Decision ID: 46a504b2-848d-447f-b1c9-32b0070419c3
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Am 16. März 2012 verfügte die AXA Versicherungen AG (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin), dass das Taggeld für A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer)
per 1. Mai 2011 auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 50% abgerechnet werde
(act. A81 im Verfahren UV 2013/7). Dagegen liess der Beschwerdeführer am 30. März
2012 Einsprache erheben (act. A83 im Verfahren UV 2013/7).
A.b Mit Verfügung vom 21. September 2012 stellte die Beschwerdegegnerin die
Taggeldleistungen per 31. August 2012 ein, sprach bei einer Integritätseinbusse von
30% eine Integritätsentschädigung in der Höhe von Fr. 32‘040.-- aus und verneinte
einen Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem IV-Grad von 0% (act. A99 im
Verfahren UV 2013/7). Auch dagegen liess der Beschwerdeführer am 24. Oktober 2012
Einsprache erheben (act. A106 im Verfahren UV 2013/7).
A.c Mit Einspracheentscheid vom 27. Dezember 2012 wies die Beschwerdegegnerin
beide Einsprachen ab (act. A111 im Verfahren UV 2013/7).
B.
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B.a Daraufhin liess der Beschwerdeführer am 4. Februar 2013 beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde erheben (act. G 1 im
Verfahren UV 2013/7). Mit Entscheid vom 7. April 2015 (UV 2013/7) hiess das
Versicherungsgericht die Beschwerde dahingehend gut, dass dem Beschwerdeführer
eine 35%-ige Invalidenrente von monatlich Fr. 1'540.-- zugesprochen wurde. Im
Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen.
B.b Das gegen diesen Entscheid von beiden Parteien ergriffene Rechtsmittel der
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beurteilte das Bundesgericht mit
Urteil vom 2. Dezember 2015 (8C_357/2015, 8C_360/2015). Darin erwog es, die
(vereinigten) Beschwerden seien teilweise gutzuheissen und der Entscheid des
Versicherungsgerichtes vom 7. April 2015 sei aufzuheben. Die Sache werde zur
ergänzenden Abklärung und zu neuer Entscheidung an das Versicherungsgericht
zurückgewiesen und die Beschwerden würden im Übrigen abgewiesen. Zur Beurteilung
der Herabsetzung der Taggelder ab dem 1. Mai 2011, des Fallabschlusses auf den 31.
August 2012, eines allfälligen Rentenanspruchs sowie auch der
Integritätsentschädigung bedürfe es weiterer medizinischer Abklärungen zur
Arbeitsfähigkeit. Das kantonale Gericht werde ein polydisziplinäres Gutachten einholen
und über die Ansprüche des Beschwerdeführers neu befinden (act. G 1).
C.
C.a Am 13. Juni 2016 erteilte das Versicherungsgericht dem Zentrum für medizinische
Begutachtung (ZMB) den Auftrag zur polydisziplinären Begutachtung des Beschwerde-
führers (act. G 15). Im Gutachten vom 24. Januar 2017, welches die Fachgebiete Innere
Medizin (untersucht durch Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin),
Orthopädie (untersucht durch Dr. med. C._, Facharzt FMH für Orthopädische
Chirurgie), Neurologie (untersucht durch Dr. med. D._, Facharzt FMH für Neurologie),
Psychiatrie (untersucht durch Dr. med. E._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie) und Neuropsychologie (untersucht durch lic. phil. F._,
Fachpsychologe für Psychotherapie FSP) umfasste, wurde festgehalten, dass die
rechtsseitigen Schulterbeschwerden unfallkausal und die Beschwerden des rechten
Sprunggelenks als Teilursache des Unfalls zu sehen seien. Bezüglich dislozierter
Scapulafraktur links würden keine Restbeschwerden mehr bestehen und die
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festgestellten Hämosiderinablagerungen seien klinisch nicht von Relevanz. Die
akzentuierten histrionischen und narzisstischen Persönlichkeitszüge seien als
unfallfremde Faktoren anzusehen. Aus neurologischer und neuropsychologischer Sicht
seien keine Beschwerden mehr vorhanden, die überwiegend wahrscheinlich auf die
Unfälle zurückgeführt werden könnten. Per Datum Fallabschluss (31. August 2012) sei
der medizinische Endzustand in Bezug auf die dauerhaft unfallkausalen Beschwerden
in dem Sinne erreicht, dass von weiteren medizinischen Massnahmen keine namhafte
Verbesserung erwartet werden könne. Die Arbeitsfähigkeit als Geschäftsführer eines
Gastronomiebetriebs / Kellners sei bei administrativen Tätigkeiten ab Januar 2010
uneingeschränkt gewesen. Für sämtliche anderen, adaptierten, körperlich leichten,
vorwiegend sitzenden Tätigkeiten mit nichtrepetitiven Überkopfarbeiten sei die
Arbeitsfähigkeit ebenfalls zu 100% gegeben. Unter Berücksichtigung der Suva-Tabelle
5, Integritätsentschädigung bei Arthrosen der oberen Extremitäten sei bei einer
mässigen Omarthrose rechts von einer Einbusse von 10% auszugehen. Von Seiten des
oberen Sprunggelenks könne nur von einer leichten Arthrose gesprochen werden,
weshalb dafür gemäss Suva-Tabelle keine Entschädigung resultiere. Eine Instabilität
der betroffenen Gelenke sei weder an der Schulter noch am Sprunggelenk festzustellen
(act. G 32-81 ff.).
C.b Die Beschwerdegegnerin hielt am 7. September 2017 zum Gerichtsgutachten fest,
dass die Expertise des ZMB sowohl in formeller als auch in materieller Hinsicht
vollumfänglich den Anforderungen der Rechtsprechung genüge. Entsprechend sei
keine Rente zu sprechen und die Integritätsentschädigung auf einer Integritätseinbusse
von 10% zu beziffern (act. G 60).
C.c Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers führte mit Eingabe vom 21. September
2017 im Wesentlichen aus, dass das Gutachten des ZMB mit Blick auf die Kriterien der
Rechtsprechung nicht als beweistauglich angesehen werden könne, sich die Gutachter
damit und durch ihr Verhalten im Zusammenhang mit den neuropsychologischen
Testunterlagen dem Anschein der Befangenheit ausgesetzt hätten und dass es mit
Blick auf die Observationsunterlagen geboten erscheine, das Gutachten sowie die
Observationsunterlagen und die damit ebenfalls kontaminierten Vorakten aus den
Akten zu entfernen (act. G 62).
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C.d Am 10. Januar 2018 führte das Versicherungsgericht eine interne Sitzung durch.
Mit Schreiben vom 11. Januar 2018 gewährte das Versicherungsgericht dem
Beschwerdeführer das rechtliche Gehör für eine allfällige reformatio in peius in Bezug
auf die Integritätsentschädigung (act. G 64). Mit Schreiben vom 22. Februar 2018 teilte
dessen Rechtsvertreter mit, dass an dem Antrag, unter Berücksichtigung der
neuropsychologischen Defizite sei eine höhere Integritätsentschädigung zu sprechen,
festgehalten werde. Nicht Gegenstand der Beschwerde sei die Höhe der
Integritätsentschädigung für die somatischen Unfallfolgen. Dessen ungeachtet würde
ein solcher Antrag rein vorsorglich wieder zurückgezogen (act. G 69, 71).
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die aufgrund der 1. UVG-Revision geänderten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der
dazugehörenden Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft
getreten. Nachdem in diesem Verfahren Bestimmungen zur Anwendung gelangen, die
mit der Revision keine Änderung erfahren haben, erübrigt sich eine
intertemporalrechtliche Beurteilung.
2.
Vorliegend sind die Dauer der Taggeldansprüche, der Zeitpunkt des Fallabschlusses,
die Höhe einer allfälligen Invalidenrente sowie die Höhe einer allfälligen
Integritätsentschädigung streitig.
2.1 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen legte mit Entscheid vom 7. April
2015 (UV 2013/7) die allgemeinen rechtlichen Bestimmungen und Grundsätze
bezüglich Taggelder (E. 3.2) und Fallabschluss (E. 4.2) ausführlich dar. Darauf wird
verwiesen.
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2.2 Ist der Versicherte infolge des Unfalls zu mindestens 10% invalid (Art. 8 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]), so hat er Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Anspruch auf
eine angemessene Integritätsentschädigung hat die versicherte Person, wenn sie durch
einen Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität erleidet (Art. 24 UVG). Eine Leistungspflicht der
Unfallversicherung besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (ALEXANDRA
RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen
natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht bisweilen auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 177,
123 III 111 E. 2).
2.3 Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nicht ohne zwingende Gründe von den
Einschätzungen des medizinischen Experten ab. Ein Grund zum Abweichen kann
vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht
eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen
gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche
Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen,
die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die
Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne
Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen
zieht (BGE 135 V 469 ff. E. 4.4 und 4.6; 125 V 352 f. E. 3a und 3b/aa mit Hinweis; UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 43 N 55).
3.
Grundstein für die Beurteilung der streitigen Punkte (vgl. vorstehende E. 2) bildet die
Beantwortung der Frage, ob das vom Versicherungsgericht eingeholte Gutachten des
ZMB vom 24. Januar 2017 (act. G 32) und die entsprechenden Teilgutachten einer
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Prüfung auf Schlüssigkeit und Beweistauglichkeit standhalten und damit eine gemäss
Bundesgerichtsurteil vom 2. Dezember 2015 zum damaligen Zeitpunkt noch nicht
mögliche zuverlässige Beurteilung durch das Gerichtsgutachten möglich geworden ist.
4.
Der Beschwerdeführer sieht die Beweiskraft des Gutachtens durch die Verwendung
der Observationsunterlagen als erschüttert.
4.1 Im Auftrag der Beschwerdegegnerin war der Beschwerdeführer vom 1. Februar bis
18. März 2011, vom 15. bis 22. November 2011, vom 12. bis 18. Januar 2012 und vom
29. bis 30. März 2012 durch die G._ Ermittlungen AG sowie in den Monaten
November und Dezember 2011 und März und April 2012 durch H._ Ermittlungen
observiert worden (act. G 12.5 im Verfahren UV 2013/7).
4.2 Mit Rücksicht auf die jüngste Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 14.
Juli 2017, 9C_806/2016) steht fest, dass die Observationen unzulässig waren, weshalb
eine Verletzung von Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR
0.101) und Art. 13 der Bundesverfassung (BV; SR 101) festzustellen ist. Es bleibt zu
prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Verwertung trotzdem erfüllt sind.
4.3 Die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse ist nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung zulässig, sofern eine Abwägung der privaten und öffentlichen
Interessen ergibt, dass letztere überwiegen. Weiter ist eine gegen Art. 8 EMRK
verstossende Videoaufnahme nach Auffassung des höchsten Gerichts verwertbar,
solange Handlungen des Versicherten aufgezeichnet werden, die er aus eigenem
Antrieb und ohne äussere Beeinflussung machte und ihm keine Falle gestellt worden
war. Von einem absoluten Verwertungsverbot wäre nur dann auszugehen, wenn es um
Beweismaterial ginge, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum
zusammengetragen wurde (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2017, 9C_806/2016,
E. 5.1.1 und 5.1.3).
4.4 Vorliegend handelt es sich um (unbeeinflusste) Handlungen des
Beschwerdeführers, die – abgesehen von einer kurzen Videosequenz auf einen
öffentlich frei einsehbaren Balkon (vgl. CD der Überwachung vom 1. Februar bis 18.
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März 2011 in act. G 12.5 im Verfahren UV 2013/7) – im öffentlichen Raum
aufgenommen wurden. Die tatsächlichen Observationen fanden an 15 Tagen im
Februar und März 2011, an acht Tagen im November und Dezember 2011, an vier
Tagen im Januar 2012 und an sechs Tagen im März und April 2012 statt. Innerhalb von
rund 14 Monaten wurde er damit an 33 Tagen observiert, wobei er lediglich an 18
Tagen auch beobachtet werden konnte (act. G 12.5 im Verfahren UV 2013/7). Der
Observationszeitraum von über 14 Monaten war zwar beträchtlich; der
Beschwerdeführer wurde aber weder einer systematischen noch ständigen
Überwachung ausgesetzt. In dieser Hinsicht erlitt er einen relativ geringen Eingriff in
seine grundrechtliche Position. Stellt man diesen Aspekten das erhebliche und
gewichtige öffentliche Interesse an der Verhinderung des Versicherungsmissbrauchs
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2009, 8C_239/2008, E. 6.4.2)
entgegen, ergibt sich, dass der vorliegende Observationsbericht (inklusive
Fotodokumentation und Videoaufnahmen) in die Beweiswürdigung miteinbezogen
werden können bzw. das Gerichtsgutachten aufgrund der Observation und teilweisen
Verweisen darauf nicht die Beweiskraft verliert. Es kommt hinzu, dass das
Gerichtsgutachten, insbesondere das orthopädische Teilgutachten, die eigenen
medizinischen Erkenntnisse lediglich mit dem Observationsmaterial als vereinbar
erachtet hat (act. G 32-30, 40, 88) und nicht gestützt auf das Observationsmaterial
Beurteilungen abgibt bzw. einzelne beobachtete Handlungen nicht in dem Sinne
würdigt, dass daraus relevante Schlüsse für die Beurteilung gezogen werden.
Insgesamt war damit das Observationsmaterial nicht relevant für die medizinischen
Einschätzungen der ZMB-Gutachter. Auch gestützt darauf rechtfertigte es sich nicht,
dem Gutachten den Beweiswert abzusprechen.
4.5 Eine Sichtung des Observationsmaterials im Rahmen einer mündlichen
Verhandlung, wie es der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt (act. G 62
S. 12), erübrigt sich, nachdem zentral die Frage zu klären ist, ob zwingende Gründe
vorliegen, von den Einschätzungen der Gerichtsgutachter abzuweichen (vgl.
vorstehende E. 2.3). Solche lassen sich nicht bei einer gemeinsamen Sichtung des
Observationsmaterials durch die Parteien und das Gericht anlässlich einer mündlichen
Verhandlung begründen und eine entsprechende Veranstaltung wäre demnach nicht
zielführend. Nicht geltend gemacht und nicht ersichtlich ist, dass sich der
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Beschwerdeführer nicht genügend zum Beweisergebnis äussern konnte. Dem Antrag
auf mündliche Verhandlung ist demnach nicht stattzugeben.
5.
Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, dass sich die Gutachter durch ihr
Verhalten im Zusammenhang mit den neuropsychologischen Testunterlagen dem
Anschein der Befangenheit ausgesetzt hätten.
5.1 Befangenheit ist anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind,
Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich
um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht aber für
die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person
tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den
Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen
vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung
solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei
abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet
erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein
strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 109 f. E. 7.1).
5.2 Im Zusammenhang mit der Zusendung der neuropsychologischen Testergebnisse,
welche am 3. April 2017 erstmals vom Gericht verlangt wurden (act. G 44), kam es zu
Verzögerungen (act. G 49) und die ursprüngliche Zusendung umfasste nicht die
verlangten detaillierten Testergebnisse (act. G 53). Erst am 24. Juli 2017 gingen dem
Gericht die gesamten eingeforderten Unterlagen zu (act. G 55). Zwar ist dem
Beschwerdeführer zuzustimmen, dass diese Verzögerungen über das gewöhnliche
Mass hinausgehen. Auch irritieren die unterschiedlichen Begründungen dazu (gemäss
Dr. B._: Auslandabwesenheit von lic. phil. F._ [act. G 48]; gemäss lic. phil. F._:
längere Krankheit [act. G 55]); ein Anschein der Befangenheit oder eine Gefahr der
Voreingenommenheit kann daraus aber nicht abgeleitet werden, zumal vom
Beschwerdeführer nicht geltend gemacht wird und auch nicht ersichtlich ist, dass es
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sich bei den eingereichten Unterlagen nicht um die tatsächlichen Testergebnisse
handelt.
5.3 Der Hinweis im Schreiben vom 15. Juni 2017 bezüglich einer versuchten negativen
Beeinflussung der Ergebnisse anlässlich der neuropsychologischen Tests (act. G 49)
war zwar unnötig, zumal darüber auch im Gutachten explizit berichtet wird (anfängliche
Aggravation; act. G 32-61, 64). Ein Anschein für Voreingenommenheit ergibt sich aber
auch daraus nicht, nachdem Dr. B._ lediglich das festhält, was auch auf dem
eingereichten Testprofil (act. G 49.1) vermerkt ist und diese handschriftlichen
Bemerkungen von lic. phil. F._ nicht bestritten sind. Indem Dr. B._ zudem ausführt,
dass dieses Verhalten des Öfteren im gutachterlichen Rahmen angetroffen werde,
nimmt er den Beschwerdeführer gar in Schutz bzw. relativiert dessen Verhalten zu
seinen Gunsten.
5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf das Verhalten im
Zusammenhang mit den neuropsychologischen Testunterlagen keine Umstände
vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit der ZMB-Gutachter zu
erwecken.
6.
Weiter erachtet der Beschwerdeführer die Gutachter aufgrund der inhaltlichen Aspekte
des Gutachtens als befangen. Darüber hinaus könne aus inhaltlichen Gründen nicht auf
das ZMB-Gutachten abgestellt werden.
6.1 Vorab ist festzuhalten, dass das Gerichtsgutachten angeordnet wurde, weil das
vorangegangene Gutachten der Klinik I._ (act. M58 im Verfahren UV 2013/7) und die
übrigen (medizinischen) Akten gemäss Bundesgericht keine rechtsgenügliche
Beurteilung der zur Diskussion stehenden Fragen (vgl. vorstehende E. 2) zuliessen. Es
handelt sich in diesem Sinn um eine erstmalige materielle Prüfung dieser Fragen.
Entsprechend führt eine allfällige andere Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Gesundheitszustands durch die ZMB-Gutachter im Vergleich zu den
übrigen medizinischen Akten anders als im Revisionsverfahren nicht automatisch dazu,
dass diese nicht herangezogen werden kann (vgl. dazu die gegenteilige Argumentation
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des Beschwerdeführers in act. 62 S. 3). Entscheidend und zu klären ist, wie bereits
erwähnt, ob dem Gutachten materiellrechtlich gefolgt werden kann bzw. ob zwingende
Gründe ersichtlich sind, um von den Einschätzungen des ZMB-Gutachtens
abzuweichen.
6.2
6.2.1 Der Beschwerdeführer führt aus, dass auf das ZMB-Gutachten nicht abgestellt
werden könne, weil die Diskrepanzen zu den erheblich abweichenden somatischen
Vorbeurteilungen, insbesondere zum orthopädisch-schmerzmedizinischen
Administrativgutachten der Klinik I._, nicht ansatzweise geklärt würden.
6.2.2 Das orthopädische Gerichtsgutachten durch Dr. C._ (act. G 32-27 ff.) ist für
die streitigen Belange umfassend, beantwortet es doch die Frage nach den
gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Es beruht im Übrigen auf den notwendigen allseitigen Untersuchungen in
orthopädischer Hinsicht, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und legt der
Beurteilung sowohl sämtliche früheren bildgebenden Unterlagen als auch eine aktuelle
Röntgenaufnahme zugrunde (act. G 32-36 f.). Der Gutachter schildert ausführlich die
vom Beschwerdeführer erwähnten Leiden und Einschränkungen und setzt sich
detailliert damit sowie mit dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Der
Gutachter begründet seine unterschiedliche Auffassung zu früheren medizinischen
Einschätzungen und führt zentral aus, das Fehlen jeglicher Schonungszeichen im
Bereich der betroffenen Extremitäten zeige, dass diese im Alltag relevant eingesetzt
werden könnten, wobei dies auch den objektivierbaren Befunden entspreche, welche
die subjektiv angegebenen Beschwerden nicht erklären würden (act. G 32-41). Diese
Ausführungen leuchten ein und decken sich im Wesentlichen auch mit dem
Observationsmaterial in dem Sinne, dass bei alltäglichen Tätigkeiten auch die zur
Beurteilung stehenden Schultern, Arme und Beine nicht einschränkend eingesetzt
wurden. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn der orthopädische Gutachter dem
Beschwerdeführer in angepassten Tätigkeiten, welche den unbestrittenermassen
bestehenden Beschwerden Rechnung tragen, eine höhere Arbeitsfähigkeit bescheinigt,
als dies in früheren Einschätzungen der Fall war. Zwingende Gründe, von den
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Einschätzungen von Dr. C._ abzuweichen, ergeben sich auf jeden Fall nicht. Auf das
orthopädische Teilgutachten kann abgestellt werden.
6.3
6.3.1 Gemäss Beschwerdeführer könne auf das Gutachten auch nicht abgestellt
werden, weil der neuropsychologische Gutachter lic. phil. F._ nicht über eine
fachspezifische Aus- und Weiterbildung verfüge, um den hohen fachlichen
Anforderungen an neuropsychologische Sachverständige zu genügen und sein
Gutachten erhebliche fachliche Mängel aufweise und zudem im Ergebnis auch
auffällige Befunde in den Testunterlagen unterschlage.
6.3.2 Die neuropsychologische Begutachtung fand im November 2016 statt. Für die
neuropsychologische Begutachtung in der Invaliden- und Krankenversicherung – damit
auch in der Unfallversicherung – wird erst seit dem 1. Juli 2017 ein Fachtitel in
Neuropsychologie vorausgesetzt (act. G 52.1; vgl. ferner IV-Rundschreiben 367). Damit
verliert das Teilgutachten von lic. phil. F._ wegen des ihm fehlenden Fachtitels nicht
per se seine Beweiskraft. Es wird denn auch nicht bestritten, dass lic. phil. F._ die
erforderlichen Voraussetzungen, welche gemäss Vereinbarung vom 4. April 2012
betreffend die Durchführung von polydisziplinären medizinischen Gutachten nach Art.
72bis der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) galten, bis zu
deren Änderung vom 1. Juli 2017 nicht erfüllt hätte. Es kommt hinzu, dass mit
Schreiben vom 19. August 2016 das ZMB dem Gericht die vorgesehenen Gutachter
bekannt gegeben hat (act. G 21). Dieses Schreiben wurde den Parteien zur Kenntnis
gebracht (act. G 23). Einwände dagegen wurden zu diesem Zeitpunkt keine erhoben.
Ob damit ein Einwand erst nach der Begutachtung bei für den Beschwerdeführer
negativer Beurteilung überhaupt noch zu hören ist, ist fraglich, kann jedoch aufgrund
der vorgenannten Ausführungen offen bleiben. Inhaltlich ist von Relevanz, dass die
neuropsychologische Untersuchung (act. G 32-67 ff.) umfassend ist, namentlich
mehrere Untersuchungsverfahren inkl. Untertests (HAWIE-R, TAP, CERAD) angewandt
und gewürdigt, die Resultate mit früheren Ergebnissen verglichen und schlüssig keine
neuropsychologischen Defizite (mehr) festgestellt wurden. Dr. phil. J._,
Neuropsychologisches Ambulatorium K._, weist in ihrer Stellungnahme vom 25.
August 2017 auf die Diskrepanz in den Befunden hin. Im Gegensatz zu lic. phil. F._
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sieht sie diese aber weniger in der verstrichenen Zeit seit ihrer eigenen Beurteilung im
Jahr 2010 begründet, als vielmehr in den verwendeten neuropsychologischen
Testinstrumenten sowie in der Interpretation der Ergebnisse. In diesem
Zusammenhang ist von Relevanz, dass den Experten bei der Wahl der Methode zur
Erstellung des Gutachtens ein grosses Ermessen zukommt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 27. September 2017, 8C_820/2016, E. 5.2) und sich den
medizinischen Sachverständigen praktisch immer ein gewisser Spielraum eröffnet,
innerhalb welchem verschiedene Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren
sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteile des Bundesgerichts vom 21.
Februar 2017, 9C_338/2016, E. 5.5 und vom 15. März 2016, 9C_634/2015, E. 6.1). Eine
falsche Ermessensbetätigung ist nicht ersichtlich. Lic. phil. F._ hat die verschiedenen
geistigen bzw. kognitiven Funktionsbereiche des Beschwerdeführers getestet und
anhand dieser nachvollziehbar keine Diagnose gestellt, welche sich einschränkend auf
die Arbeitsfähigkeit auszuwirken vermag. Selbst wenn – wie es Dr. J._ geltend macht
(act. G 62.1) – die Testbatterie CERAD vorliegend nicht zweckmässig war, resultierte
daraus kein zwingender Grund, von den Einschätzungen von lic. phil. F._
abzuweichen, nachdem ansonsten das Teilgutachten gesamthaft gesehen
nachvollziehbar begründet – lege artis – ist. Auf das neuropsychologische
Teilgutachten kann abgestellt werden. Mangels neuropsychologischer Defizite entfällt
eine Beurteilung des Kausalzusammenhangs derselben.
6.4
6.4.1 Der Beschwerdeführer führt weiter aus, auf das Gerichtsgutachten könne nicht
abgestellt werden, weil der Orthopäde die glaubhaften – und sogar dissimulierten –
somatischen Beschwerden bei der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung letztlich gänzlich
unberücksichtigt lasse, die notwendigen MRI-Abklärungen unterlassen habe und seine
schönfärberischen Schilderungen des Patienten in der Untersuchungssituation in
einem krassen Widerspruch stünden zu den entsprechenden Feststellungen der
Psychiaterin, des Neurologen und des Internisten.
6.4.2 Wie bereits in E. 6.2.2 ausgeführt, entspricht das orthopädische Teilgutachten
des ZMB den praxisgemässen Anforderungen an eine Expertise. Nochmals sei
erwähnt, dass Dr. C._ seinen Einschätzungen die gestützt auf bildgebende
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Unterlagen objektivierten Befunde und die damit einhergehenden Beschwerden
zugrunde legt. Der Beschwerdeführer wurde zudem eingehend klinisch untersucht und
der Gutachter gibt seine eigenen Beobachtungen anlässlich der
Untersuchungssituation wieder (act. G 32-34 ff.). Wenn die Verhaltensbeobachtung
unterschiedlich ausfällt, dann ist von Relevanz, dass die ZMB-Gutachter teils
verschiedene Situationen beobachtet haben (Treppensteigen, Gehen auf ebenem
Boden, Sitzen, Aufstehen) und dieselbe Situation nicht immer gleich erfolgen muss. Der
hinkfreie Gang auf ebenem Gelände ergibt sich auch aus den Observationsunterlagen.
Im Übrigen werden Beschwerden im Bereich der betroffenen Extremitäten vom
orthopädischen Gutachter nicht in Frage gestellt. Wenn er deren Auswirkungen nach
umfassender Abklärung, gestützt auf die klinische Untersuchung und die
objektivierbaren Befunde, bei entsprechendem Belastungsprofil als nicht
einschränkend qualifiziert, ist dies nicht zu beanstanden. In Bezug auf den Einwand,
dass ein MRI für eine Beurteilung der Sprunggelenksbeschwerden bzw. einer
Integritätsentschädigung zwingend nötig gewesen wäre (vgl. act. G 62 S. 5 und act. G
62.2), ist festzuhalten, dass dies im Ermessen der begutachtenden Fachärztinnen und -
ärzte liegt und nicht von der Verwaltung oder dem Gericht zu entscheiden ist (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 18. Januar 2017, 9C_514/2016, E. 4.2). Es kommt hinzu, dass
sich der Gutachter bei seiner Beurteilung auf aktuelle Röntgenbilder stützt, welche zur
Darstellung der erwähnten osteochondralen Läsion als ebenfalls ausreichend zu
qualifizieren sind (http://www.orthopaedie.insel.ch/fileadmin/ortho/ortho_users/Pdf/
Fuss/OCL.pdf, abgerufen am 26. März 2018). Zwingende Gründe gegen den
Beweiswert des orthopädischen Gutachtens sind damit auch aufgrund dieser Kriterien
nicht nachgewiesen.
6.5
6.5.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter, dass auf das Gerichtsgutachten nicht
abgestellt werden könne, weil die neurologischen Abklärungen einseitig darauf
ausgerichtet seien, die Kopfschmerzbeschwerden mit unfallfremden Gründen zu
erklären. Dabei würden wesentliche Angaben aus den Akten nicht berücksichtigt und
auf die fehlerhaften Feststellungen des Neuropsychologen abgestellt.
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6.5.2 Auch der neurologische Gutachter Dr. D._ (act. G 32-42 ff.) gibt seine
Einschätzungen nach umfassender Abklärung des Beschwerdeführers ab und legt
diesen die bildgebenden Unterlagen zugrunde. Er würdigt die früheren medizinischen
Berichte, klassifiziert die chronischen Kopfschmerzen auch in Berücksichtigung der
erlittenen leichten Contusio cerebri und spricht diesen eine Unfallkausalität ab. In
Bezug auf die Kopfschmerzproblematik ist den Pflegeberichten zu entnehmen, dass
diese nach dem Unfall im Juni 2007 im Spital Z._ beklagt wurden (act. G 62-3). Auch
wenn der neurologische Gutachter dies in seiner Expertise nicht erwähnt (act. G 32-51),
vermag das nichts an deren Beweiskraft zu ändern. Der Gutachter selbst hat eine
leichte Contusio cerebri diagnostiziert und es erstaunt nicht bzw. war für den Gutachter
wohl offensichtlich, dass der Beschwerdeführer kurz nach dem Unfall über
Kopfschmerzen klagte. Das neurologische Teilgutachten ist deshalb nicht in Frage zu
stellen. In Bezug auf den Einwand, dass die Feststellungen des Neuropsychologen
fehlerhaft gewesen sein sollen und damit aufgrund des Abstellens darauf auch das
neurologische Gutachten nicht beweiskräftig sei, wird auf vorstehende E. 6.3.2
verwiesen.
6.6
6.6.1 Sodann wendet der Beschwerdeführer ein, auf das Gerichtsgutachten könne
nicht abgestellt werden, weil die begutachtende Psychiaterin in widersprüchlicher
Weise die glaubhaften somatischen Beschwerden des nachgewiesenermassen
dissimulierenden Exploranden einer somatoformen Schmerzstörung zuschreibe, was
geradezu hanebüchen erscheine.
6.6.2 Die psychiatrische Gutachterin Dr. E._ legt – wie die anderen Gutachter
auch – ihren Beurteilungen eine umfassende Würdigung zugrunde (act. G 32-56 ff.). Die
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung resultiert daraus, dass die
subjektiven Beschwerden – wie im orthopädischen Gutachten ausgeführt – nicht
genügend objektivierbar sind. Die Gutachterin führt nicht aus, dass die Beschwerden
überhaupt nicht somatisch bedingt seien, sondern lediglich, dass sie nicht genügend
körperlich begründbar seien (act. G 32-64). In Anlehnung an die orthopädischen
Erhebungen und die Begründung dazu im orthopädischen Gutachten ist diese
Einschätzung nachvollziehbar. Es kommt hinzu, dass die Gutachterin gestützt auf eine
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histrionische und narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung begründet, weshalb die
somatischen Restbeschwerden auch bei Tendenz zu Dissimulation (narzisstischer
Aspekt) subjektiv übersteigert (histrionischer Aspekt) erlebt werden (act. G 32-64). Auch
dies erscheint schlüssig. Dr. E._ verneint eine Kausalität der psychiatrischen
Diagnosen. Aktenanamnestisch hätten sich diese im Zusammenhang mit dem sozialen
Abstieg entwickelt (act. G 32-64). Unabhängig von der Kausalitätsfrage leuchtet es
aufgrund der geringen Ausprägung der somatoformen Schmerzstörung und auch der
übrigen psychiatrischen Diagnosen (act. G 32-64) ein, wenn diese keine Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers haben. Im Lichte der Rechtsprechung
nach BGE 141 V 281, wonach das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen unter
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits zu beurteilen ist, fällt gestützt auf
das Gutachten auf, dass zwar individuelle psychosoziale Belastungsfaktoren das
psychische Krankheitsbild unterhalten (act. G 32-65); im Übrigen verfügt der
Beschwerdeführer aber über erhebliche Ressourcen zur positiven Beeinflussung seines
Leistungsvermögens, welche auch im Rahmen des Erwerbslebens verwertbar sind.
Aufgrund seiner zugewandten und freundlichen Art knüpft er rasch Kontakte und kann
sich positiv darstellen. Er durchlebt einen geregelten Tagesablauf, geht mit dem Hund
spazieren, besucht seine Partnerin, macht Einkäufe, fährt regelmässig Auto und liest
die Zeitung (act. G 32-59). Dieser relativ aktiv gestaltete Alltag zeigt sich auch aus den
Observationsunterlagen. Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass der Beschwerdeführer
im Gegensatz zu früher – wie er es auch geltend macht (act. G 32-59) – weniger aktiv
sein Leben gestaltet und soziale Kontakte pflegt. Bei objektiver Betrachtung erscheinen
indes weiterhin genügend positive Ressourcen vorhanden zu sein, die geeignet sind
dazu beizutragen, die funktionellen Auswirkungen der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und der depressiven Symptomatik beim Beschwerdeführer gering zu
halten. Damit ist unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nach
BGE 141 V 281 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass das psychiatrische
Beschwerdebild keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zeitigt. Anders gesagt liegt in
Bezug darauf keine Erwerbsunfähigkeit vor, die aus objektiver Sicht nicht überwindbar
wäre.
6.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine zwingenden Gründe ersichtlich
sind, um von den Einschätzungen, namentlich auch der Leistungsfähigkeitsbeurteilung,
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im ZMB-Gutachten vom 24. Januar 2017 abzuweichen. Das gilt nicht nur bezüglich der
abgehandelten Teilgutachten, sondern auch für das Gutachten insgesamt im Sinne der
Gesamtbeurteilung. Es ist für die streitigen Belange umfassend und beantwortet die zu
klärenden Fragen. Damit ist zur Beurteilung der Rechtmässigkeit der Herabsetzung der
Taggelder ab dem 1. Mai 2011, der Rechtmässigkeit des Fallabschlusses auf den 31.
August 2012, eines allfälligen Rentenanspruchs sowie einer allfälligen
Integritätsentschädigung darauf abzustellen.
7.
7.1 Gemäss ZMB-Gutachten ist seit dem Unfallereignis vom 7. Juni 2007 bis sechs
Monate nach dem zweiten Unfall vom 29. Juli 2009 von einer 100%-igen
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Ab Ende Januar 2010 besteht
eine unfallkausal uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten (vgl.
zum Belastungsprofil lit. C.a) auszugehen (act. G 32-84, 87). Gestützt auf diese
Einschätzungen konnte die Beschwerdegegnerin spätestens ab dem 1. Mai 2011 die
Taggelder herabsetzen (vgl. dazu die Ausführungen im Entscheid des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 7. April 2015, UV 2013/7, E. 3.2).
Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.
7.2 Per 31. August 2012 war der medizinische Endzustand gemäss beweiskräftigem
ZMB-Gutachten erreicht (act. G 32-84). Der Fallabschluss auf diesen Zeitpunkt erfolgte
damit zu Recht und die Beschwerde ist auch in diesem Punkt abzuweisen.
7.3 Zu prüfen ist weiter der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Wie erwähnt ist
beim Beschwerdeführer seit Ende Januar 2010 von einer unfallkausal
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten auszugehen (vgl.
vorstehende E. 7.1). Dasselbe gilt in Bezug auf die angestammte Tätigkeit als
Geschäftsführer eines Gastronomiebetriebs bei administrativer Tätigkeit, nicht aber in
seiner ebenfalls angestammten Tätigkeit als Kellner. Bezüglich des allfälligen
Rentenbeginns, des Invaliditätsgrads bzw. der Vergleichseinkommen und deren
allfälligen Parallelisierung wird wiederum auf den Entscheid des Versicherungsgerichtes
des Kantons St. Gallen vom 7. April 2015, UV 2013/7, E. 5.3 f.) verwiesen, wonach bei
allfälligem Rentenbeginn im September 2012 von einem Valideneinkommen in der
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angestammten Tätigkeit von Fr. 60‘962.-- auszugehen ist. Das Invalideneinkommen
beträgt in der Annahme, dass der angestammte Beruf – zumindest als Kellner – nicht
mehr ausgeübt werden kann, Fr. 62‘420.--, bei maximal (ein Abzug zufolge Teilzeit fällt
im Gegensatz zum Entscheid vom 7. April 2015 weg) 10%-igem Tabellenlohnabzug Fr.
56‘178.--. Damit resultiert ein Invaliditätsgrad von 9%, womit kein Anspruch auf eine
Rente besteht (vgl. vorstehende E. 2.2). Die Beschwerde ist in diesem Punkt
abzuweisen.
7.4 Damit steht noch die Höhe des Integritätsschadens zur Beurteilung.
7.4.1 Dr. med. L._, Leiter med. Dienst Schaden Ost, FMH Innere Medizin,
zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, beurteilte am 22. August 2012 die
Integritätseinbusse betreffend der rechtsseitigen Schulterproblematik bei 20%,
betreffend der OSG Arthrose rechts bei 10% (act. M68 im Verfahren UV 2013/7). Dr.
med. M._, Spezialarzt FMH Chirurgie, beratender Arzt, bestätigte diese Einschätzung
mit Bericht vom 11. Dezember 2012 (act. M71 im Verfahren UV 2013/7). Gestützt
darauf setzte die Beschwerdegegnerin den Integritätsschaden auf 30% fest (act. A99
und A111 im Verfahren UV 2013/7). Gemäss ZMB-Gutachten beträgt die
Integritätseinbusse unter Berücksichtigung der Suva-Tabelle 5 (Integritätsschaden bei
Arthrosen der oberen Extremitäten) bei mässiger Omarthrose rechts nur 10%. In Bezug
auf das OSG resultiere bei lediglich leichter Arthrose kein Integritätsschaden. Ferner sei
bei den betroffenen Gelenken weder an der Schulter noch am Sprunggelenk eine
Instabilität festzustellen.
7.4.2 Der Rechtsvertreter hält an seinem Antrag gemäss Beschwerde vom 4.
Februar 2013 (act. G 1 im Verfahren UV 2013/7) fest, wonach unter Berücksichtigung
der neuropsychologischen Defizite eine höhere Integritätsentschädigung, als die durch
die Beschwerdegegnerin zugestandene 30%-ige, auszurichten sei. Er habe nie eine
Beschwerde gegen die Höhe der Integritätsentschädigung für die somatischen
Unfallfolgen erhoben, weshalb eine solche in diesem Punkt auch nicht zurückzuziehen
sei. Bei anderer Meinung würde die Beschwerde bezüglich somatischem Teil der
Integritätseinbusse zurückgezogen (act. G 70 f.). Die Beschwerdegegnerin beantragt
gestützt auf das ZMB-Gutachten die Gewährung einer Integritätsentschädigung im
Umfang von 10% (act. G 60).
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7.4.3 Zu prüfen ist, ob mangels Anfechtung der 30%-igen Integritätseinbusse für
den somatischen Integritätsschaden dieser Teil der Verfügung vom 21. September
2012 bzw. dieser Teil des Einspracheentscheids vom 27. Dezember 2012 (act. A99 und
A111 im Verfahren UV 2013/7) in Rechtskraft erwachsen konnte, womit es ohne weitere
Prüfung zumindest bei der Integritätseinbusse von 30% sein Bewenden hätte oder ob
der Integritätsschaden nur als Ganzes angefochten werden kann, damit auch die
grundsätzlich von der Beschwerdegegnerin anerkannte 30%-ige Integritätseinbusse
der vollumfänglichen richterlichen Überprüfungsbefugnis untersteht. Die zur Diskussion
stehenden Integritätsschäden sind klar voneinander abgrenzbar sind. Es handelt sich
um voneinander unabhängige Schäden ohne gegenseitigen Einfluss, zum einen wegen
somatischer, zum andern wegen neuropsychologischer Schäden. Diese sind
grundsätzlich zu addieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Mai 2017,
8C_19/2017, E. 4.4, mit Hinweisen) und können entsprechend, auch bei gleichzeitiger
Beurteilung, unabhängig voneinander beziffert werden und bedürfen keiner
Gesamtbeurteilung. Sämtliche Teilaspekte zur Bestimmung des Integritätsschadens in
somatischer Hinsicht sind unbestritten. Somit rechtfertigt es sich bei vorliegender
Konstellation, dass ein Teil, namentlich der somatische, in Teilrechtskraft erwachsen
konnte, während die neuropsychologische Einschätzung noch im Streit liegt. Damit ist
die bei einer Integritätseinbusse von 30% zugesprochene Integritätsentschädigung von
Fr. 32‘040.-- für die auf den Unfall zurückzuführende und verbliebene Beeinträchtigung
an der Schulter rechts und dem OSG rechts nicht Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens. In dieser Hinsicht ist die Verfügung vom 21. September 2012 bzw. der
Einspracheentscheid vom 27. Dezember 2012 (act. A99 und A111 im Verfahren UV
2013/7) in Teilrechtskraft erwachsen. Eine weitergehende Integritätsentschädigung ist
mangels überwiegend wahrscheinlich ausgewiesener neuropsychlogischer Defizite
nicht geschuldet, weshalb die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen ist.
8.
8.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 27. Dezember 2012 abzuweisen.
8.2 In Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Juni 2013, 8C_71/2013, E. 2.2.3) hat die Beschwerdegegnerin
die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 23‘234.90 (act. G 34) zu tragen.
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8.3 Bezüglich Kosten des vom Beschwerdeführer in Auftrag gegebenen Gutachtens
von Dr. med. N._, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie, und der
neuropsychologischen Untersuchung von Dr. J._ wird auf die Ausführungen im
Entscheid des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 7. April 2015 (UV
2013/7), E. 7.2, verwiesen, wonach diese Abklärungen für den vorliegenden Fall nicht
relevant sind und die daraus entstandenen Kosten damit nicht der
Beschwerdegegnerin auferlegt werden können.
8.4 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
8.5 Der Beschwerdeführer hat ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
gestellt (act. G 1 im Verfahren UV 2013/7). Mit Blick darauf, dass die Bedürftigkeit
aktenkundig ist und die Beschwerde nicht aussichtslos war, ist diesem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege, umfassend die Befreiung von den
Gerichtskosten und die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch
lic. iur. Simon Kehl, entsprochen worden (act. G 13 im Verfahren UV 2013/7). Der Staat
bezahlt demzufolge die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers (Art. 122
Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs.
2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGs 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Im Verfahren UV 2013/7 war eine pauschale Parteientschädigung von Fr.
3‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zugesprochen worden. Mit Blick
auf den durch das Gerichtsgutachten entstandenen Mehraufwand erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 7'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) für
die Verfahren UV 2013/7 und UV 2015/85 angemessen. Diese Entschädigung ist
zufolge unentgeltlicher Prozessführung um einen Fünftel herabzusetzen (Art. 31 Abs. 3
des Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS 963.70]). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 5‘600.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
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8.6 Der Beschwerdeführer ist zur Nachzahlung an den Kanton verpflichtet, sobald er
dazu in der Lage ist (Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP).