Decision ID: e8c8fa2f-e9f8-447c-bbee-725d18353cde
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._,
geboren 1976
, war seit dem
1. April 2009
auf
grund
ihrer
An
stellung bei der Y._ AG
für die Folgen von krankheitsbedingtem Erwerbsausfall im Rahmen einer Kollektivtag
geld
ver
sicherung nach dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) bei der
SWICA Krankenversicherung AG
(nachfolgend:
SWICA) taggeldver
sichert (vgl. Urk. 2/2-3, Urk. 7/1-3
).
1.2
Am 6. November 2014 wurde der SWICA eine
seit dem
17. September 2014 be
stehende
vollumf
ängliche Arbeitsunfähigkeit der Versicherten gemeldet
(vgl.
Urk.
7/8
)
. In der Folge
richtete die
SWICA nach Ab
l
auf der Wartefrist Kranken
taggelder bis zum 8. Januar 2015 aus (Urk. 7/7).
Bereits am 16. Juli 2014 hatte die Y._ AG das Arbeits
ver
hältnis mit der Versicherten per 30. September 2014 gekündigt (vgl. Urk. 7/4), wobei sich das Arbeitsverhältnis aufgrund von Arbeitsunfähig
keits
zeiten bis Ende Oktober 2014 verlängert hatte.
Da die Versicherte zu einer am 8. Januar 2015 von der SWICA vorgesehenen Untersuchung nicht erschien (vgl. Urk. 7/18-20), stellte die SWICA mit Schrei
ben vom 8. Januar 2015 die Krankentaggeldleistungen per 8. Januar 2015 ein (Urk. 7/20) und hielt auch, nachdem die Versicherte am 8. Oktober 2015 von Dr. med. Z._, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, unter
sucht worden war (Urk. 7/32), mit ihrem Schreiben vom 21. Oktober 2015 (Urk. 7/34) daran fest.
Mit Schreiben vom 26. Januar 2016 (Urk. 7/38) reichte die Versicherte der SWICA einen Bericht über den Aufenthalt in der Psychiatrischen Universitäts
klinik A._ ein, warf die Frage auf, ob die Einstellung der Taggelder per 8. Januar 2015 ohne eine Übergangsfrist gerechtfertigt gewesen sei und machte der SWICA ein Vergleichsangebot, um die Angelegenheit einvernehmlich zu regeln. Die SWICA verneinte in ihrem Schreiben vom 25. Februar 2016 eine Versicherungsdeckung, da die Versicherte per 30. September 2014 von ihrer Arbeitgeberin die Kündigung erhalten habe und sie danach nicht in die Einzel
versicherung übergetreten sei (Urk. 7/39).
2.
Die Versicherte erhob am 10. Juni 2016 Klage gegen die SWICA und beantragte,
diese sei zu verpflichten,
ihr auch für die Zeit ab 8. Januar 2015 Krankentag
gelder von Fr. 113.10 pro Tag auszurichten, und zwar bis zum Ablauf der maximalen Leistungsdauer von 730 Tagen ab 17. September 2014, zuzüglich Verzugszins von 5 % ab 1. Juli 2016 (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1).
Mit Klageantwort vom 30. Juni 2016 (Urk. 6
) beantragte die
SWICA
die Abwei
su
ng der Klage, eventuell sei ein Gerichtsgutachten zur Arbeitsunfähigkeit ein
zuholen, subeventuell seien die IV-Akten bezüglich der Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit beizuziehen, subsubeventuell sei der Taggeldanspruch gegen unten zu korrigieren.
Mit Gerichtsverfügung vom 26. Juli 2017 (Urk. 13) wurden die IV-Akten
bei
gezogen, welche am 10. August 2017 zugestellt wurden (vgl. Urk. 15, Urk. 16/1
101).
Mit Gerichtsverfügung vom 15. August 2016 (Urk. 8) wurde der Klägerin antrags
gemäss die unentgeltliche Rechtsvertretung bewilligt.
Mit Schreiben vom 19. August 2016 (Urk. 10) hielt die Klägerin an ihren Anträ
gen fest und reichte ein E-Mailschreiben sowie ein Arztzeugnis zu den Akten (Urk. 11/1-2).
Mit Beschluss vom 5. Dezember 2017 (Urk. 18) wurde den Parteien eine Frist angesetzt, um mitzuteilen, ob eine Hauptverhandlung gewünscht werde. Gleich
zeitig wurde in Aussicht gestellt, ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, einzuho
len, und den Parteien Gelegenheit eingeräumt, allfällige Ausschluss- und Ab
lehnungsgründe geltend zu machen.
Die Klägerin verzichtete am 8. Dezember 2017 (Urk. 19) und die Beklagte am 12. Dezember 2017 (Urk. 21) auf die Durchführung einer Hauptverhandlung. Es wurden keine Ablehnungsgründe geltend gemacht.
Das hiesige Gericht holte in der Folge ein Gutachten ein (vgl. Urk. 22), das von Dr.
B._
am
12
. Febru
ar
2018 erstattet wurde (Urk. 24). Die Par
teien nahmen hierzu am 28. Februar 2018 (Urk. 28) respektive 5. März 2018 (Urk. 29) Stellung. Die Stel
lung
nahmen wurden den Parteien am 7. März 2018 gegenseitig zur Kennt
nis gebracht (Urk. 30).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss
Art.
2
Abs.
2 Satz 2 des Bundesgesetzes vom 2
6.
September 2014 betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Kranken
ver
sicherungsaufsichtsgesetz, KVAG) dem Bundesgesetz über den Versiche
rungs
ver
trag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG).
Die Kantone können ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für solche Streitigkeiten zuständig ist (Art. 7 der Schweizerischen Zivil
prozessordnung; ZPO). Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozial
versicherungsgericht (§ 2 Abs. 2 lit. b des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungsgericht, GSVGer). Das Verfahren richtet sich nach Art. 244 bis 247 ZPO (vereinfachtes Verfahren; Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO). Die Klage wird direkt beim Gericht anhängig gemacht (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist unstreitig gegeben.
1.2
Das Gericht stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 247 Abs. 2 lit. a
in Verbindung mit Art. 243 Abs. 1 lit. f ZPO). Der Untersuchungsgrundsatz, wonach das Gericht alle rechtserheblichen Sachverhaltselemente zu berück
sichtigen hat, die sich im Verlaufe des Verfahrens ergeben, auch wenn die Par
teien diese nicht angeführt haben, gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien. Er entbindet die Par
teien nicht davon, Beweise beizubringen und bei der Erstellung des Sachver
halts mitzuwirken (BGE 125 III 231 E. 4a). Ebenso schliesst er die
anti
zipierte Beweiswürdigung nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 5C.
206/2006 vom 9. November 2006 E. 2.1) und verleiht den Parteien keinen Anspruch, dass alle möglichen Beweise abgenommen werden, und auch keinen Anspruch auf ein bestimmtes Beweismittel (BGE 125 III 231; Urteil des Bundesgerichts 5C.34/2006 vom 27. Juni 2006 E. 2a).
1.
3
Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen gemäss VVG sind privatrechtlicher Natur (BGE 133 III 439 E. 2.1 mit Hinweisen). Das Schweizerische Obliga
tio
nenrecht (OR) gilt immer subsidiär, wenn das VVG, das hinsichtlich des Ver
sicherungsvertrages zahlreiche vom OR abweichende oder dieses ergänzende Bestimmungen enthält, eine Frage nicht regelt (vgl. Art. 100 Abs. 1 VVG).
1.4
Gemäss den vorliegend anwendbaren Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die kollektive Taggeldversicherung nach VVG (AVB, Ausgabe
1998
; Urk.
7
/1
) gewährt die Beklagte Versicherungsschutz gegen die wirtschaftlichen Folgen
von Krankheit und Geburt im Rahmen der vereinbarten Leistungen (Ziff. 2 AVB).
Krankheit ist gemäss
Ziff.
3
AVB jede
Gesundheitsstörung, die der Versi
cherte unfreiwillig erleidet, kein Unfall oder keine Unfallfolge ist und ärztlich bestätigt wird. Schwangerschaft- und Geburtskomplikationen sind einer versi
cherten Krankheit gleichgestellt.
Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte ganz oder teilweise ausser
stande ist, seinen Beruf und eine andere zumutbare Erwerbstätigkeit auszuüben (Ziff. 16 AVB).
Das Taggeld wird bei ärztlich festgestellter Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25 % anteilsmässig
entsprechend dem Grad der Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet (Ziff. 12
und 13
AVB).
1.5
Gemäss
Ziff. 23
der hier massgeblichen AVB
enfällt die Leistungspflicht nach Erlöschen des Versicherungsschutzes. Vorbehalten bleibt ein allfälliger Übertritt in die Einzelversicherung. Nach Ziff. 39 AVB erlischt der Versicherungsschutz für den einzelnen Versicherten unter anderem mit seinem Austritt aus dem ver
sicherten Betrieb.
Im Schreiben vom 8. April 2010 (Urk. 7/2) an die Y._ AG hält die Beklagte fest, dass die Mitarbeitenden mit einer laufenden Arbeitsunfä
higkeit bisher bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ab dem 181. Tag nach Beendigung in die Einzeltaggeldversicherung hätten übertreten müssen, um weiterhin in den Genuss von Taggeldleistungen zu kommen. Neu sei der Über
tritt in die Einzeltaggeldversicherung nur noch erforderlich, wenn der austre
tende Mitarbeitende den Versicherungsschutz für Arbeitsunfähigkeit aufgrund neuer Krankheiten weiterführen möchte. Für bestehende Arbeitsunfähigkeiten bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses bleibe der Anspruch auf Taggeld
leistungen weiterhin (bis insgesamt maximal 730 Tage) gewahrt.
2.
2.1
Die Klägerin führte zur Begründung der geltend gemachten Forderung im Wesentlichen an, sie sei nach dem 8. Januar 2015 weiterhin arbeitsunfähig gewesen (Urk. 1 S. 8 ff.). Es sei auf das Gutachten von Dr. med. Rebecca B._ abzustellen, wonach in der fraglichen Zeitperiode durchgehend eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (Urk. 29).
2.2
Die Beklagte stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 6), die Kläge
rin sei mit der Kündigung durch den Arbeitgeber
über das Recht auf den Über
tritt in die Einzelversicherung darüber aufgeklärt worden, dass der Versiche
rungsschutz mit dem Austritt aus dem versicherten Betrieb erlösche. Aufgrund der Tatsache, dass bei Austritt aus dem versicherten Betrieb Ende Oktober 2014 kein laufender Schadenfall vorgelegen habe, sei der Versicherungsschutz spätestens per Ende Oktober 2014 erloschen (S. 3 f.). Auch wenn eine Versiche
rungsdeckung trotz Austritt aus dem versicherten Betrieb ohne laufende Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei, bestehe für die Zeit ab dem 8. Januar 2015 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (S. 4 f.).
Das Gerichtsgutachten komme zum Schluss, dass zahlreiche psychophysische Belastungsfaktoren bestanden hätten. Aufgrund dieser Belastungsfaktoren sei es zu einer Dekompensation gekommen (Urk. 28 S. 2 f.). Die Gutachterin begründe die Arbeitsunfähigkeit vorwiegend mit den externen Belastungsfaktoren und der Persönlichkeit der Klägerin. Selbst bei Annahme einer Arbeitsunfähigkeit sei diese somit nicht auf eine Krankheit im Rechtssinne zurückzuführen. Ausserdem bestehe seit dem 1. November 2014 mangels Übertritt in die Einzelversicherung keine Versicherungsdeckung (S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob ab dem 1. November 2014 eine Versicherungs
deckung besteht und ob die Klägerin infolgedessen Anspruch auf Kranken
tag
geldleistungen auch ab 8. Januar 2015 hat. Dies hängt davon ab, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit der Klägerin ab diesem Zeitpunkt verhält.
3.
3.1
Die relevante medizinische Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, bestätigte am 19. September 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 17. September 2014 für voraussichtlich 10 Tage (Urk. 7/9).
3.2
Die Ärzte des Stadtspitals D._ berichteten am 28. September 2014 (Urk. 7/10) über die ambulante Behandlung der Klägerin auf dem Notfall vom gleichen Tag und nannten folgende Diagnosen:
-
Medikamentenintoxikation bei Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik
-
Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik
Sie führten aus, dass eine notfallmässige Selbsteinweisung durch Angehörige erfolgt sei, nachdem die Klägerin 100 mg Zolpidem eingenommen habe (S. 1). Nach Rücksprache mit dem toxikologischen Institut sei der Serumpeak von Zolpidem nach 30 Minuten bis 3 Stunden zu erwarten. Die Klägerin werde des
halb auf der Notfallstation überwacht. Am 29. September 2014 sei auf Grund der nicht auszuschliessenden Suizidalität der Notfallpsychiater Dr. med. E._ hinzugezogen worden. Aktuell könne sich die Klägerin klar von einer Suizidalität distanzieren, sodass sie in Begleitung des Vaters nach Hause ent
lassen werden könne (S. 2).
3.3
Die Ärzte der
Psychiatrisch-Psychologischen F._ berich
te
ten am 1. Oktober 2014 (Urk. 7/11) und nannten als Befund eine Störung der Vitalgefühle, die Klägerin sei deprimiert, habe Schuldgefühle, sei psychomoto
risch antriebsgehemmt, habe Ein- und Durchschlafstörungen und es liege ein sozialer Rückzug vor. Das aktuelle Zustandsbild sei vereinbar mit einer rezidi
vierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode. Die Klägerin werde ambulant weiter behandelt.
3.4
Dr. med. E._, Klinik F._, attestierte der Klägerin am 3. Oktober 2014 eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit vom 29. September bis 30. September 2014 (Urk. 7/12 S. 2) und am 31. Oktober 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 31. Oktober bis 30. November 2014 (Urk. 7/12 S. 1).
3.5
Die Ärzte der F._ berich
teten am 26. November 2014 (Urk. 7/17) und nannten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Sie führten aus, dass die Klägerin vorerst bis Ende Dezember 2014 zu 100 % arbeitsunfähig sei. Die Prognose auf längere Sicht sei schwer zu beurteilen (S. 2).
3.6
Dr. E._, Klinik F._, attestier
te der Klägerin am 27. November 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. November bis 31. Dezember 2014 (Urk. 7/21 S. 2) und am 16. Januar 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 31. Januar 2015 (Urk. 7/21 S. 1).
3.7
Med. pract. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte der Klägerin am 10. April 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 5. Februar bis 30. April 2015 (Urk. 2/19) und am 5. August 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 28. Mai 2015 und eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit vom 29. Mai bis 31. August 2015 (Urk. 2/20) sowie am 4. September 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 30. September 2015 (Urk. 2/21).
3.8
Dr. med. Z._
, Facharzt f
ür Gynäkologie und Geburtshilfe, privat
rechtliche Weiterbildung für
Psychosomatische
und Psychosoziale Medizin, Ver
trauensarzt
, erstattete seine medizinische Beurteilung am 16. Oktober 2015 (Urk. 7/32) zuhanden der Beklagten und nannte folgende Diagnosen ohne Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9):
-
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (Aggra
vation; ICD-10 F68.0)
-
nichtzusagende Tätigkeit (ICD-10 Z56.5)
-
Status nach Anpassungsstörung mit gemischten Gefühlen (ICD-10 F43.23)
-
psychische und physische Probleme bei Doppelbelastung Beruf und Familie (ICD-10 Z56.6)
-
ungenügende soziale Sicherung (extreme Verschuldung; ICD-10 Z59.7)
-
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10 Z60.3)
Er führte aus, dass falls eine depressive Erkrankung nach ICD-10 F33 vorgele
gen haben solle, diese mittlerweile remittiert sei. Allerdings bestünden an dieser Diagnose ICD-10 F33 erhebliche Zweifel. Eine rezidivierende depressive Störung könne nach Mitteilung durch die Klägerin ausgeschlossen werden. Die Klägerin berichte, dass sie vor 2014 nie depressiv erkrankt gewesen sei. Es fehlten auch entsprechende Dokumente. Die Klägerin könne lachen, sei auslenkbar, depressi
ve Symptome liessen sich nicht eruieren. Es würden eindeutig psychosoziale Probleme überwiegen (am Arbeitsplatz, extreme Schulden, Angst vor Auswei
sung wegen fehlendem Arbeitsplatz, Flucht in die Krankheit, weil eine Erkran
kung, die eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe, vor der Fremdenpolizei schützen könne). Eine depressive Verstimmung, Symptome einer depressiven Störung würden von der Klägerin nicht genannt. Eine namhafte depressive Stö
rung, die eine Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen könnte, lasse sich nicht nachwei
sen. Es bestünden erhebliche Zweifel an einer adäquaten Therapie. Die Klägerin berichte, dass sie ihre Medikamente nicht zu sich nehme, dies schon seit Mona
ten. Es fänden sich viele Hinweise auf Aggravation, einen sekundären Krank
heitsgewinn, der ihr helfe, ihrer immensen Verschuldung auszuweichen und die Ausweisung zu vermeiden. Weshalb die anhaltende Verletzung der Mitwir
kungspflicht nicht berücksichtigt worden sei, sei nicht nachvollziehbar. Es fehl
ten nach ICD-10 und DSM V alle Kriterien, die eine Diagnose rechtfertigen könnten. Auffällig sei die Zeitnähe zur Einweisung in die Tagesklinik zum Auf
gebot durch die Taggeldversicherung, sich einer vertrauensärztlichen Untersu
chung zu unterziehen. Eine Arbeitsunfähigkeit sei aus oben genannten Gründen nicht nachvollziehbar (S. 9). Es bestehe keine Arbeitsunfähigkeit, weder für die angestammte noch eine angepasste Tätigkeit (S. 12).
3.9
Dr. Z._ berichtete erneut am 21. Oktober 2015 (Urk. 7/33) und führte aus, der Bericht des Stadtspitals D._ bestätige, dass eine Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik vorgelegen habe, sowie eine Medikamentenintoxikati
on, jedoch kein Suizid.
3.10
Die Ärzte der A._ berichteten am 28. Oktober 2015 (Urk. 7/35) zuhanden der IV-Stelle und nannten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. 1.1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), seit Ende 2014
Sie führten aus, dass aktuell eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Es sei davon auszugehen, dass nach der Tagesklinik eine Wiedereingliederung auf dem Arbeitsmarkt möglich sein werde. Hierzu seien ab Januar 2016 Wieder
ein
gliederungsmassnahmen durch die IV sinnvoll (S. 1). Als Befund nannten sie, dass die Konzentration subjektiv sehr beeinträchtigt sei. Das Gedächtnis und die Auffassung seien normal. Im Affekt sei die Klägerin mittelgradig niederge
stimmt, die Schwingungsfähigkeit sei reduziert und der Antrieb vermindert. Es bestünden ausgeprägte Schlafstörungen. Eine abschliessende Prognose könne aufgrund der Kürze der Behandlung noch nicht gestellt werden. Gegenwärtig werde die Klägerin viermal in der Woche halbtags in der Tagesklinik und mit Psychopharmaka behandelt.
3.11
Am 15. Dezember 2015 bestätigten die Ärzte der A._ (Urk. 7/36), dass die Klägerin seit dem 28. September 2015 bei ihnen in Behandlung sei und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 23. September bis und mit 31. Dezember 2015 bestehe.
3.12
Am 29. April 2016 bestätigten die Ärzte der A._ (Urk. 2/23), dass die Klägerin seit dem 28. September 2015 bei ihnen in Behandlung sei und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 23. September bis und mit 4. Mai 2016 bestehe.
3.13
Am 6. Mai 2016 bestätigten die Ärzte der A._ (Urk. 2/24), dass die Klägerin seit dem 28. September 2015 bei ihnen in Behandlung sei und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 5. Mai bis und mit 5. Juni 2016 bestehe.
3.14
Dr. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete ihr psychiatrisches Gutachten am 12. Februar 2018 (Urk. 24) gestützt auf die Akten. Sie nannte folgende Diagnosen (S. 8):
-
chronifizierte depressive Episode, überwiegend mittelschwer, mindestens ab September 2014 und Besserung ab Frühjahr 2017
-
Verdacht auf rezidivierende depressive Störung
-
Verdacht auf Persönlichkeitsakzentuierung
-
Verdacht auf Persönlichkeitsstörung
Sie führte aus, dass sich
aufgrund der Lebensgeschichte der
Klägerin
die Frage stell
e
, ob nicht unabhängig von der postulierten affektiven Störung
nicht im Mindesten eine akzentuierte Persönlichkeit, wenn nicht gar eine Persönlich
keitss
törung im engeren Sinne vorliege
. Von keinem der bisher in die Behand
lung oder Beurteilung involvierten Ärzte
sei
die problematische Beziehungsge
staltung der
Klägerin
mit wechselnden, zumindest wahrscheinlich emotional abhängigen und teilweise grenzüberschreitenden Beziehungen diskutiert
wor
den
. Auch beruflich ha
be
die
Klägerin
, ausser bei der letzten Stelle, nie wirklich F
uss
fassen können. Vorbestehend gebe
es einen Drogenkonsum, der nie genau
er exploriert
worden sei
und auch über eine Haftstrafe aufgrund von Drogen
handel
sei
nie weiter eingegangen
worden
. Aus
ihrer
Sicht müsse aber dringend die Verdachtsdiagnose der Persönlichkeitsakzentuierung, wenn nicht gar Per
sönlichkeitsstörung diskutiert und näher exploriert werden. In jede
m Fall spiele
die Grundpersönlichkeit der
Klägerin
eine Rolle bei der späteren Krankheitsent
wicklung, da ihr aufgrund dessen weniger
Ressourcen zur Verfügung stünden
und
ge
standen
hätten
und die Störungsbilder negativ interagieren
würden
. Möglicherweise führ
e
auch die Grundpersönlichkeit der
Klägerin
dazu, dass sich die anzunehmende depressive Symptomatik, die von den unterschiedlichen Behand
lern immer wieder beschrieben we
rd
e
, mitunter rasch ändern k
önne
und die
Klägerin
sehr abhängig
sei
und emotional stark reagier
e auf Belastungsfak
toren
von aussen. Die verzweifelt und hilflos
wirkenden Suizidversuche würden
auf die zumind
est temporär bestehende grosse Ü
berbelastung der
Klägerin
hin
deuten
, die sich möglicherwe
ise auch rasch wieder bessern könne
, wenn sich die Lebensumstände etwas stabilisieren
würden (S. 6 f.)
.
Ausser im Bericht von Dr. Z._ werde
in den psychiatrischen Befunden immer wieder die depressive Symptomatik der
Klägerin
beschrieben mit Zukunfts
ängsten, Insuffizienzgefühlen und Schuldgefühlen sowie einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Affektiv
würden
eine gewisse Reizbarkeit, eine grosse Affekt
labilität, Niedergestimmtheit und reduzierte Schwingungsfähigkeit
sowie
Ratlo
sigkeit
beschrieben
. Der Antrieb w
erde
durchgängig als verminde
rt angegeben und es falle der Klägerin
schwer eine Tagesstruktur aufrechtzu
erhalten. In diesem Rahmen komme
es offensichtlich immer wieder auch zu diversen Ver
säumnissen, indem die
Klägerin
Termine nicht wahrn
ehme und
Fristen verpass
e
.
Eine gewisse Zirkadianität werde
beschrieben mit grossen Schwierigkeiten am Morgen und Antriebshemmung, die
sich im Laufe des Tages bessere. Die Vital
gefühle wü
rden als gestört ange
geben. Ausserdem durchgängig sei
die Angabe von Schlafstörungen im Sinne von Ein- und Durchschlafstörungen bei Schmer
zen einerseits, aber auch wegen Gedankenkreisen und Grübeln. In der Folge dessen
bestehe eine
verkürzte Schlafdauer mit insges
amt verminderter Belast
barkeit und
rascher Erschöpfbarkeit. Psychotische Symptome w
ü
rden stets ver
neint.
Mitunter
bestehe die
Angab
e leichter kognitiver Defizite
wie Konzentra
tionsstörungen.
Vereinzelt w
e
rd
e
ein
sozialer Rückzug angegeben, der allerdings nicht weiter spezifiziert w
e
rd
e
. Situativ
sei
auch eine gewisse Hoffnungslosig
keit beschrieben
worden
. Die Antriebsstörung und die Unfähigkeit eine Tages
struktur aufrechtzuerhalten
hätten
zumindest zur Aufnahme einer tagesklini
schen
Behandlung und im Verlauf der beruflichen Integration auch zur Hinzu
nahme einer psychiatrischen Spitex geführt (S. 7).
Aufgrund der genannten Symptomatik
sei
ein relevantes psychiatrisches Leiden ausgewiesen im Sinne einer affektiven Störung
. Aufgrund der Aktenlage beste
he
kein Zweifel daran, dass bei der
Klägerin
im Zeitraum von Januar 2015 bis September 2016 eine depressive Symptomatik bestanden ha
be
, deren Ausprä
gung sicher gewissen Schwankungen unterworfen
gewesen sei
, wo es aber aller Wahrscheinlichkeit nie zu einer vollständigen Remission im Sinne einer Symp
tomfreiheit gekommen
sei
. Anamnestisch finde sich nur einmal der konkrete Hinweis auf depressive Phasen auch im Vorfeld der aktuellen Erkrankung ab September 2014 und hierfür g
e
bt es keinerlei Echtzeitdokumente.
Eine rezidi
vierende depressive Störung könne
daher lediglich als Verdachtsdiagnose genannt werden, ein chronifiziertes depressives Zustandsbild wechselnder Aus
prä
g
ung schein
e
in diesem Zeitraum aber ausgewiesen. Das Krankheitsbild ha
be
dazu geführt, dass die
Klägerin
zumindest ohne therapeutische Un
terstützung kaum in der Lage gewesen sei,
ihren familiären und soziale
n Verpflichtungen nachzukommen und
ihre letzte Tätigkeit auszuüben. Abhängig von äusseren Belastungsfaktoren schein
e
es sich schwankend um ein mittelschweres bis schweres depressives Zustandsbild gehandelt zu haben
(S. 7)
.
Es sei
davon auszuge
h
en,
dass sich das Zustandsbild der Klägerin
im Grunde langsam schleichend entwickelt ha
be
bis zur Dekompensation im September 201
4.
So erklär
t
en sich auch die zahlreichen Arbeitsausfälle in den Jahren zuvor, die im Weiteren nicht s
pezifisch dokumentiert seien
. Darauf hinweisend
seien
auch Angaben der
Klägerin
, die in einzelnen Arztberichten dokumentiert s
eien,
dass es bereits früher immer wieder dep
ressive Schwankungen gegeben habe
. Unter einer erhöhten Belastung schein
e
es dann im September 2014 zur psychischen Dekompensation, mit zweimaliger Tablettenintoxikation Anfang und Ende September 2014
,
gekommen zu sein. Explizite Belastungsfaktoren, die zur Dekompensation geführt h
ätten
, s
eien
die Schwierigkeiten zumindest mit den damals im Haushalt lebenden Kindern und hier insbesondere dem Sohn, der damal
s die Lehrstelle abgebrochen habe
, die Trennung vom damaligen Lebens
partner,
der
Stellenverlust und damit verbunden auch eine gewisse existenzielle Bedrohung infolge der immer wieder aufgetretenen Ausfallzeiten. Zudem
habe sich
die
Klägerin
zumindest subjektiv von der Migrationsbehörde unter Druck gesetzt und von der
Ausweisung bedroht
gefühlt
. Nach der akuten Dekompen
sation im September 2014
sei
es dann erstmals zur Aufnahme einer psychia
trisch/psychotherapeutischen Behandlung
gekommen
. Eine wirkliche Verbesse
rung der Symptomatik schein
e
aber erst ab der tagesklinischen Behandlung ab September 2015 zustande gekommen zu sein, weil die
Klägerin
un
terstützt durch diese Massnahme
zunehmend eine gewisse Tagesstruktur
habe
aufrecht
erhalten
können
und dadurch aktiver
geworden sei
. Auch hierunter
habe
man allerdings noch lange nicht von einer Arbeitsfähigkeit im engeren Sinne ausge
hen
können
. Auch im Rahmen der später eingeleiteten beruflichen Massnahme ab Juni 2016
sei
zunächst, basierend auf den Berichten der Integrationsstelle, noch keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt gegeben
gewesen
, wenngleich sich die Belastbarkeit und Funktionalität der
Klägerin
insgesamt dann doch lan
gsam verbessert zu haben scheine (S. 8)
.
Die Aussagen zur Arbeitsfähigkeit der Klägerin in angestammter und angepass
ter Tätigkeit
würden
auf den Arztberichten und Arztzeugnissen der damals behandelnden Kollegen und auch auf den Verlaufsberichten der beruflichen Integrationsmassnahme durch die Firma
H._ basieren. Aufgrund dieser zugrunde
liegenden Informationen
könne
durchaus eine Aussage zur Arbeitsfä
higkeit der
Klägerin
im Zeitraum von Januar 2015 bis September 201
6 gemacht werden. Demnach stelle
sich der psychische Zustand der
Klägerin
zumindest in seiner Anfälligkeit und Labilität so dar, dass die
Klägerin
in diesem gesamten Zeitraum weder in der angestammten Tätigkeit als Logistik-Mitarbeiterin, noch in einer Verweistätigkeit arbeitsfähig gewese
n wäre. Wie bereits erwähnt seien
die Berichte der behandelnden Kollegen, als auch der Integrationsmassnahme, kongruent, nachvollziehbar und plausibel
(S. 9)
.
Im Bericht von Dr. Z._ würden
immer wieder Auffälligkeiten beschrieben, die dann im psychopathologis
chen Befund keinerlei Eingang fä
nden. Bereits im
Rahmen der Anamnese fä
nden sich immer wieder Kommentare von
Dr. Z._
, wo
er einzelne Passagen kommentiere
und dies mitunter auch gegenüber den behandelnden Kollegen in recht despektierlich
er Art und Weise.
Die Nichtein
nahme oder unregelmässige Einna
hme von Medikamenten kommen
tiere
er von vorne herein als nicht Einhalten der Schadensminderungspflicht, ohne dies wei
ter zu d
iskutieren. Plausibel von der Klägerin
dargelegte Beschwerden wie Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Affektlabilität, Lebens
überdruss,
Ü
berforderu
ngsgefühle und Tagesmüdigkeit wü
rden als subjektive Symptome genannt
,
die dann aber in der Diagnosestellung und Be
urteilung keinen Nieder
schlag fä
nden
(S. 11)
.
Beim Lesen der psychiatrischen Beurteilun
g von Dr. Z._
entsteh
e
der Ein
druck, dass er der
Klägerin
selbst, und auch sämtlichen in diesem Zeitraum
behandelnden Kollegen, misstraue
und er in gerade
zu
detektivischer Art und Weise mögliche Ungereimtheiten aufzudecken versuch
e
. Selbst wenn tatsächlich zum Zeitpunkt der damaligen Exploration ein überwiegend unauffälliger psychopatho
logischer Befund bestanden habe, unterla
ss
e
es
Dr. Z._
in ausrei
chender Weise die Vorberichte zu würdigen und damit auf einen Längsverlauf einer Erkrankung einzugehen, wo immer wieder nachvollziehbar auch eine Affektlabilität und damit auch Stim
mungsschwankungen beschrieben wü
rden.
Dr. Z._
zitiere elegisch das Krankheitsbild der
möglicherweise zu diagnosti
zierenden Anpassungsstörung, um dann fälschlicherweise zum Schluss zu kommen, dass diese grundsätzlich keine Arbeitsunfähigkeit begründen würden, was in dieser reduzierten Form für sich schon nicht statthaft
sei
, da sich eine allfällige Arbeitsunfähigkeit aus einer Symptomatik und nich
t aufgrund einer Diagnose ergebe
.
Aus den genannten Gründen
könne
auf diese Beurteilung von
Dr. Z._
nicht abgestützt werden
(S. 12)
.
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Klägerin zum Personal der Y._ AG gehörte und damit in der Zeit ihrer Anstellung ab 1. April 2009 im Rahmen der zwischen dieser Firma und der Beklagten abge
schlossenen kollektiven Krankentaggeldversicherung mit der Police Nr. 1316290 (Urk. 7/3) versichert war. Ebenfalls unbestritten ist, dass die Beklagte der Kläge
rin ein Taggeld gestützt auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 17. Sep
tember 2014 bis 8. Januar 2015 ausrichtete. Unbestritten ist weiter, dass die Klägerin am 9. November 2014 über ihr Über
trittsrecht informiert worden war (Urk. 7/5).
4.2
Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob für die Zeit nach dem Austritt der Kläge
rin per 31. Oktober 2014 eine Versicherungsdeckung bestand.
Gestützt auf das Schreiben der Beklagten vom 8. April 2010 (Urk. 7/2) an die Y._ AG, welches klar eine Praxisänderung zu den geltenden AVB darstellt, ist vorliegend davon auszugehen, dass der Anspruch auf Tag
geldleistungen weiterhin bis insgesamt maximal 730 Tage gewahrt blieb, sofern die Klägerin bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 31. Oktober 2014 arbeitsunfähig war (vgl. vorstehend E. 1.5).
Die Beklagte stellte sich diesbezüglich auf den Standpunkt, das Arztzeugnis von Dr. E._ vom 31. Oktober 2014 (vgl. vorstehend E. 3.5), wonach eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit der Klägerin bestehe, sei nicht verwertbar, da die Klägerin am 31. Oktober 2014 an ihrem Arbeitsplatz gewesen sei und ihre Soll
stunden erreicht habe.
Den von der Klägerin eingereichten Auszügen betreffend die Arbeitszeiten (Urk. 11/1) ist zu entnehmen, dass die Klägerin ihren Arbeitsplatz am 31. Oktober 2014 bereits um 13:01 Uhr und somit vor Erreichen der Sollzeit verlassen hat. Gestützt auf ihre Ausführungen (vgl. Urk. 10), das E-Mail
schreiben von I._, HR Services Y._ AG (Urk. 11/2) sowie das Arztzeugnis von Dr. E._ vom 31. Oktober 2014 (Urk. 11/2) ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Klägerin am besagten 31. Oktober 2014 nach dem vorzeitigen Verlassen ihres Arbeitsplatzes die Psychiatrisch-Psychologische Poliklinik aufgesucht hat und durchaus auf die von Dr. E._ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % per 31. Oktober 2014 abgestellt werden kann. Es sind keine Hinweise ersicht
lich, welche diese Schlussfolgerung umzustossen vermöchten. Auch die Beklag
te vermag nicht nachvollziehbar geltend zu machen, aus welchen Gründen die Praxisänderung gemäss ihrem Schreiben von April 2010 vorliegend nicht anwendbar sein soll.
4.3
Zusammenfassend verblieb die Klägerin nach Beendigung des Arbeitsver
hältnisses in der Kollek
tivversicherung und musste für die bestehende Arbeits
un
fähigkeit ihr Übertrittsrecht nicht geltend machen. Die Beklagte bleibt somit für den bereits zuvor eingetretenen Versicherungsfall leistungspflichtig.
Im Rahmen der Kollektivtaggeldver
sicherung bedeutet dies, dass unter dem Regime der Kollektivversicherung er
worbene Leistungen selbst nach Beendi
gung des Kollektivvertrages auch ohne Übertritt in die Einzelversicherung grund
sätzlich bis zum Abschluss des Versi
cherungsfalls gewährleistet bleiben (vgl. Nef/von Zedtwitz, Basler Kommentar zum Versicherungsvertragsgesetz, Nach
führungsband, Art. 100 Abs. 2 ad N 6 mit Hinweisen).
Daraus folgt, dass die Klägerin bis zum Abschluss des Versicherungsfalls (vor
liegend bis 16. September 2016 ohne Abzug einer Wartefrist und ohne Prä
mien
zahlungspflicht grundsätzlich An
spruch auf Taggelder aus der Kollektiv
versicherung mit der Beklagten haben kann. Strittig und zu prüfen ist nun, ob und in welchem Umfang die Klägerin ab dem 8. Januar 2015 bis
zur Erschöpfung der maximalen Leistungsdauer am 16. September 2016 (17. Sep
tember 2014 plus 730 Tage) arbeits
unfähig war.
Zu prüfen ist somit, auf welche medizin
i
sche
Einschätzung abzustellen ist
.
5.
5.1
D
er Anspruchsberechtigte - in der Regel der Versicherungsnehmer, der ver
sichert
e Dritte oder der Begünstigte -
hat
die Tatsachen zur Begründung des Versicherungsanspruches (Art. 39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs. Dies gilt auch dann, wenn die Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat; macht sie geltend, die Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig, so hat die versicherte Per
son zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf Taggelder hat (BGE 141 III 241 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_246/2015 vom 17. August 2015 E. 2.2).
Den Versicherer trifft demgegenüber die Beweis
last für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegen
über dem Anspruchsberechtigten unverbindlich machen
(BGE 130 III 321 E. 3.1
; Urteil des Bundesgerichts 4A_393/2008 vom 17. November 2008 E. 4.1).
5.2
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungs
vertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist,
geniesst der beweis
pflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat.
Allerdings kann der Versiche
rer im Rahmen des Gegenbeweises
Indizien geltend machen, welche die Glaub
würdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schil
derungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchsbe
rech
tigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert
(BGE 130 III 321 E. 3.4
).
Nach der Rechtsprechung (Urteile des Bundesgerichts 4A_382/2014 vom 3. März
2015 E. 5.3 und 4A_316/2013 vom 21. August 2013 E. 6.2) kann sich, wenn der strikte Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich beziehungsweise nicht zumutbar ist, auch der Versicherer in Bezug auf Tatsachen, für welche ihm die Beweislast obliegt, auf eine Reduktion des Beweismasses auf den Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit berufen.
5.3
Die Beklagte stützte ihre Annahme einer 80%igen Arbeitsfähigkeit der Klägerin ab dem 8. Januar 2015 auf die Beurteilung durch Dr. Z._, welcher im Oktober 2015 feststellte, dass falls
bei der Klägerin eine depressive Erkrankung nach ICD-10 F33 vorgelegen haben soll, diese mittlerweile remittiert sei und keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestehe (vgl. vorstehend E. 3.12).
Demgegenüber erachteten die behandelnden Ärzte sowohl der Poliklinik wie auch der A._ (vgl. vorstehend E. 3.3-3.11, E. 3.14-3.17) die Klägerin aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung als zu 50 % arbeitsunfähig vom 1. bis 31. Januar 2015, als zu 100 % arbeitsunfähig vom 5. Februar bis 30. April 2015, als zu 50 % arbeitsunfähig vom 1. bis 28. Mai 2015 und als zu 100 % arbeitsunfähig vom 29. Mai bis zum 30. September 2015.
Aufgrund der divergierenden Aktenlage und des Umstandes, dass der Vertrau
ensarzt Dr. Z._ zwar über eine (privatrechtliche) Weiterbildung für Psycho
somatische und Psychosoziale Medizin, hingegen über einen Facharzttitel für Gynäkologie und Geburtshilfe verfügt (www.medregom.admin.ch), wurde bei Dr. B._ ein Gerichtsgutachten eingeholt (vgl. vorstehend E. 3.18). Sie geht davon aus, dass bei der Klägerin eine chronifizierte depressive Episode, überwiegend mittelschwer, mindestens ab September 2014, sowie der Verdacht auf eine rezidivierende depressive Störung, auf eine Persönlichkeitsakzen
tuierung sowie auf eine Persönlichkeitsstörung vorliege und im fraglichen Zeit
raum von Januar 2015 bis September 2016 sowohl in der angestammten Tätig
keit wie auch in einer Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe.
5.4
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass das psychiatrische Gutach
ten von Dr. B._ (Urk. 24) in Kenntnis der wesentlichen Vorakten erstellt wurde (vgl. S. 1 ff.). Im Gutachten findet sich eine gründliche Auseinan
dersetzung mit diesen Vorakten und Dr. B._ nahm im Verlauf des Gut
achtens immer wieder Bezug auf die erwähnten Berichte der behandelnden Ärzte der Poliklinik und der A._ sowie auf die Beurteilung durch Dr. Z._, diskutierte, bestätigte oder hinterfragte diese kritisch und begründete ihre Her
leitung des Ausmasses des psychiatrischen Leidens ausführlich und schlüssig. So nahm Dr. B._ eine einlässliche Exploration zum Längsverlauf der depressiven Symptomatik der Klägerin vor und würdigte die abweichende ärzt
liche Einschätzung in ausführlicher Weise. Dr. B._ legte ausserdem nachvollziehbar dar, aus welchen Gründen die von Dr. Z._ attestierte Arbeits
fähigkeit bei den genannten Symptomen beziehungsweise Diagnosen unzu
treffend sein sollen. Über den psychischen Vor
zustand der Klägerin, die Krank
heitsentwicklung sowie die Symptomatik im fraglichen Zeitraum äusserte sich die Gutachterin in nachvollziehbarer Weise. Vor diesem Hintergrund erscheint denn auch die Schlussfolgerung von Dr. B._ zum Gesundheitszustand der Klägerin schlüssig. Sie nahm zudem eine sorgfältige und einlässliche Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit vor und zeigte die Entwicklung der zumutbaren Belastung der Klägerin auf.
Das durch Dr. B._ erstellte psychiatrische Gutachten trägt der konkre
ten medizinischen Situation Rechnung und leuchtet in der Darlegung der medi
zi
nischen Zusammenhänge ein, weshalb es die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines Arztberichtes vollumfänglich erfüllt. Es kann nach dem Gesagten darauf abgestellt werden.
5.5
Zusammenfassend wurde im Gutachten von Dr. B._ nachvollziehbar dargelegt, dass bei der Klägerin über eine längere Zeit ein relevantes psychiatri
sches Leiden im Sinne einer affektiven Störung vorlag, deren Ausprägung zwar gewissen Schwankungen unterworfen war, es im fraglichen Zeitraum aber nie zu einer vollständigen Remission im Sinne einer Symptomfreiheit gekommen ist. Dieses Krankheitsbild hat gemäss Gutachterin dazu geführt, dass die Kläge
rin zumindest ohne therapeutische Unterstützung kaum in der Lage war, ihren familiären und sozialen Verpflichtungen nachzukommen und sie nicht in der Lage war, ihre letzte Tätigkeit oder eine Verweistätigkeit auszuüben. Die von Dr. B._ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % von Januar 2015 bis September 2016 erscheint nach der Würdigung sämtlicher medizinischer Berichte als gerechtfertigt und diese Beurteilung steht ausserdem auch im Ein
klang mit den echtzeitlich attestierten Einschränkungen der behandelnden Ärzte der Klägerin.
5.6
Daran vermögen auch die Ausführungen der Beklagten, wonach die von der Gutachterin attestierte Arbeitsunfähigkeit vorwiegend durch die psycho
physischen Belastungsfaktoren begründet sei, nichts zu ändern.
5.7
Da der Taggeldanspruch mindestens eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit voraussetzt (vgl. vorstehend E. 1.4) und bei der Klägerin aus medizinischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand, hat die Beklagte die Taggeld
zahlungen zu Unrecht per 8. Januar 2015 eingestellt. Die Klägerin hat demnach auch für die Zeit vom 8. Januar 2015 bis zur
Erschöpfung der maximalen Leistungsdauer am
16. September 2016 Anspruch auf Krankentaggelder von Fr. 113.10 pro Tag.
5.8
Der Anspruch auf Verzugszinsen setzt nicht nur die Fälligkeit der Versiche
rungs
leistungen, sondern auch die Inverzugsetzung voraus (Basler Kommentar zum Versicherungsvertragsgesetz, Jürg Nef, N 20 zu
Art.
41 VVG). Eine Inver
zugsetzung wird von der
Kläger
in
weder geltend gemacht noch ergibt sich eine sol
che aus den A
kten. Der Verzugszins ist daher
ab Klagedatum (
10. Juni 2016
) geschuldet.
Die Klage ist nach dem Gesagten gutzuheissen.
6.
6.1
Zu den Prozesskosten gehören die Gerichtskosten und die Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Das Verfahren ist kostenlos (Art. 114 lit. e ZPO).
6
.2
Aus der Formulierung von Art. 114 ZPO ergibt sich, dass dessen lit. e nur die Gerichtskosten betrifft, nicht aber die Prozessentschädigung an die Gegenpartei (Urteil des Bundesgerichtes 4A_194/2010 vom 17. November 2010, E. 2.2.1, nicht publiziert in: BGE 137 III 47). Diese umfasst den Ersatz der notwendigen Auslagen, die Kosten einer berufsmässigen Vertretung sowie in begründeten Fällen eine angemessene Umtriebsentschädigung, wenn eine Partei nicht berufs
mässig vertreten ist (Art. 95 Abs. 3 ZPO).
Die Kantone sind zuständig, die Tarife für die Prozesskosten festzusetzen (Art. 96 ZPO). Das zürcherische Ausführungsgesetz zur ZPO, das Gesetz über die Gerichts- und Behördenorganisation im Zivil- und Strafprozess (GOG), enthält
keine für das Sozialversicherungsgericht anwendbare Tarifbestimmung (vgl.
7. Titel
des GOG). Dasselbe gilt für die Verordnung über die Anwalts
gebühren. Diese regelt ausdrücklich nur die Parteientschädigungen vor den Schlich
tungs
behörden, den Zivilgerichten und den Strafbehörden. Die Bemessung der Partei
entschädigung richtet sich somit nach § 34 GSVGer sowie den §§ 1, 5 und 7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Ent
schädigungen vor dem Sozial
versicherungsgericht (GebV SVGer). Gemäss § 34 Abs. 3 GSVGer ist die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert festzusetzen.
Bei einem gerichtsüblichen Ansatz von Fr. 220.-- zuzüglich Mehrwertsteuer (MWSt
) ist der
obsiegenden
anwaltlich vertretenen Klägerin
unter Berück
sich
tigung dieser Grundsätze ei
ne Parteientschädigung von Fr. 3‘2
00.-- (inkl. Bar
aus
lagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.