Decision ID: e7f1e84d-1d81-4605-9ec0-33cde32171ac
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 13.08.2009 Art. 17 Abs. 2 ATSG; Art. 42 ATSG; Art. 37 IVV. Revision des Anspruchs auf Hilflosenentschädigung. Das Erreichen der Volljährigkeit einer Bezügerin einer Hilflosenentschädigung stellt keinen neuen Versicherungsfall dar. Entsprechend müssen zur Herabsetzung der Hilflosenentschädigung die gewöhnlichen Revisionsvoraussetzungen, mithin eine Veränderung des relevanten Sachverhalts, gegeben sein. Dies ist vorliegend der Fall. Die Herabsetzung kann erst vom zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monat an erfolgen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. August 2009, IV 2009/25). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_839/2009.
Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug,
Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiberin Miriam Lendfers
Entscheid vom 13. August 2009
in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilflosenentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a A._, Jahrgang 1990, leidet an mehreren von der Invalidenversicherung (IV)
anerkannten Geburtsgebrechen, so insbesondere am Roberts-Syndrom, an
Mikrognathie, humero-radialer Synostose, Hüftluxation beidseits, Femur- und
Fibulaaplasie und Spitzfüssen beidseits (vgl. IV-act. 164-1). Seit dem Kleinkindalter
bezog sie Pflegebeiträge der IV für Hilflosigkeit mittleren Grades (IV-act. 29; 65; 79;
104; 120). Mit Verfügung vom 20. Juli 2004 wurde ihr vom 1. Januar 2004 bis
31. Januar 2008 eine Hilflosenentschädigung wegen Hilflosigkeit schweren Grades
zugesprochen (IV-act. 147).
A.b Anfang 2008 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren betreffend Hilflosigkeit ein.
Im Fragebogen vom 11. Februar 2008 gab die Mutter der Versicherten an, diese sei in
allen Lebensverrichtungen zumindest teilweise auf Dritthilfe angewiesen. Die IV-Stelle
holte beim Ostschweizer Kinderspital und beim Förderraum, einem Netzwerk von
innovativen Arbeits-, Ausbildungs- und Wohnmöglichkeiten für Menschen mit
Behinderungen im Raum St. Gallen, weitere Informationen zur Selbstständigkeit der
Versicherten ein (IV-act. 213; 215). Am 26. August 2008 führte sie eine Abklärung im
elterlichen Haushalt der Versicherten durch (IV-act. 229). Gestützt auf diese Abklärung
kündigte sie mit Vorbescheid vom 29. September 2008 an, der Versicherten ab Februar
2008, dem Folgemonat ihres 18. Geburtstags, eine Entschädigung wegen leichter
Hilflosigkeit zuzusprechen (IV-act. 231). Mit Einwand vom 30. Oktober 2008
protestierte Advokat Martin Boltshauser von der procap, Schweizerischer Invaliden-
Verband, in Vertretung der Versicherten gegen diese Absicht und beantragte die
Weiterausrichtung der Entschädigung wegen Hilflosigkeit schweren Grades (IV-
act. 242). Die IV-Stelle verfügte am 4. Dezember 2008 dennoch gemäss Vorbescheid
(act. G 1.1).
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B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Rechtsvertreters der
Versicherten vom 26. Januar 2009. Er beantragt die Aufhebung der Verfügung und die
Weiterausrichtung einer Entschädigung wegen Hilflosigkeit schweren Grades.
Eventualiter seien weitere Abklärungen vorzunehmen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die Versicherte habe als Minderjährige einen Anspruch auf
Entschädigung wegen Hilflosigkeit schweren Grades erhalten. Trotz mehrfach
attestierter unveränderter gesundheitlicher Situation und trotz unveränderter
Hilflosigkeit habe die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Anmeldung für den Bezug
einer Hilflosenentschädigung für Volljährige die Leistungen herabgesetzt. Dies sei nicht
zulässig. Da keine Veränderung der Hilflosigkeit eingetreten sei, seien die
Revisionsvoraussetzungen nicht erfüllt. Selbst wenn man von einer Veränderung
ausginge, sei die Versicherte doch in verschiedenen Lebensverrichtungen auf Hilfe
angewiesen. So könne sie sich selbstständig nur auf stabile Stühle setzen, die nicht
kippen könnten. Beim Essen brauche sie die durchgehende Anwesenheit der Mutter.
Beim Verrichten der Notdurft sei sie nur mit Closomat selbstständig. Sie habe das
gleiche Recht wie eine gesunde Person, sich ohne Einschränkungen nicht nur zuhause
und in der Ausbildungsstätte, sondern auch an Orten aufzuhalten, an denen kein
Closomat vorhanden sei.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 29. April 2009
die Abweisung der Beschwerde. Gemäss Rz. 8001 des vom Bundesamt für
Sozialversicherung (BSV) herausgegebenen Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit (KSIH) würden der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für
Minderjährige und jener für Volljährige als zwei unterschiedliche Versicherungsfälle
gelten. Entgegen der Meinung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin müssten
die Revisionsvoraussetzungen somit nicht erfüllt sein. Doch selbst wenn sie es
müssten, könnte die Entschädigung herabgesetzt werden. Der Vergleich des alten mit
dem neuen Sachverhalt zeige, dass die Selbstständigkeit der Beschwerdeführerin
glücklicherweise zugenommen habe. Das Essen sei selbstständig möglich. Für das
Heranziehen von Stühlen sei das Halten am Tisch oder die Benützung eines Schemels
zumutbar. Beim Absitzen und Verrichten der Notdurft auswärts erfolgten die
Hilfestellungen nicht regelmässig. Auf dem Arbeitsweg sei gar keine Dritthilfe nötig. Die
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notwendige Hilfe unterwegs (wie für das Absitzen und das Verrichten der Notdurft) sei
in der Lebensverrichtung "Fortbewegung" enthalten, die angerechnet worden sei. Da
die Beschwerdeführerin immer wieder allein in der Stadt unterwegs sei, sei zudem
fraglich, ob eine Dritthilfe für die Fortbewegung erheblich und regelmässig sei
(act. G 6).
B.c In der Replik vom 22. Juni 2009 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten. Rz. 8001 KSIH ergebe sich weder aus Art. 42 ff. des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) noch aus Art. 35 ff. der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201). Deshalb werde daran festgehalten, dass die
Revisionsvoraussetzungen nicht gegeben seien. Die Situation sei medizinisch
unverändert, wie das Ostschweizer Kinderspital bestätige (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 30. Juni 2009 auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Gegen Verfügungen, gegen die eine Einsprache ausgeschlossen ist, ist innert 30 Tagen
nach der Eröffnung Beschwerde zu erheben (Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die
angefochtene Verfügung trägt das Datum 4. Dezember 2008. Sie wurde der Procap
St. Gallen-Appenzell eröffnet. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin von der
Procap Olten hatte sich hingegen mit Einwand vom 30. Oktober 2008 rechtsgenüglich
als Interessenvertreter legitimiert (IV-act. 243). Er macht geltend, dass ihm die
Verfügung von der Procap St. Gallen-Appenzell unmittelbar weitergeleitet worden und
am 10. Dezember 2008 bei ihm eingetroffen sei. Somit kann die rechtsgenügliche
Eröffnung nicht vor diesem Datum erfolgt sein. Unter Berücksichtigung der
Gerichtsferien über Weihnacht/Neujahr erfolgte die Beschwerde am 26. Januar 2009
fristgerecht. Da auch die übrigen Voraussetzungen gegeben sind, ist auf die
Beschwerde einzutreten.
2.
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2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Nach
Abs. 2 wird auch jede andere formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung von
Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich
der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat.
Hilflosenentschädigungen fallen in den Anwendungsbereich von Abs. 2.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 20. Juli
2004 eine Entschädigung für Hilflosigkeit schweren Grades ab 1. Januar 2004 bis
31. Januar 2008 zugesprochen, wobei sie im Verfügungsdispositiv in Klammern
"Revision" anmerkte (IV-act. 147-3). Sie ging folglich nicht davon aus, dass der
Versicherungsfall per Januar 2008 ende und ab Erreichen der Volljährigkeit im Februar
2008 ein neuer Versicherungsfall eintreten würde. Entgegen Rz. 8001 KSIH ergibt sich
eine derartige Interpretation denn auch weder aus Gesetz noch aus Verordnung. Von
zwei verschiedenen Versicherungsfällen auszugehen erscheint denn auch materiell
nicht als angezeigt, sind doch sowohl das versicherte Risiko als auch die
Leistungsvoraussetzungen bei Minderjährigen und Volljährigen grundsätzlich dieselben.
Somit stellt die in der Verfügung vom 20. Juli 2004 erwähnte "Befristung" lediglich die
Ansetzung eines gewöhnlichen, von Amtes wegen vorzunehmenden Revisionstermins
dar. Auf dem Anmeldeformular, das der Versicherten im Februar 2008 zum Ausfüllen
zugestellt wurde, findet sich denn auch der Vermerk "Revision" (IV-act. 209-1); es
handelte sich nicht um eine Neuanmeldung. Folglich müssen die Voraussetzungen für
die Revision der Dauerleistung, mithin eine relevante Evolution des Sachverhalts,
gegeben sein, wenn die Hilflosenentschädigung von einer für schwere Hilflosigkeit auf
eine solche für leichte Hilflosigkeit herabgesetzt werden soll.
3.
3.1 Als hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 ATSG). Hilflose Personen haben einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung. Es ist zu unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer
und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 1 und 2 IVG).
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3.2 Grundsätzlich besteht bei einem Aufenthalt in einer Institution zur Durchführung
von beruflichen Eingliederungsmassnahmen kein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung, es sei denn, die versicherte Person könne wegen einer
schweren Sinnesschädigung nur dank regelmässigen und erheblichen Dienstleistungen
Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen (Art. 42 Abs. 5 IVG). Gemäss Art. 35 Abs. 1
IVV haben nicht zu dieser Kategorie zählende volljährige Versicherte, die sich zur
Durchführung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen während mindestens 24
Tagen im Kalendermonat in einer Institution aufhalten, für den betreffenden Monat
keinen Anspruch auf Hilflosenentschädigung. Auch wenn dies aus dem
Verordnungswortlaut nicht in der gewünschten Klarheit hervorgeht, ist mit "Aufenthalt"
gemäss Art. 42 Abs. 5 IVG das Übernachten in einer Institution gemeint (vgl. die
Botschaft des Bundesrats zur 4. IV-Revision vom 24. Juli 2001 in BBl 2001 Nr. 29,
S. 3289 f.). Vorliegend schliesst die von der IV bezahlte Ausbildung der
Beschwerdeführerin im Förderraum die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung nicht
aus, weil sich die Beschwerdeführerin nur tagsüber in der Ausbildungsstätte aufhält.
3.3 Eine leichte Hilflosigkeit liegt vor, wenn eine versicherte Person in mindestens zwei
alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV), einer dauernden persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV) oder nur dank regelmässigen und erheblichen
Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d
IVV). Als mittelschwer gilt die Hilflosigkeit, wenn die versicherte Person trotz Abgabe
von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen in erheblicher Weise
auf Dritthilfe angewiesen ist, in mindestens zwei Lebensverrichtungen der Dritthilfe und
überdies einer dauernden persönlichen Überwachung oder dauernder
lebenspraktischer Begleitung bedarf (Art. 37 Abs. 2 IVV). Ist die versicherte Person
vollständig hilflos, benötigt sie also in allen Lebensverrichtungen regelmässig und in
erheblicher Weise Dritthilfe und dauernde Pflege oder persönliche Überwachung, so
gilt die Hilflosigkeit als schwer (Art. 37 Abs. 1 IVV).
3.4 Zur Beurteilung, ob die Revisionsvoraussetzungen vorliegend gegeben sind, ist der
Sachverhalt zu vergleichen, wie er sich im Zeitpunkt der Verfügung vom 20. Juli 2004
präsentierte, mit jenem bei Herabsetzung der Entschädigung am 4. Dezember 2008.
bis
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3.4.1 Im Abklärungsbericht vom 20. Juni 2004 war festgehalten worden, die Versicherte
habe dauernde Schmerzen in den Beinen. Diese seien massiver geworden. Zudem
habe sie Abnützungserscheinungen im Skelettbereich. Neu habe sie
Gewichtsprobleme. Sie könne einen Kilometer nicht mehr zu Fuss bewältigen. Die
Mutter müsse sie zum Schulbus begleiten und von dort abholen, weil sie die Taschen
nicht selber tragen könne. Die Versicherte benötige Hilfe beim Absitzen. Seit einiger
Zeit müsse man den Stuhl halten, damit er nicht wegrutsche. Im Abklärungsbericht
vom 11. September 2008 wurde festgehalten, seit der Abklärung 2004 seien keine
wesentlichen Veränderungen eingetreten. Kurze Strecken – so beispielsweise bis zur
Bushaltestelle – könne die Versicherte ohne Hilfsmittel zurücklegen. Sie sei betreffend
Weg zur Lehrstelle selbstständig. Auf Stühle, die nicht leicht kippen könnten und stabil
seien, könne sie sich selbstständig hinsetzen und davon wieder aufstehen. Je
nachdem erleichtere ein Schemel das Absitzen und Aufstehen. Wenn sie auf einem
Stuhl sitze, müsse dieser zum Tisch vorgerückt werden, weil ihre Füsse den Boden
nicht erreichten. Auch wenn die Versicherte also bei der Lebensverrichtung des
Aufstehens, Absitzens und Abliegens weitgehende Selbstständigkeit erreichen konnte,
ist sie beim Absitzen folglich auch im Jahr 2008 noch teilweise auf Hilfe angewiesen.
3.4.2 Betreffend Essen war 2004 festgehalten worden, dieses müsse zerkleinert
werden. Mit dem Messer könne die Versicherte nicht schneiden. Demgegenüber wurde
im Bericht von 2008 angegeben, die Versicherte könne alle Nahrungsmittel
selbstständig mit dem Besteck zerkleinern und einnehmen. Dies bestätigte auch die
Ausbildungsstätte (IV-act. 215-1). Auch wenn beim Essen eine gewisse Überwachung
und Gesellschaft nötig oder erwünscht sind, kann bei dieser Lebensverrichtung 2008
doch nicht mehr von einer erheblichen und wesentlichen Dritthilfe ausgegangen
werden.
3.4.3 Bei der Position der Verrichtung der Notdurft war 2004 festgehalten worden, die
Versicherte befinde sich auch auf dem Closomat nicht immer in der richtigen Position,
sodass Nachkontrolle nötig sei. Eine solche Notwendigkeit der Nachkontrolle wurde
2008 hingegen nicht mehr erwähnt. Vielmehr wurde lediglich darauf hingewiesen, dass
die Versicherte ohne Closomat, also ausserhalb vom Elternhaus bzw. der
Ausbildungsstätte, auf Hilfe angewiesen sei (IV-act. 229-4 und 229-6). Seitens der
Ausbildungsstätte wurde die Selbstständigkeit der Beschwerdeführerin bei
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Vorhandensein eines Closomats ebenfalls bestätigt (IV-act. 215-2). Auch in diesem
Punkt kam es folglich offenbar zu einer gewissen Erhöhung der Selbstständigkeit seit
2004.
3.4.4 In den Positionen An- und Auskleiden, Körperpflege und Fortbewegung bzw.
Pflege gesellschaftlicher Kontakte benötigte die Versicherte sowohl 2004 als auch 2008
unbestrittenermassen wesentliche Dritthilfe.
3.5 Da wie erläutert gewisse Verbesserungen im Vergleich von 2004 mit 2008
ersichtlich sind – die Versicherte also etwa keine Begleitung zum Bus mehr benötigt,
das Essen selbstständig zerkleinern kann und die Notdurft selbstständig verrichten
kann, sofern ein Closomat vorhanden ist – ist die Revisionsvoraussetzung der
relevanten Veränderung des Sachverhalts gegeben. Eine revisionsweise Reduktion der
Hilflosenentschädigung ist folglich grundsätzlich zulässig.
4.
4.1 Die Versicherte ist gemäss dem Abklärungsbericht vom 11. September 2008 nicht
in allen alltäglichen Lebensverrichtungen auf wesentliche Dritthilfe angewiesen. Folglich
kann kein Anspruch auf eine Entschädigung für Hilflosigkeit schweren Grades
bestehen. Auch die Anspruchsvoraussetzungen für eine Entschädigung für Hilflosigkeit
mittleren Grades sind nicht erfüllt. In drei der sechs Lebensverrichtungen ist
unbestrittenermassen wesentliche Hilfe notwendig. In den übrigen drei konnte die
Versicherte eine weitgehende Selbstständigkeit erreichen, so beim Essen, beim
Aufstehen/Absitzen/Abliegen und bei der Verrichtung der Notdurft. Zwar benötigt sie
hier mitunter noch Handreichungen. Eine wesentliche, in erheblicher Weise
vorzunehmende Hilfe Dritter ist jedoch nicht mehr nötig. Aus dem vom Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin zitierten Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern
(IV 64597/214/2004) kann sich für den vorliegenden Fall nichts anderes ergeben.
Befindet sich die Beschwerdeführerin ausserhalb des Elternhauses und der
Ausbildungsstätte, so ist sie ohnehin auf Dritthilfe angewiesen, was von der
Beschwerdegegnerin anerkannt wird. Die helfende Drittperson wird ihr auswärts also
nötigenfalls auch bei der Verrichtung der Notdurft behilflich sein. Von einer in
erheblicher Weise bestehenden Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin bei der
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gewöhnlichen täglichen Verrichtung der Notdurft und einer regelmässigen
Hilfsbedürftigkeit kann bei gesamthafter Betrachtung folglich nicht ausgegangen
werden. Dasselbe hat beim Absitzen auswärts auf allfällige nicht geeignete und
gewohnte Stühle zu gelten. Dass auch zuhause bzw. in der Ausbildungsstätte mitunter
der Stuhl von einer Drittperson an den Tisch geschoben werden muss, reicht für einen
wesentlichen und erheblichen Bedarf nach Dritthilfe in der Verrichtung "Aufstehen,
Absitzen, Abliegen" nicht aus. Die Voraussetzungen des Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV für
Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades sind folglich nicht gegeben. Dasselbe
hat für lit. b dieser Bestimmung zu gelten, zumal eine dauernde persönliche
Überwachung der Beschwerdeführerin nicht notwendig ist; dies wird von ihr auch nicht
behauptet. Ebenso wenig ist dauernde lebenspraktische Begleitung im Sinn von lit. c
angezeigt. Entsprechend liegt keine mittelgradige Hilflosigkeit vor.
4.2 Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, die Ärzte des Ostschweizer
Kinderspitals hätten einen unveränderten Gesundheitszustand bestätigt. Dies ist in
dieser Form nicht zutreffend. Dr. med. B._ und Dr. med. C._ vom Ostschweizer
Kinderspital hielten in ihrem Bericht vom 4. März 2008 fest, sie hätten die
Beschwerdeführerin seit dem 12. Oktober 2005 nicht mehr gesehen. Sie gaben explizit
an, sie wüssten nicht, ob seither eine relevante Besserung aufgetreten sei (IV-
act. 213-5). Weitere medizinische Berichte, die auf eine Reduktion der
Selbstständigkeit würden schliessen lassen, liegen nicht vor. Folglich ist auf die
Ausführungen im Abklärungsbericht und die Angaben der Ausbildungsstätte
abzustellen.
4.3 Die Beschwerdegegnerin hat gemäss den Erwägungen zu Recht eine
Entschädigung für Hilflosigkeit leichten Grades zugesprochen. Zu prüfen bleibt der
Wirkungszeitpunkt der Herabsetzung der Entschädigung. Wie bereits erläutert, war die
Verfügung vom 20. Juli 2004 nicht im eigentlichen Sinn befristet, sondern nannte
lediglich den nächsten Termin für eine von Amtes wegen vorzunehmende Revision.
Gemäss Art. 88 Abs. 1 lit. b IVV sind Renten und Hilflosenentschädigungen bei einer
von Amtes wegen vorzunehmenden Revision frühestens von dem für diese
vorgesehenen Monat an heraufzusetzen. Die Herabsetzung erfolgt gemäss Art. 88
Abs. 2 lit. a IVV frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats an. Die angefochtene Herabsetzungsverfügung wurde der
bis
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Vertretung der Beschwerdeführerin im Dezember 2008 eröffnet. Die Herabsetzung der
Hilflosenentschädigung ist somit erst per 1. Februar 2009 möglich.
5.
5.1 Die Beschwerde ist dahingehend gutzuheissen, dass die Beschwerdeführerin vom
1. Februar 2008 bis 31. Januar 2009 Anspruch auf eine Entschädigung für Hilflosigkeit
schweren Grades und ab 1. Februar 2009 auf eine Entschädigung für Hilflosigkeit
leichten Grades hat. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Vorliegend ist eine Gerichtsgebühr von
Fr. 600.- zu erheben. Die Beschwerdeführerin hat nur in einem kleinen Ausmass
obsiegt, zumal die Herabsetzung der Hilflosenentschädigung grundsätzlich
gerechtfertigt war. Insgesamt erscheint es als angemessen, ihr drei Viertel der
Gerichtskosten aufzuerlegen. Sie hat somit Fr. 450.- zu tragen, während der
Beschwerdegegnerin Fr. 150.- aufzuerlegen sind. Der Beschwerdeführerin sind
Fr. 150.- des von ihr geleisteten Kostenvorschusses zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
reduzierte Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Ausmass des Obsiegens bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/
SG, sGS 951.1). Bei vollem Obsiegen wäre eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Folglich ist der
Beschwerdeführerin ein Viertel davon, also Fr. 875.-, zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG