Decision ID: 494aa49e-ceec-5619-b21f-d572459e5603
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend Versicherter) meldete sich im März 2015 unter Hinweis auf ein
Burnout zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.a.
Der Versicherte hatte nach dem Besuch der obligatorischen Schulen eine Lehre
als Automonteur absolviert und anschliessend eine Weiterbildung zum technischen
Kaufmann mit Diplom abgeschlossen. In der Folge hatte er diverse Tätigkeiten,
vorwiegend temporär, ausgeübt (auf dem Bau, in einem Restaurant, als
Automechaniker, in einer Fabrik für Kaffeemaschinen, als Logistiker bei B._, in einem
Callcenter, bei C._) und war zuletzt bei der D._ AG als technischer Sachbearbeiter
(seit 1. Juli 2011) angestellt (IV-act. 1-4, 9-2, 63-18). Dort hatte er zuletzt ein
Jahreseinkommen von Fr. 65'000.-- erzielt (Fr. 5'000.-- x 13; IV-act. 9-4). Am 22.
Januar 2015 war dem Versicherten per 30. April 2015 gekündigt worden (IV-act. 9-9),
nachdem er am 12. September 2014 seinen letzten effektiven Arbeitstag gehabt hatte
(IV-act. 9-2).
A.b.
Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Medizin, hatte dem Versicherten seit dem
15. September 2014 bis 31. Mai 2015 eine 100%-Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (IV-
act. 2, 12-3 ff. 19-4 ff.) und mit Bericht vom 8. April 2015 eine reaktive Depression bzw.
prolongierte depressive Episoden diagnostiziert. Beim Versicherten bestehe aktuell
eine relativ realitätsnegierende Wahrnehmung mit komplett umgekehrtem Tag- und
Nachtrhythmus. Eine Wiedereingliederung sei derzeit aufgrund der massiven
Depression nicht möglich (IV-act. 12-1 f.).
A.c.
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Am 17. April 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass aufgrund seines
Gesundheitszustands zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich
seien (IV-act. 16).
A.d.
In der Folge holte die IV-Stelle weitere Arztberichte ein. Dr. med. F._,
Psychotherapeut und Supervisor, führte mit Bericht vom 24. November 2015 aus, dass
der Versicherte auffallende Symptome wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und
Antriebslosigkeit aufweise. Er leide an einer depressiven Störung. Bei adäquater
antidepressiver Therapie sei mit einer Besserung innert Jahresfrist wohl zu rechnen (IV-
act. 30-2).
A.e.
Am 15. Januar 2016 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass er zusätzlich an
einem Bandscheibenvorfall gemäss MRI vom 22. Dezember 2015 sowie
Kopfschmerzen leide (IV-act. 36).
A.f.
Mit Arztbericht vom 5. Juli 2016 führte Dr. E._ aus, dass es sowohl für ihn als
auch den Psychologen aktuell vollkommen unmöglich sei einzuschätzen, inwieweit der
Versicherte einfach nur alles lethargisch-depressiv schleifen lasse und alle
Notwendigkeiten negiere oder eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung in Richtung
religiöser Wahn oder Persönlichkeitsstörung vorliege. Es werde eine psychiatrische
Begutachtung empfohlen. Eine IV-relevante Einschränkung bestehe ausserhalb der
psychiatrischen Problematik auf keinem anderen Gebiet (IV-act. 47).
A.g.
Der regionale ärztliche Dienst (RAD) sah mit Stellungnahme vom 4. August 2016
eine medizinische Abklärung im Sinne eines bidisziplinären Gutachtens (orthopädisch/
psychiatrisch) für angezeigt (IV-act. 51). Ein solches gab die IV-Stelle in der Folge bei
Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädie, und Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, in Auftrag (IV-act. 52 ff.). Die Untersuchungen fanden am 7.
Oktober 2016 statt (IV-act. 63 S. 1). In ihrem Gutachten vom 15. November 2016 (IV-
act. 63) diagnostizierten die Fachärzte 1. ein chronisches Cervicalsyndrom (ICD-10:
M54.82) bei degenerativen Veränderungen discogener (ICD-10: M50.3) und ossärer
(ICD-10: M47.82) Art im Bereich der Halswirbelsäule und 2. eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1). Diesen Befunden massen sie Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit zu. Weiter diagnostizierten die Ärzte akzentuierte Persönlichkeitszüge
A.h.
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mit schizoid/schizotypen und eigenwillig/paranoiden Anteilen (ICD-10: Z73.1),
differentialdiagnostisch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0) sowie
chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Diesen Befunden massen sie keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (IV-act. 63 S. 40). Aus Sicht beider Fachgebiete
würden Gesundheitsschädigungen vorliegen, die sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit
auswirkten. Die morphologisch nachweisbaren degenerativen Veränderungen an der
Halswirbelsäule seien als höchstens mittelgradig anzusehen und schränkten den
Versicherten in gewissen Aktivitäten ein. Unter den gegebenen Umständen ergänzten
und verstärkten sich die Auswirkungen der somatischen und der psychischen
Gesundheitsschädigungen. Die Schmerzen würden die Psyche negativ beeinflussen,
wodurch die körperlich begründeten Schmerzen stärker empfunden würden, womit
insgesamt die Leistungsfähigkeit vermindert sei. Aus Sicht beider Fachgebiete sei
davon auszugehen, dass eine gewisse Verlangsamung des Arbeitstempos und eine
raschere Ermüdbarkeit vorliegen würden. In diesem Sinne bestünden
Wechselwirkungen zwischen den orthopädischen und den psychiatrischen Diagnosen,
die sich aber in Bezug auf die Leistungs- und damit auch die Arbeitsfähigkeit nicht
addierten. Aus orthopädischer Sicht sei in der angestammten Tätigkeit als technischer
Sachbearbeiter von einer Arbeitsunfähigkeit von 20% auszugehen, nämlich ganztätig,
indes mit der Möglichkeit zu längeren und betriebsunüblichen Pausen. Wegen der
verminderten Belastbarkeit sei auch in psychiatrischer Hinsicht in der angestammten
Tätigkeit von einer Einschränkung von 20% auszugehen. Da die Einschränkungen
identisch seien, könne der Versicherte die zusätzlichen Pausen sowohl für die
somatische als auch die psychische Erholung nutzen. Aus bidisziplinärer Sicht sei der
Versicherte in der bisherigen Tätigkeit also zu 20% eingeschränkt. In
leidensangepassten Tätigkeiten sei in somatischer Sicht von einer 100%-igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen. In psychiatrischer Hinsicht bestehe aber auch dort eine
20%-igen Arbeitsunfähigkeit. Damit sei der Versicherte auch in einer gut adaptierten
Tätigkeit in seiner Leistungsfähigkeit zu 20% eingeschränkt (IV-act. 63 S. 40 f.).
Im Assessmentgespräch vom 26. Januar 2017 gab der Versicherte an, dass es ihm
seit Monaten wieder viel schlechter gehe und er sich nur etwa 10% arbeitsfähig
erachte (IV-act. 70-3). Am 30. Januar 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
A.i.
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B.
dass berufliche Massnahmen nicht angezeigt seien, weil er sich lediglich in
beschränktem Masse (10%) arbeitsfähig erachte (IV-act. 74).
Mit Vorbescheid vom 9. Februar 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem Invaliditätsgrad von 20% die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
(IV-act. 79). Dagegen liess der Versicherte mit mehreren E-Mails Einwand erheben. Seit
Anfang 2016 hätten sich die Einschränkungen vermehrt. Er habe Kopfschmerzen,
Wasseransammlungen in den Beinen, Konzentrationsprobleme und es bestehe eine
Bewegungseinschränkung des linken Armes (IV-act. 80 ff.). In der Folge ersuchte die
IV-Stelle um Arztberichte der neu den Versicherten behandelnden Ärzte Dr. med. I._,
FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. J._, Kantonsspital St. Gallen (KSSG),
Zentrum für Integrative Medizin (IV-act. 86 ff.). Diese gaben an, dass sie aufgrund
mangelnder Kontakte zum Versicherten keine Berichte und Beurteilungen verfassen
könnten (IV-act. 90, 95). Mit Verfügung vom 9. März 2017 verneinte die IV-Stelle bei
einem Invaliditätsgrad von 20% einen Rentenanspruch (IV-act. 100).
A.j.
Gegen diese Verfügung reichte der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
am 4. April 2018 (act. G 1) bzw. am 31. Mai 2018 (act. G 3), vertreten durch
Rechtsanwalt Daniel Frischknecht, Wattwil, eine Beschwerde ein. Es wird beantragt,
dass die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 9. März
2017 aufzuheben und dem Beschwerdeführer für den Zeitraum vom 1. September
2015 bis 6. Oktober 2016 eine ganze Invalidenrente und ab 7. Oktober 2016 eine
Viertelsrente auszurichten sei. Eventualiter seien berufliche Eingliederungsmassnahmen
durchzuführen. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung derart zu gewähren, dass der unterzeichnende Rechtsanwalt als
Rechtsbeistand eingesetzt und dass der Beschwerdeführer von jeglichen
Verfahrenskosten und Kostenvorschüssen befreit werde. Alles unter Kosten und
Entschädigungsfolge (act. G 1 S. 2).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 23. Juli 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
B.b.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
2.
Mit Schreiben vom 20. August 2018 wurde dem Gesuch des Beschwerdeführers
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege, umfassend die Befreiung von den
Gerichtskosten und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung, entsprochen (act. 8).
B.c.
In der Replik vom 19. September 2018 liess der Beschwerdeführer unverändert an
der Beschwerde festhalten (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin hat auf die
Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 12).
B.d.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
2.2.
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gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; vgl. ferner
Thomas Flückiger, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte und ihre
Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in: Kieser/
Lendfers [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138 ff.). In
Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb und cc). Dies gilt auch für Stellungnahmen behandelnder
Spezialärzte (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. April
2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der
Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht
zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
2.3.
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3.
Um den Invaliditätsgrad festlegen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Die Verwaltung resp. das Gericht dürfen eine Tatsache nur
dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als
die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen).
2.4.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs
entscheidend auf das bidisziplinäre (orthopädische/psychiatrische) Gutachten der Dres.
G._ und H._ vom 15. November 2016 (IV-act. 63), welches dem Beschwerdeführer
sowohl in der angestammten Tätigkeit als technischer Sachbearbeiter als auch in
adaptierten Tätigkeiten eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Zu prüfen ist
3.1.
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nachfolgend, ob dem Gutachten materiell-rechtlich gefolgt werden kann oder ob
konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen (vgl. vorstehende E. 2.3).
Dem orthopädischen Gutachten von Dr. G._ (IV-act. 63 S. 11 bis 24) liegt eine
umfassende persönliche klinische Untersuchung des Beschwerdeführers zugrunde (IV-
act. 63 S. 15 ff.). Die somatische (Kranken-)Geschichte und deren dazugehörende
Dokumente waren bekannt und wurden berücksichtigt (IV-act. 63 S. 2 ff.). Auch konnte
sich der Beschwerdeführer zu seinen Beschwerden und deren Entwicklung ausführlich
äussern (IV-act. 63 S. 11 f.). Der Beschwerdeführer hat in somatischer Hinsicht
Kopfschmerzen und Beschwerden an der Halswirbelsäule angegeben (IV-act. 63 S.
11). Diese Beschwerden wurden umfassend und nachvollziehbar in der Beurteilung
berücksichtigt. Die nach der Exploration geltend gemachten weiteren somatischen
Beschwerden (Wasseransammlungen in den Beinen und eine
Bewegungseinschränkung des linken Armes; IV-act. 80 f.) wurden seitens des
Beschwerdeführers anlässlich der Begutachtung nicht thematisiert und ergeben sich
auch nicht aus den weiteren medizinischen Akten, weshalb diesbezüglich – entgegen
der Auffassung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers – kein Mangel am
orthopädischen Gutachten ersichtlich ist. Letztlich hat Dr. G._ gestützt auf die
somatischen Diagnosen die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auf 80%
und in einer angepassten Tätigkeit als uneingeschränkt geschätzt und auch ein
begründetes Belastungsprofil erstellt (IV-act. 63 S. 23). Gründe bzw. konkrete Indizien,
weshalb auf das orthopädische Gutachten nicht abgestellt werden könnte, sind auf
jeden Fall nicht ersichtlich und werden auch seitens der behandelnden Ärzte nicht
vorgebracht (vgl. IV-act. 47).
3.2.
Auch bezüglich des psychiatrischen Gutachtens von Dr. H._ (IV-act. 63 S. 25 bis
39) ist festzuhalten, dass es unter Einbezug und Diskussion der Vorgeschichte bzw. der
vorhandenen (medizinischen) Aktenlage erging (IV-act. 63 S. 2 ff.). Anlässlich der
Exploration konnte sich der Beschwerdeführer zu seinen Beschwerden und deren
Entwicklung eingehend äussern (IV-act. 63 S. 25 f.). Die psychiatrische
Befunderhebung erfolgte in Anlehnung an das anerkannte AMDP-System (IV-act. 63 S.
29 f.). Auch wurde zusätzlich eine externe testdiagnostische Untersuchung durch lic.
phil. K._ durchgeführt (IV-act. 63 S. 30 bis 33) und deren Ergebnisse, gerade auch in
Bezug auf die geltend gemachten Konzentrationsprobleme, wurden in die Beurteilung
miteinbezogen. Auf der Basis der erhobenen Befunde stellte Dr. H._ nachvollziehbar
die Diagnosen einer undifferenzierten Somatisierungsstörung und von akzentuierten
Persönlichkeitszügen (IV-act. 63 S. 34) bzw. beschrieb die damit einhergehenden
Beeinträchtigungen in Abhandlung der Kriterien nach BGE 141 V 281
3.3.
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(leistungshindernde äussere Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentiale [Ressourcen] anderseits; IV-act. 63 S. 36 ff.). Schliesslich hat
auch Dr. H._ in Würdigung sämtlicher Umstände die Arbeitsfähigkeit in sämtlichen
Tätigkeiten auf 80% festgelegt (IV-act. 63 S. 38 f.). Das psychiatrische Teilgutachten
erscheint gestützt auf das Gesagte umfassend, medizinisch nachvollziehbar und
schlüssig begründet. Gründe bzw. konkrete Indizien, weshalb auf das psychiatrische
Gutachten nicht abgestellt werden könnte, sind nicht ersichtlich und werden vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auch nicht substantiiert vorgetragen.
3.4.
Letztlich erachtet der Beschwerdeführer den interdisziplinären Konsens in Bezug
auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 63 S. 40 bis 42) als widersprüchlich, nicht
nachvollziehbar und nicht schlüssig. Er vertritt den Standpunkt, dass die jeweils
geschätzten Arbeitsunfähigkeiten von je 20% in somatischer und psychiatrischer
Hinsicht zu addieren seien, nachdem im Gutachten ausdrücklich ausgeführt werde,
dass sich die Gesundheitsstörungen gegenseitig ergänzten und verstärkten. Die
Begründung, dass die Einschränkungen angeblich identisch seien und der
Beschwerdeführer die notwendigen Pausen zur Erholung sowohl in körperlicher wie
auch in psychischer Hinsicht nutzen könne, widerspreche der allgemeinen
Lebenserfahrung diametral. Bei Addition resultiere ein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 40%.
3.4.1.
Die Kritik am interdisziplinären Konsens, dass die Arbeitsunfähigkeiten in den
zwei Teilbereichen nicht addiert worden seien, womit dem Gutachten nicht gefolgt
werden könne, zielt ins Leere. Es leuchtet durchaus ein, dass mit zusätzlichen Pausen
von 20% (was in zeitlicher Hinsicht über 90 Minuten pro Tag entspricht) sowohl der
somatischen als auch der psychischen Problematik Rechnung getragen werden kann,
beispielsweise mit gezielten körperlich-gymnastischen und/oder geistig-meditativen
Übungen mit Erholungscharakter. Entsprechend erweist sich die Begründung für das
Nichtaddieren als nachvollziehbar. Diesbezüglich gilt es aber auch zu beachten, dass
Arbeitsunfähigkeitsschätzungen insgesamt ein Ermessensspielraum inhärent ist (Urteil
des Bundesgerichts vom 18. Juni 2019, 9C_28/2019, E. 4.1) und eine andere allenfalls
auch vertretbare Beurteilung nicht dazu führt, dass dem lege artis erstellten Gutachten
der Dres. G._ und H._ nicht gefolgt werden könnte.
3.4.2.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt per
Verfügungszeitpunkt rechtsgenüglich abgeklärt wurde, keine konkreten Indizien gegen
3.5.
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4.
Nach dem Gesagten ist gestützt auf das Gutachten vom 15. November 2016 davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer für die angestammte Tätigkeit als technischer
Sachbearbeiter als auch in leidensangepassten Tätigkeiten spätestens seit der
Exploration über eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit verfügt. Da auch die angestammte
Tätigkeit weiterhin zumutbar bleibt, kann auf eine konkrete Ermittlung der
Vergleichseinkommen verzichtet und stattdessen ein Prozentvergleich vorgenommen
werden. Anlass für die Vornahme eines Tabellenlohnabzugs besteht aufgrund dessen,
dass der Beschwerdeführer bei der Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit auf keinen
Tätigkeitswechsel angewiesen ist, nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. August
2011, 8C_10/2011, E. 7). Der Invaliditätsgrad beträgt damit 20% und eine Rente ist
nicht geschuldet. Schliesslich würde auch ein unter Berücksichtigung allfälliger weiterer
persönlicher oder beruflicher Abzugsmerkmale (vgl. BGE 129 V 481 f. E. 4.2.3 mit
Hinweisen) maximal möglicher Abzug von 10 % zu keinem rentenbegründenden
Invaliditätsgrad führen. Die Beschwerde ist in diesem Punkt (Rente ab
Begutachtungszeitpunkt) abzuweisen.
5.
die Zuverlässigkeit der Expertise vorliegen und damit auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Gutachter abgestellt werden kann.
Der Beschwerdeführer beantragt für den Zeitraum vom 1. September 2015 bis 6.
Oktober 2016 eine ganze befristete Invalidenrente (vgl. vorstehende lit. B.a). Die Dres.
E._ und F._ würden in dieser Zeit eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigen.
5.1.
Der frühestmögliche Rentenbeginn fällt bei Anmeldung im März 2015 auf den 1.
September 2015 (vgl. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Was die retrospektive Arbeitsfähigkeit
anbelangt, führt Dr. G._ aus, dass in somatischer Hinsicht der Beginn der im
Gutachten festgelegten Arbeitsunfähigkeit per Mitte September 2014 zu datieren sei
(IV-act. 63 S. 23). Dr. H._ führt lediglich die bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten der
behandelnden Ärzte auf. Diesbezüglich notiert sie und ist aktenkundig, dass Dr. E._
dem Beschwerdeführer von September 2014 bis Juni 2015 eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hat (vgl. vorstehende lit. A.c). Danach liege bis Juli 2016
keine Beurteilung im Recht. Aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht liege spätestens
seit dem aktuellen Untersuchungsdatum eine Arbeitsfähigkeit von 80% vor (IV-act. 63
S. 38 f.).
5.2.
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6.
Im Weiteren beantragt der Beschwerdeführer eventualiter berufliche
Eingliederungsmassnahmen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass einzig der
Rentenanspruch Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet. Nachdem, wie
vorstehend ausgeführt, kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vorliegt, war die
Frage betreffend Eingliederungsmassnahmen nach dem Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" grundsätzlich auch nicht notwendigerweise Gegenstand der angefochtenen
Verfügung. Auf die Beschwerde ist in diesem Punkt damit nicht einzutreten (vgl. dazu
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 19. Oktober 2018, IV 2018/165, E. 1.2 und
6.1). Es bleibt dem Beschwerdeführer indes unbenommen, sich bei der
Beschwerdegegnerin wieder anzumelden, sofern er sich ausreichend
eingliederungsfähig fühlt. Dies war im Zeitpunkt des Verfügungserlasses betreffend
Rente offensichtlich nicht der Fall (vgl. IV-act. 63 S. 13 und 27, 70-3, 74).
7.
Wie vorstehend dargelegt, bescheinigte Dr. E._ eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit
von September 2014 bis Juni 2015. Danach liegt keine ausdrückliche Bescheinigung
mehr im Recht. Dr. F._ führt eine solche – entgegen der Annahme des
Beschwerdeführers – auch in seinem Schreiben vom 24. November 2015 nicht auf (IV-
act. 30). Seine Ausführungen lassen zwar darauf schliessen, dass zu jener Zeit eine
erhebliche psychische Einschränkung bestand (vgl. dazu im Sachverhalt lit. A.e); wie
hoch diese war, beziffert er indes nicht. Mit Arztbericht vom 5. Juli 2016 führte Dr.
E._ aus, dass es ihm in Absprache mit dem Psychologen vollkommen unmöglich sei,
eine verlässliche psychiatrische Beurteilung abzugeben, weshalb eine psychiatrische
Begutachtung empfohlen werde (IV-act. 47). Gestützt auf das Gesagte bleibt damit
zumindest ab Juni 2015 eine relevante Arbeitsunfähigkeit in psychiatrischer Hinsicht
beweislos. Die Folgen daraus hat der Beschwerdeführer zu tragen (vgl. dazu unter
anderem das Urteil des Bundesgerichts vom 28. Februar 2018, 8C_676/2017, E. 6.3).
Damit besteht auch kein Anspruch auf eine befristete Rente. Die Beschwerde ist auch
in diesem Punkt abzuweisen.
5.3.
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 9. März 2018 nicht zu beanstanden
und die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
7.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
7.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
8.
Da der Gerichtsschreiber verhindert ist, wird der Entscheid für diesen stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 VRP).