Decision ID: db867d75-4b98-4071-947a-85831a113546
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Benedikt Landolt, Rosenbergstrasse 22,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
K._ (Jg. 1948) meldete sich am 12. August 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Gesuchsformular kreuzte er als gewünschte Leistung nur die Invalidenrente an. Er gab
in diesem Formular u.a. an, er sei gelernter Steinbildhauer. Seit 1969 sei er selbständig
erwerbstätig. 1989 habe er einen Unfall erlitten. Ein schwerer Stein sei auf den linken
Fuss gefallen. Trotzdem sei er ab 1990 wieder selbständig erwerbstätig gewesen. Der
IK-Auszug wies durchgehend sehr tiefe Einkommen aus der selbständigen
Erwerbstätigkeit aus. Nur 1992, 1993 und 1996 hatten die Einkommen erheblich mehr,
nämlich jeweils etwas mehr als Fr. 40'000.- betragen. Dr. med. A._ berichtete der IV-
Stelle am 24. September 2007, der Versicherte leide an einem Beckenschiefstand mit
verkürztem linkem Bein, konsekutiv S-Skoliose und belastungsabhängige Lumbago, an
einer chronischen Schmerzhaftigkeit des linken Fusses nach Trümmerfraktur des
ersten Strahles und Defektheilung der Wunde, an einem St. n. Inguinal- und
Umbilikalhernienoperation sowie – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an
Hypertonie und Adipositas. Am linken Fuss bestünden Schmerzen und
Sensibilitätsstörungen. In den letzten Jahren seien wiederholt Probleme mit dem
Rücken, dem Fuss und dem linken Knie aufgetreten. Die Beschwerden träten vor allem
bei längeren Arbeiten in halb gebückter Stellung auf. Dazu gehörten entsprechend
heftige Rückenschmerzen. Bei längerem Stehen komme es zu Fussproblemen. Nebst
der Arbeit als Steinbildhauer verrichte der Versicherte auch PC-Arbeiten. Die bisherige
Tätigkeit sei noch zumutbar, allerdings nur noch in einem reduzierten Umfang, wobei
das Ausmass der Verminderung nicht angegeben werden könne. Sitzend am PC gehe
es sicher besser. Bei der bildhauerischen Arbeit sei die Leistungsfähigkeit
eingeschränkt, wenn der Versicherte ungünstige Positionen einnehme oder wenn er
schwere Lasten hebe. In einer abwechslungsreichen, der Gesundheitsbeeinträchtigung
angepassten Tätigkeit (ohne Arbeiten in gebückter Haltung oder lange Zeit stehend)
seien normale Arbeitszeiten möglich.
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B.
Am 14. Dezember 2007 erfolgte eine sogenannte Abklärung an Ort und Stelle. Die
Abklärungsperson hielt in ihrem Bericht fest, in der Werkstätte am Wohnort werde nur
noch Holz bearbeitet. Der Versicherte fertige seit einigen Jahren verschiedene
Instrumente an. Daneben führe er eine X._-Werkstatt mit Kursen. In der Werkstätte
und im Aussenraum seien zwei Kräne vorhanden, ausserdem eine Kreissäge, eine
Drechselmaschine und das notwendige Kleinwerkzeug. Ausserdem stünden ein
Brennofen und das nötige Werkzeug für das Töpfern zur Verfügung. Die
Steinbearbeitung sei gänzlich aufgegeben worden. Hier korrigierte der Versicherte den
Bericht nachträglich, indem er angab, er habe die Steinbearbeitung nur eingeschränkt.
Weiter führte die Abklärungsperson im Bericht aus, der Versicherte arbeite für den
Verein X._. Er sei oft bis zu 70 Std. pro Woche tätig. Der dabei zu erzielende
Verdienst sei aber praktisch null, weshalb der Versicherte von der Sozialhilfe lebe. In
bezug auf die Betriebsführung, die Textverarbeitung und den Internetauftritt habe der
Versicherte angegeben, er sei nicht eingeschränkt. Bei der Entwicklung neuer
Instrumente sei er um 40% eingeschränkt, denn nach zwei Stunden Arbeit müsse er
jeweils eine längere Pause einlegen. Bei der Vorbereitung von Kursen und bei deren
Durchführung sei er nicht eingeschränkt, solange er sitzen könne. Körperliche
Belastungen müsse er vermeiden. Die Abklärungsperson nahm hier eine Einschränkung
von 20% an. Bei der Werkstattarbeit (Skulpturen) wurde die Einschränkung mit 60%
beziffert, da der Versicherte keine Gewichte heben könne, nicht längere Zeit stehen
könne und vermehrt Pausen benötige. Bei der Ausarbeitung eines Projekts für die
B._ wurde keine Einschränkung angenommen. Insgesamt ermittelte die
Abklärungsperson so eine Einschränkung von 21%. Sie gab weiter an, die
Erwerbsfähigkeit könne weder durch eine Anpassung des Betriebes noch durch die
Anschaffung von Hilfsmitteln wesentlich verbessert werden. Auch eine Verlagerung der
Tätigkeiten im Betrieb oder eine berufliche Umstellung könnten die Erwerbsfähigkeit
nicht verbessern.
C.
Dr. med. C._ vom RAD Ostschweiz hielt am 4. Februar 2008 fest, die Angaben im
Abklärungsbericht seien plausibel. In einer angepassten Erwerbstätigkeit sei eine
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vollschichtige Arbeitsfähigkeit ohne relevante Einschränkung der Leistungsfähigkeit
gegeben. Mit einem Vorbescheid vom 13. Februar 2008 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, sie beabsichtige, sein Rentenbegehren abzuweisen. Der Versicherte
liess am 31. März 2008 einwenden, er habe sein Steinbildhauergeschäft aus
gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen. Arbeiten im angestammten Beruf als
Steinbildhauer seien nicht mehr möglich. Er könne nur noch körperlich leichte
Tätigkeiten (Auftragsakquisition, Buchhaltung, sonstige administrative Arbeiten)
ausführen. Sein Betrieb habe aber nie eine Grösse oder ein Auftragsvolumen erreicht,
das es ihm ermöglicht hätte, die handwerkliche Arbeit von Mitarbeitern ausführen zu
lassen und sich weitgehend auf die Geschäftsführung zu konzentrieren. Fehle es an
Daten für die Ermittlung des aus der selbständigen Erwerbstätigkeit als Steinbildhauer
erzielbaren Einkommens, so sei auf die Lohnstrukturerhebung abzustellen. Das so
ermittelte Einkommen sei zu vergleichen mit dem Einkommen, das er heute als
Steinbildhauer erzielen könnte. Der Betätigungsvergleich sei untauglich, da er sich auf
Arbeiten beziehe, die nur der Überbrückung der Zeit dienten. Die Prüfung einer
beruflichen Eingliederung sei zu Unrecht unterblieben. Er beantrage die Prüfung
entsprechender Massnahmen. Die Person, welche die Abklärung an Ort und Stelle
durchgeführt hatte, hielt am 2. April 2008 fest, der Versicherte sei als Sozialarbeiter
tätig gewesen, bevor er das Steinbildhauergeschäft übernommen habe. Als
selbständigerwerbender Steinbildhauer habe der Versicherte kein existenzsicherndes
Einkommen erzielt, weshalb er sich gleichzeitig als Kundenmaurer betätigt habe. Der
Versicherte wäre auch ohne die Behinderung als Künstler in seiner Kreativwerkstätte
tätig. Dass er mit 70 Arbeitsstunden pro Woche kein existenzsicherndes Einkommen
erziele, könne nicht mit der Behinderung erklärt werden. Der Versicherte habe
angegeben, er könne sich nicht vorstellen, in seinem Alter und nach der langjährigen
künstlerischen Tätigkeit als Arbeitnehmer einem Erwerb nachzugehen. Bei einem
Einkommensvergleich wären das Validen- und das Invalideneinkommen etwa gleich
hoch. Die IV-Stelle wies das Rentenbegehren des Versicherten mit einer Verfügung
vom 2. April 2008 ab.
D.
Der Versicherte liess am 7. Mai 2008 Beschwerde gegen diese Verfügung erheben. Er
beantragte deren Aufhebung, die Durchführung eines Einkommensvergleichs und
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gegebenenfalls die Zusprache einer Invalidenrente. Eventualiter seien Massnahmen
beruflicher Art durchzuführen. Zur Begründung liess er insbesondere ausführen, er
habe als selbständiger Steinbildhauer durchaus ein existenzsicherndes Einkommen
erzielen können. 1992, 1993 und 1996 habe sein Einkommen nämlich je über Fr.
40'000.- betragen. Im übrigen sei zu berücksichtigen, dass die Leistungsfähigkeit
krankheitsbedingt im Lauf der 90er Jahre stetig zurückgegangen sei. Die Aufgabe des
Steinbildhauerbetriebes sei die unmittelbare Folge davon gewesen. Die Hintergründe
der Geschäftsaufgabe seien also klar und nachvollziehbar. Es sei willkürlich, wenn die
IV-Stelle davon ausgehe, dass er auch ohne die Behinderung heute als Künstler in
seiner Kreativwerkstätte tätig wäre. Der Verzicht auf einen Einkommensvergleich sei
nicht zu rechtfertigen. In medizinischer Hinsicht stehe nicht fest, in welchem Zeitpunkt
die körperlichen Einschränkungen ein solches Mass angenommen hätten, dass sie sich
auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hätten. Deshalb sei auf Tabellenlöhne abzustellen.
Die IV-Stelle habe also noch abzuklären, ab wann eine Arbeitsunfähigkeit bestanden
habe. Gestützt auf die entsprechenden Lohnstrukturerhebungen sei dann das
Valideneinkommen eines Steinbildhauers zu ermitteln. Dieses Valideneinkommen sei
dem Einkommen gegenüberzustellen, das er heute als Steinbildhauer noch erzielen
könnte. Der Betätigungsvergleich beziehe sich auf eine Freizeittätigkeit und sei deshalb
irrelevant. Er hätte anhand der Arbeit eines Steinbildhauers erfolgen müssen. Da eine
mindestens 20%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, hätten berufliche
Eingliederungsmassnahmen geprüft werden müssen. Das sei nachzuholen.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 23. Juni 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte
aus, der Versicherte sei in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit zu 100%
arbeitsfähig. Als Steinbildhauer/Künstler sei er zu 80% arbeitsfähig. Die höchsten
Einkommen seien nach der Fussverletzung erzielt worden. Es sei gar nicht möglich, die
Entwicklung des Gesundheitszustandes in der Vergangenheit zu dokumentieren. Die
gesundheitliche Entwicklung korrespondiere nicht mit der erwerblichen Entwicklung.
Deshalb könne daraus kein Schluss auf eine allfällige invaliditätsbedingte
Erwerbseinbusse gezogen werden. Der Versicherte habe lange Zeit freiwillig darauf
verzichtet, ein höheres Erwerbseinkommen zu erzielen. Als Hilfsarbeiter könnte er mehr
als Fr. 60'000.- verdienen. Selbst wenn er als fiktiv gesunder Steinbildhauer ein
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Einkommen von Fr. 50'000.- erzielen könnte, wäre er also nicht invalid. Die erwerbliche
Gewichtung des Betätigungsvergleichs ergäbe kein brauchbares Resultat. Die Arbeit in
der X._-Werkstatt und die reduzierte Steinbildhauerei bildeten die angestammte
Tätigkeit und in dieser sei der Versicherte um 20% eingeschränkt. Berufliche
Eingliederungsmassnahmen kämen aufgrund des Alters nicht in Frage. Der Versicherte
könne jederzeit ein Gesuch um Arbeitsvermittlung stellen.
F.
Der Versicherte liess mit seiner Replik vom 30. April 2009 u.a. zwei Berichte des
Pneumologen Dr. med. D._ vom 26. Januar und vom 5. März 2009 einreichen.
Gemäss diesen Berichten litt er an einem Asthma bronchiale, an unklaren
rezidivierenden Synkopen und an arterieller Hypertonie. Dr. med. D._ betrachtete die
Leistungsfähigkeit des Versicherten aus rein pneumologischer Sicht als leicht
eingeschränkt. Dr. med. E._ vom Spital Wattwil hatte in einem ebenfalls der Replik
beigelegten Bericht vom 26. November 2008 angegeben, im Vordergrund stünden eine
Leistungsintoleranz und eine ausgeprägte belastungsverstärkte Müdigkeit mit Dyspnoe
und Erschöpfungszuständen. Die Symptomatik sei überwiegend somatisch bedingt.
Der Versicherte sei nicht depressiv und es bestehe wohl auch keine absichtliche
Verweigerungshaltung. Der Versicherte liess in der Replik ausführen, er befinde sich in
einem Beschäftigungsprogramm. Schon nach kurzer Zeit habe sich herausgestellt,
dass er nach nicht einmal vier Arbeitsstunden völlig erschöpft sei. Der Hausarzt habe
ihn daraufhin arbeitsunfähig geschrieben. Er habe nicht ab Mitte der 90er Jahre darauf
verzichtet, ein höheres Einkommen zu erzielen. Deshalb sei das Valideneinkommen
anhand des Einkommens eines gesunden, voll leistungsfähigen Steinbildhauers zu
bemessen. Die Arbeitsfähigkeit von 80% in einem Hobby (X._-Werkstätte) sei nicht
relevant, das zumutbare Invalideneinkommen sei anhand der noch möglichen Arbeit als
Steinbildhauer zu ermitteln. Mit der angefochtenen Verfügung habe die IV-Stelle auch
sein Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen abgewiesen.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 18. Mai 2009 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
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1.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
1.1 Der Beschwerdeführer hat den Beruf des Steinbildhauers erlernt. Seine erwerbliche
Leistungsfähigkeit als "Valider", d.h. nicht in seiner Gesundheit beeinträchtigter
Erwerbstätiger ist also diejenige eines Steinbildhauers. Dabei ist nicht anzunehmen,
dass der Beschwerdeführer durch eine erfolgreiche selbständige Tätigkeit als
kommerzieller Steinbildhauer mehr verdient hätte, als wenn er unselbständig
erwerbstätig gewesen wäre, denn er erweckt aufgrund seiner erwerblichen
Vergangenheit und aufgrund seines jahrelangen grossen Einsatzes für eine nicht
gewinnorientierte Sache nicht den Eindruck eines geschäftstüchtigen,
gewinnstrebenden Unternehmers. Abzustellen ist deshalb auf eine unselbständige
Berufstätigkeit. Ob der Beschwerdeführer die rein kommerzielle Steinbildhauertätigkeit
auch ohne den Unfall im Jahre 1989 aufgegeben oder zumindest reduziert hätte, um
vermehrt künstlerisch tätig sein zu können, lässt sich nicht mehr feststellen. Jedenfalls
ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit einer künstlerischen Tätigkeit
nicht mehr verdient hätte als bei einer vollzeitlichen kommerziellen
Steinbildhauertätigkeit in einem Angestelltenverhältnis. Damit kann die Frage nach dem
– fiktiven – Ausmass der künstlerischen Betätigung ohne den Unfall offen bleiben, denn
dem Beschwerdeführer wäre es bei voller Gesundheit jederzeit möglich gewesen,
wieder eine vollzeitliche kommerzielle Steinbildhauertätigkeit in unselbständiger
Stellung aufzunehmen. Die Validenkarriere des Beschwerdeführers ist also nicht die
konkrete Tätigkeit in der X._-Werkstatt, die von der Beschwerdegegnerin zum
Gegenstand eines Betätigungsvergleichs gemacht worden ist, sondern eine
kommerzielle Steinbildhauerkarriere. Der Invaliditätsgrad ist deshalb nicht durch einen
erwerblich gewichteten Betätigungsvergleich, sondern durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln, wobei das Valideneinkommen dem Einkommen
eines angestellten Steinbildhauers mit den besonderen Fähigkeiten und der grossen
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Berufserfahrung des Beschwerdeführers entspricht. Die Beschwerdegegnerin wird
abzuklären haben, welchen Lohn ein solcher Steinbildhauer erzielen könnte. Das vom
Beschwerdeführer effektiv erzielte, weit unterdurchschnittliche Einkommen ist somit für
die Bemessung des Valideneinkommens nicht relevant, d.h. es liegt – entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin - kein Anwendungsfall der höchstrichterlichen
Rechtsprechung zum freiwillig unterdurchschnittlichen Valideneinkommen vor. Selbst
wenn die Validenkarriere durch die aktuell ausgeübte Tätigkeit definiert würde, der
Beschwerdeführer also freiwillig auf eine volle Ausnützung seines Erwerbspotentials
verzichten und deshalb weniger als den möglichen Lohn eines kommerziellen
Steinbildhauers verdienen würde, könnte nicht auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung (vgl. BGE 134 V 322 ff. Erw. 4.1 m.H.) abgestellt werden. Die
Auffassung, das Valideneinkommen bemesse sich nach dem Einkommen, das aus
freien Stücken unter dem objektiv erzielbaren Einkommen liege, beruht nämlich auf
einer Fehlinterpretation der Invalidität (Art. 8 ATSG), wie schon der klare Wortlaut des
Art. 16 ATSG zeigt. Das Valideneinkommen wird dort nicht definiert als das
Einkommen, das die versicherte Person erzielen würde, wenn sie nicht invalid
geworden wäre, sondern als das Einkommen, das die versicherte Person erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Versichertes Risiko nach Art. 8 ATSG ist
also nicht der Verlust der Möglichkeit, das vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung zuletzt effektiv erzielte Erwerbseinkommen weiterhin zu
verdienen (dabei handelt es sich eigentlich um die für die Taggeldberechtigung
spezifische Einbusse), sondern der Verlust der Möglichkeit, ein den beruflichen und
persönlichen Verhältnissen und beruflichen Kenntnissen entsprechendes Einkommen
zu erzielen, also der Verlust der Erwerbsfähigkeit und nicht des effektiven Einkommens.
Das in einen Einkommensvergleich einzusetzende Valideneinkommen ist deshalb nicht
zwingend das zuletzt vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung erzielte
Einkommen, sondern das letzterzielbare Einkommen. Dass sich dieses Einkommen oft
anhand des letzterzielten Einkommens bemessen lässt, ist nur beweisrechtlich und
nicht bezogen auf den Invaliditätsbegriff selbst relevant.
1.2 Die Beschwerdegegnerin ist nicht nur in bezug auf die Validenkarriere, sondern
auch in bezug auf die Invalidenkarriere des Beschwerdeführers davon ausgegangen,
dass es sich um die Tätigkeit in der X._-Werkstatt handle, denn nur so machte die
Durchführung eines Betätigungsvergleichs Sinn. Damit hat die Beschwerdegegnerin die
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IV-spezifische Schadenminderungspflicht des Beschwerdeführers in der Form der
Eingliederungspflicht ("Eingliederung vor Rente", vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
2.A., Vorbemerkungen N. 47) missachtet. Wenn der Beschwerdeführer in seinem
erlernten Beruf als Steinbildhauer in einem so hohen Ausmass arbeitsunfähig ist, dass
bei einem Einkommensvergleich ohne vorangehende Eingliederung ein Invaliditätsgrad
von mindestens 40% zu erwarten ist, so besteht eine (medizinische und/oder
berufliche) Eingliederungspflicht, die von der Beschwerdegegnerin nötigenfalls mit der
Androhung einer sanktionsweisen Leistungsverweigerung (Art. 21 Abs. 4 ATSG)
durchzusetzen wäre. Angesichts der Fuss- und Rückenbeschwerden, die langes
Stehen, das Heben von Gewichten und die Einnahme ungünstiger Körperpositionen als
unzumutbar erscheinen lassen, ist eine vollzeitliche Tätigkeit des Beschwerdeführers
als Steinbildhauer trotz technischer Hilfsmittel ausgeschlossen, zumal auch das
Asthma eine naturgemäss sehr staubige Steinbildhauertätigkeit trotz
Schutzmassnahmen (wie etwa eine Atemmaske oder sogar eine
Staubabsaugvorrichtung) als ungünstig erscheinen lässt. Es ist deshalb davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seinem erlernten Beruf in einem Ausmass
von mehr als 40% arbeitsunfähig ist. Hätte sich der Beschwerdeführer kurz nach dem
Unfall im Jahr 1989 zum IV-Leistungsbezug angemeldet, wäre er wohl in einen der
Gesundheitsbeeinträchtigung bestmöglich Rechnung tragenden Beruf umgeschult
worden. Angesichts des Alters des Beschwerdeführers (Jahrgang 1948) ist das nun
nicht mehr möglich, denn der Abschluss der Umschulung würde wohl mehr oder
weniger mit der altersbedingten Pensionierung zusammenfallen. Das bedeutet aber
nicht, dass die aktuell ausgeübte Tätigkeit in der X._-Werkstatt als Invalidenkarriere
betrachtet werden kann. Der Beschwerdeführer ist nämlich in Erfüllung seiner IV-
spezifischen Schadenminderungspflicht in der Lage, einer behinderungsadaptierten
Hilfsarbeit nachzugehen. Trotz der qualifizierten Berufsausbildung, der seit Jahren
ausgeübten künstlerischen Tätigkeit und der langen Abwesenheit von der
"kommerziellen" Arbeitswelt muss die Ausübung einer adaptierten Hilfsarbeit als
zumutbar betrachtet werden, zumal das Ende dieser Erwerbstätigkeit zufolge
Pensionierung absehbar ist. Die zumutbare Invalidenkarriere ist also diejenige eines
Hilfsarbeiters, dessen Tätigkeit den verschiedenen Beeinträchtigungen des
Beschwerdeführers angepasst ist. Hierzu ist keine Abmahnung der
Schadenminderungspflicht erforderlich, denn deren Erfüllung kann fingiert werden, weil
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die Hilfsarbeit ohne jede Eingliederungsmassnahme sofort ausgeführt werden kann. Da
der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt massgebend ist, spielt die schlechte
Arbeitsmarktsituation keine Rolle, denn zur Diskussion steht ja nicht das soziale Risiko
der Arbeitslosigkeit, sondern ausschliesslich das soziale Risiko der Invalidität. Nun fehlt
aber eine verlässliche und umfassende medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung
bezogen auf eine adaptierte Hilfsarbeit. Der Beschwerdeführer hat angegeben, er
arbeite in seiner X._-Werkstatt bis zu 70 Std. wöchentlich. Bei dem durch das
Sozialamt organisierten Arbeitseinsatz ist die Leistung des Beschwerdeführers
krankheitsbedingt so eingeschränkt gewesen, dass er arbeitsunfähig geschrieben
worden ist, worauf die durchführende Stelle den Arbeitseinsatz vorzeitig abgebrochen
hat. Worin diese Tätigkeit bestanden hat, ist nicht bekannt. Deshalb lässt sich die
Differenz zwischen der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in der X._-
Werkstatt und im Arbeitseinsatz nicht erklären. Diese Frage kann offen bleiben, denn
auch damit läge keine objektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer adaptierten Hilfsarbeit vor. Die Beschwerdegegnerin hat
zwar einen Bericht des behandelnden Allgemeinmediziners Dr. med. A._ eingeholt
und der Beschwerdeführer hat Berichte des Spitals Wattwil und des Pneumologen Dr.
med. D._ nachgereicht. Die Diagnose ist aber in bezug auf die Leistungsintoleranz
des Beschwerdeführers mit Müdigkeit und Erschöpfungszuständen zu vage.
Insbesondere fehlt aber eine Arbeitsfähigkeitsschätzung, die allen
Gesundheitsbeeinträchtigungen Rechnung tragen und sich auf eine adaptierte
Hilfsarbeit beziehen würde. Ist das Ausmass der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers nicht bekannt, fehlt die entscheidende Information, die es erst
erlaubt, aus der zumutbaren Invalidenkarriere des Beschwerdeführers das zumutbare
Invalideneinkommen abzuleiten. Die Beschwerdegegnerin wird deshalb die
notwendigen medizinischen Abklärungen nachzuholen haben. Dabei wird sie auch der
medizinischen Eingliederungsmöglichkeit durch allfällige geeignete Therapien ihr
Augenmerk schenken.
2.
Da der Beschwerdeführer mit seinem Hauptbegehren teilweise durchdringt, entfällt
eine Beurteilung des Eventualbegehrens auf Zusprache beruflicher
Eingliederungsmassnahmen. Damit kann die Frage offen bleiben, ob derartige
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Leistungen überhaupt Gegenstand der angefochtenen Verfügung gebildet haben und
deshalb zum Streitgegenstand gemacht werden können. Immerhin steht fest, dass der
Beschwerdeführer mit seiner Anmeldung zum Leistungsbezug vom 12. August 2007
nicht nur ein Rentengesuch, sondern praxisgemäss ein Gesuch um alle in Frage
kommenden Leistungen der Invalidenversicherung gestellt hat. Er muss also entgegen
der Auffassung der Beschwerdegegnerin keineswegs nochmals ausdrücklich um eine
Arbeitsvermittlung ersuchen. Die Beschwerdegegnerin, an welche die Sache zur
weiteren Abklärung zurückzuweisen ist, wird auch die Frage allfälliger medizinischer
oder vor allem beruflicher Eingliederungsmassnahmen nochmals prüfen.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die angefochtene Verfügung aufgrund der
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes als rechtswidrig aufzuheben und die Sache
ist zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und zur anschliessenden neuen Verfügung
über das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Praxisgemäss ist die Rückweisung zur weiteren Abklärung in bezug
auf die Verfahrenskosten als vollumfängliches Obsiegen zu qualifizieren, da die
Beschwerde ihr eigentliches Ziel, die Aufhebung der angefochtenen Verfügung wegen
Rechtswidrigkeit, erreicht hat. Das Entschädigungsbegehren des Beschwerdeführers
ist deshalb vollumfänglich gutzuheissen. Die Parteientschädigung bemisst sich nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses. Das
vorliegende Verfahren erweist sich in bezug auf beide Kriterien als durchschnittlich,
was praxisgemäss eine Parteientschädigung von Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) rechtfertigt. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer also
mit Fr. 3500.- zu entschädigen. Auch die Gerichtsgebühr ist vollumfänglich durch die
unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen. Der Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1
IVG) rechtfertigt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Der vom Beschwerdeführer
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG