Decision ID: a114f738-2486-4e56-9fbf-eca040ab5bc4
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
72
, ist bei der
Kolping Kran
ken
kasse AG
(nachfolgend:
Kolping
) obligatorisch kranken
versichert.
Im Alter von
8
Jahren
hatte sie bei einem Unfall
die
mitt
leren oberen Schneide
zähne (11 und 21) verletzt
,
welche
mit Wurzel
behand
lun
gen, Goldaufbauten und je einer Verblend-Metall-Keramik-(VMK-)Krone saniert wurden
(
Urk. 1 S. 1,
Urk. 2 S. 1,
Urk. 3/1
,
Urk.
7/1
, Urk. 7/2 S. 1
)
.
Am 29.
Februar 2012
meldete
der behandelnde Zahnarzt der Versicherten,
Dr.
med.
dent
. Y._
,
der Kolping
eine Folgebehandlung und
legte
einen Kos
ten
voranschlag
für zwei Implantate
mit Klebebrücke
im Betrag von Fr. 13‘614.90
vor
(Urk.
7/2). Der von der Kol
ping angefragte Vertrauenszahnarzt Dr.
med.
dent
.
Z._
empfahl in der Stel
lungnahme vom 2
8.
April 2012 anstatt der ver
anschlagten zwei Im
plan
tate als Langzeitprovisorium
,
ein abnehmbares Nylonprovisorium, eine an
schlies
sende Extraktion
sowie zwei Monate später Implan
tieren, Aug
mentieren der Zähne 11 und 21 sowie vier bis fünf Monate später das Anfer
tigen der defini
tiven
Implantatkronen
mit Kosten von maximal Fr.
10‘000.--
(
Urk.
7/5
)
. Ge
stützt darauf teilte die
Kolping Dr.
Y._
mit Schrei
ben vom 3. Mai 2012
mit Kopie an die Versicherte
mit
, dass
sie die pro
viso
rischen
Implantatkronen
und zwei Knochenaugmentationen als nicht wirt
schaftlich erachte, weshalb sie nur die Kosten für die Extraktion der
Zähne 11 und 21, ein abnehmbares
Nylonpro
viso
rium
, eine Knochenaugmentation und je ein Implantat mit
Implantatkrone
ge
mäss gültigem Vertrag und Tarif aus der obliga
torischen Krankenpflege
versicherung (abzüglich Franchise und Selbst
be
halt
zulasten der Ver
sicherten
) übernehme (
Urk.
7/6).
Mit Schreiben vom
9.
Mai 2012 erklärte sich
Dr.
Y._
damit nicht einverstanden und postulierte, dass die Herstellung der lang
fristigen, provisorischen
Im
plan
tat
kronen
auf den beiden Implantaten
gemäss Tarif
position 4731
(langfristige provisorische Langzeitkrone)
im ästhe
tischen Frontbereich zur Abheilung des Weichgewebes zwingend notwen
dig sei und nicht mit provisorischen
Nylon
plättli
durch
geführt werden könne
(Urk.
7/7).
Die Kolping hielt mit Schreiben vom 25.
Juli 2012 gestützt auf die
Stel
lungnahme des Vertrauenszahnarztes Dr.
Z._
vom 1
4.
Juli 2012 (Urk.
7/9)
an ihrem Bescheid
fest und bat um einen neuen Kosten
vor
anschlag (
Urk.
7/10).
1.2
Im Behandlungszeitraum vom 16. Januar bis 29.
November 2012
hatte
Dr.
Y._
die Stiftzähne 11 und 21, eine provisorische
Klebebrücke
ein
gesetzt
,
eine
Kno
chen
augmentation
gemacht
und eine
Goretex
-Folie ein
gelegt
(Urk. 1
S. 1, Urk. 7/12, Urk. 7/16
). Die
Goretex
-Folie wurde am 1
4.
Februar 2013 wieder entfernt
(Dreiecklappenoperation, Entfernung Membran)
, nachdem Schwindel und Seh
störungen
aufgetreten waren
(Urk. 1 S.
1
f.,
Urk.
7/16 S. 1
, Urk. 7/14 S. 1
).
Am
2.
April 2013 wurden
im Bereich der oberen Schneidezähne 11 und 21
zwei Titan
schrauben eingesetzt, welche nach Eintreten von erneutem Schwindel und
Pruritus
der Oberlippen
am 13. April 2013
ebenfalls
wieder entfernt wur
den. Am 30.
April 2013 wurden
Zirkonschrauben
(
Zeramex
) implantiert, welche nach Ein
treten von erneutem Schwindel am 1
4.
Mai 2013 wiederum entfernt wurden (Urk. 1 S. 2, Urk. 7/14-15,
Urk.
7/16 S. 1).
1.3
Mit Schreiben vom
5.
Juli 2013
sandte die Versicherte der Kolping den
Arzt
beric
ht
ihrer Hausärztin Dr. med. A._
, Fachärztin für Allgemein
medi
zin, vom 25. Juni 2013 (
Urk.
7/16) und die Rechnung von
Dr.
Y._
vom
12.
Juni 2013 über den Behandlungszeitraum vom 1
3.
April bis 1
8.
Mai 2013 im Betrag von Fr. 3‘620.40 (
Urk.
7/15) zu und ersuchte die Kolping um
Kosten
beteiligung
(
Urk.
7/17).
Die Kolping teilte der Versicherten mit Schreiben vom 1
5.
Juli 2013 mit, dass sei an ihrem Entscheid gemäss dem Schreiben vom 25
.
Juli 2012 (
Urk.
7/10) festhalte und die Rechnung daher an sie zurückgesandt werde (
Urk.
7/18
)
.
Mit Verfügung vom
8. August 2013 wies
sie
das
Gesuch der Versicherten vom 5.
Juli 2013 um Übernahme der zusätzlichen Kosten von Fr. 3‘620.40 (Rech
nu
ng vom 1
2.
Juni 2013
,
Urk.
7/15) für die zahn
ärztliche Behandlung durch Dr.
Y._
vom 1
3.
April bis 1
8.
Mai 2013
bezüglich
das
Entfernen
der Titan
-I
m
plantate 11 und 21 sowie das
Einsetzen und Entfernen der
Zerame
x
-Implan
tate 11 und 21 ab (Urk.
7/21 S. 2).
Die dagegen von der Versi
cherten mit Schrei
ben vom
14. August 2013 erhobene Einsprache (Urk. 7/22
)
hiess
die
Kol
ping
gestützt auf die Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom 2
7.
Oktober 2013 (Urk. 7/23)
mit Ein
spracheentscheid vom
20. Februar 2014
in Bezug auf die Kosten für das Ent
fer
nen der Titan
-I
mplantate
11 und 21
und das
Reze
mentieren
des Proviso
riums teil
weise gut. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab
(Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
2. März 2014
Be
schwerde und bean
tragte sinngemäss,
der Einsprache
entscheid vom 20. Februar 2014 sei
insofern
zu ändern, als die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei,
die ge
sam
ten Kosten in Bezug auf
das
Einsetzen und Entfernen der
Zeramex
-Implan
tate 11 und 21 zu übernehmen (Urk. 1). Die Beschwerde
geg
nerin schloss in der Beschwerde
antwort vom
24. März 2014
auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 6 S. 1).
Im weiteren Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Replik vom
5.
April 2014,
Urk.
10 S. 2; Duplik vom 1
3.
Mai 2014, Urk. 13 S. 1).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Der Streitwert übersteigt den zur Beur
teilung der Be
schwerde in
einzelrichter
licher
Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialver
sicherungs
ge
richt
,
GSVGer
) massgeblichen Betrag von Fr. 20'000.-- nicht.
2.
2.1
Art. 24 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) verpflichtet die Krankenkassen, aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung die Kosten für die in Art. 25-31 KVG aufgelisteten Leistungen nach Massgabe der in Art. 32-34 KVG festgelegten Voraussetzungen zu übernehmen.
2.2
Zum Leistungsbereich gemäss Art. 25-31 KVG gehören die Kosten für die Leistun
gen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen (Art. 25 Abs. 1 KVG). Zahnärzte und Zahnärztinnen sind in A
rt. 25 Abs. 2 KVG nicht als Leis
tungserbringer aufgeführt.
2.3
2.3.1
Erbringen Zahnärzte und Zahnärztinnen zahnärztliche Leistungen im engeren Sinn, so sollen die Kosten für diese Leistungen der obligatorischen
Krankenpfle
geversicherung
nur unter den eingeschränkten Voraussetzungen in Art. 31 KVG
überbunden
werden, nämlich dann, wenn die Behandlung entwe
der durch eine schwere, nicht vermeidbare Erkrankung des Kausystems bedingt ist (Abs. 1
lit
. a) oder durch eine schwere Allgemeinerkrankung oder ihre Folgen bedingt ist (Abs. 1
lit
. b) oder zur Behandlung einer schweren Allgemeinerkrankung oder ihrer Folgen notwendig ist (Abs. 1
lit
. c).
Die ausnahmsweise geltende Leistungspflicht für krankheitsbedingte zahnärztliche Behandlungen wird in
Art.
17-19a der
Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen
Kran
ken
pflegeversicherung
(KLV) konkretisiert.
2.3.2
Ferner übernimmt die obligatori
sche
Kranken
pflegeversicherung
nach Art. 31 Abs. 2 KVG
in Verbindung mit
Art.
1a
Abs.
2
lit
. b KVG
auch die Kosten der Behandlung von Schäden des Kausystems, die durch einen Unfall verursacht worden sind
, soweit dafür keine Unfall
versicherung aufkommt
.
Bei
unfall
be
dingten
Zahnschäden bestehen grundsätzlich keine Einschränkungen der Behand
lungsmethoden (
Eugster
in:
Eugster
Krankenversicherung, in: Schweize
risches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], 2. Auflage 2006
, S. 537
Rz
427).
2.4
Die
Kosten
über
nahme nach Art. 31 KVG steht
allerdings auch bei
unfall
beding
ten
zahnärztlichen Behandlungen
unter der generellen Voraus
setzung nach Art. 32 KVG, dass die Leistungen wirksam, zweckmässig und wirtschaft
lich sind, wobei die Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Methoden nachge
wiesen sein muss.
Keine formelle Anspruchsvoraussetzung ist die vorgängige Kosten
gutsprache durch den Versicherer (
Eugster
, a.a.O., S. 493
Rz
290).
Das Gebot der Wirtschaftlichkeit besagt, dass die Krankenversicherer die Leistun
gen auf das Mass zu beschränken haben, das für den Behandlungszweck erforderlich ist. Demnach haben sie dort, wo gleichzeitig mehrere Massnahmen als wirksam und zweckmässig zu qualifizieren sind, nur für die kosten
gün
sti
gere dieser Massnahmen aufzukommen.
Wirksam ist eine medizinische Leis
tung, wenn sie objektiv geeignet ist, auf den angestrebten diagnostischen, therapeutischen oder pflegerischen Nutzen hinzu
wirken. Wirksamkeit bezeich
net die kausale Verknüpfung von Ursache (medizinische Massnahme) und Wir
kung (medizinischer Erfolg). Sie meint die einfache Tatsache der Eignung zur Zielerreichung und stellt insofern einen Teilgehalt der Zweck
mässigkeit dar, welche voraussetzt, dass die Massnahme geeignet ist, das angestrebte Ziel (Un
ter
suchung, Behandlung, Pflege) zu erreichen (RKUV 1999 Nr. KV 64 S. 67 f. E. 3a+b mit Hinweisen). Die Zweckmässigkeit kann in diesem Sinn umschrieben werden als „angemessene Eignung im Einzelfall" (BGE 123 V 53 E. 2c/
bb
;
137 V 295
E. 6.1
-2;
Urteil des Bundesgerichts K 142/03 vom 2
4.
Juni 2004 E. 1.2). Sie ist hinsichtlich des angestrebten Ziels nach medizinischen Kriterien, pros
pektiv und objektiv zu beurteilen (BGE 130 V 299 E. 6.1 und 6.2.1.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_824/2007vom
3.
April 2008 E. 3.3.2).
Die Frage nach der Not
wendigkeit einer medizinischen Massnahme, welche durch die Voraus
setzungen der Zweckmässigkeit und der Wirtschaftlichkeit be
dingt
wird, ist grundsätzlich nach objektiven Kriterien zu beantworten und nicht schon zu bejahen, wenn der Versicherte oder der Arzt sie für notwendig halten. Es muss jedoch genügen, wenn es im Zeitpunkt der Ver
ordnung oder Durch
füh
rung der
Massnahme
nach objektiven medizinischen Kriterien ver
tret
bar war, diese als notwendig zu betrachten. Zudem beurteilt sich die Notwen
digkeit einer
Mass
nahme
nach den medizinischen Erkenntnissen im Zeitpunkt der Ent
scheidung und prospektiv - aus vorausschauender Sicht - nach der begründeten Erwartung eines bestimmten Erfolges. Medizinische Not
wendigkeit oder
Zweck
mässigkeit
bleibt daher auch dann gegeben, wenn sich die Behand
lung bei Betrachtung ex
post
als unnötig,
unzweckmässig
oder erfolglos erweist.
Zweckmässig
ist die medizinische
Massnahme
jedenfalls dann, wenn sie medi
zinisch indiziert ist (
Eug
ster
, Kranken
versicherung, in: SBVR, Soziale Sicherheit, 2. Aufl. 2007, S. 494
Rz
249 f; vgl. auch
BGE 131 V 78
E. 2
a.E
.
).
3.
3.1
Nicht strittig ist, dass die nach dem Unfall vom 2
9.
Mai 1981 im Verlauf mit Wurzel
behand
lun
gen,
Gold
aufbauten
und je einer VMK-Krone versorgten Schneidezähne 11 und 21 wegen Schmerzen auf Druck im Oberkiefer neu zu sa
nieren waren (
Urk.
7/2 S. 1 f.) und dies eine Leistungspflicht der
Be
schwerde
gegnerin
aus KVG (
Art.
31
Abs.
2 KVG) begründete.
Hierzu bestätigte die
Beschwerde
gegnerin
der Beschwerdeführerin die Kostenübernahme für eine Behandlung mit Implantaten und
Implantatkronen
(
Schreiben vom
3.
Mai 2012, Urk. 7/6, und vom 2
5.
Juli 2012, Urk. 7/10
). Bis zur festen Ein
heilung der Implantate musste für die Kronen ein Provisorium erstellt werden. Anstelle der eingesetzten
Klebe
brücke
(=
Maryland-Brücke, 4731 langfristige provisorische Kunststoffkrone; Urk. 7/2 S. 2 f., Urk. 7/11) übernahm die
Be
schwerdegegnerin
hierfür nur die Kosten für ein Nylonprovisorium (4610 pro
visorische
Kunst
stoffprothese
, Urk. 7/12 S. 1
, Urk. 7/21 S. 1
).
Von den angefallenen Kosten
hat die Beschwerdegegnerin
von den zahn
ärztli
chen Folgebehandlungen
für die
Zähne 11 und 21 durch Dr.
Y._
g
emäss dem angefochtenen Einsprache
entscheid
die Rechnung vom 9. Januar 2013 bezüg
lich der Behandlung vom 16. Januar bis 29. November 2012 im Be
trag von Fr. 3‘207.30 (
Urk.
7/12) und die Rechnung vom 1
2.
Juni 2013 betref
fend den Behandlungszeitraum vom 10. Januar bis 17. April 2013 im Betrag von Fr. 2‘860.60 (Urk. 7/14), insgesamt Fr. 6‘067.90 über
nommen (
Urk.
2 S. 1). Für das Jahr 2012 erstattete die
Be
schwerdegegnerin
damit die Kosten für die Extraktion der ehemaligen Stift
zähne 11 und 21, eine Knochenaugmentation, eine provisorische
Kunststoffpro
these
und das Einsetzen der
Goretex
-Membran-Folie (
Urk.
7/12).
Bezüglich der
Behandlung im Jahr 2013 beglich sie mit der Rech
nung
vom
1
2.
Juni 2013 die Ent
fer
nung der
Goretex
-Membran-Folie und das Einsetzen von Titanschrauben (Urk. 7/14).
Zusätzlich erklärte sich die Beschwerdegegnerin im Einsprache
ent
scheid damit einver
standen, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht die Ent
fernung der Titan
-I
mplantate und das
Rezementieren
des Provisoriums (Klebebrücke) zu über
neh
men. Diese Kosten habe sie bereits mit der Rech
nung von
Dr.
Y._
vom 10. Dezember 2013 am 12. Dezember 2013 beglichen (Urk. 2 S. 2). Gemäss der Rech
nung von
Dr.
Y._
vom 10. Dezember 2013 zuhanden der
Beschwerde
gegnerin
mit dem massgeblichen Tarif von Fr. 3.10 pro
Taxpunkt
(
Tarif der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung [UV/MV/IV-Tarif] über die Hono
rierung zahnärztlicher Leistungen, sogenannter Suva-Tarif)
beliefen sich die Kosten für die Entfernung der Titan
-I
m
plantate und das
Reze
men
tieren
der
Kle
bebrücke
auf Fr. 581.25 (Urk. 7/26). Insgesamt hat die Beschwerdegegnerin somit Kosten für die
unfallbedingte
Folgebehandlungen von Fr. 6‘649.15 (Fr. 6‘067.90 + Fr. 581.25) über
nommen.
3
.2
3.2.1
Strittig und zu prüfen
ist allein
, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre
Leis
tungs
pflicht
für die zahnärztlichen Behandlungen vom 3
0.
April bis 1
8.
Mai 2013 für das Einsetzen der
Zirkonschrauben
(
Zeramex
; 3
0.
April 2013) und deren Entfernen (1
4.
Mai 2013) samt Wundbehandlung und erneutes
Reze
men
tieren
der Klebebrücke (
7.
und 1
8.
Mai 2013, Urk. 7/15) verneint hat.
Dr.
Y._
stellte der Be
schwerd
eführerin für diese Leistungen am
9. Dezember 2013
mit einem Ta
xwert von Fr. 3.70 pro
Taxpunkt
den Betrag von Fr. 2‘926.65 (506.5 Taxpunkte à Fr. 3.70 zuzüglich Materialauslagen von Fr. 1‘0
52.--) in Rechnung (
Urk. 7/25).
Die Rechnung von
Dr.
Y._
vom 2
4.
Februar 2014
zuhanden der Beschwerdegegnerin
umfasst diesel
ben Leistungen
, wurde aber
korrekt
mit dem im KVG-Bereich massgeblichen Tax
wert von Fr. 3.10
versehen
und beläuft sich auf Fr. 2‘532.85 (Urk. 3/11).
3.2.2
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Einspracheentscheid auf den Standpunkt,
der Vertrauensarzt
Dr.
Z._
sei zum Schluss gekommen, dass aufgrund des Verlaufs ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Einsetzen eines Fremdkörpers und den nachfolgenden Beschwerden auf der Hand gelegen habe. Deshalb hätte vor dem Einsetzen der
Zeramex
-Implantate eine Abklärung der Verträglichkeit gemacht werden müssen. Auf diese Weise hätten das Ein
setzen der Implantate und deren Entfernung verhindert werden können
. Eine zeitliche Dringlichkeit zur Behandlung habe nicht bestanden und es hätte zudem recht
zeitig ein Kostengutsprachegesuch gestellt werden können. Für diese unnötigen Arbeiten und Auslagen könne daher aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung kein Ersatz geleistet werden. Die Kosten für die Ent
fernung der Titan-I
mplantate und das
Rezementieren
des Provisoriums seien im Übrigen nur entgegenkommenderweise übernommen worden. Genehmigt gewesen sei nur ein abnehmbares Provisorium (Urk. 2 S. 2).
3.
2.3
Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein,
laut dem Schreiben der
Beschwerde
gegnerin
vom 3. Mai 2012 (
Urk.
7/6) seien ihr im Rahmen der
Folge
behandlung
zum Unfall vom 29. Mai 1981 Implantate mit
Im
plantat
kro
nen
zugesprochen worden. Nach der Entfernung der Titan-Implantate seien
Zera
mex-Implantate
die einzige mögliche Alternative
für Implantate
gewesen.
Um ein Zu
wachsen der Löcher und eine neue Bohrung zu vermeiden, seien die
Zeramex
-Implantate so schnell als möglich eingesetzt worden. Dass es erneut zu Schwindel kommen würde, sei nicht voraussehbar gewesen, weil sie an
ge
nom
men hätten, der Schwindel sei durch das Metall ausgelöst worden.
Denn auch die
Goretex
-Folie sei m
it Titan verstärkt gewesen. Dr.
Y._
sei daher von einer Metallallergie ausgegangen. Eine solche sei sehr schwer nachzuweisen, wie ihr ihre Hausär
ztin Dr.
A._
bestätigt habe.
Da es nun seit einigen Jahren mit dem
Zeramex
ein neues Material gebe, das kein Metall enthalte, seien die
Zera
mex-Implantate
ein letzter Versuch gewesen, um Implantate einzusetzen.
Dr.
Y._
habe die
Zeramex
-Implantate wieder entfernt, weil
der Schwindel so stark geworden sei, dass sie es nicht mehr aus
gehalten habe.
Im Nach
hin
ein sei klar geworden, dass sie an einer
Fremd
körperunverträglichkeit
im Ober
kiefer leide. Da ein
Entscheid über ein
Kosten
gutsprache
gesuch
bei der
Beschwerde
gegnerin
mehrere Monate dauere, habe nicht genügend Ze
it bestan
den, um ein solches Gesuch zu stellen
. Denn
die Löcher
wären in dieser Zeit
zugewachsen
, was nicht
zeckmässig
gewesen wäre
. Auch Dr. med. B._
habe die Vor
gehens
weise von
Dr.
Y._
als richtig be
stätigt;
auch er hätte
Zeramex
-Im
plan
tate ein
gesetzt.
Dr.
Y._
habe seine Pflicht als Zahnarzt, die für sie best
mögliche Lö
sung zu suchen, somit erfüllt. Zudem sei sie auf
grund ihres Berufes als Sprachlehrerin an einem Gymnasium darauf angewiesen mit den künst
lichen Zähnen gut artikulieren zu können und ein ästhetisch an
sprechen
des Gebiss zu hab
en, was mit den Implantaten am b
e
sten realisierbar gewesen wäre
(
Urk.
1
,
Urk.
10
).
4.
4.1
Für die Leistungspflicht für Kosten der zahnärztlichen Behandlung ist es
-
da dies keine Anspruchsvoraussetzung ist (
Eugster
, a.a.O., S. 493
Rz
290) - nicht relevant, dass vor der Behandlung mit Titan- und
Zeramex
-Implantaten keine neuen Kosten
voranschläge vorgelegt wurden.
4.2
Von den massgeblichen Anspruchsvoraussetzungen nach
Art.
32 KVG (wirk
sam, zweckmässig und wirtschaftlich) ist das Kriterium der Wirksamkeit zu bejahen. Denn
der Einsatz
von
Zeramex-Zirkon
schrauben
ist
zur ange
strebten
(Re
)
Sanierung der Schneide
zahn-Lücken
11 und 21
unstrittig
gemeinhin
geeignet und die möglichst vollständige Wiederherstellung der
en
Funktionen (Ab
sche
ren von Nahrung, Aussprache, Platzhalter)
hiermit
objektiv erreichbar
.
4.3
4.
3
.1
Da
s Kriterium der Zweckmässigkeit, mithin die Frage, ob die
gewählte und durch
geführte
Behandlungs
methode
mit einer
Zeramex-Zirkon
schraube
im Fall der Beschwerdeführerin
objektiv
mit einem vertretbaren Verhältnis von Risiko und Nutzen
nach medizinischen Kriterien
ge
messen am angestrebten Heilerfolg
geeignet war
,
die körperliche Beeinträchtigung, näm
lich die Zahn
lücken 11 und
21
- als unerlässlicher Teil der Gesamtbehandlung -
möglichst vollständig zu beseitigen,
ist
pro
spektiv, das heisst aus voraus
schauender Sicht
nach der begründeten Erwar
tung
des angestrebten
Erfolges
zu beurteilen
(
BGE 130 V 299 E. 6.1 und
E.
6.2.1.1; Urteil des Bun
desgerichts 9C_824/2007
vom 3.
April 2008 E. 3.3.2
;
Eugs
ter
, a.a.O., S.
494
f.
Rz
293 ff.
und S. 588
Rz
568
)
.
Unter den wirksamen und zugelassenen Anwendungen hat der Arzt somit jene zu wählen, welche prognostisch beurteilt,
im konkreten Fall
am besten geeignet ist, den ange
strebten medizinischen Erfolg zu bewirken (
Eugster
, a.a.O., S. 493
Rz
290).
Vorliegend
ist
folglich
entscheidend, ob
nach der Entf
ernung der Titanschraube am 13.
April 2013
und vor dem Eingriff vom 30. April 2013 aus
o
bjektiver Sicht
zu erwarten war, dass der Ein
satz
der
Zera
mex-Zirkon
schrauben
bei der Be
schwerde
führerin
das ge
wünschte Ergebnis
der Installation
dauerhafter
(
Kro
nenträger
-)Im
plantate
be
gründen
werde.
4.
3
.2
Der Vertrauensarzt Dr.
Z._
führte
in der Stellungnahme vom
27. Oktober 2013
hierzu
aus
,
jedes Mal, wenn irgendein Fremdkörper (Membran, Titan, Zirkon) bei der Beschwerdeführerin eingesetzt werde, bekomme sie Probleme. Sobald das Material entfernt sei, seien die Beschwerden weg. Die Kosten für die Implantation mit Zirkon-Implantaten und deren Entfernung seien nicht zu ver
güten, da
(vorab)
keine Abklärung bezüglich Verträglichkeit gemacht worden sei.
In Zukunft seien die Kosten für eine Brücke von 13, 12 auf 22, 23 in der Höhe von zirka
Fr.
10‘000.-- zu übernehmen. Falls die Beschwerdeführerin auch damit Probleme habe, was höchstens wegen der
Raphe
mediana
der Fall sein könne, könne immer noch zwischen 11 und 21 separiert werden (
Urk.
7/23).
Dr.
Z._
ging
damit implizit
und nachvollziehbar
davon aus, dass
aufgrund der zahnmedizinischen Vorgeschichte d
er Beschwerdeführerin
eine
Fremdkör
perunverträglichkeit
ab
seh
bar gewesen sei und
nicht
ohne vor
gängige Ab
klä
rung hätte erwartet werden dürfen, dass die
Zeramex-Zirkonschrauben
von der Be
schwerde
führerin
vertragen
würden
und damit
als Implantate
geeignet
seien
.
Auch wenn vor dem Einsetzen der
Zeramex
-Implantate
eine allgemeine
Fremd
körperunverträglichkeit
im Oberkiefer nicht bereits als solche
von den Ärzten diagnostiziert worden war
, lagen aufgrund der Reaktionen nach dem Einfügen der
Goretex
-Folie und der Titanschraube im Oberkiefer genügend Hin
weise darauf vor, dass die Beschwerdeführerin Implantate
im vorderen Ober
kiefer an der Stelle, wo zuvor wegen auftretender Beschwerden bereits die Stifte mit VMK-Kronen entfernt werden mussten, nicht verträgt.
Auch
war angesichts des Umstandes, dass
nach dem Einsetzen der
Goretex
-Folie und der
Titan
schraube
vor allem
vegetative Beschwerden (Schwindel
, Sehstörungen, Jucken an der Obe
r
lippe;
Urk.
7/16)
auftraten
,
nicht ohne Weiteres
eine Allergie
oder Unver
träglichkeit
auf
Titan oder deren Legierung
anzunehmen
.
Es kann bei gegebener Sachlage daher nicht gesagt werden, dass der Zahnarzt
im Sinne des Kriteriums der Zweckmässigkeit
jene Be
handlung gewählt hat, welche prog
nostisch beur
teilt, im konkreten Fall am besten geeignet war, den ange
strebten medizinischen Erfolg zu bewirken.
Denn das Einsetzen eines Implan
tates als Zahnersatz bedingt, dass sichergestellt ist, dass dieses den
Behand
lungszweck
erfüllt.
Das Einsetzen von
Zeramex
-Im
plan
taten war unter den gegebenen Umständen
dagegen
mit einem Risiko verbunden, das indes nicht von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu tragen ist
, auch wenn zu Beginn der
Gesamtbe
handlung
, mithin vor dem Einsetzen der
Goretex
-Folien und der vegetativen Beschwerden, die Kostenübernahme für zwei Implantate mit
Implantatkronen
für den Ersatz der Zähne 11 und 21 bestätigt worden war (Schreiben vom
3.
Mai 2012, Urk. 7/6, und vom 2
5.
Juli 2012, Urk. 7/10).
4.4
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die Kosten der
zahnärztlichen Behandlungen vom 3
0.
April bis 1
8.
Mai 2013 für das Einsetzen
und Entfernen
der
Zeramex-
Zirkonschrauben
gemäss der Rech
nung von
Dr.
Y._
vom
9. Dezember 2013
im Betrag
von Fr. 2‘926.65
(Urk. 7/25)
respektive vom 24. Februar 2014 im Betrag von Fr. 2‘532.85 (Urk. 3/11)
zu Recht verneint.
Alle weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin führen
zu keiner anderen Betrachtungsweise.
Die Beschwerde ist folglich ab
zu
weisen.