Decision ID: ba86969e-35a4-518e-949a-bb87135820cd
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat gemäss eigenen Angaben zusammen mit ihrer Tochter am 8. Dezember 2008 und  am 10. Dezember 2008 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 22. Dezember 2008 fand im C._ die Kurzbefragung und am 7. Januar 2010 in Bern-Wabern die Anhörung zu den Asylgründen statt.
B. Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin vor, sie stamme aus D._, habe aber seit dem Jahre 1983  in F._ gelebt, wo auch ihre Mutter und mehrere  wohnhaft seien. Im September 2008 habe sie ihren Freund für eine Blinddarmoperation in der Provinz D._ begleitet. Nach der  seien sie von zwei Bekannten ihres Freundes, (...) und (...), in ein Haus in E._ gebracht worden. Einige Tage später hätten (...) und (...) zusammen mit zwei weiteren Personen sie dort aufgesucht und draussen mit ihrem Freund gesprochen. Daraufhin sei sie zusammen mit ihrer Tochter mit verbundenen Augen an einen ihr unbekannten Ort in der Zone E._ gebracht worden, wo sie etwa einen Monat lang festgehalten, wiederholt befragt und vergewaltigt worden sei. Schliesslich habe ihr F. mitgeteilt, dass ihr Freund umgebracht worden sei, und er habe ihre Flucht in die Wege geleitet. Sie sei mit ihrer Tochter nach F._ gebracht worden, von wo sie mit von Schleppern beschafften Reisepässen auf dem Luftweg über Äthiopien nach Rom und von dort in einem Personenwagen in die Schweiz gereist seien.
C. Mit Verfügung vom 20. Februar 2009 - eröffnet am 23. Februar 2009 - stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die  nicht, wies ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung führ te das Bundesamt aus, ihre Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standzuhalten. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich. Insbesondere stellte sich die Vorinstanz auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin könne mit der Unterstützung ihrer in F._ lebenden Familienangehörigen rechnen. Zudem sei diese jung und gesund und verfüge über berufli-
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che Erfahrung. Schliesslich könne davon ausgegangen werden, dass der Vater der Tochter der Beschwerdeführerin diese finanziell , und der Umstand, dass die Mittel für die Reise nach Europa hätten aufgebracht werden können, lasse darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin aus einer gehobenen Gesellschaftsschicht .
D. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 25. März 2009 beantragte die Beschwerdeführerin in materieller Hinsicht, die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung seien aufzuheben und es sei ihnen wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht  sie um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Stüt - zung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin eine  des Durchgangszentrums (...) vom 24. Februar 2009 ein. In der Rechtsmitteleingabe führte sie aus, es könne nicht ohne Weiteres darauf geschlossen werden, dass ihre Existenz im  gesichert sei. So verfüge sie nur über eine geringe , und ihre berufliche Tätigkeit beschränke sich auf den informellen Sektor. Von ihren Familienangehörigen sei einzig die Mutter , weshalb davon auszugehen sei, dass die Familie unter dem  lebe und nicht in der Lage wäre, sie zu unterstützen. Der Aufenthaltsort des Kindsvaters sei nicht bekannt und eine  durch ihn ebenfalls nicht zu erwarten. Im Weiteren sei zu , dass die Beschwerdeführerin aufgrund der erlittenen  traumatisiert und somit die Stabilität ihres  zu relativieren sei. Schliesslich würde sie einer der durch die Praxis der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) definierten Risikogruppen angehören.
E. Mit Zwischenverfügung vom 6. April 2009 stellte der Instruktionsrichter fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des  in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) gut und verzichtete auf die Erhebung eines . Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung  Vernehmlassung eingeladen.
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F. In der Vernehmlassung vom 8. April 2009 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
G. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 30. April 2009 machte die  von dem ihr mit Zwischenverfügung vom 15. April 2009 eingeräumten Recht zur Stellungnahme Gebrauch.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht  gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist  eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das  betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). AsylG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die  hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise ; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3. Die Ziffern 1, 2 und 3 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung sind in Rechtskraft erwachsen; die Beschwerde richtet sich einzig  den Vollzug der Wegweisung. Gegenstand des vorliegenden Ver-
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fahrens bildet somit ausschliesslich die Prüfung der Frage, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig,  und möglich erklärt hat.
4. 4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das  nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige  von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).
4.2 Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den  (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Person in der Schweiz nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Entscheidungen und  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 6).
5. 5.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder  aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
5.2 Eine Situation, welche angolanische Staatsangehörige generell als Gewalt- oder de-facto-Flüchtlinge qualifizieren würde, lässt sich aufgrund der heutigen Situation in Angola nicht bejahen. Indes wird gemäss der in EMARK 2004 Nr. 32 festgehaltenen und vom  weitergeführten Praxis der ARK, da seit Ergehen dieses Urteils keine markante Verbesserung der humanitären Lage eingetreten ist, der Wegweisungsvollzug von Personen, die einer "" (Personen mit gesundheitlichen Problemen, unbegleitete Minderjährige, Personen mit Kleinkindern, alleinstehende Frauen und betagte Personen) angehören, grundsätzlich als unzumutbar erachtet. Ausnahmsweise kann diesen Personen eine Rückkehr nach Angola zugemutet werden, wenn sie ihren letzten Wohnsitz in F._ oder in
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einer leicht zugänglichen Stadt der Provinzen Cunene, Huila, Namibe, Benguela, Huambo, Cuanza Sul, Cuanza Norte, Bengo und Zaire  und dort über ein Beziehungsnetz beziehungsweise über die  Mittel zu ihrer Existenzsicherung verfügen. Für Familien mit Kindern unter sechs Jahren und Personen mit schwerwiegenden  Problemen wird der Wegweisungsvollzug ausnahmslos als unzumutbar erachtet (vgl. zum Ganzen a.a.O. E. 7.3 S. 230 f.).
5.3 Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine , (...-)jährige Frau und deren Kind, welches im (...) geboren wurde. Die Beschwerdeführerin und deren Kind gehören demnach zumindest einer der vorstehend genannten Risikogruppen an, für welche der Wegweisungsvollzug generell als unzumutbar zu erachten ist. An dieser Einschätzung vermag auch der Umstand, dass die  ihren Wohnsitz in F._ hatte, nichts zu ändern, und es kann offengelassen werden, ob sie in der Lage wäre, allenfalls mit  ihrer am selben Ort wohnhaften Familienangehörigen, ihre Existenz zu sichern.
Der Wegweisungsvollzug erweist sich nach dem Gesagten - entgegen der Auffassung der Vorinstanz - zum gegenwärtigen Zeitpunkt als .
5.4 Im Übrigen liegen gemäss Aktenlage keine Gründe für den  von der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG vor.
6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde  ist. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 20. Februar 2009 sind aufzuheben und das BFM anzuweisen, den Aufenthalt der Beschwerdeführerin und ihres Kindes nach den  über die vorläufige Aufnahme zu regeln.
7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
7.2 Der obsiegenden Beschwerdeführerin ist sodann in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  (VGKE, SR 173.320.2) zulasten der Vorinstanz eine  für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zuzu-
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sprechen. Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich aber aufgrund der  zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet wird (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gemäss Art. 10 Abs. 2 VGKE beträgt der Stundenansatz für nichtanwaltliche Vertreter und Vertreterinnen mindestens 100.– und höchstens 300.– Franken. In Anwendung der genannten Bestimmung und unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist die Parteientschädigung demnach von Amtes wegen auf pauschal Fr. 600.– festzusetzen.
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