Decision ID: 4d59fae7-e335-4667-8722-8379f401cda2
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, war vom
2.
Juni 2008 bis 3
1.
Oktober 2008
befris
tet
bei der
Y._ AG
als Sachbe
arbeiterin angestellt (
Urk.
7/43
). Vom 2
0.
November 2008 bis 3
0.
Mai 2009 war sie als Promoterin bei der
Z._ AG
tätig (
Urk.
7/37
Ziff.
2
).
Weiter war sie vom 1
0.
September 2007 bis 1
2.
April 2008 bei der
A._
befristet angestellt (
Urk.
7/44
Ziff.
1-2
).
Von Februar 2009 bis Mai 2010
war
die Versicherte
für die Stiftung
B._
tätig (
Urk.
7/13/2;
Urk.
7/15/2;
Urk.
7/16/2;
Urk.
7/17/2;
Urk.
7/17/2;
Urk.
7/32).
Am 2
8.
Oktober 2008 (
Urk.
7/52) und 1
0.
November 2008 (
Urk.
7/51) meldete sich
X._
zur Arbeitsvermittlung an und beantragte
Arbeitslosenent
schädigung
ab
1.
November 2008 (
Urk.
7/10
Ziff.
2). Am 2
1.
Mai 2010 bezog die Versicherte letztmals Arbeitslosentaggelder und wurde am 1
4.
Juni 2010 ausgesteuert (
Urk.
7/8).
Mit Verfügung vom 1
6.
Februar 2012 (
Urk.
7/6) forderte die AVIZO Arbeitslo
senkasse der Industrien des Zürcher Oberlandes (nachfolgend Kasse)
zu Unrecht ausbezahlte Leistungen in Höhe von
Fr.
36‘608.55 von der Versicherten zurück. Die dagegen am 1
7.
Februar 2012 erhobene Einsprache (
Urk.
7/5) wies die Kasse mit
Einspracheentscheid
vom 1
8.
April 2012 ab (
Urk.
7/3 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
8.
April 2012 (
Urk.
2) erhob die Versi
cherte am
9.
Mai 2012 Beschwerde und beantragte die Aufhebung des ange
fochtenen Entscheides und den Erlass der Rückforderung (
Urk.
1). Mit
Be
schwerdeantwort
vom 1
9.
Juni 2012 (
Urk.
6) beantragte die
Beschwerdegegne
rin
die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 2
6.
Juni 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
95
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeits
-
losenversi
cherung
und Insolvenzentschädigung (AVIG) richtet sich die Rückforderung mit Ausnahme der Fälle von
Art.
55 AVIG nach
Art.
25 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG). Gemäss
Art.
25
Abs.
1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche
das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massge
bend (
Art.
25
Abs.
2 ATSG).
1.2
Gemäss
Art.
24 AVIG gilt als Zwischenverdienst jedes Einkommen aus
unselb
st
-
ständiger
oder selbstständiger Erwerbstätigkeit, das der Arbeitslose innerhalb einer Kontrollperiode erzielt. Der Versicherte hat Anspruch auf Ersatz des Ver
dienstausfalls (
Abs.
1 Satz 1 und 2). Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwi
schen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, mindestens aber dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und dem versi
cherten Verdienst (
Abs.
3 Satz 1).
Die Angaben über Zwischenverdienste sind der zuständigen Amtsstelle regel
mässig einzureichen (
Art.
29
Abs.
2
lit
. b der
Verordnung über die obligatori
sche Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
,
AVIV).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entsche
id damit, dass im Zeitraum von November 2008 bis Mai 2010
gleichzeitig
AHV
-Beiträge für
Arbeitslosen
taggelder
und für Einkommen abgerechnet worden sei
en
,
worauf
man
die Er
zielung
von Zwischenverdienst habe
. Aus der Nachberechnung habe sich der Rückforderungsbetrag von
Fr.
36‘608.55 ergeben. Zwischenverdienste seien von Gesetzes wegen monatlich abzurechnen. Da die Beschwerdeführerin diese nicht gemeldet habe, habe der Verdienst nicht in die Berechnung der
Arbeitslo
senentschädigung
mit einbezogen werden können. Die zu Unrecht ausbezahlten Taggelder seien deshalb zurückzufordern (
Urk.
2 S. 2;
Urk.
6).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, grosse Schulden zu haben. Um min
destens einen Teil derselben abbezahlen zu können, habe sie sich ent
schlossen, die volle Arbeitslosenentschädigung anstatt eines
Zwischenverdiens
tes
einzufordern. Für die Kasse spiele es keine Rolle, ob sie weniger Entschädi
gung über einen längeren Zeitraum oder höhere Beiträge über einen kürzeren Zeitraum
auszahle. Die Rückforderung zu begleichen sei für sie unmöglich. Sie habe die Taggelder in gutgläubiger Absicht entgegengenommen, da sie ange
nommen habe, es würden für die Kasse im Endeffekt keine höheren Beträge anfallen. Ihre Scheidung und der Bau ihres Eigenheims hätten sie psychisch und physisch stark mitgenommen und sie an den Rand des Ruins gebracht (
Urk.
1
S. 1-2).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin hat unbestrittenermassen in den Formularen über die „Angaben der versicherten Person
“
für die Monate November 2008 bis Mai 2010 die Frage
n
, ob sie in
dem betreffenden Monat gearbeitet habe
, mit „Nein“ beantwortet
und dies unterschriftlich bestätigt
, obwohl sie
in diesem Zeitraum Lohn erzielt hatte
(vgl.
Urk.
7/13/2-3;
Urk.
7/15/2-3;
Urk.
7/16/2-3;
Urk.
7/17/2-3;
Urk.
7/18/2-3;
Urk.
7/20/2-3;
Urk.
7/21/2-3;
Urk.
7/22/2-3;
Urk.
7/23/2-3,
Urk.
7/24/2-3;
Urk.
7/25/2-3;
Urk.
7/27/2-4
;
Urk.
7/28/2-3;
Urk.
7/29/2-4;
Urk.
7/30/2-3;
Urk.
7/31;
Urk.
7/32;
Urk.
7/33;
Urk.
7/34/2-3;
Urk.
7/35/2-3 sowie die weiteren bei den Akten liegenden Lohnblätter
)
. Die un
terlassene Meldung des Zwischenverdienstes
führte dazu, dass ihr in den ge
nannten Monaten
unrechtmässig
ein höherer als der ihr zustehende
Betrag
an Arbeitslosenentschädigung aus
gerichtet wurde.
Die
Beschwerdegegnerin
war daher berechtigt
und verpflichtet
, die zwischen November 2008
und
Mai 2010
zu viel
ausgerichteten Kompensationszahlungen in der Höhe von
Fr.
36‘608.55
(
vgl.
Urk.
7/6/1
) gestützt auf
Art.
25 ATSG zurückzufordern.
Dieser Betrag wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
3.2
Die Beschwerdegegnerin erhielt am 2
5.
Mai 2011 Kenntnis von den nicht gemel
deten Zwischenverdiensten (vgl.
Urk.
7/1). Die Rückforderungsverfügung vom 1
6.
Februar 2012 erging deshalb rechtzeitig innerhalb der einjährigen Verjährungsfrist ab Kenntnis ihres Rückforderungsanspruches
und innerhalb der fünfjährigen Frist nach Entrichtung der einzelnen Leistung (
Art.
25
Abs.
2 ATSG
)
.
3.3
Was die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Erlassgründe angeht, so sind diese
nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, sondern werden nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheides zu prüfen sein (
Art.
4 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
vgl.
Urk.
7/4).
4.
Zusammenfassend erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
als rech
tens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.