Decision ID: 38a1d55d-11d6-50d5-8ed7-3cf8865fbbaf
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Erbengemeinschaft des A._ sel.:
1. B._, verbeiständet durch C._, Amtsvormund,
2. D._, verbeiständet durch E._, Amtsvormund,
3. F._, verbeiständet durch E._, Amtsvormund,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Bialas, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 25. Juli 2001 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 8.199). Am 18. September 2002 wurde er in der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH interdisziplinär (internistisch, psychiatrisch und
rheumatologisch) begutachtet. Im Gutachten vom 4. November 2002 diagnostizierten
die Experten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits (ICD-10: M54.5). Die angestammte Tätigkeit als Bodenleger
könne dem Versicherten nicht mehr zugemutet werden. Für sämtliche körperlich leichte
leidensangepasste Tätigkeiten bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 8.204).
A.b Nachdem ein Umschulungsversuch zum Technischen Kaufmann (vgl. hierzu
Bericht des Berufsberaters vom 7. Oktober 2003, act. G 8.171) und später ein weiterer
Umschulungsversuch zum Hochbautechniker (act. G 8.159; Zwischenbericht des
Berufsberaters vom 16. Juli 2004, act. G 8.154) abgebrochen wurden, gab die IV-Stelle
am 30. August 2004 eine berufliche Abklärung des Versicherten in Auftrag (act.
G 8.150). Diese Abklärung fand vom 11. Oktober bis 3. Dezember 2004 in der BEFAS
Appisberg statt. Die Abklärungspersonen führten im Schlussbericht vom 22. Dezember
2004 aus, dass dem Versicherten leichte wechselbelastende Arbeiten im Umfang von
75% einer Tagesleistung zugemutet werden könnten. Der Versicherte wolle eine
"Umschulung" zum Gitarrenbauer absolvieren. Aufgrund seines Charakters und seiner
langjährigen Selbstständigkeit erscheine der Umschulungswunsch des Versicherten
sinnvoll und nachvollziehbar. Ob diese Umschulung sich später als finanziell rentabel
erweisen werde, müsse in die Verantwortung des Versicherten gelegt werden (act.
G 8.138).
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A.c Mit Verfügung vom 6. September 2005 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten
Kostengutsprache für eine Umschulung zum Gitarrenbauer ab 8. August 2005 bis
7. August 2007. Die Kostengutsprache erfolgte unter der Bedingung, dass bei der
Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs nach Abschluss der beruflichen
Massnahmen mindestens auf das Einkommen abgestellt werde, das der Versicherte
ohne berufliche Eingliederungsmassnahmen mit der Behinderung auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt erzielen könnte. Auf ein allfälliges tieferes Einkommen als
Gitarrenbauer werde nicht abgestellt (act. G 8.95).
A.d Am 3. Juli 2007 fand in der ABI eine Verlaufsbegutachtung des Versicherten statt.
Die Experten kamen im Verlaufsgutachten vom 31. August 2007 zum Schluss, dass
eine leichte Progredienz der objektivierbaren Befunde und der Schmerzausweitung auf
den zervikalen Bereich zu einer Herabsetzung der Belastungslimite führe und zudem
das zumutbare Arbeitspensum durch den leicht erhöhten Pausenbedarf um 10%
reduziert werde. Für die Tätigkeit als Gitarrenbauer sowie für andere körperlich leichte
leidensangepasste Tätigkeiten bestehe eine 90%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 8.78).
A.e In der Verfügung vom 30. November 2007 erklärte die IV-Stelle die berufliche
Massnahmen für erfolgreich abgeschlossen. Dem Versicherten sei sowohl die Tätigkeit
als Gitarrenbauer als auch jede andere körperlich leichte Arbeit zu 90% zumutbar (act.
G 8.66).
A.f Im Vorbescheid vom 25. Januar 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht einen Rentenanspruch zu verneinen. Zur Bestimmung des
Invalideneinkommens zog sie den LSE-Tabellenlohn, privater Sektor, Berufs- und
Fachkenntnisse vorausgesetzt, bei und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 28% (act.
G 8.54). Dagegen erhob der Versicherte am 25. Februar 2008 Einwand. Darin
beantragte er die Ausrichtung einer halben Rente und rügte die von den ABI-Experten
bescheinigte 90%ige Restarbeitsfähigkeit (act. G 8.49). In der ergänzenden Eingabe
vom 17. März 2008 machte er geltend, dass bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens von Hilfsarbeiterlöhnen auszugehen sei (act. G 8.47).
A.g Am 17. April 2008 verfügte die IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids vom 25. Januar
2008 und wies einen Rentenanspruch ab (act. G 8.45).
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A.h Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 21. Mai 2008 Beschwerde. Er
beantragte die Ausrichtung einer halben Rente. Die Begründung entsprach derjenigen
des Vorbescheidverfahrens (act. G 8.39).
A.i Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hob die angefochtene
Verfügung mit Entscheid vom 23. Dezember 2009, IV 2008/236, in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde auf und wies die Sache zur Abklärung eines erzielbaren
Einkommens als
Gitarrenbauer an die IV-Stelle zurück. Solange nicht geklärt sei, welches Einkommen
der Versicherte mit der Ausbildung als Gitarrenbauer in einer Region erzielen könne, die
solche Arbeitsplätze auch bereithalte, könne ihm nicht ein Tabellenlohn als
Invalideneinkommen entgegengehalten werden (E. 4.2 am Schluss, act. G 8.25).
A.j Daraufhin fragte die IV-Stelle beim ehemaligen Ausbildner des Versicherten nach,
welches Einkommen er aus der selbstständigen Tätigkeit als Gitarrenbauer erziele
(Schreiben vom 11. Februar 2010, act. G 8.21). Dieser gab am 22. März 2010 an, dass
er bei einem 30%igen Arbeitspensum als Gitarrenbauer in den letzten 10 Jahren ein
monatliches Einkommen von Fr. 1'100.-- erzielt habe. Dieser Verdienst sei nur möglich,
wenn man schon einen grösseren Kundenkreis habe (act. G 8.21).
A.k Mit Vorbescheid vom 14. Mai 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten erneut in
Aussicht, einen Rentenanspruch abzuweisen. Sie hielt daran fest, dass zur
Bestimmung des Invalideneinkommens vom Tabellenlohn Total, privater Sektor, mit
Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) auszugehen sei
(act. G 8.18). Dagegen erhob der Versicherte am 21. Juni 2010 Einwand. Er brachte
unter Hinweis auf das Urteil des Versicherungsgerichts vom 23. Dezember 2009 vor,
dass das Einkommen als Gitarrenbauer als Invalideneinkommen heranzuziehen sei, das
in einer Region erzielt werden könnte, die solche Arbeitsplätze auch bereit halte (act.
G 8.15).
A.l Am 22. Juni 2010 verfügte die IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids vom 14. Mai
2010 und wies einen Rentenanspruch ab (act. G 8.16).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 25. August
2010. Der Versicherte beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren
Aufhebung und die Zusprache einer mindestens halben Rente. Zur Begründung führt er
aus, dass er verschiedene Umschulungsaktivitäten habe abbrechen müssen und die
Umschulung zum Gitarrenbauer die letzte Möglichkeit gewesen sei, wieder in der
Arbeitswelt Fuss zu fassen. Deshalb sei auf die bei einem Gitarrenbauer eingeholte
Verdienstangabe bei der Bemessung des Invalideneinkommens abzustellen. Ferner sei
ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 15% gerechtfertigt (act. G 1).
B.b Am 8. September 2010 orientiert die Rechtsvertreterin des Versicherten die IV-
Stelle, dass dieser an einer sehr schweren Krebserkrankung leide. Mit einer
Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit sei nicht zu rechnen (act. G 8.10). Mit Schreiben
vom 4. Oktober 2010 berichtet die Rechtsvertreterin, dass der Versicherte am
15. September 2010 verstorben sei (act. G 3).
B.c Die Ehegattin und die beiden Kinder des Verstorbenen teilen dem
Versicherungsgericht am 14. Januar 2011 mit, dass sie als Erben in den hängigen
Prozess eintreten (act. G 5).
B.d Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. Februar
2011 die Abweisung der Beschwerde. Auf die Verdienstangaben des ehemaligen
Ausbildners könne bei der Bestimmung des Invalideneinkommens nicht abgestellt
werden, denn das gestützt darauf hochgerechnete Jahreseinkommen von Fr. 44'000.--
liege deutlich unter dem statistischen Durchschnittslohn eines Hilfsarbeiters. Bei diesen
Gegebenheiten müsse unter dem Gesichtspunkt der Schadenminderungspflicht das
Invalideneinkommen anhand der Tabellenlöhne der LSE bestimmt werden. Mit Blick auf
die vielseitige praktische Arbeitserfahrung des Verstorbenen könne er auch ohne
spezifische Berufsausbildung qualifizierte Tätigkeiten ausüben. Deshalb sei das Total
der Tabelle TA1 mit Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt)
abzustellen. Es bestünden keine Gründe, die einen Abzug vom Tabellenlohn
rechtfertigen würden. Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 25%. Selbst beim
Abstellen auf das Anforderungsniveau 4 resultierte ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 36% (act. G 8).
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B.e In der Replik vom 28. März 2011 halten die Beschwerdeführer unverändert an den
gestellten Anträgen fest. Ergänzend weisen sie darauf hin, dass die behandelnden
Ärzte auch in adaptierter Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hätten
(act. G 13).
B.f Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 15).

Erwägungen:
1.
Umstritten und zu prüfen ist der Rentenanspruch von A._ sel.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
22. Juni 2010 ergangen (act. G 8.16), wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor
dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat (zum Abschluss der beruflichen Massnahmen vgl. Verfügung vom 30.
November 2007, act. G 8.66). Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine
Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007
auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen
Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
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der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Renten
anspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.
Was die medizinische Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit anbelangt, so kann auf die
Erwägungen des Entscheids vom 23. Dezember 2009, IV 2008/236, verwiesen werden.
Darin wurde festgestellt, dass die im Verlaufsgutachten der ABI vom 31. August 2007
bescheinigte 90%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten beweiskräftig
sei (E. 3.1 f., act. G 8.25-8 f.). An dieser Sichtweise ändert auch das Vorbringen der
Beschwerdeführer nichts, dass die behandelnden Ärzte lediglich von einer 50%igen
Restarbeitsfähigkeit ausgegangen seien (act. G 13), handelt es sich doch hierbei
lediglich um eine andere Einschätzung desselben medizinischen Sachverhalts.
3.
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Zwischen den Parteien unbestritten ist die Höhe des vom Versicherungsgericht im
Entscheid vom 23. Dezember 2009, IV 2008/236, bestätigten Valideneinkommens für
das Jahr 2007 von Fr. 85'030.-- (E. 4.1, act. G 8.25-10), weshalb sich Weiterungen
hierzu erübrigen. Umstritten und zu prüfen bleibt lediglich noch die Ermittlung des
Invalideneinkommens.
3.1 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht oder
stand. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich
weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder
jedenfalls keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf
Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person (nach zumutbarer
Behandlung und allfälliger Eingliederung) angesichts ihrer Ausbildung und ihrer
physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss
werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch
herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 475
E. 4.2.1 mit Hinweisen).
3.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer ergibt sich aus dem Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 23. Dezember 2009, IV 2008/236, nicht, dass
unabhängig des Ergebnisses der angeordneten Abklärungen betreffend Verdienst eines
Gitarrenbauers auf jeden Fall der Verdienst eines Gitarrenbauers zur Bestimmung des
Invalideneinkommens heranzuziehen bzw. auf jeden Fall die Anwendung von
Tabellenlöhnen ausgeschlossen wäre (vgl. E. 4.2, act. G 8.25-11). Vielmehr sollte
zunächst der mögliche Verdienst des Gitarrenbauers abgeklärt werden, um überhaupt
entscheiden zu können, ob dieses Einkommen oder - etwa im Rahmen der
Schadenminderungspflicht - Tabellenlöhne für die Bestimmung des
Invalideneinkommens heranzuziehen sind. Insbesondere war auch nicht
ausgeschlossen, dass sich ein im Vergleich zu den tabellarischen Durchschnittslöhnen
höheres Einkommen hätte aus der Tätigkeit als Gitarrenbauer erzielen lassen.
3.3 Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin haben ergeben, dass der monatliche
Verdienst eines selbstständigen Gitarrenbauers hochgerechnet auf ein 100%-Pensum
Fr. 3'667.-- entspricht (bei 30% Arbeitspensum monatlich Fr. 1'100.--, act. G 8.21).
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Dieses Einkommen erweist sich selbst mit Blick auf den monatlichen Durchschnittslohn
der Tabelle TA1, Total, Anforderungsniveau 4, Männer, 2006, von Fr. 4'732.--
(ausgehend von einer lediglich 40-stündigen Arbeitswoche) als weit
unterdurchschnittlich und es fragt sich, ob mit Blick auf die Schadenminderungspflicht
eine andere Grundlage für die Bestimmung des Invalideneinkommens heranzuziehen
ist.
3.3.1 In Nachachtung der den versicherten Personen obliegenden
Schadenminderungspflicht sind diese gehalten, alles ihnen Zumutbare zu
unternehmen, um die erwerblichen Folgen ihres Gesundheitsschadens bestmöglich zu
mindern, denn die Sozialversicherung soll nicht Schäden ausgleichen müssen, welche
die versicherten Personen durch zumutbare geeignete Vorkehren selbst beheben oder
vermindern können. Die Frage, ob und gegebenenfalls welche berufliche
Neueingliederung von einer versicherten Person im Rahmen der
Schadenminderungspflicht verlangt werden kann, beantwortet sich nach dem
Grundsatz der Zumutbarkeit (Thomas Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. 2003, § 4 Rz 26 ff.). Eine berufliche Umstellung kann
von einer versicherten Person verlangt werden, wenn sie ihr unter Berücksichtigung der
gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalls zumutbar ist.
3.3.2 Der Verstorbene hatte gerade erst eine berufliche Umschulung als
Gitarrenbauer absolviert, was zu seinen Gunsten zu berücksichtigen ist. Allerdings ist
zu beachten, dass er diese Tätigkeit nach Umschulungsabschluss nicht ausgeübt hat.
Des Weiteren hätte eine weitere berufliche Umstellung zu keiner Veränderung der
sozialen Stellung geführt, sondern vielmehr die quantitativen Verdienstmöglichkeiten
erheblich verbessert. Auch die Art und Dauer der beanspruchten
Versicherungsleistungen (vorliegend Rente) fallen ins Gewicht. Denn die Anforderungen
an die Schadenminderungspflicht sind zulässigerweise dort strenger, wo eine erhöhte
Inanspruchnahme der Sozialversicherung in Frage steht, was bei den vorliegend
beantragten Rentenleistungen zu bejahen ist. Hinzu kommt, dass dem Verstorbenen im
Bereich leichter körperlicher Tätigkeiten noch ein weites Spektrum möglicher
Tätigkeiten offen gestanden hätte (act. G 8.78-19; vgl. auch noch zur Vielzahl möglicher
Berufsfelder BEFAS-Schlussbericht 22. Dezember 2004, act. G 8.138-9 f.). Denn er war
durch die Umschulung in der Lage, das Erlernte in der Holzbearbeitung "gut in den
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Berufen Geigenbau, Feinschreiner, Möbelschreiner, Modellbauer usw." anzuwenden
(vgl. die Stellungnahme des Ausbildners vom 12. August 2005, act. G 8.101), und der
Beruf als Gitarrenbauer ist keineswegs die letzte Möglichkeit gewesen, in der
Arbeitswelt Fuss zu fassen (zum entsprechenden Vorbringen vgl. act. G 1). Vielmehr
war der Verstorbene "fest entschlossen, Richtung Gitarrenbau zu gehen" (act.
G 8.138-5) und reagierte auf die kritische Haltung der Beschwerdegegnerin "sehr
entmutigt" und habe gewünscht den "ganzen Bettel" hinzuschmeissen (act. G 8.138-4).
Dass die Beschwerdegegnerin der diesbezüglich unnachgiebigen Haltung des
Verstorbenen trotz aller Bedenken entgegenkam, hat indessen keinen Einfluss auf die
Schadenminderungspflicht, zumal der Verstorbene mehrmals und mit aller
erdenklichen Klarheit auf die Folgen dieser Umschulung für die inskünftige Bestimmung
des Invalideneinkommens hingewiesen wurde (vgl. zu diesen Abmahnungen Mitteilung
vom 22. März 2005, act. G 8.126, Verfügung vom 21. April 2005, act. G 8.123, und vom
6. September 2005, act. G 8.95). Insgesamt ist daher auch nach der Umschulung zum
Gitarrenbauer die Zumutbarkeit einer im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu
fordernden beruflichen Umstellung zu bejahen.
3.3.3 Zu beantworten bleibt noch die Frage des anwendbaren Tabellenlohns. Der
Verstorbene schloss eine Lehre als Bodenleger ab und war jahrelang in diesem
Bereich, u.a. auch selbstständig, tätig (act. G 8.138-3). Er verfügte bereits vor der
Umschulung über gute handwerkliche Fähigkeiten (act. G 8.138-7). Des Weiteren
verfügte er über gute administrative und buchhalterische Kenntnisse, die er etwa im
Rahmen von Kundenrechnungen oder Materialbestellungen hätte umsetzen können
(act. G 8.138-10). Im Rahmen seiner Ausbildung zum Gitarrenbauer erlernte der
Verstorbene etwa allgemeine Holzarbeiten, Zargen und Verzierungen biegen,
Werkzeuge schleifen, Reparaturen und Servicearbeiten auch an anderen
Zupfinstrumenten, Grundierungen sowie selbstständiges Herstellen von Lacken (vgl.
zum Ausbildungsplan act. G 8.102). Der Ausbildner hielt des Weiteren fest, dass der
Verstorbene das Erlernte in der Holzbearbeitung auch gut in den Berufen Geigenbau,
Feinschreiner, Möbelschreiner, Modellbauer "usw." anwenden könne (act. G 8.101).
Um dem zumutbaren Resterwerbspotenzial gerecht zu werden, erscheint nach dem
Gesagten das Abstellen auf den Tätigkeitsbereich "Be- u. Verarbeitung v. Holz" der
Tabelle TA1 oder "Restaurieren, Kunsthandwerk" der Tabelle TA7 (zur Zulässigkeit der
Anwendung der Löhne der Tabelle TA7 vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. August
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2008, 9C_22/2008, E. 4.2.3) je Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse
vorausgesetzt) angemessen. Dies gilt umso mehr, als der Verstorbene auch sein als
Bodenleger erworbenes Wissen in einer Holzwerkstatt hätte einsetzen können (act.
G 8.138-7). Letztlich kann die Frage aber offen gelassen, welcher dieser beiden
Tabellenlöhne sachgerecht ist. Denn selbst wenn zugunsten des Beschwerdeführers
auf die gesamtschweizerischen Löhne des Jahres 2006 der Tabelle TA7,
Tätigkeitsgebiet "Restaurieren, Kunsthandwerk" abgestellt würde, resultierte kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad.
3.3.4 Der bei einer 40-stündigen Arbeitswoche resultierende Monatslohn für
"Restaurieren, Kunsthandwerk", TA7, 2006, Anforderungsniveau 3, Männer, beträgt
Fr. 5'187.--. Angepasst an die im Sektor II betriebsübliche wöchentliche
durchschnittliche Arbeitszeit von 41,4 Stunden ergibt sich ein Monatslohn von
Fr. 5'369.-- ([Fr. 5'187.-- / 40] x 41,4) bzw. ein Jahreslohn von Fr. 64'428.-- (Fr. 5'369.--
x 12). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von + 1.6% resultiert für
das Jahr 2007 ein Einkommen von Fr. 65'459.-- (Fr. 64'428.-- x 1.016). Vorliegend
bestehen aufgrund des fortgeschrittenen Alters des Verstorbenen im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung und dem Wechsel von einer schweren in eine leichte
Tätigkeit sowie der nur noch vorhandenen Teilleistungsfähigkeit zwar Gründe für einen
Abzug vom Tabellenlohn. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass beim Verstorbenen
aufgrund seines beruflichen Werdegangs und der lediglich um 10% reduzierten
Leistungsfähigkeit nur geringfügige nachteilige Auswirkungen bestehen, weshalb ein
Abzug von höchstens 10% angemessen erscheint. Unter Einbezug eines 10%igen
Tabellenlohnabzugs und einer 90%igen Restarbeitsfähigkeit resultiert ein
Invalideneinkommen von Fr. 53'022.-- (Fr. 65'459.-- x 0.9 x 0.9), eine Erwerbseinbusse
von Fr. 32'008.-- (Fr. 85'030.-- - Fr. 53'022.--) und ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von aufgerundet 38% ([Fr. 32'008.-- / Fr. 85'030.--] x 100).
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
bis
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Angelegenheit angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich den Beschwerdeführern aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihnen daran anzurechnen. Ausgangsgemäss haben die
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP