Decision ID: 6765d399-02ff-425a-8105-3fe891213a5a
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1965 geborene
X._
, Mutter vierer Kinder,
meldete
sich
am 30. Oktober 2014
unter Hinweis auf
Depressionen, Ängste und eine Schlafstörung
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinisc
he und erwerbliche Abklärungen und
liess die Versicherte insbesondere polydisziplinär begutachten (Expertise vom
26. September 2016; Urk. 6/58/1-85
).
Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom 7. Juni 2017 (Urk. 6/72) einen Leistungsanspruch der Versicherten. Auf eine dagegen erhobene Beschwerde trat das hiesige Gericht mit Beschluss vom 29. September 2017 nicht ein (Urk. 6/73).
1.2
Am 20. Juli 2020
meldete sich die Versiche
rte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/75).
Die IV-Stelle tätigte medizinische Abklärungen und
teilte der Ver
sicherten am 11.
November 2020 (Urk. 6/83) mit, es seien keine Eingliederungs
massnahmen möglich. Am 12. Januar 202
1
führte
sie
eine Haushaltsabklärung (vgl. Bericht vom 15. Februar 2021; Urk. 6/86) und
eine Abklärung hinsichtlich Hilflosigkeit (
vgl.
Bericht vom
15. Februar 2021;
Urk. 6/88)
durch.
Mit Vor
bescheid vom 16. Februar 2021
stellte die IV-Stelle in Aussicht, dass sie das Leistungsbegehren für eine
Hilflosenentschädigung
abweisen werde
(Urk. 6/89)
. Mit Vorbescheid vom 26. Februar 2021
stellte die IV-Stelle in Aussicht, dass sie auch das Leistungsbegehren für eine
Invalidenrente
abweisen werde
(Urk. 6/93). Am 3. März 2021 erhob die Versicherte Einwände gegen beide Vorbescheide (Urk. 6/95).
Die IV-Stelle
wies das Leistungsbegehren
für
eine Rente
mit Ver
fügu
ng vom 22. April 2021 (Urk. 6/9
9 =
Urk.
2) ab. Mit Verfügung vom 6. Mai 2021 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung (Urk. 6/101).
2
.
Die Versicherte erhob am
15. Mai 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
22. April 2021
(
Urk.
2; und gegen die Verfügung vom 6. Mai 2021, vgl. IV.2021.00360)
und beantragte
sinngemäss deren Aufhebung (Urk. 1 S. 2)
.
Mit Vernehmlassung vom
5. Juli 2021 (Urk. 5
) beantragte die IV-Stelle die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
12. Juli 2021
zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk
.
7
).
Am 8. Februar 2022 beantragte die Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung (Urk. 11).
Im Verfahren
der Beschwerdeführerin betreffend Hilflosenentschädigung
Nr. IV.2021.003
60
erging das Urteil am heutigen Tag.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Versicherte mit vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten nach Art. 5 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3 ATSG als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Art. 7 Abs. 2 ATSG ist sinngemäss anwendbar. Demnach sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist.
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraus
setzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungs
pflicht auch dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zu
sprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu
früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wür
digen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
22. April 2021 (Urk.
2) damit, dass
somatische Diagnosen vorlägen, welche eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes beschreiben würden. Psychisch würden keine neuen Diagnosen beschrieben, es könne somit weder eine
Verbesserung noch Verschlechterung festgestellt werden. Die Beschwerdeführerin werde als im Haushalt
T
ätige qualifiziert. Eine Abklärung im Haushalt habe eine Einschränkung von 29.4 % ergeben
(S. 1)
.
Im Übrigen
würde
eine angepasste Tätigkeit zu 100
% zumutbar
sein
(S. 2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
dass sich ihre
Hilflosigkeit täglich bemerkbar
mache
durch
die
Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten,
eine
chronische Depression, chronische Beschwerden und Schme
rzen, die Einschränkung der Wahrneh
mungsfähigkeit, der Denkfähigkeit und Aufmerksamkeit, durch
eine Gonarthrose und durch unzumutba
res Anheben und Tragen von mitt
elschweren Gewichten. Sie sei vollständig arbeitsunfähig.
Aus den
Arzt
berichte
n gehe hervor
, dass sie dauernd auf eine Begleitung be
i all
täglichen Lebensverrichtun
gen angewiesen sei, auch auf Hilfe Dritter und per
sönliche Überwachung
(S. 1)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist
vorliegend
,
ob sich der anspruchsrelevante Sachverhalt im Vergleichszeitraum seit Erlass der Verfügung vom
7.
Juni 2017 (
Urk.
6/72)
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
22. April 202
1
erheblich beziehungsweise in einer für den Rentenanspruch massgeblichen Weise verändert hat.
Der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung bildet Gegenstand des Ver
fahrens IV.2021.00360.
3.
3.1
3.1.1
Der Verfügung vom
7.
Juni 2017 (
Urk.
6/72)
lag
im Wesentlichen
das poly
disziplinäre
Gutachten des
Y._
vom 26. September 2016 (Urk.
6/58/1-85)
zugrunde.
Dieses stützte sich auf die vorhandene
n Akten (
S. 2 ff.
Ziff. 1 f.), Angaben der Beschwerdeführerin
(
S. 13 ff.
Ziff. 3) sowie auf internistische, rheumatologische, neurologische, neuropsychologische und psychiatrische Untersuchungen (
S. 22 ff.
Ziff. 4 f.). Die Ärzte des
Y._
nannten keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 76
Ziff. 6.1). Sie nannten folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 76 f.
Ziff. 6.2):
-
nicht näher spezifizierbare, somatisch nicht zuordenbare Missempfindungen mit Generalisierungstendenz
-
Spannungskopfschmerzen
-
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
-
nicht näher klassifizierbare unspezifische Wahr
nehmungen ohne Krank
heitswert
-
chronische Schmerzstörung mit somat
ischen und psychischen
Faktoren (
ICD-10 F45.41)
-
multiple Faktoren, die den
Gesundheitszustand
beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen
im Sinne von
Personen mit potentiellen Gesundheitsrisiken aufgrund sozioökonomischer oder psychosozialer Umstände
3.1.2
Die internistische Begutachtung ergebe das Bild einer 51-jährigen, adipösen, hypertonen kardiopulmonal kompensierten Versicherten in unauffälligem All
gemeinzustand. Es lasse sich keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
begründen (S. 80).
3.1.3
Im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung wurde festgehalten, d
ie Beschwerdeführerin
klage
über
eine diffuse Beschwerdesymptomatik. Betreffend
die unspezifischen Beschwerden
und Arthralgien finde sich klinisch kein Korrelat, die Funktion und Beschaffenheit strukturell klinisch sei unauffällig. An den Knie
gelenken bestehe klinisch eine mässige mediale
Periarthropathie
rechts, diskret auch links, korrelierend mit dem radiologischen Befund einer beginnenden medialen Gonarthrose und diskret beginnenden Retropatellararthrose. Die Knie
gelenke seien gut kompensiert. Es bestehe ein deutlich erhaltener Restgelenks
spalt. Alle übrigen
g
eklagten Beschwerden seien ohne reproduzierbares Korrelat, verbunden mit einer offensichtlichen Selbstlimitierung und bewusstseinsnahen Schmerzverdeutlichung.
Aus rheumatologischer-somatischer Sicht sei die Beschwerdeführerin für sämtliche Haushaltarbeiten vollständig arbeitsfähig, ebenso auf dem freien Markt bezogen auf ein volles Pensum unter Vermeiden von repetitiven erheblichen Kniegelenksbelastungen respektive länger dauernder Tätigkeit in kniender Position oder Zurücklegen repetitiver Wegstrecken auf der Treppe oder auf unebenem Boden (S. 80 f.).
3.1.4
Im Rahmen der neurologischen Untersuchung würden diffuse Kopfschmerzen vom Druckcharakter vorgetragen. Die phänotypische Zuordnung der Kopf
schmerzen aufgrund der diffusen und vagen Angaben der Beschwerdeführerin sei schwierig. Überwiegend wahrscheinlich handle es sich diagnostisch gemäss den IHS Kriterien um Mischkopfschmerzen. Hier würden bis auf
einzelne Diskrepanzen und Inkonsistenzen die Kriterien für Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Differentialdiagnose chronische
r
Kopfschmerz vom Spannungstyp, überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen
sein
. Eine somatoforme Komponente spiele dabei zusätzlich eine nicht unerhebliche Rolle. Die klinisch neurologische Untersuchung habe einen unauffälligen Befund ergeben. Eine spezielle Behandlung
aufgrund der vorgetragenen Kopfschmerzen bestehe nicht, ein Kopfschmerzkalender werde nicht
geführt. Aus den vorgetragenen Beschwerden ergebe sich keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf neurologischem Gebiet (S. 81).
3.1.5
Die Zusammenstellung der Befunde der neuropsychologischen Testung lasse auf ein Ag
gravationsverhalten schliessen
(S. 81)
.
3.1.6
Gestützt auf die psychiatrische Exploration wurde festgehalten, i
m objektiven psychopathologischen Befund bestünden bis auf eine affektive Labilität, dys
phorische, phasenweise niedergestimmte, gedrückte Stimmung ohne durch
gehende Depressivität keine weiteren psychopathologischen Auffälligkeiten, ins
besondere würden sich keine Hinweise auf eine psychotische Störung ergeben. Es zeigten sich keine Beeinträchtigungen der Bewusstseinsklarheit und der Bewusstseinshelligkeit. Es würden
sich
keine Hinweise auf umfassende und aus
geprägte kognitive Störungen ergeben. Es würden keine Auffassungs-, Gedächt
nis-, Merkfähigkeits- oder Aufmerksamkeitsstörungen gefunden werden. Die soziale Teilnahme sei im privaten Bereich nicht eingeschränkt. Es bestünden leichte Einschränkungen im Bereich der Umstellfähigkeit und Durchhaltefähig
keit, darüber hinaus würden sich überwiegend wahrscheinlich keine Störungen der Aktivität und Partizipation ergeben. Es würden sich keine Hinweise auf das Vorliegen einer psychotischen Störung ergeben. Die durch die Beschwerde
führerin vorgetragenen Wahrnehmungsstörungen seien möglicherweise auf kulturelle Gegebenheiten und Aberglaube zurückzuführen. Es gebe aktuell auch keine Hinweise auf das Vorliegen einer affektiven Störung. Es sei von
der Diagnose
Angst und depressive Störung gemischt auszugehen. Diese Diagnose beg
r
ünde keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 82). Darüber hinaus
wür
den
bei der Beschwerdeführerin seit der Einreise in die Schweiz multiple Faktoren vor
liegen
, die den Gesundheitszustand beeinflussten und zur Inanspruchnahme des G
esundheitswesens führten. Es sei darauf hinzuweisen, dass in der Beurteilung der beruflichen Leistungsfähigkeit im iv-relevanten Sinne sozio
kulturelle und psychosoziale Faktoren ausgeschlossen werden würden. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hausfrau und Mutter
(S. 82 f.)
.
3.1.7
Zusammenfassend sei die Beschwerdeführerin für
sämtliche Haushaltsarbeiten
vollständig arbeitsfähig,
ebenso auf
dem freien
Markt bezogen auf ein volles Pen
sum unter Vermeid
en von repetitiven erheblichen
Kniegelenksbelastungen respektive
länger dauernder Tätigkeit in kniender Position oder Zurücklegen repetitiver Wegstrecken au
f der Treppe oder auf unebenem
Boden
(
S. 83
Ziff. 7.4)
. Sicher
gelte
dies seit der Begutachtung, wahrs
cheinlich schon seit der Ein
reise in die Schweiz
(
S. 83
Ziff. 7.5)
.
3.2
Vor diesem Hintergrund
verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
7.
Juni 2017 (
Urk.
6/72)
einen Leistungsanspruch.
4.
4.1
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
22. April 2021
(
Urk.
2) lagen im Wesentlichen die folgenden Berichte vor:
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
, führte mit Bericht vom 6. März 2017 (
Urk.
6/74/1)
aus, die Beschwerdeführerin sei a
us orthopädischer Sicht wegen
der
Gonarth
rose dauerhaft für
näher umschriebene
körperlich
schwere Arbeiten
voll
ständig arbeitsunfähig.
4.2
Dr.
med.
A._
,
Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
und Hausärztin der Beschwerdeführerin
, führte mit
Bericht
vom 8. August
2019
(Urk.
6/74/3)
aus, traumatische biographische Ereignisse und Bedrohungen hätten bei der Beschwerdeführerin zu einer chronischen Depression mit Panik und Ängsten, Schlafstörungen, Albträumen und einem generalisierten Schmerzsyndrom geführt. Es sei z
unehmend
zu einem sozialen
Rückzug
mit
Isolation im familiären Umfeld
gekommen
.
Die Beschwerdeführerin könne die
Aufgaben a
ls
Mutter und Hausfrau (teilweise) besorgen
, doch eine regelmässige beruf
liche Tätigkeit sei nicht möglich.
Dr.
A._
führte mit
Bericht
vom 21. November
2019
(Urk.
6/74/2)
aus, es bestehe eine
Einschränkung der Aufmerksamkeits-, Denk- und Wahrnehmungsfähigkeit und der Konzentration.
Aus der Summe
der
deutlich ausgeprägten Einzelsymptome
ergebe sich eine erhebliche Einschränkung der
kognitiven Fähigkei
ten
, die insgesamt begründe, weshalb die Beschwerdeführerin aus medizinischen
Gründen
nicht in der Lage
sei
, Deutsch zu lernen
.
4.3
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für
Radiologie
,
C._
,
führte
mit
B
ericht vom 29. Februar 2020 (Urk.
3/4)
gestützt auf ein
MR
Arthro
Schultergelenk rechts vom 28. Februar 20
20
aus, es bestehe eine
Rota
toren
manschette
mit Läsion mit
vollschichtigem Riss, ohne Verkürzung der Supra
spinatussehne, partial Läsion der
Infraspinatussehne
und
Subscapularissehne
.
Zu
dem bestehe eine
Tendinopathie
der langen Bizepssehne und eine SLAP (
superiores Labrum von anterior nach
posterior
)-Läsion.
4.4
Dr.
A._
nannte
mit Bericht vom 2. November 2020
(Urk.
6/79/1-3 =
Urk.
6/94/1-3 =
Urk.
3/3)
folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1):
-
chronifizierte depressive Entwicklung mit Angst- und Panikstörung und Verfolgungswahn
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
Schmerzsyndrom
-
Gelenkschmerzen mit Bewegungseinschränkungen
(Knie, Schulter)
D
as
Beschwerdebild zeige einen chronisch sich verschlechternden Verlauf mit erheblicher Einschränkung
in derart gravierendem Ausmass, dass eine regel
mässige berufliche Tätigkeit nicht möglich sei und auch die Alltagsaufgaben im familiären Umfeld nur mit Unterstützung der Angehörigen erledigt werden könnten
. Krankheitsbedingte Einschränkungen und Hoffnungslosigkeit beein
flussten den Verlauf negativ und führten zu einer zunehmenden Verschlechterung
(S. 2
Mitte
)
. Es bestehe eine d
epressive Grundstimmung
, welche den
sozialen Kontakt
erschwere
.
Zudem bestehe eine a
usgeprägte Sel
bstwert
problematik, Beschämung und eine soziale Rückzugstendenz.
Des Weiteren bestehe eine
Denkstörung mit
Einengung auf depressiv
e
Inhalte. Diese
führe zu
weitgehendem
Rückzug
aus dem öffentlichen Leben
.
Ein v
er
minde
rter Antrieb erschwere
die
Bewältigung des Alltags.
Eine v
erminderte Konzentration
und Auf
merksamkeit führten im
Alltag zu
häufig sich wiederholender Feh
leranfälligkei
t.
Zudem bestehe eine e
rhebliche Ermüdbarkeit mit
Leistungsabfall nach kurzer Zeit.
Schliesslich bestehe eine g
rosse Stressempfindli
chkeit, so
sei beispielsweise die
Benutzung de
s
öffentlichen Verkehrs
nicht möglich.
Insgesamt sei ihre Leistungsfähigkeit so erheblich herabgesetzt, dass sie keiner Arbeit nachgehen könne (S.
3
).
Verschiedene medikamentöse Therapieversuche seien wegen unzureichender Wirkung oder erheblicher Nebenwirkungen eingestellt worden.
Eine psychotherapeutische Gesprächstherapie habe über Jahre stattgefunden, sei aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten (mehrere Sprachkurse hätten wegen der Symptomatik abgebrochen werden müssen) aber nicht in Deutsch möglich. Einen neuen arabisch sprechenden Psychotherapeuten lasse sich aktuell kaum finden. Die letzten psychiatrisch-psychologischen Behandler hätten sich auf den Standpunkt gestellt, dass eine Indikation für eine kurative Therapie nicht gegeben sei
(
S. 2 unten,
vgl. auch Urk.
6/80, Urk.
6/82)
.
4.5
Dr.
Z._
nannte mit
Bericht
vom 16. November
2020
(Urk.
6/84)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
Rotatorenmanschettenruptur rechts
(März 20
20
)
-
Tendovaginitis
peroneal
links (September 20
20
)
-
Gonarthrose beidseits
Unter veränderte Befunde führte
Dr.
Z._
aus, es bestehe eine
Einschränkung
der
Schulterfunktion rechts
(Ziff. 1.3). Eine a
ngepasste Tätigkeit
sei neun
Stunden
zumutbar (Ziff. 2.1). Es bestehe eine
Vermin
derung der Leistungsfähigkeit
um
5
0
%
(Ziff. 2.2)
.
4.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt
für
Chirurgie
, Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
), nannte mit Stellungnahme vom 2. Dezember 2020 (Urk.
6/92/3-
5)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1)
:
-
Rotatorenmanschettenruptur rechts (März 20
20
)
-
Tendovaginitis
peroneal
links (September
20
20)
-
Varusgonarthrose
beidseits
Als Hausfrau
bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit.
Die Tätigkeit im Haushalt entspreche einer näher umschriebenen angepassten Tätigkeit. Es bestünden näher beschriebene f
unktionelle Einschränkungen in Bezug auf
die Tätigkeit als Haus
frau, welche
der veränderten Schulter- u
nd Knieproblematik geschuldet
seien (S. 2
oben
).
Die vorliegenden Arztberichte würden somatisch eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
bezüglich der rechten Schulter sowie der vorbekannten Kniebeschwerden beschreiben.
Psychisch würden keine neuen Diagnosen beschrieben, es könne somit weder eine Verbesserung noch Ver
schlechterung festgestellt werden
. Eine adäquate psychiatrische Behandlung werde nicht durchgeführt
. Bei reiner Tätigkeit
im Haushalt
sei lediglich eine somatische Einschränkung gemäss dem Belastungsprofil auszumachen. Eine Haushaltsabklärung bei 100%iger Haushalttätigkeit sei bisher ni
cht erfolgt und werde empfohlen
(S. 2
unten).
4.7
Dem Bericht vom 15. Februar 2021
ü
ber die Haushaltsabklärung vom 12. Januar 2021 (Urk. 6/86
)
ist
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
angegeben habe, ihr
Ehemann helfe im Haushalt, sie selbst
gehe praktisch nicht mehr aus
dem Haus.
Ihre beiden
Töchter würden auch helfen.
In den allgemeinen
Leb
ens
verrichtungen benötige sie
keine Hilfe.
Die
Haare wasche ihr die Tochter alle 10 T
a
g
e, sie könne ihre Arme nicht nach oben halten (S. 2). Dem Bericht
ist zur beruflichen Ist-Situation zu entnehmen
, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz nie erwerbstätig gewesen sei. Kurz nach ihrer Einreise in die Schweiz habe sie Arbeit gesucht, aber sei erfolglos geblieben (S. 4 Ziff. 3.3).
Zur beruf
lichen Situation ohne Gesundheitsschaden habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie bei guter Gesundheit zu 100
%
erwerbstätig sein würde. Dies aus finanziellen Gründen. Im Irak sei sie arbeitstätig gewesen (S. 4 Ziff. 3.4). Die Abklärungsperson qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu 10
0
% im
Haushalt Tätige
(S. 4 Ziff. 3.5). Zur Begründung führte sie aus
, die Beschwerdeführerin
sei in der Schweiz nie erwerbstätig gewesen und
habe keine Belege fü
r Bewerbungen vorbringen können.
Im
Y._
-Gutachten sei mehrfach aufgeführt, dass die Beschwerdeführerin
n
ie als Lehrerin im Irak gearbeitet
habe
,
und
wegen
ihrer
Kinder nicht gearbeitet
habe
.
Sie h
abe keine Massnahmen getroffen, sich besser zu integrieren.
Die finanzielle Lage
sei schwierig, die
Eheleute
seien jedoch
nicht v
on sozialen Diensten abhängig
(S. 4
f.
Ziff. 3.5.1).
Im mit
30
%
gewichteten Bereich «Ernährung» resultiere eine Einschränkung von
31 % (S. 6 f. Ziff.
6.1) und im mit 33
%
gewichteten Bereich «Wohnungs- und Hauspflege, Haustierhaltung» resultierte eine solche von
39.5 % (S. 7 Ziff.
6.2). Im mit 10
% gewichteten Bereich «Einkauf sowie weitere Besorgungen» wurden keine Einschränkungen festgestellt (S.
8
Ziff.
6.3). Im mit 20
% gewichteten Bereich «Wäsche und Kleiderpflege» resultierte eine Einschränkung von
30.5
% (S.
8 Ziff.
6.4) und im mit
7
% gewichteten Bereich «Betreuung von Kindern und/oder Angehörigen» resultierte eine solche von
20
% (S. 9 Ziff.
6.5). Die ent
sprechend gewichteten einzelnen Einschränkungen erg
ä
ben eine Einschränkung von insgesamt
29.4 % (S. 9
Ziff.
6.6) und bei einer Qualifikation von
100
%
im Haushalt
einen I
nvaliditätsgrad von
29.4 % (S. 9 Ziff.
7).
4.8
Am 12. Januar 2021 fand die Abklärung der Hilflosigkeit bei der Beschwerde
führerin zuhause im Beisein einer Tochter der Beschwerdeführerin statt. Mit Bericht vom 15. Februar 2021 (Urk. 6/88) nannte die Abklärungsperson folgende
Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Rotatorenmanschettenruptur rechts (März 2020)
-
Tendovaginitis
peroneal
links (September 2020)
-
Varusgonarthrose
beidseits
Zum Bereich «Ankleiden/Auskleiden» hielt die Abklärungsperson fest, die Beschwerdeführerin
habe
geltend gemacht, dass sie beim Anziehen von Socken Hilfe benötige
.
Die Abklärungsperson führte an,
es gebe
div
erse Anziehhilfen auf dem Markt. Dies könne schadenmindernd zugemutet werden. Der Bereich sei da
her nicht anrechenbar (S. 3 oben).
Zum Bereich «Aufstehen/Absitzen/Abliegen»
und zum Bereich «Essen»
wurde von der Beschwerdeführerin ausgeführt
, sie sei in diesen Bereichen selbständig.
Betreffend «
Körperpflege
» habe die Beschwerdeführerin angegeben, die tägliche Pfleg
e
vermöge sie selbständig durchzuführen. Weil sie ihre Arme nicht nach oben halten könne, werde das Haar von ihrer Tochter gekämmt. Alle 10 Tage helfe ihre Tochter auch beim Haare waschen und föhnen. Duschen vermöge sie selbst.
Die Abklärungsperson führte an,
Hilfsmittel für die Haarpflege könnten zugemutet werden.
Die Unterstützung erfolge
zudem nicht regelmässig
(S. 3 Mitte)
.
Zum Bereich «Reinigung nach Verrichtung der Notdurft» führte die Beschwerde
führerin
aus, sie benötige keine Hilfe in diesem Bereich (S. 3 unten).
Zum Bereich «Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte» habe die Beschwerdeführerin ausgeführt
, sie könne sich innerhalb der Wohnung selbst bewegen. Nach draussen gehe sie
wegen Ängste
n nur ungerne
.
Auch die Einkäufe würden erledigt werden. Generell vermöge sie nicht mehr weit zu gehen. Ihre ältere Tochter komme mit zu Gesprächen, wenn es ums Übersetzen gehe. Zu Terminen werde die Beschwerdeführerin jeweils von ihrem Ehemann gefahren, er habe ein Auto.
Die Abklärungsperson führte an,
das psychische Befinden habe sich gemäss RAD-Stellungnahme vom
2.
Dezember 2020 im Vergleich zu 2017 nicht verändert. Damals sei eine psychiatrische
Diagnose ohne Krankheitswert
genannt worden. Dementsprechend könne der Beschwerdeführerin zugemutet werden, Besorgungen ohne Begleitung zu erledigen. Sie werde auch aus sprach
lichen Gründen zu Terminen begleitet, was iv-fremd sei (S. 3 unten).
Lebenspraktische Begleitung sei nicht ausgewiesen
.
Anzuerkennen sei, dass die Beschwerdeführerin wegen des Gesundheitszustandes Hilfe bei der
Tages
strukturierung und
Bewältigung des Alltages erhalte. Die Voraussetzungen der Regelmässigkeit, der Dauer und der Intensität an Begleitung seien unter Einbezug der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht nicht erfüllt. Der Mindest
aufwand von 2 Stunden pro
Woche werde nicht erreicht (S. 4
oben
).
So seien für gründliche Reinigungsarbeiten 30 Minuten pro Woche anzurechnen. Fürs Wäsche waschen könnten wöchentlich 15 Minuten angerechnet werden. Für Einkäufe könnten 15 Minuten
pro Woche
angerechnet werden. Insgesamt ergebe dies eine Stunde pro Woche, welche als lebenspraktische Begleitung angerechnet werden könne. Somit bestehe kein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung wegen einer lebenspraktischen Begleitung (S. 5 oben).
Betreffend
«
dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe
»
habe die Beschwerde
führerin angegeben
, ihre Medikamente in eigener Regie einzunehmen (S. 5 unten).
Zur «persönlichen Überwachung» wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei nicht selbst- oder fremdgefährdet. Es bestehe daher auch kein Anspruch auf eine persönliche Überwachung im Sinne des Gesetzes (S. 5 unten).
Zusammenfassend sei die Beschwerdeführerin derzeit in keiner der aufgeführten Lebensverrichtungen regelmässig und erheblich auf die Hilfe Dritter angewiesen. Zudem bedürfe sie keiner lebenspraktischen Begleitung von wöchentlich mindestens 2 Stunden und mehr. Es bestehe auch kein Bedarf an medizinischer Hilfe oder persönlicher Überwachung (S. 6 oben).
4.9
Der Abklärungsdienst nahm am
6.
Mai 2021
zu Einwänden gegen den Ab
klärungsbericht betreffend Hilflosigkeit (vgl. Urk. 6/95)
Ste
llung (Urk. 6/100
) und führte aus
, die Situation sei im Beisein der Tochter, welche als Übersetzungs
person
fungiert habe, mit der Beschwerdeführerin besprochen worden (S. 1). Dem Einwand seien keine neuen Tatsachen beigelegt worden, welche das Abklärungs
ergebnis in Zweifel zu ziehen vermö
chten
. Am
Entscheid sei
daher
festzuhalten
(S. 2)
.
4.10
Dr.
E._
führte mit Bericht vom 1
1.
Mai
2021
(Urk.
3/5)
gestützt auf ein
MRI
des linken
Schultergelenk
s aus, die Supraspinatussehne sei im Ansatz stark signalalteriert und strukturell aufgelockert. Es bestehe eine Bursitis subacromialis/
subdeltoidea
und ein Verdacht auf eine Unterflächenpartialruptur der Subscapularissehne. Zudem bestehe eine Einengung des
subakromialen
Raumes und eine s
ignalalterierte lange Bizepssehne.
5.
5.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode d
er Invaliditätsbemessung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE
144
I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig ein
zustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pen
sum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen
(vgl. Art. 27 IVV)
sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungs
aufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Aus
bildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungs
verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs
recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125
V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der
Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen
).
5.2
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu
100 % im Haushalt Tätige.
Anlässlich der Haushal
t
sabklärung (vgl. vorstehend E.
4.7
) teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie
bei guter Gesundheit zu 100
%
erwerbstätig sein würde.
Hierzu nahm die Abklärungsperson umfassend und nachvollziehbar Stellung (vgl. vorstehend E. 4.7). Beschwerdeweise bestritt die Beschwerde
führerin die Qualifikation als zu 100 % im Haushalt Tätige nicht und diese ist auch nicht zu beanstanden.
Somit ist mit dem im Sozialversicherungsrecht massgeblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerde
führerin im G
esundheitsfall weiterhin zu 100
% im
Haushalt
tätig wäre.
6
.
6
.1
In medizinischer Hinsicht basierte die Verfügung vom
7.
Juni 2017 (
Urk.
6/72)
auf dem
Y._
-Gutachten vom
2
6.
September 201
6.
D
ie Ärzte des
Y._
konnten
keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
feststellen (vorstehend E. 3.1.1)
.
Im Rahmen der rheumatologischen Teilbegutachtung wurde unter anderem festgehalten, a
n den Kniegelenken bestehe klinisch eine mässige mediale
Periarthropathie
rechts, diskret auch links, korrelierend mit dem radiologischen Befund einer beginnenden medialen Gonarthrose und diskret beginnenden Retropatellararthrose.
Die Gutachter
erachteten
die Beschwerdeführerin für sämtliche Haushaltsarbeiten
als
vollständig arbeitsfähig, ebenso auf
dem
freie
n
Markt bezogen auf ein volles Pensum unter Vermeiden von repetitiven erheblichen Kniegelenksbelastungen respektive länger dauernder Tätigkeit in kniender Position oder Zurücklegen repetitiver Wegstrecken auf der Treppe oder auf unebenem Boden
(vorstehend E. 3.1.7).
6
.2
Zur Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
holte die Beschwerdegegnerin Berichte von den behandelnden Ärzten ein.
Dr.
Z._
nannte im November 2020 als Diagnosen eine Rotatoren
manschettenruptur rechts, eine Tendovaginitis
peroneal
links und eine Gon
arthrose beidseits. Er erachtete eine angepasste Tätigkeit für neun Stunden zu
mutbar, allerdings mit
50%
iger
Leistungseinschränkung (
vgl.
vorstehend E. 4.5).
Die Hausärztin
Dr.
A._
erachtete
2019
eine regelmässige berufliche Tätigkeit
als unmöglich
.
Dies wegen einer
chronischen Depression mit Panik und Ängsten, Schlafstörungen, Albträumen und einem generalisierten Schmerzsyndrom
. Zudem
seien die kognitiven Fähigkeiten erheblich ein
geschränkt
(vorstehend E. 4.2)
.
Im November 2020 nannte
Dr.
A._
als Diagnosen eine chronifizierte depressive Entwicklung mit Angst- und Panikstörung und Verfolgungswahn, eine posttraumatische Belastungs
störung, ein Schmerzsyndrom und Gelenkschmerzen mit Bewegungs
einschränkungen. Sie hielt fest, d
as Beschwerdebild zeige einen chronisch sich verschlechternden Verlauf auf mit erheblicher Einschränkung in derart gravierendem Ausmass, dass eine regelmässige berufliche Tätigkeit nicht möglich sei
(vorstehend E. 4.4).
Der RAD-Arzt Dr.
D._
nannte
als Diagnosen eine Rotatoren
manschettenruptur rechts, eine Tendovaginitis
peroneal
links und eine Gon
arthrose beidseits.
Als Hausfrau bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Die Tätigkeit im Haushalt entspreche einer näher umschriebenen angepassten Tätig
keit. Es bestünden näher beschriebene funktionelle Einschränkungen in Bezug auf die Tätigkeit als Hausfrau, welche der veränderten Schulter- und Kn
ie
problematik geschuldet seien
. Die vorliegenden Arztberichte würden somatisch eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes bezüglich der rechten Schulter sowie der vorbekannten Kniebeschwerden beschreiben. Psychisch würden keine neuen Diagnosen beschrieben, es könne somit weder eine Verbesserung noch Verschlechterung festgestellt werden. Eine adäquate psychiatrische Behandlung werde nicht durchgeführt
(vorstehend E. 4.6).
6
.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
waltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu ent
scheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu
namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
6
.4
Die Einschätzung de
s
RAD
-Arztes
Dr.
D._
entspricht den allgemein beweis
rechtlichen Anforderungen an einen är
ztlichen Bericht, auch wenn Dr.
D._
die
Beschwerdeführer
in
selbst nicht untersucht hat.
Seiner
Stellungnahme liegen aber sämtliche medizinischen Akten zugrunde.
Seine
Argumentation ist schlüssig und nachvollziehbar. Es ist insbesondere nachvollziehbar begründet, dass
die
vorliegenden Arztberichte somatisch eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes bezüglich der rechten Schulter sowie der vorbekannten Knie
beschwerden beschreiben
. Seine Schlussfolgerung, wonach
in
einer näher um
schriebenen angepassten Tätigkeit
eine vollstä
ndige Arbeitsfähigkeit bestehe, vermag zu überzeugen.
Die Beurteilung de
r
H
ausärztin
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 4.2, E. 4.4)
, wonach
die
Beschwerdeführer
in
erheblich eingeschränkt und eine regel
mässige berufliche Tätigkeit nicht möglich
sei, ist
hingegen
mit Zurückhaltung zu würdigen, denn
ihre Berichte zeigen, dass
Hausärztinnen und Hausärzte
so
wie
regelmässig
behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Zudem
begründete sie
ihre Einschätzung
mit psychiatrischen Diagnosen, obschon sie
über einen Facharzttitel für Allgemeine Innere Medizin und nicht
für Psychiatrie und Psychotherapie
verfügt. Bemerkenswert ist, dass s
elbst die Hausärztin die
Beschwerdeführerin
im Haushalt
als
kaum eingeschränkt
befand.
Dr.
Z._
begründete nicht näher, weshalb eine 50%ige Leistungs
einschränkung
(vgl. vorstehend E. 4.5)
bestehen sollte
. Seine neu genannten Diagnosen hat der RAD-Arzt jedenfalls in seiner B
eurteilung ber
ücksichtigt.
6
.5
In psychischer Hinsicht liegt einzig ein fachfremder Bericht der Hausärztin bei den Akten.
Aus den Berichten der Hausärztin geht hervor, dass die Beschwerde
führerin zeitweise keine Psychoth
erapie mehr wahrgenommen
habe
, da eine solche aufgrund sprachliche
r
Schwierigkeiten nicht in Deutsch möglich sei
,
und sich ein neuer arabisch sprechender Psychotherapeut aktuell kaum finden liesse.
Der RAD-Arzt
Dr.
D._
wies deshalb zu Recht darauf hin, dass ke
ine adäquate psychiatrische Behandlung durchgeführt werde
. Zudem hielt er nachvollziehbar fest, p
sychisch würden keine neuen Diagnosen beschrieben, es könne somit weder eine Verbesserung noch Verschlechterung festgestellt werden
(
vgl.
vorstehend E. 4.6).
Den beschwerdeweise eingereichten Unterlagen kann entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin offenbar seit einigen Wochen wieder in psychiatrischer Behandlung steht (vgl. Urk. 3/1 S. 2). Nähere Angaben wurden nicht gemacht
,
und
es wurde
auch kein fachärztlicher Bericht eingereicht.
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
Da eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen nachvollziehbar und schlüssig verneint wurde, kann vorliegend auf ein strukturiertes Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 verzichtet werden.
6
.6
Somit ist gestützt auf die Beurteilung des RAD-Arztes
nicht davon auszugehen, dass es zu
einer erheblichen Verschlechterung des Gesundheitszustands mit Aus
wirkungen auf die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, gekommen ist
. Im Folgenden ist zu prüfen,
wie sich der Gesundheitsschaden in der nicht
erwerblichen Betätigung konkret auswirkt
.
7
.
7
.1
Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von
Art.
16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen.
Art.
7
Abs.
2 ATSG ist sinngemäss anwendbar (Art. 28a
Abs.
2 IVG in Verbindung mit
Art.
8
Abs.
3 ATSG; spezifische Methode der Invaliditätsbemessung [Betätigungs
vergleich]; vgl. statt vieler: BGE 142 V 290 E. 4). Als Aufgabenbereich nach Artikel 7 Absatz 2 IVG der im Haushalt tätigen Versicherten gilt die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Pflege und Betreuung von Angehörigen (
Art.
27
Abs.
1 IVV in der seit
1.
Januar 2018 geltenden Fassung).
7
.2
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; vgl. auch Rz. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Ein
schränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt mass
gebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Ver
sicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2
).
Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
führung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen. Zwar ist der
Abklärungsbericht seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Prinzipiell jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, das heisst wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht. Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regel
mässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerich
ts 8C_
8
1
7/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1).
7.3
Die Abklärungsperson erhob die Verhältnisse am
12. Januar 2021
bei der Beschw
erdeführerin zu Hause (vgl. Urk. 6/86
). Sie ermittelte gestützt auf die An
gaben der Beschwerdeführerin und unter Berücksichtigung ihrer gesund
heitlichen Einschränkungen sowie der Mithilfe der Familienmitglieder eine Ein
schränkung von
29.4
%. Es sind keine Anzeichen dafür ersichtlich, dass diese Einschätzung auf klar feststellbaren Fehleinschätzungen beruhte, weshalb darauf abgestellt werden kann
, zumal sie von der Beschwerdeführerin auch nicht substantiiert bestritten wird.
7.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin im Haushalt mit einer Einschränkung von 29.4 % genügend Rechnung getragen wurde. Damit ergibt sich bei einer Qualifikation von 100
%
Haushalttätigkeit ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 29.4 %.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung vom
22. April 2021
(
Urk.
2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8
.
8.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 5
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
8.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung erfüllt, wenn der Pro
zess
nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Vertretung not
wendig oder doch geboten ist (Art. 29 Abs. 3 BV; BGE 135 I 1 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_686/2020 vom 1
1.
Januar 2021 E. 1).
Da der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden kann und die Beschwe
rdeführerin bedürftig ist (Urk. 11
,
Urk.
12/1-9
), ist ihr antragsgemäss (Urk
. 11
) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Die der Beschwerdeführerin auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) aufmerksam gemacht.