Decision ID: 736ac47d-afb9-4d81-9cf5-ac8d13860c82
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B auf Probe seit dem 17. Oktober 2017.
Am 2. März 2018 lenkte er ein Fahrzeug mit einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von
mindestens 1,58 und höchstens 2,17 Gewichtspromille und verursachte dabei einen
Selbstunfall. Das Strassenverkehrsamt entzog den Führerausweis auf Probe am 9. April
2018 vorsorglich und ordnete mit Verfügung vom 30. April 2018 eine
verkehrsmedizinische Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) am
Kantonsspital St. Gallen an. Die Fachärzte stellten einen periodischen
Alkoholüberkonsum, jedoch keine Alkoholabhängigkeit fest. Weiter wurde im
Gutachten vom 30. November 2018 festgehalten, da Unklarheiten im Zusammenhang
mit einer früher diagnostizierten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
(ADHS) bestünden, sei hinsichtlich dieser Krankheit zwingend eine fachärztlich-
psychiatrische Re-Evaluation erforderlich. Aus verkehrsmedizinischer Sicht könne die
Fahreignung nicht befürwortet werden. Das Strassenverkehrsamt entzog X den
Führerausweis auf Probe mit Verfügung vom 21. Dezember 2018 auf unbestimmte Zeit,
wobei es die Wiedererteilung unter anderem von einer kontrollierten Alkoholabstinenz,
einer fachärztlichen Beurteilung des ADHS und einer positiv lautenden
verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung abhängig machte. Letztere fand am 3.
April 2019 statt und fiel für X insofern positiv aus, als die Fahreignung im Gutachten
des IRM St. Gallen vom 24. Juni 2019 unter Auflagen befürwortet wurde.
B.- Am 25. Juli 2019 hob das Strassenverkehrsamt den Führerausweisentzug vom
21. Dezember 2018 auf (Ziffer 1 des Rechtsspruchs) und verfügte gestützt auf das
Gutachten des IRM St. Gallen folgende Auflagen (Ziff. 2):
a. "Sie haben die vollständige, kontrollierte Alkoholabstinenz mittels Haaranalyse
einzuhalten.
b. Regelmässige Kontrolle und bedarfsweise Behandlung der psychischen Erkrankung
(ADHS im Erwachsenenalter) nach Verordnung des behandelnden Arztes und
striktes
Befolgen der ärztlichen Weisungen, inkl. Einnahme der verordneten Medikation.
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c. Bei einer Verschlechterung des Zustandes ist sofort die Ärztin oder der Arzt
aufzusuchen
und auf das Führen eines Fahrzeuges ist zu verzichten.
d. Die Auflagenkontrolle inklusive Haaranalyse erfolgt alle 6 Monate am Institut für
Rechtsmedizin (IRM) in St. Gallen. Für die Haaranalyse müssen die Haare
kosmetisch
unbehandelt sein, das heisst nicht gefärbt, nicht getönt oder gebleicht. Die Kosten
dafür
gehen zu Ihren Lasten.
Die Kontrollen haben im Oktober und April zu erfolgen. Zur gegebenen Zeit wird
Ihnen
durch das IRM St. Gallen ein Erinnerungsschreiben zugestellt, welches u.a. über
den
zu leistenden Vorschuss orientiert. Der Verlaufsbericht des Psychiaters ist jeweils
zur
Abstinenzkontrolle (Haaranalyse) in das IRM mitzubringen.
e. Sie erfüllen die medizinischen Mindestanforderungen bezüglich der Sehschärfe nur
mit
Brille oder Kontaktschalen. Sie haben somit bei all Ihren Fahrten eine Sehhilfe zu
tragen.
Dies wird mit Code 01 in Ihren Führerausweis eingetragen.
f. Die Alkoholabstinenz beinhaltet selbstverständlich auch eine Alkoholfahrabstinenz,
welche mit Code 05.08 ebenfalls in Ihren Führerausweis eingetragen wird.
g. Diese Auflagen haben auf unbestimmte Zeit Gültigkeit und werden mit Code 101, 01
und 05.08 in Ihren Führerausweis eingetragen. Eine Aufhebung der
Abstinenzkontrolle
kann frühestens in 1 Jahr geprüft werden.
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h. Bei Missachten der Auflagen haben Sie in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 SVG mit
dem
Entzug des Führerausweises – allenfalls auf unbestimmte Zeit – zu rechnen."
Das Strassenverkehrsamt verlängerte im Weiteren die Probezeit um ein Jahr (Ziff. 3),
stellte Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 430.– in Rechnung (Ziff. 4) und entzog
einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung (Ziff. 5).
C.- Mit Eingabe vom 2. August 2019 (Datum der Postaufgabe: 3. August 2019) erhob X
bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) Rekurs gegen die
Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 25. Juli 2019. Er beantragte, die Auflagen
gemäss Ziff. 2 lit. a, d, f und g des Rechtsspruchs seien aufzuheben, und es sei bei der
Wiedererteilung des Führerausweises von der Auflage einer vollständigen, kontrollierten
Alkoholabstinenz sowie einer entsprechenden Eintragung im Führerausweis
abzusehen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete mit
Schreiben vom 15. August 2019 auf eine Vernehmlassung.
Am 12. November 2019 ging beim Strassenverkehrsamt der Bericht des IRM St. Gallen
über die Verlaufskontrolle vom 10. Oktober 2019 ein. Die Oberärztin befürwortete eine
Lockerung der Auflagen und empfahl, die ärztlich kontrollierte Alkoholabstinenz durch
eine Fahrabstinenz zu ersetzen und X zu einem risikoarmen Alkoholtrinkverhalten zu
verpflichten. Das Strassenverkehrsamt hob die "Alkoholabstinenz mittels Haaranalyse"
am 12. November 2019 auf und verzichtete ausdrücklich auf weitere Vorgaben
hinsichtlich des Trinkverhaltens.
Mit Schreiben vom 19. November 2019 reichte X das Schreiben des
Strassenverkehrsamts und den Bericht des IRM der VRK ein. Er teilte zudem mit,
wegen der Aufhebung der kontrollierten Alkoholabstinenz seien die streitigen Ziffern
2 lit. a, d und g der angefochtenen Verfügung hinfällig geworden. Dies habe das
Strassenverkehrsamt zu verantworten, was bei der Kostenverteilung zu
berücksichtigen sei. Da die Auflage einer vollständig kontrollierten Alkoholabstinenz
unverhältnismässig gewesen sei, beantrage er zudem die Rückerstattung der von ihm
bezahlten Untersuchungskosten in der Höhe von Fr. 592.35. Diese Eingabe wurde dem
Strassenverkehrsamt zur Kenntnisnahme zugestellt.
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Auf die weiteren Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung der Anträge wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 2. August 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
materieller Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen von Art. 41 lit. g , Art. 45, 47 und
48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
b) aa) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz vom 25. Juli 2019, wobei
sich der Rekurs nur gegen einzelne Ziffern des Rechtsspruchs richtete, und zwar gegen
die vollständige, kontrollierte Alkoholabstinenz (Ziff. 2 lit. a), die damit verbundene
Auflagenkontrolle inkl. Haaranalyse (lit. d), die angeordnete Alkoholfahrabstinenz (lit. f)
und die Eintragung der entsprechenden Codes (101 und 05.08) im Führerausweis auf
Probe (lit. g). Da die Vorinstanz die Verpflichtung zur kontrollierten Alkoholabstinenz mit
Schreiben vom 12. November 2019 aufhob, wurde der Rekurs gegen die Ziff. 2 lit. a
und d hinfällig.
Nicht angefochten wurden Ziff. 2 lit. b (regelmässige Kontrolle des ADHS) und lit. e
(Auflage, beim Fahren eine Sehhilfe zu tragen, und Eintragung dieser Auflage mit dem
Code 01 im Führerausweis) der Verfügung, weshalb es dabei sein Bewenden hat. Zu
prüfen bleibt, wie es sich mit der Alkoholfahrabstinenzauflage (Ziff. 2 lit. f) verhält.
bb) Dem Rekurrenten wurde der Führerausweis auf Probe am 18. Oktober 2017 erteilt
und die dreijährige Probezeit mit Verfügung vom 25. Juli 2019 (Ziff. 3) um ein Jahr bis
16. Oktober 2021 verlängert. Inhabern des Führerausweises auf Probe, ausgenommen
auf Fahrten mit Fahrzeugen der Spezialkategorien F, G und M, ist das Fahren unter
Alkoholeinfluss verboten (Art. 31 Abs. 2 lit. f des Strassenverkehrsgesetzes
[SR 741.01, abgekürzt: SVG] und Art. 2a Abs. 1 lit. h der Verkehrsregelnverordnung
[SR 741.11, abgekürzt: VRV]). Da während der Probezeit eine gesetzliche
Fahrabstinenz besteht, könnte die Formulierung in Ziff. 2 lit. f der angefochtenen
Verfügung, die Alkoholabstinenz beinhalte selbstverständlich auch eine Fahrabstinenz,
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lediglich als Hinweis auf die Rechtslage verstanden werden. Indes wurde damit – wie
nachfolgend zu zeigen sein wird (E. 2c/aa) – eine auf Rechtswirkungen ausgerichtete
Anordnung getroffen, weshalb auch der Ziff. 2 lit. f des Rechtsspruchs
Verfügungscharakter zukommt (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016 Rz. 866 f.; Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 885 und 895).
c) Der Rekurs ist somit abzuschreiben, soweit er sich gegen die mit Ziff. 2 lit. a und d
verfügte vollständige, mittels Haaranalyse zu kontrollierende Alkoholabstinenz richtete.
Im Übrigen ist darauf einzutreten.
2.- Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz im Zusammenhang mit der Aufhebung des
Führerausweisentzugs zu Recht eine Fahrabstinenz anordnete und diese mit den
Codes 05.08 im Führerausweis vermerkte.
a) Der auf unbestimmte Zeit entzogene Lernfahr- oder Führerausweis kann bedingt und
unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte
Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels
nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG). Entgegen
dem Wortlaut ist es je nach Umständen zulässig, die Wiedererteilung entweder bedingt
oder unter Auflagen anzuordnen. Die an die Wiedererteilung des Führerausweises
regelmässig geknüpften Auflagen sind Nebenbestimmungen, die dazu dienen,
Unsicherheiten beim Nachweis Rechnung zu tragen, dass der jeweilige
Fahreignungsmangel tatsächlich behoben ist und die Fahreignung der betroffenen
Person stabil ist. Auflagen müssen den konkreten Umständen angepasst und
verhältnismässig sein (vgl. Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG,
2. Aufl. 2015, Vorbemerkungen zu Art. 17 SVG N 14 f.)
b) Im verkehrsmedizinischen Gutachten des IRM St. Gallen vom 30. November 2018
wurde zusammenfassend festgehalten, aus den Angaben des Rekurrenten könne ein
episodischer Alkoholüberkonsum im Sinne eines zeitweisen Missbrauchs abgeleitet
werden, der durch das FiaZ-Ereignis vom 2. März 2018 Verkehrsrelevanz erlangt habe.
Konkrete Hinweise auf eine Alkoholabhängigkeit ergäben sich nicht. Aktuell könne von
einer rund halbjährigen Alkoholabstinenz ausgegangen werden.
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Im Gutachten vom 24. Juni 2019 führte das IRM St. Gallen aus, die anlässlich der
Erstbegutachtung aus verkehrsmedizinischer Sicht empfohlenen Voraussetzungen für
eine günstige Beurteilung seien erfüllt, so dass die Fahreignung des Rekurrenten
befürwortet werden könne. Zur weiteren Stabilisierung der Abstinenz, zur Senkung des
Risikos einer erneuten substanzbedingten Auffälligkeit im Strassenverkehr und zur
Verlaufskontrolle werde aus verkehrsmedizinischer Sicht das weitere Einhalten einer
konsequenten Alkoholabstinenz empfohlen.
Im Bericht vom 11. November 2019 über die Verlaufskontrolle vom 10. Oktober 2019
empfahl das IRM St. Gallen noch eine Alkoholfahrabstinenz und ein mittels
Haaranalyse zu kontrollierendes "risikoarmes" Trinkverhalten.
b) Der Rekurrent rügte im Wesentlichen die Unverhältnismässigkeit der mittlerweile
aufgehobenen Totalabstinenz. Hinsichtlich der Fahrabstinenz machte er geltend, dass
aufgrund der durchwegs positiv ausgefallenen Abstinenzkontrollen keine begründeten
Zweifel an seiner Fahreignung bestünden und er wegen der andauernden Probezeit
ohnehin kein Fahrzeug unter Alkoholeinfluss lenken dürfe.
c) aa) Die Vorinstanz ordnete in Ziff. 2 lit. f des Rechtsspruchs eine
Alkoholfahrabstinenz an, die mit Code 05.08 im Führerausweis auf Probe eingetragen
werde. Auf den ersten Blick erscheint dies nicht angemessen, da einerseits die
kontrollierte Abstinenzauflage eine Fahrabstinenz voraussetzt und Neulenker während
der Probezeit gesetzlich verpflichtet sind, eine Fahrabstinenz einzuhalten. Es gilt jedoch
zu beachten, dass ein Verstoss gegen das Verbot, ein Motorfahrzeug unter
Alkoholeinfluss zu lenken (Art. 31 Abs. 2 lit. f SVG und Art. 2a Abs. 1 lit. h VRV),
anders sanktioniert wird als die Missachtung einer Alkoholfahrabstinenzauflage.
Während ersterer gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG einen Führerausweisentzug
(Warnungsentzug) zur Folge haben kann, führt eine Verletzung von Auflagen gemäss
Art. 17 Abs. 5 SVG zwingend zum Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit
(sog. Sicherungsentzug; vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 16 SVG N 14). Demnach
haben Verstösse gegen die gesetzliche Fahrabstinenz und solche, die im Einzelfall
nach Art. 17 Abs. 3 SVG angeordnet werden, unterschiedliche Rechtsfolgen. Die
Vorinstanz verfügte die Abstinenzauflagen gestützt auf Art. 17 Abs. 3 SVG, weshalb ein
Verstoss dagegen nach Art. 17 Abs. 5 SVG zu sanktionieren und der Führerausweis auf
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Probe zwingend wieder zu entziehen wäre. Der Hinweis in Ziff. 2 lit. h, wonach bei
Missachtung der Auflagen in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 SVG mit dem Entzug des
Führerausweises – allenfalls auf unbestimmte Zeit – zu rechnen sei, ist demnach falsch.
bb) Hinsichtlich der Verhältnismässigkeit der Alkoholfahrabstinenzauflage ist zu
berücksichtigen, dass der Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit wegen
eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs angeordnet wurde (act. 9/53). Der Vorfall
ereignete sich am 2. März 2018. Auch wenn seither rund 24 Monate vergangen sind
und sich der Rekurrent in dieser Zeit nichts mehr zu Schulden kommen liess, ist die
Fahreignung gemäss den Fachärzten nur unter Auflagen gegeben. Sie empfahlen
deshalb nebst der Fahrabstinenz auch ein kontrolliertes risikoarmes Trinkverhalten. Von
letzterem sah die Vorinstanz indes ab und beliess es bei der
Alkoholfahrabstinenzauflage. Dies dient insofern der vom IRM St. Gallen empfohlenen
Rückfallprophylaxe, als sich der Rekurrent bewusst sein muss, dass ein Verstoss
gegen die Auflage ohne weitere Zwischenschritte zwingend zu einem
Führausweisentzug auf unbestimmte Zeit führt (Weissenberger, a.a.O., Art. 17 SVG
N 27) bzw. allenfalls zur Annullierung des Führerausweises auf Probe, wenn der
Neulenker während der Probezeit zwei Widerhandlungen begeht, die zu einem
Führerausweisentzug (Warnungsentzug) führen. Dies erscheint unter den gegebenen
Umständen angemessen.
cc) Für Auflagen, Beschränkungen und andere Zusatzangaben, die im Führerausweis
eingetragen werden, sind Schlüsselzahlen oder Kurztexte zu verwenden. Das
Bundesamt für Strassen (ASTRA) erlässt die entsprechenden Weisungen (Art. 24 der
Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr
[SR 741.51, abgekürzt: VZV]). Gemäss Weisung des ASTRA werden Beschränkungen
der jeweiligen Fahrberechtigung mittels Codes (Schlüsselzahlen) unter Ziffer 12 des
Führerausweises eingetragen. Unterschieden wird in europaweit harmonisierte (gemäss
Richtlinie 2006/126/EG des europäischen Parlaments und des Rats vom 20. Dezember
2006 über den Führerschein) und nationale Beschränkungen und Zusatzangaben
(vgl. Weisungen betreffend Ausstellung des Führerausweises im Kreditkartenformat des
ASTRA vom 15. März 2016, nachfolgend: ASTRA-Weisung). Der europäisch
harmonisierte Code 05.08 (kein Alkohol; Astra-Weisung, Ziff. 41) weist auf eine
beschränkte Gültigkeit der Fahrerlaubnis hin. Er wird eingetragen, wenn beim Führen
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eines Fahrzeugs jederzeit 0,0 Promille verlangt sind (vgl. Bächli-Biétry/Liniger/
Schaffhauser, Aktuelle Fragen des Administrativmassnahmenrechts des SVG, in:
Jahrbuch des Strassenverkehrsrecht 2005, S. 100). Die Eintragung des Codes 05.08
auf dem Führerausweis auf Probe erweist sich demnach als rechtmässig.
dd) Der ebenfalls auf dem Führerausweis auf Probe des Rekurrenten vermerkte
Code 101 ist nicht harmonisiert und hat folglich nur nationale Geltung. Er bedeutet,
dass eine "besondere Auflage" verfügt wurde, deren genauer Inhalt aber nur der
ausweisausstellenden Behörde bekannt ist ("die ausführliche Verfügung wird bei der
ausweisausstellenden Behörde aufbewahrt"; ASTRA-Weisung, Ziff. 42). Da die Pflicht
zum Brillentragen mit dem Code 01 auf dem Führerausweis erfasst wurde, kann diese
"besondere Auflage" insbesondere die Verpflichtung, sich hinsichtlich der ADHS-
Erkrankung regelmässig untersuchen und bei Bedarf – namentlich bei einer
Verschlechterung des Gesundheitszustands – ärztlich behandeln zu lassen, betreffen.
Für die Kontrollorgane (Polizei) ist diese Verpflichtung jedoch anhand des Codes 101
auf den ersten Blick nicht ersichtlich und insbesondere nicht überprüfbar. Der Eintrag
des Codes 101 ist deshalb nicht zweckmässig; er ist aus dem Führerausweis auf Probe
zu entfernen. Dasselbe würde gelten, wenn der Code 101 auch die Auflage der
kontrollierten, vollständigen Alkoholabstinenz umfasst hätte; zumal letztere in der
Zwischenzeit aufgehoben wurde. Da die Vorinstanz schon mehrmals darauf
aufmerksam gemacht wurde, hat sie die Kosten dafür zu tragen (vgl. Entscheide der
VRK [VRKE] IV-2016/152 vom 30. März 2017 E. 2c und IV-2018/48 vom 29. November
2018 E. 6, im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter
Rechtsprechung).
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die von der Vorinstanz verfügte
Alkoholfahrabstinenzauflage nicht zu beanstanden ist. Sie wurde zudem zu Recht mit
dem Code 05.08 im Fahrausweis eingetragen. Somit ist der Rekurs abzuweisen, soweit
er nicht als erledigt abzuschreiben ist. Der Code 101 ist hingegen auf Kosten der
Vorinstanz aus dem Führerausweis zu entfernen.
3.- Der Rekurrent brachte weiter vor, die Vorinstanz habe die vollständige
Abstinenzauflage entgegen der ursprünglichen Verfügung nicht erst nach einem ein
Jahr, sondern bereits nach dreieinhalb Monaten überprüft. Da dem Rekurs gegen die
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Verfügung vom 25. Juli 2019 die aufschiebende Wirkung entzogen worden sei, habe er
sich im Oktober 2019 erneut einer Verlaufskontrolle unterziehen müssen. Die Kosten
dieser Untersuchung in der Höhe von Fr. 592.35 seien ihm zurückzuerstatten, weil die
Auflage einer vollständigen und kontrollierten Alkoholabstinenz unverhältnismässig
gewesen sei und nicht hätte verfügt werden dürfen.
Der Rekurrent erhob am 2. August 2019 Rekurs gegen die Verfügung der Vorinstanz
vom 25. Juli 2019. Darin wurde er verpflichtet, eine vollständig kontrollierte (jeweils
April und Oktober) Alkoholabstinenz einzuhalten. Da die Vorinstanz einem allfälligen
Rekurs die aufschiebende Wirkung entzog, liess sich der Rekurrent im Oktober 2019
und damit vor Abschluss des Rechtsmittelverfahrens erstmals beim IRM St. Gallen
untersuchen. Die Kosten in der Höhe von Fr. 592.35 stellte ihm das IRM St. Gallen am
7. August 2019 in Rechnung (act. 12/2). Da aufgrund einer summarischen Beurteilung
davon auszugehen ist, dass die angefochtene Verfügung der Vorinstanz hinsichtlich der
unbefristeten, mittels Haaranalyse ärztlich kontrollierten Alkoholabstinenz (Ziff. 2 lit. a
und g des Rechtsspruchs) einer rechtlichen Überprüfung nicht standgehalten hätte (vgl.
hinten E. 4b), erscheint es angemessen, diese Kosten dem Staat aufzuerlegen.
Entsprechend ist das Strassenverkehrsamt zu verpflichten, dem Rekurrenten den
Betrag von Fr. 592.35 zurückzuerstatten.
4.- a) Zusammenfassend erweist sich der Rekurs als unbegründet. Er ist abzuweisen,
soweit er nicht wegen Gegenstandslosigkeit abzuschreiben ist. Die Vorinstanz ist
anzuweisen, den Code 101 auf ihre Kosten aus dem Führerausweis auf Probe des
Rekurrenten zu entfernen.
b) Soweit der Rekurs als erledigt abzuschreiben ist, richtet sich die Frage der
Kostenverlegung mit summarischer Begründung nach dem mutmasslichen
Verfahrensausgang vor Eintritt des Erledigungsgrunds (Urteil des Bundesgerichts
1C_199/2017 vom 3. August 2017 E. 4.2; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach
st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen SZ/St. Gallen 2004, S. 101).
Angesichts der Tatsache, dass beim Rekurrenten keine Alkoholabhängigkeit
festgestellt (act. 9/53) und anlässlich der verkehrsmedizinischen Untersuchung vom
3. April 2019 bereits eine einjährige Alkoholabstinenz bestätigt wurde (act. 9/66),
erscheint die Verhältnismässigkeit einer mindestens einjährigen und vor allem auf
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unbestimmte Zeit angeordneten Abstinenzauflage zumindest als fraglich. Es ist davon
auszugehen, dass die vorinstanzlich verfügte Abstinenzauflage vor Gericht nicht
standgehalten hätte. Für eine zu weitgehende Massnahme spricht auch, dass die
Fachärzte des IRM St. Gallen bereits nach dem ersten Kontrolluntersuch eine
Lockerung der Abstinenzauflagen empfahlen. Vor diesem Hintergrund sind die
amtlichen Kosten dem Staat zu drei Vierteln und dem Rekurrenten zu einem Viertel
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist mit dem Kostenanteil des Rekurrenten von
Fr. 300.– zu verrechnen und im Restbetrag von Fr. 900.– zurückzuerstatten.
c) Ein Anspruch auf Entschädigung allfälliger ausseramtlicher Kosten besteht nicht.
Insbesondere sind die Voraussetzungen für das Ausrichten einer
Umtriebsentschädigung nicht erfüllt. Der Rekurrent hat in diesem schriftlichen
Verfahren aufgrund des darin angefallenen Aufwands weder einen Lohnausfall erlitten,
noch erheblich Freizeit verloren (vgl. PK VRP/SG-Linder, Art. 98 N 12).