Decision ID: 108c797a-22bb-42af-98d3-c7b32265e39f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, absolvierte nach der Schule eine Lehre als
Damen
coiffeuse
im elterlichen Betrieb und erwarb anschliessend nach einer einjährigen berufsbegleitenden Ausbildung ein Handelsdiplom. Bis 1998 war
X._
im erlernten Beruf
als
Coiffeuse
tätig, unter anderem auch als Fachlehrerin und Ausbildungsverantwortliche. In diese Zeit fielen
zudem
verschiedene Anstel
lungen als Sekretärin und Sachbearbeiterin, und ab August 1998 versah
X._
ausschliesslich Stellen in der Sachbearbeitung bei verschiedenen Arbeit
ge
bern (vgl. den Lebenslauf in
Urk.
6/79 sowie die Arbeitszeugnisse in
Urk.
6/1
,
Urk.
6/19/7-24
und
Urk.
6/80).
X._
ist Mutter von zwei Söhnen, geboren 1986 und 1988; ihre Ehe wurde im Jahr 1992 geschieden (Scheidungsurteil in
Urk.
6/20).
1.2
Ab Mai 2008 arbeitete
X._
vollzeitlich als Sekretärin und Assistentin bei
m Y._
(Arbeitsver
trag vom 3
0.
April 2008,
Urk.
6/19/6).
Nachdem
X._
bereits
im Oktober 2007
die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis erhalten hatte (Bericht der
Z._
, Rheumatologie,
Dr.
med.
A._
, vom 1
2.
Oktober 2009,
Urk.
6/19/1-2), meldete sie sich im Oktober 2009
bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung an (
Urk.
6/12), und im Novem
ber 2009 folgte die ordentliche Anmeldung (
Urk.
6/21).
Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich
(SVA)
, IV-Stelle, holte beim Hausarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, den Bericht vom 1
1.
Dezember 2009
(
Urk.
6/26) und bei
Dr.
A._
der
Z._
den Bericht vom 2
9.
Dezem
ber 2009 mit
den
Ergänzungen dazu vom 2
5.
Januar 2010 ein (
Urk.
6/2
7
und
Urk.
6/30); des Weiteren nahm sie die Angaben des Arbe
i
tgebers vom 1
1.
Januar
2010 entgegen (
Urk.
6/29). Nach dem
Beizug
eines Verlaufsberichts von
Dr.
B._
vom
5.
Mai 2010 (
Urk.
6/33) und
der
Durchführung des
Vorbescheid
verfahrens
verneinte die IV-Stelle des Kantons Zürich mit Verfügung vom
1.
Juli 2010 den Anspruch von
X._
auf eine Invalidenrente, da die einjährige Wartezeit nicht erfüllt sei (
Urk.
6/37
; Feststellungsblatt in
Urk.
6/34
). Die Verfü
gung blieb unangefochten.
1.3
Am 2
5.
Juni 2012
kündigte der
Y._
das Arbeitsver
hältnis mit
X._
per Ende August 2012 und stellte sie auf den
1.
Juli 2012
hin
frei (
Urk.
6/38/24-25). Nachdem Anfang Juli 2012 zudem
ihr Vater verstorben war, erlitt die Versicherte
eine depressive Reaktion
mit Erschöpfungssyndrom, stand deswegen i
n psychiatrischer Behandlung bei
Dr.
med. C._
, Spezial
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Bericht von
Dr.
C._
zuhanden des Taggeldversicherers, der Allianz Suiss
e
Versicherungs-Gesellschaft AG [Allianz]
,
vom 2
0.
November 2012,
Urk.
6/38/10-11)
,
und hielt sich von Ende September bi
s
Ende Oktober 2012 in der
D._
zur Rehabilitation auf (
Aus
trittsberi
cht vom 1
6.
November 2012, Urk.
6/56/5-8;
Bericht der Klinik zuhanden der Allianz vom 2
6.
November 2
012,
Urk.
6/38/8-9). A
b Juli 2012
war die Ver
sicherte
krankgeschrieben (
vgl. die ärztlichen
Zeugnisse in
Urk.
6/38/12-23,
Urk.
6/38/26 und
Urk.
6/41/12-22),
und im
November 2012/Januar 2013
meldete sie sich
erneut bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/41/3-6 und
Urk.
6/43).
Die IV-Stelle des Kantons Zürich überwies die Akten an die IV-Stelle des Kantons Aargau, da der eine Sohn der Versicherten Mitarbeiter bei der SVA des Kantons Zürich war (vgl. die Notizen der IV-Stelle des Kantons Zürich vom 3
0.
Januar
2013,
Urk.
6/47/1, und das Delegationsschre
iben vom 1
9.
Februar 2013, Urk.
6/48
).
Die IV-Stelle des Kantons Aargau holte den Bericht von
Dr.
C._
vom 2
6.
März 2013 ein (
Urk.
6/56/1-2 mit dem Verlaufsbericht vom 1
8.
Februar 2013 an die Allianz,
Urk.
6/56/3-4) und verneinte den Anspruch der Versicherten nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
mit Verfü
g
ung vom
6.
Juni 2013 erneut mangels
Erfüllens des Wartejahres (
Urk.
6/58). Die Versicherte focht die Verfügung wie
derum nicht an.
1.4
Im März 2015 meldete sich die Versicherte ein weiteres Mal bei der Invaliden
versicherung an (
Urk.
6/60
), und a
uf die Aufforderung der IV-Stelle des Kantons Aargau hin, eine Änderung im Sac
hverhalt zu dokumentieren (Urk.
6/62), reichte
sie
einen Bericht von
Dr.
A._
der
Z._
vom 2
5.
März 2015 ein
(
Urk.
6/65
). Mit Verfügung vom 2
6.
Mai 2015 entschied die IV-Stelle des Kantons Aargau im Sinne ihres vorangegangenen Vorbescheids und trat auf das neue Leistungsbegehren mangels Sachverhaltsänderung nicht ein (
Urk.
6/68; Arbeits
pa
pier in
Urk.
6/67). Auch diese Verfügung wurde nicht angefochten.
1.5
1.5.1
Mit Anmeldung vom
6.
Mai 2017 (
Urk.
6/82) gelangte die Versicherte wiederum an die IV-Stelle des Kantons Aargau, machte geltend, ab dem 1
4.
März 2017 zu 100
%
arbeitsunfähig zu sein, und brachte hierzu
die Zeugnisse von
Dr.
med. E._
, Spezialarzt für Psychiatrie u
nd Psychotherapie, bei (
Urk.
6/6
9). Die IV-Stelle
des Kantons Aargau
forderte sie auch diesmal
dazu auf, Sachver
haltsänderungen zu
belegen (
Urk.
6/85), worauf die Versicherte
den Bericht von
Dr.
E._
vom 1
8.
Mai 2017 einreichte (
Urk.
6/86/3-5).
Zudem liess die Versicherte
der IV-Stelle des Kantons Aargau weitere Arbeitsunfähigkeitsbe
scheinigungen zukommen (
Urk.
6/88-94) und setzte sie von einem Aufenthalt im
F._
vom 1
9.
Mai bis zum 1
1.
Juli 2017 in Kenntnis (
Urk.
6/88/4
; vgl. den Austrittsbericht vom 2
4.
Juli
2017,
Urk.
6/125/42-44
). Die Zeit vom
20.
Dezember
2017 bis zum
2
3.
Januar 2018 sodann verbrachte die Versicherte im
G._
(provisorischer Austrittsbericht vom
2
2.
Januar 2018,
Urk.
6/98/2-3
; definitiver Austrittsbericht vom 2
1.
Februar 2018, Urk.
6/125/38-41
), und danach wurde ihr von
Dr.
E._
weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. die Zeugnisse in
Urk.
6/99-104
, Urk.
6/118
und
Urk.
6/121
).
Nach
dem der RAD-Arzt med.
pract
. H._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapi
e, am 2
1.
Juli 2018 zu einer
bi
disziplinären
rheumatologischen und psychiatrischen Begutachtung geraten hatte (
Urk.
6/105
/3
), holte die IV-Stelle des
Kantons Aargau
zunächst
den Verlaufsbericht von
Dr.
E._
vom
3.
August 2018 ein (
Urk.
6/111)
und beauftragte danach
Dr.
med. I._
, Spezialarzt für Rheumatologie und für Innere Medizin, und PD
Dr.
med. J._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der
bidisziplinären
Begutachtung der Versicherten (rheumatologisches Gutachten vom 2
4.
September 2018,
Urk.
6/124, und psychiatrisches Gutachten einschliesslich einer Konsensbeurtei
lung vom
8.
Oktober 2018
,
Urk.
6/125
; vgl. zudem di
e beigezogenen Berichte von Dr.
A._
vom 1
0.
Juli und vom 1
5.
August 2018 über eine Meniskusläsion rechts nach Kniedistorsion
und den Bericht über die Magnetresonanztomographie des rechten Knies vom
2.
Juli 2018
,
Urk.
6/124/5
5-56,
Urk.
6/124/47-48 und Urk.
6/125/35, sowie die Berichte vom Herbst 2017 über eine Behandlung und Operation d
es Oberkiefers,
Urk.
6/124/52-54
).
1.5.2
Mit Vorbescheid vom
1
3.
November 2018 eröffnete die IV-Stelle des Kantons Aargau der Versicherten, dass die Abweisung ihres Leistungsbegehrens vorge
sehen sei (
Urk.
6/128). Diese, vertreten durch Rechtsanwältin Anna Willi, Rechts
dienst
Inclusion
Handicap, liess
mit
den
Eingaben vom
7.
Dezember 2018
und vom 1
6.
Januar 2019 Einwendungen erheben und die Zusprechung einer ganzen Rente beantragen (
Urk.
6/132/1-3 und
Urk.
6/139/
1-8
). Als neue Belege liess sie die Berichte von
Dr.
E._
vo
m 2
1.
Dezember 2018 und von Dr.
A._
der
Z._
vom
8.
Januar 2019
einreichen, die ihre Rechtsvertreterin eingeholt hatte (
Urk.
6/139/9-11 und
Urk.
6/139/12-14)
. A
usserdem
liess sie die IV-Stelle des Kantons A
argau mit einem Bericht von Dr.
med. K._
, Spezial
arzt für Pneumolo
gie und Innere Medizin, vom 27.
Dezember 2018 dokumen
tieren, worin die Diagnose einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit aufge
führt war (
Urk.
6/139/15-21), und liess geltend machen, diese neue Diagnose sei in die Beurteilung der Leistungsfähigkeit einzubeziehen (
Urk.
6/139/2+6+7).
Schliesslich liess sie vorbringen, örtlich zuständig sei richtigerweise die IV-Stelle des Kantons Zürich, und liess die Überweisung der Sache dorthin beantragen (
Urk.
6/139/1-2).
Zur Zuständigkeit informierte die IV-Stelle des Kantons Aargau die Versicherte darüber, dass das Dossier nach Beendigung der Abklärungen an die IV-Stelle des Kantons Zürich überwiesen werde (
Urk.
6/150); in materieller Hinsicht holte sie
die Stellungnahme
des RAD-Arztes med.
pract
.
H._
vom 2
1.
Februar 2019 ein
(
Urk.
6/148)
und nahm auf dessen Anraten hin in Aussicht, den Gutachtern
Dr.
I._
und PD
Dr.
J._
Ergänzungsfragen zu stellen. Die Versicherte liess mit Eingabe vom 1
2.
März 2019 darauf verzichten,
den Fragenka
talog der IV-Stelle des Kanton
s Aargau (
Urk.
6/149) zu erweitern
, liess jedoch beant
ragen, es sei eine ergänzende
Begutachtung im Fachbereich der
Pneumologie durchzuführen (Urk.
6/151/1-2), und liess hierzu eine Notiz über ein Telefongespräch
ihrer Rechtsvertreterin
mit
Dr.
K._
vom
6.
März 2019 einreichen (von
Dr.
K._
unterzeichnet am 1
1.
März 2019,
Urk.
6/151/3).
Nachdem
die IV-Stelle des Kantons Aargau überdies
ein
en
Bericht von
Dr.
med.
L._
, Spezialarzt für Kardiologie und Innere Medizin, vom
3
0.
November 2018 erhalten hatte
(Urk.
6/166),
holte
sie
zur Frage weiterführender Abklärungen
die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Arbeitsmedizin und für Allge
meinmedizin (D), vom
7.
Mai 2019 ein (
Urk.
6/168)
. Anschliessend unterbreitete sie den Gutachtern
Dr.
I._
und PD
Dr.
J._
die vorgesehenen Ergänzungs
fra
gen (
Urk.
6/170 und
Urk.
6/171) und nahm deren Stellungnahmen vom 1
4.
Mai 2019 (
Dr.
I._
;
Urk.
6/172) und vom 2
4.
Mai 2019 (PD
Dr.
J._
;
Urk.
6/175) entgegen.
1.5.3
In der Folge überwies die IV-Stelle des Kantons Aargau das Dossier samt vorbe
reiteter Begründung (
Urk.
6/181 und
Urk.
6/186)
an die IV-Stelle des Kantons Zürich (
Urk.
6/187). Diese entschied mit Verfügung
vom 1
6.
Juli 2019 im Sinne
des
Vorbescheids und
der Verfügungsbegründung der IV-Stelle des Kantons
Aargau
und
verneinte den Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Inva
lidenversicherung (
Urk.
2 =
Urk.
6/189).
2.
X._
erhob gegen die Verfügung vom 1
6.
Ju
li 2019 mit Eingabe vom 4.
Septe
mber 2019 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die
Verfügung s
ei aufzu
heben und ihr sei eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1).
Neben bereits bekannten Unterlagen reichte sie als neuen Beleg eine
n
Bericht von
Dr.
A._
vom
5.
März 2019 ein (
Urk.
3/4).
Die IV-Stelle des Kantons Zürich schloss in der
Beschwerdeantwort vo
m
1
7.
Oktober 2019 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
5).
Mit Verfügung vom 2
2.
Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführerin Gelegenheit gegeben, zu den Akten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/1-200) Stel
lung zu nehmen (
Urk.
7). Diese reichte innert der angesetzten Frist keine Stel
lungnahme ein, liess die Akten jedoch mit einem Bericht des
N._
vom
7.
Oktober 2019
ergänzen (
Urk.
9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit
Eingabe vom 1
4.
Januar 2020 darauf, sich zu diesem Bericht zu äussern (
Urk.
11)
, wovon die Beschwerdeführerin am 1
5.
Januar 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
12).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität
ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerb
sunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arb
eitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
nach Art. 7 Abs. 2 ATSG
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(Satz 1)
. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Satz 2).
1.2
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG hat das Bundes
gericht Leitlinien aufgestellt, die seit einem Grundsatzurteil des Jahres 2015 in spezifischen Standardindikatoren bestehen, anhand derer die Auswirkungen von
sogenannten
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebil
de
rn ohne nachweisbare organische Grundlage, insbesondere von somatoformen
Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden, zu ermitteln sind (BGE 141 V 281).
Sodann hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen des Jahres 2017 die An
wendbarkeit dieser Standardindikatoren auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, insbesondere auch auf die depressiven Störungen, und hat damit nicht länger an der früheren Rechtsprechung festgehalten, wonach Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (BGE 143 V 418 E. 7, 143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5; vgl. die Zusammenfassung der früheren Rechtsprechung in BGE 143 V 409 E. 4.1).
Entscheidend ist
somit
unabhängig von der diagnostischen Einordnung
einer psychischen Erkrankung,
ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbrin
gen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (
vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.5.2 unter Hinweis auf B
GE 141 V 281 E. 3.7.2; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
1.3
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens
zu 50 % oder auf eine
Viertels
rente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k
önnte (sogenanntes Invalidenein
kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach
Art.
28
Abs.
1 IVG frühestens in dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war (
lit
. b), sofe
rn sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid ist (
lit
. c).
Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nac
h der Geltendmachung entstehen.
1.4
1.4
.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Des Weiteren
wird nach
Art.
17
Abs.
2 ATSG auch jede andere formell rechts
kräftig z
ugesprochene Dauerleistung
von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder au
fgehoben, wenn sich der ihr zugrunde
liegende Sach
verhalt nachträglich erheblich verändert hat.
1.4.2
In Bezug auf die Rentenrevision ist
rechtsprechungsgemäss
jede Änderung
in den
persönlichen Verhältnissen der versicherten Person, die zu einer Über- oder Unter
schreitung eines Schwellenwertes der Rentenabstufung führt
, als erheblich zu beurteilen
(vgl. BGE 133 V 545 E. 6.3 und E. 7, unter anderem mit Hinweis auf BGE 130 V 343).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, so besteht nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung keine Bindung mehr an das Mass der übrigen, unverändert gebliebenen Parameter, die dem vorangegangenen rechts
kräftigen Entscheid zugrunde
gelegt worden sind. Vielmehr ist der Rentenan
spruch für die Zukunft
diesfalls
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei und umfassend zu prüfen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3, 117 V 198 E. 4b, je mit Hinweisen)
.
Unerheblich unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten ist dagegen nach der Rechtsprechung die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unver
ändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob sich der Inva
liditätsgrad im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG erheblich geändert hat, gilt die letzte rechtskräftige Verfügung - bei einer Bestätigung der bisherigen Rente auch die Mitteilung nach
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
und
Art.
51 ATSG - welche auf einer materiellen Anspruchsprüfung mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung
eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (Urteile des Bu
n
des
gerichts 9C_52/2016 vom 23.
März 2016 E. 3.1, 9C_213/2015 vom
5.
November 2015 E. 4.3.2 und 8C_162/2015 vom 3
0.
September 2015 E. 2.1, je mit Hinweis auf BGE 133 V 108).
1.4
.3
Die Grundsätze zur Rentenrevision gelten rechtsprechungsgemäss auch dort, wo sich eine versicherte Person, deren Rentenanspruch verneint worden ist, bei der Invalidenversicherung erneut zum Rentenbezug anmeldet. Auch dort ist zu prüfen, ob seit dem Erlass des rentenabweisenden Entscheids eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist (vgl. BGE 130 V 71 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.4).
Des Weiteren ist auch im Falle einer Neuanmeldung die Frist nach Art. 29 Abs. 1 IVG abzuwarten, bevor der Rentenanspruch entsteht (BGE 142 V 547 E. 3; vgl. auch das Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in
der Invalidenversicherung [KSIH]
,
Rz
2030).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob und gegebenenfalls ab welchem Zeitpunkt die Be
schwerdeführerin Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, nament
lich auf eine Invalidenrente hat.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin und die IV-Stelle des Kantons Aargau hatten sich schon mehrmals mit dem Rentenanspruch der Beschwerdeführerin befasst. Am
1.
Juli 2010 und am
6.
Juni 2013 war dieser Anspruch mit de
r Begründung verneint
worden, die Beschwerdeführerin habe
das
Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
nicht bestanden (
Urk.
6/37 und
Urk.
6/58)
, und
am 2
6.
Mai 2016 war die IV-Stelle des Kantons Aargau mangels Sachverhaltsänderung auf die neue Anmel
dung der Beschwerdeführerin nicht eingetreten (
Urk.
6/68).
3.2
Vorab ist festzuhalten, dass diese drei Verfügungen unangefochten geblieben und damit in Rechtskraft erwachsen sind. Sie sind daher im vorliegenden Verfahren nicht in Frage zu stellen. Dies gilt auch in Bezug auf
die
örtliche Zuständigkeit der IV-Stelle des Kantons Aargau
, welche die
beiden letztgenannten Verfügungen vom
6.
Juni 2013 und vom 2
6.
Mai 2016 erlassen hatte, nachdem die
Beschwer
degegnerin
ihr
die Sache ungeachtet des Wohnsitzes der Beschwerdeführerin im Kanton Zürich (vgl.
Art.
55
Abs.
1 IVG
,
Art.
40
Abs.
1
lit
.
a und
Art.
41
Abs.
1
lit
. d IVV) überwiesen hatte
, weil der eine Sohn der Beschwerdeführerin bei ihr angestellt war und sie Diskretionsprobleme vermeiden wollte (
Urk.
6/43/1,
Urk.
6/47/1 und
Urk.
6/48; vgl. die handschriftliche Vormerkung des Falles als «Disk-Fall» auf der Anmeldung vom
8.
März
2015,
Urk.
6/60/1
; vgl. auch
Urk.
6/83
).
Denn selbst wenn dieser Umstand keine örtliche Zuständigkeit der IV-Stelle des Kantons Aargau begründet hätte, so wären deren Entscheide recht
sprechungsgemäss nicht als nichtig, sondern lediglich als anfechtbar zu beur
teilen gewesen (vgl. BGE 143 V 66 E. 4.2
mit Hinweisen
), und eine Anfechtung war nicht erfolgt.
3.3
D
er Grundsatz in
Art.
17
Abs.
1 ATSG, wonach im
Falle einer rechtskräftigen Rentenv
erfügung eine Sachverhaltsänderung
nachgewiesen sein muss, damit eine neue Beurteilung erfolgen kann,
bezieht sich
primär
auf diejenigen Fälle, in denen die Zusprechung einer Rente oder die Verneinung eines Rentenanspruchs auf der Ermittlung eines bestimmten Invaliditätsgrades
basiert hat. Für die Revision einer bestehenden Rente ergibt sich dies bereits aus dem Wortlaut von
Art.
17
Abs.
1 ATSG; für die Prüfung einer neuen Anmeldung nach rechtskräftiger Rentenab
weisung ergibt es sich daraus, dass das Bundesgericht
hier
bei der Festlegung der massgebenden Vergleichsbasis
ebenfalls verlangt, dass eine umfassende Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat, der auch die Durchführung eines Ein
kommensvergleichs umfasst (vgl. BGE 130 V 71 E. 3.2.3).
Wenn
der Rentenanspruch demgegenüber
deshalb verneint worden ist, weil das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG noch nicht erfüllt war,
ist das
Erfordernis der Sachverhaltsänderung
entsprechend zu modifizieren.
So kann sich die mass
gebende Sachverhaltsänderung
dort, wo das Wart
e
jahr bei der Verneinung des Rentenanspruchs noch läuft,
allein durch den weiteren Zeitablauf verwirklichen.
D
ort, wo
der Rentenanspruch
hingegen, wie im vorliegenden Fall,
wegen Wieder
erlangung der Arbeitsfähigkeit vor Ablauf des Wartejahres verneint worden ist,
muss
analog zur Rechtsprechung zur Änderung des Invaliditätsgrades nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG
der Nachweis einer
Sachverhaltsänd
erung verlangt werden
, die über den
blossen
Zeitablauf hinausgeht. In
sbesondere ist dort, wo keine Ver
änderungen ausserhalb der gesundheitlichen Situation zur Diskussion stehen, eine Veränderung im Gesundheitszustand
als erforderlich zu erachten
, damit der
Rentenanspruch erneut materiell - und alsdann voraussetzungslos - geprüft werden
kann.
A
rbeitsunfähig
keitsbescheinigungen,
die lediglich als abweichende Beur
tei
lung
en
desjenigen Gesundheitszustandes zu qualifizieren sind,
wie er sich schon
bei der damaligen Annahme einer wiederhergestellten Arbeitsfähigkeit präsen
tierte, dürften somit nicht genügen, um das Wartejahr erneut in Gang zu setzen (anders für den Fall einer rentenausschliessenden Wiedereingliederung
:
Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 15. Mai 2018 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. auch die Urteile des Bundesgerichts
8C_753/201
9 vom 1
1.
März
2020 E.
3 und
9C_661/2018
vom 2
1.
März
2019 E.
3.3.1, in denen die Frage nach dem Erfor
dernis einer Sachverhaltsänderung in der vorstehend diskutierten Konstellation nicht
oder nicht
eindeutig beantwortet worden ist).
3.4
Vorliegendenfalls
erübrigt sich jedoch eine abschliessende
Klärung
der
Frage,
inwiefern nach einer rechtskräftigen Rentenabweisung eine Sachverhaltsä
n
de
rung
nachgewiesen sein muss
.
Denn in der massgebenden Zeit seit der letzten materiellen Verneinung des Ren
tenanspruchs mit der Verfügung vom
6.
Juni 2013 (
Urk.
6/58) hat sich der Sach
verhalt in verschiedener Hinsicht verändert. In
s
besondere hatte die
Beschwerde
führerin, nachdem
der
damalige Psychiater
Dr.
C._
im Bericht vom 2
6.
März 2013 eine deutliche Besserung des psychischen Zustandsbildes ab Anfang Februar 2013 vermerkt und
ihr
ab März 2013 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit atte
stiert hatte (
Urk.
6/56/1-2), im Oktober 2013 eine neue Stelle zu einem Pensum von 80
%
als Assistentin und Aktuarin des
O._
a
ngetreten, und nach Auslauf dieser
befristeten Anstellung
war
sie bis Ende 2015
bei weiteren Arbeitgebern
temporär
oder
befriste
t angestellt gewesen und hatte auch dort
Pensen
von 80
%
bis 100
%
verr
ichtet (vgl. den Lebenslauf,
Urk.
6/79/1-2
,
und die Arbeitszeugnisse in
Urk.
6/80/1-5).
Demgegenüber war sie ab Anfang 2016 nur noch gemeinnützig tätig gewesen (
Urk.
6/79/1)
, und der neu behandelnde Psychiater
Dr.
E._
berichtete am 1
8.
Mai 2017, dass
seine Patientin
sich beim Erstgespräch im Dezember 2016 in einer schwierigen psy
chosozialen Situation, unter anderem aufgrund der Arbeitslosigkeit und der Abhängigkeit von der Sozialhilfe, befunden habe und dass er im Januar 2017 eine schwere Depression diagnostiziert habe, die ab April 2017 medikamentös behandelt werde (
Urk.
6/86/3-5
).
Damit ist eine Veränderung in den Verhäl
tnissen
rechtsgenüglich
belegt, zumal PD
Dr.
J._
im psychiatrischen Gutachten vom
8.
Oktober 2018 in Analyse der Aussagen der Beschwerdeführerin und der
Vorakten
zum Schluss gelangte, die Beschwerdeführerin habe vor dem Fr
ühjahr 2017 an keiner Affektpathologie gelitten, welche die erforderliche Ausprägung er
reicht habe (vgl. Urk. 6/125/17
18).
Die Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht materiell geprüft beziehungsweise durch die IV-Stelle des Kantons Aargau prüfen lassen,
ob und
ab wann die Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer neuen Anmeldung vom
6.
Mai 2017 (
Urk.
6/82) Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
4.
4.1
Von Seiten der Psychiatrie attestierte
n
Dr.
E._
und das
F._
der Beschwerdeführer
in
für die Zeit ab dem 1
4.
März 2017 bis Ende September 2017 durchgehend eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
6/69 und
Urk.
6/88-90). Anschliessend
folgten für die Zeit bis zum 2
3.
Januar 2018 Atteste einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit durch den Hausarzt
Dr.
B._
und durch das
G._
(
Urk.
6/91-94
und
Urk.
6/125/41
), und ab dem 2
4.
Januar 2018 bis zur psychiatrischen Beguta
chtung
durch
PD
Dr.
J._
vom 19.
September 2018 (vgl.
Urk.
6/125/1) stellte erneut
Dr.
E._
Atteste einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit aus (
Urk.
6/99-104,
Urk.
6/118 und
Urk.
6/121
).
4.2
PD
Dr.
J._
konnte anlässlich der Exploration vom 1
9.
September 2018
über
einstimmend mit
Dr.
E._
ebenfalls
eine gewisse depressive Symptom
atik
beobachten. Er
berichtete, dass sich eine Eintrübung der Grundstimmung
mit einer gewissen Affektverarmung
gezeigt habe, wenn die Beschwerdeführerin An
gaben zu ihren psychischen Beschwerden habe machen müssen
, bemerkte
aller
dings auch, dass sich die
Explorandin
nach diesen Einbrüchen jeweils rasch wieder habe stabilisieren können und somit über die meiste Zeit
euthym
gestimmt gewesen sei (
Urk.
6/125/
14+
15). Demgemäss stellte PD
Dr.
J._
zwar die Diag
nose einer rezidivierenden depressiven Störung, stufte jedoch die gegenwärtige Episode als leicht ein (
F33.0 der Internationalen Klassifikation psych
ischer Stö
rungen der Weltgesund
heitsorganisation, ICD-10
)
und schrieb ihr keine Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit zu (
Urk.
6/125/15
).
Diese Einschätzung leuchtet für den Zeitpunkt der Begutachtung ein.
Denn die Beschwerdeführerin selber
schilderte wohl eine bedrückte Grund
stim
mung mit Freud-, Interesse und Lustlosigkeit, Antriebsschwierigkeiten und anhal
tender Müdigkeit, sie gab aber auch an, die Hausarbeit bewältigen zu können, sich regelmässig ein Abendessen zu kochen, täglich lange Spaziergänge mit ihrem Hund zu machen und eine gute Beziehung zu ihren beiden Söhnen zu pflegen (
Urk.
6/125/12-13). Zudem erklärte sich die Beschwerdeführerin
das Auftreten der Depression im Frühjahr 2017 und die seither fortbestehenden Gefühle der Sinn
losigkeit und der mangelnden Lebensfreude teilweise selbst mit der schwierigen Lebenssituation nach der Aussteuerung durch die Arbeitslosenversicherung und den fehlenden Perspektiven (
Urk.
6/125/12), und nach ihren Angaben waren die Arbeitslosigkeit und der Geldmangel auch für den Rückzug von ihrem früheren sozialen Umfeld veran
twortlich (vgl.
Urk.
6/125/13).
Wenn PD
Dr.
J._
daher
die niedergeschlagene Stimmung nur teilweise als krankheitsbedingt einstufte und auf deren Verstärkung durch - invalidenversicherungsrechtlich nicht rele
vante -
psychosoziale
Belastungsfaktoren
hinwies
(
Urk.
6/125/20-2
1
)
, so ist dies plausibel, auch wenn das Leiden
an der Symptomatik und an d
er Situation, wie
die Beschwerdeführerin
es in der Beschwerdeschrift darstellte (
Urk.
1 S. 2 ff.)
,
nicht in Abrede
zu stellen ist.
Gl
eichermassen plausibel ist somit
auch, dass PD
Dr.
J._
der Beschwerdeführerin
in eingehender Würdigung aller vorhandenen Ressourcen und Belastungsfaktoren (
Urk.
6/125/22-23) für den Begutachtungs
zeit
punkt keine namhafte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit attestierte (
Urk.
6/125/23-24
).
4.3
D
emgegenüber
ist
der Schluss von PD
Dr.
J._
,
die Beschwerdeführerin sei auch in der Zeit davor in ihrer Arbeitsfähigkeit lediglich während der aktenkundigen
Hospitalisationen
einges
chränkt gewesen
(
Urk.
6/12/24), anhand der
Vorakten
zu relativieren.
Denn auch wenn
der Bericht von
Dr.
E._
an die IV-Stelle des Kantons Aa
rgau vom 1
8.
Mai 2017 (
Urk.
6/86
/3-5) naturgemäss nicht die Ausführlichkeit eines Gutachtens hat
, so gibt dieser Bericht doch nicht ausschliesslich die sub
jektiven Angaben der Beschwerdeführerin wieder, wie dies die Kritik von
PD
Dr.
J._
(vgl.
Urk.
6/125/18) nahelegt.
Vielmehr nimmt der Bericht
nicht nur auf das von PD
Dr.
J._
erwähnte Beck-Depress
ions-Inventar (BDI) Bezug (Urk.
6/86/
4+
5), sondern enthält auch einen psych
opathologischen Befund, der auf dem sogenannten
AMDP-System (Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie)
basiert, einem
Leitfaden zur halbstrukturierten Führung eines Explorat
ions-Interview
(vgl.
Fähndrich
/Stieglitz, Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes, halbstrukturiertes Interview an
hand des AMDP-Systems,
5.
Auflage, Göttin
gen 2018, S. 27 ff. und S. 48).
In diesem Befund sind
einige der
von PD
Dr.
J._
aufgezählten objektiven Para
meter (
Urk.
6/125
/19)
durchaus enthalten, wenn auch nur stichwortartig (
Urk.
6/86/3).
Es
ist daher nicht
daran zu zweifeln, dass die Beschwerdeführerin im Frühjahr 2017, als
Dr.
E._
die Indikation zu einer medikamentösen Behandlung stellte, an einer Depression schwereren Grades litt, als sie zur Zeit der Begutachtung durch PD
Dr.
J._
vorlag, und dass ihre Arbeitsfähigkeit damals tatsächlich beeinträchtigt war.
In das Bild einer anfänglich schwereren Depression passt auch die Eintritts
diagnose einer gegenwärtig
immerhin
mitt
el
gradigen Episode der rezidivierenden depressiven Störung, wie sie das
F._
im Bericht vom 2
4.
Juli 2017 stellte (
Urk.
6/125/42).
Denn g
erade der Umstand, dass die Beschwerdeführerin die Klinik gemäss diesem Bericht in deut
lich gebessertem Zustand verlassen konnte (vgl.
Urk.
6/125/
43), deutet auf die bei Eintritt schwerere Beeinträchtigung hin, was PD
Dr.
J._
in
der Diskussion des Berichts auch nicht grundsätzl
ich in Frage stellte (vgl. Urk.
6/125/19).
Sodann
führte das
G._
am 2
0.
Dezember 2017
in der Diagnoseliste
zwar
nach wie vor eine mittelgradige Episode der rezidivierenden depressiven Störung
auf (
Urk.
6/125/38), nachdem die Beschwerdeführerin die bekannte Symptomatik
der Antriebslosigkeit, der ständ
igen Müdigkeit und des Morgentiefs geschildert hatte und objektiv eine leicht reduzierte Konzentration sowie
eine leichte Störung der Vitalgefühle und eine innere Unruhe feststellbar gewesen waren (
Urk.
6/125/38-39). Gleichzeitig beschrieben die Ärzte die B
e
schwerdeführerin aber als affektiv schw
ingungsfähig und als zugewandt im Kon
takt (
Urk.
6/125/39), und
sie
beobachteten
, dass die Beschwerdeführerin in den Therapien habe zur Ruhe kommen können und mehr Gelassenhe
i
t entwickelt habe, nachdem sie zunächst
eine gewisse Hektik gezeigt
und gedanklich etwas verlangsamt und zerstreut gewirkt habe
(
Urk.
6/125/40). Demgemäss konsta
tier
ten die Ärzte einen weitgehenden Rückgang der depressiven Symptom
atik wäh
rend des
Rehabilitationsa
ufenthaltes de
r Beschwerdeführ
erin
(
Urk.
6/125/40).
4.4
Damit ist überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin nicht nur während der Klinikaufenthalte, sondern in der gesamten Zeit vom 1
4.
März 2017 bis zum Klinikaustritt vom 2
3.
Januar 2018 aus psychischen Gründen zumindest teilweise in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war.
Eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit über den Zeitpunkt des Klinikaustrittes hinaus ist demgegen
über nicht mehr überwiegend wahrscheinlich.
Denn es ist nachvollziehbar, dass PD
Dr.
J._
der Feststellung der Ärzte des
G._
folgte und die Depression beim Klinikaustritt im Januar 2018 als abgeklungen beurteilte (
Urk.
6/125/20), zumal dies mit den eigenen
Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung (vgl. Urk. 6/125/13
) übereinstimmt. Mit der
psychischen Erholung während des Klinikaufenthaltes
ist es indessen
nicht vereinbar, dass
Dr.
E._
der Beschwerdeführerin
ab dem 2
4.
Januar 2018, also nahtlos an den
A
ustritt
aus der Klinik
anschliessend, weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte
(vgl.
Urk.
6/99). Und für die weiteren, durchgehenden Arbeitsunfähigkeitsatteste bis September 2018 (
Urk.
6/100-104,
Urk.
6/118 und
Urk.
6/121) fehlt es an einer
substanziierten
Begründung.
In
s
besondere verneinte
Dr.
E._
im Verlau
fsbericht vom
3.
August 2018
(
Urk.
6/107 und Urk.
6/
111
) zwar die Frage nach der
Zumut
barkeit der bisherigen Tätigkeit (Beiblatt A.2), gab jedoch an, die nachfolgende Frage nach dem Ausmass der verminderten Leistungsfähigkeit nicht beantworten zu können (Beiblatt A.3), und sah sich auch nicht dazu im Stande, Angaben zu möglichen alternativen Tätigkeiten zu machen (Beiblatt B.3
und B.4
). Es
ist demzufolge nicht nachgewiesen
, dass sich der psychische Zustand der Beschwer
de
führerin
- auch mit den anerk
annten Schwankungen (vgl. Urk.
6/111/1) - ab dem 2
4.
Januar 2018 wesentlich anders präsentierte, als dies anlässlich der Explora
tion durch PD Dr.
J._
vom 19.
September 2018 der Fall war. Dies gilt umso mehr, als auch die Beschwerdeführerin selber gegenüber PD
Dr.
J._
nicht explizit von einer gesundheitlichen V
erschlechterung im Anschluss an
den Aufenthalt im
G._
berichtete.
Für die nachfolgende Zeit bis zum Datum des
Erlasses der Verfügung vom 19.
Juli
2019 ist sodann ebenfalls keine Veränderung
im psychischen Zustandsbild
erkenn
bar
.
Dr.
E._
nannte zwar im Bericht vom 2
1.
Dezember 2018 zu
han
den
der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
(
Urk.
6/139/9-11)
die Diag
nose ein
er schweren Depression
, dies jedoch durchgehend für den erfragten Zeit
raum seit November 2017 und ohne Bezugnahme auf die Zustandsverbesserung an
lässlich
des Klinikaufenthalt
e
s von Ende 2017/Anfang 201
8.
Zudem begrün
dete
Dr.
E._
seine Diagnose wohl mit verschiedenen Haupt- und Neben
kri
te
rien (
Urk.
6/139/9-10); es fehlen jedoch Angaben zur Ausprägung der au
f
ge
zähl
ten Symptome, sodass die
alleinige
Aufzählung den diagnostizierten Schwe
re
grad der Depression nicht plausibel macht.
Dem
entsprechend
ist der ergän
zen
den Stellun
gnahme von PD
Dr.
J._
vom 24.
Mai 2019 zu folgen, wonach auf die Arbei
tsfähigkeitsbeurteilung von Dr.
E._
im neu beigebrachten Be
richt nicht abgestellt werden kann (Urk.
6/175/2).
Weitere Berichte zum Gesund
heits
zustand aus psychiatrischer Sicht wurden
im
Vorbescheidverfahren
nicht bei
gebrach
t, sondern es blieb bei monatlichen
Arbeitsunfähigkeitsattesten durch
Dr.
E._
(
Urk.
6/140, Urk.
6/144,
Urk.
6/159,
Urk.
6/165,
Urk.
6/184).
4.5
Von Seiten der psychischen Beeinträchtigung ist somit
in der Zeit ab dem Attest der 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab dem 1
4.
März 2017 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
9.
Juli 2019 keine durchgehende Arbeitsun
fähig
keit von der Dauer eines Jahres ausgewiesen. Allein aufgrund der psychisch bedingten Einschränkungen war das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
.
b IVG mithin
nach wie vor nicht erfüllt.
Ergänzend
ist festzuhalten
, dass die Auswirkungen der Schmerzsymptomatik bei
der Bemessung der psychisch bedingten Einschränkungen
plausiblermassen
au
sser Betracht gefallen sind
.
Denn
PD
Dr.
J._
stellte explizit keine Diagnose aus dem Bereich der psychiatrischen Schmerzstörungen und wies darauf hin, dass sich die geklagten Schmerzen aus rheumatologischer Sicht ausreichend erklären liessen (
Urk.
6/125/21). Dies stimmt mit der Beurteilung durch den rheuma
to
logischen Gutachter
Dr.
I._
überein
, auf die nachfolgend näher einzugehen ist. Wenn
Dr.
I._
auch von einer gewissen Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und der subjektiven Wahrnehmung der Schmerzen sprach (
Urk.
6/124/43), so deutet dies angesichts des sehr individuellen Charakters des Schmerzerlebens für sich allein noch nicht auf eine Schmerzerkrankung im Sinne einer psychiatrischen Diagnose hin.
5.
5.1
Dr.
I._
anerkannte im Rahmen der rheumatologischen Begutachtung die vorbe
stehen
d
e Diagnose einer
rheumatoiden Arthritis, wie sie
Dr.
A._
der
Z._
gemäss dem Bericht vom 1
2.
Oktober 2009 im Oktober 2007 diag
nostizi
ert hatte (vgl.
Urk.
6/19/1-2).
Anlässlich der von ihm durchgeführten
Exploration, die ebenfalls am 1
9.
September 2018 stattfand,
konnte
er
jedoch keine
Synovitiden
(Gelenkschwellungen) feststellen
,
konnte im Röntgendossier und in den aktuell
angefertigten zusätzlichen Aufn
ahmen keine Gelenksero
sio
nen erkennen und
fand keine
laborserologisch
en
Hinweise auf ein entzündliches Geschehen (
Urk.
6/124/30+
33+
34 und
Urk.
6/40-
42). Dementsprechend bezeich
nete
Dr.
I._
die rheumatoide Arthritis als remittiert
(
Urk.
6/124/
34)
, und zwar schon seit April 2012
, als das Medikament
Mabthera
gemäss
der Diagnoseliste im
Bericht v
on
Dr.
A._
vom 1
0.
Juli 2018
bei anhaltender Remission
abgesetzt worden war
(vgl.
Urk.
6/124/55)
. Diese Beurteilung steht, wie
Dr.
I._
zu Recht festhielt (
Urk.
6/124/43), im Einklang mit der Feststellung von
Dr.
A._
im Bericht vom 2
5.
März 2015, wonach schon damals nur noch
geringgradige
Ent
zündungshinweise vorhanden gewesen seien
und die rheumat
oide Arthritis nur
geringe
Einschränkungen in den a
lltäglichen Aktivitäten bewirkt habe
(
Urk.
6
/65).
Sie steht sodann auch nicht im Widerspruch zu den Ausführungen von
Dr.
A._
im Bericht vom
8.
Januar 2019 zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin.
Dr.
A._
erwähnte darin zwar wiederholte entzündliche Manifestationen; die letztmalige derartige Exaz
erbation datierte er jedoch
mehr als ein Jahr zurück, nä
mlich auf den August 2017 (Urk.
6/139/13). Es kann daher
in Übereinstimmung mit den Überlegungen von
Dr.
I._
in der ergänzenden Stellungnahme vom 1
4.
Mai 2019 (
Urk.
6/172/4+5)
davon ausgegan
gen werden, dass die Entzündungen mit der von
Dr.
A._
genannten Basisbehandlung (
mit dem Medika
ment
Methotrexat
; Urk. 6/139/12
14
) gut in Schach gehalten werden konnten.
Nachvollziehbar ist somit auch, dass
Dr.
I._
die Schmerzen, welche die Be
schwerdeführerin schilderte, nicht primär auf die rheumatoide Arthritis, sondern vielmehr auf
arthrotische
Veränderungen zurückführte (
Urk.
6/124/43).
Insbeson
dere konnte
Dr.
I._
die Schmerzen an den Händen, über welche die
Be
-
schwer
deführerin
anlässlich der Anamnese klagte (
Urk.
6/124/20),
durch die Verände
rungen erklären, die in den neu angefertigten Röntgenaufnahmen sichtbar wurden und die er
- übereinstimmend mit der Analyse von Voraufnahmen der Jahre 2015 und 2017 (vgl.
Urk.
6/124/15-16) -
in Abgrenzung zu den Verän
derungen
erosiver
Natur als Veränderungen
arthrotischer
Natur beschrieb
(
Urk.
6/124/20 und
Urk.
6/124/33).
Gleichermassen konnte
Dr.
I._
in den Rönt
genaufnahmen der Füsse der Jahre 2015, 2016 und 2017
ar
t
hrotische
Befunde (
Hallux
)
, hingegen keine
erosiven
Veränderungen
erkennen (Urk.
6/124/16), und eine Röntgenaufnahme der Lendenwirbelsäule des Jahres 2016 zeigte ebenfalls degenerative Erscheinungen (
Urk.
6/124/15).
Im Übrigen ist es f
ür die Auswirkungen der
dargestellten
arthrotischen
Verän
derungen
nicht von Belang, ob sie indirekt als Folgen der rheumatoiden Arthritis zu beurteilen sind, wie dies
Dr.
A._
in seinem Bericht vom
8.
Januar 2019 insbesondere in Bezug auf die Meniskusl
äsion vom Juni 2018 und auf eine
Partialruptur einer Sehne des rechten Ellbogens vom September 2017
postulierte (
Urk.
6/139
/13
-14
).
Damit ist
auf die einzelnen Befunde und ihre Auswirkungen näher einzugehen.
5.2
In den Schilderungen der Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung vom 1
9.
September 2018 nahmen die Beschwerden an den Händen am meisten
Raum ein. Die Beschw
erdeführerin gab an, die Gelenk
situation habe sich seit et
wa 2014/2015 verschlechtert,
sie habe keine Kraft mehr in den Händen und
habe
den Eindruck, dass sich die Langfinger mehr na
ch lateral begeben würden (Urk.
6/124/20). Sie erklärte deshalb, bei der Berufsarbeit die Hände nicht mehr gebrauchen zu können, weil sie sich ständig vertippe (
Urk.
6/124/24).
Dennoch vermochte sie gemäss ihrer beruflichen Biografie bis Ende 2015 einem Pensum als Sachbearbeiterin von 80-100
%
nachzugehen und verrichtete danach ehren
amtlich weiterhin Büroarbeiten (
Urk.
6/79/1-2,
Urk.
6/124/26). Zudem berichtete sie gegenüber
Dr.
I._
von keinen Einschränkungen im Gebrauch der H
ände
bei der Hausarbeit
, und
Dr.
I._
beobachtete
in der Untersuchungssituation
, dass die Be
schwerdeführerin
die Hände beim Aus- und Anklei
den
voll einsetzte (
Urk.
6/124/28).
Daher leuchtet ein, dass
Dr.
I._
die Beschwerdeführerin aufgrund der Schmerzen in den Händen zwar als eingeschränkt für Bürostellen beurteilte, die in reiner Schreibarbeit bestünden, ihr hingegen
für eine gemischte Bürotätigkeit mit der Möglichkeit, aufzustehen und herumzugehen, manuelle Kopier- oder Ablagetä
tig
keiten zu verrichten, Telefonate zu tätigen und Kunden zu empfangen, von Seiten der Handbeschwerden eine 100%i
ge Arbeitsfähigkeit attestierte (
Urk.
6/124/37).
5.3
Diese 100%ige Arbeitsfähigkeit bis zum Zeitpunkt der Begutachtung ist auch unter Berücksichtigung der weiteren
rheumatologischen
Befunde plausibel.
Was den rechten Ellbogen betrifft, der von einer
Epicondylitis
radialis
bei Par
tialruptur einer Sehne im September 2
017 betroffen gewesen war (Urk.
6/124/34),
so gab die Beschwerdeführerin gegenüber
Dr.
I._
an, sie habe zunächst recht grosse Beschwerden gehabt, die sich jedoch unter einer Phys
i
otherapie gebessert hätten, sodass es ihr nun in dieser Hinsicht gut gehe
(
Urk.
6/124/
20-
21)
.
In Über
einstimmung damit
stellte
Dr.
I._
bei der klinischen Untersuchung
grundsätzlich
normale Verhältnisse fest (
Urk.
6/124/
30), und
er
konnte in der Untersuchungs
situation
wiederum keine Behinderung
im Gebrauch des rechten Armes beobach
ten (vgl.
Urk.
6/124/28).
Es bestehen somit keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin durch den Zustand des rechten Armes in der Verrichtung der empfohlenen wechselbelastenden Büroarbeiten
während einer
längere
n Zeitdauer
zusätzlich eingeschränkt
gewesen
wäre.
Ferner erklärte die Beschwerdeführerin, auch mit dem Zustand der rechten Schulter zufrieden zu sein, wogegen die linke Schulter seit
einem Schultertrauma und
der Diagnose eines CRPS (Morbus
Sudeck
) vom März 2007 (
Urk.
6/124/34) von gewissen Einschränkung
en betroffen sei (
Urk.
6/124/
21
und Urk.
6/124/24
). Objektiv erwiesen sich die beiden Schultergelenke in ihrer Beweglichkeit
jedoch
als vergleichbar (
Urk.
6/124/30), und die Beschwerdeführerin vermochte die Arme beim Ausziehen des Oberteils
über die Kopfhöhe hinaus zu heben (
Urk.
6/124/28). Auch diesbezüglich sind damit keine
längerdauernden
zusätzlichen Einschrän
kungen für Tätigkeiten der empfohlenen Art nachgewiesen.
Das Gleiche gilt für die Folgen der Meniskusläsion
vom Sommer 2018 (vgl. Urk.
6/124/34
sowie
Urk.
6/124/47-48,
Urk.
6/124/55-56
und
Urk.
6/125/35), denn die Beschwerdeführerin berichtete
Dr.
I._
,
dass die
Schmerzen infolge
der konservativen Behandlung zurückgegangen seien und sich
gegenwärtig nicht
von den übrigen Beschwerden
abhöben (
Urk.
6/124/22-23). Dementsprechend erklärte sie sich denn auch als in der Lage, mit ihrem Hund Spaziergänge
von
etwa zweistündiger Dauer z
u machen (
Urk.
6/124/24)
,
und
zeigte
anlässlich der Explorat
i
on
ein normales Gangbild (
Urk.
6/12
4/28). Ferner war das rechte Knie
gelenk bei der klinischen Untersuchung gut beweglich, und es waren weder Ergüsse noch Instabilitäten feststellbar (
Urk.
6/124/30).
Die R
ückenbe
schwerden
schliesslich
verunmöglichten es der Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben, länger als eine halbe
Stunde am Stück zu sitzen (Urk.
6/124/21). Allerdings tat die Beschwerdeführerin auch dar, ihre Rücken
schmerzen begleiteten sie seit eh und je (
Urk.
6/124/21). Angesichts ihrer beruf
lichen Biografie mit langjähriger Vollzeitarbeit sind daher ebenfalls keine nam
haften Einschränkungen in angepassten Tätigkeiten wahrscheinlich. Dies gilt umso
mehr, als
Dr.
I._
bei der klinischen Untersuchung ein normales Bewe
gungs
ausmass der Lendenwirbelsäule
erhob
und wohl gewisse
Druckdolenze
n
berichtet bekam, jedoch keine
Verspannungen
feststellen konnte, genau
so, wie sich auch die Hals- und die Brustwirbelsäule als frei von Verspannungen erwiesen (
Urk.
6/124/29).
5.4
Damit ist
von Seiten der Beeinträchtigungen, die das Fachgebiet der Rheu
ma
to
logie betreffen,
in der Zeit
seit dem Vergleichszeitpunkt des Erlasses der Verfü
gung vom
6.
Juni 2013 (
Urk.
6/58)
und der Begutachtung durch
Dr.
I._
ebenfalls
keine namhafte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von mindestens einjähri
g
er
Dauer im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG nachgewiesen.
Daran ändert
nichts, dass
Dr.
A._
die rheumatologischen Einschränkungen in seinem Bericht
vom
8.
Januar 2019 stärker gewichtete und daraus eine nur 50%ige Arbeits
fähigkeit ableitete
(
Urk.
6/139/13)
. Denn
Dr.
A._
formulierte im Gegensatz zu
Dr.
I._
kein Zumutbarkeitsprofil, weshalb gemäss den zutreffenden Bemerkung
e
n von
Dr.
I._
in der ergänzenden Stellungnahme vom 1
4.
Mai 2019 (
Urk.
6/172/5) auf das Attest einer lediglich 50%igen Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt werden kann.
Unter diesen Umständen
vermöchte auch eine Zunahme der rheumatologisch bedingten Einschränkungen in der Zeit nach der Begutachtung durch
Dr.
I._
keine mindestens einjährige beeinträchtigte Arb
eitsfähigkeit im Sinne von Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG im hier relevanten Zeitraum bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 1
9.
Juli 2019 zu begründen. Es kann daher
offen
bleiben
, ob die Erwähnung von
Synovitiden
im Bereich der Hände im aktuellsten Bericht
von Dr.
A._
vom
5.
März 2019 (
Urk.
3/4 S. 2) auf eine gesundheitliche Verschlech
te
rung im Vergleich zu den Feststellungen von
Dr.
I._
hindeutet.
6.
Leuchtet
somit
die Arbeitsfähigkeit
sbeurteilung im psychiatrischen Gutachten von PD
Dr.
J._
für die Zeit ab dem
2
3.
Januar 2018 ein und ist
der Arbeits
fähigkeitsbeurteilung im rheumatologischen Gutachten von
Dr.
I._
gleicher
massen
zu folgen, so ist für die Zeit ab dem 2
3.
Januar 2018 auch die Konsens
beurteilung plausibel, in welcher die Gutachter der Beschwerdeführerin aus der Sicht ihrer beiden Fachgebiete eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine angepasste, gemischte Bürotätigkeit attestierten (
Urk.
6/125/30-31).
Allein unter Berücksichtigung der psychiatrischen und der rheumatologischen Befunde hatte die Beschwerdeführerin
demnach zur Zeit der angefochtenen Ver
fügung vom 1
9.
Juli 2019
das Wartejahr
wiederum nicht bestanden.
7.
7.1
Erst im
Vorbescheidverfahren
wurde
die Beschwerdegegnerin beziehungsweise die IV-Stelle des Kantons Aargau
schliesslich über ein Lungenleiden der Be
schwerdeführerin dokumentiert, nämlich durch den Bericht von
Dr.
K._
vom 2
7.
Dezember 2018
über eine Untersuchung vom 19./2
0.
Dezember
2018 (
Urk.
6/139/15-17)
, die auf Zuweisung des Kardiol
o
gen
Dr.
L._
erfolgt war.
7.2
Die kardiol
o
gische
n
Abklärung
en
, de
nen
sich die Beschwerdeführerin aufgrund der allgemeinen Müdigkeitssymptomatik
im April 2017 und im November 2018
unterzogen hatte, hatte
n
gemäss dem Bericht von
Dr.
L._
vom 3
0.
November 2018 keine Auffä
lligkeiten ergeben (
Urk.
6/166). H
ingegen stellte
Dr.
K._
anlässlich der Untersuchungen vom Dezember 2018
aus der Sic
ht seines Fachge
bietes die Diagn
ose
einer
mittelschweren bis schweren chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD),
nachdem der klinische Status
keinen relevanten Befund gezeigt
habe, die Messung der Atemmechanik jedoch eine mittelschwere obstruk
tive
Ventilationsbehinderung mit mi
ttelschwer verminderter CO-Diffusionskapa
zität
zu Tage gebracht
und der
Methacholin-Bronchoprovokationstest
eine schwe
re
Hyperreaktivität
mit Reproduktion der Atembeschwerden sichtbar gemacht habe (
Urk.
6/139/16).
Im nachfolgenden Absch
nitt
des Berichts
gelangte
Dr.
K._
zur Beurteilung, dass bei der Beschwerdeführerin eine Mischform der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit vorliege, indem einerseits ein COPD im engeren Sinn
e bestehe und ander
seits mit einer chronischen Rhinitis, der schweren
Hyperreaktivität
und den Atembeschwerden seit der Jugendzeit auch Hinweise auf eine wichtige asthmatische
Komponente
vorhanden seien (
Urk.
6/139/16).
7.3
Zu den Einschränkungen allein aufgrund des Lungenleidens äusserte sich
Dr.
K._
nicht, sondern er hielt in Kenntnis der rheumatologischen Befunde und der depressiven Symptomatik lediglich fest, er erachte die
Beschwerde
füh
rerin im aktuellen Zustand als nicht einsetzbar in einem kommerziellen Umfeld
und er bleibe auch bei Bess
erung einiger Beschwerden unter Berücksichtigung der erheblichen Einschränkungen (Atmung, Hände, Depression) und des Alters der Beschwerdeführerin bei einer zurückhaltenden Einschätzung in Bezug auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung in eine kommerziell ausgerichtete Umge
bung (
Urk.
6/139/17).
Es leuchtet daher grundsätzlich ein, dass
Dr.
K._
für eine umfassende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
eine Begutachtung unter Einbezug des Fachgebietes für Pneumologie
für erforderlich hielt, wie er dies auf
der
Aktennotiz der damaligen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
vom März 2019
unterschriftlich bestätigte (
Urk.
6/151/3).
Allerdings ist aufgrund der Ausführungen von
Dr.
K._
im Bericht vom 27.
Dezember 2019
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin schon seit langer Zeit in ihrer Atemfunktion beeinträchtigt war, denn sie berichtete
Dr.
K._
von Atembeschwerden beim Rennen bereits in jungen Jahren und von asthmaartigen Beschwerden mit thorakalem Druck, die seit vielen Jahren beim Bergaufgehen aufträten (
Urk.
6/139/16).
Die Beschwerden des Respirationstraktes standen jedoch bei den Untersuchungen und Behandlung
en
, wie sie für die Zeit vor dem Herbst 2018 dokumentiert sind, nicht im Vordergrund. Im Bericht
des Zürcher
G._
über den Aufenthalt von Ende 2017/Anfang 2018 ist zwar die Diagnose einer chronischen Sinusitis aufgeführt (
Urk.
6/125/38), die sich auch während der
Hospitalisation
durch einen neuen Infekt bemerkba
r gemacht habe; ihr wurde jedoch eine dentogene Ursache zugeschrieben
(Urk. 6/125/39; vgl. auch die Berichte in
Urk.
6/124/52-54). Des Weiteren erwähnte
die Beschwerdeführerin a
nlässlich der Begutachtungen durch
Dr.
I._
und PD
Dr.
J._
keine Schwierigkeiten beim Atmen bei moderaten körperlichen An
strengungen, sondern sie erzählte beiden Gutachtern von ihren Spaz
iergängen mit
dem Hund und
von betreuten, von einer Marschgruppe der
P._
veranstalteten Märschen von 5-10 km Länge, die
sie in gemütlichem Tempo absolviere (
Urk.
6/124/23 und
Urk.
6/125/12-13). Es muss daher ange
nommen werden, dass die Beschwerdeführerin zur Zeit der rheumatologischen Begut
achtung vom
frühen
Herbst 2018
in
leichten körperlichen Betätigungen noch nicht wesentlich eingeschränkt war. Dies gilt ungeachtet dessen, dass sie gegen
über
Dr.
I._
einen
einmaligen Abbruch eines
Marsch
es aufgrund von Ermüdung
erwähnte (
Urk.
6/124/23) und dass sie gegenüber PD
Dr.
J._
dartat,
bei den weiteren
regelmässigen Anlässe
n
der Marschgruppe
frühzeitig erschöpft zu sein und die Abendstunden daher nicht mehr mit den anderen Mitgliedern zu ver
bringen
(
Urk.
6/125/13)
.
War die Beschwerdeführerin demnach
zur Zeit der Begutachtung durch
Dr.
I._
und PD
Dr.
J._
von Seiten des Lungenleidens noch dazu in der Lage,
leichte
körperliche
Anstrengungen
zu bewältigen, so ist überwiegend wahrscheinlich, dass das Lungenleiden in der damaligen Ausprägung auch der Verrichtung der Büroarbeiten nicht entgegenstand, wie sie die Gutachter aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht a
ls zu 100
%
zumutbar erachteten. Für die Zeit bis zur Begutachtung vom September 2018 kann somit der Beurteilung von
Dr.
M._
vom
7.
Mai 2019 gefolgt werden, wonach die Beschwerdeführerin auch aus pul
mo
naler Sicht zu 100
%
arbeitsfähig für eine leichte Bürotätigkeit sei (vgl
.
Urk.
6/168/6).
7.4
Was
demgegenüber
die Zeit nach der
bidisziplinären
Begutacht
ung betrifft, so sind
gewisse Hinweise auf eine Verstärkung der langjährigen Problematik der Atemwege vorhanden. So
gab
Dr.
K._
im Bericht vom 2
7.
Dezember 2018 die Darstellung der Be
s
chwerdeführerin wieder, sie habe das Bergaufgehen «in letzter Zeit» wegen Atembeschwerden vermieden und sie habe nach
rhinitischen
Be
schwerden im Frühjahr, die sich im Sommer etwas gebessert hätten, eine erneute Erkältungserkrankung erlitten (
Urk.
6/139/16). Des Weiteren war
die Beschwerde
führerin gemäss dem Bericht des
N._
vom
7.
Oktober 2019, den sie im Beschwerdeverfahren einreichte, im Herbst 2019 wegen einer seit drei Wochen
vorhandenen Dyspnoe und eines trockenen Hustens
hospitalisiert,
und im Rahmen
des Spitalaufenthaltes wurden i
m Vergleich zur Voruntersuchung (vom 1
5.
November 2018; vgl.
Urk.
6/139/16) Veränderungen im
Computertomo
gram
m
des Thorax festgestellt
und
es wurde
nunmehr die Diagnose einer steroidsensi
tiven interstitiellen
Pneumopathie
(Erstdiagnose am 2
8.
September 2019) gestellt,
dies neben der Diagnose einer
Inf
ektexaz
erbation
bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (
Urk.
9 S. 1-2)
.
Selbst wenn sich jedoch bald nach der rheumatologischen und psychiatrischen Exploration der Beschwerdeführerin vom September 2018 eine namhafte Ein
schränkung in der Arbeitsfähigkeit aufgrund der pulmonalen Situation mani
fes
tiert hätte, so
könnte
damit im Beu
rteil
ungszeitraum bis zum Erlass der an
gefoch
tenen Verfügung vom 1
9.
Juli 2019 - wie vorstehend in Bezug auf das rheu
matologische Leiden schon ausgeführt - keine Arbeitsunfähigkeit für eine Büro
tätigkeit der angestammten Art von mindestens einjähriger Dauer im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG begründet werden.
Demgemäss erübrigen sich für
den
hier relevanten Zeitraum bis zur
Verfügung vom 1
9.
Juli 2019 ergänzende Abklärungen
in Bezug auf die (zusätzlichen) Aus
wirkungen des Lungenleidens auf die Arbeitsfähigkeit.
8.
Hat die Beschwerdeführerin somit
aufgrund ihrer neuen Anmeldung vom
6.
Mai 2017 das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom 1
9.
Juli 2019 erneut nicht erfüllt, so führt dies zur Abweisung der Beschwerde.
Gemäss einem E-Mail der SVA, Ausgleichska
sse, des Kantons Zürich vom 11.
Februar 2019 hatte sich die Beschwerdeführerin noch vor Ergehen der Ver
fügung vom 1
9.
Juli 2019 zum Bezug einer Altersrente angemeldet (
vgl. Urk.
6/145
und
Urk.
6/146). Da der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung nach
Art.
30 IVG
mit
Anspruch auf eine Altersrente der AHV erlischt, würden sich
weitere Abklärung
en
zur gesundheitlichen Entwicklung ab Herbst 2018 erübri
gen, wenn die Beschwerdeführerin, die im September 1957 geboren wurde, ab dem
1.
September 2019 eine Altersrente beziehen würde (vgl.
Art.
40
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Alters- und
H
interlassenenversicherung
[AHVG]). Denn das Wartejahr könnte nach dem vorstehend Dargelegten frühestens
im Oktober 2018 zu laufen begonnen haben und damit frühestens
im September 2019 bestan
den worden sein. Die Frage nach dem Bezug einer Altersrente ist in den vorhan
denen Unterlagen allerdings nicht abschliessend dokumentiert, weshalb die Sache nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids an die B
eschwerdegegnerin zu überweisen
ist,
damit diese
prüfe, ob und gegebenenfalls ab welchem Zeitpunkt die Beschwerdeführerin eine AHV-Rente bezieht, und je nach Ergebnis gegebe
nenfalls weitere medizinische Abklärungen im Hinblick auf den Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung treffe.
9.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die
unterliegende Beschwerdeführerin
kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 600.--
festzusetzen.