Decision ID: ede1b7f1-cbb7-4741-a0b2-fc103565f0f1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung, vom 23. August 2018 (FV170053-L)
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Rechtsbegehren: (Urk. 2 S. 2)
„1. Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von Fr. 30'000.– nebst Zins von 5% ab dem 30.04.2010 zu bezahlen.
2. Der Beklagte 2 sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von Fr. 30'000.– nebst Zins von 5% ab dem 30.04.2010 zu bezahlen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.“
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung – Einzelgericht, vom 23. August 2018:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 6'350.– festgesetzt.
3. Die Gerichtskosten des vorliegenden Verfahrens werden dem Kläger aufer-
legt und mit dem geleisteten Vorschuss verrechnet.
4. Der Kläger wird verpflichtet, den Beklagten 1 und 2 für die anwaltliche Ver-
tretung eine Parteientschädigung von je Fr. 4'740.– (an den Beklagten 2
zuzüglich 8.0% Mehrwertsteuer auf Fr. 3'950.– und 7.7% Mehrwertsteuer
auf Fr. 790.–) zu bezahlen.
(5./6. Mitteilungen, Rechtsmittelbelehrung)
Berufungsanträge:
Des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 58 S. 2):
„1. Es sei der Entscheid des Bezirksgerichts Zürich vom 23. August 2018
(FV170053-L/Ue) folgendermassen abzuändern:
Ziff. 1. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, dem Berufungskläger
den Betrag von Fr. 30‘000,-- nebst Zins von 5 % ab dem 30.04.2010 zu bezahlen.
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Ziff. 2. Die Gerichtskosten seien anteilsmässig dem Berufungsbeklagten aufzuerlegen.
Ziff. 3. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten dem Berufungskläger eine Parteientschädigung auszurichten.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zu Lasten des Beru-
fungsbeklagten.“
Des Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 70 S. 2):
„(D)ie Klage und die Berufung seien abzuweisen, unter Kosten- und  (zuzüglich Mehrwertsteuer) für das Verfahren vor beiden  zulasten des Klägers und Berufungsklägers.“

Erwägungen:
I.
Am 30. April 2010 ereignete sich bei Arbeiten an der Liegenschaft ... [Adres-
se] ein Arbeitsunfall. Der Kläger stürzte bei seiner Tätigkeit als Elektromonteur
von einer Bockleiter aus einer Höhe von ca. 2.41 Metern auf den Boden, wobei er
sich diverse Verletzungen, u.a. ein Schädel-Hirntrauma sowie Verletzungen der
rechten Hand und des linken Ellbogens, zuzog. Der Kläger war bei der D._
AG (vormals Beklagte 1) angestellt. Der Beklagte 2 (fortan „Beklagter“) stand im
Zeitpunkt des Unfallereignisses bei der D._ AG im ersten Lehrjahr als Elekt-
roinstallateur. Er war beim Unfallgeschehen insofern beteiligt, als er zunächst
selbst versucht hatte, die anstehende Arbeit (Entfernen von Dübeln aus Plastik-
rohren, sog. „Ausdübeln“) vorzunehmen, und dem auf der Leiter stehenden Klä-
ger unmittelbar vor dem Sturz einen für die Verrichtung der Arbeit geeigneten
Schraubenzieher gereicht hatte.
Der Kläger hatte vor Vorinstanz mit Teilklagen beantragt, die D._ AG
und der Beklagte seien (als einfache Streitgenossen) zu verpflichten, ihm als Ge-
nugtuung Fr. 30‘000.– zu bezahlen. Die Vorinstanz wies beide Rechtsbegehren
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ab. Die Klageabweisung gegenüber der D._ AG wurde vom Kläger nicht an-
gefochten und ist nicht Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens. Ge-
genüber dem Beklagten machte der Kläger sowohl eine Haftung aus Delikt (Art.
41 OR) als auch aus Gefälligkeit in analoger Anwendung von Art. 422 Abs. 1 OR
geltend. Im Berufungsverfahren hält der Kläger einzig an der Gefälligkeitshaftung
als Anspruchsgrundlage fest.
II.
Der Kläger hatte das Verfahren am 27. Oktober 2016 bei der Vorinstanz an-
hängig gemacht (Urk. 1). Der weitere Prozessverlauf vor Vorinstanz kann dem
angefochtenen Urteil entnommen werden (Urk. 59 S. 2 ff.). Gegen das am
23. August 2018 gefällte Urteil hat der Kläger hinsichtlich des Beklagten mit Beru-
fungsschrift vom 7. November 2018 rechtzeitig Berufung erhoben (Urk. 58). Der
Kläger hat einen Kostenvorschuss von Fr. 3‘950.– geleistet (Urk. 65). Die Beru-
fungsantwortschrift datiert vom 21. Februar 2019 (Urk. 70). Der Kläger hat mit
Eingabe vom 11. März 2019 unaufgefordert eine Stellungnahme zur Berufungs-
antwort eingereicht, welche dem Beklagten zur Kenntnisnahme zugestellt wurde
(Urk. 74). Das Verfahren ist spruchreif.
III.
1. Mit der Berufung kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch
die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310
ZPO). In der Berufungsschrift sind die Behauptungen bestimmt und vollständig
aufzustellen. Zudem muss sie – im Gegensatz zur Klageschrift – nicht nur eine
tatsächliche, sondern auch eine rechtliche Begründung enthalten (Reetz/Theiler,
in: Sutter-Somm et al., ZPO Komm., Art. 311 N 36). Der Berufungskläger hat mit-
tels klarer und sauberer Verweisungen auf die Ausführungen vor der Vorinstanz
zu zeigen, wo er die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen
und Einreden erhoben hat. Die Parteien haben die von ihnen kritisierten Erwä-
gungen des angefochtenen Entscheids wie auch die Aktenstücke, auf die sie ihre
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Kritik stützen, genau zu bezeichnen (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 4A_580/2015
vom 11.04.2016, E. 2.2 [nicht publiziert in BGE 142 III 271]). Was nicht in einer
den gesetzlichen Begründungsanforderungen genügenden Weise beanstandet
wird, braucht von der Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden. Es ist näm-
lich nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, die Akten und die Rechtsschriften der
Vorinstanz zu durchforsten, um festzustellen, was welche Partei wo ausgeführt
hat. Damit ist gesagt, dass die Berufungsschrift weder eine pauschale Verwei-
sung auf die bei der Vorinstanz eingereichten Rechtsschriften noch eine neuerli-
che Darstellung der Sach- oder Rechtslage enthalten darf, welche nicht darauf
eingeht, was vor der Vorinstanz vorgebracht worden ist. Pauschale Verweisungen
auf die vor der Vorinstanz eingebrachten Rechtsschriften sind namentlich dann
unzulässig, wenn sich die Vorinstanz mit den Ausführungen des Berufungsklägers
auseinandergesetzt hat. Stützt sich der angefochtene Entscheid auf mehrere
selbständige Begründungen, muss sich der Berufungskläger in der Berufungs-
schrift mit allen Begründungen auseinandersetzen. Das Gleiche gilt im Falle von
Haupt- und Eventualbegründung. Auch hier muss sich der Berufungskläger mit
beiden Begründungen auseinandersetzen (Hungerbühler/Bucher, DIKE-Komm-
ZPO, Art. 311 N 42 f.). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist das Beru-
fungsgericht nicht gehalten, von sich aus wie eine erstinstanzliche Gerichtsbehör-
de alle sich stellenden tatsächlichen und rechtlichen Fragen zu untersuchen,
wenn keine entsprechenden Rügen der Parteien vor der zweiten Instanz vorlie-
gen. Abgesehen von offensichtlichen Mängeln hat sich das Berufungsgericht
grundsätzlich auf die Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort ge-
gen das erstinstanzliche Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken. Die
Rügen der Parteien geben mithin das Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz
vor; der angefochtene Entscheid ist grundsätzlich nur auf die gerügten Punkte hin
zu überprüfen. In rechtlicher Hinsicht ist das Berufungsgericht, in Anwendung des
Grundsatzes iura novit curia, bei dieser Prüfung jedoch weder an die Erwägungen
der ersten Instanz noch an die Argumente der Parteien gebunden. In tatsächlicher
Hinsicht ist es nicht an die Feststellungen des erstinstanzlichen Gerichts gebun-
den, auch wenn mangels entsprechender Sachverhaltsrügen der Parteien im Be-
rufungsverfahren der erstinstanzliche Entscheid nach dem Gesagten in der Regel
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als Grundlage des Rechtsmittelverfahrens dient (BGE 144 III 394 E. 4.1.4
m.w.H.).
2. Wer sich auf neue Tatsachen beruft (Art. 317 Abs. 1 ZPO), hat zu sub-
stantiieren und zu beweisen, dass er die entsprechenden Noven unverzüglich
nach ihrer Entdeckung vorgebracht hat und dass er sie trotz Anwendung zumut-
barer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz hat vorbringen können (Reetz/Hilber,
in: Sutter-Somm et al., ZPO Komm., Art. 317 N 34).
Vorab unzulässig – wenn auch irrelevant für das vorliegende Verfahren – ist
die neue Behauptung des Klägers, sämtliche Mitarbeiter der D._ AG seien
grundsätzlich durch eine Betriebshaftpflichtpolice bei der E._ Versicherungs-
Gesellschaft gegen ausservertragliche Haftpflichtansprüche mitversichert Urk. 58
S. 3).
IV.
A. Haftung
1. Der Kläger hatte vor Vorinstanz zum Unfallhergang zusammengefasst
ausgeführt, der Beklagte habe wegen seiner Körpergrösse das „Ausdübeln“ von
der Leiter aus nicht erfolgreich durchführen können, sei daher zum deutlich grös-
seren Kläger gegangen und habe ihn gebeten, diese Arbeit zu übernehmen. Der
Kläger sei dann mit gespreizten Beinen links und rechts auf den zweitobersten
Leitersprossen gestanden, während der Beklagte die Leiter links und rechts mit
der Hand fixiert habe. Als er realisiert habe, dass der ihm vom Beklagten überge-
bene Schraubenzieher für die Arbeit ungeeignet gewesen sei, habe er dem Be-
klagten aufgetragen, einen passenden Schraubenzieher zu holen. Als der Beklag-
te mit dem Schraubenzieher zurückgekommen sei, sei er auf der Leiter drei
Sprossen emporgestiegen, während er, der Kläger, auf den zweitobersten Spros-
sen stehengeblieben, in die Knie gegangen sei und die Hand ausgestreckt habe,
um den Schraubenzieher entgegenzunehmen. Der Beklagte sei nach der Über-
gabe auf den Boden zurückgekehrt, worauf die Leiter gewankt habe. Der Kläger
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habe versucht, sich durch einen Absprung von der wankenden bzw. kippenden
Leiter zu retten, was ihm nicht gelungen sei: Er habe sich dabei in/an den Leiter-
sprossen verheddert, sei praktisch kopfvoran hinabgestürzt und habe auf dem
Boden aufgeschlagen. Der Beklagte habe noch versucht, sich gegen die Leiter zu
sperren, habe aber den Fall des Klägers nicht mehr verhindern können (Urk. 2
S. 6 ff.; Urk. 59 S. 6 f.).
Dieser Darstellung widersprach der Beklagte vor Vorinstanz nur in einem
Punkt: Nachdem er festgestellt habe, dass er aus seiner Position – unter der dritt-
obersten Sprosse stehend – den Verschluss des Plastikrohrs nicht habe erreichen
können, habe er den in seiner Nähe tätigen Kläger informiert, dass die Leiter zu
klein sei, und sei davon ausgegangen, sie würden nun gemeinsam die grössere
Bockleiter aus dem Innenraum des Gebäudes holen. Zu seiner Überraschung ha-
be der Kläger erklärt, er würde diesen kleinen Handgriff gleich rasch selbst erledi-
gen (Urk. 17 S. 6 f.; Urk. 59 S. 11).
Im Hinblick auf die Billigkeitshaftung analog zur Geschäftsführung ohne Auf-
trag (Art. 422 Abs. 1 OR) machte der Kläger vor Vorinstanz geltend, auch wenn er
und der Beklagte beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt gewesen seien, habe für
den Kläger keine Verpflichtung bestanden, seine eigene Arbeit liegenzulassen
und diejenige des Beklagten zu erledigen. Der Kläger hätte den Beklagten um
Geduld bitten oder auf einen Kollegen verweisen können. Der gutmütige und kol-
legial eingestellte Kläger habe sich jedoch nicht zweimal bitten lassen und habe
die Aufgabe des Beklagten übernommen. Das Verhalten des Klägers sei als Ge-
fälligkeit zu qualifizieren (Urk. 2 S. 16 f.).
2. Die Vorinstanz erwog zur Billigkeitshaftung, Art. 422 Abs. 1 OR komme
zum Zug, wenn jemand eine Geschäftsbesorgung übernehme, die durch das Inte-
resse des Geschäftsherrn geboten sei. Es erscheine fraglich, ob der Kläger die
Geschäftsführung wirklich im Interesse des Beklagten übernommen habe. Zwar
erscheine die Formulierung des Beklagten, wonach er die Übernahme der Tätig-
keit durch den Kläger gar nicht gewollt habe, da ihm so ein Zugewinn an Erfah-
rung entgangen wäre, als doch eher lebensfremd. Umgekehrt sei es aber auch
nicht so, dass der Beklagte der eigentliche Profiteur von der Arbeitsübernahme
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durch den Kläger gewesen sei. Vielmehr habe die Arbeitsübernahme durch den
Kläger – wie generell alle Arbeiten des Klägers auf der Baustelle und generell
auch alle zur Arbeitserledigung notwendigen Abmachungen zwischen den einzel-
nen Arbeitern – der D._ AG gedient. Diese sei es nämlich, welche ein Inte-
resse daran gehabt habe, dass die Arbeiten auf der Baustelle so schnell und so
effizient wie möglich vorgenommen würden, und diese sei es, welche wirtschaft-
lich davon profitiere, wenn eine Arbeit besonders schnell erledigt werden könne.
Gegenüber der D._ AG habe der Kläger aber nicht ohne Auftrag gearbeitet,
sondern im Gegenteil im Rahmen eines Arbeitsvertrages, weshalb die entspre-
chenden rechtlichen Regelungen zur Anwendung gelangen würden. Aus densel-
ben Gründen komme hier auch nicht die "Birnbaum-Praxis" des Bundesgerichts
[vgl. BGE 61 II 95] zur Anwendung. Der Kläger habe nicht als Altruist, sondern als
Arbeitnehmer der D._ AG gehandelt. Abgesehen davon wäre selbst im ge-
genteiligen Fall keine Genugtuung zu Lasten des Beklagten zuzusprechen, denn
eine solche erschiene ohnehin als unbillig; wenn schon erschiene eine Genugtu-
ungspflicht der D._ AG – welche die eigentliche Profiteurin einer schnellen
Arbeitserledigung gewesen sei – als billig, wobei aber für eine solche Billigkeits-
haftung keine gesetzliche Grundlage bestehe (Urk. 59 S. 32 f.).
In Bezug auf den Beklagten komme hinzu, dass Art. 422 OR auch deshalb
nicht anwendbar sei, weil keine Geschäftsführung ohne Auftrag vorgelegen habe.
Ganz im Gegenteil mache der Kläger ja selber geltend, dass er vom Beklagten
darum gebeten worden sei, die Arbeit des „Ausdübelns“ zu übernehmen. Wenn
nun aber eine Bitte vorliege, eine Arbeit zu übernehmen, so erfolge diese Arbeits-
übernahme nicht "ohne Auftrag". Daran vermöge auch der Umstand nichts zu än-
dern, dass der Kläger (angeblich oder tatsächlich) nicht verpflichtet gewesen sei,
die Arbeit zu übernehmen. Denn die Geschäftsführung ohne Auftrag zeichne sich
nicht dadurch aus, dass der Geschäftsführer eine Tätigkeit ohne Verpflichtung
übernehme, sondern vielmehr dadurch, dass er sie ohne Veranlassung durch den
Geschäftsherrn übernehme. Genau dies sei hier aber nicht der Fall, sei die Ar-
beitsübernahme doch unstreitig auf Veranlassung des Beklagten erfolgt, auch
wenn der genaue Wortlaut der Veranlassung umstritten sei. Wenn schon käme
eine Haftung gemäss der "Birnbaum-Praxis" in Frage, wobei aber auch dies nicht
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der Fall sei, da der Kläger für seine Tätigkeit auf der Baustelle bezahlt gewesen
sei – wenn auch durch die D._ AG und nicht den Beklagten und wenn auch
nicht separat für jeden einzelnen Arbeitsschritt –, weshalb er seine Handlungen
auf der Baustelle im Rahmen seiner Aufgabe als Arbeitnehmer und nicht im Rah-
men eines altruistischen Engagements vorgenommen habe (Urk. 59 S. 33 f.).
3. a) Der Kläger rügt in seiner Berufungsschrift, die Vorinstanz habe das
Tatbestandselement des Interesses des Geschäftsherrn rein ökonomisch ausge-
legt. Der Beklagte habe sehr wohl ein eigenes Interesse gehabt, den Kläger um
Hilfe zu bitten. Er beschreibt dazu folgende Interessenlagen (Urk. 58 S. 8 ff.):
- Es sei ein menschliches und nachvollziehbares Verhalten, nicht zum Vorge-
setzten (i.e. Bauleiter F._) zu gehen und um Hilfe zu bitten, wenn eine
Aufgabe nicht erfüllt werden könne. Der Beklagte hätte das Problem selber
lösen können, indem er in die Mehrzweckhalle gegangen wäre, wo F._
und der Kläger mit einer offenbar passend langen Leiter hantiert hätten, und
hätte darum bitten können, diese Leiter borgen zu dürfen. Erweise sich ein
Lehrling tendenziell als unbeholfen, weil er wegen jedem unvorhergesehe-
nen Problem den Vorgesetzten oder Lehrlingsbetreuer beiziehe, werde sich
dies in seiner Mitarbeiter- bzw. Lehrlingsbeurteilung negativ niederschlagen.
- Das gesamte Team habe sich am Vormittag des Unfalltags in Eile befunden,
da F._ rechtzeitig zu Mittag habe daheim sein wollen. Der Beklagte ha-
be daher ein handfestes Interesse gehabt, den von ihm nicht erfüllten Auf-
trag durch den Kläger rasch und unkompliziert erledigen zu lassen, um nicht
das gesamte Team von einem rechtzeitigen Aufbruch in die Mittagspause
oder gar ins Wochenende abzuhalten.
- Es sei notorisch, dass die Arbeit auf Leitern stark gefahrenträchtig sei. Der
Beklagte habe daher ein immanentes Interesse daran gehabt, diese gefähr-
liche Arbeit durch den Kläger ausführen zu lassen.
- Wäre der Auftrag unerledigt geblieben oder hätte der Beklagte den Baustel-
lenleiter oder weitere Kollegen involvieren müssen, so sei anzunehmen,
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dass dies zu einem nachteiligen Bild des Beklagten im Team geführt hätte,
indem man ihm künftig wenig(er) zugetraut oder ihn als unbeholfen wahrge-
nommen hätte.
Diese – teilweise hypothetischen und vom Beklagten bestrittenen (Urk. 70
S. 6 f.) – Tatsachenbehauptungen wurden weitestgehend erstmals im Berufungs-
verfahren aufgestellt und sind daher unbeachtlich; der Kläger unterlässt denn
auch entsprechende Hinweise auf die Vorakten (s. vorn E. III/2). Einzig die Be-
hauptung, das gesamte Team habe sich am Vormittag des Unfalltags in Eile be-
funden, da F._ rechtzeitig zu Mittag habe daheim sein wollen, wurde bereits
vor Vorinstanz – wenn auch in anderem Zusammenhang – erhoben (Replik {= Urk
25} S. 3 und nicht Klageschrift, wie der Kläger fälschlicherweise zitiert {Urk. 58 S.
9 Rz 18.2}). Das Vorbringen ist aber nicht nur mit dieser einen Ausnahme verspä-
tet, sondern auch unsubstantiiert. So bleibt offen, ob der Beklagte schon wieder-
holt andere Mitarbeiter bei Arbeiten, welche er selber hätte erledigen können, um
Hilfe ersucht hat, woraus sich erst eine negative Beurteilung für ihn hätte ergeben
können. Ebenso wenig macht der Kläger Angaben über den zeitlichen Umfang
der vom Beklagten zu verrichtenden Arbeiten, so dass nicht beurteilt werden
kann, ob die beabsichtigte Hilfeleistung des Klägers bei seinem Tagespensum
und der behaupteten Eile überhaupt ins Gewicht gefallen wäre. Die Behauptung,
der Beklagte habe ein immanentes Interesse gehabt, die Arbeit auf der Leiter dem
Kläger zu überlassen, weil Arbeit auf Leitern stark gefahrenträchtig sei, erfolgt
ebenfalls ohne jegliche Konkretisierung und zudem ohne Beweisofferte. Die Ar-
beit auf Leitern gehört zum Berufsalltag des Elektroinstallateurs, ansonsten nicht
schon in der Ausbildung grosses Gewicht auf die richtige Handhabung gelegt
würde (vgl. Urk. 19/2). Es ist keineswegs notorisch, dass Lehrlinge wegen des
Gefahrenpotentials ein generelles Interesse daran haben, Arbeiten auf Leitern
andern Mitarbeitern zu überlassen. Dass es beim Beklagten so war, als er den
Auftrag des „Ausdübelns“ erhielt, bleibt unbewiesen.
Wenn man von der klägerischen Darstellung zum Unfallhergang ausgeht,
bleibt es also dabei, dass der Beklagte den Kläger fragte, ob er das „Ausdübeln“
übernehmen könne, weil der Beklagte für diese Arbeit zu klein gewesen sei. Ein
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darüber hinausgehendes Interesse des Beklagten, dass der Kläger diese Arbeit
übernehme, wurde von diesem vor Vorinstanz nicht bzw. nicht rechtsgenügend
behauptet.
b) Art. 422 Abs. 1 OR bestimmt für die Geschäftsführung im Interesse des
Geschäftsherrn, dass dieser verpflichtet ist, den Schaden, welcher der Geschäfts-
führer durch die Geschäftsbesorgung erleidet, nach Ermessen des Richters zu
ersetzen. Es handelt sich um eine Kausalhaftung, weshalb ausreicht, dass der
Geschäftsführer im Rahmen der Geschäftsbesorgung und damit im Interesse des
Geschäftsherrn tätig geworden ist. Nicht nur das Handeln im Interesse eines an-
dern bildet den Haftungsgrund, sondern gegebenenfalls auch der Umstand, dass
sich der Geschäftsführer dabei in Gefahr begibt. Die Risikohaftung beruht auf
dem Prinzip, dass das Risiko schadensgeneigter, gefährlicher Tätigkeit von jenem
zu tragen ist, in dessen Interesse und zu dessen Nutzen sie ausgeführt wird (BGE
129 III 181 E. 4). Die echte berechtigte Geschäftsführung ohne Auftrag lässt ein
gesetzliches Schuldverhältnis entstehen. Sie besteht darin, dass jemand willent-
lich und ohne rechtsgeschäftliche oder gesetzliche Verpflichtung im Interesse ei-
nes andern tätig wird. Demgegenüber sind Gefälligkeiten Leistungen, die unent-
geltlich und uneigennützig sind und die ohne Rechtsbindungswillen erbracht wer-
den. Der Gefälligkeitsempfänger hat nach der zitierten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung analog den Bestimmungen zur Geschäftsführung ohne Auftrag
kausal für den Schaden des Gefälligkeitserbringers einzustehen (CHK-Jenny/
Maissen/Huguenin, OR 419 N 1 und 5, m.w.H.; BSK OR II-Weber, Art. 422 N 11).
Sowohl bei der (echten) Geschäftsführung ohne Auftrag wie auch bei der
Gefälligkeit muss sich die Tätigkeit auf eine fremde Angelegenheit beziehen, in
einen fremden Rechts- oder Interessenkreis eingreifen. Ein Geschäft ist fremd,
sobald es zur Interessensphäre einer andern Person gehört und nicht aus-
schliesslich den Rechtsbereich des Handelnden beschlägt (ZK OR-Schmid,
Art. 419 N 14). Im Vordergrund steht jeweils der Einsatz des Geschäftsführers
zugunsten des Geschäftsherrn. Die Früchte der Tätigkeit sollen – nach dem Wil-
len des Geschäftsführers – jenem zukommen (Lischer, Die Geschäftsführung oh-
ne Auftrag im schweizerischen Recht, Basler Studien zur Rechtswissenschaft,
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Bd. 20, Basel und Frankfurt am Main 1990, S. 27). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist die Unterscheidung zwischen Gefälligkeit und Geschäftsfüh-
rung ohne Auftrag von den Umständen des Einzelfalls abhängig, insbesondere
von der Art der erbrachten Leistung, deren Grundlage und Ziel, von deren öko-
nomischen und juristischen Bedeutung, den Umständen, unter welchen sie er-
bracht wurde, sowie von der Interessenlage der beteiligten Parteien. Es muss
insbesondere untersucht werden, ob die Tätigkeit durch objektive Interessen des
Geschäftsherrn geboten war, weil dieser sie nicht selber wahrnehmen konnte,
oder ob es bloss eine nützliche Handlung war, die der Geschäftsherr auch selber
hätte vornehmen oder vornehmen lassen können und die der Geschäftsführer aus
reiner Kulanz übernahm (BGer 4A_326/2008 vom 16.12.2008, E. 3.2).
c) Sowohl der Kläger als auch der Beklagte waren im Unfallzeitpunkt Arbeit-
nehmer der D._ AG und auf derselben Baustelle beschäftigt. Gemäss
Art. 321a Abs. 1 OR hat der Arbeitnehmer die berechtigten Interessen des Arbeit-
gebers in guten Treuen zu wahren. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, alles zu tun,
was den Erfolg, den sein Arbeitgeber aus der Arbeit des Arbeitnehmers ziehen
will, herbeiführt, und alles zu unterlassen, das diesen Erfolg hindert. Vorausge-
setzt ist dabei, dass dieser Erfolg dem Arbeitnehmer bekannt ist. Die Treuepflicht
deckt sich somit in ihrem Umfang mit der Arbeitspflicht. Arbeitet ein Arbeitnehmer
in einem Verband von Mitarbeitern, ergibt sich daraus die Verpflichtung zur Zu-
sammenarbeit innerhalb eines bestimmten Kreises des Betriebs. Sie gehört zur
Arbeitspflicht (Geiser, Die Treuepflicht des Arbeitnehmers und ihre Schranken,
Diss. Bern 1983, S. 61 und 63; Nawiasky, Die Betriebs- und Berufsgemeinschaft
als Rechtsproblem, in: Festgabe für den Schweizerischen Juristentag 1944,
St. Gallen 1944, S. 198).
Der Kläger macht im Berufungsverfahren geltend, er habe keinerlei Lehr-
lingsbetreuungsaufgaben gehabt. Vorgesetzter sei F._ gewesen (Urk. 58 S.
8). Es gebe keinen allgemein gültigen Grundsatz, dass ein Mitarbeiter einem an-
dern Mitarbeiter bzw. Lehrling umgehend zu Hilfe eilen müsse, wenn es von die-
sem verlangt werde. Als Arbeitnehmer und Mitglied eines Teams könne man
durchaus bis zu einem gewissen Grad Dienst nach Vorschrift machen, sich den
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Kollegen weniger oder mehr hilfsbereit erweisen (Urk. 58 S. 11). Dem wider-
spricht der Beklagte nach zum zuvor Gesagten zu Recht, wenn er ausführt, auf-
grund der arbeitsrechtlichen Treuepflicht sei der Kläger gehalten gewesen, dem
Lehrling beizustehen und diesen zu unterstützen, weshalb er eine arbeitsrechtli-
che Pflicht zu erfüllen gehabt habe (Urk. 70 S. 5). Die Früchte der klägerischen
Hilfeleistung wären der gemeinsamen Arbeitgeberin der Parteien, der D._
AG, zugekommen. Für die Annahme einer blossen Gefälligkeit gegenüber dem
Beklagten bleibt damit kein Raum; dieser haftet nicht, weil er den Kläger bei der
Erfüllung der Arbeitspflicht um Unterstützung bat (vgl. für die Betriebsgruppe Vi-
scher/Müller, Der Arbeitsvertrag, SPR VII/4, 4. A., Basel 2014, S. 121 Rz 66 f.).
Dass es sich um eine Geschäftsführung ohne Auftrag zugunsten des Beklagten
gehandelt habe, behauptet der Kläger zu Recht nicht.
B. Verjährung
1. Der Beklagte hatte bereits vor Vorinstanz die Verjährungseinrede erhoben
(Urk. 34 S. 14; Urk. 59 S. 19) und hält im Berufungsverfahren an dieser fest. Die
Vorinstanz hat die Frage offengelassen (Urk. 59 S. 34). Der Beklagte verweist da-
rauf, dass Ansprüche aus Geschäftsführung ohne Auftrag gestützt auf Art. 60 OR
ein Jahr nach Kenntnis des Schadens verjähren würden. Die Kenntnis des Scha-
dens liege vor, wenn dieser in groben Zügen geschätzt werden könne. Wenn der
Schaden darin bestehe, dass die bisherige Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden
könne, so beginne die Verjährung zum Zeitpunkt der Kenntnis der Notwendigkeit
des Berufswechsels. Die Rentenfestlegung durch den Sozialversicherer sei für die
verjährungsauslösende Kenntnis nicht entscheidend. Der stabilisierte medizini-
sche Zustand des Klägers habe seit dem letzten, anfangs 2012 durchgeführten
operativen Eingriff festgestanden. Spätestens im Juni 2013 sei dem Kläger auch
die Notwendigkeit eines Berufswechsels bekannt gewesen, wie dies im Schluss-
bericht vom 7. Juni 2013 zur am 22. Mai 2013 abgeschlossenen BEFAS-Abklä-
rung im ... festgehalten worden sei, so dass zu diesem Zeitpunkt die einjährige
Verjährungsfrist (zu laufen) begonnen habe. Am 19. November 2014, als erstmals
im Namen des Beklagten der Verzicht auf die Einrede der Verjährung erklärt wor-
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den sei, sei die Verjährung bereits eingetreten gewesen, worauf im entsprechen-
den Schreiben auch ausdrücklich hingewiesen worden sei (Urk. 70 S. 2 und 3).
2. Der Kläger beruft sich auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wo-
nach angesichts der Kürze der Verjährungsfrist kein allzu strenger Massstab an-
zusetzen sei und der Gläubiger je nach den Umständen des Einzelfalls eine ge-
wisse Zeit verstreichen lassen dürfe, um das endgültige Ausmass des Schadens
abschätzen zu können. Weiter müsse der Gläubiger die einzelnen Schadenspos-
ten seines Gesamtschadens kennen, der erst feststehe, wenn das letzte Element
eingetreten sei. Bei einem Dauerschaden wie vorliegend sei dies der Zeitpunkt
des Rentenentscheids der Invaliden- oder der UVG-Versicherung. Die IV habe bis
heute nicht rechtskräftig entschieden, ob mindestens teilweise eine unfallkausale
Invalidität vorliege. Die IV habe berufliche Massnahmen aufgenommen, welche
Ende April 2014 abgeschlossen worden seien. Per 1. Mai 2014 habe der Kläger
die behinderungsangepasste Tätigkeit bei der Firma G._ AG antreten kön-
nen – unfallbedingt allerdings nur in einem Teilpensum –, welche er heute noch
ausübe. Am 21. August 2015 habe die IV verfügt, dass der Kläger keinen Ren-
tenanspruch habe. Die dagegen erhobene Beschwerde habe das kantonale Ver-
sicherungsgericht gutgeheissen und die IV verpflichtet, weitere Abklärungen vor-
zunehmen (Urk. 74 S. 2 f.; Urk. 25 S. 14).
3. Unbestritten ist, dass ein allfälliger Genugtuungsanspruch des Klägers in
einem Jahr von dem Tage hinweg verjährt, wo er Kenntnis vom Schaden und von
der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat (Art. 60 Abs. 1 OR). Der Gläubiger
kennt den Schaden genügend, wenn er mit Bezug auf sein Vorhandensein, seine
Natur und seine Elemente die zur Begründung einer gerichtlichen Klage geeigne-
ten Umstände erfährt; dem Gläubiger ist es nicht erlaubt, seine Klage bis zum
Zeitpunkt hinauszuschieben, in dem er den absolut genauen Umfang seines
Nachteils kennt, denn der Schaden – auch ein künftiger – kann gemäss Art. 42
Abs. 2 OR geschätzt werden (BGE 131 III 61 E. 3.1.1; BGer 4A_454/2010 vom
06.01.2011, E. 3.1; 5A_86/2017 vom 13.06.2018, E. 2.3; 2C_245/2018 vom
21.11.2018, E. 7.3). Bei Körperverletzungen sind im Hinblick auf die Verjährung
die Heilungs- und Spitalaufenthaltskosten, der vorübergehende Erwerbsausfall
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und der Invaliditätsschaden nicht separat zu betrachten (Prinzip des Gesamt-
schadens; BGer A_454/2010 vom 06.01.2011, E. 3.1 Abs. 5; BSK OR I-Däppen,
Art. 60 N 7; BK OR-Brehm, Art. 60 N 29). Bei Invalidität liegt genügende Kenntnis
vor, wenn der Invaliditätsgrad feststeht, in der Regel spätestens mit dem Renten-
entscheid des Unfallversicherers. Die Höhe der Leistungen des Unfallversicherers
muss aber nicht endgültig bekannt sein (BGer 2C_707/2010 vom 15.04.2011,
E. 4.4; BK OR-Brehm, Art. 60 N 41, 43 und 45).
Der Beklagte stützt sich für die Kenntnis des Schadens auf den Schlussbe-
richt BEFAS vom 7. Juni 2013 (Urk. 35). Unbestritten blieb, dass der stabilisierte
medizinische Zustand des Klägers seit dem letzten, anfangs 2012 durchgeführten
Eingriff feststand. Der Kläger hat zudem nicht bestritten, im Berichtszeitpunkt ge-
wusst zu haben, dass er seine bisherige Tätigkeit nicht mehr würde ausüben kön-
nen (Urk. 74 S. 2). Weiter heisst es im BEFAS-Bericht, dass dem Kläger unter op-
timal behinderungsangepassten Arbeitsverhältnissen ein uneingeschränktes Ar-
beitszeitpensum zugemutet werden könne (Urk. 35 S. 11). Gemäss Brehm, den
der Beklagte zitiert, beginnt die Verjährung frühestens zu laufen, wenn über die
Notwendigkeit eines Berufswechsels Gewissheit besteht (BK OR-Brehm, Art. 60
N 39). Diese Gewissheit bestand aufgrund der BEFAS-Abklärung. Laut Schluss-
bericht wurde initial eine ca. 70 %ige Gesamtarbeitsleistung erwartet. Unter all-
mählicher Gewöhnung an arbeitsspezifische behinderungsgerechte Arbeitsbelas-
tungen sollte im Verlauf die Gesamtarbeitsleistung gegen 80 bis 100 % ange-
strebt werden können, was im Rahmen des vorgesehenen einjährigen Praktikums
als Elektroplaner in Abhängigkeit vom weiteren Verlauf zu konkretisieren sein
werde (Urk. 35 S. 11). Damit war der Schaden zufolge Berufswechsels und allen-
falls leicht eingeschränkter Erwerbsfähigkeit dem Kläger in groben Zügen bekannt
(vgl. BK OR-Brehm, Art. 60 N 41). Zudem hatte sich der Gesundheitszustand sta-
bilisiert, weshalb auch die Grundlagen für die Bezifferung des weiteren Schadens
und einer Genugtuung vorhanden waren. Auch wenn der Rentenentscheid oft die
entscheidende Information für die Kenntnis des Schadens liefert, löst nicht erst
die Mitteilung des Entscheids systematisch die relative Verjährungsfrist aus (BGer
4A_136/2012 vom 18.07.2012, E. 4.2 Abs. 3 und E. 4.3; 4A_499/2014 vom
28.01.2015, E. 3.2). Dies ist vorliegend der Fall. Die Verjährung des eingeklagten
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Anspruchs war daher im Laufe des Juni 2014 und insbesondere im Zeitpunkt, als
die involvierte Versicherungsgesellschaft E._ namens des Beklagten den
Verzicht auf Erhebung der Verjährungseinrede erklärte, eingetreten. Gemäss
Verzichtsschreiben vom 19. November 2014 erfolgte der Verzicht unter der Vor-
aussetzung, dass die Verjährung nicht bereits eingetreten sei (Urk. 27/21). Die
Verjährungseinrede wurde somit gültig erhoben.
4. Der eingeklagte Anspruch besteht wegen der eingetretenen Verjährung
und mangels Haftung nicht. Die Vorinstanz hat die Klage zu Recht abgewiesen.
Die Berufung ist daher abzuweisen und das angefochtene Urteil zu bestätigen.
V.
Ausgangsgemäss wird der Kläger für das zweitinstanzliche Verfahren kos-
ten- und entschädigungspflichtig. Bei der Parteientschädigung ist antragsgemäss
ein Zuschlag für die Mehrwertsteuer (7,7 %) vorzunehmen.