Decision ID: 328b3487-1727-5572-8a57-d4da862ab1d6
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
Rente (Nichteintreten)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Oktober 2010 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Töchtern
(Jahrgänge 1985 und 1990; IV-act. 1). Im Arztbericht vom 21. Oktober 2003
diagnostizierten Dr. med. B._, Oberärztin Rheumatologie, und Dr. med. C._,
Abteilungsärztin, Klinik Valens, ein lumbospondylogenes Syndrom mit/bei breitbasiger
Diskushernie L4/L5 ohne Neurokompression und eine Adipositas per magna. Für die
angestammte Tätigkeit als Raumpflegerin sowie für eine leichte bis maximal
mittelschwere Arbeitsbelastung bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 9/1-4).
Dr. med. D._, Allgemeine Medizin FMH, stellte im Bericht vom 7. November 2003
zusätzlich eine depressive Entwicklung fest. In einer adaptierten Tätigkeit sei eine
Teilzeitleistung von schätzungsweise 50% realisierbar (IV-act. 10/1-6). Dr. med. E._,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Arztbericht vom 24. Februar
2004 ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit u.a. Phasen von leichteren depressiven
Episoden, verbunden mit Angst und Unsicherheit, am ehesten im Sinn einer Dysthymie,
und eine psychosoziale Belastung in der Ehe (IV-act. 14). Am 19. August 2004 fand
eine Abklärung betreffend die Einschränkungen im Haushalt statt, aufgrund welcher die
IV-Stelle die Versicherte als zu 25% Erwerbstätige und zu 75% als Hausfrau einstufte.
Im Bereich Haushalt ergab die Abklärung dabei eine Einschränkung von 13.36% (IV-act
19).
A.b Mit Verfügung vom 22. November 2004 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten,
dass sie bei einem Invaliditätsgrad von 10% keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
habe (IV-act. 24). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 17. Dezember
2004 (IV-act. 25, ergänzende Begründung vom 29. März 2005, IV-act. 34) wies die IV-
Stelle mit Einspracheentscheid vom 13. Juni 2005 ab (IV-act. 36).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.c Im November 2005 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle und
beantragte die Ausrichtung einer Rente (IV-act. 39). Die IV-Stelle veranlasste daraufhin
eine interdisziplinäre Abklärung bei der MEDAS Zentralschweiz (IV-act. 48). Im MEDAS-
Gutachten vom 20. April 2007 wurden im Wesentlichen ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom rechts, ein chronisches zervikospondylogenes
Syndrom rechts, eine rezidivierende atypische depressive Störung, gegenwärtig leichte
Episode, bei psychosozialer Belastungssituation und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung mit Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
diagnostiziert. Für die angestammte Tätigkeit als Reinigungsfrau sei die Versicherte zu
100% arbeitsunfähig. Für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit (ohne
Arbeiten über der Schulterhorizontalen, mit rekliniertem Kopf, mit gehäuft vorgeneigtem
oder abgedrehtem Oberkörper sowie ohne ausschliesslich sitzende bzw. stehende
Tätigkeiten) bestehe eine 70%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 54).
A.d Mit Verfügung vom 14. Juni 2007 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
aufgrund eines Invaliditätsgrads von 10%. In einer angepassten Tätigkeit bestehe nach
wie vor eine 75%ige Arbeitsfähigkeit. Insbesondere habe keine Verschlechterung seit
dem Einspracheentscheid vom 23. Juni 2005 nachgewiesen werden können (IV-act.
66).
A.e Mit Schreiben vom 6. April 2009 ersuchte die Versicherte um eine erneute
Überprüfung des Rentenanspruchs, da sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert
habe (IV-act. 68). Mit Schreiben vom 17. April 2009 wurde die Versicherte von der IV-
Stelle aufgefordert, Unterlagen einzureichen, um eine relevante Änderung des
rechtserheblichen Sachverhalts seit der Verfügung vom 14. Juni 2007 nachzuweisen
(IV-act. 69). In der Folge reichte die Versicherte Berichte des Kantonsspitals St. Gallen
vom 30. Januar und 3. April 2009, einen Bericht der Klinik Gais vom 24. März 2009 und
einen Bericht von med. pract. F._, Ärztin für Psychiatrie/Psychotherapie FMH, vom 2.
Mai 2009 ein (IV-act. 70).
A.f Im Vorbescheid vom 8. Juni 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht,
dass auf ihr Leistungsbegehren nicht eingetreten werde, da sie nicht glaubhaft
dargelegt habe, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung
wesentlich verändert hätten (IV-act. 75). Gegen den Vorbescheid liess die Versicherte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
am 10. Juli 2009 Einwand erheben und beantragte eine erneute Prüfung der Invalidität
(IV-act. 80). Mit Verfügung vom 22. Juli 2009 eröffnete die IV-Stelle entsprechend dem
Vorbescheid, dass auf das Leistungsbegehren der Versicherten nicht eingetreten
werde (IV-act. 83).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Procap St. Gallen-Appenzell im
Namen der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 14. September 2009
(Beschwerdeergänzung vom 10. November 2009) mit den Anträgen, die Verfügung vom
22. Juli 2009 sei aufzuheben, die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, die
Neuanmeldung materiell zu prüfen und es sei der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung attestiere in der
Stellungnahme vom 28. Mai 2009 (IV-act. 72) eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für eine
adaptierte Tätigkeit. Der ursprünglichen letzten rechtskräftigen Verfügung vom 4. Mai
2007 (richtig: 14. Juni 2007) sei gemäss MEDAS-Gutachten vom 20. April 2007 eine
30%ige Arbeitsunfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten zugrunde gelegt worden. Somit
ergebe sich eine wesentlich veränderte Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit, womit
eine Verschlechterung bereits in medizinischer Hinsicht ausgewiesen sei. Sodann
würde die Beschwerdegegnerin aus finanziellen Gründen, auch aufgrund der grossen
Verschuldung der Familie, einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Veränderung
der Bemessungsmethode - Wechsel von der gemischten Methode in die Methode des
Einkommensvergleichs - sei auch ein Revisionsgrund und eine Veränderung, die dazu
führe, dass die Beschwerdegegnerin auf die Anmeldung einzutreten habe. Bei einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bestehe somit ein Anspruch
auf eine Invalidenrente (act. G 1 und 5).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 21. Dezember 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die angefochtene Verfügung sei
dahingehend zu korrigieren, dass die Beschwerdeführerin als Gesunde zu 80%
erwerbstätig und zu 20% im Haushalt tätig wäre. Von einer vollen Erwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall könne hingegen nicht ausgegangen werden.
Unter Berücksichtigung der höchstrichterlichen Rechtsprechung sei bei der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit gegeben. Auf
die Arbeitsfähigkeitseinschätzung im Austrittsbericht Gais könne somit nicht abgestellt
werden. Unbestrittenermassen habe sich in somatischer Hinsicht der
Gesundheitszustand nicht erheblich verändert. Mangels eines Revisionsgrunds bzw.
der Glaubhaftmachung eines solchen, sei auf die Neuanmeldung der
Beschwerdeführerin zu Recht nicht eingetreten worden (act. G 7).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 5. Januar 2010 wurde der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Prozessführung für das Verfahren vor Versicherungsgericht bewilligt (act.
G 9).
B.d Mit Replik vom 25. Januar 2010 hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
an den gestellten Anträgen fest (act. G 10).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
12).

Erwägungen:
1.
1.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrads verweigert, so wird
gemäss Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3
erfüllt sind. Nach jener Bestimmung muss in einem Revisionsgesuch glaubhaft
gemacht werden, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Diese Eintretensvoraussetzung soll verhindern, dass
sich die Verwaltung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten,
d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE
130 V 71 E. 3.2.3). Diesem Zweck kann im Revisionsverfahren ebenso wie im
Neuanmeldungsverfahren nur wirksam Rechnung getragen werden, wenn sich die
versicherte Person das Ergebnis der letztmaligen materiellen Überprüfung des
Rentenanspruchs - mit rechtsgenüglicher Abklärung des Gesundheitszustands und
gesetzeskonformer Ermittlung des Invaliditätsgrads - im Rahmen eines erneuten
Leistungsgesuchs entgegenhalten lassen muss. Bei der Neuanmeldung (BGE 130 V 71)
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ist somit wie bei der Rentenrevision (auf Gesuch hin oder von Amtes wegen) zeitlicher
Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des
Invaliditätsgrads die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V
108 ff.).
1.2 Nach der Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachung im Sinn von Art. 87 Abs. 3
IVV kein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 121 V 45 E. 2a) zu verstehen. Dem Zweck
der Eintretenshürde von Art. 87 Abs. 3 IVV gemäss muss es sich bei der
Glaubhaftmachung um eine deutlich reduzierte Beweisanforderung handeln. Es genügt,
dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse
Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
dass eine eingehende Sachverhaltsabklärung die behauptete Veränderung nicht
bestätigen wird. Grundsätzlich unterliegt das Glaubhaftmachen nach Art. 87 Abs. 3 IVV
weniger strengen Anforderungen als im Zivilprozessrecht. Bei der Prüfung der
Eintretensvoraussetzung der glaubhaft gemachten Sachverhaltsänderung
berücksichtigt die Verwaltung - oder im Beschwerdefall das Gericht -, ob die frühere
Verfügung nur kürzere oder schon längere Zeit zurückliegt. Sie wird dementsprechend
an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen (SVR 2003
IV Nr. 25 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes vom 22. Januar 2008,
9C_688/2007, E. 2.2).
2.
2.1 Umstritten und zu prüfen ist vorliegend einzig, ob die Beschwerdegegnerin
glaubhaft dargelegt hat, dass sich der Sachverhalt und dadurch der Grad der Invalidität
in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Nach der Rechtsprechung
ist die Invalidenrente nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Die Beschwerdeführerin macht insbesondere geltend, dass sie als
Vollerwerbstätige einzustufen sei.
2.3 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer anderen Methode der
Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, gemischte Methode,
Betätigungsvergleich) führt -, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen,
familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die
Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen.
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis
zum Erlass des Einspracheentscheids bzw. der Verfügung entwickelt haben (BGE 125
V 150 E. 2c mit Hinweisen, Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 11. April
2006, I 266/05, E. 4.2).
2.4 In der Verfügung vom 22. November 2004 wurde ausgeführt, dass die
Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Probleme weiterhin zu 25% erwerbstätig
und zu 75% im Haushalt tätig wäre. In der Einspracheergänzung vom 29. März 2005
führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie im Gesundheitsfall ihren Ehemann
unterstützen und mindestens 80% arbeiten würde. Ihr Ehemann verdiene sehr wenig
und die Kinder seien noch in der Ausbildung. Sie seien jedoch bereits selbständig
genug, dass es möglich wäre mehr zu arbeiten (IV-act. 34). Im Einspracheentscheid
vom 13. Juni 2005 anerkannte die Beschwerdegegnerin, dass aufgrund der
geschilderten knappen finanziellen Verhältnisse mit zwei in Ausbildung stehenden
Kindern eine Ausweitung des Erwerbspensums bei voller Gesundheit auf 80% als
überwiegend wahrscheinlich erscheine. Bei einer 80%igen Erwerbstätigkeit wäre die
Beschwerdeführerin weiterhin in der Lage, den Haushalt zu führen und die anfallenden
Erziehungsaufgaben wahrzunehmen (IV-act. 36/5). Im Zeitpunkt des
Einspracheentscheids vom 13. Juni 2005 waren die Töchter der Beschwerdeführerin 15
1⁄2 und 19 1⁄2 Jahre alt. In der Verfügung vom 14. Juni 2007 sei - gemäss eigenen
Aussagen der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 21. Dezember
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2009 - irrtümlicherweise die ursprüngliche Qualifikation (25% Erwerb und 75%
Haushalt) übernommen worden. Dieser Fehler war allerdings für die damalige
Abweisung des Leistungsbegehrens nicht relevant, da selbst bei korrekter Einstufung
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert hätte. Da im Übrigen eine
rechtskonforme materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat (vgl. BGE
133 V 108), ist in der Folge zu prüfen, inwiefern sich der Sachverhalt seit der Verfügung
vom 14. Juni 2007 möglicherweise verändert hat.
2.5 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren - sowie bereits im Einwand gegen den
Vorbescheid vom 10. Juli 2009 - führte die Beschwerdeführerin aus, dass die ältere
Tochter mittlerweile aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sei. Die jüngere sei
19 Jahre alt und benötige ihre Anwesenheit nicht mehr. Aus finanziellen Gründen, auch
aufgrund der grossen Verschuldung der Familie, würde sie einer vollen Erwerbstätigkeit
nachgehen. Die schlechten finanziellen Verhältnisse und die Verschuldung der Familie
der Beschwerdeführerin sind aktenkundig (act. G 5.2), entsprechend wurde für das
vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung gewährt. Aufgrund der
finanziellen Umstände sowie der familiären Verhältnisse (Wegfall der
Betreuungspflichten gegenüber den mittlerweile volljährigen Kindern, Auszug der
Tochter aus der elterlichen Wohnung) im Zeitpunkt der angefochtenen
Nichteintretensverfügung vom 22. Juli 2009 erscheint eine Pensumveränderung
zumindest glaubhaft. Konkrete Hinweise, welche gegen eine solche Veränderung
sprechen würden, sind nicht erkennbar. Bei der vorliegenden Aktenlage könnte sich
eine Pensumerhöhung in rentenerheblicher Weise auf den Invaliditätsgrad auswirken,
zumal die Beschwerdegegnerin sich bei der materiellen Prüfung des
Leistungsbegehrens auch zu einem allfälligen Leidensabzug zu äussern hat.
2.6 Im Weiteren ist aufgrund der eingereichten Akten auch aus medizinischer Sicht
eine gesundheitliche Veränderung zumindest glaubhaft gemacht worden. Die
Beschwerdeführerin musste sich im Januar 2009 einer Magenbypass-Operation
unterziehen und es wurde neu ein Eisenmangelsyndrom diagnostiziert. Sodann ist von
einer Zwangssymptomatik die Rede, welche sich möglicherweise seit der MEDAS-
Begutachtung verstärkt hat (IV-act. 70/1). Der RAD führte in der Stellungnahme vom
28. Mai 2009 aus, dass im Vergleich zum Zeitpunkt der MEDAS-Begutachtung von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem stationären bis allenfalls leicht verschlechterten Gesundheitszustand
auszugehen sei (IV-act. 72).
2.7 Da somit zusammenfassend die Anforderungen an das Glaubhaftmachen einer
Veränderung des Sachverhalts gegenüber dem Zeitpunkt der Verfügung vom 14. Juni
2007 in einer für den Anspruch erheblichen Weise erfüllt sind, hätte die
Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung eintreten und eine materielle Prüfung
vornehmen müssen.
3.
3.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 22. Juli 2009 gutzuheissen und die Sache ist zur
materiellen Prüfung der Neuanmeldung vom 6. April 2009 an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Diese ist vollumfänglich von der unterliegenden
Beschwerdegegnerin zu tragen.
3.3 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung
für die Kosten der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g ATSG). Unter
Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierigkeit des
Prozesses rechtfertigt es sich, diese auf pauschal Fr. 2'500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP