Decision ID: 8fd86b01-2b1f-48c3-83c9-2700f3c0a7e1
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im November 2010 wegen eines Burnouts und
psychischer Probleme bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, eine Lehre als kaufmännische Angestellte
absolviert zu haben. Von 2007 bis 2009 sei sie zu 30-50 % als Sachbearbeiterin und
von Januar bis Dezember 2010 zu 100 % als Kundenberaterin tätig gewesen. Die B._
berichtete am 23. November 2010 (IV-act. 16), dass sie die Versicherte vom 18. Juni
2007 bis 31. Dezember 2010 beschäftigt habe. Der letzte Arbeitstag sei der 22. Februar
2010 gewesen. Ab dem 11. Januar 2010, als die Versicherte am Cash-Desk gearbeitet
habe, habe sie ein Jahreseinkommen von Fr. 71'701.-- erzielt. Die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit habe grosse Anforderungen an die Konzentration und die Aufmerksamkeit
und mittlere Anforderungen an das Auffassungsvermögen gestellt. Die Arbeit am Cash-
Desk sei wegen des Personalmangels und der Vielfältigkeit extrem anspruchsvoll. Eine
saubere Einarbeitung sei auch wegen eines Unfalls der Versicherten nicht möglich
gewesen.
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A.b Med. pract. C._ vom Psychiatrie-Zentrum D._ gab am 21. Dezember 2010
gegenüber RAD-Ärztin Dr. med. E._ an (IV-act. 20), dass die Versicherte an einer
rezidivierenden depressiven Störung leide, die zunächst über längere Zeit schwer
gewesen sei. Aktuell sei sie noch zwischen leicht und mittelgradig schwankend
ausgeprägt. Als weitere Diagnosen nannte er eine generalisierte Angststörung, eine
Panikstörung sowie belastende Lebensumstände (Myokardinfarkt des Ehemannes
2007). In der bisherigen Tätigkeit als Bankangestellte bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten Tätigkeit sei die Versicherte zu 80 %
arbeitsfähig. Derzeit absolviere sie ein Praktikum in einem Altenpflegeheim. Am 12.
Januar 2011 teilte die Versicherte der Eingliederungsverantwortlichen mit, dass sie
keine Unterstützung der Invalidenversicherung mehr benötige, da sie eine Anstellung
als Pflegehelferin gefunden habe (IV-act. 24). Mit Verfügung vom 18. April 2011 (IV-act.
28) wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen und
Rentenleistungen ab.
B.
B.a Am 26. Oktober 2011 meldete sich die Versicherte zum zweiten Mal bei der IV-
Stelle zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 29). Sie gab an, seit Jahren an einer
Depression und an einer Angststörung zu leiden. Ab dem 1. Februar 2011 sei sie zu 60
% als Pflegeassistentin in einem Alters- und Pflegeheim tätig gewesen. Seit dem 12.
Juli 2011 sei sie voll arbeitsunfähig. Das Arbeitsverhältnis dauere bis am 21. Januar
2012.
B.b Am 31. Oktober 2011 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, eine relevante
Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts seit der letzten Verfügung glaubhaft zu
machen (IV-act. 33). Die angesetzte Frist wurde bis am 31. Dezember 2011 verlängert.
In seinem Bericht vom 21. Dezember 2011 zuhanden der IV-Stelle gab med. pract.
C._ die folgenden Diagnosen an (IV-act. 34):
• Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome (ICD-10: F33.2)
• generalisierte Angststörung (F48.0)
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• Panikstörung (F40.0)
• kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften, ängstlichen und abhängigen
Anteilen (F61.0).
Med. pract. C._ führte aus, dass es im Juli 2011 vor dem Hintergrund einer
anhaltenden Belastungssituation zu einer neuerlichen depressiven Dekompensation
gekommen sei, die zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Mitauslöser seien
vermutlich ungünstige Bedingungen am Arbeitsplatz gewesen, die zu einer
anhaltenden Überforderungssituation geführt hätten.
B.c RAD-Arzt Dr. med. F._ notierte am 24. Januar 2012 (IV-act. 36), dass eine
Veränderung des Gesundheitszustandes seit dem 22. Dezember 2010 insofern
plausibel sei, als im Bericht vom Dezember 2011 als neue Diagnose eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung angegeben und eine schwergradige rezidivierende depressive
Episode beschrieben worden sei. Med. pract. C._ habe am 23. Januar 2012
bestätigt, dass die Versicherte in der Tätigkeit als Pflegeassistentin weiterhin voll
arbeitsunfähig sei. Die Wiederaufnahme einer Tätigkeit im Pflegebereich sei nicht
realistisch. Gemäss med. pract. C._ sei für angepasste kaufmännische Tätigkeiten
(kein Schichtdienst, klar geregelte und strukturierte Arbeitsabläufe, wohlwollendes
Arbeitsumfeld, begrenzte Arbeitsverdichtung) ab Februar 2012 von einer 50 %igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen.
B.d Das Alterswohn- und Pflegeheim G._ berichtete am 27. Februar 2012 (IV-act.
45), dass es die Versicherte vom 1. Februar 2011 bis 31. Januar 2012 in einem Pensum
von 50-70 % als Pflegeassistentin beschäftigt habe. Der letzte effektive Arbeitstag sei
der 11. Juli 2011 gewesen. Die Versicherte habe sich mit grossem
Einfühlungsvermögen für das Wohl der Bewohner engagiert; sie habe aber Mühe
gehabt, sich abzugrenzen.
B.e Ein am 1. Juni 2012 begonnenes Einsatzprogramm wurde gemäss dem RAV
vorzeitig abgebrochen, weil die Versicherte sehr korrekt erschienen sei, sich in diesem
Umfeld nicht zurechtgefunden und eine Dauerbetreuung erwartet habe (IV-act. 52-3).
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Die Versicherte gab anlässlich eines Standortgesprächs vom 10. Juli 2012 an, dass sie
die Arbeit im Einsatzprogramm als Strafe und Demütigung erlebt habe.
B.f Dr. med. I._ vom Psychiatrie-Zentrum D._ gab in seinem Bericht vom 8.
November 2012 (IV-act. 54) als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1), an. Er erklärte, dass aufgrund des langen
und hartnäckigen Verlaufs der Erkrankung mit immer wieder auftretenden schweren
depressiven Episoden langfristig von einem hohen Rezidivrisiko auszugehen sei.
Negativ sei auch, dass − bis auf das Deanxit − alle medikamentösen Behandlungen
entweder nicht angesprochen hätten oder wegen unerwünschter Nebenwirkungen
hätten abgesetzt werden müssen. In der Tätigkeit als Bankkauffrau sei die Versicherte
von mindestens Anfang 2011 bis März 2012 voll arbeitsunfähig gewesen.
Anschliessend habe eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Seit Anfang September
2012 bestehe wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit. Als die Arbeitsfähigkeit
einschränkende Faktoren nannte Dr. I._ eine Antriebslosigkeit, eine rasche
Überforderung, eine rasche Ermüdbarkeit, kognitive Defizite im Sinne einer Pseudo-
Demenz und eine affektive Labilität. Durch ihre Persönlichkeitsstruktur (überkorrekt,
leistungsorientiert, perfektionistisch, sich für andere aufopfernd) falle es der
Versicherten sehr schwer, sich abzugrenzen. Dies führe bei der ohnehin depressiven
Stimmungslage schnell zu einer Verschlechterung der Symptomatik mit
Versagensängsten, Überforderungsgefühlen, Schlaflosigkeit und Suizidgedanken. In
einer leidensangepassten Tätigkeit sei die Versicherte derzeit zu ca. 20 % arbeitsfähig.
Im Beiblatt zum Arztbericht gab Dr. I._ an, dass der Versicherten eine einfache Arbeit
mit klaren Arbeitszeiten und ohne Zeit- und Leistungsdruck, am ehesten in einer
beschützten Umgebung, zwei Stunden pro Tag zumutbar sei. In diesem zeitlichen
Rahmen bestehe eine um mindestens 50 % verminderte Leistungsfähigkeit.
B.g RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 16. November 2012, dass der Gesundheitszustand
der Versicherten instabil sei (IV-act. 56). Am 22. November 2012 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 59).
B.h Dr. I._ berichtete am 5. April 2013 über einen stationären Gesundheitszustand
(IV-act. 60). Die Versicherte sei sehr auf das Thema Arbeit fixiert und möchte unbedingt
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wieder arbeiten. Er könne dieses Vorhaben unterstützen, sehe die Prognose bei diesem
schweren, unchronifizierten Verlauf aber als eher ungünstig an, insbesondere weil die
letzten Arbeitsversuche gescheitert seien. Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten
nicht mehr zumutbar. In anderen Tätigkeiten sei die Versicherte 3-4 Stunden pro Tag
bei einer um mindestens 50 % verminderten Leistungsfähigkeit arbeitsfähig. Die
Versicherte sollte nicht mit dem Zug zum Arbeitsplatz fahren, da bereits der Anblick
eines Zuges starke Suizidimpulse auslöse. Ein Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt
erscheine nicht möglich. Auch einen Arbeitsversuch im geschützten Rahmen halte er
nur für bedingt sinnvoll. RAD-Arzt Dr. F._ hielt am 27. Mai 2013 fest, dass aufgrund
der medizinischen Aktenlage und dem Verlauf auf absehbare Zeit von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 63-2). Inzwischen müsse von einer
Chronifizierung der depressiven Symptomatik ausgegangen werden. Wegen der
beschriebenen kombinierten Persönlichkeitsstörung und der generalisierten
Angststörung sei mit einer signifikant schlechteren Prognose zu rechnen. Am 7. Juni
2013 teile die IV-Stelle der Versicherten mit, dass berufliche Massnahmen aufgrund
ihres Gesundheitszustandes nicht möglich seien (IV-act. 65).
B.i Dr. I._ berichtete am 10. September 2013, dass die Beschwerdeführerin
gegenwärtig an einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen
(F33.3), an einer generalisierten Angststörung (F41.1), an einer Panikstörung (F41.0)
und an einer schweren kombinierten Persönlichkeitsstörung mit anankastischen und
ängstlich vermeidenden Anteilen (F61.0) leide (IV-act. 69). Die Depressionen und die
Angst- und Panikstörungen bestünden mindestens seit dem Jahr 2007 und hätten
seither zu einer im Grunde vollen Arbeitsunfähigkeit geführt. Seit dem letzten
Verlaufsbericht sei es tendenziell eher zu einer Verschlechterung der depressiven
Symptomatik mit Auftreten von psychotischen Symptomen gekommen. Diese
bestünden in erster Linie aus paranoiden Gedanken und der teilweise wahnhaften
Überzeugung, endgültig verrückt und bis ans Lebensende in die Psychiatrie gesperrt zu
werden. In Zuge dessen habe sich auch die Angst- und Panikstörung verstärkt. Die
Suizidalität müsse nach wie vor als hoch eingestuft werden. Die Medikation bestehe
weiterhin aus zwei Dragees Deanxit pro Tag sowie Xanax bei Bedarf. Durch das vor
kurzem etablierte Valdoxan sei es zu einer Verbesserung des schwer gestörten
Schlafes gekommen. Die depressive Erkrankung habe einen schweren und
chronifizierten Verlauf genommen. Der Leidensdruck sei hoch und die
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Therapiecompliance gut. Die Erfolgsaussichten seien, was die Arbeitsfähigkeit
anbelange, sehr schlecht. Die Ausprägung der Depression schwanke zwischen
mittelgradig und schwer. Die Depression und die Angst- und Panikstörung seien eng
verbunden mit der schweren kombinierten Persönlichkeitsstörung. Eine therapeutische
Intervention sei deshalb wenig erfolgversprechend. Zurzeit bestehe auch für adaptierte
Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit. Sollte sich die depressive Symptomatik
wieder etwas stabilisieren, sei eine 20 %ige Arbeitsfähigkeit an einem geschützten
Arbeitsplatz denkbar. RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 4. Oktober 2013 (IV-act. 70), dass
ab spätestens Juli 2011 sowohl in der angestammten Tätigkeit wie auch in einer
adaptierten Tätigkeit von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Aufgrund der
umfangreichen Vorgeschichte, der umfassenden medizinischen Unterlagen und der
Erkenntnisse der Eingliederungsberatung seien keine weiteren Abklärungen angezeigt.
Eine Therapieauflage sei aus medizintheoretischer Sicht bei der vorliegenden
Konstellation nicht empfehlenswert und als kontraproduktiv einzuschätzen.
B.j Im Haushaltfragebogen vom 17. Oktober 2013 gab die Versicherte an, dass sie
heute ohne Behinderung zu 100 % als kaufmännische Angestellte tätig wäre (IV-act.
71-1). Der Gruppenleiter der IV-Stelle vermerkte am 7. November 2013 (IV-act. 73),
dass er wegen diverser Ungereimtheiten in der Anamnese, weil eine ähnliche
medizinische Sachlage (psychische Probleme seit dem Jahr 2007) plötzlich konträr
beurteilt worden sei und da alle evidenten medizinischen Unterlagen von nur einer
behandelnden Stelle beurteilt worden seien, eine monodisziplinäre Begutachtung
empfehle.
B.k Am 28. Februar 2014 wurde die Versicherte von Dr. med. J._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, begutachtet (Gutachten vom 2. April 2014, IV-act. 81). Als
Diagnose gab Dr. J._ eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige depressive Episode (F33.1), an. Er erklärte, dass die Grundstimmung der
Versicherten im Untersuchungszeitpunkt deutlich zum depressiven Pol hin verschoben
und die affektive Modulationsfähigkeit deutlich eingeschränkt gewesen sei. Die
Versicherte sei während des Gesprächs immer wieder in Tränen ausgesprochen. Sie
habe eine Ambivalenz, Schuldgefühle der Familie gegenüber, Insuffizienzgefühle, eine
innere Unruhe, Ängste, Hoffnungslosigkeit, Deprimiertheit, eine Minderung der
Vitalgefühle und eine Affektarmut beschrieben. Bei der Begutachtung hätten eine
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gewisse Ratlosigkeit und eine Hypomimie bestanden. Die Versicherte habe ein
Morgentief, einen deutlichen sozialen Rückzug und einen Todeswunsch erwähnt. Des
Weiteren habe sie milde körperliche Begleiterscheinungen der Angst (Herzklopfen,
selten Hyperventilieren und Schuldgefühle) beschrieben. Die Versicherte habe
allerdings auch erklärt, dass es ihr seit einiger Zeit etwas besser gehe. Sie habe ihre
persönliche Geschichte gut nachvollziehbar zum Ausdruck gebracht; die
Beschwerdeschilderung sei ausführlich gewesen. Auf der Hamilton Depressionsskala
habe sie insgesamt 21 Punkte erreicht. Dr. J._ führte weiter aus, dass die Diagnostik
der Vorbehandler etwas widersprüchlich sei. Teilweise sei nur eine rezidivierende
depressive Störung, teilweise zusätzlich eine generalisierte Angststörung, eine
Panikstörung und eine schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung diagnostiziert
worden. Diese Diagnosekombination sei nach ICD-10 nicht zulässig und deshalb nicht
plausibel. Wenn die Kriterien für eine depressive Störung erfüllt seien, sollte eine Angst-
oder Panikstörung nicht als Hauptdiagnose erscheinen. Zwar sei es grundsätzlich
möglich, eine Persönlichkeitsstörung mit einer rezidivierenden depressiven Störung zu
kombinieren. Im Falle der Versicherten spreche jedoch nichts für ein anhaltend
auffälliges Verhaltensmuster, das tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen
Situationen eindeutig unpassend sei. Er habe den Eindruck, dass die Diagnosen einer
schweren kombinierten Persönlichkeitsstörung, einer generalisierten Angststörung
sowie einer Panikstörung angeführt worden seien, um die negative Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit begründen zu können. Auch die Aussage von Dr. I._ vom 10.
September 2013, wonach die Versicherte mindestens seit 2007 voll arbeitsunfähig sei,
überzeuge nicht, da sie in der Zeit danach noch gearbeitet habe. Aus medizinischer
Sicht bedinge die rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger
depressiver Episode − im Wesentlichen wegen einer verminderten Belastbarkeit − eine
50 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit. Eine im IV-rechtlichen
Sinne anhaltende und therapeutisch nicht mehr zu beeinflussende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe jedoch nicht, weil es bisher nicht gelungen sei, eine
antidepressive Behandlung zu etablieren und weil die Versicherte nie stationär
hospitalisiert gewesen sei. Eine stationäre psychiatrische Behandlung sei dringend
indiziert und der Versicherten sicherlich zumutbar. Hinzu komme, dass die depressiven
Episoden mehrheitlich als Reaktion auf eine psychosoziale Belastungssituation
aufgetreten seien (Probleme am Arbeitsplatz, Krankheit des Ehemannes, finanzielle
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Situation). Abgesehen davon, dass das Olanzapin, welches die Versicherte erst seit
kurzem einnehme, nicht im Blut habe nachgewiesen werden können, hätten sich in den
Schilderungen der Versicherten kein Hinweise auf Diskrepanzen oder gar Widersprüche
gefunden.
B.l Mit Vorbescheid vom 6. Juni 2014 kündigte die IV-Stelle der Versicherten bei
einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 85). Zur
Begründung führte sie an, dass bei der diagnostizierten mittelgradigen depressiven
Störung nicht von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden auszugehen sei. Der
Versicherten sei es zumutbar, unter Aufbringung der entsprechenden
Willensanstrengung die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden. Dagegen liess die
Versicherte am 24. Juli 2014 einwenden (IV-act. 94), dass es gemäss der
Rechtsprechung nicht auf die Behandelbarkeit eines psychischen Leidens ankomme.
Die Behandlungsvorschläge von Dr. J._ seien nicht nachvollziehbar. Die bisherige
Depressionstherapie sei nicht ungenügend gewesen. Zudem habe der RAD-Arzt eine
Therapieauflage als kontraproduktiv eingeschätzt. Ein stationärer Aufenthalt wäre auch
wegen der Krankheit des Ehemannes nicht möglich. Dr. J._ habe den chronifizierten
Verlauf der depressiven Erkrankung und die von den Behandlern geschilderten
psychotischen Symptome gänzlich ausser Acht gelassen. Er habe übersehen, dass Dr.
I._ der Versicherten lediglich eine Arbeitsfähigkeit in einem geschützten Rahmen
attestiert habe. Eine Persönlichkeitsstörung habe er verneint, ohne die Kriterien zu
diskutieren. Er habe auch unberücksichtigt gelassen, dass die psychischen Probleme
der Versicherten bereits während der Primarschule angefangen hätten. Das Gutachten
sei demnach mangelhaft und nicht verwertbar. Das Gutachten sei auch nicht wie üblich
dem RAD zur Prüfung vorgelegt worden. Abschliessend hielt der Rechtsvertreter fest,
dass das Valideneinkommen dem zuletzt erzielten Einkommen als Bankangestellte, d.h.
Fr. 71'701.--, entspreche. In einem dem Einwand beigelegten Bericht vom 11. Juli 2014
hatte Dr. I._ angegeben (IV-act. 94-9 ff.), dass die Persönlichkeitsstörung seit dem
frühen Erwachsenenalter bestehe. Die Angst- und Panikstörung habe auch in Phasen,
in denen die Depression zumindest teilremittiert gewesen sei, weiterexistiert. Warum
die von ihm gestellten Diagnosen unvereinbar sein sollten, entziehe sich seiner
Kenntnis. Die Versicherte sei während der ganzen Zeit der Behandlung intensiv und
fachlich qualifiziert behandelt worden. Die Behandlung sei immer wieder durch
teilstationäre Aufenthalte intensiviert worden. Es seien verschiedene medikamentöse
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Behandlungen ausprobiert worden, die teilweise wegen Nebenwirkungen und teilweise
mangels Wirkung abgesetzt worden seien. An der Compliance der Versicherten hätten
nie Zweifel bestanden. Auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe dauerhaft keine
Arbeitsfähigkeit mehr. Die Schwester der Versicherten hatte in einem Schreiben vom
12. Juli 2014 erklärt, dass sie die Versicherte zur gutachterlichen Untersuchung
begleitet habe. Nach ca. 45 Minuten habe Dr. J._ die Versicherte völlig aufgelöst aus
dem Besprechungszimmer herausbegleitet; sie habe geweint, gezittert und sei völlig
verunsichert gewesen. Der zweite Teil der Untersuchung habe 30 Minuten gedauert.
Dr. J._ habe der Versicherten gesagt, dass er aufgrund ihres schlechten Zustandes
kein Gutachten erstellen könne; sie werde zu einem zweiten Termin aufgeboten.
B.m Mit Verfügung vom 29. Juli 2014 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem
IV-Grad von 0 % aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 95). Sie
wies darauf hin, dass es sich bei den Einwendungen lediglich um eine differente
Einschätzung des gleichen Sachverhalts handle, die keinen Bedarf für weitere
Abklärungen begründe.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
15. September 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer ganzen IV-Rente ab Juli 2012;
eventualiter sei vom Gericht eine psychiatrische Oberbegutachtung anzuordnen.
Zudem sei Dr. J._ anzuhalten, die Tonaufnahme des gutachterlichen
Untersuchungsgesprächs zu editieren. Der Rechtsvertreter stellte ausserdem ein
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung.
Ergänzend zu den Einwendungen im Vorbescheidverfahren machte er geltend, dass die
Beschwerdeführerin alles Denkbare unternommen habe, um ihre psychische
Erkrankung in den Griff zu kriegen bzw. zu therapieren. Trotz aller inneren und äusseren
Widerstände habe sie sich nun zu einem stationären Klinikaufenthalt entschlossen. Die
Beurteilung von Dr. J._ müsse aufgrund der Schilderungen der Schwester der
Beschwerdeführerin sowie der abweichenden fachärztlichen Beurteilungen hinterfragt
werden. Zudem sei ein dringend indizierter Klinikaufenthalt nicht vereinbar mit einer 50
%igen Arbeitsfähigkeit. Und schliesslich habe Dr. J._ die rechtliche Würdigung der
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von ihm gestellten Diagnose gleich selber vorgenommen. Es sei auf die Einschätzung
der behandelnden Ärzte abzustellen.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. November 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, dass die Beschwerdeführerin ihre
Schadenminderungspflicht verletze, indem sie sich nicht ausreichend therapieren
lasse. Daher seien auch keine Rentenleistungen geschuldet. Dr. J._ habe zudem
darauf hingewiesen, dass die depressive Störung mehrheitlich als Reaktion auf eine
psychosoziale Belastungssituation aufgetreten sei. Da die erhobenen Befunde ihre
hinreichende Erklärung in den psychosozialen Umständen fänden und gleichsam in
ihnen aufgingen, liege kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden vor.
C.c Das Gericht bewilligte am 9. Dezember 2014 das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung durch lic. iur. R. Zahner) für das Beschwerdeverfahren (act. G
10).
C.d In seiner Replik vom 8. Dezember 2014 (act. G 11) machte der Rechtsvertreter
ergänzend geltend, dass die Beschwerdeführerin ihrer Schadenminderungspflicht
nachgekommen sei. Vom 22. September bis 8. November 2014 sei sie in stationärer
Behandlung gewesen. Der Klinikaufenthalt habe keine Verbesserung des
Gesundheitszustandes gebracht. Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass die
von den Ärzten erhobenen Befunde in den psychosozialen Umständen aufgingen,
werde durch keine ärztliche Einschätzung bestätigt. Dr. J._ habe die psychosozialen
Faktoren lediglich als Auslöser des Zustandes, in welchen die Beschwerdeführerin
geraten sei, bezeichnet. Zudem sei es ohne weiteres nachvollziehbar, dass Personen,
die bereits an erheblichen depressiv bedingten Beeinträchtigungen ihrer Ressourcen
litten und ihre Arbeitsfähigkeit verloren hätten, sich durch einschneidende
psychosoziale Umstände zusätzlich belastet fühlten. Die Klinik K._ hatte im der
Replik beigelegten Kurzaustrittsbericht vom 17. November 2014 (act. G 11.1) als
Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwer ausgeprägt,
sowie eine Migräne angegeben. Im Verlauf des vom 22. September bis 8. November
2014 dauernden stationären Aufenthalts habe eine befriedigende Stabilisierung des
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psychischen Zustandsbildes erzielt werden können. Die Medikation sei auf Fluoxetin
umgestellt worden.
C.e Am 8. Januar 2015 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin den
definitiven Austrittsbericht der Klinik K._ vom 2. Januar 2015 ein (act. G 13).
C.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 15).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin hatte sich erstmals im November 2010 zum Bezug von IV-
Leistungen angemeldet. Mit Verfügung vom 18. April 2011 hatte die
Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen und
auf Rentenleistungen verneint. Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft
erwachsen.
1.2 Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR
831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird,
dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
hat. Zur Glaubhaftmachung einer relevanten gesundheitlichen Verschlechterung hat die
Beschwerdeführerin einen Bericht ihres damaligen behandelnden Psychiaters med.
pract. C._ vom 21. Dezember 2011 einreichen lassen (IV-act. 34). Genau ein Jahr
zuvor, nämlich am 21. Dezember 2010, hatte med. pract. C._ gegenüber dem RAD
als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, leicht bis mittelgradig,
angegeben. Im neuen Bericht vom 21. Dezember 2011 hat er die Ausprägung der
Depression als gegenwärtig schwer bezeichnet und zudem neu die Diagnose einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften, ängstlichen und abhängigen
Anteilen angegeben. Während med. pract. C._ die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit am 21. Dezember 2010 auf 80 % geschätzt hat, ist er am 21.
Dezember 2011 von einer seit Juli 2011 bestehenden anhaltend vollen
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten ausgegangen. Gemäss dem behandelnden
Psychiater haben sich der psychische Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom 18. April 2011 also wesentlich
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verschlechtert. Demnach hat die Beschwerdeführerin mit dem Bericht von med. pract.
C._ vom 21. Dezember 2011 eine erhebliche Verschlechterung ihres
Gesundheitszustandes sowie ihrer Arbeitsfähigkeit glaubhaft gemacht. Die
Beschwerdegegnerin ist daher zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten.
2.
Als Nächstes ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss
Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Die
Rentenabweisungsverfügung datiert vom 29. Juli 2014, die Beschwerde ist aber erst
am 15. September 2014 erhoben worden. Gesetzliche oder behördliche Fristen, die
nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen vom 15. Juli bis und mit dem 15.
August still (Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG). Die Frist hat somit erst am 16. August 2014 zu
laufen begonnen. Der 30. Tag ist auf den Sonntag, 14. September 2014 gefallen. Ist der
letzte Tag der Frist ein Sonntag, so endet die Frist am nächstfolgenden Werktag (Art.
38 Abs. 3 Satz 1 ATSG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat am 15.
September 2014 und somit am letzten Tag der Frist Beschwerde erhoben. Auf die
Beschwerde ist daher einzutreten.
3.
3.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 29. Juli 2014 hat die Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint. Strittig ist somit, ob die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine IV-Rente hat.
3.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
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voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
4.
4.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass es im Juli
2011 zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes und damit
verbunden zu einer Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit gekommen sei.
4.2 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das Gutachten von Dr. J._ vom 2.
April 2014 und die Berichte der behandelnden Psychiater med. pract. C._ und Dr.
I._ im Recht.
4.3 Die Beschwerdeführerin hat eine dreijährige Lehre als kaufmännische Angestellte
bei einer Bank absolviert (Fähigkeitszeugnis siehe IV-act. 3). Bis im Februar 2010, als
sie wegen einer rezidivierenden depressiven Störung arbeitsunfähig geworden ist, ist
sie in diesem Beruf tätig gewesen. Die Validenkarriere entspricht daher der Tätigkeit als
kaufmännische Angestellte. Bei der Tätigkeit als Pflegehelferin handelt es sich um
einen − verunglückten − Versuch der beruflichen Selbsteingliederung, also um eine
nichtadaptierte Invalidenkarriere. Deshalb kann das Valideneinkommen nicht
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ausgehend von dieser Karriere ermittelt werden. Dr. J._ hat die Arbeitsfähigkeit aus
rein medizinischer Sicht wegen einer verminderten Belastbarkeit in jeglicher Tätigkeit
auf 50 % geschätzt. Er hat weder Adaptionskriterien genannt noch sich mit dem
Anforderungsprofil einer kaufmännischen Angestellten (Bank) auseinandergesetzt.
„Kaufleute Bank“ arbeiten in vielfältigen Bereichen des Bankgeschäfts. Sie sind
vorwiegend in Abteilungen mit Kundenkontakt tätig, aber auch mit Backoffice-Arbeiten
betraut. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Auseinandersetzung mit komplexen und
anspruchsvollen Sachgebieten. Das Bankhandwerk wechselt sich in Team- und
Einzelarbeiten ab (berufsberatung.ch, Kaufmann/-Frau EFZ Bank, berufsberatung.ch/
dyn/show/1900?lang=de&idx=12&id=3005, besucht am 22. Mai 2017). Bis Februar
2010 hat die Beschwerdeführerin am Cash-Desk einer Bank gearbeitet. Gemäss der
ehemaligen Arbeitgeberin hat diese Tätigkeit grosse Anforderungen an die
Konzentration und die Aufmerksamkeit gestellt und ist wegen des Personalmangels
und der Vielfältigkeit extrem anspruchsvoll gewesen. Bei der Tätigkeit als
kaufmännische Angestellte handelt es sich somit um eine anspruchsvolle Tätigkeit, die
insbesondere emotionale Belastbarkeit, Belastbarkeit in Stresssituationen, Flexibilität,
soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, Konzentration und Aufmerksamkeit erfordert.
Zumindest der Grossteil dieser Ressourcen ist bei der Beschwerdeführerin
eingeschränkt: Sie ist vermindert belastbar (Dr. J._), schnell überfordert, ermüdet
rasch und leidet an kognitiven Defi¬ziten (Dr. I._). Ohne Zweifel stellen nicht alle
Tätigkeiten im kaufmännischen Bereich die gleich hohen Anforderungen an die bei der
Beschwerdeführerin beeinträchtigten Ressourcen. Während die Tätigkeit am Cash-
Desk beispielsweise viel Kundenkontakt beinhalten wird, wird eine kaufmännische
Angestellte im Backoffice zwar mit anderen Menschen zusammenarbeiten müssen,
aber wenig oder sogar gar keinen Kundenkontakt haben. Trotzdem bleibt die Tätigkeit
als kaufmännische Angestellte ein Beruf, der höhere Anforderungen an die
Belastbarkeit einer Person stellt als zum Beispiel eine einfache, repetitive Hilfsarbeit
ohne Zeit- und Leistungsdruck. Die Einschätzung von Dr. J._, dass die
Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht durch die depressive Störung in jeglicher
Tätigkeit in gleichem Ausmass (d.h. zu 50 %) in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist,
leuchtet deshalb nicht ein. Der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._ mangelt es
folglich an einer Auseinandersetzung mit den Anforderungsprofilen des
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kaufmännischen Berufs und mit den Adaptionskriterien für leidensangepasste
Tätigkeiten.
4.4 Die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. J._ ist aber auch aus anderen Gründen
in Frage gestellt. So hat Dr. J._ erklärt, dass die bisherige Behandlung ungenügend
gewesen sei, weil es nicht gelungen sei, eine antidepressive Therapie zu etablieren und
weil die Beschwerdeführerin nie stationär behandelt worden sei. Aus den Akten geht
allerdings hervor, dass sich die Behandler bemüht haben, eine adäquate antidepressive
Therapie zu etablieren, dies aber nicht gelungen ist, weil die Medikamente entweder
nicht gewirkt haben oder weil die Beschwerdeführerin an unerwünschten
Nebenwirkungen gelitten hat. Einem stationären Aufenthalt hat sich die
Beschwerdeführerin in der Vergangenheit zunächst widersetzt, weil sie Angst davor
gehabt hat, für immer in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt zu werden. Hinzu
kommt, dass RAD-Arzt Dr. F._ geäussert hat, dass eine Therapieauflage im
vorliegenden Fall nicht empfehlenswert sei bzw. sogar kontraproduktiv wäre. Dr. J._
hat sich mit diesen Tatsachen und Argumenten nicht auseinandergesetzt und er hat
sich nicht im Detail mit allfälligen medizinischen Hindernissen für eine stationäre
Therapie befasst. Des Weiteren hat er auch die von Dr. I._ im Bericht vom 10.
September 2013 erstmals geäusserten psychotischen Symptome nicht diskutiert, auf
welche die jeweiligen Diagnosen gestützt worden sind. Zwar ist nachvollziehbar,
weshalb Dr. J._ anhand der ICD-10-Klassifikation das Vorliegen einer Angst- und
Panikstörung verneint hat. Zu kritisieren ist jedoch, dass er sich mit den geltend
gemachten Ängsten nicht auseinandergesetzt und eine allfällige funktionelle
Auswirkung der Ängste auf die Arbeitsfähigkeit nicht thematisiert hat. Dasselbe gilt für
die Symptome, die die Behandler einer Persönlichkeitsstörung zugeordnet haben
(überkorrekt, leistungsorientiert, perfektionistisch, sich für andere aufopfernd). Völlig
formalistisch ist Dr. J._ dann dort vorgegangen, wo er rein juristisch damit
argumentiert hat, dass keine Arbeitsunfähigkeit vorliegen könne, weil die psychische
Erkrankung der Beschwerdeführerin therapierbar sei. Abgesehen davon, dass dies
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, hat das nichts mit der
Arbeitsunfähigkeit, sondern mit deren Überwindbarkeit durch eine medizinische
Eingliederung zu tun. Die Frage nach der Arbeitsunfähigkeit darf nicht mit der Frage
nach den Aussichten auf eine Heilung und mit einer damit verbundenen Reduktion/
Überwindung der Arbeitsunfähigkeit vermischt werden. Andernfalls könnte eine
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versicherte Person, die arbeitsunfähig ist, diese Arbeitsunfähigkeit aber mit einer
langwierigen, voraussichtlich Jahre dauernden Therapie schliesslich irgendwann
reduzieren könnte, gar nicht invalid sein, was offensichtlich nicht mit der Definition der
Erwerbsunfähigkeit in Art. 7 Abs. 1 ATSG übereinstimmt. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass auf das Gutachten von Dr. J._ nicht abgestellt werden kann. Somit
erübrigt es sich auch, die Tonaufnahmen von der gutachterlichen Untersuchung
anzufordern, wie dies vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt worden
ist.
4.5 Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Ärzte kann allerdings auch
nicht abgestellt werden. Die Diagnosen einer generalisierten Angststörung, einer
Panikstörung und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung sind zu wenig begründet.
Bezüglich letzterer Diagnose erscheint die Kritik von Dr. J._, dass im vorliegenden
Fall nichts für ein anhaltend auffälliges Verhaltensmuster spreche, das tiefgreifend und
in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend sei, aus Laiensicht
nachvollziehbar. Auffallend ist auch, dass die Klinik K._ in ihrem Austrittsbericht über
den stationären Aufenthalt von September bis November 2014 lediglich die Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung erwähnt hat.
4.6 Die Beschwerdegegnerin hat geltend gemacht, dass die von Dr. J._ erhobenen
Befunde ihre hinreichende Erklärung in den psychosozialen Umständen fänden und
gleichsam in ihnen aufgingen, weshalb kein invalidisierender Gesundheitsschaden
vorliege. Dr. J._ hat in seinem Gutachten ausgeführt, dass die depressiven Episoden
mehrheitlich als Reaktion auf eine psychosoziale Belastungssituation aufgetreten seien.
Die Invalidenversicherung ist eine finale Versicherung, das heisst es wird nicht nach der
Art und Genese eines Gesundheitsschadens gefragt, welcher die Erwerbsunfähigkeit
verursacht. Der Gesundheitszustand ist immer gesamtheitlich zu betrachten. Selbst
eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage (auch) durch
psychosoziale Belastungen verursacht worden ist, fällt in den Geltungsbereich der
Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein verselbständigtes
psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit nicht allein mit
dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer
Belastungsfaktoren verneint werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2014,
8C_830/2013 E. 5.2.3; vgl. Urteil vom 30. November 2015, 8C_486/2015 E. 4.1.2; vgl.
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BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Die Beschwerdeführerin leidet unbestrittenermassen an einer
rezidivierenden depressiven Störung und damit an einer eigenständigen psychischen
Krankheit. Der Auslöser der depressiven Störung spielt demnach keine Rolle. Die
Argumentation der Beschwerdegegnerin ist also nicht stichhaltig.
4.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin in Verletzung
ihrer Untersuchungspflicht auf ein Gutachten ohne ausreichenden Beweiswert
abgestellt hat, weshalb sie nun ein beweistaugliches psychiatrisches Gutachten
einzuholen hat. Im Übrigen würde gegen einen kantonalen Gerichtsentscheid, dem eine
gerichtseigene originäre Sachverhaltsabklärung zugrunde läge, kein ordentliches
Rechtsmittel mehr zur Verfügung stehen. Diese Einschränkung lässt sich nur dort
rechtfertigen, wo das Gerichtsgutachten ein Obergutachten im eigentlichen Sinn dieses
Begriffes ist. Ein Gerichtsgutachten als Ersatz für ein untaugliches
Administrativgutachten ist in diesem Sinn kein Obergutachten. Vor der Begutachtung
hat die Berufsberatung der Beschwerdegegnerin ein Profil der Tätigkeit als
kaufmännische Angestellte (Bank) zu erstellen. Dieses Profil ist der Gutachtensperson
vorzulegen. Die Gutachtensperson wird sich zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als kaufmännische Angestellte in einer Bank, zu den Adaptionskriterien, zur
Arbeitsfähigkeit in einer optimal adaptierten Tätigkeit sowie dazu äussern müssen, ob
der Beschwerdeführerin eine allfällige Umschulung zumutbar wäre. Die
Gutachtensperson wird zudem zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit ab Juli 2011 Stellung
nehmen müssen.
5.
5.1 Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerdegegnerin, wie der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu Recht
geltend gemacht hat, von einem zu tiefen Valideneinkommen ausgegangen ist. Die
Beschwerdegegnerin hat das Valideneinkommen anhand des IK-Auszuges (IV-act. 39)
ermittelt: Sie hat das Einkommen des Jahres 2010 (Fr. 58'565.--) der
Nominallohnentwicklung bis 2011 angepasst (1 %, siehe T 39 der Lohnentwicklung
2012 des Bundesamtes für Statistik). Das dem Einkommensvergleich zugrunde gelegte
Valideneinkommen hat folglich Fr. 59'151.-- betragen. Die Beschwerdegegnerin hat
unberücksichtigt gelassen, dass die Beschwerdeführerin bereits ab dem 22. Februar
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2010 krankheitsbedingt nicht mehr gearbeitet hat. Der im IK-Auszug abgerechnete
Lohn kann daher nicht als Valideneinkommen herangezogen werden. Die frühere
Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin hat im Arbeitgeberfragebogen vom 23.
November 2010 (IV-act. 16) angegeben, dass das Jahreseinkommen der
Beschwerdeführerin ab dem 11. Januar 2010 Fr. 71'701.-- betragen habe (13
Monatslöhne à Fr. 5'277.-- plus Gratifikation von Fr. 3'100.--). Das Valideneinkommen
hat sich im Jahr 2010 somit nicht auf Fr. 59'151.--, sondern auf Fr. 71'701.-- belaufen.
5.2 Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde infolge Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1
ATSG aufzuheben und die Sache ist zur weiteren berufsberaterischen und zur
anschliessenden erneuten psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V
215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Festsetzung einer Entschädigung aus der
bewilligten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung erübrigt sich daher. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote eingereicht. In einem
durchschnittlich aufwändigen Rentenfall wie dem vorliegenden spricht das
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Versicherungsgericht praxisgemäss eine pauschale Parteientschädigung von Fr.
3'500.-- zu. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin für das
Beschwerdeverfahren somit eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.