Decision ID: 7b819138-0f2f-40c8-87a9-a9574f22a3d3
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1966 geborene, am
6.
Juni 2019 verstorbene
X._
, deutscher und Schweizer Staatsbürger
,
war in den Jahren 2012 und 2013 in der Schweiz wohnhaft
und in diesem Zeitraum sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland unselbständig erwerbstätig.
Mit Nachtragsverfügungen vom 1
5.
Juli 2016 setzte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
dessen Beiträge für
Arbeitnehmende
ohne beitragspflichtigen Arbeitgeber basie
rend auf den in Deutschland erzielten Einkommen aus unselbständiger Erwerbs
tätigkeit für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezembe
r 2012 und vom 1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2013 fest (
Urk.
7/94).
Die hiergegen von
X._
erhobene Einsprache vom 15. August 2016
(
Urk.
7/96) wies die Ausgleichskasse mit
Einspracheentscheid
vom 1
6.
August 2018 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
6.
August 2018 erhob
X._
am 1
7.
September 2018 Beschwerde (
Urk.
1) mit folgendem Rechtsbe
gehren (S. 2):
«1.
Es sei der
Einspracheentscheid
vom 1
6.
August 2018, inklusive Verfü
gung vom 1
5.
Juli 2016 aufzuheben und festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab
1.
April 2012 nicht der AHV-Pflicht für
Arbeitnehmende
mit ausländischem Arbeitgeber untersteht. Die irrtüm
licherweise zu viel bezahlten
Akontobeiträge
des Beschwerdeführers für das Jahr 2012 seien dem Beschwerdeführer
rückzuvergüten
.
2.
Eventualiter sei der
Einspracheentscheid
vom
1
6.
August 2018, inkl. Verfügung vom 1
5.
Juli 2016 aufzuheben und die Sache zwecks ergän
zender Abklärung des Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, um anschliessend neu über eine allfällige AHV-Unterstellung des Beschwerdeführers für die Gesamttätigkeit zu entscheiden.
3.
In formeller Hinsicht sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
4.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Gegenpar
tei.»
Mit Beschwerdeantwort vom
2.
Oktober 2018 schloss die Ausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Replik vom
7.
Dezember 2018 hielt
X._
an den Rechtsbegehren 1, 2 und 4 fest (
Urk.
11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (
Schreiben vom 2
0.
Dezember 2018 [
Urk.
13
]
).
Am
6.
Juni 2019 verstarb
X._
.
Mit Gerichtsverfügung vom 1
3.
Januar 2020 wurde das vorliegende Verfahren sistiert, bis über den Antritt der Erbschaft von
X._
entschieden ist (
Urk.
16). Mit Eingabe vom 2
7.
Februar 2020 teilte
lic
.
iur
.
B._
mit,
dass
die Witwe
Y._
den Prozess weiterführen
möchte und
unter Festhalten an den Anträgen i
n der Beschwerde
schrift vom 17.
September 2018 um Aufhebung der Sistierung und Fortsetzung des Prozesses
bitte
(
Urk.
18). Gestützt auf die
der Eingabe beigelegte
Erbenbe
scheinigung des Regionalgerichts
C._
vom 6. September 2019
wurde
die Erb
enstellung von
Y._
und den Eltern des Verstorbenen
,
Z._
un
d
A._
,
nachgewiesen (
Urk.
19-20). Mit Verfügung vom 3
0.
März 2020 wurde die Sistierung des Prozesses aufgeho
ben (
Urk.
21).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Unbestritten ist, dass angesichts der Gegebenheite
n –
X._
war
deutscher und Schweizer Staatsangehöriger,
in der Schweiz wohnhaft
und sowohl hier wie auch in Deutschland unselbständig erwerbstätig – ein grenzüber
schreitender Sachverhalt vorliegt.
Unbestritten ist
ebenfalls, dass er
bis 3
1.
März 2012 für die Gesamtheit seiner Erwerbseinkünfte in der Schweiz beitragspflichtig ist
(
Urk.
1 S.
2 und S.
6). Zu prüfen bleibt damit
noch
seine
Versicherungspflicht
für das
vom
1.
April 2012 bis 31.
Dezember 2013 in Deutschland erzielte Ein
kommen.
2.
2.1
Nach
Art.
1
Abs.
1 des auf der Grundlage von
Art.
8 des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Frei
zügigkeit (FZA) ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (
Art.
15
FZA) Anhangs II FZA (in der bis 3
1.
März 2012 geltenden Fassung) in Verbindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien unter
einander insbesondere die
Verordnungen (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 1
4.
Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeit
nehmer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (
VO Nr. 1408/71)
und (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 2
1.
März 1972 über die Durchf
ührung der Verordnung (EWG) Nr.
1408
/71 (
VO Nr. 574/72) oder gleichwertige Vorschriften an.
Mit Wirkung auf
den
1.
April 2012 sind diese beiden Rechtsakte durch die Ver
ordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (VO Nr.
883/2004) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 1
6.
September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (VO Nr. 987/2009) abgelöst worden
(BGE 144 V
210 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
2.2
2.2.1
In Bezug auf die zeitliche Geltung ist
damit
Folgendes zu b
eachten:
Nach der Rechtsprechung stellt das Gericht bei der Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des strittigen Entscheids (hier:
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom
1
6.
August 2018 [
Urk.
2]) ein
getretenen Sachverhalt ab.
Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein
.
Vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen sind in zeitlicher Hin
sicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führ
enden Tatbestands Geltung haben.
Anders verhält es sich mit den verfahrensrechtlichen Neuerungen. Diese sind mangels gegenteiliger Übergangsbestimmungen mit dem Tag des Inkrafttre
tens sofort und in vollem Umfang anwendbar
(BGE 144 V 210 E. 4.3.1 mit weiteren Hinweisen).
2.2
.2
Vorliegend sind jene Bestimmungen anwendbar, welche für den jeweils strittigen Beurteil
ungszeitraum (Beitragsjahre 2012 und 2013; konkret
1.
April 2012 bis 31. Dezember 2013
) Geltung hatten
.
Diese Lösung stellt zufolge ihres allgemein gültigen Bedeutungsgehalts ein
en für alle Rechtsverhältnisse –
und somit auch für die
B
eurteilung der Beitragspflicht –
geltenden intertemporalrechtlichen Grundsatz auf
(BGE 144 V 210 E. 4.3.2 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.
3
Mit Blick auf die vom
1.
April 2012
bis 3
1.
Dezember 2013
zu beurteilende Beitragspflicht
e
rweisen sich die VO Nr. 883/2004 und Nr. 987/2009 als relevant, indessen in der bis 3
1.
Dezember 2014 gültig gewesenen Fassung (d.h. ohne die auf den
1.
Januar 2015 in Kraft getretene Ände
rung gemäss Verordnung [EU] Nr.
465/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2
2.
Mai 2012 zur Änderung der Verordnung [EG] Nr. 883/2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit und der Verordnung [EG] Nr. 987/2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung [EG] Nr. 883/2004
). Der in Art.
87
Abs.
8 VO Nr. 883/2004 übergangsrechtlich geregelte Ausnahmefall ist hier nicht gegeben
(
vgl.
BGE 144 V 210 E. 4.4.2)
.
2.3
Die erwähnten Verordnungen gelangen sodann in persönlicher und sachlicher Hinsicht zur Anwendung.
2.4
2.4
.1
Titel II der VO Nr. 883/2004 (
Art.
11-16) enthält allgemeine Kollisionsregeln zur Bestimmung der anzuwendenden Rechtsvorschriften. Dabei legt
Art.
11
Abs.
1 VO Nr. 883/2004 – wie bereits
Art.
13
Abs.
1 VO Nr. 1408/71 – den kollisions
rechtlichen Grundsatz der Einheitlichkeit der anwendbaren Rechtsvorschriften in dem Sinne fest, dass für jede betroffene Person die Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats massge
bend sind (BGE 144 V 210 E. 6.
1 mit weiteren Hinweisen).
2.4
.2
A
uch unter der Herrschaft der VO Nr. 883/ 2004 gelten bei
Arbeitnehmenden
und
Selbständigerwerbenden
in der Regel die Rechtsvorschriften desjenigen Mitglied
staats, in dem sie ihre Tätigkeit ausübe
n (
Art.
11
Abs.
3 Bst. a VO Nr.
883/2004; BGE 144 V 210 E. 6.2.
1
mit weiteren Hinweisen).
2.4
.3
Im Sinne einer Ausnahme unterliegt demgegenüber eine Person, die gewöhnlich in zwei oder mehr Mitgliedsstaaten eine Beschäftigung ausübt den Rechtsvor
schriften des Wohnmitgliedstaats, wenn sie bei mehreren Unternehmen oder Arbeitgebern beschäftigt ist, die ihren Sitz oder Wohnsitz in verschiedenen Mit
gliedsstaaten haben; dies unabhängig davon, ob dort ein wesentlicher Teil der Tätigkeiten ausgeübt wird (
Art.
13
Abs.
1 Bst. a VO Nr. 883/2004). Diese Bestim
mung bezieht sich namentlich auf eine Person, die eine Tätigkeit in einem Mit
gliedstaat beibehält, aber zugleich eine gesonderte Tätigkeit in einem oder mehreren anderen Mitgliedstaaten ausübt, und
zwar unabhängig von der Dauer oder der Eigenart dieser gesonderten Tätigkeit (
Art.
14
Abs.
5 Bst. a VO
987/2009).
2.5
2.
5
.1
Unter dem Titel V "Verschiedene Bestimmungen"
wird in
Art.
76
Abs.
1-7 VO
Nr.
883/2004 die Zusammenarbeit der Behörden und Träger (sowie betroffenen Personen) geregelt.
Abs.
6 der Bestimmung sieht vor, dass, wenn durch Schwie
rigkeiten bei der Auslegung oder Anwendung dieser Verordnung die Rechte einer Person im Geltungsbereich der Verordnung in Frage gestellt werden, sich der Träger des zuständigen Mitgliedstaats oder des Wohnmitgliedstaats der betref
fenden Person mit dem Träger des anderen betroffenen Mitgliedstaats oder den Trägern der anderen betroffenen Mitgliedstaaten in Verbindung setzt. Wird bin
nen einer angemessenen Frist keine Lösung gefunden, so können die betreffenden Behörden die Verwaltungskommission befassen (
BGE 144 V 210 E. 6.3.1)
2.
5
.2
Art.
16 VO Nr. 987/2009 äussert sich sodann im Speziellen zum Verfahren bei der Anwendung von
Art.
13 VO Nr. 883/200
4.
Danach teilt eine Person, die in zwei oder mehreren Mitgliedstaaten
eine Tätigkeit ausübt, dies dem von der zu
ständigen Behörde ihres Wohnmitgliedstaats bezeichneten Träger mit (
Abs.
1). Der bezeichnete Träger des Wohnorts legt unter Berücksichtigung von
Art.
13 VO
Nr. 883/2004 und
Art.
14 VO Nr. 987/2009 unverzüglich fest, welchen Rechts
vorschriften die betreffende Person unterliegt. Diese erste Festlegung erfolgt vor
läufig. Der Träger unterrichtet die bezeichneten Träger jedes Mitgliedstaats, in dem die Person eine Tätigkeit ausübt, über seine vorläufige Festlegung (
Abs.
2). Die vorläufige Festlegung der anzuwendenden Rechtsvorschriften nach
Abs.
2 erhält binnen zwei Monaten, nachdem die von den zuständigen Behörden des betreffenden Mitgliedstaats bezeichneten Träger davon in Kenntnis gesetzt wur
den, endgül
tigen Charakter, es sei denn unter ande
re
m
, einer der betreffenden Träger setzt den von der zuständigen Behörde des Wohnmitgliedstaats bezeich
neten Träger vor Ablauf dieser zweimonatigen Frist davon in Kenntnis, dass er die Festlegung noch nicht akzeptieren kann oder diesbezüglich eine andere Auf
fassung vertritt (
Abs.
3). Ist auf Grund bestehender Unsicherheit bezüglich der Bestimmung der anzuwendenden Rechtsvorschriften eine Kontaktaufnahme zwi
schen den Trägern oder Behörden zweier oder mehrerer Mitgliedstaaten erforder
lich, so werden auf Ersuchen eines oder mehrerer der von den zuständigen Behörden der betreffenden Mitgliedstaaten bezeichneten Träger oder auf Ersu
chen der zuständigen Behörden selbst die geltenden Rechtsvorschriften unter Berücksichtigung von
Art.
13 VO Nr.
883/2004 und der
einschlägigen Bestim
mungen von
Art.
14 VO Nr. 987/2009 einvernehmlich festgelegt (
Abs.
4 Ab
schnitt 1). Sind die betreffenden Träger oder zuständigen Behörden unterschied
licher Auffassung, so bemühen diese sich nach den vorstehenden Bedingungen um Einigung; es gilt
Art.
6 VO Nr. 987/2009 (Abs
.
4 Abschnitt 2
; BGE 144 V 210 E. 6.3.2.1
).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung
unter Hinweis auf
Art.
13 Abs.
1 Bst. a VO 883/2004
aus,
der Verstorbene sei in den Jahren 2012 und 2013 für zwei Firmen mit eigenständiger Rechtspersönlichkeit mit Sitz in Deutschland und der Schweiz tätig gewesen, weshalb die obligatorische Versicherungsunterstel
lung für seine gesamte Tätigkeit aufgrund seines Wohnsitzes in der Schweiz liege
, auch wenn er im Wohnsitzstaat keine wesentliche Tätigkeit ausgeübt habe
. Der Verstorbene, der sich bei der Frage der Unterstellung ab dem
1.
April 2012 sinn
gemäss auf
Art.
13
Abs.
1 Bst. b iii VO 883/2004 stütze, übersehe, dass diese neuen Bestimmungen mit Bezug auf die Schweiz erst am
1.
Januar 2015 in Kraft getreten seien
(
Urk.
2 S. 2 und
Urk.
6
).
3.2
Die Beschwerdeführerin 1 stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Standpunkt,
die Argumentation der Beschwerdegegnerin bezüglich fehlender Geltung des
Art.
13
Abs.
1 Bst. b iii VO 833/2004 in seiner eigentlichen Bedeu
tung sei nicht zu schützen. Ziel der VO 883/2004 als Kernstück der bilateralen Verträge mit der EU sei die einheitliche Regelung der Versicherungsunterstellung in einem einzigen Staat als Koordinationsnorm gewesen. Ausgehend von diesem Zweck der bilateralen Verträge würde eine unterschiedliche Gültigkeit dieser Ver
ordnungsbestimmung (EU: ab
1.
April 2012, Schweiz
: ab
1.
Januar 2015)
zu einem stossenden Ergebnis führen. Deshalb sei ergänzend abzuklären, ob eine solche Lücke durch eine andere Regelung im Länderabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland geschlossen werden könne, welche eine alleinige Ver
sicherungsunterstellung des Beschwerdeführers in Deutschland begründe. Es sei aktenkundig, dass
der Umfang seiner
Erwerbstätigkeit in der Schweiz in den Jahren 2012
und 2013 unter 25
%
gelegen habe
. Die gesetzlichen Sozialversiche
rungsbeiträge auf dem massgebenden Lohn des Verstorbenen
seien
für die un
selbständige
Tätigkeit
in Deutschland entrichtet worden, weshalb eine doppelte Unterstellung in der obligatorischen Versicherung in der Schweiz nicht begründet sei (
Urk.
11 S. 2 f.).
Die
D._
werde zu 100
%
von der Muttergesellschaft
E._
(Verlagsgruppe), Stuttgart, besessen. Die
D._
habe nur konzerninterne Verwaltungsaufgaben erledigt,
ohne jegli
che kommerzielle Tätigkeit. Daraus folge, dass der Verstorbene ausschliesslich dem Mutterhaus in Deutschland als Arbeitgeberin unterstellt und weisungsge
bunden gewesen sei. Eine Versicherungsunterstellung in der Schweiz gestützt auf den Zweigbetrieb in der Schweiz sei deshalb nicht begründet (Urk. 11 S. 3).
Zusammenfassend bestehe keine rechtliche Grundlage für die Unterstellung des Verstorbenen in die obligatorische Versicherung in der Schweiz für die Jahre 2012 und 2013 (
Urk.
11 S. 4).
4
.
Der Beschwerdeführerin 1 kann nicht gefolgt werden, wenn sie einzig von einem Arbeitgeber des Verstorbenen in Deutschland ausgeht
(
Urk.
11 S. 3).
Bereits aus dem am 2
0.
Dezember
2013 zwischen dem Verstorbenen und der
D._
– und nicht
der
E._
–
vereinbarten
Auf
hebungsvertrag
(
Urk.
7/80
/2-3
)
ist zu schliessen, dass auch mit der Schweizer Gesellschaft ein Arbeitsverhältnis bestand
(
so explizit in der Präambel aufgeführt;
vgl. hierzu ebenso
Rz
. 2022 der Wegleitung über die Versicherungspflicht in der AHV/IV [WVP], Stand
1.
April 2012)
.
Aus dem Umstand, dass der Verstorbene seiner damaligen Arbeitgeberin Businesspläne, Marketingkonzepte, Kunden- und Lieferantenliste
n sowie
Unterlagen bezüglich der
Einkaufs- beziehungsweise Ver
kaufskonditionen
zurückzugeben hatte (
Urk.
7/80 S. 2), ist sodann zu folgern, dass die Schweizer Tochtergesellschaft – entgegen
der Beschwerdeführerin 1
(
Urk.
11 S. 3) – mehr wie nur konzerninterne Verwaltungsaufgaben erledigte.
Allein die Tatsache, dass die beiden Gesellschaften
, die über eine eigene Rechts
persönlichkeit verfügen,
eine organisatorische Bindung aufweisen
,
führt
sodann
nicht dazu, dass nur ein Arbeitsverhältnis besteht.
Damit ist in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin von zwei Arbeitgebern des Verstorbenen
– und zwar in Deutschland und der Schweiz – auszugehen.
5.
N
achdem der Verstorbene
– unter Hinweis auf seine Erwerbstätigkeit in Deutsch
land und der Schweiz –
mit
Schreiben vom 3
0.
November 2012 hinsichtlich seiner Versicherungsunterstellung
bei der Beschwerdegegnerin
nachgefragt hatte (
Urk.
7/51), teilte ihm
diese
ein knappes Jahr später
schliesslich (noch) schriftlich
mit,
aufgrund
seines Wohnsitzes erfolge die Versicherungsunterstellung für seine gesamte Tätigkeit in der Schweiz
(Schreiben vom
7.
November 2013 [
Urk.
7/69])
.
Die Beschwerdeführerin 1 macht sodann
– ohne entsprechende Belege
h
iefür
ein
zureichen
–
geltend, der Verstorbene habe für den in Deutschland erzielten Lohn bereits die gesetzlichen Sozialversicherungsbeitr
äge entrichtet (
Urk.
11 S. 2 f.)
.
Da vorliegend
die anzuwendenden Rechtsvorschriften im Falle einer Person, die in zwei Mitgliedsstaaten eine unselbständige Erwerbstätigkeit
ausübt zu beurteilen sind, gelangt das Verfahren nach
Art.
16 VO Nr. 987/2009 zur Anwendung
(vgl. E. 2.5.2
hievor
)
. Diesbezüglich sind in den Akten keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass eine entsprechende Unterrichtung respektive ein Austausch mit dem zustän
digen deutschen Träger erfolgt ist.
Das in
Art.
16 VO Nr. 987/2009 festgehaltene Prozedere ist damit nachzuholen
. Zu diesem Zwecke ist – auch wenn durchaus Verständnis für die Position der Ausgleichskasse besteht – die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
1 Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht [
GSVGer
]
).
Vorliegend
erscheint
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2'100.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.
Den Beschwer
deführenden
2 und 3 steht keine Prozessentschädigung zu.