Decision ID: fc111575-04cd-4eb4-a4f8-0de1b972f281
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957,
absolvierte eine kaufmännische Lehre und
arbeitete
von
1984
bis 2012
mit einem 60%-Pensum als Redaktor bei der
Z._
AG (
Urk.
6/7 S. 1).
Ab Ende März 2012 war er
infolge psychischer Probleme
zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben
(
Urk.
6/20 S. 2,
Urk.
6/21 S. 8)
. Kurz vor Antritt des
bereits organisierten
Aufenthalts im Sanatorium
A._
vom 2
4.
April 2012
bis
2
0.
Juni 2012
beging
er
einen Suizidversuch
(
Urk.
6/8 S.
5 f.
,
Urk.
6/20 S. 1
)
.
Am
1
7.
Juni 2012
meldete
sich der Versicherte
wegen
einer Depression und
Angsterkrankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle (nachfolgend: IV-Stelle
)
, zur beruflichen Integration an (
Urk.
6/1). Die IV-Stelle holte
Berichte
bei der da
maligen Arbeitgeberin (
Urk.
6/7)
und
den
behandelnden Ärzten (
Urk.
6/8
, 6/14 und 6/15
) sowie einen
Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
6/6)
ein.
Anschliessend
teilte sie dem Versicherten am 1
1.
Dezember
2012
mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien und sein Rentenanspruch geprüft werde (
Urk.
6/17).
In der Folge gab sie
eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und H
aushalt in Auftrag (
Urk.
6/27).
Bereits im August 2012
hatte der Versicherte seine Arbeit wieder aufgenommen
. Im
Zeitpunkt seines zweiten Suizidversuchs
im Oktober 2013
arbeitete er
mit einem 40%-Pensum (
Urk.
6/27 S. 1)
. Es folgte
n
ein Aufenthalt in
Psychiatrischen Klinik B._
vom
2
8.
Oktober 2013 bis 20.
Dezember 2013
(
Urk.
6/42 S. 1)
sowie
die
Kündigung
durch
die
Arbeitgebe
r
in
per Ende Juli 2014
(
Urk.
6/58 S. 8
)
.
Nach
dem die neuen Arztberichte vorla
gen
(
Urk.
6/30, 6/32, 6/39
und
6/42
)
,
führte die IV-Stelle einen
Einkommens
vergleich
durch
(
Urk.
6/57)
und s
tellte mit Vo
rbescheid vom 16.
Oktober 2014 e
ine Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht
(
Urk.
6/59). Dagegen erhob der Versicherte, vertreten du
rch den Verein
syndicom
, am 23.
Oktober 2014 Einwand (
Urk.
6/61).
Mit Verfügung vom 2
6.
Februar 2015
verneinte die IV-Stelle den
A
nspruch
auf eine Invalidenrente nunmehr
unter Hinweis auf die Anwendbarkeit der gemisch
t
en Methode
un
d
einen Invaliditätsgrad von 25
%
(
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung
erhob der Versicherte,
wiederum
vertreten durch
den Verein
syndicom
(Vollmacht,
Urk.
3), am 2
7.
März 2015 Beschwerde
(
Urk.
1).
Die IV-Stelle schloss
in der Beschwerdeantwort vom 6.
Mai 2015 unter Verweis auf die Akten auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit bzw. - bei Versicherten, die vor der Beein
trächtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmöglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So
zialversicherungsrechts; ATSG).
Erwerbs
unfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben im Aufgaben
bereich tätig sind, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
1.3
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne
Gesund
heitsschaden
, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV
). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des
Invalidi
tätsgrades
(BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozial
versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
1.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Gegenstand der Verfügung vom 2
6.
Februar 2015 ist der Rentenanspruch, nach
dem beim
Beschwerdeführer
in erster Linie
eine rezidivierende depressive Stö
rung
(ICD-F33.1)
und
eine
soziale Phobie (ICD-F40.1)
,
allenfalls
eine ängstlich-vermeidende
Persönlichkeitsstörung (ICD-F60.6
)
,
diagnostiziert
wurden
(
Urk.
6/8 S. 5
,
Urk.
6/8 S. 7
,
Urk.
6/14 S. 1
,
Urk.
6/15 S. 1,
Urk.
6/20 S.
4
,
Urk.
6/20 S. 9
,
Urk.
6/39 S. 1 f.
,
Urk.
6/42 S. 1
).
2.2
D
ie Beschwerdegegnerin
begründete die angefochtene
Verfügung
zusammen
gefasst mit der Anwendbarkeit der gemischten Methode.
Der
Einkommensver
gleich
ergebe bei einem Erwerbsanteil von 60
%
einen
Invalid
itätsgrad von 37
%
.
Auszugehen sei
dabei
v
on einem
der
Teuerung angepasste
n
Validenein
kommen
von Fr.
65‘
780.–.
Das Invalideneinkommen
sei
gestützt auf die
Lohn
strukturerhebung
des Bundesamtes für Statistik (
nachfolgend:
LSE) 2010, Tabelle 1 Ziffer 82 und
unter Berücksichtigun
g eines Abzugs von 10
%
auf Fr.
41‘161.50 festzusetzen
.
Die Einschränkung
für die 40%-Tätigkeit
im
Haus
halts
bereich
betrage 6
%
. Gesamthaft resultiere ein Invaliditätsgrad von 25
%
, der nicht
rentenbegründend
sei
(
Urk.
2).
2.
3
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, d
ass er ohne
psychische Beschwer
den
stets
zu 100
%
als Redaktor gearbeitet hätte und künftig arbeiten würde.
Somit
sei für die Invaliditätsbemessung
ein
Einkommensvergleich durchzufüh
ren
und d
iesem ein
Valideneinkommen
von
Fr.
109‘633
.–
zugrunde zu
legen. Für die Bestimmung des Invalideneinkommens
sei
g
emäss
IV-Rundschreiben Nr.
328 auf
die LSE 2012 abzustellen
und von 41.7
Wochenstunden auszuge
hen
. Angesichts des Zumutbarkeitsprofils massgebend sei
die
Tabelle T
A1_tirage_skill_level, Sektor 3 Dienstleistungen, Männer, Kompetenzniveau
1.
Bei einem
zumutbaren Arbeitspensum
vo
n
60
%
gemäss Verfügung bzw. 75
%
gemäss Einschätzung von
Dr.
med.
C._
resultiere
nach dem
A
bzug von 10
%
ein Invalideneinkommen von
Fr.
32‘155.70
bzw. Fr.
40‘194.6
0.
Es sei
daher
von einem Invaliditätsgrad von 7
1
%
, eventualiter 63
%
auszugehen.
Subeventualiter
sei die
Sache
zur genaueren Prüfung
der Arbeitsfähigkeit
an die Vorinstanz zurückzuweisen
(
Urk.
1 S.
6-9
).
2.
4
Streitig ist somit
die Bemessungsmethode der Invalidität bzw. die damit zusam
men
hängende
Frage,
in welchem Umfang der Beschwerdeführer ohne psychi
sche Beschwerden zum Zeitpunkt des
Erlasses der rentenabweisenden Ver
fügung
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
gearbeitet
hätte.
Differenzen bestehen
alsdann
bei der Bestimmung des Invalideneinkommens.
3.
3.1
Die B
e
schwerdegegnerin stützte sich bei der Anwendung
der gemischten Methode
auf die Qualifikation
im von ihr in Auftrag gegebenen
Bericht zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf u
nd Haushalt vom 31.
Oktober 201
1
(
Urk.
6/27)
.
3.2
Diesem
ist
zusammenfassend
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer von 1973 bis 1976 eine kaufmännische Lehre absolvierte und ab Februar 1984 bei der
Z._
AG mit einem 60%-Pensum als Redaktor angestellt war.
Nach dem
(ersten)
Suizidversuch habe er seine
Arbeitstätigkeit im August 2012 mit einem 40%-Pensum wied
er aufgenommen.
Angestrebt werde wieder ein 60%-Pensum.
Die Ehefrau verdien
e
Fr.
4‘000.– pro Monat. Für die Hypothek und die Krankenkasse
würden
monatliche Kosten von
rund
Fr.
740.– bzw. Fr.
350.– anfallen
(
Urk.
6/27 S. 1).
Vor Ort habe sich der Beschwerdeführer sodann spon
tan dahingehend geäussert, dass er seit Jahren in einem 60%-Arbeitspensum tätig sei. Dieses Arbeitspensum habe er bewusst gewählt. Die Ehefrau gehe
auch
zu 60
%
einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nach
, so
könnten sie die Kin
dererziehung sowie den Haushalt teilen.
Nachdem die Kinder nun volljährig seien,
arbeite er weiterhin Teilzeit, da es aus finanzieller Sicht nicht nötig sei, das Arbeitspensum zu erhöhen
(
Urk.
6/
2
7 S. 3).
Die Abklärungsperson
erachtete
di
e
se
Erklärung
des Beschwerdeführers
als plausibel und nachvollziehbar. Es sei
deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
er
auch
bei guter Gesundheit einer Erwerbstätigkeit von 60
% nachgehe
n
und sich mit den restlichen 40
%
am Haushalt beteilige
n würde
(
Urk.
6/27 S.
1 und
3
).
3.3
Alsdann
erkundigte sich die Abklärungsperson bei
m
Beschwerdeführer mit E
Mail vom
9.
August 2013, ob sie ihn richtig verstanden habe, dass er über all die Jahre in einem 60%-Pensum gearbeitet habe, weil sie finanziell nicht auf ein grösseres Einkommen angewiesen seien und er die restliche Zeit für die Freizeit nutzen könne. Der
Beschwerdeführer
antwortete mit E-Mail vom
1
2.
August 2013
wörtlich
:
„Ja, meine Frau und ich haben sich Erwerbs- und Haushaltarbeit inklusive Kindererziehung geteilt. Ich arbeite seit vielen Jahren Teilzeit, also 60 %, ebenso wie meine Frau“ (
Urk.
6/26).
3.4
In den
mündlichen und schriftlichen
Angaben des Beschwerdeführers finden sich somit keine Hinweise darauf, dass
die Reduktion auf ein 60%-
Teilzeitpen
sum
im
Februar
1984
im Zusammenhang mit
seinen
psychischen Beschwerden erfolgte
.
Dabei stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts
pra
xisgemäss
in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellun
gen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versiche
rungsrechtlicher
oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Vorliegend kann dies allerdings nicht absolut gelten, da die Abklärungsperson selbst während der Befragung des Beschwer
deführers
angesichts seiner schlechten psychischen Verfassung
gewisse Zweifel an seiner
Aussage
zum Arbeitspensum
(
Urk.
6/58 S. 4).
3.5
Die
abgeklärten
äusseren Umstände sprechen
indessen
klar f
ür
eine
bewusste und aus freien Stücken
erfolgte
Reduktion des Arbeitspensums
, wie sie vom Versicherten ja auch bestätigt wo
r
den ist
. So
ist
eine
absolu
t
gleichmässige
Auf
gabenteilung
während der Ehe
nicht als
logische Konsequenz einer erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigung des einen Ehegatten
zu
sehen
,
zumal
die
Ehegatten
diese Aufgabenteilung nicht nur über Jahrzehnte hinweg beibehiel
ten, sondern bereits vor der Geburt der Kinder (Jahrgänge 1985 und 1990
;
Urk.
6/1 S. 2
) fest
ge
legt
hatt
en und nach deren Volljährigkeit weiterführten,
was
ein weiteres
starkes Indiz dafür
ist
, dass
Grund dafür die eigene Lebensplanung und nicht
die Gesundheit des Beschwerdeführers
war
. Schliesslich
lässt
auch
das
Familieneinkommen von über
Fr.
9‘000.– pro Monat bei ausgesprochen günsti
gen Wohnverhältnissen
eine Erhöhung des Arbeitspensums nicht als notwendig und damit
nicht
bereits aus diesem Grund als
überwiegend wahrscheinlich erscheinen.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer
verwies
demgegenüber
zum Beweis bereits früher bestehen
der Beschwerden mit Einfluss auf
seine
Arbeitsfähigkeit
auf
zwei
Arzt
berichte
.
Der erste
(
Urk.
6/32)
wurde
von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie,
verfasst. Er behandelte
den Beschwerdeführer von 1999 bis Juli 2012
ambulant
(
vgl. E. 4.2
). Der zweite
(
Urk.
6/30)
stammt von
der
psychiatrischen Klinik B._
(vgl. E. 4.3)
.
Darüber hinaus finden sich in den Akten
auch
Berichte
des
Sanatoriums
A._
(
vgl. E. 4.4
.
)
und von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und ambulanter Behandler des Beschwerdefüh
rers seit dem ersten Klinikaufenthalt (
vgl. E. 4.5
)
.
4.2
Dr.
D._
hielt
in seinem
auf Wunsch des Versicherten ver
f
assten
Schreiben
vom 1
3.
Januar 2014
zuhanden der Beschwerdegegnerin
zusammengefasst
fest
, dass
der
Beschwerdeführer
seit Behandlungsbeginn
aufgrund seiner gesundheit
lichen Verfassung nur 60
%
gearbeitet habe. Angesichts der schon damals deut
lich erkennbaren Symptomatik habe es sich dieser nie zugetraut, mehr zu arbeiten. Seine Ängste und die
Neigung zu depressiven
Phasen
in Verbindung mit der ängstli
ch-vermeidenden Persönlichkeitss
t
r
uk
tur bestünden bekanntlich seit seiner Jugendzeit.
E
r habe somit zwar von sich aus, aber zweifellos aus Krankheitsgründen ein reduziertes Arbeitspensum gewählt, ansonsten bereits bei Behandlungsbeginn eine partielle Krankschreibung hätte erfolgen müssen. Die Arbeitsbelastung sei immer wieder Thema gewesen und der Beschwerde
führer habe in gravierendem Ausmass darunter gelitten, sich täglich den Ansprüchen des Arbeitslebens und damit verbundenen sozialen Kontakten aus
setzen zu müssen (
Urk.
6/32).
Bereits in seinem B
ericht vom
2.
August 2012
hatte
sich
Dr.
D._
,
dahin
gehend
geäussert
, dass der Beschwerdeführer
seit der Jugend
an
Angstproble
men
und deutlich eingeschränkter Selbstsicherheit
leide
. Es handle sich um eine jahrelang andauernde Problematik mit wechselhafter Ausprägung von depressi
ven Phasen und sozialen Phobien.
Dank
Psychotherapie und unterschiedlichen Medikamenten sei
er
soweit stabil gewesen, dass die Arbeitsfähigkeit
meist
habe erhalten werden können
. E
s
sei wiederholt zu eher kurzen Ausfällen gekommen.
Vor rund einem Jahr sei
eine langsame Verschlechterung des Zustandes mit verstärkten Ängsten und
Suizidgedanken eingetreten
(
Urk.
6/8 S.
7
f.
)
.
4.
3
D
er detaillierten
Anamnese im Bericht
der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 2
0.
Dezember 2013
zuhan
den der Beschwerdegegnerin
ist zu entnehmen,
dass
der Beschwerdeführer
be
ric
htet habe
, seit der Kindheit unter im sozialen Kontext auftretenden Ängsten mit assoziierten Sprechstörungen zu leiden. Im 1
6.
Lebensjahr sei es zu einer ersten depressiven Episode gekommen. In den
Jahren 1977 und 1987 habe er jeweils während ca. sechs Monate
n
wegen der sozialen Phobie eine ambulante Psychotherapie besucht. Von 1994 bis 1995 habe er sich wegen der rezidivie
renden depressiven Störung sowie der sozialen Phobie wieder in psychiatrische Behandlung begeben. Schliesslich sei er aufgrund derselben Beschwerden von 1999 bis 2012 von
Dr.
D._
psychiatrisch behandelt worden und stehe seither bei
Dr.
C._
in Behandlung (
Urk.
6/30 S. 2).
Eigenanamnestisch sowie fremdanamnestisch (Ehefrau, Arbeitgeber,
Dr.
C._
) habe sich wider
spruchsfrei und kongruent in Erfahrung bringen lassen, dass der Beschwerde
führer sei
t
dem Jugendalter an einer im Verlauf der letzten Jahre zunehmend massiv ausgeprägten sozialen Phobie mit ausgeprägter Furcht im Zentrum der Aufmerksamkeit sowie einem sehr differenzierten Vermeidungsverhalten leide. Die Tatsache, dass
er
seit seiner Aufnahme der Arbeit als Redaktor vor
30 Jah
ren mit einem
P
ensum von
nur
60
% arbeite, sei als Folge der
k
r
ankheitsbe
dingten
Minderung der Leistungsfähigkeit und nicht als frei gewählte Entschei
dung zu wer
t
en. In den letzten 13 Jahren sei
er
nur noch mit Einnahme von
Temesta
in der Lage gewesen, seinem Beruf nachzugehen.
Durch das
Vermei
dungsverhalten
sowie die Anspannung in nicht zu vermeidenden Situationen sei es vor allem in de
n
letzten drei Jahren zu schweren Folgen im beruflichen Umfeld (massive Leistungsminderung, häufige Fehlzeiten) und in der partner
schaftlichen bzw. familiären Interaktion sowie einem allgemeinen
Rückzugs
verhalten
mit erheblicher Verringerung der Lebensqualität gekommen (
Urk.
6/30 S. 4)
.
Der aktuelle Suizidversuch sei, wie der Suizidversuch 2012, auf dem Boden einer klar mit der sozialen Phobie in Zusammenhang stehenden, seit ca. drei Monaten zu verzeichnenden schweren depressiven Symptomatik erfolgt.
Als psychosozialer Hintergrund der aktuellen Exazerbation seien Änderungen des beruflichen Umfeldes mit vermehrter Notwendigkeit zur Teilnahme an Teambesprechungen sowie eine zunehmende Erschöpfung des familiären Umfeldes zu eruieren (
Urk.
6/30 S. 5).
Der
Austrittsbericht
der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 3
0.
Dezember 2013 ist im Wesentlichen eine Wiederholung des ersten Berichts (
Urk.
6/42).
Dem undatierten
„
vorläufigen
“
Austrittsbericht ist nicht
s
Relevantes
zu entnehmen (
Urk.
6/8 S. 5 f.)
4.4
Im Austrittsbericht des Sanatoriums
A._
vom 1
6.
Juli 2012 zuhanden des ambulanten Behandlers wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 2
0.
Lebensjahr in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Zur
Erst
konsultation
sei es damals aufgrund einer Sprechproblematik gekommen. Er habe vor der zweiten Gymnasialprüfung zu stottern begonnen. Seither habe sich diese Symptomatik verschlimmert. Seit 13 Jahren leide
er
unter depressiven
Episoden und sei bei
Dr.
D._
in Behandlung
. Seit vier Monaten habe die depressive Symptomatik zugenommen, vier Wochen vor dem Klinikeintritt habe er nicht mehr aus dem Bett aufstehen können
(
Urk.
6/20 S.
4 f.
).
Im
Bericht
vom 1
8.
Oktober 2012 an die Beschwerdegegnerin
wies das Sana
torium
A._
zusätzlich darauf hin, dass
sie
den Beschwerdeführer s
eit
dem 2
4.
April 2012
behand
e
ln würden
, d
och sei es wahrscheinlich, dass schon zuvor deutliche Einschränkungen bestanden hätten
(
Urk.
6/14 S.
7
).
4.5
Schliesslich führte der
aktuell
behandelnde
Dr.
C._
in seine
m
Bericht vom 2
2.
November 2012 aus, der Beschwerdeführer habe angegeben, schon als Kind depressiv gewesen zu sein und gestottert zu haben.
Erstmals sei dies bei der Zulassungsprüfung für
da
s Gymnasium passiert.
Vor zwei Jahren sei er am Telefon bei Buchstaben L hängen geblieben, seither vermeide
er Telefonate nach Möglichkeit
(
Urk.
6/15 S. 2)
.
Nichts
Neues
bezüglich der früheren Beschwerden ergibt sich aus
seinen
Berich
ten
vom 2
8.
November 2012
zuhanden der Krankenkasse
(
Urk.
6/20 S.
9 f.
)
und
5.
Februar 2014
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/39)
.
4.6
Im Rahmen der Würdigung der dargelegten Berichte ist vorab auf die Erfahrungs
tatsache hinzuweisen, dass behandelnde
A
rztpersonen bzw.
Thera
piekräfte
mitunter
aufgrund ihrer
auftragsrechtliche
n
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Den vorliegenden Berichten lassen sich alsdann keine objektivierten Angaben zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bei Beginn der zuletzt ausgeübten Teilzeiterwerbstätigkeit (ab Februar 1984) entnehmen. Ebenso wenig enthalten die Berichte irgendwelche Hinweise auf bereits damals erhobene Befunde, kon
kret gestellte Diagnosen oder behandelnde Ärzte bzw. Institutionen. Die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese in den Berichten rückblickend für die letzten 30 Jahre erfolgte, beruhte jeweils einzig auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers. Echtzeitliche Dokumente existieren soweit ersichtlich keine. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass die Aufbewahrungspflicht für medizinische Unterlagen durch Ärzte und Institutionen in der Regel zehn Jahre beträgt (vgl. im Kanton Zürich:
§
18 des
Patientinnen- und Patientengesetz
es
vom
5.
April 2004 und § 13 des Gesundheitsgesetzes vom
2.
April 2007). Zwar
wird der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess vom
Untersuchungs
grundsatz
(
Art.
61
lit
. c. ATSG) beherrscht, dennoch trifft die Parteien insofern eine Beweislast, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte
(vgl. z
um Ganzen BGE 117 V 261 E. 3b).
Für den
rentenbegrün
denden
Sachverhalt und damit
eine verminderte Arbeitsfähigkeit als Grund für die Reduktion des Arbeitspensums i
st der Beschwerdeführer beweisbelastet
. Er trägt somit auch die Folgen, kann dieser Nachweis nicht erbracht werden.
Darüber hi
naus
lagen
am Anfang der psychischen Erkrankung
selbst
gemäss
Angaben des Beschwerdeführers
jeweils
mehrere Jahre zwischen den Therapien
(vgl. E. 4.3)
. Erst ab dem Jahr 1999 begab er sich
regelmässig
bei
Dr.
D._
in
psychiatrische Behandlung
. Mit anderen Worten entschied sich der Beschwer
deführer bereits 15 Jahre vor Beginn einer regelmässigen
Therapie
und
offenbar
sieben Jahre nach der letzten Behandlung (1977)
für ein
60%-Arbeitspensum. In diesem Sinne
ist auch
der Umstand
zu würdigen, dass
der Beschwerdeführer
in der IV-
Anmeldung vom 1
7.
Juni 2012
geltend machte,
die psychische Beein
trächtigung
bestehe
seit
(
mindestens
)
1999 (
Urk.
6/1 S. 4).
S
tationäre Aufent
halt
e
in psychiatrischen Klinik
en
erfolgte
n
schliesslich
erst in den Jahren 2012 und 201
3.
Den
Berichten
ist diesbezüglich
nicht nur
eine
langsame Zunahme der psychischen Beschwerden
im Laufe der Jahre, sondern auch
eine akute Verschlechterung innert weniger Monate bis
höchstens drei
Jahr
e
vor den
Sui
zidversuchen
zu entnehmen
. Dennoch arbeitete der Beschwerdeführer bis März 2012 mit dem bisherigen Teilzeitpensum weiter und
die
Ärzte
gingen
nach dem ersten Klinikaufenthalt
davon
aus
, er würde auch künftig wieder
60
%
als Redaktor arbeiten können
(
Urk.
6/8 S. 9,
Urk.
6/15 S. 2)
.
Klar im Sinn der Annahme der IV-Stelle äusserte sich der den Versicherten seit dem 2
5.
Juni 2
012 behandelnde
Dr.
C._
. Er versah in seinem
Bericht vom 2
2.
November 2012 seine Angaben gegenüber der IV-Stelle zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten Erwerbstätigkeit als Redaktor immer mit dem Zusatz „bezogen auf reguläres Pensum von 60
%
“ (
Urk.
6/15/2 unten und 3 oben). I
m gleichen Sinn
äusserte er sich
zudem
in der Rubrik „Prognose“ (
Urk.
8/15/2 Mitte).
Dies deutet darauf hin, dass
der Beschwer
deführer
seine
Arbeitsfähigkeit zuvor nicht voll aus
ges
chöpft
hatte.
Unterstützt wird diese Annahme durch den
Hin
wei
s von Dr.
C._
in seinem Bericht vom
5.
Februar 2014, wonach eine objektive Bestimmung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der ausgeprägten
Selbstli
mitierung
und des
chronifizierten
Vermei
dungs
verhaltens
schwierig sei
.
Diese Einschätzung ist plausibel
, ging der Beschwerdeführer damals doch
täglich ins Fitnesscenter,
joggte gelegentlich, hatte
seit der Krankschreibung
keine sozial
phobischen Ängste mehr
und
pflegte
zumindest zu früheren Schu
lkollegen und anderen Klinikinsassen
soziale
Kontakte
(
Urk.
6/39
S. 2 f.
).
5.
Zusammenfassend deutet somit
nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer
heute überwiegend wahrscheinlich zu 100
%
arbeiten würde, hätte er keine
seine Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden
psychischen Beschwerden. Umgekehrt
spre
chen viele Umstände für ein bewusst gewähltes Teilzeitpensum seit dem Jahre 1984: die
eigenen schriftlichen und mündlichen Aussagen, die
seit Jahr
zehnten und unabhängig von der Kindererziehung bestehende
Aufgabenteilung der
Ehegatten
,
eine
gewisse (versicherungsrechtlich unbeachtliche)
Selbstlimi
tie
rung
sowie der bisherige Krankheitsverlauf
(
regelmässige Behandlung
erst
seit 1999
,
akute Verschlechterung frühestens im Jahre 201
0
)
.
Demnach
sind
die Anwendung der gemischten Methode
und Festlegung des Erwerbsanteils auf 60
%
in
de
r angefochtenen Verfügung vom 2
6.
Februar 2015 nicht zu bean
standen.
6.
Der Beschwerdeführer machte
im Hauptantrag
ferner geltend, bei der
E
inkom
mensberechnung
sei von einem Invalideneinkommen von
Fr.
32‘155.70 für ein
60%-Arbeitspensum
auszugehen
.
Folgt man
seiner Argumentation
, s
o
führt d
ies
für den Erwerbsanteil
zu einem Invaliditätsgrad von 51
%
. U
nter Berücksichti
gung des nicht beanstandeten Invaliditätsgrades von 6
%
aus dem
Betätigungs
vergleich
gemäss Abklärungsbericht (
Urk.
6/27)
würde
gesamthaft
ein
Invalidi
tätsgrad
von 33
%
resultieren
. Selbst wenn
die Einwände des Beschwerdeführers
zu den Berechnungsgrundlagen des Invalideneinkommens
somit
berechtigt wären
,
hätte er
dennoch keinen Anspruch auf eine Rente.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.– bis
Fr.
1‘000.– festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.– anzusetzen. Die Kosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.