Decision ID: 880271ed-be6f-5162-88b0-47037ceae8b6
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2013 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu ihrer
AHV-Rente an (EL-act. 49, act. G 3.1).
A.b Mit Verfügung vom 22. August 2013 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten rückwirkend ab 1. Juni 2013 eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr.
1'910.-- zu (EL-act. 42). Der Brutto-Mietzins, abzüglich Radio/TV, betrug gemäss dem
eingereichten Mietvertrag Fr. 1'825.-- pro Monat (Fr. 21'900.-- pro Jahr; EL-act. 52). In
der Anspruchsberechnung war ein Mietzins von Fr. 17'600.-- (davon Fr. 4'400.--
ausserordentliche Ergänzungsleistungen [AEL]) berücksichtigt worden (EL-act. 44). Per
1. Januar 2014 erhöhte die EL-Durchführungsstelle die monatliche EL auf Fr. 1'939.--
(davon Fr. 367.-- AEL; Verfügung vom 27. Dezember 2013, EL-act. 40).
A.c Am 29. Januar 2014 wurde die EL-Durchführungsstelle darüber informiert, dass
die Versicherte ihre selbständige Erwerbstätigkeit per 31. Dezember 2013 aufgegeben
habe (EL-act. 38). Daher erhöhte sie die monatliche EL rückwirkend per 1. Januar 2014
auf Fr. 2'464.-- pro Monat (davon Fr. 367.-- AEL; Verfügung vom 15. Februar 2014, EL-
act. 36). Auf den 1. Januar 2015 wurde die EL auf Fr. 2'484.-- pro Monat festgesetzt
(davon Fr. 367.-- AEL; Verfügung vom 22. Dezember 2014, EL-act. 35). Ab dem 1.
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Januar 2016 betrug die monatliche EL Fr. 2'498.-- (davon Fr. 367.-- AEL; Verfügung
vom 21. Dezember 2015, EL-act. 32).
A.d Am 2. August 2016 leitete die EL-Durchführungsstelle eine periodische
Überprüfung der Ergänzungsleistungen ein (EL-act. 29).
A.e Am 14. Oktober 2016 meldete die AHV-Zweigstelle der EL-Durchführungsstelle,
dass der Sohn der Versicherten am 16. Mai 2014 bei dieser eingezogen sei (EL-act.
27). Die Mutation war gleichentags bei der AHV-Zweigstelle eingegangen.
A.f Im Revisionsfragebogen vom 26. Oktober 2016 gab die Versicherte weiterhin an,
dass sie alleine im Haushalt lebe (die Korrektur dieser Angabe erfolgte wohl durch die
AHV-Zweigstelle; EL-act. 24).
A.g Mit Verfügung vom 25. November 2016 berechnete die EL-Durchführungsstelle die
EL rückwirkend ab 1. Juni 2014 neu (EL-act. 16). In der Anspruchsberechnung (EL-act.
17 ff.) berücksichtigte sie beim Mietzins neu einen Anteil Mitbewohner von Fr.
10'950.--. Der angerechnete Mietzins betrug noch Fr. 10'950.--; ein Anspruch auf eine
ausserordentliche Ergänzungsleistung wurde verneint. Die monatliche (ordentliche) EL
betrug neu ab 1. Juni 2014 Fr. 1'909.--, ab 1. Januar 2015 Fr. 1'930.-- und ab 1. Januar
2016 Fr. 1'944.--. Die Rückforderung für den Zeitraum 1. Juni 2014 bis 30. November
2016 belief sich auf Fr. 16'627.-- (davon Fr. 11'010.-- AEL [30 Mt. x Fr. 367.--]). Die
Rückforderungsverfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.h Am 29. Dezember 2016 stellte der Rechtsvertreter der Versicherten ein
Erlassgesuch für die Rückforderung (EL-act. 12). Er machte geltend, dass der Sohn nur
hin und wieder an Wochenenden bei der Versicherten zu Besuch gewesen und ihr
dabei gelegentlich im Haushalt zur Hand gegangen sei. Daher habe die Versicherte
keinen Mietanteil von ihrem Sohn verlangt. Da der Sohn meist im Raum B._
Erwerbsmöglichkeiten nachgegangen sei und sogar hin und wieder nach C._ habe
gehen müssen, sei sein Lebensmittelpunkt nicht so eindeutig gewesen. Die
Meldeadresse in D._ habe eine gewisse Konstanz versprochen und eine sichere
Zustellung von bspw. behördlichen Dokumenten ermöglicht. Der Versicherten sei es
wegen dieser Situation gar nicht in den Sinn gekommen, ihren Sohn zu Zahlungen
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anzuhalten, geschweige denn, einen meldepflichtigen Tatbestand zu erkennen. Da
auch die grosse Härte gegeben sei, seien die Voraussetzungen für den Erlass erfüllt.
A.i Am 16. Januar 2017 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Rechtsvertreter der
Versicherten mit (EL-act. 11), dass die Versicherte und der Sohn im Rahmen eines
Gesuchs um individuelle Prämienverbilligung für das Jahr 2016 angegeben hätten,
dass der Sohn bei der Versicherten wohne und diese ihn finanziell unterstütze. Der
Rechtsvertreter der Versicherten antwortete am 16. Januar 2017 (IV-act. 10), dass die
Briefe vom 12. und 24. Februar 2016 auf den ersten Blick in Widerspruch zu den
bisherigen Ausführungen stünden. Entscheidend dürfte jedoch sein, ob die Versicherte
die Tragweite und das Unrecht, welches mit dem Einzug des Sohnes eintreten würde,
aufgrund ihres Bildungsgrades (die Versicherte spreche hauptsächlich portugiesisch
und etwas französisch) habe erkennen können. Er selbst stelle immer wieder fest, dass
die Versicherten den Grundmechanismus und die Zielrichtung der
Ergänzungsleistungen gar nicht verstünden. Die Erkennung des Unrechts setze dies
jedoch voraus. Ausserdem sei die Möglichkeit der Mietzinsaufteilung sehr abstrakt.
Allenfalls habe die Versicherte die Pflicht zur Meldung von Mitbewohnern erkennen
können; das Unrecht habe sie jedoch nicht vorausgesehen. Nur wenn man auch das
Unrecht in der Ausrichtung der EL erkenne, liege kein guter Glaube vor. Insbesondere
habe die Versicherte die Meldung nicht grobfahrlässig oder gar arglistig unterlassen.
Die Briefe an die IPV-Stelle belegten letztlich geradezu die Gutgläubigkeit der
Versicherten. Die Versicherte habe das Unrecht aufgrund der Komplexität der
Aufenthaltsverhältnisse des Sohnes und ihres Bildungsgrades nicht erkennen können.
Am Erlassgesuch werde daher festgehalten.
A.j Mit Verfügung vom 11. März 2017 wies die EL-Durchführungsstelle das
Erlassgesuch ab (EL-act. 8). Zur Begründung hielt sie fest, die Versicherte habe auf
dem EL-Anmeldeformular angegeben, dass sie alleine wohne. Sie habe also gewusst,
dass die Anzahl der Mitbewohner für die Berechnung der EL von Relevanz sei. Obwohl
auf jeder EL-Verfügung mitgeteilt werde, dass "Veränderungen der Anzahl von
Mitbewohnern" mitgeteilt werden müssten, habe die Versicherte bis zur periodischen
Überprüfung der Ergänzungsleistungen nicht mitgeteilt, dass ihr Sohn ab dem 16. Mai
2014 einwohneramtlich bei ihr gemeldet gewesen sei und in ihrem Haushalt wohne.
Aus den geltend gemachten mangelnden Sprachkenntnissen könne die Versicherte
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nichts zu ihren Gunsten ableiten. Wenn sie die EL-Verfügungen nicht verstanden hätte,
hätte sie sich (wie auch beim Erlassgesuch) beispielsweise bei ihrem Sohn oder bei
einer anderen Person die entsprechende Hilfe holen können bzw. müssen. Im Übrigen
habe die schriftliche Korrespondenz seit der EL-Anmeldung funktioniert. Ausserdem
müsse der Versicherten klar gewesen sein, dass die Ergänzungsleistungen nicht zur
Sicherung der Existenz ihres Sohnes bzw. zu dessen indirekten Unterstützung da
seien. Schliesslich habe der Sohn selber bestätigt, bei der Versicherten zu wohnen. Die
zu viel ausgerichteten Ergänzungsleistungen seien somit nicht gutgläubig empfangen
worden.
A.k Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 12. April 2017 Einsprache erheben
(EL-act. 6). Ihr Rechtsvertreter machte ergänzend geltend, dass eine Angabe auf dem
EL-Anmeldeformular lediglich ein Indiz dafür sei, dass die Rubrik berechnungsrelevant
sei. Die Versicherte habe nicht erkannt, dass sie ihren Sohn − was bestritten werde −
indirekt unterstütze, wenn er ein Bett bei ihr habe, sich hin und wieder bei ihr aufhalte
und sich im Haushalt nützlich mache.
A.l Mit Entscheid vom 11. Juli 2017 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
ab (EL-act. 3). Zur Begründung hielt sie fest, sie habe die Versicherte wiederholt und
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Änderungen der Anzahl der Mitbewohner zu
melden seien und dass bei einer Missachtung der Meldepflicht allenfalls eine
Rückforderung drohe. Somit sei klar, dass die Anzahl Mitbewohner einen Einfluss auf
die EL-Berechnung habe. Ferner würden auf behördlichen Formularen
bekanntermassen nur Angaben erfragt, die für den EL-Anspruch relevant seien. Der
Sohn habe sich im Mai 2014 einwohneramtlich angemeldet, seine Schriften hinterlegt
und angegeben, dass sein Wohnsitz nun in D._ bei seiner Mutter sei. In der IPV-
Korrespondenz vom 16. Februar 2016 habe er wiederholt, dass er bei seiner Mutter
wohne. Auch die Versicherte selbst habe in ihrem Schreiben vom 24. Februar 2016
betont, dass der Sohn bei ihr wohne. Nach der Eröffnung der EL-
Rückforderungsverfügung habe die Versicherte ihre Ansicht geändert. Die Versicherte
habe nun sinngemäss angegeben, ihr Sohn halte sich nur besuchsweise bei ihr auf.
Ihre Adresse sei lediglich die Meldeadresse des Sohnes. Die EL-Durchführungsstelle
wies darauf hin, dass diesen Ausführungen aufgrund der Beweismaxime der Aussage
der ersten Stunde kein Glaube geschenkt werden könne, da sie offensichtlich aus
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versicherungsrechtlichen Überlegungen ergangen seien. Demzufolge müsse davon
ausgegangen werden, dass die Versicherte ihren Sohn im Mai 2014, als er von D._
zugezogen sei, als Mitbewohner eingeordnet habe und dies trotz Kenntnis der
Meldepflicht nicht mitgeteilt habe. Dies sei eine grobe Nachlässigkeit gewesen. Die
Versicherte habe mit der Nicht-Meldung eine unrichtige Ausrichtung der EL zumindest
in Kauf genommen. Das Erlassgesuch sei somit zu Recht abgewiesen worden.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 11. August 2017 Beschwerde erheben (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung des
Einspracheentscheides und den Erlass der Rückforderung in der Höhe von Fr.
16'227.-- (gemeint wohl: Fr. 16'627.--). Zur Begründung machte ihr Rechtsvertreter
ergänzend zu seinen bisherigen Ausführungen geltend, es entspreche nicht den
allgemeinen Gepflogenheiten, einen verwandten Wochenendaufenthalter in Ausbildung
bzw. mit sehr unstetem Einkommen hälftig zur Bestreitung des Mietzinses zu
verpflichten. Vermutlich habe es Phasen (evtl. Tage/Wochen) gegeben, wo sich der
Sohn zu 80 % in der Wohnung in St. Gallen aufgehalten habe. Der Beschwerdeführerin
sei jedoch nicht klar gewesen, dass sie rechtlich betrachtet in diesen Phasen zu viel EL
bezogen habe. Aus ihrer Sicht habe sich schlicht der eigene Sohn im Haushalt
aufgehalten, der bereits Tage später wieder für ein paar Wochen nach Paris oder zu
seiner Freundin (Raum B._) gehen würde. Der Gedanke, dass der Sohn sich deshalb
dauerhaft hälftig am Mietzins beteiligen müsse, läge vermutlich auch bei einem
Grossteil der Versicherten in ähnlicher Lage ungleich ferner. Eine starre Beweismaxime,
wonach die erste Aussage stets mehr Gewicht haben solle als die zweite, sei
abzulehnen. Mit der ersten Aussage (im Verfahren betr. Prämienverbilligung) habe der
Sohn an einer Zuständigkeit festhalten wollen. Es sei aber nicht so, dass er einen
Anspruch habe erschleichen wollen, den er anderswo gar nicht gehabt hätte.
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
23. August 2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies
sie auf die Erwägungen im Einspracheentscheid. Ergänzend hielt sie fest, der Erlass
einer Rückforderung sei rechtsprechungsgemäss ausgeschlossen, wenn eine
versicherte Person ihre Melde- und Kontrollpflichten verletze und dadurch den Fehler in
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der EL-Berechnung mitverursacht habe. Die Beschwerdeführerin könne sich somit
nicht auf den guten Glauben berufen.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 4
f.).
B.d Am 25. Juni 2018 bat das Gericht die Beschwerdegegnerin darum, die
Korrespondenz zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Sohn mit der IPV-Stelle
(Schreiben vom 16. und 24. Februar 2016) sowie die vollständigen EL-Akten
(insbesondere das EL-Anmeldeformular) einzureichen (act. G 6). Die angeforderten
Unterlagen gingen am 5. Juli 2018 beim Gericht ein (act. G 7). Der Sohn der
Beschwerdeführerin hatte in einem Schreiben vom 12. Februar 2016 (Eingang SVA: 16.
Februar 2016) betreffend die Individuelle Prämienverbilligung 2016 erklärt (act. G 7.2),
dass er zurzeit bei seiner Mutter (d.h. der Beschwerdeführerin) in St. Gallen wohnhaft
und angemeldet sei. Er habe in E._ Jura studiert. Derzeit bereite er sich auf das
Examen als Strafverteidiger vor, weshalb er noch auf die finanzielle Unterstützung
seiner Mutter angewiesen sei. Die Beschwerdeführerin selbst hatte der SVA am 24.
Februar 2016 (Eingang: 25. Februar 2016) betreffend die Individuelle
Prämienverbilligung 2016 berichtet (act. G 7.3), dass ihr Sohn bei ihr wohne, weil er
keine regelmässige Stelle habe. Er wohne in der Tat an der F._. Da er noch studiere,
müsse sie ihn unterstützen. Im EL-Anmeldeformular (Eingang AHV-Zweigstelle: 14. Juni
2013) hatte die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie alleine im Haushalt wohne
(EL-act. 63-3, act. G 7.1).
B.e Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hielt in seiner Stellungnahme vom 3.
September 2018 ergänzend fest (act. G 9), dass deren Sohn nur wenige Tage pro
Quartal an der F._ gewesen sein dürfte. Er habe nicht einmal ein eigenes Zimmer
gehabt. Hätte die Beschwerdeführerin ihrem mittellosen Sohn dafür die Hälfte des
Mietzinses weiterverrechnet, hätte sie einen Sachverhalt geschaffen, der den
Tatbestand der übermässigen Rendite nach Art. 269 ff. OR erfüllen würde. Dem Sohn
dürfte es nicht einmal schaden, wenn er nicht nachweisen könnte, woanders Miete
bezahlt zu haben.
B.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme hierzu (act. G 10).
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der Verfügung vom 25. November 2016 zu viel
bezahlte Ergänzungsleistungen für den Zeitraum 1. Juni 2014 bis 30. November 2016
in der Höhe von Fr. 16'627.-- zurückgefordert. Davon hat es sich bei Fr. 11'010.-- um
ausserordentliche Ergänzungsleistungen und bei Fr. 5'617.-- um ordentliche
Ergänzungsleistungen gehandelt. Diese Rückforderungsverfügung ist in Rechtskraft
erwachsen. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erlass der Rückforderung ist mit
der Verfügung vom 11. März 2017 abgewiesen worden. Die vom Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin gegen diese Abweisungsverfügung erhobene Einsprache ist mit
Entscheid vom 11. Juli 2017 ebenfalls abgewiesen worden. Dieser
Einspracheentscheid bildet den Anfechtungsgegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens. Streitgegenstand ist also ausschliesslich die Erlassfrage.
2.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR
830.1). Diese Rückerstattungspflicht der versicherten Personen korreliert mit der
Rückforderungspflicht der Sozialversicherungsträger, die Ausfluss des
Legalitätsprinzips (Art. 5 Abs. 1 der Bundesverfassung, BV, SR 101) und des
Gleichbehandlungsgebotes (Art. 8 Abs. 1 BV) ist. In Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG ist eine
Ausnahme vom Grundsatz der Rückerstattungspflicht unrechtmässig bezogener
Leistungen vorgesehen: Unrechtmässig bezogene Leistungen müssen dann nicht
zurückerstattet werden, wenn sie in gutem Glauben empfangen worden sind und eine
grosse Härte vorliegt. Sind diese beiden Voraussetzungen kumulativ erfüllt, wird einer
versicherten Person eine Leistung, auf die sie von Gesetzes wegen keinen Anspruch
gehabt hätte, die also gesetzeswidrig ist, erlassen. Die versicherte Person wird dadurch
besser gestellt als alle anderen Versicherten, die "lediglich" die gesetzlich
vorgesehenen Leistungen erhalten haben. Für die Beurteilung der Frage, ob die
Leistungen gutgläubig bezogen worden sind, ist deshalb ein strenger Massstab
anzuwenden (zum Ganzen vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
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Gallen vom 17. April 2015, EL 2013/61 E. 2.1). Der gute Glaube entfällt von vornherein,
wenn der Leistungsbezüger um die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs gewusst
hat, d.h. „bösgläubig“ gewesen ist. Ein gutgläubiger Bezug ist auch dann zu verneinen,
wenn die versicherte Person bei gebührender Sorgfalt um die Unrechtmässigkeit der
Leistungen hätte wissen müssen. Die erforderliche Sorgfalt beurteilt sich dabei nach
einem objektiven Massstab, wobei aber das der versicherten Person in ihrer
Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand,
Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden darf. Hat die versicherte Person um die
Unrechtmässigkeit der Leistungen nicht gewusst und auch nicht darum wissen
müssen, fehlt der gute Glaube, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf
eine grobe Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist (zum Ganzen
siehe BGE 138 V 218 E. 4 mit Hinweisen). Von einer groben Verletzung der Auskunfts-
und Meldepflicht ist auszugehen, wenn der Leistungsbezüger nicht das Mindestmass
an Aufmerksamkeit aufgewendet hat, welches von einem verständigen Menschen in
gleicher Lage und unter den gleichen Umständen verlangt werden muss (Urteil des
Bundesgerichts vom 26. November 2006, 8C_759/2008 E. 3.5). Art. 25 Abs. 1 ATSG
gilt als ergänzendes st. gallisches Recht sachgemäss auch für den Erlass
unrechtmässig bezogener ausserordentlicher Ergänzungsleistungen (Art. 13 Abs. 1 lit. c
ELG/SG, sGS 351.5).
3.
3.1 Der Grund für die Rückforderung, deren Erlass hier streitig ist, ist die rückwirkende
hälftige Mietzinsanrechnung infolge des Einzuges des Sohnes in die Wohnung der
Beschwerdeführerin im Juni 2014 gewesen.
3.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass der Sohn
nur hin und wieder an den Wochenenden resp. nur wenige Tage pro Quartal in der
Wohnung der Beschwerdeführerin gelebt habe. Der Lebensmittelpunkt sei nicht
eindeutig gewesen, da der Sohn meist im Raum B._ erwerbstätig gewesen sei und
hin und wieder sogar nach C._ habe gehen müssen. Die einwohneramtliche Meldung
am Wohnort der Beschwerdeführerin habe eine gewisse Konstanz und eine sichere
Zustellungsadresse versprochen. Unter Berücksichtigung des Bildungsstandes
respektive der fehlenden Sprachkenntnisse habe die Beschwerdeführerin nicht erkannt
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und auch nicht erkennen können, dass ein meldepflichtiger Tatbestand vorliege. Jede
EL-Leistungsverfügung enthält den Hinweis auf eine Veränderung der Anzahl der
Mitbewohner als Beispiel für eine meldepflichtige Sachverhaltsänderung. Es ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin, die seit 1988 in der Schweiz wohnhaft (EL-
act. 63-1, act. G 7.1) und hier einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachgegangen ist,
in der Lage gewesen ist, den Inhalt der jeweiligen EL-Leistungsverfügungen zu
verstehen. Selbst wenn dem nicht so wäre, so wäre sie in der Lage gewesen, eine
Drittperson, beispielsweise ihren Sohn (welcher sogar über Rechtskenntnisse verfügt),
um Hilfe zu bitten. Hätte die Beschwerdeführerin also das Mindestmass an
Aufmerksamkeit aufgewendet, hätte sie erkannt, dass sie eine Veränderung der Anzahl
der Mitbewohner der Beschwerdeführerin ohne Verzug melden muss.
3.3 Die Meldepflicht ist "absolut" zu verstehen, d.h. der EL-beziehenden Person steht
es nicht zu, zu beurteilen, ob es sich bei der eingetretenen Sachverhaltsveränderung
um eine EL-anspruchsrelevante und somit meldepflichtige Änderung handelt. Der Sohn
der Beschwerdeführerin hat sich per 16. Mai 2014 einwohneramtlich an der
Wohnadresse der Beschwerdeführerin angemeldet. Damit hat er gegenüber den
Behörden kundgetan, dass er seinen Lebensmittelpunkt am Wohnort der
Beschwerdeführerin hat. Zudem haben die Beschwerdeführerin wie auch ihr Sohn im
Februar 2016 gegenüber der IPV-Stelle schriftlich angegeben, dass der Sohn an der
Adresse der Beschwerdeführerin wohnhaft sei. Der Rechtsvertreter hat auch nicht
darlegen können, wo der Sohn im Zeitraum Juni 2014 bis November 2016 denn
hauptsächlich gewohnt respektive seinen Lebensmittelpunkt gehabt haben solle: In
C._ ist er offenbar nur "hin und wieder" gewesen. Hätte er hauptsächlich in B._
gelebt, hätte es keinen Sinn gemacht, den Wohnsitz im Mai 2014 von B._ nach D._
zu verlegen (siehe EL-act. 34, act. G 7.1). Schliesslich hat der Sohn offenbar auch an
keinem anderen Ort eine Wohnungsmiete bezahlt. Insbesondere aber die Tatsache,
dass der Sohn ab dem 16. Mai 2014 einwohneramtlich an ihrer Wohnadresse gemeldet
gewesen ist, hätte bei der Beschwerdeführerin zumindest den Verdacht wecken
müssen, dass ein meldepflichtiger Tatbestand eingetreten sein könnte. Indem die
Beschwerdeführerin die offizielle Wohnsitznahme des Sohnes in ihrem Haushalt nicht
unverzüglich der Beschwerdegegnerin gemeldet hat, hat sie ihre Meldepflicht in grober
Weise verletzt. Die Beschwerdeführerin hat die zu Unrecht ausgerichteten
Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 16'627.-- somit nicht gutgläubig bezogen.
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Eine Rückerstattung kann nur erlassen werden, wenn die Voraussetzungen des
gutgläubigen Bezugs und der grossen Härte kumulativ erfüllt sind. Deshalb erübrigt
sich die Prüfung der Erlassvoraussetzung der grossen Härte.
3.4 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
4.1 Gerichtskosten werden keine erhoben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.2 Das vorliegende Verfahren betrifft nicht ausschliesslich die bundesrechtliche,
ordentliche Ergänzungsleistung, sondern zum Teil auch die kantonalrechtliche,
ausserordentliche Ergänzungsleistung. Eine allfällige Beschwerde gegen den die
ausserordentliche Ergänzungsleistung betreffenden Teil dieses Entscheides, nämlich
gegen den Erlass der unrechtmässig bezogenen ausserordentlichen
Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 11'010.--, muss beim Verwaltungsgericht
des Kantons St. Gallen erhoben werden. Diesbezüglich gilt die kürzere Rechtsmittelfrist
von 14 Tagen. Demgegenüber muss eine allfällige Beschwerde gegen den die
ordentliche Ergänzungsleistung betreffenden Teil dieses Entscheids, nämlich gegen
den Erlass der unrechtmässig bezogenen ordentlichen Ergänzungsleistungen in der
Höhe von Fr. 5'617.--, innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheides beim
Bundesgericht in Luzern erhoben werden.