Decision ID: 5cebd7c1-ca3e-485f-b798-4c4b174101ca
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit dem 3. Januar 1966 im Besitz des Führerausweises der Kategorie B, seit
dem 26. Januar 1981 der Kategorien A1, E, F und G sowie seit dem 1. Juni 1991 der
Kategorien A2 und D2. Sie ist im Administrativmassnahme-Register nicht verzeichnet.
B.- Am 27. Februar 2016, um 17.45 Uhr, fiel X einer Polizeipatrouille auf. Gemäss
Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 2. März 2016 fuhr sie auf der Rickenstrasse
in Richtung Wattwil mit sehr langsamer Geschwindigkeit. Auf geraden Strecken habe
sie auf ungefähr 60 km/h beschleunigt und vor Kurven auf circa 40 km/h abgebremst.
Auf der mit 80 km/h signalisierten Umfahrungsstrasse (Autostrasse) sei sie mit 60 km/h
gefahren. Weiter sei sie im Tunnel Wattwil sehr langsam gefahren; erst nach dem
Tunnel habe sie auf circa 70 bis 75 km/h beschleunigt.
C.- Aufgrund des Vorfalls vom 27. Februar 2016 eröffnete das Strassenverkehrsamt am
11. März 2016 ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung. Nachdem es X das
rechtliche Gehör gewährt hatte, ordnete es mit Zwischenverfügung vom 7. April 2016
eine vertrauensärztliche Untersuchung bei Dr.med. Hermann Etter, St. Gallen, an.
Dieser berichtete am 24. Mai 2016 dem Strassenverkehrsamt, dass er X zwei Mal in
seiner Praxis untersucht habe. Die Ergebnisse der Untersuchung würden darauf
hindeuten, dass X Aufgaben im ruhigen Alltag gut erledigen könne, mit komplexeren
Aufgaben, wie beispielsweise dem Autofahren, hingegen überfordert sein könnte. Es
sei deshalb eine Probefahrt mit einem Experten und einem Arzt angezeigt. In der Folge
ordnete das Strassenverkehrsamt mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2016 eine
ärztlich begleitete Kontrollfahrt für die Kategorie B an.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 15. Juli
2016 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
Zwischenverfügung des Strassenverkehrsamts vom 29. Juni 2016 sei vollumfänglich
aufzuheben und von einer Kontrollfahrt sei abzusehen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Neubeurteilung und Einholung eines vertrauensärztlichen
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Gutachtens durch einen neutralen Arzt an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am
5. September 2016 auf eine Vernehmlassung zum Rekurs.

Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. Juli 2016 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Umstritten ist, ob die Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2016 zu
Recht eine Kontrollfahrt anordnete. Sie hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass
die Rekurrentin am 27. Februar 2016 aufgrund ihrer unsicheren Fahrweise im Verkehr
auffällig geworden sei. Deshalb sei sie aufgefordert worden, sich einer
vertrauensärztlichen Untersuchung zu unterziehen. Der Vertrauensarzt habe in seinem
Bericht vom 25. Mai 2016 sodann mitgeteilt, dass die Fahreignung der Rekurrentin
aufgrund der widersprüchlichen Testergebnisse nicht abschliessend habe beurteilt
werden können, weshalb er eine ärztlich begleitete Kontrollfahrt empfehle. Weiter führt
die Vorinstanz aus, dass der Arzt zwar die medizinische Eignung (Sehschärfe, Gehör
usw.) beurteilen könne, jedoch nicht, wie sich jemand am Steuer verhalte. Da die
Ausführungen des Vertrauensarztes nachvollziehbar seien, sei die Anordnung einer
ärztlich begleiteten Kontrollfahrt gerechtfertigt.
Im Rekurs vom 15. Juli 2016 wird dem entgegengehalten, dass es sich bei der
Äusserung des Vertrauensarztes, wonach das Autofahren die Rekurrentin überfordere,
nur um eine Mutmassung oder Wertung handle, welche keine Grundlage in der
ärztlichen Untersuchung finde und damit keine Diagnose darstelle, worauf sich die
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Vorinstanz stützen könne. Die Rekurrentin sei keinesfalls mit dem Autofahren
überfordert. Vielmehr weise sie einen tadellosen Verkehrsleumund auf und habe
bislang zu keinen Vorfällen im Strassenverkehr Anlass gegeben. Sie habe alle zwei
Jahre die Fahreignungsuntersuchung erfolgreich abgeschlossen. Die letzte
Untersuchung habe nur einen Monat vor dem Vorfall am 27. Februar 2016
stattgefunden und habe zu einer Befürwortung der Fahreignung geführt, weshalb die
Anordnung einer Kontrollfahrt nicht notwendig sei. Für die Anordnung einer
Kontrollfahrt seien gravierende Fahrfehler erforderlich. Ein solcher Vorwurf könne der
Rekurrentin nicht gemacht werden. Sie sei eine vorsichtige Autofahrerin, die ihre
Fahrgeschwindigkeit der Sichtweite entsprechend angepasst habe. Im Zeitpunkt des
Vorfalls sei es bereits dunkel gewesen, weshalb eine erhöhte Vorsicht geboten und
eine entsprechende Anpassung der Geschwindigkeit notwendig gewesen sei. Zudem
sei es leicht unter null Grad und damit um den Gefrierpunkt gewesen. Bei solchen
Temperaturen habe ein Automobilist mit Glatteis zu rechnen, weshalb er seine
Geschwindigkeit zwingend den Strassenverhältnissen anzupassen habe. Genau dies
habe die Rekurrentin getan. Gerade beim Verlassen eines Tunnels bestehe erhöhte
Glatteisgefahr. Den Aussagen der Polizeibeamten zufolge sei die Rekurrentin jeweils
zwischen 60 bis 75 km/h gefahren, was gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung genau das Tempo darstelle, welches in der Nacht bei günstigen
Voraussetzungen entsprechend der Sichtweite erlaubt sei. Alleine die Tatsache, dass
sich hinter der Rekurrentin eine Fahrzeugkolonne gebildet habe und andere
Verkehrsteilnehmer gefährliche Überholmanöver an den Tag gelegt hätten, belege
keinesfalls einen gravierenden Fahrfehler der Rekurrentin. Vielmehr müssten die
gefährlichen Überholmanöver als solche qualifiziert oder die Fahrkompetenz dieser
Fahrzeuglenker hinterfragt werden. Auch wenn die Rekurrentin gemäss der Auffassung
der Polizeibeamten zu langsam unterwegs gewesen sein solle, stelle dies keinesfalls
einen gravierenden Fahrfehler dar, der die Anordnung einer Kontrollfahrt rechtfertige,
zumal es sich bei der Geschwindigkeitsangabe von 80 km/h nicht um eine Mindest-,
sondern um eine Maximalgeschwindigkeitsangabe handle. Insgesamt sei die
Anordnung einer Kontrollfahrt klar unverhältnismässig und nicht gerechtfertigt. Durch
die Anordnung einer Kontrollfahrt gehe die Vorinstanz über das ihr zustehende
Ermessen hinaus, was eine Verletzung von Art. 29 VZV darstelle.
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3.- a) Autofahrer, die älter als 70 Jahre sind, müssen sich in Abständen von zwei Jahren
einer vertrauensärztlichen Kontrolluntersuchung unterziehen (Art. 15d Abs. 2 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 27 Abs. 1 lit. b der
Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr,
SR 741.51, abgekürzt: VZV). Die Pflicht, sich einer solchen Untersuchung zu
unterziehen, besteht für alle Personen ab dem vollendeten 70. Altersjahr, unabhängig
davon, ob konkrete Anzeichen auf eine beeinträchtigte Fahreignung vorliegen oder
nicht. Die Massnahme bezweckt, bei älteren Ausweisinhabern systematisch zu prüfen,
ob ihre Fahreignung als Grundvoraussetzung für die Belassung des Führerausweises
fortbesteht. Diese Pflicht erscheint sachgerecht, zumal mit fortschreitendem Alter die
allgemeinen psychischen und physischen Grundvoraussetzungen zum sicheren Lenken
eines Motorfahrzeugs im Strassenverkehr abnehmen können (BSK SVG-Bickel, Basel
2014, Art. 15d N 45).
b) Bestehen Zweifel an der Fahrkompetenz einer Person, so kann diese unter anderem
einer Kontrollfahrt unterzogen werden (Art. 15d Abs. 5 SVG). Aus Art. 29 Abs. 1 VZV
geht hervor, dass eine Kontrollfahrt nicht nur bei Zweifeln an der Fahrkompetenz,
sondern auch bei Zweifeln an der Fahreignung angeordnet werden kann. Bezüglich der
Erforderlichkeit einer Kontrollfahrt kommt der anordnenden Behörde ein gewisser
Beurteilungsspielraum zu. Anlass zur Anordnung einer Kontrollfahrt geben in erster
Linie Vorfälle, welche Zweifel am fahrerischen Können wecken, beispielsweise wenn
ein Lenker in einer bestimmten Verkehrssituation überfordert gewirkt hat, etwa beim
grundlosen Abkommen von der Fahrbahn mit Gegenverkehr und Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer oder beim Missachten des Rechtsvortritts. So dient die
Kontrollfahrt namentlich der Abklärung, ob die betroffene Person über die
erforderlichen Kenntnisse der Verkehrsregeln verfügt und ein Motorfahrzeug sicher zu
führen versteht. Bei einer älteren Lenkerin lässt sich mit einer Kontrollfahrt feststellen,
ob diese mit ihrer Fahrtechnik den Anforderungen des Verkehrs hinreichend
gewachsen ist. Es besteht allerdings keine grundsätzliche Vermutung, dass sich ältere
Personen nicht mehr als Fahrzeugführerinnen eignen. Eine Kontrollfahrt darf deshalb
nicht ausschliesslich aufgrund des Alters angeordnet werden. Vielmehr setzt die
Anordnung einer Kontrollfahrt ein auffälliges Fahrverhalten voraus (Bickel, a.a.O.,
Art. 15d N 50 f.). Es ist aber nicht erforderlich, dass eine Verkehrsregelverletzung
begangen oder ein Straftatbestand des SVG erfüllt wurde. So kann beispielsweise ein
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Lenker, der aufgrund fehlender Fahrpraxis überängstlich fährt und deshalb zum
Verkehrshindernis wird, Anlass zur Abklärung seiner Fahrkompetenz oder Fahreignung
geben. Gleiches gilt für den Lenker, der nach einem Verkehrsunfall mit seinen
Aussagen gegenüber der Polizei die Unkenntnis elementarer Verkehrsregeln offenbart.
Die Zweifel an der Fahrkompetenz oder Fahreignung können sodann auch auf einer
Meldung eines Arztes, eines Angehörigen usw. beruhen (Weissenberger, Kommentar
SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 15d N 109). Bei älteren Fahrzeuglenkern genügt es
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung, wenn sie durch Fahrfehler auffällig
geworden sind, die auf einem altersbedingten Leistungsabfall beruhen können (Urteil
des Bundesgerichts [BGer] 1C_110/2011 vom 6. Juni 2011 E. 3.3). Art und Ausmass
der Zweifel werden vom Gesetz nicht weiter umschrieben. Einerseits müssen die
Zweifel aber dergestalt sein, dass sie mittels Kontrollfahrt geklärt werden können.
Andererseits verlangt die Bestimmung keine besonders schweren oder erheblichen
Zweifel. Da es sich um eine Kann-Vorschrift handelt, liegt die Anordnung im
pflichtgemässen Ermessen der anordnenden Behörde (VRKE IV-2010/22 vom 24. Juni
2010 E. 2.b, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Das Gericht schreitet nicht nur bei
Ermessensüberschreitung oder -missbrauch ein, sondern übt im Rekursverfahren eine
volle Ermessenskontrolle aus (Art. 46 Abs. 1 VRP).
4.- a) Die Rekurrentin fiel am 27. Februar 2016, um 17.45 Uhr, aufgrund ihrer
langsamen Fahrweise einer Polizeipatrouille auf. Aus dem Polizeirapport vom 2. März
2016 geht hervor, dass die Polizeibeamten auf der Rickenstrasse auf eine
Fahrzeugkolonne von rund zehn Personenwagen aufschlossen, wobei sie fast bis zum
Stillstand abbremsen mussten. Auf einer übersichtlichen Strecke stellten sie fest, dass
es sich beim vordersten Fahrzeug nicht um ein landwirtschaftliches Gefährt, sondern
um einen Personenwagen handelte, welcher „extrem langsam“ auf der Rickenstrasse in
Richtung Wattwil fuhr. Gemäss den Angaben der Polizeibeamten habe die Rekurrentin
auf geraden Strecken lediglich auf 60 km/h beschleunigt und vor Kurven bis auf 40 km/
h abgebremst, was die nachfolgenden Fahrzeuglenker zu teilweise gefährlichen
Überholmanövern verleitet habe. Vor dem Tunnel Wattwil konnten die Polizeibeamten
auf das Fahrzeug der Rekurrentin aufschliessen; lediglich zwei Fahrzeuge befanden
sich noch dazwischen. Im Tunnel sei die Rekurrentin wieder extrem langsam gefahren.
Erst nach dem Tunnel habe sie auf 70 bis 75 km/h beschleunigt. Hinter ihr habe sich in
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der Zwischenzeit bereits wieder eine Fahrzeugkolonne von rund zwölf Fahrzeugen
gebildet.
b) Die Rekurrentin macht geltend, dass sie keinesfalls zu langsam gefahren sei. Sie
habe ihre Geschwindigkeit den Verhältnissen (Dunkelheit und Temperatur um den
Gefrierpunkt) angepasst und sei entsprechend vorsichtig gefahren. Der Rekurrentin ist
zuzustimmen, dass die Geschwindigkeit gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG stets den
Umständen anzupassen ist, namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und
Ladung, sowie den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen. Wo das Fahrzeug den
Verkehr stören könnte, ist langsam zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, namentlich
vor unübersichtlichen Stellen, vor nicht frei überblickbaren Strassenverzweigungen
sowie vor Bahnübergängen. Das Gesetz schreibt aber auch vor, dass sich jedermann
im Verkehr so verhalten muss, dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung
der Strasse weder behindert noch gefährdet (Art. 26 Abs. 1 SVG). Ohne zwingende
Gründe darf der Fahrzeugführer nicht so langsam fahren, dass er einen gleichmässigen
Verkehrsfluss hindert (Art. 4 Abs. 5 der Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11,
abgekürzt: VRV). Eine Behinderung im Sinne von Art. 26 Abs. 1 SVG liegt bereits vor,
wenn der Berechtigte gezwungen wird, seine Fahrrichtung oder seine Geschwindigkeit
mehr oder weniger brüsk zu ändern (Weissenberger, a.a.O., Art. 26 N 6). Aus dem
Bericht der Polizei vom 2. März 2016 ergibt sich, dass die Rekurrentin auf der
Rickenstrasse und in der Folge im Tunnel Wattwil und der Umfahrungsstrasse bei einer
erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h mit einer Geschwindigkeit zwischen 40
km/h und 75 km/h unterwegs war. Hinter der Rekurrentin hatte sich eine
Fahrzeugkolonne von rund zehn Fahrzeugen gebildet, als die Polizei auf die Kolonne
aufschloss. Mehrere Fahrzeuge überholten die Rekurrentin, so dass sich schliesslich
nur noch zwei Fahrzeuge zwischen der Rekurrentin und der Polizei befanden. Rasch
bildete sich erneut eine Fahrzeugkolonne von rund zwölf Fahrzeugen hinter der
Rekurrentin. Offensichtlich konnten die anderen Fahrzeuglenker einschliesslich die
Polizei schneller fahren als die Rekurrentin, obgleich für sie dieselben Bedingungen und
Verhältnisse herrschten (Dunkelheit, tiefe Temperatur). Im Bericht der Polizei wird nicht
erwähnt, dass die anderen Fahrzeuglenker zu schnell oder nicht den Umständen
angepasst gefahren seien. Vielmehr beschrieben die Polizeibeamten die
Geschwindigkeit der Rekurrentin als „extrem langsam“, so dass sie anfangs gar
dachten, beim vordersten Fahrzeug handle es sich um ein landwirtschaftliches
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Fahrzeug. Die Rekurrentin schätzte die Verhältnisse demnach falsch ein und fuhr zu
langsam. Dies führte dazu, dass die Polizei fast bis zum Stillstand abbremsen musste,
als sie auf die Kolonne auffuhr, und dass die Rekurrentin von mehreren Fahrzeugen
überholt wurde. Sie hinderte die anderen Verkehrsteilnehmer somit daran, mit
angemessener Geschwindigkeit zu fahren. Dass die Polizei unter diesen Umständen
Zweifel an der Fahreignung der Rekurrentin hatte, ist nachvollziehbar.
5.- a) Die Vorinstanz ordnete in der Folge mit Zwischenverfügung vom 7. April 2016
eine vertrauensärztliche Untersuchung an. Der Vertrauensarzt gelangt anhand der
medizinischen Vorgeschichte, der klinischen Befunde und weiterer Screening-Tests
regelmässig zu drei Beurteilungsmöglichkeiten: Bei der ersten Gruppe ist die
Fahreignung weiterhin gegeben, weil die Abklärung keine wesentlichen
verkehrsrelevanten Einschränkungen ergibt, bei der zweiten Gruppe ist die
Fahreignung wegen Vorliegens von sehr auffälligen Befunden klar nicht mehr gegeben,
und bei der dritten Gruppe bleibt die Fahreignung weiterhin unklar, weil zwar gewisse
Auffälligkeiten vorhanden sind, aber deren Auswirkungen auf das Fahrverhalten klinisch
nicht beurteilt werden können (Seeger, Fahren im Alter - Hauptprobleme und sinnvolle
Konzepte zur Überprüfung der Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht, in: R.
Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2005, St. Gallen 2005,
S. 19).
b) Die Rekurrentin wurde vom Vertrauensarzt zwei Mal untersucht. Dieser hielt am 24.
Mai 2016 fest, dass die Rekurrentin in regelmässiger Behandlung wegen ihres
Blutdrucks sei; vom Kreislauf her bestehe jedoch keine Einschränkung der
Fahreignung. Auch bei der körperlichen Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf
eine fehlende Fahreignung ergeben. Der Visus sei genügend. Demgegenüber sei die
Einschätzung ihrer geistigen Fähigkeiten schwierig. Die Rekurrentin wurde vom
Vertrauensarzt verschiedenen Tests unterzogen (Mini-Mental-Test, Uhrentest, Trail-
Making-Test A und B), die geeignet sind, Defizite bei der Fahreignung festzustellen (vgl.
Seeger, a.a.O., S. 18). Nach diesen Tests führte der Vertrauensarzt aus, dass die
Rekurrentin grundsätzlich Mühe mit dem Verständnis der Aufgaben gehabt habe. Im
Mini-Mental-Test habe sie mit 29 Punkten noch gut abgeschnitten. Der Uhrentest sei
für die Rekurrentin jedoch schwierig gewesen und sie habe dort nur zwei Punkte erzielt.
Mit dem Uhrentest werden mnestische, exekutive und konstruktive Funktionen, wie
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auch die optisch-räumliche Wahrnehmung und die Fähigkeit des abstrakten Denkens
geprüft. Bei einem Ergebnis zwischen null und fünf Punkten im Uhrentest ist eine
weitergehende Abklärung angezeigt (Geriatrische Klinik St. Gallen, MMS Mini Mental
Status/Uhrentest, 16. Mai 2007, S. 2, abrufbar unter: www.buergerspital.ch [unter:
Guidelines Geriatriekonzept/Assessmentinstrumente]). Im Trail-Making-Test A brauchte
die Rekurrentin sodann 106 Sekunden, was gemäss dem Vertrauensarzt zu lang sei. Im
Trail-Making-Test B brauchte sie 345 Sekunden. Dies ist eine anerkannte
neuropsychologische Testung, inwiefern der Mensch in der Lage ist, in einer limitierten
Zeit bei einer Aufgabe zwei ab-strakte Ordnungen anzuwenden und miteinander zu
verknüpfen. Werden für den Test mehr als vier Minuten benötigt oder kann er gar nicht
ausgeführt werden, ist die Fahreignung in der Regel nicht mehr gewährleistet (Seeger,
Richtlinien zur Beurteilung der Fahreignung von Seniorinnen und Senioren, abrufbar
unter: www.irm.uzh.ch [unter: Verkehrsmedizin/Richtlinien]). Die Ergebnisse des
Uhrentests und auch der beiden Trail-Making-Tests A und B weisen auf eine
eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit der Rekurrentin hin. Die Beurteilung des
Vertrauensarztes, sie könnte beim Autofahren allenfalls überfordert sein, erscheint
unter diesen Umständen nicht abwegig. Die Zweifel an der Fahreignung der
Rekurrentin konnten somit aufgrund der vertrauensärztlichen Untersuchung nicht aus
dem Weg geräumt werden.
c) Wenn die Beurteilung der Fahreignung aufgrund der Aktenlage und klinischen
Untersuchungen samt Zusatzabklärungen Schwierigkeiten bereitet, da wie im Fall der
Rekurrentin die konkreten Auswirkungen der festgestellten medizinischen oder
testpsychologischen Einschränkungen auf das Verhalten im Strassenverkehr nicht
zuverlässig abgeschätzt werden können, stellt eine ärztlich begleitete Kontrollfahrt eine
notwendige Zusatzabklärung dar. Diese ist ein aussagekräftiges und praxisnahes
Untersuchungsinstrument bei der Fahreignungsabklärung. Die vorhandenen
Ressourcen wie Fahrerfahrung, Fahrfertigkeit und Fahrverhalten können dabei in die
Beurteilung einfliessen (Seeger, a.a.O., S. 20 f.).
d) Im Lichte der von der Polizei beobachteten Fahrweise, des fortgeschrittenen Alters
sowie des Ergebnisses der vertrauensärztlichen Untersuchung bestehen insgesamt
konkrete Anhaltspunkte für eine allfällige Beeinträchtigung des fahrerischen Könnens
der Rekurrentin, welche die Anordnung einer Kontrollfahrt als angezeigt erscheinen
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lassen. Die Anforderungen an die Anordnung einer Kontrollfahrt dürfen nicht
überspannt werden. Es handelt sich um eine die betroffene Person nicht übermässig
belastende Massnahme, die dem Schutz wichtiger Rechtsgüter dient und auch im
Interesse des Fahrzeugführers selbst liegt (vgl. BGer 1C_110/2011 vom 6. Juni 2011 E.
3.3). Eine Kontrollfahrt kann aufzeigen, inwieweit die Rekurrentin in der Praxis noch in
der Lage ist, ein Fahrzeug sicher zu führen und die Verkehrsregeln einzuhalten. Mit der
Anordnung einer Kontrollfahrt hat die Vorinstanz deshalb eine angemessene
Massnahme ergriffen. Eine mildere Massnahme, mit der die Fahreignung der
Rekurrentin zuverlässig überprüft werden könnte, ist nicht ersichtlich. Insbesondere
kann mittels einer Kontrollfahrt geklärt werden, ob ein altersbedingter Leistungsabfall
vorliegt, der sich auf das fahrerische Können der Rekurrentin auswirkt.
e) Dass die Fahreignung der Rekurrentin anlässlich der periodischen medizinischen
Kontrolle beim Hausarzt kurze Zeit vor dem Vorfall vom 27. Februar 2016 bestätigt
wurde, ändert daran nichts. Im Normalfall finden die Kontrolluntersuchungen nur alle
zwei Jahre statt. Fällt ein über 70-jähriger Lenker oder eine über 70-jährige Lenkerin
jedoch negativ im Strassenverkehr auf, muss die Fahreignung im Interesse der
Verkehrssicherheit auch innerhalb eines kürzeren Intervalls überprüft werden können.
Gerade bei älteren Menschen kann sich der gesundheitliche Zustand innert kürzester
Zeit verschlechtern. Ferner ist nicht ersichtlich und wird im Rekurs auch nicht
dargelegt, inwiefern eine neue ärztliche Beurteilung ein anderes Ergebnis liefern würde.
Selbst eine positive vertrauensärztliche Untersuchung würde die Anordnung einer
Kontrollfahrt nicht ausschliessen. Wie die Vorinstanz korrekt ausführte, äussert sich der
Arzt nur zur medizinischen Eignung (Sehschärfe, Gehör etc.). Er kann im Arztzimmer
nicht beurteilen, wie sich jemand am Steuer verhält (vgl. BGer 1C_110/2011 vom
6. Juni 2011 E. 3.3). Daran ändert schliesslich auch der automobilistische Leumund der
Rekurrentin nichts.
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung
der Rekurrentin zweifelte und mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2016 gestützt auf
Art. 15d Abs. 5 SVG in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 VZV eine ärztlich begleitete
Kontrollfahrt der Kategorie B anordnete. Damit kam sie ihrer Verpflichtung zur Klärung
des Sachverhalts nach. Die angeordnete Massnahme ist insgesamt verhältnismässig,
um die Fahreignung der Rekurrentin zu prüfen, und liegt nicht zuletzt auch in ihrem
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eigenen, wohlverstandenen Interesse. Die vorinstanzliche Zwischenverfügung vom 29.
Juni 2016 ist sachgerecht und liegt innerhalb des pflichtgemässen Ermessens der
Behörde. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘000.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1‘000.– ist zu verrechnen.