Decision ID: 65569769-cc28-577a-97a4-638b8ccb854f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ hatte am 5. März 2000 einen Skiunfall und dabei unter anderem eine
Verletzung der linken Schulter erlitten (Unfallmeldung UVG vom 6. März 2000,
Fremdakten, act. 5-141). Dem Ereignis waren mehrere Rückfälle und Operationen
gefolgt: am 22. Juli 2002 eine arthroskopische Refixation bei Abriss des
glenohumeralen Bandkomplexes ventral links (Operationsbericht Spital B._ vom
23. Juli 2002, Fremdakten, IV-act. 32-12), am 29. August 2003 eine
Schulterarthroskopie, Synvektomie, Biopsie, anteriore, antero-inferiore und postero-
superiore Kapselplikatur, Verschluss des Rotatorenintervalls bei multidirektionaler,
vorwiegend antero-inferiorer Instabilität der Schulter links bei allgemeiner Hyperlaxizität
(Operationsbericht Klinik C._, IV-act. 32-13; Austrittsbericht Klinik C._ vom
4. September 2003, Fremdakten, act. 5-96), am 23. August 2006 eine Arthroskopie und
arthroskopische Bicepstenotomie und Schlüssellochtenodese der langen Bicepssehne
im Sulcus intertubercularis, Intervallnaht und Anfrischen des oberen Glenoidrandes zur
Fixation des Limbus glenoidalis links (Operationsbericht Dr. med. D._, Facharzt FMH
A.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
für Chirurgie, vom 24. August 2006, Fremdakten, act. 5-49 f.). Ein Arthro MRI der linken
Schulter vom 8. März 2012 hatte eine Ruptur der langen Bicepssehne intraarticulär
etwa auf Höhe des Bicepsankers mit Rückzug der Sehne bis auf Höhe der Tubercula
gezeigt (IV-act. 32-16; vgl. zum Ganzen auch Bericht kreisärztliche Untersuchung vom
4. Januar 2013, Fremdakten, act. 6-22 ff.).
Gemäss Bericht von Dr. med. E._, Facharzt Neurologie FMH, vom 22. März
2012 war bei der Versicherten eine Encephalomyelitis disseminata (multiple Sklerose)
diagnostiziert worden (IV-act. 32-10 f.). Die Versicherte hatte im Mai 2011 einen ersten
Schub mit sensibler Halbseitensymptomatik rechts und auch Feinmotorikstörungen
und im Mai 2012 einen zweiten Schub mit eher leichter senso-motorischer
Hemisymptomatik links bei allerdings frischem Ponsherd rechts erlitten (Bericht
Dr. E._ vom 22. Mai 2012, IV-act. 32-1 ff.). Aufgrund der multiplen Sklerose hatte sie
sich am 30. Mai 2012 bei der IV zum Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 24).
A.b.
Die Versicherte hatte per 29. Februar 2012 ihre bisherige Stelle als Mitarbeiterin
der Ordnungspatrouille (Hilfspolizistin) im Stundenlohn bei der Stadt F._ verloren, da
diese aufgehoben bzw. an ein privates Sicherheitsunternehmen ausgelagert worden
war (Arbeitszeugnis vom 29. Februar 2012, IV-act. 26-32; Kündigung vom
20. Dezember 2011, IV-act. 30; Angaben Stadt F._ vom 21. Juni 2012, IV-act. 44).
Infolge dessen hatte sie per 1. März 2012 ihr Pensum in der zusätzlich ausgeübten
Tätigkeit als Taxichauffeuse bei G._ von zuvor rund 50 % auf rund 80 % (bzw.
39 Stunden / Woche bei betriebsüblicher Arbeitszeit von 53 Stunden / Woche) erhöht
(Angaben der Arbeitgeberin vom 24. Juni 2012, IV-act. 46-1 ff., und vom 9. August
2017, IV-act. 153). Mit Mitteilung vom 19. Februar 2013 hatte die IV-Stelle der
Versicherten Beratung und Unterstützung beim Erhalt dieses Arbeitsplatzes
zugesprochen (IV-act. 56).
A.c.
Im Auftrag der Suva war mit der Versicherten in der Rehaklinik Bellikon eine
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt worden. Im Bericht
vom 12. April 2013 war festgehalten worden, aufgrund der objektivierbaren Unfallfolgen
sei die Tätigkeit als Taxichauffeuse aktuell knapp zu bewältigen. Unter
Berücksichtigung der multiplen Sklerose sei sie mittel- bis langfristig nicht geeignet
bzw. zumutbar. Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Progredienz seien sehr
A.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
leichte Arbeiten zumutbar (IV-act. 75-3 f.). In der Folge waren die
Eingliederungsmassnahmen der IV abgeschlossen worden, da die Versicherte weiterhin
in einem 60 %-Pensum beim bisherigen Arbeitgeber als Taxifahrerin arbeite und somit
angemessen eingegliedert sei (Verlaufsprotokoll / Fallabschluss
Eingliederungsberatung vom 11. Juni 2013, IV-act. 66; Mitteilung vom 18. Juni 2013,
IV-act. 68).
Nachdem der IV-Stelle verschiedene Arztberichte (Arztbericht Dr. med. H._,
Facharzt Allgemeinmedizin und Chirotherapie, vom 9. Juli 2013, IV-act. 74-1 ff.;
Arztbericht Dr. med. I._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
8. November 2013, IV-act. 78-7 ff.) sowie Stellungnahmen von RAD-Ärztin Dr. med.
J._, Praktische Ärztin, vom 16. September 2013 (IV-act. 76) und vom 17. Dezember
2013 (IV-act. 79) vorgelegen hatten, hatte sie das Leistungsbegehren nach
Vorbescheidverfahren (IV-act. 88; IV-act. 93) mit Verfügung vom 3. Juni 2014 (IV-
act. 94) abgewiesen.
A.e.
Gestützt auf einen Bericht von Dr. med. K._, Facharzt FMH für Neurologie, vom
7. August 2014, wonach die Versicherte zu mindestens 40 %, eher 50 %,
arbeitsunfähig sei und neurokognitive Einschränkungen sowie eine durch die multiple
Sklerose bedingte Fatigue bestehen würden und eigentlich erstaunlich sei, dass sie
überhaupt noch arbeiten könne (IV-act. 101), hatte die Versicherte am 27. Dezember
2014 um eine "Rente von 50 %" ersucht (IV-act. 102). Dr. K._ hatte in Berichten vom
28. Mai 2015 (IV-act. 111) und 29. Juli 2015 (IV-act. 119-2 f.) festgehalten, ein Pensum
von über 60 % bzw. eine längere Arbeitsdauer als 5 Stunden täglich sei nicht mehr zu
verantworten. Die IV-Stelle hatte mit Mitteilung vom 27. Oktober 2015 den Anspruch
auf (weitere) berufliche Massnahmen wegen angemessener Eingliederung verneint (IV-
act. 130) und der Versicherten nach Vorbescheidverfahren (IV-act. 114) mit Verfügung
vom 31. März 2016 unter Zugrundelegung einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit und eines
Invaliditätsgrades von 47 % mit Wirkung ab 1. Januar 2015 eine Viertelsrente
zugesprochen (IV-act. 112 f., 133 ff.).
A.f.
Ab 14. Februar 2017 war die Versicherte wegen eines erneuten MS-Schubes zu
100 % krank geschrieben worden. In dessen Folge hatte sich auch der psychische
B.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesundheitszustand verschlechtert (ärztliches Zeugnis Dr. K._ vom 14. Februar
2017, IV-act. 137; Bericht Psychiatrie-Zentrum L._ vom 16. Februar 2017, IV-
act. 136). Im Bericht vom 2. März 2017 hatte Dr. K._ festgehalten, im Vergleich zum
14. Februar 2017 habe sich die Gangstörung wieder wesentlich gebessert. Es bestehe
eine im Vergleich zum 14. Februar wesentlich gebesserte leichte Dysarthrie.
Konzentration und gerichtete Aufmerksamkeit seien testpsychologisch unauffällig. Es
bestehe wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, wobei eine maximale Arbeitszeit von 4
bis 4,5 Stunden pro Tag nicht überschritten werden sollte (IV-act. 142). Unter Hinweis
auf eine Verschlechterung der gesundheitlichen und finanziellen Verhältnisse ersuchte
die Versicherte am 9. März 2017 um Erhöhung der Invalidenrente (IV-act. 140).
RAD-Arzt Dr. med. M._, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie,
Physikalische Medizin und Rehabilitation, nahm am 31. März 2017 Stellung: Es handle
sich um eine signifikante, vorübergehende Verschlechterung des Gesundheitszustands
in Form eines MS-Schubes von Anfang Januar 2017 bis Anfang März 2017 mit
entsprechender vorübergehender vollständiger Arbeitsunfähigkeit. Ab 1. März 2017
gelte wieder die ursprüngliche adaptierte Arbeitsfähigkeit von 50 % (IV-act. 143).
B.b.
Mit Vorbescheid vom 3. April 2017 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Gesuchs um Rentenerhöhung. Es
bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige Viertelsrente (IV-act. 146). Mit Einwand
vom 24. Mai 2017 machte die Versicherte geltend, die Arbeitsfähigkeit habe sich seit
dem erneuten Schub im Februar (2017) weiter reduziert. Die noch zumutbare
Arbeitszeit von maximal 4,5 Stunden ergebe gegenüber der betrieblichen
Normalarbeitszeit von 10,4 Stunden täglich ein Pensum von nur noch 43 %. Ohne
Gesundheitsschaden hätte sie die bisherige Tätigkeit im Ordnungs-/Sicherheitsdienst
weiterführen und eine Anstellung bei der diese Aufgabe übernehmenden
Sicherheitsorganisation erhalten können. Gemäss korrektem Einkommensvergleich
habe sie Anspruch auf eine ganze Rente, mindestens aber auf eine Dreiviertelsrente
(IV-act. 150-1 ff.).
B.c.
Mit Verfügung vom 28. August 2017 wies die IV-Stelle das Erhöhungsgesuch ab.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne lediglich vorübergehend eine
Veränderung des Gesundheitszustandes mit 100 % Arbeitsunfähigkeit festgestellt
B.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.
werden. Es bestehe weder ein medizinischer noch ein wirtschaftlicher Revisionsgrund
(IV-act. 154).
Gegen die Verfügung vom 28. August 2017 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwältin lic. iur. N. Ley, am 29. September 2017 Beschwerde erheben. Sie
beantragt, die Verfügung vom 28. August 2017 sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und es sei ihr ab wann rechtens eine ganze Rente
zuzusprechen. Das noch zumutbare Arbeitspensum von 4 Stunden täglich bedeute
gegenüber der Normalarbeitszeit im Betrieb von 10,4 Stunden täglich ein Pensum von
nur noch rund 39 %. Auch wenn die Arbeitsunfähigkeit wie vor dem Schub im Frühjahr
2017 wieder auf 50 % geschätzt werde, bedeuteten die zusätzlichen Einschränkungen
(nur noch maximal 4 Stunden täglich, keine Ganztageseinsätze, kein Pikettdienst) eine
erhebliche und rentenrelevante Veränderung sowohl in gesundheitlicher wie auch
wirtschaftlicher Hinsicht. Demnach liege ein Revisionsgrund vor. Sie habe die
Voraussetzungen für einen vorgesehenen Übertritt in die fortan für die
Ordnungspatrouille verantwortliche N._ mit erhöhten körperlichen Anforderungen an
Fitness und Robustheit sowie hartem körperlichem Training in gesundheitlicher Sicht
nicht mehr erfüllt und habe deshalb keine Anstellung bei der N._ erlangen können.
Ohne Gesundheitsschaden hätte sie diese Tätigkeit weitergeführt. Für die Bemessung
des Valideneinkommens bleibe damit das vor Manifestation der Krankheit im
Ordnungsdienst und als Taxichauffeurin tatsächlich erzielte Einkommen von zusammen
Fr. 70'996.-- (2011; Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-act. 40) massgebend.
Damit resultierten ein Invaliditätsgrad von 74 % und ein Anspruch auf eine ganze Rente
(act. G 1).
C.a.
Mit Verfügung vom 8. November 2017 tritt die IV-Stelle auf ein
Wiedererwägungsgesuch der Versicherten vom 29. September 2017 (IV-act. 160) nicht
ein, da die Voraussetzungen nicht erfüllt seien (IV-act. 163).
C.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 3. Januar 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sowohl im Zeitpunkt der Rentenzusprache als auch
im Zeitpunkt der abweisenden Revisionsverfügung sei die relevante Diagnose diejenige
der multiplen Sklerose gewesen. Dr. K._ habe der Beschwerdeführerin wieder eine
C.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
50 %ige Arbeitsfähigkeit zugesprochen, lediglich sei die Arbeitszeit von maximal 5 auf
4,5 Stunden reduziert worden. Von einer wesentlichen und effektiven Verschlechterung
des Gesundheitszustandes könne nicht ausgegangen werden. Die Beschwerdeführerin
sei weiterhin als Taxichauffeurin beim gleichen Arbeitgeber tätig. Die voraussichtliche
Reduktion des Jahreslohnes im Jahr 2017 sei darauf zurückzuführen, dass sie ihrer
Tätigkeit aufgrund des Schubes nur in reduziertem Umfang habe nachgehen können.
Ferner unterlägen die Monatseinkommen erheblichen Schwankungen. Eine
massgebende Änderung der Erwerbssituation sei nicht ausgewiesen. Damit sei weder
eine massgebende Änderung des Gesundheitszustandes noch der Erwerbssituation
eingetreten. Ein Revisionsgrund liege nicht vor (act. G 4).
Mit Replik vom 30. April 2018 hält die Beschwerdeführerin im Wesentlichen an
den Vorbringen in der Beschwerde fest. Sie macht geltend, die aus der
Verschlechterung des Gesundheitszustandes resultierende Verschlechterung der
Einkommenssituation sei im Verfügungszeitpunkt bereits erkennbar gewesen und
werde durch das inzwischen bekannte gesamte Jahreseinkommen 2017 bestätigt. Die
Stelle bei G._ habe sie explizit auch deswegen angetreten, weil sie davon
ausgegangen sei, diese lasse sich wegen der zu erwartenden nur geringen zeitlichen
Belastung mit der (Haupt-)tätigkeit im Ordnungsdienst problemlos vereinbaren. Das
Arbeitsverhältnis habe sie nicht wegen der Tätigkeit als Taxifahrerin, sondern wegen
der Umstrukturierung verloren. Die frag- und vorbehaltlose Annahme, die Tätigkeit im
Ordnungsdienst sei so oder so verloren und also irrelevant, sei aktenkundig falsch.
Nachdem ein Revisionsgrund vorliege, sei der Rentenanspruch ex nunc et pro futuro in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend zu prüfen. Aus dem korrekten
Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 74 % (act. G 12).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 8. Mai 2018 auf eine Duplik (act. G 14).C.e.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
1.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche Änderung, die sich auf
den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Anspruchs (ein Viertel, ein Zweitel,
drei Viertel, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]) auswirkt (BGE 134 V 132 E. 3). Praxisgemäss
genügt für die Revision einer Invalidenrente, dass eine Tatsachenänderung aus dem
gesamten anspruchserheblichen Tatsachenspektrum eingetreten ist; nicht erforderlich
ist, dass gerade die geänderte Tatsache zur revisionsweisen Neufestsetzung der
Invalidenrente führt (Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2014, 8C_754/2013, E.
3.2.1). Ein Revisionsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den persönlichen
Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 548 E. 7.1). Dazu gehört namentlich
der Gesundheitszustand (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 31. Januar 2012,
9C_896/2011, E. 3.1, in: SVR 2012 IV Nr. 36 S. 140 und vom 13. November 2015,
9C_410/2015, E. 2). Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie
der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. März 2016, 9C_634/2015, E. 6.1 mit Hinweisen; vgl. auch BGE
136 V 281 E. 3.2.1). Ein erwerblicher Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
liegt vor, wenn die Einkommensverbesserung jährlich mehr als Fr. 1'500.-- beträgt
(Art. 31 Abs. 1 IVG). Diese Bestimmung ist indes nicht anwendbar auf
Einkommensverringerungen (BGE 137 V 372 E. 4.4.4). Eine Reduktion des
Einkommens bildet somit für sich nur einen Revisionsgrund, wenn sich der
Invaliditätsgrad rentenwirksam erhöht.
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der Rente wie
auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 26. März 2010, 9C_438/2009, E. 1). Eine Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu
berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Bei
gegebenem Revisionsgrund ist der Rentenanspruch gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 und E. 6.1; Urteil des
Bundesgerichts vom 5. Dezember 2012, 9C_427/2012, E. 3.4).
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Vorliegend zu prüfen und umstritten ist, ob ein Revisionsgrund gegeben ist.
Referenz ist der der rentenzusprechenden Verfügung vom 31. März 2016 (IV-
act. 133 ff.) zugrunde liegende Sachverhalt.
2.1.
Dr. K._ hatte im Bericht vom 7. August 2014 ausgeführt, die Beschwerdeführerin
sei seit 2012 schubfrei. Auffällig seien eine Gangstörung mit eingeschränkter
Gehstrecke sowie neuropsychologische Defizite (Gedächtnis, frontale Funktionen; vgl.
Bericht vom 29. Juli 2015, wonach eine neuropsychologische Untersuchung vom
28. August 2014 eine Gedächtnisstörung vom subkortikalen Typ und leichte frontale
Defizite ergeben habe, IV-act. 119-3). Im Zusammenhang mit einer seit 2011
bestehenden Fatigue sei die Arbeitsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Seit Januar 2014
könne von einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % (eher 50 %) ausgegangen
werden, womit die Beschwerdeführerin klar an ihre Leistungsgrenzen komme.
Aufgrund der klinisch-neurologischen und neuropsychologischen Defizite sei es
eigentlich erstaunlich, dass sie überhaupt noch arbeiten könne (IV-act. 101). Im Bericht
vom 28. Mai 2015 hatte er festgehalten, seit März 2015 arbeite die Beschwerdeführerin
maximal 60 %, meist 50 %. Sie erziele ein sehr gutes Ergebnis im Trailmaking-Test. Ein
Pensum von über 60 % sei nicht zu verantworten, faktisch betrage die
Arbeitsunfähigkeit 50 % (IV-act. 111). Im Arztbericht vom 29. Juli 2015 hatte er
vermerkt, die bisherige Tätigkeit sei nur noch während maximal 5 Stunden zumutbar.
Eine längere Arbeitsdauer sei nicht mehr zu verantworten bzw. realistisch. Aufgrund
des bisherigen Verlaufs könne nicht mit einer Steigerung der Arbeitsunfähigkeit (richtig
wohl: Arbeitsfähigkeit) gerechnet werden; es sei vielmehr mit einer schleichenden
Verschlechterung zu rechnen. Genauer müsste die Leistungsfähigkeit in einem
Arbeitsplatz-Assessment bestimmt werden (IV-act. 119-2 f.). Im Strategiegespräch vom
18. September 2015 hatte RAD-Ärztin Dr. J._ Stellung genommen, es bestünden eine
multiple Sklerose mit belastungsabhängigem Hinken und Gangunsicherheit sowie
neuropsychologische Funktionseinschränkungen. Die Versicherte leide unter
Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen und erbringe daher ein leicht vermindertes
Arbeitstempo. Sie sei in der angestammten Tätigkeit als Taxichauffeuse und in
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten ohne Verrichtungen über Kopfhöhe
und ohne körperfreies Hantieren mit Lasten zu 50 % arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit
sei nicht weiter steigerbar (IV-act. 127-1). Gestützt auf diese medizinische Beurteilung
sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine Viertelsrente zu
(Verfügung vom 31. März 2016, IV-act. 133 ff.). Aufgrund eines erneuten
Krankheitsschubes war die Beschwerdeführerin ab 14. Februar 2017 zu 100 %
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
arbeitsunfähig. Gemäss Bericht von Dr. K._ vom 2. März 2017 hatten sich die
aufgetretene Gang- und Sprechstörung zu diesem Zeitpunkt bereits wieder gebessert
und die neuropsychologische Testung hatte eine unauffällige Konzentration und
gerichtete Aufmerksamkeit ergeben, so dass Dr. K._ wieder eine Arbeitsfähigkeit von
50 % attestierte, wobei eine maximale Arbeitszeit von 4 bis 4,5 Stunden nicht
überschritten werden sollte (IV-act. 142).
Zwar schliesst der nachträgliche Wegfall einer anspruchsrelevanten Änderung
(hier: Verschlechterung) des Gesundheitszustandes das Vorliegen eines
Revisionsgrundes nicht aus (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Februar 2016,
9C_891/2015, E. 2). Indes ist erforderlich, dass die vorübergehende Änderung für den
Rentenanspruch relevant ist und in Anwendung von Art. 88a IVV länger als drei Monate
angedauert hat. Aufgrund des nicht erfüllten zeitlichen Erfordernisses bildet vorliegend
die vorübergehend attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % keinen Revisionsgrund.
2.3.
Dr. K._ schätzte die Arbeitsfähigkeit sowohl vor Eintritt der Verschlechterung als
auch nachdem sich die Beschwerdeführerin von den Folgen des Schubes erholt hatte,
auf 50 %. Somit fragt sich, ob der Umstand, dass Dr. K._ vor Erlass der
Referenzverfügung eine tägliche Arbeitszeit von 5 Stunden und danach eine solche von
4 bis 4,5 Stunden als höchstens zumutbar erachtete, eine bleibende Veränderung der
Arbeitsfähigkeit darstellt und somit einen Revisionsgrund bilden kann.
2.4.
In Taxibetrieben beträgt die wöchentliche Höchstarbeitszeit 53 Stunden (Art. 5
Abs. 1 der Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Führer von
leichten Personentransportfahrzeugen und schweren Personenwagen [ARV 2; SR
822.222]). Diesen Rahmen schöpft die Arbeitgeberin der Versicherten aus (Angaben
vom 9. August 2017, IV-act. 153). Arbeitnehmende haben zudem Anspruch auf einen
Ruhetag pro Woche (Art. 11 Abs. 1 ARV 2) und einen zusätzlichen halben Ruhetag,
wenn die Arbeitszeit auf mehr als fünf Vormittage und Nachmittage verteilt ist (Art. 12
Abs. 1 ARV 2). Somit verteilt sich die wöchentliche Gesamtarbeitszeit von 53 Stunden
bei Vollzeitbeschäftigung auf 5,5 Arbeitstage, was ein tägliches Pensum von 9,64
Stunden ergibt. Insoweit entspricht die von Dr. K._ vor dem Ereignis vom 14. Februar
2017 als zumutbar erachtete angestammte Tätigkeit während 5 Stunden (in etwa) einer
50 %-igen Arbeitsfähigkeit. Seit dem 2. März 2017 ist der Beschwerdeführerin gemäss
Dr. K._ eine tägliche Arbeitszeit von 4 bis 4,5 Stunden zumutbar, wobei in
entsprechender Anwendung der Rechtsprechung zur Angabe von Bandbreiten bei der
Arbeitsfähigkeit vom Durchschnitt (vgl. Urteil vom 4. Juni 2013, 9C_730/2012, E. 4.2)
und somit von einer Arbeitszeit von 4,25 Stunden auszugehen ist. Das der
Beschwerdeführerin stundenmässig zumutbare Pensum beträgt somit 44,1 % des in
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
der Taxibranche zulässigen Pensums. Die gleichzeitig angegebene Arbeitsfähigkeit von
50 % für adaptierte Tätigkeiten bezieht sich offenbar auf eine übliche tägliche
Arbeitszeit von rund 8,5 Stunden. Dies erscheint auch mit Blick auf die Anforderungen
des Taxichauffierens bezüglich Aufmerksamkeit, aber auch bezüglich Handhabung
schwererer Gegenstände beim Einladen plausibel. Folglich ist davon auszugehen, dass
sich die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Taxichauffeurin von 50 %
auf 44 % verringert hat, wogegen in einer besser adaptierten Tätigkeit nach wie vor
eine Arbeitsfähigkeit von 50 % besteht.
Für die Annahme eines Revisionsgrundes ist ein verändertes Erwerbspensum nicht
erforderlich; es genügt, dass die Invaliditätsbemessung neu gestützt auf abstrakte
Werte vorzunehmen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2012, 9C_251/2012,
E. 4.1). Dies ist vorliegend der Fall, denn massgebend für das Vorliegen eines
Revisionsgrundes ist die durch die Verbesserung oder Verschlechterung des
Gesundheitszustandes bewirkte Änderung des Invaliditätsgrades. Letzterer basiert auf
einer Änderung der Erwerbsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), für deren Beurteilung die
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(vgl. Art. 7 Abs. 1 ATSG) - also auch in Verweistätigkeiten - zu berücksichtigen sind.
Die Beschwerdeführerin weist neu in einer Verweistätigkeit eine höhere Arbeitsfähigkeit
auf als in der (noch immer ausgeübten) angestammten Arbeitstätigkeit. Somit ist für
den Einkommensvergleich der Tabellenlohn und eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
anzunehmen. Damit liegt nach der zitierten Rechtsprechung ein Revisionsgrund vor.
2.6.
Ein Revisionsgrund ist auch mit Blick auf den Vergleich des zumutbaren
tatsächlichen Einkommens gegeben: Ausgehend vom Einkommensvergleich der
Referenzverfügung (IV-act. 133-1; IV-act. 112) ist das dort angenommene
Invalideneinkommen, welches auf einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit basiert, an die
reduzierte Arbeitsfähigkeit von 44 % anzupassen und beträgt damit Fr. 21'168.--
(Fr. 24'000.-- : 50 % x 44,1 %). Unter Zugrundelegung des damaligen
Valideneinkommens von Fr. 45'422.-- resultiert ein Invaliditätsgrad von 53,4 %. Die
Herabsetzung der zumutbaren Arbeitsstundenzahl ist somit rentenrelevant. Dies wäre
im Übrigen selbst dann der Fall, wenn die von Dr. K._ ebenfalls angegebene 50 %ige
Arbeitsfähigkeit berücksichtigt und von einer Arbeitsfähigkeit von 47 % (Durchschnitt
von 50 % und 44 %) ausgegangen würde (Invalideneinkommen: Fr. 24'000.-- : 50 % x
47 % = Fr. 22'560.--; Invaliditätsgrad = 50,3 %).
2.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachdem ein Revisionsgrund gegeben ist, sind auch die übrigen Elemente für die
Bestimmung des IV-Grades frei zu prüfen.
Die Beschwerdeführerin arbeitete bis zum 29. Februar 2012 im Stundenlohn bei
der Ordnungspatrouille der Stadt F._. Bei einem Stundenlohn von Fr. 34.-- (inklusive
Ferien- und Feiertagsentschädigung sowie 13. Monatslohn) erzielte sie dabei
Einkommen von Fr. 31'314.-- (2008), 22'334.-- (2009), Fr. 28'672.-- (2010), Fr. 39'968.--
(2011) sowie Fr. 11'095.-- (Januar bis März 2012; hochgerechnet auf das ganze Jahr
2012 Fr. 11095.-- : 3 x 12 = Fr. 44'380.--; zum Ganzen: Angaben Stadt F._ vom
21. Juni 2012, IV-act. 44; Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-act. 106). Einem
Vollzeitpensum hätte gemäss Angaben der Arbeitgeberin vom 21. Juni 2012 seit
1. Februar 2009 ein Einkommen von Fr. 73'685.-- entsprochen (Fr. 34.-- x 42 x 4,3 x
12). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2016 (BFS, T
39, Indices Frauen 2012: 2630; 2016: 2709) beträgt es Fr. 75'898.--. Die Tätigkeit als
Taxichauffeuse übte die Beschwerdeführerin nach Angabe dieser Arbeitgeberin ab
1. August 2008 zu ca. 27 Std. / Woche (ca. 50 % der Gesamtarbeitszeit von 52 Std.),
ab März 2012 zu ca. 39 Std. / Woche (ca. 75 %) und seit 2017 während ca. 16 Std. /
Woche (ca. 30 %) aus (Angaben G._ vom 24. Juni 2012, IV-act. 46-1 ff., und vom
9. August 2017, IV-act. 153). Die Lohnabrechnungen des Jahres 2011 weisen - jeweils
für die vergangenen sechs Monate - Arbeitspensen zwischen 62 % und 82 % aus (IV-
act. 97-1 ff.), jene von November 2014 bis Februar 2015 56 % bzw. 57 %. Im Einzelnen
betrugen die Monatslöhne im November 2014 Fr. 1'801.--, im Dezember 2014
Fr. 2'143.--, im Januar 2015 Fr. 2'182.--, im Februar 2015 Fr. 2'150.-- und im
Durchschnitt dieser Monate Fr. 2'069.-- (IV-act. 109-1 ff.). Rechnet man das Pensum
von 56 % auf ein Vollzeitpensum auf, resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 44'336.--
(Fr. 2'069.-- : 56 x 100 x 12). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis
zum Jahr 2016 (BFS, T 39, Indices Frauen 2014: 2673; 2016: 2709) liesse sich bei
vollzeitlicher Tätigkeit als Taxifahrerin ein Einkommen von Fr. 44'933.-- erzielen.
3.1.
Die Invalidenversicherung gewährt nach der gesetzgeberischen Konzeption als
Erwerbsunfähigkeitsversicherung grundsätzlich nur Versicherungsschutz im Rahmen
eines normalen Einsatzpensums von 100%. Schon deswegen ist ein Nebeneinkommen
nur dann als Validenlohn zu berücksichtigen, falls ein solches bereits im
Gesundheitsfall erzielt wurde und weiterhin erzielt worden wäre, wenn die Versicherte
keine gesundheitliche Beeinträchtigung erlitten hätte (Urteile des Bundesgerichts vom
3. Juli 2008, 9C_45/2008, E. 4.2, und vom 25. Februar 2011, 8C_671/2010, E. 4.5.2).
Vorliegend ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ihr Pensum im Polizei- bzw. Sicherheitsdienst
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
auf 100 % hätte ausbauen können. Es ist daher davon auszugehen, dass sie ohne
Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Schulterbeschwerden und
die multiple Sklerose weiterhin im Pensum von 50 % im Sicherheitsdienst und zu 50 %
als Taxichauffeuse tätig geblieben wäre. Sie hätte damit im Jahr 2016 im
Sicherheitsdienst ein Jahreseinkommen von Fr. 37'949.-- (50 % x Fr. 75'898.--) und als
Taxichauffeuse ein solches von Fr. 22'467.-- (50 % x Fr. 44'933.--) erwerben können.
Somit beläuft sich das Valideneinkommen per 2016 auf Fr. 60'416.--.
Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist zu berücksichtigen, dass in der
angestammten Tätigkeit als Taxichauffeuse neuerdings eine (leicht) geringere
Arbeitsfähigkeit besteht als in einer adaptierten Tätigkeit. Auch aufgrund der jeweils
zwischenzeitlich aufgetretenen Verschlechterungen und des zu erwartenden Verlaufs
der Krankheit erscheint die Arbeit als Taxichauffeuse nicht mehr optimal adaptiert. Es
ist daher vom durchschnittlichen Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 1, Frauen,
gemäss LSE des BFS 2016 auszugehen. Dieser beträgt Fr. 54'581.-- (Informationsstelle
AHV/IV, IV 2019, Bern 2019, Anhang 2). Entsprechend der Arbeitsfähigkeit von 50 %
reduziert er sich auf Fr. 27'291.--. Umstände, die einen Tabellenlohnabzug begründen,
sind nicht ersichtlich und werden nicht geltend gemacht. Somit resultiert bei einem
Valideneinkommen von Fr. 60'416.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 27'291.--
ein Invaliditätsgrad von 54,8 %. Die Beschwerdeführerin hat daher Anspruch auf eine
halbe Rente.
3.3.
Die massgebliche Änderung des Gesundheitszustandes und damit einhergehend
der Arbeitsfähigkeit trat mit dem Schub am 14. Februar 2017 ein. Unter
Berücksichtigung der dreimonatigen Frist gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV besteht der
Anspruch auf eine halbe Rente ab 1. Juni 2017.
3.4.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 28. August 2017 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Beschwerdeführerin hat
ab 1. Juni 2017 Anspruch auf eine halbe Rente. Die Sache ist zur Festsetzung und
Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Hinsichtlich der
Beschwerde gegen die Rentenverfügung gilt es zu beachten, dass gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Überklagung in
4.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte