Decision ID: 51322181-bd65-4633-abe7-7d2a038eff6b
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roger Lippuner, St. Gallerstrasse 46,
Postfach 945, 9471 Buchs SG 1,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rückerstattung von Ergänzungsleistung zur IV / URV im Verwaltungsverfahren
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (Jahrgang 1947) meldete sich am 10. August 2004 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) an (EL-act. 66). Bei der Anspruchsberechnung ab
1. Oktober 2002 berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle kein hypothetisches
Einkommen der Ehegattin, weil die damals 57-Jährige noch nie in der Schweiz
gearbeitet und keine Ausbildung hatte (IV-act. 61). Hingegen rechnete sie dem
Versicherten ab Dezember 2003 ein hypothetisches Einkommen von Fr. 22'506.-- an
(EL-act. 47). Die monatliche Ergänzungsleistung ab 1. Oktober 2002 bis 31. Dezember
2002 belief sich auf Fr. 1'034.-- (inklusive einer ausserordentlichen Ergänzungsleistung
von Fr. 235.-- monatlich). Für den Monat Dezember im Jahr 2003 betrug sie insgesamt
Fr. 1'349.-- und ab 1. Januar 2004 Fr. 1'424.--. Die entsprechenden Verfügungen
ergingen am 13. Januar 2005 (EL-act. 46). Mit Verfügung vom 23. März 2006 stellte die
EL-Durchführungsstelle die Ausrichtung der ausserordentlichen Ergänzungsleistung ein
und setzte die ordentliche Ergänzungsleistung auf Fr. 768.-- fest (EL-act. 41). Am
29. Dezember 2006 erging die jährliche Anpassungsverfügung, welche die ordentliche
Ergänzungsleistung auf Fr. 811.-- anhob (EL-act. 37).
A.b Anlässlich einer periodischen Überprüfung ging bei der EL-Durchführungsstelle im
Mai 2007 der von der AHV-Zweigstelle B._ zusammen mit dem Versicherten
ausgefüllte Fragebogen ein. Darin hat der Versicherte angegeben, dass zwei Personen
im Haushalt wohnten und dass er zur Invalidenversicherungsrente eine Rente der
Pensionskasse von jährlich Fr. 3'685.-- erhalte (EL-act. 33). In den Beilagen befand sich
auch ein Rentenausweis der Pensionskasse, der eine Erhöhung der bisher
ausbezahlten Rente auf Anfang 2007 ankündigte (EL-act. 34). Die EL-
Durchführungsstelle verlangte darauf vom Versicherten Auskunft, seit wann nur noch
zwei Personen im Haushalt wohnten. Gemäss ihren Unterlagen wohnten sechs
Personen dort. Weiter fragte sie, seit wann eine BVG-Rente ausgerichtet werde und bat
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um alle Rentenbestätigungen (EL-act. 32). Die AHV-Zweigstelle teilte der EL-
Durchführungsstelle am 17. Juli 2007 mit, dass effektiv sieben Personen im Haushalt
des Versicherten lebten (EL-act. 30). Mit Verfügung vom 5. Oktober 2007 stellte die EL-
Durchführungsstelle die Ausrichtung der Ergänzungsleistungen auf den 1. November
2007 ein, weil der Versicherte trotz Abmahnung die zur Überprüfung der EL-
Anspruchsberechtigung erforderlichen Angaben nicht eingereicht hatte (EL-act. 27).
A.c Am 24. Oktober 2007 gab der Versicherte der EL-Durchführungsstelle bekannt,
dass in seinem Haushalt seine Ehegattin, sein Sohn und seine Schwiegertochter sowie
deren drei Kinder wohnten. Sodann legte er dieselbe Ankündigung der
Rentenerhöhung bei, wie er sie bereits zusammen mit dem Fragebogen im Mai 2007
eingereicht hatte (EL-act. 26). Die EL-Durchführungsstelle verlangte am 26. Oktober
2007 erneut die Rentenbestätigungen der Jahre 2003 bis 2006 (EL-act. 25). Der
Versicherte teilte der EL-Durchführungsstelle am 29. Oktober 2007 mit, er habe erst ab
1. Januar 2007 eine Rente von Fr. 3'685.-- erhalten. Davor habe er keine Rente
ausbezahlt bekommen (EL-act. 24). Mit Verfügung vom 5. November 2007 sprach die
EL-Durchführungsstelle dem Versicherten eine Ergänzungsleistung ab 1. November
2007 von Fr. 515.-- zu. Sie gab dazu an, dass die EL neu berechnet worden sei, da neu
in der Wohnung sieben Personen wohnten und zudem Anspruch auf eine BVG-Rente
bestehe. Die rückwirkende Berechnung werde er zu einem späteren Zeitpunkt erhalten
(EL-act. 23).
A.d Die Pensionskasse stellte der EL-Durchführungsstelle am 2. November 2007 eine
Aufstellung ihrer Rentenabrechnung zu. Daraus ist ersichtlich, dass die Pensionskasse
dem Rechtsvertreter des Versicherten am 1. September 2006 mitgeteilt hatte, dass
gestützt auf die Verfügung der Invalidenversicherung rückwirkend ab 5. Dezember
2002 ein Anspruch auf BVG-Rente bestehe. Der Betrag von insgesamt Fr. 13'779.20
werde dem Versicherten umgehend überwiesen (EL-act. 22). Mit Verfügung vom
12. November 2007 forderte die EL-Durchführungsstelle deshalb Fr. 19'066.-- an zuviel
ausbezahlter EL zurück. Sie führte dazu aus, gemäss ihren Unterlagen habe der
Versicherte seit 5. Dezember 2002 Anspruch auf eine BVG-Rente. Zudem wohnten seit
20. Juli 2005 sieben Personen im gleichen Haushalt. Die Ergänzungsleistung sei
deshalb rückwirkend ab diesem Datum neu zu berechnen. Die zuviel ausbezahlten
Leistungen seien zurückzufordern (EL-act. 20). Gegen diese Verfügung liess der
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Versicherte am 28. November 2007 Einsprache erheben und um unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung ersuchen (EL-act. 8). Gleichentags reichte
der Versicherte auch ein Gesuch um Erlass der Rückforderung ein (EL-act. 7).
A.e Mit Verfügung vom 21. Dezember 2007 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten eine EL in der Höhe von Fr. 680.-- ab 1. Januar 2008 zu. Dabei
berücksichtigte sie ein hypothetisches Einkommen, einen verminderten Mietzinsanteil
sowie einen tieferen Rentenanspruch (EL-act. 4).
A.f Am 28. Januar 2008 stellte der Versicherte die Einsprachebegründung zu. Darin
macht er geltend, dass er betreffend Anmeldung für Ergänzungsleistungen von der
Sozialhilfe seines Wohnortes betreut werde. Sollte die Deklaration seines Einkommens
tatsächlich nicht vollständig erfolgt sein, sei dies nicht auf schlechten Willen, sondern
allenfalls auf sprachliche Missverständnisse zurückzuführen. Sodann sei zutreffend,
dass die BVG-Rente in den EL-Berechnungen der vergangenen Jahre zu
berücksichtigen sei. Nicht anzurechnen sei jedoch das in allen Berechnungen
berücksichtigte Einkommen von Fr. 23'066.--, das weder der Versicherte noch seine
Ehegattin erzielten. Betreffend Anzahl Mitbewohner sei anzumerken, dass diese stets
korrekt deklariert worden seien und dass es sich beim unlängst hinzugekommenen
Mitbewohner um den Enkel des Versicherten handle. Weder von dessen bereits im
Haushalt wohnhaften Eltern noch vom Enkel könne ein zusätzlicher Betrag erwartet
werden, weshalb es sich nicht rechtfertige, bei den Ausgaben tiefere Mietkosten zu
berücksichtigen. Auf Grund dieser Umstände beantrage er die Einsprache zu schützen,
die Verfügungen zu widerrufen und die Ergänzungsleistungen wiedererwägungsweise
unter Berücksichtigung der effektiv erzielten Ersatzeinkommen neu festzusetzen (EL-
act. 2).
A.g Am 28. April 2008 sistierte der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen das Einspracheverfahren bis zum Vorliegen des Urteils des
Bundesgerichts betreffend Invalidenrente (EL-act. 70). Mit Entscheid vom 25. Februar
2009 wies der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt die Einsprache des
Versicherten ab. Er gab an, weil seit Juli 2005 sieben Personen im Haushalt des
Versicherten wohnten, könne man beim Mietzins lediglich die Kosten für die zwei
Personen anrechnen, die man auch bei der EL-Berechnung berücksichtige. Der
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Jahresmietzins betrage deshalb noch Fr. 4'629.--. Das Bundesgericht habe mit Urteil
vom 11. April 2008 einen Invaliditätsgrad von 49% ermittelt. Bei der vorliegenden
Teilinvalidität, der zwischen 40 und 50% liege, sei praxisgemäss der um einen Drittel
erhöhte Höchstbetrag für den Lebensbedarf von Alleinstehenden als hypothetisches
Einkommen anzurechnen. Der Versicherte habe nicht geltend gemacht, inwiefern es
ihm aus invaliditätsfremden Gründen nicht möglich sei, seine Resterwerbsfähigkeit zu
verwerten. Die Anrechnung des hypothetischen Einkommens sei deshalb zu Recht
erfolgt. Schliesslich werde nach Rechtskraft dieses Entscheides über das Gesuch um
Erlass der Rückforderung entschieden (EL-act. 71).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde des Versicherten vom
27. März 2009. Er beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheids sowie die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zunächst
rügt er, dass sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren sowie sein Erlassgesuch der EL-
Rückforderung nicht behandelt worden seien. Sodann macht er geltend, dass er erst
am 1. September 2006 über seinen Anspruch auf BVG-Rente unterrichtet worden sei,
weshalb er vor dem 1. September 2006 keine unrechtmässigen Leistungen bezogen
habe. Auf Grund des IV-Verfahrens habe die Beschwerdegegnerin davon Kenntnis,
dass bei einer Gutheissung des Rentenanspruchs auch eine BVG-Rente ausgerichtet
werde. Sodann sei er betreffend EL von der Sozialhilfe betreut worden. Eine fehlende
Nachmeldung sei deshalb allfälligen sprachlichen Schwierigkeiten zuzuschreiben. Eine
Rückerstattung betreffend BVG-Rente sei deshalb nicht statthaft. Sodann sei eine
Kürzung des zu berücksichtigenden Mietzinses nicht zulässig, weil der Enkel oder
dessen Eltern keinen Beitrag an die Mietkosten leisten könnten. Er habe den
Sozialdienst auch über die Geburt seines Enkels korrekt informiert. Mit der Aufteilung
des Mietzinses auf einen Säugling habe die Beschwerdegegnerin ihr Ermessen
überschritten. Schliesslich habe er bereits anlässlich der Einsprachebegründung vom
28. Januar 2008 die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens bestritten. Das
hohe Alter, die mangelnde Ausbildung, erhebliche sprachliche
Verständigungsschwierigkeiten sowie die gesundheitlichen Probleme würden eine
Verwertung der theoretischen Resterwerbsfähigkeit verhindern. Hinzu komme, dass
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über 55-jährige schwer vermittelbar seien. Insgesamt liege eine völlige
Vermittlungsunfähigkeit vor. Deshalb sei kein hypothetisches Einkommen anzurechnen
(G act. 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 18. Mai 2009 unter Verweis auf die
Erwägungen im Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde. Ergänzend gab
die Beschwerdegegnerin an, der Entscheid über das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung sei unbegründet untergegangen.
Selbstverständlich würden diese nachträglich gewährt. Weil eine Quersubventionierung
von nicht EL-berechtigten Personen gesetzlich nicht vorgesehen sei, könne die
Zahlungsfähigkeit dieser Personen für ihren Mietzinsanteil nicht berücksichtigt werden.
Die Berechnung des Mietzinses sei deshalb korrekt. Betreffend hypothetisches
Einkommen habe es der Beschwerdeführer bis anhin unterlassen, Nachweise für
Stellengesuche einzureichen. Eine mangelnde Ausbildung und sprachliche
Verständnisschwierigkeiten seien bei einer Hilfsarbeitertätigkeit kein Hindernis (G act.
5).
B.c Der Beschwerdeführer verzichtet sinngemäss auf eine Replik (G act. 7).

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Beschwerdeantwort anerkannt, dass das Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren
unbegründet untergegangen sei und sie diese nachträglich gewähre. Damit kann der
Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung im Vorverfahren
als erledigt abgeschrieben werden.
2.
2.1 Mit der Verfügung vom 12. November 2007 hat die Beschwerdegegnerin
Ergänzungsleistungen zurückgefordert. Von einem unrechtmässigen Leistungsbezug
im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG kann allerdings erst dann ausgegangen
werden, wenn die formell rechtskräftige Verfügung, auf die sich der
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Sozialversicherungsträger damals bei der Leistungsausrichtung gestützt hat,
aufgehoben und durch eine neue Verfügung ersetzt worden ist, mit der neu tiefere
Leistungen zugesprochen werden oder mit der neu ein Leistungsanspruch verneint
wird. Die ursprüngliche, formell rechtskräftige Leistungsverfügung muss als prozessual
revidiert (Art. 53 Abs. 1 ATSG), wiedererwogen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) oder rückwirkend
an eine Sachverhaltsveränderung angepasst bzw. herabgesetzt oder aufgehoben
werden (Art. 17 ATSG), damit von einem unrechtmässigen Leistungsbezug
ausgegangen und eine Rückforderung verfügt werden kann. Der Wortlaut der
Verfügung vom 12. November 2007 enthält keinen Hinweis auf eine Korrektur der
früheren, formell rechtskräftigen Leistungsverfügungen. Dem Wortlaut nach zu urteilen
würde die Beschwerdegegnerin Ergänzungsleistungen zurückfordern, die gestützt auf
eine formell rechtskräftige Verfügung (und die darauf folgenden formell rechtskräftigen
Revisionsverfügungen) und damit im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG
rechtmässig ausgerichtet worden sind. Wären die Verfügung vom 12. November 2007
beziehungsweise der sie ersetzende angefochtene Einspracheentscheid nur dem
Wortlaut gemäss zu interpretieren, müsste der angefochtene Einspracheentscheid also
ohne weiteres als rechtswidrig, weil gegen Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG verstossend,
aufgehoben werden. Nun sind Verfügungen (und Einspracheentscheide) aber nicht nur
nach ihrem Wortlaut auszulegen. Massgebend ist vielmehr der vom erlassenden
Sozialversicherungsträger beabsichtigte Inhalt der Verfügung (oder des
Einspracheentscheides). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen geht in
ständiger Praxis davon aus, dass Verfügungen der Beschwerdegegnerin, die als reine
EL-Rückforderungsverfügungen abgefasst sind, auch eine wiedererwägungs- oder
revisionsweise Korrektur der früheren, formell rechtskräftigen Leistungsverfügung
enthalten. Mit der Verfügung vom 12. November 2007 sind somit die Verfügungen vom
13. Januar 2005, 23. März 2006 und 29. Dezember 2006 aufgehoben und durch eine
(abgestufte) Leistungszusprache mit Wirkung ab 1. Dezember 2002 ersetzt worden.
Dabei handelt es sich um eine Wiedererwägung.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom 12. November 2007 den EL-
Anspruch für den ganzen Zeitraum von Dezember 2002 bis Oktober 2007 geregelt. Der
Beschwerdeführer hat gegen die Verfügung vom 12. November 2007 Einsprache
erhoben, nicht jedoch auch gegen die Verfügung vom 5. November 2007 und
21. Dezember 2007, die für den zukünftigen EL-Anspruch ebenfalls einen verminderten
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Mietzins, die BVG-Rente sowie ein hypothetisches Einkommen berücksichtigt haben.
Rechtsprechungsgemäss gelten Rentenzusprachen für die Zukunft und eine getrennt
verfügte Rentenzusprache für die Vergangenheit betreffend Anfechtungs- und
Streitgegenstand als eins und haben deshalb als insgesamt angefochten zu gelten
(BGE 131 V 164; BGE 125 V 413). Dasselbe hat auch im EL-Verfahren zu gelten.
3.
3.1 Streitig ist die Höhe der Rückforderung beziehungsweise die Fragen, ob und
inwieweit BVG-Renten, Mietzins und hypothetisches Einkommen angerechnet werden
dürfen.
3.2 Auf den 1. Januar 2008 ist das neue Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in Kraft
getreten. Es ersetzt das ELG vom 19. März 1965 in der bis 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Fassung. In Bezug auf die vorliegend umstrittene Frage der Berechnung
des Mietzinses sowie der Anrechnung von BVG-Renten und eines hypothetischen
Erwerbseinkommens hat sich auch bei der neuen Rechtslage materiell nichts geändert.
3.3 Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG; Art. 3a Abs. 1
aELG). Die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in
bestimmtem Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in Art. 10
und 11 ELG (Art. 3b und 3c aELG) sowie Art. 11 bis 18 der Verordnung über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (ELV; SR 831.301]) festgelegten Bestimmungen
ermittelt.
4.
Die Beschwerdegegnerin hat ihre Rückforderung einerseits damit begründet, dass dem
Beschwerdeführer rückwirkend ab Dezember 2002 eine Rente der Pensionskasse
zugesprochen wurde, die bei der ursprünglichen Berechnung und Ausrichtung der
Leistung nicht berücksichtigt worden war (auch nicht berücksichtigt werden konnte).
Diese ist zwar erst im Jahr 2006 ausbezahlt worden, jedoch unter der Fiktion, sie wäre
bereits ab Dezember 2002 monatlich erfolgt. Auf Grund der rückwirkend
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einzubeziehenden zusätzlichen Rentenleistungen der beruflichen Vorsorge ergab sich
eine EL-Rückforderung. Die Pflicht zur Rückerstattung unrechtmässig bezogener
Ergänzungsleistungen besteht unabhängig von einer allfälligen Melde- oder
Anzeigepflichtverletzung des Beschwerdeführers bei einer Wiedererwägung der
ursprünglichen Verfügung. Wann der Beschwerdeführer Kenntnis der Verfügung einer
BVG-Rente erhalten und dies weitergeleitet hat, ist deshalb nicht massgebend für die
Berechtigung zur Rückforderung von EL-Leistungen. Es genügt, dass der
Beschwerdeführer (nachträglich) mehr Einkommen zur Verfügung hatte, als in der
ursprünglichen Verfügung berücksichtigt werden konnte, auch wenn dieses erst zu
einem späteren Zeitpunkt ausbezahlt worden ist. Pensionskassengelder sind nämlich
bei der Berechnung der Ergänzungsleistung als anrechenbare Einnahmen zu
berücksichtigen (Art. 11 Abs. 1 lit. d ELG; Art. 3c Abs. 1 lit. d aELG). Die Rückforderung
der Beschwerdegegnerin für zuviel bezogene Ergänzungsleistungen betreffend BVG-
Rente ist demnach nicht zu beanstanden.
5.
5.1 Die Rückforderung wird weiter damit begründet, dass seit 20. Juli 2005 sieben
Personen im gleichen Haushalt lebten und deshalb die in der EL-Berechnung zu
berücksichtigenden Mietkosten tiefer seien. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor,
weder von seinem Sohn noch von seinem neu hinzugekommenen Enkel, der noch ein
Säugling sei, könne ein Beitrag an die Mietkosten erwartet werden. Als Ausgaben ist
der Mietzins einer Wohnung anzurechnen (Art. 10 Abs. 1 lit. b EVG; Art. 3b Abs. 1 lit. b
aELG). Gemäss Art. 16c ELV ist der Mietzins auf die einzelnen Personen aufzuteilen,
wenn Wohnungen oder Einfamilienhäuser auch von Personen bewohnt werden, die
nicht in die EL-Berechnung eingeschlossen sind. Grundsätzlich hat die Aufteilung der
Wohnkosten zu gleichen Teilen zu erfolgen (Art. 16c Abs. 2 ELV). Diese Aufteilung ist
bei gleicher Nutzung der Wohnung sinnvoll. Diese Regelung lässt aber auch Raum für
eine andere Aufteilung der Mietkosten als nur nach Anzahl Köpfen. Führen Abklärungen
beispielsweise zum Ergebnis einer ungleichen Nutzung, so können die Mietkosten auch
entsprechend dem Nutzungsgrad berücksichtigt werden. Massgebend sind nämlich
ausschliesslich die Kosten der Wohnung, in der die betreffende Person effektiv lebt und
die sie mit einer anderen Person teilt (vgl. Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen zur AHV/
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IV, in: SBVR XIV-Meyer, Soziale Sicherheit, Basel 2007, S. 1759, Rz. 102; BGE 105 V
271 ff.).
5.2 Der Beschwerdeführer lebt zusammen mit seiner Ehegattin, seinem Sohn, der
Schwiegertochter und drei Kleinkindern in einer viereinhalb-Zimmer-Wohnung. Aus
wirtschaftlicher Sicht lebt die Familie des Sohnes bei seinen Eltern in Untermiete. Der
Beschwerdeführer kann somit tatsächlich einen Teil der Mietkosten einsparen, indem
er von seinem Sohn eine Untermiete verlangen könnte. Verzichtet er darauf, so wäre
ihm bei voller Berücksichtigung der Mietkosten ein entsprechender Betrag beim
Vermögensverzicht als Einnahme anzurechnen. Der Beschwerdeführer kann sich
deshalb nicht darauf berufen, dass sein Sohn nichts an die Mietkosten bezahlt.
5.3 Die Beschwerdegegnerin hat statt eine Einnahme aus Untermiete anzurechnen,
die Mietkosten nach Anzahl Köpfen gemäss Vorgabe der Verordnung aufgeteilt und nur
zwei Siebtel der Mietkosten bei den Ausgaben berücksichtigt. Diese Aufteilung
erscheint dem Gericht bei dieser Wohnungsgrösse und den vielen Bewohnern nicht als
überzeugend. Der Säugling braucht zu Beginn seines Lebens nicht viel Platz, so dass
sich kaum etwas an der Nutzungsaufteilung der Wohnung geändert haben wird. Bei
der Grösse dieser Wohnung ist vielmehr davon auszugehen, dass ein Zimmer als
Wohnzimmer, je ein Schlafzimmer für die Erwachsenen und eines für die Kinder
benutzt werden. Küche und Bad werden gemeinsam benutzt. Entsprechend dieser
Nutzung betragen die Mietkosten des Beschwerdeführers und seiner Ehegattin etwa
zwei Fünftel und diejenige seines Sohnes mit Familie drei Fünftel. Eine
Nutzungsänderung ist durch ein weiteres Kleinkind nicht eingetreten. Der
Einspracheentscheid vom 25. Februar 2009 ist deshalb betreffend Berücksichtigung
der Mietkosten aufzuheben. Die Mietkosten sind im Verhältnis von zwei Fünftel als
Ausgaben anzurechnen. Die Beschwerdegegnerin hat entsprechend die
Neuberechnung vorzunehmen. Betreffend Verfügung vom 5. November 2007 und 21.
Dezember 2007 ist die Sache zur weiteren Abklärung über die tatsächliche
Nutzungsaufteilung und Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
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6.1 Die Beschwerdegegnerin hat wie bereits in den ursprünglichen Verfügungen vom
13. Januar 2005 wiederum ein hypothetisches Einkommen des Beschwerdeführers ab
Dezember 2003 berücksichtigt. Im Einspracheentscheid hat sie dabei auf das Urteil des
Bundesgerichts vom 11. April 2008 verwiesen, das einen Invaliditätsgrad von 49% ab
1. Dezember 2001 ermittelt hat. Bei der ursprünglichen EL-Berechnung stand der
Invaliditätsgrad noch nicht rechtskräftig fest. Eine Überprüfung der Anrechnung des
hypothetischen Einkommens des Beschwerdeführers im Rahmen des
Wiedererwägungsverfahrens ist zulässig. Auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens der Ehegattin wurde beim Alter und der Ausbildung der Ehegattin
und mit Hinblick auf aktuellen Arbeitsmarkt verzichtet (EL-act. 61). Dies ist im
vorliegenden Fall nicht weiter zu beanstanden.
6.2 Gemäss Art. 11 Abs. 1 ELG (Art. 3c Abs. 1 aELG) sind Erwerbseinkünfte, auf die
verzichtet wird, als Einnahmen anzurechnen (sogenanntes hypothetisches
Einkommen). Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV sieht für Invalidenrentner, die zwischen 40 und
50% invalid sind und die das 60. Altersjahr noch nicht erreicht haben, die Anrechnung
eines hypothetischen Einkommens von Fr. 23'066.-- (2003) vor. Gemäss dieser
Bestimmung ist also davon auszugehen, dass eine invalide Person trotz ihrer
invaliditätsbedingten reduzierten Leistungsfähigkeit einer Erwerbstätigkeit nachgehen
könnte. Dazu ist aber erforderlich, dass es ihr auf Grund ihrer persönlichen Umstände
zumutbar wäre, eine Erwerbstätigkeit auszuüben und es ihr möglich wäre, die
verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich zu verwerten. Das heisst,
wenn sie eine Arbeitsstelle fände und sich darum bemühen würde, würde sie
mindestens Fr. 23'066.-- verdienen. Rechtsprechungsgemäss handelt sich dabei um
eine widerlegbare Vermutung. Die invalide Person kann diese Vermutung widerlegen,
indem sie nachweist, dass die Umstände es ihr verunmöglichten, ihre verbliebene
Arbeitsfähigkeit zu verwerten.
6.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein hohes Alter, die mangelnde
Ausbildung, erhebliche sprachliche Verständigungsschwierigkeiten sowie die
gesundheitlichen Probleme würden eine Verwertung der theoretischen
Resterwerbsfähigkeit verhindern. Hinzu komme, dass über 55-Jährige schwer
vermittelbar seien, weshalb eine völlige Vermittlungsunfähigkeit anzunehmen sei.
Gemäss Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Mai
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2007 (IV 2006/109) betreffend Invalidenrente leidet der Versicherte an Rücken- und
Knieproblemen. Der Hausarzt hat gegenüber der IV-Stelle des Kantons St. Gallen im
Juli 2002 angegeben, im angestammten Beruf bestehe eine vollumfängliche
Arbeitsunfähigkeit. Leichte Montagearbeiten, Kontrolltätigkeiten oder dergleichen in
abwechselnder Arbeitsstellung seien ganztags zumutbar, wobei eine verminderte
Leistungsfähigkeit gegeben sei. Die IV-Stelle sah in der Folge von einer
Arbeitsvermittlung ab, weil nach Einschätzung des Eingliederungsberaters die
Krankheitsüberzeugung des Versicherten, die fehlende Motivation und
invaliditätsfremde Faktoren wie Alter, Nationalität und Vorbildung eine erfolgreiche
Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt verhinderten. Gutachterlich wurde am 5. November
2003 erklärt, eine körperlich leichte Tätigkeit in wechselnden Positionen ohne
regelmässiges Heben und Tragen von Lasten über 5 kg sei zu 65% zumutbar. Gestützt
darauf hat die IV-Stelle dem Versicherten eine halbe Rente (Härtefallrente) bei einem
Invaliditätsgrad von 41% zugesprochen. Weil der Versicherte diese Verfügung
angefochten hatte, widerrief die IV-Stelle am 22. November 2004 ihre Verfügung und
ordnete ein weiteres Gutachten an. Die bidisziplinäre Begutachtung vom Oktober 2005
bestätigte die Einschätzung des Vorgutachters von einer 65%igen Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit. Aus psychiatrischer Sicht hat man eine Überbetonung der
orthopädischen und internistischen Beschwerden sowie eine beginnende
undifferenzierte Somatisierungsstörung festgestellt, die jedoch keine Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit hätten. Eine Komorbidität sei nicht nachweisbar. Mit Verfügung
vom 6. Dezember 2005 hielt die IV-Stelle bei einem Invaliditätsgrad von 42% an der
bisherigen Invalidenrente fest und wies das Gesuch um deren Erhöhung ab. Das
Bundesgericht hat in seinem Urteil vom 11. April 2008 (9C_404/2007) den
Arbeitsfähigkeitsgrad von 65% übernommen, jedoch die Bemessung des
Invaliditätsgrades korrigiert. Insgesamt resultierte ab 1. Dezember 2001 ein
Invaliditätsgrad von 49%.
6.4 Daraus folgt, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen, die bei
zumutbarer Willensanstrengung die Aufnahme einer leidensadaptierten
Teilerwerbstätigkeit verhindern würden. Dem Beschwerdeführer wurde bereits durch
seinen Hausarzt erklärt, dass er eine leidensadaptierte Tätigkeit ausüben könne. Diese
Einschätzung wurde erstmals im Gutachten vom November 2003 bestätigt und danach
auch im Gutachten vom Oktober 2005. Spätestens ab November 2003 hat der
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Beschwerdeführer somit gewusst, dass ihm aus objektiver Sicht die Aufnahme einer
Teilerwerbstätigkeit zumutbar wäre und er im Rahmen seiner
Schadenminderungspflicht angehalten wäre, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen.
Auf Grund seiner Krankheitsüberzeugung war er noch im 2002 nicht motivierbar, sich
einer Arbeitsvermittlungsmassnahme der IV-Stelle zu unterziehen. Wie gutachterlich
festgestellt worden ist, schränken seine psychischen Störungen die zumutbare
Arbeitsfähigkeit jedoch nicht ein. Sodann sind keine anderen persönlichen Gründe
ersichtlich, die dem Beschwerdeführer die Verwertung der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit und eine entsprechende Stellenbewerbung verunmöglichen oder über
Gebühr erschweren. So hat er keine Kinder oder pflegebedürftigen Personen zu
betreuen. Auf seine Krankheitsüberzeugung ist nicht Rücksicht zu nehmen. Schliesslich
werden Hilfsarbeiten unabhängig von den Sprachkenntnissen, Alter und
Ausbildungsgrad auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt. Unter diesen Umständen wird die
Vermutung von Art. 14a Abs. 2 ELV, gemäss derer eine invalide Person mit einem
Invaliditätsgrad zwischen 40 und 50% ein bestimmtes Einkommen erzielen kann, nicht
widerlegt. Weil der Beschwerdeführer zu beweisen hat, dass die Arbeitslosigkeit
unverschuldet ist und ein entsprechender Nachweis fehlt, geht die Beweislosigkeit zu
Lasten des Beschwerdeführers. Die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ab
Dezember 2003 erweist sich damit als korrekt. Sie ist jedoch auf Ende 2006 zu
beschränken, da der Beschwerdeführer im Jahr 2007 sein 60. Altersjahr erreicht hat
und damit die Vermutung von Art. 14a Abs. 2 ELV dahinfällt. Entsprechend sind die
Verfügungen vom 5. und 12. November 2007 und vom 21. Dezember 2007 aufzuheben.
Die Sache ist zur Neuberechnung und Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und
die Verfügungen vom 5. und 12. November 2007 sowie vom 21. Dezember 2007 sind
aufzuheben. Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur Neuberechnung und
Neuverfügung im Sinn der Erwägungen zurückzuweisen. Sodann hat sie abzuklären,
wie die gemeinsame Wohnung ab 2007 genutzt wird. Im Übrigen wird die Beschwerde
abgewiesen. Gerichtskosten sind keine zu erheben. Praxisgemäss ist die Rückweisung
zur ergänzenden Abklärung und Neuberechnung in Bezug auf den Anspruch auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
Parteientschädigung als vollumfängliches Obsiegen zu qualifizieren, so dass ein
Anspruch auf ungekürzte Entschädigung besteht (vgl. etwa ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Die
Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser
Kriterien erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Verfahrensausgang kommt das Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung nicht zum Zug, weil es ein Eventualgesuch für den
Fall des Unterliegens darstellt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG