Decision ID: 99b67f99-194e-4f1b-8080-e734c3d64277
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Freiheitsberaubung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht in Strafsachen, vom 14. April 2014 (GG140006)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 28. Januar 2014
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183
Ziff. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 40.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 200.– als
Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 43.50 Auslagen im Vorverfahren;
Fr. 1'500.00 Gebühr für das Vorverfahren.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt.
7. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ für das ge-
samte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 4'500.– zu bezahlen.
8. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom
28. Januar 2014 beschlagnahmte Schlüssel der Privatklägerin wird der Pri-
vatklägerin zurückgegeben.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 66)
Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 14. April 2014 sei hinsichtlich der
Dispositivziffern 1 bis 4 sowie 6 und 7 aufzuheben.
Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der Freiheitsberaubung freizusprechen.
Sämtliche Zivilansprüche der Privatklägerin seien abzuweisen.
Die Kosten seien auf die Staatskasse zu nehmen und es sei der Beschuldig-
ten eine angemessene Entschädigung auszurichten.
b) Der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis:
(schriftlich, Urk. 58)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 57; sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Horgen, Einzelgericht in Strafsachen,
vom 14. April 2014 wurde die Beschuldigte der Freiheitsberaubung für schuldig
befunden und mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 40.– be-
straft, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Sodann wurde sie ver-
pflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 200.– sowie eine Prozess-
entschädigung von Fr. 4'500.– zu bezahlen.
Gegen dieses Urteil meldete die Verteidigung der Beschuldigten am 15. Ap-
ril 2014 Berufung an und reichte am 22. August 2014 die Berufungserklärung ein
(Urk. 40 und 53). Sie beantragte, die Dispositivziffern 1–4, 6 und 7 seien aufzuhe-
ben und die Beschuldigte vom Vorwurf der Freiheitsberaubung freizusprechen,
unter Ausrichtung einer entsprechenden Entschädigung. Die Staatsanwaltschaft
und die Privatklägerin verzichteten auf Berufung und Anschlussberufung (Urk. 57
und 58).
Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (SCHMID, StPO Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, Art. 402 N 1;
Art. 437 StPO).
Festzustellen ist, dass das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositiv-
ziffern 5 (Kostenfestsetzung) und 8 (Herausgabe) in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Mit Präsidialverfügung vom 28. August 2014 wurde das Gesuch der
Beschuldigten um Bestellung einer amtlichen Verteidigung abgewiesen (Urk. 55).
Gleichzeitig mit der Berufungserklärung beantragte die Verteidigung die Einver-
nahme von diversen Zeugen sowie die Vornahme von Augenscheinen. Mit Präsi-
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dialverfügung vom 6. Oktober 2014 wurde dieser Beweisantrag einstweilen ab-
gewiesen (Urk. 62). An entsprechender Stelle wird darauf zurückzukommen sein.
II. Sachverhaltserstellung
1. Der Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 28. Januar 2014 zu-
sammengefasst vorgeworfen, am 3. Juni 2013 um ca. 12.00 Uhr die Privatkläge-
rin entgegen deren eigenen Willen in der Waschküche eingeschlossen zu haben,
worauf sich diese nicht mehr von alleine habe befreien können und gezwungen
gewesen sei, in der Waschküche zu verweilen. Durch ihr Verhalten habe die Be-
schuldigte eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Privatklägerin beab-
sichtigt und sei sich dieser Einschränkung sowie der Unrechtmässigkeit ihres
Vorgehens auch bewusst gewesen (Urk. 21).
2. Die Beschuldigte bestritt in der Untersuchung, vor Vorinstanz und an-
lässlich der Berufungsverhandlung den Anklagevorwurf der Freiheitsberaubung
(Urk. 4/1–3; Prot. I S. 17 ff.; Prot. II S. 11). Demnach ist zu prüfen, ob die Beweis-
lage genügt, um den entsprechenden Sachverhalt rechtsgenügend zu erstellen,
oder ob diesbezüglich ein Freispruch zu ergehen hat.
3. Der eingeklagte Sachverhalt beruht insbesondere auf den Aussagen
der Privatklägerin, weshalb diese gesamthaft einer Beweiswürdigung zu unterzie-
hen sind. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der im Rahmen des Verfah-
rens einvernommenen Personen umfassend dargestellt und gewürdigt, sowie die
allgemeinen Regeln der Beweiswürdigung zutreffend dargelegt, worauf verwiesen
werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 52 S. 6 ff.). Die nachfolgenden Ausfüh-
rungen haben deshalb lediglich zusammenfassenden und teilweise ergänzenden
Charakter.
Die Privatklägerin führte in den Einvernahmen der Polizei, der Staatsanwalt-
schaft und anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gleichbleibend aus,
dass sie um ca. 12 Uhr in die Waschküche gegangen sei, um ihre Wäsche in den
Tumbler zu tun. Ihren Schlüssel habe sie an der ersten Türe beim Vorraum zur
Waschküche stecken lassen und habe danach den Tumbler gefüllt. Sie habe Ge-
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räusche aus dem Treppenhaus gehört und als sie in den Zwischenraum geschaut
habe, habe sie die Beschuldigte gesehen, welche bereits bei der ersten Türe ge-
wesen sei. Daraufhin habe sie zur Beschuldigten gesagt "use" und die Türe zur
Waschküche zugezogen. Sie habe dann gehört, wie die Türe abgeschlossen
worden sei und die Beschuldigte "ich hole Polizei" gesagt habe. Sie habe leichte
Panik bekommen und das Oberlichtfenster, welches vergittert sei, gekippt. Etwas
später habe sie durch das Oberlichtfenster gesehen, wie die Beschuldigte das
Haus verlassen habe, worauf sie erst gedacht habe, die Türe sei nun wieder of-
fen. Nachdem sie festgestellt habe, dass diese immer noch verschlossen gewe-
sen sei, sei sie total in Panik geraten. Sie habe dann immer wieder durch das ge-
kippte Oberlichtfenster gerufen und sich bemerkbar gemacht, bis zwei Fremde sie
dann gesehen hätten (Urk. 5/1 S. 1 f.; 5/2 S. 4; Prot. I S. 9).
Die Zeugin C._ schilderte, wie sie von Unbekannten um Hilfe gerufen
worden sei und sie die Beschuldigte mit ihrem Schlüssel aus der Waschküche be-
freite und wie diese sehr aufgebracht hinaus gekommen sei und geweint habe
(Urk. 6/1 S. 4 und 6). Die Zeugen D._ und E._ konnten sich ebenfalls
daran erinnern, dass die Privatklägerin aufgelöst gewesen sei. Der Zeuge
D._ führte aus, die Privatklägerin sei "kreidebleich" vor der Tür gestanden
und habe am ganzen Körper gezittert (Urk. 6/2 S. 3). Die Zeugin E._ meinte,
die Privatklägerin sei ganz blass gewesen und habe gezittert; sie würde sagen,
die Privatklägerin habe einen Nervenzusammenbruch gehabt (Urk. 6/3 S. 3 und
4). Sie stützen somit die Aussagen der Privatklägerin, welche konstant angab,
zuerst nach der Befreiung durch die Zeugin C._ und danach bei den D.-
E._s in Tränen ausgebrochen zu sein und nahe an einem Nervenzusam-
menbruch gewesen zu sein (Urk. 5/1 S. 2 RZ 6; 5/2 S. 5; Prot. I S. 9 und 13 f.).
Zudem bemerkte die Zeugin C._, dass die Privatklägerin keine Schuhe an-
gehabt habe (Urk. 6/1 S. 4) und auch die Zeugen D.-E._ führten an, dass die
Privatklägerin ohne Schuhe und Socken bei ihnen aufgekreuzt sei (Urk. 6/2 S. 4;
6/3 S. 3), was mit den Schilderungen der Privatklägerin übereinstimmt. Diese
führte aus, dass sie nach dem Lauftraining, noch in den Joggingsachen, barfuss
in die Waschküche gegangen sei und sodann barfuss zu den Zeugen D.-E._
gelaufen sei (Urk. 5/1 S. 2 RZ 6; 5/2 S. 4). Die Zeugin C._ führte anlässlich
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der polizeilichen telefonischen Befragung aus, sie habe um ca. 12.15 Uhr die Türe
geöffnet, wobei sie die genaue Zeit nicht sagen könne (Urk. 1 S. 3). Anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 9. Januar 2014 gab sie an, sich an die
exakte Uhrzeit nicht mehr erinnern zu können, sie denke, es sei gegen 17 oder 18
Uhr gewesen (Urk. 6/1 S. 5). Die Zeugen D._ und E._ hingegen sagten
klar aus, dass die Privatklägerin um die Mittagszeit bei ihnen auftauchte, wobei für
D._ die Mittagszeit von 11 Uhr bis 14 Uhr dauert und für E._ die Mit-
tagszeit um 12 Uhr sei (Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3 S. 3). Aus dem Polizeirapport er-
hellt, dass die Privatklägerin um 12.39 Uhr die Polizei angerufen hat (Urk. 1 S. 2).
Alle Zeugen gaben an, wenn sie sich nicht erinnern konnten und sagten auch klar
aus, dass sie nicht selbst gesehen hatten, wer die Privatklägerin eingeschlossen
habe; diese habe ihnen erzählt, dass es die Beschuldigte gewesen sei (Urk. 1 S.
3; 6/1 S. 4 und 6; 6/2 S. 3 f.; 6/3 S. 3 f.)
Die Beschuldigte bestritt anlässlich der verschiedenen Einvernahmen kon-
stant, die Privatklägerin eingesperrt zu haben. Jedoch fällt bei ihren Aussagen
auf, dass sie ihre Darstellung immer wieder etwas anpasste. So erzählte sie erst
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 14. November 2013,
dass sie noch bei Aldi war und zuvor bei der Migros einen Kaffee getrunken habe
(Urk. 4/2 S. 3); anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 6. Juni 2013 er-
wähnte sie dies nicht (Urk. 4/1). Von der Vorinstanz darauf angesprochen, dass
sie den Einkauf bei Aldi bei der Polizei nicht erwähnte, meinte sie, dies sei ein
Fehler im polizeilichen Protokoll (Prot. I S. 22). Auch die Erklärung, dass sie einen
Schlüssel am Abend zuvor bei sich im Briefkasten gefunden habe und diesen auf
einem weissen Papier ins Treppenhaus gelegt habe, gab sie erst ab, als sie sich
mit einer DNA-Probe des Schlüssels der Privatklägerin konfrontiert sah. Auf die
Frage der Vorinstanz, weshalb sie diese Erklärung nicht bereits bei der polizeili-
chen Einvernahme abgegeben habe, meinte sie, die Polizei habe sie nur nach
den Ereignissen dieses Tages (3. Juni 2013) gefragt. Ihre Nachfrage "von dem
Tag?" sei nicht protokolliert worden; die Polizei habe dies wahrscheinlich nicht für
wichtig empfunden (Prot. I S. 23). Auffallend ist jedoch, dass die Beschuldigte das
Protokoll der polizeilichen Befragung vom 6. Juni 2013 (Urk. 4/1) unterzeichnete
und handschriftliche Ergänzungen anbrachte, woraus zu schliessen ist, dass sie
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das Protokoll sorgfältig nochmals durchgelesen hat und mit dem Inhalt einver-
standen war. Weshalb sie dabei nicht auch die aus ihrer Sicht nicht aufgenomme-
nen Fragen und Antworten ergänzte, erscheint nicht plausibel. Als Erklärung,
weshalb der Schlüssel der Privatklägerin in deren Briefkasten gefunden wurde,
äusserte die Beschuldigte die Vermutung, dass die Privatklägerin den Schlüssel
selbst in ihren eigenen Briefkasten gelegt und sich selbst eingeschlossen habe;
am Morgen habe die Privatklägerin sie tätlich angegriffen und aus diesem Grund
würde die Privatklägerin sie beschuldigen wollen (Urk. 4/1 S. 2 RZ 13). Auch an-
lässlich der Berufungsverhandlung führte sie aus, dass die Privatklägerin sie am
Morgen angegriffen und gegen eine Wand gestossen habe; dies sei nicht neu,
das habe die Privatklägerin schon mehrmals gemacht (Prot. II S. 11). Sodann
führte sie aus, die Privatklägerin habe wahrscheinlich ihren Schlüssel am Vor-
abend der Tat in den Briefkasten der Beschuldigten gelegt, da die Privatklägerin
dies geplant habe (Urk. 4/2 S. 6). Mit dieser Erklärung versucht sie ihre eigene
Geschichte zu stützen, wonach sie einen Schlüssel in ihrem Briefkasten gefunden
und diesen auf einem weissen Papier ins Treppenhaus gelegt habe. Insgesamt
vermögen die Aussagen der Beschuldigten nicht zu überzeugen. Vielmehr deuten
ihre Ausführungen bezüglich der Tätlichkeiten der Privatklägerin ihr gegenüber
auf ein Tatmotiv.
Die Vorinstanz hat sodann anhand der von der Beschuldigten eingereichten
Quittung (Urk. 3; Urk. 54/2) aufgezeigt, dass unter Berücksichtigung dieser zeitli-
chen Eckpunkte (F._ um 11.30 Uhr) und Migros-Einkauf um 12.08 Uhr eine
Einschliessung der Beschuldigten um 11.45 Uhr nicht ausgeschlossen werden
könne (Urk. 52 S. 37). Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist vorliegend jedoch
davon auszugehen, dass die Einschliessung nach 12.00 Uhr erfolgte, was auch
mit den eingereichten Belegen sowie den Aussagen der Privatklägerin und der
Zeugen vereinbar ist. Die Privatklägerin rief die Polizei um 12.39 Uhr an und gab
an, ca. 15 bis 20 Minuten nach dem Einschliessen von einer Mieterin befreit wor-
den zu sein. Damit wäre von einer Einschliessung um ca. 12.15 bis 12.20 Uhr
auszugehen. Die Zeitangaben der von der Beschuldigten eingereichten Kassazet-
tel der Migros G._ (12.08 Uhr) und Aldi H._ (12.39 Uhr) (Urk. 3) stehen
unter Berücksichtigung der Fahrzeit zwischen Migros bzw. Aldi und dem Tatort
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von rund sechs bzw. neun Minuten (vgl. Urk. 34A/1 und 2 und Urk. 52 S. 36) die-
sem zeitlichen Ablauf nicht entgegen. Die Zeitreserve für das Parkieren (am Tat-
ort und bei Aldi), die inkriminierte Einschliessung sowie das Einkaufen von drei
Artikel bei Aldi von rund 15 Minuten [Differenz zwischen 30 Minuten (Migros 12.08
und Aldi 12.39) und reiner Fahrzeit von ca. 15 Minuten] vermöchten die Beschul-
digte ebenfalls nicht zu entlasten. Im Hinblick auf die rechtliche Würdigung ist in-
dessen nicht der Zeitpunkt der Einschliessung entscheidend, sondern vielmehr
die Einschliessung an sich. Dafür kann auf die glaubhaften Aussagen der Privat-
klägerin und der Zeugen abgestellt werden. Entgegen der Verteidigung (Urk. 53
S. 4) kommt bei der Erstellung des Sachverhalts dem Umstand, dass ein ge-
spanntes Verhältnis zwischen der Beschuldigten einerseits und der Privatklägerin
und den Zeugen anderseits bestehe, nur eine beschränkte Bedeutung zu: In ers-
ter Linie ist die Glaubhaftigkeit der Aussagen entscheidend (BGE 133 I 33 E. 4.3
S. 45 mit Hinweisen). Wie eingehend analysiert, erweisen sich die Aussagen der
Privatklägerin und insbesondere der Zeugin C._ als glaubhaft. Die Ausfüh-
rungen der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung vermögen daran
nichts zu ändern. So erscheint es nicht schlicht unmöglich, dass die Privatklägerin
die Beschuldigte im Vorraum von der Waschküche aus gesehen hat. Die Interpre-
tation der Verteidigung, dass die Privatklägerin vom Trockner im Waschraum eine
Person im Vorraum nicht habe sehen können, insbesondere wenn die Türe zum
Waschraum in einem 45°-Winkel offen gestanden sei (Urk. 66 S. 4), erscheint zu
eingeschränkt. Die Aussagen der Privatklägerin sprechen nicht dagegen, dass
sie, nachdem sie ein Geräusch gehört hat, zur Türe der Waschküche gegangen
ist, in den Vorraum geschaut und anschliessend die Türe zur Waschküche zuge-
zogen hat. Ebenfalls nicht gegen die Version der Privatklägerin spricht – entgegen
der Ansicht der Verteidigung (Urk. 66 S. 5) –, dass sie das Umdrehen des
Schlüssels durch die Beschuldigte als "blitzschnell" empfand (Urk. 5/2 S. 5). Die
Beschuldigte wollte ihre Einkäufe zu Hause verstauen, weshalb es möglich ist,
dass sie ihren Schlüssel bereits in der Hand hielt um ihre eigene Haustüre aufzu-
schliessen und sie deshalb den Schlüssel in der Waschküchentüre gemäss Emp-
finden der Privatklägerin "blitzschnell" umdrehen konnte. Dass die Bauarbeiter vor
dem Haus das Mittagessen regelmässig bei der Baustelle zu sich genommen ha-
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ben und deshalb die Hilferufe der Privatklägerin hätten hören müssen (Urk. 66 S.
6), ist eine reine Vermutung der Verteidigung und vermag zur Klärung des Sach-
verhalts nichts beizutragen.
Die beantragten Zeugeneinvernahmen und Augenscheine (Urk. 53 S. 3)
vermöchten an diesen Erkenntnissen nichts zu ändern. Die Örtlichkeiten sind mit
Fotos (Urk. 2) und Plan (Urk. 54/1) genügend dokumentiert, die Einvernahme von
Bauarbeitern und I._ (F._) erweist sich als nicht zielführend, da sie sich
auf die Ereignisse vor dem Migroseinkauf beziehen. Aus demselben Grund ist
auch die Einvernahme des Cafeteria-Chefs der Migros zur Befragung des Zeit-
punkts des Kaffeetrinkens durch die Beschuldigte nicht notwendig; auch wenn sie
vor dem Einkauf einen Kaffee getrunken hätte, schlösse dies eine Einschliessung
nach dem Migroseinkauf von 12.08 Uhr nicht aus.
4. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist von den glaubhafteren Aus-
sagen der Privatklägerin, welche in Nebenpunkten von den Zeugen gestützt wer-
den, auszugehen, weshalb keine vernünftigen Zweifel verbleiben, dass sich der
Sachverhalt wie von ihr beschrieben, zugetragen hat. Der Sachverhalt gemäss
Anklageschrift ist somit erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz erweist sich als zutreffend, weshalb
vollumfänglich auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen wer-
den kann (Urk. 52 S. 38 ff.).
Die Beschuldigte ist somit der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafe
1. Die Vorinstanz hat sich grundsätzlich umfassend und eingehend zur
Strafzumessung geäussert, weshalb insbesondere zu den allgemeinen Regeln
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sowie zur Tat- und Täterkomponente auf ihre Erwägungen verwiesen werden
kann (Urk. 52 S. 41 ff.).
2. Die von der Beschuldigten begangene Freiheitsberaubung im Sinne
von Art. 183 Abs. 1 StGB wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit
Geldstrafe bestraft. Aussergewöhnliche Umstände, welche zum Verlassen des
ordentlichen Strafrahmens führen würden, liegen keine vor.
Zur objektiven Tatschwere der Freiheitsberaubung ist festzuhalten, dass die
Beschuldigte die Privatklägerin in der Waschküche einschloss und diese sich in
der Folge nicht selbst befreien konnte. Zudem zog die Beschuldigte den im
Schloss steckenden Schlüssel der Privatklägerin ab und warf diesen in den Brief-
kasten der Privatklägerin, so dass die Befreiung erschwert wurde. Die Beschuldig-
te selbst verliess einige Minuten nach der Tat die Liegenschaft, ohne dafür zu
sorgen, dass die Privatklägerin ihre Freiheit wieder erlangt. Die Privatklägerin ge-
riet deshalb in Panik. Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass die Tat zur Mit-
tagszeit in einer bewohnten Liegenschaft erfolgte und die Privatklägerin sich
durch das Oberlichtfenster hindurch bemerkbar machen konnte, so dass sie be-
reits nach 10 bis 20 Minuten Hilfe erhielt, was indessen nicht der Beschuldigten
zu verdanken ist und ohne deren Zutun erfolgte.
In subjektiver Hinsicht handelte die Beschuldigte zumindest mit Eventualvor-
satz. Als sie die Privatklägerin in der Waschküche sah und diese ihr nahe legte,
zu verschwinden und dabei die Türe zuzog, zögerte sie nicht, die Privatklägerin
einzuschliessen und den an der ersten Türe steckenden Schlüssel zu entfernen.
Nachvollziehbare Gründe für die Tat hatte sie nicht. Auszugehen ist von einer
Spontanhandlung, welche Folge der vorbestehenden Differenzen zwischen den
Nachbarn ist.
Dies vermag die objektive Tatschwere nur geringfügig zu relativieren. Insge-
samt ist das Verschulden der Beschuldigten als leicht zu bezeichnen.
Zu den Täterkomponenten kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 52 S. 43 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung
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führte die Beschuldigte ergänzend aus, umgezogen zu sein und nun an der ...str.
... in ... zu wohnen (Prot. II S. 6). Die Vorstrafenlosigkeit ist aufgrund des Alters
der Beschuldigten unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung marginal strafmindernd zu berücksichtigen. Auch anlässlich der Berufungs-
verhandlung zeigte die Beschuldigte keine Einsicht und Reue in das von ihr be-
gangene Unrecht, weshalb ihr Nachtatverhalten neutral zu beurteilen ist. Weitere
Strafzumessungsgründe sind nicht ersichtlich.
3. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist
sich eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen als angemessen. Die Beschuldigte ver-
fügt gemäss eigenen Angaben über ein Einkommen aus AHV und Zusatzleistun-
gen von Fr. 2'675.– pro Monat; Leistungen aus einer Pensionskasse erhält sie
nicht. Der monatliche Mietzins für ihre Wohnung beträgt Fr. 1'200.–. Sodann hat
sie Schulden in der Höhe von Fr. 11'700.– (Prot. II S. 8 f.). Aufgrund der finanziel-
len Verhältnisse der Beschuldigten ist der Tagessatz der Geldstrafe deshalb auf
Fr. 30.– anzusetzen.
4. Wie die Vorinstanz zu Recht erkannte, sind sowohl in objektiver als
auch in subjektiver Hinsicht die Voraussetzungen des bedingten Strafvollzugs
gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB gegeben. Der Vollzug der Geldstrafe ist somit aufzu-
schieben, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Zur Begründung
kann auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden
(Urk. 52 S. 45 f.).
V. Genugtuung
Die Vorinstanz sprach der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 200.– zu.
Sie hat die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung zutreffend
dargestellt (Urk. 52 S. 46 f.). Die Privatklägerin war zwar lediglich kurze Zeit ein-
gesperrt, geriet deshalb jedoch in Panik. Angesichts des Verschuldens der Be-
schuldigten, der Dauer und Intensität der von der Privatklägerin erlittenen Unbill
und der damit für sie verbundenen psychischen Auswirkungen der Einsperrung
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erweist sich vorliegend eine Genugtuung von Fr. 200.– als angemessen. Im
Mehrbetrag ist die Genugtuungsforderung abzuweisen.
VI. Kosten
1. Ausgangsgemäss sind die erstinstanzliche Kostenauflage sowie das
Entschädigungsdispositiv (Ziffer 6 und 7) zu bestätigen.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Mass-
gabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte
unterliegt mit ihrer Berufung vollumfänglich, weshalb ihr die Kosten des Beru-
fungsverfahrens aufzuerlegen sind.
Der Vertreter der Privatklägerin beantragte für das Berufungsverfahren eine
Prozessentschädigung von Fr. 1'136.50, welche von der Beschuldigten zu bezah-
len sei (Urk. 64 und 65). Dieser Betrag erscheint angemessen. Die Beschuldigte
ist somit zu verpflichten, der Privatklägerin für das Berufungsverfahren eine Pro-
zessentschädigung von Fr. 1'136.50 zu bezahlen.