Decision ID: 439ddcc0-cc69-5d34-b175-3cd731169c2c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1975
geborene X._
,
Mutter
zweier
1997
und 2012 geborene
r
Kinder (Urk. 10/27 Ziff. 3)
, war zuletzt von
2008
bis
2009
als Kellnerin im
Y._ in Z._
tätig (Urk.
10/11
)
. Am
18.
Februar 2010
meldete sie sich unter Hinweis auf
Beschwerden an der rechten Hand
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
10/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und ver
neinte mit Verfügung vom
6.
Dezember 2010 einen Anspruch auf Arbeits
ver
mittlung (Urk. 10/18) und mit Verfügung vom 2
5.
Mai 2011 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 10/25).
1.2
Am 24. Februar 2020
meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(Urk. 10/27
, Urk. 10/32
).
Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Ab
klärungen und
zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 10/39).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
10/50
)
verneinte sie einen An
spruch auf eine Invalidenrente und
wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
9
.
November 2020
(Urk.
10/52
= Urk.
2) ab
.
2.
Die Versicherte erhob am
4. Dezember 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
9. November 2020
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
und es sei ihr Unterstützung für den Stellenerhalt oder eine Rente zu gewähren (Urk. 1 S. 1).
Am
1. März 2021 (Urk. 9
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was de
r Beschwerde
führer
in
mit Verfügung vom
1
1.
März 2021
zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
A
TSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn di
e Voraussetzungen gemäss Abs. 2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung
des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang viel
mehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung ist es zulässig, im Wesentlichen oder einzig auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen abzustellen. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229; 122 V 157 E. 1d S. 162). Selbst nicht auf eigenen Unter
suchungen beruhende Berichte und Stellungnahmen regionaler ärztlicher Dienste (RAD) können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte fachärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2015 vom 2
7.
Oktober 2015 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 9. November 2020 (Urk. 2) damit, dass
die aktuell ausgeübte Tätig
keit ohne körperliche Belastung sowohl der früheren medizinischen Beurteilung als auch der heutigen entspreche.
D
ie Beschwerdeführerin
könne eine
näher um
schriebene
angepasste Tätigkeit
in einem Pensum von
85 bis 90 % ausüben. Die Ausübung einer rentenausschliessenden Tätigkeit sei ihr weiterhin zumutbar (S. 2).
2.2
Demgegenüber vertrat die Beschwerdeführerin den Standpunkt,
sie werde vom Facharzt in der
Klinik A._
auch für die aktuelle körperlich leichtere Tätig
keit in der Lithografie Abteilung weiterhin arbeitsunfähig geschrieben (Urk. 1 S. 1). Für die Annahme der Beschwerdegegnerin, dass sie in einer angepassten Tätigkeit ohne Weiteres arbeiten könne, liege keine differenzierte medizinische Begründung vor (S. 2).
Sie stehe im engen Austausch mit ihrem Arbeitgeber.
Das Arbeitsverhältnis sei noch nicht gekündigt worden (S. 1). Sie wolle ihre Stelle behalten und in der neuen Abteilung weiterarbeiten. Für den Stellenerhalt und die berufliche Reintegration benötige sie Unterstützung (S. 2).
2.3
Streitig ist,
ob sich der anspruchsrelevante Sachverhalt im Vergleichszeitraum seit Erlass der Verfügung vom
25. Mai 2011
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
9. November 2020
erheblich beziehungsweise in einer für den Rentenanspruch massgeblichen Weise verändert hat.
3.
3.1
Im Zeitpunkt der rentenanspruchsverneinenden Verfügung vom
25. Mai 2011 (Urk. 10/25)
stellte sich der medizinische Sachverhalt wie folgt dar:
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Chirurgie und
für
Handchirurgie
,
führte mit Bericht vom
7.
Mai 2010 (Urk. 10/12
/5
) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit September 2009 (Ziff. 1.2) und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Tendomyalgien
Schulter
/
Arm rechts (Ziff. 1.1). Für die zuletzt ausge
übte Tätigkeit bestehe seit 21.
September 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Es bestünden belastungsabhängige Schmerzen an der Schulter
und
am rechten Arm. Die Beschwerdeführerin könne im Service nicht arbeiten. Leichte handwerkliche Tätigkeiten ohne repetitive Bewegungen seien ab sofort zu 100 % möglich (Ziff. 1.7).
Dr.
B._
nannte mit Bericht vom 17.
Dezember 2010
(Urk. 10/19/5-6) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Tendo
myalgien
Schulter/Arm rechts und De
Quervain
Tendinitis rechts
(Ziff. 1.1). Für die zuletzt ausge
übte Tätigkeit bestehe seit 23.
August 2010 eine 50%ige Arbeits
fähigkeit (Ziff. 1.6). Es bestünden belastungsabhängige Schmerzen an der Schulter
und
am rechten Arm. Leichte Arbeit ohne repetitive Bewegung sei ab sofort zu 100 % zumutbar (Ziff. 1.7).
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte mit Stellungnahme vom 3
0.
Dezember 2010 (Urk. 10/22/3) gestützt auf die Beurteilung
durch
Dr.
B._
aus, ein Gesundheitsschaden sei aus
gewiesen. Die funktionellen Einschränkungen für die zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit als Kellnerin seien nachvollziehbar. Auf die Ausführungen von
Dr.
B._
könne abgestellt werden.
Für die zuletzt ausgeübte Tätig
keit als Kellnerin habe vom 2
1.
September 2009 bis 2
2.
August 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, seit 2
3.
August 2010 bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe seit
7.
Mai 2010 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit folgendem Anforderungsprofil: leichte Arbeit ohne Heben/Tragen von Lasten über 5 kg, ohne Arbeit über Kopf, ohne Steigen auf Leitern und Gerüste.
3.3
Gestützt auf diese Aktenlage ging die Beschw
erdegegnerin von einer voll
stän
digen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus und verneinte mit Verfügung vom
25. Mai 2011 (Urk. 10/25) einen Leis
tungsanspruch der Beschwerdeführerin. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
4.
4.1
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
9.
November 2020
(
Urk.
2) lagen im Wesentlichen die folgenden Berichte vor:
PD
Dr.
med. D._
,
Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
Leitender Oberarzt Wirbelsäulen
chirurgie,
Klinik A._
,
nannte mit Bericht vom
1
9.
Februar 2020
(
Urk. 10/34/1-3
= U
rk. 10/39/114-116 = Urk. 10/42) als hier gekürzt aufgeführte Diagnose ein leichtes chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (S. 1).
Bei der Beschwerdeführerin
zeigten sich chronische Lumbalgien
,
teilweise auch
gluteale
Schmerzen, welche am ehesten mit der beginnenden
Diskopathie
der unteren beiden Segmente erklärt sei
en
. Darüber hinaus imponiere das Bild einer
Dekonditionierung
und Adipositas. Es werde eine medizinische Trainingstherapie zum Muskelaufbau, zur Gewichtsabnahme und Verbesserung von Kraft und Kondition empfohlen.
In diesem Rahmen solle auch die Behandlung der wahr
scheinlich durch Überbelastung aufgetretenen Beschwerden der linksseitigen Körperhälfte erfolgen. Die Beschwerdeführerin werde zudem zur Beurteilung und gegebenenfalls
chiropraktischen
Behandlung
sowie beim Team untere Extremität zur Analyse der linksseitigen Hüftbeschwerden
angemeldet. Operative Mass
nahmen seien aktuell nicht indiziert (S. 2).
4.2
Dr.
med. E._
, Facharzt für
Rheumatologie
,
Chefarzt Manuelle Medizin,
Klinik A._
,
nannte mit Bericht vom 27.
April 2020 (Urk. 10/34/
5-
6
= Urk. 4/1
)
folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1):
-
Hartnäckiges
zerviko
spondylogenes
Schmerzsyndrom links
-
H
artnäckiges
lumbo
spondylogenes
Schmerzsyndrom links
Die beklagten Beschwerden seien vor allem
myofaszialen
Ursp
rungs und unter anderem auf eine
mehrjährige Überbelastung am Arbeitsplatz zurückzuführen.
Die Abgabe von
Blackroll
Übungen und Mobilisation der
Halswirbelsäule
(
HWS
)
sowie
Sakroiliakalgelenk
(
SIG
)
hätten einen positiven Effekt auf die Gesamt
problematik. Parallel dazu sei bereits eine stabilisierende Physiotherapie an Geräten eingeleitet worden. Es sei eine manuelle Behandlung inklusive
Trigger
punkt
der involvierten
Muskulaturen
vorgesehen.
Es bestehe momentan eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 2).
4.3
Dr.
med. F._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
Oberarzt Orthopädie,
Klinik A._
,
nannte mit Bericht vom
2
5.
Mai 2020 (Urk. 10/39/117-118 =
Urk. 10/41
) folgende
, hier gekürzt auf
geführte
Diagnosen (S. 1):
-
leichtes chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
paravertebrale hochzervikale
Muskulaturen
Anhand der Klinik und der Bildgebung erscheine eine
coxogene
Ursache der Beschwerden eher unterschwellig. Die Beschwerdeführerin beschreibe klare Beschwerden auf Höhe des ISG mit Auslösung typischer Schmerzen. Die Hüfte sei frei beweglich und zeige auch im Röntgen keine relevante degenerative Ver
änderung. Aufgrund dieser Tatsache w
ü
rden die Kollegen der manuellen Medizin um eine weitere Betreuung gebeten (S. 2).
4.
4
Dr.
med. G._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
,
Klinik A._
, nannte mit Bericht vom
8.
Juni 2020 (Urk. 10/45
= Urk. 4/4
)
folgende
,
hier gekürzt aufgeführte
Diagnosen:
-
c
ervikoradikuläres
Schmerzsyndrom C6 links
-
h
artnäckiges
lumbo
spondylogenes
Schmerzsyndrom links
Dem
Musculus
gluteus
maximus
sei ultraschallgesteuert
Lidocain
infiltriert
worden, was zur vollständigen Beschwerdefreiheit
gluteal
geführt habe (S. 2).
4.5
Dr.
med. H._
, Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin und
für Kardio
logie
sowie
Praktischer Arzt,
führte mit Bericht vom
2
5.
Juni 2020 (Urk. 10/44)
aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit Februar 2016 (Ziff. 1.1) und nannte
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
cervicoradikuläres
Kompressionssyndrom C6 links
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
O
steochrondrose
mit
Diskusprotrusion
L
4/5
Er attestierte seit 2
5.
März 2019 diverse, näher beschriebene Arbeitsunfähigkeiten (Ziff. 1.3).
Zur
Prognose zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
H._
aus, sie sei gut (Ziff. 2.7). Zum weiteren Vorgehen nannte er Physiotherapie und Infiltrationen (Ziff. 2.8). Eine leidensangepasste Tätigkeit sei sechs bis acht Stunden pro Tag zumutbar (Ziff. 4.2). Die Prognose zur Eingliederung sei gut
(Ziff. 4.3)
.
4.6
Dr.
C._
, RAD
(vorstehend E.
3.2)
, führte mit Stellungnahme vom 1
7.
Juli 2020 (Urk. 10/49/5-6) aus,
der Gesundheitsschaden sei seit mindestens anderthalb Jahren bekannt und seitdem weitgehend stationär. Hinsichtlich der Arbeits
unfähigkeit seien die aktenkundigen Angaben gemäss Hausarzt, primär geltend für die bisherige beziehungsweise zuletzt ausgeübte Tätigkeit, aus versicherungs
medizinischer-orthopädischer Sicht nachvollziehbar, unter der Voraussetzung,
dass es sich dabei um eine vorwiegend zumindest mittelschwere Tätigkeit mit häufigen Zwangshaltungen der HWS beziehungsweise des Rumpfes handle. Unter diesen Umständen sei auch eine dauerhaft weitgehende 50-100%ige Arbeits
unfähigkeit plausibel. Eine optimal behinderungsangepasste Tätigkeit mit dem Belastungsprofil «körperlich leicht mit Hantieren von Lasten nie über 5 kg, wechselbelastend und dabei oft sitzend, ohne Zwangshaltungen der HWS und LWS zum Beispiel in Rotation oder Beugung, ohne häufiges Arbeiten über Kopf oder in gebückter Haltung
»
sei jedoch medizintheoretisch überwiegend wahr
scheinlich sowohl derzeit als auch retrospektiv seit September 2019 mindestens mit Arbeitsfähigkeit 85 bis 90 % möglich, resultierend aus einer vollzeitigen Präsenz und einer geringen Leistungsminderung von 10 bis 15 % wegen der Not
wendigkeit häufigerer Pausen zur Lockerung der Muskulatur.
4.7
Im Beschwerdeverfahren
wurde
n
im Wesentlichen die
folgende
n
Bericht
e
ein
gereicht,
welche den Zeitraum vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom
9. November 2020
betreffen
:
Dr.
G._
(vorstehend E. 4.4)
und
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.2
)
führten mit Bericht vom 18.
Mai 2020 (Urk. 4/3) aus, mit der manuellen
Triggerpunkt
-Therapie der
Trapezius
-Muskulatur hätten die Beschwerden nicht gelindert wer
den können. In der erneuten klinischen Untersuchung werde eine
radikuläre
Symptomatik C5 und C6 linksseitig gefunden, sodass ein MRI der HWS durch
geführt werde (S. 1).
Dr.
G._
und
Dr.
E._
führten mit Bericht vom 2
3.
Juni 2020 (Urk. 4/6) aus, der Beschwerdeführerin sei das linke Schulterblatt mobilisiert und ventral
der
(
Musculus
)
subscapularis
therapiert worden. Anschliessend sei es zu einer leichten Beschwerdelinderung gekommen. Unverändert bestünden Nacken
beschwerden. Es sei eine Physiotherapie für
Mckenzie
-Übung und Schulterblatt
mobilisation verschr
i
eben worden und zusätzlich eine systematische
Trigger
punkttherapie
. Der Effekt der Infiltration könne noch zunehmen
(S. 1)
.
Dr.
G._
und
Dr.
E._
führten mit Bericht vom 1
0.
Juli 2020 (Urk. 4/7) aus, die Beschwerdeführerin habe die
Kortisoninfiltration
C6 sehr schlecht mit Wallungen und Blutdruckschwankungen vertragen. Seither habe sie am ehesten
vasovagale
,
orthostatische
Schwindelepisoden. Die Abklärung beim Hausarzt und die heutige Untersuchung der Neurologie seien normal (S. 1). Dies werde am ehesten auf die Nebenwirkung des
Mephamesons
zurückgeführt, wobei in den nächsten Wochen eine deutliche
Reg
redienz
dessen zu erwarten sei
(S. 2).
4.8
Dr.
G._
führte mit Bericht vom 21.
Juli 2020 (Urk. 4
/8
) aus, bei der Beschwerdeführeri
n
zeige sich mit der physiotherapeutischen Behandlung, wel
che aktuell zweimal pro Woche stattfinde, ei
ne Linderung des
zerviradi
kulären
und
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom
s
.
Es sei eine Verlaufskontrolle in sechs bis acht Wochen geplant.
Dr.
G._
führte mit Bericht vom 1
5.
September 2020 (Urk. 4
/9
) aus, trotz zwei
monatiger Physiotherapie zeige sich bei der Beschwerdeführerin weiterhin das unveränderte
myofaszial
überlagerte
zervikoradikuläre
Schmerzsyndrom der Wurzel C5 und C
6.
Am 1
2.
Juni
(2020)
sei eine
transfor
a
minale
Infiltration
C6 durchgeführt worden.
Dadurch sei eine starke
Schwankschwinde
l
-Symptomatik entstanden, vermutlich als Nebenwirkung auf das Kortison. Die Schmerzen hätten durch die Infiltration für einen Tag vollständig gelindert werde
n können und in der Zwischenzeit
habe sich die C6-Komponente stark zurückgebildet. Weiterhin bestehe vermutlich eine C5-Komponente auf der linken Seite. Zusätzlich bestünden aber diverse
myofasziale
Begleitbefunde aufgrund der chronisch belastenden Arbeit über die letzten Jahre. Hier zeige sich vor allem eine Dys
funktion des Schulterblattes, welche sich mit dem
latissimus
dorsi
häufig auch in den lumbalen Bereich überleite. Es komme zu Verspannungen der
Skalenus
muskulatur
und des
Trapezius
.
In der P
hysiotherapie habe die nötige Therapie
intensität nicht durchgeführt werden können. Ebenfalls s
e
i die
Triggerpunkt
therapie
zu wenig konsequent verfolgt worden (S. 1). Deshalb sei die Therapie erneut in ihrer Sprechstunde begonnen worden. Hier habe sich eine Linderung durch die Mobilisation lumbal und des ISG gezeigt. Die
Triggerpunkttherapie
im Schultergürtelbereich gehe nur langsam voran. Deshalb sei ergänzend eine Physiotherapie zu Hause verordnet worden (S. 2).
5.
5.1
Bei der Anspruchsprüfung im Mai 2011 lagen in diagnostischer Hinsicht
Tendo
myalgien
an der rechten
Schulter/
am rechten
Arm und
eine
De
Quervain
Tendinitis rechts
vor
(vorstehend E. 3.1).
Gestützt auf die Beurteilung d
es RAD-Arztes, wonach
in der bisherigen Tätigkeit als
Kellnerin
zuletzt
eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit
und
in einer angepassten Tätigkeit
eine
vollstä
ndige
Arbeits
fähigkeit
bestanden habe
(vorstehend E. 3.2
)
,
verneinte
die Beschwerdegegnerin damals
einen Rentenanspruch
(
Urk.
10/25
, vorstehend E. 3.3
).
5.2
Ausweislich der medizinischen Akten leidet die Beschwerdeführerin
nun an einem
z
ervikoradikuläre
n
und
einem
lumbospondylogene
n
Schmerzsyndrom links
mit
eine
r
Osteochrondrose
mit
Diskusprotrusion
(vorstehend E. 4.1 ff.).
Die Beschwerdeführerin
machte beschwerdeweise geltend,
sie werde vom Facharzt in der
Klinik A._
auch für die aktuelle körperlich leichtere Tätig
keit in der Lithografie Abteilung weiterhin arbeitsunfähig geschrieben
(vor
stehend E. 2.
2
)
. Dies findet in den Akten keine Stütze.
In
den zahlreichen Berichten der
Klinik A._
äusserte sich nur Dr.
E._
in einem Bericht
zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. So führte er im April 2020 aus, es bestehe momentan eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
(vorstehend E. 4.2
)
.
Dies begründete er aber nicht näher, sodass unklar bleibt, auf welches Pensum
und auf welche Tätigkeit
sich die 50%ig
e Arbeitsunfähigkeit bezieht und ob er allen
falls die
Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit
anders
beurteil
en würde
.
Ansonsten
enthalten die Berichte der Ärzte der
Klinik A._
keine Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit
.
Den Berichten kann entnommen werden, dass i
n der Physiotherapie die nötige Therapieintensität nicht durchgeführt habe
wer
den können und
die
Triggerpunkttherapie
zu wenig konsequent verfolgt worden
sei. Insofern bestehen
noch diverse
Therapiemöglichkeiten
, zumal sich gezeigt hat, dass mit einer physiotherapeutischen Behandlung zweimal pro Woche eine Linderung des Schmerzsyndroms erreicht werden konnte (vorstehend E. 4.8).
Ansonsten enthalten die medizinischen Akten noch eine Beurteilung
von
Dr.
H._
,
Hausarzt
der Beschwerdeführerin
, welcher
seit 2
5.
März 2019 diverse, näher beschriebene Arbeitsunfähigkeiten
a
ttestiert
hat (vorstehend E. 4.5).
Für
Dr.
H._
, wie auch für die übrigen behandelnden Ärztinnen und Ärzte gilt, dass diese in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – beziehungs
weise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts
I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1).
Wobei selbst
Dr.
H._
die Beschwerdeführerin nicht in jedweder Tätigkeit als vollständig arbeitsunfähig erachtet hat, sondern
zur Einschätzung gelan
g
te, dass
eine
an
gepasste
Tätigkeit
sechs bis acht Stunden pro Tag zumutbar
sei.
5.3
Der RAD-Arzt
Dr.
C._
erachtete für die bisherige beziehungsweise zuletzt aus
geübte Tätigkeit eine dauerhaft weitgehende 50-100%ige Arbeitsunfähigkeit als plausibel.
In Bezug auf eine entsprechende leidensangepasste Tätigkeit erachtete
er
eine
10
-15
%ige Einschränkung der Leistungs- beziehungsweise Arbeits
fähigkeit als überwiegend wahrscheinlich
und
hielt
sowohl derzeit als auch retrospektiv seit September 2019 mindestens
eine
Arbeitsfähigkeit
von
85 bis 90
%
als
möglich
.
Dr.
C._
bezeichnete
a
ls optimal leidensangepasst
eine
Tätig
keit mit dem Belastungsprofil «körperlich leicht mit Hantieren von Lasten nie über 5 kg, wechselbelastend und dabei oft sitzend, ohne Zwangshaltungen der HWS und LWS zum Beispiel in Rotation oder Beugung, ohne häufiges Arbeiten über Kopf oder in gebückter Haltung
»
(vorstehend E. 4.6)
.
Zu
prüfen ist, ob auf diese Beurteilung abgestellt werden kann.
5.4
Vorliegend führte der RAD-Arzt zwar keine eigene Untersuchung durch. Ihm standen aber sämtliche med
izinischen Akten zur Verfügung
und
er
setzte sich mit diesen genügend auseinander.
Das vom RAD-Arzt formulierte Belastungsprofil trägt dem Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
mit
einem
zerviko
radikulären
und einem
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom in nachvoll
ziehbarer Weise Rechnung
.
Die gezogen
en Schlüsse
begründete er in nachvollziehbarer Weise.
Zudem
verfügt
er
als Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
über eine für die Beurteilung des streitigen somatischen Gesundheitszustandes der Beschwerde
führerin angezeigte medizinische Weiterbildung.
Die Stellungnahme von
Dr.
C._
vom 1
7.
Juli 2020 (vorstehend E. 4.6) erfüllt
daher
die nach der Rechtsprechung für eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage vorausgesetzten Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.6).
Gestützt auf die Beurteilung durch RAD-Arzt
Dr.
C._
ist daher davon auszugehen, dass
für die bisherige beziehungsweise zu
letzt ausgeübte Tätigkeit
eine
50-100%ige Arbeitsunfähigkeit
und
in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von
85 bis 90
%
besteht
.
5.5
Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invaliditätsbemessung
(Urk. 10/48)
wurde von der B
eschwerdeführerin nicht bestrit
ten und gibt nach Lage der Akten zu keinen Beanstandungen Anlass.
5.6
Zusammenfassend
steht fest, dass sich der somatische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und insb
esondere die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig
keit seit Erlass der ursprünglichen Verfügung vom
25. Mai 2011
bis zum Erlass der vorliegend zu beurteilenden Verfügung vom
9.
November 2020
nicht rechts
erheblich verändert hat, weshalb diese Verfügung zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Soweit die Beschwerdeführerin
den Antrag stellt, f
ür den Stellenerhalt und die berufliche Reintegration Unterstützung
von der Beschwerdegegnerin zu erhalten,
ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin darüber in der angefochtenen Ver
fügung nicht entschieden hat. Mangels Anfechtungsgegenstands ist deshalb dies
bezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten, da grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu beurteilen sind, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vor
gängig verbindlich Stellung genommen hat (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a). Der Beschwerdeführerin bleibt es unbenommen, sich in Bezug auf die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen erneut bei der Beschwerdegegnerin zu melden.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
-
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 600
.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.