Decision ID: eaff5339-9dd2-4011-a612-bd6b595cb9dd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1965
geborene
X._
schloss
ihr Medizinstudium in Belgrad im Jahr 1990 erfolgreich ab. 1998 erwarb sie in Belgrad zudem den Facharzttitel in Orthopä
die (
Urk.
9/3/5,
Urk.
9/4/5). Sie
ist verheiratet
und
Mutter
eines 2004 geborenen Sohnes
(
Urk.
9/4)
.
Bis im August 2008 arbeitete sie in Belgrad
vollzeitlich als Ärztin, danach reiste sie in die Schweiz ein (
Urk.
9/48,
Urk.
9/89/3).
Die Versi
cherte
war
seither
Hausfrau.
A
m
2
4.
Dezember 2013
wurde sie
in Belgrad in einen
U
nfall verwickelt
und ihr linkes Bein
wurde
zwischen zwei Autos einge
klemmt.
Nach einem primären Rekonstruktions
ver
such des Beins
musste
am 2
5.
Dezember 2013
eine
Amputation des linken Beins auf Höhe des Oberschen
kels
durchgeführt werden
(
Urk.
9/3/8
,
Urk.
9/4/5-6,
Urk.
9/19/2
,
Urk.
9/19/12-13
).
Unter Hinweis auf den amputierten linken Ober
schenkel meldete sich
die Versicherte
am
3.
April
2014
bei der Invalidenver
sicherung
zum Bezug einer Rente und
zur Gewährung
beruflicher Massnahmen
(
Urk.
9/4)
und
am
2
2.
Mai 2014
mit dem Antrag auf
Übernahme der Kosten
eines Hilfsmittels in Form einer Oberschenkelprothese
an (
Urk.
9/10
-
12
,
Urk.
9/16
).
Die
Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf
in der Folge
medizinische und erwerbli
che Abklärungen
.
Am 2
6.
Juni 2014 wies sich Rechtsanwalt Martin Hablützel unter Beilage einer Vollmacht gegenüber der IV-Stelle als Rechtsvertreter der Versicherten aus (
Urk.
9/23).
Da die Ver
sicherte anlässlich der Abklärung vor Ort bei ihr zu Hause am 1
7.
März 2015
angegeben hatte
, dass sie als Gesunde vollzeitlic
h erwerbstätig wäre (
Urk.
9/89/2
), verzichtete die IV-Stelle
vorerst auf eine Haushaltabklärung
und
forderte die Versicherte auf, Belege über Stellen
bewerbungen einzureichen (
Urk.
9/59/1). Nach Erhalt entsprechender Belege und Informationen (
Urk.
9/68,
Urk.
9/70
,
Urk.
9/73-75
) und deren erste Sich
tung gelangte die IV-Stelle zur
Beurteilung
, dass eine 100%ige Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall nicht genü
gend belegt sei (
Urk.
9/80,
Urk.
9/83,
Urk.
9/90).
Zur näheren Prüfung der Qua
lifikation und der beeinträchtigten Arbeitsfähig
keit im Haushalt führte die IV-Stelle am
3.
November
2015 vor Ort eine Haus
haltabklärung durch (
Urk.
9/89).
1.2
Gestützt auf den Haushaltabklärungsbericht vom 3
0.
November 2015 qualifi
zierte die IV-Stelle die Versicherte als zu 100
%
im Haushalt tätig und ging von einer gesundheitsbedingten Beeinträchti
gung in dieser Tätigkeit von 22,
35
%
aus
(
Urk.
9/89)
. Dementsprechend stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 3
0.
November 2015 die Abweisung ihres Antrags auf Zusprechung von be
ruf
lichen Massnahmen und einer Invalidenrente in Aussi
cht (
Urk.
9/91). Sodann sprach sie
der Versicherten n
ach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/86)
für den Erwerb
einer Oberschenkelprothese
mit Verfügung vom 1
0.
Dezember 2015 einen
Kostenbeitrag
von
Fr.
37‘507.35
zu
(
Urk.
9/94
)
. Am
5.
Januar 2016 erhob die Versicherte gegen den einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente ablehnenden Vorbescheid vom
3
0.
Novem
ber 2015 Einwand
. Sie
machte geltend, unter neuropathischen Schmer
zen
und einer psychischen Störung zu leiden, und beantragte die Zu
sprechung einer
mindestens
halben Invalidenrente
(
Urk.
9/98
).
Am
9.
Februar 2016 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf,
bis zum
1.
März 2016 einen Ver
laufsbericht betreffend die von ihr im Einwand erwähnte psychiatrische Be
handlung einzureichen (
Urk.
9/99).
Dieser Aufforderung kam die Versicherte nicht nach (
Urk.
2 S. 3).
Mit Verfügung vom 1
8.
Mai 2016
hielt die IV-Stelle
an ihrem Entscheid, keine Rente
und beruflichen Massnahmen zuzusprechen, fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten
durch Rechtsanwalt Martin Hablützel
, mit Eingabe vom 2
0.
Juni 2016 Beschwerde mit dem Antrag, es sei die Be
schwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die
gesetzlichen Leistungen
der Invali
denversicherung
zuzusprechen; eventualiter sei durch
das Gericht eine gutach
terliche
Abklärung aus den Fachbereichen Orthopädie, Psychiatrie und eventuell zusätzlich Neurologie anzuordnen;
subeventualiter
seien ihr Leistungen in Form von Massnahmen beruflicher Art zuzusprechen. In
prozessualer
Hinsicht bean
tragte sie die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung
mit Parteibefragung sowie den
Beizug
von Verlaufsberichten der
behandelnden
Ä
rzte
(
Urk.
1 S. 2
und 14
).
Mit Verfügung vom 2
8.
Juni 2016 setzte das Gericht der IV-Stelle
Frist zur Einreichung einer Beschwerdeantwort an und machte die Beschwerde
füh
rerin gleichzeitig darauf aufmerksam,
dass es ihr im Rahmen ihrer Mitwir
kungs
pflicht zumutbar sei, medizinische (Verlaufs-)Berichte der behandelnden Ärzte selbst anzufordern und dem Gericht einzureichen (
Urk.
4).
Mit Beschwerde
antwort vom 3
1.
August 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
8).
Mit Verfügung vom 1
1.
Mai 2017 setzte das Gericht den Parteien Frist an, um sich zur gesetzlichen Zulässigkeit einer hypothetischen Tätigkeit der Beschwer
deführerin als Assistenzärztin zu äussern. Zudem wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, innert derselben Frist darzulegen, ob sie über eine Gleich
wertig
keitsbescheinigung der
Medizinalberufekommission
MEBEKO
zu ihrem Diplom/
Weiterbildungstitel und/oder eine eidgenössische beziehungsweise kantonale
Be
rufsausübungsbewilligung verfüge
.
Verneinendenfalls
habe sie darzulegen, was
sie zur Erlangung der notwendigen Bewilligungen unternommen habe (
Urk.
11).
Die Beschwerdeführerin liess sich mit Eingabe vom 1
7.
August 2017 vernehmen (
Urk.
16) und reichte weitere Unterlagen ein (
Urk.
17/12-13).
Anlässlich der Haupt
verhandlung
vom 2
2.
März 2018
hielten die Parteien im Rahmen von Replik und Duplik an ihren Anträgen fest (Urk.
28
sowie Prot. S.
5-8
).
D
as Gericht
führte sodann
eine persönliche Befragung der Beschwer
deführerin durch (Prot. S.
8
ff.).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin und die Vertreterin der IV-Stelle stellten
der Beschwerdeführerin
ergänzende Fragen (Prot. S. 17 ff. und 21 ff.). Am Ende
der
V
erhandlung
nahmen die Parteien zum Ergebnis der persönlichen Befragung
Stellung (Prot.
S. 23 f.
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
glie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Versicherte mit vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren, gelten nach Art. 5 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3 ATSG als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betä
tigen. Art. 7 Abs. 2 ATSG ist sinngemäss anwendbar.
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
-
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Gesichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren
Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nicht
erwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Metho
de der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsver
gleich, ge
mischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person
bei im Übrigen unveränderten Umständen
täte, wenn keine gesundheitliche Beein
trächtigung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesundheits
-
schaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
IVV
, in der bis Ende 2017 gü
ltig gewesenen, hier anwendbaren
Fassung
).
Es ist nämlich nicht Sache der Invalidenversicherung, die Einbusse einer Tätigkeit auszugleichen, welche im hypothetischen Gesundheitsfall nicht ausgeübt würde
(BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen
;
Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung,
3.
Auflage, Zürich 2014, S. 313 mit weiteren Hinweisen
).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und
die Vorbringen
der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozial
versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
Massgebend für die hypothetische Beurteilung ist die gesamte per
sönliche, familiäre, b
erufliche und soziale Situation
(BGE 125 V 146 E. 2c S.
150 mit Hinweisen). Dabei handelt es sich zwangsläufig um eine hypo
thetische Beurteilung, die auch hypothetische Willensentscheidungen der ver
sicherten Person berücksichtigen muss. Solche inneren Tatsachen sind einer direkten Beweisführung nicht zugänglich; sie müssen in aller Regel aus äusse
ren Indizien erschlossen
werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_374/2013 vom
1
2.
November 2013).
Ein starker
Indizwert
kommt dabei jener Tätigkeit zu, wel
che bei Eintritt der invalidisierenden gesundheitlichen Beeinträchtigung tat
sächlich und unter Umständen seit längerer Zeit ausgeübt wurde, vor allem bei sonst im Wesentlichen unveränderten Verhältnissen (Meyer,
Reichmuth
, a.a.O., S. 313 mit weiteren Hinweisen).
1.
4
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des
Art.
69
Abs.
2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar (Urteil
des Bundesgerichts
9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86). Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
füh
rung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer ver
sicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie
den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
träch
tigungen und Behinderungen hat.
Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E.
2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundes
gerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Haus
pflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinde
rung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Ab
klärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
1.5
Bei der Bemessung der Invalidität von im Haushalt tätigen Versicherten ist die Schadenminderungspflicht von erheblicher Relevanz. Nach der Rechtsprechung
ist dabei vom Grundsatz auszugehen, dass einem Leistungsansprecher im Rahmen
der Schadenminderungspflicht Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünf
tiger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Ent
schä
digung zu erwarten hätte. Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die Auswirkungen der Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine
möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten ermög
lichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haus
haltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mit
hilfe von Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invaliditäts
bedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen Personen nur insoweit ange
nommen wer
den, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden können,
durch Drittper
sonen gegen
Entlöhnung
oder durch Angehörige verrichtet werden
, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine unver
hältnismässige Belastung entsteht. Die im Rahmen der Invaliditätsbe
messung bei einer Hausfrau zu berücksichtigende Mithilfe von Familienan
gehörigen geht daher weiter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Dabei darf nach der Rechtsprechung unter dem Titel der Schadenminderungspflicht nicht etwa die Bewältigung der Haushalttätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die übrigen Familienmitglieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleich
sam bei jeder festgestellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sic
h ein Familienmitglied finden lässt, das allenfalls für eine ersatzweise Aus
füh
rung der entsprechenden Teilfunktion in Frage kommt (BGE 133 V 504 E.
4.2
mit Hinwei
sen; Urteil des Bundesgerichts 8C_729/2009 vom 3
0.
Novem
ber 2009 E. 4.1-3).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründet
die Verneinung eines Anspruchs auf berufliche Mass
nahmen und eine Invalidenrente damit, die Beschwerdeführerin sei als zu 100
%
im Haushalt tätig zu qualifizieren. Seit ihrer Einreise in die Schweiz sei sie nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Lediglich für das Jahr nach ihrem Unfall habe sie
zwei
Bewerbungen für Vollzeitstellen nachweisen können. Für die Zeit vorher habe sie einen Lebenslauf, zwei Bestätigungen, woraus das Pen
sum aber nicht hervorgehe, sowie eine Auflistung über eingereichte Bewerbun
gen eingereicht
.
Aufgrund des Ärztemangels in der Schweiz sei es nicht nach
vollziehbar, dass sie derart Mühe gehabt habe, eine Stelle zu finden. Es wäre ihr zuzumuten gewesen, vorerst eine Stelle als Assistenzärztin anzu
nehmen, um
im
Arbeitsmarkt
Fuss zu fassen
. Trotz ihrer intellektuellen, zeit
lichen – der Sohn sei in einer Tagesschule – und finanziellen Ressourcen habe sie sich nicht um eine Anerkennung
ihrer Ausbildung
in der Schweiz bemüht.
Ihre Behauptung, dass sie erst nach über vier Jahren Dauer des Bewer
bungs
prozesses über die Notwen
digkeit einer Gleichwertigkeitsbescheinigung info
r
miert worden sei, überzeuge nicht.
Auch habe sie zur Verbesserung ihrer Vermittelbarkeit keine Kurse, beispielsweise einen Deutschkurs, belegt.
Die von der Beschwerdeführerin ein
gereichte Liste über Bewerbungen in anderen Tätig
keitsbereichen vermöge ent
sprechende Bewerbungen nicht
hinreichend
zu bele
gen.
Damit sei nicht bewie
sen
, dass sie bei guter Gesundheit zu 100
%
erwerbs
tätig wäre.
Bei der Festlegung der Einschränkung im Haushalt sei auf die internen Kreis
schreiben (KSIH) abgestellt worden. Der Beschwerdeführerin sei im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht zuzumuten
, für die Erledigung der verschie
de
nen Tätigkeit
en
mehr Zeit aufzuwenden oder die Arbeiten in Etappen zu erle
digen, zumal ihr Sohn auch über Mittag in der Schule
weile
. Auch sei ihr eine Umgestaltung etwa der Küche oder des Wohnbereichs zumutbar, damit sie in der Lage sei, bestimmte Tätigkeiten wie etwa das Rüsten von Gemüse oder Bügeln in sitzender Position auszuüben.
Überdies
könne sie
die Arbeitsauf
teilung unter den Familienmitgliedern
nötigenfalls um
stellen, um ihre verblei
bende Arbeitskraft voll auszunützen.
Ferner
sei es den Familienmitgliedern zu
mutbar, ihr beispielsweise das Bügelbrett hinzustellen, die gebügelte Wäsche zu versorgen und weitere Handreichungen zu leisten. Solche Tätigkeiten könnten nicht bei den Einschränkungen berücksichtigt werden.
Die Tätigkeit der Putzhil
fe könne ebenfalls
nicht als Einschränkung berücksichtigt werden, da diese bereits vor dem Unfall
alle zwei bis drei Monate für zwei Stunden die gründli
chen Reinigungsarbeiten besorgt habe
. Schliesslich sei zu berücksich
tigen, dass die Familie in einer Blockwohnung mit drei Zimmern wohne, wodurch der Aufwand für Reinigungsarbeiten nicht sehr hoch sei.
Die von der Beschwerde
führerin zur Begründung einer höheren Einschränkung angeführten SAKE-Tabellen fänden im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren keine Anwen
dung.
Da sie in ihrem Aufgabenbereich Haushalt und Kinderbetreuung ledi
glich zu 22,
35
%
eingeschränkt sei,
und
diese Einschränkung dem Invaliditätsgrad ent
spreche,
bestehe kein Rentenanspruch. Es
bestehe ebenfalls kein Anspruch auf berufliche Massnahmen
, weil sie zu 100
%
als Hausfrau tätig sei
.
Die Beschwerdeführerin sei anlässlich der beiden eingehenden Befragungen vo
m 1
7.
März und
3.
November 2015 auch danach befragt worden, bei welchen Ärz
ten sie regelmä
ssig in Behandlung sei und ob sie Therapien absolviere. Dass sie, wie später im Einwand vorgebracht, im Zeitpunkt der Haushaltabklärung ausser der medikamentösen Behandlung eine eigentliche psychiatrische Thera
pie be
sucht habe, gehe aus den Akten nicht hervor. Im
Einwandverfahren
habe sie zudem keine neuen medizinischen Berichte nachgereicht (
Urk.
2
,
Urk.
8
,
Urk.
28, Prot. S.
7 f. und 24
).
2.2
Die Beschwerdeführer
in
stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt,
sie sei als vollzeitlich Erwerbstätige einzustufen.
Sie habe von 1992 bis 2008 vollzeitlich als orthopädische Chirurgin in einer Klinik in Belgrad gearbeitet.
Während des Mutterschaftsurlaubs n
ach der Geburt ihres Kindes
im Jahr 2004 sei sie zum ersten Mal in die Schweiz gekommen. Seit 2008 habe sie Wohnsitz in der Schweiz. Zuerst habe sie nicht arbeiten wollen, da sich ihr Sohn zuerst habe in der Schweiz eingewöhnen müssen. Seit 2010 besuche er eine internationale Ganz
tagesschule.
S
pätestens s
eit August 2010
habe sie sich
intensiv
für Voll
zeitstellen
, in erster Linie
als Ärztin
, aber auch in anderen Tätigkeitsbereichen, welche Kenntnisse der medizinischen Wissenschaft voraussetzten,
beworben.
Aufgrund gewisser Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Anerkennung der Diplome
sei es jedoch schwierig gewesen, sofort eine ihrer Ausbildung ent
sprechende Stelle zu finden.
Auch wegen anfänglicher Sprachschwierig
kei
ten habe sie trotz guter Qualifikationen mehrere Absagen erhalten
(
Urk.
1 S. 5)
.
Trotzdem habe sie
auch
unzählige
Bewerbungen in der Pharmaindustrie, bei Versicherungen, Gesundheitszentren und Beratungsfirmen eingereicht.
Entspre
chend den Gepflogenheiten in Serbien habe sie sich bei der Stellensuche stark auf mündliche Kontakte und Beziehungen gestützt. Dabei habe sie der Doku
mentation ihrer Stellenbemühungen wohl zu wenig Beachtung geschenkt.
In unzähligen der angestrebten Positionen
, so auch
in Kliniken oder Universitäts
spitälern namentlich in den Bereichen Forschung
/wissenschaftliche Tätigkeit,
Labor und Begutachtungen
bedürfe es keiner Berufsausübungsbewilligung. Einzig
die selbständige Ausübung eines universitären
Medizinalberufes
erfordere eine kantonale Bewilligung, nicht hingegen das Handeln als Assisten
zärzt
in oder als Delegierte
einer
Medizinalperson
. Im Übrigen sei die Gleichwertigkeit ihrer Aus
bildung eine konkret zu prüfende Frage, welche in der Praxis anerkannt werde, wenn wie in ihrem Fall eine langjährige Berufsausübung nachgewiesen sei. Sie habe bis anhin lediglich telefonischen Kontakt mit der MEBEKO gehabt. Falls aber eine Klinik oder andere Institution Interesse an einer Anstellung gehabt hätte, so wäre die Erlangung einer Anerkennung ihrer Diplome eine reine For
malität und niemals ein Hindernis gewesen.
Sie habe bisher immer zu 100
%
gearbeitet,
w
eshalb für sie auch in Zukunft nur eine 100%-Stelle in Frage ge
kommen
sei
.
Im Gesundheitsfall
würde
sie heute mit überwiegender
Wahr
scheinlichkeit
einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen, und zwar wegen
des akuten Ärztemangels in der Schweiz und ihrer
Qualifikationen mindestens als Assistenzärztin.
Dafür spreche auch, dass
sie für ihre berufliche Integration mittlerweile eine computergesteuerte
Genium
Oberschenkel-Prothese erworben
habe
, wobei sich die
selbst berappten
Mehrkosten
gegenüber de
r von der Invali
denversicherung
mittels Kostengutsprache finanzierten günstigeren Prothese
auf annähernd
Fr.
40‘000.-- belaufen würden. Daraus werde
erkennbar, dass sie alles daran
setze
wieder zu arbeiten
.
Im Übrigen würden sich
bei der Invalidi
tätsbemessung F
ragen danach, ob eine effektive oder mutmassliche Einstellung erfolgt wäre oder ob die versicherte Person arbeitslos geblieben wäre, verbieten, weil sich die Erwerbstätigkeit und –
fähigkeit
am ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt orientiere
(
Urk.
1 S. 5-10
,
Urk.
16 S. 1
f
f.
, Prot. S. 6 f. und
Prot. S. 23 f.
).
Falls
sie doch als zu
100
%
im Haushalt tätig
qualifiziert
werde
, sei ge
stützt auf die schweizerische A
r
b
eitskräfteerhebung (SAKE) davon auszugehen, dass sie für die Erledigung des Haushaltes und die Betreuung ihres Sohnes 51.7 Stunden pro Woche aufwende. Ausgehend von Tabelle 6 in Schulz-Borck/Hoffmann über die konkrete Behinderung von Hausfrauen in einzelnen Tätigkeitsbereichen re
sul
tiere bei einem Beinverlust im Hüftgelenk eine Einschränkung von 67.81
%
und bei einem Beinverlust im mittleren Drittel des Oberschenkels
eine solche von 48.16
%
(
Urk.
1 S. 12 ff.
, Prot. S.
23 f.
)
.
Die Abklärungsperson habe bei der Erstellung des Haushaltabklärungsberichts vom
3
0.
November 2011 ihre ge
sundheitlichen Beeinträchtigungen ungenügend berücksichtigt,
insbesondere,
dass sie nach einer Stunde Sitzen bereits Beschwerden habe und
dass sie die
Prothese schmerzbedingt während etwa vier bis acht Stunden nicht tragen könne
. Ferner falle entgegen der Ansicht der Abklärungsperson die Unterstützung, wel
che
sie vor dem Unfall einmal alle zwei bis drei Monate für zwei Stunden von einer Putzfrau erhalten habe, nicht ins Gewicht und sei deshalb nicht zu be
rücksichtigen.
Ebenso gehe es nicht an, die erhaltene Unterstützung von Seiten Dritter, etwa der Spitex, beim Aufwand für die einzelnen Tätigkeitsbereiche als die Behinderung vermindernden Faktor zu berücksichtigen.
Einer gewissen Eigenverantwortung und Mitwirkung des Sohnes und des Ehemanns im Haus
halt sei bereits im Rahmen der SAKE Rechnung getragen
. Aktenkundig sei im Übrigen, dass sie das Medikament
Lyrica
einnehme, welches gegen neuropathi
sche Schmerzen und Angststörungen helfe.
Zudem sei sie in psy
chia
trischer Be
handlung gewesen.
Die Schmerzen,
insbesondere am verbleibenden Stumpf des amputierten Beins,
die psychische Verfassung
, die schmerzbedingte Schlaflosig
keit und
die sedierende Wirkung der Medikamente schränkten ihre Hausfüh
rungsfähigkeit zusätzlich ein. Das Gericht könne den Beweis für diese Tatsachen durch den
Beizug
von Verlaufsberichten be
i den behandelnden Ärzten, einer
gutachterlichen Abklärung aus den Fachbereichen Orthopädie, Psy
chiatrie und zusätzlich Neurologie sowie einer Haushaltsexpertise
oder einer Evalu
ation der Funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) erbringen.
Eine Rückweisung
der Sache an den Versicherungsträger sei dem Gericht gemäss bundesge
richtlicher Recht
sprechung verwehrt, da die Notwendigkeit für eine
med
izini
sche Begutachtung bestehe. B
ei Annahme einer 100%igen Haushaltstätigkeit liege bereits aus orthopädischer, funktionaler Sicht
infolge Sitz-, Steh- und Gehbeschwerden in praktisch jeglicher erdenklichen Tätigkeit
eine mindestens 50%ige Invalidität vor, weshalb ihr mindestens eine halbe Rente zuzusprechen
sei
.
Falls ihr keine Rente zugesprochen
werde
, habe sie Anspruch auf berufliche Eingliederungs
massnahmen
(
Urk.
1 S. 14 f
f
.
, Prot. S.
23 f.
).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist zunächst
die Qualifikation der Beschwerdeführerin. Dabei geht es um die Frage, ob s
ie als Gesunde
bei Erlass der angefochtenen Verfügung
zu 100
%
als Ärztin oder in einem Beruf, welcher medizinische Fach
kenntnisse voraussetzt, erwerbstätig
gewesen
wäre und deshalb sozialver
siche
rungsrechtlich als voller
werbstätig zu qualifizieren ist, oder ob ihre Quali
fikation als
Hausfrau und Mutter im Vollzeitpensum
gemäss dem Haushalt
abklärungsbericht vom
3
0.
November 2015 (
Urk.
9/89/4)
zutreffend ist.
Bei der Beurteilung der Frage, was die Beschwerdeführerin als Gesunde machen würde, ist entgegen ihrer Ansicht nicht auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen (vgl. vorstehend Erwägung 1.1). Vielmehr ist, gleich wie bei der Be
messung des
Valideneinkommens
von im
Gesundheitsfall Erwerbstätigen
darauf abzustellen, was sie tatsächlich unter Berücksichtigung der Arbeitsmarktlage machen würde (vgl.
BGE 131 V 51 E. 5.1.2
mit Hinweisen
sowie die vorstehende Erwägung 1.2
).
3.2
Zur
beruflichen Situation
ist den Akten zu entnehmen, dass d
ie Beschwer
deführerin von 1990 bis 2008 in Belgrad als Ärztin
arbeitete
und über einen Facharzttitel in Orthopädie
verfügt
. Im
Lebenslauf,
d
en sie
der IV-Stelle am 2
0.
März 2015 zugestellt
hat,
beschr
eibt
sie ihre Deutschkenntnisse mit „
middle
level
“ (
Urk.
9/48). Die
A
b
klärungsgespräch
e
vor Ort
bei ihr
zu Hause am 1
7.
M
ärz und
3.
November 2015 musste
n
von der Abklärungsperson
indes in englischer Sprache geführt werden
(
Urk.
9/89/1).
Sie gab der Abklärungsperson an, Deutsch gut zu verstehen, sich aber beim Sprechen unsicher zu fühlen (
Urk.
9/89/4).
Laut ihren
Ausführungen
anlässlich der Haushaltabklärung hatte
sie auch keine berufliche Aus- oder Weiterbildung in der Schweiz absolviert (
Urk.
9/89/4
-5
).
Gemäss ihren Angaben hat sie
seit September 2008 in der Schweiz Wohnsitz,
wollte aber damals noch nicht arbeiten, weil ihr Sohn noch klein war und sich zuerst an die neue Umgebung gewöhnen musste. S
eit August 2010
- ihr Sohn besuch
t
e ab dann eine ganztägige Privatschule -
bew
e
rb
e
sie sich
intensiv für Vollzeitstellen
als Ärztin, aber auch in anderen Tätigkeits
bereichen, welche Kenntnisse der medizinischen Wissenschaft voraussetz
t
en
(
Urk.
1 S. 5
,
Urk.
9/89/3
).
Wegen
ihrer familiären Situation suche
sie Stellen in Zürich, um keinen zu grossen Arbeitsweg zu haben (
Urk.
9/49).
Anlässlich der persönlichen
Befragung durch das Gericht am 2
2.
März 2018
äusserte sich die Beschwerdeführerin in ihrer Muttersprache und liess ihre An
gaben durch eine Dolmetscherin übersetzen. Sie gab an
,
nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 2004
in der Schweiz
habe sie während insgesamt zweieinhalb Jahren einen Mutterschaftsurlaub gemacht und dann
ihre Arbeit im Kranken
haus in Belgrad
wieder aufgenommen
.
Dabei habe sie im Vollzeitpensum gear
beitet, während ihr Sohn den ganzen Tag in
einer Institution fremdbetreut
ge
wesen sei.
Im Jahr 2008
sei
sie wegen der Arbeit ihres Mannes in die Schweiz
ge
kommen. Die Entscheidung sei ihr sehr schwer gefallen, da sie einen sehr guten Job in Belgrad gehabt habe, nicht als Hausfrau habe weiterleben wollen und gewusst habe, dass sie in der Schweiz möglicherweise nicht mehr als Chirurgin
werde
tätig sein könne
n
. Sie habe sich überlegt, dass sie gege
be
nen
falls in der Pharmaindustrie arbeiten könnte
(Prot. S. 8 f.
13 und 18
)
. Zur Ab
klärung der Arbeitsbedingungen in der Schweiz habe sie beim
”
Gesundheits
ministerium
”
in Bern angerufen. Man habe ihr dort gesagt, dass sie eigentlich gar nichts unternehmen müsse.
Falls ein Krankenhaus sie anstellen wolle, würde es die nötigen Schritte unternehmen
(Prot. S. 9 f.)
.
Zu ihren
Stellenbemühungen vor dem Unfall
gab sie an, sie habe anfänglich in der Forschung in der Phar
maindustrie arbeiten wollen. Sie habe einen Kontakt bei
Y._
in Basel gehabt, diesen gepflegt
und
auf eine Anstellung
gewartet. Erst Mitte 2009/2010 habe sie dann weiter
gesucht und sich etwa bei den Fi
rmen
Z._
,
A._
,
B._
,
C._
und
D._
nach Stellen erkundigt. Danach habe sie sich auch bei Spitälern be
worben und etwa auch versucht, bei der Invalidenversicherung als beratende Ärztin zu arbeiten. Auch bei Firmen, die orthopädische Implantate verkauften, habe sie es versucht. Sie habe sich auch darum bemüht, in der Marketingab
teilung eine Stelle zu finden, hauptsächlich bei Firmen, wo die deutsche Sprache nicht obligatorisch gewesen sei
(Prot. S. 13 f.)
. S
ie
habe
ihre Bewerbungen
,
die sie
M
ittels
einer
dem Gericht eingereichten Liste
doku
mentiert habe
(
Urk.
3/6
; vgl. auch
Urk.
9/73
)
,
sowohl schriftlich als auch telefonisch gemacht, wobei sie die schriftliche Korrespondenz nach Erhalt einer Absage oft einfach gelöscht
habe.
Dass sie diese Bewerbungen tatsächlich gemacht habe, könne sie
nötigen
falls
auch
im Rahmen einer Beweisaussage mit Strafan
drohung
bestätigen
.
Niemand
habe ihr genau erklärt, welche Entsprechung ihr Diplom in der Schweiz habe und wie das Gesundheitssystem hier funktioniere. Auch habe sie bis zur Absage der
E._
auf eine Stellenbe
werbung nichts von der MEBEKO gewusst. Deshalb habe sie sich auch auf Oberarztstellen beworben. Die Absagen auf ihre Bewerbungen seien in der Regel nicht begründet gewesen, sie habe aber meistens auch nicht nachgefragt.
In Belgrad habe sie einen Deutschkurs mit drei Niveaus absolviert. In der Schweiz habe sie dagegen keinen solchen Sprachkurs,
etwa speziell für Ärzte, welche in der Schweiz in ihrem Beruf arbeiten möchten
,
besucht
(Prot. S. 11 f.
, 15
, 17 und 22 f.
).
Sie habe sich auch
nach dem Unfall weiterhin um eine Arbeitsstelle bemüht, inzw
ischen mit Hilfe von
Headhuntern
. Dabei suche sie immer 100%-Stellen, weil es in Serbien keine Teilzeitstellen gebe (Prot. S. 14 f. und 20).
3.3
3.3
.1
Das Bundesgesetz über die universitären
Medizinalberufe
vom 2
3.
Juni 2006 (
Medizinalberufegesetz
,
MedBG
; in der hier anwendbaren, bis Ende 2017 gültig gewesenen Fassung) regelt unter anderem die Anerkennung ausländischer Diplome durch die Schweiz. Nach
Art.
15
Abs.
1
MedBG
wird ein ausländisches Diplom anerkannt, sofern seine Gleichwertigkeit mit einem eidgenössischen Diplom in einem Vertrag über die gegenseitige Anerkennung mit dem betreffen
den Staat vorgesehen ist und die Inhaberin eine Landessprache der Schweiz be
herrscht. Ein anerkanntes ausländisches Diplom hat in der Schweiz die gleiche Wirkung wie ein eidgenössisches Diplom (
Abs.
2). Für die Anerkennung zustän
dig ist die
Medizinalberufekommission
(
Abs.
3;
MEBEKO
). Anerkennt sie das ausländische Diplom nicht, so entscheidet sie, unter welchen Voraussetzungen das eidgenössische Diplom erworben werden kann (
Abs.
4). Analoges gilt für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Weiterbildungstiteln (
Art.
21
Abs.
1 bis 3
MedBG
).
3.3.2
Für die selbständige Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit braucht es eine
kan
tonale Bewilligung, die nach den Vorgaben des
MedBG
erteilt wird (
Art.
34 ff.
MedBG
). Dabei ist bei Personen aus Ländern, mit denen die Schweiz keinen Vertrag über die gegenseitige Anerkennung der Diplome abgeschlossen hat, die Gleichwertigkeit der Diplome seitens der MEBEKO zu beurteilen (
Art.
36
Abs.
3
MedBG
). Weiter wird verlangt, dass sie auf einem Gebiet tätig sind, in dem nachweislich eine medizinische Unterversorgung besteht und dass sie eine Landessprache beherrschen (
Art.
14 der
Medizinalberufeverordnung
, in der bis Ende 2017 gültig gewesenen Fassung).
3.3.3
Für Arztpersonen mit eidgenössischem oder eidgenössisch anerkanntem Aus
weis ist eine Anstellung in einem Spital oder Heim im Kanton Zürich ohne Bewilligung im Sinne von
§
6 Gesundheitsgesetz möglich (
§
19
Abs.
1
MedBV
). Ohne einen solchen Ausweis ist die Beschäftigung bewilligungspflichtig, und die Bewilligung wird nur erteilt, wenn sich keine andere geeignete Person mit eidgenössischem oder eidgenössisch anerkanntem Ausweis bewirbt (
§
19
Abs.
2
MedBV
).
3.
3.4
Laut den eingereichten Belegen
und ihren Aussagen bei der persönlichen Befra
gung
hat
sich
die Beschwerdeführerin
im
knapp
drei
einhalb
Jahre dauernden Zeitraum von
Juni
2010 bis zum Unfall am 2
4.
Dezember 2013 sowie
erneut ab
April 2014 für diverse Stellen in Spitälern und Gesundheitszentren
auch ausser
halb des Grossraums Zürich
als Assistenzärztin, Spitalfachärztin, Oberärztin und Chefärztin in den Bereichen Orthopädie, physikalische Medizin, Notfall, Kinder
orthopädie, Sportmedizin, Handchirurgie, Wirbelsäulenchirurgie und Geriatrie beworben (
Urk.
3/2-3,
Urk.
3/6,
Urk.
9/68,
Urk.
9/70,
Urk.
9/73
,
Urk.
9/89/4
,
Prot. S. 11 f.,
13 f.,
15, 17 und 22 f.
).
Die Beschwerdeführerin hat ihre Grundausbildung und auch ihre Weiterbil
dungen in Serbien absolviert, mit welchem Land die Schweiz keinen Vertrag auf gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse besitzt, es handelt sich also um einen Ausweis, ausgestellt durch einen Drittstaat
.
Die Beschwerdeführerin
kann in der Schweiz
grundsätzlich
nur
dann
als Ärztin tätig sein
,
wenn
ihre in Serbien ab
solvierte Ausbildung von der MEBEKO als gleichwertig anerkannt worden
ist
(vgl. die vorstehende Erwägung), was unbestrittenermassen nicht zutrifft.
Von dieser Regelung ist die Arbeit als Ärztin in einem Spital ausgenommen: Zwar könnte die Beschwerdeführerin
gemäss § 19
Abs.
2
der kantonalz
ürcherische
n
Ver
ordnung über die uni
versitären
Medizinalberufe
auch ohne Gleichwertig
keitsbescheinigung der MEBEKO
als Ärztin in einem Spital arbeiten.
Allerdings verlangen in der Praxis immer mehr Spitäler
von Kandidaten
für eine
Arztstelle
zur Qualitätssicherung eine Gleichwertigkeitsbescheini
gung der MEBEKO
.
Dies ergibt
sich aus den Schreiben der
E._
v
om 1
4.
April 2014 (
Urk.
3/2 S.
1; vgl. auch
Urk.
9/68/1
) und dem
von der Beschwerdeführerin eingereichten Merkblatt der
MEBEKO (
Urk.
17/13 S. 2)
.
Zudem
ist die Tätigkeit als Assistenzärztin in einem Spital
für Personen ohne
eidgenössisch aner
kanntes ausländisches Diplom
gemäss § 19
Abs.
2
der kantonalen Verordnung über die uni
versitären
Medizinalberufe
bewilligungspflichtig
, wobei
e
ine Bewil
ligung
in der Regel
nur erteilt
wird
, wenn sich
k
eine geeignete Person mit einem
eidgenössischen bezie
hungsweise eidgenössisch anerkannten Diplom be
wirbt
.
D
ie Beschwerdeführerin
hat
trotz
der geltend gemachten
Bewerbungen
und
des
von ihr behaupteten Ärztemangel
s
auch nach langer Zeit – wobei bereits der Zeitraum von
Juni
2010 bis zum Unfall im Dezember 2013 als lange bezeichnet
werden muss – keine Stelle als Spitalä
rztin gefunden
.
A
nlässlich der persön
lichen Befragung
am 2
2.
März 2018
fiel
auf, dass s
ie
höchstens über
rudi
men
tär
e mündliche Deutschkenntnisse verfügt
und
deshalb
eine Dolmetscherin be
nötigte
.
Zwar sind die genauen Gründe für die Absagen
auf ihre Bewer
bungen
unbekannt,
da s
ie
bei den Arbeitgebern diesbezüglich keine Rückmel
dungen einholte (Prot. S. 12). Aufgrund der bekannten Umstände
kann
aber
ohne Weiteres
davon ausgegangen
werden, dass
sich
in den letzten Jahren
im in Frage kommenden Grossraum um den Wohnort der Beschwerdeführerin
genü
gend Kandidaten mit einer von der MEBEKO anerkannten Ausbildung auf die ausgeschriebenen Stellen
bewarben
oder dass die Beschwerdeführerin nicht über die erforderlichen
beruflichen
Qualifikationen
und
/oder
Sprachkenntnisse ver
fügte. Demnach handelte
e
s sich bei
ihren
Bemühungen um eine
Arbeitss
telle
als Ärztin um
B
e
werbungen
, welche
bereits
im Voraus
praktisch
chancenlos
war
e
n
.
Da gemäss der eingereichten Bestätigung
schon
die Bewerbung auf eine Stell
e im Notfall im Juni 2010 aus formellen Gründen abgelehnt worden war (
Urk.
9/68/1)
,
wäre es
der Beschwerdeführerin
allerspätestens
damals
zumutbar gewesen, sich
über
die
genauen
Voraussetzungen für die Anerkennung ihrer Ausbildung auf dem Schweizerischen Arbeitsmarkt
ins
Bild
zu setzen
(vgl. auch
Urk.
9/89/4
sowie Prot. S.
9 ff.
)
.
S
ie hat denn auch selber am 3
0.
November 2015 der Abklärungsperson angegeben, ihr Profil habe nicht dem entsprochen, was gesucht worden sei (
Urk.
9/89/4-5).
T
rotzdem
hat sich auch nach dem Un
fall im Dezember 2013 nichts
an der
fehlenden MEBEKO-Anerkennung
und den beruflichen und sprachlichen Qualifikationen geändert
.
Anhaltspunkte, dass
gesundheitlichen Gründe dafür verantwortlich sind
(vgl.
Urk.
9/89
/5 sowie nachfolgend Erwägung 4
und 5.2
)
,
fehlen.
A
ufgrund des Vorgehens der Be
schwerdeführerin
erscheint es als
überwiegend wahrsch
einlich, dass si
e bei Er
lass der angefochtenen Verfügung
vom 1
8.
Mai 2016
auch als Gesunde nicht als Ärztin in einem Spital
(oder auch in einer privaten Praxis)
erwerbstätig ge
wesen wäre.
3.4
Die Beschwerdeführerin macht geltend,
falls sie als Gesunde nicht als Ärztin erwerbstätig wäre,
so
würde sie
wegen ihrer entsprechenden Bewerbungen
je
denfalls
vollzeitlich
in einem Beruf
arbeiten
, welcher medizini
sche Fachkennt
nisse voraussetzt.
In den eingereichten
Belegen werden Bewerbungen auf (Fach-)Kaders
tellen
in der Pharmaindustrie, bei Versicherungen, Gesundhe
itszentren und Beratungs
firmen festgehalten (
Urk.
9/68/2,
Urk.
9/73
,
Urk.
9/89/4-5
). Am 2
2.
März 2018
gab
die Beschwerdeführerin
dem Gericht an, sich ausser bei Spitälern haupt
sächlich bei Firmen in der Pharma- und
Medizin
al
technikbranche
um eine Stel
le bemüht zu haben (Prot. S.
13 f. und
22).
Der Umstand, dass s
ie trotz – laut ihren Angaben „unzähligen“ – Bewerbungen
über mehrere Jahre
bis heute
in ihrem räumlichen Suchradius
keine Stelle
in einer solchen Tätigkeit
gefunden hat, kann ebenfalls nur so interpretiert werden, dass sie nicht über die erforder
lichen beruflichen und/oder sprachlichen Qualifikationen zur Bekleidung der angestrebten Positionen verfügte
.
Dabei dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass
sie gemäss Lebenslauf
über
keinerlei Berufserfahrung in einer anderen Funktion als derjenigen als Ärztin
verfügt
.
Dafür, dass für die Absagen nach dem Unfall medizinische Gründe verantwortlich waren, sind keine Hinweise vorhanden. Denn nach eigenen Angaben hat die Beschwerdeführerin jeweils nicht nachgefragt, welches die Gründe für die Absagen waren (Prot. S. 12).
Bei den angegebenen Stellen handelt
e
es sich durch
wegs
um
Tätigkeiten
, welche eine überdurchschnittliche berufliche Qualifikation beziehungsweise Spezialisie
rung voraussetzen. Dass sich
die Beschwerdeführerin effektiv
auf
weniger quali
fizierte
Arbeitsstellen
- gegebenenfalls auch solc
he, bei denen die Kenntnis der s
erbischen Sprache von Vorteil ist -
beworben
beziehungsweise im Gesundheits
fall hypothetisch
beworben
hätte, macht
sie
weder
geltend
, noch bestehen ent
sprechende Anhaltspunkte in den Akten
.
Nach dem Gesagten
ist
auch hier davon auszugehen, dass
die
geltend gemachten Stellenbemühungen
bei der gegebenen Arbeitsmarktlage
mit grösster Wahrscheinlichkeit
zum vorneherein zum Scheitern verurteilt
waren
(U
rteil des Bundesgerichts 9C_820/2014 vom 9.
Juni 2015)
.
Angesichts dieses Verhaltens kommt den weiteren von der Be
schwerdeführerin angeführten Indizien, welche grundsätzlich für eine hypo
the
tische Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall sprechen können (
persönliche
Mehr
kosten für die Anschaffung der
Genium
-Prothese, berufliche
Erwerbsb
iographie, hoher Lebensstandard, kultureller Kontext
, Flexibilität des Ehemannes bei
der
Mit
betreuung des Kindes
[
Urk.
1 S. 8 f.]) im konkreten Fall kein entscheidendes Gewicht zu.
V
or diesem Hintergrund
ist die
erklärte
starke Motivation der Beschwer
deführerin, in der Schweiz eine Stelle zu finden, in Frage
zu
stell
en
.
Jedenfalls
erscheint
es
als überwiegend
w
ahrscheinlich
, dass
s
ie
bei Erlass der
ange
foch
tenen Ve
rfügung im hypothetischen Gesundheitsfall auch keine Arbeits
s
telle
in einer der angestrebten
spezialisierten Funktionen,
welche
medi
zin
ische Fach
kenntnisse voraussetzen, hätte
.
Dafür, dass die in Serbien durchlaufene, zweifellos gute Ausbildung auf dem schweizerischen
Arbeits
markt nicht ohne Weiteres als gleichwertig anerkannt wird
und die Beschwerdeführerin bisher nicht willens war, die nötigen Schritte zur Erlangung einer in der Schweiz aner
kannten Ausbildung zu unternehmen
oder eine weniger qualifizierte
Arbeit an
zunehmen
oder auch nur schon ihre Deutschkenntnisse zwecks besserer Vermit
telbarkeit zu verbessern
(vgl.
Urk.
9/89/4)
,
hat nicht die I
nvalidenver
sicherung einzustehen.
Auch b
ei
unge
nügenden
Deutsch
kennt
nissen
und feh
lender Ver
trautheit mit dem Bewerbungsprozedere in der Schweiz
sowie
den zur Aus
übung der angestrebten beruflichen Funktionen vorausgesetzten Qualifi
kationen
handelt es sich gegebenenfalls um
invaliditätsfremde Faktoren, welche
im vor
liegenden Kontext
nicht zu berück
sichtigen sind
.
3.
5
Es ergibt sich, dass die Beschwerdefü
hrerin
nicht
als
erwerbstätig zu qualifizie
ren ist.
Nebst der Haushalttätigkeit war sie jahrelang mit der Stellensuche be
schäftigt.
B
ei der Stellensuche
handelt es sich
um blosse Vorbereitungs
hand
lungen im Hinblick auf
die Aufnahme
eine
r
Erwerbstätigkeit. D
ie Suche nach einer Arbeit kann weder
als Erwerbstätigkeit
noch
als Tätigkeit im
Aufga
benbereich
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3 ATSG qualifiziert
werden
(vgl. zum Kreis der als Aufgabenbereich anerkannten Tätigkeiten BGE
141 V 15 E. 4.4;
130 V 360
E. 3.3; vgl. auch BGE 131 V 51 E. 5 sowie Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversi
che
rungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG],
3.
Auflage, Zürich 2014, S. 368
Rz
. 164)
. Sie erfolgt in der Regel in der Freizeit und ist im Ergebnis wie
eine
Freizeit
beschäftigung
zu behandeln
, welche invalidenver
siche
rungsrechtlich unbeachtlich ist
(vgl.
dazu
BGE
141 V 15 E. 4.4; 131 V 51 E. 5; Urteil des Bundesgerichts 9C_615/2016 vom 2
1.
März 2017, E. 5.4
).
D
er Haushaltsanteil
wird
nicht in Abhängigkeit vom Umfang der im Aufgaben
be
reich anfallenden Arbeiten festgesetzt, sondern
entspricht
grundsätzlich der Diffe
renz zwischen dem Erwerbsa
nteil und einem 100
%
-Pensum.
B
ei Versi
cherten, die ausschliesslich im Haushalt tätig sind, ist deren Aufgabenbereich rechtsprechungsgemäss in jedem Fall mit 100
%
zu veranschlagen (BGE 141 V 15 E. 4.5 mit Hinweisen)
.
D
ie Beschwerdeführerin
ist
deshalb
als
zu 100
%
in ihrem Aufgabenbereich Haushalt und Kinderbetreuung tätig
einzustufen.
Für die Invaliditätsbemessung ist demnach massgeblich, inwiefern es
ihr
ge
sund
heitlich bedingt unmöglich ist, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu be
tä
tigen
.
4.
4.1
Aus den Berichten vom
5.
Juni
sowie vom
1
5.
Dezember 2014
des
die Be
schwerdeführerin
behandelnden
Dr.
med.
F._
, Teamleiter Technische Ortho
pä
die der
G._
,
ergeben sich folgende Diagnosen:
Status nach trau
matischer Oberschenkelamputation links
sowie traumatisch bedingter distaler Radiusfrak
tur links am 2
4.
Dezember 2013,
Atopie
, Status nach Stumpf-Der
matitis, am
ehesten toxisch-
irritativ
/mechanisch, verschiedene Medikamenten
aller
gien/
-
intoleranzen
, anamnestisch verschiedene Medikamentenunver
träg
lich
keiten so
wie eine Allergie auf Thermokork der Firma Frey Schweiz und Trichterinnenlack der Firma Otto Bock (
Urk.
9/28//5,
Urk.
9/38/1)
.
Dr.
F._
führte
im
Bericht
vom
5.
Juni 2014
aus,
der
Verlauf nach der operati
ven Oberschenkelamputation sei bisher komplikationslos gewesen. Eine proviso
rische Prothesenversorgung mit einem C-Leg sei erfolgt, wobei ein Kontaktek
zem aufgetreten sei, welches eine sofortige Prothesenkarenz nötig gemacht habe.
Aktuell sei
die Beschwerdeführerin
mit zwei Stöcken gut m
obi
lisiert.
Seit dem 2
4.
Dezember 2013 und bis zum Abschluss der Prothesenver
sorgung sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
9/28/5 ff.).
Im Verlaufsbericht vom 1
5.
Dezember 2014 gab
Dr.
F._
an,
der Gesundheits
zustand habe sich zwischenzeitlich verbessert
.
Mit einer optimalen, hoch
leistungsfähigen Prothesenversorgung der zweiten Generation (
Genium
-Kniege
lenk) werde sie voraussichtlich eine Arbeitsfähigkeit von 50-80
%
in ihrer angestammten Tätigkeit als orthopädische Chirurgin erreichen können. Ohne eine solche Prothesenversorgung
wäre e
ine sitzende, angepasste Tätigkeit nach einer Umschulung möglich, ebenso eine körperlich weniger belastende ärztliche Tä
tig
keit. Allerdings sei eine sitzende Tätigkeit problematisch
, weil sie auf dem Prothesenrand sitzen müsse und dadurch eingeschränkt sein werde. Momentan könne sie wegen der Prothese nicht länger als zwei Stunden am Stück sitzen. Auch in einer angepassten Tätigkeit könne wohl kaum mit einer Arbeitsfähig
keit von mehr als 80
%
gerechnet werden.
Mit optimaler prothetischer Versor
gung könnten
leichte bis mittelschwere (bis 15 kg),
überwiegend stehend und gehend sowie zeitweise sitzend ausgeübte Tätigkeiten verrichtet werden. Die Gang- und Standsicherheit sei indes stark eingeschränkt
, die Koordination leicht
(
Urk.
9/38
)
.
4.2
Anlässlich der Abklärung bei ihr zu Hause am 1
7.
März 2015 gab die Be
schwerdeführerin an, sie könne mit der provisorischen
Prothese nicht lange sitzen. Das Ekzem am Stumpf sei
dank
der Behandlung besser geworden. Mit dem Provisorium könne sie nicht
rückwärts gehen
und auch nicht Treppen hin
aufsteigen. Sie könne nicht stundenlang mit der Prothese stehen
, da ein Vaku
um entstehe und die Haut nass
werde (
Urk.
9/89/2).
4.3
Aus den Stellungnahmen der Hilfsmittelberatung für Behinderte
SHAB
zu
Handen
der IV-Stelle vom 2
0.
August 2014 und
7.
Juli 2015 geht hervor, dass
die Beschwerdeführerin
anfänglich während acht Monaten mit einer Probe
pro
these mit einem C-Leg-K
niebauteil der Firma Otto Bock
versorgt
wurde
. Nach einer zweimonatigen Pause
infolge
Rückforderung der Prothese
durch die
Firma
H
._
aufgrund der unklaren Finanzierungssituation sei durch die SHAB die neuerliche Abgabe einer solchen Probeprothese veranlasst worden.
Die Versi
cherte habe ein dynamisches Gangbild mit leichtem
Duchenne
-Hinken gezeigt. Gemäss ihren Aussagen seien mit der Probeprothese auch Aktivitäten wie Tennisspielen, Skilaufen oder Fahrradfahren möglich gewesen. Sie könne des
halb dem Mobilitätsgrad 3-4 (4 entspreche der höchsten Mobilitätsstufe) zuge
teilt werden (
Urk.
9/32,
Urk.
9/55).
Der weiteren
SHAB
-Beurteilung zu
Handen
der IV-Stelle vom 2
9.
September 2015 ist zu entnehmen, dass die Beschwer
deführerin beabsichtigte, gestützt auf die Austauschbefugnis anstelle des von der IV-Stelle übernommene
n
Rheo
Kniegelenks vom Herstelle
r
Össur
das von der Firma
H._
offerierte
Genium
-
Kniegelenk
der Firma
Otto Bock anzuschaf
fen (
Urk.
9/79/3; vgl. auch
Urk.
9/71).
4.4
Im Rahmen
der Haushaltabklärung
vom
3.
November 2015
führte
die Beschwer
deführerin
aus
, i
nzwischen
habe sie die neue Prothese noch nicht erhalten
;
des
halb
habe sie
nach wie vor eine provisorische Prothese
. Mit
dieser
komme sie schlecht zurecht: Sie habe neu eine Tendinitis an der Achillessehne am rechten Fussgelenk und mehr Rückenschmerzen. Sie verliere schnell das Gleichgewicht,
wenn sie beispielsweise seitlich rotieren, etwas aufheben oder sich bücken
wo
lle.
Es sei ihr auch nicht mö
glich, lange zu sitzen, je nach
dem müsse sie etwa alle 15 Minuten ihre Position wechseln. Die Prothese passe
zudem
nicht so richtig: Sie habe an der Haut des Stumpfes weiterhin Rötungen und Blasen, was
sehr s
chmerzhaft sei. Die Rötungen behandle sie mit einer Salbe. Zudem müsse sie den Stumpf zweimal täglich reinigen und die Haut pflegen.
Sie nehme abends eine
Tablette à 100 mg
Lyrica
ein (
Urk.
9/89/2).
Laut Abklärungsbericht vom 3
0.
November 2015
erhob die Abklärungsperson
am
3.
November 2015
folgende Wohnverhältnisse: Die Beschwerdeführerin leb
t
e
zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in einer 3-Zimmer Wohnung im
1.
Stockwerk eines
Mehrfamilienhauses
mit Lift
,
Keller
und Geschirrspüler
. S
ie gab an,
eine vom Unfallversicherer finanzierte
Haushaltshilfe zu haben, welche seit dem Unfall wöchentlich während vier Stunden
die
Arbeiten
über
nehme
,
die
sie selbst nicht me
hr ausüben könne
. Ansonsten erledige sie den Haushalt mit Hilfe ihres Ehemanns selbst. Vor dem Unfall sei schon eine Putz
hilfe gekommen, allerdings nur alle 2-3 Monate
jeweils für zwei Stunden
fü
r gründliche Reinigungsarbeiten
(
Urk.
9/89/2 und 6)
.
Die Abklärungsperson
setzte
– unter Berücksichtigung der medizinischen Diagnosen und der generellen An
gaben zur gesundheitlichen Situation (
Urk.
9/89/1-2) -
für den Arbeitsbe
reich Ernährung, welchen sie mit 33
%
der gesamten Arbeitszeit im Haushalt gewich
tete, eine Einschränkung von 20
%
und
dementsprechend ei
ne gewich
tete Behinderung von 6,
6
%
fest
.
Massgeblich dafür waren folgende Angaben der Be
schwerdeführerin: Sie bereite täglich das Mittagessen für ihren Sohn
vor
, wel
ches er nach der Rückkehr von der Schule um 16.00 Uhr erhalte. Die Vorberei
tung sei aufwändiger geworden und dauere länger, da sie nicht mehr so agil sei und beispielsweise nicht mehr schnell nach hinten greifen könne, wenn sie am Herd koche. Weil sie mit der Prothese nicht
rückwärts gehen
könne, seien be
stimmte Arbeiten schwierig für sie, etw
a
beim Tischen. Generel
l erledige sie dies aber selbst;
beim Tragen von Esswaren und Getränken helfe ihr Ehemann. Die Abwascharbeiten und Reinigungsarbeiten auf Körperhöhe erledige sie selbst. Arbeiten ober- und unterhalb der Körperhöhe könne sie nicht mehr
selbst ver
richten. Diese sowie die gründlichen Reinigungsarbeiten versehe nun die Putz
hilfe. Zu diesen Angaben merkte die Abklärungsperson im Abklärungsbericht an, die Übernahme der grün
dlichen Reinigungsarbeiten könne
nicht angerech
net werden, da diese auch schon vor dem Unfall von der Putzhilfe übernommen worden seien. Dem Ehemann und dem Sohn sei es zuzumuten, der Beschwerde
führerin bei Bedarf beim Kochen, Tisch
en und Bedienen des Geschirrspü
lers zu helfen.
Dem Bereich Wohnungspflege mass die Abklärungsperson ein Gewicht von 20
%
der Haushaltarbeit
bei
. Aufgrund der erhoben Einschränkung von 25
%
resultierte eine gewichtete Behinderung von 5
%
. Die Beschwerdefüh
r
erin gab an, Reinigungsarbeiten auf Körperhöhe verrichten zu können. Ihr Sohn räume sein Zimmer selbständig auf, der Ehemann übernehme das tägliche Herrichten der Bette
n
. Sämtliche üblichen Reinigungsarbeiten wie Abstauben, Bodenpflege und das Fensterreinigen würden von der Haushalthilfe übernommen. Sie bringe auch den Abfall nach unten und helfe beim Beziehen der Betten. Die Abklärungsperson merkte hierzu an,
die bereits vor dem Unfall von der Putzhilfe übernommenen
gründlichen Reinigungsa
rbeiten
während zwei Stunden alle 2-3
Monate könnten
bei den Einschränkungen
nicht
berücksichtigt werden. Die vom Ehemann und
vom
Sohn übernommenen Arbeiten seien
diesen zumutbar
.
Für d
i
e Bereich
e
Einkauf und weitere Besorgungen erhob die Abklärungsperson keine Einschränkung. Die Beschwerdeführerin gab diesbezüglich an, ihr Ehe
mann und die Haushaltshilfe würden jeweils fürs Wochenende einkaufen, wäh
rend sie selbst Kleineinkäufe tätige. Die Abklärungsperson hielt dazu fest, es sei dem Sohn und dem Ehemann zuzumuten, die Einkäufe zu tätigen. Zudem sei es im Rahmen der Schadenminderungspflicht zumutbar, einen Teil der Einkäufe über das Internet zu tätigen.
Den Bereich Wäsche und Kleiderpflege gewichtete die Abklärungsperson
mit
20
%
der Arbeitszeit und anerkannte eine Einschränkung von 35
%
, was eine gewichtete Behinderung von 7
%
ergab. Laut der Beschwerdeführerin würden ihr Ehemann und gelegentlich die Haushalthilfe bei
m
Wäsche
waschen behilflich
sein, nämlich beim Tragen der Wäsche
nach unten/oben
und Transfer in die Waschmaschine beziehungsweise den Tumbler. Bügeln sei
schwierig, da sie auch beim Sitzen Schwierigkeiten habe.
Sie bügle nur noch das N
ötigste, näm
lich Tücher, Shirts und die Hemden ihres Ehemanns. Der Ehemann bügle die Bettwäsche, weil diese zu gross sei, und er helfe auch beim Zusammenlegen grosser Wäschestücke. Kleine Wäschestücke könne sie zusammenlegen. Die Ab
klärungsperson bemerkte zu diesen Angaben, das Tragen der Wäsche hin
unter/hinauf könne dem Ehemann zugemutet werden.
Bei der Kategorie Betreuung von Kindern (15
%
) ermittelte die Abklärungs
per
son eine Einschränkung von 25
%
, was eine Gesamteinschränkung von 3,75
%
ergab. Sie rechnete der Versicherten an, dass sie seit dem Unfall nicht mehr in der Lage sei, aktiv mit dem Sohn Aktivitäten zu unternehmen, dass dies nun vor allem der Ehemann machen müsse, anerkannte aber auch gleichzeitig, dass der Sohn schon sehr selbständig war (
Urk.
9/89/8).
In den übrigen Bereic
hen Organisation des Haushalts
sowie Verschiedenes erhob die Abklärungsperson keine Einschränkung
(
Urk.
9/89/6-9)
.
Unter Berücksichtigung aller Behinderungen in den
erwähnten
einzelnen Teil
bereichen resultierte eine g
esamthafte Einschränkung von 22,
35 und – da die Beschwerdeführerin als zu 100
%
im Haushalt qualifiziert worden war – ein ebensolcher Invaliditätsgrad im Aufgabenbereich (
Urk.
9/
89/6-9).
4.5
Anlässlich der Befragung vom 2
2.
März 2018 gab die Beschwerdeführerin an, sie
habe nun eine
Genium
-Knieprothese. Diese sei be
sser als die vorherige Pro
these. Eigentlich könne sie mit dieser Prothese alles machen, insbesondere auch Tennisspielen, Skilaufen und Fahrradfahren. Nur schnelles Bücken und Rennen sowie das Gehen längerer Strecken seien nicht mehr möglich.
S
ie habe aber nach wie vor
Fa
ntomgefühle
und Schmerzen am Stumpf. Sie fühle sich beim Gehen unsicher
,
weil das Verbindungsstück
seit
K
urzem
nicht gut am Bein liege
(Prot.
S. 12, S. 15-17,
S. 19,
S. 21
).
5.
5.1
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Aufgabenbereich Haushalt
sind die sich aus den medizinischen Diagnosen ergeb
enden Beeinträchtigungen und Be
h
inderungen
zu ber
ücksichtigen
.
Bei der Beschwerdeführerin besteht ein Zustand nach
Amputation des linken
Beins auf Höhe des
Oberschenkels
.
Den Angaben
des behandelnden technischen Orthopäden
Dr.
F._
im Bericht
vom 1
5.
Dezember 2014
zufolge
konnte s
ie damals mit der provisoris
ch abgegebenen Oberschenkelp
rothese mit einem mik
ro
prozessorgesteuerten C-Leg-Kniebauteil der Firma Otto Bock nicht länger als zwei Stunden am Stück sitzen. Seiner Einschätzung nach konnte sie mit
opti
maler prothetischer Versorgung
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten (bis 15
kg
)
überwiegend stehend und gehend sowie zeitweise sitzend ausgeübte Tätig
keiten verrichten. Die Gang- und Standsicherheit war stark eingeschränkt, die Koordi
nation leicht
(
Urk.
9/38)
. Die Experten des
SHAB hielten in ihrem Bericht
vom
7.
Juli
2015 fest, die Beschwerdeführerin habe ein dynamisches Gangbild mit leichtem
Duchenne
-Hinken gezeigt und könne dem Mobilitätsgrad 3-4 (wobei 4 der höchsten Mobilitätsstufe entspricht) zugeteilt werden.
S
ie hatte ihnen auch angegeben, mit der C-Leg-Prothese seien Aktivitäten wie Tennis
spielen, Skilau
fen oder Fahrradfahren möglich gew
esen (
Urk.
9/55). Der Abklä
rungsperson gab s
ie am 1
7.
März und am
3.
November
2015 zusätzlich an, sie könne mit der
Prothese nicht stundenlang stehen,
rückwärts gehen
und Treppen hinaufsteigen. Ferner verliere sie schnell das Gleichgewicht,
etwa
wenn sie seitlich rotieren, etwas aufheben oder sich bücken wolle
. Zudem habe sie am Stumpf ein Ekzem und Rötungen und Blasen, was sehr schmerzhaft sei und weshalb sie den Stumpf zweimal täglich reinigen und die Haut pflegen
müsse
(
Urk.
9/
89/2)
.
Dr.
F._
machte
in seinem Bericht vom 1
5.
Dezember 2014
eine weitere Steige
rung der Arbeitsfähigkeit einzig von einer optimalen, hochleistungs
fähigen Pro
thesenversorgung abhängig
(
Urk.
9/38/3)
.
D
ie Beschwerdeführerin
war
damals ebenso wie anlässlich der Haushaltabklärung mit einer C-Leg-Prothese versorgt
und sprach
am 1
7.
März 2015 gegenüber der Abklärungsperson
von einer im Wesentlichen unveränderten gesundheitlichen Situation (
Urk.
9/89/2)
.
Deshalb
kann mangels anderweitiger Anhaltspunkte davon ausgegangen werden
, dass sich ihre Arbeitsfähigkeit im Haushalt seit Ablauf der einjährigen Wartezeit
im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG (vorstehende E. 1.5)
nach dem Unfall
vom 2
4.
Dezember 2013 am 2
4.
Dezember 2014
nicht wesentlich geändert hat
te
und
sich
die vorerwähnten funktionellen Einschränkungen ab diesem Zeitpunkt
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
8.
Mai 2016
auf alle Fälle nicht verschlechtert
hatten
.
5.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei in psychiatrischer Behandlung gewesen und nehme das Medikament
Lyrica
ein. Ihre psychische Verfassung
,
die sedierende Wirkung der Medikamente
und neuropathische Schmerzen
schrän
kten ihre Haushaltführungsfähigkeit weiter ein
und bedürften weiterer Abklärung durch das Gericht
.
Hierzu ist zunächst zu bemerken, dass die Beschwerdeführerin das Medikament
Lyrica
laut den Angaben in den Akten, zuletzt im Haushaltabklärungsbericht vom 3
0.
November 2015, nu
r abends einnimmt (
Urk.
9/89/2). D
eshalb
ist
nicht
davon auszugehen, dass eine allfällige sedierende Wirkung des Medikaments sie in den tagsüber verrichteten Haushaltstätigkeiten einschränkt
e
.
Sodann fehlen in den Akten
jegliche Hinweise dafür
, dass
die Beschwerdeführe
rin vor ihrem Einwand vom
5.
Januar 2016 gegen den Vorbescheid vom 3
0.
November 2015 (
Urk.
9/98/4)
unter psychischen Problemen litt. Anlässlich der Haushaltabklärung vom
3.
November 2015 gab sie, nach den behandelnden Ärzten befragt, lediglich
den technischen Orthopäden
Dr.
F._
an.
Am 1
7.
März 2015
gab sie
der Abklärungsperson
an, dass sie die aktuelle Situation belaste
und ihre Lebensqualität abgenommen habe
(
Urk.
9/89/2). Damit beste
hen aber noch keine Anhaltspunkte dafür, dass damals eine - über eine nach
vollziehbare
psychosoziale Belastungssituation hinausgehende - eigentliche psy
chische Stö
rung
mit Krankheitswert bestand. Von Bedeutung ist auch, dass
Dr.
F._
im Bericht vom 1
5.
Dezember 2014 ausdrücklich festhielt, es bestün
den keine psychopatho
logischen Befunde
, und bereits damals die Einnahme des Medikaments
Lyrica
abends
erwähnte (
Urk.
7/38/2-3).
Aus der blossen Einnah
me dieses Medi
kaments, welches auch gegen Schmerzen eingesetzt wird, kann folglich nicht
auf das Bestehen wesentlicher psychischer Probleme geschlossen werden.
Zude
m fällt auf, dass die Beschwerdeführerin im Einwand
vom
5.
Januar 2016
noch
geltend machte
– ohne konkreter zu werden -
, sie sei bei
Dr.
med.
I._
in
psychiatrischer Behandlung (
Urk.
9/98/4
). I
n der Beschwerde
schrift
vom 2
0.
Juni
2016 hielt sie dagegen fest, sie sei bei
Dr.
I._
in Beh
and
lung gewesen (
Urk.
1 S. 14). Die fragliche Behandlung dauerte folglich nur kur
ze Zeit.
Überdies
ist zu beachten, dass
sie
trotz
ausdrücklicher Aufforderung seitens der IV-Stelle am
9.
Februar
2016 und durch das Gericht am 2
8.
Juni 2016 (
Urk.
4)
keine
Ver
laufs
b
ericht
e der behandelnden Mediziner eingereicht hat.
An
lässlich der
p
er
sön
lichen Befragung vom 2
2.
März 2018 erwähnte sie, nach ihren Beeinträch
tigungen befragt, keine psychischen Probleme (Prot. S. 18 f.).
Damit fehlen genügende
Hinweise, dass bei Erlass der
angefochtenen
Verfügung eine psy
chi
sche Störung mit inv
alidisierendem Ausmass bestand, welche weite
rer Abklä
rung durch das Gericht bedarf
.
Hinsichtlich der geltend gemachten
, anlässlich der persönlichen Befragung vom 2
2.
März 2018 erneut thematisierten (Prot. S. 18 ff.)
neuropathischen Schmerzen ist zu beachten, dass gewisse Schmerzen im Zusammenhang mit dem Tragen der Prothese, welche offenbar unter anderem mit
Lyrica
medikamentös behan
delt werden
,
nachvollz
ogen
werden können
, aber bereits bei den in der vorsteh
enden Erwägung aufgeführten funktionellen Einschränkungen berücksichtigt
sind
.
Hinweise auf weitergehende, allenfalls neu hinzugetretene neuropathische Beschwerden fehlen in den Akten, zumal die Beschwerdeführerin trotz mehr
maliger Aufforderung weder der IV-Stelle noch dem Sozialversicherungsgericht aktuelle Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte eingereicht hat. Auch dies
bezüglich erübrigen sich folglich weitere Abklärungen.
5.3
Im Bereich der Invalidenversicherung ist die Einschränkung im Haushalt mittels einer Abklärung vor Ort
durch eine
qualifizierte
Person, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen
hat,
konkret
unter Berücksichtigung der zumutbaren Hilfe von Familienangehörigen
zu ermitteln
(vorstehend E. 1.3-4)
.
Aus der von der Beschwerdeführerin eingereichten SAKE-Tabelle ergibt sich, dass dort auch Zeitaufwand für die Haustierversorgung und Gartenarbeiten – welche bei der Beschwerdeführerin nicht anfallen – berücksichtigt wird. Dage
gen findet der Umstand, dass der Sohn den ganzen Tag in einer Privatschule verbringt, was den
A
ufwand für seine Betreuung verringert, in dieser Tabelle keine Berücksichtigung,
ebensowenig
wie die zumutbare Mithilfe von Familien
angehörigen (
Urk.
3/9).
Die von der Beschwerdeführerin angeführten SAKE-Tabellen und weiteren s
t
atistischen beziehungsweise abstrakten Erhebungen sind
deshalb vorliegend nicht anwendbar (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_925/2013
vom
1.
April 2014
E. 7.3 mit weiteren Hinweisen).
Die erstmals in der Beschwerdeschrift vorgebrachte Behauptung, die Beschwer
de
führerin könne ihre Prothese schmerzbedingt während etwa vier bis acht Stunden nicht tragen (
Urk.
1 S. 14), findet in den übrigen Akten keine Stütze und widerspricht
d
en Angaben anlässlich der Haushaltabklärung. Damals gab
d
ie
Versicherte
lediglich an, sie könne
mit der Prothese nicht stundenlang stehen
, müsse den Stumpf täglich zwei
m
al wechseln und die Haut pflegen, und könne
die Prothese nicht
über
acht bis zwölf Stunden tragen (
Urk.
9/89/2 und
Urk.
9/
89/7
; vgl. auch Prot. S.
15 ff. und 19 ff.
).
Praxisgemäss
ist auf die
„Au
s
sagen der ersten Stunde“ a
nlässlich der Haushaltabklärung
abzustellen,
denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellun
gen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versi
che
rungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2
a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis),
zumal wie bereits dargelegt Hinweise für eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
bis zum Verfügungszeitpunkt
feh
len.
Generell fehlen entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin Anhaltspunkte, dass die Abklärungsperson
die
gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei der Erstellung ihres Berichts
ungenügend berücksichtigte. Vielmehr werden die medi
zinischen Diagnosen zu Beginn des Berichts aufgeführt, und die Beschwer
deführerin wurde von der Abklärungsperson eingehend nach der gesundheit
lichen Situation und ihren konkre
ten Beeinträchtigungen befragt. Dem
Bericht
sind
ferner
keine Hinweise
dafür
zu entnehmen
, dass die Abklärungsperson ein
zelne Angaben der Beschwerdeführerin zu ihren gesundheitsbedingten Beein
trächtigungen für nicht plausibel hielt und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig
keit im Haushalt nicht berücksichtigte
. Auch können die der Beschwerdeführe
rin zugemuteten Tätigkeiten trotz den dargelegten funktio
nellen Einschränkun
gen erledigt werden
(
Urk.
9/89).
Weder aus den Akten noch
den Vorbringen
der Beschwerdeführerin ergeben sich Anhaltspunkte, dass die im Haushaltabklärungsbericht vom 3
0.
November 2015 ermittelten, nachvollziehbar begründeten Einschränkungen in den Berei
chen Haushaltführung/-organisation, Einkauf und weitere Besorgungen, Wäsche und Kleiderpflege, Betreuung von Kindern sowie Verschiedenes unzutreffend ermittelt worden wäre (
Urk.
9/89/6-9).
In den Bereichen Ernährung und Wohnungs
pflege begründete die Abklärungsperson die jeweils angenommene Ein
schränkung von 20
%
respektive 25
%
unter anderem damit, die gründlichen Reinigungsarbeiten habe die Putzhilfe bereits vor dem Unfall übernommen, in
dem sie bereits damals rund alle 2-3 Monate für zwei Stunden im Haushalt der Beschwerdeführerin gearbeitet habe
(
Urk.
9/89/7).
Nicht ganz klar ist auf
grund dieser Angaben, ob
die
Abklärungsperson auch die Arbeit der Haushalt
hilfe, welche seit dem Unfall
während
vier Stunden
pro Woche im Haushalt der Beschwerdeführerin tätig ist, unberücksichtigt liess. Selbst wenn dies der Fall wäre, ist folgendes zu beachten: Im Bereich Ernährung kann die Beschwerde
führerin Reinigungsarbeiten auf Körperhöhe versehen. Die Abklärungsperson hat sodann zu Recht festgehalten, dass
es dem Ehemann zuzumuten ist, beim Kochen zu helfen
, soweit Handreichungen bei Arbeiten ober- und unterhalb der Körperhöhe und solchen, bei denen die Beschwerdeführerin Gefahr läuft, die Balance zu verlieren, nötig sind (beispielsweise Tragen von Pfannen, Esswaren und Getränken
[
Urk.
9/89/7
]
).
Zu ergänzen ist, dass ihm nötigenfalls auch punk
tuelle Hilfestellungen
bei schwereren
Reinigungsarbeiten in der Küche zu
mutbar sind, und die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsweise dergestalt an
passen kann, dass solche Arbeiten selten anfallen.
Unter Berücksichtigung dieser Präzi
sierungen
dürften
im Zusammenhang mit der Ernährung
praktisch keine gründ
lichen Reinigungsarbeiten mehr verbleiben, welche nicht mit dem bereits vor dem Unfall versehenen Pensum der Putzhilfe von zwei Stunden alle paar Mona
te erledigt werden können.
Selbst wenn sodann wegen der
von der Haushalt
hilfe im Bereich Wohnungspflege nötigen Arbeit eine – klarerweise zu hohe - Einschränkung von 100
%
und dementsprechend für diesen mit 20
%
der gesamten Haushaltarbeit gewichteten Bereich eine Behinderung von 20
%
an
genommen würde, resultierte unter Berücksichtigung der Behinderungen in den übrigen Aufgabenbereichen der Beschwerdeführerin eine gesamthafte Be
hin
derung von 37
,
35
%
(
6,6
%
+ 20
%
+ 7
%
+ 3,75
%
; vgl.
Urk.
9/89/6-9
)
.
Eine derartige Behinderung im Haushalt erscheint
auch
angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben gegenüber der Abklärungs
per
son und
a
nlässlich der Befragung durch das Gericht am 2
2.
März 2018
mit ihrer
Prothese
auch Tennisspielen, Skilaufen und Fahrradfahren
kann,
jedenfalls
nicht
als zu tief
.
Auf die von der Beschwerdeführerin beantragten weiteren Abklä
rungen kann verzichtet werden, da nach dem Gesagten hiervon keine rele
vanten neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung).
Da die Einschränkung im Aufgabenbereich bei der als Nichterwerbstätig einzustu
fenden Beschwerdeführerin auch gleich dem Gesamtinvaliditätsgrad entspricht, resultierte
nach dem Gesagten
(höchstens)
ein
Invaliditätsgrad von 37,
35
%
.
Damit wird die rentenerhebliche Schwelle von 40
%
nicht erreicht (vorstehende E. 1.5).
6.
Die Beschwerdeführerin wäre nach dem in Erwägung
3
Gesagten bei Erlass der angefochtenen Verfügung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch als Ge
sunde vollzeitlich im Haushalt tätig. Bereits aus diesem Grund hat sie auch keinen Anspruch auf die
subeventualiter
anbegehrten
beruflichen Eingliede
rungs
massnahmen (
Urk.
1 S. 2 und 15).
7.
Aufgrund der Erwägungen ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.
Aus
gangsgemäss gehen die Verfahrenskosten in Höhe von
Fr.
1'000.-- zulasten der unterliegenden Beschwerdeführerin (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).