Decision ID: bacaa1ad-6f40-44b3-97f3-a8d43724b081
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1
983,
war
zuletzt
v
on Juni 2007
bis
Januar 2008
als P
lat
tenleger
im Akkord
bei der Firma
Y._
tätig
, wobei der letzte Arbeitstag am
2
0.
Dezember 2007
war (
Urk.
6/8
Ziff.
2.1 und
Ziff.
2.3)
.
Unter Hinweis auf
eine
bei
eine
m
Skiunfall vom 2
9.
Dezember 2007 erlittene
Knie
verletzung
(vgl.
Urk.
6/10/58
)
meldete
sich
der Versicherte
am
1
9.
August 2008
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/2
Ziff.
6.1-3
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizini
sche und erwerbli
che Situation ab
,
zog Akten der Schweizerischen
Unfallversi
che
rungsanstalt
(SUVA)
bei (
Urk.
6/10
,
Urk.
6/20
,
Urk.
7/56,
Urk.
7/62
,
Urk.
6/91
,
Urk.
6/115
)
und erteilte unter anderem
Kostengutsprache für
ein Arbeitstraining vom
2.
Au
gust bis 3
1.
Dezember 2011
(
Urk.
6/63,
Urk.
6/71), während welchem sie
zudem
Taggeldleistungen erbrachte (
Urk.
6/68,
Urk.
6/74), sowie für eine
Ausbildung zum Lastwagenchauffeur Kategorie C (
Urk.
6/73,
Urk.
6/85)
.
Mit Vorbescheid vom 1
2.
Oktober 2012 (
Urk.
6/99) verneinte
die IV-Stelle
bei einem Invaliditätsgrad von 30
%
einen
Anspruch des
Versicherten
auf eine Invalidenrente
. Auf dessen dagegen am
5.
November 2012 erhobenen Einwand (
Urk.
6/107) hin hielt
sie
mit Verfügung vom 1
7.
Juli 2013 - nun ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 14
%
- an der Leistungsverweigerung fest
(
Urk.
6/118
=
Urk.
2).
2.
2.1
Der
Versicherte erhob am 1
6.
September 2013
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 1
7.
Juli 2013 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und
ihm
sei
eine
Viertels
rente
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Oktober 2013 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 1
9.
November 2013 (
Urk.
7) ergänzte der Beschwerdeführer die Akten, was der Beschwerdegegnerin am 2
2.
Januar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9). Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt.
2.2
Mit
V
erfügung vom
2
0.
Januar 2015
(
Urk.
10
) wurde die zuständige
Vorsorge
einrichtung
, die
Stiftung Auffangeinrichtung BVG
,
zum Prozess beigeladen, welche am
2
9.
Januar 2015
auf das Einreichen einer Stellungnahme verzichte
te
(
Urk.
12).
3.
Die
SUVA
sprach dem Beschwerdeführer
für die Fol
gen des Unfallereignisses vom 2
9.
Dezember 2007
mit Verfügung vom 2
3.
November 2012
(
Urk.
6/110)
ab
1.
Januar 2012
eine Invalidenrente
bei
einer Erwerbsunfähigkeit von 29
%
sowie eine Integritätsentschädigung
bei
einer
Integritätseinbusse von 5
%
zu
.
In Bezug auf die Rente zog der Beschwerdeführer seine dagegen am 1
1.
Dezember 2012 erhobene Einsprache am 1
4.
August 2013 zurück, nachdem die SUVA ihm mit Schreiben vom
2.
Juli 2013 mitgeteilt hatte, dass sie beabsichtige, die Rente im Sinne einer
reformatio
in
peius
auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 14
%
zuzusprechen
(vgl.
Urk.
6/120/2 unten)
. Betreffend die
Integritätsentschä
digung
wies die SUVA die Einsprache des Beschwerdeführers mit
Entscheid
v
om 1
9.
August 201
3
(
Urk.
6/120)
ab
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
1.2
Bei einem Inv
aliditätsgrad von mindestens 40
%
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindesten
s 60
%
auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Inv
aliditätsgrad von mindestens 70
%
auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG
).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1
IVG
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2
.
2.1
Strittig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers.
2
.2
Die
Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 100
%
zumutbar sei
(S. 1 unten)
.
Zur Festlegung des
Valideneinkommens
müsse
- d
a das letzte Arbeitsverhältnis
vor Eintritt des Gesundheitsschadens
durch die Arbeitgeberin aus wirtsc
haftlichen
Gründen
aufgelöst worden sei -
auf die Tabellen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abgestellt werden.
Weder
gestützt
auf den Totalwert über alle Wirtschaftszweige noch auf den Hilfsarbeiterlohn im Baugewerbe resultiere pe
r Januar 2012 (nach
Ende der Taggeldzahlung
en
)
und
per April 2013 (Stellenantritt
bei der
Z._
,
vgl.
Urk.
6/114
) ein renten
begründen
der Invaliditätsgrad
(S. 2 Mitte)
.
Zur Fest
setzung des Invalideneinkommens sei - nachdem der Beschwerdeführer die LKW-Prüfung nicht bestanden habe - per Januar 2012 auf den Totalwert der Hilfsarbeiterlöhne über alle Wirtschaftszweige abzustellen; ein
leidensbedingter
Abzug rechtfertige sich nicht. Für die Zeit ab April 2013 könne - sofern das Arbeitsverhältnis
bei der
Z._
(
dauerhaft
)
weiterbestehe - auf den konkret erzielten Verdienst abgestellt werden. Somit resultiere per Januar 2012 ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 14
%
, ebenso per April 2013 (S.
2 unten, S. 3 oben).
2
.3
Der Beschwerdeführer
machte in seiner Beschwerde (
Urk.
1)
demgegenüber gel
tend,
zur Ermittlung des
Valideneinkommens
sei von
seinem letzten
als Plat
tenleger
erzielten Einkommen
auszugehen
. Aufgrund des Umstands, dass er im Zeitpunkt des Unfalls bei der
Y._
in einem gekündigten Arbeitsver
hältnis gestanden habe, sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass er ohne Unfall nicht weiterhin als Plattenleger im Akkord gearbeitet und mindestens denselben Lohn verdient hätte, wie vor dem Unfall bei der
Y._
.
Für die Zeit nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der
Y._
habe er denn auch erneut eine Stelle als Plattenleger im Akkord gesucht und
- von näher genannten
Arbeitgebern
-
bereits konkrete Angebote, sogar zu einer höheren Entschädigung, gehabt (S. 5
Ziff.
6).
Des Weiteren
machte
d
er
Beschwerdeführer
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend mit der Begründung, dass die Abweisung des Rentengesuchs in der Verfügung gegenüber dem Vorbescheid auf einer neuen Begründung fusse, zu der er
nie
habe Stellung nehmen können.
So
habe
die Beschwerdegegnerin
das
Validen
einkommen
im Vorbescheid noch
ausgehend
von seinem
zu
letzt
erzielten
Lohn
festgelegt
.
In der angefochtenen Verfügung habe sie s
eine
die Ermittlung des Invalideneinkommens betreffenden Einwendun
gen
zwar
anerkannt
,
zur Ermitt
lung des
Valideneinkommens
aber
neu
und überraschend
auf die
LSE abgestellt
(S. 3 f.
Ziff.
3-4).
3.
1
Vorab zu prüfen ist, ob der Anspruch des Beschwerdeführers auf re
chtliches Gehör verletzt wurde.
3.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebli
che Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör (
Art.
42 ATSG) besteht und ist zu gewäh
ren, wenn eine Behörde ihren Entscheid mit einer Rechtsnorm oder einem Rechtsgrund zu begründen beabsich
tigt, die im bisherigen Verfahren nicht her
angezogen wur
den, auf die sich die beteiligten Parteien nicht berufen haben und mit deren Erheblichkeit im konkreten Fall sie nicht rechnen konnten (BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
mit Hinweisen).
3.3
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkre
ten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Be
hörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
Nach der Rechtsprechung kann eine - nicht besonders schwerwiegende - Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung
ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leer
lauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderli
chen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
3.4
Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass die Beschwerdegegnerin
ihm
vor Erlass der angefochtenen Verfügung das rechtliche Gehör betreffend die beab
sichtigte Neuberechnung d
e
s
Valideneinkommens
(vgl.
Urk.
6/117 und
Urk.
6/119)
h
ätte gewähren müssen.
Indem sie dies unterlassen hat, hat sie den Gehörsanspruch des Beschwerdeführer
s verletzt. Die begangene
Gehörsverlet
zung
ist
als schwer zu werten, war die Neuberechnung des
Valideneinkommens
doch letztlich
ausschlaggebend
dafür,
dass
die Beschwerdegegnerin das
Renten
begehren
des Beschwerdeführers abwies
,
beziehungsweise hätte ein Rentenan
spruch
resultiert, wenn sie es beim gemäss Vorbescheid
(
Urk.
6/99)
ermittelten
und unbestritten geblieb
enen (vgl.
Urk.
6/107
Ziff.
4)
Valideneinkommen
belassen hätte.
Nachdem sich
der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde
schrift vom 1
6.
September 2013 (
Urk.
1)
jedoch
einlässlich zur Ermittlung des
Validenein
kommens
ge
äusser
t hat
und sich die Beschwerdegegnerin
in
der
Beschwerdeant
wort
vom 1
0.
Oktober 2013 darauf beschränkte, unter
Verweis
auf die
- bereits in der angefochtenen Verfügung wiedergegebene (
Urk.
2 S. 2) -
Stellungnahme ihres Rechtsdienstes vom 2
1.
Juni 2013
(
Urk.
6/119/2)
die Abweisung
der Beschwerde zu beantragen,
führte
die Rückweisung der Sache
vorliegend
zu eine
r unnötigen Verfahrensverzögerung, weshalb davon abzusehen ist, zumal sich auch der Beschwerdeführer
explizit gegen eine Rückweisung ausgesprochen hat
(
Urk.
1 S. 4
Ziff.
4).
4.
4.1
In
materiellrechtlicher
Hinsicht ist einzig die Ermittlung des
Valideneinkom
mens
stritt
ig.
Vor dem Hintergrund der Aktenlage geben weder die von den Parteien überein
stimmend angenommene
(vgl. vorstehend E. 2.2-3 sowie auch
Urk.
6/107 S. 2
Ziff.
3)
Arbeitsfähigkeit von 100
%
für
leidensangepasste Tätigkeiten
noch das von der Beschwerdegegnerin für die Zeit ab Januar 2012 und ab April 2013
ermittelte Invalideneinkommen
(
vgl.
Urk.
6/119/2,
Urk.
2 S. 2 f.)
Anlass zu
Weiterungen.
Das
Gl
eiche
gilt
für
den
Zeitpunkt des
frühest
möglichen
Renten
beginns
per Januar 2012
.
4.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensent
wicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt wor
den wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Massgebend ist grundsätzlich das durchschnittliche Lohnniveau in der betreffenden Branche und in der konkreten beruflichen Situation. Ein Spitzenlohn darf nur angenommen werden, wenn ganz besondere Umstände eindeutig
hiefür
sprechen (ZAK 1980 S. 593 mit Hinweisen; unveröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts U 243/99 vom 2
3.
Mai 2000). Im Zusammenhang mit Akkordarbeit kann zwar das Abstellen auf über
durchschnittliche Einkommen gerechtfertigt sein (unveröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts I 49/99 vom
6.
August 1999). Auch in diesem Fall ist aber nicht entscheidend, was der Versicherte als Gesunder bestenfalls verdienen könnte, sondern was er (mit überwiegender Wahrscheinlichkeit) tatsächlich verdienen würde (ZAK 1992 S. 92 E. 4a), wobei der ohne Invalidität erzielbare Verdienst unter Berücksichtigung der persönlichen und beruflichen Verhältnisse des Ver
sicherten zu bestimmen ist (Urteil des Bundesgerichts U 400/00 vom 1
8.
Januar 2001 E. 2b).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausge
glichenen Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Fest
setzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstruktur
erhebung
(LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
4.3
Ausweislich der Akten
reiste der 1983 geborene
,
über keine Berufsausbildung verfügende Beschwerdeführer im Oktober 2005 in die Schweiz ein
(
Urk.
6/2
Ziff.
1.6 und
Ziff.
5.1-2).
Nach einer dreimonatigen Tätigkeit für die
A._
(vgl.
Urk.
6/89
/1
) arbeitete er v
on Juli 2006 bis Ende Mai 2007
im Rahmen eines Subunternehmervertrags als Plattenleger für die
B._
(vgl. Subunternehmervertrag vom 1
7.
Juli 2006,
Urk.
6/1/10 ff., sowie
Urk.
6/13
Ziff.
2.7 und
Urk.
6/89
/1
).
Ab
1.
Juni 2007 war
er
als Plattenleger im Akkord bei der Firma
Y._
angestellt
.
Aufgrund mangelnder Aufträge wurde dieses
Arbeitsverhältnis seitens der Arbeitgeberin mit Schreiben vom 2
1.
Dezember 2007 (
Urk.
6/8/9) - mithin rund eine Woche vor dem Unfallereignis vom 2
9.
Dezember 2007 -
per 3
1.
Januar 2008 auf
ge
löst.
4.4
Fest steht, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Eintritts des
Gesund
heitsschaden
s
bei der
Y._
in einem gekündigten Arbeitsverhältnis stand, er mithin im massgebenden Zeitpunkt
(
Januar
2012
)
auch im
Gesund
heitsfall
nicht mehr
für die
Y._
tätig
gewesen wäre.
Dem
Beschwer
deführer
ist jedoch
beizupflichten
, dass
es
- trotz seiner
nur
sehr kurzen Erwerbsbiographie -überwiegend
wahrscheinlich erscheint, dass er ohne
Knie
schaden
beziehungsweise im Gesundheitsfall
im mass
gebenden Zeitpunkt
wei
terhin als Plattenleger
im Akkord
tätig
gewesen
wäre.
Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer die Tätigkeit in der
Plattenlegerbran
che
, in welcher er
auch als ungelernter
Fuss fassen und ein gutes Einkommen generieren konnte (vgl.
Urk.
6/89/1 und
Urk.
6/8/10), hätte aufgeben sollen. Die
Annahme
, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall weiterhin als Platten
leger im Akkord tätig gewesen wäre,
wird
sodann
insbesondere
durch die von der
C._
und der
D._
für das Jahr 2008 bestätigten Arbeitsangebote
als festangestellter Plattenleger gemäss
Unterakkord-Preislisten
(vgl.
Urk.
8/1-4
) gestützt.
4.5
Bei Zugrundelegung der
von der Beschwerdegegnerin ermittelten
Invaliden
einkommen
von
Fr.
57‘581.-- (per Januar 2012) beziehungsweise
Fr.
58‘
500.--
(per
April 2013
, vgl.
Urk.
2 S. 2 f.
)
wäre ein
Valideneinkommen
von
Fr.
95‘200
.--
(per Januar 2012) beziehungsweise
Fr.
96‘700.-- (per April 2013) erforderlich, damit per Januar 2012 beziehungsweise April 2013 ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von (gerundet) 40
%
resultierte.
Es stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer als Plattenleger im Akkord mit überwiegender Wahrschein
lichkeit ein Einkommen in dieser Höhe erzielen würde.
4.6
Bei der Akkordlohnarbeit wird
der Lohn
nach der geleisteten Arbeit bemessen
(vgl.
Art.
319
Abs.
1 des Obligationenrechts, OR). Es handelt sich somit um einen Leistungslohn. In der Zeit zwischen Juni und Dezember 2007 erzielte der Beschwerdeführer bei der
Y._
als Plattenleger im Akkord ein Brutto
einkommen von
Fr.
56‘655.-- (
Urk.
6/8/10,
Urk.
6/89/1), was einem Monatslohn von durchschnittlich
Fr.
8‘
094.--
entspricht (
Fr.
56‘655.-- : 7,
vgl. auch
den auf der Basis der Monate Juni bis Dezember 2007 errechneten Lohn für Januar
2008,
Urk.
6/8/10 unten).
Auch wenn der Beschwerdeführer im Zeitp
unkt des Eintritts des
Gesundheits
scha
dens
bei der
Y._
in einem
gekündigt
en Arbeitsverhältnis stand,
ist der bei der
Y._
erzielte Lohn
unter den gegebenen Umständen
als Mas
s
s
tab für das
(hypothetisch) erzielbare
Valideneinkommen
als Plattenleger
im Akkord heranzuziehen
, wiederspiegelt er doch,
welche Leistung der Be
schwer
deführer als Akkordplattenl
eger zu erbringen im Stande war
.
Dass
Ak
kord-
Löhne in dieser Höhe in der
Plattenlegerbranche
offenbar nicht unüblich beziehungsweise realistisch sind,
zeigt
nicht zuletzt
das
Urteil des Bundesge
richts U 400/00 vom 1
8.
Jan
uar 2001
, in welchem
von einem maximalen
Jah
reslohn
als
Spitzenakkordant
von rund
Fr.
110‘000.--
(Stand 1986)
beziehungs
weise von einem Lohn eines durchschnittlichen Akkordanten von rund
Fr.
90‘000.--
(Stand 1998)
die Rede ist.
S
odann ist festzuhalten, dass der
1983 geborene
Beschwerdeführer im
massgebenden Zeitpunkt (
Januar 2012
)
noch
jung
war
und
es daher
durchaus
wahrscheinlich erscheint, dass er
an seine in der Zeit seiner Anstellung bei der
Y._
erbrac
hten Leistungen anzu
knüpfen vermocht hätte.
Auch kann nicht gesagt werden, beim bei der
Y._
erzielten Lohn
habe es sich
um einen (nur ausnahmsweise anzunehmen
den, vgl. vorstehend E. 4.2) Spitzenlohn
gehandelt
, wäre ein solcher doch wohl eher anzunehmen, wenn der Beschwerdeführer
während der gesamten Zeit sei
ner Anstellung Einkommen in der Höhe der in den Monaten Juli 2007 (
Fr.
11‘661.95), September 2007 (
Fr.
10‘001.10) und November 2007 (
Fr.
11‘182.15) erzielten generiert hätte. Dies ist jedoch nicht der Fall, werden im Lohnblatt 2007 doch beispielsweise für die Monate Juni und August 2007 weitaus tiefere Einkommen, nämlich
Fr.
4‘622.30 beziehungswiese
Fr.
3‘079.80 ausgewiesen (vgl.
Urk.
6/8/10).
Nach dem Gesagten ist es entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht sachgerecht,
zur Ermittlung
des
Valideneinkommens
auf den Durchschnitt der (tiefer ausfallenden) Hilfsarbeiterlöhne
im Baugewerbe
gemäss den Tabellen der LSE
abzustellen. Anzuknüpfen ist vielmehr an dem vom Beschwerdeführer
bei
der
Y._
erzielten Einkommen.
4.7
Bei dem vom Beschwerdeführer bei der
Y._
erzielten Monatslohn von durchschnittlich
Fr.
8‘
094.--
resultiert ein Jahreseinkommen von
Fr.
97‘
128
.-- (
Fr.
8‘09
4.--
x 12).
Nicht ersichtlich ist, ob in dem vom Beschwer
deführer erzielten Bruttoeinkommen der 1
3.
Monatslohn - auf welchen gemäss
Gesamtarbeitsvertrag (GAV) 2009-2012 für das
Plattenlegergewerbe
der Gebiete Aargau, Bern, Glarus, Solothurn, Zentralschweiz und Zürich (gültig ab
1.
April 2009,
Allgemeinverbindl
icherklärung
ab
1.
Januar 2010)
auch die
vom Arbeit
geber im Akkordlohn direkt beschäftigten Arbeitnehmer Anspruch haben (vgl.
Art.
13.1 GAV)
- (anteilsmässig) bereits enthalten ist.
Diese Frage kann indes offen bleiben.
Denn
bereits
bei Multiplizierung des erzielten durchschnittlichen Bruttolohnes von
Fr.
8‘094.-- mit dem Faktor 12 resultiert
sowohl für die Zeit ab Januar 2012 als auch für die Zeit ab April 2013 ein eine
Viertelsrente
begründe
nder Invaliditätsgrad von 40
%
.
Unterbleiben kann schliesslich auch
eine Anpassung des zuletzt erzi
e
l
ten Ein
kom
mens an die Nominallohnentwicklung, da diese jedenfalls nicht zu einem einen Anspruch auf eine halbe Rente begründen
d
en IV-Grad von mindestens 50
%
führen würde.
4.8
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben
,
und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Januar 2012 Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung hat.
Bei diesem Ergebnis erübrigen
sich die vom Beschwerdeführer beantragte
n
Zeu
gen
einvernahme
n
(vgl.
Urk.
1 S. 5 f.)
.
5.
5.1
Die
Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
I
VG sind
ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- festzusetzen
und ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin
aufzuger
legen
.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens
bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Vorliegend ist die Prozessentschädigung beim massgeblichen Stundenansatz von
Fr.
200.
-- für Aufwände bis zum 31. Dezember 2014 (zuzüglich Mehrwertsteuer)
auf
Fr.
1‘400.--
(inkl.
Baraus
lagen
und Mehrwertsteuer)
zu Lasten der Beschwerdegegnerin
festzulegen.