Decision ID: 96bf0984-3ee8-437e-8acc-e58204b6af56
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- AB wohnt in X. Davor wohnte sie in S (Gemeinde Y). Sie ist seit 1992 geschieden
und hat drei Söhne, P, Jahrgang 1983, R, Jahrgang 1985, und M, Jahrgang 1987. Für
die Kinder wurde ab dem 8. November 1995 eine Erziehungsbeistandschaft gemäss
Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB geführt. Im Zeitraum vom 9. Oktober 2000 bis 12. Dezember
2001 wurde die Familie B von der Sozialpädagogischen Familienbegleitung Wil/
Toggenburg betreut. Im Februar 2001 fand eine Fremdplatzierung des Sohnes P an
einem Pflegeplatz statt. AB war mit diesen Massnahmen einverstanden. Die Politische
Gemeinde Y erbrachte im Rahmen der sozialpädagogischen Familienbegleitung
Leistungen im Ausmass von Fr. 24'051.15, in jenem der Fremdplatzierung von Fr.
14'690.-- (total Fr. 38'741.15).
Mit Schreiben vom 12. Oktober 2006 wurde AB von der Gemeinde X angefragt, wie
ihre derzeitige finanzielle Situation aussehe. Mit Schreiben vom 19. Februar 2007
verlangte AB beim Sozialamt in X eine Auflistung ihrer Schulden gegenüber der
Gemeinde Y/S. Mit Eingabe von 24. Juli 2007 verlangte AB bei der Sozialhilfe- und
Vormundsbehörde X-Y eine rekursfähige Verfügung, da sie die Rückzahlungspflicht
nicht akzeptiere.
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B.- Daraufhin erliess die Sozialhilfe- und Vormundsbehörde X-Y am 1. Oktober 2007
eine Verfügung und stellte darin fest, dass die angelaufenen Sozialhilfeschulden von Fr.
38'741.15 gemäss SHG rückerstattungspflichtig seien. Da es aufgrund der finanziellen
Situation von AB zumutbar sei, diese Ausstände in Raten zurück zu bezahlen, sei der
verfügenden Behörde innert Monatsfrist ein Abzahlungsvorschlag unter
Berücksichtigung der Verjährungsfrist zu unterbreiten.
Gegen die Verfügung erhob AB Rekurs beim Gemeinderat Y. Diesen wies der
Gemeinderat Y mit Entscheid vom 19. November 2007 ab.
C.- Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 4. Dezember 2007 erhob AB Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, die Verfügung der Sozialhilfe- und
Vormundschaftsbehörde X-Y vom 1. Oktober 2007 respektive der Entscheid der
Vorinstanz vom 19. November 2007 seien vollumfänglich aufzuheben. Eventualiter sei
die Streitsache an die Vorinstanz zurückzuweisen mit dem Auftrag, die Zumutbarkeit
der Rückerstattung abzuklären; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Vernehmlassung vom 10. Januar 2008 nahm die Vorinstanz zum Rekurs Stellung
mit dem Antrag, den Rekurs abzuweisen.
Die Rekurrentin reichte nach Einsicht in die Akten am 8. Februar 2008 eine ergänzende
Begründung ein und stellte ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung.
Die Vorinstanz nahm mit Schreiben vom 22. Februar 2008 zur zusätzlichen Eingabe
Stellung.
Nach Einsicht in zusätzliche, von der Vorinstanz eingereichte Akten erfolgte am
29. Februar 2008 eine weitere Eingabe der Rekurrentin.
Auf die Akten und die zur Begründung vorgebrachten Argumente der
Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, im Folgenden eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Nach Art. 41 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1; abgekürzt: VRP) können
Verfügungen auf Rückerstattung finanzieller Sozialhilfe mit Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission angefochten werden. Der Rekurs vom 4. Dezember
2007 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und materieller Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 47 Abs. 1 und 48 Abs. 1 VRP)
Zu prüfen ist, ob der angefochtene Beschluss der Vorinstanz und die diesem zugrunde
liegende Verfügung der Sozialhilfe- und Vormundschaftsbehörde X-Y vom 1. Oktober
2007 überhaupt ein Anfechtungsobjekt darstellen, und ob ein Rechtsschutzinteresse
(Art. 45 Abs. 1 VRP) gegeben ist.
Gemäss Art. 21 Abs. 1 des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1, abgekürzt: SHG) verfügt die
politische Gemeinde, die finanzielle Sozialhilfe geleistet hat, die Rückerstattung. Die
Sozialhilfe- und Vormundschaftsbehörde X-Y hat mit Verfügung vom 1. Oktober 2007
unter dem Titel "Rückerstattung der Sozialhilfeleistungen" beschlossen, die
angelaufenen Sozialhilfeschulden von Fr. 38'741.-- seien gemäss SHG
rückerstattunspflichtig. Da es aufgrund der finanziellen Situation von AB zumutbar sei,
diese Ausstände in Raten zurück zu bezahlen, sei der verfügenden Behörde innert
Monatsfrist ein Abzahlungsvorschlag unter Berücksichtigung der Verjährungsfrist zu
unterbreiten. In den Erwägungen wurde aufgeführt, gemäss Art. 18 SHG seien
Sozialhilfeleistungen, die für sich oder Familienangehörige bezogen worden sind,
rückerstattungspflichtig, sobald sich die finanzielle Situation gebessert habe und die
Rückerstattung zumutbar sei. Die Rückerstattung erstrecke sich auf finanzielle
Sozialhilfe, welche die unterstützte Person für sich, für die mit ihr verheiratete Person
und ihre unmündigen Kinder erhalten habe. Die Verjährungsfrist für die Rückerstattung
der finanziellen Sozialhilfe betrage 15 Jahre.
Diese Verfügung wurde vom Gemeinderat Y im Entscheid vom 19. November 2007
bestätigt. Darin wird festgehalten, aufgrund von Art. 276 des Zivilgesetzbuches (SR
210, abgekürzt: ZGB) hätten die Eltern für den Unterhalt des Kindes aufzukommen,
inbegriffen die Kosten von Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen.
Gemäss Rechtsprechung seien Sozialpädagogische Familienbegleitung und eine
Fremdplatzierung Kindesschutzmassnahmen und gingen somit zu Lasten der Eltern.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/17
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Der Umstand, dass eine Person nicht darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass
sie allenfalls zur Rückzahlung verpflichtet werden könnte, verhelfe ihr nicht zu einer
Befreiung vom Grundsatz der Rückzahlungspflicht. Aufgrund dieser Erwägungen werde
der Rekurs abgewiesen. AB werde angehalten der Sozialhilfe- und
Vormundschaftsbehörde X-Y innert Monatsfrist einen Vorschlag zu unterbreiten, wie
sie die aufgelaufenen Sozialhilfeschulden von Fr. 38'741.15 zurückzuzahlen vermöge.