Decision ID: 531504c6-7fc6-4733-ba77-8e37f1938724
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 11. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl
nach.
B.
Ein am 14. Juni 2022 durchgeführter Abgleich mit der europäischen Fin-
gerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass er am
26. Mai 2022 in Italien registriert worden war.
C.
Die Personalienaufnahme (PA) fand am 15. Juni 2022 statt, und am
20. Juni 2022 beauftragte der Beschwerdeführer die Mitarbeitenden des
Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum Region
B._ mit der Wahrung seiner Rechte im Asylverfahren.
D.
Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs vom 14. Juli 2022 führte der
Beschwerdeführer aus, er sei möglicherweise via Italien in die Schweiz ge-
kommen. Er sei dort zunächst in einer Asylunterkunft gewesen, dann hät-
ten ihn die Behörden zum Bahnhof gebracht, und er sei mit dem Zug in die
Schweiz gereist. Er wolle nicht nach Italien zurückkehren. Bereits in der
Türkei sei ihm gesagt worden, er solle nicht in Italien bleiben, da er dort
keine Hilfe für seine Probleme erhalten werde. In Italien sei ihm ein Doku-
ment ausgehändigt und gesagt worden, er müsse das Land verlassen. In
Italien werde sein Problem nicht gelöst; er wolle in Sicherheit leben. Nach
seinem Gesundheitszustand gefragt, gab er an, es gehe ihm nicht gut, aber
auch nicht schlecht. Er sei in der Schweiz mehrmals bei der Pflege gewe-
sen und habe eine Woche im Krankenhaus verbracht. Er habe Herzprob-
leme. Zudem habe er einen Termin bei einem Psychiater vereinbart.
E.
Ebenfalls am 14. Juli 2022 ersuchte das SEM die italienischen Behörden
um Aufnahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 13 Abs. 1 der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
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F.
Mit Eingaben vom 5. und 25. August 2022 reichte der Beschwerdeführer
einen Notfallbericht des (...) vom 1. Juli 2022, einen Notfallbericht des Spi-
tals (...) vom 30. Juli 2022 sowie einen Austrittsbericht der (...) vom 3. Au-
gust 2022 zu den Akten. Zudem teilte er mit, er befinde sich in regelmässi-
ger psychiatrischer Behandlung und habe sich in den letzten beiden Wo-
chen erneut stationär bei den (...) aufgehalten.
G.
Am 16. September 2022 teilte das SEM den italienischen Behörden mit,
die Zuständigkeit zur Durchführung des Asylverfahrens sei infolge der un-
genutzt verstrichenen Frist für die Beantwortung des Aufnahmegesuchs
per 15. September 2022 auf Italien übergegangen.
H.
Mit Verfügung vom 20. September 2022 – eröffnet am 22. September
2022 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien an und forderte ihn auf, die
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen.
Ferner beauftragte das SEM den Kanton B._ mit dem Vollzug der
Wegweisung, ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an
und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende
Wirkung zu.
I.
Die zugewiesene Rechtsvertretung teilte mit Schreiben vom 22. Septem-
ber 2022 mit, das Mandatsverhältnis sei beendet.
J.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 28. September
2022 beantragte der Beschwerdeführer (sinngemäss), die vorinstanzliche
Verfügung vom 20. September 2022 sei aufzuheben, und die Vorinstanz
sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. In prozessualer Hinsicht
ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses). Ausserdem bean-
tragte er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung (inkl. Empfangsbestä-
tigung) sowie zwei bereits aktenkundige ärztliche Berichte vom 30. Juli und
3. August 2022 (Kopien) bei.
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K.
Mit Verfügung vom 29. September 2022 setzte die Instruktionsrichterin den
Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus.
L.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht gleichen-
tags in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 105 und 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 VwVG)
ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung seines Entscheids aus, aufgrund des
EURODAC-Hits sei erstellt, dass der Beschwerdeführer am 26. Mai 2022
illegal in Italien eingereist sei. Da Italien innerhalb der festgelegten Frist
keine Stellung zum Übernahmeersuchen genommen habe, sei die Zustän-
digkeit zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens am
15. September 2022 auf Italien übergegangen. Der Wunsch des Be-
schwerdeführers nach einem Verbleib in der Schweiz habe keinen Einfluss
auf diese Zuständigkeit, ebenso wenig die Tatsachen, dass er bisher in Ita-
lien kein Asylgesuch eingereicht habe. Nach seiner Rückführung nach Ita-
lien habe er die Möglichkeit, dort ein Asylgesuch einzureichen. Es gebe
keine wesentlichen Gründe für die Annahme, dass das Asylverfahren und
die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien systemische
Schwachstellen aufweisen würden, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich brächten (vgl. Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO). Italien habe die einschlägigen Richtlinien umgesetzt. Ferner sei Ita-
lien Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstel-
lung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und der EMRK, und es lägen keine
konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass sich Italien nicht an seine völker-
rechtlichen Verpflichtungen halten würde. Schliesslich lägen auch keine
Gründe für eine Anwendung der Ermessens- respektive Souveränitätsklau-
seln (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) vor. Ungeachtet der
geltend gemachten gesundheitlichen Probleme ([...]) verstosse die Über-
stellung nach Italien nicht gegen Art. 3 EMRK, da diese Gesundheitsprob-
leme auch in Italien behandelbar seien. Italien verfüge über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur, und Asylsuchende hätten grundsätzlich
Zugang zu der ihnen gemäss der einschlägigen EU-Richtlinie zustehenden
erforderlichen medizinischen Versorgung. Vulnerablen Personen werde
prioritärer Zugang zum Zweitaufnahmesystem gewährt (Verweis u.a. auf
das Gesetz Nr. 173/2020 sowie das Referenzurteil des BVGer D-
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4235/2021 vom 19. April 2022). Auf das Asylgesuch sei demnach nicht ein-
zutreten.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in der Rechtsmittelschrift, er sei sehr
krank. In Italien habe er keine Unterstützung bekommen, er könne dort
nicht wirksam behandelt werden. Ausserdem habe er von seiner Mutter er-
fahren, dass die Haschd al-Schaabi (Volksmobilmachungseinheiten) ihr
gesagt hätten, sie würden ihn in Italien ausfindig machen. Auch deshalb
könne er nicht nach Italien zurückkehren. Falls er dorthin zurückgehen
müsse, werde er sich umbringen.
6.
6.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat (respektive nicht innert Frist auf die entsprechende Anfrage geantwor-
tet hat; vgl. Art. 22 Abs. 1 und 7 Dublin-III-VO), auf das Asylgesuch nicht
ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
6.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den im Kapitel III dargelegten Kri-
terien (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl.
auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO).
7.
7.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der EU-
RODAC-Datenbank ergab, dass dieser am 26. Mai 2022 in Italien regis-
triert worden war. Da die zuständigen italienischen Behörden das Aufnah-
meersuchen des SEM vom 14. Juli 2022 nicht innert der massgeblichen
Frist beantworteten, ist gestützt auf Art. 22 Abs. 1 und 7 Dublin-III-VO da-
von auszugehen, dass Italien seine Zuständigkeit für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens betreffend den Beschwerdeführer im-
plizit anerkannt hat. Der Beschwerdeführer bestreitet seinen vorgängigen
Aufenthalt in Italien nicht. Damit ist die grundsätzliche Zuständigkeit Itali-
ens gegeben. Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden nicht das
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Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl.
BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es
wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden.
7.2.1 Italien ist Signatarstaat der EMRK, der FoK sowie der FK, und es ist
grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völker-
rechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem davon ausge-
gangen werden, Italien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für
Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und
des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für
die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog.
Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung
von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz
beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben.
7.2.2 Es bestehen keine Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und
die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in Italien würden systemi-
sche Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-
VO aufweisen (vgl. statt vieler Referenzurteil des BVGer D-4235/2021 vom
19. April 2022 E. 10 m.w.H.). Dem Beschwerdeführer steht es nach erfolg-
ter Überstellung nach Italien frei, dort um Asyl nachzusuchen (was er zuvor
offenbar nicht getan hat) und damit Zugang zu den entsprechenden Auf-
nahmestrukturen und Unterstützungsleistungen zu erhalten. Er hat in die-
sem Zusammenhang kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, dass
die italienischen Behörden sich weigern würden, ihn aufzunehmen und sei-
nen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Ver-
fahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind auch keine Gründe für die An-
nahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall den Grundsatz des
Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in
dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3
Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden.
7.2.3 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-
VO nicht gerechtfertigt.
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7.3 Eine Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-
VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisieren-
den – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ist ebenfalls nicht angezeigt.
7.3.1 Es gilt die Vermutung, dass Italien – als Dublin-Mitgliedstaat – bei der
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens seinen völkerrechtli-
chen Verpflichtungen nachkommt und die massgeblichen EU-Richtlinien
(vgl. vorstehend E. 7.2.1) respektiert. Diese Vermutung kann durch kon-
krete und erhebliche Vorbringen im Einzelfall umgestossen werden (vgl.
das Referenzurteil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 5;
BVGE 2011/9 E. 6 und 2010/45 E. 7.5 m.w.H.). Der Beschwerdeführer
bringt indessen nichts vor, was diese Vermutung widerlegen könnte, und
auch eine Durchsicht der Akten fördert keinerlei Hinweise auf das Beste-
hen eines völkerrechtlichen Vollzugshindernisses im Sinne von Art. 3
EMRK – welches zwingend zu einem Selbsteintritt führen müsste – zutage.
7.3.2 Insbesondere stehen die medizinischen Probleme des Beschwerde-
führers einer Überstellung nach Italien nicht entgegen. Den aktenkundigen
ärztlichen Unterlagen zufolge leidet er an (...). Zudem hatte er eine – in-
zwischen behandelte – (...). Diese Gesundheitsprobleme sind nicht beson-
ders schwerwiegend und überdies auch in Italien adäquat behandelbar. Es
ist ferner davon auszugehen, dass Asylsuchende, die – wie der Beschwer-
deführer – in Italien noch keinen Asylantrag gestellt haben (sog. «take
charge»-Fälle bzw. Aufnahmeverfahren, vgl. Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-
III-VO), grundsätzlich ab ihrer Ankunft in Italien Zugang zu den notwendi-
gen Dienstleistungen erhalten (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer D-
2641/2022 vom 5. Juli 2022 E. 11.8, m.w.H.). Konkrete Hinweise, wonach
dem Beschwerdeführer in Italien eine angemessene medizinische Behand-
lung verweigert würde, liegen nicht vor. Bei der Ausgestaltung der konkre-
ten Überstellungsmodalitäten hat die zuständige Vollzugsbehörde allfälli-
gen medizinischen Problemen Rechnung zu tragen. Zudem sind die italie-
nischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über allfällige medizini-
sche Besonderheiten zu informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Es ist
davon auszugehen, dass diese Vorgaben im vorliegenden Fall eingehalten
werden (vgl. dazu A22 «Überstellungsmodalitäten»). Soweit der Beschwer-
deführer in seiner Rechtsmitteleingabe androht, er werde sich umbringen,
wenn er nach Italien zurückgeschafft werde, ist darauf zu verweisen, dass
auch eine allfällige, neu aufgetretene Suizidalität (im Austrittsbericht der
[...] vom 3. August 2022 wurde diese noch verneint) praxisgemäss für sich
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alleine nicht genügt, um den Vollzug der Wegweisung als unzulässig er-
scheinen zu lassen (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des BVGer F-
3417/2021 vom 10. Dezember 2021 E. 5.3.2, m.w.H.).
7.3.3 Sollte der Beschwerdeführer in Italien Übergriffe durch Drittpersonen
(beispielsweise Angehörige der irakischen Volksmobilmachungseinheiten,
vgl. Beschwerdevorbringen) befürchten oder erleiden, ist er gehalten, sich
an die zuständigen italienischen Sicherheitsbehörden zu wenden, welche
als schutzfähig und –willig zu erachten sind.
7.3.4 Demnach ist die Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien
ohne weiteres als zulässig zu erachten.
7.3.5 Bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 verfügt das SEM über einen Ermessensspielraum (vgl.
BVGE 2015/9 E. 7 f.). Vorliegend bestehen keine Hinweise auf eine nicht
gesetzeskonforme Ausübung des Ermessens (Ermessensmissbrauch,
Über- oder Unterschreitung des Ermessens). Bei dieser Sachlage enthält
sich das Gericht in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
7.4 Nach dem Gesagten bleibt Italien der für die Behandlung des Asylge-
suchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-
VO.
8.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in Anwen-
dung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
9.
Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG. Allfällige
Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) sind da-
her nicht mehr separat zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
10.
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
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11.
11.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden Urteil abge-
schlossen. Die Anträge, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten, und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu er-
teilen, sind damit gegenstandslos geworden. Der am 29. September 2022
angeordnete Vollzugsstopp fällt mir vorliegendem Urteil dahin.
11.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet einer allenfalls bestehenden pro-
zessualen Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren
entsprechend den vorstehenden Erwägungen von vornherein als aus-
sichtslos erwiesen haben.
11.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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