Decision ID: 5a3b5e4a-387c-59a5-8dd4-732e634add23
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1970
, ohne
Berufsausbildung,
war ab
Februar 2002
zu 100
%
als
Küchenmitarbeiterin bei
Y._
tätig und ging
ab Januar 2005
zusätzlich
e
iner Nebenbe
schäftigung als Reinigungskraft
nach
(Urk. 7/1/
4
,
Urk.
7/
14
/2
,
Urk.
7/19
)
.
Am
25. Juli 2014
reichte
die Versicherte
wegen
Arbeits
un
fähigkeit
bei
Anfang 2014 beidseitig
operativ versorgten Karpalt
unnelsyn
dro
men
sowie Nacken-, Schultergürtel- und Rückenschmerzen
(
Urk.
7/3/
4-5,
Urk.
7/10/3
)
ihre
Anmeldung
zum Leistungsbezug
(Eingliederungsmassnahmen;
vgl.
Urk.
7/10/1)
ein (Urk.
7/1
).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte in der Folge
die medizinische und erwerbliche Situation ab
und d
ie Krankentag
geldver
siche
rung
CSS
reichte die fallbez
ogenen
Akte
n ein (Urk. 7/2
-3
).
Im Juli 2014 nahm die Versicherte ihre Erwerbstätigkeiten wieder auf
, infolge der Schmerzen ersuchte sie die IV-Stelle
am 2
0.
November 2014
indes um Unterstützung bei der berufli
chen Neuorientierung
(
Urk.
7/26).
Die
Versicherte absolvierte
in der Folge
im Rah
men von
Frühinterventions
massnahmen im Frühjahr
2015 eine Potentialer
hebung
bei der
Z._
(Urk. 7/30-31
; Schlussbericht
Z._
vom
2.
Juni 2015,
Urk.
7/35
). Am 1
5
. Ju
l
i 2015
verfügte die IV-Stelle
, dass
mangels verwertbarer Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt
derzeit keine Eingliederungs
mass
nahmen möglich seien
(Urk. 7/48).
1.2
Mit Vorbescheid vom 3. Juli 2015
war
X._
die Abweisung des Begehrens um Zusprechung einer Invalidenrente in Aussicht gestellt
worden
(Urk. 7/42). Die IV-Stelle tätigte im anschliessenden
Einwandverfahren
(vgl. Urk.
7/49)
weitere
medizinische
Abklärung
en
(
Urk.
7/50,
Urk.
7/61-64)
und
die
CSS
reichte ein
psy
chiatrische
s
Gutachten
zu den Akten
(Urk. 7/57).
Im
Rahmen ihrer Stellungnahme vom
1
2.
Juli 2016 zu diesen Unterlagen ersuchte
die Versicherte
wiederum um Unter
stützung bei der Wiedereingliederung (Urk.
7/66).
Daraufhin
sprach die IV-Stelle der Versicherten
am
4.
Januar 2017
eine Integra
tionsmassnahme im Umfang eines Supports am Arbeitsplatz bei
Y._
zu
(Urk. 7/76). Mit Verfügung vom 20. Juli 2017 wurde die Arbeitsvermittlung
be
endet
, nachdem
X._
per 1. Juli 2017 eine
n
V
ertrag über ein
e Anstellung in einem
60 %-Pensum
bei
Y._
hatte abschliessen können
(Urk. 7/8
2
-83
).
1.3
Nach
Beizug
von
weiteren
Arztberichten (
Urk.
7/87,
Urk.
7/89,
Urk.
7/93-94) und
Vorlage des Dossiers an
den
Re
gionalen Ärztlichen Dienst (RAD,
Urk. 7/97
/7-9
) erliess die IV-Stelle
am 10. Januar 2018 ein
en
neue
n
Vorbescheid (Urk. 7/98).
Auf den Einwand der Versicherten hin (
Urk.
7/102)
verneinte
sie
mit Verfügung vom 27. August 2018
wie angekündigt
einen Rentenanspruch der Versicherten
(Urk. 7/112 = Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am 25. September 2018 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Streitsache zu weiteren Abklärungen (insbesondere
zu
einer polydisziplinären Begutachtung) an die Vorinstanz (Urk. 1
S. 2
).
Die IV-Stelle
ersuchte
mit Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2018
um
Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6). Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 29. Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Nach der Rechtsprechung ist es zulässig, im Wesentlichen oder einzig auf ver
sicherungsinterne medizinische Unterlagen abzustellen. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 142 V 58 E. 5.1; 122 V 157 E. 1d). Selbst nicht auf eigenen Untersuchungen beruhende Berichte und Stellungnahmen
des RAD
können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte fach
ärztliche Befassung mit der ve
rsicherten Person in den Hinter
grund rückt (Urteile des Bundesgerichts 9C_822/2017 vom 19. Februar
2018 E.
4.1.1-2 und 9C_25/2015 vom 1. Mai 2015 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl.
auch
Urteil des Bundes
gerichts 9C_730/2018 vom 27. März 2019 E. 5.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, dass der Beschwer
deführerin aus somatischer Sicht eine körperlich leichte Tätigkeit in einem vollen Pensum zumutbar sei
und aus dem Einkommensvergleich keine Erwerbseinbusse resultiere
. Die psychiatrischen Diagnosen würden keine Arbeitsunfähigkeit be
grün
de
n
und seien weder langandauernd noch erheblich
(Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt indes dafür
(
Urk.
1)
,
es bestehe bei ihr noch gar kein definitiver Gesundheitszustand
, so dass die Vorinstanz den Untersuchungs
grund
satz verletzt habe.
Erst
nach weiteren Behandlungen und Abklärungen
sei eine verlässliche Aussage über
ihre
Arbeitsfähigkeit möglich
(S. 2)
.
Eine polydiszi
plinäre Begutachtung
zur umfassenden Klärung der somatischen wie auch psy
chischen Beschwerden
sei angezeigt
(
S. 5
).
2.3
Strittig und zu prüfen
ist
zunächst
, ob der
medizinische
Sachverhalt durch die
Beschwerdegegnerin
genügend abgeklärt wurde
.
3.
3.1
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Neurologie,
vom
B._
diagnostizierte
im Bericht vom 24.
September 2014
ein
Karpaltunnelsyndrom beidseits sowie ein
Su
l
cus
u
lnaris
Syndrom links (Urk.
7/12
).
Nach der Operation auf der rechten Seit
e
am 14. Januar 2014 (vgl. Urk. 7/3/7)
habe die Beschwerdeführerin anfangs eine deutliche Besserung bemerkt, aber nach etwa drei Monaten seien die Beschwerden wieder genauso aufgetreten wie vor der Operation. Auf der linken Seite hätten sich die Beschwerden nach der Ope
ration
(vom Februar 2014, vgl.
Urk.
7/18/7)
nur leicht gebessert
und seien dann von neuen Beschwerden im Ellbogen überlagert worden
(S. 3)
.
Dr.
A._
bescheinigte
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 4)
, erachtete indes
eine
T
ätigkeit
für
sinnvoll
, welche
die
Finger weniger stark belaste u
nd weniger Fein
motorik benötige
(
S. 5
und S. 7
)
.
Zur gleichen
Zumutbarkeitsbeurteilung
gelangte
Dr.
med.
C._
, Innere Medizin, Rheumatologie FMH,
laut
Bericht
en
vom 3
0.
September 2014
; er atte
stierte lediglich vom 2
4.
September bis 1
7.
Oktober 2014 eine Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/18/2
,
Urk.
7/18/7).
Dagegen hielt er i
m Juni 2015
die
bisherige Tätigkeit in der Kühlküche nicht mehr für zumutbar. Leichte Arbeit sei aktuell zu 50
%
und im Verlauf zu 50-100
%
möglich (
Urk.
7/39/3,
Urk.
7/39/5).
Dr.
med.
D._
, Allgemeine Innere Medizin
erwähnte am 16. September 2014
zu den bereits gestellten Diagnosen
ein rezidivierendes
zervikovertebrales
bis
zervi
kospondylogenes
Syndrom bei regelrechtem MRI der Halswirbelsäule (Urk.
7/18/8).
3.
2
In seiner
Aktenbeurteilung
vom 3. Juli 2015
nannte
der
RAD-Arzt Dr. med.
E._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
appa
rates
,
folgende Diagnosen
(Urk. 7/41/5)
:
-
P
rotrahierter, postoperativer Verlauf mit Besserungstendenz bei Zustand nach Karpaltunnelspaltung beidseits, rechts 01/2014 und links 02/2014 bei
-
Hochgradigem Karpaltunnelsyndrom rechts mit
Thenaratrophie
-
Mittelschwerem Karpaltunnelsyndrom links
-
Klinisch Subluxation des
Nervus
ulnaris
links
-
Zustand nach belastungsabhängiger Tendovaginitis
stenosans
mehrerer Finger beidseits
-
M. Dupuytren Stadium 1
rechts
Dr.
E._
hielt fest, dass
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stabil sei und
in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin im Küchenteam
überwiegend
wahrscheinlich bereits seit de
r Operation a
m 14. Januar 2014 eine durchgehende und vollständige Arbeitsunfähigkeit bestand
en habe
und fortbestehe. In einer angepassten Tätigkeit hingegen sei ab dem 13. August 2014
(vgl. dazu
Urk.
7/12)
von einer
uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit auszugehen, wobei der Beschwer
de
führerin eine körperlich leichte Tätigkeit ohne stärkere Belastung der Hände/
Finger und ohne besondere Anforderung an die Feinmotorik zumutbar sei (Urk. 7/41/
6
).
3.3
Laut
Bericht
vom 10. August 2015
diagnostizierte die behandelnde
Dr. med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10
F32.2), chronische Schmerzen mit somatischen u
nd psychischen Faktoren (ICD-10
F45.41), ein
en
Status nach Karpaltu
nnelsyndrom
-O
peration beidseits 2014 sowie ein
en
Verdacht auf ein
myofasziales
Schmerzsyndrom .
Seit dem 15. Juni 2015 w
e
rde eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Be
handlung durchgeführt und es bestehe
eine
v
ollständige Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 7/50
, vgl. auch
Urk.
7/53
).
3.4
Am 7. September 2015 erstellte Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten im Auftrag der CSS (Urk. 7/57).
Er
erhob
ein
en
deutliche
n Leidensdruck
, verbunden mit deutlichen Hinweisen auf Aggravation und demonstrative
r
Symptompräsentation sowie überdies Inkonsi
stenzen und Widersprüche
(S. 15)
. Es sei eine deutliche Diskrepanz zwischen sub
jektiver Wahrnehmung und objektiven Befunden festzustellen. Objektiv seien während der Untersuchung keine Hinweise auf kognitive und mnestische Funk
tionsstörungen erkennbar gewesen. Konzentration, Aufmerksamkeit, Merkfähig
keit und Gedächtnis seien unauffällig gewesen
. Weiter hielt Dr.
G._
fest, dass
die affektive Grundstimmung der Beschwerdeführerin nur geringfügig zum de
pre
s
siven Pol gedrängt sei, mit auch nur leichter Einschränkung der Schwing
ungs
fähigkeit
(
S. 16).
Dr.
G._
nannte
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
S. 17
)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig noch leichte Episode ohne somatisches Syndrom
(ICD-10 F33.00)
-
Differenzialdiagnose: a
nhaltende depressive Reaktion/Anpassungsstörung nach Stellenverlust und somatischer Erkrankung
(ICD-10 F43.21)
-
Verbitterungssyndrom gegenüber dem Arbeitgeber
(ICD-10 F43.23)
-
Chronische Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41)
-
Status nach K
arpaltunnelsyndrom-Operationen beidseits 2014
Dr.
G._
hielt fest
, dass aufgrund des aggravierenden Verhaltens und der de
mon
strativen Symptompräsentation eine grosse Gefahr bestehe, dass sich die Be
schwerdeführerin weiter in dieser Negativspirale
fixiere und chronifiziere und
es zu einer weiteren Symptomausweitung im somatischen und psychischen Be
reich
kommen könnte
.
Die Beschwerdeführerin sei ab sofort wieder in einem Pen
sum von 50
%
in einer leichten
,
den körperlichen Beschwerden angepasste
n
Tätigkeit arbeitsfähig
(
S.
19).
Mit einer Remission der Symptomatik und einer vollen Arbeitsfähigkeit innert ein bis zwei Monaten könne wahrscheinlich gerechnet werden, andernfalls sei eine nächste Überprüfung angezeigt (S. 23).
3.5
Die Beschwerdeführerin befand sich von Ende September bis Ende Dezember 2015 in einem teilstationären Setting in der
H._ (
vgl. auch Abschlussbericht vom 20. Januar 2016, Urk. 7/61
/8-10
)
.
Die Fachleute der
H._
diagnostizierten a
m 8. März 2016
eine
seit mehreren Jahren
vorliegende
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1
;
Urk. 7/62
S. 1
).
Mangels Vereinbarkeit mit den körper
lichen Beschwerden sei die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar; hingegen sei eine den körperlichen Einschränkungen angepasste Tätigkeit mittelfristig mit einem Pensum von mindestens 50 % zumutbar
(S. 4)
.
3.
6
Am 2
2.
Juni 2016 (
Eingangsdatum IV-Stelle)
berichtete
Dr.
F._
, dass sich das
depressive Zustandsbild der Beschwerdeführerin deutlich gebessert habe.
Von einer
depressiven Symptomatik war keine Rede mehr, aber es lagen w
eiterhin
chro
ni
sche Schmerzen mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-
10 F
45.41) sowie ein Status nach Karpaltunnelsyndrom-Operation beidseits 2014 vor.
Die Patientin habe wieder angefangen, am früheren Arbeitsort 1-2 Stunden pro Tag zu arbeiten.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin wieder voll
ständig arbeitsfähig (Urk. 7/64).
Dies bestätigte sie im Wesentlichen im Bericht vom 1
0.
November 2017 und sprach nunmehr von einer Einschränkung von etwa 20
%
beziehungsweise einer Arbeitsfähigkeit von 70-80
%
(
Urk.
7/93/1-3).
3.
7
Am 1
0.
Oktober 2017 ging
be
i
der IV-Stelle
der Bericht des
Hausarzt
es
Dr. med.
I._
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin,
ein
Urk. 7/87).
Er hielt
seinerseits
fest, dass
sich
– im Vergleich zu seinem Bericht vom 20. Februar 2016
, wo er noch von einer mittelgradigen depressiven Episode sowie einem ausge
prägten Schmerzsyndrom ausgegangen war
(Urk. 7/61
/1-2
)
–
der psychische Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
bei
unveränderten
Diagnosen
leicht
ge
bessert
habe
.
Sie arbeite aktuell
beziehungsweise seit
1.
Juli 2017
zu 60
%
bei
Y._
(vgl. dazu auch die Mitteilung
der IV-Stelle vom 2
0.
Juli
2017 betreffend Abschluss der Arbeitsvermittlung).
3.
8
Am 4. Oktober 2017
verfasste
Dr. med.
J._
,
s
tellvertretende
Oberärztin in der
K._
sowie Fachärztin für Neurologie, einen Bericht und
nannte
darin folgende Diagnosen
(Urk. 7/89)
:
-
Persistierende Schmerzen im Bereich der Hände mit/bei
-
Status nach Spaltung des Karpaltunnels am 14. Januar 2014 rechts und am 26. Februar 2014 links
-
Klinisch: Hyp
ästhesie der Fingerspitzen
Dig
I-III beidseits, einge
schränkte Daumenabduktion und –
opposition
beidseits, positives Hoff
mann-
Tinel
-Zeichen rechts,
Thenaratrophie
beidseits rechtsbetont
-
Elektroph
y
siologie vom 4. Oktober 2017: im Vergleich zur Vorunter
suchung von 2015 verbesserte distal motorische Latenz (links 4.04 m/s, rechts 4.25 m/s), leicht verlängerte sensible Nervenleitgeschwindigkeit (links 37.9 m/s)
-
Verdacht auf
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Klinisch:
Spurling
-Zeichen rechts positiv, ansonsten keine Zeichen einer
Radikulopathie
Das von
Dr.
J._
veranlasste MRI der Hals- und Brus
t
wirbel
säule (Urk.
7/89/3 und
7/92/3) zeigte ein leichtes
Bulging
C4-C7 ohne Kompression neurogener Strukturen (
Urk.
7/92/2). In diesem Zusammen
hang wurde daher a
m 13. Oktober 2017
in diagnostischer Hinsicht
Folgen
des
ergänzt (Urk.
7/92
/1):
-
Verdacht auf
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Differentialdiagnose
a.e
.
myofasciales
zervikales
Schmerzsyndrom
-
Klinisch: deutliche
Druckdolenz
über den
Triggerpunkten
zervikal, des M. trapezius und M. infraspinatus, HWS-Beweglichkeit frei, endgradige Angabe von Schmerzen
-
MRI der HWS vom 12. Oktober 2017: Leichtes
Bulging
der Band
schei
ben C4-C7 ohne Kontakt zu neurogenen Strukturen. Normale Facetten
gelenke. Keine Zeichen einer
seronegativen
Spondylarthropathie
Die Fachärzte der
K._
empfahlen eine Medikation und Physio
therapie zur Behandlung der Problematik (
Urk.
7/94/3).
Zur Arbeitsfähigkeit äusserten sich die Neurologen nicht.
3.
9
In
seiner
weiteren Aktenbeurteilung
vom 1. November
201
7
(Urk. 7/97)
hielt RAD-Arzt Dr.
E._
fest, dass
die Diagnosen stabil seien und sie nur anders formuliert würden
.
Neu seien die
psychiatrischerseits
gestellten Diagnosen. Ge
mäss
Dr.
E._
lasse
sich nicht sicher beurteilen
,
ob die derzeitige Tätigkeit in
einem
60%-Pensum
von der Beschwerdeführerin
dauerhaft durchgehalten we
rden könne
, da
sie wegen der unausweichlichen Belastung der Hände nicht behinde
rungsangepasst
sei
. Eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vo
n
September 2014 bis Juni 2017 sei nachvollziehbar
(S. 8).
Hinsichtlich einer leidensangepassten Tätigkeit
habe aus somatischer Sicht spätestens ab dem 13. August 2014 bis Juni 2015 wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestanden
;
aus psychiatrischer Sicht
sei sie anschliessend zu 100
%
und ab September 201
5
zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen. A
b 8. Juni 2016
bestehe
keine Einschränkung mehr (S. 8 f.).
Das Belastungsprofil aus orthopä
discher Sicht bestehe in einer körperlich leichten Tätigkeit, ohne stärkere Belas
tung der Hände und ohne besondere Anforderung an die Feinmotorik (S. 9).
3.1
0
Am 15. August 2018
verfasste
n
d
ie Fachleute des
L._
als n
eue Behandler einen Bericht
, wo
nach gemäss den Gesprächen
sowie einer
veranlassten
rheumatologischen Untersuchung (vgl. Urk. 7/115
/19-22
)
folgende Diagnosen vorliegen (Urk. 7/109
/1
):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
-
Z
ervikozephales
Syndrom
-
Schulterschmerzen beidseits
-
Hochgradiges K
arpaltunnel
syndrom rechts, mittelschweres K
arpaltunnel
syndrom links m/b
-
Status nach K
arpaltunnelspaltung beidseits
-
Beginnende Rhizarthrose beidseits
-
Polyarthrose
-
Fibromyalgie
Es wurde
seit 2006 eine Einschränkung
der
Arbeitsfähigkeit
von 40
%
beschei
nigt
. Die Beschwerdeführerin werde nun für die interdisziplinäre Schmerzbe
hand
lung angemeldet (S. 3).
4.
4.1
Nach den Operationen an beiden Händen im Januar und Februar 2014 konnte die Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätig
keit laut eigenen Angaben ab Juli
2014 wieder vollschichtig aufnehmen (
Urk.
7/26
,
Urk.
7/38/2
; vgl. auch Urk.
7/10
/2
).
Den Lohnabrechnungen ist zu entnehmen, dass von Juni bis August 2014 keine Krankentaggelder ausbezahlt wurden (
Urk.
7/19/12-13).
Im Schreiben vom 2
0.
November 2014 gab die Beschwerdeführerin an, nach vorübergehender Arbeitsunfähigkeit im September 2014 weiterhin zu 100
%
arbeitstätig zu sein,
wenn auch unter Schmerzen (
Urk.
7/26).
Dementsprechend bescheinigten Dr.
A._
und
Dr.
C._
im September 2014 eine
vollständige Arbeitsfähigkeit (vor
stehend E. 3.1).
Insofern
findet
die Schlussfolgerung des RAD-Arztes
, wonach
von August 2014 bis Juli 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe
, in den zeitnahen
Unterlagen
keine Stütze
.
Vielmehr
ergibt sich, dass
durch die
mehr als
30tägige
Arbeitsfähigkeit
in
der angestammten Tätigkeit
ab Juli 2014
eine
wegen Eintritt
s
der Arbeits
un
fähigkeit im Januar 2014 (
Urk.
7/3/3)
eröffnete Wartezeit unterbrochen
wurde
(
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG,
Art.
29
ter
der Verordnung über die Invalidenversicherung
[
IVV
]
)
. Daran ändert nicht
s
, dass die behandelnden Ärzte e
ine leichtere Arbeit
als sinnvoller erachtet
en, denn aus dieser Empfehlung
kann nicht auf eine medizi
nische Unzumutbarkeit der
bisherigen Tätigkeit geschlossen werden.
Erst
mit dem Bericht von
Dr.
C._
vom Juni 2015 ist wiederum eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit ab diesem Zeitpunkt belegt
(vorstehend E. 3.1)
.
4.2
Einig sind sich die Fachärzte und Parteien, dass die von der Beschwerdeführerin langjährig ausgeübte Tätigkeit als Küchenmitarbeiterin in einem Vollzeitpensum sehr handbelastend und ihr infolgedessen dauerhaft
seit Juni 2015
nicht mehr zumutbar ist.
Der
RAD-Arzt
hielt fest
, dass er unsicher sei, ob die Beschwerde
führerin ihr
aktuelles
Pensum von 60 % –
in der Anstellung, welche sie nach durchgeführten Eingliederungsmassnahmen durch die
Beschwerdegegnerin
schliess
lich
bei
Y._
antreten konnte
(vgl. Urk. 7/83)
– auf Dauer durch
zuhalten vermöge
(Urk. 7/97/8)
.
Immerhin bescheinigten die Fachleute des
L._
eine 60
%
ige Arbeitsfähigkeit, so dass aus somatischer Sicht die bisherige Tätigkeit nicht ohne Weiteres als
gänzlich
unzumutbar zu betrachten ist. Wie es sich damit letztlich verhält, kann
offen gelassen
werden, da eine wenigstens 40%ige Arbeits
unfähigkeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
ab Juni 2015
jedenfalls aus
gewiesen ist
.
Bei Eröffnung der Wartefrist im Juni 2015 ist im Folgenden zu prüfen,
wie es sich mit der Erwerbsunfähigkeit bei Ablauf des Wartejahres im Juni 2016 verhält.
4.
3
In somatischer Hinsicht
ist den Akten bezüglich einer Verweistätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu entnehmen, wie der RAD-Arzt
bereits am
3.
Juli 2015
zutreffend fest
hielt
.
In der Folge wurden insbesondere die Beschwer
den im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule weiter abgeklärt, doch erhoben die Neurologen nur geringe Befunde, so dass nachvollzie
h
bar ist, dass
diese
keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigten
(vorstehend E. 3.8).
Nach eine
m
teilstationären Aufenthalt im
H._
Ende 2015
hielten
die dortigen Fachleute
im März 2016
in
eine
r
Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
für zumutbar
(vorstehend E. 3.5). Der Gesundheitszustand
namentlich im Zu
sammenhang mit den depressiven Beschwerden
verbesserte sich in der Folge und
die Beschwerdeführerin nahm ihre frühere Tätigkeit zunächst stundenweise wied
er
auf
,
so dass
die behandelnde Psychiaterin
Dr.
F._
trotz der weiterhin diagnos
tizierten chronischen Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren
im Bericht vom
2
2.
Juni 2016 von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit sprach (vor
stehend E.
3.6-7)
, wovon der RAD-Arzt zu Recht ausging
.
Im Bericht vom 1
0.
November 2017 beschrieb
Dr.
F._
wiederum einen verbesserten Gesund
heits
zustand. Sie schilderte, dass die Beschwerdeführerin in der therapeutischen Behandlung de
n
Umgang mit ihren Schmerzen erlernt habe und die Verant
wor
tung für die Verbesserung ihres Zustandes in die eigene Hand nehme (
Urk.
7/93/1). Unter diese
n
Umständen vermag nicht einzuleuchten, dass die Arbeitsfähigkeit nurmehr 70-80
%
betragen soll.
Dr.
F._
hat dies
e diskrepante Beurteilung
auch nicht erl
ä
utert, weshalb nicht darauf abzustellen ist.
Dem Bericht von
Dr.
I._
ist keine abweichende Beurteilung zu entnehmen; auch er
postulierte aus medizinischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit, sondern berichtete allein vom seitens der Beschwerdeführerin effektiv ausgeübten Pensum von 60
%
(vorstehend E. 3.7). Der Bericht des
L._
vom August 2018 enthält
ebenso wenig
wie der Untersuchungsbericht
der Rheumatologin
Dr.
med.
M._
vom 2
0.
Juli 2018 (
Urk.
3/4) eine Beurteilung der Zumutbarkeit einer leidens
angepassten Tätigkeit.
Es ist daher nicht zu beanstanden, dass der RAD-Arzt gestützt auf diese Aktenlage
ab Juni 2016
auf eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit geschlossen hat.
Dass sich diesbezüglich im weiteren Verlauf eine Änderung ergeben hätte, ist nicht belegt, da namentlich die Fachleute des
L._
keine Ver
schlechterung
in diesem Zeitraum beschrieben
haben
. Ihre Zumutbarkeitsbe
urteilung beschlägt zudem die Zeit seit Juni 2006 und für die hier fraglich
e
Zeit von Juni 2016 bis zum Verfügungserlass fehlen konkrete Angaben, so dass keine Anhaltspunkte für eine Verschlechterung sichtbar sind.
Vor diesem Hintergrund hat die Beschwerdegegnerin den Untersuchungs
grund
satz nicht verletzt
, indem sie auf weitere Erhebungen verzichtete.
4.4
Der von der Beschwerdegegnerin auf dieser Grundlage durchgeführte Einkom
mens
vergleich (
Urk.
7/96) blieb
zu Recht
unbestritten
.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
5
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- festzusetzen
und der unter
liegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen
.