Decision ID: d14bc652-4c3f-45fc-a11f-a8c3aa632713
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft, Hohlstrasse 552, Postfach, 8048 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
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A.
A.a Die 1964 geborene A._ ist im Restaurant B._ tätig und bei der Allianz Suisse
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung der Arbeitgeberin
vom 13. März 2009 erlitt die Versicherte am 11. März 2009 beim Heben einer schweren
Pfanne eine Muskelzerrung am rechten Oberarm (act. G 3.4). Im Frageblatt zur
Verletzung vom 25. März 2009 gab die Versicherte an, beim Heben einer Stielpfanne
mit der rechten Hand habe sie ein "Kläpfli" im Ellenbogen verspürt (act. G 5.1-26).
A.b Mit Arztbericht vom 11. März 2009 hielt Dr. med. C._ von der chirurgischen
Klinik im Spital Herisau fest, die Versicherte habe mit ihrem rechten Arm eine schwere
Pfanne gehoben und plötzlich einen Schmerz im Ellenbogen verspürt. Es bestehe eine
akute Epikondylitis lateralis rechts sowie der Verdacht auf eine Muskelzerrung des
rechten Oberarms. Ein Anhaltspunkt für eine frische Läsion sei mittels Röntgen nicht
ermittelt worden (act. G 5.2-3). Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. D._,
Allgemeinmedizin FMH, attestierte der Versicherten am 23. März 2009 eine
Muskelläsion des rechten Oberarms (act. G 5.2-1).
A.c Mit Verfügung vom 12. Mai 2009 lehnte die Allianz Suisse den Anspruch der
Versicherten auf Versicherungsleistungen ab, da weder ein Unfall im Rechtssinn noch
eine unfallähnliche Körperschädigung bestehe (act. G 3.6). Die dagegen erhobene
Einsprache der Versicherten vom 20. Mai 2009 (act. G 3.7) wies die Allianz Suisse mit
Einspracheentscheid vom 29. Juni 2009 (act. G 3.8) ab.
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid richtet sich die am 10. Juli 2009 eingereichte
Beschwerde (act. G 3.9 und G 4). Die Beschwerdeführerin beantragt sinngemäss, der
Einspracheentscheid sei aufzuheben und das Vorliegen eines Unfalls neu zu
überprüfen. Dies begründet sie damit, dass im Arztzeugnis von Dr. D._ vom 23. März
2009 nie eine nicht eindeutige Muskelzerrung erwähnt worden sei. Ausserdem sei auch
Dr. C._, welche die Diagnose einer Epikondylitis lateralis attestiert hatte, der
Meinung, es habe ein plötzlich herbeigeführtes Ereignis stattgefunden.
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. August 2009 (act. G 5) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Anheben einer Pfanne stelle
offensichtlich keinen Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG dar, da sich dabei nichts
Besonderes oder Unvorhergesehenes ereignet habe. Auch eine unfallähnliche
Körperschädigung sei auszuschliessen, denn das Anheben einer Pfanne sei kein
sinnfälliges Ereignis mit gesteigertem Gefährdungspotenzial. Zudem sei auch das
Vorliegen einer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorhandenen Listenverletzung im
Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVV nicht ausgewiesen.
B.c Auf die Einreichung einer Replik wurde in der Folge verzichtet (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob das Ereignis vom 11. März 2009 als Unfall im Rechtssinn zu
qualifizieren ist. Ist dies zu verneinen, wäre festzustellen, ob allenfalls eine
unfallähnliche Körperschädigung vorliegt.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
gewährt.
2.2 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
2.3 Dem Unfall gleichgestellt sind nach Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202), sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung
oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere
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Einwirkung die folgenden Körperschädigungen: Knochenbrüche, Verrenkungen von
Gelenken, Meniskusrisse, Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen
und Trommelfellverletzungen.
2.4 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltung- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach hat das Gericht von sich aus und ohne Bindung an die
Parteibegehren für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, sondern
wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien sowie durch die im Anspruch
auf rechtliches Gehör mit enthaltenen Parteirechte auf Teilnahme am Verfahren und auf
Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c
ATSG; BGE 122 V 158 E. 1a). Das Gericht darf eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn es von ihrem Bestehen überzeugt ist. Im Sozialversicherungsrecht
hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes
vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die
blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen
nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste
würdigen (BGE 126 V 360 E. 5b).
3.
3.1 Die vorliegenden Sachverhaltsschilderungen ergeben ein konsistentes Bild. In der
Unfallmeldung vom 13. März 2009 gab die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin an,
beim Heben einer schweren Pfanne habe diese eine Muskelzerrung erlitten. Auf dem
Frageblatt zur Verletzung beantwortete die Beschwerdeführerin am 25. März 2009 die
Frage nach dem Hergang damit, dass sie sich die Beschwerden beim Heben einer
Stielpfanne mit der rechten Hand zugezogen habe. Dabei habe sie als etwas
Besonderes, Unvorhergesehenes ein "Kläpfli" im Ellenbogen verspürt. Im Folgenden
sind deshalb die Voraussetzungen eines Unfalls im Rechtssinn zu prüfen.
3.2 Im Besonderen ist zuerst zu beantworten, ob ein ungewöhnlicher äusserer Faktor
vorliegt. Nach der Definition des Unfalls bezieht sich die Ungewöhnlichkeit nicht auf die
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Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf diesen selbst. Ohne Bedeutung für die
Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls
schwerwiegende Folgen nach sich zieht. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er
den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet.
Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven
Umstände in Betracht fallen (SVR 2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a; BGE 122 V 233 E. 1 =
Pra 1997 Nr. 82 S. 415 f.). Überdies kann das Merkmal eines ungewöhnlichen äusseren
Faktors auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt
dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann
erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf
einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat (Entscheid des
Bundesgerichts vom 11. Februar 2009, 8C_500/2008 E. 3; BGE 130 V 118 E. 2.1).
3.3 Vorliegend stellt das Anheben einer Pfanne in einem Restaurant einen alltäglichen
Bewegungsablauf dar. Darüberhinaus wurde in den Angaben zum Sachverhalt keine
ungewöhnliche Einwirkung eines äusseren Faktors festgehalten. Damit ist die
Bewegung der Beschwerdeführerin in den Rahmen des Alltäglichen oder Üblichen
einzuordnen. Ein ungewöhnlicher äusserer Faktor könnte aber auch in alltäglichen
Fällen vorliegen, in denen die körperliche Bewegung durch etwas "Programmwidriges"
gestört wird, beispielsweise wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an
einen Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine
reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (vgl. Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 176f.). Da vorliegend gemäss den
Schilderungen der Beschwerdeführerin das Anheben der schweren Stielpfanne nicht
durch eine unkoordinierte Bewegung gestört wurde, ist ein ungewöhnlicher äusserer
Faktor zu verneinen. Es kann deshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als
erstellt gelten, dass ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Ellenbogen der
Beschwerdeführerin einwirkte. Damit kann kein Unfallereignis im Rechtssinn vorliegen.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt, ob eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt. Mit Arztbericht
vom 11. März 2009 hielt Dr. C._ als Diagnosen eine akute Epikondylitis lateralis des
rechten Ellenbogens sowie den Verdacht auf eine Muskelzerrung des rechten
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Oberarms fest. Anhaltspunkte für eine frische Läsion hätten dabei nicht erhoben
werden können. Dr. D._ gab im Arztbericht vom 23. März 2009 als Diagnose eine
Muskelläsion des rechten Oberarms an. Aufgrund der nicht eindeutigen Diagnosen ist
somit fraglich, ob die Schädigung der Beschwerdeführerin in die Aufzählung der
unfallähnlichen Körperschädigungen nach Art. 9 Abs. 2. UVV fällt. Da dieser Aufzählung
rechtsprechungsgemäss abschliessender Charakter zukommt (BGE 114 V 302 E. 3d;
RKUV 1989 Nr. U 67 S. 165), könnte einzig eine Muskelzerrung des Oberarms eine
unfallähnliche Körperschädigung darstellen. Den Arztberichten können jedoch keine
frischen Läsionen oder eine eindeutige Muskelzerrung entnommen werden. Es bleibt
daher ungewiss, ob die bestehende Schädigung nicht, durch die arbeitsmässige
repetitive Beanspruchung des fraglichen Körperteils, degenerativ bedingt ist. Letztlich
kann eine genaue Diagnose aber offen bleiben, da - wie im Folgenden dargelegt- auch
das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung in jedem Fall zu verneinen ist.
4.2 Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung müssen bei einer unfallähnlichen
Körperschädigung zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversicherers nach
Art. 9 Abs. 2 UVV mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit die übrigen
Tatbestandsmerkmale des Unfalls erfüllt sein. Besondere Bedeutung kommt dabei der
Voraussetzung des äusseren Ereignisses zu, d.h. eines ausserhalb des Körpers
liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles. Für die
Bejahung eines äusseren, auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden
Faktors wird deshalb ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes
Gefährdungspotenzial innewohnt. Darüberhinaus ist der äussere Faktor mit
erheblichem Schädigungspotenzial auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende
Lebensverrichtung einer mehr als nur physisch normalen und psychologisch
beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen,
gleichkommt (BGE 129 V 466 ff. E. 2.2 und E. 4.2.2). Vorliegend kann im Anheben einer
schweren Pfanne in einem Restaurantbetrieb keine Tätigkeit im Rahmen einer
allgemein gesteigerten Gefahrenlage erkannt werden. Die Beschwerdeführerin hob im
Rahmen ihrer Arbeit als Aushilfe in einem Restaurant auf normale Weise eine
Stielpfanne an und verspürte dabei ein "Kläpfli" im Ellenbogen. Diese
Lebensverrichtung erfolgte damit auf gewohnte, in einem Restaurantbetrieb alltägliche
Weise und kann deshalb das Erfordernis eines schädigenden äusseren Faktors nicht
erfüllen. Indem die Beschwerdeführerin eine alltägliche Bewegung vollzogen hat, ohne
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dass dabei eine gesteigerte Gefahr vorgelegen hätte oder es durch einen äusseren
Faktor zu einer Unkontrollierbarkeit der Verrichtung gekommen wäre, ist auch das
Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung zu verneinen.
5.
Liegt somit weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung vor, fällt eine
Haftung des Unfallversicherers im hier zu beurteilenden Fall ausser Betracht. Deshalb
ist die Beschwerde im Sinn der vorstehenden Erwägungen abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG