Decision ID: 77b5afa2-82f6-515c-9027-e9b857dad0d6
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 1. Dezember 2010 wegen sehr starker
Neurodermitisschübe und Depression sowie grosser Überforderung bzw. geringer
Belastbarkeit bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1).
A.b Aufgrund einer arbeitsmedizinischen Abklärung kam RAD-Arzt Dr.med. B._,
Facharzt für Arbeitsmedizin FMH, zum Schluss, zunächst seien eine fachpsychiatrische
Diagnostik und Behandlung erforderlich. Aktuell bestehe keine berufliche
Eingliederungsfähigkeit (Bericht vom 22. Dezember 2010, IV-act. 11). Die IV-Stelle
erliess daraufhin am 27. Januar 2011 die Mitteilung, es seien keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich, aktuell stünden medizinische Massnahmen im
Vordergrund (IV-act. 20). Am 9. Februar 2011 auferlegte sie der Versicherten unter
Hinweis auf ihre Schadenminderungspflicht eine stationäre psychiatrische Behandlung
(IV-act. 21).
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A.c Diese fand vom 15. Mai bis 16. Juli 2011 in der Psychiatrischen Klinik C._ statt.
Dabei wurden eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F32.11) diagnostiziert und diverse Hinweise auf eine ADHS-Problematik
festgestellt. Im Laufe der Behandlung verbesserte sich die depressive Symptomatik
deutlich und die Affektwahrnehmung und das Bewusstsein über eigene Verhaltens-
und Denkweisen wuchsen (Bericht vom 10. August 2011, IV-act. 32-7 ff.).
A.d Med.pract. D._, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie,
behandelte die Versicherte ab August 2011 (14-tägige lösungs- und
ressourcenorientierte psychiatrisch-psychotherapeutische Einzelgespräche). Sie
äusserte zusätzlich den Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
dependenten Anteilen; Belastbarkeit und Einsatzfähigkeit seien reduziert, die
Versicherte sei erschwert anpassungsfähig. Ab 16. Juli 2011 bestehe eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit, ab Januar 2012 sei in einer Tätigkeit an einem ruhigen Arbeitsplatz
ohne grosse Verantwortung, Zeit-/Termindruck, mit klaren, repetitiven Abläufen und
geregelten Pausen von einer maximal 50%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
(undatierter Arztbericht, IV-act. 34). Im Verlaufsbericht vom 9. Mai 2012 hielt sie fest,
der Gesundheitszustand habe sich verbessert. Die Stimmung habe sich stabilisiert,
Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen hätten zugenommen, die ängstliche
Verunsicherung und die soziale Isolationsneigung hätten abgenommen. Aus
psychiatrischer Sicht erachtete sie eine Arbeitstätigkeit von 4 bis 5 Stunden täglich
nach abgestufter Wiedereingliederung als zumutbar (IV-act. 43).
A.e Der Versicherten wurde Kostengutsprache für ein Aufbautraining in der E._ vom
16. Juli 2012 bis insgesamt 15. April 2013 erteilt (Mitteilungen vom 7. September 2012,
IV-act. 56, und vom 21. Januar 2013, IV-act. 65). Die Versicherte arbeitete in einem
Pensum von 50% im Office. Die Massnahme wurde am 19. Februar 2013
abgebrochen, da es ihr nicht mehr möglich war, weiter an den von der IV gesteckten
Zielen zu arbeiten (Bericht E._ vom 6. März 2013, IV-act. 69; vgl. auch IV-act. 71-21).
Der Bericht hält zusammenfassend fest, die Versicherte habe im Umgang mit dem PC
und mit insbesondere einer Mitarbeitenden Schwierigkeiten bekundet. Im geschützten
Rahmen sei sie 50% arbeitsfähig gewesen. In den vier Stunden Präsenz habe sie
durchschnittlich eine 50%-ige Leistungsfähigkeit erbringen können (Anwesenheit 50%,
Leistung 20% bis 30%, IV-act. 71-21). In der freien Wirtschaft seien aus momentaner
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Sicht eine Überforderung und dadurch ein Rückschritt zu befürchten. In Betracht
kämen nicht zu komplexe Tätigkeiten mit sehr klaren und gut erklärten Arbeitsabläufen
bzw. guter Einarbeitung an einem ruhigen Arbeitsplatz mit stimmiger Teamkonstellation
(IV-act. 69-7 f.).
A.f Der Fall wurde seitens der Eingliederungsverantwortlichen am 7. Mai 2013
abgeschlossen (Verlaufsprotokoll, IV-act. 71; Schlussbericht Eingliederung, IV-act. 72).
Die IV-Stelle hob mit Mitteilung vom 3. Juni 2013 diejenige vom 21. Januar 2013
rückwirkend per 19. Februar 2013 auf (IV-act. 77).
A.g Med.pract. D._ hielt im Verlaufsbericht vom 25. Juni 2013 fest, im
Gesamtquerschnitt habe ein leicht erhöhtes Funktionsniveau gegenüber der
Erstbeurteilung (RAD-Abklärung vom 21. Dezember 2010) erreicht werden können, mit
wenig Veränderung gegenüber dem Vorbericht vom 11. April 2012. Inwiefern eine
dauerhafte Teilarbeitsfähigkeit von 50% erreicht bzw. aufrecht erhalten werden könne,
bleibe sehr fraglich. Nach der bisherigen Verlaufsbeurteilung sei eher wahrscheinlich,
dass es der Versicherten in einem geschützten Arbeitsrahmen allenfalls gelinge, in
wechselnden Zeitspannen allenfalls zwischen 30% und maximal 50%
Arbeitsanforderungen standzuhalten (zeitlicher Rahmen 3 bis max. 5 Stunden/Tag,
Leistung maximal 80%; IV-act. 78).
A.h RAD-Arzt Dr.med. F._ nahm am 3. Oktober 2013 Stellung, in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Köchin sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% wegen der
Neurodermitis ab Dezember 2010 auszugehen. Es sei eine psychiatrisch-neuropsycho-
logische Begutachtung notwendig (IV-act. 79).
A.i Der Gutachter, Dr.med. G._, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und
Neurologie, diagnostizierte gemäss Gutachten vom 29. April 2014 (IV-act. 84;
Untersuchung 29. November 2013) eine selbstunsichere Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F60.6), eine rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert (ICD-10:
F33.4), sowie ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS/ADS, ICD-10: F90.0). Eine
angepasste Tätigkeit könne 6 Stunden pro Tag ausgeübt werden. Die
Leistungsfähigkeit sei um 20% reduziert, die Gesamtarbeitsfähigkeit sei 60%,
erreichbar nach einer dreimonatigen Aufbauphase (IV-act. 84-20). Angepasst seien
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Tätigkeiten ohne komplexe Aufgabenstellung und ohne übliche Computerarbeit.
Geeignet sei eine einfache gewerbliche Arbeit. Sie sollte auch keine hohen
Anforderungen an die soziale Kompetenz, insbesondere an die Abgrenzungsfähigkeit,
stellen. Sie sollte überwiegend alleine ausgeübt werden können, am besten nicht in
unmittelbarer Nähe anderer Personen (IV-act. 84-19). Das aktuelle Leistungsbild
bestehe seit ungefähr Anfang 2012. Vorher sei ein deutlicher depressiver Zustand
vorhanden und die Leistungsfähigkeit stärker eingeschränkt gewesen (IV-act. 84-19 f.).
A.j Die Eingliederungsverantwortliche schloss den Fall am 10. Oktober 2014 ab, da die
Versicherte auf Unterstützung bei der Eingliederung verzichtete. Sie hielt fest, eine
Anstellung im ersten Arbeitsmarkt sei aufgrund der Adaptationskriterien kaum
umsetzbar. Die Beschreibung entspreche einem Nischenarbeitsplatz im ersten
Arbeitsmarkt oder Tätigkeiten im geschützten Rahmen (IV-act. 92-4; IV-act. 93;
Mitteilung vom 17. Oktober 2014, IV-act. 95).
A.k Mit Vorbescheid vom 11. Februar 2015 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur beabsichtigten Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Juli 2012 (IV-
act. 99). Mit Einwand vom 20. März 2015 liess die Versicherte eine ganze Rente ab
Dezember 2011 bzw. einen Tabellenlohnabzug von mindestens 15% beantragen und
im Wesentlichen geltend machen, die vom psychiatrischen Gutachter prognostizierte
Teilarbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt sei realistischerweise nicht erreichbar (IV-
act. 103). Mit Verfügung vom 8. September 2015 sprach die IV-Stelle der Versicherten
ab 1. Juli 2012 eine Viertelsrente zu. Sie erwog, gestützt auf eine Stellungnahme von
RAD-Arzt Dr. F._ vom 22. April 2015 (IV-act. 105), die Neurodermitis schränke die
Arbeitsfähigkeit nicht ein. Es würden keine neuen Tatsachen geltend gemacht, welche
die gutachterliche Einschätzung von Dr. G._ zu ändern vermöchten (IV-act. 114).
A.l Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 5. Oktober 2015 Beschwerde
erheben. Sie brachte vor, die Auswirkungen der Neurodermitis seien nicht vertieft
gewürdigt worden. Es sei daher auf den Bericht der E._ abzustellen oder aber wegen
der zusätzlichen Einschränkungen durch die Neurodermitis ein Leidensabzug von
mindestens 15% zu vorzunehmen (IV-act. 113-2 ff.). Nach weiterer Stellungnahme von
RAD-Arzt Dr. F._ (26. November 2015, IV-act. 123) widerrief die IV-Stelle die
angefochtene Verfügung vom 8. September 2015 (IV-act. 135-1; sowie eine
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gleichlautende, bereits am 7. September 2015 an die Versicherte statt an ihre
Rechtsvertretung zugestellte Verfügung, IV-act. 111, 130-1), worauf das
Versicherungsgericht am 14. Dezember 2015 das Verfahren IV 2015/320 wegen
Gegenstandslosigkeit abschrieb (IV-act. 144).
A.m Die Klinik für Dermatologie/Allergologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
führte im Bericht vom 17. Dezember 2015 aus, aufgrund der atopischen Dermatitis mit
Handekzemen und allergischem Asthma sei eine Tätigkeit ohne Feucht- und
Wasserkontakt sowie ohne Staubexposition zu empfehlen (IV-act. 146). RAD-Arzt
Dr.med. H._, Facharzt u.a. für Innere Medizin und Arbeitsmedizin, nahm am 11. April
2016 zusammenfassend Stellung, die bekannten Allergene sollten gemieden werden,
ebenso wie mechanische, chemische und physikalische Hautbelastungen. Die
angestammte Tätigkeit als Büromitarbeiterin könne als ideal leidensangepasst
angesehen werden. Weitere Abklärungen der atopischen Erkrankungen seien nicht
erforderlich (IV-act. 155).
A.n Mit Vorbescheid vom 14. Juli 2016 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten die
beabsichtigte Zusprache einer halben IV-Rente ab 1. Oktober 2011 und einer
Viertelsrente ab 1. April 2012 (IV-act. 160). Mit Einwand vom 9. September 2016 liess
die Versicherte vorbringen, das Ergebnis der beruflichen Abklärung sei höher zu
gewichten als das psychiatrische Gutachten (IV-act. 161-1 f.). RAD-Arzt Dr. H._ liess
sich hierzu vernehmen, neue medizinische Tatsachen würden nicht vorgebracht. An der
bisherigen Leistungseinschätzung könne festgehalten werden (Stellungnahme vom 27.
Oktober 2016, IV-act. 162).
A.o Mit Verfügungen vom 1. Dezember 2016 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab
1. Oktober 2011 eine halbe Rente und ab 1. April 2012 eine Viertelsrente zu (IV-act. 165
ff.). Sie führte an, der Bericht über die berufliche Abklärung habe dem Gutachter
vorgelegen und sei auch von ihm gewürdigt worden, weshalb dem Gutachten mehr
Gewicht beigemessen werde (IV-act. 165-2).
B.
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B.a Gegen die Verfügungen vom 1. Dezember 2016 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwalt lic.iur. L. Sigg, Procap Schweiz, am 17. Januar 2017 Beschwerde
erheben. Sie beantragt, die angefochtenen Verfügungen seien unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen aufzuheben. Es sei ihr mit Wirkung ab 1. Dezember 2011 eine
ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ergänzend zu den
bisherigen Rechtsschriften trägt sie im Wesentlichen vor, mit dem ihr verbleibenden
Tätigkeitsprofil - einfache Bürotätigkeit ohne übliche PC-Tätigkeit, ohne Arbeit in einer
Telefonzentrale, ohne unmittelbaren Personenkontakt und ohne mechanische,
chemische und physikalische Hautbelastungen - sei eine Integration in den ersten
Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Falls im ersten Arbeitsmarkt dennoch eine
Arbeitsfähigkeit angenommen werde, müsste aufgrund der massiven Einschränkungen
ein Leidensabzug von mindestens 20% gewährt werden. Ferner beantragt die
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung (act. G
1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 21. Februar
2017 die Abweisung der Beschwerde. Die Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich
medizinisch-theoretisch zu bestimmen. Aufgrund der vorhandenen subjektiven
Krankheitsüberzeugung seien Arbeitsversuche von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Es sei nicht möglich, den Anteil allfälliger Motivationsmängel vom willentlich nicht
steuerbaren Unvermögen, eine volle Leistung zu erbringen, auszuscheiden. Die
Ausführungen des RAD vom 11. April und 24. Mai 2016 seien schlüssig. Es seien keine
weiteren medizinischen Abklärungen mehr notwendig. Es sei somit davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin ab Januar 2012 in einer adaptierten Tätigkeit zu 60%
arbeitsfähig sei und vorher zu 50% arbeitsfähig gewesen sei. Für die
Beschwerdeführerin geeignete Tätigkeiten seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-,
Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten, leichtere Arbeiten bei der Lager-
und Ersatzteilbewirtschaftung sowie Kurier- und leichtere Lieferdienste. Weil die
gesundheitlichen Einschränkungen in einer adaptierten Tätigkeit bereits grosszügig
berücksichtigt worden seien, sei ein Tabellenlohnabzug nicht gerechtfertigt (act. G 5).
B.c Mit Entscheid vom 24. Februar 2017 heisst die Abteilungspräsidentin das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) gut (act. G 6).
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B.d Mit Replik vom 21. März 2017 macht die Beschwerdeführerin zusammenfassend
geltend, es sei Aufgabe der beruflichen Abklärungsstellen festzustellen, inwieweit die
ärztlich festgestellte Arbeitsfähigkeit in konkret zu bezeichnenden Berufen verwertet
werden könne und wie sich die invaliditätsbedingten Faktoren auf die
Vermittlungsfähigkeit und die Erwerbsmöglichkeiten auswirkten. Beim Arbeitstraining in
der E._ sei entsprechend festgestellt worden, dass sie im geschützten Rahmen nur
gerade 50% arbeitsfähig gewesen und folglich nicht eingliederungsfähig sei. Die Frage,
ob die Arbeitsfähigkeit medizinisch-theoretisch durch die Ärzte zu bestimmen sei,
erübrige sich folglich. Die behauptete subjektive Krankheitsüberzeugung werde als
aktenwidrig und unsachlich bestritten. Die nachweislich aufgetretenen körperlichen
Stresssymptome würden nicht durch Motivationsmängel oder eine behauptete
subjektive Krankheitsüberzeugung ausgelöst. Insofern sei auch die Aussage des
Gutachters schlichtweg falsch, was den Beweiswert des Gutachtens erheblich
mindere. Der RAD halte ohne sachgerechte Auseinandersetzung mit den bei der
Büroarbeit aufgetretenen Problemen fest, dass diese ideal leidensangepasst sei. Die
von der Beschwerdegegnerin aufgezählten zumutbaren Tätigkeiten seien mehrheitlich
mit erheblicher Belastung durch Lärm, Luft und Staub verbunden. Dies sei ihr gerade
nicht zumutbar. Sie seien realitätsfremd und würden erheblich von dem abweichen,
was der RAD als ideal leidensangepasst erachte. Weiter bestehe in den erwähnten
Tätigkeiten ein extrem hoher Zeitdruck. Dies führe bei ihr aber gerade zu starken
Problemen mit Hautausschlägen, Unkonzentriertheit usw. Die Beurteilung durch den
Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin sei nicht einzelfallgerecht erfolgt (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik.

Erwägungen
1.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
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Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
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zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
2.
Die Beschwerdegegnerin hat der angefochtenen Verfügung die gutachterliche
Einschätzung einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit von 60% in adaptierten Tätigkeiten
zugrunde gelegt. Die Beschwerdeführerin stellt diese in Frage, insbesondere weil durch
das Arbeitstraining eine Integration im ersten Arbeitsmarkt nicht erreicht werden
konnte.
2.1 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung äusserte sich zum Verhältnis zwischen
gutachterlicher, medizin-theoretischer Arbeitsfähigkeitsschätzung einerseits und der
aufgrund einer leistungsorientierten Abklärung bzw. während eines Arbeits- oder
Belastbarkeitstrainings festgestellten Arbeitsfähigkeit andererseits wie folgt: Zum einen
obliege zwar die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden
ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit in der Hauptsache dem Arzt oder der
Ärztin, nicht den Fachleuten der Berufsberatung/beruflichen Eingliederung. Mit Blick
auf die rechtsprechungsgemäss enge, sich gegenseitig ergänzende Zusammenarbeit
zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung sei jedoch einer konkret
leistungsorientierten beruflichen Abklärung nicht jegliche Aussagekraft für die
Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen. Stehe eine medizinische
Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu
einer Leistung, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei
einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv realisiert
wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist, vermöge
dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen und sei das Einholen
einer klärenden medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar (Urteile vom
27. Juni 2018, 8C_48/2018, E. 4.3.1 und vom 15. Februar 2019, 9C_534/2018, E. 2.2,
mit weiteren Verweisen). Zum anderen wird aber einschränkend erwogen, den
Erkenntnissen der Eingliederungsfachpersonen im Rahmen von beruflichen
Abklärungen bezüglich der Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei zwar
eine gewisse Aussagekraft zuzuerkennen. Solche Berichte basierten in der Regel
jedoch nicht auf vertieften medizinischen Untersuchungen, sondern auf
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berufspraktischen Beobachtungen, welche in erster Linie die von ihnen erhobene,
subjektive Arbeitsleistung der versicherten Person wiedergäben. Das alleinige Abstellen
auf primär arbeitsorientierte Evaluationen sei deshalb nicht sachgemäss, da die
abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden
funktionellen Leistungsfähigkeit in der Hauptsache den ärztlichen Fachkräften obliege
(Urteil vom 16. März 2017, 9C_646/2016, E. 4.2.2). In einem weiteren Entscheid wies
das Bundesgericht darauf hin, dass ein Aufbautraining im Rahmen von
Integrationsmassnahmen der Invalidenversicherung nicht die Leistungseinschätzung
zum Ziel habe. Es stellte auf das Gutachten ab, da sich der Gutachter sowohl mit den
Resultaten des Aufbautrainings als auch mit den verschiedenen Diagnosen der
medizinischen Vorakten einlässlich auseinander gesetzt habe (Urteil vom 20. November
2013, 8C_142/2013, E. 3.5). Schliesslich betonte es, dass für die Infragestellung des
Gutachtens ein einwandfreier Arbeitseinsatz vorauszusetzen sei (Urteile vom 15.
Dezember 2015, 9C_554/2015, E. 3.4 und vom 25. Juni 2014, 8C_362/2014, E. 5.1.2).
2.2 Der psychiatrische Gutachter erhob anamnestisch, im Rahmen des
Arbeitstrainings sei die Beschwerdeführerin mit dem Computer nicht zurecht
gekommen. Dies habe ihr sehr "auf die Psyche geschlagen". Sie überblicke die Inhalte
des Computerbildschirms nicht und habe früher nie mit Word, sondern immer mit einer
Eingabemaske gearbeitet. Sie habe alle Kräfte aufgebraucht und sei dennoch zu
langsam gewesen. Sie habe eine Abneigung gegen Büros. Sie habe auch Probleme mit
den kranken Menschen in der E._ gehabt. Diese hätten sie total abgelenkt (IV-act.
84-7). Diese Angaben stimmen mit den Aufzeichnungen der E._ überein: Dort wurde
unter anderem festgehalten, auch im I._ sei die Unsicherheit im Umgang mit dem PC
täglich spürbar gewesen. Trotz wöchentlicher intensiver Schulungsmassnahmen im
Einzelsetting habe die Beschwerdeführerin nur wenige Lernschritte in den Arbeitsalltag
integrieren können. In der Telefonzentrale habe sie nur sehr bedingt eingesetzt werden
können. Sobald anrufende Person zu viele Angaben gemacht hätten oder etwas nicht
klar gewesen sei, habe sie nicht adäquat reagieren können und sei in Hektik geraten.
Im Dezember 2012 habe eine neue Mitarbeiterin im I._ zu arbeiten begonnen. Die
Beschwerdeführerin habe gäussert, durch diese Person an persönliche Probleme
erinnert zu werden. Sie habe sich dadurch sehr unwohl gefühlt, habe sich schlecht von
ihr abgrenzen können. Trotz mehrmaligen Gesprächen habe sie die neue Mitarbeiterin
nur sehr bedingt tolerieren können. Sie habe sich von ihr abgelenkt gefühlt und
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geäussert, die neue Mitarbeiterin sei zu laut, arbeite zu ungenau, sei zu dünn usw. Sie
habe sich nicht auf ihre Arbeit konzentrieren können, wenn die Mitarbeiterin anwesend
gewesen sei. Ab Anfang 2013 sei deutlich spürbar gewesen, dass die
Beschwerdeführerin an ihre Grenze gekommen sei. Sie habe sich immer weniger auf
die tägliche Arbeit einlassen können. Bereits Kleinigkeiten hätten sie aus dem
Gleichgewicht gebracht. Sie habe sich sehr dünnhäutig gezeigt. Neue Aufgaben habe
sie nicht mehr aufnehmen können. Auch sei es für sie immer schwieriger geworden, die
bereits erlernten Fähigkeiten abzurufen. Im Gespräch mit der
Eingliederungsverantwortlichen und der behandelnden Psychiaterin und der Betreuerin
sei man zum Schluss gekommen, dass es im Moment für die Beschwerdeführerin nicht
mehr möglich sei, an den von der IV gesteckten Zielen weiterzuarbeiten (Bericht vom 6.
März 2013, IV-act. 69-3). Weiter wurde erwähnt, die Beschwerdeführerin habe Mühe
gehabt, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Im Alltag habe sie gedanklich teilweise
besetzt gewirkt. Durch ihre genaue Arbeitsweise habe sie die Arbeiten nicht immer
zeitnah abliefern können. Das Hilfsmittel PC habe schnell zu Blockaden geführt,
teilweise so stark, dass sie nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Arbeit fortzusetzen.
Im Büroalltag habe sie routinemässige Arbeiten gut bewältigen können. Sobald jedoch
vernetztes Denken in Sachen PC-Anwendung gefordert worden sei, sei sie an ihre
Grenzen gestossen. Die Beschwerdeführerin sei durch private, berufliche und
gesundheitliche Sorgen stark belastet, leicht ablenkbar und mitteilungsbedürftig
gewesen. Es habe ihr auch Mühe bereitet, die Konzentration aufrecht zu halten, wenn
im Büro geredet, kopiert oder telefoniert worden sei. Sobald etwas nicht ihren
Vorstellungen entsprochen habe, habe sie sich schlecht anpassen können. Die
grössten Defizite hätten sich bei der Belastbarkeit gezeigt. Sie sei nicht in der Lage
gewesen, mit Arbeitsdruck umzugehen. Sobald die Zeit gefehlt habe, die Aufgabe
langsam und schrittweise zu erklären, habe sie nicht weiterarbeiten können. Wenn sich
im Arbeitsalltag Situationen mit Mitarbeitern ergeben hätten, die für die
Beschwerdeführerin nicht erklärbar gewesen seien, habe sie sich nur schlecht
abgrenzen können. Sie habe gegenüber Mitarbeitern und ihren Krankheiten wenig
Toleranz gezeigt. Es sei für sie schwierig gewesen, mit Menschen mit einer
psychischen Beeinträchtigung zusammenzuarbeiten. Sie habe viel Anleitung benötigt
und nur wenige, einfache Arbeiten selbständig in eigener Verantwortung erledigen
können. Hier sei ihr ihr (zu ergänzen wohl: mangelndes) Selbstbewusstsein oft in die
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Quere gekommen. Die Beschwerdeführerin kenne ihre Stärken und Schwächen und
könne diese gut benennen. Sie habe trotz Abneigung gegen den Bürobereich eine
grosse Motivation gezeigt, Neues zu lernen (IV-act. 69-4 ff.).
2.3 Der Gutachter hielt beurteilend fest, beim Arbeitseinsatz/Arbeitstraining in der
geschützten Einrichtung E._ habe sich gezeigt, dass die Versicherte auf der einen
Seite über gut verwertbare Fähigkeiten verfüge. Auf der anderen Seite seien aber auch
Defizite bei der Ausführung komplexer Aufgaben und unter Stressbedingungen
aufgefallen, ausserdem Defizite bei der Abgrenzungsfähigkeit und der sozialen
Kompetenz (IV-act. 84-16). Den Berichten aus dem Arbeitseinsatz seien deutliche
Schwierigkeiten bei der Ausführung komplexer Handlungen zu entnehmen. Diese
ergäben, auch mit früheren und aktuellen Angaben der Beschwerdeführerin, den
Verdacht auf ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Beginn in der Kindheit und
Persistenz im Erwachsenenalter (IV-act. 84-16). Aus der aktuellen Perspektive und
unter der Gesamtschau aller verfügbaren Akten und Angaben, einschliesslich der
Informationen über das Arbeitstraining/den Arbeitseinsatz, ergebe sich eine neue
Perspektive. Insbesondere die Einschränkungen bei komplexen Handlungen und bei
der Umsetzungsfähigkeit seien Aspekte, die in bisherigen Expertisen noch nicht
umfassend berücksichtigt worden seien (IV-act. 84-18). Diese Ausführungen zeigen,
dass der Gutachter die Feststellungen im Rahmen des Arbeitstrainings berücksichtigt
hat, auch wenn er im Unterschied zu den Betreuenden zum Schluss kommt, ein
geschützter Rahmen sei nicht notwendig (IV-act. 84-20 f.). Seine
Beurteilungsgrundlagen reichen weiter als diejenigen der Fachpersonen der
Eingliederungseinrichtung, indem sie ergänzend zu den berichteten Feststellungen
beim Arbeitstraining auch eine ausführliche Anamnese, eine psychopathologische
Befunderhebung und neuropsychologische Testungen sowie allgemein
fachpsychiatrisches Wissen umfassen. Auch kommt im Bericht der E._ zum
Ausdruck, dass das Arbeitstraining auch deshalb nicht erfolgreich verlief, weil sich die
Beschwerdeführerin mit beeinträchtigten und insbesondere einer konkreten
Mitarbeitenden schwer tat. Das Scheitern ist mithin auch durch ungünstige Faktoren
am konkreten Arbeitsplatz bedingt, weshalb nachvollziehbar erscheint, dass der
psychiatrische Gutachter zwar eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt attestiert,
jedoch für eine adaptierte Tätigkeit voraussetzt, dass sie keine hohen Anforderungen
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an die soziale Kompetenz stellt und überwiegend alleine, am besten nicht in
unmittelbarer Nähe zu anderen Personen, ausgeübt werden könne (IV-act. 84-19).
2.4 Weiter wurde im psychiatrischen Gutachten ausgeführt, klinisch und
testpsychologisch hätten sich Schwankungen bei den Aufmerksamkeitsleistungen,
beim Arbeits- und beim Textgedächtnis ergeben. Es bestünden Schwierigkeiten bei der
Umsetzung von Handlungen, beim Planen und bei der Flexibilität bei komplexen
geistigen Anforderungen. Die grundsätzliche Fähigkeit zur Realitätsprüfung und zur
Urteilsbildung sei erhalten. Die allgemeine Intelligenz sei nicht beeinträchtigt. Die
Fähigkeit, Beziehungen aufzunehmen und zu halten und den Kontakt zu gestalten, sei
etwas vermindert. Die Fähigkeit zur Affektsteuerung und zur Impulskontrolle sei leicht
vermindert. Es bestehe eine Selbstunsicherheit und eine labile Selbstwertregulation.
Die Fähigkeit, sich Hilfe zu holen und anzunehmen sei ausreichend vorhanden. Die
Erholungsfähigkeit sei vermindert. Antrieb und Intentionalität schwankten. Soziale
Fähigkeiten seien wahrscheinlich in ausreichendem Masse vorhanden, könnten aber
nicht in ausreichendem Masse zur Geltung gebracht werden. Die Störungen und
Funktionsausfälle wirkten sich so aus, dass die Versicherte täglich während kürzerer
Zeit arbeiten könne, weil sie schneller erschöpft sei und längere Erholung brauche.
Ausserdem arbeite sie langsamer, benötige mehr Pausen und mache mehr Fehler.
Daneben seien auch eine überdurchschnittliche Führung, Anleitung und Kontrolle
notwendig. Die Beschwerdeschilderung habe authentisch gewirkt. Die nicht direkt
beobachteten geschilderten Beschwerden und präsentierten Symptome seien in sich
konsistent gewesen. Das Verhalten sei kooperativ gewesen und es habe sich kein
Anhalt dafür ergeben, dass sich die Versicherte nicht voll angestrengt habe (IV-act.
84-17 f.). Damit hat der psychiatrische Gutachter die nach dem strukturierten
Beweisverfahren massgeblichen Indikatoren ausreichend gewürdigt. Das Gutachten ist
in Anamnese- und Befunderhebung (wo auch die Angaben und Erkenntnisse aus dem
Arbeitstraining einbezogen werden) vollständig, berücksichtigt die geschilderten
Beschwerden und ist schlüssig und widerspruchsfrei. Zusammenfassend ist daher
darauf abzustellen und von einer 60%-igen Arbeitsfähigkeit (Präsenz 6 Stunden, um
20% reduzierte Leistungsfähigkeit) in einer angepassten Tätigkeit auszugehen, die
jedoch aus medizinischen Gründen nicht im geschützten Rahmen ausgeübt werden
muss (IV-act. 84-20). Diese gilt aufgrund der übereinstimmenden Angaben der
behandelnden med.pract. D._ (IV-act. 34) sowie des Gutachters (IV-act. 84 f.) ab
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Anfang 2012, davor ist von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (vgl.
auch Bericht RAD vom 22. Dezember 2010, IV-act. 11). Aus psychiatrischer Sicht
angepasst ist eine Tätigkeit ohne komplexe Aufgabenstellungen, z.B.
Mehrfachbelastungen, ohne hohe Anforderungen an die soziale Kompetenz,
insbesondere an die Abgrenzungsfähigkeit, die überwiegend alleine bzw. nicht in
unmittelbarer Nähe anderer Personen ausgeübt werden kann (IV-act. 84-19). Aufgrund
der Neurodermitis ist zusätzlich eine Tätigkeit ohne Feucht- und Wasserkontakt sowie
ohne Staubexposition erforderlich (Bericht Klinik für Dermatologie/Allergologie KSSG,
IV-act. 146).
3.
RAD-Arzt Dr. B._ kam aufgrund seiner arbeitsmedizinischen Abklärung zum Schluss,
eine überwiegend (wahrscheinlich) relevante Arbeitsunfähigkeit bestehe spätestens seit
Aufnahme der psychiatrischen Behandlung im Oktober 2010 (IV-act. 11). Somit war
das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG am 1. Oktober 2011 abgelaufen, und ein
allfälliger Rentenanspruch besteht ab diesem Datum.
4.
4.1 In der beruflichen Anamnese hat der psychiatrische Gutachter festgehalten (IV-act.
84-5 f.), die Beschwerdeführerin habe ohne viel Freude die kaufmännische Ausbildung
absolviert (vgl. IV-act. 10) und zunächst für drei Jahre vollzeitlich bei einem Treuhänder
gearbeitet (vgl. auch den Auszug aus dem individuellen Konto [IK], wo Einkommen von
rund Fr. 30'000.-- verbucht wurden; IV-act. 93-3). Dies sei ihr "zu viel" gewesen, so
dass sie während eineinhalb Jahren im Pensum von 60% im Sekretariatsbereich
gearbeitet habe (vgl. IK-Auszug, wo Löhne von rund Fr. 15'000.-- bzw. 17'000.--
aufgeführt sind). Sie habe Probleme mit der Chefin gehabt und Fehler gemacht und
sich bei einer Tageszeitung als Texterfasserin gemeldet, ebenfalls im Pensum von 60%
(vgl. IK-Auszug, wo Einkommen zwischen Fr. 30'000.-- und Fr. 35'000.-- aufgeführt
sind). Nach sechs Jahren sei es zu einem Stellenabbau gekommen, von dem sie
betroffen gewesen sei, da sie beim Schreiben zu langsam gewesen sei. Anschliessend
arbeitete sie bis 1996 rund ein Jahr als Sekretärin bei einer Bank (vgl. IK-Auszug IV-act.
96-2), wobei ihr die Probezeit verlängert worden sei. Sie habe erst 2005 wieder zu
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arbeiten begonnen. Sie habe sich Know-how über veganes Kochen erarbeitet. Die mit
ihr befreundete Köchin einer Klinik habe ein Hotel übernommen und sie habe dort an
zwei Nachmittagen alleine das Abendessen gekocht, was ein "rechter" Druck gewesen
sei. Das Pensum habe 80% betragen (vgl. auch IK-Auszug, IV-act. 96-2). Nach einem
Jahr hätten die Probleme mit der Haut wieder begonnen. Im April 2007 seien extreme
Rückenschmerzen aufgetreten ("Hexenschuss"). RAD-Arzt Dr. B._ ging von einer
Arbeitsunfähigkeit ab spätestens Oktober 2010 aus (IV-act. 11), und der psychiatrische
Gutachter attestierte eine Arbeitsfähigkeit von 60% in adaptierten Tätigkeiten ab
Anfang 2012, zuvor sei die Arbeitsfähigkeit aufgrund der Depression tiefer gewesen (IV-
act. 84-19 f.). Überdies diagnostizierte der Gutachter eine selbstunsichere
Persönlichkeitsstörung sowie ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom bzw. bestätigte den
Verdacht eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms mit Beginn in der Kindheit und
Persistenz im Erwachsenenalter (IV-act. 84-15 ff.). Anhand dieser Diagnostik erscheint
eine Beeinträchtigung schon vor einer aktenkundigen Arbeitsunfähigkeit bzw. vor der
IV-Anmeldung sehr plausibel, umso mehr, als auch die Erwerbsbiografie nahelegt, dass
die Beschwerdeführerin schon lange vor ihrer Anmeldung bei der IV im Dezember 2010
und vor den aktenkundigen Behandlungen in ihrer Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt war.
Gründe oder Aussagen, die auf eine anders begründete, freiwillige Pensumsreduktion
hinweisen, sind nicht ersichtlich.
4.2 In Urteilen vom 31. Januar 2005 (I 65/04, E. 5.2 ) und vom 3. Juli 2008
(8C_767/2007, E. 3) haben das Eidgenössische Versicherungsgericht bzw. das
Bundesgericht Folgendes erwogen: Ist eine Person, die trotz ihrer Behinderung eine
Berufslehre abgeschlossen hat, im gelernten Beruf nicht voll leistungsfähig, ist - unter
Vorbehalt der Massgeblichkeit einer später ausgeübten besser bezahlten Tätigkeit - auf
das Einkommen abzustellen, welches die betroffene Person im gelernten Beruf erzielen
würde, wenn sie nicht behindert wäre. Demnach ist als Validenbasis vom
Jahreseinkommen auszugehen, welches die Beschwerdeführerin als vollerwerbstätige
Kauffrau hätte erreichen können. Gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des
Bundesamtes für Statistik (BFS) 2012 betrug der durchschnittliche Lohn für Bürokräfte
und verwandte Berufe bei einem Arbeitspensum von 40 Stunden pro Woche (T17,
Frauen 30-49 Jahre, Ziff. 4) Fr. 5'902.-- pro Monat bzw. Fr. 70'824.-- pro Jahr (12 x Fr.
5'902.--; 1/12 vom 13. Monatslohn sind im angegebenen Monatslohn enthalten). Die
über alle Branchen gemittelte betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit betrug im Jahr
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2012 41,7 Stunden (Informationsstelle AHV/IV, IV, Ausgabe 2019, Bern 2019, Anhang
2), womit sich das Valideneinkommen auf Fr. 73'834.-- beläuft (Fr. 70'824.-- : 40 x
41,7).
5.
5.1 Für die Ermittlung des Invalideneinkommens ist vom Durchschnittseinkommen
gemäss LSE 2012 des BFS, Frauen, Kompetenzniveau 1, auszugehen. Dieses belief
sich auf Fr. 51'441.-- (Informationsstelle AHV/IV, IV, Ausgabe 2019, Bern 2019, Anhang
2). Bei einer 60%-igen Arbeitsfähigkeit reduziert es sich auf Fr. 30'865.-- (0,6 x Fr.
51'441.--).
5.2 Der als ausgeglichen unterstellte Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen können. Von
einer Arbeitsgelegenheit kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nurmehr in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch
nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteile des Bundesgerichts
vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E. 3.3, mit Hinweisen, und vom 29. August 2007,
9C_95/2007, E. 4.3). Die Beschwerdeführerin leidet unter einer sehr ungünstigen
Kombination von Beeinträchtigungen: während aufgrund der Neurodermitis gerade
Bürotätigkeiten am besten angepasst wären, sind diese aus psychiatrischer Sicht
sowie insbesondere aufgrund des ADHS gerade ungünstig bzw. nur in einfacher Form
(ohne übliche PC-Arbeit und anspruchsvollere Telefonate) an einem ruhigen
Arbeitsplatz möglichst ohne anwesende weitere Personen möglich. Das Angebot an
dem psychischen Leiden angepassten Arbeitsplätzen (im Wesentlichen einfache
gewerbliche Tätigkeiten) ohne Einwirkung von hautreizenden Substanzen, Nässe oder
Staub auf dem als ausgeglichen gedachten Arbeitsmarkt dürfte sehr eingeschränkt
sein. Die Eingliederungsverantwortliche liess offen, ob noch von einem
Nischenarbeitsplatz oder gar von einer Verwertbarkeit der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit nur an einem geschützten Arbeitsplatz auszugehen sei (IV-act. 92-4).
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Mit Blick auf das noch nicht als fortgeschritten zu bezeichnende Alter der
Beschwerdeführerin und der Tatsache, dass bezüglich der Haut Schutzmassnahmen
möglich sind (Handschuhe, Eincremen), kann nicht davon ausgegangen werden, dass
eine Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der gegebenen
Umstände von vornherein gänzlich ausgeschlossen erscheint. Den eingeschränkten
Chancen auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch durch einen Tabellenlohnabzug von 20%
Rechnung zu tragen. Somit ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 24'692.-- (80%
x Fr. 30'865.--).
6.
6.1 Der psychiatrische Gutachter geht ab Januar 2012 in angepasster Tätigkeit von
einer 60%-igen und davor von einer tieferen Arbeitsfähigkeit (nicht quantifiziert) aus.
Die behandelnde med.pract. D._ attestierte bereits zeitnah eine volle
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 34). Es ist daher bis Ende Dezember 2011 von einer 100%-
igen Arbeitsunfähigkeit und danach von einer 60%-igen Arbeitsfähigkeit in
leidensadaptierten Tätigkeiten auszugehen.
6.2 Auf die rückwirkende Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten
Invalidenrente sind die für die Rentenrevision geltenden Normen (Art. 17 ATSG i.V.m.
Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) analog
anzuwenden (BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis, BGE 109 V 125 E. 4a). Die
Abstufung erfolgt damit grundsätzlich zum nach Art. 88a IVV massgeblichen Zeitpunkt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2010, 8C_468/2010, E. 2 sowie vom
25. Mai 2010, 8C_834/2009, E. 2 mit Hinweis). Die bis zum 31. Dezember 2011 zu
100% arbeitsunfähig gewesene und anschliessend adaptiert zu 60% arbeitsfähige
Beschwerdeführerin hat daher vom 1. Oktober 2011 bis 31. März 2012 befristet
Anspruch auf eine ganze Rente. Ab 1. April 2012 besteht bei einem Invaliditätsgrad von
66,5% ([Fr. 73'834.-- - Fr. 24'692.--] : Fr. 73'834.--) Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
Dieser bestünde selbst bei einem Tabellenlohnabzug von lediglich 15%
(Invalideneinkommen = 0,85 x Fr. 30'865.-- = Fr. 26'235.--; Invaliditätsgrad = 64,5%).
7.
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7.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 1. Dezember 2016 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Die Beschwerdeführerin hat ab 1.
Oktober 2011 Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. April 2012 auf eine
Dreiviertelsrente. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Hinsichtlich der
Beschwerde gegen die Rentenverfügung gilt es zu beachten, dass gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Überklagung in
sozialversicherungsrechtlichen Rentenfällen von einem vollständigen Obsiegen der
Beschwerdeführerin auszugehen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2016,
9C_288/2015, E. 4.2). Die Beschwerdegegnerin hat daher die gesamten Gerichtskosten
von Fr. 600.-- zu bezahlen.
7.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Aufgrund
der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand ist der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung von praxisgemäss Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Bei diesem Ergebnis erübrigt sich die Festsetzung
einer Entschädigung aus der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.