Decision ID: 0f152c30-6fda-50ac-9100-e2e0400c2090
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Die Beschwerdeführerin 2 stellte am 20. November 2014 im Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) D._ ein Asylgesuch. Am 1. Dezem-
ber 2014 fand die Kurzbefragung zur Person im EVZ und am 8. Dezember
2014 die Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG
(SR 142.31) statt.
B.
Die Beschwerdeführerin 2 brachte zur Begründung ihres Asylgesuchs vor,
sie sei tibetischer Ethnie und stamme aus dem Dorf E._
(F._). Ihr Ehemann sei ungefähr am (...). März 2013 auf dem Markt
in F._ von der Polizei festgenommen worden, weil er gegen die Chi-
nesen demonstriert habe. Ein bis zwei Wochen danach hätten drei chine-
sische Polizisten bei ihr zu Hause eine Hausdurch-
suchung durchgeführt, wobei sie ein Bild des Dalai Lama gefunden und
zerrissen und ihr dafür ein Bild des chinesischen Staatsoberhaupts gege-
ben hätten. Zudem hätten die Polizisten ihre Familie beschimpft und sie
separatistischer Aktivitäten bezichtigt. Daraufhin sei es zum Streit
zwischen ihr und den Polizisten gekommen, wobei diese sie mit einem
Küchenmesser verletzt und sie und ihren Vater geschlagen hätten. Die
Polizisten hätten sie noch zwei weitere Male – 15 Tage nach dem ersten
Besuch sowie zwei bis drei Tage nach dem zweiten – aufgesucht, wiede-
rum das Haus durchsucht und sie sowie ihre Familie wegen der politischen
Tätigkeit ihres Ehemannes beschimpft und bedroht. Am (...) 2013 habe in
F._ ein (...)fest namens "G._" stattgefunden, welches sie
mit ihrem Sohn habe besuchen wollen. Am Morgen seien jedoch die Poli-
zisten wiederum erschienen und hätten ihr die Teilnahme an diesem Anlass
mit der Begründung verboten, sie habe gegen die Chinesen demonstriert.
Zudem hätten sie ihre Identitätskarte und das Familienbüchlein ("Fuku")
ihrer Familie konfisziert. Sie sei trotz dieses Verbots mit ihrem Sohn zum
Ort des Fests gegangen, jedoch hätten Polizisten ihr den Zutritt auf den
Festplatz verweigert. Aus Verärgerung darüber habe sie sich mit den Si-
cherheitskräften gestritten und sich lauthals über die Diskriminierung der
tibetischen Bevölkerung beschwert, worauf es zu einer Menschen-
ansammlung gekommen sei, welche ebenfalls gegen die Chinesen protes-
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tiert habe. Die Sicherheitskräfte hätten daraufhin versucht, sie festzuneh-
men. Ein älterer Mann habe ihr aber rechtzeitig zur Flucht geraten und ihr
auch angeboten, sich um ihren Sohn zu kümmern. Sie habe den Polizisten
entkommen können und sei zunächst per Auto zu ihrer im Dorf H._
lebenden Schwester geflüchtet. Einige Tage später, am (...) Juni 2013, sei
sie nach I._ weitergereist, wo sie sich etwa 15 Tage lang bei einem
aus ihrem Heimatdorf stammenden Bekannten aufgehalten habe. Unge-
fähr am (...) Juni 2013 sei sie von Schleppern per Lastwagen und Auto
nach J._ an der Grenze zu Nepal gefahren worden. Sie habe von
dort aus den Grenzfluss nach Nepal überquert und sei anschliessend von
zwei Schleppern auf einer mehrtägigen Wanderung ins Landesinnere ge-
bracht
worden. In der Folge habe sie etwa eineinhalb Jahre lang bei einem Händ-
ler, der mit ihrem in I._ lebenden Bekannten befreundet gewesen
sei, in "K._" gelebt, bis ihre Reisepapiere erstellt worden seien. Am
(...) November 2014 sei sie mit einem gefälschten nepalesischen Reise-
pass von Nepal aus auf dem Luftweg in ein ihr nicht bekanntes europäi-
sches Land gereist und von dort per Zug in die Schweiz gebracht worden.
C.
Mit Verfügung vom 2. März 2015 (eröffnet am 4. März 2015) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführerin 2 erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, wies ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie deren Vollzug an (wobei der Vollzug der Wegweisung in die
Volksrepublik China ausgeschlossen wurde).
D.
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 30. März 2015
wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-2028/2015 vom 23. Ja-
nuar 2017 gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung beantragt worden war. Die Verfügung des SEM vom 2. März 2015
wurde aufgehoben und die Akten werden zur vollständigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes und Neubeurteilung im Sinne der Erwä-
gungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.
E.
Am (...) wurde das Kind der Beschwerdeführerin geboren.
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F.
Am 30. Januar 2018 führte ein Mitarbeiter der Fachstelle Lingua im Auftrag
des SEM ein (telefonisch geführtes) Interview mit der Beschwerdeführerin
durch; gestützt auf die Aufnahme dieses Gesprächs erstellte ein Experte
der Fachstelle am 19. Februar 2018 eine landeskundliche und sprach-
wissenschaftliche Analyse (nachfolgend: Lingua-Analyse).
G.
Mit Verfügung vom 17. September 2018 gewährte das SEM der Beschwer-
deführerin das rechtliche Gehör zum Ergebnis dieser Lingua-Analyse
sowie zum Werdegang und zu den Qualifikationen der sachverständigen
Person.
H.
Mit Eingabe vom 11. Oktober 2018 reichte die Beschwerdeführerin eine
Stellungnahme zu den Akten und hielt an ihren bisherigen Herkunftsanga-
ben fest. Mit separater Eingabe gleichen Datums reichte die Beschwerde-
führerin eine chinesische Geburtsurkunde in Kopie ein.
II.
I.
Der Beschwerdeführer 1 stellte am 20. Februar 2015 im Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch. Am 6. März 2015
fand die Kurzbefragung zur Person im EVZ und am 16. März 2015 die
Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG statt.
J.
Der Beschwerdeführer 1 brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im
Wesentlichen vor, er stamme aus dem Dorf L._ (M._). Sein
Vater habe im Jahr (...) in I._ demonstriert und sei deshalb von den
Sicherheitskräften festgenommen worden. Im Jahr (...) hätten sie ihn wie-
der nach Hause gebracht. Der Vater sei aber schwer verletzt gewesen und
kurz nach der Freilassung verstorben. Danach hätten Polizisten wiederholt
seine Familie aufgesucht und sie als Separatisten beschimpft und einge-
schüchtert. Seine Mutter sei im Jahr (...) aus Kummer über den Tod des
Vaters ebenfalls gestorben. Er selber habe am (...) 2013 im Dorf
M._ gegen die Unterdrückung der tibetischen Bevölkerung durch
die Chinesen protestiert. Unter den Beobachtern seiner Aktion seien mut-
massliche Spione gewesen. Als die Polizeisirenen zu hören gewesen
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seien, habe ihm ein alter Mann geraten zu fliehen. Er habe diese Aufforde-
rung befolgt, habe den Platz sofort verlassen und sei zunächst nach
N._ geflohen, wo er einige Tage bei einer Familie geblieben sei.
Von dort aus sei in Begleitung eines Schleppers innert etwa 50 Tagen zu
Fuss via I._ und O._ in den Grenzort J._ gegangen.
Er habe die Grenze zu Nepal illegal überquert. Nach einem Aufenthalt von
etwa eineinhalb Jahren in Nepal, mutmasslich in P._, sei er von dort
aus mit einem auf eine falsche Identität lautenden nepalesischen Reise-
pass per Flugzeug in die Schweiz gereist.
K.
Am 27. April 2017 führte ein Mitarbeiter der Fachstelle Lingua im Auftrag
des SEM ein (telefonisch geführtes) Interview mit der Beschwerdeführerin
durch; gestützt auf die Aufnahme dieses Gesprächs erstellte ein Experte
der Fachstelle am 7. September 2017 eine landeskundliche und sprach-
wissenschaftliche Lingua-Analyse.
L.
Mit Verfügung vom 17. September 2018 gewährte das SEM dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör zum Ergebnis dieser Lingua-Analyse
sowie zum Werdegang und zu den Qualifikationen der sachverständigen
Person.
M.
Mit Eingabe vom 27. September 2018 reichte der Beschwerdeführer eine
Stellungnahme zu den Akten und hielt an seinen bisherigen Herkunftsan-
gaben fest.
III.
N.
Mit Verfügung vom 26. März 2019 (eröffnet am 27. März 2019) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz und den Wegweisungsvollzug an (wobei es feststellte, der
Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China sei ausgeschlossen).
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O.
Mit Eingabe vom 25. April 2019 erhoben die Beschwerdeführenden gegen
diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragten, der Entscheid des SEM sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass
die Beschwerdeführerin 2 die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und der Be-
schwerdeführer 1 sowie das gemeinsame Kind (Beschwerdeführer 3)
seien in ihre Flüchtlingseigenschaft einzubeziehen. Es sei wegen Unzuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzugs ihre vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge
anzuordnen; eventualiter sei den Beschwerdeführern 1 und 3 gestützt auf
Art. 8 EMRK die vorläufige Aufnahme als Ausländer zu erteilen; subeven-
tualiter sei ihnen wegen der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die
vorläufige Aufnahme zu gewähren; subsubeventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht beantragten die Beschwerdeführenden die Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und Verbeiständung unter Beiordnung ihrer
Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin sowie den Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses. Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten
die Beschwerdeführenden eine Kopie der Beweismitteleingabe vom
11. Oktober 2018 (inkl. Geburtsschein der Beschwerdeführerin), ein Arzt-
zeugnis des Psychiatrie-Zentrums Q._ vom 23. April 2019, eben-
falls betreffend die Beschwerdeführerin, sowie Fürsorgebestätigungen ein.
P.
Der Instruktionsrichter hiess mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2019 die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG, um unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von aArt. 110a Abs. 1
AsylG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut
und setzte die Rechtsvertreterin, MLaw Olivia Eugster, als unentgeltliche
Rechtsbeiständin der Beschwerdeführenden ein. Zudem wurde die Vor-
instanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.
Q.
In ihrer Vernehmlassung vom 15. Mai 2019 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
R.
Mit Eingabe vom 5. Juni 2019 machten die Beschwerdeführenden von dem
ihnen (mit Instruktionsverfügung vom 22. Mai 2019) eingeräumten Recht
zur Replik Gebrauch, wobei sie an den in der Beschwerde gestellten An-
trägen und Ausführungen festhielten.
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Seite 7
S.
Mit Eingaben vom 14. Juni 2019 und 31. Oktober 2019 wurden mehrere
ärztliche Berichte betreffend die gesundheitlichen Probleme der Beschwer-
deführerin 2 zu den Akten gereicht (Austrittsbericht der Klinik R._,
vom 3. Juni 2019; Arztbericht von Dr. med. S._, vom 6. Juni 2019;
zwei Gesuche der Klinik R._ um Verlängerung der Kostengutspra-
che vom 26. Juli 2019 und 25. Oktober 2019).
T.
Mit Eingabe vom 5. Juni 2020 informierte die Rechtsvertretung der Be-
schwerdeführenden das Gericht darüber, dass eine Zivilklage betreffend
Feststellung der Personalien des Beschwerdeführers eingereicht worden
sei, welche Voraussetzung für die beabsichtigte Eheschliessung der Be-
schwerdeführenden sei. Zudem wurde ein diesbezüglicher Zwischen-
entscheid des Kreisgerichts Q._ vom 13. Mai 2020 in Kopie einge-
reicht.
U.
Mit Eingabe vom 7. August 2020 reichten die Beschwerdeführenden eine
vom Polizeirevier T._ am (...) 2014 ausgestellte Bestätigung, dass
der Beschwerdeführer seit (...) 2013 vermisst werde, in Kopie, zu den Ak-
ten (inkl. Übersetzung). Es wurde ergänzend beantragt, es sei dem Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft auch aufgrund subjektiver
Nachfluchtgründe gemäss Art. 3 AsylG in Verbindung mit Art. 54 AsylG
zuzuerkennen.
V.
Mit Eingabe vom 6. Oktober 2020 orientierte die Rechtsvertretung das
Gericht über die erfolgte Eheschliessung der Beschwerdeführenden in der
Schweiz und legte eine Kopie des Familienausweises sowie mehrere
Fotos der Trauung ins Recht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben an den Verfahren vor der Vorinstanz teil-
genommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legiti-
miert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52
Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz Folgendes aus:
3.1.1 Gemäss der durch eine sachverständige Person erstellten Lingua-
Analysen hätten die Beschwerdeführenden zwar einige landeskundlich-
kulturelle Kenntnisse nachweisen können, jedoch seien auch unerklärbare
Lücken und Unstimmigkeiten festgestellt worden. Die von ihnen gespro-
chenen Dialekte würden mehrheitlich dem Lhasa-Tibetischen beziehungs-
weise der exiltibetischen Koine entsprechen. Vor diesem Hintergrund sei
der Experte zum Schluss gekommen, dass sie beide sehr wahrscheinlich
nicht wie angegeben im Kreis F._ in Tibet hauptsozialisiert worden
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seien, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volks-
republik China. Die Erklärungen in den diesbezüglichen Stellungnahmen
der Beschwerdeführenden seien nicht geeignet, die Schlussfolgerungen
der Lingua-Analysen umzustossen, an denen festgehalten werde. Ins-
besondere vermöchten ihre Erklärungen betreffend die von ihnen beim In-
terview gesprochenen Dialekte nicht zu überzeugen. Dadurch sei den von
ihnen vorgebrachten Asylgründen und ihren Aussagen zu ihrer Ausreise
jede Glaubhaftigkeitsgrundlage entzogen. Überdies seien ihre Asylgründe
auch aufgrund ihrer widersprüchlichen, unsubstanziierten und unplausib-
len diesbezüglichen Ausführungen sowie ihren oberflächlichen und unprä-
zisen Aussagen zu ihrer Ausreise als unglaubhaft zu qualifizieren. Die
Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Reiseweg seien äusserst
pauschal und undetailliert.
3.1.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts könne bei
Personen tibetischer Ethnie, welche unglaubhafte Angaben zu ihrer angeb-
lichen Sozialisation in der Volksrepublik China machen würden, davon aus-
gegangen werden, dass sie über eine Aufenthaltsbewilligung oder Duldung
in einem Drittstaat verfügen, respektive sogar eine andere Staatsangehö-
rigkeit besitzen würden. Werde die Prüfung, ob dieser Person in einem
Drittstaat respektive dem effektiven Heimatland asylrelevante Nachteile
drohen würden, durch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht verunmög-
licht, sei davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungs-
rechtlich beachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf-
enthaltsort sprechen würden. Es sei den Beschwerdeführenden nicht
gelungen, ihre Herkunft aus der Volksrepublik China glaubhaft darzulegen.
Vielmehr sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie
vor ihrer Ankunft in der Schweiz in der exiltibetischen Diaspora gelebt hät-
ten. Es könne davon ausgegangen werden, dass keine flüchtlings- oder
wegweisungs-beachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisheri-
gen Aufenthaltsort bestehen würden. Zusammenfassend sei festzuhalten,
dass die Beschwerdeführenden keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG
nachweisen oder zumindest glaubhaft machen und sie deshalb nicht als
Flüchtling anerkannt werden könnten.
3.1.3 Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungs-
vollzugs seien zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen, doch finde
diese Untersuchungspflicht ihre vernünftige Grenze an der Mitwirkungs-
pflicht der asylsuchenden Person, welche die Substanziierungslast trage.
Es sei nicht Sache der Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen seitens der
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Asylsuchenden nach etwaigen Wegweisungshindernissen in hypotheti-
schen Herkunftsländern zu suchen. Es sei demnach vermutungsweise
davon auszugehen, es stünden einem Wegweisungsvollzug des
Beschwerdeführers an seinen bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugs-
hindernisse entgegen. Im Übrigen erachte das Bundeverwaltungsgericht
in seiner ständigen Rechtsprechung den Vollzug der Wegweisung grund-
sätzlich auch dann als möglich, wenn ein Asylgesuchsteller seine wahre
Identität oder Staatsangehörigkeit verheimliche.
3.2
3.2.1 Zur Begründung ihrer Beschwerde stellten die Beschwerdeführenden
sich auf den Standpunkt, die chinesische Staatsangehörigkeit der Be-
schwerdeführerin 2 stehe fest, da sie bei der Vorinstanz eine chinesische
Geburtsurkunde eingereicht habe. Es sei nicht ersichtlich, wieso das SEM
diese nicht gewürdigt und die entsprechende Eingabe nicht ins Aktenver-
zeichnis aufgenommen habe. Durch dieses Dokument sei belegt, dass sie
im Tibet geboren worden und chinesische Staatsangehörige sei. Gemäss
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes hätten illegal aus-
gereiste Tibeter wegen des Verdachts der Unterstützung des Dalai Lama
eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten. Entgegen der
Argumentation der Vorinstanz habe sie die Umstände ihrer Flucht detailliert
geschildert, insbesondere die Reise von ihrem Herkunftsort zum Grenzort
J._ sowie die Grenzüberquerung. Bei ihren Ausführungen betref-
fend die Fortsetzung der Flucht in der Anhörung sei sie mehrmals unter-
brochen worden, weshalb sie das Gefühl gehabt habe, diese Angaben
seien nicht relevant. Ferner sei ihr Zeitgefühl durch den Umstand, dass sie
nachts gereist seien, durcheinandergebracht worden, und es müsse ihre
damals grosse emotionale Anspannung berücksichtigt werden. Sie sei be-
reits im Zeitpunkt ihrer Flucht psychisch angeschlagen gewesen. Im Übri-
gen deute der Umstand, dass während der Anhörung mehrmals Fragen
wiederholt worden seien, darauf hin, dass es möglicherweise Verständi-
gungsprobleme gegeben habe. Ihre illegale Ausreise sei als glaubhaft zu
erachten, und sie erfülle demnach die Flüchtlingseigenschaft aufgrund
subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 3 AsylG in Verbindung mit
Art. 54 AsylG.
3.2.2 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG würden Familienangehörige von Flücht-
lingen in die Flüchtlingseigenschaft einbezogen. Diese Bestimmung kom-
me unabhängig davon zur Anwendung, ob Asyl gewährt worden sei oder
nicht. Die Beschwerdeführenden seien von der Vorinstanz als eine Familie
anerkannt worden, und die Beschwerdeführenden 1 und 2 würden von ihr
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als Ehepaar bezeichnet. Es würden auch keine besonderen Umstände vor-
liegen, die gegen einen Einbezug sprechen würden. Der Beschwerdefüh-
rer 1 sei jedenfalls tibetischer Ethnie und es könne nicht von einem
gemischt-nationalen Paar gesprochen werden; vielmehr sei auch bei ihm
von der chinesischen Staatsangehörigkeit auszugehen. Der Beschwerde-
führer 1 und das gemeinsame Kind seien in die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführerin 2 einzubeziehen. Eventualiter sei die Wegweisung
der Beschwerdeführer 1 und 3 gestützt auf Art. 8 EMRK wegen Unzuläs-
sigkeit im Sinne von Art. 83 Abs. 1 AIG (SR 142.20) auszusetzen, und es
sei ihnen die vorläufige Aufnahme als Ausländer zu erteilen. Gemäss Ent-
scheid vom Bundesverwaltungsgericht BVGE 2017 Vll/4 seien vorläufig
aufgenommene Flüchtlinge durch Art. 8 EMRK geschützt. Ihr Familien-
leben sei von der Vorinstanz nicht bestritten worden, und es seien auch
keine öffentlichen Interessen ersichtlich, die gegen die Erteilung der vor-
läufigen Aufnahme sprechen würden.
3.2.3 Im Weiteren sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin 2
unter schwerwiegenden medizinischen Problemen leide. Sie sei in Be-
handlung wegen Problemen mit der Schilddrüse, hohem Blutdruck und
gravierender psychiatrischer Probleme. Es sei eine Anpassungsstörung
diagnostiziert worden und es bestehe der Verdacht auf eine Posttraumati-
sche Belastungsstörung. Aufgrund des negativen Asylentscheids habe
sich ihr Gesundheitszustand massiv verschlechtert. Bei fehlender medizi-
nischer Betreuung könnte es zu einer Verschlechterung der Situation mit
Selbstschädigung kommen. Sie sei besonders auf ihr Kind und auf die Un-
terstützung ihres Partners bei dessen Betreuung angewiesen. Eine Tren-
nung der Familie würde zudem auch nicht dem Kindeswohl entsprechen.
Unter diesen Umständen wäre die Wegweisung des Ehemannes und des
gemeinsamen Kindes nicht zumutbar.
3.2.4 Eventuell sei die Sache zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Diese habe es unterlassen, entscheidrelevante Sachver-
haltselemente abzuklären. Sie habe weder den Geburtsschein der Be-
schwerdeführerin noch ihre psychischen Probleme oder den Aspekt des
Kindeswohls in ihrem Entscheid berücksichtigt, was als Verletzung der Be-
gründungspflicht zu bewerten sei.
3.3 Die Vorinstanz argumentierte in ihrer Vernehmlassung, dem von der
Beschwerdeführerin eingereichten Geburtsschein komme kein Beweiswert
zu, weil er nur in Form einer Kopie vorliege; er sei deshalb nicht geeignet,
die von ihr behauptete Herkunft zu belegen. Ferner sei ein depressives
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Seite 12
Zustandsbild bei ausländischen Personen, deren Asylgesuche abgewie-
sen worden seien, nicht selten. Dies stehe einem Wegweisungsvollzug
jedoch nicht entgegen. Allfälligen gesundheitlichen Risiken, die aufgrund
der psychischen Belastung auftreten könnten, könne mit einer sorgfältigen
Vorbereitung der Ausreise und allenfalls auch medikamentös vorgebeugt
werden. Der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ver-
möge deshalb die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht in Frage
zu stellen.
3.4 Die Beschwerdeführenden führten in ihrer Replik aus, gemäss ständi-
ger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei der Beweiswert
einer Kopie beeinträchtigt, jedoch in der Beweiswürdigung zu berücksich-
tigen. Die Vorinstanz habe sich nicht hinreichend mit der Stellungnahme
der Beschwerdeführerin 2 bezüglich der Lingua-Analyse auseinander-
gesetzt, sondern diese lediglich pauschal gewürdigt. Es werde auf die
Erwägungen im Urteil E-2028/2015 des Bundesverwaltungsgerichts vom
23. Januar 2017 verwiesen. Ferner treffe es nicht zu, dass ihre psychi-
schen Probleme auf den negativen Asylentscheid zurückzuführen seien.
Diese hätten ihren Ursprung in einer schwierigen Kindheit und anderen
traumatischen Erlebnissen im Heimatstaat. Die behandelnde Psychiaterin
komme zum Schluss, dass ihr im Falle einer erzwungenen Rückkehr eine
Retraumatisierung drohen würde. Dieser Aspekt müsse in die Prüfung der
Zumutbarkeit einbezogen werden.
4.
4.1 Soweit in der Beschwerdeeingabe geltend gemacht wird, die Vor-
instanz habe in der angefochtenen Verfügung relevante Sachverhaltsele-
mente nicht berücksichtigt und damit implizit eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs geltend gemacht wird, ist Folgendes festzustellen:
4.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29
VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die
Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft
und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der
Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG).
Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Be-
troffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall
ist, wenn sich sowohl der von der Verfügung Betroffene als auch die
Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen
können. Die verfügende Behörde kann sich auf die wesentlichen Gesichts-
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punkte beschränken, hat aber wenigstens kurz die Überlegungen anzufüh-
ren, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid ab-
stützte. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs-
gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe-
nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-
teressen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl.
LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar zum VwVG, a.a.O., N. 6 ff. zu Art. 35;
BGE 136 I 184 E. 2.2.1, BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f., BVGE 2007/30
E. 5.6 S. 366 f.).
4.3 Es trifft zu, dass die von der Beschwerdeführerin mit Eingabe an das
SEM vom 11. Oktober 2018 eingereichte Kopie einer Geburtsurkunde in
der angefochtenen Verfügung (offenbar versehentlich) nicht gewürdigt
wurde. Diese Rüge der Beschwerdeführenden ist berechtigt. Überdies ist
eine fehlerhafte Aktenführung des SEM festzustellen, weil die Eingabe
nicht paginiert und in das Aktenverzeichnis aufgenommen, sondern im
Couvert hinten im N-Dossier abgelegt worden ist. Das SEM ist anzuweisen,
dieses Schreiben korrekt in seine Akten aufzunehmen.
4.4 Indessen hat die Vorinstanz sich mit diesem Dokument in seiner Ver-
nehmlassung vom 15. Mai 2019 auseinandergesetzt und die Beschwerde-
führenden erhielten Gelegenheit hierzu Stellung zu nehmen. Die Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs kann demnach als geheilt betrachtet wer-
den.
4.5 Dass die Beschwerdeführerin unter psychischen Problemen leide,
wurde von den Beschwerdeführenden, soweit ersichtlich, weder im erst-
instanzlichen Verfahren noch im ersten Beschwerdeverfahren vorgebracht,
und es wurden auch keine diesbezüglichen Beweismittel eingereicht. Dass
die Vorinstanz keine entsprechenden Abklärungen vornahm, kann ihr des-
halb nicht vorgeworfen werden.
4.6 Dass der Aspekt des Kindeswohls vom SEM in seiner Verfügung nicht
ausdrücklich gewürdigt wurde, ist unter den gegebenen Umständen eben-
falls nicht zu beanstanden, wurde doch eine Trennung des Kindes der Be-
schwerdeführenden von einem Elternteil offensichtlich zu keinem Zeitpunkt
in Betracht gezogen.
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Seite 14
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Beschwerdeführenden haben die Einschätzung der Vorinstanz,
wonach die von ihnen vorgebrachten Vorfluchtgründe als unglaubhaft zu
erachten seien, nicht bestritten, und die Ablehnung ihrer Asylgesuche nicht
angefochten. Sie haben sich darauf beschränkt, geltend zu machen, ihre
Flüchtlingseigenschaft sei aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus der Volks-
republik China festzustellen. Demnach erübrigt sich eine nähere Auseinan-
dersetzung mit der Frage, ob die Voraussetzungen für eine Asylgewährung
erfüllt wären.
6.2 In BVGE 2014/12 hat das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis ge-
mäss Entscheidungen und Mitteilungen der (vormaligen) Schweizerischen
Asylrekurskommission (EMARK) 2005 Nr. 1 dahingehend präzisiert, dass
bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder
verheimlichen, vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flücht-
lings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an
ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen. Die Abklärungspflicht der Asyl-
behörden findet nämlich ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asyl-
suchenden Person. Verunmöglicht eine tibetische asylsuchende Person
durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effek-
tiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehat – also ob sie über
E-1968/2019
Seite 15
eine Aufenthaltsberechtigung in einem dieser Länder oder gar über deren
Staatsangehörigkeit verfügt −, kann namentlich keine Drittstaatenabklä-
rung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Im Übrigen wird
durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch
die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug
auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.).
6.3
6.3.1 Die Identität der Beschwerdeführenden steht aufgrund der Aktenlage
nicht fest. Sie haben ohne nachvollziehbare Begründung keine Identitäts-
papiere im Sinne von Art. 1a Bst. c der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 (AsylV 1, SR 142.311) vorgelegt. Ihre Erklärungen, ihre Identitäts-
karte sei durch die Polizei beschlagnahmt worden (Beschwerdeführerin 2),
respektive sie hätten sie auf der Flucht weggeworfen (Beschwerde-
führer 1), sind in Anbetracht der offenkundigen Haltlosigkeit der von ihnen
geltend gemachte Vorverfolgung nicht stichhaltig. Den von den Beschwer-
deführenden im Rahmen des Beschwerdeverfahrens zu den Akten ge-
reichten Dokumenten (Geburtsurkunde, Bestätigung einer Vermisstenan-
zeige) kann in Bezug auf ihre Herkunft und Identität kein wesentlicher Be-
weiswert beigemessen werden. Sie liegen nur in Form von Kopien vor und
haben somit aufgrund der leichten Manipulierbarkeit nur einen erheblich
reduzierten Beweiswert. Zudem weisen sie keine Fotografien auf, und es
steht somit nicht fest, dass die Beschwerdeführenden deren rechtmässige
Inhaber sind. Selbst wenn die von der Beschwerdeführerin vorgelegte Ge-
burtsurkunde authentisch sein sollte, würde diese bestenfalls belegen,
dass sie in der VR China geboren wurde, nicht jedoch, dass sie dort sozi-
alisiert wurde und im von ihr genannten Zeitpunkt illegal ausreiste. Anlass
zu Zweifeln an der Authentizität der Vermisstenanzeige betreffend den
Beschwerdeführer gibt im Übrigen auch der Umstand, dass er nicht plau-
sibel zu erklären vermochte, weshalb ihm dieses vom (...) 2014 datierende
Dokument erst im Jahr 2020 zugestellt wurde. Seine nicht näher ausge-
führte Behauptung, eine Kontaktaufnahme mit dem Onkel sei zuvor nicht
möglich gewesen, vermag nicht zu überzeugen.
6.3.2 Das fehlende Beibringen von Identitätsnachweisen ohne plausible
Begründung stellt eine Verletzung der den Beschwerdeführenden oblie-
genden Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG dar.
E-1968/2019
Seite 16
6.4
6.4.1 Lingua-Analysen stellen als solche kein Sachverständigengutachten
(Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember
1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG),
sondern eine schriftliche Auskunft einer Drittperson dar (Art. 12 Bst. c
VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG). Sofern bestimmte Anforderungen
an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten wie
auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse
erfüllt sind, ist ihnen jedoch ein erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl.
BVGE 2014/12 E. 4.2.1).
6.4.2 Das Gericht teilt aufgrund der Aktenlage die Auffassung der Vor-
instanz, dass die Beschwerdeführenden ihre wahre Herkunft zu verschlei-
ern versuchen. Dabei kann zur Hauptsache auf die Lingua-Analysen vom
7. September 2017 und 19. Februar 2018 verwiesen werden. Diese sind
fundiert und mit einer überzeugenden sowie ausgewogenen Begründung
versehen, die zu keinen Beanstandungen Anlass gibt. Die sachverständige
Person bezog den von den Beschwerdeführenden geltend gemachten
biografischen Hintergrund ein und würdigte auch die Elemente, die für eine
Sozialisation in der angeblichen Region sprechen. Aufgrund der ungenü-
genden landeskundlichen Kenntnisse sowie der sprachlichen Merkmale
und Fähigkeiten der Beschwerdeführenden kam die sachverständige
Person jeweils zum Schluss, dass ihre Sozialisation sehr wahrscheinlich
nicht in Tibet, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb
Chinas erfolgt sei. Diese Schlussfolgerungen wurden überzeugend darge-
legt. Zudem bestehen an der fachlichen Qualifikation der sachverständigen
Person keine Zweifel. Den Lingua-Analysen vom 7. September 2017 und
19. Februar 2018 kann daher ein erhöhter Beweiswert beigemessen wer-
den (vgl. E. 6.4.1), und es kann von deren inhaltlicher Richtigkeit und Voll-
ständigkeit ausgegangen werden.
6.4.3 Die linguistischen Analysen kamen bei beiden Beschwerdeführenden
zum Ergebnis, dass die von ihnen gesprochene Sprache auf der Ebene
der Morphologie/Morphosyntax und im lexikalischen Bereich überwiegend
mit dem Dialekt von Lhasa beziehungsweise der exiltibetischen Koine
übereinstimme. Ferner haben die Beschwerdeführenden in den Befragun-
gen und den Lingua-Gesprächen zwar etliche geographische Gegebenhei-
ten der von ihnen angegebenen Herkunftsregion korrekt zu benennen ver-
mocht, andererseits weisen ihre länderkundlichen Angaben aber auch auf-
fallende Lücken und Unstimmigkeiten auf, insbesondere in Bezug auf das
E-1968/2019
Seite 17
Schulwesen, die mit dem von ihnen angegebenen biografischen Hinter-
grund kaum zu vereinbaren sind. Nach Kenntnis des Gerichts verfügen ins-
besondere Tibeter aus den ländlichen Regionen mitunter nur über geringe
oder gar keine Chinesisch-Sprachkennnisse (vgl. dazu den [als Referenz-
urteil publizierten]) Entscheid E-5846/2014 vom 4. August 2015 E. 6.3.2
S. 13 f. m.w.H.). Trotz Schulobligatorium besucht zudem offenbar ein nicht
unerheblicher Prozentsatz der tibetischen Kinder die Schule nicht (vgl.
a.a.O. S. 14). Dass die Beschwerdeführenden nur – aber immerhin – ge-
ringe Chinesisch-Kenntnisse haben und angeblich nie die Schule besuch-
ten, spricht demnach nicht a priori gegen eine Herkunft aus dem Tibet. An-
dererseits fehlt es ihnen zum Teil an grundlegendem Wissen zum Schul-
wesen, das auch unter der Annahme, sie hätten nie eine Schule besucht,
angesichts der Dauer ihrer angeblichen Aufenthalte im Tibet zu erwarten
gewesen wäre.
6.4.4 Die Beschwerdeführenden haben weder im Rahmen des rechtlichen
Gehörs noch in ihrer Beschwerdeeingabe überzeugende Argumente vor-
gebracht, welche geeignet wären, diese Schlussfolgerungen zu entkräften.
Der Einwand der Beschwerdeführerin, die Verständigung zwischen ihr und
der Person, die sie für die Lingua-Analyse interviewt habe, sei aufgrund
ihrer unterschiedlichen Dialekte sehr schwierig gewesen und es sei zu
Missverständnissen gekommen, ist nicht stichhaltig. Gemäss Anmerkun-
gen in der Lingua-Analyse war die Verständigung zwischen ihnen gut, auch
wenn die Beschwerdeführerin angegeben habe, es falle ihr schwer in ihrem
Dialekt zu antworten, wenn sie auf Zentral-Tibetisch angesprochen werde.
Dass eine gewisse Verwendung von Formen des Lhasa-Tibetischen und
der exiltibetischen Koine sich durch den Aufenthalt im Exil sowie die
Akkommodation an die Sprache der interviewenden Person erklären lässt,
wurde vom Lingua-Experten in seiner sprachlichen Analyse anerkannt und
gebührend berücksichtigt, ebenso wie im Falle des Beschwerdeführers,
dass seine Mutter nach seinen Angaben Zentral-Tibetisch sprach. Diese
Umstände vermögen die festgestellten Charakteristika des von den Be-
schwerdeführenden gesprochenen Dialekts nicht befriedigend zu erklären,
insbesondere in Anbetracht der Dauer des behaupteten Aufenthalts im Dorf
E._ und ihrem Alter im vorgebrachten Zeitpunkt der Ausreise. Zu
Recht stellte die Vorinstanz ferner fest, es sei merkwürdig, dass die Be-
schwerdeführerin ihre Identitätskarte angeblich erst im Alter von (...) Jah-
ren habe ausstellen lassen, da nach Erkenntnissen des Gerichts solche
Dokumente für alle chinesischen Staatsangehörigen über 16 Jahren obli-
gatorisch sind (vgl. UK Home Office, Country Policy and Information Note,
China: Background information, including actors of protection and internal
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Seite 18
relocation, März 2018, S. 45 ff.). Die Erklärung beider Beschwerdeführen-
den für die mangelhaften Kenntnisse der Nachbarorte sowie der administ-
rativen Zentren ihrer angegebenen Heimatregion (dass sie diese nicht oft
besucht hätten), erscheint angesichts der behaupteten Aufenthaltsdauer in
der genannten Region wenig überzeugend.
6.4.5 Insgesamt weisen die Beschwerdeführenden nach dem Gesagten
nicht die aufgrund ihres angeblichen Aufenthalts von (...) respektive (...)
Jahren in der behaupteten Herkunftsregion zu erwartenden sprachlichen
und insbesondere länderkundlichen Kenntnisse auf.
6.5 Diese Einschätzung wird dadurch verstärkt, dass die Vorbringen der
Beschwerdeführenden betreffend die angeblich durch die chinesischen
Sicherheitskräfte erlittenen respektive befürchteten Repressalien und ihre
regimekritischen Äusserungen als offenkundig unglaubhaft zu erachten
sind. Sie haben die entsprechenden Erwägungen des SEM in der vor-
instanzlichen Verfügung denn auch nicht angefochten. Ferner rechtfertigen
sich auch erhebliche Zweifel an den Darstellungen der Beschwerdeführen-
den betreffend ihre illegale Ausreise. Ihre Schilderungen zu den Umstän-
den ihrer Ausreise aus der Volksrepublik China waren eher oberflächlich
und wenig realistisch. Namentlich waren die Angaben der Beschwerdefüh-
rerin dazu, wie ihre Familie das Geld für ihre Ausreise beschafft und die
Schlepper bezahlt habe, auffallend vage und ausweichend. Die Aussage
des Beschwerdeführers, er habe die Flugreise von Nepal in die Schweiz
durch den Verkauf eines Dzi Steines und zweier Türkise finanziert, die er
von seinem Vater geerbt habe (vgl. Protokoll BzP A39/13 S. 8; Protokoll
Anhörung A42 S. 17 F177 f.), ist mit dem Vorbringen kaum in Einklang zu
bringen, dass er sich angeblich spontan und ohne Vorbereitung zur Flucht
entschlossen habe. Die auffallend unsubstanziierten Angaben der Be-
schwerdeführenden zu den Umständen ihrer Flugreisen von Nepal in die
Schweiz lassen auf eine offenkundige Verschleierung des wahren Reise-
wegs schliessen. Die von ihnen eingereichten Dokumente vermögen, ent-
gegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung, ihre illegale Aus-
reise aus der Volksrepublik China nicht zu belegen. Im Übrigen ergeben
sich auch keine Anhaltspunkte dafür, dass es zu wesentlichen Verständi-
gungsproblemen im Rahmen der Anhörung der Beschwerdeführerin ge-
kommen wäre. Dass mehrfach Fragen widerholt wurden, lässt diesen
Schluss jedenfalls nicht zu. Die Beschwerdeführerin bestätigte ausdrück-
lich, die dolmetschende Person gut zu verstehen sowie, dass das Protokoll
in eine ihr verständliche Sprache übersetzt worden sei und ihren Äusse-
rungen entspreche (vgl. Protokoll Anhörung A5 S. 1 und 24).
E-1968/2019
Seite 19
6.6 Nach dem Gesagten ist, wie oben dargelegt, davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführenden täuschende Angaben zu ihrer Herkunft und ih-
rem Aufenthaltsort vor der Einreise in die Schweiz gemacht haben. Dem-
nach besteht Anlass zur Vermutung, dass sie vor ihrer Ankunft in der
Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in einer exil-tibetischen
Diaspora gelebt haben, und dass sie an ihrem tatsächlichen Herkunftsort
keine Verfolgungsmassnahmen zu befürchten haben. Ferner ist bei dieser
Ausgangslage der Argumentation, es seien ihnen wegen ihrer illegalen
Ausreise aus der Volksrepublik China subjektive Nachfluchtgründe im
Sinne von Art. 54 AsylG zuzubilligen, jede Grundlage entzogen.
6.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen-
den nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfol-
gungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat
demnach zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint.
7.
7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
E-1968/2019
Seite 20
8.2 Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungs-
vollzugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungs-
pflicht findet, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mit-
wirkungspflicht der Beschwerdeführenden gemäss Art. 8 AsylG. Es ist nicht
Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegwei-
sungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu for-
schen. Die Beschwerdeführenden haben die Folgen ihrer fehlenden Mit-
wirkung insofern zu tragen, als seitens der Asylbehörden der Schluss ge-
zogen werden muss, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsrechtlich re-
levanten Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort
bestehen, wobei insbesondere Nepal oder Indien in Betracht fallen
(vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 und 6). Insbesondere kann vorliegend auch
nicht überprüft werden, ob die Beschwerdeführerin in ihrem Heimat-
beziehungsweise Herkunftsstaat über die notwendige medizinische Ver-
sorgung für die von ihr geltend gemachten gesundheitlichen, insbesondere
psychischen Probleme verfügen würde. Eine medizinische Notsituation
liegt jedenfalls nicht vor; die Beschwerdeführerin, bei welcher namentlich
eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typ (ICD-10:
F60.31) sowie eine Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1) diagnos-
tiziert wurden, hat gemäss den Ausführungen in den Berichten der
U._ vom 26. Juli 2019 und 25. Oktober 2019 keine Suizidpläne und
kann sich von akuter Suizidalität klar distanzieren.
8.3 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, welche die chinesische
Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive
Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und da-
mit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wie-
derum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE
2009/29), ist an dieser Stelle im Sinne einer Klarstellung und in Überein-
stimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfügung darauf
hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen und -Tibeter und somit auch
für die Beschwerdeführenden ein Vollzug der Wegweisung nach China ge-
mäss Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG auszuschliessen ist, da ihnen dort gege-
benenfalls eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK
droht (BVGE 2014/12 E. 5.11).
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
E-1968/2019
Seite 21
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären den Beschwerdeführenden die
Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit
Zwischenverfügung vom 8. Mai 2019 ihr Gesuch um unentgeltliche Pro-
zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine
Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich ihre finanzielle Lage seither ent-
scheidrelevant verändert hätte, ist auf die Auflage von Verfahrenskosten zu
verzichten.
11.
Mit der Zwischenverfügung vom 8. Mai 2019 wurde auch das Gesuch der
Beschwerdeführenden um amtliche Verbeiständung gutgeheissen
(aArt. 110a Abs. 1 VwVG) und ihre Rechtsvertreterin als Rechtsbeiständin
eingesetzt. Demnach ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwendigen
Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der in der Kosten-
note vom 7. August 2020 ausgewiesene zeitliche Aufwand erscheint als
angemessen. Demzufolge ist das amtliche Honorar – in Anwendung des in
der Zwischenverfügung kommunizierten Stundenansatzes von maximal
150 Franken – auf insgesamt Fr. 1953.– (inkl. Auslagen) festzusetzen und
durch die Gerichtskasse zu vergüten.
Die Frage der Zusprechung einer (geringen) Parteientschädigung für die
Vertretungskosten, die durch die fehlerhafte Aktenführung des SEM unnö-
tigerweise verursacht worden sind, stellt sich unter diesen Umständen
nicht.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 22