Decision ID: c34a7503-014b-4b72-9afe-8149758460e7
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1953
geborene
X._
war ab Januar 1998 arbeitslos
und erhielt Taggelder der Arbeitslosenversicherung (
Urk.
11/1 S. 59-62,
Urk.
11/1 S. 170
,
Urk.
11/10
S. 20 und
S. 35
)
. Vor der Kündigung per 1. Januar 1998 infolge Arbeitsrückgang
s
hatte er als Weberei-Assistent bei der Firma
Y._
gearbeitet (
Urk.
11/1 S.
23
,
153 und 170).
Ab
April 1999 wurde er
unter anderem wegen einer depressiven Entwicklung
ärztlich behandelt
(
Urk.
11/10 S. 19,
Urk.
11/10
S. 39 f.
)
;
sein Hausarzt
Dr.
med.
Z._
bescheinigte
ihm
eine krankheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
11/1
S.
34,
68,
76,
S.
80,
153 und 167
,
Urk.
11/38 S. 3
)
.
Am 6. November 1999
wurde
der
Ver
s
i
cherte
in der Türkei in einen Verkehrs
unfall verwickelt
(
Urk.
11/32 S. 2 ff.)
.
Am 1
2.
November 1999 ereig
nete sich an seinem Aufenthaltsort ein starkes Erdbeben,
in dessen Folge mehrere seiner Angehörigen ihr Leben verloren.
Durch diese Ereignisse erlitt der Versicherte eine Fraktur der inferioren
Gelenksfazette
C2 links mit
Anterolisthesis
C2/C3 und den Verlust aller Zähne im Oberkiefer rechts sowie des
Incisivum
links; ferner waren als Folge dieser Ereignisse zwei Zähne im Unterkiefer links gelockert.
Nach der medizinischen Erstversorgung in der Türkei wurde
d
er
Versicherte
am 3. Dezember 1999 mit der REGA in die Schweiz geflogen (
Urk.
11/1 S. 146
,
Urk.
11/37 S. 3
,
Urk.
11/38 S. 1 f.
).
Mit Unfallmeldung für arbeitslose Personen vom
30. November 1999
ersuchte
der Versicherte
die
Suva
um Ausrichtung der Versicherungsleistungen (
Urk.
11/1 S. 170). Im Dezember 1999 diagnostizierten die behandelnden Ärzte des
A._
neu
eine posttraumatische Anpassungsstörung (
Urk.
11/1 S. 144).
Am 13. April 2000 sprach die Invalidenversicherung dem Versicherten eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
1 S. 4).
Aufgrund der ihr eingereichten wider
sprüchlichen
Arztzeugnisse
(vgl.
Urk.
11/1 S. 76)
traf
die Arbeitslosenkasse
Abklärungen und gelangte
zum Schluss, der Versicherte sei vom
2.
August bis 5. November
1999
zu 100
%
a
rbeitsunf
ähig gewesen (
Urk.
11/1 S. 17). Deshalb
forderte
sie
die
für die
Zeit vom 1.
September bis
5.
November
1999
ausgerichtete
n
Taggelder mit Verfügung vom 24. Februar 2000 zurück (
Urk.
11/1
S. 17, S. 61 und
S. 164,
Urk.
11/6 S.
3
).
D
er Versicherte
focht
die
sen Entscheid mit Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht an (
Urk.
11/1 S. 17
,
Urk.
11/6 S. 3
).
1.2
Nach Abklärungen verneinte die Suva mit Verfügung vom 1
2.
April 2000
ihre Leistungspflicht
mit der Begründung
, der Versicherte sei am 6. Novem
ber 1999 nicht mehr
unfall
versichert gewesen. Die Versicherung
sdeckung
habe
wegen der
Beendigung des Anspruchs auf Leistungen der Arbeitslosen
versicherung
am 30. August 1999
bereits zuvor geendigt
(
Urk.
11/1 S.
56)
.
Der
V
ersicherte
erhob
dagegen
, vertreten durch Rechtsanwältin Christine A. Bertschinger, Einsprache
(
Urk.
11/1 S.
22, 55 und
68)
. M
it
eingeschriebenem Brief
vom
4. August 2000
teilte die Suva der Rechtsanwältin
mit
, für den Ausgang des
Einspracheverfahrens
sei das Ergebnis des
Rechtsmittelverfah
rens
gegen die Verfügung der Arbeitslosenkasse vom 24. Februar 2000 von wesentlicher Bedeutung. Deshalb werde das
Einspracheverfahren
bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids im
arbeitslosversicherungsrecht
lichen
Verfahren sistiert. Die Rechtsanwältin werde ersucht, der Suva das
rechtskräftige Urteil zuzustellen, sobald dieses vorliege. Das
Einsprachever
fahren
werde dann fortgesetzt (
Urk.
11/1 S. 15).
1.3
Mit Schreiben
8. Juni 2011
erkundigte sich die Suva bei der Rechtsvertreterin des Versicherten nach dem Stand des Rechtsmittelverfahrens betreffend
die
Arbeitslosen
taggelder
und
bat
gegebenenfalls um Zustellung des rechtskräf
tigen Endentscheids (
Urk.
11/2
).
Mit Schreiben vom
24. Juni 2011
beant
wortete
die Rechtsanwältin
die Anfrage dahingehend
,
dass
bisher noch kein Entscheid ergangen
sei
(
Urk.
11/3). Die anschliessenden Abklärungen der Suva ergaben, dass
das Sozialversicherungsgericht die
Rückforderungsverfü
gung
der Arbeitslosenkasse vom 24. Februar 2000
mit Urteil
AL.2000.00803
vom 7. September 200
1
aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Arbeitslosenkasse zurückgewiesen hatte
(
Urk.
11/6)
. Die
Arbeitslosen
kasse
hatte in der Folge auf
die Durchführung
weitere
r
Abklärungen ver
zichtet und
keine neue
Rückforderung
verfügt
(
Urk.
11/
4,
Urk.
11/6 S. 1,
Urk.
11/8
S. 1 und 3)
.
Am 18. April 2012
teilte
die Suva
dem Versicherten mit, sie gehe nun davon aus, dass die Arbeitslosentaggelder für den Zeitraum vom 1. September bis
5. November 1999 zu Recht
ausgerichtet worden seien und
dass
deshalb eine Deckung für den Unfall vom 6. November 1999 bestehe
. Deshalb
ziehe sie die Verfügung vom 1
2.
April 2000 zurück
und prüfe, ob und inwiefern der Beschwerdeführer Anspruch auf Versicherungs
leistungen habe
(
Urk.
11/26).
In der Folge
zog
die Suva
die Akten der ebenfalls mit der Sache befassten Invalidenversicherung bei (
Urk.
11/9-10
)
, holte bei den behandelnden Ärzten
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie, sowie
bei
Dr.
Z._
Berichte ein (
Urk.
11/28-29)
und liess den Versicherten von ihrer Abteilung Ver
sicherungsmedizin
interdisziplinär durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psy
chiatrie
,
sowie
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie
,
untersuchen
(
Urk.
11/31
,
Urk.
11/37-38,
Urk.
11/40-41
).
Nach Zustellung der Akten
und nach
einem Briefwechsel mit der Rechtsvertreterin des Versicherten (
Urk.
11/48-54
) sprach die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom
13. Juni 2014 für den Zeitraum vom 29. Juli 2006 bis 31. Dezember 2012 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad vo
n 100
%
und danach eine Rente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 34
%
zu. In der Verfügung hielt sie zudem fest, der Anspruch auf Leistungen in der Zeit vor dem 29. Juli 2006 sei verwirkt (
Urk.
11/61
; vgl. auch
Urk.
11/64
).
Die vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
11/71)
wies die Suva mit
Einspracheent
scheid
vom 27. März 2015 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Christine A. Bertschinger,
am 11. Mai 2015
Beschwerde mit dem Antrag auf
Zusprechung einer Rente
auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 100
%
vom
1. April 2000
bis zum 28. Juli 2006
(zuzüglich Verzugszins)
sowie erneut ab dem
1. Januar 2013
(
Urk.
1 S. 1)
.
Mit Beschwerdeantwort
vom 23. September 2015 beantragte
die Suva die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9).
In der Replik vom 15. Januar 2016 modifizierte der Beschwerdeführer sein
Rechts
begehren
dahingehend, dass er für die Zeit ab Januar 2013 nur noch eine Rente basie
rend auf einem Invaliditätsgrad von mehr als 34
%
beantragte
.
Ferner stellte er den Antrag, die Verfahrenskosten seien der Suva aufzuerle
gen
(
Urk.
18 S. 1 f.). In der Duplik vom 11. Mai 2016 erneuerte die Suva ihren Antrag auf Beschwerdeabweisung (
Urk.
27).
Mit Eingabe vom
27. Mai 2016 nahm der Beschwerdeführer zur Duplik Stellung (
Urk.
29). Diese Stellungnahme wurde der Suva zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
30).
Auf
die
weiteren Ausführungen der Parteien und
die
Akten ist,
soweit
für
die
Entscheidfindung
erforderlich
, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je
mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistun
gen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bishe
rigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmun
gen).
Die
hier zu beurteilende
n Unfä
ll
e
haben
sich
im
Jah
r
1999
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und i
n dieser Fassung zitiert werden.
2.
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
inva
lid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
[ATSG]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG
[in der ab 1. Juli 2001 geltenden Fassung])
.
Für Renten, deren Anspruch vor dem 1. Juli 2001 entstanden ist, ist der damals in Kraft gewe
sene
Art.
18
Abs.
1 UVG massgebend, wonach auch Renten unter einem Invaliditätsgrad von 10
%
ausgerichtet werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_342/2009 vom 11. Dezember 2009, E. 5).
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Per
son nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
3.
Es ist unbestritten und durch die Akten ausgewiesen, dass der Beschwerde
-
füh
rer
als Folge der Unfälle vom
6.
u
nd 1
2.
November 1999
zunächst
zu 100
%
arbeitsunfähig war und deshalb
für die
Zeit vom 29. Juli 2006 bis
31. Dezember 2012 Anspruch auf eine Invalidenrente basierend auf
einem Invaliditätsgrad von 100
%
hat (
Urk.
1 S. 2,
Urk.
2 S.
20
und 34,
Urk.
11/37-38,
Urk.
11/48,
Urk.
11/61 S. 3
).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist zunächst, ob der Anspruch auf
eine Rente
für die Zeit vor dem 29.
Juli 2006 verwirkt ist.
4.
2
4.2.1
Die
Suva stellt sich auf den Standpunkt
,
der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente für die Zeit vor dem 29. Juli 2006 sei verwirkt.
D
er Anspruch auf ausstehende Leistungen
erlösche
fünf Jahre nach dem Ende des Monats, für welchen die Leistung geschuldet gewesen sei.
Die
Rechtsvertre
terin
des Beschwerdeführers
sei
im
Schreiben
vom 4. August 2000
betreffend die Sistierung des
Einspracheverfahrens
aufgefordert worden
, die Suva über das arbeitslosenversicherungsrechtliche Verfahren
, dessen Ausgang für die Beurteilung des
Bestehens einer Unfallversicherungsdeckung
habe abgewar
tet werden müssen,
auf dem Laufenden zu halten
.
Dies habe sie nicht getan. S
ie
hätte
sich bei der Arbeitslosenkasse über den Stand des Verfahrens informieren müssen, insbesondere, nachdem ihr
das
Rückweisungsurteil
des Sozialversicherungsgerichts AL.2000.00803 vom 7. September 2001 zuge
stellt worden
sei, von welchem
die
Suva
keine Kenntnis gehabt habe
.
Dadurch hätte
die Rechtsvertreterin Kenntnis
vom
Abschluss des Verfahrens vor der Arbeitslosenkasse erhalten und durch Mitteilung an die Suva
eine Verwirkung von Leistungen
vermeiden
können.
Selbst
wenn von einem
Fehlverhalten
der Suva
nach der Sistierung des
Einspracheverfahrens
ausge
gangen werde,
habe
dies
keinen Einfluss auf die Verwirkung des
Leistungs
anspruchs
.
Nach der Rechtsprechung unterliege die Nachzahlung von Leis
tungen
nämlich
auch dann einer absoluten Verwirkungsfrist von fünf Jahren, wenn die Verwaltung einen hinreichend substantiiert geltend gemachten Leistungsanspruch
-
aus welchen Gründen auch immer -
übersehen habe
oder
wenn die
versicherte Person infolge Unterlassung der
Information
oder falscher Auskunft
durch die Behörde von der rechtzeitigen
Anmeldung abge
halten worden sei.
Da die Suva das Bestehen einer Versicherungsdeckung für die Unfallereignisse vom 6. und 1
2.
November 1999 anerkannt habe, spiele es im Übrigen keine Rolle, ob die Unfälle durch die
ordentliche
Unfallver
sicherung oder eine
Abredeversicherung
gedeckt seien (
Urk.
2 S. 24-26,
Urk.
9 S. 3 f.
,
Urk.
27,
Urk.
29
).
4.2.2
Der Beschwerdeführer
bestreitet dagegen
,
dass
eine Verwirkung von Leistun
gen eingetreten
ist
.
Die Arbeitslosenkasse habe nach Erhalt des
Rückwei
sungsurteils
des Sozialversicherungsgerichts
betreffend die Rückforderung von Taggeldern für den Zeitraum vom 1. September bis 5. November 1999
keine Verfügung erlassen, sondern die Rückforderung gemäss einer internen
Protokollnotiz formlos ausgebucht. Darüber seien aber weder er beziehungs
weise seine Rechtsvertreterin noch die Suva informiert worden.
Dieser Fehler der Arbeitslosenkasse
– und kein eigenes Verschulden -
sei
ursächlich dafür
,
dass
seine Rechtsvertreterin
die
Suva
nicht wie im Sis
t
i
erungsschreiben vom
4. August 2000
aufgefordert
über die rechtskräftige Erledigung der
arbeits
losenversicherungsrechtlichen
Streitigkeit habe informieren können
(
Urk.
1
S. 5 f.)
.
D
ie
Suva
habe
es unterlassen
, in regelmässigen Abständen nachzufra
gen, ob der Sistierungsgrund noch vorliege
, was eine mangelhafte
Verfah
rensleitung
darstelle
.
Die Sistierungsdauer von mehr als 10 Jahren ohne eine Überprüfung des Sistierungsgrun
ds verletz
e zudem das
Beschleuni
-
gungsge
bot
.
Durch ihr
Untätigbleiben
habe die Suva auch den
Untersu
chungsgrund
satz
missachtet
(
Urk.
18 S. 2-8
,
Urk.
29
)
.
Die von
der
Suva zur Begründung der Verwirkung angeführte Rechtsprechung sei auf den zu beurteilenden Sachverhalt nicht anwendbar, da die Anmeldung zum
Lei
s
tungsbezug
am 30. November 1999
rechtzeitig erfolgt sei und die Suva zunächst Leistungen erbracht habe. Die Unfallmeldung sei
folglich
nicht übersehen worden, viel
mehr
sei die Einsprache gegen die
leistungsverwei
gernde
Verfügung vom 1
2.
April 2000 während mehr als zehn Jahren nicht behandelt worden.
Die
Suva gehe zudem offensichtlich davon aus, dass das während laufendem
Einspracheverfahren
von seiner Rechtsvertreterin ver
fasste Schreiben vom 29. Juli 2011 eine Neuanmeldung darstelle. Dies
treffe nicht zu
(
Urk.
18 S. 9-13).
Die lange Dauer zwischen der Anmeldung zum Leistungsbezug und der Festsetzung der Leistungen sei auf Fehler sowohl der Arbeitslosenkasse als auch der Suva zurückzuführen, weshalb es dem Grundsatz von Treu und Glauben widerspreche, die Versicherungsleistungen als verwirkt zu betrach
ten (
Urk.
1 S. 6 f.).
Der Beschwerdeführer bringt weiter vor,
die
Suva hätte ihm die Gelegenheit geben müssen, rechtzeitig eine
Abredeversicherung
ab
zuschliessen, bezie
hungsweise ihn dahingehend beraten müssen.
Bei einem rechtzeitigen
res
pektive
rückwirkenden Abschluss der
Abredeversicherung
wäre diese anläss
lich des Unfallereignisses vom 6. November 1999 wirksam gewesen (
Urk.
1
S. 4 f. und 7,
Urk.
3/6 S. 4 f.). Wäre die Suva entsprechend vorgegangen, hätte sie seine Leistungen bereits Anfang 2000 festsetzen können, da die Ver
sicherungsdeckung damals bereits festgestanden hätte
, und hätte das
Ein
spracheverfahren
nicht sistieren müssen
(
Urk.
1 S. 6).
4.3
Gemäss
Art.
24
Abs.
1 ATSG erlischt der Anspruch auf ausstehende Leistun
gen fünf Jahre nach dem Ende des Monats
, für welchen die Leistung geschuldet war.
Bei dieser Frist handelt es sich um eine Verwirkungsfrist, die
grundsätzlich nicht unter
b
rochen oder verlängert werden kann
[BGE 139 V 246 f.]
).
Bei der Inva
lidenrente der Unfallversicherung handelt es sich um eine periodische Geld
leistung. Dies hat zur Folge, dass nur die einzelnen Rentenraten durch Zeit
ablauf untergehen können, das Rentenstammrecht aber unverjährbar und
unverwirkbar
bleibt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2012 vom 20. Februar 2013, E. 3.2 mit Hinweisen).
Analog verhält es sich
hinsichtlich des
Leis
tungsstammrecht
s
bei Taggeldleistungen (vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015,
Art.
24
Rz
21 und 36).
Die Frist von
Art.
24
Abs.
1 ATSG wird grundsätzlich durch eine rechtzeitige Anmeldung gewahrt. Übersieht ein Versicherungsträger jedoch
eine hin
rei
chend substantiierte Anmeldung, werden nur die Rentenraten der letzten fünf Jahre vor der Neuanmeldung nachbezahlt, weiter zurückliegende sind unter
gegangen.
Nichts anderes gilt, wenn die Verwaltung
zunächst mit der Anspruchsprüfung beginnt, diese in der Folge aber nicht zu Ende führt und es unterlässt, über den Anspruch zu verfügen.
Dabei kommt es auf die Gründe, aus welchen die Verwaltung trotz rechtzeitiger Anmeldung die Rente nicht zugesprochen hat, nicht an
. Selbst wenn
die versicherte Person wegen einer Verletzung der Informations-
,
Auskunfts- und Beratungspflicht durch die Behörde von der rechtzeitigen Anmeldung abgehalten wurde, tritt die Verwirkung ein
(Urteile des Bundesgerichts 8C_888/2012 vom 20. Februar 2013, E. 3.3 und 4 mit Hinweisen sowie 9C_582/2007
vom 18. Februar 2008
,
E.
3.3
)
.
Anmeldung und Neuanmeldung wirken dabei gleichsam wie eine Unter
brechung der fünfjährigen Frist. Damit die versicherte Person, welche darauf vertraut, durch die rechtzeitige Anmeldung ihre Ansprüche gewahrt zu haben, nicht in unbilliger Weise ihre Ansprüche durch Zeitablauf verliert, dürfen an eine Neuanmeldung nicht allzu strenge formelle Voraussetzungen geknüpft werden. So hat jedes unmissverständliche Beharren der versicherten Person, dass der Versicherungsträger ihr weitere Leistungen schulde, als sinngemässe Neuanmeldung zu gelten
(Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2012 vom 20. Februar 2013, E. 3.5 mit Hinweisen)
.
4.4
Der zu beurteilende Sachverhalt
entspricht
der vom Bundesgericht beurteilten Konstellation, in welcher die Verwaltung zunächst mit der Anspruchsprüfung
(Versicherteneigenschaft)
begonnen, diese in der Folge aber nicht zu Ende geführt hatte.
Dass die Suva anfänglich sogar Leistungen erbracht hat, ändert nichts daran, dass
die Sistierung des
Einspracheverfahrens
mit Schreiben
vom
4. August 2000 (
Urk.
11/1 S. 15) das vorläufige Ende der Abklärungen
der Suva
markiert
e
.
In der Folge meldete sich der rechtskundig vertretene Versicherte über zehn Jahre lang nicht mehr bei der Suva, so dass die Frage der Versicherteneigenschaft bei der Suva – diese war im Rahmen des abge
wiesenen Leistungsgesuchs der Streitgegenstand der angefochtenen Suva-Verfügung und damit Gegenstand der Abklärung im
Einspracheverfahren
, während sich die Versicherung über die übrigen Leistungsvoraussetzungen noch gar nicht geäussert hatte – unklar blieb. Im Besonderen informierte er die Suva nicht über die Tatsache, dass es im
arbeitslosenversicherungsrecht
lichen
Verfahren durch das gerichtliche Urteil zu einer Aufhebung der ange
fochtenen Rückerstattungsverfügung gekommen war zwecks Rückweisung der Sache und Neuabklärung der Umstände der Arbeitsunfähigkeit des Ver
sicherten durch die Arbeitslosenkasse, obwohl er auch in jenem Verfahren durch die gleiche Rechtsanwältin vertreten war. Richtig ist zwar, dass es sich beim Urteil des Sozialversicherungsgerichts mit diesem Resultat nur um einen Zwischenentscheid handelte, der die Sache der Rückforderung materiell nicht endgültig klärte. Dadurch, dass das Gericht die angefochtene
Rücker
stattungsverfügung
der Arbeitslosenversicherung vom 24. Februar 2000 (
Urk.
11/1 S. 61-64) aber aufgehoben hatte und das Urteil rechtskräftig wurde, existierte keine Rückforderung mehr, und sie musste – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 5) - nicht noch durch die Arbeits
losenversicherung formell aufgehoben werden. Offenbar entschied sich die Rechtsvertreterin, wie sie in einem Schreiben vom 7. März 2014 festgehalten hat, in der Folge, bei der Arbeitslosenversicherung nicht nachzufragen, wes
halb in der Sache nichts mehr ging und sie nicht über allfällige Abklärungen informiert worden sei. Sie hielt dazu fest, dass sie sich zwar gewundert habe, sie habe aber deshalb nicht nachgefragt, weil sie befürchtet habe, dass die Abklärungen nicht zu Gunsten des Mandanten ausfallen könnten (
Urk.
11/50 S. 2). Dieser für das arbeitslosenversicherungsrechtlichen Verfahren nach
vollziehbar gefällte Entscheid hatte jedoch für das
unfallversicherungsrecht
liche
Verfahren Auswirkungen, wo der Unfallversicherer in seinem Schreiben vom 4. August 2000 zum Ausdruck gebracht hatte, dass er in Ermangelung einer Teilnahme am arbeitslosenversicherungsrechtlichen Verfahren nicht über die notwendigen Informationen zur Fortsetzung seines Verfahrens ver
fügte und somit von der Rechtsvertreterin über dieses Verfahren informiert werden
wollte
. Durch das
Untätigbleiben
seitens des Versicherten bestand damit das Risiko, dass die Suva zu lange zuwartete und die absolute Verwir
kung und damit der Untergang seiner angemeldeten Leistungsansprüche nach fünf Jahren eintreten konnte.
Offen bleiben kann, ob der Suva wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht in diesem Zusammenhang ein Fehlverhalten vorzuwerfen ist; nach der Rechtsprechung spielen die Gründe, aus welchen die Suva trotz rechtzeitiger Anmeldung die Rente nicht viel früher zugesprochen hat,
eine untergeord
nete
Rolle.
Insbesondere
vermag
– bei ausgewiesener Deckung durch die obligatorische Unfallversicherung –
auch eine allfällige Verletzung der Informations- und Beratungspflicht der Suva bezüglich der
Abredeversiche
rung
und
deren eventuelle (Mit-)Ursächlichkeit für die
Verfahrensverzöge
rung
nichts an der
absoluten
Verwirkung zu ändern.
Allfälliges widerrecht
liches Verhalten der Durchführungsorgane der Unfallversicherung, das zu einer Schädigung der versicherten Person führte, wäre mittels einer
Verant
wortlichkeitsklage
im Sinne von
Art.
78 ATSG geltend zu machen
.
4.5
Nach der dargelegten höchstrichterlichen Rechtsprechung hat jedes
unmiss
-
ver
s
tändliche Beharren der v
ersicherten Person, dass
der
Versiche
rungsträger ihr
(
weitere
)
Leistungen schulde, als sinngemässe Neuanmeldung zu gelten
.
Die
Suva hat das Schreiben der Rechtsvertreterin des Beschwerde
führers vom 29. Juli 2011 (
Urk.
11/
6 S. 1)
als Neuanmeldung qualifiziert.
Dies ist nicht zu beanstanden. Zwar hat die Rechtsvertreterin der Suva
im Monat davor
mit
E-Mail vom 24. Juni 2011 auf die entsprechende Anfrage
der Suva
vom
8. Juni 2011 (
Urk.
11/2) mitgeteilt, dass sie den Beschwerde
führer nach wie vor vertrete und im
R
echtsmittelverfahren gegen die Verfü
gung der Arbeitslosenkasse vom 24. Februar 2000 noch kein Entscheid ergangen sei (
Urk.
11/3).
Erst
durch das
Schreiben vom 29. Juli 2011, aus welchem hervorgeht, dass die Rechtsvertreterin
zwischenzeitlich
weitere Abklärungen zum Stand des arbeitslosenversicherungsrechtlichen Verfahrens
getätigt hatte (
Urk.
11/6), war für die Suva aber unmissverständlich klar, dass der Beschwerdeführer
trotz des langen Zeitintervalls seit der letzten Korres
pondenz
an seinem Leistungsbegehren festhalte.
Mit dieser Neuanmeldung am 29. Juli 2011 wurde die Verwirkungsfrist für die fünf Jahre zuvor ent
standenen
Rentenbetreffnisse
eingehalten, wie das die Beschwerdegegnerin richtig erkannt hat.
5.
5.1
5.1.1
Strittig ist sodann, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert hat
und die ab 29. Juli 2006 laufende Invalidenrente
mit einem Invaliditätsgrad von 100
%
deshalb herabzusetzen ist
.
5.1.2
Die Suva
geht gestützt auf die
psychiatrische Beurteilung
durch
Dr.
C._
vom 13. März 2013
und die chirurgische Beurteilung
durch
Dr.
D._
vom 1
2.
März 2013
davon aus, dass es in der Zeit zwischen den beiden Unfällen im November 1999 und der Untersuchung durch
diese Ärzte
am 6. Dezember 2012 zu einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes gekom
men
ist
(
Urk.
2 S. 29,
Urk.
9 S. 4 ff.).
5.
1
.3
Der Beschwerdeführer
bestreitet
,
dass sich sein Gesundheitszustand wesent
lich verbessert
hat.
Die von der Suva beauftragen Ärzte
Dr.
C._
und
Dr.
D._
erstellten seit Jahren regelmässig für die Suva Gutachten und gene
rierten dadurch einen wesentlichen Teil ihrer Einkünfte, weshalb davon aus
gegangen werden müsse, dass sie ihr Ermessen zugunsten der Versicherung ausübten. Ihre Ausführungen stellten deshalb Parteibehauptungen mit gerin
ger Beweiskraft dar.
Ferner kön
ne aufgrund der Beurteilungen du
r
ch
Dres
.
C._
und
D._
nicht
ermittelt
werden, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse verändert hätten, weshalb auch ke
ine wesentliche gesundheitliche
Verbesse
rung ausgewiesen sei.
Im Übrigen werde d
ie
Behauptung von
Dr.
D._
, dass er anlässlich seiner Untersuchung simuliert habe, bestritten.
Dr.
C._
sei
nerseits
habe sich nicht mit den Berichten der ihn behandelnden Ärzte
Dr.
Z._
und
Dr.
B._
auseinandergesetzt.
Die
unabhängige
n
Ärzte
des
E._
Dr.
med.
F._
, Chefarzt Neurologie, und
Dr.
med.
G._
, Chefarzt Rheumatologie, seien in ihrem Gutachten vom
27. April 2015 sowohl hinsichtlich der Diagnosen als auch der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zu anderen Schlüssen gelangt als die Suva-Ärzte.
S
ie hätten
darauf hingewiesen
, dass die Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit schwierig sei und nach derart vielen Jahren ohne beruflichen Einsatz genere
ll theore
tischen Charakter habe.
A
llein unter Berücksichtigung der somatischen Befunde
seien sie
von einer Arbeitsfähigkeit von etwa 50
%
in
behinde
rungsangepassten
Tätigkeiten aus
gegangen. Weiter seien sie
davon ausge
gangen, dass die Symptomatik progredient sei, ein sozialer Rückzug in allen Lebensbereichen stattgefunden habe und auch therapeutisch keine Verbes
serung zu erwarten sei. Ferner hätten sie eine weitere psychiatrische Begut
achtung empfohlen, da die Ärzte in der Türkei bei ihm eine beginnende Alz
heimer-Erkrankung diagnostiziert hätten.
Den Unterlagen zu den vier von der Invalidenversicherung durchgeführten Revisionen in den Jahren 2001 bis 2012 seien keine Anhaltspunkte für eine gesundheitliche Verbesserung zu entnehmen.
Zudem werde im
ärztliche
n
Rapport des
H._
vom 9. Mai 2014 bestätigt, dass sich der Gesundheitszustand seit 15 Jahren nicht verbessert habe
.
Falls das Gericht die vorliegenden Unterlagen nicht als ausreichend erachte, um auf einen unveränderten Gesundheitszustand schliessen zu können, werde die Einholung eines inter
disziplinären
Gutachten
s bei
einer unabhängigen Fachstelle
beantragt
(
Urk.
1 S. 7 ff.
,
Urk.
3/5
)
.
5.2
5.
2
.1
Am 6. Dezember 2012 untersuchte
Dr.
D._
von der Abteilung
Versicherungs
medizin
der Suva
den Beschwerdeführer
chirurgisch. Seinem Untersuchungsbericht vom 1
2.
März 2013
lagen
die
Untersuchungsbefunde, die
Vorakten
der Suva und der Invalidenversicherung sowie Röntgenauf
nahmen der Halswirbelsäule und des
Dens
vom 7. Dezember 2012 zugrunde.
Der Beschwerdeführer berichtete anlässlich der Untersuchung über konstante Schmerzen im Nacken, in der Wirbelsäule und beidseits in den Oberarmen. Die Prüfung der Beweglichkeit ergab keine Einschränkungen.
Laut
Dr.
D._
klagte der
Beschwerdeführer
bei leichtem Klopfen entlang der ganzen Wir
belsäule über Schmerzen und gab im Lauf der Untersuchung eine allgemein zunehmende Schmerzhaftigkeit an. Nach Aufforderung habe er eine einge
schränkte aktive Beweglichkeit der Wirbelsäule (Rotation von 20-0-20 sowie nur andeut
ung
sweise mögliche Inklination und
Reklination
) gezeigt.
In anderen
Untersuchungssituationen seien deutlich grössere
Bewegungsum
fänge
zu beobachten gewesen. Auch die Prüfung des
Lasègue
-Zeichens habe eine erhebliche Inkonsistenz offenbart.
Die Röntgenbilder der Halswirbelsäule zeigten laut
Dr.
D._
eine vollständige Fusion C2/C3 mit reizlos liegendem
Spondylodese
-Material. Im Segment C3/C4 seien geringe
spondylarthrotische
Veränderungen ersichtlich.
Die mitgebrachten Halskrausen, welche der Beschwerdeführer gemäss Verordnung seiner Ärzte in der Türkei tragen müsse, hätten kaum Gebrauchsspuren aufgewiesen.
Als somatische Unfallfol
gen verblieben eine
Spondylodese
C2/C3 mit einem funktionell, soweit in unbeobachteten Situationen erkennbar, hervorragenden Ergebnis.
Aufgrund der klinischen Untersuchung könne vom Erreichen eines medizinischen Dau
erzustands ausgegangen werden. Wann dieser Zustand erreicht gewesen sei, könne anhand der unzureichenden medizinischen Dokumentation des Falles nicht sachgerecht beurteilt werden. Wegen
der verbleibenden
endgradigen
Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule könne der Beschwerdeführer heute Arbeite
n
über Kopf und solche mit häufigen Kopfwendungen nur sel
ten ausführen. Unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen sei ihm ein ganztägiger Arbeitseinsatz zumutbar (
Urk.
11/37).
5
.
2
.2
Der Psychiater
Dr.
C._
von der Abteilung Versicherungsmedizin
der Suva
untersuchte den Beschwerdeführer am 6. Dezember 2012 von 9:20 bis 11:40 Uhr. Sein Bericht vom 13. März 2013 basiert zudem auf den von der Suva zur Verfügung gestellten
Akten
(
Urk.
11/38 S. 1 ff.)
.
Dem Bericht ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
Dr.
C._
angab, nach dem Verkehrsunfall vom 6. November 1999 in Lebensgefahr geschwebt zu haben.
Er sei nach ein paar Tagen nach Hause verlegt worden. Wie in sei
ner Heimat üblich hätten ihn alle Verwandten besucht. An diesem Tag sei es zum
schweren
Erdbeben gekommen, in dessen Folge sieben seiner Angehöri
gen
, unter anderem eine Tochter und ein Enkelkind,
ums Leben gekommen seien. Einige seiner Verwandten
und seine Ehefrau
würden ihn beschuldigen, dass seine Anwesenheit damals das Erdbeben verursacht habe
und er für die Todesfälle verantwortlich sei
.
Er
lebe nun
in der Türkei
allein
in einem Haus auf dem Land, das er von seinem Vater geerbt habe. Er habe kaum Kontakt mit anderen Menschen. Er stehe morgens um sechs Uhr auf und sei bis nachmittags zwischen vier und fünf Uhr draussen und gehe spazieren. Er grüble
viel
über die Ereignisse vom November 1999
(
Urk.
11/38 S. 6 ff.)
.
Dr.
C._
diagnostizierte eine
subsyndromal
chronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und eine
Dysthymie
(ICD-10: F34.1)
. In seiner abschliessenden Beurteilung hielt er fest, der Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt des Unfalls bereits zu mindestens 50
%
vom Hausarzt
krankge
schrieben gewesen
wegen einer vorbestehenden, nicht genauer beschriebenen
leichtgradigen
affektiven Störung, welche mit Arbeitsplatzproblemen
und möglicherweise mit dem Erleben eines früheren Erdbebens
zusammengehängt habe
und am ehesten einer Anpassungsstörung entspreche
. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Anschluss an die Unfälle sei er im
A._
medizinisch versorgt worden. Nach der Entlassung sei er bereits am 8. Dezember 1999
in agitiertem Zustand mit retrosternalen Schmerzen und Atemnot
wieder
in das Spital eingetreten
, wobei er
angegeben
habe, dass ihn der Tod der
A
ngehörigen sehr beschäftige
. Ein psychiatrisches Konsilium habe die Diagnose einer „posttraumatischen Anpassungsstörung“ ergeben.
Die Umstände und der Zeitpunkt des Auftretens der Symptome sprächen dafür, dass von den Ärzten damit eine posttraumatische Belastungsstörung
PTBS
gemeint gewesen sei.
Wegen der stark belasteten psychischen Situation sei er bei
m Neurologen
Dr.
B._
angemeldet worden, welcher ihn mehrmals psychiatrisch betreut habe.
Sowohl der Verkehrsunfall als auch die verhee
renden Ereignisse im Zusammenhang mit dem erlebten Erdbeben seien zwanglos geeignet, eine posttraumatische Belastungsstörung auszulösen. Der Beschwerdeführer habe
anlässlich der Untersuchung
noch über Albträume und intrusiv-grüblerische Erinnerungen an die Unfälle berichtet, nicht aber über Flashbacks.
Weiter bestehe ein sozialer Rückzug mit Ausgrenzung aus der Familie.
Zeichen einer anhaltenden Übererregbarkeit seien nicht erkenn
bar gewesen. Während des gesamten Untersuchungsgesprächs habe der Beschwerdeführer eine nahezu durchgängig eingeschränkt modulierte ernste bis traurige, oft auch moros verbitterte Stimmung gezeigt. Eine tiefere depressive Stimmungslage sei jedoch nicht erkennbar gewesen. Das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung sei
damit
nicht mehr
gegeben
, es bestehe aber eine wahrscheinlich
chronifizierte
Restsymptomatik
.
Zudem sei der Beschwerdeführer chronisch verbittert und leicht herabgestimmt
gewesen
im Sinne einer
Dysthymie
, ohne dass die Kriterien für die Diagnose einer depressiven Episode erfüllt
gewesen
seien.
Es entspreche dem typischen Ablauf, dass die PTBS erst einige Wochen nach den Unfällen anlässlich des zweiten Aufenthalts im
A._
erstmals aufgetreten sei. Wie lange
der Beschwerdeführer am Vollbild einer PTBS gelitten habe,
lasse sich nicht
rekonstruieren, da die vorliegenden Berichte zu wenig aussage
kräftig dafür seien.
Aufgrund der anamnestischen Informationen könne davon ausgegangen werden, dass in zeitlicher Nähe zu den Unfallereignissen
zusätzlich
noch eine leichte depressive Episode bestanden habe.
Der weitere Verlauf sei dadurch gekennzeichnet, dass offenbar keine wirksame
stö
rungsspezifische
Behandlung
,
insbesondere
der PTBS
,
stattgefunden
habe
. Der Beschwerdeführer habe wenig Support und Anerkennung seines Leidens in seinem sozialen Umfeld erhalten, mit Ausnahme von
Dr.
B._
, welcher ihn mit Gesprächen unterstützt habe. Als
chronifizierender
Faktor
wirke
fer
ner
der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer im Zusamm
enhang mit dem traumatischen Er
eignis vorrangig mit der Schuldfrage auseinanderge
setzt habe.
Deshalb spreche einiges dafür, dass die psychische Symptomatik zumindest einige Zeit nach den Unfällen ein erheblicheres Ausmass gehabt habe als aktuell
(
Urk.
11/38 S. 10 ff.)
.
Die Unfälle hätten die psychische Symptomatik sowohl als auslösende Bedin
gung als auch
- wegen der erheblichen Folgen (Schuldthematik, Ausgren
zung durch die Familie) -
als
chronifizierender
Faktor
beeinflusst
. Unter
Berücksichtigung des vorbestehenden, leichten unfallfremden Leidens könne von
einer teilweisen Unfallkausalität der psychischen Symptomatik gespro
chen werden.
Die verbliebenen unfallbedingten psychischen Symptome seien in Anlehnung an die Mini-ICF-APP insgesamt als leicht bis knapp mittel
schwer einzustufen. Sie wirkten sich
insofern auf die berufliche Leistungs
fähigkeit aus, dass
in qualitativer Hinsicht Tätigkeiten mit häufigem
Kunden
kontakt
und erhöhten Anforderungen an die Teamfähigkeit ungeeignet seien. Weiter sei von einer mässig reduzierten zeitlichen Belastbarkeit auszugehen. Medizin
i
sch-theoretisch seien dem Beschwerdeführer einfache leichte unge
lernte Tätigkeiten ohne grossen Zeitdruck und ohne Schichtdienst in einem zeitlichen Rahmen von rund 6 Stunden pro Tag zumutbar.
Zu einem früheren Zeitpunkt habe die unfallbedingte psychische Symptomatik wahrscheinlich zu einer erheblichen Leistungsbeeinträchtigung bis hin zur vollständigen Arbeitsunfähigkeit geführt
. Es sei davon auszugehen, dass die jetzige Leis
tungsfähigkeit deutlich besser sei als
zum Zeitpunkt der Berentung durch die Invalidenversicherung im Jahr 2000
(
Urk.
11/38 S. 15 ff.)
.
5.2
.3
Am 8. April 2015 wurde der Beschwerdeführer durch
Dr.
G._
und
Dr.
F._
vom
E._
interdisziplinär rheumatologisch-neurologisch untersucht. In diagnostischer Hinsicht erwähnten die Ärzte in ihrem Bericht vom 27. April 2015 zunächst ein zervikal- und lumbalbetontes
Panver
teb
ralsyndrom
bei ausgeprägter muskulärer
Dysbalance
im Nacken-, Schul
ter- und
Lumbosakralbereich
, degenerativen Veränderungen im Bereich
der Hals- und Lendenwirbelsäule sowie
einem Status nach Fraktur der inferioren Gelenkfacette C2 links mit
Anterolisthese
C2/C3. Weiter sind d
em Bericht die Diagnosen einer
P
eriarthropathia
humeroscapularis
beidseits
, einer begin
nenden
Retropatellärarthrose
beidseits und einer beginnenden
Alzheimer
erkrankung
zu entnehmen. In ihrer Beurteilung wiesen die Ärzte darauf hin, dass ein grosser Teil der erhobenen Befunde und Diagnosen nicht oder nur zum Teil unfallbedingt sei.
Die S
chmerzen hätten sich zwischenzeitlich
chro
nifiziert
und könnten nicht in allen Belangen objektiven Befunden zugeord
net werden, womit das Bild einer
somatoformen
Schmerzstörung vorliege.
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei allein schon wegen der beruflichen Untätigkeit seit 1999/2000 ausserordentlich schwierig. Alle
i
n unter Berück
sichtigung der somatischen Befunde sei
medizinisch-theoretisch
von einer Arbeitsfähigkeit für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
ohne repetitive oder stereotype Bewegungsabläufe und Überkopfarbeiten von ungefähr 50
%
auszugehen. Die genaue Belastbarkeit müsste im Rahmen eines
Arbeitsver
suchs
beurteilt werden.
Unter Berücksichtigung der
somatoformen
Schmerz
störung
und der Foerster Kriterien sowie der beginnenden Alzheimer-Erkran
kung müsse davon ausgegangen werden, dass eine verbleibende Arbeits
fähigkeit auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar sei. Zu berücksich
tigen sei auch, dass ein 60-jähriger Mann, der 13 Jahre nicht gearbeitet habe und unter multiplen somatischen und psychischen Beschwerden leide
,
keine Chance habe, eine Arbeitsstelle zu finden (
Urk.
3/8).
5
.3
5.3
.1
Die Berichte vo
n
Dr.
C._
und
Dr.
D._
sind
für d
ie streitigen Belange umfas
send
,
beruhen auf allseitigen Untersuchungen
,
berücksichtigen die geklagten Beschwerden
,
sind
in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgege
ben worden
,
leuchten
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und enthalten begründete Schlussfolgerungen. Deshalb sind sie grundsätzlich beweiskräftig
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Zu beachten ist sodann, dass
a
uch den Berichten und Gutachten
versiche
rungsinterner
Ärzte und Ärztinnen Beweiswert zukommt, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchs
frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tat
sache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c). Solche besonderen Umstände werden vom Beschwerde
führer weder geltend gemacht, noch ergeben sich hierfür Anhaltspunkte aus den Akten.
Die
Suva durfte gestützt auf diese Berichte davon ausgehen, dass der Beschwer
deführer unmittelbar nach den Unfällen wegen der damaligen somatischen und psychischen Beschwerden
unfallbedingt
vollständig arbeitsunfähig war.
Dr.
C._
hat nachvollziehbar dargelegt, dass es im wei
teren Verlauf mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer teilweisen Remission der unfallbedingten psychischen Symptomatik gekommen ist, wobei
-
auch gemäss
Dr.
D._
bezüglich der somatischen Beeinträchtigungen -
eine genaue zeitliche Einordnung der gesundheitlichen Entwicklung wegen der ungenügenden Dokumentation nicht möglich ist. Fest steht aber, dass sich der
körperliche und
psychische Gesundheitszustand
bis zu den
am
6. Dezember 2012 von
Dr.
D._
und
Dr.
C._
durchgeführten U
nter
-
suchungen insofern gebessert hatte, als dass dem Beschwerdeführer
damals
einfache leichte ungelernte Tätigkeiten ohne grossen Zeitdruck, ohne Schichtdienst sowie ohne häufige Arbeiten über Kopf und mit häufigen Kopfwendungen in einem zeitlichen Rahmen von rund 6 Stunden pro Tag zumutbar waren.
5.3
.2
Den übrigen Einwendungen des Beschwerdeführers gegen die Berichte von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
ist folgendes entgegenzuhalten:
Dr.
D._
hat das anlässlich seiner Untersuchung beobachtete
i
nkonsistente Verhalten des Beschwerdeführers hinsichtlich der Beweglichkeit bei der akti
ven Untersuchung und in unbeobachteten Momenten überzeugend dargelegt
(
Urk.
11/37 S. 4 f.)
. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers besteht kein Grund, an der Glaubwürdig
keit dieser Angaben zu zweifeln.
Anders als vom Beschwerdeführer behauptet hat sich
Dr.
C._
sehr wohl (unter anderem auf Seite fünf seines Berichts [
Urk.
11/38 S. 5]) mit den Berichten von
Dr.
B._
auseinandergesetzt.
Auch hat sich
Dr.
C._
mit den Attesten des Hausarztes
Dr.
Z._
auseinander
ge
setzt, was sich aus den wiederholten Erörterungen der Gründe für die von diesem Arzt vor den Unfällen attestierte Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
11/1 S. 34
,
76, 80, 1
49
und 167
)
in seinem
Bericht ergibt (
Urk.
11/38 S. 3 f., 10, 13 und 17). Im Bericht vom
2.
Mai 2012 (
Urk.
11/29)
machte
Dr.
Z._
keine neuen Angaben zur psychischen Problematik, weshalb dieser Bericht für die Beurteilung der psy
chischen Symptomatik nicht relevant ist.
Hinsichtlich der
rheumatologisch-neurologischen
Beurteilung
der
Ärzte
Dr.
F._
und
Dr.
G._
vom
E._
vom 27. April 2015 ist zu beachten, dass diese Ärzte bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht zwischen unfallbedingten und unfallfremden Befunden unterschieden
. Ins
besondere ist die von diesen Ärzten mitberücksichtigte Alzheimer-Erkran
kung offensichtlich unfallfremd. Ferner diagnostizierten und berücksichtigten sie eine anhaltende
somatoforme
Sch
merz
störung, welche nicht in ihr Fach
gebiet, sondern in dasjenige der Psychiatrie fällt. Weiter flossen unfallfremde Faktoren wie das Alter des Beschwerdeführers und die Arbeitsmarktlage in ihre Beurteilung mit ein. Dagegen fehlt in ihrem Bericht eine
eingehende
Auseinandersetzung mit der divergierenden Einschätzung von
Dr.
D._
vom 1
2.
März 2013, insbesondere mit den von diesem Arzt beobachteten Inkon
sistenzen. Deshalb ist der Bericht der
Dres
.
F._
und
G._
nicht voll
beweiskräftig und vermag die Beurteilung der Suva-Ärzte
Dr.
D._
und
Dr.
C._
nicht zu erschüttern.
Der ärztliche Rapport des
H._
vom 9. Mai 2014 enthält keinerlei Begründung der Behauptung, dass sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in den letzten 15 Jahren nicht geändert habe. Ferner wird im Rapport auch nicht zwischen unfallbedingten und unfallfremden Symptomen unterschieden (
Urk.
11/69 S
.
1). Deshalb ist der Rapport nicht beweiskräftig.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, den Unterlagen zu den vier von der Invalidenversicherung durchgeführten Revisionen in den Jahren 2001 bis 2012 seien keine Anhaltspunkte für eine gesundheitliche Verbesserung zu entnehmen, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Unfallversicherung
nicht an die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung gebunden ist
(BGE 133 V 549 E. 6.2)
. Da sich zudem aus dem Bericht des
E._
vom 27. April 2015 ergibt, dass der Beschwerdeführer auch unter mannigfaltigen unfallfremden Beeinträchtigungen leidet, besteht zwischen der Beurteilung der Suva und derjenigen der Invalidenversicherung nicht zwingend ein Widerspruch.
Auch dieser Einwand ist folglich
unbehelflich
.
Insgesamt besteht mithin keine Veranlassung, an der Beweiskraft der Beurtei
lungen von
Dr.
D._
und
Dr.
C._
zu zweifeln, und es kann unein
g
e
schränkt darauf abgestellt werden. Weitere Abklärungen erübrigen sich.
6.
6
.1
Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, er sei anlässlich der von
der
Suva veranlassten medizinischen Abklärungen beinahe 60 Jahre alt gewesen. Nach allgemeiner Lebenserfahrung könne er wegen seines fortgeschrittenen Alters zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten die ihm verbliebene Leistungsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bis zum Erreichen des Pensionsalters nicht erwerblich verwerten (
Urk.
1 S. 9 f.).
6
.2
Diesbezüglich bleibt darauf hinzuweisen, dass d
er Bundesrat
im Bereich der Unfallversicherung
gestützt auf
Art.
18
Abs.
2 UVG in
Verbindung mit
Art.
28
Abs.
4 UVV eine besondere Regelung für die Ermittlung des
Invali
ditätsgrades
bei Versicherten getroffen
hat
, welche die Erwerbstätigkeit nach dem Unfall altershalber nicht mehr aufnehmen (Variante I) oder bei denen sich das vorgerückte Alter erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit auswirkt (Variante II). In diesen Fällen sind gemäss
Art.
28
Abs.
4 UVV für die Bestimmung des Invaliditätsgrades die
Erwerbseinkom
men
massgebend, die ein Versicherter im mittleren Alter bei einer entspre
chenden Gesundheitsschädigung erzielen könnte. Damit wird bei der
Invali
ditätsbemessung
einerseits dem Umstand Rechnung getragen, dass nebst der - grundsätzlich allein versicherten - unfallbedingten Invalidität auch das vorgerückte Alter eine Ursache der Erwerbslosigkeit oder -unfähigkeit bildet. Andererseits wird berücksichtigt, dass die Invalidenrenten der Unfallver
sicherung bis zum Tod der Versicherten zur Ausrichtung gelangen (
Art.
19
Abs.
2 UVG), wobei sie - in Abweichung von
Art.
17
Abs.
1 ATSG - nach dem Monat, in dem
die versicherte Person das Rentenalter erreicht hat
, nicht mehr revidiert werden können (
Art.
22 UVG). Mit
Art.
28
Abs.
4 UVV soll demnach verhindert werden, dass bei älteren Versicherten zu hohe
Invalidi
tätsgrade
resultieren und Dauerrenten zugesprochen werden, wo sie mit Blick auf die unfallbedingte Invalidität eher die Funktion von Altersrenten auf
weisen (
Urteile des Bundesgerichts 8C_346/2013 vom 10. September 2013,
E. 4, sowie 8C_806/2012 vom 1
2.
Februar 2013, E. 2 und 5.2, jeweils mit wei
teren Hinweisen
).
6
.3
Das geltend gemachte vorgerückte Alter des Beschwerdeführers ist bei der Beurteilung der Zumutbarkeit im Bereich der Unfallversicherung demgemäss nicht zu berücksichtigen. Nach der Rechtsprechung findet
Art.
28
Abs.
4 (Variante II) UVV auch dann Anwendung, wenn das vorgerückte Alter einer versicherten Person das Zumutbarkeitsprofil - wie vorliegend - nicht zusätz
lich beeinflusst, also keine zusätzlichen Einschränkungen des funktionellen Leistungsvermögens mit sich bringt, aber einer Verwertung der
Restarbeits
fähigkeit
(auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt) trotzdem entgegen
steht, weil kein Arbeitgeber einen Angestellten im oder kurz vor dem AHV-Alter mit gesundheitlichen Einschränkungen einstellen würde (
Urteile des Bundesgerichts 8C_346/2013 vom 10. September 2013, E. 4.2, sowie 8C_806/2012 vom 1
2.
Februar 2013, 5.2.2
).
Der Verweis des Beschwerde
führers auf das Urteil 8C_345/2013 vom 10. September 2013, E. 4.2
(
Urk.
1 S. 9)
ändert daran nichts, da es sich
um einen vorliegend nicht einschlägigen Fall aus dem Bereich der Invalidenversicherung handelt.
7
.
7.1
7.1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält
nissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen
(BGE 134 V 131 E. 3 mit Hinweisen; BGE 133 V 108 E. 5.4).
7
.1
.2
Nach der im Bereich der Invalidenversicherung ergangenen Rechtsprechung umfasst
d
ie rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263
E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen
(vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Ren
tenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5).
7
.1
.3
V
orliegend
steht nicht eine Revision einer bereits rechtskräftig zugesproche
nen Rente zur Diskussion, sondern es geht um die erstmalige rückwirkende Zusprechung
eine
r
abgestuften Invalidenrente.
Die S
uva hat die
Revisions
bestimmungen
– wie
dies
gemäss der vorstehenden Erwägung im Bereich
der Invalidenvers
icherung gehandhabt wird
- analog auf diesen Sachverhalt angewendet (
Urk.
2 S. 28 f.), was nicht zu beanstanden ist.
7
.1
.4
Der Zeitpunkt der revisionsweisen Herabsetzung der Rente ist im Bereich der Unfallversicherung nicht gesetzlich geregelt.
Nach der höchstrichterlic
hen Rechtsprechung ist es sachgerecht, auf den Verfügungszeitpunkt abzustellen, wenn feststeht, dass bereits an diesem Tag die Revisionsvoraussetzungen materiell erfüllt sind. Die Rentenherabsetzung ist auf den ersten Tag des Monats, welcher der Verfügung beziehungsweise deren Zustellung an die versicherte Person folgt, festzulegen (BGE 140 V 70 E. 4.2 unter Hinweis auf
Art.
19
Abs.
3 ATSG).
Mit Blick auf diese Rechtsprechung rechtfertigt es sich im Fall einer rückwir
kend ergangenen Verfügung über eine abgestufte Rente, den Zeitpunkt der Herabsetzung nach dem Tag zu richten, an welchem die Revisionsvorausset
zungen materiell erfüllt sind, wobei die reduzierte Rente ab dem ersten Tag des folgenden Monats auszurichten ist.
Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Suva die laufende Rente auf
grund eines 100%igen Invaliditätsgrades per
1. Januar 2013
- am ersten Tag des
den Untersuchungen der
Dres
.
C._
und
D._
vom 6. Dezember 2012 (
Urk.
11/37 S. 1,
Urk.
11/38 S. 1) folgenden Monats
- herabgesetzt hat.
7.2
Die der Invaliditätsbemessung
für die Zeit ab 1. Januar 2013
mittels
Einkom
mensvergleich
(vorstehend E. 2) hypothetisch zu Grunde gelegten Validen- und
Invalideneinkommen von
Fr.
58‘543.-- respektive
Fr.
38‘468.
--
sind unbestrittenermassen nicht zu beanstanden
(
Urk.
1,
Urk.
2 S. 30 f.,
Urk.
11/61 S. 2)
.
Damit bleibt es dabei, dass der Beschwerdeführer ab
1. Januar 2013 Anspruch auf eine Invalidenrente aufgrund eines
Invalidid
täts
grades
von 34
%
hat.
8
.
8
.1
Der Beschwerdeführer verlangt
die Zusprechung von Verzugszinsen auf den beantragten Leistungen
für d
ie Zeit vom 1. April 2000 bis 28
.
Juli
2006
(
Urk.
1 S. 1,
Urk.
18 S. 1
f.
und 13 f.
; vgl. auch
Urk.
11/64 S. 1
).
8
.2
Art.
26
Abs.
2 ATSG verpflichtet die Sozialversicherungen, für ihre Leistun
gen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frü
hestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung Verzugszinsen zu bezahlen, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfäng
lich nachgekommen ist. Die Verzugszinspflicht setzt den Bestand einer Hauptleistung voraus und hat insofern akzessorischen Charakter.
Da, wie
in Erwägung 4 dargelegt
wurde
, der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Nachzahlung von Leistungen für die Zeit
vom
1.
April 2000 bis 2
8.
Juli
2006
hat
, weil dieser verwirkt ist und damit untergegangen ist,
kann
auch kein entsprechender Anspr
uch auf Verzugszinsen entstehen
.
9
.
Die Beschwerde
ist
vollumfänglich abzuweisen
;
es besteht kein Grund,
der Suva
wegen mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung ausnahmsweise im Sinne von
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Gerichtskostenpauschale aufzuerlegen.