Decision ID: 04ca92b7-d3b5-47c6-8acb-6b01eb5137b3
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Visana Versicherungen AG, Thunstrasse 164, 3074 Muri b. Bern,
Klägerin,
vertreten durch Visana Services AG, Weltpoststrasse 19, 3000 Bern 15,
gegen
A._ AG
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Beklagte,
betreffend
Krankentaggeldversicherung (Herausgabe von Unterlagen)
Sachverhalt:
A.
Die A._ AG, (nachfolgend Versicherungsnehmerin) hatte mit der Visana
Versicherungen AG (nachfolgend Visana) eine Kollektivversicherung gemäss
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG; SR
221.229.1) abgeschlossen für ein Taggeld bei Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit
sowie ein Geburtengeld (Kollektiv-Krankentaggeldversicherung [inklusive für Arbeit
nehmerinnen eine Mutterschaftsversicherung in Ergänzung zur Erwerbsersatzordnung
{EO}], Police Nr. 4XXXX.XX0; act. G 1.4). Details wurden in den allgemeinen
Versicherungsbedingungen (AVB) der Visana, Ausgabe 2002 Typ B (act. G 1.5)
geregelt, die zum integrierenden Bestandteil der Police erklärt worden waren (Police
Nr. 4XXXX.XX0 S. 4, act. G 1.4). Der Vertrag galt laut Angaben der Visana seit 1. Ok
tober 2004 und wurde per 1. Januar 2007 erneuert (act. G 1.4, G 1.6). Laut Police ist
das interne, das temporäre sowie das GA-pflichtige (einem Gesamtarbeitsvertrag [GA]
unterstellte) Personal versichert und die provisorische Gesamtlohnsumme betrug im
Dezember 2006 insgesamt Fr. 5'000'000.--. Dieser Betrag teilte sich gemäss
handschriftlicher Ergänzung der Police auf 112 Männer (mit einer provisorischen
Lohnsumme von Fr. 4'500'000.--) und 20 Frauen (mit einer provisorischen Lohnsumme
von Fr. 500'000.--) auf. Die Prämie für die Krankentaggeldversicherung errechnete sich
für die versicherten Männer mit einem Prämiensatz von 1.17% (Fr. 52'650.--), für die
versicherten Frauen mit einem solchen von 1.52% (Fr. 7'600.--) und betrug im Jahr
2007 provisorisch Fr. 60'250.-- (act. G 1.4 S. 2). Eine Prämie für die
Mutterschaftsversicherung in Ergänzung zur EO schuldete die Versicherungsnehmerin
nur auf den Löhnen der Frauen. Bei einem Prämiensatz von 0.08% betrug diese
provisorisch für das Geburtengeld Fr. 4'000.-- (act. G 1.4 S. 3).
B.
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B.a Mit Schreiben vom 25. August 2011 bzw. vom 21. Dezember 2011 teilte die interne
Revision der Visana Services AG (Dienstleistungsgesellschaft für die Abwicklung der
Versicherungsgeschäfte der Visana; vgl. Auszug aus dem Handelsregister, act. G 1.3)
der Versicherungsnehmerin mit, dass gemäss den vertraglichen Vereinbarungen eine
routinemässige Prüfung der Lohndeklarationen 2009/2010 sowie der
Leistungsabrechnungen seit Vertragsbeginn vorgesehen sei und sie aus diesem Grund
ersucht werde, diverse Unterlagen bereitzustellen (act. G 1.6 f.).
B.b Die Versicherungsnehmerin verwies in ihrem Schreiben vom 2. Januar 2012 in
Bezug auf die geforderte Einsicht in die Lohnblätter und AHV-Lohndeklarationen der
Jahre 2009 bis 2011 auf die Datenschutzpflicht sofern die Einsicht nicht einzelne,
namentlich genannte Mitarbeitende betreffe. Diese Unterlagen betreffend das gesamte
Personal könnten daher nicht zur Verfügung gestellt werden (act. G 1.8).
B.c Aufgrund der Revision vom 1. Februar 2012 bei der Versicherungsnehmerin
errechnete die Visana Services AG eine Rückforderung von Fr. 17'705.30 an zu viel
ausbezahlten Taggeldern (Schreiben vom 15. Februar 2012; act. G 1.9). Da die Einsicht
in die vollständigen, für eine korrekte und vollständige Prüfung notwendigen Unterlagen
(AHV-Deklaration und Lohnblätter 2009 bis 2011) bis heute verweigert worden sei,
müsse die Abrechnung laufender und künftiger Krankheitsfälle infolge mangelnder
Mitwirkung eingestellt werden. Die Prämie 2012 werde mittels Schätzung festgesetzt
und in Rechnung gestellt. Weiter führte die Visana Services AG aus, die von der
Versicherungsnehmerin gewünschte Prüfung durch eine externe Revision sei durchaus
möglich, eine solche müsste allerdings im Voraus durch die Versicherungsnehmerin
finanziert werden. Sie drohte zusätzlich an, die Visana werde auf Erfüllung der
vertraglichen Pflichten und auf Herausgabe der Unterlagen – unter Berufung auf Ziff. 8
AVB – klagen. Strafrechtliche Schritte wegen des Verdachts, seitens der
Versicherungsnehmerin seien absichtlich falsche Angaben gemacht worden, wurden
ausdrücklich vorbehalten (act. G 1.9).
B.d Am 22. Februar 2012 sicherte die Versicherungsnehmerin die Einsicht in weitere
Unterlagen zu, behielt aber die Einsicht in die einzelnen Lohnblätter einer externen
Revisionsstelle vor, die von der Visana im Voraus zu bezahlen wäre. Im Übrigen behielt
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sie sich ihrerseits vor, eine Klage wegen Verleumdung und Rufschädigung einzureichen
(act. G 1.10).
B.e Auf Mahnung vom 14. März 2012 (act. G 1.11) liess die Versicherungsnehmerin der
Visana Services AG am 19. März 2012 die Totalrekapitulationen der AHV-Lohnsummen
der Jahre 2009 bis 2011 sowie die angeforderten Einsatzverträge zukommen. Im
Übrigen hielt sie fest, dass bei ihr (als Arbeitgeberin für Temporär-Arbeitsverträge) im
AHV-pflichtigen Bruttolohn der 13. Monatslohn, die Ferien- und
Feiertagsentschädigung enthalten seien. Anhang 10 des Landesmantelvertrags für das
schweizerische Bauhauptgewerbe (LMV; Kapitel 2, Art. 2; vorliegend Ausgabe 2008) sei
anwendbar. Aufgrund desselben seien von ihr keine unkorrekten Stundenlöhne
deklariert worden (act. G 1.12).
B.f Die Visana Services AG hielt mit Schreiben vom 3. April 2012 weitere Ausstände an
Unterlagen fest, in die Einsicht genommen werden müsse (act. G 1.13). Die Ver
sicherungsnehmerin reichte am 20. April 2012 weitere Unterlagen ein, behielt aber die
Einsicht in die AHV-Deklaration 2010 und 2011 einer externen Revisionsstelle vor, die
von der Visana Services AG im Voraus zu bezahlen sei. Sie hielt nochmals fest, dass
sie aus Datenschutzgründen keine Kundenlisten herausgebe. Weiter monierte sie das
Ausbleiben einer Antwort der Versicherung bzw. deren interner Revisionsstelle
bezüglich Berechnung der Stundenlöhne (act. G 1.14).
B.g Mit Schreiben vom 18. Mai 2012 bemängelte die Versicherungsnehmerin erneut,
die Visana Services AG habe zur Berechnung der Stundenlöhne gemäss Anhang 10
zum LMV noch nicht Stellung genommen. Bezüglich der Lohnsummen ergebe sich
mittlerweile eine Differenz von Fr. 1'600'000.-- zu ihren Gunsten, weshalb sie bitte, die
ausstehenden Abrechnungen innert 10 Tagen zu erstellen und allfällige Rückvergü
tungen auf ihr Bankkonto zu überweisen (act. G 1.15).
C.
C.a Mit Eingabe vom 30. Mai 2012 erhob die Visana beim Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen Klage gegen die Versicherungsnehmerin mit dem Begehren, die
Beklagte sei zur Herausgabe diverser Unterlagen zu verurteilen. Diese seien nötig,
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damit die interne Revision der Visana Services AG die definitiven Prämienrechnungen
kontrollieren und überprüfen könne, ob die Leistungsbezüger gemäss Ziff. 3 AVB zum
versicherten Personenkreis gehören würden sowie ob die Taggeldberechnungen und
die Überentschädigungsberechnungen korrekt erfolgt seien. Bei der Visana Services
AG handle es sich um ein internes Kontrollsystem gemäss Art. 27 des Bundesgesetzes
betreffend die Aufsicht über Versicherungsunternehmen (Versicherungs
aufsichtsgesetz, VAG; SR 961.01) und Art. 728a des Bundesgesetzes betreffend die
Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (Fünfter Teil: Obligationenrecht; OR;
SR 220). Die Rechte und Pflichten der Vertragsparteien ergäben sich aus den AVB.
Insbesondere habe sie das Recht, die Angaben der Beklagten auf dem Deklara
tionsformular, das diese per Ende jedes Kalenderjahrs auszufüllen habe, zu überprüfen
und damit die Korrektheit der Prämienabrechnung nachzuvollziehen (Ziff. 7 f. AVB). Im
Schadenfall könne sie gemäss Ziff. 26 AVB Patientenbesuche durchführen sowie
zusätzliche Belege und Auskünfte verlangen. Aufgrund der beschränkten Akteneinsicht,
die die Beklagte gewährt habe, hätten die Unregelmässigkeiten, die anlässlich der
Revision vom 1. Februar 2012 festgestellt worden seien, nicht näher überprüft werden
können.
C.b In ihrer Klageantwort vom 30. Juli 2012 führte die Beklagte aus, die Klägerin habe
die gesamten AHV-Deklarationen (Totalrekapitulationen) für die Jahre 2010 und 2011
bereits erhalten. Eine Einsicht in die detaillierte Deklaration könne aus Datenschutz
gründen und zur Sicherstellung der Kandidaten-Datenbank nur durch eine unabhän
gige Drittfirma unter Kostenfolge zu Lasten der klagenden Partei erfolgen. Weiter habe
sie wiederholt darauf hingewiesen, dass der LMV im Anhang 10, Kapitel 2, Art. 2 die
Zusammensetzung des Bruttolohns klar festlege. Da keine falschen Lohnangaben
seitens der Beklagten gemacht worden seien, entspreche das Ergebnis des Revisi
onsberichts vom 15. Februar 2012 nicht den geltenden Grundlagen und sei von der
klagenden Partei richtig zu stellen. Im Übrigen habe die Beklagte mit Schreiben vom
18. Mai 2012 die Aufstellung der effektiven Lohnsummen über die letzten drei Jahre
gemeldet. Daraus resultiere eine Differenz zu ihren Gunsten, welche durch die Klägerin
noch nicht ausgeglichen und mit grossem Verzug pendent sei. Im Übrigen wurden
diverse Unterlagen zu den Löhnen einzelner Versicherten als Beilage zur Klageantwort
eingereicht (act. G 5.1 bis G 5.5).
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C.c Mit Replik vom 15. August 2012 hielt die Klägerin an ihren Anträgen fest. Sie
wandte ein, die eingereichten Unterlagen seien unvollständig und würden eine sinnvolle
Überprüfung beziehungsweise eine korrekte Prämienrechnung nicht zulassen. Weiter
sehe Art. 24 LMV eine jährliche Arbeitszeit von 2'112 Stunden vor, wobei die Feiertage
und Ferien bereits eingerechnet seien. Demzufolge sei der Basislohn mit der
Jahresarbeitszeit zu multiplizieren und der 13. Monatslohn in Prozent dem Ergebnis
zuzurechnen. Schliesslich könne eine korrekte Prämienzahlung nur aufgrund der
detaillierten AHV-Deklarationen erfolgen (act. G 7).
C.d In der Duplik vom 30. August 2012 führte die Beschwerdegegnerin aus, sie halte
an ihrer bisherigen Darstellung fest, und reichte weitere Unterlagen ein. Sie führte aus,
die Rückforderung vom 15. Mai 2012 sei rechtens und entspreche den aktuellen
Vorschriften. Unter Kostenfolge zu Lasten der klagenden Partei könne einer Drittfirma
Einsicht in die detaillierten Deklarationen gewährt werden oder im Gegenzug solle die
Beklagte Einsicht in die Kundendatei der Klägerin erhalten (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Der vorliegende Prozess beschlägt Leistungen aus einer Zusatzversicherung zur
sozialen Krankenversicherung (nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung
[KVG, SR 832.10]), wobei auf den Versicherungsvertrag die Regeln des VVG
anwendbar sind (vgl. auch Art. 12 Abs. 2 und 3 KVG). Streitigkeiten aus solchen Ver
tragsverhältnissen sind nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts privat
rechtlicher Natur (vgl. BGE 138 III 560 f. E. 3.2 mit Hinweisen). Die beklagte Partei hat
ihren Sitz in B._ wodurch die örtliche Zuständigkeit der St. Gallischen Gerichtsbarkeit
gegeben ist (vgl. auch Ziff. 15 der anwendbaren AVB [act. G 1.5]). Das Versiche
rungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung (EGZPO; sGS 961.2) in Verbindung mit Art. 7 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als einzige kantonale Instanz über Streitigkeiten aus
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung. Entsprechend ist die
sachliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts für die vorliegende Streitigkeit zu
bejahen. Vorgängig zur gerichtlichen Beurteilung ist in solchen Verfahren kein
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Schlichtungsverfahren gemäss Art. 197 ZPO durchzuführen (vgl. BGE 138 III 561 ff.
E. 4). Die Eintretensvoraussetzungen sind somit erfüllt. Auf die Klage ist einzutreten.
1.2 Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung werden
gemäss Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO im vereinfachten Verfahren beurteilt, wobei gemäss
Art. 219 ZPO die Bestimmungen über das ordentliche Verfahren sinngemäss gelten
(vgl. Christoph Leuenberger / Beatrice Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht,
Bern 2010, N 11.154, N 11.157). Das Gericht wirkt gemäss Art. 247 Abs. 1 ZPO durch
entsprechende Fragen darauf hin, dass die Parteien ungenügende Angaben zum
Sachverhalt ergänzen und die Beweismittel bezeichnen, und stellt in Anwendung von
Art. 247 Abs. 2 lit. a ZPO den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
2.
2.1 Streitig ist vorliegend der Einblick der Klägerin in verschiedene Akten der Beklag
ten bzw. deren Herausgabe an die Klägerin. Einerseits geht es um Akten, die der
Visana die Berechnung und Überprüfung der risikogerechten Prämien ermöglichen,
andererseits um solche, die im Schadenfall die Bestimmung der geschuldeten Leis
tungen gestatten.
2.2 Soweit die Beklagte geltend macht, die Klägerin sei von unzutreffenden Taggeld
berechnungen ausgegangen und damit von den Regeln abgewichen, die nach dem
LMV für Angestellte im Baugewerbe gelten würden, ist ihr entgegen zu halten, dass
diese Fragen nicht Gegenstand der Klage sind und daher auch nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens sein können.
3.
3.1 Hauptpunkte des Kollektivversicherungsvertrags zwischen den Parteien sind die
weitgehende Abdeckung des Risikos, bei länger dauernden Arbeitsunfähigkeiten von
Arbeitnehmenden (nach Ablauf der Wartefrist von 30 Tagen) infolge Krankheit sowie bei
Geburten Lohn zahlen zu müssen, ohne dabei von den (ausgefallenen) Arbeits
leistungen profitieren zu können. Die Gegenleistung besteht zur Hauptsache in der
Bezahlung von Versicherungsprämien, die von der Summe der Löhne des versicherten
Personals und (im vorliegenden Fall einer kollektiven Krankentaggeld- und Gebur
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tengeldversicherung) von dessen Zusammensetzung nach Geschlechtern abhängig
sind (vgl. im Einzelnen und zu den Essentialia von Versicherungsverträgen Roland
Schaer, Modernes Versicherungsrecht - Das Privatversicherungsrecht und seine
Schnittstellen zum Sozialversicherungs- und Haftpflichtrecht, Bern 2007, § 10 Rz. 1 f.,
25 ff., § 15 Rz. 1 f.; Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Bundesgesetz über
den Versicherungsvertrag [VVG], Basel 2001 [nachfolgend zitiert als VVG-Kommentar],
Gerhard Stoessel, Allgemeine Einleitung N 1 ff.; Alfred Maurer, Schweizerisches
Privatversicherungsrecht, 3., völlig neubearbeitete Aufl., Bern 1995, S. 35 ff.).
3.2 Neben den genannten Hauptbestandteilen der Krankentaggeldversicherung, die
den Parteien diverse Pflichten auferlegen, treffen sie auch diverse Nebenpflichten.
Diese ergeben sich einerseits aus dem Vertragsinhalt sowie der Lehre und Recht
sprechung dazu; sie sind weitgehend in den einschlägigen AVB geregelt, vorliegend in
den AVB der Visana zur Kollektiv-Krankentaggeldversicherung nach VVG, Ausgabe
2002 Typ B (act. G 1.5). Besondere Bestimmungen, die von den AVB abweichen (vgl.
Ziff. 1 AVB), werden von den Parteien nicht geltend gemacht. Die Ergänzenden Versi
cherungsbedingungen (EB), auf die bei der Mutterschaftsversicherung in Ergänzung zur
EO verwiesen wird (act. G 1.3 S. 3), erscheinen im vorliegenden Verfahren, bei dem es
um Leistungen bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit und die Bestimmbarkeit der
Versicherungsprämien geht, nicht relevant.
3.3 Auf die Prämienforderung der Klägerin sind die Art. 18 ff. VVG anwendbar.
Bemessen werden die Jahresprämien in Anwendung von Ziff. 7 f. AVB. Gemäss Ver
sicherungsvertrag (act. G 1.4) und AVB (act. G 1.5, Ziff. 7) wird die massgebende
Lohnsumme nach dem AHV-Lohn im Sinn der AHV-Gesetzgebung berechnet, wobei
aufgrund der geschlechterspezifischen Prämiensätze und der Tatsache, dass für das
Geburtengeld nur Frauen versichert sind, die Lohnsummen nach Geschlechtern ge
trennt angegeben werden müssen. Bereits diese Bestimmungen implizieren, dass die
Versicherungsnehmerin der Versicherung die AHV-Löhne des versicherten Personals
detailliert bekannt geben muss, damit die Prämie berechnet werden kann. Die Parteien
haben in der Police Nr. 4XXXX.XX0 (act. G 1.4, S. 4) eine vorläufige Prämie oder
Vorausprämie vereinbart. Ziff. 8 AVB umschreibt im Detail die Pflichten der Parteien bei
der Bestimmung der definitiven Prämie (Abs. 1). Abs. 2 von Ziff. 8 AVB regelt
ausdrücklich, dass die Visana zur Überprüfung der Angaben (der Versicherungs
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nehmerin) alle massgeblichen Unterlagen (z.B. Lohnaufzeichnungen, Belege) der
Versicherungsnehmerin einsehen könne. Die Folgen versäumter Lieferung der nötigen
Angaben sind in Abs. 4 von Ziff. 8 AVB geregelt.
3.4 Tritt das befürchtete Ereignis bzw. der Versicherungsfall ein, führt also vorliegend
die Krankheit einer versicherten Person zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als
30 Tagen (oder kommt eine Arbeitnehmende nach dem 6. Schwangerschaftsmonat
nieder), richten sich die Pflichten der Vertragsparteien einerseits nach Art. 38 f. VVG,
andererseits nach den AVB, besonders Ziff. 26 (Vorgehen im Schadenfall) und Ziff. 29
(Ermittlung der lohnabhängigen Leistungen). Die Beklagte ist demnach gesetzlich und
vertraglich verpflichtet, der Klägerin die entsprechende Arbeitsunfähigkeit auf einem
Formular anzuzeigen (und darin die Antworten auf entsprechende Detailfragen zu
geben; Art. 38 Abs. 1 VVG und Ziff. 26 Abs. 1 2. Einzug AVB). Die versicherte Person
hat so bald als möglich einen Arzt beizuziehen und für fachgemässe Pflege zu sorgen
sowie sich einer durch die Visana angeordneten ärztlichen Untersuchung zu unterzie
hen (Ziff. 26 Abs. 1 1. Einzug AVB). Weiter hat die versicherte Person ihren Anspruch
auf Versicherungsleistungen bei den möglicherweise leistungspflichtigen Sozialversi
cherungen (obligatorische Unfallversicherung, Invalidenversicherung oder eidgenössi
sche Militärversicherung) anzumelden (Ziff. 26 Abs. 1 3. Einzug AVB). Die Klägerin ist
gemäss Ziff. 26 Abs. 2 der AVB berechtigt, Patientenbesuche durchzuführen sowie
zusätzliche Belege und Auskünfte, insbesondere ärztliche Zeugnisse einzuverlangen.
Die versicherten Personen ihrerseits sind verpflichtet, Ärztinnen und Ärzte, die sie
behandeln oder behandelt haben, von der Schweigepflicht gegenüber der Visana zu
entbinden. In Ziff. 28 der AVB werden Sanktionen wie Leistungskürzung oder -verwei
gerung angedroht für den Fall, dass die Pflichten gemäss Ziff. 26 AVB schuldhaft
verletzt und dadurch das Ausmass oder die Feststellung der Krankheitsfolgen nach
teilig beeinflusst wird. Aus Art. 39 VVG ergibt sich, dass den Anspruchsberechtigten
(vorliegend die Beklagte als Versicherungsnehmerin sowie ihre Arbeitnehmenden als
versicherte Personen; vgl. dazu VVG-Kommentar, Jürg Nef, Art. 38 N 3 bzw. Peter
Stein, Art. 87 N 15, N 18 ff.) dabei eine Pflicht trifft, auf Begehren des Versicherers jede
Auskunft über ihm bekannte Tatsachen zu machen, die zur Feststellung der Folgen des
Ereignisses dienlich sind (vgl. Nef, a.a.O., Art. 39 N 3 ff.). Das trifft insbesondere für
Belege zu, die die anspruchsberechtigte Person ohne erhebliche Kosten beschaffen
kann (vgl. Art. 39 Abs. 2 Ziff. 1 VVG sowie Nef, a.a.O., Art. 39 N 12 f.).
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4.
4.1 Die interne Revision der Visana Services AG hatte der Beklagten zunächst mit
Schreiben vom 25. August 2011 (act. G 1.6) routinemässige Prüfungen der Lohnde
klarationen 2009/2010 sowie der Leistungsabrechnungen seit Vertragsbeginn am
1. Oktober 2004 angekündigt. Gleichzeitig wurde sie aufgefordert, die AHV-Lohnde
klarationen 2009 und 2010 sowie die individuellen Jahreslohnblätter und Lohnjournale
ab Oktober 2004 auf den Prüfungstermin bereit zu legen. Der ursprüngliche Prüfungs
termin wurde verschoben und am 29. November 2011 telefonisch auf den 1. Februar
2012 festgelegt (act. G 1.7). Mit Termin-Bestätigungsschreiben vom 21. Dezember
2011 präzisierte die Klägerin, dass die AHV-Lohndeklarationen, die kumulativen und
individuellen Lohnblätter der Jahre 2009 bis 2011 und - sofern abweichend von der
AHV-Deklaration - Details zu der gegenüber der Visana deklarierten Lohnsumme bereit
zu legen seien. Weiter forderte sie Einsicht in die individuellen, kumulativen
Jahreslohnblätter von acht Mitarbeitern der Beklagten für 2005, 2006 oder 2007 (act.
G 1.7). Ohne es ausdrücklich zu erwähnen, berief sich die Klägerin mit diesen Auffor
derungen auf ihre vorstehend erwähnten Einsichtsrechte in die Unterlagen der Be
klagten sowie deren Auskunftspflichten (E. 3.3 f.). Ihre Einsichtsrechte bzw. die Aus
kunftspflichten der Versicherungsnehmerin klagte sie im vorliegenden Verfahren am
30. Mai 2012 ein.
4.2
4.2.1 Bereits im Schreiben vom 2. Januar 2012 wandte die Beklagte ein, die Lohn
blätter und die AHV-Deklarationen könne sie aufgrund ihrer Datenschutzpflicht nicht
zur Verfügung stellen (act. G 1.8). Mit eingeschriebenem Brief vom 15. Februar 2012
forderte die Visana Services AG zu viel bezahlte Taggelder im Gesamtbetrag von
Fr. 17'705.30 zurück, machte die Versicherungsnehmerin auf ihre vertraglichen Pflich
ten zur Auskunft im Schadenfall und bei der Prämienberechnung aufmerksam und
nannte die für pflichtwidriges Verhalten vorgesehenen Sanktionen (act. G 1.9). Die
Versicherungsnehmerin erklärte sich darauf mit eingeschriebenem Brief vom 22. Feb
ruar 2012 bereit, die Totalrekapitulationen der AHV-Deklarationen der Jahre 2009 bis
2011 sowie die fehlenden Einsatzverträge und Stundenlisten nachzureichen und be
stätigte die Einzel-Deklarationen an die AHV. Die Herausgabe von Kundenlisten ver
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weigerte sie weiterhin aus Datenschutzgründen und verwies bezüglich Einsicht in die
einzelnen Lohnblätter auf eine externe Revisionsstelle, die von der Visana Services AG
im Voraus bezahlt werden müsse (act. G 1.10). Beide Parteien hielten in der Folge an
ihren Stellungnahmen fest (act. G 1.11 f.). Die Versicherungsnehmerin reichte der
Krankentaggeldversicherung Unterlagen zu konkret benannten Versicherten ein und
verwies für die Einsicht in die AHV-Deklarationen 2010 und 2011 weiterhin auf die
externe Revisionsstelle und auf den Datenschutz betreffend Einsicht in Kundenlisten.
Weiter mahnte sie die Versicherung, ihre Fragen zur zutreffenden Art der Leis
tungsberechnung bei Arbeitnehmenden aus dem Bauhauptgewerbe zu beantworten
(act. G 1.14). Auch in der Klageantwort macht die Beklagte geltend, die Einsicht in die
detaillierte (AHV-)Deklaration könne nur durch eine unabhängige Drittfirma, die von der
Klägerin vorschussweise zu bezahlen sei, erfolgen. Dies geschehe aus Daten
schutzgründen und zur Sicherstellung ihrer Kandidaten-Datenbank. Als Personal
vermittler seien die Kandidaten ihr höchstes Gut, ihr Kapital und unterlägen - auch
intern - absoluter Vertraulichkeit. Die Suche nach geeigneten Bewerbern, die sich in der
Arbeitswelt nachhaltig behaupten könnten, sei ihre aufwändigste Aufgabe und nur das
sichere ihr das Fortbestehen ihrer Klein-KMU auch in Zukunft (act. G 5 Ziff. 4). In der
Replik ergänzt die Beklagte, die Klägerin erhalte direkt volle Einsicht in die detaillierten
AHV-Deklarationen, wenn sie im Gegenzug Einsicht in die Kundendatei der Visana
erhalte.
4.2.2 Besonders mit letzterer Bemerkung zeigt die Beklagte, dass sie ihre Kandidaten
(oder 'Kunden') nicht mit ihren Arbeitnehmenden gleichsetzt, obwohl das für die
überwiegende Mehrzahl von ihnen der Fall sein dürfte und der Fall ist, wenn sie auf den
detaillierten AHV-Deklarationen der Versicherungsnehmerin aufgeführt sind. Im
Kollektiv-Krankentaggeldvertrag (Police Nr. 4XXXX.XX0; act. G 1.4) ist das interne, das
temporäre sowie das GA-pflichtige Personal für ein Jahresgehalt von maximal
Fr. 250'000.-- pro Person versichert (vgl. versicherter Personenkreis gemäss S. 2 f. der
Police). Von der Beklagten als Kandidaten (oder 'Kunden') bezeichnete Angestellte
gehören als temporäres und/oder GA-pflichtiges Personal dazu. Die volle Einsichtgabe
in die detaillierten AHV-Deklarationen ihrer Arbeitnehmenden - inklusive abgerechneter
Jahreslohnsumme pro mitarbeitende Person - ist jedoch eine Vertragspflicht der
Versicherungsnehmerin, die sich aus dem Kollektiv-Krankentaggeldvertrag ergibt. Nur
wenn ihr diese gewährt wird, kann die Klägerin überprüfen, wie viel Männer und wie viel
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Frauen während welchen Monaten eines Kalenderjahrs und zu welchem Lohn bei der
Beklagten angestellt waren und dadurch errechnen, welche Prämie definitiv geschuldet
ist.
4.2.3 Wie vorstehend dargestellt, trifft die Versicherungsnehmerin eine vertragliche
Pflicht, der Versicherung diejenigen Daten zugänglich zu machen, die diese zur Risi
koprüfung, Vertragsverwaltung, Prämienberechnung und allfälligen Schadenbear
beitung benötigt. Die Regeln des Bundesgesetzes über den Datenschutz (DSG;
SR 235.1) stehen einer solchen eingeschränkten Bearbeitung von Personendaten nicht
entgegen. Vielmehr nennt Art. 13 Abs. 2 lit. a DSG die Bearbeitung von Personendaten
über Vertragspartner in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Abschluss oder der
Abwicklung eines Vertrags ausdrücklich als Rechtfertigungsgrund für die Bearbeitung
von Personendaten durch private Personen (vgl. Basler Kommentar zum
Datenschutzgesetz, 2. Aufl. Basel 2006, Corrado Rampini, Art. 13 N 29ff.). Die
entsprechende Datenbearbeitung muss sich jedoch an die Regeln des DSG halten: Sie
muss in erster Linie verhältnismässig sein (vgl. Art. 4 Abs. 2 DSG; Rampini, a.a.O.,
Art. 13 N 27). Die Versicherung muss die Daten mit der notwendigen Vertraulichkeit
bearbeiten und muss die Bearbeitung strikt auf die Zwecke des Versicherungsvertrags
und dessen Abwicklung beschränken, wobei diese Zwecke für die
Versicherungsnehmerin erkennbar sein müssen (Art. 4 Abs. 3 f. DSG). Die Daten
müssen durch technische und organisatorische Massnahmen gegen unbefugte
Einsicht geschützt werden (Art 7 Abs. 1 DSG). Ihren Arbeitnehmenden gegenüber ist
die Beklagte aufgrund von Art. 328b OR in Verbindung mit Art. 10a DSG berechtigt, die
Angaben über deren Geschlecht, Lohn und Beschäftigung an die Klägerin heraus
zugeben (vgl. Rampini, a.a.O., Art. 13 N 7), ist die Taggeldversicherung bei Krankheit
(und Mutterschaft) doch eine arbeitsvertragliche (oder gar GA-vertragliche) Verpflich
tung der Beklagten (vgl. z.B. Art. 64 LMV 2008) mit entsprechenden Rechten und
Pflichten der Arbeitnehmenden.
4.3
4.3.1 Die Beklagte ist somit vertraglich verpflichtet, der Klägerin in engem, lediglich zur
Abwicklung des Vertrags nötigem Umfang Einsicht in ihre Daten zu gewähren. Dabei
verletzt sie ihre Datenschutzpflicht nicht und ist auch nicht befugt, der Klägerin die
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Einsicht aus Datenschutzgründen zu verweigern. Diese hat mit ihren Einsichtsbegehren
gezeigt, dass sie die Einsicht in diejenigen Daten, die zur Vertragsabwicklung nötig
sind, konform dem DSG handhaben will, bzw. hat keinerlei Anlass gegeben, sie einer
möglichen (zukünftigen) Verletzung ihrer Datenschutzpflichten zu verdächtigen.
Vielmehr wäre die Klägerin ursprünglich bereit gewesen, lediglich am Sitz der Klägerin
Einsicht in die genannten Unterlagen zu nehmen.
4.3.2 Soweit die Beklagte geltend macht, sie gewähre die Einsicht über eine externe
Revisionsstelle, für die die Klägerin die Kosten vorzuschiessen habe, muss sie sich
Art. 39 Abs. 2 Ziff. 1 VVG entgegenhalten lassen. Danach hat sie der Klägerin Einsicht
in jene Belege zu geben, deren Beschaffung ihr ohne erhebliche Kosten möglich ist
(vgl. Nef, a.a.O., Art. 39 N 12 f.). Sowohl die detaillierten AHV-Deklarationen 2010 und
2011 als auch die abgerechneten Jahreslohnsummen pro Mitarbeiter sind Unterlagen,
über die sie für ihren Geschäftsbetrieb verfügt. Es wäre ihr ohne erheblichen Aufwand
möglich, der Klägerin Einsicht in diese Unterlagen zu geben. Wenn sie diese
Vertragspflicht nur über eine externe Revisionsstelle erfüllen will, hat sie den
finanziellen Mehraufwand dafür selbst zu übernehmen. Sie kann ihn nicht auf die
Taggeldversicherung überwälzen.
4.4 Die Pflicht, Einsicht in ihre Unterlagen zu geben, trifft die Beklagte in erster Linie für
die detaillierten AHV-Deklarationen 2010 und 2011 mit abgerechneten Jahreslohn
summen pro mitarbeitender Person. Was die Einsicht in Unterlagen einzelner Mitar
beiter betrifft, beschränkte sich diese in der Klage auf solche von C._, D._ und
E._. Auch hier ist das Einsichtsrecht der Klägerin vertraglich gegeben, Detailgrund
lagen sind die vorstehend dargestellten Regeln im Schadenfall.
4.4.1 Betreffend C._ verlangte die Klägerin den Einsatzvertrag für den Monat Mai
2006. Die Beklagte reichte als Beilage 1 zur Klageantwort einen Einsatzvertrag für
C._ vom 7. Juni 2012 mit Arbeitsbeginn 18. Januar 2006 und Einsatzdauer bis
30. September 2006 (act. G 5.1). Dagegen machte die Klägerin in der Replik vom
15. August 2012 zu Recht geltend, dieser Vertrag könne nicht echtzeitlich sein und sei
zudem nur von der Beklagten unterzeichnet worden, was dessen Beweiswert in Frage
stelle. Als Beilage 1 zur Duplik reichte darauf die Beklagte den vom 24. Januar 2006
datierenden Einsatzvertrag mit den Unterschriften von F._ für die Versicherungs
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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nehmerin und C._ nach (act. G 9.1). Bei diesem Dokument ist davon auszugehen,
dass es demjenigen entspricht, in das die Klägerin ihre Einsichtnahme eingeklagt hat.
Diesbezüglich ist die Klage durch Leistung anerkannt worden.
4.4.2 Für D._ hatte die Klägerin die Übergabe der Suva-Verfügungen betreffend
Taggeldabrechnungen vom 14. Juni bis 31. Juli 2006 eingeklagt. Als Beilage zur
Klageantwort hatte die Beklagte die Taggeldabrechnungen Nr. 1 bis Nr. 3 eingereicht
(act. G 5.2 [3 Seiten]). Weshalb bei voller Arbeitsunfähigkeit auf den Abrechnungen
Nr. 1 und 2 ein Taggeldansatz von Fr. 72.70 einsetzt worden war, während die obliga
torische Unfallversicherung in der Schluss- bzw. Korrekturabrechnung vom 9. Oktober
2006 vom 14. bis 18. Juni 2006 einen solchen von Fr. 121.10 einsetzte, geht aus diesen
Suva-Abrechnungen nicht hervor. Dennoch hat die Beklagte bezüglich Unterlagen für
D._ diejenige Einsichtnahme gewährt, die die Klägerin eingeklagt hat. Die offenen
Fragen sind anderweitig zu klären. Diesbezüglich ist die Klage ebenfalls durch Leistung
anerkannt worden.
4.4.3 Betreffend E._ klagte die Taggeldversicherung auf Übergabe der detaillierten
AHV-Deklaration 2009 mit abgerechneten Lohnsummen inklusive allfälligem
Revisionsbericht. Die Beklagte reichte mit Beilage 3 zur Klageantwort die Kopie eines
E-Mails der Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. Gallen vom 17. April
2012 an eine Mitarbeiterin der Beklagten ein, worin bestätigt wurde, dass für E._ im
Jahr 2009 für die Monate April bis Juli, August bis September sowie November bis
Dezember Lohn abrechnet worden sei. Die Klägerin hält diesen Angaben in der Replik
zu Recht entgegen, dass sie nicht erlaubten, die abgerechneten Lohnsummen 2009 zu
bestimmen und die Frage zu beantworten, weshalb im Monat Oktober 2009 kein Lohn
abgerechnet worden sei, obwohl E._ ab 22. September 2009 arbeitsunfähig
geschrieben worden sei und für ihn - nach Ablauf der Wartefrist von 30 Tagen - ab
22. Oktober 2009 Taggelder ausgerichtet worden seien. Dazu nahm die Beklagte in der
Duplik vom 30. August 2012 nicht Stellung und reichte auch keine Unterlagen nach.
Bezüglich E._ ist die Beklagte somit ihren Einsichtspflichten noch nicht nach
gekommen und daher zu verpflichten, der Klägerin die detaillierten AHV-Deklaration
2009 mit abgerechneten Lohnsummen (inklusive eines allfälligem Revisionsberichts) zu
übergeben.
5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
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5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist betreffend C._ und D._ die Klage
durch Herausgabe der eingeklagten Akten anerkannt worden und kann das Verfahren
abgeschrieben werden. Im übrigen ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die
detaillierten AHV-Deklaration 2010 und 2011 mit abgerechnetem Jahreslohn pro mit
arbeitende Person sowie für E._ die detaillierte AHV-Deklaration 2009 mit abge
rechneten Lohnsummen inklusive allfälligem Revisionsbericht zu Handen der internen
Revision der Visana Services AG herauszugeben. Diesbezüglich ist die Klage gutzu
heissen.
5.2 Gerichtskosten sind keine aufzuerlegen (Art. 114 lit. e ZPO, Leuenberger/
Uffer-Tobler, a.a.O., N 11.167).
5.3 Die Klägerin ist im vorliegenden Verfahren nicht anwaltlich vertreten. Kosten für
eine berufsmässige Vertretung gemäss Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO sind somit nicht
angefallen. Es liegt auch kein begründeter Fall gemäss Art. 95 Abs. 3 lit. c ZPO vor,
wonach der weitgehend obsiegenden Klägerin eine angemessene Umtriebsentschä
digung zuzusprechen wäre. Ersatz für notwendige Auslagen gemäss Art. 95 Abs. 3 lit. a
ZPO wird ebenfalls nicht geltend gemacht. Eine Parteientschädigung wird demnach
nicht zugesprochen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Bezüglich Herausgabe der Akten betreffend C._ und D._ wird das Verfahren als
gegenstandslos abgeschrieben.
2. Im Übrigen wird die Klage gutgeheissen und die Beklagte verpflichtet, der Klägerin
zuhanden der internen Revisionsstelle der Visana Services AG die detaillierten AHV-
Deklarationen 2010 und 2011 mit abgerechnetem Jahreslohn pro mitarbeitende Person
sowie für E._ die detaillierte AHV-Deklaration 2009 mit abgerechneten Lohnsummen
inklusive allfälligem Revisionsbericht herauszugeben.
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 06.05.2013 Art. 18 ff. und Art. 38 f. VVG, einschlägige AVB der Klägerin; Art. 10a und Art. 13 Abs. 2 lit. a DSG: Die Versicherungsnehmerin einer kollektiven Krankentaggeldversicherung hat der Versicherung (zur Risikobewertung und Prämienbemessung) Einsicht in die detaillierten AHV-Deklarationen zu geben und betreffend einzelne Schadenfälle in diejenigen Unterlagen, die eine korrekte Schadenabwicklung ermöglichen (je nach Sachlage Arbeitsvertrag, detaillierte AHV-Deklaration, Leistungsabrechnungen Dritter wie Unfall- oder andere Versicherungen). Gegenüber der Versicherung kann sich die Versicherungsnehmerin nicht auf den Datenschutz berufen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Mai 2013, KV-Z 2012/4).
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2021-09-19T12:48:30+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen