Decision ID: 6dabd576-8dd3-5903-b2a5-2f982c6d46b7
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
J._,
Rekurrent,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2009
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Sachverhalt:
A.
J._ meldete sich am 3. Februar 2009 zum Bezug einer individuellen
Prämienverbilligung (IPV) für 2009 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St.
Gallen (SVA) an (act. G 4.1/3). Mit Verfügung vom 8. Mai 2009 sprach die SVA dem
Versicherten auf der Basis eines anrechenbaren Einkommens von Fr. 31'395.-- eine
IPV im Betrag von Fr. 1'882.45 zu (act. G 4.1/4). Die gegen diese Verfügung erhobene
Einsprache vom 26. Mai 2009, mit welcher der Versicherte unter Einreichung der
definitiven Steuerveranlagung für 2007 (steuerbares Einkommen von Fr. 17'700.--) und
mit dem Hinweis auf seine ALV-Aussteuerung die Ausrichtung einer höheren IPV
beantragte (act. G 4.1/5), wies die SVA nach Anforderung von weiteren Unterlagen (act.
G 4.1/6-9) mit Einspracheentscheid vom 15. Juli 2009 (act. G 4.1/10) ab.
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom 14.
August 2009 Rekurs. Der Rekurrent führte sinngemäss aus, er sei seit 2001 ohne Arbeit
und Einkommen und sei vom Verdienst seiner Ehefrau abhängig. Die Töchter befänden
sich noch in Ausbildung. Gemäss der Steuerveranlagung seien sie "auf 0.00
berechnet" (act. G 1.2). Das betrügerische Verhalten der Krankenkasse habe die
finanzielle Lage noch verschlimmert (act. G 1.3). Er habe die obligatorische
Krankenversicherung zahlen müssen, obwohl er über keine finanzielle Mittel verfüge
(act. G 1.4). Er sei in Spitalbehandlung gewesen, deren Kosten er bis heute nicht habe
bezahlen können (act. G 1.5). Er und seine Ehefrau seien momentan auf dem
Existenzminimum.
B.b In der Rekursantwort vom 26. August 2009 beantragte die Vorinstanz Abweisung
des Rekurses. Zur Begründung verwies sie im Wesentlichen auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid.
B.c Mit Replik vom 30. September 2009 bestätigte der Rekurrent seinen Standpunkt.

Erwägungen:
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1.
Nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (SR 832.10;
KVG) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewähren. Dazu haben sie nach Art. 97 Abs. 1
KVG Ausführungsbestimmungen zu erlassen, bei deren Ausgestaltung die
Bedingungen von Art. 66 KVG sowie Art. 65 Abs. 3 KVG zu beachten sind (Art. 65 Abs.
2 KVG). Der Kanton St. Gallen ist dieser Verpflichtung durch die Art. 9-16 des
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (sGS
331.11; EG-KVG) und die dazugehörigen Vollzugsvorschriften in Art. 9-38 der
Verordnung zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die
Krankenversicherung (sGS 331.111; Vo-EG) nachgekommen, wobei er insbesondere
die persönlichen (Art. 10 EG-KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG)
Voraussetzungen sowie die Höhe der Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG) festgesetzt
hat. Eine Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG Personen gewährt, die
im Kanton St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die
Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). In Bezug auf die
einkommensmässigen Voraussetzungen bestimmt Art. 11 EG-KVG, dass das die
Prämienverbilligung auslösende Einkommen unter teilweiser Berücksichtigung des
steuerbaren Vermögens von der Regierung durch Verordnung festgesetzt wird (Abs. 1).
Grundlage bildet in der Regel die letzte definitive Steuerveranlagung (Abs. 2).
Entspricht das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit, wird auf diese abgestellt (Abs. 3).
2.
2.1 Die Vorinstanz stellte bei der Festlegung des Anspruchs für die
Prämienverbilligung 2009 des Beschwerdeführers und seiner Frau auf das
Reineinkommen 2007 von Fr. 31'395.-- gemäss definitiver Steuerveranlagung 2007 ab
(act. G 4.1/4 und 7). Der Rekurrent macht hingegen geltend, er arbeite seit 2001 nicht
mehr und sei vom Einkommen abhängig, welches seine Ehefrau erziele. - Nach Art. 11
Abs. 3 EG-KVG wird dann von der letzten definitiven Steuerveranlagung abgewichen,
wenn das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit entspricht. Als Bemessungsgrundlage werden in diesem Fall die
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Gegenwartswerte herangezogen. Es bedarf bestimmter Voraussetzungen, um auf die
tatsächlichen Verhältnisse abstellen zu können. Mit der Verwendung des Begriffs
"offensichtlich" in Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird zum Ausdruck gebracht, dass nicht jede
Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse massgebend sein kann, um von den
Steuerdaten abzuweichen. Die Diskrepanz zwischen der früheren und der aktuellen
wirtschaftlichen Lage, welche sowohl vom Einkommen als auch vom Vermögen beein
flusst wird, muss rechtserheblich sein. Praxisgemäss rechtfertigen nur grundlegende
und tiefgreifende Änderungen der Verhältnisse ein Abweichen von der letzten
definitiven Steuerveranlagung. Anders wäre der Vollzug der Prämienverbilligung in
einem einfachen und raschen Verfahren gar nicht zu bewerkstelligen (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Mai 2005, B 2005/23, Erw. 2c).
Nach dem seit 1. Januar 2008 geltenden Art. 12 Vo-EG in der Fassung gemäss
XV. Nachtrag zur Vo-EG vom 11. Dezember 2007 (nGS 43-10) wird auf die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle des ermittelten Einkommens abgestellt,
wenn sich die Einkommensgrundlagen dauerhaft verändert haben (Abs. 1) und die
Abweichung im Bezugsjahr wenigstens einen Viertel des massgebenden Einkommens
des vorletzten Jahres beträgt (Abs. 2).
2.2 Falls von der ordentlichen Berechnungsgrundlage abgewichen und stattdessen
auf die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abgestellt werden soll, ist Art. 9
Abs. 1 Vo-EG zu beachten, wonach für die Anspruchsberechtigung auf
Prämienverbilligung für Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz oder einer
fremdenpolizeilichen Bewilligung zum Jahresaufenthalt im Kanton die persönlichen und
familiären Verhältnisse am 1. Januar des Jahres massgebend sind, für das die
Prämienverbilligung beansprucht wird. Dabei handelt es sich um die aktuellsten Daten
(vgl. dazu Art. 65 Abs. 3 KVG). Einzig bei der Geburt eines Kindes wird das
massgebende Einkommen ab dem Geburtsmonat neu festgelegt (Art. 13 Vo-EG). Das
Verwaltungsgericht hat sodann im Entscheid vom 10. Mai 2005 [B 2005/23] i.S. SVA
gegen J.M. festgehalten, dass grundsätzlich auch Änderungen, die zu Beginn des
Anspruchsjahres bzw. im Zeitpunkt des Gesuchs auf eine grundlegende Veränderung
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit deuten, Berücksichtigung finden könnten.
2.3 Zu prüfen ist somit, ob im konkreten Fall, ausgehend von den Verhältnissen am 1.
Januar 2009, eine dauerhafte Veränderung des Einkommens um mindestens 25 % zu
quater
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bejahen war. Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum bestätigte im Schreiben vom
12. Mai 2009, dass der Rekurrent seit 1. Juli 2008 beim RAV zur Stellensuche gemeldet
war, wegen ungenügender Beitragszeit jedoch keinen Anspruch auf ALV-Taggeld hatte
(act. G 4.1/7). Ein aktueller Aussteuerungs-Sachverhalt (Ausschöpfung des ALV-
Anspruchs) lag somit nicht vor. Soweit sich der Rekurrent auf die Aussteuerung im
Rahmen seiner seit 2001 andauernden Arbeitslosigkeit beruft, kann diese im hier
massgeblichen Zeitraum (2007 - 2009) keine Einkommensveränderung bewirkt haben.
Der Wegfall der Arbeitslosenentschädigung fand schon früher statt. Gemäss definitiver
Steuerveranlagung 2007 betrug das steuerbare Einkommen des Rekurrenten und
seiner Frau Fr. 17'700.-- (act. G 4.1/9g) und das dazugehörige Reineinkommen Fr.
31'395.-- (act. G 4.1/7). Für 2008 ist ein steuerbares Einkommen von Fr. 26'000.-- den
Akten zu entnehmen (act. G 4.1/9f). Die Ehefrau des Rekurrenten erzielte im Jahr 2009
ein monatliches Netto-Salär von rund 4'000.-- Franken (vgl. Lohnabrechnungen in act.
G 4.1/9b ff), woraus ein Jahresbetreffnis von 48'000.-- Franken resultiert. Der
Veranlagungs-Berechnung 2007 lagen im Vergleich dazu Netto-Einkünfte (ALV-
Taggelder der Frau) von Fr. 39'795.-- pro Jahr zugrunde (act. G 6.1). Ausgehend von
diesen Werten war die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in den Jahren 2008 und 2009
somit im Vergleich zu 2007 jedenfalls nicht gesunken, sondern eher gestiegen. Ein
Tatbestand, welcher auf eine massgebende Einkommensverminderung seit 2007 mit
Dauercharakter schliessen liesse, ist damit weder behauptet noch durch Belege
dargetan. Es lässt sich daher nicht beanstanden, dass die Vorinstanz bei der
Berechnung der IPV 2009 von den Werten der definitiven Steuerveranlagung 2007
ausging. Anhaltspunkte für Fehler in der Berechnung als solche werden weder geltend
gemacht noch sind solche aus den Akten ersichtlich.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs gegen den Einspracheentscheid
vom 15. Juli 2009 abzuweisen. Gemäss Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) hat in Streitigkeiten grundsätzlich jener
Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder zum Teil abgewiesen
werden. Der Rekurrent ist im vorliegenden Verfahren vollständig unterlegen und hätte
demnach für die Gerichtskosten aufzukommen. In Anbetracht der Umstände
(bescheidene wirtschaftliche Verhältnisse im Sinn von Art. 9 EG-KVG) rechtfertigt es
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sich jedoch, in Anwendung von Art. 97 VRP auf die Erhebung von Gerichtskosten zu
verzichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG