Decision ID: e75f6575-a7ea-49fd-8f6d-29d0e453a818
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 29. November 2018
(Posteingang 7. Dezember 2018) bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an. Sie gab dabei an, sie leide seit dem 15. Februar 2015 unter einer
posttraumatischen Belastungsstörung, einer schweren Depression und einem Burn-
out. Seit ca. 2014 arbeite sie in einem Pensum von 40 % als Servicefachangestellte im
Seniorenzentrum B._. Daneben leite sie seit 2010 auf Abruf und in ganz
unterschiedlichen Pensen Nothilfekurse (IV-act. 1-6).
A.a.
Die IV-Stelle holte einen Arztbericht von med. pract. C._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 31. Januar 2019 ein. Danach bestünden nebst
einer Adipositas eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) und eine
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Eine angepasste
Tätigkeit wäre während zwei Stunden täglich möglich (IV-act. 21-4).
A.b.
Das Leistungsgesuch um berufliche Massnahmen wies die IV-Stelle mit Mitteilung
vom 1. Februar 2019 ab, da die Versicherte vorwiegend als Hausfrau tätig sei (IV-
act. 20).
A.c.
Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin, berichtete im Arztbericht vom
29. April 2019 unter anderem, die Versicherte leide unter einer symptomatischen
Gonarthrose links ausgeprägter als rechts. Im Januar 2019 sei es zu einer Exazerbation
der Kniebeschwerden gekommen. Ein MRT des linken Knies habe degenerative
Veränderungen mit komplexen Einrissen des Innenmeniskus und moderater
Chondropathie des medialen Femurkondylus gezeigt (IV-act. 28-4).
A.d.
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Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt gab
die Versicherte im Wesentlichen an, ohne gesundheitliche Einschränkung wäre sie zu
80 % erwerbstätig, zu 60 % fix im Service und daneben unregelmässig als Leiterin von
Nothilfekursen und in diversen weiteren Nebenjobs. Sie wäre seit 2018 in diesem
Ausmass erwerbstätig, da die Kinder keine Betreuung mehr benötigten (IV-act. 34-1).
A.e.
Med. pract. C._ hielt am 4. Juni 2019 neu eine seit Jugendzeit bestehende
Panikstörung fest. Aufgrund von bestehenden Konzentrationsschwäche,
Angstzuständen und Antriebslosigkeit sei die bisherige Tätigkeit beeinträchtigt. Die
Patientin wirke rasch überfordert und gestresst. Vorerst müsste eine
Belastungserprobung gemacht werden, um die Leistungsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit einzuschätzen (IV-act. 32-5).
A.f.
Anlässlich der Haushaltabklärung vom 22. Oktober 2019 führte die Versicherte
unter anderem aus, sie habe mit ihrer Arbeitgeberin über eine Erhöhung des
Arbeitspensums gesprochen. Man habe ihr lediglich anbieten können, vorübergehend
in einem höheren Pensum zu arbeiten (Abklärungsbericht Haushalt vom 5. Dezember
2019, IV-act. 44-1 ff.; vgl. auch Angaben der Arbeitgeberin vom 31. Oktober 2018
[richtig wohl: 2019], IV-act. 41).
A.g.
Dr. D._ hielt im Verlaufsbericht vom 23. Dezember 2019 fest, die Arbeitsfähigkeit
der Versicherten werde im Wesentlichen durch die psychiatrische Erkrankung
beeinflusst. Die Gonarthrose sowie die neu diagnostizierte Metatarsalgie und Kapsulitis
rechts limitierten ihre Belastbarkeit in Berufen mit häufigem Stehen, Gehen oder
Treppensteigen (IV-act. 48-3). Med. pract. C._ führte im Verlaufsbericht vom
22. Januar 2020 aus, die Versicherte konsultiere sie alle zwei bis drei Wochen.
Aufgrund der bestehenden Intrusionen und Angstzustände sei sie im Alltag
beeinträchtigt. Aktuell sei der Zustand auf einem tiefen Niveau stabilisiert, so dass eine
40%-ige Arbeitsfähigkeit ab 1. Dezember 2019 bestehe. Adaptiert sei eine Arbeit ohne
Schicht- und Nachtarbeit mit guter Strukturierung, möglichst stressfrei (IV-act. 53-2 f.).
A.h.
Die IV-Stelle liess die Versicherte in der Folge durch die E._ begutachten
(psychiatrisches Teilgutachten Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, IV-act. 73; orthopädisches Teilgutachten Dr. med. G._, Fachärztin
A.i.
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für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, IV-act. 76;
Dipl. psych. H._, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP und Psychotherapie
FSP, IV-act. 77; Konsensbeurteilung, IV-act. 75). Die Gutachter diagnostizierten als für
die Arbeitsfähigkeit relevant eine posttraumatische Belastungsstörung (DSM-5 / ICD-10
F:43.1), eine Major Depression, gegenwärtig mittelgradig (DSM-5) bzw. mittelgradige
depressive Episode (ICD-10: F32.1), gesamthaft als leicht zu wertende neurokognitive
Störungen im Rahmen psychischer Störungen sowie eine mediale Gonarthrose links
mit degenerativ verändertem lnnenmeniskus mit diverser Rissbildung und Bakerzyste
(MRI vom 12. April 2019; IV-act. 73-48 f.; IV-act. 76-12; IV-act. 75-14; IV-act. 77-19). Im
Konsens wurde festgehalten, die orthopädischen Befunde führten zu einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit. In einer angepassten
Tätigkeit seien die neuropsychologischen und psychiatrischen Befunde limitierend und
schränkten die Arbeitsfähigkeit um ca. 50 % ein. Damit bestehe eine
Gesamtarbeitsunfähigkeit von 100 % in bisheriger und 50 % in angepasster Tätigkeit
(IV-act. 75-19).
Der RAD-Arzt Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und
Psychotherapie, nahm am 4. Januar 2021 dahingehend Stellung, das Gutachten der
MTS entspreche im Wesentlichen den versicherungsmedizinischen Anforderungen. Die
im Abklärungsbericht Haushalt geltend gemachten Einschränkungen seien
gutachterlich plausibilisiert worden (IV-act. 78-2).
A.j.
Die IV-Stelle qualifizierte die Versicherte als zu 50 % im Erwerb und zu 50 % im
Haushalt tätig und errechnete im Erwerb einen Invaliditätsgrad von 59 %. Im Haushalt
verneinte sie unter Berücksichtigung der Schadenminderungs-/Mitwirkungspflicht der
im selben Haushalt wohnhaften Personen eine relevante Einschränkung und ermittelte
im Erwerb und gesamthaft einen gewichteten Invaliditätsgrad von 30 %. Mit
Vorbescheid vom 6. Januar 2021 gewährte sie der Versicherten das rechtliche Gehör
zur vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens (vgl. Einkommensvergleich, IV-
act. 79; Feststellungsblatt vom 6. Januar 2021, IV-act. 80; Vorbescheid IV-act. 81).
A.k.
Mit Einwand vom 9. März 2021 liess die Beschwerdeführerin, vertreten durch die
Procap St. Gallen-Appenzell, geltend machen, die Abklärungsperson habe die
Versicherte willkürlich als zu 50 % im Erwerb und 50 % im Haushalt Tätige qualifiziert.
A.l.
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Die Einstufung sei im Verhältnis 80 % Erwerb und 20 % Haushalt vorzunehmen (IV-
act. 93-2). Die Versicherte zwinge sich jeweils vor Ankündigung eines Besuches, den
Haushalt wieder in Ordnung zu bringen. Insofern zeige der Abklärungsbericht nicht die
tatsächliche Einschränkung der Versicherten in diesem Bereich. Die Annahme einer
20%igen Einschränkung im Haushalt sei deshalb mehr als gerechtfertigt. Auch habe
die IV-Stelle die rückwirkende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt
(IV-act. 93).
Die Abklärungsperson nahm am 25. März 2021 Stellung, die Versicherte habe
sich (zwar) für ein 60 % bis 80 %-Pensum beim Seniorenzentrum beworben. Die
Anstellung sei (jedoch nur) mit einem 40%-Pensum erfolgt und trotz der Anfrage sei der
Arbeitgeber nicht bereit gewesen, dieses zu erhöhen. Aufgrund der geringen Höhe des
Einkommens aus der Tätigkeit als Samariterin sei davon auszugehen, dass die
angegebenen 20 % auch unentgeltliche Vereinsarbeit beinhalteten. Die Qualifikation
von 50 % im Erwerb setze sich aus dem bisherigen 40 %-Pensum und der Entlöhnung
als Samariterlehrerin und den Überstunden beim Seniorenzentrum mit insgesamt 10 %
zusammen. Bei einem täglichen Aufwand von 4 Stunden und der anrechenbaren
Mithilfe der Familienangehörigen von 90 Minuten sei eine Einschränkung von 20 % im
Haushalt nicht nachvollziehbar (IV-act. 95).
A.m.
Die IV-Stelle gewährte der Versicherten mit Vorbescheid vom 23. Juni 2021 erneut
das rechtliche Gehör. Gemäss psychiatrischem Teilgutachten werde für die Periode
von März 2018 bis November 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % in angestammter
und adaptierter Tätigkeit attestiert. In Anwendung der gemischten Methode ergebe
sich ein Invaliditätsgrad von 71 %, weshalb sie vom 1. Juni 2019 bis 29. Februar 2020
befristet Anspruch auf eine ganze Rente habe (IV-act. 99). Mit Einwand vom 13. Juli
2021 hielt die Versicherte an der Qualifikation als zu 80 % Erwerbstätige und am
unbefristeten Rentenanspruch fest. Auch wenn bei der Tätigkeit als Samariterin kein
grosser Lohn erzielt werden könne, wäre sie als Gesunde mindestens in diesem
Pensum einer Tätigkeit nachgegangen. Die beiden Kinder seien _ und _ Jahre alt und
es spreche absolut nichts dagegen, dass sie das Pensum im Heim laufend aufgestockt
hätte bis zu einem 80 %-Pensum (IV-act. 102-1 f.).
A.n.
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B.
Am 11. Oktober 2021 verfügte die IV-Stelle unter Verweis auf die Stellungnahme
der Abklärungsperson vom 25. März 2021 gemäss Vorbescheid vom 23. Juni 2021 (IV-
act. 104, 106).
A.o.
Mit Beschwerde vom 15. November 2021 lässt die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. S. Meier Rhein, beantragen, die angefochtene Verfügung sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und es sei ihr über den 28. Februar
2020 hinaus eine halbe Rente, eventualiter eine Viertelsrente, auszurichten. Sie lässt
geltend machen, sie habe bereits im Jahr 2014 eine Anstellung in einem Pensum von
50 % bis 70 % gesucht und sich (beim späteren Arbeitgeber) für ein Pensum von 60 %
bis 80 % beworben, sei jedoch nur zu 40 % eingestellt worden. Vor dem Vorfall vom
Februar 2018 habe sie zudem mit dem Arbeitgeber über die Erhöhung des
Arbeitspensums gesprochen, worauf man ihr angeboten habe, vorübergehend mit
einem höheren Pensum zu arbeiten. Entsprechend habe sie auch gegenüber der
Abklärungsperson angegeben, dass sie ohne gesundheitlichen Einschränkungen im
Umfang von 60 % im Seniorenheim erwerbstätig sein würde. Hinzu kämen ihre
Tätigkeiten für die Feuerwehr und den Samariterverband. Die Beweismaxime der
"Aussage der ersten Stunden" zeige auf, dass sie im Gesundheitsfall insgesamt einer
80%igen Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre. Auch beim RAV habe sie sich im
November 2019 mit einem Pensum von 60 % angemeldet. Mit Blick auf die 50%ige
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche angepassten Tätigkeiten resultiere ein lnvaliditätsgrad
von insgesamt 40 %. Auch im Haushalt bestehe realistischerweise eine Einschränkung
von mindestens 20 %. Im Bestreitungsfall seien diesbezüglich erneut Abklärungen
durchzuführen. Somit resultiere ein lnvaliditätsgrad von gesamthaft 50 %. Sie habe
deshalb Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 28. März 2022 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung führt sie aus, aufgrund der geltend
gemachten Umstände und weil die Kinder inzwischen keine Betreuung mehr
benötigten, sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin zwar in einem
höheren Arbeitspensum als 50 % tätig wäre. Es könne jedoch nicht vom geltend
gemachten Pensum von 80 % ausgegangen werden, da die spontanen Angaben der
B.b.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Beschwerdeführerin höher zu gewichten seien als die im Nachhinein und allenfalls
unter Beachtung von sozialversicherungsrechtlichen Aspekten gemachten
Äusserungen. Auch sei sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf ein höheres Pensum
angewiesen, da ihr Ehemann mit einem Vollzeitpensum angestellt sei. Unter Würdigung
sämtlicher Umstände sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass sie im Gesundheitsfall zu 60 % im Erwerb und zu 40 % im Haushalt tätig wäre.
Die Gutachter seien aus orthopädischer Sicht bei einer optimal angepassten Tätigkeit
von einer Einschränkung von 20 % ausgegangen. Die von ihnen genannten
Einschränkungen hätten im Haushaltsbereich nicht die gleichen Auswirkungen wie in
einer Erwerbstätigkeit. Daher bestehe, wie im Abklärungsbericht Haushalt festgelegt,
im Haushalt keine Einschränkung bzw. eine solche von höchstens 8,4 %, sofern die
Mithilfe nicht eingerechnet werden könnte. Damit ergebe sich insgesamt ein
Invaliditätsgrad von 33,3 %, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe
(act. G 8).
Mit Replik vom 9. Mai 2022 hält die Beschwerdeführerin an den Ausführungen in
der Beschwerdeschrift fest und lässt vorbringen, massgebend seien ihre spontanen
Aussagen im Rahmen der Haushaltsabklärung, wonach sie insgesamt einer 80%igen
Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Bei richtiger Betrachtung ergäben auch die von der
Beschwerdegegnerin angeführten Grundlagen im Ergebnis eine 80%ige
Erwerbstätigkeit. Dies gelte umso mehr, als die Tochter zwischenzeitlich ausgezogen
und der Sohn selbständig sei. Die auf dieser Grundlage vorzunehmende
Invaliditätsbemessung führe zu einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 % und damit
zu einem Anspruch auf eine Viertelsrente (act. G 10).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 13. Juni 2022 auf eine Duplik (act. G 12).B.d.
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Erwägungen
1.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf des Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der vorliegend anwendbaren, bis Ende 2021 gültigen
Fassung; vgl. statt vieler BGE 144 V 210 E. 4.3.1) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid
ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG). Bei
nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die
Bemessung des Invaliditätsgrades in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt,
in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a
Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind (...), wird der
1.3.
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Invaliditätsgrad für diesen Teil nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch
im Aufgabenbereich tätig, so wird der Invaliditätsgrad für diese Tätigkeit nach Abs. 2
festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit (...) und der Anteil der
Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen
zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Die Berechnung der Invaliditätsgrade richtet sich
bei zu beurteilendem frühestmöglichem Rentenanspruch ab 1. Juni 2019 im Einzelnen
nach Art. 27 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201 in der vorliegend anwendbaren, vom 1. Januar 2018 bis Ende 2021 gültigen
Fassung).
bis
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
gemäss Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227
E. 1.3.4; Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
1.4.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
1.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/18
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2.
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.6.
Die Beweistauglichkeit des Gutachtens vorbehältlich der Einschätzung der
Einschränkungen im Haushalt ist unbestritten. Die Gutachter stützten sich auf die
wesentlichen Akten (IV-act. 76-6 ff.; IV-act. 76-4 ff.; IV-act. 77-2 ff.), erhoben
ausführlich die Anamnese (IV-act. 75-17 ff.; IV-act. 76-6 ff.; IV-act. 77-8 ff.) und
Befunde (IV-act. 73-29 ff.; IV-act. 76-9 f.; IV-act. 77-16 ff.), leiteten die Diagnosen
nachvollziehbar her (IV-act. 73-49 ff.; IV-act. 76-11 f.; IV-act. 77-19 f.), äusserten sich
zur Konsistenz, zu den Belastungsfaktoren und Ressourcen (IV-act. 73-61 f.; IV-
act. 76-13 f.; IV-act. 77-21) und begründeten gestützt darauf nachvollziehbar die
Arbeitsfähigkeitsschätzung (IV-act. 73-62 ff.; IV-act. 75-18 f.; IV-act. 76-14 f.; 77-21 f.).
Objektive medizinische Standpunkte, welche das Gutachten in Frage zu stellen
vermöchten, werden weder geltend gemacht noch sind solche ersichtlich. Mit dem
RAD (IV-act. 78) ist somit auf das Gutachten abzustellen und in angepassten
Tätigkeiten von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen.
2.1.
Die mit 29. November 2018 datierte Anmeldung ging am 7. Dezember 2018 bei der
Beschwerdegegnerin ein (IV-act. 1). Wann genau die Beschwerdeführerin die
Anmeldung der Post übergeben (zur Bedeutung der Postübergabe siehe Art. 29 Abs. 3
ATSG) bzw. den Anspruch geltend gemacht hat, kann den Akten nicht entnommen
werden. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist angesichts des Posteingangs vom
7. Dezember 2018 davon auszugehen, dass die Anmeldung im Dezember 2018 der
Post übergeben bzw. der Anspruch im Dezember 2018 geltend gemacht wurde. Somit
ist die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem frühesten Rentenbeginn am 1. Juni
2019 ausgegangen (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Der psychiatrische Gutachter attestierte
interdisziplinär führend ab März 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und ab ca.
Dezember 2019 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (IV-act. 73-64). Das Wartejahr (Art. 28
lit. b IVG) war somit am 1. Juni 2019 erfüllt. Aufgrund der vollständigen
Arbeitsunfähigkeit hat die Beschwerdeführerin vom 1. Juni 2019 bis 29. Februar 2020
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/18
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3.
unbestritten Anspruch auf eine ganze Rente. Strittig und zu prüfen ist, ob der
Beschwerdeführerin ab 1. März 2020 weiterhin eine Rente auszurichten ist.
Vorab ist die Qualifikation der Beschwerdeführerin bzw. die Frage zu klären, in
welchem Umfang die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall eine Erwerbstätigkeit
ausüben würde. Während die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung
noch von einer je 50%igen Tätigkeit sowohl im Erwerb als auch im Haushalt ausging,
gestand sie der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eine 60%ige Tätigkeit im
Erwerb und eine 40%ige im Haushalt zu (act. G 8 Ziff. 7). Die Beschwerdeführerin
macht geltend, dass sie zu 80 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde.
3.1.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nicht erwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der
versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem
Pensum sie hypothetisch bei im Übrigen unveränderten Umständen (unter
Berücksichtigung der gesamten persönlichen, familiären, beruflichen und sozialen
Situation) erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind
die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie
allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die
beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und
Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis
zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische
Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erforderlich ist. Dies erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch
hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat.
Derlei ist einer direkten Beweisführung wesensgemäss nicht zugänglich und muss in
aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden. Massgebend ist dabei unter
anderem die so genannte "Aussage der ersten Stunde" (Urteile des Bundesgerichts
vom 17. April 2019, 8C_865/2018, E. 4.2, und vom 28. Juni 2019, 9C_161/2019, E. 5.2
und 5.4.3).
3.1.1.
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3.2.
Gemäss eigenen Angaben war die Beschwerdeführerin im Seniorenheim B._ in
einem Pensum von 40 % bzw. während 18 Stunden jeweils montags und dienstags
tätig. Daneben leiste sie Wochenendeinsätze (IV-act. 35). Deren Umfang lässt sich in
etwa wie folgt bestimmen: Für ihr 40 %-Pensum erhielt die Beschwerdeführerin nach
Angaben der Arbeitgeberin im Jahr 2017 einen Lohn von Fr. 26'732.-- (vgl. Angaben
vom 1. Februar 2019, IV-act. 17-6), effektiv abgerechnet wurden indes Fr. 30'815.--
(Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-act. 27-1). Die Differenz von Fr. 4'083.--
entspricht einem zusätzlichen Pensum von etwa 6 % bzw. 2,7 Wochenstunden
([Fr. 30'815.-- x 40 : Fr. 26'732.--] - 40). Auch im Jahr 2016 wurden Fr. 30'513.--
abgerechnet. Die Samaritervereine J._ und K._ haben gemäss IK-Auszug (IV-
act. 27) für das Jahr 2013 Fr. 2'615.--, für 2014 Fr. 6'432.-- (Fr. 4'083.-- + Fr. 2'349.--),
für 2015 Fr. 7'764.-- (Fr. 6'472.-- + Fr. 1'292.--), für 2016 Fr. 3'988.-- (Fr. 1'755.-- +
Fr. 2'233.--) und für 2017 Fr. 320.-- abgerechnet (IK-Auszug, IV-act. 27-1). Die
Beschwerdegegnerin ging daher plausibel davon aus, dass die Beschwerdeführerin vor
Eintritt des Gesundheitsschadens unter Berücksichtigung des Zusatzpensums im
Seniorenheim B._ und der Vergütungen der Samaritervereine J._ und K._
insgesamt zu etwa 50 % erwerbstätig war (IV-act. 44-17).
3.2.1.
Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt
erklärte die Beschwerdeführerin am 1. Juni 2019, ohne gesundheitliche Einschränkung
wäre sie zu 80 % erwerbstätig, zu 60 % fix im Service und unregelmässig in der
Leitung von Nothilfekursen. Zusätzlich hätte sie diverse Nebenjobs wie Feuerwehr und
Samariter (IV-act. 34-1). Anlässlich der Haushaltsabklärung am 22. Oktober 2019 gab
sie an, sie habe sich im Jahr 2015 im Seniorenzentrum für die Tätigkeit als
Hauswirtschafterin mit einem 60-80 %-Pensum beworben, die Stelle aber nicht
bekommen. Stattdessen habe sie die angebotene Stelle als Serviceangestellte mit
einem 40 %-Pensum angenommen und die Tätigkeit für den Samariterverband
beibehalten (IV-act. 44-3). Bei der Frage nach der Erwerbstätigkeit ohne
gesundheitliche Einschränkung führte sie aus, sie wäre zu 60 % erwerbstätig. Sie habe
mit ihrem Arbeitgeber vereinbart, das Pensum (von 40 %) vorübergehend auf 60 % zu
erhöhen, ein neuer Arbeitsvertrag sei jedoch nicht abgeschlossen worden (IV-
act. 44-4). Die Tätigkeit als Samariterleiterin hätte sie bei einer Erhöhung des Pensums
im Service aufgegeben (IV-act. 44-3). Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter (IV-
act. 73-21 f.) und im Beschwerdeverfahren (act. G 10 Ziff. 2) machte sie wiederum
geltend, nebst dem "fixen" Pensum im Service hätte sie im Umfang von 20
Stellenprozenten weitere Erwerbstätigkeiten ausgeübt. In der neuropsychologischen
3.2.2.
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Anamnese wird zitiert, den Job im Seniorenzentrum hätte sie bis zum Rentenalter
behalten wollen mit dem Ziel, das Pensum auf 60 % bis 80 % zu steigern, "um noch
gut in die Rente einzuzahlen". Dann hätte sie "andere Sachen" abgegeben (IV-
act. 73-21;IV-act. 77-15).
Das ausgeübte Pensum im Seniorenheim B._ zusammen mit den Tätigkeiten
für den Samariterverein entspricht den tatsächlichen Verhältnissen vor Eintritt des
Gesundheitsschadens, beantwortet aber nicht die Frage nach dem hypothetischen
Pensum der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall. Zu berücksichtigen sind dafür die
gesamten persönlichen, familiären, beruflichen und sozialen Umstände. Aus familiärer
Sicht könnte die Beschwerdeführerin ohne Weiteres in einem höheren oder in einem
vollen Pensum erwerbstätig sein, wie dies üblicherweise bei Männern angenommen
wird. Die Kinder sind schon selbstständig und benötigen keine Betreuung mehr.
Gemäss ihren eigenen Angaben hat der Sohn ADS und müsste noch etwas von ihr
begleitet werden (IV-act. 34-6). Am Mittag sei normalerweise niemand zu Hause. Die
Kinder seien in Ausbildung respektive hätten diese abgeschlossen (IV-act. 44-4). Die
Beschwerdeführerin verfügt über eine Ausbildung als Servicefachangestellte und
Hotelfachassistentin. Mit dieser fand sie gleich wieder den Berufseinstieg. Aus
finanzieller Sicht gab die Beschwerdeführerin zu Recht an, dass es ihr wichtig sei,
eigenes Geld zu verdienen und soweit möglich unabhängig zu sein (IV-act. 44-4). Auch
das von ihr genannte Motiv, sich eine höhere Rentenbasis zu erwirtschaften, erscheint
nachvollziehbar. So mag zwar eine prekäre finanzielle Lage für den Ausbau einer
Erwerbstätigkeit sprechen. Umgekehrt kann aus einer guten finanziellen Situation nicht
auf das Gegenteil geschlossen werden, denn der Lebensstandard ist für jede Person
frei wählbar. Ein hypothetisches Arbeitspensum kann zudem nicht aufgrund des
Zivilstandes oder des Geschlechts aus sozialversicherungsrechtlichen Überlegungen
festgelegt werden.
3.2.3.
Die Beschwerdeführerin gab von Beginn weg an, sie wäre im Gesundheitsfall bis
zu 80 % erwerbstätig. Zu diesem Zeitpunkt war sie auch nicht rechtlich vertreten, so
dass nicht davon auszugehen ist, sie habe sich dabei von versicherungsrechtlichen
Überlegungen leiten lassen. Eine abweichende "Aussage der ersten Stunde" mit
höherem Beweiswert kann daher nicht angenommen werden. Aktenkundig ist zudem,
dass sich die Beschwerdeführerin am 21. Dezember 2014 auf eine 50 % bis 70 %-
Stelle als Hauswirtschafterin im Seniorenzentrum bewarb (vgl. IV-act. 93-7). Auch ist
nachvollziehbar, dass sie das Pensum im Seniorenzentrum mit dem gänzlichen Wegfall
des Betreuungsaufwandes für die Kinder auf 60 % erhöht hätte (vgl. auch
Beschwerdeantwort, act. G 8, Ziff. 7). Weiter erklärte die Beschwerdeführerin, dass sie,
3.2.4.
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4.
Zu prüfen bleibt die Bemessung des Invaliditätsgrades nach der gemischten Methode.
- 2013: Fr. 2'615.-- : 2759 x 2759 = Fr. 2'725.--
- 2014: Fr. 6'976.-- : 2673 x 2759 = Fr. 7'200.--
wenn sie sie ihr Pensum im Seniorenheim hätte erhöhen können, die übrigen
Tätigkeiten aufgegeben (IV-act. 44-3,IV-act. 77-15). Aus dem Tagesablauf der
Beschwerdeführerin vor ihrer Erkrankung (IV-act. 35) geht hervor, dass ihre Einsätze für
den Samariterverein und die Feuerwehr zu einem erheblichen Teil ehrenamtlich waren,
wobei sich bereits die als ehrenamtlich bezeichneten Tätigkeiten am Montag- und
Dienstagabend und am Wochenende (inklusive Vorbereitung) auf wöchentlich
mindestens 7 Stunden beliefen (vgl. IV-act. 35). Dass die Einsätze in der (freiwilligen)
Feuerwehr bzw. im Samariterverein grundsätzlich unentgeltlich erfolgen, ist allgemein
bekannt. Somit ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin durch die
Reduktion ihrer Freiwilligenarbeit im Umfang von ungefähr 20 Stellenprozenten
zeitliches Potential für den Ausbau der Erwerbstätigkeit hätte schaffen können. Im
Übrigen muss darauf hingewiesen werden, dass auf die von der Beschwerdeführerin
getätigten Aussagen im Abklärungsbericht Haushalt vom 22. Oktober 2019 nicht ohne
Weiteres abgestellt werden kann. Denn bei der Angabe betreffend Erwerbstätigkeit
ohne gesundheitliche Einschränkung fällt auf, dass sie sich auf ihre tatsächliche
Tätigkeit bezieht und den Zusammenhang zur hypothetischen Erwerbstätigkeit nicht
herstellen kann.
Gesamtbetrachtend erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ein 80 %-Pensum ausgeübt hätte. Somit ist sie
als zu 80 % im Erwerb und zu 20 % im Aufgabenbereich zu qualifizieren.
3.2.5.
4.1.
Nach Angaben des Seniorenzentrums hätte die Beschwerdeführerin dort im Jahr
2018 Fr. 26'866.-- verdient bei einem Pensum von 40 % (IV-act. 17-5 f.). Die
Beschwerdegegnerin rechnete dieses Einkommen auf ein 100%-Pensum hoch und
ermittelte so das Valideneinkommen von Fr. 67'165.-- (IV-act. 44-19; IV-act. 79). Unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2019 beläuft es sich auf
Fr. 67'829.-- (Bundesamt für Statistik [BFS], T39, Indices Frauen: 2018: 2732; 2019:
2759). Für ihre Samaritertätigkeit (Samaritervereine J._ und K._, Schweizerischer
Samariterbund) wurde die Beschwerdeführerin gemäss IK-Auszug (IV-act. 27) unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung wie folgt entlöhnt:
4.1.1.
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- 2015: Fr. 7'860.-- : 2686 x 2759 = Fr. 8'074.--
- 2016: Fr. 4'087.-- : 2709 x 2759 = Fr. 4'162.--
- 2017: Fr. 320.-- : 2719 x 2759 = Fr. 325.--.
Im Durchschnitt (vgl. dazu die Rechtsprechung bezüglich schwankendes Einkommen:
Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2021, 8C_745/2020, E. 6.3) resultiert daraus
ein zusätzliches Jahreseinkommen von Fr. 4'497.-- (Fr. 22'486.-- : 5). Insgesamt ergibt
sich ein Valideneinkommen von Fr. 71'662.-- (Fr. 67'165.-- + Fr. 4'497.--).
4.1.2. Das Invalideneinkommen ermittelte die Beschwerdegegnerin zu Recht auf
Grundlage der Lohnstrukturerhebung (LSE) / Lohnentwicklung des Bundesamtes für
Statistik (BFS) 2019, Kompetenzniveau 1, Frauen, da ihr die bisherige Tätigkeit im
Service nicht mehr zumutbar ist. Dieses beträgt Fr. 55'222.-- (vgl. Informationsstelle
AHV/IV, Ausgabe 2022). Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in adaptierter Tätigkeit
beläuft es sich ohne Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs auf Fr. 27'611.--.
Gründe für einen Tabellenlohnabzug sind weder ersichtlich noch werden sie geltend
gemacht, insbesondere ist ein Teilzeitabzug statistisch nicht ausgewiesen (vgl. BFS,
T18, monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Beschäftigungsgrad, beruflicher
Stellung und Geschlecht - Privater und öffentlicher Sektor zusammen, 2018). Damit
resultiert ein erwerblicher Invaliditätsgrad von 61,5 % ([Fr. 71'662.-- - Fr. 27'611.--]:
Fr. 71'662.--). Gewichtet mit einer Erwerbstätigkeit von 80 % ergibt sich ein
erwerblicher Teilinvaliditätsgrad von 49,2 %.
4.1.3. Bezüglich der Einschränkung im Haushalt ist im Voraus festzuhalten, dass bei
einer Gewichtung von 20 % zur Erreichung der nächsthöheren Rente bzw. eines
Invaliditätsgrades von 60 % eine Einschränkung von über 50 % notwendig wäre. Die
Beschwerdeführerin macht eine Einschränkung von 20 % geltend. Die Haushaltsarbeit
beinhalte Tätigkeiten, die ihr gemäss dem orthopädischen Zumutbarkeitsprofil nicht
mehr zumutbar seien. Zudem wirke sich die aufgrund der psychiatrischen Erkrankung
bestehende Antriebslosigkeit auch im Haushalt aus.
4.1.4. Gemäss dem Abklärungsbericht vom 5. Dezember 2019 machte die
Beschwerdeführerin in der Wohnungs- und Hauspflege eine Einschränkung von 17 %
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bzw. gewichtet von 6,375 % und im Bereich Einkauf und weitere Besorgungen von
50 % bzw. gewichtet von 2,085 %, insgesamt also 8,46 %, geltend (IV-act. 44-17 f.).
Die Gutachter schlossen sich der im Abklärungsbericht erhobenen Einschränkung an.
Sie führten aus, die Einschränkungen bei der Wohnungs- und Hauspflege seien aus
orthopädischer Sicht durch die Auswirkungen der Gonarthrose mit degenerativem
Meniskus am linken Knie mit diversen Rissbildungen und aus psychiatrischer Sicht
durch die fehlende Energie begründet (IV-act. 75-20). Die Beeinträchtigung beim
Verkehr mit Amtsstellen sei aus psychiatrischer Sicht gut vereinbar mit der
vorliegenden Störung der Konzentrationsfähigkeit und die Einschränkungen beim
Tragen schwerer Lasten mit den Kniebeschwerden (vgl. IV-act. 75-20 f.). Die Gutachter
berücksichtigten demnach entgegen der Vorbringen der Beschwerdeführerin sowohl
das psychiatrische als auch das orthopädische Zumutbarkeitsprofil (vgl. auch
Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. I._, IV-act. 78-2). Die Beschwerdeführerin bringt
denn auch nicht konkret vor, inwiefern sie im Aufgabenbereich weiter eingeschränkt
sein soll bzw. in welchen Haushaltsbereichen aufgrund der medizinischen
Einschätzung von der Einschätzung im Haushaltsbereich abzuweichen wäre. Daher
erscheint letztere nach gutachterlicher Überprüfung als nachvollziehbar und es kann
auf diese Einschätzung abgestellt werden. Auch der RAD hielt die ermittelte
Einschränkung durch das Gutachten plausibilisiert (vgl. RAD-Stellungnahme vom
4. Januar 2021, IV-act. 78-2). Von weiteren Abklärungen können bei dieser Sachlage
entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin keine neuen wesentlichen
Erkenntnisse erwartet werden (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 134 I 140
E. 5.3).
4.1.5. Bei der Einschränkung im Haushalt bisher nicht berücksichtigt wurden die
unentgeltlichen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin für den Samariterverein und die
Feuerwehr L._ (vgl. IV-act. 35). Bei diesen Tätigkeiten stellt sich die Frage, ob sie "IV-
relevante", dem Aufgabenbereich zugehörige ehrenamtliche Tätigkeiten oder aber als
"nicht IV-relevante", dem Freizeitbereich zuzuschlagende Tätigkeiten darstellen (vgl.
BGE 130 V 360, E. 3.3.4). Nach dem vom Bundesgericht angeführten Dritt-Personen-
Kriterium sind Tätigkeiten als unentgeltliche Arbeit (und somit als dem Aufgabenbereich
und nicht dem Freizeitbereich zugehörig) zu betrachten, die von Dritten gegen
Bezahlung übernommen werden können, d.h. die Möglichkeit besteht, diese Aktivitäten
über den Markt abzuwickeln, falls ein solcher vorhanden wäre (BGE 130 V 360,
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E. 3.3.4). Die Arbeit von Samaritern und der freiwilligen Feuerwehr umfasst Tätigkeiten,
die nicht nur von Dritten – oder vom Staat – übernommen werden könnten, sondern gar
müssten, würden sie nicht durch gemeinnützige Organisationen erfüllt. Sie sind daher
als dem Aufgabenbereich zugehörig zu qualifizieren. Die Beschwerdeführerin war
gemäss ihren eigenen Angaben am Montag für 2,5 Stunden für die Feuerwehr, am
Dienstag 2,5 Stunden für den Samariterverein und je nachdem noch weiter mit
Feuerwehr-Alarm-Einsätzen oder bei Veranstaltungen (zusätzlich noch ein Tag oder
eine Nacht oder am Wochenende) tätig (IV-act. 35, 44-2). Diese Tätigkeiten musste sie
gesundheitsbedingt aufgeben (praktische Instruktionen im Nothelferkurs sind nicht
mehr zumutbar; IV-act. 75-18). Folgerichtig würde für diese Tätigkeiten eine zusätzliche
Einschränkung im Haushaltsbereich resultieren. Von einer ziffernmässig exakten
Ermittlung der Einschränkung in diesem Bereich kann aber abgesehen werden, da wie
bereits ausgeführt mindestens eine 50%ige Einschränkung im Aufgabenbereich
resultieren müsste, was bei der zeitlichen Gewichtung der ehrenamtlichen Tätigkeiten
(vgl. IV-act. 44-21) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erreicht würde. Im
Übrigen macht selbst die Beschwerdeführerin keine höhere Einschränkung als 20 %
geltend.
4.1.6. Unter Berücksichtigung der Einschränkung im Haushaltsbereich von
(mindestens) 8,4 % ergibt dies gewichtet mit 20 % einen Teilinvaliditätsgrad von
1,68 %. Zusammengerechnet mit dem Teilinvaliditätsgrad von 49,12 % resultiert
daraus insgesamt ein Invaliditätsgrad von 50,8 %. Damit hat die Beschwerdeführerin
ab dem 1. März 2020 Anspruch auf eine halbe Rente.
5.
5.1. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ab 1. Juni 2019 eine ganze und ab 1. März 2020 eine halbe Rente
zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- bis
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erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
5.3. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der
Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. In einem durchschnittlich
aufwändigen Beschwerdefall betreffend Rentenverfahren spricht das
Versicherungsgericht in der Regel eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu. Dies erscheint auch im
vorliegenden Fall angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin
somit mit Fr. 4'000.-- zu entschädigen.