Decision ID: 55ce01eb-ff39-4bd5-a55c-96f294af3907
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 10. März 2008 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Wegen chronischen
Rücken- und Armschmerzen sei sie seit 2004 in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt
(IV-act. 1).
A.b Im Rahmen der Frühintervention kontaktierte Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Arbeitsmedizin, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) am 8. April 2008
den Hausarzt der Versicherten, Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin.
Dieser führte aus, die Versicherte leide seit 2004 an Rückenschmerzen und einem
Status nach Epicondylitis; es sei fraglich, welche Tätigkeiten die Versicherte noch in
welchem Umfang ausüben könne (IV-act. 12).
A.c Am 15. Mai 2008 führte die IV-Stelle ein Assessmentgespräch durch, an welchem
auch der RAD-Arzt Dr. B._ teilnahm. In seinem entsprechenden Bericht vom 16. Mai
2008 diagnostizierte Dr. B._ unter anderem eine chronifizierte panvertebrale
Schmerzsymptomatik mit pseudoradikulärer Ausprägung sowie eine chronifizierte
Epicondylitis rechts stärker als links. Angesichts des bunten, komplexen und
vielfältigen Beschwerdebildes und der dürftigen medizinischen Aktenlage sei es nicht
möglich, die Arbeitsfähigkeit versicherungsmedizinisch valide zu bestimmen. Bei
fraglicher Schmerzverarbeitungsstörung sei auch eine psychiatrische Evaluation
notwendig (act. 17).
A.d Am 22. Mai 2008 wurde die Versicherte von Dr. med. D._, Fachärztin FMH für
Innere Medizin und Rheumatologie, untersucht. Im entsprechenden Bericht vom
23. Mai 2008 diagnostizierte Dr. D._ im Wesentlichen eine chronifizierte
Ganzkörperschmerzsymptomatik, halbseitensyndromartig rechtsbetont ohne
ausreichende rheumatologisch fassbare Ursache und bei Verdacht auf
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Somatisierungsstörung bei psychosozialer Problematik. Die Aufnahme einer Arbeits-
bzw. Berufstätigkeit sei illusorisch, nicht aus körperlich-somatischen Gründen, sondern
im gesamten psychosozialen Kontext (IV-act. 21).
A.e In der Folge beauftragte die IV-Stelle die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Ostschweiz mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 29), welches
am 14. November 2008 erstattet wurde. Die Gutachter diagnostizierten im
Wesentlichen eine leichte depressive Störung mit somatischem Syndrom, eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, den Verdacht auf eine histrionische
Persönlichkeitsstörung sowie ein diffuses chronisches Schmerzsyndrom mit vielen
vegetativen Begleitbeschwerden. Gesamthaft sei die Versicherte unter Beachtung der
vorwiegend funktionellen somatischen Aspekte und der psychischen Faktoren für
körperlich eher leichtere bis vereinzelt mittelschwere Tätigkeiten ohne besondere
Zwangshaltungen oder Stressbelastungen zu 70 % arbeitsfähig (IV-act. 34).
A.f Am 21. Januar 2009 wurde die Versicherte von Dr. C._ an die zentrale
Notfallaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen überwiesen, nachdem sie
Verkrampfungen in beiden Händen und Füssen gezeigt hatte und während rund 15
Minuten nicht mehr ansprechbar gewesen war. Die Ärzte der zentralen Notfallaufnahme
des Kantonsspitals St. Gallen diagnostizierten im entsprechenden Bericht vom
21. Januar 2009 chronische Kopfschmerzen mit Hyperventilationssyndrom, bestehend
seit einem Trauma im Jahr 2006 sowie eine arterielle Hypertonie (IV-act. 41).
A.g Mit Vorbescheid vom 5. März 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
bei einem Invaliditätsgrad von 30 % die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei
(IV-act. 46).
A.h Mit Eingabe vom 21. April 2009 erhob die Versicherte Einwände gegen den
vorgesehenen Entscheid. Sie wies darin insbesondere darauf hin, dass die starken
Kopfschmerzen, unter denen sie seit einem Sturz im Jahr 2006 leide, nicht genügend
berücksichtigt worden seien, dass sie sich seit Anfang März 2009 in regelmässiger
Behandlung bei Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
befinde, dass es sich beim Verdacht auf eine histrionische Persönlichkeitsstörung um
eine abklärungsbedürftige Ausweitung der Diagnose handle, dass somatische Befunde
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festgestellt worden seien, und dass bei der Bemessung des Invaliditätsgrades ein
Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen sei (IV-act. 47). Der Eingabe lag ein Schreiben
von Dr. C._ vom 15. Dezember 2006 bei, wonach die Versicherte unter einem
chronischen Panvertebralsyndrom (Verdacht auf eine Fibromyalgie) und einer
chronischen Blasenreizung leide und seit einem Sturz am 22. Juni 2006 mit
Schädelkontusion und Commotio cerebri zu 100 % arbeitsunfähig sei (IV-act. 48).
A.i In einer internen Stellungnahme äusserte sich der RAD-Arzt Dr. B._ zu den
medizinischen Vorbringen der Versicherten. Im Wesentlichen führte er aus, aus
medizinischer Sicht ergebe sich kein Grund, vom Ergebnis des Gutachtens der MEDAS
Ostschweiz abzuweichen (IV-act. 49).
A.j Mit Verfügung vom 30. April 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch unter
Hinweis auf die Stellungnahme von Dr. B._ ab (IV-act. 50).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 30. April 2009 erhob die Beschwerdeführerin am
27. Mai 2009 Beschwerde. Sie beantragte die Zusprache einer halben Rente
spätestens ab Juni 2007. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz stelle keine genügende Grundlage für die
Bemessung des Invaliditätsgrades dar, Dr. E._ attestiere eine dauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 %, und es sei bei der Bemessung des
Invaliditätsgrades ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 15 % vorzunehmen
(act. G 1). Der Beschwerde lag unter anderem ein Bericht von Dr. E._ vom 8. Mai
2009 bei, in welchem eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen, eine dissoziative
Bewegungsstörung, eine Panikstörung und eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung diagnostiziert und eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert
werden (act. G 1.2).
B.b Die Beschwerdegegnerin legte die Beschwerde samt Beilagen dem RAD-Arzt
Dr. B._ zur Stellungnahme vor. Dieser nahm am 23. Juni 2009 ausführlich Stellung zu
den medizinischen Vorbringen in der Beschwerde sowie zum Bericht von Dr. E._ vom
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8. Mai 2009 und hielt gesamthaft fest, es sei für die Bemessung des Invaliditätsgrades
auf das Gutachten der MEDAS Ostschweiz abzustellen (IV-act. 54).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 31. Juli 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass
für die Bemessung des Invaliditätsgrades grundsätzlich auf das Gutachten der MEDAS
Ostschweiz abzustellen sei, allerdings mit Ausnahme der Arbeitsfähigkeitsschätzung,
da die von den Gutachtern attestierte Arbeitsunfähigkeit rechtsprechungsgemäss nicht
zu berücksichtigen sei. Der Abzug vom Tabellenlohn sei auf höchstens 10 %
festzusetzen (act. G 4).
B.d Mit Replik vom 29. September 2009 hielt die Beschwerdeführerin an ihren mit
Beschwerde vom 27. Mai 2009 gestellten Anträgen fest (act. G 8). Der Replik legte sie
unter anderem einen Bericht von Dr. E._ vom 18. September 2009 bei, in welchem im
Wesentlichen die Feststellungen und Schlussfolgerungen des ersten Berichts vom
8. Mai 2009 bestätigt werden (act. G 8.2).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat.
2.
2.1 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig im Sinne von Art. 6 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) gewesen sind, und
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid im Sinn von Art. 8 ATSG sind
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(Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird
gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
2.2 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
2.3 Unter Berücksichtigung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung hat das
Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist deshalb allein entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Die Rechtsprechung hat es aber mit
dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar betrachtet, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen. So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten (sofern sie auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
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erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen)
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit Hinweisen). In
Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht demgegenüber der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Stellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen
(BGE 125 V 353 E. 3b/cc mit Hinweisen). Dies gilt für den allgemein praktizierenden
Hausarzt wie für den behandelnden Spezialarzt (Entscheid 8C_871/2008 des
Bundesgerichts vom 24. März 2009, E. 3.2 mit Hinweisen). Mit Blick auf die
Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag kann daher im Streitfall
regelmässig nicht auf die Sicht des behandelnden (Fach-) Arztes abgestellt werden
(vgl. statt vieler: Entscheid I 701/05 des Bundesgerichts vom 5. Januar 2007, E. 2 mit
zahlreichen Hinweisen).
3.
Vorab ist zu prüfen, ob der Bericht von Dr. E._ vom 8. Mai 2009, der erst nach Erlass
der angefochtenen Verfügung verfasst wurde, in den für die richterliche
Überprüfungsbefugnis massgebenden Zeitraum fällt und damit im vorliegenden
Verfahren überhaupt Berücksichtigung finden kann (vgl. BGE 132 V 220 E. 3.1.1 mit
Hinweisen).
3.1 Diesbezüglich ist von Bedeutung, dass die Beschwerdeführerin bereits in ihrer
Stellungnahme zum Vorbescheid darauf hingewiesen hat, dass sie seit Anfang März
2009 in regelmässiger Behandlung bei Dr. E._ stehe und ein entsprechender Bericht
noch nachgereicht werde (vgl. IV-act. 47). Daraus lässt sich ohne Weiteres ableiten,
dass sich der Bericht von Dr. E._ vom 8. Mai 2009 auf Tatsachen bezieht, die sich
vor Erlass der angefochtenen Verfügung verwirklicht haben, und damit im vorliegenden
Verfahren zu berücksichtigen ist.
3.2 Im Sinne einer nicht entscheidrelevanten Nebenbemerkung ist zudem
festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin mit Blick auf den in Art. 43 Abs. 1 ATSG
verankerten Untersuchungsgrundsatz grundsätzlich verpflichtet gewesen wäre, den
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Eingang dieses Berichts abzuwarten und erst nach Würdigung desselben über den
Anspruch der Beschwerdegegnerin zu entscheiden.
4.
Sodann ist die medizinische Aktenlage zu würdigen.
4.1 Im Zentrum steht dabei das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene Gutachten der
MEDAS Ostschweiz vom 14. November 2008. Aus psychiatrischer Sicht wurden darin
zunächst eine leichte depressive Störung und der Verdacht auf eine histrionische
Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, nachdem die Beschwerdeführerin im Rahmen
der psychiatrischen Begutachtung ein leicht depressives Zustandsbild mit
herabgesetzter Grundstimmung, leicht eingeschränkter Schwingungsfähigkeit,
Schlafstörungen, Appetitstörungen und Ängsten, überlagert durch histrionisches
Verhalten, gezeigt hatte. Aus internistisch-rheumatologischer Sicht stand das subjektiv
stark einschränkende ausgedehnte rechtsbetonte weichteilrheumatische
Schmerzsyndrom im Vordergrund, das allerdings klinisch, bildgebend und labormässig
nur wenig objektivierbar war und im Übrigen auch nicht die spezifischen
Voraussetzungen für die Diagnose einer Fibromyalgie erfüllte, weshalb aus
rheumatologischer Sicht ein diffuses chronisches Schmerzsyndrom mit vielen
vegetativen Begleitbeschwerden diagnostiziert wurde. Da der geäusserte schwere und
quälende Schmerz weder durch einen physiologischen Prozess noch durch eine
körperliche Störung vollständig erklärt werden konnte, und da sich zudem in der
Anamnese verschiedene emotionale Konflikte (Beziehungskonflikt) sowie psychosoziale
Probleme (Finanzen) gezeigt hatten, die aus Sicht des psychiatrischen Gutachters
schwerwiegend genug waren, um entscheidende ursächliche Einflüsse auf die
Schmerzproblematik zu haben, wurde aus interdisziplinärer Sicht schliesslich eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Die Gutachter bejahten unter
Berücksichtigung der Foerster’schen Kriterien die zumutbare Willensanstrengung zur
Überwindung der somatoformen Schmerzstörung und attestierten deshalb unter
Beachtung der vorwiegend funktionellen somatischen Aspekte und der psychischen
Faktoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich eher leichte bis
vereinzelt mittelschwere Tätigkeiten ohne besondere Zwangshaltungen oder
Stressbelastungen von 30 % (IV-act. 34).
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4.2 Diese Ergebnisse stehen in Einklang mit der rheumatologischen Beurteilung von
Dr. D._, die in ihrem Bericht vom 23. Mai 2008 im Wesentlichen eine chronifizierte
Ganzkörperschmerzsymptomatik ohne ausreichende rheumatologisch fassbare
Ursache und ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus somatischen Gründen
diagnostiziert hatte (IV-act. 21).
4.3 Sodann bestätigt der Bericht der zentralen Notfallaufnahme des Kantonsspitals
St. Gallen vom 21. Januar 2009 das von den Gutachtern der MEDAS Ostschweiz
beobachtete histrionische Verhalten der Beschwerdeführern wie auch (implizit) die
Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung, nachdem festgehalten wird, in einem
längeren Gespräch habe sich ergeben, dass die schwierige soziale und finanzielle
Situation wesentlich zur Symptomatik beitragen dürfte (IV-act. 41).
4.4 Gegensätze zwischen der Beurteilung der Gutachter der MEDAS Ostschweiz und
den Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. B._ und des Hausarztes Dr. C._ sind keine
ersichtlich.
4.5
4.5.1 Einzig der Bericht von Dr. E._ vom 8. Mai 2009 enthält eine wesentlich
andere Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin, indem darin
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischen Symptomen, eine dissoziative Bewegungsstörung, eine Panikstörung und
eine undifferenzierte Somatisierungsstörung diagnostiziert werden, und eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert wird. Dr. E._ hielt fest, dass
die im Gutachten der MEDAS Ostschweiz gestellte Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung nicht bestätigt werden könne, es jedoch nicht
auszuschliessen sei, dass sich diese Diagnose auch herausstelle, und weiter, dass die
Arbeitsunfähigkeit auf reduzierte psychische Belastbarkeit bzw. dissoziative
Bewegungsstörung in Drucksituationen bei mangelnder Flexibilität und
Frustrationstoleranz, intermittierende Konzentrationsstörungen und
Konzentrationsabfälle mit vermehrtem Erholungsbedarf, erheblich reduzierte Flexibilität
und Antriebsstörungen zurückzuführen sei (act. G 1.2).
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4.5.2 Der Bericht von Dr. E._ vom 8. Mai 2009 nimmt zwar Bezug auf das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz, indem festgehalten wird, die Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne nicht bestätigt werden. Das
Gutachten lag Dr. E._ demnach im Zeitpunkt der Berichterstattung vor. Allerdings
fehlt es an einer eigentlichen Auseinandersetzung mit dem Gutachten in den
wesentlichen Punkten. Dr. E._ führt weder aus, welche – im Vergleich zum Gutachten
der MEDAS Ostschweiz – zusätzlichen Befunde er erhoben hatte, noch, worauf die
deutlich niedrigere Arbeitsfähigkeitsschätzung zurückzuführen ist. Vor diesem
Hintergrund überzeugt der Bericht von Dr. E._ vom 8. Mai 2009, insofern er vom
Gutachten der MEDAS Ostschweiz abweicht, keineswegs und vermag er keine Zweifel
an der Zuverlässigkeit des Gutachtens der MEDAS Ostschweiz aufkommen zu lassen,
zumal auch mit Blick auf die Verschiedenheit von Behandlungs- und
Begutachtungsauftrag regelmässig nicht auf die Sicht des behandelnden Facharztes
abgestellt wird, wenn seine Einschätzung von jener eines begutachtenden Facharztes
abweicht.
4.6 Gesamthaft steht das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 14. November
2008 demnach in Einklang mit der Mehrzahl der übrigen medizinischen Berichte. Dem
einzigen abweichenden Bericht des behandelnden Psychiaters lässt sich kein
konkretes Indiz entnehmen, das Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gutachtens der
MEDAS Ostschweiz aufkommen lassen würde. Da die Gutachter der MEDAS
Ostschweiz zudem die übrigen Akten berücksichtigt haben und aufgrund dieser und
eigener eingehender Untersuchungen sowie unter Berücksichtigung der geklagten
Beschwerden zu schlüssigen Ergebnissen gelangt sind, ist in medizinischer Sicht auf
dieses Gutachten abzustellen.
4.7 Daran ändert auch die mehrheitlich appellative Kritik der Beschwerdeführerin am
Gutachten der MEDAS Ostschweiz nichts:
4.7.1 Was die fragliche Einnahme des Antidepressivums Surmontil betrifft, so
verkennt die Beschwerdeführerin, dass die Gutachter der MEDAS Ostschweiz
überhaupt nicht labormässig überprüft haben, ob die Beschwerdeführerin dasselbe
regelmässig einnimmt, sondern gestützt auf die Aussage der Beschwerdeführerin
selbst darauf hingewiesen haben, dass sie es „soweit beurteilbar“ nicht regelmässig
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einnehme (vgl. IV-act. 34). Die Argumentation der Beschwerdeführerin ginge aber auch
dann fehl, wenn die Einnahme labormässig überprüft worden wäre, wird doch der
Wirkstoff des Antidepressivums Surmontil nicht innert 24 Stunden völlig vom Körper
absorbiert, wie die Beschwerdeführerin ausführt, sondern lediglich zur Hälfte
(Halbwertszeit von 24 Stunden; vgl. IV-act. 54).
4.7.2 Dass der RAD-Arzt Dr. B._ in seinem Bericht vom 16. Mai 2008
festgehalten hat, die Beschwerdeführerin habe in ihrem Beschwerdevortrag „echt und
leidend“ gewirkt, bedeutet entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht, es läge
eine somatische Ursache der Schmerzen vor, sondern lediglich (aber immerhin), dass
nach Ansicht von Dr. B._ keine Simulation vorlag (vgl. IV-act. 54). Wie bereits
Dr. D._ fanden auch die Gutachter der MEDAS Ostschweiz trotz eingehender
Untersuchungen keine hinreichende somatische Ursache der Schmerzen, womit sie
letztlich auch den von Dr. B._ in dessen Bericht vom 16. Mai 2008 geäusserten
Verdacht, die Schmerzen seien somatoformer Genese, bestätigten. Gesamthaft lässt
sich weder dem Bericht von Dr. B._ vom 16. Mai 2008 noch einem sonstigen
medizinischen Bericht ein Anhaltspunkt für eine somatische Ursache der Beschwerden
entnehmen.
4.7.3 Was die Kopfschmerzen betrifft, welche gemäss Beschwerdeführerin
„absolut lähmend und chronisch behindernd“ seien, so fällt auf, dass diese in den vor
der Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz erstellten medizinischen Berichten
und auch in der Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung nicht
oder nur am Rande bzw. gegenüber anderweitigen Beschwerden klar im Hintergrund
stehend erwähnt werden (vgl. IV-act. 1, 12, 17, 21 und 48). Auch im Bericht von
Dr. E._ vom 8. Mai 2009 werden die Kopfschmerzen nicht erwähnt (vgl. act. G 1.2),
und im Bericht der zentralen Notfallaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen werden die
chronischen Kopfschmerzen zwar diagnostiziert, doch wird nicht weiter auf diese
eingegangen, sondern vielmehr ausgeführt, dass die Symptomatik vor dem
Hintergrund der finanziellen und sozialen Probleme zu verstehen sei (vgl. IV-act. 41). Es
liegen demnach keinerlei konkrete Indizien vor, welche Zweifel an der Zuverlässigkeit
der Beurteilung der Gutachter der MEDAS Ostschweiz, die Kopfschmerzen würden
sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, aufkommen lassen würden. Zudem haben
die Gutachter der MEDAS Ostschweiz zu Recht auch zur Diskussion gestellt, ob die
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Kopfschmerzen allenfalls durch einen übermässigen Konsum von Analgetika
verursacht werden, nachdem die Beschwerdeführerin offensichtlich regelmässig
diverse Analgetika konsumiert, von denen eines in der Schweiz nicht einmal zugelassen
ist (vgl. IV-act. 54).
4.7.4 Sodann lässt sich aus der Formulierung, das weichteilrheumatische
rechtsbetonte Schmerzsyndrom mit vegetativen Begleitbeschwerden übersteige die
definierte Diagnose eines Fibromyalgie-Syndroms, entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin nicht ableiten, die Gutachter der MEDAS Ostschweiz hätten eine
somatische Ursache der Schmerzen bejaht oder gar – wie die Beschwerdeführerin
geltend macht – aus rheumatologischer Sicht eine 30%ige Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestiert. Mit dieser (zugegebenermassen etwas unglücklichen)
Formulierung wird vielmehr einzig zum Ausdruck gebracht, dass die spezifischen
Voraussetzungen für die Diagnose eines Fibromyalgie-Syndroms nicht erfüllt seien,
mehr nicht. Dies lässt sich ohne Weiteres aus den übrigen Ausführungen der Gutachter
ableiten. Ebenso klar geht aus dem Gutachten hervor, dass die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit vor allem mit Blick auf die psychischen Beeinträchtigungen auf 30 %
geschätzt wird, und nicht etwa bereits aus rheumatologischer Sicht eine 30%ige
Einschränkung vorliegt.
4.7.5 Dass die Gutachter den Tod des erstgeborenen Sohnes der
Beschwerdeführerin nach acht Monaten nicht erwähnt hätten, wie die
Beschwerdeführerin geltend macht, trifft nicht zu, wird diese Tatsache doch im
Gutachten mehrfach erwähnt (IV-act. 34, S. 7; IV-act. 35, S. 2). Offensichtlich ergaben
sich im Rahmen der Begutachtung aber keinerlei Hinweise darauf, dass dieses Ereignis
sich im Zeitpunkt der Begutachtung noch auf die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auswirken würde. Weitere diesbezügliche Abklärungen erübrigten
sich damit.
4.7.6 Bezüglich des von den Gutachtern der MEDAS Ostschweiz aufgrund eines
auffälligen Verhaltens der Beschwerdeführerin geäusserten Verdachts auf eine
histrionische Persönlichkeitsstörung ist schliesslich festzuhalten, dass sich den
medizinischen Akten keine Anhaltspunkte dafür finden lassen, dass eine solche
Störung tatsächlich vorliegt. Umso mehr fehlen Hinweise darauf, dass die
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Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund einer solchen Störung beeinträchtigt
wäre. Auch im Bericht von Dr. E._ vom 8. Mai 2009 wird das Vorliegen einer solchen
Störung im Übrigen nicht bestätigt. Weitere Abklärungen in Bezug auf den Verdacht auf
eine histrionische Persönlichkeitsstörung waren daher nicht angezeigt.
4.8 In medizinischer Sicht ist deshalb zusammenfassend auf das Gutachten der
MEDAS Ostschweiz vom 14. November 2008 abzustellen.
5.
Gestützt darauf ist der Invaliditätsgrad zu bemessen.
5.1 Die Beschwerdegegnerin will diesbezüglich nicht auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter der MEDAS Ostschweiz abstellen, sondern
stellt sich unter Hinweis auf die höchstrichterliche Rechtsprechung auf den
Standpunkt, es liege keine rechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor,
nachdem einer leichten depressiven Störung von vorneherein keine invalidisierende
Wirkung zukomme und bezüglich der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung von
den Gutachtern der MEDAS Ostschweiz die Willensanstrengung zur Überwindung
derselben als zumutbar qualifiziert worden sei. Diese Auffassung hält einer kritischen
Würdigung indessen nicht stand.
5.1.1 Es ist Aufgabe der medizinischen Fachpersonen, sich zur Arbeitsfähigkeit
zu äussern, und nicht etwa Aufgabe von Verwaltung oder Gericht, die dazu mangels
entsprechender Sachkenntnisse auch gar nicht in der Lage sind. Auch wenn die
medizinischen Fachpersonen bei der medizinischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
rechtlichen Vorgaben Rechnung zu tragen haben, bedeutet dies nicht, dass die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eine rechtliche Aufgabe wäre, die entsprechend von
Verwaltung oder Gericht zu erfüllen wäre. Den erfahrenen Gutachtern der MEDAS
Ostschweiz darf sodann ohne Weiteres unterstellt werden, dass ihnen im Zeitpunkt der
Begutachtung die einschlägigen rechtlichen Vorgaben bekannt waren; das Gutachten
enthält denn auch eine entsprechende Auseinandersetzung mit den massgebenden
juristischen Kriterien. Müsste nun – was vorliegend klar nicht der Fall ist – bezweifelt
werden, dass die Gutachter den rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere der
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aus der Schadenminderungspflicht fliessenden Verpflichtung der versicherten
Personen, trotz der vorhandenen Schmerzen und Beeinträchtigungen einer innerhalb
ihrer Ressourcen objektiv zumutbaren Erwerbstätigkeit nachzugehen, genügend
Rechnung getragen hätten, dürfte deren Einschätzung dennoch nicht durch eine
Einschätzung der rechtsanwendenden Verwaltung oder des Gerichts ersetzt werden.
Einer solchen Einschätzung könnte von vorneherein mangels entsprechender
Sachkenntnisse keinerlei Überzeugungskraft zukommen. Vielmehr wäre in einem
solchen Fall eine weitere medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeitsschätzung
einzuholen.
5.1.2 Die Beschwerdegegnerin verkennt auch, dass im Hinblick auf die
zumutbare Willensanstrengung nicht „Alles oder Nichts“ gilt, also entweder von voller
Arbeitsfähigkeit oder voller Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Im konkreten Fall kann
durchaus auch eine Teilarbeitsfähigkeit dem Verhältnis von zumutbarer
Willensanstrengung und zu überwindender Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung am besten
Rechnung tragen (vgl. hierzu etwa die Entscheide des Versicherungsgerichts IV
2010/122 vom 9. November 2010, E. 1.3.3, und IV 2008/331 vom 27. Januar 2010,
E. 5.2).
5.1.3 Die Gutachter der MEDAS Ostschweiz haben in einlässlicher
Auseinandersetzung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen überzeugend dargelegt,
weshalb sie aufgrund der festgestellten Befunde von einer 30%igen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit insbesondere aus psychischen Gründen ausgingen. Diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung kann nicht anders als dahin gehend verstanden werden, es
sei der Beschwerdeführerin angesichts der relevanten Gesundheitsbeeinträchtigungen
möglich, ihre Schmerzen und Beeinträchtigungen soweit zu überwinden, dass ein
Pensum von 70 % verrichtet werden kann. Diese Beurteilung überzeugt. Eine
Abweichung davon bei der Bemessung des Invaliditätsgrades rechtfertigt sich nicht.
5.2 Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin zu Recht als im
hypothetischen „Gesundheitsfall“ voll erwerbstätig qualifiziert und ist in Anbetracht der
konkreten Umstände ebenfalls zu Recht für das Valideneinkommen und für den
Ausgangspunkt zur Bestimmung des Invalideneinkommens vom selben Wert
ausgegangen. Dieses Vorgehen wird von der Beschwerdeführerin denn auch nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
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beanstandet. Der Invaliditätsgrad entspricht demnach dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (vgl. Entscheid I 552/04 des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts 8. Juni 2005, E. 3.4).
5.3 Mit dem erwähnten Abzug vom Tabellenlohn von maximal 25 % soll dem
Umstand Rechnung getragen werden, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen
das statistische Lohnniveau, das auf der Grundlage von Daten gesunder Arbeitnehmer
ermittelt wird, nicht erreichen (vgl. BGE 126 V 75). Vorliegend ist diesbezüglich einzig
zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin gegenüber einer gesunden
Konkurrentin insofern benachteiligt ist, als sie weniger flexibel (beispielsweise in Bezug
auf Überstunden) und weniger stressresistent sein dürfte. Weitere Konkurrenznachteile
sind nicht ersichtlich, weshalb höchstens ein Abzug vom Tabellenlohn im Umfang von
10 % zur Anwendung kommen kann, wie auch die Beschwerdegegnerin in ihrer
Beschwerdeantwort ausführt (vgl. act. G 4).
5.4 Der Invaliditätsgrad liegt demnach bei 37 % (= 100 % – 70 % × 90 %). Die
Beschwerdeführerin hat somit keinen Anspruch auf eine Invalidenrente; die
leistungsabweisende Verfügung der Beschwerdegegnerin erweist sich im Ergebnis als
rechtens.
6.
6.1 Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Da die Beschwerdeführerin vollständig unterliegt, hat sie unter
Anrechnung des von ihr geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 600.-- diese
Gerichtsgebühr allein zu tragen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP