Decision ID: e7c28ad3-98b7-4de4-a965-94c9f5a8314f
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
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Sachverhalt:
A.
S._, geboren 1981, leidet an einer beidseitigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
(Geburtsgebrechen Nr. 201). Am 5. Dezember 2000 meldete er sich zum Bezug von IV-
Leistungen für Erwachsene an und beantragte namentlich Berufsberatung und
Umschulung auf eine neue Tätigkeit (act. G 4.37). Mit Verfügung vom 5. November
2001 sprach ihm die IV-Stelle berufliche Massnahmen vom 23. Juli 2001 bis 22. Juli
2005 im Sinn einer erstmaligen beruflichen Ausbildung als Haustechnikplaner zu (act. G
4.54). Nachdem der Versicherte im Juni 2005 die Lehrabschlussprüfung nicht
bestanden hatte (act. G 4.77), erteilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung
vom 30. August 2006 Kostengutsprache für die Mehrkosten der erstmaligen
beruflichen Ausbildung in Form der Fortsetzung der Lehre als Haustechnikplaner (4.
Lehrjahr) im A._ vom 1. August 2006 bis 31. Juli 2007 (act. G 4.117). Im Juni 2007
bestand der Versicherte die Lehrabschlussprüfung wiederum nicht (act. G 4.128). Im
Schlussbericht vom 10. November 2007 hielt der IV-Berufsberater fest, der Versicherte
habe in der Zwischenzeit eine Arbeitsstelle als Betriebsmitarbeiter bei der B._
gefunden. Er erziele einen Lohn von Fr. 3'700.-- x 13 und habe sich
rentenausschliessend eingliedern können (act. G 4.131).
B.
Mit Schreiben vom 5. Dezember 2007 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, nach
den ihr zur Verfügung stehenden Unterlagen habe er eine Arbeitsstelle bei der B._
gefunden. Die beruflichen Massnahmen würden somit abgeschlossen. Er sei
rentenausschliessend eingegliedert. Sie wies ihn darauf hin, dass er eine
beschwerdefähige Verfügung verlangen könne (act. G 4.132). Am 4. Januar 2008
ersuchte der Versicherte die IV-Stelle um Zustellung einer beschwerdefähigen
Verfügung, da er den Entscheid nicht verstehe und eine Begründung brauche. Diese
werde er verwenden, um sich zu entscheiden, ob er einen "Rekurs" einreichen wolle
(act. G 4.134). Mit Verfügung vom 22. Januar 2008 (fälschlicherweise mit 2007 datiert)
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, die beruflichen Massnahmen würden
abgeschlossen. Er sei rentenausschliessend eingegliedert (act. G 4.135).
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C.
C.a Mit Eingabe vom 22. Februar 2008 erhebt der Versicherte, damals vertreten durch
Fürsprecher Marc Brügger-Kuret, Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom
22. Januar 2008 sei aufzuheben. Die Sache sei zur Ergänzung der Abklärungen und zur
Berechnung des Invaliditätsgrads an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur
Begründung führt er im Wesentlichen an, in der angefochtenen Verfügung werde die
Höhe des Valideneinkommens nicht ermittelt; es werde lediglich festgehalten, er (der
Beschwerdeführer) sei rentenausschliessend eingegliedert. Aufgrund der Akten sei
anzunehmen, dass er wegen der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht
(erfolgreich) habe abschliessen können, weshalb das Valideneinkommen nach Art. 26
Abs. 2 IVV zu ermitteln sei. Die Beschwerdegegnerin habe dieses Valideneinkommen
noch zu ermitteln (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 17. April 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie macht im Wesentlichen geltend, es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer weitere Abklärungen betreffend das
Einkommen als Haustechnikplaner verlange. Die Verantwortlichen des Lehrbetriebs
A._ hätten im Schlussbericht vom 30. September 2007 ein Einkommen von rund Fr.
4'000.-- pro Monat, also Fr. 52'000.-- pro Jahr, als Haustechniker angegeben. Der
Beschwerdeführer verdiene zur Zeit bei der B._ Fr. 48'100.--, also 7.5% weniger als
er mit erfolgreichem Abschluss als Haustechnikplaner verdienen würde. Selbst wenn
man den Sonntags- und Nachtzuschlag bei der B._ abzöge, wäre die
Erwerbseinbusse weit tiefer als 40%. So oder anders habe der Beschwerdeführer
keinen Rentenanspruch (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 26. Mai 2008 (Datum der Postaufgabe) lässt der Beschwerdeführer
an seinen Anträgen festhalten. Für die Ermittlung des Valideneinkommens sei das
gesamtschweizerische durchschnittliche Einkommen von 45jährigen
Betriebsökonomen FHS oder das gesamtschweizerische Einkommen von 45jährigen
Haustechnikplanern zu erheben. Es sei ungewiss, ob er (der Beschwerdeführer) den
Anforderungen am gegenwärtigen Arbeitsplatz auf die Dauer gewachsen sein werde.
Es sei fraglich, ob von einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen
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werden könne. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, sei das Invalideneinkommen
angemessen zu kürzen (act. G 6).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
In der angefochtenen Verfügung lehnte die Beschwerdegegnerin die Zusprache
weiterer Leistungen an den Beschwerdeführer ab, womit sie auch den Rentenanspruch
verneinte. Im Beschwerdeverfahren ist streitig, ob die Rentenablehnung zu Recht
erfolgt ist oder nicht.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
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2.2 Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen
Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide
erzielen könnte, den nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten
Medianwerts gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (Art. 26 Abs.
1 IVV). Unter diese Bestimmung fallen jene Personen, die infolge ihrer Invalidität
überhaupt keine Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso gehören dazu
Versicherte, die zwar eine Berufsausbildung beginnen und allenfalls auch abschliessen,
zu Beginn der Ausbildung jedoch bereits invalid sind und mit dieser Ausbildung nicht
dieselben Verdienstmöglichkeiten realisieren können wie eine nichtbehinderte Person
mit derselben Ausbildung (Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung [KSIH] in der ab 1. Januar 2008 gültigen Fassung, Rz 3035).
2.3 Konnte der Versicherte wegen der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung
nicht abschliessen, so entspricht das Erwerbseinkommen, das er als Nichtinvalider
erzielen könnte, dem durchschnittlichen Einkommen eines Erwerbstätigen im Beruf, für
den die Ausbildung begonnen wurde (Art. 26 Abs. 2 IVV). Unter diese Bestimmung
fallen Versicherte, die ohne Behinderung eine Berufsausbildung beginnen, diese jedoch
infolge dazwischentretender Invalidität nicht abschliessen können, oder aber solche,
welche die Ausbildung abschliessen, den erlernten Beruf aber wegen der Invalidität
nicht ausüben können. Ebenso gehören dazu versicherte Personen, die wegen der
Invalidität in Bezug auf die ursprünglich begonnene oder beabsichtigte Ausbildung eine
weniger qualifizierte Ausbildung aufnehmen mussten (Rz 3039 KSHI).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer bemängelt in erster Linie, dass in der angefochtenen
Verfügung kein Valideneinkommen ermittelt und lediglich festgestellt worden sei, er sei
rentenausschliessend eingegliedert. Der Invaliditätsgrad sei anhand von Art. 26 Abs. 2
IVV zu ermitteln.
3.2 Der Beschwerdeführer leidet seit seiner Geburt an einer Behinderung. Er war
bereits vor Beginn seiner Ausbildung invalid und konnte diese aufgrund seiner
invaliditätsbedingten Probleme nicht erfolgreich abschliessen. Unter diesen Umständen
bemisst sich der Invaliditätsgrad nach dem oben Gesagten (E. 2.2 f.) entgegen der
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Auffassung des Beschwerdeführers nicht nach Abs. 2, sondern nach Abs. 1 von Art. 26
IVV. Entsprechend ist für das Valideneinkommen auf den nach Alter abgestuften
Medianwert gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik abzustellen.
Dieser betrug im Jahr 2008 Fr. 74'000.--. Der Beschwerdeführer wurde in jenem Jahr
27 Jahre alt, weshalb ein Prozentsatz von 90 zur Anwendung gelangt (Art. 26 Abs. 1
IVV). Entsprechen beläuft sich das Valideneinkommen des Beschwerdeführers auf Fr.
66'600.-- (0.9 x Fr. 74'000.--). Diesem Valideneinkommen steht das vom
Beschwerdeführer tatsächlich erzielte Invalideneinkommen von Fr. 48'100.--
gegenüber (vgl. act. G 1.3 und 4.131). Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers liegen keine Gründe vor, die eine Kürzung dieses
Invalideneinkommens rechtfertigen würden. Folglich beläuft sich der Invaliditätsgrad
auf (gerundet) 28%. Damit hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch des
Beschwerdeführers zu Recht verneint.
4.
4.1 Im Sinne der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist
das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1 IVG in der seit dem 1. Juli
2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen.
4.3 Der Beschwerdeführer hat im Rahmen der Replik auch für den Fall des
Unterliegens eine Parteientschädigung gefordert, da das Valideneinkommen in der
angefochtenen Verfügung nicht entsprechend den Regeln von Art. 26 Abs. 2 IVV
ermittelt und der Invaliditätsgrad dadurch nicht gesetzeskonform berechnet worden
sei. Wie oben dargelegt, ist der Invaliditätsgrad vorliegend jedoch nach Abs. 1 von Art.
26 IVV zu bestimmen, so dass diese Argumentation ins Leere stösst. Die
Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht
verneint. Damit hat er keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG