Decision ID: 13acb422-a9ac-4deb-ba47-f9be6b3fb1b3
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Katharina Wolfensberger, SWICA
Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
und
B._,
Beigeladener,
vertreten durch den Vater,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
medizinische Massnahmen für B._
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1998 geborene B._ wurde am 23. Mai/7. Juni 2007 zum Bezug von
Leistungen für Versicherte vor dem 20. Altersjahr angemeldet. Beantragt wurden unter
Hinweis auf einen Bericht der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste (KJPD)
St. Gallen medizinische Massnahmen zur Behandlung eines Geburtsgebrechens.
A.b Im Arztbericht vom 18. Juli 2007 (act. 7-3 ff./7) gaben die KJPD als Diagnosen
bekannt, es lägen eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens mit
Geschwisterrivalität und sekundärer Neurotisierung (Selbstwertmangel und depressive
Tendenzen mit zunehmend suizidalen Äusserungen) und ein POS im Sinne des Gg 404
vor. Die Diagnosen seien erstmals am 30. April 2007 gestellt worden. Der Versicherte
stehe in Behandlung seit dem 30. April 2007 bis auf weiteres. Am 3. Februar 2004 sei
der Versicherte (schon) in den KJPD kinderpsychiatrisch behandelt worden. Es seien
eine kinderpsychiatrische Entwicklungsbeobachtung und Ergotherapie (zur Behandlung
der Wahrnehmungsstörungen im taktilkinästhetischen und sensorischen Bereich und
der umschriebenen Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen im Bereich der
Feinmotorik bei mangelndem Selbstvertrauen und reduzierter sozialer Kompetenz)
erfolgt. Der Behandlungsplan bestehe in einer kinderpsychiatrischen Behandlung ("ab
sofort", mit unbestimmter Dauer). Bis anhin sei keine intensive Psychotherapie
durchgeführt worden, sondern eine kinderpsychiatrische Behandlung mit Einbezug der
Eltern. Je nach Verlauf müsste an eine intensivere Psychotherapie gedacht werden. Bei
entsprechender kinderpsychiatrischer Behandlung sei die Prognose günstig.
A.c Im Arztbericht vom 10. Dezember 2007 (act. 9-3 ff./8) gaben die KJPD ergänzend
an, die kinderpsychiatrische Behandlung habe am 30. April 2007 begonnen (act. 9-3/8).
Die Entwicklung der Selbststeuerung werde mit Ergo- und Psychotherapie in
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Kombination gefördert. Ab Januar 2008 sei ein Ergotherapieplatz verfügbar. Am
30. April 2007 sei erstmals eine POS-spezifische Behandlung durchgeführt worden. Auf
die Frage, in welcher Frequenz die kinderpsychiatrische Behandlung stattfinde,
antworteten die KJPD, einmal pro Monat fänden kinderpsychiatrische
Verlaufskontrollen statt. Ferner wurde dargelegt, ab Januar 2008 sei wöchentlich
Ergotherapie geplant. Ausserdem wurden die Störungen des Verhaltens, des Antriebs,
des Erfassens, der Konzentrationsfähigkeit und der Merkfähigkeit beschrieben.
A.d Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung (Dr. med. A._)
hielt auf Anfrage am 23. Januar 2008 (act. 10-2/2) dafür, die
versicherungsmedizinischen Kriterien für eine Zusprechung von Leistungen für das
Geburtsgebrechen Nr. 404 seien nicht hinreichend erfüllt. Abgesehen davon, dass die
Angaben zu den Teilleistungsstörungen weiterhin dürftig geblieben seien, sei mit den
monatlich einmal durchgeführten kinderpsychiatrischen Verlaufskontrollen der
erforderliche Nachweis einer rechtzeitig begonnenen POS-spezifischen Behandlung
nicht erbracht. Eine regelmässige, höherfrequente ergotherapeutische Behandlung
würde erst sechs bis sieben Monate nach dem neunten Geburtstag beginnen.
A.e Mit Vorbescheid vom 28. Januar 2008 (act. 12 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Vater des
Versicherten in Aussicht, das Leistungsgesuch abzuweisen, da bis anhin keine POS-
spezifische Behandlung stattgefunden habe. Die Eltern des Versicherten wandten am
15. Februar 2008 (act. 16) ein, dass bis anhin keine POS-spezifische Behandlung
stattgefunden habe, treffe nicht zu. Der Versicherte sei bereits in der Spielgruppe und
dann im Kindergarten aufgefallen. Erste Abklärungen habe der Hausarzt getroffen. Im
Dezember 2003 sei er an die KJPD überwiesen worden. Vom August 2004 bis Juni
2005 habe er daraufhin die Ergotherapie besucht. Sein Verhalten, die Konzentration
und seine Stabilität hätten sich dabei verbessert. Im Verlauf des folgenden Jahres habe
sich die Situation wieder verschlechtert. Der Versicherte habe sich höchstens zehn
Minuten auf eine Aufgabe konzentrieren können. Nach einem Auslandaufenthalt von
einem halben Jahr hätten sie zu Anfang des Jahres 2007 sich wieder bei den KJPD
gemeldet. Am 27. Februar 2008 erhob auch die SWICA als Krankenversicherung des
Versicherten Einwand gegen den vorgesehenen Entscheid (act. 17). Eine POS-
spezifische Behandlung habe ab dem 30. April 2007 stattgefunden. Ab diesem Tag
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habe sich der Versicherte in die kinderpsychiatrische Behandlung in den KJPD
begeben. Dass sich die begonnene Psychotherapie, welche klar auf die POS-Diagnose
gerichtet gewesen sei, nicht bewährt habe, bedeute nicht, dass die Voraussetzungen
zur Leistungsgewährung nicht erfüllt seien. Auch die geplante Ergotherapie sei auf die
Behandlung des POS gerichtet, wie dem Schreiben der KJPD vom 26. Februar 2008 zu
entnehmen sei. Dass erst ab Januar 2008 ein Therapieplatz zur Verfügung gestanden
habe, dürfe nicht von Einfluss auf den Leistungsanspruch sein. Die KJPD hatten am
26. Februar 2008 zuhanden der Krankenversicherung unter anderem berichtet
(act. 17-4/4), in der Zeit vom 30. April bis 27. August 2007 hätten fünf Sitzungen
kinderpsychiatrischer Behandlung des Versicherten mit Einbezug der Eltern
stattgefunden. Bei vorübergehender leichter Stabilisierung der emotionalen Situation
des Versicherten habe man von einer Aufnahme einer intensiven Psychotherapie
abgesehen (erneuter Beziehungsunterbruch) und prioritär eine dringend notwendige
ergotherapeutische Behandlung der Teilleistungsstörungen eingeleitet, wofür ein Platz
aber erst ab Januar 2008 verfügbar gewesen sei.
A.f Mit Verfügung vom 6. März 2008 (act. 18) wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle die Kostengutsprache für medizinische Massnahmen nach Art. 13 IVG ab. Früher
durchgeführte Therapien könnten nicht berücksichtigt werden. Durch die nur einmal
pro Monat durchgeführten kinderpsychiatrischen Verlaufskontrollen werde das
Kriterium einer rechtzeitig begonnenen POS-spezifischen Behandlung mit gestellter
Diagnose nicht erfüllt. Ausserdem seien auch die versicherungsmässigen
Zusprachekriterien für das Geburtsgebrechen Nr. 404 nicht hinreichend erfüllt.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der SWICA Krankenversicherung
vom 1. April 2008. Die Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für die Behandlungen
betreffend das am 30. April 2007 diagnostizierte Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV
Anhang aufzukommen. Gemäss dem Bericht der KJPD hätten seit dem 30. April 2007
fünf Sitzungen kinderpsychiatrischer Behandlung stattgefunden. Das Bundesgericht
habe zur Frage des Behandlungsbeginns festgehalten, es genüge, wenn eine Therapie
mit dem Geburtsgebrechen Nr. 404 in Zusammenhang stehe. Überspitzt formalistisch
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erscheine, wenn eine Therapie, mit der auch noch andere Leiden behandelt würden, als
nicht POS-spezifische Behandlung angesehen werde. Spätestens ab dem Zeitpunkt
der Diagnosestellung seien solche Behandlungen auch als Behandlungen des POS zu
werten. Eine kinderpsychiatrische Behandlung habe am 30. April 2007 nach der
Diagnosestellung begonnen. Eine kinderpsychiatrische und ergotherapeutische
Behandlung sei als notwendig erachtet worden. Es habe sich somit um eine POS-
spezifische Behandlung gehandelt, und zwar um eine eigentliche psychiatrische
Behandlung und nicht nur um Verlaufskontrollen, denn die Behandlung habe auch
Erfolg gehabt. Für die Leistungspflicht der Invalidenversicherung sei nicht von
Bedeutung, dass nach fünfmaliger psychotherapeutischer Sitzung eine Besserung
eingetreten und die Psychotherapie vorläufig nicht weitergeführt worden sei. Der Sinn
der Regelung des Behandlungsbeginns vor dem neunten Altersjahr sei nicht, dass eine
Therapie auf bestimmte Zeit fortgesetzt werden müsse, sondern dass das Leiden ab
einem bestimmten Zeitpunkt behandlungsbedürftig sein müsse, damit es als
angeboren gelten könne. Vorliegend sei eine psychotherapeutische Behandlung vor
dem neunten Altersjahr durchgeführt worden.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 2. Juni 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Ab dem 30. April 2007 hätten einmal pro Monat
kinderpsychiatrische Verlaufskontrollen stattgefunden. Ab Januar 2008 habe der
Versicherte die Ergotherapie besucht. Nach Ansicht des RAD würden die monatlichen
Verlaufskontrollen nicht als POS-spezifische Behandlung gelten. Die Frist für den
Therapiebeginn sei nicht eingehalten und die Abweisung daher korrekt. Ein Anspruch
auf Leistungen nach Art. 12 IVG bestehe ebenfalls nicht. Das Behandlungsziel der
Ergotherapie sei nicht die Aufmerksamkeitsstörung, sondern diese diene anderen
Zwecken; sie solle die Auswirkungen des Leidens behandeln und eine
Handlungsfähigkeit in wesentlichen Lebensbereichen erwirken. Der überwiegende
Eingliederungscharakter sei somit nicht ausgewiesen. Anhaltspunkte dafür, dass
Ergotherapie zur Vermeidung eines stabilen Defektszustandes notwendig wäre,
ergäben sich nicht.
D.
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Mit Replik vom 12./13. Juni 2008 bringt die Beschwerdeführerin vor, die Beurteilung
durch die RAD-Ärztin und die Ablehnung der Leistungen für ein Geburtsgebrechen
seien ohne Würdigung aller Akten erfolgt, sei doch auf den Bericht der KJPD vom
26. Februar 2008 nicht eingegangen worden. Für die Prüfung des Sachverhalts und die
Entscheidung über eine Kostenübernahme nach Art. 12 IVG wäre das Einholen eines
Verlaufsberichts bei den behandelnden Ärzten und Therapeuten vorausgesetzt. Sowohl
die Stellungnahme der RAD-Ärztin vom 29. Mai 2008 als auch der Bericht der KJPD
vom 26. Februar 2008 wiesen darauf hin, dass mit der Ergotherapie die Auswirkungen
des POS behandelt würden, weshalb die im April 2007 begonnene
psychotherapeutische Behandlung nun mittels Ergotherapie fortgesetzt werde. Die
Voraussetzungen für eine Leistungspflicht zur Behandlung des Geburtsgebrechens
seien erfüllt.
E.
Die Beschwerdegegnerin hält am 18. Juni 2008 an ihrem Antrag fest.
F.
Am 26. Juni 2008 ist der Versicherte in das Verfahren beigeladen worden. Auf eine
Stellungnahme hat er verzichtet.

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des
Versicherten auf medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff. 404 (Art. 13 IVG) abgelehnt. In der Beschwerdeantwort beantragt sie die
Abweisung der Beschwerde und begründet den Antrag auch mit dem Fehlen der
Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 12 IVG. Nach der Rechtsprechung ist in Fällen,
da Versicherten bis zum vollendeten 20. Altersjahr nicht gestützt auf Art. 13 IVG
medizinische Massnahmen gewährt werden können, praxisgemäss auch zu prüfen, ob
dies nicht gestützt auf Art. 12 IVG möglich ist (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S M. vom 1. Dezember 2005, I 309/05).
2.
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2.1 Nach Art. 13 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch
auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen
medizinischen Massnahmen (Abs. 1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für
welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn
das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Abs. 2). Gemäss Art. 1 der
Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) gelten als Geburtsgebrechen im Sinn von
Art. 13 IVG solche Gebrechen, die bei vollendeter Geburt bestehen. Der Zeitpunkt, in
dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (Abs. 1). Die
Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang der GgV aufgeführt (Abs. 2).
2.2 Ziff. 404 GgV Anhang umschreibt als Geburtsgebrechen kongenitale Hirnstörungen
mit vorwiegend psychischen und kognitiven Symptomen bei normaler Intelligenz
(kongenitales infantiles Psychosyndrom, kongenitales hirndiffuses psychoorganisches
Syndrom, kongenitales hirnlokales Psychosyndrom), sofern sie mit bereits gestellter
Diagnose als solche vor Vollendung des neunten Altersjahres behandelt worden sind
(kongenitale Oligophrenie ist ausschliesslich als Ziff. 403 zu behandeln).
2.3 Kongenitale Hirnstörungen im Sinne von Ziff. 404 GgV Anhang können sowohl
angeboren (prä- oder perinatal entstanden) als auch nachgeburtlich erworben sein. Von
Bedeutung ist daher nicht nur, ob ein POS als solches vorliegt, sondern auch, ob es
angeboren ist. Nach der konstanten Rechtsprechung beruhen die in der Ziff. 404
genannten Voraussetzungen auf der medizinisch begründeten und empirisch belegten
Annahme, dass das Gebrechen vor Vollendung des neunten Altersjahres diagnostiziert
und behandelt wird, wenn es angeboren ist (vgl. BGE 122 V 120 E. 3a/cc und dd). Bei
den Kriterien der rechtzeitig vor dem neunten Altersjahr gestellten Diagnose und dem
rechtzeitigen Behandlungsbeginn handelt es sich um Anspruchsvoraussetzungen.
Fehlende rechtzeitige Diagnose und fehlende Behandlung schaffen die unwiderlegbare
Rechtsvermutung, dass es sich nicht um ein angeborenes POS handelt (BGE 122 V
122 f. E. 3c/bb; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom
19. August 2004, I 508/03, und des Bundesgerichts i/S E. vom 14. Januar 2008,
8C_300/07).
3.
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3.1 Der Versicherte wurde am 23. Mai 2007 neun Jahre alt. Die Diagnose eines POS
wurde bei ihm unbestrittenermassen am 30. April 2007, also vor dem neunten
Geburtstag, gestellt. Im Arztbericht der KJPD vom 10. Dezember 2007 wurden denn
auch - in ausreichender Weise - Störungen sowohl des Verhaltens, des Antriebes, des
Erfassens, der Konzentrationsfähigkeit wie der Merkfähigkeit beschrieben.
3.2 Strittig ist, ob auch die Behandlung des POS des Versicherten rechtzeitig
begonnen hat. Die KJPD haben am 18. Juli 2007 dargelegt, es habe bis anhin (seit dem
30. April 2007) eine kinderpsychiatrische Behandlung stattgefunden. Am 10. Dezember
2007 bestätigten sie, die spezifische POS-Behandlung habe ab dem 30. April 2007
stattgefunden und der Beginn sei am 30. April 2007 gewesen (act. 9-3/8). Ihrem
Schreiben vom 26. Februar 2008 schliesslich ist zu entnehmen, dass in der Zeit vom
30. April bis 27. August 2007 fünf Sitzungen kinderpsychiatrischer Behandlung unter
Einbezug der Kindseltern stattgefunden hätten. Damit ist aktenmässig ausgewiesen,
dass zumindest eine erste kinderpsychiatrische Behandlung noch vor Erreichen des
neunten Altersjahrs stattgefunden hat.
3.3 Die Beschwerdegegnerin stellt sich gestützt auf die Beurteilung des RAD auf den
Standpunkt, es hätten nur Verlaufskontrollen stattgefunden und lediglich einmal
monatlich durchgeführte kinderpsychiatrische Verlaufskontrollen könnten nicht als
POS-spezifische Behandlung gelten. Sie leitet dies aus der Antwort der KJPD vom
10. Dezember 2007 auf die Frage ab, in welcher Frequenz die kinderpsychiatrische
Behandlung stattfinde, wo die KJPD festgehalten hatten, einmal pro Monat fänden
kinderpsychiatrische Verlaufskontrollen statt. Angesichts der oben erwähnten
wiederholten Feststellungen der psychiatrischen Fachstelle, dass der Versicherte
kinderpsychiatrisch behandelt worden sei, rechtfertigt es sich nicht, einen im
Zusammenhang mit der erfragten Frequenz gemachten Hinweis auf einen
Kontrollaspekt zum Anlass zu nehmen, den Konsultationen des Versicherten im Beisein
der Eltern den verschiedentlich ausdrücklich bescheinigten Behandlungscharakter
abzusprechen.
3.4 Auch dass es, wie die KJPD am 26. Februar 2008 erklärten, in der Folge bei fünf
Sitzungen blieb und dass - bei vorübergehender leichter Stabilisierung der emotionalen
Situation des Versicherten - von der Aufnahme einer intensiven Psychotherapie
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abgesehen und prioritär die dringend notwendige ergotherapeutische Behandlung der
Teilleistungsstörungen eingeleitet wurde, vermag an der Erfüllung des
Anspruchskriteriums nichts zu ändern. Massgebend ist allein der rechtzeitige Beginn
der Behandlung. So strikt die Rechtsprechung aus Gründen der Rechtssicherheit
ausschliesst, auf die klaren Voraussetzungen rechtzeitiger Diagnose und rechtzeitiger
Behandlung zu verzichten (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
i/S S. vom 31. August 2001, I 558/00), und so wenig es danach auch nur irgendeinen
Grund geben kann, der selbst einen rechtzeitig geplanten und auch nur kurz
verzögerten Behandlungsbeginn als anspruchswahrend gelten lassen könnte (für den
Fall einer geltend gemachten Termin-Überlastung der für die Behandlung
vorgesehenen Spezialisten oder Institutionen: Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S G. vom 5. September 2001, I 554/00), so eindeutig muss
auch nur eine einzige Behandlung vor Erreichen der Altersgrenze zur Erfüllung der
Anspruchsvoraussetzungen ausreichen. Das Leiden gilt diesfalls als angeborenes.
Massgebend und genügend ist, dass das Geburtsgebrechen rechtzeitig erkannt und
seine Behandlung rechtzeitig aufgenommen worden ist. Wie die (vorliegend
fachärztliche) Behandlung ausgestaltet war und wie intensiv die Behandlungsfrequenz
und wie lange die Behandlungsdauer waren, kann keine ausschlaggebende Bedeutung
besitzen. Nach der Rechtsprechung würde es etwa auch nicht schaden, wenn eine
Behandlung auch noch auf andere (als das POS-) Leiden gerichtet wäre (vgl. Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 16. Juni 2005, I 9/05).
3.5 Es steht unter diesen Umständen fest, dass von einem angeborenen POS
auszugehen ist. Die Voraussetzungen einer Leistungszusprechung nach Art. 13 IVG
sind erfüllt.
3.6 Hat sich das POS als angeboren erwiesen, könnte sich bereits die Behandlung aus
dem Jahr 2004 - zumindest auch - auf die Symptome dieses Geburtsgebrechens
bezogen haben. Die aus dem Rückblick naheliegende Frage kann indessen offen
bleiben. Zur Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen der rechtzeitigen POS-
Behandlung könnte sie nach der Rechtsprechung für sich allein jedenfalls nur dann
dienen, wenn die Diagnose damals bereits gestellt gewesen wäre, was nach der
gegenwärtigen Aktenlage (Benennung des Diagnosedatums vom 30. April 2007; ohne
Beilage eines Arztberichts über die damals gestellten Diagnosen) nicht der Fall ist. Es
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kann angemerkt werden, dass sich die Fragestellung wohl ergibt, weil es sich bei all
den POS-Symptomen um nicht leicht fass- und messbare Elemente handelt, wie die
Rechtsprechung festhält. Obwohl sie zu einem Geburtsgebrechen gehören können,
treten sie nicht schon bei Säuglingen, sondern erst in den nachfolgenden Lebensjahren
in unterschiedlicher Schwere und in unterschiedlichen Zeitspannen auf. In vielen Fällen,
in welchen schliesslich ein POS diagnostiziert wird, sind anfänglich nur einzelne der
genannten Symptome augenfällig und führen bereits zu Behandlungen, welche
mangels ausdrücklicher POS-Diagnose von der Krankenkasse oder gegebenenfalls von
der Invalidenversicherung, jedoch nicht unter Ziff. 404 GgV Anhang, übernommen
werden (8C_300/07; vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K.
vom 6. Dezember 2006, I 223/06). Die Zwecksetzung der Regel über die
unwiderlegbare Vermutung gegen das Vorliegen eines Geburtsgebrechens erscheint im
Übrigen allerdings bereits gewahrt, wo eine Behandlung schon für die Zeit vor dem
kritischen neunten Geburtstag geplant ist, doch ist es dem Richter beim Rigorismus
der Praxis verwehrt, die notwendige rechtssichere Grenzziehung flexibler vorzunehmen
(nicht veröffentlichter Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S
S. vom 22. August 2008). Dass die Ergotherapie vorliegend erst nach dem
massgeblichen Zeitpunkt (wieder) aufgenommen wurde, ist nach dem Dargelegten
nicht von Bedeutung. Die Frage nach Ansprüchen auf der Grundlage von Art. 12 IVG
entfällt.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 6. März 2008 zu schützen und dem Versicherten sind
Leistungen nach Art. 13 IVG zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV
Anhang zuzusprechen.
4.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Der
Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
bis
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4.3 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. nicht veröffentlichter
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S C. vom 1. Dezember
2005).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG