Decision ID: 740b5cc6-075a-4602-a6dd-4c4c64ebdba4
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
gegen
Branchen Versicherung Schweiz, Irisstrasse 9, Postfach, 8032 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adelrich Friedli, Stationsstrasse 66a,
8907 Wettswil,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war seit dem 19. Mai 2008 bei der B._ AG als Chauffeur tätig und dadurch
bei der Branchen Versicherung Schweiz obligatorisch unfallversichert. Nachdem er
wegen eines krankheitsbedingten lumbospondylogenen Syndroms seit dem 5.
November 2008 arbeitsunfähig gewesen war und Behandlungen bei den Ärzten Dr.
med. C._, Allgemeine Medizin FMH Chirurgie, Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Neurochirurgie, und Dr. med. E._, Rheumatologie FMH, erfolglos geblieben waren
(KTG-Akten), trat er am 11. November 2009 für einen Rehabilitationsaufenthalt in die
Klinik Valens ein. Im Verlegungsbericht vom 1. Dezember 2009 wurde festgehalten,
dass er "fremdanamnestisch ohne Schutzreflex mit steifem Körper auf die rechte Seite
und auf den Kopf gefallen zu sein" scheine. Darauf wurde er bei Verdacht auf eine
Konversionsstörung zum Ausschluss einer somatischen Ursache notfallmässig dem
Kantonsspital CHUR zugewiesen. Der Versicherte habe nach dem Sturz auf Ansprache
nur noch mit Augenbewegungen reagiert und ein Anspannungsmuster mit
krampfartigen Konvulsionen und Zittern am ganzen Körper, athetotisch anmutende
Mundbewegungen und ein Grimassieren gezeigt. Kontusionsmarken am Kopf waren
keine vorhanden. Neurologisch wurde eine epileptogene Genese des Ereignisses
ausgeschlossen (act. M5). Der diensthabende Arzt des Kantonsspitals CHUR erhob bei
Eintritt eine unklare transiente Vigilanzstörung. Eine gleichentags durchgeführte CT
(Computertomographie)-Untersuchung des Schädels zeigte regelrechte Befunde, d.h.
weder Hinweise auf eine Fraktur noch Anzeichen für eine Ischämie oder eine
Raumforderung und keine intrakranielle Blutung (act. M7/3). Auch die Labor- und EKG
(Elektrokardiogramm)-Werte waren unauffällig. Gestützt auf diese
Untersuchungsergebnisse wurde die Differentialdiagnose eines psychogenen Stupors
gestellt. Der Versicherte wurde eine Nacht lang überwacht und am 2. Dezember 2009
wieder in die Klinik Valens rückverlegt, von wo er am 8. Dezember 2009 entlassen
wurde (act. M9, M10). Am 8. Januar 2010 erfolgte eine Untersuchung durch Dr. med.
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G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt der Klinik H._ Dieser
berichtete dem Hausarzt Dr. C._, dass der Versicherte seit dem Vorfall vom 1.
Dezember 2009 ständig Schwindelgefühle und Übelkeit verspüre. Er sei massiv
verunsichert, stets innerlich angespannt, schlafe schlecht, spüre eine ungewöhnliche
Lustlosigkeit, Kraftlosigkeit und Unkonzentriertheit. Dr. G._ äusserte sodann den
Verdacht auf eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F 41.1; act. M11). Eine am 4.
Februar 2010 im Stephanshorn Radiologie Zentrum, St. Gallen, durchgeführte cranio-
cerebrale Kernspintomographie (= Magnetresonanztomographie: MRT) ergab als
Untersuchungsbefund einen Verdacht auf einen Status nach Schädelfraktur bei
aufgeworfener, irregulär zur Darstellung kommender Schädelkalotte parieto-occipital
links und prominenterer Konvexität der Schädelkalotte parieto-occipital rechts
gegenüber links. Ansonsten zeigte sich das Schädel-MRT altersentsprechend normal
(act. G 6.3). Vom 15. Februar bis 16. April 2010 hielt sich der Versicherte in der Klinik
H._ zur ambulanten Rehabilitation auf, worüber Dr. G._ am 4. Juni 2010 berichtete.
Er diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen
(ICD-10: F 32.11), eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F 41.1) sowie eine
ausgeprägte Akzentuierung der ängstlich-infantilen Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z
73.1) und legte unter anderem dar, dass im Rahmen der regelmässigen
Gesprächspsychotherapie versucht worden sei, die aktuelle Lebenssituation des
Versicherten zu erhellen und Auswege aus seiner Selbstunsicherheit, den
Zukunfsängsten und der Deprimiertheit zu erarbeiten. Erst gegen Ende der
Rehabilitation habe der Versicherte angefangen, die psychosozialen Hintergründe
seiner Beschwerden nachzuvollziehen und zu akzeptieren. Andererseits seien beim
Versicherten anlässlich eines ORL (Oto-Rhino-Laryngologie)-Konsiliums - der
Versicherte war am 1. März 2010 durch Dr. med. I._, Spezialarzt FMH für
Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, untersucht worden (act. M15, M17)
- auch somatische Schwindelursachen festgestellt worden, was den Versicherten
anfänglich in seinen Beschwerden bestätigt, aber später auch wieder verunsichert
habe. Insgesamt sei es im Verlauf der Rehabilitation zu einer Verbesserung der
körperlichen Leistungsfähigkeit und des Selbstvertrauens und zu einer deutlichen
Rückbildung der depressiven Symptome gekommen. Der Versicherte sei weiterhin für
die Arbeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt 100% arbeitsunfähig (act. M13). Am 3.
Dezember 2010 meldete der Versicherte das Sturzereignis vom 1. Dezember 2009 als
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Unfall an (act. K1). Mit Schreiben vom 7. Dezember 2010 ersuchte der Rechtsvertreter
des Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. D. Studer, Kreuzlingen, die Branchen
Versicherung Schweiz um Kenntnisnahme dieser Schadenmeldung und um Einleitung
der nötigen Abklärungen. Aufgrund von neueren medizinischen Berichten würden
Hinweise vorliegen, die eine nachträgliche Schadenmeldung rechtfertigten. Das
Ereignis habe offensichtlich Beeinträchtigungen nach sich gezogen, die heute
objektivierbar seien, die aber aufgrund der damaligen Befunde und Aktenlage
unwahrscheinlich erschienen seien und damit auch nicht zu einer Unfallmeldung
geführt hätten (act. K2).
A.b Mit Verfügung vom 21. März 2011 lehnte die Branchen Versicherung Schweiz
einen Anspruch auf Versicherungsleistungen mit der Begründung ab, die Schwindel-
und Gleichgewichtsbeschwerden seien mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit keine natürlich-kausale Folge des Sturzereignisses vom 1.
Dezember 2009 (act. K4).
B.
B.a Gegen diese Verfügung reichte Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Kreuzlingen,
für den Versicherten am 6. Mai 2011 Einsprache ein (act. K7).
B.b Mit Schreiben vom 30. Mai 2011 bestätigte die Branchen Versicherung Schweiz
deren Erhalt und schlug als weiteres Vorgehen vor, die Resultate der durch die IV-Stelle
St. Gallen veranlassten Abklärung des ABI (Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH,
Basel) abzuwarten, um allenfalls über weitere nötige Abklärungen zu entscheiden (act.
K8).
B.c Am 19. September 2011 lag das ABI-Gutachten vor (act. M19), worauf der
Rechtsvertreter des Versicherten der Branchen Versicherung Schweiz am 14.
Dezember 2011 eine kurze Stellungnahme einreichte (act. K9).
B.d Mit Einspracheentscheid vom 13. Januar 2012 wies die Branchen Versicherung
AG die Einsprache vom 6. Mai 2011 ab (act. K12).
C.
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C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Rechtsvertreter für den Versicherten
mit Eingabe vom 17. Februar 2012 Beschwerde. Er beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer seien die
gesetzlichen Leistungen nach Unfallversicherungsgesetz UVG zuzusprechen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 14. März 2012 beantragte die durch Rechtsanwalt
lic. iur. A. Friedli, Wettswil, vertretene Beschwerdegegnerin Abweisung der
Beschwerde und ersuchte um Zustellung der ihr nicht vorliegenden Berichte von Dr.
G._ vom 28. April 2011 und Dr. I._ vom 9. Januar 2012 sowie des MRI-Berichts
des Stephanshorn Radiologie Zentrums vom 4. Februar 2010. (act. G 4). Mit Schreiben
vom 2. April 2012 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die als fehlend
monierten Beweisunterlagen ein (act. G 6, act. G 6.1-6.3).
C.c Von der dem Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 3. April
2012 eingeräumten Gelegenheit, sich in Kenntnis dieser Berichte ergänzend zur
bisherigen Beschwerdeantwort zur Beschwerde zu äussern (act. G 7), machte dieser
am 12. April 2012 Gebrauch (act. G 8).
C.d Mit Replik vom 27. April 2012 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an
seinem Antrag fest, verzichtete jedoch auf weitere materielle Ausführungen (act. G 10).
C.e Auf die Begründungen und Ausführungen in den einzelnen Rechtsschriften bzw.
medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen, Nichtberufs
unfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt.
Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) umschreibt als Unfall die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
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Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper. Das
Ereignis muss sich in der Aussenwelt zutragen. Die Folgen können sich aber unter
Umständen ausschliesslich im Körperinnern zeigen, so, wenn der Schlag auf den Kopf
keine äusserliche Verletzung, jedoch eine Hirnerschütterung verursacht (Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 165 f.).
1.2 Die Beschwerdegegnerin weist in der Beschwerdeantwort vom 14. März 2012 auf
fehlende Anhaltspunkte für eine ungewöhnliche äussere Einwirkung im Sinne des
Unfallbegriffs hin, die zum Sturz vom 1. Dezember 2009 geführt habe. Gemäss
Unfallmeldung vom 3. Dezember 2010 stürzte der Beschwerdeführer im Bereich vor
einer Kletterwand und schlug mit der rechten Körperhälfte und dem Kopf am Boden
auf (act. K1). Laut Verlegungsbericht der Klinik Valens an das Kantonsspital CHUR vom
1. Dezember 2009 beruhten die Angaben zum Sturz auf Auskünften von Drittpersonen
("fremdanamnestisch"), wonach der Beschwerdeführer ohne Schutzreflex mit steifem
Körper gefallen sei (act. M5). Eine in der Aussenwelt begründete Ursache für den Sturz,
beispielsweise ein im Weg liegendes Hindernis, ist den Unfallschilderungen - wie von
der Beschwerdegegnerin angeführt - nicht zu entnehmen. Dr. med. J._ interpretierte
das fragliche Ereignis in der medizinischen Beurteilung vom 14. Januar 2010 als
Ohnmachtsanfall (act. K2 Beilage 3), womit eine Krankheit als indirekte Ursache des
Sturzes anzunehmen wäre. Für die Bejahung eines Unfallereignisses bildet jedoch nicht
die zum Sturz führende Ursache die massgebende Grundlage, sondern der Sturz an
sich, welcher den Unfallbegriff bzw. das Erfordernis des ungewöhnlichen äusseren
Faktors ohne weiteres erfüllt (vgl. dazu A. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich 2003, S. 27).
1.3 Der Einwand der Beschwerdegegnerin, es sei fraglich, ob der Beschwerdeführer
tatsächlich ohne Schutzreflex mit steifem Körper zu Boden gefallen sei und den Kopf
angeschlagen habe, erscheint sodann unbegründet. Das Sturzereignis vom 1.
Dezember 2009 wurde gemäss Verlegungsbericht, wie bereits erwähnt, offenbar von
einer Drittperson beobachtet und beschrieben. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür,
an dieser Darstellung zu zweifeln. Selbstverständlich gilt es nun aber nachfolgend die
streitige Frage zu prüfen, ob sich der Beschwerdeführer durch das fragliche
Sturzereignis gesundheitliche Schädigungen zugezogen hat. Der Beschwerdeführer
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beklagt seit dem Unfallereignis vom 1. Dezember 2009 insbesondere unter ständigen
Schwindelgefühlen und Übelkeit zu leiden. Hinzu kämen Kopfschmerzen,
Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Kraftlosigkeit und Konzentrationsprobleme (act. K7, act.
M17).
2.
Gemäss ständiger Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) und des
Bundesgerichts kann ein nach einem versicherten Unfall auftretendes Leiden nur dann
als dessen Folge betrachtet werden, wenn und soweit es sicher oder doch zumindest
überwiegend wahrscheinlich von jenem Unfall herrührt (natürliche Kausalität; BGE 115
V 134 E. 3 sowie 117 V 360 E. 4a und BGE 134 V 109). Die blosse Möglichkeit eines
Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129
V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Der Unfallversicherer haftet sodann nur für jene Folgen,
die mit dem Unfall adäquat-kausal zusammenhängen (SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45).
Während es Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist, den natürlichen
Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Fragen nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang zu beurteilen (BGE 123 III 112 E. 3a). Im Bereich klar
ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen
Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit bildgebenden
Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist
eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu
differenzieren ist: Hat die versicherte Person beim Unfall kein Schleudertrauma bzw.
keine schleudertraumaähnliche Verletzung erlitten, gelangt die Rechtsprechung
gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen
das Vorliegen einer Schleudertraumaverletzung, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
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Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Folgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a). Andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 359 festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten
Kriterien. Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang
bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 E. 3b).
3.
3.1 In den Akten finden sich keine Hinweise auf ein klar fassbares - radiologisch oder in
anderer Weise reproduzierbares - organisch/somatisches Korrelat im Bereich des
Kopfs bzw. Schädels, das mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
die Schwindelgefühle und die Übelkeit verursachen könnte. Anlässlich der cranio-
cervicalen Kernspintomographie (MRT) vom 4. Februar 2010 im Radiologie Zentrum
Stephanshorn wurde zwar gestützt auf einen irregulären Befund im Bereich der
Schädelkalotte ein Status nach Schädelfraktur als Verdachts- bzw. Differentialdiagnose
festgehalten (act. G 6.3). Schädelfrakturen werden jedoch in erster Linie mittels
cranialer Computertomographie (CT) diagnostiziert und nicht mittels einer Kernspin-
oder Magnetresonanzuntersuchung. Letztere, welche sensitiver für
Weichteilveränderungen ist, wird gegebenenfalls bei Hirnverletzungen durchgeführt
(vgl. dazu Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 262. Aufl. Berlin 2010, S. 1839, 1840;
Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 225
ff., http://flexikon.doccheck.com/ de/Sch%C3%A4delfraktur, abgerufen am 11.
Dezember 2012). In einer Verdachts- bzw. Differentialdiagnose ist sodann lediglich eine
mögliche organische Ursache zu sehen. Eine solche genügt jedoch den
Beweisanforderungen im Sozialversicherungsrecht, d.h. dem bei der Feststellung der
für den materiellen Leistungsanspruch erheblichen Tatsachen zur Anwendung
gelangenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, nicht (BGE 120 V 37
E. 3c; Th. Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451
f.). Die CT-Untersuchung vom 1. Dezember 2009 im Kantonsspital CHUR hatte
jedenfalls keine Pathologien zutage gebracht. Die Befunde waren regelrecht, d.h. ohne
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Hinweis auf eine Fraktur oder eine intrakranielle Blutung und ohne Anzeichen einer
Ischämie oder einer Raumforderung (act. M7). Im Sinn des vorstehend Gesagten wurde
im ABI-Gutachten vom 19. September 2011 (act. M19 S. 21) festgehalten, dass eine
konklusive Aussage über eine mögliche Schädelfraktur anlässlich des Sturzereignisses
vom 1. Dezember 2009 retrospektiv nicht gemacht werden könne, da die bildgebende
Diagnostik mittels CT unauffällige Befunde gezeigt habe, und im Rahmen der MRT nur
eine aufgeworfene, irregulär zur Darstellung kommende Schädelkalotte parieto-
occipital links habe objektiviert werden können. Je nach Ausmass der mit einer
Schädelfraktur einhergehenden Hirnverletzung treten Symptome auf, wie sie sich
unmittelbar nach dem Sturz auch beim Beschwerdeführer zeigten
(Gedächtnisstörungen [Amnesie], Krämpfe, reduziertes Bewusstsein; act. M7, M9; vgl.
Pschyrembel, a.a.O., S. 1839 f.; Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl. München 2003, S.
1641 f.). Das MRT ergab jedoch keine Hinweise auf eine Hirnverletzung bzw. liefern
insbesondere eine unauffällige Darstellung des Hirnstamms, symmetrisch schlanke
innere und äussere Liquorräume und keine extraaxiale Raumforderung und auch das
Viscerocranium stellte sich normal dar (act. G 6.3). Die weiteren im Kantonsspital
CHUR und in der Klinik Valens durchgeführten Zusatzuntersuchungen - Labor, EKG
sowie eine neurologische Untersuchung - ergaben sodann ebenfalls blande bzw.
unauffällige Befunde. Die Ärzte des Kantonsspitals CHUR stellten schliesslich die
Diagnose einer unklaren transienten Vigilanzstörung bei einem unauffälligen CT des
Schädels und bei den Differentialdiagnosen eines psychogenen Stupors und einer
Konversionsproblematik (act. M7, M9). Damit wird keine organische Verletzung als
Folge eines Sturzes beschrieben.
3.2 Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vermag
auch das Gutachten von Dr. I._ vom 20. Oktober 2010 (act. M17) keinen
überwiegend wahrscheinlichen Beweis für eine unfallkausale organische Schwindel-
und Übelkeitsursache zu erbringen. Hinsichtlich der seit dem Unfall vom 1. Dezember
2009 beklagten Kopfschmerzen sowie Schwindel- und Gleichgewichtsbeschwerden
stellt Dr. I._ die Diagnosen eines Status nach Contusio capitis (mit Fraktur) mit
passivem HWS-Abknicktrauma und Commotio cerebri et labyrinthi links im Rahmen
des Sturzunfalls vom 1. September 2009 (gemeint ist offensichtlich vom 1. Dezember
2009) sowie eines postcommotionellen Syndroms und einer posttraumatischen
Labyrinthopathie links mit Hochtonsenke links, peripher-zentraler vestibulärer
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Funktionsstörung links, visuo-visuo-oculomotorischer Funktionsstörung, linksseitigen
Cervico-Cephalgien und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Laut Dr. I._
müssen die Schwindel- und Gleichgewichtsbeschwerden und damit offensichtlich die
obigen Diagnosen anhand der Semiologie der posttraumatischen Beschwerden und
der im März 2010 erhobenen und im Verlauf zweimal kontrollierten Befunde auf den
Sturz vom 1. Dezember 2009 zurückgeführt werden. Er führt drei konkrete
Funktionsstörungen (hochgradige Hochtonsenke links, peripher-zentrale vestibuläre
Funktionsstörung links, visuo-visuo-oculomotorische Funktionsstörung), jedoch keine
strukturellen Läsionen an. In Bezug auf die von ihm durchgeführten Tests bzw.
Untersuchungen fällt zudem auf, dass diese mehrheitlich im Normbereich liegen oder
lediglich geringfügig auffällige Befunde ergeben haben. Damit ist nicht ohne Weiteres
nachvollziehbar, woraus sich die von Dr. I._ festgestellten Funktionsstörungen
letztlich ergeben. Was den durchaus auffälligen Befund einer hochgradigen
Hochtonsenke betrifft, ist sodann festzuhalten, dass die dafür mögliche Ursache zwar
durchaus in einem Trauma bzw. einer Schädelfraktur liegen kann, die möglichen
Ursachen jedoch letztlich zahlreich sind bzw. ohne weiteres unfallfremd sein können
(vgl. dazu http://www.anb-ev.de/Publikationen/schwerhoerigkeit-tinnitus-
magdeburg.pdf; http://tinnitus.thieme.de/tinnitus/was-ist-dysakusis.html; abgerufen am
17. Dezember 2012). Was jedoch die Frage einer traumatisch bedingten Hochtonsenke
betrifft, muss der Beweiswert des Gutachtens von Dr. I._ als fraglich betrachtet
werden, weil seine Schlussfolgerung auf einer falschen Grundlage basiert. So geht Dr.
I._ entgegen der medizinischen Aktenlage davon aus, der Beschwerdeführer habe
anlässlich des Unfalls vom 1. Dezember 2009 eine Schädelfraktur erlitten (vgl. dazu
Erwägung 3.1). Seine Annahme erfolgte nicht aufgrund einer objektiven, medizinischen
Befunderhebung, sondern aufgrund der Angabe des Beschwerdeführers. Der
Beweiswert des Gutachtens von Dr. I._ ist auch angesichts weiterer, wenig
überzeugender Inhalte in Frage gestellt. So findet sich die von ihm gestellte
psychiatrische Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nirgends
sonst in den medizinischen Akten - insbesondere nicht in den Berichten von Dr. G._
(act. M11, M13 und M19, act. G 6.1) - und erscheint angesichts des konkreten
Unfallereignisses und der Symptome auch unwahrscheinlich (vgl. dazu Pschyrembel,
a.a.O., S. 247; WHO und Dilling/Freyberger [Hrsg.], Internationale Klassifikation
psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V, 5. Aufl. Bern 2010, S. 173 f.; Ulrich
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Schnyder, Posttraumatische Belastungsstörungen, in: Erwin Murer, Psychische
Störungen und Sozialversicherung, Bern 2002, S. 99 - 116, S. 101 und S. 114). Dr. I._
schildert sodann in seinem Gutachten ein Unfallereignis - wonach der Patient am Rand
eines Schwimmbeckens ausrutschte, stürzte und dort mit dem Hinterkopf auf dem
Boden aufschlug - welches nicht den Gegebenheiten entspricht, wie sie in den
weiteren Akten dargestellt sind. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
insbesondere entscheidend, ob der Bericht in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Diese
Voraussetzung erfüllt das Gutachten von Dr. I._ offensichtlich nicht, wenn er angibt,
er habe bis zum Zeitpunkt seiner Berichterstattung keine medizinischen Unterlagen,
weder von Seiten des behandelnden Psychiaters, noch von Seiten des Hausarztes des
Patienten erhalten, sodass er auch mit keinen weiteren Kopien der medizinischen
Akten dienen könne. Die von Dr. I._ gestellten weiteren (Haupt-)Diagnosen eines
postcommotionellen Syndroms sowie einer posttraumatischen Labyrinthopathie
vermögen schliesslich ohnehin keine Unfallkausalität der geklagten gesundheitlichen
Störungen zu begründen. Das Vorliegen von Schmerzsyndromen bedeutet keinesfalls
automatisch auch das Vorliegen unfallkausaler struktureller Gesundheitsschädigungen.
Laut Roche Lexikon Medizin (a.a.O., S. 1791) handelt es sich bei einem Syndrom um
ein sich stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen, d.h. einer Symptomatik mit
weitgehend identischem "Symptommuster" manifestierendes Krankheitsbild mit
unbekannter, vieldeutiger, durch vielfältige Ursachen bedingter oder nur teilweise
bekannter Ätiogenese. Ebensowenig ist mit einer -pathie ("Leiden" oder "Krankheit")
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine unfallbedingte Gesundheitsschädigung
ausgewiesen. Der Begriff "post..." vermag juristisch gesehen gleichfalls nichts über
eine allfällige Unfallkausalität auszusagen (Maurer, a.a.O., S. 460 N 1205; BGE 119 V
335 E. 2b/bb in fine), sondern drückt nur aus, dass gewisse Beschwerden bzw.
gesundheitliche Störungen nach einem Unfall aufgetreten sind. Die von Dr. I._
angenommene Unfallkausalität der Schwindel- und Gleichgewichtsbeschwerden richtet
sich damit insbesondere nach der Formel, Gesundheitsbeeinträchtigungen müssten
unfallbedingt sein, weil sie nach dem Unfall aufgetreten sind ("post hoc ergo propter
hoc"), die nach ständiger Rechtsprechung beweisrechtlich für sich allein nicht ergiebig
ist (vgl. SVR 2009 UV Nr. 13 [8C_590/2007] E. 7.2.4 S. 54 mit Hinweisen; Maurer,
a.a.O., S. 460 N 1205). Bei der von Dr. I._ unter anderem angewandten
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Posturographie - mit dieser Untersuchungsmethode wurde im konkreten Fall ein
weiterer Befund im pathologischen Bereich erhoben (Gesamtaequilibriumscore) -
handelt es sich nach der Rechtsprechung sodann zwar um eine in Fachkreisen nicht
unbestrittene, jedoch weit verbreitete und auch in Universitätskliniken schon seit
längerer Zeit verwendete Untersuchungsmethode, deren Wissenschaftlichkeit nach
dem heutigen Stand der Medizin kaum zu bestreiten ist. Die damit zu gewinnenden
Erkenntnisse sind indessen beschränkt. Die Posturographie liefert zwar zusätzliche
Informationen und es lassen sich damit sonst nicht fassbare Gleichgewichtsstörungen
objektivieren. Sie vermag jedoch keine direkten Aussagen zur Ätiologie des Leidens
und zu dessen allfälliger Unfallkausalität zu machen. Auch lässt sich daraus nicht
unmittelbar auf eine bestimmte Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit schliessen. Sie bildet
deshalb lediglich ein zusätzliches Element bei der Beurteilung vestibulärer Störungen
(vgl. die Urteile des EVG vom 29. März 2006, U 254/04, E. 2.3.2, und U 197/04, E. 3.2,
bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2009, 8C_964/2008, E.
3.2.3). Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass die medizinischen Abklärungen
von Dr. I._ keine durch den Unfall bedingten, objektiv ausgewiesenen organischen
Befunde für den Schwindel und die Gleichgewichtsstörungen des Beschwerdeführers
ergeben haben.
3.3 Aus dem ABI-Gutachten vom 19. September 2011 (act. M19) lassen sich gleichfalls
keine überwiegend wahrscheinlichen Unfallfolgen herleiten. Das ABI bestätigt zunächst
anhand seiner aktuellen otorhinolaryngologischen Untersuchungsresultate teilweise die
vorgängigen otoneurologischen Untersuchungsbefunde von Dr. I._. So lasse sich
auch aktuell eine moderate Hochtonschwerhörigkeit links, im Sinne einer cochleären
Funktionsstörung, objektivieren, so dass diesbezüglich leichte auditive
Einschränkungen unter gesteigertem Umgebungsgeräuschpegel bestünden. Im
Vergleich mit den vorgängigen otoneurologischen Befunden würden sich des Weiteren
auch aktuell Befunde einer vestibulären Funktionsstörung zeigen. Die Befunde im
Bereich der visuellen Kontrolle des Gleichgewichtssystems könnten anhand der
aktuellen Befunde bejaht werden. Die alleinige Bestätigung der
Untersuchungsergebnisse von Dr. I._ bedeutet jedoch - wie in Erwägung 3.2
ausgeführt - nicht das Vorliegen unfallkausaler Folgen. Entsprechend fiel auch die
Schlussfolgerung des ABI, dass somit die intermittierenden Schwindelbeschwerden
aktuell eher auf eine multifaktoriell bedingte Gleichgewichtsstörung hindeuteten,
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bezüglich Verursachung unverbindlich aus. Der Begriff "multifaktoriell" lässt einzelne,
nicht näher bestimmbare Ursachen zu, womit eine Unfallkausalität lediglich als möglich
erscheint. Eine Verursachung durch den Unfall ist damit jedenfalls nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
3.4
3.4.1 Aufgrund der Akten ist beim Beschwerdeführer sodann vom Vorliegen eines
psychischen Vorzustands und damit von einem massgebenden unfallfremden Faktor
auszugehen, der erfahrungsgemäss Auswirkungen auf eine Beschwerdesymptomatik
haben kann und ein zusätzliches Indiz gegen die Unfallkausalität darstellt. Der
Beschwerdeführer leidet seit einem Verhebetrauma am 5. November 2008
unbestrittenermassen unter einem lumbospondylogenen Syndrom bei degenerativen
Diskopathien an der LWS ohne Nervenwurzelkompression und geht seither keiner
beruflichen Tätigkeit mehr nach, wobei er vom ABI aus rheumatologischer Sicht in
einer angepassten Tätigkeit als zu 100% arbeitsfähig erachtet wurde (act. M19; vgl.
dazu auch IV-Akten). Dr. C._ führte in einem Bericht vom 8. Juli 2009 (act. M1) - und
damit vor dem Unfall vom 1. Dezember 2009 - die Diagnose eines proximalen
Nervenwurzel-Kompressionssyndroms S1 links bei Diskushernie LW1/2 links, aber
auch diejenige eines chronischen Schmerzsyndroms an. Dr. E._ erklärte ebenfalls vor
dem Unfall in einem Bericht vom 23. September 2009 (act. M4) über die konsiliarische
rheumatologische Untersuchung des Beschwerdeführers vom 16. September 2009, der
ermittelte PACT-Score habe weit unterhalb der Belastungsgrenze für eine leichte
körperliche Tätigkeit mit seltenem Heben von maximal 5 kg gelegen, was auf eine
beginnende Schmerzverarbeitungsstörung hinweisen könnte. In einem weiteren Bericht
vom 3. November 2009 (act. M3) hielt Dr. E._ fest, der Beschwerdeführer habe
anlässlich der Konsultation vom 28. Oktober 2009 über eine zwischenzeitliche
Schmerzausweitung auf den ganzen Körper berichtet. Trotz dieser Schmerzausweitung
und ungeachtet des ängstlich vermeidenden Schmerzverhaltens des
Beschwerdeführers könne er eine lumboradikuläre Reizsymptomatik L5 links bei
kernspintomografisch fraglicher Irritation der Nervenwurzel L5 links durch die
Diskusprotrusion L4/5 (MRI 3. Juni 2009) nicht ausschliessen. Ein Therapieversuch mit
MST (multisystemische Therapie) habe wegen Auftretens von Schwindelgefühlen
sistiert werden müssen. Die Klinik Valens vermerkte sodann im Verlegungsbericht vom
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1. Dezember 2009 (act. M5) bei der Aufnahme in die Klinik verlaufsbestimmende
psychologische Faktoren, namentlich Angst und Verdacht auf Panikattacken. Das
Kantonsspital CHUR stellte im Bericht über die Kurzhospitalisation vom 2. Dezember
2009 (act. M9) - wie bereits erwähnt - die Diagnose einer unklaren transienten
Vigilanzstörung bei den Differentialdiagnosen eines psychogenen Stupors und einer
Konversionsproblematik. Nach dem Unfall setzten sich die Hinweise auf eine
psychische Komponente im Wesentlichen gleich fort. So wurden im Austrittsbericht der
Physiotherapie/Rheumatologie der Klinik Valens vom 14. Dezember 2009 (act. M12.7)
im Zusammenhang mit der Diagnose eines lumbospondylogenen Syndroms ebenfalls
verlaufsbestimmende psychologische Faktoren, namentlich Angst und Verdacht auf
Panikattacken, angeführt. Wie auch im nachfolgenden Austrittsbericht der Klinik Valens
vom 11. Januar 2010 (act. M12.1) über den stationären Aufenthalt vom 11. November
bis 8. Dezember 2009 wurden sodann eine Anpassungsstörung mit ängstlicher
Reaktion und ein Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung (in act. M12.1 unter
zusätzlicher Anführung der Differentialdiagnose dissoziative Störung) diagnostiziert. Am
8. Januar 2010 konsultierte der Beschwerdeführer erstmals Dr. G._. Seine Diagnose
im Bericht vom 11. Januar 2010 (act. M11) lautete Verdacht auf generalisierte Angst
störung (ICD-10: F 41.1). Der Beschwerdeführer habe seit dem Vorfall ständig
Schwindelgefühle und Übelkeit, sei massiv verunsichert und stets innerlich
angespannt, schlafe schlecht, spüre eine ungewöhnliche Lustlosigkeit, Kraftlosigkeit
und Unkonzentriertheit. Im Rahmen einer medizinischen Beurteilung für eine
Anspruchsberechtigung aus der Krankentaggeldversicherung vom 14. Januar 2010
führte Dr. J._ die Diagnosen eines lumbovertebralen Syndroms nach Verhebetrauma
November 2008 sowie eines Angstzustands an (vgl. act. K2 Beilage 3). Dr. G._ stellte
sodann in seinem Bericht vom 4. Juni 2010 (act. M13) im Rahmen einer ambulanten
Rehabilitationsbehandlung in der Klinik H._ die Diagnosen einer mittelgradig
depressiven Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F 32.11), einer
generalisierten Angststörung (ICD-10: F 41.1) sowie einer ausgeprägten Akzentuierung
der ängstlich-infantilen Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z 73.1). Die psychiatrische
Teilbegutachtung des ABI, durchgeführt von Dr. med. K._ am 22. Juni 2011, ergab
laut Gutachten vom 19. September 2011(act. M19) die Diagnosen einer
Somatisierungsstörung (ICD-10: F 50.0), eines Status nach Anpassungsstörung, einer
längeren depressiven Reaktion (ICD-10: F 43.23), einer dissoziativen Störung (ICD-10:
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F 44.7) sowie einer unreifen Persönlichkeit (ICD.10: Z73.1). Dr. K._ führte im Weiteren
aus, dass der Beschwerdeführer seit einem Verhebetrauma im November 2008 unter
Rückenschmerzen und Sensibilitätsstörungen in den Beinen leide. Er gehe seither
keiner beruflichen Tätigkeit mehr nach. Er fühle sich aufgrund seiner körperlichen
Beschwerden kaum arbeitsfähig. Seit dem Sturz in der Klinik Valens klage er über
Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen. Aufgrund dieser Beschwerden fühle er sich
nicht arbeitsfähig. Das Ausmass der geklagten körperlichen Beschwerden und die
subjektive Krankheitsüberzeugung, aufgrund dieser Beschwerden nicht arbeiten zu
können, könnten durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektiviert werden,
so dass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Der
Beschwerdeführer klage nicht nur über Schmerzen, sondern auch über
Sensiblitätsstörungen, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Es könne also eine
Somatisierungsstörung diagnostiziert werden. Die in den Akten erwähnten depressiven
Verstimmungen seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht feststellbar. Einem Bericht von Dr.
G._ vom 28. April 2011 (act. G 6.1) ist schliesslich zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht weiterhin unter den Symptomen einer
depressiven Episode (gegenwärtig in leichtem bis mittelgradigem Ausmass), einer
generalisierten Angststörung sowie einer intermittierenden Akzentuierung ängstlich-
infantiler Persönlichkeitszüge leide. In der Psychiatrie bzw. Psychosomatik stütze man
sich bekanntlich auf eine Ausschlussdiagnostik. Insbesondere die Symptome einer
generalisierten Angststörung (Schwindelgefühle) seien ihm immer noch ein Rätsel.
3.4.2 In Übereinstimmung mit dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers können die
vor dem Unfall vom 1. Dezember 2009 von Dr. E._ angeführten Schwindelgefühle
insofern nicht mit den nach dem Unfall geklagten Schwindelgefühlen gleichgesetzt
werden, als sie ausdrücklich dem Therapieversuch mit MST zugeordnet wurden.
Ebenfalls zuzustimmen ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers darin, dass der
Beschwerdeführer vor dem Unfall über körperlich wahrgenommene Beschwerden
klagte, welche im Zusammenhang mit der vorbestehenden lumbospondylogenen bzw.
lumobsacralen Problematik angeführt wurden (act. M3, M4; KTG-Akten:[Gutachten von
Dr. med. L._, Innere Medizin spez. Rheumatologie FMH, vom 6. August 2009, S. 3]).
Nicht beigepflichtet werden kann jedoch seiner Feststellung, vor dem Unfall seien an
keiner Stelle gesundheitliche Beeinträchtigungen geklagt oder festgestellt worden, wie
sie nach dem Unfall wiederholt angegeben worden und schliesslich auch durch
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mehrere spezialärztliche Untersuchungen objektiviert worden seien (Kopfschmerzen,
Nackenschmerzen und Schwindelgefühle). Laut Dr. L._ entwickelten sich nach einer
im Spital Herisau am 14. Dezember 2008 durchgeführten Myelographie starke
Kopfschmerzen, worauf von der Einwicklung eines Postmyelographiesyndroms mit
starken Kopfschmerzen gesprochen wurde. Die Kopfschmerzen wurden damit jedoch
vor dem Unfall keineswegs einer eindeutigen somatischen Gesundheitsstörung
zugeordnet (vgl. dazu Erwägung 3.2), womit auch nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit gefolgert werden kann, die nach dem Unfall
geklagten Kopfschmerzen seien andersartig. Bezüglich der ebenfalls vorbestehenden
Nackenschmerzen stellt sich die Sachlage gleich dar, nachdem deren Ursächlichkeit
ausdrücklich als unklar bezeichnet wurde (KTG-Akten: Ärztliches Zwischen-/
Schlusszeugnis von Dr. M._, Chiropraktor, vom 7. März 2009). Massgebend ist
jedoch letztlich, dass der Beschwerdeführer nach den Darlegungen in Erwägung 3.4.1
klarerweise schon bereits vor dem Unfall vom 1. Dezember 2009 unter einer
psychischen Komponente - einer somatoformen Schmerzstörung und einer
Angststörung - litt, welche sich nach dem Unfall - unter Hinzutreten weiterer
psychiatrischer Diagnosen - im Wesentlichen identisch fortsetzte. Der Umstand, dass
Schwindelgefühle und Übelkeit als unabhängige Beschwerden ausdrücklich erst nach
dem Unfall vom 1. Dezember 2009 in den medizinischen Akten angeführt werden und
sich damit das Beschwerdebild allenfalls ausgeweitet oder verändert hat, vermag nicht
als Beweis für eine Unfallkausalität zu gelten. Gerade im Rahmen der somatoformen
Schmerzstörung, aber auch im Zusammenhang mit anderen psychiatrischen
Diagnosen bildet eine Symptomausweitung oder -veränderung ein bekanntes
Phänomen. Insgesamt ist somit festzustellen, dass mit dem unfallfremden psychischen
Vorzustand des Beschwerdeführers mit posttraumatisch fortgesetzter psychischer
Komponente ein massgebendes zusätzliches, gegen die Unfallkausalität seiner
Beschwerden sprechendes Indiz vorliegt.
3.5 Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass eine überwiegend wahrscheinliche
kausale Bedeutung des Unfallereignisses für die Schwindelgefühle und die Übelkeit im
Sinn einer durch den Unfall klar ausgewiesenen, objektivierten Gesundheitsschädigung
nicht nachgewiesen ist.
4.
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Die Prüfung allfälliger Unfallfolgen nach einem Schädel-Hirntrauma oder einer HWS-
Distorsion, d.h. einer schleudertraumaähnlichen Verletzung (vgl. dazu BGE 134 V 109
und BGE 117 V 359) kann im konkreten Fall ausbleiben. Die vorbestehenden Kopf- und
Nackenschmerzen (vgl. KTG-Akten: Gutachten von Dr. L._, S. 3; Ärztliches
Zwischen-/Schlusszeugnis von Dr. M._, vom 7. März 2009), welche zwar durchaus
nach einer schleudertaumaähnlichen Verletzung auftreten können, sowie die
vorbestehende psychische Problematik, die sich nach dem Unfall vom 1. Dezember
2009 mit weitgehend identischen Diagnosen fortsetzte und bekanntermassen Nacken-
und Kopfschmerzen hervorrufen kann, lässt für eine von den Vorzuständen
unabhängige Unfallkausalität der Schwindelgefühle und Übelkeit keinen Raum.
Gleichfalls lassen die Darlegungen in Erwägung 3.4.2 nicht den Schluss zu, die
Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen könnten als psychische
Gesundheitsschädigung unfallkausal sein (vgl. dazu BGE 115 V 133). Beide
Kausalitäten werden denn auch vom beschwerdeführenden Rechtsvertreter nicht
geltend gemacht.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den angefochtenen
Einspracheentscheid vom 13. Januar 2012 (act. K12) abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39