Decision ID: 3c0279d6-effa-559d-918a-854c3fa25b7e
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Erwerbsersatz (Werkstudent)
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 9. August 2010 für den vom 5. bis 31. Juli 2010 und am
4. Oktober 2010 für den vom 1. August bis 3. September 2010 geleisteten Zivildienst
zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung an (act. G 3.3). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) richtete dem Versicherten eine
Minimalentschädigung von Fr. 62.-- pro Tag aus (vgl. Stellungnahme Fachbereich vom
7. April 2011, act. G 3.2; die Abrechnung befindet sich nicht in den Akten).
A.b Der Versicherte ersuchte die SVA mit Schreiben vom 25. Oktober 2010 um
Neuberechnung der Erwerbsausfallentschädigung. Er brachte vor, im Wissen um den
Zivildiensteinsatz, den er bereits seit Anfang Jahr vereinbart habe, habe er sich zu
keiner Zeit um eine Anstellung während der Zivildienstzeit bemüht. Ausgehend von der
Tatsache, dass er während neun Wochen zu fünf Arbeitstagen mit 8.4 Stunden für
Fr. 30.-- pro Stunde hätte arbeiten können, sei ihm ein Tagessatz von Fr. 146.-- pro
Tag während 62 Diensttagen zu entrichten (act. G 3.4). Aufgrund einer nicht in den
Akten liegenden Anfrage des Versicherten vom 31. Dezember 2010 erliess die SVA am
10. Januar 2011 eine anfechtbare Verfügung, worin sie die ausgerichtete
Minimalentschädigung bestätigte (act. G 3.1).
A.c Dagegen erhob der Versicherte am 9. Februar 2011 Einsprache und beantragte die
Ausrichtung einer Erwerbsausfallentschädigung ausgehend von einem Tagessatz von
Fr. 149.-- (act. G 3.7). Die SVA wies die Einsprache mit Entscheid vom 19. April 2011
ab. Zur Begründung führte sie aus, dass der Versicherte von Januar bis Juli
Fr. 6'484.50 bzw. im gesamten Jahr 2010 Fr. 7'270.-- verdient habe. Im Jahr 2009
habe er ein Einkommen von Fr. 7'492.-- erzielt. Der vom Versicherten vertretenen
Ansicht, es sei zu vermuten, dass er seine Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt während
der Dienstleistungszeit zu einem Stundenansatz von Fr. 30.-- hätte verwerten können,
sei nicht zu folgen. Denn aus dem im Jahr 2009 erzielten Lohn gehe hervor, dass er
damals nicht mehr verdient habe als 2010. Der Versicherte vermöge nicht glaubhaft
darzulegen, dass er während der Zeit des Zivildienstes tatsächlich gearbeitet hätte. So
habe eine Rücksprache bei der Arbeitgeberin ergeben, dass er nie im Rahmen eines
100%igen Beschäftigungsgrades gearbeitet habe und dies auch nicht hätte tun
können. Dass er bei einer anderen Arbeitgeberin hätte arbeiten können, sei nicht
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belegt. Eine rein theoretische Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit vermöge daran nichts
zu ändern (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 19. April 2011 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 24. Mai 2011. Der Beschwerdeführer beantragt darin dessen Auf
hebung sowie die Zusprache einer Erwerbsausfallentschädigung beruhend auf einem
Tagessatz von Fr. 149.-- für die Dauer des geleisteten Zivildienstes. Er stellt sich im
Wesentlichen auf den Standpunkt, es sei unerheblich, ob er für die Dauer seines
Zivildienstes mittels eines Arbeitsvertrages oder ähnlichem nachweisen könne, dass er
während der Zivildienstdauer eine Tätigkeit aufgenommen hätte. Vielmehr sei eine
solche Tätigkeit aufgrund seiner Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt zu vermuten.
Deshalb sei davon auszugehen, dass er während der Dienstzeit ein Einkommen von
Fr. 11'340.-- hätte verdienen können (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt die Beschwerdeabweisung und verzichtet
unter Hinweis auf den angefochtenen Einspracheentscheid auf eine Begründung (act.
G 3).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist die Höhe des Entschädigungsanspruchs für den vom
Beschwerdeführer erlittenen Erwerbsausfall während der Zivildienstdauer vom 5. Juli
bis 3. September 2010 umstritten.
1.1 Personen, die Zivildienst leisten, haben für jeden anrechenbaren Diensttag
gemäss dem Zivildienstgesetz (ZDG; SR 824.0) Anspruch auf eine Entschädigung
(Art. 1a Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei
Mutterschaft [EOG; SR 834.1]). Während Diensten, die nicht unter Art. 9 EOG
(Rekrutenschule und gleichgestellte Dienstzeiten) fallen, beträgt die tägliche
Grundentschädigung 80% des durchschnittlichen vordienstlichen
Erwerbseinkommens. Vorbehalten bleiben Mindest- und Höchstbeträge nach
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Art. 16 Abs. 1 bis 3 EOG (Art. 10 Abs. 1 EOG). Der für den zu beurteilenden
Zivildiensteinsatz anwendbare Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG legt fest, dass die tägliche
minimale Gesamtentschädigung für Dienstleistende ohne Kinder 25% des
Höchstbetrages der Gesamtentschädigung (2010: Fr. 245.--, Art. 16a Abs. 1 EOG)
beträgt. Grundlage für die Ermittlung des durchschnittlichen vordienstlichen
Erwerbseinkommens bildet das Einkommen, von dem die Beiträge nach dem
Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10)
erhoben werden. Der Bundesrat erlässt Vorschriften über die Bemessung der
Entschädigung und lässt durch das Bundesamt für Sozialversicherungen verbindliche
Tabellen mit aufgerundeten Beträgen aufstellen (Art. 11 Abs. 1 EOG).
1.2 Als Erwerbstätige gelten Personen, die in den letzten zwölf Monaten vor dem Ein
rücken während mindestens vier Wochen erwerbstätig waren (Art. 1 der Verordnung
zum Erwerbsersatzgesetz [EOV; SR 834.11). Die Entschädigung wird auf Grund des
letzten vor dem Einrücken erzielten und auf den Tag umgerechneten massgebenden
Lohns berechnet (Art. 4 Abs. 1 EOV). Für Personen, die glaubhaft machen, dass sie
während des Dienstes eine unselbstständige Erwerbstätigkeit von längerer Dauer
aufgenommen hätten oder einen wesentlich höheren Lohn als vor dem Einrücken
erzielt hätten, wird die Entschädigung auf Grund des Lohns berechnet, der ihnen
entgangen ist (Art. 4 Abs. 2 EOV). Für Personen, die kein regelmässiges Einkommen
haben, wird für die Ermittlung des vordienstlichen Durchschnittseinkommens auf das
während der drei letzten Monate vor Dienstbeginn erzielte und auf den Tag
umgerechnete Erwerbseinkommen abgestellt. Ist auf diese Weise die Ermittlung eines
angemessenen Durchschnittseinkommens nicht möglich, so wird das Einkommen einer
längeren Zeitspanne berücksichtigt (Art. 6 Abs. 1 und 2 EOV).
2.
Der Beschwerdeführer bringt gegen die Berechnung der ausgerichteten
Erwerbsausfallentschädigung vor, dass bei ihm als Werkstudent auf die
Vermittelbarkeit abzustellen sei. Grundlage der Berechnung der Entschädigung müsse
der bei seiner Arbeitgeberin erzielte Stundenlohn von "rund" Fr. 30.-- sein. Dieser sei
auf eine tägliche Arbeitszeit von 8.4 Stunden aufzurechnen (act. G 1, S. 4).
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2.1 Zunächst ist festzustellen, dass die vom Beschwerdeführer genannte
Rechtsprechung (BGE 136 V 231) für den vorliegend zu beurteilenden Fall nicht
einschlägig ist. Denn im höchstrichterlichen Entscheid war die Situation eines
Versicherten zu beurteilen, der als Nichterwerbstätiger eingestuft worden war (BGE 136
V 235 E. 4.4) und damit gerade nicht als sogenannter Werkstudent (verstanden als
Student oder Schüler, die ohne Bezug zu ihrer Ausbildung einer Beschäftigung
nachgehen ["jobbende" Studenten/Schüler]; vgl. hierzu RKUV 2002 Nr. U 455
S. 145 ff.) zu qualifizieren war.
2.2 Soweit der Beschwerdeführer als massgebendes Kriterium das für Leistungen der
Arbeitslosenversicherung zu beachtende Erfordernis der Vermittelbarkeit nennt, so
kann er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn aus einer Bejahung der
Vermittelbarkeit des Beschwerdeführers ergeben sich keine Erkenntnisse für den
Umfang des Verdienstausfalls oder des während der Zivildienstdauer überwiegend
wahrscheinlich ausgeübten Beschäftigungsgrads, weshalb sich Weiterungen hierzu
erübrigen.
2.3 Der Beschwerdeführer verkennt bei seiner Argumentation ferner den Zweck der
Erwerbsausfallentschädigung. Dieser liegt darin, dass den dienstleistenden Personen
der überwiegend wahrscheinliche, durch die Dienstzeit entstandene Verdienstausfall
(mindestens teilweise) entschädigt werden soll. Anknüpfungspunkt ist mit anderen
Worten der durch die Dienstzeit entgangene Lohn, den die dienstleistende Person ohne
Erfüllung ihrer Dienstpflicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erzielt hätte, bzw.
die darauf zurückzuführende finanzielle Einbusse. Wie der Begriff
Erwerbsausfallentschädigung bereits deutlich zeigt, handelt es sich um eine
schadenorientierte Leistung. Nicht massgebend ist demgegenüber eine fiktive,
bestmögliche Verwertung des Leistungspotenzials der dienstleistenden Personen. Es
geht auch nicht darum, den anlässlich der Dienstzeit erbrachten Einsatz monetär zu
bewerten. Der Beschwerdeführer bringt nicht vor und es ergeben sich aus den Akten
keine Anhaltspunkte dafür, dass er ohne Dienstpflicht in der fraglichen Dauer vom
5. Juli bis 3. September 2010 (werk)täglich während 8.4 Stunden zu einem
Stundenlohn von Fr. 30.-- bei seiner Arbeitgeberin gearbeitet hätte. Vielmehr ist
gestützt auf die bei der jetzigen Arbeitgeberin in den Jahren 2009 und 2010 erbrachte
Arbeitsleistung davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne die Erfüllung der
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Dienstpflicht während der Dauer vom 5. Juli bis 3. September 2010 einen dem
Durchschnitt der Vormonate entsprechenden Lohn bei seiner Arbeitgeberin erzielt
hätte. Dies gilt umso mehr als die von der Beschwerdegegnerin telefonisch eingeholte,
unbestrittene Auskunft der Arbeitgeberin ergab, dass der Beschwerdeführer nie im
Rahmen eines 100%igen, sondern höchstens 50%igen Beschäftigungsgrads
gearbeitet habe (act. G 3.5). Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer in der
fraglichen Zeit den bisherigen Beschäftigungsgrad erheblich gesteigert oder eine
weitere Tätigkeit aufgenommen hätte, bestehen keine.
2.4 Soweit sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt stellt, es fehle eine
gesetzliche Grundlage für das Abstellen auf "Erfahrungswerte der Vorjahre" (act. G 1,
S. 4), so kann im Fall des Beschwerdeführers, der in den Monaten vor Dienstantritt ein
stark schwankendes, mithin im Sinn von Art. 5 Abs. 1 lit. a EOV nicht regelmässiges,
Einkommen erzielte, auf den vorliegend anwendbaren Art. 6 Abs. 2 EOV verwiesen
werden. Danach ist bei der Ermittlung "eines angemessenen
Durchschnittseinkommens" auf ein Einkommen einer "längeren Zeitspanne"
abzustellen. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin erweist sich daher auch unter
diesem Aspekt als gesetzmässig, zumal bereits Art. 10 Abs. 1 EOG das
durchschnittliche vordienstliche Erwerbseinkommen als Bemessungsgrundlage
bezeichnet.
2.5 Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, es sei unlogisch, wenn von ihm ein
schriftlicher Nachweis für eine entgangene Anstellung verlangt werde, da im Ergebnis
diese Forderung nur zwei Lösungen zuliesse: Entweder müsste er eine Anstellung
suchen, einen Arbeitsvertrag unterzeichnen und anschliessend doch nicht dort
arbeiten, weil er Zivildienst leisten müsse. Oder er müsse im Nachhinein einen
Arbeitgeber suchen, der pro forma bestätige, dass er bei ihm hätte arbeiten können
(act. G 1, S. 4). Ein solcher vom Beschwerdeführer genannter befristeter Einsatz
entsprechend der Zivildienstdauer könnte beispielsweise dadurch glaubhaft im Sinn
von Art. 4 Abs. 2 EOV gemacht werden, wenn im Vorjahr in der entsprechenden
Periode ein erhöhter Beschäftigungsgrad bzw. eine zusätzliche Tätigkeit aufgenommen
wurde und die entsprechende Arbeitgeberin bestätigte, dass sie die entsprechende
(zusätzliche) Arbeitsleistung der dienstleistenden Person auch während der Dauer der
Dienstleistung nachgefragt hätte. Bei seiner Argumentation übersieht der
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Beschwerdeführer weiter, dass die Berücksichtigung eines leistungserhöhenden
Arbeitsverhältnisses oder einer Lohnsteigerung im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EOV nichts
mit der Dauer der Dienstleistung zu tun hat. Es ist nicht erforderlich, dass der
mutmassliche Mehrverdienst ausschliesslich während der Dauer der Dienstleistung
hätte erzielt werden können. Vielmehr wird in der Regel gerade das Gegenteil der Fall
sein. Zu denken ist etwa an eine Erhöhung des Beschäftigungsgrads, die einzig
aufgrund der Dienstpflicht erst nach dessen Absolvierung erfolgt und nicht bereits
früher. Als weiteres Beispiel für die ausnahmsweise Rechtswohltat im Sinn von Art. 4
Abs. 2 EOV kann der Fall genannt werden, wo die dienstleistende Person eine neue
oder weitere unselbstständige Tätigkeit aufnimmt, deren Beginn allein aufgrund der
Dienstpflicht verzögert wird.
3.
Nach dem Gesagten und mit Blick auf die unbestrittenen Jahreseinkommen 2009 und
2010 (2009: Fr. 7'492.--, 2010: Fr. 7'270.--; act. G 1.1, S. 3, sowie act. G 3.8) zog die
Beschwerdegegnerin bei der Bemessung der Erwerbsausfallentschädigung zu Recht
den Mindestansatz gemäss Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG bei, weshalb die Beschwerde
abzuweisen ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP