Decision ID: acdcad84-460c-4961-a17f-02a51ae1eea7
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach 29,
8887 Mels,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 7. November 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (Berufliche Massnahmen und Rente) bei der IV-Stelle St. Gallen
an (act. G 4.1/5). In einer ersten Stellungnahme vom 8. Mai 2009 (Eingang
Sozialversicherungsanstalt) diagnostizierte das Psychiatriezentrum B._ einen
Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie, differentialdiagnostisch schizoaffektive
Störung sowie einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung und eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit somatischen
Symptomen (F32.1). Es bestehe eine geringe Stressresistenz und der Versicherte
könne sich nur kurze Zeit auf komplexere Arbeitsabläufe konzentrieren (act.
G 4.1/22.2 ff.). Der Hausarzt Dr. med. C._, Allgemeinmedizin FMH, diagnostizierte in
seinem Bericht vom 1. Juni 2009 einen hochgradigen Verdacht auf eine schizoaffektive
Störung mit Krankheitswahn sowie Konzentrationsstörungen und Fahrigkeit. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe ein Status nach erosiver Antrumgastritis
sowie nach ulcus duodeni, eine Lumboischialgie mit Ausstrahlung in den rechten
Oberschenkel bei Osteochondrose L4/5 und L5/S1 (act. G 4.1/25.2). Mit
Verlaufsbericht vom 30. September 2009 diagnostizierte das Psychiatriezentrum B._
nunmehr eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen,
differentialdiagnostisch einen Verdacht auf rezidivierend depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen und somatischen Symptomen sowie
einen Verdacht auf paranoide Schizophrenie oder schizoaffektive Störung (act.
G 4.1/28.1).
A.b In der Zwischenzeit brach der Eingliederungsverantwortliche am 8. Februar 2010
die am 20. Oktober 2009 begonnene Frühintervention mangels stabilen Gesundheits
zustands wieder ab (act. G 4.1/31 und 38.4).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.c Vom 10. März bis 12. April 2010 hielt sich der Versicherte stationär in der Klinik
D._ in E._ auf. Im entsprechenden Bericht vom 27. April 2010 erhob die Klinik die
Diagnose einer hypochondischen Störung (F54.2) sowie das Vorliegen von
akzentuierten narzisstischen Persönlichkeitszügen (Z73.1). Sie klärte auch das Vor
liegen einer Schizophrenie ab (nicht aussagekräftiger Rorschach-Test) und schloss die
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen nicht aus. Insgesamt
erachtete sie die Diagnosestellung als äusserst schwierig (act. G 4.1/47.1 ff.). In der
Folge übernahm das Psychiatrie-Zentrum B._ in seinem Bericht vom 15. Juni 2010
die Diagnose einer hypochondischen Störung (F54.2) sowie das Vorliegen von
akzentuierten narzisstischen Persönlichkeitszügen (Z73.1). Zudem bestehe ein
Verdacht auf eine Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis mit fraglich
psychotischen Elementen und somatischer Mitbeteiligung, differentialdiagnostisch
bestehe eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis. Ab 29. Mai 2010
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (in einer nicht zu stressigen Tätigkeit [act.
G 4.1/43.2 ff.]).
A.d Der RAD Ostschweiz ging in der Folge weiterhin von einer unklaren Diagnose und
Arbeitsfähigkeit aus und schlug eine MEDAS-Abklärung vor (Stellungnahme vom
25. Juni 2010 [act. G 4.1/44]).
A.e Diese erfolgte am 22. September 2010 in Form einer internistisch/psychiatrisch/
orthopädischen Abklärung durch die Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel
(ABI). Im entsprechenden Gutachten vom 3. November 2010 gelangten die Experten
zum Schluss, es lägen keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beständen eine narzisstische
Persönlichkeitsstörung (F60.8), eine Somatisierungsstörung (F45.0), ein chronisches
panvertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (M54.80) mit/bei
medianer Diskushernie LWK4/5, lumbosakraler Übergangsanomalie, keiner
Neurokompression und freier Beweglichkeit sämtlicher Wirbelsäulenabschnitte. Zudem
beständen Status nach OSG-Distorsion rechts (T93.3) und nach Tendovaginitis nach
Stichverletzung am Daumen volar rechts (T92.0) sowie ein unspezifisches
multilokuläres Schmerzsyndrom (R52.9). Entgegen den vom Psychiatriezentrum B._
geäusserten Verdachtsdiagnosen hätten sich keine Hinweise für eine Schizophrenie
oder eine posttraumatische Belastungsstörung gefunden. Die psychiatrischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Diagnosen entsprächen im Wesentlichen der Einschätzung der Klinik D._. In
somatischer Hinsicht bestehe ebenfalls weitgehend Übereinstimmung mit den
behandelnden Ärzten, deren Untersuchungen des Bewegungsapparates die
Beschwerden bislang nicht hätten erklären können. Entsprechend den Befunden
stellten die Gutachter fest, es habe nie eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit für
die angestammte Tätigkeit als Hilfskoch oder eine andere Tätigkeit bestanden. Der
Versicherte sei demnach für die bisherige wie auch für andere körperlich leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten zu 100 % arbeits- und leistungsfähig (act. G 4.1/51.20 ff.).
A.f Mit Vorbescheid vom 3. Januar 2011 und Verfügung vom 17. Februar 2011 wies
die IV-Stelle St. Gallen das Rentengesuch ab, da keine Invalidität bestehe (act.
G 4.1/58 und 64).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 17. März
2011 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Dem
Beschwerdeführer sei sodann spätestens ab März 2009 eine Invalidenrente
zuzusprechen. Zudem sei ihm für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Der Beschwerdeführer sei
seit Januar 2011 von Dr. med. F._, Psychiatrische Dienste G._, untersucht worden.
Dieser komme zum Schluss, die gesundheitliche Verfassung des Beschwerdeführers
entspreche dem Zustand einer seit Jahren bestehenden und invalidisierenden
psychischen Grunderkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis. Hinweise für
Hypochondrie oder für ein Vorliegen akzentuierter narzisstischer Persönlichkeitsanteile
habe er keine gefunden. Weiter gehe Dr. F._ davon aus, dass der Beschwerdeführer
aktuell und seit längerem zu 100 % arbeitsunfähig und nicht wiedereingliederungsfähig
sei. Eventualiter seien weitere Abklärungen vorzunehmen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2011 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Das ABI-Gutachten entspreche den Anforderungen der
Rechtsprechung. Bei behandelnden Ärzten bestehe auf Grund des engen persönlichen
und rechtlichen Verhältnisses zum Patienten eine natürliche Vermutung dafür, dass die
Angaben des Arztes in erster Linie der Unterstützung des Patienten im Hinblick auf die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zusprache von Sozialversicherungsleistungen und nicht der objektiven und
unabhängigen Sachverhaltsermittlung dienten. Die Einschätzung von Dr. F._
vermöge daher keine Zweifel an der Richtigkeit der Angaben im Gutachten zu wecken
oder diese gar zu widerlegen. Die gutachterlichen Diagnosen entsprächen den
Angaben der Klinik D._, wo sich der Beschwerdeführer einen Monat lang aufgehalten
habe. Auch H._ vom Psychiatrie-Zentrum B._ habe diese Diagnosen übernommen
und sei zum Schluss gelangt, der Beschwerdeführer sei zu 50 % arbeitsfähig (act. G 4).
B.c Mit Schreiben der Gerichtsleitung vom 2. Mai 2011 wird das Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung bewilligt (act. G 5).
B.d Mit Replik vom 31. Mai 2011 macht der Beschwerdeführer geltend, auch die An
gaben des behandelnden Arztes seien in die gesamte Beweiswürdigung
einzubeziehen. Vorliegend legten die Angaben von Dr. F._ nahe, dass die Abklärung
in der ABI zumindest nicht umfassend gewesen sei. Zudem weise Dr. F._
ausdrücklich darauf hin, dass auf Grund seiner Erkenntnisse nicht nachvollziehbar sei,
wie es zur diagnostischen Beurteilung der ABI kommen konnte. Die Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge im psychiatrischen Teilgutachten der
ABI sei nicht schlüssig. Ebenso wenig könnten die Schlussfolgerungen bzw. deren
Begründung nachvollzogen werden. Die von Dr. F._ gestellten Diagnosen hätten
zudem umso mehr Gewicht, als auch schon das Psychiatriezentrum B._ die
Verdachtsdiagnose einer paranoiden Schizophrenie gestellt habe (act. G 7).
B.e Mit Eingaben vom 1. und 10. Juni 2011 reicht der Rechtsvertreter weitere Arzt
berichte von Dr. F._ sowie von Dr. C._ ein (act. G 8 und 9). Die
Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 11).
B.f Mit Schreiben des Versicherungsgerichts vom 7. Februar 2013 wird der
psychiatrische Gutachter, Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
aufgefordert, zu den neu eingereichten Arztberichten von Dr. F._ Stellung zu nehmen
(act. G 13). In seinem Bericht vom 18. März 2013 führt Dr. I._ aus, dass weder im
Befund der neuropsychologischen Diagnostik noch im Bericht von Dr. F._ (vom
1. Juni 2011) irgendwelche psychopathologischen Befunde erwähnt würden. Eine
psychiatrische Diagnostik könne sich aber nicht auf Fragebogen oder
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Symptomchecklisten beziehen. Dafür sei zwingend eine eingehende
psychopathologische Befunderhebung notwendig, die weder durch Dr. F._ noch
durch den Psychologen Dr. phil. J._ vorgenommen worden sei. Würde der
Beschwerdeführer unter all den Symptomen und Beschwerden leiden, die er im
Rahmen der testpsychologischen Untersuchung erwähnt habe, wäre er gemäss
klinischer Erfahrung kaum in der Lage, sich im Alltag frei zu bewegen. Er wäre nicht in
der Lage, zielgerichtete Handlungen zu unternehmen und müsste mit oder ohne seine
Einwilligung stationär psychiatrisch behandelt werden. Auch dies sei ein deutlicher
Hinweis darauf, dass die geklagten Symptome nicht solche einer schizophrenen
Störung seien. Ebenso seien anlässlich der psychiatrischen Begutachtung keine
Grundsymptome einer Schizophrenie gefunden worden, weshalb keine schizophrene
Störung habe diagnostiziert werden können (act. G 14).
B.g Mit Stellungnahme vom 6. Mai 2013 führt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers aus, es erstaune nicht, dass der Gutachter keine Hinweise für das
Vorhandensein einer schizophrenen Störung gefunden habe, habe die Untersuchung
doch gerade einmal 60 Minuten gedauert. Dabei seien die Angaben des Versicherten
als Grössenideen interpretiert und nicht weiter hinterfragt worden. Auch seien keine
testpsychologischen Untersuchungen durchgeführt worden wie das
Persönlichkeitsinventar MMPI oder das Eppendorfer Schizophrenie-Inventar ESI.
Entgegen der Beurteilung von Dr. I._ hätten bei der laufenden ambulant-
psychiatrischen Behandlung durchgehend sämtliche sechs Grundsymptome einer
schizophrenen Grunderkrankung beobachtet werden können. Dies betreffe sowohl die
Denkzerfahrenheit, die Affektverflachung, die Antriebslosigkeit, den Autismus, die
Ambivalenz als auch die Aufmerksamkeitsstörung. Dazu reicht er einen Bericht von
Dr. F._ vom 24. April 2013 ein. Gemäss diesem Arzt seien insgesamt mehr Hinweise
für das Vorliegen einer schizophrenen, invalidisierenden Grundstörung festzustellen als
für eine hypochondrische Störung (act. G 19 und 19.1).
B.h Auf Grund der Ausführungen von Dr. F._ im genannten Schreiben vom 24. April
2013 erachtet es das Gericht als erforderlich, eine gerichtliche Oberbegutachtung bei
Dr. med. K._, Psychiatrisches Zentrum, in Auftrag zu geben. Dieses wird am
18. Oktober 2013 erstattet. Dabei diagnostiziert Dr. K._ eine Erkrankung (mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) aus dem somatoformen Formenkreis, die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wahlweise als Somatisierungsstörung (F45.0) oder als chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) klassifiziert werden könne. Als
Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit könne die akzentuierte Persönlichkeit
(Z73.1) genannt werden, die per se ursprünglich keinen Krankheitswert gehabt, sich
jedoch als Rehabilitationserschwernis erwiesen habe. Dazu komme eine
Nikotinabhängigkeit (F17.2). Aus gutachterlicher Sicht könne nicht von einer völligen
Unüberwindbarkeit des Beschwerdebilds ausgegangen werden. Angesichts der
dysfunktionalen Beschwerdebewältigung könne nur eine sehr partielle Verminderung
der Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 20 % postuliert werden. Einer
Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit stehe in erster Linie die widerständige Haltung
des Beschwerdeführers im Weg, die sich aus einer gewissen querulatorischen
Entwicklung bei sensitiv-paranoisch akzentuierter Persönlichkeit ergeben habe. Sollte
er diesen Widerstand aufgeben, müssten im Grunde nur wenige Einschränkungen
seines künftigen Arbeitsplatzes gemacht werden: Keine rückenbelastenden
Zwangshaltungen, kein Heben schwerer Lasten, klar strukturierte Arbeitsabläufe ohne
die Notwendigkeit wortreicher Kommunikation in Deutsch und geduldiger Vorgesetzter,
der die persönlichkeitsbedingten Eigenarten des Beschwerdeführers bereitwillig
akzeptiere. Sollte sich dies bewerkstelligen lassen, wäre von einer Arbeitsfähigkeit von
80 % auszugehen (act. G 31, S. 31 f.).
B.i Mit Stellungnahme vom 8. November 2013 macht die Beschwerdegegnerin
geltend, es sei nicht nachvollziehbar, dass Dr. K._ nur von einer 80 %-igen
Arbeitsfähigkeit ausgehe, obwohl seiner Ansicht nach die Foerster-Kriterien nur zu
einem kleinen Teil erfüllt seien. Unter Berücksichtigung der Rechtsprechung müsse
diesfalls das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens verneint werden.
Aus somatischer Sicht bestehe für adaptierte Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit
(act. G 34).
B.j Mit Stellungnahme vom 13. Dezember 2013 reicht der Rechtsvertreter erneut ein
Schreiben von Dr. F._ vom 11. Dezember 2013 ein. Demnach habe der
Beschwerdeführer gegenüber diesem Arzt neue anamnestische Ergänzungen gemacht,
die dem Gutachter nicht bekannt gewesen seien. Weiter hält Dr. F._ an seiner
Ansicht fest, wonach das komplexe Krankheitsbild, welches sich seit Jahren auf der
Symptomebene wechselhaft und wenig differenziert zeige, der Annahme einer seit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vielen Jahren bestehenden psychischen Behinderung im Rahmen einer schizophrenen
Grundstörung nicht widerspreche. Nach konsequenter medikamentöser Behandlung
könne zurzeit mindestens wieder von einer bescheidenen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden (act. G 39 und 39.1). Auch Dr. C._ geht in seinem Schreiben
vom 12. Dezember 2013 davon aus, dass die bereits initial gestellte Diagnose aus dem
schizophrenen Formenkreis auf den Beschwerdeführer weiterhin zutreffe. Dabei handle
es sich aber nicht mehr um ein Vollbild der Schizophrenie, sondern um einen
Residualzustand. Gleichzeitig beständen weiterhin Depressionen mit suizidalen
Gedanken, mit wechselnder Somatisierungstendenz (act. G 39.2).

Erwägungen:
1.
1.1 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente besteht gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie wenigstens zu 60 % invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor,
wird eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine
Viertelsrente zugesprochen. Eine Invalidität von weniger als 40 % wird von der
Invalidenversicherung rentenmässig nicht entschädigt.
1.2 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1 Vorliegend geht das ABI-Gutachten in somatischer Hinsicht (internistisch/
orthopädisch) von unauffälligen bzw. diskreten Befunden aus. So seien die
angegebenen Magen-Darm- und anderen Beschwerden ohne wesentliche
pathologische Erkenntnisse bereits früher abgeklärt worden. Orthopädisch konnte
lediglich eine Diskushernie L4/5 ohne Neurokompression objektiviert werden. Aus
orthopädischer Sicht sei damit lediglich eine andauernd körperlich sehr schwere
Tätigkeit ungeeignet. Für die angestammte Tätigkeit als Hilfskraft (in der Küche) wie
auch für eine andere körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit sei der
Beschwerdeführer (aus orthopädisch-somatischer Sicht) ohne Leistungseinschränkung
zu 100 % arbeitsfähig (act. G 4.1/51.21). Diese Beurteilung bleibt im vorliegenden
Beschwerdeverfahren unangefochten. Streitig ist demgegenüber die psychiatrische
Beurteilung. Nachdem nicht ersichtlich ist, dass die orthopädisch-internistische
Beurteilung mangelhaft sein sollte, braucht sich das Gericht nur noch mit der
angefochtenen psychiatrischen Beurteilung zu befassen.
2.2 Diesbezüglich ist im Wesentlichen umstritten, ob der Beschwerdeführer an einer
schizophrenen Erkrankung leidet oder ob von einer überwindbaren Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. Um die mit den diversen Schreiben von Dr. F._
(namentlich vom 1. Juni 2011 und vom 24. April 2013) untermauerten Einwände des
Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren zu überprüfen, holte das Gericht ein
Obergutachten bei Dr. K._ ein. Dieser Gutachter bestätigt weitgehend die Ansicht
von Dr. I._, wonach kein schizophrenes Krankheitsgeschehen gegeben ist. So ging
Dr. I._ von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (F60.8) und von einer
Somatisierungsstörung (F45.0) aus. Diese Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer habe ein übersteigertes Selbstwertgefühl.
Trotzdem habe er in der Schweiz nur Hilfsarbeiten ausüben können, die erhoffte Be
förderung sei ausgeblieben. Danach habe er Mühe gehabt, sich zu integrieren und
habe seine körperlichen Beschwerden zum Anlass genommen, sich arbeitsunfähig
schreiben zu lassen. Er zeige keinerlei Motivation, wieder zu arbeiten und nenne als
Grund dafür seine körperlichen Beschwerden. Er sei enttäuscht und gekränkt, dass er
in der Schweiz keine Karriere habe machen können. Er verlange Rentenleistungen, um
sich nicht mehr der beschwerlichen Arbeit aussetzen zu müssen. Der
Beschwerdeführer sei selbstbezogen und zeige auch Grössenfantasien. Es sei ihm
trotz der geklagten Beschwerden zumutbar, ganztags einer beruflichen Tätigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nachzugehen. Die Somatisierungsstörung sei im Zusammenhang mit den
Schwierigkeiten an den Arbeitsplätzen zu sehen. Die zahlreich geklagten körperlichen
Beschwerden könnten durch die somatischen Befunde nicht objektiviert werden (act.
G 4.1/51.12 f.).
2.3 Auch Dr. K._ geht wahlweise von einer Somatisierungsstörung (F45.0) oder von
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(F45.41) aus. Hingegen diagnostiziert er keine narzisstische Persönlichkeitsstörung, da
sich die anlässlich der ABI-Untersuchung grandios anmutende Präsentation des
Beschwerdeführers nicht mehr gezeigt habe. Den diagnostizierten Störungen attestiert
er einen gewissen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, da sie für den Beschwerdeführer
sehr wohl ein Grund seien, sich aus der Arbeitswelt zurückzuziehen. Die Foerster-
Kriterien erachtet er indessen nur zu einem kleineren Teil und nur teilweise als erfüllt.
Insgesamt geht er von einer nicht völligen Unüberwindbarkeit des Beschwerdebildes
aus und attestiert dem Beschwerdeführer auf Grund der dysfunktionalen
Beschwerdebewältigung, die durch eine suboptimale Persönlichkeitsstruktur stark
begünstigt werde, nur (aber immerhin) eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit um
20 %. Im Weiteren geht Dr. K._ davon aus, dass die Wiederaufnahme der
Arbeitstätigkeit in erster Linie durch die widerständige Haltung des Beschwerdeführers
behindert werde, die sich aus einer gewissen querulatorischen Entwicklung bei
sensitiv-paranoisch akzentuierter Persönlichkeit ergeben habe. Bei Aufgabe dieses
Widerstandes müssten im Grund nur wenige Einschränkungen des künftigen
Arbeitsplatzes gemacht werden, namentlich in Bezug auf rückenbelastende
Zwangshaltungen sowie dem Heben von schweren Lasten. Ausserdem bestehe die
Notwendigkeit von klar strukturierten Arbeitsabläufen und eines geduldigen
Vorgesetzten. Ein klarer Beginn der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit lasse sich nicht
festmachen; jedenfalls fehle in den Akten ein eindeutiger psychosebedingter
Arbeitsausfall. Der Beginn des Arbeitsausfalls werde denn auch durch eine Kündigung
markiert.
2.4 In Bezug auf die Ausführungen von Dr. F._ in dessen Schreiben vom 1. Juni
2011 und 24. April 2013 (act. G 8.1 und 19.1) merkt Dr. K._ an, dass dort in erster
Linie unspezifische psychische Symptome genannt würden, die als Negativsymptome
im Sinn der chronischen Schizophrenie interpretiert würden. Eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Persönlichkeitsproblematik werde demgegenüber ganz in Abrede gestellt. Beim
Studium der ganzen Lebensgeschichte müsse allerdings festgestellt werden, dass sich
der Einbruch eines psychotischen Krankheitsgeschehens in das Leben des
Beschwerdeführers in keiner Weise abgebildet habe, dass er vielmehr auch nach dem
angeblichen Beginn dieser schweren psychischen Gesundheitsstörung noch jahrelang
vollzeitlich arbeitstätig war und eine Familie aufgebaut habe, was sicher ein atypischer
Verlauf wäre. Es frage sich, wie und wo sich der sehr hohe Krankheitswert dieser wohl
schwersten psychiatrischen Störung ausgewirkt haben soll. Wo tatsächlich ein
Leistungsabbau stattgefunden habe, seien keine klar schizophrenen Symptome
fassbar. In dieser Hinsicht erkläre die diagnostische Einstufung des ABI den
tatsächlichen Ablauf der Beschwerdeentwicklung und des Leistungsverhaltens beim
Beschwerdeführer deutlich besser als die Hypothese eines schizophrenen
Krankheitsprozesses. Dazu stehe auch der Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik
D._ in Übereinstimmung, wobei dort das hypochondrische Element als ein
Phänomen im Rahmen der dysfunktionalen Störungsbewältigung hervorgehoben
werde. Auch dort seien offenbar keine schizophrenieverdächtigen Phänomene
beobachtet worden. Demgegenüber frappierten bei den Berichten des Psychiatrie-
Zentrums B._ die Inkonstanz und die Vagheit der Beurteilung. Bei näherer
Betrachtung fänden sich auch dort keine krankheitsbeweisenden Symptome für eine
Schizophrenie, sodass diese Verdachtsdiagnose gleichsam in der Luft hängen bleibe.
Demgegenüber erscheine die Beurteilung der dortigen leitenden Ärztin vom
10. September 2008 (act. G 4.1/24.26), welche in erster Linie eine paranoide
Persönlichkeitsstörung (F60.0) postuliert habe, weitaus realitätsnäher (act. G 31,
S. 31 ff.).
2.5 Gegen das Gutachten von Dr. K._ wird mit Eingabe vom 13. Dezember 2013
(Schreiben von Dr. F._ vom 11. Dezember 2013) erneut geltend gemacht, es liege
eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis vor. Insbesondere schildert der
Beschwerdeführer gegenüber Dr. F._ neu, dass er von seiner Mutter während der
Schwangerschaft abgelehnt worden sei und dass es ihm nach der Grundschule in
M._ sehr schlecht gegangen sei. Er habe damals Alkohol und Drogen (Heroin)
konsumiert. Er habe im Alter von 23 bis 24 Jahren Psychopharmaka einnehmen
müssen. Seine Eltern und auch seine Schwester hätten gewusst, dass er an
Schizophrenie erkrankt gewesen sei. Später habe er zwei weitere schizophrene
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Krankheitsepisoden erlitten. Dr. F._ geht davon aus, dass die Schilderungen
glaubwürdig und nachvollziehbar seien und dass die gesundheitliche Situation
vereinbar sei mit dem Vorliegen einer schizophrenen Grunderkrankung, indem beim
Beschwerdeführer seit Jahren ein Residualzustand dieser Erkrankung vorliege nach
mehrfachen akut-schizophrenen Episoden. Weiter geht Dr. F._ davon aus, dass die
gutachterlichen Befunde dieser grundsätzlichen Annahme nicht widersprächen, indem
sie auf Teilaspekte eines komplexen Krankheitsbildes hinwiesen, das sich seit Jahren
auf der Symptomebene wechselhaft und wenig differenziert zeige. Jedenfalls
widersprächen diese nicht der Annahme, dass hier krankheitsbedingt eine seit vielen
Jahren bestehende psychische Behinderung im Rahmen einer schizophreniformen
Grundstörung vorliege (act. G 39.1).
2.6 Die Frage, ob ein schizophrenes Krankheitsgeschehen vorliegt, wird nunmehr seit
Mai 2009 diskutiert, als das Psychiatrie-Zentrum B._ erstmals die Verdachtsdiagnose
einer paranoiden Schizophrenie oder einer schizoaffektiven Störung stellte (act.
G 4.1/22.2). Diese Stelle gab insgesamt vier Berichte ab mit jeweils wechselnden
(Verdachts-, Differential-, und Subdifferential-)Diagnosen, wobei sie am Schluss im
Wesentlichen die Ansicht der Klinik D._ übernahm (Bericht vom 10. September 2008
[act. G 4.1/24.26], Bericht vom 8. Mai 2009 [act. G 4.1/22], Bericht vom 30. September
2009 [act. G 4.1/28] und Bericht vom 15. Juni 2010 [act. G 4.1/43]). Letztere konnte
während des knapp fünfwöchigen Aufenthalts des Beschwerdeführers vom 10. März
2010 bis zum 12. April 2010 keine schizophrene Erkrankung feststellen, wenn sie auch
einräumt, dass die diagnostische Einordnung schwierig sei (act. G 4.1/47.1 f.).
Nachdem nun die Einwände von Dr. F._ eigens in einem zweiten Gutachten abgeklärt
wurden, und auch dieser Gutachter wiederum zum Schluss kommt, es liege keine
Krankheit aus dem schizophrenen Formenkreis vor, hat es dabei sein Bewenden. Dr.
K._ führt in seinem Gutachten ausführlich aus, weshalb seiner Ansicht nach die
Kriterien für das Vorliegen einer Schizophrenie nicht erfüllt seien. Zudem verweist er
darauf, dass offenbar niemand den Beschwerdeführer je in einem psychotischen
Zustand angetroffen hat, auch Dr. K._ selber nicht, habe sich doch während der 5-
stündigen Untersuchung keine einzige schizophrenietypische formale Denkstörung
gezeigt (act. G 31, S. 26. ff.). Dies relativiert denn auch die nachgeschobenen
anamnestischen Angaben im Schreiben von Dr. F._ vom 11. Dezember 2013,
wonach der Beschwerdeführer in seiner frühen Adoleszenz Drogen (täglich Heroin)
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
konsumiert haben will, was gemäss Ausführungen von Dr. K._ unter Umständen eine
Vulnerabilität für Schizophrenie bedingen könne (act. G 31, S. 27). Den Konsum von
illegalen Drogen hat der Beschwerdeführer gegenüber Dr. K._ jedoch ausdrücklich
verneint (keinerlei Erfahrung; act. G 31, S. 10). Die Begründung, er habe dies aus Angst
(wovor? und warum ist diese jetzt weg?) verschwiegen, erscheint nicht plausibel. Von
weiteren Abklärungen sind keine Aufschlüsse mehr zu erwarten, weshalb darauf zu
verzichten ist. Schliesslich reicht die Tatsache, dass gemäss Dr. F._ ein
schizophrenes Geschehen nicht ausgeschlossen werden kann, nicht aus, um die
Glaubwürdigkeit des Gutachtens von Dr. K._ zu erschüttern, geht doch selbst
Dr. F._ nicht von einem grundsätzlichen Widerspruch des Gutachtens zu seinen
Feststellungen aus, wenn er diese auch anders würdigt. Letztlich handelt es sich um
eine andere Interpretation des gleichen Zustands. Im Übrigen geht Dr. F._, wie auch
Dr. C._, von einer wiedererlangten, bescheidenen Arbeitsfähigkeit aus (act. G 19.1,
S. 3; act. G 39.2). Auch der Rechtsvertreter bestreitet nicht grundsätzlich, dass das
Gutachten differenziert, umfassend und mit den üblichen Instrumentarien durchgeführt
wurde, bemängelt aber, dass dieses nur eine Momentaufnahme darstelle. Dem ist
jedoch entgegen zu halten, dass dem Gutachter sämtliche Akten zur Verfügung
standen und er diese auch in seine Würdigung einbezogen hat (act. G 31 S. 33 f.).
Zusammenfassend ist somit in der medizinischen Beurteilung auf das Gutachten von
Dr. K._ abzustellen.
2.7 Im Weiteren stellt sich die Frage nach der verwertbaren Arbeitsfähigkeit. Anders
als Dr. I._, der dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten,
körperlich nicht zu strengen Tätigkeit attestiert hat, billigt Dr. K._ dem
Beschwerdeführer eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 % zu. Dies
begründet er damit, dass angesichts der nur zum kleinen Teil und nur teilweise erfüllten
Foerster-Kriterien zwar nicht von einer völligen Unüberwindbarkeit der Beschwerden
auszugehen sei, dass aber auf Grund der dysfunktionalen Beschwerdebewältigung, die
durch eine suboptimale Persönlichkeitsstruktur zumindest stark begünstigt werde,
immerhin eine partielle Verminderung der Arbeitsfähigkeit postuliert werden könne (act.
G 31, S. 32). Dem ist jedoch mit der Beschwerdegegnerin entgegen zu halten, dass mit
der vom Gutachter selber festgestellten, nicht schwerwiegenden psychischen
Komorbidität und dem geringen Erfüllungsgrad der übrigen Kriterien (ein sekundärer
Krankheitsgewinn [Vollversorgung durch Ehefrau] kann entgegen der Ansicht von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dr. K._ nicht berücksichtigt werden [vgl. BGE 130 V 352 E. 3.3.2, mit Hinweis auf
Ulrich Meyer, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der
Sozialversicherung, in: R. Schaffhauser/F. Schlauri [Hrsg.], Schmerz und
Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen, 2003, S. 86]), nicht von einer ausnahmsweisen
(teilweisen) Unüberwindbarkeit der Beschwerden ausgegangen werden kann. Vielmehr
sind Tätigkeiten, welche die von Dr. K._ genannten Kriterien erfüllen (vgl. act. G 31,
S. 32), zu 100 % zumutbar.
2.8 Der Beschwerdeführer verdiente an seiner letzten Arbeitsstelle ein um rund 11 %
unterdurchschnittliches Einkommen von Fr. 54'600.-- (Fr. 4'200.-- x 13 [vgl. act.
G 4.1/19.10 und 53] bei einem Tabelleneinkommen von Fr. 61'240.-- [2009; IVG-
Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Anhang 2]). Nach der Praxis des
Bundesgerichts ist nur in dem Umfang zu parallelisieren, als die Abweichung die
Erheblichkeitsschwelle von 5 % übersteigt (BGE 135 V 297 E. 6.1.2 f.). Beim
Invalideneinkommen ist somit von einem Wert von Fr. 57'566.-- auszugehen (Fr.
61'240.-- x 94 % [11 % - 5 %]). Selbst bei einem angenommenen Leidensabzug von
20 % ergäbe sich damit ein Invalideneinkommen von Fr. 46'053.-- (Fr. 57'566.-- x
80 %) und damit ein Invaliditätsgrad von 15,7 % (Fr. 46'053.-- : Fr. 54'600.--). Der
Beschwerdeführer ist damit in der Lage, ohne berufliche Massnahmen (Umschulung)
ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Auch eine Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit ist nicht konkret erwiesen, geht doch letztlich auch Dr. K._ -
wie schon Dr. I._ (act. G 4.1/51.22) - davon aus, dass dem Beschwerdebild des
Beschwerdeführers nur sehr geringer Krankheitswert zukomme und die
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in erster Linie in der widerständigen Haltung des
Beschwerdeführers begründet liege (act. G 4.1/32). Auf einen willensnahen Prozess
lässt auch die Beurteilung der letzten Arbeitgeberin schliessen, wonach sich der
Beschwerdeführer während der Probezeit voll eingesetzt, während der
anschliessenden Festanstellung jedoch nur noch 4,5 Stunden gearbeitet habe und
dann "krank" gewesen sei (act. G 4.1/19.5). Die angefochtene Verfügung erweist sich
als rechtens.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Ver
sicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Der
Beschwerdeführer ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihm die Gerichtskosten
aufzuerlegen sind. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Be
freiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbei
ständung) durch die Gerichtsleitung am 2. Mai 2011 ist er jedoch von deren Bezahlung
zu befreien.
3.3 Die Beschwerdegegnerin hat sodann die Kosten für das Gerichtsgutachten von
Dr. K._ in Höhe von Fr. 6'192.63 (act. G 33) und für die gerichtlichen Abklärungen bei
der ABI GmbH in Höhe von Fr. 708.40 (act. G 16), total Fr. 6'901.03, zu übernehmen
(vgl. Art. 45 Abs. 1 ATSG, Art. 78 Abs. 3 IVV, vgl. auch BGE 137 V 210 E. 4.4.2)
3.4 Der Staat ist auf Grund der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten,
für die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Der
Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Diese ist in Anwendung von Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS
963.70) um einen Fünftel auf Fr. 2'800.-- zu reduzieren.
3.5 Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es ihm gestatten, kann der
Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen für die
Vertretung verpflichtet werden (vgl. Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP