Decision ID: b2214f27-df34-5985-ad76-c9829756bf0b
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Der pensionierte Wirtschaftsprüfer X.Y. (Jahrgang 1933) ist seit 21. Mai 1981 von A.
Y.-L. geschieden. Eine am 27. November 1981 mit B. Y.-S. geschlossene Ehe wurde
am 5. Februar 1998 geschieden. Die Unterhaltspflicht aus dieser Scheidung endete im
Juli 1998. Gemäss Entscheid des Bezirksgerichts (heute: Kreisgericht) St. Gallen vom
4. November 1999 betreffend Abänderung des Scheidungsurteils vom 21. Mai 1981 ist
X.Y. verpflichtet, A. Y.-L. ab 1. November 1998 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag
von Fr. 800.-- zu bezahlen. In den Steuererklärungen 2001 bis 2003 brachte er unter
Ziffer 12.1 "Unterhaltsbeiträge an die geschiedene Ehefrau" von je Fr. 9'600.-- in
Abzug. Dieser Abzug wurde ihm von der Veranlagungsbehörde jeweils gewährt und
infolgedessen wurde er am 15. Januar 2003 für 2001 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 61'000.-- und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 244'000.--, am
20. Januar 2004 für 2002 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 13'000.-- und
einem steuerbaren Vermögen von Fr. 152'000.-- und am 20. April 2005 für 2003 mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 59'400.-- und einem steuerbaren Vermögen von
Fr. 127'000.-- veranlagt. Diese Veranlagungen erwuchsen in Rechtskraft.
B.- Am 2. Mai 2005 teilte A. Y.-L. auf entsprechende schriftliche Anfrage des
Steueramts der Stadt St. Gallen vom 27. April 2005 mit, dass ihr X.Y. im Jahr 1999
oder 2000 eine Abfindungszahlung anstelle der zukünftigen Unterhaltsbeiträge
ausgerichtet habe. Daraufhin teilte das kantonale Steueramt X.Y. am 10. August 2005
mit, Abklärungen bei seiner geschiedenen Ehefrau hätten ergeben, dass er im Jahr
1999/2000 anstelle der zukünftigen Alimentenzahlungen eine Abfindungszahlung von
rund Fr. 80'000.-- ausgerichtet habe. Es forderte ihn auf, den Sachverhalt darzulegen
sowie die Zahlungsnachweise der Unterhaltsbeiträge 2001 bis 2004 zuzustellen. In
einer E-Mail vom 5. September 2005 gab X.Y. an, dass er sich mit seiner geschiedenen
Ehefrau darauf geeinigt habe, dass die künftigen monatlich geschuldeten
Unterhaltsbeiträge in einem Betrag von Fr. 70'000.-- im Voraus bezahlt würden.
Der zuständige Steuerkommissär meldete daraufhin mit Schreiben vom 22. September
2005 der Abteilung Nachsteuern und Strafsteuern des kantonalen Steueramtes den
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unberechtigten Abzug von Unterhaltsleistungen. Mit Schreiben vom 27. Oktober 2005
wurde das Nachsteuerverfahren gegen X.Y. eröffnet. Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass
er die Unterhaltsbeiträge an A. Y.-L. in den Jahren 2001 bis 2005 im Umfang von
jährlich Fr. 9'600.-- zu Unrecht abgezogen habe und dass sich das
nachsteuerpflichtige Einkommen für 2001 auf Fr. 9'600.--, für 2002 auf Fr. 10'500.--
und für 2003 auf Fr. 9'700.-- belaufe. X.Y. beantragte am 8. November 2006 unter
Berufung auf die Zahlungsverpflichtung gemäss Abänderung des Scheidungsurteils,
dass von einer Nachsteuer abzusehen sei und die monatlich vereinbarten Zahlungen
von Fr. 800.-- weiterhin zum Abzug zuzulassen seien. Das kantonale Steueramt,
Abteilung Nachsteuern und Strafsteuern, teilte am 29. November 2006 mit, dass eine
Änderung der Nachsteuer nicht möglich sei und stellte den Erlass einer
entsprechenden Nachsteuerverfügung in Aussicht. Nachdem X.Y. mit Schreiben vom
3. Dezember 2006 erneut um Absehen von der Nachsteuer ersucht hatte, erliess das
kantonale Steueramt am 15. Dezember 2006 die Nachsteuerverfügung (Register-Nr.
01.10.9880) und setzte darin die Nachsteuer für die Staats- und Gemeindesteuern
2001 bis 2003 auf Fr. 7'325.65 fest. Der Betrag setzte sich zusammen aus den
Nachsteuern für 2001 von Fr. 2'786.40, für 2002 von Fr. 1'747.05 und für 2003 von Fr.
2'697.55, je inkl. Zinsen, sowie dem Zins des laufenden Jahres von Fr. 94.65. Die
dagegen am 19. Dezember 2006 erhobene Einsprache mit dem Antrag, es sei von einer
Nachsteuer abzusehen und die gerichtlich festgelegten monatlichen Zahlungen von Fr.
800.-- seien weiterhin als Abzug zuzulassen, wies das kantonale Steueramt mit
Entscheid vom 12. Januar 2007 ab.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid (Nachsteuerverfügung) erhob X.Y. mit Eingabe
vom 7. Februar 2007 und Ergänzung vom 12. Februar 2007 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, es sei von einer Nachsteuer
abzusehen und die gerichtlich verfügten monatlichen Zahlungen von Fr. 800.-- seien
weiterhin zum Abzug zuzulassen. Ausserdem sei die Vorauszahlung von Fr. 70'000.-- in
den Steuererklärungen 2001 bis 2003 als Vermögenswert unter jährlicher Reduktion
von Fr. 9'600.-- nachzutragen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 2. April 2007 die kostenfällige
Abweisung des Rekurses.
Am 3. Mai 2007 reichte der Rekurrent dazu eine Stellungnahme ein.
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Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 7. Februar 2007 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 12. Februar 2007 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 201 Abs. 3 in
Verbindung mit Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist in der Hauptsache einzutreten.
2.- Anfechtungsobjekt ist der Einsprache-Entscheid der Vorinstanz vom 12. Januar
2007 betreffend Nachsteuerverfügung. Dieser bildet die sachliche Begrenzung des
Anfechtungsverfahrens (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz 579). Die Verwaltungsrekurskommission kann deshalb in
diesem Rekursverfahren ausschliesslich die Nachsteuerverfügung, nicht hingegen die
ordentlichen Veranlagungsverfügungen der Jahre 2001 bis 2003 überprüfen oder über
künftige Abzüge befinden. Daher ist auf den Antrag des Rekurrenten, es seien die
gerichtlich verfügten monatlichen Zahlungen als Abzug zuzulassen und es sei die
Vorauszahlung von Fr. 70'000.-- in den Steuererklärungen 2001 bis 2003 als
Vermögenswert nachzutragen unter jährlicher Reduktion von Fr. 9'600.--, nicht
einzutreten.
3.- Umstritten ist vorliegend die Erhebung einer Nachsteuer für die Steuerjahre 2001
bis 2003 im Zusammenhang mit den nachehelichen Unterhaltszahlungen des
Rekurrenten an seine geschiedene Ehefrau.
a) Der Rekurrent macht im Wesentlichen geltend, er sei mit Gerichtsurteil vom 4.
November 1999 verpflichtet worden, auch nach Beendigung seiner Erwerbstätigkeit
infolge Pensionierung per 1. August 1998 weiterhin monatliche Alimente von Fr. 800.--
an seine geschiedene Frau zu bezahlen. Dieses Urteil sei für ihn hart und nicht
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nachvollziehbar. Da er die Alimente aus seiner laufenden AHV-Renten nicht habe
bezahlen können, habe er sich mit seiner geschiedenen Ehefrau auf eine Summe von
Fr. 70'000.-- als Vorauszahlung der lebenslänglich geschuldeten Alimente geeignet.
Das habe er durch eine Erhöhung der Hypothek auf seinem Elternhaus finanziert. Es sei
vereinbart worden, dass die Alimente wie bis anhin bei der Zahlungsempfängerin zu
versteuern seien und er diese steuerlich in Abzug bringen könne. Dies komme im
Schreiben von Rechtsanwältin S. vom 16. März 2000 zum Ausdruck. Er sei nun
offenbar in eine Steuerfalle geraten, deren finanzielle Auswirkungen für ihn eine
Katastrophe bedeuten würden. Es liege offenbar in der Interpretation der
Schlusszahlung von Fr. 70'000.--. In steuerlicher Hinsicht sei auf die Zahlungspflicht im
gerichtlichen Urteil abzustellen. Den Zahlungsmodus erachte er als sekundär. Weiter
bringt der Rekurrent vor, dass die Besteuerung von Kapitalabfindungen im
Steuergesetz eindeutig geregelt sei. Dieses gehe der Steuerverordnung, auf die sich
die Vorinstanz stütze, vor. Es handle sich vorliegend auch nicht um eine private
Schuldentilgung sondern um eine vorausbezahlte Leistung, welche eigentlich für die
spätere Konsumation seiner geschiedenen Frau bestimmt gewesen sei.
Dem hält die Vorinstanz entgegen, dass Unterhaltsleistungen an einen geschiedenen
Ehegatten, die in Form einer Kapitalleistung entrichtet würden, nicht in Abzug gebracht
werden könnten. Werde eine Kapitalleistung nicht durch Einmalzahlung erfüllt, sondern
durch einzelne Raten getilgt, ändere sich an der Besteuerung grundsätzlich nichts. Es
handle sich dabei um eine reine Zahlungsmodalität. Im umgekehrten Fall, wenn eine
periodische Unterhaltsleistung durch einmalige Kapitalzahlung abgegolten werde, sei
dagegen auf den Zufluss der Kapitalabfindung abzustellen. Die Kapitalzahlung bleibe
beim Empfänger einkommenssteuerfrei, wogegen der Vermögenszuwachs der
Vermögenssteuer unterliege. Sie könne demzufolge beim Leistenden nicht abgesetzt
werden. Auf die Auskunft einer Rechtsanwältin könne er sich nicht berufen, da diese
nicht zuständig sei. Bei Unsicherheiten hätte er sich an die Steuerbehörde selbst
wenden müssen.
b) Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht
bekannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine
rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist, oder eine unterbliebene oder
unvollständige Veranlagung auf ein Verbrechen oder ein Vergehen gegen die
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Steuerbehörde zurückzuführen ist, wird gestützt auf Art. 199 Abs. 1 StG die nicht
erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer eingefordert. Für die Einleitung eines
Nachsteuerverfahrens ist es nicht notwendig, dass den Steuerpflichtigen ein
Verschulden trifft (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische
Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 400).
c) Voraussetzung für die Erhebung einer Nachsteuer ist eine neue Tatsache oder ein
neues Beweismittel, aus dem sich die Unrechtmässigkeit einer rechtskräftigen
Veranlagung ergibt.
aa) Als nicht bekannt gelten Tatsachen und Beweismittel, die zum Zeitpunkt der
Veranlagung bereits bestanden haben, aber während des ordentlichen Veranlagungs-
oder eines allenfalls sich daran anschliessenden Rechtsmittelverfahrens nicht
aktenkundig waren, d.h. also erst nach der rechtskräftigen Veranlagung eines
Steuerpflichtigen zum Vorschein gekommen sind. Was dagegen bei der ordentlichen
Veranlagung aus den Steuerakten ersichtlich war, gilt als bekannt, selbst wenn die
Steuerbehörde aus irgendeinem Grund davon keine Kenntnis genommen haben sollte
(GVP 1986 Nr. 30; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 400).
Die Veranlagungsbehörde darf grundsätzlich von der Richtigkeit und Vollständigkeit der
vom Steuerpflichtigen gemachten Angaben ausgehen und ist zu weitergehenden
Untersuchungen nur verpflichtet, wenn konkrete Anhaltspunkte bestehen, dass die
Angaben unvollständig sein könnten (SGE 1993 Nr. 8; GVP 1990 Nr. 31; BGE 2A.
108/2004 vom 31. August 2005 E. 4.1; K. Vallender, in: Kommentar zum
schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 8 ff. zu Art. 53 StHG). Die
Steuerbehörde ist insbesondere nicht verpflichtet, ohne besonderen Anlass
Quervergleiche mit Akten anderer Steuerpflichtiger vorzunehmen oder im Steuerdossier
nach ergänzenden Unterlagen zu suchen. Eine Pflicht zu ergänzender Untersuchung
besteht für die Steuerbehörde aber dann, wenn die Steuererklärung Fehler enthält, die
klar ersichtlich bzw. offensichtlich sind. Bloss erkennbare Mängel genügen nicht, dass
davon ausgegangen werden muss, bestimmte Tatsachen oder Beweismittel seien den
Behörden schon zur Zeit der Veranlagung bekannt gewesen bzw. es müsse diesen ein
entsprechendes Wissen angerechnet werden (StE 2003 B 97.41 Nr. 15).
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bb) Fest steht, dass der Rekurrent mit Entscheid des Bezirksgerichts St. Gallen vom 4.
November 1999 verpflichtet wurde, seiner geschiedenen Ehefrau ab 1. November 1998
einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 800.-- zu bezahlen. In der Folge haben
sich der Rekurrent und seine geschiedene Frau aussergerichtlich darauf geeinigt, dass
er ihr anstelle der zukünftigen Alimente eine einmalige Zahlung von Fr. 70'000.-- zu
leisten hat. Nach Darstellung des Rekurrenten hat er diese Kapitalabfindung im Jahr
2000 bezahlt. Dieser Sachverhalt wurde der Steuerbehörde nicht zur Kenntnis
gebracht. Dennoch hat der Rekurrent gemäss der Verpflichtung im Scheidungsurteil in
den Steuererklärungen 2001 bis 2003 jeweils unter der Ziffer 12.1 "Unterhaltsbeiträge
an die geschiedene Ehefrau" Zahlungen von Fr. 9'600.-- in Abzug gebracht.
Nachdem die geschiedene Ehefrau des Rekurrenten auf Nachfrage des Steueramts der
Stadt St. Gallen vom 27. April 2005, weshalb sie keine Unterhaltszahlungen deklariert
habe, am 2. Mai 2005 mitteilte, dass ihr der Rekurrent anstelle der zukünftigen Alimente
im Jahr 1999 oder 2000 eine Abfindungszahlung geleistet habe, forderte der
zuständige Steuerkommissär in der Folge den Rekurrenten mit Schreiben vom 10.
August 2005 auf, den tatsächlichen Sachverhalt darzulegen. In einer E-Mail vom 5.
September 2005 bestätigte der Rekurrent, dass er sich mit seiner geschiedenen
Ehefrau darauf geeinigt habe, dass er ihr anstellte der monatlichen Unterhaltsbeiträge
einen einmaligen Betrag von Fr. 70'000.-- bezahlen werde. Damit stand für die
Veranlagungsbehörde fest, dass der Rekurrent in den Jahren 2001 bis 2003 entgegen
der Selbstdeklaration keine monatlichen Unterhaltzahlungen an seine Ehefrau geleistet,
sondern im Jahr 2000 stattdessen eine einmalige Kapitalabfindung gezahlt hat.
Da die Deklaration des Rekurrenten in den Steuererklärungen 2001 bis 2003 mit den
Angaben im Abänderungsurteil übereinstimmte und auch ansonsten keine konkreten
Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit dieser Angaben aktenkundig waren, durfte die
Veranlagungsbehörde von den gemachten Angaben in den Steuererklärungen 2001 bis
2003 ausgehen. Der zuständige Steuerkommissär war nicht gehalten, nach weiteren
Angaben zu forschen. Insbesondere war er nicht verpflichtet die Steuerakten der
geschiedenen Ehefrau beizuziehen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar
zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. Aufl. 2006, N 26 zu § 160). Es liegt damit
eine der Steuerbehörde bisher nicht bekannte, neue Tatsache vor, die grundsätzlich zur
Erhebung einer Nachsteuer berechtigt.
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d) Weiter muss sich aufgrund dieser neuen Tatsache ergeben, dass eine Veranlagung
zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist (Art. 199
Abs. 1 StG; GVP 1986 Nr. 30).
aa) Nach Art. 45 Abs. 1 lit. c StG werden zur Ermittlung des Reineinkommens von den
gesamten steuerbaren Einkünften die Unterhaltsbeiträge an den geschiedenen,
gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebenden Ehegatten sowie die Unterhaltsbeiträge
an einen Elternteil für die unter dessen elterlicher Sorge oder Obhut stehenden Kinder,
nicht jedoch Leistungen in Erfüllung anderer familienrechtlicher Unterhalts- oder
Unterstützungspflichten, abgezogen. Unterhaltsbeiträge an den geschiedenen
Ehegatten sind somit grundsätzlich als Aufwendungen abziehbar. Da Art. 45 Abs. 1 lit.
c StG mit Art. 33 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (SR
642.11, abgekürzt: DBG) identisch ist, rechtfertigt es sich, zur Auslegung auch die
Rechtsprechung und Literatur zur direkten Bundessteuer heranzuziehen.
bb) In der Regel werden nacheheliche Unterhaltsbeiträge in der Form einer periodisch
zu leistenden Rente zugesprochen, die Unterhaltsverpflichtung kann jedoch auch durch
Vereinbarung oder richterliches Urteil kapitalisiert und mit Bezahlung einer
Kapitalleistung erfüllt werden (Art. 126 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches,
SR 210, in Kraft seit 1. Januar 2000). Fest steht, dass der Rekurrent gemäss
Abänderung des Scheidungsurteils verpflichtet war, seiner geschiedenen Ehefrau
monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 800.-- zu leisten. In den hier umstrittenen Jahren
2001 bis 2003 hat der Rekurrent keine Unterhaltsleistungen ausgerichtet, da er ihr an
dieser Stelle im Jahr 2000 vereinbarungsgemäss eine Einmalabfindung von Fr.
70'000.-- ausgerichtet hat, was unbestritten ist.
cc) Der Rekurrent beruft sich auf die im Scheidungsurteil festgelegte jährliche
Zahlungsverpflichtung von Fr. 9'600.--. Er bestreitet indes nicht, dass er in den Jahren
2001 bis 2003 seiner geschiedenen Ehefrau keine Unterhaltszahlungen ausgerichtet
hat.
Bei der zeitlichen Anknüpfung für abzugsfähige Aufwendungen ist grundsätzlich analog
zu den Einkünften auf die Fälligkeit der Forderung und nicht auf die tatsächliche
Erfüllung abzustellen (StE 2003 B 21.2 Nr. 19; vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
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a.a.O., N 79 zu § 50, sog. gemässigte Soll-Methode). Allerdings darf bei alledem die
wirtschaftliche Realität nicht ausser Acht gelassen werden, weshalb dieser Grundsatz
Einschränkungen erfährt. Das blosse Abstellen auf die Fälligkeit kann zu falschen
Ergebnissen führen (StE 2003 B 21.2 Nr. 19). Daher können Alimentenzahlungen im
Allgemeinen erst dann in Abzug gebracht werden, wenn sie effektiv bezahlt werden
(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 95 zu § 50). Steht wie im vorliegenden
Fall fest, dass die festgelegten Unterhaltsbeiträge im entsprechenden Bemessungsjahr
nicht ausgerichtet wurden und dies auch nicht beabsichtigt war, ist auf die tatsächliche
Zahlung abzustellen. Da der Rekurrent in den Jahren 2001 bis 2003 keine Zahlungen
an seine geschiedene Ehefrau ausgerichtet hat, kann er keinen Abzug geltend machen.
Ansonsten würde er gemessen an seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in diesen
drei Jahren unterbesteuert, weshalb im vorliegenden Fall nicht auf die im Urteil
festgehaltene Unterhaltsverpflichtung abzustellen ist. Aufgrund der vom
Scheidungsurteil abweichenden Vereinbarung zwischen dem Rekurrenten und seiner
geschiedenen Ehefrau war er auch gar nicht verpflichtet, ihr in den vorliegend zu
beurteilenden Bemessungsjahren 2001 bis 2003 tatsächlich Unterhaltszahlungen zu
leisten. Dies bestreitet der Rekurrent nicht. Hinsichtlich der deklarierten
Alimentenzahlungen fehlt es dementsprechend am Zahlungsnachweis. Für die
steuerliche Beurteilung ist somit auf die Vereinbarung zwischen dem Rekurrenten und
seiner geschiedenen Ehefrau abzustellen, wonach dieser sich anstelle der im
Scheidungsurteil festgelegten Unterhaltsbeiträge, eine Einmalabfindung von Fr.
70'000.-- zu zahlen hat. Der Rekurrent kann daher in den Bemessungsjahren 2001 bis
2003 keinen Abzug für periodische Unterhaltszahlungen an die geschiedene Ehefrau
beanspruchen.
Ob eine solche Kapitalabfindung steuerlich in Abzug gebracht werden kann, ist eine
Frage, die sich einzig in jenem Jahr stellt, indem sie fällig wird, vorliegend also im
Bemessungsjahr 2000. Dieses liegt hier jedoch nicht im Streit. Für die zeitliche
Zurechung dieser Abfindung kann auf jeden Fall nicht auf die rechnerisch zugrunde
gelegte Leistung von monatlich Fr. 800.-- bzw. jährlich Fr. 9'600.-- abgestellt werden.
Die gegenteilige Auffassung des Rekurrenten verstösst nicht nur gegen die steuerliche
Bemessungsordnung, sondern auch gegen die Grundsätze der Besteuerung nach der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der periodengerechten Besteuerung (RB ZH
1987 Nr. 24 E. 3).
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In den Jahren 2001 bis 2003 besteht damit keine Möglichkeit, die Unterhaltszahlungen
von jährlich Fr. 9'600.-- in Abzug zu bringen.
e) Einen kapitalisierten Unterhaltsbeitrag hat der Rekurrent in den vorliegend zu
überprüfenden Bemessungsjahren 2001 bis 2003 wie erwähnt nicht geleistet, was er
auch nicht geltend macht. Die Frage der steuerlichen Abzugsfähigkeit von
kapitalisierten Unterhaltsbeiträgen ist daher in diesem Rekursverfahren nicht zu
beurteilen. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass nach Art. 15 der Steuerverordnung
(sGS 811.11, abgekürzt: StV) als Unterhaltsbeiträge im Sinn von Art. 45 Abs. 1 lit. c StG
die ein Ehegatte bei geschiedener oder getrennt lebender Ehe an den Unterhalt des
andern ausrichtet, ausschliesslich die laufenden Beiträge gelten. Ein kapitalisierter
Unterhaltsbeitrag an die geschiedene Ehefrau kann nach der bisherigen Praxis im
Kanton St. Gallen daher vom Leistungspflichtigen steuerlich nicht in Abzug gebracht
werden (GVP 1978 Nr. 64; VRKE I vom 25. März 1981 in Sachen W.G.; Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 155). Diese Praxis gilt gemäss Rechtsprechung des
Bundesgerichts auch für die direkte Bundessteuer (BGE 125 II 183). Ebenso gilt sie in
verschiedenen anderen Kantonen (z.B. Zürich: RB 1987 Nr. 24; Schwyz: StE 1999 B
27.2 Nr. 21). Sie wird im Wesentlichen damit begründet, dass das Steuerrecht vom
Grundsatz ausgehe, dass der Steuerpflichtige die Lebenshaltungskosten für sich und
seine Familie sowie die Leistungen in Erfüllung familienrechtlicher Verpflichtungen im
Allgemeinen nicht vom steuerbaren Einkommen abziehen könne (vgl. Art. 45 Abs. 1 lit.
c und Art. 47 lit. a StG). Die Abzugsfähigkeit der durch die Scheidung begründeten
Unterhaltsleistung stelle somit in Bezug sowohl auf die übrigen Lebenshaltungskosten
als auch auf die sich aus dem Familienrecht ergebenen Verpflichtungen die Ausnahme
und nicht die Regel dar. Daher rechtfertige sich eine restriktive Betrachtungsweise, die
sich im Übrigen widerspruchslos in das gesetzliche System der
Einkommensbesteuerung einfüge, wonach Aufwendungen für Schuldentilgung nicht in
Abzug gebracht werden könnten. Da zudem eine gesetzliche Regelung fehle, die den
Abzug einer Kapitalleistung zum Rentensatz vorsehe, der Empfänger einer solchen
Leistung diese jedoch wohl nur zu einem reduzierten Steuersatz zu versteuern hätte
(vgl. Art. 51 StG), wäre die gleichmässige Besteuerung nicht mehr gewährleistet (vgl.
BGE 125 II 183 E. 6).
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f) Nichts zu seinen Gunsten kann der Rekurrent schliesslich aus dem Schreiben von
Rechtsanwältin S. vom 16. März 2000 ableiten. Der Vertrauensschutz, auf den er sich
sinngemäss beruft, setzt ein Verhalten oder eine Äusserung einer Behörde voraus, die
gegenüber einer bestimmten Person eine Vertrauensgrundlage schafft (vgl. Ehrenzeller/
Mastronardi/Schweizer/Vallender, Die Schweizerische Bundesverfassung, Kommentar,
Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 51 zu Art. 9 der Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt
BV). Nach dem in Art. 9 BV verankerten Grundsatz von Treu und Glauben hat der
Bürger einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in bestimmte
Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden, wobei sowohl Verwaltungsakte
als auch behördliche Auskünfte und Zusagen eine Vertrauensgrundlage bilden können
(vgl. B. Weber-Dürler, Neuere Entwicklung des Vertrauensschutzes, in: ZBl 103/2002,
S. 288 ff. mit Hinweisen). Vorliegend hat die Vorinstanz gegenüber dem Rekurrenten
bezüglich steuerlicher Behandlung der Unterhaltszahlungen keine Auskünfte erteilt. Bei
einer Rechtsanwältin handelt es sich offensichtlich nicht um eine für Steuerauskünfte
zuständige Stelle. Daher kann aus dieser privaten Auskunft kein Vertrauensschutz
abgeleitet werden. Zudem bezieht sich die Rechtsanwältin im genannten Schreiben auf
einen Brief des Rekurrenten vom 15. März 2000, der jedoch nicht aktenkundig ist,
weshalb ihre Aussagen ohnehin nicht gewürdigt werden könnten.
g) Zusammenfassend steht fest, dass eine der Steuerbehörde bisher nicht bekannte,
nach Eintritt der Rechtskraft der Veranlagungen 2001 bis 2003 entdeckte neue
Tatsache vorliegt, aufgrund derer die rechtskräftigen Veranlagungen 2001 bis 2003
unvollständig sind, zumal in diesen Bemessungsjahren keine Unterhaltszahlungen
geleistet wurden. Für die zeitliche Zurechung der im Jahr 2000 geleisteten Abfindung
kann nicht auf die rechnerisch zugrunde gelegte Leistung von monatlich Fr. 800.-- bzw.
jährlich Fr. 9'600.-- abgestellt werden. Der Rekurs ist damit abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist
angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist zu verrechnen.