Decision ID: a53c5cdf-a869-5c84-b008-163a4d2023c6
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Übersicht
a) Im Jahr 2000 verstarb die Mutter von A_, D1_, im Jahr 2006 der Vater, D2_. Seit
dem Tod des Vaters besteht die Erbengemeinschaft aus den beiden Töchtern, E_ und
A_ (act. B 13/1, S. 2).
b) Die Ehegatten D1_/D2_ hatten am 5. April 1983 einen Ehe- und Erbteilungsvertrag
abgeschlossen (act. B 13/2/2). Nach dem Tod der Ehefrau errichtete D2_ mehrere
Testamente und liess sich in diesem Zusammenhang von RA C_ beraten (act. B 13/1,
S. 2 und B 13/2/3-5).
c) Nach dem Tod seines Mandanten, D2_, am 29. Januar 2006 sandte RA C_ am 5.
Februar 2006 eine E-Mail an A_ mit folgendem Inhalt: „Das Mandat mit mir hat ihr Vater
nicht aufgelöst. Seine diesbezüglichen Rechte gehen auf die Erbengemeinschaft über,
denn die Vollmacht wirkt über den Tod ihres Vaters hinaus“ (act. B 13/2/15).
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d) Im Jahr 2007 klagte A_ gegen ihre Schwester beim Kreisgericht Rheintal auf Erbteilung
(act. B 13/1, S. 2 und B 13/2/9). Dieses Verfahren ist immer noch hängig (act. B 13/1, S.
2).
e) Am 28. März 2007 sandte RA C_ eine Honorarrechnung bezüglich der Erbschaft
D1_ über CHF 1‘278.50 an E_. Diese betrifft den Zeitraum vom 29. November 2005
bis 28. März 2007 (act. B 13/2/16 und 13/2/16a). Aus dem Stundenaufschrieb ergibt sich,
dass RA C_ auch nach dem Tod seines Mandanten noch verschiedene Tätigkeiten
verrichtete (act. B 13/2/16b).
f) Von 2007 bis 2011 war F_ von der G_ und Partner AG Vertreter der
Erbengemeinschaft und forderte in dieser Funktion das Mandatsdossier von RA C_ ein
(act. B 13/1, S. 4). Am 10. Juli 2007 schrieb RA C_ an F_: „Um ihrer Bitte bezüglich
Zustellung des Dossiers und der Vereinbarung eines Besprechungstermins nachkommen
zu können, benötige ich die schriftliche Entbindung vom Anwaltsgeheimnis beider
Erbinnen“ (act. B 13/2/17).
g) Gemäss den Vorbringen der Beschwerdeführerin hat sie die geforderte Entbindungserklä-
rung unterzeichnet und an ihre Schwester, E_, geschickt (act. B 13/2/18). In der Folge
hat F_ ihr im September 2007 telefonisch die Entbindung von Rechtsanwalt C_
bestätigt und sie hat bei der G_ und Partner AG Einsicht in dessen (spärliche)
Unterlagen erhalten (act. B 13/1, S. 4).
h) Als sich der 10. Todestag des Vaters näherte und der Erbschaftsprozess immer noch
anhängig war, hat die Beschwerdeführerin einen neuen Anlauf betreffend Herausgabe der
Mandatsakten unternommen, auch um zu verhindern, dass diese nach 10 Jahren ver-
nichtet werden (act. B 13/1, S. 5). Entsprechend forderte RA AA_ RA C_ am 18.
Dezember 2015 auf, die Akten von D2_ vollumfänglich zu erhalten und keinesfalls zu
vernichten. Gleichzeitig schlug er vor, diese zum Zweck der Sicherstellung an die
Staatsanwaltschaft in Herisau zu senden, damit die berechtigten Parteien diese an einem
neutralen Ort einsehen könnten (act. B 13/2/21).
i) Im Brief vom 18. Januar 2016 bestätigte RA C_ den Erhalt des Schreibens und
bedankte sich für die Rücksendung des am 11. Januar 2016 versandten „Irrläufers“. Er
teilte RA AA_ mit, seines Erachtens sei nur die Erbengemeinschaft befugt, Akten von
ihm heraus zu verlangen. An eine einzelne Erbin resp. deren Vertreter könne er diese
nicht heraus geben. Ein entsprechender, rechtskräftiger gerichtlicher Beschluss liege
ebenfalls nicht vor (act. B 13/2/23).
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j) Das Gesuch von A_ an die Anwaltsaufsichtskommission um Entbindung von RA C_
vom Anwaltsgeheimnis wurde mit Entscheid vom 28. April 2016 abgewiesen (Verfahren
AAK 16 1, act. B 13/7). Die dagegen erhobene Beschwerde wurde durch das Obergericht
am 16. Oktober 2017 als gegenstandslos am Protokoll abgeschrieben (Verfahren O1Z 16
7), da A_ den verlangten Kostenvorschuss nicht leistete. Ihr Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege war zuvor letztinstanzlich durch das Bundesgericht
abgewiesen worden (vgl. Urteil Bundesgericht 5A_71/2017 vom 19. Juni 2017, act. B 16).
k) Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 28. März 2017 (act. B 2) wurde das Verfahren
U 17 198 in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht anhand genommen (Ziffer 1);
eine Kostenauflage erfolgte nicht (Ziffer 2).
B. Prozessgeschichte
a) Gegen diese Nichtanhandnahmeverfügung liess A_ durch ihren Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 7. April 2017 Beschwerde beim Obergericht erheben und die eingangs
erwähnten Anträge stellen. In formeller Hinsicht beantragte RA AA_ die Sistierung des
vorliegenden Verfahrens, bis das Bundesgericht über die ebenfalls von der
Beschwerdeführein eingereichte Beschwerde im Verfahren betreffend Aufhebung des
Anwaltsgeheimnisses (Verfahren 5A_71/2017) entschieden habe (act. B 1).
b) Mit Verfügung vom 12. April 2017 gab die Verfahrensleitung den Beschwerdegegnern
Gelegenheit, sich zur Frage der Sistierung zu äussern (act. B 4). Sowohl die Staatsan-
waltschaft als auch RA C_ erklärten sich mit diesem Vorgehen einverstanden (act. B 6
und B 7).
c) Am 9. Mai 2017 beschloss das Obergericht Appenzell Ausserrhoden, 2. Abteilung, die
(vorläufige) Sistierung des vorliegenden Verfahrens, längstens bis zum Entscheid des
Bundesgerichts in dessen Verfahren 5A_71/2017 (act. B 8).
d) Mit Eingabe vom 12. September 2017 beantragte RA AA_ die Aufhebung der
Sistierung und Weiterführung des Verfahrens. Gleichzeitig ersuchte er um Ansetzung
einer Nachfrist zur Ergänzung der Begründung (act. B 11). Die Beschwerdegegner
äusserten sich dazu nicht (act. B 14 und B 15).
Seite 5
e) Mit Verfügung vom 22. September 2017 gewährte der Einzelrichter des Obergerichts
A_ im vorliegenden Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung. Mit Letzterer wurde RA AA_ beauftragt (act. B 12).
f) Am 31. Oktober 2017 beschloss das Obergericht, die Sistierung des vorliegenden Verfah-
rens aufzuheben und dieses weiterzuführen. Der Antrag der Beschwerdeführerin auf
Gewährung einer Nachfrist zur Verbesserung/Ergänzung der Beschwerde wurde unter
Hinweis auf Lehre und Praxis abgelehnt (act. B 19).
g) Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Beschwerdeantwort und verwies auf die
Begründung in der angefochtenen Verfügung (act. B 23). RA C_ nahm am 14. Februar
2018 Stellung (act. B 27).
h) Am 21. Februar 2018 wurde RA AA_ und der Staatsanwaltschaft je eine Kopie der
Beschwerdeantwort zugestellt, die Erledigung der Beschwerde an einer der nächsten
Sitzungen der 2. Abteilung zur Kenntnis gebracht und den Parteivertretern Gelegenheit
gegeben, ihre Kostennoten einzureichen (act. B 28). Die Kostennote von RA AA_ ging
am 6. März 2018 beim Obergericht ein (act. B 32).
i) Mit Verfügung vom 30. April 2018 wies das Obergericht die Verfahrensbeteiligten auf die
neue Zusammensetzung des Spruchkörpers hin (act. B 35).
C. Beschluss des Obergerichts
Das Obergericht führte seine Beratung am 3. Juli 2018 durch und eröffnete seinen
Beschluss den Parteien anschliessend im Dispositiv.

Erwägungen
1. Formelles
1.1 Bezüglich der im Kanton Appenzell Ausserrhoden ab 1. Januar 2011 für die Strafrechts-
pflege zuständigen Behörden nach StPO ist auf Art. 26 des Justizgesetzes vom
13. September 2010 (JG, bGS 145.31) hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist das Obergericht
Berufungs- und Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Strafrechtspflege.
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1.2 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft ist die
Beschwerde gegeben (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Eine Nichtanhandnahmeverfügung der
Staatsanwaltschaft stellt eine solche Verfahrenshandlung dar (Art. 393 Abs. 1 lit. a in Ver-
bindung mit Art. 310 und Art. 322 Abs. 2 StPO)1. Ausschlussgründe gemäss Art. 394
StPO liegen keine vor.
1.3 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen
schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO).
Vorliegend hat die Beschwerdeführerin die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsan-
waltschaft am 29. März 2017 erhalten (act. B 1, S. 2). Mit der Erhebung der Beschwerde
am 7. April 2017 (act. B 1) wurde die Beschwerdefrist von Art. 396 Abs. 1 StPO gewahrt.
1.4 Sodann stellt sich die Frage nach der Legitimation von A_ zur Beschwerdeeinreichung.
Nach Art. 310 Abs. 2 und Art. 322 Abs. 2 i.V.m. Art. 382 StPO kann die Nichtan-
handnahmeverfügung von den Parteien angefochten werden. Die Privatklägerschaft ist
Partei (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Bei ihr handelt es sich um die geschädigte Person, die
ausdrücklich erklärt hat, sich als Straf- oder Zivilklägerin am Strafverfahren beteiligen zu
wollen (Art. 118 Abs. 1 StPO), wobei der Strafantrag dieser Erklärung gleichgestellt ist
(Art. 118 Abs. 2 StPO). Geschädigte, die sich nicht als Privatkläger im Strafpunkt konsti-
tuiert haben, können die Einstellungsverfügung, bzw. vorliegend die Nichtanhandnahme-
verfügung, nicht anfechten2.
Voraussetzung für die Konstituierung als Privatklägerschaft ist somit die
Geschädigtenstellung. Als geschädigte Person gilt die Person, die durch die Straftat in
ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Vorliegend geht es
um die Verletzung des Berufsgeheimnisses (Art. 321 StGB), Betrug (Art. 146 StGB),
ungetreue Geschäftsführung (Art. 158 StGB) sowie Ungehorsam dritter Personen im
Betreibungs-, Konkurs- und Nachlassverfahren (Art. 324 StGB). Bei allen genannten
Tatbetständen handelt es sich um Offizialdelikte, soweit sie (im Falle des Betruges resp.
der ungetreuen Geschäftsführung) nicht zum Nachteil eines Angehörigen oder
Familiengenossen erfolgen, was hier nicht der Fall ist. Hier steht der sogenannte
tatbeständlich Verletzte im Vordergrund, der eine natürliche wie auch eine juristische
1 ANDREAS KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 393; PATRICK GUIDON, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 10 zu Art. 393 StPO.
2, LANDSHUT/BOSSHARD, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 322 StPO; GRÄDEL/HEINIGER, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 6 zu Art. 322 StPO.
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Person sein kann. Wenn die Strafnorm Interessen des Individuums wie Eigentum,
Vermögen, Ehre, Freiheit, sexuelle Integrität oder Selbstbestimmung usw. schützt, so ist
der Träger dieses Rechtsgutes, also zum Beispiel der Bestohlene oder Betrogene,
geschädigte Person im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO3. Wenn eine Strafnorm in erster
Linie allgemeine Interessen schützt, so gilt ebenfalls als geschädigt nach Art. 115 StPO
diejenige Person, deren private Interessen unmittelbar (mit)beeinträchtigt werden. Dabei
genügt es, wenn die Individualrechte nachrangig oder als Nebenzweck geschützt
werden4. Bei einer Verletzung des Berufsgeheimnisses ist auch die Privatsphäre des
Bürgers geschützt, soweit es um geheimhaltungsbedürftige Informationen geht. Deshalb
gilt als Geschädigter derjenige, welcher durch die Verletzung des Geheimnisses in seiner
Privatsphäre tangiert wird5. Straftatbestände wie Betrug und ungetreue
Geschäftsbesorgung zeichnen sich dadurch aus, dass die Tatbestandsverwirklichung den
Eintritt eines Vermögensschadens voraussetzt. Sie schützen den Wert des Vermögens
als Summe der rechtlich geschützten wirtschaftlichen Güter gemäss dem vorwiegend
vertretenen „wirtschaftlich-juristischen“ Vermögensbegriff. Als Geschädigte Person gilt
somit der Inhaber des geschädigten Vermögens6. Da A_ sinngemäss zum einen eine
Verletzung ihrer Privatshäre und zum anderen negative Auswirkungen auf ihr Vermögen
als Mitglied der Erbengemeinschaft geltend macht, ist sie als Geschädigte im Sinne von
Art. 115 Abs. 1 StPO zu betrachten.
Die Strafanzeige erfolgte nach Inkrafttreten der Schweizerischen Strafprozessordnung,
jedoch liegt keine Erklärung von A_ im Sinne von Art. 118 Abs. 1 StPO im Recht (vgl.
act. B 13). Bei den angezeigten Straftatbeständen handelt es sich um Offizialdelikte, so
dass auch kein Strafantrag gestellt wurde. Für die ausdrückliche Willenserklärung reicht
es nicht aus, dass der Geschädigte zum Beispiel im Rahmen einer Strafanzeige die Straf-
verfolgung und Bestrafung des Angezeigten verlangt, sondern er muss darüber hinaus
zum Ausdruck bringen, dass er im Strafverfahren die Parteirechte beanspruchen will.
Werden adhäsionsweise privatrechtliche Ansprüche geltend gemacht, so ist der Beteili-
gungswille in aller Regel selbstverständlich7.
Zivilforderungen wurden in der Strafanzeige vom 7. Februar 2017 keine gestellt (act. B
13/1). Es erging jedoch relativ bald nach Eingang der Strafanzeige die
3 SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2018, N. 2 zu
Art. 115 StPO. 4 SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 3 zu Art. 115 StPO. 5 MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 86 zu Art. 115 StPO mit
weiteren Hinweisen. 6 MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 56 zu Art. 115 StPO mit weiteren Hinweisen. 7 MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 5 zu Art. 118 StPO.
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Nichtanhandnahmeverfügung. War es aber im Verfahren nicht möglich, eine solche
Erklärung abzugeben, eben z. B. weil eine Nichtanhandnahmeverfügung ergangen ist,
steht dem Geschädigten das Recht zu, ein Rechtsmittel zu ergreifen8. Kommt hinzu, dass
A_ in der Strafanzeige klar zum Ausdruck bringt, dass sie im Strafverfahren
Parteirechte beansprucht (act. B 13/1, S. 7). Schliesslich hat auch die Staatsanwaltschaft
die Beschwerdeführerin offensichtlich als (Privat-) Klägerin betrachtet (act. B 2). Aufgrund
dieser Sachlage ist klar, dass A_ im fraglichen Strafverfahren als Privatklägerin und
damit als Partei zu betrachten ist. Demzufolge ist sie zur Beschwerde gegen die
Nichtanhandnahmeverfügung in Sachen Staat gegen Rechtsanwalt C_ legitimiert.
1.5 Mit der Beschwerde können
a. Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermes-
sens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung; b. die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts; c. Unangemessenheit
gerügt werden (Art. 393 Abs. 2 StPO).
Die Beschwerdeführerin liess bezüglich der Nichtanhandnahmeverfügung diverse
Rechtsfehler rügen (act. B 1, S. 3 f.).
1.6 Neue Tatsachenbehauptungen und Beweise sind zulässig, wenn die beschwerdeführende
Partei sie nicht schon bei der Vorinstanz hätte vorbringen können9. Die Beschwerde wird
in einem schriftlichen Verfahren behandelt. Heisst das Obergericht die Beschwerde gut,
so fällt es einen neuen Entscheid oder hebt den angefochtenen Entscheid auf und weist
ihn zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück. (Art. 397 Abs. 1 und 2 StPO). Auf-
grund der Natur der Sache ist immer nur kassatorisch zu entscheiden, wenn die
Beschwerde gegen einen Entscheid auf Nichtanhandnahme, Einstellung oder Sistierung
des Verfahrens gutgeheissen wird10. Gegen Entscheide der kantonalen Beschwerde-
instanzen ist die Strafrechtsbeschwerde ans Bundesgericht zulässig11.
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
8 ZR 110, Nr. 76, S. 240; gleicher Meinung: PATRICK Guidon, Die Beschwerde gemäss
Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, Rz. 280; MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 12a zu Art. 118 StPO.
9 PATRICK GUIDON, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 393 StPO; vgl. auch ANDREAS KELLER, a.a.O., N. 15 zu Art. 396 StPO.
10 ANDREAS KELLER, a.a.O., N. 7 zu Art. 397 StPO. 11 SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 8 zu Art. 322 StPO; GRÄDEL/HEINIGER, a.a.O., N. 7 zu Art. 322 StPO.
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2. Materielles - Zulässigkeit der Nichtanhandnahmev erfügung
2.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung der Nichtanhandnahme aus (act. B 2), die
typische Tathandlung der Verletzung des Berufsgeheimnisses im Sinne von Art. 321
StGB bestehe darin, dass ein Geheimnis preisgegeben werde, indem der Täter
geschützte Tatsachen oder Informationen einer dazu nicht ermächtigten Drittperson zur
Kenntnis bringe. Hier werde dem Beschuldigten keine unerlaubte Offenbarung vorgewor-
fen. Ihm werde im Gegenteil die Weigerung zur Preisgabe eines Geheimnisses angelas-
tet. Dabei handle es sich offensichtlich nicht um ein tatbestandsmässiges Verhalten im
Sinne von Art. 321 StGB. Ebenso fehlten vorliegend Hinweise für den Tatbestand der
ungetreuen Geschäftsführung oder für andere Delikte. Mithin lägen die Voraussetzungen
für die Eröffnung einer Strafuntersuchung nicht vor.
2.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend (act. B 1, S. 3 f.), sie habe in ihrer Strafanzeige
zahlreiche Tatbestände aufgelistet. Die jetzt angefochtene Verfügung erwähne einzig,
dass Rechtsanwalt C_ sich weigere, Akten herauszugeben, womit eine Verletzung von
Art. 321 StGB gerade nicht begründet werden könne. Diese Begründung treffe den Kern
der Sache aus den folgenden Gründen nicht: Wenn Rechtsanwalt C_ die
Beschwerdeführerin nicht als Rechtsnachfolgerin des Mandates betrachte, welches er für
den verstorbenen Vater D2_ innegehabt habe (was offenbar seine Haltung sei), so sei
der frühere Kontakt des Beschuldigten mit der Schwester der Beschwerdeführerin als
Verletzung des Anwaltsgeheimnisses aufzufassen. Es gehe nämlich nicht an, nur
einzelnen Erben Auskünfte zu erteilen, was aber passiert sei, wenn das Mandat mit dem
Tod von D2_ abgeschlossen worden wäre. Tatsächlich habe Rechtsanwalt C_ die
beiden Erbinnen darauf hingewiesen, das Mandat sei nun auf sie übergegangen, womit er
auch die Hoheit über die Geheimhaltungspflicht den beiden Erbinnen übertragen habe.
Deshalb bestehe nicht nur ein Recht, dass die Akten aufbewahrt werden, sondern selbst-
verständlich auch ein Einsichtsrecht und zwar für jeden Erben auch einzeln. Indem
Rechtsanwalt C_ sich weigere, die Akten herauszugeben resp. an einem neutralen Ort
zur Einsicht aufzulegen, unterschlage er das Einsichts- und Auskunftsrecht der von ihm
selber als Nachfolgerinnen bezeichneten ehemaligen Mandantinnen. Dieses Verhalten
könne sehr wohl unter die ungetreue Geschäftsbesorgung subsumiert werden, weise aber
auch nötigungsähnliche Elemente auf, weil die Beschwerdeführerin durch das wider-
rechtliche Zurückhalten der Akten nicht nur zu rechtlichen Schritten gezwungen werde,
sondern davon auch im hängigen Erbteilungsverfahren nicht Gebrauch machen könne,
wodurch sie durch den Beschuldigten auch zu einem Unterlassen gezwungen werde. Der
Beschuldigte könne sich nicht auf das Anwaltsgeheimnis berufen, weil er (auch) sie als
Rechtsnachfolgerin seines verstorbenen Mandanten bezeichnet und betrachtet habe.
Seite 10
2.3 RA C_ brachte im Wesentlichen vor (act. B 27), die Tatsache, dass er nach dem Tod
seines Mandanten mit dessen Töchtern telefoniert und mitunter auch korrespondiert habe,
habe nichts mit der Verletzung des Anwaltsgeheimnisses zu tun. Soweit es den
Interessen des verstorbenen Mandanten gedient habe, sei es ihm nicht verwehrt, mit
ehemaligen Vertragspartnern, Behörden sowie den beiden Töchtern zu verhandeln, zu
kommunizieren und zu korrespondieren. Die Akten seines ehemaligen Mandanten habe
er nicht an eine der beiden Töchter herausgegeben, weil ihm nicht beide Töchter resp.
das Erbteilungs-Gericht diese Befugnis erteilt hätten. Er habe sich verständlicherweise
nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, dass er der einen Tochter die Akten herausgebe und
der anderen nicht. Hierfür bedürfe es seines Erachtens eines einstimmigen Beschlusses
der Erbengemeinschaft, d.h. beider Töchter, oder des Erbteilungs-Gerichts. Die Nichtan-
handnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft sei vor diesem Hintergrund absolut zu
Recht erfolgt. Es stehe der Beschwerdeführerin offen, beim Zivilgericht gegenüber ihrer
Schwester gestützt auf Art. 610 Abs. 2 ZGB den Antrag auf Herausgabe von Akten zu
stellen. Diesen Standpunkt habe er dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 18.
Januar 2016 mitgeteilt.
2.4 Die Staatsanwaltschaft verwies auf die angefochtene Verfügung (act. B 23).
2.5 Aus Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung vom 28. März 2017 (act. B 2) geht hervor, dass
das auf Strafanzeige hin eröffnete Verfahren gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht
anhand genommen wurde. Nichtanhandnahme gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO ist
demzufolge am Platz, wenn Straftatbestände eindeutig nicht erfüllt sind, also in sachver-
haltsmässig und rechtlich klaren Fällen12. Die Situation muss sich für den Staatsanwalt
demnach so präsentieren, dass gar nie ein Verdacht hätte angenommen werden dürfen
oder der Anfangsverdacht vollständig entkräftet worden ist13. Das ist zum Beispiel bei rein
zivilrechtlichen Streitigkeiten der Fall14. Hingegen darf bei blossen Zweifeln, ob ein
Straftatbestand vorliegt oder ob der Nachweis strafbaren Verhaltens gelingen wird, keine
Nichtanhandnahme erfolgen15. Wenn eine eingehende rechtliche Würdigung notwendig ist
(etwa bei einer Sorgfaltspflichtverletzung), besteht kein Raum für eine Nichtanhandnah-
12 BGE 137 IV 285 ff. E. 2.3 mit weiteren Hinweisen. 13 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 4 zu Art. 310 StPO. 14 ESTHER OMLIN, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 310 StPO. 15 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 5 zu Art. 310; BGE 137 IV 285 E. 2.3.
Seite 11
meverfügung16. Eine Nichtanhandnahmeverfügung kommt nur infrage, wenn keine Unter-
suchungshandlungen vorgenommen werden17.
2.6 Im Folgenden sind die einzelnen von der Beschwerdeführerin in der Strafanzeige (vgl. act.
B 13/1) aufgelisteten Straftatbestände zu prüfen.
2.6.1 Anhaltspunkte, dass das Anwaltsgesetz verletzt wurde, sind nicht ersichtlich resp. bewie-
sen. Selbst wenn eine Verletzung des Anwaltsgesetzes gegeben wäre, würde dies keine
Strafklage rechtfertigen. Auch auf die angeblichen Verstösse gegen Standesregeln geht
die Beschwerdeführerin nicht näher ein, ebenso wenig auf einen Zusammenhang mit
strafrechtlichen Normen.
2.6.2 Der Verweis auf Art. 324 StGB geht ebenfalls fehl. Dieser Straftatbestand befasst sich
einzig mit dem Ungehorsam dritter Personen im Betreibungs-, Konkurs- und Nachlass-
verfahren gemäss SchKG und nicht mit erbrechtlichen („Nachlass“-) Tatbeständen.
2.6.3 Der Tatbestand des Betruges (Art. 146 StGB) setzt unter anderem Bereicherungs-
absicht sowie eine arglistige Irreführung / arglistige Bestärkung eines Irrtums voraus.
Das Vorliegen dieser Elemente hat die Beschwerdeführerin weder behauptet noch zum
Beweis verstellt. Auch aus den Akten ergeben sich keine Hinweise auf ein entsprechen-
des Fehlverhalten des Beschuldigten.
2.6.4 Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung wird in Art. 158 Ziff. 1 StGB wie folgt
umschrieben:
Wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen Auftrages oder eines Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu verwalten oder eine solche  zu beaufsichtigen, und dabei unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
Auch diesbezüglich hat die Beschwerdeführerin keine stichhaltigen Hinweise oder gar
Beweise für ein Fehlverhalten von RA C_ vorgebracht; ihre Ausführungen erschöpfen
sich vielmehr in Mutmassungen bezüglich der unergiebigen Erbschaftsstreitigkeit mit der
Schwester.
16 BGE 137 IV 285 E. 2.5. 17 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 1 zu Art. 310 StPO; ESTHER OMLIN, a.a.O., N. 8 zu Art. 310 StPO.
Seite 12
2.6.5 Nötigendes resp. nach Rechtsanwalt AA_ „nötigungsähnliches“ Verhalten liegt
ebenfalls nicht vor: Im Gegenteil hat RA C_ nach Auffassung des Obergerichts korrekt
gehandelt, indem er der Beschwerdeführerin die Akten seines ehemaligen Mandanten
und verstorbenen Vaters nicht herausgegeben hat. In diesem Zusammenhang ist auf die
in Rechtskraft erwachsenen Entscheide der Anwaltsaufsichtskommission vom 28. April
2016 (AAK 16 1) resp. des Obergerichts vom 16. Oktober 2017 hinzuweisen (O1Z 16 7).
Von einem nötigenden Verhalten kann mithin keine Rede sein.
2.6.6 Zu prüfen bleibt die angebliche Verletzung des Berufsgeheimnisses nach Art. 321 StGB.
Diesbezüglich greifen die Ausführungen der Staatsanwaltschaft im Strafbefehl in der Tat
zu kurz. Diese macht lediglich geltend, Rechtsanwalt C_ werde die Weigerung der
Preisgabe eines Geheimnisses vorgeworfen, was den Tatbestand von Art. 321 StGB
offensichtlich nicht erfüllen könne. Dabei übersieht sie, dass Rechtsanwalt C_ seitens
der Beschwerdeführerin (auch) vorgeworfen wird, er habe mit ihrer Schwester, E_,
nach dem Tod des Vaters Kontakt gehabt. Dabei wird beanstandet, dass es nicht angehe,
nur einzelnen Erben Auskünfte zu erteilen, was aber vorgekommen sei, wenn das Mandat
mit dem Tode des Erblassers D2_ abgeschlossen worden wäre. Ein Widerspruch
bestehe zudem darin, dass der Beschuldigte die beiden Erbinnen nach dem Tod des
Erblassers darauf hingewiesen habe, das Mandat sei nun auf sie beide übergegangen.
Diese Kritik ist grundsätzlich berechtigt, denn:
D2_ verstarb am 29. Januar 2006 (act. B 13/2/13a, S. 2). Am 5. Februar 2006 teilte RA
C_ den Töchtern des Erblassers per E-Mail mit: „Das Mandat mit mir hat ihr Vater nicht
aufgelöst. Seine diesbezüglichen Rechte gehen auf die Erbengemeinschaft über, denn
die Vollmacht wirkt über den Tod ihres Vaters hinaus“ (act. B 13/2/15). Am 28. März 2007
stellte er eine Honorarrechnung an E_ für Leistungen, welche vom 29. November 2005
bis 28. März 2007 erbracht worden sind (act. B 13/2/16a). Die Beschwerdeführerin selbst
erhielt nach eigenen Angaben im Herbst 2007 bei der G_ AG Akteneinsicht durch
Rechtsanwalt C_ (act. B 13/1, S. 4 unten). Am 16. Januar 2016 soll RA C_ einen
„Irrläufer“ an RA AA_ gesandt haben (act. B 13/1, S. 5 und B 13/2/23).
Nach Auffassung des Obergerichts hätte die Staatsanwaltschaft unter diesen Umständen
nicht einfach eine Nichtanhandnahmeverfügung erlassen dürfen, sondern hätte zumindest
bei RA C_ abklären müssen, ob und allenfalls wem er welche Akten aus dem
Mandatsverhältnis mit D2_ herausgegeben habe und ob es dafür allenfalls
Rechtsfertigungsgründe gebe.
Seite 13
Trotzdem ist die Beschwerde aber nicht gutzuheissen, sondern aus folgenden Gründen
abzuweisen:
Bei der Verletzung des Berufsgeheimnisses handelt es sich um ein Vergehen; die Straf-
androhung lautet auf Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe. Es ist lediglich die vor-
sätzliche Tatbegehung strafbar, wobei Eventualvorsatz genügt18. Die Verjährungsfrist
beträgt somit 10 Jahre (Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB).
Nach der Darstellung der Beschwerdeführerin hat RA C_ das Mandat mit E_ bis
März 2007 weitergeführt (Strafanzeige, S. 4, act. B 13/1). Die Beschwerdeführerin selbst
erhielt nach eigenen Angaben im Herbst 2007 Akteneinsicht durch Rechtsanwalt C_ bei
der G_ und Partner AG (Strafanzeige, S. 4 unten, act. B 13/1). Der „Irrläufer“ an RA
AA_ erfolgte am 16. Januar 2016 (act. B 13/2/23). Die Strafanzeige datiert vom 7.
Februar 2017 (act. B 13/1).
Die Verjährungsfrist ist gewahrt, wenn vor Ablauf der Frist ein erstinstanzliches Urteil
ergangen ist (Art. 97 Abs. 3 StGB); mit „Urteil“ sind nicht nur verurteilende, sondern auch
freisprechende erstinstanzliche Erkenntnisse gemeint19. Nach PATRICK GUIDON20 ist dem
Entscheid der Sachverhalt bei der Beschlussfassung zugrunde zu legen.
Bezüglich der beiden Vorwürfe, welche die Staatsanwaltschaft nach Dafürhalten des
Obergerichts zu Unrecht nicht abgeklärt hat (Akteneinsicht an die Beschwerdeführerin
durch F_ von der G_ und Partner AG und eventuell an die Schwester der
Beschwerdeführerin), ist die Verjährungsfrist im Herbst 2017 abgelaufen. Selbst wenn die
Staatsanwaltschaft die Untersuchung sehr zügig durchgeführt hätte, ist fraglich, ob vor
dem Eintritt der Verjährung ein erstinstanzliches Urteil hätte ergehen können. Heute ist
dies definitiv nicht mehr möglich. Dass RA C_ die Berufspflichten nach September
2007 nochmals verletzte, macht A_ selbst nicht geltend. Demzufolge stehen dem
Straftatbestand im Sinne von Art. 310 Abs. 1 lit. b StPO Verfahrenshindernisse
entgegen21.
18 BERNHARD ISENRING, in: Andreas Donatsch [Hrsg.], Kommentar StGB, 20. Aufl. 2018, N. 12 zu Art.
321 StGB; TRECHSEL/VEST, in Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 3. Aufl. 2018, N. 26 zu Art. 321 StGB.
19 STEFAN HEIMGARTNER, in: Andreas Donatsch [Hrsg.], Kommentar StGB, 20. Aufl. 2018, N. 8 zu Art. 97 StGB; BGE 139 IV 62 E. 1.5.9.
20 PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, Rz. 369. 21 SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 5 zu Art. 310 StPO.
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Bezüglich des „Irrläufers“ kann RA C_ kein Eventualvorsatz unterstellt werden;
Fahrlässigkeit erfüllt den Tatbestand von Art. 321 StGB hingegen nicht. Kommt hinzu,
dass nicht einmal klar ist, um was für ein Dokument es sich handelt, d.h. ob es überhaupt
einen Bezug zu den Akten von Rechtsanwalt C_ aus dem Mandat von D2_ hat.
2.7 Zusammenfassend sind die geltend gemachten Verletzungen des Berufsgeheimnisses
bereits verjährt, bezüglich der anderen Straftatbestände, deren Verletzung die Beschwer-
deführerin rügt, sind die genannten Anhaltspunkte zu schwach, als dass die Staatsan-
waltschaft weitere Untersuchungen hätte vornehmen müssen.
Im Ergebnis ist die Nichtanhandnahmeverfügung vom 28. März 2017 daher nicht zu bean-
standen und die Beschwerde ist abzuweisen.
3. Kosten
3.1 Art. 428 StPO regelt die Kostentragungspflicht im Rechtsmittelverfahren. Gemäss dessen
Absatz 1 tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens. Da die Beschwerde abgewiesen wurde und die Beschwer-
deführerin somit vollumfänglich unterlegen ist, sind ihr die Verfahrenskosten, bestehend
aus einer Gebühr von CHF 500.00 (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. a Gebührentarif, bGS 233.3),
aufzuerlegen.
Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege werden die Kosten vorläufig auf die
Staatskasse genommen, unter Vorbehalt der Rückerstattungspflicht der Beschwerdefüh-
rerin nach Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO.
3.2 Die unterlegene Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 433 Abs.
1 StPO keinen Anspruch auf Entschädigung im Beschwerdeverfahren.
Mit Verfügung vom 22. September 2017 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gewährt (act. B 12). Ihr Rechtsvertreter, RA AA_, macht einen
Aufwand von 7,5 Stunden bzw. eine Entschädigung in Höhe von CHF 1‘546.50 (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) geltend (act. B 32), was sich als tarifkonform erweist
(vgl. Art. 24 Anwaltstarif, bGS 145.53) und zuzusprechen ist. Vorbehalten bleibt die
Nachzahlungspflicht nach Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO.
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Es wird festgestellt, dass das volle Honorar im Sinne von Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135
Abs. 4 lit. b StPO CHF 1‘897.30 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) beträgt.
3.3 Der Beschwerdegegner hat im Beschwerdeverfahren obsiegt, weshalb er gestützt auf Art.
436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO grundsätzlich Anspruch auf eine angemessene
Entschädigung hätte. Mangels eines entsprechenden Antrags muss in casu jedoch nicht
darüber entschieden werden22.
22 SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 12 zu Art. 429 StPO.
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