Decision ID: d764af45-7f78-4b86-be6c-91b498c5a4cc
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1972, wurde vom 1. Oktober 2001 bis 31. Juli 2004 durch die Ortsgemeinde
X._ – bis 31. Dezember 2003 – und die Politische Gemeinde X._ – ab 1. Januar 2004
– mit Sozialhilfe unterstützt. Gedeckt wurden unter anderem die Aufwendungen für eine
Suchttherapie, die A._ ab Ende Mai 2002 bis November 2003 absolvierte ("Z._").
Abklärungen der Sozialen Dienste der Politischen Gemeinde X._ – auf welche per
1. Januar 2004 auch die Zuständigkeit für die Rückforderung finanzieller Sozialhilfe
übergegangen war – im Januar 2018 beim Steueramt an dessen Wohnsitz ergaben,
dass A._ für das Jahr 2016 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 72'900
veranlagt worden war. Ausgehend von Leistungen im Betrag von insgesamt
CHF 124'965.75 schrieben die Sozialen Dienste am 27. Februar 2018 die vom
1. Oktober 2001 bis 28. Februar 2003 erbrachten Leistungen von CHF 62'477.65 ab,
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weil sie mehr als 15 Jahre zurücklagen, und verpflichteten A._, die Restschuld von
CHF 62'488.10 in monatlichen Raten von CHF 700 zurückzuerstatten.
B.
A._ erhob gegen die Verfügung der Sozialen Dienste der Politischen Gemeinde X._
durch seinen Rechtsvertreter Rekurs beim Departement des Innern des Kantons St.
Gallen. Im Hinblick auf eine von den Beteiligten angestrebte Einigung wurde das
Rekursverfahren sistiert. Die Sozialen Dienste der Politischen Gemeinde X._ ersuchten
am 22. November 2018 um Aufhebung der Sistierung und Abweisung des Rekurses.
Den Rückerstattungsanspruch reduzierten sie auf CHF 55'289.25. Das Departement
des Innern hiess den Rekurs am 17. Dezember 2019 teilweise gut und legte den
Rückerstattungsanspruch auf CHF 12'648.30 fest. Festgehalten wurde insbesondere,
die Kosten für die Suchttherapie seien – auch wenn sie in den Jahren 2002 und 2003
übernommen worden waren – seit 1. Januar 2018 nicht mehr rückerstattungspflichtig.
C.
Die Politische Gemeinde X._ (Beschwerdeführerin) erhob durch ihre Sozialen Dienste
gegen den Entscheid des Departements des Innern des Kantons St. Gallen (Vorinstanz)
vom 17. Dezember 2019 mit Eingabe vom 14. Januar 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Kosten
des "Z._" für den Zeitraum von März bis November 2003 rückforderbare
Sozialhilfeleistungen darstellen.

Die Vorinstanz verwies am 17. Januar 2020 auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. A._ (Beschwerdegegner)
beantragte mit Vernehmlassung vom 12. Februar 2020 durch seinen Rechtsvertreter,
die Beschwerde sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer
abzuweisen.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin und des Beschwerdegegners zur Begründung ihrer Anträge sowie
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin ist im
bis
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Rekursverfahren insoweit unterlegen, als ihr Rückerstattungsanspruch gegenüber dem
Beschwerdegegner von rund CHF 55'300 auf rund CHF 12'600 herabgesetzt wurde.
Sie ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Sozialen Dienste der Gemeinde X._ sind zur Vertretung der
Beschwerdeführerin befugt (Art. 5 Abs. 1 des Sozialhilfegesetzes, sGS 381.1, SHG;
Art. 8 Ingress und lit. n des Sozialhilfereglements der Gemeinde X._, sRS 333.2). Die
Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 19. Dezember 2019 wurde mit Eingabe
vom 14. Januar 2020 unter Berücksichtigung des Fristenlaufs über die Weihnachts-
und Neujahrsfeiertage rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht grundsätzlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP sowie Art. 145 Abs. 1 Ingress und lit. c der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, und mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die
Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
Sowohl die Beschwerdeführerin in ihrer Verfügung vom 27. Februar 2018 selbst als
auch die Vorinstanz im Rekursentscheid vom 17. Dezember 2019 haben die vom
Beschwerdegegner zurückzuerstattenden Leistungen im Dispositiv betragsmässig
festgesetzt. Die Beschwerdeführerin beantragt mit der Beschwerde die Aufhebung des
angefochtenen Entscheides und die Feststellung, die "Kosten für das Z._ für den
Zeitraum von März bis November 2003" seien rückforderbar.
Der Beschwerdeantrag ist so zu formulieren, dass er zum Urteil erhoben werden kann,
sofern der Antragsteller obsiegt. Soll – was die Beschwerdeführerin im Ergebnis
anstrebt – der angefochtene Entscheid betragsmässig geändert werden, muss die
quantitative Änderung bezeichnet werden oder zumindest bestimmbar sein (vgl.
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 915).
Die Vorinstanz hat den rückerstattungspflichtigen Betrag detailliert berechnet. Sie hat
insbesondere nicht einfach in der im Rekursverfahren durch die Beschwerdeführerin
eingereichten Aufstellung bei den "Ausgaben" von insgesamt CHF 62'111.80 die mit
"Z._" beschriebenen, ab März 2003 geleisteten Beträge von zusammen
CHF 54'805.40 (März, Mai und Juli je CHF 7'220, April und Juni je CHF 7'000, August
CHF 5'410, September CHF 5'290, Oktober CHF 4'067.35, November CHF 4'378.05;
act. 5/10, Beilage 9) als nicht rückforderbar vom geltend gemachten Anspruch
abgezogen. Die Beschwerdeführerin setzt sich weder mit der Berechnung der
Vorinstanz auseinander, noch legt sie sich in ihrem Antrag hinsichtlich der Höhe ihres
Rückerstattungsanspruchs fest. Angesichts der differenzierten Betrachtungen der
Vorinstanz erscheint die quantitative Änderung anhand des Antrags der
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Beschwerdeführerin auch nicht ohne Weiteres bestimmbar. Der Antrag der
Beschwerdeführerin ist dementsprechend dahingehend auszulegen, dass die
Angelegenheit bei einer Gutheissung der Beschwerde zur neuen Berechnung der Höhe
des Rückerstattungsanspruchs an die Vorinstanz zurückzuweisen wäre.
3.
Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist umstritten, ob sämtliche Aufwendungen, welche
die zuständige Sozialhilfebehörde von März bis November 2003 für die Unterbringung
des Beschwerdegegners in einer stationären suchttherapeutischen Einrichtung
getragen hat, rückerstattungspflichtig sind. Dies ist nicht der Fall, wenn die
Aufwendungen für die vom Beschwerdegegner in den Jahren 2002 und 2003
absolvierte Suchttherapie grundsätzlich nicht der finanziellen Sozialhilfe zuzurechnen
sind.
Die Beschwerdeführerin machte im vorinstanzlichen Verfahren geltend, stationäre
Suchttherapien seien – soweit nicht Sozialversicherungen dafür aufkamen – bis zum
Beitritt des Kantons St. Gallen zum Bereich C (Suchttherapien) der Interkantonalen
Vereinbarung für Soziale Einrichtungen per 1. Januar 2015 ausschliesslich und
vollumfänglich nach dem Sozialhilfegesetz mittels Kostengutsprachen nach Art. 10
Abs. 1 SHG finanziert worden und vollumfänglich und ohne irgendwelche
Einschränkungen nach Art. 18 SHG rückerstattungspflichtig gewesen (act. 10/6, II/1). –
Der Beschwerdegegner vertrat demgegenüber die Auffassung, bei den Kosten für den
stationären Aufenthalt im Suchtzentrum "Z._" habe es sich überwiegend nicht um
finanzielle, sondern vielmehr um betreuende Sozialhilfe gehandelt, die von der
Rückerstattungspflicht stets ausgeschlossen gewesen sei, was mit dem neuen Art. 18
Abs. 2 SHG nun geklärt sein sollte (act. 5/10, 2.2/bc). – Die Vorinstanz ging von
finanzieller Sozialhilfe aus, weil bei der stationären Sozialhilfe der Begriff betreuende
Sozialhilfe nicht sachgerecht gewesen sei, zumal diese die Sozialberatung sowie
aufsuchende (beziehungsweise ergänzende oder ambulante) Hilfen umfasse
(angefochtener Entscheid E. 2.3.3).
4.
Der Rückerstattung durch die unterstützte Person unterliegt gemäss Art. 18 Abs. 1
SHG ausdrücklich die rechtmässig bezogene finanzielle Sozialhilfe (Hervorhebung nicht
im Original). Diese Regel gilt seit 1. Januar 1999 unverändert. Die finanzielle bildet
zusammen mit der betreuenden die persönliche Sozialhilfe (Abschnitt II, Art. 2 ff. SHG).
Gesetzessystematisch steht der persönlichen die stationäre Sozialhilfe (Abschnitt III,
Art. 28 ff. SHG) gegenüber.
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Die stationäre Sozialhilfe bezweckt, Personen, die aus verschiedenen Gründen auf
Betreuung in einer stationären Einrichtung angewiesen sind, ein geeignetes Angebot
zur Verfügung zu stellen (vgl. Art. 27a Abs. 1 SHG; Sozialhilfegesetz, Botschaft und
Entwurf der Regierung vom 5. August 1997, in: ABl 1997 S. 1769 ff., S. 1770). Art. 39
SHG hielt in der seit 1. Januar 1999 bis 31. März 2019 angewendeten Fassung unter
dem Titel "Andere stationäre Einrichtungen" fest, die politische Gemeinde sorge für die
Unterbringung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die der betreuenden
Sozialhilfe in einer stationären Einrichtung bedürften (nGS 33-104, Hervorhebung nicht
im Original). Sinn dieser Bestimmung war es, die Gemeinden – entsprechend dem
Grundgedanken zur stationären Sozialhilfe – zu verpflichten, für die entsprechenden
Unterbringungsmöglichkeiten zu sorgen (vgl. Sozialhilfegesetz, Botschaft und Entwurf
der Regierung, a.a.O., S. 1799). Die Bestimmung brachte damit klar zum Ausdruck,
dass die durch stationäre Unterbringung erbrachte persönliche Sozialhilfe der
betreuenden – und nicht der finanziellen – Sozialhilfe zuzurechnen war. Die von der
zuständigen Sozialhilfebehörde in den Jahren 2002 und 2003 erbrachten
Aufwendungen für die stationäre Unterbringung des Beschwerdegegners in einer
suchttherapeutischen Einrichtung sind deshalb grundsätzlich nicht der –
zurückzuerstattenden – finanziellen Sozialhilfe zuzurechnen.
Daran haben auch der IV. und der V. Nachtrag zum Sozialhilfegesetz nichts geändert.
Entsprechend dem seit 1. Januar 2018 anwendbaren IV. Nachtrag erstreckt sich die
Rückerstattung gemäss Art. 18 Abs. 2 Ingress und lit. a SHG nicht auf die Kosten für
die Teilnahme an Massnahmen zur beruflichen oder sozialen Integration nach Art. 12a
SHG, zu denen gemäss Art. 12a Abs. 1 Ingress und lit. b SHG auch Therapien – wie sie
der Beschwerdegegner in den Jahren 2002 und 2003 absolvierte – gehören (nGS
2017-064). Beide Bestimmungen blieben im V. Nachtrag unverändert. Zwar verwendet
Art. 39 Abs. 1 SHG in der seit 1. April 2019 anwendbaren Fassung anstelle des Begriffs
der "betreuenden" jenen der "stationären" Sozialhilfe (nGS 2019-024). Das erscheint
mit Blick auf die systematische Stellung der Bestimmung im entsprechend
überschriebenen Abschnitt III des Gesetzes sachgerecht. Der Gesetzgeber hat aber –
sachlich zu Recht und in Übereinstimmung mit den Regeln zur Finanzierung der im
Abschnitt III geregelten Einrichtungen (vgl. insbesondere Art. 30b Abs. 1 SHG und
Art. 8 des Gesetzes über die Pflegefinanzierung, sGS 331.2, für stationäre
Einrichtungen zur Betreuung und Pflege von Betagten und für Sterbehospize; Art. 38a
Abs. 1 SHG für Notunterkünfte) – die gegebenenfalls von der Sozialhilfebehörde zu
tragenden Aufwendungen für die stationäre Unterbringung nicht der finanziellen
Sozialhilfe zugeordnet. Insbesondere hat er auch nicht den Zweck der finanziellen
4.1.
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Sozialhilfe – nämlich bei Bedürftigkeit den "Lebensunterhalt" durch öffentliche Gelder
der Sozialhilfe "hinreichend" zu decken (vgl. Art. 9 Abs. 1 SHG) – ausgeweitet. Vielmehr
hat er in Art. 8 Abs. 1 Ingress und lit. d SHG die Massnahmen zur beruflichen und
sozialen Integration – und damit auch die Therapien gemäss Art. 12a Abs. 1 Ingress
und lit. b SHG – der betreuenden Sozialhilfe zugeordnet (nGS 2019-024).
Die persönliche Sozialhilfe wird in betreuender (Abschnitt II/2, Art. 7 ff. SHG) und in
finanzieller (Abschnitt II/3, Art. 9 ff. SHG) Form erbracht. Gemäss Art. 9 Abs. 1 SHG hat
Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe, wer für seinen "Lebensunterhalt" aus eigenen
Mitteln nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aufkommen kann. Die finanzielle
Sozialhilfe umfasst nach Art. 10 SHG Geld- und Sachleistungen (bis 31. Dezember
2017: Naturalleistungen; nGS 33-104) sowie Kostengutsprachen (Abs. 1) und wird bei
Bedarf mit betreuender Sozialhilfe verbunden (Abs. 2). Die finanzielle Sozialhilfe deckt
gemäss Art. 11 Abs. 1 SHG das "soziale Existenzminimum" unter Berücksichtigung der
Lebenssituation der hilfebedürftigen Person (Satz 1) und wird so bemessen, dass die
hilfebedürftige Person die laufenden Bedürfnisse für den Lebensunterhalt aus eigenen
Mitteln decken kann (Satz 2). Die Bemessung orientiert sich nach Art. 11 Abs. 1 SHG
an den Richtlinien der St. Gallischen Konferenz der Sozialhilfe. Die Richtlinien der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe sind zwar im Kanton St. Gallen nicht
verbindlich, stellen aber gemäss der St. Gallischen Konferenz der Sozialhilfe ein
taugliches Praxisinstrument dar (vgl. St. Gallischen Konferenz der Sozialhilfe [KOS],
SKOS-Richtlinien und Praxishilfe der KOS, Stand Januar 2019; www.kos-sg.ch, KOS-
Praxishilfe).
Aus den SKOS-Richtlinien ergibt sich, dass – übereinstimmend mit den Vorgaben des
kantonalen Gesetzgebers – die finanzielle Sozialhilfe bei einem stationären Aufenthalt
nicht die gesamten anfallenden Kosten umfasst. Bedürftigen Personen in stationären
Einrichtungen (Heimen, Kliniken usw.), in therapeutischen Wohngemeinschaften oder in
Pensionen ist an Stelle des Grundbedarfs für den Lebensunterhalt eine pauschale zur
Deckung der nicht im Pensionsarrangement enthaltenen Ausgabenpositionen zu
gewähren. Die Höhe der Pauschale ist nach der körperlichen und geistigen Mobilität
abzustufen. Der Situation Jugendlicher und junger Erwachsener ist in diesem
Zusammenhang besonders Rechnung zu tragen (Ziff. B.2.5 der SKOS-Richtlinien,
https://skos.ch).
Nach der KOS-Praxishilfe gehören die Kosten für notwendige therapeutische
Behandlungen zum sozialen Existenzminimum und sind bei Bedürftigkeit als
4.2.
bis
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5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Erhebung ist nicht zu verzichten
(Art. 95 Abs. 3 VRP). Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner, dessen
Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht hat, für das Beschwerdeverfahren
ermessensweise mit einem Pauschalhonorar von CHF 2'400 zuzüglich Barauslagen
wirtschaftliche Sozialhilfe (Krankheitskosten) ebenso wie Reisespesen, Ausgaben für
Körperpflege, Taschen- und Kleidergeld durch die zuständige Sozialhilfestelle zu
übernehmen (B.2.5.2, www.kos-sg.ch). Diese Auffassung geht wohl davon aus, dass es
sich – soweit die Leistungen nicht durch einen Versicherungsträger getragen werden –
bei den von der Sozialhilfebehörde übernommenen Aufwendungen um finanzielle
Sozialhilfe handelt. Diese Betrachtungsweise lässt sich allerdings nicht mit den
dargelegten gesetzlichen Grundlagen zur Finanzierung und Kostenbeteiligung der
Betroffenen bei stationären Massnahmen vereinbaren und führt zu einer vom
Gesetzgeber im Gesetz nicht zum Ausdruck gebrachten Ausweitung des Begriffes des
"Lebensunterhalts".
Zusammenfassend ergibt sich, dass die von der zuständigen Sozialhilfebehörde
übernommenen Aufwendungen für die stationäre Unterbringung des
Beschwerdegegners in einer suchttherapeutischen Einrichtung in den Jahren 2002 und
2003 grundsätzlich nicht der zurückzuerstattenden finanziellen Sozialhilfe zuzurechnen
waren. Sie wären im Übrigen auch nach den seit 1. Januar 2018 anwendbaren
Bestimmungen des IV. Nachtrags zum Sozialhilfegesetz und den seit 1. April 2019
anwendbaren Bestimmungen des V. Nachtrags zum Sozialhilfegesetz grundsätzlich
nicht rückerstattungspflichtig. Ob die – auch von der Beschwerdeführerin anerkannte –
seit 1. Januar 2018 fehlende Rückerstattungspflicht auch für früher erbrachte
Leistungen gilt, kann offenbleiben, da – wie ausgeführt – die in den Jahren 2002 und
2003 gedeckten Aufwendungen im Zusammenhang mit der Unterbringung des
Beschwerdegegners in einer stationären Einrichtung grundsätzlich nicht der finanziellen
Sozialhilfe zuzurechnen waren. Mit der Frage, ob die Vorinstanz einen ausreichenden
Anteil der in diesem Zusammenhang von der zuständigen Sozialhilfebehörde
übernommenen Kosten der vom Beschwerdegegner zurückzuerstattenden finanziellen
Sozialhilfe zugerechnet hat, setzt sich die Beschwerdeführerin – wie dargelegt (oben
Erwägung 2) – in der Beschwerde nicht auseinander. Die Beschwerde erweist sich als
unbegründet und ist abzuweisen.
4.3.
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von CHF 96 (vier Prozent von CHF 2'400) und CHF 192.20 Mehrwertsteuer (7,7 Prozent
von CHF 2'096) zu entschädigen (Art. 19, Art. 22 Abs. 2 Ingress und lit. b, Art. 28 und
Art. 29 der Honorarordnung; sGS 963.75).