Decision ID: 67b9942f-7b65-4141-98a3-8fc7f8622645
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1963 geborene
X._
, Mutter dreier in den Jahren 1992, 1999 und 2000 geborener Kinder, meldete sich am 25. März 2004 unter Hinweis auf eine Lungenembolie sowie ein bei einem Auffah
runfall im Oktober 2003 erlitte
nes Schleudertrauma der Halswirbelsäule bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Bezug
einer Invalidenrente an (Urk. 7/1, 7
/3). Zur Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV
Stelle einen Auszug aus
dem individuellen Konto (Urk. 7
/2), Berichte
der behandelnden Ärzte (Urk. 7/8, 7
/9) sowie di
e Akten des Haftpflichtversicherers (Urk. 7
/6) bei und führte am 3. November 2004 eine
Haushaltabklärung durch (Urk. 7
/10). Am 14. Dezember 2004 nah
m der für den Regionalen Ärztli
chen Dienst der Invali
denversicherung (RAD)
tätige Dr. med.
Z._
zum Renten
antrag der Sa
chbearbei
terin Stellung (Urk. 7
/12 S. 2). Mit Verfügung vom 3. Februar 2005 wurde der Versicherten mit Wirkung ab 1. Oktober 2004 eine ganze Rente der Invalidenver
sicherung (samt dreier Kin
derrenten) zugesprochen (Urk. 7
/17).
1.2
Ende Dezember 2005 wurde ein amtliches Rentenrevisionsverfahren eröffnet. Die Versicherte teilte der IV
Stelle mit dem ausgefüllten Revisionsfragebogen am 30. Januar 2006 mit, dass sich ihr Gesundheitszustand seit einigen Monaten ver
schlechtert und sie deshalb
eine Haushalthilfe habe (Urk. 7
/27). Nachdem die IV
Stelle weitere Abklärungen getätigt hatte,
ordnete sie eine interdiszipli
näre medizinische Abklärung
an (
A._
-Gutachten vom 13. August 2008, Urk. 7/57)
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(in dessen Rahmen am 27. Novem
ber 2008 erneut eine Haushalt
sabklä
rung durchgeführt wurde; Urk. 7
/72
) stellte die IV
Stelle
die der Versicherten bisher aus
gerichtete ganze Invalidenrente mit Verfügung vom 4. September 2009
ein (Urk. 7/75
).
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das h
iesige Gericht mit Urteil vom 3
1.
Mai 2011 ab (
Urk.
7/86).
1.3
Am 3
0.
August 2016 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/99). Mit Vorbescheid vom 1
0.
Oktober 2016 stellte diese das Nichteintreten auf das neue Leistungsbegehren in Aussicht (
Urk.
7/105). Im Rahmen der weiteren Sachverhaltsabklärungen wurde dennoch eine erneute polydisziplinäre Abklärung als nötig erachtet (
B._
-Gutachten vom
5.
Septem
ber 2017,
Urk.
7/131). Mit Vorbescheid vom 2
9.
Januar 2018 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (ersetzt Vorbescheid vom 1
0.
Oktober
2016,
Urk.
7/134) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 2
7.
Februar 2018 fest (
Urk.
7/142 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am 2
0.
März 2018 Beschwerde und beantragte, es sei der Beschwerdeführerin eine
Viertelsrente
der Invaliden
versicherung sowie die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren; unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom
9.
Mai 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung;
IVG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenaus
schliessendes Erwerbseinkommen zu
erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung;
IVV)
, so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
täts
bemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungs
aufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berück
sichtigen. Massgebend sind die Ver
hältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil
)Erwerbstätigkeit
der im Sozialver
sicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
die Beschwerdeführerin in einer einfachen, leichten bis mittelschweren Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei, wobei sich das Pensum aufgrund eines erhöhten Pausen
bedarfs auf 80
%
reduziere. Bezüglich der Statusfrage sei die Beschwerdeführerin als voll erwerbstätig zu qualifizieren, was insgesamt zu einem Invaliditätsgrad von 20
%
führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
im Rahmen der letztmaligen Invaliditätsbemessung ein leidens
be
dingter Abzug in der Höhe von 25
%
gewährt worden sei, wobei es unverständ
lich sei, weshalb nun kein Abzug mehr vorgenommen werde. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin bezüglich eines Abzugs von 25
%
sei rechts
kräftig und es bestehe keine Veranlassung den Sachverhalt nun neu zu beurteilen, was zu einem IV-Grad von 40
%
führe (
Urk.
1 S. 7 f.). Aus heutiger Sicht sei zudem die damalige
Umqualifikation
und somit die Anwendung der gemischten Methode diskrimi
nierend. Ohne eine solche bestünde ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
; so habe auch das Sozialversicherungsgericht den gemachten Abzug von 25
%
als wohl
wollend akzeptiert (S. 8).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet die Verfügung vom
4.
September 200
9.
Die Beschwerdegegnerin ging dannzumal gestützt auf die Haushaltabklärung vom 27. November 2008 davon aus, dass die Beschwerde
führerin im Gesundheitsfall zu 55
%
einer erwerblichen Tätigkeit nachginge und zu 45
%
im Haushalt tätig wäre. In medizinischer Hinsicht stützte sich die genannte Verfügung auf das
A._
-Gutachten vom 1
3.
August 200
8.
Die
da
für verantwortlichen Fachärzte stellten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit die fol
genden Diagnosen (Urk. 7/57 S. 21):
1.
Chronisches rechtsbetontes
zervikozephales
Schmerzsyndrom (ICD-10: M53.0) sowie chronisches
Zervikobrachialsyndrom
(ICD-10: M53.1) bei/mit
-
Status nach
kraniozervikalem
Beschleunigungstrauma mit anamnestisch Aufprallmechanismus und Zuzug einer Halswirbelsäulen-Distorsion so
wie Commotio cerebri im Rahmen eines Autounfalls (Auffahrkollision) am 2. Oktober 2003
-
keine Hinweise auf
radikuläres
Reiz- oder sensomotorisches Ausfallsyn
drom
2.
Verdacht auf medikamentös induzierte Kopfschmerzen
-
durch
Triptan
- und Tramadol-Übergebrauch (ICD-10: G44.41)
3.
Leicht- bis mittelgradig ausgeprägte depressive Störung mit somatischen Symptomen (ICD-10: F32.01/11)
Sowohl als Hausfrau als auch in einer ausserhäusliche
n
körperlich leichte
n
bis mittelschwere
n
Tätigkeit bestehe
eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (S. 24).
Anlässlich der Haushaltabklärung vom 27. November 2008 stellte die Abklä
rungsperson der IV
Stelle fest, dass
i
m Haushaltbereich
von einer
Einschränkung von
19.2 % auszugehen
sei (Urk. 7
/7
2
S.
4
ff.).
Im erwerblichen Bereich sei auf
grund des leidensbedingten Abzugs von 25
%
von einer Einschränkung in diesem Umfang auszugehen, was zu einer Teilinvalidität von 14
%
führe; unter Berück
sichtigung der Invalidität im Bereich Haushalt in der Höhe von 9
%
ergebe sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 23
%
(
Urk.
7/75).
3.
3.1
Die für das
B._
-Gutachten vom
5.
September 2017 verantwortlichen Fach
ärzte stellten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen (
Urk.
7/131 S. 61):
-
Cervikalsyndrom
mit
Cervikobrachialgie
recht
s
mit Angabe einer leicht verminderten Berührungsempfindlichkeit im Bereich des rechten volaren Daumens, Mittelfingers, der
radialsseitigen
Vola
und
volarseitigen
Vor
der
arms unklarer Ätiologie
-
HWS
-MRI 01/2011: leichte
Bandscheibenprotrusion
C5/6
mediolateral
rechts ohne sichere Nervenwurzelkompression
-
Status nach HWS-Distorsion am
2.
Oktober 2003
-
Lumbovertebralsyndrom
mit rechtsseitiger Ischialgie mit leicht vermin
derter Schmerzempfindung im Bereich des rechten lateralen, ventralen und medialen Ober- und Unterschenkels sowie des rechten Fussrückens unklarer Ätiologie
-
MRI-LWS vom
6.
November 2015: im Verlauf leicht
regrediente
medi
ane
Diskusprotrusion
L4/5 mit
rezessalem
Konta
kt zu beiden Nerven
wurzeln L5, k
eine Nervenwurzelkompression
-
Begleitende
Ansatztendinose
am medialen Beckenkamm (SIPS)
, rechts > link
s
-
Unsystematisches Schwindelgefühl seit ca. 2 Jahren unklarer Ätiologie
-
Medial betonte Gonarthrose und
Femoropatellararthrose
rechts
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei von den folgenden Diagnosen auszugehen (S. 62):
-
Migräne
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Status nach depressiver Episode (ICD-10 F32.4)
-
Klinische Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung mit variablen Bewe
gungs
ausmassen im Bereich der Wirbelsäule und der per
i
pheren Gelenke im
Vergleich zwischen klinischer Untersuchung und Spontanbewegungen sowie sogenannter
Hemifibromyalgie
rechts mit zusätzlich 3/3 positiven Kontrollpunk
t
en und 3/5 positive
n
Waddell
-Zeichen, nicht einem rheu
ma
tologischen Krankheitsbild entsprechend
-
Spreizfüsse
Einfache und intermittierend mittelschwere körperliche Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin ganztags zuzumuten. Dabei sei von einem erhöhten Pausen
bedarf auszugehen, was zu einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
führe (S. 67). Diese Beurteilung weise keinen Unterschied auf zu den Angaben im rheuma
tologischen Vorgutachten aus dem Jahr 2008, obwohl
u
nterdessen zusätzliche Diagnosen auf
getreten seien (Kniebeschwerden, S. 65).
3.2
Die für das
B._
-Gutachten vom
5.
September 2017 verantwortlichen Fach
ärzte legen den medizinischen Sachverhalt in einer schlüssigen und nach
voll
ziehbaren Weise dar, unter Berücksichtigung der Ergebnisse des
A._
Gut
achtens vom 1
3.
August 2008, welches im Rahmen der erfolgten Rentenauf
hebung massgebend war. Die Ergebnisse der Begutachtung wurden
denn
auch von der Vertreterin der Beschwerdeführerin nicht fundiert in Zweifel gezogen. Damit ist gegenüber der Einschätzung im Zeitpunkt der Referenzverfügung vom
4.
Sep
tember 2009 von einem weitgehend unveränderte
n Gesundheitszustand auszuge
hen, zumindest was die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit betrifft.
Die neu aufgetretenen Knie
- und LWS-B
eschwerden wirken sich dabei nur insofern auf die
Arbeitsfähigkeit
aus
, als diese im Rahmen des Anforderungs
profils zu berück
sichtigen sind. Hinzuweisen ist dabei allerdings darauf, dass die Beschwerde
führerin bereits gestützt auf das Gutachten vom 13.
August 2008 auf eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit angewiesen war. Aus medizinischer Sicht kann dem
nach das Vorliegen eines Revisionsgrundes verneint werden.
4.
4.1
Hinsichtlich der Statusfrage führte die Beschwerdegegnerin aus, dass sie aufgrund der Tatsache, dass das jüngste Kind nun 16-jährig und die Beschwerdeführerin Sozialhilfebezügerin sei, davon ausgehen würden, dass diese zu 100
%
einer erwerblichen Tätigkeit nachgehen würde (
Urk.
7/132). Diese Einschätzung wurde von der Vertreterin der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt und ist nicht zu beanstanden.
Diese Änderung in der Methodenwahl von der gemischten Methode zu einem reinen Einkommensvergleich stellt einen Revisionsgrund dar, sodass der
Renten
anspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen
ist. Vor diesem Hintergrund ist der im Rahmen der Rentenaufhebung gewährte leidensbedingte Abzug in der Höhe von 25
%
nicht mehr beachtlich.
Entsprechend den Ausführungen im Urteil des hiesigen Gerichts vom 3
1.
Mai 2011 ist dabei sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen anhand der statistischen Daten der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung zu ermitteln, sodass rechnerisch ein Prozentvergleich erfolgen kann (vgl.
Urk.
7/86 S. 18 f., vgl. auch
Urk.
1 S. 8 oben).
Zu prüfen bleibt dabei die Höhe des leidensbedingten Abzugs.
Die von der Beschwerdegegnerin vertretene Auffassung, dass neben dem erhöhten Pausenbedarf kein leidensbedingter Abzug vorzunehmen ist, ist dabei nicht zu beanstanden. So ist darauf hinzuweisen, dass d
ie gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeit zu verrichten, nicht auto
ma
tisch zu einer V
erminderung
des hypothetischen Invalidenlohns
führt
. Viel
mehr ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzli
chen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenz
niveau
1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) bereits eine Vielzahl von leichten und mittel
schweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.4 und 9C_386/2012 vom 18. September 2012 E. 5.2).
Das
Angewiesensein
auf das Entgegenkommen eines verständnisvollen Arbeitgebers stellt praxis
ge
mäss
ebenfalls
kein anerkanntes eigenständiges Abzugskriterium dar (vgl.
Urteil
e
des Bundes
gerichts 8C_176/
2012 vom 3. September 2012 E. 8
und
8C_91/2013 vom 2
2.
August 2013 E. 3.3.4).
Insgesamt führt dies entsprechend der Einschätzung der Beschwerdegegnerin zu einem Invaliditätsgrad von 80
%
.
4.
2
Zusammenfassend ist die Einschätzung der Beschwerdegegnerin nicht zu bean
standen, was in Abweisung der Beschwerde zur Bestätigung der angefochtenen Verfügung vom 2
7.
Februar 2018 führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.