Decision ID: 41664241-9547-4b94-833e-7367d6d1a63e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
P._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Walter Solenthaler, Obere Bahnhofstrasse 58,
Postfach 1144, 8640 Rapperswil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a P._, geboren 1954, meldete sich am 5. Oktober 2005 zum Bezug von IV-
Leistungen an. Sie erwähnte, im Bereich der Halswirbelsäule an einer Arthrose und
Diskushernie sowie im Bereich Schultergelenke an einer Arthrose und Verkalkungen zu
leiden. Zuletzt habe sie bis 8. November 2004 als Kontrolleurin/Mitarbeiterin Q-Support
gearbeitet (act. G 4.47; vgl. zur beruflichen Tätigkeit auch act. G 4.38).
A.b Der behandelnde Dr. med. A._, Facharzt FMH für Innere Medizin, diagnostizierte
im Arztbericht vom 29. Oktober 2005 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Cervicobrachialgie rechts bei cervikaler Diskushernie C5-C7, eine Periarthropathia
humeroscapularis an der rechten Schulter und eine Fibromyalgie. Seit dem
8. November 2004 bescheinigte er der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Andere Tätigkeiten seien ihr nicht zumutbar. Der rechte Arm der Versicherten könne
nicht gebraucht werden. Die Kopf- und Nackenschmerzen seien nur mit hohen
Medikamentendosen reduzierbar (act. G 4.38.1 ff.).
A.c Die nach Zuweisung durch den Hausarzt vom 6. Juli bis 31. August 2005
behandelnden Ärzte des Universitätsspitals Zürich, Rheumaklinik und Institut für
Physikalische Medizin, berichteten am 8. November 2005 gegenüber der
leistungspflichtigen Krankentaggeldversicherung, dass die Versicherte zwischen dem
6. Juli bis 31. August 2005 zur extrakorporellen Stosswell-Therapie bei
symptomatischer therapieresistenter PHS calcarea rechts zugewiesen worden sei.
Über eine Arbeitsunfähigkeit sei ihnen nichts bekannt und sie hätten keine
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Sie stellten folgende Diagnosen: symptomatische
therapieresistente PHS calcarea rechts, ein chronisches zervikospondylogenes
Syndrom beidseits, ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom beidseits, eine
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leichte knotige Fingerpolyarthrose, eine arterielle Hypertonie und eine substituierte
Hypothyreose. Betreffend die rechte Schulter bestehe eine Einschränkung im Heben
von Lasten sowie Überkopfarbeiten. Bezüglich der übrigen Diagnosen könnten
aufgrund fehlender Abklärungen keine Angaben gemacht werden (act. G 4.36.5 f.).
A.d Die IV-Stelle gab am 17. Januar 2006 bei Dr. B._ bzw. am 14. März 2007 bei dem
AEH Zentrum für Arbeitsmedizin und Hygiene AG eine medizinische Abklärung in
Auftrag (act. G 4.33 und 4.27).
A.e Am 8. Mai 2007 wurde die Versicherte von Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht. Im Gutachten vom 30. Juli 2007 hielt
dieser Facharzt fest, dass sich aus psychiatrischer Sicht kein Leiden mit
Krankheitswert ergeben habe. Für die angestammte Tätigkeit sowie andere Tätigkeiten
bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die
Versicherte stehe offensichtlich unter einer überdurchschnittlichen Belastung, die aber
sowohl subjektiv als auch objektiv auf somatische Probleme zurückzuführen sei (act.
G 4.22).
A.f Vom 21. bis 22. Mai 2007 befand sich die Versicherte zur Untersuchung im AEH
Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG. Nebst der medizinischen
Untersuchung wurde eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFC)
vorgenommen. Die Gutachter stellten folgende Diagnosen: ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom bds. mit/bei anamnestisch mehrsegmentalen
degenerativen Veränderungen und sekundärer Einengung des Spinalkanals auf Höhe
L4/L5; ein chronisches zervikospondylogenes Syndrom bds. (aktuell keine radikuläre
Problematik); eine therapierefraktäre Periarthropathia humeroscapularis bds.; eine
Fingerpolyarthrose; anamnestisch eine arterielle Hypertonie, Hypothyreose, Migräne-
Erkrankung und rezidivierender Fe-Mangel; Adipositas. Infolge erheblicher
Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate der
Belastbarkeitstests für die Beurteilung nur teilweise verwertbar. Es sei davon
auszugehen, dass die Versicherte bei gutem Effort mehr leisten könne, als was sie bei
den Leistungstests gezeigt habe. Es bestehe der Verdacht einer psychischen
Mitbeteiligung, die ihrerseits nicht unwesentlich die Schmerzen und die
Schmerzwahrnehmung mitpräge. In der angestammten leichten Tätigkeit (Überprüfen
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von Federn auf ihre Qualität, maximales Heben von 10 kg) bestehe weder aus
somatischer noch psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit. Für anderweitige,
wechselbelastende, körperlich leichte Tätigkeiten, ohne Überkopfarbeiten, sei die
Versicherte medizinisch-theoretisch ebenfalls ganztags arbeitsfähig. Eine
Einschränkung bestehe für Überkopfarbeiten (act. G 4.20).
A.g Die IV-Stelle stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 19. September 2007 in
Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen, da sie sowohl in ihrer bisherigen
Tätigkeit wie auch in einer angepassten Tätigkeit über eine volle Arbeitsfähigkeit
verfüge (act. G 4.15).
B.
B.a Dagegen erhob die Versicherte am 22. Oktober 2007 Einwand (act. G 4.12). In der
ergänzenden Begründung vom 29. November 2007 bringt sie vor, dass das AEH-
Gutachten nicht nachvollziehbar sei. Angesichts ihres Beschwerdebildes könne nicht
davon ausgegangen werden, sie sei für adaptierte leichte Tätigkeiten voll arbeitsfähig.
Sie beantragte das Einholen eines Berichts des behandelnden Dr. A._ und allenfalls
einer Zweitmeinung zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sowie die nochmalige
Überprüfung der Rentenfrage (act. G 4.7).
B.b Mit Verfügung vom 6. Dezember 2007 lehnte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
der Versicherten ab. Das umfassende AEH-Gutachten sei aussagekräftig und
widerspruchsfrei. In der angestammten wie auch in einer adaptierten Tätigkeit bestehe
aus versicherungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar eine volle Arbeitsfähigkeit (act.
G 4.5).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 22. Januar 2008. Die
Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren
Aufhebung und die Rückweisung der Sache zur Vornahme zusätzlicher Abklärungen
und Einholung ergänzender Arztberichte. Sie bringt vor, dass die gestellten Diagnosen
auf schwere degenerative Abnützungen hinweisen würden. Dr. A._ habe in seinem
Arztbericht vom 29. Oktober 2005 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Bei den
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eingetretenen schweren degenerativen Veränderungen könne auch bei leichten
wechselbelastenden Tätigkeiten unter keinen Umständen eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit gegeben sein. Das AEH-Gutachten sei mit einem schweren Mangel
behaftet, da den Experten keine Röntgenbefunde vorgelegen hätten. Die letzten
Röntgenbilder würden aus dem Jahre 2005 stammen. Von den AEH-Gutachtern seien
keine neuen Röntgenaufnahmen von der Wirbelsäule, den Schultern, Händen und dem
Nacken gemacht worden, obwohl solche Aufnahmen zu einer objektiven und
schlüssigen Beurteilung unbedingt erforderlich seien. Die RAD-Stellungnahme vom
6. September 2007, wonach das AEH-Gutachten ausführlich, in sich widerspruchsfrei,
konsistent und nachvollziehbar sei, müsse als höchst fragwürdig bezeichnet werden.
Die von den AEH-Experten erhobenen Diagnosen würden die schweren degenerativen
Veränderungen und die teils chronifizierten Schmerzzustände bestätigen. Unter
Mitberücksichtigung der Medikamenteneinnahme müsse man insgesamt zum Schluss
gelangen, dass auch bei adaptierten leichten Arbeiten eine volle Arbeitsfähigkeit nicht
vorhanden sein könne. Ferner rügt sie, dass die Beschwerdegegnerin bei der
Bestimmung des Invalideneinkommens keinen Leidensabzug vorgenommen habe (act.
G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 16. April 2008
die Beschwerdeabweisung. Zur Begründung gibt sie an, dass das AEH-Gutachten
beweistauglich sei. Was von Seiten der Beschwerdeführerin dagegen vorgebracht
werde, vermöge nicht zu überzeugen. Radiologische Aufnahmen bedürften der
fachkundigen Interpretation. Daher sei es durchaus üblich, dass sich Ärzte am Bericht
des Radiologen und nicht an den Bildern selbst orientierten. Da sich weder aus den
Akten noch aus den Schilderungen der Beschwerdeführerin eine wesentliche
Veränderung seit der letzten radiologischen Untersuchung ergeben habe, sei es
vertretbar gewesen, keine neuen Bilder anfertigen zu lassen. Denn bei stabilem
Beschwerdebild und unverändertem klinischem Befund könne auf ältere Aufnahmen
abgestellt werden. Diese Voraussetzungen seien hier erfüllt. Ausserdem liege, wie die
Gutachter zutreffend betonten, das zentrale Gewicht ohnehin auf der klinischen
Untersuchung und auf den Resultaten der EFL. Aus der Diskrepanz zur Einschätzung
des Hausarztes könne weder auf eine Befangenheit der Gutachter noch auf deren
unzutreffendes Urteil geschlossen werden. Die Rüge, es sei nicht einmal ein
Leidensabzug vorgenommen worden, gehe schon deshalb ins Leere, weil sich ein IV-
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rechtlich relevanter Invaliditätsgrad nicht allein aus dem Leidensabzug herleiten lasse
(act. G 4).
C.c Mit der Replik vom 7. Juli 2008 reicht die Beschwerdeführerin einen Bericht von
Dr. A._ vom 2. Juli 2008 ein (act. G 10.1). Darin werde festgehalten, dass sich ihr
Zustand seit 29. Oktober 2005 deutlich verschlechtert habe. Nun seien zwei weitere
Diagnosen (Fibromyalgie und koronare Herzkrankheit) hinzugekommen, denen grosser
Krankheitswert beizumessen sei. Nach wie vor bescheinige Dr. A._ auch für leichte
adaptierte Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Er empfehle eine erneute
Begutachtung. Ferner wiederholt sie die Rüge, dass eine objektive und realistische
Beurteilung ohne Vorliegen von Röntgenbildern kaum möglich sei, und bringt gegen
den RAD-Arzt (Facharzt FMH für Allgemeinmedizin), der das AEH-Gutachten in der
Stellungnahme vom 7. September 2007 würdigte (act. G 4.19), vor, es fehle ihm die
hierfür erforderliche fachärztliche Qualifikation (act. G 10).
C.d In der Duplik vom 3. September 2008 wendet die Beschwerdegegnerin gegen den
mit der Replik eingereichten Bericht von Dr. A._ ein, dass die Diagnose einer
Fibromyalgie bereits im Oktober 2005 gestellt worden sei. Neu sei allenfalls, dass
dieser jetzt nur noch einen Verdacht auf eine Fibromyalgie äussere. Zudem habe sich
das AEH eingehend mit dieser Problematik auseinandergesetzt und festgestellt, es
liege ein sekundär generalisiertes Schmerzsyndrom vor, das von Dr. A._ als
Fibromyalgie bezeichnet worden sei. Die neu gestellte Diagnose einer koronaren
Herzkrankheit lasse, wie in der RAD-Stellungnahme vom 2. September 2008
überzeugend dargestellt werde (act. G 12.1), nur in seltenen Fällen eine namhafte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erwarten. Es könne davon ausgegangen werden,
dass Dr. A._ die Diagnose klarer gestellt und namentlich auch den
Klassifikationsgrad nach NYHA genannt hätte, wenn das Leiden schon ein erhebliches
Ausmass angenommen hätte. Es bestehe also weder ein Beleg für eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit, noch ein Anlass, weitere Abklärungen einzuleiten. Bezüglich der
Vorbringen gegen den RAD-Arzt sei zu betonen, dass der Arzt als Allgemeinmediziner
über ein sehr breit abgestütztes Wissen verfüge und somit in idealer Weise geeignet
sei, einen Fall gesamtheitlich zu würdigen. Nur der Umstand, dass der behandelnde
Dr. A._ einen Sachverhalt anders würdige als die Gutachter, rechtfertige keine
Neubeurteilung (act. G 12).
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Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Rentenleistungen.
2. Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
6. Dezember 2007 ergangen (act. G 4.5), weshalb für den vorliegend zu beurteilenden
Fall die bis 31. Dezember 2007 gültigen Bestimmungen Anwendung finden.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7a ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 aIVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
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Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Das
Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen,
ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten.
2.4 Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
oder internen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 ff. E. 3b/bb und 3b/ee). Dies ist
etwa dann der Fall, wenn das Gutachten widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht
eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen
gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn
gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig
genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es
die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne
Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen
zieht (BGE 125 V E. 3b/aa mit Hinweisen).
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 6.
Dezember 2007 auf das Gutachten der AEH vom 5. September 2007 (act. G 4.20) und
das von Dr. C._ erstellte psychiatrische Gutachten vom 30. Juli 2007 (act. G 4.22),
worin die Gutachter medizinisch-theoretisch von einer vollen Arbeitsfähigkeit sowohl in
der angestammten Tätigkeit sowie für adaptierte Tätigkeiten ausgingen. Die
Beschwerdeführerin bringt dagegen verschiedene Mängel vor und stellt sich auf den
Standpunkt, dass die im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten nicht
beweistauglich seien (act. G 1). Zu prüfen ist deshalb deren Beweistauglichkeit.
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3.1 In formeller Hinsicht ist vorab festzustellen, dass die psychiatrische Untersuchung
der Beschwerdeführerin am 8. Mai 2007 (act. G 4.22.2) vor der somatischen
Exploration vom 21. und 22. Mai 2007 (act. G 4.20.1) stattgefunden hat und das
psychiatrische Gutachten vom 30. Juli 2007 keinen Bezug zur somatischen AEH-
Beurteilung nimmt. Angesichts dessen, dass gerade bei der Beurteilung
psychosomatischer Krankheitsbilder die somatische Beurteilung regelmässig vor der
psychiatrischen Befunderhebung zu erfolgen hat, da letztere auf eine valide somatische
Befunderhebung angewiesen ist (vgl. Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für
Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, in:
Schweizerische Ärztezeitung, 2004;85: Nr. 20, S. 1050, Download unter [abgerufen am
13. Juli 2009]: http://www.saez.ch/pdf/2004/2004-20/2004-20-1274.PDF neues
Fenster), erscheint dieses Vorgehen zumindest als fragwürdig, zumal seit dem 8.
November 2005 keine medizinischen Unterlagen mehr vorlagen. Weiter fällt auf, dass
eine würdigende Gesamtbeurteilung im AEH-Gutachten nicht vorgenommen wurde. So
gab Dr. C._ im psychiatrischen Gutachten an, bei der Beschwerdeführerin bestünde
keine familiäre Belastung bezüglich psychiatrischen Erkrankungen und ihre
Persönlichkeitsentwicklung deute auf keinen Fall auf eine gravierende neurotische
Fehlentwicklung hin. Trotz Frusterfahrung betreffend ihre Weiterbildungswünsche in
der Jugend sei es ihr gelungen, eine eigene Familie zu gründen, und sie sei ihren
sozialen Kompetenzen sogar auch im Rahmen der Doppelbelastung über Jahre ohne
psychische Probleme gewachsen gewesen. Die gegenwärtigen gesundheitlichen
Probleme lägen auf keinen Fall auf psychischer Ebene, im Bericht von Dr. med. D._
vom 18. Juni 2005 seien Hinweise auf ein gesteigertes Schmerzverhalten sogar
ausgeschlossen worden. Es liessen sich weder gravierende psychische Konflikte noch
psychopathologische Merkmale feststellen. Die Beschwerdeführerin stehe
offensichtlich unter einer überdurchschnittlichen Belastung, die aber sowohl subjektiv
als auch objektiv auf somatische Probleme zurückzuführen sei (act. G 4.22.6 f.). In
Widerspruch hierzu bemerkten die AEH-Gutachter Anzeichen für eine Depression
(hängende Augenlider, act. G 4.20.5) und äusserten somatisch-klinisch den Verdacht
einer psychischen Mitbeteiligung, die ihrerseits wesentlich die Schmerzen bzw.
Schmerzwahrnehmung mitprägen dürfte (act. G 4.20.6). Angesichts dieser
gegensätzlichen Feststellungen ist zu beanstanden, dass im Gutachten keine
erkennbare bzw. nachvollziehbare Abstimmung und Diskussion zwischen den
http://www.saez.ch/pdf/2004/2004-20/2004-20-1274.PDF http://www.saez.ch/pdf/2004/2004-20/2004-20-1274.PDF
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Erkenntnissen aus der somatischen und jenen aus der psychiatrischen Untersuchung
stattgefunden haben. Daran ändert nichts, dass die im AEH-Gutachten enthaltene
Beurteilung von Dr. C._ mitunterzeichnet wurde (act. G 4.20.7 f.).
3.2 Die Beschwerdeführerin bringt gegen das AEH-Gutachten vor, dass den Experten
weder die bisherigen Röntgenbilder vorgelegen hätten noch aktuelle bildgebende
Befunde erstellt worden seien (act. G 1)
3.2.1 Die Beschwerdegegnerin weist zur Beurteilung dieser Rüge zu Recht auf die
Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Rheumatologie zur Begutachtung
rheumatologischer Krankheiten und Unfallfolgen (publiziert in der Schweizerischen
Ärztezeitung 2007;88: 17, S. 736 ff., Download unter [abgerufen am 13. Juli 2009]:
http://www.saez.ch/pdf_d/2007/2007-17/2007-17-188.PDF neues Fenster;
nachfolgend: rheumatologische Leitlinien) hin (act. G 4). Diese halten fest, dass die
konventionelle Röntgenaufnahme als Standarduntersuchung gilt. In der Regel werden
Untersuchungen der zur Diskussion stehenden Regionen wiederholt, falls die zur
Verfügung stehenden Bilder älter als sechs Monate sind. Bei stabilem Beschwerdebild
und (gemäss Akten) unverändertem klinischem Befund reichen auch ältere
konventionelle Aufnahmen aus (rheumatologische Leitlinien, S. 738). Ferner geht die
medizinische Fachliteratur davon aus, dass Röntgenbilder den Gutachtern vorzuliegen
haben und von ihnen selbst zu sichten und befunden sind. Dies vor allem deshalb, weil
dem Radiologen unter Umständen Einzelheiten entgangen sein könnten, die dem
versierten Kliniker vertraut sind (vgl. H. Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten,
3. Auflage, 1994, S. 100; J. Meine, Die ärztliche Unfallbegutachtung in der Schweiz -
Erfüllt sie die heutigen Qualitätsanforderungen, in: Swiss Surg 1998; 4: 55).
3.2.2 Gemäss Aktenlage liegen bildgebende Befunde (Röntgen und Sonographie),
namentlich der rechten Schulter, von Juni und Juli 2005 vor. Die AEH-Experten gaben
in der Untersuchung und Beurteilung an, dass ihnen das Röntgendossier bei der
Untersuchung nicht vorgelegen habe (act. G 4.20.4 und G 4.20.6). Gestützt auf diese
Aussagen ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass den AEH-
Experten die bisher erstellten bildgebenden Befunde nicht vorgelegen haben. Daran
ändert nichts, dass auf der ersten Seite des Gutachtens - deren Inhalt den Charakter
eines Begleitschreibens aufweist -, angegeben wird, dass sich die Beurteilung u.a. auf
http://www.saez.ch/pdf_d/2007/2007-17/2007-17-188.PDF
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die überlassenen Röntgenbilder stütze (act. G 4.20.1), zumal deren Vorliegen im
gesamten Gutachten keinen Niederschlag gefunden hat und klar im Widerspruch zu
den anderslautenden gutachterlichen Angaben steht. Die AEH-Experten begründeten
ihr Vorgehen wie folgt: "Die Röntgenaufnahmen sind jedoch in den Unterlagen gut
beschrieben und ändern grundsätzlich die Beurteilung der funktionellen
Leistungsfähigkeit, welche sich im Wesentlichen hier auf die klinische Untersuchung
und die Resultate der EFL-Testung stützt" (wohl eher: ...stützt, nichts"). Mit Blick auf
die klaren Forderungen der medizinischen Fachliteratur (vgl. vorstehende E. 3.2.1), die
eher kurz gehaltene Umschreibung der bildgebenden Befunde in den Vorakten (act.
G 4.38.7 und G 4.38.9), die durch schlechte Konsistenz gezeichnete EFL (vgl. act.
G 4.20.9) und die Schmerzäusserungen der Beschwerdeführerin bei der klinischen
Untersuchung (act. G 4.20.4) weckt der Verzicht auf das Sichten und Befunden der
bisherigen bildgebenden Befunde Zweifel an der Zuverlässigkeit des AEH-Gutachtens.
Dies umso mehr, als der in den Vorakten enthaltene Beschrieb der bildgebenden
Befunde im Gutachten keinen hinreichenden - nicht einmal unter dem Kapitel
"Röntgenbefunde" - Niederschlag gefunden hat.
3.2.3 Im Zeitpunkt der AEH-Begutachtung (21. und 22. Mai 2007) waren die bisher
erhobenen bildgebenden Befunde vom Juni und Juli 2005 (act. G 4.38.7 und G 4.38.9)
beinahe zwei Jahre alt. Die AEH-Experten hielten in ihrem Gutachten fest,
Verlaufsunterlagen seit dem ambulanten Behandlungsbericht vom 23. September 2005
der Rheumaklinik des Universitätsspitals Zürich würden fehlen (act. G 4.20.2), sprachen
von "anamnestisch bekannten radiologischen Veränderungen" und erwähnten in der
Diagnose anamnestisch mehrsegmentale degenerative Veränderungen (act. G 4.20.6;
vgl. zu den mehrsegmentalen degenerativen Veränderungen bereits den Bericht von
Dr. D._ vom 10. Juni 2005, act. G 4.38.6). Die Beschwerdeführerin leidet aus
somatischer Sicht neben dem chronischen beidseitigen lumbo- und
zervikospondylogenden Syndrom unbestritten auch an einer Periarthropathia
humeroscapularis, mithin an einer degenerativen Krankheit, die zu einer schmerzhaften
Bewegungseinschränkung führt (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 260. Auflage,
2004, S. 1389; vgl. auch den Bericht von Dr. A._ vom 2. Juli 2008, worin er
diesbezüglich seit Ende Oktober 2005 deutlich von progredienten degenerativen
Erkrankungen spricht, act. G 10.1). Unter diesen Umständen ist der Verzicht auf das
Anfertigen aktueller bildgebender Befunde mit der Beschwerdeführerin als Mangel am
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AEH-Gutachten zu bezeichnen. Auch die Tatsache, dass sich die AEH-Gutachter in
ihrer Diagnose weitgehend auf "anamnestische" Erkenntnisse stützen (vgl. act.
G 4.20.6), weist angesichts der im Begutachtungszeitpunkt lange zurückliegenden
Vorakten auf ungenügende eigene Untersuchungen hin.
3.3 Gegen das AEH-Gutachten spricht weiter, dass die Vorakten nicht genügend
berücksichtigt wurden und eine Auseinandersetzung mit abweichenden medizinischen
Akten fehlt. Insbesondere erwähnen die Gutachter zwar den Bericht von Dr. A._ vom
29. Oktober 2005, legen aber nicht dar, inwiefern die damals attestierte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten sowie in adaptierten Tätigkeiten nicht oder
nicht mehr zutreffend war. Sie berücksichtigten auch nicht dessen Aussage, dass der
rechte Arm der Beschwerdeführerin nicht mehr gebraucht werden könne (act.
G 4.38.4). Ferner setzten sie sich bei der Beurteilung des Schmerzverhaltens
(Selbstlimitierung infolge Schmerz, keine objektiven Beobachtungen zu den Schmerzen
gemacht; act. G 4.20.10) nicht mit den abweichenden medizinischen Stellungnahmen
auseinander ("an den angegebenen Beschwerden bestehen keine Zweifel" gemäss der
Rheumaklinik des Universitätsspitals Zürich, act. G 4.36.6; "sehr schmerzhafte
Impingement-Symptomatik", "Hinweise für ein gesteigertes Schmerzverhalten fehlen"
gemäss Beurteilung Dr. D._, act. G 4.38.7).
3.4 Rechtsprechungsgemäss kommt einem Gutachten oder anderen medizinischen
Beurteilungen schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn – wie im vorliegenden Fall –
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht feststehen, dass die
medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen entsprechen, was nicht mit
medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden oft nicht beurteilen können. Aufgrund
der vorliegenden Mängel kann auf das Gutachten vom 5. September 2007 nicht
abgestellt werden. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zur erneuten
Begutachtung zurückzuweisen.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 6. Dezember
2007 aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur neuen Verfügung
im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich. Sie hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht