Decision ID: 8d22ebe2-5ee2-5267-b935-7418c5498f07
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit dem 1. Juli 2016 arbeitslos und damit
über die Kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert (Suva-act. III/1).
A.a.
Die Suva hatte der Versicherten bereits als Arbeitnehmerin der B._ GmbH aus
der obligatorischen Unfallversicherung Versicherungsleistungen für eine
Schulterverletzung rechts infolge eines Ereignisses vom 2. September 2015 erbracht.
Am 23. Februar 2016 hatte sie mangels fortdauernder Unfallfolgen per 2. März 2016
den Abschluss des Schadenfalls, d.h. die Einstellung der bisher erbrachten
Versicherungsleistungen (Heilkosten und Taggeld) und die Ablehnung eines Anspruchs
auf weitere Versicherungsleistungen, verfügt. Die Verfügung war am 13. April 2016 in
Rechtskraft erwachsen (vgl. Suva-act. I/1-56).
A.b.
Am 29. Mai 2017 meldete die Kantonale Arbeitslosenkasse der Suva einen Unfall
vom 16. Mai 2017. Der Versicherten sei auf einer Agrarstrecke ein Traktor
A.c.
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entgegengekommen, woraufhin sie mit dem Fahrrad vom Weg abgekommen sei und
sich den rechten Fuss verletzt habe (Suva-act. II/1). Eine Erstbehandlung war am 26.
Mai 2016 (recte: 26. Mai 2017) durch die Hausärztin der Versicherten, Dr. med. C._,
FMH Allgemeine Medizin, erfolgt, die ein OSG-Distorsionstrauma diagnostiziert hatte.
Bis 30. Juni 2017 bestand bei der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-
act. II/12). Die Suva entrichtete Taggelder und kam für die Heilbehandlungskosten auf
(Suva-act. II/7 f.).
Am 5. September 2017 meldete die Kantonale Arbeitslosenkasse der Suva einen
Unfall der Versicherten vom 8. Juni 2017. Diese habe sich beim Aussteigen aus der
Badewanne an der Wand angelehnt, sei abgerutscht und mit der rechten Schulter auf
den Rand gefallen. Die Erstbehandlung habe durch Dr. C._ und eine
Nachbehandlung im Spital D._ stattgefunden (Suva-act. III/1). Mit Schreiben vom 7.
September 2017 teilte die Suva der Versicherten die Durchführung von Abklärungen
zur Beurteilung ihrer Leistungspflicht mit (Suva-act. III/5). Am selben Tag bat sie Dr.
C._ um Einreichung des Arztzeugnisses UVG (Suva-act. III/2) und das Spital D._
um Zustellung seiner Untersuchungs- bzw. Behandlungsberichte (Suva-act. III/3). Laut
Arztzeugnis UVG vom 11. September 2017 hatte eine Erstbehandlung bei Dr. C._ am
30. Juni 2017 stattgefunden (Suva-act. III/7). Im Spital D._ war die Versicherte
sodann am 4. September 2017 wegen Schulter- und Kniebeschwerden durch Dr. med.
E._, Oberarzt, Chirurgie Spital D._, Klinik für Orthopädie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, untersucht worden. Dr. E._ hatte folgende Diagnosen gestellt:
Verdacht auf Bizepssehnenläsion Schulter rechts mit/bei Status nach Abstütztrauma
vom 8. Juni 2017 sowie Verdacht auf Innenmeniskusläsion mit symptomatischer Baker
Zyste Knie rechts mit/bei Status nach dreimaliger Kniegelenksarthroskopie 2006 und
Status nach Distorsionstrauma vom 24. Mai 2017. Dr. E._ hatte der Versicherten
ausserdem bis 1. Oktober 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (Suva-act.
III/6, III/12). In einer in der Radiologie des Spitals D._ am 6. September 2017
durchgeführten MRI-Untersuchung des rechten Knies hatten eine Chondromalacia
patellae, ein drittgradiger Knorpeldefekt am medialen Femurkondylus mit angrenzend
fraglich diskreter Auffaserung des freien Randes des Innenmeniskushinterhorns, indes
keine signifikante Meniskusruptur ausgemacht werden können (Suva-act. II/16). Am 8.
September 2017 war sodann in der Radiologie des Spitals D._ eine MRI-
A.d.
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Untersuchung der rechten Schulter durchgeführt worden, welche eine artikularseitige
Partialruptur des Musculus supraspinatus sowie eine bursaseitige, kleine Partialläsion
des Infraspinatus, eine Pulley-Läsion mit Oberrandläsion des Musculus subscapularis
sowie eine begleitende Bursitis subdeltoidea/subacromialis zur Darstellung gebracht
hatte (Suva-act. III/9).
Am 28. September 2017 teilte die Versicherte der Suva mit, dass sie das Taggeld
für den Monat September 2017 benötige und am 11. Oktober 2017 operiert werde
(Suva-act. III/13). Am 29. September 2017 reichte das Spital D._ der Suva einen
Konsultationsbericht vom 27. September 2017 mit den aktuellen Diagnosen in Bezug
auf die rechte Schulter und das rechte Kniegelenk ein (Suva-act. III/15). Anlässlich einer
Besprechung vom 5. Oktober 2017 schilderte die Versicherte gegenüber der Suva,
dass sie nach dem Velounfall vom 16. Mai 2017 keine Schmerzen im rechten Knie
verspürt habe bzw. zu diesem Zeitpunkt mit dem rechten Knie noch nichts gewesen
sei. Sie habe sich jedoch beim Badewannenunfall vom 8. Juni 2017 das Knie verdreht.
Weiter berichtete sie, dass Dr. E._ am 11. Oktober 2017 eine Schulteroperation
durchführe, bezüglich des rechten Knies hingegen keine Operation geplant sei. Im Jahr
2006 sei bei ihr nach einem Unfall dreimal das rechte Knie operiert worden. Im
Kindesalter habe sie sich ausserdem beim Handballspielen die rechte Schulter
ausgekugelt. Die Verletzung sei indessen folgenlos abgeheilt. Eine letzte
Schulteroperation habe im Jahr 2016 stattgefunden (Suva-act. III/16).
A.e.
Am 11. Oktober 2017 führten Dr. med. F._ und Dipl. med. G._, Chirurgie Spital
D._, Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, bei der
Versicherten bei der diagnostizierten Rotatorenmanschettenläsion (kleine PASTA-
Läsion Supraspinatussehne sowie Subscapularis-Oberrandläsion mit begleitender
Bizepstendinopathie Schulter rechts) eine Schulterarthroskopie rechts mit
Bizepstenodese und Rotatorenmanschettennaht durch (Suva-act. III/24, vgl. auch
Suva-act. III/27 [Austrittsbericht vom 12. Oktober 2017 mit Bescheinigung einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 11. Oktober bis 22. November 2017]).
A.f.
Am 16. Oktober 2017 holte die Suva eine kreisärztliche Kausalitätsbeurteilung
hinsichtlich der Schulterproblematik rechts in Bezug auf das Unfallereignis vom 8. Juni
A.g.
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B.
2017 und bezüglich der Kniebeschwerden rechts im Zusammenhang mit dem Unfall
vom 16. Mai 2017 ein. Die Beurteilung erging am selben Tag (Suva-act. III/25).
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2017 teilte die Suva der Versicherten die
rückwirkende Einstellung ihrer Leistungen per 31. August 2017 mit. Zur Begründung
führte sie an, dass die aktuell bestehenden Schulterbeschwerden rechts nicht mehr
unfallbedingt seien. Der Eingriff vom 11. Oktober 2017 sowie die Arbeitsunfähigkeit ab
September 2017 stünden nicht in einem kausalen Zusammenhang mit dem Ereignis
vom 8. Juni 2017. Der Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall vom 8. Juni 2017
eingestellt hätte, sei gemäss medizinischer Beurteilung spätestens am 31. August 2017
erreicht gewesen (Suva-act. III/26).
A.h.
Am 8. November 2017 erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
MMag. H. Ludescher, Vaduz (FL), gegen die Verfügung vom 17. Oktober 2017
Einsprache (Suva-act. III/31).
B.a.
Die Suva liess daraufhin am 28. November 2017 die Terminierung der
Versicherungsleistungen für die Schulterproblematik rechts per Status quo sine vel
ante im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 8. Juni 2017 sowie die Kausalität
zwischen den Kniebeschwerden rechts und dem Ereignis vom 16. Mai 2017 nochmals
durch Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, beurteilen (Suva-act. III/35).
B.b.
Am 30. Januar 2018 reichte Rechtsanwalt Ludescher eine ergänzende
Einsprachebegründung ein. Die Versicherte sei seit 4. September 2017 bis 19. April
2018 aufgrund des Unfalls vom 8. Juni 2017 krankgeschrieben und arbeitsunfähig. Die
Suva habe diesbezüglich ihre Leistungen zu erbringen. Insbesondere die
Schulterbeschwerden rechts und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit ab
September 2017 wie auch die Kniebeschwerden rechts seien unfallkausal (Suva-act.
III/47).
B.c.
Am 7. und 9. März 2018 legte die Suva den Schadenfall unter Hinweis auf die
kreisärztliche Beurteilung von Dr. H._ vom 7. Dezember 2017 und die seitens der
B.d.
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C.

Erwägungen
1.
Versicherten am 5. Oktober 2017 geschilderte Knieverdrehung beim Ereignis vom 8.
Juni 2017 (vgl. Suva-act. III/16) für eine Kausalitätsbeurteilung der Kniebeschwerden
rechts im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 8. Juni 2017 Kreisarzt Dr. med.
I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vor. Dieser nahm erstmals kurz am 8. März 2018 und
ausführlicher am 17. März 2018 Stellung (Suva-act. III/49 f., III/52).
Mit Einspracheentscheid vom 22. März 2018 wies die Suva die Einsprache der
Versicherten ab. Sie bestätigte in Bezug auf die Schulterproblematik ihre
Leistungseinstellung per 31. August 2017 und verneinte einen überwiegend
wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden im Bereich des
rechten Kniegelenks und dem Badewannenunfall vom 8. Juni 2017 (Suva-act. 53).
B.e.
Gegen den Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt Ludescher, mit Eingabe vom 23.
April 2018 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, der Einspracheentscheid sei
aufzuheben und die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zur Erbringung von
Versicherungsleistungen zu verpflichten, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act.
G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 24. Mai 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 25. Juni 2018 (act. G 5) und Duplik vom 17. Juli 2018 (act. G 7)
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
C.c.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Angesichts
1.1.
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dieser gesetzlichen Bestimmungen bildet die Unfallkausalität Anspruchsvoraussetzung
für Heilkosten- und Taggeldleistungen der Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (vgl. dazu
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.; BGE 117 V 376 E. 3a). Gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG werden
die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die Taggelder und
Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur
teilweise Folge eines Unfalls ist. Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem
Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in
der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die
vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist
(Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; Urteil des Bundesgerichts vom 1. September
2008, 8C_522/2007, E. 4.3.2; BGE 112 V 32 f. E. 1). Bei physischen Unfallfolgen spielt
indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (BGE 117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweisen, 118 V 291 E. 3a).
Anerkennt der Unfallversicherer seine Leistungspflicht im Grundfall, so entfällt
diese erst dann, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der
fortdauernd geklagten Beschwerden darstellt, d.h. wenn die Beschwerden nur noch
und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich
fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (Urteil des
Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O.,
S. 4; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4.
Aufl. Bern 2014, § 70 N 58 f.). Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer (BGE 117 V 264 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts vom
6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Die
Beweislast liegt jedoch nur bezüglich derjenigen Verletzungen beim Unfallversicherer,
welche thematisiert worden waren und somit Gegenstand der Anerkennung bildeten
1.2.
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(Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2009, 8C_363/2009, E. 1). Auch muss der
Unfallversicherer nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen. Ebenso wenig
geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller
Gesundheit sei (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2008, 8C_465/2007, E. 3.1 mit
Hinweisen).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Ausschlaggebend
für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft
eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V
352 E. 3a mit Hinweis). Insofern sind auch Berichte und Gutachten, welche die
Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen bzw.
beratenden Ärzten und Ärztinnen einholen, beweistauglich (BGE 125 V 353 f. E. 3, 135
V 469 f.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens
entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4, 122 V 162 f. E. 1d). Auch eine ärztliche
Beurteilung aufgrund der Akten ist nicht an sich unzulässig, wenn die Akten ein
vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und
diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund,
damit der Experte oder die Expertin imstande sind, sich aufgrund der vorhandenen
Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24.
März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1). Angesichts der obigen Darlegungen sprechen mithin
keine formell-rechtlichen Gründe gegen den Einbezug der kreisärztlichen
Aktenbeurteilung vom 16. Oktober 2017 (Suva-act. III/25), derjenigen von Dr. H._
1.3.
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2.
vom 7. Dezember 2017 (Suva-act. III/35) sowie derjenigen von Dr. I._ vom 17. März
2018 (Suva-act. III/52). Ob letztlich auf diese abgestellt werden kann, ist im Rahmen
der nachfolgenden materiell-rechtlichen Beurteilung bzw. Beweiswürdigung zu prüfen.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 22. März 2018 (Suva-act. III/53), der den Unfall der
Beschwerdeführerin in der Badewanne vom 8. Juni 2017 zum Gegenstand hat (Suva-
act. III/1). Nicht Gegenstand des Einspracheentscheids sind hingegen die früheren
Unfälle der Beschwerdeführerin vom 2. September 2015 und 16. Mai 2017 sowie die
dabei erlittenen Verletzungen (Suva-act. I und II).
2.1.
Die Beschwerdeführerin verletzte sich beim Unfall vom 8. Juni 2017
unbestrittenermassen die rechte Schulter. Die Beschwerdegegnerin anerkannte
diesbezüglich mit Einspracheentscheid sowie mit der diesem zugrunde liegenden
Verfügung vom 17. Oktober 2017 (Suva-act. III/26) - basierend auf den von ihr in die
Wege geleiteten Abklärungen - eine Leistungspflicht für eine vorübergehende
Gesundheitsschädigung (vgl. dazu nachfolgende Erwägung 4.3) bis 31. August 2017.
Für die im Bereich des rechten Schultergelenks festgestellten strukturellen
Gesundheitsschäden, welche zum Eingriff vom 11. Oktober 2017 (Suva-act. III/24) mit
nachfolgender mehrwöchiger ganzer oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. III/22,
III/27, III/40) führten (vgl. dazu nachfolgende Erwägung 3.2), lehnte sie indes eine
Leistungspflicht von Grund auf ab. Das heisst, sie erkannte das Ereignis vom 8. Juni
2017 nicht als kausalen Faktor für die strukturellen Gesundheitsschäden. Angesichts
der Ausführungen in Erwägung 1.2 trägt die Beschwerdegegnerin mithin die Beweislast
für das Dahinfallen des Kausalzusammenhangs. Hinsichtlich der Frage, ob bezüglich
der strukturellen Gesundheitsschäden ein Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 8.
Juni 2017 besteht, ist dagegen die Beschwerdeführerin beweisbelastet.
2.2.
Die Beschwerdeführerin schilderte gegenüber der Beschwerdegegnerin am 5.
Oktober 2017, sich beim Unfall vom 8. Juni 2017 das rechte Knie verdreht zu haben
(Suva-act. III/16). Am 4. September 2017 war sie bei Dr. E._ wegen Schulter- und
Kniebeschwerden rechts vorstellig geworden (Suva-act. III/6). Was die
Kniebeschwerden rechts angeht, verneint die Beschwerdegegnerin im
Einspracheentscheid eine Leistungspflicht ebenfalls von Grund auf (vgl. Suva-act. III/
53, Erwägung 5.b). Sie stellt sich auf den Standpunkt, bei der Beschwerdeführerin
habe beim Unfall vom 8. Juni 2017 keine schädigende Einwirkung auf das rechte Knie
stattgefunden und ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den behandelten
2.3.
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3.
Kniebeschwerden rechts und dem Unfallereignis vom 8. Juni 2017 sei nicht
überwiegend wahrscheinlich. Hinsichtlich der Frage, ob zwischen den behandelten
Kniebeschwerden rechts und dem Unfall vom 8. Juni 2017 ein Kausalzusammenhang
besteht, ist mithin ebenfalls die Beschwerdeführerin beweisbelastet.
Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob sich die Beschwerdeführerin beim Unfall
vom 8. Juni 2017 in der rechten Schulter eine neue organisch-strukturelle, nicht
vorübergehende Verletzung zugezogen hat. Für die Annahme unfallkausaler
somatischer Restfolgen werden grundsätzlich eine unfallkausale strukturelle Läsion
bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares Korrelat verlangt.
Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des
Untersuchenden und den Angaben des Patienten bzw. der Patientin unabhängig sind.
Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen Unfallfolgen dann
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit - wissenschaftlich anerkannten -
apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen, MRT, CT, Arthroskopie) bestätigt
werden (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28.
Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2 mit Hinweisen).
3.1.
Am 8. September 2017 wurde bei der Beschwerdeführerin in der Radiologie des
Spitals D._ eine MRI-Untersuchung der rechten Schulter durchgeführt, bei welcher
eine artikularseitige Partialruptur des Musculus supraspinatus sowie eine bursaseitige,
kleine Partialläsion des Infraspinatus, eine Pulley-Läsion mit Oberrandläsion des
Musculus subscapularis sowie eine begleitende Bursitis subdeltoidea/subacromialis
festgestellt wurden (Suva-act. III/9). Unstreitig waren mit den
Rotatorenmanschettenläsionen und der Pulley-Läsion strukturelle
Gesundheitsschädigungen im Bereich des Schultergelenks objektiviert, welche am 11.
Oktober 2017 durch Dr. F._ und Dipl. med. G._ arthroskopisch mit Bizepstenodese
und Rotatorenmanschettennaht behandelt wurden (Suva-act. III/24), was zu einer
mehrwöchigen zuerst vollständigen und später teilweisen Arbeitsunfähigkeit führte
(Suva-act. III/22, III/27, III/40).
3.2.
In Bezug auf die Rotatorenmanschette und die von Bändern gebildete
Rotatorenintervallschlinge (Pulley) gilt es zu beachten, dass diese zur Degeneration
neigen. Allerdings können sie auch als Folge eines Traumas ein- oder abreissen bzw.
geschädigt werden (vgl. Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4.
Aufl. Bern 2005, S. 628, 724 f. 728; Roche Lexion, Medizin, 5. Aufl. München/Jena
2003, S.1681; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin/Boston 2017, S.
3.3.
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1576, 1646; https://medlexi.de/Pulley-L%C3%A4sion; https://edoc.ub.uni-
muenchen.de/8087/1/Held_Michael.pdf; https://medlexi.de/Pulley-L%C3%A4sion,
beide abgerufen am 18. Dezember 2019). Im Folgenden ist zu prüfen, ob es sich
vorliegend bei den Rotatorenmanschettenläsionen bzw. der Partialruptur des Musculus
supraspinatus und der bursaseitigen, kleinen Partialläsion des Infraspinatus sowie der
Pulley-Läsion mit Oberrandläsion des Musculus subscapularis mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit um direkte Unfallverletzungen oder degenerative
Gesundheitsschädigungen handelt.
Ein massgebender Ausgangspunkt für die Beurteilung traumatischer Folgeschäden
bzw. der Ursächlichkeit einer Gesundheitsschädigung bildet der gesundheitliche
Zustand einer versicherten Person vor dem Unfall. Ist es durch den Unfall zu keinen
neuen unfallbedingten Schäden gekommen, trifft der Unfall aber auf einen
vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale Gesundheitsschädigung höchstens
als vorübergehende oder richtungsgebende Verschlimmerung des Vorzustandes in
Betracht (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54). Für die Abgrenzung Vorzustand bzw.
neue unfallbedingte strukturelle Schädigung stellt insbesondere der Vergleich
bildgebender Untersuchungsergebnisse aus der Zeit vor und nach dem Unfall eine
bedeutende Beweisgrundlage dar (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 28.
Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U
479/05]).
3.4.
Aus der Zeit vor dem Unfall vom 8. Juni 2017 liegt zunächst ein Sonographie-
Untersuchungsergebnis vom 22. September 2015 bei den Akten, welches nach einem
Verhebetrauma vom 2. September 2015 (Suva-act. I/1) erhoben worden war. Dr. med.
J._, Leitender Arzt Radiologie, Spital K._, stellte damals eine akut exazerbierte,
mutmasslich ältere und chronische Tendinopathie an der medialen
Supraspinatussehne mit Hinweisen auf eine feine Einreissung der Supraspinatussehne
bei ödematöser Aufquellung, jedoch noch keine Sehnenrupturen fest (Suva-act. I/6).
Laut kreisärztlicher Beurteilung von Dr. med. L._, Facharzt für orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, vom 7. Dezember 2015
(vgl. Suva-act. I/21) lag damit eine chronische Überlastung vor (vgl. zur Terminologie
Roche Lexikon, a.a.O., zu "chronisch": S. 334, zu "Tendopathie, Tendinopathie": S.
1808; Pschyrembel, a.a.O., zu "chronisch": S. 335, zu "Tendopathie": S. 1782). Am 20.
Januar 2016 diagnostizierten die behandelnden Ärzte des Spitals D._ bei der
Beschwerdeführerin bei einem röntgenologisch erhobenen Acromiontyp II nach Bigliani
ohne weitere Auffälligkeiten eine AC-Arthralgie rechts (Suva-act. I/27). Die am 28.
Januar 2016 im Spital K._ durch Dr. med. L._, Oberärztin mbF Radiologie,
3.5.
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durchgeführte MR Arthro-Untersuchung des rechten Schultergelenks zeigte sodann
eine Ruptur des anterior-superioren Labrums, eine Ruptur des Ligamentum
glenohumerale inferior sowie eine Teilruptur der kaudalen Kapsel (Suva-act. I/33). Die
Ärzte des Spitals D._ beurteilten das MR-Untersuchungsergebnis in einem
Untersuchungsbericht vom 4. Februar 2016 dahingehend, dass sich neben einer
aktivierten AC-Gelenksarthrose die Folge einer stattgehabten Luxation im Kindesalter
im Sinne einer anterior-superioren, labralen Bankartläsion und ventro-kaudale
Kapselverletzungen zeigen würde. Die Rotatorenmanschette sowie die Bizepssehne
seien indes intakt (Suva-act. I/29). Kreisarzt Dr. I._ kam aufgrund der geschilderten
Aktenlage in einer kreisärztlichen Beurteilung vom 18. Februar 2016 zum Schluss, dass
im Bereich des rechten Schultergelenks der Beschwerdeführerin ein erheblicher, wenn
auch asymptomatischer Vorschaden vorliege (Suva-act. I/40). Laut
Untersuchungsbericht der behandelnden Ärzte des Spitals D._ vom 13. April 2016
wurde bei der Diagnose symptomatische AC-Gelenksarthrose sowie subacromiale
Begleitimpingementsymptomatik Schulter rechts mit/bei Status nach AC-
Gelenksinfiltration rechts am 3. Februar 2016 mit kurzzeitigem positivem Ansprechen
eine operative Sanierung im Sinne einer AC-Gelenksresektion sowie gleichzeitiger
subacromialer Dekompression geplant (Suva-act. I/51). Gemäss Aussage der
Beschwerdeführerin vom 5. Oktober 2017 hat denn 2016 auch eine Schulteroperation
stattgefunden (Suva-act. III/16). Aufgrund der dargelegten medizinischen Aktenlage
folgerte Kreisarzt Dr. H._ - wie am 18. Februar 2016 bereits von seinem Kollegen Dr.
I._ festgehalten worden war (Suva-act. I/40) - in seiner Beurteilung vom 7. Dezember
2017 (Suva-act. III/35) schlüssig und überzeugend, dass bei der Beschwerdeführerin im
Bereich des rechten Schultergelenks ein erheblicher, wenn auch asymptomatischer
Vorschaden vorliege, der insbesondere MRT-morphologisch am 28. Januar 2016
(Suva-act. I/33) festgehalten worden sei. Die am 8. September 2017 im MRI (Suva-act.
III/9) erhobenen Rotatorenmanschettenläsionen sowie die Pulley-Läsion mit
Oberrandläsion des Musculus subscapularis sind zwar den früheren radiologischen
Untersuchungsergebnissen noch nicht konkret zu entnehmen, doch ist zu
berücksichtigen, dass sich die degenerative Problematik bereits rund ein Jahr vor dem
Unfall vom 8. Juni 2017 umfassend dargestellt hat bzw. dass bis zum Unfall vom 8.
Juni 2017 rund ein Jahr vergangen war und es sich bei einer Degeneration um einen
fortschreitenden Prozess handelt, wobei die einzelnen Degenerationen häufig
miteinander verbunden sind und insofern gegenseitige Begleitpathologien darstellen
(vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 579 ff, 726 ff.). Dr. H._ weist schliesslich in
Übereinstimmung mit den Akten darauf hin, dass keine aussagekräftige medizinische
Echtzeitdokumentation mit entsprechender klinischer Befundung bestehe (Suva-act. III/
35; vgl. dazu ferner Suva-act. III/6 f.), womit kein überzeugender Beweis vorliegt, der
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gegen eine degenerative Genese spricht. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im
Bereich der rechten Schulter der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls vom 8.
Juni 2017 bereits ein umfassender degenerativer Vorzustand vorgelegen hat.
Überzeugende Anhaltpunkte dafür, dass die partialen Rotatorenmanschettenläsionen
sowie die Pulley-Läsion mit Oberrandläsion des Musculus subscapularis als
unabhängige unfallkausale Verletzungen zu betrachten waren, bestehen nicht. Die
Läsionen sind vorliegend auch ohne Trauma ohne Weiteres erklärbar.
Als bedeutsames und vervollständigendes Indiz gegen eine Traumafolge wird in
den kreisärztlichen Beurteilungen vom 16. Oktober 2017 (Suva-act. III/25) und 7.
Dezember 2017 (Suva-act. III/35) der Unfallmechanismus bzw. die Art und Weise der
Einwirkung auf die rechte Schulter der Beschwerdeführerin genannt. So führt nicht
jeder Unfall bzw. Unfallmechanismus zu einer Verletzung oder zumindest nicht zu einer
derart körperlich gravierenden, strukturellen Verletzung, dass eine operative
Behandlung notwendig wird. Insbesondere für Rotatorenmanschettenläsionen werden
in den medizinischen Fachartikeln konkrete Verletzungsmechanismen beschrieben,
welche zu einer traumatischen Sehnenruptur führen können. Als potenziell geeignete
Verletzungsmechanismen werden genannt: das Abscheren des Sehnenansatzes von
innen, sobald der maximal zulässige Rotationswinkel überschritten ist und der
Sehnenansatz mit dem Pfannenrand in Konflikt gerät (sogenanntes inneres
Impingement), z.B. bei einer Schulter(sub)luxation; die passive Traktion, z.B. nach
unten (beim Versuch einen schweren fallenden Gegenstand aufzufangen), ventral oder
medial und die - auch in den kreisärztlichen Beurteilungen beschriebene - exzentrische
Belastung angespannter Anteile der Rotatorenmanschette, wie beispielsweise bei
passiv forcierter Aussen- oder Innenrotation bei anliegendem oder abgespreiztem Arm,
z.B. bei einem Sturz vom Gerüst nach vorn mit dem Versuch, den Fall durch Festhalten
abzufangen. Zu einer traumatischen Ruptur der Rotatorenmanschette kommt es
demnach grundsätzlich dann, wenn durch indirekte Gewalteinwirkung bzw. durch eine
plötzliche körpereigene Kraftanstrengung die mechanische Belastbarkeit des
Sehnengewebes überschritten wird, selten jedoch durch ein direktes Anpralltrauma
(vgl. zum Gesagten Urteil des Bundesgerichts vom 17. Mai 2016, 8C_100/2016, E. 5
mit Hinweis; http:// www.gaertner-servatius.de/krankheiten/-
rotatorenmanschettenruptur_leitlinien.pdf, abgerufen am 18. Dezember 2019).
Allgemeiner, aber dennoch mit dem letzten für eine traumatische Sehnenruptur
geeigneten Verletzungsmechanismus übereinstimmend formuliert, findet sich in der
medizinischen Literatur ein abruptes Abstützen bei einem Sturz auf den ausgestreckten
Arm oder Ellbogen (https://gelenkklinik.de/orthopaedische-erkrankung/schulter/ruptur-
rotatorenmanschette.html; http://orthopaedie-unfallchirurgie.universimed.com/artikel/
3.6.
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4.
die-rotatorenmanschettenruptur-verletzung; http:// www.orthozentrum.ch/ de/
Schulter-Ellbogen-Hand/ Rotatorenmanschettenruptur-und-Impingement; <http: //
www. orthozentrum.ch/de/ Schulter-Ellbogen-Hand/ Rotatorenmanschettenruptur-und-
Impinge-mentsyndrom>, alle abgerufen am 18. Dezember 2019). In Bezug auf das
Ereignis vom 8. Juni 2017 steht ein Unfallhergang mit einer indirekten
Gewalteinwirkung bzw. einer plötzlichen körpereigenen Kraftanstrengung auf das
Schultergelenk nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest.
Die Beschwerdeführerin schilderte das fragliche Unfallereignis am 5. Oktober 2017
folgendermassen: "Ich wollte an diesem Tag aus der Badewanne steigen, sprich ich lag
mit den Füssen nach unten in der Badewanne und wollte nach links aussteigen. Dazu
mit der rechten Hand am Badewannenrand abgestützt, als ich dann aufstehen wollte,
bin ich mit der rechten Hand abgerutscht und folglich mit meiner rechten Schulter -
Arm war angelegt - voll an den Badewannengriff geknallt und zurück in die Badewanne
gerutscht" (Suva-act. III/16). Die Beschwerdeführerin beschreibt damit - wie in den
kreisärztlichen Beurteilungen festgestellt (Suva-act. III/25, III/35) - ein direktes
Kontusionstrauma der rechten Schulter mit angelegtem Arm. Das im Arztzeugnis UVG
vom 11. September 2017 vermerkte "Abstütztrauma" beim Ausrutschen (Suva-act. III/
7) bezieht sich somit wohl kaum auf ein Auffangen eines Sturzes, sondern auf den
Moment, als sich die Beschwerdeführerin, um aufzustehen, am Badewannenrand
abstützte. In den kreisärztlichen Beurteilungen wird der vorliegend geschilderte
Verletzungsmechanismus angesichts des vorgängig Gesagten nachvollziehbar und
überzeugend als nicht überwiegend wahrscheinlich geeignet betrachtet, die im MRI am
8. September 2017 erhobenen Läsionen der rechten Schulter (Suva-act. III/9) zu
verursachen.
Angesichts der Darlegungen in den Erwägungen 3.3 bis 3.6 und im Sinne der
überzeugenden kreisärztlichen Beurteilungen ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sich die Beschwerdeführerin
beim Unfall vom 8. Juni 2017 keine Rotatorenmanschettenläsion und Pulley-Läsion mit
Oberrandläsion des Musculus subscapularis in der rechten Schulter zugezogen hat.
Vielmehr ist bezüglich der vorgenannten Schädigungen von einem degenerativen
Vorzustand auszugehen.
3.7.
Trifft ein Unfall auf einen vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder richtungsgebende
Verschlimmerung des Vorzustandes in Betracht (vgl. Erwägung 3.4).
4.1.
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Eine richtungsgebende Verschlimmerung liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn
medizinischerseits feststeht, dass weder der Status quo sine noch der Status quo ante
je wieder erreicht werden können (vgl. André Nabold in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser
[Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Sozialversicherungsrecht, UVG
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Bern 2018, N 54 zu Art. 6 [nachfolgend:
UVG-Kommentar]; Irene Hofer in: Frésard-Fellay/Leuzinger/Pärli [Hrsg.], Basler
Kommentar, Unfallversicherungsgesetz, Basel 2019, N 71 zu Art. 6 [nachfolgend:
Basler Kommentar]; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 mit Hinweis; Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2015, 8C_484/2014, E. 2.1). Auch eine teilkausale
Bedeutung des Unfallereignisses im Sinne einer richtungsgebenden, mithin dauernden
Verschlimmerung der vorbestehenden degenerativen Gesundheitsschäden ist jedoch
im vorliegenden Fall nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen. Genauso wie eine unfallbedingte strukturelle Läsion als objektiviert gilt,
wenn sie durch einen entsprechenden apparativen/bildgebenden
Untersuchungsbefund (insbesondere Röntgen, MRT, CT, Arthroskopie) erhoben wird
bzw. bestätigt werden kann (vgl. Erwägung 3.1), gilt dies grundsätzlich für eine
richtungsgebende Verschlimmerung eines Vorzustandes, bei einer Arthrose
beispielsweise in Form eines höheren Schweregrades oder bei einem vorbestehenden
Rotatorenmanschettenriss in Form einer Vergrösserung des ersten Risses. Eine
unfallkausal richtungsgebende Verschlimmerung wird in Bezug auf die vorliegenden
erhobenen strukturellen Gesundheitsschäden in den kreisärztlichen Beurteilungen
offensichtlich nicht in Erwägung gezogen. Für eine solche bleibt bei der umfassenden
degenerativen Problematik der Beschwerdeführerin im rechten Schultergelenk auch
kaum Raum. Das gegenüber demjenigen im Jahr 2016 nach dem Unfallereignis vom 8.
Juni 2017 ergänzte Befundbild ist ohne Weiteres als Degenerationsprozess erklärbar,
wie er innerhalb eines Jahres verlaufen kann (vgl. Erwägung 3.5). Auch die Annahme
einer richtungsgebenden Verschlimmerung drängt sich daher nicht auf.
4.2.
Die Beschwerdegegnerin hat indes ihre Leistungspflicht für eine durch das
Kontusionstrauma vom 8. Juni 2017 erlittene vorübergehende unfallkausale
Gesundheitsschädigung anerkannt.
4.3.
Von einer vorübergehenden Verschlimmerung eines Vorzustandes wird dann
gesprochen, wenn Unfallfolgen bzw. deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im
Rahmen des posttraumatischen Verlaufs nie konkret beschrieben bzw. radiologisch als
strukturelle Verletzung der Gelenke oder Knochen sichtbar gemacht werden können. In
solchen Fällen wird bei einem geeigneten bzw. adäquaten Ereignis in einer ersten
Phase davon ausgegangen, dass dieses eine schädigende Wirkung auf den Körper
4.3.1.
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habe. Die aufgetretenen bzw. ausgelösten Beeinträchtigungen werden, obwohl sie
möglicherweise weiterbestehen, nach einer gewissen Zeit gestützt auf medizinische
Erfahrung aber nicht mehr dem Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in
diesen Fällen nur den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie
hat bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante Leistungen für das unmittelbar im
Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Als Beispiel
dafür gelten insbesondere Kontusionsfolgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26.
Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5., 9. Januar 2012, 8C_601/2011, E. 3.2, und 24. Juni
2008, 8C_326/2008, E. 3.2 und 4; vgl. auch Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 f.; vgl.
dazu UVG-Kommentar, a.a.O., Art. 6 N 57). Bei einer Kontusion handelt es sich um
eine Weichteilverletzung, die insbesondere klinisch objektivierbare Folgen zeitigen kann
(Hämatome, Schwellungen, Druckdolenzen, Bewegungseinschränkungen,
Muskelverhärtungen [vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 412; Roche Lexikon, a.a.O., S.
357]). Wie dargelegt, vermag jedoch eine Kontusion auch einen zuvor stummen
degenerativen Vorzustand nur zu aktivieren. Der Unfallversicherer übernimmt die
Leistungen bis zur Heilung der spezifischen Kontusionsfolgen und/oder - wie bereits
erwähnt - den durch ein Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub.
Beim Nachweis des Zeitpunkts des Dahinfallens von Unfallfolgen handelt es sich
um einen hypothetischen Zustand, der sich - wie gesagt - häufig nur anhand der
medizinischen Erfahrung bestimmen lässt. Die medizinische Erfahrung bezieht sich auf
den Regelfall, d.h. auf medizinische Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich
dargestellt haben. Eine Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht
ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche präsentieren. In diesem Sinne ist
die Bezugnahme auf medizinische Erfahrungssätze dann ungenügend, wenn im
konkreten Fall Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass diese nicht zutreffen. Eine
Kontusion respektive Weichteilverletzung, die - wie im vorliegenden Fall - nicht von
einer strukturellen Läsion begleitet ist, heilt nach der medizinischen Erfahrung auch
ohne spezifische Behandlung innert kurzer Zeit ab und die damit verbundenen
Beschwerden bilden sich demzufolge gänzlich zurück (Debrunner, a.a.O., S. 412). Die
Schlussfolgerung in den kreisärztlichen Beurteilungen, der Status quo sine vel ante sei
im vorliegenden Fall spätestens Ende August 2017, d.h. also nach rund zwei Monaten,
erreicht gewesen, überzeugt. Sie findet in der Erfahrungsmedizin eine Stütze und es
ergeben sich auch aus der medizinischen Aktenlage keine Hinweise, welche Anlass
bieten würden, von dieser Einschätzung abzuweichen. Laut Arztzeugnis UVG vom 11.
September 2017 begab sich die Beschwerdeführerin erstmals rund drei Wochen nach
dem Unfallereignis in ärztliche Behandlung. Eine medizinische Echtzeitdokumentation
4.3.2.
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5.
mit einer klinischen Befundung fehlt (Suva-act. III/7) und eine Arbeitsunfähigkeit
bestand erst ab 4. September 2017 (vgl. Suva-act. III/1, III/12). Vor diesem Hintergrund
ist von einem Regelfall auszugehen.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 22. März 2018 (Suva-act. III/53), mit
welchem die Beschwerdegegnerin für die Schulterproblematik rechts ihre Leistungen
per 31. August 2017 eingestellt und eine weitergehende Leistungspflicht abgelehnt hat,
ist damit nicht zu beanstanden.
4.4.
Streitig und zu prüfen ist sodann die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin in
Bezug auf die aktenkundige Knieproblematik rechts. So macht die Beschwerdeführerin
geltend, sie habe sich beim Unfall vom 8. Juni 2017 neben der Schulterverletzung
rechts auch eine Knieverletzung rechts zugezogen.
5.1.
Es ist offensichtlich, dass in der Regel nur ein vom Unfall betroffener Körperteil
eine unfallbedingte Verletzung mit nachfolgenden Beschwerden zeitigen kann. Zu
prüfen ist somit insbesondere der Unfallmechanismus bzw. ob respektive inwieweit
beim Versuch der Beschwerdeführerin, aus der Badewanne auszusteigen, auch das
rechte Knie tangiert worden ist. Die Beschwerdeführerin machte am 5. Oktober 2017
gegenüber der Beschwerdegegnerin folgende Schilderung: "Da ich ja bereits am
rechten Fuss Schmerzen hatte, habe ich diesen beim Versuch, aufzustehen, wohl auch
nicht voll belastet und habe mir beim Abrutschen zurück in die Badewanne, zusätzlich
das rechten Knie verdreht. Sprich Unterschenkel glitt nach innen (wie im Schneidersitz)
und dabei habe ich einen Knacks im rechten Knie verspürt, ein Knacken wie wenn man
sich im Alltag bückt, respektive in die Knie geht" (Suva-act. III/16). Allerdings vermag
die alleinige Schilderung eines konkreten Sachverhalts noch keinen überwiegend
wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zwischen einer Knieproblematik und einem an
sich erlittenen Unfall zu begründen.
5.2.
5.3.
Eine Verletzung führt regelmässig zu Schmerzen, welche unmittelbar im
Anschluss an den Unfall oder zumindest unfallnah wahrgenommen und im Rahmen
einer ärztlichen Untersuchung beschrieben und diagnostiziert werden. Die
Anforderungen an den Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs im Grad der
Wahrscheinlichkeit sind strenger, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall
und dem Eintritt bzw. der Objektivierung einer Schädigung ist (Urteil des
5.3.1.
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Bundesgerichts vom 26. September 2008, 8C_102/2008, E. 2.2). Dieser Grundsatz ist
insbesondere in denjenigen Fällen zu beachten, in welchen nach einer längeren
Latenzzeit radiologisch nur Befunde erhoben werden konnten, welche keiner
eindeutigen frischen Verletzung wie einer Fraktur oder ligamentären Ruptur
entsprechen, sondern verschiedene Ursachen - traumatische, degenerative oder
krankhafte - haben können (vgl. nachfolgende Erwägung 5.3.2). Angesichts des
Gesagten bilden also im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung die Unfalldiagnose bzw.
die echtzeitlich erhobenen Befunde, die subjektiv geltend gemachten Beschwerden
und folgerichtig der zeitliche Ablauf entscheidende Kriterien für die Beurteilung der
Ursächlichkeit einer Gesundheitsschädigung. Gerade diese lassen jedoch im konkreten
Fall massgebende Zweifel an einer Unfalleinwirkung auf das rechte Knie am 8. Juni
2017 aufkommen.
Dr. I._ nahm in seiner ärztlichen Beurteilung vom 17. März 2018 (Suva-act. III/
52) die vorgenannten Kriterien auf. Er wies in Übereinstimmung mit der Darstellung der
Beschwerdeführerin vom 5. Oktober 2017 bzw. in Anbetracht der weiteren Akten auf
die Tatsache hin, dass das Kniegelenk nicht angeschwollen sei (Suva-act. III/16) und im
Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 8. Juni 2017 auch keine weiteren
Abklärungen in Bezug auf das rechten Kniegelenk erfolgt seien. Laut Arztzeugnis UVG
vom 11. September 2017 gab die Beschwerdeführerin anlässlich der Erstbehandlung
vom 30. Juni 2017 einzig Schmerzen im Bereich der rechten Schulter an (Suva-act. III/
7). Auch laut Schadenmeldung UVG der Kantonalen Arbeitslosenkasse vom 5.
September 2017 erlitt diese beim Unfall vom 8. Juni 2017 nur eine Verletzung an der
rechten Schulter. Das rechte Knie wurde als betroffener Körperteil nicht genannt (Suva-
act. III/1). Erstmalig Erwähnung fanden die Kniebeschwerden im Konsultationsbericht
von Dr. E._ vom 4. September 2017. Darin wurde ausgeführt, dass die Vorstellung
der Beschwerdeführerin am selben Tag wegen Schulter- und Kniebeschwerden erfolgt
sei. Dabei fällt auf, dass anamnestisch im Bericht nicht der Unfall vom 8. Juni 2017,
sondern - wenn auch mit anderem Datum - offensichtlich der Fahrradunfall vom 16.
Mai 2017 beschrieben wurde. Dr. E._ erhob als Befunde Druckdolenzen über dem
medialen Femorotibialgelenk mit entsprechend auch provozierbaren Meniskuszeichen
sowie eine diskrete Druckdolenz postero-medial im Bereich der Baker Zysten-
Lokalisation und diagnostizierte den Verdacht auf eine Innenmeniskusläsion mit
symptomatischer Baker Zyste Knie rechts mit/bei Status nach dreimaliger
Kniegelenksarthroskopie 2006 und Status nach Distorsionstrauma vom 24. Mai 2017
(Suva-act. III/6). Im konkreten Fall besteht mithin zwischen Unfallereignis und
erstmaliger Dokumentation von Kniegelenksbeschwerden rechts eine dreimonatige
5.3.2.
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6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Entsprechend dem Verfahrensausgang hat
die Beschwerdeführerin auch keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.