Decision ID: 3351df71-bb96-5881-bead-5dbb9cd80b40
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1985, war vom 1. Januar bis 31. Oktober 2013 bei der
Y._ AG
als Key Account Managerin
und Human Resources Project Managerin
tätig gewesen (
Urk.
5/9,
Urk.
5/19
),
als sie am 11. November 2013 beim Thaiboxen eine Kontusion des rechten Schienbeins
und am
23. November 2013 beim Fitnesstraining
eine
Verstau
chung ihres rechten oberen Sprunggelenks
erlitt
. Mit Verfügung vom 19. Februar 2015
stellte der zuständige Unfallversicherer, die
Helsana Unfall AG
, die Heilbehandlungs- und Taggel
dl
eistungen
per 4. Dezember 2014
ein und verneinte
unfallversicherungs
rechtliche
Ansprüche der Versicherten auf eine Invalidenrente und auf eine Integritäts
ent
schädigung für die Folgen des Unfalls vom 23. November 201
3.
Nachdem die
von der
Versicherten dagegen erho
bene Einsprache
mit Entscheid vom 12. Mai 2015
abgewiesen
worden war
, erhob die Versicherte dage
gen Beschwerde,
welche
das hiesige Gericht mit
dem in Rechtskraft erwachsenen
Entscheid vom
1
5.
August 2016
(Prozess Nr.
UV.2015.00117
) abwies.
1.2
Die Versicherte war vom
1.
Juli 2014 bis 3
1.
März 2015 im Rahmen eines befris
teten Arbeitsverhältnisses als Human Resources Managerin Europe bei der
Z._ AG
tätig gewesen (
Urk.
5/
40/1-4
Ziff.
2.1), als sie sich am
8.
Februar 2015 unter Hinweisen auf «starke und tägliche Nerven- und Kopf
schmerzen im Gesicht, Kopf und Hinterkopf» (Ur. 5/1
Ziff.
6.2) bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug anmeldete. Mit Mitteilung vom
7.
Juli 2015 (
Urk.
5/31)
teilte
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
der Versicherten mit, dass die Durchführung beruflicher Massnahmen gegenwärtig nicht möglich sei.
Die
IV-Stelle
erteilte der Versicherten m
it Mitteilung vom
2.
Februar 2016 (
Urk.
5/55)
vorerst
für die Zeit vom
1.
Februar bis 3
1.
Juli 2016
Kostengutspra
che für
Integrationsmassnahmen im Sinne eines persönlich
en Sup
ports am Arbeitsplatz und verlängerte
die Kostengutsprache mit Verfügung vom
9.
August 2016 (
Urk.
5/63) bis 3
1.
Oktober 201
6.
Mit Mitteilung vom 3
0.
August 2016
(
Urk.
5/67)
erteilte die IV-Stelle der Versicherten Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung für die Zeit vom
3
1.
August 2016 bis 3
0.
April 201
7.
Mit Schreiben vom 2
2.
Dezember 2016
(
Urk.
5/82)
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Arbeitsvermittlung erfolgreich habe abgeschlossen werden können, da sie per
1.
März 2017 eine neue Arbeitsstelle werde antreten können.
In der Folge zog die IV-Stelle Akten des Taggeldversicherers der
Z._
AG
betreffend die Versicherte
(Urk.
5/90/1-83, Urk. 5/101/1-13) bei
und liess die Ver
sicherte polydisziplinär begutachten (Gutachten vom 2
6.
April 2018;
Urk.
5/125/1-61).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
5/132,
Urk.
5/137)
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
6.
September 2018 (
Urk.
5/140 =
Urk.
2) einen Rentenanspruch der Versicherten mangels Erfüllung der dafür vorausgesetzten Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40
%
während eines Jahres.
2.
Gegen
die Verfügung vom 2
6.
September 2018
(Urk. 2) erhob die Versi
cherte
am
2
9.
Oktober 2018
Be
schwerde
(
Urk.
1)
und beantragte
,
diese sei aufzuhe
ben
und es sei
en ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine
halbe
Invalidenrente
ab Oktober 2015,
zuzusprechen; eventuell sei die Sache zu ergänzender Sachverhalts
abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen
(
S.
2
).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
November 2018 (
Urk.
4) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, wovon der Beschwerdeführerin am 1
5.
April 2019 eine Kopie zugestellt wurde (
Urk.
6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betä
tigen
, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Nach der allgemeinen Beweisregel (Art. 8 des Zivilgesetzbuches, ZGB) obliegt es bei erstmaliger Renten
prüfung der versicherten Person
die invalidisieren
den Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der über
wie
gen
den Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend aus
wirkt (BGE 140 V 290 E. 4.1; 139 V 547 E. 8.1). Bleiben die Auswirkungen eines objektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Arbeits
fähigkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungs
grundsatzes sorg
fältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der Beweis für die An
spruchs
grundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (BGE 140 V 290 E. 4.1 mit Hinweisen auf die Literatur).
1.4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V
281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsve
rmögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.6
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkun
gen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.1 mit Hinweisen).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss
verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Kons
tellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durchfüh
rung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
1.7
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle)
Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE
145 V 361 E. 4.3 – 4.4,
144 V 50 E. 4.3
).
1.8
Demnach besteht einerseits das rechtsprechungsgemässe Verbot unzulässiger juristischer Parallelprüfung im Vergleich zur Arbeitsunfähigkeitsfestlegung durch die Gutachter. Andererseits umschreibt BGE 141 V 281 die Befugnis, im Rahmen der (freien) Überprüfung durch den Rechtsanwender von der ärztlichen Folgen
abschätzung abzuweichen. Diese beiden Argumentationslinien sind wie folgt abzugrenzen: In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger und im Beschwer
defall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (BGE 143 V 418 E. 6). Am Beispiel rezidivierender depressiver Ent
wicklungen leichten bis mittleren Grades veranschaulicht, die in der IV-rechtlichen Invaliditätsprüfung sehr oft - und auch in
concreto
- im Vordergrund stehen, bedeutet dies: Es genügt nicht, dass der medizinisch-psychiatrische Sach
verständige vom diagnostizierten depressiven Geschehen direkt auf eine Arbeits
unfähigkeit, welchen Grades auch immer, schliesst; vielmehr hat er darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde (wie beispielsweide Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebsschwäche, Müdigkeit,
Kon
zentrations
- und Aufmerksamkeitsstörungen, verminderte Anpassungsfähig
keit) die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Ver
gleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sons
tigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenanspre
chenden Person. Kommen die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizi
nisch-psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungsstelle oder Gericht - Bestand haben. Andern
falls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (BGE 145 V 361 E. 4.3).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
ak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
2
6.
Septem
ber 2018
(Urk. 2) davon aus,
dass die Beschwerdeführerin
gestützt auf die medi
zinische Aktenlage
seit dem Jahre 2014 im Umfang von 20
%
in Bezug auf jegliche Tätigkeit in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Mangels Erfüllung der für einen Rentenanspruch vorausgesetzten Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40
%
während eines Wartejahres sei ein Rentenan
spruch der Beschwerdeführerin nicht ausgewiesen (S. 1).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
brachte
hiegegen
vor, dass
auf das polydisziplinäre Administrativg
utachten vom 2
6.
April 2018
(
Urk.
5/125/1-61) nicht abgestellt werden könne, da dieses nicht schlüssig sei. Denn diesem sei keine Auseinander
setzung mit den anderslautenden medizinischen Beurteilungen der behandelnden Ärzte zu entnehmen.
Es sei vielmehr auf die nachvollziehbaren Beurteilungen der behandelnden Ärzte, wonach seit Oktober 2014 nie eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 50
%
bestanden habe, und auf die damit übereinstimmende Beurteilung der Eingliederungsverantwortlichen der Beschwerdegegnerin abzustellen (
Urk.
1 S. 7). Sodann könne auf die im Auftrag des Krankentaggeldversicherers verfasste neurologische Beurteilung durch Prof.
Dr.
med.
A._
von der
B._
nicht abgestellt werden, da auf Grund einer Sendung des Schweizer Fernsehens an der Unabhängigkeit der
B._
und von Prof.
A._
zu zwei
feln sei (
Urk.
1 S. 8 f.). Da
gestützt auf die Beurteilungen durch die behandelnden Ärzte von einer Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten von 50
%
auszu
gehen sei, sei ein Anspruch auf eine halbe Rente ab Oktober 2015 ausgewiesen (
Urk.
1 S. 9).
3.
3.1
Im Folgenden gilt es vorerst die für den Leistungsanspruch der Beschwerde
füh
rerin massgeblichen medizinischen Akten zu prüfen.
3.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Neurologie, stellte in ihrem Bericht vom
2
0.
November 2014 (
Urk.
5/2/31-33) die Diagnose eines
chronische
n
Spannungs
kopfschmerz
es mit
migränösen
Aspekten (Differentialdiagnose:
medikamenten
induzierter Kopfschmerz
) und erwähnte, dass eine am 1
1.
November 2014 durch
geführte Magnetresonanztomographie (MRI) des
Neurocraniums
keine pathologi
schen Befunde und insbesondere keine Anhaltspunkte für eine zerebrale Hyper
tension ergeben habe
.
In ihrem Bericht vom
1
4.
April 2015
stellte
Dr.
C._
(
Urk.
5/12)
die folgen
den Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
chronischer Spannungskopfschmerz mit
migränösen
Anteilen
-
medikamenteninduzierter Kopfschmerz
-
postherpetische Neuralgie sakral
Die Ärztin attestierte der Beschwerdeführerin ab 1
0.
November 2014 bis auf Wei
teres eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(
Ziff.
1.6) und erwähnte, dass eine schritt
weise Erhöhung des Arbeitspensums bis 100
%
in der Zeit von Juni bis Juli 2015 geplant sei (
Ziff.
1.9).
3.3
Die Ärzte der Universität
D._
, Zentrum für Zahnmedizin, Klinik für Kaufunk
tionsstörungen, diagnostizierten mit Bericht vom 2
1.
April 2015 (Urk.
5/17) eine
oromandibuläre
Dystonie unklarer Ätiologie und erwähnten, dass die Beschwer
deführerin unter einer vermehrten Anspannung der Gesichts- und Kaumuskula
tur, die nach längerem Reden und Kauen krampfartig schmerzhaft werden, leide. Die Schmerzlokalisation se
i
beidseits präaurikulä
r und im Bereich des Zungen
grunds. Dabei werde der Unterkiefer unwillkürlich nach vorne gezogen (S. 1). Das Beschwerdebild sei charakteristisch für eine
oromandibuläre
Dystonie, wobei eine
Myoarthropathie
des Kauapparates die Symptomatik überlager
e
, aber nicht im Vordergrund stehe. Behandlungsmöglichkeiten bestünden
insbesondere mittels
Injektionen
mit
Botulinumtoxin
. Auf eine Entlastung des Kauapparates werde m
ittels einer
okklusalen
Aufbisss
chiene
abgeziel
t
(S. 2).
3.4
In seinem Bericht vom 2
0.
Mai 2015 (
Urk.
5/38/4-5) stellte PD
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie, die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
oromandibuläre
Dystoni
e mit Vorschub des Unterkiefers und
atypischem Blepharospasmus (Verdacht auf Spätdystonie nach
Depakine
-Behandlun
gen)
-
sekundäre
Myarthropathie
des Kauapparates beidseits
-
Status nach Epilepsie unklarer Ätiologie
Der Arzt erwähnte, dass bei der Beschwerdeführerin im Kindesalter eine Epilepsie aufgetreten sein müsse, welche bis zum 1
5.
Altersjahr angehalten habe.
Seit
Oktober 2014 leide die Beschwerdeführerin unter deutlichen Spannungsgefühlen und Krämpfen im
Temporalisgebiet
beidseits. Diese hätten bi
s heute angehalten, wobei Bisss
chienen keine nennenswerte Besserung gebracht hätten.
Bereits f
rüher sei ein Bruxismus aufgetreten.
Im Vordergrund stünden subjektiv die Verspan
nung der Gesichts- und Kaumuskulatur. Nach längerem Reden und Kauen könne es zu krampfhaften Schmerzen im
Temporalisgebiet
, aber auch zu Schmerzen präaurikulär und im Bereich der Unterkieferregion und des Zungengrundes kom
men. Der Unterkiefer werde leicht nach vorne gestossen und es würden die Front
zähne beim Zubeissen störend aufeinandertreffen. Zudem bestünden Spannungs
gefühle im Bereich der Augenbrauen und der Stirne (S. 1). Am 2
9.
April 2015 sei eine
Botulinumtoxin
-Injektion durchgeführt worden, welche zu einer gewissen Verbesserung der Symptome geführt habe (S. 2).
3.5
Die Ärzte der Rehaklinik
F._
erwähnten im Austrittsbericht vom 1
5.
April 2015 (
Urk.
5/39/6-8), dass die Beschwerdeführerin vom 1
6.
Februar bis 2
7.
März 2015 hospitalisiert gewesen sei und stell
ten die folgenden Diagnosen (S.
1):
-
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz mit/bei:
-
Migräne
-
Status nach stationärem Schmerzmittelentzug (vom 1
1.
bis 1
6.
Februar 2015)
-
zervikovertebralem
und -
zephalem
Schmerzsyndrom
-
chronischen neuropathischen Schmerzen sakral
-
Pulpitis
Dens
molaris
Oberkiefer rechts (Differentialdiagnose: apikale Parodontitis)
Sie erwähnten, dass zunächst eine Schmerzmittelentzugsbehandlung durchge
führt worden sei. Im Verlauf der
Hospitalisation
sei es zu einer deutlichen Stabi
lisierung der Schmerzsymptomatik mit weiterer
Regredienz
insbesondere im Rücken- und Schulterbereich gekommen (S. 2).
In Bezug auf die
Kopf- und Gesichtsschmerzen
sei es
bei Austritt indes
zu keiner Verbesserung gekommen
. Die Beschwerdeführerin werde nach Klinikaustritt eine Stelle
im Umfang eines
l
eicht reduzierten Pensum
s
von 80
% suchen
. Dies sei zu unterstützen
(S. 3). Bis am 1
7.
April 2015 sei der Beschwerdeführerin
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% attestiert worden (S. 2).
3.6
Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie,
B._
, führte in dem im Auftrag des Krankentag
geldversicherers
Visana
Services AG verfassten Aktengutachten (Neurologische Second Opinion
) vom 1
3.
Oktober 2015 (
Urk. 5/101/2-13) aus, dass auf Grund der Akten kein ausreichender Anhalt für eine die Arbeitsfähigkeit
beeinträchti
gende neurologische Erkrankung bestehe, und dass auf Grund der Akten nicht auf ein
nervales
Defizit
zu schliessen sei. Vielmehr sei
von einem depressiven Affekt
beziehungsweiser von der Genese der Schmerzsymptomatik im Rahmen eines depressiven Syndroms
auszugehen (S. 9). Die durch
Dr.
C._
der Beschwerdeführerin attestierte Arbeitsunfähigkeit sei versicherungsmedizinisch nicht nachzuvollziehen. Vielmehr sei aus neurologischer Sicht von e
iner unein
geschränkten Arbeits
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit der Beschw
erdeführerin auszugehen (S. 10).
3.7
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Anästhesiologie, erwähnte in ihrem Bericht vom
5.
April 2016 (
Urk.
5/78/4), dass die Beschwerdeführerin unter einer komplexen, langanhaltenden
,
chronischen Schmerzstörung leide und stellte die folgenden Diagnosen:
-
oromandibuläre
Dystonie und chronische Spannungstypkopfschmerzen mit
migränösen
Aspekten
-
zervikovertebrales
und
zervikozephales
Schmerzsyndrom
-
Herpes Zoster Neuralgie sakral
-
myofasziales
Schmerzsyndrom
Die Ärztin
führte aus, dass die Schmerzen ursprünglich überwiegend im Rahmen der Herpes Zoster Neuralgie sakral und im kleinen Becken gelegen hätten
. In der
Folge
seien zusätzlich
ein
zervikozephales
Schmerzsyndrom und chronische Spannungstypkopfschmerzen aufgetreten. Im Jahre 2015 sei die Beschwerdefüh
rerin deswegen kaum mehr fähig gewesen, ihren Alltag zu bestreiten
. Es
sei ihr eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 100
%
attestiert worden.
3.8
Mit Verlaufsbericht vom 2
0.
Juli 2016 (
Urk.
5/78/1-3) stellte
Dr.
C._
die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
komplexe Gesichtsdystonie (
oromandibulär
,
Musculus
frontalis
, Blepha
rospasmus)
-
chronische Spannungskopfschmerzen mit
migränösen
Aspekten im Rah
men eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes, derzeit
regredient
-
chronisches
zervikovertebrales
und
zervikozephales
Schmerzsyndrom
-
postherpetische Neuralgie sakral
Die Ärztin führte aus, dass
die Beschwerdeführerin im Jahre
2015
im Rahmen eines
Medikamentenentzug
s
und eine
r
anschliessenden
kopfschmerzbezogene
n
Rehabilitation
hospitalisiert gewesen sei
. Nach
einem erfolgreichen
Opiatentzug sei es
zwar
zu einer Verbesserung der Spannungskopfschmerzen, jedoch zu einer Zunahme der schmerzhaften Spasmen der Gesichts- und Kaumuskulatur, welche die Patientin beim Sprechen und Reden erheblich einschränkten, gekommen. Im
April 2015 sei die Diagnose einer
oromandibulären
Dystonie gestellt worden. Seit April 2015 werde die Beschwerdeführerin regelmässig mit
Botulinumtoxin
behandelt, was mittlerweile zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden geführt habe. Die Restbeschwerden seien allerdings nach wie vor erheblich.
Die Beschwerdeführerin
klage nach wie vor
über
ein Auftreten von schmerzhaften Verkrampfungen im Gesicht, welche durch langes Reden, starke Mimik sowie grelles Licht ausgelöst würden. Des Weiteren würden
occipital
betonte Kopf
schmerzen, Überempfindlichkeit der Nervenaustrittspunkte
occipital
und der Kopfhaut sowie schubweise brennende Schmerzen in der Schulterregion beklagt. Ein depressives Syndrom bestehe gegenwärtig nicht. Die Beschwerdeführerin sei seit November 2015 im
Umfang eines Pensums von 50 %
im Rahmen eines Wie
dereingliederungsprogramms der Invalidenversicherung berufstätig. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit erscheine
als realistisch.
Eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit, eventuell bis auf 75
%
,
sei mittelfristig
möglich
(S. 2)
.
3.9
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Neurologie, stellte in ihrem Bericht vom 2
5.
August 2017 (
Urk.
5/100) die folgenden Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
mittelgradige depressive Episode
-
oromandibuläre
Dystonie und chronische Spannungskopfschmerzen mit
migränösen
Aspekten und mit
MüKS
(medikamenteninduziertem Kopf
schmerz)
nach
stationärem Entzug
-
zervikovertebrales
und
zervikozephales
Schmerzsyndrom
-
chronische neuropathische Schmerzen sakral nach Herpes Zoster Infektion
Die Ärztin erwähnte, dass die Beschwerdeführerin seit März 2017 eine reguläre Tätigkeit im Umf
ang eines Pensums von 50
%
im Human Resources
Management ausübe, und dass sich die psychische Gesamtsymptomatik, insbesondere die Depression
,
im Verlauf der bisherigen Therapie deutlich stabilisiert habe. Trotz anhaltender Schmerzen und Beeinträchtigungen habe die Beschwerdeführerin gute
Copingstrategien
entwickelt und könne sich emotional gut regulieren. Bei einer Fortführung der Therapie sei mit einer guten Prognose zu rechnen (Ziff.
1.4)
. Der Umfang der gegenwärtig tatsächlich ausgeübten Tätigkeit (von 50
%
) sollte vorerst nicht gesteigert werden (
Ziff.
1.7).
3.10
Die Ärzte de
s
Zentrum
s
I._
erwähnten in ihrem polydisziplinären Gutachten vom 2
6.
April 2018 (
Urk.
5/125/1-61), dass die Beschwerdeführerin am 1
0.
Januar und 1
2.
März 2018 neurologisch, rheumatologisch, internistisch und psychiatrisch untersucht worden sei (S. 1) und stellten die folgenden Diagnosen (
nach
Abschluss des Konsensprozesses;
S. 13):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit):
-
chronische Gesichtsschmerzen mit Ausstrahlung in die Augenpartien
-
aktenanamnestisch ausgeprägte
Tendomyopathie
der Kaumuskulatur (
oromandibuläre
Dystonie)
-
chronisches Kopfweh vom Spannungstyp
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
Neurasthenie-Syndrom mit im Vordergrund stehenden körperlichen Symptomen wie Schmerzen sowie Entspannungsunfähigkeit und Erschöpfungsneigung
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit):
-
Zustand nach
Tendopathie
der
Schulterrotatorensehnen
beidseits
-
radiale
Humerus-Epicondylopathie
rechts
-
Trochanter-
Enthesiopathie
beidseits bei beidseitigem
Pincer-Impingement
der Hüftgelenke (
Coxae
profundae
) mit links beginnender
Coxarthrose
-
dysfunktionales Kiefergelenk rechts
-
Zustand nach
bulimischer
Essstörung
Die Gutachter führten aus, dass
die Beschwerdeführerin in neurologischer Hin
sicht seit dem Jahre 2014 an chronischen Gesichtsschmerzen beidseits leide, wobei das Zustandsbild nicht zu den atypischen Gesichtsschmerzen, welche jeweils einseitig vorhanden
seien
und häufig mit einer Trigeminusneuralgie verwechs
elt wü
rden, gehöre. De
s
Weiteren leide sie unter einer ausgeprägten
Ten
domyopathie
der Kaumuskulatur (
oromandibulare
Dystonie) infolge eines massiv erhöhten Kaumuskeltonus mit
Zähnepressen
und -knirschen. Das Schmerz- und Spannungsgefühl im Gesichts- und Schläfenbereich sei phäno
menologisch von einem Kopfschmerz vom Spannungstyp kaum zu unterscheiden.
In rheumatologischer Hinsicht leide die Beschwerdeführerin unter gelenknahen Störungs- und Schmerzsyndromen, welche sich mit umschriebenen Einzeldiag
nosen
tendopathischen
Charakters benennen liessen. Für die aktenanamnestisch
erwähnte
Wirbelsäulenproblematik bestehe
gegenwärtig
weder im zervikalen noch im thorakalen Bereich eine entsprechende Pathologie. Eine rheumatologi
sche Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit könne nicht gestellt werden. Es bestehe zudem eine gewisse Tendenz zu vorsichtiger Selbstlimitierung. Die internistische Untersuchung habe keine Erkrankungen und keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ergeben (S. 14
).
In psychiatrischer Hinsicht stünden eine chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren und ein
Neurastheniesyndrom
im Vordergrund.
Die Beschwerdeführerin weise sodann weit in die Psychobiographie zurückrei
chende narzisstische und
dependente
Persönlichkeitsstrukturen auf. Psychologi
sche Faktoren wie die Neurasthenie sowie die Persönlichkeitsstruktur seien massgeblich an der Entstehung und Aufrechterhaltung des Sc
hmerzsyndroms beteiligt (S. 14).
Weder die chronischen Gesichtsschmerzen noch die
oromandibuläre
Dystonie und das chronische Kopfweh vom Spannungstyp seien zu objektivieren. Auch die anderen körperbezogenen und schmerzassoziierten Beschwerden liessen sich nicht objektivieren. Hingegen seien psychologische Faktoren, welche an der Ausgestaltung und Aufrechterhaltung der chronischen Schmerzproblematik beteiligt seien, festzustellen. Dazu gehörten die Persönlichkeitsstruktur sowie eine
depen
dente
Persönlichkeitsakzentuierung mit einer Neigung zur Selbstüber
-
forderung. Psychodynamisch gehe es um die Notwendigkeit einer ständigen narzisstischen Zufuhr durch Anerkennung und Leistungsfähigkeit
,
um das inner
seelische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten (S. 16). Aus rheumatologischer Sicht sei der Beschwerdeführerin die im Bereich der bisherigen beruflichen Aktivitäten gefor
derten Belastung (Management, Administration) im Rahmen einer Normal
anstel
lung zumutbar. Aus klinisch-neurologischer Sicht bestehe insofern eine vermin
derte Belastbarkeit, als längerdauernde Gespräche die
dystonen
Muster verstärk
ten, weshalb Unterbrüche und Pausen notwendig seien. Aus psychiatri
scher Sicht sei
der
Beschwerdeführerin
die Ausübung von
Tätigkeiten, die ihrem
Ausbil
dungs
- und Kenntnisstand
entsprechen, zuzumuten
.
Es seien genügende
Ressour
cen im mentalen Bereich, im Kontaktverhalten und in der Kommunikation vor
handen. Die Arbeitsfähigkeit werde dadurch eingeschränkt, dass die Beschwerde
führerin auf eine flexible Organisation mit angep
asstem Arbeitsplatz, Ruhepau
sen und
Möglichkeiten, das Arbeitspensum freier zu gestalten, angewiesen sei
(S.15)
.
Der Beschwerdeführerin sei die Ausübung einer Erwerbs
tätigkeit in zeitli
cher Hinsicht im Umfang eines Vollzeitpensums bei einer um 20
%
eingeschränk
ten Leistungsfähigkeit und damit insgesamt im Umfang von 80
%
zuzumuten (
Urk.
5/125/60).
Aus psychiatrischer und neurologischer Sicht habe sei
t
dem Jahre 2014 eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und in
einer
a
nge
passten Tätigkeit
im Umfang
von
insgesamt
80
%
bestanden (S. 15).
4.
4.1
Den erwähnten medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdefüh
rerin
in somatischer Hinsicht
im Jahre 2014
vorerst
unter chronischen neuropa
thischen Sch
merzen sakral (vorstehend E. 3.5
) beziehungsweise unter einer postherpetischen Neuralgie sakral
(vorstehend E. 3.2)
litt
. In der
Folge
traten
einerseits ein
chronische
r
Spannungskopfschmerz
mit
migränösen
Aspekten beziehungs
weise ein
medikamenteninduzierter Kopfschmerz
und andererseits
Ver
span
nun
g
en
und Schmerz
e
n im Bereich
der Gesichts- und Kaumuskulatur
im Sinne einer
oromandibuläre
n
Dystonie
mit Vorschub des Unterkiefers
auf
. Nach einem
S
chmerzmittelentzug im Februar
2015 kam es zu einer
Stabilisierung der Schmerzsymptomatik
(vorstehend E.
3.5
)
.
Die Gutachter der
I._
gingen
in ihrem Gutachten vom
2
6.
April 2018
(vorstehend E.
3.10
)
davon aus, dass w
eder di
e chronischen Gesichtsschmerzen, die
oromandibuläre
Dystonie,
das chronische Kopfweh vom Spannungstyp
,
noch
die anderen körperbezogenen und schmerz
assoziierten Beschwerden
zu objektivieren seie
n
. Die
Beschwerdeführerin
sei
aus neurologischer und psychiatrischer Sicht
jedoch darauf angewiesen,
vermehrt Arbeitsunterbrüche und Pausen
einzuhalten
,
wodurch sie in ihrer Leistungsfähig
keit
beeinträchtigt werde. Demgegenüber vertrat
Prof.
A._
in seinem
Aktengut
achten
vom
1
3.
Oktober 2015
(vorstehend E.
3.6
)
die Ansicht
, dass kein ausrei
chender Anhalt für eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende neurologische Erkrankung bestehe, und dass auf Grund der Akten nicht auf ein
nervales
Defizit
geschlossen werden könne
.
4.2
Den Akten ist sodann zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bisher nicht in psychiatrischer Behandlung stand. Die Gutachter der
I._
gingen in ihrem Gutachten vom
2
6.
April 2018
(vorstehend E.
3.10
) davon aus, dass die Beschwer
deführerin in
psychiatrischer Hinsicht
unter
eine
r
chronische
n
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und
unter
ein
em
Neurastheniesyn
drom
leide,
und dass p
sychologische Faktoren
im Sinne der
Neurasthenie
und der
narzisstische
n
und
dependente
n
Persönlichkeitsstrukturen
m
assgeblich an der Entstehung und Aufrechterhaltung
des Schmerzsyndroms beteiligt seien.
4.3
Während
Dr.
G._
in ihrem Bericht vom
5.
April 2016 (
vorstehend E.
3.7
) davon ausging,
dass die Beschwerdeführerin
im
Jahre 2015 im Umfang von 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei, vertrat
Dr.
C._
in ihrem Bericht vom 2
0.
Juli 2016 (vorstehend E.
3.8
) die Ansicht, dass die
Beschwerdeführerin
, welche
seit November 2015 im
Umfang eines Pensums von 50 %
im Rahmen eines Wie
dereingliederungsprogramms berufstätig
gewesen
sei, in diesem Umfang in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit arbeitsfähig sei, wobei mittelfristig allenfalls mit einer
Steigerung der Arbe
itsfähigkeit bis a
uf 75
%
zu rechnen sei. Damit über
einstimmend attestierte
Dr.
H._
der Beschwerdeführerin am
2
5.
August 2017 (
vorstehend E.
3.9
)
eine Arbeitsfähigkeit
im Umfang eines Pensums von 50
%
in der gegenwärtig ausgeübten, angepassten Tätigkeit im
H
uman Resources
Management. Demgegenüber gingen die Ärzte der
I._
in ihrem Gutachten vom
2
6.
April 2018
(vorstehend E.
3.10
) davon aus, dass
der Beschwerdeführerin
aus somatischen und psychischen Gründen die
Ausübung
ihrer
bisherigen Tätig
keit
als Human Resources Managerin
sowie anderer angepasster
Erwerbstätigkei
t
en
im Umfang eines Vollzeitpensums bei einer um 20
%
eingeschränkten Leis
tungsfähigkeit und damit insgesamt im Umfang
eines Arbeitspensums
von 80
%
grundsätzlich seit dem Jahre 2014
zuzumuten
gewesen sei
.
5.
5.1
Das Gutachten
der Ärzte des
I._
(vorstehend E
.
3.10
) erfüllt die praxisgemäs
sen Anfor
derungen für eine beweis
kräf
tige medizinische Ent
schei
dung
sgrundlage (vgl. vor
ste
hend E.
1.9
). Denn die
Gutachter, welche als Fach
ä
rzt
e
für Psychiatrie und Psychotherapie
, für
Neurologie, für
Allgemeine Innere Medizin
und für Rheu
matologie
über für die Beur
teilung der
physischen und
psychischen Gesundheits
be
einträchtigung
en
der Beschwer
de
führerin angezeigte fachärztliche Aus- und Weiter
bildung
en
verfügt
en
, hatte
n
Kennt
ni
s sämtlicher medi
zinischer Vor
ak
ten, setzte
n
sich in ange
messe
ner Weise mit den geäusser
ten Beschwerden
aus
einan
der und be
gründete
n
ihre
Schlussfolgerungen
in nachvoll
ziehbarer Weise
.
In inhaltlicher Hinsicht vermag sodann zu überzeugen, dass
die Gutachter
davon ausging
en
, dass
bei der
Beschwerdeführerin
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und ein
Neurastheniesyndrom
im Vorder
grund
stünden, und dass p
sychologische Faktoren wie die Neurasthenie
und
narzisstische und
dependente
Persönlichkeitsstrukturen massgeblich an der Ent
stehung und Aufrechterhaltung des Schmerzsyndroms
beteiligt seien. Obwohl die Gutachter des
I._
, welche eine Aggravation ausdrücklich verneinten,
eine gewisse Tendenz zu
vorsichtiger Selbstlimitierung feststellten (
Urk
5/125 S. 17),
lässt sich daraus nicht auf ein eindeutig über eine unbewusste Tendenz zur Schmerzausweitung und
verdeutlichung
hinausgehendes, die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens klar überschreitendes
aggravatorisches
Ver
halten schliessen. Ausschlussgründe (vgl. vorstehend E.
1.6
) sind vorliegend daher zu verneinen.
5
.2
Bei Verfassen des Gutachtens der Ärzte des
I._
vom
2
6.
April 2018
(vorste
hend E.
3.10
)
war die am 30. November 2017 mit BGE 143 V 409 und 143 V 418 erfolgte Änderung der Rechtsprechung, wonach grundsätzlich sämtliche psychi
schen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (vgl. vorstehend E.
1.5
), bereits erfolgt. Die
Gutachter
setzten sich denn auch eingehend
gemäss
der Fragestellung der
Beschwerdegegenerin
mit den S
tandardin
dikatoren auseinander und orientierten sich
bei der Beurteilung der Arbeitsfähig
keit an den normative
n Vorgaben
gemäss
BGE 141 V 281 (vgl. vorstehend E.
1.5
).
Die Gutachter begründe
te
n unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die einschlägi
gen Indikatoren
in
nachvollziehbare
r
Weise das
Ausmass
der
Leistungsminde
rung. Namentlich n
a
hmen sie Bezug auf den Schweregrad des Leidens und
äusser
te
n
sich zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg
sowie zur Konsist
enz und zu
r
Plausibilität der geschilderten Symp
tome
(vgl.
Urk.
5/125 S. 20 ff.). Zu überzeugen vermag insbesondere, dass die Gutachter dem Umstand Rechnung trugen, dass die Beschwerdeführerin
in der
P
ersönlichkeitsstruktur
Auffälligkeiten
mit narzisstischen und
dependente
n
Zügen
sowie
m
it einer Nei
gung zur Selbstüber
forderung
aufweise
, dass
sie indes dennoch über gute per
sönliche Ressourcen verfüge, mit denen es ihr möglich sei, das Schmerzsyndrom zu überwinden (vgl.
Urk.
5/125 S.
59)
, und dass sie über ausreichend stabile soziale Kontextfaktoren verfüge (
Urk.
5/125 S. 59 und S. 18 f.). Sie bejahten sodann ein
konsistentes Verhalten im Erwerbsbereich und in anderen Lebensbe
reichen (
Urk.
5/125 S. 21
;
vgl.
auch
Urteil
des Bundesgerichts
9C_755/2018 vom
9.
Mai 2019 E. 4.2.5).
Da die Gutachter bei der Beurteilung des
Leis
tungsvermö
gen
s
aus
schliesslich
funktionelle Ausfälle berücksichtigt
en
,
beruht ihre
versiche
rungs
medizinische Zumutbar
keits
beurteilung auf objektivier
ter Grundlage. Die von der Rechtsanwen
dung zu prüfende Frage, ob sich die Gut
achter an die
massgebenden
normativen Rahmen
bedingungen gehalten und das Leistungsver
mögen in Berücksichtigung der ein
schlägigen Indikatoren einge
schätzt haben, ist daher zu bejahen.
Die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage
sind
anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei
ausgewiesen.
Mit Blick darauf ergibt sich gesamt
haft, dass sowohl eine gesundheitliche Beeinträchtigung von erheblichem Schwe
regrad als auch deren funktionelle Auswirkungen in erwerblicher Sicht objektiv (
Art.
7
Abs.
2 ATSG)
,
kohärent und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ausgewiesen sind. Mithin kann der gut
achterlichen Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit auch
aus
rechtlicher Sicht
gefolgt werden. Triftige
Gründe, welche in rechtlicher Hinsicht ein Abweichen davon gebieten würden (vorstehend E.
1.8
), sind nicht ersichtlich.
5.3
Demgegenüber
lässt sich dem Bericht von
Dr.
G._
vom
5.
April 2016 (vorstehend E.
3.7
)
keine nachvollziehbare Begründung der von ihr postulierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit im Jahre 2015 entnehmen. Des Gleichen lassen sich der Beurteilung durch
Dr.
C._
vom 2
0.
Juli 2016 (vorstehend E.
3.8
)
keine medizinischen Gründe entnehmen, aus welchen zu schliessen wäre, dass der Beschwerdeführerin ab November 2015 lediglich die Ausübung einer ange
passten Tätigkeit im Umfang der von ihr tatsächlich ausgeübten Beschäftigung als Human Resources Managerin im Umfang eines Arbeitspensums von 50
%
zuzumuten
gewesen
wäre
.
Ferner
vermag nicht zu überzeugen, dass
Dr.
H._
, welche in ihrem Bericht vom 2
5.
August 2017 (vorstehend E.
3.9
) eine Verbesserung der
psychische
n
Gesamtsymptomatik
und
insbesondere
der
Depres
sion
feststellte und
davon ausging, dass
die Beschwerdeführerin
über
gute
Copingstrategien
verfüge, der
Beschwerdeführerin lediglich eine Arbeitsfähigkeit im Umfang des von ihr tatsächlich ausgeübten Arbeitspensums von 50
%
attes
tierte. Mangels nachvollziehbarer Begründungen kann auf die Arbeitsfähigkeits
beurteilungen durch
Dr.
G._
,
Dr.
C._
und
Dr.
H._
vorliegend daher nicht abgestellt werden.
5.4
Ergänzend gilt es in Bezug auf die Beurteilungen durch
Dr.
G._
,
Dr.
C._
und
Dr.
H._
zu berücksichtigen, dass es nach der Rechtspre
chung wegen der unterschiedlichen Natur von Behandlungsauftrag der therapeu
tisch tätigen Fachärzte und Fachärztinnen und des Begutachtungs
auftrags der amtlich bestellten medizinischen Experten (BGE 124 I 170 E. 4) nicht geboten ist, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderen Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine klärende Ergänzung des medizinischen Dossiers oder direkt eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige, nicht rein subjek
tiver ärztlicher Interpretation entspringende Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteile des Bun
desgerichts 9C_252/2012 vom 7. September 2012 E. 8.4 und 8C_784/2011 vom 15. Dezember 2011 E. 3.2). Solche Aspekte sind vorliegend nicht gegeben.
5.5
In Bezug auf das Aktengutachten von Prof.
A._
vom 1
3.
Oktober 2015 (vorste
hend E.
3.6
)
gilt es zu beachten, dass
den von
Krankentaggeldversicherer
n
nicht im gesetzlich vorgesehenen Verfahren nach
Art.
44 ATSG eingeholten Gutachten
gemäss der Rechtsprechung
der Beweiswert versicherungsinterner ärztlicher Fest
stellungen zu
kommt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_71/2016 vom
1.
Juli 2016 E.
5.3), dass solchen
Berichten praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu
kommt
wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach
Art.
44 ATSG vom Versiche
rungsträger veranlassten Gutachten
unabhängiger Sachverständiger, und dass selbst bei nur
geringe
n
Zweifel
n
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen
sind
(BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_230/2019 vom
2.
Juli 2019 E. 3.2).
Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass
Prof.
A._
zwar
über eine Weiterbildung zum Facharzt für
Neurologie,
nicht
hingegen über
eine solche zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt. Insoweit
Prof.
A._
daher von
einem dep
ressiven Affekt beziehungsweise
von der Genese der Schmerzsymptomatik im Rahmen eines depressiven Syn
droms
ausging,
kann auf seine Beurteilung
schon deshalb
nicht abgestellt werden, weil es ihm bereits an einer dafür angezeigten fachärztlichen Weiterbildung im Fachgebiet der Psychiatrie fehlte.
Unter diesen Umständen
kann die von der Beschwerdeführerin aufgeworfene Frage (
Urk.
1 S. 8 f.), ob auf Grund von in
einer Sendung des Schweizer Fernsehens
thematisierter Sachverhalt
e
an der
Unabhän
gigkeit von Prof.
A._
zu zweifeln sei
,
vorliegend
offengelassen werden.
6
.
Zusammenfassend erlaubt das Gutachten der Ärzte des
I._
vom 2
6.
April 2018 (vorstehend E.
3.10
),
welchem volle
Beweiskraf
t
zukommt, eine schlüssige Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Lichte der Indikatoren gemäss BGE 141 V 28
1.
Für eine gesonderte rechtliche Prüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens besteht daher
kein Grund
. Gestützt
auf die nachvollziehbare Beurteilung der
Ärzte des
I._
vom 2
6.
April 2018 (vorste
hend E.
3.10
),
ist
daher
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin
grund
sätzlich
seit
dem Jahre 2014
sowohl aus
somatischen
als auch aus
psychischen Gründen
die Ausübung
der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit
in zeitlicher Hinsicht im Umfang eines Vollzeitpensums
,
bei einer um 20
%
einge
schränkten Leistungsfähigkeit
,
und damit insgesamt im Umfang von 80
%
zuzu
muten war.
7.
7.1
Gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art.
29
Abs.
1 ATSG. Die Beschwerdeführerin hat ihren Leistungsanspruch am
8.
Februar 2015 (
Urk.
5/1
Ziff.
11) im Sinne von
Art.
29
Abs.
1 ATSG geltend gemacht. Ein Rentenanspruch konnte gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG daher frühestens im August 2015 entstehen.
7.2
Laut
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG besteht ein Rentenanspruch frühestens ab dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig gewesen war. Bei der Berechnung der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit gilt die Wartezeit von einem Jahr in dem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine erhebliche Beeinträch
tigung der Arbeitsfähigkeit vorliegt. Die Praxis sieht eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
als erheblich an (Urteil des Bundesgerichts I 725/05 vom 3
0.
Mai 2006 E.
2). Für die Bestimmung des Rentenbeginns sind somit auch Perioden zu berück
sichtigen, während welcher eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
bestan
den hat.
7.3
Die Rentenhöhe ist sowohl vom Ausmass der nach Ablauf der Wartezeit weiterhin bestehenden Erwerbsunfähigkeit als auch von einem entsprechend hohen Grad der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des vorangegangenen Jahres
abhängig. Die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit während eines Jahres und die nach Ablauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigkeit müssen somit kumulativ und in der für die einzelnen Rentenabstufungen erfor
derlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (BGE 121 V 264 E. 6b/cc). Entsprechend der in
Art.
28
Abs.
2 IVG festgelegten Rentenabstufung kommt daher zum Beispiel eine
Viertelsrente
erst in Betracht, wenn die versicherte Person während eines Jahres durchschnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig gewesen und weiter
hin wenigstens zu 40
%
invalid im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG ist (
Art.
8 ATSG; Urteil des Bundesgerichts 8C_174/2013, 8C_178/2013 vom 2
1.
Oktober 2013 E. 3.2).
7.4
Bei Prüfung der für den Beginn des Rentenanspruchs vorausgesetzten durch
schnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des Wartejahrs nach
Art.
28
Abs.
1
lit
.
b IVG gilt es die Rechtsprechung zu der in
Art.
6 ATSG enthaltenen Definition der Arbeitsunfähigkeit zu beachten (Urteile des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 1 und 8C_380/2009 vom 1
7.
September 2009 E. 2.1; SVR
2008 BVG Nr. 31 S. 126), wonach unter Arbeitsunfähigkeit eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen ist. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Die Leistungseinbusse muss daher in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nich
t
(Urteil des Bundesgerichts 9C_368/2008 vom 1
1.
September 2008 E.
2 mit Hinweisen).
7.5
Gestützt auf die nachvollziehbar
e Beurteilung der Ärzte des
I._
in ihrem Gut
achten vom
2
6.
April 2018
(vorstehend E.
3.10
)
ist
davon aus
zugehen
, dass die Beschwerdeführerin
in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit als Human Resources Managerin seit dem Jahre 2014, abgesehen von kurzfristigen Arbeits
unfähigkeit
en
in
einem
höh
eren
Umfang, zum Beispiel während
Hospitalisatio
nen
,
auf Grund einer verminderten Leistungsfähigkeit bei einem erhöhten Pausenbedarf in
einem Umfang von 20
%
dauerhaft
beeinträchtigt war. Es ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
spätestens ab
1.
Juli 2014
eine
dauerhafte
Arbeitsunfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin
im Umfang
von 2
0
%
bestand.
7.6
Während des Wartejahres im Sinne von
Art.
2
8. Abs.
1
lit
. b IVG, welches
frü
hestens
am
1.
Juli 2014
zu laufen begann
(gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG
; vorstehend E. 7.1)
und am 3
1.
Juli 2015
endete, bestand
daher eine durchschnit
tliche Arbeitsunfähigkeit von 20
%
.
Damit hat die Beschwerdeführerin bereits die gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
für einen Rentenanspruch vorausgesetzte Arbeitsunfähigkeit
während eines Jahres
von durchschnittlich
mindestens 40
%
,
ohne wesentliche Unterbrü
ch
e,
nicht erfüllt, weshalb nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom
2
6.
Septem
ber 2018
(
Urk.
2)
auf eine Invaliditätsbemessung gemäss der für Erwerbstätige massgebenden Methode des Einkommensvergleichs verzichtete und einen
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneinte.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
8.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
7
00
.-- festzusetzen und ausga
ngsgemäss der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.