Decision ID: fb52bdef-4df1-4467-a755-9beb3c3ddd8d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Am 27. Februar 2013 führte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, bei der
X._ GmbH,
(nachfolgend: GmbH)
eine Arbeitgeberkontrolle bezüglich der Jahre 2007 bis 2011 durch (
Urk.
6/83). Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) erstellte am 15. März 2013 einen Revisionsbericht für den Zeitraum vom
14. September 2009 bis 31. Dezember 2012 (
Urk.
6/84). Gestützt auf diese Unterla
gen setzte die Ausgleichskasse
mit Nachzahlungsverfügungen vom
26. April 2013 (
Urk.
6/90) die paritätischen Beiträge für die Jahre 2009, 2010 und 2011 neu fest und forderte Beiträge (inklusive Verwaltungskosten
und Verzugszinsen
) in Höhe von insgesamt
Fr.
27‘034.15
nach
(
Urk.
6/89)
. Die dagegen am 4. Mai 2013 erhobene Einsprache (
Urk.
6/91) wies die Ausgleichskasse mit
Einsprache
entscheid
vom 17. September 2013 ab (
Urk.
6/114 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 17. Septembe
r 2013 (
Urk.
2) erhob die
GmbH am 14. Oktober 2013 Beschwerde und beantragte die Aufhebung des an
gefochtenen Entscheides (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 13. Novem
ber 2013 (
Urk.
5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Be
schwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 14. Januar 2014 mitgeteilt (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 84 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenen
-
versiche
rung
(AHVG) entscheidet in Abweichung von Art. 58
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSG) das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse über Be
schwerden gegen Verfügungen und
Einspracheentscheide
kantonaler
Aus
gleichskassen
, weshalb das hiesige Gericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde örtlich zuständig ist.
1.2
Nach Art. 5
Abs.
1 und Art. 14
Abs.
1 AHVG werden vom Einkommen aus un
selbständiger Erwerbstätigkeit, dem massgebenden Lohn, Beiträge erhoben. Als massgebender Lohn gemäss Art. 5
Abs.
2 AHVG gilt jedes Entgelt für in un
selbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Zum massgebenden Lohn gehören begrifflich sämtliche Bezüge der Arbeitneh
merin und des Arbeitnehmers, die wirtschaftlich mit dem Arbeitsverhältnis zu
sammenhängen, gleichgültig, ob dieses Verhältnis fortbesteht oder gelöst wor
den ist und ob die
Leistungen geschuldet werden oder freiwillig erfolgen. Als beitragspflichtiges Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit gilt somit nicht nur unmittelbares Entgelt für geleistete Arbeit, sondern grundsätzlich jede Entschädigung oder Zuwendung, die sonstwie aus dem Arbeitsverhältnis bezo
gen wird, soweit sie nicht kraft ausdrücklicher gesetzlicher Vorschrift von der Beitragspflicht ausgenommen ist. Grundsätzlich unterliegen nur Einkünfte, die tatsächlich geflossen sind, der Beitragspflicht (BGE 133 V 549 E. 4 S. 558).
1.3
Die Beiträge vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit sind bei jeder Lohnzahlung in Abzug zu bringen und vom Arbeitgeber zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch zu entrichten (Art. 14
Abs.
1 AHVG). Erhält eine Ausgleichskasse Kenntnis davon, dass ein Beitragspflichtiger keine Beiträge oder zu niedrige Beiträge bezahlt hat, so hat sie die Nachzahlung der geschul
deten Beiträge zu verlangen und nötigenfalls durch Verfügung festzusetzen (Art. 39
Abs.
1 Satz 1 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversi
cherung
, AHVV).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist die Lohnsumme der Jahre 2009 bis 2011 und damit zusammenhängend die Frage, ob die Nachforderung in Höhe von insgesamt
Fr.
27‘034.15 rechtens ist.
2.2
Die Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung des angefochtenen Entscheides (
Urk.
2) aus, dass der Revisor der SUVA anlässlich einer Arbeitgeberkontrolle am 27. Februar 2013 Abweichungen in Bezug auf die eingereichten
Lohnde
klarationen
für die Jahre 2009 bis 2011 festgestellt habe. Der Eingang des Dar
lehens in Höhe von
Fr.
60‘000.-- sei in der Buchhaltung der Firma nicht ver
bucht, weshalb von einem privaten Darlehen auszugehen sei. Die Rückzahlung dieses privaten Darlehens sei durch die Beschwerdeführerin erfolgt, was eine geldwerte und damit als massgebender Lohn zu erfassende L
eistung darstelle
(S. 2
Ziff.
3
a). In Bezug auf die Materialkosten des Arbeitnehmers
A._
sei eine Aufstellung über Projektkosten für das Objekt
B._
GmbH eingereicht worden, welches Aufwendungen in Höhe von gesamthaft
Fr.
26‘
498.40 ausweise. Belege dafür seien nicht eingereicht worden, weshalb es beim Abzug von
Fr.
24‘124.-- bleibe (S. 2
Ziff.
3
b). Bezüglich der
B._
GmbH
lasse die Beschwerdeführerin ausser Acht, dass das
Sei
tentotal
der Abrechnung auf die nächste Seite übertragen werde. Sie habe nicht belegen können, dass die mittels dieser Abrechnung belegten Materialkosten in Höhe von
Fr.
26‘498.40
tatsächlich in Zusammenhang mit der Tätigkeit von
A._
angefal
len seien (
Urk.
5).
2.3
Die Beschwerdeführerin
hielt dem entgegen,
das Darlehen von
Fr.
60‘000.-- sei nicht aus privatem Kapital, sondern von der Firma aus dem Firmenkonto ent
richtet worden. Die Buchhalterin habe versehentlich das Darlehen in
Projekt
verfassungskosten
verbucht anstatt als Darlehen deklariert. Die Materialkosten des
Akkordantenarbeiters
A._
hätten insgesamt
Fr.
72‘124.20 und die Arbeitskosten
Fr.
41‘239.80 betragen. Dazu sei eine Kopie der
Materialkosten
abrechnung
von der
B._
GmbH und der Offerte von
C._
eingereicht und erklärt worden, dass die
C._
leider zu diesem Zeitpunkt keine Kapazität für die Durchführung dieses Auftrages habe. Deshalb habe Herr
A._
gemäss der Offerte von
C._
die Arbeit inklusive Materialkosten durchgeführt. Zudem sei gemäss Kostenvoranschl
ag des Neubaus Mehrfamilien
haus
mit Gewerbe im Baukostenplan aufgezeigt, dass die Heizungs- und
Sani
täranlagekosten
inklusive Wärmepumpe sowie die Material- und Arbeitskosten höher seien. Es seien der SUVA
und der Beschwerdegegnerin die
selben Nach
weise eingereicht worden; die SUVA habe eine Prämienanpassung vorgenom
men. Die Beschwerdegegnerin habe dies jedoch abgelehnt (
Urk.
1 S. 2).
3.
3.1
Mit Revisionsbericht vom 2
7.
Februar 2013 zuhanden der AHV (
Urk.
6/83) wurde für das Jahr 2010 nebst der Bereinigung von Lohndifferenzen festgehal
ten, dass für
Akkordantenarbeiten
von
A._
im Betrag von netto
Fr.
30‘669.-- und brutto
Fr.
32‘644.--
abzüglich Materialkosten in Höhe von 20
%
eine Lohnsumme von
Fr.
26‘115.--
anzurechnen sei. Für das Jahr 2009 sei ebenfalls abzüglich 20
%
eine Lohnsumme von
Fr.
70‘383.-- für
A._
zu erfassen. Für das Jahr 2011 erfasste der Revisor eine Lohnsumme von
Fr.
64‘000.-- für
eine
Zahlung für Privatkauf an Projektkosten Liegenschaft im Betrag von
Fr.
60‘000.-- netto (S. 1).
3.2
Mit zuhanden der
SUVA am 1
5.
März 2013 erstelltem
Revisionsbericht (
Urk.
6/84) wurde bezüglich des Jahres 2010 ausgeführt, dass über
A._
keine weiteren Angaben hätten eingeholt werden können. Die Aufteilung zwi
schen Arbeit und Material der GmbH sei nicht plausibel belegt worden. Die to
tale Auftragssumme in den Jahren 2009 und 2010 betrage
Fr.
113‘324.--. Nach der Netto/Bruttoumrechnung könnten 20
%
Materialkosten akzeptiert werden. Andernfalls müsse die
Beschwerdeführerin
erhöhte Materialkosten belegen.
Hinsichtlich des Jahres 2011 seien über die Finanzverwaltung und das Auf
wandskonto 3090
Projektaquisition
folgende Buchungen via Bank getätigt wor
den:
1
1.
Januar 2011:
D._
Architektur
Projektabkauf
Fr.
30‘000.--
1
4.
Februar 2011:
D._
Architektur
Projektabkauf
Fr.
30‘000.--
Während der Revision hätten keine weiteren Informationen zu diesen beiden Buchungen in Höhe von insgesamt
Fr.
60‘000.-- vorgelegen. Aus diesem Grund sei anzunehmen,
dass es sich hierbei um
Architekturdienstleistungen von
D._
handle. Dieser sei nicht als
Selbständigerwerbender
gemeldet, weshalb Aufrechnungen der Projektkosten über
Fr.
60‘000.-- in
Betracht zu zie
hen seien
, falls keine weiteren Informationen eingingen. Jedoch sei von der
Beschwerdeführerin
mit E-Mail vom 1
3.
März 2013 dargelegt worden, dass es sich bei den
Fr.
60‘000.-- um eine
Darlehensrückzahlung
handle. Es
handle sich um
ein Privatdarlehen von
D._
an
Z._
, welches nun zurückbezahlt worden sei. Der Darlehensvertrag
sei
eingereicht
worden
. Da die Rückzahlung durch die
Beschwerdeführerin
erfolgt sei, handle es sich um eine aufrechenbare Leistung und der Betrag sei aufzurechnen (
Urk.
6/84/2).
3.3
Dazu hielt die
Beschwerdeführerin
mit E-Mail vom 2
3.
April 2013 (
Urk.
6/85) fest, dass die Summe von
Fr.
60‘000.-- im falschen Buchhaltungskonto verbucht worden sei, weshalb
sich ein fehlerhafter
Betrag ergeben habe. Eingereicht wurde ein Darlehensvertrag vom 2
0.
Oktober 2010 zwischen
Z._
und
D._
, worin unter der Überschrift „Zinsloses Darlehen“ festge
halten wurde, dass
D._
an
Z._
d
en Betrag von
Fr.
60‘000.-- in b
ar übergebe (
Urk.
6/86/2). Weiter liegt ein Schreiben von
Z._
an den Revisor vom 1
3.
März 2013 bei den Akten (
Urk.
6/
86/1), worin festgehalten wird, dass der Betrag von
Fr.
60‘000.-- durch ein Missver
ständnis im Konto Aufwand statt im Konto Darlehen gebucht worden sei.
Ein
gereicht wurde weiter der bereits dem Revisor bekannte (vgl. vorstehend E. 3.2)
Kontoauszug
(
Urk.
6/86/3
) sowie eine Vereinbarung vom 1
5.
November 2011 zwischen
E._
,
D._
und
F._
als Verkäufer und dem Ehepaar
Z._
als Käufer, worin unter anderem eine Zahlung von
Fr.
70‘000.-- an die Verkäufer für Aufwandkosten und die bisherigen Architektur- und
Baubewilli
gungsplänge
vereinbart wurde
(
Urk.
6/86/5-6
). Betreffend Materialkosten wurde eine Aufstellung über insgesamt
Fr.
72‘085.20 eingereicht (
Urk.
6/87).
3.4
Dazu nahm der Revisor
der SUVA
am 2
8.
Juni 2013
wie folgt Stellung (
Urk.
6/101 S. 2
): Im Konto 3090 „
Projektaquisition
“ seien zwei Buchungen à
Fr.
30‘000.-- als Projektaufwand gebucht worden. Die Zahlungen seien an Herrn
D._
erfolgt. Nachträglich sei ein Darlehensvertrag eingereicht wor
den, welcher zeigen solle, dass es sich hierbei nur um eine
Darlehensrückzah
lung
handeln solle
. Gemäss Darlehensvertrag sei Herr
Z._
persönlich Empfänger des Darlehens gewesen. Eine Eingangsbuchung über
Fr.
60‘000.-- sei in der Buchhaltung der
Beschwerdeführerin
nicht zu finden gewesen. Bezahle die
Beschwerdeführerin
das Darlehen zurück, so habe sie das Darlehen von Herrn
Z._
übernommen. Die Rückzahlung sei als Lohn zu betrachten. Auf eine Aufrechnung könne nur verzichtet werden, wenn die Eingangsbuchung des Darlehens in der Finanzbuchhaltung klar ersichtlich gewesen
wäre. Damit wäre erwiesen, dass die
Beschwerdeführerin
das Geld erhalten hätte und nicht Herr
Z._
. Die
Beschwerdeführerin
müsste demnach einen Zahlungseingang über
Fr.
60‘000.-- nachweisen können mit einer korrigierten Buchhaltung, was auch die Steuererklärung des Betriebes tangieren würde. Der Betriebsaufwand wäre bei den Steuern um
Fr.
60‘000.-- reduziert. Das eingereichte
Vereinbarungs
schreiben
, welches Gesamtkosten von
Fr.
500‘000 erwähne, habe keinen Ein
fluss.
Die Beschwerdegegnerin hielt dazu fest, dass aus ihrer Sicht der Erhalt eines Darlehens ohne eine Eingangsbuchung in der Buchhaltung nicht nachvollzieh
bar sei. Der Darlehensvertrag sei als gegenstandslos zu betrachten, da dieser zwischen den Privatpersonen
Z._
und
D._
abge
schlossen worden sei
und der Geldfluss in die GmbH nicht habe aufgezeigt wer
den können. Ebenfalls gegen die Rückzahlung eines Darlehens spreche, dass in der Vereinbarung zwischen den Herren
D._/E._/F._
und dem Ehepaar
Z._
Aufwandskosten und Dienstleistungen von
Fr.
70‘000.-- erwähnt würden. Be
treffend d
ie
Akkordarbeiten von
A._
sei festzuhalten, dass sich die Materialkosten der beigelegten Rechnung nur auf
Fr.
26‘498.40 beliefen, da fälschlicherweise das Seitentotal addiert worden sei. Es sei allerdings unklar, ob diese Rechnung überhaupt mit den Materialkosten von
A._
in Verbin
dung stehe (S. 1).
3.5
Auf entsprechende Nachfrist der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/104) hielt die Be
schwerdeführerin am 2
1.
August 2013 (
Urk.
6/105)
erneut
fest,
die
Fr.
60‘000.-- seien tatsächlich ein Darlehen von Herrn
D._
, welches ihm zurückerstattet worden sei. Die Buchhalterin habe dies im falschen Code verbucht und dies sei zu spät bemerkt worden. Es sei eine Korrektur in Auftrag gegeben worden. Zum Beweis legte die Beschwerdegegnerin einen Auszug aus dem privaten Konto des Ehepaars
Z._
vor (
Urk.
6/112).
4.
4.1
Aus den Akten ergibt sich, dass der Betrag von
Fr.
60‘000.--
der Beitragspflicht unterliegt, denn
die Beschwerdeführerin
kann
ihre Behauptung,
wonach
es
sich
um eine private Rückzahlung eines Darlehens an
D._
handle,
nicht
bewei
sen:
Weder liegt ein Beleg über eine Zahlung von
D._
an die
Beschwerde
führerin
mit entsprechender
- korrekter -
Verbuchung vor, noch lässt sich aus dem Kontoauszug des Ehepaars (
Urk.
6/112) etwas zu Gunsten der Beschwer
deführerin ableiten
.
Im Gegenteil hielt sie beschwerdeweise selbst fest, dass das Darlehen von der Firma aus dem Firmenkonto zurückgezahlt worden sei (vgl.
Urk.
1 S. 2). Nachdem
die Rückza
hlung an
D._
somit
durch die
Beschwer
deführerin
erfolgt ist
,
ohne dass
dieser das Darlehen der
Beschwerdeführerin
gewährt hätte, handelt
es sich um eine
beitragspflichtige
Leistung
. Nichts an
deres ergibt sich, wenn die Zahlung als Entgelt für von
D._
erbrachte
Ar
chitekturdienstleistungen
(vgl.
Urk.
6/86/5-6
) erfolgte, da
D._
nach unwi
dersprochen gebliebener Darstellung der Beschwerdegegnerin nicht als Selb
ständigerwerbender erfasst ist.
Somit gilt die Zahlung auch aus diesem Blick
winkel als massgebender Lohn.
4.2
Hinsichtlich der von der Beschwerdegegnerin festgelegten Lohnsumme und Bei
träge für
Akkordantenarbeiten
von
A._
lässt sich aus der eingereich
ten Materialkostenabrechnung (
Urk.
6/87/3-7) ebenfalls nichts zugunsten der Beschwerdeführerin ableiten, denn diese Rechnung hat keinen
ersichtlichen
Be
zug zu
A._
. Mangels anderen beweiswertigen Belegen für höhere Materialkosten hat es mit den von der Beschwerdegegnerin festgelegten Beträ
gen sein Bewenden.
4.3
Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
rech
tens ist. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.