Decision ID: 7020acd1-80b9-44f1-8697-4e1c87c1398b
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Corinne Willimann, c/o Gübeli & Brack,
Frankenstrasse 18, 6003 Luzern,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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berufliche Massnahmen und Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Februar 2007 zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung an (act. G 8.1). Gemäss ihrem Hausarzt Dr. med. B._, Allg.
Medizin FMH, bestand seit 15. Mai 2006 eine volle Arbeitsunfähigkeit (act. G 8.17/1).
Nach Operation vom 26. Oktober 2006 hielt Dr. med. C._, FMH Orthopädische
Chirurgie Wirbelsäule, Zentrum für Wirbelsäulenleiden, Spital Sanitas, im
Austrittsbericht vom 31. Oktober 2006 die Diagnose Status nach Dekompression sowie
Annulus fibrosus Evaporation L5/S1 zu beiden Seiten bei Idiopathischer Skoliose,
Foraminalstenose mit L5/S1 Reizung rechtsseitig und Status nach Cloward Robinson
vom 24. November 2003 (C5/C6) fest (act. G 8.21). Im Arztbericht vom 31. Mai 2007
beschrieb er nach wie vor Beschwerden im Bereich der LWS bei im MRI vom 10.
Januar 2007 nachgewiesenem Serom (act. G 8.18). Mit Stellungnahme vom 21.
September 2007 befand Dr. D._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst Ostschweiz (RAD),
dass der Gesundheitsschaden ausgewiesen sei und dieser Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit als Verkäuferin bei Denner durch verminderte
Wirbelsäulenbelastbarkeit in allen Positionen bewirke. Für leichte körperliche
Tätigkeiten sei die Versicherte in wechselnden Positionen mindestens 50%
arbeitsfähig. Eine Steigerung dieses Pensums im Rahmen einer ideal
leidensangepassten Tätigkeit oder Umschulung sei bis 100% möglich (act. G 8.27). Die
Eingliederungsberaterin schloss den Fall mit Schlussbericht vom 9. Oktober 2007 ab,
da sich die Versicherte subjektiv nicht arbeitsfähig fühle (act. G 8.31).
A.b Im Bericht vom 13. November 2007 hielt Dr. C._ fest, dass es aus seiner Sicht
gut sei, wenn die Versicherte einer Tätigkeit nachgehe. Er würde einen
Umschulungsantrag ebenfalls unterstützen, mindestens halbtags in adaptierter
Tätigkeit, da anderweitig eine Umschulung nicht finanziert werde (act. G 8.37). Der
Hausarzt Dr. B._ empfahl in einem bei der IV-Stelle am 30. November 2007
eingegangenen Schreiben die Zusprache einer 50%igen Invalidenrente (act. G 8.34).
Am 21. Januar 2008 führte die IV-Stelle eine Haushaltsabklärung durch, bei welcher
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sich eine Einschränkung von 7.13% im Haushaltbereich ergab, der auf 20% festgesetzt
wurde (act. G 8.40). Gestützt auf den Bericht von Dr. C._ vom 13. November 2007
und denjenigen des Hausarztes befand Dr. D._ den Gesundheitszustand mit
Stellungnahme vom 13. Februar 2008 als stabil und die Versicherte in sämtlichen
körperlich schweren Tätigkeiten (Lasten ≥ 15kg) für arbeitsunfähig. Die Arbeitsfähigkeit
betrage leidensadaptiert jedoch mindestens 50% und sei bis 100% steigerbar
(mindestens halbtags) für regelmässig leichte (bis 5kg), gelegentlich mittelschwere (bis
10kg) Tätigkeiten in Wechselbelastung (Fachspezialist). Sobald sich die versicherte
Person als arbeitsfähig erachte, seien aus medizinischer Sicht die
Anspruchsvoraussetzungen für berufliche Massnahmen erfüllt (act. G 8.39). Auf
Rückfrage der IV-Stelle erklärte Dr. D._, die Meinung des Fachspezialisten sei
nachvollziehbar und höher zu bewerten als diejenige des Hausarztes. Es sei von einer
leidensadaptierten Arbeitsfähigkeit von 80% auszugehen (act. G 8.41).
A.c Mit Vorbescheiden vom 13. und 14. März 2008 wies die IV-Stelle die Ansprüche der
Versicherten auf Invalidenrente und berufliche Massnahmen ab (act. G 8.42-47).
Dagegen erhob Rechtsanwältin lic. iur. C. Willimann, Luzern, im Namen der
Versicherten am 28. April 2008 Einwand (act. G 8.54). Zur Klärung der erhobenen
Einwände schlug der RAD am 24. Mai 2008 eine bidisziplinäre Begutachtung vor (act.
G 8.56).
A.d Am 11. und 12. August 2008 wurde die Versicherte im Rahmen dieser
Begutachtung im Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG (AEH)
untersucht und es wurde eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
durchgeführt (act. G 8.65). Am 20. August 2008 fand eine psychiatrische Begutachtung
durch Dr. med. E._, Psychiatrie/Psychotherapie FMH, Klinik Teufen, statt. Dr. E._
diagnostizierte eine leichte Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt
(ICD-10: F43.22), welche jedoch keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Daher
bestehe aus psychiatrischer Sicht für jegliche Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
(act. G 8.64). Aus interdisziplinärer Sicht hielt das Gutachten des AEH vom 21.
November 2008 schliesslich eine 75%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie
einer zumutbaren Tätigkeit und eine Einschränkung im Haushalt von 10% fest (act.
G 8.65). Der RAD-Arzt Dr. med. F._ hielt das Gutachten mit Stellungnahme vom 19.
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Dezember 2008 für schlüssig und nachvollziehbar, weshalb der Beurteilung gefolgt
werden könne (act. G 8.68).
A.e Zwischenzeitlich hielt sich die Versicherte vom 24. bis 25. November 2008 stationär
zur psychiatrischen Behandlung in der Klinik St. Pirminsberg, Pfäfers, auf. Gemäss
dem Klinikbericht vom 3. Dezember 2008 kam es zur Entwicklung einer depressiven
Symptomatik im Rahmen einer Lebenskrise (Ehescheidung, chronische
Rückenschmerzen, Arbeitslosigkeit; act. G 8.75). Gestützt darauf ging Dr. D._ von
einer vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustands aus, jedoch sei
keine länger dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten (act. G 8.76).
Gemäss Arztbericht vom 15. April 2009 von Dr. med. G._, Facharzt FMH für Ohren-
Nasen-Halskrankheiten, der die Versicherte auf Grund einer Ende März 2009
diagnostizierten Neuronitis vestibularis links untersuchte, fanden sich keine Hinweise
auf einen Ausfall eines der Vestibularorgane. Laut Dr. G._ hatten sich diese entweder
wieder komplett erholt oder es war differentialdiagnostisch von einem vertebragenen
Schwindel auszugehen (act. G 8.86 S. 18).
A.f Mit Verfügungen vom 20. April 2009 lehnte die IV-Stelle die Anträge der
Versicherten auf berufliche Massnahmen und Invalidenrente ab. Da sich die Versicherte
nicht arbeitsfähig fühle, sei die Durchführung beruflicher Massnahmen nicht möglich.
Zudem betrage der Invaliditätsgrad bei einem Erwerbsanteil von 80% und einem Anteil
als Hausfrau von 20% lediglich 1%, womit kein Rentenanspruch bestehe (act.
G 8.79-80).
B.
B.a Gegen diese Verfügungen richtet sich die von der Rechtsvertreterin für die
Versicherte eingereichte Beschwerde vom 26. Mai 2009 mit den Anträgen, die zwei
Verfügungen der IV-Stelle St. Gallen vom 20. April 2009 betreffend Invalidenrente und
berufliche Massnahmen seien aufzuheben, der Beschwerdeführerin seien die
gesetzlichen Leistungen zu gewähren und ihr sei ab 15. Mai 2007 mindestens eine
halbe Rente zuzüglich Kinderrenten zu bezahlen. Zudem seien zur vertieften Abklärung
des Gesundheitszustands und der Verschlechterung des Gesundheitszustands sowie
im Hinblick auf die ungünstige Prognose weitere Abklärungen durch die IV-Stelle zu
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treffen, namentlich sei die Beschwerdeführerin einer polydisziplinären spezialärztlichen
Begutachtung (mindestens aus orthopädisch-rheumatologischer, neurologischer und
psychiatrischer Sicht) unter Einschliessung einer Untersuchung des FBSS (Failed Back
Surgery Syndrom) und der Probleme an der HWS zu unterziehen. Im Umfang der
verwertbaren Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seien ihr
Eingliederungsmassnahmen (Integrationsmassnahmen, Massnahmen beruflicher Art
wie Umschulung, Berufsberatung und Arbeitsvermittlung) zu gewähren und es seien ihr
während dieser Massnahmen Taggelder nach Gesetz zu bezahlen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen und mit gerichtlichen Weisungen im Sinn der
Begründung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Schliesslich sei der Beschwerdeführerin
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung zu gewähren; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt die Rechtsvertreterin vor, dass das
rechtliche Gehör dadurch verletzt worden sei, dass ihr weder der
Begutachtungstermin, noch die vorgesehenen Fragen oder die mitwirkenden Personen
mitgeteilt worden seien, weshalb sie weder Ergänzungsfragen stellen noch die
Unabhängigkeit der Fachpersonen hätte prüfen können. Da mit Dr. med. H._,
Fachärztin Rheumatologie i.A., jedoch lediglich eine Fachärztin FMH in Ausbildung die
Beschwerdeführerin begutachtet habe, fehle es an der nötigen Fachkompetenz,
weshalb das Gutachten nicht verwertbar sei. Zudem sei das rechtliche Gehör auch
dadurch verletzt worden, dass nach Durchführung einer Begutachtung kein neuer
Vorbescheid ergangen und der Beschwerdeführerin die Möglichkeit zur Stellungnahme
vor der Verfügung durch die IV-Stelle somit nicht mehr erteilt worden sei. Nachdem bei
der Begutachtung das relevante MRI vom 10. Januar 2007 und dem begutachtenden
Psychiater die psychiatrischen Vorakten nicht vorgelegen hätten, sei das Gutachten
nicht verwertbar. Im Weiteren sei das Gutachten sowieso nicht nachvollziehbar, wenn
es von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf ausgehe, müsse doch
gemäss RAD auf schwere Tätigkeiten und anhaltendes Sitzen an der Kasse verzichtet
werden, was in der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin häufig vorkomme.
Schliesslich könne auch der Haushaltsabklärung kein Beweiswert beigemessen werden
und es sei nicht gerechtfertigt, den Anspruch auf berufliche Massnahmen abzulehnen
(act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 13. Juli 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Es treffe zwar zu, dass vor Erlass der angefochtenen
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Verfügung kein erneutes Anhörungsverfahren durchgeführt worden sei, jedoch seien
der Beschwerdeführerin die neuen Akten zugestellt worden und sie hätte Zeit gehabt,
dagegen zu opponieren. Unabhängig davon aber könne eine allfällige Verletzung des
rechtlichen Gehörs durch das Beschwerdeverfahren vor Gericht geheilt werden.
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin beruhe die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf einer umfassenden Untersuchung der geklagten
Gesundheitsproblematik und sei in sich schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf
abgestellt werden könne. Schliesslich seien die beiden Ablehnungen eines Anspruchs
auf Rente und auf berufliche Massnahmen ebenfalls nicht zu beanstanden (act. G 8).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 23. Juli 2009 wird der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Prozessführung bewilligt (act. G 9).
B.d Mit Replik vom 12. November 2009 hält die Beschwerdeführerin an den gestellten
Anträgen fest (act. G 16). Die Beschwerdegegnerin hat am 26. November 2009 den
Verzicht auf eine Duplik mitgeteilt (act. G 18).

Erwägungen:
1.
Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung
einer Streitsache auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier:
20. April 2009) eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). Die mit
der Replik 12. November 2009 eingereichten Arztberichte (act. G 16.1/15-19) betreffen
hingegen den gesundheitlichen Zustand der Beschwerdeführerin nach diesem
Zeitpunkt, weshalb im vorliegenden Verfahren nicht weiter auf sie abzustellen ist.
2.
2.1 Strittig und zu prüfen ist vorliegend der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen.
2.2 Die Beschwerdeführerin rügt vorab eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
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SR 831.20) sind Verfügungen der IV-Stellen in Abweichung von Art. 52 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) direkt beim Versicherungsgericht anfechtbar. Da das rechtliche Gehör also
nicht nachträglich im Rahmen des Einspracheverfahrens gewährt werden kann, sieht
Art. 57a Abs. 1 IVG vor, dass die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen
Endentscheid über das Leistungsbegehren mittels eines Vorbescheids mitzuteilen hat;
die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinn von Art. 42 ATSG.
2.3 Gegenstand eines Vorbescheids sind laut Art. 73 Abs. 1 der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) aber nur jene Fragen, die in den
Aufgabenbereich der IV-Stellen gemäss Art. 57 Abs. 1 lit. a bis d IVG fallen. Gemeint ist
damit die frühere, bis zur 5. IV-Revision geltende Fassung des Art. 57 Abs. 1 IVG.
Somit ist ein Vorbescheid zu erlassen, wenn die vorgesehene Verfügung die Abklärung
der versicherungsmässigen Voraussetzungen (lit. a), die Abklärung der
Eingliederungsfähigkeit, die Berufsberatung und die Arbeitsvermittlung (lit. b), die
Bestimmung und Überwachung der Eingliederungsmassnahmen (lit. c) oder die
Bemessung des Invaliditätsgrads (lit. d) voraussetzt.
2.4 Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten
gesetzlichen Regelung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung
(BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 181 E. 1a), ist das Recht der betroffenen Person,
sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit
erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher
Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (vgl. BGE 124 V 181 E. 1a mit
Hinweisen; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. Zürich 2009, Art. 42 N 14 ff.).
2.5 Da der angefochtenen Verfügung eine Bemessung des Invaliditätsgrads gestützt
auf ein zeitlich nach den Vorbescheiden vom 13. und 14. März 2008 durchgeführtes
Gutachten, d.h. ein neues Abklärungsergebnis zugrunde liegt, hätte die
Beschwerdegegnerin nochmals einen Vorbescheid erlassen müssen (vgl. GVP 2009,
Nr. 9). Dieser Pflicht ist sie aktenkundig nicht nachgekommen. Die angefochtene
Verfügung ist somit unter Missachtung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf
bis
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rechtliches Gehör gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 42 Satz 1 ATSG ergangen.
Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs kann dann
abgewichen werden, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und
damit zu unnötigen Verzögerungen im Verfahren führen würde, die mit dem
(gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten) Interesse der Versicherten an einer
möglichst beförderlichen Beurteilung seines Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE
116 V 182 E. 3d; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar
2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. August 2000, I 184/00,
E. 1a). Diese verfahrensökonomischen Gründe rechtfertigen es, den an sich nicht
gering zu schätzenden Verfahrensmangel mit dem vorliegenden Verfahren, in welchem
das Gericht mit voller Kognition ausgestattet ist, zu heilen, nachdem die
Beschwerdeführerin selber ein Urteil des Gerichts erwartet.
3.
3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.2 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen, und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 IVG: Es ist darauf abzustellen, in welchem
Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische
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Tätigkeiten (Art. 27 IVV). Die Bestimmung von Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die so
genannte gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil
erwerbstätig und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen
"gemischten" Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der
Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.
3.3 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinn von Art. 4 Abs. 1 IVG in
Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant
gelten nach der Rechtsprechung Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die
versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende
Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird
dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 131 V 50 E. 1.2 mit Hinweisen).
3.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
3.5 Für die Invaliditätsbemessung im Haushalt stellt der nach Massgabe der
Verwaltungsweisungen des BSV (Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in
der Invalidenversicherung [KSIH], Stand bis 22. März 2011) eingeholte
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Abklärungsbericht im Haushalt eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage
dar. Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung der Frage, was sie bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde (BGE 125 V 150 E. 2c).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in den angefochtenen Verfügungen vom
20. April 2009 (act. G 8.79-80) auf das Gutachten des AEH vom 21. November 2008
(act. G 8.65). Die Beschwerdeführerin hält dieses aus verschiedenen Gründen für nicht
beweiskräftig (act. G 1).
4.2 Betreffend die Begutachtungen bringt die Beschwerdeführerin einerseits vor, dass
ihr vor der Begutachtung weder die Namen der Gutachter, die Durchführung einer
psychiatrischen Begutachtung noch die Gutachterfragen bekannt gegeben worden
seien. Andererseits zweifelt sie an der gutachterlichen Kompetenz von Dr. H._.
4.2.1 Was die unterlassene vorgängige Bekanntgabe der Namen der Gutachter
anbelangt, so gilt es Art. 44 ATSG zu beachten. Gemäss dieser Bestimmung hat der
Versicherungsträger, wenn er zur Abklärung des Sachverhalts ein Gutachten "einer
oder eines unabhängigen Sachverständigen" einholen muss, deren Namen der Partei
bekannt zu gegeben. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und
Gegenvorschläge machen.
4.2.2 Durch Mitteilung vom 13. Juni 2008 wurde die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin über die Durchführung einer Begutachtung im AEH informiert (act.
G 8.58). Der Beschwerdeführerin selbst wurden mit Schreiben vom 18. bzw. 20. Juni
2008 die Begutachtungstermine, die Begutachtungsorte, die rheumatologische und die
psychiatrische Begutachtung sowie die begutachtenden Personen vorgängig bekannt
gegeben (act. G 8.60, 8.61). Somit war sie in der Lage, sich vorgängig über das
Bestehen von allfälligen Ausstands- und Ablehnungsgründen ein Bild zu machen.
Solche wurden sodann jedoch gegen den psychiatrischen Gutachter auch nachträglich
nicht geltend gemacht (vgl. act. 8.62). Eine Verletzung von Mitwirkungsrechten im Sinn
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von Art. 44 ATSG ist daher zu verneinen (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 14. April 2009, IV 2007/330, E. 3.3.1; BGE 132 V 376).
4.2.3 Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin angezweifelten Sachkenntnis
von Dr. H._, welche sich im Begutachtungszeitpunkt in Bezug auf den Facharzttitel
"Rheumatologie" noch in Ausbildung befand, ist darauf hinzuweisen, dass es bei
Beteiligung mehrerer Ärzte an einem Gutachten gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung genügt, wenn der verantwortliche Gutachter die entsprechende
Fachausbildung absolviert hat (Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2009 i/S G.
[9C_218/2008] E. 4.2 mit Hinweis). Da diese Voraussetzung bei Dr. med. I._, FMH
Physikalische Medizin und Rehabilitation/Rheumatologie, welcher sich für das
Gutachten vom 21. November 2008 verantwortlich zeichnete, erfüllt ist, macht auch der
Umstand, dass Basisgespräch und -untersuchung durch eine Person ohne
abgeschlossene Ausbildung erfolgte, das Gutachten nicht per se unbrauchbar.
4.2.4 Was die Frage einer vorgängigen Angabe der Gutachterfragen anbelangt,
betrachtet die Rechtsprechung Art. 44 ATSG als abschliessend und leitet daraus ab,
dass die versicherte Person keinen Anspruch darauf hat, sich vorgängig zu den
Gutachterfragen des Versicherungsträgers zu äussern (vgl. BGE 133 V 446). Jedoch ist
der versicherten Person im Anschluss an die Gutachterstellung die Gelegenheit zu
geben, sich zum Beweisergebnis, d.h. zum Gutachten, zu äussern und Beweisanträge
zu stellen (Kieser, a.a.O., Art. 44 N 25 mit Verweis auf BGE 133 V 449). Wie bereits in
Erwägung 1.5 ausgeführt, hat es die Beschwerdegegnerin vorliegend jedoch im Sinn
einer Verletzung des rechtlichen Gehörs unterlassen, der Beschwerdeführerin die
Möglichkeit einer Beweiswürdigung einzuräumen.
5.
5.1 Sodann ist die Frage zu klären, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
5.2 Die Beschwerdeführerin hält die psychiatrische Beurteilung durch Dr. E._ u.a.
deshalb nicht für beweiskräftig, weil diese ohne vorgängiges Einholen von
Verlaufsberichten beim behandelnden Psychologen Dr. J._, beim Schmerzzentrum
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Zofingen oder beim Hausarzt erfolgt sei. Dr. E._ äusserte denn auch im
psychiatrischen Gutachten vom 22. September 2008, dass in den vorhandenen
medizinischen Akten weder psychopathologische Befunde noch psychiatrische
Diagnosen dokumentiert seien. Gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin hielt
er jedoch fest, dass jene seit Mai 2008 einmal pro Woche beim Psychologen Dr. J._
eine Gesprächstherapie durchführe, was ihr sehr viel Kraft gebe. Psychopharmaka
habe sie nie eingenommen. Dr. E._ diagnostizierte eine leichte Anpassungsstörung
mit Angst und Depression gemischt (ICD-10: F43.22). Seines Erachtens habe der
bisherige Verlauf der Anpassungsstörung aber mehr Persönlichkeitsressourcen als
Defizite gezeigt, da sich die Symptome nicht weiter verschlechtert, sondern eher
umgekehrt und unter regelmässiger Gesprächstherapie zunehmend verbessert hätten.
Die Anpassungsstörung sei als eine vorübergehende Krankheit zu betrachten, die
allerdings in der Regel eine gute Prognose habe, was der vorliegende Verlauf auch
gezeigt habe. Die Krankheit habe in den letzten acht Monaten nie das Ausmass
angenommen, dass deswegen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
beeinträchtigt gewesen sei. Es sei aber bekannt, dass die Anpassungsproblematik zu
zusätzlicher Verkrampfungsneigung oder Muskelverkrampfung infolge der niedrigen
Frustrationstoleranz führe und damit die Schmerzen negativ beeinflusse (act. G 8.64).
Eine Auseinandersetzung mit der im Bericht von K._, FA Anästhesiologie, Spezielle
Schmerztherapie (D), vom 7. Mai 2008 enthaltenen und derjenigen des Gutachters
widersprechenden Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische
Symptome (ICD-10: F32.2) fand infolge der fehlenden Aktenkenntnis nicht statt.
Obgleich der Anästhesiologe K._ noch eine psychologische Erstdiagnostik empfahl
und im Bericht vom 30. Januar 2009 darauf hinwies, dass auf Grund des
Behandlungsabbruchs der Beschwerdeführerin keine psychologische Evaluation hatte
vorgenommen werden können (vgl. act. 8.86), hatte er am 7. Mai 2008 doch
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im Screening (PHQ-D) Hinweise auf eine
Major Depression gezeigt hatte (act. G 1.5). Allein dies lässt an der lediglich auf
Schilderungen der Beschwerdeführerin zur Vorgeschichte basierenden Diagnose von
Dr. E._ Zweifel aufkommen. Hinsichtlich der Behandlung durch Dr. phil. dipl. J._,
analytischer Psychologe, lagen wie erwähnt keine Akten vor; Dr. E._ folgerte in
seinem Gutachten trotzdem, dass diese Behandlung der Beschwerdeführerin Kraft
gebe. Schliesslich ist aber festzuhalten, dass schon im November 2008 eine zweitägige
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stationäre Behandlung in der Klinik St. Pirminsberg, Pfäfers, stattfand, anlässlich
welcher die behandelnden Ärzte eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
diagnostizierten und eine antidepressive Medikation empfahlen. Auslöser für die
Entwicklung der depressiven Symptomatik sei eine Lebenskrise im Rahmen der
Ehetrennung und Scheidung, chronischer Rückenschmerzen und Arbeitslosigkeit (act.
G 8.75).
5.3 Während Dr. E._ die Beschwerdeführerin als sehr differenzierte und motivierte
Person beschreibt, deren Prognose positiv eingeschätzt werde (act. G 8.64/7), scheint
Dr. H._ praktisch zur gleichen Zeit eine völlig andere Person wahrgenommen zu
haben. So habe die Beschwerdeführerin bei der rheumatologischen Begutachtung eine
deutliche Symptomausweitung, Inkonsistenzen und Selbstlimitierung gezeigt (act. G
8.65 S. 10). Zwischen den Begutachtern dürfte denn auch kein disziplinärer Austausch
stattgefunden haben. So verweist das AEH-Gutachten vom 21. November 2008
betreffend die psychiatrische Beurteilung auf das Gutachten von Dr. E._. Es gibt die
Diagnose einer leichten Anpassungsstörung mit Angst und Depression ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und den Hinweis wieder, dass eine
Anpassungsproblematik bekanntlich zu einer Muskelverkrampfung infolge der
niedrigen Frustrationstoleranz führe, was wiederum mit den somatischen Befunden
vereinbar sei. Die blosse Wiedergabe lässt fraglich erscheinen, ob die Voraussetzungen
an eine interdisziplinäre Begutachtung überhaupt erfüllt sind.
5.4 Unabhängig davon vermag auch das rheumatologische Gutachten nicht zu
überzeugen. Während Dr. C._ im Arztbericht vom 31. Mai 2007 für die LWS-
Beschwerden noch auf ein mit MRI vom 10. Januar 2007 nachgewiesenes Serom
hinwies (vgl. act. 8.18), lag dieses MRI Dr. H._ offenbar nicht vor. Dr. H._ hielt im
Gutachten vom 21. November 2008 zusammenfassend fest, das volle Ausmass der
beklagten Schmerzen könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht durch strukturelle
Veränderungen oder muskuläre Insuffizienzen erklärt werden, wenn auch das teilweise
Vorliegen nozizeptiver und (unter Berücksichtigung der stattgefundenen operativen
Eingriffe) neuropathischer Schmerzen möglich sei. Ohne sich zum Ausmass möglicher
nozizeptiver bzw. neuropathischer Schmerzen zu äussern, folgerte Dr. H._
übergangslos, es müsse daher von einem überwiegend dysfunktionalen
Krankheitsverhalten ausgegangen werden, welches auch psychiatrisch nicht einer
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schwerwiegenden Krankheitsdiagnose entspreche. In den gesamten
Untersuchungsbefunden könnten keine konkreten radikulären Ausstrahlungen und
Befunde beschrieben und erfasst werden. Die Beschwerden seien untypisch für eine
Foraminalstenose. Auch sei in keinem MRT-Befund eine Wurzelkompression
nachzuweisen. Es erstaune daher unter Berücksichtigung der einschlägigen Literatur
nicht sonderlich, dass die Operation keine Besserung gebracht habe, zumal mehrere
negative psychosoziale Prädikatoren (familiäre und finanzielle Probleme, Mutter und
Bruder mit Rückenbeschwerden, längere Arbeitsunfähigkeit) vorlägen. Eine kurzzeitige
postoperative Schmerzreduktion werde in solchen Fällen nicht selten beobachtet, was
auf die entlastende psychische Situation zurückzuführen sei (act. G 8.65 S. 10 f.).
Vorliegend fehlt es jedoch an einer neurologischen Auseinandersetzung bzw.
überhaupt an einem diesbezüglichen Untersuchungsbericht. Zudem konnte sich auch
der Anästhesiologe K._ dem Gutachten mit Bericht vom 30. Januar 2009 nicht
anschliessen, indem er anführte, dass das AEH-Gutachten einiger differenzierterer
Ergänzungen bedürfe und die Diagnostik der Schmerzursache noch in keiner Weise
abgeschlossen und daher seines Erachtens eine abschliessende Beurteilung obsolet
sei (act. G 8.86-12). Dazu nahm der RAD keine Stellung. Fragen wirft das Gutachten
auch insoweit auf, als die Tätigkeit als Verkäuferin als adaptiert erachtet wird, obwohl
im Arbeitsplatzbeschrieb auch rückenbelastende Tätigkeiten umschrieben sind (vgl.
act. G 8.24).
5.5 Vor diesem Hintergrund ist nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt, dass im
Zeitpunkt der Verfügungen vom 20. April 2009 dem Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin durch das psychiatrische Gutachten vom 22. September 2008 und
das Gutachten des AEH vom 21. November 2008 genügend Rechnung getragen wird,
so dass darauf abgestellt werden dürfte. Daher ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt in
rheumatologischer, psychiatrischer und neurologischer Hinsicht abklären und gestützt
darauf erneut verfügen kann. Ebenfalls zu prüfen wird sein, ob sich als Folge der
Trennung/Scheidung auch die Qualifikation als 80% Erwerbstätige verändert hat, was
sich wiederum auf die anwendbare Methode zur Invaliditätsbemessung auswirken
könnte. Dabei ist die Frage zu klären, ob die Beschwerdeführerin auf Grund ihrer durch
die Trennung/Scheidung veränderten wirtschaftlichen Situation nicht allenfalls
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gezwungen gewesen wäre, einer ganztägigen Arbeitstätigkeit nachzugehen, wenn sie
gesund geblieben wäre.
5.6 Je nach Ergebnis der medizinischen Abklärungen werden schliesslich auch die
Möglichkeiten beruflicher Massnahmen bzw. des Anspruchs darauf erneut zu prüfen
sein.
6.
Die Beschwerdeführerin rügt schliesslich einen beträchtlichen Mehraufwand auf Grund
der unsystematischen Aktenführung der Beschwerdegegnerin. Gemäss Art. 46 ATSG
sind für jedes Sozialversicherungsverfahren alle Unterlagen, die massgeblich sein
können, vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen. Die systematische
Aktenführung setzt eine sachgerechte und zweckmässige Ordnung der Akten voraus
(vgl. Kieser, a.a.O., Art. 46 N 13). Kriterien sind die Effektivität der Akteneinsicht und die
Sicherstellung der Vollständigkeit der Akten. Wie die Beschwerdegegnerin nicht
bestreitet, hat sie der Beschwerdeführerin wiederholt Akteneinsicht gewährt, aber auf
eine sehr unsystematische Weise (vgl. Beschwerde Rz 37). Der von der
Beschwerdegegnerin dadurch verursachte Mehraufwand wird bei der Festlegung der
Parteientschädigung zu berücksichtigen sein (vgl. auch Urteil des Bundegericht vom
15. Dezember 2010, 8C_319/2010, E. 2).
7.
7.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügungen vom 20. April 2009 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur weiteren
Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
bis
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vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
7.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin hat auf Grund der unsystematischen Aktenführung der
Beschwerdegegnerin einen Zusatzaufwand geltend gemacht, der - wie in Erwägung 6
ausgeführt - nachvollziehbar und zu berücksichtigen ist. Bei einer Rechtsvertretung im
gesamten Beschwerdeverfahren wird in invalidenversicherungsrechtlichen Fällen
praxisgemäss eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) gesprochen. Ein vorliegend höherer Aufwand
erscheint infolge der geltend gemachten Gründe angemessen. Mit der Zusprache einer
Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- erübrigt sich die Frage einer
Entschädigung aus unentgeltlicher Rchtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht