Decision ID: 28d31abc-010c-47ab-91df-b876c5416f88
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (Jahrgang 1974) meldete sich im August 2011 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 6). Sie gab an, sie habe einen Kurs des
Schweizerischen Roten Kreuzes zur Pflegehelferin sowie einen Kurs der Neuen
Kosmetik Fachschule zur Fusspflegerin absolviert und arbeite nun in einem Pensum
von 40 Prozent als Pflegehelferin beziehungsweise Fusspflegerin. Bei einem
Vollpensum würde sich ihr Lohn auf 4’019 Franken pro Monat belaufen. Am 2.
September 2011 führte Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD) eine arbeitsmedizinische Untersuchung durch. In seinem Untersuchungsbericht
vom 20. September 2011 hielt er fest (IV-act. 18), die Versicherte leide an einem
Morbus Sudeck bei einem Status nach einer Carpaltunneloperation links im Juni 2011,
an einem Status nach einer Operation eines Hallux valgus rechts im August 2001 sowie
– ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem Narbenbruch im rechten unteren
Bauchraum und an einer Endometriose. Aktuell sei sie sicherlich vollständig
arbeitsunfähig. Die Prognose sei prinzipiell offen; zunächst müsse der weitere
Heilverlauf der linken Hand abgewartet werden. Im Juni 2012 berichtete das
Schmerzzentrum des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 45), die Versicherte leide an
einer mittelgradigen depressiven Episode sowie an einer chronischen Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren. Nach einer Reise in die Heimat im April
2012 habe sich die depressive Symptomatik stark verschlechtert. Bis auf weiteres sei
die Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Im August 2013 führte die IV-Stelle eine
Abklärung im Haushalt der Versicherten durch. Der Abklärungsbeauftragte führte in
seinem Bericht aus (IV-act. 81), die Versicherte habe angegeben, dass sie aktuell ohne
die Gesundheitsbeeinträchtigung in einem Pensum von 60 Prozent arbeiten würde.
Diese Angabe sei überzeugend. Gemäss der geltenden Rechtsprechung könne
bezüglich der Einschränkung in der Haushaltsführung eine Schadenminderungspflicht
der Familie berücksichtigt werden. Dem Ehemann könne eine Mithilfe im Umfang von
90 Minuten pro Tag zugemutet werden. Den beiden Kindern sei eine Mithilfe im
Umfang von je 30 Minuten pro Tag zumutbar. Unter Berücksichtigung dieser
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Schadenminderungspflicht resultiere angesichts der Angaben der Versicherten eine
Einschränkung von 27 Prozent im Aufgabenbereich.
A.b Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das BEGAZ am 20. Februar 2015 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 109). Der neuropsychologische Sachverständige
hielt fest, die Versicherte leide an einer mittelschweren neuropsychologischen Störung
mit primär subcorticalen, fronto-basalen und fronto-mesialen sowie mit sekundär links-
frontalen Hirnfunktionsschwächen. Diese liessen sich in erster Linie wohl aus den
vielgestaltigen Schmerzbeschwerden, aus dem nach wie vor ausgeprägten
depressiven Zustand und zum Teil auch aus der zur Linderung respektive Behandlung
beider Beschwerdekomplexe eingesetzten, psychomotorisch nicht unerheblich
dämpfenden Medikation erklären. Die Versicherte könne kein Vollpensum mehr leisten.
Sie sei auf längere Pausen angewiesen. Wegen der doch merklichen Verlangsamung
sei ihre Leistung selbst in einer ihr vertrauten Tätigkeit leicht reduziert. Der
neurologische Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an einem komplexen
regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) an der linken Hand, was bedeute, dass sie als
funktionell einarmig qualifiziert werden müsse. Eine weitgehend einhändig mit der
dominanten rechten Hand auszuführende Tätigkeit sei ihr vollschichtig zumutbar,
wobei allerdings eine Leistungseinschränkung von 30 Prozent vorliege. Infolge der
sekundären Kopfschmerzexacerbationen mit häufigen Migräne-Exacerbationen sei eine
Leistungseinschränkung von 20 Prozent zu berücksichtigen. Diese sei teiladditiv zu
jener wegen des CRPS zu verstehen, sodass insgesamt für eine angepasste Tätigkeit
eine Leistungseinschränkung von 40 Prozent bestehe. Für die angestammte Tätigkeit
sei eine Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent zu attestieren. Die Einschränkungen
bestünden seit dem chirurgischen Eingriff an der linken Hand im Juni 2011. Der
orthopädische Sachverständige hielt fest, die Versicherte leide an einer sympathischen
Reflex-Dystrophie der linken Hand mit einer sekundären, tendo-ligamentären Steifigkeit
der linken Hand- und Fingergelenke und einer zunehmenden, schmerzhaften
Gebrauchsunfähigkeit und Kraftminderung. Entsprechend sei die Muskulatur der
gesamten linken oberen Extremität minderentwickelt. Klinisch finde sich zudem eine
myofasciale Schmerzkomponente im Schulter-Nackenbereich und in der Lumbalregion.
Eigentliche Funktionsstörungen lägen jedoch am restlichen Achsenskelett nicht vor.
Bildgebend hätten sich nur geringe, unwesentliche degenerative Veränderungen der
Wirbelsäule gezeigt. Die bildgebend nachgewiesenen Veränderungen am linken
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Handgelenk seien sehr typisch für eine sympathische Reflex-Dystrophie. Bimanuelle
Tätigkeiten seien der als funktionell einarmig zu qualifizierenden Versicherten nicht
mehr zumutbar. Auch körperlich schwere Tätigkeiten könnten der Versicherten nicht
mehr zugemutet werden. Für leidensadaptierte Tätigkeiten sei eine schmerzbedingte
Arbeitsunfähigkeit von 30 Prozent zu attestieren. Der psychologische Sachverständige
führte an, retrospektiv sei anhand der Angaben in den medizinischen Vorakten eine
mittelgradige depressive Störung ausgewiesen, die die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten durchschnittlich zu 40 Prozent eingeschränkt habe. Seit Anfang 2014
lasse sich jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
mehr begründen. Der chirurgische Sachverständige konnte keine Befunde mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Der RAD-Arzt Dr. med. C._
qualifizierte das Gutachten des BEGAZ als überzeugend (IV-act. 110).
A.c Die IV-Stelle verglich (IV-act. 111) den von der letzten Arbeitgeberin angegebenen
– auf ein Pensum von 60 Prozent hochgerechneten – Lohn von 31’598 Franken mit 50
Prozent des statistischen Zentralwertes der Hilfsarbeiterinnenlöhne (50 Prozent von
51’444 Franken = 25’722 Franken). Das ergab einen Invaliditätsgrad von 18,6 Prozent.
Ein zweiter Vergleich unter Berücksichtigung eines Arbeitsfähigkeitsgrades von 60
Prozent ergab bei ansonsten unveränderten Berechnungsgrössen einen
Invaliditätsgrad von 2,32 Prozent (IV-act. 112). Mit einem Vorbescheid vom 24. März
2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 114), dass sie die Abweisung ihres
Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung führte sie an, der Invaliditätsgrad sei
anhand der gemischten Methode zu berechnen. Im erwerblichen Bereich resultiere für
die Zeit bis zum 31. Dezember 2014 bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent ein
Invaliditätsgrad von 18,6 Prozent und für die Zeit ab dem 1. Januar 2015 bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 60 Prozent ein Invaliditätsgrad von 2,32 Prozent. Da der
erwerbliche Bereich mit 60 Prozent zu gewichten sei, betrage der entsprechende
Teilinvaliditätsgrad 11,16 Prozent beziehungsweise 1,39 Prozent. Im Aufgabenbereich
Haushalt sei eine Einschränkung von 27 Prozent beziehungsweise – gewichtet mit 40
Prozent – von 11 Prozent zu berücksichtigen. Der Gesamtinvaliditätsgrad betrage
folglich 22,16 Prozent beziehungsweise 12,39 Prozent. Da erst ab einem
Invaliditätsgrad von 40 Prozent ein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe, müsse
das Rentenbegehren der Versicherten abgewiesen werden. Dagegen liess die nun
vertretene Versicherte am 12. Mai 2015 einwenden (IV-act. 120), sie habe vor ihrer
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Erkrankung zehn Jahre lang in einem Vollpensum gearbeitet. Nach einer kurzen
Familienphase (Geburt der Kinder in den Jahren 20_ und 20_) habe sie bereits im Mai
2005 wieder zu arbeiten begonnen. In den Jahren 2006 und 2007 habe sie wieder in
einem Vollpensum gearbeitet. Die Arbeitgeberin habe ihr eine berufsbegleitende
Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit angeboten. Wäre die Versicherte nicht
erkrankt, hätte sie in einem Pensum von 60 Prozent gearbeitet und daneben die
Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit absolviert. Insgesamt wäre sie damit zu
mindestens 80 Prozent ausserhäuslich beschäftigt gewesen. Trotzdem werde die
„Qualifikation“ akzeptiert. Ab dem Zeitpunkt der Ehetrennung müsse allerdings eine
„Qualifikationsänderung“ vorgenommen werden, denn angesichts der tiefen
Unterhaltszahlungen, die das Kreisgericht der Versicherten im Eheschutzverfahren
zugesprochen habe, wäre ihr „als Gesunde“ gar nichts anderes übrig geblieben, als in
einem Vollpensum zu arbeiten. Für die Zeit ab Januar 2014 müsse die Versicherte
deshalb als Vollerwerbstätige qualifiziert werden. Die retrospektive
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen des BEGAZ überzeuge nicht. Zudem
hätten es die Sachverständigen versäumt, dem neuropsychologischen Teilgutachten
hinreichend Rechnung zu tragen. Nach einer eingehenden Aktenwürdigung hielt der
RAD-Arzt Dr. C._ fest, das Gutachten des BEGAZ sei in jeder Hinsicht überzeugend
(IV-act. 122). Mit einem zweiten Vorbescheid vom 20. Oktober 2015 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit (IV-act. 128), dass sie vorsehe, ihr ab dem 1. September 2014 eine
Viertelsrente, ab dem 1. Dezember 2014 eine halbe und ab dem 1. April 2015 eine
Viertelsrente zuzusprechen. Zur Begründung führte sie aus, sie habe den
Invaliditätsgrad nun für die Zeit ab dem 1. Januar 2014 anhand eines reinen
Einkommensvergleichs berechnet. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent habe ein
Invaliditätsgrad von 51 Prozent, bei einer Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent ein
Invaliditätsgrad von 41 Prozent resultiert. Für das sogenannte Wartejahr habe eine
„Mischrechnung“ vorgenommen werden müssen, da die Versicherte gemäss der
gemischten Methode ja zuerst nur zu 22 Prozent invalid gewesen sei. Die
Durchschnittsberechnung habe ergeben, dass die Versicherte im Jahr vor September
2014 durchschnittlich zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sei. Am 20. November
2015 liess die Versicherte einwenden, sie hätte ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung
eine Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit absolviert, weshalb ein entsprechend
höheres Valideneinkommen berücksichtigt werden müsse (IV-act. 131). Am 4. Februar
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2016 liess sie eine Bestätigung ihrer ehemaligen Vorgesetzten einreichen, wonach über
eine Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit für den Fall gesprochen worden sei,
dass die Versicherte ihre familiären und gesundheitlichen Probleme in den Griff
bekomme (IV-act. 138). Mit einer Verfügung vom 22. März 2016 sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Wirkung ab dem 1. September 2014 eine Viertelsrente, mit Wirkung ab
dem 1. Dezember 2014 eine halbe Rente und mit Wirkung ab dem 1. April 2015 eine
Viertelsrente zu (IV-act. 143 ff.). Bezugnehmend auf den Einwand der Versicherten
bezüglich des Valideneinkommens hielt sie fest, dass keine hinreichend konkreten
Anhaltspunkte für die Berücksichtigung des Lohnes einer Fachangestellten Gesundheit
vorlägen (IV-act. 140).
B.
B.a Am 27. April 2016 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. März 2016 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Zusprache mindestens einer halben Rente und eventualiter die Rückweisung der Sache
zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur
Begründung führte er an, die Angaben der ehemaligen Vorgesetzten und die eigenen
Aussagen der Beschwerdeführerin bei der Haushaltsabklärung sprächen mehr für als
gegen die Annahme, dass die Beschwerdeführerin ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung eine Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit
absolviert hätte. Das Valideneinkommen müsse folglich entsprechend höher angesetzt
werden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. Juni 2016 (act. G 4) die Abweisung
der Beschwerde und eventualiter die Feststellung, dass kein Anspruch auf eine Rente
der Invalidenversicherung bestehe. Zur Begründung führte sie an, die Hinweise auf eine
mögliche Ausbildung reichten nicht aus, um einen beruflichen Aufstieg mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Das Valideneinkommen sei folglich
korrekt festgesetzt worden. Das Gutachten des BEGAZ enthalte keine überzeugende
Begründung für das Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent, denn in aller Regel
verhielten sich einzelne Arbeitsunfähigkeitsatteste nicht additiv, weshalb hier nur die
bereits grosszügige Einschränkung von 30 Prozent für die Schmerzen in der linken
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Hand hätten berücksichtigt werden dürfen. Der Invaliditätsgrad liege folglich unter 40
Prozent, weshalb die angefochtene Verfügung zuungunsten der Beschwerdeführerin
abgeändert werden müsse.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 23. August 2016 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).
B.d Am 4. Mai 2018 forderte das Versicherungsgericht das BEGAZ auf (act. G 10), für
einen medizinischen Laien verständlich und nachvollziehbar anzugeben, wie sich die
attestierte Leistungsminderung von 30 Prozent selbst für ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten begründe. Weiter forderte es das BEGAZ auf, darzulegen, wie sich die
Leistungsminderung von 20 Prozent im Zusammenhang mit den Kopfschmerzen
begründe und welchen Überlegungen die gesamthafte Leistungsminderung von 40
Prozent entspringe. Am 6. September 2018 antworteten die Sachverständigen (act. G
11), die Leistungseinschränkung von 30 Prozent begründe sich einerseits mit der
plausiblen namhaften chronischen Schmerzproblematik infolge des CRPS, die zu einer
Belastbarkeitsreduktion mit einem vermehrten Pausenbedarf und einer rascheren
Ermüdung sowie zu einer Verlangsamung führe. Eine zusätzliche Verlangsamung auch
in den alltäglichen Bewegungsabläufen resultiere aus der funktionellen Einarmigkeit.
Anhand der gesamten Datenlage sei von einer relevanten Kopfschmerzproblematik
auszugehen, die die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin nachvollziehbar
einschränke. Die Quantifizierung der daraus resultierenden Leistungsminderung sei
letztlich arbiträr. Unter Berücksichtigung der Konsistenz im Verhalten, der
Beschwerdedarlegung, der Aktenlage und anderer Indikatoren sei die
Arbeitsunfähigkeit infolge der Migräne-Exacerbationen arbiträr auf 20 Prozent
geschätzt worden, was einem Arbeitsausfall von zwei Halbtagen pro Woche
entspreche. Auch wenn bei den schmerzbedingten Einschränkungen teilweise von
einer überlappenden Auswirkung auszugehen sei, handle es sich bei der Migräne
grundsätzlich um eine qualitativ von der CRPS-Problematik zu unterscheidende
Einschränkung, weshalb eine teiladditive Berechnung vorgenommen worden sei. Die
Parteien verzichteten auf eine Stellungnahme zu diesen Ausführungen (vgl. act. G 12).

Erwägungen
1.
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1.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen
ist und die nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat
gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung. Laut dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16
ATSG wird für die Bemessung der Invalidität das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
1.2 Gemäss der langjährigen konstanten Praxis des Bundesgerichtes ist der
Invaliditätsgrad einer versicherten Person nicht anhand eines (reinen)
Einkommensvergleichs zu berechnen, wenn diese Person ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht voll erwerbstätig gewesen wäre. In einem solchen
Fall muss die Invalidität gemäss der Bundesgerichtspraxis anhand der sogenannten
gemischten Methode (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG) bemessen werden. Diese Praxis steht
im Widerspruch zum Wortlaut des Art. 5 Abs. 1 IVG und des Art. 8 Abs. 3 ATSG, im
Widerspruch zum Sinn und Zweck der Invalidenrente, im Widerspruch zum
Rentensystem der Invalidenversicherung und im Widerspruch zum Willen des
historischen Gesetzgebers. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in
seinem Entscheid IV 2014/125 vom 24. Mai 2016 mit einer ausführlichen Begründung
aufgezeigt, dass sich der durch eine Rente der Invalidenversicherung gedeckte
Schaden sowohl für Erwerbstätige als auch für Nichterwerbstätige anhand der
Erwerbsunfähigkeit der versicherten Person bemisst und dass das Gesetz nur für jene
Fälle eine Ausnahme von diesem Grundsatz vorseht, in denen die versicherte Person
bereits vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung (überhaupt) nicht erwerbstätig
gewesen ist und in denen ihr die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aufgrund der
Bedeutung des Familienlebens nicht zugemutet werden kann. Die
Invalidenversicherung ist nämlich eine Volksversicherung, deren Rentenleistungen
einen Schaden des versicherten Gutes „Erwerbsfähigkeit“ abdecken. Als eine
Erwerbsunfähigkeit gilt der Verlust an Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen
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Arbeitsmarkt. Der Frage, ob eine versicherte Person diese Möglichkeiten vor dem
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung genutzt hat, kommt dabei keine Bedeutung
zu. Der Gesetzgeber hat aus diesem Grund bei der Schaffung des IVG explizit
festgehalten, dass sich die Invalidität auch für Haustöchter, Privatiers und Hausfrauen,
die teilweise erwerbstätig gewesen sind, anhand eines reinen Einkommensvergleichs
zu bemessen habe. Nur jenen Hausfrauen, die nie erwerbstätig gewesen waren, wollte
der Gesetzgeber die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zumuten (vgl. BBl 1958 II
1162 und den Bericht der Expertenkommission vom 30. November 1956, S. 27 und
166 ff. und zum Ganzen auch den Entscheid IV 2014/125 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 24. Mai 2016, E. 2.2, mit zahlreichen Hinweisen). Das
Bundesgericht hat bis heute keine überzeugenden Argumente geliefert, die diese als
„St. Galler Praxis“ bekannt gewordene Interpretation der massgebenden
Gesetzesbestimmungen widerlegen würden. In einem aktuellen Urteil hat es sich
einmal mehr nicht mit der Argumentation des Versicherungsgerichtes des Kantons St.
Gallen auseinandergesetzt, sondern diesbezüglich lediglich ausgeführt, „dass es nicht
Sache der Invalidenversicherung ist, die Einbusse in einer Tätigkeit auszugleichen,
welche im hypothetischen Gesundheitsfall nicht ausgeübt würde“ (Urteil des
Bundesgerichtes 9C_823/2017 vom 18. September 2018, E. 3.2). Offenbar unterstellt
das Bundesgericht also bei einer versicherten Person, die teilweise im Haushalt und
teilweise ausserhäuslich tätig ist, dass die Haushaltsführung entweder keinen
ökonomischen Wert habe oder dass sie als eine Art Freizeitbeschäftigung der
versicherten Person qualifiziert werden müsse. Nur eine dieser beiden Annahmen
könnte nämlich die Behauptung des Bundesgerichtes rechtfertigen, die versicherte
Person nutze in einem solchen Fall ihre Erwerbsfähigkeit nicht voll aus. In aller Regel
sind es aber gerade jene versicherten Personen – weit überwiegend Frauen –, die in
den Anwendungsbereich der gemischten Methode fallen, die gesamthaft gesehen am
meisten leisten, nämlich im Aufgaben- und Erwerbsbereich zusammen meist deutlich
mehr als ein Vollpensum. Die sinngemässe „Begründung“ des Bundesgerichtes für die
Diskriminierung ausgerechnet dieser Versicherten, diese würden ihre Erwerbsfähigkeit
nicht voll ausnutzen, mutet vor diesem Hintergrund geradezu zynisch an. Offenbar hat
das Bundesgericht immer noch nicht verstanden, dass die Invalidenversicherung nicht
eine bestimmte Erwerbstätigkeit, sondern vielmehr die Erwerbsfähigkeit einer
versicherten Person versichert, obwohl schon der Wortlaut der massgebenden
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gesetzlichen Bestimmungen derart klar ist, dass kein Zweifel an dieser Tatsache
bestehen kann. Weil sich das Bundesgericht also einmal mehr geweigert hat, sich mit
der Interpretation der massgebenden Gesetzesbestimmungen beziehungsweise mit
den Argumenten für die „St. Galler Praxis“ auseinanderzusetzen, sieht sich das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weiterhin gezwungen, an seiner
Interpretation der massgebenden Gesetzesbestimmungen festzuhalten. Die
Beschwerdeführerin ist deshalb für den gesamten hier massgebenden Zeitraum als
vollerwerbstätig zu qualifizieren, weil sie vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung erwerbstätig gewesen ist und weil ihr die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann.
1.3 Selbst wenn das Versicherungsgericht anstelle der massgebenden
Gesetzesbestimmungen die Bundesgerichtspraxis anwenden würde, würde sich am
Entscheid aus den nachfolgenden Gründen im Ergebnis nichts ändern: Der
Verordnungsgeber hat in Nachachtung des Urteils I 7186/09 des EGMR per 1. Januar
2018 im Art. 27bis Abs. 3 lit. a IVV neu vorgesehen, dass das Erwerbseinkommen, das
eine versicherte Person (deren Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode
berechnet werden muss) durch eine Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, auf eine
Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet werden muss, was den gravierendsten Nachteil der
Anwendung der gemischten Methode (die sogenannte doppelte Gewichtung) eliminiert.
Laut dem oben, in der E. 1.2 bereits erwähnten Urteil des Bundesgerichtes
9C_823/2017 vom 18. September 2018 soll diese Verordnungsbestimmung aber nur
auf Fälle anwendbar sein, die nach deren Inkrafttreten am 1. Januar 2018 rechtshängig
geworden sind (E. 4.4 mit Hinweisen). Diese Einschränkung fusst offensichtlich auf
einer Fehlinterpretation der massgebenden Übergangsbestimmung zur
Verordnungsänderung vom 1. Dezember 2017. Dort heisst es im Abs. 2: „Wurde eine
Rente vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 1. Dezember 2017 [...] verweigert, so
wird eine neue Anmeldung geprüft, wenn die Berechnung des Invaliditätsgrades nach
Art. 27bis Abs. 2–4 IVV voraussichtlich zu einem Rentenanspruch führt“. Das
Bundesgericht scheint davon auszugehen, dass sich diese Übergangsbestimmung
nicht nur auf formell rechtskräftige, sondern auch auf noch nicht in formelle Rechtskraft
erwachsene Rentenverweigerungsverfügungen beziehe, wie das oben erwähnte Urteil
9C_823/2017 vom 18. September 2018 exemplarisch zeigt. Die Ausführungen des
Bundesamtes für Sozialversicherungen zur Verordnungsänderung vom 1. Dezember
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2017 zeigen aber, dass sich diese Übergangsbestimmung nur auf jene Fälle bezieht, in
denen ein Rentengesuch formell rechtskräftig abgewiesen worden ist (vgl. S. 12). Das
versteht sich eigentlich von selbst, denn bei einer Änderung der Rechtslage kann nie
behauptet werden, vor der Änderung sei die alte Rechtslage richtig gewesen und nun
sei die neue Rechtslage richtig, denn eine Gesetzes- oder Verordnungsänderung findet
ihren Grund in aller Regel in der Erkenntnis, dass die frühere Rechtslage (schon immer)
falsch gewesen ist (vgl. dazu RALPH JÖHL, Übergangsrechtliche Probleme im
Leistungsrecht der Sozialversicherung, Diss. 1996, passim). Konsequenterweise muss
eine Änderung der Rechtslage also stets sofort in allen Fällen berücksichtigt werden, in
denen die betroffenen Gesetzes- oder Verordnungsbestimmungen anzuwenden sind.
Das betrifft nicht nur Fälle, in denen die Anwendung nach dem Inkrafttreten erfolgt,
sondern auch alle im Verwaltungs- oder im Verwaltungsstreitverfahren hängigen Fälle,
also auch den vorliegenden Fall. Eine Ausnahme von diesem generellen Grundsatz
würde entsprechende Übergangsbestimmungen voraussetzen, die sich auf zwingende
Gründe müssten stützen können. Eine solche Übergangsbestimmung liegt hier aber
offensichtlich nicht vor. Im Gegenteil hat der Verordnungsgeber explizit darauf
hingewiesen, dass er bezüglich des Art. 27bis IVV den allgemeinen Grundsatz der
sofortigen Anwendbarkeit im vollen Umfang beachtet wissen will; ja sogar formell
rechtskräftig abgeschlossene Fälle sollen – auf eine neue Anmeldung hin – neu
aufgerollt werden. Damit ist offensichtlich, dass der Verordnungsgeber eine echte
Rückwirkung für die Zeit vor dem 1. Januar 2018 vorsieht. Andernfalls hätte er das
Rückkommen auf die rechtskräftig erledigten Fälle nicht zeitlich schrankenlos
angeordnet. Zwingende Gründe, die gegen eine umfassende sofortige Anwendbarkeit
der Verordnungsänderung sprechen würden, sind nicht ersichtlich. Das Urteil I 7186/09
des EGMR, dessen Umsetzung durch die Verordnungsänderung angestrebt wird, ist im
Übrigen bereits am 2. Februar 2016 ergangen, was bedeutet, dass selbst die sofortige
Anwendung der Verordnungsänderung an sich bereits eine Verzögerung von knapp
zwei Jahren darstellt. Die oben erwähnte Bundesgerichtspraxis muss auch vor diesem
Hintergrund als gesetzwidrig qualifiziert werden. Auf den vorliegenden Fall ist der neue
Art. 27bis IVV anzuwenden. Das bedeutet, dass für jene Zeit, in der die
Beschwerdeführerin gemäss der Bundesgerichtspraxis als teilerwerbstätig qualifiziert
werden muss (bis Ende 2013) bei der Berechnung des Invaliditätsgrades für den
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erwerblichen Teil jener Lohn als Valideneinkommen zu berücksichtigen ist, den die
Beschwerdeführerin in einem Vollpensum hätte erzielen können.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat keine eidgenössisch anerkannte Berufsausbildung
abgeschlossen, aber sie hat zwei Kurse absolviert, die sie als Pflegehelferin und als
Fusspflegerin besser qualifiziert haben. Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin
hat vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung eine berufsbegleitende
Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit zur Diskussion gestanden. Die ehemalige
Vorgesetzte der Beschwerdeführerin hat bestätigt, dass die Frage nach einer solchen
Ausbildung im Raum gestanden habe. Sie hat jedoch auch darauf hingewiesen, dass
die Beschwerdeführerin hierfür zuerst ihre familiären und gesundheitlichen Probleme
hätte in den Griff bekommen müssen. Die gesundheitlichen Probleme dürfen zwar bei
der Beantwortung der Frage nach der Validenkarriere keine Rolle spielen, aber
angesichts der gesamten Umstände erscheint es auch unter Ausblendung der
gesundheitlichen Probleme als wenig plausibel, dass die Beschwerdeführerin ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung in der Lage gewesen wäre, eine berufsbegleitende
Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit zu absolvieren. Sie hatte nämlich einen
Versuch, nach der Geburt der beiden Kinder ein Vollpensum zu meistern, wegen einer
massiven Überforderung abbrechen müssen und ihre Kinder waren beim Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nach wie vor sehr jung. Eine berufsbegleitende
Ausbildung hätte deshalb wohl zu einer erneuten Überforderungssituation geführt und
wäre darum auf die Zeit verschoben worden, in der die Kinder die nötige
Selbständigkeit aufgewiesen hätten. Selbst wenn die damalige Arbeitgeberin einer
berufsbegleitenden Ausbildung verbindlich zugestimmt hätte (was nicht der Fall ist),
wäre fraglich, ob die Beschwerdeführerin diese Ausbildung trotz der
Mehrfachbelastung erfolgreich hätte abschliessen können. Der damalige erfolgreiche
Abschluss der Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit im sogenannten
„hypothetischen Gesundheitsfall“ ist also nicht so plausibel, dass es sich rechtfertigen
würde, von einer Validenkarriere der Beschwerdeführerin als Fachangestellte
Gesundheit auszugehen. Folglich besteht die plausibelste hypothetische
Validenkarriere in der Weiterführung der Tätigkeit als Pflegehelferin und Fusspflegerin.
Der Lohn für diese Tätigkeit hätte im Jahr 2011 bei einem Vollpensum 4’019 Franken
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pro Monat respektive 52’245 Franken pro Jahr (= 20’898 Franken ÷ 40%; vgl. IV-act.
15–2) betragen, was etwas weniger als der statistische Zentralwert der
Hilfsarbeiterinnenlöhne gewesen wäre, der sich gemäss dem Anh. 2 der Textausgabe
IVG im Jahr 2011 auf 53’367 Franken belaufen hat. Gemäss den aktuellsten
Ergebnissen der Schweizer Lohnstrukturerhebung (LSE) aus dem Jahr 2012 liegt der
statistische Zentralwert einer Pflegerin ohne Berufsausbildung aber höher als der
statistische Zentralwert sämtlicher Hilfsarbeiterinnenlöhne. Er beträgt nämlich 5’084
Franken pro Monat (TA1, Frauen, Kompetenzniveau 2, Branchen 86–88), während jener
nur 4’112 Franken pro Monat (TA1, Frauen, Kompetenzniveau 1, alle Branchen)
beträgt. Der von der Beschwerdeführerin effektiv erzielte Lohn muss folglich als
deutlich unterdurchschnittlich qualifiziert werden. Da die Akten bestätigen, dass die
Beschwerdeführerin ihre Arbeit mindestens durchschnittlich gut verrichtet hat, kann
nicht eine unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin der Grund
für den unterdurchschnittlichen Lohn gewesen sein. Vielmehr müssen faktische
Zwänge des tatsächlichen Arbeitsmarktes dazu geführt haben, dass die
Beschwerdeführerin nur einen unterdurchschnittlichen Lohn erzielt hat. Hätte sich der
Beschwerdeführerin die Gelegenheit geboten, ihre Tätigkeit zu einem
durchschnittlichen Lohn zu verrichten, hätte sie davon sicherlich Gebrauch gemacht.
Mit anderen Worten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung eine (mindestens) durchschnittlich leistungsfähige
Pflegehelferin beziehungsweise Fusspflegerin wäre, weshalb das Valideneinkommen
dem statistischen Zentralwert einer vollerwerbstätigen Pflegehelferin beziehungsweise
Fusspflegerin entspricht. In zeitlicher Hinsicht ist der Zeitpunkt des Rentenbeginns
massgebend, weshalb die Vergleichseinkommen im Jahr 2012 zu ermitteln sind.
Ausgehend vom erwähnten standardisierten Monatsbetrag von 5’084 Franken ergibt
sich unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,5
Stunden im Jahr 2012 (Branchen 86–88) ein massgebender Jahresbetrag von 63’296
Franken.
2.2 Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens spielt
die medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung eine massgebende Rolle. Die
Beschwerdegegnerin hat diverse Berichte von behandelnden Ärzten eingeholt, kurz
nach der Anmeldung der Beschwerdeführerin zum Leistungsbezug eine RAD-
Untersuchung durchgeführt und schliesslich das BEGAZ mit einer polydisziplinären
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Begutachtung beauftragt. Die Sachverständigen des BEGAZ haben sich eingehend mit
den Vorakten auseinandergesetzt und sie haben die Beschwerdeführerin persönlich
untersucht. In ihrem Gutachten haben sie sowohl die subjektiven Klagen der
Beschwerdeführerin als auch die von ihnen bildgebend und klinisch erhobenen
Befunde ausführlich wiedergegeben. Gesamthaft hat ihnen eine umfassende Datenlage
zur Verfügung gestanden. Hinweise darauf, dass sie eine relevante Problematik
übersehen haben könnten, sind nicht ersichtlich. Die Sachverständigen haben ihre
Diagnosen überzeugend anhand der von ihnen erhobenen objektiven Befunde
begründet und nachvollziehbar aufgezeigt, weshalb davon abweichende Angaben in
den medizinischen Vorakten der behandelnden Ärzte nicht zu überzeugen vermögen.
Das Gutachten des BEGAZ enthält aber keine hinreichend überzeugende Begründung
für die von den Sachverständigen abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung. In ihrer
Stellungnahme zu den entsprechenden vom Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen gestellten Nachfragen haben die Sachverständigen des BEGAZ eine
überzeugende Begründung für ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung nachliefern können.
Widersprüchlichkeiten sind nicht auszumachen. Aus den übrigen medizinischen
Berichten ergeben sich keine Hinweise, die gegen die Zuverlässigkeit der
Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen des
BEGAZ sprechen würden. Der RAD-Arzt Dr. C._ hat das Gutachten nach einer
eingehenden Aktenwürdigung ebenfalls als in jeder Hinsicht überzeugend qualifiziert.
Damit steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
fest, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2011 in der angestammten Tätigkeit
als Pflegehelferin beziehungsweise Fusspflegerin zu 70 Prozent arbeitsunfähig ist, dass
sie in einer adaptierten Tätigkeit bis Ende Dezember 2013 zu 50 Prozent arbeitsunfähig
gewesen ist und dass sie in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit seit Januar 2014 zu
40 Prozent arbeitsunfähig ist. Da der Arbeitsunfähigkeitsgrad in der angestammten
Tätigkeit wesentlich höher als in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit ist und da das
Lohnniveau in der angestammten Tätigkeit nicht wesentlich höher als in einer
leidensadaptierten Hilfsarbeit ist, müsste die Beschwerdeführerin zur idealen
Ausnutzung der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit eine leidensadaptierte Hilfsarbeit
verrichten. Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne (vgl. Anh. 2
der Textausgabe IVG). Ein strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender
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Arbeitgeber müsste allerdings unter anderem einem erhöhten Risiko von
krankheitsbedingten Absenzen, einer mangelnden Flexibilität der Beschwerdeführerin
und der schwankenden Arbeitsleistung Rechnung tragen. Aus betriebswirtschaftlich-
ökonomischer Sicht scheint die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin also nur einen
unterdurchschnittlichen Wert zu haben. Diesem Umstand wäre an sich mit einem
praxisgemässen Tabellenlohnabzug von zehn Prozent Rechnung zu tragen.
Andererseits sprechen mehrere Indizien für eine überdurchschnittliche
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin: Ihre ehemalige Arbeitgeberin ist mit ihrer
Arbeitsleistung sehr zufrieden gewesen; in mehreren Akten wird darauf hingewiesen,
dass die Beschwerdeführerin die deutsche Sprache sehr gut beherrscht, obwohl diese
für sie eine Fremdsprache ist und obwohl die Beschwerdeführerin gezwungen gewesen
war, ihre schulische Ausbildung nach der obligatorischen Schulzeit abzubrechen und
ohne eine berufliche Ausbildung in die Schweiz einzureisen. Diesen Umständen ist mit
einem „Tabellenlohnzuschlag“ von zehn Prozent Rechnung zu tragen, der den oben
erwähnten Tabellenlohnabzug egalisiert. Das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen beläuft sich folglich für die Zeit bis Ende 2013 auf 25’721 Franken
(= 51’441 Franken × 50%) und für die Zeit ab Januar 2014 auf 30’865 Franken (=
51’441 Franken × 60%).
2.3 Anhand eines reinen Einkommensvergleichs ergibt sich folglich für die Zeit bis
Ende 2013 ein Invaliditätsgrad von 59,36 Prozent (= [63’296 – 25’721] ÷ 63’296). Für
die Zeit ab Januar 2014 beträgt der Invaliditätsgrad 51,24 Prozent (= [63’296 – 30’865]
÷ 63’296).
2.4 Würde der Invaliditätsgrad für die Zeit vor Januar 2014 anhand der gemischten
Methode ermittelt, würde sich die Frage nach der Einschränkung der
Beschwerdeführerin im Aufgabenbereich Haushalt stellen. Ein Abklärungsbeauftragter
der IV-Stelle hat diese Einschränkung auf 27 Prozent beziffert. Die Sachverständigen
des BEGAZ haben für den Aufgabenbereich Haushalt eine Einschränkung von 30
Prozent attestiert. Bei einem Erwerbspensum von 60 Prozent und einem Pensum im
Aufgabenbereich von 40 Prozent würde sich der Invaliditätsgrad für die Zeit bis Ende
2013 demnach anhand der gemischten Methode wie folgt berechnen: Der
Teilinvaliditätsgrad im Aufgabenbereich würde 10,8 beziehungsweise 12 Prozent
betragen (= 40% von 27% bzw. von 30%). Im Erwerbsbereich ergäbe sich ein
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Teilinvaliditätsgrad von 60 Prozent von 59,36 Prozent, also von 35,62 Prozent. Der
Gesamtinvaliditätsgrad betrüge folglich 46,42 beziehungsweise 47,62 Prozent.
2.5 In Bezug auf ihre angestammte Tätigkeit ist die Beschwerdeführerin ab Juni 2011
weitgehend arbeitsunfähig gewesen, wie die Sachverständigen des BEGAZ anhand
einer überzeugenden Würdigung der medizinischen Akten aufgezeigt haben. Da sich
die Beschwerdeführerin bereits im August 2011 zum Leistungsbezug angemeldet hat,
ist die Sechsmonatsfrist des Art. 29 Abs. 1 IVG beim Ablauf des sogenannten
Wartejahrs im Sinne des Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG jedenfalls erfüllt gewesen. Bleibt die
Frage zu beantworten, wann das Wartejahr geendet hat. Die psychische
Gesundheitsbeeinträchtigung hat die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdegegnerin nur
vorübergehend in den Jahren 2012 und 2013 eingeschränkt. Die ab Januar 2014
massgebende Gesundheitsbeeinträchtigung – das CRPS an der linken Hand und die
Migräne-Exacerbationen – hat dagegen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für
die angestammte Tätigkeit und für leidensadaptierte Tätigkeiten durchgehend ab Juni
2011 eingeschränkt, was bedeutet, dass das sogenannte Wartejahr am 31. Mai 2012
geendet hat. Die Beschwerdeführerin hat folglich ab dem 1. Juni 2012 einen Anspruch
auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt. Da sie in jenem Zeitpunkt gerundet zu
59 Prozent invalid gewesen ist, ist ihr mit Wirkung ab dem 1. Juni 2012 eine halbe
Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Auch für die Zeit ab dem 1. Januar
2014 hat die Beschwerdeführerin – bei einem Invaliditätsgrad von 51 Prozent – einen
Anspruch auf eine halbe Rente. Die angefochtene Verfügung erweist sich damit im
Ergebnis als rechtswidrig, weshalb sie aufzuheben ist.
3.
In Gutheissung der Beschwerde wird der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 1.
Juni 2012 eine halbe Rente zugesprochen. Die Sache wird zur Festsetzung der
Rentenbeträge an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Die Gerichtskosten von
600 Franken sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; der
Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat auch die Kosten für die Rückfrage an die
Sachverständigen des BEGAZ von 1’500 Franken zu bezahlen. Zudem hat sie der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten, die angesichts des
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durchschnittlichen Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf 3’500 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.