Decision ID: 9fe6680f-afc8-4fe7-81f2-90bd804efe89
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1962, gelernte Büroangestellte mit einer
Zusatzausbildung und Fähigkeitsausweis als kaufmännische Angestellte
Typ R, war langjährig in der Versicherungsbranche bei der C._ als
Fachspezialistin bzw. Sachbearbeiterin tätig. Per 31. Dezember 2004
wurde ihr infolge einer innerbetrieblichen Umstrukturierung durch den
damaligen Arbeitgeber gekündigt. Danach pflegte sie ihre Mutter im
Privathaushalt bis zu deren Tod im Jahr 2010. Im Zeitraum von 2011 bis
2015 wurde sie vom regionalen Sozialdienst unterstützt und absolvierte
dabei auch drei Arbeitsintegrationseinsätze bzw. Praktika in einem
Teilzeitpensum bei verschiedenen Arbeitgebern.
2. Am 6. August 2015 begab sich A._ aufgrund einer seit Anfang 2015
bestehenden Depression in eine ambulante psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung. Die Psychiaterin Dr. med. D._
und die behandelnde Psychologin E._ diagnostizierten mit Bericht
vom 7. Juli 2016 soziale Phobien (ICD-10 F40.1) sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0).
Ausserdem wurde darin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit dem
6. August 2015 und eine solche von 60 % ab dem 7. Juli 2016
ausgewiesen.
3. Bereits im Juni 2016 hatte sich A._ namentlich unter Hinweis auf eine
Depression, Schlafstörungen, soziale Phobien und
Minderwertigkeitsgefühle bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden
(nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug angemeldet. Diese gewährte
ihr mit Mitteilung vom 28. Oktober 2016 eine Kostengutsprache für ein
Arbeitstraining im Einsatzprogramm B._ vom 19. Oktober 2016 bis
zum 31. Januar 2017. Dieses wurde mit Mitteilung vom 15. Dezember
2016 vorzeitig per 12. Dezember 2016 beendet, da A._ am
12. Dezember 2016 einen Arbeitsversuch im ersten Arbeitsmarkt bei
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F._ als Geschäftsleitungsassistentin antreten konnte, wobei von einer
(medizinisch-theoretischen) Arbeitsfähigkeit von anfänglichen 80 %,
steigerbar auf 100%, ausgegangen wurde. Der Arbeitsversuch wurde
schliesslich mit Mitteilung vom 15. Juni 2017 per Ende Mai 2017 beendet.
Die momentane Gesundheitssituation lasse in nächster Zeit keine
Eingliederungsmassnahmen zu.
4. Denn am 6. Juni 2017 hatte A._ einen akuten Vorwandinfarkt des
Herzens erlitten. Mit Bericht vom 19. Juni 2017 diagnostizierten die
behandelnden Ärzte Dres. med. G._, H._ und I._ vom
Departement Innere Medizin des Spitals U._ unter anderem eine
koronare Eingefässerkrankung. Im Zeitraum vom 19. Juni bis zum 22. Juli
2017 befand sich A._ zur stationären Rehabilitation in der Klinik
Z._. In der Folge entwickelte A._ ein Dressler-Syndrom, welches
mit einer systemischen Steroidtherapie bei gutem Ansprechen darauf
behandelt wurde. Nach deren Sistierung erlitt sie Ende September 2017
ein Perikarditisrezidiv, woraufhin eine systemische Cholchicin-Therapie
durchgeführt wurde. Auch nach deren Absetzung zeigte sich ein
zufriedenstellender Verlauf. In psychischer Hinsicht wiesen die
Psychiaterin Dr. med. K._ und die behandelnde Psychologin E._
mit Verlaufsbericht vom 25. Januar 2018 eine ängstlich vermeidende
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) bei Erstdiagnose im Dezember
2017, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (ICD-10 F33.2), und soziale Phobien (ICD-10 F40.1) aus, wobei
A._ die ambulante Tagesklinik zur Stabilisierung und Erhaltung der
Tagesstruktur besuchte. Es wurde auch eine 50%ige Einschränkung der
Leistungsfähigkeit/Belastbarkeit für jegliche Tätigkeiten attestiert, wobei
im Moment die bisherige Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht mittelfristig
nicht realistisch sei und ein Arbeitstraining ohne körperliche
Anforderungen für mind. 12 Monate in geschütztem Setting empfohlen
werde.
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5. Ab dem 1. April 2018 trat A._ eine unbefristete Anstellung als
Industriemitarbeiterin bei der L._ Stiftung in der Werkstätte J._
an, wobei das Arbeitspensum ab 1. Juli 2018 auf knapp 30% gesteigert
werden konnte.
6. In der Folge liess die IV-Stelle A._ bei der medexperts AG
bidisziplinär in den Fachdisziplinen Kardiologie sowie Psychiatrie und
Psychotherapie begutachten, wobei die Explorationen am 12. November
2018 stattfanden. Dr. med. N._ und Dr. med. O._ stellten in
ihrem Gutachten vom 10. Januar 2019 unter anderem folgende Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0),
koronare Eingefässerkrankung sowie aktuell eine konstante mässiggradig
eingeschränkte linksventrikuläre Funktion. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien namentlich die sozialen Phobien (ICD-10 F40.1), die
ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) sowie die
Störung durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1). Sie
erachteten A._ sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in
einer Verweistätigkeit zu 80 % arbeitsfähig.
7. Am 9. April 2019 wurde zudem eine Abklärung vor Ort durchgeführt,
anlässlich welcher A._ angab, im hypothetischen Gesundheitsfall zu
100 % erwerbstätig zu sein.
8. Nach durchgeführtem Vorbescheid- und Einwandverfahren begab sich
A._ vom 12. August 2019 bis zum 31. Januar 2020 zum Alkohol-
entzug und zur Reduktion von Angstgefühlen in stationäre Behandlung ins
Suchtzentrum P._ der Klinik Q._. Dr. med. R._ stellt im
Austrittsbericht vom 4. Februar 2020 als Hauptdiagnose eine kombinierte
und andere Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61) bzw. als Nebendiagnose
unter anderem eine psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2) und attestierte ihr für die Dauer des
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Klinikaufenthalts eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Nach nur wenigen
Tagen zu Hause, trat A._ am 2. Februar 2020 wegen zunehmender
Angstzustände mit ausgeprägter innerer Unruhe und zunehmender
depressiver Symptomatik in die Klinik S._ zur stationären
Behandlung ein, die bis zum 2. März 2020 dauerte. Im Austrittsbericht vom
12. März 2020 diagnostizierte Oberärztin T._ als Hauptdiagnose eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome (ICD-10 F33.2). Als Nebendiagnosen führte sie
unter anderem eine kombinierte und andere Persönlichkeitsstörung (ICD-
10 F61) sowie eine psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2) auf. Bei Austritt wurde ihr
wiederum ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis ausgehändigt.
9. Die IV-Stelle holte daraufhin bei der medexperts AG ein psychiatrisches
Verlaufsgutachten für den Zeitraum ab dem 10. Januar 2019 ein, das
Dr. med. O._ im Nachgang zur Exploration von A._ vom 29. Juni
2020 am 9. Juli 2020 erstattete. Er stellte als Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit eine Störung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20), sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10
F33.0) fest. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeiten seien soziale Phobien
(ICD-10 F40.1) und die ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F60.6). Zur Leistungsfähigkeit in bisheriger und adaptierter
Tätigkeit wies er eine seit März 2020 bestehende 80%ige Arbeitsfähigkeit
aus. Retrospektiv ergebe sich seit der Vorbegutachtung ab Januar 2019
unter Berücksichtigung der Rechtsprechung zu
Abhängigkeitserkrankungen eine medizinisch-theoretische
Arbeitsunfähigkeit von 70 % bis Februar 2020, wobei für die stationären
bzw. tagesklinischen Behandlungen von einer therapiesettingbedingten
100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei.
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10. Gestützt darauf stellte die IV-Stelle A._ mit Vorbescheid vom
3. August 2020 die Ausrichtung einer abgestuften befristeten
Invalidenrente in Aussicht. Nachdem A._ dagegen am 12. Oktober
2020 Einwand erhoben hatte, sprach die IV-Stelle A._ mit
Verfügungen vom 24. November 2020 für den Zeitraum vom 1. Dezember
2016 bis zum 28. Februar 2017 eine Dreiviertelsrente, vom 1. März 2017
bis zum 31. März 2017 eine Viertelsrente sowie vom 1. Juni 2017 bis zum
30. Juni 2020 eine ganze Invalidenrente zu. Danach bestehe aufgrund der
gutachterlich ausgewiesenen Arbeitsfähigkeit von 80% in einer
adaptierten Tätigkeit kein Rentenanspruch mehr.
11. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 8. Januar
2021 (Datum des Poststempels) Beschwerde beim Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden und beantragte die teilweise Aufhebung der
Verfügung(en) vom 24. November 2020. Die bisherige Invalidenrente sei
weiterhin auszurichten. Zudem seien ihr berufliche Massnahmen zu
gewähren und danach sei der weitere Rentenanspruch zu klären. In
formeller Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege. In der Begründung ihrer Beschwerde beanstandete sie im
Wesentlichen, dass sie von der IV-Stelle auf den Weg der
Selbsteingliederung verwiesen worden sei.
12. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Januar 2021 schloss die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf die kostenpflichtige Abweisung
der Beschwerde und verzichtete unter Verweis auf die Begründung in den
angefochtenen Verfügungen auf eine weitergehende Stellungnahme.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtenen Verfügungen vom 24. November 2020 sowie die weiteren
Akten wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung(en) der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 24. November 2020. Eine solche
Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und
sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und materielle
Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochtenen
Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur Beschwerdeerhebung
legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde
zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60
Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit
einzutreten.
2. Streitgegenstand im vorliegenden Verfahren bildet einzig die Frage der
(Un-)Zumutbarkeit der Selbsteingliederung der Beschwerdeführerin. Nicht
(mehr) streitig sind namentlich die Bemessung des Valideneinkommens,
die gutachterlichen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit im zeitlichen
Kontext sowie die Nichtgewährung eines Leidensabzugs.
3. Rechtsprechungsgemäss ist eine verbesserte oder neu festgestellte
Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung zu
verwerten (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_648/2019 vom 4. Juni
2020 E.4.1 und 9C_473/2019 vom 25. Februar 2020 E.5.2.1 m.H.). Bei
Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben
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werden soll, sind nach mindestens 15 Jahren Bezugsdauer oder wenn sie
das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel
vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der
Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene
Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und
erwerblich zu verwerten (siehe BGE 145 V 209 E.5.1 m.H.). Diese
Rechtsprechung findet auch dann Anwendung, wenn – wie hier –
zeitgleich mit der Rentenzusprache rückwirkend über deren Befristung
und/oder Abstufung befunden wird (siehe BGE 145 V 209 E.5.2-5.4;
Urteile des Bundesgerichts 9C_50/2020 vom 9. Juli 2020 E.3.2,
8C_80/2020 vom 19. Mai 2020 E.2.3 und 9C_685/2019 vom 8. April 2020
E.3.1). Ausnahmen von der diesfalls grundsätzlich ("vermutungsweise")
anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen
namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf
invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person
besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen
verfügt (dazu und zum Folgenden: BGE 145 V 209 E.5.1 m.H.; Urteile des
Bundesgerichts 8C_648/2019 vom 4. Juni 2020 E.4.1 und 9C_685/2019
vom 8. April 2020 E.3.1). Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die
den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres
fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit
entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in
das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür,
dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das
medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf
dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (siehe
BGE 145 V 209 E.5.1; Urteile des Bundesgerichts 9C_768/2019 vom
16. September 2020 E.3.4.1 und 9C_50/2020 vom 9. Juli 2020 E.3.1).
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4. Die Beschwerdegegnerin anerkannte zwar, dass die Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt der Rentenaufhebung per 30. Juni 2020 bzw. des
Verfügungserlasses am 24. November 2020 bereits über 55 Jahre alt war.
Ihrer Ansicht nach bestehen allerdings viele Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschwerdeführerin die Selbsteingliederung dennoch objektiv zumutbar
ist. So verfüge sie über eine gute Schulbildung sowie eine abgeschlossene
Lehre als kaufmännische Angestellte, wobei darin gutachterlicherseits
eine Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei. Für die langjährige Absenz vom
Arbeitsmarkt hätten invaliditätsfremde Gründe bestanden. Zudem seien
berufliche Eingliederungsmassnahmen durchgeführt worden. Diese
hätten unter anderem im ersten Arbeitsmarkt bei F._ vom
12. Dezember 2016 bis Ende Mai 2017 stattgefunden. Dieser
Arbeitsversuch sei zwar letztlich nicht erfolgreich gewesen, was aber
einerseits an einem zwischenmenschlichen Problem und andererseits an
dem von der Beschwerdeführerin Anfang Juni erlittenen grösseren
Herzinfarkt gelegen habe. Da aktuell gemäss gutachterlicher Feststellung
sowohl hinsichtlich des sozialen Verhaltens wie auch des Alkoholkonsums
Fortschritte bestünden und keine bis maximal leichte Beeinträchtigungen
in der Konversation und Kontaktfähigkeit zu Dritten, keine
Beeinträchtigung der Mobilitäts- und Verkehrsfähigkeit und auch sonst
relativ wenige Beeinträchtigungen vorlägen, sei eine Selbsteingliederung
objektiv betrachtet möglich (vgl. die Stellungnahme des Rechtsdienstes
der Beschwerdegegnerin zum Einwand vom 12. Oktober 2020 in der
Begründung zu den angefochtenen Verfügungen vom 24. November 2020
[vgl. Akten der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 4 und IV-act. 157 S. 3 f.]).
5. Dem hält die Beschwerdeführerin im Wesentlichen entgegen, die vor
37 Jahren abgeschlossene Zusatzausbildung zur kaufmännischen
Angestellten und der seit dem Jahr 2004 nicht mehr ausgeübte Beruf
könnten nicht als gute Ausgangsbasis für eine Selbsteingliederung
herangezogen werden. Die Abwesenheit vom ersten Arbeitsmarkt sei
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"offensichtlich" durch die Kündigung durch den Arbeitgeber im Jahr 2004
infolge innerbetrieblichen Umstrukturierungen erfolgt. Allerdings hätten
schon damals Überforderung (Burn-out) und ihre Persönlichkeitsstruktur
zu Schwierigkeiten am Arbeitsplatz geführt. Mithin lägen keine
invaliditätsfremden Gründe vor. Auch greife die Argumentation der
Beschwerdegegnerin, wonach die damalige Eingliederungsmassnahme
im ersten Arbeitsmarkt bei F._ an einem zwischenmenschlichen
Problem gescheitert sei, etwas zu kurz. Richtig sei stattdessen, dass der
damalige Arbeitgeber eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
telefonisch nicht habe bestätigen können. Der erlittene Herzinfarkt habe
natürlich zu einem Abbruch der beruflichen Massnahme geführt, wobei die
Beschwerdegegnerin ihr anschliessend keine solche wieder angeboten
habe. Das nach dem Herzinfarkt auf ihre Initiative und als Ausdruck ihrer
Motivation angetretene Arbeitsverhältnis bei der L._ Stiftung in der
Werkstätte J._ müsse als gescheitert betrachtet werden. Zudem
dürften die anlässlich der freiwilligen stationären Therapie erzielten
Fortschritte nicht dazu verwendet werden, um ihr die Fähigkeit zur
Selbsteingliederung zu unterstellen. Insgesamt sei ihr daher die bisherige
Rente weiterhin auszurichten, berufliche Massnahmen seien zu gewähren
und danach sei der weitere Rentenanspruch zu klären.
6.1. Vorliegend war die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Erlasses der
Rentenverfügung am 24. November 2020 über 55 Jahre alt (zu dem für
die Ermittlung des Eckwertes des 55. Altersjahres massgeblichen
Zeitpunkt im Rahmen einer Rentenrevision: siehe Urteil des
Bundesgerichts 9C_473/2019 vom 25. Februar 2020 E.5.2.1 m.H.a.
BGE 141 V 5 E.4.2.1; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 9C_162/2020
vom 16. September 2020 E.6.2 und 8C_235/2019 vom 20. Januar 2020
E.3.2.2). In BGE 145 V 209 liess das Bundesgericht für die Konstellation
der (rückwirkenden) Zusprache einer Invalidenrente mit gleichzeitiger
("uno actu") Revision und somit Abstufung oder Aufhebung der
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Invalidenrente jedoch offen, welches der für die Ermittlung des Eckwerts
des 55. Altersjahres massgebliche Zeitpunkt sein soll (siehe BGE 145 V
209 E.5.4; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 9C_516/2020 vom
29. Dezember 2020 E.4.4.2 und 9C_50/2020 vom 9. Juli 2020 E.3). In
Frage kommt der Zeitpunkt der Verfügung selbst, derjenige der darin
verfügten Rentenabstufung bzw. -aufhebung (vgl. BGE 141 V 5 E.4) oder
jener des Feststehens der entsprechenden medizinischen Zumutbarkeit
(BGE 138 V 457). In allen diesen Fällen hat die Beschwerdeführerin
vorliegend aber ohnehin den Schwellenwert von 55 Jahren erreicht.
Insofern muss vorgängig der Renteneinstellung rechtsprechungsgemäss
geprüft werden, ob ihr die Verwertung der (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem
Weg der Selbsteingliederung zumutbar ist.
6.2. Zwar weist die Beschwerdeführerin eine langjährige Absenz vom
Arbeitsmarkt auf. So war sie nach ihrer Aus- und Weiterbildung zur
Bürofach- bzw. kaufmännischen Angestellten nach eigenen Angaben
zuletzt vom 7. April 1986 bis zum 31. Dezember 2004 in der
Versicherungsbranche als Fachspezialistin bzw. Sachbearbeiterin bei der
C._ tätig (vgl. Anmeldung zum Leistungsbezug vom 26. Juni 2016
[IV-act. 2 S. 6], Lebenslauf [IV-act. 37 S. 2] und
Haushaltsabklärungsbericht vom 12./16. April 2019 [IV-act. 120 S. 3]). Die
Kündigung dieser Tätigkeit erfolgte – wie die Beschwerdeführerin selbst
einräumt – durch den Arbeitgeber aus innerbetrieblichen
Umstrukturierungsgründen (vgl. Anmeldung zum Leistungsbezug vom
26. Juni 2016 [IV-act. 2 S. 6], medexperts-Gutachten von Dr. med.
O._ und Dr. med. N._ vom 10. Januar 2019 [IV-act. 114 S. 11
und 23], Haushaltsabklärungsbericht vom 12./16. April 2019 [IV-act. 120
S. 3] und Beschwerde vom 8. Januar 2021 S. 5). Soweit sie unter Hinweis
auf den Bericht ihres Hausarztes, Dr. med. V._, vom 13. Februar
2004 geltend macht, bereits damals hätten Überforderung (Burn-out) und
ihre Persönlichkeitsstruktur zu Schwierigkeiten am Arbeitsplatz geführt,
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weshalb keine invaliditätsfremden Gründe (für den Stellenverlust)
vorlägen, kann ihr aber nicht gefolgt werden. Dr. med. V._ berichtete
darin vielmehr, dass er das momentane, reaktive "Burn-out-Syndrom" mit
depressiver Entwicklung mehrmals und ausgiebig mit der
Beschwerdeführerin besprochen habe. Einerseits gehe es darum, die
momentane Baisse zu beheben, und andererseits das Verhalten im
privaten und geschäftlichen Bereich der Beschwerdeführerin so
anzupassen, dass künftig nicht wieder eine Dekompensation auftrete
(siehe Bf-act. 5). Daraus kann geschlossen werden, dass es sich dabei
nur um eine vorübergehende Verschlechterung des psychischen Zustands
der Beschwerdeführerin handelte, was sich denn auch in den aufgeführten
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen widerspiegelt. Während sie zu
Beginn ab dem 29. Dezember 2003 noch zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben wurde, attestierte Dr. med. V._ ab dem 28. Januar 2004
noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, bevor er ab dem 1. März 2004
wiederum von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit ausging (siehe Bf-act. 5). Da sich diese vorübergehende
depressive Verstimmung zudem bereits Ende 2003 bzw. Anfang 2004
zutrug, kann nicht gesagt werden, dass sich die Beendigung des
Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber per 31. Dezember 2004 auf
gesundheitsbedingte Faktoren zurückführen lässt. Dies bestätigte die
Beschwerdeführerin denn auch anlässlich der Haushaltsabklärung am
9. April 2019, indem sie selbst angab, der Verlust der Arbeitsstelle im Jahr
2004 sei nicht im Zusammenhang mit den gesundheitlichen Beschwerden
gestanden (siehe IV-act. 120 S. 3).
6.3. Auch in der Folgezeit, in der die Beschwerdeführerin namentlich ihre
Mutter bis zu deren Tod pflegte (vgl. Anmeldung zum Leistungsbezug vom
26. Juni 2016 [IV-act. 2 S. 6], medexperts-Gutachten von Dr. med.
O._ und Dr. med. N._ vom 10. Januar 2019 [IV-act. 114 S. 11
und 23] und Haushaltsabklärungsbericht vom 12./16. April 2019 [IV-
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act. 120 S. 3]), lassen sich keine im Vordergrund stehenden
invaliditätsbedingten Gründe für das Fernbleiben von der Arbeitswelt
eruieren. Insbesondere ergibt sich aus dem von der Beschwerdeführerin
beigebrachten Bericht von Dr. med. V._ vom 25. Januar 2011
lediglich, dass er diese als allgemein und sozial etwas altbacken und mit
zurückgebliebener Persönlichkeitsstruktur beschrieb. Zwar wies er auf
eine gewisse Vereinsamung, fehlende Sozialkontakte und eine nicht näher
bezeichnete reaktive Depression mit Schlafstörungen, welche sich indes
unter Therapie verbessert habe, hin (siehe Bf-act. 6). Auch wenn diese
hausärztliche Einschätzung auf eine Desintegration im gesellschaftlichen
Leben hinweist (vgl. dazu auch Haushaltsabklärungsbericht vom
12./16. April 2019 [IV-act. 120 S. 2 f.]), lässt sich daraus – insbesondere
unter Berücksichtigung des Therapieerfolgs hinsichtlich der depressiven
Symptomatik – kein dauerhafter invalidisierender Gesundheitsschaden
mit wesentlichen funktionellen Auswirkungen ableiten, der einer
erwerblichen Eingliederung entgegenstünde. Auch das
beschwerdeführerische Vorbringen, wonach der psychische
Gesundheitszustand aufgrund der späten Anmeldung zum Bezug von IV-
Leistungen nur rudimentär anhand medizinischer Akten belegt sei, ist
insofern zu relativieren, als die Beschwerdeführerin nach eigenen
Aussagen erst wieder seit August 2015 in psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung steht (vgl. Bericht von Dr. med.
D._ vom 7. Juli 2016 [IV-act. 11 S. 1]) und vorher abgesehen von
einer halbjährigen ambulanten psychiatrischen Behandlung mit 17 Jahren
keine entsprechende Therapie in Anspruch genommen hat (vgl.
medexperts-Gutachten von Dr. med. O._ und Dr. med. N._ vom
10. Januar 2019 [IV-act. 114 S. 10, 13, 15 und 17]).
6.4. Des Weiteren kann auf das medexperts-Gutachten von Dr. med. O._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM, und Dr. med. N._, Facharzt für Innere
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Medizin spez. Kardiologie, vom 10. Januar 2019 sowie das psychiatrische
Verlaufsgutachten von Dr. med. O._ vom 9. Juli 2020 abgestellt
werden, deren voller Beweiswert von der Beschwerdeführerin nicht in
Abrede gestellt wird. Gestützt darauf ist zu erkennen, dass die
Beschwerdeführerin in der bisherigen und einer adaptierten Tätigkeit (d.h.
insbesondere einer körperlich leichten, sitzenden Tätigkeit ohne hohe
Anforderungen an die soziale Interaktionsfähigkeit) ab Januar 2019 bis
Februar 2020 zu 30 % und seit März 2020 zu 80 % arbeitsfähig war bzw.
ist, ausgenommen einzig die Zeitspanne der stationären bzw.
tagesklinischen Behandlung während welcher aufgrund des
Therapiesettings von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist
(vgl. insbesondere das psychiatrische Verlaufsgutachten von Dr. med.
O._ vom 9. Juli 2020 [IV-act. 147 S. 21] und auch medexperts-
Gutachten von Dr. med. O._ und Dr. med. N._ vom 10. Januar
2019 [IV-act. 114 S. 6, 18 ff. und 28]). Auch für die Zeit ab Beginn der
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung im August 2015 ist eine
solche 100%ige Arbeitsunfähigkeit dokumentiert, während ab dem 7. Juli
2016 Arbeitsfähigkeiten zwischen 40 % und 80 % bis zu dem am 6. Juni
2017 erlittenen Herzinfarkt aktenkundig sind (vgl. Bericht von Dr. med.
D._ vom 7. Juli 2016 [IV-act. 11 S. 2 f.], Case Report [IV-act. 163
S. 10] und die Begründung zu den angefochtenen Verfügungen vom
24. November 2020 [IV-act. 157 S. 2]). Für die Zeit vor August 2015 lässt
sich den Akten hingegen keine nachweislich klare, fachärztlich attestierte
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung entnehmen. Trotz der ausgewiesenen
und unbestritten gebliebenen Arbeitsfähigkeiten sind abgesehen von drei
kürzeren Arbeitsintegrationseinsätzen bzw. Praktika mit Pensen zwischen
50 % und 70 % (vgl. Arbeitszeugnis der Gemeinde M._ vom
22. August 2011 [IV-act. 17 S. 2], Arbeitszeugnis der W._ vom
16. Juli 2014 [IV-act. 17 S. 3] sowie Arbeitszeugnis der X._ vom
3. Juni 2015 [IV-act. 17 S. 4]) keine konkreten und dokumentierten
Anhaltspunkte dafür aktenkundig, dass sich die Beschwerdeführerin
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ausserhalb der Phasen vollständiger Arbeitsunfähigkeit aktiv um die
Ausschöpfung ihrer (medizinisch-theoretischen) Leistungsfähigkeit im
Rahmen einer entsprechenden Arbeitsstelle bemüht hätte (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_516/2020 vom 29. Dezember 2020 E.4.4.3,
9C_162/2020 vom 16. September 2020 E.6.2 und 9C_819/2014 vom
19. Juni 2015 E.4; vgl. in sachverhaltlicher Hinsicht: Evaluationsgespräch
Eingliederung vom 15. August 2016 [IV-act. 13], Lebenslauf [IV-act. 19
S. 2], medexperts-Gutachten von Dr. med. O._ und Dr. med.
N._ vom 10. Januar 2019 [IV-act. 114 S. 11, 15 und 17] sowie den
Haushaltsabklärungsbericht vom 12./16. April 2019 [IV-act. 120 S. 3],
wonach die Beschwerdeführerin ihre Suchbemühungen zugunsten der
Pflege ihrer Eltern in den Hintergrund gestellt habe, bevor sie im Jahr 2011
eine befristete Arbeitsstelle bei der Gemeinde M._ gehabt,
Freiwilligenarbeit geleistet und sodann kurzzeitig bei der W._ sowie
bei der X._ gearbeitet habe; vgl. ferner auch IK-Auszug vom 7. Juli
2016 [IV-act. 9]). Auch kamen für sie diverse, im Rahmen der
Eingliederungsberatung gemachte Vorschläge für mögliche
Arbeitstätigkeiten nicht in Frage (vgl. Verlaufsprotokoll Eingliederung,
Einträge vom 19. September 2016, 26. September 2016, 10. und
11. Oktober 2016 sowie 3. November 2016 [IV-act. 81 S. 1 ff.]). In solchen
Konstellationen, in denen der versicherten Person die Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit seit Jahren zumutbar war und die berufliche
Selbstintegration seither aus invaliditätsfremden Gründen unterblieb, ist
die arbeitsmarktliche Desintegration rechtsprechungsgemäss nicht
invaliditätsbedingt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_105/2019 vom
18. Juni 2019 E.7.1 und 8C_394/2017 vom 8. August 2017 E.4.3).
6.5. Insgesamt ist somit die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt (ab 2005) in
erster Linie auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen, weshalb bereits
damit ein Ausnahmetatbestand gegeben ist, der die vermutungsweise
- 16 -
anzunehmende Unzumutbarkeit der Selbsteingliederung umzustossen
vermag.
7. Der Beschwerdeführerin ist zwar darin beizupflichten, dass sie ihre Aus-
und Weiterbildung zur Büro- bzw. kaufmännischen Angestellten bereits
1983 abgeschlossen hatte und diese damit relativ lange zurückliegt (siehe
Fähigkeitszeugnisse vom 26. März 1981 bzw. 6. Oktober 1983 [IV-act. 5]
und Anmeldung zum Leistungsbezug vom 26. Juni 2016 [IV-act. 2 S. 5]).
Auch wenn sie seit Ende 2004 nicht mehr im ersten Arbeitsmarkt im
Rahmen einer Festanstellung auf diesem Beruf tätig ist, kann sie dennoch
eine über 15-jährige Arbeitstätigkeit als Fachspezialistin bzw.
Sachbearbeiterin bei einer Versicherung vorweisen (vgl. dazu die eigenen
Angaben der Beschwerdeführerin in der Anmeldung zum Leistungsbezug
vom 26. Juni 2016 [IV-act. 2 S. 6]), in welcher sie Fertigkeiten und
Berufserfahrung erworben hat, die durchaus in einer Verweistätigkeit
nutzbar gemacht werden können. Da die ihr zumutbaren Tätigkeiten (d.h.
insbesondere maximal leichte körperliche bzw. sitzende [Büro-]Arbeiten
ohne hohe Anforderungen an die soziale Interaktion, vgl.
Konsensbeurteilung im medexperts-Gutachten von Dr. med. O._ und
Dr. med. N._ vom 10. Januar 2019 [IV-act. 114 S. 6] und Case
Report [IV-act. 163 S. 11]) auf dem massgeblichen Arbeitsmarkt zudem
keine besonderen Qualifikationen erfordern, relativiert sich der
Eingliederungsbedarf auch in dieser Hinsicht (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_229/2019 vom 5. Juli 2019 E.4 und 5.3 sowie
8C_492/2018 vom 24. August 2018 E.5.2).
8. Überdies erhielt die Beschwerdeführerin namentlich im Rahmen der
Eingliederungsmassnahmen weitgehend positive Rückmeldung zu den
von ihr erbrachten Arbeitsleistungen anlässlich des durchgeführten
Arbeitstrainings bei B._ und des Arbeitsversuchs bei F._. Dem
Schlussbericht der B._ vom 12. Dezember 2016 ist zu entnehmen,
dass sie – abgesehen von ihrer Neigung zum Perfektionismus, was sich
- 17 -
insbesondere auf das Arbeitstempo niederschlug – ausnahmslos sehr
gute Resultate erbracht hat, eine ausgesprochen ruhige und überlegte
Arbeitsweise vorwies, sich zuverlässig und verbindlich an die
Abmachungen hielt und von allen Beteiligten sehr geschätzt worden ist
(siehe IV-act. 60 S. 2 f., vgl. ferner Verlaufsprotokoll Eingliederung,
Einträge vom 3. November 2016 und 6. Dezember 2016 [IV-act. 81 S. 4]).
Auch im Rahmen des Arbeitsversuches bei F._ wurde namentlich
zurückgemeldet, dass abgesehen vom Arbeitstempo alle mit ihrer in einem
80%-Pensum geleisteten Arbeit zufrieden waren (vgl. die Nachrichten vom
20. Februar 2017 [IV-act. 54 S. 1] und 28. März 2017 [IV-act. 71],
Verlaufsprotokoll Eingliederung, Einträge vom 23. Januar 2017 [IV-act. 81
S. 6], 23. März 2017 und 28. März 2017 [IV-act. 81 S. 10]). Wenn die
Beschwerdegegnerin in den angefochtenen Verfügungen ausführte, der
Arbeitsversuch sei namentlich an einem zwischenmenschlichen Problem
gescheitert, kann der sich dagegen wehrenden Beschwerdeführerin nicht
gefolgt werden. Vielmehr geht aus den Akten eindeutig hervor, dass sie
grosse Mühe bekundet hatte, mit Herrn Y._ von F._ zu arbeiten,
nicht mit dessen Führungsstil klargekommen war und sich von ihm
ausgenutzt fühlte (vgl. Nachrichten vom 14. Februar 2017 [IV-act. 53],
17. März 2017 [IV-act. 69] und 17. Mai 2017 [IV-act. 77], Verlaufsprotokoll
Eingliederung, Einträge vom 19. Januar 2017 [IV-act. 81 S. 5], 28. April
2017 und 1. Mai 2017 [IV-act. 81 S. 11]). Dies führte zunächst zu
Arbeitsausfällen, bevor sie sich per Ende Mai 2017 eine Pause wünschte,
um alles zu verarbeiten (vgl. Verlaufsprotokoll Eingliederung, Einträge
vom 19. Januar 2017 [IV-act. 81 S. 5] und 9. Mai 2017 [IV-act. 81 S. 11 f.],
Nachricht vom 29. März 2017 [IV-act. 72 S. 1 f.]). Da es sich bei diesem
Zerwürfnis nicht um einen gesundheitsbedingten Grund für den Abbruch
der beruflichen Massnahmen handelte, legen die vorerwähnten,
grundsätzlich positiven Rückmeldungen nahe, dass die
Beschwerdeführerin durchaus in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch
ausgewiesene Leistungspotenzial, welches sich auf das Arbeitstempo
- 18 -
auswirkende Beeinträchtigungen mitberücksichtigt (siehe dazu
medexperts-Gutachten von Dr. med. O._ und Dr. med. N._ vom
10. Januar 2019, in welchem insbesondere körperlich leichte, sitzende
[Büro-]Arbeiten bei erhöhtem Zeitbedarf und vermehrtem
Pausenbedürfnis, wenig zeitlichem Druck sowie einem geduldigen und
wertschätzendem Umfeld als leidensangepasst erachtet wurden [IV-
act. 114 S. 6 und 19 f.]), mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und
erwerblich zu verwerten. Soweit die Beschwerdeführerin zudem
bemängelt, ihr seien nach dem erlittenen Herzinfarkt von Seiten der
Beschwerdegegnerin keine beruflichen Massnahmen mehr angeboten
worden, ist ihr entgegenzuhalten, dass sie um deren Gewährung weder
ersucht noch sich darum bemüht hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_658/2015 vom 9. Mai 2016 E.6 und 9C_819/2014 vom 15. Juni 2015
E.4). Insofern erscheinen weitere Eingliederungsmassnahmen nicht als
angezeigt.
9. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1. April 2018 eine unbefristete Anstellung als Industriemitarbeiterin bei der
L._ Stiftung in der Werkstätte J._ angetreten hat und das
Arbeitspensum im Verlauf auf knapp 30% gesteigert werden konnte (siehe
IV-act. 112; vgl. medexperts-Gutachten von Dr. med. O._ und
Dr. med. N._ vom 10. Januar 2019 [IV-act. 114 S. 23 und 27]).
Weshalb dieses Arbeitsverhältnis nach eigenen Aussagen der
Beschwerdeführerin im Sinne eines Versuchs der Selbsteingliederung als
gescheitert anzusehen sei, ist nicht ersichtlich. Vielmehr zeigt dieser
Schritt auf, dass die Beschwerdeführerin trotz der damalig attestierten
erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen und
somatischen Gründen (vgl. dazu namentlich Verlaufsbericht von Dr. med.
K._ vom 25. Januar 2018 [IV-act. 92] sowie Verlaufsberichte von
Dr. med. I._ vom 4. Oktober 2017 [IV-act. 85] und 14. Februar 2018
[IV-act. 93]) grundsätzlich in der Lage war, sich bei Bedarf – unter Mithilfe
- 19 -
der psychiatrischen Betreuungspersonen bzw. des regionalen
Sozialdienstes (vgl. dazu Verlaufsbericht von Dr. med. K._ vom
25. Januar 2018 [IV-act. 92 S. 2 und 4]) – um eine angepasste Anstellung
zu bemühen. Dieser Umstand ist rechtsprechungsgemäss als Ausdruck
einer gewissen Agilität und Gewandtheit zu verstehen, trotz
fortgeschrittenem Alters eigenständig eine Arbeitstätigkeit finden zu
können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2019 vom 16. September
2020 E.3.4.2.2; vgl. ferner das psychiatrische Verlaufsgutachten von
Dr. med. O._ vom 9. Juli 2020 [IV-act. 147 S. 11], wonach es die
Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben verärgert habe, dass ihr nach
dem Klinikaufenthalt bis im März 2020 niemand zugetraut habe, selbst
eine Wohnung zu finden, weshalb sie beschlossen habe, es allen zu
zeigen; letztlich fand die Beschwerdeführerin per 12. Juni 2020 eine neue
Wohnung [siehe IV-act. 147 S. 10, 18 und 20]). Dass die Anforderungen
bei der L._ Stiftung im Vergleich zu einer Beschäftigung im ersten
Arbeitsmarkt bei 50 % lagen (vgl. Beurteilung Arbeitseinsatz in der
Werkstätte J._ der L._ Stiftung vom 25. Juni 2019 [IV-act. 128
S. 19]), tut dem keinen Abbruch.
10. In Gesamtwürdigung der Umstände ist die Beschwerdeführerin somit als
im Stande zu betrachten, sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters ohne
behördliche Hilfestellung in einer leidensadaptierten Tätigkeit in das
Erwerbsleben zu integrieren. Mithin besteht kein Anspruch auf
Durchführung weiterer beruflicher Eingliederungsmassnahmen bzw. auf
Weiterausrichtung der bisherigen Rente. Ebenso wenig ist eine erneute
Abklärung der Rentenfrage nach vorgenommenen
Eingliederungsmassnahmen angezeigt.
11.1. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
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unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest.
11.2. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
Bei diesem Prozessausgang wird die Beschwerdeführerin grundsätzlich
kostenpflichtig. Allerdings hat sie um unentgeltliche Rechtspflege bzw.
Prozessführung ersucht. Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die
nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche
Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (vgl.
auch Art. 76 Abs. 1 VRG). Die Voraussetzungen dafür sind vorliegend
gegeben. So ist namentlich ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin
gemäss Verfügung vom 7. Juli 2020 der Wohngemeinde weiterhin mit
wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt wird. Ausserdem kann auch nicht
von einer Aussichtslosigkeit der Beschwerde ausgegangen werden, womit
dem Gesuch entsprochen werden kann. Dementsprechend werden die
von der Beschwerdeführerin zu tragenden Gerichtskosten von CHF 700.--
(vorläufig) auf die Gerichtskasse genommen. Die obsiegende
Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten
(vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
11.3. Hinzuweisen ist noch auf den Vorbehalt in Art. 77 VRG, wonach die
erlassenen Gerichtskosten zu erstatten sind, wenn sich die Einkommens-
oder Vermögensverhältnisse der Beschwerdeführerin dereinst verbessern
sollten.
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