Decision ID: fbf57330-76e3-4279-b532-7f834cca44eb
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984,
war
nach
der Abmeldung beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Y._
per 2
8.
Februar 2019
(
Urk.
6/39, vgl. auch
Urk.
6/65) und dem Wegzug
von Glarus
in den Kanton Zürich
zuletzt
vom 1
7.
bis 3
1.
Juli 2019 tempo
rär als Hilfsarbeiter bei der
Z._
AG angestellt
(
Urk.
6/121
Ziff.
1-3)
. In der Folge meldete er sich beim RAV
A._
zur Arbeitsvermittlung
an (vgl.
Urk.
6/8
,
Urk.
6/29
).
Mit Verfügung vom 2
7.
Februar 2020 (
Urk.
6/2) stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Versicherten wegen ungenügender persönlicher Arbeits
bemühungen ab dem
1.
Januar 2020 für 32 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Die vom Versicherten am
6.
März 2020 (
Urk.
6/5) dagegen erhobene Einspra
che wies das AWA mit Entscheid vom
4.
Mai 2020 (
Urk.
6/6 =
Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am
5.
Juni 2020 Beschwerde gegen den
Einsprache
ent
scheid
vom
4.
Mai 2020 (
Urk.
2). Sinngemäss beantragte er, in Aufhebung des Entscheides sei auf eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu verzichten (
Urk.
1 S. 1 oben).
Das AWA beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Juni 2020 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
6.
August 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 3
0’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einz
elrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
, in der ab 1.
Juni 2020 geltenden Fas
sung
).
1.2
Nach Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (
AVIG
)
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständi
gen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermei
den oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nöti
genfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühungen nachweisen können. Gemäss Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG ist die versicherte Person
in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genü
gend um zumutbare Arbeit bemüht.
1.3
Gemäss Art. 26 Abs. 2 Satz 1
der Verordnung über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (
AVIV
)
muss die versicherte Person den Nachweis der Arbeitsbemühungen für jede Kontrollperiode spätestens am fünften Tag des folgenden Monats oder am ersten auf diesen Tag folgenden
Werktag einreichen. Als Kontrollperiode gilt jeder Kalendermonat (Art. 27a AVIV
). Die Arbeitsbemühungen werden nach Art. 26 Abs. 2 Satz 2 AVIV nicht mehr berücksichtigt, wenn die versicherte Person die Frist verstreichen lässt und keinen entschuldbaren Grund geltend macht. Die Einstellung erfolgt, ohne dass eine zusätzliche Frist gewährt werden müsste. Unerheblich ist, dass die Nachweise später erbracht werden, zum Beispiel in einem
Einspracheverfahren
(vgl. BGE 139 V 164 E. 3.2).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest, der Be
schwerdeführer sei
auf dem
Nachweisformular unmissverständlich darauf hin
gewiesen worden, dass die Arbeitsbemühungen bis zum
5.
Tag des Folgemonats einzureichen seien und verspätet eingereichte Bemühungen nicht mehr berück
sichtigt würden.
Er
habe die betreffenden
Unterlagen
jedoch
erst am 2
4.
Januar 2020 und damit zu spät eingereicht. Entschuldbare Gründe für die Verspätung seien nicht ersichtlich (S. 2 oben). Nach den Akten bestünden keine Hinweise,
dass der Beschwerdeführer die Arbeitsbemühungen
für die Kontrollperiode Dezem
ber 2019 fristgerecht eingereicht habe. Es sei von Beweislosigkeit auszu
gehen, deren Folgen der Beschwerdeführer zu tragen
habe
. Aufgrund der in den letzten beiden Jahren mehrfach erfolg
t
en Verletzungen von
arbeitslosenv
er
siche
rungsrechtlichen Pflichten erweise sich
eine
Einstellung in der Anspruchsbe
rech
tigung von 32 Tagen als angemessen (S. 2 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte vor,
gemäss dem
vorliegenden E-Mail-Austausch mit seinem RAV-Berater habe er mit diesem eine klare Vereinbarung
für die Ab
gabe der den Dezember 2019 betreffenden Arbeitsbemühungen
getroffen.
Die E-Mail
s
zeigten
eindeutig, dass der vereinbarte Termin der 2
4.
Januar 2020 gewesen sei. Er habe die geforderten Unterlagen an diesem Tag pünktlich abgegeben (
Urk.
1 S. 1 Mitte).
Er habe die Arbeitsbemühungen zunächst auf einem normalen A4-Blatt nieder
geschrieben. An
einem
Beratungsgespräch habe er dann die Aufforderung erhal
ten, dass er die Stellenbemühungen auf dem offiziellen RAV-Formular neu auszu
füllen habe. Dies habe er gemacht und das Formular am 2
4.
Januar 2020 beim RAV persönlich abgegeben
. Er sei jederzeit seinen Verpflichtungen nachgekom
men und habe aus eigenem Antrieb deutlich mehr als die erwarteten zehn bis zwölf Bemühungen pro Monat geleistet
(S. 1 unten).
Der Beschwerdeführer äusserte sich
zudem zur Kommunikation des RAV-Beraters
(S. 2 Mitte).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer zu Recht für 32 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat
.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer hat das Formular «Nachweis der persönlichen Arbeits
be
mühungen» für den Monat Dezember
2019
am
2.
Januar 2020 unterzeichnet
.
Das Formular trägt den Eingangsstemp
el des RAV vom 2
4.
Januar 2020 (
Urk.
6/4 S.
2
f.).
3.2
Der Beschwerdeführer
reichte im vorliegenden Verfahren
zwei
E-Mails ein
, die
am 2
3.
und 2
4.
Januar 2020
zwischen ihm und seinem RAV-Berater
erfolgten
(
Urk.
3/1).
Dieser
führte im E-Mail vom 2
3.
Januar 2020 (10:16 Uhr) aus,
wie besprochen erwarte er die ein
geforderten Unterlagen. Sollten diese nicht bis spätestens morgen Freitag, 2
4.
Januar 2020, bei ihm sein, sei er gezwungen, eine Meldung auszulösen.
3.3
Der Beschwerdeführer antworte
am 2
4.
Januar 2020 (14:25
Uhr
), er werde vor 16
.30
Uhr mit den Dokumenten beim RAV sein.
Der RAV-Berater gab
daraufhin
in einer E-Mail vom 2
4.
Januar 2020 (15:55
Uhr
) an, der Beschwerdeführer solle diese für ihn abgeben, da er
gleich ausser Haus sein werde (
Urk.
3/2).
3.4
Der RAV-Berater gab in einem E-Mail vom 2
7.
Januar 2020 auf eine Anfrage des Beschwerdegegners an, der Beschwerdeführer habe nachweislich eine PAB-Vor
anmeldung gemacht. Diese seien jedoch viel zu spät bei ihnen angekommen (Abgabetermin). Dies
sei
auch gemeldet worden, ebenso für den Monat Dezember (
Urk.
6/30 oben).
4.
4.1
Nach
Art.
26
Abs.
2 AVIV sind die Arbeitsbemühungen der betreffenden Kon
trollperiode dem RAV spätestens am
5.
Tag des Folgemonats einzureichen.
Nach den Angaben des Beschwerdeführers hat
er
offenbar mit seinem RAV-Be
rater besprochen, dass das Formular «Nachweis der persönlichen Arbeitsbe
mü
hungen» betreffend den Monat Dezember 2019
auf dem offiziellen Formular und
unterschrieben bis
spätes
tens am 2
4.
Januar 2020 einzureichen
sei
(
Urk.
1 S. 1 unten).
4.2
Die Darstellung des Beschwerdeführers deckt sich mit dem E-Mail-Verkehr mit
dem
RAV-Berat
er vom 2
3.
und 2
4.
Januar 202
0.
Nach den Angaben des Be
schwerdeführers und
den E-Mails
ist davon auszugehen, dass das RAV
a
us
nahm
sweise
mit
der
Abgabe des Formulars «Nachweis der persönlichen Arbeits
bemühungen» bis spätestens am 2
4.
Januar 2020 und damit nach dem
5.
Januar
einverstanden war
.
Der Beschwerdegegner äusserte sich nicht zu
den
betreffenden
E-Mails
.
Der Beschwerdeführer durfte
die Nachricht des RAV-Beraters
somit
dahingehend verstehen, dass
er
das
Formular
bis
spätestens
am 2
4.
Januar 2020 rechtzeitig
abgeben könnte
.
In
der Nachricht
des RAV-Beraters ist
ein
entschuld
barer
Grund für eine verspätete Abgabe
der persönlichen Arbeitsbemühungen
im Sinne von
Art.
26
Abs.
2 Satz 2 AVIV
zu sehen, so dass sich das RAV nicht im Nachhinein auf eine verspätete Abgabe berufen kann.
Der Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen für den Monat Dezember 2
019 erfolgte
unbestritten am 2
4.
Januar 2020
somit rechtzeitig, so dass es an einem Grund für eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung fehlt. Der ange
fochtene
Einspracheentscheid
vom
4.
Mai 2020
ist daher in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.