Decision ID: 097c9a33-5108-5a99-8869-0da3c6dbcbbb
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2010 wegen Schulterproblemen nach zwei
Operationen infolge eines Unfalls im Januar 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Er gab an, eine heilpädagogische Schule
besucht zu haben. Seit dem Jahr 1987 sei er bei B._ AG als Hilfsarbeiter
vollerwerbstätig. Dr. med. C._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am
26. Oktober 2010 nach dem Erhalt von Akten der SUVA (IV-act. 9, Fremdakten-act. 1),
der Versicherte sei auf dem Eis ausgerutscht. Dabei habe er sich eine ausgedehnte
Rotatorenmanschettenläsion links zugezogen. Am 11. Mai 2010 sei eine Arthroskopie
der linken Schulter erfolgt. Eine MR-Arthrografie vom 10. August 2010 habe eine
komplette Ruptur der Supraspinatus-, der Subscapularis- und der langen Bicepssehne
sowie eine Atrophie des Musculus deltoideus gezeigt. Am 24. September 2010 sei eine
offene Supraspinatus-Rekonstruktion der linken Schulter erfolgt. Die B._ AG teilte am
28. Oktober 2010 mit (IV-act. 11), der Versicherte sei seit dem Jahr 1987 als
Hilfsarbeiter in der Druckerei angestellt. Seit dem 6. April 2010 sei er krankgeschrieben.
Der AHV-beitragspflichtige Lohn betrage Fr. 59'475.-- bei einer Wochenarbeitszeit im
Betrieb von 40 Stunden.
A.a.
Der Hausarzt Dr. med. D._, Allgemeinmedizin FMH, berichtete am 14. Juli 2011
(IV-act. 29), der Versicherte habe am 18. Februar 2011 im Rahmen eines epileptischen
Anfalls eine Rotatorenmanschettenläsion rechts bei St. n. Schulterluxation rechts
erlitten. Am 8. April 2011 sei der Versicherte an der rechten Schulter operiert worden. In
A.b.
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der angestammten Tätigkeit in der Druckerei sei der Versicherte seit dem 6. April 2010
vollständig arbeitsunfähig. Auch in einer adaptierten Tätigkeit bestehe bis dato eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Dr. D._ legte mehrere Berichte des T._ und der S._
(Aufenthalt vom 27. Januar 2011 bis 10. März 2011) bei.
Am 3. Oktober 2011, 2. Dezember 2011 und 6. Dezember 2011 unternahm der
Versicherte Arbeitsversuche in der Rüsterei der B._ AG. Der Versicherte brach diese
nach einer Stunde bzw. nach zwei Stunden aufgrund von starken Schmerzen ab
(Fremdakten-act. 10-3, 13-2). Die SUVA sprach dem Versicherten mit einer Verfügung
vom 19. Juni 2012 bei einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 41.82% eine Invalidenrente
und bei einer Integritätseinbusse von 50% eine Integritätsentschädigung zu
(Fremdakten-act. 14). Der Versicherte liess dagegen am 20. August 2012 eine
Einsprache erheben (Fremdakten-act. 17, IV-act. 46).
A.c.
Das RAV E._ teilte am 8. November 2012 mit (IV-act. 50), der Versicherte sei seit
dem 1. September 2012 als arbeitslos gemeldet. Die Vermittlungsfähigkeit werde
abgeklärt. Das Eingliederungsprogramm sei am 6. November 2012 aus
gesundheitlichen Gründen abgebrochen worden.
A.d.
F._, Case Manager der Z._ AG, berichtete am 8. April 2013 (IV-act. 53), dass
sich der Versicherte am 12. Februar 2013 in der G._ durch Dr. H._ einer weiteren
Schulteroperation habe unterziehen müssen. Am 17. März 2014 teilte die SUVA mit
(Fremdakten-act. 18), der Versicherte habe am 23. November 2012 einen Rückfall
betreffend die rechte Schulter gemeldet. Anschliessend sei diese nochmals operiert
worden. Am 14. Januar 2014 sei erneut eine kreisärztliche Abschlussuntersuchung
durchgeführt worden. Die Kreisärztin der SUVA, med. pract. I._, hatte am 14. Januar
2014 berichtet (Fremdakten-act. 19-4), in der kreisärztlichen Untersuchung vom
31. Januar 2012 sei in Bezug auf die linke Schulter festgehalten worden, dass keine
wesentliche Verbesserung der Beweglichkeit mehr zu erwarten gewesen sei. In Bezug
auf die rechte Schulter seien Schmerzen und Bewegungseinschränkungen
dokumentiert gewesen. Eine Besserung durch eine weitere Behandlung sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht erwartet worden. Am 30. Juli 2012 sei anhand
einer Arthro-MRI der rechten Schulter ein Rückfall gezeigt worden (Re-Ruptur der
Supraspinatussehne sowie der Subscapularissehne, Partialruptur der
A.e.
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Infraspinatussehne mit einer Ausdünnung). Am 12. März 2013 sei durch Dr. H._ eine
Arthroskopie der rechten Schulter mit Débridement erfolgt. Am 28. Mai 2013 habe
Dr. H._ festgehalten, es bestünden wechselhafte Restbeschwerden rechts; im
Vordergrund stehe die soziale Problematik, weitere Kontrollen seien nicht geplant.
Med. pract. I._ hatte festgehalten, anlässlich der Untersuchung vom 14. Januar 2014
hätten objektiv ausgeprägte Bewegungseinschränkungen links mit einer maximalen
Anteversion/Abduktion von 30 Grad bestanden; rechts sei die Beweglichkeit leicht
besser gewesen mit einem Heben des Armes bis zur Horizontalen. Die Behandlung der
linken Schulter sei seit langem abgeschlossen, jene der rechten Schulter sei durch
Dr. H._ ebenfalls abgeschlossen worden. Eine namhafte Verbesserung der
unfallbedingten Beschwerden sei durch eine weitere Therapie und Behandlung nicht
mehr überwiegend wahrscheinlich. Betreffend die rechte Schulter sei eine sehr leichte
bis leichte Tätigkeit (fünf bis zehn Kilogramm), ausschliesslich körpernah und maximal
bis zur Brusthöhe, zumutbar. Betreffend die linke Schulter sei eine maximal sehr leichte
Tätigkeit (fünf Kilogramm), ausschliesslich körpernah und maximal bis auf Tischhöhe,
zumutbar. Für beide Schultern seien repetitive Tätigkeiten mit Rotationsbewegungen in
den Schultergelenken ausgeschlossen; Schläge und Vibrationen auf die obere
Extremität beidseits seien zu vermeiden. Das Besteigen von Leitern und Gerüsten sei
aufgrund der verminderten Haltefunktion zu unterlassen. Die SUVA teilte dem
Versicherten am 10. April 2014 mit (Fremdakten-act. 19), ihm sei eine adaptierte
Tätigkeit bei einer vollen Präsenz zumutbar. Am 1. Mai 2014 liess der Versicherte seine
Einsprache vom 20. August 2012 gegen die Verfügung der SUVA vom 19. Juni 2012
zurückziehen (Fremdakten-act. 20-3). Diese Verfügung erwuchs damit in Rechtskraft
(Fremdakten-act. 20-1).
Die Y._-Arbeitslosenkasse teilte am 25. Juli 2014 mit (IV-act. 64), sie habe die
Vermittlungsfähigkeit des Versicherten auf 100% festgelegt. Am 1. Mai 2015 liess der
Versicherte mitteilen (IV-act. 72), bislang habe er keine neue Arbeitsstelle gefunden.
Seine Schmerzen hätten zugenommen. Seine Rechtsvertreterin machte gestützt auf ein
ärztliches Zeugnis von Dr. D._ vom 24. April 2015 geltend, die von Dr. D._ attestierte
vollständige Arbeitsunfähigkeit widerspreche dem Bericht über die kreisärztliche
Untersuchung vom 14. Januar 2015 (recte: 2014). Dr. D._ hatte angegeben (IV-
act. 73), die SUVA sei von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
A.f.
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Tätigkeit ausgegangen. Die nachfolgenden, wiederholten Versuche von Seiten des
RAV, den Versicherten in einer adaptierten Tätigkeit zu beschäftigen, seien allesamt
gescheitert, da die Schmerzexazerbationen unter Belastung die Fortsetzung der
Arbeitsversuche verunmöglicht hätten. Im Verlauf der letzten Monate hätten die
Schmerzen, insbesondere in der rechten Schulter, wieder zugenommen. Er attestierte
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.
Der RAD-Arzt Dr. med. J._ notierte am 4. Juni 2015 (IV-act. 84), die vorgebrachte
Schmerzzunahme basiere auf subjektiven Angaben. Da keine neuen objektivierbaren
Befunde im Vergleich zur kreisärztlichen Untersuchung beigebracht worden seien, sei
von einer anderen Beurteilung desselben Sachverhalts auszugehen. Eine
Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 17. August 2015 (IV-act. 86), an der von der
SUVA attestierten vollständigen Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten. Mit einem
Vorbescheid vom 17. August 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie sehe
vor, den Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 25% zu
verneinen (IV-act. 87). Zur Begründung gab sie an, die Abklärungen hätten ergeben,
dass dem Versicherten die bisherige, körperlich schwere Tätigkeit nicht mehr zumutbar
sei. In Bezug auf die zumutbaren Tätigkeiten gab sie das von med. pract. I._
formulierte Belastungsprofil an. Aufgrund der Einschränkungen und weil anstelle der
bisher körperlich schweren Tätigkeit nur noch sehr leichte bis leichte Tätigkeiten
ausgeführt werden könnten, sei ein "Leidensabzug" von 25% zu gewähren. Der
Versicherte liess am 20. August 2015/14. Oktober 2015 einen Einwand erheben (IV-
act. 88, 94). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente ab dem 6. April 2011 und die Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen in der Form eines polydisziplinären Gutachtens in den Disziplinen
Neurologie, Rheumatologie und Psychiatrie. Zur Begründung machte sie geltend, ein
Teil der Schulterbeschwerden sei unfallfremd und sei von der SUVA nicht
berücksichtigt worden. Die komplexe Schmerzsituation sei neurologisch abzuklären.
Ausserdem habe sich die psychische Situation des Versicherten deutlich
verschlechtert.
A.g.
Fachärzte der Klinik X._ berichteten am 9. Dezember 2015, sie hätten die
Diagnosen einer pulmonalen Hypertonie, einer koronaren Eingefässerkrankung, einer
asymptomatischen ventrikulären Extrasystolie, einer morbiden Adipositas Grad III und
A.h.
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kardiovaskulärer Risikofaktoren erhoben (IV-act. 100-7). Dr. D._ gab am 12. Januar
2016 an (IV-act. 103), der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit Oktober
2015 verschlechtert. Im Vordergrund der Beschwerden stehe die Schulterproblematik
beidseits; hier hätten sich keine Änderungen ergeben. Neu aufgetreten sei eine
biventrikuläre Herzinsuffizienz, welche die körperliche Leistungsfähigkeit zusätzlich
einschränke; unter der medikamentösen Behandlung sei die kardiale Funktion knapp
kompensiert. In den letzten Monaten habe der Versicherte wieder an Gewicht
zugenommen (BMI 44.2 kg/m ). Am 18. März 2016/21. April 2016 berichteten
Fachärzte des W._ (IV-act. 111 f.), der Versicherte leide an einem schwergradigen
obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom. Eine nächtliche CPAP-Therapie sei eingeleitet
worden; bisher habe sich eine deutliche Besserung des Befundes objektivieren lassen.
2
Am 13. Mai 2016 teilte die IV-Stelle der Rechtsvertreterin des Versicherten mit (IV-
act. 114), dass eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung notwendig sei. Nach
einem Beschwerdeverfahren betreffend den von den Gutachtern zu beantwortenden
Fragenkatalog (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
5. Dezember 2016, IV 2016/195, IV-act. 124) wurde der Versicherte am 14., 22. und
23. März 2017 von der SMAB AG polydisziplinär (internistisch, kardiologisch,
pneumologisch, psychiatrisch, neurologisch und orthopädisch/traumatologisch)
abgeklärt. Im Gutachten vom 9. Juni 2017 gaben die Sachverständigen als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine partielle obere Armplexusläsion links im
Gefolge einer Sturzverletzung am 17. Januar 2010, Residualzustand (mit einer aktiv
aufgehobenen Schultergelenksfunktion bei einer Deltoideus-Parese, einem St. n.
arthroskopisch assistierter Supraspinatussehnennaht, Bizepstenotomie [11. Mai 2010],
und einem St. n. einer offenen Supraspinatussehnen-Rekontruktion [24. September
2010]) sowie eine chronische Tendinitis calcarea rechts nach einer Schulterluxation und
einer Rotatorenmanschettenläsion (mit einem St. n. einer offenen
Rotatorenmanschetten-Rekontruktion [8. April 2011]) an (IV-act. 141-21). Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie: Adipositas (BMI 43.9
kg/m , bei St. n. gastric banding 01/2000, St. n. Abdominalplastik und
Reduktionsplastik Oberschenkel-Innenseite 11/2002, St. n. ulzeröser Ösophagitis 2003,
St. n. laparoskopischem Magenbypass mit Cholezystektomie 10/2009); pulmonale
Hypertonie in der Rechtsherzkatheteruntersuchung 2015, aktuell echokardiografisch
A.i.
2
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ohne Hinweis auf eine Rechtsherzbelastung; hypertensive und koronare Kardiopathie;
koronare 1-Gefäss-Erkrankung mit einer diffusen Koronarsklerose und einer
grenzwertigen Stenose des ersten Diagonalastes; St. n. kardialer Dekompensation
06/2015; asymptomatische ventrikuläre Extrasystolie; schwere obstruktive
Schlafapnoe, ED 02/2016 mit zumindest objektiv erfolgreicher CPAP-Therapie;
einmalig generalisierter Grand mal Anfall am 18. Februar 2011; Dyslipoproteinämie;
Nierenzysten beidseits; thorakolumbale Skoliose, kompensiert, ohne Zeichen einer
neurologischen Defizitsymptomatik oder einer schmerzhaften Funktionseinschränkung.
Der internistische Sachverständige erklärte (internistisches Teilgutachten vom 24. März
2017, IV-act. 141-36, 141-41 f.), der Versicherte habe angegeben, dass er die
Holzheizung des Hauses selber belade (Holzhacken mache ein Freund) und den
Haushalt selbstständig erledige. Eine morbide Adipositas mit St. n. mehrfachen
bariatrischen Operationen schränke die Leistungsfähigkeit des Versicherten
grundsätzlich ein, sei jedoch per se kein Grund für eine verminderte Arbeitsfähigkeit.
Die arterielle Hypertonie scheine gut eingestellt zu sein und dürfte den Versicherten
nicht belasten, ebenso wie die Dyslipoproteinämie, die sich zumindest in der
medikamentösen Behandlung nicht widerspiegle. Ein St. n. ulzeröser Ösophagitis 2003
sei 2006 als unauffällig kontrolliert worden und beeinflusse die Arbeitsfähigkeit daher
nicht, ebenso wie die Nierenzysten beidseits. Ausserhalb des kardiopulmonalen
Formenkreises (siehe die entsprechenden Teilgutachten) fänden sich keine
internistischen Erkrankungen, die die Arbeitsfähigkeit signifikant beeinträchtigten. Der
kardiologische Experte führte aus (kardiologisches Teilgutachten vom 14. März 2017,
IV-act. 141-75 f.), im Jahr 2015 habe sich eine leicht eingeschränkte linksventrikuläre
Funktion mit einer EF um 47% gezeigt, die aktuell so nicht reproduzierbar gewesen sei.
Die vorbeschriebenen Hypo- und Akinesien seien ebenfalls nicht nachweisbar
gewesen. Die systolische LV-Funktion sei als normal zu beurteilen, eine diastolische
Funktionsstörung sei wahrscheinlich, bei eingeschränkten Schallbedingungen aber
nicht sicher verifizierbar gewesen. Ein relevantes Klappenvitium habe nicht vorgelegen,
ebenso habe sich keine klinisch relevante Rechtsherzbelastung gefunden. Klinisch
kardiale Insuffizienzzeichen hätten sich ebenfalls nicht gefunden. Vordergründig für den
Versicherten sei eine Dyspnoe, die multifaktoriell bedingt sei, in erster Linie durch die
Adipositas und die Gesamtkonstitution. Unbesehen davon bestehe ein
kardiovaskuläres Risikoprofil. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der zuletzt
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ausgeübten Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einer Druckerei sei aus rein kardiologischer
Sicht nicht beeinträchtigt. Die kardiologische Situation sei gegenwärtig stabil. In
Anbetracht der Risikofaktoren sei der Versicherte für Tätigkeiten mit mittelschweren
und schweren Arbeiten, Arbeiten auf Gerüsten, Leitern oder für Überkopfarbeiten nicht
geeignet. Der pneumologische Gutachter hielt fest (pneumologisches Teilgutachten
vom 28. März 2017, IV-act. 141-87), die Schlafapnoe sei seit der Diagnosestellung mit
CPAP therapiert. Die beklagte Dyspnoe könne pulmonal und schlafmedizinisch nicht
hinreichend begründet werden. Sie dürfte vor allem durch konstitutionelle Faktoren
bedingt sein (schwere Adipositas und wohl auch Trainingsmangel). Der Versicherte sei
seit der Diagnose der Schlafapnoe im Februar 2016 in der angestammten und in
adaptierten Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig. Aus pneumologischer Sicht seien
körperlich leichte, intermittierend auch mittelschwere Arbeiten zumutbar. Aufgrund der
schwergradigen Schlafapnoe sei bei Tätigkeiten, die absolute Wachheit und
Konzentriertheit erforderten, Vorsicht geboten. Falls die Compliance sehr gut sei und
relativ engmaschig überwacht werde, seien auch solche "gefährlichen" Tätigkeiten
möglich. Der psychiatrische Sachverständige gab an (psychiatrisches Teilgutachten
vom 27. März 2017, IV-act. 141-52, 141-56 f.), der Versicherte fahre Auto, um die
Einkäufe zu erledigen. Eine psychiatrisch relevante Symptomatik habe der Versicherte
nie beschrieben. In der Akte falle auf, dass sich etwa im Jahr 2011 einmalig die
Medikation mit Fluoxetin finde, ein aktivierendes Antidepressivum, welches aber seit
Jahren nicht mehr genommen werde. Ferner sei es im Jahr 2011 zu einer Medikation
mit Temesta in Reserve gekommen, welches der Versicherte lediglich zwei- bis dreimal
zu Beginn der Verordnung eingenommen habe und seit circa fünf Jahren nicht mehr
verwende. Er habe es damals wegen einer inneren Unruhe eingenommen, die Ursache
hierfür sei unbekannt. Eine psychiatrische Erkrankung sei derzeit nicht erkennbar; sie
sei retrospektiv mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals führend
gewesen. Der neurologische Experte legte dar (neurologisches Teilgutachten vom
14. März 2017, IV-act. 141-48 f.), anlässlich der Untersuchung seien eine klinisch
komplette Deltoideusparese links sowie allenfalls leichtere Paresen einiger vom oberen
Primärstrang versorgten Muskeln festzustellen gewesen. Sensibilitätsstörungen seien
nicht festzustellen gewesen, angesichts der Plexusanatomie der betroffenen Anteile
seien solche auch nicht zu erwarten gewesen. Der übrige neurologische Befund habe
keine objektiven Ausfälle erkennen lassen. Insbesondere hätten sich auf der rechten
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Seite keine neurologischen Ausfälle gezeigt. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei
aufgrund der linksseitigen Plexusläsion beeinträchtigt. Die Belastungsfähigkeit des
linken Armes sei auf leichte Tätigkeiten mit einer körpernahen Armhaltung und in
Tischhöhe mit einer geringen Beanspruchung der Schulter- und Armmuskulatur
reduziert. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei
aufgrund der partiellen oberen Armplexusläsion links nicht mehr gegeben. In einer dem
Belastungsprofil entsprechenden, adaptierten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit um 40%
reduziert. Retrospektiv sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit ab dem
Unfallereignis nicht mehr gegeben gewesen. In adaptierten Tätigkeiten sei diese um
40% eingeschränkt gewesen. Der orthopädische/traumatologische Gutachter hielt fest
(orthopädisches/traumatologisches Gutachten vom 27. März 2017, IV-act. 141-67 f.),
nach dem Unfall im Jahr 2010 sei es im Verlauf zu einer Lähmung des M. deltoideus
und des M. biceps brachii gekommen. Hieraus habe eine aktive Funktionslosigkeit des
linken Schultergelenkes resultiert, da die Schulter motorisch nicht mehr habe
angesteuert werden können. Mit einer Verbesserung sei nicht zu rechnen. Das rechte
Schultergelenk sei in der Funktion erheblich eingeschränkt, aktiv könnten die
Bewegungen nur bis knapp unter die Horizontale (d.h. 90°) durchgeführt werden. Bei
passiver Weiterführung stelle sich ein Bewegungsende bei etwa 100° dar. Radiologisch
seien deutliche Zeichen einer Tendinitis calcarea erkennbar. Klinisch sei das Bild der
"Kalkschulter" chronisch aktiv. Die Schultergelenkfunktion links sei aufgehoben und
rechts sei sie schmerzbedingt erheblich eingeschränkt. Die Leistungsfähigkeit in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei aufgehoben. Adaptierte Tätigkeiten, zum Beispiel
ausschliesslich aufsichtsführende Tätigkeiten, seien medizinisch theoretisch noch
möglich. Leichte manuelle Tätigkeiten seien bei beidseitig angelegten Oberarmen an
den Thorax und ohne spezielle Beanspruchung der oberen Extremitäten möglich. Die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit betrage 60%. Retrospektiv sei die
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit mit dem Unfallereignis vom Januar 2010 als
aufgehoben einzuschätzen. In einer adaptierten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit nach
dem zweiten Unfallereignis im Januar 2011 (recte: Februar 2011) ebenfalls erheblich
eingeschränkt gewesen, so dass zunächst vom Unfalldatum und Zeitpunkt der
Operation eine Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von mindestens vier bis sechs
Monaten begründet sei. Die bis zu diesem Zeitpunkt formulierten Belastungsprofile
würden, wie auch aktuell, als theoretisch angesehen und seien für einen Hilfsarbeiter,
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der auf die Funktion der Schultergelenke bei handwerklichen Tätigkeiten angewiesen
sei, nicht realistisch. In der Konsensbeurteilung gaben die Gutachter an (IV-
act. 141-22 ff.), die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
sei aufgrund der partiellen oberen Armplexusläsion links aus neurologischer und
orthopädischer Sicht nicht mehr gegeben. In einer Verweistätigkeit entsprechend dem
Belastungsprofil sei die Arbeitsfähigkeit aus neurologischer und orthopädischer Sicht
um 40% reduziert. Aus kardiologischer, pneumologischer und internistischer sowie aus
psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Das
Belastungsprofil sei auf aufsichtsführende Tätigkeiten und leichte Tätigkeiten mit einer
Armhaltung am Körper und ohne eine spezielle Beanspruchung der oberen
Extremitäten beschränkt. In Anbetracht der Risikofaktoren, insbesondere der morbiden
Adipositas, sei der Versicherte für Tätigkeiten mit ständig mittelschweren und
schweren Arbeiten, Arbeiten auf Gerüsten, Leitern oder Überkopfarbeiten nicht
geeignet. Vorsicht sei geboten bei der schwergradigen Schlafapnoe bei Tätigkeiten, die
absolute Wachheit und Konzentriertheit erforderten. Bei einer guten Compliance seien
jedoch auch diese Tätigkeiten möglich. Aus psychiatrischer Sicht bestünden für
einfache Anlerntätigkeiten keine zusätzlichen Einschränkungen. Retrospektiv sei die
Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit seit dem Unfall am 17. Januar 2010
aufgehoben gewesen. In einer adaptierten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit nach dem
zweiten Unfallereignis im Januar 2011 (recte: Februar 2011) ebenfalls erheblich
eingeschränkt gewesen, so dass vom Unfalldatum und Zeitpunkt der Operation eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens vier bis sechs Monaten begründet gewesen sei.
Ausserhalb dieses Zeitintervalls sei die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in adaptierten
Tätigkeiten aus neurologischer Sicht seit dem Ereignis 2010 und im späteren Verlauf
um 40% eingeschränkt gewesen.
Der RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 19. Juni 2017 (IV-act. 142), auf das Gutachten
sei abzustellen.
A.j.
Mit einem zweiten Vorbescheid vom 7. Juli 2017 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit (IV-act. 149), sie sehe vor, ihm ab 1. April 2011 eine Viertelsrente, ab
1. Juli 2011 bis 30. November 2011 eine ganze Invalidenrente und ab 1. Dezember
2011 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Begründung gab sie an, aufgrund des
Unfalls vom 17. Januar 2010 sei ihm die Ausübung der bisherigen Tätigkeit nicht mehr
A.k.
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zumutbar. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60%.
Aufsichtsführende und leichte Tätigkeiten mit einer Armhaltung am Körper und ohne
eine spezielle Beanspruchung der oberen Extremitäten gälten als adaptierte
Tätigkeiten. Dabei sei es ihm möglich, ein Einkommen von jährlich Fr. 33'832.-- zu
erzielen. Bei diesem Betrag handle es sich um das vom Bundesamt für Statistik
ermittelte Durchschnittseinkommen eines Hilfsarbeiters bei einem Pensum von 60%
inklusive eines "Leidensabzuges" von 10%. In der bisherigen Tätigkeit hätte er unter
Berücksichtigung der Einkommensentwicklung nach dem Ablauf der einjährigen
Wartezeit ab Januar 2011 ein Jahreseinkommen von Fr. 62'652.-- erzielen können. Der
Invaliditätsgrad betrage damit 46%. Sechs Monate nach der Anmeldung im Oktober
2010 stehe ihm damit ab dem 1. April 2011 eine Viertelsrente zu. Am 18. Februar 2011
habe er einen weiteren Unfall erlitten. Ab diesem Zeitpunkt habe während maximal
sechs Monaten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Nach Ablauf der drei
monatigen Übergangszeit stehe ihm mit Wirkung ab 1. Juli 2011 bis 30. November
2011 eine ganze Rente zu. Die Herabsetzung erfolge nach der dreimonatigen
Übergangszeit nach dem Eintritt der Verbesserung der gesundheitlichen Verfassung.
Die vollständige Arbeitsunfähigkeit habe bis maximal Ende August 2011 bestanden.
Nach Ablauf von drei Monaten werde die ganze Rente mit Wirkung ab 1. Dezember
2011 auf eine Viertelsrente herabgesetzt. Der Versicherte liess am 5. September 2017
einen Einwand erheben (IV-act. 152). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Zusprache
der gesetzlichen Leistungen, insbesondere die Ausrichtung einer befristeten ganzen
Rente ab 1. April 2011 bis 30. November 2011 sowie mindestens einer halben Rente ab
1. Dezember 2011 und die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen. Sie machte
geltend, die vollständige Arbeitsunfähigkeit habe ab April 2011 während vier bis sechs
Monaten angedauert. Bei Annahme des Mittelwerts von fünf Monaten und unter
Gewährung der dreimonatigen Übergangszeit bestehe der Anspruch auf eine ganze
Rente somit bis 30. November 2011. Die befristete ganze Rente sei ab 1. April 2011 bis
30. November 2011 auszurichten. Sie bestreite die gutachterlich attestierte
Restarbeitsfähigkeit von 60%. Beim Invalideneinkommen sei auf die LSE-Tabelle 2010
abzustellen. Bei einem Lohn von Fr. 4'536.-- monatlich und unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2011 ergebe sich bei einer Arbeitsfähigkeit von
60% ein Invalideneinkommen von Fr. 32'986.--. Nebst dem "Leidensabzug" von 10%
sei auch ein Teilzeitabzug von 10% vorzunehmen. Bei einem Valideneinkommen von
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Fr. 62'652.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 26'389.-- betrage der
Invaliditätsgrad 58%. Entsprechend bestehe ab 1. Dezember 2011 Anspruch auf
mindestens eine halbe Rente. Nach der gutachterlichen Abklärung der Arbeitsfähigkeit
seien berufliche Massnahmen nicht geprüft worden. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 60%
seien Eingliederungsmassnahmen zu gewähren, wobei sich auch zeigen werde, ob die
medizinisch-theoretisch attestierte Restarbeitsfähigkeit verwertbar sei. Die
Rechtsvertreterin reichte einen Bericht der V._ vom 8. November 2012 betreffend das
vom RAV organisierte Einsatzprogramm ein. Darin war festgehalten worden, dass das
Einsatzprogramm, das der Versicherte am 8. Oktober 2012 begonnen habe, am
6. November 2012 abgebrochen worden sei, da dem Versicherten selbst die leichteste
Arbeit (Demontage leichter PC-Komponenten) vor allem in der rechten, teilweise auch
in der linken Schulter starke Schmerzen verursacht habe.
Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 23. April 2018 mit (IV-act. 160), dass eine
berufliche Abklärung notwendig sei. Vom 22. Mai 2018 bis 12. Juni 2018 hielt sich der
Versicherte in der BEFAS K._ auf. Im Schlussbericht vom 28. August 2018 wurde
angegeben (IV-act. 167-4 ff.), der Versicherte habe sich behinderungsbedingt deutlich
verlangsamt und teilweise hinkend fortbewegt und er habe die regulären Arbeitszeiten
nicht immer einhalten können. Beim Versicherten handle es sich um einen
"Grobmotoriker", der mit feinen Tätigkeiten überfordert gewesen sei. Ebenfalls sei es
ihm vom Verständnis her nicht möglich gewesen, nach Plan oder Schema zu arbeiten,
so dass er auf mündliche Erklärungen angewiesen gewesen sei. Aus ärztlicher Sicht
wurde festgehalten (IV-act. 167-9 f.), der Versicherte habe während der ganzen
Abklärung permanent und glaubhaft über lumbale Rückenschmerzen mit Ausstrahlung
in das linke Bein und über Schmerzen in der rechten Schulter geklagt. Er habe
wiederholt Liegepausen benötigt. Aus somatischer Sicht könne von einer ganztägigen
Präsenz mit vermehrten Pausen ausgegangen werden. Als Rahmenbedingungen
kämen sehr leichte, einfache, körpernahe Tätigkeiten auf Tischhöhe in Frage. Arbeiten
auf Leitern oder Gerüsten, mit Rotationsbewegungen in den Schultergelenken und
längeren Gehstrecken seien nicht geeignet. Der Versicherte habe eine Gesamtleistung
von ca. 30% erreicht. Diese sei im ersten Arbeitsmarkt jedoch nicht verwertbar.
Aufgrund der Beobachtungen während der Abklärung sei eine Eingliederung in den
ersten Arbeitsmarkt sehr unwahrscheinlich. Die Restarbeitsfähigkeit könnte am ehesten
A.l.
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noch an einem geschützten Arbeitsplatz verwertet werden. Als Befunde beim Eintritt
gab Dr. med. L._, FMH Allgemeine Innere Medizin, unter anderem eine Skoliose und
einen Beckenschiefstand bei einer Beinlängendifferenz an (IV-act. 167-13). Aus
berufsberatischer Sicht wurde angegeben (IV-act. 167-10 ff.), als grosses Handicap
habe sich die deutliche allgemeine körperliche Verlangsamung des Versicherten
erwiesen. Zudem habe der Versicherte nicht durchgängig eine zuverlässige
Arbeitsqualität erzielen können; in Momenten, in denen er unter Schmerzen gelitten
habe, habe seine Konzentrationsfähigkeit nachgelassen. Er sei auf
Rahmenbedingungen angewiesen, die jenen eines geschützten Arbeitsplatzes
entsprächen. Als Tätigkeiten kämen nur noch sehr wenige in Frage: Mittel- bis gröber-
motorische Montagen, einfache Verpackungs-/Versandarbeiten, End-/
Qualitätskontrolle und damit Vergleichbares. Sie hätten den Versicherten als
arbeitsmotiviert kennen gelernt, wobei aus dessen Aussagen hervorgegangen sei, dass
er auf die Ausrichtung einer ganzen Rente hoffe. Abgesehen von den knappen
schulisch-intellektuellen Fähigkeiten und vom Alter seien keine behinderungsfremden
Faktoren festzustellen gewesen.
Am 10. September 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 169),
dass keine weiteren beruflichen Massnahmen angezeigt seien. Die berufliche
Abklärung habe ergeben, dass keine verwertbare Arbeitsfähigkeit für den freien
Arbeitsmarkt mehr vorliege. Am 22. Oktober 2018 fand eine interdisziplinäre
Besprechung mit einer Sachbearbeiterin der IV-Stelle, Dr. J._ vom RAD und einem
Rechtsdienstmitarbeiter statt (IV-act. 173). Diese ergab, dass die Arbeitsfähigkeit
gestützt auf die gutachterliche Einschätzung zu beurteilen sei. Die medizinische
Aktenlage sei zu aktualisieren.
A.m.
Die IV-Stelle holte medizinische Berichte ein: Am 20. Juli 2018 hatten Fachärzte
der Klinik U._ mitgeteilt (IV-act. 177), die Kontrolle des schweren obstruktiven
Schlafapnoe-Syndroms und der pulmonalen Hypertonie habe einen stabilen Verlauf
gezeigt. Der Hausarzt Dr. D._ berichtete am 13. November 2018 über einen
stationären Gesundheitszustand des Versicherten (IV-act. 178). Am 4. Februar 2019
gab er ergänzend die Diagnose eines akuten lumbosakralen Schmerzsyndroms
(04/2018) mit einem Beckenschiefstand, einer Beinlängendifferenz, einer
thorakolumbalen Torsionsskoliose, degenerativen LWS-Veränderungen und einem
A.n.
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B.
Verdacht auf DH mit Irritationssyndrom L5 links an (IV-act. 181 f.). Er hielt fest, im
Gutachten vom Juni 2017 sei die Wirbelsäulenfehlhaltung erwähnt worden. Aufgrund
der nun erstmaligen Symptomatik im April 2018 sei von einer reduzierten Belastbarkeit
bezüglich des Tragens schwerer Lasten/rückenbelastender Tätigkeiten auszugehen. Da
der Versicherte diesbezüglich aufgrund der beidseitigen Schulterproblematik bereits
limitiert sei, sei nicht von einer relevanten Änderung der Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Der RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 14. Februar 2019 (IV-act. 184), unter
Berücksichtigung der Angaben von Dr. D._ bleibe es bei den gutachterlichen
Einschätzungen.
Am 26. März 2019 erliess die IV-Stelle eine Verfügung mit folgendem Dispositiv:
"Zurzeit klären wir noch eine allfällige Verrechnung der Nachzahlung mit erbrachten
Leistungen von Dritten ab. Um Verzögerungen zu verhindern, wird die laufende Rente
der IV ab 1. April 2019 vorgängig ausbezahlt. Die rückwirkende Verfügung erhalten Sie
später" (IV-act. 188-191). In der Begründung wiederholte sie die Ausführungen im
Vorbescheid vom 7. Juli 2017. Zum Einwand hielt die IV-Stelle fest, in Folge verspäteter
Anmeldung hielten sie am Beginn der Viertelsrente ab 1. April 2011 fest. Der
Versicherte bestreite die Restarbeitsfähigkeit von 60%; medizinische Unterlagen,
welche diese Einschätzung untermauern würden, lägen jedoch nicht vor. Das
Invalideneinkommen sei anhand des Tabellenlohnes für Hilfsarbeiter ermittelt worden,
woran sie ebenfalls festhielten. Ein zusätzlicher Teilzeitabzug sei nicht gerechtfertigt, da
die Arbeitsfähigkeit von 60% ganztags mit einer reduzierten Leistung verwertet werden
könne. Die berufliche Abklärung habe eine andere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
ergeben. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei jedoch aufgrund der gutachterlichen
Einschätzung vorzunehmen. Die medizinischen Unterlagen, die nach dem Gutachten
eingeholt worden seien, belegten nicht, dass eine Abänderung der gutachterlichen
Einschätzung erfolgen müsse.
A.o.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) liess am 6. Mai 2019 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. März 2019 erheben (act. G 1). Seine
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer ganzen Rente ab April 2011. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer
B.a.
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von April bis Dezember 2011 eine ganze Rente, von Januar 2012 bis April 2013 eine
Dreiviertelsrente, von Mai bis September 2013 eine ganze Rente und ab Oktober 2013
eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Begründung machte sie ergänzend zum
Einwand im Vorbescheidverfahren geltend, die gutachterliche Einschätzung der
Restarbeitsfähigkeit von 60% sei ohne Durchführung einer EFL erfolgt. Die Gutachter
hätten die Arbeitsversuche beim ehemaligen Arbeitgeber und im Einsatzprogramm des
RAV, die selbst bei leichten Tätigkeiten gescheitert seien, nicht gewürdigt. Die
Diskrepanz zwischen der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung und der im
Rahmen der beruflichen Abklärung bei gleichbleibendem Gesundheitszustand
evaluierten, auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbaren Arbeitsleistung von
30% sei offensichtlich. Der RAD habe diese Diskrepanz nicht gewürdigt und die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) habe diese Abklärung letztlich ignoriert. Die
berufliche Abklärung wecke Zweifel an der gutachterlich festgestellten
Restarbeitsfähigkeit. Gestützt auf den Schlussbericht der beruflichen Abklärung sei
insbesondere erstellt, dass die medizinisch-theoretisch attestierte Restarbeitsfähigkeit
von 60% nicht verwertbar sei. Aufgrund einer dauerhaften, vollen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt sei dem Beschwerdeführer eine ganze
Rente zuzusprechen. Für den Fall, dass auf die gutachterlich attestierte
Restarbeitsfähigkeit abgestellt werde, sei die Dauer der anerkannten Verschlechterung
zu rügen. Die Beschwerdegegnerin habe das in diesem Punkt etwas schwammige
Gutachten nicht genau gelesen. Aufgrund des Heilverlaufs nach der Operation vom
8. April 2011 sei postoperativ von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit von vier bis
sechs Monaten auszugehen, also bis circa im September bzw. Oktober 2011. Dies
decke sich mit dem im Oktober 2011 unternommenen Arbeitsversuch beim damaligen
Arbeitgeber. Die befristete ganze Rente sei daher aufgrund der dreimonatigen
Übergangsfrist bis Dezember 2011 auszurichten. Völlig vergessen gegangen sei die
erneute Operation vom Februar 2013; es sei ebenfalls von einer postoperativen
vollständigen Arbeitsunfähigkeit von vier bis sechs Monaten auszugehen.
Mit einer Verfügung vom 6. Juni 2019 sprach die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer ab 1. April 2011 bis 30. Juni 2011 eine Viertelsrente, ab 1. Juli 2011
bis 30. November 2011 eine ganze Rente und ab 1. Dezember 2011 bis 31. März 2019
B.b.
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eine Viertelsrente zu (IV-act. 201). Sie hielt fest, die "Verfügung ab 1. April 2019" habe
der Beschwerdeführer bereits erhalten.
Der Beschwerdeführer liess am 11. Juni 2019 die Verfügung vom 6. Juni 2019
beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen einreichen und teilte mit, diese gelte
mit der Beschwerde vom 6. Mai 2019 als mitangefochten (act. G 4).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 2. Juli 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung brachte sie vor, die Durchführung einer EFL sei
nicht erforderlich gewesen. Ausnahmsweise könne eine solche erforderlich sein, wenn
mehrere involvierte Ärzte eine solche angesichts eines multiplen und schwierig
einzuschätzenden Krankheitsbildes ausdrücklich befürworten würden (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016, 8C_711/2016, E. 3.5). Solche Umstände
mache der Beschwerdeführer nicht geltend und seien auch nicht ersichtlich. Die
Äusserung der BEFAS zur Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ändere nichts an der
medizinisch-theoretisch vorhandenen Arbeitsfähigkeit, die von den Gutachtern
festgelegt worden sei. Der RAD habe sich sehr wohl mit dem BEFAS-Bericht
auseinandergesetzt. Nach dem Eingang des Berichts habe eine interdisziplinäre
Besprechung stattgefunden, an der auch der RAD teilgenommen habe. Als Resultat sei
festgehalten worden, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt auf die Beurteilung
der Gutachter vorzunehmen sei. Die Restarbeitsfähigkeit von 60% sei verwertbar. Auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt seien durchaus Stellen vorhanden, die den
Fähigkeiten des Beschwerdeführers entsprächen, wie beispielsweise aufsichtsführende
Tätigkeiten. Damit seien Tätigkeiten gemeint, bei welchen der Beschwerdeführer einen
Produktionsablauf oder etwas anderes beaufsichtige. Solche Tätigkeiten erforderten
kein hohes intellektuelles Niveau und auch keine Ausbildung. Zutreffend sei, dass sich
die Gutachter bezüglich der vorübergehenden Verschlechterung des
Gesundheitszustands nach dem zweiten Unfall vom 18. Februar 2011 etwas
unglücklich ausgedrückt hätten. Zwischen dem Unfall und der Operation vom 8. April
2011 lägen zwei Monate, was der Differenz der gutachterlich festgestellten
Arbeitsunfähigkeitsdauer von vier bis sechs Monaten entspreche. Korrekterweise wäre
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ab dem Unfalldatum sechs und ab
dem Operationsdatum vier Monate vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Somit sei
von einer vorübergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
B.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/26
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von Mitte Februar 2011 bis Mitte August 2011 auszugehen. Der Beschwerdeführer sei
ab Januar 2010 in adaptierten Tätigkeiten zu 40% und bei der Entstehung des
Rentenanspruchs am 1. April 2011 sei er vollständig arbeitsunfähig gewesen. Damit
stelle sich die Frage, ob er ab diesem Zeitpunkt Anspruch auf eine ganze Rente gehabt
habe oder ob die dreimonatige Übergangsfrist anzuwenden sei. Nach Ansicht der
Beschwerdegegnerin sei die dreimonatige Übergangsfrist auch dann anzuwenden,
wenn der Rentenanspruch wegen verspäteter Anmeldung erst zu dem Zeitpunkt
entstehe, in welchem die Verschlechterung des Gesundheitszustands bereits
entstanden sei: Die Wartezeiten von Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 IVG hätten
unterschiedliche Funktionen (materielle Anspruchsvoraussetzung der ein Jahr
dauernden Arbeitsunfähigkeit und formelle Karenzfrist der sechsmonatigen Frist nach
der Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, vgl. BGE 142
V 547, E. 3.2). Aufgrund des formellen Charakters der sechsmonatigen Frist nach
Art. 29 Abs. 1 IVG sei zunächst der Rentenverlauf und erst im Anschluss der
Anspruchsbeginn aufgrund der verspäteten Anmeldung festzulegen.
Der Beschwerdeführer liess in einer Replik vom 12. September 2019 ergänzend
geltend machen (act. G 8), er könne aufgrund seiner eingeschränkten kognitiven
Fähigkeiten, der im BEFAS-Bericht erwähnten Konzentrationsschwierigkeiten und der
Verlangsamung sowie dem fehlenden Vorstellungsvermögen, um Pläne und
Anleitungen zu verstehen, keine aufsichtsführenden Tätigkeiten ausüben. Er könne
auch keine feinmotorischen Tätigkeiten ausüben. Die Beschwerdegegnerin habe
eingeräumt, dass sich die Gutachter bezüglich der vorübergehenden Verschlechterung
des Gesundheitszustands nach dem zweiten Unfall vom 18. Februar 2011 etwas
unglücklich ausgedrückt hätten. Sie hätte deshalb bei der Gutachterstelle rückfragen
müssen.
B.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 23. Oktober 2019 auf eine Duplik (act.
G 10).
B.f.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte am 18. November 2019 eine
Honorarnote in der Höhe von Fr. 4'925.55 ein (act. G 12).
B.g.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/26
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Erwägungen
1.
Die angefochtene Verfügung vom 26. März 2019 hat sich gemäss dem Wortlaut des
Dispositivs auf eine "vorgängige Auszahlung der laufenden Rente" ab 1. April 2019
bezogen. Bei einer sorgfältigen Interpretation ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdegegnerin damit nur die Zusprache einer Viertelsrente ab dem 1. April 2019
gemeint haben kann, denn eine rentenzusprechende Verfügung, die zu einer laufenden
Rente geführt hätte, hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgelegen. Die
Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer mit den angefochtenen Verfügungen
vom 26. März 2019 und 6. Juni 2019 rückwirkend ab dem 1. April 2011 eine
Invalidenrente zugesprochen. Diese Aufteilung auf zwei Verfügung ist rechtswidrig
gewesen (vgl. BGE 131 V 164). Da der Beschwerdeführer beide Verfügungen
angefochten hat, kann der untrennbare Entscheidinhalt, nämlich der Rentenanspruch
ab dem 1. April 2011 (und über den 31. März 2019 hinaus) als Ganzes beurteilt werden.
Es wäre unverhältnismässig, die beiden Verfügungen aus einem verfahrensrechtlichen
Grund aufzuheben und die Sache zur korrekten Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Deshalb ist die Verfahrensrechtswidrigkeit der beiden angefochtenen
Verfügungen zu ignorieren. Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet also ein
einziger Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab dem 1. April 2011 und über den
31. März 2019 hinaus.
2.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies den Beschwerdeführer am
15. März 2021 auf die Möglichkeit einer reformatio in peius hin (act. G 14). Der
Beschwerdeführer liess am 8. April 2021 an der Beschwerde festhalten (act. G 15).
B.h.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/26
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3.
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.2.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu die
SMAB AG mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Im
Gutachten vom 9. Juni 2017 haben die Gutachter eine 60%ige Arbeitsfähigkeit in
adaptierten Tätigkeiten attestiert. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob dem
Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
belegt.
3.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a).
3.2.
Alle Sachverständigen der SMAB AG haben den Beschwerdeführer eingehend
persönlich untersucht, seine subjektiven Klagen aufgenommen und die objektiven
Befunde im Gutachten wiedergegeben. Sie haben umfassende Kenntnis von den von
der Beschwerdegegnerin übermittelten Vorakten gehabt und diese gewürdigt; der
pneumologische Sachverständige hat zusätzliche Berichte des T._ eingeholt (vgl. IV-
act. 141-19, 141-97 ff.). Der internistische und der psychiatrische Gutachter haben
überzeugend dargelegt, dass sie keine Diagnose mit einer Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit hätten stellen können. Der kardiologische und der pneumologische
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/26
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Sachverständige haben ebenfalls angegeben, dass sie keine Diagnose mit einer
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten stellen können. Der kardiologische
Gutachter hat aufgrund der kardiovaskulären Risikofaktoren aber ein Belastungsprofil
formuliert und angegeben, dass dem Beschwerdeführer mittelschwere und schwere
Arbeiten, Arbeiten auf Gerüsten, Leitern oder Überkopfarbeiten nicht zumutbar seien.
Auch der pneumologische Sachverständige hat aufgrund des schwergradigen
Schlafapnoe-Syndroms limitierende Faktoren angegeben, dass nämlich bei Tätigkeiten,
die absolute Wachheit und Konzentriertheit erforderten, Vorsicht geboten sei; bei einer
sehr guten Compliance seien solche Tätigkeiten aber ebenfalls möglich. Der
kardiologische und der pneumologische Gutachter haben also aufgrund ihrer
Diagnosen keine quantitativen, jedoch qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
festgestellt. Die Beurteilungen dieser vier Sachverständigen, dass aus der Sicht ihrer
Fachgebiete im Untersuchungszeitpunkt in einer adaptierten Tätigkeit eine vollständige
Arbeitsfähigkeit bestanden hat, überzeugt. Ebenfalls überzeugt die retrospektive
Einschätzung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit.
Medizinische Berichte, die erhebliche Zweifel an dieser Beurteilung wecken könnten,
liegen nicht vor: Fachärzte der Klinik U._ haben am 20. Juli 2018 betreffend das
schwere obstruktive Schlafapnoe-Syndrom und die pulmonale Hypertonie nämlich
einen stabilen Verlauf festgestellt. Auch der Hausarzt Dr. D._ hat am 13. November
2018 über einen stationären Gesundheitszustand berichtet. Der neurologische und der
orthopädische/traumatologische Experte haben Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit angegeben, nämlich Beeinträchtigungen an den Schultern (partielle
obere Armplexusläsion links im Gefolge einer Sturzverletzung am 17. Januar 2010,
Residualzustand, und eine chronische Tendinitis calcarea rechts nach einer
Schulterluxation sowie einer Rotatorenmanschettenläsion). Sie haben diese Diagnosen
gestützt auf die durch ihre eingehenden klinischen und radiologischen Untersuchungen
erhobenen Befunde und in Würdigung der medizinischen Vorakten überzeugend
gestellt. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers überzeugt die
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Hilfsarbeiter in der Druckerei, da diese Tätigkeit häufiges Heben und Tragen von
mittelschweren und schweren Lasten beinhaltet hat (IV-act. 11-6). Nicht überzeugend
ist hingegen der Beginn dieser vollständigen Arbeitsunfähigkeit mit dem Unfalltag am
17. Januar 2010, da der Beschwerdeführer bis zum 5. April 2010 noch in der Druckerei
gearbeitet hat; die Erstbehandlung und die Unfallmeldung sind zudem erst am 6. April
2010 (Fremdakten-act. 1-43 f.) und die erste Operation an der linken Schulter am
11. Mai 2010 erfolgt. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist der Beschwerdeführer
in der angestammten Tätigkeit also erst ab April 2010 vollständig arbeitsunfähig
gewesen; davor ist von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen. In einer
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/26
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adaptierten Tätigkeit haben der neurologische und der orthopädische/traumatologische
Sachverständige im Begutachtungszeitpunkt je eine 60%ige Arbeitsfähigkeit attestiert.
Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung haben die Gutachter auch in der Konsensbeurteilung
angegeben. Als Kriterien für adaptierte Tätigkeiten haben sie genannt:
Aufsichtsführende Tätigkeiten und leichte Tätigkeiten mit einer Armhaltung am Körper
und ohne eine spezielle Beanspruchung der oberen Extremitäten; das aus
kardiologischer Sicht angegebene Belastungsprofil ist mit diesen Kriterien abgedeckt.
Bei Tätigkeiten, die absolute Wachheit und Konzentriertheit erfordern, ist zudem
Vorsicht geboten. Die Gutachter haben jedoch nicht begründet, woraus die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 40% resultiert. Beispielsweise können eine
Verlangsamung, ein erhöhter Pausenbedarf oder ein Verlust der
Konzentrationsfähigkeit zu einer quantitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
führen. Des Weiteren ist zu erklären, wie sich eine Beeinträchtigung des
Leistungsvermögens an einem idealen Arbeitsplatz konkret auswirken würde
(beispielsweise dass die versicherte Person für die Erfüllung einer Arbeitsaufgabe
doppelt so viel Zeit wie eine gesunde Person benötige, dass sie nach jeder
Arbeitsstunde zehn Minuten Pause benötige, um sich zu erholen, oder dass sie am
Vormittag eine volle Leistung zu erbringen vermöge und am Nachmittag aufgrund von
zunehmenden Konzentrationsschwierigkeiten nur noch zur Hälfte leistungsfähig sei).
Für eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung wird die Beschwerdegegnerin also
eine Ergänzung des Gutachtens einholen müssen. Dabei wird zu berücksichtigen sein,
dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wohl nicht höher ausfallen dürfte als im
Gutachten angegeben, da das Befeuern des Holzofens im Wohnhaus, die
selbstständige Erledigung des Haushalts und das Autofahren zum Erledigen der
Einkäufe gegen eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40% sprechen. Im Weiteren ist die
retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung in Bezug auf die Verschlechterung des
Gesundheitszustands nach dem zweiten Unfall am 18. Februar 2011 – wie die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers zu Recht geltend gemacht hat – unpräzis
erfolgt. Unklar bleibt, ob ab dem 18. Februar 2011 oder ab der Operation am 8. April
2011 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat (wobei zu berücksichtigen
wäre, dass sich der Beschwerdeführer bis zum 10. März 2011 in der S._ aufgehalten
hat) und ob diese Arbeitsunfähigkeit vier, fünf, sechs oder mehr Monate gedauert hat.
Die Beschwerdegegnerin hätte daher von den Gutachtern eine Präzisierung verlangen
müssen. Weder die Gutachter noch die Beschwerdegegnerin haben zudem
berücksichtigt, dass sich der Beschwerdeführer am 12. März 2013 einer erneuten
Operation an der rechten Schulter unterzogen hat (Arthroskopie mit Débridement).
Offenbar hatte bereits am 30. Juli 2012 ein Arthro-MRI der rechten Schulter einen
Rückfall gezeigt (vgl. den Bericht der kreisärztlichen Untersuchung vom 14. Januar
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/26
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2014, Fremdakten-act. 19-4). Behandlerberichte dazu fehlen. Damit ist nicht bekannt,
ob und gegebenenfalls wie lange eine höhergradige als die attestierte 40%ige
Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Das Gutachten ist damit in drei Aspekten
ergänzungsbedürftig. Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie wird die fehlenden Berichte zur
Verschlechterung des Zustands der rechten Schulter ab Juli 2012 einholen und
anschliessend eine Ergänzung des Gutachtens veranlassen.
Der Beschwerdeführer hat vom 22. Mai 2018 bis 16. Juni 2018, also nach der
Begutachtung, eine berufliche Abklärung absolviert. Dr. L._ von der BEFAS K._ hat
am 23. Mai 2018 unter anderem eine Skoliose und einen Beckenschiefstand bei einer
Beinlängendifferenz festgestellt (IV-act. 167-13). Im Schlussbericht vom 28. August
2018 ist angegeben worden, der Beschwerdeführer habe sich deutlich verlangsamt
und teilweise hinkend fortbewegt. Passend dazu hat der Hausarzt Dr. D._ im April
2018 ein akutes lumbosakrales Schmerzsyndrom diagnostiziert. Dr. D._ hat am
4. Februar 2019 berichtet (IV-act. 182), die Wirbelsäulenfehlhaltung sei bereits im
Gutachten vom Juni 2017 erwähnt worden, sei damals aber ohne
Funktionseinschränkung geblieben. Aufgrund der erstmaligen Symptomatik im April
2018 sei von einer reduzierten Belastbarkeit bezüglich des Tragens schwerer Lasten
und von rückenbelastenden Tätigkeiten auszugehen. Dr. D._ ist nicht von einer
relevanten Veränderung der Arbeitsfähigkeit gegenüber den Angaben im Gutachten
ausgegangen, da der Beschwerdeführer aufgrund der Schultereinschränkungen bereits
entsprechend limitiert sei. Diese Angaben sind überzeugend (vgl. auch die RAD-
Beurteilung vom 14. Februar 2019, IV-act. 184), weshalb im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung überwiegend wahrscheinlich keine Verschlechterung des
Gesundheitszustands mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in Abweichung vom
Gutachten eingetreten ist. Gemäss dem Schlussbericht der BEFAS K._ vom
28. August 2018 hat die erbrachte Gesamtleistung des Beschwerdeführers in der
beruflichen Abklärung ca. 30% betragen. Sowohl aus berufsberaterischer als auch aus
ärztlicher Sicht ist die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt verneint worden. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat
gestützt auf den Schlussbericht geltend gemacht, dieser wecke Zweifel an der
gutachterlich attestierten 60%igen Restarbeitsfähigkeit, weshalb die
Beschwerdegegnerin weitere medizinische Abklärungen hätte tätigen müssen. Im
Weiteren hat sie vorgebracht, die Restarbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar. Dem
Schlussbericht sind keine objektiven Angaben zu entnehmen, die Zweifel an der
gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung wecken würden. Die Beobachtung, dass
sich der Beschwerdeführer nur langsam und mit stark gekrümmter Körperhaltung und
3.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/26
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heftig schnaufend hat fortbewegen können, vermag keine ernsthaften Zweifel am
Gutachten zu wecken. Der Beschwerdeführer hat zwar permanent und "glaubhaft"
über Schmerzen geklagt sowie hin und wieder Liegepausen eingelegt; obwohl er als
arbeitsmotiviert wahrgenommen worden ist, hat er aber angegeben, dass er sich für
den Erhalt einer ganzen IV-Rente einsetze, da er sich nicht vorstellen könne, dass er
noch eine Arbeit ausführen könne. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich der
Beschwerdeführer bei der beruflichen Abklärung selbstlimitiert hat und dass sowohl
Dr. L._ als auch die Berufsberaterin bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit die allzu
pessimistischen Schilderungen des Beschwerdeführers als objektiv ausgewiesen
qualifiziert haben. Zu berücksichtigen ist auch, dass eine berufliche Abklärung dazu
dient zu klären, in welchem Tätigkeitsbereich eine versicherte Person ihre beruflichen
Fähigkeiten und ihre Arbeitsfähigkeit noch am besten einsetzen kann, um gestützt
darauf eine geeignete berufliche Massnahme einleiten zu können. Eine berufliche
Abklärung dient also nicht der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Die
Angabe der Nichtverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf
dem ersten Arbeitsmarkt im Schlussbericht hat sich – entsprechend dem Zweck einer
beruflichen Abklärung – auf den realen Arbeitsmarkt mit den tatsächlich offenen Stellen
bezogen. Für die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei der Prüfung des
Rentenanspruchs ist hingegen massgebend, ob auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine Stelle existiert, in welcher der Beschwerdeführer
seine Restarbeitsfähigkeit verwerten könnte. Dies ist vorliegend ohne weiteres zu
bejahen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, der
Beschwerdeführer könne aufgrund seiner eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten, der
im BEFAS-Bericht erwähnten Konzentrationsschwierigkeiten und der Verlangsamung
sowie dem fehlenden Vorstellungsvermögen, um Pläne und Anleitungen zu verstehen,
keine aufsichtsführenden Tätigkeiten ausüben. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht
ausgeführt, dass mit aufsichtsführenden Tätigkeiten die Überwachung eines
(automatisierten) Produktionsablaufs oder eines ähnlichen Prozesses gemeint sei.
Dafür sind keine besonderen intellektuellen Anforderungen erforderlich, das heisst
solche Tätigkeiten können mit den nötigen mündlichen Anweisungen durch den
Arbeitgeber auch von einem Hilfsarbeiter ausgeübt werden. Da der Beschwerdeführer
Auto fährt, bestehen überwiegend wahrscheinlich keine Konzentrationsschwierigkeiten,
die eine solche aufsichtsführende Tätigkeit verunmöglichen würden. Die
Konzentrationsschwierigkeiten sind überdies mit dem Auftreten von Schmerzen
begründet worden; in einer aufsichtsführenden Tätigkeit ist jedoch nicht mit dem
Auftreten von Schmerzen zu rechnen. Die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit wäre
nur zu verneinen, wenn der Beschwerdeführer einem Arbeitgeber aufgrund seiner
gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mehr zumutbar wäre. Hinweise darauf
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bestehen jedoch nicht. Das Alter und die mehrjährige Nichterwerbstätigkeit des
Beschwerdeführers sind Faktoren, die zwar auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt
Hinderungsgründe sein können, um eine Arbeitsstelle zu finden. Auf dem allgemeinen
und ausgeglichenen Arbeitsmarkt gibt es jedoch für Personen in jedem Alter und auch
nach einer längeren Arbeitsabstinenz einen passenden Arbeitsplatz.
Invalidenversicherungsrechtlich sind diese Faktoren – zur Vermeidung einer
Vermengung von Invalidität und Arbeitslosigkeit – nicht massgebend.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die verbliebene Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers – obwohl diese quantitativ noch nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht – verwertbar ist.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, die
gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung sei rein theoretisch ohne Durchführung einer
EFL erfolgt. Dazu ist festzuhalten, dass in Fällen wie dem vorliegenden, in denen von
einer Selbstlimitierung der versicherten Person mit dem Wunsch nach der Zusprache
einer ganzen Rente auszugehen ist, eine EFL erfahrungsgemäss keine objektiven
Erkenntnisse bezüglich der Arbeitsfähigkeit liefert. Die Beschwerdegegnerin hat daher
schon aus diesem Grund zu Recht keine Durchführung einer EFL angeordnet. Die
klinischen und radiologischen Untersuchungen durch den neurologischen und den
orthopädischen/traumatologischen Gutachter sind ausreichend gewesen.
3.5.
Der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" ist vorliegend nicht verletzt worden, da
der Beschwerdeführer zur Vermeidung einer rentenbegründenden Invalidität
höherwertig umgeschult werden müsste, er also einen Beruf erlernen müsste. Die
Erlernung eines Berufes erweist sich angesichts der Schulbildung (Besuch einer
heilpädagogischen Schule) und des tiefen intellektuellen Niveaus zum vornherein als
aussichtslos.
3.6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gutachten der SMAB AG vom 9. Juni
2017 in Bezug auf drei Aspekte im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung
zu ergänzen, im Übrigen aber beweiskräftig ist. Die Sache ist daher zur weiteren
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist die Rückweisung in diesem Fall zulässig (vgl. BGE 137 V 210,
E. 4.4.1.4, laut dem eine Sache zurückgewiesen werden kann, wenn lediglich eine
Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich
ist; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2019, 8C_525/2019, E. 3.3).
Die Rückweisung ist auch deshalb sinnvoll, weil der Beschwerdeführer damit die
Möglichkeit hat, im Rahmen des Vorbescheidverfahrens Einwände gegen das Ergebnis
3.7.
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4.
der ergänzenden Sachverhaltsabklärung vorzubringen und ihm anschliessend der
gesamte Rechtsmittelinstanzenzug zur Verfügung steht.
Im Sinne eines obiter dictums ist festzuhalten, dass der Ablauf des Wartejahres
gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und der sechsmonatigen Frist gemäss Art. 29 Abs. 1
IVG zusammenfallen: Beide Fristen sind am 31. März 2011 abgelaufen (das Wartejahr
hat überwiegend wahrscheinlich erst im April 2010 zu laufen begonnen, vgl. E. 3.3).
Eine "verspätete" Anmeldung, also eine Anmeldung, die aufgrund der sechsmonatigen
Frist zu einem späteren Rentenbeginn als der Ablauf des Wartejahrs geführt hätte, hat
damit nicht vorgelegen. Was die Beschwerdegegnerin zum Verhältnis von Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG und Art. 29 Abs. 1 IVG und der Anwendbarkeit der dreimonatigen
Übergangsfrist vorgebracht hat, ist im Übrigen nicht nachvollziehbar. Ihrer
Argumentation zufolge wäre von einer vor dem 1. April 2011 fiktiv ausgerichteten
Viertelsrente auszugehen, die sich am 1. April 2011 zu einer real ausgerichteten
Viertelsrente gewandelt hätte und die aufgrund einer bereits vor dem 1. April 2011
eingetretenen Verschlechterung des Gesundheitszustandes revisionsweise zu erhöhen
gewesen wäre. Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201), auf den sich die Beschwerdegegnerin sinngemäss bezogen hat, ist
jedoch nur auf laufende Rentenleistungen anwendbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 28. Januar 2015, 8C_777/2014, E. 4.2).
3.8.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Praxisgemäss ist die Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles
Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
4.1.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu betrachten ist. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
4.2.
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