Decision ID: ee4669a2-b726-5f25-89db-a27ea9980648
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1957, reiste am
4.
Februar
2008 aus
A._
in die Schweiz ein, worauf
sie
am
2.
April 200
8 vorläufig aufgenommen wurde (
Urk.
8/24
: Bewilligung F
)
.
Seit dem
1.
Februar 2019 bezieht sie eine Altersrente der AHV (
Urk.
8/3).
Am 2
7.
Januar 2020 stellte sie
bei der Gemeinde
Z._.
Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: Durchführungsstelle),
Antrag auf die Ausrichtung vo
n Zusatzleistungen zu ihrer
Rente (
Urk.
8/1). Die
Durchführungs
stelle
holte
in der Folge
zusätzliche Unterlagen
zur Klärung des Leistungs
anspruchs
ein (
Urk.
8/13 ff.)
und wies das Gesuch der Versicherten mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2020 ab (
Urk.
8/26). Die dagegen von der Versicherten am 1
5.
Mai 2020 erhobene und am 2
4.
Juni 2020 begründete Einsprache (
Urk.
8/27,
Urk.
8/30) wies die Durchführungsstelle mit
Einspracheentscheid
vom
2.
September 2020 ab (
Urk.
8/32 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch
lic
.
iur
.
Y._
, am
9.
Oktober 2020 Beschwerde mit den Anträgen, der
Einsprach
e
entscheid
vom
2.
September 2020 sei aufzuheben und es sei
e
n ihr die gesetzlichen Leistungen gemäss ELG zuzusprechen. Eventualiter sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In formeller Hinsicht stellte sie sodann ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche
Rechtsverbei
ständung
(
Urk.
1
S. 2
). Mit Beschwerdeantwort vom
4.
November 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), wovon der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
3.
Januar 2021 Kenntnis erteilt wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2021 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
versicherung (ELG) sowie der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur
Alters
-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Die Beschwerdeführerin meldete sich am
2
7.
Januar 2020
zum Bezug vo
n Zusatzleistungen an (
Urk.
8/1
), worauf die Beschwerdegegnerin den Anspruch im angefochtenen
Einsprache
entscheid
vom
2.
September 2020
verneinte (
Urk.
2). Vor diesem Hintergrund sind die bis 3
1.
Dezember 2020 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall anzuwenden und in dieser Fassung zu zitieren.
1.2
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus
setzungen nach
Art.
4-6
ELG
erfüllen, Zusatzleistungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (
Art.
2
Abs.
1 ELG;
§
§
1, 13, 15 und 20
Abs.
1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ZLG
).
1.3
Der Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung besteht nach
Art.
12
Abs.
1 ELG ab Beginn des Monats, in dem die Anmeldung eingereicht worden ist, sofern sämtliche gesetzliche
n
Voraussetzungen erfüllt sind. In
Abs.
4 erfolgt die Kompetenzverteilung an den Bundesrat zur Regelung der Nachzahlungen von Leistungen, die auch von der in
Art.
24
Abs.
1 ATSG festgelegten Dauer ab
weichen kann.
Art.
22 ELV sieht sodann vor, dass
bei
Anmeldung für eine jährliche Ergänzungs
leistung innert sechs Monaten seit der Zustellung der Verfügung über eine Rente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV) oder der Invaliden
versicherung (IV) der Anspruch mit dem Monat der Anmeldung für die Rente, frühestens jedoch mit der Rentenberechtigung beginnt (
Abs.
1). Daraus folgt, dass wenn die Rente ab dem Monat der Rentenanmeldung oder von einem späteren Monat an zugesprochen wird, der Anspruch auf jährliche Ergänzungsleistungen im gleichen Monat wie der Rentenanspruch entsteht. Wird die Rente für eine vor der Rentenanmeldung liegende Zeitspanne zugesprochen, beginnt der Anspruch auf Ergänzungsleistungen mit dem Monat der Einreichung der Anmeldung zum Bezug der Rente (Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV [WEL]
Rz
2122.01, vgl. Müller, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015,
Rz
741 f. zu
Art.
12).
1.
4
Gemäss
Art.
4
Abs.
1 ELG setzt der Anspruch auf Ergänzungsleistungen den zivilrechtlichen Wohnsitz und den gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz im Sinne von
Art.
13 ATSG voraus.
Als zusätzliche Voraussetzung für Ausländerinnen
und Ausländer müssen sich diese
nach
Art.
5
ELG
rechtmässig in der Schweiz aufhalten und sie müssen
sich
unmittelbar vor dem Zeitpunkt, ab dem die Ergänzungsleistungen verlangt wer
den, während zehn Jahren ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten haben (Karenzfrist;
Abs.
1).
Für Flüchtlinge und staatenlose Personen beträgt die Karenzfrist fünf Jahre (
Abs.
2).
Ausländerinnen und Ausländer, die weder Flüchtlinge noch staatenlos sind noch unter einen Staatsvertrag im Sinne von
Abs.
3 fallen, haben nur Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie neben der Karenzfrist nach
Abs.
1 unt
er anderem
eine Altersrente der AHV beziehen (
Abs.
4).
Gemäss der Wegleitung über die Ergänzungsleistungen (WEL) zur AHV und IV, gültig ab
1.
Januar 2020,
Rz
. 2430.01, beginnt die Karenzfrist
zu laufen, sobald die betreffende Person ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz hat. Bei Personen, die ihren Wohnsitz im Ausland aufgegeben haben und sich legal in der Schweiz aufhalten, beginnt die
Karenzfrist deshalb ab dem Zeit
punkt zu laufen, ab dem sie der Beitragspflicht in der AHV/IV unterstellt sind.
1.
5
Der Wohnsitz einer Person bestimmt sich gemäss
Art.
13
Abs.
1 ATSG nach den
Art.
23-26 des Zivilgesetzbuches (ZGB; in der seit
1.
Januar 2013 gültigen Fassung). Der zivilrechtliche Wohnsitz einer Person befindet sich danach an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (
Art.
23
Abs.
1 ZGB) und den sie sich zum Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen gemacht hat (BGE 127 V 237 E. 1; BGE 125 III 100 E. 3).
Ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat eine Person an dem Ort, an dem sie während längerer Zeit lebt, selbst wenn diese Zeit zum Vornherein befristet ist (
Art.
13
Abs.
2 ATSG). Nach der Rechtsprechung ist für den
«
gewöhnlichen Aufenthalt
»
der tatsächliche Aufenthalt in der Schweiz und der Wille, diesen Aufenthalt auf
recht zu erhalten, massgebend; zusätzlich dazu muss sich der Schwerpunkt aller Beziehungen in der Schweiz befinden (BGE 141 V 530 E. 5.3
;
136 V 244 E. 7.2.3; 119 V 98 E. 6c, 111 E. 7b; 112 V 164 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 9C_729/2014 vom 1
6.
April 2015 E. 3).
1.
6
Nach
Art.
1a
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(AHVG) sind obligatorisch versichert die natürlichen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz (
lit
. a) und die natürlichen Personen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (
lit
. b).
Für Asylsuchende hat das Bundesgericht wiederholt entschieden, dass diese in der Schweiz Wohnsitz begründen können (vgl. BGE 124 II 4
89
E. 2f mit Hin
weisen; Jürg Brechbühl, Die Rechtsstellung von Asylsuchenden und Flüchtlingen in den schweizerischen Sozialversicherungen, in Soziale Sicherheit 3/1996
,
S. 143 ff., 144). Dies wird denn auch in ständiger Verwaltungspraxis so gehandhabt. So
begründen gemäss
Rz
. 1024 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) über die Versicherungspflicht in der AHV/IV (WVP; Stand
1.
Januar 2020) Asylsuchende, vorläufig Aufgenommene und Schutz
bedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung Wohnsitz in der Schweiz, selbst wenn sie die Absicht zur Rückkehr in die Heimat haben, sobald es die Verhältnisse zu
lassen.
Unter dem Titel
«
Bezug der Beiträge
»
sind g
emäss
Art.
14
Abs.
2
bis
AHVG
die Beiträge von Asylsuchenden, vorläufig Aufgenommenen und Schutzbedürftigen ohne Aufenthaltsbewilligung, die keine Erwerbstätigkeit ausüben, erst dann fest
zusetzen und unter Vorbehalt von Artikel 1
6 Absatz 1 zu entrichten, wenn:
a.
diese Personen als Flüchtlinge anerkannt wurden;
b.
diesen Personen eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wird; oder
c.
auf Grund des Alters, des Todes oder der Invalidität dieser Personen ein Leistungsanspruch im Sinne dieses
Gesetzes oder des IVG entsteht.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Gesuchs damit, dass
Aus
länder, welche nicht Staatsangehörige eines EU- oder EFTA-Staates seien
,
erst nach ununterbrochenem Aufenthalt von 10 Jahren in der Schweiz Ergänzungs
leistungen beanspruchen könnten. G
emäss der Wegleitung über die Ergänzungs
leistungen (WEL)
Randziffer
2320.01
würden dabei diejenigen Zeiten, während denen eine Person aus irgendeinem Grund nicht der Beitragspflicht in der AHV/IV unterstellt gewesen sei, nicht angerechnet (
Urk.
2 S. 2).
Mit
Art.
14
Abs.
2
bis
AHVG (in Kraft getreten am
1.
Januar 2007) sei eine voll
ständige Sistierung des Beitragsbezuges für Asylsuchende, humanitär und provisorisch Aufgenommene und Schutzbedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, eingeführt worden. Bei Eintritt eines Versicherungsfalles oder bei Regelung der Anwesenheit der betreffenden Person in der Schweiz werde diese Sistierung aufgehoben und die Beiträge würden innerhalb der Grenzen der Verjährung rückwirkend erhoben. Bei Eintritt eines Versicherungsfalles entstehe som
i
t ein Anspruch auf Leistungen, sofern die ordentlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Da sich der rückwirkende Beitrags
bezug auf höchstens fünf Jahre beschränke, könnten bei längeren Aufenthalten Beitragslücken und damit verbundene Leistungseinbussen a
uftreten, wobei eine vollständige Gleichstellung mit den übrigen Versicherten nicht möglich sei (
Urk.
2 S. 3).
Da zwischen der Schweiz und
A._
kein Sozialversicherungsabkommen be
stehe, das eine Gleichstellung der Angehörigen beider Vertragsstaaten garantiere, sei
WEL
Randziffer
2320.01 vorliegend anwendbar, was zur Abweisung der Ein
sprache führe (
Urk.
2 S. 4).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, s
ie erfülle die
Vor
aussetzungen von
Art.
4
Abs.
1
lit
.
a ELG,
da sie eine Altersrente der AHV
beziehe. Des Weiteren verfüge sie seit dem
4.
Februar 2008 über einen gesetzlichen Wohnsitz in der Schweiz und unterstehe der Versicherungspflicht der AHV (
Urk.
1 S. 5).
Die Regelung des
Art.
14
Abs.
2
bis
AHVG s
e
tze
voraus
, dass die Versicherungs
unterstellung - und folglich auch die Beitragspflicht - bereits vor der Regelung des Aufenthaltsrechts oder dem Eintritt
des Versicherungsfalles bestehe
, da das
Versicherungsobligatorium
grundsätzlich für alle natürlichen Personen, welche entweder Wohnsitz in der Schweiz hätten oder hier eine Erwerbstätigkeit ausüben würden
, gelte
(
Urk.
1 S.
6). Die betroffenen Personengruppen seien auch als grundsätzlich beitragspflichtig anzusehen, sei doch nicht einzusehen, weshalb sie für eine bestimmte Zeit (von der
Wohnsitznahme
bis zum Eintritt einer Konstellation gemäss
Art.
14
Abs.
2
bis
AHVG) versichert sein, dafür aber keine Beiträge entrichten sollten. Dementspr
echend seien
unter Berücksichtigung von
Art.
16
Abs.
1 AHVG
von ihr
rückwirkend per 2014 die Beiträge erhoben worden. Da zudem unbestritten s
e
i, dass
sie
seit dem
2.
April 2008 ihren gesetzlichen Wohnsitz in der Schweiz
habe
und seit dem
1.
Februar 2019 eine Rente der AHV beziehe,
habe
sie rückwirkend per
1.
Februar 2019 einen Anspruch auf Erg
änzungsleistungen
(
Urk.
1
S. 7 f.).
3.
3.1
In tatsächlicher Hinsicht ist unstrittig und ausgewiesen
, dass di
e Beschwerde
führerin am
4.
Februar
2008 als Staatsangehörige von
A._
in die Schweiz einreiste und am
2.
April 2008 hier vorläufig aufgenommen wurde
; diesen Status besass sie auch noch im Zeitpunkt des
Einspracheentscheids
(
Urk.
8/24).
Ab dem
9.
Juni 2008 war sie in
Z._
angemeldet (
Urk.
8/15).
In der Schweiz war sie
seit dem 2
0.
November 2018 als Küchenhilfe tätig (
Urk.
8/4,
Urk.
8/5);
für die Zeit
zuvor
lassen sich
dem Auszug aus dem individuellen Konto seit dem Jahr 2014
bezahlte
Beiträge als Nichterwerbstätige
entnehmen
(
Urk.
8/22).
Nachdem sie sich am 2
9.
Oktober 2019 zum Bezug einer
R
ente der AHV angemeldet hatte, wurde ihr mit Verfügung vom 2
0.
Januar 2020
rückwirkend
ab dem
1.
F
ebruar 2019
eine
Altersrente
zugesprochen
(
Urk.
8/3).
3.2
Die Beschwerdegegnerin ging zu Recht davon aus, dass die Beschwerdeführerin
-
bevor
sie
ein
en
Anspruch auf Z
usatzleistungen geltend machen
kann
-
eine Karenzfrist
im Sinne von
Art.
5 ELG
zu bestehen hat
, während der sie sich unun
terbrochen in der Schweiz aufzuhalten hat. Mangels
eines Sozialversicherungs
abkommens
der Schweiz
mit ihrem Herkunftsland
A._
dauert diese
10 J
ahre
.
Der Aufenthalt muss zudem rechtmässig sein, was vorliegend aufgrund der am
2.
April 2008 erfolgten
und bis zum
Einspracheentscheidszeitpunkt
weiterhin gültigen
vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführerin
(
Urk.
8/24)
spätestens ab diesem Zeitpunkt
ohne Weiteres bejaht werden kann.
Da sodann in Fällen, in denen sich Asylsuchende mit der Absicht des dauernden Verbleibens hierher begeben
-
und den alten Wohnsitz im Ausland damit aufgegeben haben
-
für die Bestimmung des Zeitpunktes der
Wohnsitznahme
derjenige der Einreise mass
geblich ist (BGE 113 II 7 E. 2), hat die Beschwerdeführerin am
4.
F
ebruar 2008
in der Schweiz einen Wohnsitz begründet.
3.3
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um die Ausrichtung von Zusatzleistungen ging am 1
2.
Februar 2020 und damit innerhalb von sechs Monaten nach Erlass der rentenzusprechenden Verfügung der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
vom 2
0.
Januar 2020
bei der Durchführungsstelle ein (
Urk.
8/1 S. 1).
Die AHV-Rente wurde ihr ab
1.
Februar 2019 und damit ab einem Zeitpunkt zugesprochen, der vor der Anmeldung für die AHV-Rente am 2
9.
Oktober 2019 lag (
Urk.
8/3).
Der Anspruch auf Zusatzleistungen konnte somit frühestens im
Monat der
Anmeldung
für die Rente
, mithin im Oktober 2019,
ent
stehen
(vgl.
vorstehend
E. 1.3)
.
Es ist daher zu prüfen, ob sich die Beschwerdeführerin in den unmittelbar vorausgehenden zehn Jahren
- mithin ab Oktober 2009 - im Sinne von
Art.
5
Abs.
1 ELG
ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten hatte.
3.4
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
die Erfüllung der Karenzfrist
im Wesentlichen mit der
Begründung
, dass nach
Art.
14
Abs.
2
bis
AHVG
der Bezug
d
er
AHV-
Beiträge von
nicht erwerbstätigen,
vorläufig Aufgenommenen
sistiert und – wie hier - erst im Zusammenhang mit der Festsetzung der AHV-R
ente aktiviert we
rde
- was
allerdings
nur noch im Rahmen der Verjährungsbestimmung von
Art.
16
Abs.
1 AHVG von fünf Jahren
rückwirkend
möglich sei -
;
die fehlenden Beitrags
zeiten im Sinne von WEL R
andziffer
2320.01
könnten
bei der Karenzfrist nicht angerechnet werden
.
3.5
Gemäss
Art.
1a AHVG besteht ein
Versicherungsobligatorium
grundsätzlich für alle natürlichen Personen, welche entweder Wohnsitz in der Schweiz haben oder hier eine Erwerbstätigkeit ausüben. Versicherte Personen sind beitragspflichtig,
solange
sie
entwe
der eine Erwerbstätigkeit ausüben
oder zwischen 20 und 64 (Frauen
) bzw. 65 (Männer) Jahre alt sind (
Art.
3
Abs.
1 AHVG). Da die Beschwerdeführerin
weder
von
den Ausnahmetatbeständen
für das
Versicherungsobligatorium
gemäss
Art.
1a
Abs.
2 AHVG
noch von denjenigen für die Beitragspflicht gemäss
Art.
3
Abs.
2 AHVG
erfasst wird
, ist somit grund
sätzlich davon auszugehen, dass sie ab ihrer
Wohnsitznahme
im Jahr 2008
in der Schweiz obligatorisch in der AHV/IV versichert
und gestützt darauf auch beitragspflichtig war, zumal sie während der fraglichen Zeitspanne zwischen 20 und 64 Jahre alt
war
.
3.6
D
urch
die in
Art.
14
Abs.
2
bis
lit
. c
AHVG vorgesehene Sistie
rung des Beitrags
bezugs bis zum Eintritt eines Versicherungsfalles
sollte
g
emäss der
Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes, des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung sowie des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassen
en
versicherung
, vom
4.
September 2002
(S. 6923, in der Folge: Botschaft)
in erster Linie der administrative Aufwand minimiert werden, indem (nur) diejenigen nicht
e
rwerbstätigen Asylsuchenden beziehungsweise
vorläufig Aufgenommenen, wel
che die Schweiz kurzfristig wieder verlassen, von der Beitragspflicht nicht erfasst werden. Hingegen wurde damit gemäss
der
Botschaft nicht beabsichtigt, die betreffenden Personengruppen grundsätzlich von der Versicherungs
unterstellung auszunehmen. Vielmehr war eine Gleichstellung mit den übrigen Versicherten beabsichtigt. Daher sollten die Beiträge dieser Personen
bei Eintritt eines Leistungsfalles
im Rahmen der Verjäh
rung rückwirkend erhoben werden.
Die Regel
ung des
Art.
14
Abs.
2
bis
lit
. c
AHVG setzt damit voraus, dass die Versicherungsunterstellung bereits vor
Eintritt des L
eis
tungsfalles
besteht.
Damit
war die Beschwerdeführerin
seit ihrer
Wohnsitznahme
in der Schweiz der Ver
sicherung unterstellt
und
auch beitragspflichtig
, zumal
keine Gründe dafür ersichtlich sind
,
weshalb
sie
für die Zeit
von der
W
ohnsitznahme
bis zum Eintritt des Versicherungsfalles
zwar versichert
jedoch nicht beitragspflichtig sein sollte.
3.7
Dementsprechend
wurden von der
Beschwerdeführerin ab dem Eintritt des Leistungsfalles
- nämlich dem
Vorbezug
einer A
ltersrente ab Februar
2019
-
für fünf Jahre rückwirkend
Nichterwerbstätigenbeiträge erhoben (
Urk.
8/17/1,
Urk.
8/22).
Die Beiträge für die weiter zurückliegenden Jahre konnten unter Berücksichtigung der in
Art.
16
Abs.
1 AHVG geregelten fünfjährigen
Ver
jährungs
- beziehungsweise Verwirkungsfrist
(BGE 117 V 208 E. 3)
nicht mehr eingefordert und von der Beschwerdeführerin auch nicht mehr freiwillig ent
richtet werden. An der grundsätzlichen Beitragspflicht der Beschwerdeführerin auch für die Jahre 2008 bis 2013 ändert dies jedoch nichts,
betrifft
Art.
16
Abs.
1
AHVG doch lediglich die Möglichkeit der Einforderung beziehungsweise Ent
richtung der Beiträge und nicht
das
dieser Forderung zugrunde liegende Rechts
verhältnis der Beitragspflicht
. R
andziffer
2320.01 WEL setzt für den Lauf der Karenzfrist denn auch lediglich das Bestehen der Beitragspflicht und nicht die tatsächliche Entrichtung von Beiträgen voraus
.
Die Beschwerdeführerin war mit anderen Worten bereits ab ihrer
Wohnsitznahme
im Jahr 2008 beitragspflichtig, aufgrund der gemäss
Art.
14
Abs.
2
bis
AHVG er
folgten Sistierung des B
ezuges hatte sie indessen die grundsätzlich geschuldeten Beiträge vorläufig nicht zu entrichten. Diese waren erst im Jahr 2019 aufgrund des Eintrittes des Leistungsfalles festzusetzen und zu bezahlen, konnten indessen aufgrund der eingetretenen Verjährung nicht mehr in vollem Umfang ein
gefordert bez
iehungsweise entrichtet werden.
Somit
steht
Art.
14
Abs.
2
bis
AHV
dem Lauf der Karenzfrist nicht entgegen
.
3.8
Die Verneinung des L
eistungsanspruchs mangels Erf
üllung der Karenzfrist
ge
stützt auf die Begründung der fehlenden Beitragspflicht
ist somit
zu Unrecht er
folgt.
Die
Besc
hwerdegegnerin hat indessen bisher nicht geprüft, ob sich die Beschwerdeführerin während
den der Anspruchsstellung
unmittelbar voran
gehenden
zehn Jahre
n
ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten hat oder
ob
der Lauf der Karenzfrist zufolge eines
(längeren)
Auslandaufenthaltes zwischen
zeitlich unterbrochen wurde, so dass über die Erfüllung der Karenzfrist bei der derzeitigen Aktenlage nicht abschliessend entschieden werden kann. Dies
e Ab
klärungen hat die Beschwerdegegnerin
nun - neben der Prüfung der weiteren Voraussetzungen für den Anspruch auf Ergänzungsleistungen - nachzuholen.
Die
Beschwerde
ist demnach
in dem Sinne gutzuheissen, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
2.
September 2020
(
Urk.
2) aufzuheben und die Sache zwecks weiterer Abklärungen im Sinne der obigen Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
4.
4.1
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten.
Da d
er
vertretende Rechtskonsulent
trotz der eingeräumten Gelegenheit keine Honorarnote eingereicht hat (
Urk.
11 Dispositiv-Ziffer 2), ist die Entschädigung nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses,
dem Zeitaufwand und den Barausla
gen ermessensweise auf
Fr.
1‘
2
00
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch um unentgeltliche
Rechts
vertretung
gegenstandslos.
Zu
Handen
der Beschwerdeführerin bleibt in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass
das Sozialversicherungsgericht
praxisgemäss
nur patentierte Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen als unentgeltliche Rechts
vertreter zu
lässt
(
vgl.
Randacher
, in: Zünd/Pfiffner
Rauber
[Hrsg.],
Gesetz über das Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich, 2.
Auflage, Zürich 2009, N 10 zu
§
16).
4.2
Da das Verfahren kostenlos ist (
Art.
61
lit
. a ATSG, in der bis Ende 2020 gültig gewesenen Fassung), ist auch das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
(
Urk.
1 S. 2)
als gegenstandslos zu betrachten.