Decision ID: cf4de199-5c60-5ead-8ec5-58b78a74c84c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der kolumbianische Beschwerdeführer – mit letztem Wohnsitz in
B._ (Departamento Meta) – reiste gemäss eigenen Angaben am
(...) Oktober 2019 nach Spanien aus. Am 10. November 2019 reiste er in
die Schweiz ein und suchte tags darauf bei den hiesigen Behörden um Asyl
nach. Am 15. November 2019 bevollmächtigte er die ihm zugewiesene
Rechtsvertretung.
B.
Anlässlich der Personalienaufnahme vom 18. November 2019, der Erstbe-
fragung vom 2. Dezember 2019 und der Anhörung vom 17. Januar 2020
führte der ausgebildete Maschineningenieur aus, dass er in Bogotá aufge-
wachsen und mit (...) Jahren nach C._ (Departamento Cundi-
namarca) umgezogen sei. Anschliessend sei er – als er sich dort ein Haus
gekauft habe – wieder nach Bogotá zurückgekehrt, bevor er (...) 2016 mit
seiner ganzen Familie (Eltern und zwei Geschwister) in den Bezirk
D._ umgezogen sei (Vorhabens-ID [...], A13 F13 ff.; A19 F23 ff.).
Zur Begründung seines Asylgesuchs gab er im Wesentlichen zu Protokoll,
er sei insgesamt vier Mal vom Clan del Golfo mit dem Tod bedroht worden,
weil er eine Zusammenarbeit mit dieser terroristischen Gruppierung ver-
weigert habe (A13 F39 f.; A19 F69 ff.). Ein erstes Mal seien (...) 2017 zwei
Personen in sein (...)geschäft in B._ gekommen, wo er mit einem
Nachbarn namens E._ («F._») (...) repariert habe. Dabei
hätten diese erwähnt, es gebe bessere Arbeit, bei welcher sie mehr verdie-
nen könnten (A13 F41 ff.; A19 F77 ff.). Ein zweites Mal sei er (...) 2018 von
zwei Männern, welche in einer Bar ein Bier getrunken hätten, zur Zusam-
menarbeit mit dem Clan aufgefordert worden. Als er dies abgelehnt habe,
habe der Ältere gesagt, in diesem Fall sei es besser, er würde B._
verlassen. Am Abend habe er erfahren, dass dieser ältere Mann seiner
Schwester ein ähnliches Angebot gemacht habe. Daraufhin habe er sich
entschlossen, für einige Zeit nach Bogotá zu ziehen (A13 F49 f.; A19
F34 ff. und 80 ff.). Im (...) 2018 sei er für ein paar Tage nach B._
zurückgekehrt und habe sein Auto verkauft; gleichzeitig habe er bei der
Polizei und einem Menschenrechtsbüro je eine Anzeige erstattet, die indes
von der Polizei nicht angenommen worden sei (A13 F51 und 54). An-
schliessend sei er wieder nach Bogotá zurückgekehrt, wobei er die Zeit
von (...) bis (...) 2018 wieder in B._ verbracht habe (A13 F60 f.). Im
(...) 2018 sei er endgültig wieder nach B._ umgesiedelt. (...) 2019
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sei er von zwei Personen auf einem Motorrad angehalten und bedroht wor-
den, er solle von hier verschwinden, sonst werde er umgebracht. Der Bei-
fahrer habe dabei eine Waffe auf ihn gerichtet. Daraufhin habe er sich wie-
der nach Bogotá zurückgezogen (A13 F62 ff.). Im (...) 2019 sei er über sein
Mobiltelefon bedroht worden; sie hätten ihn gefunden und wüssten, wo er
wohne. Daraufhin sei er nach C._ zu einem Cousin gezogen (A13
F62 und 81 ff.). Sodann habe er sich entschlossen, nach den bereits ge-
planten medizinischen Operationen aus Kolumbien auszureisen (A13
F62).
Während der Erstbefragung und der Anhörung reichte der Beschwerdefüh-
rer gemäss Beweismittelverzeichnis unter anderem folgende Unterlagen
bei der Vorinstanz ein: einen Aufsatz aus einer Zeitschrift aus dem Jahr
2018 («El Clan del Golfo: El nuevo paramilitarismo o delincuencia organiz-
ada?»); einen Zeitungsausschnitt («Cayó el ‘G._’», ohne erkennba-
res Datum); einen Bericht von ZEIT ONLINE vom 25. November 2017
(«Sie nennen es Frieden»); ein Schreiben der Menschenrechtsorganisa-
tion H._ vom 27. August 2018; Berichte verschiedener Medien so-
wie Videos (auffindbar auf der Website von «youtube»).
C.
Gemäss einem Arztbericht vom 2. Dezember 2019 wurde beim Beschwer-
deführer eine Gastritis festgestellt, welche medikamentös behandelt
wurde.
D.
Am 22. Januar 2020 erhielt die zugewiesene Rechtsvertretung Gelegen-
heit, zum Entscheidentwurf des SEM Stellung zu nehmen. Eine entspre-
chende Stellungnahme, weshalb der Beschwerdeführer mit dem Entscheid
nicht einverstanden sei, wurde einen Tag später der Vorinstanz übermittelt.
E.
Mit Verfügung vom 24. Januar 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus
der Schweiz weg und ordnete den Vollzug dieser Wegweisung an. Auf die
Begründung dieses Entscheides wird – soweit entscheidwesentlich – spä-
ter eingegangen.
F.
Am 24. Januar 2020 legte die zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat
nieder.
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Seite 4
G.
Mit Eingabe vom 1. Februar 2020 (mit Beilagen) erhob der Beschwerde-
führer durch seine neue Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht und beantragte dabei, er sei nach Aufhebung der Verfü-
gung als Flüchtling unter Asylgewährung respektive als Flüchtling vorläufig
aufzunehmen. Eventualiter sei die Verfügung zwecks Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei er aufgrund eines Voll-
zugshindernisses vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, die unent-
geltliche Prozessführung zu gewähren und die Rechtsvertretung als amtli-
cher Rechtsbeistand zu bestellen.
H.
Mit Verfügung vom 5. Februar 2020 forderte die Instruktionsrichterin die
Rechtsvertretung auf, die Beschwerdeeingabe im Sinne der Erwägungen
innert Frist zu verbessern und (gegebenenfalls) einen Nachweis zu erbrin-
gen, dass die Bedingungen der unentgeltlichen Rechtsbeistandschaft
(Art. 102m Abs. 3 AsylG) erfüllt seien. Ausserdem sei eine Fürsorgebestä-
tigung nachzureichen. In diesem Sinne seien die prozessualen Anträge auf
später zu verschieben. Die Vorinstanz wurde gleichzeitig eingeladen, eine
Vernehmlassung einzureichen.
I.
Mit Eingabe vom 11. Februar 2020 wurde eine Fürsorgebestätigung mit
Datum vom 6. Februar 2020 eingereicht und festgehalten, dass es sich
beim Antrag um Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes (Ziff. A.2
der Beschwerde) um einen Irrtum handle und dieser folglich gegenstands-
los sei. An den weiteren prozessualen Anträgen werde jedoch festgehalten.
J.
Das SEM reichte am 18. Februar 2020 seine Vernehmlassung ein und
stellte fest, die Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen
oder Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtferti-
gen könnten.
K.
Am 26. Februar 2020 nahm der Beschwerdeführer sein Replikrecht wahr.
Gleichzeitig wurde eine Honorarnote eingereicht.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz nicht
gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG) und kann auf Beschwerdeebene eine
Substitution der Motive vornehmen.
4.
Auf den Antrag, der Beschwerdeführer sei als Flüchtling vorläufig aufzu-
nehmen (Art. 53 f. AsylG), ist mangels Begründung in der Beschwerde-
schrift nicht weiter einzugehen.
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5.
5.1 In der Beschwerdeschrift wurde zunächst geltend gemacht, die Vor-
instanz habe – trotz der vom Bundesverwaltungsgericht festgestellten Ver-
schlechterung der Situation (vgl. Urteile des BVGer D-6271/2018 vom
18. Dezember 2018 und E-3683/2019 vom 7. August 2019) – die Sicher-
heitslage in Kolumbien (auch im Vollzugspunkt) nicht abgeklärt. Der kolum-
bianische Staat sei effektiv weder fähig noch willens, seine Bewohner zu
schützen. Die diesbezüglich eingebrachten Unterlagen seien von der Vor-
instanz nicht geprüft worden, weshalb das SEM seine Untersuchungs- res-
pektive Begründungspflicht verletzt habe. Diese Rüge ist vorab zu prüfen,
da ein allenfalls ungenügend abgeklärter Sachverhalt eine materielle Be-
handlung der Beschwerde verunmöglichen würde.
5.2 Das Verfahren nach dem VwVG wird vom Untersuchungsgrundsatz
(Art. 12 VwVG) beherrscht. Als Verfahrensmaxime besagt dieser, dass die
Verwaltungsbehörden für die Beschaffung des die Urteilsgrundlage bilden-
den Tatsachenmaterials zuständig sind. Er auferlegt der Behörde die
Pflicht, von Amtes wegen den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig
und richtig zu ermitteln und beinhaltet gewissermassen eine Art «behördli-
che Beweisführungspflicht» (vgl. KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Pra-
xiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], 2. Auflage 2016,
Art. 12 N. 16). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der
gesetzlichen Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG und Art. 8
AsylG).
5.3 In seiner Verfügung hat das SEM ausführlich dargelegt, weshalb es die
Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft erachtet (Art. 7 AsylG)
und weshalb ein Vollzug der Wegweisung insbesondere zulässig und zu-
mutbar sei. Weil es folglich nicht davon ausgeht, dass der Beschwerdefüh-
rer durch den Clan del Golfo verfolgt sei, musste es die aktuelle Sicher-
heitslage von Kolumbien weder erläutern noch sich dazu äussern. Dies im
Unterschied zu den vom Beschwerdeführer angeführten Verfahren.
In diesen Verfahren (vgl. Urteile des BVGer D-6271/2018 vom 18. Dezem-
ber 2018 und E-3683/2019 vom 7. August 2019) ist das SEM in seiner je-
weiligen Verfügung davon ausgegangen, dass die Vorbringen nicht asylre-
levant (Art. 3 AsylG) seien, mithin ist es – im Gegensatz zum vorliegenden
Fall – von der Glaubhaftigkeit der Ausreisegründe ausgegangen. Erst im
Bereich des Wegweisungsvollzugs ist das Bundesverwaltungsgericht von
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einer Verletzung der Abklärungspflicht des SEM (Art. 12 VwVG) ausgegan-
gen, weshalb die Sache zwecks Abklärung des rechtserheblichen Sach-
verhalts an die Vorinstanz zurückgewiesen wurde.
5.4 Nach dem Gesagten ist weder eine Verletzung der Abklärungs- noch
der Begründungspflicht des SEM feststellbar. Der Antrag auf Aufhebung
der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung ist daher abzu-
weisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Das SEM hat die Vorbringen des Beschwerdeführers – die Verfolgung
durch den Clan del Golfo – als unglaubhaft qualifiziert (Art. 7 AsylG).
7.1.1 In seiner Begründung hat es ausgeführt, dass der Beschwerdeführer
nicht in der Lage gewesen sei, die einzelnen Vorfälle genau zu umschrei-
ben. So habe er den Inhalt des Arbeitsangebots des Clans nicht genügend
substanziiert erläutert. Dieses Angebot sei überdies als diffus zu bezeich-
nen, weil der Clan gemäss Angaben des Beschwerdeführers vor allem
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junge Personen aus schwachen Gesellschaftsschichten rekrutiere; der Be-
schwerdeführer hingegen habe eine gute Ausbildung und stamme nicht
aus einer armen Familie.
Das SEM bestätigte jedoch, dass der Clan del Golfo speziell in der Region
von B._ aktiv sei und dort auch Leute rekrutiere. Die eingereichten
Berichte würden indes nur die allgemeine Lage umschreiben. Es lasse sich
kein direkter Hinweis finden, dass der Beschwerdeführer tatsächlich vom
Clan verfolgt sei. Die Verfolgungsgeschichte wirke vielmehr wie ein Kon-
strukt, welches aus tatsächlichen Ereignissen im Heimatort des Beschwer-
deführers und wahren biografischen Elementen aus seinem Leben zu einer
fiktiven Geschichte verknüpft worden sei. So entspreche es den Tatsachen,
dass ein Mitglied des Clans namens «F._» verhaftet worden sei;
ebenso scheine es glaubhaft, dass der Beschwerdeführer in B._ ein
(...)geschäft geführt habe. Die Synthese dieser beiden Elemente sei je-
doch nicht überzeugend und teilweise tatsachenwidrig. So habe der Be-
schwerdeführer ausgesagt, «F._» seit vielen Jahren zu kennen und
im (...)geschäft zusammen gearbeitet zu haben. Dennoch sei es ihm nicht
gelungen, diese Person detailliert und differenziert zu beschreiben bezie-
hungsweise anzugeben, was sie im Clan del Golfo gemacht habe. Diesbe-
züglich wäre zu erwarten gewesen, dass er aufgrund der langjährigen
Freundschaft ein genaues Profil der Person «F._» hätte zeichnen
können. Überdies sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer
keine genauen Angaben zur Verhaftung von «F._» habe machen
können, immerhin sei der Vater des Beschwerdeführers angefragt worden,
in Sachen «F._» vor Gericht auszusagen. Erst nach expliziter Auf-
forderung habe der Beschwerdeführer Details über «F._» angege-
ben, welche jedoch im Kern auch auf einen beliebigen anderen Kollegen
hätten zutreffen können. Insgesamt bestehe der Verdacht, dass der Be-
schwerdeführer die Person «F._» nicht kenne.
Ferner sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Clan del Golfo versucht ha-
ben soll, den Beschwerdeführer mehrmals zur Mitarbeit zu zwingen. Der
entsprechende Einwand, der Clan würde gegen alle vorgehen, welche sich
gegen ihn stellen würden, sei nicht schlüssig. Der Beschwerdeführer
stamme nicht nur aus einer besseren sozialen Schicht, auch habe er kein
Gefährdungsprofil wie beispielsweise ein Menschenrechtsaktivist.
Überhaupt sei nicht ersichtlich, weshalb der Clan del Golfo den Beschwer-
deführer bis nach Bogotá verfolgen solle, nachdem dieser der Forderung,
B._ zu verlassen, nachgekommen sei. Grundsätzlich, so das SEM
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weiter, müsse der Beschwerdeführer irrationale Beweggründe für eine Ver-
folgungshandlung nicht schlüssig erklären können. Indes sollte eine solche
in sich nachvollziehbar sein, was vorliegend bezüglich des Telefonanrufs
nicht der Fall sei. Ihm sei lediglich mitgeteilt worden, dass sein Aufenthalts-
ort bekannt sei; indes seien keine weiteren Forderungen gestellt worden.
Ausserdem widerspreche das Verhalten des Beschwerdeführers der Logik
des Handelns, indem er seit (...) 2017 bis zu seiner Ausreise im (...) 2019
immer wieder nach B._ zurückgekehrt sei. Somit habe er sich je-
weils leichtfertig in Gefahr gebracht.
Bezüglich des eingereichten Schreibens der Menschenrechtsorganisation
vom 27. August 2018 bleibe anzumerken, dass dessen Verfasser ein Men-
schenrechtsaktivist sei. Nichtsdestotrotz belege dies nicht, dass das
Schreiben echt sei. Insbesondere falle auf, dass das Dokument bezüglich
der Verfolgungsgeschichte keine detaillierten Angaben zu den fluchtauslö-
senden Ereignissen mache. Es wirke vielmehr wie eine willkürliche Anei-
nanderreihung von unterschiedlichsten Informationen, welche die Dramatik
der Gesamtsituation in der Heimatregion des Beschwerdeführers darlegen
sollten, als wie eine formelle Anzeige von Selbsterlebtem. Auch weil die
Schwester mit dieser NGO zusammengearbeitet habe, sei davon auszu-
gehen, dass es sich dabei um ein Gefälligkeitsschreiben handle.
Angesichts dieser – nicht abschliessend aufgelisteten – Unklarheiten sei
es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die Verfolgung durch den Clan
del Golfo glaubhaft darzulegen (Art. 7 AsylG).
7.1.2 Hinsichtlich der Stellungnahme der Rechtsvertretung zum Entscheid-
entwurf hielt das SEM fest, dass selbst bei Glaubhaftigkeit der Vorbringen
die Asylrelevanz nicht gegeben sei, weil unter anderem eine landesinterne
Fluchtalternative bestehe.
7.2 Bezüglich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen wurde in der Beschwer-
deschrift festgehalten, dass der Beschwerdeführer stets genaue Angaben
bezüglich Zeit und Ort gemacht habe; als besonderes Realkennzeichen sei
ausserdem seine jeweilige Orientierung an seinem Geburtstag zu nennen.
Ferner habe er bei der Erwähnung der Schusswaffe geweint, was als typi-
sches Indiz dafür zu werten sei, dass das Geschilderte einem tatsächlichen
Erlebnis entspreche. Auch habe der Beschwerdeführer den Rekrutierungs-
versuch in der Bar ausführlich mit Realkennzeichen, zum Beispiel hätten
die Männer das Retourgeld nicht entgegengenommen, geschildert. Der
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Umstand, dass der Clan del Golfo vorwiegend junge Männer mit geringem
Bildungsstand rekrutiere, schliesse indes nicht aus, dass diese weit ver-
netzte, paramilitärische Organisation auch gut gebildete Männer wie den
Beschwerdeführer rekrutiere. Aufgrund der Freundschaft zu «F._»,
welcher schon beim ersten Besuch (im V[...]geschäft) Kontakte zum Clan
gepflegt habe (und später Mitglied geworden sei), sei die Ingenieurausbil-
dung des Beschwerdeführers dem Clan bekannt gewesen.
Im Übrigen sei der vorinstanzliche Vorwurf, der Beschwerdeführe kenne
«F._» nicht, nicht haltbar, wie eingebrachte Beweismittel belegen
würden.
Hinsichtlich der Verfolgung des Beschwerdeführers bis nach Bogotá sei
darauf hinzuweisen, dass sich der Einfluss des Clans del Golfo nicht nur
auf B._ beschränke, weshalb es nicht abwegig sei, dass er auch in
Bogotá kontaktiert worden sei.
Der Vorwurf, das Schreiben der Menschenrechtsorganisation sei ein Ge-
fälligkeitsschreiben, entbehre letztlich jeder Grundlage. Der Beschwerde-
führer sei nach dem negativen Asylentscheid erneut mit der Organisation
in Kontakt getreten und versuche nun, sich die Echtheit des Schreibens
bestätigen zu lassen.
7.3 In seiner Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass die mit Be-
schwerde eingereichten Videos nahelegen würden, dass der Beschwerde-
führer I._ alias «G._» tatsächlich persönlich getroffen habe,
was grundsätzlich für die Glaubhaftigkeit des entsprechenden Vorbringens
sprechen würde. Indes sei erneut darauf hinzuweisen, dass der Beschwer-
deführer nicht fähig gewesen sei, Details über diese Person zu nennen.
Abgesehen davon sei nicht klar dargelegt worden, in welchem Zusammen-
hang «F._» mit der geltend gemachten Verfolgungsgeschichte
stehe. Zwar sei ein loser Zusammenhang zwischen dem Beschwerdefüh-
rer und dem Clan del Golfo zu erkennen, was indes für eine asylrelevante
Verfolgung nicht ausreiche. Ein flüchtiger Bekannter, welcher kriminell ge-
worden sei, sei kein ausserordentliches Vorkommnis. Den eingereichten
Fotos seien überdies keine Hinweise weder für eine asylrelevante Bedro-
hung noch für die vorgebrachte Freundschaft zu «F._» zu entneh-
men.
7.4 In seiner Replik kam der Beschwerdeführer im Wesentlichen nochmals
auf die Person «F._» zurück und verwies auf seine Vermutungen,
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welche er im Rahmen der Anhörung gemacht habe. Die vorinstanzlichen
Vorwürfe, er kenne den richtigen Namen von «F._» und weitere De-
tails nicht beziehungsweise die eingereichten Fotos seien kein Beleg für
eine Freundschaft, wies er mit eingehender Begründung von sich. Im Üb-
rigen sei es nachvollziehbar, wie auch im Handbuch des SEM nachzulesen
sei, dass er sich nicht an jedes einzelne Datum – wie die Verhaftung von
«F._» - erinnern könne.
Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass er nie geltend gemacht habe,
dass er aufgrund seiner Freundschaft zu «F._» der Verfolgung des
Clans ausgesetzt gewesen sei.
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der Einschätzung der
Vorinstanz an, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, glaub-
haft darzutun, vom Clan del Golfo im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Kolum-
bien asylrelevant verfolgt worden zu sein.
8.2 Die vier Kontaktaufnahmen durch Mitglieder des Clans del Golfo hätten
zwischen (...) 2017 und (...) 2019 stattgefunden (A19 F71). In Anbetracht
des langen Zeitraums sind diese wenigen Kontaktaufnahmen als zu dürftig
zu erachten, um von einem tatsächlichen Interesse des Clans an der
Person des Beschwerdeführers auszugehen. Selbst bei Wahrunterstellung
der Kontaktaufnahmen und Drohungen, mangelt es diesen überdies an
einer flüchtlingsrelevanten Intensität und insbesondere an einem Motiv im
Sinne von Art. 3 AsylG (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauung). Damit soll
die Gefährlichkeit des Netzwerkes des Clans del Golfo im Allgemeinen
nicht negiert werden.
8.3 Zu den einzelnen Begegnungen fällt zudem Folgendes auf:
8.3.1 Die erste Begegnung habe mit zwei dem Beschwerdeführer bekann-
ten Männern (Freunde von Freunden; A13 F43) (...) 2017 stattgefunden,
als dieser mit seinem Nachbarn E._ (...) geflickt habe (A13 F41 ff.;
A19 F77 ff.). Deren Vorschlag einer Zusammenarbeit mit dem Clan del
Golfo habe der Beschwerdeführer abgeschlagen, was zu jenem Zeitpunkt
keine weiteren Folgen gehabt habe (A13 F40 und F44). Einer der beiden
Männer sei lediglich ein paar Monate später bei der Schwester des Be-
schwerdeführers, wo dieser damals gewohnt habe, wegen (...)arbeiten
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Seite 12
vorbeigekommen (A13 F46). Erst im (...) 2019 habe dieser ihn wieder be-
droht (A13 F62 und 77).
8.3.2 Die zweite Begegnung (...) 2018 (A13 F50) scheint zufällig entstan-
den zu sein: Als der Beschwerdeführer auf dem Weg zu einem Laden ge-
wesen sei, hätten zwei Männer – wovon ihm einer vage bekannt gewesen
sei (A13 F52) – in einer Bar ein Bier getrunken und ihn zu sich gerufen
(A13 F49; A19 F80 ff.), um ihn zur Mitarbeit im Clan aufzufordern. Sie hät-
ten ihm nach seiner Absage mitgeteilt, in diesem Falle die Gegend besser
zu verlassen. Unklar ist, ob und zu welchem Zeitpunkt er diesen Zwischen-
fall der Polizei gemeldet hat (A13 F51; A19 F87 f. und 105).
8.3.3 Hinsichtlich des dritten Vorfalls im (...) 2019 gab der Beschwerdefüh-
rer zwar nicht explizit zu Protokoll, dass dieser von Mitgliedern des Clans
oder im Zusammenhang mit der Aufforderung des Clans, diesem beizutre-
ten, erfolgte. Aber es sei von diesen Männern ebenfalls zum Ausdruck ge-
bracht worden, dass der Beschwerdeführer die Gegend zu verlassen habe,
und der Fahrer des Motorrads sei einer der ihm bekannten Männer gewe-
sen, der ihn bereits (...) 2017 einmal auf eine mögliche Tätigkeit für den
Clan angesprochen habe. Indes scheint die Bedrohung nicht sehr ernsthaft
gewesen zu sein, sei die Waffe doch ziemlich rasch wieder eingesteckt
worden (A13 F64 und 75).
8.3.4 Der vierte Kontakt habe durch einen Anruf auf das Mobiltelefon des
Beschwerdeführers in Bogotá (A13 F83; A19 F101) im (...) 2019 stattge-
funden, indem ihm erklärt worden sei, dass sein Aufenthaltsort bekannt sei
(A13 F62). Eine konkrete Drohung wurde nicht ausgesprochen. Der Anru-
fer habe gemäss dem Beschwerdeführer diesen erschrecken und damit
erreichen wollen, dass er nicht mehr nach B._ zurückkehre (A13
F82; A19 F103). Dies ist nicht nachvollziehbar, hielt er sich doch schon seit
(...) 2018 in Bogotá auf und hatte damit die Forderung, wenn er nicht mit
dem Clan zusammenarbeite, dann müsse er den Bezirk verlassen, bereits
erfüllt.
8.3.5 Des Weiteren entspricht das Verhalten des Beschwerdeführers, seit
dem Beginn der Drohungen (...) 2017 immer wieder nach B._ zu-
rückgekehrt zu sein (teilweise auch, um zu bleiben, A13 F61), nicht jenen
einer verfolgten Person.
8.3.6 Wie tief die Freundschaft zwischen dem Beschwerdeführer und der
Person «F._» (vgl. https://www.youtube.com/[...], besucht am
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Seite 13
2. März 2020) respektive I._ ist, kann offen gelassen werden. Auch
wenn sie wirklich Freunde respektive Bekannte sind, fehlt ein Zusammen-
hang zwischen dieser Freundschaft und den verschiedenen Treffen des
Beschwerdeführers mit den Mitgliedern des Clans del Golfo, wie das SEM
in seiner Vernehmlassung zu Recht festgestellt und der Beschwerdeführer
in seiner Replik bestätigt hat. Mit anderen Worten führt selbst eine belegte
Freundschaft nicht zur Glaubhaftigkeit eines Interesses des Clans an der
Person des Beschwerdeführers, respektive zur Glaubhaftigkeit von ernst-
haften Drohungen seitens des Clans. Aus diesem Grund sind die einge-
brachten Fotografien und Videos, welche die Freundschaft zu
«F._» belegen sollen, als irrelevant zu werten.
8.3.7 Der Brief der Organisation H._ vom August 2018 beschreibt
zunächst, dass der Clan del Golfo während zwei Jahren versucht habe,
den Beschwerdeführer zu einer Mitgliedschaft zu bewegen («... durante
dos años han intentado que este joven pertenezca a sus filas delincuenci-
ales...»). Gestützt auf diese Aussage könnte angenommen werden, dass
die erste Kontaktaufnahme im Jahr 2016 (statt [...] 2017) stattgefunden
hätte, was mit den Ausführungen des Beschwerdeführers nicht vereinbar
ist. Überdies scheint der Beschwerdeführer in einen polizeilichen Sicher-
heitsplan involviert gewesen zu sein («... el joven A._ ... sea tenido
en cuenta para el plan padrino de seguridad de la policía...»), was eben-
falls seinen Aussagen widersprechen würde, wonach die Polizei seine An-
zeige nicht entgegengenommen habe, weil der Vorfall schon länger – ca.
drei Monate – zurückgelegen habe (A13 F51). Folglich trägt das Schreiben
nicht zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers bei.
8.4 Im Ergebnis hat das SEM zurecht die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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Seite 14
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
10.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend
darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
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schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124 ff.
m.w.H.). Dies ist ihm unter Hinweis auf die vorangehenden Erwägungen
nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimat-
staat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-
zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung
sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.1 Weder die allgemeine Lage in Kolumbien noch individuelle Gründe
wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur lassen auf eine kon-
krete Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr schlies-
sen.
Die Vorinstanz hat diesbezüglich zu Recht darauf hingewiesen, dass der
Beschwerdeführer jung sei sowie aus einer vermögenden Familie (A19
F19 ff.) stamme. Er habe in Kolumbien von den Mieteinnahmen seiner Im-
mobilie in Bogotá gelebt (A13 F16 und 30) und als diplomierter Maschine-
ningenieur in verschiedenen Bereichen Arbeitserfahrung sammeln können
(A13 F23 ff.; A19 F41 ff.). In B._, welches ca. (...) km von Bogotá
entfernt ist, leben seine Eltern sowie ein jüngerer Bruder in einer Liegen-
schaft seiner Schwester (A13 F8 f.). Auch nach seiner Ausreise habe er
den Kontakt zu seiner Familie gepflegt (A19 F17 f.), was auf ein intaktes
Beziehungsnetz hindeutet. Er kann sich zudem in Bogotá ohne weiteres
aufhalten, wo er eine Immobilie besitzt und wo er seine Kindheit und Ado-
leszenz verbracht hat. Auch sei er seit der zweiten Drohung im (...) 2018
immer wieder in Bogotá gewesen. Folglich muss nicht befürchtet werden,
dass er nach seiner Rückkehr nach Kolumbien in wirtschaftlicher Hinsicht
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in eine existenzbedrohende Lage gerate. Auch in medizinischer ist nicht
von einem Vollzugshindernis auszugehen, da der Beschwerdeführer ledig-
lich an einer medikamentös behandelten Gastritis leidet.
10.3.2 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Be-
schwerde jedoch im Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht als aussichtslos be-
trachtet werden konnte und der Beschwerdeführer in der Schweiz gemäss
der eingereichten Fürsorgebestätigung vom 6. Februar 2020 als bedürftig
gilt, sind in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG keine Kosten zu erheben.
Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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