Decision ID: 6d892ce3-d987-59ed-a62b-d3fdac6b8822
Year: 2007
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Die aus dem Kosovo stammende serbische Staatsangehörige K._ (im Folgenden: Beschwerdeführerin) beantragte am 2. Juni 2006 beim Schweizerischen Verbindungsbüro in Pristina ein Visum für einen  Besuchsaufenthalt bei ihrem Bruder B._ (im Folgenden: Gastgeber) in Schaffhausen. Die Schweizer Vertretung lehnte die Erteilung des Visums formlos ab und überwies das Gesuch der Vorinstanz zum .
B. Nachdem das Ausländeramt des Kantons Schaffhausen beim Gastgeber weitere Auskünfte eingeholt hatte, verweigerte die Vorinstanz in einer  vom 13. Juli 2006 die nachgesuchte Einreisebewilligung. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte  könne angesichts der wirtschaftlichen und soziokulturellen Lage im Herkunftsland sowie der familiären Umstände (sieben  und die Mutter hielten sich mit unterschiedlichen Bewilligungen bereits in der Schweiz auf) nicht als gesichert betrachtet werden.
C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 24. August 2006 liess die  (vertreten durch den Gastgeber) beim damals zuständigen  Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) beantragen, die  Verfügung sei aufzuheben und ihr sei der gewünschte  für die Dauer von drei Monaten zu bewilligen. Zur Begründung wurde sinngemäss vorgebracht, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem  nicht gesichert wäre. Bei dieser Einschätzung seien ihre , familiären und sozialen Bindungen an die angestammte Umgebung ausser Acht gelassen worden. Sie lebe zusammen mit ihrem Ehemann und den gemeinsamen vier Kindern im Alter zwischen 9 und 17 Jahren in Skivjan. Dort wolle sie auch weiterhin leben und sie habe keinerlei Absicht, in der Schweiz zu bleiben. Im Gegensatz zu ihren Geschwistern und ihrer Mutter hätten sie und ihr Ehemann sich dafür entschieden, im Kosovo zu bleiben. Beim geplanten Besuchsaufenthalt gehe es insbesondere auch darum, dass sie ihre Mutter treffen könnte, die sie seit acht Jahren nicht mehr gesehen habe. Die Mutter halte sich seit 1999 in der Schweiz auf, aktuell im Rahmen einer vorläufigen Aufnahme, was bedeute, dass sie nicht zu einem Besuch in den Kosovo reisen könne.
D. Aufgefordert, sich ergänzend zum Sachverhalt zu äussern, liess die  in einer Eingabe vom 28. September 2006 ihre familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse näher darlegen. Demnach absolviert ihr ältester Sohn eine Lehre aus Bauer, die drei jüngeren Kinder gehen noch zur Schule. Ihr Ehemann arbeite auf Abruf als Hauswart und verrichte vor allem Reparaturarbeiten. Zudem helfe er auf den umliegenden  aus, wenn Bedarf sei. Sie würden ihren Lebensunterhalt selbst  und hätten keine Unterstützung von dritter Seite. Während des  Besuchsaufenthalts würde ihre Schwiegermutter sich um ihre Familie
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kümmern.
E. Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 4. Oktober 2006 die Abweisung der Beschwerde.
F. In einer Replik vom 8. November 2006 liess die Beschwerdeführerin an  Rechtsbegehren und an dessen Begründung festhalten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverweigerung unterliegen der  an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des  über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer vom 26. März 1931 [ANAG, SR 142.20], Art. 31 ff. des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).
1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verwaltungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige Rechtsmittelverfahren werden vom  übernommen. Die Beurteilung erfolgt nach neuem  (Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Gemäss Artikel 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem  nach dem Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern dieses Gesetz nichts  bestimmt. Das Urteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.4 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde ; auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist  (Art. 48 ff. VwVG).
2.
2.1 Die schweizerische Rechtsordnung gewährt grundsätzlich keinen  auf Bewilligung der Einreise. Der Entscheid darüber ist –  nachfolgend zu erörternder Hinderungsgründe – von der  in pflichtgemässer Ausübung ihres Ermessens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 ANAG, Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anmeldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER UEBERSAX, Einreise und Anwesenheit, in: PETER UEBERSAX / PETER MÜNCH / THOMAS GEISER / MARTIN ARNOLD (Hrsg.), , Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen Recht, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schweiz, Basel/Genf/München 2002, S. 143; URS BOLZ, Rechtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M., 1990, S. 29 mit weiteren Hinweisen; PHILIP GRANT, La  de la vie familiale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw. 2000, S. 24).
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2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schweiz  Pass und ein Visum, sofern sie nicht aufgrund besonderer Regelung von diesem Erfordernis ausgenommen sind (Art. 1 bis 5 VEA).
Um ein Visum zu erhalten, müssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin benötigt aufgrund ihrer Nationalität zur Einreise in die Schweiz nebst dem Pass ein Visum. Die Vorinstanz verweigerte die  eines solchen Visums mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert.
3.2 Wenn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten  erfüllt ist, muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Dazu lassen sich in der Regel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen . Dabei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von  und Bürgern aus Staaten oder Regionen mit politisch respektive  vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein mit Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten  in Einklang steht.
Die Beschwerdeführerin lebt im Kosovo. Die Sicherheitslage in dieser  konnte zwar im Verlauf der letzten Jahre weitgehend stabilisiert  und der Wiederaufbau von Administration und Infrastruktur ist unter Beteiligung internationaler Organisationen und Staatengemeinschaften in Gang gekommen. Die damit verbundenen Hoffnungen wurden aber durch eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und einen niedrigen Lebensstandard schon bald massiv gedämpft. Der wirtschaftliche Transformationsprozess entwickelt sich nur langsam und eine nachhaltige Verbesserung der  und sozialen Situation erweist sich als schwierig. Die  Prognosen sind eher schlecht, wird doch von Experten für die nächsten Jahre ein Rückgang bei den Hilfsgeldern um bis zu 70% . In breiten Teilen der Bevölkerung ist bereits jetzt eine gewisse  eingetreten. Entsprechend hoch ist nach wie vor der Anteil , die sich zur Emigration entschliessen. Laut der "International  for Migration" (IOM) sollen in einer zu Beginn des Jahres 2003 durchgeführten Umfrage über 50% der Befragten angegeben haben, sie würden lieber im Ausland leben und arbeiten. Unter den Migrationswilligen gilt vor allem Westeuropa und damit auch die Schweiz als . Der Wille zur Auswanderung wird erfahrungsgemäss dort noch , wo - wie vorliegend - sich bereits Verwandte oder Bekannte im Ausland etabliert haben und entsprechend ein soziales Netz besteht.
4. Bei der Risikoanalyse sind aber nicht nur solch allgemeine Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten  zu berücksichtigen. Obliegt einem Gesuchsteller oder einer Ge-
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suchstellerin im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche,  oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand  die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen.  muss bei Gesuchstellern, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein fremdenpolizeilich nicht  Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem ) hoch eingeschätzt werden.
5.
5.1 Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine 37-jährige,  Frau. Als Ehefrau und Mutter von vier Kindern hat sie durchaus familiäre Verpflichtungen im Heimatland. Solche Verhältnisse (zurückbleibende ) bilden für sich allein aber noch keine Garantie für eine anstandslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem . Wesentliche Bedeutung kommt hier den wirtschaftlichen  zu, in denen sich die Betroffenen befinden. Der Wunsch nach einer Emigration ist nämlich häufig auch mit der Hoffnung und Erwartung , nahe Angehörige später nachziehen zu können, oder  Familienangehörige aus dem Ausland effizienter unterstützen zu können, was in vielen Fällen nicht unrealistisch sein dürfte. Gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass sie und ihre Familie in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen leben.  erzielt der Ehemann der Beschwerdeführerin als selbständig  kein geregeltes Einkommen. Insgesamt kann vorliegend nicht auf Umstände geschlossen werden, die den Gedanken an eine Emigration gar nicht aufkommen liessen.
5.2 Kommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin einen ausgesprochen starken Bezug zur Schweiz hat, selbst wenn sie noch nie hier war. Hier leben sämtliche nahen Angehörigen aus der Herkunftsfamilie, d.h. die Mutter und die sieben Geschwister. Zwar wendet sie ein, sie und ihr Mann hätten sich seinerzeit entschieden, im Kosovo zu bleiben. Das kann aber insofern nicht ganz überzeugen, als die Familie den Ägyptern und damit einer  Minderheit angehört. Seit 1991 sind die Angehörigen der  nach und nach in die Schweiz gekommen, wobei  sechs dieser Personen – erfolglos – um Asyl nachgesucht haben. Bis auf die Mutter und einen Bruder, die hier im Rahmen einer vorläufigen  leben, haben alle Angehörige inzwischen eine Jahres-  Niederlassungsbewilligung oder sie sind bereits im Besitze des Schweizer Bürgerrechts. Unter diesen Umständen kann nicht  werden, dass auch die Beschwerdeführerin versucht sein könnte, hier (über den deklarierten Besuchszweck hinaus) Fuss zu fassen, auch wenn sie damit eine zumindest vorübergehende Trennung von ihrer Familie in Kauf nehmen müsste. Immerhin hat die Beschwerdeführerin ein Visum gleich für drei Monate beantragt. Somit wäre sie auch für längere Zeit von zu Hause abkömmlich.
5.3 Vor dem aufgezeigten persönlichen und allgemeinen Hintergrund durfte die Vorinstanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Ge-
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währ für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der  nach einem Besuchsaufenthalt besteht.
6. Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
7. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird die unterliegende  kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die  sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 11. Dezember 2006 [VGKE, SR 173.320.2]).
Dispositiv S. 7
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