Decision ID: 420d9f6e-64e9-461f-b9ba-99c6612c268f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Sie war von 1990 bis Ende 2003 vollzeitlich bei
der B._ AG als Stoffprüferin angestellt gewesen (IV-act. 8). Die Arbeitgeberin hatte ihr
wegen häufiger gesundheitsbedingter Absenzen gekündigt (IV-act. 8-7). Von
September 2000 bis September 2003 hatte sie zusätzlich während 21⁄2 Stunden täglich
als Reinigungskraft gearbeitet (IV-act. 5).
A.a.
Im Auftrag der IV begutachtete Dr. med. C._, Facharzt FMH für Innere Medizin,
die Versicherte. Im Gutachten vom 28. April 2004 mass er folgenden Diagnosen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu: einem panvertebralen Schmerzsyndrom mässigen
Grades bei ausgeprägter muskulärer Dysbalance und sekundärem
Fibromyalgiesyndrom im Bereich des Schultergürtels rechts sowie einer zunehmenden
Dekonditionierung des Bewegungssystems (IV-act. 20-4). Der Gutachter empfahl einen
Ausbau der medikamentösen Therapie (IV-act. 20-6) sowie Physiotherapie und
medizinische Trainingstherapie mit Übergang in ein regelmässiges Fitnesstraining.
Angepasste Tätigkeiten seien ihr «unbedingt» zumutbar, dies während 2x2 Stunden
täglich, innert 2 bis 4 Monaten ausbaufähig auf 8 Stunden pro Tag (IV-act. 20-7). Der
Hausarzt der Versicherten, Dr. med. D._, hielt auf Anfrage der IV fest, die
medikamentöse Therapie sei gemäss der Empfehlung von Dr. C._ ausgebaut
worden. Persönlich sei er sehr skeptisch, ob dies Erfolg bringe. Die Versicherte stehe
den Massnahmen skeptisch gegenüber und sei überzeugt, dass sie nicht mehr
A.b.
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arbeitsfähig sei (Schreiben vom 1. Oktober 2004, IV-act. 33-1). Im Verlaufsbericht vom
28. Januar 2005 erwähnte Dr. D._ einen stationären Gesundheitszustand und hielt
fest, dass die Versicherte neben der ausgebauten Schmerztherapie seit dem Gutachten
von Dr. C._ auch eine physiotherapeutische Behandlung erhalten habe. Das
Fitnesstraining habe sie nicht konsequent durchführen können (IV-act. 38-4). Der
zeitliche Rahmen für eine geeignete Tätigkeit (beschrieben in Ziff. 2.2.1 des
Verlaufsberichts) könnte 4 Stunden am Tag betragen (IV-act. 38-7).
Med. pract. E._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und med.
pract. F._, Assistenzärztin für Psychiatrie, erwähnten im Bericht vom 8./14. März
2005 einen Behandlungsbeginn am 24. Januar 2005 und nannten die Diagnose
Depression und Angst gemischt mit unkontrollierten Aggressionsausbrüchen. Die
Versicherte sei ca. 2-3 Stunden pro Tag arbeitsfähig (IV-act. 40 f.). Dr. D._ schrieb die
Versicherte ab 19. Februar 2005 voll arbeitsunfähig. Mitverursachend seien familiäre
Probleme (IV-act. 46-2, Verlängerungen der Krankschreibung in IV-act. 46-1 und 51-1).
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) ging in einer kurzen Stellungnahme vom 17. März
2005 in Berücksichtigung der somatischen und psychiatrischen Befunde von einer
Arbeitsfähigkeit von 40% aus (IV-act. 42). In einer weiteren Aktenbeurteilung vom 22.
Juni 2005 äusserte er, dass zusätzliche Abklärungen nicht mehr Klarheit bringen
würden. Die Zeugnisse der behandelnden Ärzte wiesen seit Anfang 2005
übereinstimmend eine Abnahme der Arbeitsfähigkeit aus, die offensichtlich vorwiegend
durch die psychische Erkrankung begründet werde. Er empfahl, auf das Zeugnis von
med. pract. E._ abzustellen (IV-act. 47). Auf Drängen der Versicherten und ihres
Ehemanns (vgl. IV-act. 48 f.) und nach Bitte um Verfahrensbeschleunigung durch
Dr. D._ (IV-act. 51) gewährte die IV-Stelle gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 65%
eine Dreiviertelsrente ab 1. April 2004. Da auch der Ehemann IV-Rentner war, wurden
die Renten plafoniert (Verfügungen vom 4. und 31. Oktober 2005, IV-act. 60, 62 ff.). Die
Versicherte liess Einsprache erheben und eine ganze Rente beantragen (IV-act. 61).
A.c.
Nachdem der Rechtsvertreter der Versicherten mitgeteilt hatte, dass die Ehe der
Versicherten am _ 2005 geschieden worden sei (IV-act. 65), erliess die IV-Stelle am
16. November 2005 neue Verfügungen mit ab 1. Oktober 2005 unplafonierter
Dreiviertelsrente (IV-act. 77-2 ff.). Die Versicherte erhob erneut Einsprache und
beantragte eine ganze Rente (IV-act. 80, vgl. auch IV-act. 98 und 102). Der
A.d.
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B.
Rechtsdienst der IV-Stelle gelangte daraufhin zum Schluss, dass sich die
Dreiviertelsrente bei einer Restleistungsfähigkeit von 27% nicht begründen lasse. Er
empfahl die Aufhebung der Verfügung, die weitere Auszahlung der Dreiviertelsrente, die
Vornahme weiterer Abklärungen und anschliessend die Neuverfügung (IV-act. 119). Die
IV-Stelle widerrief die Verfügungen vom 31. Oktober und 16. November 2005 (IV-
act. 125), berechnete einen Invaliditätsgrad von 78% (IV-act. 126, 131) und sprach der
Versicherten eine ganze Rente zu (Verfügungen vom 16. Juni 2006 und 9. August 2006,
IV-act. 136 f.; zu Beschwerdeerhebung, Rückzug und Gerichtsverfahrensabschreibung
vgl. IV-act. 138, 151).
In den Jahren 2006, 2012 und 2014 wurde die Rentenrevision geprüft, jeweils mit
dem Ergebnis, dass die ganze Rente weiter ausgerichtet wurde (IV-act. 156, 167, 181,
197, 201, 213).
A.e.
Im Oktober 2015 leitete die IV-Stelle ein weiteres Rentenrevisionsverfahren ein
(vgl. IV-act. 214). Dr. G._ bezeichnete den Gesundheitszustand der Versicherten im
Verlaufsbericht vom 13. November 2015 als stationär. Eine Rehabilitation in der Klinik
Valens vom 10. September bis 7. Oktober 2014 habe keine wesentliche Besserung der
Beschwerden gebracht (IV-act. 219-6; Austrittsbericht der Klinik Valens vom 16.
Oktober 2014 in IV-act. 219-10 ff.).
B.a.
Nachdem die IV-Stelle aus dem Rentendossier des Ex-Ehemannes der
Versicherten einen zwischen diesem und der Versicherten abgeschlossenen
Arbeitsvertrag über Tätigkeiten als Haushalthilfe ins Dossier der Versicherten
übernommen hatte (IV-act. 220 bis 223), lud sie die Versicherte für den 29. April 2016
zum Standortgespräch ein. Darin bestätigte die Versicherte, dass sie dem Ex-Mann
während etwa 18 Stunden pro Woche im Haushalt helfe und mit ihm einkaufen gehe.
Der Mann erhalte Geld von der IV für die Unterstützung, er bezahle ihr Fr. 450.--
monatlich (IV-act. 228-11 f.).
B.b.
Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten Dr. med. H._, Facharzt Rheumatologie und
Innere Medizin FMH, und Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, am 12. Dezember 2016 ein bidisziplinäres Gutachten. In somatischer Hinsicht
B.c.
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C.
wurden als die Arbeitsfähigkeit beeinflussend insbesondere die Diagnosen chronisches
Panvertebralsyndrom und residuelles Impingement-Syndrom der rechten Schulter
genannt (IV-act. 243-15). Aus rheumatologischer Sicht müsse zwar eine
Verschlechterung der degenerativen strukturellen Veränderungen L4/5 und L5/S1 im
Vergleich mit dem Zeitpunkt der Rentenzusprache festgehalten werden. Dennoch
bestehe aufgrund der aktuellen klinischen und radiologischen Befunde eine
Arbeitsfähigkeit in einer dem Wirbelsäulenleiden angepassten Tätigkeit von mindestens
80% (IV-act. 243-21). Die Psychiaterin erwähnte lediglich psychologische Faktoren
(Sorgen, Erwartungsangst, emotionale Konflikte) und Verhaltensfaktoren (Passivität,
Schonen) bei andernorts klassifizierten Krankheiten (ICD 10 F54), denen sie keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass (IV-act. 243-44, 243-48).
Die IV-Stelle kündigte mit Vorbescheid vom 28. April 2017 die Renteneinstellung
an (IV-act. 249) und verfügte diese am 16. Juni 2017 auf Ende des der
Verfügungszustellung folgenden Monats (IV-act. 252).
B.d.
Unter Hinweis auf von der Versicherten und deren Ex-Mann gegenüber einer
Mitarbeiterin am 4. Juli 2017 ausgesprochene massive Drohungen wurde ihr mit
Schreiben vom 6. bzw. 11. Juli 2017 seitens der IV-Stelle mitgeteilt, dass sie künftig nur
noch nach Voranmeldung sowie alleine oder mit ihrem Rechtsvertreter beraten werde
(IV-act. 258 f., zum telefonischen Protest des Ex-Mannes gegen dieses Schreiben vgl.
IV-act. 260).
B.e.
Am 14. August 2017 erhob Fürsprecher lic. iur. D. Küng für die Versicherte
Beschwerde gegen die Verfügung vom 16. Juni 2017. Diese sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sei die ganze Rente weiterhin auszurichten. Allenfalls seien weitere
Abklärungen vorzunehmen und alsdann die Rente weiter zu entrichten. Der
Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdegegnerin habe sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin nicht gebessert. Der bisherige Zustand, der rentenbegründend
gewesen sei, bestehe weiterhin bzw. habe sich in somatischer Hinsicht sogar
verschlechtert. Dass die psychischen Beschwerden zurückgegangen seien, könne in
einer Untersuchung, die keine zwei Stunden gedauert habe und die keine weiteren
C.a.
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objektiven Erkenntnisse gebracht habe, nicht verlässlich festgestellt werden. Aus dem
Gutachten von Dr. I._ gehe auch nicht eindeutig hervor, ob sie eine Verbesserung
annehme oder ob sie in Abweichung der Vorbeurteiler davon ausgegangen sei, dass
bei der Beschwerdeführerin zu keinem Zeitpunkt eine relevante gesundheitliche
Störung vorgelegen habe. Entgegen Dr. I._ sei die Rentenzusprache im Übrigen
jedenfalls nicht allein aufgrund der Beurteilung der Psychiaterin E._ erfolgt. Im
Vordergrund hätten die somatischen Beschwerden gestanden. Abklärungsbedürftig
seien im Übrigen auch die pulmonalen Beschwerden (act. G 1). Der Beschwerde lag ein
Bericht von Dr. F._ (seit 2008 praktische Ärztin FMH, https://doctorfmh.ch, abgerufen
am 8. Oktober 2019) vom 9. März 2017 bei, in dem diese insbesondere festhielt, sie
befürworte die Vorhaben und Pläne der Beschwerdeführerin für ein Zusammenwohnen
mit einer Mitbewohnerin zur Stabilisierung ihrer starken somatischen und psychischen
Beschwerden (act. G 1.2). Am 14. September 2017 liess die Beschwerdeführerin einen
Bericht von Dr. med. J._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, vom 30. August 2017
einreichen. Darin ging dieser unter Hinweis auf die LWS-Beschwerden, auf Depression
und Angststörung sowie Niereninsuffizienz von einer Arbeitsfähigkeit von 50% aus und
hielt fest, es sei durchaus wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführerin mit einer
Operation an der Wirbelsäule geholfen werden könnte (act. G 4.1).
In der Beschwerdeantwort vom 21. September 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin habe
bei der Begutachtung durch Dr. H._ nicht über pulmonale Beschwerden geklagt. Es
sei auch nicht erkennbar, inwiefern Dr. I._ die Beschwerdeführerin nicht gründlich
und kompetent psychiatrisch untersucht haben sollte. Sie hält daran fest, dass sich der
psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Rentenzusprache
relevant verbessert habe (act. G 6).
C.b.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten
und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch Fürsprecher Küng)
wurde am 17. Oktober 2017 bewilligt (act. G 10).
C.c.
In der Replik vom 19. Februar 2018 hielt die Beschwerdeführerin unverändert an
ihren Anträgen fest (act. G 18) und reichte einen Bericht der Psychiatrie K._ vom 19.
Oktober 2017 ein. Darin wurde unter Hinweis auf einen stationären Aufenthalt vom 17.
C.d.
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August bis 20. Oktober 2017 insbesondere die Diagnose rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, erwähnt (act.
G 18.1). Am 21. Februar 2018 reichte die Beschwerdeführerin den Austrittsbericht vom
7. November 2017 nach (act. G 20.1).
Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen (vgl. act. G 22).C.e.
Am 26. Juni 2018 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht des
Venenzentrums L._ vom 30. Mai 2018 ein (act. G 23, 23.1). Am 13. August 2018 gab
sie Berichte von Dr. J._ vom 4. Juli 2018 über eine am 29. Juni 2018 durchgeführte
mikrochirurgische Dekompression L4-S1 mit PLIF-Cage-Einlage L4/5 und L5/S1 sowie
dorsolateraler Spondylodese L4-S1 und von der Klinik Valens vom 20. und 21. Juli
2018 zu den Akten (act. G 25, 25.1 bis 25.4).
C.f.
Am 18. Oktober 2018 gelangte Rechtsanwalt Dr. Dr. F. Teichmann als neuer
Vertreter der Beschwerdeführerin ans Gericht und stellte dieselben Rechtsbegehren
wie zuvor Fürsprecher Küng mit der Präzisierung, dass die ebenfalls eventualiter
beantragten weiteren Abklärungen nach Rückweisung durch die Vorinstanz
vorzunehmen seien. Er kritisierte die bidisziplinäre Begutachtung als nicht ausreichend
und erachtete ein polydisziplinäres Gutachten als notwendig (act. G 28). Der
Verfahrensleiter teilte Rechtsanwalt Teichmann daraufhin mit, dass der
Schriftenwechsel geschlossen sei und kein Anlass bestehe, diesen wieder zu eröffnen
(act. G 29). Am 27. Februar 2019 teilte Rechtsanwalt Teichmann dem Gericht mit, dass
sein Mandat erloschen sei (act. G 30). Fürsprecher Küng informierte am 18. März 2019
darüber, dass er die Beschwerdeführerin wieder vertrete (act. G 32). Am 2. Mai 2019
reichte er weitere medizinische Berichte zu den Akten (neu die Berichte der Psychiatrie
K._ vom 8. und 12. April 2019 [betreffend eine weitere stationäre Behandlung vom 6.
Februar bis 23. März 2019] sowie von Dr. J._ vom 2. November 2018 und 4. April
2019 [auch betreffend die Implantation eines Neurostimulators am 12. November
2018], act. G 34.1 bis 34.5). Am 20. Mai 2019 reichte die Beschwerdeführerin einen
Bericht ihres neuen Hausarztes Dr. med. M._ vom 25. April 2019 ein (act. G 36.1).
C.g.
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Erwägungen
1.
Strittig und zu überprüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die ganze Rente der
Beschwerdeführerin zu Recht per Ende Juli 2017 eingestellt hat. Die
Beschwerdegegnerin anerkennt zwar eine gesundheitliche Verschlechterung der
somatischen Situation, stützt ihre Revision jedoch auf eine Verbesserung der
psychischen Situation, die sie mit dem Gutachten von Dr. I._ für bewiesen hält. Die
Beschwerdeführerin bestreitet eine psychische Verbesserung und beruft sich auf
erhebliche somatische Verschlechterungen.
1.1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Die Frage, ob im Spektrum der anspruchserheblichen Tatsachen eine zur
Anpassung des Rentenanspruchs führende Veränderung eingetreten ist, beurteilt sich
im Vergleich mit den Verhältnissen zur Zeit der letzten rechtskräftigen Verfügung, die
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108). Die bloss unterschiedliche Beurteilung
der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit stellt für sich allein genommen keinen
Revisionsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom
3. November 2008, 9C_562/08, E 2.1).
1.2.
Vorliegend bildet der Zeitpunkt des Erlasses der rentenzusprechenden Verfügung,
konkret der 16. Juni 2006, Referenzzeitpunkt für die Überprüfung. In den vor 2015
durchgeführten drei Revisionsverfahren wurden zwar Akten eingeholt, eine umfassende
Überprüfung des medizinischen Sachverhalts mit eigenen Abklärungen fand jedoch
nicht statt.
1.3.
Zeitliche Grenze der vorliegenden Überprüfung bildet der Sachverhalt, wie er sich
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 16. Juni 2017 zugetragen hat. Der
spätere Verlauf insbesondere mit operativer Behandlung durch Dr. J._ 2018 und
allfälliger späterer Besserung (vgl. etwa act. G 34.5) ist folglich nicht von Relevanz.
Nichts Anderes gilt hinsichtlich des Austrittsberichts der Psychiatrie K._ vom 7.
November 2017 (act. G 20.1). Bedeutung können die aus der Zeit nach
1.4.
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2.
Das panvertebrale Schmerzsyndrom war vor der Rentenzusprache bereits
aktenkundig. Dr. C._ mass diesem und den weiteren somatischen
Beeinträchtigungen (dazu detailliert IV-act. 20-4) anlässlich der Begutachtung vom 21.
April 2004 nur einen vorübergehenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu. Er ging von
einer solchen von initial 50% aus. Einen dauerhaften Schaden erblickte er darin nicht,
ging er doch von der Steigerbarkeit auf ein Vollpensum innert 2 bis 4 Monaten aus (IV-
act. 20-7). Subjektiv erfuhr die Beschwerdeführerin jedoch keine Verbesserung. Der
Hausarzt Dr. D._ brachte dies allerdings nicht mit objektivierbaren
Beeinträchtigungen in Zusammenhang, sondern vielmehr mit der Skepsis der
Beschwerdeführerin gegenüber den versuchten Therapiemassnahmen (Veränderung
Medikation, Physiotherapie und Fitnesstraining) sowie ihrer Überzeugung, nicht mehr
arbeitsfähig zu sein (vgl. IV-act. 33-1). Am Besuch eines Fitnesscenters schienen sie
finanzielle Gründe zu hindern (IV-act. 38-4). Die ab Februar 2005 wiederum auf 100%
erhöhte Krankschreibung durch Dr. D._ begründete dieser nicht mit objektiven
somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, sondern mit der Angabe der
Beschwerdeführerin, unter starken Rückenschmerzen zu leiden, die ein Arbeiten
(damals zu 50% in einem Beschäftigungsprogramm des RAV, IV-act. 37, 38-4) nicht
möglich machen würden (vgl. aber zur expliziten Verneinung objektivierbarer neuer
Befunde IV-act. 51-1). Als mitverursachend für die attestierte Arbeitsunfähigkeit
erwähnte der Hausarzt familiäre Probleme und wies darauf hin, dass eine
psychiatrische Behandlung eingeleitet sei (IV-act. 46-2). Weitere Abklärungen und
Therapieversuche hinsichtlich somatischer Probleme, die Hinweise auf den
Leidensdruck der Beschwerdeführerin liefern oder ansonsten zur Objektivierung der
geklagten Beschwerden beitragen könnten, sind aus jener Zeit nicht aktenkundig. Bei
diesem Aktenstand ist damit insgesamt nachvollziehbar, dass die zuständige RAD-
Ärztin am 22. Juni 2005 zum Schluss gelangte, die von den behandelnden Ärzten
attestierte Abnahme der Arbeitsfähigkeit seit Anfang 2005 sei offensichtlich vorwiegend
durch die psychische Erkrankung begründet. Sie empfahl, für die Rentenbemessung
auf das Attest von med. pract. E._ abzustellen (IV-act. 47). Die ursprünglich verfügte
Dreiviertelsrente wurde auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 60% berechnet (vgl.
IV-act. 42 sowie 50-2, 58-1). Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurden in
somatischer Hinsicht keine Berichte eingereicht; aktenkundig ist lediglich ein Bericht
von Dr. med. N._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 7. Februar
Verfügungserlass stammenden Arztberichte höchstens erlangen, falls sie Rückschlüsse
auf eine allfällige Fehleinschätzung der IV-Gutachter Dr. I._ und Dr. H._ zulassen
(vgl. dazu insbesondere E. 3.4 und 4.3).
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2006 (IV-act. 97-3). Unter Hinweis darauf, dass die Arbeitsunfähigkeit gemäss RAD
gestützt auf das Arztzeugnis der Psychiaterin E._ (die eine Arbeitsfähigkeit von
lediglich 2 bis 3 Stunden täglich mit einer Leistungseinschränkung von 10% attestierte)
zu bemessen sei, hielt der Rechtsdienst die Bemessung des Invaliditätsgrads von
lediglich 65% für nicht begründbar und empfahl wegen der unterdessen erfolgten
Scheidung der Beschwerdeführerin weitere Abklärungen zum psychischen
Gesundheitszustand oder dann die Zusprache einer ganzen Rente, falls von weiteren
Abklärungen abgesehen werden sollte (IV-act. 119). Die Sachbearbeitung wählte die
zweite Variante und verfügte direkt bei einem Invaliditätsgrad von 78% die ganze Rente
(IV-act. 126, 136 f.). Die Würdigung dieses Verlaufs ergibt, dass bei der Zusprache der
ganzen Rente das Arztzeugnis von med. pract. E._ und F._ vom 8. bzw. 14. März
2005 (IV-act. 40 f.) letztlich als ausschlaggebend für die Bemessung der
Restarbeitsfähigkeit betrachtet wurde. Aktenmässig ist nicht erstellt, dass eine
somatische Beurteilung bzw. eine aus somatischen Gründen attestierte
Arbeitsunfähigkeit der Bemessung des Invalideneinkommens zugrunde gelegt worden
wäre.
3.
Zu prüfen ist nachfolgend, ob in psychischer Hinsicht eine Verbesserung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit 2006 ausgewiesen ist.
3.1.
Med. pract. E._ und F._ hatten die Behandlung der Versicherten am 24. Januar
2005 aufgenommen. Sie nannten die Diagnosen Depression und Angst gemischt mit
unkontrollierten Aggressionsausbrüchen. Im Bericht vom 14. März 2005 protokollierten
sie die Angaben der Beschwerdeführerin, wonach diese seit Herbst 2004 depressiv
verstimmt sei, sich dauernd erschöpft fühle, krank und leistungsreduziert, ohne Antrieb,
zermürbt von ständigen Schmerzen, geplagt von verschiedenen Angstzuständen.
Spontane Affektausbrüche, bei denen sie ohne offensichtlichen Grund mit Angehörigen
und Behörden streite, träten oft auf. Erwähnt werden weiter existentielle Ängste um den
Arbeitsplatz, vor dem Fortschreiten von Krankheit und Schmerzen, Angst und Panik vor
dem Alleinsein, im Dunkeln. Sie habe stets Schlafstörungen mit Albträumen, aus denen
sie schreiend verwirrt erwache. Sie fühle sich ständig müde, launisch, gereizt, nervös,
rauche 1 Päckchen Zigaretten täglich, sei vergesslich, antriebslos, pessimistisch,
hoffnungslos. Die Ärztinnen gaben an, die Beurteilung der Arbeits- und
Eingliederungsfähigkeit in einer Arbeitstätigkeit hänge grösstenteils von den
somatischen Beschwerden der Patientin ab. Psychisch sei sie depressiv verstimmt und
affektlabil, jedoch motiviert, täglich 2-3 Stunden eine leichte Tätigkeit zu verrichten.
"Wir beurteilen aus psychotherapeutischer Sicht die zumutbare Arbeitsunfähigkeit mit
3.2.
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ca. 10%iger Einschränkung." Es bestünden starke wechselseitige Beziehungen und
Abhängigkeiten zwischen körperlichen Schmerzen und psychischer Erkrankung. Die
Prognose der psychischen Störung empfehle man in einem Jahr bei Bedarf neu zu
beurteilen (IV-act. 41-4). Bis zur Rentenzusprache vom Juni 2006 sind keine weiteren
Berichte von med. pract. E._ und F._ aktenkundig. Dr. N._, den die
Beschwerdeführerin ab 17. Januar 2006 zumindest dreimal konsultierte, schloss sich
im 7. Februar 2006 der von Dr. D._ attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit an, ohne
eine Begründung abzugeben oder Diagnosen oder Befunde zu nennen (IV-act. 97-3).
Nach der Rentenzusprache bis zum Gutachten von Dr. I._ sind keine
psychiatrischen Konsultationen oder Therapien mehr aktenkundig. Anlässlich des
stationären Aufenthalts in der Klinik Valens im Herbst 2014 wurden psychologische
Faktoren und Verhaltensfaktoren bei chronischen lumbospondylogenen Schmerzen
erwähnt. Die engmaschige psychiatrische Mitbetreuung zeigte keine aktuellen
Psychopathologien (IV-act. 219-12). Gemäss Austrittsbericht Psychosomatik vom
8. Oktober 2014 litt die Beschwerdeführerin eigenanamnestisch mindestens einmalig
an einer doch ausgeprägteren Depression, die nun in Remission sei. Als
Austrittsdiagnose wurde lediglich eine sonstige näher bezeichnete affektive Störung, in
Remission (ICD-10 F38.8), erwähnt (IV-act. 219-18 f.). Gegenüber Dr. I._ gab die
Beschwerdeführerin dann allerdings an, psychisch gehe es ihr immer schlechter,
schlechter sei es ihr eigentlich noch gar nie gegangen (allerdings würden ihr die
Schmerzen mehr Probleme bereiten; vgl. IV-act. 243-41). Diese Selbsteinschätzung ist
vor dem Hintergrund der Feststellungen der Klinik Valens vom Herbst 2014 und ohne
jegliche seitherigen psychiatrischen Behandlungsversuche nicht nachvollziehbar. Als
konkreten Grund, weshalb sie ihrer Meinung nach auch aus psychischen Gründen nicht
arbeiten könne, erwähnte sie offenbar nur Angst, die sie habe, wenn sie allein in einem
Raum sei. Sie habe schon lange Probleme beim Liftfahren oder in engen Räumen (IV-
act. 243-41). Dr. I._ empfand die Symptomschilderungen der Beschwerdeführerin als
relativ vage. Sie erwähnt Inkongruenzen von geschildertem und beobachtetem bzw.
den Akten entnommenem Verhalten (dazu IV-act. 243-43). Die Gutachterin erwähnte,
es werde eine grosse Angst deutlich, die IV-Rente zu verlieren, und der Ex-Ehemann
drohe schon, ohne das Ergebnis der Begutachtung zu kennen, mit einem Anwalt (IV-
act. 243-43; dazu auch die Notizen zum Telefonat mit der Beschwerdeführerin vom
14. November 2016, IV-act. 243-41 f.). Bezüglich der Angst, nachts alleine zu sein,
weist die Gutachterin plausibel darauf hin, dass die Beschwerdeführerin seit kurzem
allein lebe und die Nächte allein verbringe. Auch zwischen 2005 und 2012 habe sie
offensichtlich allein in einer eigenen Wohnung gelebt. Auch die Ängste in engen
Räumen zog die Gutachterin in Zweifel unter Hinweis darauf, dass das Fahren in einem
3.3.
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engen Bus kein Problem sei und die Beschwerdeführerin auch im
Untersuchungszimmer keinerlei Anzeichen von Unwohlsein gezeigt habe (IV-
act. 243-44). Das Schreiben von Dr. F._ vom 9. März 2017 (act. G 1.2) vermag keinen
anderen Eindruck zu erwecken, hat es doch offenkundig den Charakter eines
Gefälligkeitsschreibens und enthält keine medizinische Auseinandersetzung mit der
behaupteten Angstthematik. Es dient einzig der Bekräftigung des Wunsches der
Beschwerdeführerin nach einem Zusammenleben mit einer Mitbewohnerin. Dieser hat
für das vorliegende Verfahren aber keine Relevanz, lässt er doch keine plausiblen
Rückschlüsse auf bisher unerkannte psychische Einschränkungen zu.
Im Weiteren ist festzuhalten, dass Dr. I._ bei ihrer Begutachtung kaum auffällige
Befunde erhob. Schon seit langem bestehe eine Tendenz zu unspezifischen Ängsten.
Unter dem Stichwort Affekte erwähnte sie "besorgt; klagsam; hintergründig
dysphorisch, wenn das Thema auf die Schmerzen und die IV-Rente kommt".
Ansonsten wurden nur der als vermindert angegebene Appetit (ohne Gewichtsverlust)
und eine verminderte Libido (in der Menopause) angegeben (IV-act. 243-42 f.). Bei
diesen Befunden ist durchaus nachvollziehbar, dass die Gutachterin keine Diagnosen
erhob, denen sie Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zubilligte. Das Gutachten ist
insgesamt nachvollziehbar begründet und in den Schlussfolgerungen plausibel. Der
nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 16. Juni 2017 am 17. August 2017
erfolgte Eintritt in die Psychiatrie K._ lässt ebenfalls nicht darauf schliessen, dass Dr.
I._ die Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin falsch eingeschätzt haben
könnte, wurde im Austrittsbericht vom 7. November 2017 doch festgehalten, der Eintritt
ins Kriseninterventionszentrum sei vor dem Hintergrund des revidierten IV-Entscheids
erfolgt (act. G 20.1). Ein Hinweis auf – zumindest bis zum Verfügungserlass – fehlenden
psychischen Leidensdruck, wie er während des Aufenthalts in Valens im Herbst 2014
beobachtet wurde, ist überdies auch darin zu erblicken, dass die Beschwerdeführerin
offensichtlich keine therapeutisch wirksame Medikation zu sich nimmt. Sie gab
gegenüber Dr. I._ an, "seit 2 Wochen" eine Tablette Anxiolith täglich einzunehmen
(IV-act. 243-39). Dieses Psychopharmakum ist gemäss Arzneimittelinformation in
Tabletten zu 15 mg erhältlich und die Dosierung bei leichten bis mittelschweren
Angstzuständen beläuft sich auf 30-60 mg täglich in mehreren Einzelgaben
(www.swissmedicinfo.ch, abgerufen am 8. Oktober 2019). Auch die Dosierung des
zweiten von der Beschwerdeführerin genannten Medikaments Quetiapin 25 mg von
einer Tablette täglich liegt deutlich unterhalb der Einnahmeempfehlungen (wobei die
Einnahme ohnehin nur bei Schizophrenien oder bipolaren Störungen empfohlen wird
[wovon bei der Beschwerdeführerin nie die Rede war], vgl. www.swissmedicinfo.ch,
abgerufen am 8. Oktober 2019). Damit bleibt es insgesamt dabei, dass die subjektiven
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/18
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Empfindungen und Schilderungen der Beschwerdeführerin zu psychischen
Beeinträchtigungen nicht als krankheitswertig eingeordnet werden konnten, eine
Objektivierung oder auch nur Plausibilisierung nicht möglich erscheint und der Beweis
der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vor diesem Hintergrund nicht gelingt. Da die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. I._ u.a. auf einer eingehenden Konsistenz-
und Ressourcenprüfung beruht (IV-act. 243-49 f.), erweist sich ferner die Kritik als
unzutreffend, dass die gutachterliche Einschätzung nicht den Anforderungen gemäss
BGE 143 V 418, 143 V 409 und 141 V 281 genüge (act. G 28 S. 6 am Schluss).
Was nun den Verlauf anbelangt, so ist der Beschwerdegegnerin darin
zuzustimmen, dass die Situation, wie sie Dr. I._ erhob bzw. schilderte, verglichen mit
jener im Jahr 2006 als relevant verbessert erscheint. Zur Zeit der Berichterstattung
durch med. pract. E._ und F._ im März 2005 stand die Beschwerdeführerin
erheblich unter Druck. Sie hatte ihre langjährige Vollzeitstelle Ende 2003 verloren und
ihre Zusatztätigkeit als Reinigungskraft aufgegeben. Die Krankentaggeldversicherung
stellte ihre Zahlungen im März 2005 ein (vgl. IV-act. 106-3, 106-6 f., 45). Die in
finanzieller Hinsicht existentiellen Probleme waren im Zeitpunkt der Berichterstattung
von med. pract. E._ und F._ also akut. Nach dem Wegfall von Erwerbseinkommen
und Ersatzeinkünften übte nach Lage der Akten zudem der Ehemann massiv Druck auf
die Beschwerdeführerin aus. Gegenüber der IV-Stelle äusserte er, er habe kein
Interesse, sie "durchzufüttern". Er lasse sie auf der Strasse stehen, da er keine Lust
habe, ihr zu helfen. Irgendjemand werde sich dann schon um sie kümmern, wenn sie
auf der Strasse lebe. Ob dies das Sozialamt, die Fürsorge oder die Polizei sei, sei ihm
egal (Aussagen vom 22. August 2005, IV-act. 48). Am 22. Juli 2005 hatte er bereits die
Scheidung beantragt (IV-act. 48), die am 29. September 2005 verfügt wurde (IV-
act. 65). Ab Januar 2006 begann die Beschwerdeführerin eine Psychotherapie bei Dr.
N._, der wie erwähnt von voller Arbeitsunfähigkeit ausging (IV-act. 97-3); ein
Leidensdruck der Beschwerdeführerin war in jenem Zeitpunkt also offenbar noch
vorhanden. Am 10. März 2006 liess die Versicherte mitteilen, dass sie neu auch
räumlich vom Ex-Mann getrennt lebe (IV-act. 103-1). Insgesamt ist es nachvollziehbar,
dass die belastenden psychosozialen bzw. finanziellen Verhältnisse zumindest
zwischen Anfang 2005 und Sommer 2006 die Depressions- und Angstproblematik
sowie die unkontrollierten Aggressionsausbrüche, von denen med. pract. E._ und
F._ berichteten, unterhielten und bestimmten. Dass diese Probleme bei der
Begutachtung durch Dr. I._ über 10 Jahre später bei unterdessen offensichtlich
konsolidierten Lebensumständen nicht mehr erhoben wurde, ist ebenso plausibel.
Diese Betrachtungsweise wird auch durch den Austrittsbericht der Klinik Valens vom
16. Oktober 2014 bekräftigt. Darin wurde ausgeführt, dass sich trotz der engmaschigen
3.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/18
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4.
psychiatrischen Mitbetreuung keine "aktuellen Psychopathologien" gezeigt hätten (IV-
act. 219-12 oben). Eine relevante Sachverhaltsveränderung im Sinn von Art. 17 Abs. 1
ATSG ist damit rechtsgenüglich ausgewiesen.
Ob nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sogar ein
Wiedererwägungsgrund bezogen auf die ursprüngliche Rentenzusprache vorgelegen
haben könnte, da der in psychiatrischer Hinsicht relevante Sachverhalt nicht weiter
abgeklärt worden und damit der Untersuchungsgrundsatz verletzt worden war, braucht
bei diesem Ergebnis nicht näher geprüft zu werden.
3.6.
Die Parteien sind sich grundsätzlich darüber einig, dass in somatischer Hinsicht
eher eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit 2006 eingetreten ist. Bei der
ursprünglichen Rentenzusprache war die somatische Beeinträchtigung wie erwähnt für
die Invaliditätsbemessung nicht relevant. Nachfolgend ist zu prüfen, ob sie es bei
Erlass der angefochtenen Verfügung war.
4.1.
Dr. H._ erhob im Rahmen seiner Begutachtung vom November 2016 in
Berücksichtigung u.a. von radiologischen und MRI-Bildern von Mai und November
2016 (LWS) Osteochondrosen und Spondylarthrosen L4/5 und L5/S1 und eine
Diskushernie L4/5 mediolateral rechts ohne klinisches Korrelat. Auch den beiden
erstgenannten Diagnosen spricht er aufgrund von fehlenden neurologischen Ausfalls-
und Reizzeichen klinische Relevanz ab (IV-act. 243-19). Er hält fest, dass die
zunehmenden degenerativen Veränderungen der unteren LWS zwar eine gewisse
Zunahme von belastungsabhängigen tieflumbalen und allenfalls auch spondylogen
ausstrahlenden Schmerzen erklären würden. Bei rein degenerativ bedingten
Beschwerden könnte jedoch auch ein Ansprechen auf die Facettengelenks-
Infiltrationen und insbesondere die stationäre Rehabilitation in Valens im Herbst 2014
erwartet werden (IV-act. 243-19). Dies war jedoch nicht der Fall gewesen (vgl. zu
Infiltrationstherapie und Sakralblock sowie zur Ende 2012 sicher ausgeschlossenen
Nervenwurzelkompression IV-act. 207-2; zum geringen Therapieerfolg in Valens IV-
act. 219-10 ff.). Daher gelangte Dr. H._ nachvollziehbar zum Schluss, das
ausgedehnte, klinisch vorwiegend myofasciale Schmerzsyndrom bei abgesehen von
den myofascialen Dolenzen nur geringfügigen pathologischen Befunden im klinischen
Status mache eine wesentliche organische Ursache des gesamten Beschwerdebildes
sehr unwahrscheinlich. Er berücksichtigte dabei auch erhobene Diskrepanzen
zwischen angegebenen Beschwerden und Befunden anlässlich der klinischen
Untersuchung (IV-act. 243-19, siehe auch 243-18). Aus rheumatologischer Sicht
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/18
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postulierte er eine ganz im Vordergrund stehende nicht-organische
Schmerzkomponente (IV-act. 243-19).
Dr. J._ erwähnte im Schreiben vom 30. August 2017 eine neue MRI-Bildgebung
der LWS vom 11. Juli 2017 mit gemäss seinen Worten "neu aufgetretener Diskushernie
L4/5 rechts". Diese war jedoch bereits auf der Bildgebung 2016, die Dr. H._ zur
Verfügung stand, sichtbar und wurde von diesem berücksichtigt (IV-act. 243-14; vgl.
auch IV-act. 243-9 "Diskusextrusion"). Dr. J._ bezeichnete eine Radikulopathie L4
rechts als "möglich resp. wahrscheinlich", erläuterte diesen Hinweis jedoch
ebensowenig wie die Angabe einer "mögliche[n] belastungsabhängige[n]
Nervenwurzelreizung L4 und L5" (act. G 4.1). Damit gelingt es Dr. J._ nicht, die
Befunde und die plausiblen, mit den klinischen Erhebungen nachvollziehbar
begründeten Schlussfolgerungen von Dr. H._ in Zweifel zu ziehen. Einen
neurologischen Ursprung der LWS-Schmerzen konnte auch Dr. J._ nicht hinreichend
objektivieren. Im Übrigen charakterisierte er die von ihm lediglich für möglich gehaltene
Nervenwurzelreizung als belastungsabhängig, womit diese bezogen auf eine
leidensangepasste Tätigkeit nicht ins Gewicht fiele. Da er – fachfremd – stets auch die
psychische Problematik erwähnte, ist anzunehmen, dass er mit seiner
Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung über sein Fachgebiet hinausging. Seine Kritik erschüttert
die Beweiskraft der Einschätzung von Dr. H._ jedenfalls nicht.
4.3.
Dr. H._ hielt die Angabe der Beschwerdeführerin fest, dass seit drei bis vier
Jahren Nacken- und Kopfschmerzen stark zugenommen hätten (IV-act. 243-18, vgl.
auch 243-10). Er hatte auch Kenntnis von den Erhebungen von Dr. O._
(cervicospondylogenes Syndrom beidseits und Spannungskopfschmerzen, IV-
act. 243-7, 243-17), sah diesbezüglich aber keinen weiteren Abklärungsbedarf. Sowohl
betreffend die HWS als auch betreffend die Kopfschmerzen, die übrigens mitunter
kaum (vgl. etwa das psychiatrische Gutachten, IV-act. 243-40) oder gar nicht beklagt
wurden (vgl. etwa den Austrittsbericht der Kliniken Valens, IV-act. 219-10 ff.), ist nicht
erkennbar, inwiefern weitere Abklärungen zur Objektivierung beitragen sollten, zumal
auch anlässlich der Notfallkonsultation vom 3. September 2016 im Spital P._ keine
Befunde im Zusammenhang mit den damals beklagten Kopfschmerzen erhoben
werden konnten (IV-act. 244-12 unten).
4.4.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die pulmonalen Einschränkungen seien
abzuklären (act. G 1 S. 7). Der Allgemeinmediziner und Hausarzt der
Beschwerdeführerin Dr. med. G._ erwähnte am 20. Juni 2016, diese möchte bedingt
durch die pulmonale Einschränkung bei COPD mit chronischem Husten und
Emphysem in ihrem Heimatland einen stationären Aufenthalt in einer Lungenklinik
4.5.
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5.
Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 80% in einer adaptierten Tätigkeit ist die
Beschwerdegegnerin zu Recht zum Schluss gelangt, dass kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von mindestens 40% mehr gegeben ist (vgl. die Berechnung in IV-
act. 247). Bei der Bemessung des Valideneinkommens kann offenbleiben, ob das
während gut zwei Jahren bis Ende 2002 erzielte Zusatzeinkommen in der Reinigung
zum bei der B._ AG erzielten Vollzeiteinkommen hinzuzurechnen ist (vgl. IV-act. 6).
Bei Berücksichtigung ergäbe sich ein Valideneinkommen 2002 von Fr. 54'297.-- bzw.
per 2017 nominallohnbereinigt von Fr. 64'300.-- (Index Frauen 2002: 2296; 2017:
2719). Stellte man diesem als Invalideneinkommen das statistische LSE-
Hilfsarbeiterinneneinkommen des Jahres 2017 von Fr. 54'783.-- bzw. entsprechend der
Restarbeitsfähigkeit 80% davon (Fr. 43'826.--) gegenüber, ergäbe sich ein
Invaliditätsgrad von aufgerundet 32%. Selbst bei Gewährung eines
Tabellenlohnabzugs von 10% beim Invalideneinkommen würde die rentenbegründende
Schwelle von 40% nicht erreicht. Ein höherer Tabellenlohnabzug käme mit Blick auf die
gesamten Umstände (etwa das Alter von erst knapp 50 Jahren bei Erlass der
angefochtenen Verfügung und das auch adaptiert noch recht breite Tätigkeitsprofil [IV-
act. 243-20]) nicht in Betracht. Zusammenfassend kommt der Invaliditätsgrad in jedem
Fall unter 40% zu liegen, sodass die Renteneinstellung der Beschwerdegegnerin nicht
zu beanstanden ist. Gründe, die einer Selbsteingliederungspflicht der
absolvieren (IV-act. 238, vgl. auch 238-2). Davon hatte Dr. H._ Kenntnis (IV-
act. 243-9). Im Zeitpunkt seiner Begutachtung hatte die Beschwerdeführerin, zuvor
langjährige starke Raucherin, allerdings bereits seit zwei Monaten nicht mehr geraucht
(IV-act. 243-11), Lungenprobleme oder einen angestrebten Klinikaufenthalt erwähnte
sie nicht. Dr. H._ bezeichnete die Lungenerkrankung als "aktuell klinisch
kompensiert" (IV-act. 243-15). Dass bis zum Verfügungserlass nochmals
Lungenbeschwerden aufgetreten wären, macht die Beschwerdeführerin nicht geltend.
Auch aus dem pulmonalen Kurzstatus im Bericht des Spitals P._ vom 4. September
2016 (IV-act. 244-12 Mitte) ergibt sich nichts Gegenteiliges. Weitere Abklärungen
erübrigen sich folglich auch diesbezüglich.
Mit dem RAD ist insgesamt festzuhalten, dass die Einschätzung von Dr. H._, die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei unter für den Rücken und die rechte
Schulter adaptierten Bedingungen (vgl. zum Tätigkeitsprofil IV-act. 243-20) noch zu
80% erhalten, überzeugend begründet wurde (zur Würdigung des RAD vom 26. Januar
2017 siehe IV-act. 245-2). Darauf ist abzustellen.
4.6.
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Beschwerdeführerin entgegenstünden, wurden im Übrigen weder geltend gemacht
noch sind solche ersichtlich.
6.