Decision ID: 74289fe2-9cee-5c44-8138-93b279ef05a8
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, war seit 1989 als Mitarbeiterin Restauration am
Z._
tätig (
Urk.
7/6
Ziff.
1,
Ziff.
2.1). Am 1
4.
Juni 2018 meldete sie sich wegen Arthrose in den Knien bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und gewährte Frühinterventions
massnahmen in Form von Arbeitsplatzerhalt (
Urk.
7/9
;
Urk.
7/27
)
und ergono
mischem Coaching (
Urk.
7/42;
Urk.
7/49). Nach durchgeführtem Vorbescheidver
fahren (
Urk.
7/73;
Urk.
7/75;
Urk.
7/78-80,
Urk.
7/84-85), in dessen Rahmen eine Haushaltabklärung durchgeführt wurde (Bericht vom 3
0.
Juni 2021;
Urk.
7/83), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
September 2021 einen Rentenan
spruch der Versicherten (
Urk.
7/87 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
4.
Oktober 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom
2.
September 2021 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung sowie die Rückwei
sung der Sache zur neuen Abklärung, eventualiter die Zusprache einer Viertels
rent
e (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
4.
November 2021 (
Urk.
6) bean
tragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Be
schwerde
füh
rerin am 1
6.
November 2021 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a
mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Die Arbeitsplatzerhaltungsmassnahmen seien abgeschlossen worden, da es nicht möglich gewesen sei, die Beschwerdeführerin innert angemessener Zeit in den bisherigen Arbeitsplatz zu integrieren (S. 1). Die bisherige Tätigkeit als Mit
arbeiterin Restauration sei nicht mehr zumutbar. Eine körperlich leichte ange
passte Tätigkeit sei zu 100
%
zumutbar. Die Beschwerdeführerin sei als im Ge
sundheitsfall zu 100
%
Erwerbstätige zu qualifizieren. Der Invaliditätsgrad betrage 32
%
, womit kein Anspruch auf eine Rente bestehe (S. 2). Gemäss medi
zinischem Gutachten bestehe keine wesentliche Einschränkung in einer ange
passten Tätigkeit (
Urk.
6).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (
Urk.
1), es sei ihr aufgrund ihrer Knie
beschwerden gemäss Gutachten eine angepasste Tätigkeit mit Wechselbelastung zwischen Sitzen, Stehen und Gehen, mit überwiegendem Sitzen, ab dem 1
2.
Okto
ber 2020 zumutbar. Der Gutachter habe sich jedoch nicht zum zumutbaren Pen
sum geäussert. Dennoch sei der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Beschwer
degegnerin zum Schluss gekommen, dass ihr eine solche Tätigkeit zu 100
%
und
zudem bereits ab Dezember 2019 zumutbar sei. Dies gehe jedoch so nicht aus den Akten hervor (S. 5 f.). Auf die medizinischen Berichte könne aus näher dar
gelegten Gründen nicht abgestellt werden (S. 6). Zudem sei ihr beim Invaliden
einkommen kein leidensbedingter Abzug - angemessen seien 20
%
- gewährt worden und die Ergebnisse der beruflichen Massnahmen hätten zu wenig Berück
sichtigung gefunden (S. 7 unten f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin und in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Beschwerdegegnerin ihrer Abklärungs
pflicht genügend nachgekommen ist. Dabei ist unbestritten, dass der Beschwer
deführerin die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist
und dass sie im Gesundheitsfall zu 100
%
erwerbstätig wäre
.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
, diagnostizierte mit Bericht vom
3.
Oktober 2018 (
Urk.
7/8) eine massive
Varusgonarthrose
beid
seits sowie einen Spreizfuss und
Hallux
valgus
2014 operiert (
Ziff.
2.5). Es sei eine Knieprothese rechts am 2
5.
Oktober 2017 und links am 1
5.
August 2018
eingesetzt worden (
Ziff.
2.1). Im Moment bestehe keine Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
4.
2); die Prognose sei grundsätzlich gut (
Ziff.
4.3).
3.2
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, erstattete am 2
1.
Oktober 2019 ein vertrauens
ärzt
liches orthopädisches Gutachten zuhanden der Pensionskasse der Beschwer
de
führerin (
Urk.
7/37). Sie stellte folgende Diagnosen (S. 11):
-
Status nach TEP Kniegelenke beidseits, OP rechts im Herbst 2017 und links im August 2018
, bei vorbestehenden ausgeprägten
Varusgonarthrosen
-
funktionell sehr gutes postoperatives Ergebnis rechts, klinisch
varische
Beinachse
-
verzögerter Heilverlauf links bei verminderter Belastbarkeit durch Schwäche des
Musculus
vastus
medialis
. Klinisch physiologisch
val
gische
Beinachse. Die Kompensation der fehlenden Kraft erfolgt über den
Tractus
iliotibialis
, auch hier rezidivierende Beschwerden. Radio
logisch gutes postoperatives Ergebnis
-
Fehl- und Überbelastung des Bewegungsapparates bei einem BMI von über 32 mit einem geschätzten Übergewicht von etwa 15 kg
-
Indikation zu einem Beinlängenausgleich links um 1 cm
-
Fehlstatik der Wirbelsäule, Haltungsinsuffizienz, muskulärer Hartspann und
verschmächtigte
Rumpfmuskulatur
-
kein nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit
-
Status nach
OP
bei
Hallux
valgus
rechts mit gutem postoperativem Ergeb
nis
Es sei in sechs Wochen mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 5 mal 4
Stunden und per
1.
Januar 2020 vom regulären Pensum auszugehen (S.
12 unten).
Eine Berufsunfähigkeit liege nicht vor. Wünschenswert wäre ein Einsatz im Per
sonalrestaurant, da dort die Möglichkeit bestehe, zeitweise sitzen zu können.
Für ausschliesslich sitzende Tätigkeiten ergebe sich zum jetzigen Zeitpunkt eine Teilarbeitsfähigkeit von 50
%
mit Steigerung auf ein reguläres Pensum in sechs Wochen (S. 13).
3.3
Im Abschlussbericht zur Massnahme Arbeitsplatzerhalt vom
2.
Juli
2020
(
Urk.
7/54)
wurde zur Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin festgehalten, dass
folgende Einschränkungen zu beobachten gewesen seien: Beim Arbeiten in Bodennähe (Hocken oder Knien unmöglich), Gehen verlangsamt und schwan
kend, Tragen von Behältern mit Flüssigkeiten (Tassen oder Behälter mit Saucen, Überschwappen aufgrund des Hinkens) sei schwierig, längere Arbeiten in der Vorneigung (wie Reinigung von Behältern) seien mit einer Schmerzzunahme ver
bunden. Je länger die Arbeit andauere, desto stärker zeigten sich das Hinken und das verlangsamte Gehen und die Beschwerdeführerin
berichte
über eine Schmerz
zunahme (S. 2).
3.4
Dr.
A._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
3.
September
2020 (
Urk.
7/58/4) zusätzlich eine beginnende Spinalkanalstenose mit
Foraminalein
engung
L4
/5 links. Die Beschwerdeführerin habe bisher maximal 30
%
arbeiten können. Er rechne nicht damit, dass die Arbeitsfähigkeit wesentlich über das aktuelle Mass gesteigert werden könne (S. 1).
3.5
Am 2
9.
Oktober 2020 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Ortho
pädie und Traumatologie, zuhanden der Pensionskasse ein vertrauensär
ztliches Gutachten (
Urk.
7/62), und stellte folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9):
-
Status nach TEP Kniegelenke beidseits
-
rezidivierende
Lumboischialgie
links bei
Hemisakralisation
L5
mit
Nearthrose
links
Die Diagnose einer Adipositas Grad I habe keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit.
Dr.
C._
hielt fest, er könne der Einschätzung durch
Dr.
B._
nicht zustimmen. Aus seiner Sicht bestehe bei der Beschwerdeführerin eine objek
ti
vierbare
Problematik, insbesondere am linken Kniegelenk. Es sei plausibel, dass es nach längerer Belastung, Stehen oder Laufen, zu Schwellungen im linken Knie kommen könne. Er habe die Beschwerdeführerin am Morgen untersucht, dennoch seien am linken Knie in der Sonographie bereits leichte Schwellungen und ein Erguss ersichtlich gewesen. Zwar sei die Beweglichkeit auf beiden Seiten gut aus
geprägt und die Muskulatur sei relativ stark vorhanden. Nichtsdestotrotz sei die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin eingeschränkt. Sicherlich wäre eine Tätig
keit mit Wechselbelastung zwischen Sitzen, Stehen und Gehen, überwiegend sitzend, am besten (S. 9 unten f.).
Eine definitive Beurteilung der Berufsunfähigkeit lasse sich noch nicht be
stimmen. Der Arbeitgeber solle über einen anderen Einsatz der Beschwerde
führerin entscheiden. In der aktuellen Belastung sei auch ein Teilzeitpensum für die Beschwerdeführerin nicht zumutbar. Die Berufsunfähigkeit solle in etwa einem
Jahr wieder überprüft werden. Der
Beschwerdeführerin
seien
ab dem 1
2.
Oktober 2020, dem Datum der Untersuchung,
angepasste Tätigkeiten mit Wechselbelastung zwischen Sitzen, Stehen und Gehen, mit der Möglichkeit abzu
sitzen, zumutbar (S. 10).
3.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie, hielt am 1
7.
Dezember
2020 (
Urk.
7/
71/
4-5) fest, es bestehe gemäss
Dr.
C._
für eine angepasste Tätigkeit ab Oktober 2020 eine volle Arbeits
fähigkeit. Für eine adäquat behinderungsangepasste Tätigkeit (körperlich leicht, wechselbelastend zwischen Stehen/Gehen und Sitzen, ohne häufiges Bücken, ohne Knien, Kauern und Hocken, ohne häufiges Treppensteigen oder Stehen in vornüber gebeugter Haltung) sei definitiv ab dem
8.
Oktober 2020 eine voll
schichtige/ganztägige Arbeitsfähigkeit möglich und zumutbar, retrospektiv im Hinblick auf die Befunde im Gutachten von
Dr.
B._
spätestens ab Dezember 2019 (
Urk.
7/4).
3.7
Dr.
A._
hielt am
1.
März 2021 (
Urk.
7/79
=
Urk.
3
) fest, in der angestammten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 30 bis 40
%
. Angepasst sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60
%
auszugehen. Die Kniegelenke seien schmerzhaft und die Beschwerdeführerin habe Mühe mit dem Treppensteigen. Ein Problem liege auch in ihrer Körpergrösse; sie habe sehr kurze Unterschenkel und alles was mit Steigen auf Stufen zu tun habe belaste die Knie und ihren Skelettapparat. Weiter bestehe eine
Bandlaxität
, was wiederum zu einer Überlastung führe (S. 1). Zudem bestehe der Verdacht auf eine
rezessale
Stenose
L4
/5, bei
Spondylarthrose
und je nach Bewegung sehr engem
Rezessus
. Hier könnten Injektionen noch weiterhelfen, was die Beschwerdeführerin aber bislang nicht habe machen wollen. Insgesamt zeige sie eine gewisse Erschöpfung und komme wohl nicht über eine 50-60
%
ige Arbeitsfähigkeit hinaus (S. 2).
3.8
Dr.
D._
führte am 3
1.
März 2021 (
Urk.
7/86/3) aus,
Dr.
A._
schildere keine neuen oder bislang unbekannte
n
medizinische
n
Tatsachen. Im Übrigen bezögen sich Angaben zur Arbeitsfähigkeit in Gutachten oder versicherungsmedizinischen Beurteilungen immer automatisch auf ein 100%-Pensum, s
ofern nicht ausdrück
lich etwas
anderes
angegeben werde.
4.
4.1
Dr.
C._
leg
t
e in seinem Gutachten (vgl. vorstehend E. 3.5) nachvollziehbar dar, weshalb er die Einschätzung
durch
Dr.
B._
nicht teilte. Es hätten sich bereits am Morgen, somit nicht nach der Belastung eines Arbeitstages, leichte Schwellungen und ein Erguss gezeigt. Es sei deshalb plausibel, dass es nach längerer Belastung mit Stehen und Laufen zu Schwellungen im linken Knie komme. Die Annahme von
Dr.
B._
, wonach innert wenige
r
Wochen ab Januar 2020 mit einer Steigerung auf das reguläre Pensum gerechnet werden könne, be
wahrheitete sich in der Folge nicht. Im Gegenteil waren die Arbeitsplatz
er
haltungsmassnahmen nicht erfolgreich und zeigten die Beeinträchtigungen deut
lich auf (vgl. vorstehend E. 3.3).
Wenngleich diese in der angestammten Tätigkeit auftraten, kann damit dennoch nicht davon ausgegangen werden, dass - wie
Dr.
D._
ohne nachvollziehbare Begründung
annahm
(vgl. vorstehend E. 3.6)
- bereits ab
Dezember
2019 eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit vorhanden gewesen ist
.
Dies insbesondere, als
Dr.
A._
im September 2020 zusätzlich eine
beginnende
Spinalkanalstenose mit
Foraminaleinengung
L4
/5 links
feststellte (vgl. vorstehend E. 3.4).
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Ein
holung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.3
RAD-Arzt
Dr.
D._
ging gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
C._
davon aus, dass der Beschwerdeführerin eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Um
fang von 100
%
zumutbar sei. Wenngleich er darauf hinwies, dass sich in medi
zinischen Gutachten ohne ausdrückliches Abweichen die Angaben immer auf ein Pensum von 100
%
bezögen (vgl. vorstehend E. 3.8), so ist dies vorliegend doch mit Zweifeln behaftet: Zum einen darf erwartet werden, dass ein Gutachter aus
drücklich ein Pensum benennt.
Dr.
C._
nannte kein Pensum. Zudem
ver
fasste
er
sein Gutachten zuhanden der Pensionskasse der Beschwerdeführerin und
hatte
damit insbesondere zur Frage der Berufsunfähigkeit Stellung
zu nehmen
, weshalb das genaue Pensum in einer angepassten Tätigkeit von untergeordneter Bedeutung gewesen sein dürfte. Zum anderen wies der fachkundige behandelnde Arzt
Dr.
A._
, der im Gegensatz zu
Dr.
D._
über Kenntnisse aus der
eigenen
Untersuchung der Beschwerdeführerin verfügt, darauf hin, dass angepasst seiner Ansicht nach nur eine Arbeitsfähigkeit von 50-60
%
bestehe (vgl. vorstehend E.
3.7). Die Einschätzung durch
Dr.
D._
genügt deshalb den beweismässigen Anforderungen nicht.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
4.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.5
Es ist angezeigt, die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Frage des zumutbaren Pensums in angepassten Tätigkeiten sowie den Beginn der so festgestellten Zumutbarkeit in geeigneter Weise abkläre und hernach erneut über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin entscheide.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die
Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 5
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
.
Diese w
ird
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer)
und ist beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
185.-- (exkl. Mehrwertsteuer) auf
Fr.
1'400.-- (inklusive
MWSt
und Barauslagen) festzusetzen.