Decision ID: 3bced815-1ee4-4397-b854-3d5f4feeae12
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden – Angehörige der türkischen Ethnie und aleviti-
schen Glaubens – suchten am 25. Dezember 2021 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich ihrer Personalienaufnahmen vom 31. Dezember 2021 so-
wie der Anhörungen zu ihren Asylgründen nach Art. 29 AsylG vom 22. April
und 23. Juni 2022 machten sie im Wesentlichen geltend, sie seien Mitglie-
der der CHP (Cumhuriyet Halk Partisi) und des alevitischen Kulturvereins
Pir Sultan Abdal. Sie seien als Aleviten ausgegrenzt und unter Druck ge-
setzt worden, dies bereits in der Schule (Beschwerdeführer), wenn sie bei-
spielsweise nicht wie die Sunnitinnen und Sunniten im Ramadan gefastet
hätten, oder durch die sunnitische Ausrichtung des Religionsunterrichts.
Der Beschwerdeführer sei wegen seines Glaubens im Militärdienst vom
Vorgesetzten ausgelacht und beleidigt worden; Arbeitskolleginnen
und -kollegen hätten ihn gemieden. Die Beschwerdeführerin sei, weil sie
nicht beten oder fasten würde, anders behandelt worden. Nachdem sie
während des Ramadans 2016 geheiratet hätten, seien sie in der neuen
Nachbarschaft in Istanbul ausgegrenzt worden. Wegen des negativ gesinn-
ten Umfelds hätten sie sich zur Ausreise entschlossen. Der Beschwerde-
führer sei 2019 nach Deutschland ausgereist, wo er einen Sprachkurs ab-
solviert habe, und im Juni 2020 in die Türkei zurückgekehrt. Im Oktober
2020 seien sie wegen der Ausgrenzung in Istanbul in die Provinz Mugla
umgezogen. Als sie im Ramadan 2021 nicht gefastet hätten, habe ihnen
der Hausbesitzer die Wohnung nicht weitervermieten wollen. Zudem sei
der Beschwerdeführer, als er während des Ramadans ein Brot habe kau-
fen wollen, vom Bäcker schlecht behandelt worden. Es sei zwischen ihnen,
weil dieser ihnen wiederholt verbranntes Brot habe verkaufen wollen, zu
einem Streit gekommen. Zudem seien an ihrer Tür ein Kreuz und drei Halb-
monde aufgemalt worden, was eine Drohung von nationalistischen Perso-
nen an Aleviten bedeute. Auf Anraten des (...), in dessen (...) die Be-
schwerdeführerin gearbeitet habe, hätten sie Anzeige bei der Polizei er-
stattet, welche sich zwar bereit erklärt habe, Ermittlungen aufzunehmen.
Nachdem sie einige Tage später keine Neuigkeiten erhalten und gesehen
hätten, dass die Polizisten beim Bäcker in freundschaftlicher Atmosphäre
Tee trinken, seien sie aber umgezogen und nach rund eineinhalb Monaten
ausgereist.
Für den Inhalt der weiteren Vorbringen wird auf die Akten verwiesen.
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Die Beschwerdeführenden reichten zum Nachweis ihrer Identität Reise-
pässe, Identitätskarten und ein Familienbüchlein sowie zur Untermauerung
ihrer Anliegen einen Ausweis der türkischen Anwaltskammer, Fotos von der
Markierung an ihrer Wohnungstür, ein Foto von Aktivitäten beim aleviti-
schen Kulturverein, ein Foto der Bäckerei, eine Mitgliedsbestätigung des
alevitischen Kulturvereins in C._ und ein Referenzschreiben des
ehemaligen Arbeitgebers der Beschwerdeführerin zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 8. Juli 2022 – eröffnet am 11. Juli 2022 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 10. August 2022 erhoben die Beschwerdeführenden da-
gegen Beschwerde und beantragten die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung
von Asyl, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbar-
keit des Vollzugs der Wegweisung und die Gewährung der vorläufigen Auf-
nahme, subeventualiter die Rückweisung an die Vorinstanz zwecks Neu-
beurteilung. Ferner ersuchten sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und um Beiordnung des unterzeichnenden
Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. Gleichzeitig reichten sie
eine Sozialhilfebestätigung vom 3. August 2022 ein.
D.
Am 11. August 2022 wurde den Beschwerdeführenden der Eingang der
Beschwerde bestätigt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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4.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person
ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-
weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen
oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-
desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine
Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die
Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein
(vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5, je
m.w.H.). Begründet ist die Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter An-
lass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt
der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit
verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher
Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit
hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein,
die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und
damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden.
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, es sei allgemein be-
kannt, dass Angehörige der alevitischen Bevölkerung in der Türkei Schika-
nen und Benachteiligungen verschiedenster Art ausgesetzt sein könnten.
Die allgemeine Situation, in der sich die alevitische Bevölkerung befinde,
führe gemäss gefestigter Praxis für sich allein nicht zur Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft. Diese Einschätzung gelte trotz der sich nach dem
Putschversuch im Juli 2016 allgemein verschlechternden Menschenrechts-
lage in der Türkei. Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten
sozialen Ausgrenzungen würden in ihrer Intensität nicht über die Nachteile
hinausgehen, welche weite Teile der alevitischen Bevölkerung in der Türkei
in ähnlicher Weise treffen könnten. Bezüglich der vorgebrachten Markie-
rung an ihrer Wohnungstür – diese hätten sie zur Anzeige gebracht; sie
hätten mit den Behörden keine Probleme gehabt – seien keine konkreten
Hinweise vorhanden, dass es sich dabei um eine ernsthafte Drohung ge-
gen Leib und Leben handle. Die Beschwerdeführenden hätten angegeben,
abgesehen vom Bäcker mit keinen weiteren Personen in D._ Prob-
leme gehabt zu haben. Zudem sei in den vier Monaten danach und bis zur
ihrer Ausreise nichts mehr vorgefallen. Ihre Vorbringen seien nicht als
ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes zu qualifizieren und damit
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flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Dafür spreche auch, dass der Beschwer-
deführer während seines Aufenthalts in Deutschland 2019/2020 kein Asyl-
gesuch eingereicht habe, obwohl die von den Beschwerdeführenden be-
schriebene Situation bereits davor bestanden habe.
5.2 Nach Auffassung des Gerichts erweist sich die Einschätzung der
Vorinstanz als zutreffend. Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe
und die darin zitierten Berichte von Benachteiligungen und Diskriminierun-
gen an Alevitinnen und Aleviten in der Türkei vermögen keine andere Ein-
schätzung zu rechtfertigen. Insbesondere weisen die von den Beschwer-
deführenden geltend gemachten Nachteile (Ausgrenzungen, Schlechter-
behandlung beim Brotkauf, etc.), welche sie im Alltag aufgrund ihrer Zuge-
hörigkeit zu den Aleviten erlebt hätten, die für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderliche Intensität nicht auf. Jedenfalls handelt es
sich dabei nicht um solche, die einen Verbleib im Heimatland verunmögli-
chen oder unzumutbar erschweren würden. Im Übrigen ist darauf hinzu-
weisen, dass das Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss sehr hohe An-
forderungen für die Annahme einer Kollektivverfolgung stellt (vgl. BVGE
2013/11 E. 5.4.1 m.w.H.), die im Falle der Aleviten in der Türkei nicht als
erfüllt zu erachten sind, dies auch unter Berücksichtigung der aktuellen po-
litischen Entwicklungen in der Türkei (vgl. Urteil des BVGer E-3917/2021
vom 11. Januar 2022 E. 6.3). Vorliegend besteht auch kein begründeter
Anlass zur Annahme, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr
in die Türkei mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit oder in absehbarer Zu-
kunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werden.
5.3 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge-
bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihre Asylgesuche zu
Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
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Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu-
ation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.1 Gemäss konstanter Praxis ist in der Türkei nicht von einer flächende-
ckenden Situation allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhält-
nissen auszugehen. Die allgemeine Sicherheitslage steht damit einem
Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden in ihren Heimatstaat
nicht entgegen.
7.4.2 Aus den Akten ergeben sich auch keine Hinweise darauf, dass die
Beschwerdeführenden im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei aus individuel-
len Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten könnten. In der
Beschwerde wird den diesbezüglichen zutreffenden Ausführungen des
SEM nichts entgegengehalten, so dass vollumfänglich auf diese verwiesen
werden kann. Der Wegweisungsvollzug ist daher als zumutbar zu erach-
ten.
7.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, die über Reise-
pässe verfügen, die bis am 8. Juni 2028 gültig sind, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
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2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlos-
sen, weshalb sich der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor-
schusses als gegenstandslos erweist.
9.2 Wie sich aus den Ausführungen ergibt, sind die Beschwerdebegehren
im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung als aussichtslos zu bezeichnen. Das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1
VwVG) ist entsprechend ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürf-
tigkeit abzuweisen. Angesichts des Verfahrensausgangs sind die Kosten
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf
insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
9.3 Angesichts der Aussichtslosigkeit der Beschwerde sind die Vorausset-
zungen zur Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes ebenfalls nicht
gegeben und das sinngemässe Gesuch ist entsprechend abzuweisen
(Art. 65 Abs. 2 VwVG).
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