Decision ID: cca3a5f1-d501-5da1-b6fd-ed7a679aef55
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1966 geborene und im Jahr 1991 in die Schweiz eingereiste
X._
meldete sich am 24. Juli 2001 unter Hinweis auf eine beidseitige
Femur
kopf
nekrose
mit starken Schmerzen sowie auf einen Status nach Knochenbrü
chen an beiden Händen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, zum Leistungsbezug (Rente) an (Urk. 9/1). Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen liess die IV-Stelle den Versicherten im September 2002 in der MEDAS
Y._
begutachten (Expertise vom 5. November 2002, Urk. 9/37) und verneinte gestützt auf diese Abklärungen einen Anspruch
von
X._
auf eine Invalidenrente (Verfügung vom 7. Januar 2003, Urk. 9/39). Hieran hielt sie mit
Einspracheentscheid
vom 13. August 2003 (Urk. 9/53) fest. Mit Urteil vom 4. Mai 2004 (Urk. 9/64) hob das
Sozialversiche
rungsgericht
des Kantons Zürich den
Einspracheentscheid
auf und wies die Sa
che zwecks weiterer Abklärungen in beruflicher und medizinischer Hinsicht an die IV-Stelle zurück. Das in der Folge angerufene Bundesgericht präzisierte dieses Urteil in
sofern, als es das Gutachten der MEDAS (auch) für die Zeit nach der
Hüftge
lenksoperation
links (24. April 2001) als nicht hinreichend schlüssig erachtete (Urteil vom 29. November 2004, Urk. 9/67/7). Infolgedessen wurde der Versi
cherte am 1. und 8. März 2005 einer erneuten Begutachtung unterzogen (Ex
pertise
des Medizinischen Zentrums
Z
._
vom 13. April 2005, Urk. 9/72). Unter Auferlegung der prothetischen Versorgung beider Hüftgelenke als Schadenminderungspflicht (Schreiben vom 4. Oktober 2005, Urk. 9/83) sprach die IV-
Stelle
X._
mit Verfügungen vom 5. und 22. Dezember 2005 (Urk. 9/88, Urk. 9/93) eine ganze Rente der Invalidenversicherung mit Wirkung ab 1. April 2002 zu.
1.2
Im November 2006 eröffnete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren (Urk. 9/96). Nachdem der Versicherte am 25. April 2007 mit einer Hüft-
Totalendoprothese
rechts (Urk. 9/102/8) versorgt worden war, der gesundheitliche Verlauf sich aber - nach vorerst problemloser postoperativer Ent
wicklung (Urk. 9/102/9) - pro
t
ra
hiert gezeigt hatte (Urk. 9/112/9, 11, Urk. 9/114/7), bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilung vom
31. Oktober 2008 (Urk. 9/117) einen unveränderten
Anspruch von
X._
auf eine ganze Invalidenrente.
1.3
Anlässlich einer erneuten Revision Ende 2009 (Urk. 9/118) bezeichnete der Versi
cherte seinen Gesundheitszustand als unverändert, machte die Notwendig
keit von Dritthilfe im Bereich An-/Auskleiden, Körperpflege und Fortbewegung geltend (Urk. 9/118/2-3) und ersuchte am 16. Dezember 2009 (Urk. 9/120) um Leistungen im Rahmen der lebenspraktischen Begleitung. Am 18. März 2010 liess die IV-Stelle
X._
von Dr. med
.
A._
,
Ortho
pä
dische Chirur
gie FMH, begutachten (Expertise vom 22. April 2010, Urk. 9/130) sowie am 9. September 2010 (Urk. 9/133) durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) psychiatrisch abklären. Mit Vorbescheid vom 15. März 2011 (Urk. 9/137) zeigte die IV-Stelle dem Versicherten die Reduktion der Rente an und stellte mit Vor
bescheid vom 29. März 2011 (Urk. 9/141) die Ablehnung des Gesuchs um Aus
richtung einer
Hilflosenentschädigung
in Aussicht. Nach hier
gegen erhobenen Einwänden (Urk. 9/143, Urk. 9/151) setzte die IV-Stelle die ganze Rente des Versicherten mit Verfügung vom 5. September 2011 per 1. No
vember 2011 auf eine halbe Rente herab (Urk. 2).
2.
Hiergegen liess
X._
am 30. September 2011 Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
ihm
weiter
hin eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszu
richten. Eventualiter sei ihm eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 11. November 2011 (Urk. 7 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 9/1-166) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Be
schwerde. Während der Beschwerdeführer mit Replik vom 23. Dezember 2011 (Urk. 12) an seinen Anträgen festhielt, verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Erstatten einer Duplik (Eingabe vom 6. Februar 2012, Urk. 15), was dem Beschwerdeführer am 7. Februar 2012 (Urk. 16) angezeigt wurde.
Mit Beschluss vom
8.
Mai 2013 (
Urk.
17) zeigte das hiesige Gericht dem Beschwerdeführer an, dass es die medi
zinische Aktenlage als möglicherweise für ungenügend
und eine Rückweisung zu weiteren Abklärungen als
allenfalls
nötig
erachte, weshalb ihm Gelegenheit zur Stellungnahme oder zum Rückzug der Beschwerde
eingeräumt
werde. Mit Eingabe vom 1
8.
Juni 2013 (
Urk.
19) hielt der Beschwerdeführer unter Hinweis darauf, dass bei einer allfälligen Rückweisung der Angelegenheit eine ambu
lante medizinische Begutachtung als ausreichend
betrachtet
werde und keinerlei Grund für eine Begutachtung im stationären Rahmen bestehe, an der Beschwerde fest.
3.
Mit Verfügung vom 27. Februar 2012 verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
/lebenspraktische Begleitung. Die dagegen am 16. März 2012 erhobene Beschwerde
war
Gegenstand des Prozesses Nr.
IV.2012.00322 und wurde mit Urteil
des Sozialversicherungsgerichts vom 8. Mai 2013
abgewiesen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Während die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung davon aus
ging, dass dem Beschwerdeführer nach
der
Hüftoperation
rechts
nun mehr wie
der eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit zumutbar sei (
Urk.
2), machte
dieser
geltend, es bestehe ein unverändertes Beschwerdebild mit tendenziell verstärkten Schmerzen (
Urk.
1 S. 4).
Das von
Dr.
A._
erstellte Gutachten sei weder vollständig noch schlüssig oder nachvollziehbar (
Urk.
1 S.
5), weshalb es als Entscheidungsgrundlage nicht zu dienen und keineswegs eine Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes des Beschwerdeführers
zu
belegen
vermöge (
Urk.
1 S. 8). Vielmehr sei auf
die Ausführungen der
Klinik B._
abzustellen, wonach ein unverändertes Beschwerdebild und sogar Anzeichen einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes bestünden. Man
gels Verbesserung sei der Beschwerdeführer nach wie vor vollständig arbeits
unfähig, was im Übrigen von diversen orthopädischen Fachärzten bestätigt worden sei
. Damit bestehe unverändert Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
(
Urk.
1 S. 9).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
2.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen
Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3.
3.1
Mit Verfügung
en
vom
5./2
2.
Dezember 2005
(Urk.
9/88,
Urk.
9/93
) sprach die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer
gestützt a
uf einen Invaliditätsgrad von 100
% eine ganze Rente der Invalidenversicherung mit Wirkung ab
1.
April 2002 zu. Anlässlich der Revision
im
Jahr 2006 (Urk. 9/96
) holte die
Be
schwer
degegnerin
zwar
den Verlaufsbericht
von Dr. med.
C._
, Assistenz
arzt,
Klinik B._
, vom
1./
3./
5.
Januar 2007 (
Urk.
9/98), den im Rahmen der am 2
5.
April 2007 erfolgten Hüft-Totalprothese erstellten Austrittsbericht der
B._
vom
6.
Juni 2007 (
Urk.
9/102
/8-9
)
,
die Verlaufsberichte der
Klinik B._
vom
3.
April 2008 (
Urk.
9/112) und vom 1
4.
August 2008 (
Urk.
9/114)
sowie
jenen des
Dr.
med.
D._
, Allgemeine Medizin FMH, vom 2
8.
August 2008 (
Urk.
9/115)
ein
.
Diese
Berichte
erweisen sich aber
einer
seits
als
meist sehr
kurz
und enthalten andererseits weitgehend keine Angaben zur aktuellen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. War zudem der medizi
nische Sachverhalt nicht abschliessend geklärt (vgl. Beurteilung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst vom 3
1.
Oktober 2008,
Urk.
9/116/5), so kann
nicht von einer umfassenden materiellen Prüfung mit rechtskonformer
Sach
verhaltsabklärung
(E. 2.2)
gespro
chen werden
, weshalb als massgebender Zeit
raum jener zu
gelten hat, welcher zwischen den
Rentenverfügung
en
vom
5./2
2.
Dezember 2005
und der ange
fochtenen Verfügung vom
5.
September 2011
(Urk. 2) liegt.
3.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
zur Rentengewährung
insbesondere auf das am
Medizinischen Zentrum Z._
erstellte Gutachten vom 1
3.
April 2005 (
Urk.
9/72). Hierbei hatte der rheumatologische Teilgutac
hter die Befunde als ausgeprägt,
das
Schmerz
verhalten
des Beschwerdeführers
als adäquat beurteilt (
Urk.
9/72/12) und
aktuell für alle berufliche Tätigkeiten eine Arbeitsu
nfähigkeit von 100
%
bestätigt (
Urk.
9/72/17
).
Gleichzeitig machte er jedoch aktenkundig, die prothetische Versorgung
der Hüftgelenke
bei
schwerer
beidseitiger
Coxarthrose
bei as
e
p
ti
scher
Femurkopfnek
rose
(
Urk.
9/72/16)
sei dem Beschwerdeführer
zumutbar und
könnte
zu einer deutlichen Verbesserung oder gar Normalisierung
von dessen
Arbeitsfähigkeit führen (
Urk.
9/72/18).
Eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht verneint
e der psychiatrische Gutachter
(
Urk.
9/72/15).
3.3
3.3.1
Nachdem dem Beschwerdeführer die prothetische Versorgung beider Hüftge
lenke als Schadenminderungspflicht auferlegt worden war (
Schreiben
der Beschwerdegegnerin
vom
4.
Oktober 2005,
Urk.
9/83),
wurde
er
am 2
5.
April 2007 mit einer Hüft-Totalprothese rechts versorgt, wobei sich der
peri
- und postoperative Verlauf problemlos zeigte (
Urk.
9/102/8-9).
Die am 2
5.
Oktober 2007 (
Urk.
9/112/10-11) durchgeführte Verlaufskontrolle visualisierte ein star
kes Rehabilitations-Defizit rechts bei massiven Schmerzen beidseits.
Dr.
med.
E._
,
Klini
k
B._
,
berichtete, sofern die Hüftgelenks-Punktion einen negativen Erreger-Nachweis liefern sollte, sei auch die Implantation einer Hüftgelenk-Totalprothese links geplant (
Urk.
9/112/11).
3.3.2
Nach weiterhin prot
rahiertem Verlauf (Bericht
der
Klinik
B._
vom
14.
August 2008,
Urk.
9/114/7
-8
)
- Mikroorganismen waren negativ getestet worden (
Urk.
9/115/11) -
liess sich eine Lockerung der
rechtsseitig
implantierten Hüftprothese
anlässlich der ärztlichen Konsultation vom
4.
Dezember 2008
nicht bestätigen
. Es
ergab sich
aber
linksseitig die Indikation für eine
Hüftpro
these
(Bericht vom
4.
Januar 2010,
Urk.
9/122/8-9). Zudem nannten die Ärzte unklare Lumbalgien, welche mittels MRI abgeklärt werden sollten.
Anlässlich der Sprechstunde vom 1
4.
Oktober 2009
diagnostizierten die Ärzte der
Klinik
B._
ein
Ulnaris
-Syndrom beidseits und empfahlen eine Operation
zwecks
Vermeidung späterer Lähmungen. Weil sich betreffend die Hand eine
Beschwer
debesserung
eingestellt habe, habe
aber
der Beschwerdeführer die
operative
Vorverlagerung des
Nervus
ulnaris
abgesagt (
Bericht vom
4.
Januar 2010,
Urk.
9/122/10
-11
).
3.3.3
Am 2
2.
April 2010 erstattet
e
Dr.
A._
die
von der Beschwerdegegnerin in Auf
trag gegebene
r
heumatologische Expertise (Urk.
9/130), welche sich auf die anlässlich der
Untersuch
ung des Beschwerdeführers vom 1
8.
März 2010
erho
benen Befunde
sowie auf die zur Verfügung gestellten Akten, das zusätzlich beschaffte Röntgendossier sowie auf eine Labor
analyse
stützte.
Der Gutachter
hielt dafür, dass in bisheriger Tätigkeit in der Reinigung und als Journalist keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. In angepassten Tätigkeiten sei demgegen
über
nach entsprechender Abklärung und Behandlung
von einer Arbeitsfähig
keit von 50 bis 100
%
auszugehen. Die
medizinisch-theoretische Arbeitsunfä
higkeit liege derzeit bei 100
%
. Betreffend therapeutische Optionen notierte
Dr
.
A._
,
eine stationäre Abklärung und Behandlung sei
en
dringend indiziert
, wobei es aus
orthopädischer Sicht am besten sein
dürfte
, vorab die linke Hüfte zu operieren und danach eine stationäre Entwöhnungskur
sowie
eine gründliche Abklärung der Leistungsfähigkeit vorzunehmen (
Urk.
9/130/11).
Schliesslich wies der Gutachter auf eine wahrscheinlich seit vielen Jahren vorherrschende schwere
Aethyl
- und Nikotinabhängigkeit
des Beschwerdeführers hin (Urk.
9/130/13).
3.3.4
Dr.
med.
F._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, RAD, untersuchte den Beschwerdeführer am
9.
September 2010
in Anwesenheit eines Dolmetscher
s
(
Urk.
9/133).
Der Arzt
erhob einen weitgehend unauffälligen psychischen Status und
berichtete von Diskrepanzen zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers sowie den von ihm gemachten Angaben (
Urk.
9/133/4). An Diagnosen nannte der Psychiater
einen Verdacht auf passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung, einen schädlichen Gebrauch
von
Alkohol ohne sicheres Abhängigkeitssyndrom sowie eine Nikotinabhängigkeit. Eine
komorbide
psychi
atrische Erkrankung, welche zu einer reduzierten Arbeitsfähigkeit aus psychiat
risc
her Sicht führte, verneinte
Dr.
F._
(Urk.
9/133/5).
3.3.5
Aus dem Verlaufsbericht der
Klinik
B._
vom
2
3.
März 2011 (Urk. 9/158/1-2)
ergibt sich eine unveränderte Situation mit ausgeprägter Schmerzproblematik. Aufgrund der starken Schmerzen habe der Beschwerde
führer
eine Untersuchung abgelehnt
.
Gemäss Angaben des Arztes zeigte sich
ein
stationär
er Zustand
ohne fortschreitende Destruktion, weshalb bezüglich der Arbeitsfähigkeit keine Veränderung
vorliege
.
3.3.6
Dr.
med.
G._
Chirurgi
e FMH, hielt mit Bericht vom 1.
April 2011 (
Urk.
9/158/4-5) fest,
die Schmerzursache auf der linken Seite sei radiologisch gut sichtbar, während rechts höchstwahrscheinlich
periartikuläre
Verkalkungen für die Schmerzsituation verantwortlich seien. Aus seinen Auf
zeichnungen ergibt sich, dass eine Rotation des rechten Hüftgelenks durch akti
ves Gegenspannen verhindert worden sei und unerträgliche Schmerzen bereitet habe. Während die linke Hüfte bereits im Liegen nicht voll
extendierbar
gewe
sen sei, habe der Beschwerdeführer bezüglich der Lendenwirbelsäule keine Beschwerden angegeben.
Dr.
G._
notierte abschliessend, der Beschwerdeführer lehne jegliche operative Intervention ab. Unter den genannten Umständen sehe er keine Arbeitsfähigkeit. Die Schmerzangaben seien g
laubhaft und
könnt
en nur durch eine operative Intervention (Hüft-Totalprothese links, Lösen der
periarti
kulären
Verkalkungen rechts) verbessert werden.
3.3.7
Mit gleichentags ergangenem Bericht
(
Urk.
9/158/7)
bestätigte
Dr.
med.
H._
, Orthopädische Chirurgie FMH, den Beschwerdeführer, welcher unter starken Schmerzen kaum
gehfähig
sei, am
1.
April 2011 untersucht zu haben. Der Arzt hielt die Indikation zur
endoprothetischen
Versorgung auch der linken Hüfte für eindeutig gegeben und eine Wiederholung der Szintigraphie auf der rechten Seite als angezeigt. Aufgrund der Komplexität sei eine erneute Begutachtung an einer orthopädischen Klinik durchzuführen, wobei nicht nur die orthopädische sondern auch die psychiatrische Situation umfassen
d
zu beurteilen sei.
3.3.8
Dr.
I._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, berichtete nach am
5.
April 2011 erfolgter Untersuchung des Beschwerdeführers (
Urk.
9/150),
dieser
habe sich wegen massiver
Hüftbeschwerden beidseits selber zugewiesen. Aus den von ihm mitgebrachten Bilddokumenten sei eine Totalprothese der rechten Hüfte mit unauffälligem Sitz zu sehen, während sich das linke Hüftge
lenk zerstört visualisiere.
Dr.
I._
empfahl - wie bereits geplant - eine Beur
teilung in der
Klinik
B._
mit dann wahrscheinlich operativer Behand
lung der linken Hüfte. Er hielt dafür, dass der Beschwerdeführer massiv invali
disiert und nicht einsetzbar sei für irgendeine Tätigkeit ausser
für
Sitzen und Schreiben. In diesem Sinne sei auch aus seiner Sicht von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
4.
4.1
Fest steht
vorliegend
einzig
, dass aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht gegeben ist. Der Psychiater
Dr.
F._
untersuchte den Beschwerdeführer umfassend und legte in Berücksichtigung der aufliegen
den Akten
sowie
angegebenen Beschwerden nachvollziehbar dar, dass
es an einer
komorbiden
psychiatrischen Erkrankung, die zu einer reduzierten Arbeitsfäh
igkeit führte, mangelt (E. 3.3.4
). Hinweise dafür, dass nicht auf die Einschätzung von
Dr.
F._
abgestellt werden könnte, sind keine aktenkundig. Sein Bericht vermag daher den an eine beweiskräftige Expertise gestellten Anforderungen (E. 2.3) vollumfänglich zu genügen.
Angesichts des
sen
,
dass
Dr.
H._
über keinerlei Akten verfügte und damit keine Kenntnisse betreffend die psychiatrische Einschätzung durch
Dr.
F._
hatte
,
führt
sein Hinweis, es sei die Gesamtsituation - mithin die psychische mitumfassend - zu beurteilen (E. 3.3.7), zu keiner anderen Beurteilung
.
4.2
Demgegenüber
lässt sich
nicht abschliessend
feststellen
, ob und in welchem Umfang der Beschwerdeführer über eine Restarbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht verfügt.
Die von
Dr
.
A._
erstellte Expertise vermag
hierzu jedenfalls keine zuverlässige Aussage
zu machen. So
unterliess es der
Gutachter, den orthopädischen Befund nachvollziehbar darzulegen
, sondern lieferte dafür ein
zig tabellarische Aufstellungen
(vgl.
Urk.
9/
130/5-8). Auch seine
versiche
rungsmedizinische
Beurteilung
lässt eine einleuchtende
orthopädische
Begrün
dung
vermissen
,
und schliesslich stellte er eine
Restarbeitsfähigkeit erst nach entsprechender Abklärung und Behandlung in Aussicht. Zu Recht hat
daher
der Beschwerdeführer
Einwände gegen die Verwertbarkeit des Gutachtens von
Dr.
A._
vorgebracht.
4.3
Ebenso wenig kann aber - entgegen
der Meinung des Beschwerdeführers
-
für die Festlegung der Restarbeitsfähigkeit
auf die übrigen medizinischen Unterla
gen abgestellt werden
. So berichtete denn nicht bloss
Dr.
F._
von Diskre
panzen im Verhalten des Beschwerdeführers (E. 3.3.4), sondern
es
ergeben sich solche auch aus den später aufgelegten Berichten (Ablehnung der Untersu
chung, E. 3.3.5; aktives Gegenspannen, E. 3.3.6
; Notwendigkeit von Analgetika,
Urk.
9/150, obwohl andernorts
keine Schmerzmedikation
wegen Unverträglich
keit erfolgen konnte
: z.B.
Urk.
9/122/8
).
Sodann scheint medizinisch unbestrit
ten zu sein, dass von einer prothetischen Versorgung der linken Hüfte eine erhebliche Verbesserung der Schmerzsituation sowie auch der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist. Schliesslich ist mit Blick auf die Einschätzung von
Dr.
I._
davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer mit Sitzen und Schreiben ver
bundene Tätigkeiten zumutbar wären (E. 3.3.8). Dass eine sitzende journalisti
sche Beschäftigung möglich sein sollte, war bereits im Bericht der
Klinik
B._
vom
2.
April 2008 (
Urk.
9/112/8-9) festgehalten worden. Endlich ist nicht
gänzlich
nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer, welcher seinen Angaben zufolge unter unerträglichen Schmerzen leidet, sich einer operativen Sanierung
der linken Hüfte
völlig verschliesst.
4.4
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt nicht genügt, um eine Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerde
führers in orthopädischer Hinsicht zu belegen. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die medizinische Aktenlage wie dargelegt vervollständige. Hierbei wird sie vorzugsweise eine stationäre Begutachtung (E. 3.3.3;
E.
3.3.7) anordnen, deren Ergebnisse sich
nicht nur
zur Frage
der Restarbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht
zu äussern haben wer
den,
sondern auch dazu, ob
dem Beschwerdeführer die prothetische Versorgung der linken Hüfte
zumutbar und mithin als Schadenminderungspflicht aufzuerle
gen ist.
Sollte sich im Verlauf der zusätzlichen Abklärungen ergeben, dass aus psychiatrischer Sicht eine Veränderung eingetreten ist (vgl. E. 3.3.7), so wären auch hierzu weitere medizinische Untersuchungen anzuordnen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Bei diesem Verfahrensausgang hat der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
(§ 34 Abs. 3
GSVGer
) auf Fr. 1’9
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzulegen.