Decision ID: 72870ffd-593a-4769-9074-0d2a025da087
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchter Diebstahl etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 7. April 2020 (GG200013)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 16. März
2020 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 49 S. 17 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB sowie
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 5 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 132 Tage durch Haft
erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-
setzt.
4. Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB für 5 Jahre des Landes
verwiesen.
5. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
5. März 2020 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich im Forensischen Institut
Zürich unter der Geschäfts-Nr. 76872907 aufbewahrten Gegenstände werden eingezogen
und der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung bzw. zur gutscheinenden Verwendung über-
lassen:
- Handschuhe (Asservat-Nr. A013'269'959),
- Beil, Jasper (Asservat-Nr. A013'269'891),
- Schlitzschraubenzieher (Asservat-Nr. A013'269'904),
- Schlitzschraubenzieher Smalcalda (Asservat-Nr. A013'269'926),
- Fäustel Realtek (Asservat-Nr. A013'269'937),
- Taschenlampe (Asservat-Nr. A013'270'025).
Vor der Vernichtung oder gutscheinenden Verwendung hat die Kantonspolizei Zürich
Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen, Staatsanwalt Daniel Butti, Geschäfts-
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Nr. SUV_K.2020.9 zu nehmen, ob die vorgenannten Gegenstände allenfalls für das ge-
nannte Verfahren benötigt werden.
6. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
5. März 2020 beschlagnahmten und bei der Asservate-Triage bzw. im Forensischen Institut
Zürich unter der Geschäfts-Nr. 76872907 aufbewahrten Gegenstände werden dem Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils herausgegeben:
- Mobiltelefon iPhone 7, inkl. Hülle (Asservat-Nr. A013'269'879),
- Mobiltelefon Philips (Asservat-Nr. A013'269'915),
- Laptop ASUS, inkl. Tasche und Zubehör (Asservat-Nr. A013'269'982),
- Herrenjacke (Asservat-Nr. A013'270'092),
- Herrenhose (Asservat-Nr. A013'270'105),
- Sportschuhe, Trail Running (Asservat-Nr. A013'270'116),
- Herrensocken (Asservat-Nr. A013'270'127),
- Schlüssel, CISA NR. ... (Asservat-Nr. A013'270'036).
Dem Beschuldigten wird eine Frist von 60 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch eine bevollmächtigte
Person) unter Vorlage dieses Entscheids und eines amtlichen Ausweises, nach telefoni-
scher Voranmeldung, bei den nachgenannten Lagerbehörden abzuholen.
Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, werden sie durch
die Lagerbehörde vernichtet bzw. ihr zur gutdünkenden Verwendung überlassen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 8. Januar 2020
beschlagnahmte Barschaft von Euro 200.– (entsprechend Fr. 214.–) wird eingezogen und
zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
8. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte dem Grundsatz nach die Zivil-
ansprüche der B._ AG anerkannt hat. Im Übrigen werden die Zivilansprüche auf den
Zivilweg verwiesen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'100.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 1'565.– Auslagen Polizei (hälftiger Anteil an Spurenbericht und DNA-Untersuchung)
Fr. 10'995.65 amtl. Verteidigungskosten (inkl. Auslagen und MwSt.)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt, jedoch zufolge Uneinbringlichkeit sofort und definitiv abgeschrieben bzw. auf die
Staatskasse genommen. Davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung,
welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der
Gerichtskasse übernommen werden.
11. (Mitteilungen.)
12. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 7 f.)
a) der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 54 S. 2 f. und Urk. 67 S. 2, teilweise sinngemäss)
1. Das Strafverfahren sei betreffend die Vorwürfe der Sachbeschädigung im
Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB sowie des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB einzustellen.
2. Der Beschuldigte sei des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
3. Der Beschuldigte sei mit einer bedingte Freiheitsstrafe von 2 Monaten zu
bestrafen, welche durch Haft erstanden ist.
4. Es sei keine Landesverweisung anzuordnen.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens seien dem
Beschuldigten zur Hälfte aufzuerlegen und zur Hälfte auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Die dem Beschuldigten auferlegten Kosten seien jedoch zufolge
Uneinbringlichkeit sofort und definitiv abzuschreiben bzw. auf die Staatskas-
se zu nehmen. Davon ausgenommen seien die Hälfte der Kosten der amtli-
chen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse zu übernehmen seien.
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6. Es sei dem Beschuldigten Fr. 14'400.– zuzüglich 5 % Zins ab 1. März 2020
als Genugtuung für die zu Unrecht erlittene Haft aus der Gerichtskasse
zuzusprechen.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen
MwSt.) zulasten der Staatskasse.
b) der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 73 S. 2)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils;
2. Unter Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
1. Prozessgeschichte
1.1. Der Beschuldigte wurde am 28. November 2019 im Zusammenhang mit
Abklärungen hinsichtlich eines versuchten Einbruchs in ein Einfamilienhaus ver-
haftet (Urk. 1; Urk. 2 und Urk. 15/1). Nach durchgeführter Untersuchung erhob die
Staatsanwaltschaft am 16. März 2020 Anklage gegen den Beschuldigten
(Urk. 24). Die erstinstanzliche Hauptverhandlung samt mündlicher Urteilseröff-
nung fand am 7. April 2020 statt. Gleichentags verfügte der Vorderrichter die Ent-
lassung des Beschuldigten aus der Sicherheitshaft (Urk. 34 und Urk. 35; Prot. I
S. 17 ff.).
1.2. Gegen das mündlich im Dispositiv eröffnete Urteil der Vorinstanz meldete
der Beschuldigte am 16. April 2020 innert Frist Berufung an (Prot. I S. 17 ff.;
Urk. 46). Die schriftlich begründete Fassung des Urteils wurde den Parteien am
11. September 2020 zugestellt (Urk. 48). Mit Eingabe vom 21. September 2020
reichte die Verteidigung des Beschuldigten fristgemäss die Berufungserklärung
ein und beantragte die Anordnung des schriftlichen Berufungsverfahrens (Urk. 54;
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Art. 399 Abs. 3 StPO). Nach entsprechender Fristansetzung verzichtete die
Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 7. Oktober 2020 auf Anschlussberufung, be-
antragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids und erklärte sich mit der
schriftlichen Durchführung des Berufungsverfahrens einverstanden (Urk. 56;
Urk. 60). Die Privatklägerschaft liess sich nicht vernehmen.
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 22. Oktober 2020 wurde die schriftliche Durch-
führung des vorliegenden Verfahrens angeordnet sowie dem Beschuldigten Frist
angesetzt, um die Berufungsanträge zu stellen und zu begründen (Urk. 62). Am
11. November 2020 ging innert der hierfür angesetzten Frist die Berufungsbe-
gründung des Beschuldigten ein (Urk. 67; Urk. 68/1-3). Während die Vorinstanz
auf eine Vernehmlassung verzichtete, erstattete die Staatsanwaltschaft mit Ein-
gabe vom 5. Dezember 2020 ihre Berufungsantwort (Urk. 71; Urk. 73).
1.4. Mit Präsidialverfügung vom 22. Dezember 2020 wurde das Beweisverfah-
ren geschlossen und dem Beschuldigten Frist zur freigestellten Stellungnahme
angesetzt (Urk. 75). Die Verteidigung nahm unter dem 3. Februar 2021 innert
letztmals erstreckter Frist zur Berufungsantwort der Staatsanwaltschaft Stellung
(Urk. 77-80). Die Staatsanwaltschaft liess sich nicht mehr weiter vernehmen (vgl.
Urk. 82). Das Verfahren ist spruchreif.
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte anerkennt die Verurteilung wegen versuchten Diebstahls,
lässt jedoch die Schuldsprüche wegen Hausfriedensbruchs sowie Sachbeschädi-
gung anfechten und beantragt, das Verfahren sei diesbezüglich einzustellen. Im
Übrigen sei er mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 2 Monaten zu bestrafen und
es sei von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen. Der Beschuldigte
ficht zudem die vorinstanzliche Kostenverlegung an und beantragt die Zuspre-
chung einer Genugtuung von Fr. 14'400.– zuzüglich Zins von 5% seit
1. März 2020 für zu Unrecht erlittene Haft. Die weiteren Punkte des vorinstanzli-
chen Urteils werden seitens des Beschuldigten nicht beanstandet (Urk. 54;
Urk. 67 S. 2 ff.).
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2.2. Es ist demnach festzustellen, dass das Urteil der Vorinstanz bezüglich des
Schuldspruchs wegen versuchten Diebstahls (Dispositivziff. 1 alinea 1) und der
Einziehung bzw. Herausgabe diverser beschlagnahmter Gegenstände (Disposi-
tivziff. 5 und 6), der Verwendung der beschlagnahmten Barschaft zur Kostende-
ckung (Dispositivziff. 7) sowie der Behandlung der Zivilansprüche der Privatklä-
gerschaft (Dispositivziff. 8) und der Kostenfestsetzung (Dispositivziff. 9) in
Rechtskraft erwachsen ist und nicht mehr zur Disposition steht (vgl. Urk. 54 und
67; Art. 402 StPO; BSK StPO-EUGSTER, 2. Aufl. 2014, Art. 399 N 5 und Art. 402
N 2). In den angefochtenen Punkten ist neu zu entscheiden (Art. 404 Abs. 1
StPO). Diesbezüglich ist bereits an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich
die urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Die urtei-
lende Instanz kann sich somit auf die ihrer Auffassung nach für ihren Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.; Urteil 1B_242/2020
vom 2. September 2020 E. 2.2).
II. Schuldpunkt
1. Ausgangslage
1.1. Es ist unbestritten und anhand der Beweismittel anklagegemäss erstellt,
dass sich der Beschuldigte am 28. November 2019 zusammen mit C._ auf
die Terrasse des Einfamilienhauses des Geschädigten D._ an der E._-
strasse ... in F._ begab, dort mittels Flachwerkzeug einen Bewegungsmelder
sowie eine Terrassentüre beschädigte und einen Stein gegen die Scheibe einer
weiteren Tür warf. Ebenfalls anerkennt der Beschuldigte, dass dadurch ein Sach-
schaden in der Höhe von total ca. Fr. 6'250.– entstand und er in der Absicht ge-
handelt hatte, in das Einfamilienhaus zu gelangen, um dort Bargeld sowie Wert-
sachen entwenden zu können (Urk. 24; Urk. 5/4-5; Prot. I S. 12). Der Beschuldig-
te beanstandet jedoch, es liege hinsichtlich der Vorwürfe der Sachbeschädigung
und des Hausfriedensbruchs kein formgültig gestellter Strafantrag des Geschädig-
ten D._ vor (vgl. Urk. 67 N 1 ff.; Urk. 79 N 20).
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1.2. Hinsichtlich des strittigen Strafantrags ist Folgendes aktenkundig: Gemäss
Angaben aus dem Nachtragsrapport der Kantonspolizei Zürich vom
29. November 2019 sei der Geschädigte D._ während der Personenkontrolle
des Beschuldigten in unmittelbarer Nähe des Tatortes zu den Polizeifunktionären
gekommen und habe angegeben, dass bei ihm zu Hause eingebrochen worden
sei (Urk. 2 S. 2). Dem äusserst rudimentär abgefassten Rapport vom
28. November 2019 lässt sich sodann entnehmen, dass die Tochter des Geschä-
digten gleichentags (ebenfalls) telefonisch Anzeige erstattete. Als Beilagen zum
Hauptrapport werden sodann ein Strafantrag sowie ein Fotobogen genannt, wel-
che "elektronisch eingeliefert" worden seien (Urk. 1 S. 1 und S. 3). Der Strafan-
trag vom 28. November 2019 fand in physischer Form erst im vorinstanzlichen
Verfahren Eingang in die Akten (Urk. 29A). Es handelt sich um ein vorgefertigtes
Formular mit dem Titel "Strafantrag", welches ausschliesslich in Druckschrift aus-
gefüllt wurde und nebst dem Datum der Antragsstellung, den Angaben zum Ge-
schädigten und den zu bestrafenden Delikten zwei Unterschriften enthält; je eine
Signatur im Unterschriftenfeld des Geschädigten D._ sowie eine in demjeni-
gen des rapportierenden Polizeifunktionärs Wm G._ (beide bezeichnet als
"digitalisierte Unterschrift"; vgl. Urk. 29A).
2. Formgültigkeit des Strafantrags
2.1. Erwägungen der Vorinstanz und Parteistandpunkte
2.1.1. Die Vorinstanz ging vom Vorliegen eines gültigen Strafantrags aus und er-
wog im Wesentlichen, der Strafantrag enthalte lediglich digitalisierte Unterschrif-
ten, weshalb kein den Anforderungen von Art. 110 Abs. 1 StPO genügender
schriftlicher Strafantrag vorliege. Jedoch werde im Rapport festgehalten, der Ge-
schädigte habe einen Strafantrag elektronisch eingeliefert. Zwar ergebe sich aus
den Polizeirapporten vom 28. bzw. 29. November 2019 nicht explizit, dass der
Geschädigte einen mündlichen Strafantrag gestellt habe, jedoch liessen die kon-
kreten Umstände keinen anderen Schluss zu, zumal der Polizeirapport vom
28. November 2019 vom Polizeifunktionär G._ ausgestellt worden sei, wel-
cher auch auf dem Strafantrag (digital) unterzeichnet habe. Selbst wenn der elekt-
ronisch eingereichte Strafantrag vom 28. November 2019 die Identifizierung des
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Geschädigten aufgrund der unleserlichen Unterschrift nicht zulasse, stehe die
Identität des Geschädigten sowie dessen ausdrücklicher Wille zur Verfolgung der
beanzeigten Delikte unzweifelhaft fest, da der Geschädigte gemäss Haupt- und
Nachtragsrapport vom 28. bzw. 29. November 2019 die beiden anwesenden Poli-
zeifunktionäre angesprochen und den Einbruch bei ihm zu Hause gemeldet habe
(Urk. 49 S. 7 f.).
2.1.2. Die Verteidigung führt sinngemäss und im Wesentlichen ins Feld, gemäss
Art. 304 Abs. 1 StPO müsse ein Strafantrag schriftlich eingereicht oder mündlich
zu Protokoll gegeben werden. Da der Strafantrag vorliegend lediglich digitalisierte
Unterschriften enthalte, was keine anerkannte elektronische Signatur gemäss
Art. 110 Abs. 2 StPO darstelle, liege kein genügender schriftlicher Strafantrag vor
(Urk. 67 N 1-7). Ein allfällig mündlich gestellter Strafantrag – so die Verteidigung
weiter – hätte in einem Polizeirapport ausdrücklich protokolliert werden müssen
und könne nicht durch eine im Rapport erwähnte Beilage ersetzt werden (Urk. 67
N 8-11; Urk. 79 N 11 ff.).
2.1.3. Die Staatsanwaltschaft wendet dagegen sinngemäss ein, die Erfassung
des Strafantrags sei vorliegend mit Hilfe eines Tablet-PC's erfolgt. Die Polizei ha-
be das bekannte "grüne Strafantragsformular" um ein elektronisches Formular
erweitert, welches auf dem Tablet abrufbar sei und vor Ort (digital) unterzeichnet
werden könne. Dabei handle es sich im Lichte von Art. 304 StPO entgegen der
Verteidigung nicht um einen schriftlichen Antrag, welcher vom Berechtigten per
Mail oder Post übermittelt worden sei, sondern um einen mündlich zu Protokoll
gegebenen Strafantrag, welcher zusätzlich durch die Unterschrift des Antragsstel-
lers bekräftigt werde. Dafür bedürfe es keiner Sicherungsfunktion wie einer aner-
kannten elektronischen Signatur, um sicherstellen zu können, dass das Dokument
von einem bestimmten Urheber stamme. Sodann werde der Antrag im Polizeirap-
port als Beilage vermerkt und damit als Bestandteil des Rapports erklärt. Sowohl
die Identität des Strafantragstellers als auch diejenige des Verfassers des Rap-
ports seien erkennbar, weshalb von einem gültigen Strafantrag auszugehen und
der Beschuldigte entsprechend auch wegen Sachbeschädigung und Hausfrie-
densbruchs zu verurteilen sei (Urk. 73 S. 3 ff.).
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2.2. Anforderungen an die Form des Strafantrags
2.2.1. Mit dem Strafantrag erklärt der Verletzte seinen bedingungslosen Willen zur
Strafverfolgung des Täters. Nach Art. 304 Abs. 1 StPO ist der Strafantrag bei der
Polizei, der Staatsanwaltschaft oder der Übertretungsstrafbehörde schriftlich ein-
zureichen oder mündlich zu Protokoll zu geben. Die Protokollierungspflicht ge-
mäss Art. 304 Abs. 1 StPO soll sicherstellen, dass auch ein mündlicher Strafan-
trag schriftlich festgehalten, mithin dokumentiert ist. Es ist Sache der Behörden,
das Vorliegen eines rechtsgültigen Strafantrags zu beweisen (BGE 145 IV 190
E. 1.3.3 und 1.5.1, S. 193 ff.; Urteil 6B_719/2018 vom 25. September 2019 E.
1.4).
2.3. Würdigung
2.3.1. Während die Verteidigung vor Vorinstanz und in Übereinstimmung mit der
Staatsanwaltschaft davon ausging, der zuständige Polizeifunktionär habe das
Strafantragsformular elektronisch auf einem "Tablet" zur Verfügung gehabt und
den Geschädigten auf diesem Tablet mit einem Stift digital unterzeichnen lassen
(Urk. 31 S. 1; Urk. 73 S. 2 ff.), stellt sie sich im Berufungsverfahren auf den
Standpunkt, über das Zustandekommen des Strafantrags könne nur spekuliert
werden (Urk. 79 N 8). Obwohl es sich aus den Akten nicht ausdrücklich entneh-
men lässt, verbleibt die seitens der Staatsanwaltschaft geschilderte Vorgehens-
weise mit dem Tablet bei vorliegender Ausgangslage als einzig nachvollziehbare
Möglichkeit (vgl. Urk. 79 N 8). So ist bekannt, dass die Kantonspolizei Zürich seit
mehreren Jahren im Rahmen der mobilen Rapporterstattung digitale Hilfsmittel
zur Protokollierung bei frontorientierten Aktivitäten einsetzt (vgl. dazu die Medi-
enmitteilung vom 4. März 2020, abrufbar unter: https://www.zh.ch/de/news-
uebersicht/mitteilungen/
2020/sicherheit--justiz/kantonspolizei/200304-mobile-rapporterstattung.html). Die
digital erfolgte "Einlieferung" des fraglichen Antrags steht denn auch nicht weiter
zur Diskussion. Es erschiene deshalb schlicht lebensfremd, wenn dem Geschä-
digten ein entsprechendes Formular elektronisch zugestellt und von diesem glei-
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chentags wiederum digital eingereicht worden wäre, zumal die Möglichkeit zur
Unterschrift auf dem Tablet vor Ort bestand. Ein ausgehändigter Strafantrag in
Papierform entfällt bereits aufgrund der "Pixelung" der Signaturen (Urk. 29A). Da
ein anderweitiges Zustandekommen des Strafantrags daher ohne vernünftige
Zweifel ausgeschlossen werden kann, hat somit entgegen den Erwägungen der
Vorinstanz nicht der Geschädigte den Strafantrag elektronisch eingeliefert
(Urk. 49 S. 7), was im Übrigen auch von der Verteidigung bestritten wird (Urk. 67
N 13), sondern wurde der Strafantrag von der Polizei originär aufgenommen. Es
liegt daher nach zutreffender Ansicht der Staatsanwaltschaft von Vornherein kein
Fall vor, bei welchem den Strafbehörden ein Strafantrag schriftlich eingereicht
worden wäre und dieser einer qualifizierten Signatur bedürfte.
2.3.2. Wenn die Verteidigung vor diesem Hintergrund vorbringt, es sei kein münd-
licher Strafantrag im Polizeirapport protokolliert worden, und es müsse davon
ausgegangen werden, der Geschädigte habe auf das Stellen eines mündlichen
Strafantrages ausdrücklich "verzichtet", da er das elektronische Formular rechts-
ungenügend unterzeichnet habe, zielt dies an der Sache vorbei (Urk. 67 N 9 ff.).
Im Lichte der im Recht liegenden Erklärung des Geschädigten (Strafantrag vom
28. November 2019) kann nicht ernsthaft bezweifelt werden, dieser habe seinen
Strafverfolgungswillen in geeigneter Form gegenüber den Polizeifunktionären
kundgetan (Urk. 29A: "[...] Ich beantrage die Bestrafung von [...]"). Das unter-
zeichnete Formular impliziert zwingend, dass für die aufgenommene Willenserklä-
rung eine Interaktion zwischen dem Geschädigten und dem Polizeifunktionär
G._ stattgefunden haben muss, mithin der (mündlich) geäusserte Willen des
Beschuldigten festgehalten wurde. Da keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen,
dass der Antrag nicht der Wahrheit entsprechen würde bzw. Zweifel an der Identi-
tät des Geschädigten bestünden, verbleibt einzig zu klären, ob die Protokollierung
anforderungsgemäss erfolgte.
2.3.3. Zur Frage, was unter der rechtsgenügenden Protokollierung eines (mündli-
chen) Strafantrages gemäss Art. 304 Abs. 1 StPO zu verstehen ist, hielt das
Bundesgericht Folgendes fest (BGE 145 IV 190 E. 1.3.3):
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"[...] Die Vorschriften der StPO über die Befragung von Personen gelangen erst
zur Anwendung, wenn ein Verdacht auf eine strafbare Handlung besteht. Zuvor
darf die Polizei zumindest im Kanton Zürich eine Person ohne die Beachtung be-
sonderer Formvorschriften zu Sachverhalten befragen, wenn dies für die Erfüllung
polizeilicher Aufgaben notwendig ist (§ 24 Abs. 1 und 2 des Polizeigesetzes des
Kantons Zürich vom 23. April 2007 [PolG/ZH; LS 550.1]). Naheliegend ist daher,
dass es sich beim Protokoll im Sinne von Art. 304 Abs. 1 StPO nicht zwingend um
ein Verfahrens- oder Einvernahmeprotokoll gemäss Art. 76 ff. StPO handeln
muss, da der Strafantrag vor der Eröffnung eines Vorverfahrens zu erfolgen hat,
die Art. 76 ff. StPO jedoch die Protokollierung im Strafverfahren betreffen.
Die Protokollierungspflicht gemäss Art. 304 Abs. 1 StPO soll sicherstellen, dass
auch ein mündlicher Strafantrag schriftlich festgehalten, d.h. dokumentiert ist. Sol-
len Geschädigte den Strafantrag bei der Polizei - wie in Art. 304 Abs. 1 StPO vor-
gesehen - wahlweise schriftlich oder mündlich stellen können, ist die Bestimmung
dahingehend auszulegen, dass der mündliche Strafantrag auch in einem Polizei-
rapport protokolliert werden kann. Wenn in Art. 304 Abs. 1 StPO von Protokoll die
Rede ist, kann damit folglich auch ein Polizeirapport als Protokoll im weiteren Sin-
ne gemeint sein."
2.3.4. Art. 304 Abs. 1 StPO verlangt somit entgegen der Ansicht der Verteidigung
gerade nicht, dass ein mündlicher Strafantrag zwingend im Polizeirapport proto-
kolliert werden muss (statt vieler: Urk. 67 N 12; Urk. 79 N 20), sondern mit der
statuierten Protokollierungspflicht soll vielmehr die entsprechende Dokumentation
des Strafantrags für die Akten sichergestellt werden. Spezifische Formerforder-
nisse an das Protokoll werden dabei auch von Bundesrechts wegen keine ge-
stellt. So wird keine Unterschrift verlangt und es genügt für die Protokollierung be-
reits ein nicht unterzeichneter Polizeirapport, wenn diesem Urkundenqualität zu-
kommt, mithin der Verfasser erkennbar ist und als Garant für dessen Richtigkeit
steht (zum Ganzen: BGE 145 IV 190 E. 1.4.1. f.; s.a. Zürcher Kommentar StPO-
LANDSHUT/BOSSHARD, 3. Aufl. 2020, Art. 304 N 2). Vorliegend wurde der Strafver-
folgungswille des Geschädigten nicht nur vom rapportierenden Polizeifunktionär
G._ im Sinne von Art. 304 Abs. 1 StPO protokolliert, was bereits zur formgül-
tigen Verurkundung der Erklärung genügt hätte, sondern die Richtigkeit darüber
hinaus mittels digitaler Unterschrift bestätigt (Urk. 29A). Dies genügt nicht nur den
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Anforderungen von Art. 304 Abs. 1 StPO, sondern steht sogar im Einklang mit
den allgemeinen Protokollierungsvorschriften gemäss Art. 76 Abs. 2 StPO. Insge-
samt liegt damit ein formgültig gestellter Strafantrag vor. Ob dieser im Sinne der
Erwägungen der Vorinstanz als "Teil des Polizeirapports" oder eher als eigen-
ständiges Protokoll anzusehen ist, hat für die Frage der Formgültigkeit keine Be-
deutung und kann daher offenbleiben.
2.3.5. Soweit die Verteidigung geltend macht, der Geschädigte habe sich mit
Erklärung vom 11. Februar 2020 nicht als Strafkläger am Strafverfahren beteiligen
wollen, weshalb ihm der Strafverfolgungswille fehle bzw. dies sinngemäss als In-
diz für einen Rückzug des Strafantrags zu werten sei, so ist darauf hinzuweisen,
dass der Verzicht auf die Verfahrensbeteiligung als Privatklägerschaft nicht als
Rückzug des Strafantrages gilt und ein solcher zudem unmissverständlich zum
Ausdruck gebracht werden müsste (vgl. BGE 143 IV 104 E. 5.1; Zürcher Kom-
mentar StPO-LIEBER, 3. Aufl. 2020, Art. 120 N 5 m.w.H.). Aus dem Umstand, dass
der Geschädigte D._ auf eine Teilnahme am Verfahren als Privatkläger ver-
zichtete, kann der Beschuldigte somit nichts zu seinen Gunsten ableiten.
3. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
3.1. Wie eingangs erwähnt, hat sich der Beschuldigte hinsichtlich des ihm zur
Last gelegten Anklagevorwurfs vollumfänglich geständig gezeigt. Das Geständnis
deckt sich mit dem Untersuchungsergebnis. Die vorinstanzliche rechtliche Würdi-
gung als Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch ist sodann zutreffend und
wurde seitens der Verteidigung ebenfalls anerkannt (Urk. 32; Urk. 49 S. 8).
3.2. Der Beschuldigte ist demnach zudem der Sachbeschädigung im Sinne von
Art. 144 StGB sowie des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB schul-
dig zu sprechen.
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III. Sanktion
1. Ausgangslage und Grundsätze der Strafzumessung
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer bedingt ausgefällten
Freiheitsstrafe von 5 Monaten und setzte die Probezeit auf 2 Jahre fest (Urk. 49
S. 9-14). Während die Staatsanwaltschaft gemäss Anklageschrift die Bestrafung
mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 7 Monaten forderte, beantragt sie nunmehr
die Bestätigung der vorinstanzlichen Sanktion (Urk. 73 S. 2). Die Verteidigung
sieht vor dem Hintergrund der von ihr geltend gemachten Verfahrenseinstellung,
des Geständnisses sowie der monierten Verletzung des Beschleunigungsgebots
eine Freiheitsstrafe von 2 Monaten als angemessen an (Urk. 67 N 22 ff.).
1.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die
Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwen-
dung des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1 S. 316 ff., 217 E. 2.2 und
E. 3 S. 219 ff.; 141 IV 61 E. 6.1.2 S. 67 f.; je mit Hinweisen). Darauf sowie auf die
im Grundsatz zutreffenden theoretischen Erwägungen der Vorinstanz kann ver-
wiesen werden (Urk. 49 S. 9 f.).
1.3. Die Verteidigung moniert, die Vorinstanz habe lediglich eine Gesamtstrafe
für den Einbruchdiebstahl ausgefällt und es damit unterlassen, für das schwerste
Delikt eine Einsatzstrafe festzulegen sowie diese in Anwendung des Asperations-
prinzips zu erhöhen (Urk. 67 N 22). Der Einwand ist berechtigt. Zwar gibt es
durchaus Gründe, die heute zu beurteilenden Handlungen als einheitliches Tat-
geschehen zu betrachten, dienten sie doch gemäss Aussagen des Beschuldigten
allesamt dem Erlangen eines möglichst hohen Deliktserlöses und hat das Bun-
desgericht auch schon Ausnahmen von der konkreten Methode erlaubt, wenn die
einzelnen Straftaten – wie vorliegend – zeitlich und sachlich derart eng miteinan-
der verknüpft sind, dass sich diese nicht sinnvoll auftrennen und beurteilen lies-
sen (Urk. 5/4 F/A 100; Urteil 6B_1196/2015 vom 27. Juni 2016 E. 2.4.2). Jedoch
unterstreicht es in seiner jüngeren Rechtsprechung wiederholt, dass Art. 49
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Abs. 1 StGB keine Ausnahme von der konkreten Methode erlaubt und die Ausfäl-
lung einer Einheitsstrafe im Sinne einer Gesamtbetrachtung ausgeschlossen ist
(BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 S. 235 f. mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung wurde
nunmehr mehrfach bestätigt (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2; Urteile 6B_712/2018 vom
18. Dezember 2019 E. 3.1, 6B_1033/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 5.2 f.,
6B_166/2019 vom 6. August 2019 E. 3.2.4, 6B_409/2018 vom 7. Juni 2019 E. 2.3
und 6B_884/2018 vom 5. Februar 2019 E. 1.2.2). Daher sind auch im hier zu be-
urteilenden Fall grundsätzlich gemäss der "konkreten Methode" für sämtliche De-
likte gedanklich Einzelstrafen zu bilden und diese bei Gleichartigkeit zu asperie-
ren. Dies hat die Vorinstanz unterlassen.
2. Wahl der Sanktionsart und Strafrahmen
2.1. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, weshalb vorliegend aufgrund der
Zweckmässigkeit sowie präventiven Effizienz für sämtliche Delikte eine Freiheits-
strafe auszusprechen ist (Urk. 49 S. 12 f.). Dies wird seitens der Verteidigung
nicht beanstandet. Auch sie beantragt die Ausfällung einer Freiheitsstrafe (Urk. 67
N 26).
2.2. Für die Bildung der Gesamtfreiheitsstrafe erweist sich der versuchte
Diebstahl mit einer Strafandrohung von Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
Geldstrafe als schwerste Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Strafschärfungs-
und Strafmilderungsgründe wie die mehrfache bzw. teilweise bloss versuchte Tat-
begehung führen nur bei aussergewöhnlichen Umständen dazu, die Grenzen des
ordentlichen Strafrahmens zu verlassen und sind vorliegend deshalb innerhalb
des ordentlichen Strafrahmens straferhöhend respektive strafmindernd zu be-
rücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63 mit Hinweisen).
3. Versuchter Diebstahl
3.1. Bei Vorliegen eines unvollendeten Versuchs ist zunächst vom (hypothe-
tisch) vollendeten Delikt auszugehen und die versuchte Tatbegehung hernach
beim subjektiven Tatverschulden zu berücksichtigen (zum Ganzen: MATHYS, Leit-
faden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, S. 49 N 120 und S. 72 N 185 ff.).
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3.2. Der vom Beschuldigten und C._ beabsichtigte Diebstahl zielte auf alle
potentiell vorhandenen, leicht transportier- und verwertbaren Wertsachen im Ein-
familienhaus des Geschädigten D._ ab ("Wir wollten uns bereichern"; vgl.
Urk. 5/5 F/A 11). Der tatsächliche Umfang des Deliktsguts erweist sich in einem
solchen Fall als zufällig, kann sich aber durchaus auf mehrere zehntausend
Franken belaufen. Zwar machte der Beschuldigte geltend, die Tat sei nicht von
langer Hand geplant gewesen (Urk. 5/5 F/A 22). Jedoch wurde das Objekt vor
dem Einbruch ausgekundschaftet und man hatte das notwendige Werkzeug bei
sich, was doch für ein planmässiges und zielgerichtetes Vorgehen spricht (vgl.
Urk. 5/4 F/A 83 ff.; Urk. 5/5 F/A 25 f.). Mit Blick auf den ordentlichen Strafrahmen
wäre die objektive Tatschwere noch im unteren Strafrahmendrittel festzusetzen.
3.3. Obwohl der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben in angespannten fi-
nanziellen Verhältnissen lebte, ist keine eigentliche Notsituation erkennbar, aus
welcher heraus er zur Delinquenz getrieben worden wäre. Der Beschuldigte han-
delte sodann mit direktem Vorsatz, ohne jedoch die strafbare Tätigkeit zu been-
den, da er "etwas gehört" habe und die Lichter beim Nachbarhaus angegangen
seien, weshalb er geflüchtet sei (Urk. 5/4 F/A 96). Damit liess er nicht aus eige-
nem Antrieb von seinem Vorhaben ab und das Tatgeschehen war durch das An-
legen des Flachwerkzeugs sowie dem Einwerfen der Scheibe bereits weit fortge-
schritten. Das subjektive Tatverschulden vermag die objektive Tatschwere ge-
samthaft dennoch zu relativieren. Das Verschulden ist vorliegend daher insge-
samt als eher leicht zu bezeichnen und die Einsatzstrafe im Bereich von 6-8 Mo-
naten festzusetzen.
3.4. Die seitens der Verteidigung ins Feld geführten Strafmassempfehlungen
der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich sind für die urteilenden Gerichte
nicht bindend, da jeweils eine schuldangemessene Strafe im konkret zu prüfen-
den Fall auszusprechen ist (Urk. 32 N 7; vgl. Urteil 6B_510/2019 vom
8. August 2019 E. 4.3.). Da sich der Beschuldigte erst im Verlauf des Verfahrens
geständig zeigte (vgl. nachfolgend E. III.5.2.), kann die Verteidigung vorliegend
ohnehin nichts zu ihren Gunsten ableiten, sehen die zitierten Empfehlungen doch
allein für den Diebstahl im Zusammenhang mit einem Wohnungseinbruch eine
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Strafe von 6 Monaten nur bei von Beginn an geständigen Tätern vor (Strafmass-
empfehlungen der Oberstaatsanwaltschaft Zürich vom 13. Mai 2019, S. 2).
4. Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch
4.1. Der Beschuldigte wollte mit seinem Komplizen in ein bewohntes Ein-
familienhaus einbrechen, was von erheblicher krimineller Energie und Gering-
schätzung fremden Eigentums sowie der Privatsphäre Dritter zeugt. So hinter-
lassen solche gewaltsamen Einbrüche in ein bewohntes Objekt bei den Bewoh-
nern oft auch über lange Zeit ein Gefühl der Verunsicherung oder gar Angst. Es
erscheint im Rahmen möglicher Varianten der Tatbestandsverwirklichung wohl
kaum ein schwerwiegenderer Eingriff in das Hausrecht denkbar. Dem Beschuldig-
ten gelang es vorliegend zwar letztlich nicht, auch in die Wohnräumlichkeiten vor-
zudringen, er hat jedoch bereits durch das Betreten des Grundstückes den Tatbe-
stand vollendet und sein Ansinnen nur aufgrund der zuvor dargelegten Umstände
nicht fortgeführt. Im Lichte von Art. 47 StGB, wonach das Gericht für jedes einzel-
ne Delikt eine schuldangemessene Strafe festzusetzen hat, ist das Verschulden
betreffend Hausfriedensbruch mindestens im mittleren Bereich anzusiedeln. Der
vom Beschuldigten verursachte Schaden von rund Fr. 6'000.– ist sodann be-
trächtlich, und er ging mit grosser Gewalt gegen das Objekt vor. Das Verschulden
hinsichtlich der Sachbeschädigung ist daher als nicht mehr leicht anzusehen.
4.2. Selbst wenn die begangene Sachbeschädigung sowie der Hausfriedens-
bruch in direktem Zusammenhang mit dem versuchten Diebstahl stehen und dies
im Rahmen der Asperation für die Bemessung der Gesamtstrafe zu berücksichti-
gen ist, hätte aufgrund der gewählten Verschuldensprädikate nach dem Gesagten
für diese Delikte eine erhebliche Straferhöhung der Einsatzstrafe zu erfolgen.
5. Tatunabhängige Strafzumessungsfaktoren
5.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten, wel-
che zwischenzeitlich keine Änderung erfahren haben, zutreffend dargelegt und als
neutral bewertet. Es kann darauf verwiesen werden (Urk. 49 S. 12; Urk. 67 N 25).
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5.2. Ebenfalls hat die Vorinstanz zutreffend ausgeführt, weshalb das Geständ-
nis des Beschuldigten, welches erst an der dritten Einvernahme erfolgte, ange-
sichts der eindeutigen Beweislage (Glassplitter und DNA-Spuren; vgl. Urk. 8/1-5)
nur in untergeordnetem Ausmass strafmindernd zu berücksichtigen wäre (Urk. 49
S. 12). Die Reduktion der Strafe um rund einen Monat ist daher ohne Weiteres
angemessen.
5.3. Entgegen der Ansicht der Verteidigung liegt sodann kein Grund vor, die
Zeitdauer von rund einem Monat zwischen der Durchführung der Schlusseinver-
nahme und der Anklageerhebung im Lichte des Beschleunigungsgebots strafmin-
dernd zu berücksichtigen (Urk. 67 N 24; Urk. 32 N 18). Vorliegend stand das Ver-
fahren in der beanstandeten Zeitspanne gerade nicht still, sondern es wurden all-
fällige Zuständigkeitsfragen abgeklärt (vgl. Urk. 20/1-5). Im Übrigen würde die ge-
nannte Zeitdauer – unter Berücksichtigung der ansonsten beförderlichen Erledi-
gung der Untersuchung – auch in einer Gesamtbetrachtung in keiner Weise eine
Strafminderung rechtfertigen (vgl. zum Ganzen: BSK StGB I-
WIPRÄCHTIGER/KELLER, 4. Auflage 2019, Art. 47 N 179 ff.). Dass sich eine einzelne
Verfahrenshandlung der Untersuchungsbehörde im Nachhinein nicht als zielfüh-
rend erweist, vermag jedenfalls noch keine Verletzung des Beschleunigungsge-
bots zu begründen.
6. Fazit
6.1. Angesichts dieser Erwägungen wird deutlich, dass das Verhalten des Be-
schuldigten eine weitaus höhere Strafe als die seitens der Vorinstanz festgelegte
Freiheitsstrafe von 5 Monaten erheischt hätte. Sowohl das von der Staatsanwalt-
schaft in der Anklageschrift beantragte Strafmass als auch die vorinstanzlich aus-
gefällte Sanktion erweisen sich daher als klar zu tief. Gleiches hat selbstredend
auch für den Strafantrag der Verteidigung zu gelten. Wäre die Berufungsinstanz
im vorliegenden Fall nicht an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391
Abs. 2 StPO gebunden, würde eine spürbar höhere Sanktion resultieren.
6.2. Insgesamt hat es jedoch – allein aufgrund des Verschlechterungsverbotes
– bei der vorinstanzlich festgelegten Freiheitsstrafe von 5 Monaten sein Bewen-
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den (Art. 391 Abs. 2 StPO). Die 132 Tage erstandene Haft sind anzurechnen
(Art. 51 StGB).
7. Vollzug
Mit der Vorinstanz ist dem Beschuldigten gemäss Art. 42 StGB der bedingte
Strafvollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit (vgl.
Urk. 49 S. 13 f.).
IV. Landesverweisung
1. Katalogtat und Härtefallprüfung
1.1. Das Gericht verweist einen Ausländer, der wegen Diebstahls in Verbindung
mit Hausfriedensbruch verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der Strafe für
5 bis 15 Jahre aus der Schweiz (Art. 66a Abs. 1 Ingress und lit. d StGB). Die obli-
gatorische Landesverweisung wegen einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a
Abs. 1 StGB greift unabhängig von der konkreten Tatschwere und der Frage, ob
die Tat vollendet oder bloss versucht wurde respektive ob die Strafe bedingt, un-
bedingt oder teilbedingt ausgesprochen wird (BGE 144 IV 168 E. 1.4; BGE 146 IV
105 E. 3.4.1; Urteil 6B_560/2020 vom 17. August 2020 E. 1.1.1).
1.2. Der Erstrichter hat zutreffend ausgeführt, dass der Beschuldigte mit dem
versuchten Diebstahl im Zusammenhang mit dem begangenen Hausfriedens-
bruch am 28. November 2019 eine Katalogstraftat für eine Landesverweisung
beging und darüber hinaus keine nennenswerten Bindungen beruflicher oder so-
zialer Art zur Schweiz aufweist (Urk. 49 S. 14). Der Beschuldigte ist in seinem
Heimatland geboren und aufgewachsen und lebt dort mit seiner Verlobten (Prot. I
S. 8 ff.). Ein schwerer persönlicher Härtefall liegt klarerweise nicht vor und wird im
Übrigen seitens der Verteidigung auch nicht geltend gemacht, weshalb die Lan-
desverweisung zu bestätigen ist.
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2. Dauer der Landesverweisung und Vereinbarkeit mit dem FZA
2.1. Unter Beachtung des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) hat
es bei der gesetzlichen Mindestdauer der Landesverweisung von 5 Jahren im
Sinne von Art. 66a StGB sein Bewenden.
2.2. Obwohl nicht explizit vorgebracht, ist der Vollständigkeit halber anzufügen,
dass sich der Beschuldigte in vorliegender Konstellation auch nicht auf die An-
wendbarkeit von Art. 5 Ziff. 1 Anhang I FZA berufen könnte (vgl. Urteil
6B_1152/2017 vom 28. November 2018 E. 2.5.2; Urteil 6B_235/2018 vom
1. November 2018).
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten
1.1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte mit seiner Berufung vollumfänglich
unterliegt, sind ihm auch die Kosten des Berufungsverfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die
Gerichtsgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren ist auf Fr. 3'000.– festzuset-
zen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter dem Nachforderungsvor-
behalt von Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
1.2. Die Verteidigung beantragt, allfällige den Beschuldigten treffenden Kosten
des Berufungsverfahrens seien zufolge Uneinbringlichkeit sofort abzuschreiben
(Urk. 67 N 28). Gemäss Art. 425 StPO können die Verfahrenskosten von der
Strafbehörde gestundet oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhält-
nisse der kostenpflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden. Damit
Art. 425 StPO zur Anwendung gelangt, müssen die wirtschaftlichen Verhältnisse
jedoch derart angespannt sein, dass eine Kostenauflage als unbillig erscheint.
Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschul-
digten sind zwar knapp (Prot. I S. 8 f.), jedoch sieht die StPO für die beschuldigte
Person keine Kostenbefreiung aufgrund mangelnder finanzieller Leistungsfähig-
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keit vor. Ein Anspruch auf Erlass der Kosten besteht deshalb nicht (BSK StPO II-
DOMEISEN, a.a.O., Art. 426 N 4).
2. Entschädigung amtliche Verteidigung im Berufungsverfahren
Die amtliche Verteidigung macht einen Aufwand von knapp 18 Stunden sowie
Barauslagen von total Fr. 98.30 (ohne MwSt.) für das schriftlich geführte Beru-
fungsverfahren geltend, was unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer einer
Gesamtforderung von Fr. 4'249.95 entspricht (Urk. 80). Vor dem Hintergrund,
dass im vorliegenden Berufungsverfahren vornehmlich die Frage der Formgültig-
keit des Strafantrages zu klären war (vgl. Urk. 67 N 1) sowie im Lichte der auch
im Berufungsverfahren massgebenden Pauschalgebühr (gemäss § 17 Abs. 1 lit. a
AnwGebV beträgt die Gebühr für Verfahren in Einzelrichterkompetenz Fr. 600.–
bis Fr. 8'000.–) erweist sich der geltend gemachte Aufwand als eher hoch, aber
gerade noch angemessen. Es rechtfertigt sich deshalb, Rechtsanwalt lic. iur.
X._ für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten antragsgemäss mit
Fr. 4'249.95 (inkl. Barauslagen und MwSt.) zu entschädigen.