Decision ID: 310b7579-14c5-50c3-89ca-e8c6c9b3496d
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
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St.Galler Gerichte
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente, Wiedererwägung und Rückerstattung
Sachverhalt:
A.
Der 1969 geborene H._ meldete sich am 21. April 1999 zum Bezug von IV-
Leistungen (berufliche Eingliederungsmassnahmen, Rente) an. Er gab an, er habe
keinen Beruf erlernt. Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 3. Mai 1999, der
Versicherte arbeite seit über einem Jahr wegen chronifizierter Rückenschmerzen nicht
mehr. Bei jeder Konsultation sage der Versicherte, er wolle nichts mehr machen, da es
sowieso nichts nütze. Irgendwie müsse aber Druck auf den Versicherten ausgeübt
werden können, damit dieser etwas unternehme. Die B._ AG teilte am 11. Juni 1999
mit, dem Versicherten sei wegen Restrukturierungsmassnahmen gekündigt worden.
Von einem Gesundheitsschaden sei nichts bekannt. Dr. med. C._ berichtete in einem
rheumatologischen Gutachten vom 4. Oktober 1999, der Versicherte sei an seiner
letzten Arbeitsstelle keiner grossen körperlichen Belastung ausgesetzt gewesen. Er
habe eine Maschine bedient und sei gelegentlich Stapler gefahren. Der Versicherte
habe bereits im Alter von 14 Jahren über lumbale Schmerzen geklagt. 1998 habe sich
der Versicherte physiotherapeutischen Massnahmen unterzogen. Da er dabei eine
Verschlechterung verspürt habe, habe er die empfohlene anschliessende medizinische
Trainingstherapie gar nicht mehr begonnen. Seither erfolge nur eine medikamentöse
Behandlung. Am Sprunggelenk links bestehe eine Schwellung. Auf Druck träten dort
Paraesthesien auf. Subjektiv wie objektiv sei keine sichere Kraftminderung vorhanden.
Lumbal bestünden ein Schmerz aufsteigend bis zur unteren BWS ohne Ausstrahlung
und ein lokaler Husten- und Niessschmerz auf Höhe L4/5. Bei der klinischen
Untersuchung hätten keine sicheren radikulären Symptome ausser einem exquisiten
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Schmerz auf Höhe L4/5 festgestellt werden können. Die Beweglichkeit sei – wie auch
an der übrigen Wirbelsäule – nahezu frei gewesen. Im Neurostatus habe sich kein
Lasègue gefunden, das Reflexbild und die Sensibilität seien intakt gewesen, beim
Slumptest sei eine exquisite Schmerzangabe auf Höhe L5 erfolgt. In der
konventionellen Röntgenaufnahme habe sich eine leicht eingeschränkte Beweglichkeit
in den Segmenten L3/4 und L4/5 gezeigt. Die Kernspintomographie habe normale
ossäre und Bandscheibenverhältnisse im Bereich der LWS und im Übergang zum
Sakralbereich ergeben. Sie habe keine Einengungen neuraler Strukturen im spinalen
oder im foraminalen Bereich gezeigt. Dr. med. C._ stellte folgende Diagnosen:
chronifiziertes mässiges lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei Skoliose im
thorakolumbalen Übergang bei unauffälliger Kernspintomographie und allgemeiner
muskulärer Dysbalance und Dekonditionierung. Dr. med. D._ und lic. phil. E._
hatten im psychiatrischen Teilgutachten vom 30. September 1999 ausgeführt, der
Versicherte sei in bezug auf seine Zukunft zuversichtlich. Er hoffe, wieder wie früher
arbeiten und Sport treiben zu können. Eine Umschulung komme seiner Meinung nach
gegenwärtig wegen der fehlenden Möglichkeit zu sitzen nicht in Frage. Weiter gaben
die beiden Gutachter an, der Versicherte habe im Gespräch sehr ernst, bedächtig und
ruhig gewirkt. Bewusstsein, Orientierung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis seien
ungestört gewesen. Das Denken sei einfach strukturiert, aber unauffällig gewesen. Der
Versicherte habe angegeben, manchmal sei er wegen der Schmerzen bedrückt. Im
Gespräch habe der Versicherte vordergründig unauffällig und angepasst gewirkt. Wenn
er aber über den verstorbenen Vater und die kranke Schwester gesprochen habe, sei
eine starke Bedrückung spürbar gewesen. Der Versicherte habe Ängste vor einer
Krebserkrankung angegeben. Ausserdem fühle er sich innerlich unruhig und nervös,
was aber beim Gespräch nicht spürbar gewesen sei. In ihrer Beurteilung hatten die
beiden Gutachter ausgeführt, es liege ein emotionaler Konflikt in Form unverarbeiteter
Verlusterfahrungen und unterdrückter Ängste vor einer lebensbedrohenden Krankheit
vor. Neben den physiologisch ungenügend erklärbaren Schmerzen bestünden
funktionelle Symptome wie Schlafstörungen, Diarrhoe, epigastrische Schmerzen und
Kopfschmerzen. Diese könnten als Ausdruck einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung mit vegetativen Begleitsymptomen verstanden werden. Der Verlust
der Arbeitsfähigkeit führe zu einer Verschlechterung der allgemeinen Befindlichkeit mit
Grübeltendenz und Schlafstörungen, ohne bisher das Ausmass einer manifesten
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depressiven Störung angenommen zu haben. Ohne gezielte Behandlung und bei
anhaltender Arbeitsunfähigkeit sei eine ängstlich-depressive Entwicklung
wahrscheinlich. Die Diagnose lautete: anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die
Gutachter gingen von einer derzeitigen Arbeitsfähigkeit von 50% aus. Sie empfahlen
eine psychotherapeutische Behandlung und eine Arbeitsvermittlung. Für eine
Berentung sei es zu früh. Diese sollte erst bei einer ausbleibenden Verbesserung durch
psychotherapeutische Massnahmen und allenfalls durch eine medizinische
Trainingstherapie in Erwägung gezogen werden. Zusammenfassend hielt Dr. med.
C._ fest, die aktuell und anamnestisch erwähnten Beschwerden seien mit den
somatischen Befunden nicht erklärbar. Der Versicherte bedürfe zunächst einer
psychotherapeutischen Behandlung. Bei einer gewissen Stabilisierung der
psychosomatischen Situation könnten berufliche Eingliederungsmassnahmen
beginnen. Um der allgemeinen Dekonditionierung zu begegnen, müsste sich der
Versicherte einer medizinischen Trainingstherapie und einer Physiotherapie
unterziehen. Auch die muskuläre Dysbalance müsste angegangen werden. Unter
solchen Massnahmen habe der Versicherte gute Chancen, vorerst zu 50% und später
zu 100% arbeitsfähig zu werden. Für die Zwischenphase sei eine Berentung angezeigt
mit einer Revision in zwei Jahren.
B.
Die IV-Stelle forderte den Versicherten am 26. Oktober 1999 auf, sich einer
psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen. Sobald die erste Behandlung
stattgefunden habe, werde der Auftrag zur Prüfung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen erteilt. Der Versicherte teilte der IV-Stelle am 6. Dezember
1999 mit, dass er die erste Behandlung bei der sozialpsychiatrischen Beratungsstelle
absolviere. Die IV-Stelle forderte ihn am 14. Februar 2000 auf, sich bei der
Eingliederungsstätte Valens vorzustellen. Der Berufsberater der IV-Stelle hielt am 1.
März 2000 fest, der Grund für die Vorstellung in Valens liege in der Annahme des
Versicherten, die IV-Stelle werde einfach zuwarten, bis sich bei seiner Therapie ein
Erfolg einstelle. Dem Versicherten solle klar gemacht werden, dass er so rasch wie
möglich wieder einen geregelten Arbeitsrhythmus benötige. Die eigentliche
dreimonatige Arbeitsabklärung in Valens begann am 20. März 2000. Der Versicherte
teilte der IV-Stelle aber bereits am 22. März 2000 mit, dass er die Abklärung in Valens
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nicht weiterführen werde, solange er Rückenschmerzen habe. Am 13. Juni 2000 hielt
der Berufsberater fest, der Versicherte sei schon am zweiten Arbeitstag nicht mehr
erschienen, obwohl er in der Elektro-/Elektronikabteilung keine belastenden Arbeiten
habe ausführen müssen. Da bei dieser Weigerung offensichtlich ein psychischer Faktor
mitgespielt habe, sei eine MEDAS-Abklärung notwendig. Dr. med. D._ und lic. phil.
E._ von der sozialpsychiatrischen Beratungsstelle berichteten am 11. Juli 2000, der
Versicherte sei seit September 1998 in seiner früheren Tätigkeit zu 100%
arbeitsunfähig. Sie hätten mit dem Versicherten inzwischen dreizehn
psychotherapeutische Gespräche durchgeführt. Es seien multiple Ängste mit
generalisiertem Vermeidungsverhalten zutage getreten. Diese Ängste seien wegen der
starken Somatisierungstendenz schwer zugänglich. Die Schmerzen hätten noch nicht
abgenommen und demzufolge habe auch die Belastungsfähigkeit noch nicht
zugenommen. Die psychotherapeutische Bearbeitung der bestehenden Konflikte werde
langwierig sein. Eine vorläufige Berentung scheine unumgänglich zu sein. der
zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle hielt am 9. Oktober 2000 Folgendes fest: "Wie
der Berufsberater mitteilt, ist der Versicherte bereits nach 2 Tagen nicht mehr
erschienen und im nun einverlangten Arztzeugnis bestätigt uns der Psychiatrische
Dienst auch ab 09.98 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bei dieser Sachlage hätten wir
die bisherigen umfassenden Abklärungen wohl sparen können". Er schlug die
Zusprache einer ganzen Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100% vor.
Dementsprechend erliess die IV-Stelle am 10. Mai 2001 eine Verfügung, mit der sie
dem Versicherten rückwirkend ab September 1999 eine ganze Rente bei einem
Invaliditätsgrad von 100% zusprach.
C.
In einem Fragebogen für die Rentenrevision gab der Versicherte am 3. Dezember 2001
an, sein Gesundheitszustand sei unverändert. Lic. phil. E._ und Dr. med. F._ von
der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie berichteten am 2. Januar 2002,
der Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär. Die innere Unruhe und
Nervosität hätten abgenommen, der Schlaf habe sich deutlich verbessert, die Ängste
seien reduziert. Weiterhin bestünden belastungsabhängige Stimmungsschwankungen.
Die Schmerzsymptomatik und die vegetativen Symptome seien unverändert. Die
Psychotherapie sei nach zwei Jahren am 19. Dezember 2001 abgeschlossen worden.
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Es sei eine gewisse Verbesserung der Lebensqualität erreicht worden. Die
Belastungsfähigkeit werde sich in Zukunft kaum mehr verbessern. Die IV-Stelle
unterliess weitere Abklärungen im Hinblick auf allfällige berufliche
Eingliederungsmassnahmen. Sie teilte dem Versicherten am 10. Januar 2002 mit, dass
sich keine rentenbeeinflussende Änderung des Invaliditätsgrades ergeben habe, so
dass weiterhin ein Anspruch auf die bisherige Rente bestehe.
D.
Der Versicherte füllte am 22. Februar 2005 erneut einen Fragebogen für die
Rentenrevision aus. Er gab an, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Dr.
med. A._ teilte am 10. April 2005 mit, er fühle sich ausserstande, den
Gesundheitszustand des Versicherten zu beurteilen. Der zuständige Arzt des RAD
Ostschweiz empfahl eine bidisziplinäre Begutachtung. Dr. med. G._ führte in seinem
psychiatrischen Gutachten vom 3. Oktober 2005 aus, eine internistisch-psychiatrische
Begutachtung wäre günstiger gewesen als eine rein psychiatrische Abklärung, da der
Versicherte vorwiegend durch körperliche Beschwerden beeinträchtigt sei. Die
psychiatrische Interpretation ohne die Mithilfe eines Internisten sei deshalb mit
Unsicherheiten behaftet. Trotzdem habe er den Versicherten untersucht, da die
verbleibenden diagnostischen Unsicherheiten in Kauf genommen werden könnten.
Allerdings sollte eine EFL erfolgen. Bei der Untersuchung habe der Versicherte über
Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden mit Durchfall und
gelegentliche Luftnot berichtet. Aufgrund der Voruntersuchung und insbesondere auch
der Beschwerdeschilderung sei eher davon auszugehen, dass es sich hierbei um ein
funktionelles somatisches Syndrom handle. Wegen der Vielgestaltigkeit der
Beschwerden sei von einer undifferenzierten Somatisierungsstörung (F45.1)
auszugehen. Ausserdem liege eine hypochondrische Störung vor (F45.2). Dies erkläre
sich durch die mit den Körperbeschwerden einhergehende Angst. Die Fussverletzung
von 1996 sei das biologisch auslösende Ereignis für die spätere körperliche
Dekonditionierung gewesen. Unter den prädisponierenden und auslösenden
psychologischen Faktoren erkenne man in der Lebensgeschichte erhebliche
Belastungen durch den frühen Verlust der Mutter und später des Vaters, zu dem eine
enge Bindung bestanden habe. Es gäbe Hinweise auf eine komplizierte, im Stadium
der Verleugnung (Vermeidungsverhalten) und der noch nicht gelungenen emotionalen
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Integration (psychosomatische Reaktion) blockierte Trauer. Die Trauer komme in der
klinischen Untersuchung durch spürbare Schwermut zum Ausdruck. Es liege aber kein
eigentliches depressives Syndrom vor, sondern nur eine anhaltende affektive Störung
(F38.8). Das Scheitern der beruflichen Abklärungsmassnahme im Frühjahr 2000 sei von
der behandelnden Psychotherapeutin auf ein krankheitsbedingtes Nicht-Können
zurückgeführt worden. Das frühe Ausscheiden aus der Berufsabklärung sei damit zum
Kriterium für die Annahme einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit erhoben worden. Eine
gründliche Untersuchung des Belastungsvermögens, die dem heutigen Anspruch an
eine Abklärung der Arbeitsfähigkeit gerecht werde, liege nicht vor. Die Veränderung der
Diagnose stehe nicht für eine Progredienz des Leidens, denn eine solche sei nicht
ersichtlich. Nehme man das, was der Versicherte bewerkstellige (Hausmann,
Hauseigentümer, Gastwirt im Nebenerwerb) als Massstab, so sei die Annahme einer
grundsätzlichen Arbeitsunfähigkeit nicht begründet. Es sei nicht evident, dass die
zweifellos bestehenden psychischen Störungen so schwerwiegend wären, dass sie
eine Arbeitsleistung an einem bestmöglich adaptierten Arbeitsplatz ausschlössen. Das
Vermeidungsverhalten zur Verhinderung zusätzlicher Körperbeschwerden sei nicht
besonders ausgeprägt. Verglichen mit den 1999 dokumentierten Beschwerden und
Befunden lasse sich keine wesentliche Veränderung feststellen. Die Frage nach einer
Änderung der Arbeitsfähigkeit lasse sich kaum beantworten, weil damals keine
nachvollziehbare Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolgt sei. Die
Behandlungsmöglichkeiten seien nicht ausgeschöpft. Bisher seien die
psychotherapeutischen Bemühungen nicht mit trainingstherapeutischen
Therapieansätzen kombiniert und koordiniert worden. Es gebe allerdings keinen
Hinweis darauf, dass der Versicherte bereit wäre, eine solche Behandlung auf sich zu
nehmen. Der zuständige Arzt des RAD Ostschweiz hielt dazu am 11. November 2005
fest, es müsse davon ausgegangen werden, dass in die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Psychotherapeutin körperliche Faktoren eingeflossen seien, die diese gar nicht habe
beurteilen können. Im übrigen weise dieses Zeugnis weder einen
psychopathologischen Befund noch ein positives oder negatives Leistungsbild auf. Es
sei nicht beschrieben worden, was sich konkret an der Symptomatik seit dem
Gutachten von 1999 sollte verschlechtert haben. Am 7. Dezember 2005 gab der
zuständige Arzt des RAD Ostschweiz ergänzend an, die Verfügung vom 10. Mai 2001
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sei insofern falsch gewesen, als sie sich auf ein widersprüchliches und nicht
aussagekräftiges Arztzeugnis abgestützt habe. Er empfehle eine MEDAS-Abklärung.
E.
Die IV-Stelle beauftragte die MEDAS Zentralschweiz mit einer Abklärung des
Versicherten. Die Sachverständigen dieser MEDAS führten in ihrem Gutachten von 2.
April 2007 aus, der Versicherte leide seit langer Zeit an einem Rückenschmerzsyndrom,
das sich in den letzten Jahren nicht erheblich verändert habe und das schon durch
frühere Therapien unbeeinflusst geblieben sei. Wie schon früher seien auch jetzt nur
minimale objektive Befunde nachweisbar. Klinisch hätten sich lediglich Zeichen eines
leichten Lumbovertebralsyndroms gefunden. Die radiologischen Befunde einer
möglichen Spondylolyse L5 links und beginnender ISG-Arthrosen seien klinisch
irrelevant. Das gelte auch für eine eingeschränkte Innenrotation des linken Hüftgelenks.
Aus rheumatologischer Sicht bestehe keine Einschränkung für körperlich mittelschwere
Tätigkeiten. Dieser Zustand habe sich seit dem 1999 erstellten Vorgutachten von Dr.
med. C._ nicht verändert. Die damals angegebene Arbeitsunfähigkeit von 100% in
der angestammten Tätigkeit und von 50% in einer Verweistätigkeit sei nicht
nachvollziehbar. Allerdings habe sich Dr. med. C._ hauptsächlich auf die
psychiatrische Einschätzung gestützt. Aus psychiatrischer Sicht sei mit Dr. med. G._
davon auszugehen, dass die Diagnose einer Somatisierungsstörung die Situation
besser charakterisiere als die früher gestellte Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung. Für die Krebsangst passe allerdings die Diagnose einer begleitenden
Angststörung besser als diejenige der Hypochondrie. Es liege keine generalisierte
Angststörung vor. Zur Zeit betrage die Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
20%, wobei allerdings die psychischen Therapiemöglichkeiten noch nicht
ausgeschöpft seien. Die Diskrepanz zu der zuletzt 2002 abgegebenen psychiatrischen
Beurteilung sei dadurch zu erklären, dass die damalige Beurteilerin in erster Linie als
Therapeutin involviert gewesen sei, was zwangsläufig zu einer anderen Sichtweise
habe führen müssen. Hinzu komme, dass sich die Beurteilung bei somatoformen
Schmerzstörungen deutlich gewandelt habe. Die veränderte
Arbeitsfähigkeitsschätzung sei also nicht auf eine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes zurückzuführen, da dieser stabil geblieben sei. Die veränderte
Einschätzung beruhe auf veränderten Beurteilungsgrundlagen. Heute müssten deutlich
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strengere Kriterien erfüllt sein, damit die Symptome einer somatoformen
Schmerzstörung als willentlich nicht überwindbar beurteilt werden könnten. Angesichts
der rheumatologisch klar zu definierenden körperlichen Limiten sei keine EFL
notwendig. Die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz gaben abschliessend
folgende Diagnosen an: undifferenzierte Somatisierungsstörung, chronisches
Rückenschmerzsyndrom, leichtes Lumbovertebralsyndrom (nicht näher klassierbar)
und – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – komplizierte protrahierte Trauerreaktion,
begleitende Angststörung und sakrale Zyste. Dr. med. I._ vom RAD Ostschweiz hielt
dazu am 28. Juni 2007 fest, dass keine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes seit dem 10. Mai 2001 habe nachgewiesen werden können. Die
Arbeitsfähigkeit sei deshalb anders als früher beurteilt worden. Am 16. Oktober 2007
stellte er ergänzend fest, es sei medizinisch belegt, dass der Versicherte seit 1999 nie
zu mehr als 20% arbeitsunfähig gewesen sei.
F.
Mit einem Vorbescheid vom 31. Oktober 2007 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, die Verfügung vom 10. Mai 2001 wiedererwägungsweise
aufzuheben, einen Anspruch auf eine Invalidenrente zu verneinen, die zu Unrecht
ausgerichteten Rentenleistungen zurückzufordern und die Rente per sofort
einzustellen. Der Versicherte habe verschwiegen, dass er bei Dr. med. K._ und bei
Dr. med. L._ in Behandlung sei. Die Auskünfte von Dr. med. K._ hätten bereits
damals dazu geführt, dass die Leistungsfähigkeit eingehender abgeklärt worden wäre.
Der Krankengeschichte seien nämlich keine Anhaltspunkte für eine erhebliche
Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen. Auch der Betrieb einer kleinen Gastwirtschaft sei
verschwiegen worden. Diese Umstände rechtfertigten die Rückforderung der zuviel
erbrachten Rentenleistungen. Der Versicherte liess am 3. Januar 2008 sinngemäss
einwenden, praxisgemäss vermöge eine andere medizinische Beurteilung nur
ausnahmsweise eine zweifellose Unrichtigkeit einer Verfügung zu begründen.
Angesichts der Arztberichte von Dr. med. C._ und der sozialpsychiatrischen
Beratungsstelle sei die Entscheidung im Jahr 2000 korrekt, zumindest aber vertretbar
gewesen. Damit fehle es an der ersten Voraussetzung einer Wiedererwägung.
Eventualiter seien die damals begutachtenden Ärzte zu einer Stellungnahme
aufzufordern. Ausserdem sei eine EFL notwendig. Am 10. Januar 2008 erliess die IV-
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Stelle eine Verfügung, deren Dispositiv genau der Ankündigung im Vorbescheid
entsprach. Zu den Vorbringen des Versicherten in seiner Stellungnahme führte die IV-
Stelle in dieser Verfügung aus, die medizinische Beurteilung durch die MEDAS
Zentralschweiz überzeuge, weshalb keine EFL erforderlich sei. Die ursprüngliche
Rentenzusprache habe sich auf einen Bericht gestützt, der nur zur Arbeitsfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit Stellung genommen habe. Rechtlich relevant sei aber die
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Erwerbstätigkeit. Damit sei die Verfügung
vom 10. Mai 2001 methodisch falsch, weil falsche Rechtsregeln angewendet worden
seien. Der Widerspruch zwischen dem Bericht vom 11. Juli 2000 und dem Gutachten
vom 4. Oktober 1999 betreffend die Arbeitsfähigkeit hätte zwingend geklärt werden
müssen, zumal die Ärzte nun als behandelnde Ärzte eine Einschätzung abgegeben
hätten. Ein Abstellen auf den Bericht vom 11. Juli 2000 sei nicht vertretbar gewesen.
Mit einer Verfügung vom 16. Januar 2008 forderte die IV-Stelle die zwischen Februar
2003 und Januar 2008 ausgerichteten Rentenleistungen im Gesamtbetrag von Fr.
112'371.- zurück.
G.
Der Versicherte liess am 6. Februar 2008 Beschwerde erheben und die Aufhebung der
Verfügungen vom 10. und 16. Januar 2005 beantragen. Es sei ihm weiterhin eine ganze
Rente auszurichten und es sei festzustellen, dass kein Rückerstattungsanspruch
bestehe. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen und zur
anschliessenden Neuverfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Begründung liess
der Versicherte sinngemäss ausführen, die MEDAS Zentralschweiz habe den
Gesundheitszustand anders interpretiert. Andere medizinische Interpretationen könnten
nicht zur Annahme einer zweifellosen Unrichtigkeit führen. Die Verfügung vom 10. Mai
2001 sei nicht methodisch falsch bzw. in Anwendung falscher Rechtsregeln zustande
gekommen. Auch der Sachverhalt sei damals nicht mangelhaft abgeklärt worden. Die
Berichte vom 30. September 1999 und vom 11. Juli 2000 seien nicht widersprüchlich,
denn der neuere Bericht enthalte eine andere Beurteilung. In der
Beschwerdebegründung vom 23. Juli 2008 liess der Versicherte sinngemäss geltend
machen, entgegen der angefochtenen Verfügung stütze sich die Verfügung vom 10.
Mai 2001 nicht bzw. nicht nur auf den Bericht der psychiatrischen Dienste. Wohl sei
erst damit eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert worden. Aber auch bei einem
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Invaliditätsgrad von 50% hätte ein Invaliditätsgrad von mindestens 70% resultiert. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der psychiatrischen Dienste habe sich sehr wohl auf eine
leidensangepasste Erwerbstätigkeit bezogen. Die Fragestellung sei nämlich eindeutig
gewesen. Die Erhöhung des Arbeitsunfähigkeitsgrades von 50% auf 100% sei eine
präzisere Beurteilung des Sachverhalts und damit nicht widersprüchlich. Auch die
Berichte behandelnder Ärzte hätten einen Beweiswert. Eine Wiedererwägung sei nicht
zulässig, wenn aktuelle andere Beurteilungskriterien gälten als bei Erlass der fraglichen
Verfügung. Er habe sich bis Ende 2001 einer Therapie unterzogen. Dass diese Therapie
nicht weitergeführt worden sei, lasse nicht den Schluss zu, dass die Schmerzen bei
zumutbarem gutem Willen hätten überwunden werden können. Statt die Rente zu
streichen müsste die IV-Stelle ihn auffordern, sich psychotherapeutisch behandeln zu
lassen. Vom Erwerb des Wirtepatents könne nicht auf eine Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden. Im übrigen habe die IV-Stelle aufgrund der abgerechneten
Beiträge Kenntnis von der selbständigen Erwerbstätigkeit gehabt. Es sei nicht
nachvollziehbar, dass die IV-Stelle bei Kenntnis der Behandlung durch Dr. med. K._
weitere Abklärungen veranlasst hätte. Die Behandlung durch Dr. med. L._ habe erst
nach der ursprünglichen Verfügung begonnen. Ausserdem habe es sich nur um
Konsultationen bei geringfügigen gesundheitlichen Störungen gehandelt.
Zusammenfassend ergebe sich, dass die Verfügung vom 10. Mai 2001 richtig sei.
H.
Die IV-Stelle beantragte am 18. August 2008 die Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf einzutreten sei. Sie führte aus, in der angefochtenen Verfügung vom 10. Januar
2008 sei nicht angeführt worden, für welchen Zeitraum und in welcher Höhe eine
Rückforderung vorgesehen sei. Deshalb liege in bezug auf die Rückforderung noch gar
keine Verfügung vor, womit diese Frage nicht Gegenstand der Beschwerde bilden
könne. Seit dem Erlass der ursprünglichen Verfügung habe sich der relevante
Sachverhalt nicht verändert. Ein Revisionsgrund sei somit nicht gegeben. Zu prüfen
bleibe somit nur, ob die Rente zu Recht mittels einer Wiedererwägung eingestellt
worden sei. Die Verfügung vom 10. Mai 2001 sei zweifellos unrichtig. Die
sozialpsychiatrische Beratungsstelle habe zunächst eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
attestiert. Rund neun Monate später habe sie trotz eines stationären
Gesundheitszustandes eine volle Arbeitsunfähigkeit angegeben. Die Differenz habe
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sich weder durch eine Veränderung der Diagnose noch durch eine Veränderung des
psychopathologischen Befundes erklären lassen. Trotzdem seien weitere Abklärungen
unterblieben und es sei auf die zweite Arbeitsfähigkeitsschätzung abgestellt worden.
Deshalb beruhe die Verfügung vom 10. Mai 2001 auf ungenügenden medizinischen
Unterlagen, so dass sie zweifellos unrichtig sei, denn nach der höchstrichterlichen
Praxis mache bereits eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung eine Verfügung zweifellos
unrichtig. Allerdings sei die Renteneinstellung gemäss Art. 88bis Abs. 1 lit. c IVV nicht
rückwirkend vorzunehmen. Weil feststehe, dass die Wiedererwägung zulässig sei,
müsse der Invaliditätsgrad neu bestimmt werden. Dabei sei in Anwendung der neuen
höchstrichterlichen Rechtsprechung zu den psychischen Krankheiten und deren
Überwindbarkeit durch eine zumutbare Willensanstrengung davon auszugehen, dass
der Versicherte die Somatisierungsstörung, die protrahierte Trauerreaktion und die
begleitende Angststörung in dem von der MEDAS angegebenen Ausmass überwinden
könnte. Da bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens anhand
statistischer Lohnzahlen kein sogenannter "Leidensabzug" möglich sei und da das
Valideneinkommen dem Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens entspreche, betrage der Invaliditätsgrad 20%.
I.
Der Versicherte liess am 9. Februar 2009 einwenden, die Wiedererwägungsbegründung
der angefochtenen Verfügung könne schon deshalb nicht durch eine
Revisionsbegründung ersetzt werden, weil sich der Gesundheitszustand seit dem
Erlass der Verfügung vom 10. Mai 2001 gar nicht verändert habe. Es liege eine
anfechtbare Rückforderungsverfügung vor, weshalb vollumfänglich auf die Beschwerde
einzutreten sei.
J.
Die IV-Stelle verzichtete am 25. Februar auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
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Die Beschwerdegegnerin hat am 10. und am 16. Januar 2008 die Rentenverfügung
vom 10. Mai 2001 aufgehoben, das ursprüngliche Rentengesuch vom 21. April 1999
abgewiesen und die aufgrund dieser Abweisung nun zu Unrecht ausgerichteten
Rentenleistungen (teilweise) zurückgefordert. Die Behauptung der
Beschwerdegegnerin, sie habe noch keine Rückforderung verfügt, lässt sich nur damit
erklären, dass sie bei der Ausarbeitung der Beschwerdeantwort wohl die Verfügung
vom 16. Januar 2008 übersehen hat. Ob es sich bei den beiden Verfügungen vom 10.
und vom 16. Januar 2008 bei formal richtiger Betrachtung um eine einzige Verfügung
handelt (vgl. das Bundesgerichtsurteil vom 18. Mai 2006, C 334/05, in welchem diese
Auffassung vertreten wird) oder ob es sich um zwei Verfügungen handelt, von denen
die eine bis zu einem gewissen Grad "akzessorisch" zur anderen ist, kann im
vorliegenden Fall offen bleiben, denn der Beschwerdeführer hat explizit beide
Verfügungen angefochten und nicht nur die Aufhebung der Wiedererwägung, sondern
auch die Aufhebung der Rückforderung beantragt. Deshalb bilden die Wiedererwägung
der Verfügung vom 10. Mai 2001 und die daraus resultierende Rückforderung den
Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
2.
2.1 Die IV-Stelle kann auf eine formell rechtskräftige Verfügung zurückkommen, wenn
diese zweifellos unrichtig ist und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist
(Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat von Amtes wegen ein gegen die
Rentenverfügung vom 10. Mai 2001 gerichtetes Wiedererwägungsverfahren eröffnet.
Mit dem Versand des Fragebogens zur Rentenrevision, der am 23. Februar 2005
ausgefüllt retourniert wurde, hat die Beschwerdegegnerin allerdings zunächst nur ein
Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 1 ATSG eröffnet. Der Arzt des RAD Ostschweiz
hat am 6. Juni 2005 in den Angaben des Beschwerdeführers in diesem Fragebogen
einen Hinweis auf eine mögliche nachträgliche Veränderung des Invaliditätsgrades
entdeckt. Der Dr. med. G._ am 15. Juni 2005 erteilte Begutachtungsauftrag war
demnach noch ganz auf die Abklärung einer allfälligen nachträglichen Veränderung des
Invaliditätsgrades ausgerichtet. Erst das Gutachten von Dr. med. G._ vom 3. Oktober
2005 hat dann darauf hingewiesen, dass sich seit dem 2001 nichts geändert hatte,
dass die Verfügung vom 10. Mai 2001 aber möglicherweise falsch gewesen war.
Dementsprechend hat der Arzt des RAD Ostschweiz am 11. November 2005
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empfohlen, eine Wiedererwägung der Verfügung vom 10. Mai 2001 zu prüfen. Erst zu
diesem Zeitpunkt hat die Beschwerdegegnerin – formlos – beschlossen, ein gegen die
Verfügung vom 10. Mai 2001 gerichtetes Wiedererwägungsverfahren zu eröffnen. Die
an die Gutachter der MEDAS Zentralschweiz gerichteten Fragen sind dann zwar nicht
spezifisch auf eine Überprüfung des Sachverhalts ab 1999 gerichtet gewesen, aber
immerhin ist danach gefragt worden, seit wann die Arbeitsfähigkeit im aktuellen
Ausmass vorliege. Das nach wie vor hängige Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 1
ATSG dürfte spätestens mit dem Beschluss der Beschwerdeführerin, die Verfügung
vom 10. Mai 2001 wiedererwägungsweise aufzuheben und durch die Abweisung des
Rentengesuchs vom 21. April 1999 zu ersetzen, formlos abgeschrieben worden sein.
Gegenstand der Verfügung vom 10. Januar 2008 ist also ausschliesslich die
Wiedererwägung der Verfügung vom 10. Mai 2001 gewesen. Damit bildet auch nur die
Wiedererwägung (und die damit zusammenhängende Rückforderung) den Gegenstand
des Beschwerdeverfahrens.
2.2 In ihrer Beschwerdeantwort hat die Beschwerdegegnerin sinngemäss geltend
gemacht, nach der aktuellen Rechtsprechung zu den psychischen Krankheiten und
deren mögliche Überwindung durch eine zumutbare Willensanstrengung (begründet
mit BGE 130 V 352 ff.) sei generell zu vermuten, dass die Auswirkungen der Krankheit
überwindbar seien und deshalb keine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hätten. Nur bei
Vorliegen besonderer Umstände (wie beispielsweise einer erheblichen psychischen
Komorbidität) sei diese Vermutung widerlegt. Damit hat sich die Beschwerdegegnerin
zur Begründung der zweifellosen Unrichtigkeit der Verfügung vom 10. Mai 2001 einer
Rechtsprechung bedient, die erst lange nach diesem Zeitpunkt begründet worden ist
und die in bezug auf die Bemessung der Arbeitsunfähigkeit eine erhebliche
Veränderung gebracht hat. Indem die Beschwerdegegnerin diese neue
Rechtsprechung als Begründung für die zweifellose Unrichtigkeit der Verfügung vom
10. Mai 2001 heranziehen will, unterstellt sie sinngemäss, dass eine Praxisänderung
alle formell rechtskräftigen, sich noch auf die frühere Praxis stützenden Verfügungen
zweifellos unrichtig mache. Nun hat das Bundesgericht aber in BGE 135 V 201 ff. Erw.
7 entschieden, dass die mit BGE 130 V 352 ff. begründete Rechtsprechung kein Grund
für eine Anpassung der unter der früheren Rechtsprechung formell rechtskräftig
zugesprochenen Renten sei. Bildet die Praxisänderung also keinen Grund für eine
Anpassung formell rechtskräftig zugesprochener, laufender Renten an die neue
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Rechtslage, d.h. ist es in Kauf zu nehmen, dass die laufenden Fälle auf unbestimmte
Zeit besser gestellt sind als die gestützt auf die mit BGE 130 V 352 ff. begründete
Rechtsprechung verfügten neuen Fälle, so kann nicht von einer zweifellosen
Unrichtigkeit jener formell rechtskräftigen Verfügungen ausgegangen werden, mit
denen die laufenden Renten zugesprochen worden sind. Das bedeutet, dass im
Rahmen des Wiedererwägungsverfahrens die am 10. Mai 2001 noch herrschende
Rechtsprechung zur Anwendung gebracht werden muss, weil sonst die Gefahr
bestünde, dass die neue Rechtsprechung indirekt doch zu einer Wiedererwägung
führen würde. Die mit BGE 130 V 352 ff. begründete Rechtsprechung muss demnach
auch bei der gerichtlichen Beurteilung der Wiedererwägungsverfügung vom 10. Januar
2008 ausser Acht bleiben.
2.3 Zur Begründung der behaupteten zweifellosen Unrichtigkeit der Verfügung vom
10. Mai 2001 macht die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort geltend,
nach der Rechtsprechung genüge es, wenn der Sachverhalt nicht richtig festgestellt
worden sei, bevor die Verwaltung die Verfügung erlassen habe. Das sei hier der Fall
gewesen, weshalb sie am 10. Januar 2008 die Verfügung vom 10. Mai 2001 zu Recht
wiedererwägungsweise aufgehoben habe. Nun sei nur noch der Invaliditätsgrad des
Beschwerdeführers zu bestimmen. Der letzte Satz, nach dem anschliessend an die
Wiedererwägung wegen ungenügender Sachverhaltsabklärung noch der
Invaliditätsgrad bestimmt werden müsse, belegt, dass die Wiedererwägung entgegen
der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht auf die Feststellung einer damals
ungenügenden Sachverhaltsabklärung beschränkt sein kann. In welchem Verfahren
sollte dann die Bemessung des Invaliditätsgrades und insbesondere die neue
Verfügung unter Berücksichtigung dieses neu ermittelten Invaliditätsgrades erfolgen,
wenn nicht im Rahmen der Wiedererwägung der Verfügung vom 10. Mai 2001? Das
Dispositiv einer Wiedererwägungsverfügung besteht zwingend aus zwei Teilen, zum
einen der Aufhebung der zweifellos unrichtigen Verfügung, zum anderen der neuen
Entscheidung in der Sache. Etwas anderes gilt nur dann, wenn das
Wiedererwägungsverfahren zufälligerweise wieder denselben Leistungsanspruch liefert,
der bereits in der wiedererwägungsweise überprüften Verfügung zugesprochen worden
war. In einem solchen Fall wird die Verfügung nicht aufgehoben und durch eine neue
Verfügung mit einem gleichlautenden Dispositiv ersetzt, sondern das
Wiedererwägungsverfahren wird mit einer Verfügung abgeschlossen, die feststellt,
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dass die ursprüngliche Verfügung nicht zweifellos unrichtig und/oder ihre Korrektur
nicht von erheblicher Bedeutung ist. Das bedeutet, dass die ungenügende
Sachverhaltsabklärung für sich allein nie ausreichen kann, eine formell rechtskräftige
Verfügung wiedererwägungsweise aufzuheben, denn sie allein erlaubt nur die
Aufhebung der ursprünglichen Verfügung, nicht aber eine neue Verfügung in der Sache
selbst und auch keine Feststellung, dass die ursprüngliche Verfügung doch richtig
gewesen sei. Dazu muss erst der noch fehlende Teil der Sachverhaltsabklärung
nachgeholt werden. Eine Wiedererwägungsverfügung kann also erst ergehen, wenn die
Sachverhaltsabklärung definitiv abgeschlossen und der Sachverhalt rechtlich
gewürdigt worden ist. Die Bemessung des Invaliditätsgrades des Beschwerdeführers
anhand des nun vollständig abgeklärten Sachverhalts muss also durchgeführt worden
sein, bevor die Wiedererwägung der Verfügung vom 10. Mai 2001 erfolgen kann.
2.4
2.4.1 Dr. med. C._ hat in seinem Gutachten vom 4. Oktober 1999 festgehalten, die
aktuellen und die anamnestisch erwähnten Beschwerden seien mit den somatischen
Befunden nicht erklärbar. Diese Beschwerden und die funktionellen Beschwerden
seien Ausdruck einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Dr. med. C._ hat
also aus der Sicht seines Fachgebiets, der Rheumatologie, keine Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers festgestellt. Er hat bei seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung (50%)
ausschliesslich auf das psychische Teilgutachten von lic. phil. E._ vom 30.
September 1999 abgestellt, d.h. er hat gestützt auf das psychiatrische Teilgutachten
angenommen, dass nur die somatoforme Schmerzstörung mit vegetativen
Begleitsymptomen und mit einer ängstlich-depressiven Entwicklungstendenz eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% bewirke. Dieselbe lic. phil. E._, die das psychiatrische
Teilgutachten erstellt hat, hat in der Folge die psychotherapeutische Behandlung des
Beschwerdeführers übernommen. Nach etwas mehr als einem Jahr, am 11. Juli 2000,
hat sie der Beschwerdegegnerin berichtet, es seien multiple Ängste mit einem
generalisierten Vermeidungsverhalten zutage getreten. Diese Ängste seien schwer
zugänglich, da eine starke Somatisierungstendenz bestehe. Eine vorläufige Berentung
sei unumgänglich. Der Versicherte sei seit September 1998 zu 100% arbeitsunfähig.
Die Beschwerdegegnerin hat diese neue Arbeitsunfähigkeitsschätzung ohne weitere
Abklärung oder Verifizierung zum Anlass genommen, um eine ganze Invalidenrente bei
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einem Invaliditätsgrad von 100% zuzusprechen. Mit dem Bericht vom 11. Juli 2000 hat
lic. phil. E._ ihr eigenes psychiatrisches Gutachten vom 20. September 1999
relativiert. Sie hat die dort abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung durch eine andere
Schätzung ersetzt, ohne dies mehr als ansatzmässig zu begründen. Bei der Erstellung
des Berichts vom 11. Juli 2000 ist sie nicht als unabhängige Gutachterin, sondern als
Therapeutin tätig gewesen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass sie neu eine sehr
viel höhere Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers angegeben hat, weil sie zu
diesem in einem therapeutischen Auftragsverhältnis gestanden hat. Es ist anzunehmen,
dass sie als Therapeutin unter dem Druck der bis dahin erfolglosen Behandlung, der
geringen Erfolgsaussichten der weiteren Behandlung und der konsequent
vorgetragenen und umgesetzten Überzeugung des Beschwerdeführers, vollständig
arbeitsunfähig zu sein, sowie im Bemühen darum, eine für die Behandlung des
Beschwerdeführers möglichst aussichtsreiche Grundlage zu schaffen, indem sie mittels
Invalidenrentenleistungen wenigstens die wirtschaftlichen Probleme des
Beschwerdeführers zu mildern suchte, eine sehr viel höhere Arbeitsunfähigkeit als in
ihrem Gutachten angegeben haben. Der Bericht von lic. phil. E._ vom 11. Juli 2000
vermag deshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100% zu belegen. Das bedeutet, dass die
Beschwerdegegnerin sich mit der Verfügung vom 10. Mai 2001 auf einen nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit feststehenden Sachverhalt abgestützt hat. Diese
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes macht die Verfügung vom 10. Mai 2001
zwar rechtswidrig, aber nicht ohne weiteres auch zweifellos unrichtig. Von einer
zweifellosen Unrichtigkeit kann erst dann ausgegangen werden, wenn im
Wiedererwägungsverfahren der effektive Arbeitsfähigkeitsgrad mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ermittelt worden ist und wenn dieser Arbeitsfähigkeitsgrad zu einem
anderen Invaliditätsgrad führt, als er in der Verfügung vom 10. Mai 2001 unterstellt
worden ist.
2.4.2 Die Gutachter der MEDAS Zentralschweiz haben keine Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers festgestellt. Sie haben darauf hingewiesen, dass diese Differenz zu
den früheren Arbeitsfähigkeitsschätzungen nicht auf eine erhebliche Veränderung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zurückzuführen sei. Der
Gesundheitszustand sei nämlich weitgehend stabil geblieben. Es liegt somit einer jener
– seltenen – Fälle vor, in denen es möglich ist, durch eine medizinische Abklärung nicht
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nur den aktuellen Gesundheitszustand, sondern auch den früheren
Gesundheitszustand einer versicherten Person mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, da dieser eindeutig unverändert
geblieben ist. Wären die Kriterien zur Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei Menschen,
die an einer somatoformen Schmerzstörung leiden, immer noch dieselben wie bis zum
10. Mai 2001, so stünde gestützt auf die überzeugenden Ausführungen im Gutachten
der MEDAS Zentralschweiz fest, dass der Beschwerdeführer in einer seinen
körperlichen Beschwerden angepassten Erwerbstätigkeit zu 80% arbeitsfähig wäre.
Der psychiatrische Gutachter der MEDAS Zentralschweiz hat diese Einschätzung nicht
nur mit strengeren Kriterien zur Bemessung der Arbeitsfähigkeit beim somatoformen
Schmerzstörungen (objektiver Massstab der an die Aufwendung zumutbarer
Willensenergie zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung), sondern auch
mit dem Umstand erklärt, dass die damalige Beurteilerin in erster Linie als Therapeutin
involviert gewesen sei, was zwangsläufig zu einer anderen Sicht geführt habe. Das trifft
aber nur auf den späteren Bericht von lic. phil. E._ zu, in welchem diese eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% angegeben hat. Zum Zeitpunkt der Begutachtung des
Beschwerdeführers war sie noch nicht dessen Therapeutin, so dass sie damals noch
nicht in einer allzu pessimistischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gefangen war,
sondern objektiv urteilen konnte. Da nicht die aktuellen, sondern die 2001 noch
massgebenden Kriterien zur Arbeitsfähigkeitsschätzung im Rahmen des
Wiedererwägungsverfahrens zur Anwendung zu bringen sind, ist davon auszugehen,
dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten vom 30. September/ 4. Oktober
1999 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit richtig war. Die Arbeitsunfähigkeit hat ab
September 1998 bestanden, so dass der Beschwerdeführer nach dem Ablauf des
Wartejahres am 31. August 1999 durchgehend zu 50% arbeitsunfähig gewesen ist.
Dies schliesst es aus, die im Gutachten der MEDAS Zentralschweiz angegebene
Arbeitsunfähigkeit von 20% als Anlass zu nehmen, um eine Revision nach Art. 17 Abs.
1 ATSG vorzunehmen, denn es fehlt an einer nachträglichen Sachverhaltsveränderung.
Die Reduktion der Arbeitsunfähigkeit von 50% auf 20% ist ausschliesslich auf die mit
BGE 130 V 352 ff. eingeleitete Änderung der Rechtsprechung zurückzuführen.
2.5 Im Rahmen des Wiedererwägungsverfahrens hätte die Beschwerdegegnerin das
zumutbare Invalideneinkommen also auf der Grundlage einer Arbeitsfähigkeit von 50%
in einer leidensangepassten Hilfsarbeit ermitteln müssen. Da der Beschwerdeführer
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nach seinem letzten Arbeitstag bei der B._ AG keiner Erwerbstätigkeit mehr
nachgegangen ist, ist sein zumutbares Invalideneinkommen anhand eines statistischen
Durchschnittslohns zu ermitteln. Nach der bereits 2001 herrschenden Praxis ist dabei
auf den Zentralwert gemäss der Tabelle TA1 der vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Lohnstrukturerhebung abzustellen. Da ein Rentenanspruch ab 1999
zur Diskussion steht, ist der Zentralwert des Jahres 1998 massgebend. Dabei ist auf
den Durchschnitt aller Branchen abzustellen, da der Beschwerdeführer in praktisch
allen Branchen eingesetzt werden könnte. Dieser Zentralwert beläuft sich auf Fr.
4268.-, umgerechnet von 40 auf den schweizerischen Durchschnitt von 41,9
Wochenarbeitsstunden auf Fr. 4470.70 bzw. Fr. 53'648.-. Bei einem
Beschäftigungsgrad von 50% entspricht das einem Einkommen von Fr. 26'824.-. Für
einen ökonomisch denkenden potentiellen Arbeitgeber weist der Beschwerdeführer
allerdings verschiedene Nachteile gegenüber gesunden Hilfsarbeiterin auf, welche die
Gefahr erhöhter (indirekter) Lohnkosten entstehen lassen. Dazu gehört beispielsweise
das Risiko überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen, die fehlende Flexibilität in
bezug auf allfällige Überstunden oder in bezug auf den konkreten Arbeitsplatz, der
Bedarf nach einer besonderen Rücksichtnahme seitens der Vorgesetzten und der
Arbeitskollegen). Zusammen mit dem statistisch ausgewiesenen überproportionalen
Lohnnachteil bei Teilzeitarbeit von annähernd 10% (vgl. die Lohnstrukturerhebung 1998
S. 20 Tabelle 6*) rechtfertigt dieser Konkurrenznachteil einen zusätzlichen Abzug von
15%. Damit beträgt das zumutbare Invalideneinkommen Fr. 22'800.-. Gemäss den
Angaben der B._ AG hat der Beschwerdeführer in den Jahren 1995 bis 1997 Fr.
46'067.-, Fr. 46'800.- und Fr. 46'510.- verdient. Diese Löhne lagen unter dem
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne gemäss der Lohnstrukturerhebung 1998 von Fr.
53'648.-. Entsprechend der 2001 noch massgebenden Rechtsprechung war das
Valideneinkommen deshalb nicht anhand des effektiv am letzten Arbeitsplatz
erzielbaren Lohnes, sondern anhand des Zentralwerts der Hilfsarbeiterlöhne zu
bemessen. Deshalb ist auch im vorliegenden Fall von einem Valideneinkommen von Fr.
53'648.- auszugehen. Bei einem zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 22'800.-
resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 30'848.-. Das entspricht einem Invaliditätsgrad
von 57,5%. Der Beschwerdeführer hatte somit ab 1. September 1999 einen Anspruch
auf eine halbe Invalidenrente, weil der damals geltende Invaliditätsgrad von zwei
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Dritteln für eine ganze Invalidenrente nicht erreicht war. Auch die ab 1. Januar 2004
geltende Grenze von 60% für eine Dreiviertelsrente war nicht erreicht.
2.6 Nach der herrschenden Rechtsprechung regelt Art. 88 Abs. 2 IVV nicht nur den
Wirkungszeitpunkt der Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG, sondern auch
denjenigen der Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG. Gemäss Art. 88 Abs. 2
lit. a IVV erfolgt die Herabsetzung einer Rente frühestens vom ersten Tag des zweiten
auf die Zustellung der Verfügung folgenden Monats an. Bei genauer Betrachtung
handelt es sich dabei aber nicht um eine Ausführungsbestimmung zu Art. 53 Abs. 2
ATSG, sondern um eine Ausführungsbestimmung zu Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG. Art.
88 Abs. 2 lit. a IVV ordnet keine eine Wiedererwägung ex nunc an, da dies
verfahrenslogisch gar nicht möglich ist, weil die unrichtige Verfügung ja aufgehoben
wird und damit gezwungenermassen ex tunc neu verfügt werden muss (vgl. Ralph Jöhl,
Zur Praxis der substituierten Begründung der Wiedererwägung bei zu Unrecht
ergangenen Anpassungsverfügungen, AJP 2004 S. 1001 ff.). Vielmehr verbietet Art.
88 Abs. 2 lit. a IVV in Abweichung von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG eine
Rückforderung jener Rentenleistungen, die aufgrund der wiedererwägungsweisen
Aufhebung der früheren Rentenverfügung zu Unrecht ausgerichtet worden sind. Art.
88 Abs. 2 lit. b IVV sieht für bestimmte Fälle dann doch wieder die direkte
Anwendbarkeit des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG vor. Es gibt also nicht zwei Arten der
Wiedererwägung, jene mit Wirkung ex tunc und jene mit Wirkung ex nunc, sondern nur
einen ausnahmsweisen Verzicht auf die Rückforderung der nach einer Wiedererwägung
der ursprünglichen Rentenverfügung unrechtmässig bezogenen Rentenleistungen. Die
Beschwerdegegnerin ist bei Erlass der beiden Verfügungen vom 10. und vom 16.
Januar 2008 davon ausgegangen, dass nicht die lit. a, sondern die lit. b des Art. 88
Abs. 2 IVV anwendbar sei, weil der Beschwerdeführer seine Meldepflicht verletzt habe.
In der Verfügung vom 10. Januar 2008 hat die Beschwerdegegnerin dies sinngemäss
damit begründet, dass der Beschwerdeführer die Behandlung durch Dr. med. K._
und Dr. med. L._ verschwiegen habe. Wenn er diese Umstände rechtzeitig
angegeben hätte, wären dort Arztberichte eingeholt worden und diese hätten dann
gezeigt oder zumindest darauf hingewiesen, dass die laufende ganze Rente nicht
gerechtfertigt war. Im Ergebnis macht die Beschwerdegegnerin also geltend, der
Beschwerdeführer habe durch eine Meldepflichtverletzung eine frühere Eröffnung des
Wiedererwägungsverfahrens verhindert. In ihrer Beschwerdeantwort hat die
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Beschwerdegegnerin dann allerdings eingeräumt, dass der Tatbestand des Art. 88
Abs. 2 lit. b IVV nicht erfüllt sei, so dass Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV zur Anwendung
kommen müsse. Gemäss Art. 31 Abs. 1 ATSG sind wesentliche Änderungen in den für
eine Leistung massgebenden Verhältnissen zu melden. Die Tatsache, dass man sich
neu neben dem der IV-Stelle bereits bekannten Arzt auch noch durch einen anderen
Arzt behandeln lässt, gehört nicht dazu, denn darin kann keine wesentliche Änderung
in den leistungsrelevanten Verhältnissen erblickt werden. Eine wesentliche Änderung
würde beispielsweise darin bestehen, dass der neu behandelnde Arzt eine neue
Diagnose gestellt hätte. Mit dem Unterlassen der Meldung, dass er sich auch durch Dr.
med. K._ und durch Dr. med. L._ behandeln lasse, hat der Beschwerdeführer also
seine Meldepflicht nicht verletzt. Damit bleibt zu klären, ob er seine Mitwirkungspflicht
bei der Sachverhaltsabklärung (Art. 28 Abs. 2 ATSG) verletzt hat, weil er die beiden
Ärzte Dr. med. K._ und Dr. med. L._ im Fragebogen zur Rentenrevision nicht
angegeben hat. Am 3. Dezember 2001, als der Beschwerdeführer den ersten
Revisionsfragebogen ausfüllte, befand er sich zwar bei Dr. med. K._ in Behandlung.
Das bedeutet, dass eine Mitwirkungspflichtverletzung vorliegt. Dass diese
Pflichtverletzung adäquat kausal für die Verzögerung in der Eröffnung des
Wiedererwägungsverfahrens um mehrere Jahre gewesen wäre, steht nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Dr. med. K._
war nämlich nicht mit der Behandlung der – einzig arbeitsfähigkeitsrelevanten –
psychischen Erkrankung des Beschwerdeführers betraut. Es liegt somit kein
Anwendungsfall von Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV, sondern ein solcher des Art. 88 Abs. 2
lit. a IVV vor. Mit der Verfügung vom 10. Januar 2008 hätte also die ganze Rente auf
den zweiten auf die Zustellung folgenden Monat auf eine halbe Rente herabgesetzt
werden müssen. Da die Rückforderung ausgeschlossen war, hätte die Verfügung vom
16. Januar 2008 nicht ergehen dürfen. Dem Beschwerdeführer steht somit seit dem 1.
März 2008 eine halbe Invalidenrente im Betrag von Fr. 964.- monatlich zu. Bis Ende
Februar 2008 bleibt es bei einer ganzen Invalidenrente.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die Verfügungen vom 10. und vom 16. Januar 2008 sind aufzuheben. Die laufende
Rente ist mit Wirkung per 1. März 2008 auf Fr. 964.- monatlich herabzusetzen. In bezug
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auf die Verfahrenskosten ist dies als vollumfängliches Obsiegen des
Beschwerdeführers zu werten, denn beide angefochtenen Verfügungen werden als
rechtswidrig aufgehoben. Für das Hauptverfahren hat der Beschwerdeführer also einen
Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung. Für den Zwischenentscheid vom
27. August 2008 hingegen besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung, weil
der Beschwerdeführer dort unterlegen ist. Die Parteientschädigung bemisst sich nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g
ATSG). Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich eine Parteientschädigung
von Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die
Gerichtskosten bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Dieser umfasst auch den Aufwand für den Zwischenentscheid vom 27. August 2008.
Der Aufwand für das Hauptverfahren allein rechtfertigt praxisgemäss eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Dazu kommen Fr. 200.- für den Zwischenentscheid vom
27. August 2008. Die Parteientschädigung von Fr. 3500.- und die anteilige
Gerichtsgebühr von Fr. 600.- sind durch die unterliegende Beschwerdegegnerin zu
bezahlen. Den restlichen Teil der Gerichtskosten von Fr. 200.- hat aber der im
Zwischenverfahren unterliegende Beschwerdeführer zu bezahlen. Sein
Gerichtskostenanteil von Fr. 200.- ist durch den geleisteten Kostenvorschuss von Fr.
600.- gedeckt. Der Restbetrag von Fr. 400.- wird dem Beschwerdeführer
zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG