Decision ID: 454321b8-5d99-41d1-a3ee-9e76ed8c575a
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ F.A., geboren am 25. August 1971, Staatsangehöriger von Tunesien, reiste im
August 1999 in die Schweiz ein und heiratete am 21. Januar 2000 in Lachen die hier
niedergelassene rumänische und kroatische Staatsangehörige A.C. geb. B., geboren
am 5. Dezember 1965. Am 25. Mai 2000 erhielt F.A. eine Aufenthaltsbewilligung,
welche letztmals bis zum 21. Januar 2004 verlängert wurde. Die Tochter des Ehepaars
A.-B., E.A., geboren am 3. Dezember 2000, Staatsangehörige von Tunesien, wurde in
die Niederlassungsbewilligung der Mutter einbezogen.
Am 26. September 2003 hat die Eheschutzrichterin des Kreisgerichts Gaster-See
festgestellt, dass F.A. und A.A.-B. zur Aufhebung des gemeinsamen Haushalts
berechtigt sind und seit 11. Mai 2003 getrennt leben. Die Tochter E. wurde unter die
Obhut der Mutter gestellt und dem Vater wurde kein Ferienrecht eingeräumt. Die
Eheschutzrichterin genehmigte sodann eine Vereinbarung vom 23. September 2003,
wonach F.A. berechtigt ist, E. einmal je Woche zu besuchen oder zu sich auf Besuch
zu nehmen. Des weitern wurde er u.a. verpflichtet, an den Unterhalt der Tochter Fr.
700.-- je Monat zu bezahlen. Auf Antrag von A.A.-B. hob die Eheschutzrichterin das
F.A. eingeräumte Besuchsrecht am 12. Februar 2004 im Sinn einer dringlichen
Anordnung auf. Sie räumte ihm das Recht ein, E. im Rahmen der begleiteten
Besuchstage der Pro Juventute in J. an den angebotenen Sonntagen zu besuchen. Am
20. März 2004 zog A.A.-B. das Abänderungsbegehren zurück. In der Folge verliess sie
ihre Wohnung in Benken und reiste mit E. ab. Am 10. April 2004 erstattete F.A. gegen
seine Ehefrau Strafanzeige wegen Entziehung von Un-mündigen und eventualiter
Entführung sowie Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Gleichentags
beantragte er der Familienrichterin u.a., E. sei für die weitere Dauer des Getrenntlebens
unter seine Obhut zu stellen. Mit Eingabe vom 5. Mai 2004 leitete F.A. sodann beim
Bundesamt für Justiz ein Verfahren betreffend Rückführung von E. ein.
Am 6. Mai 2004 trat die Eheschutzrichterin auf das Begehren F.A.s um Abänderung der
Eheschutzmassnahmen mit der Begründung nicht ein, sie sei für die Ordnung der
Kinderbelange nicht mehr zuständig. Der Einzelrichter im Familienrecht des
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Kantonsgerichts St. Gallen hob diesen Entscheid am 22. Juni 2004 auf und wies das
Abänderungsbegehren F.A.s ab (vgl. ABl 2004/1520).
Am 27. Juli 2004 wies das Ausländeramt ein Gesuch F.A.s um Reservierung der
Niederlassungsbewilligung von E. ab. Die Verfügung, die in Rechtskraft erwachsen ist,
wird im wesentlichen damit begründet, F.A. sei nicht obhutsberechtigt und könne
deshalb keinen Reservierungsantrag stellen. E.sei in die Niederlassungsbewilligung
ihrer Mutter einbezogen und diese habe keinen Antrag auf Reservierung gestellt.
B./ Am 8. Dezember 2003 teilte das Ausländeramt F.A. mit, es werde beabsichtigt, die
Aufenthaltsbewilligung nicht mehr zu verlängern, und gewährte ihm das rechtliche
Gehör. Am 19. Dezember 2003 ersuchte er um Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Er berief sich u.a. auf das in Art. 8 Ziffer 1 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) verankerte Recht auf
Familienleben. Am 30. April 2004 reichte er eine ergänzende Stellungnahme ein und
machte u.a. geltend, die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung würde das
widerrechtliche Verhalten der Kindsmutter legitimieren und den Zielsetzungen des
Haager Uebereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler
Kindesentführungen (SR 0.211.230.02, abgekürzt HEntfÜ) zuwiderlaufen.
Am 28. Mai 2004 lehnte es das Ausländeramt ab, die Aufenthaltsbewilligung F.A.s zu
verlängern. Er wurde angewiesen, den Kanton St. Gallen bis 10. August 2004 zu
verlassen. Die Verfügung wird u.a. damit begründet, das Verfahren betreffend
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung hange nicht vom Ausgang des Streits um
die Obhut der Tochter ab. Sodann gebe es keinen Grund, den Ausgang des Verfahrens
betreffend Kindesrückführung abzuwarten.
C./ Gegen die Verfügung des Ausländeramtes vom 28. Mai 2004 erhob F.A. am 15.
Juni 2004 Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement. Der Rekurs wurde am 6. April
2005 abgewiesen und das Ausländeramt wurde eingeladen, F.A. eine neue Frist zur
Ausreise anzusetzen. Die Vorinstanz gelangte zum Ergebnis, das öffentliche Interesse
an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung überwiege gegenüber dem
privaten Interesse F.A.s am Verbleib in der Schweiz.
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D./ Am 25. April 2005 erhob F.A. gegen den Entscheid des Justiz- und
Polizeidepartements vom 6. April 2005 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er stellt
die Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die
Angelegenheit sei zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz bzw. an das
Ausländeramt zurückzuweisen (Ziff. 1.1.); eventualiter sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern (Ziff. l.2.); subeventualiter
sei die Aufenthaltsbewilligung vorerst auf sechs Monate befristet zu verlängern (Ziff. l.
3.). Der Beschwerdeführer begründet seine Eingabe im wesentlichen damit, die
Vorinstanz habe den Sachverhalt unrichtig festgestellt und der angefochtene Entscheid
sei willkürlich. Sodann verletze er sein rechtliches Gehör und den Grundsatz der
rechtsgleichen Behandlung.
Am 18. Mai 2005 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das Gesuch F.A.s um
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ab.
Das Justiz- und Polizeidepartement beantragt am 20. Mai 2005, die Beschwerde sei
abzuweisen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). F.A. ist
zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 25. April 2005 entspricht zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs.
1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Der Beschwerdeführer verweist bezüglich der Darstellung des von ihm geltend
gemachten Sachverhalts pauschal auf seine bisherigen Eingaben, insbesondere auf
diejenigen vom 19. Dezember 2003, 30. April 2004, 10. Juni 2004, 15. Juni 2004, 2. Juli
2004 und 24. August 2004 und die damit eingereichten Belege und Beweisofferten. Er
verzichtet darauf, Ausführungen in den einzelnen Eingaben näher zu bezeichnen.
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In ständiger Rechtsprechung hat es das Verwaltungsgericht abgelehnt, dass pauschal
auf Eingaben an Vorinstanzen verwiesen werden kann. Ein solcher Verweis ist
ungenügend, da aus ihm nicht hervorgeht, in welchen Punkten und weshalb der
Entscheid der Vorinstanz angefochten wird. Es ist nicht Aufgabe der
Rechtsmittelinstanz, in Eingaben an die Vorinstanz nach Gründen zu suchen, weshalb
der angefochtene Entscheid unrichtig sein könnte (vgl. Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 921 mit
Hinweisen). Sodann hat der Beschwerdeführer die entsprechenden Elemente des
Sachverhalts zu nennen, wenn er einen unrichtig festgestellten Sachverhalt rügt. Es ist
nicht Aufgabe der Rechtsmittelinstanz, auf die blosse Rüge hin, der Sachverhalt sei
unrichtig festgestellt worden, weitere Abklärungen zu treffen. Der Beschwerdeführer
hat vielmehr darzutun, in welchen Punkten er die Sachverhaltsfeststellungen der
Vorinstanz für unzutreffend hält bzw. wie der Sachverhalt richtigerweise hätte
festgestellt werden müssen. Darin liegt kein Widerspruch zum
Untersuchungsgrundsatz, denn dieser verpflichtet die Rechtsmittelinstanz nur
beschränkt, von sich aus Sachverhaltsabklärungen zu treffen (vgl. Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 927).
3./ Der Beschwerdeführer beantragt, es sei eine Stellungnahme des Bundesamtes für
Justiz, INTER - Dienst für internationalen Kindesschutz, einzuholen und es seien die
Akten der gegen seine Ehefrau anhängigen Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft
des Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Uznach, Zweigstelle Flums, wegen
Entziehung von Unmündigen etc. und diejenigen des Eheschutzverfahrens vor
Kreisgericht Gaster-See inkl. des entsprechenden Rekursverfahrens vor Kantonsgericht
St. Gallen beizuziehen.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet, dass rechtzeitig und formrichtig
angebotene Beweismittel abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen eine nicht
erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache
Beweis zu erbringen (vgl. BGE 124 I 242 E. 2; 117 Ia 268 E. 4b). Die rechtserheblichen
Tat-sachen bezüglich der Frage, ob die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers
zu Recht nicht verlängert worden ist, ergeben sich im vorliegenden Fall aus den Akten,
weshalb auf die Abnahme der Beweise verzichtet werden kann.
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4./ Der Beschwerdeführer rügt, im angefochtenen Entscheid werde weder in Bezug auf
den Sachverhalt noch auf die rechtliche Würdigung berücksichtigt, dass er und seine
Arbeitgeberin beim Ausländeramt ein Gesuch um Erteilung einer selbständigen
Aufenthaltsbewilligung eingereicht hätten.
Zutreffend ist, dass der Beschwerdeführer am 8. Juli 2004 ein Gesuch um Erteilung
einer Ausländerbewilligung B1 unterzeichnet hat und dass das Formular
"Arbeitsmarktliche Angaben B1" von seiner Arbeitgeberin, den S., am 7. Juli 2004
ausgefüllt worden ist. Aktenkundig ist sodann, dass der Beschwerdeführer die
Vorinstanz am 24. August 2004 davon in Kenntnis gesetzt hat, es sei ein Gesuch um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hängig. Nach Art. 42 der Verordnung über die
Begrenzung der Zahl der Ausländer, (SR 823.21), in Verbindung mit Art. 2 der
Verordnung zur Bundesgesetzgebung über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer, (sGS 453) verfügt die Arbeitsmarktbehörde, das Amt für Wirtschaft, ob die
Voraussetzungen zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit erfüllt sind, bevor das
Ausländeramt dem Ausländer eine Bewilligung erteilt, die ihn zu einer Erwerbstätigkeit
berechtigt. Auf dem Formular "Arbeitsmarktliche Angaben B1" fehlt indessen der
"Antrag/Vorentscheid der Arbeitsmarktbehörde". Sodann behauptet der
Beschwerdeführer nicht, über dieses neuerliche Gesuch sei entschieden worden. Der
Vorinstanz kann somit nicht mit Recht vorgeworfen werden, sie hätte prüfen müssen,
ob ihm entsprochen werden könne.
5./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung. Die Aufenthaltsbewilligung ist
stets be-
fristet (Art. 5 Abs. 1 ANAG).
Der Ausländer hat nach Art. 4 ANAG grundsätzlich keinen Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung. Eine Ausnahme besteht unter anderem, wenn er mit einer
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Niedergelassenen verheiratet ist. Der Ehegatte einer niedergelassenen Ausländerin hat
nach Art. 17 Abs. 2 Satz 1 ANAG Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, solange die Ehegatten zusammen wohnen.
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer, der seit 11. Mai 2003 von seiner Ehefrau
getrennt lebt, gestützt auf Art. 17 Abs. 2 Satz 1 ANAG keinen Rechtsanspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hat.
6./ Der Beschwerdeführer vertritt den Standpunkt, die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung sei mit Art. 8 Ziff. 1 EMRK nicht vereinbar.
a) Art. 8 Ziff. 1 EMRK - wie seit dem 1. Januar 2000 auch Art. 13 Abs. 1 der
Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) - gewährleistet das Recht auf Achtung des
Familienlebens. Darauf kann sich im Rahmen eines ausländerrechtlichen
Bewilligungsverfahrens berufen, wer nahe Verwandte mit einem gefestigten
Anwesenheitsrecht in der Schweiz (Schweizer Bürgerrecht oder
Niederlassungsbewilligung) hat. Soweit eine familiäre Beziehung tatsächlich gelebt wird
und intakt ist, wird das der zuständigen Behörde grundsätzlich eingeräumte freie
Ermessen beschränkt (BGE 127 II 64, 126 II 427, 118 Ib 157 und 116 Ib 355; vgl. auch
Spescha/Streuli, Ausländerrecht, Zürich 2001, S. 285). Der in Art. 13 Abs. 1 BV
garantierte Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens entspricht materiell
der Garantie von Art. 8 EMRK und gewährt darüber hinaus im Bereich des
Ausländerrechts keine zusätzlichen Ansprüche (BGE 126 II 394).
aa) Der Beschwerdeführer hält dafür, seine Tochter E. habe ihren gewöhnlichen
Aufenthalt bzw. ihren Wohnsitz nach den Bestimmungen des HEntfÜ und des
Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht (SR 291) immer noch in der
Schweiz, weil er das Rückführungsgesuch rechtzeitig vor Ablauf eines Jahres seit dem
Verschwinden des Kindes gestellt bzw. nach Bekanntwerden des neuen Zufluchtsorts
in Rumänien erneuert habe. Auch unter dem Gesichtspunkt des Ausländerrechts sei
deshalb davon auszugehen, das Kind habe immer noch denselben Aufenthaltsort bzw.
sinngemäss, es verfüge nach wie vor über die Niederlassungsbewilligung. Andernfalls
würden die Ziele des HEntfÜ beschnitten. Des weiteren macht der Beschwerdeführer
geltend, E. habe im Zeitpunkt ihrer Rückkehr Anspruch auf eine selbständige
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Niederlassungsbewilligung, weil sie widerrechtlich und unverschuldet während mehr
als sechs Monaten aus der Schweiz verbracht worden sei und bei ihrer Rückkehr durch
die Behörden in der Schweiz eine Obhuts- und Sorgerechtszuteilung an den in der
Schweiz wohnhaften Vater möglich sei. Der Beschwerdeführer beruft sich in diesem
Zusammenhang auf einen Entscheid des Einzelrichters im Familienrecht des
Kantonsgerichts St. Gallen vom 22. Juni 2004 (vgl. ABl 2004/1520).
bb) Nach Art. 9 Abs. 3 lit. c ANAG erlischt die Niederlassungsbewilligung durch
Abmeldung oder wenn sich der Ausländer während sechs Monaten tatsächlich im
Ausland aufhält; stellt er vor deren Ablauf das Begehren, so kann diese Frist bis auf
zwei Jahre verlängert werden. Die Abmeldung für ein anderes Familienmitglied lässt die
Bewilligung indessen nur erlöschen, wenn sie durch Vollmacht oder Genehmigung, bei
Kindern durch das gesetzliche Vertretungsrecht, gedeckt ist. Eine böswillige
Abmeldung des einen Ehegatten für den andern kann nicht rechtswirksam sein (vgl.
Uebersax/Münch/Geiser/Arnold, Ausländerrecht, Basel 2002, Rz. 6.9 mit Hinweis auf
M. Spescha, Handbuch zum Ausländerrecht, Bern 1999, S. 120). Zur Beurteilung der
Frage, ob eine Niederlassungsbewilligung zufolge Aufgabe des Aufenthalts erloschen
ist, ist in erster Linie auf die tatsächlichen Umstände abzustellen (vgl. BGE 2A.66/2000).
cc) Unbestritten ist, dass E. in die Niederlassungsbewilligung ihrer Mutter einbezogen
ist. Fest steht des weiteren, dass A.A.-B. im März 2004 mit ihrem Kind Benken
verlassen hat. Vermutet wird, dass Mutter und Kind nach Kroatien oder Rumänien
ausgereist sind. Nach einer im Entscheid des Einzelrichters im Familienrecht des
Kantonsgerichts St. Gallen vom 22. Juni 2004 wiedergegebenen Aussage des
Beschwerdeführers ist es möglich, dass seine Ehefrau mit der Tochter wieder in die
Schweiz zurückgekehrt ist. Aufgrund von Schreiben des Bundesamtes für Justiz,
INTER - Dienst für internationalen Kindesschutz, vom 21. Januar 2005 ist indessen
davon auszugehen, dass sich die beiden zu jenem Zeitpunkt in Rumänien aufgehalten
haben. Nach einer Aktennotiz des Ausländeramtes vom 7. Mai 2004 steht sodann fest,
dass sich A.A.-B. nach ihrer Ausreise beim Einwohneramt Benken abgemeldet hat. Es
bestehen keine Anhaltspunkte, wonach die Ehefrau des Beschwerdeführers für sich
und E. innert Frist einen Antrag auf Reservierung der Niederlassungsbewilligung
gestellt hat. Auch hat das Ausländeramt am 27. Juli 2004 ein Gesuch des
Beschwerdeführers um Reservierung der Niederlassungsbewilligung seiner Tochter
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abgewiesen. Die Möglichkeit allein, dass die Tochter des Beschwerdeführers in die
Schweiz zurückgeführt werden und hier neu über Sorgerecht und Obhut entschieden
werden könnte, begründet sodann keinen Anspruch des Kindes auf neuerliche
Erteilung einer Niederlassungsbewilligung. Auch hat der Beschwerdeführer aus diesem
Grund keinen Anspruch auf eine (befristete) Aufenthaltsbewilligung. Allfällige Rechte
bezüglich seiner Tochter könnte er von Tunesien aus und im Rahmen von
Kurzaufenthalten in der Schweiz geltend machen. Wie zu zeigen sein wird, kann sich
der Beschwerdeführer indessen ohnehin nicht mit Erfolg auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK
berufen.
b) Der Beschwerdeführer macht geltend, zufolge des affektiv und wirtschaftlich engen
Verhältnisses zu seiner Tochter habe er gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK Anspruch auf
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.
aa) Der Anspruch auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK ist nicht
absolut. Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in das in Ziff. 1 geschützte Rechtsgut
unter gewissen Voraussetzungen statthaft. Ein Eingriff ist dann zulässig, wenn er
gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist für die
nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur
Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der
Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer. Die
EMRK verlangt somit ein Abwägen der sich gegenüberstehenden privaten Interessen
an der Bewilligungserteilung und dem öffentlichen Interesse an deren Verweigerung,
wobei die öffentlichen Interessen an der Verweigerung in dem Sinn überwiegen
müssen, als sich der Eingriff als notwendig erweist (BGE 122 II 6 mit Hinweis). Bei der
Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten und öffentlichen Interessen sind die
gesamten persönlichen Verhältnisse des Ausländers zu würdigen, namentlich die Dauer
des Aufenthalts, die Integration in der Schweiz, die verbleibende Beziehung zum
Heimatstaat sowie strafrechtlich oder fremdenpolizeilich verpöntes Verhalten (vgl.
Haefliger/Schürmann, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die Schweiz, 2.
Aufl., Bern 1999, S. 263; VerwGE vom 25. Januar 2005 i.S. D.H. und VerwGE vom 18.
Mai 2004 i.S. A.A.).
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bb) Da der Beschwerdeführer von seiner Ehefrau getrennt lebt, kann er aus der
Beziehung zu ihr keine Ansprüche aus Art. 8 Ziff. 1 EMRK herleiten. Im Verhältnis
zwischen Vater und leiblichen Kindern ist im Gegensatz dazu ein eigentliches
Zusammenleben für die Begründung eines Anspruchs gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK nicht
erforderlich. Vielmehr wird ein Familienleben bereits dann angenommen, wenn ein
regelmässiger Kontakt besteht (BGE 120 Ib 3, 119 Ib 84). Der nicht obhutsberechtigte
Ausländer kann die familiäre Beziehung zu seinen Kindern nur in einem beschränkten
Rahmen, nämlich durch Ausübung des ihm eingeräumten Besuchsrechts, leben. Hiezu
ist es nicht unabdingbar, dass er dauernd im gleichen Land wie die Kinder lebt und
dort über eine Anwesenheitsberechtigung verfügt. Das Besuchsrecht gegenüber einem
in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Kind verschafft dem ausländischen Elternteil
daher im Allgemeinen noch keinen Anspruch auf dauernde Anwesenheit; den
Anforderungen von Art. 8 EMRK ist Genüge getan, wenn das Besuchsrecht im Rahmen
von Kurzaufenthalten vom Ausland her ausgeübt werden kann, wobei allerdings
dessen Modalitäten entsprechend aus- bzw. umzugestalten sind (BGE 2A.563/2002).
Ein weitergehender Anspruch ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur zu
bejahen, wenn in affektiver und wirtschaftlicher Hinsicht eine besonders enge
Beziehung zum Kind besteht, diese Beziehung wegen der Distanz zum Heimatland des
Ausländers praktisch nicht ausgeübt werden könnte und das bisherige Verhalten des
Ausländers in der Schweiz zu keinen Klagen Anlass gegeben hat bzw. als tadellos
einzustufen ist (BGE 2A.563/2002 mit Hinweisen, BGE 120 Ib 4 ff. und 24 ff.).
cc) Es besteht ein öffentliches Interesse, dass Ausländer, bei denen nach kurzem
Aufenthalt in der Schweiz die familiären Voraussetzungen für die Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung wegfallen, die Schweiz wieder verlassen (VerwGE vom 25.
Januar 2005 i.S. D.H. mit Hinweis auf VerwGE vom 22. Januar 2002 i.S. N.O. und vom
16. März 2004 i.S. H.J.). Die Schweiz verfolgt in Bezug auf Niederlassung und
Aufenthalt von Ausländern eine restriktive Politik, dies namentlich im Interesse eines
ausgewogenen Verhältnisses zwischen schweizerischer und ausländischer
Wohnbevölkerung, der Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung
der in der Schweiz ansässigen Ausländer und der Verbesserung der
Arbeitsmarktstruktur sowie einer möglichst ausgeglichenen Beschäftigung (vgl. Art. 16
ANAG sowie Art. 1 der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer, SR
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823.21). Diese gesetzgeberischen Ziele sind im Lichte von Art. 8 Ziff. 2 EMRK legitim
(BGE 120 Ib 4; BGE 120 Ib 24 f. und VerwGE vom 25. Januar 2005 i.S. D.H.).
dd) Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe zu seiner Tochter ein intensives und
intaktes Verhältnis gehabt, bis sie im März 2004 entführt worden sei. Er habe E.
mindestens während eines Tages in der Woche besucht und zwar gerade auch in den
Wochen bevor sie mit ihrer Mutter untergetaucht sei. Dem Entscheid der Einzelrichterin
in Zivilsachen des Kreisgerichts Gaster-See vom 26. September 2003 ist indessen zu
entnehmen, es sei unbestritten, dass die Mutter die Hauptbezugsperson des Kindes
sei. Der Beschwerdeführer hält in seiner Stellungnahme vom 30. April 2004 an das
Ausländeramt denn auch fest, es treffe zu, dass es "bereits früher während einigen
Monaten und dann wiederum seit Sommer letzten Jahres zu einer Trennung der
Parteien gekommen sei". Seit 11. Mai 2003 lebt der Beschwerdeführer von seiner
Ehefrau und seiner Tochter sodann gänzlich getrennt. Seither, somit seit rund zwei
Jahren, wächst E. unter der Obhut ihrer Mutter auf. Zum Zeitpunkt, als die endgültige
Trennung erfolgte, war das Kind rund zweieinhalb Jahre alt, somit zu jung, um zum
Beschwerdeführer eine intensive persönliche Bindung aufbauen zu können. Eine in
affektiver Hinsicht besonders enge Vater-Tochter-Beziehung liegt somit nicht vor.
Dabei ist es nicht ausschlaggebend, aus welchen Gründen es dem Beschwerdeführer
nicht möglich war, zu seiner Tochter ein tragfähiges persönliches Verhältnis
aufzubauen und zu vertiefen.
ee) In wirtschaftlicher Hinsicht beruft sich der Beschwerdeführer darauf, er habe seine
Ehefrau und seine Tochter mit dem gesamten ihm über dem betreibungsrechtlichen
Notbedarf verbleibenden Einkommen im Umfang von Fr. 1'500.-- je Monat (inkl.
Kinderzulage) unterstützt. Es treffe zwar zu, dass ihn seine Ehefrau im Februar 2004
wegen eines angeblichen Rückstandes von Unterhaltszahlungen betrieben habe; diese
Betreibungen seien indessen mangels Rechtsgrundlage nicht weiterverfolgt worden.
Die Behauptung des Beschwerdeführers, er komme seinen finanziellen Verpflichtungen
gegenüber der Ehefrau und der Tochter nach, wird indessen nicht näher belegt.
Sodann bestreitet er nicht, dass er ab November 2003 keine Unterhaltszahlungen mehr
geleistet hat, obschon seine Tochter - gemäss eigenen Angaben - in wirtschaftlicher
Hinsicht noch immer von ihm abhängig ist. Bei dieser Sachlage kann nicht gesagt
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werden, zwischen Vater und Tochter bestehe eine besonders enge wirtschaftliche
Beziehung.
c) Insgesamt ist das private Interesse des Beschwerdeführers, möglicherweise eines
Tages das Besuchsrecht in der Schweiz ausüben oder mit seiner Tochter, zu der er
weder in affektiver noch in wirtschaftlicher Hinsicht eine besonders enge Beziehung
hat, hier leben zu können, nicht gewichtig. Sollte E. tatsächlich unter seine Obhut
gestellt werden, könnte er mit ihr in Tunesien leben. Andernfalls wäre es ihm möglich,
zu seiner Tochter in der Schweiz eine Beziehung zu pflegen, auch wenn er nicht hier
lebt und nur für Besuchs- und Ferienaufenthalte anreist, vorausgesetzt das
Besuchsrecht wird hinsichtlich Ort, Häufigkeit und Dauer entsprechend ausgestaltet.
Die Distanz zwischen Tunesien und der Schweiz ist relativ einfach zu überwinden (vgl.
VerwGE vom 23. Januar 2004 i.S. A.G.) und die Reisekosten sind tragbar. Der Eingriff
in das Recht auf Familienleben ist deshalb auch unter Berücksichtigung des
Kindesinteresses gerechtfertigt und verhältnismässig.
7./ Der Beschwerdeführer beruft sich weiter auf Ziff. 654 der Weisungen und
Erläuterungen über Einreise, Aufenthalt und Arbeitsmarkt des Bundesamtes für
Migration, 2. Aufl., Januar 2004, wonach die Aufenthaltsbewilligung des Ehegatten
einer Ausländerin mit Niederlassungsbewilligung nach Auflösung der ehelichen
Gemeinschaft verlängert werden kann, namentlich um Härtefälle zu vermeiden.
Massgebend sind die Dauer der Anwesenheit, persönliche Beziehungen zur Schweiz,
berufliche Situation, Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage, persönliches Verhalten,
Integrationsgrad.
Abgesehen von der Frage, ob die vom Beschwerdeführer getrennt lebende Ehefrau
und seine Tochter nach wie vor über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz
verfügen, kann der Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden, wenn sie
das Vorliegen eines Härtefalls, der die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
rechtfertigen würde, verneint hat. Der Beschwerdeführer reiste im August 1999 im Alter
von 28 Jahren in die Schweiz ein. Er hält sich somit erst seit sechs Jahren hier auf und
verbrachte den grössten Teil seines Lebens im Heimatland, wo seine Eltern und nahe
Verwandte leben. Zu berücksichtigen ist sodann, dass er einzig zufolge seiner
Eheschliessung mit einer hier niedergelassenen Ausländerin eine
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Aufenthaltsbewilligung erhalten und dass die eheliche Gemeinschaft nur rund
zweieinhalb Jahre gedauert hat. Zutreffend ist zwar, dass der Beschwerdeführer bei
den S. als X arbeitet. Auch wenn er sich als Arbeitnehmer bewährt hat, bestehen
indessen in arbeitsmarktlicher Hinsicht keine zwingenden Gründe für die Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung, übt er doch keine besonders qualifizierte Tätigkeit aus.
Sodann entspricht es den Erwartungen, dass sich auch ein Ausländer im Beruf korrekt
verhält und dass er sich nicht strafbar macht. Wie bereits ausgeführt, ist es dem
Beschwerdeführer sodann möglich, zu seiner Tochter, sollte sie wieder hier leben, im
Rahmen von Kurzaufenthalten eine persönliche Beziehung zu pflegen.
8./ Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Ergebnis, dass die
Vorinstanz den Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt hat und dass in der
Verweigerung der Bewilligungsverlängerung keine Rechtsverletzung erblickt werden
kann. Demzufolge ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 98bis VRP).