Decision ID: c3c4a49f-63df-5dab-9507-00d93b53b5b3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B.
A._ ist bei der CSS Kranken-Versicherung AG (nachfolgend: CSS) obligatorisch
krankenpflegeversichert. Die CSS stellte dem Versicherten die Prämien für die Monate
Mai und Juni 2019 sowie Juli und August 2019 im Betrag von je Fr. 665.40 in
Rechnung (zwei Rechnungen für jeweils zwei Monate). Nach je einer
Zahlungserinnerung mahnte sie ihn und erhob zusätzlich Mahngebühren von je Fr.
20.-- (act. G3.1 f.).
A.a.
Nachdem die Zahlungen ausgeblieben waren, stellte die CSS beim
Betreibungsamt B._ ein Betreibungsbegehren über eine Forderung von Fr. 1'330.80
nebst Zins zu 5% seit 27. Oktober 2019, zuzüglich Spesen von Fr. 180.-- und
aufgelaufene Zinsen von Fr. 27.45. Gegen den am 4. November 2019 eröffneten
Zahlungsbefehl (Betreibung Nr. XXXXXX) erhob der Versicherte Rechtsvorschlag (act.
G3.4). Mit Verfügung vom 5. Dezember 2019 hob die CSS diesen auf (act. G3.5).
A.b.
Dagegen erhob der Versicherte am 17. Januar 2020 Einsprache. Er bot der CSS
an, die Sozialversicherungsanstalt (SVA) St. Gallen anzuweisen, ihr die
Prämienverbilligung für das Jahr 2019 auszurichten. Bedingung dafür sei, dass die CSS
den überschüssigen Betrag lediglich für ausstehende Prämien, Verzugszinsen oder
Prämien des Jahres 2020 verwende, keinesfalls aber zur Deckung von Spesen (act.
G3.6).
B.a.
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C.

Erwägungen
1.
Umstritten und vorerst zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Betreibung (vgl. act. G1,
G3).
Mit Entscheid vom 4. Februar 2020 wies die CSS die Einsprache ab und erteilte
Rechtsöffnung über den Betrag von Fr. 1'330.80 (zzgl. Mahnspesen von Fr. 180.--
sowie Verzugszins von 5% seit 30. April 2019 auf den Betrag von Fr. 665.40 und seit
30. Juni 2019 auf den Betrag von Fr. 665.40) (act. G3.7).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Februar 2020 erhob der Versicherte die
vorliegende Beschwerde. Er beantragte sinngemäss, der Einspracheentscheid sei
vollumfänglich aufzuheben. Eventualiter seien die Mahnspesen auf Fr. 30.-- zu
reduzieren (act. G1).
C.a.
Die CSS (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 31. März 2020 die
Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G3).
C.b.
Der Beschwerdeführer liess die Frist zur Akteneinsicht und Einreichung einer
Stellungnahme unbenützt ablaufen (vgl. act. G4).
C.c.
Nach Art. 90 der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) sind
die Prämien im Voraus und in der Regel monatlich zu bezahlen. Bezahlt die versicherte
Person fällige Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht, so hat der Versicherer ihr, nach
mindestens einer schriftlichen Mahnung, eine Zahlungsaufforderung zuzustellen, ihr
eine Nachfrist von 30 Tagen einzuräumen und sie auf die Folgen des Zahlungsverzuges
hinzuweisen (Art. 64a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung [KVG;
SR 832.10]). Der Versicherer muss die Zahlungsaufforderung bei Nichtbezahlung von
Prämien und Kostenbeteiligungen spätestens drei Monate ab deren Fälligkeit zustellen.
Er muss sie getrennt von allfälligen anderen Zahlungsausständen zustellen (Art. 105b
Abs. 1 KVV). Bezahlt die versicherte Person trotz Zahlungsaufforderung die Prämien,
Kostenbeteiligungen und Verzugszinse nicht innert der gesetzten Frist, so muss der
Versicherer die Betreibung anheben (Art. 64a Abs. 2 Satz 1 KVG).
1.1.
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Die Kantone gewähren den Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen Prämienverbilligungen. Sie bezahlen den Beitrag für die
Prämienverbilligung direkt an die Versicherer, bei denen diese Personen versichert sind
(Art. 65 Abs. 1 Satz 1 KVG). Der Kanton meldet dem Versicherer die Versicherten, die
Anspruch auf eine Prämienverbilligung haben, und die Höhe derselben so früh, dass
der Versicherer die Prämienverbilligung bei der Prämienfakturierung berücksichtigen
kann. Der Versicherer informiert die anspruchsberechtigte Person spätestens bei der
nächsten Fakturierung über die tatsächliche Prämienverbilligung (Art. 65 Abs. 4
KVG). Der Anspruch auf Prämienverbilligung setzt eine Anmeldung bei der
Sozialversicherungsanstalt (SVA) bis am 31. März des Jahres voraus, für das die
Prämienverbilligung beansprucht wird (Art. 11 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung [EG-KVG; sGS 331.11]).
1.2.
bis
bis
Der Beschwerdeführer war unbestritten grundsätzlich verpflichtet, der
Beschwerdegegnerin die Prämien, welche im Jahr 2019 ab Februar monatlich Fr.
332.70 betrugen, zu bezahlen (vgl. Police in act. G3.9). Für die Monate Mai bis August
2019 ergibt sich der geforderte Betrag von insgesamt Fr. 1'330.80 (4 x Fr. 332.70).
Nachdem der Beschwerdeführer die beiden Rechnungen innert der Zahlungsfrist nicht
beglichen hatte, musste die Beschwerdegegnerin ihn schriftlich mahnen und ihm
spätestens drei Monate ab Fälligkeit der Prämien eine Zahlungsaufforderung zustellen
(Art. 64a Abs. 1 KVG, Art. 105b Abs. 1 KVV). Die Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer mit den Zahlungsaufforderungen eine Nachfrist von 30 Tagen
eingeräumt (vgl. act. G3.1 f.). Da der Beschwerdeführer den Forderungen weiterhin
nicht nachkam, war die Beschwerdegegnerin entsprechend Art. 64a Abs. 2 Satz 1 KVG
dazu verpflichtet, ihn zu betreiben. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht (vgl.
act. G1), die Beschwerdegegnerin habe wissen müssen, dass er Anspruch auf eine
Prämienverbilligung habe und dadurch die Prämienforderungen gedeckt seien, ist dies
nicht korrekt. Der Kanton St. Gallen hat der Beschwerdegegnerin mindestens bis zur
Beschwerdeantwort unbestritten nicht gemeldet, dass der Beschwerdeführer einen
Anspruch auf eine Prämienverbilligung für das Jahr 2019 hätte (vgl. act. G3). Die
Beschwerdegegnerin konnte somit eine allfällige Prämienverbilligung nicht
berücksichtigen. Offenbar hat der Beschwerdeführer die Auszahlung der
Prämienverbilligung bei der SVA selbst "blockiert" und eine entsprechende rechtzeitige
Mitteilung der SVA an die Beschwerdegegnerin verhindert. Wie den Parteien bekannt
ist, hatte der Beschwerdeführer in den vorhergehenden Jahren jeweils einen Anspruch
auf eine Prämienverbilligung (vgl. dazu u.a. E. 3.5 des Entscheids des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. März 2020, KV 2019/3, KV
2019/9, KV 2019/17 und KV 2019/23). Daraus ist jedoch nicht zu schliessen, dass die
1.3.
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2.
Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, die von der Beschwerdegegnerin
erhobenen Spesen seien zu hoch (act. G1).
Beschwerdegegnerin hätte wissen müssen, dass und in welchem Umfang der
Beschwerdeführer auch im Jahr 2019 einen Anspruch auf Prämienverbilligung haben
würde. Der Beschwerdeführer erwähnte in seiner Einsprache vom 17. Januar 2020,
dass er einen solchen Anspruch habe (act. G3.6). Diese erst nach Einleitung der
Betreibung erfolgte Information ersetzt jedoch nicht die offizielle Mitteilung durch die
SVA. Dies gilt auch für allfällige vom Beschwerdeführer in früheren Einsprache- und
Beschwerdeverfahren gemachte Äusserungen. Eine allfällige Prämienverbilligung für
das Jahr 2019, welche der Beschwerdegegnerin von der SVA nicht mitgeteilt worden
war, ändert damit nichts an der Rechtmässigkeit der Betreibung. Im Übrigen ist
festzuhalten, dass der Verdacht des Beschwerdeführers, dass die Beschwerdegegnerin
bei Erhalt der Prämienverbilligung für das Jahr 2019 einen allfälligen Überschuss zur
Deckung von Mahnspesen verwendet hätte (vgl. act. G1, act. G3.6), unbegründet ist.
Sollte die Beschwerdegegnerin für den Beschwerdeführer für das Jahr 2019 noch eine
Prämienverbilligung erhalten, wird sie diese primär zur Deckung der Prämien des
genannten Jahres verwenden müssen.
Die Erhebung angemessener Bearbeitungsgebühren ist beim Verzug in der
Zahlung von Prämien und Kostenbeteiligungen unter der Voraussetzung der
schuldhaften Verursachung der (bei rechtzeitiger Zahlung unnötigen) Aufwendungen
durch die versicherte Person im Bereich des KVG zulässig, sofern der
Krankenversicherer in seinen allgemeinen Bestimmungen über die Rechte und Pflichten
der Versicherten eine entsprechende Regelung vorsieht (Art. 105b Abs. 2 KVV; BGE
125 V 276). Schuldhaft handelt die versicherte Person, wenn sich der
Krankenversicherer ihres Verhaltens wegen zu Mahnungen veranlasst sieht (Gebhard
Eugster, in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum KVG, 2. Aufl. 2018, Art. 64a N 3). Gemäss Art. 14 Ziff. 2 des
Reglements der Beschwerdegegnerin, Ausgabe Januar 2018, fallen Auslagen der
Beschwerdegegnerin für Mahnungen und Betreibungen zu Lasten der versicherten
Person (act. G3.10). Dass in Art. 105b Abs. 2 KVV von Gebühren, im Reglement
hingegen von Auslagen die Rede ist, stellt entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers (vgl. act. G1) keinen Widerspruch dar. Aus der Bestimmung im
Reglement ist ohne weiteres erkennbar, dass sich diese auf Art. 105b Abs. 2 KVV
bezieht und somit nicht entsprechend der Interpretation des Beschwerdeführers einem
2.1.
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Versicherten nur Auslagen für Porto, Briefpapier und Couverts (vgl. act. G1) in
Rechnung gestellt werden dürfen. Ebenso ist nicht entscheidend, ob die
Beschwerdegegnerin den geforderten Betrag als Spesen oder Mahnspesen
bezeichnete (vgl. act. G1). Eine Regelung zur Höhe der Mahnkosten findet sich im
Reglement der Beschwerdegegnerin nicht. Die Höhe der im Zahlungsverzug einer
obligatorisch versicherten Person zu erhebenden Kosten steht im Ermessen der
Krankenversicherung, soweit sie sich an das Äquivalenzprinzip hält. Das
Äquivalenzprinzip verlangt, dass eine Gebühr nicht in einem offensichtlichen
Missverhältnis zum fraglichen Ausstand stehen darf und sich in vernünftigen Grenzen
halten muss (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 4. Februar 2016, 9C_870/2015, E.
4.1 mit weiteren Hinweisen).
Zwischen den Parteien war eine zweimonatliche Prämienzahlung vereinbart (vgl.
act. G3.1 f.). Dementsprechend versandte die Beschwerdegegnerin jeweils alle zwei
Monate Prämienrechnungen und mangels Begleichung derselben entsprechende
Zahlungserinnerungen sowie Mahnungen (vgl. act. G3.1 f.). Da der Beschwerdeführer
die Prämien trotzdem nicht bezahlte, sah sich die Beschwerdegegnerin zu einer
Betreibung veranlasst (act. G3.4). Der Beschwerdeführer hat trotz
Zahlungserinnerungen und Mahnungen die Bezahlung der geschuldeten Prämien
unterlassen und damit in schuldhafter Weise Aufwendungen verursacht, die bei
rechtzeitiger Zahlung nicht eingetreten wären. Dementsprechend ist die Erhebung von
Bearbeitungskosten für die vom Beschwerdeführer unnötig verursachten
Aufwendungen für die Zahlungserinnerungen, Mahnungen und Betreibungen zulässig.
Über deren Höhe ist nachfolgend zu befinden.
2.2.
2.3.
Im Entscheid K 112/05 vom 2. Februar 2006 erachtete das damalige
Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG) eine Mahngebühr von Fr. 160.-- (zuzüglich
Fr. 30.-- Bearbeitungskosten) bei einem Prämienausstand von Fr. 1'770.-- sowie
offenen Kostenbeteiligungen von Fr. 363.25 - wenn auch im Sinne eines Grenzfalles -
als betragsmässig angemessen. Zum gleichen Schluss kam es im Entscheid K 76/03
vom 9. August 2005 bei einer Gebühr von Fr. 300.-- und einem Prämienausstand von
Fr. 4'346.70. Bei lediglich geringfügigen Ausständen wurde auch eine kleine Differenz
zwischen Ausstand einerseits und Mahn- sowie Verwaltungskosten andererseits nicht
beanstandet (vgl. Urteil des EVG vom 3. Juli 2006, K 24/06, E. 3.2 [Mahnspesen von Fr.
20.-- zuzüglich Bearbeitungsgebühren von Fr. 30.-- bei einer ausstehenden
Kostenbeteiligung von Fr. 62.50]). Mahnspesen von Fr. 480.-- (zuzüglich
2.3.1.
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3.
Die erhobenen Zinsen von 5% seit 30. April 2019 auf den Betrag von Fr. 665.40 sowie
von 5% seit 30. Juni 2019 auf den Betrag von 665.40 sind nicht umstritten und
aktenmässig ausgewiesen (act. G3.5, 3.7; vgl. auch Art. 104 Abs. 1 des
Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
[OR; SR 220]). Die Betreibungskosten sind von Gesetzes wegen geschuldet (Art. 68
des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs [SchKG; SR 281.1]) und vom
Schuldner bei erfolgreicher Betreibung zusätzlich zum Betrag, der dem Gläubiger
zugesprochen wurde, zu bezahlen (RKUV 5/2003 Nr. K 79/02 S. 226). Entsprechend
hat sie die Beschwerdegegnerin richtigerweise nicht in die Rechtsöffnung einbezogen.
Bearbeitungskosten von Fr. 90.--) bei Prämienausständen von Fr. 1'025.25, von Fr.
280.-- (zuzüglich Bearbeitungskosten von Fr. 100.--) bei Prämienausständen von Fr.
735.60 sowie Mahnspesen von Fr. 280.-- (zuzüglich Bearbeitungskosten von Fr. 100.--)
bei Prämienausständen von Fr. 549.95 verletzen gemäss Rechtsprechung das
Äquivalenzprinzip klar. Die vorinstanzlich vorgenommene Reduktion der Mahnkosten
auf Fr. 120.-- (bei Ausständen von Fr. 549.95 bzw. Fr. 735.60) bzw. Fr. 240.-- (bei
einem Ausstand von Fr. 1'025.25) wurden vom Bundesgericht als gerade noch tragbar
erachtet (Entscheid vom 4. Februar 2016, 9C_870/2015, E. 4.2.3).
Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin für zwei unbezahlte Rechnungen
zusammen ein Betreibungsverfahren eingeleitet. Dementsprechend enthielten die im
Zahlungsbefehl aufgeführten Spesen auch die Kosten für zwei Rechnungs- und
Mahnverfahren mit auferlegten Mahngebühren von je Fr. 20.--, was sich zu einem
Betrag von Fr. 40.-- summierte (vgl. act. G3.1 ff.). Die Beschwerdegegnerin erhob mit
dem Betreibungsbegehren Spesen in der Höhe von Fr. 180.-- bei einer Grundforderung
von Fr. 1'330.80 (act. G3.4). Mit Blick auf die genannte Rechtsprechung (E. 2.3.1)
scheinen Spesen von Fr. 180.-- angemessen (vgl. diesbezüglich auch E. 2.5.3 im
erwähnten Entscheid des Versicherungsgerichts, KV 2019/3, KV 2019/9, KV 2019/17,
KV 2019/23). Da das Äquivalenzprinzip nicht verletzt wurde, kann offenbleiben, aus
welchen Kostenfaktoren (von den Parteien wurden u.a. Porto, Briefpapier, Couverts
und Druckkosten erwähnt; vgl. act. G1, G3) sich die Spesen im Detail
zusammensetzen.
2.3.2.
Zusammenfassend sind die erhobenen Spesen nicht zu beanstanden.2.4.
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4.