Decision ID: 80851263-6b80-4899-b0e9-298106bf5e27
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Luigi R. Rossi, Oberer Graben 3, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A._ arbeitete seit März 2001 als Mitarbeiter bei der Firma B._ (act. G 4.1.65). Am
23. Januar 2004 erlitt er einen Unfall (Suva Unfallmeldung vom 29. Januar 2004; act. G
4.2.1). Am 29. Januar 2004 erfolgte im kantonalen Spital F._ eine Operation des
linken Knies (offene Reposition und Plattenosteosynthese Tibiaplateau lateral links mit
Spongiosaplastik und 7-Lochabstützplatte und Meniskusnaht lateral in der Inter
mediärzone; act. G 4.2.5). Am 14. Februar 2006 wurde die
Osteosynthesematerialentfernung durchgeführt (act. G 4.2.21). Am 17. Januar 2007
erfolgte aufgrund anhaltender lateraler Kniegelenkschmerzen ein weiterer operativer
Eingriff (Arthroskopie und Meniskusteilresektion) im kantonalen Spital F._ (act. G
4.1.31) und am 17. Juni 2008 unterzog sich der Versicherte wegen Schmerzpersistenz
einer weiteren Arthroskopie und Teilmeniskektomie lateral im Hinterhornbereich im
kantonalen Spital F._ (act. G 4.2.43).
B.
Im Juli 2008 meldete sich der Versicherte zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung – namentlich Massnahmen für die berufliche Eingliederung und
Rente – bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (act. G 4.1.75).
C.
C.a Gemäss Akten führte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der IV-Stelle am 14.
Juli 2008 mit dem Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere
Medizin, betreffend den Versicherten ein Telefongespräch durch (act. G 4.1.54 und 70).
Im Gespräch nannte der Hausarzt die chronischen Kniebeschwerden links. Seit Juni
2006 bis Juni 2008 würden schwankende Arbeitsunfähigkeiten von 50% bis 100%
bestehen. Ab dem 14. Juli 2008 sei wieder eine volle Arbeitsfähigkeit geplant. Indessen
könne dem Versicherten mittel- bis langfristig die schwere Arbeit als G._ nicht mehr
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zugemutet werden; sein Arbeitsplatz sei gefährdet. Körperlich leichte, schonende
Tätigkeiten seien voll zumutbar.
C.b Der Hausarzt des Versicherten, Dr. C._, führte am 18. September 2008 eine
Untersuchung durch (Bericht vom 30. September 2008; vgl. act. G 4.1.52). In seinem
Arztbericht diagnostizierte er eine posttraumatische Gonarthrose und Ankylose
zwischen Tibia und Fibula nach komplexer Knieverletzung links 2004, die eine Arbeits
unfähigkeit von 50% in der aktuellen Tätigkeit bewirken würde. Leichtere Tätigkeiten
seien auch zu zirka 50% zumutbar; ob eine Verlängerung der Arbeitszeit erreicht
werden könne, sei fraglich. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsunfähigkeit wurde ein
Status nach Asthma Bronchiale diagnostiziert.
C.c Am 28. Oktober 2008 führte die SUVA eine kreisärztliche Untersuchung des Ver
sicherten durch (act. G 4.2.63/64, vgl. auch act. G 4.1.36). Kreisarzt Dr. med. D._,
Facharzt FMH für Chirurgie, hielt fest, dass der Versicherte zurzeit zu 50%
arbeitsunfähig sei. Günstig seien Wechselpositionen einnehmende Tätigkeiten, vor
wiegend sitzend, aber auch kurz bis mittelstreckig gehende mit Heben und Tragen von
bis mittelschweren Gewichten "vollschichtig"; dies vor allem unter Berücksichtigung
der Prognose. Daher sei ein Vermeiden repetitiven Gehens in unebenem Gelände,
von Treppen, langen Gehstrecken wie Botengänge, Aussetzen an Vibrationen und
hämmernden Einflüssen angezeigt.
C.d Am 11. November 2008 erfolgte eine Operation am rechten Knie (partielle,
mediale Meniskushinterhornresektion und Glättung des lateralen freien
Meniskusrandes; act. G 4.1.46).
C.e Mit Mitteilung vom 11. Dezember 2008 informierte die IV-Stelle den
zwischenzeitlich mandatierten Rechtsvertreter des Versicherten darüber, dass dessen
Tätigkeit am aktuellen Arbeitsplatz als weitgehend leidensadaptiert zu beurteilen sei.
Weil der Zustand des rechten Knies nicht stabil sei, seien zurzeit keine beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen angezeigt (act. G 4.1.45).
C.f Gemäss Aufforderung der IV-Stelle erstattete Dr. C._ am 2. Februar 2009 einen
weiteren Arztbericht (act. G 4.1.40). Er hielt darin fest, dass beim Versicherten von einer
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50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen sei und in einer
adaptierten Tätigkeit mit einer Erhöhung gerechnet werden könne.
C.g Gemäss Aufforderung der IV-Stelle bestätigte Dr. C._ mit Schreiben vom
20. März 2009 (act. G 4.1.32), dass am rechten Knie am 11. November 2008 eine
Arthroskopie erfolgt sei, bei der ein medialer Meniskushinterhornlängs- und Horizontal
riss festgestellt worden seien, und dass noch gewisse lokale Druckdolenzen
beständen. Bezüglich seines rechten Knies sei der Versicherte seit dem 18. Dezember
2008 zu 100% arbeitsfähig.
C.h Eine erneute kreisärztliche Untersuchung der SUVA vom 23. Juli 2009 (act.
G 4.2.88; vgl. auch act. G 4.1.26) ergab, dass betreffend linkes Knie eine verbliebene
Belastungs- und leichte Bewegungseinschränkung bei beginnend mässiger
Gonarthrose vorliege, das rechte Knie klinisch unauffällig und die Zumutbarkeit (seit der
letzten kreisärztlichen Untersuchung) unverändert sei. Dr. D._ hielt fest, dass die
aktuelle Tätigkeit nicht ideal sei und der Versicherte zu 75% (anstatt zu 50%) arbeiten
solle.
C.i Am 15. Dezember 2009 schloss der Versicherte mit seinem Arbeitgeber einen
neuen Arbeitsvertrag per 1. Januar 2010, mit 50%igem Beschäftigungsgrad zu einem
Bruttolohn von Fr. 2'850.-- (act. G 4.1.22).
C.j RAD-Ärztin Dr. med. E._ hielt in ihrer Stellungnahme vom 11. Januar 2010
(act. G 4.1.26) fest, dass eine Arbeitsfähigkeit von 70-75% in der angestammten
Tätigkeit rückwirkend ab dem 12. November 2008 bestätigt werde. Die adaptierte
Tätigkeit werde in der kreisärztlichen Untersuchung nicht definiert.
C.k Die kreisärztliche Untersuchung von Dr. D._ vom 7. Juni 2010 (act. G 4.2.114,
vgl. auch act. G 4.1.14) ergab eine Arbeitsunfähigkeit von 30% in der aktuellen
Tätigkeit, die nicht optimal adaptiert sei. Als weitere Option sei eine Hemiprothese zu
evaluieren, bei günstigem Ausgang einer solchen Operation dürfte sich in adaptierter
Tätigkeit eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit ergeben.
C.l RAD-Ärztin Dr. E._ hielt in ihrer Stellungnahme vom 7. Juli 2010 (act. G 4.1.14)
fest, dass sie von einer Arbeitsfähigkeit von 50% in angestammter Tätigkeit und von
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100% in adaptierter Tätigkeit (körperlich leicht, wechselbelastend, öfters Sitzen, ohne
längere Gehstrecken, ohne Treppen- und Leiternsteigen, kein Knien oder Kauern) aus
gehe.
D.
Mit Vorbescheid vom 29. Juli 2010 (act. G 4.1.8) teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass der Einkommensvergleich (bei einer Arbeitsfähigkeit von 50% in ange
stammter Tätigkeit, einem Valideneinkommen von Fr. 73'450.--, einer 100%igen
leidensadaptierten Arbeitsfähigkeit und einem Invalideneinkommen von Fr. 59'979.--)
einen Invaliditätsgrad von 18% ergeben habe und er daher keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe.
E.
Mit Einwand vom 9. August 2010 (act. G 4.1.6) hielt der Versicherte – handelnd durch
seinen Rechtsvertreter – fest, dass er den durch die IV-Stelle vorgenommenen
Einkommensvergleich nicht nachvollziehen könne. Er arbeite aktuell 50%. Selbst bei
der Annahme einer 75%igen Tätigkeit könne er lediglich einen Jahresverdienst von
Fr. 37'050.-- erzielen. Mit diesem "Einkommen mit Behinderung" würde die
Berechnung einen Invaliditätsgrad von 49.95% ergeben.
F.
Mit Verfügung vom 30. September 2010 stellte die IV-Stelle aufgrund eines
Einkommensvergleichs (bei gleichbleibenden Faktoren; siehe oben lit. D) einen
Invaliditätsgrad von 18% fest und verneinte einen Rentenanspruch (act. G 4.1.5).
G.
Mit Beschwerde vom 18. Oktober 2010 beantragt der Beschwerdeführer die
Aufhebung der Verfügung vom 30. September 2010 und die Zusprache von
mindestens einer halben Invalidenrente. Zur Begründung führt er aus, die
Beschwerdegegnerin bestätige, dass seit dem 19. Mai 2008 im angestammten Beruf
als G._ eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Nicht
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berücksichtigt werde indessen, dass ab dem Unfallzeitpunkt bis zum 19. Mai 2008 die
Einschränkung wesentlich höher gewesen sei. Zudem sei der Einkommensvergleich
der Beschwerdegegnerin nicht nachvollziehbar. Bei der Berechnung des
Invalideneinkommens sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer keine
Berufsbildung habe, der deutschen Sprache nur beschränkt mächtig sei und als G._
heute nicht mehr in der Lage sei, einen H._ zu beladen. Da er seine angestammte
Tätigkeit deshalb nur noch zu 50% ausüben könne, betrage sein Invaliditätsgrad 50%.
Zudem sei eine adaptierte Arbeitsfähigkeit von 100% weder begründbar noch
bewiesen. Vielmehr sei offensichtlich, dass dem Beschwerdeführer keine andere
Tätigkeit zugemutet werden könne.
H.
In der Beschwerdeantwort vom 30. November 2010 (act. G 4) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Gemäss den medizinischen
Akten sei ohne Weiteres von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit auszugehen. Das aktuelle Einkommen in angestammter Tätigkeit könne nicht
als Berechnungsbasis für das Invalideneinkommen dienen. Vielmehr seien die
Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) beizuziehen, woraus
ein Bruttolohn von Fr. 59'979.-- jährlich (privater Sektor, Anforderungsniveau 4,
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit 41.6 h, Männer) resultiere. Ausgehend vom
belegten Validenlohn vom Fr. 73'450.-- ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 18% und
somit kein Rentenanspruch.
I.
Mit Replik vom 14. Dezember 2010 (act. G 6) hält der Beschwerdeführer dem
entgegen, mit dem Verweis auf die LSE-Löhne bleibe ungerechtfertigterweise
unberücksichtigt, dass er keine Berufsbildung habe, der deutschen Sprache nicht
mächtig und als G._ nicht mehr in der Lage sei, einen H._ zu beladen. Aufgrund
dieser Überlegungen sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise von
einer 50%igen Invalidität auszugehen.

Erwägungen:
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1.
Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht verneint hat.
1.1 Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Als Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen und psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Ob ein Anspruch besteht und – bejahendenfalls – in welcher Höhe eine Invaliden
rente ausgerichtet wird, bestimmt sich nach dem Invaliditätsgrad (Art. 28 Abs. 2 des
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente. Aus einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% resultiert ein Anspruch
auf eine halbe Rente. Eine Dreiviertelsrente steht denjenigen Versicherten zu, die einen
Invaliditätsgrad von mindestens 60% aufweisen und eine ganze Rente denjenigen,
deren Invaliditätsgrad mindestens 70% beträgt (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid (Valideneinkommen) geworden wäre (Art. 16 ATSG). Die konkrete
Berechnungsformel des Invaliditätsgrads lautet: ([Valideneinkommen –
Invalideneinkommen] x 100 : Valideneinkommen).
1.3 Zur Bemessung des Invaliditätsgrads sind die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es,
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den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen
und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige
Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
2.1 Der Rüge des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin habe nicht berück
sichtigt, dass ab dem Unfallzeitpunkt bis zum 19. Mai 2008 die Einschränkung wesent
lich höher gewesen sei, ist entgegen zu halten, dass Dr. C._ in seinem Arztbericht
vom 30. September 2008 (act. G 4.1.52-1) dem Beschwerdeführer erst ab Mai 2009
eine Arbeitsunfähigkeit attestierte. Nach der Operation am 14. Februar 2006 (vgl. oben
lit. A) hat der Beschwerdeführer offenbar bereits am 7. März 2006 seine Arbeit wieder
zu 100% aufgenommen (act. G 4.2.25). Nach der weiteren Operation vom 17. Januar
2007 arbeitete er ab 30. Januar 2007 auch wieder zu 100% (act. G 4.2.33; G 4.2.35,
vgl. auch die Zusammenstellung der Leistungen der SUVA in act. G 4.2.95). Aus den
Akten gehen sodann keine weiteren Hinweise hervor, wonach dem Beschwerdeführer
ab Januar 2007 bis Mai 2009 eine weitere Arbeitsunfähigkeit attestiert worden wäre;
diese kurzen wochenweisen Arbeitsunfähigkeiten zufolge der Operationen sind für die
Prüfung eines Rentenanspruches nicht relevant bzw. lässt auch den Lauf des
Wartejahrs nicht aus (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG i.V.m. Art. 29 IVV).
2.2 Folglich ist die Arbeitsfähigkeit für den Zeitraum ab Mai 2008 zu überprüfen:
Der behandelnde Hausarzt attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von
50% und führte im jüngsten Bericht aus, betreffend adaptierte Tätigkeit könne mit einer
Erhöhung gerechnet werden (act. G 4.1.40; oben lit. C.h). In seinen Berichten diffe
ter
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renzierte er betreffend angestammte und adaptierte Tätigkeit jedoch nicht hinreichend
klar. So führte er in seinem Arztbericht vom 30. September 2008 (act. G 4.2.59) aus,
dass vor allem eine längere Arbeitszeit als 4 Stunden täglich zu einer unzumutbaren
Zunahme der Beschwerden führe. Auch eine adaptierte Tätigkeit sei mit ähnlichen Be
schwerden verbunden; der Beschwerdeführer arbeite als G._, wobei er nur gewisse
schwere Tätigkeiten ausführen müsse. Doch auch die Arbeit als G._ ohne Heben und
Tragen führe zu Beschwerden, die sich nach 2 bis 3 Stunden immer stärker bemerkbar
machen würden. Dr. C._ lehnte seine medizinischen Beurteilungen - wohl aus
Gründen der Behandlungsnähe zu seinem Patienten - stets an die aktuelle Arbeits
tätigkeit des Beschwerdeführers an, die dieser im Teilpensum weiterführte. So be
trachtete er die Tätigkeit als G._ mit gewissen schweren Tätigkeiten als angestammt,
ging sodann offenbar davon aus, die Tätigkeit als G._ ohne Heben und Tragen stelle
eine adaptierte Tätigkeit dar. Auf dieser Überlegung beruhte dann offenbar seine
Feststellung, dem Versicherten sei in leidensadaptierter Tätigkeit ein 50%-Pensum
zumutbar. Dass die aktuelle Tätigkeit als eine vollständig adaptierte Tätigkeit
angesehen werden kann, ist jedoch auszuschliessen: Aus dem Stellenbeschrieb des
Arbeitsvertrags vom Dezember 2009 (act. G 4.1.22; 50% "Erledigung der
zugewiesenen Arbeiten im Bereich Warenlager, Hochregallager, interne Transporte und
Stellvertretungen") geht klar hervor, dass diese Aufgaben auch belastende Tätigkeiten
beinhalten. Die Auffassung, dass die aktuelle Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht als
vollständig adaptiert angesehen werden kann, vertrat auch die SUVA (vgl. oben
lit. C.m). Dr. C._ führte in seinem Arztbericht vom 2. Februar 2009 (act. G 4.1.40) aus,
dem Beschwerdeführer seien wechselbelastende Tätigkeiten und Rotation im Sitzen
und Stehen zwischen 50% und 70% zumutbar. Betreffend rein sitzende Tätigkeiten
sowie Bücken und Überkopfarbeiten machte er keine Prozentangaben. In seiner
Abschlussbemerkung, wonach eine 50%ige Arbeitsfähigkeit anzunehmen sei, liess
Dr. C._ die erforderliche Unterscheidung zwischen angestammter und adaptierter
Tätigkeit unerwähnt. Es lässt sich in seinen Ausführungen im Übrigen nirgends eine Er
klärung dafür finden, weshalb dem Beschwerdeführer eine vorwiegend sitzende Tätig
keit mit gelegentlichen Positionswechseln nicht zumutbar sein sollte. Insgesamt kann
daher aufgrund fehlender Schlüssigkeit auf die Arbeitsunfähigkeitsüberlegungen des
Hausarztes nicht abgestellt werden.
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2.3 Weiter sind die kreisärztlichen Stellungnahmen der SUVA zu würdigen: Anlässlich
der ersten kreisärztlichen Untersuchung vom 28. Oktober 2008 (act. G 4.2.63 und 64,
vgl. auch act. G 4.1.36) stellte der Kreisarzt eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in ange
stammter Tätigkeit fest. Betreffend einer adaptierten Tätigkeit hielt er fest, dass
Wechselpositionen einnehmende Tätigkeiten, vorwiegend sitzend, günstig wären, aber
auch kurz bis mittelstreckig gehende mit Heben und Tragen von bis mittelschweren
Gewichten "vollschichtig"; dies vor allem unter Berücksichtigung der Prognose. Daher
sei ein Vermeiden repetitiven Gehens in unebenem Gelände, von Treppen, langen Geh
strecken wie Botengänge, Aussetzen an Vibrationen und hämmernden Einflüssen an
gezeigt. Unter "vollschichtig" ist in diesem Zusammenhang wohl die 100%ige
Zumutbarkeit einer adaptierten Arbeit zu verstehen. Zu diesem Ergebnis gelangte auch
die zuständige Ärztin des RAD (act. G 4.1.36; vgl. auch das Schreiben der SUVA an
den Versicherten vom 14. November 2008, act. G 4.2.70). In der Untersuchung vom
23. Juli 2009 (act. G 4.2.88) hielt Dr. D._ fest, betreffend linkes Knie liege eine ver
bleibende Belastungs- und leichte Bewegungseinschränkung bei beginnend mässiger
Gonarthrose vor, das rechte Knie sei klinisch unauffällig und die Zumutbarkeit sei seit
dem 28. Oktober 2008 unverändert. Angestammt attestierte er dem Beschwerdeführer
eine Arbeitsfähigkeit von 75%, wobei die aktuelle Tätigkeit des Beschwerdeführers im
Vergleich zur postulierten Zumutbarkeit nicht ideal sei; diese Ausführungen Dr. D._s
sind wohl so zu verstehen, dass er dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit attestierte (so auch die RAD-Ärztin in act. G 4.1.26). Am 7. Juni
2010 (act. G 4.2.114, vgl. auch act. G 4.1.14) attestierte Dr. D._ dem
Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit angestammt von 70%. Er hielt fest, dass als
weitere Option eine Hemiprothese zu evaluieren sei und sich bei günstigem Ausgang
einer solchen Operation für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ein vollschichtiger
Einsatz ergeben dürfte; dies ohne Einnahme von bodennahen und knienden,
kauernden Haltungen. Diese medizinische Zumutbarkeitsbeurteilung wäre jedoch auch
zum aktuellen Zeitpunkt realistisch mit der zusätzlichen zeitlichen Einschränkung
wegen der Beschwerdehaftigkeit auch für wiederholtes Treppenbegehen oder längere
Gehstrecken. Daraus lässt sich schliessen, dass eine optimal adaptierte,
knieschonende Tätigkeit ohne Treppensteigen und ohne längere Gehstrecken auch
ohne weitere medizinische Massnahmen (Protheseneinsatz) als vollschichtig zumutbar
erachtet wurde. Aus den ärztlichen Berichten geht hervor, dass die
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Krankheitsgeschichte des Beschwerdeführers angemessen berücksichtigt wurde und
in die ärztlichen Überlegungen Eingang fand. Die Diagnosen stützen sich teilweise auf
vorangegangene Untersuchungen des Hausarztes (beispielsweise Röntgenbilder),
teilweise auf eigene Untersuchungen. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruht auf
einer eingehenden Darlegung der dem Beschwerdeführer physisch zumutbaren
Bewegungen. Es sind keine Indizien ersichtlich, die gegen die Zuverlässigkeit der
Berichte sprächen. Insgesamt sind die ärztlichen Berichte nicht zu beanstanden; die
Ausführungen sind nachvollziehbar und rechtsgenüglich: Auf die allen Berichten zu
entnehmende und begründete Einschätzung, wonach dem Beschwerdeführer eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit zumutbar ist, ist abzustellen.
2.4 Nach dem Gesagten ist vorliegend von einer adaptierten Arbeitsfähigkeit von
100% auszugehen.
3.
In einem zweiten Schritt ist zu überprüfen, ob der Einkommensvergleich der
Beschwerdegegnerin korrekt erfolgt ist:
3.1 Vorliegend wurde das Valideneinkommen aufgrund der Angaben der
Arbeitgeberin per 1. Januar 2008 (act. G 4.1.63) berechnet und ergab Fr. 73'450.--, was
vom Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten wird.
3.2 Betreffend Zumutbarkeit einer adaptierten Tätigkeit ist zu bemerken, dass vor
liegend kein Grund ersichtlich ist, weshalb es dem Beschwerdeführer nicht zumutbar
sein sollte, als Hilfsarbeiter einer adaptierten Tätigkeit nachzugehen: Wie oben dar
gelegt (E. 2), ist davon auszugehen, dass ihm eine adaptierte Tätigkeit zu 100% zumut
bar ist. Zur Berechnung des Invalideneinkommens sind die Tabellenlöhne des LSE des
Bundesamtes für Statistik beizuziehen. Die IV-Stelle hat ihrer Berechnung korrekter
weise den Durchschnittslohn des Jahres 2008 im privaten Sektor, Niveau 4, Männer,
zugrunde gelegt. Das Invalideneinkommen im Jahr 2008 beträgt gestützt auf die
Tabelle TA1 bei 100%iger Arbeitsfähigkeit (Fr. 4'806.-- [Bruttolohn "Total" für Männer
im Anforderungsniveau 4 bei 40 Wochenarbeitsstunden] x 12, hochgerechnet auf
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41,6 Stunden betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit "Total" im Jahre 2008 [vgl.
Bundesamt für Statistik]) Fr. 59'979.--.
3.3 Gemäss Bundesgericht ist zudem stets zu prüfen, ob sich im Einzelfall ein Abzug
vom Tabellenlohn rechtfertigt. Zu diesem Zweck ist der Einfluss aller Merkmale auf das
Invalideneinkommen (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) unter Würdigung der Umstände im
Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Der Abzug vom
statistischen Lohn ist auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 75
E. 5 b) bb) und cc) S. 80 mit weiteren Hinweisen). Selbst bei einem Abzug von 10-15%,
wie er vorliegend realistisch wäre, ergäbe sich nach dem Einkommensvergleich kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad (bei 15% Abzug 30.6%). Daher kann auf eine ein
gehende Prüfung, ob bzw. in welchem Ausmass erwerbliche Auswirkungen der
Leistungsbeeinträchtigung bestehen, verzichtet werden.
3.4 Die durch die Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensberechnung ist
nach dem Gesagten im Ergebnis nicht zu beanstanden. Entsprechend hat die Be
schwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu
Recht verneint.
4.
Gemäss den Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren
ist kostenpflichtig und bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten vom
Beschwerdeführer zu tragen. Sie werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69
Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint als angemessen. Diese ist
mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP