Decision ID: 367fa3e3-96ed-5166-9ce5-b01a2f1fb187
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung des SEM vom (...) 2014 wurde die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers festgestellt und ihm in der Schweiz Asyl gewährt.
Zu seiner familiären Situation hatte der Beschwerdeführer ausgeführt, er
sei seit 2009 nach Brauch mit D._ verheiratet, welche sich in As-
mara aufhalte. Er habe einen Sohn, B._, geboren am (...) 2005,
und eine Tochter, C._, geboren am (...) 2006, welche bei seiner
Tante mütterlicherseits in Asmara lebten. Die Kindsmutter heisse
E._. Er wisse nicht, wo diese lebe, glaube aber, dass sie Eritrea
verlassen habe. Er sei im August 2010 aus Eritrea ausgereist und am (...)
2012 in die Schweiz gelangt, wo er am (...) 2012 um Asyl nachgesucht
habe.
B.
B.a Der Beschwerdeführer reichte mit Schreiben vom (...) Mai 2014 für
seine Ehefrau und seine beiden Kinder beim SEM ein Gesuch um Famili-
enzusammenführung ein.
B.b Mit Verfügung vom (...) 2014 lehnte das SEM das Familienzusammen-
führungsgesuch für die Ehefrau des Beschwerdeführers mangels vorbe-
standener Familiengemeinschaft ab und verweigerte die Bewilligung der
Einreise in die Schweiz.
B.c Am 10. August 2015 schrieb das SEM das Gesuch um Familienzusam-
menführung bezüglich der beiden Kinder als wegen fehlenden Rechts-
schutzinteresses als gegenstandslos geworden ab. Zur Begründung wurde
ausgeführt, das SEM habe dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
25. Juli 2014 vorgeschlagen, sich einem DNA-Test zu unterziehen, um
Zweifel betreffend das Abstammungsverhältnis auszuräumen. Die ihm
dazu angesetzte Frist sei am 27. Oktober 2014 ungenutzt verstrichen. Mit
Schreiben vom 22. Januar 2015 sei er um Mitteilung aufgefordert worden,
ob er am Gesuch festhalte. Mit Schreiben vom 4. Februar 2015 habe er mit
der Begründung, die Ausreise der Kinder aus Eritrea sei bisher nicht mög-
lich gewesen, um Fristerstreckung ersucht. Am 4. Mai 2015 sei ihm eine
letztmalige Fristerstreckung gewährt worden. Diese Frist sei am 4. August
2015 erneut ungenutzt verstrichen.
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C.
C.a Am 19. März 2015 ersuchte die Ehefrau des Beschwerdeführers die
Schweizerische Botschaft in Addis Abeba um Ausstellung eines nationalen
Visums D zwecks Familiennachzugs. Gemäss den Akten wurde ihr in der
Folge vom Kanton F._ eine Einreisebewilligung in die Schweiz
zwecks Familiennachzugs/Verbleibs beim Ehegatten erteilt.
C.b Am (...) 2016 reiste die Ehefrau des Beschwerdeführers in die Schweiz
ein und suchte am (...) 2016 um Asyl nach. Sie erklärte, ihre Verlobung mit
dem Beschwerdeführer habe im dritten Monat 2010 in Dekemhare stattge-
funden. Sie sei im September 2014 aus Eritrea ausgereist. Im Jahr 2015
hätten sie sich in Äthiopien getroffen und in Addis Abeba standesamtlich
geheiratet.
C.c Mit Verfügung vom 22. Juni 2017 stellte das SEM fest, dass die Ehe-
frau des Beschwerdeführers nicht gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG als
Flüchtling anerkannt werde. Des Weiteren wurde sie gemäss Art. 51 Abs. 1
AsylG als Flüchtling anerkannt und ihr in der Schweiz Asyl gewährt.
D.
D.a Mit Eingabe vom 25. Oktober 2019 reichte der Beschwerdeführer beim
SEM für seine beiden Kinder erneut ein Familienzusammenführungsge-
such im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG (SR 142.31) ein.
Zur Begründung führte er aus, sein Gesuch vom Mai 2014 sei daran ge-
scheitert, dass die Kinder damals noch in Eritrea gewesen seien und nicht
ausser Landes hätten gebracht werden können. Durch die Öffnung der
Grenze zwischen Eritrea und Äthiopien sei es den Kindern jetzt gelungen,
nach Äthiopien zu gelangen. Dort hielten sie sich in einem Flüchtlingscamp
auf.
D.b Mit Eingabe vom 28. Februar 2020 bekräftigte der Beschwerdeführer
das entsprechende Gesuch.
D.c Mit Schreiben vom 3. November 2020 forderte das SEM den Be-
schwerdeführer auf, Fragen insbesondere zur Ausreise der Kinder aus Erit-
rea, zum Aufenthalt der Kindsmutter, zum Sorgerecht über die Kinder, zum
Zeitpunkt seines letzten Zusammenseins mit diesen, zu widersprüchlichen
Geburtsdaten bezüglich des Kindes B._ und zur Beziehung mit sei-
ner heutigen Ehefrau ausführlich und präzise zu beantworten. Zudem
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wurde er aufgefordert, allfällige Identitätsdokumente und eritreische Ge-
burtsurkunden der Kinder und Familienfotos aus Eritrea einzureichen.
Dazu wurde ihm eine Frist bis zum 24. November 2020 eingeräumt.
D.d Nach gewährter Fristerstreckung beantwortete der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 16. Dezember 2020 die Fragen des SEM und reichte di-
verse Unterlagen zu den Akten.
D.e Mit Schreiben vom 22. Januar 2021 forderte das SEM den Beschwer-
deführer zur Beantwortung ergänzender Fragen und Einreichung entspre-
chender Beweismittel zu widersprüchlichen Angaben betreffend den Auf-
enthaltsort der Kinder ab dem Jahr 2011, zum Sorgerecht und zum Kontakt
mit den Kindern auf.
D.f Nach gewährter Fristerstreckung beantwortete der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 16. März 2021 die ergänzenden Fragen des SEM. Gleich-
zeitig reichte er drei Fotos der Kinder ab dem Jahr 2016, ein Schreiben der
Kindsmutter, einen Screenshot betreffend Mobilfunkdaten sowie das
Factsheet "Äthiopien: Konflikt in der Tigray Region" vom 1. Dezember 2020
der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zu den Akten.
E.
Mit Verfügung vom 27. April 2021 – eröffnet am 28. April 2021 – bewilligte
das SEM die Einreise in die Schweiz nicht und lehnte das Gesuch um Fa-
milienzusammenführung gemäss Art. 51 AsylG ab.
F.
Mit Eingabe vom 26. Mai 2021 (Poststempel) erhob der Beschwerdeführer
– handelnd durch seine Rechtsvertreterin – gegen diesen Entscheid beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung des
SEM vom 27. April 2021 sei aufzuheben, das Gesuch um Familienzusam-
menführung vom 25. Oktober 2019 sei gutzuheissen und seinen beiden
Kindern die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, eventualiter sei die Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer
Hinsicht wurden die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und der
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt.
Als Beweismittel wurden auf einem USB-Stick gespeicherte Videobot-
schaften samt Übersetzungen sowie ein Brief von B._ ins Recht
gelegt.
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G.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte den Eingang der Beschwerde
mit Schreiben vom 27. Mai 2021.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 31. Mai 2021 wurden die Gesuche um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses mangels prozessualer Bedürftigkeit des
Beschwerdeführers abgewiesen. Zugleich wurde dieser zur Leistung eines
Kostenvorschusses von Fr. 750.– bis zum 15. Juni 2021 aufgefordert.
I.
Am 10. Juni 2021 wurde beim Bundesverwaltungsgericht ein Kosten-
vorschuss von Fr. 750.– eingezahlt.
J.
Mit Schreiben vom 23. Juli 2021 erkundigte sich die Rechtsvertreterin nach
dem Stand des Verfahrens.
K.
In seiner Vernehmlassung vom 31. August 201 hielt das SEM vollumfäng-
lich an seinen Erwägungen fest.
L.
Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom 29. September 2021 sinn-
gemäss an seinen Vorbringen hinsichtlich Kontaktpflege fest und ersuchte
um Fristerstreckung zur Einreichung weiterer Beweismittel bis zum 13. Ok-
tober 2021.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2021 wurde das Fristerstreckungs-
gesuch unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG abgewiesen.
N.
In einer Eingabe vom 13. Oktober 2021 ergänzte der Beschwerdeführer
seine Replik, reichte weitere Beweismittel ein und ersuchte um Ansetzung
einer Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel.
O.
Mit Eingabe vom 22. Oktober 2021 korrigierte der Beschwerdeführer seine
Eingabe vom 13. Oktober 2021 bezüglich des Jahres eines von ihm erlit-
tenen Armbruchs und der Behandlung dieser Verletzung. Mit Eingabe vom
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26. Oktober 2021 reichte er diesbezüglich ein Schreiben des Universitäts-
spitals G._ vom (...) 2016 sowie des (...) vom (...) 2016 in Kopie zu
den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 6
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist nach der
fristgerechten Leistung des Kostenvorschusses einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage keine Veranlassung
besteht, die vorinstanzliche Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben.
Der Beschwerdeführer hat auch keine formellen Rügen vorgebracht. Das
Eventualbegehren um Rückweisung der Sache an das SEM ist daher ab-
zuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl –
namentlich Ehegatten und minderjährige Kinder von Flüchtlingen ihrerseits
als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl in der Schweiz, wenn keine
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besonderen Umstände dagegensprechen. Wurden die anspruchsberech-
tigten Personen nach Absatz 1 durch die Flucht getrennt und befinden sie
sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51
Abs. 4 AsylG). Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4
AsylG setzt eine vorbestandene Familiengemeinschaft, die Trennung der
Familie durch die Flucht sowie die fest beabsichtigte Familienvereinigung
in der Schweiz voraus (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5, BVGE 2017 VI/4 E. 3.1
und E. 4.4.2, BVGE 2012/32 E. 5).
4.2 Die Trennung der Familiengemeinschaft muss demnach kausal mit je-
nen Umständen zusammenhängen, welche zur Flucht aus dem Heimat-
land Anlass gegeben haben. Ausnahmsweise kann auch dann von einer
im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG relevanten Trennung ausgegangen wer-
den, wenn nicht die Flucht eines Familienmitglieds ins Ausland als solche,
sondern andere zwingende Gründe zur Trennung der Familiengemein-
schaft geführt haben (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.2).
4.3 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyls
ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa-
miliengemeinschaft, die zum Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Familien-
gemeinschaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die fest be-
absichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzuwei-
sen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG; Botschaft des Bun-
desrates vom 4. Dezember 1995 zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie
zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer, BBl 1996 II 70).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung unter Hinweis auf
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion (EMARK) 2000 Nr. 11 E. 3b S. 89 sowie 2006 Nr. 8 E. 3.2 S. 94 f. aus,
gemäss langjähriger Praxis könnten die Bestimmungen zum Familienasyl
nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG weder zur Aufnahme von neuen respektive
von zuvor noch gar nicht gelebten familiären Beziehungen noch zur Wie-
deraufnahme von bereits abgebrochenen familiären Beziehungen heran-
gezogen werden. Das Institut des Familienasyls ziele nach der Konzeption
des Gesetzes und ständiger Praxis alleine auf die Bewahrung bestehender
Familiengemeinschaften ab, respektive auf deren Wiederherstellung, sollte
es aufgrund der Fluchtumstände zu einer erzwungenen Trennung der Fa-
milie gekommen sein.
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Auch wenn von einer bestehenden Familiengemeinschaft zum Zeitpunkt
der Ausreise ausgegangen werden müsse, sei das Verhalten der an-
spruchsberechtigten Personen im Anschluss an die Flucht eines Familien-
angehörigen bei der Beurteilung, ob eine Beziehung zwischenzeitlich ab-
gebrochen ist, ein ebenfalls zu berücksichtigender Umstand. Gemäss Pra-
xis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGer-Urteil D-5671/2015 vom
19. Juli 2017) reichten der rechtliche Bestand der Ehe zwischen den An-
spruchsberechtigten und die Trennung durch die Flucht als Tatsache allein
nicht aus, um von einer gefestigten und bis zum Zeitpunkt des Entscheids
bestehenden Beziehung auszugehen. Dies dürfe analog für das rechtliche
Kindesverhältnis gelten. Das Verhalten der sich in der Schweiz aufhalten-
den Person nach der Flucht sei somit ebenfalls massgeblich für die Beur-
teilung der Anspruchsberechtigung und könne, wenn von einer zwischen-
zeitlichen Aufgabe der Beziehung auszugehen sei, im Sinne besonderer
Umstände gegen den Familiennachzug sprechen.
Vorliegend sei davon auszugehen, dass die Familiengemeinschaft zwi-
schenzeitlich unterbrochen und die feste Absicht, den getrennten Familien-
verband wiederaufzunehmen, nicht hinreichend kundgetan worden sei.
Der Beschwerdeführer habe während mehrerer Jahre ohne plausiblen
Grund keine Bemühungen zum Nachzug seiner Kinder erkennen lassen.
Es müsse ihm zwar zugutegehalten werden, dass er erstmals im Mai 2014
um den Familiennachzug seiner beiden Kinder ersucht habe, daraufhin
aber ein manifestierter Wille zur Fortführung des Gesuchs fehle. Das SEM
habe ihm im Juli 2014 vorgeschlagen, sich bis im Oktober 2014 einem
DNA-Test zu unterziehen. Nachdem die Frist nach drei Monate abgelaufen
sei und der Beschwerdeführer respektive sein damaliger Rechtsvertreter
nichts mehr von sich hören lassen habe, habe ihn das SEM im Januar 2015
gebeten, zum ungenutzten Verstreichen der Frist Stellung zu nehmen. Er
habe daraufhin im Februar 2015 um Fristverlängerung gebeten und mitge-
teilt, seine Kinder hätten Eritrea nicht verlassen können. Da er wiederum
länger nichts mehr von sich habe hören lassen, habe das SEM im Mai 2015
die Frist bis August 2015 erstreckt. Da er sich in der Folge nicht mehr habe
vernehmen lassen, sei das Gesuch um Familienzusammenführung am
(...) August 2015 als gegenstandslos geworden abgeschrieben worden
(vgl. Prozessgeschichte Bst. B.c.). Bis zur Einreichung des vorliegenden
Gesuchs im Oktober 2019 seien sodann vier Jahre verstrichen, ohne dass
den Akten zu entnehmen wäre, dass sich der Beschwerdeführer um einen
Familiennachzug seiner Kinder bemüht hätte. Seine heutige Ehefrau – die
Heirat habe im Jahr 2015 in Äthiopien stattgefunden – habe zwar anlässlich
der Erstbefragung vom (...) 2016 geltend gemacht, sie habe für die Kinder
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ihres Mannes gesorgt, sie möchte fragen, ob sie hierherkommen könnten.
Es gehe aber aus den Akten nicht hervor, dass der Beschwerdeführer da-
raufhin diesbezüglich irgendwelche Schritte eingeleitet habe. Dem vorlie-
genden Gesuch sei zu entnehmen, dass es seinen Kindern durch die Öff-
nung der Grenze zwischen Eritrea und Äthiopien im September 2019 ge-
lungen sei, nach Äthiopien auszureisen. Es möge zwar zutreffen, dass die
Kinder nicht früher hätten ausreisen können, ohne ein erhöhtes Risiko ein-
zugehen. Dieser Umstand vermöge indes nicht zu erklären, weshalb der
Beschwerdeführer zwischen 2015 und 2019 keinerlei Bemühungen zum
Nachzug seiner Kinder habe erkennen lassen respektive weshalb er –
auch bei unbestimmtem Zeitpunkt einer möglichen Ausreise seiner Kinder
– mit einem erneuten Gesuch um Familiennachzug nicht früher an die
Schweizer Behörden gelangt sei. Dies gelte umso mehr, als seine heutige
Ehefrau, die sich ab 2011 um die Kinder gekümmert habe, Eritrea im Jahr
2014 ebenfalls verlassen habe und 2016 zu ihm in die Schweiz gekommen
sei.
Aufgrund der Akten sei folglich ein tatsächlich nach aussen erkennbarer
Wille zur schnellstmöglichen Wiedervereinigung in der Schweiz nicht sicht-
bar; bei einem tatsächlichen Interesse an einem Nachzug wäre zu erwar-
ten gewesen, dass der Beschwerdeführer ein solches bereits früher und
konsequenter geltend gemacht hätte. Sein Verhalten lasse vielmehr auf
eine abgebrochene – oder zumindest unterbrochene – Beziehung schlies-
sen, weshalb von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 Abs. 1
AsylG auszugehen sei, zumal das Familienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4
AsylG praxisgemäss nicht der Wiederaufnahme von zuvor abgebrochenen
oder noch gar nicht gelebten Beziehungen diene (vgl. BVGE 2012/32
E. 5.4.2). Ohnehin sei dahingestellt, ob es dem Wohl der beiden Kinder
effektiv zuträglich wäre, sie aus einem Kulturkreis, in dem sie gross gewor-
den seien und prägende Kinder- und Jugendjahre verbracht hätten, her-
auszulösen, um in ein ihnen fremdes Land zu ihrem leiblichen Vater zu
ziehen, den sie seit über elf Jahren nicht mehr gesehen hätten und zu dem
über diese Zeit keine fortwährende Beziehung nachgewiesen sei. Der
Nachweis an eine solche wäre allerdings ohne Weiteres durch Brief-,
E-Mail- oder Chatkorrespondenz zu erstellen gewesen. Trotzdem sei ein
entsprechender Nachweis bislang unterblieben. Das SEM werde in seiner
Argumentation dadurch bestärkt, dass nicht klar sei, wo sich die Kinder ab
dem Jahr 2011 genau aufgehalten hätten. Aus dem Anhörungsprotokoll
des Beschwerdeführers vom (...) 2014 gehe hervor, dass dessen Tante die
Verantwortung für die Kinder übernommen habe und dessen heutige Ehe-
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frau die Kinder bei dessen Tante in Asmara betreut habe. Im Antwortschrei-
ben vom 16. Dezember 2020 habe der Beschwerdeführer hingegen ange-
geben, seine Kinder seien in dieser Zeit in Dekemhare von seiner Ehefrau
betreut worden. Seine Ehefrau habe zudem anlässlich der Anhörung am
(...) 2016 angegeben, die Kinder würden aktuell, das heisst seit der Verlo-
bung, bei ihrer Mutter in Dekemhare leben. Dem besagten Antwortschrei-
ben sei hingegen zu entnehmen, dass die Kinder ab 2014 bei ihrer Gross-
mutter mütterlicherseits gelebt hätten, die heutige Ehefrau des Beschwer-
deführers habe sie bei ihrer Ausreise dort zurückgelassen. In seiner Stel-
lungnahme vom 16. März 2021 zu diesen Ungereimtheiten habe der Be-
schwerdeführer dargelegt, die Ungenauigkeiten beziehungsweise Wider-
sprüche seien auf die Tatsache zurückzuführen, dass er die Informationen
teilweise von seiner Ehefrau, teilweise von seiner alten Tante und teilweise
von der Grossmutter mütterlicherseits seiner Kinder bekommen habe.
Diese Darlegungen in der Stellungnahme – so das SEM – seien nicht ge-
eignet, die Zweifel bezüglich des Aufenthaltsorts der Kinder auszuräumen.
Von grösserer Tragweite müsse aber der Umstand gewertet werden, dass
der Beschwerdeführer die Informationen anscheinend von verschiedenen
Verwandten, nicht aber von seinen Kindern selbst erhalten habe; diese
seien zurzeit immerhin vierzehneinhalb- respektive sechzehnjährig. Dies
deute mitnichten darauf hin, dass er in einer engen und gefestigten Bezie-
hung mit seinen Kindern gestanden sei.
Schliesslich habe er seine Kontakte zu seinen Kindern kaum dokumentiert.
Aus dem eingereichten Screenshot gingen bloss zwei Telefongespräche
hervor, die er im Februar 2021 mit seinen Kindern geführt habe. Die Kinder
befänden sich den Akten zufolge seit September 2019 in Äthiopien. Der
Konflikt in der Region Tigray, der den telefonischen Kontakt erschwert
habe, sei allerdings erst im November 2020 ausgebrochen. Für den Zeit-
raum dazwischen – sowie für all die Jahre zuvor – seien keine Beweismittel
eingereicht worden, die geeignet wären, den Kontakt zwischen ihm und
seinen Kindern zu dokumentieren. Die eingereichten Fotos, Taufurkunden,
Geburtsscheine, Gesundheitskarten und Schuldokumente vermöchten
nicht zu belegen, dass seine Beziehung zu seinen Kindern nicht abgebro-
chen beziehungsweise unterbrochen gewesen sei. So lägen beispiels-
weise keinerlei Fotos aus den Jahren 2011 bis 2014 in den Akten, als die
heutige Ehefrau des Beschwerdeführers die Kinder betreut haben wolle.
Somit gelinge es dem Beschwerdeführer nicht, eine – sowohl vor als auch
nach der Flucht – schützenswerte, tatsächlich und ununterbrochen gelebte
Beziehung im Sinne des Familienasyls nach Art. 51 AsylG glaubhaft zu ma-
chen.
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Der Vollständigkeit halber müsse mit Nachdruck nochmals festgehalten
werden, dass vorliegend auch das Kindeswohl nicht ausser Acht gelassen
werden dürfe. Die Kinder seien bei der Ausreise des Beschwerdeführers
im August 2009 lediglich drei beziehungsweise viereinhalb Jahre alt gewe-
sen. Sie möchten durchaus noch eine Erinnerung an ihren Vater haben.
Sie hätten den Angaben im Antwortschreiben vom 16. Dezember 2020 zu-
folge seit der Ausreise von dessen heutiger Ehefrau im Jahr 2014 bei ihrer
Grossmutter mütterlicherseits gelebt. Es müsse folglich von einer mittler-
weile viel engeren Beziehung zwischen den Kindern und ihrer Grossmutter
als zwischen ihnen und ihrem Vater ausgegangen werden. Im Sinne des
Kindeswohls erscheine das Aufrechterhalten der Beziehung mit der Gross-
mutter somit wichtiger, als dass die Kinder diese Beziehung aufgeben und
eine neue mit ihrem Vater und dessen heutiger Ehefrau wiederaufbauen
müssten. Diesbezüglich verwies das SEM auf das Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts D-7400/2015 vom 28. Juni 2017.
An diesen Erwägungen vermöge der Umstand nichts zu ändern, wonach
sich die leibliche Mutter der Kinder, die sich in H._ aufhalte, bereit
erklärt habe, dass die Kinder zu ihrem Vater in die Schweiz kommen. In
diesem Zusammenhang sei nämlich festzuhalten, dass die eingereichte
Einverständniserklärung der Kindsmutter nur wenig Beweiswert zu entfal-
ten vermöge respektive dass es dem Beschwerdeführer mit dem einge-
reichten Dokument nicht gelungen sei, die Übertragung der elterlichen
Sorge rechtsgenüglich nachzuweisen.
Aus ganzheitlicher Sicht sei folglich im vorliegenden Fall das Vorliegen be-
sonderer Umstände, die gegen die Bewilligung des Familienasyls spre-
chen, zu bejahen. Die Voraussetzungen der asylrechtlichen Familienzu-
sammenführung seien somit nicht erfüllt.
5.2 In der Beschwerde wurde dem entgegengehalten, das SEM habe das
Gesuch um Familienzusammenführung mit der Begründung abgelehnt,
dass keine schützenswerte, tatsächlich und ununterbrochen gelebte Be-
ziehung im Sinne des Familienasyls nach Art. 51 AsylG glaubhaft gemacht
worden sei. Die Vorinstanz gehe davon aus, dass die Familiengemein-
schaft zwischenzeitlich unterbrochen und die feste Absicht, den getrennten
Familienverband wiederaufzunehmen, nicht hinreichend kundgetan wor-
den sei. Indessen habe das Familienverhältnis entgegen dieser Ansicht
seit der Ausreise des Beschwerdeführers durchgehend bestanden. Dafür
gäbe es zahlreiche Beweise. So habe dieser, kurz nachdem er in der
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Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei, um Familienzusammenfüh-
rung ersucht. Da aber eine sichere Ausreise aus Eritrea damals unmöglich
gewesen sei, habe er dieses Gesuch nicht weiterverfolgt. So habe er da-
mals, als er vom SEM gebeten worden sei, sich einem DNA-Test zu unter-
ziehen, erklärt, dass die Kinder Eritrea nicht verlassen könnten. Sobald
diesen im September 2019 die Ausreise aus Eritrea gelungen sei, habe er
das SEM umgehend um Familienzusammenführung ersucht. Hätte kein re-
gelmässiger Kontakt zwischen ihm und seinen Kindern bestanden, hätte er
wohl kaum von deren Ausreise erfahren. Auch in den Jahren vor 2019 habe
ein enger Kontakt stattgefunden. Der Beschwerdeführer habe unter ande-
rem auch über Videobotschaften mit seinen Kindern kommuniziert. So
habe er im Juli 2017 von seinem Sohn ein Video erhalten, in dem dieser
von der Schule erzähle und dass er den Vater vermisse. Aus dem Video
gehe auch hervor, dass der Beschwerdeführer den Kindern laufend Ge-
schenke nach Eritrea gesandt habe. Auch von der Tochter habe er eine
Videobotschaft erhalten. Diese bedanke sich im Video für die grosszügigen
Geschenke des Vaters. Die Tochter wünsche sich, mit dem Vater leben zu
können. Sie kündige an, ihn per IMO (Telekommunikations-App) anzuru-
fen. Auch im zweiten Video des Sohnes erzähle dieser von weiteren Details
aus seinem Leben. Aus den eingereichten Beweismitteln gehe eindeutig
hervor, dass zwischen dem Beschwerdeführer und seinen Kindern ein en-
ges und vertrautes Verhältnis bestehe. Nebst dem habe er bereits in seinen
Stellungnahmen zum Gesuch um Familienzusammenführung diverse Be-
weismittel eingereicht, welche eine gelebte Familienbindung nachzuwei-
sen vermöchten. Es seien Fotos, Schulzeugnisse und Geburtsscheine ein-
gereicht worden. Wäre die Beziehung des Beschwerdeführers zu seinen
Kindern abgebrochen beziehungsweise unterbrochen, wäre er wohl nicht
im Besitz dieser Dokumente. Dass er den Kontakt mit den Kindern zwi-
schen 2011 bis 2014 nicht dokumentiert beziehungsweise keine Beweis-
mittel dafür eingereicht habe, lasse sich damit erklären, dass er sich in die-
sen Jahren selbst auf der Flucht befunden habe. Schliesslich habe das
SEM ausser Acht gelassen, dass die Grossmutter die Kinder nach Äthio-
pien begleitet habe, um sicherzustellen, dass diese sicher die Grenze über-
queren könnten. Eine Ausreise ohne Begleitung einer erwachsenen Per-
son wäre gefährlich gewesen. Beide Kinder seien minderjährig und somit
vulnerabel. Die Grossmutter werde nach Eritrea zurückkehren und nicht in
Äthiopien bleiben, da dies ein zu grosses Risiko für sie wäre. Sie leide an
Diabetes und Bluthochdruck. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und
ihres Gesundheitszustandes sei nicht klar, wie lange sie noch in der Lage
sei, sich um die Kinder zu kümmern. Auch wenn die Kinder ihren Vater
schon über mehrere Jahre nicht mehr gesehen hätten, sei der Kontakt stets
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gepflegt worden, wodurch auch eine vertrauensvolle Beziehung entstan-
den sei. Unter Berücksichtigung des Kindeswohls sei den Kindern die Ein-
reise in die Schweiz zu bewilligen. Zudem habe sich die Kindsmutter mit
der Zusammenführung einverstanden erklärt.
5.3 In seiner Vernehmlassung vom 31. August 2021 hielt das SEM vollum-
fänglich an seinen Erwägungen fest. Zunächst erstaune, dass Belege für
die Kontaktpflege, welche bereits vor September 2019 hätten bestehen
sollen, nicht zu einem früheren Zeitpunkt eingereicht worden seien. Zudem
falle auf, dass der Beschwerdeführer vorgebracht habe, zwei Videos des
Sohnes und eines der Tochter eingereicht zu haben. Im Gegensatz dazu
habe die Visionierung des Inhalts des USB-Sticks zwei Videobotschaften
der Tochter und eine des Sohnes ergeben. Dies werde auch durch die zu
den Akten gereichten transkribierten Übersetzungen bestätigt. Ferner
könne den Videos kein Entstehungsdatum entnommen werden, sondern
sei lediglich das Änderungsdatum (9. Mai 2021) ersichtlich. Somit basiere
die Angabe des Beschwerdeführers, dass es sich um eine Videobotschaft
vom Juli 2017 handle, lediglich auf einer unbelegten Behauptung und
werde durch die Eingabe in keiner Weise untermauert. Hinzu komme, dass
die beiden Kinder auf den Videos vielmehr den mit der Stellungnahme vom
16. März 2021 eingereichten Fotos aus den Jahren 2018 und 2019 als dem
Foto aus dem Jahr 2016 ähnelten. Ferner gehe weder aus der Beschwer-
deschrift noch aus der Videobotschaft hervor, wie die Videos zum Be-
schwerdeführer gelangt sein sollen. Folglich eigne sie sich nicht, die an-
gebliche Kontaktpflege zum angegebenen Zeitpunkt zu belegen. Hinzu
komme, dass die Beilagen nicht nummeriert seien, weshalb nicht klar er-
sichtlich sei, bei welcher Beilage es sich um den Brief des Sohnes handle.
Vermutungsweise sei davon auszugehen, dass es sich um das von Hand
geschriebene A5-Blatt mit den roten Linien handle, obschon die Überset-
zung dieses Briefes wie bereits die Transkriptionen der Videos den Ver-
merk "Der Übersetzer hat den Inhalt des Briefes mit den Video-Aufzeich-
nungen geprüft." enthalte. Falls es sich um den Brief des Sohnes handle,
eigne sich auch dieses Beweismittel nicht, eine Kontaktpflege zum Sohn
vor dem Jahr 2019 zu belegen. Der Brief verfüge nämlich weder über eine
Unterschrift noch über ein Datum. Ferner erstaune dessen Inhalt, worin
von Telefongesprächen zwischen dem Vater der Kinder und der Mama
(Grossmutter), von der die Kinder betreut würden, die Rede sei. Laut dem
Brief habe der Sohn diese Telefongespräche alle mitgehört. Dieser Um-
stand werfe jedoch die Frage auf, weshalb die Kontaktaufnahme mit den
Kindern nicht ebenfalls per Telefongespräch hätte stattfinden können, son-
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dern, wie vorliegend geltend gemacht, via Videobotschaften respektive mit-
tels Briefpost geschehen sei. Insgesamt seien im Beschwerdeverfahren
keine Beweismittel eingereicht worden, welche sich dafür qualifizierten,
eine Kontaktpflege zwischen den Kindern und deren Vater zum angegebe-
nen Zeitpunkt zu untermauern.
Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Replik vom 29. September
2021 im Wesentlichen, die Videos seien von Bekannten des Beschwerde-
führers aus Deutschland, welche sich zu jener Zeit in Eritrea aufgehalten
hätten, gemacht worden. Diese hätten die Videos an die Ex-Frau des Be-
schwerdeführers nach H._ geschickt, welche sie ihrerseits an Letz-
teren weitergeleitet habe. Die Bekannten hätten dem Beschwerdeführer
die Fotos auch direkt geschickt. Dadurch, dass dieser zwischenzeitlich sein
Mobiltelefon gewechselt habe, seien die Fotos zwar noch vorhanden, der
Verlauf sei aber gelöscht worden. Er werde jedoch versuchen, von seiner
Ex-Frau in H._ und seinen Bekannten in Deutschland entspre-
chende Bestätigungen und Beweismittel (Screenshots oder ähnliches) er-
hältlich zu machen. Dafür brauche er aber Zeit, weshalb er um Erstreckung
der Frist zur Replik bis zum 13. Oktober 2021 ersuche. In seiner weiteren
Eingabe vom 13. Oktober 2021 hielt er an den Ausführungen in der Replik
sinngemäss fest. Er führte im Wesentlichen aus, dass es bezüglich der Vi-
deobot-schaften eine Verwechslung gegeben habe. Der Bekannte E.K. aus
Deutschland habe die Videos und Fotos im Juli 2017 mit seinem eigenen
Mobiltelefon gemacht und dies dem Beschwerdeführer mit der gleichzeitig
eingereichten WhatsApp-Nachricht bestätigt. Dieser habe die Bilder und
Videos am 8. oder 9. Oktober 2018 auf dieselbe Weise an einen anderen
Bekannten geschickt, wobei der damalige Verlauf datiert sei, wie aus den
fünf diesbezüglich eingereichten Beilagen hervorgehe. In Eritrea sei es
nicht üblich, Briefe mit einem Datum und der Unterschrift zu versehen, zu-
dem handle es sich beim Verfasser um ein Kind. Wenn die Kinder zuhause
gewesen seien, hätten sie versucht, die Telefongespräche ihres Vaters mit
der Grossmutter am alten Wandtelefon mit Wählscheibe mitzuhören. Der
Beschwerdeführer habe Anfang 2015 den Arm gebrochen und deshalb
Mitte des Jahres operiert werden müssen. Er sei daran, bezüglich der im
Brief des Sohnes erwähnten Handverletzung Belege zu suchen. Um diese
einzureichen, sei ihm eine angemessene Frist anzusetzen. In den Einga-
ben vom 22. und 26. Oktober 2016 führte er unter Beilage eines Schrei-
bens des Universitätsspitals G._ vom (...) 2016 und der (...) vom
(...) 2016 aus, entgegen seiner Eingabe vom 13. Oktober 2021 habe er
nicht im Jahr 2015, sondern im Frühjahr 2016 einen Armbruch erlitten, wel-
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cher Mitte 2016 operiert worden sei. Insofern datiere der Brief seines Soh-
nes, in welchem auf eine Handverletzung Bezug genommen werde, vom
Jahr 2016. Im Übrigen hielt er an seinen Vorbringen betreffend Kontakt-
pflege mit seinen Kindern fest.
6.
6.1 Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der
Akten in Übereinstimmung mit dem SEM zum Schluss, dass die Voraus-
setzungen für die asylrechtliche Familienzusammenführung gemäss
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht gegeben sind. Die Ausführungen in der
Rechtsmitteleingabe sind nicht geeignet, ein von der angefochtenen Ver-
fügung abweichendes Ergebnis herbeizuführen.
6.2 Der Beschwerdeführer machte in seiner Stellungnahme vom 16. De-
zember 2020 geltend, die Familiengemeinschaft mit seinen Kindern habe
von deren Geburt bis zu seiner Trennung von der Kindsmutter Anfang 2009
bestanden. Im (...) 2009 habe er die Flucht angetreten. Seine Kinder habe
er letztmals im (...) 2009 gesehen. Diese hätten ihn (...) besucht, in wel-
ches er sich, als er sich in (...) befunden habe, (...) habe begeben müssen.
Im (...) 2009 sei er aus Eritrea ausgereist (vgl. SEM-Akte [...]-8/24). Ob
von einer vorbestandenen Familiengemeinschaft ausgegangen werden
kann, kann vorliegend, wie sich aus den nachstehenden Erwägungen
ergibt, offengelassen werden, zumal es das SEM unterlassen hat, auf
diese Sachverhaltsumstände näher einzugehen.
6.3
6.3.1 Dem Beschwerdeführer kann zwar allein aufgrund des Umstands,
dass er das erste Familienzusammenführungsgesuch vom (...) Mai 2014,
nachdem ihm im Mai 2015 vom SEM eine weitere Fristerstreckung bis Au-
gust 2015 gewährt worden war, nicht mehr weiter verfolgte, noch kein Ab-
bruch der Beziehung zu seinen Kindern beziehungsweise der Familienge-
meinschaft vorgeworfen werden, zumal sich die Kinder zur Vornahme des
vom SEM verlangten DNA-Tests in den Sudan hätten begeben müssen,
was ihre illegale Ausreise aus Eritrea bedingt hätte, welche mit einem gros-
sen Risiko verbunden gewesen wäre. In diesem Zusammenhang ist aber
wenig nachvollziehbar, dass der bereits damals vertretene Beschwerde-
führer nicht stärker auf die Unmöglichkeit der sicheren Ausreise hinwies
und versuchte, seine Familienbeziehung zu den beiden Kindern durch an-
dere Beweismittel zu belegen, zumal im vorliegenden Verfahren verschie-
dene Dokumente eingereicht wurden, die auf die Vaterschaft des Be-
schwerdeführers hinweisen. Ungeachtet dessen spricht das Verhalten des
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Beschwerdeführers nach seiner Ausreise gegen eine tatsächlich gelebte
und nach der Flucht im Rahmen des Möglichen aufrecht erhaltene Bezie-
hung. So wartete der Beschwerdeführer mit der Einreichung des (zweiten)
Familienzusammenführungsgesuchs am 25. Oktober 2019 mehr als fünf
Jahre nach seiner Asylgewährung beziehungsweise mehr als vier Jahre
nach der Abschreibung des ersten Gesuchs am (...) 2015 zu. Dies erstaunt
auch insofern, als die Ehefrau des Beschwerdeführers noch während dem
ersten Verfahren um Familiennachzug nach Äthiopien ausreiste und der
Beschwerdeführer sie dort besuchte und ehelichte. Der Einwand in diesem
Zusammenhang, sie habe die Ausreise nur für sich bezahlen können und
die Kinder bei der Mutter zurücklassen müssen (vgl. SEM-Akte [...]-8/24),
vermag dieses Verhalten nicht überzeugend zu erklären. Deshalb bleibt
ebenso wenig nachvollziehbar, weshalb sie nach der am (...) 2015 in Addis
Abeba erfolgten Heirat bei der dortigen Schweizerischen Botschaft am (...)
2015 lediglich für sich und nicht auch für die beiden Kinder um Ausstellung
eines Visums zwecks Familiennachzugs ersuchte. Vielmehr ist einerseits
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich intensiv darum be-
müht hätte, seinen Kindern die Ausreise zusammen mit seiner damaligen
Verlobten zu ermöglichen, wenn er der Beziehung zu ihnen eine entspre-
chende Bedeutung beigemessen hätte. Andererseits scheinen sich die Kin-
der bei ihrer Grossmutter in guter Obhut befunden zu haben. Insgesamt
entsteht eher der Eindruck, der Verbleib der Kinder in Eritrea sei eine be-
wusste Entscheidung und nicht zwingenden Umständen geschuldet gewe-
sen. Auch seine weitere Erklärung, die Grenze zu Äthiopien sei erst im
September 2019 geöffnet worden, überzeugt nicht, zumal der Friedens-
schluss zwischen Eritrea und Äthiopien bereits im Juli 2018 erfolgte und in
der Folge Grenzübertritte möglich wurden. In diesem Zusammenhang be-
fremdet im Übrigen, dass er im ersten Familienzusammenführungsgesuch
vom (...) Mai 2014 in Widerspruch zum Antwortschreiben vom 16. Dezem-
ber 2020 ausführte, er habe seine Ehefrau und die beiden gemeinsamen
Kinder B._ und C._ in Eritrea zurückgelassen (vgl. SEM-
Akte C1/7), mithin die Ehefrau damals als Kindsmutter ausgab.
6.3.2 In seiner Stellungnahme vom 16. Dezember 2020 beantwortete der
Beschwerdeführer die Frage, wie genau er nach seiner Ausreise in all den
Jahren Kontakt gepflegt habe, pauschal damit, dass sie zwei bis drei Mal
pro Monat miteinander telefonieren würden (vgl. SEM-Akte [...]-8/24). Die-
ses Vorbringen erachtet das Gericht aufgrund der Aktenlage als nicht
glaubhaft. Vielmehr ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass die Fa-
miliengemeinschaft zwischenzeitlich unterbrochen worden ist und die feste
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Absicht, den getrennten Familienverband wiederaufzunehmen, nicht hin-
reichend kundgetan wurde. So machte er widersprüchliche Angaben dar-
über, wo seine Kinder ab dem Jahr 2011 gewohnt haben. Diesbezüglich
wurde er im Schreiben des SEM vom 22. Januar 2021 zu Recht darauf
aufmerksam gemacht, dass aus seinem Anhörungsprotokoll vom (...) 2014
hervorgehe, seine Tante habe die Verantwortung für die Kinder übernom-
men und seine heutige Ehefrau betreue die Kinder bei der Tante in Asmara,
wogegen er in seinem Antwortschreiben vom 16. Dezember 2020 angege-
ben habe, die Kinder seien in der besagten Zeit in Dekemhare von seiner
heutigen Ehefrau betreut worden. Des Weiteren habe seine Ehefrau an-
lässlich ihrer Anhörung vom (...) 2014 erklärt, die Kinder würden aktuell bei
ihrer Mutter (Mutter der Ehefrau) in Dekemhare leben, wogegen sie ge-
mäss dem Antwortschreiben ab dem Jahr 2014 bei ihrer Grossmutter müt-
terlicherseits (I._) gelebt hätten. Die Vorinstanz deutete den Um-
stand, dass der Beschwerdeführer die diesbezüglichen Informationen an-
scheinend von verschiedenen Verwandten, nicht aber von seinen Kindern
selbst erhalten hat, ebenfalls überzeugend dahingehend, dass er mitnich-
ten in einer engen und gefestigten Beziehung mit seinen Kindern gestan-
den sei.
6.3.3 Entgegen den Angaben des Beschwerdeführers ist aufgrund der Ak-
tenlage, insbesondere der diesbezüglich bei der Vorinstanz und im Be-
schwerdeverfahren eingereichten Belege, davon auszugehen, dass es
nach seiner Ausreise aus Eritrea und der Asylgewährung in der Schweiz
im Jahr 2014 lediglich sporadisch zu Kontakten mit seinen Kindern kam.
So wurde der Beschwerdeführer im Schreiben des SEM vom 22. Januar
2021 aufgefordert, die von ihm geltend gemachten monatlich zwei- bis drei-
maligen telefonischen Kontakte mit seinen Kindern mit Beweismitteln
(Chat- und Telefonauszüge, Screenshots, etc.) zu untermauern (vgl. SEM-
Akte [...]-9/3). Diesbezüglich legte er seinem Antwortschreiben vom
22. März 2021 lediglich einen Screenshot bei und führte dazu aus, dass es
ihm während der letzten fünf Monate wegen der in der (...)-Region aktuell
herrschenden Konfliktsituation, wo sich seine Kinder seit September 2019
aufhalten würden, lediglich zwei Mal gelungen sei, mit diesen zu telefonie-
ren (vgl. SEM-Akte [...]-13/13). Diese Erklärung überzeugt nicht. Dazu ist
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen, wonach
der besagte Konflikt, der den telefonischen Kontakt erschwert habe, erst
im November 2020 ausgebrochen sei, und für den Zeitraum dazwischen –
sowie für all die Jahre zuvor – keine Beweismittel eingereicht worden seien,
die geeignet seien, den Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und sei-
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nen Kindern zu dokumentieren. Daran vermögen die drei dem Antwort-
schreiben beigelegten Fotos aus den Jahren 2016, 2018 und 2019, auf
welchen die Kinder mit ihrer Grossmutter abgebildet seien, nichts zu än-
dern. Zudem weisen die Transkriptionen der Videobotschaften entgegen
den Ausführungen in der Beschwerde nicht auf regelmässige Kontakte hin,
zumal gerade nicht der Eindruck entsteht, es finde ein regelmässiger Aus-
tausch zu Alltäglichem statt. Ebenso wenig vermag der Beschwerdeführer
solche aus dem Inhalt des angeblich aus dem Jahr 2016 stammenden Brie-
fes seines Sohnes B._ abzuleiten. Schliesslich ist auf die zutreffen-
den Ausführungen in der Vernehmlassung des SEM zu verweisen (vgl.
E. 5.3). Auch die Ausführungen in der Replik des Beschwerdeführers und
der weiteren Eingaben deuten darauf hin, dass der Kontakt zu dessen Kin-
dern nach der Ausreise aus Eritrea im Jahr 2010 beziehungsweise Ankunft
in der Schweiz im Juni 2012 nur sporadisch erfolgte (vgl. E. 5.4). Belege
betreffend die Handverletzung des Beschwerdeführers vermögen daran
nichts zu ändern. Auch Beweismittel zum Erhalt der eingereichten Beweis-
mittel können an dieser Einschätzung nichts ändern, weshalb das Ersu-
chen um Fristansetzung zur Einreichung weiterer Beweismittel abzuweisen
ist.
6.4 Nach dem Gesagten ist insgesamt kein ernsthafter Wille zur Aufrecht-
erhaltung der Vater-Kind-Beziehung beziehungsweise zur Wiedervereini-
gung nach der Ausreise des Beschwerdeführers aus seinem Heimatstaat
erkennbar. Somit ist ein besonderer Umstand im Sinne des Art. 51 Abs. 1
und 4 AsylG zu bejahen, welcher vorliegend gegen einen Familiennachzug
spricht.
6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen von
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht gegeben sind, weshalb das SEM das Ge-
such um Bewilligung der Einreise von B._ sowie C._ in die
Schweiz und um Familienzusammenführung mit dem Beschwerdeführer
zu Recht abgelehnt hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in
der Rechtsmitteleingabe näher einzugehen, da sie an der vorgenommenen
Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen.
6.6 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass es dem Be-
schwerdeführer offensteht, bei den dafür zuständigen kantonalen Migrati-
onsbehörden ein Gesuch um Familiennachzug für seine Kinder gestützt
auf Art. 44 AIG (SR 142.20) einzureichen (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 3.1
m.w.H.; EMARK 2002 Nr. 6, 2006 Nr. 8).
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7.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachver-
halt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE;
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Begleichung der
Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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