Decision ID: 49d65b69-acd0-4f07-979f-237d875c7b6f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, verfügt über keinen erlernte
n Beruf und war vo
m
16.
April 2012 bis am 31.
März 2017 bei der
Y._
AG in einem 50 %-Pensum als IT
Supporter
und im Nebenverdienst a
ls selbständiger DJ tätig (Urk. 6
/4, U
rk. 6/12-15, Urk. 6/33 S.
2 Zi
ff. 1.7). Aufgrund eines Gesund
he
itsschadens konnte er ab dem 1.
September
2016 nicht mehr arbeiten (Urk. 6/12 S.
2). Das Arbeitsverhältnis bei der
Y._
AG wurde ihm auf den 31.
März 2017 gekündigt (Urk.
6
/12/7).
Unter Hinweis auf eine Diskushernie/Bandscheibenvorfall
L4
und
L5
meldete
sich der Versicherte am 17.
Februar 2017 bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbe
zug an (Urk. 6
/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation
ab
.
Am 21.
November 2017 (Urk.
6
/26) teilte die IV
-
Stelle dem Versicherten mit, dass zurzeit k
eine berufli
chen Eingliederungs
massnahmen möglich seien
.
Mit Verfügung vom 20. Juni 2018 (Urk. 6/54) verneinte
sie
einen Rentenanspruch
.
Eine dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 6/55/3-15) wies das hiesige Gericht mit Urteil
IV.2018.00676
vom
27. November 2019
(Urk. 6/
69
) ab.
1.2
Zuvor hatte sich der Beschwerdeführer am 13. März 2019 (Urk. 6/59) unter Einreichung diverser Berichte seiner Behandler mit einem als Revisionsgesuch bezeichneten Schreiben erneut zum Leistungsbezug angemeldet, woraufhin die IV-Stelle das Neuanmeldungsverfahren aufgrund des laufenden Verfahren
s
vor dem Sozialversicherungsgericht sistiert
e
(Urk. 6/60).
Nach
ergangenem
Urteil
IV.2018.00676
des hiesigen Gerichts vom 27. November 2019
nahm die IV-Stelle das Neuanmeldungsverfahren wieder auf (vgl. Urk. 6/70, Urk. 6/79).
Sie klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte
beim
Z._
,
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
28. April 2021 erstattet wurde (Urk. 6/101
/1-82
).
Nach durchgefüh
rtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/105, Urk. 6/108
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6. Oktober 2021 (Urk. 2)
einen Leistungsanspruch
.
2.
Der Versicherte erhob am
8. N
ovember 202
1 (Urk. 1)
Beschwerde gegen die Ver
fügung vom
6. Oktober 2021
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Zudem beantragte er, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Testergebnisse/Rohdaten der Begut
achtung vom 28. April 2021 zu besorgen und diese dem Gericht herauszugeben
.
Ferner seien
ihm diese zur Verfügung zu stellen und
es sei
ihm eine 30-tägige Frist für eine Stellungnahme dazu anzusetzen
(
S.
2
)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
14. Dezember 2021
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde
, was
dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 15. Dezember 2021 (Urk. 7)
zur Kenntnis gebracht
wurde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestim
mungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSV
), des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die An
nahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E.
4c
; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des
Bundesge
setz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1
.
5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditäts
grades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs.
3
IVV
) so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E.
3a
mit Hin
weis).
Anlass zur Rentenrevision gemäss Art. 17 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Ver
hältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (B
GE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E.
3a
mit Hinweis).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung vom 6.
Oktober
2021
(Urk. 2) gestützt auf das von ihr eingeholte
polydisziplinäre
Z._
-Gut
achten damit,
dass
sie
w
eiterhin
von einer
volle
n
Arbeitsfähigkeit
aus
gehe
. Es handle sich um dieselbe gesundheitliche Einschränkung. Es liege lediglich eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhaltes vor. Die externe Gutachterstelle habe ihr telefonisch mitgeteilt, dass sie keine Testergebnisse aushändige. Zudem habe sie dem Beschwerdeführer die Koordinaten der Unter
suchungsstelle angegeben, damit
er direkt mit
dieser
Kontakt
aufnehmen könne, um eine Stellungnahme gemäss seinem Antrag zu erhalten (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber in seiner Beschwerde vom
8
.
November
2021 (Urk. 1) vor,
es sei nicht nachvollziehbar, dass der psychiat
rische
Z._
-Gutachter zu völlig anderen Diagnosen komme als der behandelnde Arzt.
Die
Z._
-Gutachter wollten die Testergebnisse/Rohdaten nicht heraus
geben, welche die Persönlichkeitsstörung
vernein
t
e
n
. Der diagnostische Widerspruch könne nur aus dem Weg geräumt werden, wenn die Testungen und Ergebnisse offengelegt und verglichen würden. Die Verweigerung dieser Akten stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
Im Weiteren halte der
Z._
-Gutachter fest, dass bei fehlender psychischer Erkrankung auch die Diagnose einer chro
nischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nicht gestellt werden könne. Dies sei
aber
eine eigenständige Krankheit und bedürfe keiner weiteren psychischen Krankheiten und Diagnosen, damit sie anerkannt werde. Das Gutachten sei nicht schlüssig und daher nicht verwertbar (S. 3 f.). Zudem gingen die Gutachter in rheumatologischer Sicht von einer Einschränkung in der bisherigen Tätigkeit von 50 % aus. Die Beschwerdegegnerin gehe in der ange
fochtenen Verfügung somit fehl
in
der Aussage, dass ihm sämtliche Tätigkeiten zumutbar seien. Unter diesen Umständen hätte die Beschwerdegegnerin einen Einkommensvergleich durchführen müssen (S.
4
).
2.3
Umstritten und zu prüfen ist damit, ob die
Beschwerdegegnerin nach der Neu
an
meldung vom
13. März 2019 (Urk. 6/59)
einen Rentenanspruch des
Be
schwerdeführers zu Recht verneint hat.
3.
Mit Verfügung vom
20. Juni 2018
(Urk.
6/54
)
verneinte die Beschwerdegegnerin
einen
Rentenanspruch
des Beschwerdeführers mangels invalidisierenden Gesundheitsschadens
, was das hiesige Gericht mit Urteil
IV.2018.00676
vom 27. No
vember 2019 (Urk. 6/69)
bestätigte. Im seinem Urteil stützte sich das hiesige Gericht in erster Linie auf die
aktengestützte
Stellungnahme von Dr. med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom regional
en
ärzt
lichen Dienst (RAD) vom 7. März 2018 (Urk. 6/42 S. 5 f.
; vgl. Urk. 6/69 E. 4.2 und E. 4.5
)
.
Darin hielt RAD-Arzt Dr.
A._
fest,
anhand der vorliegenden Arztbericht
e sei die Diagnose einer ätiolo
gisch unklaren
Iliopsoas
-/
Hüftbeuger
schwäche
rechts
ausgewiesen, ein
schliesslich einer sich daraus ableitenden, zeitlich befristeten Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit. Diese Diagnose se
i mittler
weile stabil. Hinsicht
lich der Bewertung der Arbeitsunfähigkeit - wie üblich ohne entsprechenden Zusatz gültig für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit «IT
Supporter
» bzw. «
selbstän
diger DJ» - seien die akten
kundigen Angaben einer Arbe
itsunfä
higkeit von 100
% ab 13.
September 2016 bis zum Zeitpunkt des Abschlusses der neurologischen Diagnostik in der Universitätsklinik Balgrist im November 2017 nachvollziehbar, aber nach Ausschluss einer neurogenen Ursache nicht mehr plausibel. Somit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 100
% in der bisherigen Tätigkeit auszugehen, welche unter Berücksichtigung des im Arbeitgeberfrage
bogen enthaltenen Anforderungsprofils einer behinderungsangepassten Tätigkeit entspreche
(Urk. 6/42 S. 5).
4.
4.1
PD Dr. med.
B._
, Facharzt für Neurologie, Dr. med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie, Manuelle Medizin SAMM und
Interventionelle
Schmerzmedizin, und Dr. med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
E._
, welche den Beschwerdeführer am 18. August 2020 im Rahmen einer interdisziplinären Schmerzsprechstunde beurteilten, nannten in ihrem Bericht vom
selben
Tag (Urk. 6/85/9-13) folgende Diagnosen:
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
-
10
F45.41
)
-
Polyarthralgien mit intermittierend
CRP
-Erhöhung, Erstmanifestation 2017
-
Chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom
-
subjektiv nach Diagnose Spinalkanalstenose zunehmend, nach
Ad
häsiolyse
verbessert
-
verstärkende Faktoren: Wetterverschlechterung, Vollmond
-
Besserung auf Entspannung, ventrales Abstützen, Stehen länger als 10 Minuten
-
Status nach
Fenestration
LWK (Lendenwirbelkörper)
4/5 rechts und
Sequestrektomie
Januar 2017
-
Primär stechender Kopfschmerz (
ICHD
-3 4.7)
-
Metabo
lisches Syndrom
4.2
In seinem Bericht vom 17. September 2020 (Urk. 6/8
5
/1-7
; vgl. auch den Bericht vom 11. September 2020 [Urk. 6/86]
) nannte pract. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
bei welchem sich der Beschwerdeführer seit dem 21. Juli 2020 in Behandlung befand (Ziff. 1.1),
folgende
Diagnosen mit
Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
, schädlicher Gebrauch (
ICD-10
F12.1
;
Diagnosestellung zu Therapiebeginn)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
-
10
F45.41
; bereits bestehende Diagnose bei Therapiebeginn)
Zudem nannte er unter and
e
rem folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.6):
-
Ana
n
kastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.5
)
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10
F60.30
)
-
Paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.0
)
-
Störung des Sozialverhaltens mit oppositionelle
m
aufsässigem Verhalten in Kindheit und Jugend (ICD-10
F91.3
)
Dr.
F._
empfahl
zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit eine Potenzialabklärung (vgl. Ziff. 4.1-2).
4.
3
Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Dr. med.
H._
, Fach
arzt
für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Dr. med.
I._
, Facharzt für
Psy
chiatrie und Psychotherapie sowie für
Neurologie
, Dr. med.
J._
, Facharzt für Neurologie, und Dr. med.
K._
, Facharzt für Rheumatologie,
vo
m
Z._
nannten in ihrem von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen inter
nistisch-
neurologisch-
rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten vom
28. April 2021
(Urk. 6/101
/1-82
) in ihrer
interdisziplinären Gesamtbeurteilung
als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein
chronifiziertes
kompli
ziertes lumb
ospondylogenes Schmerzsyndrom mi
t/bei einer
ischialgiformen
Schmerzausstrahlung rechts, klinischen Zeichen eines radikulären Ausfallsyn
droms (sensorisch) der Wurzel
L5
rechts, degenerative
Diskopathien
L3-S1
und
manifester
I
liopsoasschwäche
rechts
(S.
11
)
.
Zudem stellten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (S. 11):
-
Aktenanamnestisch
seronegative
Polyarthritis, derzeit ruhig und stabil
-
Status nach Lendenwirbelsäulen
(LWS)-Operation Januar 2017 mit
Fenestration
und mikrochirurgischer
Sequestrektomie
L4
/5 rechts, ohne sichere
nervale
Residuen
-
Verdacht auf Affektion des Nervus
cutaneus
femoris
lateralis
rechts
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
: Abhängig
keitssyndrom mit ständigem Substanzkonsum (ICD-10
F12.2
)
-
Leichtgradige distal-symmetrisch sensible diabetische Polyneuropathie
-
Status nach
Frozen
Shoulder
beidseits
-
Mildes zervikospondylogenes Schmerzsyndrom mit/bei
Kyphosierung
C2
bis
C5
,
Diskusprotrusion
/-
Herniation
C5
/
C6
ohne Neurokompression
-
Metabolisches Syndrom
-
Arterielle Hypertonie
-
Adipositas (BMI 31.2 kg/
m
2
)
-
Hyperlipidämie
-
Diabetes mellitus Typ 2
Die Gutachter hielten fest, auf Grund der
Einschränkung im rheumatologischen Fachgebiet
sei
die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
um 50
% reduziert, in einer leidensadaptierten Tätigkeit besteh
e
keine Einschränkung
(S. 12). Die aktuelle Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer optimal angepassten Tätigkeit dürf
t
e ihre Gültigkeit ab Ende der Rehabili
tation nach erfolgter Rückenoperation (J
anuar 2017) haben (S. 15).
5.
5.1
Das Gutachten de
s
Z._
vom
28. April 2021
(E. 4.
3
) beinhaltet internistische, rheumatologische
, neurologische und
psychiatrische
Untersuchungen und beruht auf den erforderlichen a
llseitigen klinischen und notwen
digen labortechnischen sowie bildgebenden Erhebungen
(Urk. 6/101
/1-82
S.
29-32, S. 34-36, S. 44-48, S. 60-62, S. 64, S. 74-77, Urk. 6/101
/95
)
.
Das Gutachten wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den Vorakten
-
insbesondere auch hinsichtlich der von
Dr.
F._
gestellten Diagnosen
einer kombinierten
Persönlichkeits
störung
(vgl. E. 5.
2
nachstehend) - erstattet (
Urk. 6/101
/1-82
S.
7-13, S. 18-27, S. 37 f, S. 51 oben, S. 53 unten, S. 57-59, S. 64-67
).
Es berücksichtigt die in den begutachteten Disziplinen geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander (
S. 12-16,
S.
29 f., S. 32-38, S. 44, S. 46-51, S. 60-67, S. 74, S. 76-79
). Die Gutachter legten d
ie medizinischen Zustände und Zu
sammenhänge aus inter
nistischer, rheumatologischer
, neurolo
gischer
und
psychiatrischer
Sicht einleuchtend dar und begründeten ihre
S
chlussfolgerung nachvollziehbar.
So zeigten sie insbesondere auch auf, dass
aus
psychiatrischer Sicht aufgrund der erhobenen Befunde und vorgenommen Beur
teilung keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen
(vgl. E. 5.
2
nachstehend)
und
seit der
abgeschlossene
n
Rehabilitation
nach
der Operation im Januar 2017 im Wesentlichen
von einem
unveränderten medizinischen Sachverhalt auszugehen ist
(E. 4.3).
Das Gutachten entspricht damit den bundesgerichtlichen Voraussetzungen einer beweiskräftigen Expertise (vgl. E. 1.6)
.
5.2
5.2.1
Der Beschwerdeführer kritisierte insbesondere das psychiatrische Teilgutachten
von Dr.
I._
(Urk. 1 S.
3 f., E. 2.2
).
5.2.2
Das psychiatrische Teilgutachten von Dr.
I._
enthält eine klinische Unter
suchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeo
bachtung (Urk.
6/101
/1-82
S.
27-38
) und entspricht somit den bundesge
richtlichen Vorgaben an ein psychiatrisches Gutachten (Urteil des Bundesgerichts
8C_47
/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
Dr.
I._
erhob einen im Wese
ntlichen unauffälligen Befund
(S. 32-34). Er verwendete dabei
unter
anderem auch das
B
eck’sche
Depressionsinventar,
das
SRSI
und
das
Freiburger Persönlich
keitsinventar (S. 34)
. Zudem berücksichtigte er die
durch
Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP
L._
am 9. März 2021 (Urk. 6/101/83-94) durchge
führte neuropsychologische Untersuchung (vgl. Urk. 6/101/1-82 S. 35 f.).
5.2.3
Dr.
I._
erklärte
dabei
gestützt auf seine Erhebung
und
die
Akte
nlage
einleuch
tend
,
dass
die von Dr.
F._
gestellte Diagnose
einer kombinierten
Persön
lichkeitsstörung
- notabene auch von diesem als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit taxiert (E. 4.2)
-
nicht zu überzeugen
vermag
.
Dr.
I._
legte dar, dass
sich die
von ihm diesbezüglich
durchgeführte Testung unauffällig
zeigte, was
seinem
Eindruck des Beschwerdeführers in
der
Unter
suchung entsprach
(keine persönlichkeitsgestörte Interaktion)
,
und
dass
die
von Dr.
F._
als Anteile einer Persönlichkeitsstörung interpretierte
n
Angaben
des Beschwerdeführers
vielmehr als Ausdruck der Bewertung des Krankheitsver
laufes zu sehen
sind
.
Überzeugend
stellte
Dr.
I._
denn auch klar
, dass gerade das
vor dem Krankheitsfall
weitgehend unauffällige Privat- und Berufsleben gegen eine Persönlichkeitsstörung
sprechen
, welche ihren Anfang
regelmässig
in der Kindheit und Jugend nehmen und auch durch das gesamte Erwachsenenalter hindurch positiv festgestellt werden müssten
(
vgl. Urk. 6/101/1-82 S. 13 und S. 37; vgl.
zur Diagnostik der Persönlichkeitsstörung
en nach ICD-10
F60
-69
in:
Dilling
/
Mombour
/Schmid
t
[Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Stö
rungen; ICD-10 Kapitel V [F] Klinisc
h-diagnostische Leitlinien, 10.
Aufl., 2015, S.
2
7
4 ff.)
.
Dr.
F._
stützte sich bei seiner Diagnose dagegen
einzig auf
die
Erhebung mittels SKID-II-Fragebogen (vgl. Urk. 6/86 S. 3 unten)
.
Dies
ohne eine Bewertung des Lebenslaufes des Beschwerdeführers
bei im Juli 2020 erfolgter
Erstkonsul
tation hinsichtlich Anzeichen einer Manifestation von Elementen
vorgenommen zu haben
, welche für eine Persönlichkeitsstörung gesprochen hätten (vgl. Urk. 6/85/1-7 und Urk. 6/86)
.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers stellt denn auch im Hinblick auf die im vorliegenden Verfahren zu beurteilende Frage über einen Rentenanspruch die in diesem Zusammenhang von der Gutachterstelle nicht vollzogene Herausgabe der Rohdaten
(vgl. Urk. 6/
111-113
)
k
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar (vgl. Urk. 1 S. 3 f. und E. 2.2). So
lässt
sich den Angaben von Dr.
I._
im Gutachten
eindeutig entnehmen, wie er zu seiner Beurteilung gelangte und weshalb er
aus nachvollziehbaren Gründen
die Diagnose
der
Persönlichkeits
störung ablehnte.
5.2.4
Dr.
F._
erachtete -
im Gegensatz zu
Dr.
I._
sowie insgesamt dem
Z._
-Gutachte
n (E. 4.3) - die psychischen und Verhaltensstörungen durch
Cannabi
noide
sowie die chronische Schmerzstörung als mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit, wobei er diese nicht bezifferte und für die Festlegung des Ausmasses eine Poten
z
ialabklärung empfahl (E. 4.2).
W
eshalb er die psychische
n
und Verhaltensstörung
en
durch
Cannabinoide
als mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sah,
begründete
Dr.
F._
nicht (vgl. Urk. 6/85/1-7 und Urk. 6/86). Dr.
I._
dagegen
konnte
plausibel
aufzeigen, dass dies
e
Diagnose
nicht mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einher
geht.
Insbesondere
wies er
in diesem Zusammenhang
darauf
hin, dass
der
regelmässige Konsum von
Cannabinoiden
beim Beschwerdeführer
keine neuropsychologischen Einschränkungen
zeitigt
(Urk. 1/101/1-82 S. 36 unten).
Was die chronische Schmerzstörung anbelangt,
zeigten
die
Z._
-Gutachter überzeugend
auf
, dass
diese rein somatisch
e
Ursachen
hat
(E. 4.3). Dr.
I._
konnte in seiner Befunderhebung keinen psychischen Anteil
dafür
erheben und bei dem von ihm angewandte
n
Beschwerdevalidierungsverfahren resultierten unauffällige Ergebnisse, weshalb er die vom Beschwerdeführer berichtete Beschwerdeschilderung aufgrund der körperlichen Beschwerden als authentisch erachtete (vgl. Urk. 6/101/1-82 S. 38 oben). Dies steht auch in Übereinstimmung mit dem Ergebnis der Untersuchung des rheumatologischen
Z._
-
Gutachters,
wonach die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden einem komplizierten somatisch bedingten
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom mit einer
ischial
giformen
Schmerzausstrahlung in das rechte Bein mit
klinischen Zeichen ein
e
s radikulären Ausfallsyndroms (sensorisch) der Wurzel
L5
auf der rechten Seite entsprechen (S. 9 unten, S. 60 und S. 64 f.). Der Beurteilung der
Z._
-Gutachter stehen
im Übrigen
auch die Berichte der Behandler
nicht
entgegen. Dr.
F._
setzte sich diagnostisch überhaupt nicht mit der Schmer
z
störung aus psychiatri
scher Sicht auseinander, sondern übernahm die Diagnose unbesehen von den Fachärzten des
E._
(vgl. E. 4.2, Urk. 6/85/1-7 S. 3-5, Urk. 6/86 S. 3 f.
)
. Diese wiederum
äusserten sich nicht dazu, welche geklagten Schmerzen im Einklang
mit dem
somatischen Untersuchungsbild
stehen
und welche wiederum
keine ausreichende Erklärung darin finden und somit einen psychischen Anteil bilden. Vielmehr subsumierten sie unter die Diagnose der chronischen Schmerzstörung als Subdiagnosen die ausgewiesenen somatischen Leiden der Polyarthralgien und des chronischen
lumbovertebralen
Schmersyn
droms sowie die
vom Neurologen des
E._
festgestellten
stechenden K
opfschmerzen
, welche weder bei der Aufnahme der aktuellen Leiden noch der Befundung durch Dr.
F._
oder die
Z._
-
Gutachter festzustellen waren
(vgl. Urk. 6/85/1-7 Ziff. 2.2, Urk. 6/86 S. 3 f., Urk. 6/101/1-82 S. 29 f., S. 32-36)
.
Die vom Beschwerdeführer bezüglich der chronischen Schmerzstörung vorge
brachte Kritik geht somit fehl (vgl. E. 2.2).
5.3
Insgesamt vermögen die von den Behandlern vom
Z._
-Gutachten abwei
chenden Beurteilungen
und die darauf gestützte Kritik des Beschwerdeführers das
Z._
-
Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen
.
Insbesondere
haben
die Behandler keine Aspekte
benannt
, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
wären
und die Anlass dafür böten, das Administrativgutachten
in Frage zu stellen (
Urteil des Bundesgerichts
8C_461
/
2021
vom 3. M
ä
rz 2022
E. 4.1 mit Hinweisen)
.
Für die vorliegend zu beurteilende Streitfrage
kann
daher
darauf
abgestellt werden und es sind insbesondere keine zusätzlichen medizinischen Abklärungen notwendig
.
5.
4
D
as beweiskräftige
Z._
-Gutachten
geht
explizit
von
ein
e
m
seit Januar 2017
respektive
spätestens seit November 2017 (
Rekonvaleszenz nach der Operation
vom
Januar 2017
; vgl. E. 3)
weitgehend
unveränderten
Gesundheitsz
ustand
aus
(E. 4.3)
.
Die Gutachter führten in der interdisziplinären Beurteilung einzig an, dass als Veränderung zum Vergleichszeitpunkt neu eine leichtgradige distal-symmetrisch sensible diabetische Polyneuropathie mit leichtgradiger Gangataxie vorliege, die irgendwann nach dem 2. Dezember 2019 aufgetreten sein müsse. Die Symptomatik sei aber diskret und werde vom Beschwerdeführer weder spontan beklagt noch als einschränkend genannt, noch habe diese einen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit.
Damit
liegt
seit der letzten leistungsverneinenden Ver
fügung vom 20. Juni 2018 (Urk. 6/54)
kein
e wesentliche Änderung des Gesund
heitszustandes im Sinne eines
Revisionsgrund
es
nach A
rt.
17
ATSG vor.
Daran ändert auch nichts, dass die
Z._
-Gutachter im G
egensatz
zur medizinischen Beurteilung im
Vergleich
s
zeitpunkt von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgingen. Nach dem Gesagten handelt es sich dabei
lediglich
um eine
unterschiedliche Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
medizinischen
Sachverhalts
, was
im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich
bleibt
(BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
6
.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Verfahrensausgang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Ivo Baumann
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.