Decision ID: 0ed924d5-ffa7-4387-a744-33ef06f9175e
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
a. Die Immobiliengesellschaft Y. AG (Q.) ist Eigentümerin der ca. 22‘700 m grossen
Parzelle Nr. W0000 in X., welche der Wohnzone W3 (dreigeschossig) zugeteilt ist. Auf
der Parzelle befinden sich zwei Schulgebäude sowie eine offene Sport- und
Freizeitfläche. Im Osten grenzen die Liegenschaften A.-weg 02 und 02a sowie die
unüberbaute, ca 16‘400 m grosse Parzelle Nr. W0001 an, welche sich ebenfalls im
Eigentum der Immobiliengesellschaft Y. AG befindet. Im Beschluss vom 22. Januar
2013 leitete der Stadtrat X. das Verfahren für den Überbauungsplan „Sporthalle
Q.“ (nachstehend: Überbauungsplan) sowie den Teilstrassenplan
„Erschliessungsstrasse Parzelle W0001“ (nachstehend: Teilstrassenplan) mit
Rodungsgesuch ein (act. G 9/I 23/8). Nachdem im Auflageverfahren gegen den
Überbauungs- und den Teilstrassenplan sowie das Rodungsgesuch durch K.M.
Einsprache erhoben worden war, einigten sich die Beteiligten darauf, dass auf die
Weiterführung des Strassenplanverfahrens bzw. auf den Erlass eines Teilstrassenplans
verzichtet und der Überbauungsplan dahingehend abgeändert werde, dass der im
Überbauungsplan enthaltene Hinweis „Erschliessungsstrasse Parzelle W0001“ aus
dem Plan herausgenommen und diese Fläche dem Umgebungsbereich zugeordnet
werde. Die besonderen Vorschriften des Überbauungsplans wurden mit einem Passus
ergänzt, wonach „der im Plan bezeichnete Bereich Erschliessungsstrasse Parzelle
W0001 von Bauten und Anlagen freizuhalten sei. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass
damit die künftige Strasse und Linienführung zur Erschliessung der erwähnten Parzelle
in keiner Weise präjudiziert werde. Im Beschluss vom 22. Oktober 2013 stimmte der
Stadtrat X. dem (geänderten) Überbauungsplan und dem Verzicht auf Erlass eines
Teilstrassenplans zu. Die Einsprache von K.M. wurde teilweise gutgeheissen (act. G 9/I
23/6). Dieser Beschluss erwuchs in Rechtskraft.
b. Am 14. Januar 2014 stimmte das Kantonsforstamt dem Rodungsgesuch betreffend
2‘094 m Waldareal (davon 1‘139 m definitiv) auf Parzelle Nr. W0000 für die
Erschliessung der Parzelle Nr. W0001 unter Auflagen zu und wies die Einsprache von
K.M. ab mit dem Hinweis, die Voraussetzungen nach Art. 5 ff. des Bundesgesetzes
über den Wald (SR 921.0; WaG) seien erfüllt. Die ökologischen
Aufwertungsmassnahmen im verbleibenden Wald auf der Parzelle Nr. W0000 hätten
nach Weisung des zuständigen Revierförsters zu erfolgen. Die Ersatzmassnahmen auf
Parzelle Nr. W0001 (1'000 m2 einheimische Gehölzstrukturen) seien im
Sondernutzungsplan „Masterplanung Q.“ festzulegen und vom Kantonsforstamt zu
2
2
2 2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
genehmigen. Die Ausgleichszahlung betrage CHF 56‘380.-- (act. G 9/I 23/3). Mit
Verfügung vom 3. Februar 2014 genehmigte das Baudepartement (Amt für
Raumentwicklung und Geoinformation, AREG) den Überbauungsplan im Sinn der

Erwägungen (act. G 9/I 23/2). Am 30. April 2014 eröffnete die Direktion Bau und
Planung der Stadt X. die Verfügung des Kantonsforstamtes vom 14. Januar 2014 sowie
diejenige des Baudepartements vom 3. Februar 2014 koordiniert als Gesamtentscheid.
Hierbei wies sie darauf hin, dass eine spätere Erschliessung der Parzelle Nr. W0001 nur
ab der B.-strasse und damit über das Waldareal bei der geplanten Sporthalle möglich
sei; eine Erschliessung von Süden her sei ausgeschlossen. Die bestehenden Strassen
seien für eine Neuerschliessung eines Wohnquartiers nicht genügend. Für die Erfüllung
der minimalen Erschliessungsanforderungen müssten die C.-strasse und der A.-weg
auf mindestens sechs Meter ausgebaut werden, was mit massiven, nicht vertretbaren
Eingriffen in ein geschütztes Quartier, in Grünräume, Parkanlagen und Vorgärten
verbunden wäre. Es bestehe daher keine Alternative zur Erschliessung von Norden her
und damit zur Waldrodung (act. G 9/I 23/1).
c. In dem gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs (act. G 9/I 1 und 8) machte K.M.
geltend, die Rodungsbewilligung erfülle die gesetzlichen Voraussetzungen für eine
Ausnahme vom Rodungsverbot nicht. Bei der Genehmigung des Überbauungsplans
sei das Baudepartement von einer erteilten Rodungsbewilligung ausgegangen. Werde
das Rodungsgesuch abgelehnt, könne der Überbauungsplan wegen Verletzung der
Waldabstandsvorschriften von Art. 58 des Baugesetzes (sGS 731.1; BauG, in Kraft
gewesen bis 30. September 2017) und Art. 61 der Bauordnung der Stadt X. (sRS 731.1;
Bauordnung) nicht genehmigt werden. Die Regierung des Kantons St. Gallen trat mit
Entscheid vom 8. Dezember 2015 auf den Rekurs betreffend die
Genehmigungsverfügung des Baudepartements vom 3. Februar 2014 nicht ein; im
Übrigen (d.h. mit Bezug auf die Rodungsbewilligung) wies sie den Rekurs ab (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob K.M. mit Eingabe vom 14. Januar 2016 Beschwerde
mit den Anträgen, der Entscheid sei aufzuheben. Ebenfalls sei der Gesamtentscheid
vom 30. April 2014 - samt Rodungsbewilligung vom 14. Januar 2014 und
Genehmigung des Überbauungsplans vom 3. Februar 2014 - aufzuheben, unter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 22.
Februar 2016 bestätigte und begründete der Beschwerdeführer die gestellten Anträge
(act. G 5).
b. In der Vernehmlassung vom 2. März 2016 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Darlegungen im angefochtenen
Entscheid und äusserte sich ergänzend zur Beschwerde (act. G 8). Die
Beschwerdebeteiligte stellte in ihrer Vernehmlassung vom 14. März 2016 den Antrag
auf Abweisung der Beschwerde (act. G 11). Die Beschwerdegegnerinnen, vertreten
durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Pfister, St. Gallen, beantragten in der Vernehmlassung
vom 6. April 2016 Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren zu
Lasten des Beschwerdeführers (act. G 12).
c. Mit Stellungnahme vom 25. April 2016 bestätigte der Beschwerdeführer seine
Anträge und Ausführungen (act. G 14). Hierzu äusserte sich der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerinnen mit Eingabe vom 27. Mai 2016 (act. G 20).
d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben dieses Verfahrens
wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheids und Eigentümer des
an das Überbauungsplangebiet angrenzenden Grundstücks B.-strasse 03 zur
Anfechtung des Rekursentscheids legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Rechtsprechung erfolgt in Fünferbesetzung, weil die Regierung als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorinstanz entschieden hat (Art. 18 Abs. 3 lit. b Ziff. 2 des Gerichtsgesetzes [GerG],
sGS 941.1).
1.2. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts stellt ein Verweis, mit welchem
anstelle einer Begründung pauschal auf vor- oder erstinstanzliche Eingaben verwiesen
wird, für sich allein keine genügende Begründung dar, da aus ihm nicht hervorgeht, in
welchen Punkten und weshalb der Entscheid der Vorinstanz angefochten wird. Es ist
nicht Aufgabe der Rechtsmittelinstanz, in vorinstanzlichen Eingaben nach Gründen zu
suchen, weshalb der angefochtene Entscheid unrichtig sein könnte (VerwGE B 2014/38
vom 19. Februar 2015, E. 1.1). Der Beschwerdeführer erklärte zwar die bisherigen
Eingaben (Verwaltungsverfahren, Rekurs) zum integrierenden Bestandteil der
Beschwerde (act. G 5), was die Beschwerdegegnerinnen zu Recht als ungenügend
rügen (act. G 12 S. 3). Er liess es jedoch nicht dabei bewenden, sondern setzte sich mit
dem angefochtenen Entscheid im Detail auseinander. Insoweit liegt auch eine
zureichende Beschwerdebegründung vor. Seine Beschwerdeerklärung und -
begründung entsprechen somit zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist - abgesehen von den nachstehend (E. 4) darzulegenden
Eintretens-Einschränkungen - einzutreten.
1.3. Die Beschwerdegegnerinnen halten fest, dass der Beschwerdeführer neue Gründe
gegen die angefochtenen Erlasse und Verfügungen vorbringe, die nicht Gegenstand
des bisherigen Verfahrens gewesen seien (act. G 12 S. 5 und S. 9 f.). Nach Art. 61 Abs.
1 VRP können mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht Rechtsverletzungen
geltend gemacht werden. Der Beschwerdeführer kann sich nach Art. 61 Abs. 2 VRP
auch darauf berufen, der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder
unvollständig festgestellten Sachverhalt. Art. 61 Abs. 3 VRP regelt das sogenannte
Novenverbot. Dieses besagt, dass im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht
grundsätzlich keine neuen Begehren gestellt werden können. Neu ist ein Begehren,
wenn im Verfahren vor Verwaltungsgericht eine gegenüber dem vorangegangenen
Verfahren andere oder weitergehende Rechtsfolgebehauptung erhoben wird (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl 2003, Rz. 919).
Ausdruck des Novenverbots ist ausserdem, dass das Verwaltungsgericht Tatsachen,
die nach Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens eingetreten sind (echte Noven),
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
grundsätzlich nicht mehr berücksichtigt (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 642).
Demgegenüber dürfen neue Tatsachen, die sich vor Abschluss des vorinstanzlichen
Verfahrens verwirklicht haben, die der Vorinstanz aber nicht bekannt waren oder von ihr
nicht berücksichtigt wurden (unechte Noven), im Verfahren vor Verwaltungsgericht
vorgebracht werden und sind zu würdigen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 643). Eine
Schranke bei der Berücksichtigung unechter Noven besteht dann, wenn der dem
vorinstanzlichen Entscheid zugrunde liegende Sachverhalt nicht ergänzt oder neu
gewürdigt wird, sondern wenn dem Rechtsbegehren ein neues tatsächliches
Fundament unterstellt wird. Eine solche Änderung des Klagefundaments ist nach der
Praxis gestützt auf Art. 61 Abs. 3 VRP nicht zulässig. Eine Einschränkung ergibt sich
aber aus Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, EMRK).
Soweit die Vorinstanz des Verwaltungsgerichts keine richterliche Behörde ist, garantiert
Art. 6 Ziff. 1 EMRK in ihrem Anwendungsbereich eine richterliche Überprüfung mit
voller Kognition. Eine solche steht dem Verwaltungsgericht grundsätzlich zu (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 645 mit Hinweis). Der Beschwerdeführer untermauert in der Eingabe
vom 22. Februar 2016 (vgl. act. G 5 IV./Ziff. 1 und 2.3) seinen Standpunkt mit weiteren
Argumenten. Eine gegenüber dem bisherigen Verfahren andere oder weitergehende
„Rechtsfolgebehauptung“ im oben erwähnten Sinn erhebt er damit nicht; auch wird
dadurch dem Rechtsbegehren kein neues tatsächliches Fundament unterstellt. Seine
Argumentation stellt vielmehr im Wesentlichen eine Reaktion auf die Darlegungen im
angefochtenen Entscheid dar. Hinzu kommt, dass es sich bei der Vorinstanz um keine
richterliche Behörde im Sinn der EMRK handelt. Die Vorbringen sind somit im
vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen.
2.
2.1.
2.1.1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der angefochtene
Rekursentscheid vom 8. Dezember 2015, mit welchem der Gesamtentscheid der
Beschwerdebeteiligten vom 30. April 2014 einschliesslich der in Anwendung des (bis
30. September 2017 in Kraft gewesenen) Gesetzes über die Verfahrenskoordination in
Bausachen (sGS 731.2; VKoG) gleichzeitig eröffneten Rodungsbewilligung vom
14. Januar 2014 und der Genehmigungsverfügung vom 3. Februar 2014 (betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den vom 28. Januar bis 27. Februar 2013 aufgelegten Überbauungsplan) bestätigt
wurden.
2.1.2. Nach Art. 31 Abs. 2 BauG können Verfügungen des zuständigen Departements
mit Rekurs bei der Regierung angefochten werden. Ein Entscheid kann bei der
Regierung angefochten werden, wenn das Departement als Schiedsstelle entschieden
oder am Verfahren mitgewirkt hat (Art. 8 Abs. 1 lit. b VKoG). Der Beschwerdeführer
bezweifelt die Zuständigkeit der Regierung zur Behandlung des Rekurses, weil kein
Departement als Schiedsstelle entschieden oder am Verfahren mitgewirkt habe. Zur
Rekursbeurteilung zuständig sei das Baudepartement. Der angefochtene Entscheid sei
wegen Unzuständigkeit aufzuheben (act. G 14 S. 3 f.).
Hierzu ist festzuhalten, dass das Baudepartement mit der Genehmigungsverfügung
vom 3. Februar 2014 am Verfahren im Sinn von Art. 8 Abs. 1 lit. b VKoG mitwirkte,
weshalb kein Anlass besteht, die Zuständigkeit der Regierung in Frage zu stellen. Der
Umstand allein, dass die Vorinstanz in der Folge auf den Rekurs gegen die
Genehmigungsverfahren nicht eintrat, vermag an der Tatsache, dass das
Baudepartement am Verfahren mitwirkte und hierdurch eine Rekurszuständigkeit der
Regierung begründet wurde, offensichtlich nichts zu ändern. Offen bleiben kann unter
diesen Umständen, ob die Unzuständigkeitsrüge zudem - wie die
Beschwerdegegnerinnen geltend machen (act. G 20 S. 5) - als verspätet erhoben zu
gelten hätte.
2.2.
2.2.1. Nach Art. 45 Abs. 1 VRP setzt die Rechtsmittellegitimation ein eigenes
schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung des angefochtenen Aktes
voraus. Die Rechtsmittelbefugnis ist nicht nur zu bejahen, wenn die betroffene Person
rechtlich geschützte Interessen geltend macht, sondern auch dann, wenn eine
Verfügung oder ein Entscheid sie in ihrer tatsächlichen Interessenstellung mehr berührt
als einen beliebigen Dritten oder die Allgemeinheit. Die Beeinträchtigung ihrer
Interessen muss insofern objektivierbar sein, als die Beschwerdeführerin in einer
besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache stehen muss. Das
Rechtsschutzinteresse muss einen praktischen Nutzen beinhalten, d.h. eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erfolgreiche Beschwerde muss zur Abwendung materieller, ideeller oder sonstiger
Nachteile führen, die der angefochtene Akt mit sich bringen würde. Der Zugang zum
Rekursverfahren wird also durch den Nachweis eines aktuellen materiellen oder
ideellen Nachteils eröffnet (vgl. GVP 2006 Nr. 77 E. 1; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 389 ff.;
BGE 139 II 499 E. 2.2, 141 II 50 E. 2.1). Das Anfechtungsinteresse muss zudem aktuell
sein. Dies erfordert, dass die rechtliche oder tatsächliche Situation des
Beschwerdeführers durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst wird (Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 400 ff.).
2.2.2. Planungserlasse bedürfen - wie der vorliegend in Frage stehende
Überbauungsplan - nach Art. 31 Abs. 1 BauG beziehungsweise Art. 26 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Raumplanung (SR 700, RPG) der Genehmigung des
zuständigen Departementes. Zur Genehmigung der Ortsplanungserlasse ist nach Art.
25 Bst. a des Geschäftsreglements der Regierung und der Staatskanzlei (sGS 141.3)
das Baudepartement zuständig. Die Genehmigungsverfügung wird in Anwendung von
Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang 6 der Ermächtigungsverordnung (sGS 141.41)
durch den Leiter des Amtes für Raumentwicklung und Geoinformation im Namen des
Baudepartementes erlassen. Ausschliesslicher Adressat dieser
Genehmigungsverfügung ist der Gemeinderat. Private sind nicht Adressaten der
Genehmigungsverfügung. Ihnen steht das ordentliche Rechtsmittelverfahren nach Art.
29 ff. BauG zur Verfügung (vgl. dazu VerwGE B 2013/232 und 267 vom 16. April 2014,
E. 1.4, sowie B 2015/189 vom 26. Oktober 2016, E. 1.3., www.gerichte.sg.ch).
Der Einspracheentscheid vom 22. Oktober 2013, mit welchem die Einsprache des
Beschwerdeführers teilweise geschützt und der Überbauungsplan bestätigt wurde (act.
G 9/I 23/6), erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Vor dem geschilderten Hintergrund
(vorstehende E. 2.2.1) ging die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Recht davon
aus, dass dem Beschwerdeführer als Privatperson ein eigenes schutzwürdiges
Interesse im Sinn von Art. 45 Abs. 1 VRP an der Erhebung eines Rekurses gegen die
Genehmigung des Überbauungsplans fehlte und deshalb diesbezüglich auf den Rekurs
nicht einzutreten war (act. G 2 S. 10; vgl. überdies E. 4.2).
2.2.3. Hinsichtlich der Legitimation zur Erhebung des Rekurses gegen die
Rodungsbewilligung vom 14. Januar 2014 hielt die Vorinstanz im angefochtenen
bis
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entscheid fest, der Beschwerdeführer sei Eigentümer der Parzelle B.-strasse 03,
welche unmittelbar nordöstlich an die grosse freistehende Parzelle Nr. W0001
angrenze. Der im angefochtenen Überbauungsplan vorgesehene Bereich für die
Erschliessungstrasse zur Parzelle Nr. W0001 bzw. dadurch bedingte Rodung von Wald
auf Parzelle Nr. W0000 lege die Art der Erschliessung - nämlich von der B.-strasse her
- in den Grundzügen fest. In direktem Zusammenhang mit dieser
Grundsatzentscheidung stehe die Rodung von Wald im Bereich der vorgesehenen
Erschliessungsstrasse. Für den Rekurrenten als Eigentümer einer Parzelle an der B.-
strasse und als direkter Anstösser an die zu erschliessende Parzelle Nr. W0001 mache
es einen Unterschied, ob die Erschliessung von Norden her über die B.-strasse oder
von Süden her über den A.-weg bzw. die C.-strasse erfolge. Er sei damit mehr als
irgendein Dritter oder die Allgemeinheit betroffen. Er sei somit zum Rekurs, soweit
dieser die Rodungsbewilligung vom 3. Februar 2014 betreffe, legitimiert. Offen bleiben
könne daher, ob eine Sichtverbindung von der Parzelle des Beschwerdeführers zur zu
rodenden Waldfläche bestehe; ein Augenschein erübrige sich daher (act. G 2 S. 11).
Ein schutzwürdiges Interesse zur Erhebung des Rekurses liegt vor, wenn die
tatsächliche oder rechtliche Situation des Beschwerdeführers durch den Ausgang des
Verfahrens beeinflusst werden kann (BGE 133 II 409 E. 1.3 S. 413 mit Hinweisen). Auch
wenn - wie die Beschwerdegegnerinnen geltend machen (act. G 12 S. 14) - die
Liegenschaft des Beschwerdeführers rund 150 m von der Rodungsfläche entfernt liegt
und sich zwischen der Rodungsfläche und seinem Grundstück sieben überbaute
Parzellen sowie der B.-weg befinden, vermag dies an dem von der Vorinstanz
zutreffend angeführten Umstand, dass die Erschliessung von Norden (über die B.-
strasse) oder von Süden her für den Beschwerdeführer einen Unterschied mache und
seine Legitimation von daher zu bejahen ist, nichts zu ändern. In diesem Rahmen war
der Beschwerdeführer auch berechtigt, die rechtlichen Voraussetzungen einer
Rodungsbewilligung als nicht erfüllt zu rügen, ohne dass ihm - wie die
Beschwerdegegnerinnen geltend machen (act. G 12 S. 14) - unterstellt werden könnte,
nur öffentliche Interessen zu verfolgen.
2.3. Der Beschwerdeführer beantragt auch in diesem Verfahren die Durchführung eines
Augenscheins. Ob ein solcher durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen
der entscheidenden Instanz (Cavelti/Vögeli, a.a.O, Rz. 966). Im konkreten Fall stellen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich primär planerische Fragen, die sich anhand der in den Akten liegenden Pläne
sowie dem Geoportal (www.geoportal.ch) beantworten lassen. Am 15. Mai 2013 hatte
die Beschwerdebeteiligte sodann bereits eine Augenscheinsverhandlung in
Anwesenheit des Beschwerdeführers, der weiteren Verfahrensbeteiligten und eines
Vertreters des Kantonsforstamtes durchgeführt (vgl. act. G 9/I 23/7 S. 6, G 9/II 10/14).
Soweit der Beschwerdeführer die Notwendigkeit eines weiteren Augenscheins mit
Gegebenheiten betreffend den in Rechtskraft erwachsenen Überbauungsplan
(vorstehende E. 2.2.2) begründet (vgl. act. G 5 S. 5), fehlt es ebenfalls an einem Anlass,
einen solchen durchzuführen. Das Gericht verzichtet deshalb in zulässiger antizipierter
Beweiswürdigung auf einen Augenschein.
3.
3.1. Zu klären ist vorliegend in erster Linie, ob die Rodungsbewilligung vom 14. Januar
2014 im vorinstanzlichen Entscheid zu Recht bestätigt wurde. Als Rodung gilt die
dauernde oder vorübergehende Zweckentfremdung von Waldboden (Art. 4 WaG).
Rodungen sind verboten (Art. 5 Abs. 1 WaG). Eine Ausnahmebewilligung darf nach Art.
5 Abs. 2 WaG erteilt werden, wenn der Gesuchsteller nachweist, dass für die Rodung
wichtige Gründe bestehen, die das Interesse an der Walderhaltung überwiegen und
zudem die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind: das Werk, für das gerodet werden
soll, muss auf den vorgesehenen Standort angewiesen sein (lit. a); das Werk muss die
Voraussetzungen der Raumplanung sachlich erfüllen (lit. b); die Rodung darf zu keiner
erheblichen Gefährdung der Umwelt führen (lit. c). Nicht als wichtige Gründe gelten
finanzielle Interessen (Art. 5 Abs. 3 WaG). Dem Natur- und Heimatschutz ist Rechnung
zu tragen (Art. 5 Abs. 4 WaG). Nach Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) sind besonders zu schützen Uferbereiche,
Riedgebiete und Moore, seltene Waldgesellschaften, Hecken, Feldgehölze,
Trockenrasen und weitere Standorte, die eine ausgleichende Funktion im
Naturhaushalt erfüllen oder besonders günstige Voraussetzungen für
Lebensgemeinschaften aufweisen.
Bei der Prüfung der Frage, ob wichtige Gründe bestehen, die das Interesse an der
Walderhaltung überwiegen und zudem die weiteren Bedingungen gemäss Art. 5 Abs. 2
WaG erfüllt sind (vgl. BGE 119 Ib 397 E. 5), gilt die gesetzliche Vermutung, dass das
bis
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=%22Art.+5+Abs.+2+WaG%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-IB-397%3Ade&number_of_ranks=0#page397
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Interesse an der Walderhaltung grundsätzlich höher zu werten ist als das
gegenüberstehende Interesse an der Rodung. Das Walderhaltungsinteresse hat folglich
nur zurückzutreten, wenn ein überwiegendes Rodungsinteresse dargetan werden kann.
Dieser Nachweis obliegt nach dem ausdrücklichen Gesetzeswortlaut dem
Gesuchsteller. Dabei können die von ihm vorgebrachten Interessen sowohl öffentlicher
als auch privater Natur sein. Ferner bedeutet Standortgebundenheit im Sinn von Art. 5
Abs. 2 lit. a WaG, dass der Standort im Wald im Vergleich zu anderen Standorten aus
höherwertigen Gründen zwingend sein muss. Die Voraussetzungen der
Standortgebundenheit und die überwiegenden Interessen nach Art. 5 Abs. 2 WaG
stehen hierbei in engem Zusammenhang (BGer 1A.32/2004 vom 30. September 2004,
E. 4.1 mit Hinweisen).
3.2. Mit Schreiben vom 10. Juli 2014 wies das Bundesamt für Umwelt (BAFU) darauf
hin, dass seine Abteilung Wald im erstinstanzlichen Verfahren involviert gewesen sei
und am 21. März 2014 eine Begehung mit der Beschwerdebeteiligten und dem
Kantonsforstamt vor Ort stattgefunden habe (act. G 9/10). In der Stellungnahme vom
15. Juli 2014 führte das Kantonsforstamt unter anderem aus, die Beschwerdebeteiligte
habe die Erschliessungsvarianten der Parzelle Nr. W0001 geprüft und eingehend
erläutert, dass die einzig sinnvolle Erschliessungsvariante jene über die B.-strasse
(Parzelle Nr. W0000) sei. Damit sei Standortgebundenheit gegeben. Aus
raumplanerischer Sicht bestehe ein erhebliches Interesse daran, dass die Parzelle
Nr. W0001 überbaubar bleibe. Die innere Verdichtung schaffe zusätzlichen Wohnraum,
ohne die Bauzone nach aussen zu erweitern. Dieses Interesse überwiege jenes an der
Erhaltung des Walds im Bereich der künftigen Erschliessung (act. G 9/11). In der
Stellungnahme vom 23. Juli 2014 hielt das AREG fest, zu den Aufgaben der
Beschwerdebeteiligten gehöre die zweckmässige Erschliessung von Bauland. Dem
Entscheid der Beschwerdebeteiligten, dass der Korridor für eine allfällige spätere
Erschliessung der Parzelle Nr. W0001 mit dem Überbauungsplan planerisch zu sichern
sei, sei beizupflichten. Eine Erschliessung der rund 1.6 ha grossen Parzelle über den
3.5 m breiten A.-weg sei wenig zweckmässig (act. G 9/14).
Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, die Beschwerdebeteiligte habe
durch die Z. AG verschiedene Erschliessungsvarianten prüfen lassen. Sie habe die über
die B.-strasse führende Erschliessung (Variante Nord) als die sinnvollste erachtet. Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Variante Süd (Erschliessung über C.-strasse/A.-weg) hätte einen Strassenausbau im
bestehenden Wohngebiet zur Folge. Auch aus verkehrsplanerischer Sicht erweise es
sich als falsch, anstelle der Variante Nord mit direkter Verbindung zum übergeordneten
Strassennetz eine neue Verkehrserschliessung mit langen und komplizierten
Fahrwegen über Quartierstrassen zu führen. Ausserdem wären von der Variante Süd
zahlreiche schützenswerte bzw. geschützte Gebäude betroffen. Das Kantonsforstamt
habe diese Evaluation in der Verfügung vom 14. Januar 2014 gewürdigt und für richtig
befunden; eine eigene Standortevaluation des Kantonsforstamtes sei nicht nötig. Die
Darlegungen der Beschwerdebeteiligten seien nachvollziehbar und vermöchten eine
relative Standortgebundenheit zu begründen. Die Sicherstellung der Erschliessung
eines grossen Baugrundstücks im Zusammenhang mit der Erstellung der Sporthalle
und dem damit verbundenen Überbauungsplan werde zu Recht als ein wichtiger
Grund, der das Interesse an der Walderhaltung zu überwiegen vermöge, beurteilt.
Indem die Beschwerdebeteiligte die Fläche für die künftige Erschliessung der Parzelle
Nr. W0001 freihalte, komme sie ihrer Erschliessungspflicht nach. Inwiefern sich dazu
ein Widerspruch zur Aussage in der Rodungsbewilligung vom 14. Januar 2014, wonach
die Erschliessung „eher zu spät als zu früh“ komme, ergeben sollte, sei nicht
ersichtlich. Soweit der Beschwerdeführer die gesamthafte Würdigung der Plangebiete
Überbauungsplan „Sporthalle Q.“ und Überbauungsplan „Q.“ beantrage, sei
festzustellen, dass Verfahrensgegenstand nur Fragen betreffend den erstgenannten
Überbauungsplan sein könnten. Im Auflageverfahren betreffend den Überbauungsplan
„Q.“ (Auflagefrist vom 10. August bis 9. September 2015; act. G 6/1 f.) habe der
Beschwerdeführer die Möglichkeit gehabt, entsprechende Rechtsmittel zu ergreifen
(act. G 2 S. 14 f.).
3.3. Der Beschwerdeführer beanstandet, dass die Anliegen der
Beschwerdegegnerinnen (Erschliessung und Überbauung Parzelle Nr. W0001) auf
Kosten des Waldes, der Landschaft und der Anlieger verfolgt würden. Es sei
„rätselhaft“, wie die Beschwerdegegnerin 1 als Nichteigentümerin des Grundstücks die
im Rahmen der Rodungsbewilligung verfügten Ersatzmassnahmen realisieren solle.
Das Verfahren erscheine materiell nicht koordiniert, was zur Aufhebung des
Gesamtentscheids vom 30. April 2014 führen müsse. Der Überbauungsplan „Q.“
umschliesse auf drei Seiten den Perimeter des Überbauungsplans „Sporthalle Q.“.
Beide Pläne würden auf der nördlichen Seite von der B.-strasse begrenzt. Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Plangebiete seien nicht durch tatsächliche Kriterien auseinandergehalten, sondern
allein durch den subjektiven Willen der Bauherrschaft. Erschliessungsvarianten des
BAFU datierten aus dem Jahr 2009, während der Überbauungsplan am 28. Januar
2013 aufgelegt worden sei. Die zeitliche Differenz von zweieinhalb Jahren erscheine als
Vorwand, um die Planung auseinander zu reissen und subjektiv bedeutsame Fakten zu
schaffen. Die Meinung des angefochtenen Entscheids, nur der Überbauungsplan
„Sporthalle Q.“ sei Gegenstand des Verfahrens, widerspreche der Rechtsprechung
(VerwGE B 2013/197 vom 25. August 2015). Der vorgesehene Ort der
Ersatzbepflanzung im zweiten Überbauungsplan („Q.“) zeige den inhaltlichen
Zusammenhang der beiden mit verschiedenen Auflageverfahren
auseinandergerissenen Pläne. Im Überbauungsplan „Q.“ würden Zufahrten ab A.-weg
nicht aufgehoben, sondern ausgebaut. Die Erschliessung ab C.-strasse bleibe
bestehen. Diese planerischen Massnahmen stünden im Widerspruch zu den
Behauptungen der Beschwerdebeteiligten im jetzigen Verfahren, die genannten
Quartierstrassen würden keine zusätzliche Belastung ertragen. Die behauptete zeitliche
Dringlichkeit, damit der Bau einer Sporthalle vorgezogen werden könne, erscheine als
Vorwand, um „zwei Fliegen auf einen Streich“ (Erschliessung und Sporthalle) zu
erschlagen. Die Plangebiete „Sporthalle Q.“ und „Q.“ seien daher zusammen zu
beurteilen. In diesem Sinn sei der Gesamtentscheid vom 30. April 2014 aufzuheben.
Auch die Zuständigkeitsregeln der Beschwerdebeteiligten für den Erlass von
Sonderbauvorschriften (Art. 2 Bauordnung) führten dazu, dass die beiden Pläne
zusammenzulegen seien. Mit der Eröffnung der Rodungsbewilligung vom 14. Januar
2015 sei eine neue Situation entstanden. Ohne Rodung sei der Überbauungsplan
wegen Verletzung der Waldabstandsvorschriften nicht genehmigungsfähig gewesen.
Darauf habe vertraut werden dürfen. Mit Eröffnung des Gesamentscheids vom 30. April
2014 sei nicht nur der Überbauungsplan genehmigt, sondern auch die Rodung bewilligt
worden. Angefochten sei ohnehin der Gesamtentscheid, der einer Koordination
bedürfe. Es erscheine wenig sachgerecht, auf die Anfechtung der
Genehmigungsverfügung nicht einzutreten, wenn der Gesamtentscheid angefochten
sei, dessen Bestandteil wiederum die Genehmigungsverfügung sei. Im Weiteren treffe
es nicht zu, dass das Grundstück Nr. W0001 nicht hinreichend erschlossen sei. Im
Rahmen einer Interessenabwägung für eine Rodung bedürfe es einer endgültigen
Planung. An einer solchen fehle es. Eine umfassende sorgfältige Abklärung, namentlich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auch der Alternativen wie einer Erschliessung über die C.-strasse, hätten weder das
Kantonsforstamt noch die Vorinstanz vorgenommen. Eine Erschliessung via B.-strasse
sei nicht auf den Bereich „Erschliessungsstrasse Parzelle W0001“ im Überbauungsplan
angewiesen. Vielmehr könnte eine Strasse über die nicht bestockte Wiese führen, auf
der die Sporthalle vorgesehen sei. Der Bereich für eine allfällige Erschliessung Nord sei
nicht standortgebunden, noch abgesehen von Erschliessungsvarianten Süd. Mit dem
Antrag auf Nichtgenehmigung des Sondernutzungsplans werde kein ordentliches
Rechtsmittel nachgeholt, sondern eine widersprüchliche Situation verhindert. Die
Rodungsvoraussetzungen für die Erschliessung von Parzelle Nr. W0001 lägen nämlich
nicht vor und ohne Rodungsbewilligung könne der Überbauungsplan „Sporthalle Q.“
nicht genehmigt werden (act. G 5).
4.
4.1.
4.1.1. Zum Einwand des Beschwerdeführers, wonach es für die Interessenabwägung
im Rahmen der Rodungsbewilligung an einer endgültigen Planung fehle, ist
festzuhalten, dass der Überbauungsplan „Sporthalle Q.“ eine definitive Planung
beinhaltet, weshalb auch die Genehmigung des Überbauungsplans mit der Eröffnung
des Rodungsentscheids zu koordinieren war. Derzeit besteht keine zureichende
strassenmässige Erschliessung des Grundstücks Nr. W0001. Die vorausschauende
Planung und Sicherung der Erschliessung von bereits eingezontem Bauland - im
Hinblick auf eine Überbauung und nicht erst beim Vorhandensein eines konkreten
Bauprojektes) - stellt ein gewichtiges öffentliches Interesse im Sinn von Art. 5 WaG dar.
In diesem Sinn ist auch die Aussage des Kantonsforstamtes in der Rodungsbewilligung
zu verstehen, dass die Erschliessungspläne der Beschwerdebeteiligten eher zu spät als
zu früh kämen. Soll für die Erschliessung Wald in Anspruch genommen werden, setzt
die Bejahung der relativen Standortgebundenheit als Voraussetzung für eine
Rodungsbewilligung voraus, dass eine umfassende Abklärung von Alternativstandorten
stattgefunden hat. Es wird aus Gründen des gesetzlich verankerten Waldschutzes eine
stichhaltige Begründung verlangt, weshalb für das Werk ein Standort im Wald besser
als andere Standorte ausserhalb des Waldes geeignet ist. Bei dieser Begründung darf
der Perimeter nicht zu eng gezogen werden. Je grösser das Interesse an der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Walderhaltung ist, desto höher sind die Anforderungen an die Sorgfalt der
Standortevaluation (VLP-ASPAN, Rechtsgutachten Siedlungsentwicklung und Rodung,
Bern 2012, S. 18). Das überwiegende Interesse an einer Rodung kann dabei wie
erwähnt privater oder öffentlicher Natur sein (vgl. Art. 1 Abs. 2 lit. b sowie Art. 3 Abs.
3 lit. a und b RPG).
4.1.2. Zutreffend ist, dass die Z. AG im Jahr 2009 Erschliessungsvarianten von Norden
mit und ohne Rodung aufgezeichnet hatte. Die Varianten 1A, 1B und 1C benötigten
keine Rodung. Die Varianten 1B und 1C fielen jedoch aufgrund des zu steilen Gefälles
und der Notwendigkeit von grossen Stützmauern ausser Betracht. Die Variante 1D
stellte die Optimierung der Varianten Nord in Bezug auf den Bau der Sporthalle dar, bot
einen angemessenen Umgang mit der städtebaulichen Situation und dem Wald sowie
ein für den Ort angemessenes Strassenprofil (Geometrien, Gefälle). Eine direkte
Erschliessung der Parzelle Nr. W0001 mit Anschluss an die Sporthalle und den
vorhandenen Parkplatz auf Parzelle Nr. W0000 war mit dieser Variante gewährleistet
(vgl. act. G 9/II 11 Beilage 3 [Aktennotiz S. 4 f.]), G 9/II 11 Beilage 5). Die
abschliessende Standortevaluation bezog die beiden Varianten Nord (1D; über die B.-
strasse) und Süd (über C.-strasse und A.-weg) ein. Die Variante Süd hätte dabei
unbestritten einen erheblichen und für die Beteiligten einschneidenden Strassenausbau
im bestehenden Wohngebiet (Verbreiterung beider Strassen um 2 bis 2.5 m sowie
Ausbau der Kurven und Einlenker) sowie lange Anfahrtswege über Quartierstrassen zur
Folge. Ebenfalls unbestritten blieb für diese Variante die Notwendigkeit von hohen und
langen Stützmauern sowie weiteren Eingriffen in das Quartier mit Grünräumen und
Parkanlagen. Weitere Folge wäre eine erhebliche zusätzliche Verkehrsbelastung.
Überdies wären von einem Strassenausbau im erwähnten Sinn - im Gegensatz zu dem
von der Variante Nord betroffenen Areal - zahlreiche historische Gebäude betroffen,
welche aufgrund kommunalen und kantonalen Rechts als Ortsbild geschützt und im
Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) enthalten sind (vgl.
dazu die Darlegungen in der Rekursvernehmlassung; act. G 9/23; vgl. auch act. G
21/2). Die Variante Nord gewährleistet überdies eine direkte Verbindung zum
übergeordneten Strassennetz, ohne weite Umwege über Quartierstrassen. Das
Interesse am Erhalt des Waldstücks wurde angesichts der gegen die
Erschliessungsvariante Süd sprechenden gewichtigen öffentlichen Interessen - auch
von den beteiligten Fachstellen (AREG; BAFU) - zu Recht als nicht sehr erheblich
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eingestuft. Unzutreffend ist dabei der Hinweis des Beschwerdeführers, dass es an einer
Würdigung der forstlichen Belange durch die Forstbehörde fehle (act. G 5 S. 8).
Vielmehr äusserte sich das Kantonsforstamt im Verlauf des Verfahrens mehrfach
einlässlich zu den Gegebenheiten (vgl. act. G 9/II 9 und 10, mit Beilagen). Konkrete
weitere Anhaltspunkte, aufgrund welcher die Interessenabwägung in Frage zu stellen
wäre, sind nicht ersichtlich.
4.2. Nicht Gegenstand dieses Verfahrens bildet der Überbauungsplan „Q.“, weshalb
auch der beantragte Beizug von Einsprachen gegen diesen Überbauungsplan (act. G 5
S. 5) für die vorliegend streitigen Fragen aller Voraussicht nach keine zusätzlichen
Erkenntnisse zu liefern vermöchte. Auf materielle Vorbringen des Beschwerdeführers
betreffend den Überbauungsplan „Q.“ (vgl. act. G 5 S. 5 f.) ist im vorliegenden
Verfahren nicht einzutreten.
4.3. Zu dem mit Hinweis auf VerwGE B 2013/197 vom 25. August 2015 erfolgten
Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach die Abgrenzung der Plangebiete nicht
nach dem subjektiven Willen der Grundeigentümer vorgenommen werden dürfe (act. G
5 S. 4), ist vorab festzuhalten, dass der vorliegend zur Diskussion stehende
Überbauungsplan „Sporthalle Q.“ wie dargelegt (vorstehende E. 2.2.2) in Rechtskraft
erwuchs. Der Gesamtentscheid vom 30. April 2014 (act. G 9/I 23/1) stellt inhaltlich im
Wesentlichen einen Begleitbrief der Direktion Bau und Planung der
Beschwerdebeteiligten für die Eröffnung der Rodungsbewilligung und der
Genehmigung des Überbauungsplans (vgl. Art. 26 Abs. 3 RPG) dar. Der
Gesamtentscheid eröffnet somit keine erneute Rechtsmittelmöglichkeit gegen den
Überbauungsplan als solchen, zumal er den rechtskräftigen Stadtratsentscheid vom
22. Oktober 2013 zum vornherein nicht nachträglich abändern bzw. ergänzen oder
erneut eröffnen kann. Die - in VerwGE B 2013/197 streitige - Abgrenzung des
Plangebiets bzw. die Frage, ob weitere Grundstücksflächen in den Planperimeter des
(rechtskräftigen) Überbauungsplans einzubeziehen gewesen wären, fällt somit als
Thema des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ausser Betracht. Mit Bezug auf die
Frage der Rechtmässigkeit der Rodungsbewilligung lässt sich dementsprechend aus
dem erwähnten VerwGE 2013/197 nichts zugunsten des Standpunktes des
Beschwerdeführers ableiten. Im Übrigen bestätigte das Verwaltungsgericht in jenem
Entscheid, dass sich die Abgrenzung des Plangebiets zum einen nach den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
tatsächlichen Gegebenheiten wie Topographie, Flussufer, Waldränder, Zonengrenzen,
bestehende oder projektierte Verkehrsachsen, Baugrund, Besonnung richte, dessen
räumliche Ausdehnung sich aber auch aus seiner Zweckbestimmung ergebe: Der
Perimeter sei so weit zulässig, als der Zweck, der mit dem Gestaltungsplan verfolgt
wird, diesen zulasse bzw. erheische und als verhältnismässig erscheine (VerwGE B
2013/197, a.a.O., E. 3.2.3 mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund erweist sich der
Standpunkt der Beschwerdebeteiligten als nachvollziehbar begründet, wonach bei der
Planung und Umsetzung eines Überbauungskonzepts auf einem grossen Areal ein
etappenweises Vorgehen mit verschiedenen, aufeinander abgestimmten
Sondernutzungsplänen grundsätzlich zulässig und zweckmässig sei. Es spreche nichts
dagegen, zum einen ein zeitlich dringenderes Projekt auf einem Teil des Geländes
(Sporthalle) vorzuziehen und zum anderen für einen weiteren Teil des Areals (Parzelle
Nr. W0001), welches eine Reservezone bilde und dessen spätere Nutzung
(Schulbetrieb, Wohnen) zur Zeit noch offen sei, eine spezielle Regelung (Ausscheidung
als eigener Baubereich K mit Gestaltungsplanpflicht) zu treffen (act. G 11 S. 2).
Dementsprechend ist die Aufteilung des Verfahrens auf die beiden Pläne als
rechtmässig zu erachten, zumal sich die Pläne im Sinn eines stufengerechten
Vorgehens inhaltlich und örtlich ergänzen (act. G 9/23 S. 2).
Was den Hinweis des Beschwerdeführers auf Art. 2 der Bauordnung betrifft (act. G 5 S.
6), ist festzuhalten, dass diese Bestimmung lediglich die Zuständigkeit im Rahmen des
politischen Entscheidungssprozesses festlegt, im Übrigen jedoch das Verfahren bei
Erlass von Überbauungsplänen (Verwaltungs- und Rechtsmittelverfahren) nicht regelt.
Einsprachen gegen Sondernutzungspläne sind dabei in jedem Fall vom Stadtrat zu
entscheiden; gegen dessen Entscheid steht der Rechtsmittelweg (Rekurs, Beschwerde)
zur Verfügung. Eine diesbezügliche verfahrensmässige Unkorrektheit ist vorliegend
nicht ersichtlich, zumal sich aufgrund von Art. 2 Abs. 1 der Bauordnung keine
Notwendigkeit der Zusammenlegung beider Überbauungspläne ableiten lässt.
4.4. Nach Art. 7 Abs. 1 WaG ist für jede Rodung in derselben Gegend mit vorwiegend
standortgerechten Arten Realersatz zu leisten. Anstelle von Realersatz können nach
Art. 7 Abs. 2 WaG gleichwertige Massnahmen zu Gunsten des Natur- und
Landschaftsschutzes getroffen werden: in Gebieten mit zunehmender Waldfläche (lit.
a); in den übrigen Gebieten ausnahmsweise zur Schonung von landwirtschaftlichem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kulturland sowie ökologisch oder landschaftlich wertvoller Gebiete (lit. b). Auf den
Rodungsersatz kann lediglich bei den - hier nicht zur Diskussion stehenden -
Sachverhalten gemäss Art. 7 Abs. 3 WaG verzichtet werden.
Die Beschwerdegegnerin 1 wurde mit der der Rodungsbewilligung zu
Ersatzmassnahmen auf Grundstück Nr. W0001 sowie zu Kautions- und
Ausgleichszahlungen verpflichtet (act. G 9/I 23/3). Eigentümerin des Grundstücks Nr.
W0001 ist die Beschwerdegegnerin 2. Der Beschwerdeführer rügt wie dargelegt eine
mangelnde Verfahrenskoordination und erachtet es als „rätselhaft“, wie die
Beschwerdegegnerin 1 als Nichteigentümerin des Grundstücks die im Rahmen der
Rodungsbewilligung verfügten Ersatzmassnahmen realisieren solle (act. G 5 S. 4). Die
Rechtsmittellegitimation werde ihm (dem Beschwerdeführer) vorschnell abgesprochen,
bei der Bezeichnung der Rechtsmittelgegner herrsche formelle Beliebigkeit (act. G 14
S. 2). Hierzu ist mit der Beschwerdebeteiligten (act. G 11 S. 2) festzuhalten, dass der
Umstand, wonach der Realersatz im Rahmen des Überbauungsplans „Q.“ im Bereich
der Parzelle Nr. W0001 (und nicht im Zusammenhang mit dem hier in Frage stehenden
Überbauungsplan) festzulegen ist, kein verfahrensrechtlich unzulässiges Vorgehen
darstellt, soweit beide Sondernutzungspläne planerisch koordiniert und aufeinander
abgestimmt sind. Letzteres ist vorliegend insofern sichergestellt, als die
Rodungsarbeiten nur in Absprache mit den Forstbehörden erfolgen können. Hinzu
kommt, dass - wie die Beschwerdegegnerinnen zu Recht festhalten (act. G 12 S. 9) -
Bewilligungen, Bedingungen und Auflagen nicht mit der Person der Gesuchstellerin
verknüpft sind, sondern sich auf ein bestimmtes Gesuch beziehen. Beiden
Beschwerdegegnerinnen ist sodann die Rodungsbewilligung bekannt. Für die
Ausführung der Ersatzmassnahmen war zudem eine Kaution zu hinterlegen. Sodann
gibt es - entgegen der offenbaren Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 5 S. 5
Ziff. 2.3) - ohnehin keine Pflicht, Ersatzmassnahmen auf demselben Grundstück zu
realisieren, für welches eine Rodung bewilligt worden war. Es besteht vor diesem
Hintergrund kein Anlass, die Realisierung der Ersatzmassnahmen in Zweifel zu ziehen.
Im Übrigen unterliegt die konkrete Umsetzung der Ersatzmassnahmen als solche
(insbesondere die materielle Rechtmässigkeit des Grünstreifens) wiederum der
Rechtsmittelüberprüfung. Offen bleiben kann damit, ob bzw. inwiefern der
Beschwerdeführer - wie die Beschwerdegegnerinnen vorbringen (act. G 12 S. 5
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
[Popularbeschwerde] und S. 10 f.) - in diesem Zusammenhang öffentliche Interessen
geltend macht und inwiefern ihm hierfür die Legitimation fehlen würde.
5.
5.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen somit vollständig zulasten des
Beschwerdeführers. Eine Entscheidgebühr von CHF 3'000 erscheint angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der in gleicher Höhe
geleistete Kostenvorschuss ist zu verrechnen.
5.2. Die Beschwerdegegnerinnen haben Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung
zulasten des Beschwerdeführers (Art. 98bis VRP). Ihr Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht. Folglich ist die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen.
Eine Entschädigung von insgesamt CHF 3'000 (zuzüglich Barauslagen von CHF 120
[4%]) für das Beschwerdeverfahren erscheint als angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, HonO). Die
Mehrwertsteuer wird grundsätzlich dazu gerechnet (Art. 29 HonO). Da die
Beschwerdegegnerin 1 aber selber mehrwertsteuerpflichtig ist, kann sie die der
Honorarrechnung ihres Anwalts belastete Mehrwertsteuer als Vorsteuer in Abzug
bringen. Daher muss die Mehrwertsteuer bei der Bemessung der ausseramtlichen
Entschädigung - auf dem auf die Beschwerdeführerin 1 entfallenden Anteil (CHF 1‘500)
- nicht zusätzlich berücksichtigt werden (vgl. statt vieler VerwGE B 2013/206 vom
3. Dezember 2013, E. 3). Auf dem die Beschwerdeführerin 2 betreffenden Anteil (CHF
1‘500) ist die Mehrwertsteuer zu berücksichtigen.