Decision ID: 6ad09fa2-1fd4-4b7d-9136-b0cd6cc541df
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte oder Beschwerdeführerin) arbeitete in den letzten
Jahren für zwei Arbeitgeberinnen in Teilzeit im Haus- bzw. Reinigungsdienst (IV-act. 7
S. 1 und 6 und IV-act. 10).
A.b Am 30. Dezember 2009, 17:50 Uhr, wurde die Versicherte beim Überqueren des
Fussgängerstreifens von einem Auto angefahren (IV-act. 8). Sie zog sich dabei eine
Deckplattenimpressionsfraktur BWK12 und LWK1 sowie ein Hämatom am
Oberschenkel und Knie zu (IV-act. 74 S. 4). Nach der Entlassung aus dem
Kantonsspital St. Gallen am 8. Januar 2010 war die Versicherte wegen anhaltender
Rücken- und Knieschmerzen in Behandlung u.a. bei ihrem Hausarzt Dr. med. B._,
Facharzt für Innere Medizin FMH, bei Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH und für Chirurgie FMH,
und bei Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH (IV-act. 7 S. 7).
Ausserdem war sie ab Mitte Juni 2010 in psychiatrischer Behandlung bei Dr. med.
E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (IV-act. 74 S. 9 f.).
A.c Die Versicherte meldete sich am 15. September 2010 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 7).
A.d Im Arztzeugnis vom 17. September 2010 attestierte Dr. B._ der Versicherten
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Arbeiten (wie als Näherin), nicht
jedoch für ihre angestammte Tätigkeit im Reinigungsdienst (IV-act. 29 S. 1). Gemäss
IV-Protokoll des Gesprächs vom 22. September 2010 ging Dr. B._ von einem
Zustand nach Rückenkontusion am 30. Dezember 2009 und nach Zoster im August
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2010 aus. Er erachtete die Versicherte für eine körperlich leichte Tätigkeit zu 50% als
arbeitsfähig (IV-act. 43).
A.e Im Arztbericht vom 28. Oktober 2010 erklärte Dr. med. F._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie FMH, dass die Ursache der aktuellen Schmerzen in der
ungenügenden Stabilisierung der Wirbelsäule und nicht im verbliebenen kyphotischen
Knick liege (IV-act. 33 S. 10). Im Arztbericht vom 20. Dezember 2010 diagnostizierte Dr.
F._ verheilte Deckplattenimpressionen Th12 und L1 vom 30. Dezember 2009 (IV-act.
33 S. 1). Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsangestellte
schätzte er auf 50%. Wegen der eingeschränkten Belastbarkeit der Wirbelsäule seien
keine Arbeiten in gebückter Haltung sowie kein Heben von Lasten über 15 kg möglich.
Längeres Sitzen über zwei Stunden müsse von einem Positionswechsel unterbrochen
werden. Sitzende Tätigkeiten (bspw. als Näherin) oder stehende Tätigkeiten wären mit
6 bzw. 4 Stunden pro Tag mit 80% Leistung, wechselbelastende Tätigkeiten mit 6
Stunden pro Tag mit 100% Leistung möglich (IV-act. 33 S. 3 bis 6).
A.f Mit Mitteilung vom 1. März 2011 informierte die IV-Stelle die Versicherte, dass sie
keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe (IV-act. 42).
A.g Vom 13. Juli bis 1. August 2011 war die Versicherte in der Klinik G._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 5. August 2011 (IV-act. 54 S. 2 ff.)
diagnostizierten med. prakt. H._, Assistenzarzt, und Dr. med. I._, Oberarzt, ein
chronisches zerviko- und lumbospondylogenes Syndrom (ICD-10: M54.80) und
Adipositas (BMI 31.1). Der Arzt wies darauf hin, dass die Versicherte funktionell
weiterhin eingeschränkt sei. Lange Sitz- und Stehleistungen, allenfalls gar in
Kombination mit Hebeleistungen, seien ungeeignet und sollten in einem künftigen
Arbeitsumfeld vermieden werden. Psychisch wirkte die Versicherte stabilisiert.
Empfohlen wurde eine begleitende ambulante Psychotherapie, um die vorhandenen
Ressourcen umzusetzen.
A.h Im Arztzeugnis vom 22. August 2011 erklärte Dr. B._, dass sich die
Gesamtsituation der Versicherten nicht signifikant zum Besseren gewendet habe. Er
attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1. Juni 2011 bis auf weiteres (IV-act. 54
S. 1). Im Arztzeugnis vom 19. September 2011 schätzte Dr. B._ die Arbeitsfähigkeit
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für leichte Tätigkeiten mit Wechselpositionen (ohne langes Sitzen oder Stehen resp.
Gewichtsbelastung von mehr als 5 kg) ab 1. September 2011 auf 50% (IV-act. 55).
A.i Am 18. Oktober 2011 wurde eine Haushaltsabklärung durchgeführt. Diese ergab,
dass die Versicherte als Vollerwerbstätige zu qualifizieren sei (IV-act. 56).
A.j In der Stellungnahme vom 28. Februar 2012 (IV-act. 66 S. 2 f.) ging der Regionale
Ärztliche Dienst Ostschweiz (nachfolgend RAD) von folgenden Diagnosen aus:
chronisches zerviko- und lumbospondylogenes Syndrom mit eingeschränkter
Wirbelsäulen¬beweglichkeit und Weichteilschmerzen, Adipositas und Zustand nach
Zoster-Infektion L3/4 rechts (16. August 2010). Geeignet für die Versicherte seien
körperlich leichte Tätigkeiten (Gewichtslimite 5 kg), ohne langes Sitzen oder Stehen mit
Wechselpositionen, keine Einnahme von oder Verharren in Zwangspositionen, ohne
Armvorhalt und ohne Überkopfarbeiten.
A.k Das Begutachtungsinstitut SMAB AG, Bern, mit Zweigniederlassung in St. Gallen,
wurde von der IV-Stelle mit der polydisziplinären Begutachtung der Versicherten
beauftragt. Im Gutachten vom 13. Dezember 2012 (nachfolgend Gutachten) wurden mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit folgende Diagnosen gestellt: ein
thoracolumbovertebrales Syndrom ohne Radiculopathie, eine posttraumatische
Kyphosierung auf Höhe thoracolumbaler Übergang und eine mittelgradige depressive
Episode ICD-10: F32.1 mit Somatisierungstendenz (IV-act. 74 S. 19).
A.l Mit Vorbescheid vom 17. Juni 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
vorgesehen sei, das Leistungsbegehren für eine Rente abzuweisen (IV-act. 79). Mit
Schreiben vom 20. Juni 2013 erhob der Rechtsvertreter der Versicherten Dr. iur. E. R.
Pedergnana, St. Gallen, Einwand gegen den Vorbescheid (IV-act. 80).
A.m Mit Verfügung vom 2. September 2013 wies die IV-Stelle das Begehren um eine
Invalidenrente ab (IV-act. 82).
B.
B.a Die Versicherte liess am 27. September 2013 durch ihren Rechtsvertreter
Beschwerde erheben (act. G 1). Folgende Rechtsbegehren wurden gestellt: 1. Die
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Verfügung vom 2. September 2013 sei aufzuheben; 2. Die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten eine halbe Rente zu sprechen; 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten der Beklagten. Zur Begründung wurde insbesondere angeführt, dass der
Gesundheitszustand nicht umfassend abgeklärt worden sei und keine ausreichende
Auseinandersetzung mit den invalidisierenden Schmerzen stattgefunden habe.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 25. November 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, denn sie stufte die
Beschwerdeführerin sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht als voll
arbeitsfähig für eine leidensangepasste Tätigkeit ein (act. G 4). Die
Beschwerdegegnerin verwies in der Begründung insbesondere auf das Gutachten vom
13. Dezember 2012, auf die (frühere) bundesgerichtliche Rechtsprechung zu
somatoformen und vergleichbaren Schmerzstörungen und deren
Überwindbarkeitsvermutung sowie auf die ungenügende Selbsteingliederung der
Beschwerdeführerin.
B.c In der Replik vom 2. Dezember 2013 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Rechtsbegehren fest und verlangte weitere medizinische Abklärungen (act. G 6).
Beanstandet wurde insbesondere, dass die Beschwerdegegnerin ohne
nachvollziehbare Begründung von der gutachterlichen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit abgewichen sei.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung ist der Anspruch der Beschwerdeführerin
auf eine Rente der Invalidenversicherung. Die Beschwerdegegnerin verneint einen
Rentenanspruch, weil keine invaliditätsbedingte Einkommenseinbusse vorliege bzw.
der Invaliditätsgrad 0% betrage (vgl. IV-act. 82 und act. G 4). Die Beschwerdeführerin
vertritt dagegen die Ansicht, dass der Invaliditätsgrad mindestens 50% betrage (vgl.
act. G 1 und G 6). Strittig und deshalb zu prüfen ist, die Rechtmässigkeit der
Verfügung.
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2.
2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können, b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG, SR 830.1) gewesen sind und c. nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
2.2 Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs. 2 IVG).
2.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit
können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne
von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Festzustellen ist
deshalb, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein
(psychischer) Gesundheitsschaden führt nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7
ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6
ATSG) sei der ver¬sicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (Urteil des
Bundesgerichts vom 2. November 2015, 8C_249/2015, E. 3.1, BGE 127 V 298 E. 4c mit
Hinweisen).
3.
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Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt ausreichend geklärt ist.
3.1 Zur Beurteilung der Auswirkungen einer Krankheit ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten
Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in
Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung
der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die
Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann und ob der Experte
oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die
Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich
macht (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.2
3.2.1 Im Arztbericht vom 29. Juli 2010 erwähnte Dr. B._, dass die
Beschwerdeführerin in psychiatrischer Behandlung bei der Fachärztin Dr. E._ sei und
ab 14. Juni 2010 ihr bisheriges Arbeitspensum wieder zu 50% aufgenommen habe
(Fremdakten SUVA, Arztbericht vom 29. Juli 2010, IV-act. 43 und 74 S. 9).
3.2.2 Im Austrittsbericht der Klinik G._ vom 5. August 2011 (IV-act. 54 S. 2 f.)
diagnostizierten med. prakt. H._ und Dr. I._: 1. ein chronisches zerviko- und
lumbospondylogenes Syndrom (ICD-10: M54.80) mit/bei a) klinisch: eingeschränkter
Wirbelsäulenbeweglichkeit und Weichteilschmerzen, b) radiologisch: Keildeformität von
BWK12/LWK1 ohne Hinweise für ein KM-Ödem oder eine Veränderung im Verlauf (CR
LWS 17.08.2010, 16.02.2010 und 30.12.2009) und inferior betonten dehydrierenden
Diskopathien und dorsal flachbodigen Diskushernien LWK4-SWK1 ohne Myelon- oder
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Wurzelkompression bei geringem rezessalem Kontakt L5 beidseits (MRI LWS
29.01.2010), S-förmiger Skoliosefehlhaltung zerviko-thorakal, leichter Erweiterung des
Zentralkanales auf gut 1 mm HWK6-BWK1/2 (MRI HWS und Schädel 27.03.2006 und
08.06.2005), c) Status nach Deckplattenimpressionsfraktur BWK12 und LWK1-Fraktur
Va. Contusio cordis mit neu aufgetretenem Linksschenkelblock und diskretem
Perikarderguss 31.12.2009 infolge Verkehrsunfall am 30.12.2009; 2. Adipositas (BMI
31.1). Hinsichtlich der Belastbarkeit wurde angeführt, dass die Beschwerdeführerin
funktionell weiterhin eingeschränkt sei wie die Hebetestresultate gezeigt hätten. Lange
Sitz- und Stehleistungen, allenfalls gar in Kombination mit Hebeleistungen, seien für die
Beschwerdeführerin ungeeignet und sollten in einem künftigen Arbeitsumfeld
vermieden werden. Die Beschwerdeführerin sei beim Austritt psychisch stabilisiert
gewesen. Empfohlen wurde eine begleitende ambulante Psychotherapie. Beim
Klinikaustritt wurden denn auch eine ambulante Physiotherapie und eine
psychologische Therapie organisiert.
3.2.3 Im Arztbericht vom 13. August 2012 erklärte Dr. B._ an die Beschwerdeführerin
bzw. ihren Rechtsanwalt, dass die Beschwerdeführerin sich sehr bemüht habe, sich
wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. So erwähnte er u.a. die regelmässige
Physiotherapie, die Manualtherapie, die medizinische Trainingstherapie, das
regelmässige Training mit dem Crosstrainer zuhause sowie die Bemühungen um eine
Gesprächstherapie bei einer Spezialärztin für Psychiatrie (IV-act. 74 S. 48 f.).
3.2.4 Im ärztlichen Zeugnis vom 19. September 2011 stellte Dr. B._ eine erhebliche
Verbesserung des Gesundheitszustandes fest. Er schätzte die Arbeitsfähigkeit für
Tätigkeiten ohne langes Sitzen oder Stehen resp. einer Gewichtsbelastung von mehr
als 5 kg auf 50% (IV-act. 55).
3.2.5 Das Gutachten vom 13. Dezember 2012 von der SMAB AG (IV-act. 74) basiert
auf Untersuchungen der Beschwerdeführerin in den Disziplinen Psychiatrie und
Psychotherapie am 28. September 2012 durch Dr. med. J._, Allgemeine Innere
Medizin am 22. Oktober 2012 durch Dr. med. K._ und Orthopädie und Traumatologie
des Bewegungsapparates am 31. Oktober 2012 durch Dr. med. L._. Der Orthopäde
Dr. L._ stellte fest, dass bei der Beschwerdeführerin als Folge des Unfalls vor drei
Jahren ein posttraumatischer Keilwirbel BWK12 und LWK1 vorliege. Dass die
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akzentuierte Kyphosierung des thoracolumbalen Übergangs zu Beschwerden auf Höhe
des lumbosakralen Übergangs geführt habe, sei erklärbar, denn es sei nicht
ungewöhnlich, dass bei Fehlstellungen höherer LWS-Segmente die schmerzhafte
Symptomatik auf einem tieferen Niveau lokalisiert werde (IV-act. 74 S. 17 f.). Im
psychiatrischen Teilgutachten führte Dr. J._ aus, dass sich die von der
Beschwerdeführerin geäusserten Schmerzen wohl nur teilweise durch somatische
Befunde erklären liessen. Die Kriterien für eine somatoforme Schmerzstörung seien
jedoch nicht vollständig erfüllt. Es müsse von einer mittelgradigen depressiven Episode
mit somatischem Syndrom (Somatisierungstendenz) ausgegangen werden (ICD-10:
F32.1). Aus psychiatrischer Sicht bestehe aktuell eine 50%ige Arbeitsfähigkeit, welche
mit einer adäquaten Psychotherapie wahrscheinlich gesteigert werden könnte. Die
Prognose sei jedoch eher schlecht. Anzumerken ist, dass sich der psychiatrische
Gutachter im Gutachten weder vertieft mit der Arbeitsfähigkeit vor der Begutachtung
auseinandersetzte noch die psychiatrische Krankenakte der Beschwerdeführerin
beizog (IV-act. 74 S. 10 - 13, 18 f., 25 und 36 f.). Im Weiteren wurde angeführt, dass die
Beschwerdeführerin ab Mai 2010 zuerst bei der Psychotherapeutin M._ und ab Juni
2010 bis zur Praxisaufgabe in N._ bei der albanisch sprechenden Fachärztin Dr.
E._ in Behandlung gewesen sei (IV-act. 74 S. 31). Im internistischen Teilgutachten
erklärte Dr. K._, dass es keine Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit gebe
(IV-act. 74 S. 19 und 44 f.). Die SMAB-Gutachter (nachfolgend Gutachter) stellten
zusammenfassend folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein
thorako-lumbovertebrales Syndrom ohne Radikulopathie, eine posttraumatische
Kyphosierung auf Höhe des thorakolumbalen Übergangs und eine mittelgradige
depressive Episode mit Somatisierungstendenz (IV-act. 74 S. 19). Hinsichtlich der
Belastbarkeit der Beschwerdeführerin wurde festgehalten, dass sie wegen der
verminderten Belastbarkeit keine schweren Tätigkeiten im Reinigungsdienst mehr
ausführen könne. Ungeeignet seien Arbeiten, die mit Heben von Lasten verbunden
seien und solche, die mit langem Hebelarm ausgeführt werden müssten wie auch
solche, die in Reklination bei Überkopfarbeiten zu praktizieren seien. Körperlich leichte
Tätigkeiten dagegen seien zumutbar. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit differenzierten
die Gutachter. Aus somatischer Sicht sollte für angepasste Arbeiten, zu denen auch
der Beruf der Näherin gehöre, ein volles Tagespensum realisiert werden können,
jedoch mit ca. 20%iger Leistungseinbusse infolge vermehrt notwendigem Wechsel der
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Position (stehend/sitzend; IV-act. 74 S. 20 - 24). Aus psychiatrischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit für ausserhäusliche Tätigkeiten um 50% eingeschränkt (IV-act. 74 S.
23). Die Beschwerdeführerin sollte in der Lage sein, leichte Tätigkeiten ohne erhöhte
Zeitanforderung, ohne erhöhte Umstellungsfähigkeit und ohne erhöhte Anforderung an
Konzentration und Ausdauer durchzuführen (IV-act. 74 S. 21 bis 23). Das Vorliegen
einer somatoformen Schmerzstörung oder eines sonstigen vergleichbaren syndromalen
Zustands wurde verneint (IV-act. 74 S. 26). Prognostiziert wurde, dass sich durch eine
Intensivierung der Psychotherapie die Arbeitsfähigkeit innert 6 bis 12 Monaten auf
100% steigern lassen sollte (IV-act. 74 S. 28 und 36). Zum Gutachten und dessen
Beweiswert ist festzuhalten, dass dieses hinsichtlich Anamnese, Befunden und
Diagnosen als umfassend und hinreichend detailliert sowie als nachvollziehbar und
schlüssig einzustufen ist, so dass darauf abgestellt werden kann. So beruht das
Gutachten auf allseitigen Untersuchungen, die geklagten Beschwerden wurden
gewürdigt und die Vorakten berücksichtigt. Die medizinischen Zusammenhänge sowie
die medizinische Beurteilung wurden sowohl aus orthopädischer als auch aus
psychiatrischer Sicht einleuchtend dargelegt.
3.2.6 Im Bericht des RAD vom 21. Januar 2012 [korrekt 2013] / 11. Februar 2013 (IV-
act. 75) schlossen sich die RAD-Ärzte Dr. O._ aus fachpsychiatrischer und Dr. P._
aus somatischer Sicht grundsätzlich den Einschätzungen der Gutachter an. Der
Beschwerdeführerin sei in einer angepassten Tätigkeit, der auch die Tätigkeit als
Näherin entspreche, aus somatischer Sicht ein volles Tagespensum zumutbar,
allerdings mit einer Leistungseinbusse von ca. 20% infolge vermehrt notwendiger
Positionswechsel (stehend/sitzend). Der RAD-Psychiater ging wie der psychiatrische
Gutachter von einer psychisch bedingten 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus, welche
durch eine adäquate fachpsychiatrische / psychotherapeutische Behandlung wohl
deutlich verringert werden könnte. Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin erklärte der
RAD, dass es keine Hinweise auf suboptimales Leistungsverhalten bzw. auf relevante
Inkonsistenzen gebe.
3.3 Festzuhalten ist, dass der medizinische Zustand der Beschwerdeführerin mit dem
polydisziplinären Gutachten vom 13. Dezember 2012 und der RAD-Stellungnahme vom
21. Januar 2013 / 11. Februar 2013 besonders für die Zeit ab der Begutachtung
ausreichend geklärt wurde. Die Beschwerdegegnerin ist mit den Befunden und
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Diagnosen im Gutachten und in der RAD Stellungnahme einverstanden. Hinsichtlich
der Arbeitsfähigkeit schloss sich die Beschwerdegegnerin jedoch aus somatischer und
auch aus psychiatrischer Sicht nicht den Einschätzungen der Gutachter und der RAD-
Ärzte an (vgl. act. G 4 S. 5). Die Arbeitsfähigkeit ist daher nachfolgend zu prüfen.
3.4 Die Beschwerdegegnerin vertritt den Standpunkt, dass die Beschwerdeführerin
aus somatischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei (vgl. IV-act. 77
S. 2, IV-act. 79 S. 1, IV-act. 82 S. 1 und act. G 4 S. 3 f.). Zur Begründung verwies die
Beschwerdegegnerin wiederholt auf die Aussage auf Seite 18 im Gutachten, dass die
Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig sei (IV-act. 74). Unbeachtet liess die
Beschwerdegegnerin jedoch die weiteren gutachterlichen Ausführungen zur
Arbeitsfähigkeit wie auf Seite 22 im Gutachten: „Für nicht speziell
wirbelsäulenbeanspruchende Tätigkeiten besteht aus somatischer Sicht 100%
Arbeitsfähigkeit, so auch für den Beruf der Näherin. Zu berücksichtigen ist eine ca.
20% Leistungseinbusse infolge vermehrt notwendigem Wechsel der Position (stehend/
sitzend). [...]“ sowie auf Seite 23: „[...] Aus heutiger Sicht muss vom somatischen
Standpunkt her die Arbeitsfähigkeit als eingeschränkt angesehen werden, wenn es sich
um das ursprüngliche Tätigkeitsprofil der Reinigungstätigkeit handelt. Für angepasste
Arbeiten, zu denen auch der Beruf der Näherin gehört, sollte ein volles Tagespensum
realisiert werden können, mit ca. 20% Leistungseinbusse infolge vermehrt
notwendigem Wechsel der Position (sitzend/stehend). [...].“ sowie die Antwort auf die
Frage wie sich der Grad der Arbeitsfähigkeit seither entwickelt habe (IV-act. 74 S. 24).
Trotz der Relevanz erläuterte die Beschwerdegegnerin jedoch nicht, weshalb sie den
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen der Gutachter (IV-act. 74 S. 22 - 24) und des RAD (IV-
act. 75 S. 2), welche von einer somatisch bedingten Leistungseinbusse von 20%
ausgingen, nicht gefolgt war. Da die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
aus somatischer Sicht nachvollziehbar und schlüssig ist und keine Gründe ersichtlich
sind, davon abzuweichen, ist auf diese abzustellen.
3.5 Auch aus psychiatrischer Sicht folgte die Beschwerdegegnerin nicht der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Gutachter und der RAD-Ärzte. Die
Beschwerdegegnerin erachtet die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht als
voll arbeitsfähig in einer angepassten Tätigkeit (IV-act. 74 S. 22 f., 25 und 36 f.). Zur
Begründung, dass keine psychischen Einschränkungen mit invalidisierender
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Auswirkung vorlägen, führte die Beschwerdegegnerin an, dass sie die
Beschwerdeführerin als nicht besonders depressiv oder sonstwie psychisch
beeinträchtigt erachte, denn die Beschwerdeführerin nehme keine Antidepressiva ein
und absolviere auch keine psychiatrische Therapie, weshalb auch kein erheblicher
Leidensdruck vorliegen könne.
3.5.1 Wie in Erwägung 3.2.5 bereits festgehalten, fehlt im psychiatrischen
Teilgutachten eine fundierte Auseinandersetzung mit der Arbeitsfähigkeit vor der
Begutachtung und im Gutachten wird nicht erwähnt, dass die psychiatrischen
Krankenakten der Beschwerdeführerin beigezogen worden wären. Deshalb kann der
Aussage, dass aus psychiatrischer Sicht die Arbeitsfähigkeit für ausserhäusliche
Tätigkeiten seit April 2010 durchgehend um 50% eingeschränkt war (IV-act. 74 S. 25
und 37), hinsichtlich der Zeit vor der Begutachtung nicht unbesehen gefolgt werden.
Zweckdienliche Informationen zur psychischen Situation der Beschwerdeführerin vor
der Begutachtung finden sich jedoch in den weiteren Akten. So erklärte die
Beschwerdeführerin am 27. Mai 2010, dass sie ca. alle drei Wochen in die
Psychotherapie gehe (IV-act. Fremdakten SUVA, Besprechungsprotokoll vom 27. Mai
2010 und Arztbericht vom 29. Juli 2010 von Dr. B._). Ab Sommer 2010 wurde die
Beschwerdeführerin neu von Dr. E._ psychologisch betreut (IV-act. Fremdakten
SUVA, Besprechungsprotokoll vom 25. Juni 2010). In der Folge fanden die
Therapiesitzungen einmal pro Monat statt (IV-act. 41 S. 1, vgl. auch IV-act. 74 S. 31).
Im Arztbericht vom 25. Januar 2011 führte Dr. E._ aus, dass anlässlich von zwei
Terminen nach dem 7. Oktober 2010 sich eine Verbesserung der Grundstimmung und
eine deutliche Stabilisierung gezeigt habe, so dass am 17. Dezember 2010 die
Behandlung im gegenseitigen Einvernehmen abgeschlossen werden konnte (act. G
10.2). Folglich ist davon auszugehen, dass sich die psychisch bedingten Leiden und
Einschränkungen der Beschwerdeführerin soweit verbessert hatten, so dass sich diese
spätestens ab Januar 2011 nicht mehr oder nur noch im untergeordneten Masse auf
die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Von der Beschwerdeführerin wurde auch nicht geltend
gemacht, dass sie in der Zeit von Januar 2011 bis August 2012 andernorts in
psychologischer Behandlung war. Erst mit der psychologischen Begutachtung am 28.
September 2012 wurde (erneut) ärztlich ein behandlungsbedürftiges depressives
Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt. Dementsprechend ist im
Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass im
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rentenrelevanten Zeitraum vor der psychiatrischen Begutachtung am 28. September
2012 keine relevante psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit vorlag.
3.5.2 Für die Zeit ab der psychiatrischen Begutachtung am 28. September 2012 kann
der Argumentation der Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin aus
psychischer Sicht voll arbeitsfähig sei, nicht gefolgt werden wie nachfolgende
Erwägungen zeigen.
3.5.3 Für eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit spricht nebst den Ausführungen im
psychiatrischen Gutachten, dass sich die Beschwerdeführerin - entsprechend der
ärztlichen Empfehlungen - wieder in psychotherapeutische Behandlung begab (IV-act.
76, 80, act. G 6 S. 4). Aus dem Verhalten der Beschwerdeführerin kann daher für die
Zeit nach der Begutachtung - entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin - nicht
geschlossen werden, dass keine Depression mit Krankheitswert bzw. keine psychisch
bedingte Arbeitsunfähigkeit vorlag.
3.5.4 Gestützt auf die Aussage auf Seite 18 im Gutachten, dass die
Beschwerdeführerin in einer rückenadaptierten Tätigkeit aus somatischer Sicht voll
arbeitsfähig sei, vertritt die Beschwerdegegnerin den Standpunkt, dass ein mit einer
somatoformen Schmerzstörung vergleichbares syndromales Leiden vorliege und es
sich bei der diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode daher um eine
reaktive Begleiterscheinung zur Schmerzstörung handle (vgl. act. G 4). Eine solche
Depression stelle keine invalidisierende psychische Komorbidität dar, weil kein von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbarer verselbständigter und
pathologischer Gesundheitsschaden vorliege. In der angefochtenen Verfügung (IV-act.
82 S. 2) begründet die Beschwerdegegnerin die Abweisung des Rentenanspruchs
damit, dass die mittelgradige depressive Episode aus einem nicht objektivierbaren
Schmerzgeschehen ableitbar sei und somit keine von depressiven
Verstimmungszuständen klar unterscheidbare psychiatrische Erkrankung im Sinn eines
verselbstständigten Gesundheitszustandes darstelle, weshalb es der
Beschwerdeführerin möglich gewesen wäre, die notwendige Willenskraft für die
Ausübung einer vollen Erwerbstätigkeit aufzubringen. Die Ablehnung der
invalidisierenden Wirkung der mittelschweren depressiven Störung mit der
Argumentation zu somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren unklaren
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sydromalen Zuständen ist vorliegend insofern unbehilflich, da die Beschwerden
(Schmerzen) der Beschwerdeführerin gemäss Gutachten (zumindest teilweise)
somatisch erklärbar sind (vgl. Erwägungen 3.2.5 und 3.4, IV-act. 74 S. 18, 27 und 35).
Ausserdem beantworteten die Gutachter die Frage, ob eine somatoforme
Schmerzstörung oder ein sonstiger vergleichbarer syndromaler Zustand habe
diagnostiziert werden können wie folgt: „Es besteht kein syndromales
Beschwerdebild.“ und die Frage, ob eine psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere und Dauer vorliege: „Vom begutachtenden Psychiater wird eine „depressive
Episode mittelschwerer Ausprägung“ diagnostiziert.“ (vgl. IV-act. 74 S. 26 f.). Im
psychiatrischen Teilgutachten führt der konsiliarisch beigezogene Psychiater Dr. J._
als Beleg für die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F32.1)
die bei der Beschwerdeführerin festgestellten Symptome an (vgl. IV-act. 74 S. 30 bis
38, insb. S. 36). Die gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode ist
aufgrund der festgestellten Symptome als nachvollziehbar und zutreffend einzustufen.
Da es sich gemäss Gutachter und RAD nicht um die Begleiterscheinung einer
Schmerzkrankheit, sondern primär um ein selbstständiges (vom psychogenen
Schmerzsyndrom losgelöstes) depressives Leiden handelt, muss, zumal es keine
gegenteiligen ärztlichen Einschätzungen gibt, mit dem Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit von einer mittelschweren depressiven Störung mit invalidisierender
Wirkung ausgegangen werden.
3.5.5 Im Weiteren begründet die Beschwerdegegnerin die Ablehnung eines
Rentenanspruchs damit, dass Depressionen bis zu einem Schweregrad von
mittelschwer gut therapierbar seien und weist darauf hin, dass gemäss Gutachten die
Beschwerdeführerin mit entsprechender psychiatrischer Therapie ihre volle
Arbeitsfähigkeit innert einem Jahr wieder erlangen könnte, weshalb keine
invalidisierende Depression vorliegen könne (vgl. IV-act. 74 S. 36 und IV-act. 82 S. 2).
Bei dieser Annahme verkennt die Beschwerdegegnerin, dass es sich bei der Aussage
des Gutachters zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit lediglich um eine Prognose
handelte, denn der Gutachter wies darauf hin, dass nach durchgeführter Therapie eine
Neuevaluation durchgeführt werden sollte (vgl. IV-act. 74 S. 28 und 36). Demzufolge ist
solange von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen,
als nicht durch neuere Erkenntnisse, bspw. durch einen Arztbericht oder ein Gutachten,
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eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes bzw. eine geringere
Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht erwiesen ist.
3.5.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass aus psychiatrischer Sicht ab dem 28.
September 2012 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit besteht.
3.6 Da dem Gutachten nicht entnommen werden kann, dass die somatisch und die
psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit kumulativ zu berücksichtigen sind, ist auf den
jeweils dominierenden Grund der Arbeitsunfähigkeit abzustellen. Insgesamt ist damit
festzustellen, dass die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in
leidensangepassten Tätigkeiten vor dem 28. September 2012 20% und seither 50%
beträgt.
4.
Da der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung einen minimalen
Invaliditätsgrad (bzw. eine minimale Erwerbseinbusse) voraussetzt (vgl. Erwägung 2.2)
und der Invaliditätsgrad vorliegend umstritten ist (vgl. act. G 1, G 4 und G 6), ist dieser
zu prüfen.
4.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2015,
8C_612/2014, E. 4.2).
4.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 28. April 2015, 8C_612/2014, E. 4.2.2.1). In der Regel wird am
zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es der empirischen Erfahrung entspricht, dass
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die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen
müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit
Hinweisen).
4.2.1 Die Beschwerdeführerin arbeitete vor dem Unfall einerseits als
Reinigungsangestellte bei Q._ und andererseits erledigte sie den Hausdienst in
Wohnliegenschaften der R._ AG. Trotzdem ermittelte die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen von Fr. 52‘790.- anhand der Tabellenlöhne der
Lohnstrukturerhebung des Jahres 2010 (IV-act. 77). Nachfolgend ist zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin nicht vom (hochgerechneten) bisherigen Verdienst hätte
ausgehen müssen.
4.2.2 Die Arbeitsunfähigkeit trat mit dem Verkehrsunfall kurz vor Ende des Jahres 2009
ein (30. Dezember 2009). Folglich kann an die Einkommenssituation im Jahr 2009
angeknüpft werden.
4.2.3 Bei der Anstellung bei Q._ handelt es sich gemäss der Arbeitgeberin um ein
25%iges Teilzeitpensum (durchschnittliche Soll-Arbeitszeit von 10.5 Stunden pro
Woche; IV-act. 18 S. 2). Bei einem Stundenlohn von Fr. 22.39 (inkl. Anteil 13.
Monatslohn/Gratifikation, exkl. Zuschlag für Ferien-/Feiertagsentschädigung) ergibt
dies ein Jahreseinkommen von Fr. 12‘225.- (10.5 Std. x Fr. 22.39 pro Std. x 52
Wochen). Gemäss dem Auszug aus dem individuellen Konto (nachfolgend IK-Auszug)
verdiente die Versicherte im Jahr 2009 Fr. 14‘697.- (IV-act. 17 S. 1). Folglich
entsprachen die im Jahr 2009 geleisteten Arbeitsstunden effektiv einem 30%-
Teilzeitpensum.
4.2.4 Bei der Anstellung im Hausdienst bei der R._ AG handelt es sich um ein
Teilzeitpensum im Monatslohn. Gemäss IK-Auszug betrug das diesbezügliche
Einkommen im Jahr 2009 Fr. 6‘630.- (IV-act. 17 S. 1). Gemäss der Arbeitgeberin liegt
dieser Anstellung ein Stundenlohn von Fr. 23.- und ein durchschnittlicher Zeitaufwand
von 5.54 Stunden pro Woche zugrunde (IV-act. Fremdakten SUVA, Gesprächsnotiz
vom 11. März 2010). Bei der Anstellung handelt es sich folglich um ein 13%iges
Teilzeitpensum (5.54 Stunden im Verhältnis zur betrieblichen Normalarbeitszeit von
42.5 Stunden pro Woche [IV-act. 16 S. 2]).
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4.2.5 Die Beschwerdeführerin erzielte mit ihren Arbeitspensen von insgesamt 43%
(30% + 13%) im Jahr 2009 ein Einkommen von Fr. 21‘327.- (Fr. 14‘697.- + Fr. 6‘630.-).
Hochgerechnet auf ein 100%iges Arbeitspensum ergibt dies ein Einkommen Fr.
49‘598.--. Angepasst an den Nominallohnindex des Jahres 2010 (107.0 : 107.2)
resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 49‘691.-.
4.3 Beim Invalideneinkommen von Fr. 52‘790.- ging die Beschwerdegegnerin
gleichfalls von den Tabellenlöhnen der Lohnstrukturerhebung 2010 aus
(Anspruchsniveau 4, Frauen). Ein Leidensabzug wurde nicht vorgenommen (vgl. IV-act.
82 S. 2).
4.3.1 Die Beschwerdeführerin ist nur eingeschränkt arbeitsfähig. Als angepasste und
zumutbare Tätigkeit kommt aufgrund der beruflichen Erfahrung der
Beschwerdeführerin insbesondere eine Anstellung als Näherin in Frage (vgl. IV-act. 74
S. 22, 24 und 26 und IV-act. 75). Daneben sind jedoch auch weitere einfache
handwerkliche Tätigkeiten, welche im Rahmen des Belastungsprofiles liegen, in
Betracht zu ziehen (vgl. zu den somatisch bedingten Einschränkungen Erwägungen
3.2.5 und 3.4). Daher ist gemäss Rechtsprechung bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens grundsätzlich vom Tabellenlohn auszugehen. Der
durchschnittlich von einer Frau ohne qualifizierte Berufsausbildung (TA1,
Anspruchsniveau 4) erzielte Jahreslohn betrug im Jahr 2010 bei einer Arbeitszeit von
41.6 Stunden pro Woche Fr. 52'728.- (12 x Fr. 4'225.- / 40 Std. x 41.6 Std.).
4.3.2 Ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 20% vor und von 50% ab dem 28.
September 2012 (vgl. Erwägung 3.6) beträgt das zumutbare erzielbare Einkommen Fr.
42'182.- (80% von Fr. 52'728.-) bzw. Fr. 26'364.- (50% von Fr. 52'728.-).
4.3.3 Im Weiteren ist zu prüfen, ob ein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt ist (BGE
124 V 321 E. 3b/aa; 126 V 75 E. 5b/aa). Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E.
4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg zu verwerten in der Lage sind (BGE 126 V
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75 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen – insbesondere auch von invaliditätsfremden Faktoren – des konkreten
Einzelfalles ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25%
festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig
(BGE 126 V 75 E. 5b; 129 V 472 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Geeignet ist für die
Beschwerdeführerin insbesondere eine Tätigkeit als Näherin. Dabei handelt es sich um
eine Tätigkeit mit unterdurchschnittlicher Entlöhnung. Diese liegt gemäss der LSE
2010, Wirtschaftsabteilung 14 „Herstellung von Bekleidung“ rund 30% unter dem von
einer Frau ohne qualifizierte Berufsausbildung durchschnittlich erzielten Jahreslohn.
Auch bei den weiteren in Frage kommenden körperlich leichten Tätigkeiten dürfte es
sich eher um solche mit unterdurchschnittlicher Entlöhnung handeln. Da im zuvor
ermittelten Invalidenlohn die 20%ige bzw. 50%ige Leistungsreduktion bereits
berücksichtigt ist, sind nur noch die qualitativen Einschränkungen, welche zu einer
unterdurchschnittlichen Bezahlung im Vergleich zum Durchschnittslohn führen, zu
berücksichtigen. Relevant sind vorliegend insbesondere die gesundheitsbedingten
qualitativen Einschränkungen wie die sehr geringe Belastbarkeit und die erschwerte
Einsetzbarkeit wegen mehrerer Handicaps (Bedarf an zusätzlichen, regelmässigen
Pausen, das Erfordernis des regelmässigen Wechsels der Arbeitsposition [Sitzen,
Stehen]). Eine lohnmässig relevante Erschwernis ergibt sich durch den Umstand, dass
vorliegend nur noch sehr leichte Hilfsarbeiten in Frage kommen, für welche kein
Mangel an Arbeitskräften besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2008,
9C_603/2007, E. 4.2.3). Ein Leidensabzug von 15% erscheint als angemessen. Es ist
folglich von einem erzielbaren Invalideneinkommen bis zum bzw. ab dem
Begutachtungstermin vom 28. September 2012 von Fr. 35'855.- bzw. von Fr. 22'409.-
auszugehen.
4.4 Der Invaliditätsgrad beträgt folglich vor bzw. ab dem 28. September 2012 28%
([Fr. 49‘691.- - Fr. 35'855.-] / Fr. 49‘691.-) bzw. 55% ([Fr. 49‘691.- - Fr. 22'409.-] / Fr.
49‘691.-).
5.
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Nachfolgend sind die Rentenanspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 28 Abs. 1 und
Art. 29 IVG zu prüfen.
5.1 Eingliederungsmassnahmen sind vorliegend nicht nötig, da die
Beschwerdeführerin bereits über die erforderlichen beruflichen Grundkenntnisse als
Näherin verfügt (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Die Beschwerdeführerin ist seit dem
Verkehrsunfall am 30. Dezember 2009 zumindest zu 50% in angestammter Tätigkeit
arbeitsunfähig. Damit erfüllt die Beschwerdeführerin einerseits den erforderlichen
Mindestgrad von 40% und andererseits seit dem 30. Dezember 2010 das erforderliche
Wartejahr (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der
Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung
des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der
auf die Vollendung des 18. Altersjahrs folgt. Da sich die 19_ geborene
Beschwerdeführerin am 15. September 2010 zum Bezug von IV-Leistungen anmeldete,
kann ein Rentenanspruch frühestens am 15. März 2011 entstehen. Gemäss Art. 29
Abs. 3 IVG wird die Rente vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der
Rentenanspruch entsteht.
5.2 Folglich hat die Beschwerdeführerin mit ihrem Invaliditätsgrad von 55% ab 28.
September 2012 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung ab 1.
September 2012.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 2. September 2013 in
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Der Beschwerdeführerin ist ab 1.
September 2012 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Zur
Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
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Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.- ist ihr zurückzuerstatten.
6.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.-. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle (vgl. etwa Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Juni 2012, IV 2010/158) eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.