Decision ID: 818d517c-4cb7-4a73-8428-fe20fbb92e8a
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2002 zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung
an (IV-act. 2). Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle führte im Oktober 2003 eine
Abklärung im Betrieb des Versicherten durch. In ihrem Abklärungsbericht hielt sie fest
(IV-act. 22), für die Ermittlung des Valideneinkommens könne das Jahr 2000 als
repräsentatives Geschäftsjahr angenommen werden, da der Versicherte zu jenem
Zeitpunkt noch gesund gewesen sei und da sich das Geschäft in einem optimal auf-
und umgebauten Zustand befunden habe. In jenem Jahr habe sich der Versicherte
einen Eigenlohn von 65’000 Franken ausbezahlt. Das Geschäft habe einen Reingewinn
von 34’050 Franken abgeworfen. Das Valideneinkommen betrage folglich 99’050
Franken. Aktuell erziele der Versicherte nur noch ein Einkommen von 26’092 Franken.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Neurologe Prof. Dr. med. B._ im März 2004 ein
fachärztliches Gutachten (IV-act. 44). Er führte aus, der Versicherte leide zweifellos an
einer Multiplen Sklerose. Offenbar handle es sich aber um eine bisher ausserordentlich
gutartige Form der Erkrankung. Im Vordergrund stehe eine enorme Ermüdbarkeit, die
überwiegend wahrscheinlich ein Symptom der Multiplen Sklerose sei. In einer
handwerklichen Funktion sei der Versicherte zweifellos zu mindestens 75 Prozent
arbeitsunfähig. Im administrativen Bereich sei er dagegen höchstens zu 40 Prozent
arbeitsunfähig. Mit einer Verfügung vom 11. Juni 2004 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 61 Prozent mit Wirkung ab dem 1. August
2002 eine halbe und mit Wirkung ab dem 1. Januar 2004 eine Dreiviertelsrente zu (IV-
act. 62). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.b Im Dezember 2008 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, einen Fragebogen
zur Überprüfung des Rentenanspruchs auszufüllen. Dieser gab an, sein
Gesundheitszustand sei im Wesentlichen unverändert geblieben (IV-act. 83). Auch der
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behandelnde Neurologe Dr. med. C._ berichtete im März 2009 über einen im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustand (IV-act. 87). Im Mai 2009
führte die IV-Stelle eine weitere Abklärung im Betrieb des Versicherten durch. Die
Abklärungsbeauftragte hielt in ihrem Bericht fest (IV-act. 97), der Versicherte habe sein
Geschäft zwischenzeitlich laufend ausgebaut. Habe der Betriebsertrag im Jahr 1998
noch rund 1,6 Millionen Franken betragen, habe er sich im Jahr 2007 auf gut 3
Millionen Franken belaufen. Die Administration sei mittlerweile sehr aufwendig, weshalb
der Versicherte sich ausschliesslich administrativ betätigen könnte. Das ursprünglich
ermittelte Valideneinkommen von 99’050 Franken sei viel zu hoch gegriffen, denn der
Versicherte habe nie ein Einkommen erzielt, das diesen Betrag auch nur annähernd
erreicht hätte. Retrospektiv erweise sich die ursprüngliche Rentenzusprache in
mehrerlei Hinsicht als zweifellos unrichtig. Mit einer Verfügung vom 2. Dezember 2010
hob die IV-Stelle die laufende Rente mit Wirkung auf das Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 113). Eine dagegen erhobene Beschwerde
(IV-act. 118) wurde vom kantonalen Versicherungsgericht mit einem Urteil vom 29.
August 2012 teilweise gutgeheissen: Das Versicherungsgericht setzte die laufende
Rente mit Wirkung ab dem 1. Februar 2011 revisionsweise auf eine Viertelsrente herab
(vgl. IV-act. 120). Das Urteil erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft (vgl. IV-act.
122). Es wurde von der IV-Stelle mit einer Verfügung vom 26. November 2012
umgesetzt (IV-act. 128).
A.c Im November 2015 ersuchte der Versicherte um eine Rentenerhöhung (IV-act.
140). Er machte geltend, sein Gesundheitszustand habe sich zwischenzeitlich
verschlechtert. Er habe sein Geschäft per Mai 2014 aufgeben müssen. Im Auftrag der
IV-Stelle erstattete die Neurologin Dr. med. D._ am 29. Juni 2016 ein fachärztliches
Gutachten (IV-act. 161). Sie hielt fest, der Versicherte leide an einer schubförmigen
Multiplen Sklerose mit einem seit dem Jahr 2001 schubfreien Verlauf und einer Fatigue-
Symptomatik sowie – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an einem obstruktiven
Schlafapnoe-Syndrom und an einem lumbo-spondylogenen und cervico-cephalen
Schmerzsyndrom. Der behandelnde Neurologe habe zu Recht angezweifelt, dass die
Fatigue-Symptomatik rein durch die Multiple Sklerose bedingt sei, denn die Befundlage
sei insofern völlig atypisch. Aus neurologischer Sicht sei auch die Behauptung des
Versicherten, eine abrupte Verschlechterung der Fatigue-Symptomatik im Sommer
2014 sei der Grund für die Geschäftsaufgabe gewesen, nicht nachvollziehbar. Das
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Geschäft sei nämlich bereits im Mai 2014 verkauft worden und bei den
Untersuchungen im Sommer 2014 hätten keinerlei Schubsymptome festgestellt werden
können. Hier hätten krankheitsfremde Faktoren offenbar eine wesentliche Rolle
gespielt. Auch der Umstand, dass der Versicherte vermehrt über Schmerzen klage, die
nicht zum Krankheitsbild einer Multiplen Sklerose passten, spreche für den Einfluss von
krankheitsfremden beziehungsweise psychologischen Faktoren. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Prof. Dr. B._ sei gut nachvollziehbar, erscheine aus
heutiger Sicht aber als eher grosszügig. Für administrative Tätigkeiten könne eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 Prozent attestiert werden. Im September 2016
notierte Dr. med. E._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das
Gutachten von Dr. D._ sei in jeder Hinsicht überzeugend (IV-act. 164). Gestützt auf
die Ausführungen von Dr. D._ sei von einem seit der ursprünglichen
Rentenzusprache im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand auszugehen.
Mit einem Vorbescheid vom 14. September 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie vorsehe, sein Rentenerhöhungsgesuch abzuweisen (IV-act. 167).
A.d Gegen den Vorbescheid vom 14. September 2016 liess der Versicherte am 7.
November 2016 einwenden (IV-act. 172), seine erwerbliche Situation habe sich mit der
Betriebsaufgabe grundlegend geändert, weshalb ein Revisionsgrund vorliege, der eine
Neuberechnung des Invaliditätsgrades erfordere. Er beantrage die Zusprache einer
ganzen, mindestens einer Dreiviertelsrente mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2015. Am
10. Januar 2017 liess er der IV-Stelle einen Bericht der Kliniken Valens vom 19.
Dezember 2016 zugehen, in dem auf verschiedene rheumatologische Beschwerden
(chronisches lumbo-spondylogenes Syndrom, beginnende Coxarthrose rechts,
myofasciale Schmerzen im Schulter-Nackenbereich) hingewiesen worden war (IV-act.
177). Der RAD-Arzt Dr. E._ hielt im Februar 2017 fest, dass eine Verschlechterung
des Gesundheitszustandes aus rheumatologischer Sicht nicht von der Hand zu weisen
sei, weshalb der behandelnde Rheumatologe mit dem Gutachten von Dr. D._
konfrontiert und um eine ergänzende Stellungnahme gebeten werden sollte (IV-act.
178). Auf eine entsprechende Anfrage der IV-Stelle hin gab der Rheumatologe Dr. med.
F._ von den Kliniken Valens am 3. März 2017 an (IV-act. 180), es bestehe keine
Diskrepanz zwischen seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung und jener von Dr. D._,
obwohl diese den rheumatologischen Beschwerden keine Rechnung getragen habe. Im
April 2017 notierte der RAD-Arzt Dr. E._, zur umfassenden Beantwortung der Frage
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nach der aktuellen Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei eine polydisziplinäre
Begutachtung erforderlich (IV-act. 186). Im Mai 2017 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag geben werde
(IV-act. 182). Dagegen liess dieser am 15. Juni 2017 einwenden, eine weitere
Begutachtung sei unnötig (IV-act. 187). Am 27. Juni 2017 notierte eine
Sachbearbeiterin der IV-Stelle (IV-act. 191), zur Diskussion stehe im aktuellen
Revisionsverfahren nur eine Veränderung der erwerblichen Situation. Die Einholung
eines medizinischen Gutachtens sei unnötig. Ein Einkommensvergleich ergebe einen
Invaliditätsgrad von 60 Prozent, weshalb dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1.
November 2015 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen sei. Mit einem Vorbescheid vom 3.
Juli 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie vorsehe, die laufende Rente
per 1. November 2015 auf eine Dreiviertelsrente zu erhöhen (IV-act. 193). Am 10. Juli
2017 liess der Versicherte einwenden, das Invalideneinkommen sei zu hoch angesetzt
worden; er beantrage eine ganze Rente (IV-act. 196). Mit einer Verfügung vom 20.
Dezember 2017 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1.
November 2015 eine Dreiviertelsrente zu (IV-act. 210).
B.
B.a Am 1. Februar 2018 liess der Versicherte eine Beschwerde gegen die Verfügung
vom 20. Dezember 2017 erheben (IV 2018/44, act. G 1). Seine Rechtsvertreterin
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer
ganzen Rente mit Wirkung ab dem 1. November 2015. Zur Begründung führte sie aus,
der Versicherte sei in leidensadaptierten Tätigkeiten nicht zu 60 Prozent, sondern nur
zu 50 Prozent arbeitsfähig. Er könne lediglich Hilfsarbeiten verrichten. Bei der
Berechnung des Invalideneinkommens müsse ein Tabellenlohnabzug von mindestens
15 Prozent berücksichtigt werden. Bei richtiger Berechnung ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von gut 71 Prozent.
B.b Eine Mitarbeiterin des Rechtsdienstes der IV-Stelle notierte am 4. April 2018 (IV-
act. 219), der RAD habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine polydisziplinäre
Begutachtung notwendig sei. Weshalb keine solche Begutachtung durchgeführt
worden sei, könne retrospektiv nicht nachvollzogen werden. Jedenfalls sei dadurch die
Untersuchungspflicht verletzt worden. Mit der Änderung der erwerblichen Verhältnisse
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(Geschäftsaufgabe) liege ein relevanter Revisionsgrund vor. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung müsse der massgebende Sachverhalt umfassend
und ohne jede Bindung an die ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung
ermittelt werden. Die Sachverständige Dr. D._ habe die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Prof. Dr. B._ als sehr grosszügig bezeichnet, was darauf hindeute, dass der
Invaliditätsgrad des Versicherten von Beginn weg zu hoch bemessen gewesen sei. Nun
müsse jedenfalls die vom RAD als notwendig erachtete polydisziplinäre Begutachtung
durchgeführt werden. Die Sachverständigen seien darauf hinzuweisen, dass keine
Bindung an die früheren Gutachten bestehe. Mit einer Verfügung vom 5. April 2018
widerrief die IV-Stelle die Rentenrevisionsverfügung vom 20. Dezember 2017 (IV-act.
221). Am 11. April 2018 informierte sie das Versicherungsgericht über den Widerruf der
Verfügung vom 20. Dezember 2017 und sie beantragte die Abschreibung des
Beschwerdeverfahrens zufolge Gegenstandslosigkeit (IV 2018/44, act. G 4).
B.c Am 20. April 2018 liess der Versicherte geltend machen (act. G 6), er sei mit dem
Widerruf nicht einverstanden. Der Art. 53 Abs. 3 ATSG gelte nicht uneingeschränkt.
Von der Möglichkeit, lite pendente auf eine angefochtene Verfügung zurückzukommen,
dürfe die Verwaltung nur zurückhaltend Gebrauch machen. Eine Abänderung des
angefochtenen Entscheides zuungunsten der beschwerdeführenden Partei sei nur
zulässig, wenn dieser vorher die Gelegenheit zur Stellungnahme und zum Rückzug der
Beschwerde gegeben worden sei. Im Entscheid 8C_127/2016 vom 20. Juni 2016 habe
das Bundesgericht klargestellt, dass eine reformatio in peius nur unter den
Voraussetzungen des Art. 53 Abs. 2 ATSG zulässig sei. Der vom Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen im Entscheid IV 2009/250 vom 22. Februar 2011 vertretenen
Auffassung, wonach der reine
Widerruf vom Art. 53 Abs. 3 ATSG gedeckt werde, könne nicht gefolgt werden. Damit
würde die bundesgerichtliche Rechtsprechung unterlaufen.
C.
C.a Am 8. Mai 2018 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Widerrufsverfügung vom 5. April 2018 erheben (IV 2018/211,
act. G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte die ersatzlose Aufhebung der
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angefochtenen Verfügung. Zur Begründung führte sie an, die IV-Stelle (nachfolgend:
die Beschwerdegegnerin) beabsichtige offensichtlich eine Korrektur der
Revisionsverfügung vom 20. Dezember 2017 zulasten des Beschwerdeführers. Sie
wolle also den Streitgegenstand der gerichtlichen Überprüfung entziehen, was
unzulässig sei. Falls das Gericht erwägen sollte, dem Begehren der
Beschwerdegegnerin stattzugeben, müsse es dem Beschwerdeführer gestützt auf den
Art. 61 lit. d ATSG vorab die Gelegenheit zur Stellungnahme und zum Rückzug der
Beschwerde geben.
C.b Am 20. Juni 2018 sistierte das Versicherungsgericht das Beschwerdeverfahren IV
2018/44 (Rentenrevision) bis zum rechtskräftigen Abschluss des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens IV 2018/211 (Widerruf pendente lite; IV 2018/44, act. G 8).
C.c Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Beschwerdeantwort (IV 2018/211,
act. G 3).
C.d Der Beschwerdeführer liess am 14. September 2018 an seinem Antrag festhalten
(act. G 7). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen
1.
Den Anfechtungsgegenstand in diesem Verfahren bildet die Verfügung vom 5. April
2018, mit der die Beschwerdegegnerin eine beschwerdeweise angefochtene
Rentenrevisionsverfügung vom 20. Dezember 2017 widerrufen hat. Der
Streitgegenstand beschränkt sich folglich allein auf die Frage, ob es zulässig gewesen
ist, die beschwerdeweise angefochtene Verfügung vom 20. Dezember 2017 zu
widerrufen.
2.
2.1 Laut dem Art. 53 Abs. 3 ATSG kann ein Versicherungsträger eine Verfügung oder
einen Einspracheentscheid, gegen die oder gegen den eine Beschwerde erhoben
worden ist, so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdeinstanz Stellung
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nimmt. In maiore minus muss das Recht, eine Verfügung pendente lite in
Wiedererwägung zu ziehen, das heisst zu widerrufen und durch eine neue
rechtsgestaltende Verfügung zu ersetzen, das Recht enthalten, eine Verfügung
pendente lite nur zu widerrufen, ohne sie sofort durch eine neue rechtsgestaltende
Verfügung zu ersetzen. Der Wortlaut des Art. 53 Abs. 3 ATSG enthält keinerlei
inhaltliche Einschränkungen bezüglich des Widerrufsrechtes des Versicherungsträgers.
Nur in zeitlicher Hinsicht ist das Widerrufsrecht eingeschränkt: Sobald der
Versicherungsträger gegenüber der Beschwerdeinstanz Stellung genommen hat, ist ein
Widerruf der angefochtenen Verfügung ausgeschlossen. Eine sorgfältige Interpretation
einer Gesetzesbestimmung kann sich selbstverständlich nicht auf eine rein
grammatikalische Auslegung beschränken, selbst wenn der Wortlaut als noch so klar
erscheint. Folglich ist zu prüfen, ob sich aus dem Willen des historischen
Gesetzgebers, aus systematischen Gründen oder aus dem Sinn und Zweck (entgegen
dem vermeintlich klaren Wortlaut) inhaltliche Einschränkungen des Widerrufsrechtes
aufdrängen.
2.2 Der Art. 53 Abs. 3 ATSG entspricht inhaltlich dem Art. 58 Abs. 1 VwVG, der für das
allgemeine Verwaltungsverfahren vorsieht, dass eine Vorinstanz eine angefochtene
Verfügung bis zu ihrer Vernehmlassung in Wiedererwägung ziehen kann. Weder der
Bericht der Kommission des Ständerates zur parlamentarischen Initiative „Allgemeiner
Teil Sozialversicherung“ vom 27. September 1990 noch die vertiefte Stellungnahme
des Bundesrates vom 17. August 1994 oder der Bericht der Kommission des
Nationalrates für soziale Sicherheit und Gesundheit vom 26. März 1999 enthalten
Ausführungen zum Inhalt des Art. 53 Abs. 3 ATSG. In den parlamentarischen
Beratungen hat die Bestimmung keinerlei Anlass zur Diskussion gegeben (Amtl. Bull.
NR 1999 1247; Amtl. Bull. SR 2000 183). Der Wille des historischen Gesetzgebers hat
sich bei der Einführung des ATSG also offenkundig darauf beschränkt, die Regelung
des Art. 58 Abs. 1 VwVG für das Sozialversicherungsverfahren zu übernehmen. Folglich
erfordert die historische Interpretation des Art. 53 Abs. 3 ATSG eine historische
Interpretation des Art. 58 Abs. 1 VwVG. Der Botschaft des Bundesrates zum VwVG
vom 24. September 1965 lässt sich dazu entnehmen: „Artikel 53 [Entwurf; entspricht
Art. 58 VwVG] über die Wiedererwägung der angefochtenen Verfügung durch die
Vorinstanz schwächt den sogenannten Devolutiveffekt der Beschwerde nach Artikel 49,
das heisst die ausschliessliche Zuständigkeit der Beschwerdeinstanz, in der hängigen
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Beschwerdesache zu verfügen, ab und nähert damit die Beschwerde zunächst einer
Einsprache an“ (BBl 1965 II 1371). Die beiden Räte haben den Entwurf kommentarlos
angenommen (Amtl. Bull. NR 1966 643; Amtl. Bull. SR 1967 184). Nach dem Willen des
historischen Gesetzgebers soll der Art. 58 VwVG also offensichtlich der
Verfahrensökonomie dienen: Stellt die Vorinstanz nach einer Beschwerdeerhebung
fest, dass die angefochtene Verfügung korrigiert werden muss, kann sie – ähnlich wie
eine Einspracheinstanz – die angefochtene Verfügung aufheben und das
Verwaltungsverfahren fortsetzen, ohne dass sie zuerst den Rechtsmittelentscheid
abwarten müsste. Hätte sie nicht die Möglichkeit des Widerrufs, bliebe ihr nämlich
nichts Anderes übrig, als die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zu beantragen
und dann den Entscheid der Beschwerdeinstanz abzuwarten. Erst wenn die
Beschwerdeinstanz ihrem Antrag gefolgt wäre, könnte sie das Verwaltungsverfahren
fortsetzen. Dadurch würde sich das Verfahren insgesamt in die Länge ziehen. Zugleich
sähe sich die Beschwerdeinstanz gezwungen, ein Beschwerdeverfahren fortzuführen
und abzuschliessen, das seinen Sinn zumindest teilweise bereits eingebüsst hätte. Zur
Förderung der Verfahrensökonomie hat der historische Gesetzgeber also ganz bewusst
eine Einschränkung des Devolutiveffekts in Kauf genommen. Der Widerruf führt
gemäss dem Art. 58 Abs. 3 VwVG allerdings nicht in jedem Fall zu einer Abschreibung
des Beschwerdeverfahrens, denn laut dieser Bestimmung muss die
Beschwerdeinstanz das Beschwerdeverfahren fortsetzen, soweit dieses nicht durch die
Widerrufsverfügung gegenstandslos geworden ist. Das versteht sich eigentlich von
selbst, denn wenn einem Beschwerdeverfahren ein Streitgegenstand nicht vollständig
entzogen wird, dann wird es nicht komplett gegenstandslos, weshalb es – nun auf den
verbleibenden Streitgegenstand beschränkt – weitergeführt werden muss. Der Art. 58
Abs. 3 VwVG enthält somit keine inhaltliche Beschränkung des Widerrufsrechtes; er
regelt nur die Folgen eines Widerrufs, der nicht den gesamten Streitgegenstand betrifft.
Zusammenfassend ergibt sich also auch aus der historischen Interpretation keine
inhaltliche Beschränkung des Widerrufsrechtes.
2.3 In systematischer Hinsicht stellt sich die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem
Art. 53 Abs. 3 ATSG und dem Art. 61 lit. d ATSG. Gegen einen Widerruf kann sich die
versicherte Person nämlich (gemäss dem Wortlaut und dem Willen des historischen
Gesetzgebers) nicht vorgängig wehren, was bedeutet, dass sie einen Widerruf einer
angefochtenen Verfügung nicht verhindern kann, während sie bei einer dasselbe
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Ergebnis zeitigenden reformatio in peius durch das Gericht gemäss dem Art. 61 lit. d
ATSG die Möglichkeit hätte, die angefochtene Verfügung mittels eines
Beschwerderückzuges sofort formell rechtskräftig und damit verbindlich werden zu
lassen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob das Widerrufsrecht gemäss
dem Art. 53 Abs. 3 ATSG auf jene Fälle beschränkt werden muss, in denen der
Widerruf zu einer Besserstellung der versicherten Person oder zumindest nicht zu einer
Schlechterstellung führt. Tatsächlich hat das Bundesgericht entsprechende Kriterien
kreiert: Es hat festgehalten, dass eine pendente lite erlassene Verfügung den Streit nur
soweit beende, als sie dem Begehren der beschwerdeführenden Partei entspreche;
soweit in der neuen Verfügung Streitfragen ungelöst blieben, bestehe der Streit über
die nicht erfüllten Begehren weiter, weshalb die Beschwerdeinstanz insofern auf die
Sache eintreten müsse (BGE 107 V 250; BGE 113 V 237). Was keiner Gutheissung der
Beschwerdebegehren entspreche, sei nichts weiter als ein Antrag an das Gericht (BGE
103 V 107 E. 2a S. 109 mit zahlreichen Hinweisen). Diese Rechtsprechung überzeugt
nicht, denn sie setzt voraus, dass die verfahrensrechtliche Natur einer Rechtshandlung
der Verwaltung (Verfügung oder Antrag an das Gericht) vom Ergebnis dieser
Rechtshandlung (positive oder negative Auswirkungen für die versicherte Person)
abhängig gemacht werden könne – ein Gedanke, der dem allgemeinen
Verwaltungsverfahrensrecht und dem Sozialversicherungsverfahrensrecht völlig fremd
ist. Eine bestimmte Rechtshandlung kann nur entweder generell eine Verfügung oder
generell keine Verfügung sein; welche materiellen Auswirkungen sie im konkreten
Einzelfall zeitigt, ist dabei völlig unerheblich. Zudem scheint die bundesgerichtliche
Rechtsprechung auch auf einem Missverständnis bezüglich des Art. 58 Abs. 3 VwVG
zu beruhen, der sich allein auf den (allenfalls verbleibenden) Streitgegenstand des
Beschwerdeverfahrens und nicht etwa auf das materielle Ergebnis bezieht. Wenn
beispielsweise eine Verfügung einer Unfallversicherung angefochten wird, mit der diese
der versicherten Person eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung
zugesprochen hatte, dann kann die Unfallversicherung ihre Verfügung nicht nur
integral, sondern auch nur betreffend die Invalidenrente oder die
Integritätsentschädigung widerrufen. Ein solcher „Teil-Widerruf“ darf selbstverständlich
nicht zur Abschreibung des gesamten Beschwerdeverfahrens führen, weil dadurch der
nicht widerrufene andere Teil der Verfügung sofort formell rechtskräftig werden würde.
Widerruft die Unfallversicherung also beispielsweise ihre Verfügung betreffend die
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Integritätsentschädigung, muss das Beschwerdeverfahren – nun auf die Invalidenrente
beschränkt – fortgesetzt werden. Keine Rolle spielt es dabei, ob die Unfallversicherung
beabsichtigt, der versicherten Person eine höhere, eine tiefere oder gar keine
Integritätsentschädigung zuzusprechen oder ob sie gar erst noch weitere Abklärungen
bezüglich des Integritätsschadens tätigen will. Jedenfalls kann sich die
verfahrensrechtliche Zulässigkeit eines Widerrufs nicht daran messen, welches
materielle Ergebnis er zeitigt. Ein Widerruf kann folglich nur generell zulässig oder aber
generell unzulässig (respektive ein blosser Antrag an das Gericht) sein. Die Annahme
einer generellen Unzulässigkeit scheidet aber ohne weiteres aus, denn sie hätte zur
Folge, dass der Art. 53 Abs. 3 ATSG als (vom Inkrafttreten an) toter Buchstabe
qualifiziert werden müsste, was keinesfalls die Intention des Gesetzgebers gewesen
sein kann. Der Widerruf muss also aus systematischer Sicht generell zulässig sein.
2.4 Bleibt zu prüfen, ob sich eine vorgängige Androhung eines Widerrufs analog zum
Art. 61 lit. d ATSG aufdrängt. Diese Frage ist zu verneinen. Eine noch nicht formell
rechtskräftige Verfügung begründet zwar zugegebenermassen schon ein gewisses
Vertrauen, aber es liegt auf der Hand, dass sie eine nicht annähernd so starke
Vertrauensgrundlage bilden kann wie eine formell rechtskräftige und damit verbindlich
gewordene Verfügung. Eine noch nicht formell rechtskräftige Verfügung ist in aller
Regel nicht vollstreckbar (vgl. Art. 54 ATSG), denn bis zum Eintritt der formellen
Rechtskraft muss damit gerechnet werden, dass sie noch korrigiert werden könnte, sei
es im Zuge eines Beschwerdeverfahrens oder mittels eines Widerrufs ausserhalb eines
Beschwerdeverfahrens, der anerkanntermassen in grundsätzlicher Hinsicht zulässig ist
(vgl. etwa BGE 129 V 110 E. 1.2.1 S. 111 mit Hinweisen) und der auch keine
vorgängige Androhung einer reformatio in peius voraussetzt (der sich die versicherte
Person ja ohnehin nicht entziehen könnte, weil kein Rechtsmittel hängig ist, das sie
zurückziehen könnte). Das Ausmass des Vertrauens, das eine noch nicht formell
rechtskräftige Verfügung begründen kann, hängt nicht massgebend vom Umstand ab,
ob diese Verfügung bereits angefochten worden ist. Wenn überhaupt, dann müsste die
Beschwerdeerhebung das Vertrauen in den Bestand der Verfügung schwächen und
nicht stärken. Wenn also eine nicht angefochtene, noch nicht formell rechtskräftige
Verfügung ohne eine vorgängige Androhung widerrufen werden kann, dann muss auch
eine angefochtene Verfügung ohne eine vorgängige Androhung widerrufen werden
können. Hinzu kommt, dass die Möglichkeit eines Beschwerderückzuges bei einer
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drohenden reformatio in peius eine Systemwidrigkeit darstellt, die den eigentlichen
Zweck des Verwaltungsverfahrens – die Durchsetzung des objektiven Rechts – im
Einzelfall verunmöglichen kann. Diese Systemwidrigkeit ist zwar vom historischen
Gesetzgeber mit dem Art. 61 lit. d ATSG bewusst gewollt, aber das bedeutet nicht,
dass ihr Anwendungsbereich von der Judikative noch zusätzlich auf weitere
Anwendungsfälle ausgedehnt werden müsste. Aus diesem Grund ist etwa der von der
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers erwähnte BGE 142 V 337 (= Urteil
8C_127/2016 vom 20. Juni 2016), mit dem das Bundesgericht die Zulässigkeit einer
reformatio in peius einschränken wollte, von der Lehre mit einer ausführlichen
Begründung kritisiert worden (TOBIAS BOLT, Zur reformatio in peius im Einsprache-
und im kantonalen Beschwerdeverfahren, in: SZS 6/2016, S. 621 ff.). Mit dem BGE 144
V 153 hat das Bundesgericht seine Praxis korrigiert: Eine reformatio in peius ist nicht
(mehr) nur unter den Voraussetzungen des Art. 53 Abs. 2 ATSG, sondern (wieder)
immer dann zulässig, wenn sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig erweist.
Zwar ist verständlich, dass sich eine versicherte Person auch in Bezug auf einen
Widerruf die Möglichkeit vorbehalten möchte, einer Korrektur zu ihren Ungunsten
mittels eines Beschwerderückzuges entgehen zu können, aber der Widerruf einer
angefochtenen Verfügung entspricht eben nicht einer gerichtlichen reformatio in peius,
sondern dem Widerruf einer nicht angefochtenen, noch nicht formell rechtskräftigen
Verfügung, der keine vorgängige Androhung erfordert. Aus systematischer Sicht lässt
sich die Notwendigkeit einer vorgängigen Androhung eines Widerrufs einer
beschwerdeweise angefochtenen Verfügung folglich nicht rechtfertigen.
2.5 Der Sinn und Zweck des Widerrufs beschränkt sich auf eine Förderung der
Verfahrensökonomie, denn es ist kein anderer Vorteil ersichtlich, den ein Widerruf
gegenüber einem ordentlichen Abschluss eines bereits hängigen
Rechtsmittelverfahrens haben könnte. Die Verfahrensökonomie ist zwar an sich kein
besonders schützenswertes Interesse, aber der historische Gesetzgeber hat es
immerhin als gerechtfertigt erachtet, den Devolutiveffekt im Interesse der
Verfahrensökonomie „abzuschwächen“ (vgl. BBl 1965 II 1371). Das Bundesgericht
orientiert sich offenbar an dieser Formulierung des historischen Gesetzgebers, denn es
nimmt an, dass der Devolutiveffekt unmittelbar bei der Eröffnung des
Beschwerdeverfahrens eintrete, dass aber der Verwaltung noch ein geringer
hoheitlicher Handlungsspielraum verbleibe, denn sie dürfe noch gewisse einfachere
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Abklärungen tätigen oder eben ihre Verfügung widerrufen, soweit der Widerruf zu einer
Besserstellung der versicherten Person führe (vgl. etwa BGE 127 V 228). Der
verfahrensökonomische Vorteil des Widerrufs besteht aber darin, dass die Verwaltung,
wenn sie eine eigene Verfügung nachträglich als rechtswidrig (egal, ob zu grosszügig
oder zu knauserig) erkannt hat, ohne den Ausgang des Beschwerdeverfahrens
abwarten zu müssen, gleich selbst tätig werden, das Verwaltungsverfahren fortsetzen
und schliesslich eine nun rechtmässige Verfügung erlassen kann. Dieser
verfahrensökonomische Nutzen besteht unabhängig vom materiellen Ergebnis; er hat
also nichts damit zu tun, ob die versicherte Person nach einem Widerruf besser oder
schlechter gestellt wird. Eine Einschränkung des Widerrufsrechtes in Abhängigkeit vom
zu erwartenden materiellen Ergebnis wäre also sinnwidrig. Das Widerrufsrecht muss
aus teleologischer Sicht uneingeschränkt gelten, denn nur so kann es überall dort, wo
ein verfahrensökonomischer Vorteil im Raum steht, auch tatsächlich einen
verfahrensökonomischen Vorteil verschaffen. Genau betrachtet wird der Devolutiveffekt
also durch das Widerrufsrecht der Verwaltung nicht abgeschwächt, sondern vielmehr
aufgeschoben: Die Verwaltung behält die absolute Verfahrenshoheit, bis sie ihre
Beschwerdeantwort erstattet hat. Erst dann tritt der Devolutiveffekt ein, der dazu führt,
dass jede weitere Verfügung der Verwaltung in der Streitsache als nichtig qualifiziert
werden muss. Auch aus teleologischer Sicht kommt also eine inhaltliche
Einschränkung der Widerrufsmöglichkeit nicht in Frage.
2.6 Zusammenfassend liefern die grammatikalische, die historische, die systematische
und die teleologische Interpretation des Art. 53 Abs. 3 ATSG übereinstimmend ein
eindeutiges Ergebnis: Bis zur Einreichung der Beschwerdeantwort hat die verfügende
Behörde ein uneingeschränktes Recht, die angefochtene Verfügung zu widerrufen. Der
Widerruf muss zwar in Verfügungsform eröffnet werden (vgl. Art. 58 Abs. 2 VwVG), was
bedeutet, dass er anfechtbar ist. Aber das Gesetz enthält keine inhaltlichen Kriterien,
anhand derer die Rechtmässigkeit eines Widerrufs geprüft werden könnte. In aller
Regel wird das Versicherungsgericht folglich eine Beschwerde gegen eine (reine)
Widerrufsverfügung ohne weiteres abweisen.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
3.1 Die hier angefochtene Verfügung ist eine reine Widerrufsverfügung, das heisst ihr
Dispositiv beschränkt sich darauf, die Rentenrevisionsverfügung vom 20. Dezember
2017 zu widerrufen, ohne gleich einen neuen Entscheid betreffend das
Rentenrevisionsbegehren vom November 2015 zu enthalten. Die Beschwerdegegnerin
hat den Widerruf der Verfügung vom 20. Dezember 2017 – nicht in der
Widerrufsverfügung selbst, aber in einer internen Notiz – mit einer Verletzung der
Untersuchungspflicht begründet. Sie hat nämlich festgehalten, dass der RAD-
Empfehlung gefolgt und eine polydisziplinäre Begutachtung durchgeführt werden
müsse, weil der aktuelle Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehe. Darin ist
nichts zu erblicken, was eine (ausnahmsweise) Aufhebung der Widerrufsverfügung
rechtfertigen könnte. In Bezug auf die mögliche Andeutung der Beschwerdegegnerin,
die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung müsse allenfalls
wiedererwägungsweise korrigiert werden, ist festzuhalten, dass ein allfälliges
Wiedererwägungsverfahren mit dem Rentenrevisionsverfahren nichts zu tun hat. Auch
ohne den Widerruf der Rentenrevisionsverfügung vom 20. Dezember 2017 hätte die
Beschwerdegegnerin – parallel zum Beschwerdeverfahren IV 2018/44 – ein
Wiedererwägungsverfahren eröffnen und eine Wiedererwägung der ursprünglichen
rentenzusprechenden Verfügung prüfen können. Diesbezüglich hätte eine Aufhebung
der Widerrufsverfügung dem Beschwerdeführer nichts genützt. Zusammenfassend liegt
kein Grund für eine Aufhebung der angefochtenen Widerrufsverfügung vom 5. April
2018 vor, weshalb die Beschwerde abzu¬weisen ist.
3.2 Praxisgemäss werden für dieses Beschwerdeverfahren keine Gerichtskosten
erhoben. Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.