Decision ID: dbe3807f-a7ff-4f63-8adf-4ec6de771276
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 8. September 2015 (DG150012)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 30. März 2015
(Urk. 26) ist dieser Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
- des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB,
- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, sowie
- der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis
und mit heute 28 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von
Fr. 800.–.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 14 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate, abzüg-
lich 28 Tage, die bis und mit heute durch Haft erstanden sind) wird die Frei-
heitsstrafe vollzogen.
5. Für die Dauer der Probezeit werden folgende Weisungen erteilt:
- Der Beschuldigte wird angewiesen, die am 17. Februar 2015 an der
Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK), Zentrum für Kinder- und Ju-
gendforensik für Forensische Psychiatrie, begonnene Therapie wäh-
rend der Dauer der Probezeit fortzuführen oder bei einem gleichwertig
qualifizierten Psychologen oder Psychiater eine Gewalt- und Suchtthe-
rapie zu absolvieren, solange diese der zuständige Therapeut als not-
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wendig erachtet. Die Therapeuten erstatten auf Anfrage Bericht zu
Handen des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich, Bewährungs-
und Vollzugsdienste.
- Der Beschuldigte wird verpflichtet, während den ersten 2 Jahren der
Probezeit von insgesamt 4 Jahren gänzlich auf den Konsum von Alko-
hol und Betäubungsmitteln (auch Marihuana) zu verzichten und sich
regelmässigen Kontrollen zu unterziehen.
6. Die Zivilklage des Privatklägers 1 (B._) wird mangels hinreichender
Substantiierung vollumfänglich auf den Zivilweg verwiesen.
7. Die Zivilklage des Privatklägers 2 (C._) wird mangels hinreichender
Substantiierung vollumfänglich auf den Zivilweg verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Privat-
kläger 3 (D._) Schadenersatz in der Höhe von Fr. 1'050.– zzgl. Zins zu
5 % seit 9. Mai 2014 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Zivilklage auf den
Zivilweg verwiesen.
9. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 1 (B._) wird abgewiesen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 (C._) Fr. 500.–
zzgl. 5 % Zins ab 20. Dezember 2014 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Privat-
kläger 3 (D._) Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 9. Mai 2014 als Genug-
tuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abge-
wiesen.
12. Der amtliche Verteidiger wird für seine Bemühungen und Auslagen mit
Fr. 8'815.– (zzgl. 8 % MwSt. in der Höhe von Fr. 705.20) aus der Gerichts-
kasse entschädigt.
13. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
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Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'485.– Auslagen Untersuchung
Fr. 3'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 4'636.50 Einzeltherapie PUK ZH (01.04.2015 - 30.06.2015)
Fr. 4'416.60 Einzeltherapie PUK ZH (06.07.2015 - 26.08.2015)
Fr. 1'494.95 Einzeltherapie PUK ZH (02.09.2015 - 28.09.2015)
Fr. 1'300.00 Einzeltherapie PUK ZH (05.10.2015 - 26.10.2015)
Fr. 1'061.60 Einzeltherapie PUK ZH (02.11.2015 - 25.11.2015)
Fr. 975.– Einzeltherapie PUK ZH (07.12.2015 - 29.12.2015)
Fr. 9'520.20 amtliche Verteidigung (inkl. 8 % MwSt.)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
14. Die Kosten, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden
dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden
auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 109 S. 2)
1. Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil betreffend Ziff. 1
bezüglich Vorwurf des Raubes, des Raufhandels und der mehrfachen
Übertretung des BetmG (Konsum), Ziff. 2 bezüglich der Busse, Ziff. 6,
7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14 in Rechtskraft erwachsen sind.
2. Herr A._ sei von der Anschuldigung der Sachbeschädigung im
Sinne von Art. 144 StGB freizusprechen.
3. Herr A._ sei zu einer angemessenen Freiheitsstrafe von nicht
mehr als 18 Monaten zu verurteilen.
4. Herr A._ sei der bedingte Vollzug der Strafe zu gewähren.
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5. Es sei eine Probezeit von 3 Jahren auszusprechen.
6. Es sei Herr A._ die Weisung zu erteilen, die aktuell an den PUK,
Zentrum für Kinder- und Jugendforensik besuchte Therapie weiterzu-
führen solange diese vom zuständigen Therapeuten als notwendig er-
achtet bzw. bis zum Ablauf der Probezeit.
7. Es sei die erstandene Haft (Polizei- und U-Haft) und die absolvierten
Ersatzmassnahmen anzurechnen.
8. Es seien die Kosten des Appellationsverfahrens inkl. derjenigen der
amtlichen Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis:
(Urk. 94, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

Erwägungen:
I. Formelles
1. Mit Eingabe der Verteidigung vom 18. September 2015 (Poststempel) liess der
Beschuldigte rechtzeitig Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Horgen,
I. Abteilung, vom 8. September 2015 anmelden (Urk. 67, Urk. 90, Prot. I S. 15;
Art. 399 Abs. 1 StPO). Gegen den gleichzeitig ergangenen Beschluss betreffend
Ersatzmassnahmen wurde keine Beschwerde erhoben.
Staatsanwaltschaft und Privatkläger ergriffen kein Rechtsmittel.
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2.1. Das begründete Urteil ging dem Beschuldigten am 27. Januar 2016 zu
(Urk. 88/2). Am 16. Februar 2016 - und damit innert der 20-tägigen gesetzlichen
Frist - gab er die Berufungserklärung bei der Post auf (Urk. 91; Art. 399 Abs. 3
StPO).
2.2. Die Berufung richtet sich gegen den Schuldspruch wegen Sachbeschädigung
im Sinne von Art. 144 StGB (Ziff. 1 al. 3 des erstinstanzlichen Urteils), die Straf-
höhe und die Haftanrechnung (Ziff. 2), die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaft
nicht bezahlter Busse (Ziff. 3) sowie den teilbedingten Vollzug der Freiheitsstrafe
(Ziff. 4). Angefochten sind weiter die Weisungen (Ziff. 5) hinsichtlich der Thera-
piedauer und der Abstinenzauflage (Urk. 109 S. 2).
Mittels Beschluss ist damit festzustellen, dass die Schuldsprüche wegen Raubs
im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Raufhandels im Sinne von Art. 133
Abs. 1 StGB und mehrfacher Übertretung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Ziff. 1 al. 1,
2 und 4), das Dispositiv betreffend die Zivilansprüche der Privatkläger (Ziff. 6 bis
11), die erstinstanzliche Regelung Festsetzung des Honorars der amtlichen Ver-
teidigung (12) sowie das Kostendispositiv (Ziff. 13 und 14) in Rechtskraft erwach-
sen sind.
II. Schuldpunkt
1. Ausgangslage
Wie erwähnt ist der erstinstanzliche Schuldspruch einzig mit Bezug auf die Verur-
teilung wegen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB angefoch-
ten.
Der Beschuldigte bestreitet seit Vorhalt des DNA-Nachweises (Urk. 3/2 und Dos-
sier 2 Urk. 4) nicht, den ihm in der Anklageschrift vorgeworfenen äusseren Sach-
verhalt verwirklicht und damit den objektiven Tatbestand von Art. 144 Abs. 1 StGB
erfüllt zu haben. Er räumt ein, einen Schotterstein geworfen zu haben, um einen
Rollladen eines Gebäudes zu treffen, und negiert nicht, dass das Wurfgeschoss
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vorzeitig niederging und dabei in der Heckscheibe des Autos von B._ einen
Glasschaden hinterliess, der Reparaturkosten von Fr. 771.– nach sich zog (Urk.
3/2 S. 1 ff., Urk. 3/3 S. 5 f., Urk. 26 S. 5, Urk. 56 S. 18 ff., Urk. 58 S. 4). Dieses
Teilgeständnis deckt sich mit der übrigen Aktenlage (Dossier 2, Urk. 1, 2 und 4).
In Abrede stellt der Beschuldigte jedoch
- erstens, beim Schleudern des Steins die Beschädigung des Rollladens gewollt
oder mindestens in Kauf genommen zu haben (es sei nur um die Verursachung
von Lärm gegangen, Urk. 3/2 S. 2 und Prot. II S. 12), und
- zweitens, in Kauf genommen zu haben, statt des Rollladens den Personenwa-
gen zu treffen und zu beschädigen.
Vielmehr habe er darauf vertraut, genügend weit und hinreichend genau werfen
zu können, um den Rollladen und nicht das Auto zu treffen (Urk. 3/2 S. 2 f.,
Urk. 58 S. 4 ff.). Er habe "nichts überlegt" bzw. - so die Verteidigung vor Vor-
instanz - die möglichen Folgen des Fehlgehens gerade nicht bedacht (Urk. 3/2
S. 3, Urk. 58 S. 6, Urk. 109 S. 3 und Prot. II S. 12); "die Struktur seiner Handlung"
trage deshalb "offensichtlich Zeichen einer Fahrlässigkeitstat" (Urk. 58 S. 6,
Urk. 109 S. 4). Der Beschuldigte macht somit - nachdem er sich in der Untersu-
chung einmal der eventualvorsätzlichen Sachbeschädigung schuldig bekannt hat-
te (Urk. 3/3 S. 6) - aktuell wieder geltend, lediglich fahrlässig gehandelt zu haben,
weshalb er vom Vorwurf der Sachbeschädigung, welche lediglich bei mindestens
eventualvorsätzlicher Begehung strafbar ist, freizusprechen sei.
2. Vorsatz, Eventualvorsatz und (bewusste) Fahrlässigkeit
Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB verübt ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich,
wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt oder die Verwirklichung der Tat für
möglich hält und in Kauf nimmt.
Eventualvorsatz liegt vor, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungswei-
se die Verwirklichung des Tatbestands für möglich hält, aber dennoch handelt,
weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet,
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mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1, BGE 133 IV 1, BGE
6S.370/2006, BGE 6B_643/2011).
Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss der
Richter bei fehlendem Geständnis aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu ge-
hören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirkli-
chung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters
und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestands-
verwirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto nä-
her liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in
Kauf genommen. Der Richter darf vom Wissen des Täters auf den Willen schlies-
sen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdräng-
te, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als
Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 135 IV 12, BGE 134 IV
26, BGE 133 IV 1, BGE 130 IV 58, BGE 125 IV 242 mit Hinweisen). Eventualvor-
satz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Er-
folgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich war. Doch
darf nicht allein aus dem Wissen des Beschuldigten um die Möglichkeit des Er-
folgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr müssen wei-
tere Umstände hinzukommen (BGE 131 IV 1, BGE 125 IV 242).
Die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit kann im
Einzelfall schwierig sein. Sowohl der eventualvorsätzlich als auch der fahrlässig
handelnde Täter wissen um die Möglichkeit oder das Risiko der Tatbestandsver-
wirklichung. Hinsichtlich der Wissensseite stimmen somit beide Erscheinungsfor-
men des subjektiven Tatbestandes überein. Unterschiede bestehen jedoch beim
Willensmoment. Der bewusst fahrlässig handelnde Täter vertraut (aus pflichtwid-
riger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der von ihm als möglich vorausgesehene Er-
folg nicht eintrete, sich das Risiko der Tatbestandserfüllung mithin nicht verwirkli-
che. Demgegenüber nimmt der eventualvorsätzlich handelnde Täter den Eintritt
des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm
ab. Wer den Erfolg derart in Kauf nimmt, "will" ihn im Sinne von Art. 12 Abs. 2
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StGB. Nicht erforderlich ist, dass er Täter ihn geradezu "billigt" (BGE 133 IV 9,
BGE 133 IV 1, BGE 130 IV 58).
3. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
Was die Umstände des Steinwurfs betrifft, so geht aus den Ausführungen des
Beschuldigten hervor, dass es sich beim Wurfobjekt um einen Schotterstein han-
delte, den er von einem Bahntrassee behändigt hatte (Urk. 3/2 S. 2).
Schotter ist hartes, gebrochenes, kantiges Gestein mit einer Korngrösse von rund
3 bis 6 cm, das unter anderem für den Gleisbau verwendet wird (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schotter sowie http://www.schotterwerk-
kehrsiten.ch/der-schotter.html#schotter-was-ist-das).
Auch wenn der Beschuldigte mangels Strafantrag nicht wegen (versuchter) Be-
schädigung des Rollladens bestraft werden kann, sind zur Beurteilung des inne-
ren Sachverhalts und damit des subjektiven Tatbestands bezüglich der Zerstö-
rung der Autoscheibe schon Wissen und Willen hinsichtlich des eigentlichen Ziels,
des Rollladens, von Belang (wovon auch die Staatsanwaltschaft ausging, indem
sie diesbezügliche Vorwürfe in die Anklageschrift aufnahm), weshalb auch darauf
kurz einzugehen ist.
Es kann kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass dem Beschuldigten - wie
jeder erwachsenen Person in derselben Situation - klar war, dass der harte und
kantige Schotterstein, den er mit Wucht in Richtung Rollladen schleuderte (wollte
er doch zugegebenermassen, dass es "knallt" bzw. "ziemlich laut scheppert";
Urk. 3/2 S. 2), beim Auftreffen einen Schaden - in Form einer Delle und/oder zu-
mindest eines Kratzers - bewirken würde. Er handelte insofern mit Vorsatz. Ge-
nauso muss ihm klar gewesen sein, dass bei verkürzter Wurfparabel ein anderer
Gegenstand beschädigt werden konnte, etwa die Karosserie oder (wie gesche-
hen) das Glas eines parkierten Fahrzeugs. Diese Folge im Falle vorzeitigen Nie-
dergangs des Steins war so naheliegend, dass nur von einer Inkaufnahme aus-
gegangen werden kann.
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Noch nicht beantwortet ist damit aber die Frage,
- ob der Beschuldigte die Möglichkeit in Betracht zog, dass die Wurfbahn anders
verlaufen könnte als geplant und ob ihm dies gleichgültig (wenn auch nicht er-
wünscht) war oder
- ob er darauf vertraute, dass eine solche Deviation nicht eintreten würde.
Die Antwort darauf hängt von den örtlichen Verhältnissen, insbesondere der Dis-
tanz zwischen Werfer und Ziel und dem Vorhandensein von Hindernissen, welche
die Flugbahn beeinflussen konnten ab, aber auch vom Geschick des Werfenden.
Der Beschuldigte gab an, auf der Höhe der Villa ... in E._ durch den Zaun
gegriffen und einen Schotterstein vom Bahntrassee genommen zu haben. Diesen
habe er später über einen Parkplatz, auf dem der VW-Golf des Geschädigten
nebst einigen weiteren Fahrzeugen parkiert gewesen sei, und die Bahngleise wer-
fen wollen, um dahinter, in insgesamt 50 bis 70 m Entfernung, einen Rollladen ei-
nes Abbruchhauses zu treffen; gegen den Vorhalt der Staatsanwaltschaft, diese
Aktion habe in Richtung des Hauses F._-Strasse ... in E._ stattgefun-
den, erhob er keine Einwendungen (Urk. 3/1 S. 2, Urk. 3/3 S. 5, Urk. 56 S. 18 f.).
Tatsächlich besteht nun mit der G._-Strasse eine direkte Verbindung zwi-
schen der Villa ... und einer Stelle, von der aus die Distanz (Luftlinie) zum Haus
F._-Strasse ... rund 60 m beträgt (Urk. 102/1 ff.; GIS-Browser des Kantons
Zürich, Internet-Adresse https://maps.zh.ch/ sowie Google Maps =
https://www.google.ch/maps/ [Aufnahmen vom Oktober 2014]). An diesen (Wurf-)
Ort auf der G._-Strasse könnte im Tatzeitpunkt in Richtung Haus F._-
Strasse ... gesehen direkt der vom Beschuldigten erwähnte Parkplatz, auf dem
der Wagen des Geschädigten parkiert gewesen sein soll, angegrenzt haben (auf
den wenige Monate später aufgenommenen Google-Maps-Bildern befindet sich
dort eine Baustelle; Urk. 102/1 f.). Dahinter folgt etwas erhöht ein Bahndamm, an
den sich ein Rasen anschliesst, der direkt vor dem Haus F._-Strasse ... liegt.
Dort ist ein Baugespann ausgesteckt, was zur Schilderung des Beschuldigten
passt, er habe den Rollladen einer Abbruchliegenschaft treffen wollen (Urk.
102/2).
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Völlig unwahrscheinlich ist dagegen, dass sich der Erfolgsort an der H._-
Strasse ... in E._ befand, wovon die Polizei ursprünglich ausging (Urk. 3/2 S.
3 sowie Dossier 2, Urk. 1, 2 und 4). Bekanntlich gabeln sich die Gleise Richtung
E._ in .... Ein Strang führt danach dem See und teilweise der F._-
Strasse entlang zum (unteren) Bahnhof E._, der andere steigt an zum Bahn-
hof .... Der nächstgelegene Bahndamm von der H._-Strasse ... aus gese-
hen, liegt bergwärts in rund 170 m Entfernung, wobei sich in der Luft- (=
Wurf)Linie diverse mehrstöckige Liegenschaften befinden (Urk. 103/1 und 2).
Geht man von den Ausführungen des Beschuldigten aus, wonach er den Stein
über ein Bahntrassee habe werfen wollen und der Vorfall "beim Bahngleis" (Urk.
3/2 S. 2, Urk. 56 S. 18) geschah, fällt besagte Adresse ausser Betracht; niemand
- auch nicht der Beschuldigte bei krasser Selbstüberschätzung - kann glauben,
einen Stein über eine derart grosse Distanz und derartige Hindernisse werfen zu
können.
Auszugehen ist damit davon, dass der Beschuldigte den Schotterstein von der
G._-Strasse in Richtung des Hauses ... an der F._-Strasse warf, dieser
aber schon in verhältnismässig kurzer Distanz (Urk. 3/3 S. 6; vgl. ferner die er-
wähnten Aufnahmen auf Google Maps), jedenfalls noch deutlich vor dem Bahn-
damm, niederging und die Heckscheibe des VW Golf durchschlug. Auch wenn
man nun berücksichtigt, dass der Beschuldigte kein geübter Werfer war - aller-
dings beim Weitwurf in der Schule und Steinewerfen in den See jeweils "immer
weit" gekommen sein will - und dass er in der Tatnacht angetrunken war (Urk. 3/2
S. 3, Urk. 56 S. 19 und 20), kann daraus nicht mit rechtsgenügender Wahrschein-
lichkeit geschlossen werden, diese krasse Verkürzung der gewollten Flugparabel
(trotz der mutmasslich bis zum beschädigten Auto hindernisfreien Flugbahn) und
damit die Beschädigung des Autos seien für ihn derart augenfällig gewesen, dass
er geradezu in Kauf genommen haben müsse, ein Auto auf dem Parkplatz in Mit-
leidenschaft zu ziehen. Viel näher als eventualvorsätzliches Handeln liegt, dass
der Beschuldigte entweder die Gefahr eines solchen vorzeitigen Niedergangs des
Wurfgeschosses (durchaus sorgfaltswidrig) gar nicht erkannte oder zumindest da-
rauf vertraute, mit seinem Wurf ohne Weiteres über die parkierten Autos hinweg
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zu kommen. Lag nicht bloss unbewusste, sondern bewusste Fahrlässigkeit vor,
ändert dies nichts, denn auch diese Form der Sachbeschädigung ist straflos.
Entgegen der Verteidigung (Urk. 109 S. 4) ist somit von einer klassischen "aberra-
tio ictus" Situation auszugehen mit (mangels Strafantrag nicht zu ahndender) ver-
suchter Sachbeschädigung hinsichtlich des Rollladens und lediglich fahrlässiger
Tatbegehung hinsichtlich des getroffenen Objekts, was zum Freispruch vom Vor-
wurf der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB führt (vgl. dazu
auch BGE 6S.582/2006 vom 15. Mai 2007; BSK StGB, Niggli/Maeder, 3. Aufl.,
Basel 2013, N 38 zu Art. 12 StGB sowie Leu, "Zur Abgrenzung zwischen aberratio
ictus und error in objecto" in: ZStrR 132/2014 S. 383 ff., insb. S. 388).
III. Strafzumessung
1. Strafzumessungsregeln
Im erstinstanzlichen Urteil finden sich bereits zutreffende Ausführungen zu den
Grundsätzen der Strafzumessung (Urk. 90 S. 8 f.). Sie brauchen an dieser Stelle
nicht wiederholt zu werden.
2. Strafrahmen
Der Strafrahmen für Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB reicht von
180 Tagessätzen Geldstrafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe. Der in Realkonkur-
renz begangene, als Einzeltat mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe maximal 3 Jah-
ren Freiheitsstrafe zu ahndende Raufhandel im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB
würde theoretisch eine Ausweitung des Strafrahmens auf bis zu 13 Jahre Frei-
heitsstrafe erlauben. Ebenso könnte der Strafmilderungsgrund der leicht vermin-
derten Schuldfähigkeit beim Raub grundsätzlich eine Unterschreitung der Min-
destgeldstrafe rechtfertigen. Vorliegend besteht jedoch mangels aussergewöhnli-
cher Umstände kein Anlass, den durch das schwerste Delikt vorgegebenen Straf-
rahmen zu verlassen.
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3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Tatkomponente
3.1.1. Raub
3.1.1.1. Objektive Tatschwere beim Raub
Was die objektive Tatschwere beim schwersten Delikt betrifft, so ist zunächst
festzuhalten, dass dem Beschuldigten und seinen Mittätern I._ und J._
in der Anklageschrift mit keiner Silbe vorgeworfen wird, sie hätten gegenüber
D._ (Privatkläger 3) und dessen beiden Kollegen K._ Gewalt angewen-
det, ihnen mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben gedroht oder sie
auf andere Weise zum Widerstand unfähig gemacht, bevor der Beschuldigte dem
Privatkläger 3 Zigaretten und Zigarettenpapiere wegnahmen, um diese fremden
Sachen zu behalten. Der allein eingeklagte Umstand, dass der Beschuldigte mit
insgesamt 4 Kollegen (nämlich zusätzlich noch L._ und M._) auf dem
Dorfplatz erschien (wo die Geschädigten Ping Pong spielten), reicht kaum, von
einer Drohung durch übermächtiges Auftreten auszugehen. Am weiteren Fort-
gang der Tat beteiligten sich laut Anklage denn auch nur 3 der 5 Personen.
Mit der (überraschenden) Wegnahme waren der Bestohlene und seine Kollegen
selbstredend nicht einverstanden, was sie auch kundtaten. Im Rahmen der nach-
folgenden Auseinandersetzung, die nicht nur, aber auch zum Ziel hatte, dass der
Beschuldigte und seine Mittäter die Beute behalten konnten (wovon auch die An-
klagebehörde ausgeht), verletzte der Mittäter I._ den Privatkläger 3, indem er
diesem einen Stoss versetzte, was zur Folge hatte, dass Letzterer mit dem Rü-
cken heftig gegen eine Sitzbank prallte und seine linke Schulter auskugelte. Als
der Geschädigte K._ dem Privatkläger 3 zu Hilfe eilen wollte, stellte sich der
Beschuldigte zwischen die beiden, und der J._ fügte K._ mit einem
Faustschlag eine Beule am Hinterkopf zu. Der Beschuldigte verfolgte den (mög-
licherweise, um Hilfe zu holen) wegrennenden K._ danach noch und fügte
ihm mit Fusstritten schmerzhafte Prellungen an Hüfte, Oberschenkel und im Geni-
talbereich zu.
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Der J._ entriss sodann dem Privatkläger 3 einen Sack, der diverse Wertge-
genstände und Bargeld im Gesamtwert von rund 850 Franken enthielt, die dem
Privatkläger 3 und K._ gehörten. Der Beschuldigte bestreitet, dass dieser
Diebstahl vom Tatvorsatz erfasst war; man habe nur vereinbart, den dreien Alko-
hol, Zigaretten und Marihuana wegzunehmen (Urk. 3/5 S. 3 f., Urk. 56 S. 15); er
nehme niemandem Geld weg. Von diesem Diebstahl habe er nichts mitgekriegt,
erst anderntags davon gehört, und von der Beute habe er auch nichts gewollt und
entsprechend nichts erhalten (Urk. 3/5 S. 4, Urk. 56 S. 15 f.). Diese Aussagen
sind nicht widerlegbar, zumal mangels Wahrung der Teilnahmerechte des Be-
schuldigten keine verwertbaren anderweitigen Aussagen vorliegen. Sie sind aber
auch nicht unplausibel: Wenn der Beschuldigte seine Aufmerksamkeit während-
dessen K._ widmete und diesen verfolgend vom Tatort wegrannte, könnte
ihm die Wegnahme des Sacks durch J._ und die anschliessende Beutesi-
cherung tatsächlich entgangen sein.
Damit liegt auf Seiten des Beschuldigten ein räuberischer Diebstahl im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB vor, denn die Schläge des Beschuldigten und seiner
Mittäter erfolgten erst nach dem Diebstahl und aus Sicht des Beschuldigten zur
Sicherung der (geringfügigen) Beute und zur Demonstration von Stärke und
Macht der Gruppe.
Die physische Einwirkung auf die - immerhin zwei - Betroffenen führte zu einer
ausgekugelten Schulter (wobei nicht bekannt ist, ob das Opfer diesbezüglich vor-
belastet war, also eine Prädisposition hatte), Schürfungen, Prellungen und einer
Beule am Kopf und ist zwar nicht zu bagatellisieren, doch waren die Verletzungen
auch nicht geradezu massiv.
Der Deliktsbetrag liegt höchstens im einstelligen Frankenbereich und ist damit
ausgesprochen gering; für den Diebstahl des Sacks mit relativ wertvollem Inhalt
kann der Beschuldigte wie erwähnt nicht zur Verantwortung gezogen werden.
Verschuldenserhöhend wirkt sich aus, dass die Täter zu dritt vorgingen, auch
wenn keine klassische Bandenmässigkeit im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 StGB vor-
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liegt, weil nicht erstellt ist, dass sich die drei zu fortgesetzter Deliktsverübung zu-
sammengefunden haben.
Gesamthaft betrachtet wiegt die objektive Tatschwere, bezogen auf Tatbestand
und Strafrahmen, eher leicht.
3.1.1.2. Subjektive Tatschwere beim Raub
Was die subjektive Tatschwere anbelangt, so handelte der Beschuldigte mit direk-
tem Vorsatz. Das gilt auch für den Körpereinsatz seiner Kollegen, was insbeson-
dere daraus zu schliessen ist, dass alle drei die Opfer ähnlich hart malträtierten,
wenn sich auch die Folgen unterschieden. Wie erwähnt erstreckte sich sein Vor-
satz aber nicht nachweislich auch auf die Wegnahme des Sacks samt Inhalt.
Ein auch nur ansatzweise einfühlbares Motiv für die Tat ist nicht ersichtlich. Fi-
nanzielle Beweggründe standen offensichtlich nicht im Vordergrund. Es ging mehr
darum, mit "Action" Langeweile zu vertreiben sowie Macht über andere Jugendli-
che zu demonstrieren und selbst zu verspüren (vgl. dazu auch etwa Urk. 106/2
S. 7).
Die ...-Group, die eine Art Familienersatz für den Beschuldigten darstellte (und
sich denn auch "N._" nannte), vermittelte ihm ein gesteigertes Selbstwertge-
fühl und bestärkte ihn in seinem Tun. Gleichzeitig forderte sie von ihm mindestens
implizit, sich innerhalb der Gruppe zu behaupten und zu profilieren. Freilich führt
diese tatfördernde Zugehörigkeit zu einem Clan bzw. die von der Vorinstanz er-
wähnte "Gruppendynamik" nicht zu einer nennenswert milderen Beurteilung der
subjektiven Tatschwere, zumal keineswegs erstellt ist, dass der Beschuldigte
nicht auch in anderen Kreisen Kollegen (und damit sein Selbstwertgefühl steigen-
de "Anerkennung, Zusammenhalt und Zugehörigkeit", Urk. 106/2 S. 6 f.) hätte fin-
den können. Geringfügig verschuldensreduzierend wirkt sich sodann aus, dass
die Tat nicht - wie dies bei Raub häufig der Fall ist - von langer Hand und im De-
tail geplant war, sondern einem spontanen Einfall entsprang und der Beschuldigte
nicht als Initiator betrachtet werden kann.
- 16 -
Alsdann ist die Schuldfähigkeit des Beschuldigten angesichts der Blutalkoholkon-
zentration von 1.22 Gewichtspromillen (Urk. 17/5) und einer damals vorhandenen
allgemeinen Alkoholproblematik (Urk. 53/1 S. 6 f.), als leicht vermindert zu be-
trachten.
Die subjektive Tatschwere wiegt damit bereits nicht mehr leicht.
3.1.1.3. Einsatzstrafe
Insgesamt ist das Tatverschulden in der möglichen Bandbreite bei Raub als noch
leicht zu qualifizieren und damit geringer als von der Vorinstanz mit "nicht mehr
leicht" angenommen (was im Übrigen zu einer Einsatzstrafe im unteren Bereich
des mittleren Strafdrittels, also von gut drei Jahren, hätte führen müssen, und
nicht nur zu einer solchen von 14 Monaten).
Als angemessen erweist sich eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten.
3.1.2. Raufhandel
3.1.2.1. Objektive Tatschwere
Dem Raufhandel in der M._ [Ort] vom 20. Dezember 2014 lag gemäss den
unwiderlegbaren Aussagen des Beschuldigten (Urk. 3/8 S. 1 ff., Urk. 3/10 S. 1 ff.,
Urk. 56 S. 16 ff.) ein Missverständnis auf Seiten des Opfers C._ (Privatkläger
2) zugrunde. Dieser wollte Ecstasy-Tabletten verkaufen. Zwei dem Beschuldigten
und seinem Mittäter J._ nicht näher bekannte Personen, welche mit dem Be-
schuldigten und seinem Kollegen beim Privatkläger 2 standen, wollten C._
ausnehmen. Einer der Unbekannten schlug dem Privatkläger 2 die Pillen aus der
Hand, der andere setzte Pfefferspray ein. Der Strahl traf C._, den Beschul-
digten und J._ in die Augen. C._ schlug daraufhin um sich und traf
J._ sowie den Beschuldigten - von denen er offenbar glaubte, sie seien Mit-
täter der anderen - mittelhart (aber ohne Verletzungen zu hinterlassen) im Ge-
sicht. Der Beschuldigte stiess C._ von sich weg. J._ schlug dann den
Privatkläger 2 mit den Fäusten ins Gesicht. Etwas später verpasste der Beschul-
digte C._ zur Unterstützung von J._ ebenfalls einen Faustschlag ins
- 17 -
Gesicht. Im Verlauf der Schlägerei erlitt der Privatkläger 2 eine Rissquetschwunde
über dem Nasenbein, ein Hämatom am rechten Auge sowie diverse Gesichts-
/Kopf-Prellungen.
Wer sich zwar durch Körpereinsatz an einem Raufhandel beteiligt, jedoch mit dem
ausschliesslichen Ziel, sich oder einen Dritten zu schützen oder die Beteiligten zu
trennen, beschränkt sich im Sinne von Art. 133 Abs. 2 StGB darauf, einen Angriff
abzuwehren, jemanden zu verteidigen oder Streitende zu scheiden. Er handelt
somit nur, um sich oder eine andere Person zu verteidigen oder um die Gegner
zu trennen. Durch sein Verhalten provoziert er weder den Kampf, noch hält er
diesen in irgendeiner Weise aufrecht. Er erhöht nicht die dem Raufhandel inne-
wohnenden Risiken, sondern versucht, diese auszuschalten (BGE 131 IV 153 =
Pr 95 [2006] Nr. 83).
Der Beschuldigte beteiligte sich allerdings nicht allein zur eigenen Abwehr oder
um J._ zu verteidigen an der Schlägerei, sondern offensichtlich auch, um
J._ zu helfen, den Privatkläger 2 zu bestrafen. Eine reine Verteidigungshand-
lung bzw. Notwehrhilfe behauptete er denn auch nicht. Vielmehr erklärte er, er
und J._ hätten auch weggehen können (Urk. 56 S. 17) und er (der Beschul-
digte) hätte "es" (gemeint: C._ schlagen) nicht machen sollen. Entsprechend
hat er den erstinstanzlichen Schuldspruch wegen Raufhandels auch nicht ange-
fochten.
Gleichwohl bleibt es dabei, dass die Unbekannten die Auseinandersetzung durch
die Wegnahme von Ecstasy und den Pfeffersprayeinsatz auslösten und C._
sich über die Rolle des Beschuldigten (und seines Begleiters) irrte, was alles der
Beschuldigte nicht zu vertreten hat. Und nicht zu übersehen ist, dass das Vorge-
hen des Beschuldigten zeitweise auch eine Verteidigungskomponente beinhalte-
tet, wenngleich diese Abwehr nicht ausschliesslich war, wie es Art. 133 Abs. 2
StGB für Straflosigkeit verlangt.
Die Blessuren, die der Privatkläger erlitt, stellen eine einfache Körperverletzung
dar, waren aber nicht gravierend.
- 18 -
Die objektive Tatschwere wiegt damit im Rahmen des Raufhandels (welcher
Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vorsieht) leicht.
3.1.2.2. Subjektive Tatschwere
Der Beschuldigte beteiligte sich mit Vorsatz am Raufhandel.
Was das Motiv angeht, kann auf das bereits Gesagte verwiesen werden.
Der Beschuldigte verübte die Tat sodann nach eigenen Angaben nicht unter er-
heblichem Alkoholeinfluss.
Auch die subjektive Tatschwere wiegt leicht.
3.1.2.3. Strafhöhe und Strafart
Die Ausfällung einer Freiheitsstrafe rechtfertigt sich für den Raufhandel nicht.
Vielmehr ist der Beschuldigte angesichts der gesamten Tatumstände und des
leichten Tatverschuldens mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu bestrafen.
3.2. Täterkomponente
3.2.1. Die Vorinstanz hat die Lebensgeschichte des Beschuldigten dargestellt
(Urk 90 S. 14 f.).
Im Therapiebericht der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich ist zwar die Rede
davon, dass die Familiengeschichte "ein grosses Dunkelfeld (Verdrängung, Ta-
bu)" für den Beschuldigten darstelle und mit der Geschichte der Mutter (Herkunft
.../... [Staaten in Vorderasien], viele tote Verwandte, Kriegserfahrungen) noch
"viele Geheimnisse verbunden" seien, welche sich "problematisch auf die Identi-
tätsentwicklung" des Beschuldigten auswirken würden (Urk. 53/1 S. 4). Diese et-
was diffusen Ausführungen bilden aber noch keine ernsthaften Anhaltspunkte da-
für, dass der Beschuldigte in strafzumessungsrelevant schlechten familiären Ver-
hältnissen aufgewachsen wäre. Sein Verhältnis zu den Eltern bezeichnete er
denn auch als "sehr gut" (Urk. 3/3 S. 6), und er wohnt nach wie vor mit der
Schwester bei ihnen (a.a.O., Urk. 56 S. 3, Prot. II S. 7 f.).
- 19 -
Auszugehen ist dagegen davon, dass der Beschuldigte, der eine Frühgeburt war,
als Kind Krankheiten erlitt, die seine Sprachentwicklung verzögerten und sich
darüber hinaus Rechen-, Lese- und Rechtschreibeschwächen zeigten, die trotz
durchschnittlicher Intelligenz zu anhaltenden schulischen Teilleistungsschwächen,
Klassenwiederholung und entsprechenden Frustrationserlebnissen - nicht zuletzt
im Vergleich mit seiner leistungsstarken Schwester - führten (Urk. 53/1 S. 5 und
7). Bis heute hat der Beschuldigte Mühe, sich theoretische Kenntnisse anzueig-
nen, während seine praktischen Fähigkeiten durchaus gut zu sein scheinen. Da-
mit im Zusammenhang steht offenbar auch eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyper-
aktivitätsstörung (ADHS, Urk. 53/1 S. 6, Urk. 106/2 S. 5 f.). Der Beschuldigte hat
zwar mittlerweile (im Sommer 2015, d.h. nach den vorliegenden Delikten) eine
Lehre als Landschaftsgärtner mit eidgenössischem Berufsattest abgeschlossen,
doch brauchte es dazu offenbar überdurchschnittliche Anstrengung und ein gros-
ses Durchhaltevermögen (Urk. 56 S. 9 und 11, Urk. 58 S. 9).
Der Beschuldigte hatte aber nicht nur grosse und zumindest grösstenteils nicht
selbstverschuldete schulische Schwierigkeiten, sondern vermochte sich auch in
sportlicher Hinsicht nicht hervorzutun (Urk. 53/1 S. 5).
Die langanhaltenden bzw. sich wiederholenden Frustrationserlebnisse dürften mit
der schon frühzeitig zutage getretenen, mindestens zeitweisen Impulsivität (wie
auch mit seiner bereits erwähnten Alkoholproblematik) und Aggressivität zusam-
menhängen. Das rechtfertigt eine leichte Strafminderung.
3.2.2. Diese wird aber mehr als kompensiert durch folgende, erheblich straferhö-
hende Umstände:
Der Beschuldigte liess sich bereits 2011 und 2012, ebenfalls mit Mittätern, zwei
Angriffe zuschulden kommen, die dem Gewaltteil des vorliegenden Raubs (und in
eingeschränktem Masse auch dem Raufhandel) bedenklich ähneln (Urk. 24/6; vgl.
zum Hergang der Taten auch die beigezogenen Akten der Jugendanwaltschaft
Limmat/Albis, Unt.Nr. 2011/992, sowie Urk. 90 S. 16). Durch die am 10. Mai 2012
dafür und für das Mitführen eines Schlagrings verhängte Jugendstrafe von im-
merhin 45 Tagen Freiheitsentzug unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs
- 20 -
bei sechs Monaten Probezeit (mit persönlicher Betreuung gemäss Art. 13 JStGB)
liess er sich offensichtlich nicht nachhaltig beeindrucken, was umso problemati-
scher erscheint, als der Beschuldigte damals nicht weniger als 25 Tage der Strafe
durch vorläufige Festnahme/Untersuchungshaft erstanden hatte. Im Rahmen der
gleichzeitig angeordneten ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 14 JStGB
nahm der damals 16-jährige Beschuldigte an einer mehrmonatigen Anti-
Aggressionstherapie teil, bei dem Delikte und deren Auslöser thematisiert wurden
(Urk. 56 S. 4 f., Urk. 106/2 S. 1) und ihm vor Augen geführt (und mit ihm trainiert)
wurde, wie man mit Mitmenschen in punkto Gewaltanwendung umgeht. Auch dies
entfaltete offensichtlich keine Wirkung auf Dauer.
Angesichts dessen können die vorliegenden Taten keinesfalls als in jugendlichem
(oder besser früherwachsenem) Leichtsinn begangen eingestuft werden. Der Be-
schuldigte wusste aufgrund seines Lebenslaufs sogar noch besser als andere
Gleichaltrige, wann Gewaltanwendung unzulässig ist und wie man dazu führende
Konflikte vermeidet bzw. ihnen aus dem Weg geht.
Bezüglich des Raufhandels kommt moderat straferhöhend hinzu, dass auch die
nur einen Monat vor dieser Tat erfolgte Warnung des Staatsanwalts, er müsse bei
erneuter Delinquenz damit rechnen, bis zur Hauptverhandlung in Haft genommen
zu werden (Urk. 3/6), nicht dazu führte, dass er sich anlässlich des Vorfalls in der
M._ im Zaum hielt. Er delinquierte damit während laufender Strafuntersu-
chung.
3.2.3. Der Beschuldigte zeigte sich mit Bezug auf beide Delikte zwar nicht durch-
gehend geständig, anerkannte aber letztlich den Sachverhalt wie die rechtliche
Würdigung. Damit erleichterte er die Untersuchung (etwa indem Konfrontations-
einvernahmen unterbleiben konnten) und zeigte auch bereits eine gewisse Ein-
sicht und Reue.
Einsicht und Reue manifestierte der Beschuldigte - was die Vorinstanz nicht be-
rücksichtigte - auch damit, dass er sich bei den vom Raub Betroffenen schriftlich
entschuldigte und anerkannte, dem Privatkläger 3 Schadenersatz und Genugtu-
ung zu schulden.
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In ebendiese Richtung weist, dass der Beschuldigte mittlerweile mit grosser An-
strengung eine Lehre erfolgreich abgeschlossen hat, einer Arbeit nachgeht
(Prot. II S. 7) und die Ersatzmassnahmen (insbesondere die Teilnahme an einer
deliktsorientierten Therapie bei der PUK, in welcher er Fortschritte erzielte und die
Alkoholabstinenz) seit 16 Monaten im Wesentlichen einhält. Er zeigt damit ein
Bestreben, von delinquenten Verhaltensweisen auf Dauer Abstand zu nehmen
und seinem Leben endlich eine andere Richtung zu geben. Ein dies erschweren-
der Wermutstropfen stellt allerdings der Umstand dar, dass er nach wie vor Kon-
takte mit Mitgliedern der ... Gruppe [aus E._] pflegt (Prot. II S. 8), was aller-
dings die vorgenannten, auf Reue und Einsicht hinweisenden Anhaltspunkte nicht
zunichte macht, zumal keine neuen, strafrechtlich relevanten Vorfälle bekannt
sind.
Das Geständnis, die Wiedergutmachungsbestrebungen sowie Einsicht und Reue
wirken sich insgesamt erheblich strafsenkend aus.
3.2.4. Ginge man von den Erwägungen der Vorinstanz zur Täterkomponente aus,
wäre der Schluss, die einzelnen Komponenten wögen sich insgesamt auf, nicht
gerechtfertigt. Vielmehr wäre die Strafe zu erhöhen gewesen.
Die hier angeführten strafanhebenden und -reduzierenden Elemente und deren
Gewichtung neutralisieren sich dagegen, weshalb es bei den bereits genannten
Strafen bleibt.
3.3. Bemessung des Tagessatzes
Der Beschuldigte kann einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen. Er erzielt ein
Einkommen von netto ca. Fr. 4'800.– im Monat. Davon gibt er seinen Eltern min-
destens Fr. 350.– für Kost und Logis ab. Er hat weder Vermögen, noch Schulden
(Prot. II S. 8).
Der Tagessatz ist damit auf Fr. 50.– festzulegen.
3.4. Anrechnung von Haft und Ersatzmassnahme
- 22 -
3.4.1. Der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 28 Tagen steht
nichts entgegen (Urk. 26 S. 1, Urk. 90 S. 18, Art. 51 StGB).
3.4.2. Die Verteidigung bringt vor, es sei auch die andauernde Ersatzmassnahme
zu berücksichtigen (Urk. 91, Urk. 109 S. 7). Insbesondere die zeitliche Regelung
des Ausgehens komme "in einem gewissen Mass einem Hausarrest nahe" und
schränke die persönliche Freiheit des Beschuldigten ein (a.a.O.).
Gemäss Lehre und Rechtsprechung sind freiheitsentziehende Ersatzmassnah-
men für Untersuchungshaft grundsätzlich auf die Freiheitsstrafe anzurechnen
(BSK StGB, 3. Aufl., Basel 2013, Mettler/Spichtin, insb. N 20, N 24 und N 26 zu
Art. 51 StGB).
Der Beschuldigte wurde am 3. Februar 2015 aus der Haft entlassen (Urk. 16/29).
Mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts Horgen vom gleichen Tag wurde
er - im Sinne einer Ersatzmassnahme für Untersuchungshaft gemäss Art. 237
StPO - unter anderem verpflichtet, sich unter Vorbehalt einer Ausnahmebewilli-
gung täglich (auch am Wochenende) von 21.00 Uhr bis 05.00 Uhr zu Hause auf-
zuhalten (Urk. 16/28 S. 2 f.). Mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts
Horgen vom 7. April 2015 wurden die Ersatzmassnahmen bis zur Hauptverhand-
lung verlängert (Urk. 30). Am 8. September 2015 schliesslich erging der Be-
schluss, der Beschuldigte habe sich täglich von 22.00 Uhr bis 05.00 Uhr, am Wo-
chenende jeweils von 23.00 Uhr bis 05.00 Uhr, zu Hause aufzuhalten (Urk. 90
S. 28 f. und S. 34).
Der Beschuldigte konnte sich damit vom 3. Februar 2015 bis heute, mithin wäh-
rend 511 Tagen (abzüglich einiger weniger Ausnahmebewilligungen und Haft vom
14. bis 16. Februar 2015), während 6 bis 8 Stunden pro Tag nicht frei bewegen
bzw. nicht aufhalten, wo er wollte, und wurde dadurch in seiner persönlichen Frei-
heit erheblich eingeschränkt. Indes ist auch zu berücksichtigen, dass diese Ein-
schränkung - insbesondere während der Woche - auch Zeit einschloss, in welcher
der Beschuldigte schlief, und dass er sich nicht in einer Haftanstalt oder einem
Heim aufhalten musste, sondern zu Hause war, wo er in der übrigen Zeit (abge-
sehen vom verbotenen Alkoholkonsum) tun und lassen konnte, was ihm beliebte.
- 23 -
Unter Würdigung dieser Umstände erweist sich eine Anrechnung von 100 Tagen
für die erstandene Ersatzmassnahme als angemessen.
3.4.3. Insgesamt sind damit 128 Tage der Strafe bereits erstanden.
3.5. Busse
Eine Busse für den - freilich beinahe täglichen - Marihuanakonsum vom 16. Mai
2013 bis zum 14. Mai 2014 von Fr. 800.– erscheint unter Berücksichtigung des
Asperationsprinzips, in Anbetracht der Gerichtspraxis und angesichts der finanzi-
ellen Verhältnisse des Beschuldigten als überhöht. Angemessen ist eine Bestra-
fung mit Fr. 500.–.
3.6. Zusammenfassung
Der Beschuldigte ist somit zu bestrafen mit 12 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
128 Tage durch Untersuchungshaft und Ersatzmassnahmen erstanden sind, mit
einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.– sowie mit einer Busse von
Fr. 500.–.
IV. Vollzug
3.1. Strafhöhe
Mit Bezug auf die Höhe der heute ausgefällten Strafen steht der Gewährung des
bedingten Strafvollzugs für die Freiheits- wie die Geldstrafe nichts entgegen
(Art. 42 Abs. 1 StGB).
- 24 -
3.2. Vorstrafe
Es brauchen sodann beim Beschuldigten auch keine besonders günstigen Um-
stände vorzuliegen, denn er ist innerhalb der letzten 5 Jahre vor der (ersten neu-
en) Tat weder zu einer Freiheitsstrafe von mindestens 6 Monaten noch zu einer
Geldstrafe von 180 Tagessätzen oder mehr verurteilt worden (Art. 42 Abs. 2
StGB).
3.3. Legalprognose
Damit ist von der Vermutung einer günstigen Prognose auszugehen. Ob diese bei
einer Gesamtbetrachtung der Täterpersönlichkeit umgestossen wird, ist im Fol-
genden zu prüfen.
Für eine Schlechtprognose spricht, dass der heute erst 20-jährige Beschuldigte
ab Oktober 2011 innerhalb von nur gut 3 Jahren 4 Gewaltdelikte (jedes Mal mit
Kollegen als Mittäter) begangen hat. Dies, obschon er bereits nach dem ersten
Angriff - begangen als 15-jähriger - für 3 Wochen in Untersuchungshaft versetzt
worden war und er 2012 über mehrere Monate im Rahmen einer ambulante
Massnahme das deliktsorientierte Gruppentherapieprogramm ForTiS absolviert
hatte (vgl. dazu Urk. 52 S. 1, Urk. 106/2 S. 1), welches zum Ziel hatte, den Be-
schuldigten erkennen zu lassen, welche Mechanismen ihn gewalttätig werden
lassen und wie er sein Aggressionspotential in den Griff bekommt. Ausserdem hat
sich der Beschuldigte noch immer nicht von allen Mitgliedern der ... Gruppe, aus
der auch seine Mittäter bei den jüngsten Delikten stammten, distanziert.
Auf der anderen Seite findet sich in der jüngeren Biographie des Beschuldigten
eine ganze Reihe von Hinweisen für eine günstige Legalprognose, welche die
vorgenannten Bedenken klar überwiegen.
So hat er wie bereits erwähnt glaubhaft Einsicht und Reue gezeigt, indem er sich
nicht nur geständig zeigte und sich schuldig bekannte, sondern sich zudem bei
den drei Opfern der Straftaten schriftlich entschuldigte, Schadenersatz- und Ge-
nugtuungszahlungen an den Privatkläger 3 (Betroffener des Raubs) anerkannte
- 25 -
und die erstinstanzliche Schadenersatz- und Genugtuungsregelung betreffend
den Privatkläger 2 (Opfer des Raufhandels) nicht anfocht.
Ungeachtet seiner seit der Kindheit bekannten und Lernschwierigkeiten und sei-
nes ADHS hat er sodann im Sommer 2015 mit viel Durchhaltevermögen und
grosser Anstrengung - allen Zweifeln von Seiten der Familie und des Lehrmeis-
ters zum Trotz - eine Lehre als Landschaftsgärtner erfolgreich abgeschlossen und
damit einen Grundstein für ein künftiges Leben in geordneten Bahnen gelegt.
Sodann hat der Beschuldigte die strengen Ersatzmassnahmen für Untersu-
chungshaft (Urk. 16/28, Urk. 30, Urk. 90 S. 28 f. und S. 34), bestehend aus den
Verpflichtungen,
- sich täglich ab 22.00 Uhr oder 23.00 Uhr zu Hause aufzuhalten,
- einer geregelten Arbeit nachzugehen,
- alkohol- und betäubungsmittelabstinent (einschliesslich Marihuana) zu bleiben
und
- sich einer Gewalt- und Suchttherapie bei der Psychiatrischen Universitätsklinik
Zürich zu unterziehen,
während mittlerweile beinahe 1 1⁄2 Jahren (mit nicht sonderlich ins Gewicht fallen-
den Ausrutschern wie einmaligem Alkoholkonsum und Bezug von "unbezahltem
Urlaub") eingehalten (Urk. 53/1, Urk. 101, Urk. 106/2 S. 3 und 4).
Der eingehende und überzeugende aktuelle Therapiebericht der Psychiatrischen
Universitätsklinik Zürich vom 15. Juni 2016 lässt sich bezüglich der Legalprogno-
se dahingehend zusammenfassen, dass es dem Beschuldigten im Vergleich zur
Ausgangslage im Verlauf der vergangenen Monate deutlich besser gelang, seine
delinquenten Verhaltensweisen und gewaltlegitimierende Einstellung zu reflektie-
ren und zu hinterfragen. Nach Einschätzung der Therapeutin hat er die nachteili-
gen Folgen solcher Straftaten erkannt und betrachtet seine Deliktshandlungen als
Fehlverhalten, welches er künftig unbedingt vermeiden will. Einige der Risikofak-
toren (wie etwa das Aufsuchen von "Hotspots", z.B. an der Zürcher Langstrasse,
mit der "N._" oder übermässiger Alkoholkonsum) hätten - wenn auch nicht
zuletzt dank des zeitweisen Ausgangs- und des Alkoholverbots - günstig verän-
dert werden können. Indes beständen weiterhin Risikofaktoren, die jedoch beein-
- 26 -
flussbar seien (Alkohol, Impulsivität, brüchige prosoziale Identität, Selbstwert),
aber auch solche, die schwer bis kaum therapeutisch steuerbar seien, namentlich
die nach wie vor vorhandene, prognostisch ungünstige Loyalität zu den Mitglie-
dern der ... Gruppe, mit denen er immer noch in regem Kontakt stehe. Eine weite-
re therapeutische Unterstützung sei sinnvoll, denn über ausreichende Selbstkon-
trollmechanismen verfüge der Beschuldigte noch nicht (Urk. 106/2 S. 6 ff.). Dazu
müsse sich der verschlossene Beschuldigte in den Therapien auch noch weiter
öffnen.
Unter dem Titel "Weiteres Prozedere" weist die Therapeutin auf eine "Massnah-
meverdrossenheit" (gemeint sind die Ersatzmassnahmen betreffend Ausgangsre-
gelung und Alkoholkonsum) des Beschuldigten hin, die zu einer Stagnation der
positiven Entwicklung geführt habe. Die in der Therapie erarbeiteten Verhaltens-
modifikationen müssten nun vom Beschuldigten im Alltag bzw. in nicht dauerhaft
vermeidbaren Risikosituationen umgesetzt und dort eingeübt werden. Daher wäre
eine Auflockerung oder Aufhebung der Auflagen - unter enger therapeutischer
Begleitung - sinnvoll (Urk. 106/2 S. 9).
Sodann sei von einem Vollzug der Freiheitsstrafe aus therapeutischer Sicht in der
aktuellen Situation des Beschuldigten kein weiterer positiver Effekt zu erwarten.
Zusammenfassend empfiehlt die Therapeutin die Fortsetzung der Einzelpsycho-
therapie mit den Schwerpunkten
- Vermittlung und Erarbeitung von Selbstkontrolltechniken (in Bezug auf die af-
fektive Erregbarkeit / Impulsivität sowie auf den Alkoholkonsum), Transfer in
den Alltag, Evaluierung und Übung der erlernten Fertigkeiten unter "realen"
Bedingungen;
- Risikoorientierung unter neuen offenen Bedingungen;
- Ressourcenorientierte Unterstützung und weitere Förderung der Entwicklung
einer prosozialen Identität mit einer verbesserten Funktionsfähigkeit in prosozi-
alen Lebensbereichen (a.a.O. S. 9 f.).
Aus Sicht des Gerichts besteht nach dem Gesagten zurzeit kein Anlass, von der
(gesetzlichen) Vermutung einer günstigen Legalprognose abzuweichen. Der Be-
- 27 -
schuldigte hat in mehrfacher Hinsicht gezeigt, dass er sich ernsthaft bemüht, in
Zukunft keine Verbrechen oder Vergehen mehr zu begehen. Er hat hinsichtlich
seiner Taten auf verschiedene Weise Reue und Einsicht manifestiert, hat eine ihm
berufliche Perspektiven eröffnende Lehre absolvierte, geht einer Arbeit nach
(wenn es sich dabei auch vorerst um Aushilfsjobs handelt, was angesichts der
Unsicherheit über das Ergebnis der heutigen Verhandlung hinsichtlich der Ver-
büssung einer halbjährigen Strafe verständlich ist), treibt Sport, vermag soweit er-
sichtlich seit nunmehr 1 1⁄2 Jahren im Wesentlichen auf seine Aggressionsbereit-
schaft fördernde Suchtmittel zu verzichten, befolgt die hausarrestähnliche Auflage
und hat in der Gewalt- und Sucht-Therapie bereits bis zu einem gewissen Grade
gelernt, mit welchen Strategien man weitere (Gewalt-)Delikte vermeidet.
Der bedingte Strafvollzug ist dem Beschuldigten deshalb - freilich im Sinne einer
allerletzten Chance - unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren zu gewähren.
Ein teilbedingter Vollzug drängt sich weder im Sinne einer "Denkzettelfunktion"
auf (vgl. dazu die Ausführungen der Vorinstanz, Urk. 90 S. 19 f.) - denn einen sol-
chen hat der Beschuldigte durch die Untersuchungshaft und vor allem als Neben-
effekt der strengen Ersatzmassnahmen schon bekommen -, noch erscheint ein
solcher (wie aus dem Bericht der PUK klar hervorgeht) therapeutisch sinnvoll.
3.4. Weisung
In einer nächsten Phase gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse und Strategien
therapeutisch weiter zu vertiefen und zu festigen und sie - ohne durch ein
Alkohol-, Betäubungsmittel- und zeitweises Ausgehverbot künstlich geschaffene
Rahmenbedingungen, wie sie Bestandteil der Ersatzmassnahmen waren - im All-
tag umzusetzen und einzuüben. Dazu ist dem Beschuldigten die (wie die beiden
Therapieberichte zeigen kontrollierbare) Weisung zu erteilen, die an der psychiat-
rischen Universitätsklinik Zürich laufende Gewalt- und Sucht-Therapie dort oder
bei einem gleichwertig qualifizierten Psychiater so lange weiterzuführen, als es
aus therapeutischer Sicht für notwendig erachtet wird. Nach eigenem Bekunden
wie demjenigen der Verteidigung sowie aus Therapeutensicht lehnt der Beschul-
digte eine Weiterführung der Behandlung nicht ab (vgl. etwa Urk. 56 S. 5, Prot. II
S. 11).
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Der Beschuldigte ist abschliessend darauf hinzuweisen, dass er den Vollzug der
Freiheits- wie der Geldstrafe riskiert, wenn er sich nicht an die Weisung hält.
3.5. Busse
Die Busse ist zu bezahlen. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Säumnis ist
auf 5 Tage festzulegen.
V. Kosten und Entschädigung
1. Im Berufungsverfahren obsiegt der Beschuldigte vollumfänglich. Die Gerichts-
gebühr fällt somit ausser Ansatz.
2. Die Therapiekosten PUK sind dem Beschuldigten jedoch unabhängig von sei-
nem Obsiegen aufzuerlegen, da er diese durch sein Verhalten verursacht hat. Um
den Beschuldigten wirtschaftlich nicht übermässig zu belasten, sind die Kosten
des Therapieberichts auf die Gerichtskasse zu nehmen. Alle übrigen Kosten des
Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, sind
definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.