Decision ID: 0b5c4c2f-771e-4d43-abad-1872fb4059dc
Year: 2005
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.- X.Y. lenkte am 22. April 2005 um 21.10 Uhr seinen Personenwagen in Österreich
auf der Landesstrasse B 177 auf dem Gemeindegebiet von Z. in Schlangenlinie und in
einem durch Alkohol beeinträchtigten Zustand. Entsprechend einem mit einem
geeichten Alkomaten durchgeführten Test betrug der Alkoholgehalt der Atemluft 0,71
mg/l. Deswegen wurde ihm von der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck mit Bescheid
vom 23. Mai 2005 für die Dauer von drei Monaten, gerechnet ab 22. April 2005, das
Recht aberkannt, in Österreich von seinem schweizerischen Führerausweis Gebrauch
zu machen. Gleichzeitig wurde ihm der am 22. April 2005 polizeilich abgenommene
schweizerische Führerausweis zurückgesandt. Mit Straferkenntnis der gleichen
Behörde wurde er ebenfalls am 23. Mai 2005 mit einer Geldstrafe von insgesamt 950
Euro belegt. Beide Entscheide sind rechtskräftig. Der Bescheid betreffend die
Aberkennung des schweizerischen Führerausweises ging beim Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen am 27. Mai 2005, eine Kopie des
Strafbescheides am 20. Juni 2005 ein. Seinem Ersuchen entsprechend ging beim
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt am 14. Juli 2005 zudem eine Kopie der Anzeige
ein.
Mit Verfügung vom 7. September 2005 entzog das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung Personenzulassung, X.Y. wegen
dieses Vorfalls den Führerausweis in Anwendung von Art. 31 Abs. 2 in Verbindung mit
Art. 16c Abs. 1 lit. b und Abs. 2 lit. a SVG für die Dauer von drei Monaten.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X.Y. durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 21.
September 2005 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei in der Schweiz kein zusätzlicher
Führerausweisentzug zu verfügen.
Mit Vernehmlassung vom 28. Oktober 2005 beantragte die Vorinstanz, der Rekurs sei
abzuweisen.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit

notwendig, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. September 2005 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt:
SVG; Art. 41 lit. e, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Wenn im Ausland die Fahrberechtigung aberkannt wurde, prüft die Entzugsbehörde
gemäss Art. 34 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum
Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV), ob ergänzend der Entzug des Lernfahr-
oder des Führerausweises zu verfügen ist. Bei einer anderen Massnahme im Ausland
ist zu prüfen, ob eine Verwarnung zu verfügen ist. Die Bestimmung ist am 1. Januar
2005 in Kraft getreten und entspricht im Wesentlichen Art. 30 Abs. 4 in der bis zum 31.
Dezember 2004 gültigen Fassung der VZV (AS 1976 S. 2423, abgekürzt: aVZV),
wonach bei Aberkennungen schweizerischer Führerausweise durch ausländische
Behörden der für den Ausweisentzug zuständige Kanton zu prüfen hatte, ob eine
Massnahme gegenüber dem Fehlbaren zu ergreifen ist. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung fand Art. 30 Abs. 4 aVZV die gesetzliche Grundlage in den Art. 16 und
22 Abs. 1 SVG, die zwar per 1. Januar 2005 ebenfalls teilweise geändert wurden,
jedoch nach wie vor einerseits die allgemeinen Voraussetzungen für den Entzug der
Ausweise regeln (Art. 16 SVG) und anderseits die für die Erteilung und den Entzug von
Ausweisen zuständigen Behörden bezeichnen (Art. 22 Abs. 1 SVG). Auch wenn es der
Gesetzgeber in der am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Gesetzesänderung versäumt
hat, den räumlichen Anwendungsbereich des Administrativmassnahmenrechts
ausdrücklich zu regeln (vgl. R. Schaffhauser, Die neuen Administrativmassnahmen des
Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen
2003, S. 217), ist davon auszugehen, dass Art. 34 VZV als Nachfolgebestimmung von
Art. 30 Abs. 4 aVZV nach wie vor eine wenn auch nicht ausdrückliche, so doch
ausreichende Grundlage in den genannten, in ihren Grundgehalten nicht veränderten
Bestimmungen des SVG findet (vgl. auch die Ausführungen zu Art. 16 und 22 SVG in
der Botschaft, in: BBl 1999 S. 4462 ff.). Dementsprechend erweist sich Art. 34 VZV
nicht als gesetzwidrig. Eine im Ausland begangene Verkehrsregelverletzung kann damit
zum Entzug des Führerausweises durch eine schweizerische Verwaltungsbehörde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
führen, wenn die Fahrberechtigung auch vom Tatortstaat entzogen wurde (vgl. zum
früheren Recht BGE 128 II 133, 123 II 97 E. 3c/bb und 464 E. 2 und 3 mit Hinweisen).
Unter diesen Umständen begründet der Rekurrent den sinngemässen Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben, zu Recht nicht mit dem Umstand der
Auslandtat.
3.- a) Wie bei der Anwendung von Art. 30 Abs. 4 aVZV ist auch bei der Anwendung von
Art. 34 VZV den besonderen Gegebenheiten bei Verkehrsregelverletzungen im Ausland
in Bezug auf Unterschiede im Verkehrsverhalten, Untersuchungsverfahren usw.
Rechnung zu tragen (vgl. zum früheren Recht BGE 123 II 464 E. 3b mit Hinweisen).
Wesentlich ist, ob die konkreten Tatumstände es gerechtfertigt erscheinen lassen, dem
fehlbaren Fahrzeuglenker gegenüber eine Administrativmassnahme auszusprechen.
Insbesondere ist darauf zu achten, dass das fehlerhafte Verhalten Anlass zu einer
gründlichen Sachverhaltsabklärung durch die ausländischen Polizei- und
Strafbehörden gab und die Tatbestandsfeststellung hinsichtlich der Fehlerhaftigkeit des
Verkehrsverhaltens die schweizerische Entzugsbehörde zu überzeugen vermag;
namentlich dürfen die von den ausländischen Behörden ermittelten Tatumstände keine
Zweifel offen lassen. Es müssen eindeutige Schlüsse im Blick auf die zu verfügende
Verwaltungsmassnahme gezogen werden können, denn es ist den schweizerischen
Verwaltungsbehörden - abgesehen von der Befragung des Fehlbaren und allfälliger
Zeugen mit Wohnsitz in der Schweiz - in der Regel nicht möglich, selber Erhebungen
zur Sache anzustellen. Liegt eine strafrechtliche Verurteilung vor, so darf das
ausländische Urteil den Grundsätzen des schweizerischen Rechts nicht widersprechen
(vgl. insbesondere BGE 102 Ib 49 E. 3). Die Wohnsitzbehörde hat somit in einem
öffentlichen Verfahren zu prüfen, ob die ausländische strafrechtliche Verurteilung den
Verfahrensgrundsätzen des schweizerischen Rechts genügt und ob auch angesichts
der besonderen Gegebenheiten bei einer Auslandtat die Anordnung einer
Administrativmassnahme in der Schweiz noch gerechtfertigt ist (vgl. BGE 123 II 464 E.
3b).
Die zur Bedeutung von Strafurteilen für die Administrativbehörden in der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung entwickelten Regeln gelten auch für Urteile
ausländischer Strafbehörden. Die Verwaltungsbehörde darf von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, oder wenn sie
zusätzliche Beweise erhebt, sowie wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf
den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat. Die Verwaltungsbehörde
hat vor allem dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen, wenn dieses im
ordentlichen Verfahren ergangen ist (vgl. BGE 123 II 97 E. 3c/aa).
b) Nach schweizerischem Recht war bisher gemäss Art. 138 Abs. 1 aVZV die Blutprobe
ausdrücklich die zur Feststellung der Angetrunkenheit geeignete
Untersuchungsmassnahme. Auch wenn diese Bestimmung mit der am 1. Januar 2005
in Kraft getretenen Revision dahingefallen ist, ist aus der gleichzeitig in Kraft getretenen
neuen Fassung von Art. 55 SVG, der die Feststellung der Fahrunfähigkeit zum
Gegenstand hat, abzuleiten, dass die Atemprobe ihren Charakter als Vorprobe
behalten und nicht die Blutprobe als gerichtlich verwertbaren Beweis ersetzen soll. Die
Begründung liegt darin, dass bei der Blutalkoholmessung heute ein sehr hoher
Standard erreicht wird, der bei der Atemprobe aus verschiedensten Gründen nicht
gewährleistet werden kann (vgl. die Ausführungen zu Art. 55 SVG in der Botschaft, in:
BBl 1999 S. 4462 ff.; vgl. zum früheren Recht BGE 129 II 290 = Pra 2004 Nr. 17, E. 2.6).
Gemäss Art. 55 Abs. 3 SVG ist eine Blutprobe anzuordnen, wenn Anzeichen von
Fahrunfähigkeit vorliegen (lit. a) oder die betroffene Person sich der Durchführung der
Atemalkoholprobe widersetzt oder entzieht oder den Zweck dieser Massnahme
vereitelt (lit. b). Daraus folgt jedoch nicht, dass dort, wo - obwohl dies möglich
gewesen wäre - keine Blutprobe abgenommen wurde, der Beweis der Angetrunkenheit
nicht mit anderen Mitteln geführt werden dürfte. Im Gegenteil behalten Art. 55 Abs. 4
SVG und Art. 142c VZV andere Beweismittel zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
ausdrücklich vor. Der Beweis der Fahruntauglichkeit durch Alkoholeinwirkung ist somit
auch auf anderem Wege als über die Bestimmung des Blutalkoholgehalts möglich.
Auch das Ergebnis der Atemprobe kann daher ein Indiz bzw. Beweismittel für
Angetrunkenheit bilden. Die Atemalkoholanalytik stellt trotz der damit verbundenen
Unsicherheiten ein in sich geschlossenes und widerspruchsfreies Verfahren zur
Beurteilung des Grads der Alkoholisierung eines Probanden dar. Es besteht daher kein
sachlicher Grund dafür, die Verurteilung eines Fahrzeuglenkers zwar etwa gestützt auf
Zeugenaussagen über dessen Zustand bzw. den Alkoholkonsum (vgl. Art. 55 Abs. 4
SVG und Art. 142c VZV), nicht hingegen aufgrund des Ergebnisses eines Atemtests
zuzulassen. Dem eindeutigen Ergebnis eines Atemtests von vornherein jeglichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beweiswert abzusprechen, widerspricht nicht nur Art. 55 Abs. 4 SVG und Art. 142c
VZV, sondern auch dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. zum früheren
Recht BGE 127 IV 172 E. 3d).
Da das schweizerische Recht nach wie vor keine den Grenzwerten der Blutalkohol-
Konzentration von 0,5 bzw. 0,8 Gew.-0/00 entsprechenden Grenzwerte für den
Alkoholgehalt in der Atemluft als Beweisregel kennt (vgl. Art. 55 Abs. 6 SVG in
Verbindung mit Art. 1 der Verordnung der Bundesversammlung über
Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr; SR 741.13), jedoch dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung folgend dem eindeutigen Ergebnis eines Atemtests den
Beweiswert nicht grundsätzlich abspricht, bedarf es einer Umrechnung des ermittelten
Alkoholgehalts der Atemluft in die korrelierende Blutalkohol-Konzentration. Unter dem
bis zum 31. Dezember 2004 anwendbaren Recht galt gemäss Rechtsprechung für die
Umrechnung des in mg/l gemessenen Alkoholgehalts der Atemluft in die in mg/g bzw.
g/kg gemessene Blutalkohol-Konzentration angesichts der biologischen Wirklichkeit,
die einen Streubereich von 1700 bis 2500 nach sich zieht, ein Faktor von 1700 (vgl.
GVP 1992 Nr. 42; BGE vom 17. Dezember 2002, 6A.64/2002, in BGE 129 II 168 nicht
publizierte E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 123 II 97 E. 3c/bb). Neu schreibt Art. 139 Abs. 2
lit. c VZV vor, dass Atemlufttests mit Geräten durchzuführen sind, welche die
gemessene Atemalkohol-Konzentration mit einem Faktor von 2000 in die Blutalkohol-
Konzentration umrechnen. Gemäss Art. 139 Abs. 4 VZV gilt die Fahrunfähigkeit der
betroffenen Person als festgestellt, wenn der tiefere Wert der beiden Messungen einer
Blutalkohol-Konzentration von 0,5 Gew.-0/00 und mehr, aber weniger als 0,8
Gew.-0/00 entspricht und die betroffene Person diesen Wert anerkennt. Aus diesen
Verordnungsbestimmungen kann indessen noch nicht geschlossen werden, dass die
Ergebnisse von Atemlufttests zur Ermittlung der minimalen Blutalkohol-Konzentration
generell mit dem Faktor 2000 zu multiplizieren sind. Die Verordnung schreibt dem so
umgerechneten Ergebnis des Atemlufttests Beweiswert nur für Angetrunkenheiten im
Bereich zwischen 0,5 und 0,8 Gew.-0/00 und auch nur dann zu, wenn der Betroffene
den ermittelten Wert anerkennt. Grundsätzlich bleibt der Atemlufttest eine vorläufige
Untersuchung, an die sich im Hinblick auf den Nachweis der Angetrunkenheit gemäss
Art. 140 Abs. 1 lit. a VZV eine Blutuntersuchung anschliesst. Darin und im Umstand,
dass nach wie vor die Blutprobe als die geeignete Untersuchungsmethode zur
Feststellung der Angetrunkenheit darstellt, kommt zum Ausdruck, dass der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesetzgeber wie der Verordnungsgeber der teilweise als problematisch erachteten
Genauigkeit von Atemlufttests Rechnung getragen haben (vgl. Botschaft, in: BBl 1999
S. 4462 ff.; vgl. Ph. Weissenberger, Tatort Strasse, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 355-358; ders., Die strafrechtliche
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Strassenverkehrsrecht im Jahr 2003 und im
129. Band, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004, S.
238-243).
c) Im Rekurs wird zu Recht nicht in Zweifel gezogen, dass das Ergebnis des in
Österreich durchgeführten Strafverfahrens als Grundlage für die von den
schweizerischen Behörden allenfalls auszusprechende Administrativmassnahme
herangezogen werden kann. Das Ergebnis des am 22. April 2005 durchgeführten
Atemlufttests wurde mittels eines Siemens Alcomaten M 52052/A15 ermittelt, der
letztmals am 22. November 2004 überprüft wurde und dessen Frist zur Nacheichung
noch bis zum 31. Dezember 2005 lief. Im Rekurs wird auch nicht geltend gemacht,
gegen das Straferkenntnis der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck vom 23. Mai 2005
hätten keine Rechtsmittel ergriffen und die Durchführung eines ordentlichen
Strafverfahrens erwirkt werden können. Den Unsicherheiten bei der Ermittlung der
Angetrunkenheit durch Atemlufttests trug die Vorinstanz zudem mit dem
Umrechnungsfaktor von 1700 Rechnung. Dementsprechend ist davon auszugehen,
dass der Rekurrent im Zeitpunkt der Kontrolle eine Blutalkohol-Konzentration von
mindestens 1,207 Gew.-0/00 (0,71 mg/l x 1700) aufwies.
Verschiedene Indizien deuten ebenfalls darauf hin, dass der Rekurrent am 22. April
2005 in Z./A ein Motorfahrzeug mit einer erheblichen Blutalkohol-Konzentration lenkte.
Dass der zugrunde liegende Atemalkoholgehalt nicht Ergebnis eines mit geeichtem
Alkomat korrekt durchgeführten Tests war, wird im Rekurs angesichts der
rechtskräftigen Verurteilung gemäss Straferkenntnis der Bezirkshauptmannschaft
Innsbruck vom 23. Mai 2005 zu Recht nicht bestritten. Dafür, dass der von den
österreichischen Behörden verwendete geeichte Alkomat nicht dem schweizerischen
Standard entsprach, bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Auch die Beurteilung der
Merkmale der Alkoholisierung durch die Polizeiinspektion (Schlangenlinienfahren,
deutlicher Alkoholgeruch, schwankender Gang, veränderte Sprache, leichte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bindehautrötung) deutet darauf hin, dass der Rekurrent zumindest deutlich
angetrunken war.
d) Somit ist für die Verwaltungsrekurskommission erwiesen, dass der Rekurrent am 22.
April 2005 in Z. in Österreich ein Fahrzeug führte und dabei eine Alkoholmenge im
Körper hatte, welche zu einer Blutalkohol-Konzentration von mindestens 1,207
Gew.-0/00 geführt hat. Damit ist Angetrunkenheit im Sinn von Art. 31 Abs. 2 SVG
nachgewiesen.
4.- Gemäss Art. 16 Abs. 1 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Das Gesetz trifft diese Unterscheidung
auch im Bereich des Fahrens in angetrunkenem Zustand. Eine leichte Widerhandlung
begeht, wer in angetrunkenem Zustand, jedoch nicht mit einer qualifizierten
Blutalkoholkonzentration (Art. 55 Abs. 6 SVG) ein Motorfahrzeug lenkt und dabei keine
anderen Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften begeht (Art. 16a
Abs. 1 lit. b SVG). Wer dabei zusätzlich eine leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften begeht, begeht eine mittelschwere Widerhandlung (Art.
16b Abs. 1 lit. b SVG). Eine schwere Widerhandlung begeht, wer in angetrunkenem
Zustand mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration (Art. 55 Abs. 6 SVG) ein
Motorfahrzeug führt (Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG).
Wer wegen Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss oder aus anderen
Gründen nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
verfügt, gilt während dieser Zeit als fahrunfähig und darf kein Motorfahrzeug lenken
(Art. 31 Abs. 2 SVG). Fahrunfähigkeit wegen Alkoholeinwirkung (Angetrunkenheit) gilt in
jedem Fall als erwiesen, wenn der Fahrzeugführer eine Blutalkoholkonzentration von
0,5 oder mehr Gew.-0/00 aufweist oder eine Alkoholmenge im Körper hat, die zu einer
solchen Blutalkoholkonzentration führt. Als qualifiziert gilt eine Blutalkoholkonzentration
von 0,8 Gew.-0/00 oder mehr (Art. 55 Abs. 6 SVG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 und 2
der Verordnung der Bundesversammlung über Blutalkoholgrenzwerte, SR 741.13).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im vorliegenden Fall steht wie bereits dargelegt fest und ist unbestritten, dass der
Rekurrent am 22. April 2005, um 21.10 Uhr, seinen Personenwagen in Z. in Österreich
mit einer Blutalkohol-Konzentration von mindestens 1,207 Gew.-0/00 gelenkt hat.
Damit ist zu Recht unbestritten, dass hier eine schwere Widerhandlung im Sinn von Art.
16c Abs. 1 lit. b SVG vorliegt, da der Rekurrent das Fahrzeug mit einer qualifizierten
Blutalkoholkonzentration (0,8 Gew.-0/00 oder mehr) gelenkt hat.
5.- Schliesslich ist die Dauer des Entzugs des Führerausweises festzulegen.
a) Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von drei
Monaten entzogen. Zur Begründung wird ausgeführt, nach einer schweren
Widerhandlung müsse der Führerausweis für mindestens drei Monate entzogen
werden. Die festgestellte Alkoholkonzentration rechtfertige eine massvolle Erhöhung
der Dauer. Für die Teilnahme am freiwilligen Kurs für erstmals alkoholauffällige
Motorfahrzeuglenker habe sich der Rekurrent nicht entscheiden können. Unter
Berücksichtigung der geltend gemachten erhöhten beruflichen
Sanktionsempfindlichkeit sowie aller relevanten Beurteilungskriterien gemäss Art. 16
Abs. 3 SVG müsse die gesetzliche Mindestentzugsdauer nicht überschritten werden. In
der Vernehmlassung vertritt die Vorinstanz die Auffassung, unbestrittenermassen sei
der Rekurrent - bedingt durch seine besondere Situation - durch die Massnahme der
österreichischen Behörde erheblich betroffen gewesen. Diesem Umstand sei aber
gebührend Rechnung getragen worden, indem die Mindestentzugsdauer nicht
überschritten worden sei.
b) Ordnen schweizerische Behörden als Wohnsitzstaat einen Warnungsentzug an,
haben sie es in Anwendung schweizerischen Rechts zu tun. Somit sind beim
Nachvollzug die schweizerischen Bestimmungen über die Festsetzung der Dauer und
insbesondere jene über die Mindestdauer des Entzugs zu beachten (vgl. BGE 123 II
464 E. 3c). Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs
sind gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16c
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer schweren
Widerhandlung für mindestens drei Monate entzogen.
aa) Was zunächst die Verkehrsgefährdung und das Verschulden beim Fahren in
angetrunkenem Zustand anbelangt, so ist davon auszugehen, dass die Fahrfähigkeit
schon durch relativ geringen Alkoholkonsum beeinträchtigt wird. So lassen sich bereits
bei 0,3 bis 0,4 Gew.-0/00 verkehrssicherheitsrelevante Leistungseinbussen
nachweisen. Bei Werten von über 0,6 Gew.-0/00 nehmen in den meisten
Leistungsbereichen die Ausfälle drastisch zu. Diese Einbussen sind so extrem, dass
von einer generellen bedeutsamen Leistungsminderung ausgegangen werden muss.
Gravierende Ausfälle treten mit Sicherheit bei 0,8 Gew.-0/00 auf, wo auch geübte
Fahrer diese Ausfälle nicht mehr kompensieren können (R. Schaffhauser, Grundriss des
schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern
1995, Rz 2352). Im Bereich von 1,3 bis 1,5 Gew.-0/00 ist der Reaktionsablauf
erschwert und es kommt zu Störungen des Gleichgewichtssinns und des
Muskelzusammenspiels. Bei 1,6 bis 1,9 Gew.-0/00 wird bereits von einem
mittelschweren Rausch ausgegangen (vgl. P.M. Macri, Schluss- und Nachtrunk beim
Fahren in angetrunkenem Zustand, Diessenhofen 1976, S. 22). Wesentlich ist zudem,
dass die Gefährlichkeit eines alkoholisierten Autolenkers weniger in den
"automatisierten" Abläufen, als vielmehr in den "kontrollierenden" liegt. Gerät er in eine
aussergewöhnliche, schwierige Situation - auch auf einer kurzen Strecke -, kann er
lediglich auf eine unter Umständen stark reduzierte Leistungsreserve zurückgreifen.
Darin liegt die Gefährlichkeit.
Die Alkoholisierung des Rekurrenten führte dazu, dass er Schlangenlinien fuhr. Damit
wird offensichtlich, dass das Ausmass der Alkoholisierung des Rekurrenten geeignet
war, den Verkehr in schwerer Weise zu gefährden. Der Gesetzgeber hat das Fahren in
angetrunkenem Zustand, und zwar bereits bei einer Blutalkohol-Konzentration von 0,8
Gew.-0/00 als dermassen schwere Verfehlung betrachtet, dass er die Entzugsdauer
zwingend auf mindestens drei Monate festgesetzt hat (Art. 16c Abs. 2 lit. a in
Verbindung mit Art. 16c Abs. 1 lit. b und Art. 31 Abs. 2 SVG sowie Art. 55 Abs. 6 SVG
in Verbindung mit Art. 1 der Verordnung der Bundesversammlung über
Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr, SR 741.13). Daraus folgt, dass den
Rekurrenten, der mit mindestens 1,207 Gew.-0/00 - was einer deutlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Angetrunkenheit bis einem leichten Rausch entspricht - gefahren ist, ein schweres
Verschulden trifft. Dabei ist das Ausmass der Alkoholisierung bei der Bemessung der
Entzugsdauer verlängernd zu berücksichtigen.
c) Der Rekurrent besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 15. Oktober 1965.
In der Eidgenössischen Adminstrativmassnahmen-Kontrolle ist er nicht verzeichnet.
Der ungetrübte automobilistische Leumund des Rekurrenten ist bei der Bemessung der
Entzugsdauer verkürzend zu berücksichtigen.
aa) Der Rekurrent ist Kaufmann. Er ist einziger Verwaltungsrat einer AG. Die
Unternehmung beschäftigt rund zwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihr Büro
sowie die Lager- und Magazinräume befinden sich in B. Daneben besteht eine
Zweigstelle in C. Vor Vorinstanz machte der Rekurrent geltend, er sei dauernd
unterwegs, um bei Kunden Messungen vor Ort vorzunehmen. Seine berufliche
Sanktionsempfindlichkeit sei deshalb sehr hoch.
Die berufliche Notwendigkeit, ein Fahrzeug zu führen, wird nach der Praxis des
Bundesgerichts grundsätzlich nur angenommen, wenn die Ausübung des Berufs durch
den Führerausweisentzug materiell verboten wird, wie dies z.B. bei einem
Berufschauffeur der Fall ist, der für die Fahrdienste entschädigt wird. Ebenso ist die
berufliche Notwendigkeit zu bejahen, wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu führen,
einen solchen Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten verursachen würde,
dass diese Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint (Pra 79 [1990]
Nr. 150). Ein Fahrzeugführer kann aber auch erhöht sanktionsempfindlich sein, ohne
dass geradezu eine berufliche Notwendigkeit vorliegt. Deshalb ist bei der Beurteilung
der beruflichen Angewiesenheit eines Fahrzeuglenkers auf den Führerausweis dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen. Die Reduktion der
Entzugsdauer bemisst sich danach, in welchem Mass der Fahrzeugführer infolge
beruflicher Angewiesenheit stärker als der normale Fahrer von der Massnahme
betroffen ist (BGE 123 II 572 E. 2c).
Die Ausübung des Berufs als Kaufmann wird dem Rekurrenten durch den
Führerausweisentzug nicht verboten. Zweifellos wird ihm aber die Ausübung seiner
Tätigkeit erschwert. Inwieweit der Rekurrent in Österreich auf ein privates
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Motorfahrzeug angewiesen ist, wird im Rekurs nicht weiter substanziert. Die Grösse
der Unternehmung lässt es sodann zu, dass sich der Rekurrent chauffieren lässt. So
jedenfalls hat er es seiner Darstellung nach während der Dauer des von den
österreichischen Behörden ausgesprochenen Verbots, vom schweizerischen
Führerausweis in Österreich Gebrauch zu machen, gehalten. Unter diesen Umständen
ist davon auszugehen, dass der Rekurrent leicht bis mittelgradig erhöht
sanktionsempfindlich ist. Dieser Umstand ist bei der Bemessung der Entzugsdauer,
allerdings unter Beachtung der gesetzlichen Mindestentzugsdauer von drei Monaten,
zu seinen Gunsten zu berücksichtigen.
d) Mit Blick auf die vorstehend dargelegten massnahmerelevanten Umstände -
schwere Verkehrsgefährdung, schweres Verschulden, ungetrübter automobilistischer
Leumund, leicht bis mittelgradig erhöhte berufliche Sanktionsempfindlichkeit -
erscheint eine Entzugsdauer von drei Monaten angemessen.
6.- Schliesslich ist zu prüfen, inwieweit die Folgen der Abnahme des Führerausweises
auf der Stelle durch die österreichische Gendarmerie und das von den österreichischen
Behörden ausgesprochene Verbot, während dreier Monate in Österreich vom
schweizerischen Führerausweis Gebrauch zu machen, beim Vollzug der Massnahme
anzurechnen sind.
Bei Straftaten mit internationalem Bezug können unter Umständen mehrere
Strafrechtsordnungen anwendbar sein und der Täter kann wegen derselben Tat sowohl
im Ausland wie in der Schweiz strafrechtlich verurteilt werden. Eine derartige
Doppelbestrafung verstösst nach allgemeiner Ansicht nicht gegen den Grundsatz "ne
bis in idem", sie kann im Ergebnis aber unbillig sein. Um unbillige Folgen zu vermeiden,
sieht das schweizerische Strafrecht die Anrechnung der ausländischen Strafe vor (vgl.
Art. 3 Ziff. 1 Abs. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuches; SR 311.0, abgekürzt:
StGB). In gleicher Weise ist die Anrechnung des ausländischen Entzugs der
Fahrerlaubnis geeignet, im Ergebnis eine doppelte Sanktionierung auf administrativem
Gebiet zu vermeiden. Die schweizerische Entzugsbehörde hat demzufolge die schon
vollstreckte ausländische Massnahme anzurechnen und die Dauer des Entzugs des
nationalen Führerausweises so festzusetzen, dass dieser Entzug und die ausländische
Massnahme zusammen nicht strenger erscheinen als der Entzug des nationalen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausweises, der ausgesprochen worden wäre, wenn die Anlasstat in der Schweiz
begangen worden wäre. Wie hierbei der Entzug der Fahrberechtigung im fremden Staat
zu gewichten ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, namentlich davon, ob
der Betroffene in diesem Staat ein Fahrzeug selten oder häufig führt und ob ihn
deshalb die ausländische Massnahme während der entsprechenden Zeit nur in
geringem oder in starkem Mass einschränkte (vgl. BGE 129 II 168 E. 6.3). Die aufgrund
der bestehenden Doppelspurigkeit ausgesprochenen Massnahmen müssen in ihrer
Gesamtheit schuldangemessen sein und dürfen nicht zu einer verkappten
Doppelbestrafung führen (vgl. BGE 128 II 133 E. 3b/bb). Dabei stellt auch die
gesetzliche Mindestentzugsdauer, selbst wenn sie gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG nicht
unterschritten werden darf, keine Grenze für die Anrechnung dar (vgl. BGE 129 II 168
Sachverhalt, E. 2.2 und 6.4).
Der Rekurrent bringt im Wesentlichen vor, das Verbot, in Österreich während dreier
Monate, d.h. vom 22. April bis 22. Juli 2005, ein Fahrzeug zu lenken, habe die gleiche
Wirkung gehabt wie ein in der Schweiz gegen einen hier wohnhaften und arbeitenden
Bürger verfügter dreimonatiger Entzug. Er baue ein Geschäft in Österreich auf und
arbeite praktisch tagtäglich und vorwiegend auch über das Wochenende in Österreich.
Die österreichische Massnahme habe den Zweck voll erreicht. Der Rekurrent habe sich
permanent im Raum Innsbruck aufgehalten und sei damit permanent nicht berechtigt
gewesen, ein Automobil selbst zu lenken. Durch sein im Aufbau begriffenes Geschäft
und aufgrund des permanenten Engagements in Österreich habe der Rekurrent kaum
Gelegenheit (und auch keine Lust) gehabt, in der Schweiz oder sonst in einem
Drittstaat ein Fahrzeug zu lenken. Wenn er jeweils in die Schweiz zurückgekehrt sei,
habe es für ihn keinen Sinn gemacht, selbst ein Auto zu lenken. Er habe sich jedes Mal
von seiner Mitarbeiterin nach Hause bringen und dort auch wieder abholen lassen. In
der kurzen Freizeit von wenigen Stunden in B. sei er überhaupt nicht herumgefahren,
sondern habe sein Zuhause genossen. Habe er das Haus während seiner Freizeit je
verlassen, habe er sich von seiner Ehefrau oder dem Besitzer eines Bahnhofkiosks
chauffieren lassen.
Der Führerausweis war dem Rekurrenten am 22. April 2005 auf der Stelle abgenommen
worden. Er erhielt ihn zusammen mit dem Aberkennungsbescheid der
Bezirkshauptmannschaft Innsbruck vom 23. Mai 2005 wieder zurück. Während dieser
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zeit war es ihm auch nicht möglich, in der Schweiz ein Motorfahrzeug zu führen. Dieser
Zeitraum von rund einem Monat ist deshalb auf die Entzugsdauer voll anzurechnen
(vgl. zur Anrechnung der Dauer, während welcher der Betroffene nicht über seinen
Führerausweis verfügte BGE vom 7. Februar 2003, 6A.78/2002, E. 4.3).
Dem Rekurrenten war sodann die Fahrerlaubnis in Österreich für die Dauer von drei
Monaten vom 22. April bis 22. Juli 2005 entzogen. Der Rekurrent macht geltend, er
habe in dieser Zeit mehr oder weniger ausschliesslich in Österreich gelebt und
gearbeitet. In diesem Zusammenhang bietet er zum Beweis Zeugenaussagen seiner
Ehefrau, einer Mitarbeiterin und des Besitzers eines Bahnhofkiosks im an. Schriftliche
Beweismittel wie entsprechende Bestätigungen oder konkrete Angaben zu Wohn- und
Geschäftsadressen in Österreich und zu Kunden liegen nicht vor. Auch dem
Internetauftritt sind, soweit ersichtlich, keine Hinweise auf eine bedeutende Tätigkeit
der Unternehmung in Österreich zu entnehmen. Unter diesen Umständen ist das
Ausmass der Tätigkeit in Österreich schwer abzuschätzen. Indessen bestreitet auch die
Vorinstanz nicht, dass der Rekurrent bedingt durch seine besondere Situation durch
die Massnahme der österreichischen Behörde erheblich betroffen war. Soweit der
Rekurrent in Österreich gelebt hat, hat ihn der Entzug der Fahrerlaubnis weitgehend in
einem Mass getroffen, wie es bei einem in der Schweiz lebenden und arbeitenden
Lenker der Fall ist, dem die schweizerischen Behörden den schweizerischen
Führerausweis entziehen. Allerdings hat sich der Rekurrent in dieser Zeit seinen
eigenen Ausführungen entsprechend nicht nur in Österreich aufgehalten. Da im
Gegensatz zum räumlich unbeschränkt wirksamen Entzug durch die schweizerischen
Behörden die österreichische Aberkennung des schweizerischen Führerausweises sich
auf das Gebiet von Österreich beschränkte, war es dem Rekurrenten selbstverständlich
möglich, in allen übrigen Staaten und insbesondere in der Schweiz von seinem
Führerausweis Gebrauch zu machen. In welchem Ausmass sich der Rekurrent in dieser
Zeit ausserhalb von Österreich bewegte und dabei auch von seinem schweizerischen
Führerausweis Gebrauch machte, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.
Unter den dargelegten Umständen erscheint eine Anrechnung von eineinhalb Monaten
an den Vollzug der Entzugsdauer von drei Monaten angemessen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs teilweise gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung der Vorinstanz vom 7. September 2005 mit Ausnahme des
Kostenspruches aufzuheben ist. Der Führerausweis ist dem Rekurrenten für die Dauer
von drei Monaten zu entziehen, wobei an den Vollzug der Massnahme aufgrund des
dreimonatigen Verbots, vom schweizerischen Führerausweis in Österreich Gebrauch zu
machen, und aufgrund der Tatsache, dass ihm der Führerausweis von den
österreichischen Behörden während rund eines Monates physisch entzogen war,
eineinhalb Monate anzurechnen sind.
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zur Hälfte dem
Rekurrenten aufzuerlegen; die andere Hälfte der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist angemessen (vgl. Ziff. 362
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu
verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem Rekurrenten Fr. 500.--
zurückzuerstatten.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf die Entschädigung
ausseramtlicher Kosten (vgl. Art. 98bis und 98ter VRP).