Decision ID: bc5c707f-c9e1-5e2f-bc5d-2aac72218d87
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Verrechnung (AHV-Beiträge, Existenzminimum)
Sachverhalt:
A.
A._ bezieht eine monatliche IV-Rente von Fr. 2'280.--. In der Verfügung vom
25. August 2010 ordnete die IV-Stelle des Kantons St. Gallen eine Verrechnung der
laufenden IV-Rente des Versicherten mit dessen in Rechtskraft (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 1. Juni 2007, 9C_16/07) erwachsenen AHV/IV/EO-
Beitragsschulden betreffend die Jahre 1998 und 1999 an (monatliche Verrechnung von
Fr. 2'000.-- von September 2010 bis Juli 2012 und von Fr. 819.80 für den Monat
August 2012). Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen
(act. G 4.4).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 23. September 2010. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung. Die
Sache sei "an die SVA zurückzuweisen, bis ein rechtsgültiger Einspracheentscheid
vorliegt, die bereits in Abzug gebrachten Gelder sind unverzüglich auszubezahlen" (act.
G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 15. November
2010 die Beschwerdeabweisung. Dem vom Beschwerdeführer sinngemäss gestellten
Antrag auf Sistierung des Verfahrens unter Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung sei nicht zu folgen. Das öffentliche Interesse an der sofortigen Vollstreckung
der Beitragsverfügung überwiege vorliegend die Interessen des Beschwerdeführers.
Anstelle einer Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung wäre beiden Parteien
besser gedient, wenn das Gericht den angefochtenen Einspracheentscheid vom
25. August 2010 "beförderlich behandeln würde, zumal lediglich eine
Existenzminimumberechnung vorzunehmen" sei (act. G 4).
B.c Mit Zwischenentscheid vom 23. November 2010, IV 2010/375, wies das
Versicherungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederherstellung der
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aufschiebenden Wirkung der gegen die Verfügung vom 25. August 2010 gerichteten
Beschwerde ab (act. G 5).
B.d Der Beschwerdeführer hat auf eine Replik verzichtet (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist die von der Beschwerdegegnerin am 25. August
2010 verfügte Verrechnung der IV-Rentenleistungen mit AHV/IV/EO-Beitragsschulden,
nachdem sie gleichentags das Gesuch des Beschwerdeführers um Herabsetzung der
Beitragsschulden mit Einspracheentscheid vom 25. August 2010 abgewiesen hatte.
Eine Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid weist das Versicherungsgericht
mit Urteil vom heutigen Tag ab.
1.1 Da das Gesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) keine allgemeine Verrechnungsnorm enthält, richtet sich die Tilgung von
Forderungen mittels Verrechnung - wie bereits vor dem Inkrafttreten des ATSG (BGE
125 V 323 E. 5b/bb) - nach den zweigbezogenen sozialversicherungsrechtlichen
Bestimmungen (BGE 136 V 290 E. 5.3). Gemäss Art. 20 Abs. 2 lit. a des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10)
können mit fälligen Leistungen namentlich Forderungen aufgrund dieses Gesetzes und
des IVG verrechnet werden. Diese Bestimmung ist nach Art. 50 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) auf dem Gebiet der
Invalidenversicherung anwendbar. Durch den Verweis in Art. 50 Abs. 2 IVG auf Art. 20
Abs. 2 AHVG wurde normativ sowohl eine zweiginterne wie auch eine
zweigübergreifende Verrechnung von Leistungen und Forderungen geschaffen (vgl.
BGE 131 V 252 E. 1.2).
1.2 Institutionen der Sozialversicherung dürfen Forderungen nur soweit mit
Versicherungsleistungen verrechnen, als dadurch das betreibungsrechtliche
Existenzminimum der versicherten Person nicht tangiert wird (BGE 136 V 291 E. 6.1 mit
zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung).
2.
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Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die Verrechnung der sich
gegenüberstehenden Forderungen gemäss Art. 50 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 20
Abs. 2 AHVG vorliegend nicht zulässig wäre. Zu prüfen bleibt daher die Frage, ob
durch die Verrechnung ins betreibungsrechtliche Existenzminimum des
Beschwerdeführers eingegriffen wird.
2.1 Zur Bestimmung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums verweist die
Rz 10920 der Wegleitung über die Renten in der Eidgenössischen Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (RWL, Stand 1. Januar 2011) auf Ziffer 4
des Anhangs 4 der Wegleitung über die Beiträge der Selbstständigerwerbenden und
Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO (WSN, Stand 1. Januar 2011).
2.2 In der angefochtenen Verfügung vom 25. August 2010 findet sich keine
Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (act. G 4.4). Aus den Akten
ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin bei der Bestimmung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums auf die im Einspracheentscheid vom
25. August 2010 (act. G 4.3) betreffend das Herabsetzungsgesuch des
Beschwerdeführers vorgenommene Berechnung abstellte. Darin berücksichtigte die
Beschwerdegegnerin anrechenbare Ausgaben von insgesamt Fr. 6'230.-- (Fr. 1'780.--
Grundbetrag Ehepaar, Fr. 2'900.-- Hypothek, Fr. 250.-- Nebenkosten/Heizung,
Fr. 800.-- Krankenkasse Grundbetrag, Fr. 500.-- Berufsauslagen ÖV) und ermittelte
eine pfändbare Quote von Fr. 2'399.-- (act. G 4.3-4).
2.3 Zwar ist es grundsätzlich Sache des Beschwerdeführers, die von ihm geltend
gemachten Auslagen sowohl in qualitativer wie auch quantitativer Hinsicht zu belegen.
Bislang kam der Beschwerdeführer dieser Obliegenheit indessen nur ungenügend
nach. So substanziierte er etwa weder die Notwendigkeit noch die Kosten der
vorgebrachten zahnärztlichen Behandlung. Die Beschwerdegegnerin ihrerseits klärte
hingegen nicht näher ab und begründete auch nicht, weshalb sie die vom
Beschwerdeführer dafür geltend gemachte Rückstellung, die Ausgaben für die
Altersvorsorge und für "Versicherungen" nicht berücksichtigte. Ferner legte sie auch
nicht dar, weshalb sie die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Nebenkosten von
Fr. 300.-- um Fr. 50.-- und Ausgaben für "Krankenkasse" von Fr. 1'400.-- auf Fr. 800.--
kürzte (vgl. zu den entsprechenden Ausgaben act. G 4.9-3). Dabei übersah die
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Beschwerdegegnerin scheinbar, dass namentlich notwendige (zahn-)ärztliche
Behandlungen bei der Berechnung des Existenzminimums zu berücksichtigen sind (vgl.
hierzu Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. Juni 2010, AHV
2009/14, E. 3.1 mit Hinweisen sowie Anhang 4 WSN). Ferner ist auch der
Prämienaufwand für nichtobligatorische Sozialversicherungen "in begründeten Fällen"
anrechenbar (Anhang 4, II, Ziff. 3, WSN). Bei den Heizungskosten ist auf die
durchschnittlichen, auf zwölf Monate verteilten Aufwendungen für Beheizung der
Wohnräume abzustellen (Anhang 4, II, Ziff. 2, WSN). Die von der Beschwerdegegnerin
unter dem Titel Nebenkosten/Heizung vorgenommene Reduktion von Fr. 50.-- (act.
G 4.3-4) ist indessen nicht näher begründet. Die vom Beschwerdeführer in diesem
Zusammenhang geltend gemachte Auslage für "Strom" kann nicht unter dem Aspekt
der Nebenkosten bzw. Heizungsauslagen Berücksichtigung finden. Denn der Aufwand
für Strom ist bereits im monatlichen Grundbetrag enthalten (Anhang 4, I, WSN) und
kann nicht ein weiteres Mal angerechnet werden. Für das Gericht ist aber mangels
entsprechender Abklärungen nicht beurteilbar, in welchem Umfang anrechenbare
Auslagen für Heizungskosten und Unterhaltskosten im Zusammenhang mit dem
Wohneigentum bei der Existenzminimumberechnung miteinzubeziehen sind und ob die
von der Beschwerdegegnerin vorgenommene betragliche Kürzung zu Recht erfolgt ist.
Des Weiteren lässt sich aufgrund der ungenügenden Aktenlage auch nicht beurteilen,
ob die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Korrektur der vom
Beschwerdeführer geltend gemachten Auslagen für öffentlichen Verkehr und Beruf von
Fr. 100.-- zutreffend ist.
2.4 Nach dem Gesagten vermag die der Verrechnung zugrunde gelegte
Existenzminimumberechnung nicht zu überzeugen. Die anrechenbaren Auslagen lassen
sich aufgrund der vorliegenden Akten, der weitgehend fehlenden Belege durch den
Beschwerdeführer sowie der unvollständigen Abklärungen der Beschwerdegegnerin
nicht zuverlässig ermitteln. Was die von der Beschwerdegegnerin bei der Berechnung
der pfändbaren Quote berücksichtigten Einnahmen anbelangt (act. G 4.3), so kann die
Frage vorerst offen gelassen werden, ob der Einbezug der Kinderrente mit Blick darauf,
dass diese ihrem Zweck entsprechend ausschliesslich für den Unterhalt und die
Erziehung des Kindes zu verwenden ist (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Oktober
2006, 5P.346/06 E. 3.3), zutreffend ist. Sollte eine Berücksichtigung auf der
Einnahmenseite als zulässig erachtet werden, wären jedoch zwangsläufig die auf der
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elterlichen Unterstützungspflicht beruhenden Auslagen bei der Berechnung des
Existenzminimums zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist die Sache zu
weiteren Abklärungen, zur Neuberechnung des Existenzminimums sowie der
pfändbaren Quote und zu neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Sollte der Beschwerdeführer auch im Rahmen der von der
Beschwerdegegnerin noch vorzunehmenden Abklärungen die von ihm geltend
gemachten Auslagen nicht belegen, so sind die entsprechenden Auslagen als nicht
bewiesen zu betrachten. Da der Beschwerdeführer die Beweislast für die von ihm
vorgebrachten Auslagen trägt, wird eine allfällige Beweislosigkeit zu seinen Ungunsten
ausfallen und die nicht belegten Auslagen sind bei der Berechnung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums ausser Acht zu lassen. Ergänzend ist zu
bemerken, dass die Beschwerdegegnerin Auslagen für Steuern und Steuerschulden bei
der Berechnung des Existenzminimums zu Recht nicht berücksichtigt hat (Rz 3034
sowie Anhang 4, S. 161 WSN mit Hinweis auf BGE 95 III 42 E. 3). Auch die vom
Beschwerdeführer ins Feld geführten Auslagen für "Diverses / Unvorhergesehenes /
Zeitungen etc." erfüllen keinen anrechenbaren Tatbestand.
3.
3.1 Die Beschwerde ist teilweise gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom
25. August 2010 ist aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung, und neuen
Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 500.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- zu bezahlen. Der vom
Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 500.-- ist ihm zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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