Decision ID: 5165b1b3-87d0-51b3-83fa-01ca48ea560b
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 2. Juni 2017 bei der Gemeinde Oberburg ein
Baugesuch ein für die Erstellung einer unbeleuchteten Plakatwand für Fremdreklamen.
Das Vorhaben soll an der Fassade des Gebäudes B._strasse 13 montiert werden
und die Plakatstelle der C._ ersetzen. Die Parzelle Oberburg Grundbuchblatt
Nr. D._ liegt in der Mischzone 3. Das Strasseninspektorat Burgdorf des
kantonalen Tiefbauamts, Oberingenieurkreis IV (OIK IV), beurteilte das Bauvorhaben
wegen der Ablenkungsgefahr für die Verkehrsteilnehmenden negativ und beantragte im
Fachbericht vom 26. Oktober 2017 den Bauabschlag. Mit Verfügung vom 27. November
2017 erteilte die Gemeinde Oberburg den Bauabschlag ohne Bekanntmachung.
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2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 21. Dezember 2017 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt die
Aufhebung des Bauabschlags vom 27. November 2017 und die Erteilung der
Baubewilligung, allenfalls unter Auflagen in Bezug auf den zulässigen Informationsgehalt
der Reklamen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Gleichzeitig bat es das
Strasseninspektorat, zur Beschwerde Stellung zu nehmen. Die Gemeinde Oberburg reichte
am 15. Januar 2018 eine Stellungnahme zur Beschwerde ein, ohne einen Antrag zu
stellen. Das Strasseninspektorat äusserte sich mit Eingabe vom 26. Januar 2018.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Die Beschwerdeführerin, deren Baugesuch abgewiesen wurde,
ist durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert (vgl. Art. 40 Abs. 1 BauG). Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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2. Standort gemäss Reklamereglement
a) Sowohl die Beschwerdeführerin als auch die Gemeinde weisen darauf hin, dass der
Standort des Bauvorhabens im Reklamereglement der Gemeinde Oberburg als zulässiger
Reklamestandort definiert sei.
b) Die Gemeinde Oberburg hat ein Reklamereglement mit Reklameplan erlassen, das
die Reklamemöglichkeiten im Rahmen der Vorgaben des übergeordneten Rechts auf dem
Gemeindegebiet regelt (Art. 1 RR3). Das Reklamereglement bezweckt eine qualitativ gute
Integration von Reklamen in das Quartier-, Strassen- und Landschaftsbild. (Art. 1 Abs. 2
RR). Auf dem Reklameplan ist die Liegenschaft B._strasse 13 im Bereich des
südlichen Vorplatzes als Standort für eine Plakatstelle bezeichnet. Insofern entspricht das
Bauvorhaben der Gemeindevorschrift.
Alle Werbeformen, die im Wahrnehmungsbereich der Fahrzeugführenden liegen, während
diese ihre Aufmerksamkeit dem Verkehr zuwenden, gelten als Strassenreklamen (Art. 95
Abs. 1 SSV4). Die Aspekte der Verkehrssicherheit von Strassenreklamen werden
abschliessend durch das Bundesrecht geregelt (Art. 6 SVG5, Art. 95 ff. SSV). Die Kantone
und Gemeinden sind jedoch befugt, ergänzende Vorschriften zum Schutz des Landschafts-
und Ortsbildes zu erlassen (Art. 100 SSV). Nach Art. 1 Abs. 2 RR soll das
Reklamereglement zwar auch sicherstellen, dass Reklamen die Verkehrssicherheit nicht
beeinträchtigen und dass die Wohnqualität sowie die Sicherheit im öffentlichen Raum
gebührend berücksichtigt werden. Der Gemeinde steht in Bezug auf die Verkehrssicherheit
aber keine Regelungskompetenz zu. Die Bezeichnung der zulässigen Standorte für
Werbeplakatträger auf dem Reklameplan betrifft Aspekte des Ortsbildes und der
Wohnqualität. Ob das Vorhaben den Anforderungen an die Verkehrssicherheit entspricht,
steht damit noch nicht fest und muss nach den bundesrechtlichen Vorschriften beurteilt
werden.
3 Einwohnergemeinde Oberburg, Reklamereglement, vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) genehmigt am 31. März 2015 (RR) 4 Signalisationsverordnung des Bundesrates vom 5. September 1979 (SSV; SR 741.21) 5 Strassenverkehrsgesetz des Bundes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01)
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3. Verkehrssicherheit
a) Das Strasseninspektorat Burgdorf hatte in seinem vorinstanzlichen Fachbericht
ausgeführt, dass das Vorhaben im Vergleich zum bestehenden Werbeplakatträger
vergrössert werden solle. Der Standort liege an der stark frequentierten B._strasse
auf der der Verkehr in den letzten Jahren stetig zugenommen habe. Die Reklame befinde
sich im Wahrnehmungsbereich der Kreuzung mit der Lichtsignalanlage und der
Abbiegespur. Die Platzverhältnisse für das Abbiegen seien eingeengt. Die Aufmerksamkeit
der Verkehrsteilnehmenden sei im Kreuzungsbereich der Lichtsignalanlage stark gefordert;
insbesondere in Spitzenstunden bilde sich zähflüssiger Kolonnenverkehr. Bei Ablenkung
durch die Reklame sei die Gefahr eines Auffahrunfalls gross. Bei Strassenreklamen könne
nur der Standort beurteilt werden, die Plakatinhalte seien nicht bekannt und wechselten
laufend. Wenn der Inhalt der Reklame zu viel verschiedene Informationen enthalte, könne
er nicht mit einem kurzen Blick erfasst werden; die Ablenkung sei zu gross. Durch die
vorgesehene Vergrösserung der Reklamefläche werde die Ablenkung noch verstärkt.
b) Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, seit rund 20 Jahren habe sich an dieser
Stelle eine Plakatwand der C._ im Format F12 befunden, bei der die Inhalte in
unregelmässigen Abständen gewechselt hätten. Ihres Wissens sei es deswegen nie zu
einem Auffahrunfall gekommen. Zwischen der vorgesehenen Plakatwand und der
Kreuzung befänden sich zwei Gebäude. Aufgrund dieser Distanz sei auszuschliessen,
dass die Verkehrsteilnehmer im Kreuzungsbereich der Lichtsignalanlage durch ihre
Reklame abgelenkt würden. Für die Ortsdurchfahrt Oberburg treffe im Übrigen nicht zu,
dass der Verkehr in den letzten Jahren stetig zugenommen habe. Die Verkehrszunahme
betrage seit 15 Jahren lediglich rund 0,5 % mit eher abnehmender Tendenz. Weiter weist
die Beschwerdeführerin darauf hin, dass es zwischen Hasle b. Burgdorf und Burgdorf
zahlreiche Plakate gebe, die für die Verkehrsteilnehmenden gefährlicher platziert seien.
Die Gemeinde macht geltend, bei Aushang von dezenter Werbung führe der Standort des
Vorhabens nicht zu einer erhöhten Ablenkung im Strassenverkehr.
c) In der Stellungnahme zur Beschwerde führt das Strasseninspektorat aus, die
Verkehrssituation mit der ampelgesteuerten Kreuzung werde als schwierig beurteilt. Das
Verkehrsaufkommen sei auf diesem Strassenabschnitt sehr hoch. In Spitzenzeiten komme
es zu sehr starker Kolonnenbildung. Der Strassenquerschnitt sei für die bestehende
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Linksabbiegespur nicht ausreichend, das parallele Aufstellen von Fahrzeugen für die
Geradeausfahrt und das Linksabbiegen daher nur bedingt möglich. Die Aufmerksamkeit
auf das Verkehrsgeschehen sei besonders gefordert. Wenn das vorausfahrende Fahrzeug
an der Ampel beim unmittelbaren Wechsel der Grünphase auf Orange noch entscheide
weiterzufahren oder anzuhalten, bestehe bei den nachfolgenden Fahrzeugen besonders
die Gefahr des Auffahrens.
d) Gemäss Art. 6 SVG sind im Bereich der für Motorfahrzeuge oder Fahrräder offenen
Strassen Reklamen untersagt, die zu Verwechslungen mit Signalen oder Markierungen
Anlass geben oder sonst, namentlich durch Ablenkung der Strassenbenützer, die
Verkehrssicherheit beeinträchtigen könnten. Konkretisiert wird diese Vorschrift in den Art.
95 - 100 SSV. Art. 96 Abs. 1 SSV wiederholt den Grundsatz, wonach Strassenreklamen,
welche die Verkehrssicherheit beeinträchtigen könnten, unzulässig sind und nennt
Situationen, die typischerweise zu einer Beeinträchtigung führen. Die Aufzählung in Art. 96
SSV ist jedoch nicht abschliessend. Es ist daher im Einzelfall zu prüfen, ob die Reklame
die Verkehrssicherheit beeinträchtigen könnte. Die Bestimmung stellt auf die "mögliche
Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit" ab. Dabei misst das Bundesgericht bei der
Anwendung von Art. 6 Abs. 1 SVG bzw. Art. 96 SSV dem Aspekt der Verkehrssicherheit im
Verhältnis zu wirtschaftlichen Interessen grosses Gewicht bei. Bei der Zulassung von
Reklamen sollen die Kantone einen strengen Massstab anwenden. Bereits eine potentielle
Beeinträchtigung oder eine entfernte, nicht einmal in der Regel eintretende, mittelbare
Gefährdung reicht aus, um die Verkehrssicherheit beeinträchtigen zu können.6 Ob die
Verkehrssicherheit gefährdet sein könnte, ist auf Grund der Umstände und der örtlichen
Gegebenheiten von Fall zu Fall zu prüfen. An verkehrstechnisch heiklen Orten können
Reklamen in aller Regel nicht bewilligt werden.7
e) Die Ortsdurchfahrt von Oberburg ist durch den motorisierten Individualverkehr
ausserordentlich stark belastet. Die Verkehrserhebung im Jahr 2012 ergab auf der
E._strasse / B._ einen durchschnittlichen Werktagsverkehr (DWV) von
6 BGer 1C_4/2014 vom 2.5.2014 E. 3; BGer 2A.112/2007 vom 30.7.2007 E. 3.3 mit Hinweisen; BGer 2A.431/2004 vom 16.12.2004 in BVR 2005 S. 330 E. 2.2; BGer 2A.377/2002 vom 29.1.2003 E. 3.1 in: ZBl 104/2003 S. 664 f.; VGE 2013/314 vom 4.12.2013 E. 3.4, VGE 2008/23439 vom 12.2.2009 E. 3, jeweils mit Hinweisen. 7 BGer 2A.249/2000 vom 14.2.2001 E. 3a und 3c
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16'100.8 Wie gross die Verkehrszunahme in den letzten sechs Jahren effektiv war, ist
vorliegend unerheblich; jedenfalls hat der Verkehr nicht abgenommen. Die Prognose geht
von einer Verkehrszunahme auf einen DWV von 18'300 bis ins Jahr 2030 aus.9 Die
Verhältnisse bei der Löwenkreuzung sind eher eng; vor den Ampeln ist für linksabbiegende
Fahrzeuge kein Platz für eine separate Einspurstrecke vorhanden. Erst auf der Kreuzung
ist das Einspuren für linksabbiegende Fahrzeuge möglich.10 Bei starkem
Verkehrsaufkommen und Kolonnenbildung ist die Situation bei der Kreuzung deshalb recht
unübersichtlich. Da die Ampel nur eine allgemeine Grünphase hat, ist das Linksabbiegen
bei starkem Gegenverkehr zuweilen schwierig, so dass nachfahrende Fahrzeuge auch bei
einer Grünphase plötzlich wieder anhalten müssen. Andererseits kann das unerwartete
links Abbiegen eines entgegenkommenden Fahrzeugs abrupte Bremsmanöver erfordern.
Beim Wechsel der Ampel auf Orange sind zudem die Reaktionen der vorausfahrenden
Fahrzeuge nicht immer vorhersehbar. Die nachfolgenden Verkehrsteilnehmenden müssen
dementsprechend rasch auf das Verhalten der vorausfahrenden und entgegenkommenden
Fahrzeuglenker reagieren können. Die komplexen Verhältnisse bei der Löwenkreuzung
erfordern von den Verkehrsteilnehmenden eine sehr hohe Aufmerksamkeit, und dies nicht
erst auf der Kreuzung oder bei der Ampel, sondern bereits vorher.
Der Standort des geplanten Werbeplakatträgers liegt rund 35 m vor der Kreuzung. Die
Haltelinie vor der Ampel befindet sich jedoch deutlich vor der Kreuzung, ungefähr auf der
Höhe der Parzellengrenze zwischen dem Baugrundstück Nr. D._ und der Parzelle
Nr. F._. Zwischen der vorgesehenen Plakatstelle und der Haltelinie vor der Ampel
liegen somit nur rund 21 m. Die Reklame liegt damit bereits im Wahrnehmungsbereich mit
der Ampel und der Kreuzung.11 Insbesondere bei hohem Verkehrsaufkommen muss die
Aufmerksamkeit aber schon vor dem Standort des Bauvorhabens auf das
Verkehrsgeschehen konzentriert bleiben. Der vorgesehene Werbeplakatträger soll quer zur
Strasse gestellt werden. Mit dieser Ausrichtung fällt eine Reklame den
Verkehrsteilnehmenden stark auf.12 Es besteht daher die Gefahr, dass die
8 Vgl. BVE, Verkehrssanierung Burgdorf-Oberburg-Hasle, Begleitinformation zur Mitwirkung vom Oktober 2015, S. 8, 9 9 Vgl. BVE, Verkehrssanierung Burgdorf-Oberburg-Hasle, Begleitinformation zur Mitwirkung vom Oktober 2015, S. 9 (Referenzzustand, ohne Umfahrung) 10 Vgl. Foto auf der Informationsbroschüre zur Verkehrssanierung (siehe Fn 17); Geoportal des Kantons Bern, Orthofoto 11 Vgl. auch Foto Baueingabe, Vorakten; Foto in der Beschwerde S. 2 12 Vgl. Checkliste Verkehrssicherheit bei Strassenreklame, Anhang 3 zur BSIG Nr. 7/722.51/1.1 "Reklamen", S. 20
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Verkehrsteilnehmenden durch die Reklame abgelenkt werden und sich die Unfallgefahr
erhöht, wie das Strasseninspektorat nachvollziehbar und zutreffend ausgeführt hat. Das
Vorhaben kann die Verkehrssicherheit beeinträchtigen und ist daher nicht
bewilligungsfähig.
f) Die Beschwerdeführerin wäre mit der Auflage einverstanden, dass nur Reklamen mit
einer beschränkten Anzahl Informationen angebracht werden dürften. Reklamen wollen
naturgemäss auffallen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Je nach Gestaltung
können bereits einzelne wenige Zeichen, Bilder oder Farbflächen eine starke Wirkung
erzielen, während eine Reklame mit viel Bild- und Textinformation unter Umständen sogar
weniger auffällt. Eine vorgängige, abstrakte Definition des zulässigen Zeichen- oder
Informationsgehaltes ist daher unmöglich. Zudem wäre die Kontrolle mit einem
unverhältnismässigen Aufwand für die Behörden verbunden. Da die Reklamen wechseln,
wird im Baubewilligungsverfahren nur der Standort und die Art des Werbeträgers
(beleuchtet, unbeleuchtet, Scrollreklame etc.) beurteilt. Die Inhaltskontrolle muss sich auf
verbotene Werbung (Tabak, Alkohol etc.) oder sonstwie unzulässige Inhalte beschränken.
Das Bauvorhaben kann daher auch nicht mit der vorgeschlagenen Auflage bewilligt
werden.
g) Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie habe den Vertrag mit der C._
aufgelöst, um die Plakatwand selber zu bewirtschaften. Wenn sie den bestehenden
Werbeplakatträger der C._ übernommen hätte, wäre die Plakatwand nach Ansicht
der Gemeinde weiterhin zulässig gewesen. Sie sei bereit, den Werbeplakatträger in
derselben Grösse wie den bisherigen nachzubauen und exakt am selben Standort zu
platzieren.
Der vorbestehende Werbeplakatträger wurde von der C._ per Ende 2017
demontiert,13 so dass sich die Frage einer möglichen Weiterverwendung nicht mehr stellt.
Im Zeitpunkt der Baueingabe der Beschwerdeführerin bestand die Plakatstelle der
C._ noch. Hinsichtlich Verkehrssicherheit war sie in diesem Zeitpunkt nicht anders
zu beurteilen als das Bauvorhaben. Auch die Reklamen auf dem Plakatträger der
C._ konnten die Verkehrsteilnehmenden ablenken und dadurch die
Verkehrssicherheit beeinträchtigen (Art. 6 SVG, Art. 94 SSV). Die Plakatstelle der
13 Brief der C._ vom 24. August 2017, Vorakten
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C._ profitierte aber noch von der Besitzstandsgarantie (vgl. Art. 3 BauG).14 Mit
dem Abbau des Plakatträgers der C._ ist diese jedoch erloschen. Ein
Wiederaufbau ist von der Besitzstandsgarantie nicht gedeckt (vgl. Art. 3 Abs. 2 BauG); das
neue Vorhaben muss dem geltenden Recht entsprechen.15 Die vorgeschlagene
Rekonstruktion des Werbeplakatträgers ist daher unter dem Titel der Besitzstandsgarantie
nicht möglich. Im Übrigen wird die Besitzstandsgarantie durch spezialgesetzliche
Anpassungs- oder Sanierungsvorschriften eingeschränkt (vgl. Art. 3 Abs. 4 BauG),
worunter auch Art. 84 SG16 hinsichtlich der Verkehrssicherheit fällt.17
h) Vorliegend ist unerheblich, ob die von der Beschwerdeführerin angeführten Beispiele
von freistehenden Plakatstellen in Burgdorf und Rüegsauschachen gefährlicher platziert
sind als das Bauvorhaben. Es besteht kein Anspruch auf Gleichbehandlung im (allfälligen)
Unrecht, wenn ein gewichtiges öffentliches Interesse wie die Verkehrssicherheit betroffen
ist.18 Zum andern sind diese Plakatstellen von der Art der Aufstellung und der
Strassensituation her auch nicht direkt mit der Umgebung des Bauvorhabens vergleichbar.
4. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV19).
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).
14 VGE 2013/84 vom 16.10.2013 E. 4.3 15 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 3a, 3b; VGE 2013/84 vom 16.10.2013 E. 4.3 16 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 7 18 Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 23 N. 19 19 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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