Decision ID: d1103fa7-0fb7-4286-89e7-893cd62d67ab
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1973 geborene
X._
, welcher in seinem Heimatland eine Ausbildung als Autolackierer absolviert hatte, reiste im Jahr 1990 in die Schweiz ein und war als Oberflächenbearbeiter tätig. Am 27. August 1998 (Eingangsdatum) meldete er sich
unter Hinweis auf ein
e
seit
dem 3. November 1997
bestehende
Berufs
krank
heit (Handekzem bei Kontaktallergie auf Epoxidharze sowie Kühl- und Schmier
mittel)
bei der
IV-Stelle
Schwyz zum Bezug von Leistungen der In
validenver
sicherung an (Urk. 7/1
-3).
Dem Versicherten wurde von der IV-Stelle Schwyz mit Mitteilung vom 22. November 1999 (U
rk. 7/23) Kostengutsprache für b
erufliche Massnahmen (Umschulung zum Taxichauffeur) erteilt.
In der Verfügung vom 21. Juni 2001 hielt die IV-Stelle Schwyz fest
, dass die Umschulung zum Taxi
chauffeur im Dezember 2000 erfolgreich habe absolviert werden können. Es sei
en dem Versicherten
aus medizinischer Sicht sämtliche Tätigkeiten ohne Kontakt zu
Expoidharzen
sowie Kühl- und Schmiermitteln
zu 100 % zumutbar. Es sei ihm möglich, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk. 7/37).
1.2
Am 5. November 2002
(Eingangsdatum)
meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle Schwyz zum Leistungsbezug an (Urk. 7/40). Er reichte ein ärztliches Zeugnis ein, gemäss welchem es aufgrund des Hautleidens auch zu psychischen Beschwerden gekommen sei (Urk. 7/41).
Die
IV-Stelle Schwyz veranlasste eine
psy
chiatrische Begutachtung des Versicherten. Der sozialpsychiatrische Dienst des Kantons Schwyz erstattete das Gutachten am 12. Januar 2005 (Urk. 7/73).
Dem Versicherten wurde daraufhin
Kostengutsprache für eine B
erufsberatung (Ve
r
fügung vom 25. Januar 2005 [Urk. 7/79])
und
für ein Arbeitstraining erteilt (Ver
fügung vom 1. Juni 2005 [Urk. 7/87]). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fah
ren
(Vorbescheid vom 21. April 2008 [Urk. 7/125])
wurde dem Versicherten mit
Verfügung
vom
5. Dezember
2008 ab dem 1. September 2002 eine
Viertelsrente
(Invaliditätsgrad von 41 %) und ab dem 1. Februar 2007 eine
Dreiviertelsrente
(Invaliditätsgrad von 65 %) der Invalidenversicherung zugesprochen (Urk. 7/127
und Urk. 7/130
). Die
Dreiviertelsrente
wurde mit Mitteilung vom 3. März 2010
bei einem unveränderten Invaliditätsgrad von 65 %
bestätigt (Urk. 7/149).
1.3
Die mittlerweile zuständige IV-Stelle Zürich (vgl. Urk. 7/159/5 ff.) leitete im Jahr
2015 von Amtes wegen ein ordentliches Rentenrevisionsverfahren ein (Urk. 7/155
).
Auf Veranlassung der IV-Stelle wurde der Versicherte
erneut psychiatrisch be
gutachtet
. Dr. med.
Y._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH,
erstattete das Gutachten am 17. Juni 2016 (Urk. 7/189).
Nach durchge
füh
r
tem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 6. März 2017 [Urk. 7/192]; Ein
wand vom 19. April 2017 [Urk. 7/194] mit Ergänzung
vom 24. Mai 2017 [Urk. 7/197]) –
in dessen Verlauf Dr.
Y._
am 10. August 2017
zum Einwand des Ver
sicherten Stellung nahm (
Urk. 7/199
)
–
sprach die IV-Stelle dem Versicherten m
it Verfügung vom 19. April 2018 ab dem 1. September 2016 eine ganze Rente der Invalidenversicherung
bei einem Invaliditätsgrad von 73 %
zu (Urk. 2 [= Urk.
7/212 und Urk. 7/218
]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 23. Mai 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfüg
ung sei dergestalt abzuändern, dass
ihm bereits ab dem 1. September 2015, eventuell ab dem 1. Juni 2016, eine ganze Rente der Inva
li
denversicherung zuzusprechen sei. In prozessualer Hinsicht beantragte der Be
schwer
deführer die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 27. Juni 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 22. Oktober 2018 angezeigt wurde (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herab
gesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen)
.
1.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
kra
n
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und sozio
kul
turelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund tre
ten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fach
ärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare an
dau
ernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleich
baren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unab
dingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begut
achtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesund
heitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_
730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selb
ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.3
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweis
füh
rungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (ode
r der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweis
materials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozialversicherungs
recht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im Sozial
ver
si
che
rungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
1.4
Gemäss Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) ist eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. Art. 29
bis
IVV ist sinnge
mäss anwendbar.
Die Erhöhung eines Rentenanspruchs setzt demnach eine relevante Verschlechte
rung der Erwerbsfähigkeit von drei (vollen) Monaten (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5.3 mit Hinweis auf ZAK 1986 S. 345), aber kein neues Wartejahr nach
Art.
28 Abs. 1
lit
. b IVG voraus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_985/2009 vom 2. März 2010 E. 4.4.2 mit Hinweisen).
Dies gilt nicht nur bei der revisionsweisen Neufestsetzung einer laufenden Rente, sondern auch dann, wenn gleichzeitig rückwirkend bei
spielsweise eine halbe und eine diese ablösende ganze Rente zugesprochen wird (BGE 121 V 264 E. 6a und E. 6b/
dd
mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 9C_718/2008 vom 2. Dezember 2008 E. 4.1.1 und I 792/06 vom 26. September 2007 E. 8.2)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, der Gesundheits
zu
stand des Beschwerdeführers habe sich verschlechtert. Seit der Begutachtung vom 15. Juni 2016 sei ihm nur noch eine optimal angepasste Tätigkeit zu 30 % zumutbar. Bei einem mittels Einkommensvergleichs ermittelten Invaliditätsgrad von 73 % sei die bisherige
Dreiviertelsrente
ab dem 1. September 2016 auf eine ganze Rente zu erhöhen (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber wandte der Beschwerdeführer ein,
die Ausführungen von Dr.
Y._
zum Zeitpunkt des Eintritts der Verschlechterung des Gesund
heitszustandes seien nicht nachvollziehbar. Die Leukämieerkrankung des Sohnes, welche kurz vor der Begutachtung des Beschwerdeführers diagnostiziert worden sei, sei als psychosozialer Faktor gewertet
und bei der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit nicht berücksichtigt worden. Wenn bei einer 100%igen Arbeitsun
fähig
keit 30 % als IV-
fremd unberücksichtigt blieben, könne die Leukämieerkran
kung für den Zeitpunkt des Eintritts der Verschlechterung keine Rolle spielen. Mass
gebend sei, in welchem Zeitpunkt sich die Arbeitsunfähigkeit auf 70 % und nicht auf 100 % erhöht habe. Dafür müsse die Leukämieerkrankung gänzlich unberück
sichtigt bleiben, würde diese doch ansonsten doppelt berücksichtigt, was nicht angehen könne (Urk. 1 S. 4 f.). Die Verschlechterung des Gesundheitszustandes müsse vor der Erkrankung des Sohnes eingetreten sein (Urk. 1 S. 5). Es liege sodann eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor,
denn die Beschwerdegegnerin habe sich nicht mit den Argumenten des Beschwerdeführers im
Einwandver
fahren
auseinandergesetzt. Desh
alb
sei
die Angelegenheit an die Besch
werde
gegnerin zurückzuweisen. Spätestens ab dem 25. September 2015, dem Zeitpunkt der psychiatrisch bedingten stationären Behandlung in der
Z._
, sei von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands und damit einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Die dreimonatige Warte
frist für die Rentenerhöhung sei sodann nicht anwendbar (Urk.1 S. 5 f.), weshalb dem Beschwerdeführer ab dem 1. September 2015 eine ganze Rente der Invali
den
versicherung zuzusprechen sei.
3.
Unbestritten und ausgewiesen ist, dass dem Beschwerdeführer bloss noch eine optimal angepasste Tätigkeit im Umfang von 30 % zumutbar ist
(vgl. Urk. 1, Urk. 2,
Urk. 7/189/47 und Urk. 7/189/50 f. sowie Urk. 7/191/4-6)
. Dr.
Y._
führte
in ihrem Gutachten vom 17. Juni 2016 die folgenden psychiatrischen Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf
(Urk. 7/189/46):
-
Anhaltende, chronifizierte depressive Episode, gegenwärtig schwer
(ICD-10: F32.2)
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10: F.41.1) mit
-
hypochondrischem und paranoidem Schwerpunkt
-
Panikstörung (ICD-10: F41.0)
-
a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) mit
-
Analgetika-Abusus (ICD-10: F55.2)
-
s
omatoforme autonome F
unktionsstörung, Atmungssystem/
Hyperventi
lation (ICD-10: F45.33)
-
Tinnitus (ICD-10: F54/H93.1)
-
Störungen durch Benzodiazepine
, anamnestisch
low
dose Abhängigkeits
syndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F13.20)
-
p
sychosoziale Belastungssituation: gegenwärtig und seit knapp 20 Jahren abwechselnde Probleme
-
mit Bezug auf Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z56)
-
mit Bezug auf den engeren Familienkreis, einschliesslich familiärer Umstände (ICD-10: Z63)
-
mit Bezug auf die Wohnbedingungen oder die wirtschaftlichen Ver
hält
nisse (ICD-10: Z59)
4.
4.1
Vom Beschwerdeführer bestritten wurde einzig
der Zeitpunkt, ab welchem eine Verschlechterung des Gesundheitszustands und eine Arbeitsunfä
higkeit von 70 % eingetreten sein soll.
4.2
Dr.
Y._
attestierte dem Beschwerdeführer in
ihrem Gutachten vom 17. Juni 2016
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und wies darauf hin, dass die Begutach
tung knapp 10 Tage
,
nachde
m
beim Sohn eine akute
Leukämie
diag
nos
tiziert worden sei,
stattgefunden habe. Der Beschwerdeführer zeige sich hiervon – ein
fühlbar – emotional erschüttert.
Der Anteil des
psychosozialen Belastungs
faktors am Ausmass der heute beobachtbaren psychischen Symptomatik dürfte erheblich sein beziehungsweise etwa 30 % betragen. Gesamthaft sei damit, mit Abzug der IV-irrelevanten psychosozialen Faktoren, von einer 70%igen Arbeits
unfähigkeit als Chauffeur ab dem 15. Juni 2016 auszugehen. Die Tätigkeit als Chauffeur sei aber aus psychiatrischer Sicht nicht mehr als behinderungs
an
ge
passt zu bezeichnen. Für die Vorgeschichte sei auf die Angaben der behandelnden Psychiater abzustellen, die ab dem September 2002 vorwiegend ei
ne 50%ige, zum Teil eine 60%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten. Eine etwaige schwere de
pres
sive Episode habe im Oktober 2015 (Austrittsbericht Klinik
A._
beziehungs
weise
Z._
) noch nicht vorgelegen, was auch auf den heutigen Einfluss
der psychosozialen Belastung durch die Leukämie-Erkrankung des Sohnes hin
wei
sen dürfte (Urk. 7/189/47). Beim Nachlassen der aktuellen psychosozialen Be
las
tung (Leukämie-Erkrankung des Sohnes) sei wohl eine Rückkehr zum Vorzu
stand, mit maximal etwa 40%iger, eher 30%iger Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit zu erwarten (Urk. 7/189/49).
In der Stellungnahme vom 10. August 2017 (Urk. 7/199) führte Dr.
Y._
aus, sie könne den Schreiben der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers keine medi
zinischen Argumente entnehmen, die dafür sprächen, dass der Zeitpunkt der ge
sicherten Verschlechterung des Gesundheitszustandes erheblich vor dem Datum der Begutachtung zu situieren sei. Vielmehr scheine die Rechtsvertretung hier mit medizinisch nicht überzeugenden juristischen Spitzfindigkeiten zu hantieren. Dass die Klinik
A._
in ihrem Austrittsbericht vom 15. Dezember 2015 die
Spezialkategorie F33.9 benutzt habe und sich nicht auf eine schwere depressive Episode festgelegt habe, spreche dafür, dass keine schwere depressive Episode vor
gelegen habe. Der Beschwerdeführer habe vor allem durch eine Mischung von depressiven Anteilen mit aktiv dargestellter
Unkooperativität
und
unwirschem Ver
halten imponiert sowie
fehlendes Interesse an der Behandlung gezeigt. Letztere
Verhaltensweisen seien atypisch für eine schwere Depression. Auch die Tatsache, dass der behandelnde Psychiater Dr. med.
B._
in seinem letzten «Arzt
bericht» beziehungsweise in seiner E-Mail an die Beschwerdegegnerin vom 26. Juni 2015 von einem unveränderten Gesundheitszustand und einer unver
än
derten Medikation berichte, spreche gegen eine allfällig sich schon zu diesem
Zeit
punkt anbahnende Veränderung/Verschlechterung des Gesundheitszu
standes
.
4.3
Bei der
Rentenzusprache
vom 27. Mai 2009 ging die IV-Stelle Schwyz ab November 2006 von einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 45 % in angepasster Tätigkeit aus und gewährte einen leidensbedingten Abzug von 15 %.
Beim Einkommensvergleich
resultierte ein Invaliditätsgrad von 65 % (Urk. 7/127
). Die
Dreiviertelsrente
(unveränderter Invaliditätsgrad von 65 %) wurde mit Mittei
lung vom 3. März 2010 bestätigt (U
rk. 7/149), nachdem Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, dem Beschwerdeführer im Bericht vom
23. November
2009 eine 50-60%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte (Urk. 7/138
/3).
Im Rahmen des von der
Beschwerdegegnerin am 14. April 2015
eingeleiteten
Rentenrevisionsverfahren
s
(Urk. 7/155)
hielt
Dr.
B._
in der
E-Mail vom 26. Juni 2015 fest, der Zustand des Beschwerdeführers präsentiere sich seit dem letzten Bericht insgesamt unve
rändert, ebenso die Medikation (Urk. 7/166). Mit Dr.
Y._
(vgl. ihre Stellungnahme vom 10. August 2017 [Urk. 7/199]) kann aufgrund
der E-Mail
von Dr.
B._
vom 26. Juni 2015
(noch)
nicht von einer verschlechterten Gesundheitssituation ausgegangen werden.
Auch dem Austritts
bericht der
integrierten Psychiatrie Z._
(
Zentrum
A._
) vom 15. Dezember 2015 (Urk. 7/180) lassen sich
ebenfalls noch
keine An
halts
punkte für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes entnehmen.
Der
überzeugenden
Argumentation von Dr.
Y._
in der Stellungnahme vom
10. August 2017 (Urk. 7/199)
ist daher zu folgen
.
4.4
Schliesslich
ist darauf hinzuweisen,
dass psychosoziale Faktoren
als invaliditäts
fremde Faktoren grundsätzlich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern sind. Wenn sie allerdings zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheits
schaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie
sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (E. 1.2). Dr.
Y._
ha
t die Erkrankung des Sohnes
als psychosozialen Faktor
gewertet
und
diesen im Um
fang von
30 % als invaliditätsfremd gewichtet
.
Im Übrigen ging sie somit davon aus,
dass die Erkrankung des Sohnes
zu einer weiteren Beeinträchtigung des bereits angeschlagenen
Gesundheitszustand
s
des Beschwerdeführers
geführt hat
.
Die Erkrankung des Sohnes wirkte sich somit teilweise mittelbar invaliditäts
be
gründend aus.
D
ies
e Beurteilung
kommt dem Beschwerdeführer
invalidenver
si
che
rungsrechtlich
letztlich
zugute; hätte Dr.
Y._
die Erkrankung des Sohnes vollumfänglich als invaliditätsfremden Faktor berücksichtigt, wäre es
zufolge eines unveränderten Gesundheitszustands
bei der
Dreiviertelsrente
geblieben.
4.5
Ein Beweis dafür, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vor der Erkrankung des Sohnes verschlechtert hätte, kann nicht erbracht werden, denn es fehlen entsprechende ärztliche Unterlagen. Dies wirkt sich nach den Regeln über die Beweislast zuungunsten des Beschwerdeführers aus (E. 1.3).
4.6
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt
sodann
nicht vor. Die Beschwer
de
gegnerin
führte in der
angefochtenen Verfügung
aus
, es werd
e auf die Stellung
nahme von Dr.
Y._
abgestellt. V
or der Begutachtung
(beziehungsweise der kurz zuvor festgestellten Erkrankung des Sohnes)
könne
aufgrund der von Dr.
Y._
genannten Gründe
nicht von einer schweren
Depression ausge
gan
gen werden (Urk.
2).
Damit nannte die Beschwerdegegnerin die Überlegun
gen
,
von denen
sie
sich in ihrem Entscheid
hat leiten lassen
und auf die sich der Entscheid s
tützt. Auch ging die Beschwerde
gegnerin im W
esentlichen auf die Einwände des Beschwerdeführers
ein; dabei muss
te sie sich nicht mit jedem ein
zelnen Einwand auseinandersetzen.
Die Beschwerdeführerin durfte sich
auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspu
nkte beschränken (BGE 124 V 180 E
.
1a mit Hinweisen
).
4.7
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist die dreimonatige Frist gemäss Art.
88a A
bs.
2
IVV zu berücksichtigen (E. 1.4). Der Beschwerdeführer wurde am
15. Juni 2016 begutachtet. Gemäss dem Gutachten wurde die Leukämie beim Sohn
des Beschwerdeführers eine Woche
beziehungsweise 10 Tage
zuvor festgestellt (Urk. 7/189/16 f.
und Urk. 7/189/47
).
Die Verschlechterung des Gesundheitszu
standes des Beschwerdeführers ist damit per Anfang Juni 2016 ausgewiesen. Es
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Rentenerhöhung
unter Berücksichtigung einer Frist von drei vollen Monaten per 1. September 2016
festgesetzt hat
.
5.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
6.
Der Beschwerdeführer
stellte das Gesuch um
Gewährung der u
nentgeltlichen Rechtspflege. Dieses ist
wegen mangelnder Substantiierung abzuweisen
. Der Be
schwer
deführer reichte
weder das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit noch Belege
zu seiner finanziellen Situation
ein. Nach dreimalig erstreckter Frist, unter dem Hinweis
darauf, dass keine weitere Fristerstreckung gewährt werde
(
Urk. 8-10), ersuchte der Beschwerdeführer um eine weitere Frist
erstreckung (Urk. 11). Dieses Gesuch wurde mit Verfügung vom 22. Oktober 2018 abgewiesen (Urk. 12).
Vor dem Hintergrund, dass
sich den Akten keinerlei Anhaltspunkte für eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustands vor der Erkrankung des Sohnes entneh
men lassen,
müsste d
as Gesuch des Beschwerdefüh
rers um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege darüber hinaus auch wegen Aussichtslosigkeit abgewies
en werden.
Ausgangsgemäss sind die auf Fr. 800.-- anzusetzenden Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.