Decision ID: 783d1f2d-a030-5b45-996e-cd0681d0d122
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am (...) April 2019 in der Schweiz um
Asyl und wurden dem beschleunigten Verfahren nach Art. 26c AsylG [SR
142.31] zugewiesen. Anlässlich der Personalienaufnahmen (PA) vom
2. Mai 2019, der Erstbefragungen vom 22. Mai 2019 und der Anhörungen
vom 16. und 17. Juli 2019 machten sie im Wesentlichen Folgendes gel-
tend:
Die Beschwerdeführerin sei iranische Staatsangehörige persischer Ethnie
und als Professorin an der Universität C._ in D._ tätig ge-
wesen. Sie habe mehrere Artikel verfasst, in denen sie die iranische Re-
gierung kritisiert habe. Diese habe der Beschwerdeführer für sie auf den
Computer übertragen und in mehrfacher Ausgabe ausgedruckt. Als sich die
Beschwerdeführerin eines Tages mit Freunden getroffen habe, mit denen
sie bereits in der Vergangenheit wiederholt über die Missstände in Iran ge-
sprochen habe, habe sie einen dieser Artikel, welcher von der Fremdwäh-
rungskrise in Iran gehandelt habe, unter den Anwesenden verteilt. Ihre po-
litische Meinung habe sie auch gegenüber einigen aufgeschlossenen Stu-
dierenden geäussert und zehn davon habe sie ein Exemplar des obenge-
nannten Artikels ausgehändigt. Ein Exemplar ihres Artikels sei an den
Herassat (Sicherheitsdienst) gelangt, wobei sie nicht wisse, wer sie verra-
ten habe. Wegen des Inhalts ihres Artikels sei sie am 12. November 2018
von Mitgliedern des Herassat entführt worden. An einem ihr unbekannten
Ort sei sie befragt und es sei ihr vorgeworfen worden, den irankritischen
Artikel verfasst zu haben. Während der ungefähr 24-stündigen Festnahme
sei sie geschlagen, beleidigt, bedroht und sexuell belästigt worden. Wäh-
renddessen habe man ihre Wohnung durchsucht, in der sie gemeinsam mit
ihrer Schwester gewohnt habe. Vertreter des Herassat hätten Bücher, Bro-
schüren und ihren Laptop beschlagnahmt. Da sie sich vor weiteren Re-
pressionen der Behörden gefürchtet habe, sei sie mit ihrem Pass und ei-
nem Schweizer Touristenvisum über Italien in die Schweiz gereist. Zwei
oder drei Tage nach ihrer Ausreise sei ihre Wohnung erneut von Behörden-
mitgliedern durchsucht worden.
Der Beschwerdeführer – iranischer Staatsangehöriger persischer Ethnie –
habe bis im März 2017 an der Universität in E._ studiert. Als er
Ende 2017 an einer Demonstration teilgenommen habe, sei er von Behör-
denmitgliedern bewusstlos geschlagen und an einen ihm unbekannten Ort
gebracht worden. Dort sei er während rund drei Tagen festgehalten wor-
den. Dabei sei er zweimal verhört und gefoltert und schliesslich gezwungen
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worden, ein Papier zu unterschreiben. Danach habe man ihm erneut einen
Schlag verpasst, so dass er das Bewusstsein verloren habe. Er sei erst im
Krankenhaus wieder zu sich gekommen. Dort habe er von seinem Vater
erfahren, dass dieser für seine Freilassung Geld bezahlt habe. Nach seiner
Entlassung aus dem Spital habe er sich zu seiner Tante nach F._
begeben und sei dort bis Juni oder Juli 2018 geblieben. Dann sei er wieder
nach E._ zurückgekehrt und habe sein Studium wiederaufgenom-
men. In der Folge sei er mehrmals von der Basij (Hilfspolizei) verfolgt, an-
gehalten und beleidigt worden. Ausserdem sei zweimal sein Haus durch-
sucht worden. Nach der Verhaftung seiner Mutter habe sich seine Furcht
vor Repressionen verstärkt. Als nächster Angehöriger der Beschwerdefüh-
rerin habe er eine Reflexverfolgung zu befürchten. Deshalb sei er gemein-
sam mit ihr aus Iran ausgereist.
In der Schweiz habe der Beschwerdeführer gemeinsam mit seiner Mutter
einen Blog erstellt, auf dem er zwei von ihr verfasste regimekritische Artikel
veröffentlicht habe.
Als Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden die Melli-
Karte und die Immatrikulationsbestätigung des Beschwerdeführers, die
Pässe und Shenasnahmehs von beiden sowie die Heirats- und Schei-
dungsdokumente der Beschwerdeführerin (jeweils in Kopie) ein. Die Be-
schwerdeführerin reichte überdies Kopien von zwei Gerichtsvorladungen –
datiert vom (...) März 2019 und vom (...) Mai 2019 – zu den Akten.
B.
Mit separaten Verfügungen vom 26. Juli 2019 (gleichentags eröffnet) ver-
neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführeren-
den, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug. Die dagegen erhobenen Beschwerden vom
7. August 2019 an das Bundesverwaltungsgericht wurden mit Urteil
E-3987/2019, E-3990/2019 vom 27. September 2019 (von Amtes wegen
vereinigt) wegen Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes gutgeheissen
und die Sache zur weiteren Abklärung und Entscheidung an die Vorinstanz
zurückgewiesen.
C.
Als neues Beweismittel legten die Beschwerdeführenden am 4. November
2019 ein auf den (...) August 2019 datiertes Urteil aus Iran mitsamt Brief-
umschlag ins Recht.
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Seite 4
D.
Die Vorinstanz wies die Beschwerdeführenden am 8. November 2019 dem
erweiterten Verfahren zu. Sie ersuchte in der Folge die Schweizerische
Vertretung in Teheran um nähere Abklärungen in Bezug auf die von der
Beschwerdeführerin gemachten Angaben und eingereichten Gerichtsdo-
kumente.
Die Abklärungen der Vertrauensanwälte der Schweizerischen Vertretung in
Teheran ergaben, dass es sich bei den zwei Gerichtsvorladungen und dem
Urteil um Totalfälschungen handle. Beide Vorladungen wiesen sowohl for-
male als auch inhaltliche Mängel auf. Beispielsweise seien die Formulare
der betreffenden Vorladungen veraltet und würden seit mindestens zwölf
bis fünfzehn Jahren nicht mehr benutzt. (...). Das eingereichte Urteil ent-
halte ebenfalls mehrere formelle und inhaltliche Fälschungsmerkmale. Ins-
besondere stehe der dort aufgeführte Gesetzesartikel im Widerspruch zu
den Aussagen der Beschwerdeführerin. In der aktuellen Version des irani-
schen islamischen Strafgesetzbuches betreffe der erwähnte Artikel die Be-
strafung aufgrund des Zungen-Abschneidens bei kleinen Kindern. Das dro-
hende Strafmass sei auch nicht – entgegen der verhängten Strafe im Urteil
– (...) Peitschenhiebe und Gefängnisstrafe. Die im Urteil angegebene Ab-
teilung des revolutionären Gerichts existiere nicht. Ebenso kenne die irani-
sche Justiz die Bezeichnung "G._", auf Deutsch "H._" nicht.
Es sei zudem nicht nachvollziehbar, dass der Fall von I._ nach
E._ weitergeleitet worden sei. Im Urteil sei eine Rekursfrist von
(...) Tagen aufgeführt, obwohl bei Verurteilungen in Abwesenheit eine län-
gere Rechtsmittelfrist vorgesehen sei. Die im Urteil ausgesprochene Sus-
pendierung könne nicht echt sein, da eine solche ein rechtskräftiges Ge-
richtsurteil in Staatssicherheitsangelegenheiten oder moralischen Verfeh-
lungen voraussetze. Zum Zeitpunkt der Ausstellung des Urteils sei dieses
noch nicht rechtskräftig gewesen, weshalb eine Suspendierung darin noch
gar nicht habe verhängt werden können. Ferner habe sich ergeben, dass
die Beschwerdeführerin nicht an der Universität C._ in D._
unterrichtet habe, nicht als Professorin auf einer schwarzen Liste stehe und
kein Disziplinarverfahren gegen sie existiere. Ebenso sei nie eine Untersu-
chung gegen sie eingeleitet worden und es seien keinerlei Hinweise auf
eine Verurteilung vorhanden. Gegen sie sei kein Haftbefehl erlassen wor-
den.
Nach den Abklärungen der Schweizerischen Botschaft in Teheran gebe es
keine Hinweise dafür, dass gegen den Beschwerdeführer ermittelt werde.
Es existierten weder Untersuchungen der Staatsanwaltschaft noch sei ein
Verfahren gegen ihn eingeleitet worden.
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Am 20. Januar 2020 gewährte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden
mit separaten Schreiben das rechtliche Gehör zum Resultat der Bot-
schaftsabklärung.
E.
Mit Stellungnahme vom 5. Februar 2020 hielt die Beschwerdeführerin da-
ran fest, dass es sich bei den zwei eingereichten Gerichtsvorladungen so-
wie beim Urteil um echte Dokumente handle. Möglicherweise sei die
Schweizer Vertretung in Teheran nicht in der Lage, auf die Dokumente zu-
zugreifen, da die iranischen Behörden versuchen würden, die sie betref-
fenden Verfahren zu vertuschen. Die Staatsanwaltschaft verfüge nicht über
verschiedene Abteilungen und es sei denkbar, dass dort noch die alten
Formulare verwendet würden. (...). Bezüglich des falsch aufgeführten Ge-
setzesartikels gehe sie davon aus, dass das Revolutionsgericht einen Feh-
ler begangen habe. Das Urteil sei ausgesprochen worden, als sie sich nicht
mehr in Iran befunden habe. Deshalb sei auch bereits die Suspendierung
verhängt worden. Ihr Fall sei nach E._ weitergeleitet worden, weil
sie dort offiziell registriert gewesen sei. Sie könne sich nicht dazu äussern,
ob die im Urteil aufgeführte Rechtsmittelfrist korrekt sei, da ihr die nötigen
Fachkenntnisse fehlten. Sie vermute, dass es sich bei der angegebenen
Frist ebenfalls um einen Fehler seitens des Gerichts handle. Sie habe an
der Universität C._ in D._ nur für eine begrenzte Zeit unter-
richtet. Aufgrund der Gerichtsvorladungen sowie des Urteils habe sie nicht
mehr dort arbeiten können. Sie gehe davon aus, dass die iranischen Be-
hörden ihren Namen bei der Universität gelöscht hätten oder dass eine in-
offizielle geheime Liste bestehe, in der unerwünschte Personen aufgeführt
würden.
Der Beschwerdeführer bestätigte in seiner Stellungnahme vom 5. Februar
2020, dass gegen ihn kein offizielles Verfahren eröffnet worden sei. Er sei
nach einer Demonstration von Vertretern der iranischen Revolutionsgarde
festgehalten worden, deren Handlungen nicht dokumentiert würden.
F.
Das SEM hörte die Beschwerdeführerin am 19. Mai 2020 ergänzend zu
ihren Asylgründen an. Anlässlich dieser Anhörung ergänzte sie ihre Vor-
bringen folgendermassen:
Sie habe in der Zwischenzeit erfahren, dass sie in Iran in Abwesenheit ver-
urteilt worden sei. Die ausgesprochene Strafe seien Peitschenhiebe und
eine Haftstrafe. Sie dürfe nicht mehr als Dozentin tätig sein. Zudem sei ihr
Haus und ein kleines Ladenlokal in E._ vom Staat beschlagnahmt
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Seite 6
worden. Ihre Brüder hätten Anteilsrechte an diesen geerbten Grundstücken
und könnten sie deshalb als Privatkläger anzeigen. Ihr Exmann – der Vater
des Beschwerdeführers – sei ihretwegen ebenfalls in Schwierigkeiten ge-
raten. Die Universitätsbehörden hätten ihn bedroht und ihm vorgeworfen,
mit seinem Sohn und der Beschwerdeführerin zusammengearbeitet zu ha-
ben. Er habe die offenen Schuldscheine dieser privaten Universität bezah-
len müssen, weil der Beschwerdeführer dort nicht mehr erschienen sei. Bei
einer Rückkehr sei sie als geschiedene Frau auf sich alleine gestellt. Auf-
grund der Geschehnisse könne sie nicht mehr mit der Unterstützung ihrer
Familie rechnen und insbesondere nicht mehr bei ihrer Schwester wohnen.
Gemäss dem sozialen und staatlichen System in ihrem Heimatland sei sie
eine Schande für ihre Familie. Ihre Familienmitglieder würden sich als (...)
und zu ihrem eigenen Schutz dazu veranlasst sehen, Abstand von ihr zu
nehmen. Ferner leide sie unter Herzproblemen und hohen Cholesterinwer-
ten.
Als Nachweis für ihre gesundheitlichen Beschwerden reichte die Be-
schwerdeführerin einen kardiologischen Bericht vom 30. Juni 2020 sowie
einen ärztlichen Bericht vom 8. Juni 2020 zu den Akten, gemäss welchem
sie unter Anstrengungsdyspnoe, Schlafstörungen und «sofortigem Auftre-
ten von Herzklopfen» leide.
G.
Mit separaten Verfügungen vom 10. August 2020 – eröffnet am 11. August
2020 – verneinte die Vorinstanz erneut die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführenden, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie deren Vollzug.
H.
Gegen diese Entscheide erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingaben
vom 10. September 2020 separat Beschwerden beim Bundesverwaltungs-
gericht und beantragten die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügungen,
die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von
Asyl. Eventualiter seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen und als solche
vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Subeventualiter sei der Vollzug der
Wegweisungen wegen Unzumutbarkeit auszusetzen und die Beschwerde-
führenden seien in der Schweiz als Ausländerin beziehungsweise Auslän-
der vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur erneuten
Prüfung und Begründung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
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Seite 7
und um Bestellung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Verbei-
ständung.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
11. September 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).
J.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Verfügung vom 11. Septem-
ber 2020 den Eingang der Beschwerden und hielt fest, die Beschwerde-
führenden dürften den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz
abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerden ist einzutreten.
2.
Aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhangs sowie
aus verfahrensökonomischen Aspekten sind die Verfahren E-4472/2020
und E-4473/2020 von Amtes wegen zu vereinigen.
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3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um solche, weshalb das Urteil nur sum-
marisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 In ihrer Beschwerdeschrift wirft die Beschwerdeführerin der Vorinstanz
eine Verletzung der Begründungspflicht vor. Mithin habe sie behauptet, es
sei nicht plausibel, dass man die Beschwerdeführerin nach 24 Stunden be-
reits freigelassen und erst nach vier Monaten ein Verfahren eingeleitet
hätte, wenn sie eine Regierungsgegnerin wäre. Diese Behauptung habe
sie aber nicht belegt und damit ihre Begründungspflicht verletzt. Diese for-
melle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnte, eine
Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE
2013/34 E. 4.2).
5.2 Die verfahrensrechtliche Garantie der Begründungspflicht (Art. 35
VwVG) dient der rationalen und transparenten Entscheidfindung der Be-
hörden und soll die Betroffenen in die Lage versetzen, den Entscheid sach-
gerecht anzufechten. Die Behörde hat daher kurz die wesentlichen Über-
legungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Je weiter der Entscheidungsspielraum, je komplexer die
Sach- und Rechtslage und je schwerwiegender der Eingriff in die Rechts-
stellung der betroffenen Person, desto höhere Anforderungen sind an die
Begründung zu stellen (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/24 E. 3.2.1 f. m.w.H.;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 629 ff.).
5.3 Die Rüge der Verletzung der Begründungspflicht erweist sich vorlie-
gend als unbegründet. Die Vorinstanz hat in den angefochtenen Entschei-
den alle wesentlichen Vorbringen berücksichtigt und diese sodann einer
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Seite 9
Würdigung unterzogen. Die verfügende Behörde muss sich nicht aus-
drücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzen, sondern darf sich auf die wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken. Alleine der Umstand, dass die Vorinstanz nach
Würdigung der Parteivorbringen respektive der aktuellen Situation in der
Heimat der Beschwerdeführenden zu einem anderen Schluss als diese
kam, stellt keine Gehörsverletzung dar, sondern beschlägt die Frage der
materiellen Würdigung. Schliesslich hat die Vorinstanz in ihren Verfügun-
gen die wesentlichen Überlegungen genannt, von denen sie sich hat leiten
lassen, so dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war, wie die vorlie-
genden Beschwerden zeigen.
5.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweist sich die formelle
Rüge als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache
aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Ihre ablehnenden Asylentscheide begründete die Vorinstanz damit,
dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden unglaubhaft seien.
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Die Beschwerdeführerin habe nicht überzeugend darlegen können, wes-
halb sie trotz des einhergehenden Risikos einer harten Verurteilung ihren
regimekritischen Artikel unter ihren Kollegen und Kolleginnen sowie eini-
gen Studierenden verteilt habe, ohne besondere Vorsichtsmassnahmen zu
treffen. Es erscheine vernunftwidrig, einen regimefeindlichen Artikel – wie
von ihr dargelegt – an einem öffentlichen und gut besuchten Ort zu vertei-
len. Ihre Ausführungen seien teilweise widersprüchlich ausgefallen. In der
ersten Befragung vom 22. Mai 2019 habe sie dargelegt, wegen des Ver-
fassens eines Artikels über die Fremdwährungskrise in Schwierigkeiten ge-
raten zu sein. In der ergänzenden Anhörung vom 19. Mai 2020 habe sie im
Gegensatz dazu von mehreren Artikeln gesprochen, welche ihr zum Ver-
hängnis geworden seien. Anlässlich der ersten Befragung habe sie zu Pro-
tokoll gegeben, dass zwei Männer und eine Frau sie befragt und gepeinigt
hätten. Im Widerspruch dazu sei in der ergänzenden Anhörung von meh-
reren Personen die Rede gewesen, welche sie belästigt haben sollen. Es
hätten sich während des Verhörs drei bis vier Personen im Raum befun-
den. Während sie in der ersten Befragung angegeben habe, dass die Män-
ner sie alle paar Stunden alleine gelassen hätten, habe sie in der Anhörung
vom 17. Juli 2019 ausgeführt, sich nie alleine im Raum befunden zu haben.
In derselben Anhörung habe sie geschildert, dass die Frau, die sie festge-
nommen habe und welche anfänglich an der Befragung beteiligt gewesen
sei, nach einiger Zeit verschwunden und erst am nächsten Tag wieder er-
schienen sei, wobei diese ihr ein Tuch und einen alten Tschador übergeben
habe. Demgegenüber habe sie im Rahmen der ergänzenden Anhörung
ausgesagt, dass es sich bei der Frau, welche nach ihrer Freilassung im
Auto mitgefahren sei und ihr dort einen Tschador gegeben habe, nicht um
dieselbe Frau gehandelt habe, welche an ihrer Festnahme beteiligt gewe-
sen sei. Die in der Anhörung vom 17. Juli 2019 erwähnte Hausdurchsu-
chung während ihrer Festnahme habe sie in der Befragung vom 22. Mai
2019 mit keinem Wort erwähnt. Hätte man sie tatsächlich als Regierungs-
gegnerin eingestuft, sei nicht davon auszugehen, dass man sie nach 24
Stunden wieder freigelassen und erst rund vier Monate später durch die
Staatsanwaltschaft vorgeladen hätte. Zudem sei zu erwarten, dass ihr das
Unterrichten an der Universität untersagt worden wäre, wenn etwas gegen
sie vorgelegen hätte. Das Ergebnis der Botschaftsanfrage habe sie mit den
Ausführungen in ihrer Stellungnahme nicht umstossen können (vgl. obige
Zusammenfassung unter Bst. D und E). Die Aussage, dass die Bezeich-
nung "I._" nicht auf dem Urteil zu finden sei, müsse von der Hand
gewiesen werden. Im linken unteren Teil des Urteils stehe zweifelsfrei in
Farsi die Bezeichnung "H._", auf Deutsch "I._". Dieser Be-
griff existiere in der iranischen Justiz nicht. Ihre Behauptung, dass ihr Ver-
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Seite 11
fahren nach E._ weitergeleitet worden sei, weil sie dort offiziell re-
gistriert gewesen sei, sei unzutreffend. Die Abklärungen der Schweizer
Vertretung in Teheran hätten nämlich ergeben, dass sie zuletzt an der von
ihr angegeben Adresse in Teheran offiziell registriert gewesen sei. Auch
ihre geäusserte Vermutung, aufgrund ihres begrenzten Anstellungszeit-
raums nicht in der Universität C._ als Professorin registriert zu sein,
überzeuge nicht. Es sei zu erwarten, dass sie als langjährige Lehrperson
der Universität auch ohne Festanstellung dort vermerkt worden sei.
Die Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf seine Demonstrati-
onsteilnahme am 1. Januar 2018 sowie die darauffolgende Inhaftierung
und Befragung entbehrten der Asylrelevanz. Sie stünden in keinem genü-
gend engen Kausalzusammenhang zu seiner Ausreise am 20. März 2019.
Die geltend gemachten Beobachtungen und Hausdurchsuchungen, wel-
che er infolge der Demonstrationsteilnahme erlitten habe, seien nicht der-
artig intensiv, um eine asylrelevante Verfolgung zu begründen. Zudem sei
es nicht glaubhaft, dass die iranischen Behörden lediglich aufgrund einer
einmaligen Teilnahme an einer Demonstration ein derartiges Interesse an
ihm hegen würden, dass er mit einer erneuten Festnahme zu rechnen
hätte. Ferner verfüge er nicht über ein politisches Profil, um in den Augen
der iranischen Behörden als Regimegegner zu erscheinen. Gestützt werde
diese Einschätzung durch den Umstand, dass er sein Heimatland legal auf
dem Luftweg verlassen habe. Im Übrigen würden mehrere Punkte in den
Befragungsprotokollen Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen
begründen. Er habe in Bezug auf seine Festnahme mehrere Details nen-
nen können, welche angesichts seiner Behauptung, er habe zu diesem
Zeitpunkt verbundene Augen gehabt, überraschend seien. Unglaubhaft sei
zudem, dass er keine genauen Angaben zu den Umständen seiner Frei-
lassung und der diesbezüglichen Unterstützung durch seinen Vater habe
machen können. Seine angegebenen Beweggründe für die spontane Teil-
nahme an der Demonstration würden ebenfalls nicht überzeugen. Seiner
geltend gemachten Furcht vor einer Reflexverfolgung sei aufgrund der fest-
gestellten Unglaubhaftigkeit der Vorbringen seiner Mutter die Grundlage
entzogen.
Betreffend die geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten hielt die Vor-
instanz fest, dass die angegebenen Blogs nicht geeignet seien, eine asyl-
relevante Verfolgungsgefahr der Beschwerdeführenden zu begründen. Die
auf der Webseite angegebene Kontaktperson lasse keine Rückschlüsse
auf sie zu. Die Aussage der Beschwerdeführerin, dass ihr Exmann infolge
der Blogeinträge bedroht worden sei, sei vor dem Hintergrund ihrer un-
glaubhaften Asylvorbringen ebenfalls nicht glaubhaft.
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Seite 12
7.2 Dem entgegnen die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde, dass
sie aufgrund ihrer emotionalen, lebendigen, detaillierten und mit Realkenn-
zeichen versehenen Schilderungen ihre Flüchtlingseigenschaft glaubhaft
gemacht hätten. Insbesondere habe die Beschwerdeführerin die verbale
und körperliche Belästigung, welche sie während dem Verhör erlitten habe,
glaubhaft und ausführlich schildern können. Sie habe ihre Artikel nur einem
kleinen, vertrauten Personenkreis zur Verfügung gestellt. Mit dem betroffe-
nen Freundeskreis habe sie regelmässig über verschiedene Probleme der
iranischen Gesellschaft und des Staates diskutiert. Sie habe ihren Bekann-
ten und Studierenden vertraut, weshalb sie nicht damit gerechnet habe,
dass jemand sie verraten würde. In Iran sei es sicherer, sich als Gruppe an
einem gut frequentierten Ort im öffentlichen Raum zu treffen als bei jeman-
dem zuhause. Dort würde nämlich die Gefahr bestehen, dass man von
Nachbarn bei den Behörden denunziert werde. Betreffend die Anzahl der
Artikel, welche die Beschwerdeführerin verfasst und verteilt habe, bestehe
kein Widerspruch. Sie habe schon in der ersten Befragung angegeben,
mehrere Artikel verfasst zu haben und habe sich dort lediglich auf denjeni-
gen Artikel konzentriert, der primär die Verfolgung durch den Herassat aus-
gelöst habe. Der von der Vorinstanz genannte Widerspruch in Bezug auf
die Artikel, welche im Verhör in Iran angesprochen worden seien, gründe
auf ein Missverständnis. Als nachgefragt worden sei, ob die Befragungs-
personen über alle Artikel verfügt hätten, welche sie verfasst habe, habe
sie nämlich die Übersetzung nicht abgewartet. Deshalb sei sie nicht in der
Lage gewesen, die Unklarheit aufzulösen. Sie habe nicht zweifelsfrei dar-
legen können, wie viele Personen am Verhör beteiligt gewesen seien, weil
ihre Augen verbunden gewesen seien. Auch bezüglich der Frage, ob sie
während des Verhörs für einige Zeit alleine gelassen worden sei, habe sich
ein Missverständnis ergeben. Mit "alleine gelassen" habe sie nämlich ge-
meint, dass sie in dieser Zeit nicht berührt worden sei. Hingegen habe sie
gespürt, dass ständig mindestens eine Person anwesend gewesen sei.
Hinsichtlich ihrer Aussage, bei ihrer Festnahme und bei ihrer Freilassung
seien zwei verschiedene Frauen dabei gewesen, müsse es sich um einen
Übersetzungsfehler handeln. Die Angaben in der ergänzenden Anhörung,
es habe sich um zwei verschiedene Frauen gehandelt, sei korrekt. Der Um-
stand, dass sie die Hausdurchsuchung während ihrer Inhaftierung nicht er-
wähnt habe, gründe darauf, dass sie in der ersten Befragung nicht genü-
gend Zeit gehabt habe, die Vorkommnisse zu schildern. Betreffend das zu
erwartende Vorgehen der iranischen Behörden habe sich die Vorinstanz
primär auf das Plausibilitätskriterium gestützt. Die Plausibilität sei jedoch
als kultur- und persönlichkeitsabhängiges Konzept zu verstehen, weshalb
bei dessen Anwendung als Glaubhaftigkeitskriterium Vorsicht angezeigt
sei. Es sei überdies nachvollziehbar, dass sie als blosse Verdächtige nach
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kurzer Zeit aus der Haft entlassen worden sei. Es sei davon auszugehen,
dass sie zwischen der Haft und ihrer Ausreise beobachtet und erst vorge-
laden worden sei, als die Staatsanwaltschaft genügend Beweise für eine
Anklageerhebung gesammelt habe. In Bezug auf die Ergebnisse der Bot-
schaftsabklärung wird in der Beschwerde unter Verweis auf die in der Stel-
lungnahme erwähnten Einwände bekräftigt, dass diese nicht korrekt seien
und es sich bei den eingereichten gerichtlichen Unterlagen um echte Do-
kumente handle (vgl. obige Zusammenfassung unter Bst. E). Ergänzend
macht die Beschwerdeführerin diesbezüglich geltend, dass bei iranischen
Revolutionsgerichten tätige Richter oft eine ungenügende juristische Aus-
bildung hätten und nicht unabhängig seien. Dies könne der Grund dafür
sein, weshalb im eingereichten Urteil veraltete Gesetze angewandt würden
und die verhängten Strafen nicht mit den einschlägigen Gesetzesartikeln
übereinstimmten. Die Bezeichnung "H._" bedeute nicht nur
"I._" sondern auch "J._". Im deutschen Sprachgebrauch
würde dies wahrscheinlich dem Begriff "K._" entsprechen. Der offi-
zielle Wohnsitz und die Liegenschaft der Beschwerdeführerin hätten sich
in E._ befunden. Weil sie sich zum Zeitpunkt der Verurteilung nicht
mehr in Iran aufgehalten habe und in Teheran nur als Wochenaufenthalte-
rin angemeldet gewesen sei, sei der Fall nach E._ weitergeleitet
worden. Ebenfalls aufgrund ihrer Ausreise sei die Suspendierung bereits
ausgesprochen worden. Für die Ahndung ihres Vergehens sei das Revolu-
tionsgericht zuständig, weshalb vonseiten der Universität kein Disziplinar-
verfahren gegen sie eingeleitet worden sei. Aufgrund ihrer frauenspezifi-
schen Vorbringen und insbesondere in Anbetracht der erlittenen sexuellen
Gewalt müsse sie auch in Zukunft mit einer Verfolgung rechnen. Wegen
der Mängel im iranischen Strafverfahren und dem fehlenden Schutz von
gewaltbetroffenen Frauen habe sie keinen Zugang zu einem unabhängi-
gen Gericht oder zu aussergerichtlichen Schutzinstitutionen. Indem sie
sich an kritischen Diskussionen mit Studierenden und Bekannten beteiligt
habe sowie durch die Verfassung kritischer Texte habe sie ihre Abneigung
gegenüber dem iranischen Staat dargetan und befürchte deshalb eine po-
litisch motivierte Verfolgung. Aufgrund der Asylgründe der Mutter sei be-
treffend den Beschwerdeführer als deren nächster Angehöriger von einer
Reflexverfolgung auszugehen.
Unter Verweis auf verschiedene Berichte machen die Beschwerdeführen-
den geltend, dass von den iranischen Behörden nicht nur überaus expo-
nierte Kritiker, sondern auch niederschwellige Aktivisten und Aktivistinnen
verfolgt würden. Als Professorin einer iranischen Universität, welche unter
den Studierenden regimekritische Artikel verteilt habe, sei die Beschwer-
deführerin exponiert und steche aus der Masse der Unzufriedenen heraus.
E-4473/2020, E-4472/2020
Seite 14
Die von den Beschwerdeführenden erstellten Blogs würden eine Verfol-
gung aufgrund exilpolitischer Tätigkeiten begründen.
8.
8.1 Die Vorinstanz ist zur zutreffenden Einschätzung gelangt, dass die Vor-
bringen der Beschwerdeführenden unglaubhaft sind. Um Wiederholungen
zu vermeiden, ist auf die Erwägungen in den angefochtenen Verfügungen
zu verweisen.
8.2 Im Urteil E-3987/2019, E-3990/2019 vom 27. September 2019 hat sich
das Bundesverwaltungsgericht bereits mit den geltend gemachten Asyl-
gründen der Beschwerdeführenden befasst. Betreffend die vom Beschwer-
deführer geltend gemachten Schwierigkeiten infolge seiner Demonstrati-
onsteilnahme hielt es fest, dass diese aufgrund der ungenügenden Inten-
sität und mangels sachlichem und zeitlichem Kausalzusammenhang zur
Ausreise der Asylrelevanz entbehrten (vgl. dort E. 7.3 in fine). Dies wird im
Übrigen vom Beschwerdeführer in der vorliegenden Beschwerde nicht be-
stritten. In obengenanntem Urteil ist das Bundesverwaltungsgericht aus-
serdem zum Schluss gekommen, dass die Prüfung der Vorbringen der Be-
schwerdeführerin weiterer Sachverhaltsabklärungen bedarf und dass die
Vorinstanz bei der Glaubhaftigkeitsprüfung nur diejenigen Elemente ge-
wichtet hat, welche gegen die Glaubhaftigkeit sprechen (vgl. a.a.O. E. 7.3
und E. 8). Das SEM hat in der Folge die Beschwerdeführenden dem erwei-
terten Verfahren zugeteilt, eine Botschaftsabklärung durchgeführt und die
Beschwerdeführerin erneut angehört. Die vorinstanzlichen Untersuchun-
gen haben ergeben, dass die von den Beschwerdeführenden eingereich-
ten gerichtlichen Dokumente als Totalfälschungen zu qualifizieren sind (vgl.
oben Bst. D und E. 7.1). Es besteht aufgrund der Aktenlage keine Veran-
lassung, am Ergebnis der umfassenden Botschaftsabklärung zu zweifeln.
Die in den Stellungnahmen vom 5. Februar 2020, in der ergänzenden An-
hörung der Beschwerdeführerin und in der Beschwerde erwähnten Ein-
wände in Bezug auf diese Abklärungen sind nicht geeignet, deren Erkennt-
nisse umzustossen. Die Abweichungen der Gerichtsvorladungen sowie
des Urteils von Vergleichsmaterial in zahlreichen Aspekten, insbesondere
die Verwendung von längst nicht mehr aktuellen Formularen, lassen sich
vor dem Hintergrund der Uniformität von offiziellen iranischen Dokumenten
nicht erklären (vgl. UK Home Office, Country Background Note: Iran, Okto-
ber 2019, S. 31, < https://assets.publishing.service.gov.uk/government/
uploads/system/uploads/attachment_data/file/846809/Iran_-_
Background_-_CPIN_-_v6.0_-_Nov_2019_-_EXT.pdf >, abgerufen am
4. November 2020). Die Angabe von falschen Gesetzesartikeln oder unzu-
ständigen Gerichten sowie (...), sind typische Hinweise, welche darauf
E-4473/2020, E-4472/2020
Seite 15
schliessen lassen, dass ein Gerichtsdokument gefälscht ist (vgl. a.a.O.).
Insbesondere der Erklärungsversuch der Beschwerdeführerin, Richter des
Revolutionsgerichts hätten nur eine ungenügende juristische Ausbildung,
vermag die zahlreichen Ungereimtheiten in den vorliegenden Gerichtsdo-
kumenten nicht aufzulösen. Ebenfalls unglaubhaft ist die Behauptung,
dass sie aufgrund ihres befristeten Anstellungsverhältnisses nicht als Lehr-
person aufgeführt sein soll beziehungsweise, dass eine inoffizielle Liste der
Universität bestehe, auf der unerwünschte Personen aufgeführt würden.
Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, ist angesichts der behaupte-
ten langjährigen Tätigkeit davon auszugehen, dass ihr Name dort registriert
gewesen wäre. Aufgrund der Erkenntnis, dass sie nicht als Lehrperson an
der Universität C._ in D._ tätig gewesen ist, ist ihren vorge-
brachten Asylgründen überdies die Grundlage entzogen. Somit ist auch die
vorgebrachte Reflexverfolgung des Beschwerdeführers unglaubhaft. Ein
weiteres Sachverhaltselement, welches dafür spricht, dass die Beschwer-
deführenden zum Zeitpunkt ihrer Ausreise keine asylrelevante Verfolgung
zu befürchten hatten, ist der Umstand, dass sie legal mit ihren eigenen
Reisepässen und einem Touristenvisum ausreisen konnten (vgl. SEM-Ak-
ten 1039645-13/12 [nachfolgend: A13/12] F15–18; 1039656-9/6 Zif-
fer 5.04).
8.3 Es ist der Beschwerdeführerin dahingehend zuzustimmen, dass ihre
Beschreibung der erlittenen sexuellen Gewalt mehrere Realkennzeichen
enthält (vgl. insbesondere SEM-Akten A13/12 F20, F28, F37; 1039645-
40/14 F14–29). Sie hat die Übergriffe detailliert und kongruent beschrie-
ben. Die diesbezügliche Unglaubhaftigkeitsargumentation der Vorinstanz
überzeugt teilweise nicht. Insbesondere ist nachvollziehbar, dass die Be-
schwerdeführerin aufgrund ihrer verbundenen Augen nicht genau angeben
konnte, wie viele Personen an der Peinigung beteiligt gewesen waren. Ob-
wohl diese Vorbringen eher als glaubhaft zu qualifizieren sind, ist in einer
Gesamtwürdigung aus obenstehenden Gründen davon auszugehen, dass
sich diese in einem anderen zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang
ereignet haben, deren Umstände dem Bundesverwaltungsgericht nicht be-
kannt sind. Eine asylrelevante Verfolgungsgefahr lässt sich daraus jeden-
falls nicht ableiten. Ergänzend ist denn auch festzustellen, dass das Asyl-
recht nicht zur Wiedergutmachung von geschehenem Unrecht dient, wes-
halb die Misshandlung als solche nicht als Grund für die Gewährung der
Flüchtlingseigenschaft zu genügen vermag.
8.4 Es ist bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten
ihrer Staatsbürger/-innen auch im Ausland überwachen und erfassen. Al-
E-4473/2020, E-4472/2020
Seite 16
lerdings geht das Gericht davon aus, dass die iranischen Sicherheitsbe-
hörden durchaus in der Lage sind, zwischen politisch engagierten irani-
schen Staatsangehörigen, die das Regime zu gefährden vermögen, und
exilpolitisch engagierten Personen, die es geradezu darauf anlegen, sich
durch ihre Aktionen bekannt zu machen, zu unterscheiden. Es ist anzuneh-
men, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Per-
sonen konzentrieren, die über die massentypischen und niedrigprofilierten
Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrge-
nommen und/oder Aktivitäten entwickelt haben, die die jeweilige Person
aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als
ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen (vgl. BVGE
2009/28 E. 7.4.3; vgl. auch das Referenzurteil D-830/2016 vom 20. Juli
2016 E. 4.2; bestätigt im Urteil E-3268/2020 vom 16. Juli 2020, E. 7.3.).
Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden keine Vorverfol-
gung glaubhaft machen konnten. Es ist daher wie erwähnt nicht davon aus-
zugehen, dass sie vor der Ausreise aus ihrem Heimatland als regimefeind-
liche Personen ins Blickfeld der Behörden geraten sind.
In Bezug auf den von den Beschwerdeführenden erstellten Blog ist die Vor-
instanz zur zutreffenden Einschätzung gelangt, dass dieser keine subjekti-
ven Nachfluchtgründe zu begründen vermag. Die angegebene Webseite
lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Beschwerdeführenden zu. Stattdes-
sen wird dort als Kontaktperson eine Person angezeigt, welche in keinem
erkenntlichen Zusammenhang mit diesen steht (vgl. [...], abgerufen am
4. November 2020). Andere exilpolitische Tätigkeiten machen sie nicht gel-
tend. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass sie aufgrund des Blogs
aus Sicht der iranischen Behörden als Regimegegner beziehungsweise
Regimegegnerin erscheinen. In der Beschwerdeschrift wird nichts vorge-
bracht, was an dieser Einschätzung etwas zu ändern vermag.
Schliesslich ist der Hinweis auf die Strafen, welche in Iran infolge einer
illegalen Ausreise drohen, unbeachtlich, zumal die Beschwerdeführenden
ihr Heimatland legal mit einem Touristenvisum verlassen haben.
8.5 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge-
bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher ihre Asylgesu-
che zu Recht abgelehnt.
9.
E-4473/2020, E-4472/2020
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9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
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Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu-
ation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
10.4 Die allgemeine Lage in Iran zeichnet sich nicht durch eine Situation
allgemeiner Gewalt aus, obwohl die Staatsordnung als totalitär zu bezeich-
nen ist und die allgemeine Situation in verschiedener Hinsicht problema-
tisch sein kann. Selbst unter Berücksichtigung dieser Umstände wird der
Vollzug der Wegweisung nach Iran gemäss konstanter Praxis grundsätz-
lich als zumutbar erachtet (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-4643/2020
vom 23. Oktober 2020 E. 8.5.2 m.w.H.).
Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, erscheint eine Rückkehr
der Beschwerdeführenden nach Iran auch in individueller Hinsicht zumut-
bar. Den Akten lassen sich keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme
finden, die Beschwerdeführenden würden dort aus individuellen Gründen
wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedro-
hende Situation geraten. Aufgrund der unglaubhaften Angaben der Be-
schwerdeführerin zu ihrer beruflichen Laufbahn ist es dem Gericht nicht
möglich, sich in voller Kenntnis ihrer tatsächlichen Verhältnisse zur Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs zu äussern. Sie hat die Folgen ihrer
mangelhaften Mitwirkung zu tragen, indem vermutungsweise davon aus-
zugehen ist, dass keine Wegweisungsvollzugshindernisse in Bezug auf ihr
E-4473/2020, E-4472/2020
Seite 19
Heimatland vorliegen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen
gesunden, gebildeten und alleinstehenden Mann im arbeitsfähigen Alter.
Mehrere Verwandte befinden sich nach wie vor im Heimatland. Da sich die
Asylvorbringen der Beschwerdeführerin als unglaubhaft erwiesen haben,
verläuft auch ihre Behauptung, ihre Familie habe sich wegen ihrer Schwie-
rigkeiten von ihr abgekehrt, ins Leere. Zudem widerspricht sie ihren Anga-
ben anlässlich der Anhörung vom 17. Juli 2019, sie habe nach wie vor Kon-
takt zu ihrem jüngeren Bruder und ihrer Schwester, welche ihr auch bei der
Beschaffung von Beweismitteln geholfen habe (vgl. SEM-Akten 1039645-
17/11 F4–11). Insofern ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführen-
den bei einer Rückkehr auf die Unterstützung ihres verwandtschaftlichen
Beziehungsnetzes zurückgreifen können. Es ist nicht davon auszugehen,
dass sie in ihrem Heimatland in eine finanzielle und soziale Notlage gera-
ten würden, zumal ihnen auch die Möglichkeit offensteht, in der Schweiz
finanzielle Rückkehrhilfe zu beantragen.
Die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerde-
führerin (Diabetes, hohe Cholesterinwerte, Anstrengungsdyspnoe, Schlaf-
störungen und sofortiges Auftreten von Herzklopfen) erreichen nicht die er-
forderliche Schwere, um die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in
Frage zu stellen.
Schliesslich ist festzuhalten, dass die aktuelle Lage im Zusammenhang mit
der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) grundsätzlich nicht geeignet ist,
die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Die An-
ordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshinder-
nis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine ge-
wisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt.
Andernfalls ist dem temporären Hindernis im Rahmen der Vollzugsmodali-
täten Rechnung zu tragen. Soweit derzeit feststellbar, handelt es sich bei
der Coronavirus-Pandemie allenfalls um ein temporäres Vollzugshindernis.
Es obliegt somit den kantonalen Behörden, der Entwicklung der Situation
bei der Wahl des Zeitpunkts des Vollzugs in angemessener Weise Rech-
nung zu tragen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni
2020 E. 9.6 m.w.H.).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
10.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi-
gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
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auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und um amtliche Rechtsverbeiständung sind unbesehen
der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführenden abzuweisen, da
die Beschwerden gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos
zu bezeichnen sind und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zu
deren Gewährung fehlt. Mit dem vorliegenden Urteil sind die Anträge auf
Verzicht eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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