Decision ID: 70523d7c-fb50-41af-9645-aeef9a5e57a5
Year: 2021
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
A. und B. sind Gesamteigentümer des Grundstücks Nr. aaa,
Einfamilienhaus mit Wintergarten, an der X-Strasse in Q. (E-GRID bbb).
2.
2.1.
Mit Mitteilung des Kantonalen Steueramtes, Sektion Grundstückschätzun-
gen, vom 21. September 2004 ("Handänderung") wurden A. und B. ein
Eigenmietwert von CHF 13'688.00 (gültig ab 1. Juli 2004) und ein
Vermögenssteuerwert von CHF 522'400.00 bekannt gegeben.
2.2.
Mit Schreiben vom 9. Januar 2017 wurde A. und B. die vom Grossen Rat
am 24. November 2015 beschlossene Anpassung des Eigenmietwertes
Einfamilienhaus mit Wintergarten, an der X-Strasse in Q. mitgeteilt. Der
Eigenmietwert für das Einfamilienhaus wurde dabei mit Wirkung ab der
Steuerperiode 2016 von CHF 13'688.00 um 14 % auf CHF 15'604.00
erhöht.
2.3.
Mit Schreiben vom 29. Januar 2017 nahm A. zum Informationsschreiben
vom 9. Januar 2017 und zur mitgeteilten Eigenmietwerterhöhung Stellung.
3.
Mit Verfügung vom 16. Dezember 2019 wurden A. und B. von der Steuer-
kommission Q. für die Kantons- und Gemeindesteuern 2017 zu einem
steuerbaren Einkommen von CHF 66'500.00 (davon CHF 22'100.00
Beteiligungsertrag; satzbestimmendes Einkommen CHF 66'500.00) und zu
einem steuerbaren Vermögen von CHF 779'000.00 veranlagt. Dabei wurde in
Abweichung von der Selbstdeklaration für das Einfamilienhaus an der X-
Strasse ein Eigenmietwert von CHF 15'604.00 (inkl. Zuschlag von 14 %)
erfasst.
4.
Gegen die Verfügung vom 16. Dezember 2019 erhoben A. und B. mit
Schreiben vom 21. Dezember 2019 Einsprache mit dem Antrag:
"Der Eigenmietwert für die Liegenschaft X-Strasse ist zu korrigieren, der richtige Wert ist 13'688.00. Der Wert gilt für 2016 und 2017.
(...)."
- 3 -
5.
5.1.
Mit Schreiben vom 6. Januar 2021 nahm der Leiter der Sektion Grundstück-
schätzung zur Einsprache Stellung.
5.2.
A. und B. äusserten sich dazu mit Stellungnahme vom 9. Januar 2021 mit
dem Antrag:
"Eine Einzelschätzung der beiden Objekte ist weder möglich noch ! Bei beiden Objekten sind die verfügten Werte zu belassen und in der  (gemäss Einsprache) zu übernehmen"
6.
Mit Entscheid vom 17. März 2021 wies die Steuerkommission Q. die
Einsprache ab.
7.
Den Einspracheentscheid vom 17. März 2021 (Zustellung am 19. März
2021) haben A. und B. mit Rekurs vom 16. April 2021 (Postaufgabe am
gleichen Tag) an das Spezialverwaltungsgericht weitergezogen mit dem
"Antrag
1. (...)
2. Die Steuerveranlagung 2017 ist zu korrigieren, bei der Liegenschaft
X-Strasse ist der vom Kanton verfügte Eigenmietwert von 13'688.- einzusetzen.
3. Gestützt auf § 95 Abs. 2 der Kantonsverfassung des Kantons Aargau
ist das Dekret zur Erhöhung des Eigenmietwertes (651.140) einer  Normenkontrolle zu unterziehen. Dabei soll:
a. dem Dekret infolge Verfassungswidrigkeit die Anwendung (ex nunc)
versagt werden.
b. geprüft werden, ob bestehende, individuelle Verfügungen pauschal
abstrakt geändert werden können, ohne dass Rechtsmittel gewährt werden."
Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den Er-
wägungen eingegangen.
8.
Das Gemeindesteueramt Q. und das KStA beantragen die Abweisung des
Rekurses.
- 4 -
9.
A. und B. haben eine Replik erstattet.
- 5 -

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Rekurs betrifft die Schätzung des Eigenmietwertes und
des Vermögenssteuerwertes für die Steuerperiode 2016. Massgebend für
die Beurteilung des Rekurses sind somit das Steuergesetz vom 15. De-
zember 1998 (StG), die Verordnung über die Bewertung der Grundstücke
vom 4. November 1985 (VBG) sowie das Dekret über die Anpassung des
Eigenmietwertes per 1. Januar 2016 vom 24. November 2015 (SAR
651.140; nachfolgend: Anpassungsdekret).
2.
2.1.
Die Rekurrenten führen in der Replik aus, der aargauische Eigenmietwert
müsse verfügt werden. Indem die Vorinstanz nicht in der Lage sei, die Ar-
gumentation der Rekurrenten hinsichtlich Verfassungs- und Gesetzeswid-
rigkeit des Anpassungsdekretes zu widerlegen, werde der Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt. Damit wird eine Verletzung der Begründungs-
pflicht geltend gemacht.
2.2.
Der Einspracheentscheid ist gemäss § 195 Abs. 3 StG schriftlich zu be-
gründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass jedenfalls die bun-
desrechtlichen Minimalanforderungen, wie sie aus Art. 29 Abs. 2 BV ("Die
Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör") abgeleitet werden, Be-
achtung finden. Die tatsächlichen Feststellungen und rechtlichen Überle-
gungen, welche die Einsprachebehörde dem Entscheid zu Grunde gelegt
hat, müssen nachvollzogen werden können. Die Begründung hat zudem
eine Beurteilung der Beweismittel zu enthalten. Weiter hat die Einsprache-
behörde zu den Anträgen der steuerpflichtigen Person so Stellung zu neh-
men, dass ersichtlich wird, wieweit ihnen entsprochen wird. Sie muss sich
jedoch nicht mit jedem Vorbringen der steuerpflichtigen Person auseinan-
dersetzen und jedes einzelne Argument ausdrücklich widerlegen. Sie darf
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Als Mini-
malerfordernis verbleibt aber stets, dass sich die am Verfahren beteiligten
Personen anhand der Begründung über die Tragweite des Entscheids Re-
chenschaft ablegen können. Dieses Minimalerfordernis wird verletzt, wenn
sich die Steuerbehörde im Einspracheentscheid mit mehreren Begehren
und mit Beweismitteln, welche die steuerpflichtige Person angerufen hat,
überhaupt nicht auseinandersetzt (Bundesgerichtsurteil vom 20. Dezember
2012 [2C_843/2012]; Bundesgerichtsurteil vom 3. Mai 2005 [1P.115/2005],
mit Verweis auf BGE 126 I 97; VGE vom 1. Dezember 2008 [WBE.2007.
154]; Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Auflage, Muri-Bern 2015,
§ 175 StG N 31, § 195 StG N 9, mit Hinweisen).
- 6 -
2.3.
Die Steuerkommission Q. hat den von ihr vertretenen Standpunkt im
angefochtenen Einspracheentscheid entgegen der Auffassung der Re-
kurrenten genügend klar begründet. Insbesondere wurde die Frage, ob das
Anpassungsdekret als rechtliche Grundlage für eine pauschale Erhöhung
der Eigenmietwerte für die Kantons- und Gemeindesteuern 2017 genügt,
beantwortet. Damit wurde implizit auch auf die Frage betreffend Eröffnung
der pauschalen Erhöhung des Eigenmietwertes mit Verfügung oder Mittei-
lung eingegangen. Die Begründungspflicht wurde nicht verletzt. Ob die Be-
gründung in materieller Hinsicht richtig oder falsch ist, muss unter dem As-
pekt des rechtlichen Gehörs nicht entschieden werden. Darauf ist nachfol-
gend einzugehen.
3.
3.1.
Mit der Stellungnahme des KStA GS vom 6. Januar 2021 wurde zur Frage
einer Einzelschätzung Stellung genommen. Die Rekurrenten haben mit
Schreiben vom 29. Januar 2021 ausdrücklich auf eine Einzelschätzung ver-
zichtet bzw. eine solche als nicht geboten erachtet. Eine Einzelschätzung
nach § 218 ff. StG wird nicht beantragt und ist damit nicht Gegenstand des
Rekursverfahrens.
3.2.
Umstritten ist vorliegend einzig noch die gestützt auf das Anpassungsdek-
ret vorgenommene pauschale Erhöhung des Eigenmietwertes der Liegen-
schaft X-Strasse von CHF 13'688.00 um 14 % auf CHF 15'604.00. Aus-
schliesslich darauf ist nachfolgend einzugehen.
4.
4.1.
Die Steuerkommission Q. stützte sich im Veranlagungs- und Ein-
spracheverfahren bei der Erhöhung des Eigenmietwertes um 14 % auf
CHF 15'604.00 auf das Anpassungsdekret, welches vom Verwaltungsge-
richt zwar als verfassungswidrig bezeichnet, jedoch aktuell nicht aufgeho-
ben worden sei.
4.2.
Die Rekurrenten rügen mit Einsprache und Rekurs, die pauschale Eigen-
mietwertanpassung mit dem Anpassungsdekret per 1. Januar 2016. Sie
weisen darauf hin, dass ein Gesuch um prinzipale Normenkontrolle des
Anpassungsdekretes eingereicht worden sei. Da das Bundesgericht aus
formellen Gründen keine materielle Überprüfung der Normenkontrolle des
Verwaltungsgerichtes durchgeführt habe, werde eine inzidente Normen-
kontrolle beantragt.
- 7 -
Der Eigenmietwert der Liegenschaft X-Strasse sei mit Verfügung vom
15. Juni 1999 korrekt verfügt worden. Beim Kauf der Liegenschaft
X-Strasse sei den Rekurrenten der rechtskräftig verfügte Eigenmietwert
ohne Möglichkeit der Anfechtung mitgeteilt worden. Eine Änderung sei nur
über eine Einzelschätzung möglich. Analoges gelte für die Schätzung der
Liegenschaft C. Bei beiden Objekten sei der verfügte Eigenmietwert in
formelle und materielle Rechtskraft erwachsen. Ohne Änderungsverfügung
könnten diese Werte nicht abgeändert werden. Eine pauschale Änderung
dieser Werte gestützt auf ein Dekret mit einem Informationsschreiben sei
daher nicht möglich. Mit diesem Vorgehen werde gegen § 218 Abs. 2 StG,
§ 219 Abs. 1 StG und § 31 Abs. 2 VBG verstossen. Eigenmietwerte könnten
danach nur mit einer Einzelschätzung aus besonderen Gründen mit einer
unabhängig von der Steuerveranlagung eröffneten Verfügung korrigiert
werden. Darüber hinaus verstosse das vom Grossen Rat beschlossene An-
passungsdekret gegen die Kantonsverfassung und kantonale Gesetze.
Das Verwaltungsgericht habe im Verfahren WNO.2019.1 diese Frage zwar
scheinbar verneint. Nicht beurteilt habe das Verwaltungsgericht jedoch, ob
das Dekret nicht ursprünglich gegen geltendes Recht verstosse und damit
die Anwendung auch nur übergangsweise unmöglich sei. Weder § 78 Abs.
2 KV noch § 218 Abs. 1 StG und § 218 Abs. 3 StG enthielten eine aus-
drückliche Ermächtigung für den Erlass eines Dekretes mit dem Zweck, die
Eigenmietwerte pauschal anzupassen. Der Grosse Rat könne einzig eine
allgemeine Neuschätzung anordnen. Auch aus dem historischen Kontext
ergebe sich nichts Anderes. Die Regelung in § 52 Abs. 2 des Steuergeset-
zes vom 13. Dezember 1983 (aStG) habe exakt dem Wortlaut von § 218
Abs. 2 StG entsprochen. Die vom Regierungsrat beworbene neue Rege-
lung (Volksabstimmung vom 12. Juni 1988) habe dann vorgesehen, dass
die Eigenmietwerte nur noch vom Grossen Rat geändert werden könnten.
Mit der Totalrevision des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 sei die
Dekretskompetenz rückgängig gemacht worden. Die Dekretskompetenz
dürfe nicht durch Auslegung ermittelt werden. Das Anpassungsdekret sei
deshalb ex tunc aufzuheben. Das Verwaltungsgericht habe dem Anpas-
sungsdekret inzwischen bereits eine Abfuhr erteilt, und eine verfassungs-
konforme Lösung verlangt.
4.3.
Das KStA verwies in seiner Vernehmlassung auf den angefochtenen Ein-
spracheentscheid und auf die Bundesgerichtsurteile vom 3. März 2016
(2C_37/2021 und 2C_38/2021).
4.4.
Die Rekurrenten erachten die vom KStA vernehmlassungsweise genann-
ten Bundesgerichtsurteile als nicht einschlägig, da das Verfahren im Falle
einer Eigenmietwertanpassung nicht ausdrücklich behandelt werde. In bei-
den Bundesgerichtsurteilen werde die historische Entstehung der heutigen
Gesetzesartikel zu wenig berücksichtigt. "Was am Adjektiv ausdrücklich
- 8 -
nicht schlüssig sein soll (BGE 2C_38/2021, Abs. 3.2.5) ist mir ausdrücklich
unklar!"
Der aargauische Eigenmietwert müsse verfügt werden. Das Spezialverwal-
tungsgericht habe zu beantworten, ob individuell-konkrete Verfügungen ge-
nerell-abstrakt angepasst werden könnten.
Die Steuerbehörde handle offensichtlich willkürlich, wenn mit dem Ein-
spracheentscheid bei zwei Liegenschaften einmal (Liegenschaft C) der alte
Wert belassen werde, im andern Fall (Liegenschaft X-Strasse) aber auf
dem neuen Wert beharrt werde. Für ein Abweichen aus verfah-
rensökonomischen Gründen lasse das Gesetz keinen Spielraum. Der Ei-
genmietwert der Liegenschaft X-Strasse sei ebenfalls auf dem bisherigen
Wert zu belassen.
5.
5.1.
Nach § 30 Abs. 1 lit. b StG ist der Mietwert von Liegenschaften oder Lie-
genschaftsteilen, die der steuerpflichtigen Person aufgrund von Eigentum
oder eines unentgeltlichen Nutzungsrechts für den Eigengebrauch zur Ver-
fügung stehen, als Einkommen steuerbar. Die Eigenmietwerte haben dabei
in jedem Einzelfall mindestens 60 % der Marktmietwerte zu betragen. Da-
von kann vom Grossen Rat abgewichen werden, soweit es das Bundes-
recht erlaubt (§ 30 Abs. 2 StG). Das aargauische Steuergesetz folgt damit
den in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen
(zuletzt: Urteil des Bundesgerichtes vom 31. Januar 2019 [2C_843/2016,
2C_844/2016] = StE 2019 A 21.12. Nr. 17):
"2.2. 2.2.1. Während der bundessteuerliche Eigenmietwert in den genannten Grenzen auf dem 'objektiven Marktwert' beruht, lässt das harmonisierte Steuerrecht der Kantone und Gemeinden tendenziell tiefere ('massvolle') Eigenmietwerte zu. Grund für die massvolle Besteuerung sind namentlich die geringe Verfügbarkeit des Grundeigentums und das aus Art. 108 BV hergeleitete Bestreben, die Selbstvorsorge durch Bildung von  fiskalisch zu fördern. Die kantonal und kommunal massgebenden  haben indes dem allgemeinen Rechtsgleichheitsgebot zu genügen (Art. 8 Abs. 1 BV) und dürfen dem Gebot der verhältnismässigen Besteuerung (Art. 127 Abs. 2 BV, 'Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit') nicht zuwiderlaufen (BGE 143 I 137 E. 3.3 S. 140 f. mit Hinweisen; BASILE CARDINAUX, in: Bernhard Waldmann/Eva Maria /Astrid Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesverfassung [: BSK-BV], 2015, N. 34 zu Art. 108 BV). Der kantonale und  Eigenmietwert muss im konkreten Einzelfall die Untergrenze von 60 Prozent wahren (BGE 143 I 137 E. 3.3 S. 141).
2.2.2. Der Bundesgesetzgeber hat davon abgesehen, die Methodik und Bemessung des Eigenmietwerts auch vertikal zu harmonisieren (Urteil 2C_757/2015 / 2C_758/2015 vom 8. Dezember 2016 E. 2). Ohnehin liess er es auf kantonaler bzw. kommunaler Ebene damit bewenden, Art. 7
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=31.01.2019&to_date=31.01.2019&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Eigenmietwert&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-I-137%3Ade&number_of_ranks=0#page137 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=31.01.2019&to_date=31.01.2019&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Eigenmietwert&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-I-137%3Ade&number_of_ranks=0#page137
- 9 -
Abs. 1 Satz 1 StHG hinsichtlich der Eigenmietwerte als blosse  auszugestalten (Urteil 2C_12/2007 vom 22. Februar 2007 E. 3.1, in: StE 2008 B 25.2 Nr. 9, StR 62/2007 S. 357). Die gesetzgeberische  des kantonalen und kommunalen Gestaltungsspielraums, der sich daraus ergibt (2C_829/2016 / 2C_830/2016 vom 10. Mai 2017 E. 10.1 mit Hinweisen, in: ASA 86 S. 60, RDAF 2017 II 461, StR 72/2017 S. 809), und die Auslegung bzw. Anwendung dieses Rechts überprüft das  lediglich unter dem Gesichtswinkel des Verstosses gegen  Individualrechte bzw. namentlich des Willkürverbots."
5.2.
Das für die Liegenschaft X-Strasse nach der aktuellen Rechtslage ein
Eigenmietwert besteuert wird, wird von den Rekurrenten im Grundsatz zu
Recht nicht bestritten.
6.
6.1.
Allgemeine Neuschätzungen von Eigenmietwerten (und Vermögenssteuer-
werten) werden auf Anordnung des Grossen Rates auf Beginn einer Ver-
anlagungsperiode vorgenommen (§ 218 Abs. 1 StG). Der Regierungsrat
überprüft die Marktlage periodisch. Er unterbreitet dem Grossen Rat Be-
richt und Antrag, wenn sich die Marktwerte gegenüber den nach § 30 Abs. 2
StG festgelegten Eigenmietwerten um mehr als 5 Prozentpunkte verändert
haben oder wenn sich die Marktwerte der selbst bewohnten Liegenschaf-
ten wesentlich verändert haben (§ 218 Abs. 3 StG).
6.2.
Der Regierungsrat regelt die Bewertung der Grundstücke und der Eigen-
mietwerte (§ 218 Abs. 4 StG). Er hat dabei im Rahmen der Totalrevision
des aargauischen Steuergesetzes die gestützt auf § 52 Abs. 4 aStG erlas-
sene VBG unverändert in Kraft belassen.
6.3.
Nach § 24 Abs. 1 VBG ist der Eigenmietwert von selbst genutzten Liegen-
schaften wie Einfamilienhaus, Wohnung im Mehrfamilien-, Wohn- und Ge-
schäftshaus, Ferien- und Weekendhaus und Nutzniessungen hieran mass-
voll festzusetzen. Er ergibt sich aus den im Anhang enthaltenen Mietwert-
tabellen Nr. 1 bis 10 und 18. Das Resultat ist gemäss Anhang 17 zu kürzen.
6.4.
Der Grosse Rat hat mit dem Anpassungsdekret eine Anpassung der Eigen-
mietwerte per 1. Januar 2016 beschlossen. Das Anpassungsdekret lautet
wie folgt:
- 10 -
"Der Grosse Rat des Kantons Aargau,
gestützt auf die §§ 30 Abs. 2 und 218 Abs. 1 und 3 des Steuergesetzes (StG) vom 15. Dezember 1998,