Decision ID: 062e90b7-8313-5d0a-acce-7a1b9b5e1b88
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
Die Q. GmbH (nachfolgend Beschwerdeführerin) bietet Kindern, Jugendlichen und
jungen Erwachsenen sozialpädagogisch begleitete mittel- bis langfristige
Betreuungsplätze an. Sie erhob durch ihren in der Stadt Winterthur tätigen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 10. März 2014 (Postaufgabe: 11.03.14) beim
Verwaltungsgericht Beschwerde gegen die von der Leiterin des Amtes für Soziales
unterzeichnete Verfügung des Departements des Innern (nachfolgend Vorinstanz) vom
19. Februar 2014 (versandt am 21. Februar 2014, beim Rechtsvertreter eingegangen
am 24. Februar 2014), mit welcher ihr für das Jahr 2014 eine definitive
Leistungsabgeltung von CHF 194 je Kalendertag zugesprochen worden war.
Gleichzeitig ersuchte der Rechtsvertreter um Wiederherstellung der versäumten
Beschwerdefrist. Mit Eingabe vom 31. März 2014 konkretisierte er die Organisation
seines Kurierdienstes im Allgemeinen und am 10. März 2014, der auf den Winterthurer
Fasnachtsmontag gefallen war, im Besonderen. Mit Vernehmlassung vom 7. April 2014
teilte die Vorinstanz mit, sie sehe keinen Grund für eine Wiederherstellung der Frist.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP; Art. 1 Abs.
1 und Nr. DI.A.20 des Anhangs der Ermächtigungsverordnung, sGS 141.41). Die
Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung und von der Höhe der
ihr zugesprochenen Leistungsabgeltung in ihren wirtschaftlichen Interessen betroffen.
Damit ist sie zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP).
Die Beschwerdefrist von 14 Tagen gegen die beim Rechtsvertreter am 24. Februar
2014 eingegangene Verfügung begann am 25. Februar 2014 und endete am 10. März
2014 (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP sowie Art. 142
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Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, abgekürzt ZPO). Er
anerkennt, dass seine Eingabe vom 10. März 2014 erst am folgenden Tag der
Schweizerischen Post übergeben und die Beschwerde damit verspätet erhoben wurde
(vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 143 Abs. 1 ZPO). Da die
Nichtbeachtung dieser gesetzlichen Frist gemäss Art. 30bis VRP Verwirkungsfolge hat,
ist auf die Beschwerde grundsätzlich nicht einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer beantragt, im Sinn der Fristwiederherstellung sei eine
Nachfrist zur Einreichung der Beschwerde bis 11. März 2014 zu gewähren.
2.1. Gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 und Art. 30ter Abs. 1 VRP kann
eine versäumte Beschwerdefrist unter anderem dann wiederhergestellt werden, wenn
der Verfahrensgegner zustimmt. Als Verfahrensgegner gilt auch die Vorinstanz, wenn
sie einzige Verfahrensbeteiligte beziehungsweise als verwaltungsinterne
Rechtsmittelbehörde verfügungsberechtigt ist (vgl. Cavelti/ Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1142). Indem die
Vorinstanz am 7. April 2014 festhielt, sie sehe keinen Grund für die Wiederherstellung
der Frist (act. 11), hat sie dem Gesuch der Beschwerdeführerin nicht zugestimmt.
2.2. Im Übrigen kann die Wiederherstellung gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 58
Abs. 1 und Art. 30ter Abs. 1 VRP nach Art. 148 Abs. 1 ZPO angeordnet werden. Art.
148 Abs. 1 ZPO bestimmt, dass der säumigen Partei auf Gesuch hin (auch dann) eine
Nachfrist gewährt werden kann, wenn diese glaubhaft macht, dass sie (vgl. dazu
nachfolgend E. 2.2.1.) kein (vgl. dazu nachfolgend E. 2.2.2) oder nur ein leichtes
Verschulden (vgl. dazu nachfolgend E. 2.2.3) trifft.
2.2.1. In der Literatur wird zwar die Auffassung vertreten, dass sich die Partei und
deren Vertreter bei Fehlern von Hilfspersonen insoweit exkulpieren können sollte, als
sie nur für deren sorgfältige Auswahl, Instruktion und Überwachung einstehen müssen
(N. Gozzi, in: Spühler/Tenchio/Infanger (Hrsg.), Basler Kommentar zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N 16 zu Art. 148 ZPO mit Hinweisen). Angesichts
der demgegenüber strengen bundesgerichtlichen Rechtsprechung, welche von einer
vertraglichen Haftung des Vertreters für Handlungen seiner Hilfspersonen gegenüber
der Partei ausgeht (vgl. BGE 114 Ib 67 E. 2e), wird in der Beschwerde zu Recht nicht
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bestritten, dass die Partei sich Fehler ihrer Vertreter oder Erfüllungsgehilfen,
insbesondere ihres Anwalts und dessen als Hilfspersonen tätigen Kanzleiangestellten
wie eigene anrechnen lassen muss (BGer 5G_1/2013 vom 21. März 2013 E. 3.1;
5A_316/2011 vom 6. Mai 2011 E. 3.2; BGE 114 Ib 67 E. 2c, 85 II 46, 78 IV 131 E. 2).
Darunter fallen beispielsweise auch die den Kostenvorschuss überweisende Bank (vgl.
BGE 114 Ib 67), die Postfinance (vgl. BGer 5P.119/2004 vom 10. Mai 2004) und deren
Hilfspersonen (vgl. beispielsweise BGer 2A.473/2003 vom 25. November 2003 E. 2.2;
2A.174/2005 vom 4. Mai 2005 E. 2.1; 1P.465/2006 vom 14. August 2006 E. 2.3). Lässt
sich eine Hilfsperson ihrerseits vertreten, ist das Verhalten der Unter-Hilfsperson
unmittelbar der Ober-Hilfsperson anzurechnen (vgl. BGer 2C_699/2012 vom 22.
Oktober 2012 E. 3.6).
Auch wenn die Beschwerdeführerin am Versäumnis keinerlei Verschulden trifft, ist dem
Wiederherstellungsgesuch deshalb nicht zu entsprechen, wenn den Rechtsvertreter
selbst beziehungsweise seine Mitarbeiterin oder den Kurierdienst, den er mit der
Spedition seiner Post beauftragt hat, oder dessen Hilfsperson ein nicht mehr leichtes
Verschulden trifft.
2.2.2. Bei einem unverschuldeten Hindernis als Säumnisursache ist die Behörde zur
Wiederherstellung verpflichtet, in den übrigen Fällen liegt ihre Anordnung in ihrem
(pflichtgemässen) Ermessen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1138). Unter einem
unverschuldeten Hindernis als Säumnisursache versteht die Praxis einen Umstand, den
der Säumige nicht zu vertreten hat (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1139). Gemeint sind mit
anderen Worten objektive und subjektive Unmöglichkeiten der Fristwahrung (H.-M.
Diener, Die versäumte Parteihandlung und ihre Nachholung nach St. Gallischem
Zivilprozessrecht, Winterthur 1976, S. 66). Waren der Gesuchsteller oder seine
Vertretung wegen eines von ihrem Willen unabhängigen Umstands verhindert,
zeitgerecht zu handeln, liegt objektive Unmöglichkeit vor. Subjektive Unmöglichkeit
wird demgegenüber angenommen, wenn zwar die Vornahme der Handlung objektiv
betrachtet möglich gewesen wäre, die betroffene Person aber durch besondere
Umstände, die sie nicht zu verantworten hat, am Handeln gehindert worden ist (BGer
1C_336/2011 vom 12. Dezember 2011 E. 2.3.).
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Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin begründet sein Gesuch um
Wiederherstellung der Beschwerdefrist weder mit einer objektiven noch mit einer
subjektiven Unmöglichkeit der Fristwahrung. Insbesondere schloss der Umstand, dass
die Postannahme der Hauptpost Winterthur am Nachmittag des Fasnachtsmontags
nicht geöffnet hatte, eine rechtzeitige Aufgabe beispielsweise bei einer anderen
Poststelle nicht aus, umso mehr als gleichzeitig geltend gemacht wird, der Kurierdienst
sei überregional tätig.
2.2.3. Ein leichtes Verschulden wird in der Praxis regelmässig nur dann angenommen,
wenn lediglich das nicht beachtet wird, was ein sorgfältiger Mensch unter den gleichen
Umständen ebenfalls nicht beachten würde. Wurde dagegen eine Sorgfaltspflicht
verletzt, deren Beachtung unter den gegebenen Umständen auch dem durchschnittlich
Sorgfältigen zuzumuten ist, liegt eine Nachlässigkeit vor (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz.
1139 mit Hinweisen, vgl. ferner N. Gozzi, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler
Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N 11 zu Art. 148
ZPO). Bei der Beurteilung ist von einem objektivierten Sorgfaltsmassstab auszugehen.
Nicht mehr leichtes Verschulden liegt dabei immer dann vor, wenn die Säumnis
aufgrund eines Verhaltens eintritt, welches in fremden Angelegenheiten pflichtwidrig
wäre (Merz, a.a.O., N 15 zu Art. 148 ZPO). Es ist umso eher anzunehmen, je höher die
Sorgfaltspflicht des Gesuchstellers bzw. deren Vertreter zu veranschlagen ist (Gozzi,
a.a.O., N 11 zu Art. 148 ZPO). So wird gerade bei einem berufsmässigen
Rechtsvertreter generell ein strengerer Sorgfaltsmassstab angelegt als bei einem nicht
oder nicht rechtskundig vertretenen Beteiligten (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1141 mit
Hinweisen). Insbesondere müssen Anwälte ihren Kanzleibetrieb grundsätzlich so
organisieren, dass Fristen auch in ihrer Abwesenheit beziehungsweise im
Hinderungsfall gewahrt werden können (vgl. K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar
zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N 51 zu § 12
VRG/ZH). Versehen, Vergesslichkeit und ähnliche Gründe vermögen keine
Wiederherstellung zu rechtfertigen (vgl. Gozzi, a.a.O., N 30 zu Art. 148 ZPO).
Der Rechtsvertreter bringt vor, er habe am Sonntag, 9. März 2014, den
Beschwerdeentwurf "finalisiert", um ihn am letzten Tag der 14-tägigen Beschwerdefrist
(10. März 2014) der Post zu übergeben. Seine Sekretärin habe am Vormittag des 10.
März 2014 die Frage, ob die ausgehende Post wie üblich von einem Angestellten des
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Kurierdienstes abgeholt werde, obwohl in Winterthur Fasnachtsmontag sei, bejaht.
Nach ihren Angaben habe der Kurier, der am Freitag, 7. März 2014 abends die Post
abgeholt habe, dies ausdrücklich bestätigt. Bei Arbeitsbeginn am 11. März 2014 habe
er – der Beschwerdeführer - festgestellt, dass das Couvert mit der Beschwerdeschrift,
das er am 10. März 2014 wie üblich ins Postausgangsfach der Kanzlei gelegt habe,
nicht abgeholt worden sei. Nach Angaben des Kurierdiensts hatte sein Mitarbeiter am
7. März 2014 der Sekretärin gegenüber geäussert, er arbeite am Montag, jedoch sei die
Post geschlossen.
Die Brief- und Paketpost des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin wird gestützt
auf einen Dienstleistungsvertrag, den der Verein "A." mit der "B. AG, Postdienste" am
28. September 2011 abgeschlossen hat, jeweils montags bis freitags ab 16.00 Uhr in
den Räumlichkeiten der Anwaltskanzlei abgeholt und der Schweizerischen Post
zugestellt (act. 9). Dass die abgehende Post gleichentags der Schweizerischen Post zu
übergeben ist, wird in dieser Vereinbarung nicht ausdrücklich festgehalten. Der 10.
März 2014 fiel auf den Winterthurer Fasnachtsmontag. Dem Rechtsvertreter und seiner
Sekretariatsmitarbeiterin musste bekannt sein, dass die Hauptpost Winterthur an
diesem Tag nachmittags keine Post mehr entgegennimmt. Trotzdem sprach der
Rechtsvertreter – anders als "bei Festtagen mit sog. Brückentagen" – die Postabholung
mit dem Kurierdienst nicht konkret telefonisch ab. Der Inhalt des Gesprächs, welches
die Sekretariatsmitarbeiterin mit dem Angestellten des Kurierdienstes am Freitag, 7.
März 2014 betreffend die Postabholung am Montag, 10. März 2014 führte, ist nicht
mehr zuverlässig eruierbar. Die Aussagen dazu stimmen immerhin insoweit überein, als
der Angestellte des Kurierdienstes offenbar äusserte, er arbeite am Montag (act. 5/4
und 9/6). Unabhängig davon, ob der Angestellte des Kurierdienstes ausdrücklich
darauf hinwies, dass die Post geschlossen sei (act. 9/6), wäre es also angebracht
gewesen, zudem sicherzustellen, dass die abgeholte Korrespondenz nicht nur
abgeholt, sondern insbesondere gleichentags auch der Schweizerischen Post
übergeben werde. Angesichts der offenkundig bestehenden Unsicherheit bezüglich der
rechtzeitigen Verarbeitung der abgehenden Post am Fasnachtsmontag wäre es
deshalb nahe gelegen, die Abholung der Post durch den Kurierdienst abzuwarten und
sich zu versichern, dass sie – zumal die Annahmestelle der Winterthurer Hauptpost am
Nachmittag geschlossen war – auch den Poststempel des 10. März 2014 erhält. Der
Rechtsvertreter macht zudem keine Angaben darüber, bis wann er oder andere
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Personen am Montagnachmittag und –abend in der Kanzlei anwesend waren. Wurde
beim Verlassen der Kanzlei – insbesondere wenn dies nach dem Zeitpunkt der Fall war,
in welchem die Post üblicherweise abgeholt wird - festgestellt, dass der Kurier noch
ausstand, wäre es angezeigt gewesen, zumindest die fristgebundene Post selbst zu
spedieren. Im Übrigen hat der Angestellte des Kurierdienstes trotz des geführten
Gesprächs die Post am 10. März 2014 nicht abgeholt. Damit war entweder im
Gespräch vom 7. März 2014 zu wenig deutlich geworden, dass aus der Sicht der
Anwaltskanzlei Montag, der 10. März 2014, ein normaler Arbeitstag war, oder aber der
Angestellte des Kurierdienstes handelte nachlässig.
Mit Blick auf die zentrale Bedeutung des Zeitpunkts der Postaufgabe für die Wahrung
von Fristen wäre es zudem angezeigt, in der Vereinbarung mit der B. AG ausdrücklich
festzuhalten, dass die abgeholte Post einen Aufgabevermerk der Schweizerischen Post
vom gleichen Tag erhalten muss. Indem das Anwaltsbüro des Rechtsvertreters dem
Kurierdienst einen Passepartout-Schlüssel aushändigt und die Post damit auch
abgeholt werden kann, ohne dass der Postabgang tatsächlich festgestellt werden
kann, geht der Rechtsvertreter ein nicht kalkulierbares Risiko ein, dass ausgehende
Post – aufgrund besonderer Umstände – unbemerkt nicht abgeholt wird. Dies gilt umso
mehr, als damit eine Organisation und nicht eine konkrete Person betraut ist. Der
Rechtsvertreter überlässt damit zudem die Überprüfung der Zuverlässigkeit der Person,
welche über einen Passepartout verfügt und die Post abholt, der von ihm beauftragten
Unternehmung.
2.3. Unter den dargelegten Umständen kann das der Beschwerdeführerin und ihrem
Rechtsvertreter beziehungsweise seinen Hilfspersonen anzulastende Verschulden nicht
mehr als leicht bezeichnet werden. Es wäre der Beschwerdeführerin beziehungsweise
ihrem Vertreter und dessen Sekretariat bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt ohne
Weiteres möglich gewesen, die Beschwerdeeingabe fristgerecht einzureichen, weshalb
das Wiederherstellungsgesuch der Beschwerdeführerin abzuweisen und auf die
Beschwerde nicht einzutreten ist.
3. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht
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