Decision ID: ef35c000-57e0-4c1b-b6fe-099ce5a32ee6
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ lebte seit 1990 in der Schweiz (act. G 9.1/27-7). Am 9. November 2009
meldete er sich im Kanton St. Gallen zum Bezug von Ergänzungsleistungen an. Zuvor
hatte er bis zum 31. Oktober 2009 im Kanton B._ Ergänzungsleistungen bezogen.
Dem Beiblatt 1 (Grundeigentum) des Anmeldeformulars war zu entnehmen, dass der
Versicherte Eigentümer einer Liegenschaft im Ausland mit Wert von ca. Fr. 46'000.--
war (act. G 9.1/32). Diesbezüglich lag u.a. ein aus dem C._ übersetztes Dokument
vom 4. April 2008 vor, in welchem die Gemeinde D._ (E._) bestätigt hatte, dass er
ein sich noch im Bau befindendes Haus in D._ besitze (act. G 9.1/27-4). Ausserdem
befand sich ein Schreiben in den Unterlagen, welches der Versicherte der EL-
Durchführungsstelle des Kantons B._ am 10. April 2008 eingereicht hatte. In diesem
hatte der Versicherte erklärt, er habe im Frühling 2005 begonnen, sein Haus in D._ zu
bauen. Dieses sei zu ca. 60% fertig und erst seit November 2007 teilweise bewohnbar.
Ausserdem hatte er darauf hingewiesen, dass die mit dem Schreiben eingereichte
sogenannte "Wertliste" des Hauses erst ab Fertigstellung des Hauses Geltung erlangen
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werde (act. G 9.1/27-8). Bei dieser "Wertliste" handelte es sich um eine Auflistung der
an der Liegenschaft vorgenommenen Handwerksarbeiten im Wert von E._ - Mark
(abgekürzt KM, ab 2015 auch BAM) 61'666.50. Handschriftlich hatte er hinzugefügt
"zusammen ca. € 30'000.-- (act. G 9.1/33-3). Ausserdem lag eine
Veranlagungsverfügung der Kantons- und Gemeindesteuer des Jahres 2002 vom 11.
April 2003 vor, in welcher ein Liegenschaftswert von Fr. 64'000.-- berücksichtigt
worden war (act. G 9.1/27-2). Die EL-Durchführungsstelle des Kantons B._ hatte per
1. Januar 2009 unter dem Einnahmeposten "Grundeigentum: nicht selbstbewohnt" Fr.
63'000.-- an¬gerechnet (act. G 9.1/27-6).
A.b Ohne weitere Akten betreffend die Liegenschaft eingeholt zu haben, berechnete
die EL-Durchführungsstelle am 22. Dezember 2009 rückwirkend ab dem 1. November
2009 den EL-Anspruch des Versicherten. Dabei berücksichtigte sie auf der
Einnahmenseite u.a. ein nicht selbstbewohntes Grundeigentum im Wert von Fr.
46'000.-- und einen hypothetischen Ertrag aus der nicht selbstbewohnten Liegenschaft
in Höhe von Fr. 2'300.-- sowie auf der Ausgabenseite (hypothetische)
Gebäudeunterhaltskosten in Höhe von Fr. 460.-- (act. G 9.1/24). Die Verfügung vom 22.
Dezember 2009 erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Im Rahmen der periodischen
Überprüfung der Ergänzungsleistungen gab der Versicherte am 9. Januar 2012 erneut
an, der Wert seiner Liegenschaft betrage Fr. 46'000.-- (act. G 9.1/8-9).
A.c Am 25. November 2015 liess der Versicherte der EL-Durchführungsstelle u.a. eine
beglaubigte Übersetzung der Steuerrechnung für die Liegenschaftssteuer vom 20.
März 2015 aus dem C._ zukommen, wonach der Wert der Liegenschaft – ohne die
Angabe einer Währung – "40'889.47" betrug (act. G 5.1/44).
B.
B.a Am 28. März 2017 liess der Versicherte ein Wiedererwägungsgesuch einreichen, in
welchem er beantragte, die Ergänzungsleistungen für die Perioden 2012 bis 2017 seien
unter Anrechnung eines Liegenschaftswertes von Fr. 24'769.-- neu zu berechnen,
sodass ihm nachträglich Ergänzungsleistungen in Höhe von Fr. 8'000.-- auszubezahlen
seien. Als Begründung führte er sinngemäss und im Wesentlichen aus, der Wert seines
Grundstücks betrage nicht Fr. 46'000.-- sondern BAM 45'301.24, was bei einem
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Tageskurs vom 27. März 2017 von 1 : 0,547 Fr. 24'769.-- entspreche. Nicht nur das
anrechenbare Vermögen, sondern auch die Vermögenserträge fielen somit tiefer aus
(act. G 5.1/33-1). Mit dem Wiedererwägungsgesuch liess der Versicherte eine aus dem
C._ übersetzte Steuerrechnung des Steueramtes der Republik F._ vom 19. Mai
2016 einreichen, gemäss welcher seine Liegenschaft einen Wert von "45'301.24" hatte.
Abermals fehlte die Angabe einer Währung (act. G 5.1/33-8 f.).
B.b Mit einer Verfügung vom 8. April 2017 passte die EL-Durchführungsstelle den EL-
Anspruch des Versicherten ab März 2017 an, indem sie neu auf der Einnahmenseite ein
nicht selbstbewohntes Grundeigentum mit einem Wert von Fr. 25'072.-- und einen
(hypothetischen) Ertrag von Fr. 1'253.-- sowie auf der Ausgabenseite einen
(hypothetischen) Gebäudeunterhalt von Fr. 251.-- anrechnete. Sie führte aus, "die
bisherige Berechnung der Ergänzungsleistungen erfolgte von (gemeint ist wohl: auf der
Grundlage von) anderen/älteren Unterlagen. Bei den neu eingereichten Unterlagen von
E._, datiert vom 19. Mai 2016, handle es sich um neue Unterlagen bezüglich (den)
Liegenschaftswert. Somit sei die Berechnung bisher nicht aufgrund (von) falschen
Werten, sondern lediglich aufgrund (von) alten Angaben/Unterlagen erstellt worden. Die
Ergänzungsleistungen könnten nicht wiedererwägungsweise rückwirkend angepasst
werden. Die Anpassung erfolge per Meldemonat März 2017" (act. G 5.1/28).
B.c Dagegen liess der Versicherte am 15. Mai 2017 eine Einsprache erheben. Darin
liess er sinngemäss geltend machen, dass er die EL-Berechnung ab März 2017
grundsätzlich akzeptiere. Allerdings stärke die Tatsache, dass der bisher angerechnete
Betrag in "CHF" dem tatsächlichen Betrag in "BAM" ohne Umrechnung entsprochen
habe, die Vermutung, dass der EL-Durchführungsstelle bisher ein Umrechnungsfehler
unterlaufen sei. Er besitze ausser dem erwähnten Grundeigentum in E._ nämlich
keine anderen Grundstücke. Weil er seine finanziellen Verhältnisse stets offengelegt
habe, sei nicht ersichtlich, auf welcher Grundlage die Bewertung des Grundstückes
sonst hätte erfolgen sollen. Auch habe die EL-Durchführungsstelle bereits am 25.
November 2015 ein Mail mit der Steuerveranlagung aus dem Jahre 2015 erhalten. Sie
könne deshalb nicht geltend machen, vom tatsächlichen Wert der Liegenschaft bis
zum Erhalt des Schreibens vom 28. März 2017 keine Kenntnis gehabt zu haben.
Vielmehr habe sie seit dem 25. November 2015 Kenntnis vom tatsächlichen Wert der
Liegenschaft gehabt und den mit dem Gesuch vom 28. März 2017 geltend gemachten
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Umrechnungsfehler bemerken müssen. Er selbst habe seine finanziellen Verhältnisse
stets offen dargelegt, weshalb ihm der vorliegende Umrechnungsfehler nicht
zuzuschreiben sei. Zusammenfassen sei die Berechnung der Ergänzungsleistungen
seit 2009 aufgrund eines Umrechnungsfehlers falsch gewesen, weshalb eine
Wiedererwägung vorzunehmen und eine Nachzahlung von nicht unter Fr. 7'670.-- zu
leisten sei (act. G 5.1/23).
B.d Mit einem Einspracheentscheid vom 5. Oktober 2017 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache des Versicherten ab. Zur Begründung führte sie
aus, nicht nur die Vornahme einer Wiedererwägung, sondern auch deren zeitliche
Wirkung liege im Ermessen des Versicherungsträgers. Im konkreten Fall habe sie sich
entschieden, den Wirkungszeitpunkt der Wiedererwägung anhand der Einreichung des
Wiedererwägungsgesuchs zu bestimmen. Dies sei sachgerecht, da es die Pflicht des
Versicherten gewesen wäre, die Verfügung und die dazugehörigen Berechnungsblätter
zu überprüfen und allenfalls unter Beizug eines Rechtsbeistands oder seiner Tochter
die entsprechenden Verfügungen anzufechten. Als Staatsangehöriger von Bosnien-
Herzegowina wisse er um den Umrechnungskurs BAM in CHF und kenne den
Unterschied zwischen den Kürzeln CHF und BAM. Überdies hätte es ihr (der EL-
Durchführungsstelle) ebenso freigestanden, überhaupt nicht auf sein
Wiedererwägungsgesuch einzutreten. Die Verfügung sei somit zu Recht ergangen,
weshalb die Einsprache abzuweisen sei (act. G 5.1/12).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend
Beschwerdeführer) Beschwerde erheben. Er übergab die Beschwerdeschrift samt
Akten am 6. November 2017 der Schweizerischen Post. Die Sendung war zwar an das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen gerichtet, doch lautete die
Empfängeradresse auf jene der EL-Durchführungsstelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin), weshalb das Schreiben zunächst am 7. November 2017 bei
dieser einging. Die Beschwerdegegnerin leitete die Beschwerdeschrift samt Akten an
das zuständige Gericht weiter, welches die Sendung am 16. November 2017 erhielt. In
der Beschwerdeschrift liess der Beschwerdeführer die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids, die Zusprache von monatlichen Ergänzungsleistungen in Höhe
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von Fr. 1'873.-- samt Zins seit dem 25. November 2015 und die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung beantragen. Ergänzend zu
seinen Ausführungen in der Einsprache liess er geltend machen, er sei seiner
Mitwirkungspflicht bereits vor dem (eigentlichen) Wiedererwägungsgesuch vom 28.
März 2017 ausreichend nachgekommen, da das Mail seiner Tochter vom 25.
November 2015, mit welcher die Beschwerdegegnerin darauf hingewiesen worden sei,
dass in Bezug auf die Anrechnung seines Grundeigentums ein Fehler unterlaufen sei,
als formloses Wiedererwägungsgesuch zu behandeln sei. Dass die
Beschwerdegegnerin das Mail seiner Tochter nicht als Wiedererwägungsgesuch
behandelt habe und auch im Rahmen des Einspracheentscheides nicht darauf
eingegangen sei, stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Gesamthaft sei
also nicht ersichtlich, ob sich die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Bestimmung
des Wirkungszeitpunktes der Wiedererwägung auf ihr Ermessen oder auf die
willkürliche Sachverhaltswürdigung stütze. Sollte sich die Beschwerdegegnerin auf ihr
Ermessen stützen, sei festzuhalten, dass sie dieses auf willkürliche Art und Weise
wahrnehme. Dies gelte umso mehr, weil sie eine zeitliche Rückwirkung zu Ungunsten
des Beschwerdeführers in der Vergangenheit regelmässig ohne Weiteres angenommen
habe und damit den Grundsatz von Treu und Glauben verletze (act. G 1.1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. Januar 2018 die Abweisung der

Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen im Einspracheentscheid
(act. G 5).
C.c Am 22. Januar 2018 bewilligte die verfahrensleitende Richterin das Gesuch um die
unentgeltliche Rechtspflege (act. G 6).
Erwägungen
1.
Gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) kann gegen Verfügungen - davon
ausgenommen sind prozess- und verfahrensleitende Verfügungen - innerhalb von 30
Tagen bei der verfügenden Stelle eine Einsprache erhoben werden. Der
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Beschwerdeführer hat am 6. November 2017 gegen den Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 5. Oktober 2017 beim Versicherungsgericht St. Gallen,
jedoch unter Angabe der Adresse der Beschwerdegegnerin, eine Beschwerde erhoben
(act. G 1.1). Die Beschwerde ist deshalb am 7. November 2017 nicht bei der
zuständigen Instanz, sondern bei der Beschwerdegegnerin eingegangen. Gemäss Art.
30 ATSG haben alle Stellen, die mit der Durchführung der Sozialversicherung betraut
sind, versehentlich an sie gelangte Anmeldungen, Gesuche und Eingaben
entgegenzunehmen, das Datum der Einreichung festzuhalten und die entsprechenden
Unterlagen an die zuständige Stelle weiterzuleiten. Der Beschwerdeführer ist zwar
anwaltlich vertreten gewesen, doch handelt es sich bei der falschen Adressierung der
Beschwerde ganz offenkundig um ein Versehen, welches sich lediglich auf die Adresse
an sich beschränkt. Der Adressat, das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, ist
nämlich korrekt aufgeführt. Daher ist davon auszugehen, dass der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers - hätte er um die falsche Adressierung der Beschwerdeschrift
gewusst - die Eingabe an die korrekte Adresse eingereicht und dass er sich daher
diesbezüglich in einem Irrtum befunden hat. Die Voraussetzung der versehentlichen
Einreichung am falschen Ort ist somit gegeben (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar,
3. Auflage 2015, Art. 30, Rz 19 f.). Die Beschwerdegegnerin hat die falsch adressierte
Beschwerde denn auch am 16. November 2017 an das Versicherungsgericht St. Gallen
weitergeleitet (act. G 1). Bei fristgebundenen Eingaben, die nicht formgerecht oder bei
einer unzuständigen Stelle eingereicht werden, ist für die Fristwahrung gemäss Art. 29
Abs. 3 ATSG der Zeitpunkt massgebend, in dem sie der Post übergeben werden. Die
Beschwerde des Beschwerdeführers ist mit einem Poststempel vom 6. November 2017
versehen (act. G 1.1). Damit ist die Beschwerdefrist gewahrt worden, sodass auf die
Beschwerde vom 6. November 2017 einzutreten ist.
2.
2.1 Zunächst ist der Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens zu
definieren. Der Beschwerdeführer hat die Verfügung vom 8. April 2017 und
anschliessend den Einspracheentscheid vom 7. Oktober 2017 angefochten. In einem
ersten Schritt sind das Wesen und der Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom
8. April 2017 zu bestimmen.
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2.1.1 Das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG) gibt den Versicherungsträgern in Art. 17 sowie Art. 53 Abs. 2 ATSG zwei
Korrekturinstrumente an die Hand, um zu gewährleisten, dass Versicherten stets nur
die Leistungen ausgerichtet werden, auf die sie auch tatsächlich einen Anspruch
haben. So sieht Art. 17 Abs. 2 ATSG vor, dass rechtskräftig zugesprochene
Dauerleistungen im Sinne einer Revision erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben werden
müssen, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich
verändert hat. Demgegenüber erlaubt der Art. 53 Abs. 2 ATSG ein Zurückkommen auf
formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide im Sinne einer
sogenannten Wiedererwägung, sofern diese Verfügungen/Einspracheentscheide
zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
Während eine rechtskräftige Verfügung bzw. eine damit rechtskräftig zugesprochene
Dauerleistung also angepasst werden muss, sobald sich der für die
Leistungszusprache massgebliche Sachverhalt erheblich verändert, ist eine
Wiedererwägung nur dann möglich, wenn eine formell rechtskräftige Verfügung
ursprünglich falsch gewesen und deshalb korrigiert werden muss.
2.1.2 Der Beschwerdeführer hat am 28. März 2017 ein Wiedererwägungsgesuch
gestellt und angeführt, bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen sei der
Beschwerdegegnerin in Bezug auf den Wert seiner ausländischen Liegenschaft ein
Umrechnungsfehler unterlaufen, weshalb dieser rückwirkend zu korrigieren sei (vgl.
act. G 5.1/33). Die Beschwerdegegnerin hat daraufhin jedoch am 8. April 2017 erklärt,
die bisherige Berechnung der Ergänzungsleistungen sei auf der Grundlage "anderer/
älterer Unterlagen" erfolgt. Bei den neu eingereichten Unterlagen aus Bosnien, die das
Datum vom 19. Mai 2016 trügen, "handle es sich um neue Unterlagen bezüglich den
Liegenschaftswert". Somit sei die Berechnung bisher "nicht aufgrund falscher",
sondern lediglich "aufgrund alter Angaben/Unterlagen" erstellt worden. Die
Ergänzungsleistungen könnten deswegen "nicht wiedererwägungsweise rückwirkend
angepasst werden". Die Anpassung erfolge stattdessen "per Meldemonat März 2017".
2.1.3 Weil die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 8. April
2017 explizit festgehalten hat, die Anpassung der Ergänzungsleistungen erfolge
aufgrund des Vorliegens neuer Unterlagen, ist davon auszugehen, dass sie sich
aufgrund der Einreichung der bosnischen Steuerrechnung des Jahres 2016 dazu
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veranlasst gesehen hat, das Vorliegen eines Revisionsgrundes gemäss Art. 17 Abs. 2
ATSG, genau genommen einer nachträglichen, erheblichen Veränderung des
massgeblichen Sachverhalts im Sinne eines veränderten Steuerwerts der Liegenschaft
des Beschwerdeführers in Bosnien, anzunehmen. Die Beschwerdegegnerin ist also von
einer Veränderung des massgeblichen Sachverhalts und nicht von dem nach Ansicht
des Beschwerdeführers durch die Einreichung der "neuen" Unterlagen bewiesenen
Vorliegen eines Wiedererwägungsgrundes – im konkreten Fall einer Fehlinterpretation
der bisher eingereichten Unterlagen – ausgegangen. Im Rahmen der Verfügung vom 8.
April 2017 hat die Beschwerdegegnerin also im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m.
Art. 25 Abs. 2 lit. b ELV eine revisionsweise Anpassung der Ergänzungsleistungen per
Meldemonat März 2017 vorgenommen.
2.1.4 In Bezug auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers hat die
Beschwerdegegnerin am 8. April 2017 erklärt, dass sie die Anpassung der
Ergänzungsleistungen nicht vornehme, weil die bisherige EL-Berechnung auf falschen
Werten basiere, sondern weil sie auf der Grundlage alter Angaben erstellt worden sei.
Mit dieser Aussage hat die Beschwerdegegnerin also zunächst korrekt festgestellt,
dass die durch den Beschwerdeführer eingereichte bosnische Steuerrechnung des
Jahres 2016 nur entweder als Revisions- oder als Wiedererwägungsgrund dienen
könne. Sie hat sich dafür entschieden, diese als Revisionsgrund zu betrachten (vgl. E.
2.1.3). Neben dieser revisionsweisen Anpassung der Ergänzungsleistungen hat sie also
zwingend entweder eine Abweisung des Wiedererwägungsgesuches des
Beschwerdeführers oder ein Nichteintreten auf dieses verfügen müssen. Die
Beschwerdegegnerin hat sich in ihrer Verfügung nicht weiter mit dem
Wiedererwägungsgesuch auseinandergesetzt, sondern sie hat lediglich festhalten,
dass die Möglichkeit einer rückwirkenden Wiedererwägung ausgeschlossen sei. Weil
eine Wiedererwägung ausschliesslich rückwirkend möglich ist (entgegen der in weiten
Kreisen verbreiteten falschen Annahme, die Wiedererwägung könne auch ex nunc
wirken, vgl. dazu den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
15. Januar 2019 in Sachen IV 2016/21, IV 2016/134, E. 2.2 ff.), kann keine
Auseinandersetzung in Bezug auf die Frage, ob eine Wiedererwägung allenfalls ex nunc
oder ex tunc wirken könne, erfolgt sein. Die Verfügung vom 8. April 2017 enthält also –
neben der Revision – nur den Entscheid, nicht auf das Wiedererwägungsgesuch des
Beschwerde¬führers einzutreten.
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2.2 In einem zweiten Schritt ist der Gegenstand des Einspracheverfahrens zu
ermitteln.
2.2.1 Nachdem die Beschwerdegegnerin am 8. April 2017 sowohl eine Revision als
auch ein Nichteintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch verfügt hatte, hat der
Beschwerdeführer in seiner Einsprache (act. G 5.1/23) zunächst explizit erklärt, er
akzeptiere die Anpassung der Ergänzungsleistungen ab März 2017 ohne Weiteres (vgl.
act. G 5.1/23-2). Damit hat er die Revisionsverfügung vom 8. April 2017, mit welcher
die Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistungen ab dem 1. März 2017 an die
gemeldeten – ihres Erachtens – neuen Tatsachen angepasst hatte, nicht angefochten.
Sie ist somit in formelle Rechtskraft erwachsen. Sie kann also nicht Gegenstand des
Einspracheverfahrens gewesen sein.
2.2.2 In seiner Einsprache hat der Beschwerdeführer in Bezug auf sein
Wiedererwägungsgesuch sinngemäss geltend gemacht, der Beschwerdegegnerin sei
bereits bei der erstmaligen Leistungszusprache ein Umrechnungsfehler unterlaufen.
Der Beschwerdeführer ist also offenbar (fälschlicherweise) davon ausgegangen, dass
die Beschwerdegegnerin auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten sei und dieses
anschliessend, das Vorliegen eines Wiedererwägungsgrundes verneinend, abgewiesen
habe. In seiner Beschwerde hat der Beschwerdeführer dann auch geltend gemacht, die
Beschwerdegeg¬nerin habe das ihr in Art. 53 Abs. 2 ATSG gewährte Ermessen
willkürlich ausgeübt (act. G 1.1-6). Tatsächlich räumt der Art. 53 Abs. 2 ATSG der
Beschwerdegegnerin die Möglichkeit ein, willkürlich zu handeln. Diese "zulässige
Willkür" beschränkt sich aber einzig auf die Beantwortung der Frage, ob ein
Wiedererwägungsverfahren eröffnet werden soll oder nicht (vgl. dazu den Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Januar 2019 in Sachen IV
2016/21, IV 2016/134, E. 2.3.2). Gegenstand der Verfügung vom 8. April 2017 in deren
Wiedererwägungsteil ist nur der Nichteintretensentscheid gewesen. Also kann sich
auch die Einsprache nur gegen dieses Nichteintreten gerichtet haben.
2.2.3 Damit stellt sich die Frage, ob eine Einsprache gegen die
Nichteintretensverfügung vom 8. April 2017 überhaupt möglich gewesen ist. Gemäss
der konstanten bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein
Nichteintretensentscheid nicht angefochten werden, weil es der Beschwerdegegnerin
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möglich ist, absolut frei, d.h. willkürlich zu entscheiden, ob sie auf das
Wiedererwägungsgesuch eintreten will (BGE 133 V 50). Der Art. 49 Abs. 1 ATSG
verlangt jedoch, dass jeder verfahrensabschliessende Entscheid, der erheblich ist oder
mit dem die versicherte Person nicht einverstanden ist, also insbesondere auch jeder
Nichteintretensentscheid, in der Form einer anfechtbaren Verfügung eröffnet wird. Art.
53 Abs. 2 ATSG sieht keine Ausnahme von diesem Grundsatz vor. Ausserdem gibt es
durchaus Anwendungsfälle, in denen ein Nichteintretensentscheid rechtswidrig sein
kann und somit die Möglichkeit offen stehen muss, die Aufhebung desselben
beantragen zu können (z.B. wenn sich die Verwaltung bereits materiell mit einem
Wiedererwägungsgesuch auseinandergesetzt und trotzdem anschliessend einen
Nichteintretensentscheid erlassen hat oder wenn ein Revisionsgesuch einer
versicherten Person durch die Verwaltung irrtümlicherweise als
Wiedererwägungsgesuch interpretiert und ein Nichteintreten verfügt worden ist, usw.).
Folglich spricht nichts dagegen, Nichteintretensentscheide verfahrensrechtlich wie
jeden anderen Endentscheid zu behandeln (vgl. zum Ganzen den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. September 2016 in Sachen IV
2015/98, E. 2.2). Das am 8. April 2017 verfügte Nichteintreten auf das
Wiedererwägungsgesuch ist also (einziger) Streitgegenstand des Einspracheverfahrens
gewesen.
2.3 Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 5. Oktober 2017 hat sich die
Beschwerdegegnerin dann aber ausschliesslich zur Rechtmässigkeit der Vornahme
einer "Wiedererwägung ex nunc" geäussert und erklärt, es stehe ihr (im Sinne einer
zulässigen Willkürentscheidung) völlig frei, den Zeitpunkt der Wiedererwägung zu
bestimmen (vgl. act. G 5.1/12). Eine "Wiedererwägung ex nunc" ist jedoch weder am 8.
April 2017 verfügt noch am 15. Mai 2017 durch den Beschwerdeführer angefochten
worden (vgl. E. 2.1.1 ff., 2.2.2). Der Autor des Einspracheentscheides hat also
offensichtlich Wesen und Inhalt der angefochtenen Verfügung vom 8. April 2017
fehlinterpretiert und ist davon ausgegangen, dass anstelle eines Nichteintretens auf das
Wiedererwägungsgesuch eine Wiedererwägung ex nunc verfügt worden sei. Die
Beschwerdegegnerin hätte sich jedoch im Rahmen ihres Einspracheentscheides
stattdessen zum eigentlichen Streitgegenstand, zum Nichteintreten auf das
Wiedererwägungsgesuch, äussern müssen. Weil die Beschwerdegegnerin dies jedoch
unterlassen hat und stattdessen zu einem Thema Stellung genommen hat, das
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ausserhalb des Anfechtungsgegenstands liegt, müsste der Einspracheentscheid
grundsätzlich als unrechtmässig aufgehoben und die Sache zur erneuten Beurteilung
an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden. Allerdings ist zu berücksichtigen,
dass das Eintreten auf das Wiedererwägungsgesuch gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG in
der nötigen Freiheit und damit in der Willkür des Sozialversicherungsträgers liegt. Die
Beschwerdegegnerin hat in ihrem Einspracheentscheid ausgeführt, dass sie sich
entschieden habe, den Wirkungszeitpunkt auf die Zeit ab der Einreichung des
Wiedererwägungsgesuchs festzusetzen, weil es die Pflicht des Beschwerdeführers
gewesen sei, die Verfügungen auf ihre Korrektheit zu überprüfen. Sie hat somit deutlich
gemacht, dass sie keine rückwirkende Anpassung der Ergänzungsleistungen hat
zulassen wollen. Deshalb muss davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdegegnerin, wenn sie sich nicht im Irrtum über den Streitgegenstand des
Einspracheverfahrens befunden hätte, die Einsprache des Beschwerdeführers
betreffend das Nichteintreten auf sein Wiedererwägungsgesuch abgewiesen hätte. Weil
also bereits jetzt feststeht, dass sich die Beschwerdegegnerin im Falle einer
Rückweisung der Sache zur erneuten Beurteilung in einem neuen Einspracheentscheid
auf ihre in Art. 53 Abs. 2 ATSG gewährte zulässige Willkür berufen, die
Nichteintretensverfügung vom 8. April 2017 bestätigen und die Einsprache des
Beschwerdeführers abweisen würde, erscheint es in Hinblick auf die
Verfahrensökonomie als sinnvoll, die Sache direkt im vorliegenden
Beschwerdeverfahren zu beurteilen.
3.
Wenn ein Sozialversicherungsträger nicht expressis verbis oder (eindeutig) de facto auf
ein Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist, darf sich das mit einer Beschwerde
angerufene kantonale Versicherungsgericht ebenfalls nicht materiell mit einem
Wiedererwägungsgesuch auseinandersetzen. Insbesondere kann das Gericht einen
Sozialversicherungsträger nicht zur materiellen Behandlung eines
Wiedererwägungsgesuchs zwingen (vgl. etwa BGE 110 V 30 E. 3 S. 34 mit Hinweisen).
Ein von der Verwaltung zulässigerweise willkürlich gefällter Entscheid kann
naturgemäss nicht anhand rechtlicher Vorgaben auf seine Rechtmässigkeit und auf
seine Verhältnismässigkeit überprüft werden. In einem Bereich der zulässigen völligen
Freiheit kann es nämlich gar keine Kriterien für eine gerichtliche Überprüfung geben.
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Eine Verfügung, mit der nicht auf ein Wiedererwägungsgesuch eingetreten wird, kann
also nur damit „begründet“ werden, dass die Verwaltung von ihrer Willkürfreiheit in
Bezug auf die Frage, ob sie eintreten will oder nicht, Gebrauch gemacht habe.
Aufgrund des Gesagten (vgl. auch E. 2.3) kann der Nichteintretensentscheid nur als
rechtmässig qualifiziert werden, so dass die Beschwerde abzuweisen ist.
4.
Der Staat bezahlt zufolge der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor dem
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr.
15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote
eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit ist der
Vertretungsaufwand angesichts der Beschränkung des Verfahrens auf eine spezifische
Rechtsfrage und des verhältnismässig dünnen Aktendossiers trotz des Aufwands, der
dem Rechtsvertreter neben dem einfachen Schriftenwechsel durch die nachträglich
durch das Gericht angeforderten Akten erwachsen ist, als deutlich
unterdurchschnittlich zu qualifizieren. Deshalb erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 2'500.-- als angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu
kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Der Beschwerdeführer kann zur
Rückerstattung der Parteientschädigung verpflichtet werden, sobald er dazu in der
Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art.
99 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).