Decision ID: a26b514d-fe27-4291-8289-04956341f59c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1956 geborene
X._
meldete sich nach zwei
Band
schei
benoperationen
vo
m 18. Januar und 7. April 2010 und damit zusam
menhängender ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit von 100 %
seit dem
5. No
vem
ber 2009 am 11. Mai 2010 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
zum
Leis
tungsbezug
an (Urk. 12/11).
D
ie
se
klärte den Sach
verhalt ab und stellte dem Versicherten mit Vorbe
scheid vom 10. November 2011 in Aussicht, sie werde ihm für den Zeitraum vom 1. November 2010 bis 31. August 2011 eine
befristete
ganze Rente zusprechen (Urk. 12/41). Trotz dagegen erhobener Einwände
entschied
die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. Dezember 2012
im Sinne des Vorbescheids
. Die Nach
zahlung der Rente verrechnete sie im Umfang von
Fr.
10‘138.10 mit einer
Bei
trags
forderung
der Ausgleichskasse
GastroSocial
in dieser Höhe
(Urk. 2).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom 31. Januar 2013 Beschwerde erheben und die Ausrichtung einer ganzen Rente vom 1. November 2010 bis 31. August 2012 und einer mindestens halben unbefristeten Rente ab 1. September 2012
sowie die Aufhebung der Verrechnung der
Rentennach
zahlung
im Betrag von
Fr.
10‘138.10
beantragen. In formeller Hinsicht liess er ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung stel
len (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 8. April 2013 auf Abw
eisung der Beschwerde (Urk. 11) und reichte eine Stellungnahme der Ausgleichskasse
GastroSocial
vom 1
5.
März 2013 (
Urk.
13) sowie deren Akten (
Urk.
14/1-56) ein.
Mit Verfügung vom 3. Juni 2013 gewährte das Sozialversicherungsgericht dem Beschwerdeführer di
e unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
15).
Der Beschwerdeführer liess mit Replik vom 4. Juli 2013 an seinen Anträgen fest
halten (Urk. 16). Mit Eingabe vom 5. August 2013 liess er einen Bericht von med.
pract
.
Y._
einreichen (Urk. 19, Urk. 20). Die Beschwerd
egegnerin verzichtete auf eine Duplik (
Urk.
18) und auf eine Stellungnahme
zu
den ein
gereichten Arztberichten
(Urk. 22).
Mit Beschluss vom 2
3.
Oktober 2014 stellte das Sozialversicherungsgericht dem Beschwerdeführer in Aussicht, es erachte den Sachverhalt möglicherweise als unvollständig
abgeklärt
,
weshalb
die Sache unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen sei. Es sei sodann möglich, dass weitere Abklärungen zum Ergebnis führten, die geltend gemachten Beschwer
den würden kein somatisches Korrelat aufweisen, so dass die Rechtsprechung zu
den Schmerzstörungen zur Anwendung gelange. Ob
diesfalls
die zugesprochene befristete ganze Invalidenrente bestätigt werden könne, sei nicht sicher. Dem
entsprechend setzte das Gericht dem Beschwerdeführer
Frist zur Stellungnahme und zur Erklärung darüber an, ob er an seiner Beschwerde festhalte oder ob er sie zurückziehe (
Urk.
26).
Mit Stellungnahme vom 1
8.
November 2014 liess der Beschwerdeführer mittei
len, er halte an seiner Beschwerde grundsätzlich fest. Die Anträge seien jedoch derart abzuändern, dass die Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und zum erneuten
Renten
entscheid
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei, und dass festzustellen sei, dass bei
ih
m ein neuropathisches Schmerzgeschehen vorliege, welches die Anwendung der Rechtsprechung zu den
somatoformen
Schmerzstörungen nicht rechtfertige (
Urk.
28).
Auf die Begründung der Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwä
gungen Bezug genommen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1
.2
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades (
Art.
17
Abs.
1
ATSG
)
eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beur
teilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der
Rentenzuspre
chung
oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung bezie
hungs
weise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 f. E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten
verfü
gungsweise
geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung bzw. Herabsetzung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesge
richts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall der Richter) auf Unterlagen angewiesen, die der Arzt und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Ver
fü
gung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes ist es, den Gesund
heits
zustand zu beurteilen und da
zu Stellung zu nehmen, in wel
chem Umfang und bezüglich welcher Tä
tig
keiten d
i
e
v
ersicherte
Person
ar
beitsunfähig ist. Hinsichtlich des
Beweis
wertes
eines
Arzt
be
richts
ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Be
lange um
fassend ist, auf allsei
tigen Untersu
chungen beruht, auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anam
ne
se) abge
geben worden ist, in der Darlegung der medizi
ni
schen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medi
zi
ni
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex
perten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
1.4
Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög
lichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E.
5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2
.
Nach de
r
Bandscheiben
dekompression L4/5 am
1
8.
Januar
2010
und
der
mikro
chirurgischen
Re-Dekompression vom
7.
April 2010
berichtete
der
Operateur
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
a
m 1
9.
Mai 2010 (
Urk.
12/13/6)
von einem
äusserst pro
trahierten Verlauf bei persistierenden, neuropathischen Beschwerden
, die
sich
medikamentös
kaum beeinflussen
liessen
.
Am 2
8.
Mai 2010 wurde ein MRT der Lendenwirbelsäule erstellt, das das Vor
liegen einer multisegmentären
Chondrose
und eine zunehmende Degeneration der Bandscheiben L4/5 und L5/S1 mit Ruptur des
Anulus
fibrosus
ohne Nach
weis einer mechanisch-
kompressiven
Komponente zeigte (Urk.
12/15/7). Ent
sprechend hielt
Dr.
Z._
im Bericht vom 2
8.
Juni 2010 fest, das MRT habe keine Hinweise auf eine persistierende Neurokompression ergeben
; er schliesse auf neuropathische Schmerzen und überweise den Beschwerdeführer an die behandelnde Neurologin (
Urk.
12/20).
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Neurologie, diagnostizierte
im Bericht vom
1
5.
Juli 2010 anhaltende sensomotorische Ausfälle und ein neuropathisches Schmerzsyndrom
im rechten Bein mit leichten Paresen der Fuss- und
Zehenhe
bung
. Als mögliche Behandlung empfahl sie die Optimierung der
Schmerzm
e
di
kation
(
Urk.
12/21)
.
A
m 2
2.
Dezember 2010
diagnostizierte sie
eine
residuelle
L5-Radikulopathie rechts mit neuropathischem Schmerzsyndrom
nach zweimaliger
Diskushernien
operation
, degenerative Ve
ränderungen der Halswirbelsäule
, intermittierende brennende
Dysästhesien
der Oberarme unklarer Ursache sowie den Verdacht auf eine depressive Entwicklung mit
Somatisierungstendenzen
. Die neurologische Untersuchung habe bis auf die
residuelle
L5-Radikulopathie keine objektivier
baren Befunde ergeben, insbesondere seien keine
sensomotischen
Ausfälle in den Armen nachweisbar. Die protrahierte Schmerzsymptomatik mit Zeichen für eine depressive Entwicklung spreche sehr für eine zunehmende Somatisierung (
Urk.
12/23/7 f.).
Im Bericht vom
3.
Feburar
2011 führte sie aus, die Schmerzsituation sei trotz Behandlu
ng mit
Amitriptylin
unverändert. Die zwischenzeitlich durchgeführte Labordiagnostik habe keine richtungsweisenden Befunde als Ursache für die brennenden
Dysästhesien
ergeben (
Urk.
12/23/6).
Im Bericht vom 2
3.
März 2011 beschrieb
Dr.
A._
erneut anhaltende sen
sible Ausfälle und ein neuropathisches Schmerzsyndrom. Es sei keine wesentli
che Besserung der Beschwerden eingetreten, weshalb eine reaktive depressive Entwicklung anzunehmen sei. Die Schmerzen hätten sich mittlerweile
chronifi
ziert
; die neuropathischen Schmerzen seien auch von der hochdosierten Medi
kation praktisch unbeeinflusst geblieben (
Urk.
12/24/1-3).
Vom 2
6.
April bis zum 1
7.
Mai 2011 hielt sich der Beschwerdeführer zur stationä
ren Schmerztherapie in der
B._
auf. Diese diagnostizierte im Bericht vom 1
0.
Juni 2011 eine
residuelle
L5-Radikulopathie mit
neuropatischem
Schmerzgeschehen,
cervicospondylogene
Schmerzen
und eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Episode (
Urk.
12/27). Dr.
Z._
berichtet
e
am 1
4.
Juni 2011 von einer Besserung der
Gesamtsitua
tion
seit dem Aufenthalt in der
B._
. Der Beschwerdeführer klage aber immer noch über Schmerzen und über
Dystästhesien
insbesondere im rechten Bein. Aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht seien vorerst keine Mass
nahmen vorzunehmen. Die empfohlene Psychotherapie habe der Beschwerde
führer noch nicht begonnen (Urk.
12/30/10).
Am 2
2.
Juni 2011 meldete der Hausarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Allge
meinmedizin, den Beschwerdeführer zur psychologischen Gesprächs
t
h
e
ra
pie (
Urk.
13/30/7) und in die Schmerzsprechstunde des
D._
(
Urk.
12/30/8) an.
Am 2
8.
Juli 2011 erstatte
Prof.
Dr.
med.
E._
, Leitender Arzt der
Rheumaklinik
des
D._
,
Dr.
C._
Bericht.
Nebst den bekannten Rücken
schmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein und Gefühllosigkeit und
Kraftmin
derung
beschrieb
er
gestützt auf die zwischenzeitlich erfolgte Untersuchung durch die Schmerz-Psychologin erstmals den Verdacht auf eine
chronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung und eine leichte bis mittelgradige depres
sive Episode
(
Urk.
12/30/5)
. Am
1.
September 2011 diagnostizierte
Dr.
C._
ein neuropathisches Schmerzgeschehen und eine Anpassungsstörung mit depressi
ver Episode (
Urk.
12/30/1) und
Dr.
med.
F._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
hielt
im Bericht vom
5.
Oktober 2011 gestützt auf die gleichentags erfolgte Untersuchung des Beschwerdeführers
nebst der Diskushernie L4/5 und einer erheblichen Fehlhaltung und Haltungsinsuffizienz
die
Diagnose eine
r
somatoforme
n
Schmerzstörung im Sinne eines nicht erklärbaren Schon- und Bewegungsverhalt
en
s f
est.
Weiter führte er aus, Elemente für eine eigenständige depressive Episode oder für eine Anpassungsstörung hätten nicht eruiert werden können. Die Interpretation der Rückenschmerzen a
l
s neuropathisches
Schmerz
geschehen
und als
Anpassungs
störung
mit depressiver Episode in den früheren Arztberichten beruhe wahrscheinlich auf der Angabe des Beschwerdeführers, die Schmerzen hätten brennenden Charakter (
Urk.
12/35).
Vom
4.
bis 1
1.
November 2011 war der Beschwerdeführer wegen des Verdachts auf ein infektiöses Geschehen im Rücken in der Rheumaklinik des
D._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 1
1.
November 2011 wurde
n
ausser dem chronisch-rezidivierenden
lumbospondylogenen
Syndrom rechts erneut eine leichte bis
mittgradige
depressive Episode und der Verdacht auf eine
chronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Wei
ter wurde ausgeführt, laboranalytisch hätten sich keine Hinweise für eine mög
liche
Polyneuropathieursache
ergeben und auch die
Elektromyographie
habe keine Hinweise für eine pathologische Spontanaktivität
der neurogenen Verän
derungen der Muskeln gezeigt. Es bestünden aus klinisch-neurologischer Sicht daher Anhaltspunkte für eine funktionelle Komponente der Fussheber- und
Fusssenkerschwäche
(
Urk.
12/43)
.
Am
2.
Februar 2012 berichtete
Dr.
A._
Dr.
C._
über die neurologische Untersuchung vom 3
1.
Januar 201
2.
Der Beschwerdeführer klage weiterhin über Schmerzen im rechten Bein mit Kraftminderung, die durch die chronische
radi
kuläre
Läsion L5 zu erklären seien. Paresen bestünden keine im rechten Bein, es handle sich um eine funktionelle Schwäche. Weiter berichtete sie über die in der Rheumaklinik durchgeführten Untersuchungen: ein Verlaufs-MRI vom 2
0.
Oktober 2011 habe keine eindeutige Kompression einer Nervenwurzel erge
ben, und ein im November 2011 angefertigtes EMG habe in den Kennmuskeln L4-S2 rechts weder akute noch chronische neurogene Veränderungen gezeigt. Die Nervenwurzelinfiltration L5 rechts am 2
3.
November 2011
habe
keinen Einfluss auf die Symptomatik gezeigt (
Urk.
12/61/3-4).
Auf Anfrage der Vertre
terin des Beschwerdeführers äusserte sich
Dr.
A._
am 1
3.
Februar 2012 dahingehend, dass die chronische Nervenwurzelreizung L5 rechts den organi
schen Kern der Schmerzen darstelle, und dass sich daraus eine reaktive Depres
sion mit
Somatisierungstendenzen
entwickelt habe, die ihres Erachtens
für die übrigen Beschwerden verantwortlich sei (
Urk.
12/61/2)
.
Am 2
9.
Februar 2012 diagnostizierte
Dr.
A._
erneut eine
Nervenwurzel
kom
pression
L5 mit chronischem neuropathischem
Schmerzsyn
drom
sowie eine depressive Entwicklung mit
Somatisierungstendenzen
. Trotz vielfacher Be
mühung
en inklusive stationärer Rehabilitation seien die Schmerzen therapie
resistent geblieben (
Urk.
12/62)
.
Im Bericht vom 2
8.
März 2012 an die IV-Stelle äusserten die Ärzte der
Rheuma
kli
nik
des
D._
bei der Diagnose eines chronisch-rezidi
vierenden
lumbospondylogenen
Syndroms den Verdacht auf eine
chroni
fizierte
posttraumatische Belastungsstörung und gaben an, es sei eine Evalua
tion der funktionellen Leistungsfähigkeit geplant (
Urk.
12/64/3-5)
. Das
Arbeits
assess
ment
fand am 1
4.
Mai 2012 in der Rheumaklinik des
D._
statt. Die
untersuchenden Ärzte und die Physiotherapeutin
beschrieben
eine deutliche
Selbstlimi
tierung
und eine schlechte Leistungsbereitschaft, wel
che ihrer Ansicht nach durch die psychiatrische Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) weitgehend erklärt werden könne. Medizinisch-theoretisch sei aus somatischer Sicht für
leidens
angepasste
Tätig
keiten von einer Restarbeitsfähigkeit von 65 % auszuge
hen. Durch die psychi
sche Beeinträchtigung ergebe sich vermutlich eine um 50 % verminderte Arbeitsfähigkeit. Hierzu müsse noch aus psychiatrischer Sicht definitiv Stellung genommen werden (Urk. 12/73).
Schliesslich liegt ein weiterer Bericht von
Dr.
A._
vom
6.
September 2012 bei den Akten, in dem sie ausführte, aufgrund der
Chronifzierung
des
Schmerz
syndroms
bei erheblichen
Somatisierungstendenzen
könne auch durch weitere Therapien wahrscheinlich keine Besserung erzielt werden (
Urk.
12
/
87).
3.
3.1
Aufgrund der medizinischen Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer an chronischen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein leidet. Soma
tische Ursache dafür ist die Bandscheibe L5, wobei uneinheitlich einmal von einer dadurch bedingten Reizung der Nervenwurzel und an anderer Stelle von einer Nervenwurzelkompression die Rede ist. Ebenso ergibt sich aus den Akten, dass die Beschwerden therapieresistent sind, und mit einer weiteren Besserung nicht zu rechnen ist.
Die medizinischen Akten zeigen aber auch, dass sehr bald nach den Operationen vom 1
8.
Januar und
7.
April 2010 die psychische Komponente im Vordergrund
stand. Ob bereits die Verzögerung des Heilungsverlaufs, die
Dr.
Z._
i
m Bericht vom 1
9.
Mai 2010 (
Urk.
12/13/6) beschrieb, darauf zurückzuführen war, kann offen bleiben. Fest steht jedenfalls, dass im Dezember 2010 eindeutige
Somatisierungstendenzen
erkennbar waren (Bericht von
Dr.
A._
vom 22.
Dezember 2010;
Urk.
12/23/7). In der Folge wurde durchwegs auf die psy
chische Situation hingewiesen, allerdings mit unterschiedlicher Diagnostik. Während einmal von einer
Somatisierungsstörung
die Rede war
(
Urk.
12/23/7
,
12/35, 12/61/2, 12/62
und
12/87
),
wurde ein anderes Mal von einer reaktiven depressiven Entwicklung
beziehungsweise
von
einer depressiven Episode
(Urk.
12/24, 12/30/1, 12/27 12/43
und
12/61/2
)
und schliesslich sogar von einer posttraumatischen
Belastungss
t
örung
(
Urk.
12/30/
5 und
12/64/3-5
)
gesprochen, jedoch ohne dass ein einschneidendes Erlebnis ersichtlich wäre.
Übereinstim
mend äusserten sich aber alle Ärzte dahingehend, dass die psychische Seite massgeblich am Ausmass der Beschwerden und an der Therapieresistenz betei
ligt sei. Eine psychiatrische Untersuchung des Beschwerdeführers unterblieb.
3.2
Bei dieser Aktenlage kann weder das objektiv begründete Ausmass der Beschwer
den mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ermittelt werden, noch lässt sich beurteilen, in welchem Umfang sich die psychische
Überlagerung
auf das subjektive Schmerzempfinden auswirkt.
Ebenso wenig lässt sich feststellen, inwieweit es dem Beschwerdeführer zumutbar ist, die
subjektiven Auswirkungen der Beschwerden zu überwinden und einer Arbeitstätigkeit nachzugehen.
Die befristete ganze Invalidenrente vom
1.
November 2010 bis 3
1.
August 2011 (vgl.
Urk.
2) lässt sich damit nicht bestätigen.
Umgekehrt ist auch eine Verbes
serung des Gesundheitszustands und der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
, wie sie für die verfügte Aufhebung der Rente per 3
1.
August 2011 (vgl.
Urk.
2) erforderlich wäre, nicht nachvollziehbar belegt.
Da
die Akten sowohl in
somatischer Hinsicht und insbesondere
bezüglich der psychischen Komponente kein ausreichend klares Bild vermitteln, ist die Sache - unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung - an die IV-Stelle zurückzu
weisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt gesamthaft abklären lasse und hernach erneut über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers befinde. Da
bei
wird sie gegebenenfalls auch die neue Rechtsprechung nach BGE 141 V
281 zur Massgeblichkeit von
somatoformen
Schmerzstörungen anzuwenden haben. Ent
gegen dem Antrag in der Stellungnahme vom 1
8.
November 2014 (
Urk.
28) ist es nicht angezeigt, den medizinischen Abklärungen mittels einer Feststellung über die Schmerzursache vorzugreifen.
4.
Die angefochtene Verfügung vom 1
9.
Dezember 2012 ist nach dem Gesagten in ihrer Gesamtheit aufzuheben, da auch der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine befristete ganze Invalidenrente nicht bestätigt werden kann.
Damit entfällt auch die vorgenommene Verrechnung der nachgezahlten
Rentenbetreffnisse
mit ausstehenden Beiträgen an die Ausgleichskasse
GastroSocial
, ohne dass im vor
liegenden Beschwerdeverfahren über die Rechtmässigkeit der Verrechnung zu entscheiden ist.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig
.
D
ie Gerichtskosten sind nach dem
Verfah
rens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Beschwerdegegnerin ist ferner zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von
Fr.
2‘700.-- zu bezahlen.