Decision ID: 0728d9c4-3c52-46ee-84f9-7a7d59d104b5
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
mel
dete sich 30. April 2008 unter Hinweis auf eine am 21. Mai 2007 er
litten
e Verletzung des linken Handgelenkes bei der Invaliden
versiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/12).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom 3. September 2009
einen Rentenanspruch
(Urk.
7
/72)
. Dies wurde
vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 6. Juni 2011
im Verfah
ren Nr.
IV.2009.00958
(Urk.
7
/144)
und
vom Bun
desgericht mit Urtei
l vom 30. September 2011 (Urk. 7
/153
) bestätigt
.
Nach erneuter Anmeldung vo
m 21. Mai 2012
(Urk. 7/173) holte die IV-Stelle
unter
anderem ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, das
am 16.
und
30. Dezember 2013
erstattet wurde (Urk. 7/245, Urk. 7
/247).
Mit Verfügung vom 22. Juli 2014
verneinte die IV-Stelle
einen Rentenanspruch (Urk. 7
/271
)
.
Die
s
wurde vom hie
sigen Gericht mit Urteil vom 1
1.
Januar 20
1
6 im Verfahren Nr. IV.2014.00903 (
Urk.
7/
283
) bestätigt.
1.2
Nach erneuter Anmeldung vom 1
3.
August 2018
(
Urk.
7/290)
und durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/313
-314
,
Urk.
7/318) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
2.
Oktober 2019 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/
320
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
2
1.
November 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
2.
Oktober 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese aufzuheben und die Sache sei für weitere Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen, eventuell sei ihm eine
Viertelsrente
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Januar 2020 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
4.
Februar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter
Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
4
Revisionsrechtlich massgebend ist, ob i
m gesamten Vergleichszeitraum
eine an
spruchserhebliche Tatsachenänderung eingetreten ist oder nicht
(
Urteil
des Bun
desgerichts
9C_66/2020 vom
9.
Juni 2020
E. 4.1
). Dafür ist grundsätzlich das gesamte anspruchserhebliche Tatsachenspektrum massgebend. Mithin kann bereits eine einzelne diesbezügliche Tatsachenänderung für eine Neufestsetzung der Rente genügen (Urteile des Bundesgerichts 9C_852/2018 vom
5.
März 2019 E. 3, 9C_289/2018 vom 1
1.
Dezember 2018 E. 5).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
davon aus
, eine Verschlechterung oder Veränderung des Gesundheitszustandes sei nicht ausgewiesen, aus medizinischer Sicht habe keine langandauernde gesundheitliche Einschränkung festgestellt werden können (S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), seine bestehenden Beschwerden hätten sich in näher dargelegter Hinsicht ver
schlechtert (S. 11 ff.
Ziff.
17 ff.) und es seien neue hinzugetreten (S. 14 ff. Ziff. 25 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob sich der Gesundheitszustand seit der letzten Anspruchsprüfung im Juli 2014 anspruchsrelevant verändert hat, und ob diesbe
züglich der Sachverhalt hinreichend abgeklärt ist.
3.
3.1
Die rentenablehnende Verfügung vom 3. September 2009 (Urk.
7
/72) wurde vom hiesigen Gericht
(Urk. 7/144) wie
auch vom Bundesgericht
(Urk. 7/153)
bestätigt
.
Diagnostiziert wurde damals eine rheumatoide Arthritis mit Erstdiagnose im Januar
2009 und eine am 21. Mai 2007 erlittene Hammerschlagverletzung der linken Hand. Das Gericht erachtete aufgrund der diagnostizierten rheumatoiden Arthritis eine volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Schlos
ser, jedoch eine volle Arbeitsfähigkeit in näher umschriebenen angepassten Tätigkeiten als ausgewiesen
(S. 11 E. 4.3)
,
und ermittelte einen nicht rentenbegrün
denden Invaliditätsgrad von 37
%
(S.
16
E.
5.10
).
3.2
D
ie
Verfügung vom 2
2.
Juli 2014 (
Urk.
7/271
)
basierte
hauptsächlich
auf zwei von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten:
-
das von
Prof. Dr. med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie
am 16. Dezember 2013
erstattete psychiatrische Gutachten
(Urk. 7
/247/3-26),
worin
keine psychi
atrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ge
stell
t werden konnte (S. 21
lit
. E
Ziff.
1
)
-
das von
Dr. med. und Dr. sc. nat. ETH
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie,
am 30. Dezember 2013
erstattete internistisch-rheumatolo
gische
Gutachten
(Urk.
7
/245)
, worin eine seit Jahren in Remission befindliche rheumatoide Arthritis und ein
Status nach Hammerschlag-Verletzung des
palmaren
Handgelenkes links am 21.
Mai 2007
diagnostiziert wurden
(S. 81 Ziff. 9.1)
und für
eine angepasste, handschonende Tätigkeit mit seltenem Hantieren von Lasten bis zu 10 kg
eine Arbeitsfähigkeit von
100
%
attestiert wurde (S. 85
Ziff. 11.4
)
Das hiesige Gericht bestätigte mit Urteil vom 1
1.
Januar 2016 (
Urk.
7/
283
),
dass sich der Gesundheitszustand seit der letzten Anspruchsprüfung nicht wesentlich verschlechtert habe (S. 19 E. 5.6).
4.
4.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie, nannte mit Bericht vom
7.
Septem
ber 2016 (
Urk.
7/286/9-11) folgende Diagnose (S. 1):
-
Kniegelenksverletzung rechts vom 2
2.
Oktober 2014 mit
-
verheilter Impressionsfraktur des medialen
Tibiaplateaus
-
aktuell
osteochondralem
Defekt im medialen
Tibiaplateau
Er führte aus, er habe dem Patienten eine bilanzierende Kniegelenksarthroskopie empfohlen (S. 2 unten).
Am
8.
Dezember 2016 wurde der
genannte Eingriff durchgeführt (Urk.
7/286/14
15 = Urk. 7/303/11-12, vgl.
Urk.
7/303/9-10)
.
4.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Rheumatologie,
C._
,
der den Beschwerdeführer seit November 2008 behandelt (
Urk.
7/49
Ziff.
1.2),
nannte mit Bericht vom 1
5.
August 2017 (
Urk.
7/286/41-43) die folgenden, hier verkürzt an
geführten Diagnosen (S. 1 f.):
-
arthroskopisches
Anbohren mediales
Tibiaplateau
mit
subchondraler
Spongiosaplastik
am
8.
Dezember 2016
-
Verdacht auf
subfibulares
Impingement
mit zystischer Stressreaktion
Processus
lateralis
tali
rechts
-
Residualzustand nach medialer
Tibiafraktur
rechts bei Stolpersturz am 2
2.
Oktober 2014
-
rheumatoide Arthritis, Erstdiagnose
(ED)
Januar 2009
-
Hammerschlagverletzung linke Hand vom 2
1.
Mai 2007
-
längere depressive Reaktion im Rahmen einer Anpassungsstörung
-
Tendovaginitis
d
e
Quervain
rechts
-
arterielle Hypertonie
-
Hypercholesterinämie
-
Nikotinabusus 24
packyears
(
py
)
-
Penicillinallergie
Er führte aus, insgesamt zeige sich ein sehr guter Verlauf (der rheumatoiden Arthritis) ohne Entzündungsmanifestationen im Bereich der Gelenke (S. 2 unten).
4.3
Laut provisorischem Austrittsbericht vom 1
1.
Januar 2018 (
Urk.
7/303/13-17) war der Beschwerdeführer vom 3
1.
Dezember 2017 bis 1
1.
Januar 2018 im
D._
,
E._
,
hospitalisiert (S. 1 Mitte).
Es wurden - unter anderem - die folgenden, hier verkürzt angeführten Diagnosen genannt (S. 1 f.):
-
schwere Mitralklappen-Insuffizienz
-
koronare 1-Gefässerkrankung, ED 3
1.
Dezember 2017
-
aktuell subakuter NSTEMI (Myokardinfarkt) 3
1.
Dezember 2017
-
Verdacht auf Community
Acquired
Pneumonie, ED
1.
Januar 2018
-
rheumatoide Arthritis (ED 2008)
-
rezidivierende depressive Episoden
Laut Austrittsbericht vom 2
2.
März 2018 (
Urk.
7/286/19-22 =
Urk.
7/286/26-29) war der Beschwerdeführer vom 1
2.
bis 2
2.
März 2018 im
D._
des
E._
hospitalisiert (S. 1 Mitte).
Laut Bericht vom 1
5.
März 2018 (
Urk.
7/286/16-18 =
Urk.
7/286/30-32)
erlitt
er
am 1
4.
Februar 2018 erneut einen schweren Myokard
infarkt (MI)
, worauf am 1
5.
März 2018 eine Re-Operation (
Mitralklappenersatz
) erfolgte S. 1 Mitte, S. 2 Mitte).
4.4
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.2) führte mit Bericht vom
3.
Juli 2018 (
Urk.
7/286/23
25)
aus, es zeige sich aktuell keine wesentliche Entzündungsma
nifestation (S. 3 oben).
Dr.
med.
F._
, Praktischer Arzt, führte mit Bericht
vom
2
0.
Juli 20
18 (7/286/2
6)
aus, er behandle den Beschwerdeführer seit
2.
Oktober 2009 (
Ziff.
1.1) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit 2009 (
Ziff.
1.3). Die Prognose bezeichnete er mit dem Hinweis auf komplexe Krankheitsbilder und Unfall
folgen als eher schlecht (
Ziff.
2.7).
4.5
Mit Bericht vom
1
4.
Juni 2018 (
Urk.
7/295/11 =
Urk.
7/309/1) wurde ausgeführt, es
sei
mit dem Beschwerdeführer im
D._
des
E._
das weitere Vorgehen bezüglich des atypischen, immer noch bestehenden Vorhofflatterns besprochen und eine Katheter-gestützte Ablation
dieser Rhythmusstörung in Aussicht genommen worden.
Laut Bericht vom
1
5.
August 2018 (
Urk.
7/295/8-10)
wurde der Beschwerdeführer im
D._
des
E._
nach Abschluss eines 12-wöchigen kardialen Rehabili
tationstrainings, an dem er regelmässig und motiviert teilgenommen habe, un
tersucht (S. 2 Mitte).
Am
3
1.
August 2018
erfolgte im
D._
des
E._
der Eingriff zur Ablation der
atrialen
Tachykardie
(
Urk.
7/295/6-7
=
Urk.
7/309/41-42
,
Urk.
7/295/1-5 =
Urk.
7/309/36-40
)
.
4.6
Laut Austrittsbericht vom 1
0.
Dezember 2018 (
Urk.
7/301 =
Urk.
7/303/3-8 =
Urk.
7/306/4-9 =
Urk.
7/309/28-33)
war der Beschwerdeführer vom 2
5.
Novem
ber bis 1
0.
Dezember 2018 in der Klinik für Neurologie des
E._
hospitalisiert (S.
1 Mitte), dies nach einer intraz
erebralen Blutung parietal rechts mit Erstmanifes
tation (EM) am 2
3.
November 2018 und Erstdiagnose am 2
5.
November 2018 (S. 1
Ziff.
1). Ein neurochirurgisches Konsil
ium
am
2
5.
November 2018 (
Urk.
7/309/2-3 =
Urk.
7/309/4-5 =
Urk.
7/309/6-7)
ergab, dass keine notfallmäs
sige neurochirurgische Interventionsindikation bestehe (S. 2 unten
Ziff.
1).
Am 1
0.
Dezember 2018
trat der Beschwerdeführer eine Neurorehabilitation an, über die nicht berichtet werden konnte, weil er am Eintrittstag bereits wieder austrat (vgl.
Urk.
7/
311
).
4.7
Mit Bericht vom
2
4.
Januar 2019
über die im
D._
des
E._
erfolgte Ver
laufskontrolle (
Urk.
7/309/24-27) wurde ausgeführt, aus kardialer Sicht berichte der Patient über gutes Wohlbefinden (S. 2 Mitte).
Am
1.
Februar 2019 erfolgte eine Untersuchung (
Perimetrie
) in der Augenklinik des
E._
(
Urk.
7/309/19-21)
. Laut Formularbericht vom 2
6.
Juni 2019 wurde
n
dabei keine augenärztlichen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (
Urk.
7/310
Ziff.
2.5).
4.8
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.1) führte mit Bericht vom
1
1.
Februar 2019 (Urk.
7/303/1-2)
aus, der Beschwerdeführer sei seit August 2016 wegen einer Kniegelenksverletzung rechts vom Oktober 2014 in Behandlung. Ferner bestehe ein Status nach einer Sprunggelenksverletzung aus dem Jahr 201
1.
Sowohl am Kniegelenk als auch am Sprunggelenk hätten sich Knorpelschäden gefunden. Diese seien am
8.
Dezember 2016
arthroskopisch
operiert worden. Zurzeit finde sich eine deutliche Besserung der Situation. Am Kniegelenk verspüre der Patient nur noch wenig Schmerzen, am Sprunggelenk komme es immer wieder zum be
lastungsabhängigen Auftreten von Schmerzen (S. 1).
4.9
Dr.
med. G._
, Assistenzarzt Kardiologie,
D._
des
E._
, führte im Kostengutsprachegesuch vom
6.
März 2019 (
Urk.
7/309/17-18)
zur Begrün
dung aus, ein entsprechendes Gesuch sei bereits am 1
7.
September 2018 positiv beantwortet worden. Leider sei der Patient in der Zwischenzeit schwer erkrankt und habe daher die Rehabilitation nicht antreten können. Jetzt sei er erfreulicher
weise so weit genesen, dass er das kardiale Rehabilitationsprogramm in Angriff nehmen könne (S. 2 Mitte).
4.10
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.2) nannte mit Bericht vom 1
2.
März 2019 (
Urk.
7/304 = 7/306/1-3)
die folgenden, hier verkürzt angeführten Diagnosen (S. 1 f.):
-
rheumatoide Arthritis, ED Januar 2009
-
intrazerebrale Blutung parietal rechts, ED 2
5.
November 2018
-
Vorhofflattern, ED 1
6.
Februar
2018
-
erfolgreiche Elektroablation am 3
1.
August 2018
-
koronare
Eingefässerkrankung
, ED 3
1.
Dezember 2017
-
Status nach subakutem NSTEMI am 3
1.
Dezember 2017, 2 x
Stenting
mit gutem Resultat
-
schwere
Mitralklappeninsuffizienz
nach Myokardinfarkt:
Mitralklap
penersatz
1
5.
März 2018 (
E._
)
-
arthroskopisches
Anbohren mediales
Tibiaplateau
mit
subchondraler
Spongiosaplastik
am
8.
Dezember 2016
-
Verdacht auf
subfibulares
Impingement
mit zystischer Stressreaktion
Processus
lateralis
tali
rechts
-
Residualzustand nach medialer
Tibiafraktur
rechts bei Stolpersturz am 2
2.
Oktober 2014
-
Hammerschlagverletzung linke Hand vom 2
1.
Mai 2007
-
längere depressive Reaktion im Rahmen einer Anpassungsstörung
-
Tendovaginitis de
Quervain
rechts
-
arterielle Hypertonie
-
Hypercholesterinämie
-
Nikotinabusus 24
py
-
Penicillinallergie
Dr.
B._
führte aus, der Beschwerdeführer sei seit 2009, als er sich bei einem Arbeitsunfall das linke Handgelenk verletzt habe, nicht erwerbstätig. Da in letzter Zeit zusätzliche Erkrankungen aufgetreten seien, welche verschiedene Organ
systeme beträfen, bestehe seines Erachtens die Notwendigkeit einer interdiszipli
nären Begutachtung (S. 2 unten).
4.11
Laut Bericht vom
1
5.
April 2019
über die in der Klinik für Neurologie des
E._
erfolgte Kontrolluntersuchung
(
Urk.
7/309/13-16)
,
berichte
der Beschwerdeführer über eine gute Rückbildung der Residualsymptomatik
nach der intrakraniellen Blutung vom 2
3.
November 2018
(S. 3 oben).
4.12
Die Ärzte der Klinik für
Gefässchirurgie
des
E._
führten mit Bericht vom
1
4.
Juni 2019 (
Urk.
7/309/8-11)
aus, der Patient sei bei Verdacht auf ein
Aortenaneurysma
vom Hausarzt zugewiesen
und in der
viszeralchirurgischen
Sprechstunde unter
sucht
worden. Er habe selber keine Beschwerden bemerkt, nur eine Auswölbung im
Epigastrium
verspürt. Ansonsten sei er wohlauf und beklage keine wesentliche Leistungsminderung im Alltag (S. 2 Mitte). Eine
aneurysmatische
Erweiterung bei
normalkalibriger
Aorta sei in einer so kurzen Zeit sehr unwahrscheinlich (S. 3 unten).
4.13
Am
2
4.
Juli 2019
erstattete
Dr. Dr.
med.
H._
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), eine Beurteilung
(
Urk.
7/312 S.
9
f.)
. Er nannte zusammenfassend aus neurologischer Sicht eine intrazerebrale Blutung rechts (E
rstdiagnose
2
5.
November 2018) unter doppelter Antikoagulation, gefolgt
von
einer Komplexbehandlung Schlaganfall im
Stroke
zentrum
. Eine Neurorehabilitation sei bereits am Aufnahmetag abgebrochen wor
den. Im Verlaufs-CT
habe sich
keine neue intrakranielle Blutung ge
zeigt
. Kardio
logisch bestehe eine gute Funktion und das Vorhof-Flattern sei am 3
1.
August 2018 erfolgreich behandelt worden.
Ophthalmologisch seien keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt worden
(S. 10 Mitte)
.
Gesamthaft
sei
damit nur jeweils eine kurzdauernde
Arbeitsunfähigkeit
infolge intrazerebraler Blutung und
kardiale
r
In
terventionen anzunehmen. Eine neurolo
gische Reha
sei am Aufnahmetag abgebrochen worden (S. 10 unten).
5.
5.1
Bei der Anspruchsprüfung im Juli 2014 lagen (wie schon 2009) in diagnostischer Hinsicht eine rheumatoide Arthritis und ein Status nach Hammerschlagver
letzung der linken Hand vor (vorstehend E. 3.2).
Im Oktober 2014 kam es zu einer
Tibiafraktur
rechts mit
osteochondralen
Defek
ten, die im Dezember 2016 operativ angegangen wurden (vorstehend E. 4.1). Im August 2017 wurden unter anderem (neu) eine längere depressive Reaktion im Rahmen einer Anpassungsstörung und eine Tendovaginitis de
Quervain
rechts diagnostiziert (vorstehend E. 4.2). Am 3
1.
Dezember 2017 und am 1
4.
Februar 2018 erlitt der Beschwerdeführer einen Myokardinfarkt (vorstehend E. 4.3). Am 3
1.
August 2018 wurde ein neu diagnostizierte
s
Vorhof-Flattern (erfolgreich) operativ angegangen (vorstehend E. 4.5). Im November 2018 trat eine intrazere
brale Blutung auf
(vorstehend E. 4.6). Aus einem im März 2019 erneuerten Kos
tengutsprachegesuch für eine kardiale Rehabilitation (vorstehend E. 4.9) ist zu schliessen, dass eine solche noch ausstehend ist oder zumindest war.
5.2
Die RAD-Feststellung, aufgrund der genannten Beeinträchtigungen habe sich jeweils nur eine kurzzeitige Arbeitsunfähigkeit ergeben (vorstehend E. 4.13), greift vor diesem Hintergrund zu kurz und lässt sich überdies auch aktenmässig gar nicht belegen, da in den Behandlungsberichten auf die Arbeitsfähigkeit
weder
in der angestammten Tätigkeit noch einer angepassten Tätigkeit näher eingegan
gen wurde.
5.3
Vielmehr ist festzuhalten, dass die genannten Beeinträchtigungen über den gesamten Vergleichszeitraum von Juli 2014 bis Oktober 2019
hinweg
teils kon
sekutiv, tei
ls überlappend aufgetreten sind und durchaus geeignet erscheinen,
auf
eine anspruchsrelevante Veränderung des Gesundheitszustands
hinzuweisen (vgl. vorstehend E. 1.3)
. Ferner steht weder fest, welche dieser Beeinträchtigungen im Verfügungszeitpunkt noch andauerten, noch wie sie sich - allenfalls in wechsel
seitiger Beeinflussung - auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
Der Sachverhalt erweist sich mithin als nicht hinreichend abgeklärt, womit die angefochtene Verfügung - in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde - aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitverlauf und im Verfügungszeitpunkt in geeigneter Weise abkläre und erneut verfüge.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Pro
zessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessenweise auf
Fr.
2'400.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen ist.