Decision ID: 37497283-1476-49f4-b8e5-cc0cc6d79d7a
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, erlitt am _ 2006 als Beifahrer einen Verkehrsunfall, bei dem er selbst
schwer verletzt, seine schwangere Ehefrau, die Ehefrau seines Cousins sowie dessen
dreijähriger Sohn getötet wurden (siehe Verkehrsunfallanzeige vom _ 2006 2006, IV-
act. 4). Am 31. Mai 2007 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen an
(IV-act. 1).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 19., 21. und 29. Februar 2008
polydisziplinär (neurologisch, orthopädisch und psychiatrisch) im SMAB Swiss Medical
Assessment- and Business-Center begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:
F43.1) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit leichter bis
mittelgradiger depressiver Episode (ICD-10: F33.1). Sowohl für die angestammte
Tätigkeit als Gipser als auch für eine Verweistätigkeit bescheinigten sie eine 50%ige
Arbeits-fähigkeit (Gutachten vom 3. April 2008, IV-act. 47). RAD-Arzt Dr. med. B._,
Facharzt für Arbeitsmedizin, hielt die gutachterliche Beurteilung für beweiskräftig. Für
die Zeit von Juni 2006 bis Januar 2008 sei von einer 100%igen und ab Februar 2008
von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Stellungnahme vom 5. Mai 2008,
IV-act. 48). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die IV-Stelle dem
Versicherten mit Wirkung ab 1. Juni 2007 eine halbe Rente zu (Verfügungen vom
3. April 2009, IV-act. 83 f.). Die dagegen erhobene Beschwerde vom 19. Mai 2009 (IV-
act. 86) hiess das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 27. Mai 2011, IV 2009/173,
teilweise gut. Es hob die Verfügungen vom 3. April 2009 auf und wies die Streitsache
zur Vornahme weiterer (neurologischer und psychiatrischer) Abklärungen und neuen
Verfügung an die IV-Stelle zurück (IV-act. 103).
A.c Im Revisionsfragebogen vom 5. Juli 2011 gab der Versicherte an, sein
Gesundheitszustand habe sich seit 2010 verschlechtert. Er orientierte die IV-Stelle,
dass er im Stundenlohn und je nach psychischem Zustandsbild 10 bis 12 Stunden pro
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Woche einer Erwerbstätigkeit bei einem Gipser- und Leichtbaumontageunternehmen
nachgehe (IV-act. 109). Dr. med. C._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, führte im
Verlaufsbericht vom 5. Juli 2011 aus, der Gesundheitszustand des Versicherten sei
stationär. Für eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigte er eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 113). Der behandelnde Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, berichtete am 18. Juli 2011, der Gesundheitszustand des
Versicherten habe sich verschlechtert. Der Verlauf sei sehr labil mit schweren
depressiven Einbrüchen. Dann sei er jeweils 100% arbeitsunfähig. In "guten" Zeiten
vermöge er eine Arbeitsfähigkeit von 20% als Gipser zu realisieren (IV-act. 117; zum
Zwischenzeugnis der Arbeitgeberin vom 20. Februar 2012 siehe IV-act. 129).
A.d Am 14. Februar 2012 beauftragte die IV-Stelle Dr. med. E._, Arzt für Neurologie
und Psychiatrie, mit einer bidisziplinären Begutachtung des Versicherten (IV-act. 126).
Dr. D._ orientierte den Gutachter mit Bericht vom 2. April 2012 über den
Gesundheitszustand des Versicherten (IV-act. 132-117 ff.). U.a. gestützt auf eine
persönliche Untersuchung des Versicherten vom 17. April 2012 diagnostizierte
Dr. E._ eine Wesensänderung (ICD-10: F06.9) und/oder eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0), ein depressives
Syndrom, mittelgradige Ausprägung (ICD-10: F32.1), Stimmungsschwankungen
(ICD-10: F32.9) und eine Reizbarkeit (ICD-10: R45.4), Ein- und Durchschlafstörungen
(ICD-10: G47.0) und einen chronischen Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10:
F13.1). Für die Tätigkeit als Gipser sowie eine Verweistätigkeit bescheinigte Dr. E._
eine 35%ige Arbeitsfähigkeit. Für die Zeit ab Unfalldatum bis zur polydisziplinären
Begutachtung vom Februar 2008 sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen. Danach könne bis zur aktuellen Begutachtung in ungefährer Abstimmung
mit der Einschätzung des behandelnden Psychiaters von einer 70%igen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Die gutachterliche Einschätzung der
beruflichen Leistungsfähigkeit erfolge unter Berücksichtigung des (im letzten Abschnitt)
diskutierten bewusstseinsnah verankerten Anteils der Bemühungen des Versicherten
um eine besonders deutliche Darstellung seiner Beschwerden (Gutachten vom 23. April
2012 [Datum Posteingang IV-Stelle], IV-act. 132). RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt für
Prävention und Gesundheitswesen, hielt das Gutachten von Dr. E._ für umfassend,
schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei. Der Gutachter weise auf zahlreiche
Inkonsistenzen im Verhalten des Versicherten hin. Diese Inkonsistenzen stellten
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Unsicherheitsfaktoren in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit dar, die medizinisch nicht
weiter geklärt werden könnten (Stellungnahme vom 9. Mai 2012, IV-act. 133). Am
28. September 2012 wurde das Arbeitsverhältnis des Versicherten als Gipser aufgelöst
(IV-act. 140). Auf Nachfrage des Sachbearbeiters ergänzte RAD-Arzt Dr. F._ am
6. November 2012, angesichts der Inkonsistenzen erachte er einen
Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als ausgewiesen (IV-act. 142).
A.e Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
stellte die IV-Stelle dem Versicherten im Vorbescheid vom 15. November 2012 die
Abweisung des Rentengesuchs und die sofortige Einstellung der laufenden halben IV-
Rente in Aussicht (IV-act. 146). Dagegen erhob der Versicherte am 8. Januar 2013
Einwand (IV-act. 147) und reichte einen konsiliarischen Untersuchungsbericht von
Dr. med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 31. März 2012 ein. Dieser
diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), eine
chronisch rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig ausgeprägt (ICD-10:
F33.1) und eine andauernde posttraumatische Persönlichkeitsänderung (ICD-10:
F62.0). Der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 147-8 ff.). Am 22. Januar
2013 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs und die sofortige
Einstellung der laufenden halben Rente. Auf eine Rückforderung der zu Unrecht
ausbezahlten Rentenleistungen werde verzichtet. Einer Beschwerde entzog sie die
aufschiebende Wirkung (IV-act. 148).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 22. Januar 2013 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 22. Februar 2013. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei festzustellen, dass die
Voraussetzungen für eine Einstellung der Rentenleistungen nicht erfüllt sind. Die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm rückwirkend ab dem 1. Juni 2007 eine
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auszurichten.
Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm weiterhin eine
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 50% auszurichten. Es sei auf
die von Dr. E._ bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten abzustellen (act. G 1). Mit der
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Beschwerde hat der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. D._ vom 24. Januar
2013 eingereicht (act. G 1.2).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 14. Mai 2013
die Abweisung der Beschwerde. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen
vorzunehmen. Sie verneint im Wesentlichen das Vorliegen eines invalidisierenden
psychischen Gesundheitsschadens (act. G 4).
B.c In der Replik vom 17. Juni 2013 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 6) und legt eine Stellungnahme von Dr. D._ zur
Beschwerdeantwort vom 3. Juni 2013 ins Recht (act. G 6.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat die Frist für eine Duplik unbenützt verstreichen
lassen (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers. Hinsichtlich der massgebenden rechtlichen Grundlagen kann
auf den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 27. Mai 2011, IV 2009/173, E. 1 und
2.1 ff., verwiesen werden (IV-act. 103-8 ff.).
2.
Zunächst ist zu beurteilen, ob der medizinische Sachverhalt hinreichend abgeklärt
worden ist.
2.1 Im Nachgang zum Rückweisungsentscheid vom 27. Mai 2011 holte die
Beschwerdegegnerin ein bidisziplinäres (neurologisches und psychiatrisches)
Gutachten bei Dr. E._ ein. Bei der Würdigung des Gutachtens von Dr. E._ vom
23. April 2012 (IV-act. 132) fällt ins Gewicht, dass es auf eigenständigen Abklärungen
beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die medizinischen Vorakten
wurden verwertet und die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden
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berücksichtigt und gewürdigt. Die darin über den Zeitverlauf bescheinigten
Arbeitsunfähigkeiten leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein.
2.2 Zu beachten gilt es vorab, dass auf das im Vordergrund stehende Leiden
"Wesensveränderung (F06.9) und/oder andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung (F62.0)" (IV-act. 132-12) die Rechtsprechung gemäss BGE 130 V 352
keine Anwendung findet. Die entsprechenden Überwindbarkeitskriterien sind deshalb
nicht zu prüfen (siehe betreffend die Diagnose nach ICD-10: F62.0 Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Februar 2015, 8C_538/2014, E. 4.2.3). Gleiches gilt des
Weiteren für die an zweiter Stelle genannte Diagnose (depressives Syndrom,
mittelgradige Ausprägung [ICD-10: F32.1]). Die beiden genannten psychischen Leiden
sind auf Grund klinischer psychiatrischer Untersuchungen klar diagnostiziert worden
und sind damit überprüf- bzw. objektivierbar im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 29. September 2014, 8C_371/2014, E. 5.2.1). Der
Vollständigkeit halber ist zu bemerken, dass Dr. E._ die Überwindbarkeitskriterien
schlüssig bejaht und als einzige mögliche Ressource das "basal erhaltene familiäre
Umfeld" erwähnt hat (IV-act. 132-14).
2.3 Die Beschwerdegegnerin anerkennt im Beschwerdeverfahren im Einklang mit den
aktenkundigen aussergewöhnlich schweren Unfallumständen und -folgen (schwere
Verletzung des Beschwerdeführers mit anschliessendem Koma, Tod seiner
schwangeren damaligen Ehefrau [die er noch rufen gehört habe], des dreijährigen
Sohns seines Cousins [der wie der Beschwerdeführer aus dem Auto geschleudert
wurde und den der Beschwerdeführer im schwerstverletzten Zustand noch sah] sowie
der Mutter des Kleinkinds, Erwachen aus dem Koma erst nach der Beerdigung der
Ehefrau, IV-act. 4, 32-2 und 47-23) und den fachpsychiatrisch erhobenen Diagnosen
der Dres. E._, D._, G._ und des psychiatrischen Teilgutachters der SMAB zu
Recht, dass das Unfallereignis am _ 2006 geeignet ist, eine invalidisierende
posttraumatische Belastungsstörung zu verursachen, die wiederum einen stabilen
seelischen Defektzustand in Form einer Persönlichkeitsänderung auslösen kann (act.
G 4, Rz 2).
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2.4 Gegen einen invalidisierenden Gesundheitsschaden wendet die
Beschwerdegegnerin ein, der Beschwerdeführer habe bereits am 30. November 2007
erneut geheiratet und sei inzwischen Vater von zwei Kindern geworden. Zudem arbeite
der Beschwerdeführer seit Januar 2010 teilzeitlich auf seinem angestammten Beruf als
Gipser und erziele ein Erwerbseinkommen von rund Fr. 1'500.-- (act. G 4, Rz 2).
2.4.1 Die Beschwerdegegnerin legt weder schlüssig dar noch ist erkennbar, weshalb
die genannten Umstände ein Abweichen von der beweiskräftigen gutachterlichen
Beurteilung - die mit der medizinischen Voraktenlage vereinbar ist - rechtfertigen. Ohne
sich auf medizinischen Sachverstand zu stützen, sondern vielmehr im Widerspruch zu
sämtlichen fachpsychiatrischen Beurteilungen, setzt sie ihre eigene, in freier Würdigung
gewonnene Einschätzung über die wiederholt in den Akten bestätigte medizinische
Fachmeinung und die darin (im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG objektiv) ausgewiesenen
Folgen der komplexen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Sie hat dabei verkannt,
dass die von ihr genannten Umstände Dr. E._ bekannt waren und er diese bei seiner
Beurteilung plausibel miteinbezog (gleiches gilt sodann mit Blick auf die Beurteilungen
der Dres. G._ und D._ sowie - betreffend die neuerliche Ehe - des psychiatrischen
Teilgutachters des SMAB). Dabei ist eine Fehleinschätzung durch die medizinischen
Experten weder näher begründet noch ersichtlich.
2.4.2 Betreffend die Wiederverheiratung gilt es sodann zu beachten, dass der
Beschwerdeführer die damalige Freundin geheiratet habe, als er erfuhr, dass sie von
ihm schwanger gewesen sei (IV-act. 47-23). Im vierten Schwangerschaftsmonat habe
die Frau das Kind verloren. Dies führte zu einer schweren Krise beim Beschwerdeführer
(IV-act. 47-23; "seit dem geht es ihm psychisch noch schlechter", IV-act. 47-8;
"Destabilisierung und Sinnentleerung", IV-act. 47-28). Der psychische
Gesundheitszustand verbesserte sich aus medizinischer Sicht infolge der Heirat "nur
anfangs ein wenig" (IV-act. 132-18). Hinzu kommt, dass die Ehefrau gemäss
unbestritten gebliebener Aussage von Dr. D._ an Minderintelligenz und Depressionen
leidet (IV-act. 132-18), mithin die familiäre Situation insgesamt hinsichtlich einer
allenfalls positiven Wirkung als äusserst beschränkt erscheint, was die überzeugenden
Ausführungen von Dr. D._ im Bericht vom 3. Juni 2013 bestätigen (act. G 6.1:
Beziehung gestalte sich schwierig, mit Kindern "komplett überfordert"). Eine
medizinisch relevante, andauernde Verbesserung durch die Heirat oder die Geburt der
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Kinder ist ferner nicht ausgewiesen. Damit geht einher, dass Dr. E._ das familiäre
Umfeld (lediglich) als "basal" bezeichnet, als mögliche Ressource und fördernder
Faktor berücksichtigt hat (IV-act. 132-14) und den Beschwerdeführer trotzdem für 65%
arbeitsunfähig hielt. Es erscheint ferner nachvollziehbar und nicht gegen das Vorliegen
eines schweren psychischen Gesundheitsschadens zu sprechen, dass der
Beschwerdeführer sich erhofft hat, im Aufbau einer neuen Familie Halt und Stütze zu
finden, nicht zuletzt um sich von den schwer traumatischen Erlebnissen abzulenken
bzw. diese irgendwann bewältigen zu können. Entscheidend ist in diesem
Zusammenhang, dass ihm gemäss einhelliger medizinischer Aktenlage eine
Bewältigung des Gesundheitsschadens bzw. von dessen Folgen bislang nicht
gelungen ist.
2.4.3 Was die (bescheidene) erbrachte Arbeitsleistung als Hilfsarbeiter für Gipser
tätigkeiten anbelangt, so bleibt zu ergänzen, dass diese mit der gutachterlichen
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (35%ige Arbeitsfähigkeit für die angestammte
Tätigkeit) vereinbar ist und keinen Zweifel daran weckt. Hinzu kommt, dass im SMAB-
Gutachten ausgeführt wurde, dass eine vollständige Arbeitsunfähigkeit "als
kontraproduktiv für den weiteren Heilungsverlauf angesehen werden" müsse (IV-
act. 47-12; zum empfohlenen Arbeitsversuch siehe IV-act. 47-14). Die Aufnahme der
Hilfsarbeitertätigkeit als Gipser in einem leistungsmässig geringfügigen Rahmen und
bei einer verständnisvollen Arbeitgeberin (Gesamtarbeitsleistung von 10% bis 20%;
Einsatz nach dem Befinden des Beschwerdeführers, IV-act. 129 und 132-18; siehe
auch das Kündigungsschreiben vom 28. September 2012, IV-act. 140) war demnach
allein schon aus therapeutischer Sicht angezeigt und unterstreicht die Ernsthaftigkeit
des Beschwerdeführers zur Verarbeitung seines schweren psychischen Leidens. Die
teilweise Arbeitsaufnahme ist damit vor allem eine therapeutisch sinnvolle Massnahme
(von Dr. D._ als "Glücksfall" bezeichnet, IV-act. 132-18), zumindest aber - entgegen
der Auffassung der Beschwerdegegnerin - kein Indiz für eine vollständige
Erwerbsfähigkeit, zumal das Arbeitsverhältnis arbeitgeberinnenseits am 28. September
2012 per sofort aufgelöst wurde (IV-act. 140). Diese Betrachtungsweise wird dadurch
bekräftigt, dass Dr. G._ ausführte, "ganz wichtig für die psychische Verfassung und
zur Vermeidung einer weiteren Verschlechterung ist seine aktuelle Beschäftigung in der
Baufirma, welche einem beschützten Arbeitsplatz gleichkommt" (IV-act. 140-10).
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Dr. E._ erwähnte sodann die Arbeitstätigkeit nicht als mögliche Ressource (vgl. IV-
act. 132-14).
2.5 Die Beschwerdegegnerin begründet die von ihr angenommene vollständige
Arbeitsfähigkeit bzw. die Verneinung jeglichen relevanten Gesundheitsschadens des
Weiteren mit den von Dr. E._ dargestellten Inkonsistenzen (IV-act. 142 und act. G 4,
Rz 2).
2.5.1 Vorweg ist zu präzisieren, dass sich die von Dr. E._ aufgeführten Zweifel einzig
auf die durchgehende "Plausibilität der teilweise vorgetragenen, überwiegend aber
demonstrierten Beschwerden und Einschränkungen" beziehen (IV-act. 132-13; wenige
Sätze später: "Die aus diesen Besonderheiten und Inkonsistenzen abgeleiteten Zweifel
an der Plausibilität der vorgetragenen und demonstrierten Beschwerden werden [...]"),
mithin allein einen Teil der verbalen und non verbalen Leidenspräsentation durch den
Beschwerdeführer beschlagen. Dr. E._ stellt namentlich darüber hinaus keinen Bezug
hinsichtlich der von ihm auf der gleichen Gutachtensseite objektiv festgestellten
Funktionsbeeinträchtigungen her ("Auf der Ebene von Fähigkeiten und Aktivitäten führt
die Gesamtheit der psychischen Störungen zu einer erheblich verminderten Fähigkeit
[...]; "Die Auswirkung der vorgenannten Störungen und Einschränkungen auf die Ebene
von Teilhabe und Partizipation sowohl in der Arbeit wie im ausserberuflichen Alltag ist
erheblich.", IV-act. 132-13). Im Übrigen beschrieb Dr. E._ den Beschwerdeführer als
"eher älter wirkend" und er stellte "bezogen auf das Lebensalter, markante
Tränensäcke" fest (IV-act. 132-8). Es geht aus dem Gutachten klar hervor, dass
Dr. E._ zwischen subjektiven Angaben und objektiven eigenen Wahrnehmungen bei
der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung zu unterscheiden wusste. Die Beschwerdegegnerin,
wie auch RAD-Arzt Dr. F._ (IV-act. 142; siehe hierzu nachfolgende E. 2.5.2), haben
bei ihrer Auffassung denn auch übersehen, dass der Gutachter die Inkonsistenzen
nicht bloss beschrieb, sondern ihnen auch im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
ausdrücklich Rechnung getragen hat (IV-act. 132-14). Dr. E._ bescheinigte denn
auch nicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, sondern ab dem Datum der
Begutachtung immerhin eine Restarbeitsfähigkeit von 35%. Es kann damit keine Rede
davon sein, Dr. E._ habe im Wesentlichen auf die fraglichen subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers abgestellt bzw. die bescheinigte Leistungsbeeinträchtigung beruhe
auf Aggravation oder einem ähnlichen Verhalten, zumal die von ihm bescheinigte
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Arbeitsfähigkeit über der vom Beschwerdeführer (damals noch) erbrachten
Arbeitsleistung (10 bis 20%, IV-act. 129) liegt. Zu ergänzen bleibt, dass Dr. E._ die
Inkonsistenzen als "bewusstseinsnah verankerten Anteiles der Bemühungen des
Versicherten um eine besonders deutliche Darstellung seiner Beschwerden"
interpretierte (IV-act. 132-14). Mit anderen Worten handelt es sich um blosse
Verdeutlichungstendenzen bzw. den Versuch, den Gutachter vom Vorhandensein der
Beschwerden zu überzeugen.
2.5.2 Was schliesslich die Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. F._ vom 6. November
2012 anbelangt, worin er allein unter Hinweis auf nicht näher konkretisierte
Inkonsistenzen a priori und ohne eine würdigende Einordnung der Inkonsistenzen
jegliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit durch das polymorbide psychische
Leidensbild verneint (IV-act. 142), so geht ihr jegliche Aussagekraft ab. Denn die
rudimentär begründete Auffassung des RAD-Arztes stützt sich weder auf
psychiatrische Fachkenntnisse noch auf eine eigene Untersuchung des
Beschwerdeführers. Die Verneinung jeglicher Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
steht im Widerspruch zur gesamten medizinischen Voraktenlage, in der u.a. RAD-Arzt
Dr. B._ (IV-act. 48) und mehrere fachkompetente psychiatrische Experten den Fall
des Beschwerdeführers dahingehend beurteilten, dass ein schwerer psychischer
Gesundheitsschaden und eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit bestehen (IV-act. 132-14,
132-17 ff. und 47-27; vgl. ferner 147-8 ff.). Wie bereits erwähnt (siehe vorstehende
E. 2.5.1), hat Dr. E._ den Inkonsistenzen in der Leidensschilderung des
Beschwerdeführers im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung hinreichend Rechnung
getragen. RAD-Arzt Dr. F._ legt sodann weder dar noch ist erkennbar, dass die
medizinische Einordnung der Inkonsistenzen durch Dr. E._ mangelhaft ist.
2.6 Nach dem Gesagten besteht weder aus medizinischer noch rechtlicher Sicht
Anlass, bei der Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit gemäss Art. 7 ATSG von der
Einschätzung von Dr. E._ abzuweichen. Es ist daher von folgenden
Arbeitsunfähigkeiten auszugehen: 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom _ 2006
(Unfalldatum) bis 21. Februar 2008 (Datum der psychiatrischen Begutachtung im
SMAB, IV-act. 47-22; von Dr. E._ versehentlich auf den 24. Februar 2008 datiert);
70%ige Arbeitsunfähigkeit ab 22. Februar 2008 bis zur Begutachtung durch Dr. E._
vom 17. April 2012; 65%ige Arbeitsfähigkeit ab 17. April 2012 (IV-act. 132-15).
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3.
Zu beurteilen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der bescheinigten
Arbeitsunfähigkeiten.
3.1 Angesichts dessen, dass keine repräsentative Grundlage für die Bestimmung des
Valideneinkommens besteht (siehe zu den stark schwankenden Einkommen sowie
längeren Phasen des Bezugs von Arbeitslosenentschädigung den IK-Auszug, IV-
act. 17) hat die Beschwerdegegnerin, wie bereits bei der ursprünglichen Zusprache
einer halben Rente (siehe Verfügungsteil 2, IV-act. 76) zu Recht faktisch einen
Prozentvergleich vorgenommen (IV-act. 148-2).
3.2 Damit bleibt lediglich noch die Frage nach einem allfälligen Tabellenlohnabzug zu
beantworten.
3.2.1 Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind,
im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden
Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass
weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter,
Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2).
3.2.2 Angesichts der selbst bei der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einem
Gipsergeschäft (IV-act. 11-5 und 20-2) zu beachtenden, sich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt lohnwirksam auswirkenden
qualitativen Beeinträchtigungen auf der Fähigkeitsebene (IV-act. 132-13), insbesondere
auch das Fehlen von Leistungsdruck (siehe act. G 6.1, S. 1, IV-act. 117-3 ["nicht
belastbar"] und 132-13 [Beeinträchtigung in der Ausdauer und im Durchhalten]; vgl.
auch IV-act. 47-14 und -28), erscheint ein Tabellenlohnabzug von (höchstens) 10%
angemessen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013,
E. 3.4). Bei einem 10%igen Tabellenlohnabzug und bei einer 30%igen bzw. (ab
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17. April 2012) 35%igen Restarbeitsfähigkeit resultiert ein Invaliditätsgrad von 73%
(70% + [30% x 10%]) bzw. (ab 17. April 2012) von aufgerundet 69% (65% + [35%
x 10%]). Der Beschwerdeführer hat damit ab dem von der Beschwerdegegnerin korrekt
ermittelten Rentenbeginn vom 1. Juni 2007 (IV-act. 84-1) unter Berücksichtigung der
bei der Rentenanpassung gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) geltenden dreimonatigen Frist bis 31. Juli 2012
Anspruch auf eine ganze Rente. Ab 1. August 2012 hat er einen Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 22. Januar 2013 aufzuheben
und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juni 2007 bis 31. Juli 2012 eine ganze
Rente und ab 1. August 2012 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der
Rentenhöhe und Ausrichtung der Rentenleistungen ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote
verzichtet. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP