Decision ID: d02c06b3-3e19-5552-acf1-fed57d1480ab
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
Das Ehepaar X (geb. 1961) und Y (geb. 1966) wohnt zusammen mit ihrer Tochter V
(geb. 1994) in einer 3-Zimmer-Mietwohnung in S. Der Ehemann bezieht seit mehreren
Jahren eine ordentliche ganze Invalidenrente. Die Ehefrau hat ebenfalls eine Rente
beantragt. Die entsprechenden Abklärungen sind derzeit noch nicht abgeschlossen.
Die Tochter V absolviert eine Berufslehre.
Im Jahre 2009 erhielt X nebst seiner ordentlichen Invalidenrente eine
Rentennachzahlung für die Periode vom Februar 2004 bis August 2009 in der Höhe von
Fr. 88'297.--, wobei davon Fr. 37'571.-- mit den Ergänzungsleistungen verrechnet
wurden. Für die Steuerperiode 2009 ergaben sich daraus Steuerbeträge von
Fr. 14'886.05 für die Staats- und Gemeindesteuern bzw. Fr. 1'126.05 für die direkte
Bundessteuer.
B.- Mit Schreiben vom 3. Dezember 2010 ersuchte das Ehepaar X und Y um Erlass der
noch ausstehenden Staats- und Gemeindesteuern 2009 sowie der direkten
Bundessteuer 2009 in der Höhe von Fr. 13'285.40 bzw. Fr. 1'126.05. Mit Entscheiden
vom 16. Dezember 2010 wies das kantonale Steueramt das Erlassgesuch ab.
C.- Gegen diese Entscheide erhob das Ehepaar, vertreten durch X, am 13. Januar 2011
bei der Verwaltungsrekurskommission Rekurs und Beschwerde gegen den
Erlassentscheid und beantragte sinngemäss, die Staats- und Gemeindesteuern 2009
sowie die direkte Bundessteuer 2009 seien zu erlassen.
Am 3. Februar 2011 reichten die Rekurrenten und Beschwerdeführer das Formular zur
Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse für den Erlass ein. Die Vorinstanz reichte
die Vorakten am 23. Februar 2011 ein.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 28. Februar 2011 wurden die Rekurrenten und
Beschwerdeführer aufgefordert, einen Kostenvorschuss von Fr. 500.-- zu leisten. Mit
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Eingabe vom 23. März 2011 beantragten sie daraufhin die unentgeltliche Rechtspflege,
welche ihnen vom Abteilungspräsidenten der Verwaltungsrekurskommission mit
Entscheid vom 14. November 2011 gewährt wurde.
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2011 liess sich die Vorinstanz vernehmen und
beantragte, der Rekurs und die Beschwerde seien unter Kostenfolge abzuweisen. Die
Beschwerdebeteiligte hat stillschweigend auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Auf die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen und die Akten wird, soweit notwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurs- und Beschwerdeerhebung ist gegeben. Der Rekurs bzw. die Beschwerde vom
13. Januar 2011 (Poststempel: 14. Januar 2011) ist rechtzeitig eingereicht worden. Er
bzw. sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 und Art. 224 Abs. 4 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG;
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP,
bzw. Art. 6 der Verordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements über die
Behandlung von Erlassgesuchen für die direkte Bundessteuer, SR 642.121, abgekürzt:
Steuererlassverordnung, in Verbindung mit Art. 2 lit. f und Art. 7 Abs. 1 der Verordnung
zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1, abgekürzt: Verordnung
zum DBG; zur 30-tägigen Frist vgl. VRKE I/2-2009/22 + 53 vom 30. März 2010, E. 1).
Auf den Rekurs und die Beschwerde ist einzutreten.
2.- a) Gemäss kantonalem Steuergesetz kann Steuerpflichtigen, die in Not geraten sind
oder für welche die Bezahlung der Steuern, der Zinsen, der Bussen oder der Kosten
eine grosse Härte bedeutet, der geschuldete Betrag gestundet oder ganz oder
teilweise erlassen werden (Art. 224 Abs. 1 StG). Auch das Bundesgesetz über die
direkte Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt: DBG) kennt den Steuererlass. Dem
Steuerpflichtigen, für den infolge einer Notlage die Bezahlung der Steuer, eines Zinses
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oder einer Busse wegen Übertretung eine grosse Härte bedeuten würde, können die
geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen werden (Art. 167 Abs. 1 DBG). Dem
Wesen nach handelt es sich beim Steuererlass um den nachträglichen Verzicht des
Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden steuerrechtlichen Anspruch. Anlass dazu
geben vor allem Rücksichten auf die Person des Schuldners. Dieser soll aus
humanitären, sozialpolitischen oder volkswirtschaftlichen Gründen nicht in seiner
wirtschaftlichen Existenz gefährdet werden. Die Grundsätze einer gesetzmässigen
Verwaltung und der Rechtsgleichheit legen es allerdings nahe, dass der Gesetzgeber
klare Vorgaben schafft. Die Tendenz, den Steuererlass nicht mehr bloss dem freien
Ermessen der zuständigen Behörde anheim zu stellen, sondern von näher
umschriebenen Voraussetzungen abhängig zu machen und dann auch einen
eigentlichen, durchsetzbaren Rechtsanspruch zu begründen, setzt sich immer mehr
durch. Aus Gründen der rechtsgleichen Behandlung der Steuerpflichtigen muss der
Steuererlass jedoch eine seltene Ausnahme bleiben, welche nur unter bestimmten
Voraussetzungen gewährt wird (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. Juni
2009, A-3663/2007, E. 2.2, publiziert in StR 2009 S. 672 ff.).
Während im Kanton St. Gallen keine näheren Vollzugsvorschriften auf Gesetzes- oder
Verordnungsstufe existieren, wird die Behandlung der Erlassgesuche auf Bundesebene
in der Steuererlassverordnung geregelt. Im Kanton St. Gallen sind weitere
Erläuterungen dem St. Galler Steuerbuch zu entnehmen (StB 224 Nr. 1).
Ziel und Zweck des Erlassverfahrens ist gemäss Art. 1 Steuererlassverordnung eine
langfristige und dauernde Sanierung der wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen
Person. Der Erlass hat der steuerpflichtigen Person und nicht ihren Gläubigern zugute
zu kommen. Der Steuererlass ist ausschliesslich im Zusammenhang mit der
Steuervollstreckung zu verstehen. Es kann nicht darum gehen, die Begründetheit einer
Steuerforderung zu prüfen und allenfalls die Veranlagung zu korrigieren. Das
Erlassverfahren ersetzt weder das Rechtsmittel-, noch das Revisionsverfahren (Art. 1
Abs. 2 Steuererlassverordnung). Falls die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind,
besteht ein Anspruch auf Erlass der Steuerforderung (Art. 2 Abs. 1
Steuererlassverordnung). Dabei ist unerheblich, aus welchem Grund die
steuerpflichtige Person in die geltend gemachte Notlage geraten ist (Art. 2 Abs. 2
Steuererlassverordnung, vorbehältlich Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung). Die
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Erlassbehörde berücksichtigt bei ihrem Entscheid die gesamten wirtschaftlichen
Verhältnisse der steuerpflichtigen Person. Massgebend ist dabei in erster Linie die
Situation im Zeitpunkt des Entscheides, daneben auch die Entwicklung seit der
Veranlagung, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Aussichten für die
Zukunft (Art. 3 Abs. 1 Steuererlassverordnung). Übliche Schwankungen in den
Einkommensverhältnissen der steuerpflichtigen Person werden in der Veranlagung
periodisch erfasst und bilden keinen Erlassgrund. Hat sich die steuerpflichtige Person
freiwillig ihrer Einkommensquellen oder Vermögenswerte entäussert, so wird ein
solcher Einkommens- oder Vermögensrückgang bei der Beurteilung des Erlassgesuchs
nicht berücksichtigt (Art. 12 Steuererlassverordnung). Die Behörde überprüft, ob für die
steuerpflichtige Person Einschränkungen in der Lebenshaltung geboten und zumutbar
sind oder gewesen wären. Solche gelten grundsätzlich als zumutbar, wenn die
Auslagen die nach den Ansätzen für die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums (Art. 93 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs,
SR 281.1, abgekürzt: SchKG) sich ergebenden Lebenshaltungskosten übersteigen.
Wäre eine fristgerechte Zahlung im Zeitpunkt der Fälligkeit möglich gewesen, so ist
dies im Erlassentscheid zu berücksichtigen (Art. 3 Abs. 2 und 3
Steuererlassverordnung).
Eine Notlage liegt vor, wenn der ganze geschuldete Betrag in einem Missverhältnis zur
finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht. Bei natürlichen
Personen ist ein Missverhältnis insbesondere dann gegeben, wenn die Steuerschuld
trotz Einschränkung der Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in
absehbarer Zeit nicht vollumfänglich beglichen werden kann. In jedem Fall liegt eine
Notlage vor bei Einkommens- und Vermögenslosigkeit oder wenn die öffentliche Hand
für die Lebenshaltungskosten der steuerpflichtigen Person und deren Familie
aufkommen muss (Art. 9 Steuererlassverordnung).
Der Begriff der grossen Härte wird in der Verordnung nicht näher definiert. Er lässt sich
indessen von der Notlage nicht scharf abgrenzen. Art. 9 Steuererlassverordnung
erwähnt unter dem Titel der Notlage auch Punkte, welche gleichzeitig als Element der
grossen Härte bezeichnet werden könnten, etwa das Missverhältnis zwischen dem
geschuldeten Betrag und der finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen
Person (Zweifel/Athanas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2b, 2.
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Aufl. 2008, N 18 zu Art. 167 DBG). Im Unterschied zum DBG nennt Art. 224 Abs. 1 StG
die grosse Härte als selbständige Erlassvoraussetzung. Während das Kriterium der
Notlage einzig die wirtschaftliche Lage der steuerpflichtigen Person berücksichtigt,
können unter dem Aspekt der grossen Härte auch andere Umstände massgebend sein,
namentlich die Unbilligkeit (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG,
2. Aufl. 2009, N 30 zu Art. 167 DBG).
b) Die Rekurrenten und Beschwerdeführer machen im Wesentlichen geltend, sie sähen
sich ausser Stande die Steuern aus dem Einkommen der IV-Rente und der Kinderrente
für die Tochter zu bezahlen. Im Moment sei zudem der Entscheid betreffend IV-Rente
der Ehefrau noch hängig. Die Situation sei auch dadurch entstanden, dass sie einige
Jahre auf den IV-Entscheid hätten warten müssen. In dieser Zeit seien die Schulden
durch Zuwendungen von Verwandten und Bekannten aufgebaut worden. Es sei unklar,
wie die Familie ohne deren Hilfe hätte über die Runden kommen können. Diese
Schulden seien zuerst zurückbezahlt worden, als die Nachzahlung der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) endlich eingetroffen sei.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, es seien zwei Verlustscheinforderungen gegenüber
dem Ehemann in der Höhe von Fr. 36'973.10 und drei Verlustscheine gegenüber der
Ehefrau über insgesamt Fr. 58'570.05 registriert. Diese seien auf dem Formular
betreffend die Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht aufgeführt. Im
Weiteren sei nicht belegt worden, dass diese Schulden zufolge ausserordentlicher
Aufwendungen, die nicht in den persönlichen Verhältnissen begründet seien und für die
die Rekurrenten und Beschwerdeführer nicht einzustehen hätten oder wegen hoher
Krankheits- oder Pflegekosten entstanden seien. In solchen Fällen könne der Fiskus
nicht vorauseilend zugunsten anderer Gläubiger auf die gesetzlichen Ansprüche
verzichten. Hinzu komme, dass die SVA zusätzlich zur ordentlichen IV-Rente von
Fr. 9'120.-- eine Rentennachzahlung in der Höhe von Fr. 88'297.-- geleistet habe.
Davon seien Fr. 37'571.-- mit den Ergänzungsleistungen verrechnet worden, so dass
den Rekurrenten und Beschwerdeführern Fr. 59'846.-- zur Disposition gestanden
seien. Davon hätten sie Steuerrückstellungen bilden sollen; die SVA habe darauf
ausdrücklich hingewiesen. Dennoch seien mit diesem Geld Schulden bei Dritten getilgt
und damit private Gläubiger gegenüber dem Fiskus bewusst bevorzugt worden.
Angesichts der gesamten Schuldensituation sei davon auszugehen, dass von einem
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Verzicht der Steuerbehörden weitere Drittgläubiger profitieren würden. Der Zweck des
Steuererlasses werde damit verfehlt.
c) Fest steht, dass die Rekurrenten und Beschwerdeführer mit Schulden in
bedeutendem Ausmass belastet sind. Gemäss einem den Akten beiliegenden
Betreibungsauszug (act. 10-IIIa bis e) bestanden per Ende Januar 2011 folgende
Schuldenpositionen:
Ehemann:
Zahlungsbefehl 17.3.2010: Klinik St. Georg, Goldach Fr. 2'961.55
Verlustschein 18.8.1999: Crédit Suisse Privatkredit Fr. 26'505.40
Verlustschein 27.10.1999: Alphapay AG, Zürich Fr. 10'467.70
Ehefrau:
Verlustschein 27.6.2001: Alphapay AG, Zürich Fr. 7'103.30
Verlustschein 13.8.1999: Crédit Suisse Privatkredit Fr. 36'987.60
Verlustschein 13.8.1999: Crédit Suisse Privatkredit Fr. 14'479.15
total Fr. 98'504.70
Angesichts dieser Zahlen muss von einer Überschuldung ausgegangen werden, die
vom Gesetzgeber grundsätzlich als Ursache für eine Notlage anerkannt wird. Dies
jedoch nur, wenn sie die Folge ausserordentlicher Aufwendungen ist, die nicht in den
persönlichen Verhältnissen des Steuerpflichtigen begründet und ihm folglich nicht
anzulasten sind (Art. 10 Abs. 1 lit. b Steuererlassverordnung). Gemäss Angaben der
Rekurrenten und Beschwerdeführer konnten sie die Zeit bis zum definitiven
Rentenentscheid der SVA nur mit finanzieller Hilfe von Verwandten und Bekannten
überbrücken. Die dadurch angefallenen Schulden seien nach dem Eingang der
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Rentennachzahlung getilgt worden. Offenbar wurden die Darlehen dreier Gläubiger
zurückbezahlt (vgl. act. 3/7). Auf die übrigen Schulden gehen die Rekurrenten und
Beschwerdeführer in der Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht ein (vgl.
act. 5). Aufgrund der Datierung der Verlustscheine ist davon auszugehen, dass diese
Schulden, mit Ausnahme des Zahlungsbefehls der Klinik S, nicht im Zusammenhang
mit dem Rentenantrag bzw. der Überbrückung der Zeit bis zur Rentenauszahlung
stehen. Nach Lage der Akten dürfte der Rentenanspruch erst am 1. Februar 2004
entstanden sein (vgl. act. 18/3). Inwieweit die entstandenen Schulden allenfalls durch
andere von Art. 10 der Steuererlassverordnung erfassten Ursachen für eine Notlage,
wie beispielsweise hohe Krankheitskosten, anhaltende Arbeitslosigkeit oder drückende
Familienlasten, verursacht wurden, muss offen bleiben, da sich die Rekurrenten und
Beschwerdeführer dazu wie erwähnt nicht äussern. Soweit aber andere Gründe für die
erhebliche Schuldenlast vorliegen, kann nicht zugunsten anderer Gläubiger auf
gesetzliche Ansprüche verzichtet werden (Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung).
Bei dieser Sachlage würde ein Steuerlass nicht zur langfristigen und dauernden
Sanierung der wirtschaftlichen Lage der Steuerpflichtigen beitragen und damit Ziel und
Zweck des Erlassverfahrens verfehlen (vgl. Art. 1 Abs. 1 Steuererlassverordnung). Die
vorhandenen Mittel reichen nicht zur Befriedigung aller Gläubiger aus, so dass die
Rekurrenten und Beschwerdeführer nicht selbst von einem Verzicht der
Steuerbehörden profitieren würden, sondern primär ihre übrigen Gläubiger, welche
beim Zugriff auf das pfändbare Einkommen und Vermögen einen Konkurrenten
verlieren. Es ist daher sachlich haltbar, wenn unter diesen Umständen von einem
Steuererlass abgesehen wird. Wenn jedoch sämtliche Gläubiger in gleichem Mass wie
die Steuerbehörden auf ihre Forderungen verzichten, kommt ein Steuererlass trotz
Überschuldung in Frage (vgl. VRKE I/2-2010/14 vom 25. November 2010, E. 2a,
publiziert in: www.gerichte.sg.ch). Davon kann vorliegend allerdings schon deshalb
nicht die Rede sein, weil die Rekurrenten und Beschwerdeführer aus der zugeflossenen
Netto-Rentennachzahlung in der Höhe von Fr. 50'726.-- nach eigenen Angaben drei
private Darlehen tilgten und keine Rückstellungen für Steuerzahlungen bildeten (act.
3/7). Und dies, obwohl die SVA auf mögliche Steuerfolgen aufmerksam machte, indem
sie das Schreiben vom 19. April 2010 mit dem Vermerk "Zuhanden der Steuerbehörde"
versah (act. 18/8). Damit bevorzugten die Rekurrenten und Beschwerdeführer einseitig
einzelne Darlehensgeber. Ihnen wird jedoch zugemutet, dass sie ihren
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Zahlungspflichten gegenüber dem Fiskus im gleichen Umfang nachkommen wie
gegenüber privaten Gläubigern (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch
das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 411).
d) Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die Rekurrenten und
Beschwerdeführer ohne Zweifel in einer schwierigen finanziellen Situation befinden; sie
kann aber durch einen Steuererlass lediglich kurzfristig gemildert werden. Eine
langfristige und nachhaltige Sanierung, wie sie vom Gesetz verlangt wird (vgl. Art. 1
Steuererlassverordnung), ist durch diese Massnahme nicht zu erreichen. Im Weiteren
ist nicht dargetan, dass die bereits vor 2001 aufgebauten Schulden im Wesentlichen
mit Aufwendungen zusammenhängen, für die die Rekurrenten und Beschwerdeführer
nicht einzustehen haben oder die im Zusammenhang mit der Invalidität des Ehemanns
standen. Auch unter dem Aspekt der grossen Härte ist es deshalb nicht
unverhältnismässig, von den Rekurrenten und Beschwerdeführern zu verlangen, ihre
Schuldenprobleme umfassend, das heisst unter Einbezug aller Gläubiger, und
nachhaltig zu lösen. Auf die Berechnung des Notbedarfs kann somit verzichtet werden.
Festzuhalten ist jedoch, dass sich die Einkommenssituation der Rekurrenten und
Beschwerdeführer besser darstellt als von ihnen angegeben. Die monatlichen Zuflüsse
sind um das Lehrlingseinkommen der im selben Haushalt wohnenden Tochter zu
ergänzen (vgl. act. 5/Seite 3). Das Monatseinkommen dürfte sich deshalb
entsprechend der fortgeschrittenen Ausbildungsdauer um rund Fr. 600.-- bis 1'000.--
erhöhen (vgl. www.bfs.admin.ch, Rubrik 15: Bildung, Wissenschaft). Daraus ergibt sich
ein monatliches Einkommen von rund Fr. 5'000.-- bis Fr. 5'400.--.
Die Vorinstanz hat es demnach zu Recht abgelehnt, die Staats- und Gemeindesteuern
2009 sowie die direkte Bundessteuer 2009 zu erlassen. Der Rekurs bzw. die
Beschwerde sind deshalb abzuweisen
3.- Die amtlichen Kosten werden den Beteiligten nach Massgabe des Obsiegens und
Unterliegens auferlegt (Art. 95 Abs. 1 VRP bzw. Art. 144 Abs. 1 DBG). Sowohl die
Beschwerde als auch der Rekurs werden abgewiesen. Folglich sind die amtlichen
Kosten den Rekurrenten und Beschwerdeführern aufzuerlegen. Angemessen ist eine
Entscheidgebühr von Fr. 500.-- (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zufolge unentgeltlicher Rechtspflege zu verzichten.
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