Decision ID: c088e3b0-1797-5ac6-a9d7-3e79f4b5400e
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen (Nichteintreten)
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ ist angelernter Holzbauarbeiter und war seit November 2006 als
Möbelmonteur tätig (IV-act. 8). Am 19. Juni 2009 meldete er sich wegen
Rückenschmerzen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (berufliche Integration, Rente) an (IV-act. 1).
A.b Der Hausarzt des Versicherten Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin,
erörterte in seinem Bericht vom 15. Oktober 2009, dass der Versicherte am 29.
Oktober 2008 eine akute Lumbalgie nach Verhebetrauma beim Anheben eines Sofas
erlitten habe. Weitere Exazerbationen seien daraufhin in den folgenden Monaten
mehrmals aufgetreten. Seit August 2009 könne der Versicherte wegen der
Rückenschmerzen in seinem Beruf nicht mehr arbeiten. Dr. B._ diagnostizierte eine
rezidivierende Lumbalgie mit Facettensymptomatik und bescheinigte dem Versicherten
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 14).
A.c Das Wirbelsäulenzentrum C._, namentlich Prof. Dr. med. D._, Facharzt FMH
für Neurochirurgie, stellte nach einer ambulanten Untersuchung des Versicherten
(ebenfalls) ein lokales Lumbalsyndrom bei Übergangsanomalie fest, die auf eine
Anomalie eines fehlenden Bogenschlusses S1 zurückzuführen sei. Gleichzeitig zeige
sich eine deutliche Bandscheibenraumverschmälerung bei L5/S1. Die Prognose für die
angestammte Tätigkeit als Möbelmonteur sei ungünstig; leidensadaptierte Tätigkeiten
seien indes durchaus
zumutbar (Bericht vom 23. November 2009; IV-act. 19).
A.d Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) erklärte daraufhin, dass eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Möbelmonteur gut nachvollziehbar sei. In einer
leidensadaptierten Tätigkeit könne dagegen mit einer praktisch vollständigen Arbeits
fähigkeit gerechnet werden (RAD-Aktennotiz vom 1. Dezember 2009; IV-act. 20).
A.e Die IV-Stelle gewährte dem Versicherten in der Folge eine Umschulung zum
technischen Kaufmann (siehe Mitteilungen vom 23. März 2010 [IV-act. 32], vom 17.
November 2010 [IV-act. 45] und vom 4. November 2011 [IV-act. 61]). Dieser schloss im
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Zeitraum von 2010 bis 2012 den Vorkurs sowie die (schulinterne) Umschulung zum
Technischen Kaufmann erfolgreich ab; die weiterführende Ausbildung zum
eidgenössischen Diplom (Fachausweis) bestand der Versicherte dagegen nicht (siehe
IV-act. 74). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten anschliessend mit Mitteilung vom 12.
Dezember 2012 mit, dass die beruflichen Massnahmen ohne Rentenanspruch
erfolgreich abgeschlossen seien. Mit dem internen Abschluss zum technischen
Kaufmann sei der Versicherte in der Lage, eine Anstellung zu finden und ein
angemessenes Einkommen zu erzielen; ein Anspruch auf Wiederholung der nicht
bestandenen eidgenössischen Prüfung bestehe deshalb nicht (IV-act. 82).
B.
B.a Am 26. April 2013 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Integration, Rente) an. Er machte
eine abgenutzte Bandscheibe sowie ein beeinträchtigtes Sehvermögen (stark
vorhandene schwarze Flecken im Sichtfeld) geltend. Wegen seiner Rückenschmerzen
müsse er sich regelmässig hinlegen um den Rücken zu entlasten. Am PC könne er
höchstens eine Stunde am Stück arbeiten, da die schwarzen Flecken im Sichtfeld ihn
fast wahnsinnig machen würden (IV-act. 83). Nachdem die IV-Stelle den Versicherten
daraufhin (offenbar) erfolglos aufgefordert hatte, die geltend gemachten
Verschlechterungen nachzuweisen, trat sie mit Verfügung vom 16. Juli 2013 auf das
neue Leistungsbegehren nicht ein, weil nicht glaubhaft dargelegt sei, dass sich die
tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten (IV-
act. 91).
B.b Am 18. Juli 2013 stellte Dr. B._ der IV-Stelle einen Bericht von Prof. Dr. D._
vom 18. Juli 2013 zu, worin letzterer erklärt, er sei nach wie vor der Meinung, dass der
Versicherte in seinem angestammten Beruf als Möbelmonteur nicht arbeitsfähig sei.
Andere, weniger belastende Arbeiten seien ihm jedoch zumutbar. Die IV-Stelle müsse
ihm aber bei der Stellensuche behilflich sein (IV-act. 92). Mit Schreiben vom 31. Juli
2013 reagierte die IV-Stelle auf diesen Bericht und forderte den Versicherten auf, ein
neues Gesuch einzureichen, sofern er eine neue Prüfung seines Anspruches auf
Leistungen der Invalidenversicherung verlange (IV-act. 93). Dem kam der Versicherte
nach und reichte am 9. August 2013 ein weiteres Gesuch zum Bezug von Leistungen
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der Invalidenversicherung (berufliche Integration, Rente) ein. Darin gab er an, an
Migräne, Mouches volantes und abgenutzter Bandscheibe zu leiden (IV-act. 94). Mit
Bericht vom 15. August 2013 bestätigte Dr. B._ diese drei Krankheiten und fügte an,
dass sich beim Versicherten eine depressive Episode im Rahmen seiner
Arbeitssituation zeige. Dem Versicherten entspreche (vielmehr) eine handwerkliche
Tätigkeit. Mit der Kurzeinführung in den kaufmännischen Beruf habe er dagegen keine
Chance. Zudem würden Bildschirmtätigkeiten subjektiv durch die Augensymptomatik
beeinträchtigt (IV-act. 95). Mit Arztbericht vom 26. September 2013 bestätigte Dr. B._
seine Ausführungen (IV-act. 113).
B.c Nach erfolgtem Vorbescheidsverfahren (IV-act. 118) und dagegen erhobenem
Einwand (IV-act. 120) stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom 20. Januar 2014 fest, dass
eine wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht glaubhaft dargelegt
sei und trat auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (IV-act. 122).
C.
C.a Mit Eingabe vom 18. Januar 2014 erhebt der Beschwerdeführer gegen die Ver
fügung vom 20. Januar 2014 Beschwerde und beantragt die Unterstützung bei der
Stellensuche oder eine Invalidenrente. Zudem ersucht er um unentgeltliche
Rechtspflege. Er bringt im Wesentlichen vor, dass er seit Abschluss seiner Umschulung
weder in einem Büro noch in einem körperlich leicht anspruchsvollen Beruf eine
Anstellung habe finden können. Dies sei u.a. auf seine fehlende Erfahrung im
Bürobereich zurückzuführen. Wenn er nur daran denke, an einem Schreibtisch zu
sitzen, bekomme er Schweissausbrüche. Sein Leiden sei daher nicht mehr nur ein
körperliches, sondern nunmehr auch ein psychisches. Er leide nach wie vor an
Rückenbeschwerden sowie an Migräneattacken und Augenproblemen (act. G 1). Als
Nachweis seines Gesundheitszustands reicht er einen Bericht des
Wirbelsäulenzentrums C._ vom 18. Juli 2013 (act. G 1.4 sowie IV-act. 92), zwei
Berichte von Dr. B._ vom 15. August 2013 (act. G 1.2 sowie IV-act. 95) und 26.
September 2013 (act. G 1.2 sowie IV-act. 113) sowie zwei Berichte der Augenklinik des
Kantonsspitals St. Gallen vom 8. Dezember 2013 (act. G 1.3) und 11. April 2012 (act. G
1.5 sowie IV-act 96) ein.
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C.b Mit Beschwerdeantwort vom 21. März 2014 wendet die Beschwerdegegnerin ein,
dass sich aus den neu eingereichten Akten gegenüber der bisherigen Beurteilung keine
Änderung ergäbe. Es sei daher nicht glaubhaft dargelegt, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers massgeblich verändert habe. Sie
beantragt daher die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.c Mit Präsidialentscheid vom 24. März 2014 gewährte das Versicherungsgericht
dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege (act. G 6).
C.d Mit Replik vom 22. April 2014 hält der Beschwerdeführer an seinen Ausführungen
fest. Er wirft der IV-Stelle vor, dass die Ausbildung zum technischen Kaufmann sinnlos
gewesen sei. Da ihm im Büro jegliche praktische Erfahrung fehle, erhalte er überall
Absagen. Ein KV-Absolvent habe weitaus grössere Chancen eine Stelle zu finden als
er. Zudem sei er vielmehr ein "Handwerker-Typ". Er beantrage eine Rente oder eine
Wiedereingliederung. Weiters legt er einen Bericht des Psychiatrischen Zentrums vom
11. April 2014 vor (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin liess sich für eine Duplik nicht
mehr vernehmen (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Zu beurteilen im vorliegenden Verfahren ist die Rechtmässigkeit der
Nichteintretensverfügung vom 20. Januar 2014. Die Prüfungsbefugnis des Gerichts
beschränkt sich daher auf die Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf die
Wiederanmeldung vom 9. August 2013 zu Recht nicht eingetreten ist. Soweit die
Anträge des Beschwerdeführers darüber hinausgehen (Zuspruch von
Eingliederungsmassnahmen oder Rente), ist darauf nicht einzutreten.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das Leistungs
begehren vom 9. August 2013 nicht eingetreten ist.
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2.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, dass die Umschulung zum
Technischen Kaufmann sinnlos gewesen sei. Seit seiner Umschulung sei es ihm nicht
gelungen, eine Anstellung zu finden. Ein KV-Absolvent hätte weitaus grössere Chancen
als er, eine Stelle zu finden. Er führt seine Benachteiligung insbesondere auf seine
Rückenschmerzen und auf seine fehlende Erfahrung im Bürobereich zurück. Er erleide
zudem vom Arbeiten am Computer und vom vielen Lesen Migräneattacken und häufige
Kopf- und Augenschmerzen. Die schwarzen Flecken in seinem Sichtfeld würden ihn
zusätzlich extrem belasten. Schliesslich bekomme er bei dem Gedanken, Tag für Tag
an einem Schreibtisch zu sitzen, Schweissausbrüche, da er (eigentlich) schon immer
ein leidenschaftlicher Handwerker gewesen sei. Sein Leiden sei daher nicht mehr nur
ein körperliches, sondern inzwischen auch ein psychisches. Er habe sich daher kürzlich
in einer psychiatrischen Klinik angemeldet (act. G 1 und 8).
2.2 Die Beschwerdegegnerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass sich
aus den bislang eingereichten Akten keine relevanten Änderungen des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführer ergäben. Auch der neu eingereichte
Bericht der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) bescheinige aus
ophthalmologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit. Auf das neue Leistungsbegehren
sei damit zu Recht nicht eingetreten worden (act. G 5).
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
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3.2 Wurde u.a. eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so
wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist bei einer Neuanmeldung glaubhaft zu
machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Diese Bestimmung ist nach höchstrichterlicher Rechtsprechung analog
auf Eingliederungsleistungen anzuwenden (BGE 105 V 119 E. 3a; vgl. auch BGE 119 V
173). Letzteres bedeutet auch, dass bei einer Neuanmeldung die für
Eingliederungsleistungen je spezifischen Leistungsvoraussetzungen zu beachten sind.
Während der Anspruch auf eine Invalidenrente eine mindestens 40%ige
Erwerbseinbusse voraussetzt, sind die leistungsspezifischen Anforderungen an
berufliche Eingliederungsmassnahmen deutlich niedriger (vgl. Ulrich Meyer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. A., HRSG. Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer, Art. 17 II. S. 190 ff.). Ob eine in diesem Sinn erhebliche Tatsachenänderung
eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich der Verhältnisse im Zeitpunkt der
Neuanmeldung mit denjenigen bei Erlass der letzten, auf einer materiellen Prüfung des
IV-Leistungsanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung
und Ermittlung des (leistungsspezifischen) Invaliditätsgrades beruhenden Verfügung
(BGE 133 V 108, Regeste).
3.3 Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach
vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweigerung immer wieder mit gleich
lautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts
darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 119 E. 3b und BGE 109 264 E. 3).
Hingegen kann diese Eintretensvorschrift nicht dahingehend ausgelegt werden, dass
die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss,
welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde
legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die
Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung bzw.
Eingliederungsleistungen erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft
dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten
und es in tatsächlicher wie rechtlicher Hinsicht allseitig
zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3b und E. 4b, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2 und BGE 130
V 71).
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3.4 Nach der Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 3
IVV nicht der Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden
Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisanforderungen
sind vielmehr herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines vollen Beweises die
Überzeugung der Verwaltung begründet zu werden braucht, dass seit der letzten,
rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist. Es
genügt, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens
gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu
rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete
Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Bei der Prüfung der Frage, ob die
Vorbringen der versicherten Person glaubhaft sind, berücksichtigt die Verwaltung unter
anderem, ob seit der rechtskräftigen Erledigung des letzten Rentengesuchs lediglich
kurze oder schon längere Zeit vergangen ist; je nachdem sind an die
Glaubhaftmachung einer Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts höhere oder
weniger hohe Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar
2008, 9C_688/2007, E. 2.2).
4.
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung, ob der Beschwerdeführer bei der
Neuanmeldung vom 9. August 2013 (IV-act. 94) eine erhebliche Tatsachenänderung im
Sinne von Art. 87 IVV glaubhaft gemacht hat, ist die Mitteilung der
Beschwerdegegnerin vom 12. Dezember 2012, womit sie den Abschluss der
beruflichen Eingliederungsmassnahmen unter Annahme eines rentenausschliessenden
Erwerbseinkommens festgestellt hatte (IV-act. 82). Zu prüfen ist, ob glaubhaft
erscheint, dass sich der Sachverhalt seit der Mitteilung vom 12. Dezember 2012 in
einer für den (jeweiligen) Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
4.1 Beim Erlass der Mitteilung vom 12. Dezember 2012 (IV-act. 83) präsentierte sich
die medizinische Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:
4.1.1 Im Arztbericht vom 15. Oktober 2009 diagnostizierte der Hausarzt Dr. B._
eine rezidivierende Lumbalgie mit Facettensymptomatik. Der Beschwerdeführer leide
(insbesondere) bei Anheben von Lasten an Rückenschmerzen. Er sei daher in seiner
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bisherigen Tätigkeit als Möbelmonteur zu 100% arbeitsunfähig. Bei rückenschonenden
Tätigkeiten bestehe dagegen keine Einschränkung (IV-act. 14).
4.1.2 Die Diagnose von Prof. Dr. D._ im Arztbericht vom 23. November 2009
beschränkte sich ebenfalls auf die Rückenschmerzen. Demnach weise der
Beschwerdeführer ein lokales Lumbalsyndrom bei Übergangsanomalie auf. Weitere
Einschränkungen bestünden nicht. Als Möbelmonteur sei der Beschwerdeführer nicht
arbeitsfähig. Tätigkeiten in Wechselbelastung seien ihm hingegen durchaus zumutbar.
Es dürften dabei keine schweren Lasten von mehr als höchstens 20 kg gehoben
werden. Der Beschwerdeführer müsse zudem in der Lage sein, bei Bedarf von Sitzen
auf Stehen und Gehen wechseln zu können (IV-act. 19).
4.1.3 Der RAD schloss sich den beiden genannten Arztberichten an und erachtete
den Beschwerdeführer in seiner Tätigkeit als Möbelmonteur als vollständig
arbeitsunfähig. In einer leidensangepassten Tätigkeit könne aber mit einer
vollständigen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden (RAD-Aktennotiz vom 1. Dezember
2009; IV-act. 20).
4.2 Seit der Neuanmeldung vom 9. August 2013 (IV-act. 94) macht der
Beschwerdeführer nebst den bestehenden Rückenschmerzen neu Augen- und
psychische Beschwerden geltend. Er beruft sich dabei insbesondere auf die Berichte
der Augenklinik des KSSG vom 11. April 2012 (IV-act. 96) sowie vom 8. Dezember
2013 (IV-act. 126-1) und auf den Bericht des Psychiatrischen Zentrums Rorschach vom
11. April 2014 (act. G 8.1).
4.2.1 Betreffend die Rückenschmerzen stellten weder Prof. Dr. D._ noch Dr. B._
eine Verschlechterung fest. Prof. Dr. D._ erklärte, er sei nach wie vor der Meinung,
dass der Versicherte in seinem angestammten Beruf als Möbelmonteur nicht
arbeitsfähig sei. Andere, weniger belastende Arbeiten seien ihm jedoch zumutbar
(Bericht vom 18. Juli 2013; IV-act. 92). Dr. B._ bestätigte ebenfalls, dass die
Rückenschmerzen bei adäquater Belastung und in Anbetracht des Alters eigentlich
günstig verlaufen müssten. Komplizierend sei jedoch die Chronifizierung (Bericht vom
15. August 2013; IV-act. 95).
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4.2.2 Die Augenklinik des KSSG bestätigte in ihrem Bericht vom 11. April 2012 die
vom Beschwerdeführer behaupteten Glaskörpertrübungen (Mouches volantes), die sich
bei der Fundusuntersuchung in Mydriase gezeigt hätten (IV-act. 96). Nach weiteren
Untersuchungen vom 11. November und 2. Dezember 2013 stellte die Klinik mit Bericht
vom 8. Dezember 2013 fest, dass der ophthalmologische Status weiterhin unverändert
sei. Die vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden liessen sich durch die
dekompensierende Exophorie erklären, weshalb er zur konsiliarischen Beurteilung an
die Orthoptik weitergeleitet worden sei. Die Beschwerden am PC-Bildschirm könnten
möglicherweise durch eine Entlastungsbrille behandelt werden. Der Beschwerdeführer
habe sich jedoch wenig interessiert an diesem Lösungsvorschlag gezeigt und ein
Arbeitsunfähigkeitszeugnis verlangt. Aus ophthalmologischer Sicht sei eine volle
Arbeitsfähigkeit gegeben (Bericht vom 8. Dezember 2013; IV-act. 126-1). Bezüglich
Augenleiden ist eine Verschlechterung nicht glaubhaft gemacht.
4.2.3 Dr. B._ wies bereits in seinem Bericht vom 15. August 2013 darauf hin, dass
beim Beschwerdeführer eine depressive Entwicklung zu erkennen sei (IV-act. 95). In
sofern wurde diese Beschwerde noch vor der angefochtenen Verfügung vom 20.
Januar 2014 erwähnt. Deshalb ist der Bericht des Psychiatrischen Zentrums E._,
namentlich von Dr. med. F._, Oberarzt, vom 11. April 2014 (act. G 8.1), welchen der
Beschwerdeführer im Rahmen seiner Replikeingabe vom 22. April 2014 einreichte,
vorliegend zu berücksichtigen (siehe Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2009,
8C_447/2009, E. 3.5). Dr. F._ stellt fest, dass diagnostisch Hinweise auf eine
Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis, differentialdiagnostisch eine
Persönlichkeitsvariante mit paranoiden und selbstunsicheren Zügen und Symptomen
der Depression bestünden. Im Vergleich mit der Verlaufsbeurteilung 11/2005-01/2007
am Psychiatrischen Zentrum E._ und der aktuellen Behandlung seit dem 19. Februar
2014 erhärte sich die Verdachtsdiagnose einer Persönlichkeitsvariante mit
kombinierten, schizoiden und selbstunsicheren Zügen (ICD-10: F61.0). Die sozialen
Beziehungen im Alltag, wie im Arbeitsumfeld, seien dadurch beeinträchtigt (act. G 8.1).
4.3 Gemäss Ausführungen des Psychiatrischen Zentrums E._ leidet der
Beschwerdeführer offensichtlich unter psychischen Problemen, welche sich im
Nachgang zur Mitteilung vom 12. Dezember 2012 verstärkt haben. Ob dieses
Beschwerdebild die Zusprache von IV-Leistungen letztlich auch begründet, muss dabei
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offengelassen werden. Entscheidend ist vielmehr, dass dieser Bericht eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers aus
psychiatrischer Sicht als glaubhaft erscheinen lässt, so dass die Voraussetzungen des
Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV erfüllt sind.
4.4 Es erscheint namentlich geboten, die Notwendigkeit allfälliger beruflicher
Eingliederungsmassnahmen, wie insbesondere Arbeitsvermittlung, zu prüfen, nachdem
der Beschwerdeführer bis anhin die Umschulung zum technischen Kaufmann nicht
verwerten konnte und hiefür gesundheitliche Beeinträchtigungen als Mitursache
angeführt werden.
5.
5.1 Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 20. Januar 2014 in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit diese auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 9. August 2013
eintrete und nach Vornahme der notwendigen Abklärungen über die
Leistungsansprüche, einschliesslich allfälliger Eingliederungsleistungen, verfüge.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Praxisgemäss ist die Gerichtsgebühr für das
vorliegende Verfahren auf Fr. 600.-- festzulegen und der vollständig unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht