Decision ID: ab25f7f0-9238-4cfd-9b6b-eae15e5a8b9d
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Parteien sind Stockwerkeigentümer der Stockwerkeigentümerschaft Q.
2.
2.1.
Mit Klage vom 14. November 2019 beantragten die Kläger den Ausschluss
der Beklagten aus der Stockwerkeigentümerschaft und die Durchführung
der Veräusserung nach Art. 649b Abs. 3 ZGB.
2.2.
Der Präsident des Bezirksgerichts Baden entschied nach Gewährung des
rechtlichen Gehörs der Parteien im Hinblick auf die voraussichtliche Ge-
genstandslosigkeit am 16. Dezember 2021:
" 1. Das Verfahren wird als gegenstandslos abgeschrieben.
2. 2.1. Verfahrenskosten, bestehend aus der Entscheidgebühr von Fr. 800.00  der Pauschale für das Schlichtungsverfahren von Fr. 300.00 (von den Klägern bereits bezogen), werden der Beklagten auferlegt.
2.2. Die Entscheidgebühr wird mit dem Gerichtskostenvorschuss der Kläger von Fr. 17'100.00 verrechnet. Die Kläger haben Anspruch auf die Restanz aus dem Kostenvorschuss.
2.3. Die Beklagte hat den Klägern solidarisch Fr. 1'100.00 direkt zu ersetzen.
3. Die Beklagte wird verpflichtet, den Klägern eine Parteientschädigung von Fr. 11'958.35 (inkl. MwSt. von Fr. 854.95) zu bezahlen."
3.
3.1.
Gegen diesen ihr am 22. Dezember 2021 zugestellten Entscheid reichte
die Beklagte mit Eingabe vom 15. Januar 2022 (Postaufgabe) beim Ober-
gericht des Kantons Aargau Beschwerde ein und beantragte die Neube-
rechnung der Parteientschädigung sowie den Aufschub der Vollstreckbar-
keit des angefochtenen Entscheides.
3.2.
Mit Verfügung vom 8. Februar 2022 wies der Instruktionsrichter das Ge-
such der Beklagten um Aufschub der Vollstreckung ab.
- 3 -
3.3.
Mit Eingabe vom 18. März 2022 erstatteten die Kläger eine Beschwerde-
antwort und beantragten, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, even-
tualiter die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen zulasten der Beklagten.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Beklagte wendet sich in ihrer Beschwerde einzig gegen die Höhe der
vorinstanzlich festgesetzten Parteientschädigung gemäss Dispositiv-Ziff. 3
des Entscheids des Präsidenten des Bezirksgerichts Baden vom 16. De-
zember 2021. Es handelt sich folglich um eine Kostenbeschwerde gemäss
Art. 110 i.V.m. Art. 319 lit. b Ziff. 1 ZPO.
1.2.
Mit der Beschwerde können die unrichtige Rechtsanwendung und die of-
fensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht
werden (Art. 320 ZPO). Neue Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und
neue Beweismittel sind im Beschwerdeverfahren ausgeschlossen (Art. 326
ZPO).
1.3.
Die Beschwerde ist schriftlich und begründet einzureichen (Art. 321 Abs. 1
ZPO). In der Beschwerdebegründung ist darzulegen, worauf der Beschwer-
deführer seine Legitimation stützt, inwieweit er beschwert ist, auf welchen
Beschwerdegrund er sich beruft und an welchen Mängeln der angefoch-
tene Entscheid leidet. Insofern besteht im Beschwerdeverfahren eine Rü-
gepflicht (BGE 138 III 374 E. 4.3.1 analog; Urteil des Bundesgerichts
5A_488/2015 vom 21. August 2015 E. 3.2.1; FREIBURGHAUS/AFHELDT, in:
Sutter-Somm/ Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweize-
rischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl. 2016 [SK ZPO], N. 14 f. zu
Art. 321 ZPO). Die Beschwerde hat konkrete Rechtsbegehren zu enthalten,
aus denen hervorgeht, in welchem Umfang der vorinstanzliche Entscheid
angefochten und ob ein reformatorischer oder ein kassatorischer Entscheid
angestrebt wird. Ein Rechtsbegehren muss so bestimmt sein, dass es im
Falle der Gutheissung der Klage unverändert zum Urteil erhoben werden
kann. Aus diesem Prozessgrundsatz folgt, dass auf Geldzahlung gerichtete
Anträge zu beziffern sind (BGE 137 III 617 E. 4.3; Urteil des Bundesge-
richts 5A_3/2019 vom 18. Februar 2019 E. 3). Dieses Erfordernis gilt auch
für die selbständige Anfechtung von Kosten- und Entschädigungsfolgen
(Urteil des Bundesgerichts 5D_155/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 4.3).
Bei mangelhaften Begründungen oder ungenügenden Rechtsbegehren ist
keine Nachfrist zur Verbesserung gemäss Art. 132 ZPO anzusetzen (BGE
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137 III 617 E. 6.4; Urteile des Bundesgerichts 5A_82/2013 vom 18. März
2013 E. 3.3.3, 5A_438/2012 vom 27. August 2012 E. 2.4). Demgegenüber
steht die Rechtsfolge des Nichteintretens auf ein ungenügend beziffertes
Rechtsbegehren unter dem Vorbehalt des überspitzten Formalismus
(Art. 29 Abs. 1 BV). Auf eine Beschwerde mit formell mangelhaften Rechts-
begehren ist ausnahmsweise einzutreten, wenn sich aus der Begründung
- allenfalls in Verbindung mit dem angefochtenen Entscheid - ergibt, was
der Beschwerdeführer in der Sache verlangt oder, im Falle zu beziffernder
Rechtsbegehren, welcher Geldbetrag zuzusprechen ist. Rechtsbegehren
sind im Lichte der Begründung auszulegen (BGE 137 III 617 E. 6.2 analog).
2.
2.1.
Die Vorinstanz stellte zwecks Bestimmung der Prozesskosten fest, dass
der Streitwert seitens der Klägerschaft auf ca. Fr. 500'000.00 beziffert wor-
den sei. Dies sei durch den Vertreter der Beklagten nicht bestritten worden.
Gestützt hierauf errechnete die Vorinstanz eine Grundentschädigung von
Fr. 30'800.00 und unter Berücksichtigung eines Abzugs für die fehlende
Verhandlung von 30 % und einem ausserordentlichen Abzug von 50 % auf-
grund der geringen Aufwendungen eine reduzierte Entschädigung von
Fr. 10'780.00. Zuzüglich Auslagenpauschale von 3 % und der Mehrwert-
steuer von 7.7 % setzte die Vorinstanz die Parteientschädigung insgesamt
auf Fr. 11'958.35 fest (angefochtener Entscheid E. 5.3).
2.2.
Der Beistand der Beklagten begründet die Beschwerde im Wesentlichen
damit, dass der Streitwert des Verfahrens durch die Kläger willkürlich bzw.
mit Fr. 500'000.00 bedeutend zu hoch angesetzt worden sei und folglich
auch die Parteientschädigung zu hoch sei. Der Beistand der Beklagten
habe als Sohn und Beistand der Beklagten vollumfänglich Einsicht in deren
Steuerunterlagen. Er verlangt, anhand der "Steuerunterlagen und weiterer
Dokumente" darzulegen, dass der Streitwert zu hoch sei. Ein Abstellen auf
den Streitwert von Fr. 500'000.00 zwecks Berechnung der Parteientschä-
digung sei nicht zulässig. Weiter macht der Beistand der Beklagten geltend,
aufgrund der monatlichen Pflegekosten in Höhe von ca. Fr. 7'000.00 stelle
die Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 11'958.35 eine enorme finan-
zielle Belastung dar. Auch sei die Parteientschädigung in Relation zu den
geringen Aufwendungen augenscheinlich unverhältnismässig hoch.
2.3.
Nach dem vorstehend Gesagten (E. 1.3) genügt dies den Anforderungen
an eine Beschwerde nicht, wie auch die Kläger in ihrer Beschwerdeantwort
im Wesentlichen vorbringen. Zwar lässt sich der Beschwerde bzw. deren
Begründung entnehmen, dass die Beklagte in der Sache eine Reduktion
der Parteientschädigung verlangt. Eine Bezifferung fehlt demgegenüber
und es lässt sich der Begründung nicht einmal entnehmen, auf welchen
Streitwert sich eine nach Auffassung der Beklagten korrekte Berechnung
- 5 -
der Parteientschädigung zu stützen hätte. Auch enthält die Beschwerde
keine konkreten Beweismittel, sondern erwähnt lediglich und gänzlich un-
spezifiziert "Steuerunterlagen und weitere Dokumente", deren Inhalt und
Beweiswert die Beklagte in keiner Weise darlegt. Die Beklagte scheint zwar
davon auszugehen, sich hierzu erst noch äussern zu können, wenn sie in
der Beschwerde unter "Antrag" anführt, ihr (bzw. ihrem Sohn als Vertreter)
sei die Möglichkeit zu geben, das Nichtzutreffen der klägerischen Streit-
wertdarstellung zu belegen. Demgegenüber ist namentlich eine Nachrei-
chung der Begründung nach Ablauf der Rechtsmittelfrist unzulässig. Selbst
ein zweiter Schriftenwechsel, der im Beschwerdeverfahren ohnehin nicht
vorgesehen ist (vgl. Art. 327 ZPO), und auf den jedenfalls kein absoluter
Anspruch bestünde, gestattet nicht, die Rechtsmittelschrift nachzubessern
oder gar zu ergänzen (Urteil des Bundesgerichts 5A_7/2021 vom 2. Sep-
tember 2021 E. 2.2 analog).
Im Übrigen gilt im Beschwerdeverfahren wie erwähnt ein Novenverbot (vor-
stehend E. 1.2). Dass die Beklagte ihre Tatsachenbehauptungen oder die
(immerhin angedeuteten) Beweismittel bereits im erstinstanzlichen Verfah-
ren vor- bzw. beigebracht hätte, macht diese nicht geltend. Die Vorinstanz
stellte vielmehr fest, dass der Streitwert von der Beklagten unbestritten
blieb, was die Beklagte mit Beschwerde nicht gerügt hat. Selbst wenn es
also zutreffen sollte, dass der Streitwert zu hoch angesetzt wurde, hätten
die entsprechenden Vorbringen damit unberücksichtigt zu bleiben. Dass
die Berechnung der Parteientschädigung als solche durch die Vorinstanz
darüber hinaus unzutreffend sein sollte, macht die Beklagte nicht oder je-
denfalls nicht substantiiert geltend und ist auch nicht ersichtlich. Der pau-
schale Einwand der Beklagten, die Parteientschädigung sei unverhältnis-
mässig hoch, reicht für ein Eintreten auf die Beschwerde nicht aus.
Vor diesem Hintergrund kann namentlich offenbleiben, ob unzulängliche
Anträge und Rechtsbegehren Gegenstand der gerichtlichen Fragepflicht
nach Art. 56 ZPO bilden können (explizit offengelassen im Urteil des Bun-
desgerichts 5A_3/2019 vom 18. Februar 2019 E. 4.2, m.H. auf divergie-
rende Meinungen in der Literatur), und ob bzw. inwieweit die Fragepflicht
greifen würde, da deren Ausübung im vorliegenden Fall zu einem unnöti-
gen Leerlauf führen würde.
3.
Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerde der Beklagten nicht einzutre-
ten.
4.
4.1.
Ausgangsgemäss sind die Prozesskosten des obergerichtlichen Verfah-
rens der Beklagten aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Mangels Beziffe-
rung der Beschwerdeanträge ist zwecks Bestimmung der Prozesskosten
auf die Höhe der Parteientschädigung von Fr. 11'958.35 abzustellen. Die
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Gerichtskosten betragen demnach Fr. 1'997.00 (§ 11 Abs. 1 i.V.m. § 7
Abs. 1 VKD), werden aber zufolge des geringen Arbeitsaufwandes ermes-
sensweise auf Fr. 800.00 gekürzt (§ 13 Abs. 1 VKD) und mit dem von der
Beklagten bezahlten Vorschuss von Fr. 1'997.00 verrechnet.
4.2.
Weiter ist den Klägern eine Parteientschädigung zuzusprechen. Ausge-
hend vom Streitwert von Fr. 11'958.35 beträgt die Grundentschädigung
Fr. 3'621.65 (§ 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 AnwT). Unter Berücksichtigung eines
Abzugs für die fehlende Verhandlung (§ 6 Abs. 2 AnwT, 20 %), eines Ab-
zugs wegen geringer Aufwendungen von 50 % (§ 7 Abs. 2 AnwT), da auf
die Parteientschädigung beschränkte Fragestellung, und eines Rechtsmit-
telabzugs von 25 % (§ 8 AnwT), ergibt sich ein Honorar von Fr. 1'086.50.
Unter Berücksichtigung der Auslagen von ermessensweise Fr. 50.00 sowie
der Mehrwertsteuer von 7.7 % resultiert eine Entschädigung von
Fr. 1'224.00.