Decision ID: 47571668-4612-4afb-8d4b-49e81797be74
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache qualifizierte Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 31. März 2014 (DG130280)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 15. August
2013 ist diesem Urteil beigeheftet (HD 23).
Urteil und Beschluss der Vorinstanz:
Es wird vorab erkannt:
1. Das Verfahren betreffend des Anklagevorwurfs der fahrlässigen einfachen
Körperverletzung im Sinne Art. 125 Abs. 1 StGB zum Nachteil des Geschä-
digten F._ wird eingestellt.
Sodann wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der mehrfachen qualifizierten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 StGB,
− der mehrfachen qualifizierten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 StGB,
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. d, Art. 5 Abs. 1 lit d und Art. 8 Abs. 1 WG,
− der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB,
− der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 StGB,
− der mehrfachen fahrlässigen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB,
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 aSVG sowie
− der Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 in  mit Art. 27 Abs. 1 aSVG und Art. 18 Abs. 3 SSV.
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2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 15 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 781 Tage durch Haft erstanden sind, und einer Busse von
Fr. 1'000.–.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
4. Es wird eine strafvollzugsbegleitende ambulante Behandlung des Beschul-
digten im Sinne von Art. 63 StGB zur Alkoholsuchtbehandlung angeordnet.
5. Die mit Verfügung der Staatanwaltschaft Zürich IV des Kantons Zürich vom
20. August 2013 beschlagnahmte Stahlrute wird eingezogen und der Kan-
tonspolizei zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
6. Der mit Verfügung der Staatanwaltschaft Zürich-Limmat vom 12. Februar
2012 beschlagnahmte Personenwagen Chrysler 300M, 3.5 L, Fahrgestell-
Nummer ..., Stamm-Nummer ..., Kontrollschilder ..., Halter G._, wird
eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
7. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin E._ im Betrag von Fr. 196.55 anerkannt hat. Im weiteren
Betrag wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin
E._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatz nach schadener-
satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-
satzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des ordentlichen Zivil-
prozesses verwiesen.
8. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte anerkannt hat, gegenüber der
Privatklägerin C._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatz nach
schadenersatzpflichtig zu sein. Zur genauen Feststellung des Umfanges des
Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin C._ auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
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9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin E._ Fr. 13'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 10. Februar 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
10. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung der
Privatklägerin C._ in der Höhe von Fr. 30'000.– zuzüglich 5 % Zins ab
10. Februar 2012 anerkannt hat.
11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 15'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 12'767.00 Kosten der Kantonspolizei
Fr. 19'750.00 Gebühr Anklagebehörde
Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 78'712.20 Auslagen Untersuchung
Fr. 26'251.40 amtliche Verteidigung (Akontozahlung)
Fr. 32'342.70 amtliche Verteidigung
Fr. 16'636.75 unentgeltliche Geschädigtenvertretung (RAin Y4._)
Fr. 11'915.75 unentgeltliche Geschädigtenvertretung (FS Y2._)
Fr. 2'160.00 diverse Kosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen
Geschädigtenvertretung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten
der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung
werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachfor-
derung in Bezug auf die amtliche Verteidigung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
13. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten mit Fr. 32'342.70 aus der Gerichtskasse ent-
schädigt.
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14. Rechtsanwältin Dr. iur. Y4._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltli-
che Vertreterin der Privatklägerin E._ mit Fr. 16'636.75 aus der Ge-
richtskasse entschädigt.
15. Fürsprecher Y2._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher Ver-
treter der Privatklägerin C._ mit Fr. 11'915.75 aus der Gerichtskasse
entschädigt.
Berufungsanträge:
a) Des Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 160 S. 2 f.)
"1. Es seien die noch nicht in Rechtskraft erwachsenen Dispositiv-Ziffern 1
und 2 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom
31. März 2014 (Geschäfts-Nr. DG130280-L / U) aufzuheben und der
Beschuldigte und Berufungskläger A._ freizusprechen vom Vor-
wurf der mehrfachen qualifizierten Vergewaltigung im Sinne von Art.
190 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 StGB sowie der mehrfachen quali-
fizierten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 in Verbin-
dung mit Abs. 3 StGB.
2. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei im Falle der beantragten
Freisprüche für die nicht mit Berufung angefochtenen Tatbestände mit
einer Freiheitsstrafe von insgesamt 4 Jahren unter Anrechnung der seit
10. Februar 2012 erstandenen Haft zu bestrafen.
Eventualiter sei der Beschuldigte und Berufungskläger in Falle einer
Schuldigsprechung mit einer Freiheitsstrafe von insgesamt 8 Jahren
unter Anrechnung der erstandenen Haft zu bestrafen.
3. Es sei in Abänderung von Dispositiv Ziffer 9 des Urteils des Bezirksge-
richtes Zürich vom 31. März 2014 (Geschäfts-Nr. DG130280-L / U) der
Beschuldigte und Berufungskläger zu verpflichten, der Privatklägerin
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E._ den Betrag von CHF 2'000.- zuzüglich Zins ab 10. Februar
2012 als Genugtuung zu bezahlen.
4. Es sei in Abänderung der Dispositiv Ziffern 11 und 12 des Urteils des
Bezirksgerichtes Zürich vom 31. März 2014 (Geschäfts-Nr. DG130280-
L / U) die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Geschädigtenver-
tretung auf die Staatskasse zu nehmen und dem Beschuldigten und
Berufungskläger A._ eine angemessene Entschädigung und Ge-
nugtuung zu bezahlen.
Eventualiter sei im Falle einer Schuldigsprechung in Abänderung der
Dispositiv Ziffern 11 und 12 die Kosten der Untersuchung und des ge-
richtlichen Verfahrens dem Beschuldigten und Berufungskläger
A._ teilweise aufzuerlegen sowie die Kosten der amtlichen Vertei-
digung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung auf die Staats-
kasse zu nehmen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwert-
steuer) zu Lasten der Staatskasse."
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 163 S. 1)
"1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 31. Mai 2014 sei vollum-
fänglich zu bestätigen."
c) Der Privatklägerin 4:
(Urk. 164 S. 1)
"Die Berufung des Berufungsklägers, A._, sei vollumfänglich abzuwei-
sen und das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 31. März 2014 in Bezug
auf die Geschädigte, E._ (Privatklägerin 4) sei zu bestätigen.
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Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. Mehrwertsteuer) zu
Lasten der Staatskasse."
d) Des Beschuldigten:
Freispruch / mildere Bestrafung.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Urteil vom 31. März 2014 sprach das Bezirksgericht Zürich,
9. Abteilung, den Beschuldigten schuldig der mehrfachen qualifizierten Vergewal-
tigung, der mehrfachen qualifizierten sexuellen Nötigung, der versuchten schwe-
ren Körperverletzung, der fahrlässigen Tötung sowie weiterer Körperverletzungs-
delikte und Widerhandlungen gegen das Waffen- und Strassenverkehrsgesetz. Es
bestrafte den Beschuldigten mit 15 Jahren Freiheitsstrafe und einer Busse von
Fr. 1'000.–. Des weiteren ordnete das Gericht eine strafvollzugsbegleitende am-
bulante Behandlung des Beschuldigten an (Urk. 110).
Gegen das Urteil meldete der Beschuldigte am 3. April 2014 Berufung an
(HD 96). Die Berufungserklärung liess er unterm 16. Mai 2014 folgen (Urk. 112).
Er verlangt Freisprüche von den Vorwürfen der mehrfachen qualifizierten Verge-
waltigung und der mehrfachen qualifizierten sexuellen Nötigung; damit verbunden
beantragt er eine deutliche Senkung der von der Vorinstanz ausgefällten Frei-
heitsstrafe. Sodann soll die Genugtuung an die Privatklägerin E._ von Fr.
13'000.– auf Fr. 2'000.– reduziert werden. Weiter verlangt er eine andere Kosten-
und Entschädigungsregelung. Die anderen Schuldsprüche wie auch die Anord-
nung der ambulanten Massnahme sowie die weiteren Anordnungen im vo-
rinstanzlichen Urteil sind vom Beschuldigten nicht angefochten.
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Die Staatsanwaltschaft erhob kein Rechtmittel, sondern beantragte die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 120). Auch von Seiten der Privat-
kläger wurde das Urteil nicht angefochten (vgl. u.a. Urk. 125).
Demnach ist das vorinstanzliche Urteil unangefochten geblieben hinsicht-
lich der Dispositivziffern 1 teilweise (alle Schuldsprüche ausser diejenigen wegen
Vergewaltigung und sexueller Nötigung), 4 (vollzugsbegleitende ambulante Mass-
nahme), 5 (Einziehung der Stahlrute), 6 (Einziehung des Personenwagens), 7
(Schadenersatz E._), 8 (Schadenersatz C._), 9 (Genugtuung C._),
11 (Kostenaufstellung) sowie 13-15 (Entschädigungen an die Anwälte). Auch der
Entscheid der Vorinstanz über die Einstellung des Verfahrens betreffend den
Vorwurf der fahrlässigen einfachen Körperverletzung zum Nachteil des Geschä-
digten F._ blieb unangefochten. Dass alle diese Punkte somit bereits in
Rechtskraft erwachsen sind, ist vorab festzustellen, wobei dies betreffend Dispo-
sitivziffer 6 des Urteils bereits mittels Beschluss der erkennenden Kammer vom
2. Juli 2014 erfolgt ist (vgl. Urk. 127).
2. Mit Eingabe vom 27. November 2014 stellte die Verteidigung den Be-
weisantrag, H._ als Zeuge zu den früheren beruflichen Tätigkeiten der Pri-
vatklägerin E._ (u.a. im Sexmilieu) sowie zu ihren finanziellen Verhältnissen
zu befragen (Urk. 139). Daraufhin liess am 14. Januar 2015 die Privatklägerin An-
trag auf die Befragung weiterer Zeugen stellen, so der Geschäftsführerin des
I._ in Zürich, J._ ("J'._"), und deren früheren Ehemannes K._
("K'._") aus .../LU (Urk. 147 und 151). Den Beweisanträgen wurde stattge-
geben und es wurde überdies die Privatklägerin E._ als Auskunftsperson
vorgeladen. Nach Durchführung der Berufungsverhandlung, anlässlich welcher
die beantragten Beweise abgenommen worden sind und auch die Privatklägerin
E._ befragt wurde, ist der Fall spruchreif.
II. Sachverhalt
Thema des Berufungsverfahrens sind die in der Anklageschrift unter Neben-
dossier 1 aufgeführten sexuellen Übergriffe des Beschuldigten auf die Privatklä-
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gerin E._ und damit verbunden gewisse Sachverhaltsaspekte des im We-
sentlichen nicht angefochtenen Schuldspruchs wegen versuchter schwerer Kör-
perverletzung zum Nachteil dieser Privatklägerin.
Die Anklageschrift basiert für die diesbezügliche Sachdarstellung auf den
Aussagen der Privatklägerin E._. Auch die Vorinstanz hielt die Depositionen
dieser Geschädigten, da "detailliert, frei von relevanten Widersprüchen und plau-
sibel" und da auch kein Grund für eine Falschaussage ersichtlich sei, für glaub-
haft und überzeugend; folglich machte sie diese Aussagen zur Grundlage ihrer
entsprechenden Verurteilung des Beschuldigten. Demnach ist von der Vor-instanz
als erstellt erachtet worden, dass der Beschuldigte der Privatklägerin auf der
Strasse, an der Kreuzung ...-/...strasse in Zürich ..., mit einer Stahlrute auf den
Hinterkopf geschlagen hat, um sie anschliessend in die Wohnung im ersten Stock
über der L._ Bar an der ...strasse ... zu zerren, wo er sie unter Zufügung
weiterer Schläge mit der Stahlrute und mit Fäusten und Händen zu vaginalem und
oralem Sex gezwungen hat.
Nach Darstellung des Beschuldigten hat der Geschlechtsverkehr einver-
nehmlich stattgefunden; er habe sich dafür mit der Privatklägerin auf Fr. 50.– ge-
einigt. Erst als es nach vollzogenem Sex zum Streit gekommen sei, weil die Pri-
vatklägerin einen höheren Dirnenlohn verlangt habe, will der Beschuldigte ihr die
Verletzungen am Kopf, an den Armen und an den Händen zugefügt haben. Dem
steht die Darstellung der Privatklägerin entgegen, wonach sie zum Sex gezwun-
gen worden sei; sie "arbeite nicht auf der Strasse" und habe dies nie getan
(ND 3/2 S. 16).
Zur Streitfrage, ob sich die Privatklägerin mit dem Beschuldigten auf bezahl-
ten Sex geeinigt hatte und sie ihm demnach freiwillig in die Wohnung gefolgt war
(und nicht quasi auf der Strasse überfallen und dann von dort gewaltsam in die
Wohnung geschleppt worden ist, um sie dort brutal zum Sex zu zwingen), äusser-
te sich die Vorinstanz konkret nur an einer Stelle ihres Urteils mit dem Hinweis da-
rauf, dass die Privatklägerin, wenn sie in der fraglichen Nacht "effektiv als Prosti-
tuierte tätig gewesen [war], sie dies ohne weiteres [hätte] einräumen können und
keine falschen Anschuldigungen gegen den Beschuldigten [hätte] vorbringen
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müssen, zumal auch diesfalls eine Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in der
von ihr geschilderten Weise denkbar gewesen wäre". Und die Vorinstanz fährt
weiter: "Wenn sich die Ereignisse im Wesentlichen so, wie vom Beschuldigten
geschildert, ereignet hätten, so wäre kein Grund ersichtlich, weswegen die Ge-
schädigte eine erfolgte Vergewaltigung erfinden sollte vor dem Hintergrund, dass
bereits die ihr vom Beschuldigten zugefügten erheblichen Verletzungen ausrei-
chen würden, um ihn einer Verurteilung wegen schwerer Delikte zuzuführen"
(Urk. 110 S. 39 – Hervorhebungen durch die Urteilsredaktion). Hier übersieht die
Vorinstanz die notorische Tatsache, dass ein Eingeständnis der Prostitution ins-
besondere für nur gelegentlich solchermassen tätige Personen aus Scham, aus
Angst vor nachteiligen Folgen oder vor dem Verlust der Glaubwürdigkeit zumeist
sehr schwer fällt. Deshalb wird eine solche Tätigkeit oft mit allen Mitteln zu ver-
bergen versucht. Dies dürfte bei der 39-jährigen, aus katholischem Milieu stam-
menden ... [Angehörige des Staates M._] und mehrfachen Mutter nicht an-
ders gewesen sein. Eine solche Hemmnis gilt im verstärkten Masse für Zugaben
gegenüber Polizei und Behörden sowie Gerichten, bei denen die betroffene Per-
son keine Kontrolle darüber hat, wohin diese Information letztlich fliessen. Hier
wie die Vorinstanz davon auszugehen, dass die Bereitschaft eines solchen Ein-
räumens der Prostitution "ohne weiteres" gegeben sei, ist realitätsfremd. Schon
der Zeuge N._, der mit der Privatklägerin als einer der ersten nach dem Vor-
fall Kontakt hatte, mutmasste, dass die Privatklägerin anfänglich nichts vom Ge-
schlechtsverkehr erzählt habe, "weil sie sich schützen wollte" (ND 5/3 S. 5). Wei-
ter ist in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass die Privatklägerin, die ihre
Anwesenheit in der Wohnung ob der L._ Bar nicht ernsthaft bestreiten konn-
te, sich in einem wahren Erklärungsnotstand befand darüber, wie sie denn, wenn
nicht freiwillig, dorthin gelangt war. Ihre diesbezügliche Begründung ist damit zwar
noch nicht widerlegt, die erwähnten Aspekte gemahnen jedoch zur Vorsicht bei
der Würdigung. Damit aber wird deutlich, dass sich die Erklärung des Beschuldig-
ten, es habe sich um bezahlten und einvernehmlichen Sex gehandelt, nicht
leichthin mit dem besagten Argument der Vorinstanz widerlegen lässt, sondern
die Streitfrage nach einer vertieften Auseinandersetzung mit der Beweislage ver-
langt. Schon bei näherem Aktenstudium fallen in diesem Zusammenhang Aspekte
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auf, die von der Vorinstanz übersehen bzw. in ihrem Urteil jedenfalls nicht ange-
sprochen worden sind und auf die im Folgenden einzugehen ist.
So ist von vorneherein nur schwer zu verstehen, wieso sich die Privatkläge-
rin, die früher in ... als Reinigungsfrau und Serviceangestellte gearbeitet hatte,
sich ausgerechnet an der bekanntesten Sexmeile von Zürich um eine Festanstel-
lung als Barmaid beworben hat und zwar in mehreren einschlägig bekannten Lo-
kalen wie der ... Bar (vgl. Prot. II S. 70), der O._ Bar (vgl. ND 5/3 S. 6 und 8),
der P._ Bar/... Bar (ND 5/18 S. 2) und auch in dem als Bordell-Anlaufstelle
bekannten I._ (vgl. Urk. 147 und 145 sowie Prot. II S. 60). Am Verdienst
kann es nicht gelegen haben, verdiente die Privatklägerin in Zürich doch nach ei-
genen Angaben nur Fr. 20.– in der Stunde zuzüglich Fr. 30-50.– Trinkgeld pro
Abend. Auch hatte sie in Zürich weit höhere Auslagen, als wenn sie weiterhin an
ihrem Wohnort in ... einer seriösen Arbeit nachgegangen wäre. Wie sich aus der
Befragung in der Berufungsverhandlung ergab, hat die Privatklägerin die Nähe
zum Sexmilieu auch insofern gesucht, als sie in Zürich regelmässig in der Woh-
nung von befreundeten Strassenprostituierten nächtigte (Prot. II S. 64).
Als Zweites fällt die Distanz auf, über die die Privatklägerin vom Beschuldig-
ten gewaltsam am Kragen gezogen bzw. mitgeschleift worden sein soll, d.h. vom
Strassentrottoir beim ...laden zum davon weit entfernten Hauseingang und dann
durchs Treppenhaus in den ersten Stock bis zur fraglichen Wohnung. Diese Dis-
tanz ist so gross (vgl. Plan und Fotos in Urk. 148 und 149) und das ganze Ver-
schleppungs-Prozedere war zudem durch zwei Türöffnungen mittels Schlüssel
unterbrochen, dass sich der gesamte Vorgang, der Überfall auf einer belebten
Kreuzung, dann das Zum-Hauseingang-Schleppen über etwa 40 Meter und das
Hochziehen durch das Treppenhaus in die obere Etage, auch bei bloss passivem
Widerstand der Privatklägerin nur als sehr auffällig, beschwerlich und längere Zeit
in Anspruch nehmend vorstellen lässt. Die Aussagen der Privatklägerin zu dieser
Prozedur sind in der Strafuntersuchung auffallend kurz ausgefallen und be-
schränkten sich darauf, dass sie an der Jacke in die Wohnung gezogen und dabei
auf sie eingeschlagen und sie zudem aufgefordert worden sei, ruhig zu sein (vgl.
ND 3/1 S. 4 und ND 3/2 S. 5-7 oben). Dass sie eine längere Wegstrecke (zu
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Fuss) mitgehen musste bzw. in eine obere Etage verbracht worden war, erwähnte
sie selber nicht. Anlässlich ihrer Befragung vor Obergericht machte sie für den
Vorgang des Verbringens von der Strasse in die Wohnung sogar geltend, dass
sie dazu überhaupt keine Erinnerung habe (Prot. II S. 70 f.). Schon in der früheren
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme hatte sie auf Ergänzungsfragen des Ver-
teidigers keine näheren Details über den Ablauf der erwähnten Prozedur zu nen-
nen vermocht mit Ausnahme der Erklärung, dass ihr Hals danach "ganz violett"
gewesen sei wegen der engen Jacke, an der sie gezogen worden war, was später
im Spital festgestellt worden sei (ND 3/2 S. 18). Dazu hat aber bereits die Vo-
rinstanz festgehalten (Urk. 110 S. 38), dass ein solcher Befund am Hals der Pri-
vatklägerin bei der körperlichen Untersuchung durch das IRM nicht festgestellt
worden ist (vgl. ND 6/5 S. 3). Wie das Bezirksgericht in diesem Aussageverhalten
der Geschädigten trotzdem kein Lügensignal erkennen konnte (Urk. 110 S. 38),
ist nicht verständlich. Auf eine Ergänzungsfrage des Verteidigers anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme räumte die Privatklägerin im Übrigen ein,
dass sie draussen, als sie gepackt wurde, nicht geschrien hätte; dafür und für ihr
sonstiges Untätigbleiben anlässlich ihrer "Verschleppung" vermochte sie keine
plausible, sondern nur eine eher ausweichende Antwort zu geben (vgl. ND 3/2
S. 18).
Weiter fällt im Aussageverhalten der Privatklägerin im Rahmen der Strafun-
tersuchung auf, dass sie mit Bezug auf die erlittenen Körperverletzungen sehr
aufgebracht war und sich dazu spontan äusserte, während sie mit ihren Aussagen
zu den behaupteten sexuellen Übergriffen auffallend kurz angebunden, emotions-
los und ohne Redefluss blieb (vgl. u.a. ND 3/2 S. 11 und 15). Auch unmittelbar
nach dem Vorfall, als die Privatklägerin in die O._ Bar geflüchtet war, liess
sie gemäss Wiedergabe im polizeilichen Wahrnehmungsbericht als Erstes verlau-
ten, ein Mann habe sie auf der Strasse geschlagen. Erst als sie aufgefordert wur-
de, alles der Polizei zu sagen, machte sie geltend, von diesem Mann in eine
Wohnung gezerrt und vergewaltigt worden zu sein (vgl. ND 5/10). Diese stufen-
weise Preisgabe des Geschehens durch die Privatklägerin beschrieb ebenfalls
der Barmann aus der O._ Bar in seiner polizeilichen Befragung, welche be-
reits 2 1⁄2 Stunden nach dem Vorfall erfolgt war; gleiches ist auch aus seiner spä-
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teren Zeugenaussage zu entnehmen (vgl. ND 5/2 S. 2 f. und ND 5/3 S. 3 ff.). Ähn-
lich sagte drei Stunden nach dem Vorfall auch die beim Eintreffen der Privatkläge-
rin in der O._ Bar anwesende Bardame aus, nämlich dass die Privatklägerin
erst als die Polizei eingetroffen war, erklärt habe, wo der Mann, der sie "fest ge-
schlagen" habe, wohne und dass er sie vergewaltigt habe (vgl. ND 5/6). Dass die-
se Bardame 2 1⁄2 Monate später als Zeugin zu präzisieren suchte, die Privatkläge-
rin habe ihr schon vor dem Eintreffen der Polizei gesagt, dass sie vom Mann nicht
nur sehr verletzt, sondern auch vergewaltigt worden sei, vermag die erste tatzeit-
nahe Aussage nicht wesentlich zu relativieren. Zu beachten ist ferner die Aussage
der Privatklägerin, dass sie während den sexuellen Vorgängen gerade nicht mit
der Metallstange geschlagen worden sei (ND 3/1 S. 5). Der Sexualverkehr hat
gemäss der körperlichen Untersuchung auch keine feststellbaren Verletzungen
hervorgerufen (Urk. 6/5 S. 7).
Es kommt hinzu, dass Blutspuren der Privatklägerin nur in der Wohnung
festzustellen waren, insbesondere im Schlafzimmer auf dem Bett, im Wohnzim-
mer auf dem Sofa und an der Wand dahinter sowie im Korridor an Wänden und
am Boden (Blutspurengutachten in ND 8/4, Bilder in ND 8/5, Wahrnehmungsbe-
richt in ND 5/10, weitere Bilder in ND 9/1 S. 11-39). Obwohl gemäss Darstellung
der Privatklägerin E._ bereits auf dem Trottoir an der Kreuzung ...-/...strasse
mit der Stahlrute auf ihren Hinterkopf geschlagen worden war und dann bei der
Hauseingangstüre (ND 3/1 S. 3 f.), was, wie die späteren Rutenschläge in der
Wohnung zeigen, bereits blutende Wunden verursacht haben musste, sind Blut-
spuren auf dem längeren Weg von der Strasse bis zur die Wohnung im 1. Stock
nicht festgestellt worden; dies auch nicht im Treppenhaus und insbesondere nicht
an den beiden Orten, wo zwecks Aufschliessen von Türen innegehalten werden
musste (vor der Haustüre bzw. vor der Wohnungstüre). Erst innerhalb der Woh-
nung fanden sich Spuren von Blut. Diese lassen, wie sich aus der gutachterlichen
Interpretation der Blutspuren (ND 8/4) ergibt, gewisse Schlüsse zu: So legen die
Blutspritz- und Bluttropfspuren im Schlafzimmer die Annahme nahe, dass die Pri-
vatklägerin auf dem Bett stark blutete, und dort auf sie in einer sitzenden oder
knienden Position eingeschlagen worden sein muss. Die Blutspuren gleicher Art
im Korridor der Wohnung lassen sodann annehmen, dass auf die Privatklägerin,
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welche ebenfalls bereits am Kopf blutete in aufrechter Position eingewirkt worden
ist und dass sie dort zu Boden gefallen oder gesunken ist. Das Blutspurenbild im
Wohnzimmer weist sodann darauf hin, dass die Klägerin blutete, als sie aufs Sofa
gefallen oder gestossen worden ist. An der sichergestellten Stahlrute, die Tat-
werkzeug war, waren am Griffstück Spuren sowohl des Beschuldigten wie auch
der Privatklägerin festzustellen, wobei offen bleiben muss, ob die Spur der Privat-
klägerin primär oder sekundär übertragen worden ist. Am Schlagstück der Rute
wurde lediglich DNA der Privatklägerin festgestellt (a.a.O. S. 14).
Diese Spurenbilder und das Fehlen von Blutspuren ausserhalb der Woh-
nung lassen erkennen, dass die blutigen Auseinandersetzungen im Schlafzimmer
und im Korridor der Wohnung stattgefunden haben müssen. Dies wird letztlich
auch von der Privatklägerin bestätigt (vgl. ND 3/1 Rz 31 und 72; ND 3/2 S. 8 oben
und S. 21), sie will aber weitere Rutenschläge bereits ausserhalb der Wohnung
verabreicht erhalten haben. Dafür jedoch, dass solches auch ausserhalb der
Wohnung passierte, fehlen Spuren. Im Ergebnis unterstützen die festgestellten
Blutspuren weniger den von der Privatklägerin ausgesagten Geschehensverlauf,
sondern vielmehr die Aussageversion des Beschuldigten, wonach es erst in der
Wohnung zu einer tätlichen Auseinandersetzung mittels Einsatzes der Stahlrute
gekommen ist, und insbesondere seine Aussage in der allerersten Befragung
noch bei der Polizei, wonach er in zwei getrennten Phasen mit der Stahlrute auf
die Privatklägerin eingeschlagen habe: Einmal im Schlafzimmer, als sich die Pri-
vatklägerin entfernen wollte, woran sie der Beschuldigte hinderte, und in welchem
nach einem Austausch von Ohrfeigen der Beschuldigte die Stahlrute einsetzte,
welche die Privatklägerin ihm dann wegnehmen und auf den Boden werfen konn-
te, bevor sie sich blutend aufs Bett legte. Nach einem Moment der Ruhe und
nachdem sich die Privatklägerin angezogen hatte, fand die zweite Phase dann
ausserhalb des Schlafzimmers statt, als die Privatklägerin mit der Stahlrute in der
Hand und schreiend, dass sie blute, auf den Beschuldigten zugekommen ist, der
ihr die Rute entwinden konnte und ihr damit "links und rechts gegen den Kopf"
schlug und sie alsdann aufs Sofa schubste (vgl. Aussage des Beschuldigten in
ND 4/1). Vor dem Haftrichter, in der zweiten Befragung des Beschuldigten, relati-
vierte er zwar seine Aussage dahingehend, dass es zwar schon zwei Phasen der
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Auseinandersetzung gegeben habe, dass es jedoch nur in der ersten Phase ge-
wesen sei, als er zwei bis maximal drei Mal mit der Rute auf die Privatklägerin
eingeschlagen habe; später habe er nur noch mit der Hand und der Faust ge-
schlagen (ND 4/2 S. 6 f.). Auch bei seinen späteren Aussagen, insbesondere
auch vor Obergericht (Prot. II S. 51), blieb er bei dieser Version. Allerdings er-
scheint seine erste Aussage, die noch am Tag des Geschehens erfolgt war, au-
thentischer, besser mit dem Spurenbild vereinbar und somit weit glaubhafter.
Zwei Aussagen von Drittpersonen, die als weitere Indizien für einen einver-
nehmlichen Sex zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin gewertet
werden können, sind von der Vorinstanz ohne überzeugende Begründung als
nicht von Relevanz abgetan worden. So sagte N._, der Geschäftsführer der
O._ Bar, in der die blutende Privatklägerin Hilfe gesucht hatte, bei der Polizei
aus, die Privatklägerin habe gesagt, dass sie mit dem Mann, der sie in der
P._ Bar aufgesucht hätte, auf die Zeit nach Arbeitsschluss irgendwo abge-
macht habe; zuhause habe sie der Mann dann geschlagen, weshalb sie ins
O._ geflüchtet sei (ND 5/2 S. 3). Von der Staatsanwaltschaft als Zeuge be-
fragt wiederholte N._, dass die Privatklägerin ihm erzählt habe, dass sie
nach der Arbeit mit dieser Person etwas trinken gegangen sei; dann sei sie mit
dieser Person zum Geschlechtsverkehr zusammen gewesen und danach habe
sie plötzlich Schläge auf den Kopf bekommen (ND 5/3 S. 4). Wie die Vorinstanz
diese Aussagen von N._ unter blossem Hinweis auf sprachliche Missver-
ständnisse einfach als "nicht von Aussagekraft und Relevanz" bezeichnen konnte
(Urk. 110 S. 47), ist einmal mehr nicht nachvollziehbar, spricht der Zeuge nach
eigenen Angaben doch Portugiesisch, wenn auch als Zweitsprache nicht perfekt
(vgl. ND 5/2 S. 2 u. 4; ND 5/3 S. 9).
Die weitere Zeugenaussage, welche die Vorinstanz als nicht von Belang ta-
xierte, ist diejenige von Q._, dem vorgesetzten Arbeitskollegen der Privatklä-
gerin in der P._ Bar an der ...strasse. Gemäss einer von ihm wiederholt ge-
machter Aussage (ND 5/1 S. 4 und 6 f.), hat die Privatklägerin ihn in der besagten
Nacht vor Arbeitsschluss gefragt, wo denn die L._ Bar sei, worauf er ihr den
Weg dorthin beschrieben habe. Dieser Vorgang lässt, nachdem der Zeuge auch
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die Anwesenheit des Beschuldigten als letzten Gast in der fraglichen Nacht in der
P._ Bar bestätigt hat und ebenso den Umstand, dass dieser mit der Privat-
klägerin als Bardame gesprochen habe, und nachdem der Beschuldigte ja ob der
L._ Bar seine Logis hatte und die Privatklägerin nach Arbeitsschluss
schnurstracks dorthin ging, annehmen, dass der Beschuldigte und die Privatklä-
gerin möglicherweise ein Treffen an besagtem Ort vereinbart hatten. Dass die
Vorinstanz den Wahrheitsgehalt der erwähnten Aussage des Zeugen über die
Frage der Privatklägerin nach der L._ Bar ohne plausiblen Grund offen las-
sen wollte und sie deshalb nicht als in relevanten Widerspruch zu den Aussagen
der Privatklägerin stehend bezeichnete (Urk. 110 S. 46), ist erneut nicht nachvoll-
ziehbar.
All diese Anhaltspunkte, die in Richtung der Aussage des Beschuldigten
weisen, wonach es vorerst um bezahlten einvernehmlichen Sex mit der Privatklä-
gerin gegangen war und nicht um einen völlig überraschenden Überfall auf diese,
veranlassten die erkennende Kammer, die von den Parteien beantragten Be-
weisergänzungen vorzunehmen. Die drei vom Obergericht befragten Zeugen
konnten zur Klärung der Frage, ob und wie die Privatklägerin im Sexmilieu tätig
geworden war, jedoch nichts beitragen, zumal sie die Privatklägerin gar nicht oder
nur sehr flüchtig kannten (vgl. Prot. II S. 28, 54 und 76).
Die in der Berufungsverhandlung ebenfalls befragte Privatklägerin E._
blieb dabei, dass sie keine Prostituierte sei. Sie räumte allerdings ein, dass die
beiden Freundinnen, bei denen sie in der Nähe der O._ Bar jeweils über-
nachtet hatte, Strassenprostituierte waren (Prot. II S. 64). Sodann bestätigte sie,
dass sie von früher in M._ Kampfsporterfahrung hat (Muay Thai; a.a.O. S. 67
und 71). Ferner räumte sie - in klarem Widerspruch zu ihren früheren Aussagen -
ein, den Beschuldigten schon vor dem 10. Februar 2012 in der L._ Bar als
DJ gesehen und damit bereits gekannt zu haben (a.a.O. S. 66). Auf die Frage
aber, was sie am 10. Februar 2012, als sie nach Arbeitsschluss die ...strasse
hochging, vorgehabt hatte, gab sie nur fahrige und widersprüchliche Antworten
(Treffen mit den Freundinnen im L._ bzw. im O._ bzw. Essen-gehen
oder Schlafen-gehen; vgl. Prot. II S. 68 f. und 73). Falls sie ihre Kolleginnen tat-
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sächlich - wie sie ausführte (Prot. II S. 68 unten) - in der O._ Bar treffen woll-
te, hatte sie keinen Anlass, die ...strasse zu überqueren und sich zum ...stand zu
begeben, wo sie vom Beschuldigten angesprochen worden sei (Prot. II S. 68, Urk.
148 und 149 Foto Nr. 3). Auch im Übrigen fiel ihr anpasserisches Aussageverhal-
ten auf. Und zum Vorgang, wie der Beschuldigte sie von der Strasse in die Woh-
nung über der L._ Bar verschleppt haben soll, konnte sie - wie erwähnt -
überhaupt keine Angaben machen. Insgesamt hinterliess die Privatklägerin im
Hinblick auf ihre Darstellung, wonach sie auf der Strasse überfallen, in die Woh-
nung geschleppt und dann vom Beschuldigten zu sexuellen Handlungen gezwun-
gen worden sei, einen eher zwiespältigen Eindruck. Die Aussagen des Beschul-
digten vor Obergericht darüber, wie es zum einvernehmlichen sexuellen Verkehr
mit der Privatklägerin gekommen sein soll, wirkten demgegenüber tendenziell e-
her kohärent.
Damit steht mit Bezug auf die Frage nach bezahltem, einvernehmlichem
oder erzwungenem Sex nach wie vor Aussage gegen Aussage; für und gegen
beide Versionen sprechen gewisse Indizien. Mangels ausreichend klarer Beweise
zur Frage, wie es tatsächlich zum Sex über der L._ Bar gekommen war, er-
weisen sich beide Aussageversionen letztlich als in etwa gleich glaubhaft oder
unglaubhaft. Die Unschuldsvermutung schlägt bei dieser Beweislage aber zu-
gunsten des Beschuldigten aus, sodass im Zweifel zu seinen Gunsten von grund-
sätzlich einvernehmlichen sexuellen Handlungen und von erst danach erfolgten
Gewaltanwendungen ausgegangen werden muss. Folglich ist der Beschuldigte
vom Vorwurf der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung freizusprechen.
III. Strafe
Nachdem in den Anklagepunkten der Vergewaltigung und der sexuellen Nö-
tigung freigesprochen wird, erweist sich als nunmehr schwerste zu sanktionieren-
de Tat die versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, auf welche Freiheitsstrafe bis zu 10
Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen steht.
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Vorerst ist für diese Tat unter Annahme, sie sei vollendet worden, aufgrund
der konkreten Tatkomponenten eine hypothetische Strafe zu bestimmen. Dabei
sind in erster Linie die näheren Umstände und die Art, wie der Täter das Opfer le-
bensgefährlich verletzte, von Belang. Vorliegend schlug er der Geschädigten mit
einer Stahlrute mindestens drei Mal heftig auf den Kopf. Aufgrund des Gutachtens
des Instituts für Rechtsmedizin können durch eine solche Einwirkung mit dem be-
sagten Tatwerkzeug auf den Kopf je nach Intensität der Gewalteinwirkung und
Auftreffwinkel unterschiedliche Verletzungen am oder im Kopf entstehen. Unter
anderem kann eine Hirnerschütterung erfolgen, die, wenn schwerer Natur, lang-
andauernde und in seltenen Fällen auch persistierende Folgen wie Apathie, Leis-
tungsminderung, Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsstörungen nach
sich zieht. Auch ein Schädelbruch bzw. ein offenes Schädel-Hirn-Trauma kann
die Folge der Einwirkung durch das Tatwerkzeug auf den Kopf sein, was in un-
günstigen Fällen einen Hirninfarkt oder bei Eindringen von Knochenfragmenten
eine direkte Verletzung von Hirnsubstanz bewirken kann. Auch Hirnblutungen und
bleibende neurologische Schäden sind möglich und ebenso entsteht die Gefahr
einer lebensbedrohlichen Hirndruckerhöhung (Urk. 6/5).
Das geschützte Rechtsgut der körperlichen und psychischen Integrität wird
mit einer solchermassen schweren Verletzung des Kopfes (und allenfalls damit
verbunden des Gehirns) in ausgesprochen gravierender Weise verletzt; nebst der
reinen physischen wird auch die geistige Ebene tangiert. Dies würde für eine mit
direktem Vorsatz vollendet begangene Tat sicherlich eine Einsatzstrafe im oberen
Drittel des Strafrahmens als angezeigt erscheinen lassen.
Auf der subjektiven Seite der Tatschwere ist vorliegend jedoch lediglich von
Eventualvorsatz auszugehen, was das Strafmass reduzieren lässt. Allerdings war
das Tatmotiv des Beschuldigten, nämlich die Geschädigte beim Streit über zu-
sätzliche Fr. 50.– an Dirnenlohn ruhig zu stellen, absolut nichtig. Die Reaktion des
Beschuldigten war somit völlig überrissen und verwerflich. Er war dabei zwar
mässig alkoholisiert, eine Einschränkung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit
lag aber nicht vor (vgl. ND 10/8 S. 62 und 65).
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Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist sodann im vorliegenden
Fall zu berücksichtigen, dass es bei der Tat beim Versuch blieb; eine lebensge-
fährliche Verletzung trat nicht ein. Dies hing jedoch eher vom Zufall ab, als dass
der Beschuldigte darauf letztlich entscheidenden Einfluss gehabt hätte. Die den-
noch angezeigte Strafminderung infolge blossen Versuchs wird weiter dadurch re-
lativiert, dass darin eine direktvorsätzlich vollendet begangene einfache Körper-
verletzung mitenthalten ist und diese einfache Körperverletzung von der Ver-
übung mittels einer Waffe und von den gravierenden Auswirkungen her bereits
nach einer Strafe in der Nähe der Maximalstrafe von drei Jahren, die für diesen
Tatbestand gilt, ruft. Verschuldensmässig dazuzuschlagen ist die gleichzeitig
eventualvorsätzlich begangene versuchte schwere Körperverletzung. Von der
Tatkomponente her betrachtet ist das Gesamtverschulden bei der Handlungswei-
se des Beschuldigten folglich als im mittleren Bereich des Strafrahmens für ver-
suchte schwere Körperverletzung liegend zu sehen und als Einsatzstrafe er-
scheint demnach eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren als angemessen.
Mit Bezug auf die Täterkomponente kann weitgehend auf die Erwägung im
vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 110 S. 67-69). Das Geständnis
des Beschuldigten bezüglich der im Nebendossier nunmehr einzig zu einer Verur-
teilung führenden versuchten schweren Körperverletzung war umfassend und
vollständig. Allerdings ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der Beschuldigte
als Tatauslöserin letztlich immer noch die Geschädigte verantwortlich zu machen
sucht, was die strafmindernde Wirkung des Geständnisses einschränkt. Auch
zeigte der Beschuldigte mit Bezug auf seine Tat keine echte Reue und Einsicht.
Zurecht hielt die Vorinstanz des Weiteren fest, dass sich die Vorstrafenlosigkeit
und der weitgehend unauffällige Leumund des Beschuldigten wie auch sein Vor-
leben ganz generell und seine persönlichen Verhältnisse strafzumessungsneutral
verhalten. Eine gewisse Straferhöhung erfährt der Beschuldigte hingegen
dadurch, dass er die neue Straftat während eines anderen bereits gegen ihn lau-
fenden Strafverfahrens beging. Insgesamt halten sich die strafmindernden und
-erhöhenden Zumessungsgründe, wie dies die Vorinstanz richtig feststellte, in et-
wa die Waage. Es bleibt demnach bei einer hypothetischen Einsatzstrafe für die
versuchte schwere Körperverletzung von 4 Jahren Freiheitsstrafe.
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Die weiteren Delikte der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen schweren
Körperverletzung und der mehrfachen fahrlässigen einfachen Körperverletzung
erfolgten im Rahmen desselben Autounfalls und das entsprechende Verschulden
des Beschuldigten kann der Vorinstanz folgend zweckmässigerweise gemeinsam
geprüft werden. Für alle diese Tatbestände liegt der obere Strafrahmen bei je drei
Jahren, wobei die Tatmehrheit hier den Rahmen auf 4 1⁄2 Jahre erweitern lässt. Es
ist von einem sehr schweren objektiven Tatverschulden auszugehen. Dies ergibt
sich bereits aus dem Umstand, dass vier Opfer betroffen wurden, wovon eines
starb, eines lebensgefährlich und zwei weitere durchaus erheblich verletzt wur-
den. Zudem ist, wenn der Beschuldigte sein Fahrzeug in einer ihm bestens ver-
trauten und trotz der späten Nachtstunde noch bevölkerten Gegend eine längere
Strecke in entgegengesetzter Richtung seines Heimwegs und in Missachtung des
dortigen Fahrverbots auf der Busspur und dann aufs Trottoir lenkte, klarerweise
von grober bewusster Fahrlässigkeit auszugehen, was auch die subjektive Tat-
schwere als ausserordentlich gravierend erscheinen lässt. Selbständig sanktio-
niert würde hier eine Strafe von vier Jahren als angemessen erscheinen. Dass die
Einsatzstrafe für das schwerste Delikt vorliegend weit tiefer liegt (4 Jahre) als
noch diejenige bei der Vorinstanz (12 Jahre), erlaubt es, den Strafzuschlag für die
weiteren Delikte etwas höher zu bemessen, als es die Vorinstanz tat, und es ist
der Zuschlag hier deshalb und insbesondere ob der hohen Tatschwere auf etwas
mehr als drei Jahre zu bemessen.
Als weiteres Vergehen ist die Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu
ahnden. Das Gesetz sieht dafür eine Freiheitsstrafe bis drei Jahren oder eine
Geldstrafe vor. Unter Verweis auf die Begründung der Vorinstanz kann wiederholt
werden, dass zumindest das subjektive Verschulden des Beschuldigten, der die
Stahlrute kaufte und auf sich trug, nicht mehr als leicht zu werten ist. Dass es sich
dabei um eine sehr effiziente Angriffswaffe handelt, musste dem Beschuldigten,
der selber eine Bar geführt und im übrigen ausreichend Milieuerfahrung hatte,
bewusst gewesen sein. Einen plausiblen Grund, die Waffe zu erwerben, hatte er
jedenfalls nicht. Eine Erhöhung der Einsatzstrafe um einige wenige Monate Frei-
heitsstrafe lässt sich angesichts des vom Waffengesetz vorgegebenen Strafrah-
mens und mit Hinblick auf die Art der Waffe sowie angesichts des Erfahrungswis-
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sens des Beschuldigten ohne weiteres rechtfertigen. Daran vermögen auch die
Aspekte der Täterkomponente nichts zu ändern.
Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von sieben-
einhalb Jahren zu verurteilen. Daran sind die Untersuchungshaft und der vorzeiti-
ge Strafvollzug, bis und mit heute 1082 Tage, anzurechnen.
Mit Bezug auf die Sanktion für die SVG-Übertretungen ist der Vorinstanz zu
folgen und eine Busse von Fr. 1'000.– auszusprechen. Für den Fall der schuld-
haften Nichtbezahlung der Busse ist die Ersatzfreiheitstrafe auf 10 Tage festzu-
setzen.
IV. Genugtuung an die Privatklägerin E._
Die Privatklägerin E._ machte aufgrund der Beeinträchtigung ihres phy-
sischen und psychischen Befindens infolge des beanzeigten Sexualdelikts und
der erlittenen Körperverletzungen eine Genugtuungsforderung in der Höhe von
Fr. 35'000.– zzgl. Zins geltend (HD 66 und HD 83). Die Vorinstanz erachtete den
geforderten Betrag im Quervergleich als "zwar etwas hoch, wenn auch nicht ge-
radezu exorbitant" und ging von diesem Betrag aus. Da sie damals von einer
Rückkehr der Privatklägerin nach M._ ausging, reduzierte sie den zuzuspre-
chenden Betrag gemäss der Binnenkaufkraft in M._ auf Fr. 13'000.– zzgl.
Zins (Urk. 110 S. 82 ff.).
Aufgrund des Entscheids der erkennenden Kammer steht nunmehr lediglich
die Prüfung einer Abgeltung der immateriellen Folgen der versuchten schweren
Körperverletzung (samt der darin aufgehenden vollendeten einfachen Körperver-
letzung) an. Der Beschuldigte beantragte dafür im Berufungsverfahren eine Ge-
nugtuung von Fr. 2'000.– zzgl. Zins (Urk. 112). Werden die von der Privatklägerin
insbesondere am Kopf erlittenen Verletzungen besehen und die damit verbunde-
nen Leiden und weiteren Beeinträchtigungen bemessen, so erscheint vorliegend
im Quervergleich zu anderen Fällen aus der Gerichtspraxis eine Genugtuungs-
summe von Fr. 5'000.– als angemessen (vgl. Hütte/Landolt, Genugtuungsrecht,
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Band 2, 2013, Kasuistische Verletzungsgenugtuung, S. 269 ff.; Quervergleich ge-
zogen zu Nrn. 861, 859, 758, 725, 702, 648, 600, 599, 580, 547, 349). Da die Pri-
vatklägerin neuerdings die Absicht hegt, sich wieder in der Schweiz niederzulas-
sen, hat eine kaufkraftbedingte Reduktion dieses Betrags zu unterbleiben. Der
Genugtuungsbetrag ist antragsgemäss ab dem Ereignis mit 5 % zu verzinsen. Im
Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren nicht ausgewiesen und deshalb abzu-
weisen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Verurteilung des Beschuldigten durch die Vorinstanz wegen der Sexu-
aldelikte wird im Berufungsentscheid nicht bestätigt. Der wegen dieser Anklage-
punkte in der Untersuchung und vor Vorinstanz verursachte Kostenanteil ist an-
gesichts der zahlreichen anderen zu untersuchenden Delikte auf rund 1⁄3 zu be-
messen. Folglich sind dem Beschuldigten von den Kosten der Untersuchung und
des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens (ausgenommen derjenigen der amtli-
chen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretungen) lediglich
zwei Drittel aufzuerlegen; im Übrigen sind sie auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenver-
tretungen sind ebenfalls auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO gegenüber dem Beschuldigten eine Nachforderung im Um-
fang von 2⁄3 mit Bezug auf die Kosten der amtlichen Verteidigung vorzubehalten
ist.
Was das Berufungsverfahren angeht, so obsiegt der Beschuldigte im Haupt-
punkt seiner Berufung. Lediglich hinsichtlich der Genugtuung an die Privatklägerin
E._ unterliegt er zum Teil. Folglich sind ihm die Kosten des Berufungsverfah-
rens (ohne Anwaltsentschädigungen) lediglich zu 1/10 aufzuerlegen und im Übri-
gen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Ebenso sind die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Geschädigten E._ auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Die Nachforderung gegenüber dem Beschuldigten mit
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Bezug auf die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertre-
tung der Privatklägerin E._ ist auf 1/10 zu beschränken.
Die Verteidigung des Beschuldigten verlangte im Falle des von ihr beantragten
Teilfreispruchs eine angemessene Entschädigung und Genugtuung für diesen
(Urk. 160 S. 2 f.). Ein Anspruch auf Entschädigung ist gegeben, wenn Aufwen-
dungen für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte oder wirtschaftliche
Einbussen zufolge des Strafverfahrens nachgewiesen sind (Art. 429 Abs. 1 lit. a
und b StPO). Solches wurde von der Verteidigung nicht geltend gemacht. Was die
Forderung nach einer Genugtuung angeht, so liegt kein abzugeltender Freiheits-
entzug vor und bezüglich der Voraussetzungen von besonders schweren Verlet-
zungen der persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person (Art. 429 Abs. 1
lit. c StPO) wurde von der Verteidigung einzig vorgebracht, vor allem die Familie
des Beschuldigten hätte durch die in den Medien kolportierten Vorwürfe der Ver-
gewaltigung und der sexuellen Nötigung schwer gelitten. Auch wenn dies eine
Reflexwirkung auf den Beschuldigten gehabt haben dürfte, so ist doch festzustel-
len, dass dieser Aspekt im Konnex mit der medienkräftigen Präsentation der übri-
gen schweren Delikte, von denen mehrere Opfer betroffen waren, keine beson-
ders schwere zusätzliche Beeinträchtigung der persönlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten annehmen lässt. Die Entschädigungs- und die Genugtuungsforderung
sind deshalb abzuweisen.