Decision ID: 712b808b-5d9b-4846-b5f9-b526de9c9439
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1948 geborene
X._
bezieht Zusatzleistungen zu ihrer AHV-Rente (
Urk.
7/V/26,
Urk.
7/V/31).
Am 24. Januar 2015 ersuchte sie um Erstattung von Auslagen für Taxifahrten im Betrag von
Fr.
217.60 für die Monate Oktober bis Dezember 2014 sowie von
Fr.
234.40 für den Monat Januar 2015 (
Urk.
7/118,
Urk.
7/118a). Mit Verfügung vom 13. Februar 2015 lehnte die Stadt Zürich, Amt für Zusatzleistungen
zur AHV/IV (nachfolgend: Durchführungsstelle), eine Vergütung dieser Kosten ab (Urk. 7/V/34). Daran hielt sie, nachdem die Versicherte am 3. März 2015 dagegen Einsprache erhoben hatte (Urk. 7/135; vgl. auch Urk. 7/135a), mit Einspracheentscheid vom 12. März 2015 fest (Urk. 7/V/37; vgl. auch Urk. 17-19).
1.2
Mit einer am 28. Mai 2015 eingereichten Rechnung in Höhe von Fr. 419.10 ersuchte die Versicherte um Übernahme der Kosten für orthopädische Schuh
einlagen (Urk. 2 S. 1, Urk. 7/139b S. 1, Urk. 3/2).
Am 1
2.
Juni 2015
verlangte s
ie
ferner
erneut die Erstattung der ihr im Januar 2015 entstandenen Taxi
kosten (
Urk.
7/140). Die Durchführungsstelle traf Abklärungen (
Urk.
7/139,
Urk.
7/139a-b,
Urk.
7/149) und lehnte eine Vergütung der Kosten für die orthopädischen Schuheinlagen mit
Verfügung
vom 9.
Juni 2015 ab (Urk.
7/V/43
). Mit einer weiteren Verfügung vom
16. Juni 2015
vergütete sie der Versicherten Fr. 365.-- für in Rechnung gestellte Franchisen/Selbst-behalte der Krankenkasse, unter Hinweis darauf, dass allfällig nicht anerkannte Kosten aufgrund der massgeblichen gesetzlichen Grundlagen nicht vergütet werden könnten (Urk. 7/V/44 = Urk. 3/3). Gegen diese Verfügun
gen erhob die Versicherte am 19. Juni 2015 Einsprache (Urk. 7/141). Mit Einspracheentscheid vom 20. August 2015 wies die Durch
führungsstelle die Einsprache ab. Dabei hielt sie zum einen daran fest, dass die Kosten
für die orthopädischen Schuheinlagen
von ihr nicht zu vergüten seien. Zum anderen entschied sie nochmals abschlägig über die Vergütung der im Januar 2015 entstandenen Taxikosten von Fr. 234.40, wobei sie davon ausging, dass in der Verfügung vom 16. Juni 2015 e contrario auch über dieses Gesuch entschieden wurde (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 8. September 2015 Beschwerde und beantragte, die Durchführungsstelle sei zur Übernahme der Kosten für die orthopädischen Schuheinlagen und die Taxifahrten zu ver
pflichten. Ferner sei die Durchführungsstelle zu verpflichten, sie in Zukunft fair zu behandeln (Urk. 1). In der Beschwerdeantwort vom 18. September 2015 schloss die Durchführungsstelle auf Beschwerdeabweisung (Urk. 6; vgl. auch Urk. 8-16).
Am 28. März 2017 verlangte der Gerichtsschreiber von der Durchführungs
stelle einen Zustellnachweis für den Einspracheentscheid vom 12. März 2015 (Urk. 17). Nachdem die Durchführungsstelle diesen eingereicht hatte (Urk. 18-19), setzte das Gericht den Parteien Frist an, um zum Umstand Stellung zu nehmen, dass bereits mit Einspracheentscheid vom 12. März 2015 über die strittigen Taxikosten vom Januar 2015 entschieden wurde (Urk. 20). Die Parteien liessen sich in der Folge nicht vernehmen (vgl. Urk. 21/1-2).

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt (vgl. die Rechnung für die orthopädischen Schuheinladen von Fr. 419.10 [Urk. 3/2]
sowie die Taxirech
nungen in Höhe von gesamthaft
Fr.
452.-- [
Urk.
3/4]),
fällt die Beurteilung der Beschwerdein die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Geset
zes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
Die Kantone vergüten den Bezügerinnen und Bezügern einer jährlichen Ergän
zungsleistung Krankheits- und Behinderungskosten
(Art. 3 Abs. 1 lit. b des
Bundesgesetz
es
über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversicherung [
ELG
]
)
. Dar
unter
fallen unter
anderem ausgewie
sene, im laufenden Jahr entstandene Kosten
für Transporte zur nächstgelege
nen Behandlungsstelle (Art. 14
Abs.
1 lit. e ELG) sowie für Hilfsmittel (Art. 14 Abs. 1 lit. f ELG). Die Kantone bezeichnen die Kosten, die vergütet werden können. Sie können die Vergütung auf die im Rahmen
einer wirt
schaftlichen und zweckmässigen Leistungserbringung erforderlichen Ausga
ben beschränken (Art. 14 Abs. 2 ELG).
Gemäss dem kantonalzürcherischen Zusatzleistungsgesetz (ZLG)
ist die Vergü
tung von Krankheits- und Behinderungskosten nach Art. 14 ELG auf eine wirtschaftliche und zweckmässige Leistungserbringung beschränkt
(
§
9 Abs. 1
ZLG).
Die Verordnung des Regierungsrates bestimmt das Nähere (
§
9 Abs. 3 ZLG).
3.
3.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid begründete die Durchführungsstelle die Abweisung des Gesuchs um Übernahme der Kosten für orthopädische Schuheinlagen damit, die Durchführungsstelle könne Kosten für Hilfsmittel nur vergüten, wenn diese in der abschliessenden Liste im Anhang der Ver
ordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Altersversicherung auf
geführt seien (HVA). Dort würden indes einzig orthopädische Mass- oder Serienschuhe, nicht aber Schuheinlagen erwähnt (Urk. 2, Urk. 6).
Die Beschwerdeführerin ist dagegen der Ansicht, Anspruch auf Vergütung der Kosten für die orthopädischen Schuheinlagen zu haben. Zur Begründung ihres Standpunktes bringt sie vor, die Durchführungsstelle verhalte sich kleinlich, indem sie eine Kostengutsprache ablehne. Die Schuheinlagen seien ärztlich verordnet gewesen (Urk. 1).
3.2
3.2.1
Die Anschaffungs- oder Mietkosten für Hilfsmittel werden vergütet, sofern deren Ausführung einfach und zweckmässig ist (§ 16 Abs. 1 der
kantonalen
Zusatzleistungsverordnung; ZLV). Vergütet
werden
ein Drittel des Kosten
beitrages der AHV für Hilfsmittel gemäss
der Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Altersversicherung (HVA)
sowie die Kosten für weitere, vom Kantonalen Sozialamt bezeichnete Hilfsmittel, Pflegehilfs- und Behandlungsgeräte (§ 16 Abs. 3 lit. a und b ZLV).
3.2.2
In der Schweiz wohnhafte Bezüger und Bezügerinnen von Altersrenten der AHV, die für die Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge auf Hilfsmittel angewiesen sind, haben gemäss Art. 2 Abs. 1
HVA
Anspruch auf die in der Liste im Anhang aufgeführten Leistungen. Die Liste umschreibt Art und Umfang der Leistungen für jedes Hilfsmittel abschliessend.
Gemäss Ziff. 4.51 der Hilfsmittelliste im Anhang der HVA werden unter bestimmten Voraussetzungen orthopädische Massschuhe und orthopädische Serienschuhe einschliesslich Fertigungskosten übernommen.
3.2.3
Gemäss Ziff. 2.4.9.1
der Weisungen des Kantonalen Sozialamtes zum Vollzug der Zusatzleistungen zur AHV/IV vom 27.
März 2013 (Stand 1. Januar 2015; abrufbar im Internet) gelten als Hilfsmittel gemäss § 16 Abs. 3 lit. b ZLV kostspielige orthopädische Änderungen / Schuhzurichtungen an Konfek-
ti
onsschuhen.
3.3
Bei den orthopädischen Schuheinlagen gemäss Rechnung vom 16. März 2015 (Urk. 7/139b S. 2) handelt es sich, wie die Durchführungsstelle richtig fest
gestellt hat, nicht um orthopädische Mass- oder Serienschuhe im Sinne von Ziff. 4.51 der Hilfsmittelliste im Anhang der HVA. Folglich besteht kein Raum für eine Kostenübernahme unter diesem Titel.
In der Begründung des angefochtenen Einspracheentscheids und den Akten fehlen Hinweise dafür, dass die Durchführungsstelle eine Übernahme der Kosten gestützt auf Ziff. 2.4.9.1
der Weisungen des Kantonalen Sozialamtes
geprüft hat. Bei den für die Beschwerdeführerin angefertigten orthopädischen Schuheinlagen, welche gewechselt und in verschiedenen Schuhen getragen werden können, handelt es sich indes nicht um eine Änderung / Schuh
zurichtung an Konfektionsschuhen (
vgl. dazu das
Kreisschreiben
über
die Abgabe von Hilfsmitteln
durch die
Invalidenversicherung, K
HM
I, Stand
1.
Januar 2015
, Rz 20
22 ff. und 2027). Deshalb können die Kosten der Schuh
einlagen auch nicht gestützt auf Ziff. 2.4.9.1
der Weisungen des Kantonalen Sozialamtes
übernommen werden.
Mithin hat die Durchführungsstelle die Übernahme der Kosten der orthopä
dischen Schuheinlagen gemäss Rechnung vom 16. März 2015 im Ergebnis zu Recht abgelehnt.
4.
4.1
Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheids bildet sodann die Über
nahme der Kosten für Taxifahrten im Januar 2015 (Urk. 2). Mit der Beschwerde wird sinngemäss
beantragt
,
die Durchführungsstelle sei zu ver
pflichten
, der
Beschwerdeführerin die im Januar 2015 sowie zusätzlich d
ie
in den Monaten Oktober bis Dezember 2014 entstandenen Kosten für Taxifahr
ten
zu vergüten
(
Urk. 1, Urk. 3/4).
4.2
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung beziehungsweise eines Einspracheentscheids – Stellung genom
men hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der Einsprache
entscheid den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungs
weise kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Soweit die Beschwerdeführerin mit ihrer Beschwerde die Vergütung der ihr in den Monaten Oktober bis Dezember 2014 entstandenen Taxikosten bean
tragt, fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand, da die Durchführungsstelle hierzu im angefochtenen Einspracheentscheid nicht Stellung genommen hat. Deshalb ist diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten.
4.3
Zu beachten ist sodann, dass die Durchführungsstelle über die geltend gemach
ten Auslagen für Taxifa
h
r
t
en für den Monat Januar 2015 von
Fr.
234.40 (wie auch über jene für die Monate Oktober bis Dezember 2014) bereits mit dem unangefochten in Rechtskraft erwachsenen Einsprache
-
ent
scheid vom 1
2.
März 2015 entschieden hat (
Urk.
7/V/37; vgl. auch
Urk.
17-19).
Gemäss dem Grundsatz „ne bis in idem“ darf die gleiche Sache nicht zweimal beurteilt werden. Dementsprechend ist die Verwaltung nicht berechtigt, nach rechtskräftiger Erledigung eines Versicherungsfalles der versicherten Person durch voraussetzungslosen Erlass einer zweiten Verfügung über das gleiche Rechtsverhältnis bei gleicher Sachlage erneut den Rechtsmittelweg zu eröff
nen (BGE 125 V 398 E. 1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-5280/2013 vom 28. Mai 2015, E. 4.3 mit Hinweisen). So verhält es sich aber im vorlie
genden Fall. Die Durchführungsstelle hat nach der abschlägigen Beurteilung des Gesuchs auf Übernahme der Auslagen für Taxifahrten im
Januar 2015 von
Fr.
234.40
mit dem Einspracheentscheid vom 12. März 2016 (Urk. 7/V/37) den gleichen Anspruch nochmals mit dem angefochtenen Ein
spracheentscheid vom 20. August 2015 (Urk. 2 S. 2) und der diesem zugrunde liegenden Verfügung vom 16. Juni 2015 (Urk. 7/V/44 = Urk. 3/3) beurteilt. Anhaltspunkte dafür, dass sie den in Rechtskraft erwachsenen Ein
spracheentscheid vom 12. März 2015 im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG in Wiedererwägung ziehen wollte, fehlen, zumal sie mit dem angefochtenen Einspracheentscheid an ihrer früheren Beurteilung festgehalten hat. In diesem Punkt ist der angefochtene Einspracheentscheid offensichtlich schwerwiegend mangelhaft, so dass er insofern als nichtig zu betrachten ist. Die (Teil-)Nichtigkeit eines Verwaltungsaktes ist jederzeit und von Amtes wegen zu beachten (BGE 129 V 485 E. 2.3; Urteil des Bundesverwaltungs
gerichts C-5280/2013 vom 28. Mai 2015, E. 4.5 mit Hinweisen).
Soweit sich die Beschwerde gegen den nach dem Gesagten nichtigen Teil des angefoch
tenen Einspracheentscheides betreffend die im Januar 2015 angefallenen Taxikosten in Höhe von
Fr.
234.40 (
Urk.
2 S. 2) richtet, ist darauf ebenfalls nicht einzutreten.
5.
Die Beschwerdeführerin rügt in genereller Weise, sie sei durch die Durchfüh
rungsstelle auf schikanöse Weise behandelt worden. Konkrete Rechtsbegeh
ren, deren Rechtsschutzziel über die vorstehend beurteilten Leistungsan
sprüche hinausgeht, stellt sie in diesem Zusammenhang aber nicht (Urk. 1
S. 1), so dass nicht weiter darauf einzugehen ist.