Decision ID: 2c2bde36-053a-4158-a863-97147c12fd60
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
reiste im Jahr 1998 in die Schweiz ein
. Seither ging sie
keiner ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit mehr nach und war zu 100
%
im Haushalt tätig
(
Urk.
7/6)
.
Am
4.
Oktober 2013 (
Eingangsdatum
) meldete sich die Versicherte bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf eine Angst
störung, Depressionen sowie psychische Probleme zum Bezug von Leistungen der Invalidenversiche
rung an (Urk. 7/6).
Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und holte die Berich
te der behandelnden Ärzte (Urk. 7/13
und
Urk.
7/15
) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug,
Urk.
7/11
) ein. Ausgehend von keiner rentenrelevanten Einschränkung im Aufgabenbereich verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
26. März 2014
einen Rentenanspruch (
Urk.
7/19
).
1.2
Am
6.
Dezember 201
6
(Eingangsdatum)
reichte die Versicherte ein neues Leistungs
begehren (
Urk.
7/26
) sowie den Arztbericht
von
Dr.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. November 2016
ein (
Urk.
7/25
).
Ausgehend von keinem veränderten Gesund
heitszustand stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2
9.
Dezember 2016 ein Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht (Urk. 7/30). Dagegen erhob die Versicherte am 2
4.
Januar 2017 sowie ergänzend am 2
8.
Februar 2017 (Ein
gangsdatum) und 2
2.
März 2017
unter Beilage
eines neuen Arztberichtes von
Dr.
A._
vom 2
0.
März 2017 (
Urk.
7/36) Einwand (
Urk.
7/32, Urk. 7/35 und
Urk.
7/37). Daraufhin holte die IV-Stelle eine aktenbasierte Ein
schätzung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) ein.
Dr.
B._
, Fachärztin orthopädische Chirurgie und Traumatologie, nahm am 9. März sowie am 1
3.
Juni 2017 Stellung (vgl. Feststellungsblatt S. 2-3; Urk. 7/39). Mit Verfügung vom 2
0.
Juni 2017 trat die IV-Stelle wie vorbeschieden auf das Leistungsbegehren nicht ein (
Urk.
7/40 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
1.
August 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 2
0.
Juni 2017 sei aufzuheben und die Angelegenheit sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese auf das Gesuch der Beschwerdeführerin eintrete und das Begehren materiell prüfe (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
September 2017 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 2
9.
September 2017 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburtsgebre
chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie
fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechts
erheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhalts
änderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invaliden
rente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.
4
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Gericht, ungeachtet
der Vorbringen
der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungs- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation den for
mellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegen
stand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b; 116 V 265 E. 2a; SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) vom
2
0.
Juni
2017 hielt die Beschwer
degegnerin fest,
mit dem neuen Leistungsbegehren sei nicht glaubhaft dargelegt worden, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung vom 2
6.
März 2014 wesentlich verändert hätten.
2.2
Demgegenüber
machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom
21.
August
2017 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
ihr gesundheitliche
r
Zustand habe sich rapide verschlechtert. Neben weitergehenden Diagnosestellungen sei es auch zu einer schweren
Chronifizierung
ohne länger dauernde Rückbildung gekommen. Die Beschwerdegegnerin sei entsprechend verpflichtet, weitergehende Abklärungen zu treffen und auf ihr Leistungsbegehren einzutreten.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Neuanmeldung vom
6.
Dezember 2016
(
Urk.
7/26
) eingetreten ist. Dabei stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der letztmaligen materiellen Prüfung, mithin dem Erlass der Verfügung vom
2
6.
März 2014
(
Urk.
7/19
; vgl. BGE 133 V 108), erheblich verändert hat.
3.
3.1
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet die Verfügung vom
2
6.
März
2014
(
Urk.
7/19
), welcher in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen
der
Arztbericht
der
Psychiatrischen K
linik
C._
vom 27.
November 2013
(
Urk.
7/13
) sowie
der Arztbericht vo
n
D._
vom
26. Januar 2014
(
Urk.
7/15
) zugrunde lagen.
3.2
Dr.
D._
behandelte die Beschwerdeführerin zwischen Juli 2010 und August 20
1
2.
In
seinem Arztbericht vom 2
6.
Januar 2014 (
Urk.
7/15) zu Händen der Beschwerdegegnerin
führte er
aus, wegen der Depressionserkrankung und der Somatisierungsstörung des Ehemannes könne es bei der Beschwerdeführerin wiederholt zu Überforderungssituationen kommen. Ihre Arbeitsfähigkeit sei aber aufgrund dieser psychosozialen Belastungssituation nicht eingeschränkt.
3.3
Seit Juli 2012
leide
die Beschwerdeführerin
an schlimmen Kopfschmerzen (seitenalternierend)
.
Hinzu komme Übelkeit, Nervosität, Phono- und Photophobie, Schwindel und Zittern.
Die Schmerzen würden häufig in der Nacht auftreten und bis zu zwei bis drei Mal pro Woche vorkommen. Diese Attacken mit Kopfweh und multiplen Begleitbeschwerden würden höchstwahrscheinlich einer Migräne ohne Aura entsprechen (vgl.
den beigelegten
Arztbericht vom
5.
Juli 2013 von
Dr.
E._
, Neurologie FMH;
Urk.
7/15/5f.).
3.4
Seit dem 1
6.
November 2012 war die Beschwerdeführerin bei den Ärzten der
C._
in ambulanter Behandlung (14-Tage-Rhythmus). Diese hielten in ihrem Bericht vom
2
7.
November 2013 (
Urk.
7/13) zu Händen der Beschwerdegegnerin folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Vorwiegend Zwangsgedanken oder
Grübelzwang
seit ca. 15 Jahren (ICD
10: F42.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Epi
sode seit Juli 2013 (ICD-10: F33.0)
Die Ärzte der
C._
stellten fest, die Beschwerdeführerin sei wach, bewusstseins
klar und allseits orientiert. Ihre Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksam
keitsspanne seien hingegen reduziert. Ihre Auffassung sei erschwert, wobei dies
bezüglich möglicherweise auch sprachliche Probleme mitursächlich seien. Ihr for
maler Gedankengang sei grübelnd und eingeengt. Auch habe sie intermittierend Zwangsgedanken das Wohlergehen des Sohnes betreffend. Zwangshandlungen würden von der Beschwerdeführerin verneint werden, seien aufgrund fremd
anamnestischer Angaben jedoch anzunehmen. Halluzinationen, Wahn oder Ich-Störungen seien keine vorhanden. Affektiv sei si
e
leicht bis mässig zum depressiven Tool ausgelenkt. Ihre Schwingungsfähigkeit sei deutlich reduziert. Ausserdem zeige sie eine Freud- und Interessenlosigkeit in Verbindung mit Niedergeschlagenheit, vorwiegend jedoch in Verbindung mit Ängsten. Im Kon
taktverhalten sei sie hingegen freundlich. Die Mimik und Motorik sowie der Appetit seien unauffällig. Allerdings leide sie an Ein- und Durchschlafstörungen. Die Beschwerdeführerin habe keinerlei suizidale Absichten oder Impulse, inter
mittierend jedoch lebensmüde Denkinhalte. Eine Fremdgefährdung bestehe aber nicht.
Die Ärzte der
C._
konstatierten, körperliche und geistige Einschränkungen seien keine vorhanden. An psychischen Einschränkungen würden reduzierte
Konzen
trations
- und Merkfähigkeit, erschwerte Auffassung, formalgedankliche Rigidität, Zwangsgedanken,
Anhedonie
, Ängste und verminderte Schwingungsfähigkeit bestehen. Dadurch könne die Beschwerdeführerin nicht länger konzentriert an einer Sache arbeiten und würde selbst mit einfachen Arbeitsanweisungen rasch überfordert sein. Die interferierenden Zwangsgedanken würden sie zusätzlich ablenken. Im Rahmen der ängstlich depressiven Symptome seien ihre Fähigkei
t
en
, Initiative zu ergreifen und sich motivieren zu lassen, überdies reduziert. Sie attestierten der Beschwerdeführerin in ihrer erlernten Tätigkeit als Grundschul
lehrerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 1
6.
November 201
2.
Unter Weiterführung der bisherigen Behandlung mit
psychoedukativem
, beraten
dem und stützendem Charakter sowie angepassten verhaltens
therapeutischen
Interventionen sei im Verlauf eine Besserung von Konzentrationsfähigkeit, Auf
fassung, emotionaler Belastbarkeit und ein Rückgang der Ängste möglich. Ent
sprechend könne auch mit einer Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden, wobei eine zeitliche Vor
hersage nicht möglich sei.
4.
4.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 6. Dezember 2016
liegen
die Berichte von
Dr.
A._
vom 18. November 2016 (
Urk.
7/25) und vom 2
0.
März 2017 (
Urk.
7/36)
auf
.
4.2
Seit dem 3
0.
November 2015
ist
die Beschwerdeführerin bei
Dr.
A._
in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung. Im Rahmen dieser Behandlungen habe die Beschwerdeführerin angegeben seit mehreren Jahren unter folgenden Krankheiten zu leiden:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1)
-
Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt (ICD-10: F 42.2)
-
Panikstörung, episodische paroxysmale Angst (ICD-10: F41.0)
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1)
-
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61)
Als psychiatrische Vorbehandlungen führte
Dr.
A._
an, die Beschwerdeführerin sei vom 1
6.
November 2012 bis 3
1.
März 2014 im
Ambul
atorium
F._
mit den Diagnosen rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode, (ICD
10 F33.0) und vorwiegend Zwangsgedanken oder
Grübelzwang
(ICD-10 F42.0) behandelt worden und habe anschliessend von März 2014 bis Oktober 2015 eine psychologische Therapeutin aufgesucht, eine psychiatrische
Hospitali
sation
habe nicht stattgefunden.
Dr.
A._
konstatierte, regelmässige psychiatrisch- und psycho
therapeutische Einzelgespräche seien indiziert und würden in einem zwei bis drei Wochen Setting durchgeführt werden. Er attestierte der Beschwerdeführe
r
in aus psychiatrischer Sicht eine Leistungsminderung von 100 %. In einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit beziehungsweise beschäftigenden Tagesstruktur im Sinne einer Tagesklinik sei sie im weiteren Verlauf für eine leichte Beschäftigung mit Wechselbelastung zu 20 % leistungsfähig (vgl. Arztbericht vom 1
8.
Novem
ber 2016;
Urk.
7/25).
4.3
In seinem Arztbericht vom 2
0.
März
2017 (
Urk.
7/36) bestätigte Dr.
A._
die im November 2016
genannten
Diagnosen weitest
gehend (vgl. vorstehend E. 4.2).
Nach Angaben der
Beschwerdeführerin
leide sie
seit der Entbindung im Oktober 2000 zunehmend an diesen psychischen Erkran
kungen und den damit verbundenen Beeinträchtigungen. Vorher sei es ihr psychisch gut gegangen.
Dr.
A._
berichtete, während der Exploration sei sie
bewusstseinsklar und allseits orientiert. Auffassungsstörungen seien keine vorhanden, es würden aber mittelgradige Aufmerksamkeits- und Kon
zentrationsstörungen bestehen. Formale Denkstörungen seien im Sinne von Perseveration, Gedankenkreisen, Gedankenarmut, Einengung und leichter
Logorrhoe
ersichtlich. Anhaltspunkte für inhaltliche Denkstörungen und Sinnes
täuschungen gebe es nicht. Ich-Störungen im Sinne von
Derealisation
und Depersonalisation seien anamnestisch vorhanden. Das Selbstwertgefühl sei deut
lich vermindert und die Vitalgefühle seien herabgesetzt. Ihr Antrieb sei vermin
dert und psychomotorisch sei sie zeitweise unruhig. Darüber hinaus seien Ein- und Durchschlafstörungen vorhanden und ihr Appetit sei deutlich vermindert. Ferner seien seit mehreren Monaten ausgeprägte Todeswünsche vorhanden, Anhaltspunkte für akute Suizidalität sowie Fremdaggressivität würden aber keine bestehen.
Dr.
A._
führte aus
, zusätzlich zur Zwangsstörung erfülle die Beschwerdeführerin die diagnostischen Kriterien für eine rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig, sowie für eine generalisierte Angststörung, welche sekundär zur Zwangsstörung entstanden sei. Die Zwangserkrankung habe anamnestisch schon im Jugendalter begonnen und sei langsam zunehmend ver
laufen. Ihr psychischer Zustand habe sich unter besonderen Belastungen (Migra
tion, Entwurzelung, tiefgreifender Konflikt mit ihrer Kernfamilie, Ehekonflikte) akut und schubweise verschlechtert. Der bisherige Verlauf zeige eine schwer
chro
nifizierte
Zwangsstörung, welche die Funktionsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Familien- und Sozialleben deutlich beeinträchtige. Seit Jahren leide sie an ausgeprägten Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Die zwanghafte Hand
lung habe sie im Laufe der Zeit zu einem Zwangsritual wie Kontrollzwang, Ord
nungszwang und verbale Zwänge ausgebaut. Diese Zwangsgedanken und -rituale würden je nach Ausprägung bis zu mehreren Stunden täglich in Anspruch nehmen. Ferner erfülle die Beschwerdeführerin die diagnostischen Kriterien für eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit Merkmalen aus der
anankastischen
(zwanghaften),
histrionischen
und ängstlich-vermeidenden Persönlichkeits
stö
rungen nach ICD
-
1
0.
Sie zeige tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und
soziale Lebens
lagen zeigen würden. Diese dysfunktionalen Verhaltensmuster seien rigid und würden sich auf vielfältige Bereiche ihres Verhaltens und der Ich-Funktionen beziehen.
Die Beschwerdeführerin - so
Dr.
A._
weiter - sei
aufgrund der beschriebenen psychischen Erkrankungen geistig und psychisch nicht in der Lage, ihre persönlichen Angelegenheiten zu überblicken und hinreichend zu erledigen. Sie könne den Alltag zwar selbständig bewältigen, brauche jedoch je nach Krank
heitsverlauf eine begleitende Unterstützung im Sinne einer Beistandschaft, um ihre persönlichen Angelegenheiten zweckmässig zu erledigen. Eine solche bestehe auch seit Dezember 2016 (vgl.
Urk.
7/28).
Durch
supportive
und
psyc
hoedukative
Ansätze in
Kombination
mit Psychopharmaka habe die Beschwerde
führerin ent
lastend begleitet werden können. Eine langfristige sozialpsychiatrische und psychotherapeutische sowie psychopharmakologische Behandlung sei weiterhin notwendig.
4.4
Zu den gesamten
Vorakten
nahm RAD-Ärztin
Dr.
B._
am
9.
März sowie am 1
3.
Juni 2017 Stellung (vgl. Feststellungsblatt;
Urk.
7/39) und legte dar,
die Berichte von
Dr.
A._
wiesen keinen neuen medizinischen Sachverhalt aus. Er
berichte
über seit mehreren Jahren gleichbleibende Beschwer
den und die von ihm genannten Diagnosen würden sich nicht wesentlich von den bereits im November 2013 durch die Ärzte der
C._
gestellten unterscheiden, ein
zig der Schweregrad der depressiven Episode sei jetzt mittelgradig, jedoch ohne dass er die psychopathologischen Befunde darlegen würde. Die neu genannte
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
sei
ohne biographische Herleitung nicht ausgewiesen.
Dr.
A._
habe mitgeteilt, dass die Beschwerde
führerin bis zur Entbindung im Jahr 2000 psychisch gesund gewesen sei, womit eine Persönlichkeitsstörung von einem Ausmass, das dauerhaft zu einer Arbeits
unfähigkeit führen würde
,
sehr unwahrscheinlich und nicht nachvollziehbar sei. Hinsichtlich der Angaben zu den Zwängen und Ängsten führte
Dr.
B._
aus, diese würden ausschliesslich auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführe
rin beruhen.
Dr.
A._
mache keine Aussage zu Art und Aus
mass der Zwänge, so dass eine Beeinträchtigung der Lebensführung durch Zwänge und Ängste nicht nachvollziehbar sei.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin stützte sich zur Glaubhaftmachung der von ihr mit der Neuanmeldung vom
6.
Dezember 2016 (
Urk.
7/26) geltend gemachten Ver
schlechterung ihres Gesundheitszustandes auf die
eingereichten Berichte von Dr.
A._
(vgl. E. 4.2-4.3).
5.2
Im Zeitpunkt der Rentenabweisung im Jahr 2014 lagen aus
psychiatrischer
Sicht ein
e rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10: F33.0) sowie
Zwangsgedanken oder
Grübelzwang
(ICD-10: F42.0)
als
die Arbeitsfähigkeit
einschränkende
Beschwerdebilder
vor
(vgl. E. 3.4)
.
Dr.
A._
verwies in seinen
Arztbericht
en
vom
1
8.
November 2016 (
Urk.
7/25) und
2
0.
März 2017 (
Urk.
7/36)
ebenfalls auf eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.1)
sowie
Zwangsgedanken und -handlungen (ICD-10: F42.2) und attestierte der Beschwerdeführerin in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine Leistungs
fähigkeit von 20 % (vgl. E. 4.2 und E. 4.3).
5.
3
Inwieweit die Beschwerdeführerin im Rahmen der rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.1)
erheblich mehr
in ihrer Funktion eingeschränkt sein soll, geht aus dem Bericht
von Dr.
A._
jedoch
nicht hervor. Ange
sichts dessen, dass sich die
Beschwerdeführer
in
im Zusammenhang mit der diagnostizierten mittelgradigen
Episode
in k
eine intensive (stationäre) Behand
lung begab
und lediglich alle zwei bis drei Wochen ein psychiatrisch- und psychotherape
utisches Einzelgespräch bei Dr.
A._
in Anspruch nahm
(vgl. E. 4.2), ist von keinem grossen Leidensdruck auszugehen. Dementspre
chend ist
eine wesentliche Verschlechterung nicht glaubhaft ausge
wiesen.
5.
4
Hinsichtlich der Zwangs
erkrankung
hielt
Dr.
A._
fest, diese
habe
sich aufgrund psychosozialer Belastungen akut und schubweise zu einer schwer
chronifizierten
Zwangsstörung verschlechtert (vgl. E. 4.3)
, so habe die Beschwerdeführerin von Befürchtungen, dass ihrem Sohn oder Ehemann demnächst etwas Schlimmes passieren könnte, berichtet. Durch diese Sorge sei sie ständig angespannt, schreckhaft und deutlich reizbar (vgl.
Urk.
7/36 S. 2). Dieselbe Angst um ihren Sohn hat die Beschwerdeführerin auch im Rahmen der Behandlung in der
C._
angegeben (vgl.
Urk.
7/13 S. 3).
Weiter habe sie
bei Dr.
A._
über quälende Zweifel, Wasch- und Putz-, Kontroll- und Ordnungszwänge sowie teilweise Symmetriebestrebungen in der Ausrichtung von diversen Gegenständen berichtet
. Beim Versuch
,
diese Handlungen zu unter
lassen
,
würden massive innere Anspannungen und Ängste auftreten
. Sie müsse ein Ritual in exakt derselben Weise nach sorgfältig zu beachtenden Regeln
durch
laufen. Gelinge es nicht die Handlung abzuschliessen, entstehe Angst bei ihr und sie müsse das Ritual von Anfang an wiederholen
(vgl.
Urk.
7/36 S. 2
-3
).
Im Rahmen der Exploration in der
C._
ha
t
die Beschwerdeführerin Zwangshand
lungen noch verneint. Solche wurden
von den untersuchenden Ärzten in der
C._
aufgrund fremdanamnestischer Angaben sowie der Beobachtung von extrem trockener und rauer Haut im Bereich der Hände
aber
angenommen (vgl.
Urk.
7/13 S. 3-4).
Demnach ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bereits im November 2013 an Zwängen litt.
Ferner wurde sie nach Angaben von
Dr.
A._
bereits seit November 2012 wegen vorwiegend Zwangs
gedanken und
Grübelzwang
behandelt und hat die Zwangserkrankung anamnestisch schon im Jugendalter begonnen.
Inwieweit die Beschwerdeführerin durch die Zwangsrituale
neu vermehrt
eingeschränkt ist, respektive wie sich diese
in ihrer Ausprägung geändert haben
,
ist aus dem Arztbericht von Dr.
A._
nicht ersichtlich.
Demzufolge ist nicht glaubhaft gemacht,
dass diese Zwänge ein Ausmass angenommen haben, das die Beschwer
deführerin in ihrer Leistungsfähigkeit
im Vergleich zum Sachverhalt im März 2014 erheblich mehr einschränken würde
.
5.
5
Überdies diagnostizierte
Dr.
A._
im Rahmen seiner psychiatri
schen und psychotherapeutischen Behandlung im November 2016 neben
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Epi
sode
,
(ICD-10: F33.1) sowie Zwangsgedanken und -handlungen (ICD-10: F42.2)
zusätzlich eine
generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit Merkmalen aus der
anankastischen
(zwanghaften),
histrionischen
und ängstlich-vermeidenden Persönlichkeits
störung (ICD-10: F61; v
gl. E. 4.
3
).
Hierzu ist vorab festzuhalten, dass eine neu hinzugetretene Diagnose nicht unbesehen eine höhere Arbeitsunfähigkeit bewirkt. Massgebend für den Grad der Arbeitsunfähigkeit ist nicht die Diagnose oder die Zahl der erhobenen Diagnosen, sondern die daraus resultierende Leistungseinschränkung, welche sich auch durch eine zusätzliche Beeinträchtigung nicht zwangsläufig erhöhen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_804/2015 vom 2
1.
Juni 2016 E. 3.2). Daher genügt eine neu hinzugetretene Diagnose per se nicht, um eine erhebliche Ver
schlechterung glaubhaft zu machen, da damit über das quantitative Element einer relevanten, die Arbeitsfähigkeit schmälernde Veränderung des Gesundheitszu
standes nicht zwingend etwas ausgesagt wird (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_244/2016 vom 2
1.
Juni 2016 E. 3.5).
5.
6
Hinsichtlich der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung führte RAD
-Ärztin Dr.
B._
aus, die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei ohne biographi
sche Herleitung nicht ausgewiesen (vgl. E. 4.4). Angesichts dessen, dass eine Per
sönlichkeitsstörung
meist in der Kindheit oder Adoleszenz in Erscheinung tritt und während des Erwachsenenalters
weiterbesteht
(vgl.
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen in
Dilling
/
Mambour
/Schmidt,
Internationale
Klassifika
tion psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V [F]: Klinisch diagnostische Leitli
nien, 1
0.
Aufl. 2015, S. 274 ff.
)
sowie vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin im
Rahmen der Untersuchung bei Dr.
A._
berichtete, dass es ihr vor der Entbindung im Jahr 2000 psychisch gut gegangen sei (vgl. vorstehend
E. 4.3
), ist die Einschätzung der RAD-Ärztin einleuchtend, wonach eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Per
sönlichkeitsstörung unwahrscheinlich sei (vgl. vorstehend E. 4.4).
Zumindest ist eine dadurch
neu aufgetretene Arbeitsunfähigkeit nicht glaubhaft.
5.
7
Im Zusammenhang mit der
generalisierten Angststörung wird gemäss ICD
10
Klassi
fikation
häufig die Befürchtung geäussert, ein Angehöriger könnte dem
nächst erkranken oder einen Unfall haben
(vgl. F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen,
Internationale
Klassifikation psychi
scher Störun
gen, a.a.O., S.
198f.). Dass sich die Beschwerdeführerin um ihren Sohn und Ehe
mann fürchtet,
geht bereits aus dem Arztbericht der
C._
aus dem Jahr 2013 (vgl. vorstehend E. 3.4
) hervor. Inwieweit die von Dr.
A._
diagnostizierte generalisierte Angststörung
in Bezug auf die Arbeits
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
neu
invalidisierend sein sollen, geht aus seinem Bericht vom März 2017 (vgl. vorstehend E. 4.3) nicht hervor.
Demnach ist diesbezüglich ebenfalls nicht von einem veränderten Gesund
heitszustand auszu
gehen.
5.8
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
keine
Anhaltspunkte bestehen
,
wonach
sich die
S
ymptomatik der Beschwerdeführerin
und damit die Leistungsfähigkeit
seit März 2014 wesentlich verändert hätten
.
Nach dem Gesagten
besteht
die angefoch
tene Verfügung vom 2
0. J
uni 2017
zu Recht und ist die Beschwerde abzuweisen
.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahre
n kostenpflichtig. Die Gerichts
kos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert festzule
gen
(Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie
der
Beschwerde
führerin
aufzuerlegen.