierten die Experten (mit Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit) eine mittelgradige bis schwere depressive Episode mit somatischen
Symptomen, persistierende Schmerzen und endgradige Bewegungseinschränkung bei
Status nach beidseitiger Implantation eines künstlichen Hüftgelenks 02/05 bei
kongenitaler Hüftdysplasie beidseits, radiologisch unauffällige Implantatlage ohne
Hinweis auf Lockerung, ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit leichter klinischer
Symptomatik und geringen radiologisch feststellbaren degenerativen Veränderungen
im unteren LWS-Abschnitt mit/bei Beinlängenverkürzung links -2 cm, generalisierte
Tendomyosen panvertebral und an den Extremitäten mit vegetativen
Begleitbeschwerden sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit
psychischen und somatischen Anteilen. Die angestammte Tätigkeit in einem
Restaurant sei ab September 2005 (IV-Anmeldung) orthopädisch nicht mehr zumutbar.
Andere Tätigkeiten ohne Belastung der unteren Extremitäten kämen durchaus in Frage.
Dabei sollte es sich vorwiegend um eine sitzende Arbeit mit der Möglichkeit des
Aufstehens und Umhergehens handeln. Repetitives Heben von Lasten über maximal
10 kg sollte nicht erfolgen, gelegentlich erlaubt. Hockende oder kniende Tätigkeiten
sollten vermieden werden. In einer solchen Tätigkeit sei orthopädischerseits keine
wesentliche Einschränkung auszumachen. Aus psychiatrischer Sicht sei die
Leistungsfähigkeit dagegen um 50 % eingeschränkt. Die psychische Verschlechterung
könne spätestens seit Anfang 2009 als ausgewiesen gelten (act. G 6.1/110.15 ff.).
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B.c Mit Mitteilung vom 3. Januar 2011 wies die IV-Stelle berufliche Massnahmen
erneut ab (act. G 6.1/117). Mit Verfügung vom 16. August 2011 sprach sie der
Versicherten sodann eine Viertelsrente ab 1. Januar 2010 zu (act. G 6.1/152 und 156).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 19.
September 2011 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Der
Beschwerdeführerin sei ab dem 1. März 2005 eine angemessene, mindestens eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das Gutachten, auf das sich
die Beschwerdegegnerin stütze, gebe keine Antwort auf die von Prof. Dr. B._
aufgeworfene Frage der Schmerzsymptomatik, die wesentlich für den
Rückweisungsentscheid des Versicherungsgerichts gewesen sei. Insgesamt bleibe
unbeantwortet, ob die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden gemäss
Ausführungen der Uniklinik Balgrist objektivierbar seien oder nicht. Es fehle auch eine
Begründung, weshalb der (orthopädischen) Beurteilung der ABI hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten gefolgt werden könne. Zum Rentenbeginn
sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin gemäss Arztberichten seit März 2004 in
ihrer angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte zu 100 % arbeitsunfähig sei. Dies
halte auch der RAD in seiner Stellungnahme vom 19. Oktober 2010 fest. Weshalb die
einjährige Wartefrist erst Anfang 2009 beginnen soll, sei nicht erklärbar. Vielmehr sei
die Rentenfrage mit Beginn per März 2005 zu prüfen. Schliesslich sei bei der
Berechnung des Invaliditätsgrades ein Leidensabzug von 15 - 20 % vorzunehmen,
womit die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Dreiviertelsrente habe (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. Dezember 2011 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Zudem sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
keinen Rentenanspruch habe. Rechtsprechungsgemäss gelte eine mittelschwere
depressive Störung als Begleiterscheinung der somatoformen Schmerzstörung und
nicht als selbstständige, vom Schmerzsyndrom losgelöste psychische Komorbidität.
Eine schwere depressive Störung sei nicht ausgewiesen. Die invalidisierende Wirkung
der somatoformen Schmerzstörung müsse sich daher aus den weiteren diesbezüglich
relevanten Kriterien ergeben. Diese Kriterien seien bei der Beschwerdeführerin nicht
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hinreichend erfüllt, sodass von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer körperlich
adaptierten Tätigkeit auszugehen sei. Schliesslich sei auch kein Leidensabzug
vorzunehmen, sei doch nicht anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin
unausweichlich eine Lohneinbusse in Kauf nehmen müsse. Die qualitativen
Einschränkungen minderten die wirtschaftliche Verwertbarkeit des
Restleistungsvermögens kaum (act. G 6).
C.c Mit Replik vom 29. März 2012 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Trotz erklärbarer Beschwerden lehne die Gutachterin Dr. F._ eine operative Revision
ab, obwohl die behandelnden Ärzte Dres. B._ und H._ eine solche befürworteten.
Dies sei mittels Oberbegutachtung abzuklären. In psychiatrischer Hinsicht sei
festzustellen, dass eine depressive Störung keinen unklaren syndromalen Zustand
darstelle, bei welchem die Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen
zur Anwendung gelangen würden. Die Diagnose des psychiatrischen Gutachters sei
breit abgestützt. Insbesondere könne nicht aus dem angeblichen Fehlen von
behaupteten charakteristischen Merkmalen darauf geschlossen werden, dass eine
schwere Ausprägung der depressiven Störung nicht dargetan sei. Dr. Z._ habe
sodann ausgeführt, dass die mittelschwere bis schwere depressive Episode nur zu
50 % überwindbar sei. Für den Schluss der Beschwerdegegnerin, wonach keine
quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anzuerkennen sei, existiere weder
Begründung noch Rechtfertigung, bestehe doch nach Ansicht der Gutachter (auch der
ABI) eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einem angepassten Bereich aus
psychischen Gründen von 20 % bis 50 % (act. G 12). Die Beschwerdegegnerin
verzichtet auf eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2012 sind die im Zug des ersten Teils der 6. Revision revidierten Be
stimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes
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über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft
getreten. Der zu beurteilende Sachverhalt geht zurück auf das Jahr 2005. Da sich die
Definition der Invalidität und die damit zusammenhängenden Begriffe mit der
genannten Revision nicht geändert haben, werden nachfolgend - soweit nicht
anderweitig angegeben - die seit dem 1. Januar 2012 gültigen Bestimmungen
wiedergegeben.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein An
spruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%,
derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unter
lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Ver
fügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheits
zustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das
Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen,
ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten (BGE 125 V 351 E. 3b).
1.4 Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden be
rücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn die
Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge einleuchtet und die
Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Den diesen Anforderungen
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genügenden Berichten der regionalen ärztlichen Dienste der IV-Stellen (RAD; Art. 59
IVG und 47 ff. IVV) kommt ebenfalls Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts vom
21. Februar 2011, 9C_8/2011, E. 4.1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1 Das hiesige Gericht ging in seinem Urteil vom 29. Mai 2009 gestützt auf die
Berichte von Prof. Dr. B._ vom 22. März 2007 davon aus, dass die von der
Beschwerdeführerin geklagten Schmerzen - entgegen der Auffassung der ABI -
durchaus eine somatische Ursache haben könnten und ordnete deshalb an, dass die
weiteren Untersuchungen und allfälligen weiteren Behandlungsergebnisse der Klinik
Balgrist abzuwarten seien. Inzwischen steht nun fest, dass eine von Prof. Dr. B._ an
sich befürwortete Reoperation mangels Zustimmung des Kantonsarztes und offenbar
auch wegen der mittlerweile erfolgten Pensionierung von Prof. Dr. B._ nicht zu
Stande gekommen ist (act. G 6.1/103.15 und 103.29, 87, 104.2 f.). Auch eine vom
Hausarzt Dr. C._ veranlasste Abklärung bei PD Dr. med. G._, Spezialarzt FMH für
orthopädische Chirurgie und Traumatologie, erbrachte letztlich keine Ergebnisse. Zwar
ging auch Dr. G._ eher von einem psychosomatischen Geschehen aus bei in allen
Körperregionen vorhandenen Schmerzen mit typischer Reaktion auf alle
Fibromyalgietriggerpunkte (somatoforme Schmerzstörung mit depressiver
Komponente). Einer für die valide Zuordnung der geklagten Beschwerden zu dem von
Prof. Dr. B._ vermuteten Psoas-Kontaktphänomen erforderlichen LA-Infiltration in
wöchentlichen Abständen, zunächst intraartikulär, dann extraartikulär die
Psoaskontaktregion und zuletzt die Bursa bzw. den glutealen Ansatz, stimmte die
Beschwerdeführerin jedoch nicht zu (act. G 6.1/103.6 und 105.1). Dr. C._ wies
ausserdem darauf hin, dass ausser einer Physiotherapie seit Anfang Januar 2010 keine
somatischen Behandlungen mehr durchgeführt würden (act. G 6.1/105.1). Somit haben
sich die durch die weitere Abklärung und allfällige Operation an der Klinik Balgrist
erhofften Erkenntnisse, die Grund für den Rückweisungsentscheid des hiesigen
Gerichts vom 29. Mai 2009 waren, nicht eingestellt.
2.2 Schliesslich konnte auch die erneute orthopädische Begutachtung in der Medas
Ostschweiz vom 17. August 2010 keine Objektivierung der geklagten Beschwerden
erbringen. So zeigte die von der Medas Ostschweiz veranlasste Röntgenaufnahme
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vom 13. Juli 2010 im Beckenbereich eine normale und symmetrische Darstellung der
Hüftgelenksprothesen in regelrechter Lage und ohne konventionell-radiologischen
Hinweis auf Lockerung einer Prothese. Die übrigen ossären Strukturen im
Beckenskelett waren normal und symmetrisch dargestellt. In der klinischen
Untersuchung fiel ein Leistendruckschmerz beidseits auf. Die Hüftgelenksbeweglichkeit
war aber entsprechend der postoperativen Situation relativ gut. Es bestand eine
beidseitige Beugefähigkeit der Hüftgelenke von gut 100°, eine Innenrotationsfähigkeit
an beiden Hüftgelenken von gut 10°, Aussenrotation 30°. Schonungszeichen liessen
sich an den unteren Extremitäten nicht erkennen (act. G 6.1/110.38 f.). Implizit konnte
damit die Gutachterin Dr. F._ die von den Dres. H._ und B._ vermuteten
somatischen Ursachen für die Schmerzen nicht bestätigen. Ein somatisches Korrelat
für die geklagten Hüftschmerzen bleibt damit unbewiesen, zumal die
Beschwerdeführerin diesbezüglich offenbar keine weitere Behandlung in Anspruch
nimmt. Nach nunmehr zweimaliger Begutachtung sind von einer nochmaligen
Abklärung keine weiteren Erkenntnisse mehr zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten
ist. Bei diesem Ergebnis ist auch plausibel, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr.
F._ bezüglich einer adaptierten Tätigkeit nicht massgeblich von jener der ABI
abweicht (vorwiegend sitzend, die unteren Extremitäten nicht belastend, mit der
Möglichkeit, aufzustehen und umherzugehen, kein repetitives Heben von Lasten über
10 kg, gelegentlich erlaubt, keine hockenden oder knienden Tätigkeiten [act.
G 6.1/110.42]). Von nicht objektivierbaren Schmerzen an der Hüfte geht sodann auch
der psychiatrische Gutachter aus. So führte er in seinem Konsilium vom 19. Juli 2010
im Wesentlichen aus, dass heute gegenüber dem operativ sanierten orthopädischen
Grundleiden nun die psychiatrische Komponente im Vordergrund stehe. Weiter geht
der Gutachter davon aus, angesichts der narzisstischen Komponente mit fixierter
Krankheitsüberzeugung unter Projektion von Selbstwertproblemen und Konflikten auf
den "schlecht reparierten Körper", auf "abweisende Ärzte" oder auf "böse Gutachter"
sei verständlich, dass die Versicherte auf medikamentöse Hilfe oder andere direktive
Empfehlungen nicht positiv reagieren könne (act. G 6.1/110.30).
2.3 Die Beschwerdegegnerin macht im vorliegenden Verfahren erstmals geltend, die
von Dr. Z._ in seinem Konsilium vom 19. Juli 2010 diagnostizierte anhaltende
somatoforme Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen (F45.41)
sowie die mittelgradige bis schwere depressive Episode mit somatischen Symptomen
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(F32.11/32.2) seien nicht invalidisierend, finde doch auf diese Diagnosen die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage
Anwendung (vgl. BGE 131 V 49 E. 1.2). Auf Grund der Angaben im Gutachten sei eine
schwere Ausprägung der depressiven Störung nicht dargetan, gehe doch weder aus
dem dargelegten psychopathologischen Befund noch aus der Beurteilung hervor, dass
bei der Beschwerdeführerin die für eine schwere depressive Episode typischen
Merkmale feststellbar waren. Es würden keine Merkmale wie ein Suizidrisiko oder die
Aufgabe der häuslichen Aktivitäten erwähnt. Es sei deshalb davon auszugehen, dass
im Begutachtungszeitpunkt nur eine mittelgradige depressive Episode bzw. eine
mittelschwere depressive Störung vorgelegen habe, was auch mit der vom
behandelnden Psychiater des Psychiatriezentrums D._ gestellten Diagnose einer
mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (F32.11) im Einklang
stehe. Auch seien die weiteren Kriterien, welche die willentliche Überwindung der
Schmerzen als unzumutbar erscheinen liessen, nicht hinreichend erfüllt.
2.4 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin wurde der Beschwerdeführerin
eine mittelschwere bis schwere depressive Episode attestiert. Der Gutachter wandte
dazu unter anderem die Hamilton- und die MADRS-Skala an, welche zu den
Fremdbeurteilungsskalen zählen. Bei der Hamilton-Skala erreichte die
Beschwerdeführerin einen Wert im unteren Bereich einer schweren depressiven
Störung, bei der MADRS-Skala lag sie im oberen Bereich einer mässig schweren
depressiven Störung (act. G 6.1/110.29). Dass letztlich auch bei einer
Fremdbeurteilungsskala auf die Angaben der zu testenden Person abgestellt werden
muss, liegt in der Natur der Sache. Im Übrigen hat der psychiatrische Gutachter seine
Diagnose nicht allein auf Grund von Testverfahren zu stellen, sondern auf Grund seines
gesamten bei der Untersuchung gewonnenen Eindrucks sowie auf Grund seiner
Erfahrung und seines medizinischen Fachwissens. Es geht somit nicht an, eine auf
einer eingehenden fachärztlichen Untersuchung beruhende Diagnose mittels
theoretischer Überlegungen "kleinzurechnen". Vielmehr bedarf es dazu einer
entsprechenden fachärztlichen Beurteilung. Dass der behandelnde Dr. med. E._ vom
Psychiatriezentrum D._ im Dezember 2009 eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom (F32.11) diagnostiziert hat, vermag daran nichts zu ändern,
beschreibt doch auch er im Wesentlichen die gleichen Befunde (depressiv, traurig,
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innere Unruhe [act. G 6.1/104.3 und 110.28]). Der Gutachter hat sich sodann mit den
sogenannten Foerster-Kriterien auseinander gesetzt. Dabei geht er davon aus, dass mit
der mittelschweren bis schweren depressiven Störung seit Anfang 2009 eine
Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität und Dauer vorliege (act.
G 6.1/110.30). Mithin ist von einer relevanten psychischen Komorbidität auszugehen.
Deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit schätzte der
Gutachter auf 50 %, was angesichts der aufgeführten Beeinträchtigungen
(Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und rasche Ermüdbarkeit, verminderte
Schmerztoleranz) plausibel erscheint. Zusammenfassend ist somit auf das MEDAS-
Gutachten abzustellen, das in der Konsensbeurteilung von einer Arbeitsunfähigkeit von
50 % in einer adaptierten Tätigkeit ausgeht (act. G 6.1/110.17).
2.5 Die Beschwerdegegnerin nahm mit Berechnung vom 11. Mai 2011 einen
Einkommensvergleich vor. Dabei ging sie von einem Valideneinkommen von
Fr. 32'192.-- aus (Fr. 2'600.-- x 12, zuzüglich Nominallohnentwicklung bis 2008). Für
die Bemessung des Invalideneinkommens stellte sie auf den Tabellenlohn von
Fr. 51'368.-- ab (LSE 2008, TA1, Privater Sektor, Niveau 4 [in: IVG-Ausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Anhang 2]). Dabei ging sie davon aus, das
Valideneinkommen betrage 59.57 % des Durchschnittseinkommens und sei bis auf
54.57 % oder Fr. 33'801.-- zu parallelisieren. Unter Berücksichtigung des
Arbeitsfähigkeitsgrades von 50 % ergebe sich ein massgebendes Invalideneinkommen
von Fr. 16'901.-- und damit ein Invaliditätsgrad von 47.5 % (act. G 6.1/134). Dies kann
der Einfachheit halber so belassen werden, obwohl korrekterweise - entgegen der
Berechnung der Beschwerdegegnerin - nicht das Valideneinkommen sondern das
Durchschnittseinkommen (Tabellenlohn) mit 100 % zu veranschlagen wäre. Das
Valideneinkommen der Beschwerdeführerin wäre damit um 37.33 %
unterdurchschnittlich, wovon gemäss Bundesgericht bis auf 32.33 % parallelisiert
würde. Das Invalideneinkommen betrüge damit Fr. 34'760.-- bzw. - unter
Berücksichtigung des Arbeitsfähigkeitsgrades - Fr. 17'380.-- und der Invaliditätsgrad
46 %, was (in diesem Fall) am Resultat freilich nichts ändert. Bei dem eher grosszügig
bemessenen Arbeitsunfähigkeitsgrad besteht für einen zusätzlichen Abzug
(Leidensabzug) kein Anlass. Die Beschwerdeführerin hat damit Anspruch auf eine
Viertelsrente.
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2.6 Bleibt noch der Beginn der Rente festzulegen. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin begann die Arbeitsunfähigkeit nicht erst mit der Verschlechterung
des psychischen Gesundheitszustands Anfang Januar 2009 zu laufen. Vielmehr ist die
Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit seit mindestens September 2005
nicht mehr arbeitsfähig (act. G 6.1/110.17). Die ABI-Gutachter attestierten der
Beschwerdeführerin sogar seit Mitte 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (act.
G 6.1/56.19). Mithin war das Wartejahr anlässlich der Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustands per Januar 2009 längst abgelaufen, sodass der
Rentenanspruch per 1. Januar 2009 entstand (vgl. zum Begriff Arbeitsunfähigkeit im
Sinne von Art. 29 Abs. 1 IVG auch BGE 130 V 99 E. 3.2). Eine analoge Anwendung von
Art. 29 IVV (vgl. Entscheid 9C_677/2012 vom 3. Juli 2013, wonach Art. 29 IVV ohne
nähere Begründung analog anwendbar sei, wenn noch gar kein Rentenanspruch
entstanden sei) ist vorliegend schon deshalb nicht angezeigt, weil nie eine
zwischenzeitliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Serviceangestellte eingetreten war, womit sich die Frage, ob bei erneuter
Verschlechterung des Gesundheitszustands ein neues Wartejahr zu bestehen sei, von
vornherein nicht stellt.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung vom 16. August 2011 aufzuheben. Die Beschwerdeführerin
hat sodann Anspruch auf eine Viertelsrente, beginnend am 1. Januar 2009. Die Sache
ist zur Rentenberechnung und -ausrichtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Beschwerdeführerin obsiegt nur teilweise (in Bezug auf den Rentenbeginn, nicht jedoch
in Bezug auf die Rentenhöhe), weshalb die Gebühr den Parteien je zur Hälfte
aufzuerlegen ist. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der
bis bis
bis
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Beschwerdeführerin im Umfang von Fr. 300.-- daran anzurechnen und im Umfang von
Fr. 300.-- zurückzuerstatten.
3.3 Da die Beschwerdeführerin nur teilweise obsiegt, hat sie einen reduzierten
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise
festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand
Rechnung zu tragen ist. Bei vollständigem Obsiegen wäre eine Parteientschädigung
von Fr. 3‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Wegen des
nur teilweisen Obsiegens erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1‘750.-- als
gerechtfertigt. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin somit eine
Parteientschädigung von Fr. 1‘750.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht