Decision ID: ced90a0e-6c91-52be-8d3a-07854d937f28
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 20. September 2021 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 23. September 2021 fand die Befragung zur Person (BzP)
statt. Am 1. Oktober 2021 wurde das Dublin-Gespräch durchgeführt und
am 11. November 2021 hörte ihn das Staatssekretariat für Migration (SEM)
vertieft zu seinen Asylgründen an (Anhörung).
Zu seiner Biographie und zu seinen Asylgründen machte er im Wesentli-
chen Folgendes geltend: Er sei im Jahre (...) in der Stadt B._ in
C._ geboren und habe dreizehn Geschwister. Nach dem Tod seines
Vaters habe ihn sein Onkel im Jahr (...) bei sich in der D._ aufge-
nommen, wo er fortan aufgewachsen und die örtlichen Schulen absolviert
und (...) ein Universitätsstudium abgeschlossen habe. Danach sei er im
(...) tätig gewesen, nachdem er bereits während des Studiums in der (...)
in D._ gearbeitet habe. Im Juni 2017 sei er mit einem Visum nach
E._ ausgereist. Im August 2018 sei sein Sohn in E._ zur
Welt gekommen. Bis zu seiner Ausreise habe er gemeinsam mit der Mutter
des Kindes, einer brasilianischen Staatsangehörigen, in der Stadt
F._ gelebt. Am 11. März 2021 sei er auf einer Busreise in E._
von Unbekannten attackiert und zusammengeschlagen worden und habe
danach ihm Spital behandelt werden müssen. Fortan habe er in Angst ge-
lebt und befürchtet, Opfer von weiteren Attacken zu werden. Am 17. Sep-
tember 2021 habe er E._ legal mit dem Flugzeug in Richtung
Schweiz verlassen.
B.
Mit Verfügung vom 1. Dezember 2021 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch
ab, wies ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den zuständigen Kanton
mit dem Vollzug.
C.
Mit Eingabe vom 22. Dezember 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen
diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-
tragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Feststellung,
dass die Wegweisung, sowohl nach E._ wie auch nach C._,
unzumutbar sei. In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege, einschliesslich Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses.
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D.
Am 27. Dezember 2021 bestätigte der Instruktionsrichter den Eingang der
Beschwerde und verfügte, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des
Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG
[SR 142.31]; Art. 83 Bst.d Ziffer 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Ver-
fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs.1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der
Begründung ab, er sei gemäss seinen Angaben sowohl Staatsangehöriger
von C._ als auch von E._. Er habe ausschliesslich Schwie-
rigkeiten in E._ geltend gemacht. In seinem Heimatstaat
C._ habe er jedoch keine Probleme gehabt. Allfällige Asylvorbrin-
gen mit Bezug zu E._ würden die Flüchtlingseigenschaft nur dann
zu begründen vermögen, wenn diese auch in seinem Heimatstaat
C._ zu einer Verfolgungssituation führten. Aufgrund der Aktenlage
könne jedoch nicht geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer auf-
grund der geltend gemachten Probleme in E._ auch in C._
entsprechende Nachteile zu befürchten hätte. Aus diesem Grund erübrige
es sich, die vorgebrachten Erlebnisse in E._ zu thematisieren und
diese einer Glaubhaftigkeitsprüfung zu unterziehen. Dennoch sei festzu-
stellen, dass der von ihm geltend gemachte, einmalige Vorfall weder aus
einem flüchtlingsrelevanten Motiv erfolgt sei noch die geforderte Intensität
und Aktualität aufweise. Die geschilderten Nachteile seien deshalb flücht-
lingsrechtlich nicht relevant.
4.4
4.4.1 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in C._ gebo-
ren und damit die C._ Staatsbürgerschaft bei Geburt erworben hat.
Gemäss seinen Angaben verfügt er auch über den C._ Pass und
C._ Identitätskarte, deren Nachreichung er im Asylverfahren zwar
in Aussicht gestellt, jedoch bis heute nicht zu den Akten gereicht hat (vgl.
SEM-eAkten, 1109676-17/13, F6–F10). Ebenso unbestritten ist E._
Staatsbürgerschaft, welche er im Asylverfahren durch entsprechende Be-
weismittel (Pass und Identitätskarte) belegt hat. In der Anhörung sowie auf
Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer jedoch geltend, bei einer
allfälligen Rückkehr nach C._ könnte es Probleme geben, da
C._ die doppelte Staatsbürgerschaft nicht anerkenne und er den
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Verlust der C._ Staatsbürgerschaft riskiere (vgl. SEM-eAkten,
1109676-17/13, F52).
4.4.2 Gemäss den anwendbaren C._ Rechtsgrundlagen trifft es zu,
dass die doppelte Staatsbürgerschaft in C._ grundsätzlich verboten
ist und die betroffene Person im Falle des Erwerbs einer anderen Staats-
bürgerschaft die C._ Staatsbürgerschaft verliert (vgl. Bronwen
Manby, Citizenship Law in Africa, A Comparative Study, New York 2016,
S. 74 ff.). Die verfügbare Quellenlage weist jedoch auf Ausnahmen und die
abweichende praktische Anwendung dieser Rechtsgrundlagen durch die
C._ Behörden hin. Namentlich besteht eine Ausnahme für Frauen,
welche durch Heirat die Staatsbürgerschaft ihres Ehemanns erhalten ha-
ben und für C._ Staatsbürger, welche in C._ geboren wur-
den. In diesen Fällen ist eine doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt (vgl.
Jeune Afrique, Double nationalité: quels sont les pays africains qui l’autori-
sent?, 05.12.2015, <https://www.jeuneafrique.com/mag/284412/
societe/double-nationalite-pays-africains-lautorise/>, abgerufen am
18.01.2022; vgl. Government of Canada, Travel advice and advisories for
C._, 10.01.2022, <https://travel.gc.ca/destinations/C._>,
abgerufen am 18.01.2022). Weiter weisen die verfügbaren Quellen darauf
hin, dass der Verlust der Staatsbürgerschaft infolge des Erwerbs einer an-
deren Staatsbürgerschaft eine entsprechende Aberkennung der Staatsbür-
gerschaft durch die C._ Regierung voraussetzt, diese in der Praxis
jedoch selten eine solche Aberkennung verfügt (vgl. EU Global Diaspora
Facility (EUDiF), Diaspora engagement mapping C._, 10.2021,
<https://diasporafordevelopment.eu/wp-content/uplo-
ads/2021/10/CF_C._-v.6.pdf>, abgerufen am 18.01.2022).
4.4.3 Aufgrund des Gesagten ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass der
Beschwerdeführer sowohl Staatsangehöriger C._ wie auch
E._ ist und somit über zwei Staatsangehörigkeiten verfügt. Auch
wenn es zutreffen würde, dass seine C._ Identitätsdokumente ab-
gelaufen sind und er diese folglich erneuern müsste, ist nach dem Gesag-
ten nicht mit allfälligen Schwierigkeiten seitens der C._ Behörden
zu rechnen und es kann mit genügender Sicherheit ausgeschlossen wer-
den, dass die C._ Behörden keine neuen Dokumente ausstellen o-
der ihm bei einer Einreise die C._ Staatsbürgerschaft aberkennen
würden.
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Seite 6
4.5
4.5.1 Gestützt auf Art. 1 A Ziff. 2 Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sind Personen
von der Anerkennung als Flüchtling ausgeschlossen, die mehrere Staats-
angehörigkeiten besitzen und die den Schutz von wenigstens einem dieser
Länder in Anspruch nehmen können. Soweit verfügbar hat der Schutz des
Landes, dessen Staatsangehörigkeit eine Person besitzt, Priorität gegen-
über dem internationalen Schutz beziehungsweise dem Schutz durch ei-
nen Drittstaat (vgl. UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien zur
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1979, Neuauflage: UNHCR
Genf 2013, S. 24 f.).
4.5.2 Aufgrund seiner C._ Staatsbürgerschaft kann sich der Be-
schwerdeführer mithin nach C._ begeben und dort aufgrund der
geltenden Niederlassungsfreiheit (wieder) Wohnsitz nehmen. Er macht
keine Fluchtgründe geltend, die sich auf das Territorium des C._
Staates beziehen. Seine pauschalen und unsubstantiierten Einwendun-
gen, wonach er bei einer Rückkehr nach C._ riskiere, jung zu ster-
ben und seit fast vier Jahren nicht mehr im Land gewesen sei, vermögen
keine flüchtlingsrelevante Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu be-
gründen. Da der Beschwerdeführer in C._ keine asylrelevante Ver-
folgung befürchten muss, ist er nicht auf den Schutz der Schweiz angewie-
sen.
4.5.3 Bei dieser Sachlage kann die Frage der flüchtlingsrechtlichen Rele-
vanz der Vorbringen betreffend die geltend gemachte Verfolgung in
E._ offenbleiben. Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass diese
geltend gemachte Verfolgung – ein Angriff durch unbekannte Personen im
Bus – sich wie vom Beschwerdeführer geschildert ereignet hätte, ist der
Beschwerdeführer im Sinne des Subsidiaritätsprinzips offensichtlich nicht
auf den Schutz der Schweiz angewiesen, da er im anderen Heimatstaat,
wo sich weitere Familienmitglieder aufhalten, Zuflucht nehmen könnte. Im
Übrigen gab er an der Anhörung selbst an, er habe schon seit langem –
das heisst vor dem geschilderten Ereignis – vorgehabt, E._ zu ver-
lassen (vgl. SEM-eAkten, 1109676-17/13, F66).
4.6 Es erübrigt sich daher, auf die weiteren Ausführungen und eingereich-
ten Beweismittel auf Beschwerdeebene einzugehen. Das SEM hat das
Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt.
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Seite 7
5.
Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge-
such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte
Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen
und wurde von der Vorinstanz zu Recht angeordnet.
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän-
der und über die Integration AIG, SR 142.20]).
6.2
6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
6.2.2 Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung nach C._
ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwerde-
führer – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3
AsylG ausgesetzt wäre. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers erge-
ben sich ausserdem auch keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte
für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach C._ mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. aus der Praxis des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-
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I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Be-
schwerde Nr. 37201/06, Ziff. 124 ff., jeweils m.w.N.). Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation in C._ bietet zum heutigen Zeitpunkt kei-
nen konkreten Anlass zur Annahme, dem Beschwerdeführer drohe eine
entsprechende Gefährdung. Der Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl
im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen zulässig.
6.3
6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
6.3.2 Die allgemeine Lage in C._ ist weder von Bürgerkrieg noch
von allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegwei-
sung dorthin grundsätzlich zumutbar erscheint. Es bestehen auch sonst
keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, der Beschwerdeführer
sei bei einer Rückkehr nach C._ einer konkreten Gefährdung im
Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG ausgesetzt. Insbesondere ist auch nicht da-
von auszugehen, dass er bei seiner Rückkehr in den Heimatstaat in wirt-
schaftlicher Hinsicht in eine existenzbedrohende Situation gelangen wird.
Gemäss eigenen Angaben arbeitete er während zwei Jahren in der (...) in
D._ und danach für rund ein Jahr im (...) (vgl. SEM-eAkten,
1109676-17/13, F25) und verfügt damit über Berufserfahrung. Ausserdem
hat er in C._ die Universität abgeschlossen und weist einen hohen
Bildungsstand auf (vgl. SEM-eAkten, 1109676-17/13, F23). Schliesslich le-
ben in C._ die Mutter, dreizehn Geschwister sowie weitere Ver-
wandte des Beschwerdeführers, namentlich sein Onkel, bei welchem er
aufgewachsen ist und welcher nach dem Tod des Vaters als Adoptivvater
für den Beschwerdeführer fungierte (vgl. SEM-eAkten, 1109676-17/13,
F31). Mit einem ausgedehnten familiären Netz, einem hohen Bildungs-
stand und einer relativ breiten Berufserfahrung sind die Voraussetzungen
für eine Wiedereingliederung in C._, sowohl in sozialer wie auch in
wirtschaftlicher Hinsicht, als gut zu bezeichnen.
Demgemäss ist der Wegweisungsvollzug in allgemeiner wie auch in indivi-
dueller Hinsicht als zumutbar einzustufen.
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6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Wegweisungsvollzug auch als möglich zu be-
zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AlG)
6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug nach
C._ zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine
Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83
Abs. 1– 4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit überprüfbar –
angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich, dass sein Begehren als aussichtslos zu gelten hat. Da-
mit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben,
weshalb das Gesuch ungeachtet einer geltend gemachten Mittellosigkeit
abzuweisen ist.
8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen und praxisgemäss auf insgesamt Fr. 750.– festzu-
setzen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE], SR 173.320.2). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses erweist sich mit vorliegendem Entscheid als ge-
genstandslos.
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