Decision ID: 84154a1b-ef8a-4e81-abeb-14d5ff1c8f3d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1972,
war
als Maurer über die
Y._
AG bei der Suva obligatorisch gegen Unfälle versichert, als er sich bei einem Arbeitsunfall mit einer Kettensäge am 1
5.
Februar 2008 an
beiden ventralen
Unterschenkeln
eine Sägeverletzu
n
g mit
ossärer
Beteiligung zuzog (
Urk.
8/1
,
8/6
und 8/
52
).
Die Suva erbrachte
die gesetzlichen Leistungen (
Urk.
8/2
und 8/94
).
Ab
Mai
2008 war der Versicherte wieder voll arbeitsfähig (
Urk.
8/8 und 8/10).
1.2
Am 2
4.
Mai 2011 wurde beim Versicherten eine
Narbenn
euromexz
is
ion des
Nervus
saphenus
am rechten Unterschenkel durchgeführt (
Urk.
8/16). Die Suva liess den Versicherten
insbesondere
vom Kreisarzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, untersuchen. Gestützt auf seinen Bericht vom 2
4.
November 2011 (
Urk.
8/44) stellte
s
ie die
nach dem Rückfall erneut
erbrachten
Taggeldleistungen per
1.
Dezember 20
11 ein
(
Urk.
8/94)
, was sie
dem Versicherten
am
28.
November 2011
schriftlich mitteilte (Urk.
8/45).
1.3
Mit Schreiben vom 1
1.
Dezember 2017 verlangte der
Versicherte
sinngemäss
eine Neubeurteilung, da er kein Gefühl im Bein habe und dieses bei Anstrengung schmerze
; sein Chef
wolle dennoch
die ganze Arbeit erledigt sehen
(
Urk.
8/56).
Mündlich
erläuterte er
später
, einen neuen Chef zu haben, dem es nicht passe, dass er nicht mehr alle Arbeiten machen könne
,
und er Angst habe, seinen Job zu verlieren (
Urk.
8/58
und 8/63/1 f.
).
Anlässlich der Besprechung vom 2
5.
Januar 2018
ersuchte
er die Suva-Mitarbeiterin
, seinen
Anspruch auf eine Integritäts
entschädigung
zu prüfen
(
Urk.
8/63/2)
.
Nachdem
der
Bericht
des Neurologen
Dr.
med.
A._
vom
8.
März 2018 vorlag (
Urk.
8/
79), übernahm d
ie Suva erneut die Kosten der Heilbehandlung,
verneinte aufgrund der geringen Dauer der
Arbeitsunfähigkeit
indessen einen Anspruch auf Taggeldleistungen
(
Urk.
8/7
4 f.
).
Am
1
1.
Mai 2018
erstattete
Dr.
med.
B._
, Oberarzt an der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsspitals
C._
,
s
einen Bericht (
Urk.
8/8
8
). Gestützt
hierauf
teilte die Suva dem Ver
sicherten
am
24.
Mai 2018
schriftlich
mit
, den Schadensfall abzuschliessen. Gleichzeitig erklärte
sie sich bereit,
obschon kein
Rentenanspruch
bestehe, weiterhin für Schmerz
mittel und die Salbe
Capsaicin
aufzukommen (vgl.
Urk.
8/87)
.
Mit Schreiben vom 2
0.
November 2018
liess der Versicherte
geltend machen
, er sei
aufgrund seiner Beschwerden
nur eingeschränkt arbeitsfähig
und
habe
auf
grund derselben
auch Anspruch auf eine Inte
gritätsentschädigung (vgl. Urk.
8/100)
.
Infolgedessen holte die Suva eine kreisärztliche Beurteilung bei
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Chirurgie, ein, die vom 1
8.
Dezember 2018 datiert
(Urk.
8/103). Anschliessend verneinte sie mit Verfügung vom 1
4.
Januar 2019 eine
n Rückfall im Sinne einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
des Versicherten seit
der
letzten
kreisärztlichen Untersuchung
und
explizit
einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (vgl.
Urk.
8/104).
D
ie
vom Versi
cher
ten dagegen
erhobene Einsprache (
Urk.
8/107) legte
die Suva erneut
der Kreis
ärztin
Dr.
D._
zur Prüfung vor (
Urk.
8/111), bevor sie diese am 2
1.
Mai 2019 abwies (
Urk.
2).
2.
Gegen
diesen
Einspracheentscheid
erhob der Versicherte
, vertreten durch Rechts
anwalt
Gysler
,
mit Eingabe vom
24. Juni 2019 Beschwerde (
Urk.
1)
unter Beilage des Schlussberichts zur
arbeitsmarktlichen
Abklärung für Stellensuchende, an welcher er von Februar bis März 2019 teilgenommen hatte (
Urk.
3/4). Er
bean
tragte,
es sei ihm
eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 30
%
sowie eine Integritätsentschädigung von 25
%
zuzusprechen, eventualiter sei eine neurologische Begutachtung vorzunehmen; unter Kosten- und Entschädigungs
folgen zulasten der Suva (
Urk.
1 S. 1).
Die Suva schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
5.
Juli 2019, vertreten durch Rechtsanwalt Bachmann, auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (
Urk.
7
S. 2). Dazu nahm der Versi
cherte mit
Eingabe vom 20.
August 2019 Stellung (
Urk.
11)
. Die Suva liess als
dann die ihr mit Verfügung vom 2
2.
August 2019 (
Urk.
12; Empfangsschein
Urk.
13) angesetzte Frist zur Einreichung einer Replik ungenutzt verstreichen (
Urk.
14).
3
.
Im Übrigen meldete sich der Beschwerdeführer im April 2018 auch bei
d
er Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die von ihm gegen die Verfügung der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
vom
5.
Februar 2019 beim hiesigen Gericht erhobene Beschwerde bildet
Gegenstand des Prozesses
IV.2019.00189
und
wird
mit Urteil heutigen Datums abgewiesen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die in Rechtskraft erwachsene Verweigerung weiterer Leistungen durch den obli
gatorischen Unfallversicherer schliesst die spätere Entstehung eines Anspruchs, der sich aus demselben Ereignis herleitet, nicht unter allen Umständen aus. Vielmehr steht ein solcher Entscheid unter dem Vorbehalt späterer Anpassung an
geänderte unfallkausale Verhältnisse. Dieser in der Invalidenversicherung durch das Institut der Neuanmeldung (
Art.
87
Abs.
3 und 4 der
Verordnung
über die Invalidenversicherung [
IVV
] in Verbindung mit Art. 17
Abs.
1 des
Bundesge
setz
es
über den Allgemeinen Teil des So
zialversicherungsrechts [ATSG]) geregelte Grundsatz gilt auch im Unfallversicherungsrecht, indem es der versicherten Per
son jederzeit freisteht, einen Rückfall oder Spätfolgen eines rechtskräftig beur
teilten Unfallereignisses geltend zu machen (vgl.
Art.
11 der
Verordnung über die Unfallversicherung
, UVV) und erneut Leistungen der Unfa
llversicherung zu beanspruchen.
Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 144 V 245 E. 6.1 mit Hinweisen).
1.2
Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbestände dar (BGE 127 V 456 E. 4b; BGE 118 V 293 E. 2d). Diesem Umstand ist auch dann Rechnung zu tragen, wenn zu einem früheren Zeitpunkt ein Leistungsanspruch verneint wurde. Unter diesen Titeln kann daher nicht eine uneingeschränkte neuer
liche Prüfung vorgenommen werden. Vielmehr ist von der rechtskräftigen Beurteilung auszugehen, und die Anerkennung eines Rückfalls oder von Spät
folgen setzt eine nachträgliche Änderung der anspruchsrelevanten Verhältnisse voraus (Urteil des Bundegerichts U 55/07 vom 1
3.
November 2007 E. 4.1).
Dies
bezüglich ist anzumerken, dass einer ärztlichen Einschätzung, die sich nicht hin
reichend darüber ausspricht, inwiefern im Vergleich zur früheren Beurteilung eine effektive Veränderung des Gesundheitszustands eingetreten ist, für die Belange der Rentenrevision kein genügender Beweiswert zukommt (
Urteil des Bundesge
richts
8C_643/2017
vom
4.
Dezember 2017 E. 2.3 mit Hinweisen
).
1.3
Zusammenfassend kann e
ine abweichende materielle Beurteilung
nach Eintritt
der Rechtskraft des seinerzeitigen Fallabschlusses mit Verweigerung
von Dauer
lei
s
tungen
später
somit
nur noch in Betracht fallen, wenn entweder ein Rückfall oder eine Spätfolge (
Art.
11 UVV) des Unfalles aufgetreten oder der
im Sozial
versicherungsrecht allgemein geltende
Rückkommenstitel
der prozessualen Revi
sion wegen neuer Tatsachen oder Beweismittel (
Art.
53
Abs.
1 ATSG)
respektive
der Wiedererwägung einer zweifellos unrichtigen Verfügung (
Art.
53
Abs.
2 ATS
G) gegeben wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_620/2016 vom 21. November 2016 E. 3).
1.4
Es bleibt anzufügen, dass Rückfälle und Spätfolgen
eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang be
steht
. Sie stellen also keine neuen Unfälle dar
(BGE 118 V 296 f. E. 2c mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_934/2014 vom
8.
Januar 2016 E. 3.2).
Am
1.
Januar 2017 sind die am 2
5.
September 2015 bzw. am
9.
November 2016 ver
abschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten. Indes sieht
Abs.
1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 2
5.
September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich
– wie vorliegend -
vor dem
1.
Januar 2017 ereignet haben, nach bishe
rigem Recht gewährt werden.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid,
sie habe ihre Leis
tungen per
1.
Dezember 2011
bei voller Arbeitsfähigkeit
eingestellt.
Das
entspre
-
chende
Schreiben vom 2
8.
November 2011
sei in Rechtskraft erwachsen.
Seither habe sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
gemäss
kreisärztlicher
Beurteilung von
Dr.
D._
nicht verschlechtert
.
Ein
Rentenanspruch sei
daher
ohne Neubeurteilung der Erwerbs
f
ähigkeit a
bzulehnen (
Urk.
2 E.
2
).
Die
Erheb
lich
keitsgrenze
für eine Integritätsentschädigung
gemäss den
Suva-Tabellen 2.2, 5.2, 16.1 und 18.1
sei
nicht erreicht (
Urk.
2 E.
3
).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt indessen dafür, er habe in
d
er
An
meldung
und
der Besprechung vom
2
5.
Januar 2018 eine Schmerzzunahme geschildert
, wobei
er
sich
als Fremdsprachiger nicht immer präzise ausdrücke
n könne
(
Urk.
1
Ziff.
9-11
).
Der
Kreisarzt
sei
im
Jahr 2011
von Phantomschmerzen ausgegangen
. Heute stünden
neuropathische Schmerzen
im Vordergrund
und
es müsse
mit e
ine
r
lebenslängliche
n
Schmerzmitteleinnahme
gerechnet
werde
n
(
Urk.
1
Ziff.
14-
19).
Nach dem Unfall sei sein
Chef
s
ozial gewesen
und habe
ihm
nur
noch die
ihm machbaren
Arbeiten zugewiesen
.
Inzwischen habe er seine Anstellung verloren (
Urk.
1
Ziff.
21 f.). Der Praxis CHECK
zeige
, dass es für ihn
schmerzbedingt
schwierig werde, eine St
elle zu finden (
Urk.
1
Ziff.
23-28).
All dies wecke Zweifel an
der
Beurteilung von
Dr.
D._
(
Urk.
1
Ziff.
29).
Zudem
sei sein
rechtliches Gehör verletzt
worden
, indem
sich die Beschwerdegegnerin
nicht mit dem
ange
gebenen
Urteil des Bundesgerichts
8C_362/2014
vom 25. Juni 2014
auseinander
gesetzt habe
. Aufgrund der im Vergleich
dazu
schwereren Verletzung und
der
Schmerzintensität rechtfertige si
ch eine Integritätsentschädigung von 25
%, eventualiter
sei
ein Gutachten einzuholen
(
Urk.
1
Ziff.
32-36)
.
2.3
Der
Beschwerdeantwort
ist ergänzend zu entnehmen,
die Sprachprobleme seien eine Schutzbehauptung, zumal
dieses Vorbringen neu sei
und der Beschwerde
führer schon
lange in der Schweiz lebe und arbeite
(
Urk.
7
Rz
18).
Eine Ver
schlechterung lasse sich nicht mit subjektiven Schmerzangaben begründen (
Urk.
7
Rz
14). Diese m
üssten zuverlässiger medizinischer Feststellung und Über
prüfung zugänglich sein (
Urk.
7
Rz
20).
Die von
Dr.
B._
festgehaltenen n
eu
ro
pat
h
ische
n
Schmerzen
sei
en
schon früher beschrieben worden. Ferner habe
dieser
bei unauffälligem Verlauf keine weiteren Kontrollen vorgesehen (
Urk.
7
Rz
21
und 26
).
Medikamentöse Behandlungen stellten keine eigentlichen ärztlichen Be
handlungen dar
,
würden
also
keinen Leistungsanspruch begründen (
Urk.
7
Rz
23)
. Die Schmerzzunahme sei
somit
nicht objektivierbar
und auch nicht durch den
Stellenve
rlust
zu belegen
(
Urk.
7
Rz
27)
. Es sei zudem
kein Zusammenhang zu einer unfallbedingten Leistungseinbusse
dokumentiert
(
Urk.
7
Rz
28).
Der
B
ericht Praxis CHECK sei kein Arztbericht und beruhe auf falschen Grundlagen (
Urk.
7
Rz
29 und 36). Schliesslich betreffe das
vom Beschwerdeführer
zitierte Bundes
gerichtsurteil eine gänzlich andere Sachlage (
Urk.
7
Rz
34)
.
2.4
Dem entgegnete der Beschwerdeführer in der Replik
, die neuropathischen Schmerzen seien gemäss
Arztbericht
vom 1
1.
April 2012
nach der Neu
rom-Exzision
abgeklungen, nun erneu
t
aufgetreten und von der Beschwerdegegnerin zu wenig abgeklärt worden. Diese seien mit der Verletzung des
Nervus
s
aphenus
hinreichend erklärbar und durch den Praxis CHECK validiert. Die inkorrekten Angaben
,
welche
sich mit seinen schlechten Deutschkenntnissen erklärten und diese objektivierten,
würden den Beweiswert
jenes
Schlussberichts nicht schmä
lern, zumal darin die Schmerzursache nicht beurteilt
worden sei
. Klare Hinweise auf unfallfremde Schmerzursachen bestünden nicht
(
Urk.
11).
3.
3.1
Nach dem letzten Rückfall teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 2
8.
November 2011 mit, dass er nach dem Ergebnis der
ärztlichen Untersuchung durch den Kreisarzt
Dr.
Z._
vom 2
4.
November 2011
ab
1.
Dezember 2011 voll arbeitsfähig sei und
demnach per
jenem
Datum
das Taggeld eingestellt werde (
Urk.
8/45). Die Parteien sind sich
implizit darin einig, dass dieser Entscheid rechtliche Wirksamkeit erlangt
e
.
3.2
Wie
das Bundesgericht in BGE 134 V 145 E. 4 unter Verweis auf BGE 132 V 412 festgehalten hat,
ist
die Verfügungsform bei erheblichen Leistungen und bei Nichteinverständnis der versicherten Person vorgeschrieben und eine formlose Erledigung
diesfalls
unzulässig. Wie in
Art.
124
lit
. b UVV ausdrücklich vorge
sehen, ist eine schriftliche Verfügung im Sinne von
Art.
49
Abs.
1 ATSG demnach auch zu erlassen, wenn es um die Verweigerung von Versicherungsleistungen geht. Der hier zur Diskussion stehende Fallabschluss nach
Art.
19
Abs.
1 UVG mit
Einstellung der Taggeldleistungen
per
1.
Dezember 2011
und ohne Zusprechung von Dauerleistungen
wa
r demnach formlos nicht zulässig, sondern hätte als Ver
fügung ergehen müssen (BGE 134 V 145 E. 4
).
3.3
Für
den Fall einer unzulässigen formlosen Entscheidung hat das Bundesgericht indessen - in Analogie zu
Art.
51
Abs.
2 ATSG - die Lösung als angezeigt erach
tet, dass die versicherte Person einen Entscheid in Form einer Verfügung ver
langen kann (BGE 134 V 145 E. 5.
1
). Hinsichtlich des Zeitraumes, innerhalb dessen dies geschehen muss, befand es, es ginge zu weit, anzunehmen, die ver
sicherte Person könne ohne jede zeitliche Beschränkung auf dem Erlass einer Verfügung bestehen. Die Frist, innerhalb welcher die betroffene Person gegen einen
unzulässigerweise
formlos mitgeteilten Fallabschluss durch den Unfall
ver
sicherer zu intervenieren hat, legte es dabei auf "im Regelfall" ein Jahr fest, wobei eine längere Frist allenfalls in Frage komme, wenn die Person - insbesondere wenn sie rechtsunkundig und nicht anwaltlich vertreten ist - in guten Treuen annehmen durfte, der Versicherer habe noch keinen abschliessenden Entscheid fällen wollen und sei mit weiteren Abklärungen befasst (BGE 134 V 145 E. 5.3
; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 8C_620/2016 E. 2.3
; ferner
auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 3.4
).
3.
4
Demnach galt der
durch das Narbenneurom bedingte
Rückfall
im Zeitpunkt des Schreibens des Beschwerdeführers vom 1
1.
Dezember 2017 (
Urk.
8/56) – rund
sechs Jahre nach formloser Mitteilung des
seinerzeitigen
Fallabschlusses (
Urk.
8
/45) –
als rechtskräftig abgeschlossen. Dabei hatte
der Beschwerdeführer
aufgrund des ihm mündlich (vgl.
Urk.
8/44/6 f.) und schriftlich (
vgl.
Urk.
8/45) mitgeteilten Ergebnisses der kreisärztlichen
U
ntersuchung, wonach
Dr.
Z._
ihm
eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert
e
, auch keinen
Grund zur Annahme
, die Beschwerdegegnerin erwäge die Zusprechung einer Rente
respektive
nehme diesbezüglich w
eitere Abklärungen vor
(vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 8C_465/2011 vom
7.
September 2011 E. 3.2)
.
Damit zeigte er sich
insoweit
auch einverstanden
, als
er einige Monate später
mit dem Bericht von
Dr.
med.
E._
, Oberarzt an der Klinik für Neurochirurgie des
C._
, vom 11. April 2012 (vgl. Urk. 8/66)
zwar – wie
mit dem Kreisarzt besprochen
(vgl.
Urk.
8/44/6)
– noch eine
weitere
fachärztliche
Meinung einholte, diese jedoch nicht der Beschw
erde
geg
nerin vorlegte, obschon sie
im Januar 2012 nochmals nachgefragt hatte
(vgl.
Urk.
8/51).
Eine Rentenprüfung im Rahmen der letzten
A
nmeldung
nach einem leistungsfreien Zeitraum von sechs Jahren
setzt somit einen weiteren
Rückfall oder allfällige
Spätfolgen nach
Art.
11 UVV
voraus.
Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass de
r Beschwerdeführer
nie e
ine pro
zessuale Revision des erfolgten F
allabschlusses thematisiert hat und
auch
keine neuen Tatsachen oder Beweismittel ersichtlich
sind
, welche eine solche recht
fertigen könnten. Ebenso wenig lässt sich der seinerzeitige Fallabschluss als zweifellos unrichtig bezeichnen, so dass er in Wiedererwägung gezogen werden könnte. Dazu könnte ein Gericht den Unfallversicherer ohnehin nicht anhalten (BGE 119 V 180 E. 3a
).
4.
4.1
Ande
r
s
gestaltet sich die Situation hinsichtlich des Anspruchs auf eine Inte
gritätsentschädigung. So verlangte der Beschwerdeführer in der im
Anschluss an die kreisärztliche Untersuchung
durchgeführten Besprechung vom 24. November 2011
mit der Suva-Mitarbeiterin
ausdrücklich
eine Abfindung für seine Schmer
zen
.
Diese teilte ihm
m
it
, eine solche
werde
nach Behandlungsabsc
h
luss geprüft (
Urk.
8/43). Dementsprechend forderte
die Beschwerd
e
gegnerin
nach
Mitteilung des Fallabschlusses
mit Schreiben vom 21.
Dezember 2011 nochmals einen Be
rich
t beim Hausarzt,
Dr.
med.
F._
, an (
Urk.
8/49).
Dieser
berichtete am
10. Januar 2012, dass keine Behandlung
mehr
stattfinde, es aber
auch
noch un
sicher
sei
, ob ein bleibender Nachte
il zu erwarten sei (
Urk.
8/50). In der Folge blieben beide Parteien untätig.
Insbesondere berichtete der Beschwerdeführer anlässlich der am 1
6.
April 2014 stattgehabten Besprechung betreffend ein weiteres Unfallereignis vom 9. Dezember 2013
zwar
über
eine Zunahme der
Beinbeschwerden
aufgrund der Schmerzmedikation
, gab der Beschwerdegegne
rin aber in keiner Art und Weise zu verstehen, dass er bezüglich des früheren Unfalls noch mit einem Entscheid rechnete
.
4.2
Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen
, dass der Anspruch auf eine Inte
gri
tätsentschädigung nach dem tatsächlichen Willen der Parteien
nicht vom
Schrei
ben vom 2
8.
November 2011
erfasst wurde.
Zu differenzieren ist hier zwischen
dem materiellen Grundanspruch aufgrund der grundsätzlich
unbefristet wirken
den
Antragsstellung einerseits und der Frage nach der Befristung einer solchen Nachzahlung andererseits (vgl. BGE 121 V 195 E. 5d).
Mit anderen Worten stellt sich die Frage,
ob der Beschwerdeführer bis
zum Schreiben vom 11.
Dezember
2017
darauf vertrauen durfte, seinen Anspruch nicht durch Zeitablauf zu ver
lieren, nachdem er diesen
bereits am 2
4.
November 2011
angemeldet hatte.
4.
3
Nach
Art.
24
Abs.
1 ATSG erlischt de
r Anspruch auf Nachzahlung von Leistungen fünf Jahre nach Ende des Monats
, für den sie geschuldet waren
. Gemäss BGE 121 V 202
E. 5
in
fine
unterliegt die Nachzahlung von Leistungen auch dann einer absoluten Verwirkungsfrist von fünf Jahren - rückwärts gerechnet ab dem Zeit
punkt der Neuanmeldung -, wenn die Verwaltung einen hinreichend
substanziiert
geltend gemachten Leistungsanspruch übersehen hat.
Dies gilt auch in Fällen, in welchen der Versicherungsträger zunächst mit der Prüfung eines Anspruchs be
gonnen hatte, hernach aber nicht mittels Verfügung darüber entschieden hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2012 vom 2
0.
Februar 2013 E.
4).
Inwieweit diese Rechtsprechung, welche unter anderem damit begründet wurde, bei Sozial
versicherungsleistungen handle es sich typischerweise um periodische Geldleis
tungen, welche einen aktuellen Unterhaltsbedarf abdecken sollten (BGE 121 V 201
E. 5
), auch für
eine Leistung wie die Integritätsentschädigung
gilt, welche definitionsgemäss in Kapitalform erfolg
t
und einem anderen Zweck dien
t
,
hat das Bundesgericht bis anhin stets offengelassen
(vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts
U 314/05 vom
7.
September
2006 E.
6.1,
8C_557/2019, 8C_573/20
19 vom 2
7.
Janu
ar 2020 E.
7.1 und
7.4).
4.
4
Die Integritätsentschädigung wird gemäss
Art.
24
Abs.
2 UVG
– abgesehen von Sonderfällen -
mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt.
Der Beschwerdeführer hatte
nach
Wiedererreichen
einer jeweils vollen
Arbeits
fähigkeit weder nach dem Grundfall im Jahr 2008 noch nach dem
ersten Rückfall im Jahr 2011 Anspruch auf eine Invalidenrente
.
Dr.
F._
gab
am
1
0.
Januar 2012 an, dass gegenwärtig keine Behandlung mehr stattfinde.
Dr.
E._
führte im Bericht vom 11. April 2012 aus, dass aus neurologischer Sicht ein glücklicher Verlauf mit Abklingen von neuropathischen Schmerzen be
stehe. Es bestehe keine Indikation für eine permanente Schmerzmedikation mit antineuropathischem Wirkprofil (vgl.
Urk.
8/66/2 f.).
Am
1.
Februar
2018
erklärte
Dr.
F._
schliesslich
handschriftlich
, er
habe
keine Angab
en zum Verlauf nach dem Unfall,
und
reichte
den
soeben
erwähnten Bericht von
Dr.
E._
zu den Akten
(vgl.
Urk.
8/66/1).
Der
Behandlungsabschluss
nach Entfernung des Neuroms
erfolgte demnach
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
im Januar 2012, spätestens im Frühjahr 2012
,
so dass
die Beschwerdegegnerin
die materiellen Anspruchsvoraussetzungen
d
er Integritätsentschädigung
hätte
prüfen und
darüber
befinden
können respektive
müssen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
U 314/05 vom 7.
September 2006 E. 4.1). Im Zeitpunkt der
erneuten Antragsstellung
am
11. Dezember 2017 wäre der
Anspruch
daher verwirkt gewesen,
soweit
die in E. 4.3 erörterte
Rechtsprechung
auch bei
Integritätsentschädigungen zur Anwendung gelangt.
4.
5
4.5.1
In der Lehre wird von
Holzer
eine uneingeschränkte Anwendbarkeit von
Art.
24
Abs.
1 ATSG
im UVG
-
explizit auch
auf
Integritätsentschädigungen und Witwenabfindungen
- postuliert
.
Gründe hierfür nennt er nicht
, weist jedoch darauf hin, dass dies bei den Integritätsentschädigungen zu einer erheblichen Schlechterstellung des Unfallversicherten gegenüber einem Militärversicherten führe
, zumal dort der Integritätsschaden mit einer Rente abgegolten, gewöhnlich aber ausgekauft werde
(vgl. André Pierre Holzer, Verjährung und Ver
wirkung der Leistungsansprüche im Sozialversicherungsrecht, 2005, S. 128)
.
Tatsächlich hob
das Bundesgericht
in seinem
Urteil M 12/06, M 13/06 vom 23.
November 2007
hervor
,
dass
Art.
49
Abs.
3
des
Bundesgesetz
es
über die Mili
tärversicherung (MVG)
, wonach die Integritätsschadenrente in der Regel auszu
kaufen sei, nichts daran ändere, dass es sich hierbei im Gegensatz zur Genug
tuung
nach
Art.
59 MVG und zur Integritätsentschädigung nach UVG
- um eine periodische Geldleistung handle. Dies habe zur Folge, dass nur die einzelnen Rentenraten durch Zeitablauf untergehen könnten, dass Rentenstammrecht aber unverj
ährbar und
unverwirkbar
bleibe.
Zu den
Ausführungen von Holzer
ist deshalb
anzumerken, dass e
ine Gleichbehandlung
des
Integritäts
schadens
nach
UVG und MVG
von vornherein ausgeschlossen
ist. Da
die Kapitalabfindung nach UVG
nicht teilweise er
löschen kann, führt die
(Nicht-)Anwendbarkeit der in E.
4.3 dargelegten Rechtsprechung zwangsläufig zu einer Schlechter-/Besserstellung von Unfall- gegenüber Militärversicherten.
4.5.2
Auf die Meinung von Holzer verweist
ferner
Frei. Er hält im Übrigen einzig fest, es bestehe kein Grund zur Annahme, die Integritätsentschädigung wäre nicht der Verwirkung gemäss Art. 24
Abs.
1 ATSG unterworfen, auch wenn das Bundes
ge
richt diese Frage offengelassen habe (vgl. Thomas Frei, UVG, i
n: Kommentar zum schweizeri
schen Sozialversicherungsrecht [
KOSS
]
, hrsg. von Marc
Hürzeler
/Ueli
Kieser
, Bern 2018, S.
380).
4.5.3
Gegen die Anwendbarkeit von
Art.
24
Abs.
1 ATSG
sprachen
sich
Aliotta
/
Hus
mann
aus, die es vor allem als stossend empf
anden, dass die Erben von Asbest
betroffenen
nicht rechtzeitig informiert wurden und erachteten es als nicht im Sinne des Gesetzgebers, dass
diesen
nur die
Hinterlassenenrente
rückwirkend
aus
bezahlt
werde
(vgl. Massimo
Aliotta
/David Husmann,
Die Zusprechung von Inte
gritätsentschädigungen gemäss Unfallversicherungsgesetz bei durch Asbeststaub verursachten Berufskrankheiten, SZS 52/2008, S. 162 f.
). Die sich spezifisch bei
Berufskrankheiten mit prognostisch sehr kurzer Überlebenszeit stellenden Prob
leme
wurde mit der Neufassung von
Art.
24
Abs.
2 UVG
in Ver
bindung mit
Art.
36
Abs.
5 UVV,
in Kraft seit
1.
Januar 2017, inzwischen entschärft.
So entsteht der Anspruch bereits bei Ausbruch der Krankheit und kann so von der versicherten Person selbst eingefordert werden.
4.
6
4.6.1
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich bejaht in seinem
Urteil
UV.2014.00100 vom
8.
Juli 2015 E. 3.3
-6
die Anwendbarkeit von
Art.
24
Abs.
1 ATSG
auf
Integritätsentschädigungen.
Dabei verneinte es in Auseinandersetzung
mit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EG
MR) eine Verletzung von
Art.
6
Abs.
1 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK)
und wies auf die mit dem Zeitablauf zunehmenden Abklärungsschwierigkeiten sowie die mit der Verwirkungsregel verbundene Rechtssicherheit hin.
4.6.2
Bei näherer Betrachtung
hat das
Bundesgericht die
relevanten Argumente
in BGE 121 V 195
E. 5c
letztlich
bereits dargetan.
Es führte im Wesentlichen
aus
, in der
Hauptsache hand
le
es sich bei Sozialversicherungsleistungen um periodische Geldleistungen
. Es gehe darum,
dass ein aktueller Unterhaltsbedarf laufend durch Leistungen abgedeckt
werde. Die Leistungen dienten der Sicherstellung des Existenzbedarfs oder stellten
ein Entgelt für laufende Betreuungs- und Pflege
aufwendungen
dar
. Alle diese Leistungen
hätten
gewissermassen eine "Umlage"-Funktion und k
ämen
zeitgleich dann zur Ausrichtung, wenn
der entsprechende Bedarf bestehe
. Dies schliess
e
die rückwirkende Zusprechung einer Leistung keineswegs aus, die zum einen im Hinblick auf die Dauer eines Abklärungs
verfahrens durchaus am Platze
sei
und zum andern deswegen, weil der Versi
cherte in der Zwischenzeit vielleicht Fürsorgeleistungen bezogen
habe
. Hingegen
werde
die grundsätzliche Funktion der Deckung eines laufenden Bedarfs ver
lassen, wenn Leistungen - wie
in
BGE 116 V 273
betreffend
eine
mit einer
ein
maligen Kapita
labfindung
abgegoltene Integritätseinbusse
- über zwei Jahrzehnte hinweg nachbezahlt werden müss
t
en.
Hier habe
die Nachzahlung
letztlich
bloss noch die Funktion der
Äufnung
eines mehr oder weniger grossen Vermögens. Dies
sei
aber nicht die Aufgabe einer Sozialversicherung. Aus diesem Grunde - unabhängig von den Argumenten der Rechtssicherheit und der mit längerem Zeitablauf zunehmenden Schwierigkeiten der Sachverhaltsabklärung
–
dränge
sich eine absolute zeitliche Be
fristung von Nachzahlungen auf.
4.
7
Zusammenfassend
wird die Anwendbarkeit von
Art.
24
Abs.
1 ATSG auf die Integritätsentschädigung
nach UVG
in der Lehre eher befürwortet, gewichtige Argumente, die
aktuell
dafür oder
dagegen sprechen
würden
,
werden nicht dar
getan.
Bei der Integritätsentschädigung
handelt
es sich letztlich
um eine Son
der
entschädigung im Sinne einer Genugtuung,
di
e zu einer Privilegierung unfall
bedingter
(gegenüber krankheitsbedingte
r
)
Gesundheitsschäden führt.
Sie
wurde vom Gesetzgeber zwar trotz entsprechender Kritik bis anhin beibehalten (vgl.
BBl
2008 5395, S. 5414
).
Dennoch ist hervorzuheben, dass
sie nicht vor dem Hinter
grund eines spezifischen Verwendungszwecks wie der Existenzsicherung oder Deckung von gesundheitlich bedingten Zusatzauslagen erfolgt, vielmehr wird damit frei verfügbares Vermögen
geäufnet
. Des Weiteren kann die Integri
täts
entschädigung ausnahmsweise auch erst später zugesprochen werden, sofern sich die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen erst nach Erlass der Rentenver
fügung zuverlässig beurteilen lassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_836/2013 vom 2
7.
M
ärz 2014 E.
4.5 mit Hinweisen).
Hinzu kommen die altbekannten Argumente wie Rechtssicherheit und Abklärungsschwierigkeiten infolge Zeitab
laufs.
Es besteht
daher kein
Grund,
die Integritätse
nt
schädigung
gegenüber
den essentiellen periodischen Leistungen
bevorzugt zu behandeln
, indem eine
längere Verwirkungsfrist
zugebilligt
oder
eine zeitlich unbeschränkte Nachzahlung
nach
einem unbehandelten Antrag
zugelassen wird.
Mit
Art.
24
Abs.
1 ATSG wurde der Tatbestand der Festsetzungsverwirkung (vgl. dazu BGE
146 V 1 E. 8.1) im Bereich der Sozialversicherungen
auf Bundesebene vereinheitlicht
, wobei sich
– wie in den meisten Bereichen – auch
für die Unfall
versicherung gegenüber
alt
Art.
51 UVG, in der bis 31.
Dezember 2002 geltenden Fassung, keine Änderung ergab. Dass der Wortlaut der Bestimmung auf die im Fokus stehenden periodischen Leistungen zugeschnitten ist
(z
umal eine
Inte
gri
-
tätsentschädigung
nicht für einen bestimmten Monat geschuldet ist
) und der Anspruch nur als Ganzes erlöschen kann,
lässt allein nicht darauf schliessen, der Gesetz
geber
habe
Kapitalabfindungen
vom
Anwendungsbereich von
Art.
24
Abs.
1 ATSG
ausnehmen woll
en
respektive er
habe
die Integritätsentschädigung
übersehen und
hätte
hierfür
– wäre er sich der Problematik bewusst gewesen – eine andere, insbesondere
für die versicherte Person
günstigere Lösung getroffen (vgl.
auch
BBl
1991 II
185, S.
257
). Dies bestätigt auch ein Vergleich mit den
relativen Fristen für entsprechende Ansprüche in anderen Rechtsgebieten, etwa
Art.
60
Abs.
1 und
1
bis
sowie
Art.
128a des
Obligationenrechts
[OR]
und
Art.
25 des Opferhilfegesetzes [OHG
]
, welche
an die
Kenntnis der relevanten
, anspruchs
begründenden
Tatsachen
anknüpfen.
4.
8
Für den vorliegend zu beurteilenden Fall bedeutet dies, dass der
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Integritätsentschädigung nur im Rahmen eines Rü
ck
falls oder von Spätfolgen ge
prüft werden
kann
.
5.
5.1
Die für
eine
Anspruchsprüfung folglich vorausgesetzte
anspruchsrelevante
Ver
schlechterung des
Gesundheitszustand
es
im Sinne eines Rückfalls oder von Spät
folgen
verneinte
die Kreisärztin
Dr.
D._
in ihrer Aktenbe
urteilung vom 1
8.
Dezember 201
8.
Sie erläuterte,
Dr.
A._
habe am
8.
März 2018
folgende klinischen Befunde erhoben:
normale
Trophik
, Tonus im Bereich der Arme und Beine, kein Tremor
,
keine Defizite in der Einzelkraftprüfung
,
Muskeleigenreflexe symmetrisch, mittellebhaft auslösbar
,
Hypästhesie unterhalb der Narbe am Unter
schenkel rechts medial bis zum medialen
Fussrand
und
P
allästhesie
malleolär
8/
8.
Der Beschwerdefüh
r
er habe den
Romberg-Test sicher gestanden
,
Normalgang
und
komplexe
Gangarten seien unauffällig
gewesen. Ein ähnlicher Befund sei im November 2011 vom Kreisarzt
Dr.
Z._
dokumentiert worden: unauffälliges Barfussgangbild, akzessorische Gangarten wie auch tiefes Kauern und einbeiniges Hüpfen unproblematisch, reizlose Narbe
prätibial
, Hypästhesie medial am distalen Unterschenkel und am
Rückfuss
rechts entsprechend dem Versorgungsgebiet des
Nervus
saphenus
(
Urk.
8/103/1).
5.2
Bei
Dr.
D._
s Stellungnahme handelt es sich um eine reine Aktenbeurteilung. Eine solche kann nach der Rechtsprechung beweiskräftig sein, sofern
– wie vorliegend mit
Dr.
A._
s Bericht – ein
lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhaltes geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile des Bundesgerichts 8C_674/2015 vom
2.
Februar 2016 E. 2.2.1 mit Hinweisen und 8C_780/2016 vom 2
4.
März 2017 E.
6.1).
Der Beschwerdeführer bestritt
weder die erhobenen
Be
fund
e, noch legte er dar, inwiefern
solche
übersehen wurden.
Ebenso
wenig
verlangte er
Zusatzuntersuchungen
. Er beanstandete
in diesem Kontext
einzig, dass die Kreisärztin ihn nicht selbst (klinisch
) untersucht hat
te.
5.3
Die Argumentation des Beschwerdeführers
erschöpft sich
letztlich
darin, dass seine Schmerzen zugenommen
hätten
und
Dr.
A._
die neuen Schmerzen
als neuropathisch beurteil
t habe
.
Im Folgenden ist daher näher zu prüfen, weshalb unterschiedlich Diagnosen gestellt wurden und ob eine Schmerzzunahme über
w
iegend wahrscheinlich erscheint
.
Diesbezüglich gilt es zu beachten,
dass neuropathische Schmerzen als psychische Unfallfolgen gelten. Die Nervenläsion als Voraussetzung lässt sich zwar mit apparativen/bildgebenden Methoden darstellen und
ist
vorliegend zweifelsfrei erstellt. Die eigentliche Diagnose stützt sich jedoch auf klinische Befunde und damit primär die Angaben des Patienten, weshalb es sich nicht um eine organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolge im Sinne der Rechtsprechung handelt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_362/2014 vom 2
5.
Juni
2014 E.
3.4 und 8C_647/2018 vom 1
6.
Januar 2019 E. 4.3.2).
5.4
5.4.1
Der Kreis
arzt
Dr.
Z._
erklärte dem Beschwerdeführer
nach dem klinischen
Untersuch
vom 2
4.
November 2011, dass der Sensibilitätsausfall nach Absetzen des Nervs normal sei und eine leichte, nur temporäre Phantomschmerzhaftigkeit vorliege. In seiner Beurteilung wies er darauf hin, dass der Beschwerdeführer zu einer Überinterpretation von Restbeschwerden tendiere
(vgl.
Urk.
8/44/6). Zuvor hatte er festgehalten, dass er klinisch die
angegebene
Adhärenz der Haut nicht objektivieren könne, keine eigentliche
Rezidivneuromsymptomatik
vorliege, aber eine leichte
Durckschmerzhaftigkeit
im Bereich des
Nervenstumpfs
angegeben werde (allerdings nur zeitweise und ohne sicheres
Tinel
-Phänomen,
Urk.
8/44/4). Im Übrigen seien die klinischen Verhältnisse unauffällig. Insbesondere fehlten Hinweise auf eine erhebliche funktionelle Einschränkung des rechten Beines, was aus der guten
Muskulierung
ersichtlich werde (vgl.
Urk.
8/44/5 f.).
5.4.2
Nach Einstellung der Leistungen
Ende
2011 berichtete
Dr.
E._
am 1
1.
April 2012
wie erwähnt, dass aus neurologischer Sicht ein glücklicher Verlauf mit Abklingen von neuropathischen Schmerzen
bestehe
; e
ine Indikation für eine permanente Schmerzmedikation mit antineuropathischem Wirkprofil
sei nicht gegeben
.
Er
begründete
dies
damit, dass die aktuellen Beschwerden sich offenbar auf die Einnahme von
nichtsteroidale
n
Antirheumatik
a
(NSAR
, Einnahme von Paracetamol
) besserten sowie vorwiegend belastungsabhängig seien und damit mehrheitlich eine
nozizeptive
, weniger
eine
neuropathische Komponente vor
han
den sei. Er empfahl zu prüfen, ob bei belastender, einseitiger Tätigkeit zusätzlich kurze Ruhepausen gegeben werden könnten
. Die Beschwerden beurteilte er als
nachvollziehbar und glaubhaft, wies
aber
darauf hin, dass im Rahmen von
phy
siotherapeutischen Behandlungen eine Schonhaltung, die belastungsabhängig sicher eintrete und zu einer Ausstrahlung in Oberschenkel und Wirbelsäule führe, gezielt angegangen werden könne (vgl.
Urk.
8/66/3).
Diesen Bericht
gab
Dr.
F._
zu den Akten, als er der Beschwerdegegnerin am
1.
Februar 2018
auf Anfrage
mitteilte,
keine Angaben zum Verlauf
nach dem Unfall machen zu können
(vgl.
Urk.
8/66/1). Im Schreiben von 1
4.
Februar 2018 ergänzte er nach Rücksprache mit dem Beschwerdeführer (vgl.
Urk.
8/70)
,
dieser
benötige
immer wieder Schmerzmittel wegen nach unten ausstrahlenden Schmer
zen (auch nachts) a
m rechten Unterschenkel
. Er
[
Dr.
F._
]
habe ihm immer wieder
Dafalgan
verordnet, im Rahmen von Konsultationen wegen ander
er Krankheiten (vgl.
Urk.
8/71).
5.4.3
Nach Einsicht in
die neuen
Berichte empfahl di
e Kreisärztin
Dr.
D._
am 23.
Februar 201
8
bei einem Status nach Neuromexzision am rechten Unter
schenkel und zunehmender Schmerzen
und G
efühlsstörung eine neurologische Standortbestimmung (
Urk.
8/71
).
Dementsprechend
wurde der Beschwerdeführer am
8.
März 2018 von
Dr.
A._
neurologisch untersucht.
Im Vordergrund standen hierbei ein chronisches
zerivkozephales
Schmerzsyndrom links seit einer Auffahrkollision
vor
15 Jahre
n
und intermittierende Arthralgien/Arthritiden, vor allem der Hände. Zum rechten Bein notierte er den Befund, wie er von der Kreisärztin
Dr.
D._
in ihrer
B
eurteilung vom 1
8.
März 2018 wiedergegeben wurde (vgl. E. 5.1).
Dr.
A._
kam zum Schluss, die zusätzlichen Beinbeschwerden rechts seien neuropathisch
er Natur (
Nervus
saphenus
). Es sei
ein Versuch mit
Capsaicin
lokal vereinbart
. B
ei fehlender Besserung könne
Carbamazepin
(
Clinical
Reasoning
, Zieldosis 400-600 mg) vers
ucht werden (vgl.
Urk.
8/79/2).
Am 1
1.
Mai 2018
berichtete
Dr.
B._
, dass die lokale Therapie mit
Capsaicin
(
0.075%-
iger
-Crème) dem Beschwerdeführer gut helfe.
Die
residuellen
Beschwer
den seien für
diesen
immer noch deutlich einschränkend
. Er
empfahl die Fort
führung der Behandlung mit Analgetika und Crème
und verzichtete auf eine nähere
Qualifikation der Schmerzen
(vgl.
Urk.
8/84).
5.5
5.5.1
Zusammenfassend
kann somit
Folgendes festgehalten werden:
Dr.
Z._
ging im Jahr 2011
unter Berücksichtigung einer Tendenz zur Schmerzausweitung von Phantomschmerzen aus,
Dr.
E._
schloss
im Jahr 2012
infolge des guten An
sprechens auf
Dafalgan
auf
nozizeptive
Schmerzen und nachdem der Beschwer
deführer gegenüber
Dr.
A._
im Jahr 2018 angegeben hatte
, trotzdem noch Schmerzen zu haben,
blieb diesem
noch die Verifikation von ne
uropathischen Sc
hmerzen mittels
Capsaicin
übrig
. Daraus lässt sich letztlich nicht auf eine Schmerzzunahme schliessen, vielmehr handelt es sich – bei
Fehlen eines erneut
objektivierbare
n
Befund
es
, z.B. eines Neuromrezidivs
– um unterschiedliche Erklärungsansätze für die weiterhin vom Beschwerdeführer subjektiv geklagten
Beschwerden.
Eine relevante gesundheitliche Verschlechterung ist durch die wiedererwogene Diagnostizierung von neuropathischen Schmerzen nicht ausge
wiesen (ebenso wenig ein prozessualer Revisionsgrund, vgl. dazu BGE 144 V 245 E. 5.5.2 und 5.5.5).
5.5.2
G
egen eine relevante Schmerzzunahme
in den letzten Jahren
spricht bereits die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer nach
Sistierung von
Lyrica
vor November 2011 (vgl. Urk. 8/44/2 f.)
keine
weitere fachärztlich oder physiotherapeutische
Behandlung mehr in Anspruch nahm
, wie etwa von
Dr.
E._
empfohlen
. Er liess sich lediglich
Dafalgan
verschreiben (respektive kaufte dieses selbst, vgl.
Urk.
8/63/1), wobei in dieser Zeit
aber
anderweitig
e
Schmerzen
im Vordergrund standen
(vgl.
Urk.
8/79).
Erst
im Laufe des Verfahrens
stimmte er einem Versuch mit
Capsaicin
zu, worauf er offenbar gut ansprach. Nachdem er die Sensibili
tätsstörung bereits gegenüber
Dr.
Z._
mit den Worten beschrieben hatte, das Bein sei tot
(vgl.
Urk.
8/44/2)
,
die Schmerzsituation
über Jahre hinweg keiner spezifischen Behandlung bedurft
e
und er auf die
aktuelle
, moderate
M
edikation
gut anspricht,
besteht kein Grun
d zur Annahme eines Rückfalls.
5.6
5.6.1
Im Übrigen bestehen
erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der subjektiven Angaben des Beschwerdeführe
rs
.
Es
kann zunächst
auf d
ie kreisärztliche Beur
teilung von
Dr.
Z._
verwiesen werden
(vgl. E. 5.4.1)
.
5.6.2
Alsdann
berichteten
die behandelnden Ärzte nach der
N
euromex
zis
i
on
im Mai 2011
über
eine Abnahme der Beschwerden
. So beschrieb nicht nur
Dr.
E._
am 1
1.
April 2012
den Verlauf als glücklich mit Abklingen der neuropathischen Schmerzen
und wies darauf hin,
auch
der Beschwerdeführer gebe
an
, dass es ihm im letzten Jahr vor Entfernung des Ne
r
ventumors deutlich schlechter gegangen sei
(vgl.
Urk.
8/8/66/2 f.
).
Ebenso hatte
der Chefarzt der Chirurgischen Klinik des Spitals
G._
zur
Verlaufsk
ontrolle vom 1
5.
August 2011 festgehalten, der Lokal
befund habe deutlich gebessert mit deutlich weniger Schmerzen bei der Mobili
sation. Bei bestimmten Bewegungen/Bewegungsabläufen (z.B. Autofahren, Gehen im weichen Sand) verspüre der Beschwerdeführer noch ziehende Schmerzen im Bereich der Narbe am rechten Unterschenkel
medialseitig
. Die regelmässig durch
geführte Physiotherapie mit Mobilisation des Narbengewebes inkl. Elektrobe
handlung habe deutliche Fortschritte gebracht. Die b
ekannte Hyposensibilität distal
der Narbe persistiere. Zumindest bezüglich der durch die Narbenfixation verursachten Probleme sei in den kommenden Monaten mit weiteren Fort
schritten zu rechnen (vgl.
Urk.
8/35/2 f.).
I
m
kreis
ärztlichen Untersuch vom 24.
November 2011
gab der Beschwerdeführer indessen
an
, dass er vor der Operation «es
bitzeli
» Beschwerden durch den
Nerventumor gehabt habe. Nach der Operation sei die Störung jetzt aber grösser. Er könne tagew
ei
se nur erschwert herumgehen und nur
kurzstreckig
rennen. Unterhalb des Operationssitus sei an der Innenseite des linken Unterschenkels bis zum medialen
Rückfuss
rechts das Bein «tot». Er hätte aber einen ziehenden Schmerz von der Ferse entlang der hinteren medialen
Kante
der Tibia
bis hinauf zur Exzisionsstelle. Er empfinde
auch
e
ine erhebliche Wetterfühligkeit
und habe
Probleme bei Arbeiten auf L
eitern. Die Physiotherapie habe
man beendet, die elektrische Behandlung hätte kaum etwas genützt.
Lyrica
sei wegen der Neben
wirkungen sistiert worden
(vg
l. Urk. 8/44/2 f.).
5.6.3
In der aktuellen Untersuchung machte der Beschwerdeführer g
egenüber
Dr.
A._
ferner
geltend, seit dem Jahr 2008 immer wieder elektrisierende Schmerzen im Unterschenkel und am Fuss
me
dia
l
seit
ig
, vor allem nach Belastung, jedoch auch nach längerem Sitzen oder nachts in Ruhe zu haben, weswegen er immer wieder aufstehen und herumlaufen müssen (vgl.
Urk.
8/79/1). Dabei hatte er noch im Jahr 2014
angegeben
, im Zusammenhang mit den starken Medikamenten wegen der S
chulterbeschwerden im Bein nun [neu] a
uch beim Sitzen und E
ntspannen die Schmerzen zu verspüren, die er vom Velo fahren und rennen kenne (vgl.
Urk.
8/55/3).
5.6.4
Gleiches gilt für
die Schilderung
en des Beschwerdeführers
ge
genüber dem Coach Prax
is CHECK
nach
Abweisung seines Begehrens mit
Verfügung vom 1
4.
Januar 201
8.
Im Schlussbericht vom
8.
März 2019
wurde festgehalten, der Beschwer
deführer habe zwei Jahr
e
nach dem Autounfall im Jahr 2003 zum alten Arbeit
geber zurückkehren und 50
%
weiterarbeiten können. Beim Unfall im Jahr 2008 habe er Glück gehabt, dass die Beine nicht hätten am
pu
tiert werden müssen. Er sei fast einen Monat lang im Spital, längere Zeit im Rollstuhl
gewesen
und an Krücken gegangen
und nach der Operation ein halbes Jahr lang arbeitsunfähig gewesen. Sein alter Arbeitgeber habe ihm eine erneute Rückkehr ermöglich
t
und er habe wieder zu 50
%
gearbeitet. Im Jahr 2011 sei er erneut an den Beinen operier
t worden (vgl.
Urk.
3/4 S. 2 und 5)
.
Da
s
s dies nicht der Wahrheit entspricht, räumte der Beschwerdeführer selbst ein (vgl.
Urk.
11
Ziff.
7)
. Es ist offensichtlich, dass diese Schilderung weniger seine
fehlenden
Deutsch
kenntnisse
ob
jektiv
i
ert
, als die von
Dr.
Z._
beschriebene und sich
in verschiedenen Berichten
immer wieder
zeigende
Tendenz zur Über
treibung der Schmerzangaben
bestätigt
.
5.6.
5
Der Vollständigkeit halber sei
erwähnt, dass Online-Apotheken eine Packung
Dafalgan
500 mg, 16 Stück, für
Fr.
2.45 anbieten. Würden sich die Kosten des Beschwerdeführers für selbstgekauftes
Dafalgan
tatsächlich auf über Fr. 1'000.--
pro Jahr belaufen, entspräche dies
einem deutlich höheren (und schädlichen) K
onsum
als den
angegebenen mindestens 2 Tabletten
pro Tag
(vgl.
Urk.
8/63/1).
6.
6.1
Wie das Schreiben vom 11. Dezember 2017 (
Urk.
8/56), die Telefonnotiz vom 8. Januar 2018 (Urk. 8/58) und das Gespräch vom 2
5.
Januar 2018 (
Urk.
8/63/1) zeigen, war das Leistungsbegehren letztlich durch Reibereien an der Arbeitsstelle nach einem Chefwechsel motiviert. Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zu
sammenhang behauptete, sein Aufgabenbereich sei nach dem Unfall im Jahr 2008 angepasst worden (vgl.
Urk.
8/58,
Urk.
1
Ziff.
21), wogegen allerdings die Anam
nese in
Urk.
8/66/2 spricht, wäre ihm diese Tatsache damals bekannt und ohne weiteres zu belegen gewesen. Durch den Rückfall im Jahr 2011 erfuhr seine Tätigkeit keine Änderungen (vgl.
Urk.
8/38/3). Im Jahr 2014 waren es schliesslich die Schulterbeschwerden, die dazu führten, dass er nur noch leichte Arbeiten mit vermindertem Rendement ausführte. Bezüglich der Beine gab er an, arbeiten ginge (vgl.
Urk.
8/55/2 f.;
Urk.
1
Ziff.
22). Aus dem Stellenverlust lässt sich daher nichts zu seinen Gunsten ableiten.
6.2
Gleiches gilt für den Schlussbericht Praxis C
HECK
(
Urk.
3/4),
worin
insbesondere von falschen Angabe
n
zur bisherigen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen wurde, wo
mit massiv
e
Einschränkungen als gesichert erachtet wurden, die sich so weder in medizinischer noch
in
tatsächlicher Hinsicht bestätigen lassen. Mit anderen Worten wäre der Bericht allenfalls anders ausgefallen, wäre der
Praxis
Coach sich bewusst gewesen, dass
die Ärzte dem Beschwerdeführer nach dem zweiten Unfall eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert
hatt
en, die er auch umsetzte.
E
s kommt hin
zu, dass die meisten, insbesondere die
entscheidenden Einschränkungen
der Arbeitsfähigkeit
nicht auf die Beinbeschwerden zurückzuführen sind. Der Bericht vermag daher keine Zweifel an der ärztlichen Feststellung zu wecken, dass keine gesundheitliche Verschlechterung mit Bezug auf die Beinbeschwerden vorliege, weshalb es keiner klärenden medizinis
chen Stellungnahme bedarf (vgl.
Urteil
e
des Bundegerichts
8C_563/2018 vom 1
4.
November
2018 E.
6.1.1 und
8C_362/2014 vom 2
5.
Juni 2014
E. 5.1.2).
7.
Unter diesen U
m
ständen brauch
t
die Rüge des Beschwerdeführers im Zusammen
hang mit der materiellen Beurteilung der Integritätsentschädigung nicht geprüft zu werden. Es sei aber dennoch angefügt, dass im von ihm angeführten Bun
des
gerichtsurteil 8C_362/2014 E. 6 in Anwendung der Suva Tabellen 7 («Inte
gritäts
schaden bei Wirbelsäulenaffektionen»), welche als einzige eine die Schmerzen
quantifizierende Skala enthält, und 4 («Integritätsschaden bei einfachen oder kombinierten Zehen, Fuss- und Beinverlusten») unter Berücksichtigung einer Schmerzfunktionsstufe +++ (+/- starke Dauerschmerzen, Zusatzbelastung nicht möglich, auch nachts und in Ruhe) von einem Richtwert von 15
%
ausgegangen wurde. Der Beschwerdeführer spricht gut auf die Medikation an und das Ausmass der von ihm geklagten Schmerzen ist weder glaubhaft, noch führte es zu einer psychischen Beeinträchtigung. Eine Integritätsentschädigung in der geltend ge
machten Höhe von 25
%
erscheint daher von vor
n
herein illusorisch
, zumal es an einer organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge
mangelt
(E. 5.2) und eine ärztliche Einschätzung, welcher jener von Dr.
D._
(Urk. 8/103)
entgegen
-
s
tünde
, nicht aktenkundig ist
.
8
.
Z
usammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen weiteren Rückfall und erneuten Leistungsanspruch des Beschwerdeführers ver
neinte.
Die neu (wied
er-)erwogene Diagnose «neuropath
ische Schmerzen» und die Beschwerdeklage lassen nicht mit dem nötigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf eine relevante Verschlechterung der Beinbeschwerden schliessen. Di
e Beschwerde ist folglich abzuweisen.