Decision ID: 99f51ddf-859e-5f41-9373-41a7d22fff47
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
gegen
Suva Militärversicherung, Schermenwaldstrasse 10, Postfach 8715, 3001 Bern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a B._ erlitt am 29. Juni 2002 während eines militärischen Wiederholungskurses
beim Essen eine Fraktur des linken Schneidezahns. Nach Erstbehandlung durch den
Notfallzahnarzt Dr. med. dent. A._ übernahm Dr. med. et med. dent. C._ ab 3. Juli
2002 die Weiterbehandlung. Am 12. Dezember 2002 erstellte Dr. C._ eine
Kompositfüllung an der frakturierten distalen Ecke des Schneidezahns. Die
Behandlungen wurden von der Militärversicherung (MV) übernommen.
A.b Die MV lehnte am 27. März 2006 ein Gesuch des Versicherten vom 8. März 2006
um Kostengutsprache für eine Metallkeramikkrone (VMK) am linken Schneidezahn ab
(act. G 5.1.12), woran sie mit Schreiben vom 11. Mai 2006 (act. G 5.1.16) und
Verfügung vom 19. Juni 2006 (act. G 5.1.20) festhielt. Die vom Versicherten am 21. Juni
2006 dagegen erhobene Einsprache (act. G 5.1.21) wies die MV mit Entscheid vom
12. Juli 2006 ab (act. G 5.1.24).
A.c Gegen den Einspracheentscheid vom 12. Juli 2006 erhob der Versicherte am
4. Oktober 2006 Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
(act. G 5.1.25). Mit Urteil vom 14. März 2007 hiess das Gericht die Beschwerde
teilweise gut und wies die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurück. Sie habe beim behandelnden Zahnarzt Dr. C._ und bei Dr. med. dent. Dr. h.c.
D._, der der MV am 13. März 2006 die Kostenofferte für die Keramikkrone eingereicht
hatte (act. G 5.1.11), abzuklären, ob das Einsetzen der Krone eine definitive Versorgung
des erst provisorisch versorgten Schneidezahns darstelle (Urteil MV 2006/3 vom
14. März 2007, Erw. 6c).
B.
B.a Mit Schreiben vom 10. Mai 2007 fragte die MV den erstbehandelnden
Dr. A._, ob der betroffene Zahn vor der Fraktur bereits eine Vorschädigung
aufgewiesen hatte (act. G 5.1.36). Gemäss Telefonnotiz vom 7. Juni 2007 gab Dr. A._
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an, der Zahn habe am 29. Juni 2002 bereits eine ziemlich grosse Füllung aufgewiesen
(act. G 5.1.40).
B.b Am 10. Mai 2007 hatte die MV zudem Dr. D._ gefragt, weshalb die VMK-
Versorgung gemäss Kostenschätzung vom 13. März 2006 notwendig geworden sei
(act. G 5.1.38). Gemäss Telefonnotiz vom 24. Mai 2007 bestätigte Dr. D._, dass nach
dem Ereignis vom 29. Juli 2002 keine neuen Frakturen hinzugekommen seien. Der
Zahn weise ein ausgedehntes Flickwerk auf, weshalb eine Überkronung sinnvoll sei
(act. G 5.1.39).
B.c In einem dritten Schreiben vom 10. Mai 2007 hatte die MV schliesslich Dr. C._
gefragt, ob es sich bei der Kompositfüllung vom 2. Dezember 2002 um eine minimale
provisorische Lösung gehandelt habe (act. G 5.1.37). Mit Schreiben vom 22. Mai 2007
gab Dr. C._ an, für die Versorgung des Zahns sei die Kompositfüllung seines
Erachtens eine einfache, wirtschaftliche und zweckmässige Versorgung gewesen, da
zahnschonend und minimal invasiv (act. G 5.1.41).
B.d Mit Vorbescheid vom 26. Juli 2007 stellte die MV dem Versicherten die
Verweigerung der Kostengutsprache für die Krone in Aussicht. Der bereits
vorgeschädigte Zahn habe während des Dienstes eine Verschlimmerung erfahren, die
mit der Behandlung am 2. Dezember 2002 behoben worden sei. Der Status quo sine
sei zu diesem Zeitpunkt erreicht worden (act. G 5.1.43). Trotz eines gegen dieses
Ergebnis gerichteten Einwands der Rechtsschutzversicherung des Versicherten vom
8. August 2007 (act. G 5.1.44) verfügte die MV am 21. August 2007 gemäss
Vorbescheid (act. G 5.1.45). Die Einsprache des Versicherten vom 20. September 2007
(act. G 5.1.49) wies sie mit Entscheid vom 20. März 2009 ab (act. G 1.1).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des Versicherten
vom 30. April 2009. Er beantragt unter Kosten- und Entschädigungsfolgen die
Aufhebung des Entscheids und die Gewährung der Kostengutsprache für die
Überkronung im Sinn des Gesuchs von Dr. D._ vom 8. März 2006. Weder Dr. A._
noch Dr. D._ hätten die Frage des Versicherungsgerichts, ob die Krone eine definitive
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Versorgung des Zahns darstelle, beantwortet. Eine Vorschädigung des Zahns sei
zudem nicht belegt. Bei der Auslegung der Antwort von Dr. C._ vom 10. Mai 2007
(richtig: 22. Mai 2007) seien seine Angaben im Schadenformular vom 2. Dezember
2002 zu berücksichtigen. Dort habe er darauf hingewiesen, dass die Versorgung mit
Kompositfüllung noch keine definitive sei. Betreffend Vorschädigung weist der
Beschwerdeführer darauf hin, ihm sei in seiner frühen Kindheit am linken Schneidezahn
ein Veneer angebracht worden. In den Akten fänden sich keinerlei Hinweise, wonach
der Zahn dort gebrochen wäre, wo das Veneer ursprünglich angebracht gewesen sei.
Von einer allgemeinen Schwächung des Zahns, wie dies bei krankheitsbedingter
Schädigung zu erwarten wäre, könne keine Rede sein. Es gebe keine Indizien, wonach
der Zahn ohne das Ereignis vom 29. Juni 2002 zu Schwierigkeiten geführt hätte
(act. G 1).
C.b Da der Beschwerdeführer die Beschwerde nicht unterzeichnet hatte, eröffnete der
zuständige Verfahrensleiter ihm mit Schreiben vom 13. Mai 2009 eine fünftägige Frist,
um dies nachzuholen, andernfalls auf die Beschwerde nicht eingetreten werden könne
(act. G 2). Der Beschwerdeführer reichte am 19. Mai 2009 die unterschriebene
Beschwerde nochmals ein (act. G 3).
C.c In der Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Im gesamten bisherigen Verfahren habe der
Beschwerdeführer wahrheitswidrig und wohl auch wider besseres Wissen wiederholt
geltend gemacht, der Schneidezahn sei vor dem Ereignis vom 29. Juni 2002 völlig
intakt gewesen. Bei der klaren Fragestellung an und der ebenso klaren Antwort von
Dr. C._ bleibe für die Interpretation des Beschwerdeführers kein Raum. Hätte es sich
um ein Provisorium gehandelt, hätte Dr. C._ dies auch so bestätigt. Die am 6. März
2006 gemeldete erneute Kronenfraktur (gemeint wohl: Überkronung) stelle bei der
gegebenen Aktenlage einen neuen Versicherungsfall dar, für den eine Leistungspflicht
der MV nach Art. 18a MVG ohne weiteres zu verneinen sei (act. G 5).
C.d Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 9. Juli 2009 an seinen Anträgen fest.
Er betont erneut, das in seiner Kindheit eingesetzte Veneer habe zu keiner krankhaften
Schwächung des Zahns geführt. Neue Argumente bringt er nicht vor (act. G 7).
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C.e Am 1. September 2009 hält auch die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest
und verzichtet auf weitere inhaltliche Ausführungen (act. G 9).
C.f Betreffend Sachverhalt wird im Übrigen auf die entsprechenden detaillierten
Ausführungen im Urteil MV 2006/3 vom 14. März 2007 verwiesen. Auf weitere
Vorbringen der Parteien wird – sofern entscheidwesentlich – im Rahmen der
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Gericht hat die massgebenden Rechtsgrundlagen und rechtlichen
Ausführungen bereits im Urteil MV 2006/3 vom 14. März 2007 dargelegt. Darauf wird
verwiesen. Gemäss Erw. 5 jenes Urteils kann das Einsetzen der Metallkeramikkrone
aufgrund der über vierjährigen Behandlungspause nicht als Bestandteil der
ursprünglichen Behandlung betrachtet werden. Damit liegt grundsätzlich ein Rückfall
vor. Das Gericht hielt weiter fest, dass nicht von einem neuen, von der MV nicht zu
übernehmenden Versicherungsfall auszugehen sei, wenn die am 2. Dezember 2002
eingesetzte Kompositfüllung nur eine provisorische Lösung dargestellt habe (Erw. 6a).
1.2 Dr. C._ wies im Schreiben vom 4. Mai 2006 darauf hin, der Beschwerdeführer
habe sich nach Dienstende mit dem im Dienst in einer anderen Praxis versorgten Zahn
gezeigt, sodass keine weiteren therapeutischen Handlungen hätten unternommen
werden müssen. In der Folge aber habe man die frakturierte distale Ecke des Zahns am
2. Dezember 2002 mit einer Kompositfüllung versorgen müssen, die laut dem
Beschwerdeführer noch immer beschwerdefrei sei (act. G 5.1.15). Am 22. Mai 2007
wies Dr. C._ darauf hin, die Versorgung des Zahns vom 2. Dezember 2002 sei
einfach, wirtschaftlich und zweckmässig gewesen, da zahnschonend und minimal
invasiv (act. G 5.1.41). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin geht es nicht
an, aufgrund dieser Aussage darauf zu schliessen, dass Dr. C._ mit der
Kompositfüllung eine definitive und keine provisorische Lösung wählte. Der
Beschwerdeführer machte gegenüber der Beschwerdegegnerin bereits am 8. April
2006 geltend, man habe ihm nach dem Ereignis vom 29. Juni 2002 mitgeteilt, es solle
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beim betroffenen Zahn ein Provisorium, ein Ansetzen des abgebrochenen Stücks,
durchgeführt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt werde dann eine "fixe" Krone
ratsam (act. G 5.1.13). Dr. C._ gab am 3. Juli 2002 und am 2. Dezember 2002 zudem
an, je nach dem weiteren Verlauf müsse am betroffenen Zahn zu einem späteren
Zeitpunkt mit weiteren Versorgungen gerechnet werden (act. G 5.1.3, 5.1.8). Wie
bereits im Urteil MV 2006/3 festgehalten, spricht die Behandlungsfreiheit während vier
Jahren nicht gegen die Annahme eines laufenden Versicherungsfalls. Es ist notorisch,
dass Kompositfüllungen häufig provisorische (Langzeit-)Lösungen darstellen und
entweder alle paar Jahre erneuert oder durch eine langfristig einsetzbare Überkronung
ersetzt werden müssen. Beim noch jungen Beschwerdeführer wären mit hoher
Wahrscheinlichkeit im Laufe seines Lebens mehrfache Erneuerungen der
Kompositfüllung notwendig. Insofern kann mit Dr. D._ davon ausgegangen werden,
dass eine zwar einmalig teurere, langfristig aber problemlosere Überkronungslösung
sinnvoll ist. Die Aktenlage und insbesondere das Schreiben von Dr. C._ vom 22. Mai
2007 lassen jedenfalls den Schluss nicht zu, die Einsetzung der Kompositfüllung vom
2. Dezember 2002 habe eine definitive Versorgung des fraglichen Zahnschadens
dargestellt.
2.
Im Gegensatz zum Verfahren MV 2006/3 ist unterdessen bekannt, dass auf dem linken
Schneidezahn des Beschwerdeführers bereits vor dem Ereignis vom 29. Juni 2002 ein
Veneer, also eine auf dem Zahn angebrachte Keramikschale, vorhanden war. Der
Beschwerdeführer macht geltend, man habe dieses in seiner Kindheit zur
Verschönerung der beim Spielen abgebrochenen Kante des Zahns angebracht.
Dr. A._ soll gegenüber der Beschwerdegegnerin am 7. Juni 2007 telefonisch
ausgesagt haben, der Zahn habe am 29. Juni 2002 bereits eine ziemlich grosse Füllung
aufgewiesen (act. G 5.1.40). In beweisrechtlicher Hinsicht ist vorab festzuhalten, dass
diese von Dr. A._ nicht einmal unterschriftlich auf ihre Richtigkeit bestätigte
Telefonnotiz bereits aus formellen Gründen nicht ausreicht, das Bestehen eines
relevanten Vorzustands rechtsgenüglich zu beweisen. Materiell fällt zudem auf, dass
Dr. A._ von einer Füllung gesprochen haben soll, ein Veneer dagegen eine auf dem
Zahn angebrachte Keramikschale und keine Füllung ist. Insofern steht seine angebliche
Aussage in Widerspruch zu den Akten (vgl. act. G 5.1.3, Ziff. 4.5; 5.1.8, Ziff. 4.5). Die
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Röntgenbilder und die übrigen Akten erlauben es dem Juristen als zahnmedizinischem
Laien nicht, zu beurteilen, ob die ursprüngliche Zahnschädigung, die offenbar in der
Kindheit des Beschwerdeführers entstanden war und zum Einsatz eines Veneers
geführt hatte, mit der Schädigung vom 29. Juni 2002 einen Zusammenhang hat, diese
allenfalls begünstigte. So ist unklar, ob dieselbe Stelle betroffen ist, und ob – sollte dies
nicht der Fall sein – die Vorschädigung zu einer Schwächung des gesamten Zahns
geführt haben kann, sodass es ohne die in der Kindheit abgeschlagene Zahnkante
nicht zum Ereignis vom 29. Juni 2002 gekommen wäre. Ohne diesbezügliche weitere
zahnmedizinische Abklärungen kann nicht beurteilt werden, ob ein relevanter
Vorzustand zu einer Reduktion der Haftungsquote oder einer Unterbrechung des
Kausalverlaufs zu führen hat.
3.
3.1 Gemäss den obigen Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 20. März 2009 teilweise gutzuheissen und
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese im Sinn der
Erwägungen weitere Abklärungen vornehme und anschliessend über den
Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. Sinnvollerweise gibt die
Beschwerdegegnerin bei einem Sachverständigen ein Gutachten in Auftrag. Sollte die
Vorschädigung nicht hinreichend aktenmässig belegbar sein (etwa mittels Beizugs der
damaligen Behandlungsberichte und gegebenenfalls Röntgenbilder), so würde eine
Begutachtung des Zahns allenfalls Klarheit verschaffen. Im Rahmen dieser
Abklärungen ist auch die Vermutung zu verifizieren, dass die Kompositfüllung eine
provisorische (Langzeit-)Lösung dargestellt habe. Erst im Anschluss an diese
Abklärungen kann eine Beurteilung der Kausalität und nötigenfalls eine Festsetzung der
Haftungsquote erfolgen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
3.3 Wie bereits im Verfahren MV 2006/3 beantragt der Beschwerdeführer auch
vorliegend die Gutheissung unter Entschädigungsfolgen. Da er noch immer nicht
anwaltlich vertreten ist, kommt die Zusprache einer Parteientschädigung auch
vorliegend nicht in Frage (vgl. MV 2006/3, Erw. 8).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG