Decision ID: 446ee77f-2f5f-4120-ab39-f090a4b12562
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz (Obhut etc.)
Berufung gegen ein Urteil und eine Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Bülach vom 29. April 2013 (EE120171-C)
_
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Bülach:
(Urk. 80)
"1. Es wird festgestellt, dass die Parteien seit dem 5. März 2013  leben.
2. Die Kinder A._, geb. tt.mm.2001, und B._, geb. tt.mm.2003, werden für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut des Beklagten gestellt.
3. Die Klägerin ist berechtigt, die Kinder A._ und B._ an zwei Wochenenden pro Monat (in Nichteinigungsfalle am ersten und dritten Wochenende) zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen und sie ausserdem für 4 Wochen jährlich auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen. Die  des Ferienbesuchsrechts hat die Klägerin mindestens drei Monate im Voraus mit dem Beklagten abzusprechen.
4. Für die Kinder A._ und B._ wird eine Erziehungs- und Besuchsrechtsbeistandschaft gemäss Art. 308 ZGB errichtet.
Dem Beistand/Der Beiständin werden die folgenden Aufgaben übertragen: − Hilfestellung bei der schulischen und persönlichen Entwick-
lung der Kinder − Regelung der Übergabemodalitäten, Sicherstellen und
Überwachen des Besuchsrechtes − Vermittlung bei Konflikten zwischen den Eltern − Antragstellung, wenn sich weitergehende Kindesschutz-
massnahmen oder die Abänderung der die Kinder  Eheschutzmassnahmen als notwendig erweisen
5. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bülach Süd wird dringend ersucht, einen Beistand/eine Beiständin gemäss  Ziff. 4 zu ernennen.
- 3 -
6. Es wird festgestellt, dass die Klägerin mangels finanzieller  nicht in der Lage ist, Unterhaltsbeiträge für die  A._ und B._ zu leisten.
7. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für sie persönlich  Unterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 1'020.– zu , zahlbar jeweils auf den Ersten eines jeden Monats im Voraus, erstmals ab 1. Mai 2013.
Ab 1. September 2013 reduziert sich dieser monatliche  auf Fr. 730.–.
8. Die eheliche Wohnung an der ...-Strasse ... in E._ wird dem Beklagten samt Mobiliar und Hausrat zur alleinigen Benützung zugewiesen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'300.– ; die weiteren Auslagen betragen: Fr. 637.50 Dolmetscherkosten Fr. 300.– Bericht Fr. Kosten Kindsvertretung (offen) Fr. Total
Weitere Auslagen bleiben vorbehalten. Wird auf eine Begründung verzichtet, ermässigt sich die Gerichtsgebühr auf zwei Drittel.
10. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Staatskasse genommen. Die Parteien werden auf das Nachforderungsrecht gemäss Art. 123 ZPO aufmerksam .
11. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 12. ... (Mitteilungssatz) 13. ... (Rechtsmittelbelehrung) Dieser Entscheid ist vollstreckbar (Art. 315 Abs. 4 lit. b ZPO)."
Berufungsanträge:
der Verfahrensbeteiligten und Erstberufungskläger:
in der Erstberufung (Urk. 79 S. 2 ff): "A. Es seien Dispositivziffern 2 und 3 des Urteils des Bezirksgerichtes
Bülach vom 29. April 2013 in Sachen C._ / D._, Prozess Nr. EE120171-C, vollumfänglich aufzuheben und es sei neu was folgt zu entscheiden:
- 4 -
1. Die Kinder A._, geboren tt.mm.2001, und B._, geboren tt.mm.2003, seien unter die Obhut der Klägerin zu stellen.
2. Der Beklagte sei berechtigt zu erklären, die Kinder A._ und B._ jedes zweite Wochenende von Freitag 17.30 Uhr bis Sonntag 17.30 Uhr sowie viermal pro Monat abends nach der Schule für drei Stunden zu sich oder mit sich auf eigene Kosten auf Besuch zu nehmen. Das Besuchsrecht während der Woche sei erst dann zu gewähren, wenn der Beklagte in E._ oder in unmittelbarer Nähe über eine geeignete Unterkunft verfügt.  sei ihm ein Ferienbesuchsrecht von vier Wochen pro Jahr und ein gerichtsübliches Feiertagsbesuchsrecht für beide Kinder zu gewähren. Die Klägerin sei zu verpflichten, beide Kinder bei der Ausübung des Besuchsrechts zu unterstützen und zu motivieren sowie  telefonischen Kontakt der Kinder mit dem Vater zu ermöglichen.
3. Die Parteien seien unter Androhung der Ungehorsamstrafe nach Art. 292 StGB zu verpflichten, • gegenüber und/oder im Beisein der Kinder über die andere
Partei nicht negativ zu sprechen und nicht zu streiten, und • gegenüber und/oder im Beisein der Kinder über das vorlie-
gende Gerichtsverfahren nicht zu sprechen, mit Ausnahme der neutralen Erklärung, dass ein kinderpsychiatrisches und kinderpsychologisches Gutachten durchgeführt werde, der Wohnort vom Gericht provisorisch festgelegt wurde und eine definitive Entscheidung später getroffen werde, und
• ihre Familienmitglieder, Bekannten, Nachbarn und andere Dritte anzuhalten, sich vor den Kindern nicht einzumischen und weder gegenüber den Kindern noch im Beisein der  über die Trennung, das Gerichtsverfahren noch sonst wie und in keinem Fall negativ über eine der Parteien zu äussern.
4. Die Parteien seien unter Androhung der Ungehorsamstrafe nach Art. 292 StGB zu verpflichten, innert fünf Arbeitstagen nach  des Entscheides über die vorsorglichen Massnahmen psychologische und/oder psychiatrische Betreuung zu  und diese regelmässig, mindestens alle 14 Tage, während rund sechs bis zwölf Monaten wahrzunehmen.
5. Die Klägerin sei unter Androhung der Ungehorsamstrafe nach Art. 292 StGB zu verpflichten, mindestens bis zum Vorliegen  kinderpsychiatrischen und kinderpsychologischen Gutachtens ihren Sohn F._ und ihre Tochter G._ nicht mehr in der ehelichen Wohnung übernachten zu lassen und seine bzw. ihre Besuche in der ehelichen Wohnung auf zweimal pro Monat zu .
- 5 -
6. Die definitive Formulierung der Anträge wird nach Vorliegen eines kinderpsychiatrischen und kinderpsychologischen Gutachtens  und ist entsprechend vorbehalten.
B. Es sei Dispositivziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichtes Bülach vom 29. April 2013 in Sachen C._ / D._, Prozess Nr. EE120171-C, wie folgt zu ergänzen:
1. Es seien dem Beistand/der Beiständin zusätzlich folgende  zu übertragen: • Einleitung und Überwachung der Einhaltung der notwendi-
gen medizinischen und therapeutischen Massnahmen,  Organisation, Einleitung und Überwachung einer kinderpsychologischen Therapie für B._
• Erhältlichmachung sämtlicher Unterstützungshilfen/-beiträge/ -leistungen
• Prüfung und Durchführung des Besuchsrechts unter der 
• Erhalt des Verhältnisses der Kinder zum Beklagten • Errichtung einer sozialpädagogischen Familienbegleitung,
welche insbesondere die Kinder und die Mutter zu Hause besuchen und unterstützen, anfänglich mindestens einmal pro Woche sowie mit monatlicher Berichterstattung an den Beistand/die Beiständin.
2. Die definitive Formulierung der Anträge wird nach Vorliegen eines kinderpsychiatrischen und kinderpsychologischen Gutachtens  und ist entsprechend vorbehalten.
C. Es sei bezüglich des Urteils des Bezirksgerichtes Bülach vom 29. April 2013 in Sachen C._ / D._, Prozess Nr. EE120171-C, festzustellen, dass Dispositivziffer 13 Abs. 3 falsch ist, eventualiter sei der Berufung die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollstreckbarkeit aufzuschieben.
Alles unter Kostenfolgen zulasten der Parteien. ... [Anträge betreffend vorsorgliche Massnahmen sowie prozessuale Anträge]"
zur Zweitberufung (Urk. 97 S. 2): "Die Zweitberufung sei in Ziffer 2 und 3 unter dem Vorbehalt der  Formulierung des vorliegenden Antrages nach Vorliegen weiterer Abklärungen gutzuheissen."
der Klägerin, Erstberufungsbeklagten 1 und Zweitberufungsklägerin:
in der Zweitberufung (Urk. 95/79 S. 2 f.):
- 6 -
"In Abänderung des Urteils des Bezirksgerichtes Bülach vom 29. April 2013 sei folgendes zu entscheiden: 1. Die Klägerin sei gestützt auf Art. 175 ZGB zum Getrenntleben be-
rechtigt zu erklären. 2. Die Kinder A._, geb. tt.mm. 2001, und B._, geb.
tt.mm.2003, seien für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Klägerin zu stellen. Eventualiter sei B._ unter die Obhut der Klägerin und A._ unter die Obhut des Beklagten zu stellen.
3. Der Beklagte sei berechtigt zu erklären, die Kinder an jedem zweiten Wochenende, an einem Abend unter der Woche,  eines gerichtsüblichen Feiertagsbesuchsrechtes sowie  der Schulferien für die Dauer von vier Wochen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
4. Die bereits errichtete Beistandschaft im Sinne von Art. 308 ZGB sei fortzuführen.
5. Die eheliche Wohnung an der ...-Strasse ..., E._ sei mit  und Hausrat der Klägerin zur alleinigen Benützung .
6. Der Beklagte sei zu verpflichten, die eheliche Wohnung unter  seiner persönlichen Effekten sofort zu verlassen.
7. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin für den Unterhalt und die Erziehung der Kinder einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von je Fr. 800.– zuzüglich Kinderzulagen sowie einen  Unterhaltsbeitrag von Fr. 2'473.– für sie persönlich zu .
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beklagten. ... [Prozessuale Anträge, Antrag auf Zusprechung eines  sowie Eventualgesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung]"
zur Erstberufung (Urk. 102 S. 2): "Sie [die Klägerin] unterstützt die Anträge der Erstberufung, soweit sie den in der Zweitberufung gestellten Anträgen entsprechen."
des Beklagten, Erstberufungsbeklagten 2 und :
zur Erstberufung (Urk. 103 S. 2): "1. Die Erstberufung sei abzuweisen und die Verfügungen und das
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am  Bülach vom 29. April 2013 seien vollumfänglich zu .
- 7 -
2. Die für die Dauer des Berufungsverfahrens beantragten  Massnahmen seien vollumfänglich abzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin. ... [Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und ]"
zur Zweitberufung (Urk. 106 S. 2): "1. Die Zweitberufung sei abzuweisen und die Verfügungen und das
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am  Bülach vom 29. April 2013 seien vollumfänglich zu .
2. Der Antrag der Klägerin auf Zahlung eines  sei abzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin. ... [Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und ]"

Erwägungen:
1. Die Parteien heirateten am tt. Januar 2001 in ..., Chile. Die Klägerin,
Erstberufungsbeklagte 1 und Zweitberufungsklägerin (nachfolgend: Klägerin) ist
chilenische Staatsangehörige und arbeitet als Reinigungskraft. Im Zeitpunkt der
Heirat war sie bereits Mutter von vier Kindern. Zwei davon zogen in der Folge zu-
sammen mit den Parteien in die Schweiz. Sie sind heute erwachsen. Der Beklag-
te, Erstberufungsbeklagte 2 und Zweitberufungsbeklagte (nachfolgend: Beklagter)
ist Schweizer und als Fahrdienstleiter bei den SBB tätig. Aus der Ehe der Parteien
gingen die Kinder A._, geboren tt.mm.2001, und B._, geboren
tt.mm.2003, (Verfahrensbeteiligte und Erstberufungskläger) hervor. Mit Eingabe
vom 20. Dezember 2012 machte die Klägerin bei der Vorinstanz das vorliegende
Eheschutzverfahren anhängig (Urk. 1). Im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfah-
rens wurde den Kindern A._ und B._ in der Person von Rechtsanwältin
Dr. X._ eine Prozessbeiständin im Sinne von Art. 299 ZPO bestellt (Urk. 24).
Im Übrigen kann für den erstinstanzlichen Prozessverlauf auf die Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden. Am 29. April 2013 wies diese die Gesuche um
Anordnung vorsorglicher Massnahmen ab, bewilligte beiden Parteien die unent-
- 8 -
geltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung und erliess das eingangs zitier-
te Urteil (Urk. 60, unbegründet = Urk. 75, begründet = Urk. 80).
2. Hiergegen erhoben sowohl die Kindesvertreterin mit Eingabe vom 12. Juli
2013 (Urk. 79), als auch die Klägerin mit Eingabe vom 18. Juli 2013 (Urk. 95/79,
Geschäfts-Nr. LE130051) Berufung. Bereits mit Entscheid vom 5. Juni 2013 hatte
die KESB Bülach Süd (gestützt auf das unbegründete Urteil) H._, Sozialar-
beiterin FH, vom Kinder- und Jugendhilfezentrum E._ als Beiständin der Kin-
der ernannt (Urk. 83/3). Mit Verfügungen vom 9. und 13. August 2013 wies der
Kammerpräsident die Gesuche um aufschiebende Wirkung ab (Urk. 90
und 95/87). Am 22. August 2013 wurden die beiden Berufungsverfahren vereinigt
(Urk. 94 und 95/89). Die Berufungsantworten datieren vom 5. resp. 12. Septem-
ber 2013 (Urk. 97, 102, 103 und 106). In der Folge wurden die Kindesvertreterin
und die Parteien auf den 12. November 2013 zu einer Vergleichsverhandlung
vorgeladen (Urk. 113), die Kinder angehört (Prot. II S. 8 ff.) und ein Kurzbericht
der Beiständin eingeholt (Urk. 118/1). Anlässlich der Vergleichsverhandlung
schlossen die Kindesvertreterin und die Parteien unter Mitwirkung des Gerichts-
schreibers (§ 133 Abs. 2 GOG) eine Vereinbarung mit folgendem Inhalt
(Urk. 120):
"1. Die Parteien beantragen, es seien die Kinder A._, geboren tt.mm.2001, und B._, geboren tt.mm.2003, für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut des Beklagten zu stellen.
2. Die Parteien beantragen, es sei die Klägerin berechtigt zu erklären, die Kinder − jeden Dienstag über Mittag sowie nach Schulschluss bis 19.30 Uhr sowie − am ersten und dritten Wochenende eines jeden Monats von Freitagmittag
bis Sonntagabend, 19.00 Uhr, auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Das Feiertagsbesuchsrecht regeln die Parteien zusammen mit der Beiständin. Weiter sei die Klägerin berechtigt zu erklären, die Kinder jährlich in den Schulfe-
rien während vier Wochen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen. Die Klägerin sei zu verpflichten, die Ausübung des  mindestens drei Monate im Voraus dem Beklagten anzumelden bzw. mit ihm abzusprechen.
3. Die Parteien beantragen, es sei die für die Kinder errichtete Beistandschaft im Sinne von Art. 308 ZGB aufrechtzuerhalten.
- 9 -
Der Beiständin sind folgende Aufgaben übertragen: − Hilfestellung bei der schulischen und persönlichen Entwicklung der Kinder, − Regelung der Übergabemodalitäten, Sicherstellen und Überwachen des
Besuchsrechtes, − Vermittlung bei Konflikten zwischen den Eltern sowie − Antragstellung, wenn sich weitergehende Kindesschutzmassnahmen oder
die Abänderung der die Kinder betreffenden Eheschutzmassnahmen als notwendig erweisen.
4. Die Klägerin und der Beklagte verpflichten sich, gegenüber resp. im Beisein der Kinder nicht negativ über den anderen Elternteil zu sprechen und den Kontakt der Kinder zum anderen Elternteil zu unterstützten.
5. Die Kinder besuchen momentan eine Kindergruppe für Scheidungskinder. Die Klägerin und der Beklagte beabsichtigen, diese therapeutische Begleitung . Sie sind zudem daran eine Psychotherapie für B._ zu organisieren und beabsichtigen auch daran festzuhalten.
6. Die Klägerin überlässt dem Beklagten für die Dauer des Getrenntlebens die  Wohnung an der ...-Strasse .... in E._ samt Mobiliar und Hausrat zur alleinigen Benützung. Das aktuelle Mietverhältnis der Klägerin ist befristet. Der Beklagte erklärt sich bereit, die Klägerin bei der Suche nach einer neuen  zu unterstützen.
7. Die Parteien halten übereinstimmend fest, dass die Klägerin mangels finanzieller Leistungsfähigkeit nicht in der Lage ist, Unterhaltsbeiträge für die Kinder zu .
8. Der Beklagte verpflichtet sich, der Klägerin persönlich monatlich im Voraus  Unterhaltsbeiträge wie folgt zu bezahlen: − Fr. 1'020.– ab dem 1. Mai 2013 bis zum 31. August 2013, hernach − Fr. 730.– bis zum 30. November 2013, danach − Fr. 900.– für die weitere Dauer des Getrenntlebens.
9. Die Klägerin und der Beklagte halten übereinstimmend fest, dass die  Unterhaltsbeiträge bereits beglichen sind.
10. Dieser Vereinbarung liegen folgende finanziellen Verhältnisse der Parteien : − Einkommen Klägerin (hypothetisch) Fr. 3'000.– − Einkommen Beklagter Fr. 6'080.– − Bedarf Klägerin Fr. 3'890.–
(davon Fr. 160.– für Kinderbetreuung)
− Bedarf Beklagter und der Kinder Fr. 5'310.– 11. Die Verfahrensbeteiligten ziehen ihre übrigen Anträge zurück.
- 10 -
12. Die Klägerin und der Beklagte übernehmen sowohl in Bezug auf das erst- als auch auf das zweitinstanzliche Verfahren die Gerichtskosten je zur Hälfte und verzichten gegenseitig auf Parteientschädigung."
3. Die Berufung hemmt die Rechtskraft des angefochtenen Entscheides im
Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Die Dispositivziffern 1 sowie 9 bis 11
des vorinstanzlichen Urteils blieben unangefochten. Damit sind sie am 23. Juli
2013 in Rechtskraft erwachsen. Dies ist vorzumerken.
4. a) Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bilden unter ande-
rem die Obhut, das Besuchsrecht sowie die Unterhaltsbeiträge für die Kinder
A._ und B._. Für alle Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegen-
heiten gilt uneingeschränkt die Untersuchungs- und Offizialmaxime. Das Gericht
erforscht den Sachverhalt von Amtes wegen und ist nicht an die Anträge der Par-
teien gebunden (Art. 296 ZPO).
b) Die Kindesvertreterin und die Parteien beantragen nunmehr übereinstim-
mend, die Kinder unter die Obhut des Beklagten zu stellen. Dies entspricht dem
Entscheid der Vorinstanz, weshalb vorab auf deren Erwägungen verwiesen wer-
den kann (Urk. 80 E. IV.1). Seit dem 30. August 2013 wohnen die Kinder alleine
mit dem Beklagten in der ehelichen Wohnung. Sie besuchen die Klägerin an zwei
Wochenenden pro Monat. Der Beklagte konnte sein Arbeitspensum reduzieren
und hat jeweils mittwochs frei. An den übrigen Werktagen sind die Kinder über
Mittag sowie nach Schulschluss bei einer Tagesmutter. In der Kinderanhörung
vom 14. Oktober 2013 erklärte A._, dass es gut sei, wie es ist. B._ äus-
serte sich nach anfänglichem Zögern dahingehend, dass er lieber zur Klägerin
ziehen würde (Prot. II S. 9). In ihrem Bericht attestierte Beiständin H._ dem
Beklagten, dass er eher versuche, die Kinder in ihrem Loyalitätskonflikt zu entlas-
ten. In Gesprächen mit der Klägerin sei sie hingegen zum Eindruck gelangt, dass
diese die Paar- und Elternebene mehrheitlich nicht trennen könne. Sie thematisie-
re den Paarkonflikt mit den Kindern übermässig, fordere eine klare Parteinahme
für sich von den Kindern ein und verstärke dadurch den Loyalitätskonflikt noch
weiter (Urk. 118/1 S. 3). Insgesamt scheint das Kindeswohl beim Beklagten am
- 11 -
besten gewährleistet zu sein. A._ und B._ sind für die Dauer des Ge-
trenntlebens antragsgemäss unter die Obhut des Beklagten zu stellen.
c) Weiter beantragen die Kindesvertreterin und die Parteien übereinstim-
mend ein Besuchsrecht von zwei Wochenenden pro Monat. Zusätzlich sollen die
Kinder jeweils dienstags über Mittag sowie nach Schulschluss von der Klägerin
betreut werden. Die beantragte Regelung entspricht dem Kindeswohl sowie den
Bedürfnissen und Möglichkeiten beider Eltern. Das Besuchsrecht ist daher an-
tragsgemäss zu regeln. Die Weiterführung der Beistandschaft ist unbestritten und
dient dem Kindeswohl. Eine Beiständin wurde von der KESB Bülach Süd bereits
ernannt. Auch in diesem Punkt ist antragsgemäss zu verfahren. Von den Ab-
sichtserklärungen der Parteien ist Vormerk zu nehmen. Die Kindesvertreterin hat
ihre übrigen Anträge zurückgezogen, wovon ebenfalls Vormerk zu nehmen ist.
Was ihre Massnahme- und Beweisanträge betrifft, so haben diese mit dem heuti-
gen Endentscheid ihre Bedeutung ohnehin verloren.
d) Ferner ist der Kinderunterhalt zu regeln. Die finanziellen Verhältnisse der
Parteien sind in der Vereinbarung zutreffend wiedergegeben. Es kann dazu auf
die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 80
E. VI). Die Klägerin ist demgemäss nicht einmal in der Lage, ihren eigenen Bedarf
zu decken. Sie kann folglich nicht zu Kinderunterhaltsbeiträgen verpflichtet wer-
den. Der Beklagte als Obhutsberechtigter erfüllt seine Unterhaltspflicht in natura.
Antragsgemäss sind daher keine Kinderunterhaltsbeiträge zuzusprechen.
e) Im Übrigen unterliegt der Inhalt des vorstehenden Vergleichs der Partei-
autonomie. Ein solcher Vergleich hat die Wirkung eines rechtskräftigen Entschei-
des (Art. 241 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 219 ZPO). Entsprechend ist diesbe-
züglich das Verfahren abzuschreiben (Art. 241 Abs. 3 ZPO).
5. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
§ 12 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit §§ 5 Abs. 1, 6 Abs. 2 lit. b, 8 Abs. 1 und 10
Abs. 1 GebV OG auf Fr. 2'800.– festzulegen. Die Kosten der Kindesvertretung
zählen zu den Gerichtskosten (Art. 95 Abs. 2 lit. e ZPO). Diese sind im Urteilsdis-
positiv festzusetzen (Kriech, DIKE-Komm., Art. 238 ZPO N 8). Die Honorarnote
- 12 -
der Kindesvertreterin (Urk. 121) wurde den Parteien zur fakultativen Stellungnah-
me zugestellt. Sie liessen sich nicht vernehmen. Das beantragte Honorar von
Fr. 8'026.– (Urk. 121) erscheint aufgrund des hohen Zeitaufwandes sowie der ge-
gebenen Verantwortung noch als angemessen, weshalb die Entschädigung der
Kindesvertreterin entsprechend festzusetzen ist. Die Barauslagen (Fr. 374.40)
sind zusätzlich zu entschädigen und es ist ein Mehrwertsteuerzuschlag vorzu-
nehmen. Nach Massgabe des Vergleichs sind die Kosten des Berufungsverfah-
rens den Parteien (der Klägerin und dem Beklagten) je zur Hälfte aufzuerlegen
und es ist davon abzusehen, Parteientschädigungen zuzusprechen (Art. 109
Abs. 1 ZPO).
6. a) Die Klägerin beantragte die Zusprechung eines Prozesskostenvor-
schusses von Fr. 8'000.– für das Berufungsverfahren. Nach der Praxis der erken-
nenden Kammer können im Eheschutzverfahren mangels gesetzlicher Grundlage
keine vorsorglichen Geldzahlungen angeordnet werden (OGer ZH LE110069 vom
8. Februar 2012 E. 2.4.2). Um nicht in überspitzten Formalismus zu verfallen, ist
ein Antrag auf Leistung eines Prozesskostenvorschusses im Eheschutz im Zwei-
felsfalle als Antrag auf Leistung eines Prozesskostenbeitrags im Endentscheid
aufzufassen (OGer ZH LE130048 vom 21. Oktober 2013 E. 4.a; RE130016 vom
17. September 2013 E. II/3.d). Auf den Antrag der Klägerin ist somit einzutreten.
Mangels Leistungsfähigkeit des Beklagten (vgl. die nachfolgenden Erwägungen
zur unentgeltlichen Rechtspflege) ist er jedoch abzuweisen.
b) Beide Parteien ersuchten um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsver-
beiständung für das Berufungsverfahren. Nach Art. 117 ZPO hat eine Person An-
spruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie nicht über die erforderlichen Mit-
tel verfügt (lit. a) und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (lit. b). Wer
diese Bedingungen erfüllt, hat ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen Rechts-
beistand, soweit dies zur Wahrung der Rechte notwendig ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c
ZPO). Die finanziellen Verhältnisse der Parteien sind in der Vereinbarung zutref-
fend wiedergegeben, wobei die Klägerin das ihr angerechnete Einkommen derzeit
nicht erzielt. Unter Berücksichtigung der vereinbarten Unterhaltsbeiträge sind bei-
de Parteien derzeit nicht in der Lage, ihren Bedarf zu decken. Sie verfügen auch
- 13 -
über kein nennenswertes Vermögen. Die Mittellosigkeit der Parteien ist somit er-
stellt. Sodann kann nicht gesagt werden, dass ihre Standpunkte im Berufungsver-
fahren aussichtslos gewesen wären und sie nicht auf rechtlichen Beistand ange-
wiesen gewesen wären. Damit ist für das Berufungsverfahren beiden Parteien die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand
zu bestellen.