Decision ID: 0742563d-7caf-4fc4-b2f7-43c0edf39e5a
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 31. Juli 2013 mit Hinweis auf ein radikuläres Syndrom L5/
S1 links, eine Diskushernie und einen Tinnitus bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 12), nachdem er am 16. Juli 2013 während eines
Rehaaufenthaltes in der Klinik Valens durch diese zur Früherfassung angemeldet
worden war (IV-act. 7; vgl. auch Protokoll Früherfassungsgespräch vom 31. Juli 2013,
IV-act. 10, und vertrauensärztlicher Bericht Dr. med. B._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, zuhanden des Krankentaggeldversicherers vom 23. Oktober 2013,
Fremdakten, act. 6).
A.a.
Dr. med. C._, Innere Medizin und Onkologie FMH, hielt im Arztbericht vom
20. August 2013 fest, der Versicherte leide an einem lumbospondylogenen Syndrom
bei regredienter Fussheberparese links, bei Diskushernie L5/S1 medio-lateral mit
Kompression der Nervenwurzel S1 links (MRI vom 23. Mai 2013) und muskulärer
Dysbalance, an einem Tinnitus beidseits, an einer Varikosis beidseits, Zustand nach
Varizen-Operation beidseits vor ca. 10 Jahren, sowie aktuell (August 2013) an einem
Erysipel am linken Unterschenkel. Funktionsbeeinträchtigend seien nach einigen
Stunden auftretende belastungsabhängige Schmerzen im linken Bein. Zusätzlich
A.b.
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bestehe (auch) bei geringer Belastung eine rezidivierende Schwellung des linken
Unterschenkels. Der Versicherte könnte allenfalls leichte Tätigkeiten, wo er
zwischendurch sitzen könnte, ausüben (IV-act. 26).
RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für Chirurgie, nahm am 2. April 2014 Stellung:
Der Tinnitus bestehe wohl seit Jahren und bedürfe keiner weiteren Therapie und habe
nach Aktenlage bisher noch nie zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt.
Bezüglich des radikulären Syndroms sei der Versicherte für die bisherige Tätigkeit nicht
mehr geeignet, falls diese rückenbelastend sei. In einer rückenadaptierten Tätigkeit sei
von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 49-2).
A.c.
Die IV-Stelle wies mit Mitteilung vom 25. April 2014 das Leistungsbegehren
bezüglich beruflicher Massnahmen ab, da sich der Versicherte nicht in der Lage sehe,
an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (IV-act. 52). Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens (Vorbescheid vom 9. Mai 2013 [richtig: 2014], IV-act. 55;
Einwand vom 6. Juni 2014, IV-act. 59) wies sie mit Verfügung vom 23. Juni 2013
(richtig: 2014) das Leistungsgesuch gestützt auf die Stellungnahme des RAD mangels
Einkommenseinbusse betreffend Rente ebenfalls ab (IV-act. 61).
A.d.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 19. August 2014 Beschwerde.
Er machte im Wesentlichen geltend, seine Restarbeitsfähigkeit sei ungenügend
abgeklärt worden und legte verschiedene medizinische Berichte vor (IV-act. 66-2 f.):
Dr. med. E._, Facharzt für Neurologie, hatte gemäss Bericht vom 21. Februar 2014
einen dringenden Verdacht auf ein Kubitaltunnelsyndrom (bzw. Sulcus-ulnaris-
Syndrom) erhoben (IV-act. 68-17 ff.). Gemäss Austrittsbericht des Spitals F._ vom
4. Juli 2014 wurde bei rezidiver Leistenhernie links eine Herniotomie mit Hernioplastik
vorgenommen (IV-act. 68-8 f.). Dr. med. G._, Fachärztin für Hals-Nasen-
Ohrenkrankheiten, hatte in ihrem Bericht vom 11. Juli 2014 die Diagnosen eines
dekompensierten Tinnitus auris beidseits Grad 3 -4 sowie einer mittelgradigen
lärmtraumatischen Hochtonperzeptionsstörung beidseits festgehalten. Aktuell sei der
Versicherte nicht arbeitsfähig. Sollte das Schmerzsyndrom in Verbindung mit der
depressiven Grundhaltung rückläufig sein, wäre er in einer ruhigen, einfachen Tätigkeit
zu 30 % arbeitsfähig (IV-act. 68-12). Dr. med. H._, Facharzt FMH für Innere Medizin
und Rheumatologie, Klinik Valens, hatte im Bericht vom 22. Juli 2014 ausgeführt,
A.e.
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verglichen mit der klinischen Untersuchung vom März 2012 bzw. den Befunden
anlässlich der stationären Rehabilitation im Sommer 2013 habe sich die chronische
Radikulopathie L5 und S1 links zurückgebildet. Die klinische Symptomatik sei aktuell
als lumbospondylogenes Syndrom links zu interpretieren bei den bekannten
degenerativen Veränderungen im Bereich der unteren LWS. Zusätzlich sei der
Versicherte durch ein regredientes Sulcus ulnaris Syndrom links beeinträchtigt, wobei
aktuell die motorischen Funktionen der durch den N. ulnaris versorgten Muskeln
unauffällig seien. Die beklagten brennenden Missempfindungen an beiden
Unterschenkeln seien einerseits sicher auf die chronische venöse Insuffizienz
zurückzuführen, andererseits sei vor allem auf der linken Seite ein chronischer
"Nervenschaden" aufgrund der degenerativen Veränderungen im Bereiche der LWS
nicht ganz auszuschliessen. Aktuell sei der Versicherte aufgrund der multifaktoriellen
somatischen Beschwerden nicht mehr als 50 % arbeitsfähig in einer adaptierten
leichten und wechselbelastenden Tätigkeit (IV-act. 68-14 ff.).
RAD-Arzt Dr. D._ legte am 16. September 2014 dar, dass von der bisherigen
Ansicht des RAD nicht abzuweichen sei. Wegen der Gerichtshängigkeit sei davon
auszugehen, dass der Rechtsdienst aus Gründen der Beweisdichte ein Gutachten
präferiere. Es sei daher eine polydisziplinäre (allgemein-internistisch, rheumatologisch,
neurologisch, orthopädisch, ORL-ärztlich, angiologisch, psychiatrisch) Begutachtung
zu veranlassen (IV-act. 74).
A.f.
Mit Verfügung vom 23. September 2014 widerrief die IV-Stelle die angefochtene
Verfügung vom 23. Juni 2014 (IV-act. 76), worauf das Versicherungsgericht das
Beschwerdeverfahren am 20. Oktober 2014 abschrieb (IV-act. 80; Verfahren IV
2014/365).
A.g.
Das Gutachten der Ärztliches Begutachtungs-Institut GmbH Basel (ABI; Dr. med.
I._, Neurologie; Dr. med. J._, allgemeine innere Medizin; Dr. med. K._,
Psychiatrie; Dr. med. L._, Orthopädie; Dr. med. M._, Angiologie; Dr. med. N._,
Otorhinolaryngologie; Untersuchungen am 18. und 19. Mai sowie am 1. Juni 2015; IV-
act. 92) wurde am 22. Juni 2015 erstattet. Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte
eine Dysthymie (ICD-10: F 34.1) sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10:
F54). Diese hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 92-11, 28). Der
A.h.
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orthopädische Gutachter erhob ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom
bei radiologischer Diskopathie LWK 4/5/SWK 1 mit möglicher Affektion der
linksseitigen Nervenwurzeln L5 und S1, ein chronisches zervikozephales
Schmerzsyndrom sowie den Verdacht auf Schmerzausweitung, wobei sich lediglich die
erstgenannte Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (IV-act. 92-16, 28 f.), und
der neurologische Experte stellte die Diagnosen eines lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms links bei leichtem residuellem sensiblem Ausfallsyndrom S1 links,
von multifaktoriell bedingten Unterschenkelschmerzen bei lumbospondylogenem
Schmerzsyndrom links bei chronisch-venöser Insuffizienz und Verdacht auf ein
Restless-Legs-Syndrom, eines leichten, vorwiegend sensiblen Sulcus-ulnaris-
Syndroms links sowie eines Tinnitus aurium beidseits (IV-act. 92-20, 28). Aus
angiologischer Sicht bestehe ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische
venöse Insuffizienz Stadium I -II rechts, II links und ein Status nach Erysipel Bein links
(August 2013; IV-act. 92-23, 28). HNO-ärztlich wurden eine
Hochtonschallempfindungsschwerhörigkeit sowie ein dekompensierter Tinnitus
beidseits bestätigt (IV-act. 92-26, 28). Tätigkeiten, welche hohe Anforderungen an das
Gehör stellten oder ein gutes Sprachverständnis unter Störschall voraussetzten, seien
für den Beschwerdeführer nicht geeignet. Des weiteren sollten Tätigkeiten unter
erhöhtem Umgebungsgeräuschpegel gemieden werden. Unter Berücksichtigung der
Sekundärproblematik mit Ein- sowie Durchschlafstörungen mit konsekutiver Müdigkeit
bei dekompensiertem Tinnitus seien dem Beschwerdeführer vermehrte Ruhepausen
zuzugestehen, so dass die Einschränkungen aus otoneurologischer Sicht mit 10 % zu
beziffern seien (IV-act. 92-27). Aus polydisziplinärer Sicht bestehe für körperlich
regelmässig schwer belastende berufliche Tätigkeiten keine zumutbare
Arbeitsfähigkeit. Für körperlich leichte bis mittelschwere, angepasste Tätigkeiten
bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 90 %. Das Pensum könne
vollschichtig umgesetzt werden mit leicht reduziertem Rendement. Die Einschränkung
bestehe seit längerer Zeit. Eine länger dauernde höhergradige Arbeitsunfähigkeit in der
letzten Tätigkeit sei eher nicht anzuerkennen, dies bei nicht ganz klarem Tätigkeitsprofil
(IV-act. 92-30).
Gemäss Bericht der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
wurde am 9. Juli 2015 bei grosser lumbaler Diskushernie L5/S1 mit massiver
A.i.
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Duralschlauchkompression eine interlaminäre Fensterung L5/S1 links mit
Sequesterektomie und Nukleotomie in mikrochirurgischer Technik vorgenommen,
nachdem zwei Wochen zuvor Gefühlsstörungen im Gesäss perianal und genital
rechtsseitig und leichter Urinverlust aufgetreten waren (Bericht vom 13. Juli 2015, IV-
act. 105). Die Klinik hielt im Bericht vom 24. September 2015 fest, aufgrund der MRI-
Untersuchung bestehe noch ein Verdacht einer möglichen rheumatischen Erkrankung
im ISG-Bereich. Dies könne zusätzlich zu Beschwerden führen und sei
rheumatologisch abzuklären (IV-act. 104).
Mit Vorbescheid vom 9. November 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
erneut die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 99).
A.j.
Ein MRI der Wirbelsäule vom 30. November 2015 zeigte regrediente postoperative
Veränderungen LWK 5/SWK 1 mit weiterhin Encasement der S1-Nervenwurzel links
rezessal durch Granulationsgewebe, eine moderat aktivierte Osteochondrose LWK 5/
SWK 1 linksbetont, eine vorbestehende neuroforaminale Enge LWK 5/SWK 1 links
sowie eine bilaterale, linksbetonte (degenerative/postentzündliche) ISG-Veränderung
(IV-act. 128). Die Ärzte der Klinik für Neurochirurgie des KSSG vermerkten im Bericht
vom 1. Dezember 2015, der klinisch-neurologische Untersuchungsbefund sei
gegenüber der vorhergehenden Situation deutlich verbessert (IV-act. 122).
A.k.
Mit Einwand vom 8. Dezember 2015 trug der Versicherte im Wesentlichen vor, sein
Gesundheitszustand habe sich nach der Operation verschlechtert. Seine Invalidität sei
nochmals zu prüfen (IV-act. 113).
A.l.
Eine erneute MRI-Untersuchung vom 8. Januar 2016 ergab neu zur Darstellung
kommende Aktivierungen der ISG-Arthrose links, regrediente postoperative
Veränderungen, einen stationären rezessalen Kontakt zu den Nervenwurzeln S1
beidseits und L5 links und eine stationäre neuroforaminale Einengung der
Nervenwurzel S1 links (IV-act. 121). Dr. H._ führte im Bericht vom 19. Januar 2016
aus, anamnestisch sei es nach der Operation im Sommer 2015 zunächst zu einer
Besserung gekommen. Etwa ab zweiter Augusthälfte seien dann aber wieder
zunehmende Schmerzen im Kreuzbereich und eine Taubheit im Gesäss beidseits
aufgetreten. Die brennend und elektrisierend beschriebenen Schmerzen seien vor allem
A.m.
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bewegungs- und belastungsabhängig zunehmend gewesen. Insbesondere das Stehen
und Sitzen habe der Versicherte als sehr mühsam beschrieben. Wegen der
zunehmenden Schmerzen seien ihm immer wieder die Beine eingeknickt. Die aktuell
beklagten Beschwerden seien nicht auf ein Diskushernienrezidiv oder auf eine
persistierende Kompression lumbaler Nervenwurzeln zurückzuführen. Sie seien
einerseits durch die Fehlhaltung der Wirbelsäule und die deutlichen muskulären
Dysbalancen und Insuffizienzen der unteren Rumpf- und Rückenmuskulatur bedingt,
andererseits zeige die aktuelle MRI-Untersuchung auch eine Degeneration des ISG
links mit aktuell entzündlicher Reaktion im Sinne einer aktivierten ISG-Arthrose links.
Die muskulären und die neuen radiologischen Befunde erklärten die geklagten
Beschwerden vollständig. Infolge des protrahierten Heilungsverlaufs sei eine erneute
stationäre Rehabilitation sinnvoll (IV-act. 126).
Diese fand vom 1. bis 21. Februar 2016 in der Klinik Valens statt. Im
Austrittsbericht vom 15. März 2016 wurde festgehalten, in einer konsiliarischen
neurologischen Vorstellung habe eine neurologische Pathologie noch einmal
ausgeschlossen werden können. Eine psychiatrische Abklärung habe die eindeutige
Diagnose einer mittelschweren depressiven Störung ergeben. Der Versicherte habe
keine medikamentöse Behandlung gewollt und sehe das Schmerzproblem rein
somatisch an. Er habe weiter ein Defizit in der Kontrolle von Willkürbewegungen der
Lendenwirbelsäule in alle Bewegungsrichtungen. Die Bewegungen seien meist
aufgrund von Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich und Ausstrahlung ins Bein
limitiert gewesen. Er habe beim Gehen eine Schonhaltung eingenommen, es sei bis
zum Austritt keine wesentliche Korrektur gelungen (IV-act. 140; vgl. auch
Austrittsbericht Psychosomatik vom 2. März 2016, IV-act. 138).
A.n.
RAD-Arzt Dr. D._ nahm am 24. März 2016 Stellung, es sei ein Verlaufsgutachten
einzuholen (IV-act. 145). Dr. H._ führte im Arztbericht vom 1. April 2016 aus, es
bestünden Hypästhesien am linken Unterschenkel distal und im Fussbereich links,
etwa Dermatom L5 und S1 links entsprechend, sowie Sensibilitätsstörungen genital
und am Sakrum beidseits. Das Gangbild links sei hinkend, bei monopedalem Hüpfen
zeige sich eine Schwäche der Fussheber links. Die LWS-Beweglichkeit sei konzentrisch
um zwei Drittel eingeschränkt mit Schmerzangabe (IV-act. 149-3 ff). In einem Bericht
vom 1. Juni 2016 hielt er fest, der Versicherte beklage thorakale
A.o.
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Wirbelsäulenbeschwerden. Eine kardiologische Ursache sei ausgeschlossen worden
(vgl. Bericht Dr. med. O._, Facharzt Kardiologie FMH, vom 8. März 2016, IV-act. 159).
Die aktuell beklagten Beschwerden entsprächen einem thorakovertebralen bis
thorakospondylogenen Syndrom rechts bei segmentalen Funktionsstörungen im
Bereich der mittleren BWS und mässig ausgeprägten myofaszialen Befunden im
Bereich der paravertebralen Muskulatur und der Scapulafixatoren, links mehr als rechts
(IV-act. 158).
Im Verlaufsgutachten des ABI vom 18. Oktober 2016 (Dr. med. I._, Neurologie;
Dr. med. P._, allgemeine innere Medizin; Dr. med. K._, Psychiatrie; Dr. med. L._,
Orthopädie; Dr. med. M._, Angiologie; Untersuchungen 16./17. August 2016; IV-
act. 177) diagnostizierte der psychiatrische Experte als Störungen ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0) und eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41; IV-act. 177-16). Der orthopädische Gutachter erhob als Gesundheitsschaden
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbovertebrales und gluteales
Schmerzsyndrom rechts mehr als links mit u.a. radiologisch möglicher Affektion der
Nervenwurzeln S1 links sowie L5 beidseits und Signalalteration am ISG links (IV-
act. 177-21 f.); ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden chronische
Beschwerden im Bereich des linken oberen Quadranten ohne klar fassbares Korrelat
auf Ebene des Bewegungsapparates sowie ein Verdacht auf Schmerzausweitung (IV-
act. 177-22). Der neurologische Experte diagnostizierte ein chronisches lumbales
Schmerzsyndrom mit residuellem leichtgradigem Cauda equina-Syndrom bei Staus
nach Operation einer grossen lumbalen Diskushernie LWK 5/SWK 1 am 9. Juli 2015,
ein thorakales Schmerzsyndrom, ein Restless-legs-Syndrom, eine leichte
Ulnarisneuropathie links sowie unspezifische Schwindelbeschwerden und einen
Tinnitus beidseits (IV-act. 177-26). Er hielt fest, aus neurologischer Sicht seien gewisse
persistierende Beschwerden im Anschluss an die Rückenoperation vom 9. Juli 2015
nachvollziehbar. In einer rückenadaptierten Tätigkeit bestehe aufgrund der
Beschwerden eine leichte Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit, so dass
insgesamt eine Arbeitsfähigkeit von 80 % resultiere. Diese gelte seit der Operation im
Juli 2015 (IV-act. 177-27). Die bei der letzten HNO-ärztlichen Untersuchung
dargestellten Befunde und Einschränkungen aus HNO-ärztlicher Sicht seien weiterhin
A.p.
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bei unveränderter subjektiver Beschwerdesymptomatik übernommen worden, so dass
keine Tätigkeiten mit erhöhter Anforderung an das Richtungshören oder mit Selbst-
oder Fremdgefährdung zumutbar seien. Dabei bestehe eine geringe Leistungseinbusse
von 10 % (IV-act. 177-31 f.). Aus polydisziplinärer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit
für schwere, anhaltend mittelschwere und nicht adaptierte Tätigkeiten. Für körperlich
leichte bis sehr selten mittelschwere, verschiedentlich adaptierte Tätigkeiten bestehe
eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80 %. Das Pensum könnte vollschichtig
umgesetzt werden mit erhöhtem Pausenbedarf. Die leichten Leistungseinbussen aus
HNO-ärztlicher und aus neurologischer Sicht ergänzten sich, addierten sich nicht, da
die gleichen Zeitabschnitte für Pausen und Erholung genutzt werden könnten.
Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde, der vorliegenden
Dokumente sowie der früher attestierten Arbeitsunfähigkeiten könne eine leichte
Verschlechterung seit dem letzten Gutachten ab Juli 2015 bestätigt werden. Von Juli
bis Dezember 2015 sei die Arbeitsfähigkeit postoperativ ganz aufgehoben gewesen (IV-
act. 177-32).
Nach Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. D._ vom 8. November 2016, wonach aus
versicherungsärztlicher Sicht auf das Verlaufsgutachten des ABI abgestellt werden
könne (IV-act. 178) beschied die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom
14. Dezember 2016 wiederum die vorgesehene Abweisung des Leistungsbegehrens
bei einem Invaliditätsgrad von 16 % (IV-act. 184). Hiergegen erhob der Versicherte am
13. Januar 2017 Einwand, aufgrund seiner Beschwerden und insbesondere der starken
Schmerzen sei es ihm nicht möglich, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. Inzwischen
habe er sich beim Psychiatrischen Zentrum Q._ für eine adäquate Therapie
angemeldet (IV-act. 187).
A.q.
Im Arztbericht des Psychiatrie-Zentrums Q._ vom 18. Mai 2017 wurde
festgehalten, der Versicherte leide unter einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) und einer Anpassungsstörung
(ICD-10: F43.2). Die Ablehnung des Rentenbegehrens habe neben Belastungen durch
die Schmerzen, einem wiederkehrenden Schwindelgefühl und einer teilweise
auftretenden Inkontinenz zu einer psychischen Destabilisierung geführt. Aufgrund der
subjektiv beschriebenen Schmerzen bestünden starke körperliche Einschränkungen.
Auch die einfache Alltagsbewältigung erfordere mehrere Pausen und einen erhöhten
A.r.
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Konsum von Schmerzmitteln. Als psychische Einschränkungen bestünden eine
gedrückte Stimmung sowie kognitive Defizite, die sich auch im formalen Denken
äusserten (Fokussierung auf die Schmerzen). Die anhaltenden Schmerzen und der
Schwindel würden bei der Arbeit zu häufigen, regelmässigen Pausen und einer starken
Erschöpfung führen. Diese würden wiederum die Schmerzverarbeitung hindern. Die
psychischen Einschränkungen wirkten sich auf die Konzentrationsfähigkeit aus, was zu
mehr Fehlern bei der Arbeit führen würde. Ausserdem würde es zu einer
Verlangsamung kommen. In Anbetracht der somatischen Schmerzen und deren
psychischer Belastung sei von einer körperlich stark beanspruchenden Arbeit
langfristig abzusehen (IV-act. 194-3 ff.). RAD-Arzt Dr. D._ nahm am 21. Juni 2017
Stellung: In Anbetracht der von den Gutachtern erhobenen Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (leichte depressive Episode, ICD-10: F32;
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, ICD-10:
F45.41) könne eine signifikante Änderung und insbesondere Verschlechterung des
Gesundheitszustandes aufgrund des Berichts des Psychiatrie-Zentrums Q._ nicht
verifiziert werden. Es bleibe somit vollumfänglich bei der Beurteilung des Gutachtens
(IV-act. 198).
In einer zweiten Anhörung reichte der Versicherte einen weiteren kardiologischen
Bericht von Dr. O._ vom 2. Dezember 2016 (IV-act. 202) ein. Weiter legte er einen
Bericht von Dr. H._ vom 7. März 2017 ins Recht. Darin wurde ausgeführt, der
Versicherte habe sich wegen aktuell brennenden und ziehenden Schmerzen in den
Füssen, im Kreuz- und Gesässbereich rechts und im linken Oberschenkel erneut
vorgestellt. Er sei im Alltag sehr eingeschränkt, müsse bei Haushaltstätigkeiten sehr
viele Pausen einlegen und habe in letzter Zeit längere Zeit für die Erholung gebraucht.
Objektiv seien etwa die gleichen Befunde wie im Oktober 2016 zu beobachten
gewesen (IV-act. 201). Zusätzlich schilderte der Versicherte seine Beschwerden
handschriftlich (IV-act. 203). Er trug vor, die massiven Beschwerden würden in keiner
Weise gewürdigt. Aufgrund seiner Schmerzsituation sei es ihm nicht möglich, einer
80 %igen Arbeitstätigkeit nachzugehen (IV-act. 200). Dr. D._ äusserte sich am
8. August 2017, die Berichte von Dr. H._ und von Dr. O._ seien nicht geeignet, die
bisherige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in Frage zu stellen. Weitere Abklärungen
drängten sich nicht auf (IV-act. 206).
A.s.
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B.
Am 11. August 2017 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid. Die eingereichten
Einwände und Berichte vermöchten die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht
umzustossen (IV-act. 207).
A.t.
Gegen die Verfügung vom 11. August 2017 erhebt A._ am 31. August 2017
Beschwerde. Er stellt den Antrag, dass seine Invalidität nochmals geprüft werde.
Weiter ersucht er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. Die
Beschwerdegegnerin habe seine gesundheitlichen Beschwerden ungenügend
abgeklärt. Seine massive Schmerzsituation sei zuwenig berücksichtigt worden. Auch
die zusätzlichen Auswirkungen der Schmerzen wie beispielsweise der
Schwankschwindel seien zu wenig gewürdigt worden (act. G 1). Mit der Beschwerde
reicht er einen Bericht der HNO-Ärztin Dr. G._ betreffend seit der
Bandscheibenoperation bestehende Schwankschwindelanfälle ein (act. G 1.2).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Oktober 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die rein subjektive Einschätzung des
Beschwerdeführers seiner Arbeitsfähigkeit sei nicht massgebend. Entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers hätten die Gutachter die beklagten Schmerzen und
Schwindelbeschwerden berücksichtigt. Aufgrund der schlüssig begründeten
gutachterlichen Schlussfolgerungen sei von einer lege artis vorgenommenen
Begutachtung auszugehen. Die abschliessende, gesamthafte Beurteilung von
Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit sei überzeugend. Die Vorbringen in der
Beschwerde vermöchten die Schlüssigkeit des Verlaufsgutachtens nicht in Frage zu
stellen, da keine objektiv begründbaren Zweifel am gutachterlichen Abklärungsergebnis
dargelegt worden seien. Der Einkommensvergleich werde zu Recht nicht beanstandet
Mithin habe der Beschwerdeführer bei einem resultierenden Invaliditätsgrad von 16 %
keinen Rentenanspruch (act. G 5).
B.b.
Die Abteilungspräsidentin bewilligt am 18. Oktober 2017 die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten; act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 7. November 2017 bringt der Beschwerdeführer vor, er sei nach
wie vor der Ansicht, dass seine Schmerzsituation nicht genügend gewürdigt worden
B.d.
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Erwägungen
1.
sei. Er benötige täglich hohe Schmerzmitteldosen und sei dennoch nicht schmerzfrei.
Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie, Wassertherapie und Heimübungen
brächten ebenfalls keinen Erfolg. Er sehe keine Perspektive mehr und befinde sich in
einem Teufelskreis von Schmerzen und Depression (act. G 8).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 5. Dezember 2017 auf eine Duplik
(act. G 10).
B.e.
Am 11. Januar 2018 reicht der Beschwerdeführer einen Bericht über ein CT ganzes
Abdomen vom 17. November 2017 (IV-act. 12.2) und eine Bestätigung der Zuweisung
des Schmerzzentrums vom 5. Januar 2018 (act. G 12.1) ein (act. G 12).
B.f.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
1.2.
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141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/24
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2.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.5.
2.1.
Anlässlich der ersten Begutachtung (18./19. Mai und 1. Juni 2015) gab der
Beschwerdeführer brennende, chronische lumbale Rückenschmerzen an. Diese seien
schwankend, zum Untersuchungszeitpunkt gering und manchmal sehr stark, so dass
er kaum aufstehen und sich nur mit Mühe ankleiden könne (IV-act. 92-18). Die
Schmerzen hätten sich in die Rückseite zur vorderen Mitte des linken Oberschenkels
und in den seitlichen Unterschenkel ausgebreitet. Aktuell verspüre er ein Brennen vorne
am Bein, auf der Seite unten und am ganzen Fuss mit einem Ameisenlaufen (IV-
act. 92-9, 13). Die Schmerzen seien stark und brennend und messerstichartig im
Bereich des Innenknöchels und es bestehe eine Gefühlsstörung im Bereich der
Kleinzehe (IV-act. 92-22). Der (linke) Fuss sei sehr schwach (IV-act. 92-9). Bei längerem
Gehen werde das ganze Bein schwach und es komme manchmal zu einem Einknicken
im Kniegelenk (IV-act. 92-18, 22). Seit zwei bis drei Monaten habe er zusätzlich
Schmerzen am vorderen rechten Unterschenkel und Fuss (IV-act. 92-13).
2.1.1.
Offenbar traten beim Beschwerdeführer wenige Wochen nach der Begutachtung
vom Mai/Juni 2015 Gefühlsstörungen im Gesäss, perianal und genital rechtsseitig,
sowie leichter Urinverlust auf, so dass am 9. Juli 2015 ein mikrochirurgischer Eingriff
erfolgte (Bericht Klinik für Neurochirurgie KSSG vom 13. Juli 2015, IV-act. 105). MRI-
Untersuchungen vom 30. November 2015 und vom 8. Januar 2016 ergaben im
Wesentlichen regrediente postoperative Veränderungen LWK 5/SWK 1 mit rezessalem
Kontakt zur Nervenwurzel S1 und eine nach wie vor stationäre, osteodiskoligamentär
bedingte neuroforaminale Enge im Bereich LWK 5/SWK 1 mit Tangierung der
2.1.2.
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Nervenwurzel L5 neuroforaminal, jedoch keine höhergradige
Nervenwurzelkompression, sowie eine postentzündliche bzw. neu aktivierte ISG-
Arthrose links (vgl. IV-act. 128, 121). Der neurologische Gutachter hielt dazu fest, die
postoperative MRI-Verlaufskontrolle vom 8. Januar 2016 zeige reguläre postoperative
Verhältnisse ohne persistierende höhergradige Einengung der neuralen Strukturen (IV-
act. 177-27).
Im Rahmen der Verlaufsbegutachtung notierte der allgemeininternistische
Hauptgutachter, die Anamnese sei erschwert gewesen, da der Beschwerdeführer kaum
auf die gestellten Fragen geantwortet, sondern immer wieder durcheinander
verschiedene Beschwerden aufgezählt habe (IV-act. 11). Nach Angaben des
Beschwerdeführers seien die Schmerzen nach der Operation kaum zurückgegangen,
sondern an weiteren Orten neu aufgetreten. Nach wie vor bestünden Probleme, Harn
und Stuhl richtig zu halten und die ebenfalls seit dem Bandscheibenvorfall
bestehenden Funktionsstörungen im linken Fuss (IV-act. 177-10). Er klage über
dauernd vorhandene, manchmal verstärkte lumbale Rückenschmerzen beidseits mit
Ausstrahlung in die Gesässgegend beidseits. Links strahlten die Rückenschmerzen in
die Rückseite des Oberschenkels aus und seien verbunden mit einem Taubheitsgefühl
der Zehen III bis V und einem Kribbeln und Ameisenlaufen im ganzen linken Fuss. Es
seien auch brennende Schmerzen an der Vorderseite beider Unterschenkel vorhanden
(IV-act. 177-11). Dem orthopädischen Gutachter berichtete der Beschwerdeführer, die
Operation habe zu einer gewissen Verbesserung an der Gesässbacke geführt, doch
bestünden weiterhin Probleme mit Stuhl und Harn. Er könne nicht lange stehen,
sondern müsse wiederholt sitzen und liegen. Das Ameisenlaufen und die Schwäche am
linken Unterschenkel und Fuss habe zugenommen. Neu bestünden auch auf der
Gegenseite brennende Beschwerden in diesem Abschnitt. Zusätzlich seien links
unterhalb des Schulterblattes stechende Schmerzen aufgetreten. Insgesamt sei es
postoperativ zu einer klaren Verschlechterung gekommen, doch schildere der
Beschwerdeführer gleichzeitig, nicht mehr so viele Beschwerden wie zuvor zu haben
(IV-act. 177-19). Der neurologische Gutachter hielt anamnestisch fest, im Anschluss an
die Operation sei es zu einer deutlichen Besserung der Schmerzen gekommen. Er habe
noch imperativen Stuhldrang und nur noch leichte Beschwerden bezüglich
Wasserlösen. Die Sensibilitätsstörung im Gesäss sei regredient und nur noch
leichtgradig auf der rechten Seite vorhanden. Am linken Schulterblatt verspüre er einen
messerstichartigen Schmerz. Die Schmerzen hätten sich in letzter Zeit verändert. Sie
seien relativ diffus auf der rechten Seite vorhanden, verbunden mit einem
Brustschmerz (IV-act. 177-24 f.). Im Weiteren habe er brennende Schmerzen in den
2.1.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/24
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Beinen. Die früher nur linksseitig vorhandenen Beschwerden verspüre er seit der
Operation ähnlich auch am rechten Bein. Im Bereich der LWS habe er aktuell lediglich
Schmerzen im Bereich der Pobacken und der rechten Flanke. Die Schmerzen breiteten
sich dorsal in den rechten Oberschenkel mehr als links aus (IV-act. 177-25).
2.2.
Im orthopädischen Erstgutachten bezog sich der Gutachter auf ein MRI LWS und
ISG vom 23. Mai 2013, wonach eine breitbasige Diskusprotrusion LWK 5/SWK 1 mit
lateraler Hernie bis foraminal links und möglicher Affektion der Nervenwurzel S1 links
und eine geringe mediane Diskushernie LWK 4/5 mit möglicher Affektion der
Nervenwurzel L5 links vorliege (IV-act. 92-15). Klinisch erhob er eine thorakolumbal klar
verminderte Beweglichkeit und im Hüftbereich eine deutliche muskuläre Verkürzung;
Beschwerden in diesen Bereichen wurden während der Untersuchung indes nicht
angegeben (IV-act. 92-15 f.). Er kam zum Schluss, die lumbal beklagten Beschwerden
liessen sich durch die klinischen und radiologischen Befunde durchaus begründen. Es
bestünden nicht nur erhebliche muskuläre Verkürzungen, sondern auch eine deutliche
Gefässproblematik an den Beinen (IV-act. 92-16). Zur Arbeitsfähigkeit führte er im
Wesentlichen aus, aufgrund der an der lumbalen Wirbelsäule bestehenden
Veränderungen seien lediglich körperlich andauernd schwere Tätigkeiten ungeeignet
und unzumutbar. Für körperlich leichte bis mittelschwere Verrichtungen könne keine
längerdauernde Arbeitsunfähigkeit attestiert werden (IV-act. 92-17, 29). Im
Verlaufsgutachten hielt er fest, anamnestisch bleibe unklar, ob es seit der
Bandscheibenoperation zur Verschlechterung oder doch zu einer gewissen Besserung
zumindest gluteal rechts gekommen sei. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule
thorakolumbal sei unter Gegenspannung deutlich vermindert und zervikal nur
endgradig eingeschränkt. Radiologisch bestünden eine Umscheidung der
Nervenwurzel S1 links nach Eingriff bei Diskushernie sowie eine mögliche Affektion der
Nervenwurzel L5 beidseits. Am linken Iliosakralgelenk sei eine klare Signalalteration
dokumentiert worden, doch fehlten entsprechende Auffälligkeiten in der körperlichen
Untersuchung (IV-act. 177-22). Die lumbal und gluteal beklagten Beschwerden liessen
sich durch die klinischen und radiologischen Befunde rein orthopädisch nicht
vollständig begründen (IV-act. 177-22).
2.2.1.
Der neurologische Gutachter hielt im Gutachten vom 22. Juni 2015 fest, aktuell
berichte der Beschwerdeführer nicht über typische radikuläre Schmerzausstrahlungen.
Es würden jedoch diffuse brennende Schmerzen am linken Unterschenkel, leichtgradig
auch rechts, daneben persistierende Sensibilitätsstörungen im Bereich des
2.2.2.
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Unterschenkels und des Fusses, akzentuiert an der Fussaussenseite beschrieben (IV-
act. 92-20 f.). An den unteren Extremitäten könne in den Myotomen L5 bis S1 links kein
Denervationsprozess nachgewiesen werden (IV-act. 92-20). Bei der aktuellen
Untersuchung seien in den unteren Extremitäten keine sicheren Paresen nachweisbar.
Auch die muskuläre Trophik sei gut erhalten. Zusammen mit der Reflexasymmetrie des
ASR zu Ungunsten von links bestehe wahrscheinlich ein leichtes residuelles
Ausfallsyndrom S1 links. Eine dazu passende radikuläre Reizsymptomatik könne
allerdings nicht festgestellt werden. Im Weiteren gehe die angegebene
Sensibilitätsstörung deutlich über das Versorgungsgebiet des Dermatoms S1 hinaus.
Die Ursache dieser Sensibilitätsstörungen (sockenförmig am linken Unterschenkel) sei
möglicherweise eine Symptomausweitung im Rahmen der Beschwerden von Seiten
der chronisch-venösen Insuffizienz. Ein neuropathischer Schmerz bestehe nicht. Aus
neurologischer Sicht könne aktuell eine klinisch relevante radikuläre Symptomatik an
den unteren Extremitäten, welche zu einer Einschränkung in den alltäglichen
Fähigkeiten führe, nicht festgestellt werden (IV-act. 92-21). Im Verlaufsgutachten führte
er aus, gemäss Angaben des Beschwerdeführers habe die Operation gut geholfen. Die
lumbalen Schmerzen, das sensible Defizit und die Sphinkterfunktionen hätten sich
deutlich gebessert. Gemäss seinen Schilderungen sei der Beschwerdeführer in seinen
alltäglichen Verrichtungen aufgrund der persistierenden Stuhlgangproblematik lediglich
geringfügig eingeschränkt. Es würden intermittierende residuelle lumbale Schmerzen
beschrieben, welche zeitweise in die Oberschenkel ausstrahlten. Die Schmerzen seien
nicht mehr täglich vorhanden (IV-act. 177-26). Bildgebend bestehe das Korrelat in einer
möglichen Affektion der Nervenwurzel S1 links sowie L5 beidseits (IV-act. 177-31). Aus
neurologischer Sicht seien gewisse persistierende Beschwerden im Anschluss an die
Rückenoperation vom 9. Juli 2015 nachvollziehbar (IV-act. 177-27). Im Vordergrund
stünden nun zunächst links und aktuell eher rechts lokalisierte Schmerzen im Bereich
der BWS (IV-act. 177-26). Bei der aktuellen klinischen Untersuchung fänden sich keine
segmentalen sensiblen Defizite im Bereich der BWS und es fehlten Hinweise auf eine
Störung der langen Bahnen (IV-act. 177-27). Bezüglich der beklagten leichten
persistierenden, intermittierend auftretenden Sensibilitätsstörung an der linken Hand
äusserte der Gutachter, diese könne dem Versorgungsgebiet des N. ulnaris zugeordnet
werden. Aktuell bestehe keine Reizsymptomatik des Nervs und es fänden sich keine
Hinweise auf ein motorisches Ausfallssyndrom (IV-act. 177-27). Zur
Schwindelproblematik hielt er fest, es ergäben sich keine Hinweise auf eine peripher-
vestibuläre Störung, eine zugrundeliegende zentrale Ursache oder ein zerebelläres
Syndrom (IV-act. 177-27). Zusammengefasst bestehe aktuell eine leichtgradige
residuelle Cauda-Symptomatik mit einer persistierenden leichten perianalen
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Sensibilitätsstörung rechts sowie geringgradigen Blasen- und Darmsphinkterstörungen.
Anderweitig radikuläre, funktionell einschränkende Symptome könnten nicht
festgestellt werden (IV-act. 177-27). In einer rückenadaptierten Tätigkeit bestehe
aufgrund der Beschwerden eine leichte Einschränkung der Arbeits- und
Leistungsfähigkeit, so dass seit der Operation im Juli 2015 insgesamt eine
Arbeitsfähigkeit von 80 % bestehe (IV-act. 177-27).
Die angiologische Gutachterin befand, aus angiologischer Sicht seien die
beschriebene Schwellungsneigung und die Ödeme insbesondere im Bereich des linken
Beines gut zu erklären. Die starken brennenden Schmerzen im Bereich des
Innenknöchels, die Parästhesien im Bereich der Zehen und die Schwäche im Bereich
des linken Beines seien aus angiologischer Sicht nicht erklärbar (IV-act. 92-24). Im
Verlaufsgutachten attestierte sie bei unveränderten Verhältnissen und gleich
gebliebener Beurteilung weiterhin eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 177-29). Zwar
hatte Dr. H._ die brennenden Missempfindungen an beiden Unterschenkeln
hauptsächlich "sicher" auf die chronische venöse Insuffizienz zurückgeführt (Bericht
vom 22. Juli 2014, IV-act. 68-14 ff.), und auch der orthopädische Gutachter wies im
Zusammenhang mit der Erklärung dieser Beschwerden auf die venöse Insuffizienz hin
(IV-act. 92-16). Indes ist hier auf die einschlägige angiologische Fachmeinung
abzustellen und demnach davon auszugehen, dass die Schmerzen bzw.
Missempfindungen in den Beinen nicht massgeblich durch die Venenkrankheit
hervorgerufen werden.
2.3.
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte anlässlich der Erstbegutachtung eine
Dysthymie (ICD-10: F34.1) und eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54). Es
bestehe diagnostisch eine Dysthymia mit leichten depressiven Verstimmungen,
erhöhter Ermüdbarkeit und nächtlichen Schlafstörungen. Weitere affektive Symptome
wie deutliche Konzentrationsstörungen, fehlender Appetit, Gewichtsabnahme,
Schuldgedanken und ein deutlich verminderter Selbstwert bestünden nicht. Eine
depressive Episode könne daher nicht diagnostiziert werden (IV-act. 92-11, 28). Im
Verlaufsgutachten stellte er die Diagnosen einer leichten depressiven Episode (ICD-10:
F32.0) und einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10: F45.41). In der Klinik Valens sei 2016 eine mittelschwere depressive
Störung diagnostiziert worden (vgl. Bericht Psychosomatik vom 2. März 2016, IV-
act. 138). Es sei möglich, dass die Depression damals schwerer ausgeprägt gewesen
sei und punktuell eine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, nicht aber gemittelt über den
Verlauf (IV-act. 177-17). Die Diagnosen könnten sich gegenseitig beeinflussen. Bei
einer Arbeit könne es zu einer erhöhten Ermüdbarkeit kommen. Dem Beschwerdeführer
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/24
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könne aber durchaus eine Willensanstrengung zugemutet werden, um trotzdem zu
arbeiten. Eine über die somatisch bedingte hinausgehende Arbeitsunfähigkeit könne
aus psychiatrischer Sicht nicht attestiert werden, auch aufgrund der täglichen
Aktivitäten, die dem Versicherten möglich seien (IV-act. 177-16 f.). Für den Verlauf
könne auf das ABI-Gutachten 2015 verwiesen werden (IV-act. 177-16).
Hinsichtlich der diagnostizierten Hochtonschallempfindungsschwerhörigkeit und
des dekompensierten Tinnitus führte der HNO-ärztliche Gutachter im Gutachten vom
Juni 2015 aus, aktuell könne eine Hochtonschallempfindungsschwerhörigkeit mit
Hörverlust 17 % rechts, 11 % links objektiviert werden. Der Tinnitus beidseits mit
intermittierender Akzentuierung und Sekundärproblematik müsse zum aktuellen
Zeitpunkt im Rahmen des subjektiven Empfindens als dekompensiert bezeichnet
werden. Die Plausibilitätskriterien im Vergleich mit den Literaturangaben betreffend
Tinnitus-Matching seien erfüllt (IV-act. 92-26). Tätigkeiten, welche hohe Anforderungen
an das Gehör stellten, oder ein gutes Sprachverständnis unter Störschall
voraussetzten, seien für den Beschwerdeführer nicht geeignet. Des weiteren sollten
Tätigkeiten unter erhöhtem Umgebungsgeräuschpegel gemieden werden (IV-
act. 92-27). Unter Berücksichtigung der Ein- sowie Durchschlafstörungen mit
konsekutiver Müdigkeit seien dem Beschwerdeführer vermehrte Ruhepausen
zuzustehen, so dass die Einschränkungen aus otoneurologischer Sicht mit 10 % zu
beziffern seien (IV-act. 92-27). Im Verlaufsgutachten wurde seitens des federführenden
allgemeininternistischen Gutachters ausgeführt, die bei der letzten HNO-ärztlichen
Untersuchung dargestellten Befunde und Einschränkungen aus HNO-ärztlicher Sicht
könnten bei unveränderter subjektiver Beschwerdesymptomatik übernommen worden,
so dass keine Tätigkeiten mit erhöhter Anforderung an das Richtungshören oder mit
Selbst- oder Fremdgefährdung zumutbar seien (IV-act. 177-31 f.). Es könne weiterhin
von einer leichten Leistungseinbusse für auditiv und bezüglich Selbst- und
Fremdgefährdung angepassten Tätigkeiten von 10 % ausgegangen werden (IV-
act. 177-13, 31 f.). Diese addiere sich nicht zur neurologisch begründeten
Einschränkung, da die selben Zeitabschnitte für Pausen und Erholung genutzt werden
könnten (IV-act. 177-32).
2.5.
Zusammenfassend ergibt sich nur für einen Teil der Beschwerden das Ausmass
der funktionellen Beeinträchtigung aus objektivierbaren radiologischen und/oder
klinischen Befunden. So bewertet der neurologische Gutachter die nach der Operation
nachvollziehbar noch vorhandenen Einschränkungen - eine residuelle Cauda-
Symptomatik mit einer persistierenden leichten perianalen Sensibilitätsstörung rechts
sowie geringgradigen Blasen- und Darmsphinkterstörungen - als leichtgradig (vgl. IV-
2.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/24
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act. 177-27). Darüber hinaus sind die Beschwerden im Rücken und die Ausstrahlungen
in die Beine und den linken Fuss organisch nicht erklärbar. Auch für die thorakalen
Beschwerden fand sich weder orthopädisch (IV-act. 177-22) noch neurologisch (IV-
act. 177-26 f.) oder kardiologisch (vgl. Berichte von Dr. O._ vom 8. März 2016, IV-
act. 159, und vom 2. Dezember 2016, IV-act. 202) ein fassbares bildgebendes oder
klinisches Korrelat. Dasselbe gilt aus neurologischer Sicht für die
Schwindelbeschwerden (IV-act. 177-27). Diese Beschwerden sind syndromaler Natur
und daher zusammen mit den Auswirkungen der psychiatrisch diagnostizierten leichten
Depression nach dem strukturierten Beweisverfahren bzw. den diesbezüglich
massgeblichen Standardindikatoren zu beurteilen. Die radiologisch festgestellte ISG-
Affektion korreliert nicht mit der klinischen orthopädischen Untersuchung (IV-
act. 177-22). Auch der neurologische Gutachter konnte keine entsprechende
Symptomatik feststellen (vgl. IV-act. 177-27, wonach ausser der Cauda-Symptomatik
keine radikulären, funktionell einschränkenden Symptome festgestellt werden könnten).
Somit begründet die bildgebend festgestellte Sprunggelenksarthrose mangels
nachgewiesener Symptomatik keine massgebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Das Restless-legs-Syndrom bewirkt nach dem neurologischen Gutachter keine
massgebliche funktionelle Einschränkung, da es therapierbar sei (IV-act. 177-27). Im
neurologischen Vorgutachten war hierzu festgehalten worden, der Beschwerdeführer
spreche gut auf Sirdalud an, was (allerdings) ungewöhnlich sei (IV-act. 92-21). Da der
Beschwerdeführer dieses Medikament gemäss seiner Angabe auch noch im Zeitpunkt
der Verlaufsbegutachtung in Reserve verschrieben hatte (IV-act. 177-12, 25), ist die
angenommene Therapierbarkeit im konkreten Fall plausibel, womit keine relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht. Das Ulnaris-Syndrom beschreibt der
neurologische Gutachter als leicht und intermittierend auftretend, aktuell ohne Reiz-
oder Ausfallsyndrom (IV-act. 177-27). Auch hier ist somit von keiner die Arbeitsfähigkeit
dauerhaft einschränkenden Symptomatik auszugehen.
Zunächst erwähnt der psychiatrische Gutachter auch
invalidenversicherungsrechtlich nicht zu berücksichtigende psychosoziale
Belastungsfaktoren: Der Beschwerdeführer sei aus politischen Gründen in die Schweiz
gekommen. Seine Ehe sei gescheitert. Er habe sein Abendtechnikum im Heimatland
nicht abschliessen können und in der Schweiz angelernt gearbeitet. Er arbeite nun
schon länger nicht mehr (IV-act. 177-18). In psychiatrischer Hinsicht ergeben sich
psychosoziale Belastungsfaktoren auch aus dem Arztbericht des Psychiatrie-Zentrums
Q._ vom 18. Mai 2017, wo ein Zusammenhang mit der Ablehnung des
Rentenbegehrens aufgezeigt wird (vgl. IV-act. 194-3 ff.). Im polydisziplinären Konsens
kamen die Gutachter zum Schluss, aufgrund des residuellen Cauda equina-Syndroms
2.7.
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mit neuropathischer Schmerzkomponente könne aus neurologischer Sicht eine
höhergradige Einschränkung attestiert werden mit einer Arbeitsfähigkeit für nur leichte
bis ganz selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, versehen mit einer
Leistungseinbusse von 20 % aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs. Die weiteren aus
orthopädischer und neurologischer Sicht feststellbaren objektivierbaren Befunde seien
ohne wesentliche Auswirkung auf die (quantitative) Arbeitsfähigkeit (IV-act. 177-31).
Der psychiatrische Gutachter hielt weiter fest, der Beschwerdeführer habe noch wenige
Kontakte zu Kollegen, was auch durch die angespannte finanzielle Situation bedingt
sei. Er lebe aber durchaus nicht völlig einzelgängerisch und zeige keine Abstumpfung
der Umgebung gegenüber. Er habe auch Kontakte innerhalb der Herkunftsfamilie und
zu seiner Exfrau (IV-act. 177-18). In der Lebensführung sei er weiterhin selbständig und
erledige auch seine Haushaltsarbeiten selber. Vor Eintritt des Gesundheitsschadens sei
er deutlich aktiver und vor allem voll erwerbstätig gewesen (IV-act. 177-19). Es
bestünden Ressourcen mit mehrjähriger Berufserfahrung in angelernten Arbeiten und
auch einer Berufsausbildung als Schlosser im Heimatland (IV-act. 177-17). Zur
Konsistenz ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer während des psychiatrischen
Untersuchungsgesprächs keine Zeichen einer akuten Schmerzwahrnehmung zeigte (IV-
act. 177-15) und auch die Angaben zum aktuellen Befinden und der Ablauf der
klinischen Untersuchungen erscheinen teilweise diskrepant zum insbesondere im
Rechtsverkehr geltend gemachten Ausmass der Beschwerden. Die angegebenen
Schmerzmedikamente konnten im Serumspiegel nicht nachgewiesen werden (IV-
act. 177-13), was mit den geltend gemachten Unverträglichkeiten (IV-act. 177-10) nur
teilweise nachvollziehbar erklärt wird. Hinzu kommt die mit etwa einmal monatlicher
hausärztlicher Betreuung (IV-act. 177-20) angegebene niederschwellige Behandlung.
Die anamnestisch wiedergegebenen Angaben des Beschwerdeführers über die
Auswirkungen der Operation bzw. die seitherige Entwicklung der Beschwerden sind
nicht ganz konzis (vgl. E. 2.1.3). Die bei den klinischen Untersuchungen erhobenen
Beschwerden und die Intensität der Behandlung sind daher diskrepant zum vom
Beschwerdeführer insbesondere in den Rechtsschriften beschriebenen Ausmass der
Beschwerden. Die Gutachter hielten an den anamnestischen Angaben und an der
Schmerzauthentizität denn auch Zweifel für angebracht (IV-act. 177-32), und der
psychiatrische Gutachter schloss, aufgrund der möglichen täglichen Aktivitäten sei
dem Beschwerdeführer die Willensanstrengung möglich, trotz der funktionellen
Einschränkungen zu arbeiten (IV-act. 177 16 f.).
Insgesamt berücksichtigt und würdigt das Gutachten die angegebenen
Beschwerden und vorhandenen Akten ausreichend. Die medizinische Beurteilung
erscheint nachvollziehbar und schlüssig. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt
2.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
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3.
die massgeblichen Indikatoren. Aus den Berichten der behandelnden Ärzte ergeben
sich keine objektivierten Anhaltspunkte, welche die Beurteilung der Gutachter in Frage
zu stellen vermöchten. Es ist daher auf das Gutachten abzustellen und von einer
Arbeitsfähigkeit von 80 % auszugehen.
Die Gutachter attestieren rückwirkend eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit für
körperlich schwere, anhaltend mittelschwere und nicht adaptierte Tätigkeiten (IV-
act. 177-32). Für adaptierte, körperlich leichte bis mittelschwere Verrichtungen
schätzen die Gutachter die Arbeitsfähigkeit bis Ende Juni 2015 auf 90 % (IV-act. 92-30)
und ab Juli 2015 auf 80 % mit zwischenzeitlich aufgrund der Operation ganz
aufgehobener Arbeitsfähigkeit von Juli bis Dezember 2015 (IV-act. 177-32). Aus dem
Gutachten geht nicht hervor, ob die bisherige Tätigkeit als schwer oder als angepasst
zu qualifizieren ist (vgl. IV-act. 177-17, 30). Nach Angaben der Arbeitgeberin beinhaltete
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit häufiges Sitzen, seltenes Gehen und Stehen und
seltenes Heben oder Tragen von Gewichten über 10 kg und über 25 kg (Angaben vom
26. September 2013, IV-act. 33-5). Dies entspricht einer mindestens teilweise
körperlich schweren und damit nicht vollumfänglich zumutbaren Tätigkeit. Somit ist für
die Prüfung des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Lagerist auszugehen. Bei Beginn
dieser Arbeitsunfähigkeit am 15. April 2013 (IV-act. 33-19) war das Wartejahr am
15. April 2014 abgeschlossen. Die Halbjahresfrist seit Anmeldung am 31. Juli 2013
(Art. 29 Abs. 1 IVG) war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls abgelaufen, so dass ein
allfälliger Rentenanspruch ab 1. April 2014 besteht.
3.1.
Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin erzielte der Beschwerdeführer
zuletzt ab 1. Januar 2013 ein Jahreseinkommen von 13 x Fr. 5'000.-- = Fr. 65'000.--
(Angaben vom 26. September 2013, IV-act. 33-2). In einer angepassten Tätigkeit
beträgt der hier zur Anwendung kommende Tabellenlohn gemäss
Lohnstrukturentwicklung (LSE) / Lohnentwicklung des Bundesamtes für Statistik,
Kompetenzniveau 1, Männer, Fr. 65'654.-- (Informationsstelle AHV/IV, IV 2019, Bern
2019, Anhang 2). Bei einer Arbeitsfähigkeit von 90 % ergibt sich ohne
Tabellenlohnabzug ein Invalideneinkommen von Fr. 59'089.-- und bei 80 %iger
Arbeitsfähigkeit von Fr. 52'523.--. Selbst bei Gewährung des maximalen
Tabellenlohnabzugs von 25 % - welcher sich vorliegend in dieser Höhe nicht
begründen liesse - resultiert bei einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit ein keinen
Rentenanspruch begründender Invaliditätsgrad von 39,4 %.
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/24
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4.