Decision ID: cd1a89ca-4f35-4de3-b031-90172dab0f50
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, war seit dem
1.
März 2009 bei der
Y._
AG als Key Account Manager tätig und damit bei der Schweizeri
schen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) unfallversichert, als er am 2
8.
Mai 2010 einen Auffahrunfall erlitt (
Urk.
8/173
Ziff.
1-6), bei dem er sich eine Tho
rax-Kontusion und eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) zuzog (
Urk.
8/14 S. 1 Mitte).
Mit Verfügung vom 1
7.
Juni 2014 stellte die SUVA die von ihr bis dahin erbrach
ten Leistungen per 3
0.
Juni 2014 ein (
Urk.
8/332). Die dagegen vom Krankenversicherer provisorisch erhobene Einsprache (
Urk.
8/334) wurde wieder zurückgezogen (
Urk.
8/340). Der Versicherte erhob am 1
1.
Juli 2014 Einsprache (
Urk.
8/336). Die SUVA wies diese mit Einspracheentscheid vom 1
1.
November 2014 ab (
Urk.
8/345 =
Urk.
2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
1.
November 2014 (
Urk.
2) erhob der Ver
sicherte am 1
0.
Dezember 2014 Beschwerde
(
Urk.
1) und beantragte, dieser sei aufzuheben und die Sache
sei
zur gesetzmässigen Ermittlung des Sachverhalts sowie der Verfügung entsprechender Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 1 unten); eventuell sei diese anzuweisen, eine - näher um
schriebene - Invalidenrente zuzusprechen (S. 2 oben).
Die SUVA beantragte mit Beschwerdeantwort vom
4.
März 2015 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
6.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9). Am 1
5.
Juli 2015 (
Urk.
10) reichte der Beschwerdeführer ein vom Bezirksgericht veranlasstes unfallanalytisches Gut
achten (
Urk.
11) ein (
Urk.
10), zu welchem die Beschwerdegegnerin am 1
6.
November 2015 Stellung nahm (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) setzt zunächst voraus, dass zwischen dem
Unfall
ereignis
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürli
cher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausal
zusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann.
1.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3
Hat die versicherte Person eine HWS-Distorsion erlitten ist zu beurteilen, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beein
trächtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Proble
matik aber ganz in den Hintergrund treten. Ist dies der Fall, sind für die
Adä
quanzbeurteilung
bei Fällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 115 V 133 E.
6c/
aa
für Unfälle mit psychischen Folgeschäden festgelegten Kriterien (und nicht jene für Fälle mit Distorsionen der Halswirbelsäule, äquivalenter Verlet
zung oder Schädel-Hirntrauma gemäss BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E.
4b) massgebend (BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
, 123 V 98 E. 2a
).
1.4
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E.
5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S.
237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
1.5
Auffahrkollisionen, bei welchen das Auto vor einem Fussgängerstreifen oder Lichtsignal stillsteht, werden rechtsprechungsgemäss regelmässig als mittel
schweres, an der Grenze zu den leichten Unfällen liegendes - und in gewissen Fällen als leichtes - Ereignis qualifiziert (SVR 2010 UV Nr. 10 E. 4.2.2,
SVR 2010
UV Nr. 25 E. 4.1).
1.6
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
):
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit.
Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kri
terien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psy
chisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.7
Praxisgemäss
reichen
b
ei einem Unfall im eigentlich mittleren Bereich für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs drei Kriterien aus
. B
ei einem mittelschweren Unfall im Grenz
bereich zu den leichten Fällen b
edarf es dafür des Nachweises von vier Kriterien (SVR 2010 UV Nr. 25 E. 4.5).
1.8
Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen - bei denen die
Unfall
adäquanz
praktisch keine Rolle spielt - kann erst gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/ bildgebenden Abklärungen bestätigt wer
den und die angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich auf breiter Basis anerkannt sind
(B
GE 134 V 2
31
E. 5.1;
Urteil des Bundesgerichts
8C_413/2008
vom
5.
Januar 2009 =
SVR 2009 UV Nr. 30 E. 2.1
)
. Dies gilt auch für
neuropsychologische Defizite (
vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_948/2012 vom
7.
März 2013 E. 2, 8C_198/2011 vom
9.
August 2011 E. 4.3.3.2 und 8C_717/201
0 vom 1
5.
Februar 2011 E. 7.4.1
).
1.9
Die - mit BGE 141 V 281 aufgegebene - sogenannte
Schmerz
rechtsprechung gemäss BGE 130 V 352 kommt bei d
er Beurteilung des Anspruchs auf Heilbe
handlung und Taggeld nach UVG (und damit verbunden des Zeitpunktes des Fallabschlusses) nicht zur Anwendung
(BGE 137 V 199)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus, es lägen keine objektivierbaren Unfallfolgen im Sinne von strukturellen Verände
rungen vor (S. 7 E. 3), aus näher dargelegten Gründen sei die Adäquanz eines allfälligen Kausalzusammenhangs gemäss BGE 115 V 133 zu
prüfen (S. 7 f. E. 4) und aus näher dargelegten Gründen zu verneinen (S. 10 E. 6b).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, die Akten der Invalidenversiche
rung beizuziehen (S.
3
Ziff.
1 ff.
) und es versäumt, seine unfallver
ur
sachten neuropsychologischen kognitiven Defizite abzuklären (S. 4 ff.
Ziff.
5 ff.), das Unfallereignis sei als mindestens mittelschwer, eventuell sogar als schwer zu qualifizieren (S. 7
Ziff.
14), die Grundsätze der Adäquanzrechtsprechung seien gemäss BGE 137 V 199 auf Taggeldansprüche nicht anwendbar (S. 8
Ziff.
15), und im Falle von neuropsychologischen kognitiven Defiziten - da sich diese objektivieren liessen - ebenfalls nicht (S. 8
Ziff.
16 ff.). Schliesslich seien bestimmte Adäquanzkriterien erfüllt (S. 8 f.
Ziff.
20).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die im Zeitpunkt der Leistungseinstellung geklag
ten Beschwerden noch unfallkausal sind und über diesen Zeitpunkt hinaus eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin besteht.
3.
3.1
Laut Polizeirapport (
Urk.
8/12/2-9) fuhr, als der Beschwerdeführer am 2
8.
Mai 2010 auf einer Hauptstrasse innerorts
anhielt
, um eine Fussgängerin passieren zu lassen, ein hinter ihm fahrendes Auto auf seines auf (S. 6).
Laut der techni
schen Unfallanalyse lag die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung seines Fahrzeugs zwischen 14 bis 19 km/h (
Urk.
11 S. 2
Ziff.
2).
3.2
Die Erstbehandlung erfolgte im Spital
Z._
, wo eine
Thoraxkontusion
und eine HWS-Distorsion diagnostiziert wurden; nach stationärer Commotio-Überwachung wurde der Beschwerdeführer
mit
persistierend leichten Kopf
schmer
zen in ordentlichem Allgemeinzustand entlassen (
Urk.
8/14 S. 1).
Eine
gleichentags
erstellte Computertomographie (CT) der HWS ergab keine
traum
abedingte
ossäre
Pathologie der HWS (
Urk.
8/26).
3.3
Am 1
0.
Juni 2010 zog sich der Beschwerdeführer eine Kniedistorsion zu, worauf am
7.
September 2010 eine
Teilmeniskektomie
vorgenommen wurde (
Urk.
8/41).
3.4
Am 2
7.
August 2010 wurde über ein am 1
8.
August 2010 in der Rehaklinik
A._
erfolgtes ambulantes Assessment berichtet (
Urk.
8/38). Die ursprünglich
empfohlene und mit dem Patienten vereinbarte stationäre Rehabilitation (S. 4 unten) sei angesichts der von diesem später geäusserten Vorbehalte (vgl.
Urk.
8/32) nicht mehr angezeigt (S. 4).
3.5
Am 1
7.
September 2010 berichtete
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neuro
logie, über seine am Vortag erfolgte Untersuchung (
Urk.
8/47). Als Diagnose nannte er ein posttraumatisches
cervico-cephales
Schmerzsyndrom bei Status nach Beschleunigungstrauma der HWS am 2
8.
Mai 2010 (S. 1 Mitte). Er führte unter anderem aus, neurologische Ausfälle hätten sich keine gefunden, so dass eine relevante Verletzung am Nervensystem nicht anzunehmen sei (S. 3 Mitte).
3.6
Am 2
7.
Oktober 2010 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chi
rurgie - und (laut Briefkopf) „Wirbelsäulenleiden, Schleudertrauma und ortho
pädische Traumatologie“ - einen Bericht (
Urk.
8/62). Er nannte als Diagnose ein
cervicocephales
Syndrom mit Begleitschwindel und neuropsychologischen Defi
ziten bei Status nach Beschleunigungstrauma der HWS am 2
8.
Mai 2010 (S. 1 Mitte) und führte zur Arbeitsfähigkeit aus, aufgrund der starken Beschwerden wäre ein versuchsweiser Arbeitseinsatz am alten Arbeitsplatz mit 5 Stunden pro Tag möglich (S. 2 oben).
3.7
Med.
pract
.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
phil. E._
, Klinischer Psychologe und Supervisor, und
lic
. phil.
F._
, Psychologin FSP,
Zentrum G._
, führten in ihrem Bericht vom
3.
Januar 2011 (
Urk.
8/98) unter anderem aus, der Patient komme
seit dem 2
5.
Oktober 2010
regelmässig in
Einzeltherapiesitzun
gen
bei
lic
. phil. Braunschweig (S. 3 unten). Als Diagnosen nannten sie eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), eine posttraumatische
Belas
tungsstörung
(ICD-10 F43.1), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und einen Status nach HWS-Distorsion (S. 1 Mitte).
3.8
Vom 1
7.
Januar bis 1
8.
März 2011 weilte der Beschwerdeführer stationär in de
r
Klinik
H._ (D)
worüber am 1
1.
April 2011 berichtet wurde (
Urk.
8/121). Dabei wurden als Diagnosen eine
chronifizierte
Anpassungsstö
rung
mit Angst und Depressionen (F43.8), eine chronische
somatoform
getönte Schmerzstörung (F45.41) und ein Status nach HWS-Distorsion und Commotio cerebri Mai 2010 im Rahmen eines Autounfalls genannt (S. 1).
Der
Behand
lungsverlauf
habe sich - aus näher dargelegten Gründen
, unter anderem wegen der in dieser Zeit eingetroffenen Kündigung
seiner Anstellung
(S. 7) - insgesamt schwierig gestaltet (S. 6 unten).
In Beantwortung entsprechender Fragen wurde sodann am 1
2.
April 2011 (
Urk.
8/131) unter anderem ausgeführt, im Rahmen der Diagnostik hätten sich keine Hinweise auf eine strukturelle unfallbedingte Gewebeschädigung ergeben.
Im Rahmen der klinischen Untersuchung
fielen
beidseitige Verhärtungen der Nackenmuskulatur und eine eingeschränkte
Beweglichkeit der HWS auf
(S. 2
Ziff.
4). Psychische Beschwerden
seien
in den Akten zum ersten Mal in einem Bericht vom 2
1.
Juli 2010 (vgl.
Urk.
8/19 S. 2 Mitte) erwähnt
worden
; derzeit stünden die psychischen Krankheitsauswirkungen im Vordergrund des Krank
heitsbildes (S. 3
Ziff.
7.4).
3.9
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neurologie, beratender Arzt des involvierten Haftpflichtversicherers, führte in einer Aktenbeurteilung vom
9.
August 2011 unter anderem aus, allein (schon) die Beschwerdeentwicklung spreche gegen ein somatisch-organisches Korrelat der Beschwerden; es sei nicht zu erklären, wes
halb die HWS-Beweglichkeit nach nur leichter Einschränkung wenige Monate nach dem Trauma bei
Dr.
B._
in höchstem Grad eingeschränkt gewesen sei, dies bei später wieder besserer Beweglichkeit (
Urk.
8/165 S. 4 unten).
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beratender Arzt des involvierten Haftpflichtversicherers, führte in einer Aktenbeurteilung vom 1
4.
September 2011 (
Urk.
8/166) unter anderem aus, die heutigen psychi
schen Beschwerden seien seines Erachtens durch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit deutlicher Symptomausweitung, Selbstlimitierung mit auf
fällig dürftigen
Coping
-Strategien und maladaptivem Bewältigungsmuster sowie drohender maligner Regression bedingt (S. 1
Ziff.
1). Gegenüber der Therapie im
Zentrum G._
(vgl. vorstehend E. 3.7) sei er skeptisch, da die Diagnose einer posttrauma
tischen Belastungsstörung (PTBS) falsch sei (S. 2 Ziff.
6).
3.10
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.6)
nannte in seinem Bericht vom 1
6.
November 2011 (
Urk.
8/174) nunmehr
folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
posttraumatisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom bei Status nach Beschleunigungstrauma der HWS am 2
8.
Mai 2010
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
posttraumatische Belastungsstörungen (ICD-10 F43.1)
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Er führte unter anderem aus, die Prognose sei noch schwierig zu beurteilen; es sei damit zu rechnen, dass unter Fortsetzung der konservativen Behandlung mit Osteopathie und Ergotherapie beziehungsweise Hirnleistungstraining eine all
mähliche Besserung erreicht werden könne (S. 3 Mitte).
Die Fachpersonen des
Zentrums G._
berichteten am 1
6.
Januar 2012 unter anderem,
die bisherigen Therapien hätten eine leichte Verbesserung gebracht (
Urk.
8/184 S. 2 oben).
Am 1
5.
Juni 2012 berichteten sie unter anderem, sie könnten feststellen, dass die Konzentration des Patienten eine weitere Verbesserung anzeige und dass für ihn die Schmerzen erträglicher seien (
Urk.
8/205 S. 3 oben).
3.11
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Anästhesiologie und für
Interventio
nelle
Schmerztherapie, nannte in seinem Bericht vom
5.
Juli 2012 (
Urk.
8/207) folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
posttraumatisches
cervicocephales
Schmerzsyndrom bei Status nach
Beschleunigungstrauma der HWS (2
8.
Mai 2010)
posttraumatische Belastungsstörung
mittelgradig depressive Episode
chronische somatoforme Schmerzstörung
Als Befund nannte er eine stark verspannte Nackenmuskulatur und deutliche Schonhaltung der HWS sowie eine symmetrische
Druckdolenz
über den
Facet
tengelenken
cervical
beidseitig (S. 1 unten).
3.12
Dr.
C._
nannte in einem Bericht vom 1
8.
Juli 2012
(
Urk.
8/210) als zusätz
liche Diagnose neu eine Diskushernie L4/5 links mit Irritation der Nervenwurzel L4 links (S. 1 Mitte) und berichtete über eine im März 2012 aufgetretene akute
Lumboischialgie
mit unter intensiver
Chiropraktorbehandlung
allmählicher Besserung (S. 1 unten).
Am 1
3.
August 2012 berichtete
Dr.
C._
unter anderem, der Patient plane für zirka 4 Monate nach Ecuador zu reisen, was aus medizinischer Sicht zu begrüssen wäre (
Urk.
8/224 S. 1 unten).
3.13
Am 1
4.
August 2012 erstattete
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiat
rie und Psychotherapie,
Konsiliarpsychiater
der Beschwerdegegnerin, eine Beur
teilung (
Urk.
8/223).
Er fasste die psychiatrisch relevanten Akten zusammen (S. 1 ff.). In seiner Beur
teilung (S. 13 ff.) führte er unter anderem aus, die letzte begründete Diagnose finde sich im Austrittsbericht der Klinik
H._
, wo von einer
chronifizierten
Anpassungsstörung mit Angst und Depressionen (F43.8) und einer
somatoform
getönten Schmerzstörung (F45.41) gesprochen werde. Dabei werde nicht ganz klar, worin die Angstsymptomatik, wenn nicht in den wiederholt geäusserten Zukunftsängsten, bestehe. Das Vorliegen von depressiven Symptomen werde mit Testresultaten begründet (S. 16 oben). Die somatoforme Schmerzstörung scheine sodann durchgehend bejaht zu werden, während
die remittierten Symptome die Diagnose einer PTBS nicht mehr erlaubten (S. 16 Mitte).
Die
nicht primär auf die körperlichen
Beschwerden ausgerichteten Behandlungen schienen die grösste Kontinuität und damit vielleicht auch die grösste subjektive
Wirksamkeit zu haben (S. 16 unten). Die
mnestischen
und
Konzentrationsprob
leme
schienen zurückgegangen zu sein und der gesamt
e
psychische Zustand habe sich ebenfalls gebessert (S. 16 f.).
3.14
Am 1
5.
Oktober 2012 berichtete
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Physi
kalische Medizin und Rehabilitation, über seine gleichentags erfolgte
kreisärztli
che
Untersuchung (
Urk.
8/229).
Als Angaben des Versicherten berichtete er unter anderem Nacken- und Kopf
schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Lichtempfindlichkeit und Hörprobleme (S. 7 unten).
Der Beschwerdeführer sei aktuell aus Ecuador für wenige Tage in die Schweiz gekommen, fliege demnächst wieder dorthin und werde dort bis am
4.
Januar 2013 bleiben (S. 8 Mitte).
In seiner Beurteilung führte er unter anderem aus, auf somatischer Ebene bestehe ein mit Unfallfolgen nicht erklärbares vielgestaltiges Beschwerdebild mit aktuell hochgradigen Bewegungseinschränkungen der HWS bei aktiver Prü
fung der Beweglichkeit.
Psychiatrischerseits
seien eine somatoforme Schmerz
störung und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.
Unfall
fremd
bestünden ein Status nach Bandscheibenvorfall mit Ischialgie und ein Status nach Tendinitis
calcarea
links, aktuell beschwerdefrei (S. 10 Mitte).
Es sei beim Versicherten nicht zu organisch-strukturellen unfallbedingten Läsi
o
nen im Bereich der HWS oder einem anderen Körperbereich gekommen (S.
10 f.). Rund 2 1⁄2 Jahre nach einer HWS-Distorsion Québec Task Force (QTF) 2 ohne jegliche Hinweise auf strukturelle Läsionen biete beim bisherigen Ver
lauf eine auf somatische Aspekte gerichtete Therapie keinerlei Ansatzpunkte. Der medizi
nische Endzustand auf somatischer Ebene sei klar und längstens gegeben (S. 11 oben).
Auffallend sei der Widerspruch, dass einerseits eine derart ausgeprägte Ein
schrän
kung der Leistungsfähigkeit vorliegen solle, und andererseits eine wirk
lich körperlich belastende Reise wie die nach Ecuador in eine Höhe, die bei einigen Menschen erhebliche Beschwerden bereite, wohl mit etwas
Stressemp
finden
, aber sonst ohne weitere Einschränkungen unternommen werde könne. Es sei nicht nachvollziehbar, wie die Anforderungen in einer Stadt wie Quito unter der selbstgestellten Anforderung, der Tochter in einer solchen Stadt bei
zustehen, von jemand bewältigt werde, der hier kaum in der Lage sei, eine drei
stündige Arbeit körperlich leichtester Art zu bewältigen (S. 11).
Wenn auch nur zeitweilig Bewegungseinschränkungen an der HWS, wie sie der Versicherte aktuell demonstriert habe, bestehen sollten (seien sie auch nicht
somatisch erklärbar), so sei die Fahreignung für das Führen
eines
PW zu über
prü
fen (S. 11 Mitte).
3.1
5
Am
8.
Juli 2013 erstattete
med.
pract
.
N._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Konsiliarpsychiater
der Beschwerdegegne
rin
, eine Beurteilung (
Urk.
8/264).
Er fasste die psychiatrisch relevanten Akten zusammen (S. 1 ff.). In seiner
Beur
teilung (S. 5 f.) führte er unter anderem aus, beim Beschwerdeführer seien eine depressive und eine psychosomatische Störung diagnostiziert worden; zudem würden persönlichkeitsstrukturelle Auffälligkeiten postuliert. Die psychischen Beschwerden hätten einen schwankenden Verlauf mit gesamthaft
Besserungs
tendenz
gezeigt (S. 5 Mitte).
Um zu vorhandenen oder fehlenden Möglichkeiten einer Verbesserung aktueller psychischer Symptome Stellung zu nehmen, seien verschiedene, näher um
schrie
bene Abklärungen angezeigt (S. 5 f.).
3.16
Am 2
5.
August 2013 berichteten die Fachpersonen des
Zentrums G._
(vorstehend E. 3.7), der Beschwerdeführer sei weiterhin regelmässig bei ihnen in Behandlung (
Urk.
8/270).
Am 2
0.
September 2013 wurde der Beschwerdeführer zur Behebung des Band
scheibens
chadens
L4/5 links mit Wurzelkompression L4 links operiert (
Urk.
8/293-294).
3.17
Am 2
7.
November 2013 berichtete m
ed.
pract
.
N._
(vorstehend E. 3.15)
über seine am 2
7.
September 2013 erfolgte Untersuchung (
Urk.
8/285).
Er fasste weitere psychiatrisch relevante Akten zusammen (S. 1 f.) und hielt ergän
zende Informationen zur Aktenzusammenfassung vom August 2012 fest (S. 2 ff.). Sodann berichtete er über die Angaben des Beschwerdeführers im Rahmen der
3 1⁄2 Stunden dauernden
Untersuchung (S. 8 ff.)
und den erhobenen psychopathologischen Befund (S. 17 f.)
, zu welchem er unter anderem aus
führte, im Laufe der Untersuchung hätten sich keine Anhaltspunkte für Störun
gen der Aufmerksamkeit, Auffassung, Konzentration oder
mnestischen
sowie sonstigen kognitiven Funktionen ergeben (S. 17 Mitte).
In seiner Beurteilung (S. 18 ff.) führte er unter anderem aus, gegenwärtig sei
en
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.41) und eine längerdau
ernde Anpassungsstörung mit Angst und Depression (F43.8) anzunehmen. Die Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung sei in Frage zu stellen (S. 19 oben). Das Persistieren der Anpassungsstörung, die Entwicklung einer
somatoformen
Schmerzstörung und das Weiterbestehen von Ängsten bei
m
Auto
fahren beziehungsweise bei Teilnahme am Strassenleben könnten gemäss
aktuellem Wissensstand nicht nur auf das Unfallereignis und die Unfallfolgen zurückgeführt werden (S. 19 Mitte). Aktuell, drei Jahre nach dem Unfallereignis, werde eine sehr langsame Abnahme und Besserung der HWS-Symptomatik beschrieben. Es sei anzunehmen, dass die psychische Symptomatik und die HWS-Beschwerden die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers gleichermas
sen beeinträchtigten (S. 20 Mitte).
3.18
Die Fachpersonen des
Zentrums G._
befürworteten mit Schreiben vom 2
5.
Mai 2014 einen vom Beschwerdeführer geplanten Aufenthalt von vier Monaten in Ecua
dor, dies unter dem Aspekt der Besserung des Gesundheitszustandes (
Urk.
8/328).
In ihrem Bericht vom
2.
Juni 2014 (
Urk.
8/330) beantworteten sie die Frage der Arbeitsfähigkeit mit dem Hinweis auf postoperative Schmerzen nach der
Rücken
operation
, welche den Schlaf beeinträchtigten
, was zusammen mit neu
ropsychologischen Symptomen und den Schmerzen auf zwei Ebenen der Wir
belsäule eine berufliche Reintegration ganz erheblich erschwere oder eine solche sogar gänzlich verunmögliche (S. 3
Ziff.
6).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass die verfahrensmässigen Rügen des Beschwerde
führers unbegründet sind. Die Beschwerdegegnerin hat sehr wohl A
kten der Invali
denversicherung
beigezogen
(
Urk.
8/206/1-167
;
Urk.
8/252-255)
,
und zu weiteren Abklärungen
behaupteter neuropsychologischer Defizite bestand keine Veranlassung, nachdem sich im Rahmen einer 3 1⁄2 stündigen psychiatrischen Unter
suchung im September 2013 keinerlei entsprechenden Hinweise ergeben hatten (vorstehend E. 3.17).
4.2
Ebenfalls vorab ist
klarzustellen
, dass
der Hinweis des B
eschwerdeführer
s
auf
BGE 137 V 199 keine
n Sinn ergibt, enthält dieser doch keine
Festlegungen zur Anwendbarkeit der Adäquanz
rechtsprechung; er betrifft vielmehr
die soge
nann
te
Schmerzrechtsprechung (vorstehend E. 1.9)
, die hier weder in der frühe
ren noch in der seit BGE 141 V 281 massgebenden Ausprägung zur Debatte steht.
4.3
Im Oktober 2010 begab sich der Beschwerdeführer in psychiatrisch-psychothe
rapeutische Behandlung und i
m Januar 2011 wurden erstmals psychiatrische Diag
nosen gestellt
(vorstehend E. 3.7). Psychische
Beschwerden
waren bereits im Juli 2010 erwähnt worden, und im Januar
/
März 2011 stand gemäss ärztli
cher Beurteilung die psychische Problematik im Vordergrund des Krankheitsbil
des (vorstehend E. 3.8). In der Folge hatten die nicht primär auf die körperlichen
Beschwerden ausgerichteten Behandlungen die grösste Kontinuität (vorstehend E. 3.13).
Vor diesem Hintergrund steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass nach der im Mai 2010 erlittenen HWS-Distorsion die diesbezüglichen Beein
trächtigungen zunehmend in den Hintergrund getreten sind und ab Anfang 2011 von einer im Vordergrund stehenden, dominierende
n
psychischen Proble
matik auszugehen ist, womit die Adäquanz eines allfälligen Kausalzusammen
hangs gestützt auf BGE 115 V 133 zu prüfen ist (vorstehend E. 1.3).
4.4
Der vom Beschwerdeführer vertretenen Ansicht, das Unfallereignis sei als min
des
tens mittelschwer, eventuell sogar als schwer zu qualifizieren, kann nicht gefolgt werden. Sie steht in offenem Widerspruch zur gefestigten Gerichtspraxis bei Auffahrkollisionen auf ein stillstehendes Fahrzeug (vorstehend E. 1.5).
Es handelt sich somit um ein Unfallereignis im mittleren Bereich an der Grenze zu einem leichten. Dementsprechend müssen zur Bejahung der Adäquanz von den massgebenden Kriterien (vorstehend E. 1.6) mindestens deren vier erfüllt sein (vorstehend E. 1.7).
4.5
Der Beschwerdeführer machte geltend,
er leide an erheblichen Beschwerden, welche seine Erwerbsfähigkeit beeinträchtigten, der Heilungsverlauf sei schwie
rig und es bestehe offensichtlich eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz aus
gewiesener Anstrengungen (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
20).
Der
Beschwerdeführer machte somit - zu Recht - nicht geltend, eines der weite
ren Kriterien (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrück
lichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; ungewöhnlich lange
D
auer der ärztlichen
Behandlung
; ärztliche
Fehlbehand
lung
) sei erfüllt.
4.6
Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem
Fallab
schluss
ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (
Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E.
11.2
mit Hinweis auf BGE 134 V 109 E.
10.2.4).
Von dauerhaften Beschwerden mit anhaltender Beeinträchtigung kann ange
sichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer im familiären Kontext ein er
heb
liches Aktivitätsniveau zu halten vermocht hat und in der fraglichen Zeit mehrere Interkontinentalflüge annähernd beschwerdefrei bewältigen konnte (vorstehend E.
3.14), nicht gesprochen werden.
Dieses Kriterium ist nicht erfüllt.
4.7
Auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6) darf nicht schon aus der
blossen
Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden geschlossen werden. Es bedarf viel
mehr besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte und der
Heilungs
verlauf
nicht linear verlief, genügt
hiefür
nicht (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014
E. 11.3 und 8C_29/2010 vom 2
7.
Mai 2010 E. 5.3).
Aus dem Sachverhalt ergeben sich keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen liesse
n
, dass das Kriterium im Sinne der Rechtsprechung erfüllt wäre.
4.8
Das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
ist ebenfalls nicht erfüllt, attestierten doch nicht einmal die behandelnden Fachpersonen
des
Zentrums G._
eine quantifizierte Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E.
3.16 und E. 3.18), was denn auch eher im Widerspruch zur 2014 ausdrücklich empfohlenen abermaligen Reise nach Ecuador gestanden hätte.
4.9
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass keines der massgebenden Krite
rien erfüllt ist. Damit fehlt es an der Adäquanz eines allfälligen Kausalzusam
menhangs zwischen im Juni 2014 noch bestehenden Beschwerden und dem Unfall vom Mai 2010.
Die auf diesen Zeitpunkt verfügte Leistungseinstellung erweist sich mithin als rechtens, womit der angefochtene Entscheid zu bestätigen und die dagegen er
hobene Beschwerde abzuweisen ist.