Decision ID: f0e125f8-22e6-56f6-8766-c65a90035dc4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden (Eltern) suchten am (...) 2017 für sich und
ihr Kind C._ in der Schweiz um Asyl nach.
Zur Begründung machten sie im Wesentlichen geltend, sie seien türkische
Staatsangehörige kurdischer Ethnie und stammten aus der Provinz
E._. Zuletzt hätten sie in F._ in der gleichnamigen Provinz
gelebt. Seit dem Jahr 2014 seien sie Mitglieder der G._. A._
(nachfolgend: Beschwerdeführer) sei im Jahr (...) in die (...) der G._
gewählt worden und damit zu einem (...)verantwortlichen der Partei gewor-
den. In dieser Funktion habe er Schriftstücke für die Partei verfasst und
Treffen von politischen Gefangenen mit deren Angehörigen in F._
organisiert. Als politisch aktive Kurden seien sie in der türkisch geprägten
Stadt F._ regelmässig in den Fokus der türkischen Behörden gera-
ten. Diese hätten mehrfach ihre Wohnung durchsucht. Der Beschwerde-
führer sei im Zusammenhang mit Teilnahmen an Parteiveranstaltungen
wiederholt und jeweils über mehrere Stunden in Polizeigewahrsam genom-
men worden. Dabei habe er vereinzelt auch Polizeigewalt erfahren. Ihr Ver-
mieter habe die Beschwerdeführenden aufgrund der häufigen Polizeiprä-
senz schliesslich aufgefordert, die Wohnung in F._ zu verlassen.
Sie hätten daraufhin einige Monate bei Verwandten gelebt und seien an-
schliessend aus der Türkei ausgereist. Weitere Gründe für die Ausreise
aus der Türkei sei ihre (...) vom (...) sowie Drohungen von Anhängern der
H._ gegenüber dem Beschwerdeführer.
A.b Mit Verfügung vom (...) 2017 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh-
renden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der
Wegweisung an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die Vor-
bringen seien flüchtlingsrechtlich nicht relevant, soweit sie den Anforderun-
gen an die Glaubhaftigkeit (die Behelligungen durch die H._ wurde
als unglaubhaft erachtet) standhielten. Der Wegweisungsvollzug sei aus-
serdem zulässig, zumutbar und möglich.
A.c Das Bundesverwaltungsgericht wies die gegen die SEM-Verfügung
angehobene Beschwerde mit Urteil D-6721/2017 vom 22. September 2020
ab.
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B.
Auf das Revisionsgesuch der Beschwerdeführenden vom 2. November
2020 trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-5384/2020 vom
16. Februar 2021 mangels Bezahlung des mit Zwischenverfügung vom
25. Januar 2021 infolge Aussichtslosigkeit der Begehren abgewiesenen
Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung erhobenen
Kostenvorschusses nicht ein.
C.
C.a Am 9. Februar 2021 gelangten die Beschwerdeführenden mit einer als
"Mehrfachgesuch" bezeichneten Eingabe an das SEM. Sie liessen unter
Beilage zahlreicher fremdsprachiger Unterlagen geltend machen, am
2. November 2020 sei beim Bundesverwaltungsgericht ein Revisionsge-
such eingereicht worden. Das Gericht sei gemäss Zwischenverfügung vom
25. Januar 2021 der Meinung, dass die zu den Akten gereichten Beweis-
mittel für ein Mehrfachgesuch geeignet wären. Mit dem Mehrfachgesuch
würden sie neue Beweismittel im Original ins Recht legen, darunter befinde
sich auch ein Haftbefehl für den Beschwerdeführer und ein Referenzschrei-
ben von dessen Anwältin mit einer Zusammenfassung. Er werde wegen
Propaganda für die PKK (Arbeiterpartei Kurdistans; kurdisch: Partiya
Karkerên Kurdistanê) und Beleidigung von Staatspräsident Erdogan in der
Türkei gesucht. Aus diesem Grund könnte er gemäss Angaben seiner An-
wältin in der Türkei zu einer Haftstrafe von einem bis fünf Jahren verurteilt
werden. Die Beschwerdeführenden stellten zudem die Nachreichung von
Übersetzungen einiger Dokumente in Aussicht. Zusammenfassend mach-
ten die neu dargelegten Gründe und Beweismittel deutlich, dass der Be-
schwerdeführer in seinem Heimatland ernsthaften Nachteilen ausgesetzt
sei und zudem begründete Furcht vor solchen habe. Er erfülle die Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG (SR 142.31) und habe Anspruch
auf Asyl. Eventualiter verstosse seine Wegweisung gegen das Refoule-
mentverbot im Sinne von Art. 3 EMRK. Unabhängig davon drohe ihm im
Falle einer Rückkehr in seinen Heimatstaat eine ernsthafte und aktuelle
Gefährdung von Leib und Leben, weshalb festzustellen sei, dass seine
Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei.
C.b Mit Schreiben vom 19. Februar 2021 teilte das SEM den Beschwerde-
führenden mit, dass dieselben Vorbringen nicht gleichzeitig bei der ersten
Instanz und der Beschwerdeinstanz geltend gemacht werden könnten,
weshalb entweder das Revisionsurteil abzuwarten oder das noch hängige
Revisionsgesuch zurückzuziehen sei, ehe beim SEM ein Mehrfachgesuch
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eingereicht werden könne. Die Eingabe vom 9. Februar 2021 werde des-
halb ohne weitere Handlungsschritte zu den Akten genommen. Zudem
seien Eingaben und Beweismittel in einer Verfahrenssprache einzureichen.
Folgegesuche seien hinreichend zu begründen und der Sachverhalt liquid
darzutun, was unter anderem voraussetze, dass Beweismittel in eine Amts-
sprache übersetzt einzureichen seien.
C.c Mit Eingabe vom 8. März 2021 teilten die Beschwerdeführenden dem
SEM mit, dass das Revisionsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
abgeschlossen sei, und sie ersuchten das SEM um Prüfung des Mehrfach-
gesuchs. Weiter führten sie aus, sie würden "bis nächste Woche" einige
Dokumente übersetzen lassen und zu den Akten reichen.
C.d In seinem Antwortschreiben vom 12. März 2021 wies das SEM (er-
neut) darauf hin, dass Mehrfachgesuche schriftlich und begründet einzu-
reichen seien. Unbegründete oder wiederholt gleich begründete Asylgesu-
che würden formlos abgeschrieben. Mehrfachgesuche müssten soweit be-
gründet sein, dass sie die Behörde in die Lage versetzten, über das Ge-
such zu entscheiden, auch ohne vorgängig eine Anhörung durchzuführen.
Der Sachverhalt sei mithin liquid zu präsentieren. Zudem seien Eingaben
in einer Amtssprache zu verfassen. Es reiche für die Stellung eines Mehr-
fachgesuchs deshalb nicht aus, Beweismittel lediglich in Aussicht zu stellen
oder einzig fremdsprachige Dokumente einzureichen. Würden Beweismit-
tel bloss in Aussicht gestellt, sei der Sachverhalt gerade nicht liquid ge-
macht. Fremdsprachige Beweismittel seien – wie erwähnt – in eine Amts-
sprache zu übersetzen und es sei darzutun, was mit den eingereichten Be-
weismitteln belegt werden solle.
C.e Mit Schreiben vom 12. März 2021 (Eingang beim SEM: 15. März 2021)
teilten die Beschwerdeführenden mit, dass sie von der kantonalen Migrati-
onsbehörde schriftlich aufgefordert worden seien, sich zwecks Beschaf-
fung der für die Ausreise erforderlichen Papiere auf ein türkisches Konsulat
zu begeben. Wegen des hängigen Mehrfachgesuches und weil der Be-
schwerdeführer in der Türkei aus politischen Gründen gesucht werde und
sich in Lebensgefahr befinde, könne dieser die türkischen Behörden nicht
kontaktieren. Aus diesem Grund wurde das SEM ersucht, die Migrations-
behörde zu informieren, um die Ausschaffung zu sistieren.
C.f Mit Schreiben vom 15. März 2021 reichten die Beschwerdeführenden
sechs in eine Amtssprache übersetzte Beweismittel zu den Akten, welche
zuvor bereits beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht worden seien.
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Dabei handle es sich um ein Anzeigeprotokoll vom (...) 2017, ein Protokoll
der Beamten der Zweigstelle für Terrorbekämpfung vom (...) 2017, ein Ein-
und Ausreiseprotokoll betreffend den Beschwerdeführer, einen Beleg über
eine Zahlung an die Gerichtskasse, ein Schreiben der Gendarmerie an die
Staatsanwaltschaft vom (...) Oktober 2020 sowie einen Ermittlungsbericht
der Gendarmerie vom (...) Oktober 2020. Zudem wurde die baldige Nach-
reichung weiterer übersetzter Dokumente in Aussicht gestellt.
C.g Mit Antwortschreiben vom 18. März 2021 bestätigte das SEM den Ein-
gang der Eingaben vom 12. und 15. März 2021. Weiter hielt es fest, bis
zum Schreiben vom 15. März 2021 sei das SEM nicht von einem hängigen
Mehrfachgesuch ausgegangen. Dies habe sich mit der Einreichung über-
setzter Beweismittel geändert, weshalb es ein Mehrfachgesuch mit dem
besagten Datum verbuche und die kantonale Migrationsbehörde über die
Aussetzung von Vollzugshandlungen informiere. Zudem wurden die Be-
schwerdeführenden aufgefordert, bis zum 31. März 2021 sämtliche Be-
weismittel, die sie im Rahmen des Mehrfachgesuchs noch einzureichen
beabsichtigten, inklusive Übersetzung ins Recht zu legen. Nach Ablauf der
Frist werde aufgrund der Aktenlage entschieden. Schliesslich teilte das
SEM vorsorglich mit, dass Fristerstreckungsgesuche im Zusammenhang
mit Mehrfachgesuchen restriktiv beurteilt würden, da solche liquid einzu-
reichen seien.
C.h Das SEM setzte den Vollzug der Wegweisung mit Schreiben vom
19. März 2021 einstweilen aus.
D.
Mit Verfügung vom 20. April 2021 trat das SEM auf das Mehrfachgesuch
nicht ein; soweit es sich um ein Revisionsgesuch handelte, trat es auf die-
ses mangels funktioneller Zuständigkeit nicht ein; zudem verfügte es die
Wegweisung aus der Schweiz, beauftragte den zuständigen Kanton mit
dem Vollzug der Wegweisung und erhob eine Gebühr in der Höhe von
Fr. 600.–.
Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentlichen
aus, die Beschwerdeführenden machten mit zwei der am 15. März 2021
eingereichten Beweismittel zumindest sinngemäss Gründe geltend, die
sich auf einen nach der Rechtskraft des Asylentscheids vom 26. Oktober
2017 verwirklichten Sachverhalt bezögen. Da ihre Eingabe auch fristge-
recht sei, nahm es diese insoweit als Mehrfachgesuch entgegen. Die übri-
gen mit der erwähnten Eingabe eingereichten Beweismittel fielen unter den
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Tatbestand der Revision. Da für Revisionsgesuche das Bundesverwal-
tungsgericht zuständig sei, trat das SEM diesbezüglich auf die Eingabe
vom 15. März 2021 mangels funktioneller Zuständigkeit nicht ein.
Hinsichtlich des Mehrfachgesuchs sah sich das SEM gestützt auf die Ein-
gabe vom 15. März 2021 und die damit eingereichten Beweismittel nicht in
der Lage, über dieses zu entscheiden. Das Schreiben der Gendarmerie
vom (...) Oktober 2020 und der entsprechende Ermittlungsbericht vom
(...) Oktober 2020 legten zwar nahe, dass die türkischen Behörden im Ok-
tober 2020 im Zusammenhang mit Facebook-Posts des Beschwerdefüh-
rers Ermittlungen aufgenommen hätten. Dagegen bleibe völlig unklar, wie
der aktuelle Stand dieser vor rund einem halben Jahr offenbar aufgenom-
menen Ermittlungen sei, d.h. ob diese abgeschlossen seien oder noch an-
hielten beziehungsweise in einer Anklage gemündet hätten oder eingestellt
worden seien. Zudem werde weder im Mehrfachgesuch vom 15. März
2021 noch in einer anderen dem SEM eingereichten Eingabe ausgeführt,
ob sich die Aussage in der Eingabe vom 9. Februar 2021, wonach der Be-
schwerdeführer wegen Propaganda für eine Terrororganisation und Belei-
digung des Staatspräsidenten gesucht werde, auf die genannten Ermitt-
lungsakten oder ein anderes ihm allenfalls zur Last gelegtes Verhalten be-
zögen. Trotz des mehrfachen Hinweises, wonach Mehrfachgesuche be-
gründet einzureichen seien und der Sachverhalt liquid darzutun sei, und
der den Beschwerdeführenden gewährten Nachfrist bis zum 31. März
2021, um weitere Beweismittel in Übersetzung nachzureichen, hätten sie
es unterlassen, ihr Mehrfachgesuch einlässlich zu begründen und mit ge-
eigneten Beweismitteln zu untermauern. Gestützt auf die Aktenlage, wie
sie sich aktuell präsentiere, müsste das SEM deshalb weitere Instruktions-
massnahmen einleiten und zusätzliche Abklärungen treffen, um über das
Mehrfachgesuch materiell entscheiden zu können. Damit stehe fest, dass
der Sachverhalt nicht liquid vorgebracht sei, obwohl die Beschwerdefüh-
renden dazu ohne Weiteres in der Lage gewesen wären. So gehe etwa aus
der Eingabe vom 9. Februar 2021 hervor, dass sie über zahlreiche weitere
(mutmassliche) Verfahrensakten in türkischer Sprache verfügten, auf de-
ren Übersetzung und anschliessende Einreichung beim SEM sie aber of-
fenbar bewusst verzichtet hätten. Dies, obwohl sie anwaltlich vertreten
seien und überdies vom SEM mehrfach auf die ihnen obliegenden Mitwir-
kungspflichten im Rahmen der Stellung eines Mehrfachgesuchs hingewie-
sen worden seien. Somit erfülle die Eingabe vom 15. März 2021 im Ergeb-
nis die Anforderungen an die Begründungspflicht für ein Mehrfachgesuch
nicht, weshalb auf dieses gestützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG in Verbindung
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mit Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht eingetreten werde. Der Vollzug der Wegwei-
sung sei zulässig, zumutbar und möglich.
E.
Die Beschwerdeführenden fochten diesen Entscheid durch ihren Rechts-
vertreter mit Beschwerde vom 28. April 2021 beim Bundesverwaltungsge-
richt an. Sie beantragten die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung,
die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und
die Gewährung von Asyl bezüglich diesem, subeventualiter die Rückwei-
sung der Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz. In prozessualer Hinsicht ersuchten
sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerde lagen nebst der angefochtenen Verfügung folgende
fremdsprachigen Unterlagen in Kopie bei: Referenzschreiben der Anwältin
I._ vom (...) April 2021 (Beilage 2), Gerichtsverfügung des 1. Straf-
gerichts der Provinz F._ vom (...) Dezember 2020 bezüglich Aus-
stellung von Haftbefehlen (Beilage 3), je ein Haftbefehl vom (...) Dezember
2020 wegen Beleidigung des Staatspräsidenten (Art. 299/1 türkisches
Strafgesetzbuch [tStGB]; Beilage 4), Aufhetzung des Volkes für Hass und
Feindseligkeit (Art. 216/1 tStGB; Beilage 5) und Beleidigung der türkischen
Nation, des Staates der türkisches Republik, der Organe und Institutionen
des Staates (Art. 301/1 tStGB; Beilage 6).
Zur Begründung der Beschwerde wird ausgeführt, das Gesuch sei nicht
ungenügend begründet gewesen. Die Beschwerdeführenden hätten keine
weiteren Dokumente beschaffen können, weil der Staatsanwalt lange Zeit
keinen Zugang über das UYAP-System zu den Akten erlaubt habe. Aus
den eingereichten Dokumenten sei ersichtlich, dass gegen den Beschwer-
deführer eine Ermittlung wegen Propaganda und Beleidigung des Staats-
präsidenten eingeleitet und bereits im Jahr 2017 wegen Mitgliedschaft in
einer Terrororganisation ermittelt worden sei. Sie hätten damals einge-
reicht, was ihnen möglich gewesen sei. Mit dieser hängigen Strafverfol-
gung werde der Beschwerdeführer mit der PKK in Verbindung gesehen.
Gemäss Angaben der Anwältin I._ seien gegen den Beschwerde-
führer drei separate Haftbefehle ausgestellt worden. Sie hätten keine Zeit
gehabt, diese Dokumente übersetzen zu lassen, stellten aber die Nachrei-
chung der Übersetzungen zusammen mit den Originaldokumenten inner-
halb von zwei Wochen in Aussicht. Zusammenfassend machten die darge-
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legten neuen Gründe sowie alte Beweismittel deutlich, dass der Beschwer-
deführer in seinem Heimatland ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sei und
zudem begründete Furcht vor solchen habe.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte den Eingang der Beschwerde
am 29. April 2021.
G.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 3. Mai 2021 teilte die Instruktions-
richterin den Beschwerdeführenden mit, sie dürften den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten, forderte sie auf, die Übersetzungen der
Beschwerdebeilagen 2–6 samt den in Aussicht gestellten Originalen innert
3 Tagen ab Erhalt dieser Verfügung einzureichen und verschob den Ent-
scheid über die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses auf einen
Zeitpunkt nach Ablauf der erwähnten Frist.
H.
Mit Schreiben vom 13. Mai 2021 wurden die Übersetzungen der Beilagen 2
sowie 4–6 eingereicht und jene von Beilage 3 in Aussicht gestellt.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Mai 2021 forderte die Instruktionsrichterin
die Beschwerdeführenden auf, das Original der Beschwerdebeilage 2 und
die Übersetzung der Beschwerdebeilage 3 bis zum 31. Mai 2021 nachzu-
reichen. Zudem hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter der Vorausset-
zung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung (und unter Vorbehalt
der Veränderung der finanziellen Lage der Beschwerdeführenden) gut und
forderte diese auf, bis zum 31. Mai 2021 eine Fürsorgebestätigung nach-
zureichen oder einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu Gunsten der Ge-
richtskasse zu leisten.
J.
Mit Schreiben vom 31. Mai 2021 reichten die Beschwerdeführenden eine
Fürsorgebestätigung, die Übersetzung der Beilage 3 sowie die in Aussicht
gestellten Originale der Dokumente zu den Akten.
K.
Am 2. Juni 2021 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz ein, innert Frist
eine Vernehmlassung einzureichen.
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L.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 8. Juni 2021 vollumfäng-
lich an ihrer Verfügung fest.
So vermöge das SEM, auch wenn sich durch die auf Beschwerdeebene
eingereichten Beweismittel der Verdacht erhärte, die türkischen Behörden
hätten gegen den Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dessen Enga-
gement in sozialen Medien strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen,
dessen allfällige flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nicht abschlies-
send zu beurteilen. Die Aktenlage zeige sich nach wie vor lückenhaft, in-
dem etwa die entsprechenden Anklageschriften der Staatsanwaltschaft
oder allfällige Gerichtsverhandlungsprotokolle – die auch in Abwesenheit
eines Angeklagten erstellt werden könnten – fehlten. Damit sei der Stand
der Ermittlungen nach wie vor ungeklärt. Den eingereichten Beweismitteln
seien auch keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass gegen den Be-
schwerdeführer – wie im Schreiben der Anwältin I._ geltend ge-
macht – wegen Propaganda für eine Terrororganisation ermittelt werde. Die
in den Haftbefehlen genannten Straftaten seien mit Freiheitsstrafen von
sechs Monaten bis zwei Jahren beziehungsweise einem Jahr bis drei Jah-
ren beziehungsweise einem Jahr bis vier Jahren bedroht. Bei Ersttätern –
wie dem Beschwerdeführer – und tiefen Strafen käme es oft vor, dass die
Strafe auf Bewährung ausgesetzt werde (Art. 51 tStGB) oder die "Verkün-
dung des Strafurteils" aufgeschoben werde (Art. 231 der türkischen Straf-
prozessordnung). Zumal das dem Beschwerdeführer zur Last gelegte Ver-
halten aus der Aktenlage nicht hervorgehe und er auch davon abgesehen
habe, sein allfälliges exilpolitisches oder regierungskritisches Engagement
auf sozialen Medien zu dokumentieren, könne kaum abgeschätzt werden,
welches Strafmass ihn im Falle einer tatsächlichen Verurteilung erwarten
würde – wobei bei einer zur Bewährung ausgesetzten Strafe die flüchtlings-
rechtliche Relevanz der Strafverfolgung mangels Intensität der zu erwar-
tenden Nachteile zu verneinen wäre. Im Übrigen lasse sich auch nicht be-
urteilen, ob mit Blick auf das ihm zur Last gelegte Verhalten allenfalls sogar
von einer rechtsstaatlich legitimen Strafverfolgung ausgegangen werden
könnte.
M.
Die vorinstanzliche Vernehmlassung wird den Beschwerdeführenden mit
dem vorliegenden Urteil zur Kenntnis gebracht.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls,
und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen –
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde ist der Nicht-
eintretensentscheid des SEM vom 20. April 2021. Das Beschwerdeverfah-
ren beschränkt sich somit auf die Prüfung der Frage, ob die Vorinstanz zu
Recht auf die Eingabe der Beschwerdeführenden vom 15. März 2021 nicht
eingetreten ist.
3.2 Die Beschwerdeinstanz enthält sich – sofern sie den Nichteintretens-
entscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen
Prüfung; sie hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1
m.w.H.). Auf die Anträge, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen
und Asyl zu gewähren, ist demzufolge nicht einzutreten.
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Seite 11
4.
Wird innert fünf Jahren nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren
ein Gesuch um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund einer
nachträglichen, mithin nach Rechtskraft des Asylentscheids eingetretenen
Veränderung der Sachlage eingereicht, ist dieses als neues Asylgesuch
unter den Voraussetzungen des Art. 111c AsylG zu prüfen (vgl. BVGE
2014/39 E. 4.6).
5.
Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Vorinstanz habe den
rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig und falsch festgestellt, was
zur Ablehnung des Asylgesuchs geführt habe. Da sie diese Rüge nicht wei-
ter begründen, ist davon auszugehen, sie bemängelten damit sinngemäss,
der Nichteintretensentscheid sei zu Unrecht erfolgt. Dazu kann auf die
nachfolgenden Erwägungen verwiesen werden.
6.
6.1 Gemäss Art. 111c Abs. 1 AsylG hat die Stellung von (Mehrfach-) Asyl-
gesuchen, die innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft des Asyl- und
Wegweisungsentscheides eingereicht werden, schriftlich und begründet zu
erfolgen.
6.2 Die Beschwerdeführenden haben nach Abschluss des ordentlichen
Verfahrens (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6721/2017 vom
22. September 2020) am 2. November 2020 um Revision dieses Urteils
ersucht. Nachdem ihnen im dortigen Instruktionsverfahren die Aussichtslo-
sigkeit der Revisionsbegehren dargelegt worden war, wobei sie darauf hin-
gewiesen worden waren, dass einzelne der eingereichten Beweismittel im
Rahmen eines Mehrfachgesuchs bei der Vorinstanz einzubringen wären,
reichten sie darauf Bezug nehmend unter Beilage der gleichen Beweismit-
tel am 9. Februar 2021 ein Mehrfachgesuch beim SEM ein. In der Folge
teilte ihnen das SEM im Rahmen des Instruktionsverfahrens am 18. März
2021 mit, es habe ihre weitere Eingabe vom 15. März 2021 als Mehrfach-
gesuch verbucht (vgl. Prozessgeschichte, Bst. C.g). Diese rechtliche Qua-
lifizierung ist zutreffend.
6.3 Nach dem seit 1. Februar 2014 zur Anwendung kommenden Verfahren
für Folgegesuche soll bei Wiedererwägungs- und Asylfolgegesuchen (sog.
Mehrfachgesuchen) Art. 29 AsylG (Anhörung zu den Asylgründen) grund-
sätzlich nicht mehr zur Anwendung kommen. Dementsprechend wird über
Folgegesuche, so auch das hier in Frage stehende Mehrfachgesuch,
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grundsätzlich in einem Aktenverfahren ohne weitere Anhörung der gesuch-
stellenden Person entschieden (vgl. Art. 111c AsylG). Mit den neuen Ge-
setzesbestimmungen von Art. 111b ff. AsylG wurden auch die formellen An-
forderungen an die Eingabe von Folgegesuchen geändert. Folgegesuche
sollen nur noch schriftlich und begründet eingereicht werden können. Da-
bei müssen Folgegesuche mindestens soweit begründet sein, dass sie die
Behörde in die Lage versetzen, über das Gesuch zu entscheiden, auch
ohne dass sie die gesuchstellende Person anhört. Die solchermassen vor-
genommene Beschleunigung darf allerdings nicht auf Kosten der Rechts-
staatlichkeit der Verfahren erfolgen.
Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Grundsatzentscheid BVGE
2014/39 vom 16. Dezember 2014 zu den Anforderungen an die genügende
Begründung von Mehrfachgesuchen geäussert. Dabei wurde festgehalten,
dass es durchaus denkbar ist, dass in einem Mehrfachgesuch (insbeson-
dere bei erneuten Asylgesuchen von Personen, die zwischenzeitlich in ihr
Heimatland zurückgekehrt sind) tatsächlich neue beachtliche Gründe für
eine Verfolgung geltend gemacht werden, welche in einer schriftlichen
(Laien-)Eingabe nicht ausführlich genug dargelegt werden könnten. Das
AsylG regle nicht, ob, beziehungsweise in welchen Fällen das SEM einer
ein Wiedererwägungs- oder Mehrfachgesuch stellenden Person Gelegen-
heit zur Verbesserung oder Ergänzung des Gesuchs einräumen müsse.
Daher seien bei ungenügender Einhaltung der Formvorschriften die Re-
geln über die Verbesserung der Beschwerde nach Art. 52 VwVG analog
anzuwenden und sei demnach eine Frist zur Verbesserung der Eingabe
einzuräumen. Ein solches Vorgehen sei auch dem Grundsatz des Verbots
des überspitzten Formalismus geschuldet und mit Rücksicht auf die hoch-
rangigen Rechtsgüter, welche Gegenstand des Asylverfahrens sind, gebo-
ten (vgl. BVGE 2014/39 E. 5.5). Das SEM hat somit auch im Verfahren
eines Mehrfachgesuchs die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt ab-
zuklären, wenn die schriftliche Eingabe nicht eine Begründungsdichte auf-
weist, welche den Behörden erlaubt, die neuen wesentlichen Asylgründe
sorgfältig zu prüfen (vgl. a.a.O.).
6.4 Aus den vorstehend wiedergegebenen Erwägungen in der angefoch-
tenen Verfügung (vgl. Prozessgeschichte, Bst. D) ergibt sich, dass das
SEM im Ergebnis zu Recht das Mehrfachgesuch – soweit es seine funkti-
onelle Zuständigkeit bejahte – als nicht gehörig begründet erachtete und
auf dieses nicht eintrat. So liessen sich die Beschwerdeführenden im Mehr-
fachgesuchsverfahren rechtlich vertreten. Ihre Eingaben wurden von ihrem
Rechtsvertreter verfasst und eingereicht. Insofern handelt es sich mithin
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nicht um Laieneingaben. Daran vermag nichts zu ändern, dass der Rechts-
vertreter nicht über eine qualifizierte juristische Ausbildung und einen ent-
sprechenden Abschluss zu verfügen scheint beziehungsweise jedenfalls
gegen aussen nicht mit einem diesbezüglichen Titel in Erscheinung tritt.
Zudem kann davon ausgegangen werden, dass er über gewisse Erfahrung
als Rechtsvertreter im Asylverfahren verfügt, zumal er seit einigen Jahren
vereinzelt entsprechende Mandate übernimmt. Sodann wurde er im Rah-
men des Instruktionsverfahrens von der Vorinstanz zwei Mal (am 19. Feb-
ruar 2021 und 12. März 2021) auf die Anforderungen an die Begründung
von Mehrfachgesuchen hingewiesen, ebenso darauf, dass Beweismittel in
eine Amtssprache übersetzt einzureichen seien. Überdies wurde ihm von
der Vorinstanz am 18. März 2021 eine entsprechende Frist bis zum
31. März 2021 gewährt, welche er ungenutzt verstreichen liess. Mithin hat
das SEM die erforderlichen Instruktionsmassnahmen im Sinne von
BVGE 2014/39 getroffen, weshalb ein Verstoss gegen das Verbot des
überspitzten Formalismus zu verneinen ist. Dagegen sind die Beschwer-
deführenden der ihrem Rechtsvertreter bekannten Begründungspflicht
nicht nachgekommen.
Zusammenfassend hat das SEM bezüglich der von den Beschwerdefüh-
renden im Rahmen des Mehrfachgesuchs eingereichten Eingaben zum
Zeitpunkt des Erlasses seiner Verfügung mit zutreffender Begründung das
Erfordernis einer gehörigen Begründung als nicht erfüllt erachtet (vgl.
BVGE 2014/39 E. 7).
6.5 Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich die soeben gezogene Schlussfolge-
rung der nicht gehörigen Begründung zum Zeitpunkt des Erlasses der an-
gefochtenen Verfügung angesichts der auf Beschwerdeebene neu hinzu-
gekommenen Beweismittel weiterhin aufrechterhalten lässt. Da für den Be-
schwerdeentscheid die zum Zeitpunkt seiner Ausfällung bestehende Ak-
tenlage massgeblich ist (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ
KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl.
2013, S. 117 f. Rz. 2.204 ff.), hat sich die angefochtene Verfügung des
SEM mithin auch gegenüber den im Verlauf des Beschwerdeverfahrens
dazugekommenen Tatsachen und Beweismitteln zu bewähren (vgl. BVGE
2012/21 E.5.1).
6.6 Die Vorinstanz sieht in ihrer Vernehmlassung durch die im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens eingereichten Beweismittel den Verdacht erhärtet,
die türkischen Behörden hätten gegen den Beschwerdeführer im Zusam-
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menhang mit dessen Engagement in sozialen Medien strafrechtliche Er-
mittlungen aufgenommen. Angesichts des eingeschränkten Prüfungsge-
genstandes des vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. E. 3 vorste-
hend) ist es dem Bundesverwaltungsgericht nicht möglich zu beurteilen, ob
eine Gefährdungslage besteht. Allerdings ist der im Mehrfachgesuch und
namentlich mit dem dort eingereichten Schreiben der Gendarmerie an die
Staatsanwaltschaft vom (...) Oktober 2020 und dem Ermittlungsbericht der
Gendarmerie vom (...) Oktober 2020 vorgebrachte neue Sachverhalt zu-
sammen mit im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismitteln poten-
ziell durchaus geeignet, zumindest Relevanz für die Flüchtlingseigenschaft
(im Sinne subjektiver Nachfluchtgründe) zu entfalten. Aufgrund der Akten-
lage, insbesondere der erst im Oktober 2020 im Hinblick auf Facebook-
Posts des Beschwerdeführers von den türkischen Behörden aufgenom-
men Ermittlungen, kann davon ausgegangen werden, dass sich dieser in
sozialen Medien regierungskritisch geäussert hat und in diesem Zusam-
menhang möglicherweise festzunehmen ist.
Zusammenfassend geht aus den Ausführungen der Beschwerdeführenden
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens und den von ihnen dabei zu den
Akten gereichten Beweismitteln hervor, dass der Beschwerdeführer bei ei-
ner Rückkehr in den Heimatstaat potenziell zumindest als in flüchtlings-
rechtlich relevanter Weise gefährdet erscheint. Damit erweist sich das
Mehrfachgesuch zum Zeitpunkt des vorliegenden Urteils als genügend be-
gründet. Die Vorinstanz hat daher auf das Mehrfachgesuch einzutreten und
dieses einer Prüfung zu unterziehen.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit darauf ein-
getreten wird. Die Verfügung vom 20. April 2021 ist aufzuheben und das
SEM anzuweisen, auf das Mehrfachgesuch einzutreten.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
7.2 Den obsiegenden Beschwerdeführenden ist in Anwendung von Art. 64
Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen not-
wendigen und verhältnismässig hohen Vertretungskosten zuzusprechen
(vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote zu den Ak-
ten. Auf die Nachforderung einer solchen kann jedoch verzichtet werden,
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da sich im vorliegenden Verfahren der Aufwand zuverlässig abschätzen
lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Den Beschwerdeführenden ist somit eine Par-
teientschädigung zulasten des SEM von insgesamt Fr. 300.– zuzuspre-
chen.
(Dispositiv nächste Seite)
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