Decision ID: 42ff23ea-f2b2-4e26-bb54-4e87b67bbcb2
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Anfechtung der Vaterschaft
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Zürich, 5. Abteilung, vom 18. Juni 2012 (FP110015)
- 2 -
Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
"1. Es sei festzustellen, dass der Kläger nicht der Vater des  1 sei und entsprechend sei das Kindesverhältnis zwischen dem Kläger und dem Beklagten 1 rückwirkend auf den Zeitpunkt der Geburt des Beklagten 1 aufzuheben.
2. [ ... ] 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
Urteil des Einzelgerichts des Bezirksgerichtes Zürich vom 18. Juni 2012 (Urk. 48):
1. Die Klage wird vollumfänglich abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr (Pauschalgebühr) wird festgesetzt auf: Fr. 2'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 675.00 Übersetzungskosten Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
3. Die Kosten werden dem Kläger auferlegt, jedoch zufolge mit Verfügung vom 10. März 2011 gewährter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachzahlung im Sinne von Art. 123 Abs. 1 ZPO bleibt vorbehalten.
4. Der Kläger wird verpflichtet, die Beklagte 2 mit Fr. 3'473.75 (zuzüglich 8 %
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
5. [Mitteilungssatz]
6. [Rechtsmittelbelehrung]
Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 47 S. 2):
"1. Es sei die (Register-)Vaterschaft des Klägers gegenüber dem  1 rückwirkend auf den Zeitpunkt dessen Geburt .
2. [ ... ]
- 3 -
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
des Beklagten und Berufungsbeklagten 1 (Urk. 54 S. 2):
"1. Die Berufung sei abzuweisen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Klägers."
der Beklagten und Berufungsbeklagten 2 (Urk. 51):
----

Erwägungen:
I.
1. Der Beklagte und Berufungsbeklagte 1 (fortan Beklagter 1), B._,
wurde am 7. November 1999 als Sohn der Beklagten und Berufungsbeklagten 2
(fortan Beklagte 2) sowie des Klägers und Berufungsklägers (fortan Kläger) gebo-
ren. Der Kläger und die Beklagte 2 hatten am tt. April 1998 geheiratet. Im Juli
2010 verlangte die Beklagte 2 die Trennung. Ein von der Beklagten 2 am 12. Juli
2010 anhängig gemachtes Eheschutzverfahren konnte mittels von den Parteien
am 10. August 2010 getroffener Vereinbarung erledigt werden. Unter anderem
wurde der Beklagte 1, gemeinsam mit seiner am tt.mm.2002 geborenen Schwes-
ter D._, für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Beklagten 2
gestellt. Am 27. Juli 2010 hatte zwischen den Parteien, in weiterer Anwesenheit
des Vaters des Klägers und der Schwester der Beklagten 2, ein Gespräch stattge-
funden. Anlässlich dieses Gespräches kam auch das Thema auf, ob der Kläger
der leibliche Vater des Beklagten 1 sei. Die jeweiligen Äusserungen der am Ge-
spräch beteiligten Personen sind (zumindest im Detail) umstritten. Im Anschluss
an diese Unterredung zog die Beklagte 2 zusammen mit den Kindern vorüberge-
hend aus der gemeinsamen Wohnung aus. Nach dem Auszug des Klägers aus
- 4 -
der ehelichen Wohnung Ende September 2010 wohnte dieser für fünf Wochen bei
seinen Eltern im grenznahen E._ [Staat in Europa]. Während dieser Wochen
konnte der Kläger seine Kinder (unter anderem auch den Beklagten 1) nicht zu
Besuch nehmen. Nach dem Einzug in seine neue Wohnung in F._ (Stadt
G._) fasste der Kläger, nachdem Mitte November 2010 ein erstes Besuchs-
wochenende stattgefunden hatte, den Entschluss, einen DNA-Test bei den beiden
Kindern durchführen zu lassen, um sich Klarheit über seine Vaterschaft zu ver-
schaffen. Am nächstfolgenden Besuchswochenende Anfang Dezember 2010
nahm der Kläger - ohne Einverständnis der Beklagten 2 oder der Kinder - die
Proben. Diese wurden am 7. Dezember 2010 beim H._ in I._ (J._
[Staat in Europa]) eingereicht. Am 30. Dezember 2010 wurden dem Kläger die
Ergebnisse zugestellt. Gemäss (bestrittenem) Testergebnis ist der Kläger mit
"beinahe absoluter Sicherheit" nicht der Vater des Beklagten 1.
2. Am 4. Februar 2011 machte der Kläger bei der Vorinstanz eine Klage auf
Anfechtung der Vaterschaft anhängig. Für den Verlauf des erstinstanzlichen Ver-
fahrens kann auf das angefochtene Urteil verwiesen werden (Urk. 48 S. 3f.). Mit
Urteil vom 18. Juni 2012 wies die Vorinstanz die Klage ab (Urk. 48 S. 19 Disposi-
tivziffer 1). Der Kläger erhob gegen das vorinstanzliche Urteil fristgerecht Beru-
fung mit den eingangs erwähnten Anträgen (Urk. 43; Urk. 47). Die Berufungsant-
wort des Beklagten 1 datiert vom 29. Oktober 2012 (Urk. 54). Gleichentags ver-
zichtete die Beklagte 2 "auf die Beantwortung der Berufung" (Urk. 51). Die Einga-
ben wurden mit Beschluss vom 3. Dezember 2012 je der Gegenpartei zugestellt
(Urk. 58 S. 3 Dispositivziffer 3). Am 8. Mai 2013 fand ein Referentenwechsel statt.
II.
1.1. Ist ein Kind während der Ehe geboren, so gilt der Ehemann als Vater
(Art. 255 Abs. 1 ZGB). Diese Vermutung kann er beim Gericht anfechten (Art. 256
Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Der Ehemann hat die Anfechtungsklage binnen Jahresfrist
einzureichen, seitdem er die Geburt und die Tatsache erfahren hat, dass er nicht
- 5 -
der Vater ist oder dass ein Dritter der Mutter um die Zeit der Empfängnis beige-
wohnt hat, in jedem Fall aber vor Ablauf von fünf Jahren seit der Geburt (Art. 256c
Abs. 1 ZGB). Es handelt sich um Verwirkungsfristen.
1.2. Der Beklagte 1 wurde während der Ehe des Klägers und der Beklag-
ten 2 am tt.mm.1999 geboren. Unbestritten ist, dass die absolute Verwirkungsfrist
von fünf Jahren bei Einleitung der Anfechtungsklage anfangs Februar 2011 be-
reits abgelaufen war.
2.1. Nach Ablauf der Fristen gemäss Art. 256c Abs. 1 ZGB wird eine Anfech-
tung zugelassen, wenn die Verspätung mit wichtigen Gründen entschuldigt wird
(Art. 256c Abs. 3 ZGB). Der wichtige Grund für die verspätete Klageeinreichung
kann sowohl objektiver wie auch subjektiver Natur sein. Die Bestimmungen über
die Wiederherstellung der Klagefrist sind restriktiv anzuwenden. Die Beurteilung
der wichtigen Gründe, die eine verspätete Anfechtung entschuldigen sollen, hat
nach einem strengen Massstab zu erfolgen. Ob ein wichtiger Grund gegeben ist,
hat der Richter gemäss Art. 4 ZGB unter Würdigung der einschlägigen Umstände
nach Recht und Billigkeit zu entscheiden (BGer 5A_240/2011 Urteil vom 6. Juli
2011, Erw. 6.2.).
2.2. Es ist unbestritten, dass vorliegend keine objektiven Hindernisse (wie
beispielsweise schwere Krankheit) eine Klageeinreichung verhindert hätten. Einig
sind sich die Parteien sodann darüber, dass grundsätzlich der als subjektiver Hin-
derungsgrund anerkannte Sachverhalt der fehlenden Veranlassung zu Zweifeln
an der Vaterschaft vorliegt. Strittig ist hingegen, wann dieser Hinderungsgrund
dahingefallen ist und ob der Kläger in der Folge mit der gemäss Rechtsprechung
verlangten "Beschleunigung" die Anfechtungsklage eingereicht hat.
3.1. Betreffend der rechtlichen Voraussetzungen bezüglich des geltend ge-
machten Hindernisgrundes kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden, welche zum besseren Verständnis an dieser Stelle nochmals
wiedergegeben werden (Urk. 48 S. 7ff. Ziff. 3.1.):
"3.1. Wichtige Gründe für die Wiederherstellung der Frist sind gegeben, wenn der Ehe-
gatte keine zureichende Veranlassung zu Zweifeln an seiner Vaterschaft und zur Anhe-
- 6 -
bung der Anfechtungsklage hatte, da blosse Zweifel ohne konkrete Anhaltspunkte keine
Grundlage für die Anfechtungsklage bilden. Es geht nicht an, einem Klageberechtigten
die Klageerhebung zuzumuten, bevor er die tatsächlichen Grundlagen zur Klage besitzt.
Allerdings können die Umstände so liegen, dass der Kläger gehalten ist, sich über den
Tatbestand Gewissheit zu verschaffen und dass das Unterlassen von Abklärungen als
unentschuldbar erscheint (BGE vom 14. Oktober 2003, in FamPra 2004, S. 142 ff., 144).
Solche Umstände, die weitere Abklärungen notwendig machen, sind allerdings nicht be-
reits gegeben, wenn lediglich allgemeine Gerüchte oder Anspielungen (BGE 132 III 1 ff.,
4 f.) kursieren (BGE 132 III 1 ff., 4 f.), der Registervater unter einer eingeschränkten Ferti-
lität leidet (BGE vom 13. Februar 2007, in FamPra 2007, S. 418 ff., 420) bzw. der Regis-
tervater lediglich eine Vermutung hat, dass die Kindsmutter wohl auch mit anderen Män-
nern verkehrt habe (BGE vom 14. Oktober 2003, in FamPra 2004, S. 142 ff., 144).
Sobald der Anfechtungskläger jedoch Zweifel von einer gewissen Intensität hat, und da-
von ausgeht, dass er mit grosser oder grösster Wahrscheinlichkeit nicht der leibliche Va-
ter ist (BGE vom 31. August 2009, in FamPra 2010, S. 194 ff., 197), hat er umgehend die
notwendigen Schritte einzuleiten, er kann nicht weitere Nachforschungen abwarten, bis
er sichere Kenntnis hat, nicht Vater zu sein (BGE vom 6. Juli 2011, in FamPra 2011,
S. 1002 ff., 1006).
Kenntnis darüber, dass ein Dritter der Mutter beigewohnt hat, ist unter anderem gegeben,
wenn die Ehefrau dem Ehemann offenbart, mit einem Dritten eine sexuelle Beziehung
gehabt zu haben oder erklärt, es sei möglich, dass das Kind nicht von ihm sei (BGE vom
6. Juli 2011, in FamPra 2011, S. 1002 ff., 1005). Die Anfechtungsfrist wird nicht erst aus-
gelöst, wenn der Kläger sichere Kenntnis hat, nicht Vater zu sein, es wird einzig verlangt,
dass der Kläger Kenntnis darüber hat, dass der Mutter zur Zeit der Empfängnis ein Dritter
beigewohnt hat (BGE vom 6. Juli 2011, in FamPra 2011, S. 1002 ff., 1006), selbst wenn
der Ehemann während derselben Zeit seiner Ehefrau weiterhin beigewohnt hat und des-
halb seine Vaterschaft nicht völlig ausgeschlossen werden kann (BGE 119 II 110 ff.,
111). Dementsprechend wurde festgehalten, dass in entsprechenden Fällen nicht erst mit
Erhalt des rechtsmedizinischen Gutachtens (DNA-Test) die Gewissheit bestand, nicht
Vater des Kindes zu sein (BGE vom 6. Juli 2011, in FamPra 2011, S. 1002 ff., 1005 f. e
contrario; vgl. auch A. Büchler, in FamPra2004, S. 147 ff., 148, wonach nicht erst ein
DNA-Gutachten die die Verwirkungsfrist auslösenden Zweifel begründen könne, da an-
sonsten die gesetzlichen Fristen ihre Bedeutung verlieren würden)."
- 7 -
3.2. Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Beklagte 2 dem Kläger
zirka im Jahre 2004/2005 eingestand, während der Ehe einmal einen Seiten-
sprung gemacht zu haben (Urk. 1 S. 4; Urk. 15 S. 2). Vorerst nicht weiter abzuklä-
ren sind dabei die bestrittenen Ausführungen der Beklagten 2, sie habe dem Klä-
ger damals eine Fremdbeziehung im Empfängniszeitpunkt des Beklagten 1 ge-
standen und dabei explizit darauf aufmerksam gemacht, dass - aufgrund der kla-
ren äusserlichen Merkmale - der Beklagte 1 mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht
sein leibliches Kind sei (Urk. 15 S. 2). Auch der Beklagte 1 stellt sich denn auf den
Standpunkt, die Beklagte 2 habe den Kläger bereits zirka im Jahre 2004 darüber
informiert, dass er nicht von ihm abstamme (Urk. 17 S. 1).
3.3. Unbestritten ist im Weiteren, dass im Rahmen der Trennung zwischen
dem Kläger und der Beklagten 2 in Anwesenheit von deren Schwester und des
Vaters des Klägers am 27. Juli 2010 eine Besprechung stattfand. Der Kläger
machte in der Klagebegründung geltend, anlässlich dieser Besprechung habe die
Beklagte 2 die Frage, ob sie einen anderen Mann gehabt habe, mit ja beantwor-
tet. Ferner habe sie erstmals die Vermutung geäussert, dass der Beklagte 1 even-
tuell nicht sein leiblicher Sohn sei (Urk. 1 S. 4). Anlässlich der Verhandlung vom
30. Juni 2011 führte der Kläger auf die Frage, was Anlass des Gespräches vom
27. Juli 2010 gewesen sei, unter anderem von sich aus an, sein Vater habe die
Beklagte 2 gefragt, ob der Beklagte 1 wirklich sein Sohn sei. Seine Eltern hätten
da offenbar Zweifel gehabt, was er aber nicht gewusst habe. Das hätten sie ihm
gegenüber nie gesagt. Die Beklagte 2 habe dann gesagt, "ja, er ist nicht der Va-
ter". Er sei schockiert gewesen (Prot. Vi S. 7). Auf die weitere Frage des Vorder-
richters, was in diesem Moment, in welchem er (was umstritten ist) zum ersten
Mal gehört habe, dass der Beklagte 1 nicht sein Sohn sei, in ihm vorgegangen
sei, führte der Kläger (korrigierend) an, "Dass er es eventuell nicht sei.", um fort-
zufahren, er sei schockiert gewesen. Er habe der Schwester der Beklagten 2 ge-
sagt, dass er schon lange gewusst habe, dass ihn seine Frau betrogen habe,
aber er habe nie daran gedacht, dass der Beklagte 1 nicht sein Sohn sei (Prot. Vi
S. 7). Auf die weitere Frage, ob er in diesem Moment den Aussagen der Beklag-
ten 2, dass B._ nicht sein Sohn sei, geglaubt habe, gab er zu Protokoll: "Wer
kann das schon wissen. Nur die Frau weiss sicher, wann und von wem sie ein
- 8 -
Kind empfangen hat. Aber ich hatte dann Zweifel und dann gab es halt nur noch
eines und das war ein DNA-Test." (Prot. Vi S. 7). Auf eine im späteren Verlauf der
Befragung durch seinen Anwalt gestellte Ergänzungsfrage, die Beklagte 2 habe
nur gesagt, sie denke, dass er (der Kläger) nicht der Vater von B._ sei, ob
dies stimme, gab der Kläger dann, im Widerspruch zu seinen früheren, spontanen
Äusserungen zu Protokoll, "Sie sagte nur, sie denke, ich sei nicht der Vater." Mit
dem Test sei dann alles klar geworden (Prot. Vi S. 9). Nur wenig später führte der
Kläger dann jedoch auf Ergänzungsfrage des Vertreters des Beklagten 1, wieso
er erst nach dem Gespräch vom 27. Juli 2010 das Vertrauen in die Beklagte 2
verloren habe, wieder an, "Weil sie mir erst am 27. Juli 2010 sagte, dass B._
gewiss nicht mein Kind sei." (Prot. Vi S. 10).
Mithin ist gestützt auf die klägerischen Aussagen davon auszugehen, dass die
Beklagte anlässlich des Gesprächs vom 27. Juli 2010 nicht bloss, wie vom Kläger
mit der Berufung geltend gemacht, bemerkte, "es könne sein, dass der Kläger
nicht der leibliche Vater des Beklagten 1 sei" (Urk. 47 S. 3). Vielmehr führte der
Kläger selbst an, die Beklagte 1 habe sich dahingehend geäussert, dass er nicht
der Vater sei (Prot. Vi S. 7) und der Beklagte 1 "gewiss" nicht sein Kind sei (Prot.
Vi S. 10). Die Ausführungen des Klägers in seinen Rechtsschriften und die Ant-
wort auf die (suggestiv gestellte) Ergänzungsfrage seines Rechtsvertreters muten
rechtlich konstruiert an. Ernsthafte Zweifel an der Vaterschaft des Klägers wurden
sodann von dessen Eltern geäussert. Unerheblich ist dabei, ob der Kläger von
diesen Zweifeln vor dem Gespräch vom 27. Juli 2010 bereits wusste und ob der
Grossvater bereits früher einmal (heimlich) einen DNA-Test beim Beklagten 1
gemacht hat. Da keine Partei behauptet, der Seitensprung der Beklagten 2 sei
dem Vater des Klägers kommuniziert worden, muss der Verdacht bei den Gros-
seltern wohl aufgrund des Äussern des Beklagten 1 geweckt worden sei. Gestützt
auf die erstellten Äusserungen der Beklagten 2, dass der Kläger nicht der Vater
des Beklagten 1 sei, und der unbestrittenen Tatsache, dass die Beklagte 2 dem
Kläger bereits zuvor im Jahre 2004/2005 einen Seitensprung eingestanden hatte,
durfte die Vorinstanz zu Recht den Schluss ziehen, dass sie damit dem Kläger zu
verstehen gab, dass ihr zum Zeitpunkt der Empfängnis des Beklagten 1 ein Dritter
beigewohnt hat (Urk. 48 S. 9). Diese Kenntnis genügt gemäss der vorangehend
- 9 -
zitierten höchstrichterlichen Rechtsprechung bereits, um die Anfechtungsfrist aus-
zulösen. Die Vorinstanz ging somit ebenfalls zu Recht davon aus, dass der Kläger
ab diesem Zeitpunkt Zweifel von einer gewissen Intensität hatte respektive haben
musste (Urk. 48 S. 9). Entgegen der Ansicht des Klägers kann der Vorinstanz bei
der Ziehung dieser Schlussfolgerungen keine Verletzung ihrer Beweiswürdi-
gungspflicht vorgeworfen werden (Urk. 47 S. 4). Die Vorinstanz hat in der Ziffer
3.3. ihres Urteils auf die (teilweise bestrittenen) Ausführungen des Klägers abge-
stellt. Dies verkennt dieser. Der Kläger führte in der vorinstanzlichen Replik denn
auch an, er habe ab dem Gespräch im Juli 2010 ernsthafte Zweifel an seiner Va-
terschaft gehabt (Urk. 22 S. 3). Darum nahm er wohl auch die DNA-Tests vor.
Dies ändert jedoch nichts daran, dass er im Sinne der Rechtsprechung - entge-
gen seiner Ansicht in der Berufung (Urk. 47 S. 4f.) - nicht erst mit dem ohne Ein-
willigung der Beklagten durchgeführten DNA-Test Kenntnis davon erlangte, dass
er mit grosser oder grösster Wahrscheinlichkeit nicht der leibliche Vater des Be-
klagten 1 sei. Das Bundesgericht kam denn in einem sehr ähnlich gelagerten Fal-
le, in welchem die Mutter dem vermeintlichen leiblichen Vater klar kommunizierte,
dass er nicht der Vater des während der Ehe geborenen Kindes sei, zum Schluss,
dass ab dem Zeitpunkt der Aussage, dass er nicht der leibliche Vater sei, nicht
mehr davon ausgegangen werden könne, dass der Kläger blosse Zweifel an sei-
ner Vaterschaft ohne konkrete Anhaltspunkte habe. Vielmehr lagen durch diese
klar kommunizierte Tatsache nunmehr die für eine Klageeinleitung notwendigen
objektiven Anhaltspunkte respektive tatsächlichen Grundlagen vor (vgl. hierzu den
sehr ähnlich gelagerten Fall in BGer 5C.217/2006 Urteil vom 19. Februar 2007,
Erw. 5). Der Hinderungsgrund war weggefallen.
4.1. Nach Wegfall des Hinderungsgrundes am 28. Juli 2010 hätte der Kläger
mit aller nach den Umständen möglichen Beschleunigung die Anfechtungsklage
einreichen müssen (BGer 5C.217/2006 Urteil vom 19. Februar 2007, Erw. 5).
Art. 256c Abs. 3 ZGB eröffnet keine zusätzliche Frist. Wenn sich der Verdacht
nach Ablauf der gesetzlichen Klagefrist des Art. 256c Abs. 1 ZGB objektiv ver-
dichtet, muss der Klageberechtigte mit aller nach den Umständen möglichen Be-
schleunigung Klage einreichen, soll diese nicht verwirken. Grundsätzlich hat dies
im Folgemonat nach Wegfall des Verzögerungsgrundes zu geschehen, es sei
- 10 -
denn, ausserordentliche Umstände wie Ferien, Krankheit oder ähnliches stehen
dem entgegen (BGE 136 III 593 ff., 595).
4.2. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 48 S. 11 Ziff. 4.1.). Die erst am 3. Februar
2011, mithin rund sechs Monate nach dem klärenden Gespräch zur Post gegebe-
ne Klage erfolgte nicht mit aller nach den Umständen gebotenen Beschleunigung,
weshalb es vorliegend an einer Voraussetzung für die Wiederherstellung der Frist
gemäss Art. 256c Abs. 3 ZGB fehlt.
5.1. Bei der (ermessensweisen) Abklärung, ob ein wichtiger Grund gemäss
Art. 256c Abs. 3 ZGB vorliegt, ist auch das Interesse des Kindes zu berücksichti-
gen, wenn die Umstände für sich allein noch nicht für die Bejahung eines wichti-
gen Grundes ausreichen. Wenn es in einem solchen Fall nicht im Interesse des
Kindes liegt, dass die Frage des Kindesverhältnisses dennoch geklärt wird, ist die
Wiederherstellung abzulehnen. Mit anderen Worten kann sich die Annahme eines
wichtigen Grundes unter Umständen, die sonst hierfür nicht ausreichen würden,
rechtfertigen, wenn das Interesse des Klägers an der Anfechtung das gegenteilige
Interesse des Kindes eindeutig überwiegt (BGer 5A_240 Urteil vom 6. Juli 2011,
Erw. 7.1.).
5.2. Die Vorinstanz führte in diesem Zusammenhang am 30. April 2012 eine
Anhörung des Beklagten 1 durch (Urk. 36). Sie kam zum Schluss, dass der Be-
klagte 1 durch die Anfechtungsklage, zumindest vorübergehend, vaterlos werde,
was seinen Unterhaltsanspruch im Umfang von zur Zeit monatlich Fr. 650.– sowie
seine allfälligen sozialversicherungs- und erbrechtlichen Ansprüche untergehen
liesse. Es sei gestützt auf die Sachverhaltsdarstellung der Parteien nicht ausge-
schlossen, dass die Feststellung der Identität sowie des Aufenthaltsortes des leib-
lichen Vaters mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sei, dürfte doch auch in
Zukunft die Beklagte 2 die Auskunft darüber verweigern, von wem sie den Beklag-
ten 1 empfangen habe. Unter diesen Umständen drohe dem Beklagten 1 nicht nur
eine nur ganz vorübergehende Vaterlosigkeit, vielmehr bleibe ungewiss, ob in Zu-
kunft ein Kindsverhältnis zum leiblichen Vater begründet werden könnte. Sodann
empfinde auch der Beklagte 1 zur Zeit nicht den Wunsch, seinen leiblichen Vater
- 11 -
kennen zu lernen. Erbrechtliche sowie unterhaltsrechtliche Interessen bestünden
auf beiden Seiten. Sodann habe der Beklagte 1 in einem gewissen Sinn ein im-
materielles Interesse, wenigstens einen Registervater zu haben. Es sei sodann
nicht ausgeschlossen, dass der Kontakt zwischen dem Kläger und dem Beklag-
ten 1 nach einer Pause wieder auflebe. Die Interessen der beiden Seiten erschie-
nen als nahezu gleichwertig, jedenfalls seien keine klar überwiegenden Interes-
sen auf Seiten des Klägers ersichtlich, welche die Annahme eines wichtigen
Grundes gemäss Art. 256c Abs. 3 ZGB trotzdem rechtfertigen würden. Vielmehr
gebe es eine Tendenz, dass der Beklagte 1 weiterhin einen losen Kontakt zum
Kläger pflege und zur Zeit keinen Kontakt zu einem unbekannten leiblichen Vater
suche (Urk. 48 S. 15f.).
5.3. Der Kläger wendet in der Berufung ein, es könne nicht nachvollzogen
werden, dass dem Beklagten 1 eine Vaterlosigkeit drohe. Zu Recht bringt er vor,
dass der Beklagte 1 an sich ein Recht darauf hat, dass die Beklagte 2 die Identität
des leiblichen Vaters bekannt gibt (Urk. 47 S. 5). Hingegen macht auch er nicht
geltend, dass die Beklagte 2 hierzu freiwillig bereit wäre. Wenn dies erst erstritten
werden muss, so ist die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass dem Beklagten 1
"nicht nur eine nur ganz vorübergehende Vaterlosigkeit" drohe, durchaus korrekt.
Sodann kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den, dass es eine dahingehende Tendenz gebe, dass der Beklagte 1 weiterhin
einen losen Kontakt zum Kläger pflege und zur Zeit keinen Kontakt zu einem un-
bekannten leiblichen Vater suche, mithin tut der Beklagte 1 derzeit nicht kund, er
habe ein Interesse daran, dass - wie vom Kläger angeführt (Urk. 47 S. 5) - "die
rechtliche Vaterschaft mit der biologischen Wirklichkeit in Einklang gebracht wird".
Ein solches Interesse ergibt sich insbesondere nicht aus der durchgeführten Kin-
deranhörung. Damit kam die Vorinstanz zu Recht zum Schluss, dass auf Seiten
des Klägers keine klar überwiegenden Interessen vorliegen würden, welche aus-
nahmsweise die Anfechtung nach Art. 256c Abs. 3 ZGB zulassen würden.
6. Damit ist die Berufung abzuweisen. Das vorinstanzliche Urteil ist zu be-
stätigen (Art. 318 Ziff. 1 lit. a ZPO). Die weiteren Einwendungen der Parteien (ins-
- 12 -
besondere die Frage der Rechtmässigkeit und der Verwendbarkeit des DNA-
Gutachtens des Beklagten 1) können offen gelassen werden.
III.
1. Die von der Vorinstanz getroffene Regelung der Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen ist zu bestätigen (Urk. 48 S. 18f., insbesondere Dispositivziffern 2 bis
4).
2.1. Der Kläger wird für das zweitinstanzliche Verfahren kosten- und ent-
schädigungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 Abs. 1 und 3 ZPO). Dem
Kläger wurde mit Beschluss der Kammer vom 25. September 2012 die unentgelt-
liche Rechtspflege gewährt und in der Person von Fürsprecher Dr. iur. X._
ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt (Urk. 50). Mit Beschluss vom 3. De-
zember 2012 wurde sodann den Beklagten die unentgeltliche Rechtspflege ge-
währt und der Beklagten 2 Rechtsanwalt lic. iur. Y2._ als unentgeltlicher
Rechtsbeistand bestellt (Urk. 58).
2.2. Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens sind gestützt auf die §§ 5
Abs. 1 und 12 der Gebührenverordnung des Obergerichts vom 8. September
2010 (GebV OG) auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Sie sind dem Kläger aufzuerlegen,
doch zufolge der ihm gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 Abs. 1 ZPO
bleibt vorbehalten.
2.3. Sodann hat der Kläger den Beklagten grundsätzlich eine Parteientschä-
digung für das zweitinstanzliche Verfahren zu bezahlen. Hingegen gilt für die Par-
teientschädigung der Dispositionsgrundsatz, d.h., sie ist von der Partei zu bean-
tragen (Suter/von Holzen: in Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar
ZPO, 2013, N 30 zu Art. 95). Die Beklagte 2 hat keinen entsprechenden Antrag
gestellt (Urk. 51), weshalb ihr keine Parteientschädigung zuzusprechen ist. Dem
Beklagten 1 ist eine Parteientschädigung von Fr. 600.– zuzusprechen.
- 13 -