Decision ID: 068394ac-87c5-4341-a527-07f01ceac5fa
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

medizinischen Sachverhalt identisch beurteilten; lediglich die Schätzungen
der Arbeitsunfähigkeit gingen auseinander. Weder Dr. med. H._ noch
Dr. med. B._ trügen wesentlich zur Gewinnung wichtiger Aspekte bei,
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die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
seien. Mit Bezug auf das Einsatzprogramm hielt RAD-Arzt D._ fest,
dass von Anfang an eine Präsenzzeit von 50 % vereinbart worden sei und
das ABI von der Beschäftigung im Einsatzprogramm Kenntnis gehabt habe
(vgl. S. 4 und 14 des ABI-Gutachtens). Zudem stellten die Aussagen der
Verantwortlichen des Einsatzprogramms keine medizinischen
Arbeitsfähigkeits-Einschätzungen dar. Deren Beurteilungen stünden
alleine da. Schliesslich hielt RAD-Arzt D._ mit Bezug auf die
Scapulafraktur fest, dass nach begrenzter Reha-Zeit wieder die
Arbeitsfähigkeit vor der Scapulafraktur erzielt werden könne. Es liege somit
nur eine vorübergehende Verschlechterung vor.
21. Mit Datum vom 19. Dezember 2018 verfügte die IV-Stelle die Abweisung
des Leistungsbegehrens (keine Invalidenrente). Begründend führte sie im
Wesentlichen aus, dass A._ in einer angepassten Tätigkeit ab
September 2014 zu 40 % und ab Januar 2016 zu 70 % arbeitsfähig sei. Es
resultiere kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
22. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
31. Januar 2019 Beschwerde. Sie stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 19. Dezember 2018 sei aufzuheben.
2. Der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen ab dem frühest möglichen Zeitpunkt.
3. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin."
Die Beschwerdeführerin kritisierte zum einen die Beurteilung der Arbeits-
und Leistungsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von angeblich 40 % ab
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November 2014 und von angeblich 70 % ab Januar 2016. Zum andern
kritisierte sie die Invaliditätsbemessung.
Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit hielt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen fest, es
stehe in offensichtlichem Widerspruch zur Aktenlage, dass ab
September 2014 bzw. November 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 40 %
bestanden habe. Dabei verwies sie im Wesentlichen auf die Berichte von
Dr. med. B._ vom 13. Februar 2015, 14. September 2015 und
28. Dezember 2015.
23. In ihrer Vernehmlassung vom 13. März 2019 (Eingang) stellte die IV-Stelle
folgende Rechtsbegehren:
"1. Die Beschwerde sei abzuweisen, soweit sie nachfolgend nicht anerkannt wird.
2. Unter gesetzlicher Kostenfolge."
Die IV-Stelle anerkannte die Beschwerde insofern teilweise, als sie
festhielt, dass die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 1. November 2014
(Ablauf des Wartejahres) bis zum 31. März 2016 (drei Monate nach der
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit) Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente habe. Der Beschwerdeführerin sei die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit bis Ende Dezember 2015 nicht zumutbar gewesen, da die
im September 2014 diagnostizierte Lungentuberkulose bis im August 2015
habe behandelt werden müssen und es im September 2015 zu einem
schweren Schub der Colitis ulcerosa gekommen sei, was eine
Hospitalisation vom 7. Dezember bis 17. Dezember 2015 erforderlich
gemacht habe. Indessen sei die Beschwerdeführerin in einer
behinderungsgeeigneten Tätigkeit entgegen ihrer Auffassung seit Anfang
Januar 2016 70 % arbeitsfähig.
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24. Mit Schreiben vom 8. Mai 2019 hielt die Beschwerdeführerin replicando an
ihren bisherigen Rechtsbegehren und Ausführungen fest. Ausserdem
ergänzte und vertiefte sie ihre bisherige Argumentation.
25. Mit Schreiben vom 13. Mai 2019 verzichtete die IV-Stelle auf die
Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 19. Dezember 2018, worin das
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen wurde (keine
Invalidenrente). Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Als kantonales Versicherungsgericht ist das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden für die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde sowohl örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die
Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung, weshalb
sie durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Sie ist
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demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten.
2. Die IV-Stelle anerkennt in ihrer Vernehmlassung vom 13. März 2019, dass
die Beschwerdeführerin in Anbetracht von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) im Zeitraum vom
1. November 2014 (Ablauf des Wartejahres) bis zum 31. März 2016 (drei
Monate nach der Verbesserung der Erwerbsfähigkeit) entgegen der
angefochtenen Verfügung Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
Streitig und nachfolgend zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin ab
dem 1. April 2016 – der Zeitraum des Taggeldbezugs vom 1. März 2017
bis 28. Februar 2018 davon ausgenommen – Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung hat. Umstritten sind dabei die anwendbare Methode
der Invaliditätsbemessung, die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit und
das Invalideneinkommen. Unbestritten sind demgegenüber das
Valideneinkommen und die Einschränkung im Haushalt von 0.9 %.
3. Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte von vornherein nur
dann, wenn sie nach Ablauf des Wartejahres zu mindestens 40 % invalid
sind (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).
3.1. Bei erwerbstätigen Versicherten gilt als Invalidität die durch einen
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG), welche
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4
Abs. 1 IVG). Zur Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen,
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wobei eine Erwerbsunfähigkeit zudem nur vorliegt, wenn sie aus objektiver
Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Keine Beeinträchtigungen
der Gesundheit stellen soziokulturelle Schwierigkeiten mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit sowie psychosoziale Faktoren dar.
Invaliditätsfremde Faktoren sind darüber hinaus auch Aggravation und
Simulation (vgl. zum Ganzen KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 7 Rz. 22 ff.; siehe bezüglich Aggravation und
ähnlicher Erscheinungen auch BGE 141 V 281 E.2.2.1 f., 140 V 193 E.3.3).
3.2.1. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist
Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der
Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der
Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs; BGE 144 I 21 E.2.1, 142 V 290 E.4, 141 V 15
E.3.2, 128 V 29 E.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_225/2019 vom 11.
September 2019 E.2).
3.2.2. Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche im Aufgabenbereich (z.B.
Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht
zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in
Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie
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unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich;
Art. 28a Abs. 2 IVG).
3.2.3. Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die
Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt (vgl. vorstehende Erwägung 3.2.1).
Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität
für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt (vgl. vorstehende
Erwägung 3.2.2). In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und
der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und es ist der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode der
Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG).
4.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und der Beurteilung der
Erwerbsfähigkeit der versicherten Person sind die Verwaltung und das im
Streitfall angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen. Die Aufgabe des
Arztes besteht darin, mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung
unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu
erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Arzt
seine originäre Aufgabe, wofür die Verwaltung und das im Streitfall
angerufene Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgeabschätzung der
erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit
kommt dem Arzt jedoch keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu.
Vielmehr gibt er eine Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit ab, welche er aus
seiner Sicht so substanziell wie möglich begründet. Die ärztlichen
Auskünfte bilden sodann eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen dem Versicherten konkret noch zugemutet
werden können (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 132 V 93 E.4, 125 V 256 E.4).
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4.2. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise grundsätzlich frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 125 V
351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231
E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme
als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c).
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a).
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Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von
behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.3.2,
4.4 und 4.5, 125 V 351 E.3a und 3b). Sodann kommt auch den Berichten
und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V
351 E.3b, 122 V 157 E.1c). Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE
135 V 465 E.4.3.2 und 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2011 vom
25. August 2011 E.5.3).
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5.1. Die IV-Stelle stützt sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin neben den Beurteilungen des
RAD-Arztes D._ insbesondere auf das ABI-Gutachten vom 6.
November 2017 und hält unter anderem fest, dass dieses Gutachten auf
der Vorgeschichte, den bisherigen Akten sowie mehreren persönlichen
(internistischen, rheumatologischen, psychiatrischen und
gastroenterologischen) Untersuchungen der Beschwerdeführerin beruhe
und in seinen Ergebnissen schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei
erscheine.
5.2. Es stellt sich somit die Frage, ob die IV-Stelle zu Recht auf das ABI-
Gutachten vom 6. November 2017 (und die Beurteilungen des RAD-Arztes
D._) abgestellt hat oder ob dieses durch die übrigen medizinischen
Akten, insbesondere die Berichte des Hausarztes Dr. med. B._ vom
28. Dezember 2015 bzw. 18. Oktober 2018 und den Bericht von Dr. med.
H._ vom 5. November 2018 derart in Zweifel gezogen wird, dass von
dessen 70%igen Arbeitsfähigkeits-Einschätzung in adaptierter Tätigkeit (=
körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit über 6 bis 8 Stunden pro
Tag umsetzbar bei vermehrtem Pausenbedarf) ab Januar 2016 (Zeitpunkt
der Verbesserung) bzw. dem hier massgebenden Zeitpunkt ab April 2016
abzuweichen wäre (vgl. nachstehende Erwägungen 6.1.1 - 6.3).
6.1.1. Vorab gilt es festzuhalten, dass die IV-Stelle insofern vom ABI-Gutachten
abgewichen ist, als sie die Ausübung einer Erwerbstätigkeit bis Ende
Dezember 2015 für nicht zumutbar erachtete. In diesem Zeitraum hatte sich
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aufgrund einer offenen
Lungentuberkulose und eines schweren Schubs der Colitis ulcerosa mit
Ausbildung einer Pancolitis, welche beide teils mehrwöchige
Hospitalisationen erforderlich machten, nachweislich verschlechtert (vgl.
die Berichte von Dr. med. B._ vom 13. Februar 2015 [IV-act. 57] und
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28. Dezember 2015 [IV-act. 70] sowie die Beurteilung des RAD-Arztes
D._ vom 23. Februar 2015). Für die Zeit danach, d.h. ab dem hier
massgebenden Zeitpunkt ab dem 1. April 2016, sind allerdings keine
weiteren Tuberkulose-Infektionen, Colitis ulcerosa-Schübe oder
osteoporotischen Frakturen der Wirbelkörper aktenkundig, weshalb es
auch mit Blick auf die im Bericht von Dr. med. B._ vom
28. Dezember 2015 bzw. im IME-Gutachten vom 27. Juni 2014 (vgl. IV-
act. 39 S. 28) ausgewiesene unsichere Prognose nicht zu beanstanden ist,
dass die IV-Stelle auf die im ABI-Gutachten attestierte Arbeitsfähigkeit von
70 % in adaptierter Tätigkeit abgestellt hat. Vielmehr geht mit Blick auf die
Colitis ulcerosa aus den Akten hervor, dass diese unter Therapie mit
Mesalazin und reduzierter Steroiddosis kontrolliert zu sein schien (vgl. den
Bericht von Dr. med. G._ vom 22. Juni 2016 [IV-act. 75 S. 5]), die
immunsupprimierende Therapie gut ertragen wurde (vgl. den Bericht von
Dr. med. G._ vom 14. Juli 2016 [IV-act. 75 S. 7]) und die Situation mit
der Colitis ulcerosa zufriedenstellend ruhig war (vgl. die Angabe der
Beschwerdeführerin im Verlaufsprotokoll Eingliederung vom 5. Dezember
2017 [IV-act. 168 S. 4]). Daraus lässt sich auch ableiten, dass es keiner
sehr hochdosierten Steroidtherapien mehr bedurfte, welche negative
Auswirkungen auf die Osteoporose hätten haben können (vgl. das IME-
Gutachten vom 27. Juni 2014 [IV-act. 39 S. 28]).
Dass es – wie die Beschwerdeführerin in der Beschwerde vorbringt – im
Dezember 2018 zu einem weiteren Schub der Colitis ulcerosa gekommen
wäre, belegt sie nicht. Zudem ist nicht ersichtlich, dass dieser angebliche
Schub eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt hätte.
Gleiches gilt mit Blick auf die Spontanfraktur des rechten Schulterblattes im
Herbst 2018 bei bekannter progredienter Osteoporose, zumal auch Dr.
med. B._ davon ausging, dass sich die Beschwerdeführerin bei
komplikationslosem Heilungsverlauf – was vorliegend mangels
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gegenteiliger Hinweise anzunehmen ist – wieder davon erholen werde
(vgl. den Bericht von Dr. med. B._ vom 18. Oktober 2018 [IV-act. 192
S. 5]). Insofern kann mit dem RAD-Arzt D._ davon ausgegangen
werden, dass es sich hierbei nur um eine vorübergehende
Verschlechterung des Gesundheitszustandes handelte (vgl. die
Beurteilung des RAD-Arztes D._ vom 7. Dezember 2018). Der
Beschwerdeführerin stünde es allerdings frei, sich bei der IV-Stelle neu
anzumelden, sofern sich ihr Gesundheitszustand (gemäss den mit der
Replik in Aussicht gestellten Arztberichten) dauerhaft verschlechtert haben
sollte.
Angesichts des seit dem hier massgebenden Zeitpunkt im Wesentlichen
unveränderten Beschwerdebildes ohne länger andauernder
Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist es nicht zu beanstanden,
wenn die IV-Stelle gestützt auf die Abschlussbeurteilung des RAD-Arztes
D._ vom 11. Dezember 2017 zum Schluss gelangt, dass die im ABI-
Gutachten attestierte 70%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ab Januar 2016 zu gelten habe. So ging
denn auch Dr. med. B._ davon aus, dass ab Frühjahr 2016 (drei
Monate nach der Verbesserung der Erwerbsfähigkeit) mit ausreichenden
Ressourcen für die Wiederaufnahme einer erwerblichen Tätigkeit zu
rechnen sei (vgl. den Bericht von Dr. med. B._ vom
28. Dezember 2015 [IV-act. 70 S. 2]). Soweit er dabei eine andere
Beurteilung des Umfangs der zumutbaren Arbeitsfähigkeit traf, ist auf
nachstehende Erwägung 6.1.2 zu verweisen.
6.1.2. Das ABI-Gutachten beruht auf eigenen Untersuchungen und berücksichtigt
die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden (vgl.
insbesondere ABI-Gutachten S. 6 f. und 14 f.). Die Beurteilung erfolgte in
Kenntnis der Vorbefunde und die Schlussfolgerungen wurden gestützt auf
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die eigenen klinischen und bildgebenden Untersuchungen und die
aktenkundigen radiologischen Abklärungen getroffen (vgl. insbesondere
ABI-Gutachten S. 15 ff. und 20). Dabei wird gestützt auf eine eingehende
polydisziplinäre Beurteilung schlüssig dargelegt, dass eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit
(umsetzbar über 6 bis 8 Stunden pro Tag bei vermehrtem Pausenbedarf)
besteht. Dies scheint sich auch weitgehend mit der von der
Beschwerdeführerin beigebrachten Einschätzung von Dr. med. H._ zu
decken, der aus gastroenterologischer Sicht auf eine Arbeitsfähigkeit von
70 % bis 80 % schloss (vgl. den Bericht von Dr. med. H._ vom
5. November 2018 [IV-act. 195 S. 2]), hebt dieser doch in
Übereinstimmung mit dem gastroenterologischen Teilgutachter des ABI
hervor (vgl. ABI-Gutachten S. 20), dass die adaptierte Tätigkeit jederzeit für
Toilettenbesuche unterbrochen werden können müsse, was denn auch mit
der im Gutachten ausgewiesenen Reduktion um 30 % wegen eines
vermehrten Pausenbedarfs abgegolten zu sein scheint.
Wenn nun aber Dr. med. B._ eine andere Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit trifft, ist der sich darauf abstützenden Beschwerdeführerin
entgegenzuhalten, dass ärztliche Beurteilungen von der Natur der Sache
her unausweichlich Ermessenszüge aufweisen, die es zu respektieren gilt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_699/2018 vom 28. August 2019
E.4.2.2). Allein aufgrund dessen, dass ein behandelnder Arzt zu einer
anderen Einschätzung gelangt bzw. an vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhält, ist es rechtsprechungsgemäss nicht
geboten, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum
Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen. Dr. med. B._ bringt denn
auch nichts vor, was bei der polydisziplinären Begutachtung unerkannt
oder unberücksichtigt geblieben sein soll (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_73/2020 vom 7. Mai 2020 E.7.1.3 und 8C_379/2019 vom
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21. August 2019 E.2.2). So bestehen insbesondere in diagnostischer
Hinsicht zwischen den in den Akten liegenden medizinischen
Beurteilungen, einschliesslich derjenigen von Dr. med. B._ selbst,
keine Unterschiede. Im ABI-Gutachten werden neben dem chronischen
lumbospondylogenen bis panvertebralen Schmerzsyndrom (u.a. bei einer
progredienten symptomatischen Osteoporose und deutlicher muskulärer
Dysbalance) und der Colitis ulcerosa gar neue Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere i.S. einer beginnenden
zentralen Coxarthrose rechts berücksichtigt. Das Vorliegen
übereinstimmender Diagnosen scheint denn auch Dr. med. B._ selbst
anzuerkennen, wenn er in seinem Bericht vom 18. Oktober 2018 (vgl. IV-
act. 192 S. 4) ausführt, dass das ABI-Gutachten die Befunde und
Einschränkungen korrekt beschreibe. Soweit er die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit im ABI-Gutachten insoweit kritisiert, als die Gutachter
diese gestützt auf einen "potentiell rekonditionierten Zustand" getroffen
hätten, welcher von der Beschwerdeführerin allerdings nie habe erreicht
werden können, kann ihm nicht gefolgt werden: Aus somatischer Sicht
leuchtet es nicht ein, weshalb die festgestellte Dekonditionierung im
Hinblick auf eine körperliche leichte Tätigkeit mittels entsprechender
Therapien nicht behebbar (gewesen) sein soll (vgl. dazu auch das Urteil
des Bundesgerichts 9C_647/2018 vom 1. Februar 2019 E.6.3). Zwar ist es
unbestritten, dass die Beschwerdeführerin unter Osteoporose leidet. Die
Resultate der Messung der Knochendichte zeigten allerdings ein stabiles
Bild (vgl. die Standortbestimmung vom 20. November 2017 [IV-act. 145
S. 2]) und die Osteoporose konnte gemäss dem Bericht von Dr. med.
B._ vom 18. Oktober 2018 (vgl. IV-act. 192 S. 5) (immerhin) mit
Teilerfolg behandelt werden. Hinzu kommt, dass die von der
Beschwerdeführerin durchgeführte Physiotherapie mit einem
mehrmonatigen Unterbruch verbunden war (vgl. dazu ABI-Gutachten
S. 15, wo ausgeführt wird, dass eine ambulante Physiotherapie bis im
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Juni 2017 ein- bis zweimal wöchentlich stattgefunden habe, wobei eine
erneute ambulante Physiotherapie geplant sei). Zudem dürften die
steroidbedingten muskulären Defizite auch angesichts der reduzierten
Medikation abgenommen haben (vgl. dazu den Bericht von Dr. med.
B._ vom 14. September 2015 [IV-act. 67 S. 1]).
6.2. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich vorbringt, dass die
Eingliederungsfachpersonen von einer maximal 50%igen Arbeitsfähigkeit
mit um 20 % geminderter Leistungsfähigkeit ausgingen, vermag sie nicht
durchzudringen. Zwar ist ihr zuzugestehen, dass ihre hohe Motivation aus
den verschiedenen Standortbestimmungen zum Einsatzprogramm
hervorgeht. Entgegen ihrer Auffassung flossen aber die
Eingliederungsmassnahmen und -bemühungen im Rahmen der Anamnese
in die Begutachtung durch das ABI mit ein und sie wurden auch anlässlich
der Gesamtbeurteilung berücksichtigt (vgl. ABI-Gutachten S. 4, 7, 10, 14
und 22). Rechtsprechungsgemäss ist die Frage nach den noch zumutbaren
Tätigkeiten und Arbeitsleistungen ohnehin nach Massgabe der objektiv
feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und
nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen
erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteil des
Bundesgerichts 9C_798/2018 vom 26. Juli 2019 E.4.2.1 m.w.H.).
Abgesehen davon, dass vorliegend keine erhebliche Diskrepanz zwischen
der medizinisch-theoretischen und der berufspraktischen Arbeitsfähigkeits-
Einschätzung besteht (70 % gegenüber 40 % in adaptierter Tätigkeit), ist
es nicht nachvollziehbar, weshalb Pensumssteigerungen nicht möglich
gewesen sein sollen (vgl. den Zwischenbericht vom 7. Dezember 2017 [IV-
act. 146 S. 1]), vor allem zu Zeiten, in denen die Beschwerdeführerin selbst
angab, dass ihre Beschwerden kaum mehr spürbar gewesen seien (vgl. die
Standortbestimmung vom 20. November 2017 [IV-act. 145 S. 2] bzw. das
Verlaufsprotokoll vom 5. Dezember 2017 [IV-act. 168 S. 4]), was auch bei
- 25 -
bekannter Dissimulation auf einen guten Allgemeinzustand schliessen
lässt. Die Einschätzung der Eingliederungsfachpersonen erscheint auch
insoweit als fraglich, als nachweislich erstellt ist, dass die Arbeitsleistung
kontinuierlich aufgebaut und bei konstant hoher Leistung gehalten werden
konnte (vgl. den Schlussbericht vom 28. Februar 2018 [IV-act. 171]).
Überdies geht aus verschiedenen Standortbestimmungen hervor, dass es
mit Blick auf die physische Belastung den Anschein mache, als wäre die
Beschwerdeführerin weniger belastet, die Beschwerdeführerin jedoch
angebe, an ihrer persönlichen Grenze zu sein (vgl. IV-act. 122 und 133).
Auch der Umstand, dass an Tagen, während welchen die
Beschwerdeführerin ganztags gearbeitet hatte, am Nachmittag keine
verminderte Leistungsfähigkeit beobachtet werden konnte, lässt im
Ergebnis darauf schliessen, dass die tatsächlich vorhandene
Restarbeitsfähigkeit nicht vollständig ausgeschöpft wurde (vgl. die
Standortbestimmungen vom 19. Dezember 2017 [IV-act. 150] und
23. Januar 2018 [IV-act. 156]).
6.3. Insgesamt ergibt sich somit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin
und die von ihr beigebrachten medizinischen Stellungnahmen nicht
geeignet sind, den Beweiswert des ABI-Gutachtens mit seinen
Feststellungen zu dem hier massgebenden Zeitraum ab dem
1. Januar 2016 zu schmälern. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die
IV-Stelle auf die im Gutachten attestierte 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit abgestellt hat.
7. Nachfolgend gilt es nun zu prüfen, ob die IV-Stelle das
Invalideneinkommen korrekt ermittelt hat.
7.1. Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1. April 2018 in einem befristeten Teilzeitarbeitsverhältnis von 40 % bzw.
- 26 -
50 % beim I._ angestellt war und ein monatliches Einkommen von
Fr. 1'550.-- bzw. Fr. 1'000.-- erzielte (vgl. IV-act. 168 S. 8, IV-act. 180 S. 4
und IV-act. 192 S. 5). Die Beschwerdeführerin erblickt in ihrer Tätigkeit
beim I._ eine ideal angepasste Tätigkeit, weshalb zur Ermittlung des
Invalideneinkommens auf den dabei erzielten Lohn von Fr. 1'000.-- pro
Monat abzustellen sei. Demgegenüber hat die IV-Stelle zur Ermittlung des
Invalideneinkommens die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik (LSE) herangezogen.
7.2. Zur Ermittlung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung
primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die
versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine
Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile
Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr
verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und
erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen
und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst
als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare
neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung die LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden (vgl.
BGE 135 V 297 E.5.2 m.w.H.).
7.3. Wie bereits in vorstehender Erwägung 7.1 dargelegt, war die
Beschwerdeführerin ab dem 1. April 2018 lediglich zu einem Pensum von
40 % bzw. 50 % und einem Lohn von Fr. 1'550.-- bzw. Fr. 1'000.-- pro
Monat beim I._ angestellt (vgl. IV-act. 168 S. 8, IV-act. 180 S. 4 und
IV-act. 192 S. 5). Aus medizinischer Sicht ist der Beschwerdeführerin
allerdings eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in adaptierter Tätigkeit zumutbar,
- 27 -
weshalb nicht zu beanstanden ist, wenn die IV-Stelle zur Ermittlung des
Invalideneinkommens die LSE-Tabellenlöhne herangezogen hat. Das sich
gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne ergebende Invalideneinkommen von
Fr. 38'743.-- (LSE 2016 [veröffentlicht am 26. Oktober 2016, d.h. vor dem
Verfügungszeitpunkt], Kompetenzniveau 1, Frauen, Leistungsfähigkeit von
70 %, umgerechnet auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden,
aufindexiert = Fr. 4'363.-- : 40 x 41.7 x 12 x 0.7 x 1.003995 x 1.01) liegt
denn auch deutlich über dem von der Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit
beim I._ erzielbaren Jahreslohn von Fr. 20'150.-- (= 13 x Fr. 1'550.--),
weshalb der IV-Stelle darin beizupflichten ist, dass die Beschwerdeführerin
ihre Rest-Arbeitsfähigkeit auch aus erwerblicher Sicht offensichtlich nicht
voll ausschöpft.
8. Damit bleibt zu prüfen, ob die IV-Stelle die Invalidität korrekt bemessen hat.
8.1. In der angefochtenen Verfügung 19. Dezember 2018 hat die IV-Stelle den
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin anhand der gemischten Methode
(vgl. dazu vorstehende Erwägung 3.2.3) ermittelt. Dabei ist sie davon
ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 80 %
erwerbstätig und zu 20 % im Haushalt beschäftigt wäre. Demgegenüber
macht die Beschwerdeführerin geltend, sie sei ledig, kinderlos und lebe
alleine. Neben dem erwerblichen Teilpensum übe sie keine
Beschäftigungen aus, welche einen Aufgabenbereich darstellten. Vielmehr
habe sie seit Jahren zugunsten von mehr Freizeit in einem Arbeitspensum
von 80 % gearbeitet. Demzufolge gelte sie als Teilerwerbstätige ohne
Aufgabenbereich. Die Invaliditätsbemessung sei mittels eines reinen
Einkommensvergleichs vorzunehmen.
8.2. Gemäss BGE 131 V 51 E.5.1.2 bemisst sich die Invalidität bei einer
hypothetisch im Gesundheitsfall lediglich teilerwerbstätigen versicherten
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Person ohne Aufgabenbereich im Sinne von Art. 27 IVV nach der
allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs oder einer Untervariante
davon (Schätzungs- oder Prozentvergleich, ausserordentliches
Bemessungsverfahren). Dabei ist das Valideneinkommen nach Massgabe
der ohne Gesundheitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätigkeit
festzulegen, wobei entscheidend ist, was die Versicherte als Gesunde
tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls
verdienen könnte. Wäre sie gesundheitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu
sein, reduziert sie aber das Arbeitspensum, um mehr Freizeit zu haben, hat
dafür nicht die Invalidenversicherung einzustehen. Das
Invalideneinkommen bestimmt sich entsprechend den gesetzlichen
Vorgaben danach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte.
Im BGE 142 V 290 E.7.3 präzisierte das Bundesgericht seine
Rechtsprechung dahingehend, dass bei teilerwerbstätigen Versicherten
ohne Aufgabenbereich die anhand der Einkommensvergleichsmethode
(Art. 16 ATSG) zu ermittelnde Einschränkung im allein versicherten
erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypothetischen
Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist. Der Invaliditätsgrad entspricht
der proportionalen Einschränkung im erwerblichen Bereich und kann damit
den versicherten Bereich, welcher durch das hypothetische Teilzeitpensum
definiert wird, nicht übersteigen. Denn andernfalls könnte ein das
hypothetische erwerbliche Pensum übersteigender Invaliditätsgrad
resultieren, womit indirekt unzulässigerweise eine Einschränkung in den
weder Erwerbs- noch Aufgabenbereich darstellenden, nicht versicherten
Freizeitaktivitäten mitabgegolten würde.
- 29 -
8.3. Vorliegend resultiert aus der Gegenüberstellung des unbestritten
gebliebenen Valideneinkommens von Fr. 39'359.-- für den Zeitraum ab
dem 1. April 2016 bzw. von Fr. 49'198.-- für den Zeitraum ab dem
1. Januar 2018 (unter analoger Anwendung von Art. 27bis Abs. 3 IVV auf
eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet) und des Invalideneinkommens
von Fr. 38'743.-- (vgl. vorstehende Erwägung 7.3) gewichtet mit dem
Faktor 0.8 (entsprechend dem hypothetischen 80 %-Beschäftigungsgrad)
ein Invaliditätsgrad von 1.25 % bzw. 17 %. Der IV-Stelle ist somit darin
beizupflichten, dass die Beschwerdeführerin in dem gemäss Art. 88a
Abs. 1 IVV massgebenden Zeitraum ab dem 1. April 2016 auch in
Anwendung der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs keinen
Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
9. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als teilweise begründet. Die
angefochtene Verfügung vom 19. Dezember 2018 ist insoweit aufzuheben,
als der Beschwerdeführerin ab dem 1. November 2014 bis zum
31. März 2016 eine ganze Invalidenrente zusteht. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen.
10. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in
Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend rechtfertigt es sich, die
Verfahrenskosten auf Fr. 700.-- festzulegen. Angesichts des
Verfahrensausgangs gehen diese zu einem Drittel zu Lasten der IV-Stelle
(= Fr. 233.--) und zu zweit Dritteln zu Lasten der Beschwerdeführerin
(= Fr. 467.--; vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG). Letztere hat im Umfang ihres
Obsiegens Anspruch auf eine aussergerichtliche Parteientschädigung,
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welche vom Versicherungsgericht festgesetzt wird (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
Ausgangspunkt bildet dabei die Honorarnote der beschwerdeführerischen
Rechtsvertreterin vom 16. Mai 2019, worin eine Entschädigung von
insgesamt Fr. 2'307.35 (bestehend aus 13 Stunden Zeitaufwand à Fr. 160.-
- [= Fr. 2'080.--] zzgl. 3 % Pauschalspesen [= Fr. 62.40] und 7.7 % MWST
[= Fr. 164.95]) geltend gemacht wurde, welche dem streitberufenen Gericht
insbesondere auch vor dem Hintergrund des praxisgemäss geltenden
Stundenansatzes für Anwältinnen und Anwälte, welche bei einer Hilfs- bzw.
gemeinnützigen Organisation tätig sind, von Fr. 160.-- (vgl. PVG 2010
Nr. 31) als angemessen erscheint. Folglich hat die IV-Stelle die
Beschwerdeführerin aussergerichtlich mit Fr. 769.10 (= 1/3 von
Fr. 2'307.35) zu entschädigen. Der IV-Stelle steht kein Anspruch auf eine
aussergerichtliche Parteientschädigung zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).