Decision ID: 53f56952-a298-5cd5-a0e1-b3d62835aa28
Year: 2020
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_011
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A._, geboren 1972, seit Mai 2018 von ihrem dritten Mann getrennt lebend, Mutter von vier (geb. 1992, 1995, 1997, 2005) Kindern, wohnhaft in B._, Verkäuferin mit , arbeitete zuletzt ab dem 1. November 2009 als Sekretärin im Vollpensum bei C._ S.A. (heute: C._ S.A. en liquidation), mit Sitz in B._. Seit dem 14. November 2011 bestand eine ärztlich attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit. Per 14. April 2012 wurde ihr gekündigt.
Am 1. Mai 2012 meldete sie sich wegen Burnout/Depressionen sowie durchtrennter Sehnen in der linken Schulter (Operation am 08. Mai 2012) für den Leistungsbezug bei der  des Kantons Freiburg (nachfolgend: IV-Stelle), Givisiez, an.
Mit Verfügung vom 10. Juni 2013 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab, da es an einer längerdauernden Arbeitsunfähigkeit fehle. So bestanden einzig eine Einschränkung der  aus psychischen Gründen vom 14. November 2011 bis zum 30. September 2012 sowie eine aus somatischen Gründen vom 18. Dezember 2012 bis Ende Februar 2013.
Ab dem 19. August 2013 arbeitete A._ als Sekretärin beim D._ (heute E._) in einem Pensum von 80%. Die Stelle wurde ihr per 31. August 2017 gekündigt.
B. Bereits am 10. November 2016 erhielt die IV-Stelle vom aktuellen Taggeldversicherer ein neues Leistungsbegehren, gemäss welchem ab dem 1. Juni 2015 eine vollständige  bestand. Mit Verfügung vom 17. April 2018 verneinte die IV-Stelle den Leistungsanspruch erneut. Es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor.
C. Am 5. Februar 2020 nahm A._ eine Neuanmeldung vor und machte eine  des Gesundheitszustandes geltend.
Mit Verfügung vom 7. Mai 2020 trat die IV-Stelle auf das neue Leistungsbegehren nicht ein. Aus den vorgelegten Unterlagen ergebe sich keine objektiv nachweisbare Verschlechterung des .
D. Am 3. Juni 2020 erhebt A._ Beschwerde beim Kantonsgericht Freiburg und  implizit, die Verfügung der IV-Stelle vom 7. Mai 2020 sei aufzuheben und die IV-Stelle habe auf ihre Neuanmeldung vom 5. Februar 2020 einzutreten. Gemäss ihren behandelnden Ärzten sei von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen. Ferner stellt sie implizit ein Gesuch um teilweise unentgeltliche Rechtspflege (URP-Gesuch).
Die IV-Stelle hält in ihren Bemerkungen vom 12. August 2020 an ihrer Verfügung fest und  die Abweisung der Beschwerde.

Die weiteren Elemente des Sachverhalts ergeben sich, soweit sie für die Urteilsfindung  sind, aus den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen.
Kantonsgericht KG Seite 3 von 7
Erwägungen
1.
Die Beschwerde vom 3. Juni 2020 gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 7. Mai 2020 ist  bei der sachlich und örtlich zuständigen Beschwerdeinstanz eingereicht worden. Die  hat ein schutzwürdiges Interesse, dass das Kantonsgericht, I. , prüft, ob die IV-Stelle zu Recht auf die Neuanmeldung vom 5. Februar 2020 nicht eingetreten ist.
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird gemäss Art. 17 des  vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), welches hier aufgrund von Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zur Anwendung kommt, die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder . Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen , die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Der zeitliche Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruches mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und  eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung (BGE 133 V 108; 130 V 71 E. 3.2.3).
Wurde gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die  (IVV; SR 831.201) eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen nach Abs. 2 erfüllt sind. Dieser Absatz sieht vor, dass wenn ein Gesuch um Revision eingereicht wird, darin glaubhaft zu machen ist, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die IV-Stelle von Amtes wegen für die richtige und  Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat (Art. 43 Abs. 1 ATSG), spielt insoweit nicht. Die versicherte Person trifft somit in Bezug auf das Vorliegen einer glaubhaften Änderung der tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen Leistungsverweigerung eine Beweisführungslast. Legt sie ihrem Gesuch keine Beweismittel bei, hat ihr die IV-Stelle eine angemessene Frist anzusetzen, um solche einzureichen, verbunden mit dem Hinweis, dass  auf das erneute Leistungsbegehren nicht eingetreten werden könne. Bei Nichteintreten legt die Beschwerdeinstanz ihrer Überprüfung den Sachverhalt zu Grunde, wie er sich der  bot (Urteil BGer 9C_236/2011 vom 8. Juli 2011 E. 2.1.2).
Mit dem Beweismass des "Glaubhaftmachens" ist nur verlangt, dass die versicherte Person die Änderung eines Elements aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen  glaubwürdig dartut. Die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im  sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein (Urteil BGer 9C_881/2007 vom 22. Februar 2008 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Beweisanforderungen sind
Kantonsgericht KG Seite 4 von 7
vielmehr herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines vollen Beweises die Überzeugung der  begründet zu werden braucht, dass seit der letzten rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist. Es genügt, dass für den geltend gemachten  Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete  nicht erstellen lassen (Urteil BGer 9C_236/2011 vom 8. Juli 2011 E. 2.1.1). Wenn die dem abermaligen Leistungsersuchen beigelegten ärztlichen Berichte so wenig substanziiert sind, dass sich eine neue Prüfung einzig auf Grund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV-Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben nur, aber immerhin dann verpflichtet, wenn den – für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arztberichten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen  rechtserhebliche Änderung vorliegt (Urteil BGer 8C_341/2011 vom 27. Juni 2011 E. 2.2.2 mit Hinweisen). An die Glaubhaftmachung sind nicht allzu hohe Anforderungen zu stellen, wenn eine Neuanmeldung mehr als 15 Monate nach einer rentenablehnenden Verfügung erfolgt (BGE 130 V 64 E. 6.2).
3.
Es ist streitig, ob die IV-Stelle zu Recht auf die Neuanmeldung vom 5. Februar 2020 nicht  ist.
3.1. Die Beschwerdeführerin bringt vor, bei der letzten Anmeldung habe eine rezidivierende  Störung (F33.1), existierend seit 1995 bestanden. Demgegenüber diagnostizierte Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie des G._, in seinem aktuellen Bericht eine Borderline Persönlichkeitsstörung (F60.31), eine posttraumatische  (PTBS; F43.1) sowie eine schwere depressive Episode mit psychotischen  (F32.3). Auch aus Sicht ihres aktuellen behandelnden Arztes, Dr. med. H._ des G._, habe sich ihr Gesundheitszustand nachweislich verschlechtert.
3.2. Die letzte materielle Prüfung des Leistungsanspruchs der Beschwerdeführerin erfolgte mit rechtskräftiger Verfügung vom 17. April 2018, mit welcher der Leistungsanspruch erneut verneint wurde.
Dabei stützte sich die IV-Stelle auf den Bericht von Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin des Regionalen Ärztlichen Dienstes der IV-Stellen Bern/Freiburg/Solothurn (: RAD) vom 27. November 2017 (IV-Akten, S. 472 ff.). Dieser erklärte, sein Bericht sei die Fortsetzung seines Vorberichts vom 25. April 2013 (IV-Akten, S. 271 ff.), der über die Folgen einer damaligen Erschöpfungsdepression bei der Arbeit und der Folgen der ersten Operation der linken Schulter von 2012 berichtet habe. Die aktuelle Problematik der Erschöpfungsdepression sei  zur beruflichen Tätigkeit und vermutlich auch der familiären Situation und könne nicht als IV-relevant betrachtet werden. Der erneute Riss der Rotatorenmanschette sei am 28. Juli 2016 operativ behandelt und die nach der ersten Kontrolle festgestellte Beweglichkeit mit verminderter Kraft sei damals keine Beeinträchtigung für die Ausübung der ursprünglichen beruflichen Tätigkeit als Kauffrau gewesen. Es könne nur die 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 28. Juli bis zum 25.  2016 in Betracht gezogen werden, was für die Anerkennung eines IV-relevanten Leidens  ist, da die Arbeitsunfähigkeitsperiode zu kurz sei.
Was die psychiatrische Seite betrifft, diagnostizierte Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 14. März 2016 (IV-Akten, S. 294 ff.) eine rezidivierende depressive , gegenwärtig mittlere Episode (F 33.1) und attestierte ab dem 25. Februar 2016 eine vollstän-
Kantonsgericht KG Seite 5 von 7
dige Arbeitsunfähigkeit. Am 26. Januar 2017 (IV-Akten, S. 319) gab die Beschwerdeführerin  der IV-Stelle per Telefon an, die dritte Schulteroperation sei gut verlaufen und sie werde ihre Arbeit ab dem 1. Februar 2017 wieder aufnehmen. Dem Bericht des G._ vom 31. März 2017 (IV-Akten, S. 387 ff.) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom 17. Februar bis 3. März 2017 in Marsens hospitalisiert gewesen war. Als Diagnose wurde eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (F 33.2) angegeben. Gemäss dem Folgebericht vom 31. August 2017 (IV-Akten, S. 443 ff.) bestand eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 14. Juli 2017.
3.3. In ihrer Neuanmeldung vom 5. Februar 2020 (IV-Akten, S. 526 ff.) nannte die  eine seit 1995 bestehende psychische Störung (posttraumatische Belastungsstörung mit schweren depressiven Episoden), unter anderem aufgrund Gewalt in der Partnerschaft und einem Suizidversuch. Sie sei seit August 2019 in Behandlung. Es waren keine Arztberichte beigelegt.