Decision ID: 7121c6ba-165b-5341-95db-6c04c6d0cc92
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 17.08.2015 Auslegung des Reglements der Vorsorgeeinrichtung zugunsten des Versicherten. Festlegung der Invalidität nach dem weitergehenden reglementarischen Invaliditätsbegriff, der eine Berufsgarantie darstellt. Anspruch des Versicherten auf reglementarische Leistungen bei einem Invaliditätsgrad von 100% (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. August 2015, BV 2013/13).Entscheid vom 17. August 2015BesetzungPräsident Joachim Huber; Versicherungsrichter Ralph Jöhl, Versicherungsrichterin Miriam Lendfers; Gerichtsschreiberin Vera Holenstein WerzGeschäftsnr.BV 2013/13ParteienA._,Kläger,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o procap,Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,gegenBVG-Sammelstiftung C._,Beklagte,GegenstandInvalidenrenteSachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherter oder Kläger), Jahrgang 195_, ist gelernter Maler
und war als solcher vom 1. Dezember 2003 bis 31. Oktober 2007 bei der B._ in Z._
tätig (vgl. act. G 5.2 f., G 27/KM1, IV-act. 18-15 f.). Berufsvorsorgerechtlich war er
aufgrund dieser Erwerbstätigkeit bei der BVG-Sammelstiftung C._ (nachfolgend
Sammelstiftung oder Beklagte) versichert.
A.b Aufgrund eines Unfalls am 6. September 1985 mit einem Kreuzbandriss am
rechten Knie hatte der Versicherte von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend Suva) Leistungen erhalten (Heilungskosten und Taggelder; UV-act. 1,
15 f.; die einschlägigen Akten der Suva mit der Unfallnummer XXX werden mit UV-act.
und der entsprechenden Nummer bezeichnet). Wegen Schmerzen im Knie und
erneuter Ereignisse am 12. Mai 1990 und am 26. September 2000, die ebenfalls das
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rechte Knie betrafen, folgten weitere Knieoperationen und mehrere Phasen mit
vollständiger Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 11, 18 f., 28 ff. 37, 41, 55). Am 6. März 2003
wurde dem Versicherten rechts eine Knie-Totalendoprothese eingesetzt, wobei
postoperativ im rechten Unterschenkel Thrombosen auftraten und nach der wegen
eingeschränkter Beweglichkeit am 28. April 2003 eine arthroskopische Arthrolyse
durchgeführt werden musste (UV-act. 46 ff., 51). Die Suva hatte ihm am 29. Mai 1991
aufgrund einer mässigen Gonarthrose rechts eine Integritätsentschädigung bei einer
Integritätseinbusse von 10% zugesprochen (UV-act. 20 ff.) und diese nach dem
Einsetzen der Knieprothese am 27. Februar 2004 um weitere 10% erhöht (UV-act. 65,
68).
A.c Erneute Beschwerden am rechten Knie verursachten vom 11. bis 17. April 2006
und vom 6. bis 10. September 2006 wiederum Arbeitsunfähigkeiten zu 100% (UV-act.
70). Die Arbeitsstelle bei der B._ wurde dem Versicherten aufgrund mangelnder
Aufträge am 10. Juli 2007 per 31. Oktober 2007 gekündigt (UV-act. 71). Ab 25. Juli
2007 wurde er erneut krankgeschrieben (UV-act. 70). Die radiologische Untersuchung
durch Dr. D._ vom 31. Juli 2007 (UV-act. 77) ergab Befunde an beiden Knien, an der
Lendenwirbelsäule (LWS) und der Halswirbelsäule (HWS). Die Suva verneinte eine
überwiegend wahrscheinliche Kausalität der Beschwerden am linken Knie und an der
Wirbelsäule zu den Unfallfolgen am rechten Knie und lehnte eine weitere
Leistungspflicht ab (UV-act. 78, 82).
A.d Dr. E._, Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, attestierte dem
Versicherten wegen beginnender Varusgonarthrose links, Facettenarthrose L4 bis S1
und Chondropathia patellae links ab dem 25. Juli 2007 bis auf Weiteres eine volle
Arbeitsunfähigkeit (act. G27/M1 ff.). Vom 8. August 2007 (Ablauf der Wartefrist) bis
31. Mai 2008 zahlte ihm die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft
(nachfolgend Mobiliar) Krankentaggelder aufgrund der Kollektivversicherung der B._
(act. G 27/15, G 27/19, G 27/21, G 27/25). Nach einer Überwachung des Versicherten
und der Auswertung der Videoaufnahmen durch ihren beratenden Arzt, Dr. med. F._,
schloss ihn die Mobiliar am 24. Juni 2008 - in einer entsprechenden Vereinbarung mit
ihm - rückwirkend per 25. Juli 2007 aus dem Versicherungsvertrag aus, stellte die
Taggeldzahlungen ein und verzichtete auf die Rückforderung der bisherigen Zahlungen
(act. G 27/16 ff.).
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B.
B.a Am 5. Mai 2008 hatte sich der Versicherte auch bei der Schweizerischen
Invalidenversicherung (nachfolgend IV) zum Bezug einer Invalidenrente angemeldet (IV-
act. 1). Einen Antrag auf Gewährung einer Invaliditätspension stellte er offenbar am
1. Juli 2008 der Österreichischen Pensionsversicherungsanstalt, Landesstelle G._
(IV-act. 18-8). Diese gab bei Dr. H._, Fachärztin für Chirurgie, ein ärztliches
Gesamtgutachten in Auftrag (IV-act. 18-24 ff.). Sie kam aufgrund der Untersuchung
vom 24. Juli 2008 zum Schluss, der Antragsteller sei auf Dauer arbeitsunfähig, und
verneinte jegliches Verbesserungspotential. Eine regelmässige Einnahme von
Schmerzmitteln könne ihm aufgrund seiner immer wiederkehrenden Ulcuserkrankung
nicht zugemutet werden (IV-act. 18-27 f.). In Österreich wurde er daraufhin
frühpensioniert (IV-act. 21, 30).
B.b Aufgrund des Gutachtens von Dr. H._ und eines Berichts von Dr. E._ vom
27. Oktober 2008 (IV-act. 21) kam Dr. I._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
IV Ostschweiz am 19. März 2009 zum Schluss (IV-act. 27), der Versicherte sei in seiner
angestammten Tätigkeit als Maler dauerhaft nicht mehr einsatzfähig. In einer
adaptierten, Knie- und Rücken-schonenden Tätigkeit sei er unter Beachtung von
Einschränkungen 100% arbeitsfähig. Am 17. Juni 2009 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit (IV-act. 35), da er sich nicht in der Lage sehe, eine leidensangepasste
Tätigkeit auszuüben, seien Eingliederungsmassnahmen nicht möglich. Deshalb werde
die Arbeitsvermittlung abgeschlossen.
B.c Die IV-Stelle St. Gallen holte beim Hausarzt des Versicherten, Dr. med. J._,
prakt. Arzt und Stadtarzt, (IV-act. 37: Bericht vom 25. Juni 2009) sowie beim
behandelnden Psychiater, Dr. K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Berichte ein (IV-act. 38: Bericht von Ende Juli 2009). Dr. J._ verneinte jegliche
Arbeitsfähigkeit, Dr. K._ bezeichnete einzig eine rein sitzende Tätigkeit als
behinderungsangepasst (IV-act. 37-5, 38-5). In der interdisziplinären Stellungnahme
vom 4. Februar 2010 kamen die RAD-Ärzte L._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Vertrauensarzt SGV und zertifizierter medizinischer Gutachter (SIM),
und Dr. med. M._, Facharzt für Rheumatologie, aufgrund der bidisziplinären
Untersuchung zum Schluss (IV-act. 52, besonders 52-18), dass die Arbeitsfähigkeit in
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der angestammten Tätigkeit als Maler seit Juli 2007 vollständig fehle. Sie legten das
Leistungsprofil für eine adaptierte Tätigkeit aus somatischer Sich fest und begründeten
eine Einschränkung der Arbeitszeit von 20 bis 30% aus psychiatrischer Sicht aufgrund
von Fehlzeiten. Unter Beachtung des Leistungsprofils resultiere eine Arbeitsfähigkeit
von mindestens 70% in einer angepassten Tätigkeit (vgl. auch IV-act. 53).
B.d Gestützt auf die RAD-ärztliche Beurteilung errechnete die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 35% (IV-act. 54 ff.) und erteilte dem Versicherten am 16. Juli 2010
den Vorbescheid, dass die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei, weil der
Invaliditätsgrad unter 40% liege (IV-act. 57). Dagegen erhob N._, dipl.
Sozialarbeiterin FH bei procap, als Vertreterin des Versicherten am 21. September
2010 beziehungsweise 19. Oktober 2010 Einwände. Zudem reichte der Versicherte
seine persönliche, von den behandelnden Ärzten mitunterzeichnete Stellungnahme ein
und kündigte weitere ärztliche Berichte der geplanten Untersuchungen des Herz-
Kreislaufsystems und des hochgradigen Schlafapnoesyndroms an, die in der Folge
nachgereicht wurden (IV-act. 61, 64 ff., 71).
B.e Zur detaillierteren Abklärung des Gesundheitszustands des Versicherten und
interdisziplinären Einschätzung seiner Arbeitsfähigkeit veranlasste RAD-Arzt Dr. M._
am 22. Juli 2011 eine Medas-Begutachtung (IV-act. 72, 82). Dr. med. O._, Facharzt
FMH Innere Medizin und Rheumatologie (Fallführung), und Dr. med. P._, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie, am ABI, Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH,
Basel, kamen im Gutachten vom 17. Januar 2012 zum Schluss (IV-act. 89 S. 25 ff.), der
Versicherte sei seit Juli 2007 in seiner jahrelang angestammten Tätigkeit als Maler
sowie für jegliche andere mittelschwere bis schwer belastende Tätigkeit 100%
arbeitsunfähig. Aus rein medizinisch-theoretischer Sicht bestehe ab Februar 2010 eine
50%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit für eine körperlich sehr leichte,
wechselbelastende berufliche Tätigkeit unter Berücksichtigung von multiplen
qualitativen Einschränkungen und einer Arbeitszeit von maximal 2 x 2 Stunden über
den Tag. Die Leistungseinbusse aus psychiatrischer Sicht wirke sich dabei nicht
zusätzlich aus. Vor Februar 2010 sei noch von einer vollen Arbeitsfähigkeit für leichte,
adaptierte Tätigkeiten auszugehen.
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B.f Gestützt auf das Medas-Gutachten vom 17. Januar 2012 wurde dem Versicherten
beziehungsweise seiner Vertreterin am 10. April 2012 der Vorbescheid erteilt, aufgrund
eines Invaliditätsgrades von 61% sei vorgesehen, ihm ab dem 1. Februar 2010 eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen (IV-act. 95). Die entsprechende Verfügung datiert vom
25. Juli 2012 (IV-act. 105).
C.
Nachdem die Vertreterin des Versicherten bei der procap am 8. November 2012 bei der
Sammelstiftung dessen Pensionskassenanspruch geltend gemacht hatte (act. G 5.5),
beschied ihm diese am 17. Dezember 2012 (act. G 1.3), die IV gehe in ihrer Verfügung
vom 25. Juli 2012 davon aus, dass er ab Juli 2007 in seiner angestammten Tätigkeit
zwar erheblich eingeschränkt gewesen sei. In einer seinem Leiden angepassten
Tätigkeit habe die Arbeitsfähigkeit bis Januar 2010 100% betragen. Bei Beginn der
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei er infolge Auflösung des
Arbeitsverhältnisses mit der B._ per 31. Oktober 2007 nicht mehr versichert
gewesen. Die IV habe für eine 100%ige Erwerbstätigkeit in einer angepassten Tätigkeit
ein Einkommen mit Behinderung von Fr. 59'979.-- ermittelt. Werde dieses dem
Einkommen ohne Behinderung von Fr. 69'333.-- gegenübergestellt, ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von weniger als 20%, womit der zeitliche Zusammenhang als
unterbrochen gelte. Daher erübrige es sich, den sachlichen Zusammenhang zu prüfen,
und die Sammelstiftung sei für die Invalidität ab dem 1. Februar 2010 nicht
leistungspflichtig.
D.
D.a Am 19. Juni 2013 erhob der Versicherte, neu vertreten durch Rechtsanwältin
lic. iur. Christine Kessi, c/o Procap Schweiz, Olten, Klage gegen die Sammelstiftung mit
den Rechtsbegehren (act. G 1):
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger aus dem Vorsorgeverhältnis
spätestens ab dem 1. Juli 2008 eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades
von 35% gemäss den reglementarischen und spätestens ab dem 1. Februar 2010
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aufgrund eines Invaliditätsgrades von 61% gemäss den gesetzlichen Bestimmungen
auszurichten.
2. Die Beklagte sei zu verpflichten, den Kläger auf den frühest möglichen Zeitpunkt
von der Beitragspflicht zu befreien.
3. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger auf den Invalidenleistungen einen
Verzugszins von 5% spätestens ab dem Zeitpunkt der Klageeinreichung zu bezahlen.
4. Es sei dem Kläger die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung
durch die Unterzeichnenden zu gewähren.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten."
Zur Begründung führte die Rechtsvertreterin aus, die Arbeitsunfähigkeit zu 100% in
seinem Beruf als Maler sei im Juli 2007 eingetreten und habe seither angedauert.
Gemäss RAD-Bericht vom 29. März 2010 würden die Einschränkungen für eine
adaptierte Tätigkeit, insbesondere längere, betriebsunübliche Pausen einzuhalten, seit
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit als Maler bestehen. Damit sei der zeitliche Konnex
zwischen der während des Vorsorgeverhältnisses eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und
der Invalidität belegt. Selbst bei Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit sei gestützt auf den Vorbescheid der IV vom 16. Juli 2010 eine
Erwerbsunfähigkeit von 35% in der Zeitspanne zwischen der Arbeitsunfähigkeit (in der
angestammten Tätigkeit) und der Invalidität gegeben und daher der zeitliche Konnex
nicht unterbrochen worden. Dadurch bestehe zwischen der seit dem 25. Juli 2007
vorliegenden Arbeitsunfähigkeit und der anschliessend eingetretenen Invalidität ein
sachlicher wie zeitlicher Konnex, weshalb die Beklagte als Vorsorgeeinrichtung der
B._ leistungspflichtig sei. Gemäss Reglement der Beklagten (act. G 1.4) habe der
Kläger ab einem Teilinvaliditätsgrad von 25% Anspruch auf reglementarische
Leistungen. Nach Ablauf des Wartejahres seien ihm daher ab dem 1. Juli 2008
reglementarische Rentenleistungen gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 35% zu
erbringen. Analog zur IV-Rentenverfügung vom 25. Juli 2012 habe der Kläger
spätestens ab Februar 2010 Anspruch auf eine Invalidenrente aus der beruflichen
Vorsorge bei einem Invaliditätsgrad von 61%. Der Anspruch auf Beitragsbefreiung
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ergebe sich aus Art. 21 des Reglements; derjenige auf Verzugszinsen aus Gesetz und
Rechtsprechung.
D.b Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 23. September 2013 die
vollumfängliche Abweisung der Klage unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
Lasten des Klägers (act. G 5). In Würdigung der zahlreichen ärztlichen Berichte,
interdisziplinären Gutachten und der IV-Verfügung komme sie zum Schluss, dass bis
Februar 2010 in einer angepassten Tätigkeit ein volle Arbeitsfähigkeit bestanden habe,
weshalb der zeitliche Zusammenhang unterbrochen worden und sie nicht
leistungspflichtig sei. Ein allfälliger Anspruch auf reglementarische Leistungen würde
frühestens nach Ablauf von 24 Monaten, mithin erst ab Juli 2009 beginnen. Da der
Kläger erst nach Ablauf von 360 Tagen nach Austritt (beziehungsweise nach Ablauf der
Nachdeckungsfrist) im Sinne von Art. 5 des Reglements invalid erklärt worden sei,
seien reglementarische Leistungen ausgeschlossen und höchstens die
Mindestleistungen gemäss BVG zu erbringen. Für den Fall ihrer Leistungspflicht hätte
der Kläger die ihm zur Verfügung gestellte Freizügigkeitsleistung zurückzuerstatten,
ansonsten sie die Leistungen entsprechend kürzen würde.
D.c Am 8. Oktober 2013 teilte die Rechtsvertreterin des Klägers dem Gericht mit, dass
dieser das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zurückziehe (act. G 8). Mit der
Replik vom 5. November 2013 (act. G 11) änderte sie das Rechtsbegehren Ziffer 1 wie
folgt:
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger aus dem Vorsorgeverhältnis
spätestens ab dem 1. Juli 2009 eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades
von 35% gemäss den reglementarischen und spätestens ab dem 1. Februar 2010
aufgrund eines Invaliditätsgrades von 61% gemäss den gesetzlichen Bestimmungen
auszurichten."
Die bisherige Ziffer 4 betreffend unentgeltliche Rechtspflege liess sie weg. Zur
Begründung führte Rechtsanwältin Kessi aus, das Gesamtgutachten für die
Pensionsversicherungsanstalt der Landesstelle G._ vom 24. Juli 2008 habe
festgehalten, dass der Kläger auf Dauer arbeitsunfähig sei. Aus diesem Grund habe er
bereits 2009 Invaliditäts-Rentenleistungen in Österreich zugesprochen erhalten. Auch
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der behandelnde Arzt, Dr. E._, habe ihm seit Juli 2007 für jegliche Tätigkeit in der
freien Wirtschaft eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die ABI-Gutachter hätten
ausgeführt, dass die volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, wie von RAD-
Arzt Dr. M._ in der Begutachtung vom Februar 2010 attestiert, aufgrund der
multiplen, klar umschriebenen Einschränkungen so nicht eingeschätzt werden könne.
Diese Einschränkungen in adaptierter Tätigkeit hätten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit seit Juli 2007 bestanden. Nach Ablauf des Wartejahres habe eine
Erwerbsunfähigkeit von mindestens 35% bestanden, und der zeitliche Konnex
zwischen dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität könne nicht als
unterbrochen gelten. Entsprechend dem Reglement würde in Abänderung des
Rechtsbegehrens eine Invalidenrente von 35% neu ab dem 1. Juli 2009 gefordert.
D.d Die Beklagte führte mit Duplik vom 24. Januar 2014 aus (act. G 15), der
Invaliditätsgrad von 35% entstamme dem Vorbescheid der IV-Stelle vom 16. Juli 2010,
gegen den der Kläger Einwand erhoben habe. Diese Berechnung sei nie in Rechtskraft
erwachsen, was bei der Bestimmung des Beginns und des Umfangs von allfälligen
Invaliditätsleistungen der Beklagten berücksichtigt werden müsse. Betreffend die
Zusprechung der Invalidenrente in Österreich bereits 2009 wandte sie ein, für eine
schweizerische Vorsorgeeinrichtung seien nur Entscheide der schweizerischen IV-
Stelle massgebend und grundsätzlich bindend. Sie bestritt die Arbeitsunfähigkeits-
Atteste zu 100% seit Juli 2007 für jegliche Tätigkeit und berief sich dazu auf die
Ermittlungen der Mobiliar als Krankentaggeld-Versicherer der B._ sowie die
Tatsache, dass die IV-Stelle für Versicherte im Ausland in ihrer Verfügung vom 25. Juli
2012 festgehalten habe, bis Januar 2010 habe dem Versicherten in einer seinem
Leiden angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zugemutet werden
können.
E.
Das Versicherungsgericht zog die Akten der IV-Stelle, der Suva und der Mobiliar bei
(act. G 17 ff.) und stellte diese am 6. August 2014 den Parteien zur Einsichtnahme und
allfälligen Stellungnahme zur Verfügung. Der Kläger nahm Einsicht in die genannten
Akten und machte mit Eingabe vom 20. August 2014 geltend, er habe nie Einsicht in
die Videoaufnahmen oder die Überwachungsaufzeichnungen der Mobiliar nehmen und/
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oder sich diesbezüglich über seine Rechte informieren können. Die Notizen von
Dr. F._ vom 18. Juni 2006 seien nicht nachvollziehbar, und es lasse sich
insbesondere nicht überprüfen, ob die Aufnahmen des Überwachungsvideos im
Widerspruch zu einer objektiven Einschätzung der ärztlichen Arbeitsunfähigkeit
stünden. Bezüglich Arbeitsunfähigkeit sei auf die Angaben im ABI-Gutachten
abzustellen, das seit Juli 2007 eine volle Arbeitsunfähigkeit für jegliche mittelschwere
bis schwer belastende berufliche Tätigkeit attestiere. Auch seien die vom Exploranden
geklagten Beschwerden aus rheumatologischer Sicht für vollumfänglich
nachvollziehbar erklärt worden. Die Akten der Mobiliar seien daher für das vorliegende
Verfahren nicht von Relevanz.
F.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) bezeichnet jeder Kanton als
letzte kantonale Instanz ein Gericht, das über Streitigkeiten zwischen
Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und Anspruchsberechtigten entscheidet.
Gerichtsstand ist der schweizerische Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der
Ort des Betriebs, bei dem die versicherte Person angestellt war (Art. 73 Abs. 3 BVG).
Die B._, bei der der Versicherte zuletzt angestellt war, hatte ihren Sitz in Z._,
Kanton St. Gallen (bis zur Löschung im Handelsregister 2012). Damit ist die örtliche
Zuständigkeit der sankt-gallischen Gerichtsbarkeit gegeben. Für Klagen nach Art. 73
BVG ist im Kanton St. Gallen das Versicherungsgericht sachlich zuständig und es
findet das öffentlich-rechtliche Klageverfahren Anwendung (Art. 65 Abs. 1 lit. e des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Auf die Klage ist
einzutreten.
bis
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1.2 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beklagte dem Kläger für die Zeit ab 1. Juli 2009
Invaliditätsleistungen auszurichten hat.
2.
2.1 Anspruch auf Invalidenleistungen aus beruflicher Vorsorge haben gemäss Art. 23
Abs. 1 BVG unter anderem Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu
mindestens 40% invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur
Invalidität geführt hat, versichert waren. Mit Bezug auf die weitergehende berufliche
Vorsorge steht es den Vorsorgeeinrichtungen im Rahmen von Art. 6 und Art. 49 Abs. 2
BVG sowie der verfassungsmässigen Schranken (wie Rechtsgleichheit, Willkürverbot
und Verhältnismässigkeit) frei, den Invaliditätsbegriff und/oder das versicherte Risiko
abweichend von Art. 23 BVG zu definieren (vgl. Marc Hürzeler in: Jacques-André
Schneider/Thomas Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.], BVG und FZG [Bundesgesetz über
die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge;
Freizügigkeitsgesetz], Handkommentar, Bern 2010, N 4 ff. zu Art. 23 BVG; BGE 120 V
108 f. E. 3c sowie Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2014, 9C_538/2014,
E. 2.1, je mit Hinweisen). Während sie im Rahmen der obligatorischen beruflichen
Vorsorge jedenfalls die Mindestvorschrift des Art. 23 BVG zu beachten haben (Art. 6
BVG), gilt diese Bestimmung einschliesslich der hierzu ergangenen Rechtsprechung im
überobligatorischen Bereich nur, soweit die Reglemente oder Statuten bezüglich des
massgebenden Invaliditätsbegriffes oder versicherten Risikos nichts Abweichendes
vorsehen (BGE 136 V 69 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.2 Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der IV und
demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG wie auch aus der einheitlichen
Definition in Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im
obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung
grundsätzlich der gleiche ist. Aufgrund von Art. 6 BVG steht es den
Vorsorgeeinrichtungen frei, den Invaliditätsbegriff bereits in der obligatorischen
Versicherung zugunsten der versicherten Personen zu erweitern oder Invalidenrenten
schon bei einem Invaliditätsgrad von weniger als 40% auszurichten. Die
Vorsorgeeinrichtungen sind frei in der Wahl des Invaliditätsbegriffes; sie haben sich
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aber an eine einheitliche Begriffsanwendung zu halten. Gehen sie ausdrücklich oder
unter Hinweis auf das Gesetz vom gleichen Invaliditätsbegriff aus wie die
Invalidenversicherung, sind sie hinsichtlich des versicherten Ereignisses an die
Invaliditätsbemessung der IV-Stellen (der Kantone und des Bundes) gebunden, es sei
denn, dass diese sich als offensichtlich unhaltbar erweist (vgl. BGE 132 V 293 f.
E. 3.2.3 und 120 V 108 f. E. 3c, je mit Hinweisen).
2.3 Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung
geschuldet, der die anspruchsberechtigte Person bei Eintritt des versicherten
Ereignisses angeschlossen ist. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat. Die
Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein,
dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der
Verschlimmerung der Invalidität. Für eine einmal aus – während der
Versicherungsdauer aufgetretenen – Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung
bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach
Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet
auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen Erlöschungsgrund (BGE 123 V
263 E. 1a, 118 V 45 E. 5). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen,
dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der
Arbeitsunfähigkeit invalid wird. Damit kommt der Schutz der zweiten Säule zum
Tragen, wonach das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein muss, wenn es rechtlich
gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während der die leistungsbegehrende
Person unter Umständen dem Obligatorium nicht mehr unterstanden hat (BGE 120 V
116 E. 2b mit Hinweisen, 118 V 38 f. E. 2a). Damit die frühere Vorsorgeeinrichtung
jedoch leistungspflichtig bleibt, ist allerdings nicht nur erforderlich, dass die
Arbeitsunfähigkeit zu einer Zeit einsetzte, als die versicherte Person ihr angeschlossen
war, sondern auch, dass zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität sowohl
ein sachlicher als auch ein zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 120 V 112 E. 2b und
c).
3.
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3.1 Laut Art. 5 Abs. 1 des Reglements der Beklagten (act. G 1.4), das für die
Mitarbeitenden der B._, Geltung hatte, liegt Invalidität vor, wenn die versicherte
Person im Sinne der IV invalid ist oder durch ärztlichen Befund objektiv nachweisbar
ganz oder teilweise ihren Beruf oder eine andere ihrer sozialen Stellung, ihren
Kenntnissen und Fähigkeiten angemessene Erwerbstätigkeit nicht mehr ausüben kann.
Eine Teilinvalidität von mindestens 25% aber weniger als 60% gibt gemäss Art. 5
Abs. 2 des Reglements entsprechend dem Invaliditätsgrad Anspruch auf die für
Vollinvalidität festgesetzten Leistungen. Ein Invaliditätsgrad von mindestens 60% aber
weniger als 70% gibt Anspruch auf 75% der für Vollinvalidität festgesetzten
Leistungen; ein solcher von 70% und mehr auf die für Vollinvalidität festgesetzten
Leistungen. Sofern im Invaliditätsfall ein Anspruch auf Leistungen gemäss BVG
besteht, entspricht der Invaliditätsgrad mindestens dem von der IV festgestellten
Invaliditätsgrad (Reglement Art. 5 Abs. 2 letzter Abschnitt).
3.2 Aus Art. 5 Abs. 1 des Reglements ergibt sich nicht klar, welcher Invaliditätsbegriff
gilt. Einerseits geht die Bestimmung von einer Invalidität im Sinne der IV aus (erster
Satzteil) und verweist damit auf die erwerblichen Auswirkungen der Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit. Andererseits wird Invalidität als Berufsunfähigkeit
umschrieben, indem darauf abgestellt wird, ob die versicherte Person ihren Beruf oder
eine andere ihrer sozialen Stellung, ihren Kenntnissen und Fähigkeiten angemessene
Erwerbstätigkeit nicht mehr ausüben kann. Da sich die beiden Umschreibungen
weitgehend ausschliessen, ist diesbezüglich das Reglement auszulegen. Nach
herrschender Lehre und Rechtsprechung hat die Auslegung von Vorsorgereglementen
privatrechtlicher Vorsorgeeinrichtungen nach dem Vertrauensprinzip zu erfolgen und
sind die besonderen Auslegungsregeln bei Allgemeinen Geschäfts- und
Versicherungsbedingungen zu beachten, insbesondere die Unklarheits- und
Ungewöhnlichkeitsregel (vgl. BGE 134 V 375 E. 6.2, 132 V 150 E. 5 je mit Hinweisen;
Isabelle Vetter-Schreiber, OF-Kommentar BVG/FZG, 3. Aufl. Zürich 2013, BVG 49
N 6 ff.; Thomas Geiser, Die Auslegung von Stiftungsreglementen, SZS 2000 S. 97).
Nach der Unklarheitsregel sind mehrdeutige Wendung in vorformulierten
Vertragsbedingungen im Zweifel zu Lasten der verfassenden Partei auszulegen (vgl.
BGE 131 V 29 E. 2.2, 122 V 146 E. 4c mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall ist gestützt
auf diese Regeln zu Lasten der Beklagten vom Invaliditätsbegriff als Berufsunfähigkeit
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auszugehen. Das bedeutet auch, dass nicht auf die Ermittlungen des Invaliditätsgrades
durch die IV-Stelle und den von dieser festgelegten Rentenbeginn abzustellen ist.
3.3 Art. 26 Abs. 1 des Reglements gewährt bei Auflösung des Vorsorgeverhältnisses
eine Versicherungs-Nachdeckung von längstens einem Monat. Ist eine versicherte
Person im Zeitpunkt der Auflösung des Vorsorgeverhältnisses beziehungsweise bei
Ablauf der Nachdeckungsfrist nicht voll arbeitsfähig und wird sie in der Folge innerhalb
von 360 Tagen im Sinne von Art. 5 des Reglements für invalid erklärt, so besteht
gemäss Abs. 2 1. Abschnitt von Art. 26 des Reglements Anspruch auf
Invaliditätsleistungen nach demselben. Erhöht sich der Invaliditätsgrad aus gleicher
Ursache innert weiterer 90 Tage, oder erhöht sich der Invaliditätsgrad einer bei
Auflösung des Vorsorgeverhältnisses beziehungsweise bei Ablauf der
Nachdeckungsfrist invaliden Person aus gleicher Ursache innert 90 Tagen, so werden
auch für die Erhöhung die Invaliditätsleistungen nach diesem Reglement erbracht. Tritt
die Invalidität oder die Erhöhung des Invaliditätsgrades nicht innerhalb der genannten
Fristen ein, so richtet sich ein allfälliger Anspruch auf Invaliditätsleistungen oder höhere
Invaliditätsleistungen ausschliesslich nach den Bestimmungen des BVG. Es werden
höchstens die Mindestleistungen gemäss BVG erbracht (Art. 26 Abs. 2 2. Abschnitt des
Reglements).
3.4 Gemäss Art. 15 des Reglements hat eine im Sinne von Art. 5 invalide Person
Anspruch auf eine Invalidenrente. Der Anspruch beginnt, sobald die Leistungen aus der
bestehenden gesetzeskonformen Krankentaggeld-Versicherung (umschrieben in
Art. 26 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge [BVV 2, SR 831.441.1]) erschöpft sind, für die Mindestleistung
gemäss BVG jedoch spätestens, für die überobligatorischen Leistungen frühestens
nach Ablauf von 24 Monaten (= Wartefrist).
4.
4.1
4.1.1 Der Kläger ist seit Juli 2007 in seiner angestammten Tätigkeit als Maler
100% arbeitsunfähig. Dies wurde in mehreren Zeugnissen von Dr. E._ sowie im
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Bericht von Dr. J._ vom 25. Juni 2009 festgehalten (vgl. act. G 27/M1 ff., G 27/M13,
IV-act. 5-3, 21 [mit offenbar irrtümlich abweichendem Beginn der Arbeitsunfähigkeit am
29. Oktober 2007], IV-act. 37). Auch Dr. H._ verneinte im Gutachten vom 24. Juli
2008 jegliche Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (IV-act. 18-24 ff.). RAD-
Arzt Dr. I._ ging am 19. März 2009 ebenfalls davon aus, der Versicherte sei in seiner
angestammten Tätigkeit dauerhaft nicht mehr einsatzfähig (IV-act. 27). Die RAD-Ärzte
L._ und Dr. M._ übernahmen diese Beurteilung anlässlich der interdisziplinären
Untersuchung vom 4. Februar 2010 ebenso (vgl. IV-act. 52-7, 52-18). Im ABI-
Gutachten vom 17. Januar 2012 bestätigten auch die begutachtenden Personen die
volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und für jegliche mittelschwere bis schwer
belastende Tätigkeit seit Juli 2007 (IV-act. 89, ABI-Gutachten S. 23 f., S. 27).
4.1.2 Einzig die durch die Mobiliar veranlasste und von deren beratendem Arzt
Dr. F._ kommentierte Überwachung des Klägers (act. G 27/16) vermöchte allenfalls
Zweifel zu erwecken an den übereinstimmenden Feststellungen der behandelnden und
begutachtenden Ärztinnen und Ärzte. Das Überwachungsvideo und der zugehörige
Bericht liegen dem Gericht jedoch nicht vor und wurden vom beratenden Arzt nur
indirekt und rudimentär zusammengefasst. Es ergibt sich aus seinem Kommentar
weder, während welchen Tagen der Versicherte überwacht worden war, noch welche
Zeiträume und Orte die Überwachung umfasst hatte. Bereits aus diesem Grund ist der
Kommentar von Dr. F._ allein nicht geeignet, erhebliche Zweifel an der
übereinstimmenden ärztlichen Einschätzung zu erwecken, eine Arbeitsfähigkeit in der
angestammten und in anderen mindestens mittelschweren Tätigkeiten sei ab Juli 2007
nicht mehr gegeben. Im ABI-Gutachten hielten Dr. O._ und Dr. P._ mehrfach fest,
beim Exploranden bestünden multiple, klinisch und radiomorphologisch mehrfach klar
dokumentierte und objektivierbare pathoanatomische Veränderungen des
Bewegungsapparates, und bestätigten verschiedene internistische Erkrankungen (IV-
act. 89 S. 24, S. 26 f.). Sie schilderten keinerlei Inkonsistenzen und eine hervorragende
Patientencompliance (IV-act. 89 S. 18, S. 26 f.). Dr. P._ stellte gar eine Neigung zur
Dissimulation fest (IV-act. 89 S. 18, S. 27). Obwohl die gutachterlichen Untersuchungen
am 21. November 2011 (IV-act. 89 S. 1) und damit rund dreieinhalb Jahre nach der
Überwachung des Klägers durchgeführt wurden, sind die von Dr. F._ geschilderten
Überwachungsergebnisse angesichts der Erhebungen der ärztlichen Fachpersonen
nicht plausibel. Angesichts der klaren Aktenlage in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in der
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angestammten Tätigkeit erübrigt sich in antizipierender Beweiswürdigung denn auch
der Beizug des Überwachungsmaterials.
4.1.3 Die frühere Arbeitgeberin des Klägers widersprach der Äusserung
gegenüber der Suva, vor der Arbeitsunfähigkeit ab Juli 2007 sei eine solche kein
Thema gewesen (vgl. UV-act. 75), gleich selbst, indem sie im Fragebogen der IV für
Arbeitgebende mehrere Phasen mit voller Arbeitsunfähigkeit aufführte (IV-act. 14-4).
4.1.4 Zusammengefasst ist somit von der vollen Arbeitsunfähigkeit des Klägers als
Maler und in anderen mindestens mittelschweren Tätigkeiten ab Juli 2007 auszugehen.
4.2
4.2.1 Während die behandelnden Ärzte in Österreich auch eine Arbeitsfähigkeit in
einer leidensangepassten Tätigkeit verneinten, umschrieb RAD-Arzt Dr. I._ am
19. März 2009 das Zumutbarkeitsprofil wie folgt (IV-act. 27): "Für adaptierte Tätigkeiten
ergibt sich aus den bekannten Befundkonstellationen eine Arbeitsfähigkeit von 100%
für Knie- und Rücken-schonende Arbeiten. Nicht mehr zumutbar sind: überwiegend
stehende und gehende Tätigkeiten, häufiges Treppen-/Leitersteigen, Begehen
unebener Untergründe, Lastenhandhabung körperfern über 10 kg und körpernah über
15 kg, monotone Zwangshaltungen des Rumpfes. Günstig und zumutbar sind
körperlich leichte Arbeiten in Wechselhaltung und -Belastung unter Berücksichtigung
der genannten Einschränkungen." Aufgrund dieses Profils waren dem Kläger ohne
berufliche Massnahmen, die nicht getroffen worden sind, nur noch leichte Hilfsarbeiten
zumutbar. Eine solche Tätigkeit entsprach weder der angestammten Tätigkeit als
Maler, noch war sie seiner sozialen Stellung als gelernter Handwerker und Fachmann
mit rund 25-jähriger Berufserfahrung und den entsprechenden Kenntnissen und
Fähigkeiten angemessen. Im Sinne von Art. 5 Abs. 1 des Reglements war der Kläger
damit seit Juli 2007 invalid. Seine Invalidität wurde spätestens anlässlich der
Begutachtung durch Dr. H._ vom 24. Juli 2008 (IV-act. 18-24 ff.) beziehungsweise
der darauf folgenden Pensionierung durch die Pensionsversicherungsanstalt,
Landesstelle Y._, festgestellt (vgl. IV-act. 30, 37-3). Auf diese Feststellung ist
angesichts des über die schweizerische sozialversicherungsrechtliche Definition der
Invalidität hinausgehenden Invaliditätsbegriffes von Art. 5 Abs. 1 des Reglements
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abzustellen. Damit ist auch die 360-tägige Frist gemäss Art. 26 Abs. 2 1. Abschnitt des
Reglements gewahrt. Diese begann nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses per
31. Oktober 2007 und damit der Beendigung des Vorsorgeverhältnisses mit der
Beklagten sowie nach Ablauf der Nachdeckungsfrist am 30. November 2007, mithin
am 1. Dezember 2007, zu laufen.
4.2.2 Die Beklagte beruft sich für den Beginn eines allfälligen Anspruchs
frühestens am 1. Februar 2010 auf die Feststellung der IV-Stelle für Versicherte im
Ausland (nachfolgend IVST) in der Verfügung vom 25. Juli 2012, bis Januar 2010 habe
dem Kläger in einer seinem Leiden angepassten Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit zugemutet werden können (IV-act. 105-13). Die IV-Stelle St. Gallen, die
die Verfügung der IVST vorbereitete (IV-act. 91 f.), stützte sich für diese Feststellung
auf das ABI-Gutachten ab, das in Ziffer 6.3 festhielt (IV-act. 89 S. 27), vor Februar 2010
sei von einer noch vollen Arbeitsfähigkeit für leichte, adaptierte Tätigkeiten
auszugehen. Das von Dr. I._ bereits am 19. März 2009 festgelegte
Zumutbarkeitsprofil (IV-act. 27; siehe vorstehende E. 4.2.1) war den begutachtenden
Personen laut Aktenliste (IV-act. 89 S. 3) nicht zur Verfügung gestellt worden, weshalb
sie es nicht in ihre Beurteilung einbeziehen konnten. Damit hatten sie zu wenig
Anhaltspunkte, um den Beginn der Invalidität auf einen früheren Zeitpunkt als den in
den zur Verfügung stehenden Akten ausgewiesenen 1. Februar 2010 zu legen. Da die
Beklagte jedoch vom umfassenderen reglementarischen Invaliditätsbegriff auszugehen
hat und die dort festgehaltene Berufsgarantie beziehungsweise Garantie der sozialen
Stellung als Massstab gilt, ist der Anspruchsbeginn in der IV für den Beginn des
Anspruchs auf reglementarische Leistungen ohnehin nicht massgebend (vgl. auch
vorstehende E. 3.2).
4.3
4.3.1 Die Leistungspflicht der Beklagten für den überobligatorischen Anspruch
des Klägers beginnt gemäss Art. 15 Abs. 1 des Reglements (vgl. vorstehende E. 3.4)
per 1. Juli 2009. Dieses Datum wird von der Beklagten als frühestmöglicher Beginn in
der Beschwerdeantwort festgehalten (act. G 5) und vom Kläger im korrigierten
Klagebegehren laut Replik übernommen (act. G 11).
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4.3.2 Das Klagebegehren lautet auf eine Invalidenrente aufgrund eines
Invaliditätsgrades von 35% gemäss den reglementarischen Bestimmungen spätestens
ab 1. Juli 2009 (und spätestens ab 1. Februar 2010 aufgrund eines Invaliditätsgrades
von 61% gemäss den gesetzlichen Bestimmungen). Es stellt auf den ursprünglichen
Vorbescheid der IV-Stelle vom 16. Juli 2010 ab, mit dem ein Invaliditätsgrad von 35%
ermittelt worden war (IV-act. 54 ff.). Aufgrund des umfassenden Invaliditätsbegriffes
von Art. 5 Abs. 1 des Reglements und der vollen Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit ist der Kläger voll berufsunfähig und damit zu 100% invalid.
Da das Versicherungsgericht beim Entscheid im öffentlich-rechtlichen Klageverfahren
nicht an die Anträge der Beteiligten gebunden ist (Art. 66 VRP i. V. m. Art. 56 Abs. 1
VRP), spricht es dem Kläger bei dieser Ausgangslage eine volle Invalidenrente der
Beklagten ab 1. Juli 2009 zu.
4.3.3 Eine im Sinne von Art. 5 des Reglements invalide Person hat gemäss Art. 16
des Reglements Anspruch auf Invaliden-Kinderrenten für die Kinder unter 18 Jahren.
Der Kläger ist Vater der am 31. Dezember 1993 geborenen Zwillinge Q._ und R._
(vgl. IV-act. 1, 2-4 f.). Diese beiden Kinder erfüllen die Voraussetzungen gemäss Art. 16
des Reglements, weshalb der Kläger auch einen Anspruch auf Invaliden-Kinderrenten
für beide hat.
4.4 Besteht ab Juli 2009 Anspruch auf eine volle Invalidenrente der Beklagten, ist
nicht zu prüfen, wie sich die für die IV relevante Verschlechterung des
Gesundheitszustands auf den Anspruch des Klägers aus der beruflichen Vorsorge
auswirkt. Der bestehende Anspruch auf reglementarische Leistungen dauert
unverändert an.
5.
5.1 Der Kläger beantragt weiter, die Beklagte sei zu verpflichten, ihn auf den
frühestmöglichen Zeitpunkt von der Beitragspflicht zu befreien (act. G 1 und G 11,
Rechtsbegehren 2). Gemäss Art. 21 Abs. 4 des Reglements tritt bei Invalidität im Sinne
von Art. 5 (des Reglements) nach einer Wartefrist von drei Monaten, spätestens mit
Beginn des Anspruchs auf die IV-Rente, eine entsprechende Beitragsbefreiung ein. Im
Sinne des Reglements wurde der Kläger im Juli 2008 invalid erklärt (vgl. vorstehende
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E. 4.2.1). Die dreimonatige Wartefrist lief mithin im Oktober 2008 ab. Der Kläger ist
daher per 1. November 2008 von der Beitragspflicht zu befreien.
5.2 Wie die Beklagte am Ende der Klageantwort zu Recht bemerkt, hat der Kläger im
Fall ihrer Leistungspflicht die ihm zur Verfügung gestellte Freizügigkeitsleistung
zurückzuerstatten, ansonsten sie ihre Leistungen entsprechend kürzen würde. Die
entsprechende Pflicht ergibt sich aus Art. 26 Abs. 3 des Reglements sowie aus Art. 3
Abs. 2 und 3 des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (Freizügigkeitsgesetz, FZG; SR 831.42). Da die
Rückerstattungspflicht nicht Gegenstand der Klage vom 19. Juni 2013 ist, kann das
Versicherungsgericht darüber jedoch nicht entscheiden.
6.
6.1 Auf den Rentennachzahlungen macht der Kläger spätestens ab dem Zeitpunkt der
Klageeinreichung Verzugszinsen von 5% geltend (act. G 1 und G 11, Rechtsbegehren
3) und beruft sich dazu auf die einschlägige Rechtsprechung.
6.2 Das in erster Linie anwendbare Reglement der Beklagten enthält keine
Bestimmungen zum Verzug und zur allfälligen Pflicht der säumigen Partei,
Verzugszinsen zu bezahlen. In diesem Fall richtet sich die Verzugszinspflicht nach
Art. 102 ff. des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220; vgl. BGE 119 V 135
E. 4c, Urteile des Bundesgerichts vom 2. August 2011, 9C_334/2011, E. 4.1, und vom
9. Juli 2007, B 136/06, [in BGE 133 V 408 nicht publizierte] E. 6.2). Gemäss Art. 105
Abs. 2 OR hat ein Schuldner, der mit der Nachzahlung von Renten in Verzug ist, erst
von der Anhebung einer Betreibung oder einer Klage an Verzugszinsen zu zahlen. Der
Verzugszins beträgt gemäss Art. 104 Abs. 1 OR 5% pro Jahr.
6.3 Da der Kläger die Beklagte weder früher betrieben noch Klage gegen sie
eingereicht hat, hat diese die ausstehenden Leistungen ab dem Datum der das
vorliegende Verfahren einleitenden Klage vom 19. Juni 2013 mit 5% pro Jahr zu
verzinsen.
7.
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7.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Klage vom 19. Juni 2013
gutzuheissen. Die Beklagte ist zu verpflichten, dem Kläger ab dem 1. Juli 2009 die
reglementarischen Leistungen aufgrund eines Invaliditätsgrades von 100%
auszurichten. Auf den entsprechenden Nachzahlungen sind ab 19. Juni 2013
Verzugszinsen von 5% pro Jahr zu entrichten. Weiter ist der Kläger per 1. November
2008 von der Beitragspflicht zu befreien. Zur betragsmässigen Festsetzung der
Leistungen wird die Streitsache an die Beklagte überwiesen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Oktober 2003, B 25/03, E. 3.4 am Ende).
7.2 Gerichtskosten sind gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG keine zu erheben. Hingegen hat
der Kläger bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine Parteientschädigung
durch die Beklagte. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Das
Versicherungsgericht hat im vorliegenden Fall nach dem doppelten Schriftenwechsel
die Akten der IV, der Suva und der Krankentaggeld-Versicherung Mobiliar beigezogen.
Bei dieser Ausgangslage erscheint die in vergleichbaren Fällen übliche
Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen.