Decision ID: d69b9c33-4f7c-41d5-97c4-16d000b404e7
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.B., geboren 1966, Staatsangehöriger von Bosnien und Herzegowina, war vom
27. Februar 1986 bis 20. Februar 1998 mit C.B. verheiratet (Vorakten Migrationsamt,
nachfolgend Dossier, S. 6 ff.). Aus dieser Ehe ging der Sohn E.B., geboren 1992,
hervor. Am 19. Juni 1998 heiratete A.B. F.G., geboren 1957, Schweizerin, worauf ihm
eine ordentliche Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt
wurde. Seit dem 20. Juni 2003 verfügt er über die Niederlassungsbewilligung. Mit Urteil
vom 12. Oktober 2004 wurde die kinderlos gebliebene Ehe geschieden. Am 25. August
2005 heiratete A.B. seine frühere Lebenspartnerin H.I., geboren 1965, kroatische
Staatsangehörige. Sie ist die Mutter der gemeinsamen Tochter J.B., geboren 1994,
kroatische Staatsangehörige.
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B. Mit Entscheid des Bezirksgerichts Arbon vom 8. September 1995 wurde A.B. wegen
Fälschung von Ausweisen und mehrfachen Nichtmitführens von Ausweisen zu vier
Wochen Gefängnis (bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren) und einer Busse von
CHF 200 verurteilt. Darauf wurde er mit Verfügung der damaligen Fremdenpolizei vom
3. November 1995 erstmals verwarnt.
In der Folge wurde A.B. wiederum mehrfach verurteilt und zwar mit Bussenverfügung
vom 24. Juni 2008 wegen Widerhandlung gegen das Umweltschutzgesetz zu einer
Busse von CHF 100, mit Entscheid des Kreisgerichts Rheintal vom 12. Dezember 2008
wegen Betrugs, Widerhandlung gegen das Gastwirtschaftsgesetz, mehrfacher
Beschäftigung einer Ausländerin ohne Bewilligung und mehrfachen Ungehorsams
gegen eine amtliche Verfügung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 50,
bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von
CHF 1‘000, sowie mit Strafbescheid des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 19. Juni
2009 wegen Tätlichkeiten, mehrfacher einfacher Körperverletzung, Vergehens gegen
das Waffengesetz, Vergehens gegen das Bundesgesetz betreffend die Lotterien und
gewerbsmässigen Wetten sowie grober und einfacher Verkehrsregelverletzung im
Zusatz zum Urteil des Kreisgerichts Rheintal vom 12. Dezember 2008 zu einer
Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je CHF 50, wovon 90 Tagessätze bedingt
aufgeschoben bei einer Probezeit von drei Jahren, und einer Busse von CHF 1‘000.
Deshalb wurde A.B. mit Schreiben des Migrationsamts vom 27. Januar 2010 im Sinne
einer Verwarnung aufgefordert, sich künftig in jeder Beziehung klaglos zu verhalten,
ansonsten er mit weitergehenden fremdenpolizeilichen Massnahmen zu rechnen habe.
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen vom 6. Juli 2011 wurde A.B. wegen
mehrfacher Beschäftigung von Ausländerinnen ohne Bewilligung, Übertretung des
kantonalen Gastwirtschaftsgesetzes, Übertretung des Bundesgesetzes zum Schutz vor
Passivrauchen sowie Übertretung des Bundegesetzes betreffend die Lotterien und
gewerbsmässigen Wetten zu einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je
CHF 50 sowie einer Busse von CHF 3‘000 verurteilt. Gleichzeitig wurde der mit
Strafbescheid des Untersuchungsamtes St. Gallen am 19. Juni 2009 bedingt
ausgesprochene Teil der Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 50 widerrufen. Mit
Verfügung des Migrationsamtes vom 21. November 2011 wurde A.B. aufgrund der
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Verurteilungen und der Nichterfüllung finanzieller Verpflichtungen der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung angedroht.
In der Folge musste A.B. erneut verurteilt werden und zwar mit Strafbefehl des
Untersuchungsamtes St. Gallen vom 16. April 2012 wegen Übertretung des
Bundesgesetzes zum Schutz vor Passivrauchen zu einer Busse von CHF 400, mit
einem weiteren Strafbefehl vom 11. Januar 2013 wegen Beschäftigung einer
Ausländerin ohne Bewilligung, Vergehens und Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes, Übertretung des Bundesgesetzes betreffend die Lotterien
und gewerbsmässigen Wetten, Widerhandlung gegen das Gastwirtschaftsgesetz und
Widerhandlung gegen die Verordnung über den Schutz vor Passivrauchen zu einer
Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 30 und einer Busse von CHF 5‘000, mit
Strafbefehl vom 15. März 2013 wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
sowie Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen zu einer Busse von CHF 800, mit
Strafbefehl vom 20. Juni 2013 wegen Beschäftigung einer Ausländerin ohne
Bewilligung, Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetzes und mehrfacher
Übertretung desselben, Übertretung des Bundesgesetzes zum Schutz vor
Passivrauchen sowie Vergehens gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe von
180 Tagessätzen zu je CHF 40 und einer Busse von CHF 800, und mit Strafbefehl vom
25. Februar 2015 wegen Beschäftigens einer Ausländerin ohne Bewilligung, Vergehens
gegen das Waffengesetz und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer
Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 40, wovon 45 Tagessätze bedingt
aufgeschoben bei einer Probezeit von vier Jahren.
C. Mit Verfügung vom 26. März 2015 widerrief das Migrationsamt die
Niederlassungsbewilligung von A.B. und forderte ihn auf, die Schweiz bis 3. Juni 2015
zu verlassen (Dossier, S. 414 ff.). Gegen diese Verfügung erhob A.B. Rekurs beim
Sicherheits- und Justizdepartement (Dossier, S. 431 ff.). Mit Strafbefehl des
Untersuchungsamts St. Gallen vom 26. Oktober 2015 wurde A.B. erneut verurteilt
wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, Führens eines Motorfahrzeugs trotz
Entzugs des Führerausweises und Nichtmitführens des Fahrzeugausweises im Zusatz
zum Urteil des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 25. Februar 2015 zu einer
Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je CHF 40, bedingt aufgeschoben bei einer
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Probezeit von vier Jahren, und einer Busse von CHF 100. Das Sicherheits- und
Justizdepartement wies den Rekurs am 10. Mai 2017 ab.
D. A.B. (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 11. Mai 2017 versandten
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartement (Vorinstanz) durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 23. Mai 2017 und Ergänzung vom 26. Juni 2017
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, es sei unter Kosten-
und Entschädigungsfolge, eventualiter unter Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und -verbeiständung, der angefochtene Entscheid aufzuheben und von
einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung und weiteren ausländerrechtlichen
Massnahmen abzusehen, eventualiter der Beschwerdeführer zu verwarnen,
subeventualiter seien neue Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen.

Die Vorinstanz verwies in ihrer Vernehmlassung vom 3. Juli 2017 auf die Erwägungen in
ihrem Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der zuständige
Abteilungspräsident entsprach am 14. September 2017 dem Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung im
Beschwerdeverfahren.
Während des laufenden Beschwerdeverfahrens kam es wegen eines Streites zwischen
dem Beschwerdeführer und seiner Tochter am 3. Oktober 2017 zu einer polizeilichen
Intervention im häuslichen Bereich. Mit Strafbefehl vom 11. Dezember 2017 wurde er
wegen mehrfacher Tätlichkeiten, Beschimpfung und mehrfacher versuchter Drohung,
die er gegenüber Ehefrau und Tochter beging, sowie wegen Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 40
(unbedingt) sowie einer Busse von CHF 1‘500 verurteilt (act. 23 und 24).
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
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2. Beim Widerruf von Niederlassungsbewilligungen ausländischer Personen ist das
Ausländergesetz (SR 142.20, AuG) anwendbar, soweit keine anderen Bestimmungen
des Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche Verträge zur
Anwendung gelangen. Für Angehörige der EU-/EFTA-Staaten kommt es subsidiär zur
Anwendung, soweit nicht das Abkommen zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA)
beziehungsweise die entsprechenden Assoziierungsabkommen mit den EFTA-Staaten
abweichende Bestimmungen enthalten oder wenn es günstigere Bestimmungen enthält
(Art. 2 AuG; VerwGE B 2013/118 vom 11. März 2014 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Auf
den Beschwerdeführer ist aufgrund der Tatsache, dass seine Ehefrau kroatische
Staatsangehörige und hier erwerbstätig ist, das FZA anwendbar, obwohl er selbst nicht
Angehöriger eines EU-/EFTA-Staates ist (vgl. Art. 3 Ziff. 1 und 2 lit. a Anhang I FZA).
Die Niederlassungsbewilligung kann nur widerrufen werden, wenn der Ausländer zu
einer längerfristigen Freiheitsstrafe, das heisst zu einer solchen von mehr als einem
Jahr, verurteilt worden ist, wobei mehrere unterjährige Strafen nicht kumuliert werden
(Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG; BGE 137 II 299 E. 2). Ein
Widerrufsgrund ist sodann gegeben, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet
(Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Eine ausländische Person verstösst in der Regel dann in
schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung, wenn durch
ihre Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter wie namentlich die körperliche,
psychische oder sexuelle Integrität eines Menschen verletzt oder gefährdet werden.
Vergleichsweise weniger gravierende Pflichtverletzungen können dann als
schwerwiegend bezeichnet werden, wenn sich eine ausländische Person von
strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch
künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten (BGE 137 II
304 E. 3.3 mit Hinweis auf BBl 2002 3709 zu Art. 62 AuG).
Diese Widerrufsgründe gelten auch für Niederlassungsbewilligungen ausländischer
Personen, die sich wie der Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen
und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich seit langem hier aufhält, soll aber
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nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei wiederholter beziehungsweise schwerer
Straffälligkeit ist dies jedoch selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer
hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat (vgl. etwa
BGE 139 I 16 E. 2.2.1). Im Gegensatz zur früheren Rechtsprechung (vgl. BGer 2A.
297/2006 vom 14. August 2006 E. 2) fordert das Bundesgericht heute also nicht mehr
Gewaltdelikte beziehungsweise wiederholte schwere Straffälligkeit.
Unter dem Gesichtspunkt des FZA ist zu berücksichtigen, dass Art. 5 Anhang I FZA
besagt, dass die auf Grund des FZA eingeräumten Rechte nur durch Massnahmen
eingeschränkt werden dürfen, die aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit
und Gesundheit gerechtfertigt sind. Art. 5 Anhang I FZA steht – anders als das
Landesrecht – aufenthaltsbeendenden Massnahmen entgegen, die allein aus
generalpräventiven Gründen verfügt werden (BGer 2C_221/2012 vom 19. Juni 2012
E. 3.3.2). Von der ausländischen Person muss eine hinreichend schwere und
gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit
ausgehen (BGer 2C_845/2009 vom 17. August 2010 E. 3, BGE 130 II 493 E. 3.2, BGE
130 II 176 E. 3.4.1). Es kommt also wesentlich auf das Rückfallrisiko an. Verlangt wird
eine nach Art und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzierende,
hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Ausländer auch künftig die öffentliche
Sicherheit und Ordnung stören wird. Je schwerer die möglichen
Rechtsgüterverletzungen wiegen, desto niedriger sind die Anforderungen, die an die
hinzunehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (BGer 2C_839/2011 vom 28. Februar
2012 E. 2.3). Nicht vorausgesetzt ist, dass der frühere Straftäter mit Sicherheit wieder
delinquieren wird (vgl. BGer 2C_1071/2016 vom 30. März 2017 E. 4.5.2). Umgekehrt ist
für das Verneinen der Rückfallgefahr nicht erforderlich, dass kein Restrisiko mehr
besteht (so BGer 2C_406/2014 vom 2. Juli 2015 E. 4.2). Schliessen sich an eine frühere
Verurteilung aktuellere ausländerrechtliche Verstösse an (inkl. Missachtung
behördlicher Verfügungen), schliesst das Bundesgericht auf eine ungünstige
Legalprognose (vgl. Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/ Hruschka, Migrationsrecht,
Kommentar, 4. Aufl. 2015, N 5c zu Art. 5 Anhang I FZA mit weiteren Hinweisen).
Ist das Vorliegen eines Widerrufsgrunds zu bejahen, ist sodann zu prüfen, ob der
Widerruf der Niederlassungsbewilligung verhältnismässig ist (vgl. Art. 96 Abs. 1 AuG;
Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101,
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BV). Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Delikts
und das Verschulden des Betroffenen, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das
Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration
beziehungsweise die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und seiner
Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen.
3. Der Beschwerdeführer wurde nicht zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr
verurteilt. Aber er hat regelmässig in strafrechtlicher Hinsicht zu Klagen Anlass
gegeben. Trotz zweifacher Verwarnung seitens der Fremdenpolizei beziehungsweise
des Migrationsamtes, beging er immer wieder Straftaten. Er wurde während laufender
Probezeiten straffällig und sogar während des laufenden ausländerrechtlichen
Verfahrens, auch noch kurz vor Einreichung seiner Beschwerde (act. 24). Dies alles
zeugt von einer Gleichgültigkeit gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung sowie
den hiesigen Behörden, die beachtlich ist. Er liess sich weder von Verwarnungen noch
vom drohenden Entzug seiner Niederlassungsbewilligung beeindrucken. Gerade die
letzte Verurteilung zeugt auch davon, dass der Hang zur Straffälligkeit dem
Beschwerdeführer inhärent ist und nicht auf den Umständen beruht (z.B. Betrieb der
Gastwirtschaft, den er aufgegeben hat). Es kann also keine Rede davon sein, dass er
durch die jüngsten Ereignisse bewiesen habe, dass es ihm ernst sei, ein
gesetzestreues Mitglied unserer Gesellschaft zu sein und seinen Verpflichtungen
nachzukommen (act. 6 S. 4). Auch dass er bereits „unter Beobachtung“ war, hielt ihn
nicht von weiteren Straftaten ab, weshalb unklar ist, warum er davon ausgeht, dass
dies in Zukunft so wäre. Ebenso wenig überzeugt angesichts der jüngsten
strafrechtlichen Verfehlungen auch die Behauptung, dass es nach Aufgabe des
Restaurationsbetriebs nun schlichtweg keine Möglichkeit für einen Rückfall mehr gebe.
Denn gerade die jüngste Verurteilung belegt das Gegenteil. Mit seinem Verhalten, das
von Uneinsichtigkeit und Unbelehrbarkeit zeugt, erfüllt er den Widerrufsgrund von
Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG. Aufgrund der Kadenz der strafrechtlichen Verurteilungen
sowie der Tatsache, dass diese keine lange Zeit zurückliegen, und des Faktums, dass
sich der Beschwerdeführer nicht von Verwarnungen, Probezeiten und gar einer vom
Migrationsamt entzogenen Niederlassungsbewilligung beeindrucken liess, ist die
Rückfallgefahr aktuell sehr hoch und es ist damit zu rechnen, dass der
Beschwerdeführer auch weiterhin regelmässig gegen die Rechtsordnung verstossen
würde.
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Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer hoch verschuldet ist und diese
Verschuldung gemäss eigener Angabe unverändert ist, obschon er den
Restaurationsbetrieb aufgegeben hat und die Schulden nach eigener Angabe mit einer
geregelten Arbeit abzahlen könnte (act. 6 S. 4). Bis zum heutigen Tag wies der
Beschwerdeführer trotz seiner weitreichenden Mitwirkungspflicht nicht nach, dass er
seine Schulden tatsächlich abbezahlt. Dass die Verschuldung und der Verzicht auf das
Abbezahlen nicht selbst verschuldet wären, legte der Beschwerdeführer ebenfalls nicht
überzeugend dar. Die Verschuldung muss daher als mutwillig betrachtet werden. Denn
der Beschwerdeführer hätte seine selbständige Erwerbsstätigkeit im Gastro-Business
mangels anderer Sachdarstellung auch früher zugunsten einer nicht defizitären
unselbständigen Tätigkeit aufgeben können. Zudem scheint auch sein geleaster BMW
520i Limousine E60, den er sich nach bereits vorliegenden Einträgen im
Betreibungsregister und damit ungenügender finanzieller Verhältnisse leistete, zu den
aktuellen finanziellen Verhältnissen nicht unwesentlich beigetragen zu haben (vgl. die
Höhe der Leasingraten etc. gemäss Dossier, S. 24 ff.). Die nach dem Beschwerdeführer
bestehende Möglichkeit der Schuldenabzahlung scheint praktisch wohl aufgrund der
Höhe seines Lohnes nicht umsetzbar, weshalb sie bei der Interessenabwägung keine
Berücksichtigung finden kann. Abgesehen davon liegen keinerlei Lohnabrechnungen
im Recht. Vielmehr gab der Beschwerdeführer im Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege am 27. Juni 2017 ohne jeden Hinweis auf das Ausmass seiner
Erwerbstätigkeit an, er arbeite – als Allrounder – für einen Stundenlohn von CHF 24
„auf Abruf“.
Das ausländerrechtliche Verschulden des Beschwerdeführers wiegt insofern schwer,
als er sich offensichtlich von zwei ausländerrechtlichen Verwarnungen und diversen
Verurteilungen nicht von weiteren Straftaten abhalten liess und sogar während des
laufenden ausländerrechtlichen Verfahrens weiter straffällig wurde. Hinzu tritt die
Tatsache, dass er unlängst die körperliche und psychische Integrität seiner Tochter
J.B. verletzt und damit hochwertige Rechtsgüter verletzt und gefährdet hat. Der seitens
des Beschuldigten angeführte BGE 137 II 297 ist in vorliegendem Fall nicht
massgebend, da in jenem Fall die entscheidenden Verurteilungen ein paar Jahre
zurücklagen. In diesem Fall liegt die letzte Verurteilung noch kein halbes Jahr zurück.
Angesichts dessen besteht ein erhebliches öffentliches Interesse am Widerruf der
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und an seiner Wegweisung.
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Obschon der Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren hier lebt, ist unter dem Aspekt
der Verhältnismässigkeit zu beachten, dass er sich in die hiesige Rechtsordnung nicht
integrieren konnte. Da er seine Kindheit, Jugend und einen Teil seines
Erwachsenenalters in seinem Heimatland verbracht hat, sind ihm die dortige Sprache
und Kultur bestens vertraut. Er hat dort Verwandte (insbesondere einen Sohn) und
reiste regelmässig dorthin. Der Ehefrau des Beschwerdeführers wäre es nicht
unzumutbar, mit ihrem Ehemann in ihre Heimat auszureisen, da sie sich zwar seit dem
Jahre 2009 ununterbrochen in der Schweiz aufhält, aber dennoch nicht sonderlich
integriert ist (Schulden [act. 11/14; Dossier, S. 251 f.]; strafrechtliches Verhalten [z.B.
Dossier, S. 159 ff.]; auch sprachlich wurde deutlicher Verbesserungsbedarf erkannt und
die Ehefrau des Beschwerdeführers besuchte 2012/13 noch einen Sprachkurs Niveau
A2 bei der Migros Klubschule und verbesserte sich nicht sonderlich, weshalb sie im
Herbst 2013 erneut auf demselben Niveau einen Kurs absolvierte [Dossier, S. 97 ff. und
S. 235]; wenig etabliert in Bezug auf die Erwerbstätigkeit). Die erwachsene Tochter J.B.
könnte den Kontakt zu ihrem Vater beziehungsweise ihren Eltern mit elektronischen
Kommunikationsmitteln und im Rahmen von Besuchsaufenthalten aufrechterhalten.
Dass sie auf deren Betreuung angewiesen wäre, wird nicht geltend gemacht und ist
auch nicht ersichtlich. Die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem
Verbleib in der Schweiz wiegen deshalb nicht schwerer als die öffentlichen Interessen
am Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung. Ausserdem ist unter dem Aspekt der
Verhältnismässigkeit auch zu berücksichtigen, dass eine erneute Verwarnung sich
angesichts der bereits erfolgten Verwarnungen in keinerlei Hinsicht rechtfertigt.
Der Entscheid der Vorinstanz erweist sich damit als recht- und verhältnismässig. Die
Beschwerde ist abzuweisen.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Beschwerdeführer die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die Kosten gehen infolge der Bewilligung des
Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege zulasten des Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP in
Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272,
ZPO). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
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Wird vor Verwaltungsgericht die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt (vgl.
Art. 99 Abs. 1 VRP), wird das Honorar um einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3
AnwG). Es beträgt vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'000 bis 12'000 (Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75,
HonO). Innerhalb dieser Pauschale wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falles sowie den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen (Art. 19
HonO). Der Rechtsvertreter hat auf der Grundlage eines Zeitaufwandes von 16,6
Stunden zu je CHF 250 eine Kostennote in der Grössenordnung von CHF 4‘500
eingereicht. Eine solche Entschädigung erscheint mit Blick auf die in
ausländerrechtlichen Beschwerdeverfahren üblicherweise zugesprochene pauschale
ausseramtliche Entschädigung von CHF 1‘600 (CHF 2‘000 um einen Fünftel reduziert)
zuzüglich CHF 80 Barauslagen (vier Prozent von CHF 2‘000, Art. 28 Abs. 1 HonO)
und Mehrwertsteuer als überhöht. Die Angelegenheit erweist sich sowohl in
tatsächlicher – trotz des relativ beträchtlichen Umfangs der Akten – als auch in
rechtlicher Hinsicht nicht als überdurchschnittlich aufwendig. Dementsprechend ist der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers für das Beschwerdeverfahren ausseramtlich
mit CHF 1‘680 zuzüglich acht Prozent – die anwaltlichen Leistungen wurden im
Wesentlichen vor dem 1. Januar 2018 erbracht – Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO,
Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018,
www.estv.admin.ch).