Decision ID: be9b121f-82a6-4f8c-a9bd-31f42bc158d8
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975,
hat keine berufliche Ausbildung absolviert und w
ar zuletzt von Januar 2014
bis Februar 2016 bei der
Y._, Z._
, als Staplerfahrer angestellt (
Urk.
7/1, 7/2 f.
, 7/7/2 und 7/12
).
Unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung
hatte
er sich am 2
8.
Januar 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
gemeldet
(
Urk.
7/1). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte nebst einem aktuellen Aus
zug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
7/7)
insbesondere
einen
Arbeit
geberbericht (
Urk.
7/12), die Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
7/8, 7/26 und 7/32) sowie diverse Arztberichte (
Urk.
7/16, 7/20, 7/22 und 7/34) ein.
Mit Schreiben vom 2
1.
Juli 2016 teilte sie dem Versicherten mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
7/27).
Am 3
0.
März 2017 wur
de jener von med.
pract
. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) untersucht (
Urk.
7/40).
Nachdem die IV-Stelle ergänzend die Akten des Unfallversicherers beigezogen hatte, welche sich auf einen vom Versicherten am
7.
Mai 2015 erlittenen Sturz beziehen (
Urk.
7/41), stellte sie mit Vorbescheid vom
4.
Mai 2017 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/43). Dagegen erhob der Versicherte am 1
5.
Mai 2017 Einwand (
Urk.
7/46), worauf die IV-Stelle am 1
3.
Juni 2017 wie angekündigt verfügte (
Urk.
7/50 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
4.
Juli 2017 Beschwerde mit dem Rechts
be
gehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und die Angelegenheit sei zur Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen an die Vorinstanz
zurück
zuweisen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
September
2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), worüber der Ver
sicherte mit Verfügung vom 1
5.
September 2017 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8).
Auf die Ausführungen
in den Rechtsschriften und
die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankhe
it ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose
und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.4
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setz
ungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht ab
zustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1)
genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist
im Übrigen
ent
scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
3.
Juni 2017 (
Urk.
2) zog die Beschwer
degegnerin in Erwägung, sie habe Berichte der behandelnden Ärzte eingeholt und den Versicherten von einem Arzt des RAD untersuchen lassen. Aus medizinischer Sicht sei keine Erkrankung ausgewiesen, die einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
begründe
.
Mit Einwand vom 1
5.
Mai 2017 habe der Ver
sicherte angegeben, aufgrund der vorliegenden Erkrankungen keiner Erwerbs
tätig
keit mehr nachgehen zu können. Neue medizinische Unterlagen seien indes nicht eingereicht worde
n, weshalb am Entscheid festgehalten werde.
2.2
Mit Beschwerdeschrift vom 1
4.
Juli 2017 (
Urk.
1) machte der Versicherte
zusam
men
gefasst
geltend, die Beschwerdegegnerin sei ihrer Abklärungspflicht gemäss
Art.
43 ATSG nicht nachgekommen.
Gemäss bundesgerichtlicher Praxis seien bereits geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche
rungsinternen ärztlichen Feststellungen ausreichend, damit auf diese nicht abge
stellt werden könne und eine versicherungsexterne Begutachtung in Auftrag
ge
ge
ben
werden
müsse
.
Solche Zweifel seien im konkreten Fall vorhanden. So sei s
eitens der behandelnden Ärzte eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig schwere Episode mit psychotischen Sy
mptomen, diagnostiziert worden, weshalb
keine Arbeitsfähigkeit
bestehe
. Trotz wiederholt aufgetretener Rückfälle mit Schlafstörungen und Stimmenhören sei
med
.
pract
.
A._
vom RAD
dem
gegenüber
von einer Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion ausgegangen.
Dies sei ebenso wenig nachvollziehbar wie die von ihm attestierte Arbeitsfähig
keit von 80
%
für eine leidensangepasste Tätigkeit, welche bei weiterhin posi
ti
vem Heilungsverlauf auf
100
%
gesteigert werden könne
. Der bisherige Behand
lungsverlauf verdeutliche
klar, dass eine längerfristige Stabilisierung des Gesund
heitszustandes bis anhin nicht habe erreicht werden können
(
Urk.
1 S. 3 ff.)
.
3.
3.1
3.1.1
In Bezug auf den somatischen Gesundheitszustand
ergibt sich aus den Akten im Wesentlichen, dass
sich
der Versicherte
am
7.
Mai 2015 bei einem Sturz vom Staplerfahrzeug
das linke Handgelenk verdreht respektive verstaucht
hat
te
(
Urk.
7/41/2).
Med.
pract
.
B._
, Praktische Ärztin, attestierte in der Folge vom
9.
bis 1
5.
Mai 2015 eine vollständige und danach bis 2
7.
Mai 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/41/8 ff.).
Dem Bericht von
Dr.
med. C._
, Facharzt für Neurologie, vom
1.
Juli 2015 ist zu entnehmen, dass im Bereich des linken Handgelenks bereits seit fünf Jahren intermittierend Schmerzemp
fin
dungen unklarer Ursache auftreten würden. Namentlich ein Karpaltunnel
syn
drom habe ausgeschlossen werden können (
Urk.
7/16/16 f.).
Im Rahmen radio
logischer Untersuchungen vom 2
2.
Juli 2015 wurde ein
höchstgradiger
Verdacht auf eine
intraossäre
Ganglionzyste
mit
angrenzendem,
reaktivem Knochen
marks
ödem geäussert. Zudem wurde eine chronische
Synovitis
für möglich erachtet (
Urk.
7/16/8 f.).
Vor diesem Hintergrund wies med.
pract
.
B._
in ihrem Bericht vom 1
1.
April 2016 darauf hin, dass Arbeiten mit Beteiligung der linken Hand teilweise eingeschränkt seien. Aus rein körperlicher Sicht sei eine leichte, flexible Tätigkeit in geschützter Umgebung für zwei Stunden pro Tag - mit stufenweisem Anstieg
-
zumutbar (
Urk.
7/16/3, 7/16/5).
3.1.2
I
m Juli und November 2015
wurde der Versicherte
jeweils
zwecks Entfernung einer
transsphinktären
Analfistel operativ
von
Dr.
med. D._
, Fach
arzt für Chirurgie, behandelt
.
Dieser attestierte
zuletzt vom 1
8.
Novem
ber bis
6.
Dezember 2015 eine Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/8/4 ff.).
3.2
3.2.1
Hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustand
es
des Beschwerdeführers
hielt med.
pract
.
B._
im bereits zitierten Bericht vom 1
1.
April 2016 fest,
sie habe
diesen wegen depressiver Episoden bereits im November 2014 in psychiatrische Behandlung überwiesen. Im
September 2015
seien
erstmals
auch
psychotische Symptome aufgetreten (vgl. auch
Urk.
7/8/9).
Anlässlich einer körperlichen Untersuchung im Oktober 2015 habe der Versicherte glasige Augen und gerötete Konjunktiven gehabt. Er habe psychotisch gewirkt und die Augen hätten sich bewegt, als ob er Stimmen zuhören würde (
Urk.
7/16/2).
3.2.2
Vom 1
4.
Dezember 2015 bis 1
9.
Februar 2016 befand sich der Bes
chwerdeführer in der E._
in teilstationärer Behand
lung, wobei die Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3), gestellt wurde.
Der Versicherte habe angegeben, seit einem Jahr zunehmend unter einer depres
siven Symptomatik mit Antriebslosigkeit, niedergeschlagener Stimmung, Zu
kunft
s
ängsten, Grübeln sowie psychotischen Symptomen (optische und akusti
sche Halluzinationen)
zu leiden
. Seit circa vier Jahren sei er stark belastet durch Probleme mit der Exfrau, die ihm lange Zeit den Kontakt zu den Kindern verwehrt habe. Im
Weiteren habe er viele Schulden,
und sein Vater sei im letzten Jahr gestorben.
Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer bei Klinikeintritt wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen. Die Stimmung sei mittel
gradig bis schwer niedergedrückt gewesen. Im Weiteren hätten sich eine leichte psychomotorische Verlangsamung sowie eine mittelgradige Reduktion des Ge
dächt
nisses und der Konzentration gezeigt.
Das formale Denken sei umständlich und eingeengt auf die Probleme mit der Ehefrau und den Kindern gewesen.
Die optischen und akustischen Halluzinationen - Mann mit weissem Bart und andere Personen, die den Versicherten rufen und ihm sagen würden, er solle mitkommen zu seinem toten Vater - seien unter antipsychotischer Therapie stark zurück
ge
gangen. Ferner hätten nebst starken Zukunftsängsten insbesondere eine
Hoff
nungs
-
und Perspektivlosigkeit
,
eine teilweise starke Wut
, ein reduzierter
Appetit sowie Schlafstörungen festgestellt werden können. Ebenfalls vorhanden gewesen seien Gedanken
von Lebensmüdigkeit
, wobei sich keine Hinweise für eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung ergeben hätten (zum Ganzen
Bericht vom
4.
Mai 2016, Urk.
7/20/2 f.).
Nach Einleitung der antidepressiven Therapie sei es zu einer Verbesserung der Schlafqualität und zu einer leichten Stimmungsaufhellung gekommen. Das Grübeln und Gedankenkreisen habe deutlich nachgelassen. Ins
gesamt habe sich das initial mittelgradig depressive Zustandsbild stabilisiert
, und es könne von einer Teilremission ausgegangen werden
.
Mit einer Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit könne aufgrund leichter respektive mittelgra
diger Störungen der Konzentration und der Auffassungsgabe in einem 20%-Pen
sum gerechnet werden. Dieses könne vermutlich langsam gesteigert werden (
Urk.
7/20/4 ff.).
3.2.3
Im Anschluss an die
teil
stationäre Behandlung in der
E._
nahm der Versicherte
im
F._
eine
ambulante Psychotherapie
in Anspruch
, wobei seitens der behandelnden Ärzte mit Bericht vom 2
2.
März 2016 namentlich eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3) diagnostiziert wurde. Die seit
Anfang
2015 gehörten imperativen Stimmen würden unter
medikamentöser Behandlung
nur mehr ein bis zwei Mal pro Woche auftreten, und wenn, dann nur kurz.
Weiterhin geklagt
habe der Ver
sicherte über die Angst, auf die Strasse zu gehen und das Telefon zu benutzen, da er verfolgt und abgehört werde. Er wisse jedoch nicht, von wem und weshalb. Er leide
zudem
unter Vergesslichkeit, Lustlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Wertlosigkeit
, Müdigkeit, sozialem Rückzug sowie Schlafstörungen
(
Urk.
7/26/3).
D
er Versicherte
sei
äusserlich gepflegt, bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen.
Die emotionelle Kontaktaufnahme sei abwartend und distanziert ver
laufen; im Gesprächsverlauf habe der Beschwerdeführer depressiv-resigniert, affektiv niedergeschlagen,
dysphorisch
und psychomotorisch unruhig gewirkt. Den Blickkontakt habe er bei häufigem Blick zum Fenster teilweise vermieden.
Hinsichtlich Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis sei er verlangsamt und deutlich eingeschränkt gewesen (fehlende Erinnerung an die Geburtstage der Kinder und die eigene Postleitzahl). Das
formale
Denken sei beweglich und weitschweifig,
das inhaltliche Denken
problemzentriert und lenk
bar gewesen. Anhaltspunkte für akustische und optische Halluzinationen sowie Verfolgungswahn hätten sich eruieren lassen. Anamnestisch seien vage Suizidge
danken vorhanden; eine akute Suizidalität habe jedoch nicht festgestellt werden können (
Urk.
7/26/4).
Aktuell bestehe bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit, welche Folge der depressiven Symptomatik sowie der Halluzinationen sei. Damit seien starke körperliche, emotionale und kognitive Einschränkungen verbunden (
Urk.
7/26/5).
Bei im Wesentlichen un
verändertem psychopathologischem
Befund
ist sodann dem Bericht
des
F._
vom 2
5.
Oktober 2016 zu entnehmen, dass der Versicherte
seit
August 2016 ungefähr in einem 10%-Pen
sum als Brotlieferant tätig sei.
Seine
Leistungsfähigkeit sei allerdings aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3), immer noch deutlich einge
schränkt
, sodass eine Arbeitsunfähigkeit von 90
%
vorliege. Seit September 2016 leide der Versicherte
nach einer zwischenzeitlichen Stabilisierung im Juli/August 2016
wieder vermehrt unter Durchschlafstörungen
;
teilweise höre er auch
immer noch Stimmen. Die Prognose sei aufgrund der zum Teil wiederkehrenden psy
cho
tischen Symptome weiterhin ungewiss. Eine vollständige Symptomfreiheit von über vier Wochen habe bislang nicht erreicht werden können (
Urk.
7/34/4 f.).
3.2.4
Im Rahmen der RAD-Untersuchung vom 3
0.
März 2017 durch med.
pract
.
A._
hätten sich die vom Versicherten geschilderten Beschwerden auf Schlaf
störungen und Müdigkeit - als Nebenwirkung der eingenommenen Medikamente - beschränkt. Zu
weiteren aktenanamnestisch dokumentierten Beschwerden habe er nichts sagen wollen. Hinsichtlich des Tagesablaufs seien trotz wiederholter Nachfrage ebenfalls keine genaueren Angaben erhältlich gewesen. Der Beschwer
de
führer habe angegeben, sich hinzulegen und ab und zu aufzustehen. Ansonsten mache er nichts.
Aus psychiatrischer Sicht
sei der Versicherte im Gespräch bei reduziert erhaltener Schwingungsfähigkeit affektiv verarmt gewesen. Antrieb, Psychomotorik und Sprache hätten wenig moduliert und monoton gewirkt
.
Im Übrigen sei der psychopathologische Status unter anderem in Bezug auf formale
und inhaltliche Denkstörungen, Wahrnehmungsstörungen oder Beeinträch
ti
g
ungen der Aufmerksamkeit sowie der Konzentration unauffällig gewesen.
Aus psychiatrischer Sicht sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Anpas
sungsstörung mit depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) zu diagnostizieren.
Diese habe sich aufgrund einer vielfältigen psychosozialen Belastungssituation ent
wick
elt,
die
unter anderem von Schulden, der im Streit verlaufenen Trennung von der zweiten Ehefrau sowie dem Kontaktverbot zu den Kindern
geprägt sei
.
Nicht gefolgt werden könne der Einschätzung der behandelnden Ärzte, wonach eine schwere depressive Episode vorliege. So
sei der Versicherte mit dem eigenen Per
sonenwagen zur Untersuchung angereist und habe einen gepflegten Eindruck gemacht. Die kognitiv-mnestischen Funktionen seien unauffällig gewesen; Daten und Termine in der Vergangenheit und Zukunft sowie Namen seien korrekt erinnert worden. Auch für psychotische Symptome habe es keine Anhaltspunkte gegeben.
Diejenigen, welche in den Arztberichten dokumentiert
worden
seien, seien aufgrund ihrer Bildhaftigkeit und der anhaltend gleichen Erscheinungsform untypisch.
Auch die Unfähigkeit zur Erklärung der auftretenden Symptome, die vollständig fehlende emotionale Beteiligung und die Ablehnung im Rahmen der Untersuchung, über die erlebten Symptome zu sprechen, sei
en
ungewöhnlich. Im Weiteren sei der Beschwerdeführer zeitlich begrenzt als Fahrer eines Lieferwagens für eine Grossbäckerei tätig gewesen, betreue die Kinder über das Wochenende und besuche zusammen mit seiner Freundin den in Obwalden lebenden Bruder mit entsprechender Freizeitgestaltung.
Gesamthaft sei
en zeitlich flexible Tätig
keiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, nur geringem Publikums
ver
kehr sowie ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpas
sungs
vermögen in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre zunächst zu 80
%
möglich. Bei positivem Heilungsverlauf und zunehmender Adaptierung an den Arbeitsplatz wäre ein Vollpensum erreichbar (zum Ganzen
Urk.
7/40).
3.2.5
Mit Stellungnahme vom 2
7.
April 2017
hielt med.
pract
.
A._
an seiner Beurteilung vom 3
0.
März 2017 fest. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit liege kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden vor. Am ehesten habe sich nach den dokumentierten Belastungssituationen eine Anpas
sungsstörung entwickelt. Diese Diagnose sei gemäss ICD-10-Code nach Ablauf von zwei Jahren als - vorliegend leichte - depressive Episode zu klassifizieren (
Urk.
7/48/7).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob
der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leis
tungs
abweisenden Verfügung vom 1
3.
Juni 2017 (
Urk.
2) im Wesentlichen auf den RAD-Untersuchungsbericht vom 3
0.
März 2017 (
Urk.
7/40) von med.
pract
.
A._
sowie dessen Stellungnahme vom 2
7.
April 2017 (
Urk.
7/48/7).
Der Versicherte rügt allerdings, der medizinische Sachverhalt sei in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ungenügend abgeklärt worden (vgl. E. 2.1 f.).
4.2
4.2.1
Zunächst fällt auf, dass
sich
der Beschwerdeführer
im Rahmen der RAD-Unter
suchung
trotz wiederholter Nachfrage durch med.
pract
.
A._
weitgehend weigerte, Angaben zu seinen Leiden sowie dem gewöhnlichen Tagesablauf zu machen. Er erwähnte Schlafstörungen und Müdigkeit,
wobei er Letztere
als Neben
wirkung der verordneten Medikamente einstufte. Bezüglich Tagesablauf äusserte sich der Versicherte einzig dahingehend, dass er sich hinlege und ab und zu aufstehe
. Ansonsten mache er nichts
(
Urk.
7/40/2).
Dem RAD-Arzt
war es somit
weder möglich, die aktuellen Leiden des Versicherten noch dessen Tagesablauf
detailliert
zu eruieren.
Ihm fehlten daher wichtige Grund
lagen zur Beurteilung des Psychostatus, was im Ergebnis auch Zweifel an der Zuverlässigkeit
der gestellten Diagnose
sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aufkommen lässt.
Anzumerken bleibt, dass sich das Verhalten des Beschwerdeführers angesichts seiner Auskunfts- und Mitwirkungspflichten (vgl.
Art.
43
Abs.
3 ATSG) zweifellos als stossend erweist.
Indes
fällt
diese unent
schuldbare Verletzung der Mitwirkungspflicht
zurzeit
nicht zu seinen Lasten aus, da
Art.
7b
Abs.
2 IVG gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung in derartigen Konstellationen nicht einschlägig ist. Mit anderen Worten hätte die Beschwer
degegnerin ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchführen müssen, bevor sie aufgrund der Akten hätte
verfügen dürfen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_400
/2017 vom 2
9.
August 2017 E.
4
)
.
Es genügt insbesondere nicht, dass sie den Versicherten im Zuge des Standortgesprächs vom 1
7.
Februar 2016 mündlich auf seine Pflicht zur aktiven Teilnahme an allen zumutbaren Massnahmen hingewiesen hat (vgl.
Urk.
7/6/2).
4.2.2
Doch auch aus weiteren Gründen kann auf den RAD-Untersuchungsbericht nicht abgestellt werden. Einerseits hat das Bundesgericht in BGE 143 V 409 und 418 erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind.
In diesem Zusammen
hang fehlt es indes - unter anderem auch infolge der Verweigerungshaltung des Versicherten anlässlich der psychiatrischen Untersuchung - an den notwendigen Grundlagen. Andererseits setzte sich med.
pract
.
A._
nur unzureichend mit dem Verlauf der psychischen Erkrankung und deren allfälligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auseinander.
Dies gilt insbesondere für den Zeitraum ab Beginn des allfälligen Rentenanspruchs im Juli 2016 (vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG) bis zur RAD-Untersuchung vom 3
0.
März 2017
.
4.2.3
Bezüglich des von den Parteien grundsätzlich nicht thematisierten somatischen
Gesundheitszustandes des Versicherten ist zudem festzuhalten, dass auch in diesem
Kontext weitere medizinische Abklärungen angezeigt sind.
Zum einen betrifft dies
die intermittierend auftretende Symptomatik an der linken Hand (vgl.
Urk.
7/16/2 f., 7/16/15 ff.).
Zum anderen findet sich in den ärztlichen Unterlagen mehrfach der Hinweis auf Schmerzen am Steissbein, welche im Zusammenhang
mit
d
en Operationen im Analbereich zu stehen scheinen (vgl.
Urk.
7/6/4, 7/8
/4
ff.,
7/22/5 f., 7/26/3 und 7/26/5).
Eine Beeinträchtigung der angestammten Tätigkeit als Staplerfahrer
kann
vor diesem Hintergrund nicht ohne Weiteres
ausge
schlossen werden.
4.3
Zusammenfassend ist
somit festzuhalten, dass sich die Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung der gesundheitlichen Situation sowie der (allfälligen) Invalidität des Beschwerdeführers als unzulänglich erweist.
Die Beschwerde
geg
nerin hat sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht weitere Abklärungen vorzunehmen.
Zuvor hat sie das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
korrekt durchzuführen.
Die angefochtene Verfügung vom 1
3.
Juni 2017 (
Urk.
2) ist
folglich
aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach
ergänzender Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leis
tungs
anspruch des Versicherten neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
5.
5.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der
unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (
BGE
137 V
57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf
eine Prozessentschädigung hat.
Unter Berücksichtigung der massgebenden Krite
rien ist
diese
au
f
Fr.
1'2
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.