Decision ID: 100f9fc7-3a09-42fb-a091-99aa92b5f9c8
Year: 2018
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

1. Zur Ausgangslage und zum Sachverhalt kann zunächst auf das
Parallelverfahren S 17 23 zwischen denselben Parteien betreffend
Hilflosenentschädigung vor Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
verwiesen werden. Mit Verfügung vom 16. November 2016 sicherte die
IV-Stelle des Kantons Graubünden (hiernach IV-Stelle) A._ die
Übernahme der Kosten für die leihweise Abgabe eines Rollstuhls, Modell
Otto Bock Avantgarde CV, im Betrag von Fr. 4'603.30 (inkl. Anpassungen
und Zubehör) sowie eines Elektro-Hilfsantriebes Otto Bock Z50 für den
Anbau an den vorerwähnten Rollstuhl im Betrag von Fr. 10'253.-- zu
(insgesamt also Fr. 14'856.30).
2. Mit Verfügung vom 4. Mai 2017 lehnte die IV-Stelle die Kostengutsprache
für einen zweiten Rollstuhl ab, nachdem sie dazu vorgängig noch eine
fachtechnische Beurteilung des SAHB vom 27. April 2017 eingeholt hatte.
Die IV-Stelle bestätigte damit ihren Vorbescheid vom 26. Januar 2017,
wogegen A._ am 22. Februar 2017 Einspruch erhoben hatte, mit
dem Antrag auf Kostenübernahme des Rollstuhls laut Voranschlag vom
25. August 2017 (recte 2016) in der Höhe von Fr. 5'492.45.
3. Dagegen erhob A._ (Beschwerdeführerin) am 8. Juni 2017
Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit den
Anträgen um Aufhebung und Gewährung der Kostengutsprache für das
beantragte Hilfsmittel (zweiter Rollstuhl), evtl. um Rückweisung der
Angelegenheit an die IV-Stelle zu weiteren Abklärungen und Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung wurde vorgebracht,
dass die Beschwerdeführerin den Rollstuhl mit Hilfsantrieb für die
Fortbewegung im Aussenbereich benötige. Zusätzlich habe ihr Gesuch an
die IV-Stelle eine Kostengutsprache für einen Handrollstuhl enthalten, auf
den sie innerhalb der Wohnung angewiesen sei. Dass ihr selber der
Umbau des Elektro-Rollstuhls für den Gebrauch in der Wohnung mit
Auswechseln der Räder krankheitsbedingt nicht möglich sei, habe der
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behandelnde Arzt schon schriftlich bestätigt. Dieses Rollstuhlmodell sei
auch viel schwerer als ein üblicher Handrollstuhl. Zudem sei der
vorhandene (erste) Handrollstuhl aus dem Jahre 2009, den sie bisher im
Innenbereich verwendet habe, nicht mehr ihrer verschlechterten
gesundheitlichen Situation angepasst. Es fehle an der notwendigen
Stabilität und es seien höhere Seiten und Rückenteile erforderlich. Auch
aus Sicht der Verhältnismässigkeit sei die Lösung des Rollstuhls mit
Elektroantrieb und einem Hand-rollstuhl im Innenbereich – als
Gesamtofferte mit drei Teilen eingereicht – günstiger als die von der IV-
Stelle im Jahre 2015 bewilligte Elektrorollstuhllösung mit Kosten von
knapp Fr. 20'000.-- und zusätzlichen Reparatur- und Anpassungskosten
von ca. Fr. 2'000.-- im Jahr 2016.
4. In ihrer Vernehmlassung beantragte die IV-Stelle (Beschwerdegegnerin)
die Abweisung der Beschwerde. Im konkreten Fall sei die Versorgung der
Beschwerdeführerin mit einem zweiten Rollstuhl nicht begründet. Fraglich
sei auch, ob sie einen manuellen Rollstuhl aus gesundheitlichen Gründen
überhaupt noch (gut) selbständig bedienen könnte. Falls ja, könnten laut
den beigezogenen Fachleuten die zum aktuellen Rollstuhl Modell Otto
Bock Avantgarde mitgelieferten manuellen Antriebsräder an den bereits
vorhandenen manuellen Rollstuhl aus dem Jahre 2009 montiert werden.
Durch dieses Vorgehen würde die Beschwerdeführerin über einen
manuellen Rollstuhl verfügen, was eine einfache, zweckmässige und
wirtschaftliche Lösung darstelle.
5. In der Replik hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen und
Ausführungen fest, während die Beschwerdegegnerin ihrerseits auf die
Einreichung einer Duplik - unter Verweis auf ihre Vernehmlassung -
verzichtete.
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Auf die weiteren Argumente und Vorbringen der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 4.
Mai 2017 stellt somit ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren
vor dem Kanton Graubünden dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370. 100). Als Adressatin und Direktbetroffene der angefochtenen
Verfügung ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 59
ATSG). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
damit einzutreten.
b) Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
die Kostengutsprache für einen zweiten Rollstuhl für die Fortbewegung in
der Wohnung (im Innenbereich) ablehnte. Bisher wurde zuhause das von
der Beschwerdegegnerin gewährte Hilfsmittel (Handrollstuhl) in
Kombination mit einem Elektro-Hilfsantrieb (Zusatz) zur Mobilität
eingesetzt. Zudem wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zu
behandeln sein.
2. a) Laut Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG haben Invalide Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind,
die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit sich im Aufgabenbereich zu
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betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern. Zu den
Eingliederungsmassnahmen zählt u.a. auch die Abgabe von Hilfsmitteln
(Art. 8 Abs. 3 lit. d IVG). Nach Art. 21 Abs. 2 IVG haben Versicherte, die
infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des
Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte
bedürfen, im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne
Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf Hilfsmittel. Die Befugnis
zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender
Vorschriften im Sinne von Art. 21 Abs. 4 IVG hat der Bundesrat in Art. 14
lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) an
das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) übertragen. Die
besagte Liste befindet sich im Anhang der Verordnung über die Abgabe
von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI; SR 831.232.51).
Laut Art. 2 Abs. 1 HVI besteht ein Anspruch auf die notwendigen
Hilfsmittel zur Fortbewegung, sozialen Kontaktaufnahme und
Selbstbetreuung. Es besteht allerdings einzig Anspruch auf Hilfsmittel in
einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung (Art. 2 Abs. 4
HVI). Durch eine andere Ausführung bedingte zusätzliche Kosten hat die
versicherte Person selber zu tragen. Es kommen auf Kosten der IV-Stelle
also lediglich Hilfsmittel mit optimalem Preis-/Leistungsverhältnis in
Betracht. Die versicherte Person hat insbesondere keinen Anspruch auf
die im Einzelfall optimale Versorgung, sondern lediglich auf eine
Grundversorgung (s. Urteil des Bundesgerichts 9C_640/2015 vom 6. Juli
2016 E.2.3). Diese Ausführungen gelten sinngemäss auch für das
invaliditätsbedingte Zubehör und invaliditätsbedingte Anpassungen. Das
EDI hält sodann in der im Anhang aufgeführten Liste in Ziff. 9.01 HVI fest,
dass Rollstühle ohne motorischen Antrieb gemäss Tarifvertrag mit dem
Dachverband der Schweizerischen Handels- und Industrievereinigungen
der Medizinaltechnik (FASMED) vergütet und leihweise abgegeben
werden. Dasselbe gilt laut Ziff. 9.02 HVI-Anhang auch für
Elektrorollstühle, die für Versicherte gedacht sind, die einen gewöhnlichen
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Rollstuhl nicht bedienen und sich nur dank elektromotorischem Antrieb
selbstständig fortbewegen können. Gestützt auf diese Vorgaben, die
fachtechnische Beurteilung des Schweizerischen Hilfsmittel-Zentrums für
die Beratung von Behinderten (SAHB) vom 27. April 2017 und die
nachgereichte Stellungnahme des für das Hilfsmittel "Rollstuhl"
zuständigen Rehabilitationstechnikers vom 17. Juli 2017 gilt es auch
vorliegend über die Rechtmässigkeit und Zumutbarkeit der angefochtenen
Verfügung zu befinden.
b) Aus der SAHB-Expertenbeurteilung vom 27. April 2017 geht bezüglich der
behinderungsbedingten Einschränkungen hervor, dass der
Beschwerdeführerin im November 2016 ein Aktiv-Rollstuhl (Modell Otto
Bock Avantgarde CV) mit Elektro-Hilfsantrieb (Otto Bock Z50)
zugesprochen wurde. Damit sei die Genannte im Aussenbereich und in
der Wohnung selbständig mobil. Zusätzlich verfüge diese über einen
weiteren Handrollstuhl (Jg. 2009), den sie im Mai 2015 zum Restwert von
der IV übernommen habe. Ihre 3 1⁄2-Zimmerwohnung befinde sich im 2.
Stockwerk eines Mehrfamilienhauses. Im Treppenhaus sei ein
Personenaufzug, der mit dem vorhandenen Rollstuhl mit Hilfsantrieb
befahren werden könne. Der Zugang ins Gebäude sei via Hausgang oder
via Garage möglich. Der Sanitärbereich sei auf ihre invaliditätsbedingten
Bedürfnisse angepasst worden. An den Wochenenden lebe der Sohn bei
der Mutter/Beschwerdeführerin. Krankheitsbedingt sei diese nicht mehr
berufstätig. Im Haushalt werde sie durch Drittpersonen unterstützt. Zur Art
des Hilfsmittels (Zusatzantrieb Z50) sei festzuhalten, dass dieses eine
gute Alternative zu einer Versorgung mit einem (schwereren)
Elektrorollstuhl sein könne. Mit Schreiben vom 5. August 2015 habe sich
der Hausarzt Dr. med. B._ über die Gesundheit seiner
Patientin/Beschwerdeführerin wie folgt geäussert: Mittlerweile habe die
Kraft in den Armen der Patientin derart nachgelassen, dass diese sich mit
einem handbetriebenen Rollstuhl kaum mehr fortbewegen könne. In
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Anbetracht dieser Beurteilung sei der Beschwerdeführerin zunächst daher
auch ein Elektrorollstuhl anstelle des vorhandenen E-Motion Hilfsantriebs
(Z50) abgegeben worden. Nach ca. 1 Jahr sei der Elektrorollstuhl aber
durch die aktuelle Versorgung ersetzt worden, da es der
Beschwerdeführerin ein Anliegen gewesen sei, ihr Hilfsmittel auch im
Auto transportieren und somit ortsunabhängig einsetzen zu können.
Weshalb der jetzige Rollstuhl Otto Bock Avantgarde mit Hilfsantrieb Z50
für den Gebrauch in der Wohnung auf den manuellen Antrieb (durch
Auswechseln der Räder) umgerüstet werden müsste, sei für die SAHB
nicht nachvollziehbar. Falls nötig könne der Hilfsantrieb Z50 ohne
Wechsel der Räder auf manuellen Betrieb umgeschaltet werden. Der
selbständige Einsatz des Rollstuhls mit Zusatzantrieb sollte in der
Wohnung möglich sein. Zurzeit sei der Elektrobetrieb Z50 infolge Defekts
ausgefallen und es seien keine manuellen Antriebsräder vorhanden. Der
Rollstuhl sei darum in der Reparatur bei der Firma C._. Mit dem
zuständigen Rehabilitationstechniker sei geklärt worden, dass die zum
aktuellen Rollstuhl Otto Bock Avantgarde mitgelieferten manuellen
Antriebsräder an den Rollstuhl aus dem Jahr 2009 montiert werden
könnten, wofür ein Nutzen im Alltag (aufgrund des Kraftverlustes in den
Armen) jedoch nicht ersichtlich sei. Die Argumente der fehlenden
Stabilität, der zu tiefen Seitenteile und des nicht passenden Rückenteils
seien Punkte, die erst im Rahmen des Einspruchs im Februar 2017
geltend gemacht und von den Befragten weder dementiert noch bestätigt
worden seien. Gewisse Aussagen der Beschwerdeführerin seien zudem
widersprüchlich. Zum einen soll ihre Kraft nicht mehr ausreichen, einen
manuellen Rollstuhl selber anzutreiben, und auf der anderen Seite sei ein
Handrollstuhl für ihre Selbständigkeit in der Wohnung unerlässlich.
Zusammengefasst sei das SAHB nach wie vor der Meinung, dass mit der
vorhandenen Hilfsmittelkombination die invaliditätsbedingten Bedürfnisse
der Beschwerdeführerin abgedeckt würden. Sie entsprächen dem
Grundsatz der einfachen und zweckmässigen Versorgung, weshalb auch
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keine Kostenübernahme für einen zweiten Rollstuhl empfohlen werden
könne (vgl. beschwerdegegnerische Akten [ELAR-act.] 530 – 1/4 bis 4/4).
c) Auf Rückfrage der SAHB antwortete der Rehatechniker für Hilfsmittel der
Firma C._ mit E-Mail vom 17. Juli 2017 was folgt: Jawohl, die zum
aktuellen Rollstuhl Otto Bock Avantgarde mitgelieferten manuellen Räder
könnten in der Praxis an den bereits vorhandenen Rollstuhl aus dem Jahr
2009 montiert werden. Mit dem (neuen) E-Rollstuhl seien auch manuelle
Räder mitgeliefert worden. Der zuvor benutzte Handrollstuhl von 2009 sei
aufgrund des veränderten gesundheitlichen Zustands der
Beschwerdeführerin jedoch nicht mehr behinderungsangepasst, weshalb
am 25. August 2016 der Kostenvoranschlag 7-4385203.16 (in der Höhe
von Fr. 5'492.45 – ELAR-act. 469) eingereicht worden sei. Der
Handrollstuhl von 2009 sei nicht mehr behindertengerecht verwendbar, da
wesentliche Teile nicht anpassbar oder der Grundforderung nicht
entsprechend seien. Der offerierte Otto Bock Avantgarde CV habe
ausschwenkbare Fussstützen und diese seien in der Grundausstattung
abnehmbar. Dies sei beim Handrollstuhl (2009) nicht möglich und auch
nicht möglich nachzurüsten, da der Rahmen eine andere geometrische
Grundform habe. Weiter fehlten beim Handrollstuhl abnehmbare oder
höhenverstellbare Armlehnen; ebenso fehlten höhenverstellbare
Schiebegriffe oder eine Bremshebelverlängerung. Eine Nachrüstung des
Handrollstuhls sei nicht zu empfehlen, weil das Bedürfnis von
ausschwenkbaren und abnehmbaren Fussstützen nicht erfüllbar sei. Es
müsse daher von Grund auf ein anderes Modell angeschafft werden. Von
technischem Nutzen könnten Tetragreifreifen (Gummiüberzogene
Greifreifen) sein, wenn die Greif-/Armkraft vermindert sei (vgl.
beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2).
d) In der Verfügung vom 16. November 2016 erkannte die
Beschwerdegegnerin dazu bereits, dass die Kosten für die leihweise
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Abgabe eines Rollstuhls Otto Bock Avantgarde CV im Betrag von Fr.
4'603.30 übernommen würden. Inbegriffen seien invaliditätsbedingte
Anpassungen und Zubehör. (Spätere) Reparaturkosten würden vergütet,
wenn sie trotz sorgfältigen Gebrauchs entstünden und kein Dritter dafür
haften würde (ELAR-act. 492 – 1/2). Gleichzeitig würden die Kosten für
die leihweise Abgabe eines Elektro-Hilfsantriebes Otto Bock Z50 für den
Anbau an den Rollstuhl Otto Bock Avantgarde CV im Betrag von Fr.
10'253.-- übernommen. Darin inbegriffen seien invaliditätsbedingte
Anpassungen und Zugehör. Reparaturkosten würden vergütet, wenn sie
trotz sorgfältigen Gebrauchs entstünden und kein Dritter dafür hafte (vgl.
ELAR-act. 493 – 1/2).
e) Auf Anfrage der Beschwerdeführerin hielt ihr Hausarzt Dr. med. B._
mit Schreiben vom 22. August 2017 noch was folgt fest: Im Brief vom 5.
August 2015 an die IV-Stelle Graubünden habe er erwähnt, dass sich die
Patientin mit einem Handrollstuhl kaum mehr fortbewegen könne. Damit
habe er insbesondere längere Strecken gemeint, wo diese auf einen
Elektrobetrieb angewiesen sei. Zu Hause und auf kurzen Strecken sei
dieser leichte und wendige (Hand-) Rollstuhl allerdings gut brauchbar und
für sie von grossem Nutzen. Er sei nicht seine Meinung gewesen, dass
die Patientin diesen handgetriebenen Rollstuhl nicht brauche und diese
nutze ihn in den vergangenen Jahren auch stets. Aus seiner Sicht sei sie
auch in Zukunft auf ein solches Modell angewiesen (vgl. Bf-act. 1).
f) In Würdigung der soeben erwähnten Fakten ist das streitberufene
Verwaltungsgericht zur Überzeugung gelangt, dass die Ausführungen im
fachtechnischen Bericht der SHAB sowie die Begründung in der
unangefochten gebliebenen Verfügung vom 16. November 2016
zutreffend sind und daher bestätigt werden können. Die von der
Beschwerdeführerin für ihren Standpunkt (Kostenübernahme eines
zweiten Rollstuhls) angeführten Angaben des Rehatechnikers (Bf-act. 2)
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und die Beurteilung des Hausarztes Dr. med. B._ (Bf-act. 1)
vermögen daran nichts zu ändern, da ersterer lediglich die Auf- und
Umrüstung des Handrollstuhles von 2009 in Frage stellte und der
Zweitgenannte sogar noch ausdrücklich festhielt, dass zuhause und auf
kurzen Strecken (im Innenbereich) der leichte und wendige Rollstuhl
weiterhin gut brauchbar sei und von der Beschwerdeführerin seit Jahren
auch genutzt werde. Die von der Beschwerdegegnerin tatsächlich
vorgenommene Abgabe eines Rollstuhls des Modells Otto Bock
Avantgarde CV (Übernahmekosten Fr. 4'603.30) mit dem
behinderungsangepassten Zusatz des Elektro-Hilfsantriebs Otto Bock
Z50
(Fr. 10'253.--) zur Aufrüstung und erhöhten Mobilität des betreffenden
Rollstuhls gibt daher zu keinen berechtigten Beanstandungen Anlass,
zumal sich die vorgängige Abgabe eines Elektrorollstuhls – wegen der
hausärztlichen Feststellung des Kraftverlustes der Arme seiner Patientin
im Schreiben vom 5. August 2015 – danach offensichtlich als untaugliche
und nicht praktikable Lösung erwiesen hat, andernfalls die
Beschwerdeführerin den darauf gewährten Elektrorollstuhl sicherlich nicht
wieder retourniert hätte. An der Kostengutsprache über Fr. 14'856.30 für
die gewährte Hilfsmittelkombination (bestehend aus: Rollstuhl Otto Bock
Avant-garde CV zuzüglich Zugehör E-Motion Otto Bock Z50) hat die
Beschwerdegegnerin demnach mit Fug festgehalten und damit auch die
Gewährung eines zweiten Rollstuhls im Sinne der Beschwerdeführerin zu
Recht abgelehnt. Die übernommene Hilfsmittelkombination entspricht
dem Grundsatz einer einfachen, zweckmässigen und wirtschaftlichen
Lösung nach Art. 2 Abs. 4 HVI und ist der Beschwerdeführerin auch
zukünftig gesundheitlich zumutbar.
3. a) Die angefochtene Verfügung vom 4. Mai 2017 ist demnach rechtens und
zu schützen, was zur Abweisung der Beschwerde vom 8. Juni 2017 führt.
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b) Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung,
Verweigerung oder Abänderung von Leistungen der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festgelegt. Aufgrund des Ausgangs dieses Beschwerdeverfahrens
rechtfertigt es sich, der unterliegenden Beschwerdeführerin die
Gerichtskosten im reduzierten Umfang von Fr. 500.-- zu überbinden (vgl.
Kostenregelung nach Art. 73 Abs. 1 VRG).
4. a) Es bleibt damit allerdings noch zu prüfen, ob dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(unterteilt in unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) entsprochen werden kann. Nach Art. 29 Abs. 3
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR
101) hat jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt,
Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, sofern ihr Rechtsbegehren
nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte
notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen unentgeltlichen
Rechtsbeistand. Diese Regelung wird für das
sozialversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren bezüglich der
Verfahrenskosten in Art. 76 Abs. 1 VRG und bezüglich der
Rechtsvertretung in Art. 61 lit. f ATSG (Art. 76 Abs. 3 VRG) konkretisiert.
Danach gilt eine Gesuchstellerin als bedürftig, welche die Kosten eines
Prozesses nicht aufzubringen vermag, ohne jene Mittel anzugreifen, derer
sie zur Deckung des notwendigen Lebensunterhalts für sich und ihrer
Angehörigen bedarf. Die prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich
grundsätzlich nach der gesamten wirtschaftlichen Situation der
Rechtssuchenden im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs. Dazu
gehören einerseits alle finanziellen Verpflichtungen, andererseits die
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Einkommens- und Vermögensverhältnisse (vgl. BGE 135 I 221 E.5.1,
Urteile des Bundesgerichts 5A_726/2014 vom 2. Februar 2015 E.4.2,
4A_661/2010 vom 16. Februar 2011 E.3.2). Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung besteht, wenn die Gesuchstellerin zur Wahrung
ihrer Rechte auf anwaltliche Hilfe angewiesen ist und ihre gestellten
Begehren nicht aussichtslos sind. Letzteres trifft auf Begehren zu, bei
denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die
Verlustgefahr und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden
können (BGE 140 V 521 E.9.1, 138 III 217 E.2.2.4).
b) Für die Ermittlung der prozessualen Bedürftigkeit ist an sich vom
betreibungsrechtlichen Existenzminimum auszugehen. Das
Bundesgericht hat aber immer wieder betont, dass nicht schematisch auf
das betreibungsrechtliche Existenzminimum abgestellt werden darf,
sondern die individuellen Umstände ebenfalls zu berücksichtigen sind
(BGE 124 I 2 E.2a, 108 Ia 108 E.5b). Die Grenze für die Annahme der
prozessualen Bedürftigkeit liegt dabei höher als diejenige des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums, das im Kanton Graubünden
auf der Grundlage des Beschlusses des Kantonsgerichts vom 18. August
2008 betreffend die Richtlinien zur Berechnung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums festzulegen ist. Danach ist
einer Person für die Deckung der allgemeinen Lebensunterhaltskosten
ein nach den Verhältnissen abgestufter Grundbedarf zuzugestehen, der
um abschliessend aufgezählte Zuschläge zu erhöhen ist. Laufende
Schulden zählen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht
dazu (BGE 126 III 89 E.3b). Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts ist
ihnen bei der Bemessung des prozessualen Notbedarfs hingegen
Rechnung zu tragen, sofern sie von der Gesuchstellerin regelmässig
bezahlt werden (so Urteil des Verwaltungsgerichts [VGU] U 15 43 vom 8.
Oktober 2015 E.5c). Der auf diese Weise berechnete prozessuale
Notbedarf ist alsdann von den Einkünften der Gesuchstellerin
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abzuziehen. Ein sich daraus ergebender Überschuss ist mit den für den
konkreten Fall zu erwartenden Gerichts- und Anwaltskosten in Beziehung
zu setzen. Dabei sollte es der monatliche Überschuss ermöglichen, die
Prozesskosten bei weniger aufwendigen Prozessen innert eines Jahres,
bei komplexen innert zweier Jahre zu tilgen (BGE 120 Ia 179 E.3a, 124 I
1 E.2a; Urteil des Bundesgerichts 9C_234/2008 vom 4. August 2008 E.4;
ebenso VGU S 16 89 vom 8. Juni 2017 E.12; BÜHLER, Die Prozessarmut,
in: SCHÖBI [Hrsg.], Gerichtskosten, Parteikosten, Prozesskaution,
unentgeltliche Prozessführung, Bern 2001, S. 131 ff., 182). Andernfalls
müsste die Gesuchstellerin zur Deckung der Verfahrens- und ihrer
Parteikosten auf die von ihr zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts
benötigten Finanzmittel zurückgreifen.
c) Vorliegend ist zur Beurteilung der unentgeltlichen Rechtspflege (URP) auf
die Selbstangaben der Beschwerdeführerin im Gesuch um Gewährung
dieser Rechtswohltat vom 15. März 2017 abzustellen. Auf der
Einkommensseite werden darin Einkünfte von monatlich Fr. 6'225.05 und
Ausgaben von monatlich Fr. 2'590.50 (bestehend aus: Mietzins Fr. 1'835.-
-, KK-Prämien Fr. 354.35, Hausratversicherung Fr. 46.20 und andere
Auslagen Fr. 354.95), zuzüglich Steuern Fr. 50.--, aufgeführt. Einem
Einkommen von Fr. 6'225.05 stehen somit effektive Auslagen von Fr.
2'640.50 gegenüber, was einem Überschuss von Fr. 3'584.55 entspricht.
Der monatliche betreibungsrechtliche Grundbedarf für Alleinstehende
beträgt Fr. 1'200.--, wobei der prozessuale Grundbedarf ein Zuschlag von
20 % (Fr. 240.--) zulässt. Folglich sind also noch Fr. 1'440.-- unter dem
Titel anrechenbare Lebenshaltungskosten zu berücksichtigen. Es ergibt
sich damit aber letztlich ein Überschuss von Fr. 2'144.55, da die weiter
geltend gemachten Schulden von Fr. 2'424.90 nicht abziehbar sind;
andernfalls der Steuerzahler für Privatschulden aufzukommen hätte. Im
Übrigen kann den (im Parallelverfahren S 17 23 zur URP) eingereichten
Unterlagen und Dokumenten auch nicht entnommen werden, dass die
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Beschwerdeführerin regelmässig Beiträge zur Tilgung ihrer Schulden
geleistet hätte, womit der Einbezug dieser Position beim Gesamtsaldo
unterbleiben muss.
d) Zusammengefasst folgt daraus, dass die Beschwerdeführerin über einen
anrechenbaren Überschuss von Fr. 2'144.55 pro Monat verfügt und dieser
demnach zur Tilgung der entstandenen Gerichts- und Anwaltskosten
verwendet werden kann. Das Gesuch um URP wird deshalb abgelehnt.