Decision ID: 31987c2d-06cf-4230-a451-f3dd348baf84
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X arbeitet als Projektleiter bei der C AG. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Y
und den gemeinsamen Kindern A (2002) und B (2006) wohnt er in Z. In der
Steuererklärung für die Staats- und Gemeindesteuern 2008 machte X nebst den
Unterhaltszahlungen für die beiden Kinder in der Höhe von Fr. 36'000.-- bei den
übrigen Abzügen Unterstützungsleistungen von Fr. 24'000.-- zugunsten von Y geltend.
Das kantonale Steueramt liess diesen Abzug nicht zu und veranlagte X für die Staats-
und Gemeindesteuern 2008 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 86'200.-- und
ohne steuerbares Vermögen.
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B.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob X mit Eingabe vom 8. September 2009
Einsprache mit dem Antrag, die Unterhaltszahlungen an Y seien zum Abzug
zuzulassen. Mit Einsprache-Entscheid vom 5. November 2009, zugestellt am 21.
Dezember 2009, wies das kantonale Steueramt die Einsprache ab.
C.- Mit Eingabe vom 19. Januar 2010 erhob X gegen diesen Einsprache-Entscheid
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die geleisteten
Unterhaltszahlungen an Y in der Höhe von Fr. 24'000.-- seien von den steuerbaren
Einkünften in Abzug zu bringen.
Mit Vernehmlassung vom 4. März 2010 beantragt die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses.
Auf die von den Parteien zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen und

die Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Im Rahmen der Rekursbearbeitung wurden zusätzliche Akten beigezogen, was dem
Rekurrenten zur Kenntnis gebracht wurde.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. Januar 2010 ist angesichts der
Tatsache, dass der am 5. November 2009 datierte Einsprache-Entscheid dem
Rekurrenten erst am 21. Dezember 2009 fristauslösend zugestellt wurde, rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Umstritten ist, ob der Rekurrent Unterstützungsleistungen an seine Lebenspartnerin
von den steuerbaren Einkünften in Abzug bringen kann.
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a) Der Rekurrent macht im Wesentlichen geltend, die freiwilligen Unterhaltszahlungen
an seine Partnerin seien unter anderem festgelegt worden, um eine jährliche
Anpassung der bestehenden Unterhaltsbeiträge aufgrund der anzunehmenden und
auch eingetretenen Einkommensveränderungen zu erübrigen und den weiteren
notwendigen Unterhalt zur Sicherung der Lebenssituation seiner leiblichen Kinder
durch deren Mutter längerfristig sicher zu stellen. Mit diesen Zahlungen seien
beispielsweise auch die den Kindern zusätzlich zu den Alimenten zustehenden
Kinderzulagen gedeckt worden. Diese Darstellung sei nicht abschliessend, zeige
jedoch auf, dass es sich um die Deckung von teilweise bereits vertraglich
zugesicherten Werten handle. Freiwillige Alimentenzahlungen, die sich auf eine
Vereinbarung stützten, seien nach verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung abziehbar.
Aufgrund des Gesetzeswortlauts sei ein Abzug für Unterhaltszahlungen auch bei
unverheirateten Eltern mit gemeinsamem Haushalt zulässig, sofern keine gemeinsame
elterliche Sorge bestehe. In den Vorperioden sei ihm der fragliche Abzug jeweils
gewährt worden. Im Vertrauen auf die Richtigkeit der Veranlagung habe er den Abzug
in gleicher Weise auch für 2008 geltend gemacht. Anderweitige Auskünfte hätten einen
allfällig notwendigen Handlungsbedarf frühzeitig aufgezeigt und die Möglichkeit der
Erfassung von Massnahmen erlaubt.
b) Von den Einkünften werden nach Art. 45 Abs. 1 lit. c StG die Unterhaltsbeiträge an
den geschiedenen, gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebenden Ehegatten sowie die
Unterhaltsbeiträge an einen Elternteil für die unter dessen elterlicher Sorge oder Obhut
stehenden Kinder, nicht jedoch Leistungen in Erfüllung anderer familienrechtlicher
Unterhalts- oder Unterstützungspflichten abgezogen. Nach dieser Bestimmung sind –
die Kinderunterhaltsbeiträge ausgenommen – lediglich Unterhaltsbeiträge an den
geschiedenen oder getrennt lebenden Ehegatten abziehbar. Diese Leistungen gründen
auf der ehelichen bzw. nachehelichen Beistandspflicht gemäss Art. 125 und 159 Abs. 3
des Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt: ZGB). Konkubinatspartner schulden
einander demgegenüber keinen Beistand. Sie sind gegenseitig nicht zum Unterhalt
verpflichtet. Führt ein im Konkubinat lebender Partner dem andern Partner den
Haushalt und erhält er dafür von ihm Naturalleistungen (Unterkunft, Verpflegung,
Taschengeld, etc.) kann aus dieser Konstruktion kein Arbeitsverhältnis abgeleitet
werden. Richtigerweise ist deshalb auch das Naturaleinkommen beim
haushaltführenden Partner nicht zu besteuern. Falls jedoch die Tätigkeit, die der eine
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Partner dem andern gegenüber erbringt, über die Haushaltführung hinausgeht, kann
auch zwischen Konkubinatspartnern ein Arbeitsverhältnis bestehen (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 81 zu Art. 16 und N 23
zu Art. 17 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt:
DBG). Nach Art. 47 lit. a StG sind Aufwendungen für den Unterhalt des
Steuerpflichtigen und seiner Familie nicht abziehbar.
c) Der Rekurrent lebt mit seiner Lebenspartnerin und zwei gemeinsamen Kindern in
einem Haushalt. In einem als "Unterstützungsvereinbarung" bezeichneten Vertrag vom
30. Dezember 2001 (act. 2/9) verpflichtet sich der Rekurrent, die vollen
Unterhaltskosten für beide Parteien sowie die durch die
Kinderunterhaltsvereinbarungen nicht gedeckten Kosten für die Kinder zu übernehmen.
Die Partnerin übernimmt vorwiegend die Kinderbetreuung; die Haushaltsarbeiten und
die Kindererziehung werden gemeinsam übernommen. Der Rekurrent bezahlt seiner
Partnerin zusätzlich zu den Kinderunterhaltsbeiträgen monatlich Fr. 2'000.--, solange
sie keinem Erwerb nachgeht. Da der Rekurrent mit seiner Partnerin nicht verheiratet
war und ist, findet Art. 45 Abs. 1 lit. c StG auf die von ihm geleisteten Zahlungen keine
Anwendung. Diese Leistungen beruhen auf keiner gesetzlichen Beistandsverpflichtung,
sondern werden freiwillig erbracht. Die vom Rekurrenten zitierte
verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung bezüglich freiwillig erbrachter
Alimentenzahlungen (SGE 2009 Nr. 1) bezieht sich auf Kinderunterhaltsbeiträge. Hinzu
kommt, dass der Rekurrent mit seiner Partnerin zusammenlebt. Auch in einer ehelichen
Gemeinschaft können während des Zusammenlebens keine Unterhaltszahlungen in
Abzug gebracht werden.
Aus der Unterstützungsvereinbarung geht nicht zweifelsfrei hervor, worum es sich bei
der monatlichen Zahlung von Fr. 2'000.-- handelt. Aus der Formulierung ist zu
schliessen, dass der Rekurrent nebst dieser Zahlung die vollen Unterhaltskosten für
beide Parteien übernimmt. Aufgrund der grosszügig bemessenen
Kinderunterhaltsbeiträge inklusive Kinderzulage ist davon auszugehen, dass die Kosten
für die Kinder damit vollumfänglich abgegolten sind (vgl. Empfehlungen zur Bemessung
von Unterhaltsbeiträgen für Kinder des Amtes für Jugend und Berufsberatung des
Kantons Zürich, ZVW 63, S. 53). Insoweit es sich bei den monatlichen Zahlungen um
eine Entschädigung für die Haushaltführung handelt, liegen nicht abziehbare
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Lebenshaltungskosten nach Art. 47 lit. a StG vor. Dabei spielt es keine Rolle, ob von
einem Arbeitsvertrag auszugehen ist oder nicht. Dies wäre nur für die Veranlagung der
Partnerin von Bedeutung (steuerbare Einkünfte oder nicht). In jenem Umfang, in
welchem der Zahlung keine Gegenleistung gegenübersteht, läge streng rechtlich
betrachtet eine Schenkung vor. Da das kantonale Recht keinen Unterstützungsabzug
kennt, ist auch unter diesem Titel kein Abzug möglich.
d) Der Umstand, dass dem Rekurrenten der Abzug für die Zahlungen an seine Partnerin
in vergangenen Jahren fälschlicherweise gewährt wurde, vermag ebenfalls nichts zu
ändern. Die in einer früheren Steuerperiode getroffenen Verfügungen entfalten
grundsätzlich keine Rechtskraft für spätere Veranlagungen. Vielmehr kann die
Steuerbehörde im Rahmen jeder Neuveranlagung eines Steuerpflichtigen sowohl die
tatsächliche als auch die rechtliche Ausgangslage vollumfänglich überprüfen und,
soweit erforderlich, abweichend würdigen. In Rechtskraft erwächst jeweils nur die
einzelne Veranlagung, die als befristeter Verwaltungsakt ausschliesslich für die
betreffende Steuerperiode Rechtswirkungen entfaltet. Die späteren Veranlagungen sind
daher jederzeit einer erneuten umfassenden Überprüfung zugänglich. Es liegt im
Wesen der periodischen Veranlagung, dass die Steuerbehörde die Möglichkeit erhält,
jeweils eine neue Beurteilung vorzunehmen und auch allfällige frühere
Fehlentscheidungen zu korrigieren bzw. nicht mehr zu wiederholen; darin liegt kein
widersprüchliches Verhalten, sondern es ist Ausprägung der Gesetzmässigkeit im
Steuerrecht. Der Grundsatz von Treu und Glauben findet zwar im öffentlichen Recht
und insbesondere auch im Steuerrecht Anwendung. Allerdings ist seine Tragweite im
Steuerrecht, das vom Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Besteuerung beherrscht ist,
geringer als in anderen Rechtsgebieten (VerwGE-2009/203 vom 11. Mai 2010, S. 10 f.,
mit Hinweisen auf Lehre und bundesgerichtliche Rechtsprechung,
www.gerichte.sg.ch).
e) Aus dem Dargelegten folgt, dass der Rekurrent die Zahlungen an seine Partnerin
nicht von seinen steuerbaren Einkünften in Abzug bringen kann. Insofern er jedoch
geltend macht, darin seien auch die Kinderzulagen sowie die indexbedingten
Erhöhungen der Kinderunterhaltsbeiträge enthalten, liegen abzugsfähige
Unterhaltszahlungen nach Art. 45 Abs. 1 lit. c StG vor. Für die beiden Töchter A und B
wurden Unterhaltsverträge über die Höhe der Kinderunterhaltsbeiträge abgeschlossen
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und von der Vormundschaftsbehörde genehmigt. Da die Verträge nicht an das höhere
Einkommen des Rekurrenten angepasst wurden, ist von den vertraglich vereinbarten
Unterhaltsbeiträgen auszugehen. Der Unterhaltsbeitrag für die Tochter A betrug in den
Monaten Januar und Februar 2008 je Fr. 1'533.-- (Fr. 1'450.-- indexiert auf Indexstand
Oktober 2007 von 107.3 Punkten, Basis 2000) und in den Monaten März bis Dezember
2008 je Fr. 1'744.-- (Fr. 1'650.-- indexiert auf Indexstand Oktober 2007 von 107.3
Punkten, Basis 2000). Zuzüglich der Kinderzulage von monatlich Fr. 200.-- ergeben
sich für A somit geschuldete Zahlungen von Fr. 22'906.--. Für die Tochter B betragen
die indexierten Unterhaltsbeiträge Fr. 1'462.-- pro Monat (Fr. 1'450.-- indexiert auf
Indexstand Oktober 2007 von 107.3 Punkten, Basis 2000), was zuzüglich der
Kinderzulagen von Fr. 200.-- pro Monat geschuldete Beiträge von Fr. 19'944.-- ergibt.
Die zum Abzug berechtigten Kinderunterhaltsbeiträge für das Jahr 2008 betragen somit
insgesamt Fr. 42'850.-- statt der veranlagten Fr. 36'000.--. Das steuerbare Einkommen
reduziert sich demzufolge um Fr. 6'850.-- auf Fr. 79'400.--.
f) Der Rekurs ist folglich teilweise gutzuheissen und der angefochtene Einsprache-
Entscheid vom 5. November 2009 aufzuheben. Der Rekurrent ist für die Staats- und
Gemeindesteuern 2008 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 79'400.-- und ohne
steuerbares Vermögen zu veranlagen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zu drei Vierteln
dem Rekurrenten aufzuerlegen; einen Viertel der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des
Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu
verrechnen.