Decision ID: 7c9ec719-7dac-421a-92c0-c597b3815237
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Montag, 31. Mai 2010, fuhr X um 18.25 Uhr mit einem Personenwagen (SAAB S
9-5 2.3 LPT) auf der Eichbergstrasse von Altstätten in Richtung Eichberg. Er
beabsichtigte links in die Fleubenstrasse einzubiegen, verlangsamte die Fahrt,
schaltete den linken Richtungsblinker ein und lenkte das Fahrzeug auf der
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Eichbergstrasse bereits vor der Verzweigung links auf die Gegenfahrbahn. Zur gleichen
Zeit fuhr Y von seinem Wohnort mit einem Personenwagen (Audi A4) zunächst in die
Fleuben- und unmittelbar danach rechts in die Eichbergstrasse ein. Dort fuhr er mit
geringer Geschwindigkeit mit der Fahrzeugfront gegen die linke Fahrzeugseite des
Personenwagens von X. Es entstand Sachschaden von insgesamt Fr. 3'500.--
(Fr. 2'000.-- am Fahrzeug des X, Fr. 1'500.-- an demjenigen des Y). Die
Unfallbeteiligten blieben unverletzt. Alcotests ergaben bei beiden Fahrzeuglenkern
keine Hinweise auf vorgängigen Alkoholkonsum.
Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten vom 11. August 2010 wurde
X wegen Verletzung von Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt. Der
Strafentscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.- Am 2. November 2010 eröffnete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) wegen des Verkehrsunfalls
vom 31. Mai 2010 ein Administrativmassnahmeverfahren gegen X. Es entzog ihm mit
Verfügung vom 15. November 2010 den Führerausweis wegen Mitverursachens eines
Verkehrsunfalls durch ungenügendes Rechtsfahren beim Linksabbiegen für die Dauer
eines Monats.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 29. November 2010 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei
unter Kostenfolge aufzuheben und auf einen Ausweisentzug sei zu verzichten. Die
Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 29. November 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
bis
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2.- Im Rekurs macht der Rekurrent geltend, in der angefochtenen Verfügung werde
nicht begründet, weshalb eine mittelschwere Widerhandlung vorliege bzw. die
verursachte Gefahr nicht mehr als gering eingestuft werden könne. Sinngemäss wird
damit eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend gemacht.
a) Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(SR 101, abgekürzt: BV) gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Aus
diesem Anspruch leitet das Bundesgericht die Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen
und Entscheide zu begründen (z.B. BGE 133 III 439 E. 3.3). Als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die
Behörden die Vorbringen des vom Entscheid oder der Verfügung in seiner
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in
der Entscheidfindung berücksichtigt (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar, 2. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2008, N 27 zu Art. 29 BV). Er soll wissen, warum die Behörde
entgegen seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst
sein, dass er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten
kann (BGE 133 III 439 E. 3.3). Dies ist nur möglich, wenn sich sowohl der Betroffene als
auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids oder der Verfügung
ein Bild machen können; in diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Auf der anderen Seite bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde
ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid oder die
Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Ist die
Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese
Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von
Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht
fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010, E. 2.1 mit
Hinweisen zur Lehre und Rechtsprechung, publiziert in: www.gerichte.sg.ch/
Rechtsprechung/AktuelleEntscheide Verwaltungsgericht/Entscheide 2010).
b) Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung, die Kollision hätte verhindert
werden können, wenn der Rekurrent das Einbiegemanöver von der Eichbergstrasse in
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die Fleubenstrasse erst auf der Höhe der Einmündung durchgeführt hätte. Die
verursachte Gefahr (Unfall mit konkreter Gefährdung) könne nicht mehr als gering
eingestuft werden, weshalb unabhängig vom Grad des Verschuldens zumindest ein
mittelschwerer Fall vorliege. Ob diese Ausführungen zutreffen, ist später zu prüfen. Die
Vorinstanz hat sich jedenfalls dazu geäussert, weshalb sie von einer mittelschweren
Widerhandlung ausgeht. Hinsichtlich des Verschuldens liess sie es beim Vorwurf einer
Pflichtverletzung bewenden, ohne den Verschuldensgrad genau zu bestimmen. Auf
dieser Grundlage war es dem Rekurrenten ohne weiteres möglich, die Verfügung
anzufechten. Der Vorwurf der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist daher
unbegründet.
3.- a) Die Behörde, die über den Entzug eines Führerausweises entscheidet, ist
grundsätzlich an die Sachverhaltsfeststellungen im Strafurteil, das zum fraglichen
Vorfall ergangen ist, gebunden. Eine Abweichung ist nur zulässig, wenn die
Entzugsbehörde ihrem Entscheid Tatsachen zugrunde legt, die dem Strafrichter
unbekannt waren, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der Strafrichter
nicht alle sich mit dem Sachverhalt stellenden Rechtsfragen abgeklärt hat. Die
Entzugsbehörde hat vor allem dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen, wenn
dieses im ordentlichen Verfahren durch ein Gericht gefällt wurde (Urteil des
Bundesgerichts 1C_135/2008 vom 13. August 2008, E. 2.3.1, mit Hinweisen).
Es besteht kein Anlass, von den Sachverhaltsfeststellungen im Strafentscheid
abzuweichen. Namentlich ist in tatsächlicher Hinsicht unbestritten, dass der Rekurrent
am Montag, 31. Mai 2010, um 18.25 Uhr mit seinem Personenwagen von der Eichberg-
in die Fleubenstrasse einbiegen wollte und dabei sein Fahrzeug bereits vor der
Verzweigung auf die Gegenfahrbahn der Eichbergstrasse lenkte. In der Folge kam es
mit einem von der Fleubenstrasse in die Eichbergstrasse einbiegenden Personenwagen
zur Kollision. Der Rekurrent verletzte dabei Art. 34 Abs. 1 SVG, wonach Fahrzeuge
rechts und auf breiten Strassen innerhalb der rechten Fahrbahnhälfte fahren müssen,
sowie Art. 13 Abs. 4 Satz 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt:
VRV), wonach der Fahrzeugführer beim Abbiegen nach links auf
Strassenverzweigungen die Kurve nicht schneiden darf.
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b) Hängt die rechtliche Würdigung sehr stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die
der Strafrichter besser kennt als die Administrativbehörde, ist Letztere auch hinsichtlich
der Rechtsanwendung an die rechtliche Qualifikation des Sachverhaltes im Strafurteil
grundsätzlich gebunden (BGE 124 II 103 E. 1c/bb S. 106 f. mit Hinweisen). Das
Strafgericht kennt Tatsachen, welche für die rechtliche Würdigung wichtig sind, etwa
dann besser als die Verwaltungsbehörde, wenn es den Beschuldigten persönlich
befragt hat (Urteil des Bundesgerichts 1C_275/2007 vom 16. Mai 2008, E. 3.5 mit
Hinweisen). Solche Umstände sind jedoch nicht gegeben, weshalb hinsichtlich der
rechtlichen Würdigung des Sachverhalts im Adminstrativmassnahmeverfahren keine
Bindung an das Strafurteil besteht.
4.- Umstritten ist, ob sich der Rekurrent massnahmerechtlich eine leichte oder eine
mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften hat zu Schulden
kommen lassen.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03; abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und
wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in
Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG liegt somit vor,
wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung und nicht alle
qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung gegeben sind (vgl. Botschaft,
in: BBl 1999 S. 4487).
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b) Die Annahme einer leichten Widerhandlung setzt voraus, dass der Lenker durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorgerufen hat und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Nach der Rechtsprechung müssen eine geringe Gefahr und ein leichtes
Verschulden kumulativ gegeben sein (BGE 135 II 138 E. 2.2.3 S. 141 mit Hinweisen).
aa) Im Recht der Administrativmassnahmen liegen der gesetzlichen Kategorisierung der
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften verschiedene
Gefährdungsstufen zugrunde. Von der konkreten Gefährdung der körperlichen
Integrität anderer Personen ist deren abstrakte Gefährdung zu unterscheiden, die
"einfach" oder "erhöht" sein kann. Die einfache abstrakte Gefährdung zieht kein
Administrativmassnahmeverfahren nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Eine solche
Gefährdung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aber nur dann
anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten des
Rekurrenten hätten betroffen werden können. Führt hingegen die Missachtung einer
Verkehrsregel zu einer Verletzung eines Rechtsguts, einer konkreten Gefährdung der
körperlichen Integrität oder zu einer erhöhten abstrakten Gefährdung dieses
Rechtsguts, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die
neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Für die Abstufung
innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der
Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefährdung (vgl. BGE 118
IV 285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich
daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer
Körperverletzung oder gar Tötung bestand (vgl. zum Ganzen VRKE IV-2007/14 vom
31. Mai 2007, S. 5 f.).
Gemäss Art. 13 Abs. 2 Satz 1 VRV darf der Fahrzeugführer beim Einspuren nach links
den für den Gegenverkehr bestimmten Raum nicht beanspruchen. Wo eine Leitlinie die
Strassenmitte signalisiert - wie auf der Eichbergstrasse - darf diese nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht schon beim Einspuren überfahren werden
(BGE 99 IV 99). Davon abweichend gibt es Lehrmeinungen, welche ein Überfahren der
Leitlinie bereits beim Einspuren dann als zulässig erachten, wenn nach den konkreten
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Umständen Gewissheit besteht, dass dadurch der vortrittsberechtigte Gegenverkehr in
keiner Weise behindert wird (Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band I, 2. Aufl., Bern 2002, N 759). Unabhängig davon,
welcher Auffassung der Vorzug gegeben wird, schafft eine erhöhte abstrakte Gefahr für
die Sicherheit anderer, wer wie der Rekurrent bereits beim Einspuren vor dem
Einmündungsbereich nicht nur die Leitlinie überfährt, sondern sich mit dem ganzen
Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn begibt. Eine erhöhte abstrakte Gefahr setzt die
naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus (BGE
131 IV 133 E. 3.2). Diese Möglichkeit realisierte sich mit der Kollision. Das Fahrzeug
des Rekurrenten befand sich im Kollisionszeitpunkt auf der Gegenfahrbahn der
Eichbergstrasse und stand still. Der Unfallgegner fuhr von einer Quartierstrasse in die
Fleubenstrasse und bog von dort rechts in die Eichbergstrasse ein; er wollte gemäss
eigenen Angaben vor zwei Velofahrern, welche sich von links näherten und zu ihm noch
einen Abstand von rund 10 m hatten, auf die Eichbergstrasse gelangen. Bei der
Polizeibefragung gab er an, er habe vor dem Einbiegen in die Eichbergstrasse sein
Fahrzeug angehalten. Der Rekurrent führte dagegen aus, der Unfallgegner habe sein
Fahrzeug vor dem Einbiegen an der Wartelinie nicht angehalten (act. 9/1). Dies ändert
indessen nichts daran, dass die Geschwindigkeit des Unfallgegners im
Kollisionszeitpunkt gering war. Der Rekurrent schätzte sie auf 4 bis 10 km/h. Dafür
spricht zunächst, dass an den beiden Fahrzeugen geringer Sachschaden entstand.
Hinzu kommt, dass die örtlichen Gegebenheiten - insbesondere die scharfe
Rechtskurve nach der Einmündung der Quartier- in die Fleubenstrasse eine hohe
Geschwindigkeit nicht zulassen. Schliesslich ist die Sicht bei der Einmündung der
Quartierstrasse in die Fleubenstrasse beeinträchtigt durch ein nahe an der Strasse
stehendes Gebäude. Der Unfallgegner blieb unverletzt. Seine Geschwindigkeit im
Kollisionszeitpunkt war gering und das Fahrzeug des Rekurrenten stand bereits still.
Entsprechend konnte der Aufprall nicht heftig gewesen sein. Dies ergibt sich auch aus
dem Schadenbild. Unter diesen Umständen bestand wohl eine konkrete Gefahr für den
Unfallgegner; allerdings war diese gering.
bb) Zu prüfen bleibt das Verschulden. Die Vorinstanz wirft dem Rekurrenten eine
Pflichtverletzung vor, welche Ursache für den Unfall gewesen sei. Zum
Verschuldensmass äusserte sie sich nicht. Unter Hinweis auf die strafrechtliche
Verurteilung wegen Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG und die
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ausgefällte Busse von Fr. 300.-- hält der Rekurrent dafür, sein Verschulden könne nur
leicht gewesen sein.
Es trifft zu, dass der Strafrichter den Rekurrenten im Zusammenhang mit dem
Verkehrsunfall vom 31. Mai 2010 wegen Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Ziff. 1 SVG)
mit einer Busse von Fr. 300.-- bestrafte. Die Bussenhöhe entspricht der Höchstgrenze
für Ordnungsbussen (Art. 1 Abs. 2 OBG) und lässt darauf schliessen, dass im
Strafverfahren von einem vergleichsweise leichten Verschulden ausgegangen wurde.
Zu berücksichtigen ist indessen, dass die Verwaltungsbehörde im
Administrativmassnahmeverfahren in der Beurteilung des Verschuldens frei und nicht
an das Strafurteil gebunden ist. Hinzu kommt, dass eine strafrechtliche Verurteilung
wegen Art. 90 Ziff. 1 SVG massnahmerechtlich sowohl eine leichte (vgl. Art. 16a Abs. 1
lit. a SVG) als auch eine mittelschwere Widerhandlung (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG)
erfassen kann.
Der Rekurrent lenkte sein Fahrzeug beim Einspuren ohne Not vollumfänglich auf die
Gegenfahrbahn; mithin handelt es sich um eine krasse Verletzung der Verkehrsregel,
wonach beim Einspuren nach links der Fahrzeugführer den für den Gegenverkehr
bestimmten Raum nicht beanspruchen darf (Art. 13 Abs. 2 VRV). Er hat sich nicht einen
Fahrfehler zu Schulden kommen lassen, wie er auch einem vorsichtigen und
besonnenen Fahrer passieren kann (vgl. Urteil des Verwaltungsgericht B 2010/94 vom
16. Dezember 2010, E. 5.5.3; publiziert in: www.gerichte.sg.ch/Rechtsprechung/Ver
waltungsgericht/Entscheide 2010). Das Verschulden des Rekurrenten kann unter
diesen Umständen nicht mehr als leicht bezeichnet werden. Entsprechend fällt die
Annahme einer leichten Widerhandlung nicht in Betracht. Die Vorinstanz ist zu Recht
von einer mittelschweren Widerhandlung ausgegangen. An diesem Ergebnis ändert
auch nichts, dass sich der Unfallgegner seinerseits der Missachtung des Vortrittsrechts
des Rekurrenten schuldig gemacht hat; denn im Administrativmassnahmerecht gibt es
– gleich wie im Strafrecht – keine Schuldkompensation (BGE 124 IV 34 E. 2b), weshalb
sich durchaus beide an einer Kollision beteiligten Lenker einer Verkehrsregelverletzung
schuldig machen können (Urteil des Bundesgerichts 6S.431/2006 vom 12. Dezember
2006, E. 5.3).
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5.- Die Vorinstanz hat die Entzugsdauer unter Berücksichtigung der Umstände (Art. 16
Abs. 3 SVG) auf einen Monat festgesetzt. Dabei handelt es sich um die
Mindestentzugsdauer für eine mittelschwere Widerhandlung (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG),
welche auch bei einem tadellosen automobilistischen Leumund und einer allfälligen
beruflichen Angewiesenheit auf den Führerausweis nicht unterschritten werden darf
(BGE 132 II 234 E. 3.2).
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.