Decision ID: af8dfd42-2293-4ba4-a47e-cbf68e36fd4c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Winterthur vom 12. Mai 2020 (EE190104-K)
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Rechtsbegehren:
des Gesuchstellers (Urk. 1 S. 2 f. i.V.m. Urk. 40 S. 2 f.): 1. Es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen und es sei
festzustellen, dass die Parteien seit dem 13. April 2019 getrennt leben.
2. Es sei die eheliche Wohnung am C._-weg ..., D._, samt Mobiliar und Hausrat, mit Ausnahme der persönlichen Effekten der Gesuchsgegnerin, dem Gesuchsteller zusammen mit der  Tochter E._, geb. tt.mm.2018, zur  Nutzung zuzuweisen.
3. Es sei die Gesuchsgegnerin zu verpflichten, die eheliche  sobald wie möglich, jedoch spätestens innert vier Wochen, zu verlassen und dem Gesuchsteller sämtliche Schlüssel der  Wohnung und der dazugehörigen Nebenräume zu .
4. Es sei die alleinige elterliche Sorge und die alleinige Obhut für die gemeinsame Tochter E._, geb. tt.mm.2018, dem  zu übertragen.
5. Es sei die Beistandschaft gemäss Verfügung vom 31. Oktober 2020 (Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB) fortzuführen.
6. Es sei der Gesuchsgegnerin für die gemeinsame Tochter E._, geb. tt.mm.2018, ein angemessenes, begleitetes  zu gewähren.
7. Die Gesuchsgegnerin sei zu verpflichten, über ihr aktuelles , ihre Ausgaben sowie ihr Vermögen Auskunft zu geben. Danach sei dem Gesuchsteller Frist anzusetzen, um die  zu beziffern.
8. Es sei die Gesuchsgegnerin zu verpflichten, dem Gesuchsteller an den Unterhalt der gemeinsamen Tochter E._, geb. tt.mm.2018, nach einem Jahr nach Rechtskraft des  Fr. 500.00 pro Monat zu bezahlen, zahlbar im Voraus, je auf den Ersten des Monats.
9. Es sei die Gütertrennung per Datum der Einleitung des  anzuordnen.
10. Es sei die Gesuchsgegnerin unter Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB zu verpflichten, die in Ziffer 2 der Verfügung vom 31. Oktober 2019 aufgelisteten Gegenstände dem Gesuchsteller auf erstes Verlangen herauszugeben.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten der Gesuchsgegnerin.
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der Gesuchsgegnerin (Urk. 14 S. 1 f. i.V.m. Urk. 46 S. 1 f.): 1. Es sei festzustellen, dass die Parteien spätestens seit dem
13. April 2019 voneinander getrennt leben und es sei der  das Getrenntleben auf unbestimmte Zeit zu .
2. Es sei die gemeinsame Tochter E._, geb. am tt.mm.2018, für die Dauer des Getrenntlebens unter die alleinige elterliche Sorge sowie Obhut der Gesuchsgegnerin zu stellen.
3. Es sei die Beistandschaft gemäss Verfügung vom 31. Oktober 2019 (Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB) fortzuführen.
4. Dem Gesuchsteller sei ein begleitetes Besuchsrecht  ohne Übernachtung mit der gemeinsamen Tochter E._, geb. am tt.mm.2018, zu erteilen.
5. Die eheliche Wohnung an der Anschrift C._-weg ..., D._, samt Hausrat und Mobiliar sei für die Dauer des  der Gesuchsgegnerin zur alleinigen Benützung für sich und die gemeinsame Tochter E._ zuzuweisen.
6. Der Gesuchsteller sei zu verpflichten, der Gesuchsgegnerin an den Unterhalt der gemeinsamen Tochter einen angemessenen Kindesbar- und Betreuungsunterhalt von mindestens Fr. 1'000.– zuzüglich Kinderzulagen monatlich im Voraus zu zahlen.
7. Der Gesuchsteller sei zu verpflichten, die den Betrag von Fr. 200.– pro Ausgabe übersteigenden ausserordentlichen  (grössere Zahnbehandlungen, Nachhilfeunterreicht, etc.) der Gesuchsgegnerin nach vorgängiger schriftlicher  und nach Vorlage der Rechnung zur Hälfte zu erstatten,  diese Kosten nicht durch Dritte (Versicherung etc.) gedeckt sind.
8. Es sei die Gütertrennung anzuordnen. 9. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Ge-
suchstellers.
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Winterthur vom 12. Mai 2020:
(Urk. 48 S. 48 ff. = Urk. 58 S. 48 ff.)
1. Es wird festgestellt, dass die Parteien zum Getrenntleben berechtigt sind, und es wird davon Vormerk genommen, dass die Parteien seit dem 13. April 2019 getrennt leben.
2. Die eheliche Wohnung am C._-weg ... in D._ wird – mit Ausnahme der persönlichen Effekten des Gesuchstellers und der ihm in Ziffer 2 der Verfügung des Bezirksgerichts Winterthur vom 31. Oktober 2019 zugespro-
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chenen Gegenstände – samt Hausrat und Mobiliar für die Dauer des  der Gesuchsgegnerin zur alleinigen Benützung zugewiesen.
3. Die Gesuchsgegnerin wird unter der Androhung der Bestrafung wegen  gegen eine amtliche Verfügung im Sinne von Art. 292 StGB ( mit Busse bis Fr. 10'000.–) im Widerhandlungsfall verpflichtet, dem Gesuchssteller auf erstes Verlangen folgende Gegenstände :
− Lebenslauf
− Reisepass
− Unterlagen zum Asylverfahren
− Familienausweis
− Geburtsschein der Tochter
− Diplome
− 1 Memorycard, 2 USB-Sticks
− Schmuck der Tochter (2 Goldarmreifen mit angehängten Goldmünzen)
4. Die Anträge der Parteien auf Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge für die Tochter E._ an sie wird abgewiesen und es wird vorgemerkt, dass die elterliche Sorge für die Tochter E._, geboren am tt.mm.2018, trotz Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes bei beiden Eltern belassen wird.
5. Den Eltern wird das Aufenthaltsbestimmungsrechts für die Tochter E._, geboren am tt.mm.2018, entzogen. Demgemäss bleibt die Tochter E._ in der Stiftung F._, ... [Adresse], untergebracht und darf dort ohne  Zustimmung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB der Bezirke Winterthur und Andelfingen oder der Beiständin nicht  werden.
6. a) Die mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB der Bezirke Winterthur und Andelfingen vom 17. Mai 2019 für die  E._ errichtete Erziehungsbeistandschaft mit besonderen  im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB wird fortgeführt.
b) Der Beistandsperson werden die folgenden Aufgaben übertragen:
− Die Eltern in ihrer Sorge und Erziehungsverantwortung für E._ zu beraten und zu unterstützen, z.B. durch Vermittlung einer Elterntherapie, Vermittlung von Kursen zur Stärkung der , Vermittlung eines Kurses für den Umgang mit Gewalt und Impulskontrolle für den Vater, Vermittlung einer Psychotherapie für die Mutter,
− Für die gedeihliche persönliche Entwicklung von E._  mit den Eltern besorgt zu sein sowie in ihrem Interesse
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nach der jeweiligen Situation die notwendigen Vorkehrungen zu treffen,
− Förderung der Kommunikationsfähigkeit der Eltern in Bezug auf die Kinderbelange z.B. durch Moderation von gemeinsamen  mit den Eltern,
− Vermittlung zwischen den Eltern bei Streitigkeiten das Kind ,
und folgende besonderen Befugnisse erteilt:
− Den Aufenthalt von E._ in der Stiftung F._, Zürich, zu überwachen und zu begleiten,
− Die Unterbringung von E._ in einer geeigneten,  Pflegefamilie zu organisieren und zu begleiten, für deren  und den Abschluss eines Pflegevertrages besorgt zu sein,
− Die Modalitäten der Besuche der Eltern bei E._ festzulegen und mit ihnen und der Institution abzusprechen,
− Die Modalitäten der Besuche der Eltern bei E._ ausserhalb der Pflegefamilie zu organisieren und zu begleiten,
− Für die fachliche Begleitung der Besuche der Eltern durch eine vorzugsweise Türkisch sprechende Familienbegleitung oder in Anwesenheit einer zusätzlichen Übersetzungsperson besorgt zu sein sowie deren Finanzierung sicherzustellen.
7. Die Mutter wird berechtigt erklärt, E._ in der Institution zweimal  während jeweils drei Stunden in Abwesenheit des Vaters zu .
8. Der Vater wird berechtigt erklärt, E._ in der Institution zweimal  während jeweils drei Stunden in Abwesenheit der Mutter zu besuchen.
9. Der Antrag des Gesuchstellers, wonach die Gesuchsgegnerin zu  sei, über ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie ihre  Auskunft zu erteilen, wird als gegenstandslos geworden .
10. Der Antrag des Gesuchstellers, wonach ihm die Gesuchsgegnerin an den Unterhalt der Tochter E._ nach einem Jahr nach Rechtskraft des  einen Kinderunterhaltsbeitrag von Fr. 500.– pro Monat zu bezahlen habe, wird abgewiesen.
11. Der Antrag der Gesuchsgegnerin, wonach ihr der Gesuchsteller an den  der Tochter E._, einen angemessenen Kindesbar- und  von mindestens Fr. 1'000.– zuzüglich Kinderzulage pro Monat zu bezahlen habe, wird abgewiesen.
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12. Es wird festgestellt, dass die Eltern mangels Leistungsfähigkeit während der Dauer des Getrenntlebens zu keinen Kinderunterhaltsbeiträgen, zahlbar an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB, zur Finanzierung der Fremdplatzierung der Tochter E._ verpflichtet werden können.
13. Der Antrag der Gesuchsgegnerin auf Verpflichtung des Gesuchstellers, sich an den ausserordentlichen Kinderkosten zu beteiligen, wird abgewiesen.
14. Es wird mit Wirkung ab 28. August 2019 zwischen den Parteien die  angeordnet.
15. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: Fr. 2'100.00 ; die weiteren Auslagen betragen: Fr. 480.00 Dolmetscherkosten Fr. 12'030.00 Intensivabklärung G._ GmbH Fr. 14'610.00 Total
16. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, jedoch zufolge  der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die  genommen. Eine Nachforderung gestützt auf Art. 123 ZPO bleibt .
17. Parteientschädigungen werden keine zugesprochen.
18. [Schriftliche Mitteilung]
19. [Rechtsmittelbelehrung: Berufung, Frist 10 Tage, ohne Stillstand; Hinweis auf Art. 315 Abs. 4 lit. b ZPO]
Berufungsanträge:
des Gesuchstellers und Berufungsklägers (Urk. 57 S. 2 f.): 1. Es sei die Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Win-
terthur, Einzelgericht s.V., vom 12. Mai 2020 aufzuheben und die eheliche Wohnung am C._-weg ..., D._, samt Mobiliar und Hausrat, mit Ausnahme der persönlichen Effekten der  und Berufungsbeklagten, dem Berufungskläger zusammen mit der Tochter E._, geb. tt.mm.2018, zur  Nutzung zuzuweisen.
Es sei die Gesuchsgegnerin und Berufungsbeklagte zu , die eheliche Wohnung sobald wie möglich, jedoch spätestens innert vier Wochen, zu verlassen und dem Berufungskläger  Schlüssel der ehelichen Wohnung und der dazugehörigen Nebenräume zu übergeben.
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2. Es sei die Dispositiv-Ziffer 5 des Urteils des Bezirksgerichts , Einzelgericht s.V., vom 12. Mai 2020 aufzuheben und es sei die alleinige elterliche Sorge und die alleinige Obhut für die Tochter E._, geb. tt.mm.2018, dem Berufungsklägers zu übertragen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt.) zu Lasten der Gesuchsgegnerin und Berufungsbeklagten.
Prozessualer Antrag: Dem Berufungskläger sei für das vorliegende Verfahren die  Rechtspflege zu gewähren und der Unterzeichnete als  Rechtsbeistand zu bestellen.

Erwägungen:
I.
1. Die Parteien sind verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter,
E._ (fortan E._), geboren am tt.mm.2018. Am 17. April 2019 erliess die
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde der Bezirke Winterthur und Andelfingen
(fortan KESB) superprovisorische Kindesschutzmassnahmen. Dabei wurde den
Parteien insbesondere das Aufenthaltsbestimmungsrecht für E._ entzogen,
E._ wurde in der Stiftung F._, Zürich, untergebracht und es wurde eine
Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB errichtet (vgl. im
Einzelnen Urk. 12/28). Mit Entscheid der KESB vom 17. Mai 2019 wurden die su-
perprovisorischen Massnahmen im Wesentlichen bestätigt und als vorsorgliche
Massnahmen vorläufig, mindestens für die Dauer der Rechtshängigkeit der gegen
beide Parteien eingeleiteten Strafverfahren, weitergeführt (vgl. im Einzelnen
Urk. 12/110).
2. Mit Eingabe vom 28. August 2019 machte der Gesuchsteller und Beru-
fungskläger (fortan Gesuchsteller) bei der Vorinstanz ein Eheschutzverfahren mit
den obgenannten Rechtsbegehren anhängig (Urk. 1). An der mündlichen Ver-
handlung vom 11. Oktober 2019 schlossen die Parteien eine Teilvereinbarung, in
welcher sie sich im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen für die Dauer des
Eheschutzverfahrens insbesondere mit der Weiterführung der von der KESB an-
geordneten Kindesschutzmassnahmen einverstanden erklärten. Ausserdem be-
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antragten die Parteien gemeinsam, dass das Gericht betreffend Kinderbelange
einen umfassenden Abklärungsbericht in Auftrag gebe (vgl. im Einzelnen Urk. 16;
Prot. I S. 24 f.). Am 31. Oktober 2019 wurde die Einholung eines umfassenden
Abklärungsberichts zur Situation des Kindes und der Eltern angeordnet und der
G._ GmbH (G._; fortan G._) ein entsprechender Abklärungsauftrag
erteilt (Urk. 20; Urk. 22). Nachdem der Bericht der G._ vom 12. Februar 2020
bei der Vorinstanz eingegangen und den Parteien zugestellt worden war (Urk. 31-
34), wurden die Parteien zur Fortsetzung der mündlichen Verhandlung auf den
23. März 2020 vorgeladen (Urk. 35). Wegen der ausserordentlichen Lage im Zu-
sammenhang mit der Corona-Pandemie wurde den Parteien die Vorladung mit
Verfügung vom 17. März 2020 wieder abgenommen, das Verfahren schriftlich
fortgeführt und den Parteien Frist angesetzt, um ihre abschliessenden Anträge zu
stellen und zum G._-Bericht, zu den Kinderbelangen und weiteren Ehe-
schutzmassnahmen Stellung zu nehmen (Urk. 37). Mit Verfügung vom 31. März
2020 wurde beiden Parteien die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt; dem Ge-
suchsteller wurde Rechtsanwalt lic. iur. X._ und der Gesuchsgegnerin und
Berufungsbeklagten (fortan Gesuchsgegnerin) Rechtsanwalt Y2._ je als un-
entgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Urk. 42). Die mit Verfügung von 17. März
2020 einverlangte schriftliche Stellungnahme des Gesuchstellers datiert vom
31. März 2020 (Urk. 40) und wurde der Gesuchsgegnerin samt Beilagen zur
Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 45). Nach Eingang der Stellungnahme der Ge-
suchsgegnerin vom 8. Mai 2020 (Urk. 46) erliess die Vorinstanz am 12. Mai 2020
das eingangs wiedergegebene Urteil (Urk. 58).
3. Dagegen erhob der Gesuchsteller innert Frist (vgl. Urk. 49) Berufung
mit den obgenannten Anträgen (Urk. 57). Mit Eingaben vom 24. und 29. Juni 2020
orientierte Rechtsanwalt ass. iur. Y1._ unter Beilage einer Vollmacht der Ge-
suchsgegnerin darüber, dass Letztere ihn mit der Interessenwahrung beauftragt
habe, und stellte unter Beilage einer Sozialhilfebestätigung ein Gesuch um Bewil-
ligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 63-68). Am 30. Juni 2020 teilte der
frühere Rechtsvertreter der Gesuchsgegnerin, Rechtsanwalt Y2._, das Erlö-
schen des Mandatsverhältnisses mit (Urk. 69). Da sich die Berufung als offen-
sichtlich unbegründet erweist, kann auf die Einholung einer Berufungsantwort
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verzichtet werden (Art. 312 Abs. 1 ZPO). Die vorinstanzlichen Akten wurden bei-
gezogen (Urk. 1-56).
II.
1. Mit der vorliegenden Berufung verlangt der Gesuchsteller in Bezug auf
die Tochter E._ die Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge sowie die
Zuteilung der alleinigen Obhut an ihn. Im Weiteren wehrt er sich gegen die von
der Vorinstanz getroffenen Anordnungen betreffend die eheliche Wohnung. Ange-
fochten sind damit die Dispositiv-Ziffern 2, 4 und 5 des vorinstanzlichen Urteils,
aber auch die Anordnungen in den Dispositiv-Ziffern 6b) (besondere Befugnisse),
7 und 8. Da die Berufung die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des angefoch-
tenen Entscheids nur im Umfang der Anträge hemmt (Art. 315 Abs. 1 ZPO), sind
die nicht angefochtenen Dispositiv-Ziffern 1, 3 sowie 9-14 des vorinstanzlichen
Urteils in Rechtskraft erwachsen. Dies ist vorzumerken.
2. Betreffend die summarische Natur des vorliegenden Eheschutzverfah-
rens und insbesondere das Erfordernis des blossen Glaubhaftmachens der
rechtserheblichen Tatsachen kann vorweg auf die zutreffenden Ausführungen im
angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 58 E. II.1 S. 7 f.).
3.1 Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine un-
richtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO).
Die Berufungsinstanz verfügt über eine vollständige Überprüfungsbefugnis der
Streitsache, mithin über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfra-
gen, einschliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung (Angemessenheits-
prüfung; BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Beru-
fungsbegründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwie-
fern der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft
zu betrachten ist bzw. an einem der genannten Fehler leidet (BGE 142 I 93 E. 8.2;
138 III 374 E. 4.3.1). Die Berufungsinstanz hat sich – abgesehen von offensichtli-
chen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der Beanstandungen zu be-
schränken, die in der Berufungsschrift in rechtsgenügender Weise erhoben wer-
den (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.4). In diesem Rahmen ist insoweit auf die Partei-
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vorbringen einzugehen, als dies für die Entscheidfindung erforderlich ist (vgl.
BGE 134 I 83 E. 4.1).
3.2 Im Berufungsverfahren sind neue Vorbringen grundsätzlich nur noch
unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig. Art. 296 ZPO sta-
tuiert für Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten – wie sie vorlie-
gend zu beurteilen sind – den Untersuchungs- und Offizialgrundsatz, weshalb das
Gericht in diesem Bereich den Sachverhalt von Amtes wegen erforscht und ohne
Bindung an die Parteianträge entscheidet. In Verfahren, welche der umfassenden
Untersuchungsmaxime unterstehen, können die Parteien auch im Berufungsver-
fahren neue Tatsachen und Beweismittel unbeschränkt vorbringen. Die Bestim-
mung von Art. 317 Abs. 1 ZPO gilt somit nicht für Verfahren, in welchen Kinderbe-
lange zu beurteilen sind (BGE 144 III 349 E. 4.2.1).
III.
A. Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs
1. Der Gesuchsteller macht in formeller Hinsicht geltend, die Vorinstanz
habe die Parteien – trotz entsprechender Ankündigung in der Verfügung vom
17. März 2020 – zu keiner Instruktionsverhandlung oder Hauptverhandlung vorge-
laden, sondern sofort und ohne vorgängige Mitteilung einen Endentscheid gefällt.
Zudem habe die Vorinstanz die letzte Eingabe der Gesuchsgegnerin vom 8. Mai
2020 dem Gesuchsteller erst zusammen mit dem angefochtenen Urteil zugestellt.
Damit habe die Vorinstanz das rechtliche Gehör des Gesuchstellers verletzt
(Urk. 57 S. 3 f.).
2. Dass die Vorinstanz die Parteien nach Eingang ihrer Stellungnahmen
(Urk. 40; Urk. 46) nicht zu einer weiteren Instruktionsverhandlung mit Vergleichs-
gesprächen vorlud, ist entgegen der Ansicht des Gesuchstellers nicht zu bean-
standen, zumal die Prozessleitung Sache des Gerichts ist (Art. 124 ZPO) und im
Übrigen bereits am 11. Oktober 2019 eine mündliche Verhandlung im Sinne von
Art. 273 ZPO stattgefunden hatte. Zutreffend ist demgegenüber, dass die Stel-
lungnahme der Gesuchsgegnerin vom 8. Mai 2020 samt Beilage (Urk. 46 und
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Urk. 47/9) dem Gesuchsteller erst mit angefochtenem Urteil vom 12. Mai 2020
zugestellt wurde (vgl. Urk. 58 S. 52) und der Gesuchsteller entsprechend keine
Gelegenheit hatte, sich dazu vor Erlass des Endentscheids zu äussern.
3. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Anspruch auf
rechtliches Gehör formeller Natur, womit seine Verletzung ungeachtet der materi-
ellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung des Rechtsmittels und zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt (BGE 135 I 187 E. 2.2), wenn ei-
ne Heilung in oberer Instanz ausser Betracht fällt (zu den Voraussetzungen: BGE
142 II 218 E. 2.8.1). Diese Rechtsprechung darf indes nicht darüber hinwegtäu-
schen, dass auch die Wahrung des rechtlichen Gehörs keinen Selbstzweck dar-
stellt. Wenn nicht ersichtlich ist, inwiefern die Verletzung des rechtlichen Gehörs
einen Einfluss auf das Verfahren haben könnte, besteht kein Interesse an der
Aufhebung des Entscheids. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz allein wegen der festgestellten Gehörsverlet-
zung zu einem Leerlauf und einer unnötigen Verzögerung führt. Für eine erfolg-
reiche Rüge der Verweigerung des rechtlichen Gehörs wird daher grundsätzlich
vorausgesetzt, dass die betroffene Partei in der Begründung des Rechtsmittels
angibt, welche Vorbringen sie bei Gewährung des rechtlichen Gehörs in das Ver-
fahren eingeführt hätte und inwiefern diese hätten erheblich sein können (BGer
4A_438/2019 vom 23. Oktober 2019, E. 3.2; 5D_74/2019 vom 29. Mai 2019,
E. 4.2; 5A_923/2018 vom 6. Mai 2019, E. 4.2.1; 5A_967/2018 vom 28. Januar
2019, E. 3.1.2; 5A_561/2018 vom 14. Dezember 2018, E. 2.; 5A_699/2017 vom
24. Oktober 2017, E. 3.1.3; 4A_453/2016 vom 16. Februar 2017, E. 4.2.3 f.).
4. Der Gesuchsteller unterliess es in der Berufungsbegründung auszufüh-
ren, welche Vorbringen er bei Gewährung des rechtlichen Gehörs in das erstin-
stanzliche Verfahren eingeführt hätte und inwiefern diese hätten erheblich sein
können (vgl. Urk. 57 S. 3 ff.). Es ist denn auch nicht ersichtlich, inwiefern die Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs einen Einfluss auf das Verfahren haben könnte.
Somit besteht kein Interesse an der Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids,
weshalb auf die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht einzutreten ist.
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B. Obhut und elterliche Sorge
1. Gegenstand der Intensivabklärung
1.1 Die Vorinstanz gab bei der G._ einen Intensivabklärungsbericht in
Auftrag, da sie der Ansicht war, dass sich aus den vorhandenen Beweismitteln –
den Aussagen der Parteien im Rahmen der Parteibefragung an der mündlichen
Verhandlung vom 11. Oktober 2019 und den KESB-Akten – keine zuverlässigen
Erkenntnisse bezüglich der Erziehungsfähigkeiten der Parteien gewinnen liessen
(Urk. 58 E. II.B.2.5.3 S. 21 f.). In ihrem Entscheid würdigte die Vorinstanz alsdann
nicht nur die Ergebnisse des Abklärungsberichts vom 12. Februar 2020, sondern
insbesondere auch die in den KESB-Akten vorhandenen Schreiben, aus welchen
der Gesuchsteller seine Erziehungsfähigkeit ableiten wollte (Urk. 58 E. II.B.2.6
S. 25-30).
1.2 Der Gesuchsteller ist der Ansicht, das Vorgehen der Vorinstanz sei wi-
dersprüchlich. Die Vorinstanz habe im Rahmen ihres Entscheides einerseits auf
die Meinung der Fachpersonen abgestellt, andererseits aber die einzelnen Berich-
te in den KESB-Akten selbst abgehandelt. Diese Berichte hätten aber nicht vom
Gericht, sondern von den Fachpersonen inhaltlich berücksichtigt werden müssen,
damit Letztere den Verlauf und die Entwicklungen der Beziehung zwischen
E._ und ihren Eltern richtig hätten einschätzen können. Im Abklärungsbericht
seien die KESB-Akten zwar genannt worden, doch hätten sich die Fachpersonen
mit dem Inhalt nicht auseinandergesetzt. Da die Vorinstanz diesen Fehler nicht
durch eine entsprechende Nachfrage bei den Abklärungspersonen korrigiert ha-
be, sei der Abklärungsbericht fehlerhaft. Daher leide auch der vorinstanzliche
Entscheid an einem derart gravierenden Mangel, dass er aufzuheben sei (Urk. 57
S. 4).
1.3 Diese Rügen des Gesuchstellers sind unbegründet. Wie die Vorinstanz
zutreffend ausführte (vgl. Urk. 58 E. II.B.2.6.1 S. 25), obliegt es dem Gericht, die
zur Verfügung stehenden Beweise zu würdigen (Art. 157 ZPO). Diese Aufgabe
kann nicht an eine Fachperson delegiert werden. Entsprechend ging es im Rah-
men der Intensivabklärung auch nicht darum, Drittauskünfte oder bestimmte Ak-
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tenstücke zu erörtern. Im Vordergrund standen vielmehr die eigenen Wahrneh-
mungen und Einschätzungen der Fachpersonen: Diese sollten den Umgang der
Eltern im Alltag mit E._ beobachten, die Lebens- und Entwicklungsbedingun-
gen in der Familie sowie den Entwicklungsstand von E._ unter Berücksichti-
gung der aktuellen Situation beschreiben und bewerten, eine Risikobeurteilung
und eine Abschätzung mit Empfehlungen für die Obhutszuteilung und für allfällige
Kindesschutzmassnahmen abgeben (vgl. Urk. 27; Urk. 31 S. 2; Urk. 58
E. II.B.2.5.3 S. 21 f.). Wie bereits die Vorinstanz ausführte, wurde den Fachper-
sonen zwar Akteneinsicht gewährt, doch bestand ihr Auftrag nicht darin, die bei-
gezogenen Akten zu würdigen (vgl. Urk. 58 E. II.B.1.4.3 S. 13). Dass sich im Ab-
klärungsbericht keine inhaltliche Auseinandersetzung mit den KESB-Akten findet,
stellt demnach – entgegen der Ansicht des Gesuchstellers – keinen "Fehler" dar,
womit der Abklärungsbericht auch nicht durch entsprechende Nachfrage seitens
des Gerichts hätte korrigiert werden müssen. Auch von einem widersprüchlichen
Vorgehen der Vorinstanz kann keine Rede sein: Der Gesuchsteller stellte sich im
vorinstanzlichen Verfahren auf den Standpunkt, es könne nicht auf den Abklä-
rungsbericht abgestellt werden; stattdessen seien diverse in den KESB-Akten
vorhandene Schreiben und Aktennotizen zu berücksichtigen, welche klar für die
Zuteilung des Sorgerechts und der Obhut an ihn sprächen (vgl. Urk. 40 S. 4-7).
Die Vorinstanz verwarf die formellen Einwände des Gesuchstellers gegen den
Abklärungsbericht (vgl. Urk. 58 E. II.B.1.4.3 S. 13-15) und begründete ausführlich,
weshalb sich aus den vom Gesuchsteller zitierten Aktenstücken der KESB-Akten
keine Rückschlüsse auf die Erziehungsfähigkeit der Eltern ziehen liessen (Urk. 58
E. II.B.2.6.2 S. 26 f.). Damit kam sie ihrer Begründungspflicht nach und nahm im
Weiteren die ihr zustehende Aufgabe der Beweiswürdigung wahr. Ihr Vorgehen ist
demnach in keiner Weise zu beanstanden.
2. Ergebnisse der Intensivabklärung
2.1 Die Fachpersonen kamen im Abklärungsbericht vom 12. Februar 2020
zu folgender Einschätzung: E._ sei ein neugieriges, in ihrer physischen und
psychosozialen Entwicklung altersentsprechend entwickeltes Kind, das sehr heftig
zeige, was es wolle, und reagiere, wenn es nicht nach seinem Willen gehe. Sie
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schlage dann mit dem Kopf auf den Boden oder an die Wand. Ihr Gesichtsaus-
druck sei gut les- und interpretierbar. Den Parteien gelinge es nicht, ihr Kind fein-
fühlig zu lesen und dessen emotionale und altersentsprechende Bedürfnisse ab-
zudecken. Weder die Gesuchsgegnerin noch der Gesuchsteller sei in der Lage,
E._ ein förderliches Klima zu schaffen, das ihr ein gesundes Gedeihen er-
mögliche. Vielmehr nähmen die Parteien durch ihre lautstarken, sehr verletzen-
den Streitereien und gegenseitigen Beleidigungen E._ das Recht auf ein ge-
sundes emotionales Heranwachsen mit Mutter und Vater. E._ habe zu bei-
den Elternteilen eine unsichere Bindung. Sie freue sich, wenn der Gesuchsteller
zu Besuch komme, wende sich aber sehr schnell wieder von ihm ab und suche al-
ternative Beschäftigungen. Dies werde vom Gesuchsteller nicht erkannt. Es sei
aber spürbar, dass der Gesuchsteller seine Tochter liebe. Kurze Sequenzen zeig-
ten ein herzliches Verhältnis. Der Gesuchsteller sei sehr kontrollierend und einen-
gend. Er habe E._ während der ganzen Beobachtungszeit von sechs Stun-
den mit wenigen Ausnahmen immer auf dem Arm gehalten. Es gelinge ihm nicht,
seine Tochter ruhig zu trösten. Eine verlässliche Vertrautheit und emotionale Ver-
fügbarkeit sei nicht sichtbar. Zwischen der Gesuchsgegnerin und E._ hätten
kurze Momente der Vertrautheit und Geborgenheit beobachtet werden können.
Die Gesuchsgegnerin nehme E._ liebevoll in den Arm und könne sie situati-
onsgerecht trösten. Es gelinge ihr einige Male, auf E._ einzugehen und sie
im Spiel zu begleiten. Eine verlässliche Verfügbarkeit gegenüber der Tochter über
einen längeren Zeitraum könne von der Gesuchsgegnerin jedoch nicht aufrecht-
erhalten werden.
Beide Parteien seien sehr bemüht, E._ ihre bedingungslose Liebe zu
zeigen. Sie buhlten beide vehement um die Gunst der Tochter und seien fokus-
siert, die Bestrebungen des jeweils anderen Elternteils zu überbieten, sei dies
durch Essen, Spielsachen oder körperliche Zuwendung. Die übertriebene und
verwöhnende Zuwendung zur Tochter geschehe nicht aus echter verantwor-
tungsvoller Fürsorge und Zuneigung. Die Erziehungskompetenzen beider Partei-
en seien ungenügend. Der Gesuchsteller könne die Bedürfnisse der Tochter nicht
lesen oder wahrnehmen. Er brauche immer wieder die Unterstützung der Betreu-
enden, da er die Situationen falsch einschätze und nicht adäquat reagieren kön-
- 15 -
ne. In seinem Verhalten sei eine grosse Hilflosigkeit und Überforderung mit gros-
sem Stress spürbar. Während der Beobachtung durch die Abklärenden habe er
gegenüber der Tochter Gewalt angewendet. Er sei nicht in der Lage, E._ ex-
plorieren zu lassen, sondern unterbreche ihre Handlungen ständig und lasse ihr
keinen Raum zur Entwicklung. Sinnvolle und altersgerechte Anleitungen und An-
regungen seien nicht beobachtbar. Der Gesuchsgegnerin gelinge es nicht, ihrer
Tochter altersadäquate Grenzen zu setzen und diese einzufordern. Durch die feh-
lenden Erziehungskompetenzen könne sie nicht ableiten, was für E._ wichtig
sei. Sinnvolle Anregungen und Anleitungen fänden kaum statt, vielmehr unterbre-
che die Gesuchsgegnerin E._ im Spiel oft und lenke sie ab. Der kontrollie-
rende Umgang schränke E._ ein und lasse ihr kaum Möglichkeiten zur Ex-
ploration. Beide Parteien kämen schnell an ihre Grenzen mit eigenem Wissen und
Strategien, ein Kind zu führen, anzuleiten und zu fördern. Schnell werde mit Ge-
walt, absoluter Kontrolle oder übermässigem Verwöhnen versucht, das Kind um-
zustimmen. Beiden Parteien gelinge es nur mit Anleitung und Unterstützung, ihrer
Tochter die nötige Pflege zukommen zu lassen. Den Parteien fehle auch die Ein-
sicht, dass sie zum Wohl von E._ ihre Streitereien beilegen müssten. Beide
benützten E._ als Macht- und Druckmittel auf der Beziehungsebene. Die tie-
fen Zerwürfnisse zwischen den Parteien könnten wohl in naher Zukunft nicht ge-
löst werden und würden bei E._ zu grossen Loyalitätskonflikten führen. Die
hochstrittige Elternkonstellation verunmögliche ein gesundes Wachsen und Ge-
deihen von E._ beim Gesuchsteller wie auch bei der Gesuchsgegnerin. Die
fehlenden Erziehungskompetenzen der Parteien würden E._ massiv in ihrer
psychischen und physischen Entwicklung gefährden. Sowohl unter der Obhut der
Gesuchsgegnerin wie auch unter derjenigen des Gesuchstellers sei das Kindes-
wohl von E._ gefährdet. Es werde daher eine längerfristige Platzierung von
E._ in einer professionellen Pflegefamilie empfohlen. Diese müsse gut be-
treut werden, um nicht auch in die Streitereien der Parteien hineingezogen zu
werden. E._ brauche einen gesunden und stressfreien Ort, um sich zu entwi-
ckeln und zu wachsen. Sie dürfe nicht der Gefahr ausgesetzt sein, als Macht- und
Druckmittel im "Elternkrieg" missbraucht zu werden (vgl. zum Ganzen Urk. 31
S. 13 ff.).
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2.2 Die Vorinstanz erachtete den Abklärungsbericht (mit Blick auf die vom
Gericht gestellten Fragen) als vollständig sowie als objektiv abgefasst. Sie zog
dabei in Erwägung, die Fachpersonen hätten die Parteien und E._ über ei-
nen Zeitraum von fast einem Monat intensiv beobachtet, sie hätten mit beiden
Parteien in Anwesenheit einer Dolmetscherin gesprochen, gleich viele "Drittper-
sonen beider Eltern" befragt, Gespräche mit den Betreuerinnen des F._s ge-
führt, die Befindlichkeiten der Parteien und der Tochter abgeklärt und ihre fachli-
che Einschätzungen zu den Beobachtungen, den geführten Gesprächen und den
Kompetenzen von Vater, Mutter und Tochter im Bericht festgehalten. Dabei seien
bei beiden Parteien sowohl positive wie auch negative Aspekte festgestellt und
dargelegt worden. Insgesamt seien die Fachpersonen zum Schluss gekommen,
dass bei beiden Parteien nur ungenügende erzieherische Fähigkeiten vorhanden
seien. Dies werde anhand der geschilderten Beobachtungen nachvollziehbar und
schlüssig aufgezeigt. Dass die Parteien hoch zerstritten seien und E._ als
Macht- und Druckmittel gegen den jeweils anderen Ehepartner in ihrem Paarkon-
flikt benutzten, sei zutreffend und bereits anlässlich der mündlichen Befragung
vom 11. Oktober 2019 vom Gericht festgestellt worden. In den Ausführungen der
Fachpersonen fänden sich auch keine Widersprüche. Der Abklärungsbericht sei
somit in allen Punkten nachvollziehbar und schlüssig und vermöge zu überzeu-
gen. Es seien keine triftigen Gründe ersichtlich, welche ein Abweichen vom "Gut-
achten" erlauben würden (Urk. 58 E. II.B.2.6.3 S. 28 f.).
2.3 Der Gesuchsteller vertritt auch im Berufungsverfahren die Ansicht, es
könne nicht auf den Abklärungsbericht abgestellt werden, vielmehr bestünden trif-
tige Gründe, um davon abzuweichen. So sei im Abklärungsbericht zu Unrecht be-
hauptet worden, dass der Gesuchsteller im Beisein der Abklärenden, H._,
E._ geschlagen habe. Dies sei aus dem Weinen von E._ gemutmasst
und als Beispiel für die angebliche Ungeduld des Gesuchstellers angeführt wor-
den. Er weise diese Unterstellung weiterhin entschieden zurück. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb H._ nicht die Polizei oder eine Mitarbeiterin des
F._s über die angebliche Grenzverletzung informiert und nicht einmal den
Gesuchsteller darauf angesprochen habe. Die Ausführungen im Abklärungsbe-
richt könnten offenbar nicht stimmen, da er E._ in Anwesenheit von H._
- 17 -
nie gebadet habe. Bereits dieser Widerspruch lasse Zweifel am Abklärungsbericht
aufkommen (Urk. 57 S. 5 f).
2.4 Der vom Gesuchsteller erwähnte Vorfall wird im Abklärungsbericht vom
12. Februar 2020 wie folgt umschrieben: Der Gesuchsgegner bade E._ bei
jedem Besuch mit Unterstützung der Betreuerinnen. E._ werde vorbereitet,
wortlos und sehr genau (Kopfwäsche 2x) gewaschen. Obwohl E._ sich wäh-
rend des ganzen Vorgangs massiv wehre, gehe der Gesuchsteller nicht auf sie
ein. Beim Abtrocknen und anschliessendem Eincremen des Körpers wehre sich
E._ heftig. Sie weine. Zur Entlastung der Situation gehe die Abklärende ei-
nen Schritt aus dem Raum, um die Betreuerin zu rufen. Ein Schlag auf die nackte
Haut sei hörbar und daraufhin – etwas verzögert – folge das schmerzvolle Weinen
von E._, welches sich klar von ihrem Schreien unterscheide, das sie beim
Suchen von Grenzen zeige. Aus der geschilderten Situation folgert die Abklären-
de, der Gesuchsteller gerate schnell unter Stress, seine Geduld sei von sehr kur-
zer Dauer, er habe seine Tochter während der Beobachtung geschlagen (Urk. 31
S. 9).
Auch im vorinstanzlichen Verfahren bestritt der Gesuchsteller, seine Tochter
geschlagen zu haben, und machte geltend, solches könne nicht aus dem Weinen
von E._ geschlossen werden; zudem sei fraglich, weshalb die Abklärende
nicht die Polizei oder eine Mitarbeiterin des F._s informiert habe (vgl. Urk. 40
S. 5). Dass er E._ in Anwesenheit der Abklärenden nie gebadet habe, mach-
te der Gesuchsteller damals jedoch noch nicht geltend. Diese neue Behauptung
erscheint bereits angesichts der erst nachträglichen Einbringung nicht glaubhaft.
Zudem ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Abklärende wahrheitswidrig ange-
ben sollte, dass der Gesuchsteller E._ während ihrer Anwesenheit jeweils
gebadet habe. Im Gegenteil, die Fachpersonen der G._ wurden bei der Auf-
tragserteilung auf die Straffolgen der Abgabe eines falschen Gutachtens (Art. 307
StGB) hingewiesen (vgl. Urk. 27 S. 2). Damit lag es im eigenen Interesse der Ab-
klärenden, den Abklärungsbericht wahrheitsgetreu abzufassen. Aus den Schilde-
rungen im Abklärungsbericht geht hervor, dass H._ nicht nur das Weinen von
E._, sondern auch einen Schlag auf die nackte Haut gehört hat. Entspre-
- 18 -
chend handelt es sich bei ihren Schlussfolgerungen – entgegen der Ansicht des
Gesuchstellers – nicht um blosse aus dem Weinen von E._ abgeleitete Mut-
massungen, sondern um plausible und nachvollziehbare Feststellungen. Vor die-
sem Hintergrund vermag der Gesuchsteller auch mit seinen unsubstantiierten Be-
hauptungen, wonach die Abklärende niemanden über die angebliche Grenzver-
letzung informiert habe, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Die erwähnten
Schlussfolgerungen im Abklärungsbericht sind damit nicht zu beanstanden.
Nach dem Gesagten erweisen sich die materiellen Einwände des Gesuch-
stellers gegen den Abklärungsbericht vom 12. Februar 2020 als unbegründet. Wie
die Vorinstanz zutreffend ausführte, bestehen keine Gründe, um die Einschätzun-
gen im Abklärungsbericht in Zweifel zu ziehen. Vielmehr erweisen sich diese auf-
grund der geschilderten Beobachtungen der Fachpersonen als nachvollziehbar,
schlüssig und widerspruchsfrei.
3. Anordnungen betreffend elterliche Sorge und Obhut
3.1 Die Vorinstanz erwog im Weiteren, es sei gestützt auf den Abklärungs-
bericht von unzureichenden Erziehungsfähigkeiten beider Parteien auszugehen.
Daher wäre E._s Wohl sowohl unter der Obhut des Gesuchstellers wie auch
unter der Obhut der Gesuchsgegnerin gefährdet. Die bei beiden Parteien vorhan-
denen Defizite könnten – entgegen der Auffassung der Parteien – zur Zeit weder
mit der Beistandschaft noch mit einer sozialpädagogischen Familienbegleitung
oder mit Therapien ausgeglichen werden. Mithin gebe es derzeit zur Abwendung
einer Kindeswohlgefährdung keine anderen, milderen Massnahmen, als den Par-
teien das Aufenthaltsbestimmungsrechts zu entziehen und E._ weiterhin in
der Stiftung F._ unterzubringen (Urk. 58 E. II.B.2.6.4 S. 29 f.). Die gemein-
same elterliche Sorge sei den Parteien im Übrigen zu belassen, zumal weder
glaubhaft gemacht worden noch ersichtlich sei, dass das Kindeswohl nur bei al-
leiniger elterlicher Sorge eines Elternteils gewährleistet werden könne (Urk. 58
E. II.B.1.1 f. S. 9 f.).
3.2.1 Der Gesuchsteller ist demgegenüber der Ansicht, Sorgerecht und
Obhut seien ihm zuzuteilen. Er macht insbesondere geltend, es sei selbstver-
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ständlich, dass die Beziehung eines Vaters zu einem Baby eine ganz andere
Qualität bekomme, wenn sich die Kontakte über ein Jahr lang auf jeweils einzelne
Stunden zweimal pro Woche reduzierten. In einer solchen Situation brauche es
eine gewisse Zeit, bis sich die Beziehung wieder normalisiere. Er habe immer
wieder erklärt, dass er bereit sei, alle möglichen Hilfsangebote (Familienbeglei-
tung, Beistandschaft etc.) in Anspruch zu nehmen. Leider seien die Parteien im
vorliegenden Prozess aber alleine gelassen worden. Anstatt ihnen professionelle
Hilfe (Familienbegleitung oder Ähnliches) anzubieten, seien ihre Nöte und Ängste
nicht ernst genommen worden (Urk. 57 S. 6).
3.2.2 Zwar mag zutreffen, dass der Gesuchsteller bemüht ist, Hilfsangebote
in Anspruch zu nehmen, um die Beziehung zu seiner Tochter wieder aufzubauen
und zu stärken. Der Gesuchsteller lässt aber ausser Acht, dass im Abklärungsbe-
richt nicht nur eine unsichere Bindung zwischen Vater und Kind festgestellt, son-
dern insbesondere auch anschaulich geschildet wurde, dass der Gesuchsteller
die Bedürfnisse von E._ nicht lesen oder wahrnehmen kann, dass in seinem
Verhalten eine grosse Hilfslosigkeit und Überforderung mit viel Stress spürbar ist
und er schnell die Geduld verliert sowie aggressive Tendenzen zeigt, dass sein
sehr kontrollierender und einengender Umgang E._ keinen Raum zur Explo-
ration und Entwicklung lässt und dass im Weiteren auch die hochstrittige Eltern-
konstellation ein gesundes Wachsen und Gedeihen von E._ beim Gesuch-
steller verunmöglicht (vgl. Urk. 31 S. 14 ff.). Diese Feststellungen machen deut-
lich, dass die Erziehungsfähigkeit des Gesuchstellers derzeit derart eingeschränkt
ist, dass das Kindeswohl E._s unter seiner Obhut gefährdet wäre und dass
Massnahmen wie Familienbegleitung und Beistandschaft nicht ausreichen, um ei-
ner solchen Gefährdung wirksam zu begegnen. Die entsprechenden Vorbringen
des Gesuchstellers zielen demnach ist Leere.
3.2.3 Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass mit dem vorinstanzlichen
Urteil die von der KESB errichtete Erziehungsbeistandschaft im Sinne von
Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB weitergeführt und der Beiständin insbesondere
die Aufgabe und Befugnis erteilt wurde, die Eltern in ihrer Sorge und Erziehungs-
verantwortung für E._ zu beraten und zu unterstützen (z.B. durch Vermittlung
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einer Elterntherapie und von Kursen zur Stärkung von Erziehungskompetenzen)
sowie für die fachliche Begleitung der Besuche der Eltern durch eine vorzugswei-
se Türkisch sprechende Familienbegleitung besorgt zu sein (vgl. Urk. 58 Disposi-
tiv-Ziffer 6 S. 50 f.). Diese Anordnungen blieben grundsätzlich unangefochten (vgl.
oben E. II.1). Inwiefern den Parteien im vorliegenden Verfahren nicht genügend
professionelle Hilfe angeboten werden soll, ist vor diesem Hintergrund nicht er-
sichtlich und wird vom Gesuchsteller auch nicht näher dargetan. Entsprechend
erweist sich auch seine diesbezügliche Kritik als unbegründet.
3.2.4 Was der Gesuchsteller aus seinem pauschalen Vorbringen, er habe
im F._ darauf hingewiesen, dass E._ von älteren Kindern geschlagen
werde und es immer wieder zu Verletzungen komme (vgl. Urk. 57 S. 7), ableiten
will, bleibt unklar, weshalb sich weitere Ausführungen dazu erübrigen.
3.3.1 Zur Begründung seiner Berufungsanträge betreffend Obhut und elter-
liche Sorge macht der Gesuchsteller im Weiteren geltend, die gesamte Situation
habe sich geändert, weil inzwischen sämtliche gegen ihn geführten Strafverfahren
rechtskräftig eingestellt worden seien. Damit sei der Grund für den Entzug des
Aufenthaltsbestimmungsrechts weggefallen, habe die KESB dieses den Parteien
doch wegen der Strafverfahren und nicht wegen Vernachlässigung der Fürsorge-
pflichten oder Nichtvorhandensein von Erziehungskompetenzen entzogen. Ange-
sichts dessen, dass die Vorwürfe des Kindsmissbrauchs nun nicht mehr im Raum
stünden, sei allenfalls ein neues Erziehungsfähigkeitsgutachten in Auftrag zu ge-
ben (Urk. 57 S. 6 f.).
3.3.2 Der Gesuchsteller legt hierzu die Einstellungsverfügungen der
Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 31. März 2020 ins Recht, aus wel-
chen hervor, dass die gegen beide Parteien geführten Strafverfahren eingestellt
wurden, da weder der Vorwurf der Vornahme von sexuellen Handlungen an
E._ noch jener der Verletzung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht gegenüber
ihr rechtsgenügend nachgewiesen werden konnten (Urk. 61/3).
3.3.3 Zwar ist zutreffend, dass die von der KESB mit Entscheid vom
17. Mai 2019 angeordneten Kindesschutzmassnahmen in Zusammenhang mit
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den gegen die Parteien geführten Strafverfahren betreffend sexuelle Handlungen
zum Nachteil von E._ standen. So erwog die KESB in besagtem Entscheid
im Wesentlichen, aufgrund des Befundes des Kinderspitals Zürich vom 16. April
2019 sei ein sexueller Übergriff nicht auszuschliessen. Solange die Staatsanwalt-
schaft das strafrechtliche Verfahren gegen die Parteien weiterführe, seien beide
Eltern verdächtigt, die im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung von
E._ festgestellten Verletzungen im Genitalbereich herbeigeführt zu haben.
Es könne daher nicht ausgeschlossen werden, dass die gedeihliche physische
und psychische Entwicklung E._s, insbesondere aber ihre sexuelle Integrität,
in der Obhut des Gesuchstellers oder der Gesuchsgegnerin gefährdet sei. Unter
diesen Umständen könne E._ nicht zurück in die Obhut ihrer Eltern gegeben
werden. Sie sei vorläufig, mindestens jedoch für die Dauer des hängigen Strafver-
fahrens betreffend Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines Kindes, in der Stif-
tung F._ unterzubringen und den Parteien sei das Aufenthaltsbestimmungs-
rechts vorläufig zu entziehen (Urk. 12/110).
Wie die vorstehend zitierten Erwägungen der Vorinstanz zeigen (vgl. oben
E. 3.1), waren demgegenüber für die mit angefochtenem Urteil angeordnete
Fremdplatzierung E._s nicht die im Rahmen der Strafuntersuchung abzuklä-
renden Missbrauchsvorwürfe zum Nachteil von E._ entscheidend, sondern
vielmehr die im Abklärungsbericht vom 12. Februar 2020 festgestellten unzu-
reichenden Erziehungsfähigkeiten der Parteien. Die Vorinstanz hat in diesem Zu-
sammenhang denn auch darauf hingewiesen, dass selbst bei rechtskräftiger Ein-
stellung der Strafverfahren eine Rückplatzierung von E._ zu einem Elternteil
nur dann in Frage komme, wenn bei diesem Elternteil das Kindeswohl gewährleis-
tet werden könne (Urk. 58 E. II.B.2.4). Dass sich diesbezüglich seit Erstellung des
Abklärungsberichts etwas geändert hat, wurde vom Gesuchsteller nicht dargetan
und ist auch nicht ersichtlich. Insofern vermag er mit den eingereichten Einstel-
lungsverfügungen nichts für seinen Standpunkt zu gewinnen.
3.4 Nach dem Gesagten ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass der-
zeit zur Abwendung einer Kindeswohlgefährdung keine milderen Massnahmen
gegeben sind, als den Parteien das Aufenthaltsbestimmungsrechts zu entziehen
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und E._ weiterhin in der Stiftung F._ unterzubringen. Eine Zuteilung der
Obhut an den Gesuchsteller kommt daher nicht in Frage. Im Weiteren wurde auch
im Berufungsverfahren nicht aufgezeigt, dass die Wahrung des Kindeswohl eine
Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge an den Gesuchsteller erfordert.
Demnach erweist sich die Berufung des Gesuchstellers in den Punkten Obhut
und elterliche Sorge als unbegründet. Die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 des angefoch-
ten Urteils und die damit zusammenhängenden Anordnungen in den Dispositiv-
Ziffern 6 bis 8 sind somit zu bestätigen.
C. Eheliche Wohnung
1. Die Vorinstanz wies die eheliche Wohnung am C._-weg ... in
D._ samt Hausrat und Mobiliar für die Dauer des Getrenntlebens der Ge-
suchsgegnerin zur alleinigen Benützung zu, dies im Wesentlichen mit der Be-
gründung, der körperlich und psychisch angeschlagenen Gesuchsgegnerin könne
ein Umzug in eine andere Wohnung nicht zugemutet werden (Urk. 58 E. II.C
S. 34 ff.).
2. Der Gesuchsteller verlangt berufungsweise die Zuteilung der ehelichen
Wohnung samt Mobiliar und Hausrat an ihn und E._. Zur Begründung macht
er geltend, dass ihm mit der Zuteilung der elterlichen Sorge und der Obhut über
die Tochter E._ ein grösseres Interesse an der ehelichen Wohnung zukom-
me, zumal das Kinderzimmer dort bereits eingerichtet sei (Urk. 57 S. 2 und S. 8).
3. Da die gesuchstellerischen Anträge betreffend Obhut und elterliche
Sorge nicht gutgeheissen werden, verfängt die Argumentation des Gesuchstellers
nicht. Die Berufung erweist sich damit auch in diesem Punkt als unbegründet,
weshalb die Dispositiv-Ziffer 2 des angefochtenen Urteils zu bestätigen ist.
IV.
1. Da die Berufung abgewiesen wird, besteht kein Anlass, die unange-
fochten gebliebene Regelung der erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungs-
folgen abzuändern. Die Dispositiv-Ziffern 15 bis 17 des angefochtenen Urteils
sind somit zu bestätigen.
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2.1 Die Gerichtsgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren ist in Anwen-
dung von § 12 Abs. 1 und Abs. 2 in Verbindung mit § 2, § 5 Abs. 1 und § 6 Abs. 2
lit. b der Gebührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV
OG) auf Fr. 2'000.– festzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten voll-
ständig dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
2.2 Parteientschädigungen für das zweitinstanzliche Verfahren sind keine
zuzusprechen: Dem Gesuchsteller nicht, weil er unterliegt, und der Gesuchsgeg-
nerin nicht, weil ihr keine Umtriebe entstanden sind, die zu entschädigen wären.
3.1 Beide Parteien ersuchen um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege für das Berufungsverfahren (Urk. 57 S. 3 und S. 8; Urk. 66).
3.2 Da sich die Berufung des Gesuchstellers – wie gesehen – als offen-
sichtlich unbegründet erweist, ist sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege zufolge Aussichtslosigkeit abzuweisen. Das Gesuch der Gesuchs-
gegnerin ist gegenstandslos und abzuschreiben, nachdem ihr für das Berufungs-
verfahren keine Gerichtskosten auferlegt werden und ihr keine relevanten Umtrie-
be entstanden sind (vgl. oben E. 2.1 f.).