Decision ID: ca736ef4-adb1-4886-9218-b68f68108dcc
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Bei A._, geboren (...) 2003, besteht seit dem 11. Lebensjahr eine Anorexia
nervosa. Sie hat zur Behandlung der diagnostizierten Essstörung bereits verschiedene
stationäre Therapien hinter sich und war bereits mehrmals mit Verfügungen der Kindes-
und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) K._ fürsorgerisch untergebracht. Bis zu ihrer
Volljährigkeit im Januar 2021 lebte A._ im Schulheim E._, seither wohnte sie bei ihrer
Mutter. Sie wurde seit August 2020 ambulant durch das Ostschweizer Kinderspital
betreut, welches am 23. Juni 2021 bei der KESB Region St. Gallen eine
Gefährdungsmeldung einreichte. Im Juni 2021 errichtete die KESB Region St. Gallen
für A._ eine Beistandschaft, da sie aufgrund ihrer chronischen Erkrankung und der
langen Spitalaufenthalte auf Vertretung bei administrativen und finanziellen
Angelegenheiten angewiesen ist. Mit Verfügungen vom 30. Juli und 10. August 2021
erweiterte die KESB Region St. Gallen die Aufträge der Beiständin auf gesundheitliche
und medizinische Angelegenheiten und gab eine ambulante Begutachtung in Auftrag.
Am 15. August 2021 erging in der Folge das psychiatrische Gutachten zur
Urteilsfähigkeit von A._ in Bezug auf medizinische und gesundheitliche Belange.
B.- Mit Verfügung vom 18. August 2021 ordnete der Amtsarzt die fürsorgerische
Unterbringung von A._ im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) für höchstens sechs
Wochen an. Er führte aus, A._ habe momentan einen Body-Mass-Index (BMI) von
10.4. Sie habe keine Krankheitseinsicht und die ambulante Therapie sei nicht
erfolgreich gewesen. Dagegen erhob A._ am 18. August 2021 Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) und beantragte die
Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringung und ihre Entlassung aus dem KSSG. Mit
Entscheid vom 31. August 2021 wies die VRK die Beschwerde ab (VRKE V-2021/200).
C.- Am 13. September 2021 beantragte das KSSG bei der KESB Region St. Gallen die
Verlängerung der fürsorgerischen Unterbringung im Kantonsspital. Zur Begründung
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wurde im Wesentlichen ausgeführt, die aktuelle Behandlung verlaufe schleppend, die
Patientin kooperiere bedingt, indem sie die dringend empfohlene Massnahme der
künstlichen Ernährung via Magensonde ablehne und stattdessen weiter selbständig
esse und wieder erbreche. Ziel der Behandlung sei weiterhin ein Gewichtsaufbau.
Dadurch ergebe sich das Erfordernis einer verlängerten Behandlungsdauer. Ohne die
Behandlung im KSSG bestehe ein hohes Risiko für Leib und Leben. Am 24. September
2021 erging ein von der KESB in Auftrag gegebenes fachpsychologisches
Kurzgutachten zur Verlängerung der fürsorgerischen Unterbringung. Mit Verfügung
vom 28. September 2021 verlängerte die KESB in der Folge die fürsorgerische
Unterbringung im KSSG und ergänzte die bestehenden Aufträge der Beiständin. Die
Zuständigkeit für die Entlassung aus der fürsorgerischen Unterbringung wurde dem
KSSG übertragen. Gegen die Verlängerung der fürsorgerischen Unterbringung hat A._
mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 11. Oktober 2021 Beschwerde bei der VRK
erhoben. Sie beantragte die Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringung sowie die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
D.- Am 11. Oktober 2021 ordnete der stellvertretende Chefarzt der Klinik für Allgemeine
Innere Medizin/Hausarztmedizin des KSSG bei A._ eine zwangsweise Ernährung an
und hielt fest, es sei eine Zwangsernährung über eine Sonde geplant. Daraufhin erhob
A._ durch ihren Rechtsvertreter am 15. Oktober 2021 auch gegen die Behandlung
ohne Zustimmung Beschwerde bei der VRK.
E.- Am 22. Oktober 2021 fand im Kantonsspital St. Gallen die mündliche Verhandlung
statt, an welcher A._ mit ihrer Beiständin und dem Rechtsvertreter teilnahm. Die KESB
Region St. Gallen als Vorinstanz wurde von Behördenmitglied C._ vertreten. Als
Auskunftspersonen des Spitals waren die zuständige Oberärztin D._, Klinik für
Allgemeine Innere Medizin/Hausarztmedizin, die Assistenzärztin E._, Klinik für
Allgemeine Innere Medizin/Hausarztmedizin, und der Leitende Arzt der Klinik für
Psychosomatik, F._, anwesend. Zudem nahm die Leiterin des Rechtsdienstes des
Kantonsspitals an der Verhandlung teil. Rechtsanwalt G._ war als Vertrauensperson
der Beschwerdeführerin anwesend. Der Sachverständige befragte die
Beschwerdeführerin und die Auskunftspersonen der Klinik und erstattete die
gutachterlichen Berichte mündlich (vgl. Protokoll der Verhandlung).
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Auf weitere tatsächliche Gegebenheiten und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Die
Beschwerde vom 11. Oktober 2021 gegen die Verlängerung der fürsorgerischen
Unterbringung und die Beschwerde vom 15. Oktober 2021 gegen die Behandlung ohne
Zustimmung sind rechtzeitig eingereicht worden und erfüllen in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 450, 450b und 450e des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [SR 210, abgekürzt: ZGB], Art. 27 des
Einführungsgesetzes zum Kindes- und Erwachsenenschutzrecht [sGS 912.5,
abgekürzt: EG-KES] sowie Art. 41 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
[sGS 951.1, abgekürzt: VRP]). Auf die Beschwerden ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 426 Abs. 1 ZGB setzt die fürsorgerische Unterbringung in materieller
Hinsicht voraus, dass die davon betroffene Person entweder an einer psychischen
Störung oder an einer geistigen Behinderung leidet oder schwer verwahrlost ist und
deswegen der Behandlung oder Betreuung bedarf, die ihr nicht anders als durch die
Einweisung in eine geeignete Einrichtung der tatsächlich gewählten Art erwiesen
werden kann. Ob eine psychische Störung vorliegt, beurteilen die Sachverständigen
nach dem weltweit anerkannten Diagnoseklassifikationssystem ICD-10 der
Weltgesundheitsorganisation (im Internet abrufbar unter: www.dimdi.de/dynamic/de/
klassifikationen/icd/icd-10-gm). Bei der Beurteilung sind auch die Belastung der
Umgebung und der Schutz von Angehörigen und Dritten zu berücksichtigen (Abs. 2).
Die fürsorgerische Unterbringung dient in jedem Fall dem Schutz der betroffenen
Person. Sie ist deshalb nur zulässig, wenn die Betroffene eines besonderen Schutzes
bedarf und dieser nur mit einer Freiheitsentziehung erbracht werden kann. Besteht ein
Bedürfnis nach persönlicher Fürsorge, liegt eine besondere Schutzbedürftigkeit vor.
Die persönliche Fürsorge erfasst einerseits therapeutische Massnahmen und
andererseits jede Form von Betreuung, welche eine Person für ein menschenwürdiges
Dasein braucht. Nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit und der
Zwecktauglichkeit ist die fürsorgerische Unterbringung nur zulässig, wenn keine
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weniger einschneidende Massnahme der betroffenen Person genügenden Schutz
bieten kann (vgl. Botschaft zur Änderung des ZGB, BBl 2006 7062; BSK ZGB I-Geiser/
Etzensberger, 6. Aufl. 2018, Art. 426 N 7 ff. und N 24 f.; ESR Komm-Rosch, 2. Aufl.
2015, Art. 426 ZGB N 6 ff.).
a) Im mündlich erstatteten Gutachten diagnostizierte der Sachverständige eine
chronische, langdauernde Anorexia nervosa (F50.1 gemäss ICD-10-Codierung) sowie
ein Ruminationssyndrom (im Zusammenhang mit der Anorexia nervosa). Diese
Einschätzung deckt sich mit der Diagnose der Klinikärzte (Verhandlungsprotokoll, S. 2
und 3). Angesichts der übereinstimmenden Diagnosen der Fachärzte und der
langjährigen Krankheitsgeschichte der Beschwerdeführerin besteht kein Zweifel daran,
dass diese an einer psychischen Störung im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB leidet.
b) Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin auf medizinische und
therapeutische Hilfe angewiesen ist. Die Beschwerdeführerin wird in Bezug auf die
Anorexia nervosa mit einem aktuellen BMI von 10.4 mit Olanzapin (10mg, Anpassung
respektive Erhöhung der Dosis seit August 2021), Circadin, Calcium, Vitaminen und
Nahrungsergänzungsmitteln behandelt. Gemäss dem Sachverständigen ist dies eine
adäquate, aber ausbaufähige Medikation (Verhandlungsprotokoll, S. 12). Das Ziel des
Spitals ist weiterhin, das Gewicht der Beschwerdeführerin zu steigern
(Verhandlungsprotokoll, S. 2 und 9). Die Beschwerdeführerin ist gemäss Beurteilung
der Auskunftspersonen des Spitals und des Sachverständigen nur sehr eingeengt und
zu wenig ausreichend krankheits- und in keiner Weise behandlungseinsichtig
(Verhandlungsprotokoll, S. 3 und 13). Es bestehen grosse Divergenzen, was die
Behandlung betrifft. Gemäss dem Sachverständigen besteht eine absolute Indikation
für eine stationäre Behandlung und Betreuung (Verhandlungsprotokoll, S. 12). Auch die
Auskunftspersonen verneinen momentan die Möglichkeit einer ambulanten Behandlung
klar und sehen dies als nicht realistisch (Verhandlungsprotokoll, S. 3). Eine
kontinuierliche Gewichtszunahme müsse sichergestellt werden – ohne eine
Stabilisierung nehme die Anorexie einen tödlichen Verlauf (Verhandlungsprotokoll, S.
3). Zudem müssten die körperlichen Folgen der Anorexie sofort erkannt und behandelt
werden können. Auch gemäss Aussage des Sachverständigen kann die notwendige
Behandlung und Betreuung nicht ambulant erfolgen, auch wenn der Hausarzt das
Gewicht kontrolliere (Verhandlungsprotokoll S. 12). Nach ihrem Übertritt aus dem
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stationären Rahmen in den ambulanten Bereich im August 2020 hat die
Beschwerdeführerin stark abgenommen. Das Ostschweizer Kinderspital machte
daraufhin im Juni 2021 eine Gefährdungsmeldung (act. 4/5 und 7,
Verhandlungsprotokoll, S. 10). Gemäss Auskunft der behandelnden Ärzte des
Kantonsspitals hat sich die Situation zu Hause seit dem letzten Aufenthalt im
Kantonsspital im Juli 2021 im ambulanten Setting (2-3 Wochen) zudem nochmals
verschlechtert (Verhandlungsprotokoll, S. 3). Ein BMI von 10.4 stelle eine hochgradige
Gefährdung dar, medizinische Komplikationen seien wahrscheinlich, bis hin zu einem
Herz-/Kreislaufstillstand. Mit einer weiteren Gewichtsabnahme nehme des Risiko noch
zu (Verhandlungsprotokoll, S. 3). Es brauche nun dringend eine Stabilisierung und
einen Gewichtsaufbau bis zu einem Gewichtsziel von 29 kg, was einem BMI von 13
entspreche. Deshalb sei die fürsorgerische Unterbringung zu verlängern (vgl. act. 4/2
und Verhandlungsprotokoll, S. 2). Durch das Verhalten der Beschwerdeführerin
bestehe eine äusserst destruktive Seite (Verhandlungsprotokoll, S. 3). Auch der
Sachverständige hielt fest, die Beschwerdeführerin sei durch ihre Erkrankung
hochgradig gefährdet, ihr Leben zu verlieren. Es bestehe ein hohes Sterberisiko
(Verhandlungsprotokoll, S. 12). Ein erhöhter Schutzbedarf in Form der Unterstützung
bei der Gewichtszunahme, der Überwachung, um bei einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes sofort reagieren zu können, sowie einer gesicherten Medikation
ist somit dargetan. Dazu ist der schützende, strukturierte Rahmen des Spitals nötig,
denn bei ausbleibender respektive nicht ausreichender Behandlung und Betreuung
würde sich die bereits bestehende lebensgefährliche Gesamtsituation noch weiter
verschärfen (Verhandlungsprotokoll, S. 3).
Die Belastung des Umfelds der Beschwerdeführerin ist gross. Die Beziehung der
Beschwerdeführerin zur Mutter ist sehr schwierig. Sie will einerseits mit ihr nichts zu
tun haben und die beiden sprechen nicht miteinander (act. 11), andererseits möchte die
Beschwerdeführerin so schnell als möglich temporär in ihr Zimmer bei der Mutter, um
gesund zu werden (Verhandlungsprotokoll S. 7). Auch gemäss Aussagen der Mutter ist
es jedoch notwendig, zunächst die somatische Seite zielgerichtet in einer Klinik, d.h.
stationär, zu behandeln (act. 4/3 und 11). Die Beziehung zum Vater ist ebenfalls sehr
belastet. Die Beschwerdeführerin hat weiterhin die fixe Vorstellung, dass ihr primär in
[Land] geholfen werden und sie dort eine Ausbildung machen könne, obwohl die
behandelnden Ärzte des Kantonsspitals festhalten, ein Langstreckenflug sei aufgrund
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der bestehenden Gesundheitssituation nicht zu empfehlen, und diese Vorstellung
sowohl im psychiatrischen Gutachten vom 15. August 2021 als auch im
fachpsychologischen Kurzgutachten vom 24. September 2021 und von der Beiständin
als nicht realistisch bezeichnet wird (Verhandlungsprotokoll, S. 5, 8 und10).
c) Art. 426 Abs. 1 ZGB setzt schliesslich voraus, dass die betroffene Person in einer
geeigneten Einrichtung untergebracht wird. Der Begriff der Einrichtung ist weit
auszulegen (BBl 2006 S. 7062). Darunter fällt jede öffentlich-rechtliche oder private
offene oder geschlossene Einrichtung, in der der Betroffenen ohne oder gegen ihren
Willen persönliche Fürsorge unter spürbarer Einschränkung der Bewegungsfreiheit
erbracht werden kann. Geeignet ist nicht gleichbedeutend mit ideal. Es genügt, wenn
die Einrichtung den wesentlichen Bedürfnissen der Schutzbefohlenen in Bezug auf die
persönliche Fürsorge entspricht. Lässt sich keine geeignete Einrichtung finden, hat die
Unterbringung zu unterbleiben (Geiser/Etzensberger, a.a.O., Art. 426 N 35 ff.).
Gemäss den Aussagen der Auskunftspersonen kann der Beschwerdeführerin im
Kantonsspital St. Gallen resp. in den Kliniken für Innere Medizin und Psychosomatik
des Kantonsspitals im jetzigen Zeitpunkt die notwendige stationäre Behandlung und
Betreuung gewährt werden. Andernfalls ist die zwingend erforderliche somatische
Behandlung, Betreuung und Überwachung nicht möglich und ein Gewichtsaufbau nicht
realistisch (Verhandlungsprotokoll, S. 3). Ein solcher Gewichtsaufbau bis zu einem BMI
von 12 bis 13 ist jedoch unabdingbare Voraussetzung für die in der Folge dringend
erforderliche, stationäre psychiatrische Behandlung (Verhandlungsprotokoll, S. 2 und
13). Die behandelnden Ärzte halten fest, der Grundauftrag des Spitals sei zu schauen,
dass die Beschwerdeführerin nicht sterbe, das Behandlungsziel des Kantonsspitals sei
klar, man habe die Beschwerdeführerin noch nicht aufgegeben. Man gehe immer noch
davon aus, dass die Beschwerdeführerin eine Chance auf ein einigermassen normales
Leben habe bei einer Besserung/Heilung der Anorexie (Verhandlungsprotokoll, S. 5, 6
und 7). Mit dem Sachverständigen und entgegen den Ausführungen des
Rechtsvertreters, wonach die notwendige Fürsorge der Beschwerdeführerin in einem
anderen Betreuungssetting besser gewährleistet sei und es sich beim KSSG nicht um
eine geeignete Institution handle (vgl. act. 1 Ziffer 12 ff. sowie Ausführungen im
Plädoyer), ist somit davon auszugehen, dass das Kantonsspital resp. die medizinische
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Abteilung zurzeit wegen der somatischen Folgen der Essstörung für die Behandlung
der Beschwerdeführerin geeignet ist (Verhandlungsprotokoll, S. 13).
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 426 Abs. 1 i.V.m.
Art. 429 Abs. 2 ZGB für die Fortführung des zwangsweisen Aufenthalts der
Beschwerdeführerin im Kantonsspital St. Gallen im heutigen Zeitpunkt erfüllt sind. Die
fürsorgerische Unterbringung ist insbesondere verhältnismässig, d.h. sie stellt eine
geeignete, erforderliche und angemessene Massnahme dar, um der
Beschwerdeführerin die notwendige persönliche Fürsorge zukommen zu lassen. Die
Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
3.- Mit Verfügung vom 11. Oktober 2021 ordnete das KSSG die Behandlung ohne
Zustimmung (Zwangsernährung) nach Art. 434 ZGB an, weil die Beschwerdeführerin
nicht in die Behandlung durch Ernährung mit einer Magensonde eingewilligt hat.
a) Fehlt die Zustimmung der betroffenen Person, so können die im Behandlungsplan
vorgesehenen medizinischen Massnahmen angeordnet werden. Dafür zuständig ist der
Chefarzt der Abteilung oder sein Stellvertreter (Art. 434 ZGB). Da der ärztliche
Heileingriff tief in die Persönlichkeit der betroffenen Person eingreift und um dem
rechtsstaatlichen Gebot der Unbefangenheit Rechnung zu tragen, sollte eine
Behandlung ohne Zustimmung nur dann erfolgen, wenn mindestens zwei Spezialärzte
von deren Notwendigkeit überzeugt sind. Dies hat zur Folge, dass derjenige Arzt, der
den Behandlungsplan aufgestellt hat oder als behandelnder Arzt tätig ist, nicht auch
über die Anordnung medizinischer Massnahmen ohne Zustimmung der Betroffenen
entscheiden darf (vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., Art. 434/435 N 32 ff.).
Die Verfügung über die Behandlung ohne Zustimmung (Zwangsernährung) wurde vom
Stv. Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin/Hausarztmedizin des KSSG
erlassen (act. 6b/2). Dieses (mögliche) Vorgehen resp. das Behandlungsziel und die
Behandlungsmassnahme wurden der Beschwerdeführerin gemäss Einträgen in der
Krankengeschichte wiederholt von den behandelnden Ärzten des KSSG dargelegt, mit
ihr besprochen und sie konnte sich dazu äussern (vgl. Verhandlungsprotokoll, S. 4 und
die abgegebenen Auszüge aus der Krankengeschichte [act. 13]). Daraus ergibt sich,
dass die Zwangsernährung nicht von demjenigen Arzt angeordnet wurde, der für die
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Errichtung des Behandlungsplans verantwortlich resp. als behandelnder Arzt /
behandelnde Ärztin tätig war. Die Anforderung, dass (mindestens) zwei Spezialärzte
von der Notwendigkeit der angeordneten Behandlung überzeugt sein müssen, wurde
somit erfüllt.
b) Die Beschwerdeführerin erklärte sich, gemäss Einträgen in der Krankengeschichte
und auch anlässlich der Verhandlung, mit der Zwangsernährung nicht einverstanden
und verweigert diese vehement. Es ist daher davon auszugehen, dass ihr
Rechtsschutzinteresse an der Aufhebung der Verfügung vom 11. Oktober 2021 nach
wie vor gegeben ist.
c) Eine Behandlung ohne Zustimmung ist zulässig, wenn ohne Behandlung der
betroffenen Person ein ernsthafter gesundheitlicher Schaden droht oder das Leben
oder die körperliche Integrität Dritter ernsthaft gefährdet ist (Art. 434 Abs. 1 Ziff. 1
ZGB), die betroffene Person bezüglich ihrer Behandlungsbedürftigkeit urteilsunfähig ist
(Ziff. 2) und keine angemessene Massnahme zur Verfügung steht, die weniger
einschneidend ist (Ziff. 3). Diese drei Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein;
dies geht aus dem Gesetzeswortlaut hervor.
aa) Die Beschwerdeführerin befindet sich aufgrund einer fürsorgerischen Unterbringung
im Spital und ist offenkundig behandlungsbedürftig (vgl. vorne E. 2b). Die
behandelnden Ärzte und der Sachverständige halten unmissverständlich fest, ohne
kontinuierliche Gewichtszunahme und ohne eine Stabilisierung nehme die Anorexie
einen tödlichen Verlauf, diese Behandlung sei die letzte Möglichkeit.
bb) Gemäss dem fachkundigen Sachverständigen besteht kaum Krankheits- und keine
Behandlungseinsicht, was die psychische Störung (Anorexia nervosa) betrifft. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bezüglich der medizinischen
Behandlung nicht urteilsfähig ist (Verhandlungsprotokoll S. 14). Dies geht auch aus
dem psychiatrischen Gutachten vom 15. August 2021 und dem fachpsychologischen
Kurzgutachten vom 24. September 2021 hervor. Es fehlt der Beschwerdeführerin an
den notwendigen kognitiven Fähigkeiten, um in die Behandlung (Zwangsernährung)
einzuwilligen, was aber nicht heisst, dass sie nicht intelligent ist. Vielmehr ist sie nicht in
der Lage, den Zusammenhang zwischen ihrem Zustand und der Behandlung zu
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begreifen (vgl. zum Begriff der Urteilsfähigkeit BSK ZGB I-Bigler-Eggenberger/
Fankhauser, a.a.O., Art. 16 N 1 ff.; Geiser/Etzensberger, a.a.O., Art. 434/435 N 18). Das
zeigte sich unter anderem daran, dass sie festhielt, die Ärzte seien nur an der
Zwangsernährung interessiert. Sie wolle unter ihren Bedingungen gesund werden, sie
erachte eine palliative Behandlung für eine gute Idee als übergangsmässige Lösung,
danach gehe sie nach [Land] (Verhandlungsprotokoll S. 8, 9 und 10).
cc) Laut den Auskunftspersonen des KSSG ist der nächste notwendige Schritt eine
Ernährung über eine Magensonde, der Versuch einer normalen Ernährung sei
gescheitert. Die Zwangsernährung sei nun zwingend erforderlich, da die körperlichen
Ressourcen aufgebraucht seien. Die Magensonde werde unter Kurznarkose gelegt und
die Beschwerdeführerin in der Folge fixiert, da sie sonst die Magensonde herausziehe.
Es erfolge keine Sedierung, da dies in der körperlichen Verfassung der
Beschwerdeführerin ein zu grosses Risiko sei. Es werde eine Gewichtszunahme von
500 Gramm pro Woche angestrebt, sonst bestehe die Gefahr eines Refeeding-
Syndroms (Reaktion des Körpers auf die Nahrungsaufnahme mit einer Blut- und
Salzverschiebung in den Zellen und Gefahr von Herzrhythmusstörungen). Die ganze
Behandlung daure etwa zwölf Wochen, wobei die Beschwerdeführerin ein bis zwei
Wochen auf der Intensivstation sei und in der Folge auf die Normalstation verlegt
werde. Es erfolge ein optimales Monitoring, mit einer dauernden Überwachung auf der
Intensivstation und einer Sitzwache auf der Normalstation (Verhandlungsprotokoll, S. 2,
3, 4 und 6). Der beigezogene Sachverständige hielt hierzu fest, diese Behandlung sei
die letzte Möglichkeit. Weniger einschneidende Massnahmen gebe es zurzeit nicht, es
sei denn, man wolle in Kauf nehmen, dass die Beschwerdeführerin sterbe. Wenn die
Gewichtszunahme erreicht werde und mit einer dauernden Überwachung der
Beschwerdeführerin seien die Nebenwirkungen vernachlässigbar
(Verhandlungsprotokoll S. 14).
Bei einer Zwangsernährung über zwölf Wochen mit der erforderlichen Fixierung der
Beschwerdeführerin handelt es sich zweifelsohne um eine äusserst einschneidende
Massnahme und einen grossen Eingriff. Das Spital hat sich nach eingehendem und
sorgfältigem Abwägen und interdisziplinärer Besprechung sowie in Berücksichtigung
der Folgen, wenn eine stabile, kontinuierliche Gewichtszunahme ausbleibt, für die
Anordnung einer Zwangsernährung entschieden. Die Auskunftsperson des Spitals hat
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zudem festgehalten, dass mit der Zwangsernährung erst dann begonnen werde, wenn
die Beschwerdeführerin durch konservative Nahrungsaufnahme nicht 500 Gramm pro
Woche zunehme. Man erhoffe sich bei der Zwangsernährung zudem eine gewisse
Einsicht der Beschwerdeführerin, so dass die Fixierung auf der Normalstation
aufgehoben werden könne. Wenn man zudem merke, dass die Zwangsbehandlung
aussichtslos sei, es der Beschwerdeführerin zum Beispiel gelinge, die Magensonde
wiederholt herauszuziehen, breche man die Zwangsernährung ab
(Verhandlungsprotokoll S. 5 und 6).
Die Behandlung erscheint somit als verhältnismässig. Die Konsequenzen einer
fehlenden Behandlung wiegen eindeutig schwerer. Es besteht keine Alternative zur
Zwangsernährung. Gemäss den Auskünften der behandelnden Ärzte hat der bisherige
Versuch, konservativ eine Gewichtszunahme zu erreichen, nicht funktioniert. Die
bisherige Behandlung hat keine Stabilisierung, keine Verbesserung gebracht
(Verhandlungsprotokoll S. 3 und 4). Es sind daher keine weniger einschneidenden
Behandlungsmöglichkeiten ersichtlich. Schliesslich hat auch die Beschwerdeführerin
ein überwiegendes Interesse an einer wirksamen Behandlung, welches höher zu
gewichten ist als die momentane Entscheidungsfreiheit und der Schutz vor zu
erwartenden Nebenwirkungen (vgl. zum Ganzen auch BGer 5A_655/2014 vom
8. September 2014 E. 4.1). Ethisch legitimiert ist die Anwendung von Zwang hierbei
durch die Annahme, dass mit steigendem Gewicht die Psychopathologie abnehmen
und die Beschwerdeführerin ein psychotherapeutisches Angebot annehmen wird und
annehmen kann, was ihr wiederum die Chance auf ein Leben mit guter Lebensqualität
gibt (Westermair/Perrar/Schweiger, Ein palliativer Ansatz für schwerste Anorexia
nervosa ?, 2020, abrufbar unter: https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/192109/8/
Ein_palliativer_Ansatz_fur_schwerste_Anorexia_nervosa_V4.pdf).
d) Zusammenfassend ist festzustellen, dass die am 11. Oktober 2020 vom KSSG
angeordnete Behandlung ohne Zustimmung den gesetzlichen Anforderungen
entspricht; insbesondere droht der Beschwerdeführerin ohne Zwangsernährung ein
ernsthafter gesundheitlicher Schaden bis hin zu einem tödlichen Verlauf. Die
Beschwerde gegen die Behandlung ohne Zustimmung ist deshalb ebenfalls
abzuweisen.
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4.- a) Nach Art. 11 lit. a EG-KES i.V.m. Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jene
Beteiligte die Kosten zu tragen, deren Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Es gilt der Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und
Unterliegens. Da die Beschwerde abzuweisen ist, hat die Beschwerdeführerin die
Kosten zu bezahlen. Im Verfahren zur fürsorgerischen Unterbringung werden indes
keine amtlichen Kosten erhoben, wenn sich die Betroffene in ungünstigen
wirtschaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 97 Abs. 1 lit. a VRP). Dies ist bei der
Beschwerdeführerin der Fall. Auf die Erhebung der amtlichen Kosten ist daher zu
verzichten.
b) Die Beschwerdeführerin hat ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
gestellt; darüber hat die Abteilungspräsidentin zu befinden (Art. 13 lit. d des
Reglements über den Geschäftsgang der VRK [sGS 941.223]). Die Voraussetzungen
sind im vorliegenden Fall erfüllt. Rechtsanwalt Patrick Sieber, St. Gallen, ist als
unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestimmen.
c) Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet; der Rahmen liegt zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1
lit. b der Honorarordnung [sGS 963.75, abgekürzt: HonO]). In Kindes- und
Erwachsenenschutzverfahren ist Art. 20 Abs. 1 lit. b HonO als Vergleichsnorm
beizuziehen. Danach beträgt das Honorar in diesen Verfahren pauschal Fr. 1'000.– bis
Fr. 7'500.–. Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO).
Das Honorar wird bei unentgeltlicher Prozessführung oder amtlicher Verteidigung um
einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Folglich
beträgt der Rahmen für die ordentliche Pauschale in Kindes- und
Erwachsenenschutzverfahren noch Fr. 800.– bis Fr. 6'000.–. Mit dem Höchstbetrag des
ordentlichen Pauschalhonorars von Fr. 6'000.– müssen rechtlich und tatsächlich sehr
schwierige Fälle abgedeckt werden können. Der Rechtsvertreter reichte an der
Verhandlung eine Honorarnote ein. Angesichts des Aktenumfangs und der
Besonderheit des konkreten Falles sowie in Berücksichtigung der Art und des Umfangs
der Bemühungen erscheint das von ihm geltend gemachte Honorar von Fr. 3'400.– (17
Stunden zum bereits um einen Fünftel herabgesetzten Ansatz von Fr. 200.– [vgl. Art. 31
bis
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Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70]) für beide Beschwerdeverfahren
(Fürsorgerische Unterbringung, Behandlung ohne Zustimmung) gerade noch als
angemessen. Zum Honorar hinzuzuzählen sind pauschale Barauslagen zum Satz von
4% des Honorars im Betrag von Fr. 136.– (Art. 28 HonO) und die Mehrwertsteuer im
Umfang von Fr. 272.25 (Art. 29 HonO). Die ausseramtliche Entschädigung beläuft sich
somit auf Fr. 3'808.25. Auf eine allfällige spätere Rückzahlung infolge verbesserter
Vermögensverhältnisse wird aufgrund der besonderen Umstände verzichtet.
Präsidialverfügung:
Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwalt Patrick Sieber, St. Gallen, gewährt.