Decision ID: b3154d5e-0751-5027-bf2e-4c928c1f7aee
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 25.01.2012 Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG. Voraussetzung eines Arbeitsverhältnisses für die Anrechnung jener Zeiten als Beitragszeit, in denen der Beschwerdeführer Unfalltaggelder bezogen hat. Annahme eines durchgängigen Arbeitsverhältnisses, weil es sich vorliegend um Kettenarbeitsverträge handelte. Erforderliche Beitragszeit von zwölf Monaten erfüllt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. Januar 2012, AVI 2011/33).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg-Haltinner, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer und Lisbeth Mattle Frei; a.o. Gerichtsschreiberin Beatrice RohnerEntscheid vom 25. Januar 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,gegenKantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendArbeitslosenentschädigung (Beitragszeit)Sachverhalt:
A.
A.a A._ stellte am 1. Oktober 2010 bei der Arbeitslosenkasse des Kantons St.
Gallen (Arbeitslosenkasse) Antrag auf Eröffnung einer Folge-Rahmenfrist und
Auszahlung von Arbeitslosenentschädigung ab 1. Oktober 2010 (act. G 5.1/92). Mit
Verfügung vom 28. Dezember 2010 lehnte die Arbeitslosenkasse den Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung ab. Der Versicherte könne in der Rahmenfrist vom 1.
Oktober 2010 (richtig: 1. Oktober 2008) bis 30. September 2010 keine genügenden
Beitragszeiten als Arbeitnehmer nachweisen. Ein Rahmenvertrag mit einer
Temporärfirma begründe kein beitragsrelevantes Arbeitsverhältnis. Hingegen würden
die einzelnen Einsatzverträge jeweils ein neues, in sich abgeschlossenes
Arbeitsverhältnis begründen. Insofern sei für die Berechnung der Beitragszeit die Dauer
jedes einzelnen Arbeitseinsatzes massgebend. Beim Versicherten ergebe sich somit
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eine Beitragszeit von 4.641 Monaten. Die Zeit ab 1. März 2010, in welcher der
Versicherte Taggelder der Unfallversicherung bezogen habe, sei nicht anrechenbar,
weil er damals nicht in einem Arbeitsverhältnis gestanden sei. Gemäss Einsatzvertrag
der B._ AG habe das Arbeitsverhältnis nur bis 28. Februar 2010 gedauert (act. G
5.1/100).
A.b Am 24. Januar 2011 erhob der Versicherte Einsprache und beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 28. Dezember 2010 und die Auszahlung von
Arbeitslosenentschädigung. Das Arbeitsverhältnis mit der B._ AG sei erst auf 30.
September 2010 gekündigt worden, weshalb die Zeit, in der er Unfalltaggelder
bezogen habe, als Beitragszeit angerechnet werden müsse (act. G 5.1/102).
A.c Mit Einspracheentscheid vom 2. Mai 2011 wies die Arbeitslosenkasse die
Einsprache vom 24. Januar 2011 ab. Der Vertrag mit der C._ AG belege ein
Arbeitsverhältnis vom 1. bis 28. Februar 2010. Danach seien keine weiteren
Einsatzverträge abgeschlossen und keine weiteren Arbeitsleistungen getätigt worden.
Somit habe während des Bezugs der Unfalltaggelder kein beitragspflichtiges
Arbeitsverhältnis bestanden (act. G 5.1/105).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Versicherten erhobene
Beschwerde vom 27. Mai 2011. Er beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheids
und die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung. Er habe bis September 2010
Lohnabrechnungen der B._ AG erhalten. Indem ein beitragsrelevantes
Arbeitsverhältnis vorgelegen habe, sei auch die Periode, in der er Unfalltaggelder
bezogen habe, zur Beitragszeit hinzuzurechnen. Er hätte bis Dezember 2010 Arbeit bei
der C._ AG verrichten können, falls er arbeitsfähig gewesen wäre (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juli 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde und verweist bezüglich des Sachverhalts und der
Begründung auf den Einspracheentscheid vom 2. Mai 2011 (act. G 5).

Erwägungen:
1.
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1.1 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer die Beitragszeit von zwölf Monaten als
Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung erfüllt hat. Die
Rahmenfrist für die Beitragszeit lief unbestrittenermassen vom 1. Oktober 2008 bis 30.
September 2010.
1.2 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) hat
Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung, wer unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der
Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. Die Beitragszeit hat laut Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt,
wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während
mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Was
eine beitragspflichtige Beschäftigung ist, ergibt sich aus Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG.
Danach ist für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig, wer nach dem
Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10)
obligatorisch versichert und für Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit
beitragspflichtig ist.
1.3 Nach Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG werden als Beitragszeiten auch Zeiten
angerechnet, in denen der Versicherte zwar in einem Arbeitsverhältnis steht, aber
wegen Krankheit oder Unfalls keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt.
2.
2.1 Im Wesentlichen ist die Frage umstritten, ob die Zeit vom 1. März bis 30.
September 2010, in welcher die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG Unfalltaggelder
entrichtete, als Beitragszeit angerechnet wird. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer
in der Zeit vom 1. März bis 30. September 2010 in einem Arbeitsverhältnis stand.
2.2
2.2.1 Die B._ AG hat mit dem Beschwerdeführer ab Dezember 2009 monatlich
neue, befristete Arbeitsverträge mit gleichbleibenden Bedingungen abgeschlossen (vgl.
act. G 5.1/67, 69 und 74). Am 23. Dezember 2009 teilte die B._ AG mit, sie werde
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den Beschwerdeführer voraussichtlich bis Ende Januar 2010 weiterbeschäftigen. Am 4.
Februar 2010 hat sie erneut einen Arbeitsvertrag mit dem Beschwerdeführer
abgeschlossen, der ein Arbeitsverhältnis bis 28. Februar 2010 begründen sollte.
Gemäss Vertrag war der Beschwerdeführer verpflichtet, bei der C._ AG als
Lagermitarbeiter auf Abruf, bis zu 100%, zu arbeiten (act. G 5.1/74). Nachdem der
Beschwerdeführer am 15. Februar 2010 einen Nichtberufsunfall erlitten hatte, war
dieser zu 100% arbeitsunfähig und bezog vom 17. Februar bis 30. September 2010
über die Arbeitgeberin Unfalltaggeldleistungen (act. G 5.1/79, 88 und G 1.5). Die B._
AG kündigte mit Schreiben vom 26. August 2010 das Arbeitsverhältnis auf den 30.
September 2010 (act. G 5.1/90). Nach Anfrage der Arbeitslosenkasse teilte die B._
AG am 18. Oktober 2010 mit, dass es sich beim Arbeitsverhältnis mit dem
Beschwerdeführer um eine temporäre Beschäftigung gehandelt habe. Der Einsatz hätte
mit grosser Wahrscheinlichkeit bis Ende 2010 gedauert. Aufgrund des Unfalls des
Beschwerdeführers habe ihn eine andere Person am Einsatzort ersetzen müssen, die
immer noch dort arbeite (act. G 5.1/93 und 94).
2.2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er bis am 30. September 2010
in einem Arbeitsverhältnis mit der B._ AG gestanden sei. Ein befristetes
Arbeitsverhältnis endet gemäss Art. 334 Abs. 1 OR (Obligationenrecht; SR 220) ohne
Kündigung. Werden jedoch immer wieder neue befristete Arbeitsverträge abge
schlossen, handelt es sich um Kettenarbeitsverträge. Mit der Aneinanderreihung von
befristeten Arbeitsverhältnissen kann es zu einer Benachteiligung der Arbeitnehmer
kommen, die nicht von jenen Ansprüchen beziehungsweise Schutzbestimmungen
profitieren, welche an die Dauer des Arbeitsverhältnisses anknüpfen (vgl. Wolfgang
Portmann/Jean-Fritz Stöckli, Schweizerischen Arbeitsrecht, 2. Aufl., St. Gallen 2007, N
801). Liegt kein sachlicher Grund für die Aneinanderreihung mehrerer befristeter
Arbeitsverträge vor, handelt es sich um eine Umgehung der gesetzlichen
Bestimmungen, insbesondere jener über den Kündigungsschutz. Rechtsfolge einer
solchen Gesetzesumgehung ist die Umdeutung der Kettenverträge in ein unbefristetes
Arbeitsverhältnis mit Minimaldauer (vgl. Ullin Streiff/Adrian von Kaenel, Arbeitsvertrag,
6. Aufl., Zürich 2006, Art. 334, N 7).
2.2.3 Gemäss Aussage der B._ AG hätte der Beschwerdeführer wahrscheinlich
bis Ende 2010 bei der C._ AG einen Einsatz gehabt. Dass der Arbeitsvorrat schwierig
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einschätzbar ist, stellt grundsätzlich keinen sachlichen Grund für die Befristung eines
Arbeitsverhältnisses dar (vgl. Streiff/Von Kaenel, a.a.O. mit Hinweis auf Pra 2001 Nr.
31). In Einbezug der gesamten Aktenlage lassen sich auch keine weiteren Hinweise auf
sachliche Gründe finden.
Die Befristung der Arbeitsverträge lässt sich somit durch keinen sachlichen Grund
rechtfertigen, weshalb eine Gesetzesumgehung anzunehmen ist. Folglich ist von einem
Arbeitsverhältnis auszugehen, welches vom 1. Dezember 2009 bis zum Ablauf der
Kündigungsfrist am 30. September 2010 dauerte. Die Annahme eines durchgängigen
Arbeitsverhältnisses wird durch das Verhalten der Arbeitgeberin bestätigt. Zum Einen
hat sie mit Kündigungsschreiben vom 26. August 2010 das Arbeitsverhältnis per
30. September 2010 aufgelöst und somit angenommen, dass ein unbefristetes
Arbeitsverhältnis vorliegt (act. G 5.1/90). Zum Anderen hat der Beschwerdeführer die
Unfalltaggelder nicht direkt von der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG ausbezahlt
erhalten, sondern über die B._ AG (act. G 5.1/88).
2.2.4 Zusammenfassend dauerte das Arbeitsverhältnis zwischen dem
Beschwerdeführer und der B._ AG durchgehend vom 1. Dezember 2009 bis 30.
September 2010, was eine Beitragszeit von 10 Monaten ergibt. Infolgedessen wird die
Zeit vom 1. März bis 30. September 2010, in welcher der Beschwerdeführer wegen
Unfalls Taggelder erhalten hat, im Sinn von Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG als Beitragszeit
angerechnet.
2.3 Im Weiteren ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer mit den übrigen Tätigkeiten
die Beitragszeit erfüllt hat.
2.3.1 Nach Art. 11 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) zählt als
Beitragsmonat jeder volle Kalendermonat, in dem die versicherte Person
beitragspflichtig ist. Für die Bestimmung des Beitragsmonats kommt es auf die formale
Dauer des Arbeitsverhältnisses an. Jeder Monat wird als voller Kalendermonat
angerechnet, in welchem die versicherte Person aufgrund eines während dieses
ganzen Monats dauernden Arbeitsverhältnisses eine beitragspflichtige Beschäftigung
ausgeübt hat. Dies bedeutet, dass jeder Kalendermonat innerhalb eines sich über
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mehrere Monate erstreckenden Arbeitsverhältnisses, in dem Arbeit geleistet wird, als
(ein) Beitragsmonat zählt. Ausser Betracht fallen jene Kalendermonate innerhalb des
Arbeitsverhältnisses, in denen die arbeitnehmende Person an gar keinem Tag
gearbeitet hat (Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl. 2007, Rz 212, mit
Hinweisen). Als Beitragszeiten, die nicht einen vollen Kalendermonat umfassen (vgl. Art.
11 Abs. 2 AVIV), gelten solche aus angebrochenen Kalendermonaten, in denen Beginn
oder Ende des Arbeitsverhältnisses innerhalb des gleichen Monats liegen oder in
denen ein Arbeitsverhältnis nicht den ganzen Monat angedauert hat; solche
Beitragszeiten werden zusammengezählt, und zwar in der Weise, dass die
Beschäftigungstage mit dem Faktor 1,4 oder in Grenzfällen mit dem Faktor aus 30
Kalendertagen geteilt durch die im fraglichen Monat effektiv möglichen
Beschäftigungstage vervielfacht werden. Dabei gelten je 30 Kalendertage als ein
Beitragsmonat (BGE 125 V 45 f. E. 3c, mit Hinweisen).
2.4 Massgebend für die Ermittlung der anrechenbaren Werktage ist die rechtliche
Dauer der einzelnen Arbeitsverhältnisse. In Übereinstimmung mit der
Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 5.1/100) sind folgende Beschäftigungen als
Beitragszeiten anzurechnen: 3. bis 14. November 2008 (10 Werktage = 0.467 Monate
[act. G 5.1/7 bis 9]), 17. November bis 19. Dezember 2008 (25 Werktage = 1.167
Monate [act. G 5.1/9, 13, 20]), 12. Januar 2009 (1 Werktag = 0.047 Monate [act. G
5.1/16, 19, 23]) jeweils bei der B._ AG; 9. bis 17. November 2009 (7 Werktage =
0.327 Monate act. G 5.1/57, 60, 63) bei der D._ AG. Dies ergibt eine Beitragszeit von
2.008 Monaten.
2.5 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer die für einen Anspruch auf Arbeits
losenentschädigung erforderliche Beitragszeit von zwölf Monaten erfüllt (12.008
Monate).
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 2. Mai 2011 teilweise gutzuheissen. Die
Sache ist zur Prüfung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen für die Zeit ab 1.
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Oktober 2010 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP