Decision ID: 63ea1858-858f-52fe-82ca-a8318328d064
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit September 1994 zu 100 % als
Hilfsmetzger bei der B._ AG angestellt und dadurch bei den Metzger-Versicherungen
(Rechtsnachfolgerin: Branchen Versicherung Genossenschaft; nachfolgend: Branchen
Versicherung) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 17. Mai 1995 erlitt er bei
der Arbeit einen Unfall. Gemäss Unfallmeldung vom gleichen Tag war der Versicherte
beim Reinigen des Kutters vermutlich durch Fehlmanipulation mit der rechten Hand an
das auslaufende Blitzmesser gelangt (act. K1). Gleichentags wurde er im Kantonsspital
St. Gallen (KSSG), Klinik für Orthopädische Chirurgie, bei Amputation der distalen
Phalanx der Finger II und III rechts operiert (Stumpfversorgung Finger II und III rechts,
Wundnaht distale Phalanx Finger IV; act. M2). Die Metzger-Versicherungen erbrachte
als zuständige Unfallversicherung die Versicherungsleistungen.
A.a.
Am 20. August 1998 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle St. Gallen im
KSSG von Prof. Dr. med. C._, leitender Arzt der Handchirurgie, und Dr. med. D._,
Assistenzarzt Handchirurgie, Facharzt FMH Chirurgie, begutachtet. Mit Beurteilung
vom 5. Oktober 1998 führten die Fachärzte aus, dass es mittlerweile zu einer
ausgeprägten Symptomausweitung mit Schmerzen bis in den Unterarm, die Schulter
und den Nacken gekommen sei. Der Versicherte sei in der aktuellen Situation praktisch
als einhändig zu betrachten und in seinem bisherigen Beruf könne er nicht mehr
eingesetzt werden. Für leichtere Arbeit mit der linken Hand bestehe eine 50%-ige
A.b.
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Arbeitsfähigkeit (act. M36). Gestützt darauf sprach die IV-Stelle St. Gallen dem
Versicherten mit Wirkung ab Mai 1996 bei einem Invaliditätsgrad von 54 % eine halbe
Invalidenrente zu (act. K62). Die Metzger-Versicherungen folgte dieser Einschätzung
und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 21. Januar 1999 mit Wirkung ab 1.
Januar 1999 eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 54 % zu (act. K72).
Die Verfügung blieb in Bezug auf den Rentenanspruch unangefochten.
Am 20. Mai 2013 erlitt der Versicherte bei einem Motorradunfall einen linksseitigen
Oberschenkelbruch (act. M43 S. 4; vgl. ergänzend lit. A.b im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. April 2019 [IV 2016/304]).
Dieses Ereignis war nicht bei den Metzger-Versicherungen versichert.
A.c.
Anlässlich eines Revisionsverfahrens beauftragte die IV-Stelle St. Gallen am 24.
August 2015 die Neurologie Toggenburg AG, Polydisziplinäre Begutachtungsstelle,
MEDAS, Wattwil (nachfolgend: MEDAS Wattwil), mit der Begutachtung des
Versicherten (in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie und
Psychiatrie). Der orthopädische Experte diagnostizierte als Leiden mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit einen Status nach traumatischer Teilamputation der Finger II und III
rechts sowie eine Hypersensibilität des Amputationsstumpfes und als solches ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere einen Status nach
Oberschenkelschaftschrägfraktur links mit verzögerter Heilung. Die
Mindergebrauchsfähigkeit der rechten Hand verunmögliche eine Rückkehr in die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als Hilfsmetzger. Die frühere Einschätzung einer funktionellen
Einhändigkeit sei aber nicht nachvollziehbar. Für Tätigkeiten, in denen die grobe Kraft
und die geringen Einschränkungen in der Greiffunktion nicht entscheidend seien,
begründe die Gesundheitsbeeinträchtigung an der rechten Hand keine
Arbeitsunfähigkeit. Die Hypersensibilität könnte durch das Tragen von speziellen
Arbeitshandschuhen entscheidend positiv beeinflusst werden. Das negative
Fähigkeitsprofil stelle sich zusammenfassend wie folgt dar: Körperlich schwere und
überwiegend körperlich schwere Tätigkeiten könnten mit der rechten Hand nicht
ausgeführt werden; Arbeiten ausschliesslich oder überwiegend stehend und gehend
könnten nur mit einer Einschränkung des Arbeitspensums auf 50 % durchgeführt
werden; Arbeiten mit häufigem oder auch nur gelegentlichem Bücken oder Knien oder
Arbeiten im Hocken seien nicht möglich; das Tragen und Heben von Lasten über fünf
A.d.
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B.
Gegen die Verfügung vom 24. Februar 2016 hatte der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, Muolen, am 14. März 2016 Einsprache erhoben und
beantragt, es sei ihm die Invalidenrente weiterhin auszurichten (UV-act. K110). In der
Folge wartete die Branchen Versicherung den Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 16. April 2019 im IV-Verfahren (IV 2016/304) sowie nach Weiterzug das Urteil des
Bundesgerichts vom 18. September 2019 (8C_289/2019), in dem die Renteneinstellung
bestätigt wurde, ab, ehe es die Einsprache mit Entscheid vom 30. Januar 2020 abwies
(UV-act. K120).
C.
Kilogramm sei rechts nicht möglich; Arbeiten mit mehr als nur gelegentlichem
Treppensteigen sollten unterbleiben; Arbeiten im Freien mit Nässe und Kälteeinwirkung
oder unter Zugluft seien nur bis 10 % der Arbeitszeit zumutbar (UV-act. M43 S. 29 ff.).
Am 24. Februar 2016 verfügte der Unfallversicherer gestützt auf die Beurteilung
der Gutachter der MEDAS Wattwil die revisionsweise Renteneinstellung ab 1. März
2016 (UV-act. K103). Mit Verfügung vom 6. Juli 2016 hob die IV-Stelle St. Gallen mit
Wirkung ab 1. September 2016 die Rente der Invalidenversicherung auf (UV-act. K118).
A.e.
Gegen den Einspracheentscheid vom 30. Januar 2020 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Glavas, am
12. Februar 2020, ergänzt am 12. Juni 2020, Beschwerde erheben (act. G 1 und 10).
Der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer die
bisherige Rente weiterhin auszurichten. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer zulasten der Branchen Versicherung (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin). Das Verfahren sei zu sistieren, da eine IV-Neuanmeldung initiiert
werde.
C.a.
Am 10. März 2020 reichte die Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. G. Benedick, Lugano, eine Stellungnahme zum Sistierungsantrag ein und
beantragte dessen Abweisung (act. G 3). Mit Schreiben vom 16. März 2020 wies die
verfahrensleitende Richterin den Sistierungsantrag ab (act. G 4).
C.b.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
der von der Beschwerdegegnerin angeordneten Einstellung der Rente.
2.
In der Beschwerdeantwort vom 31. August 2020 beantragte der Rechtsvertreter
der Beschwerdegegnerin vollumfängliche Abweisung der Beschwerde (act. G 12).
C.c.
Mit Replik vom 22. September 2020 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers unverändert an den Anträgen gemäss Beschwerde fest (act. G 14).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 19. Oktober 2010
ebenfalls an seinem Antrag auf Beschwerdeabweisung fest (act. G 16).
C.d.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den (medizinischen) Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.e.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Eine Leistungspflicht
des Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (vgl. dazu BGE
129 V 181 f. E. 3.1 f.). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (zum
Begriff der Erwerbsunfähigkeit siehe Art. 7 Abs. 1 und 2 ATSG). Für die Bestimmung
des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art.
16 ATSG).
2.1.
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Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Eine Veränderung der gesundheitlichen
Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in
seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat
(Urteil des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2). Dagegen stellt die
bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein
genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Oktober 2013, 8C_211/2013, E. 2.2). Im Bereich der
obligatorischen Unfallversicherung ist die erforderliche Erheblichkeit der
Sachverhaltsänderung gegeben, wenn sich der Invaliditätsgrad um 5 % verändert (BGE
140 V 87 E. 4.3).
2.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen
und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3.a).
2.3.
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/45e08215-537c-4e51-8f58-d8b382198d48?source=document-link&SP=5|inysh0 https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/c4deb209-705e-435e-b41d-9ca2aa29635e?citationId=12329e78-8853-4edb-ab86-9ac540659092&source=document-link&SP=5|inysh0 https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/45e08215-537c-4e51-8f58-d8b382198d48?source=document-link&SP=5|inysh0 https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/13f2b03d-ddd1-491f-8bb5-78f8119abd91?citationId=68f51938-ce36-493a-85d0-81922f79de46&source=document-link&SP=5|2zkqfs https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/13f2b03d-ddd1-491f-8bb5-78f8119abd91?citationId=68f51938-ce36-493a-85d0-81922f79de46&source=document-link&SP=5|2zkqfs
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3.
Zunächst ist zu prüfen, ob ein Revisionsgrund im Sinne einer wesentlichen
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen vorliegt. Diese Frage beurteilt sich durch
Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung
bestanden hat (bzw. der letzten rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs beruht), mit demjenigen zur Zeit der streitigen
Revisionsverfügung (BGE 134 V 132 f. E. 3). Die letzte rechtskräftige Verfügung mit
Zusprache einer Rente datiert vom 21. Januar 1999 (UV-act. K72), die streitige
Revisionsverfügung wurde am 24. Februar 2016 erlassen (UV-act. K103). Zu prüfen ist
damit, ob eine in E. 2.2 beschriebene wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen zwischen Januar 1999 und Februar 2016 vorliegt, womit ein
Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG gegeben wäre. Auszuklammern ist dabei der
Motorradunfall mit linksseitigem Oberschenkelbruch vom 20. Mai 2013. Diesbezüglich
besteht zwischen den Parteien kein Versicherungsverhältnis.
3.1.
Der Beschwerdeführer lässt eine wesentliche Änderung bestreiten und trägt im
Wesentlichen vor, dass im Zeitpunkt der Renteneinstellungsverfügung im Februar 2016
in Bezug auf die Folgen aus dem Unfall vom 17. Mai 1995 in etwa der gleiche
Gesundheitszustand vorgelegen habe wie im Zeitpunkt der Rentenzusprache im Januar
1999, womit kein Revisionsgrund nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliege. Sollte dem nicht
gefolgt werden, werde eine weitere Begutachtung beantragt.
3.2.
Ausgangspunkt für die Beurteilung des gesundheitlichen Verlaufs bildete im
vorliegenden Revisionsverfahren – wie erwähnt – die ursprüngliche Rentenzusprache
vom 21. Januar 1999 (UV-act. K72). Jene Verfügung basierte in medizinischer Hinsicht
auf der vom KSSG durchgeführten Begutachtung vom 20. August 1998, beauftragt
durch die IV-Stelle St. Gallen (UV-act. M36). Damals gab der Beschwerdeführer an, in
den Fingern II und III immer ein Brennen und Druckgefühl zu verspüren. Zudem seien
seit September 1997 auch Schmerzen im Unterarm, in der rechten Schulter und im
Nacken aufgetreten. Die Schmerzintensität liege bei fünf und sechs, an schlechten
Tagen bis zu zehn (UV-act. M36-2). Zusammengefasst kamen die Gutachter Prof.
C._ und Dr. D._ nach klinischer Untersuchung und in Würdigung des Verlaufs seit
dem Unfall vom 17. Mai 1995 zum Schluss, dass es zu einer ausgeprägten
Symptomausweitung mit Schmerzen bis in den Unterarm, die Schulter und den Nacken
gekommen sei. Der Beschwerdeführer sei praktisch als einhändig zu betrachten und
psychisch irritiert. In seinem bisherigen Beruf könne er nicht mehr eingesetzt werden.
In adaptierter Tätigkeit (leichtere Arbeit mit der linken Hand) bestehe eine 50%-ige
Arbeitsfähigkeit (act. M36 S. 5). Gestützt darauf erhielt der Beschwerdeführer eine
3.3.
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/ababa0a2-8593-41ed-92e9-ba19312ad9e6?citationId=06de9d85-fd22-4a5f-ac71-aa1be8f63d95&source=document-link&SP=5|2zkqfs
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Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 54 % mit Wirkung ab 1. Januar 1999
(act. K72).
Als Basis für die Aufhebung der Rente diente der Beschwerdegegnerin das
polydisziplinäre Gutachten der MEDAS Wattwil vom 9. November 2015, wiederum
veranlasst durch die IV-Stelle St. Gallen (act. M40 ff.). Anlässlich der orthopädischen
Untersuchung berichtete der Beschwerdeführer über seit dem Motorradunfall vom 20.
Mai 2013 bestehende Schmerzen im linken Bein und insbesondere im linken Knie.
Weitere orthopädische Beschwerden wurden nicht geltend gemacht (act. M43 S. 17).
Der orthopädische Gutachter führte aus, dass aufgrund der Teilamputation der Finger II
und III rechts wenig distal der PIP-Gelenke ein Substanzdefekt der Fingerend- und
überwiegender Teile der Fingermittelglieder von Zeigefinger und Mittelfinger bestehe.
Feinmotorische Tätigkeiten seien nur eingeschränkt möglich, da beide Stümpfe trotz
vorhandener Grund-und Mittelgelenke nicht vollständig in den Faustschluss gebracht
werden könnten und der Daumen nur bis einen Zentimeter Abstand gegen die beiden
Stümpfe opponiert werden könne, was insbesondere beim Festhalten dünner
Werkzeuge oder Arbeitsmaterialien Schwierigkeiten verursache. Es bestehe ein
unangenehmes Gefühl bei der oberflächlichen Berührung der Fingerstümpfe. Es sei
aber nur schwierig nachvollziehbar, dass dieser Befund vorgängig als funktionelle
Einhändigkeit bezeichnet worden sei. Anhand der Erhebungen zur Tagesstruktur und
des Umstandes, dass nicht unerhebliche Teile des Jahres in E._ verbracht werden
könnten und Flugreisen dorthin auch bewältigbar seien, könne keine konkrete
Einschränkung gesehen werden, wie ein funktionell Einhändiger sie hätte. Dafür würde
auch sprechen, dass die Nutzung einer Anziehhilfe nicht bekannt sei, eine Greifzange
nicht benötigt werde, ein Umlernen des Schreibens auf die linke Hand nicht erfolgt sei
und weiterhin mit rechts geschrieben werde. Die orthopädische Prognose in Bezug auf
die rechte Hand sei günstig. Die Schulter- und Ellbogenproblematik, welche in den
Jahren 1998/1999 thematisiert worden sei, habe sich im Verlauf positiv entwickelt.
Auch von einem lokalen Schmerzsyndrom oder einer Algodystrophie sei keine Rede
mehr. Anhand einschlägiger gutachterlicher Erfahrung insbesondere bei
Handverletzungen mit Fingerteilamputationen müsse davon ausgegangen werden,
dass durch Gewöhnung und Anpassung eine faktische und funktionelle Verbesserung
über die Zeit bis 2013 eingetreten sei, die in leidensangepasster Tätigkeit eine 100%-
ige Arbeitsfähigkeit zumutbar mache (act. M43 S. 29 ff.).
3.4.
In Bezug auf den Gesundheitszustand an der rechten Hand lassen die Gutachter
zwar durchblicken, dass sie, anders als die Experten des KSSG, bereits im Zeitpunkt
der Rentenzusprache im Januar 1999 allenfalls zu einer höheren
3.5.
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Arbeitsfähigkeitsschätzung gelangt wären, was darauf hindeutet, dass es sich bei ihrer
Einschätzung bloss um eine unterschiedliche Beurteilung des gleichen Sachverhalts
handeln könnte, welche keinen Revisionsgrund nach Art. 17 Abs. 1 ATSG darstellen
würde. So führen sie aus, dass es nur schwierig nachvollziehbar sei, dass der
Beschwerdeführer als funktionell Einhändiger bezeichnet worden sei (act. M43 S. 30).
Auch attestieren sie dem Beschwerdeführer in leidensangepasster Tätigkeit aus rein
orthopädischer Sicht bereits seit dem 18. Juni 1998 eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit
(act. M43 S. 33). Zum anderen werden im Gutachten aber auch gewichtige Punkte
aufgezählt, welche für eine relevante Verbesserung der Problematik sprechen. So
führen die Experten aus, dass sich die Schulter- und Ellbogenproblematik aus den
Jahren 1998/1999 günstig entwickelt habe und von einem lokalen Schmerzsyndrom
oder einer Algodystrophie keine Rede mehr sei. Auch müsse davon ausgegangen
werden, dass bei Handverletzungen mit Fingerteilamputationen durch Gewöhnung und
Anpassung eine faktische und funktionelle Verbesserung eintrete (act. M43 S. 36). Dass
eine Gewöhnung und Anpassung seit dem Jahr 1999 stattgefunden hat, leuchtet ohne
weiteres ein. Als Indiz dafür ist auch zu werten, dass der Beschwerdeführer anlässlich
der Begutachtung bei der MEDAS Wattwil die Schmerzen im linken Bein und
insbesondere im linken Knie, resultierend aus dem Unfall vom 20. Mai 2013, in den
Fokus rückte und weitere orthopädische Beschwerden nicht mehr geltend machte (act.
M43 S. 17). Das bedeutet zwar nicht, dass bezüglich der rechten Hand keine
Beschwerden mehr bestehen; diese sind indes offensichtlich in ihrer Intensität bzw. im
Empfinden des Beschwerdeführers deutlich zurückgegangen. Damit ist durch das
Gutachten der MEDAS Wattwil, selbst wenn deren Experten in quantitativer Hinsicht
bereits im Jahr 1998/1999 von keiner eingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen
wären und die Einschätzungen des KSSG für nicht hinreichend nachvollziehbar halten,
genügend erstellt, dass es zufolge Gewöhnung bzw. Anpassung bezüglich der
Beschwerden an der rechten Hand, aber auch aufgrund nicht mehr relevant
bestehender Beschwerden in der rechten Schulter und am rechten Ellbogen zu einer
revisionsrechtlich relevanten Verbesserung des unfallkausalen Gesundheitszustandes
(in Bezug auf den Unfall vom 17. Mai 1995) gekommen ist. Ein Revisionsgrund nach
Art. 17 Abs. 1 ATSG liegt somit vor (vgl. dazu auch das Urteil des Bundesgerichts vom
18. September 2019, 8C_289/2019, E. 5.1) und der Rentenanspruch ist in tatsächlicher
und rechtlicher Hinsicht allseitig und ohne Bindung an frühere Beurteilungen zu prüfen
(BGE 143 V 94 E. 4.2, vgl. auch BGE 141 V 11 E. 2.3).
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4.
Wie bereits im Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen (IV
2016/304) vom 16. April 2019, E. 3.1, festgehalten und vom Bundesgericht mit
Entscheid vom 18. September 2019 (8C_289/2019) nicht in Frage gestellt wurde, kann
in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit vollumfänglich auf das überzeugende Gutachten der
MEDAS Wattwil abgestellt werden. Die Experten haben die Vorakten eingehend
gewürdigt, den Beschwerdeführer umfassend persönlich untersucht und sich mit den
objektiven klinischen Befunden, den Angaben in den Vorakten und den subjektiven
Klagen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Sie haben die Diagnosen und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugend begründet. Die Einwände des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers sind nicht stichhaltig. Der Umstand, dass das
Gutachten im Auftrag der IV-Stelle St. Gallen verfasst wurde, ändert nichts an der
Beweiskraft im vorliegenden unfallversicherungsrechtlichen Verfahren. Die sich
stellenden Fragen (Veränderung des unfallkausalen Gesundheitszustands,
Arbeitsfähigkeit aufgrund der unfallkausalen Beeinträchtigungen [herrührend aus dem
Unfall vom 17. Mai 1995]) lassen sich damit rechtsgenüglich beantworten, weshalb
keine weitere Begutachtung notwendig ist. Damit ist gestützt auf das Gutachten der
MEDAS Wattwil mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass dem
Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Begutachtung und auch im Zeitpunkt der
Renteneinstellung Ende Februar 2016 in adaptierter Tätigkeit (vgl. zum positiven
orthopädischen Belastungsprofil act. M43 S. 34 f. und zum negativen act. M43 S. 31
bzw. vorstehende lit. A.d) ein Vollpensum zumutbar war.
4.1.
Ausgehend von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist
im Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln (vgl. dazu
vorstehende E. 2.1).
4.2.
Für die Bemessung des hypothetischen Verdienstes ohne Gesundheitsschaden
(Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden
Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde (Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Juli 2011, 9C_414/2011, E. 2.2). Bei der Bestimmung des
Valideneinkommens wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung
und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es
empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Der Beschwerdeführer hätte bei seiner
letzten Tätigkeit als Hilfsmetzger für die B._ AG im Jahr 1998 ein Einkommen von Fr.
43'420.-- erzielt (Fr. 3'340.-- x 13; CD-IV bei den UV-Akten hinter M1 S. 62). Im Jahr
4.3.
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2016 hätte das Einkommen nominallohnindexiert Fr. 53'066.-- betragen (Fr. 43'420.-- /
1832 x 2239; Nominallohnindex 1998 - 2016). Dieses Einkommen ist mit Verweis auf
die LSE 2016 (Tabelle TA1, privater Sektor, Kompetenzniveau 1 [einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art], Totalwert) unterdurchschnittlich. Jenes
Durchschnittseinkommen betrug im Jahr 2016 Fr. 66'803.-- (vgl. Anhang 2 der IVG-
Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Fr. 53'066.-- liegt
damit 20.6 % unter jenem Durchschnittseinkommen, weshalb eine Parallelisierung bis
5 % zu erfolgen hat (vgl. BGE 135 V 302 ff. E. 6). Entsprechend ist von einem
Valideneinkommen von aufgerundet Fr. 63'462.85 (Fr. 66'803.-- x 0.95) auszugehen.
4.4.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Übt sie
nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders
stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr
verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung die LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden.
4.4.1.
Der Beschwerdeführer geht seit seiner letzten Tätigkeit als Hilfsmetzger bei der
B._ AG keiner Arbeitstätigkeit mehr nach (act. M43 S. 17). Für die Festsetzung des
Invalidenlohns sind damit die LSE-Tabellenlöhne beizuziehen. Gestützt auf das
Belastungsprofil sind dem Beschwerdeführer als Verweistätigkeiten leidensangepasste
Hilfsarbeitertätigkeiten zuzumuten. Der LSE-Hilfsarbeiterlohn hat im Jahr 2016 Fr.
66'803.-- betragen (vgl. vorstehende E. 4.3). Zu prüfen bleibt, ob von diesem
Tabellenlohn ein Abzug vorzunehmen ist. Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu
berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten
Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und
entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind
und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird
dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale
einer versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
4.4.2.
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St.Galler Gerichte
5.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid nicht zu beanstanden
und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 gültigen, für das
vorliegende Verfahren gemäss Art. 83 ATSG noch anwendbaren Fassung).
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).