Decision ID: 1ddf6e59-df8a-494e-8f94-c1a94ef70955
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1968 geborene
X._
, welche seit
dem
4. Januar 2012 in einem Pensum von etwa 15 Stunden pro Woche als Raumpflegerin für die
Y._
arbeitete (Urk. 7/18), meldete sich am 15.
September 2017 (Urk. 7/13) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle liess daraufhin einen Auszug aus dem Indi
vi
duellen Konto (IK-Auszug, Urk. 7/15) erstellen und führte mit
X._
ein Standortgespräch durch (Urk. 7/16). In der Folge holte die IV-Stelle einen Arbeitgeberbericht (Urk. 7/18) sowie
diverse Arztberichte
(Urk.
7/19,
Urk. 7/27, Urk. 7/32,
Urk. 7/33
)
ein. Mit Vorbescheid vom 27. Juli 2018
(Urk. 7/35)
stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Anspruch
von
X._
auf Leistungen der Invalidenversicherung zu verneinen. Dagegen liess
X._
Einwand erheben (Urk. 7/41). In der Folge gab
die IV-Stelle bei Dr. med. Z._
,
Facharzt FMH für Innere Medizin und
für
Rheumaerkrankungen,
und Dr. med. A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein
bidisziplin
äres
Gutachten in Auftrag (Urk.
7/45),
welches am
8
.
/9.
A
pril 2019 erstattet wurde (Urk.
7/59). Mit Eingabe vom 5. April 2019 (Urk. 7/60) reichte
X._
je einen
Bericht von PD Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Radiologie,
(Ur
k. 7/61/1) und von Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Rheumatologie,
(Urk. 7/61/2) ein. Nachdem die IV-Stelle am 16. Mai 2019 bei
X._
eine Haushaltsabklärung durchgeführt hatte (
Abklärungsbericht vom 3. Juni 2019,
U
r
k. 7/63)
,
stellte sie mit Vorbescheid vom 11. Juli 2019 erneut die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/66). Dagegen erhob
X._
erneut Einwand (Urk. 7/71). Mit Verfügung vom 24. Oktober 2019 ver
neinte die IV-Stelle einen Anspruch von
X._
auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.
Mit Eingabe vom 25. November 2019 (Urk. 1) liess
X._
Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihr eine
Viertelsrente
zuzusprechen. In pro
zes
sualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 16. Januar 20
20
(Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. In der Folge hielt die Beschwerdeführerin mit Replik vom 12. Februar 2020 (Urk. 9)
an ihren Anträgen fest. Die Be
schwer
degegnerin verzichtete auf das Erstatten einer Duplik (Urk. 11), was der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom 17. März 2020 angezeigt wurde (Urk. 12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 24. Oktober 2019
(Urk. 2)
davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig und zu 20 % im Aufgabenbereich tätig wäre. Im Aufgabenbereich erachtete
sie
die Beschwerdeführerin als zu 20,25 % eingeschränkt. Für den Erwerbsbereich ging
die Beschwerdegegnerin
sowohl in der angestammten als auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus. Für die Berechnung des
V
a
lideneinkommens
stüt
z
t
e sich die B
e
schwerde
gegnerin
auf das von der Beschwerdeführerin bei der
Y._
erzielte Einkommen. Das Invalideneinkommen berechnete
sie
anhand des
Medianlohn
s
von Frauen, welche einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art ausüben. Sie stützte sich dabei
auf
die Tabelle
TA1_tirage_skill_level
(vgl. Urk.
7/64)
. Eine Parallelisierung lehnte die Beschwerdegegnerin ab, da das von der Beschwerdeführerin zuletzt erzielte Einkommen nur um 1,49 % vom Median
lohn
gemäss
Tabelle
TA1_tirage_skill_level
, Ziffern 77, 79-82 (sonstige wirt
schaftliche Dienstleistungen)
, abweiche
.
Mit Besch
werdeantwort vom 16. Januar 2020
(Urk. 6) erklärte die Beschwer
de
gegnerin
unter anderem
,
insbesondere im Hinblick auf den mangelnden Schwere
grad der gesundheitlichen Einschränkungen, den sekundären Krankheitsgewinn, verschiedene Inkonsistenz
en
und psychosoziale Belastungsfaktoren sei eine rele
vante Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht mit dem erforder
lichen Mass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen im Wesentlichen
vor (Urk. 1, Urk. 9), der
psychiatrische
Gutachter Dr.
A._
habe seine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung in nachvollziehbarer und schlüssiger Weise hergeleitet. Er habe seine Beurteilung im Rahmen der normativen rechtlichen Vorgaben vorgenommen. Das Gutachten sei damit beweiskräftig und die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung halte auch vor einer Prüfung der Standardindikatoren durch den Rechtsanwender Stand. Es sei somit von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
B
ei dem von der Beschwerdegegnerin
für die Berechnung einer allfälligen Paral
lelisierung
berücksichtigten Lohn
s
gemäss
Tabelle
TA1_tirage_skill_level
, Ziff
ern
77, 79-82, handle es sich nicht um den branchenspezifischen Tabellen
lohn
für die Reinigungsbranche
.
Dieser
ergebe sich vielmehr aus
der Tabelle
T
17, Ziffer
19, Reinigungspersonal und Hilfskräfte, Total Frauen,
gestützt auf welchen
ein Jah
reseinkommen von Fr. 55'132.32 resultiere
. Bei einem Vergleich mit dem
Valideneinkommen
von Fr. 46'569.31 ergebe sich eine Abweichung von 15,53 %. Es sei daher eine Parallelisierung vor
zunehmen,
woraus
sich
ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
ergebe
.
Es werde zudem ein angemessener leidensbedingter Ab
zug vom Invalideneinkommen von mindestens 15 % beantragt.
Darüber hinaus
sei das
V
a
lideneinkommen
nicht gestützt auf die von ihr zuletzt ausgeübte Tätig
keit als Raumpflegerin, sondern
gestützt auf die Tätigkeit als
Kinderbetreuerin zu berechnen.
3
.
3.1
Im Gutachten
der
Dres
.
A._
und
Z._
vom 8.
/9.
April 2019 (Urk. 7/59
) werden die bis zur Begutachtung der Beschwerdeführerin aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk.
7/59
/
3 und Urk. 7/59/21
ff.), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden.
3.2
Die
Dres
.
A._
und
Z._
nannten in ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung vom
8
.
/9.
April 2019 (Urk. 7/59/67—76) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/59/72)
:
-
g
eneralisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), bestehend seit der Kindheit, akzentuiert seit 2017
-
a
nhaltende soma
t
oforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), bestehend seit 2017
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gut
achter (Urk. 7/59/72-73):
-
c
hronisches, sich generalisierendes Schmerzsyndrom
-
n
icht ausreichend somatisch abstützbar
-
k
rankheitsfremde Faktoren
-
p
rimäres Fibromyalgie-Syndrom
-
b
etont im Bereich der oberen im Vergleich zur unteren Körperhälfte
-
b
etont im Bereich der linken im Vergleich zur rechten Körperhälfte
-
Panalgie
-
d
iffuse Druckschmerzangabe
-
Polyarthralgien axia
l
er und peripherer Gelenke
-
m
ultiple Beschwerden wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Nervosität, Ängste
-
d
iffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
-
Bewegungseinschränkungen der Brustwirbelsäule
-
Übergewicht mit BMI von 29,1 kg/m
2
Der
rheumatologische
Gutachter, Dr.
Z._
, habe keine Befunde respektive Diag
nosen mit einer funktionellen Einschränkung objektivieren können. Der
psychia
trische Gutachter, Dr.
A._
, habe im Mini-ICF-APP Rating mässige Defizite in den Bereichen Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexi
bilität und Umstellungsfähigkeit, Proaktivität und Spontanaktivitäten, Wider
stands- und Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit, Konversation und Kontaktfähigkeit zu Dritten und Gruppenfähigkeit
festgestellt
.
L
eicht ausgeprägte Defizite
habe er
in den Bereichen Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, Kompetenz- und Wissensanwendung, Fähigkeit zu engen dyadischen Beziehungen, sowie Mobilität und Verkehrsfähigkeit
erhoben (Urk. 7/59/73)
.
Hinsichtlich personaler Ressourcen erklärte Dr.
A._
(Urk. 7/59/73-74)
, eine Selbstwirksamkeitserwartung im Sinne von Überzeugung, einen wirksamen Ein
fluss auf ein Ereignis ausüben zu können und gewünschte Ergebnisse durch ent
sprechende Handlungen und Verhaltensweisen umzusetzen, sei bei der Beschwer
deführerin in etwas reduziertem Ausmass vorhanden. Die Kontrollüberzeugung im Sin
n
e einer Überzeugung, das eigene Schicksal beeinflussen respektive kon
trollieren zu können
,
sei bei der Beschwerdeführerin leicht eingeschränkt. Die Flexibilität im Sinne einer Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umstände sei bei der Beschwerdeführerin
reduziert. Eine Achtsamkeit im Sinne einer rezeptiven Aufmerksamkeit und Bewusstheit von momentanen Vorgängen und Erfahrungen sei bei der Beschwerdeführerin gegeben. Bei der Beschwerdeführerin bestehe zudem ein Gefühl von Hoffnung im Sinne einer zuversichtlichen inneren Aus
richtung. Die aktuellen Lebensumstände der Beschwerdeführerin ermöglichten
ihr
die Erfahrung des Geliebt- und
Akzeptiertwerdens
zu machen und
sie
erfahre dabei auch Geborgenheit.
Betreffend soziale und strukturelle Ressourcen erläuterte Dr.
A._
(Urk.
7/59/74)
, bei der Beschwerdeführerin bestünden positive soziale Bindungen.
Sie
sei in ihre
Beziehung zu ihrer Tochter und in die Beziehungen zu ihren Be
zugspersonen gut eingebettet und erlebe dort Wertschätzung sowie Unter
stüt
zung. Von den Bezugspersonen erfahre
sie
sowohl sehr viel
praktische
als auch emotionale Unterstützung. Die Beschwerdeführerin verfüge über eine langjährige berufliche Erfahrung. Sie werde durch die Umwelt in einem hohen
A
usmass gefördert.
Dem Gutachten ist
w
eiter
zu entnehmen, dass Dr.
A._
Inkonsistenz
en
auf
fielen
(Urk. 7/59/74)
. So habe die Beschwerdeführerin
mehrfach ihren linken Unterarm mit der rechten Hand gestützt. Dann wiederum könne sie die linke Hand im Rahmen einer ausladenden Gestik problemlos einsetzen, zum Beispiel beim Benutzen der Finger beim Zählen. Die Beschwerdeführerin berichte zudem, dass sie öfters zwei Stunden lang zum Schwimmen gehe. Sie bekunde ein Schmerz
niveau von 9,5 bis 10 ohne dass
jedoch
eine deutliche und auffallende schmerz
vermittelnde Mimik zu beobachten wäre.
Sie
berichte
zudem
von sehr schlechter Stimmung und Ängsten, könne aber immer wieder lächeln und lachen, gerade auch im Kontakt mit der Dolmetscherin.
Im Weiteren trage d
ie Beschwer
de
führerin einen Halskragen, könne aber trotz diese
s
weichen Halskragen
s
den Kopf mehrfach ohne erkennbare Probleme und ohne schmerzvermittelnde Mimik nach links oder rechts drehen. Die Beschwerdeführerin berichte
schliesslich
, dass sie nur einmal am Tag etwas esse, gleichzeitig schildere sie eine Gewichtszunahme. Dies erscheine aus physiologischer Sicht kaum nachvollziehbar. Die psychisch objektivierbaren Befunde und auch das Alltagsverhalten der Beschwerdeführer
in
relativierten die von ihr
geschilderten
Beschwerden und die von ihr abgeleiteten Einschränkungen der Fähigkeiten, zum Beispiel im Alltag. Die Beschwerde
füh
rerin erledige Haushaltsaufgaben wie Einkäufe, gehe spazieren, benutze die öffent
lichen Verkehrsmittel, treffe sich regelmässig mit einer Kollegin zum Kaffeetrinken und gehe immer wieder für zwei Stunden zum Schwimmen.
Die Gutachter attestier
t
en der Beschwerdeführerin aus interdisziplinärer Sicht sowohl für die angestammte
als
auch eine angepasste Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/59/74-75)
.
4.
Wie die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdean
twort vom 16. Januar 20
20
(Urk.
6) zutreffend geltend macht, stellte der psychiatrische Gutachter Dr.
A._
zwar keine Symptomausweitung oder Simulation fest
(Urk. 7/59/71)
, er wies jedoch auf verschiedene Inkonsistenzen hin (vgl. E. 3.2). Wie dargelegt
(E. 1.
2
)
ist der
verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz
beweisrechtlich entscheidend.
Das heisst, d
er Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit
ist nur dann erbracht
,
wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Ge
samtbild für eine Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) zeigt.
Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenan
spre
chenden Person auswirkt (
BGE 145 V E. 3.2.2
).
Die zahlreichen, teilweise offen
kundigen Widersprüche zwischen
den von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden
und dem von ihr selber umschriebenen
A
k
tivitätenniveau
lassen
nicht nur
die
von
ihr
geschilderten
Beschwerden, sondern auch die von
Dr.
A._
attestierte
n
Einschränkung
en
als fraglich erschei
nen. Die Inkonsi
stenzen lassen
jedoch auch nicht ohne Weiteres
den Schluss zu
, die Beschwer
deführerin sei in der Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist,
kann doch Beweis
losigkeit erst angenommen werden,
wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen
(BGE 138 V 218 E. 6). V
orliegend
erscheint es
plausibel,
dass
insbesondere
die Fachpersonen der
psychiatrischen Spitex,
durch welche die Beschwerdeführerin einmal pro Woch
e betreut wird (Urk. 7/59/37
, Urk. 7/63/1
),
zum Verhalten der Beschwerdeführerin in alltäglichen Situatio
nen
und somit auch zu den erhobenen Inkonsistenz
en
Auskunft geben
können
.
Nach dem Gesagten
kann
anhand des
Gutachten
s
der
Dres
.
Z._
und
A._
die
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht rechtgenügend festgestellt wer
den
. Da auch
gestützt auf die
übrigen aktenkundigen ärztlichen Berichte – ins
besondere auch die nach der Erstattung des Gutachtens bei der Beschwer
de
gegnerin eingegangenen Bericht
e
von PD Dr.
B._
(Urk. 7/61/1) und von Dr.
C._
(Urk. 7/61/2) –
sich die Leitungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
nicht schlüssig beurteilen lässt,
erweist sich
der rechtserhebliche Sachverhalt als ungenügend abgeklärt, weshalb weitere Abklärungen vorzunehmen sind.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Im Prozess um Zu
sprechung oder Verweigerung von Sozialversicherungsleistungen holt die Be
schwer
deinstanz in der Regel ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sach
verhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurück
zuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gut
achterlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4).
5.2
Vorliegend steht die Rechtsprechung gemäss BGE 137 V 210 einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin nicht entgegen, ändert
e
BGE 137 V 210
doch
nichts an der gesetzlichen Ordnung, wonach der Beweis über sozialversiche
rungs
recht
liche Ansprüche primär auf der Stufe des Administrativverfahrens (vgl. Art. 43 f. ATSG) und nicht im gerichtlichen Prozess geführt wird (vgl. BGE 137 V 210 E.
2.2.2 und 4.2). Wie das Bundesgericht festgestellt hat, litte die Rechtsstaat
lichkeit der Versicherungsdurchführung empfindlich und wäre von einem Sub
stanzverlust bedroht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit ohnehin in jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozialver
sicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesserung unterläge (BGE 137 V 210 E. 4.2).
Geht wie vorliegend die Verwaltung davon aus, dass
ein Gutachten den Anforderungen hinsichtlich nachvollziehbarer Begrün
dung nicht entspricht
(vgl. Urk. 6)
, hat
sie die
erforderlichen Massnahmen zur
rechtsgenüglichen
Beurteilung der medizinischen Leistungsfähigkeit
selber in die Wege zu leiten. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine Stellungnahme der psychiatrischen Spitex
beizieht
und hernach eine ergänzende Stellungnahme
der Gutachter
einholt
oder eine neue Begut
achtung in Auftrag gibt. Diese ergänzenden Abklärungen haben insbesondere auch darüber Auskunft zu geben, ab wann
gegebenenfalls eine Arbeitsun
fähig
keit besteht. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes
über die Invaliden
ver
siche
rung,
IVG
) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges
Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2),
weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Das von der Beschwerdeführerin gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozess
führung (Urk. 1) erweist sich damit als gegenstandslos.