Decision ID: a06f4e33-cab3-4305-ad84-9f2c77f75978
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
F._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Barbara Wyler, Zürcherstrasse 191, Post-
fach 1011, 8501 Frauenfeld,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a F._ meldete sich am 29. März 2004 zum Bezug von IV-Leistungen an und
beantragte namentlich eine Rente (act. G 5.1). Gestützt auf das Gutachten von Dr.
med. A._, Orthopädie FMH, vom 15. November 2004, in welchem dieser dem
Versicherten eine Osteochondrose L5/S1, eine Coxarthrose und Deformation des
Femurkopfs links nach Morbus Perthes, eine Beinverkürzung links und
Wirbelsäulenfehlhaltung sowie eine leichte Spondylarthrose L3-L5 diagnostiziert und
eine Arbeitsunfähigkeit von 30% für eine adaptierte Tätigkeit attestiert hatte (act. G
5.19), lehnte die IV-Stelle das Rentengesuch mit Verfügung vom 18. April 2005 bei
einem ermittelten Invaliditätsgrad von 30% ab (act. G 5.32). Eine hiergegen erhobene
Einsprache wies sie mit Entscheid vom 10. Oktober 2005 ab (act. G 5.43). Mit
Beschwerde vom 10. November 2005 beantragte der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin Barbara Wyler, die Aufhebung des Einspracheentscheids. Er machte im
Wesentlichen geltend, er habe sich am 10. August 2005 einer Hüft-TP-Operation mit
Beinverlängerung unterzogen, wobei es zu einer Verletzung des Nervus peronaeus
gekommen sei. Dies habe eine Fusshebeparese zur Folge gehabt, wodurch eine
wesentliche Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit eingetreten sei (act. G 5.44).
Nachdem das Beschwerdeverfahren vorübergehend sistiert worden war, widerrief die
IV-Stelle am 16. Mai 2006 den Einspracheentscheid vom 10. Oktober 2005; sie
beantragte die Abschreibung des Beschwerdeverfahrens und stellte weitere
Abklärungen in Aussicht (act. G 5.62 f.). Am 16. August 2006 schrieb das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen das Beschwerdeverfahren ab (act. G
5.70).
A.b Nach Intervention durch die Vertreterin des Versicherten holte die IV-Stelle, die das
Verfahren in der Zwischenzeit irrtümlich abgeschlossen hatte, im Januar 2008 einen
Bericht des Hausarztes des Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, ein. Dieser attestierte dem Versicherten am 8. Januar 2008, unter
Beilage weiterer Arztberichte, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 1. Dezember 2003
bis auf Weiteres (act. G 5.75). Zudem holte die IV-Stelle ein Verlaufsgutachten bei Dr.
A._ ein. Im Gutachten vom 17. Juni 2008 diagnostizierte dieser eine
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Hüfttotalprothese links, eine Läsion des Nervus peronaeus links sowie einen St. n.
Diskushernienoperation L5/S1 1996, Osteochondrose. In einer adaptierten Tätigkeit
betrage die Arbeitsunfähigkeit nach wie vor 30%, wobei diesbezüglich infolge der
Nervenläsion nicht wiederholt Distanzen von über 15 m zu überwinden sein sollten (act.
G 5.81).
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 8. Oktober 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass sie sein Rentengesuch ablehnen werde (act. G 5.90). Hiergegen erhob
die Vertreterin des Versicherten am 10. November 2008 Einwand. Sie machte u.a.
geltend, es werde noch abgeklärt, ob eine Peronaeus-Reparation möglich sei.
Diesbezüglich habe am 7. November 2008 eine Besprechung bei Prof. Dr. med. C._,
Facharzt für Anästhesiologie, stattgefunden, deren Ausgang noch nicht bekannt sei
(act. G 5.93).
B.b Mit Bericht vom 5. Dezember 2008 teilte Dr. C._ mit, am 19. November 2008 sei
der Fall des Versicherten interdisziplinär besprochen worden. Es erscheine ihm
ausgeschlossen, dass sich der Versicherte von diesem neurologischen Defizit erholen
werde (act. G 5.99).
B.c Mit Verfügung vom 12. Januar 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch des
Versicherten bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 37% ab. Aus medizinischer
Sicht sei es ihm nach wie vor zumutbar, eine leidensangepasste Tätigkeit zu 70%
auszuführen (act. G 5.107).
C.
C.a Mit Eingabe vom 12. Februar 2009 erhebt die Vertreterin des Versicherten
Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom 12. Januar 2009 sei aufzuheben. Es sei
dem Beschwerdeführer rückwirkend ab Anmeldung, d.h. ab 29. März 2004, eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen. Falls eine Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers wider
Erwarten für möglich gehalten werde, sei die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, und es sei diese zu verpflichten, ein
interdisziplinäres Gutachten (Orthopäde, Rheumatologe, Neurologe) durch eine
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unabhängige Gutachterstelle anfertigen zu lassen. Für den Fall, dass eine
Erwerbsfähigkeit bestätigt werde, seien berufliche Massnahmen in die Wege zu leiten,
und es sei konkret eine Verweisungstätigkeit anzugeben. Dem Beschwerdeführer sei
die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Zur Begründung führt die Vertreterin
im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer sei zu 100% arbeitsunfähig. Dr. A._
gehe in seinem Gutachten davon aus, dass der Beschwerdeführer als Taxifahrer tätig
sein könne. Dies treffe jedoch nicht zu. Anlässlich einer Untersuchung sei festgestellt
worden, dass der Beschwerdeführer als Taxifahrer nicht tauglich sei und gar nicht zur
Taxiprüfung zugelassen werde. Die Einschätzung von Dr. A._, wonach der
Beschwerdeführer zu 70% arbeitsfähig sei, zeige nur die orthopädische, nicht aber die
neurologische Sichtweise. Folglich berufe sich die Beschwerdegegnerin auf
unvollständige medizinische Akten. Sie wäre verpflichtet gewesen, eine interdisziplinäre
Abklärung vorzunehmen, "mindestens bestehend aus einem Orthopäden, eventuell
Rheumatologen und einem Neurologen" (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. März 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, in
medizinischer Hinsicht könne auf das Gutachten von Dr. A._ abgestellt werden.
Diesem sei die Problematik der postoperativen Peronaeusläsion bekannt gewesen. Er
habe die beim Beschwerdeführer konkret vorhandenen Befunde und Einschränkungen
geschildert. Demnach sei nicht zu bezweifeln, dass er das nötige Fachwissen besitze,
um die Auswirkungen der mit dem operativen Eingriff zusammenhängenden
neurologischen Problematik auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit kompetent beurteilen
zu können. Ob die vom Beschwerdeführer ehemals in seiner Heimat ausgeübte
Tätigkeit als Taxifahrer als ihm noch mögliche adaptierte Tätigkeit anzusehen sei,
könne offen bleiben (act. G 5).
C.c Am 31. März 2009 wird dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt (act. G 6; fälschlicherweise mit 31. Januar 2009 datiert).
C.d Mit "Noveneingabe" vom 16. April 2009 reicht die Vertreterin des
Beschwerdeführers einen Bericht von Dr. med. D._, Eidg. Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, Akupunktur TCM, vom 2. Februar 2009 ein, wonach der
Beschwerdeführer unter einer depressiven Störung schweren Ausmasses mit
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psychotischen Symptomen leide, zu welcher ein somatisches Syndrom gehöre, dessen
einzelne Symptome sich mit denen der körperlichen Erkrankung vermischten. Dr. D._
empfehle dringend eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung, auch
medikamentös (act. G 8 f.). Mit erneuter "Noveneingabe" vom 24. April 2009 reicht die
Vertreterin des Beschwerdeführers ein Schreiben von sich an Dr. med. E._,
Spezialarzt für Neurologie FMH, vom 6. April 2009, sowie dessen Antwortschreiben an
sie vom 9. April 2009 ein (act. G 10 ff.).
C.e Mit Stellungnahme vom 28. April 2009 macht die Beschwerdegegnerin geltend, es
falle auf, dass die medizinischen Unterlagen bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 12. Januar 2009 keinerlei Hinweise für das Vorliegen eines psychischen
Gesundheitsschadens enthielten. Auch in der Beschwerdeschrift vom 12. Februar 2009
sei kein psychisches Leiden geltend gemacht und auch nicht darauf hingewiesen
worden, dass in der Zwischenzeit eine psychiatrische Abklärung stattgefunden habe.
Da die Untersuchung bei Dr. D._ nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens
stattgefunden habe und die medizinischen Unterlagen bis zu jenem Zeitpunkt keinerlei
Hinweis für das Vorliegen eines (invalidisierenden) psychischen Gesundheitsschadens
enthalten hätten, könne der Bericht von Dr. D._ für das vorliegende
Beschwerdeverfahren keine Berücksichtigung finden. Dem Beschwerdeführer stehe es
frei, sich gestützt auf diesen Bericht neu zum Leistungsbezug anzumelden (act. G 12).
C.f Mit Replik vom 15. Mai 2009 hält die Vertreterin des Beschwerdeführers an ihren
Anträgen fest. Sie bringt im Wesentlichen vor, bei dessen psychischen Beschwerden
handle es sich nicht um eine neue Erscheinung, sondern um eine seit langem
bestehende psychiatrisch relevante Entwicklung einer depressiven Störung. Die
Überweisung des Beschwerdeführers durch seinen Hausarzt an Dr. D._ sei einige
Zeit vor dem 12. Januar 2009 (Datum der angefochtenen Verfügung) erfolgt, und es sei
reiner Zufall, dass die medizinische Abklärung erst am 19. Januar 2009 vorgenommen
worden sei. Die schwere psychiatrische Erkrankung des Beschwerdeführers stehe in
engem Sachzusammenhang mit dem Verlauf seines somatischen Syndroms, dessen
einzelne Symptome sich mit denen der körperlichen Erkrankung vermischten (act. G
14).
C.g Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (act. G 16).
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C.h Mit "Noveneingabe" vom 1. Juli 2009 reicht die Vertreterin des Beschwerdeführers
ein Schreiben von sich an Dr. D._ vom 12. Juni 2009 sowie dessen Antwortschreiben
an sie vom 29. Juni 2009 ein (act. G 18 ff.).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E.
1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 12.
Januar 2009, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der
revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher
und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche
noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1).
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
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einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.
3.1 In medizinischer Hinsicht stützt die Beschwerdegegnerin die angefochtene
Verfügung auf die orthopädischen Gutachten von Dr. A._ vom 15. November 2004
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(act. G 5.19) und vom 17. Juni 2008 (act. G 5.81), in welchen dieser dem
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit jeweils eine 70%ige Arbeitsfähigkeit
attestiert hat. Der Beschwerdeführer bringt hiergegen im Wesentlichen vor, gemäss
Berichten der behandelnden Ärzte sei er zu 100% arbeitsunfähig. Dr. A._ gehe davon
aus, ihm (dem Beschwerdeführer) sei die Tätigkeit als Taxifahrer zumutbar; dies treffe
nicht zu. Aufgrund der neurologischen Beurteilung von Dr. E._ sei er auch in keiner
anderen Tätigkeit erwerbsfähig. Dr. A._ sei Orthopäde und könne nur auf seinem
Fachgebiet medizinisch gültige Aussagen machen. Die Beschwerdegegnerin wäre
verpflichtet gewesen, eine interdisziplinäre Abklärung (orthopädisch, eventuell
rheumatologisch und neurologisch) vorzunehmen.
3.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers vermag der Umstand allein, dass
ihm die behandelnden Ärzte eine höhere Arbeitsunfähigkeit attestieren als Dr. A._, die
Beweiskraft der Gutachten nicht zu entkräften. So findet in den vom Beschwerdeführer
angerufenen Arztberichten denn auch keine Auseinandersetzung mit den Gutachten
statt; die behandelnden Ärzte begründen ihre Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen nicht
weiter und es ist unklar, auf welche Tätigkeit sie dabei Bezug nehmen. Zudem trifft es
nicht zu, dass die behandelnden Ärzte dem Beschwerdeführer allesamt eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestieren. So unterscheidet Dr. E._ in seinem Schreiben vom 9.
April 2009 an die Vertreterin des Beschwerdeführers (act. G 10.1) ausdrücklich
zwischen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit und führt weiter aus, er habe nie behauptet,
der Beschwerdeführer sei "voll erwerbsunfähig". Eine Abklärung der
leidensangepassten Arbeitsmöglichkeiten wäre jedoch sinnvoll. Dr. A._ hat die
Berichte der behandelnden Ärzte - soweit sie vor der Erstellung seiner Gutachten
ergangen sind - bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
berücksichtigt (vgl. act. G 5.19-3 und 5.81-3 f.). Diese Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen
vermögen grundsätzlich zu überzeugen.
Es trifft zu, dass die Läsion des Nervus peronaeus an sich im Bereich der
neurologischen Beschwerden anzusiedeln ist, für deren Beurteilung Dr. A._ als
Orthopäde fachlich nicht kompetent ist. Die betreffende Problematik wurde jedoch von
entsprechenden Fachärzten intensiv abgeklärt, mit dem Ergebnis, dass diesbezüglich
ein medizinisch nicht mehr beeinflussbarer Gesundheitszustand (insbesondere mit
Fallfuss und Sensibilitätsstörung) vorliegt (vgl. act. G 5.105). Diese irreversiblen
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Einschränkungen betreffen hauptsächlich den Bewegungsapparat und waren Dr. A._
im Rahmen der zweiten Begutachtung bekannt. Entsprechend führt er die Läsion des
Nervus peronaeus links denn auch als Diagnose auf. Als Orthopäde war er
grundsätzlich in der Lage, die betreffenden Einschränkungen im Hinblick auf ihre
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. Unter diesen Umständen kann von
einer zusätzlichen neurologischen bzw. rheumatologischen Abklärung abgesehen
werden, sind davon doch keine weiterführenden Erkenntnisse zu erwarten, zumal auch
Dr. E._ keine ergänzende medizinische Abklärung für nötig hielt, sondern eine
berufliche Abklärung für sinnvoll erachtete (act. G 10.1, S. 3).
Was die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner (umstrittenen) Arbeitsfähigkeit
als Taxifahrer anbelangt, so ist darauf nicht näher einzugehen. Dr. A._ hat in seinem
zweiten Gutachten im Wesentlichen aufgezeigt, wie eine an die Leiden des
Beschwerdeführers angepasste Tätigkeit generell auszusehen hat. Er hat die
Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit wie folgt umschrieben: Es müssen
Wechselhaltungen eingenommen werden können ohne wiederholtes Heben von Lasten
mit einer zeitlichen Einschränkung wegen vermehrter Arbeitspausen. Durch die
Nervenläsion komme als Anforderung hinzu, dass bei der Arbeit nicht wiederholt
Distanzen von über 15 m überwunden werden müssen; zur Sicherheit sollten dabei
auch keine Lasten über 10 kg getragen werden. Eine solche adaptierte Tätigkeit wäre
um 30% zeitlich reduziert (act. G 5.81-6). Die Frage, ob das Taxifahren eine solche
adaptierte Tätigkeit sei, liess er offen. Auch die Beschwerdegegnerin ging bei ihrer
Bemessung des Invaliditätsgrads im Rahmen des Einkommensvergleichs nicht von
einer Tätigkeit des Beschwerdeführers als Taxifahrer aus. Die diesbezüglichen
Ausführungen des Beschwerdeführers sind damit irrelevant und vermögen die
Beweiskraft des Gutachtens nicht zu entkräften.
3.3 Zusammengefasst sind die Gutachten von Dr. A._ plausibel und nachvollziehbar,
weshalb grundsätzlich auf die betreffende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit abgestellt
werden kann. Allerdings weist der Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung
(RAD) in seiner Stellungnahme vom 22. Juli 2008 (act. G 5.82) zu Recht darauf hin,
dass der Beschwerdeführer im Zeitraum der Operation sowie im postoperativen Verlauf
vorübergehend zu 100% arbeitsunfähig war. Er (der RAD) geht dabei von einer
einjährigen Phase mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aus,
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wobei unklar ist, worauf sich diese Annahme stützt. Die besagte Operation hat am 17.
August 2005 stattgefunden (act. G 5.60). Im Bericht vom 7. November 2005 erachteten
die Ärzte die Prognose prinzipiell als gut und gingen davon aus, dass "in einigen
Monaten" wieder eine Arbeitsfähigkeit (unbekannten Ausmasses) bestehen würde (act.
G 5.93). In der Folge besserte sich die Nervenläsion jedoch nicht. Aus den Akten geht
nicht hervor, wann von einem stabilen Gesundheitszustand - wie er im Gutachten von
Dr. A._ vom 17. Juni 2008 beschrieben wurde - und damit von einer entsprechenden
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen werden kann. Die
Beschwerdegegnerin wird zu prüfen haben, ob bzw. wann das Wartejahr abgelaufen ist
und ob danach noch ein rentenbegründender Invaliditätsgrad bestanden hat (vgl. aArt.
28 Abs. 1 i.V.m aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG).
3.4 Für die Frage, ob der Beschwerdeführer die ihm attestierte Restarbeitsfähigkeit
verwerten kann, ist auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen. Der Begriff des
ausgeglichenen Arbeitsmarktes umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht
zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen; andererseits bezeichnet er
einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenster
Tätigkeiten aufweist, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes.
Letzteres gilt auch im Bereich der un- und angelernten Arbeitnehmer (ZAK 1991, S.
321). Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob
ein Invalider unter den konkreten Arbeitsverhältnissen vermittelt werden kann, sondern
einzig darauf, ob er die ihm verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte,
wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen
würden (AHI 1998 S. 291). Es kann nicht davon ausgegangen werden, sämtliche
Hilfsarbeiten seien körperlich streng. Vielmehr ist davon auszugehen, dass auf dem
oben beschriebenen ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch körperlich leichtere Tätigkeiten
existieren, wie etwa Überwachungs- und Kontrolltätigkeiten. Derartige Tätigkeiten sind
durchaus mit den im Gutachten von Dr. A._ gestellten Anforderungen an eine
adaptierte Tätigkeit vereinbar. Weitere Abklärungen sind in diesem Zusammenhang
nicht angezeigt.
4.
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4.1 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwerdeführer einen Bericht
von Dr. D._ vom 2. Februar 2009 ein, in welchem dieser beim Beschwerdeführer eine
depressive Störung, derzeit schweren Ausmasses mit psychotischen Symptomen
(ICD-10: F32.3) diagnostizierte (act. G 8.1). Die Beschwerdegegnerin machte in ihrer
Stellungnahme vom 28. April 2009 diesbezüglich geltend, die Untersuchung durch Dr.
D._ habe erst nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens stattgefunden und könne
im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht berücksichtigt werden (act. G 12).
4.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind für die richterliche Beurteilung
grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des
Verwaltungsverfahrens massgebend. Indes sind Tatsachen, die sich erst später
verwirklichen, soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem
Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung zu beeinflussen (Urteil vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E.
2.3.1, mit Hinweisen).
4.3 Zwar trifft es zu, dass die Untersuchung durch Dr. D._ erst nach Erlass der
angefochtenen Verfügung stattgefunden hat, doch ist mit dem Beschwerdeführer
davon auszugehen, dass sein psychischer Gesundheitszustand bereits vor Erlass der
angefochtenen Verfügung beeinträchtigt war. So fand die psychiatrische Untersuchung
durch Dr. D._ nur gerade eine Woche nach Verfügungserlass statt, wobei es
unwahrscheinlich erscheint, dass sich in einer so kurzen Zeit eine schwere depressive
Störung entwickelt haben soll. Nachdem die angefochtene Verfügung nach dem oben
Gesagten aufzuheben und die Sache zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, wird sie im Rahmen dieser Abklärungen auch
prüfen müssen, ob die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischen
Gründen eingeschränkt ist.
5.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer seit der
Anmeldung bei der Invalidenversicherung am 29. März 2004 bis zum Tag vor der
Operation vom 10. August 2005 sowie ab dem Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr.
A._ im Juni 2008 zu 70% arbeitsfähig war bzw. ist. Für den Zeitraum dazwischen ist
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der Grad der Arbeitsunfähigkeit unklar, weshalb die Beschwerdegegnerin diesbezüglich
weitere Abklärungen tätigen muss. Zudem wird sie zu prüfen haben, ob der
Beschwerdeführer aus psychiatrischen Gründen in seiner Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigt ist. Je nach Ergebnis der Abklärungen wird die Frage der beruflichen
Eingliederung nochmals zu prüfen sein. Vom Beschwerdeführer zu Recht nicht
bestritten wurde die Bemessung des Invaliditätsgrads durch die Beschwerdegegnerin
anhand eines Prozentvergleichs unter Vornahme eines 10%igen Leidensabzugs.
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen,
die angefochtene Verfügung vom 12. Januar 2009 ist aufzuheben, und die Sache ist zur
weiteren Abklärung und neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Da die Beschwerdegegnerin unterliegt, hat sie die
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Die Vertreterin des Beschwerdeführers reichte am 15. Mai 2009 eine
Kostennote über Fr. 7'124.05 ein. Diese Entschädigung erscheint zu hoch. Mit Blick auf
vergleichbare Fälle und darauf, dass es sich um eine pauschale Entschädigung
handelt, erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) vorliegend als angemessen. Die bereits bewilligte unentgeltliche
Prozessführung wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG