Decision ID: a3b102f8-0dd1-5182-b18d-be1f44a8d8b0
Year: 2020
Language: de
Court: AG_OGA
Chamber: AG_OGA_003
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1. Die Beschwerdeführerin ist als selbständigerwerbende dipl.  FH in eigener Praxis tätig. Am 23. April 2020 (Posteingang bei der ) meldete sie sich bei der Beschwerdegegnerin zum  von Leistungen basierend auf der Verordnung vom 20. März 2020 über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus (Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall) an. Mit Verfügung vom 2. Mai 2020 verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der  auf eine "Corona-Erwerbsersatzentschädigung". Die hiergegen am 17. Mai 2020 erhobene Einsprache wies sie mit Einspracheentscheid vom 7. August 2020 ab.
2. 2.1. Mit fristgerechter Beschwerde vom 12. September 2020 gegen den  vom 7. August 2020 erneuerte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen sinngemäss ihr Leistungsbegehren.
2.2. Mit Vernehmlassung vom 5. Oktober 2020 beantragte die  die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin hielt mit  weiteren Eingabe vom 12. Oktober 2020 im Wesentlichen an ihrem  und dessen Begründung fest.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1. In ihrem Einspracheentscheid vom 7. August 2020 ( [VB] 5; vgl. auch die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2. Mai 2020 in VB 2) hielt die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen fest, dass die im Gesundheitswesen tätige Beschwerdeführerin nicht von der aufgrund der Covid-19-Pandemie bundesrätlich angeordneten Schliessung diverser öffentlicher Einrichtungen direkt betroffen gewesen sei. Ferner liege das hier zu berücksichtigende Einkommen der Beschwerdeführerin oberhalb der – für indirekt Betroffene relevanten – oberen Einkommensgrenze von Fr. 90'000.00. Diese habe daher keinen Entschädigungsanspruch gemäss Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall.
Die Beschwerdeführerin bringt dagegen zusammengefasst sinngemäss vor, die Ausübung ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit sei nicht mehr  gewesen, weshalb ihr Entschädigungsanspruch ausgewiesen sei.  werde sie – falls man von bloss indirekter Betroffenheit ausginge – durch die Einkommensgrenze von Fr. 90'000.00 im Vergleich mit anderen
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Selbständigerwerbenden oder den Unselbständigerwerbenden in nicht haltbarer Weise rechtsungleich behandelt.
Damit ist streitig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 7. August 2020 zu Recht einen Entschädigungsanspruch der Beschwerdeführerin gemäss -Verordnung Erwerbsausfall verneint hat.
2. 2.1. Der Bundesrat hat am 20. März 2020 die Covid-19-Verordnung  erlassen (AS 2020 871, rückwirkend in Kraft getreten auf den 17. März 2020) und in der Folge mehrfach rückwirkend angepasst. Gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. d i.V.m. Art. 2 Abs. 1bis lit. c und Art. 2 Abs. 3 Covid-19- Erwerbsausfall in der vom 17. März 2020 (vgl. AS 2020 1257) bis zum 16. September 2020 (vgl. AS 2020 3705) gültigen Fassung haben Selbständigerwerbende im Sinne von Art. 12 ATSG Anspruch auf eine , die aufgrund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung 2 vom 13. März 2020 über die Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus (Covid-19-Verordnung 2 [SR 818.101.24); aufgehoben mit Inkrafttreten der Verordnung 3 über die Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus [Covid-19-Verordnung 3; SR 818.101.24] am 22. Juni 2020 [vgl. AS 2020 2195]) in der jeweils massgeblichen Fassung einen  erleiden und im Sinne des AHVG obligatorisch versichert sind.
2.2. Selbständigerwerbende im Sinne von Art. 12 ATSG, die nicht unter Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall fallen, sind , wenn sie aufgrund der bundesrätlichen Massnahmen zur  des Coronavirus einen Erwerbsausfall erleiden und ihr für die  der Beiträge der AHV massgebendes Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10'000.00 und Fr. 90'000.00 liegt (Art. 2 Abs. 3bis Covid- Erwerbsausfall in der vom 17. März 2020 [vgl. AS 2020 1257] bis zum 16. September 2020 [vgl. AS 2020 3705] in Kraft gestandenen Fassung). Für die Berechnung des massgebenden Einkommens für das Jahr 2019 gilt Art. 5 Abs. 2 Satz 2 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall sinngemäss. Dieser sieht in seiner vom 17. März 2020 (vgl. AS 2020 2223) bis zum 16. September 2020 (vgl. AS 2020 3705) gültigen Fassung vor, dass nach der Festlegung der Entschädigung eine Neuberechnung nur  werden kann, wenn eine aktuellere Steuerveranlagung bis zum 16. September 2020 der anspruchsberechtigten Person zugestellt wird und diese den Antrag zur Neuberechnung bis zu diesem Datum einreicht.
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3. 3.1. Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass die Tätigkeit der  als dipl. Ergotherapeutin FH nicht unter Art. 2 Abs. 3 Covid- Erwerbsausfall fällt, sondern vielmehr Art. 2 Abs. 3bis Covid- Erwerbsausfall anwendbar ist (indirekte Betroffenheit). Die  macht demgegenüber hauptsächlich geltend, sie sei von den bundesrätlich angeordneten Massnahmen direkt betroffen gewesen, womit der Anwendungsbereich von Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung  eröffnet sei.
3.2. Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall setzt beim  eine Betroffenheit von einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 Covid-19-Verordnung 2 voraus (vgl. vorne E. 2.1.). Nachdem der  anfänglich einzig Massnahmen Veranstaltungen betreffend ergriffen hatte (vgl. Art. 6 Abs. 1 und 2 Covid-19-Verordnung 2 in ihrer zwischen dem 13. und dem 16. März 2020 geltenden Fassung [AS 2020 773]),  am 17. März 2020 öffentlich zugängliche Einrichtungen wie namentlich Betriebe mit personenbezogenen Dienstleistungen mit Körperkontakt für das Publikum geschlossen (vgl. Art. 6 Abs. 2 lit. e i.V.m. Art. 12 Abs. 6 -19-Verordnung 2 in ihrer ab dem 17. März 2020 geltenden Fassung [AS 2020 783]). Davon ausgenommen waren nach Art. 6 Abs. 3 lit. m -19-Verordnung 2 Gesundheitseinrichtungen wie Spitäler, Kliniken und Arztpraxen sowie Praxen und Einrichtungen von  nach Bundesrecht und kantonalem Recht. Nach Art. 10a Abs. 2 -Verordnung 2 mussten jedoch Gesundheitseinrichtungen wie Spitäler und Kliniken, Arztpraxen und Zahnarztpraxen auf nicht dringend  medizinische Eingriffe und Therapien verzichten. Gestützt auf diese Bestimmung hielt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in seinen  zur Covid-19-Verordnung 2 (einsehbar auf <www.bag.admin.ch> unter der Rubrik Krankheiten / Infektionskrankheiten: Ausbrüche, , Pandemien / Aktuelle Ausbrüche und Epidemien / Coronavirus /  und Verordnungen; zuletzt besucht am 5. November 2020)  fest, dass Gesundheitsfachpersonen im Sinne von Art. 6 Abs. 3 lit. m Covid-19-Verordnung 2 nur ärztlich verordnete (S. 8 der ab dem 18. März 2020 gültigen Fassung 3 der Erläuterungen) respektive aus medizinischer Sicht dringende Behandlungen und Therapien (S. 9 der ab dem 21. März 2020 gültigen Fassung 5a der Erläuterungen) durchführen dürfen. Diese Einschränkung entfiel am 22. April 2020 wieder (vgl. S. 22 der ab dem 22. April 2020 gültigen Fassung 15a der Erläuterungen). Mit den  vom 29. April 2020 wurden schliesslich personenbezogene  mit Körperkontakt von der angeordneten Betriebsschliessung  ausgenommen, sofern ein Schutzkonzept nach Art. 6a Covid-19- 2 vorgesehen und umgesetzt wird (vgl. Art. 6 Abs. 3 lit. d in seiner
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ab dem 11. Mai 2020 gültigen Fassung [AS 2020 1401]). Mit weiteren  vom 27. Mai 2020 wurde die Schliessung sodann per 6. Juni 2020 grundsätzlich aufgehoben, wobei Art. 6a Abs. 1 lit. d Covid-19- 2 für öffentlich zugängliche Einrichtungen und Betriebe wie  Gesundheitseinrichtungen wie Spitäler, Kliniken und Arztpraxen sowie Praxen und Einrichtungen von Gesundheitsfachpersonen nach  und kantonalem Recht weiterhin ein Schutzkonzept nach Art. 6d Covid-19-Verordnung 2 vorschrieb (vgl. AS 2020 1815).
3.3. Die Beschwerdeführerin ist dipl. Ergotherapeutin FH. Gestützt auf Art. 2 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die Gesundheitsberufe (GesBG), worin die Gesundheitsberufe aufgelistet werden, sowie auf § 10 Abs. 1 lit. d der Verordnung des Kantons Aargau über die Berufe, Organisationen und Betriebe im Gesundheitswesen (VBOB; SAR 311.121 [Erfordernis einer Berufsausübungsbewilligung für die fachlich selbständige Ausübung  Berufe]) ist sie daher als Gesundheitsfachperson nach  beziehungsweise nach kantonalem Recht im Sinne von Art. 6 Abs. 3 lit. m Covid-19-Verordnung 2 zu qualifizieren. Sie war damit von der ab dem 17. März 2020 geltenden Schliessung öffentlich zugänglicher  ausgenommen und folglich insoweit nicht direkt betroffen. Die  bringt diesbezüglich vor, alle ihre Patienten gehörten in die Gruppe der nicht dringlichen Behandlungen, die Verordnung habe ihr ihre "Arbeit verboten" (vgl. Beschwerdeschrift) beziehungsweise sie habe aufgrund ihrer Klientel ab dem 17. März 2020 "de facto" schliessen ; sie habe 100 % ihrer Klienten absagen müssen (Eingabe vom 12.  2020). Diese Argumentation erscheint zwar aus subjektiver Sicht und auch angesichts der persönlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin durchaus verständlich. Dennoch wäre es ihr – anders als sogenannten  Dienstleistern – theoretisch erlaubt gewesen, auch ab dem 17. März 2020 auf ärztliche Verordnung hin jedenfalls dringende  durchzuführen. Folglich war sie rechtlich gesehen nicht verpflichtet, ihren Betrieb zu schliessen. Ein Entschädigungsanspruch nach Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall fällt deswegen ausser .
4. 4.1. Es verbleibt damit die Prüfung eines möglichen Anspruchs für indirekt  Selbständigerwerbende nach Art. 2 Abs. 3bis Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Beschwerdegegnerin begründet ihre Verneinung eines solchen damit, dass das beitragspflichtige Einkommen der  aus selbständiger Erwerbstätigkeit gemäss Akontorechnung vom 30. Januar 2019 im Jahr 2019 Fr. 154'800.00 (vgl. VB 8) betragen habe,
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was über der von Art. 2 Abs. 3bis Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall  oberen Einkommensgrenze von Fr. 90'000.00 liege (vgl. den  vom 7. August 2020 in VB 5, S. 2).
4.2. Zwischen den Parteien ist unumstritten, dass das nach Art. 2 Abs. 3bis -19-Verordnung Erwerbsausfall im Hinblick auf die Einkommensgrenzen von Fr. 90'000.00 massgebende AHV-Einkommen des Jahres 2019 mehr als Fr. 90'000.00 beträgt, was nach Lage der Akten denn auch zu keinen Weiterungen Anlass gibt. Es liegt damit über dem anspruchsbegründenden Einkommensbereich von Fr. 10'000.00 bis Fr. 90'000.00, womit kein  nach Art. 2 Abs. 3bis Covid-19-Verordnung  besteht.
Entgegen der Beschwerdeführerin ist darin kein Verstoss gegen das  Gleichbehandlungsgebot von Art. 8 BV zu erblicken. So haben die von Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall erfassten von den bundesrätlichen Massnahmen direkt betroffenen  – objektiv gesehen – wesentlich gravierendere  ihrer Arbeitstätigkeit zu gewärtigen, als die von Art. 2 Abs. 3bis -Verordnung Erwerbsausfall erfassten indirekt betroffenen, womit  Sachverhalte vorliegen, was die in masslicher Hinsicht  ausgestalteten Entschädigungsfolgen für diese beiden Gruppen Selbständigerwerbender hinreichend objektiv zu begründen vermag (vgl. hierzu RAINER J. SCHWEIZER, in Ehrenzeller et al. [Hrsg.], Die  Bundesverfassung – St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N. 21 zu Art. 8 BV mit Hinweisen).
Ähnliches gilt hinsichtlich der – nicht erst der Folgen von Covid-19 wegen eingeführten, jedoch vom Bundesrat mit der Verordnung über  im Bereich der Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang mit dem Coronavirus (Covid-19) vom 20. März 2020 (Covid-19-Verordnung  [SR 837.033]) punktuell angepassten –  gemäss Art. 31 ff. AVIG. So gilt zum einen entgegen der  der Beschwerdeführerin auch für angestellte Erwerbstätige  des für die Bemessung des Entschädigungsanspruchs  Verdiensts ein Höchstbetrag (Fr. 148'200.00; vgl. Art. 34 Abs. 2 i.V.m. Art. 3 AVIG und Art.22 Abs. 1 UVV) und die Entschädigungsquote beläuft sich ebenfalls nicht auf 100 %, sondern bloss auf 80 % (Art. 34 Abs. 1 AVIG). Zum anderen dient das seit langem bestehende Institut der Kurzarbeitsentschädigung neben der Verhinderung des Eintritts von  Ganzarbeitslosigkeit generell der Erhaltung von Arbeitsplätzen  eines intakten Produktionsapparates über die Zeit der  hinweg (vgl. BARBARA KUPFER BUCHER, Rechtsprechung des  zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die  Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 5. Aufl.
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2019, S. 256 mit Hinweisen). Sie ist damit mit dem aufgrund der Covid- sehr kurzfristig eingeführten Institut von Art. 2 Abs. 3 und Abs. 3bis Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall nicht direkt vergleichbar, weshalb eine unterschiedliche Entschädigungsordnung nicht mit Art. 8 BV im Konflikt steht (vgl. zum Ganzen SCHWEIZER, a.a.O., N. 19 ff. zu Art. 8 BV mit Hinweisen).
5. 5.1. Nach dem Dargelegten ist die Beschwerdeführerin rechtlich gesehen  als direkt Betroffene zu qualifizieren noch erfüllt sie – aufgrund der Höhe des Einkommens im Jahr 2019 – die Voraussetzungen für eine  indirekt Betroffener. Somit ist die Beschwerde .
5.2. Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3. Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als  (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf Parteientschädigung zu.