Decision ID: 530c13a5-92fe-42af-b9e9-db38911057d5
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die V. Pensionskasse ist Eigentümerin der Liegenschaft Grundbuch St. Gallen-
Centrum Nr. Cxxxx. Auf dieser befindet sich das Wohn- und Geschäftshaus
Multergasse yy. Die Eigentümerin reichte am 10. November 2003 ein Baugesuch für
den Umbau der Liegenschaft ein. Nach den eingereichten Plänen sollen das
Erdgeschoss und das erste Obergeschoss umgebaut und wie bisher als Laden genutzt
werden. Trennwände und Treppenanlage würden abgebrochen und neu erstellt.
Sodann soll die Schaufensterfront abgebrochen und durch eine neue, direkt auf der
Fassadenflucht stehende Ganzglasfront ersetzt werden. Ausserdem sollen zwei
Gauben auf der Gassenseite und eine Gaube auf der Hofseite sowie eine Dachterrasse
erstellt werden.
Die Baupolizeikommission befasste sich an ihrer Sitzung vom 5. Dezember 2003 mit
dem Projekt. Sie begrüsste grundsätzlich die Anstrengungen der Bauherrschaft, mit der
Renovation und dem Umbau der Liegenschaft einen Beitrag zur Erhaltung und
Aufwertung des Gassenbildes sowie des Wohnens in der Altstadt zu leisten.
Gleichwohl kam sie zum Schluss, das Projekt sei in verschiedenen Punkten zu
überarbeiten, insbesondere bezüglich der Schaufensterfront, der Dachgestaltung sowie
der Wohnnutzung im Estrichgeschoss. In der Folge reichte die Bauherrschaft am 19.
Februar 2004 ein Korrekturgesuch ein. Nach diesem soll die Dachterrasse reduziert
und das Doppelfenster in der rechten Gebäudehälfte des ersten Obergeschosses den
darüberliegenden Fenstern angepasst und auf eine Wohnnutzung im Estrichgeschoss
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verzichtet werden. Im übrigen wurde am Grundkonzept festgehalten. Nach wie vor
waren im Korrekturgesuch eine neue Schaufensterfront auf der Fassadenflucht in
Ganzglaskonstruktion sowie zwei neue Dachaufbauten auf der Gassenseite und eine
Dachaufbaute auf der Hofseite vorgesehen.
Die Baupolizeikommission entschied am 19. März 2004 über das Baugesuch. Sie
erwog, das Gebäude sei im Verzeichnis der schützenswerten Bauten der Kategorie 2
zugeordnet. Einerseits würden erhöhte ästhetische Anforderungen gelten, anderseits
kämen auch die Spezialbestimmungen für das Bauen in der Altstadt zur Anwendung.
Nach Art. 15 der Bauordnung (sRS 731.1, abgekürzt BO) sei die historische
Bausubstanz nach Möglichkeit zu erhalten. Im Erdgeschoss hätten die Tragelemente
als Bestandteil der Fassaden deutlich in Erscheinung zu treten. Schaufenster dürften
nicht in der ganzen Fassadenbreite erstellt werden; sie müssten seitlich der
Brandmauer einen markanten Wandstreifen respektieren. Breite Schaufensteranlagen
seien durch massive Mauerpfeiler zu unterteilen. Die Glasfront, wenn für sich auch
sorgfältig gestaltet und als einzelnes Element nicht zu beanstanden, stehe im klaren
Widerspruch zu diesen Bestimmungen für das Bauen in der Altstadt. Es treffe zwar zu,
dass in den Sechzigerjahren mit der heutigen Schaufensterfront der entscheidende
Eingriff in die Konstruktion getätigt worden sei. Dies bedeute aber nicht, dass heute ein
für das Gebäude und namentlich für das Gassenbild noch viel einschneidender Eingriff
zugelassen werden könne. Ein Bauteil könne z.B. durchaus für sich allein gut gestaltet
sein, ohne aber im Kontext mit dem Gebäude oder der Umgebung die gute
Gesamtwirkung erzielen zu können. Die durchgehende Glasfront könne gestützt auf
Art. 15 Abs. 3 und 4 BO nicht bewilligt werden. Dementsprechend entschied die
Baupolizeikommission, die Bewilligung nach dem Korrekturgesuch werde unter
Vorbehalt der Bedingungen und Auflagen teilweise erteilt (Ziff. 1), und hielt in Ziff. 2
folgendes fest:
"Die Schaufensterfront wird in Form des Korrekturgesuches vom 19. Februar 2004
abgewiesen. Die Altane ist direkt auf dem Dach der hofseitigen Gaube aufzusetzen; die
Gaube im rechten Hausteil ist in der Höhe zu reduzieren."
Im übrigen wurde vom Rückzug einer Einsprache Kenntnis genommen.
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B./ Am 7. April 2004 erhob die Eigentümerin Rekurs gegen den Entscheid der
Baupolizeikommission und teilte mit, es werde beabsichtigt, ein
Wiedererwägungsgesuch zu stellen, weshalb zur Begründung des Rekurses um eine
Nachfrist ersucht werde.
Die Baupolizeikommission trat an ihrer Sitzung vom 14. Mai 2004 auf das
Wiedererwägungsgesuch nicht ein.
In ihrer Rekursergänzung vom 19. Mai 2004 beantragte die Eigentümerin, der
Entscheid der Baupolizeikommission sei aufzuheben und das Projekt sei in der
vorgelegten Form zu bewilligen.
Das Baudepartement entschied am 25. August 2004 über die Angelegenheit. Es hiess
den Rekurs gut (Ziff. 1) und hob im Beschluss der Baupolizeikommission vom 19. März
2004 den ersten Satz von Ziff. 2 des Dispositivs auf (Ziff. 2). Auf die Erhebung einer
Entscheidgebühr wurde verzichtet (Ziff. 3) und der von der Rekurrentin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- zurückerstattet (Ziff. 4). Das Baudepartement erwog,
in der Altstadt gälten aus ästhetischen und denkmalpflegerischen Gründen generell die
Erfordernisse einer guten Gesamtwirkung und des Erhalts historischer Umgebungen
sowie historischer Substanz. Wie eine gute Gesamtwirkung erreicht werden solle,
werde durch die konkreten Vorschriften in Art. 15 BO näher festgelegt. In bezug auf
das Zusammenwirken dieser Vorschriften könne grundsätzlich davon ausgegangen
werden, dass sie in jedem Fall einzuhalten seien. Anschliessend sei jedoch das
Ergebnis im Licht der generellen Vorschriften zu beurteilen. Dies schliesse nicht aus,
dass im Einzelfall die konkreten Vorschriften auf ihre Uebereinstimmung mit den
dahinter stehenden Interessen der Aesthetik und Denkmalpflege zu überprüfen seien.
Konkrete bauliche Massnahmen würden nur dann von einem öffentlichen Interesse
getragen, wenn sie ein Gestaltungselement bildeten, das die Umgebung
augenscheinlich präge. Zu berücksichtigen sei schliesslich, dass ästhetischen
Vorschriften nur in beschränktem Mass eine Steuerungsfunktion zukomme. Es könne
nicht einfach verlangt werden, das Erscheinungsbild der benachbarten Baute zu
kopieren. Vielmehr sei die projektierte Baute bezüglich ihrer eigenen Gestaltung und
ihrer Wirkung auf die Umgebung zu bewerten.
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Weiter kam das Baudepartement zum Schluss, die derzeitige Erscheinung sei zu einem
guten Teil durch die Eingriffe der Sechzigerjahre geprägt. Eine Rückführung in den
ursprünglichen Zustand sei nicht möglich. Bei dieser Ausgangslage könne die
vorgesehene Glaswand als zulässige Reaktion eingestuft werden. Insgesamt zeichne
sich die vorgesehene Lösung dadurch aus, dass sie sehr subtil die sich
widersprechenden Elemente aus weit auseinanderliegenden Bauphasen wieder in
Einklang bringe.
Auch seien die spezifischen Anforderungen von Art. 15 BO erfüllt. Im Kontext der
weitestgehend durch Jugendstilbauten geprägten Multergasse wirke die streitige
Glaswand nicht mehr als Fremdkörper. Letztlich bestehe der Unterschied zu den
Jugendstilfassaden nur noch darin, dass die tragenden Elemente im Jugendstil aussen
stünden, beim Streitobjekt jedoch innen angeordnet werden sollten. Im weiteren sei es
zu begrüssen, wenn die Bauherrschaft in der unmittelbaren Nachbarschaft expressiver
Jugendstilbauten in der Erdgeschossfassade gänzlich auf gliedernde Elemente
verzichte bzw. diese hinter die Glaswand stelle.
Sodann sei über alle Bauphasen betrachtet die funktionale Umschreibung der
Präsentation von Angeboten der einzige Aspekt, der bei Schaufenstern allgemeine
Gültigkeit beanspruchen könne. In der funktionalen Betrachtungsweise übernehme die
streitige Glaswand nur in klar definierten Teilbereichen die Rolle eines Schaufensters.
Insgesamt ergebe sich, dass die Erdgeschossfassade den spezifischen
Bauvorschriften der Altstadt entspreche.
Weiter kam das Baudepartement zum Schluss, auch das in der Altstadt geltende
Einfügungsgebot sei erfüllt. Indem die Glaswand Elemente aus beiden Bauphasen,
nämlich Schaufensterfronten aus dem Jugendstil und Flächigkeit aus dem
Klassizismus, übernehme und zugunsten der eigenen Liegenschaft neu interpretiere,
entstehe ein sublimes Zusammenspiel, das klar zu einer Aufwertung des Gassenbildes
führe. Da die geltende Bauordnung in naher Zukunft aufgehoben werde, sei es nicht
angezeigt, die spezifischen Aesthetikvorschriften von Art. 15 BO auf ihre
Uebereinstimmung mit der Eigentumsgarantie zu überprüfen. Dennoch könne in Frage
gestellt werden, ob Bauvorschriften, welche dazu führten, dass Wände ohne tragende
Wirkung oder Pfeiler im Widerspruch zum Haustyp erstellt oder dass objektfremde
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Natursteinverkleidungen eingesetzt werden müssten, von einem öffentlichen Interesse
am Ortsbildschutz getragen werden. Diese Frage müsste spätestens dann verneint
werden, wenn die strikte Anwendung dieser Vorschriften dazu führe, dass aus dem
geschützten Ortsbild insgesamt eine zwar gefällige Kulisse entstehe, welche aber mit
der eigentlichen Substanz in keinem Zusammenhang stehe.
C./ Mit Eingaben vom 7. und 28. September 2004 erhob der Stadtrat St. Gallen
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid des
Baudepartements vom 25. August 2004 sei aufzuheben und der Beschluss der
Baupolizeikommission vom 19. Februar 2004 sei zu bestätigen. Zur Begründung wird
im wesentlichen vorgebracht, es sei nicht nach allgemeingültigen ästhetischen oder
denkmalpflegerischen Grundsätzen zu beantworten, ob die Anforderungen der
besonderen Bauvorschriften von Art. 15 Abs. 3 und 4 BO erfüllt seien, sondern nach
Massgabe der gesetzlichen Bestimmungen. Es könne keinem Zweifel unterliegen, dass
das Bauvorhaben diesen nicht entspreche. Die Bestimmungen stellten
Spezialvorschriften dar, die als konkretisierende Normen in jedem Fall zu beachten
seien. Der angefochtene Entscheid verlasse den Rahmen, welcher der
Rechtsanwendung gesetzt sei und stelle zu Unrecht eigene Ueberlegungen der
Aesthetik und des Denkmalschutzes an die Stelle der vom kommunalen Gesetzgeber
beschlossenen Regelungen. Dem angefochtenen Entscheid sei auch mit Bezug auf die
Beurteilung der gestalterischen Gesamtwirkung des Bauvorhabens nicht
beizupflichten. Abgesehen davon, dass im Entscheid in einem noch nie gesehenen
Mass das eigene Ermessen der Rechtsmittelinstanz an die Stelle des Ermessens der
kommunalen Baubewilligungsbehörde gesetzt werde, die eine eigene
denkmalpflegerische Fachstelle besitze, berücksichtige die Rekursinstanz die Wirkung,
die eine durchgehende Glasfront im Gassenbild erziele, in ungenügender Weise. Zwar
möge es sein, dass ein Betrachter unmittelbar vor der Liegenschaft die tragenden
Bauteile durch die Glasfront erkennen oder erfahren könne und dass die
Erschliessungselemente bei genauerem Hinsehen erkennbar seien. Der Betrachter, der
nicht unmittelbar vor der Glasfront stehe, sondern in der Gasse einen schrägen
Blickwinkel auf die Liegenschaft habe, sehe nur eine flächige, fassadenbündige
Glaswand. Im übrigen wäre das Vorhaben auch nach Inkrafttreten der neuen
Bauordnung nicht zulässig.
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Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 18. Oktober 2004 die
Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Stellungnahme vom 28. Oktober 2004
ebenfalls die Abweisung der Beschwerde.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit wesentlich, in den

nachstehenden Erwägungen näher eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Stadt
St. Gallen ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art.
45 Abs. 2 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St.
Gallen 2003, Rz. 450 ff.; F. Rüdisüli, Die Legitimation der öffentlich-rechtlichen
Körperschaften im Beschwerdeverfahren, in: 20 Jahre Verwaltungsgericht des Kantons
St. Gallen, Nr. 12 der Schriftenreihe "Der Kanton St. Gallen heute und morgen", St.
Gallen 1986, S. 42 mit Hinweis auf VerwGE vom 3. März 1983 i.S. Pol. Gde. St. Gallen).
Die Beschwerdeeingaben vom 7. und 28. September 2004 wurden rechtzeitig
eingereicht und entsprechen formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art.
64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist somit einzutreten.
Die Beschwerdegegnerin wird vom Architekten vertreten, der das Projekt ausgearbeitet
hat. Zur berufsmässigen Vertretung im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht
sind, im Gegensatz zum Rekursverfahren, nur patentierte Rechtsanwälte zugelassen
(Art. 10 Abs. 1 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Da die Beteiligung der
Beschwerdegegnerin am Verfahren nicht zwingend ist, kann aber darauf verzichtet
werden, ihr Gelegenheit zum Beizug eines Rechtsanwalts oder zur eigenhändigen
Unterzeichnung der Vernehmlassung zu geben.
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2./ Im Beschwerdeverfahren ist streitig, ob die im Baugesuch vorgesehene Gestaltung
der gegen die Multergasse gerichteten Erdgeschossfassade der Liegenschaft der
Beschwerdegegnerin den in der Altstadt von St. Gallen geltenden Bauvorschriften
entspricht.
a) Art. 93 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Raumplanung und das öffentliche
Baurecht (Baugesetz, sGS 731.1, abgekürzt BauG) bestimmt, dass Bauten und
Anlagen, Ablagerungen und andere Eingriffe in das Gelände, die das Orts- oder
Landschaftsbild verunstalten, untersagt sind. Nach Art. 93 Abs. 2 BauG ist bei der
Beurteilung dem Charakter der Gegend und der Art der Zone Rechnung zu tragen.
Nach Art. 93 Abs. 4 BauG kann die Gemeinde für bestimmte Teile ihres Gebietes
strengere Vorschriften aufstellen.
a) Die Stadt St. Gallen hat in Art. 13 BO besondere ästhetische Anforderungen für
bestimmte Teile des Stadtgebietes erlassen. Nach Art. 13 lit. a BO sind in der Altstadt
und an den die Altstadt umschliessenden Strassenzügen Bauten und Anlagen sowie
deren Umgebung besonders sorgfältig zu gestalten, so dass eine städtebaulich gute
Gesamtwirkung erzielt wird. Art. 14 Abs. 2 BO bestimmt, dass in der Altstadt die
städtebaulich wertvollen Baugruppen, Gassenbilder, Plätze und Höfe zu erhalten sind
und der kleinmassstäbliche historische Altstadtcharakter zu wahren ist. Um- und
Neubauten sind an das historische Gesamtbild anzupassen.
Art. 15 Abs. 1 BO schreibt vor, dass sich Neu- und Umbauten durch ihre Ausmasse,
Massstäblichkeit, Gestaltung, Stellung, Materialien und Farbgebung in das bestehende
Stadtbild einordnen müssen. Die historische Bausubstanz ist nach Möglichkeit zu
erhalten. Störende bauliche Elemente, die bei früheren Veränderungen entstanden sind,
müssen bei Umbauten und Renovationen wieder entfernt werden.
Art. 15 Abs. 3 BO bestimmt, dass sich die Fassadengliederung der einzelnen Häuser
an den Charakter des Platz- oder Gassenbildes halten soll. Insbesondere ist das
Verhältnis zwischen Mauer- und Fensterflächen der näheren Umgebung anzupassen.
Im Erdgeschoss haben die Tragelemente als Bestandteile der Fassaden deutlich in
Erscheinung zu treten. Fenster haben in der Regel die Form eines stehenden
Rechtecks und eine dem Charakter des Gebäudes entsprechende Sprossenteilung
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aufzuweisen. Durchgehende Fensterbänder über die ganze Fassadenbreite sowie
vertikale Fensterbänder sind nicht zulässig.
Art. 15 Abs. 4 BO schreibt vor, dass Schaufenster nicht in der ganzen Fassadenbreite
erstellt werden dürfen; sie müssen seitlich der Brandmauer einen markanten
Wandstreifen respektieren. Breite Schaufensteranlagen sind durch massive
Mauerpfeiler zu unterteilen.
Art. 15 Abs. 7 BO bestimmt ferner, dass die Baupolizeibehörde befugt ist, im Einzelfall
weitere besondere Auflagen im Interesse der Wahrung des Altstadtbildes zu verfügen,
insbesondere bezüglich Materialwahl und Farbgebung.
Diese Bestimmungen weisen einen relativ hohen Bestimmtheitsgrad und eine
erhebliche Normendichte auf. Diese sind bei Vorschriften aus dem Bereich des
Ortsbild- und Denkmalschutzes von wesentlicher Bedeutung, da der Rechtssicherheit
und Voraussehbarkeit bei Vorschriften mit eigentumsbeschränkender Wirkung ein
hoher Stellenwert zukommt (vgl. R. Schaffhauser, in: Rechtsfragen der Denkmalpflege,
Veröffentlichungen des Schweizerischen Instituts für Verwaltungskurse an der
Hochschule St. Gallen, St. Gallen 1981, S. 88 f.).
b) Nach den Baugesuchsunterlagen und den unbestrittenen Feststellungen der
Vorinstanz sieht die Beschwerdegegnerin vor, im Erdgeschoss eine durchgehende
Glasfront fassadenbündig anzubringen, welche vor die bestehenden Mauerpfeiler
gesetzt werden soll. Eine Ausnahme bilden zwei schmale seitliche Streifen, welche die
Wasserableitungen abdecken. Eine runde Stütze hinter der Glasfront in der rechten
Fassadenhälfte soll den rechten Hausteil markieren. Ansonsten ist mit Ausnahme der
Haus- und Ladentüre keine Aufgliederung der Glasfront vorgesehen. Diese reicht vom
Strassenboden bis zum Stahlträger unter dem ersten Obergeschoss.
Das vorgesehene Projekt sieht somit ein durchgehendes Fensterband über die
gesamte Fassadenbreite vor. Unbestritten ist, dass die schmalen seitlichen Streifen,
welche die Wasserableitungen abdecken, diesbezüglich nicht ins Gewicht fallen und
nicht als markante Wandstreifen im Sinne von Art. 15 Abs. 4 BO gelten. Auch die
Eingangstüre besteht aus Glas und ist als integrales Element der Fensterfläche
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ausgestaltet. Sodann hat die Glasfläche die Funktion eines Schaufensters. Die
Tragelemente kommen hinter die Fensterfront zu stehen.
Indem die Tragelemente hinter die Fensterfront zu stehen kommen, erfüllt das
vorgesehene Schaufenster das Erfordernis, wonach die Tragelemente als Bestandteile
der Fassaden deutlich in Erscheinung zu treten haben, nicht. Auch verstösst das
Schaufenster gegen die Vorschrift, wonach durchgehende Fensterbänder über die
ganze Fassadenbreite nicht zulässig sind. Schliesslich widerspricht es auch der
Bestimmung, wonach Schaufenster nicht in der ganzen Fassadenbreite erstellt werden
dürfen, sondern seitlich der Brandmauer einen markanten Wandstreifen respektieren
müssen.
c) Die Vorinstanz kam zum Schluss, die Erdgeschossfassade entspreche den
spezifischen Bauvorschriften von Art. 15 Abs. 1 bis 4 BO. Sie hielt fest, die Multergasse
haben ihren ursprünglich spätgotischen Charakter verloren und werde weitestgehend
durch Jugendstilbauten geprägt. Seit dieser Stilepoche seien Ladennutzungen
verbreitet, die das ganze Erdgeschoss und später auch das erste Obergeschoss
einnehmen und zum anderen über ausgedehnte Schaufensteranlagen verfügen
würden, die sich immer wieder über zwei Geschosse ausdehnten. Kennzeichen dieser
Bauphase seien grössere Schaufensterflächen, die durch gusseiserne Säulen mit
kleinen Kapitellen unterteilt und durch eine Rahmungsarchitektur, bestehend aus
mannigfaltigen Pilastern und Gesimszonen, umgeben würden. Gerade in diesem
Kontext wirke die streitige Glaswand nicht mehr als Fremdkörper. Letztlich bestehe der
Unterschied zu den Jugendstilfassaden nur noch darin, dass die tragenden Elemente
im Jugendstil aussen stehen, beim streitigen Objekt jedoch innen angeordnet werden
sollen. Eine vollständige Anpassung stehe aber ausser Frage, da aussen angebrachte
Pfeiler sich mit der Ruhe ausstrahlenden Flächigkeit der klassizistischen Fassade nicht
vertragen würden.
Ob die tragenden Elemente aussen oder innen angeordnet werden, ist jedoch im Lichte
der massgebenden Bestimmungen von entscheidender Bedeutung. Die Vorschriften
der Bauordnung bezwecken, dass die tragenden Fassadenelemente durch eine
entsprechende Gestaltung der Fensterfronten aussen zu stehen kommen. Das
Argument, es sei richtig, wenn die Liegenschaft mit der einheitlichen Ausgestaltung des
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Erdgeschosses ihre ganze Fassadenbreite in die Waagschale werfe, beruht, wie die
Beschwerdeführerin zutreffend geltend macht, auf allgemeinen ästhetischen und
gestalterischen Ueberlegungen. Sie verlässt aber den von der Bauordnung gesetzten
Rahmen. Dasselbe gilt für das Argument, es sei zu begrüssen, wenn in der
unmittelbaren Nachbarschaft expressiver Jugendstilbauten in der Erdgeschossfassade
gänzlich auf gliedernde Elemente verzichtet werde bzw. diese hinter die Glaswand
gestellt würden. Solche Ueberlegungen mögen ästhetisch und gestalterisch begründet
sein. Es entspricht wohl einem zeitgenössischen ästhetischen Empfinden, durch
gänzlich unterschiedliche Baustile Kontraste zu bestehenden Bauten zu erzeugen und
die Anpassung von Erneuerungen an bestehende Bauten als historisierende Gestaltung
bzw. Kulissenarchitektur zu qualifizieren. Wenig überzeugend ist auch das Argument, in
der funktionalen Betrachtungsweise übernehme die streitige Glaswand nur in klar
definierten Teilbereichen die Rolle eines Schaufensters. Abgesehen davon, dass Art. 15
Abs. 3 und 4 BO nicht nur durchgehende Schaufenster, sondern allgemein
durchgehende Fensterbänder über die ganze Fassadenbreite als unzulässig
qualifizieren, handelt es sich bei dieser funktionalen Betrachtungsweise um einen
Aspekt, der keinen direkten Bezug auf die Bauordnung nimmt. Die streitige
Fensterfront hat, wie aus den eingereichten Unterlagen hervorgeht, zur Hauptsache die
Funktion eines Schaufensters. Allein der Umstand, dass die Scheibe in einem kleinen
Teilbereich nicht unmittelbar als Schaufenster dient, sondern vor das Gemäuer der
Fassade zu stehen kommt, ändert an ihrer Haupteigenschaft nichts.
Unter diesen Umständen muss mit der Beschwerdeführerin davon ausgegangen
werden, dass das Bauvorhaben den Anforderungen von Art. 15 Abs. 3 und 4 BO nicht
entspricht. Die Beschwerdegegnerin zielt nach den Ausführungen in ihrer
Vernehmlassung darauf ab, die von der Bauordnung vorgegebenen Bestimmungen
ausser Acht zu lassen. Sie argumentiert, die Beachtung der Bauordnung führe zu
Kulissenarchitektur, und es sei der objektspezifischen Realität und den echten
Bemühungen um Lösungen für die Zukunft Rechnung zu tragen und die Baukultur
weiter zu entwickeln. Dies zeigt, dass sich die Bauherrschaft des Widerspruchs ihres
Projekts zur Bauordnung bewusst ist. Die Vorinstanz geht davon aus, dass aus den
Grundsätzen der Aesthetik und Denkmalpflege allgemeingültige Regeln abgeleitet
werden können, welche die Verbindlichkeit spezifischer Schutzvorschriften der
städtischen Bauordnung aufzuheben vermögen.
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Die Beschwerdeführerin bestreitet im weiteren, dass mit dem Bauvorhaben eine
städtebaulich gute Gesamtwirkung erzielt wird. Die Wirkung, die durch eine
durchgehende Glasfront im Gassenbild erzielt werde, werde ungenügend
berücksichtigt. Der Betrachter, der nicht unmittelbar vor der Glasfront stehe, sondern in
der Gasse einen schrägen Blickwinkel auf die Liegenschaft habe, erblicke lediglich eine
flächige, fassadenbündige Glaswand. Demgegenüber erwog die Vorinstanz, das Bild
der Multergasse erhalte durch die expressiven Jugendstilfassaden und die Opposition
der wenigen klassizistischen Fassaden Spannung. Es sei nicht von der Hand zu
weisen, dass der Jugendstil gerade die Gegensätze zur vorherigen Stilepoche
inszeniere und nicht ein harmonisches Gesamtbild anstrebe. Indem die Glaswand
Elemente aus beiden Bauphasen übernehme und zugunsten der eigenen Liegenschaft
neu interpretiere, entstehe ein sublimes Zusammenspiel, das klar zu einer Aufwertung
des Gassenbildes führe.
Das Verwaltungsgericht kann sich dem Standpunkt der Vorinstanz nicht anschliessen.
Wie die Beschwerdeführerin zutreffend ausführt, würde die Zulassung einer Glaswand
über die gesamte Erdgeschossfassade wohl einer heutigen Architekturtendenz
entsprechen und modisch wirken. Das Gebot der städtebaulich guten Gesamtwirkung
setzt allerdings der städtebaulichen Entwicklung gewisse Grenzen. Nicht entscheidend
ist, ob die Zulassung eines neuen Stilelementes zu einer Aufwertung des Gassenbildes
führe. Das Gebot der Einordnung und der städtebaulich guten Gesamtwirkung lässt es
zu, bei Renovationen und Umgestaltungen lediglich Weiterentwicklungen der
bisherigen Baustile zuzulassen und den optischen Auswirkungen Rechnung zu tragen.
d) Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung fest, bei den spezifischen Anforderungen
von Art. 15 BO fielen die Erforderlichkeit und die Geeignetheit einer Massnahme dahin,
soweit die verlangten Elemente weder ästhetisch noch denkmalpflegerisch eine
positive Wirkung zeitigten. Die Beschwerdeführerin wolle über die in Frage stehenden
Vorschriften offensichtlich die herkömmliche Bauweise sicherstellen. Für diese
Zielsetzung fehle ein öffentliches Interesse, da weder die Aesthetik noch die
Denkmalpflege ein Anbiedern an die Umgebung erheischen würden. Könne jedoch die
zeitgenössische Bauweise nicht ausgeschlossen werden, müsse es auch möglich sein,
die Vorschriften entsprechend der eingesetzten Technik oder den verwendeten
Materialien auszulegen.
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Die Vorinstanz geht also davon aus, dass gestalterische Vorschriften nur dann
verhältnismässig sind, wenn deren Anwendung im Ergebnis eine ästhetisch oder
denkmalpflegerisch allgemeingültige positive Wirkung erreicht. Diesem Standpunkt
kann sich das Verwaltungsgericht nicht anschliessen. Wie erwähnt, lassen sich weder
aus der Aesthetik noch aus der Denkmalpflege allgemein gültige Normen ableiten,
welche im vorliegenden Fall die Anwendung von Art. 15 Abs. 3 und 4 BO verbieten. Mit
Berufung auf allgemeine Grundsätze der Aesthetik und der Denkmalpflege kann
jedenfalls kein Widerspruch von Art. 13 und 15 BO mit übergeordnetem Recht
begründet werden.
e) Nicht ersichtlich ist im übrigen, inwiefern der Entscheid der Baupolizeikommission
gegen die verfassungsrechtlich geschützte Eigentumsgarantie (Art. 26 der
Bundesverfassung, SR 101) verstösst. Die Argumentation der Vorinstanz beruht auch in
diesem Punkt auf der Prämisse, dass sich aus der Aesthetik Regeln ableiten lassen,
denen die Eigenschaft von Rechtsnormen zukommen.
f) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde der Stadt St. Gallen
gutzuheissen und der angefochtene Rekursentscheid vom 25. August 2004 in Ziff. 1
und 2 aufzuheben ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12).
Nachdem im Rekursentscheid auf die Erhebung einer Entscheidgebühr verzichtet
wurde, hat es dabei sein Bewenden.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis und 98ter VRP in
Verbindung mit Art. 263 Abs. 3 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).
Demnach hat das Verwaltungsgericht