Decision ID: 7035e28d-aa43-55dd-97a2-4683edfdf46d
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
M._ zog sich am 29. Juli 2003 eine komplexe Schnittverletzung der Hohlhand links
mit Beugesehnen-, Nerven- und Gefässverletzung Dig. II-IV zu. Aufgrund eines
Neuroms des radialen Fingernervs II-IV links und einer ausgeprägten
Beugesehnenverklebung erfolgten am 17. Februar 2004 eine Nervenresektion, ein
Nerveninterponat des radialen Nerv Dig. II-IV, eine Resektion FDS IV und FDP III mit
Beugesehnentenolyse, eine A2-Ringbandkonstruktion III/IV und Z-Plastiken Dig. III. Die
Rehabilitationsklinik Bellikon berichtete am 20. Dezember 2004, es bestehe eine
Hyperpathie der Handinnenfläche links im Bereich der Operationsnarben mit
Ausstrahlung in die Finger II-IV und Berührungsdysästhesie der Fingerkuppen/
Endphalangen Dig. II-IV, eine Einschränkung der aktiven Bewegung im PIP-Gelenk Dig.
III/IV sowie im DIP-Gelenk Dig. II-IV links mit gestörtem Faustschluss und Streckdefizit
im PIP-Gelenk Dig. II-IV links, eine Kälteempfindlichkeit der Finger II-IV und der distalen
Handinnenfläche links und von der Hand ausgehende belastungsabhängige
Schmerzen der ganzen linken oberen Extremität. Der Versicherte habe sich als
funktioneller Einhänder präsentiert. Sowohl der Grobgriff als auch die Feinmotorik seien
beeinträchtigt gewesen. Trotz erheblicher funktioneller Einbussen an der linken Hand
wäre aber mehr Restfunktionalität möglich gewesen, als der Versicherte gezeigt habe.
Mit einer berufsorientierten Ergotherapie sei versucht worden herauszufinden, ob mit
bestimmten Hilfsmitteln (Wollhandschuh) die Arbeitsfähigkeit gesteigert werden könne.
Ausserdem habe diese Ergotherapie der Abklärung der Leistungsfähigkeit gedient. Das
Ziel habe in einer dreistündigen Beschäftigung bestanden, aber der Versicherte habe
die Arbeit jeweils bereits nach einer Stunde niedergelegt. Den angebotenen
Arbeitsversuch habe der Versicherte nicht wahrnehmen wollen. Er habe dies damit
begründet, dass im August 2004 bereits ein Arbeitsversuch gescheitert sei und dass
nicht ersichtlich sei, weshalb es diesmal klappen sollte. Weiter wurde im
Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon ausgeführt, nicht nur in der berufsorientierten
Ergotherapie, sondern auch in anderen Therapien habe es dem Versicherten an
Compliance, Motivation und Verantwortungsbereitschaft gefehlt, so dass kein
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therapeutischer Zugang möglich gewesen sei. Eine leichte Arbeit wäre dem
Versicherten ganztags zumutbar. Nicht mehr zumutbar seien Tätigkeiten, bei denen mit
der linken Hand repetitiv oder mit Kraft Gegenstände im Grobgriff gehalten werden
müssten, freimotorische Tätigkeiten, Tätigkeiten mit Vibrationen/Schlägen auf die linke
Hand, Tätigkeiten mit Kälteexposition und Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten. Am 29.
April 2005 kündigte der Versicherte sein Arbeitsverhältnis mit der A._ AG. Zur
Begründung gab er an, seine Handverletzung sei so schwerwiegend, dass er auch an
dem ihm zur Verfügung gestellten adaptierten Arbeitsplatz nicht mehr tätig sein könne.
Dr. med. B._, Kreisarzt der SUVA, hielt in einem Bericht vom 9. Oktober 2006 über
seine ärztliche Abschlussuntersuchung u.a. fest, objektiv zeigten sich reizfreie Narben
mit einer mässiggradigen Bewegungseinschränkung im Bereich der Langfinger II-IV
und mit einer fortgesetzten Überempfindlichkeit mit elektrisierenden Schmerzen vor
allem im Bereich der Fingerbeeren II-IV, aber auch im Bereich der Hohlhand. Die
Kraftentfaltung der linken Hand sei deutlich eingeschränkt, insbesondere für den
Faustschluss. Zudem bestünden fortgesetzte trophische Störungen im Bereich der
Langfinger II-IV. Es handle sich um einen Dauerzustand. Mit einem Urteil vom 28.
Februar 2006 bestätigte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
Abweisung des Invalidenrentenbegehrens des Versicherten durch die obligatorische
Unfallversicherung.
B.
Bereits am 25. November 2004 hatte sich der Versicherte bei der IV-Stelle zum Bezug
einer Invalidenrente angemeldet. Dr. med. C._ hatte am 7. Dezember 2004 in bezug
auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf die medizinischen Vorakten verwiesen. Die
A._ AG hatte am 7. Januar 2005 angegeben, sie beschäftige den Versicherten als
angelernten Produktionsmitarbeiter. Die betriebsübliche Wochenarbeitszeit betrage
41,5 Std. Der Versicherte erziele einen Stundenlohn von Fr. 26.85. Dr. med. D._ von
der Klinik für Hand- und plastische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen hatte am
22. Juni 2005 berichtet, der Versicherte leide an einem chronischen Schmerzsyndrom
der linken Hand bei einem St. n. komplexer Schnittverletzung mit Beugesehnen- und
Nervendurchtrennung. In der vor dem Unfall ausgeübten Erwerbstätigkeit bestehe seit
dem Unfall am 29. Juli 2003 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die Therapie sei
aufgrund der starken Schmerzhaftigkeit schwierig gewesen. Es sei eine
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Schmerztherapie eingeleitet worden. Schon bei geringsten Belastungen leide der
Versicherte unter Schmerzen. Diese hielten dann längere Zeit an. Es bestehe auch eine
Kälteempfindlichkeit. Mehrere Arbeitsproben seien durchgeführt worden. Aufgrund der
frustralen Behandlung sei die Therapie am 30. August 2004 abgeschlossen worden.
Der Versicherte könne die linke Hand nicht mehr zu kraftvollen Arbeiten einsetzen.
Grundsätzlich seien alle leichten Tätigkeiten ohne grösseren Einsatz der linken Hand,
gegebenenfalls auch Einhandtätigkeiten, zumutbar. Dr. med. E._ vom RAD
Ostschweiz teilte dem RAV F._ am 14. September 2006 gestützt auf die ihm
vorliegenden Akten mit, mehrere Arbeitsversuche bei der A._ AG an einem
angepassten Arbeitsplatz mit der Möglichkeit betriebsunüblicher Pausen seien
gescheitert. Die linke Hand des Versicherten werde dauerhaft nicht mehr kraftvoll
einsetzbar sein. Als Zudienhand sei sie aber weiterhin brauchbar. Deshalb sei der
Versicherte für eine leidensadaptierte Tätigkeit als weitgehend arbeitsfähig einzustufen.
Autofahren sei möglich. Ärztlich dokumentierte Hinweise auf eine psychiatrische
Erkrankung fehlten. Die Möglichkeit einer beruflichen Eingliederung sei schlecht, denn
der Versicherte scheine subjektiv von seiner vollständigen Invalidität überzeugt zu sein.
C.
Mit einem Vorbescheid vom 27. April 2007 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie
werde sein Leistungsbegehren abweisen, weil der Invaliditätsgrad unter 40% liege.
Dieser Invaliditätsgrad sei mit den gleichen Bemessungskriterien begründet, die auch
der Unfallversicherer angewendet habe. Der Versicherte wandte am 12. Juni 2007 ein,
es fehle ein Einkommensvergleich, weshalb die Begründungspflicht verletzt sei.
Abgesehen vom kreisärztlichen Bericht vom 9. Oktober 2006 liege kein aktuellerer
medizinischer Bericht als derjenige der Rehaklinik Bellikon vor. Vor dem Hintergrund
der Feststellungen des Kreisarztes stelle sich die Frage, ob nicht ein psychisches
Leiden mit Krankheitswert, insbesondere eine somatoforme Schmerzstörung vorliege.
Dafür sprächen der mehrjährige Krankheitsverlauf bei unveränderter Symptomatik, der
soziale Rückzug, die unbefriedigenden Behandlungsergebnisse trotz konsequent
durchgeführter ambulanter und stationärer Behandlungsbemühungen und die
gescheiterte Rehabilitation bei vorhandener Motivation und Eigenverantwortung. Die
IV-Stelle sei zu weiteren Abklärungen diesbezüglich verpflichtet. Da keine aktuelle
Arbeitsfähigkeitsschätzung vorliege, sei auch in somatischer Hinsicht eine weitere
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Abklärung notwendig. Der zu einer Stellungnahme aufgeforderte Dr. med. E._ gab
am 20. August 2007 u.a. an, eine vom Rechtsvertreter des Versicherten aufgeworfene
eventuell vorhandene somatoforme Schmerzstörung sei nur im Ausnahmefall
invalidisierend und werde von keinem Arzt diagnostiziert. Weiter fabuliere der
Rechtsvertreter des Versicherten, dass vielleicht ein psychisches Leiden mit
Krankheitswert vorliegen könnte. Ein solches sei nicht ärztlich attestiert worden und
könne daher nicht einfach vom Rechtsvertreter des Versicherten angenommen werden.
Zudem müsste es zuerst einmal behandelt werden. Der Rechtsvertreter des
Versicherten führe zwar zu Recht aus, dass keine aktuellen ärztlichen Berichte
vorlägen, weil keine Therapie stattfinde. Eine solche wäre aber bei einer gravierenden
Erkrankung (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) zu erwarten. Mit einer Verfügung vom
24. August 2007 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten ab.
D.
Der Versicherte erhob am 26. September 2007 Beschwerde gegen diese Verfügung. Er
beantragte die Zusprache einer Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50%, eventualiter die Durchführung zusätzlicher medizinischer
Abklärungen zur Beurteilung seiner Leistungsfähigkeit. Ausserdem ersuchte er um die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Zur Begründung seines
Hauptantrages führte er aus, das Lohnkonto weise für 2003 und für 2004 einen
Grundlohn von je Fr. 58'068.60 aus. Darin seien die Gratifikation und das IAO-
Partizipationskapital noch nicht enthalten, so dass sich für 2003 ein Valideneinkommen
von Fr. 63'042.- ergebe. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die IV-Stelle von einem
Valideneinkommen von Fr. 58'320.- ausgegangen sei. Den Akten lasse sich nicht
entnehmen, wie die IV-Stelle das zumutbare Invalideneinkommen berechnet habe.
Diese Verletzung der Begründungspflicht reiche für sich allein schon aus, um die
angefochtene Verfügung aufzuheben. Auszugehen sei von einem statistischen Lohn
von Fr. 55'056.-. Abgesehen davon, dass die Arbeitsfähigkeit von 100% nicht erstellt
sei, könne er kein seinem Valideneinkommen entsprechendes Invalideneinkommen
erzielen. Vielmehr sei ein Abzug von 25% vorzunehmen, um der erheblichen
Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit der linken Hand Rechnung zu
tragen. Das Invalideneinkommen betrage somit maximal Fr. 41'292.-. Es fehle eine
aktuelle ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung. Verschiedene Hinweise sprächen für ein
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psychisches Krankheitsbild. Er sei gut motiviert und gewillt, wieder einer Arbeit
nachzugehen.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 12. November 2007 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, der Invaliditätsbegriff sei in der obligatorischen Unfallversicherung und
in der Invalidenversicherung derselbe, weshalb die Invaliditätsbemessung im Regelfall
zum selben Ergebnis führen müsse. Da die SUVA einen Rentenanspruch des
Versicherten verneint habe, bestehe auch gegenüber der Invalidenversicherung
mangels Erwerbseinbusse kein Rentenanspruch. Selbst wenn eine somatoforme
Schmerzstörung vorläge, bestünde kein Rentenanspruch. Rechtsprechungsgemäss sei
nämlich zu vermuten, dass eine somatoforme Schmerzstörung i.d.R. keine relevante
Arbeitsunfähigkeit bewirke, weil sie durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwindbar sei. Im Fall des Versicherten fehle das wichtigste der Kriterien, die für eine
Unüberwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung sprechen würden, nämlich eine
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Indizien für
ein psychisches Leiden fehlten. Bei einem die Arbeitsfähigkeit einschränkenden
psychischen Leiden wäre zu erwarten, dass eine Behandlung oder zumindest eine
Abklärung erfolgen würde. Deshalb könne keine schwerwiegende gesundheitliche
Störung vorliegen.
F.
Der Versicherte wandte am 4. Dezember 2007 ein, die IV-Stelle sei nicht auf die
Tatsache eingegangen, dass er seine linke Hand nur noch beschränkt als
"Zudienhand" einsetzen könne.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 14. Dezember 2007 auf eine Stellungnahme.
H.
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Am 27. Mai 2008 reichte der Versicherte zwei weitere Arztberichte ein. Dr. med. G._
hatte Dr. med. H._ am 5. März 2008 mitgeteilt, es liege der Verdacht nahe, dass der
Versicherte an einem CRPS Typ II leide. Dafür sprächen die ständigen, elektrisierenden
Schmerzen der Stärke 4-5, bei Belastung 8-9. Diese Schmerzen könnten durch leichte
Berührungen ausgelöst werden. Es bestehe also eine Allodynie. Durch einen Wetter-
oder einen Temperaturwechsel würden die Schmerzen verstärkt. Dr. med. H._ hatte
dem Rechtsvertreter des Versicherten am 9. Mai 2008 angegeben, es bestehe ein
komplexes CRPS links bei St. n. tiefer Schnittwundenverletzung, St. n. Rekonstruktion
der Fingernerven II-IV radial und Ringbandrekonstruktion II und III mit bow stringing.
Die Beschwerden seien mehr oder weniger ähnlich wie bereits im November 2004 von
der Rehaklinik Bellikon beschrieben. Die dort angegebenen Probleme könnten unter
den Titel eines CRPS (früher Sudeck) subsumiert werden. Da aus handchirurgischer
Sicht keine Optimierungsmöglichkeit mehr bestehe, habe er den Versicherten dem
Schmerztherapeuten Dr. med. G._ vorgestellt. Dieser habe bestätigt, dass der
Versicherte die ganze Zeit an starken Schmerzen leide. Das sei typisch für ein CRPS.
Für jede Art von Arbeit mit Belastung der linken Hand - auch als Zudienhand - sei der
Versicherte arbeitsunfähig. Somit bestehe eine theoretische Arbeitsfähigkeit für
Arbeiten ohne Belastung der linken Hand. Diese Arbeitsfähigkeit müsste im Rahmen
einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit präzis ermittelt werden. Eine
angepasste Tätigkeit sei aufgrund der Fähigkeiten des Versicherten nicht gegeben. Die
Schlussfolgerungen der Rehaklinik Bellikon seien mangels korrekter Diagnosestellung
nicht relevant oder sogar nicht nachvollziehbar. Seit August 2004 sei der Zustand des
Versicherten stabil. Die medikamentöse Schmerztherapie werde nur langfristig Erfolg
haben können. Eine Reevaluation sollte in zwei Jahren erfolgen. Bis dahin sollte der
Versicherte zu 100% berentet werden.
I.
Die IV-Stelle wandte am 5. Juni 2008 ein, Dr. med. H._ habe sich nur auf die
subjektiven Schmerzangaben des Versicherten gestützt. Ausserdem sei er davon
ausgegangen, dass eine einhändige Person immer zu 100% arbeitsunfähig sei. Das
treffe nicht zu. Im übrigen stehe nun fest, dass kein psychisches Leiden, sondern ein
Schmerzsyndrom vorliege.

Erwägungen:
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1.
Die Beschwerdegegnerin hat sich zur Begründung ihrer Annahme, der
Beschwerdeführer sei überhaupt nicht invalid, auf die sogenannte Bindungswirkung
(vgl. etwa BGE 126 V 288 ff.) berufen. Sie hat nämlich sinngemäss geltend gemacht,
die SUVA habe rechtskräftig mangels einer behinderungsbedingten Erwerbseinbusse
einen Anspruch auf eine Invalidenrente verneint, womit auch bei der
Invalidenversicherung kein Rentenanspruch bestehen könne. Die Beschwerdegegnerin
hat allerdings übersehen, dass die höchstrichterliche Rechtsprechung sich in diesem
Punkt mit dem Entscheid BGE 133 V 549 ff. wieder geändert hat: Es besteht keine
Bindung der Invalidenversicherung an eine Invaliditätsschätzung der
Unfallversicherung. Die Beschwerdegegnerin hätte also eine selbständige
Invaliditätsschätzung vornehmen müssen. Diese ist im vorliegenden Verfahren
nachzuholen, damit die Rechtmässigkeit der Abweisung des Rentengesuchs
überprüft werden kann.
2.
2.1 Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Valideneinkommen). Ausschlaggebendes Element des Einkommensvergleiches
ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, da er die Höhe des
zumutbaren Invalideneinkommens - und damit im Ergebnis den Invaliditätsgrad -
massgeblich beeinflusst.
2.2 Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, seine verbliebene
Arbeitsfähigkeit stehe nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, weil die Beschwerdegegnerin es unterlassen habe, seine
psychische Gesundheitsbeeinträchtigung und deren Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit abzuklären. Keiner der mit der Behandlung des Beschwerdeführers
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betrauten Ärzte hat je den Verdacht geäussert, dass eine psychische
Gesundheitsbeeinträchtigung vorliegen könnte. Insbesondere die Rehaklinik Bellikon,
die den Beschwerdeführer während mehreren Wochen behandelt und die über
psychiatrische Fachkompetenz verfügt hat, hätte allfällige Symptome einer
psychischen Erkrankung erkannt, den psychischen Gesundheitszustand abgeklärt und
nötigenfalls eine Behandlung eingeleitet. Auch die übrigen behandelnden Ärzte haben
nie einen Bedarf gesehen, die psychische Gesundheit des Beschwerdeführers
abzuklären. Der Kreisarzt der SUVA hat in seinem Abschlussbericht vom 9. Oktober
2006 ebenfalls keine Anzeichen für eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit
des Beschwerdeführers gesehen. Als arbeits- und versicherungsmedizinisch erfahrener
Arzt wäre er in der Lage gewesen, entsprechende Anzeichen zu erkennen, auch wenn
dies ausserhalb seines Fachgebietes (Chirurgie) lag, und nötigenfalls einen
psychiatrischen Sachverständigen beizuziehen. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht
darauf hingewiesen, dass auch Dr. med. H._ und Dr. med. G._ eine rein
somatische Ursache der vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden angenommen
hätten. Die vom Beschwerdeführer unter Bezugnahme auf die höchstrichterliche
Rechtsprechung aufgelisteten Kriterien sind keine Kriterien für die Diagnose einer
somatoformen Schmerzstörung oder einer vergleichbaren psychischen Erkrankung,
sondern Kriterien zur Beantwortung der Frage, ob die durch eine ausgewiesene
somatoforme Schmerzstörung bewirkte subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
durch eine zumutbare Willensanstrengung überwunden werden könnte. Die
entsprechende Argumentation des Beschwerdeführers stösst deshalb ins Leere. Fehlt
jedes Indiz für eine psychische Erkrankung, so besteht keine Notwendigkeit für eine
psychiatrische Abklärung. Der Untersuchungsgrundsatz ist nicht so zu interpretieren,
dass eine medizinische Abklärung zur Ermittlung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten
Person immer jede medizinische Fachrichtung enthalten müsse. Ein derartiges
Vorgehen bei der Abklärung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person wäre völlig
unverhältnismässig. An der Abklärung der Arbeitsfähigkeit sind also nur Gutachter jener
Fachrichtungen zu beteiligen, bei denen aufgrund entsprechender Indizien
anzunehmen ist, dass die Fachkenntnisse zur Abklärung des Gesundheitszustandes
und damit der Arbeitsfähigkeit notwendig seien. Die Psychiatrie zählt im vorliegenden
Fall nicht zu den beizuziehenden medizinischen Fachrichtungen, weil kein Indiz für eine
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit des Beschwerdeführers vorliegt. Der
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vom Beschwerdeführer erhobene Vorwurf der Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes bei der Abklärung der Arbeitsfähigkeit mangels einer
psychiatrischen Abklärung ist deshalb nicht stichhaltig.
2.3 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, auch in somatischer Hinsicht habe
die Beschwerdegegnerin auf einen unzureichend abgeklärten Sachverhalt abgestellt,
so dass der von ihr angenommene Arbeitsfähigkeitsgrad von 100% in einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt sei. Er begründet dies einerseits mit dem
Fehlen einer aktuellen Arbeitsfähigkeitsschätzung und andererseits mit der erstmaligen
Qualifikation eines seit Jahren bestehenden Schmerzsyndroms als CRPS Typ II durch
Dr. med. H._ und Dr. med. G._ im Jahr 2008 bzw. mit der von Dr. med. H._ am 9.
Mai 2008 abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzung. Der Austrittsbericht der Rehaklinik
Bellikon ist zwar tatsächlich bereits Ende 2004 erstellt worden. Das allein bedeutet aber
nicht, dass der darin enthaltenen Arbeitsfähigkeitsschätzung keine Überzeugungskraft
zukäme. Spätestens mit dem Rehabilitationsaufenthalt in Bellikon war nämlich ein
stabiler Zustand der linken Hand erreicht. Daran hat sich in der Folge nichts mehr
geändert, wie der Bericht des Kreisarztes der SUVA vom 9. Oktober 2006 zeigt und wie
sich indirekt auch den 2008 erstellten Berichten von Dr. med. H._ und Dr. med. G._
entnehmen lässt. Die vorliegenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen beziehen sich
demnach alle auf einen seit 2004 unveränderten somatischen Zustand. Die jetzt
geplante medikamentöse Therapie des CRPS Typ II wird - wenn überhaupt -
frühestens im Jahr 2010 zu einer Verbesserung des somatischen Zustandes führen. Mit
dem Argument, die Arztberichte, auf welche die Beschwerdegegnerin sich abstütze,
seien veraltet, kann deren Beweiswert in bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzungen
also nicht erschüttert werden. Dr. med. H._ und Dr. med. G._ haben zwar die
Auffassung vertreten, dass alle mit dem Fall des Beschwerdeführers befassten Ärzte
eine falsche Diagnose gestellt hätten, wobei sie impliziert haben, dass auch die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen falsch gewesen seien, weil die Beschwerdeschilderungen
des Beschwerdeführers aufgrund der Fehldiagnose nicht ernst genommen worden
seien. Erst durch die Diagnose eines CRPS Typ II sei klar geworden, dass die
Beschwerdeschilderungen des Beschwerdeführers objektiv gerechtfertigt seien.
Allerdings hat Dr. med. H._ die von ihm angegebene vollständige Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers in einer der Behinderung der linken Hand angepassten
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Erwerbstätigkeit dann nicht mit den geklagten Beschwerden, sondern mit einer
angeblich fehlenden wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Arbeitskraft eines funktional
einhändigen Hilfsarbeiters begründet. Er hat also nicht angenommen, die von der
linken Hand ausgehenden Beschwerden seien so stark, dass sie auch eine adaptierte
Erwerbstätigkeit ohne Einsatz der linken Hand ausschlössen. Das bedeutet, dass Dr.
med. H._ die Angabe einer Arbeitsunfähigkeit von 100% auch in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit nicht mit den geklagten Beschwerden, sondern nur mit einer - aus
seiner Sicht - fehlenden wirtschaftlichen Verwertbarkeit eines funktionell einhändigen
Arbeitnehmers begründet hat. Dr. med. H._ hat also keine medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, die denjenigen widersprechen würde, auf
welche die Beschwerdegegnerin sich bei der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens abgestützt hat. Tatsächlich weist der allgemeine und
ausgeglichene Arbeitsmarkt durchaus Arbeitsplätze auf, an denen auch funktionell
einhändige Personen eingesetzt werden können (vgl. etwa das Bundesgerichtsurteil
vom 22. November 2007, U 499/06, in welchem ohne weiteres auch für einen
Arbeitnehmer, der den ganzen linken Arm nicht mehr einsetzen konnte, eine
wirtschaftliche Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit angenommen wurde). Im übrigen hat
die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hingewiesen, dass Dr. med. G._ und Dr.
med. H._ die Angaben des Beschwerdeführers zur Stärke seiner Beschwerden ohne
weiteres als objektiv richtig qualifiziert, eine mögliche Aggravation also gar nicht ins
Auge gefasst haben, was die Überzeugungskraft der Arbeitsfähigkeitsschätzung von
Dr. med. H._ erheblich schmälert.
2.4 Eine medizinisch begründete Abweichung zwischen den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Klinik Bellikon aus dem Jahr 2004, des SUVA-
Kreisarztes und des RAD Ostschweiz auf der einen Seite und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. H._ aus dem Jahr 2006 auf der anderen
Seite würde nur dann bestehen, wenn die behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit so
definiert würde, dass die linke Hand als Zudienhand einzusetzen wäre. Während in den
früheren Arztberichten ein solcher Einsatz der linken Hand als möglich und zumutbar
betrachtet worden ist, hat Dr. med. H._ angenommen, dass die linke Hand überhaupt
nicht mehr eingesetzt werden könne. Bezogen auf eine Erwerbstätigkeit mit einem
Einsatz der linken Hand als Zudienhand liegen also absolut konträre
Arbeitsfähigkeitsschätzungen vor. Geht man allerdings von einer rein einhändigen
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Erwerbstätigkeit aus, so besteht kein eindeutiger Widerspruch, denn im Bericht von Dr.
med. H._ vom 9. Mai 2008 ist für eine solche Tätigkeit nur aus erwerblichen, nicht
aber aus medizinischen Gründen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit angegeben
worden. In bezug auf die medizinische Arbeitsfähigkeit in einer rein einhändigen
Tätigkeit hat Dr. med. H._ die Durchführung einer Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit vorgeschlagen. Von einer solchen Abklärung ist allerdings entgegen
der Annahme von Dr. med. H._ kein Aufschluss über die objektive Arbeitsfähigkeit zu
erwarten, denn der Beschwerdeführer hat in der Vergangenheit bei derartigen
Austestungen konsequent seine subjektiv empfundene vollständige Arbeitsunfähigkeit
für jegliche Art von Tätigkeit demonstriert. Die nach wie vor bestehende Überzeugung
der vollständigen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit würde auch bei einem
erneuten Versuch einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit ein
überzeugendes Abklärungsergebnis verhindern. In antizipierender Beweiswürdigung ist
deshalb auf die von Dr. med. H._ vorgeschlagene Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit zu verzichten. In bezug auf eine vollumfänglich adaptierte, d.h.
durch einen funktionellen Einhänder uneingeschränkt ausübbare Erwerbstätigkeit liegt
auch ohne Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit eine ausreichende
Sachverhaltskenntnis vor. Gestützt insbesondere auf die Angaben der Rehaklinik
Bellikon und des Kreisarztes der SUVA ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit erstellt.
3.
3.1 Gemäss dem Auszug aus seinem individuellen Beitragskonto (IK) hat der
Beschwerdeführer im Jahr 2002 ein AHV-beitragspflichtiges (Art. 25 Abs. 1 Satz 1 IVV)
Erwerbseinkommen von Fr. 54'011.- erzielt. Dies stimmt mit dem entsprechenden
Auszug aus der Lohnbuchhaltung der A._ AG überein. In früheren Jahren hat der
Beschwerdeführer bei der A._ AG teilweise erheblich höhere Jahreseinkommen
erzielt. Da nicht anzunehmen ist, dass der Beschwerdeführer damals qualifiziertere
Arbeit geleistet und deshalb einen erheblich höheren Stundenlohn erzielt hat, kann die
Differenz nur auf eine höhere Zahl von Jahresarbeitsstunden zurückzuführen sein. Der
Beschwerdeführer muss in einem erheblichen Ausmass Überstunden geleistet haben.
Da es bei der Bemessung des Valideneinkommens nicht um eine Erhebung von Zahlen
aus der Vergangenheit, sondern um eine Schätzung des - ohne
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Gesundheitsbeeinträchtigung, d.h. fiktiv - in der Zukunft erzielbaren
Erwerbseinkommens geht, kann die Leistung vieler Überstunden nicht als normal
betrachtet und der damit erzielbare zusätzliche Lohn nicht einbezogen werden, denn
wer bis zu seiner altersbedingten Pensionierung konsequent in grossem Umfang
Überstunden leistet, arbeitet über das Zumutbare hinaus. Der Bemessung des
Valideneinkommens darf aber nur eine zumutbare Arbeitsleistung zugrunde gelegt
werden, denn die rentenspezifische Invalidität ist nicht der behinderungsbedingte
Verlust der Fähigkeit, über das Zumutbare hinaus zu arbeiten, sondern nur der Verlust
der Fähigkeit, in einem zumutbaren Ausmass einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Das
Valideneinkommen des Beschwerdeführers beträgt somit Fr. 54'011.-.
3.2 Im Jahr 2002 hat der Durchschnittslohn gemäss der Tabelle TA1 im Anhang zur
Lohnstrukturerhebung 2002 des Bundesamtes für Statistik Fr. 4557.- betragen. Zur
Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist grundsätzlich auf diesen Betrag
abzustellen, weil der Beschwerdeführer seit dem Unfall keiner Erwerbstätigkeit mehr
nachgeht und weil Arbeitsplätze, an denen er seine verbliebene Arbeitsfähigkeit
adaptiert verwerten könnte, nicht nur in einer bestimmten Branche des Produktions-
oder des Dienstleistungssektors zu finden sind. Der Durchschnittslohn ist aus
statistischen Gründen ausgehend von einer standardisierten Wochenarbeitszeit von 40
Std. ermittelt worden. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug im Jahr 2002
aber 41,7 Std. Das entspricht einem Durchschnittseinkommen von Fr. 4751.- bzw. Fr.
57'012.-. Der Beschwerdeführer hat also im Jahr 2002 ein unterdurchschnittliches
Erwerbseinkommen erzielt. Um zu verhindern, dass die Invaliditätsbemessung durch
einen Umstand verfälscht wird, der nichts mit der erwerblichen Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu tun hat, muss zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens von einem Lohn von Fr. 54'011.- statt von Fr. 57'012.-
ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer ist in einer adaptierten Erwerbstätigkeit
zu 100% arbeitsfähig. Es gibt in der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für
Statistik kein Indiz dafür, dass die Arbeitsleistung funktionell weitgehend einhändiger
Hilfsarbeiter generell nur an Arbeitsplätzen verwertet werden könnte, die schlecht, d.h.
unterdurchschnittlich bezahlt sind. An den für funktionell weitgehend einhändige
Hilfsarbeiter in Frage kommenden Arbeitsplätzen ist nicht die Körperkraft oder die
Fingerfertigkeit gefordert. Stattdessen haben die Konzentrationsfähigkeit, die
Konstanz, die Sorgfalt, die Verlässlichkeit, das Engagement usw. besondere
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Bedeutung. Auch der Einsatz dieser Eigenschaften hat einen wirtschaftlichen Wert und
rechtfertigt deshalb einen Lohn, der dem Durchschnitt der Hilfsarbeiterlöhne entspricht.
Es besteht demnach keine Veranlassung, einen Abzug vom Durchschnittslohn
vorzunehmen, weil eine für den Beschwerdeführer adaptierte Arbeit generell nur eine
unterdurchschnittlich entlöhnte sein könnte.
3.3 Nun weist der Beschwerdeführer allerdings an einem adaptierten Arbeitsplatz für
einen rein ökonomisch handelnden Arbeitgeber gewisse Nachteile gegenüber
gesunden Arbeitnehmern am gleichen Arbeitsplatz auf, die durch einen im Vergleich
zum Durchschnittslohn dieser gesunden Arbeitnehmer reduzierten Lohn kompensiert
werden müssen, damit der Beschwerdeführer (auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt) überhaupt eine Chance auf eine Anstellung hätte. Der
Beschwerdeführer ist nämlich - anders als ein nicht behinderter Arbeitnehmer - nicht
flexibel einsetzbar. Er kann also beispielsweise nicht vorübergehend an einem anderen,
nicht adaptierten Arbeitsplatz eingesetzt werden, weil der dort beschäftigte
Arbeitnehmer erkrankt ist. Ebensowenig ist es dem Beschwerdeführer möglich und
zumutbar, in erheblichem Umfang Überstunden zu leisten, wenn die Auftragssituation
des Unternehmens dies eigentlich erfordern würde. Weiter erweckt der
Beschwerdeführer den Verdacht, dass er überdurchschnittlich viele
Krankheitsabsenzen aufweisen könnte. Derartige indirekt behinderungsbedingte, durch
eine allfällige Arbeitsunfähigkeit nicht abgedeckte Nachteile erfordern einen
zusätzlichen Abzug vom Durchschnittseinkommen (in der Praxis fälschlicherweise als
"Leidensabzug" bezeichnet). Ein sogenannter Teilzeitnachteil liegt nicht vor, da der
Beschwerdeführer an einem adaptierten Arbeitsplatz zu 100% arbeitsfähig ist und
deshalb zumutbarerweise vollzeitlich mit voller Leistung arbeiten könnte. Die übrigen
Nachteile gegenüber einem nicht behinderten Arbeitnehmer wiegen bei weitem nicht so
schwer, dass sie die Ausnützung des Abzugsmaximums von 25% rechtfertigen
würden. Als angemessen erscheint angesichts des Fehlens eines Teilzeitnachteils ein
Abzug von 5-10%. Bei einem Abzug von 10% resultiert ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 48'610.-. Die Erwerbseinbusse beträgt Fr. 5401.- und
entspricht einem Invaliditätsgrad von 10%. Der Beschwerdeführer hat somit keinen
Anspruch auf eine Invalidenrente.
4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Da dem
Beschwerdeführer am 14. November 2007 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt
worden ist, ist er von der Bezahlung der Gerichtsgebühr (Art. 69 Abs. 1 Satz 1 IVG)
zu befreien. Diese Gerichtsgebühr ist entsprechend dem Verfahrensaufwand im
Rahmen von Fr. 200.- bis Fr. 1000.- festzulegen (Art. 69 Abs. 1 Satz 2 IVG). Im
vorliegenden Fall erscheint in Anwendung dieses Bemessungskriteriums ein Betrag von
Fr. 600.- als angemessen. Sollten die wirtschaftlichen Verhältnisse des
Beschwerdeführers es später einmal gestatten, diese Gerichtsgebühr zu entrichten, so
muss er zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPG/SG i.V.m. Art. 99
Abs. 2 VRP/SG). Da die unentgeltliche Prozessführung auch die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung umfasst, hat der Staat den Rechtsbeistand des
Beschwerdeführers zu entschädigen (Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG). Die
Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG). Unter Berücksichtigung dieser
Kriterien erweist sich eine Parteientschädigung von Fr. 3500.- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Diese Entschädigung ist bei der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung um einen Fünftel herabzusetzen (Art. 31 Abs. 3
des st. gallischen Anwaltsgesetzes). Die Entschädigung beträgt somit Fr. 2800.-. Auch
für diese Entschädigung gilt, dass sie vom Beschwerdeführer zurückzuerstatten ist,
wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse dies später einmal gestatten sollten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG