Decision ID: 28856f4d-c5da-412c-9cd7-27d5d76978ca
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1959 geborene
X._
,
gelernter Schlosser, meldete sich am
27. Novem
ber 2012 (Urk.
8
/6) bei der
Sozial
ver
sicherungs
an
stalt
des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, zum
Leis
tungsbezug
an. Die IV-Stelle tätigte beruf
liche (Urk.
8
/10
)
und medizinische Abklärungen (Urk.
8
/11, Urk.
8
/15)
. Am 2
5
. April
2013 (Urk.
8
/16)
teilte sie dem Versicherten mit
, dass zurzeit keine beruf
lichen Ein
gliederungs
mass
nahmen möglich seien und ein Anspruch auf eine Rente ge
prüft werde.
1.2
Am 2
6.
Juli 2013 (Urk.
8
/17) meldete sich der Versicherte zum Bezug einer
Hilf
losenentsch
ädigung
an. D
ie IV-Stelle
holte
einen weiteren medizinischen Be
richt (Urk.
8
/20) ein und veranlasste eine Abklärung an Ort und Stelle (vgl. dazu
Ab
klärungs
bericht
für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene vom 10. Septem
ber
2013 [Urk.
8
/25]).
Mit Vorbescheid vom 11.
September 2013 (Urk.
8
/26) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens
(
Hilflo
senentschädi
gung
)
in Aussicht. Nach Prüfung des Einwandes (Urk.
8
/28
)
)
ver
fügte die IV-Stelle
am 2
4.
Oktober 2013 (Urk.
8
/36
) im angekündigten Sinne
, wogegen der Beschwerdeführer am
22
. November 2013 (Urk.
8
/39) Beschwerde erhob.
Diese ist Gegenstand des Verfahrens IV.2013.01028.
Am 1
3.
Januar 2014 (Urk.
8/
44) meldete sich der Versicherte abermals zum Be
zug einer
Hilflosen
entschädigung
an. Nach durchgeführtem
Vor
bescheid
ver
fahren
(Urk.
8
/47) trat sie mit Verfü
gung
vom 8. April 2014 (Urk. 8/48)
auf die Neuanmeldung des Be
schwerde
führers zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung
nicht ein.
1.3
Im Rahmen der Prüfung des Rentenanspruchs veranlasste die IV-Stelle eine
poly
disziplinäre
Begutachtung durch die MEDAS
Z._
(vgl. dazu Exper
tise
vom 23. Januar 2014 [Urk.
8
/42]).
Mit Vorbescheid vom 1
9.
Mai 2014 (Urk.
8
/51)
stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des
Leistung
s
begehrens
(Rente) in Aussicht,
wo
gegen der Versicherte am 21.
Mai 2014 (Ur
k.
8/
54) Ein
wand erhob, welchen
er am
5.
Juni 2014 (Urk.
8
/59) ergänzte (vgl. dazu auch Urk.
8
/58).
An der beschiedenen Beurteilung
hielt
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 12.
Juni 2014 (Urk. 2) fest.
2.
Gegen die Verfügung vom 12 Juni 2014 (Urk. 2)
erhob der Versicherte am
3
.
Juli
201
4
(Urk. 1
) Beschwerde und be
an
tragte
, die Verfügung vom
12
.
Juni 2014
sei aufzuheben
,
und
es sei
ihm eine ganze Rente
zu
zu
sprechen.
In pro
zessua
ler Hinsicht ersuchte er
um
Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege.
Mit Beschwerdeantwort vom
26
.
August
201
4
(Urk.
7
) schloss die IV-Stelle auf
Ab
wei
sung der Beschwerde,
was dem
Beschwerdeführe
r
am
27
.
August
201
4
(Urk.
9
)
zur Kennt
nis gebracht wurde.
Mit Eingabe vom 1
7.
September 2014 (Urk. 10)
legte
der Beschwerdeführer
ei
ne
n
Bericht von
Dr.
med.
A._
,
Ober
arzt, und Prof.
Dr.
med.
B._
,
Leitender Arzt
,
stv
. Chefarzt,
C._
,
Klinik für Alterspsychiatrie,
D._,
Ambu
latorium,
vom
3. Septem
ber 2014 (Urk. 11)
auf
. Die
Be
schwerde
gegnerin
verzichtete am 29. September 2014 (Urk. 14) auf eine diesbezügliche Stellung
nahme, was dem
Be
schwerde
führer am 3
0.
September 2014 (Urk. 15) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfol
gen
den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
tei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu be
stimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be
i ausgeglichener
Ar
beitsmarktlage
erzielen könnte (sog.
Invaliden
einkommen
),
in
Be
ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht
invalid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Juni
2014 (Urk. 2
S.
1
f.
) dafür, dass gemäss
den
Abklärungen keine Befunde vor
lä
gen,
welche aus versicherungsmedizinischer Sicht einen länger andauernden
Ge
sund
heitsschaden
mit Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit begründeten. Das me
di
zinische Gutachten
der MEDAS
Z._
vom 2
3.
Januar 2014 sei
i
n der
Be
fundaufnahme
schlüs
sig und nachvollziehbar. Da weder kognitive noch soma
tische Ein
schränkungen vorlägen, sei ein
invaliden
versicherungs
recht
licher
Ge
sund
heits
schaden
nicht ausgewiesen.
A
uch aus den neu ein
ge
reichten Berichten
könnten
keine neuen medizinischen Er
kennt
nisse ge
won
nen werden. Weder seien neue
Funktions
einschränkungen
noch neue
Diagnosen gestellt worden. Der
Psy
cho
status
sei normal aus
ge
fallen, die beschriebenen Einschränkungen seien haupt
sächlich
fremd
anam
nestischer
Art und nicht überprüfbar
. Zudem sei
eine bereits seit der Kindheit bestehende
kognitive Schwäche überwiegend wahr
schein
lic
h. Hinweise für eine neue demen
z
ielle Erkrankung seien aufgrund diverser auf
gedeckte
r
In
konsistenzen, Verstän
di
gungsschwierigkeiten (albanische Spra
che) und geringer Schul
bildung
über
wie
gend wahr
schein
lich.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1)
, die
Gutachter
der
MEDAS
Z._
hätten ihm aufgrund
einer
nicht näher be
zeichnete
n
psy
chische
n
Störung (ICD-10 F99)
bis zur abschliessenden
Diag
no
se
stel
lung
und Beurteilung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Zwi
schen
zeitlich
habe
auch
d
ie von den Gutachtern empfohlene Abklärung
in einer
De
menz
sprech
stunde
oder
in einer geeigneten Tagesklinik
im
D._
stattgefunden.
Jene habe
eine mittel
gradige Demenz (F02.0) und differen
tialdiagnost
isch eine mögliche f
ronto
temporale De
menz (
behavioural
variant
Frontotemporal
Lobar
Degeneration [
bvFTLD
])
er
ge
ben
.
Die Inter
pretation der fachärztlichen Be
richte durch den R
egionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
,
dass
der geront
o
psychiatrische Bericht keine neuen medizinischen
Er
kennt
nisse
er
bringe und
er
mit überwiegender Wahr
schein
lich
keit seit der Kind
heit kognitiv schwach gewesen sei und
auch
keine
neue
Hin
weise für
eine
demenzielle Erkrankung vorlägen, sei irritierend und nicht nach
voll
zieh
bar.
Hin
zu komme, dass
die Be
ur
teilung
durch eine Fachärztin für Allgemein- und Ar
beitsmedizin
-
und demnach nicht durch eine Fachärztin für demenzielle Er
kran
kungen
– erfolgt sei
.
Schliesslich hielt
er
gestützt auf den Bericht vom
3.
September 2014 (Urk. 11) der
C._
fest, dass die Diagnose einer Alzheimer-Krankheit nun feststehe
(Urk. 10)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Am
2.
August
2013 (
Urk.
8
/20
)
diagnostizierte
prac
t
. med.
E._
,
Assistenz
ärztin
, und
Dr.
med.
F._
,
Oberarzt,
C._
, Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie, Zent
rum für Ambulante Psychiatrische Rehabilitation,
G._
, vorwiegend Zwangs
handlungen (Zwangsrituale; ICD-10 F42.1) und einen Verdacht auf eine nicht näher bezeichnete Demenz (ICD-10 F03).
Pra
c
t
. med.
E._
und
Dr.
F._
hielten fest, der Beschwerdeführer sei vom 2
3.
Mai bis 1
0.
Juli 2013 stationär in der
C._
behandelt worden. Diagnostisch bestehe
-
bei Auffälligkeiten in der neuropsychologischen Untersuchung einer bildmorphologisch nachgewiesenen Erweiterung der
Liquorräume
-
der Ver
dacht
auf eine demenzielle Entwicklung als
Ursache für das beobachtete Ver
hal
ten
und den beobachteten Affekt und Antrieb.
Der Beschwerdeführer sei trotz kleiner Verbesserungen weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig. Die
Wohn
situ
ation
sei stabil, weil sich die Angehörigen um die Versorgung des Beschwerde
führers kümmerten. D
ies
er wäre krankheitsbedingt nicht in der Lage, alleine zu leben. Es sei nicht damit zu rechnen, dass eine (Teil-)Arbeitsfä
higkeit erreicht werde
n könne
. Die Arbeitsunfähigkeit betrage
seit dem 1
1.
Mai 2012 bis auf
W
eiteres
100
%
.
3.
2
Am 2
3.
Januar 2014
(Urk.
8
/
42 S. 20
Ziff.
7.1.1 f.
)
nannten die Gutachter der MEDAS
Z._
nach Durchführung einer
(allgemein-)
internistischen, psy
chia
trischen, neuro
psychologischen und neurologischen Unter
suchung als
Haupt
diagnose
mit Ein
schränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine nicht näher
bezeichnete
psy
chische Störung (ICD-10 F99)
. Als Nebendiagnosen ohne we
sent
liche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit nannten s
ie
eine
unklare
Sensi
bili
täts
störung
(ICD-10 R20) im Bereich des
ulnarseitigen
rechten Unter
arms,
dif
fe
ren
tial
diagnostisch
ein
mögliches sensibles
Sulcus
-
ulnaris
-Syndrom mit
Symp
tom
aus
weitung
, eine Adipositas III° mit/bei Bodymassindex
(BMI)
40.7 kg/m
2
,
eine arterielle Hypertonie unter Therapie mit AT1-Rezeptorantagonist, eine
leicht
gra
di
ge
,
normozytäre
,
normochrome
Anämie (Differentialdiagnose: Eisen
mangel), eine
isolierte Gam
ma-GT Erhöhung
(Differentialdiagnos
e:
cholestatisch
, medi
ka
mentös [
Risperidon
]
)
und eine
aktuell substituierte
Hy
pothyreose
.
In ihrer polydisziplinären versicherungsmedizinischen Beurteilung
hielten die Gut
achter bezüglich der aktuellen gesundheitlichen Situation und Begründung der hauptgutachterlichen und polydisziplinären Diagnosefindung fest
(S.
22
Ziff.
7.2.3
)
,
i
m Vordergrund stehe das unklare psychiatrische Zustandsbild, wel
ches aktuell nicht ab
schlies
send beurteilt werden könne.
In der zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit als Hilfsarbeiter
auf dem Bau
bestehe seit Mai 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(S.
22
Ziff.
8.1)
.
A
us allgemein-internistischer Sicht
sei
die Arbeitsfähigkeit
nicht eingeschränkt
(S. 22
Ziff.
8.1.1)
. Aus neurologischer Sicht hätten sich
auch
keine Schädigun
gen oder
Fähig
keits
störungen
mit Auswirkung auf das mittel- und langfristige berufliche Leistungs
ver
mögen des Beschwerdeführers gezeigt. Aus psychiatri
scher Sicht betrage die kurzfristige Arbeitsfähigkeit 0
%
bezogen auf ein 100%-
Pensum. Dies aufgrund des unklaren
und instabilen Gesundheitszustandes
. Dies
e
Einschätzung gelte bis zur ab
schlies
senden
Diagnose
stellung
und Beur
teilung.
Polydisziplinär sei eine mittel- und lang
fristige Arbeitsfähigkeit nicht festlegbar, da ein instabiler Gesund
heits
zustand vorliege. Eine weitere Abklärung des psy
chiatrischen Gesund
heits
zustandes sei notwendig. Die kurzfristige
Arbeits
fä
hig
keit
betrage
0 % (100
%
ige
Arbeits
unfähigkeit) bezogen auf ein 100%-Pen
sum
. Zurzeit
sei auch
keine adaptierte Tätigkeit
möglich
.
In Anbetracht der diagnostischen Unklarheiten sei eine weitere Abklärung und Beobachtung nötig. Sinnvoll wäre unter anderem die von der
C._
im
Austritts
be
richt
vom 1
0.
Oktober 2013
(vgl. Urk. 8/39/7-10)
empfohlene Abklärung in einer
Demenz
sprech
stunde
oder in einer geeigneten Tagesklinik
(S. 23
Ziff.
8.3)
.
Die prognostische Einschätzung sei bei diesem unklaren Gesundheitszustand offen
(S. 23
Ziff.
8.4)
.
3.
3
Dr.
med.
H._
,
FMH für Arbeitsmedizin und FMH Allgemeinmedizin, hielt in ihrer Stellungnahme vom 2
8.
Januar 2014 (Urk.
8
/50
S. 4 f.
)
fest, dass das Gutachten
der MEDAS
Z._
die gestellten Fragen nur ungenügend be
antworte, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge wenig ein
leuch
tend
sei
und die ge
zogenen Schlussfolgerungen in nicht gänzlich nach
voll
zieh
barer Weise her
ge
leitet
worden seien
.
Ins
besondere sei die Begründung, wonach der Beschwerdeführer aufgrund eines unklaren und instabilen Gesund
heitszu
standes einer nicht näher bezeichneten psychischen Störung (ICD-10 F99) bis zur
ab
schlies
senden Diagnosestellung und Beurteilung zu 100
%
ar
beitsunfähig sein soll, nicht plausibel und auch nicht nachvollziehbar.
Hingegen sei die
Befund
er
hebung
genügend und lasse
weder auf eine
kogniti
ve noch auf
eine somatische
Ein
schränkung schliessen.
Die subjektive Darstellung der Be
schwer
den lasse eine
demen
z
ielle Erkrankung zu
mindest aus arbeitsmedizini
scher Sicht als sehr un
wahr
scheinlich erscheinen.
Vielmehr müsse a
n
hand der wenig
pa
tho
logischen
Befunde und der fehlenden
Funktions
ein
schränkung
en
davon ausge
gangen wer
den, dass keine erhebliche, die Leistungs
fähigkeit ein
schränkende Erkrankung vor
liege.
Überdies sei
ohne Be
grün
dung eine
Demenz
ab
klärung
empfohlen
wor
den und
die Gutachter
hätten sich
auch nicht mit einem mög
licherweise
selbst
limitierenden
Ver
halten be
ziehungsweise mit einer möglichen Aggravation oder Simulation auseinander
gesetzt.
Sämtliche Tätig
keiten seien dem Beschwerde
führer seit jeher und weiterhin zu 100
%
zu
mutbar.
3.
4
Im Bericht
von der
C._
vom
8.
Januar 2014 (Urk.
8
/58/1-
7)
nannten
Dr.
A._
und Prof.
Dr.
B._
von der
C._
gestützt auf den
Be
handlungszeitraum
vom
19. November 2013 bis 7. Januar 2014
eine mittelgradige Demenz (
ICD-10
F02.0)
und
dif
ferential
di
agnostisch
eine mögliche
frontotempora
le
Demenz (
behaviou
ra
l
variant Fron
totemporal
L
obar
Degeneration [
bvFTLD
]).
Dr
.
A._
und
Prof. Dr.
B._
führten in ihrer Beurteilung aus, klinisch sowie
in der aus
führ
lichen neuropsychologischen Untersuchung vom 2
5.
November
2013
(Urk.
8
/58/9-12)
hät
ten sich Hinweise für mitunter schwere Minderleis
tung
en in multiplen kognitiven Domänen ergeben, die
von ihrem
Ausprä
gungs
grad
her
die Kriterien eines mittelgradigen demenziellen Syndroms erfüllten. In
der
Zu
sam
men
schau der vorliegenden Befunde (klinische Symptomatik,
fremd
anam
nestische
An
gaben, M
RT
-Bildgebung mit Nach
weis einer leichten
bi
fron
talen
Atrophie,
Liquoruntersuchung
vom Juni 2013 mit Nachweis eines er
nie
drigten
Amyloid
beta
42 und Tau/p Tau unterhalb der Nachweisgrenze) gingen sie ak
tu
el
l
am ehesten von der
Ver
dachts
diagnose
einer
fronto
tempo
ralen
De
menz aus (
Ver
haltensvariante
; „
possible
behavioral
variant FTLD“ nach den
revidier
ten
Diag
no
sekriterien
von 2011 [
Rascovscy
2011]). Hierfür sprächen nebst
dem klinischen
Eindruck insbesondere auch die fremdanamnestischen Angaben der Familie über
frühe Wesens- und
Verhaltensänderungen,
Zwangs
rituale
so
wie die schweren Stö
rungen innerhalb der exekutiven Funktionen.
Differential
diagnostisch müsse aufgrund des globalen
Ausfall
musters
in der neu
ro
psychologischen Untersuchung vom 2
5.
November 2013 allerdings auch an eine
Demenz bei Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn gedacht werden, auch wenn die
Demenzmarkerbestimmung
im Liquor vom Juni 2013 dies
bezüg
lich
nicht richtungsweisend ausgefallen sei (Tau/
pTau
nicht erhöht). Für die Durch
führung einer ergänzenden FDG-PET-Untersuchung des Hirns zur weite
ren
diffe
rentialdiagnostischen
Eingrenzung des demenziellen Syndroms sei von Seite
n der K
rankenkasse des Beschwerdeführers keine Kosten
gutsprache er
teilt worden, wes
halb sie eine klinische und neuro
psy
cho
logische
Verlaufs
unter
su
chung
in sechs Monaten zur Verlaufsbeurteilung em
pfehlen würden.
3.
5
Am 1
2.
Juni 2014 (Urk.
8
/60) hielt RAD-Ärztin
Dr.
H._
fest,
aus den neu ein
ge
reichten Berichten
hätten
keine neuen medizinischen Erkenntnisse ge
won
nen werden
können. Es seien weder neue
Funktionseinschränkungen
noch neue
Diagnosen
gestellt worden. Der Psychostatus sei normal aus
ge
fal
len, die be
schrie
be
nen Einschränkungen seien hauptsächlich
fremd
anam
nestischer
Art und nicht überprüfbar
; eine bereits seit der Kindheit bestehende kognitive Schwäche
sei
überwiegend wahrscheinlich
. Hinweise für eine neue demen
z
ielle Er
krankung seie
n
aufgrund diverser aufgedeckter
In
konsistenzen,
Ver
ständnis
schwierig
kei
ten
(albanische Sprache) und geringer Schul
bildung
nicht
über
wie
gend wahr
schein
lich.
3.
6
Im
Bericht vom
3.
September 2014 (Urk. 11
)
über die ambulante Be
hand
lung vom 1
7.
Juli bis
3.
September 2014
äusserten
Dr.
A._
und Prof.
Dr.
B._
einen Verdacht auf eine Demenz bei einer Alzheimer-Krankheit mit frühem Be
ginn und differentialdiagnostisch eine
frontotemporale
Demenz (
behav
io
ral
va
ri
ant
Frontotemporal
L
obar
Degeneration [
bvFTLD
; F02.0])
.
Dr.
A._
und Prof.
Dr
.
B._
hielten in ihrer Beurteilung fest, klinisch sowie
in der ausführlichen neuropsychologischen Untersuchung vom 1
7.
Juli 2014 habe
sich gegenüber der Voruntersuchung vom November 2013 ein im Wesent
lichen
stabiler bis leicht progredienter Verlauf der bekannten kognitiven Min
der
leis
tung
en gezeigt, die von ihrem Ausprägungsgrad – vor dem Hinter
grund der
anam
nestisch berichteten deutlichen Alltagseinschränkungen – aktuell wei
ter
hin
die Kriterien eines demenziellen Syndroms erfüllten. Nach er
teilter
Kos
ten
gut
sprache
durch die Krankenkasse d
es Beschwerdeführers sei am 12.
August 2014
eine 18F-FDG-PET-Untersuchung des Hirns zur weiteren
dif
ferential
diag
nosti
schen
Eingrenzung erfolgt, welche
eine signifikante
Min
der
be
legung
bipa
rietal
(links > rechts) sowie temporal beidseits dokumentiert
habe
.
Auch wenn Anam
nese und Klinik des Be
schwer
de
führers
ins
ge
samt sehr suggestiv für die
Ver
dachts
diagnose
einer
fronto
temporalen
Demenz seien (
Verhaltensvari
ante
; „
possible
behavioral
variant
FTLD“ nach den revidierten Diagnosekriterien von 2011 [
Rascovscy
2011]),
spreche
das charakteristische
Minder
belebungs
muster
in der FDG-PET-Unter
suchung vom 1
2.
August 2014 tendenziell eher für das Vorliegen einer Demenz bei Alz
hei
mer-Krankheit mit frühem Beginn (Diffe
ren
tialdiagnose: klinisch atypische Ver
laufsform mit im Vor
der
grund ste
hender
Ver
haltenssymptomatik
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich massgebl
ich auf die Einschätzungen ihrer RAD-
Ärztin
Dr.
H._
vom 2
8.
Januar und 1
2.
Juni 2014 (E.
3.3
und E.
3.
5
hie
vor
),
welche
sämtliche Tätigkeiten
seit jeher und weiterhin zu 100
%
als
zu
mut
bar erachtete.
Diese Einschätzungen ergingen nach Einsicht in die Berichte der behandelnden Ärzte und des polydisziplinären Gutachtens der MEDAS
Z._
vom 2
3.
Januar 2014 (E. 3.
2
hievor
). Eigene persönliche Untersuchun
gen nahm
Dr.
H._
keine vor.
4.2
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strengere Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 135
V 465 E.
4.4; Bundesgerichtsurteil 9C_8/2011 vom 2
1.
Februar 2011 E.
4.1.3 mit
weiteren Hinweisen).
4.3
Dr.
H._
Einschätzung ist indes - ausgehend von der Recht
sprechung zum Beweiswert ärztlicher Berichte (E. 1.4
hievor
) - mit mehreren Mängeln behaftet:
Vorweg beruhen die
Stellungnahmen
nicht auf eigenen Untersuchungen, was bei
ob
jektiv feststehenden Leiden auch nicht erforderlich ist. Vorliegend sind der
medizinische Sachverhalt und die gesundheitsbedingten Einschränkungen des Be
schwerdeführers aber nicht abschliessend erstellt.
Zudem
fehlen eine um
fas
sen
de
Untersuchung des psychiatrischen Gesundheitszustandes (inklusive ei
ner
De
menz
abklärung
) und der damit verbundenen Auswirkungen auf die Ar
beits
fähig
keit.
Wenn nun RAD-Ärztin
Dr.
H._
als Fachärztin für Arbeits
medizin und
Allgemeinmedizin in
einem
fremden
Fach
ge
biet o
hne weitere
verwal
tungs
interne
oder
-
externe Begutachtung in Ab
weichung zur Beurteilung der Gut
achter der MEDAS
Z._
sowie der be
handelnden Ärzte auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
in
jedwelcher
Tätigkeit
schliesst, kann
– wie der Beschwer
de
führer in seiner Beschwerde vom
3.
Juli 2014 (Urk. 1) zu Recht monierte -
auf ihre
Ausführungen zum psychischen Ge
sund
heitszustand und ihre Einschätzung der Arbeits
fähig
keit nicht ent
scheidend ab
gestellt wer
den.
4.4
Ebenso
wenig kann auf die Beurteilung
durch die
Gutachter der
MEDAS
Z._
abgestellt werden
(E. 3.2
hievor
)
,
da sie in Anbetracht der diagnosti
schen Unklarheiten eine weitere Abklärung als notwendig und die im
Aus
tritts
bericht
der
C._
vom 1
0.
Oktober 2013 empfohlene Abklärung in einer
Demenz
sprechstunde
oder in einer geeigneten Tagesklinik als sinnvoll er
achteten. Ihre Be
urteilung ist demnach
nicht in abschliessender Weise
zu ver
stehen
.
Ferner
können die Schlussfolgerungen, wonach der Be
schwerde
führer auf
grund des un
klaren und instabilen Gesundheitszustandes
sowie
bei der vor
liegenden
Befund
lage
bis zur ab
schlies
senden
Diagno
sestellung
und Beurteilung zu 100
%
arbeits
unfähig sein soll, nicht nachvollzo
gen werden, da sie nicht weiter begründet w
ur
den
.
4.5
Nicht abgestellt kann im Weiteren auf die - sich betreffend Arbeitsfähigkeit äus
sernden – Einschätzungen
von
pra
c
t
. med.
E._
und
Dr.
med.
I._
,
Ober
arzt,
C._
,
vom 1
5.
März 2013 (Urk.
8
/15) und von
pract
. med.
E._
und von
Dr.
F._
vom
2.
August
2013 (E. 3.1
hievor
).
Was den Bericht vom 15.
März 2013 anbelangt, so hielten
selbst
die behandelnden Ärzte der
C._
fest, dass die diagnostische Einordnung schwierig sei.
Eine nähere Auseinander
set
zung mit der gestellten Diagnose findet sich im Bericht nicht. Viel
mehr stellten
die behandelnden Ärzte bei ihrer Diagnosestellung und der attestierten generel
len
Arbeitsunfähigkeit vorwiegend auf die subjektiven An
gaben
des Beschwer
de
führers und die
fremd
anam
nestischen
Angaben seiner
Angehörige
n
ab.
Ausser
dem
wiesen die behandelnden Ärzte
im
psycho
patho
logischen Befund vom
5.
März 2013
vermehrt
auf Verständigungsprobleme hin
. Mit den mögli
chen Ur
sachen der aufgetretenen
Ver
ständigungs
probleme
setzten
sie
sich hin
gegen nicht
auseinander.
Insofern
ist
der besagte Bericht
für
die streitigen Belange nicht um
fassend.
Nichts anderes gilt für den
Bericht vom 2. August 2013
(E.
3.1
hie
vor
)
, wird darin ebenfalls auf diagnostische Unklar
heiten hin
gewiesen
, ohne diese
ab
schliessend klären zu können.
Hinzu kommt, dass
prac
t
. med.
E._
und
Dr.
F._
die
generell attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
in ihrem Bericht
vom
2.
August 2013
nicht näher
begründeten
, weshalb ihre Einschätzung nicht prüfend nach
voll
zogen werden kann.
Den weiteren medizinischen Berichten
von Dr.
A._
und Prof. Dr.
B._
sind keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (vgl. E.
3.4
, E.
3.
6
hie
vor
).
Diese stellten ferner lediglich eine Verdachtsdiagnose und setzten sich nicht mit einer allfälligen bewusstseinsnahen
Überzeichnung auseinander.
4.
6
Nach dem Gesagten ist ein
abschliessender
Entscheid über die
(
Rest
-)
A
rbeits
fähig
keit de
s
Be
schwer
deführer
s
aufgrund der Aktenlage nicht möglich. Die an
ge
fochtene Ver
fügung ist demgemäss aufzuheben und die Sache an die
Be
schwer
degegne
rin
zu
rück
zuweisen, dass sie d
e
n
Beschwerdeführer
ergänzend
ab
kläre und über
seinen
Renten
anspruch neu verfüge.
In diesem Sinne
ist die Be
schwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Damit erweist sich
das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung als gegen
stands
los.
5.2
Bei dies
em Ausgang des Verfahrens hat d
e
r Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung, welche unabhängig vom Streitwert nach der Be
deu
tung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird (
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht) und vor
liegend auf
Fr.
900
.-- (inklusive Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen ist.