Decision ID: 5445ab5d-d003-411d-8a74-b17234fa1867
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
und
Z._
meldeten sich am 1
5.
Juli 2015 zum Bezug von Zu
satz
leistungen an (
Urk.
9/1). Mit Verfügung
en
vom 1
9.
Oktober 2015
(
Urk.
9/27-30) wurde der Anspr
uch auf Zusatzleistungen bejaht und mit Verfügungen vom 2
3.
Dezember 2015 (
Urk.
9/
39), 2
9.
Juni 2016 (
Urk.
9/54), 1
5.
Dezember 2016 (
Urk.
9/60), 2
2.
März 2017 (
Urk.
10/3)
,
2
6.
Mai 2017 (
Urk.
9/78,
Urk.
10/11)
, und 1
7.
Juli 2017 (
Urk.
10/30)
jeweils neu berechnet
, wobei den Versicherten stets ein
Darlehen an Dritte in der Höhe von
Fr.
50'000.-- als Vermögen angerechnet wurde
.
Mit Schreiben vom
8.
Januar 2018 (
Urk.
10/38) teilte die Tochter der Versicherten mit, die Vermögenssituation habe sich verändert.
Die Durchführungsstelle holte Unterlagen ein (
Urk.
10/39)
und
berechnete
und verfügte am 1
9.
Januar 2018 (
Urk.
10/44) den Anspruch neu.
Die d
ag
egen erhobene Einsprache vom
8.
Februar
2018 (
Urk.
10/49)
wies si
e mit
Einspracheentscheid
vom 26
. April 201
8
(Urk.
10
/
54
= Urk. 2) ab.
2.
Die Versicherte erhob am 2
2.
Mai 2018 Beschwerde gegen den
Einsprache
ent
sc
heid
vom 26. April 2018 (Urk. 2) und beantragte
sinngemäss
, dieser sei aufzu
heben,
und das Darlehen in der Höhe von
Fr.
50‘000.--
sei
als Erbvorbezug
zu
behandel
n
(
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Juli 2018
beantragte die
Durchführungsstelle
die
Abweisung
der Beschwerde (Urk. 8), was der
Beschwerdeführer
in
am 1
1.
Juli 2018
(Urk. 11)
zur
Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die Voraussetzungen nach den Art. 4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hin
terlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatzleistungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG).
1
.2
Die jährliche Ergänzungsleistung hat dem Betrag zu entsprechen, um den die aner
kannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG). Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG ermittelt.
Als Ein
kommen anzurechnen sind unter anderem auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG).
1
.3
Eine Verzichtshandlung im Sinne von Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG liegt vor, wenn die
versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegen
leistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat
, wenn sie einen Rechtsan
spruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht oder ihre Rechte nicht durchsetzt, oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und zumut
baren Erwerbstätigkeit absieht (BGE 140 V 267 E. 2.2). Die beiden Voraussetzun
gen „ohne Rechtspflicht“ und „ohne angemessene Gegenleistung“ müssen nicht kumulativ vorliegen. Es reicht aus, wenn alternativ eines der beiden Elemente gegeben ist (BGE 131 V
329
E. 4.4, Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 28. April 2010 E. 4.2).
1
.4
Ist ein einmal bestehendes Vermögen nicht mehr vorhanden, so trägt die leis
tungsansprechende Person die Beweislast dafür, dass es in Erfüllung einer recht
lichen Verpflichtung oder gegen adäquate Gegenleistung hingegeben wor
den ist, wobei der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt (BGE
121 V 204 E. 6a, Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 28. April 2010 E. 3).
Der
jeni
ge, der nicht darzutun vermag, dass seine Geld
hingabe im Austausch gegen eine adäquate Gegenleistung erfolgt ist, kann sich mithin nicht auf den gegebenen Vermögensstand berufen, sondern muss sich die Frage nach den Grün
den für den Vermögensrückgang gefallen und mangels entsprechender Beweise hypotheti
sches Vermögen entgegenhalten lassen
(BGE
121 V 204 E. 4b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem
Einspracheentscheid
(Urk. 2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin erst
mals
anlässlich der Einsprache im Februar 2018
von einem Erbvorbezug gesprochen habe, hinsichtlich dieses Erbvorbezugs je
doch keine Belege einzureichen vermöge.
Hinsichtlich dieser sich widerspre
chen
den Aussagen beziehungsweise Angaben sei auf die Beweismaxime hinzuweisen, wonach die sogenannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» in der Regel unbefangener und zuverlässiger seien, als spätere Darstellungen, die bewusst oder
unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder ande
rer Art beeinflusst sein könnten.
Aufgrund der konstanten Angaben in den Akten sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich um ein Darlehen handle, weshalb dies
es
zu Recht im Vermögen berücksichtigt worden sei (S. 3).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (Urk. 1) geltend,
die
Fr.
50‘000.-- seien als Erbvorbezug zu behandelt, auch wenn
A._
dieses Geld in seiner Steuererklärung als Darlehen deklariert habe. Er habe laut eigenen Angaben keinerlei Steuervorteile erzielt. Seit der Steuererklärung 2017 habe er diesen Betrag nicht mehr als Darlehen deklariert. Es se
i zusätzlich zu erwähnen, dass n
ie ein Zins an die Eltern bezahlt worden sei (S. 1).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, wie die
Fr.
50‘000.-- zu berücksichtigen sind, ob es sich dabei um ein Darlehen oder um einen Erbvorbezug handelt.
3.
3.1
Es ist unbestritten und aufgrund der Akten ausgewiesen, dass die Beschwer
de
führerin
ihrem Sohn
A._
im Jahre 2001
Fr.
50‘000.--
überlassen hat (vgl.
Urk.
3/2,
Urk.
9/1 S. 4
Ziff.
8).
Aus den
Akten geht weiter hervor, dass die Tochter der Beschwerdeführerin am 3
1.
August 2015 mitteilte, für den Darlehensvertrag bestehe nur eine mündliche Vereinbarung (
Urk.
9/9).
Dem Schuldenverzeichnis der Steuererklärung aus dem Jahre 2014 von
A._
ist unter Privatschulden eine Summe von
Fr.
50‘000.-- mit der Bezeich
nung „
Z._
(Darlehen 3
%
)“ aufgeführt (
Urk.
9/10).
Die Beschwerdegegnerin hat anhand dieser Angaben verfügt und beim Vermögen jeweils die
Fr.
50‘000.
--
als „Darlehen an Dritte“ angerechnet (vgl.
Urk.
9/27-30,
Urk.
9/39,
Urk.
9/54,
Urk.
9/60,
Urk.
9/78,
Urk.
10/3 und
Urk.
10/11,
Urk.
10/30).
Sämtliche Verfügungen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft.
Auch anlässlich der periodischen Überprüfung vom Juli 2017 (vgl.
Urk.
10/21,
Urk.
10/25) erwähnte die Beschwerdeführerin, es sei im Jahre 2001 ein (zinsloses) Darlehen von
Fr.
50‘000.-- an den Sohn
A._
ausbezahlt worden (
Urk.
10/25 S. 4
Ziff.
8). Mit Schreiben vom 1
2.
Juli 2017 (
Urk.
10/24) teilte sie sodann mit, dass
(
nach dem Tod von
Z._
)
keine Erbteilung stattge
funden habe.
Die Beschwerdegegnerin verfügte
am 17. Juli 2017
erneut (
Urk.
10/30) und be
rücksichtigte die
Fr.
50'000.-- als «Darlehen an Dritte» beim Vermögen der Be
schwerdeführerin
(vgl. Urk. 10/32/1)
.
Auch diese Verfügung erwuchs unange
foch
ten in Rechtskraft.
I
m Schreiben vom
8.
Januar 2018 (
Urk.
10/38), in welchem die Beschwer
de
füh
rerin mitteilte, die Vermögenssituation habe sich verändert, wird das Darlehen
eben
falls
erwähnt und ausgeführt beziehungsweise angefragt, dieses liege bereits
über 10 Jahre zurück, ob ein Verzicht auf Rückzahlung akzeptabel wäre.
Mit E-
Mail
vom 1
6.
Januar 2018 (
Urk.
10/41) präzisier
te die Beschwerdeführerin
, dass das Darlehen im Jahr 2001 zinslos gewährt und nie eine Rückzahlung einge
fordert worden sei.
3.2
In
der Einsprache vom
8.
Februar 2018 (
Urk.
10/49)
wurde ausgeführt, im Jahr 2001 sei analog den beiden anderen Kindern
Fr.
50'000.-- an
A._
als Erbvorbezug ausbezahlt worden.
Es sei vereinbart worden, dass der Betrag nicht rückzahlbar sei. Entsprechend sei das Guthaben weder verzinst noch Rückzah
lungstermine und –
modalitäten
festgelegt worden.
Ein Darlehensvertrag sei somit weder ausgehandelt noch unterzeichnet worden.
Ein solcher Erbschaftsvorbezug sei im Jahr 2018 verjährt und dürfe nicht mehr eingerechnet werden.
Es sei weder ein mündlicher noch ein schriftlicher Darlehensvertrag angeschlossen worden.
4.
4.1
Die
Beschwerdegegnerin rechnete der
Beschwerdeführer
in das im Jahr 2001
an
A._
gewährte Darlehen von Fr.
50'000.
--
stets
de
r
en V
ermögen an (vgl. vorstehend E. 3
.1).
4
.2
Die Beschwerdeführerin erwähnte über einen Zeitraum von fast drei Jahren
in sämtlichen
Schreiben stets das Darlehen und focht denn die von der Beschwer
degegnerin erlassenen Verfügungen, in welchen das Darlehen als Vermögen ange
rechnet wurde, diesbezüglich nie an. Erstmals in der Einsprache vom
8.
Februar 2018 stellte sie sich auf den Standpunkt, es handle sich nicht um ein
Dar
lehen
(vgl.
Urk.
10/49)
, sondern
um einen Erbvorbezug, dies nur knapp 20 Tage
, nachdem sie noch präzisierte Angaben zum Darlehen per E-Mail an die Be
schwerdegegnerin machte (vgl.
Urk.
10/41). Diese sich widersprechenden Aus
sa
gen
beziehungsweise Angaben der Beschwerdeführerin sind nicht nachvollzieh
bar und
vermögen denn auch nicht zu überzeugen. Vielmehr
ist mit der Be
schwer
degegnerin
auf
die «Aussagen der ersten Stunde» abzustellen, denen in beweis
mässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs
recht
licher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Nach dem Gesagten ist aufgrund der bis zur Einsprache ge
machten konstanten Aussagen der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich bei den an
A._
gewährten
Fr.
50'000.-- um ein Darlehen handelt.
Dass
A._
dieses Darlehen in seiner Steuererklärung selber auch als Schuld angegeben hat (vgl.
Urk.
9/10), spricht ebenfalls dafür.
4.3
Ein
Darlehen
, für dessen Rückzahlung weder ein bestimmter Termin noch eine
Kündigungsfrist noch der Verfall auf beliebige Aufforderung hin vereinbart wurde
, ist innerhalb sechs Wochen von der ersten Aufforderung zurückzu
be
zahlen (Art. 318 des Schweizerischen Obligatio
nenrechts; OR).
Die Ausführungen der Beschwerdeführerin lassen
keine Hinweise darauf zu, dass
sie sich bemüht hätte, das
Darlehen zurückzuerhalten.
Unter diesen Umständen
ist nicht davon auszugehen, die
Darlehensforderung
sei
uneinbringlich
. Die be
treffende Forderung
ist
daher zum Vermögen zu zählen.
Selbst wenn sic
h der
Rückforderungsanspr
uch
de
r Beschwerdeführerin
als nicht
durchsetzbar erweisen sollte, vermöchte dies nichts zu
ihren
Gunsten zu bewir
ken
. U
nter diesen Umständen wäre ein Verzichtstatbestand anzunehmen, zumal die
Darlehen
sgewährun
g ohne eine Rechtspflicht und ohne eine adäquate Gegen
leistung erfolgte (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 9C_333/2016 vom
3. No
vem
ber 2016 E. 4.3.3 und 9C_180/2010 vom 15. Juni 2010 E. 5.2
).
Die Anre
ch
nung der Darlehensforderung
von Fr.
50
‘
0
00.
-- als Vermögen
erweist sich somit als korrekt.
5
.
Zusammenfassend erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, weshalb die d
ag
egen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.