Decision ID: a66dd17f-c1c2-4a25-8b7a-6240dd32692e
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1961 geborene
X._
, ohne berufliche Ausbildung, verheiratet und Mutter von vier erwachsenen Kindern,
war
ab 1. April 1996 mit einem Beschäf
tigungsgrad von 70 % im Hausdienst des
Y._
ange
stellt, als sie am 28. April 2010 auf einem Fussgängerstreifen von einem Perso
nenwagen angefahren und verletzt wurde (Unfallmeldung
vom 3. Mai 2010 [Urk. 7/10/2]).
Die medizinische Erstbehandlung erfolgte im
Spital Z._
, wo am 28. und 30. April 2010 eine dislozierte distale Zweietagen-Unterschenkel-Fraktur rechts mit oberflächlicher Schürfwunde
prätibial
distal rechts und eine dislozierte Cla
vicula-Fraktur im mittleren Drittel links operativ versorgt wurden (vgl.
Opera
tionsberichte
vom 29. und 30. April 2010 [Urk. 7/10/14-15]). Die bei
Spitalein
tritt
mittels CT-Untersuchung festgestellte
und
im Verlaufs-CT vom 30. April 2010 unauffällig
gebliebene
nicht dislozierte
temporobasale
Schädelbasis-Fraktur links (Jochbogen-, Sphenoid- und laterale
Orbitawand
-Fraktur je links)
war weder behandlungs- noch kontrollbedürftig
(Austrittsbericht vom 10. Mai 2010 [Urk. 7/10/12-13]). Nach am 10. Mai 2010 erfolgter Spitalentlassung weilte die Beschwerdeführerin bis
am
7. Juni 2010 in der
A._
, wo sich
auch v
on Seiten der Schädelbasis-Fraktur
weiterhin
keine Komplikationen ergaben (Austrittsbericht vom
9. Juni 2010 [Urk. 7/10/8-10]).
Am 30. Juli 2010 meldete sich
X._
unter Hinweis auf die gesundheitli
chen Folgen des Unfall
e
s vom 28. April 2010 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 7/2). Nachdem am 6. Oktober 2010 das
Osteo
synthesematerial
im Bereich der vollständig konsolidierten
Claviculafraktur
entfernt worden war (
vgl.
dazu
Urk. 7/16 S. 1 Ziff. 1.1
),
begab sich
die Versi
cherte
am 4. Februar 2011 in psychiatrische
Behandlung (Urk. 7/43) Z
udem unterzog sie sich im Februar und März 2011 verschiedenen diagnostischen Ab
klärungen im
B._
(Bericht vom 30. März 2011 [Urk. 7/46], vgl. auch Urk. 7/44-45), wo sie bereits
ein halbes Jahr zuvor
vorstellig ge
wor
den war. Am 8. August 2011 erging im Auftrag des für das Ereignis vom 28. April 2010 zuständigen Unfallversicherers ein interdisziplinäres Gutachten der
C._ (
Urk. 7/35/2-79).
Mit
unbeanstandet gebliebener
Mitteilung vom 3. Oktober 2011 (Urk. 7/38) stellte die IV-Stelle ihre Bemühungen zur Erhaltung des Arbeitsplatzes mangels subjektiver Eingliederungsfähigkeit der Versicherten ein.
Sodann zeigte sie
die
ser
mit
Vorbescheid vom
20. Dezember 2011 (Urk. 7/42)
an, dass sie
einen
Leis
tungsanspruch
mangels Invalidität im Sinne des Gesetzes zu verneinen gedenke. Nach
Prüfung des dagegen erhobenen Einwandes (Urk. 7/51) und Zugang des
im Auftrag des Berufsvorsorgeversicherers erstellte
n
psychiatrische
n
Gutachten
s
vom 20. Dezember 2011 (Urk. 7/56) verfügte
die IV-Stelle
am 22. Februar 2013 (Urk. 2) im angekündigten Sinne.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 20. März 2013 Beschwerde mit dem folgenden Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
"1.
Die Verfügung der SVA Zürich/IV-Stelle vom 22. Februar 2013 sei aufzu
he
ben.
2.
Es sei eine IV-Rente vom 1. Mai 2011 bis 31. August 2011 auf der Basis einer 80 % Inva
lidität zu verfügen.
3.
a)
Es sei die Angelegenheit an die verfügende Verwaltungsbehörde zur
weiteren Abklärung zurückzuweisen.
b)
Eventualiter sei eine Invalidenrente nach dem 31. August
2011 auf der
Basis einer 80 %
Invalidität auszusprechen.
c)
Subeventualiter
sei das Beschwerdeverfa
hren vorläufig zu sistieren bis
ein rechtskräftiger Entscheid im Verfahren UV.2012.00290 vor Sozial
ve
rsicherungsgericht
des Kantons
Zürich in Sachen
X._
gegen AXA
Versicherungen AG betreffend Unfallversicherungsleistungen
ergangen ist.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegne
rin
.
“
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 29. April 2013 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 3. Mai 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Die
Beschwerde
gegen den
E
insprachee
ntscheid
des Unfallversicherers
vom 13. November 2012 (Urk. 7/64/6-19)
, mit welchem dieser
in Bestätigung seiner Verfügung vom
10. Januar 2012 (Urk. 7/58)
die aus dem
Ereignis
vom 28. April 2010 erbrachten Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen per 31. August 2011 eingestellt und gleichzeitig einen Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente und/oder einer Integritätsentschädigung verneint hatte,
wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil heutigen Datums abgewiesen (Prozess UV.2012.00290).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts vermögen
somatoforme
Schmerz
störungen und andere
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
syndromale
Beschwer
debilder
ohne nachweisbare organische Grundlage in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Einschränkung der Ar
beits
fähigkeit zu bewirken (BGE 136 V 279 E. 3; 130 V 352 E. 2.2.2 und 2.2.3; 132 V 65; 131 V 49; 130 V 396). Die – nur in Aus
nahmefällen anzunehmende – Unzumutbarkeit eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiese
nen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein ande
rer qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien voraus wie chronische körperliche
Begleiter
krankungen
mit mehrjährigem
Krankheits
verlauf
bei unveränderter oder pro
gredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozi
aler Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder schliesslich unbefriedigende
Behandlungser
gebnisse
trotz konsequent durchge
führter Behandlungsbemühungen (auch mit unter
schiedlichem therapeutischem Ansatz) und ge
schei
terte
Rehabilitations
mass
nahmen
bei vorhandener Motiva
tion und Eigenanstreng
ung der versicherten Person (BGE 130 V 352 E. 2.2.3). Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je aus
geprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willensanstrengung zu verneinen (BGE 137 V 64 E. 4.1; 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) auf den Standpunkt,
gemäss dem
C._
-Gutachten sei
die somatische
Heilent
wicklung
nach
dem
Ereignis
vom 28. April 2010 regelrecht verlaufen. Es habe sich mit
zeitlicher
Latenz eine psychische Fehlentwicklung eingestellt, welche
als nicht unfallkausal beurteilt worden sei. Da der Beschwerdeführerin aufgrund der Unfallfolgen die bisherige Tätigkeit wieder zumutbar sei, keine
unfallfrem
den
somatischen Leiden vorlägen und es sich bei der psychischen Störung nicht um einen invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Gesund
heitsschaden
handle, liege keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor.
An die
ser Ein
schätzung
hielt
d
ie
Beschwerdegegnerin
in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 6) fest.
2.2
Dagegen brachte
die Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerde (Urk. 1)
vor
, dass
das Gutachten
der
C._
nicht beweistauglich sei und es in den Bereichen
der Zahnmedizin, Psychiatrie
, Neurologie und Endokrinologie
an
entscheid
relevan
ten
medizinischen Erhebungen
fehle,
weshalb die Sache zur ergänzenden Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei (S. 7 ff.). Jeden
falls aber stehe ihr unter Berücksichtigung der
vom Unfallversi
cherer
bis Ende August 2011 ausbezahlten
T
aggelder ab Ablauf der einjährigen Wartezeit res
pektive vom 1. Mai bis 31. August 2011 eine Rente basierend auf einem
Invali
ditätsgrad
von 80 % zu (S. 19). Eine solche könne sie auch in der Zeit nach Ende August 2011 beanspruchen, falls von weiteren medizinischen Abklärun
gen abgesehen und auf die sich in den IV- und UV-Akten befindlichen
Arztbe
richte
– mit Ausnahme des
C._
-Gutachtens – abgestellt werde, da damit eine 100%ige Einschränkung im Erwerb und Haushalt ausgewiesen sei und die
Inva
liditätsbemessung
anhand der gemischten Methode einen Invaliditätsgrad von 80 % ergebe (S. 19 f.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in medizinischer Hinsicht
insbesondere
auf das vom Unfallversicherer eingeholte
interdisziplinäre
C._
-Gutachten vom 8. August 2011 (Urk. 7/35/2-79). Darin stellten Dr. med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, Dr. med.
E._
, Facharzt für Neurologie, Prof. Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
Dr. med.
G._
, Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
nach Untersuchungen vom 12. und
24
. Mai 2011
sowie einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (S. 2)
die folgenden Diagnosen (S. 53 f.):
Status nach Schädeltrauma am 28. April 2010 mit
temporo
-basaler Schä
delfraktur links mit Jochbeinfraktur links
,
Sphenoidfraktur
, lateraler
Orbitawandfraktur
mögliche, jedoch nicht überwiegend wahrscheinliche leichte Com
mo
tio cerebri
Kopfschmerz vom Spannungstyp (differentialdiagnostisch im Rahmen der psychosozialen Belastungen beziehungsweise durch
Medikamen
tenübergebrauch
)
unklarer Schwindel (differentialdiagnostisch phobischer
Schwank
schwindel
beziehungsweise im Rahmen der psychovegetativen
Dys
balance
beziehungsweise
orthostatisch
mitbeeinflusst)
keine Hinweise auf posttraumatischen Lagerungsschwindel initial und im Verlauf nach Oktober 2010 beziehungsweise bei aktuellen Unter
suchungen
Status nach distaler, dislozierter 2-Etagen-Fraktur des rechten Unter
schen
kels
Status nach operativer Frakturbehandlung mittels
Tibiamarknagel
(Fraktur in korrekter Stellung konsolidiert;
Osteosynthesematerial
in situ)
auch am rechten Bein persistierende, mit objektiven Befunden nicht gänzlich erklärbare (differentialdiagnostisch durch Marknagelung verursachte) subjektiv invalidisierende Schmerzen mit Beinentlastung an einem Amerikanerstock
Status nach Schultertrauma links mit
Claviculaschaft
-Fraktur im mitt
le
ren Drittel
Status nach Marknagelosteosynthese der
Claviculafraktur
Status nach Marknagelentfernung bei geheilter Fraktur in guter Stel
lung
weiterhin bestehende, durch klinische Befunde nicht zu erklärende Funktionseinschränkung der linken Schulter mit Einschränkung der Beweglichkeit und Kraft infolge der Schulterschmerzen, erklärbar durch Selbstlimitierung und maladaptives Verhalten
depressive Episode gegenwärtig leicht, im Verlauf schwankend zwischen leicht bis mittelschwer
Schmerzverarbeitungsstörung
Unter dem Titel
„
Zusammenfassung und Beurteilung
“
(S. 42 ff.)
hielten die
C._
-Gutachter
im Wesentlichen dafür, dass bei der Beschwerdeführerin eine Symptomausweitung und massive Selbstlimitierung bestehe, welche insbeson
dere im Rahmen der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL; vgl. dazu Bericht des
Spitals H._
vom 19. Juli 2011, gezeichnet unter anderem von Dr. med.
I._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Reha
bilitation sowie Rheumatologie [Urk. 7/35/80-84]) zum Ausdruck gekommen sei (S. 53). Die geklagten Beschwerden seien durch die objektiven Befunde nicht erklärbar mit Ausnahme der
residuellen
Beschwerden im Bereich der
Eintritts
pforte
am Ligamentum
patellae
, welche durch das Einbringen des
Tibia-Mar
k
nagels
im Rahmen der Osteosynthese der rechtsseitigen Unterschenkelfraktur erklärt werden könnten und voraussichtlich nach dessen Entfernung zurückge
hen würden (S. 19 und S. 55). Von den erhobenen Diagnosen habe lediglich die
Schmerzverarbeitungsstörung einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 56 und S. 69). Die psychische Problematik stehe seit etwa Oktober 2010 im Vorder
grund (S. 76).
3.
2
Im Nachgang zum
C._
-Gutachten ergingen
zahlreiche
ärztliche Berichte
,
unter anderem
die Stellungnahme der am
B._
tätigen Dr. med.
J._
, Fachärztin für Neurologie, vom 26. September 2011
(Urk. 7/64/143)
. Darin führte die bereits frühe
r mit der Beschwerdeführerin be
fasste Ärztin (vgl. Bericht vom 30. März 2011 [Urk. 7/46]) unter Verweis auf die von ihr aufgelegte Literatur (Urk. 7/64/141-142) aus, dass
im Falle der Beschwerdeführerin
die Diagnosekriterien für ein leichtes Schädel-Hirntrauma (Commotio cerebri) erfüllt seien, auch wenn die Anamnese bezüglich Bewusst
losigkeit und Erbrechen negativ ausfalle. Sodann
seien im Rahmen des
C._
Gutachte
ns
die von Dipl.-Psych.
K._
erhobenen neuropsycholo
gischen Defizite (vgl. Bericht vom 9. März 2011 [Urk. 7/45]) und die in der
Elektro
neu
romyographie
(ENMG)
vom 4. März 2011 festgestellte Läsion des
Nervus
Pe
ronaeus
superficialis
rechts (vgl. Bericht vom 7. März 2011 [Urk. 7/4
4
]) nicht berücksichtigt
worden.
3.
3
Am 7. Dezember 2011 (Urk. 7/64/243-250) erging eine ergänzende Stellung
nahme der
Fachärzte
der
C._
, nachdem
die Beschwerdeführerin deren
Expertise im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren in verschiedener Hinsicht kritisiert
hatte
.
3.
4
Auf Veranlassung der Hausärztin wurde am 27. Oktober 2011 mit der Indika
tion „Seit 5 Tagen Schwindel, Präsynkope,
Parästhesien
frontal und Tinnitus. Ausschluss einer Raumforderung,
vertebro-basiläre
Insuffizienz?“ eine MR-Un
tersuchung des Hirnparenc
hyms, der HWS und der oberen Brustwirbelsäule (BWS)
durchgeführt. Diese blieb bis auf eine paramediane linksseitige
Dis
kushernie
Th2/Th3 mit lo
kaler
Myelonimpression
als Nebenbefund unauffällig, insbesondere auch von Seiten der
intrakraniellen Gefässe (B
ericht vom 28. Oktober 2011 [
Urk. 7/64/87
]).
3.
5
Dr. med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherap
ie, welcher die Beschwerdeführerin am
18. Juni, 9. Juli und 19. Novem
ber 2011 im Auftrag des Berufsvorsorgeversicherers untersucht hatte,
diagnostizierte
im psychiatrischen Gutachten vom 20. Dezember 2011 (Urk. 7/56)
eine
leichte
bis höchstens mit
tels
chwere depressive
Episode ohne so
matisches Syndrom (ICD-10 F32.0,
F32.1) sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren (ICD-10 F45.41)
und vermerkte
, dass die Schmerzsymptomatik nicht so ausgeprägt sei, als dass eine
somatoforme
Schmerzstörung angenommen wer
den müsse (S. 33-35 und S. 42). Er ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund einer verminderten Flexibilität und Durchhaltefähigkeit in ihrem Leistungsvermögen eingeschränkt sei. In Anbetracht eines erhöhten
Pausenbe
darfs
und einer verkürzten Präsenzzeit sei medizinisch-theoretisch von einer an fünf Tagen pro Woche umzusetzenden Arbeitsfähigkeit von (mindestens) 80 % auszugehen, sofern es sich überwiegend um strukturierte Arbeit mit
Rou
tineaufgaben
handle, wie dies auf die angestammte Tätigkeit als
Reinigungsmit
arbeiterin
im Hausdienst des
Y._
zutreffe (S. 40 f.).
3.6
Am 14. Februar 2012 wurde das
Osteosynthesematerial
im Bereich des rechten Unterschenkels (
Tibiamarknagel
) im Rahmen eines stationären Aufenthalts im
Spital Z._
entfernt (Operationsbericht vom selben Datum [Urk. 7/64/236
237]). Nach einem komplikationslosen intra- und postoperativen Verlauf wurde die Beschwerdeführerin drei Tage später bei erlaubter
Vollbe
lastung
entlassen (Austrittsbericht vom 17. Februar 2012 [Urk. 7/64/234
235]).
3.
7
Der die Beschwerdeführerin ab Sommer 2012 schmerzmedizinisch behandelnde Dr. med.
M._
, Facharzt für Chirurgie, Leitender Arzt Schmerz- und
Kom
plementärmedizin
Spital
N._
, stellte im Bericht vom 12. September 2012 (
Urk. 7/64/204-205
) die folgende
n
Diagnosen:
Chronifiziertes
Schmerzsyndrom Bein rechts und Schulter links bei Sta
tus nach Polytrauma am 28. April 2010 mit
Unterschenkel-Zwei-Etagen-Fraktur rechts mit Osteosynthese und Ent
fernung des
Osteosynthesematerials
(OSME)
Claviculafraktur
links mit Osteosynthese und OSME
Schädelbasisfraktur
Nacken-Kopfschmerzen im Sinne eines Spannungskopfschmerzes
Posttraumatische Belastungsstörung
Er ging davon aus, dass persistierende organische Defizite beziehungsweise pathologische anatomische Ursachen wahrscheinlich nur untergeordnet an der Schmerzerhaltung beteiligt seien.
3.
8
Dr. med.
O._
,
Facharzt für Neurologie und
beratender Arzt des
Unfall
versiche
rers
,
konstatierte in seiner Aktenbeurteilung
vom 31. Oktober 2012
(Urk. 7/64/197-203)
,
er habe
den Ausführungen der Är
zte der
C._
nichts beizufügen. S
ämtliche Beschwerden seien durch eine
Schmerzverarbeitungs
störung
mit Symptomausweitung bei depressiver Verstimmung zu erklären.
Aus
dem Bericht von Dr.
J._
vom 30. März 2011
(vgl. Urk. 7/46)
ergäben sich keine zusätzlichen Erkenntnisse. D
i
e von der Neurologin
postulierte Läsion des
Nervus
peronaeus
superficialis
sei
anhand der ENMG vom 4. März 2011 (vgl. Bericht vom 7. März 2011 [Urk. 7/4
4
]) nicht belegt. O
hnehin sei nicht erklärt worden, weshalb dieser in den Weichteilen verlaufende Nerv überhaupt geschä
digt sein sollte.
Zudem
würden sich
bei
einer
solchen Nervenschädigung ledig
lich
Sensibilitätsstörungen im Bereich des Fussrückens zeigen, welche die A
rbeitsfähigkeit
als Reinigungskraft
in keiner Weise
einschränkten
(S. 6)
.
Im Wei
teren führte der beratende Neurologe der Beschwerdegegnerin aus, die
Dis
kushern
ien
auf Höhe Th2/Th3 beziehungs
weise Th3/Th4 seien gering ausgeprägt und
im Rahmen degenerativer Verände
rungen zu erklären (S. 7)
.
3.
9
Nach weiteren Abklärungen im
B._
berichtete
Dr.
J._
am
13. Februar 2013
(Urk. 7/67/2-6), von Seiten der
Peronaeus
-Läsion
habe
sich in der
ENMG
vom 5. Dezember 2012 (vgl. Urk. 7/
67/5-6
) im Vergleich zur Voruntersuchung vom 4. März 2011 (vgl. Urk.
7/44
) motorisch und sensibel eine Verschlechterung
gezeigt
, wobei eine erneute
perioperative
Läsion anläss
lich der Entfernung des
Osteosynthesematerials
vom 14. Februar 2010 eine mögliche Erklärung sei (S. 2 oben). Als klinischen Befund nannte sie eine per
sistierende Hypästhesie im Innervationsgebiet des
Nervus
peronaeus
superficia
lis
rechts (S. 3 unten).
Sodann berichtete sie insbesondere von einem Verdacht auf ein
lumboradikuläres
Reiz- und Ausfallsyndrom L5
rechts (vgl. Urk. 7/67/7
8). Sie empfahl
als Prozedere
detonisierende
Massnahmen
sowie ein begleiten
des
Musk
elaufbau-
respektive
Konditionstraining und erachtete weiter
gehende Abklärungsmassnahmen erst im Falle eines
Rezidivs
als indiziert
.
4.
4.1
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
entspricht
das
C._
-Gut
achten
(vgl. E. 3.1 hiervor)
den praxisgemässen Anforderungen an eine beweis
kräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (
vgl.
E. 1.
4
hiervor), weshalb
für die
Entscheidfindung
grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
Namentlich ist die Expertise für die
entscheidrelevante
Frage des Gesundheitszustandes und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
umfas
send; sie erging
in Kenntnis der relevanten medizinischen
Vorakten
und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden wie auch der Ergebnisse der eige
nen Untersuchungen der Beschwerdeführerin. Alsdann vermag die Einschätzung der Fachärzte sowohl in der Darlegung der medizinischen Situation als auch in den Schlussfolgerungen im Wesentlichen zu überzeugen.
4.2
Gestützt auf die medizinische Aktenlage, i
nsbesondere das
C._
-Gutachten
, steht fest, dass die somatischen
F
olgen
des Unfalles vom 28. April 2010
, namentlich die erlittenen Frakturen im Bereich des rechten Unterschenkels, der linken Clavicula und des Schädels,
regel- und zeitgerecht abgeheilt
und die
persistierenden
Beschwerden
nicht
mehr
durch ein ausreichendes organisches Korrelat erklärbar sind. Mithin leidet die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
an einem
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage, welches nach der Rechtsprechung (vgl. E. 1.2 hiervor) nur ausnahmsweise
zu einer Invalidität i
m Rechtssinne zu führen vermag.
Für einen solchen Schluss spricht
insbesondere auch die
Ein
schätzung von Dr.
M._
, welcher
ebenfalls
von einem organisch nicht hin
reichend erklärbaren chronischen Schmerzzustand ausging
(vgl. E. 3.
7
hiervor)
.
Wie aus den nachfolgenden Erwägungen folgt, ist zudem
aktenmässig
nicht hinreichend erstellt, dass die
Beschwerdeführerin
im
massgebenden
Beurtei
lungszeitraum
-
wie von ihr
behauptet
-
aufgrund u
nfallfremde
r
Diagnosen in ihrer Arbeitsfähigk
eit eingeschränkt gewesen wäre.
5.
5.
1
Soweit die Beschwerdeführerin
unter
den
Aspekten des medizinischen Endzu
standes
(Urk. 1 S. 7 ff.)
und
der (Teil-)Kausalität (Urk. 1 S. 11 Mitte und S. 13 unten)
von einer unzureichenden Sachverhaltsabklärung ausgeht, ist
vorweg
zuschicken
,
dass – im Gegensatz zum Recht der Unfallversicherung, bei wel
chem ein etwaiger Rentenanspruch erst entsteht, wenn von der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (vgl. Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversiche
rung [UVG]) – im Bereich der Invalidenversicherung das Erreichen des medizi
nischen Endzustandes
nicht
verlangt ist. Vielmehr sind
– wie beschwerdeweise festgehalten (Urk. 1 S. 7 Mitte) –
der Ablauf des Wartejahres und eine nachfol
gende Invalidität im Umfang von mindestens 40 % bei fehlender
Eingliede
rungsfähigkeit
massgeblich (vgl. E. 1.3 hiervor).
Dabei ist angesichts der finalen Ausgestaltung der Invalidenversicherung unerheblich, wodurch eine allfällige Gesundheitsschädigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit entstanden ist. Insofern geht die
solchermassen begründete
Forderung nach ergänzenden medi
zinischen Abklärungen
ins Leere
.
5.
2
5.
2
.1
Die von der Beschwerdeführerin am
C._
-Gutachten in verschiedener Hin
sicht geübte Kritik
wurde mit der ergänzenden Stellungnahme der Sachverstän
digen vom 7. Deze
mber 2011 (vgl. E. 3.3 hiervor)
bereits entkräftet und ist nicht stichhaltig.
5.
2
.2
Dies gilt zunächst für die beschwerdeweise erhobenen Einwände (Urk. 1 S. 14 ff.) gegen die gutachterliche Einschätzung von Dr.
F._
. Dieser ver
fügt unstreitig über den Facharzttitel in Psychiatrie und Psychotherapie, wel
cher ihn befähigt, die
psychiatrische Dimension der gesundheitlichen Beein
trächtigungen der Beschwerdeführerin festzustellen. Dass er dabei die Befunde nicht nach dem System der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumenta
tion in der Psychiatrie (AMDP) erhob, tut seiner Einschätzung keinen Abbruch, da die Rechtsprechung solchen Testverfahren höchstens ergänzende Funktion zuerkennt und die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung,
Symp
tomerfassung
und Verhaltensbeobachtung als entscheidend erachtet (vgl.
etwa
Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_266/2012 vom 2. Juli 2012 E.
4.1 mit Hinweisen).
Anhaltspunkte für Verständigungsschwierigkeiten oder unzureichende Erhebun
gen, welche die Einschätzung von Dr.
F._
als unzuverlässig erscheinen liessen, sind nicht auszumachen, zumal bei der Exploration eine Dolmetscherin zugegen war. Dass die Beschwerdeführerin die gutachterlichen Fragen dennoch teilweise spontan, mithin ohne vorgängige Übersetzung beantwortete (vgl. Gut
achten S. 22 oben), kann Dr.
F._
nicht zum Vorwurf gereichen, ist doch davon auszugehen, dass er im Falle von Unklarheiten in Bezug auf wesentliche Aspekte nachgefragt
hätte. Solche können in de
n monierten Falschangaben, namentlich de
r Höhe der Hypothekarbelastung der Liegenschaft der Beschwer
deführerin und im Alter ihrer Enkeltochter
,
nicht erblickt werden.
Dass
Dr.
F._
gewichtige Auskünfte zur
Familien- und Sozialanamnese unzu
reichend erfragt haben soll, ist nicht ersichtlich. Die Herkunft
aus einem bestimmten Kulturkreis
stellt
insofern ein rechtlich unbeachtliches
invaliditäts
fremdes
Kriterium dar, als sich daraus allein kein
Leistungsanspruch
ableiten lässt; derartige soziokulturelle Umstände zählen
nicht zu den im Rahmen von Art. 4 Abs.
1 IVG
(vgl. E.
1.2 hie
r
vor)
vers
icherten Gesundheitsschäden
.
Inwie
fern die Diagnosestellung von Dr.
F._
unzutreffend sein soll, ist nicht er
sichtlich und wurde auch von der Beschwerdeführerin – welche
beschwerde
weise
ebenfalls von einer Schmerzverarbeitungsstörung ausging
(Urk. 1 S. 14 unten)
– nicht aufgezeigt. Sie deckt sich denn auch im Wesentlichen mit derje
nigen von
Dr.
L._
, welcher
im zuhanden des
Berufsvorsorgeversicherers erstellten Gutachten von
20. Dezember 2011 (
vgl. E. 3.
5
hiervor
)
eine leichte bis höchstens mittelschwere
depressive Episode ohne so
matisches Syndrom (ICD-10 F32.0,
F32.1)
und
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
diagnostizierte
.
Mit
Dr.
L._
(
vgl.
Gutach
ten
S. 33 f.)
vermag dagegen die
nicht nachvollziehbar begründete und offen
sichtlich auf den subjektiven Beschwerdeäusserungen der Beschwerdeführerin beruhende
Einschätzung des ab 4. Februar 2011 behandelnden Dr. med.
P._
(Bericht vom 21. März 2011 [Urk. 7/43])
– dieser ist im FMH-Index als Facharzt für Psychiatrie und Psychiatrie eingetragen, jedoch im
Medizinalberuferegister
(www.medregom.admin.ch, besucht am
5. Mai
2015
) nicht als solcher verzeich
net –
nicht zu überzeugen.
Dies wurde beschwerdeweise denn auch nicht sub
stantiiert geltend gemacht.
5.
2
.3
In neurologischer Hinsicht monierte die Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 16 ff.), dass die
C._
-Gutachter eine Commotio cerebri als lediglich möglich erachtet hätten, während sich die am
B._
tätige Dr.
J._
klar für eine solche Unfallfolge ausgesprochen habe (vgl
. Berichte vom 30. März und 26.
September 2011 [Urk. 7/46-47]).
Dem ist entgegenzuhalten
, dass sich
in den Berichten
der
erstbehandelnden
Ärzte de
s
Spitals Z._
und der
A._
(Austrittsbericht
e
vom 10. Mai [Urk. 7/10/12-13])
und
9. Juni 2010 [Urk. 7/10/8-10]) keine Anhaltspunkte für eine solche Diagnose finden
. Dasselbe gilt für den nicht aktenkundigen Bericht von
Q._
der Stadt
R._
vom 28. April 2010 (vgl. dazu
C._
Gutachten S. 18 f.).
Wie es sich damit
effektiv
verhält, kann indes offenbleiben.
Bei einer Commot
io cerebri (Gehirnerschütterung,
leichtes Schädel-Hirntrauma [
Grad I]
, vgl. die von Dr.
J._
aufgelegte Literaturquelle [Urk. 7/64/141-142]) handelt es sich um eine klinische Diagnose ohne hinreichenden Nachweis einer organisch obje
ktiv ausgewiesenen Unfallfolge (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_849/2011 vom 29. Mai 2012 E. 4.2; vgl. auch Bundesgerichtsurteile
8C_101/2007 vom 17. August 2007 E. 5.1 und 8C_487/2012 vom 23. Juli 2012 E. 3.3).
Dass die Beschwerdeführerin am 28. April 2010 eine mittels wissenschaftlich anerkann
ter bildgebender Untersuchungsmethoden objektiv nachweisbare hirnorganische Schädigung erlitten hat, ist durch die Akten nicht belegt (vgl. auch das im
un
fallversicherungsrechtlichen
Verfahren UV.2012.00290 in Sachen der
Beschwerdeführerin
ergangene Urteil des hiesigen Gerichts vom heutigen Datum E. 6.2.3) und wurde von ihr auch nicht behauptet
.
Vor diesem Hintergrund kommt der Frage nach einer Commotio cerebri
keine massgebende Bedeutung zu
.
Selbst wenn mit der Beschwerdeführerin
und Dr.
J._
(vgl. Bericht vom 30. März 2011 [Urk. 7/46])
davon ausgegangen wird, es bestehe ein
Residual
zustand
im Sinne eines
postcommotionellen
Syndroms
(vgl. dazu
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 9. Auflage 2014, S. 103 f. zu
ICD-10 F07.2),
mithin ein Symptomen
komplex
nach
stattgehabter
Commotio cerebri
, führt dies, wie aus den nachfol
genden Erwägungen folgt, nicht zu einem für sie günstigeren Ergebnis.
Denn es handelt sich dabei um
einen
pathogenetisch
-ätiologis
ch unklaren
syndromalen
Zustand
, welcher
pra
xisgemäss
(
vgl.
E.
1.2
hiervor
) nur ausnahmsweise zu einer Invalidität i
m Rechtssinne zu führen vermag.
5.
3
5.
3
.
1
Soweit die Beschwerdeführerin
durch verschiedene andere, teilweise
nac
h Er
stat
tung des
C._
-Gutachtens
erhobene Befunde und
Diagnosen
relevant in ihrem Leistungsvermögen
eingeschränkt sein will
(vgl. insbesondere Urk. 1 S. 3 f. und S. 18)
, vermag sie sich auf keine beweiskräftige medizinische Ein
schätzung zu berufen, welche
ihre
n Standpunkt
stützen
und eine massgebliche Arbeitsunfähigkeit attestieren
würde.
5.
3
.2
Dies gilt nicht nur hinsichtlich der arteriellen Hypertonie und der Gonarthrose (vgl. Bericht der Klinik
S._
vom
7.
Mai 2012 [Urk.
7/64/222-223]), son
dern auch
in Bezug auf die Zahnbeschwerden (Urk. 1 S. 12
f.)
. In den Berichten der mit der Beschwerdeführerin
befassten Zahnärzte
Dr
es
. med.
dent
.
T._
und
U._
vom 30. April (Urk. 7/64/224-225)
respektive
2. August 2012 (Urk. 7/64/207-211)
fehlt
jeglicher Hinweis darauf, dass von Seiten des Gebisses eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen haben soll. Soweit sich die Beschwerdefüh
rerin von zahnmedizinischen Untersuchungen Rückschlüsse auf die geklagten Kopfschmerzen verspricht,
handelt es sich dabei um eine blosse Mutmassung ohne medizinische Grundlage.
5.
3
.
3
Sodann
trifft es
mit der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 15 und S. 18) zwar
zu, dass
sich nach dem Dafürhalten der
Fachärzte der
C._
(
Gutachten
S. 51 un
ten) gewisse Aspekte der psycho-kognitiven und der verhaltensmässigen Prob
lematik
(Ermüdbarkeit, Müdigkeit, Reizbarkeit, vegetative
Dysbalancierung
, subjektive kognitive Beeinträchtigung usw.) zumindest im Anfangsstadium
allenfalls durch die Hypothyreose erklären
liessen
.
Wie
den medizinischen Akten entnommen werden kann und die
Beschwerdeführerin anlässlich der Begut
achtung
in der
C._
kundgab
(Gutachten S. 28 oben)
,
hat sich
jedoch
die Si
tuation von Seiten der Schilddrüse
(Unterfunktion)
unter entsprechender Thera
pie normalisiert.
Eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit kann des
halb ohne
die beantragten
endokrinologische
Abklärungen
zuverlässig ausge
schlossen werden.
5.
3
.4
Der Standpunkt der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 3, S. 10 f. und S. 18), wonach die von den Ärzten des
B._
gestützt auf die
Elektroneuro
myographien
vom 4.
März 2011 (Urk. 7/44) und 5.
Dezember 2012 (Urk. 7/67/5
6) festgestellte Läsion des
Nervus
peronaeus
superficialis
rechts einen Einfluss auf die Stand- und Gehsicherheit haben soll, findet in den medi
zinischen Akten keine Stütze. Abgesehen davon,
dass diese Diagnose
von Dr.
O._
(vgl. E. 3.
8
hiervor)
ernsthaft in Frage gestellt wurde, führt eine sol
che Nervenschädigung nach übereinstimmender Auffassung von Dr.
J._
(Bericht vom 30. März 2011 [Urk. 7/46/4 S. 4]) und Dr.
O._
zwar
zu einer Missempfindung am rechten Fussrücken
, was
aber
keine Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin zeitigt.
Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem Bericht von Dr.
J._
vom 13. Februar 2013
(vgl. E. 3.9 hier
vor), worin die behan
delnde Neurologin weiterhin lediglich eine Hypästhesie, mithin eine herabge
setzte Berührungs- respektive Schmerzempfindung im Bereich des
Innervati
onsgebiets
des angeblich geschädigten Nervs
befundete
.
Damit im Einklang steht, dass der
neurologische
C._
-
Gutachter
(Gutachten S. 51)
keine struk
turelle Störung erheben
konnte
und die angegebenen
Hypo
sensibilitäten
am linken Arm und rechten Bein als
pseudoradikulär
im Rahmen der Schmerzen int
erpretier
te.
5.
3
.5
In der Tat brachte
die
–
zwecks Abklärung der
geklagten Kopfschmerzen
durch
geführte
–
MR-Untersuchung des Kopfes und der HWS vom 18. Februar 2011 nebst
geringgradigen
degenerativen Veränderungen der zervikalen Wirbelsäule eine mediane Diskushernie Th3/Th4 mit leichter
Myelon
i
mpression
(richtig:
Myelon
ko
mpression
) ohne Zeichen einer Kompressionsmyelopathie zur Dar
stellung (Bericht vom 19. Februar 2011 [
Urk.
13/M43/10-11]
im Prozess UV.2012.00290
).
Jedoch liegt keine ärztliche Stellungnahme vor, wonach sich dieser Befund auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt hätte. Insbesondere wurde dies auch nicht durch die behandelnden Ärzte des
B._
bescheinigt, welche die Bildgebung veranlasst hatten (vgl. Bericht vom 30. März 2011 [Urk.
7/46], vgl. auch Urk. 7/44-45).
Bei der am 27. Oktober 2011 (Urk. 1 S. 11) festgestellten paramedianen links
seitigen Diskushernie Th2/Th3 mit lokaler
Myelon
i
mpression
(richtig:
Myelon
ko
mpression
, vgl. E. 3.
4
hiervor) handelt es sich um einen Nebenbefund im Rah
men einer Bildgebung, welche die Hausärztin mit der Indikation „Seit 5 Tagen Schwindel, Präsynkope,
Parästhesien
frontal und Tinnitus. Ausschluss einer Raumforderung,
vertebralo-basiläre
Insuffizienz?“ in Auftrag gegeben hatte. Gemäss Stellungnahme von Dr.
O._
vom 31. Oktober 2012 (Urk. 7/64/197-203)
ist die
degenerativ bedingte Diskushernie Th2/Th3 – wie auch Th3/4 – gering ausgeprägt.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 11)
bestand für die
C._
-Gutachter kein Anlass für diesbezügliche Weiterungen.
5.
3
.6
Bei dem im Bericht von Dr.
J._
vom 13. Februar 2013 (Urk. 7/67/2-4) erwähnten
lumboradikulären
Reiz- und Ausfallsyndrom L5 (vgl. Bildgebung vom 7. Dezember 2012 [Urk. 7/67/7-8]) handelt es sich
trotz fachkundiger Abklärung
lediglich um eine Verdachtsdiagnose, bezüglich
welcher
nebst
detonisierenden
Massnahmen ein begleitendes Muskelaufbau- und Konditionstraining empfoh
len und erst im Falle eines Rezidivs weitergehende
Abklärungsmassnahmen als indiziert erachtet wurden.
Sie ist
nicht geeignet,
die gutachterlichen
Schlussfol
gerungen
in Frage zu stellen.
5.
3
.7
Es ist der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 11 f.) darin beizupflichten, dass Dr.
L._
im Rahmen seiner Expertise vom 20. Dezember 2011 (vgl. E. 3.
5
hiervor)
naturgemäss
nur der gesundheitlichen Situation bis zum letzten der drei Explorationsgespräche (19. November 2011) Rechnung tragen konnte. Dass sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im weiteren Verlauf massgeblich verschlechtert hätte, geht aus den Akten
und namentlich dem Bericht der Hausärztin vom 2
9.
März 2012, wonach die diskutierten Beschwer
den im Verlauf eines Jahres nach dem Unfall aufgetreten waren (Urk.
7/64/232 unten),
nicht hervor und wurde auch von der Beschwerdeführerin nicht aufge
zeigt. Dem blossen Umstand, dass die angefochtene Verfügung vom 22. Februar 2013 (Urk. 2) erst über ein Jahr später erging, ist für sich alleine nichts abzuge
winnen.
5.
4
Zusammengefasst ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdeführerin auf die Einschätzung der
C._
-Gutachter abgestellt hat. Dass sich die medizinischen Verhältnisse im Nachgang zum
C._
-Gutachten vom 8. August 2011 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 22. Februar 2013 (Urk. 2)
entscheid
wesentlich
verschlechtert hätten, ist nicht mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (
BGE 126 V 353 E. 5b)
erstellt.
6.
6.1
Zu prüfen
bleibt
, ob die
praxisgemässen
Voraussetzungen
für die Annahme einer ausnahmsweisen Unüberwindbarkeit des
pathogenetisch
-ätiologisch unkla
ren Beschwerdebildes gegeben sind
(vgl. E. 1.2 hiervor)
.
6.2
Eine Komorbidität im Sinne eines vom Schmerzgeschehen losgelösten eigen
ständigen psychischen Leidens von erheblicher Schwere, Intensität,
Ausprägung und Dauer
ist nicht ausgewiesen.
Die
von den
C._
-Gutachtern und Dr.
L._
(vgl. E. 3.1 und E. 3.5 hiervor) diagnostizierte
leichte bis
höchstens mittelgra
dige
depressive Symptomatik
stellt grundsätzlich keine von depressiven Ver
stimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitszustandes dar, welche es der Beschwerde
füh
rerin verunmögliche
n würde
, trotz ihrer Beschwerden zu arbeiten. Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven
Formen
kreis
gelten grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bun
des
gerichts 9C_266/2012 vom 29.
August
2012 E.
4.3.2).
Die von Dr.
P._
(Urk. 7/43) ge
stellte und von Dr.
M._
(vgl. E. 3.7 hiervor) übernommene
Diagnose einer posttraumatischen (Belastungs-)Störung ist – wie von Dr.
L._
nachvollziehbar dargelegt (vgl. Urk. 7/56 S. 34) – nicht hinreichend nach
gewiesen.
6.3
Dass die alternativ in Frage kommenden Morbiditätskriterien
(vgl. E.
1.
2
hier
vor) in genügender Intensität und Konstanz erfüllt sein sollen, um den Schluss auf einen ausnahmsweise invalidisierenden Charakter
der Beschwerden
zuzu
lassen
,
geht aus den (medizinischen) Unterlagen nicht hervor und wurde auch
beschwerdeweise
nicht geltend gemacht.
Eine massgebende chronische körperli
che Begleiterkrankung liegt nicht vor, erschöpft sich die
Chronifizierung
doch einzig in der Schmerzproblematik und eben gerade nicht in einer körperlichen (bildgebend nachweisbaren) Pathologie.
Ebenso wenig besteht ein
umfassender sozialer Rückzug in sämtlichen Lebensbereiche
n
,
verfügt die Beschwerdeführe
rin doch über intakte Beziehungen zu
ihrem
Ehemann und
den
erwachsenen
Kindern, wobei sie einkaufen und spazieren geht. Zudem telefoniert sie wö
chentlich mit ihren vier Brüdern (vgl. Gutachten von Dr.
L._
, Urk. 7/56
S. 17 und S. 18 je oben).
Ein
primäre
r
Krankheitsgewinn im Sinne einer Flucht in die Krankheit
ist ebenfalls nicht ausgewiesen. Schliesslich
kann
mit Blick auf die in den Akten dokumentierte subjektive Krankheitsüberzeugung
der Beschwerde
führerin und die von ihr unternommenen bescheidenen Therapiebemühungen weder von unbefriedigenden Ergebnissen konsequent durchgeführter Behand
lungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) noch von gescheiterten Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigen
anstrengung
der versicherten Person gesprochen werden.
Folglich
bleiben die
pathogenetisch
-
ätiologisch unklaren Beschwerden ohne
invalidenversiche
rungsrechtliche
Relevanz.
Insofern kann dahingestellt bleiben, ob sich die von Dr.
L._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 80 % auf ein Vollzeitpensum oder
wie von der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 12) postuliert
-
auf das
vormals von ihr ausgeübte 70 %-
Pensum be
zieht.
7
.
7.1
Nach dem Ausgeführten fehlt es im massgebenden Beurteilungszeitraum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 22. Februar 2013 (Urk. 2) an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden, sodass eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
ausser
Betracht fällt.
An diesem Ergebnis vermag der
Umstand, dass der für das Ereignis vom 28. April 2010 zuständige Unfallversicherer bis Ende August 2011 Taggelder ausrichtete,
nichts zu ändern
.
Mit dem gegenteiligen Standpunkt verkennt die Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 2 und S. 19)
, dass die Anspruchsvoraussetzungen
verschieden sind und keine Bindungswirkung zum Tragen kommt. Entsprechend kann ihrem Antrag auf
Zusprache
einer befristeten Rente für die Zeit vom 1. Mai (gemeint wohl: 1. April; vgl. Art. 29 Abs. 3 IVG) bis 31. August 2011 (Urk. 1 S. 2 und S. 19) nicht stattgegeben werden.
7.2
Von weiteren medizinischen Abklärungen ist kein
entscheidrelevanter
Auf
schluss zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist
(an
tizipierte
Beweiswürdi
gung
; BGE 124 V 94 E.
4b
, 122 V 157 E.
1d).
8
.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung
vom 22.
Februar 2013 (Urk. 2)
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
9
.
Die Kos
ten des Verfahrens
gemäss Art.
69 Abs.
1
bis
IVG
sind auf Fr.
1‘0
00.-- festzu
legen
und ausgangsgemäss de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen
.