Decision ID: bea39e83-af5e-5223-b3a6-49877dfd4685
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 26. August 2008 wegen Rückenschmerzen und
Schulterschmerzen beidseits zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sowohl im
von der MEDAS Ostschweiz im Auftrag der IV-Stelle erstatteten Gutachten vom 27.
Februar 2009 (IV-act. 25) als auch in deren Verlaufsgutachten vom 1. März 2012 (IV-
act. 97) wurde eine (höchstens) 30%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten attestiert. Gestützt auf diese gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen
wies die IV-Stelle das Rentengesuch des Versicherten mit Verfügung vom 9. November
2012 ab (IV-act. 106). Dagegen erhob dieser am 10. Dezember 2012 Beschwerde beim
Versicherungsgericht (IV-act. 108-2 ff.; siehe ausführlich bis zum dahin eingetretenen
massgebenden Sachverhalt sowie zu den im Verlauf des Beschwerdeverfahrens vom
Versicherten eingereichten Akten der behandelnden medizinischen Fachpersonen die
tatsächlichen Feststellungen im Entscheid des Versicherungsgerichts vom 8. Juli 2014,
IV 2012/468, lit. A.a ff., IV-act. 130-2 ff.). Am 25. November 2013 stellte der Versicherte
bei der IV-Stelle ein Revisionsgesuch (IV-act. 126). Das Versicherungsgericht hiess die
Beschwerde gut und sprach dem Versicherten mit Beginn ab 1. Februar 2009 eine
Viertelsrente zu (Entscheid vom 8. Juli 2014, IV 2012/468, IV-act. 130). Das
Bundesgericht hiess die dagegen von der IV-Stelle erhobene Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten vom 1. September 2014 (IV-act. 136) mit Urteil vom 23.
Dezember 2014, 9C_630/2014, gut, hob den angefochtenen Entscheid auf und wies
das Rentengesuch des Versicherten ab (IV-act. 143).
A.b Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab im
Bericht vom 11. Februar 2015 an, der Versicherte leide an einer rezidivierenden
depressiven Störung (anamnestisch mit psychotischen Symptomen) mit somatischen
Symptomen (ICD-10: F33.2) auf dem Boden anhaltender psychosozialer Belastung
(familiäre Probleme, Finanzen, Arbeitslosigkeit); an einer somatoformen
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Schmerzstörung (ICD-10: F45.4); aktuell: an einer zunehmenden und andauernden
Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62.8); an einem lumbospondylogenen Syndrom
links bei ausgeprägten degenerativen Veränderungen und enger Lageziehung zum
Nerv L5 und S1 links und an einem cervicospondylogenen Syndrom links bei
ausgeprägten degenerativen Veränderungen und neuroforaminaler Enge C5/6
beidseits. Der psychische Gesundheitszustand des Versicherten habe sich in den
letzten beiden Jahren erheblich verschlechtert (Bericht vom 11. Februar 2015, IV-act.
153). Die behandelnde Dr. med. C._, Fachärztin für Physikalische Medizin und
Rehabilitation, bescheinigte dem Versicherten im Bericht vom 24. September 2015 eine
höchstens 30%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (IV-act. 165).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 25. und 26. November sowie am
1. Dezember 2015 in der MEDAS Bern polydisziplinär (neurologisch, orthopädisch,
internistisch und psychiatrisch) begutachtet. Als mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
(angestammte Tätigkeit) erhoben die Gutachter folgende Diagnosen: ein chronisches
lumbovertebrales Syndrom; ein chronisches Zervikal-Dorsalsyndrom; radiologisch
nachgewiesene deutliche degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule mit
Diskushernie und Verlagerung der Wurzel L5 links und rechts sowie engen
lumbosakralen Aufbaustörungen mit teilweise engem Spinalkanal; radiologisch
nachgewiesene leicht- bis mässiggradige degenerative Veränderung der
Halswirbelsäule mit möglicher positionsabhängiger Irritation der Nervenwurzel C5 und
C6. Als ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit wurde u.a. eine Dysthymie (ICD-10:
F34.1) und eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen
(ICD-10: F68.0) diagnostiziert. In der angestammten Tätigkeit als Chauffeur bestehe
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bezogen auf eine ideal leidensangepasste Tätigkeit
bestehe eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (80% Leistung bei einer Präsenzzeit von 8,5
Stunden mit Einschluss von Erholungs- und Gymnastikphasen). Aus psychiatrischer
Sicht könne davon ausgegangen werden, dass während der stationären Behandlung in
der Klinik D._ (vom 13. März bis 5. Juli 2013; IV-act. 127 und IV-act. 173-48) eine
Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (Gutachten der MEDAS Bern vom 26. Februar 2016,
IV-act. 173). Der RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt u.a. für Innere Medizin und
Rheumatologie, hielt die Beurteilung durch die MEDAS Bern für schlüssig
(Stellungnahme vom 4. März 2016, IV-act. 174).
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A.d Auf der Grundlage einer 80%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 15. März 2016
die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 177). Dagegen erhob der
Versicherte am 4. Mai 2016 Einwand und reichte vom Gutachten der MEDAS Bern
abweichende Beurteilungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen ein (u.a.
Berichte von Dr. C._ vom 31. März 2016 und vom 8. April 2016, von Dr. B._ vom 2.
Mai 2016, von Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13.
April 2016, von med. prakt. G._, Leitender Arzt der Klinik D._, vom 5. April 2016;
IV-act. 182). Hierzu nahmen die Gutachter der MEDAS Bern am 27. September 2016
Stellung (IV-act. 195). Am 25. November 2016 äusserte sich der Versicherte kritisch zu
dieser Stellungnahme (siehe hierzu sowie zur Stellungnahme von Dr. C._ vom 18.
Oktober 2016 IV-act. 200). Auf dessen Vorbringen ging die MEDAS Bern im Schreiben
vom 15. März 2017 ein (IV-act. 206). Am 23. März 2017 verfügte die IV-Stelle gestützt
auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS Bern die Abweisung des
Rentengesuchs des Versicherten (IV-act. 208).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 23. März 2017 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 10. Mai 2017. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und
sinngemäss die Zusprache einer IV-Rente; eventuell sei der Sachverhalt ergänzend
abzuklären; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung bringt er im
Wesentlichen vor, die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Gutachter der
MEDAS Bern sei nicht beweiskräftig. Insbesondere bestehe zwischen der
gutachterlichen Beurteilung und derjenigen der behandelnden medizinischen
Fachpersonen eine erhebliche Diskrepanz (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2017
die Abweisung der Beschwerde. Sie hält die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der MEDAS
Bern für beweiskräftig. Die Gutachter hätten sich mit den Beurteilungen der
behandelnden medizinischen Fachpersonen auseinandergesetzt. Überdies sei
anzumerken, dass sich sowohl aus dem neurologischen, orthopädischen als auch
psychiatrischen Teilgutachten Hinweise auf Inkonsistenzen und Auffälligkeiten bis hin
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zu einer Aggravation ergeben hätten. Darauf habe auch der RAD-Arzt Dr. E._
hingewiesen (act. G 4).
B.c Mit Verfügung vom 27. Juni 2017 ist dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht
entsprochen worden (act. G 5).
B.d In der Replik vom 18. August 2017 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 7).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 9).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der mit dem
"Revisionsgesuch" vom 25. November 2013 (IV-act. 126) geltend gemachte
Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Zu den Voraussetzungen für einen
Rentenanspruch sowie zum Beweiswert eines Arztberichts kann auf die Erwägungen
1.1. f. im Entscheid des Versicherungsgerichts vom 8. Juli 2014, IV 2014/468,
verwiesen werden (IV-act. 130).
2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter der MEDAS Bern eine beweiskräftige
Grundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers bildet. Der
Beschwerdeführer hält deren Einschätzung aus verschiedenen Gründen nicht für
beweiskräftig (act. G 1 und G 7).
2.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass eine erhebliche Diskrepanz zwischen der
Beurteilung der MEDAS Bern und derjenigen der behandelnden medizinischen
Fachpersonen bestehe (act. G 1, Rz 3.13 am Schluss; act. G 7, Rz 3.2).
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2.1.1 Ein den Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes medizinisches
Gutachten (BGE 125 V 351 f. E. 3a und b) kann nicht in Frage gestellt werden und
Anlass zu weiteren Abklärungen bieten, wenn und sobald die behandelnden
medizinischen Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen
oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält
es sich nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer
anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008,
9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Ferner kann eine psychiatrische Exploration von
der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet der begutachtenden
psychiatrischen Fachperson daher praktisch immer einen gewissen Spielraum,
innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich,
zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte oder die Expertin lege artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009, 8C_694/2008, E. 5.1.1).
2.1.2 Vorab ist festzustellen, dass die Gutachter der MEDAS Bern umfassende
Kenntnis der medizinischen Vorakten hatten (siehe insbesondere IV-act. 173-5 ff. und
IV-act. 173-54 ff.) und sich damit eingehend auseinandersetzten (IV-act. 173-16 f.,
173-23 f., 173-36 und IV-act. 173-48 f.).
2.1.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, Dr. C._ habe im Schreiben vom 31.
März 2016 (IV-act. 182-11 f.) eine Verbesserung des Gesundheitszustands in
somatischer Hinsicht verneint. Mit Nachdruck habe sie im weiteren Attest vom 18.
Oktober 2016 der Behauptung im MEDAS-Gutachten widersprochen, sie hätte ein
Radikulärsyndrom diagnostiziert (act. G 1, Rz 3.13.1). Der orthopädische Gutachter der
MEDAS Bern hat u.a. in Diskussion der damals vorliegenden Berichte von Dr. C._
plausibel dargelegt, dass die von ihrer Seite beschriebene zunehmende Einschränkung
der Halswirbelsäulenbeweglichkeit bei Progredienz der degenerativen Veränderungen
in der Halswirbelsäule und der neu hinzu gekommenen schmerzhaften
Bewegungseinschränkung beider Schultern im klaren Gegensatz zu den kurze Zeit
später gezeigten Untersuchungsbefunden mit weitgehend freier Funktion der
Halswirbelsäule und beider Schultergelenke gestanden seien. Die aktuell angefertigten
radiologischen Untersuchungen der Halswirbelsäule könnten keine wesentliche
Progredienz der bekannten degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule, die
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nicht stark ausgeprägt seien, bestätigen. Es könne deshalb der Einschätzung der
polydisziplinären Begutachtung vom 27. Februar 2009 und vom 1. März 2012 auf
orthopädischem Gebiet gefolgt werden, wobei der jetzige Befund eine deutliche
Besserung und eine stärkere Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit belegen könne (IV-
act. 173). Weder aus den nachfolgenden Berichten von Dr. C._ vom 31. März 2016
(IV-act. 182-11 f.), 8. April 2016 (IV-act. 182-13) und 18. Oktober 2016 (IV-act. 200-6)
noch aus den übrigen Akten ergeben sich objektive Gesichtspunkte, welche die
gutachterliche Beurteilung des Rückenleidens des Beschwerdeführers in Frage stellen
würden. Der Bericht vom 31. März 2016 stützt sich im Wesentlichen auf die
Schmerzangaben des Beschwerdeführers. Ausserdem gehen daraus Gesichtspunkte
hervor, dass die geklagten Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers im
Wesentlichen nicht von somatischen Leiden geprägt sind. So habe sich der
Beschwerdeführer mehrfach "stark agitiert mit aggressiven Äusserungen und
Androhung von Gewalt gegen Dritte" gezeigt. Die Verneinung einer
Aggravationstendenz geht sodann in einer lediglich anderen Würdigung als "hoher
Anspannungszustand" auf (IV-act. 182-11 f.). Eine mögliche Beeinflussung der
gutachterlichen Beurteilung durch einen Benzodiazepinkonsum (vgl. hierzu IV-act.
182-13) wurde in der Stellungnahme der MEDAS Bern vom 27. September 2016 mit
einleuchtender Begründung ausgeschlossen (IV-act. 195-2). Die von Dr. C._
kritisierte Aussage hinsichtlich einer radikulären Symptomatik findet sich nicht im
Gutachten, sondern erst in der späteren Stellungnahme der MEDAS Bern vom 13. Mai
2016 (IV-act. 195-1). Die Kritik von Dr. C._ ist daher von vornherein nicht geeignet,
Zweifel am Gutachten entstehen zu lassen. Im Übrigen verneint Dr. C._ ebenfalls eine
radikuläre Symptomatik und bestätigt damit inhaltlich die entsprechende gutachterliche
Schlussfolgerung (zum Ausschluss von Ausfällen aus neurologischer Sicht siehe IV-act.
173-17).
2.1.4 Der Beschwerdeführer verweist des Weiteren auf den Bericht von Dr. F._ vom
13. April 2016 (IV-act. 182-16 ff.), worin er dem MEDAS-Gutachten deutlich
widersprochen habe (act. G 1, Rz 3.13.3) und auf die Einschätzung von med. prakt.
G._ vom 5. April 2016 (IV-act. 182-20 ff.; vgl. act. G 1, Rz 3.13.5). Soweit Dr. F._
gegen die psychiatrische Beurteilung im Gutachten der MEDAS Bern vorbringt, mit den
Berichten des behandelnden med. prakt. G._ seien anhaltende und rezidivierende
depressive Episoden nachgewiesen, übersieht er das Folgende: Es ist gerade Zweck
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einer Begutachtung, die vorbestehende medizinische Aktenlage nicht unbesehen zu
übernehmen, sondern sich damit - soweit angemessen - kritisch auseinanderzusetzen.
Nichts anderes kann auch für die Selbsteinschätzung und das Verhalten eines
Exploranden gelten. Der psychiatrische Gutachter hat sich eingehend mit den
Vorakten, insbesondere dem Austrittsbericht von med. prakt. G._ vom 9. Juli 2013,
auseinandergesetzt (IV-act. 173-48). Gestützt auf die eigene persönliche Untersuchung
und unter Einbezug der zahlreichen Inkonsistenzen bzw. in Berücksichtigung einer
objektiven, von der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers unabhängigen
Ressourcenprüfung hat er nachvollziehbar dargelegt, dass aus psychiatrischer Sicht
keine ausgeprägten, diagnoserelevanten Befunde erhoben worden seien (IV-act.
173-48 f.). Aus dem gesamten Gutachten der MEDAS Bern ergeben sich zahlreiche
Auffälligkeiten und Inkonsistenzen (IV-act. 173-17 oben; betreffend behaupteter
vollständiger Unfähigkeit zur Mithilfe im Haushalt siehe IV-act. 173-20; zur schlechten
Befundkonsistenz siehe auch IV-act. 173-21 f.). Solche lassen sich auch den Vorakten
entnehmen (IV-act. 8-21 [selbstlimitierendes Verhalten]; IV-act. 8-28 f. [Diskrepanzen
und erhebliche Symptomausweitung]; IV-act. 10-1; IV-act. 97-12 oben; IV-act. 97-14
oben; IV-act. 97-15 Mitte [Ziff. 5.5]; IV-act. 97-18 oben; zur sehr tiefen
Selbsteinschätzung siehe IV-act. 97-11 unten, IV-act. 97-13 Mitte und IV-act. 97-19).
Die Gutachter legten nachvollziehbar dar, dass sich der Beschwerdeführer in die
Krankheit geflüchtet habe (IV-act. 173-20 Mitte; zur narzisstischen Kränkung siehe IV-
act. 173-20 unten; ausführlich zum "Krankenrollenverhalten" siehe IV-act. 173-49
oben), wobei teilweise bewusste aggravatorische Anteile bestünden und sich teilweise
auch appellativ vorgebrachtes Schon- und Vermeidungsverhalten gezeigt habe (IV-act.
173-20 unten und IV-act. 173-21). Zudem wiesen sie auf die Bedeutung
krankheitsfremder psychosozialer Anteile und soziokultureller Faktoren für die
Aufrechterhaltung der Symptomatik hin (IV-act. 173-21). Daher und gestützt auf die
umfassende objektive Ressourcenprüfung (siehe IV-act. 173-21 Mitte), worauf
verwiesen wird, gelangte der psychiatrische Gutachter einleuchtend zum Schluss, dass
keine relevante Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründet werden könne. Weder
Dr. F._ noch med. prakt. G._ nahmen in ihren Beurteilungen eine objektive, von
den Leidensangaben und der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers unabhängige
Prüfung seiner Ressourcen vor. Zumindest ist eine solche nicht erkennbar. Sie setzen
sich zudem nicht mit den zahlreichen Inkonsistenzen oder Aggravationstendenzen
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auseinander. Vielmehr scheinen ihre Beurteilungen auf einer mehr oder weniger
unbesehenen Übernahme der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers zu gründen.
Unter diesen Umständen vermögen sie den Beweiswert der gutachterlichen
Beurteilung nicht zu erschüttern. Im Übrigen hat med. prakt. G._ im Austrittsbericht
vom 9. Juli 2013 ebenfalls zahlreiche psychosoziale Umstände beschrieben (finanzielle
Umstände; Kränkung infolge Verhaltens der Kinder; angespannte familiäre Verhältnisse;
Zukunftssorgen; IV-act. 127-3 f.). Allerdings begründete er nicht schlüssig, dass diese
Umstände zu einer eigenständigen krankheitswertigen Beeinträchtigung der
Leistungsfähigkeit führen, wie sie vom psychiatrischen Gutachter der MEDAS Bern
verneint wird. Bereits anlässlich der Verlaufsbegutachtung durch die MEDAS
Ostschweiz beklagte der Beschwerdeführer, dass sich die psychische Situation,
seitdem er vom Sozialamt abhängig sei, verschlechtert und er Zukunftsängste habe (IV-
act. 97-20 unten). Der psychiatrische Gutachter der MEDAS Ostschweiz verneinte
indes, wie später sein Kollege der MEDAS Bern, dass daraus eine Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit resultierte (IV-act. 97-25).
2.1.5 Ausserdem bemängelt der Beschwerdeführer, die Ausführungen von Dr. B._
vom 2. Mai 2016 seien in der Stellungnahme der MEDAS Bern vom 15. März 2017 und
von der Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt worden (act. G 1, Rz 3.13.3).
Gleiches gelte hinsichtlich der Stellungnahme von med. prakt. G._ vom 5. April 2016
(act. G 1, Rz 3.13.5). Die Stellungnahme der MEDAS Bern vom 27. September 2016
nimmt ausdrücklich sowohl auf den Bericht von med. prakt. G._ vom 5. April 2016
(IV-act. 195-2, 1. Abschnitt unter "Stellungnahme Herr H._") als auch auf den Bericht
von Dr. B._ vom 2. Mai 2016 (IV-act. 195-2 Mitte) Bezug. Der Beschwerdeführer legt
weder dar noch ist erkennbar, weshalb eine weitere Auseinandersetzung in der
späteren Stellungnahme vom 15. März 2017 erforderlich gewesen wäre. Ohnehin
gehen aus den beiden Berichten der behandelnden Ärzte, die nicht auf einer objektiven
Ressourcenprüfung beruhen, keine objektiven Hinweise hervor, welche das Gutachten
der MEDAS Bern nachträglich in Zweifel ziehen liessen.
2.2 Nach der Auffassung des Beschwerdeführers lässt die Bemerkung im MEDAS-
Gutachten, dass von einer gewissen Rentenbegehrlichkeit gesprochen werden könne,
"die Vermutung einer Voreingenommenheit des Gutachters als gerechtfertigt
erscheinen", was den Beweiswert des Gutachtens mindere (act. G 1, Rz 3.13.2). Dieser
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Vorwurf ist unbegründet. Denn die Angabe einer "gewissen Rentenbegehrlichkeit"
stammt nicht von den Gutachtern der MEDAS Bern selbst, sondern hat allein im
Rahmen der Wiedergabe der RAD-Anfrage vom 19. Februar 2015 (IV-act. 166-1 unten)
Eingang in das Gutachten gefunden (IV-act. 173-3 unten). Sie ist daher von vornherein
nicht geeignet, eine Voreingenommenheit seitens der Gutachter der MEDAS Bern zu
begründen. Im Übrigen sprach med. prakt. G._ im Austrittsbericht vom 9. Juli 2013
u.a. von einer "Traumatisierung durch die Verweigerung von ihm [dem
Beschwerdeführer] als zustehend geglaubten Existenz sichernden
Versicherungsleistungen" (IV-act. 127-5). Allein schon vor diesem Hintergrund
erscheint die im Gutachten (bloss) wiedergegebene Aussage auf eine "gewisse
Rentenbegehrlichkeit" zumindest vertretbar.
2.3 Der Beschwerdeführer wirft den Gutachtern der MEDAS Bern zudem vor, zu
Unrecht auf fremdanamnestische Angaben und Erkundigungen bei der Klinik D._
verzichtet zu haben (act. G 1, Rz 3.13.5; act. G 7, Rz 3.1 und Rz 3.3). Die Gutachter der
MEDAS Bern hatten aufgrund der ihnen vorliegenden Akten und der persönlichen
Angaben des Beschwerdeführers (siehe etwa IV-act. 173-13 und IV-act. 173-45 f.)
bereits einlässliche Kenntnis von seiner Alltagsgestaltung und den psychosozialen
Umständen. Angesichts der hohen Krankheitsüberzeugung des Beschwerdeführers
und der zahlreichen Inkonsistenzen in seiner Leidenspräsentation (siehe vorstehende E.
2.1.4) erscheint zudem fraglich, ob durch fremdanamnestische Abklärungen in seinem
Umfeld überhaupt aussagekräftige, unverzerrte Informationen hätten eingeholt werden
können. Im Übrigen kann auf die zutreffenden Ausführungen der Gutachter im
Schreiben vom 27. September 2016 verwiesen werden (IV-act. 195-3). Den Gutachtern
waren die medizinischen Berichte der D._ bekannt (siehe vorstehende E. 2.1.2 und
die dortigen Aktenverweise). Es wird vom Beschwerdeführer weder konkret dargelegt
noch ist ersichtlich, dass sich über die aktenkundigen Berichte der Klinik D._ hinaus
durch zusätzliche Erkundigungen relevante Informationen hätten gewinnen lassen. Der
Verzicht der Gutachter darauf sowie auf weitere fremdanamnestische Abklärungen ist
daher zumindest vertretbar.
2.4 Ferner ist der Beschwerdeführer gestützt auf die Diagnosestellung von med. prakt.
G._ der Auffassung, er leide an einer somatoformen Schmerzstörung (act. G 7, Rz
3.3). In der Stellungnahme der MEDAS Bern vom 27. September 2016 wird ausführlich
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und in Diskussion der Vorakten begründet, weshalb die Kriterien für eine
entsprechende Diagnosestellung nicht erfüllt sind (IV-act. 195-2 f.). Bereits zuvor legte
der psychiatrische Experte im Gutachten der MEDAS Bern unter Hinweis auf das
"Krankenrollenverhalten" sowie die mindestens teilweise bewussten aggravatorischen
Anteile plausibel dar, weshalb keine somatoforme Schmerzstörung vorliegt. Weder aus
der Stellungnahme von Dr. F._ vom 13. April 2016 (IV-act. 182-16 ff.) noch derjenigen
von med. prakt. G._ vom 5. April 2016 (IV-act. 182-20 ff.) ergeben sich wesentliche
objektive Gesichtspunkte, welche der psychiatrische Gutachter der MEDAS Bern
ausser Acht gelassen hätte. Vielmehr gehen ihre abweichende Diagnosestellung und
Einschätzung in einer anderen Würdigung des Sachverhalts auf, ohne dass sie auf die
ausgewiesenen Inkonsistenzen eingehen. Der Vollständigkeit halber ist darauf
hinzuweisen, dass die Gutachter der MEDAS Bern einen Spannungskopfschmerz
diagnostizierten (IV-act. 173-23), was einen Ausschlussgrund für die Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) darstellt (DILLING/
MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen,
ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Auflage, 2015, S. 234).
2.5 Bei der Würdigung des Gutachtens der MEDAS Bern vom 26. Februar 2016 (IV-
act. 173) fällt ins Gewicht, dass es auf eigenständigen, polydisziplinären Abklärungen
beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Es bestehen ferner keine
Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden
wären. Die Gutachter der MEDAS Bern haben plausibel dargelegt, dass die von
Inkonsistenzen und Diskrepanzen geprägte tiefe Selbsteinschätzung des
Beschwerdeführers und die von ihm eingenommene Krankenrolle keine
gesundheitliche Beeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsunfähigkeit darstellt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. September 2018, 9C_234/2018, E. 6.3). Vor
diesem Hintergrund besteht kein Anlass, die Beweiskraft des Gutachtens bzw. der
darin enthaltenen Arbeitsfähigkeitsschätzung (80%ige Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten; 100%ige Arbeitsunfähigkeit während des stationären
Aufenthalts vom 13. März bis 5. Juli 2013; IV-act. 173-24 und IV-act. 173-27) in Frage
zu stellen. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung ist mit derjenigen gemäss Vorgutachten
der MEDAS Ostschweiz vom 27. Februar 2009 und 1. März 2012 vereinbar, worin eine
höchstens 70%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt wurde (IV-act. 25-16 und IV-act. 97-29).
Zumindest vermag die geringe Differenz von höchstens 10% keinen Mangel am
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Gutachten der MEDAS Bern zu begründen. Es besteht demnach kein Anlass für
weitere Abklärungen. Für die Prüfung des Rentenanspruchs ist es im Übrigen nicht
wesentlich, ob der Bestimmung des Invalideneinkommens eine 70%ige oder 80%ige
Arbeitsfähigkeit zugrunde gelegt wird (siehe nachfolgende E. 3).
3.
Bei der Bestimmung des Invaliditätsgrads besteht kein Anlass von dem vom
Bundesgericht im Urteil vom 23. Dezember 2014, 9C_630/2014, vorgenommenen
Einkommensvergleich abzuweichen, sodass bei einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ein
Invaliditätsgrad von abgerundet 25% ([Fr. 64'350.-- - {Fr. 59'979.-- x 0.8}] /Fr.
64'350.--; vgl. den Einkommensvergleich im Entscheid des Versicherungsgerichts vom
8. Juli 2014, IV 2012/468, E. 2.8, IV-act. 130-12 unten) bzw. bei einer 70%igen
Arbeitsfähigkeit ein 35%iger Invaliditätsgrad resultiert (IV-act. 143-4).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Sie ist dem
unterliegenden Beschwerdeführer vollumfänglich aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher
Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
4.3 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird
vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. In der
vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'800.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
4.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).