Decision ID: 6bd1b933-1063-54e1-9136-dcedcfffeee8
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juli 2014 wegen Rückenbeschwerden zum Leistungsbezug
bei der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Er gab an, vom 17. November 2013 bis
zum 17. Februar 2014 vollständig arbeitsunfähig gewesen zu sein. Er habe in seinem
Herkunftsland die Grundschule besucht; einen Beruf habe er nicht erlernt. In einem
Arbeitgeberbericht teilte die B._ am 23. Juli 2014 mit (IV-act. 8), der Versicherte sei
vom 1. Juli 1995 bis zum 30. Juni 2012 als Mitarbeiter in der Abteilung
Weiterverarbeitung angestellt gewesen. Er habe folgende Tätigkeiten ausgeübt:
Aufsetzen und Abstapeln von Halbfertigprodukten an Anlagen, Papier schütteln an
Schneidmaschinen und Durchführen von internen Transporten mit dem Stapler. Das
Arbeitsverhältnis sei wegen der Schliessung des Betriebs aufgelöst worden. Der AHV-
beitragspflichtige Lohn habe bei einer betrieblichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden
seit dem 1. Januar 2009 Fr. 4'440.-- pro Monat, also Fr. 57'720.-- im Jahr, betragen.
Dem Bericht waren die Lohnkontoauszüge für die Jahre 2010 bis 2012 beigelegt. Der
Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, berichtete am
5. August 2014 (IV-act. 11), der Versicherte sei im November 2013 am Rücken operiert
worden; er könne nur noch eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit (sitzen/
A.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
stehen/gehen) ohne die Einnahme von Zwangshaltungen und ohne das Heben von
Lasten von mehr als 15 Kilogramm ausüben (zum Austrittsbericht der L._ vom
26. November 2013 vgl. Fremdakten-act. 1-23; die Fachärzte hatten eine
Spinalkanalstenose LWK 4/5, eine lumbale Diskushernie LWK 4/5 linksseitig, eine
arterielle Hypertonie, eine alkoholische Hepatosteatose und einen Diabetes mellitus
diagnostiziert). Am 17. Februar 2014 hatte Dr. C._ zuhanden der
Krankentaggeldversicherung eine ab diesem Datum bestehende vollständige
Arbeitsfähigkeit attestiert (Fremdakten-act. 1-4). Dr. med. D._ vom Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 18. November 2014 (IV-act. 17), in einer körperlich
leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit bestehe seit dem
17. Februar 2014 eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Die von Dr. C._ angegebene
Limitierung, dass keine Lasten von mehr als 15 Kilogramm mehr gehoben oder
getragen werden könnten, sei angesichts der Operation vom November 2013
nachvollziehbar. Mit einer Verfügung vom 10. Februar 2015 (IV-act. 20) wies die IV-
Stelle das Begehren um berufliche Massnahmen und um Rentenleistungen ab. Zur
Begründung gab sie an, seit dem 17. Februar 2014 bestehe wieder eine vollständige
Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten.
Da keine gesundheitsbedingten Einschränkungen die Stellensuche erschwerten,
bestehe kein Anspruch auf eine aktive Arbeitsvermittlung. Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen hiess eine dagegen eingereichte Beschwerde mit einem
Entscheid vom 29. Juli 2015 gut (IV 2015/85, IV-act. 35). Es hob die Verfügung vom
10. Februar 2015 bezüglich der Verweigerung der beruflichen Massnahmen auf und
wies die Sache zur Prüfung von Massnahmen beruflicher Art und zur neuen Verfügung
an die Beschwerdegegnerin zurück. In Bezug auf den Rentenanspruch hielt es fest, der
Beschwerdeführer beantrage explizit nur die Zusprache beruflicher Massnahmen und
erkläre sich damit einverstanden, dass er keinen Rentenanspruch habe. Damit sei die
Rentenablehnung in Rechtskraft erwachsen. Streitgegenstand bilde lediglich der
Anspruch auf berufliche Massnahmen (IV 2015/85, E. 1.1).
Am 24. September 2015 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten eine
Berufsberatung (IV-act. 39). Am 17. Februar 2016 teilte sie ihm mit (IV-act. 52), dass
eine berufliche Abklärung notwendig sei. Vom 1. März 2016 bis zum 31. Mai 2016
absolvierte der Versicherte bei der E._ eine berufliche Abklärung. Im
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abschlussbericht vom 6. Juni 2016 hielt F._, Coach Fachstelle Berufliche Integration,
fest (IV-act. 63), der Versicherte habe in der Küche gearbeitet. Bezogen auf ein
Arbeitspensum von 100% habe er, gemessen an den Leistungsanforderungen des
allgemeinen Arbeitsmarkts, einen Leistungsgrad von 80% erzielt. Der Versicherte habe
sich als körperlich und psychisch stabil gezeigt. Er habe geäussert, dass er starke
Schmerzen habe, dies habe seine Arbeitsqualität jedoch nicht beeinflusst. Zur
Aufrechterhaltung der körperlichen Stabilität sei darauf zu achten, dass er keine Lasten
über zehn Kilogramm tragen oder heben müsse, abwechselnd stehend und sitzend
tätig sein könne, keine reinen Reinigungstätigkeiten ausüben müsse, da sich die
Bewegungen negativ auf die Schmerzentwicklung auswirkten, und in klar definierten
Strukturen (Arbeitszeiten/Pausen) mit klaren Arbeitsaufträgen arbeiten könne. Die
Zielsetzungen seien erreicht worden. Eine Eignung zeige sich im Berufsfeld des Kochs.
Der Eingliederungswille und die Motivation seien vorhanden. Während der Dauer der
beruflichen Abklärung bezog der Versicherte ein Taggeld (IV-act. 55). Bereits im Mai
2016 hatte sich eine Anschlusslösung abgezeichnet (IV-act. 57). Am 13. Juni 2016
unterzeichnete der Versicherte einen Eingliederungsplan (IV-act. 65). Dieser sah vor,
dass der Versicherte vom 13. Juni 2016 bis zum 31. Mai 2017 eine praktische
Ausbildung in der Küche mit einem Job Coaching und mit einer Erhöhung des
Arbeitspensums bis spätestens am 1. Januar 2017 auf 100% absolviere. Als weiteres
Ziel wurde eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt vereinbart. Mit einer Mitteilung vom
27. Juni 2017 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für ein Arbeitstraining,
durchgeführt von der E._ mit einer praktischen Ausbildung im G._, und die
Ausrichtung eines Taggeldes (IV-act. 69; vgl. auch die Verfügungen vom 6. Juli 2016
und 16. Dezember 2016 betreffend IV-Taggeld, IV-act. 71, 72). Im Schlussbericht der
E._ vom 10. Mai 2017 führte F._ aus (IV-act. 73), dem Versicherten sei es
gelungen, seine Leistung während des Arbeitstrainings stabil zu halten. Mit der
Steigerung des Pensums per November 2016 auf 100% hätten sich die Schmerzen im
Rückenbereich verstärkt, sodass der Versicherte stark in seiner Mobilität eingeschränkt
gewesen sei. So habe Rücksicht darauf genommen werden müssen, dass er keine
schweren Lasten (grosse Töpfe mit Inhalt, Kartoffelsäcke, Abwaschmaschine ein- und
ausräumen) habe tragen oder heben müssen und dass er von den Reinigungsarbeiten
habe entlastet werden können. Per Februar 2017 sei das Pensum auf 80% reduziert
worden, was eine sofortige Entlastung zur Folge gehabt habe. Der Versicherte habe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dieses Pensum stabil einzuhalten vermocht. Gemäss den Rückmeldungen des
Arbeitgebers (gemeint wohl: G._) habe der Versicherte eine Leistungsfähigkeit von
80-90% erreicht. Dabei müssten folgende Rahmenbedingungen erfüllt sein: Tätigkeiten
mit geringem Kraftaufwand, sich wiederholende Tätigkeiten, ein wohlwollendes Umfeld
und das zur Verfügung stehen einer Ansprechperson. Letztere benötige er, damit diese
ihn auf eine drohende Überforderung aufmerksam machen könne. Der Versicherte
habe per 1. Juni 2017 die Zusage für eine Festanstellung als Hilfskoch im G._ für ein
70%-Pensum erhalten. Das Pensum sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen auf 70%
beschränkt. Der Lohn würde bei einem Vollzeitpensum Fr. 4'000.-- pro Monat
betragen. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 22. Juni 2017 mit (IV-act. 77), er sei
mit der Festanstellung angemessen eingegliedert. Die beruflichen Massnahmen würden
deshalb abgeschlossen. Betreffend eine Invalidenrente werde er eine separate
Verfügung erhalten. Am 3. Juli 2017 notierte ein Sachbearbeiter der IV-Stelle (IV-
act. 78), eine Rückfrage beim Rechtsdienst habe ergeben, dass der Rentenanspruch im
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 29. Juli 2015 nicht generell verneint worden
sei. Mit dem damals errechneten IV-Grad von 30% sei lediglich der Anspruch auf
berufliche Massnahmen begründet worden. Der Rentenanspruch sei nun von Amtes
wegen zu prüfen. Gleichentags ersuchte die IV-Stelle den Versicherten um die
Bekanntgabe der behandelnden Ärzte, damit sie den Rentenanspruch prüfen könne
(IV-act. 79).
Die IV-Stelle holte beim Hausarzt Dr. C._ einen Verlaufsbericht ein. Dr. C._
teilte am 17. Juli 2017 mit (IV-act. 81), der Versicherte leide an einem Zustand nach
einer Sequestrektomie und Nukleotomie L4/5 bei einer Spinalkanalstenose (2013), einer
Hypertonie, einem Diabetes, einer Steatohepatitis, einem neuroendokrinen Tumor und
Colonpolypen (11/2015). Die Arbeitsfähigkeit werde durch die Rückenbeschwerden
eingeschränkt. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei dem Versicherten zu
70-80% möglich. Er legte unter anderem einen Bericht der M._ vom 21. Dezember
2016 (IV-act. 81-8) bei. Eine Nachfrage der IV-Stelle bei der L._ am 4. Oktober 2017
ergab, dass der Versicherte zuletzt im Jahr 2013 dort in Behandlung gewesen war (IV-
act. 86). Der Versicherte gab am 2. November 2017 an, dass er wegen einer
Sehschwäche bei Dr. H._ in Behandlung sei (IV-act. 87).
A.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 8. November 2017 (IV-act. 88), die im
Bericht der M._ vom 21. Dezember 2016 genannten internistischen Leiden
schränkten die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht ein. Eine alkoholische
Leberverfettung sei bereits im Jahr 2013 festgestellt worden. Die von Dr. C._
attestierte Arbeitsfähigkeit in einer "adaptierten" Tätigkeit von 70-80% sei zu
bezweifeln. Der Tätigkeitsbeschrieb im Schlussbericht der Berufsberatung vom 20. Juni
2017 (vgl. IV-act. 74) zeige auf, dass es sich bei der Tätigkeit in der Küche nicht um
eine adaptierte Tätigkeit handle. Beim Heben von schweren Kochtöpfen und bei
Überkopfarbeiten bestünden Einschränkungen. Der Gesundheitszustand des
Versicherten habe sich seit Februar 2015 nicht signifikant verändert. Bislang habe der
RAD die Arbeitsfähigkeit wie folgt eingestuft: Als Druckereimitarbeiter sei der
Versicherte vollständig arbeitsunfähig; in einer adaptierten Tätigkeit sei er dagegen
vollständig arbeitsfähig. Die aktuell ausgeübte Tätigkeit als Küchenmitarbeiter sei nicht
adaptiert, da dort teils schwere Gewichte zu tragen seien. In einer leichten
Kontrollarbeit ohne höhere Ansprüche an die intellektuelle Leistung sei weiterhin von
einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die von Dr. C._ attestierte
Arbeitsfähigkeit von 70-80% beziehe sich gemäss der Einschätzung des RAD irrtümlich
auf die Arbeit als Küchenmitarbeiter und nicht auf eine adaptierte Tätigkeit.
A.d.
Mit einem Vorbescheid vom 13. November 2017 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Ablehnung des Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (IV-
act. 91). Zur Begründung gab sie an, der Rentenanspruch sei mit einer Verfügung vom
10. Februar 2015 abgewiesen worden. Das Versicherungsgericht habe diese Verfügung
mit einem Entscheid vom 29. Juli 2015 aufgehoben und berufliche Massnahmen
zugesprochen. Im Rahmen der aktuellen Rentenprüfung sei festgestellt worden, dass
sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit 2015 nicht wesentlich verändert
habe. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe nach wie vor eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. "Analog zum Gerichtsurteil" vom 29. Juli 2015 sei beim
Invalideneinkommen auf den Tabellenlohn der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts
für Statistik (LSE) abzustellen, wobei ein "Leidensabzug" von 10% zu berücksichtigen
sei. Demnach könnte der Versicherte auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein
zumutbares Jahreseinkommen von Fr. 59'808.-- erzielen. Der gegenwärtig ausgeübte
Beruf als Küchenhilfe entspreche nicht einer optimal leidensangepassten Tätigkeit,
A.e.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
weshalb nicht auf das tatsächlich erzielte Einkommen abzustellen sei. Beim
Valideneinkommen stützte sich die IV-Stelle auf den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 29. Juli 2015; sie passte den bei der B._ im Jahr 2011
und 2012 durchschnittlich erzielten Lohn von Fr. 84'553.-- der Nominallohnentwicklung
für das Jahr 2015 an, was ein Valideneinkommen von Fr. 86'859.-- ergab. Der
Invaliditätsgrad betrug 31%. Der Versicherte erhob am 8. Februar 2018 einen Einwand
(IV-act. 99). Er beantragte die Zusprache mindestens einer Dreiviertelsrente. Zur
Begründung machte er im Wesentlichen geltend, der Einkommensvergleich sei
bezogen auf den Zeitpunkt des Verfügungserlasses durchzuführen. Beim
Invalideneinkommen sei nicht auf die LSE abzustellen. Das Invalideneinkommen sei so
konkret wie möglich zu ermitteln. Unter Verweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung zu den Voraussetzungen, bei deren Vorliegen auf die tatsächlichen
Erwerbsverhältnisse abzustellen sei (vgl. BGE 116 V 253), brachte er vor, es sei auf das
tatsächlich erzielte Einkommen als Hilfskoch abzustellen. Das Arbeitsverhältnis sei
stabil. Die Tätigkeit sei ideal leidensadaptiert, da er (der Versicherte) so eingesetzt
werden könne, dass sich die körperlichen Einschränkungen nur marginal auswirkten.
Das Pensum von 70% entspreche seiner Leistungsfähigkeit und der medizinisch-
theoretischen Arbeitsfähigkeit. Im Arbeitstraining habe sich zudem gezeigt, dass er ein
höheres Pensum nicht habe durchhalten können. Seine verbliebene Rest
arbeitsfähigkeit schöpfe er damit in zumutbarer Weise voll aus. Das Einkommen
enthalte keinen Soziallohnanteil.
Mit einer Verfügung vom 20. Februar 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
ab (IV-act. 100). Zum Einwand brachte sie vor, der RAD habe festgehalten, dass dem
Versicherten eine optimal leidensadaptierte Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar sei.
Der Versicherte habe nicht plausibel dargelegt, weshalb er eine solche Tätigkeit nicht
zu 100% verrichten könnte. Nicht glaubwürdig sei, dass er bei der aktuellen
Arbeitsstelle keine schweren Kochtöpfe heben und keine Überkopfarbeiten ausführen
müsse. Die Beschäftigung als Hilfskoch sei nicht optimal leidensangepasst. Das
Pensum von 70% sei aus betrieblichen Gründen so festgelegt worden. Der Versicherte
habe zudem keine wesentliche und anhaltende Verschlimmerung des
Gesundheitszustands seit dem Entscheid des Versicherungsgerichts vom 29. Juli 2015
geltend gemacht. Eine solche sei auch nicht belegt, weshalb der Revisionstatbestand
A.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
nach Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) nicht erfüllt sei.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 22. März 2018 eine
Beschwerde (act. G 1). Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 20. Februar
2018 und die Zusprache mindestens einer Dreiviertelsrente von Januar 2015 bis
Februar 2016 und ab Juni 2017. Ergänzend zu den Einwänden im
Vorbescheidverfahren machte der Beschwerdeführer geltend, die Argumentation der
IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin), dass die Tätigkeit als Hilfskoch nicht
ideal leidensadaptiert sei, sei angesichts des Umstands, dass zwei berufliche
Massnahmen bewilligt worden seien, widersprüchlich. Betreffend das Argument, es
liege kein Revisionsgrund gemäss Art. 17 ATSG vor, sei festzuhalten, dass diese
Bestimmung nicht anwendbar sei, da er bislang keine Rente bezogen habe.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 30. April 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. 4). Zur Begründung führte sie an, entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers sei die gezeigte Leistung an einem Arbeitsplatz für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht ausschlaggebend. Das Versicherungsgericht habe im
Entscheid vom 29. Juli 2015 festgehalten, dass der Beschwerdeführer in einer
adaptierten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig sei. Daran habe sich seither nichts
geändert. Demnach sei zu Recht das vom Versicherungsgericht festgesetzte
Invalideneinkommen für die Bestimmung des Invaliditätsgrades verwendet worden.
Auch unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben sei nicht auf das tatsächlich
erzielte Einkommen abzustellen, da die für den Rentenanspruch massgebliche
Arbeitsfähigkeit unabhängig von verfügten beruflichen Massnahmen medizinisch-
theoretisch festzulegen sei.
B.b.
In seiner Replik vom 15. Mai 2018 machte der Beschwerdeführer ergänzend
geltend (act. G 6), die Arbeitsfähigkeit von 70% sei medizinisch attestiert worden. Die
Beschwerdegegnerin habe keine unabhängige ärztliche Abklärung veranlasst, welche
diese Einschätzung widerlegen würde. Sie habe ihn nicht persönlich untersucht oder
untersuchen lassen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin sei die berufliche
Abklärung relevant für die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit. Das Verwaltungsgericht
B.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
des Kantons Zug habe entschieden, dass auf medizinische Gutachten, die sich nicht
mit gescheiterten Arbeitsversuchen auseinandersetzen würden, nicht abgestellt werden
könne (vgl. Urteile S 2016 36 vom 27. Oktober 2016 und S 2016 112 vom 27. April
2017). Diese Urteile würden "beweisen", dass bei der Festlegung der Arbeitsfähigkeit
Arbeitsversuche und dergleichen sowohl von den Ärzten als auch von den
Rechtsanwendern zwingend zu berücksichtigen seien. Für den Einkommensvergleich
sei auf den Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns abzustellen. Rentenwirksame
Änderungen müssten aber bis zum Erlass der Verfügung berücksichtigt werden. Da
sich das Invalideneinkommen geändert habe, sei der Einkommensvergleich für das
Jahr 2018 vorzunehmen.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 8).B.d.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen gab den Parteien am 5. Juni
2020 Gelegenheit, zu einer möglichen rechtlichen Würdigung Stellung zu nehmen. Es
hielt fest, die vorläufige Durchsicht der Akten habe ergeben, dass der Rechtsanspruch
des Beschwerdeführers mit der Verfügung der IV-Stelle vom 10. Februar 2015
rechtskräftig abgewiesen worden sein dürfte und dass die Akten weder Hinweise auf
die Durchführung eines prozessualen Revisions- oder eines
Wiedererwägungsverfahrens noch auf eine Neuanmeldung des Beschwerdeführers
enthielten. Deshalb sei wohl davon auszugehen, dass die Verfügung vom 20. Februar
2018 nichtig sei (act. G 15). Die Beschwerdegegnerin teilte am 9. Juni 2020 mit (act.
G 17), die angefochtene Verfügung weise keine schwerwiegende formelle oder
inhaltliche Fehler auf, welche sie nichtig machen würden. Der Beschwerdeführer
machte am 24. Juni 2020 im Wesentlichen geltend (act. G 18), von einem
offensichtlichen und schweren Mangel der Verfügung könne nicht ausgegangen
werden, da die Beschwerdegegnerin selber der Ansicht gewesen sei, dass über den
Rentenanspruch mit dem Entscheid des Versicherungsgerichts noch nicht entschieden
worden sei. Zudem habe die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen getätigt und
berufliche Massnahmen gewährt, womit nicht mehr derselbe Sachverhalt vorgelegen
habe wie im Urteilszeitpunkt. Er habe sich nach Treu und Glauben darauf berufen
dürfen, dass die Verfügung vom 20. Februar 2018 mangelfrei gewesen sei. Hätte er
damals gewusst, dass der Rentenanspruch nicht mehr geprüft werde, hätte er eine
B.e.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Zunächst ist zu prüfen, ob die angefochtene Verfügung vom 20. Februar 2018 an einem
Fehler leidet, der so schwerwiegend ist, dass er die Nichtigkeit der Verfügung zur Folge
hat. Grundsätzlich bewirkt eine fehlerhafte Verfügung nur deren Anfechtbarkeit (statt
vieler Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Auflage, Zürich 2016, Rz 1088).
Wiederanmeldung eingereicht. Die Nichtigkeit der Verfügung nach mehr als zwei
Jahren seit deren Erlass anzunehmen, gefährde die Rechtssicherheit.
Eine fehlerhafte Verfügung ist nichtig, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders
schwer ist, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn die
Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Zu
den Nichtigkeitsgründen zählen hauptsächlich die funktionelle und sachliche
Unzuständigkeit einer Behörde sowie schwerwiegende Verfahrensfehler (BGE 139 II
260, E. 11.2; 129 I 363, E. 2.1). Zur Ermittlung, ob die Nichtigkeit die Rechtssicherheit
nicht ernsthaft gefährdet, ist eine Abwägung zwischen dem Interesse an der
Rechtssicherheit und dem Interesse an der richtigen Rechtsanwendung vorzunehmen
(Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz 1098 m.w.N.).
1.1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 20. Februar
2018 einen Rentenanspruch für einen Zeitraum abgewiesen, für den sie bereits mit der
in formelle Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 10. Februar 2015 einen Renten
anspruch abgewiesen hatte. Der Beschwerdeführer hatte sich nämlich im Juli 2014
zum Leistungsbezug angemeldet. Mit einer Verfügung vom 10. Februar 2015 hatte die
Beschwerdegegnerin die entsprechenden Begehren um eine Invalidenrente und um
berufliche Eingliederungsmassnahmen abgewiesen. Das Versicherungsgericht hatte im
Urteil vom 29. Juli 2015 festgehalten, nur ein allfälliger Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen bilde den Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens;
der Beschwerdeführer beantrage nämlich explizit nur die Zusprache beruflicher
Eingliederungsmassnahmen und erkläre sich damit einverstanden, dass er keinen
Rentenanspruch habe. Die Rentenablehnung sei damit in Rechtskraft erwachsen (IV
2015/85, E. 1.1; zu den damaligen Anträgen des Beschwerdeführers vgl. IV-act. 25,
32). In Umsetzung dieses Urteils hat die Beschwerdegegnerin dann berufliche
Eingliederungsmassnahmen durchgeführt. Nach deren Abschluss hat sie einen
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rentenanspruch geprüft, nachdem ihr Rechtsdienst die Auffassung vertreten hatte,
dass der Rentenanspruch im Urteil vom 29. Juli 2015 "nicht generell verneint" worden
sei (IV-act. 78). Diese Auffassung des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin ist
offensichtlich unzutreffend gewesen, denn das Gericht war im Urteil vom 29. Juli 2015
eindeutig von der formellen Rechtskraft der einen Rentenanspruch verneinenden
Verfügung vom 10. Februar 2015 ausgegangen, hatte sich also mit der Frage, ob das
Rentengesuch des Beschwerdeführers vom Juli 2014 gutzuheissen oder abzuweisen
sei, bewusst nicht befasst. Der Vorbescheid vom 13. November 2017 hat sich auf die
Anmeldung vom Juli 2014 und damit wieder auf das rechtskräftig abgewiesene
Rentengesuch bezogen (IV-act. 91). Die Beschwerdegegnerin hat also mit der
angefochtenen Verfügung vom 20. Februar 2018 ein Rentenbegehren geprüft, über das
sie bereits formell rechtskräftig - und damit auch für sie verbindlich - verfügt hatte. Eine
formell rechtskräftige Verfügung kann nur im Rahmen einer prozessualen Revision oder
einer Wiedererwägung aufgehoben und durch eine neue Verfügung ersetzt werden
(Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG). Die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf die
(möglicherweise falsch verstandene) Aussage ihres Rechtsdienstes davon
ausgegangen, dass sie noch erstmalig über das Rentenbegehren vom Juli 2014
verfügen müsse. Daraus ergibt sich eindeutig, dass der Verfügung vom 20. Februar
2018 weder ein prozessuales Revisions- noch ein Wiedererwägungsverfahren
vorausgegangen ist, bei dem die formell rechtskräftige Verfügung vom 10. Februar
2015 aufgehoben worden wäre. Beim Erlass einer Verfügung in einer Angelegenheit,
über die bereits formell rechtskräftig entschieden worden ist, handelt es sich um einen
besonders schweren Verfahrensfehler. Dieser Fehler ist leicht erkennbar gewesen, da
das Gericht in dem die aktuellen Verfahrensparteien betreffenden Urteil vom 29. Juli
2015 unmissverständlich festgestellt hatte, dass die sich auf die Anmeldung vom Juli
2014 beziehende Abweisung des Rentenbegehrens in formelle Rechtskraft erwachsen
war. Die Rechtssicherheit wird bei einer Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung vom
20. Februar 2018 nicht ernsthaft gefährdet; vielmehr würde eine massive
Rechtsunsicherheit entstehen, wenn keine Nichtigkeit angenommen würde. Dies hätte
nämlich zur Folge, dass schliesslich zwei verbindliche, aber sich gegenseitig
ausschliessende Entscheide vorliegen könnten. Die Annahme der Nichtigkeit einer
Verfügung, mit der über ein bereits formell rechtskräftig abgewiesenes
Leistungsbegehren erneut entschieden würde (und die nicht im Rahmen eines
prozessualen Revisions- oder Wiedererwägungsverfahren ergangen wäre), ist also
geradezu zwingend. Die Verfügung vom 20. Februar 2018 ist somit insoweit, als sie
sich auf das Rentenbegehren des Beschwerdeführers vom Juli 2014 bezieht, nichtig.
Zu beurteilen bleibt, ob sie vollumfänglich nichtig ist. Das Verfahren zur Prüfung des
Rentenbegehrens vom Juli 2014 ist mit der in formelle Rechtskraft erwachsenen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 20. Februar 2018
einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem Invaliditätsgrad von 31% ab
gewiesen. Nach dem oben Ausgeführten kann das nur einen möglichen
Rentenanspruch ab dem 1. Januar 2018 betroffen haben. Strittig ist somit ein
Rentenanspruch ab dem 1. Januar 2018.
3.
Verfügung vom 10. Februar 2015 verbindlich abgeschlossen worden. Der
Beschwerdeführer hat sich nicht neu angemeldet, aber am 3. Juli 2017 hat die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu erkennen gegeben, dass sie einen
allfälligen Rentenanspruch prüfen werde (IV-act. 79). Nach dem auch im
Verwaltungsverfahren geltenden Grundsatz von Treu und Glauben hat der
Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt davon ausgehen dürfen, dass ein allfälliger
Rentenanspruch geprüft werde, so dass keine Neuanmeldung erforderlich sei. Der
massgebende Zeitpunkt für die Prüfung eines Rentenanspruchs ist somit in einer
teleologischen, über den Wortlaut hinausgehenden Interpretation des Art. 29 Abs. 1
IVG der 3. Juli 2017 gewesen. Da ein allfälliger Rentenanspruch nach dieser
Gesetzesbestimmung frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der
Geltendmachung des Leistungsanspruchs, vorliegend also am 1. Januar 2018,
entsteht, kann die angefochtene Verfügung vom 20. Februar 2018 den Rentenanspruch
für die Zeit ab dem 1. Januar 2018 regeln, ohne mit der Verbindlichkeit der formell
rechtskräftigen Abweisungsverfügung vom 10. Februar 2015 in Konflikt zu geraten.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Verfügung vom 20. Februar 2018 nichtig
ist, soweit sie einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bis zum 31. Dezember
2017 verneint. Für diesen Zeitraum fehlt es also an einem Anfechtungsgegenstand,
weshalb nicht auf die Beschwerde eingetreten werden kann.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Der Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt. Er ist gemäss den Angaben der
damaligen Arbeitgeberin, der B._, während 17 Jahren bis zur Schliessung der K._
im Jahr 2012 in der Abteilung Weiterverarbeitung als Hilfsarbeiter tätig gewesen. Er hat
an den Anlagen Halbfertigprodukte aufgesetzt und abgestapelt, an Schneidmaschinen
Papier geschüttelt und mit dem Stapler interne Transporte durchgeführt. Der AHV-
beitragspflichtige Lohn hat Fr. 4'440.-- pro Monat, also Fr. 57'720.-- im Jahr betragen
(IV-act. 8). Anschliessend hat der Beschwerdeführer bis zur Rückenoperation im
November 2013 Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezogen und bei zwei
Arbeitgebern während einigen Monaten ein (geringes) Einkommen erzielt (vgl. IK-
Auszug, IV-act. 82). Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass der
Beschwerdeführer ohne die gesundheitliche Beeinträchtigung weiterhin eine
Hilfsarbeitertätigkeit ausgeübt hätte. Die Beschwerdegegnerin hat sich beim
Valideneinkommen auf den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 29. Juli 2015
abgestützt. Sie hat den bei der B._ im Jahr 2011 und 2012 durchschnittlich erzielten
Lohn von Fr. 84'553.-- eingesetzt und unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2015 angepasst. Dies hat einem
Valideneinkommen von Fr. 86'859.-- entsprochen. Aus den von der B._ eingereichten
Lohnkontoauszügen (IV-act. 8-9 ff.) ist ersichtlich, dass Schichtzulagen und
Überzeitentschädigungen einen erheblichen Lohnbestandteil gebildet haben (im Jahr
2010 rund Fr. 10'300.-- Schichtzulagen und rund Fr. 17'500.-- Überzeitentschädigung;
im Jahr 2011 rund Fr. 11'400.-- Schichtzulagen und rund Fr. 12'500.--
Überzeitentschädigungen; im ersten Halbjahr 2012 Fr. 4'200.-- Schichtzulagen und
Fr. 1'000.-- Überzeit- bzw. Zeitausgleichsentschädigungen). Wie im Folgenden
aufgezeigt wird, ist nicht auf das bei der B._ bis 2012 erzielte hohe Einkommen,
sondern auf einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn abzustellen. Art. 16 ATSG knüpft
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
für die Bemessung des Valideneinkommens an jenem Erwerbseinkommen an, das die
versicherte Person erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre. Diese
Formulierung entspricht dem Sinn und Zweck der Invalidenrente, für deren Bemessung
Art. 16 ATSG die Grundlage bildet. Die Invalidenrente soll nämlich einen Verlust von
Erwerbsmöglichkeiten auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
kompensieren (Art. 8 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 ATSG). Das durch eine
Invalidenrente versicherte Gut – die "Validität" – entspricht folglich der Erwerbsfähigkeit
der versicherten Person, das heisst deren Erwerbsmöglichkeiten auf dem allgemeinen
und ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG e contrario). Massgebend ist
deshalb, welche Erwerbsmöglichkeiten beziehungsweise welches
Einkommenspotential die versicherte Person unter Berücksichtigung ihrer
Berufsausbildung auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt hätte
(Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. August 2019,
IV 2017/26 E. 3.1, und vom 14. Januar 2020, IV 2017/379, E. 4.3). Der
Beschwerdeführer hat keine Berufsausbildung absolviert und ist somit als Hilfsarbeiter
zu qualifizieren. Sein Lohn bei der B._ hat deutlich über einem durchschnittlichen
Hilfsarbeiterlohn (im Jahr 2011 Fr. 61'910.-- und im Jahr 2012 Fr. 65'177.--, vgl.
Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019) gelegen. Die
massgebende Ursache für den hohen Lohn bei der B._ bildeten die hohen
Schichtzulagen und die Überzeitentschädigungen. Wäre der Beschwerdeführer bei
einem Betrieb, der weder Überzeitarbeit noch Schichtarbeit angeboten hätte, als
Hilfsarbeiter tätig gewesen, wäre sein Lohn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit tiefer
gewesen. Die Schichtzulagen und Überzeitentschädigungen sind aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht als irrelevante Zufälligkeit zu betrachten und
müssen folglich bei der Bemessung des Valideneinkommens unbeachtet bleiben. Im
Übrigen wäre es dem Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht
zumutbar gewesen, bis zur Erreichung des Pensionsalters Schicht- und Überzeitarbeit
zu leisten. Würde das dem Zufall geschuldete hohe Einkommen bei der B._ als
Valideneinkommen in den Einkommensvergleich eingesetzt, hätte dies eine
ungerechtferttigte Ungleichbehandlung (Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung, SR 101)
gegenüber anderen in der Invalidenversicherung versicherten Personen zur Folge, die
ebenfalls als Hilfsarbeiter zu qualifizieren sind und die ein durchschnittliches
Hilfsarbeitereinkommen erzielen, weil sie nicht das Glück gehabt haben, eine
Arbeitsstelle zu finden, an denen sie (branchenbedingt grosszügig entlöhnte) Schicht-
und Überzeitarbeit leisten können. Schichtzulagen und Überzeitentschädigungen sind
bei der Ermittlung des Valideneinkommens aus Gleichbehandlungsgründen generell
auszuklammern. Im Übrigen ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, wäre
er gesund geblieben, in der Druckereibranche im massgebenden Zeitraum keinen so
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hohen Lohn mehr erzielen könnte, da diese Branche bekanntlich aufgrund der
Digitalisierung der Medien einer abnehmenden Anzahl von Abonnenten der gedruckten
Presse ausgesetzt gewesen ist und infolge des Preiskampfes zahlreiche Arbeitsplätze
verschwunden oder ins Ausland ausgelagert worden sind, was sich zwangsläufig auf
die Höhe der Löhne niedergeschlagen hat. Die versicherte Erwerbsfähigkeit ("Validität")
des Beschwerdeführers, der auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
eine durchschnittliche Hilfsarbeit angenommen hätte, entspricht somit jener eines
durchschnittlichen Hilfsarbeiters. Beim Valideneinkommen ist deshalb auf den
statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne des Bundesamts für Statistik
abzustellen. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass bei der
Bestimmung des Valideneinkommens keine Bindung an das Urteil des Gerichts vom
29. Juli 2015 besteht, da es dort um nicht um die Bemessung des Invaliditätsgrades für
eine Rente, sondern um den Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen
gegangen ist.
5.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Als Erstes zu prüfen ist somit, ob im
massgebenden Zeitraum eine Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist.
5.1.
Der Hausarzt Dr. C._ hat sich merhmals zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers geäussert. Am 17. Februar 2014 hat er zuhanden der
Krankentaggeldversicherung eine vollständige Arbeitsfähigkeit ab diesem Datum
attestiert (Fremdakten-act. 1-4). Am 5. August 2014 hat er mitgeteilt (IV-act. 11), der
Beschwerdeführer könne wegen den Beschwerden am Rücken nur noch eine
körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit (sitzen/stehen/gehen) ohne die
Einnahme von Zwangshaltungen und ohne das Heben von Lasten von mehr als
15 Kilogramm ausüben. Der Beschwerdeführer hat in der Anmeldung vom Juli 2014
ebenfalls angegeben, dass er vom 17. November 2013 bis zum 17. Februar 2014
vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Dr. D._ vom RAD ist gestützt auf diese
Angaben von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ab dem 17. Februar 2014 in einer
körperlich leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit ausgegangen. Er
hat die von Dr. C._ angegebene Limitierung – kein Heben und Tragen von Lasten von
mehr als 15 Kilogramm – angesichts der Operation vom November 2013 als
nachvollziehbar bezeichnet. Er hat damit zugleich eine Arbeitsfähigkeit in jeglichen
körperlich schweren Tätigkeiten wie jene in der Druckerei ausgeschlossen. Am 17. Juli
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2017 und damit nach der Durchführung der beruflichen Massnahmen, die in einer
70%igen Festanstellung des Beschwerdeführers als Hilfskoch im G._ gemündet
haben, hat Dr. C._ angegeben (IV-act. 81), der Beschwerdeführer sei in einer
adaptierten Tätigkeit zu 70-80% arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit werde durch die
Rückenbeschwerden eingeschränkt. Als neuen Bericht hat er einen Bericht des M._
vom 21. Dezember 2016 eingereicht. Dr. C._ hat jedoch nicht ausgeführt, ob sich
seine Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die Tätigkeit als Hilfskoch oder auf eine
(möglicherweise besser) adaptierte Tätigkeit bezogen hat. Er hat auch nicht näher
erklärt, worin die 20-30%ige Arbeitsunfähigkeit begründet gewesen ist. Dr. I._ vom
RAD ist davon ausgegangen, dass die Tätigkeit als Hilfskoch nicht einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit entspreche, weil schwere Kochtöpfe gehoben und
Überkopfarbeiten ausgeführt werden müssten. Er hat ausserdem festgehalten, die
internistischen Diagnosen (Steatohepatitis, Hypertonie, Diabetes, neuroendoktiner
Tumor und Colonpolypen) hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Er ist zum
Schluss gelangt, dass in einer leichten Kontrollarbeit ohne höhere Anforderungen an
die intellektuellen Leistungen von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei.
Die Beurteilung des RAD in Bezug auf die internistischen Diagnosen überzeugt,
insbesondere da auch Dr. C._ diese nicht als die Arbeitsfähigkeit einschränkend
angegeben hat. Einziger Anhaltspunkt für ein weiteres medizinisches Leiden bildet die
Auskunft des Beschwerdeführers vom 2. November 2017, dass er wegen einer
Sehschwäche bei Dr. H._ in Behandlung sei (IV-act. 87). Da eine Sehschwäche im
Allgemeinen ohne Weiteres durch eine Sehhilfe behoben werden kann, hat diese
überwiegend wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. In den Akten
finden sich keine Hinweise auf weitere Leiden; der Beschwerdeführer hat denn auch
diesbezüglich nichts geltend gemacht. Damit ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass einzig die Rückenbeschwerden die
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt haben. Gestützt auf die Angaben von Dr. C._ ist es
überwiegend wahrscheinlich, dass die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
maximal 30% beträgt. An sich wäre es angezeigt, eine Rückfrage an Dr. C._ zu
richten, auf welches Tätigkeitsprofil sich seine Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen
habe und aus welchen Gründen die Arbeitsfähigkeit zu 20-30% eingeschränkt sei. Aus
verfahrensökonomischen Gründen kann darauf jedoch verzichtet werden, sofern bei
einem maximalen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30% in einer zumutbaren
behinderungsangepassten Hilfsarbeit kein Rentenanspruch resultieren sollte. Dies
erlaubt es, das zumutbare Invalideneinkommen auf der Grundlage eines
Arbeitsfähigkeitsgrades in einer sogenannt adaptierten Hilfsarbeit von 70% zu
ermitteln.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Beschwerdeführer arbeitet seit Juni 2017 in einem 70% Pensum als Hilfskoch
im G._; dabei erzielt er ein monatliches Einkommen von Fr. 2'800.-- (IV-act. 74). Er
hat diese Stelle nach der erfolgreichen Durchführung von beruflichen Massnahmen in
der Form einer beruflichen Abklärung und eines Arbeitstrainings erhalten. Diese
beruflichen Massnahmen entsprechen keiner Umschulung i.S.v. Art. 17 IVG, sondern
sind als Teil der Arbeitsvermittlung i.S.v. Art. 18 IVG zu qualifizieren, da sie die
Wiedereingliederung in den realen Arbeitsmarkt zum Ziel hatten. Für die Bestimmung
der Invalidenkarriere ist jedoch massgebend, welche zumutbare Tätigkeit der
Beschwerdeführer auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausüben
könnte. Wie der RAD-Arzt Dr. I._ zu Recht festgehalten hat, ist die Tätigkeit als
Hilfskoch nicht ideal leidensadaptiert, da schwere Gegenstände wie grosse Kochtöpfe
gehoben und getragen und Überkopfarbeiten ausgeführt werden müssen. Die
bestehende Arbeitsstelle als Hilfskoch kann deshalb nicht die Invalidenkarriere sein.
Daraus folgt, dass entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht auf das an
der konkreten Arbeitsstelle erzielte Einkommen abgestellt werden darf. Da der
Beschwerdeführer keinen Beruf erlernt hat, steht ihm nur eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter
offen, wobei weder die gesundheitliche Beeinträchtigung noch die relevanten
Persönlichkeitsmerkmale des Beschwerdeführers gegen die Möglichkeit sprechen, eine
durchschnittlich "qualifizierte" Hilfsarbeit auszuüben. Das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen entspricht damit einem durchschnittlichen Einkommen eines
Hilfsarbeiters, also dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne gemäss der
Tabelle TA1 der vom Bundesamt für Statistik erstellten Lohnstrukturerhebung. Da
sowohl die Validen- als auch die Invalidenkarriere in einer durchschnittlich entlöhnten
Hilfsarbeitertätigkeit bestehen, kann der Betrag der Vergleichseinkommen bei der
Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen, sodass der
Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen ist. Er
entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen zusätzlichen
Abzug. Der Arbeitsunfähigkeitsgrad beträgt vorliegend mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit maximal 30%. Der Beschwerdeführer kann nur
noch körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten mit Gewichtsbelastungen bis
15 Kilogramm ausüben. Im Vergleich zu einem gesunden, zu 70% erwerbstätigen Hilfs
arbeiter wird sein Einkommen tiefer sein. Aus der Sicht eines betriebswirtschaftlich-
ökonomisch handelnden Arbeitgebers ist der Wert der Arbeitsleistung des
Beschwerdeführers nämlich vermindert, da der Beschwerdeführer unfähig wäre, sich
an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu lassen. Längerfristig betrachtet
bestünde zudem das Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen. Geht man
von einem ökonomischen Invaliditätsbegriff aus bzw. will man einen Soziallohnanteil
ausscheiden, ist wegen diesen Nachteilen, die zwingend zu einem Minderlohn führen
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer durch den Erlass der teilweise
nichtigen Verfügung vom 20. Februar 2018 veranlasst, eine objektiv aussichtslose
Beschwerde zu erheben. Die teilweise Nichtigkeit war aber nicht offenkundig, zumal die
Beschwerdegegnerin selbst davon ausgegangen ist, dass die Verfügung vom
20. Februar 2018 keine schwerwiegenden formellen oder inhaltlichen Fehler aufweise,
die sie nichtig machen würde. Dies rechtfertigt es, in diesem Zusammenhang vom
Grundsatz des Obsiegens/Unterliegens abzuweichen und nach dem Verursacherprinzip
der Beschwerdegegnerin den entsprechenden Anteil der Verfahrenskosten
aufzuerlegen. Soweit die Beschwerde zu beurteilen gewesen ist, unterliegt der
Beschwerdeführer, so dass er den entsprechenden Teil der Verfahrenskosten zu tragen
hat. Da sich weder der Beurteilungsaufwand des Gerichts noch der
Vertretungsaufwand des Beschwerdeführers präzis auf die beiden Teile des
Beschwerdeverfahrens aufteilen lässt, sind die amtlichen und die ausseramtlichen
Kosten ermessensweise hälftig aufzuteilen. Der Beschwerdeführer hat deshalb
Gerichtskosten von Fr. 300.-- zu bezahlen. Diese Forderung ist durch den vom
Beschwerdeführer geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt. Der Restbetrag
von Fr. 300.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. Der den Beschwerdeführer
würden, bei der Ermittlung des Ausgangswerts des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens ein zusätzlicher Abzug vorzunehmen. Bei einer grosszügigen
Vorgehensweise beträgt dieser Abzug vorliegend maximal 10%. Die uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Hilfstätigkeit ist verwertbar. Dem
Beschwerdeführer ist beispielsweise eine Tätigkeit in leichteren
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten zumutbar.
Auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt finden sich Stellen mit diesem
Anforderungsprofil. Aus dem Prozentvergleich resultiert somit ein Invaliditätsgrad von
maximal 37% (100 x 0.7 x 0.9). Die Beschwerdegegnerin hat somit einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente im Ergebnis zu Recht verneint. Die
Beschwerde ist demnach, soweit sie einen allfälligen Rentenanspruch ab dem 1.
Januar 2018 beschlägt, abzuweisen.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bis zum Abschluss des zweifachen Schriftenwechsels vertretende Rechtsanwalt hat am
26. Juli 2018 eine Honorarnote von Fr. 4'702.10 eingereicht (act. G 9.1). Da der
Vertretungsaufwand bis zum 26. Juli 2018 jenem eines durchschnittlich aufwändigen
Beschwerdeverfahrens betreffend einen Rentenanspruch entsprochen hat, welcher
praxisgemäss mit Fr. 3'500.-- entschädigt wird, ist der in der Honorarnote geltend
gemachte Arbeitsaufwand überhöht gewesen. Aufgrund des im Juni 2020
durchgeführten zusätzlichen Schriftenwechsels ist jedoch ein weiterer
Vertretungsaufwand entstanden. Dieser würde an sich eine Parteientschädigung von
Fr. 4'000.-- rechtfertigen. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer also mit
Fr. 2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.