Decision ID: c049cd53-558c-5254-93e7-0b4fd68e8c12
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ leidet an einem Angelman-Syndrom (Geburtsgebrechen Ziff. 390, IV-act. 45,
67, 69). Im November 2013 wurde sie durch ihre Eltern bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 1). Zur Abklärung des Anspruchs auf eine
Hilflosenentschädigung und einen Intensivpflegezuschlag fand am 17. März 2015 eine
Abklärung an Ort und Stelle statt. Im Bericht vom 20. April 2015 hielt die
Abklärungsperson fest (IV-act. 58), die Versicherte benötige Hilfe bei der Fortbewegung
(in der Wohnung, im Freien, zur Pflege gesellschaftlicher Kontakte), beim Essen
(Zerkleinern und Eingeben der Nahrung), beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen
(Positionswechsel, Klettern auf und von Stuhl), bei der Notdurft (Wechseln der Windeln)
und beim An-/Auskleiden (komplett auf Dritthilfe angewiesen). Mit einer Verfügung vom
4. Juni 2015 (IV-act. 61) sprach die IV-Stelle der Versicherten für die Zeit vom
1. Februar 2014 bis 31. März 2015 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades und ab
dem 1. April 2015 eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades zu. Zur Begründung
gab sie an, die Versicherte sei im Vergleich zu einem gleichaltrigen, nicht behinderten
A.a.
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Kind seit November 2012 im Bereich der Fortbewegung und seit Februar 2013 im
Bereich des Essens auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen. Nach
Ablauf des Wartejahrs bestehe somit ab Februar 2014 ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades. Die Verrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen
könne ab April 2013 und die Verrichtungen An- und Auskleiden sowie Notdurft könnten
ab Januar 2015 berücksichtigt werden. Eine Erhöhung der Hilflosenentschädigung
erfolge drei Monate nach der Zunahme der Hilflosigkeit und damit per April 2015. Ein
Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag bestehe nicht, da der behinderungsdingte
Mehraufwand weniger als vier Stunden pro Tag betrage. Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
Dr. med. B._, Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 10. Dezember 2015 im
Zusammenhang mit einer Abklärung betreffend eine Kostengutsprache für eine
ambulante Physiotherapie (IV-act. 83), die Versicherte weise motorisch und psychisch
einen Entwicklungsrückstand aus. Sie benötige ununterbrochen eine Betreuung. Die
kognitiven Einschränkungen und der motorische Entwicklungsrückstand wirkten sich
gegenseitig negativ aus. Am 23. Januar 2018 berichtete Dr. med. C._ von der
Kinderklinik des Kantonsspitals D._ im Zusammenhang mit einer Verlängerung der
Kostengutsprache für die Physiotherapie (IV-act. 140), die Versicherte gehe frei. Auf
ebenem Gelände sei sie noch leicht unsicher. Auf unebenem Gelände weise sie eine
deutliche Gangunsicherheit auf und benötige häufig Hilfe. Die Trizepsmuskulatur sei
verkürzt. Sie könne nicht altersentsprechend weitere Strecken laufen und benötige
noch viel Unterstützung, auch im motorischen Bereich.
A.b.
Nachdem die Versicherte das sechste Altersjahr erreicht hatte, leitete die IV-Stelle
ein Verfahren zur Revision der Hilflosenentschädigung ein (vgl. IV-act. 156). Die Mutter
der Versicherten gab im Fragebogen am 9. Mai 2018 an (IV-act. 148), der
Gesundheitszustand der Versicherten sei gleich geblieben. Die Versicherte benötige in
sämtlichen alltäglichen Lebensverrichtungen Unterstützung. Aufgrund eines akralen
Peeling-Skin-Syndroms mit Blasen an den Händen und Füssen bedürfe sie zudem
täglicher Pflege. Seit sie laufen könne, sei eine dauernde Überwachung erforderlich; sie
könne Gefahren nicht einschätzen. Die Mutter der Versicherten legte einen Bericht des
Z._ vom 22. Februar 2016 bei (IV-act. 149). Darin hatten die Fachärzte über die
Diagnose eines Acral Peeling Syndroms berichtet. Dr. C._ erstattete am 6. Juni 2018
A.c.
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einen Verlaufsbericht (IV-act. 155). Er gab im Wesentlichen an, die motorische
Entwicklung sei deutlich verzögert. Mittlerweile könne die Versicherte frei laufen. Der IQ
sei praktisch nicht messbar (vgl. auch einen Bericht von Dr. C._ vom 18. Mai 2018,
IV-act. 151, wonach die geistige Behinderung im Vordergrund stehe). Die Versicherte
müsse permanent überwacht werden, da sie keine Gefahren sehe. Sie sei ein Kind mit
Mehrfachbehinderung, das zeitlebens auf Unterstützung angewiesen sein werde.
Am 14. November 2018 fand zur Prüfung des Anspruchs auf eine
Weiterausrichtung der Hilflosenentschädigung eine Abklärung an Ort und Stelle statt
(vgl. IV-act. 161). Im Bericht vom 15. November 2018 hielt die Abklärungsperson fest
(IV-act. 164-9 ff.), im grobmotorischen Bereich hätten sich Verbesserungen ergeben.
Die Versicherte könne mittlerweile frei laufen und Transfers selbstständig durchführen.
Aufgrund der verminderten Kognition müsse sie jedoch stets begleitet werden. Seit sie
sich frei bewegen könne, müsse sie intensiver überwacht werde. Die Versicherte
spreche nicht, sondern gebe nur Laute von sich. Die grössten Herausforderungen seien
im Moment der Bewegungsdrang und die massiven Schlafprobleme. In der Nacht
bedürfe sie des ständigen Kontakts zur Mutter oder zum Vater. Es gebe nur selten
längere Schlafphasen und generell habe sie keinen regelmässigen Schlafrhythmus.
Beim An-/Auskleiden bestehe nach wie vor ein vollumfänglicher Hilfebedarf. Aufgrund
der ausgeprägten Einschränkungen habe noch keine Selbstständigkeit erreicht werden
können. Die Durchführung werde durch das Verhalten der Versicherten erschwert, weil
diese mit einzelnen Materialien Mühe habe. Der behinderungsbedingte Mehraufwand
betrage 20 Minuten pro Tag. Beim Aufstehen/ Absitzen/Abliegen bestehe kein
Hilfebedarf mehr. Die Versicherte habe in der Zwischenzeit gelernt, Positionswechsel
selbstständig durchzuführen. Sie könne alleine auf einen normalen Stuhl absitzen und
wieder aufstehen. Auch der Transfer ins Bett gelinge ihr selbstständig. Eine Hilfe mit
Gewichtsübernahme sei nicht notwendig. Beim Essen bedürfe sie nach wie vor der
Hilfe. Sie sei noch nicht in der Lage, sich die Speisen mit Messer und Gabel zu
zerkleinern. Auch bei bereits zerkleinerten Speisen habe sie Mühe beim Aufstechen mit
der Gabel oder beim Aufschöpfen mit dem Löffel. Sie versuche es und teilweise gelinge
es auch, teilweise müsse die Nahrung aber auch eingegeben werden. Der
behinderungsbedingte Mehraufwand betrage fünf Minuten pro Tag. Bei der
Körperpflege benötige sie ebenfalls Hilfe. Die Versicherte habe noch kein Verständnis
A.d.
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für Körperpflege und sei auf Führung angewiesen. Sie versuche Teilbereiche
selbstständig auszuführen, es gelinge ihr aber nicht zuverlässig. Sie bade sehr gerne.
Deshalb werde ihr dies fast jeden Tag geboten. Auch beim Baden sei sie aufgrund ihrer
Besonderheit auf vollumfängliche Hilfe angewiesen. Aufgrund eines Gendefekts habe
sie eine sehr empfindliche Haut, speziell an den Händen und Füssen. Hier sei sie
zusätzlich auf tägliche Pflege angewiesen. Dieser Aufwand werde unter der
Behandlungspflege berücksichtigt. Der behinderungsbedingte Mehraufwand betrage
21 Minuten pro Tag. Beim Verrichten der Notdurft bestehe nach wie vor ein
vollumfänglicher Hilfebedarf. Eine Selbstständigkeit habe sich noch nicht ergeben. Die
Versicherte sei immer noch auf Windeln angewiesen. Der behinderungsbedingte
Mehraufwand betrage 25 Minuten pro Tag. Die Versicherte könne sich alleine
fortbewegen. Aufgrund der geistigen Behinderung sei sie jedoch auf ständige
Begleitung angewiesen. Für die Kommunikation werde ein Talker eingesetzt. Eine
ausreichende Kontaktpflege sei aber klar nicht möglich. Die Versicherte benötige
deshalb Hilfe bei der Fortbewegung im Freien und bei der Pflege gesellschaftlicher
Kontakte. Ein behinderungsbedingter Mehraufwand sei nicht anrechenbar. Der
Mehraufwand für die Behandlungspflege betrage zehn Minuten pro Tag. Dieser werde
durch die Mutter der Versicherten erbracht. Der Mehraufwand für die Begleitung zu
Arzt- und Therapiebesuchen (jährliche Verlaufskontrolle in D._, die Therapien würden
in der Schule durchgeführt) betrage drei Minuten pro Tag. Die Versicherte bedürfe einer
persönlichen Überwachung. Seit sich die Versicherte frei bewegen könne, sei sie auf
eine 1:1 Betreuung angewiesen. Sie könne Gefahren nicht einschätzen und sich auch
nicht für eine gewisse Zeit alleine beschäftigen. Sie suche immer den Kontakt zur
Bezugsperson. Sie könne auch noch nicht alleine schlafen und habe grosse
Schwierigkeiten, durchzuschlafen. Damit die Abklärung habe durchgeführt werden
können, sei die Grossmutter der Versicherten vor Ort gewesen. Sonst hätte ein
ordentliches Gespräch nicht durchgeführt werden können. Der Mehraufwand für die
persönliche Überwachung betrage vier Stunden pro Tag. Insgesamt betrage der
Mehraufwand für die Intensivpflege fünf Stunden und 24 Minuten pro Tag. Der
Mehraufwand für die Körperpflege und die persönliche Überwachung sei ab Januar
2018 (Erreichen des sechsten Altersjahrs) anrechenbar.
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Die Mutter der Versicherten ergänzte den Abklärungsbericht am 28./29. November
2018 in folgenden Punkten (IV-act. 164-1 ff.): Die Versicherte könne nicht alleine auf
einen normalen Stuhl absitzen oder wieder aufstehen. Sie steige mit Hilfe auf den
Tripp-Trapp-Stuhl. Eine Hilfestellung sei immer nötig, da sie abrutschen oder das
Gleichgewicht verlieren könnte. Dasselbe gelte auch für das Sofa oder das Bett. Beim
Aufstehen halte sie sich an einem Gegenstand fest. Das freie Aufstehen gelinge nur ab
und zu. Kämen erschwerende Umstände hinzu, zum Beispiel ein unebener oder
weicher Untergrund, falle sie hin und könne nicht mehr alleine aufstehen. Sie könne
nicht alleine ins Auto oder in den Schulbus steigen. Ins Bett gehe sie nicht alleine und
sie bleibe nicht alleine dort liegen. In der Nacht erwache sie oft. Am Morgen stehe sie
aber nicht alleine auf. Bei der Abklärung vor Ort habe sie (die Mutter) klar darauf
hingewiesen, dass die Versicherte sich nicht selbstständig hinsetzen und aufstehen
könne. Sie sei bei den Transfers neben der Versicherten. Die Versicherte esse
mehrheitlich nicht selbstständig. Wenn sie hungrig sei, esse sie mit den Händen und
schlinge das Essen regelrecht hinunter. Dadurch verschlucke sie sich des Öfteren und
man müsse ihr den Teller wegziehen. Dies führe zu einem Oppositionsverhalten. Sie
(die Eltern) könnten kaum gleichzeitig essen. Der errechnete behinderungsbedingte
Mehraufwand sei zu gering, da sie (die Mutter) am Mittag und Abend weit über eine
Stunde mit der Versicherten am Esstisch sitze. Der Zeitaufwand für das Frühstück sei
korrekt. Die Versicherte bade gerne. Beim Baden müsse aber immer jemand anwesend
sein. Der Zeitaufwand von zehn Minuten für das Baden sei zu wenig. Die Versicherte
werde eingeseift, abgeduscht und abgetrocknet und die Haare müssten geföhnt
werden. Zudem sei sie nicht immer derselben Meinung wie die Mutter. Für ein Bad
müsse mindestens 20 bis 25 Minuten berechnet werden. Die Spielzeit sei dabei nicht
eingerechnet und werde bei der persönlichen Überwachung berücksichtigt. Bei der
Fortbewegung benötige sie Unterstützung. Beim Treppensteigen (im Wohnhaus) müsse
sie (die Mutter) immer hinterhergehen, um intervenieren zu können, falls die Versicherte
das Gleichgewicht verliere. Gefahren könne die Versicherte nicht abschätzen, sollte ein
Gegenstand, beispielsweise ein Spielzeug oder ein Blatt Papier, auf dem Boden liegen.
Sie könne der Gefahr nicht ausweichen, sondern stehe drauf und rutsche aus. Die
Versicherte habe jeweils am Mittwochnachmittag Hippotherapie. Diese werde nicht von
der Schule durchgeführt. Sie (die Mutter) fahre sie zu diesem Termin (15 Minuten Hin-
A.e.
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und Rückfahrt) und sei während der halbstündigen Therapie anwesend. Als Hilfsmittel
habe die Versicherte einen Reha-Buggy und seit Juli 2018 einen Talker.
Mit einem Vorbescheid vom 4. Dezember 2018 (IV-act. 166) stellte die IV-Stelle
eine unveränderte Hilflosenentschädigung mittleren Grades und neu einen
Intensivpflegezuschlag in Aussicht. Zur Begründung gab sie an, die Abklärungen hätten
ergeben, dass die Versicherte bis auf den Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen in
sämtlichen Bereichen auf wesentliche Hilfe angewiesen sei. Zudem seien die Kriterien
für eine besonders intensive Überwachung ausgewiesen. Der tägliche Mehraufwand für
Grund- und Behandlungspflege belaufe sich im Durchschnitt auf vier bis sechs
Stunden pro Tag. Die Ergänzungen zum Abklärungsbericht seien in den Entscheid
eingeflossen. Die Eltern der Versicherten wandten dagegen am 17. Januar 2019 ein (IV-
act. 170), ihre schriftlichen Ergänzungen zum Abklärungsbericht seien nicht
berücksichtigt worden. Sie wiederholten im Wesentlichen die Ausführungen vom
28./29. November 2018. Betreffend die alltägliche Lebensverrichtung Aufstehen/
Absitzen/Abliegen führten sie ergänzend aus, die Ausführungen im Abklärungsbericht,
wonach die Versicherte auf einen normalen Stuhl absitzen und wieder aufstehen könne,
entspreche nicht den Tatsachen. Die Versicherte müsse jeden Abend in den Schlaf
begleitet werden. Dies dauere in der Regel 45 bis 60 Minuten. Kinder mit dem
Angelmann-Syndrom hätten grosse Mühe mit Schlafen.
A.f.
Am 29. Januar 2019 teilte die IV-Stelle mit (IV-act. 171), dass sie weitere
Abklärungen tätigen werde. Die Kindergartenlehrerin der Versicherten von der
Tagesschule E._ berichtete am 1. März 2019 telefonisch (IV-act. 173), die Versicherte
gehe die ganze Woche ausser am Mittwochnachmittag in den Kindergarten. Sie werde
jeweils vom Schulbus abgeholt und nach Hause gefahren. Die Lehrkräfte holten die
Kinder beim Bus ab. In der Regel seien eine Lehr- und zwei Begleitpersonen
anwesend. Die Versicherte benötige beim Aussteigen Hilfe, indem man ihr die Hand
reiche und so aus dem Bus führe. Sie habe Mühe, alleine auszusteigen, da sie einen
schwachen Muskeltonus habe und bei grossen Tritten Unsicherheiten zeige. Der Weg
zum Kindergarten sei teilweise uneben. Je nach Tagesverfassung werde die
Versicherte an der Hand geführt. Im Wohnhaus führe eine Wendeltreppe zum
Kindergartenzimmer. Bei der Überwindung der Treppe werde sie immer begleitet.
Jemand laufe immer hinter ihr her oder nehme sie an der Hand. Wie häufig die
A.g.
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Versicherte in einer besseren oder weniger guten Verfassung sei, könne nur schwer
gesagt werden. Rückblickend könne beschrieben werden, dass sie mehrheitlich an der
Hand genommen werden müsse. Beim An-/Auskleiden benötige sie Schritt für Schritt
Anleitung. Verbale Anleitungen könnten ausreichend sein, damit sie die Jacke oder die
Schuhe ausziehe. Manchmal müssten Handlungen angefangen werden, zum Beispiel
das Öffnen oder Einfahren eines Reissverschlusses. Den Rest übernehme sie dann
selber. Wegen der Hauterkrankung trage die Versicherte Finkensocken. Diese müssten
ihr angezogen werden. In grosse Schuhe wie zum Beispiel Winterstiefel könne sie
alleine schlüpfen. Klettverschlüsse könne sie alleine zukleben, wegen Kraftmangels
aber nicht richtig zuziehen. Im Kindergarten seien Kindermöbel vorhanden. Die
Versicherte sitze alleine auf die kleinen Bänke ab und stehe ohne Hilfe wieder auf. Am
Mittagstisch habe sie einen Tripp Trapp. Der Transfer gelinge ihr mehrheitlich
selbstständig. Je nach Tagesverfassung benötige sie eine Handreichung zur
Unterstützung. Diese Hilfe sei jedoch geringer als die Hilfestellung aus dem Schulbus
heraus und in diesen hinein. Vom Tripp Trapp herunter komme sie selbstständig. Beim
Mittagessen würden die Kinder in der Regel von einer Lehrperson und zwei
Begleitpersonen kollektiv beaufsichtigt. Das Essen werde auf einem Küchenwagen aus
der Küche gefahren und auf den Tischen verteilt. Die Lehrpersonen schöpften dann die
Speisen. Für die Versicherte müsse das Essen immer zerkleinert werden. Wenn die
Versicherte etwas gerne habe und es sich von der Konsistenz her eigne, könne sie mit
der Gabel selber ein Stück aufnehmen und zum Mund führen. Der Umgang mit dem
Löffel falle ihr schwerer, weil sie beim Führen des Löffels zum Mund, je nach
Konsistenz der Speise, viel von der Ladung verliere. Ein Speziallöffel stehe zur
Verfügung. Grundsätzlich habe die Versicherte die Fähigkeit, mit Gabel und Löffel
selbstständig zu essen. Es würden viele Tricks angewendet, damit der Umgang mit
dem Löffel besser klappe (zum Beispiel Brot in die Suppe geben). Wenn sie etwas nicht
gerne habe oder sich aus einem anderen Grund weigere, werde versucht, ihr das
Essen einzugeben. Das Essen sei prinzipiell ein schwieriges Thema; die Versicherte sei
sehr heikel. In der Regel dauere ein Mittagessen im Durchschnitt ca. 15 Minuten. Die
Versicherte trage Windeln. Diese würden im Ablauf des Kindergartenalltags
gewechselt. In den Pausen würden die Lehrer mit den Kindern in der Regel nach
draussen gehen. Am Morgen gefalle es der Versicherten besser, weil weniger Kinder
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B.
draussen seien. Generell sei sie nicht so bewegungsfreudig. Meistens sitze sie auf einer
Bank. Die Kindergartenlehrperson unterzeichnete die Telefonnotiz am 13. März 2019.
Am 9. April 2019 verfügte die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheids (IV-act. 178),
dass die Versicherte ab 1. Januar 2018 bis 31. Januar 2024 unverändert Anspruch auf
eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades und ab 1. Januar 2018 neu
einen Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag bei einem behinderungsbedingten
Betreuungsaufwand von wenigstens vier Stunden habe. Zum Einwand hielt sie fest,
beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen sei die Versicherte nicht auf eine erhebliche Hilfe mit
Gewichtsübernahme angewiesen. Die Abklärungen hätten ergeben, dass die
Versicherte bei Transfers je nach der Tagesverfassung gewisse Handreichungen bzw.
Impulse erhalte oder begleitet werde. Hierbei handle es sich nicht um eine erhebliche
Hilfe. Dass die Versicherte nicht alleine gelassen werden könne, sei bei der
persönlichen Überwachung berücksichtigt worden. Beim Essen könne nur der effektive
zeitliche Aufwand für die Hilfe (Zerkleinern und Eingeben der Speisen) berücksichtigt
werden, die ein Kind behinderungsdingt benötige. In der Schule dauere das Essen
maximal 15 Minuten. Je nach Konsistenz der Speisen könne die Versicherte die
zerkleinerten Speisen selbst mit Löffel oder Gabel essen. Selbstverständlich gebe es
Familien, die beim Essen mehr Zeit benötigten. Dies begründe aber keinen
behinderungsbedingten Mehraufwand. Die Versicherte werde nicht täglich geduscht.
Sie bade gerne. Die Hilfestellungen beim Haare Waschen und Kämmen seien
altersentsprechend. Tatsachen, weshalb für die Versicherte im massgeblichen
Vergleich mehr als durchschnittlich zehn Minuten pro Tag für das Duschen benötigt
würden, lägen nicht vor.
A.h.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 27. Mai 2019 eine
Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der
Verfügung vom 9. April 2019 und die Zusprache einer Hilflosenentschädigung
schweren Grades und eines Intensivpflegezuschlages von mehr als sechs Stunden.
Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Ergänzend zu den Einwänden im
Vorbescheidverfahren machte sie im Wesentlichen geltend, unklar sei, woher die
B.a.
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Annahmen der Beschwerdegegnerin stammten, wonach die Beschwerdeführerin
gelernt habe, Positionswechsel selbstständig durchzuführen, allein auf einen normalen
Stuhl abzusitzen und wieder aufzustehen und den Transfer ins Bett selbstständig zu
bewältigen. Diese Angaben würden nicht mit den Angaben der Mutter der Versicherten
während des Abklärungsgesprächs übereinstimmen. Richtig sei, dass die
Beschwerdeführerin eine gewisse Selbstständigkeit bei den Positionswechseln erlangt
habe. Sie benötige jedoch weiterhin erhebliche Dritthilfe. Sie sei zwar ein sehr agiles
Mädchen, aber in ihren Bewegungen nicht sicher. Beim Absitzen auf den Tripp Trapp
benötige sie Hilfe, da die Wahrnehmung und die Stabilität eingeschränkt seien. Vor
allem wenn sie müde sei, benötige sie Dritthilfe. Sie werde dann unsicher und fahrig.
Dies führe zu vermehrten Stürzen, die zu einem erhöhten Verletzungsrisiko führen
würden, da sie keine Abwehrreaktionen habe. Der gewichtigste Aspekt in der
alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen bestehe beim
Zubettgehen. Kinder mit dem Angelman-Syndrom hätten oft schwere Schlafstörungen.
Die Beschwerdeführerin sei sehr ausgeprägt davon betroffen. Die Eltern müssten die
Beschwerdeführerin in den Schlaf begleiten, was immer rund eine Stunde dauere. Drei-
bis viermal pro Woche wache die Beschwerdeführerin in der Nacht auf und stehe auf.
Aufgrund der Schlafstörungen sei es sehr schwierig, sie wieder ins Bett zu bringen und
zu beruhigen. Je nach Situation dauere dies in der Regel mindestens eine Stunde. Sie
bleibe nicht alleine liegen und benötige die Anwesenheit der Mutter. Im Anhang zum
Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit sei vorgesehen, dass das regelmässige
Aufstehen nachts zu berücksichtigen sei. Die Beschwerdeführerin habe deshalb
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung schweren Grades. Unter Berücksichtigung
des Umstands, dass auch beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen eine
behinderungsbedingte Dritthilfe anzuerkennen sei, müsse auch beim
Intensivpflegezuschlag ein Mehraufwand berücksichtigt werden. Insbesondere die
typischen Ein- und Durchschlafschwierigkeiten führten abends zu einem
behinderungsbedingten Mehraufwand von 45 bis 60 Minuten. Hinzu komme das
nächtliche Aufstehen, welches drei- bis viermal pro Woche ebenfalls rund eine Stunde
in Anspruch nehme. Die Dritthilfe beim Absetzen auf einen Stuhl nehme pro Tag rund
zehn Minuten in Anspruch. Der Mehraufwand, den die Beschwerdegegnerin beim
Essen berücksichtigt habe, decke sich nicht mit den Angaben der Mutter der
Versicherten. Die Beschwerdeführerin müsse gefüttert werden. Insbesondere bei nicht
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festen Nahrungsmitteln benötige sie umfassende Dritthilfe. Der Umgang mit Messer
und Gabel gelinge ihr nicht. Aufgrund der Hyperaktivität und dem umfassenden Bedarf
an Hilfe sei es den Eltern nicht möglich, daneben zu essen. Der behinderungsbedingte
Mehraufwand für das Essen sei mit rund einer Stunde zu berücksichtigen. Nach den
Angaben der Eltern sei für die Dritthilfe beim Baden ein Mehraufwand von zehn bis
25 Minuten zu berücksichtigen. Dabei handle es sich um die anrechenbare Zeit. Die
Spielzeit, bei der die Beschwerdeführerin überwacht werden müsse, sei nicht
eingerechnet worden. Der behinderungsbedingte Mehraufwand liege somit bei über
sechs Stunden.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. August 2019 (Posteingang:
22. August 2019) die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung gab sie
im Wesentlichen an, die Abklärungsperson habe am 15. November 2018 in der
Abklärung vor Ort beobachtet, wie sich die Beschwerdeführerin alleine auf den Boden
und auf einen normalen Stuhl gesetzt habe und wieder aufgestanden sei. Dies sei im
Abklärungsbericht so festgehalten worden. Auch aus dem Bericht der
Kindergartenlehrperson vom März 2019 gehe hervor, dass sich die Beschwerdeführerin
allein auf ein Kindermöbel setzen und wieder aufstehen könne. Der Transfer auf den
Tripp Trapp gelinge mehrheitlich selbstständig. Je nach Tagesverfassung benötige sie
eine Handreichung zur Unterstützung. Heruntersteigen könne sie selber. Der
Beschwerde vom 27. Mai 2019 sei ebenfalls zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin motorisch in der Lage sei, selber aufzustehen und sich
hinzusetzen. Erwähnt worden sei, die Beschwerdeführerin stehe in der Nacht alleine
vom Bett auf und verlasse dieses. Beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen sei deshalb zu
Recht kein regelmässiger und erheblicher Hilfebedarf angenommen worden. In Bezug
auf den Intensivpflegezuschlag für die alltägliche Lebensverrichtung Essen sei auf die
Angabe der Kindergartenlehrperson abzustellen. Diese habe angegeben, die
Beschwerdeführerin könne grundsätzlich mit Messer und Gabel selbstständig essen.
Das Essen müsse jeweils zerkleinert werden. Für das Zerkleinern sei ein Mehraufwand
von fünf Minuten realistisch. Bezugnehmend auf die alltägliche Lebensverrichtung
Körperpflege sei darauf hinzuweisen, dass die Überwachung während der Spielzeit in
der Badewanne unter "Überwachungsintensität" falle. Bei der Überwachungsintensität
sei entgegenkommenderweise das Maximum von vier Stunden berücksichtigt worden.
B.b.
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Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Replik vom 4. Oktober 2019 im Wesentlichen
geltend machen (act. G 6), es sei nicht möglich, dass die Abklärungsperson habe
beobachten können, dass sich die Beschwerdeführerin auf einen normalen Stuhl
gesetzt habe. Die Beschwerdeführerin könne auf das Sofa krabbeln und sich auf einen
Kinderstuhl setzen. Punktuell sei sie auch in der Lage, auf den Tripp Trapp zu klettern.
Das Zurechtrücken des Stuhles und das zuverlässige Hinsetzen gestalte sich jedoch
noch schwierig und sie benötige Hilfestellung. Hauptpunkt der Dritthilfe beim
Aufstehen/ Absitzen/Abliegen sei die Unterstützung, welche die Beschwerdeführerin
nachts benötige. Die Beschwerdegegnerin habe sich nicht damit auseinandergesetzt,
dass im Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit vorgesehen sei, dass das
regelmässige Aufstehen nachts zu berücksichtigen sei. Stossend wäre, wenn einer der
gewichtigsten Punkte in der Betreuung der Beschwerdeführerin unberücksichtigt
bliebe. Die nächtlichen Wachphasen würden für die Eltern eine grosse Belastung
darstellen. Es könne nicht der Wille des Gesetzgebers sein, sich in diesem Bereich auf
die direkte Hilfe zu beschränken. Das Bundesgericht habe im Urteil 9C_224/2019
festgehalten, eine physische Selbstständigkeit beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen
genüge nicht, um eine Hilflosigkeit in diesem Bereich zu verneinen. Die
Beschwerdegegnerin habe sich beim Zeitaufwand bei der alltäglichen
Lebensverrichtung Essen auf die Angabe der Kindergartenlehrperson gestützt. Hierzu
sei anzumerken, dass die Beschwerdeführerin auswärts kaum Nahrung zu sich nehme.
Im Kindergarten habe sie kaum gegessen und wenn, lediglich das, was die Mutter
zubereitet habe. Dies seien in der Regel Butterbrote gewesen. Die Hauptmahlzeit
nehme sie zu Hause ein. Mittlerweile gelinge es ihr, gewisse Nahrungsmittel mit der
Gabel und dem Löffel zu sich zu nehmen. Der grösste Teil der Nahrung müsse ihr
jedoch eingegeben werden. Bei der Zeitangabe der Körperpflege bestehe weiterhin
eine Diskrepanz. Die Beschwerdegegnerin gehe davon aus, dass die Spielzeit in der
Badewanne bei den Angaben der Eltern berücksichtigt worden sei. Dem sei jedoch
nicht so. Bei der von den Eltern angegebenen Zeit handle es sich lediglich um die
anrechenbare Zeit, ohne die Spielzeit. Die Beschwerdeführerin liess einen Bericht der
Tagesschule E._ vom 5. Juli 2019 einreichen (act. G 6.1). Darin war festgehalten
worden, dass sich die Beschwerdeführerin je nach Tagesverfassung sehr
unterschiedlich bewege. Sie brauche aber immer eine Begleitperson, die in ihrer Nähe
sei, um ihr bei Bedarf eine Hilfestellung geben zu können. Das Bewältigen von
B.c.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin bezieht seit dem 1. April 2015 eine Hilflosenentschädigung
mittleren Grades. Ein Intensivpflegezuschlag ist bei der erstmaligen Anspruchsprüfung
nicht zugesprochen worden. Mit der angefochtenen Verfügung vom 9. April 2019 hat
die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eröffnet, dass ihr ab dem 1. Januar
2018 bis 31. Januar 2024 unverändert eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit
mittleren Grades und ab 1. Januar 2018 neu ein Intensivpflegezuschlag bei einem
behinderungsdingten Betreuungsaufwand von mindestens vier Stunden zustehe. Die
Beschwerdeführerin hat die Zusprache einer Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit
schweren Grades und einen Intensivpflegezuschlag bei einem behinderungsbedingten
Betreuungsaufwand von mehr als sechs Stunden beantragt. Strittig ist demnach, ob
die Beschwerdegegnerin zu Recht die Hilflosenentschädigung unverändert belassen
und den Intensivpflegezuschlag auf einen behinderungsbedingten Betreuungsaufwand
von wenigstens vier Stunden festgesetzt hat.
2.
Die angefochtene Verfügung betrifft zwei verschiedene Rechtsverhältnisse, nämlich die
Hilflosenentschädigung und den Intensivpflegezuschlag. Obwohl der
unebenen Untergründen bereite ihr generell mehr Mühe als das Gehen auf ebenen,
barrierefreien Unterlagen. Das Überwinden der Treppe sei ihr möglich. Sie benötige
aber eine Begleitperson, welche hinter bzw. vor ihr gehe, um sie im Falle einer
Unsicherheit auffangen zu können. Bei ansteigendem bzw. abfallendem Gelände auf
Spaziergängen könne sie den Weg nicht alleine bewältigen. Auf Kinderstühle könne sie
sich alleine setzen, lasse sich dabei aber beinahe aus dem Stand auf die Unterlage
fallen. Das Aufstehen gelinge ihr ohne Hilfe. Auf ebenem Untergrund könne sie sich
alleine auf den Boden setzen, indem sie sich mit den Händen nach vorne beuge und
mit dem Po auf den Boden fallen lasse. Draussen brauche sie dagegen Hilfe. Das
Aufstehen vom Boden sei schwierig und sie benötige Hilfe, um sich abstützen zu
können. Am Esstisch könne sie selbstständig sitzen und vom Tripp Trapp alleine
aufstehen.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 8).B.d.
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Intensivpflegezuschlag voraussetzt, dass ein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
besteht (Art. 36 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201),
handelt es sich um eine eigenständige Leistungsart. Beim Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung ist nämlich massgebend, ob eine versicherte Person hilflos ist,
das heisst ob sie in den alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher
Weise auf Hilfe Dritter angewiesen ist und der persönlichen Überwachung oder der
dauernden Pflege bedarf (Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20, i.V.m. Art. 37 IVV). Beim Intensivpflegezuschlag
ist demgegenüber relevant, in welchem zeitlichen Umfang eine minderjährige Person
eine im Vergleich zu einer nicht behinderten minderjährigen gleichaltrigen Person
zusätzliche Betreuung benötigt. Anrechenbar ist – nebst einem Mehraufwand für
Hilfeleistungen und persönliche Überwachung – auch ein Mehraufwand für
Behandlungs- und Grundpflege. Ein Anspruch besteht ab einem Betreuungsaufwand
von mindestens vier Stunden (Art. 42 Abs. 3 IVG i.V.m. Art. 39 IVV). Die
Leistungsvoraussetzungen sind somit unterschiedlich. Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen ist bereits in einem früheren Entscheid davon ausgegangen, dass es
sich bei der Hilflosenentschädigung und beim Intensivpflegezuschlag um zwei
Leistungsarten handelt (Entscheid vom 14. Juni 2019, IV 2018/94, E. 2). Das
Bundesgericht hat dies nicht beanstandet (Urteil des Bundesgerichts vom
11. Dezember 2019, 8C_533/2019). Im Übrigen stellen beispielsweise auch der
Anspruch auf Taggelder und der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen zwei
Leistungsarten dar, obwohl ein Taggeld nur ausbezahlt wird, wenn eine
Eingliederungsmassnahme absolviert wird (vgl. Art. 22 Abs. 1 IVG). Vorliegend handelt
es sich somit um zwei eigenständige Entscheidungsgegenstände, welche die
Beschwerdegegnerin aber in einer Verfügung geregelt hat. Da der Anspruch auf einen
Intensivpflegezuschlag einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung voraussetzt,
besteht ein enger sachlicher Zusammenhang zwischen den beiden
Rechtsverhältnissen. Dieser sowie verfahrensökonomische Gründe rechtfertigen eine
Behandlung in einem Urteil. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieses Urteil nur
gesamthaft angefochten werden könnte. Vielmehr steht es den Parteien frei, das Urteil
nur bezüglich der Hilflosenentschädigung oder nur bezüglich des
Intensivpflegezuschlages zur Hilflosenentschädigung mit einer Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht anzufechten. Diesem
Umstand wird mit einer strikten Trennung der beiden Streitgegenstände im Dispositiv
Rechnung getragen.
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
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3.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die Entschädigung wegen
einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu Recht unverändert belassen hat. Eine formell
rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung wird von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende
Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die
Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin ist im Jahr 2015 zuletzt materiell
geprüft worden. Somit ist zu klären, ob sich die Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin
zwischen dem 4. Juni 2015 (Datum der Verfügung, IV-act. 61) und dem 9. April 2019
(Datum der angefochtenen Verfügung, IV-act. 178) anspruchsrelevant verändert hat.
3.1.
Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
sind, haben nach Art. 42 Abs. 1 Satz 1 IVG Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung.
Als hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 ATSG).
3.2.
Die massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen betreffen sechs Bereiche:
Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Verrichten
der Notdurft und Fortbewegung (Rz 8010 des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, Stand 1. Januar 2018). Der Bedarf nach
Hilfeleistungen muss regelmässig und in erheblicher Weise bestehen (Art. 37 IVV).
Regelmässig werden Hilfeleistungen benötigt, wenn sie täglich oder eventuell täglich
erbracht werden müssen (vgl. Rz 8025 KSIH). Erheblich sind Hilfeleistungen, wenn die
versicherte Person mindestens eine Teilfunktion einer alltäglichen Lebensverrichtung
nicht mehr, nur noch mit unzumutbarem Aufwand oder nur noch auf unübliche Art und
Weise selbst ausführen kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne
besondere Aufforderung nicht vornehmen würde, oder wenn sie sie selbst mit Hilfe
Dritter nicht erfüllen kann, weil sie für sie keinen Sinn hat (vgl. Rz 8026 KSIH). Von der
direkten Dritthilfe bei der Ausführung der alltäglichen Lebensverrichtungen ist somit die
indirekte Dritthilfe zu unterscheiden. Die indirekte Hilfe betrifft zur Hauptsache
psychisch oder geistig behinderte Menschen. Indirekte Dritthilfe ist gegeben, wenn die
versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar funktionsmässig selber
ausführen kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten tun würde, wenn
sie sich selbst überlassen wäre. Die indirekte Dritthilfe setzt voraus, dass die
Drittperson regelmässig anwesend ist und die versicherte Person insbesondere bei der
Ausführung der in Frage stehenden Verrichtungen persönlich überwacht, sie zum
3.3.
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Handeln anhält oder von schädigenden Handlungen abhält und ihr nach Bedarf hilft
(Rz 8029 f. KSIH).
Der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung bezieht sich nicht auf die
alltäglichen Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte
Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden
haben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins
Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine medizinische und pflegerische Hilfeleistung
zu verstehen, welche infolge des Gesundheitszustandes der versicherten Person
notwendig ist. Eine solche persönliche Überwachung ist beispielsweise dann
erforderlich, wenn eine versicherte Person wegen geistiger Absenzen nicht während
des ganzen Tages allein gelassen werden kann oder wenn eine Drittperson mit
kleineren Unterbrüchen bei der versicherten Person anwesend sein muss, da sie nicht
allein gelassen werden kann. Die persönliche Überwachung muss ein gewisses Mass
an Intensität aufweisen. Ob dauernde Hilfe oder persönliche Überwachung nötig sind,
ist objektiv, nach dem Zustand der versicherten Person zu beurteilen. Eine
Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen werden, wenn die versicherte Person
ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder
Drittpersonen gefährden würde (vgl. Rz 8035 KSIH).
3.4.
Gemäss Art. 42 Abs. 2 IVG ist zu unterscheiden zwischen schwerer,
mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit. Bei Minderjährigen gilt die Hilflosigkeit als
mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den
meisten (mindestens vier; vgl. Rz 8009 KSIH) alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder in mindestens
zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf
(Art. 37 Abs. 2 lit. a und b IVV; lit. c gilt nur für volljährige versicherte Personen, vgl.
Art. 42 Abs. 5 IVG und Art. 38 Abs. 1 IVV). Eine schwere Hilflosigkeit liegt vor, wenn
die minderjährige versicherte Person in allen alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der
dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 IVV). Bei
Minderjährigen ist nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung
im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen
(Art. 37 Abs. 4 IVV).
3.5.
bis
Vorliegend besteht in den alltäglichen Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden,
Verrichten der Notdurft, Fortbewegung und Essen mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach wie vor ein Hilfebedarf: Die Abklärungsperson
3.6.
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hat im Bericht vom 15. November 2018 festgehalten (IV-act. 164-9 ff.), beim Ankleiden/
Auskleiden habe wegen den ausgeprägten Einschränkungen bislang keine
Selbstständigkeit erreicht werden können. Die Kindergartenlehrerin hat dies bestätigt,
indem sie am 1. März 2019 angegeben hat (IV-act. 171), die Versicherte brauche Schritt
für Schritt Anleitungen. Verbale Anleitungen könnten ausreichend sein. Manchmal
müssten Handlungen aber angefangen werden und den Rest übernehme die
Beschwerdeführerin dann selber. Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass im
Bereich des Ankleidens/Auskleidens nach wie vor ein Hilfebedarf besteht. In Bezug auf
das Verrichten der Notdurft haben die Abklärungsperson und die Kindergartenlehrerin
übereinstimmend angegeben, dass die Beschwerdeführerin noch Windeln trage. Auch
Dr. C._ hat am 6. Juni 2018 berichtet (IV-act. 155), die Beschwerdeführerin benötige
beim Verrichten der Notdurft Unterstützung. Die Beschwerdeführerin ist damit mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in dieser alltäglichen
Lebensverrichtung noch nicht selbstständig geworden und nach wie vor auf
regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen. Die Abklärungsperson hat weiter
notiert, die Beschwerdeführerin könne sich alleine fortbewegen. Aufgrund der geistigen
Behinderung sei sie jedoch auf ständige Begleitung angewiesen. Die Mutter der
Beschwerdeführerin hat am 28./29. November 2018 ergänzend festgehalten (IV-
act. 164-1 ff.), beim Treppensteigen müsse sie der Beschwerdeführerin immer
hinterhergehen, um intervenieren zu können, falls diese das Gleichgewicht verliere. Die
Beschwerdeführerin könne Gefahren nicht einschätzen und diesen auch nicht
ausweichen. Die Kindergartenlehrerin hat ebenfalls angegeben, beim Treppensteigen
werde die Beschwerdeführerin immer begleitet. Jemand laufe hinter ihr her oder nehme
sie an der Hand. Beim Aussteigen aus dem Bus benötige sie Hilfe, indem man ihr die
Hand reiche. Zudem werde sie auf dem Weg vom Bus zum Kindergarten mehrheitlich
an der Hand geführt. Der Weg sei teilweise uneben. Dr. C._ hat am 23. Januar 2018
auch angegeben (IV-act. 140), die Beschwerdeführerin weise auf unebenem Gelände
eine deutliche Gangunsicherheit auf und benötige häufig Hilfe. Damit ist es
überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin in allen Teilbereichen der
alltäglichen Lebensverrichtung Fortbewegung (in der Wohnung, im Freien, zur Pflege
gesellschaftlicher Kontakte) nach wie vor einer regelmässigen und erheblichen Hilfe
bedarf. Betreffend die alltägliche Lebensverrichtung Essen hat die Abklärungsperson
festgehalten, die Beschwerdeführerin könne die Speisen noch nicht zerkleinern. Auch
bei bereits zerkleinerten Speisen habe sie Mühe beim Aufstechen mit der Gabel oder
beim Aufschöpfen mit dem Löffel. Teilweise müsse ihr die Nahrung eingegeben
werden. Die Mutter der Beschwerdeführerin hat ergänzend angegeben, die
Beschwerdeführerin esse mehrheitlich nicht selbstständig, weshalb sie ihr das Essen
eingebe. Wenn die Beschwerdeführerin hungrig sei, esse sie mit den Händen und
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schlinge das Essen herunter. Die Kindergartenlehrerin hat berichtet, das Essen müsse
immer zerkleinert werden. Wenn die Beschwerdeführerin etwas gerne habe und es sich
von der Konsistenz her eigne, könne sie mit der Gabel selber ein Stück aufnehmen und
zum Mund führen. Der Umgang mit dem Löffel falle ihr schwerer, weil sie beim Führen
des Löffels zum Mund, je nach Konsistenz der Speise, viel von der Ladung verliere.
Grundsätzlich habe sie die Fähigkeit, mit Gabel und Löffel selbstständig zu essen.
Wenn sie etwas nicht gerne habe oder sich aus einem anderen Grund weigere, werde
versucht, ihr das Essen einzugeben. Das Essen sei prinzipiell ein schwieriges Thema;
die Beschwerdeführerin sei sehr heikel. Gemäss diesen Aussagen müssen der
Beschwerdeführerin sämtliche Speisen zerkleinert werden. Bereits zerkleinerte Speisen
kann sie grundsätzlich selbstständig zu sich nehmen. Da ihr der Umgang mit dem
Löffel jedoch noch schwer fällt, ist davon auszugehen, dass das Eingeben von Speisen
teilweise behinderungsbedingt nötig ist, insbesondere bei flüssigen Speisen. Die Mutter
der Beschwerdeführerin hat zudem angegeben, dass das Frühstück immer aus
flüssigen Speisen wie Joghurt mit Früchten oder Birchermüesli bestehe, um der
Beschwerdeführerin die Medikamente "versteckt" eingeben zu können. Diese Angabe
ist überzeugend. Die Beschwerdeführerin nimmt also täglich flüssige Speisen zu sich.
Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass aufgrund des Zerkleinerns sämtlicher
Speisen und der teilweisen Eingabe der Speisen aufgrund der Schwierigkeiten der
Beschwerdeführerin im Umgang mit dem Löffel und der täglichen Einnahme flüssiger
Speisen ein regelmässiger und erheblicher Hilfebedarf besteht. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht in den alltäglichen
Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden, Verrichten der Notdurft, Fortbewegung
und Essen das Fortbestehen eines regelmässigen und erheblichen Hilfebedarfs bejaht
hat.
In Bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung Körperpflege hat die
Abklärungsperson festgehalten, die Beschwerdeführerin habe noch kein Verständnis
für Körperpflege entwickelt und sei auf Führung angewiesen. Da sie gerne bade, werde
ihr dies fast jeden Tag geboten. Auch beim Baden sei sie vollumfänglich auf Hilfe
angewiesen. Dr. C._ hat am 6. Juni 2018 ebenfalls angegeben, die
Beschwerdeführerin benötige bei der Körperpflege Unterstützung durch die Eltern.
Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin im Bereich der
Körperpflege auf regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen ist. Weil diese
alltägliche Lebensverrichtung erst ab dem sechsten Altersjahr einer versicherten
Person anrechenbar ist (vgl. Anhang III zum KSIH), hat die Beschwerdegegnerin zu
Recht neu einen Hilfebedarf bejaht.
3.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
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Die Rechtsvertreterin hat geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei auch in der
alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen auf regelmässige und
erhebliche Hilfe angewiesen. Sie hat ausgeführt, die Beschwerdeführerin benötige Hilfe
beim Absitzen auf den Tripp Trapp. Ohne Hilfe käme es immer wieder vor, dass sie
sich neben den Stuhl absetzen würde. Auch beim Aufstehen vom Sofa oder vom Bett
benötige die Beschwerdeführerin Unterstützung. Bei unebenem oder weichem Grund
gelinge ihr das Aufstehen nicht. Gewichtiger sei jedoch die Hilfe, welche die
Beschwerdeführerin beim Zubettgehen benötige. Die Eltern müssten die
Beschwerdeführerin in den Schlaf begleiten, was rund eine Stunde dauere. Hinzu
komme, dass die Beschwerdeführerin drei bis viermal pro Woche nachts aufwache und
aufstehe. Die Mutter der Beschwerdeführerin müsse sich dann mit der
Beschwerdeführerin hinlegen und wach bleiben, bis die Beschwerdeführerin wieder
eingeschlafen sei. Die Abklärungsperson hat festgehalten, beim Aufstehen/Absitzen/
Abliegen bestehe kein Hilfebedarf mehr. Die Beschwerdeführerin könne
Positionswechsel nun selbstständig durchführen. Sie könne alleine auf einen normalen
Stuhl absitzen und wieder aufstehen. Auch der Transfer ins Bett gelinge ihr
selbstständig. Eine Hilfe mit Gewichtsübernahme sei nicht notwendig. Die
Kindergartenlehrerin hat berichtet, die Beschwerdeführerin könne sich alleine auf die
kleinen Bänke (Kindermöbel) setzen und auch alleine davon wieder aufstehen. Der
Transfer auf den Tripp Trapp gelinge ihr mehrheitlich selbstständig. Je nach
Tagesverfassung benötige sie eine Handreichung zur Unterstützung. Vom Tripp Trapp
herunter komme sie selbstständig. Dem Bericht der Tagesschule E._ vom 5. Juli
2019 (act. G 6.1) ist überdies zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin beim
Aufstehen vom Boden Hilfe benötige. Gestützt auf den Bericht der Kindergartenlehrerin
ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mehrheitlich selbstständig auf den
Tripp Trapp absitzen und von diesem selbstständig herabsteigen kann. Die Angaben
der Mutter der Beschwerdeführerin, wonach die Beschwerdeführerin stets der Hilfe
benötige, da sie beim Aufsteigen auf den Tripp Trapp abrutschen oder das
Gleichgewicht verlieren könnte, sind als Ausdruck der Überbehütung zu werten. Sind
vereinzelte Handreichungen beim Aufsteigen notwendig, stellt dies keinen
regelmässigen und erheblichen Hilfebedarf dar. Auch die Hilfe beim Aufstehen vom
Boden ist keine regelmässige und erhebliche Hilfe (vgl. Rz 8015 KSIH). Dass die
Beschwerdeführerin allein aus dem Bett aufstehen kann, ergibt sich aus den
Ausführungen der Rechtsvertreterin. Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin hinsichtlich des Absitzens auf und des Herabsteigens vom Tripp
Trapp sowie bezüglich der Transfers in das Bett und vom Bett hinaus keine
regelmässige und erhebliche Hilfe benötigt. In Bezug auf die Unterstützung der Eltern
beim Zubettgehen der Beschwerdeführerin und das Aufstehen in der Nacht verhält es
3.8.
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sich wie folgt: Anrechenbar ist der Mehraufwand an Hilfeleistung im Vergleich zu einem
nicht behinderten Kind gleichen Alters. Eine allfällige Hilfe kann deshalb nur anerkannt
werden, wenn sie eine bestimmte Intensität erreicht und offensichtlich über das übliche
Mass hinausgeht (Rz 8086 ff. KSIH). Im Anhang III zum KSIH ist festgehalten, bei
Kindern ab vier Jahren sei bei regelmässigem Aufstehen nachts, um das Kind zurück
ins Bett zu bringen und zu beruhigen, so dass das Kind im Bett fixiert werden müsse,
ein Mehraufwand zu berücksichtigen. Das Bundesgericht hat in einem Fall einen
Hilfebedarf bejaht, in welchem die Eltern angegeben hatten, sie müssten beim
Einschlafen des Kindes bei ihm bleiben, es beruhigen, mit ihm reden, in den Arm
nehmen und streicheln. Täten sie dies nicht, würde das Kind weinen und wieder
aufstehen. Das Bundesgericht hat ausgeführt, diese Aufwendungen der Eltern könnten
nicht als durch das Kriterium der dauernden persönlichen Überwachung abgegolten
eingestuft werden. Die Bemühungen der Eltern, welche eine halbe bis eine
Dreiviertelstunde dauern würden, könnten als eigentliche Einschlafrituale bezeichnet
werden, die auf die Behinderung des Kindes zurückzuführen seien. Zwar müsse das
Kind nicht im Bett fixiert werden, die Aufwendungen der Eltern seien aber damit
vergleichbar. Nicht behinderte Kinder gleichen Alters müssten nicht jede Nacht mit
einem derartigen Aufwand betreut werden, bis sie einschliefen. Die alltägliche
Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen umfasse auch das ins Bett gehen oder
das Bett verlassen. Das Abliegen beim ins Bett gehen bezwecke, dass die versicherte
Person schlafen könne. Im Vergleich zu einem nicht behinderten Kind gleichen Alters
bestehe damit ein regelmässiger und erheblicher Bedarf an (indirekter) Dritthilfe (Urteil
des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2019, 8C_533/2019, E. 4.6 ff.). Vorliegend
verhält es sich ähnlich. Die Eltern der Beschwerdeführerin haben angegeben, sie
müssten sich jeden Abend zur Beschwerdeführerin ins Bett legen, bis sie eingeschlafen
sei, da sie sonst wieder aufstehe. Dies dauere 45 bis 60 Minuten. Drei- bis viermal pro
Woche wache die Beschwerdeführerin zudem nachts auf und stehe auf. Sie müssten
sich dann wieder mit ihr hinlegen, bis sie eingeschlafen sei. Dies dauere in der Regel
mindestens eine Stunde. Die Rechtsvertreterin erklärte zudem, Personen mit dem
Angelman-Syndrom hätten oft schwere Schlafstörungen; die Beschwerdeführerin sei
sehr ausgeprägt davon betroffen. Da Schlafstörungen bei Kindern mit dem Angelman-
Syndrom häufig sind (vgl. https://www.angelman.ch/angelman-syndrom/symptome/,
zuletzt besucht am 2. März 2020), ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die
Einschlaf- und Durchschlafstörungen der Beschwerdeführerin behinderungsbedingt
sind. Der Aufwand der Eltern geht sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch in Bezug auf
die Intensität (Hinlegen mit der Beschwerdeführerin, bis sie wieder eingeschlafen ist)
über den Aufwand bei einem gesunden, gleichaltrigen Kind hinaus. Die
Beschwerdeführerin ist damit in der alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen/
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Absitzen/Abliegen, welche auch das ins Bett gehen oder das Bett verlassen umfasst,
auf eine regelmässige und erhebliche indirekte Hilfe angewiesen. Die
Beschwerdegegnerin hat somit das Fortbestehen eines Hilfebedarfs zu Unrecht
verneint.
Die Beschwerdeführerin bedarf überwiegend wahrscheinlich einer persönlichen
Überwachung: Die Abklärungsperson hat angegeben, seit sich die Beschwerdeführerin
frei bewegen könne, benötige sie eine 1:1 Betreuung. Sie könne Gefahren nicht
einschätzen und sich auch nicht für eine gewisse Zeit alleine beschäftigen. Damit die
Abklärung habe durchgeführt werden können, sei die Grossmutter der
Beschwerdeführerin vor Ort gewesen. Die Abklärungsperson hat im Abklärungsbericht
zudem angekreuzt, wegen einer Selbst- und Fremdgefährdung benötige die
Beschwerdeführerin zu Hause behinderungsbedingt eine ständige Überwachung. Sie
könne auch nicht für kurze Zeit alleine gelassen werden. Dr. C._ hat am 6. Juni 2018
ebenfalls angegeben, dass die Beschwerdeführerin permanent überwacht werden
müsse, da sie keinerlei Gefahren erkenne. Eine persönliche Überwachung ist in der
Regel erst ab dem sechsten Altersjahr einer versicherten Person in Betracht zu ziehen
(vgl. Anhang III zum KSIH). Die Beschwerdegegnerin hat damit zu Recht neu einen
Bedarf für eine persönliche Überwachung bejaht.
3.9.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in allen alltäglichen
Lebensverrichtungen eine Hilflosigkeit ausgewiesen ist und die Beschwerdeführerin
zudem einer persönlichen Überwachung bedarf. Damit sind die Voraussetzungen für
eine schwere Hilflosigkeit erfüllt. Bei der erstmaligen Zusprache der
Hilflosenentschädigung am 4. Juni 2015 hat die Beschwerdegegnerin mit Ausnahme
der alltäglichen Lebensverrichtung Körperpflege in allen alltäglichen
Lebensverrichtungen eine Hilflosigkeit bejaht. Die Situation hat sich im Zeitraum
zwischen dem 4. Juni 2015 und dem 9. April 2019 somit insofern verändert, als die
Beschwerdeführerin neu auch im Bereich der Körperpflege auf Hilfe Dritter angewiesen
ist und neu einer persönlichen Überwachung bedarf. Somit ist ein Revisionsgrund
gegeben. Die Beschwerdegegnerin hat die Hilfslosenentschädigung damit zu Unrecht
ab dem 1. Januar 2018 bis 31. Januar 2024 unverändert bei einer Hilflosigkeit mittleren
Grades belassen. Da sie den Revisionszeitpunkt auf den 1. April 2018 angesetzt hat
(IV-act. 61), hat die Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 88 Abs. 1 lit. b IVV ab
1. April 2018 Anspruch auf eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit schweren
Grades.
3.10.
bis
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4.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin zusätzlich zur Hilflosenentschädigung
einen Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag für einen behinderungsbedingten
Betreuungsaufwand von mindestens vier oder – wie die Beschwerdeführerin beantragt
hat – von mehr als sechs Stunden hat. Mit der angefochtenen Verfügung vom 9. April
2019 hat die Beschwerdegegnerin erstmals einen Intensivpflegezuschlag
zugesprochen. Im Folgenden ist deshalb zu prüfen, ob ein Anspruch auf einen
Intensivpflegezuschlag besteht und nicht, wie in einem Revisionsverfahren, ob sich der
behinderungsdingte Betreuungsaufwand in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat.
4.1.
Die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive
Betreuung brauchen und sich nicht in einem Heim aufhalten, wird um einen
Intensivpflegezuschlag erhöht (Art. 42 Abs. 3 IVG i.V.m. Art. 36 Abs. 2 IVV). Der
monatliche Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten
Betreuungsaufwand von mindestens acht Stunden pro Tag 100%, bei einem solchen
von mindestens sechs Stunden pro Tag 70% und bei einem solchen von mindestens
vier Stunden pro Tag 40% des Höchstbetrages der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3
und 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG,
SR 831.10). Der Zuschlag berechnet sich pro Tag (Art. 42 Abs. 3 IVG). Eine intensive
Betreuung liegt bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge der
Beeinträchtigung der Gesundheit eine zusätzliche Betreuung von mindestens vier
Stunden benötigen (Art. 39 Abs. 1 IVV). Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf
an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen
gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete
medizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen
werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Art. 39 Abs. 2 IVV).
Bedarf eine minderjährige Person infolge der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit
zusätzlich einer andauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei
Stunden angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte
Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar (Art. 39 Abs. 3 IVV).
4.2.
ter
ter
Für die persönliche Überwachung, welche die Beschwerdeführerin benötigt, hat
die Beschwerdegegnerin eine Betreuungspauschale von vier Stunden angerechnet. Sie
ist somit von einer besonders intensiven behinderungsbedingten Überwachung i.S.v.
Art. 39 Abs. 3 Satz 2 IVV ausgegangen. Eine solche liegt vor, wenn von der
Betreuungsperson überdurchschnittlich hohe Aufmerksamkeit und ständige
Interventionsbereitschaft gefordert wird. Dies bedeutet, dass sich die
4.3.
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Betreuungsperson permanent in unmittelbarer Nähe der versicherten Person aufhalten
muss, da eine kurze Unachtsamkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
lebensbedrohliche Folgen hätte oder zu einer massiven Schädigung von Personen und
Gegenständen führen würde. Eine besonders intensive Überwachung ist beispielsweise
bei einer schweren Form von Epilepsie gegeben, wenn ein Kind täglich mehrere
Serienanfälle hat, die plötzlich auftreten und bei denen die Atmung jeweils unterbricht
und deshalb eine Betreuungsperson dauernd mit erhöhter Aufmerksamkeit in
unmittelbarer Nähe des Kindes bleiben und jederzeit bereit sein muss, eingreifen zu
können, oder wenn ein Kind Gefahren nicht erkennen und deshalb zum Beispiel
unvermittelt aus dem Fenster steigen kann (zum Ganzen Rz 8079 KSIH). Eine dauernde
Überwachung i.S.v. Art. 39 Abs. 3 Satz 1 IVV ist demgegenüber insbesondere dann
gegeben, wenn das Kind sich selbst oder Drittpersonen gefährdet (Rz 8078.1 KSIH).
Vorliegend ist aufgrund des Bewegungsdrangs der Beschwerdeführerin und der
fehlenden Fähigkeit, Gefahren zu erkennen, von einem Bedarf für eine dauernde
Überwachung auszugehen. Die Beschwerdeführerin könnte durch ihr Verhalten sich
selbst oder auch Drittpersonen gefährden, beispielweise wenn sie sich unvermittelt auf
eine Strasse begeben würde. Die Akten enthalten hingegen keine Anhaltspunkte, dass
die Beschwerdeführerin eine besonders intensive Überwachung benötigen würde. So
hat die Mutter der Beschwerdeführerin angegeben, die Beschwerdeführerin könne
Gefahren nicht ausweichen und beispielsweise auf ein Spielzeug oder ein Blatt Papier
draufstehen und ausrutschen. Eine derartige Situation ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht lebensbedrohend. Gegen eine besonders intensive
Überwachung spricht auch, dass die Beschwerdeführerin ohne eine 1:1 Begleitung den
Schulbus benutzt und dass die Kindergartenlehrerin nichts gesagt hat, was auf eine
besonders intensive Überwachung hindeuten würde (z.B. die Beschwerdeführerin dürfe
keine Minute aus den Augen gelassen werden). Die Beschwerdegegnerin hat
festgehalten, bei der Überwachungsintensität sei "entgegenkommenderweise" das
Maximum von vier Stunden berücksichtigt worden. Dem Sozialversicherungsrecht ist
jede Form von Kulanz fremd, denn eine solche liesse sich weder mit dem
Legalitätsprinzip noch mit dem Gleichbehandlungsgebot vereinbaren. Vorliegend ist die
höhere Pauschale aber nicht mit einer Kulanz der Beschwerdegegnerin zu erklären. Die
Abklärungsperson hat nämlich im Zusammenhang mit dem Bedarf für eine persönliche
Überwachung auf die Ein- und Durchschlafprobleme der Beschwerdeführerin
hingewiesen. Die Anrechnung einer Betreuungspauschale von vier Stunden dürfte
deshalb darauf zurückzuführen sein, dass die Beschwerdegegnerin den Zeitaufwand
der Eltern für die Betreuung der Beschwerdeführerin beim Einschlafen am Abend und
beim Wiedereinschlafen in der Nacht zu Unrecht bei der persönlichen Überwachung
und nicht als indirekte Hilfe bei der alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/
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Abliegen berücksichtigt hat. Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin nur einer mit zwei Stunden anzurechnenden dauernden
Überwachung bedarf.
4.4.
Zu prüfen bleibt, welchen behinderungsbedingten – von der persönlichen
Überwachung unabhängigen – Mehraufwand die Betreuung der Beschwerdeführerin im
Vergleich zu einem gleichaltrigen gesunden Kind mit sich bringt.
4.4.1.
Die Eltern der Beschwerdeführerin haben angegeben, der Zeitaufwand für die
Betreuung der Beschwerdeführerin beim Einschlafen am Abend betrage 45 bis 60
Minuten. Das Aufstehen an drei- bis vier Nächten pro Woche, um die
Beschwerdeführerin in das Wiedereinschlafen zu begleiten, nehme in der Regel
mindestens eine Stunde in Anspruch. Die Beschwerdegegnerin hat in der alltäglichen
Lebensverrichtung Aufstehen/ Absitzen/Abliegen einen Hilfebedarf verneint. Sie hat
deshalb nicht abgeklärt, in welchem zeitlichen Umfang ein behinderungsbedingter
Betreuungsaufwand anrechenbar ist. Dieser steht damit nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die Angelegenheit ist deshalb zu weiteren
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Zusammenhang
ist festzuhalten, dass der Anhang IV zum KSIH zwar Angaben zu den anrechenbaren
zeitlichen Maximalwerten und zu den altersentsprechenden Hilfen enthält. Im Bereich
Aufstehen/Absitzen/Abliegen sind Maximalwerte von 25 Minuten für einen
Mehraufwand bei bis 10-jährigen Kindern sowie von 30 Minuten für das Aufstehen und
Beruhigen als Zusatzaufwand in der Nacht angegeben. Bei diesen Maximalwerten
handelt es sich aber um Durchschnittswerte. Fällt in einem Einzelfall bei objektiver
Betrachtungsweise ein höherer Mehraufwand an, kann deshalb von diesen abgewichen
werden.
4.4.2.
In der alltäglichen Lebensverrichtung Essen ist der anrechenbare
behinderungsbedingte Betreuungsaufwand ebenfalls weiter abzuklären: Die
Abklärungsperson hat im Abklärungsbericht einen behinderungsbedingten
Mehraufwand von fünf Minuten festgehalten. Die Berechnung ist aber nicht vollends
nachvollziehbar. Gemäss dem Abklärungsbericht haben die Eltern angegeben, für das
Frühstück werde 30 Minuten, für das Mittag- und Abendessen je 45 Minuten und für
das Zerkleinern der Speisen fünf Minuten (insgesamt: 125 Minuten) benötigt. Für die
drei Mahlzeiten ist ein anrechenbarer Mehraufwand von 75 Minuten und für das
Zerkleinern der Speisen ein anrechenbarer Mehraufwand von fünf Minuten festgehalten
worden (insgesamt: anrechenbarer Mehraufwand von 80 Minuten). Davon sind für eine
4.4.3.
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familienübliche Präsenz am Tisch 75 Minuten abgezogen worden. Der Abzug für eine
altersentsprechende Präsenz am Tisch hat 0 Minuten und der Zeitaufwand für ein nicht
behindertes Kind im selben Alter hat ebenfalls 0 Minuten betragen. Die
Abklärungsperson hat im Abklärungsbericht angekreuzt, den Eltern sei es möglich,
gleichzeitig zu essen. Zugleich hat sie notiert, teilweise müsse der Beschwerdeführerin
das Essen eingegeben werden, da diese Mühe habe, zerkleinerte Speisen mit der
Gabel aufzustechen und mit dem Löffel aufzuschöpfen. Diese Angaben sind
widersprüchlich. Weiter ist der Abzug von 50 Minuten (von 125 Minuten auf 75
Minuten) nicht nachvollziehbar. Eine Erklärung dafür fehlt. Die Eltern haben ergänzend
zum Abklärungsbericht festgehalten, der Zeitaufwand für das Mittag- und Abendessen
betrage weit über eine Stunde. Sie könnten auch kaum gleichzeitig essen. Die
Rechtsvertreterin hat gestützt darauf geltend gemacht, der behinderungsbedingte
Mehraufwand sei mit einer Stunde zu berücksichtigen. Die Kindergartenlehrerin hat
demgegenüber angegeben, ein Mittagessen dauere in der Regel im Durchschnitt ca.
15 Minuten. Die Angaben der Eltern im Abklärungsbericht und ihre späteren Angaben
decken sich somit nicht. Ihre Angaben weichen auch weit von denjenigen der
Kindergartenlehrerin ab. Der Zeitanteil für das Eingeben von Speisen ist – beim Essen
im Kindergarten und zu Hause – offen. Wie in E. 3.6 ausgeführt, benötigt die
Beschwerdeführerin Hilfe beim Zerkleinern sämtlicher Speisen. Zudem müssen ihr die
Speisen teilweise eingegeben werden, da ihr der Umgang mit dem Löffel noch schwer
fällt. Ob der Abzug von 75 Minuten für die Präsenzzeit am Familientisch zu Recht
erfolgt ist – dieser ist nur vorzunehmen, wenn die Mutter bzw. der Vater nebenbei
essen kann (vgl. Anhang IV zum KSIH) – lässt sich somit nicht abschliessend
beurteilen. Unter diesen Umständen überzeugt der im Abklärungsbericht festgehaltene
anrechenbare Mehraufwand von fünf Minuten, auf den sich die Beschwerdegegnerin
stützt (act. G 4), nicht. Die Beschwerdegegnerin wird deshalb weiter abzuklären haben,
wie hoch der behinderungsbedingte Mehraufwand für die Betreuung der
Beschwerdeführerin beim Essen ist.
In Bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung Körperpflege ist strittig, wieviel
Zeit für das Baden anzurechnen ist. Im Abklärungsbericht sind dafür zehn Minuten
angegeben worden. Die Eltern haben ergänzend zum Abklärungsbericht festgehalten,
ein Bad dauere mindestens 20 bis 25 Minuten (einseifen, abduschen, abtrocknen,
Haare föhnen). Die Spielzeit sei dabei nicht eingerechnet worden. Die Rechtsvertreterin
hat geltend gemacht, es sei ein Mehraufwand von zehn bis 25 Minuten anzurechnen.
Die Anwesenheit der Mutter während der Spielzeit im Bad ist als persönliche
Überwachung (und nicht als indirekte Hilfe) zu qualifizieren, denn das Spielen in der
4.4.4.
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Badewanne dient nicht der Körperpflege. Bei Kindern unter acht Jahren ist eine Hilfe
beim Haare Waschen und Kämmen altersentsprechend (vgl. Anhang III zum KSIH). Das
Föhnen der Haare gehört zu dieser Hilfe dazu. Die Beschwerdeführerin wird nicht
täglich gebadet (im Abklärungsbericht ist festgehalten worden, da die
Beschwerdeführerin gerne bade, werde ihr dies fast täglich geboten). In Anbetracht
dessen ist davon auszugehen, dass die Angabe im Abklärungsbericht von
durchschnittlich zehn Minuten für das Baden (einseifen, abduschen, abtrocknen)
zutreffend sind. Der behinderungsbedingte Mehraufwand bei der Körperpflege von
21 Minuten ist daher plausibel. Auch die weiteren von der Beschwerdegegnerin
anerkannten anrechenbaren behinderungsbedingten Mehraufwände (Ankleiden/
Auskleiden: 20 Minuten; Verrichten der Notdurft: 25 Minuten; Begleitung zu Arzt- und
Therapiebesuchen: drei Minuten; Grund- und Behandlungspflege: 10 Minuten) sind
plausibel. Im Zusammenhang mit der Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen hat
die Beschwerdegegnerin den Aufwand der Mutter für den Besuch der Hippotherapie
nicht berücksichtigt. Die Beschwerdegegnerin hat dafür ab dem 16. Mai 2018 eine
Kostengutsprache erteilt (IV-act. 153). Die Mutter hat angegeben, für die Hin- und
Rückfahrt benötige sie 15 Minuten (Strecke F._ - G._). Diese Angabe ist
überzeugend. Die Wartezeit während der 30 Minuten dauernden Hippotherapie dürfte
von der Mutter für eigene Zwecke genutzt werden können (z.B. Einkäufe oder
Telefonate erledigen). Bei der Berechnung der Zeit für die Begleitung zu Arzt- und
Therapiebesuchen müssen die Ferien berücksichtigt werden (vgl. Rz 8076 f. KSIH).
Diesbezüglich ist der Sachverhalt nicht abgeklärt worden. Die Beschwerdegegnerin
wird deshalb auch in diesem Bereich weitere Abklärungen tätigen müssen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einer mit zwei Stunden
anzurechnenden dauernden Überwachung bedarf. Hierbei handelt es sich um eine
verbindliche Feststellung i.S.v. Art. 56 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1). Der behinderungsbedingte – von der
persönlichen Überwachung unabhängige – Mehraufwand für die Betreuung der
Beschwerdeführerin steht dagegen nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest. Die Angelegenheit ist deshalb zu weiteren Abklärungen im
Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.5.
Im Sinne eines obiter dictum ist festzuhalten, dass es sich bei einer allfälligen
Zusprache eines Intensivpflegezuschlags um eine erstmalige Zusprache und nicht –
wie beim Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung – um einen Revisionstatbestand
handelt. Art. 88 Abs. 1 lit. b IVV ist damit nicht anwendbar.
4.6.
bis
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5.
Zusammenfassend ist die Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. April 2019
bezüglich des Begehrens um eine höhere Hilflosenentschädigung gutzuheissen.
Hinsichtlich des Begehrens um einen höheren Intensivpflegezuschlag ist die
Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.