Decision ID: 9154048d-c029-4363-ad8e-e068dd83d41a
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war von 2001 bis 2006 bei der Einzelunternehmung B._ als Bauarbeiter
angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
gegen die Folgen von Unfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Am 20. September
2005 zog sich der Versicherte bei der Arbeit eine distale, dislozierte Radiusfraktur der
dominanten rechten Hand zu. Diese wurde gleichentags im Spital C._ operativ
versorgt. Bei im Verlauf persistierenden Handgelenksbeschwerden wurde der
Versicherte auf kreisärztliche Veranlassung zur stationären Handrehabilitation und
neurologischen Abklärung an die Rehaklinik Bellikon überwiesen (vgl. u.a. Suva-act. 1
ff., 6 ff.). Im Austrittsbericht vom 3. April 2006 über den Aufenthalt vom 6. Februar bis
22. März 2006 hielten die behandelnden Ärzte fest, dass die bisherige Tätigkeit als
Bauarbeiter nicht mehr zumutbar sei. Eine leichte bis mittelschwere Arbeit ohne
Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüsten sei dem Versicherten hingegen ganztags
zumutbar. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich
mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und
der bildgebenden Abklärung nur zum Teil erklären (Suva-act. 11).
A.a.
Am 14. Juni 2006 erfolgte im Spital C._ die Metallentfernung mit Denervation
des Handgelenks und Arthrolyse (Suva-act. 27, 32). Vom 22. bis 30. August 2006 war
der Versicherte bei den Diagnosen einer psychischen Dekompensation mit
ausgeprägter Angststörung, Wahnvorstellungen und latenter Suizidalität sowie einem
chronischen Schmerzsyndrom der rechten Hand im Spital D._ hospitalisiert (Bericht
vom 29. September 2006, Suva-act. 43). Vom 29. November 2006 bis 12. Januar 2007
A.b.
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war er aufgrund einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen
sowie einer somatoformen Schmerzstörung in der Psychiatrischen Klinik E._ in
stationärer Behandlung (vgl. Austrittsbericht vom 12. Januar 2007, Suva-act. 51). Im
Verlauf wurde der Versicherte ambulant psychiatrisch weiterbehandelt (vgl. Suva-act.
73, 75).
Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen, bei welcher sich der Versicherte im Januar
2007 zum Leistungsbezug angemeldet hatte (Suva-act. 55), sprach dem Versicherten
mit Verfügung vom 22. November 2007 eine ganze Invalidenrente ab dem 1.
September 2006 zu (Suva-act. 77).
A.c.
Anlässlich der Abschlussuntersuchung vom 11. Dezember 2007 kam der Suva-
Kreisarzt zum Schluss, dass der Fallabschluss erfolgen könne, da weitere medizinische
Massnahmen nicht zu einer Verbesserung des Zustandes führen würden. Er empfahl
die Übernahme der Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik Bellikon, da sich in der
aktuellen Röntgenuntersuchung auch strukturell radiologisch keine Veränderung
gezeigt habe. Den Integritätsschaden schätzte er auf 5% (Suva-act. 80, 82; vgl. auch
die weitere ärztliche Beurteilung vom 2. Juni 2008 in Suva-act. 95). Die Suva teilte dem
Versicherten am 27. Juni 2008 mit, dass sie die Heilbehandlungs- und
Taggeldleistungen per 31. Juli 2008 einstellen werde (Suva-act. 96).
A.d.
Mit Verfügung vom 11. Juli 2008 sprach die Suva dem Versicherten ab dem 1.
August 2008 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 14% und
eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 5% zu. Sie
hielt fest, dass dem Versicherten leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne Arbeit auf
Leitern oder Gerüsten ganztags möglich seien. Die psychogenen Störungen, die die
Erwerbsfähigkeit des Versicherten neben den organisch bedingten Unfallfolgen
beeinträchtigten, stünden nicht in einem adäquat-kausalen Zusammenhang mit dem
erlittenen Ereignis (Suva-act. 97).
A.e.
Die dagegen erhobene Einsprache (Suva-act. 105, 113) wies die Suva nach
weiteren neurologischen und handchirurgischen Abklärungen (vgl. Suva-act. 126 f.,
134) mit Entscheid vom 8. Juni 2010 ab insbesondere mit der Begründung, dass der
adäquate Kausalzusammenhang zwischen den geklagten psychogenen Beschwerden
A.f.
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B.
mit Schmerzzuständen und dem Unfallereignis vom 20. September 2005 zu verneinen
sei (Suva-act. 140). Dieser Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
Im Jahr 2011 liess die IV-Stelle den nun verbeiständeten Versicherten observieren
(vgl. zur Beistandschaft Suva-act. 141, 154, 173, 185). Im Oktober 2012 erfolgte im
Rahmen der Prüfung des Leistungsgesuchs der Ehefrau eine weitere Observation des
Versicherten. Im Anschluss veranlasste die IV-Stelle eine bidisziplinäre Begutachtung in
den Fachrichtungen Psychiatrie und Orthopädie. Die psychiatrische Begutachtung
konnte jedoch aufgrund des Verhaltens des Versicherten nicht durchgeführt werden.
Der orthopädische Gutachter Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädie, Orthopädisches
Schmerzzentrum G._, attestierte dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in
sämtlichen Tätigkeiten und hielt fest, dass der klinische Befund in krassem Gegensatz
zu den angegebenen Beschwerden stehe (Gutachten vom 26. Februar 2015, Suva-act.
192). Am 29. Mai 2015 verfügte die IV-Stelle die Einstellung der bisherigen ganzen
Invalidenrente auf Ende des der Verfügungszustellung folgenden Monats (Suva-act.
165). Diese Renteneinstellung wurde letztinstanzlich durch das Bundesgericht bestätigt
(Urteil vom 16. Januar 2017, 9C_244/2016, Suva-act. 191). Im April 2017 meldete sich
der Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an
(vgl. Suva-act. 188).
B.a.
Im Rahmen der im Januar 2018 eingeleiteten Rentenrevision zog die Suva die
Akten der IV-Stelle einschliesslich des orthopädischen Gutachtens sowie des
Observationsmaterials bei und gewährte dem Versicherten das rechtliche Gehör (Suva-
act. 177, 181 f., 186).
B.b.
Im August 2018 gab die IV-Stelle eine neue psychiatrische Begutachtung in
Auftrag (Suva-act. 179), anlässlich derer der Gutachter die Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit steigerbar auf 70% schätzte und festhielt, dass die attestierten
Einschränkungen wesentlich durch die Dekonditionierung verursacht seien (Gutachten
vom 6. Mai 2019). Gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen wies die IV-Stelle das
neue Leistungsbegehren ab (vgl. zum Ganzen die Verfügung vom 17. April 2020, Suva-
act. 202).
B.c.
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C.

Erwägungen
1.
Mit Verfügung vom 13. März 2020 hob die Suva die Rente per 1. April 2020 mit
Verweis auf die Ergebnisse der orthopädischen Begutachtung vom Februar 2015 auf
(Suva-act. 195). Die dagegen am 6. April 2020 (Suva-act. 197) erhobene Einsprache
wies die Suva mit Entscheid vom 29. Juni 2020 ab (Suva-act. 206).
B.d.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte, vertreten durch seinen
Rechtsvertreter, am 27. August 2020 Beschwerde mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 29. Juni 2020 sei aufzuheben und die am 11. Juli 2008
zugesprochene Rente aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit von 14% sei weiterhin
auszubezahlen. Zudem beantragte er die Sistierung des UV-Verfahrens bis zum
Abschluss des IV-Verfahrens (act. G 1).
C.a.
Am 3. September 2020 ersuchte das Gericht die Beschwerdegegnerin um
Stellungnahme betreffend die beantragte Sistierung (act. G 2). Am 17. September 2020
beantragte die Beschwerdegegnerin die Verweigerung der Sistierung (act. G 3). Mit
Schreiben vom 22. September 2020 wies das Gericht den Antrag des
Beschwerdeführers auf Sistierung ab mit der Begründung, dass kein unmittelbarer
Konnex zwischen dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 29. Juni 2020 und der
Verfügung der IV-Stelle vom 17. April 2020 bestehe (act. G 4).
C.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 21. Oktober 2020 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei
(act. G 6).
C.c.
Mit Replik vom 22. Februar 2021 und Duplik vom 15. März 2021 hielten die
Parteien an ihren Anträgen fest (act. G 12, 14).
C.d.
Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die
Invalidenrente der Unfallversicherung zu Recht per 1. April 2020 aufgehoben hat.
1.1.
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Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10% invalid (Art.
8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Eine Veränderung der gesundheitlichen
Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in
seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat
(Urteil des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2). Dagegen stellt die
bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein
genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Oktober 2013, 8C_211/2013, E. 2.2). Im Bereich der
obligatorischen Unfallversicherung ist die erforderliche Erheblichkeit der
Sachverhaltsänderung gegeben, wenn sich der Invaliditätsgrad um 5% verändert (BGE
140 V 87 E. 4.3). Die Frage der wesentlichen Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenverfügung bzw. des Einspracheentscheids bestanden hat, mit
demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung bzw. des streitigen
Einspracheentscheids (BGE 134 V 132 f. E. 3).
1.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen
und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/12
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2.
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3.a). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
formgerecht eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E.
1.3.4; vgl. ferner Thomas Flückiger, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte
und ihre Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in:
Kieser/Lendfers [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138
ff.).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a).
1.4.
Vorliegend ist zu prüfen, ob eine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers zwischen dem ursprünglichen, in
Rechtkraft erwachsenen Einspracheentscheid vom 8. Juni 2010 (Invaliditätsgrad von
14 %; Suva-act. 140, vgl. Suva-act. 97) und dem angefochtenen Einspracheentscheid
vom 29. Juni 2020 (Suva-act. 206) eingetreten ist.
2.1.
Die ursprüngliche Rentenzusprache basierte in medizinischer Hinsicht vorwiegend
auf der Beurteilung der verantwortlichen Ärzte der Rehaklinik Bellikon im Rahmen des
stationären Aufenthalts des Beschwerdeführers vom 6. Februar bis 22. März 2006
2.2.
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(Suva-act. 11), der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung und einer anschliessenden
weiteren internen medizinischen Beurteilung (Suva-act. 80, 95).
Im Austrittsbericht vom 3. April 2006 hielten die Ärzte der Rehaklinik Bellikon
fest, dass sechs Monate nach dem Unfall vom September 2005 mit Fraktur des
distalen Radius und konsekutiver offener Reposition und Osteosynthese bei an sich
gutem Operationsresultat weiterhin bewegungs- und kraftlimitierende Schmerzen im
Bereich des Handgelenks sowie unklare Dysästhesien im Bereich der Finger (speziell
Dig V) und der ulnaren Handkante beklagt würden. Infolge von Selbstlimitierung und
Inkonsistenzen seien die Resultate von physischen Leistungstests für die Beurteilung
der zumutbaren Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass
bei gutem Effort eine bessere Leistung erbracht werden könnte, als in den Therapien
gezeigt worden sei. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen
lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden und den bildgebenden
Abklärungen nur zum Teil erklären. Der Beschwerdeführer habe sich stets selbstlimitiert
und limitiert durch die Schmerzsituation gezeigt. Aufgrund der unklaren
Sensibilitätsminderung der Fingerkuppen Dig III bis V rechts sei der Beschwerdeführer
neurologisch beurteilt worden. Dabei hätten sich keine klinischen Hinweise auf eine
Läsion der sensiblen Anteile des Radialis und Ulnaris ergeben. Die Hyperpathie der
betroffenen Finger, die ulnaris- und teils auch medianuskontrolliert seien, sei keinem
möglicherweise im Fraktur-/Operationsgebiet betroffenen Nerv zuzuordnen. Die vom
Beschwerdeführer angegebenen neurologischen Symptome blieben unklar. Aufgrund
der fraglichen Krepitation im Bereich des zweiten und vierten Strecksehnenfachs sei
eine ambulante MRI-Untersuchung des Handgelenks durchgeführt worden. Dabei habe
sich bei leicht eingeschränkter Beurteilbarkeit aufgrund der durch das
Osteosynthesematerial bedingten Artefakte keine relevante Pathologie der Weichteile
gezeigt. Zusammenfassend liessen sich die physischen Einschränkungen und
Symptome aus somatischer Sicht nur schwer erklären. Die Beurteilung der
Zumutbarkeit müsse sich deshalb wesentlich auf medizinisch-theoretische
Überlegungen stützen, ergänzt durch die Beobachtungen bei den Leistungstests und
im Behandlungsprogramm. Eine weitergehende Einschränkung der Belastbarkeit lasse
sich medizinisch-theoretisch nicht begründen. Die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter
sei dem Beschwerdeführer aufgrund der zu hohen Anforderungen (schwere Arbeit,
kraftvoller Einsatz beider Hände erforderlich) nicht mehr zumutbar. Eine leichte bis
mittelschwere Arbeit ohne Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüsten sei hingegen ganztags
zumutbar (Suva-act. 11).
2.2.1.
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Anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 11. Dezember 2007
hielt der Suva-Kreisarzt fest, dass sich eine gewisse Atrophie der rechten oberen
Extremität zeige, was auf eine Inaktivität hindeute. Es bestünden weder radiologisch
noch klinisch Dystrophiezeichen und das Röntgenbild zeige einen guten
Mineralisationsgehalt und keine wesentlichen Arthrosezeichen. Der Suva-Kreisarzt kam
zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer beklagten Einschränkungen der oberen
Extremität in diesem Ausmass nicht mit den objektivierbaren Befunden und den Folgen
aus der Radiusfraktur zu erklären seien. Vorwiegend lägen nicht organische
Komponenten vor. Deshalb sei die Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik Bellikon zu
übernehmen (Suva-act. 80). Am 2. Juni 2008 erfolgte eine kreisärztliche Beurteilung,
anlässlich derer festgehalten wurde, dass die Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik
Bellikon aufgrund der unfallbedingten, in guter Stellung konsolidierten distalen
Radiusfraktur wohlwollend erscheine (Suva-act. 95).
2.2.2.
2.3.
Der Einspracheentscheid vom 29. Juni 2020 stützt sich im Wesentlichen auf das
orthopädische Gutachten von Dr. F._ vom 26. Februar 2015 (Suva-act. 192). Dieser
hielt fest, dass die Anamnese des Versicherten zum aktuellen Leiden sehr schwer zu
eruieren gewesen sei. Er habe keine Angaben machen wollen. Das Gespräch sei
hauptsächlich mit der Betreuerin und Dolmetscherin des Beschwerdeführers geführt
worden. Bei der Untersuchung des rechten Handgelenks und der rechten Hand habe
der Beschwerdeführer angegeben, die Hand nicht bewegen zu können. Bei der
durchgeführten passiven Beweglichkeit habe es allerdings keinerlei
Bewegungseinschränkungen gegeben. Die Hand habe sowohl nach oben als auch
nach unten gut bewegt werden können. Auch die Ulnaduktion und die Radialduktion
seien gut möglich gewesen. Auffallend sei eine hervorragende muskuläre Ausbildung
an der Hand und am Unterarm gewesen. Hier habe sich eine hervorragende
Beschwielung der rechten Hand gezeigt, sodass der dringende Verdacht auf aktuelle
handwerkliche Tätigkeiten bestehe. Der Gutachter verneinte jegliche muskuläre
Atrophie. Er hielt fest, dass aufgrund der klinischen Untersuchungen und des
radiologischen Befundes die dargestellten Beschwerden nicht nachvollzogen werden
könnten. Der körperliche Befund zeige keinerlei Einschränkungen und neurologische
Defizite. Die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Beschwerden und präsentierten
Symptome seien in sich nicht konsistent mit den erhobenen Befunden. Die
Radiusfraktur sei vollkommen ausgeheilt und die Muskulatur der Hand und des Armes
sei vollkommen zurückgekehrt. Der Gutachter schätzte die Arbeitsfähigkeit in jeglichen
Tätigkeiten auf 100%. Er hielt fest, dass sowohl in der angestammten Tätigkeit als
2.3.1.
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auch in adaptierten Tätigkeiten keine verminderte Leistungsfähigkeit mehr bestehe. Es
sei möglich, dass die geltend gemachten Beschwerden vorgespielt seien. Der klinische
und der radiologische Befund ständen in krassem Gegensatz zu den angegebenen
Beschwerden. Auch das Observationsmaterial zeige eine vollständig andere
Verhaltensweise des Beschwerdeführers. Dieser habe sich bisher geweigert, eine zur
Validierung der geklagten Leiden anerkannte neurologische Untersuchung zuzulassen.
Ein Täuschungsverhalten sei wahrscheinlich (Suva-act. 192).
Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beurteilung des orthopädischen
Gutachters nicht gefolgt werden könnte. Das Gutachten ist in Kenntnis der
medizinischen Aktenlage (vgl. S. 2-5 des Gutachtens) erstellt worden und beruht auf
einer fachärztlichen klinischen sowie einer bildgebenden Untersuchung. Der Gutachter
hat sich genügend mit den geklagten Beschwerden auseinandergesetzt und trotz der
aufgrund des passiven Verhaltens des Beschwerdeführers erschwerten
Untersuchungsstation detaillierte Befunde erhoben. Gestützt darauf hat er die
somatische Diagnose des Zustands nach gut verheilter Radiusfraktur rechts schlüssig
begründet und eine überzeugende und nachvollziehbare Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass sich das Gutachten auf
die Ergebnisse der von der IV-Stelle veranlassten Observation seiner Ehefrau stütze
und deshalb unverwertbar sei, ist mit der Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen,
dass sich der orthopädische Gutachter Dr. F._ bei seiner Diagnosestellung und
anschliessenden Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht auf die Ergebnisse der Observation
stützte, sondern allein auf die erhobenen Untersuchungsbefunde. Der Gutachter
äusserte sich zu den Observationsergebnissen lediglich am Rand dahingehend, dass
diese – wie anlässlich der durchgeführten Untersuchungen festgestellt – "auch" eine
vollständig andere Verhaltensweise des Beschwerdeführers gezeigt hätten. Es kann
deshalb vollumfänglich auf das Gutachten abgestellt werden.
2.4.
Vergleicht man den unfallkausalen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers,
wie er sich vor Erlass des Einspracheentscheids im Jahr 2010 präsentiert hatte, mit
demjenigen anlässlich der Begutachtung durch Dr. F._ im Jahr 2015, so fällt auf,
dass bereits damals eine gewisse Selbstlimitierung des Beschwerdeführers sowie
Diskrepanzen bezüglich der objektiven Befunde und der geltend gemachten
Beschwerden bzw. des Verhaltens des Beschwerdeführers festgestellt worden waren.
Unabhängig davon hatten die damaligen medizinischen Abklärungen noch eine
gewisse Atrophie der rechten Hand und damit Hinweise auf eine Inaktivität der Hand
und des Handgelenks ergeben. Demgegenüber konnte der orthopädische Gutachter
Dr. F._ keinerlei Atrophie mehr feststellen und diagnostizierte einen Zustand nach
2.5.
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3.
Zusammenfassend ist der Beschwerdeführer in (unfallkausaler) orthopädischer Hinsicht
sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit wieder zu 100%
arbeitsfähig. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 100% in jeglichen Tätigkeiten ergibt sich
von vorherein kein rentenbegründender Invaliditätsgrad, weshalb sich die Vornahme
eines Einkommensvergleichs erübrigt. Damit erfolgte die revisionsweise Aufhebung der
Invalidenrente zu Recht.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).