Decision ID: 9f884a66-84c4-4139-863d-e3b93a758190
Year: 2015
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Handänderungssteuer vom 22. März 2013 wurden die
Pflichtigen von der Handänderungssteuer befreit.
2. Mit Veranlagungsverfügung der Handänderungssteuer vom 20. März 2014 (ersetzt Ver-
fügung vom 22. März 2013) wurde den Pflichtigen eine Handänderungssteuer in Höhe von Fr.
7‘737.-- auferlegt.
3. Mit Eingabe vom 22. April 2014 erhob die Vertreterin mit dem Antrag, die Veranlagungs-
verfügung vom 20. März 2014 (ersetzt Verfügung vom 22. März 2013) sei aufzuheben, Ein-
sprache. Zur Begründung führte sie aus, die Steuerverwaltung stütze sich offenbar darauf, dass
Rechnungsfehler und Schreibversehen in rechtskräftigen Verfügungen und Entscheiden innert
fünf Jahren seit deren Eröffnung berichtigt werden könnten. Unter dem Begriff der Berichtigung
werde allgemein die Korrektur sogenannter „Kanzleifehler“ verstanden. Es gehe dabei nicht um
Fehler im Inhalt der Verfügung, d.h. in der Willensbildung der Behörde (Verfügungsfehler), son-
dern um Fehler im Ausdruck (Erklärungsfehler). Eine unrichtige tatsächliche Annahme oder
eine falsche Gesetzesauslegung könne dagegen nicht richtiggestellt werden, auch wenn die
Unrichtigkeit offensichtlich sei. Vorliegend sei die Steuerverwaltung von einer unrichtigen tat-
sächlichen Annahme oder von einer falschen Gesetzesauslegung, nämlich der Befreiung ge-
stützt auf den Realersatzparagraphen ausgegangen.
4. Mit Einsprache-Entscheid vom 22. Dezember 2014 wies die Steuerverwaltung die Ein-
sprache ab. Zur Begründung führte sie aus, die angefochtene Verfügung sei das Lehrbuchbei-
spiel für das Ersetzen einer Verfügung, welche nicht dem wirklichen Willen der verfügenden
Behörde entspreche. So sei in der ursprünglichen Verfügung im obersten Rechteck auf Seite 1
der auf Seite 2 auch für den Laien klar nachvollziehbar errechnete steuerbare Betrag eingesetzt
worden. Weiter sei auf Seite 2 die Berechnung mit der Überschrift „Realersatz gemäss § 82
Abs. 3 StG“ versehen worden. Schliesslich könne der Berechnung entnommen werden, dass
sich der nicht reinvestierte Betrag auf Fr. 619‘000.-- belaufe und dieser somit entsprechend zu
besteuern sei. Das Versehen der Steuerverwaltung könne einzig darin erblickt werden, dass der
nicht reinvestierte Betrag zwar korrekt auf die erste Seite der Verfügung als „steuerbarer Be-
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trag“ übertragen, jedoch in einem zweiten Schritt gelöscht worden sei, so dass aufgrund des
Excel-Programms eine Handänderungssteuer von fälschlicherweise Fr. 0.-- resultierte.
5. Mit Eingabe vom 22. Januar 2015 erhob die Vertreterin mit den Begehren, 1. Der Ein-
sprache-Entscheid vom 22. Dezember 2014 sei aufzuheben, 2. Es sei festzustellen, dass die
Veranlagungsverfügung vom 22. März 2013 in Rechtskraft erwachsen sei, 3. Eventualiter sei
festzustellen, dass eine allfällige Gutheissung des vorliegenden Rekurses keine neue erhebli-
che Tatsache darstelle, welche eine Abänderung der Veranlagungsverfügung der Grundstück-
gewinnsteuer rechtfertigen würde, 4. Unter o/e-Kostenfolge, Rekurs. Zur Begründung machte
sie geltend, die Steuerverwaltung sei von einer unrichtigen tatsächlichen Annahme oder von
einer falschen Gesetzesauslegung, nämlich einer Befreiung gestützt auf den Realersatzpara-
graphen ausgegangen. Man habe nicht nur den Prozentanteil gelöscht, sondern auch den ne-
benstehenden Text von ursprünglich „Befreiung gemäss § 82 Abs. 3 StG“ in „Teilbefreiung ge-
mäss § 82 Abs. 3 StG“ geändert.
6. Mit Vernehmlassung vom 24. Februar 2015 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, bei der Anfertigung der ursprünglichen
Veranlagungsverfügung habe man den nicht reinvestierten Betrag auf Seite 1, Feld 1 korrekt als
steuerbaren Betrag in Höhe von Fr. 619‘000.-- ausgewiesen. Bei der Übertragung auf Feld 2
habe man in einem zweiten Schritt aus Versehen den Prozentanteil, bei welchem es sich um
den Eigentumsanteil und nicht etwa um den Anteil der Befreiung handle, gelöscht, wodurch
jedoch auch gleich der steuerbare Betrag mitgelöscht worden sei. Ein Schreib- und Rechnungs-
fehler liege vor, wenn die schreibende Person etwas anderes geschrieben habe als sie effektiv
habe schreiben wollen. Dies sei beispielsweise dann der Fall, wenn sie Zahlen falsch in den
Computer eingegeben oder Daten aus Formularen falsch übertragen habe. Vorliegend sei eine
Zeile gelöscht worden, so dass die Handänderungssteuer fälschlicherweise nicht erfasst wor-
den sei. Es sei folglich etwas nicht richtig ins EDV-System übertragen worden. Bei der Übertra-
gung von Daten ins EDV-System sei das Übertragen einer falschen Zahl gleich zu behandeln
wie deren irrtümliche Nichtübertragung. Der Argumentation der Rekurrenten könne aus mehre-
ren Gründen nicht gefolgt werden. Erstens sei schon aus der ursprünglichen Verfügung klar
ersichtlich, dass der steuerbare Betrag Fr. 619‘000.-- betrage. Dass daraus eine Handände-
rungssteuer von Fr. 0.-- resultieren solle, sei offensichtlich falsch und auch von einem Laien
ohne weiteres erkennbar. Zweitens lasse sich daraus, dass die Prozentzahl beim Eigentumsan-
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teil entfernt worden sei, ebenfalls nichts zugunsten der Rekurrenten ableiten. Drittens bleibe,
auch wenn der Text von Befreiung zu Teilbefreiung abgeändert worden sei, die gesetzliche
Grundlage dieselbe. Gestützt darauf der Veranlagungsbehörde eine falsche Gesetzesausle-
gung zu unterstellen, sei falsch, zumal auch auf Seite 2 der Verfügung klar ersichtlich sei, dass
der nicht reinvestierte Betrag Fr. 619‘000.-- betragen habe.
7. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Die
Frage, ob die Grundstückgewinnsteuer vom 1. April 2014, in welcher unter den Verkaufsunkos-
ten die hier strittige Handänderungssteuer in Höhe von Fr. 7‘737.-- berücksichtigt wurde, ange-
fochten worden sei, wurde von den Parteien verneint. Die Frage, ob der Eigentumsanteil in der
Veranlagung der Handänderungssteuer aufgrund des EDV-Systems (Excel-Programm) mit der
resultierenden Handänderungssteuer verknüpft sei, wurde seitens der Steuerverwaltung bejaht,
d.h. die Löschung des Eigentumsanteils führe zu einer Handänderungssteuer von Fr. 0.--.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig. Gemäss § 129 Abs. 2 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten und zwei Richte-
rinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs
zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2. Vorliegend unterliegt der Beurteilung, ob die Steuerverwaltung berechtigt war, mit Ver-
anlagungsverfügung vom 20. März 2014 auf die in Rechtskraft erwachsene Veranlagungsverfü-
gung vom 22. März 2013 zurückzukommen.
3. Fehlerhafte Verwaltungsakte sind in aller Regel nicht nichtig, sondern bloss anfechtbar,
und sie erwachsen dementsprechend durch Nichtanfechtung in Rechtskraft. Nichtigkeit der Ver-
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fügung oder des Entscheids tritt nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein, wenn
der ihnen anhaftende Mangel besonders schwer ist, er offensichtlich oder zumindest leicht er-
kennbar ist und zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft
gefährdet wird. Als Nichtigkeitsgründe fallen vorab funktionelle und sachliche Unzuständigkeit
der entscheidenden Behörde sowie krasse Verfahrensfehler in Betracht. Inhaltliche Mängel ei-
ner Verfügung oder eines Entscheids führen nur ausnahmsweise zur Nichtigkeit. Fehlt einer
Verfügung oder einem Entscheid zufolge Nichtigkeit jegliche Rechtsverbindlichkeit, so ist das
durch die Behörde, die mit der Sache befasst ist, jederzeit und von Amtes wegen zu beachten
(vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts [BGE] vom 19. März 2013, 2C_596/2012, publ. in:
Basellandschaftliche und Baselstädtische Steuerpraxis [BStPra], Bd. XXI, S. 278 ff., E. 2.1 mit
weiteren Hinweisen). Vorliegend sind keine Nichtigkeitsgründe erkennbar.
4. Was die bereits formell rechtskräftigen Veranlagungsverfügungen und Einsprache-
Entscheide anbelangt, kennt das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14.
Dezember 1990 einen numerus clausus von Rechtsgründen, die es der Steuerbehörde - aus
eigenem Antrieb oder auf Antrag hin - erlauben, darauf zurückzukommen. Dieselben Gründe
bestehen im Bereich des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990. Auch dort herrscht ein strikter nume-
rus clausus. Bei diesen Rückkommensgründen handelt es sich um die Revision (zugunsten der
steuerpflichtigen Person), die Berichtigung (zugunsten der steuerpflichtigen Person oder der
öffentlichen Hand) und schliesslich die Nachsteuer (zugunsten der öffentlichen Hand). Weitere
Aufhebungs- oder Abänderungsgründe bestehen nicht (vgl. zum Ganzen BGE vom 19. März
2013, a.a.O., E. 2.3 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend wurde die ursprüngliche Verfügung
zugunsten der öffentlichen Hand geändert. Gründe für eine Nachsteuer sind nicht erkennbar.
5. Entsprechend stellt sich die Frage, ob der Berichtigungstatbestand erfüllt ist.
a) Gemäss § 140 Abs. 1 StG können Rechnungsfehler und Schreibversehen in
rechtskräftigen Verfügungen und Entscheiden innert 5 Jahren seit der Eröffnung auf Antrag
oder von Amtes wegen von derjenigen Behörde berichtigt werden, der sie unterlaufen sind.
b) Der Berichtigungstatbestand im Sinne von Art. 150 DBG und Art. 52 StHG (vgl.
für den Kanton Basel-Landschaft § 140 StG) soll sicherstellen, dass rechtskräftige Verfügungen
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und Entscheide, die aufgrund eines Kanzleifehlers den wirklichen Willen der Behörde unzutref-
fend zum Ausdruck bringen, möglichst formlos korrigiert werden können. Der Tatbestand räumt
der Behörde das Recht ein, auf eine rechtskräftige Verfügung oder einen rechtskräftigen Ent-
scheid zurückzukommen, begrenzt diese Befugnis indessen in zeitlicher (absolute Verwirkungs-
frist von fünf Jahren) wie sachlicher (Kanzleifehler) Hinsicht. Die Bestimmung trägt damit auch
den Charakter einer Schutznorm zugunsten der steuerpflichtigen Person. Berichtigungsfähige
Kanzleifehler haben den Ausdruck des Verfügungsinhalts und des behördlichen Willens, also
die Willensäusserung zum Gegenstand. Bei der Berichtigung geht es damit um die Klarstellung
eines Erklärungsirrtums, in welchem sich die Steuerbehörde befand. Kennzeichnend für Kanz-
leifehler ist, dass sie bei der behördlichen „Handarbeit“ auftreten (vgl. zum Ganzen BGE vom
19. März 2013, a.a.O., E. 2.4 mit weiteren Hinweisen). Die von den Kanzleifehlern abzugren-
zenden Verfügungsfehler entspringen dagegen der „Kopfarbeit“. Ein inhaltlicher Fehler der Ver-
fügung und damit der Willensbildung der Behörde liegt vor, wenn die Verfügung auf einer unzu-
treffenden tatbeständlichen oder rechtlichen Würdigung beruht, ungeachtet dessen, ob für die
steuerpflichtige Person erkennbar ist, dass sich die Behörde in einem Sach- oder Rechtsirrtum
und damit einem eigentlichen Grundlagenirrtum befand. Veranlagungsfehler sind nicht berichti-
gungsweise, sondern im Rechtsmittelweg geltend zu machen. Hierzu verfügt auch die öffentli-
che Hand über die erforderlichen Rechtsmittelmöglichkeiten (Art. 141 Abs. 1, Art. 145 Abs. 2
DBG; Art. 50 Abs. 3 StHG) und sehen die Kantone mitunter die Möglichkeit der „Staatseinspra-
che“ (vgl. für den Kanton Basel-Landschaft § 122 Abs. 1 StG) vor (vgl. zum Ganzen BGE vom
19. März 2013, a.a.O., E. 2.5 mit weiteren Hinweisen).
c) Unter dem Begriff der Berichtigung wird allgemein die Korrektur sogenannter
„Kanzleifehler“ verstanden. Es geht dabei nicht um Fehler im Inhalt der Verfügung, d.h. in der
Willensbildung der Behörde (Verfügungsfehler), sondern um Fehler im Ausdruck (Er-
klärungsfehler). Weil rechnerische sowie redaktionelle Fehler einerseits leicht übersehen und
vielfach erst im Zusammenhang mit dem Steuerbezug oder später entdeckt werden und ande-
rerseits leicht geprüft, festgestellt sowie behoben werden können, soll eine möglichst formlose
Richtigstellung offenstehen. Rechnungs- und Schreibfehler, die der steuerpflichtigen Person
unterlaufen sind, können jedoch nur berichtigt werden, wenn sie von der Behörde aus Versehen
übernommen worden sind. Die Richtigstellung kann sowohl zugunsten als auch zu ungunsten
des Steuerpflichtigen erfolgen. Der Begriff des Rechnungsfehlers wird allgemein eng ausgelegt.
Er umfasst nur Versehen rein rechnerischer Natur, die bei einer mathematischen Operation
unterlaufen sind. Kein solcher Rechnungsfehler liegt insbesondere vor, wenn eine Gemeinde-
steuer irrtümlich zum Satz von 90% (anstatt von 100% gemäss der nie umgesetzten Tariferhö-
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hung) der Kantonssteuer berechnet wird. Demgegenüber betont das Verwaltungsgericht des
Kantons Bern, der „Berechnungsfehler“ sei weit zu verstehen, so dass nicht nur fehlerhafte ma-
thematische Operationen, sondern auch Ablese-, Übertragungs- und Kommafehler davon er-
fasst seien. Auch Eingabefehler im Zusammenhang mit der Verwendung mechanischer oder
elektronischer Berechnungssysteme fielen darunter. Dabei geht es jedoch - zumindest nach
heutigem Verständnis - eher um Schreibversehen. Ein Schreibversehen liegt vor, wenn der
Schreibende etwas anderes schreiben wollte als er geschrieben hat, wenn er sich im Ausdruck
vergriffen, „verschrieben“ hat. Dies ist z.B. der Fall, wenn das steuerbare Vermögen als Ein-
kommen bezeichnet oder eine Zahl unrichtig von einer Seite auf eine andere oder von einem
Formular auf das andere übertragen wurde. Eine unrichtige tatsächliche Annahme oder eine
falsche Gesetzesauslegung kann dagegen nicht richtig gestellt werden, auch wenn die Unrich-
tigkeit offensichtlich ist. Einen Schreibfehler stellt allenfalls die irrtümliche Eingabe einer fal-
schen Prozentzahl in einem Tabellenkalkulationsprogramm zur Ausfertigung der Steueraus-
scheidung dar. Ein Berichtigungsgrund im Sinne der Bestimmung kann seine Ursache auch in
Software- bzw. Programmierungsfehlern haben, wenn dieser Fehler eine mangelhafte Veranla-
gung bewirkt hat. Ein korrigierbarer Übertragungsfehler wurde angenommen, weil der Veranla-
gungsbeamte das durchschnittliche Einkommen aus unverteilter Erbschaft versehentlich nicht in
die entsprechende Kolonne der Steuererklärung aufgenommen hatte. Nicht als der Berichtigung
zugängliches Schreibversehen betrachtet wurde z.B. die falsche Angabe der Konfessionszuge-
hörigkeit (vgl. zum Ganzen Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, § 26 N
63 ff. mit weiteren Hinweisen).
d) Zum Anwendungsbereich des Berichtigungstatbestandes besteht eine reiche
höchstrichterliche Praxis. Als berichtigungsfähig, wenn auch unter der früheren Rechtslage erst
im Ergebnis, beurteilte das Bundesgericht im Urteil A.316/1977 vom 5. Mai 1978 eine Situation,
bei welcher anlässlich der Ermittlung des Durchschnittseinkommens zweier Jahre ein Kom-
mafehler aufgetreten war (rund Fr. 300’000.-- anstelle, wie geboten, Fr. 3’000’000.--). Ange-
sichts der konkreten Umstände hielt das Bundesgericht die Berufung der steuerpflichtigen Per-
son auf die Bestandskraft der Verfügung in der Folge für rechtsmissbräuchlich. Denselben Kor-
rekturmechanismus wandte es im Urteil A.495/1984 vom 24. Juli 1985 (Fehlmanipulation am
Computer durch den Veranlagungsbeamten) an. Im Urteil 2C_519/2011 vom 24. Februar 2012
befasste sich das Bundesgericht mit den Auswirkungen der heutigen Veranlagungstätigkeit am
Bildschirm auf den Berichtigungstatbestand. Angesichts der Wandlung der Veranlagungstätig-
keit greift danach die bisher rein ablaufbezogene Betrachtung - Fehler schon in der Willensbil-
dung oder erst in der Willensäusserung? - heute zu kurz. In allgemeiner Weise lasse sich kaum
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sagen, ob ein Versehen in der Jahreszahl einen berichtigungsfähigen Tatbestand darstellt. Es
konnte die Frage aus prozessualen Gründen offenlassen. Als nicht berichtigungsfähig erachtete
das Bundesgericht eine Konstellation, bei welcher es um die Ablesung eines unzutreffenden
Tarifs ging (BGE 82 I 21; mangels Vorliegens eines Rechnungsfehlers) oder im Fall eines feh-
lerhaften Buchprüfungsberichts (Urteil 2A.251/1988 vom 10. August 1989; Grundlagenirrtum
der Behörde und nicht Rechnungsfehler). Ebenso wenig war eine Berichtigung am Platz, als es
beim „Fehler“ um die Übernahme einer falschen Selbstveranlagung ging. Dabei handelte es
sich bloss um einen „Folgefehler“ und nicht einen originären Fehler der Behörde (Urteil
2A.283/1996 vom 10. Dezember 1998) (vgl. zum Ganzen BGE vom 19. März 2013, a.a.O., E.
2.6 mit weiteren Hinweisen). Die versehentliche Nichtsetzung des richtigen EDV-Codes bei der
Anfertigung der Steuerveranlagung durch den zuständigen Sachbearbeiter der Steuerverwal-
tung, die zur Nichterhebung der Grundstückgewinnsteuer führte, stellt einen Schreibfehler
(Kanzleifehler) dar, der von der Steuerverwaltung im Nachhinein trotz Rechtskraft der Veranla-
gung berichtigt werden darf (vgl. Entscheid der Steuerrekurskommission des Kantons Basel-
Stadt Nr. 2010-077 vom 26. Mai 2011, publ. in: BStPra, Bd. XXI, S. 308 ff.).
6. a) Die Pflichtigen machen geltend, die Steuerverwaltung sei von einer unrichtigen
tatsächlichen Annahme oder von einer falschen Gesetzesauslegung, nämlich einer Befreiung
gestützt auf den Realersatzparagraphen ausgegangen. Sie habe gegenüber der ursprünglichen
Verfügung nicht nur den Prozentanteil gelöscht, sondern auch den nebenstehenden Text von
ursprünglich „Befreiung gemäss § 82 Abs. 3 StG“ in „Teilbefreiung gemäss § 82 Abs. 3 StG“
geändert.
b) Die Steuerverwaltung hält dafür, bei der Anfertigung der ursprünglichen Veranla-
gungsverfügung habe man den nicht reinvestierten Betrag auf Seite 1, Feld 1 korrekt als steu-
erbaren Betrag in Höhe von Fr. 619‘000.-- ausgewiesen. Bei der Übertragung auf Feld 2 habe
man in einem zweiten Schritt aus Versehen den Prozentanteil, bei welchem es sich um den
Eigentumsanteil und nicht etwa um den Anteil der Befreiung handle, gelöscht, wodurch jedoch
auch gleich der steuerbare Betrag mitgelöscht worden sei. Der Veranlagungsbehörde eine fal-
sche Gesetzesauslegung zu unterstellen, sei falsch, zumal auch auf Seite 2 der Verfügung klar
ersichtlich sei, dass der nicht reinvestierte Betrag Fr. 619‘000.-- betragen habe.
c) Da unklar war, wie die Veranlagung vom 22. März 2013 zustande gekommen ist,
hat sich das Steuergericht gestützt auf § 125 Abs. 2 StG, wonach ihm die gleichen Befugnisse
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wie den Einschätzungsbehörden zustehen, von der veranlagenden Person die Veranlagungstä-
tigkeit anhand des konkreten Beispiels mittels des EDV-Systems erläutern lassen. Sie führte
aus, nachdem sie die Berechnung des Realersatzes auf Seite 2 der Veranlagung gemacht ha-
be, sei der nicht reinvestierte Betrag von Fr. 619‘000.-- vom System auf die Seite 1, Feld 1
übertragen worden. Das System habe alsdann in Feld 2 automatisch den Anteil „100%“, wobei
es sich um den Eigentumsanteil handle und den Befreiungstatbestand „Befreiung gemäss § 82
Abs. 3 StG“ eingesetzt. Ihre Aufgabe sei es nun gewesen zu prüfen, ob der Eigentumsanteil
und der Befreiungstatbestand stimmten. Der Eigentumsanteil könne frei geändert werden, so
könne z.B. „50%“ oder „33 1/3%“ eingetragen werden. Bei den Befreiungstatbeständen würden
verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl stehen, so z.B. „Befreiung gemäss § 82 Abs. 1 lit. a
StG“, „Befreiung gemäss § 82 Abs. 2 StG“, „Teilbefreiung gemäss § 82 Abs. 3 StG“ etc. Sie
habe den Anteil „100%“, der richtig gewesen wäre, da die Pflichtigen als Gesamteigentümer
100% der verkauften Liegenschaften besessen hätten, versehentlich gelöscht. Folge davon sei
gewesen, dass das System mit dem Faktor 0 weitergerechnet habe. Die Fr. 619‘000.-- seien
entsprechend mit 0 multipliziert worden, so dass der Betrag nicht von Feld 1 ins Feld 2 übertra-
gen worden sei, was in Feld 3 zu einer Handänderungssteuer von Fr. 0.-- geführt habe. Die
Verknüpfung zwischen dem Eigentumsanteil und der aufgrund des EDV-Systems (Excel-
Programm) resultierenden Handänderungssteuer wurde anlässlich der heutigen Verhandlung
seitens der Steuerverwaltung bestätigt, hat sie doch ausgesagt, dass die Löschung des Eigen-
tumsanteils zu einer Handänderungssteuer von Fr. 0.-- führe.
d) Zusammenfassend lässt sich damit folgendes feststellen. Auf Seite 2 der Veran-
lagung der Handänderungssteuer wird der Anteil des nicht reininvestierten Betrages des Ver-
kaufserlöses berechnet. Derselbe wird alsdann vom System auf Seite 1, Feld 1 übertragen,
welches der Steuererhebung pro Veräusserungsobjekt dient. In Feld 2 wird der Eigentumsanteil
am Verkaufsobjekt bestimmt. In Feld 3 wird alsdann die Handänderungssteuer ausgewiesen.
Vorliegend hat die veranlagende Person den nicht reinvestierten Betrag auf Seite 2 der Verfü-
gung in Höhe von Fr. 619‘000.-- berechnet, welcher alsdann vom EDV-System auf Seite 1, Feld
1 übertragen und dort als steuerbarer Betrag bezeichnet wurde. In Feld 2 der Verfügung befin-
det sich unter dem Begriff Anteil ein leeres Feld. Dies ist offensichtlich falsch, kann doch nie-
mand einen Eigentumsanteil von 0% an einem Verkaufsobjekt haben. Die veranlagende Person
hat also fälschlicherweise den Eigentumsanteil gelöscht, so dass das EDV-System mit der Zahl
0 weitergerechnet, was schliesslich, im Sinne eines Folgefehlers, in Feld 3 zu einer Hand-
änderungssteuer von Fr. 0.-- geführt hat. Von falscher Gesetzesauslegung kann also keine Re-
de sein. Hätte die veranlagende Person das Gesetz nämlich ausgelegt, hätte sie gestützt auf
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die von ihr selbst vorgenommene Berechnung auf Seite 2 der Verfügung und die dauernde Pra-
xis zum anteilsmässigen Steueraufschub (vgl. dazu die Ausführungen unter Erw. 7 hiernach)
nur zum Schluss kommen können, dass eine Handänderungssteuer geschuldet ist. Vielmehr
handelt es sich bei der vorgenannten versehentlichen Löschung der 100%, so dass nichts, d.h.
kein Prozentanteil eingegeben wurde, in analoger Anwendung der zitierten Praxis zur verse-
hentlichen Nichtsetzung des richtigen EDV-Codes bei der Anfertigung der Steuerveranlagung
um einen Schreibfehler (Kanzleifehler), der zur Folge hatte, dass die Handänderungssteuer
fälschlicherweise nicht erhoben wurde. Am vom System automatisch eingesetzten Be-
freiungstatbestand hat die veranlagende Person nichts geändert. Auch daraus können die
Pflichtigen daher nichts zu ihren Gunsten ableiten, zumal der Hinweis auf den Real-
ersatzparagraphen richtig war, bleibt die gesetzliche Grundlage doch sowohl für eine Voll- als
auch eine Teilbefreiung dieselbe, nämlich § 82 Abs. 3 StG. Zudem geht es auf Seite 1, Feld 2
der Verfügung wie gesehen um die Bestimmung des Eigentumsanteils am Verkaufsobjekt und
nicht um Bestimmung des nicht reinvestierten Betrages, wird doch letzterer auf Seite 2 der Ver-
fügung berechnet und ausgewiesen.
e) Bereits aus der ursprünglichen Verfügung war aufgrund der Bezeichnung des
steuerbaren Betrags auch für einen Laien erkennbar, dass nicht eine Handänderungssteuer von
Fr. 0.-- resultieren konnte, so dass die Berufung der Pflichtigen auf die Bestandskraft der Verfü-
gung als rechtsmissbräuchlich einzustufen ist. Dies gilt umso mehr, als sie sich den Vorwurf
gefallen lassen müssen, die Grundstückgewinnsteuer vom 1. April 2014, in welcher unter den
Verkaufsunkosten die hier strittige Handänderungssteuer in Höhe von Fr. 7‘737.-- berücksichtigt
wurde, nicht angefochten zu haben, was sie konsequenterweise aber hätten tun müssen, wenn
sie im vorliegenden Verfahren beantragen, dass die Veranlagung der Handänderungssteuer
vom 22. März 2013 Gültigkeit haben soll und damit keine Handänderungssteuer geschuldet sei.
Aus alledem folgt, dass die Steuerverwaltung gestützt auf § 140 Abs. 1 StG berechtigt war, mit
Veranlagungsverfügung vom 20. März 2014, d.h. rund ein Jahr später und damit fristgerecht,
auf die Veranlagungsverfügung vom 22. März 2013 zurückzukommen und den Schreibfehler
(Kanzleifehler) im Nachhinein trotz Rechtskraft der Veranlagung zu berichtigen.
7. Damit unterliegt abschliessend der Beurteilung, ob die Steuerverwaltung mit Veranla-
gungsverfügung der Handänderungssteuer vom 20. März 2014 (ersetzt Verfügung vom 22.
März 2013) zu Recht eine Handänderungssteuer in Höhe von Fr. 7‘737.-- erhoben hat.
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a) Gemäss § 81 Abs. 1 StG wird die Handänderungssteuer auf Handänderungen
von Grundstücken oder Anteilen von solchen erhoben. Die Handänderungssteuer wird nach §
82 Abs. 3 StG beim Veräusserer nicht erhoben bei Veräusserung einer dauernd und aus-
schliesslich selbstbewohnten Liegenschaft, sofern der Erlös in der Regel innerhalb 2 Jahre zum
Erwerb einer gleichgenutzten Ersatzliegenschaft in der Schweiz verwendet wird. Gemäss § 84
StG beträgt die Handänderungssteuer für Veräusserer und Erwerber je 1,25% des Kaufpreises.
b) Die Steuerfolgen sind unterschiedlich je nach Umfang der Erlösverwendung.
Eine bloss teilweise Verwendung des Erlöses für das Ersatzobjekt führt nur zu einem an-
teilsmässigen Steueraufschub. Es gilt dabei die sogenannte absolute Methode. Nach dieser
Methode kommt es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts darauf an, wieviel des beim
Verkauf des ursprünglichen Grundstücks erzielten Gewinns in das Ersatzobjekt reinvestiert
wird. Wird der Veräusserungserlös also nicht vollständig in ein Ersatzobjekt reinvestiert, unter-
liegt der überschüssige Betrag der Handänderungssteuer (vgl. Entscheid des Steuergerichts
[StGE] vom 8. Juni 2012, publ. in: BStPra, Bd. XXI, S. 162 ff., E. 3a mit weiteren Hinweisen).
c) Vorliegend haben die Pflichtigen mit Kaufvertrag vom 2. Oktober 2012 die
selbstbewohnte Parzelle Nr. 3950 GB X._ zum Preis von Fr. 1‘850‘000.-- verkauft und am
selben Tag und damit innert der hiervor zitierten zweijährigen Frist die selbstbewohnte Parzelle
Nr. S5724 GB Y._ zum Preis von Fr. 1‘230‘000.-- erworben. Unter Berücksichtigung der
angefallenen Vertragsunkosten von Fr. 1‘000.-- beträgt der nicht reinvestierte und damit der
Handänderungssteuer unterliegende Nettoerlös Fr. 619‘000.-- (Fr. 1‘850‘000.-- ./. Fr.
1‘230‘000.-- ./. Fr. 1‘000.--) und entsprechend die Handänderungssteuer Fr. 7‘737.-- (Fr.
619‘000.-- x 1,25%). Die Veranlagungsverfügung der Handänderungssteuer vom 20. März 2014
(ersetzt Verfügung vom 22. März 2013) ist somit nicht zu bemängeln.
Der Rekurs erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.
8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens haben die Rekurrenten Verfahrenskosten
in Höhe von Fr. 800.-- zu bezahlen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16.
Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]) und es ist
ihnen keine Parteientschädigung auszurichten (§ 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO).
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