Decision ID: 30cfa925-bb66-40e9-bde6-25f2c697778e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die am 2
8.
September 2017 geborene
Y._
wurde
von ihren Eltern
am 2
3.
Oktober 2017
für
die Kostenübernahme von
medizinische
n
Mass
nahmen
bei der Invalidenversicherung angemeldet (
Urk.
6/3). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Berichte (
Urk.
6/9/4,
Urk.
6/13,
Urk.
6/16,
Urk.
6/17/4-5,
Urk.
6/18/5-7,
Urk.
6/25-26)
ein
. Mit Vorbe
scheid vom 2
6.
April 2018 (
Urk.
6/29) stellte
sie
die Ablehnung des Leistungs
ge
suches in Aussicht.
Die
X._
AG (nachfolgend
:
X._
)
als Krankenversicherer
brachte dagegen am
3.
u
nd
2
2.
Mai 2018 Einwände (
Urk.
6/30 und
Urk.
6/34) vor.
Mit Verfügung vom
5.
Juni 2018 (
Urk.
6/40 =
Urk.
2
/1
) lehnte die IV-Stelle eine
Kostengutsprache für medizinische Massnahmen
betreffend
die Geburtsge
bre
chen
Ziff.
495, 497 und 313
gemäss Anhang der Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
-Anhang
)
ab.
2.
Die
X._
erhob am
5.
Juli 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom
5.
Juni 2018 (
Urk.
2
/1
) und beantragte
,
diese sei aufzuheben.
Des Weiteren
sei festzu
stellen, dass das Geburtsgebrechen
Ziff.
497
GgV
-Anhang
vorliege
. Das Begehren
um
Kostengutsprache für medizinische Massnahmen sei gutzuheissen und es sei die IV-Stelle zu verpflichten,
der
X._
die im Rahmen
ihrer
Vorleistungspflicht erbrachten Leistungen zurückzuerstatten (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3
0.
August 2018 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Ver
fü
gung vom
6.
September 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Mit Gerichtsverfügung vom
1.
Oktober 2018 wurd
en die Eltern
der
Versicherten zum Prozess beigelad
en (
Urk.
8 Dispositiv
Ziff.
1), die sich innert angesetzter Frist nicht vernehmen liessen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
handlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) notwendigen medizinischen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpassen
, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung insge
samt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (
Art.
1
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens not
wendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medi
zinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
1.2
Nach der Rechtsprechung erstreckt sich der Anspruch auf medizinische Massnah
men nach
Art.
13 IVG in Verbindung mit
Art.
3
Abs.
2 ATSG ausnahmsweise auch auf die Behandlung sekundärer Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die Folge dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsge
brechen und dem sekundären Leiden muss demnach ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nur wenn im Einzelfall dieser qualifizierte ur
säch
liche Zusammenhang zwischen sekundärem Gesundheitsschaden und Ge
burt
s
gebrechen gegeben ist und sich die Behandlung überdies als notwendig erweist, hat die Invalidenversicherung im Rahmen des
Art.
13 IVG in Verbindung mit
Art.
3
Abs.
2 ATSG für die medizinischen Massnahmen aufzukommen. An die Erfüllung der Voraussetzungen des rechtserheblichen Kausalzusammenhangs sind strenge Anforderungen zu stellen, zumal der Wortlaut des
Art.
13 IVG in Ver
bindung mit
Art.
3
Abs.
2 ATSG den Anspruch der versicherten Minder
jäh
rigen auf die Behandlung des Geburtsgebrechens an sich beschränkt (BGE 100 V
41 mit Hinweisen; AHI 2001 S. 79 E. 3a und 1998 S. 249 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts I 220/05 vom 2. August 2005; vgl. auch BGE 129 V 207 E. 3.3 mit Hinweis). Dabei ist für die Bejahung eines solch qualifizierten adäquaten Kau
salzusammenhangs nicht ausschlaggebend, ob das sekundäre Leiden unmittel
bare Folge des Geburtsgebrechens ist; auch mittelbare Folgen des angeborenen Grundleidens können zu diesem in einem qualifiziert adäquaten Kausalzu
sam
menhang stehen (
Pra
1991 Nr. 214 S. 906 E. 3b; Urteile des Bundesgerichts I 220/05 vom 2. August 2005 und I 108/02 vom 9. Dezember 2002).
1.3
Beim Geburtsgebrechen der
Ziff.
497
GgV
-Anhang
handelt es sich
um schwere respiratorische Adaptionsstörungen (wie Asphyxie, Atemnotsyndrom, Apnoen), sofern sie in den ersten 72 Lebensstunden manifest werden und eine Intensiv
b
e
handlung begonnen werden muss.
Gemäss dem Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (KSME)
Rz
495 bedeutet «schwer» im Sinne dieser Ziffer die Notwendigkeit besonderer ärztlicher Massnahmen (zum Beispiel statio
näre Akutspitalbehandlung mit Intensivpflegestationsbehandlung nach einer Ha
usgeburt, Behandlung in der Intensivpflegestation einer Frauen- oder Kinder
klinik nach einer Spitalgeburt).
Eine Behandlung gilt im Sinne d
ies
er Ziffer als intensiv, wenn der normale Auf
wand einer Wöchnerinnenstation erheblich überschritten wird, als
o
wenn beson
ders aufwendige Massnahmen einer Intensivpflegestation wie dauernde appara
tive Überwachung, besonders häufige stationäre ärztliche und pflegerische Inter
ven
tionen usw. notwendig sind.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin lehnte eine Kostengutsprache für medizinische Mass
nahmen
gestützt auf die
Geburtsgebrechen der Ziffern 495, 497
oder
313
GgV
-Anhang
ab
.
Zur Begründung führte sie im angefochtenen Entscheid aus
, aus versicherungsmedizinischer Sicht lägen keine Hinweise für ein angeborenes Leiden vor. Im Zusammenhang mit dem Pflegeverhalten nach der Geburt sei es zu einem nahezu SIDS-Ereignis gekommen, für das keine angeborenen Ursachen in Betracht
kämen
. Ein angeborenes Atemnotsyndrom, das definitionsgemäss auf einem angeborenen
Surfactantmange
l
beruhe, liege nicht vor
(
Urk.
2/1 S. 2).
Nach der Stellungnahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) handle es sich bei dem Ereignis klar um ein erworbenes Leiden. Das Fehlen der Spon
tan
atmung in der 5
1.
Lebensminute finde seine Erklärung nicht in einem angebo
re
nen Leiden (
Urk.
5 S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor,
die
Versicherte
sei
nach der Geburt
bei einem
post
natal
collaps
, am ehesten bei obst
r
uktiver Apnoe in der 5
2.
Lebens
minute, und anschliessender kardiopulmonaler Reanimation und Intubation am selben Tag in die Intensivpflegestation
der Klinik für Neonatologie,
B._
,
verlegt worden (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2).
Die Stellungnahme
des RAD-Arztes
sei nicht nachvollziehbar. Dieser zitiere Literatur, ohne aufzuzeigen, weshalb die bekannten Risiken im konkreten Fall mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit die Ursache des Kollapses gewesen sein sollten
. Die Mutter der Versicherten sei im Umgang mit Neugeborenen geübt. Der RAD-Arzt führe nicht aus, weshalb das festgestellte schaumig-blutige Sekret nicht für die gesundheitlichen Probleme verantwortlich gewesen sei. Dieses sei bei vollen
deter Geburt
sicherlich
bereits vorhanden gewesen, habe aber noch nicht zu Symptomen geführt
(
Urk.
1 S. 5
Ziff.
6).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob ein Geburtsgebrechen nach
Ziff.
497
GgV
-Anhang
vorliegt und ob
die Beschwerdegegnerin
für die durch die Beschwerdeführerin
im Rahmen
ihrer
Vorleistungspflicht
übernommenen Behandlungskosten
aufzukom
men hat.
3.
3.1
Dr.
med.
C._
, Assistenzarzt, und
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Oberärztin, Stadtspital
E._
,
stellten
nach der Ge
burt der Versicherten
vom 2
8.
September 2017
im gleichentags erstellten Bericht
(
Urk.
6/16) folgende Diagnosen (S. 1):
neugeborenes Mädchen der 42 1/7 Schwan
gerschaftswoche, geschätzt 3000
g mit
-
subpartale
Warnzeichen: keine
-
Spontangeburt aus Schädellage
-
neonatale
Warnzeichen: keine
-
neonatales
SIDS (
sudden
infant
death
syndrome
), am ehesten bei
obstruk
tiver Apnoe, in
der 5
2.
Lebensminute
-
Status nach kardiopulmonaler Reanimation
Zur Anamnese wurde ausgeführt, es habe sich um eine komplikationsfreie Spontangeburt gehandelt. Mütterliche Infektionszeichen hätten nicht
vorgelegen
.
Das Kind habe sich in der 5
1.
Lebens
minute bei der Kind
smutter auf dem Arm befunden
bei fehlender Spontanatmung, worauf
die Reanimation mit
Herz
mas
sage und
Beutelbeatmung
eingeleitet worden
sei
(S. 1 unten).
Es sei
entschieden worden zu intubieren. Beim E
in
stellen der Trachea sei schleimig-blutiges Sekret abgesaugt worden (S. 1 f.).
Aufgrund des vielen Sekretes in den oberen Atemwegen und der Anamnese (Ereignis auf dem Arm der Kindesmutter) werde aktuell am ehesten von einer obstruktiven Apnoe als zugrundeliegendes Ereignis ausgegangen. Als Differen
tial
diag
nose müssten auch andere Ursachen für ein
neonat
a
les
SIDS erwogen
werden. Das Kind sei zur weiteren Betreuung auf die Intensivstation des
F._
verlegt worden (S. 2 unten).
3.2
Dr.
med.
G._
, Assistenzärztin, und Prof.
Dr.
med.
H._
,
Fac
h
arzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Chefarzt,
F._
, stellten im Bericht vom 2
9.
September 2017 (
Urk.
6/18/5-7) folgende Hauptdiagnosen (S. 1):
post
natal
collaps
, am ehesten Obstruktion der oberen Atemwege 45 Minuten
post
partum mit/bei
•
kardiopulmonaler Reanimation während fünf Minuten
•
hypoxisch
-ischämischer Enzephalopathie (Burst-
Supression
im
aEEG
)
Dr.
G._
und Prof.
H._
führten weiter aus,
es handle sich um ein drei Stunden altes termingerecht geborenes Mädchen nach unauffälliger Schwangerschaft sowie regulärer Adaptation nach
einer
Spontangeburt. Das Kind sei ihnen vom
E._
Spital
zur Behandlung
überwiesen worden (S.
2 oben). Es bestehe ein unkom
plizierter intensivmedizinischer
Verlauf unter therapeutischer Hypother
mie (S. 2 unten).
3.3
Nach der Behandlung im
F._
war die Versicherte v
om 3
0.
Septe
m
ber bis
6.
Oktober 2017 in der Klinik für Neonatologie,
B._
, hospi
talisiert (
Urk.
6/33/2). Die Ärzte des
B._
stellten im Austrittsbericht vom
5.
Oktober 2017 (
Urk.
6/33/2-4)
folgende
Diagnosen (S. 1):
-
übertragenes Mädchen der 42 1/7 Schwangerschaftswoche, 3000
g
-
Asphyxie bei Verdacht auf obere Atemwegsobstruktion, 45 Minuten
post
partal
-
kardiopulmonale mechanische und medikamen
töse Reanimation wäh
rend 5 Minu
ten
-
initial
burst
supression
im
aEEG
-
arterielle Hypotension
-
neonataler
Infekt ohne Keimnachweis
-
Calcaneus
valgus
links
Zur Anamnese wurde ausgeführt, das Kind
habe sich
nach einer unauffälligen und problemlosen Spontangeburt in der 5
1.
Lebensminute auf dem Bauch der Mutter befunden bei fehlender Spontanatmung
,
bradykard
(
Herzfrequenez
bei etwa 60 pro Minute).
Die Apnoe sei dem Vater aufgefallen, der die Hebamme verständigt habe, worauf es zur Reanimation
auf der Reanimationseinheit
durch die betreuende Hebamme mit Beutelbeatmung gekommen sei. Die Neo-Equipe sei in der 5
3.
Lebensminute hinzugekommen.
Zu diesem Zeitpunkt
sei
das
Kind be
reits wieder
normokard
gewesen, jedoch weiterhin
areaktiv
ohne Spontanat
mung.
Beim Erstellen der Intubation sei viel blutig-schaumiges Sekret in
der
Trachea
abgesaugt worden
. Nach der erfolgreichen Intubation sei die Sauerstoffsättigung auf 100
%
angestiegen mit sukzessiver Reduktion des Sauerstoffbedarfs bis auf 40
%
. Im weiteren Verlauf sei es zu einer besseren Spontanatmung gekommen
(S. 2 unten).
Im Rahmen der Asphyxie seien die Nieren- und Leberwerte sowie die
Herzenzyme kontrolliert worden. Die Werte seien
stets
unauffällig gewesen. Zum Ausschluss einer Stoffwechselerkrankung seien organische Säuren und Aminosäuren im Urin bestimmt worden, welche ein unauffälliges Profil ergeben hätten. Bei einem
Ver
dacht auf eine Atemwegsobstruktion als Ätiologie der Apnoe und der Reani
ma
tionsbedürftigkeit sei auf weitere Abklärungen verzichtet worden bei ansonsten unauffälliger Familienanamnese und
einem klinisch unauffälligen
Kind (S.
3 unten).
3.4
Med.
pract
.
I._
, Assistenzärztin, und
Dr.
D._
,
Stadtspital
E._
, führten
im Bericht
vom 2
8.
Dezember 2017 (
Urk.
6/9/4) aus, es bestehe ein Status nach
neonatalem
SIDS, am ehesten bei obstruktiver Apnoe. Anschliessend sei eine kardiopulmonale Reanimation erfolgt. Die Patientin sei noch am selben Tag auf die Intensivstation des
F._
verlegt worden. Die weiteren Massnahmen und Therapien seien dort erfolgt.
3.5
Dr.
med.
J._
,
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Oberärztin
,
F._
, nannte im Bericht vom 1
1.
Januar 2018 (
Urk.
6/25) als Diagnosen (S. 1)
:
-
altersentsprechender motorischer Entwicklungsstand
-
neurologisch unauffällig
es, termingeborenes Mädchen
Dr.
J._
stellte zur Anamnese fest
, seit der Entlassung
aus der Klinik für
Neonatologie des
B._
sei es der Versicherten gut geg
angen. Bis auf eine ein
malige Bronchitis sei es zu keinen interkurrenten Infekten gekommen (S. 1 unten). Die drei Monate und elf Tage alte Versicherte zeige im Hinblick auf die Asphyxie
einen sehr erfreulichen Entwicklungsverlauf mit ausgeglichenem Verhalten, gutem
Gedeihen und altersentsprechendem motorischem Entwicklungsstan
d ohne neu
ro
logische Auffälligkeiten
(S. 2 unten).
3.6
Dr.
med.
K._
,
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin,
B._
,
stellte
im Bericht vom 2
2.
Januar 2018 (
Urk.
6/13)
die Diagnosen Asphyxie
(Geburts
gebrechen
Ziff.
497
GgV
-Anhang
)
und
neonataler
Infekt ohne Keimnachweis
(
Geburtsgebrechen
Ziff.
495
GgV
-Anhang
)
.
Zur Diagnose einer Asphyxie
führte sie ergänzend aus
,
nach der erfolgreichen Intubation sei die Sauerstoffsättigung auf 100
%
angestiegen mit sukzessiver Reduktion des Sauerstoffbedarfs
bis
auf 40
%
. Im Verlauf sei es zu einer besseren Spontanatmung gekom
men. Im
F._
sei
eine Hypothermie-Behandlung erfolgt bei Erfüllung der A-Kri
te
rien sowie
einem Burst
supression
-Muster im
aEEG
. Weiter sei eine problemlose
Extubation
nach der Aufwärmphase
am
5.
Lebenstag des Kindes
vorgenommen worden
(S. 1).
Zur Diagnose eine
s
neonatalen
Infektes ohne Keimnachweis führte sie aus, beim Eintritt in die Klinik sei ein Infekt
-
L
abor abgenommen worden aufgrund eines von exter
n in der Notfallsituation nicht
ganz steril eingelegten Nabelven
en
ka
theters, worauf eine antibiotische Therapie begonnen worden sei
nach Abnahme von
Blut- und Ur
inkulturen sowie Trachealsekret (S. 1 f.).
3.7
Dr.
L._
und Prof.
H._
,
F._
, diagnostizierten
im Bei
blatt vom
5.
Februar 2018
schwere resp
iratorische Adaptionsstörungen gemäss Geburtsgebrechen
Ziff.
497
GgV
-Anhang
(
Urk.
6/17/4-5).
3.8
Die Ärzte des Stadtspitals
E._
gaben am 1
0.
April 2018 (
Urk.
6/26) zuhanden der Beschwerdegegnerin
an,
das Kind sei nach der Geburt auf der Brust der Mutter gelegen (
bo
n
ding
). Um 13.10 Uhr sei es rosig gewesen. Um 13.10 Uhr sei mit Stillen begonnen worden. Um 13.25 Uhr sei das Kind noch rosig gewesen und habe umhergeschaut. Zwischen 13.35 und 13.47 Uhr sei kein Personal im Zimmer gewesen. Um 13.47 sei das Kind schlapp und blass gewesen, ohne Atmung. Die Mutter habe das Kind entgegengestreckt. Um 13.48 Uhr sei der Rea-Alarm erfolgt mit Her
z
druckmassage und Beatmung.
Um 13.49 Uhr sei ein Pädiater anwesend gewesen.
3.9
Prof.
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, RAD, führte in der Stellungnahme vom 2
3.
April 2018 (
Urk.
6/28 S. 3 f.) aus, gemäss Arzt
bericht vom 2
9.
September 2017 sei das Kind in der 4
2.
Schwanger
schafts
woche nach problemloser Schwangerschaft komplikationsfrei und spontan gebo
ren worden. Das Geburtsgewicht sei auf 3000
g geschätzt worden. Die Primär
adap
tion sei problemlos erfolgt.
Apgarwerte
und der Nabelschnur-pH sei
e
n unauf
fällig gewesen. Das Fruchtwasser sei klar gewesen. Infektionshinweise hätten nicht bestanden. In der 5
1.
Lebensminute seien eine
B
radykardie und eine fehlende Spontanatmung bemerkt worden. Die Hebamme und der Gynäkologe
hätten mit der Herzmassage und der Beutelbeatmung begonnen. In der 5
3.
Lebens
minute seien die
Neonatologen
präsent gewesen. Zu diesem Zeitpunkt habe die Herzfrequenz bei über 100 pro Minute gelegen. Beim E
in
stellen der Trachea sei schaumig-blutiges Sekret abgesaugt worden
. In der 8
0.
Lebensminute sei ein Nabelvenenkatheter gelegt worden
(S. 3 oben).
Aus versicherungsmedizinischer Sicht bestünden keine Leistungsansprüche nach
Art.
13 IVG. Als Geburtsgebrechen würden nur Gebrechen gelten, die bei voll
endeter Geburt bestünden. Während der Schwangerschaft und der Geburt hätten keine Komplikationen vorgelegen. Unmittelbar nach der Geburt sei das Kind
unauffällig gewesen, inklusive der entsprechenden Vitalitätsparameter. Es handle sich um ein postnatal erworbenes Leiden. Es hätten bekannte Risikofaktoren vorgelegen wie Haut-zu Haut-Kontakt zwischen Mutter und Baby, potenz
ielle «
asphyx
iating
position
» (Bauchlage des Kindes oder Hautkontakt zur Mutter
)
und «
mother
and
baby
alone
in
the
room
». Nach
den vom RAD-Arzt angegebenen Lehrmeinungen
erhöhe eine solche Körperposition das Risiko für ein derartiges Ereignis
um
mehr als das 6-Fache. Biologische beziehungsweise angeborene Risikofaktoren fänden sich bei derartigen Ereignissen nicht (S. 3 unten).
3.10
In der Stellungnahme vom 3
0.
Mai 2018 (
Urk.
6/37 S. 1 f.) führte Prof.
M._
aus, Hinweise für ein angeborenes Leiden lägen nicht vor.
I
m Zusammenhang mit dem Pflegeverhalten (Kind in Bauchlage auf dem Körper der Mutter)
sei es
zu einem
nahezu
SIDS-Ereignis gekommen, für das keine angeborenen Ursachen in Betracht kämen. Ein angeborenes Atemnotsyndrom, das definitionsgemäss auf einem angeborenen
Surfact
ant
mangel
beruhe, habe nicht vorgelegen.
4.
4.1
Nach der Geburt der
Versicherten im Stadtspital
E._
am 2
8.
September 2017 ist es in der 5
1.
Lebensminute des Kindes
(teilweise wird auch die 5
2.
bzw. 4
5.
Lebensminute genannt, vgl. E.
3.1 bis E.
3.3)
zu einem
neonatalen
beinahe
SIDS-Ereignis gekommen. Das Kind
wurde
durch die anwesende Hebamme und weitere Ärzte
erfolgreich reanimiert.
Die behandelnden Ärzte
diagnostizierten unter anderem einen
post
natal
collaps
und
eine
Asphyxie (vorstehend E. 3.2 und 3.3). RAD-Arzt Prof.
M._
kam
ge
stützt auf die medizinischen Akten
zur Einschätzung, dass es sich um ein nach der Geburt erworbenes Leiden
handle
und
daher
kein
Geburtsgebrechen vorliege
(E. 3.9 und 3.10).
4.2
Nach
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
gelten als Geburtsgebrechen
diejenigen Krankheiten
, die bei vollendeter Geburt bestehen.
Für die Anerkennung des Geburtsgebrechens
Ziff.
497
GgV
-Anhang
ist weiter vorgesehen
, dass sich schwere respiratorische Adaptionsstörungen in den ersten 72 Lebensstunden manifestiert haben
müssen
und eine Intensivbehandlung be
gonnen worden ist.
Die
Symptome
haben sich vorliegend
innert der
erforderlichen
Frist von 72 Stun
den nach der Geburt
manifestiert.
Hingegen bestehen Zweifel
,
dass
ein
Gebrechen bereits
bei der Geburt vo
rgelegen hat, wie die Beschwerdeführerin annimmt.
Die Einschätzung des RAD-Arztes
deckt sich mit
den Angaben
in den Berichten der
behandelnden Ärzte über eine
komplikationslose Schwangerschaft und S
pon
tan
geburt
(E. 3.1-3.3).
Die Ärzte des
B._
stellten
in den
Untersuchungen
nach der Überweisung des Kindes ins
B._
unter anderem
unauffällige Werte der Nieren
,
der Leber
und
der Herzenzyme
fest
. Auch die übrigen nach der Geburt erfolgten Untersuchungen
erwiesen sich als unauffällig
(
vorstehend
E. 3.3).
Es trifft zu, dass beim
E
in
stellen der Trachea
für die Intubation
ein schleimig-blutiges Sekret festgestellt und abgesaugt
worden war
.
Dieses wurde
aber
erst
im Rahmen der Reanimation
und
damit
nicht unmittelbar
bei und
nach
der Geburt
festgestellt
. Dafür, dass
das Sekret
schon be
i der Geburt vorgelegen
hat,
bestehen keine aus
reichenden Anhaltspunkte.
Auch
die Ärzte
des Stadtspitals
E._
bezeichneten
eine obstruktive Apnoe
nur als mögliche Ursache der Beschwerden
und behielten andere Ursachen für das beinahe SIDS-Ereignis vor
(E.
3.1 und
3.4).
Die Beschwerdeführerin mutmasst, dass das Sekret schon bei der Geburt vor
handen gewesen s
ei (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
6 unten).
Diese
Annahme lässt sich anhand der medizinischen Akten aber nicht bestätigen. Wie RAD-Arzt Prof.
M._
über
zeugend
darlegte, ist
überwiegend wahrscheinlich
von einem
nahezu SIDS-Ereig
nis
bei Vorliegen mehr
erer Risikofaktoren auszugehen (
vorstehend
E. 3.9-3.10).
Weiter ist zu beachten, dass das Kind zuvor als unauffällig beschrieben worden war
(E. 3.8). Mit dem RAD-Arzt ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ein unmittelbar bei der Geburt be
stehendes Gebrechen bei den medizinischen Erstuntersuch
ungen festgestellt wor
de
n wäre. Entsprechende Hinweise werden in den medizinischen Akten nicht erwähnt.
Entgegen
den Ausführungen der Beschwerdeführerin
fehlt es
daher
an einem Geburtsgebrechen im Sinne
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
.
Mangels eines Geburtsgebrechens
ist auch ein sekundärer Gesundheitsschaden (vgl. E. 1.2) zu verneinen
.
4.3
Zusammenfassend fehlt es am
rechtsgenügenden
Nachweis des Geburtsge
brechens
Ziff.
497
GgV
-Anhang. Die Beschwerdegegnerin hat eine Leistungspflicht
für medi
zinische Massnahmen nach
Art.
13
Abs.
1 IVG
daher zu Recht verneint. Der angefochtene Entscheid erweist sich
somit als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
500.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.