Decision ID: 8e9300b2-37cc-47cb-b2d6-dfc315c5e49a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1962 und Mutter einer 1995 geborenen Tochter, bezieht seit dem
1.
Februar 2004 eine ganze Rente der Invalidenversicherung samt zu
gehöriger Kinderrente (Urk.
7/2/6-8). A
m
7.
September 2006
stellte
sie bei
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse (nachfolgend: Durchführungsstelle), ein Gesuch um Ausrichtung von Zusatzleistungen
zur IV-Rente
(Urk. 7/1)
. Mit Verfügung vom
2
3.
November 2006 sprach die
Durchfüh
rungsstelle
der Versicherten
ab
1.
April
200
4
monatliche Z
usatzleistungen zu (Urk. 7/30/10-12), welche in der Folge mehrmals angepasst wurden (Urk. 7/30/8-9, Urk. 7/30/5-7, Urk. 7/30/1-4
, Urk. 7/33-34
).
Zuletzt sprach die Durchführungsstelle der Versicherten mit Verfügung vom
3.
Januar 2012
Zu
satzleistungen ab
1.
Januar 201
2
in der Höhe von monatlich Fr.
9
57
.--
zu
Urk. 7/
13
6
).
1.2
Im Rahmen
der im April 2011 durchgeführten periodischen Überprüfung der Zusatzleistungen
zur AHV/IV (vgl. Urk. 7/97) stellte
die Durchführungsst
elle fest, dass der Versicherten seit
mindestens dem Jahre 2007 eine
Erwerbsunfä
higkeitsrente
der PAX-Versicherung in der Höhe von jährlich Fr. 6‘000.-- aus
gerichtet wird (vgl. Urk. 7/101, Urk. 7/114/2, Urk. 7/138). Mit Verfügung vom
3.
Februar 2012
setzte
die Durchführungsstelle
den Anspruch der Versicherten auf Zusatzleistungen
rückwirkend ab Januar 2007
neu auf
Fr. 481.--, ab Januar 2008
auf
Fr. 465.--, ab Januar 2009
auf
Fr. 478.--, ab November 2009
auf
Fr. 498.--, ab Januar 2010
auf
Fr. 533.--, ab Januar 2011
auf
Fr. 569.
--
und ab Ja
nuar 2012
auf
Fr. 589.
--
pro Monat
fest
und forderte
die seit
Januar
2007
zu viel ausbezahlte
n
Leistungen in der Höhe von
insgesamt
Fr.
24‘436.-- zurück
(Urk. 7/139
, vgl. auch Urk. 7/151
mit den Berechnungsblättern der ein
zelnen Berechnungsperioden).
Mit Eingabe vom 21. Februar 2012 erhob die Versicherte dagegen Einsprache (Urk. 7/153), welche sie nach Einsicht in die Verfahrensakten am 17. Oktober 2012 ergänzend begründete (Urk. 7/176). Während laufendem
Einsprachever
fahren
erliess die
Durchführungsstelle
am 26. November 2012 eine weitere Verfügung, welche diejenige vom 3. Februar 2012 ersetzen sollte; dabei wurde der Anspruch der Versicherten auf Zusatzleistungen rückwirkend ab 1. Februar 2007 festgesetzt und
die
seit jenem Zeitpunkt zu
viel ausgerichtete
n
Leistungen im Gesamtbetrag von nunmehr noch Fr. 24'035.-- zurückgefordert (Urk. 7/181). Am 28. November 2012 wurde dann über die
hängige
Einsprache mit folgen
dem Dispositiv ent
schieden: "Die Einsprache vom 21. Februar 2012 respektive 17. Oktober 2012 gegen die Verfügung betreffend Rückforderung von Zusatz
leistungen zur IV vom 3. Februar 2012 wird teilweise gutgeheissen und die pendente
lite
erlassene Verfügung vom 26. Novembe
r 2012 wird bestätigt"
(Urk.
7/182
= Urk. 2
).
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom 26. November 2012
(Urk. 2)
erhob die Versicherte mit Ein
gabe vom 11. Januar 2013 an die
Durchführungsstelle
wiederum Ein
sprache mit dem Antrag, diese sei aufzuheben und sie sei zur Rückerstattung bloss eines Betrages in Höhe von Fr. 1'265.-- zu verpflichten (Urk. 7/194).
2
.
2
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 28. November 2012 führte die Versicherte sodann mit Eingabe
vom 18. Januar 2013 Beschwerde (Urk. 1) und
beantragte,
dieser
sei aufzuheben und sie sei zur Rückerstattung bloss eines Betrages in Höhe von Fr. 1'265.-- zu verpflichten (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 7. Februar 2013 beantragte die
Durchführungs
stelle
die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6) und
reichte
die Ver
fahrensakten (Urk. 7/1-203) ein.
Mit Verfügung vom 8. Februar 2013 wurde ein zweiter Schriftenwechsel ange
ordnet (Urk. 8).
2.3
Am 27. Februar 2013 stellte die
Durchführungsstelle
dem Gericht die Einsprache der Versicherten vo
m 11. Januar 2013 (Urk. 11)
zu
und führte aus,
da diese in
haltlich mit der beim Gericht
hängigen
Beschwerde vom 18. Januar 2013 in Verbindung stehe, werde die Einsprache zuständigkeitshalber weitergeleitet (Urk. 10).
2.4
Mit Replik vom 17. April 2013 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Beschwer
deanträgen
fest (Urk. 14).
2
.
5
Da es sich bei der während laufendem
Einspracheverfahren
erlassenen Verfü
gung vom 26. November 2012 materiell um einen Teil des
Einspracheentschei
des
vom 28. November 2012 handelt, und die gegen die Verfügung gerichtete Einsprache vom 11. Januar 2013 im Wesentlichen der gegen den
Einsprache
entscheid
gerichteten Beschwerde entspricht
, wurde
die Einsprache vom 11. Januar 2013
mit Gerichtsverfügung vom 1
3.
Juni 2013
(Urk. 16)
im Sinne einer ergänzenden Begründung der Beschwerde im vorliegenden Verfahren ent
gegengenommen
.
2.6
Mit Eingabe vom
8.
Juli 2013 bestritt die Beschwerdegegnerin die in der Replik gemachten Ausführungen der Beschwerdeführerin und verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (Urk. 18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus
-
set
zungen
nach Art. 4-6 des Bundesgesetzes über die
Ergänzungsleistun
gen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zu
satz
-
leistungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2
Abs.
1 ELG; §
§
1, 13, 15 und 20
Abs.
1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ZLG). Dabei entspricht die jährliche Ergänzungsleistung dem Betrag, um den die anerkannten Ausga
ben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9
Abs.
1 ELG).
1.2
Gemäss
Art. 25
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
So
-
zial
versicherungsrechts
(ATSG) sind
unrechtmässig
bezogene Leistungen zu
rückzuerstatten. Die
Unrechtmässigkeit
des Bezugs von Ergänzungsleistungen ergibt sich dadurch, dass die Berechnungsgrundlagen rückwirkend so angepasst werden, dass aus der Neuberechnung ein tieferer Anspruch resultiert als ur
sprünglich ausgerichtet (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
2.
Aufl. 2009, S. 98).
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ab
lauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist
massge
bend
(Art. 25
Abs.
2 ATSG).
Für den Beginn der relativen einjährigen V
erwirkungsfrist sind
nicht das erst
-
ma
lige unrichtige Handeln und die daran anknüpfende unrecht
mässige Leistungsausrichtung massgebend. Abzustellen ist auf jenen Tag, an dem die Ausgleichskasse später bei der ihr gebotenen und zumutbaren Auf
merksamkeit - "aufgrund eines zusätzlichen Indizes" (SVR 2002 IV Nr. 2 S. 5 f. E. 3) - den Fehler hätte erkennen müssen und dass die Voraussetzungen für eine Rücker
stattung bestehen. Dieser Grundsatz, wonach nicht der ursprüngli
che Irrtum, sondern erst ein "zweiter Anlass" die relative einjährige
Verwir
kungsfrist
aus
löst, wurde verschiedentlich bestätigt (Urteile des Bundesgerichts in Sachen K. und A. vom 28. Mai 2010, 9C_1010/2009, E. 3.1 und in Sachen S. vom 15.
Mai 2008, 8C_824/2007, E. 3.2.2).
1.3
Nach
§
19 ZLG sind
rechtmässig
bezogene Beihilfen in der Regel
zurückzu
-
erstat
ten, unter anderem wenn bisherige oder frühere Bezügerinnen und
Be
-
züger
in günstige Verhältnisse gekommen sind (
Abs.
1
lit
. a).
Eine Rege
lung
bei
unrechtmässigem
Leistungsbezug fehlt zwar. Dies macht aber
gemäss
Recht
-
sprechung
des Bundesgerichts nicht den Weg frei für die (
sinngemässe
) Anwendung von Art. 25
Abs.
1 ATSG. Jedoch spricht
gemäss
Bundesgericht nichts dagegen,
§
19
Abs.
1
lit
. a ZLG auch auf
unrechtmässig
bezogene Bei
hilfen anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_305/2012 vom
6.
August 2012, E. 3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
8.
November 2012 (
Urk.
2) davon aus,
dass sie entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin erst anlässlich der im Rahmen der periodischen Überprü
fung im Jahre 2011 eingereichten Unterlagen
vom 2
6.
April 2011
Kenntnis von der Rente der PAX-Versicherung erlangt habe
(S. 2 Ziff. 3).
Dementsprechend
seien d
ie Rentenleistung
en
der PAX-Versicherung bisher nicht in der Berech
nung berücksichtigt worden
. D
er Anspruch auf Zusatzleistungen der Beschwer
deführerin
sei
deshalb
mit Verfügung vom
3.
Februar 2012 rückwirkend ab Ja
nuar 2007 neu berechnet worden.
Die Rückforderungsverfügung datiere vom
3.
Februar 2012, weshalb die einjährige Verjährungsfrist seit Kenntnisnahme eingehalten sei. Bezüglich der fünfjährigen Verjährungsfrist sei auszuführen, dass von
A
nfang Februar 2012 bis
A
nfang Februar 2007 zurückgefordert wer
den dürfe, zumal die Zusatzleistungen jeweils in den ersten zwanzig Tage
n
des Monats ausgerichtet würden.
Es sei demnach lediglich d
ie Rückforde
rung für den Monat Januar 2007
verjährt (S. 2 f.).
Die ihr in der genannten Zeit insge
samt zu viel ausbezahlten Zusatzlei
s
tungen in der Höhe von Fr. 24‘035.-- habe die Beschwerdeführerin zurückzuzahlen (S. 3).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (
Urk.
1
), dass die Beschwerdegegnerin bei Durchsicht der
mit dem Antrag um Ausrich
tung von Zusatzleistungen
eingereichten Unterlagen ohne
w
eiteres
bereits im September 2006
hätte erkennen können, das sie von der PAX-Versicherung eine Erwerbsunfähigkeitsrente
in der Höhe von jährlich Fr. 6‘000.
--
beziehe
. Die geltend gemachte Forderung sei deshalb bis auf den Betrag von Fr. 1‘265.
--
verjährt
(S. 5
f.
Ziff. 3.5
und Ziff. 4
).
2.3
Unbestritten ist, dass
es sich bei den Renten der PAX-Versicherung um Vermö
genswerte handelte, welche bei der Berechnung der Zusatzleistungen zu be
rücksichtigen waren und dass deshalb die Beschwerdegegnerin
auf die ur
sprünglichen Verfügungen, bei welchen diese Vermögenswerte zu Unrecht nicht berücksichtigt worden waren, aufgrund eines
Rückkommenstitels
(
Wiedererwä
gung
oder prozessuale Revision; Art. 53 ATSG; BGE 129 V 110 E. 1.1) zu
rück
kommen und die für die Zeit vom 1.
Februar
200
7
bis 31.
Januar
20
12
zu viel ausgerichteten
Zusatzleistungen im Betrag von Fr. 24
'
035
.-
-
nach Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG grundsätzlich zurückfordern durfte.
Streitig
und zu prüfen
ist einzig, ob die
einjäh
rige Verwirkungsfrist nach Ar
t. 25 Abs. 2 ATSG gewahrt wurde, mithin ab wann die Beschwerdegegnerin Kenntnis von der Rente der PAX-Versicherung erhielt.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin bringt vor, gestützt auf die der Beschwerdegegnerin von der Gemeinde
Y._
im September 2006 eingereichten Unterlagen
–
darunter insbesondere Kontoauszüge aus dem Jahr 2005 sowie ein Schreiben der PAX Versicherung vom 1
9.
Juli 2006 (
Urk.
3/5) - sei erwiesen, dass die
Be
schwerdegegnerin
bereits im September 2006
davon Kenntnis gehabt habe, dass
die PAX Versicherung
ihr (der Beschwerdeführerin) seit dem
3.
Februar 2005 eine jährliche Rente von Fr. 6‘000.-- ausbezahle (
Urk.
1 S. 4 ff.). Demgegenüber bestreitet die Beschwerdegegnerin, die erwähnten Unterlagen - im Gegensatz zu anderen - damals erhalten zu haben (
Urk.
6 S. 1 f.)
3.2
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachver
halts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Richterin ha
ben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mögli
chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360; 125 V 193 E. 2 S. 195; je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321
E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der
Beweisfüh
rungslast
begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Be
weismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die
Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosig
keit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller
dings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersu
chungsgrundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu er
mitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_663/2009 vom 2
7.
April 2010 E. 2.2).
Das Bundesgericht hat verschiedentlich festgehalten, dass eine Umkehr der Be
weislast ausnahmsweise dann eintritt, wenn eine Partei einen Beweis aus Grün
den nicht erbringen kann, welche nicht von ihr, sondern von der Behörde zu verantworten sind (BGE 92 I 253 E. 3 S. 257; SVR 2011 UV Nr. 11 S. 39, 8C_693/2010 E. 12;
Pra
1999 Nr. 170 S. 886, 2A.635/1998 E. 3b/
bb
; Urteil des Bundesgerichts 4P.197/2003 vom 1
6.
Januar 2004 E. 3.2). Einen derartigen Fall von Beweislastumkehr erblickt die Rechtsprechung etwa bei der Beweislosigkeit der Rechtzeitigkeit eines Rechtsmittels, welche darauf zurückzuführen ist, dass die Verwaltung oder Behörde den Briefumschlag, in welchem das an sie gerich
tete Rechtsmittel (
uneingeschrieben
) verschickt wurde, in Verletzung ihrer
Ak
tenführungspflicht
nicht zu den Akten genommen und damit die
Beweiserbrin
gung
für die Rechtzeitigkeit des Rechtsmittels verunmöglicht hat (BGE 124 V 372 E. 3b S. 375; SVR 2011 UV Nr. 11 S. 39, 8C_693/2010 E. 12; 2007 AHV
Nr. 8 S. 22, H 131/06 E. 3.2;
Pra
1999 Nr. 170 S. 886, 2A.635/1998 E. 4; RKUV 1999 Nr. U 344 S. 416, U 344/98 E. 2 und 3).
Die erwähnte Aktenführungspflicht von Verwaltung und Behörden bildet das Gegenstück zum (aus
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfassung fliessenden)
Akten
einsichts
- und Beweisführungsrecht, indem die Wahrnehmung des
Aktenein
sichtsrechts
durch die versicherte Person eine Aktenführungspflicht der Ver
waltung voraussetzt (BGE 130 II 473 E. 4.1 S. 477; 124 V 372 E. 3b S. 375 f., 389 E. 3a S. 390). Die Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges Aktendossier über das Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ordnungsgemäss Aktenein
sicht gewähren und bei einem Weiterzug diese Unterlagen an die
Rechtsmitte
linstanz
weiterleiten zu können. Die Behörde hat alles in den Akten festzuhal
ten, was zur Sache gehört (BGE 124 V 372 E. 3b S. 376; 115
Ia
97 E. 4c S. 99;
Pra
1999 Nr. 170 S. 886, 2A.635/1998 E. 4a). Der verfassungsmässige Anspruch auf eine geordnete und übersichtliche Aktenführung verpflichtet die Behörden und Gerichte, die Vollständigkeit der im Verfahren eingebrachten und erstellten Akten sicherzustellen (SVR 2011 IV Nr. 44 S. 131, 8C_319/2010 E. 2.2.1; Urteil 5A_341/2009 vom 3
0.
Juni 2009 E. 5.2). Für die dem Allgemeinen Teil des
So
zialversicherungsrechts
unterstellten Versicherer wurde in
Art.
46 ATSG die
Aktenführungspflicht auf Gesetzesstufe konkretisiert. Danach sind für jedes
So
zialversicherungsverfahren
alle Unterlagen, die massgeblich sein können, vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen.
3.3
Es ist unbestritten und steht fest, dass sich die von der Beschwerdeführerin er
wähnten Unterlagen (insbesondere
Kontoauszüge aus dem Jahr 2005 sowie ein Schreiben der PAX Versicherung vom 1
9.
Juli 2006
), die die Gemeinde
Y._
der Beschwerdegegnerin angeblich zukommen liess, - im Gegensatz zu an
deren Unterlagen der Gemeinde
Y._
(vgl.
Urk.
7/2 ff.) - nicht in den dem hiesigen Gericht vorliegenden Akten der Beschwerdegegnerin befinden
(vgl.
Urk.
7/1-203).
Ebenso wenig
liegt
ein
Versandnachweis für die geltend ge
machte
(
uneingeschriebene
Post-)S
endung vor.
Zwar ist es möglich, dass die Gemeinde
Y._
der Beschwerdegegnerin die betreffenden Unterlagen zugestellt hat. Ebenso möglich ist jedoch, dass dies nicht der Fall war, dass diese Unterlagen nie versandt, bei der Ausgleichskasse nicht angekommen oder aber bei ihr in Verstoss geraten sind. Keiner dieser möglichen Tatbestände kann im heutigen Zeitpunkt mit geeigneten Beweismit
teln
rechtsgenüglich
erhärtet werden. Von einer Befragung der zuständigen Sachbearbeiterin der Gemeinde
Y._
(vgl.
Urk.
1 S. 5 Beweisofferte) kann abgesehen werden, da davon bereits aufgrund des nicht unbeträchtlichen Zeit
ablaufs keine
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung
, vgl. BGE 124 V 90 E. 4b S. 94 und 122 V 157 E. 1d S. 162).
Ebenso wenig kann einer der genannten möglichen Tatbestände für sich bean
spruchen, überwiegend wahrscheinlich zu sein. Hinsichtlich der Frage, ob der Bezug
einer Rente der PAX Versicherung
der Beschwerdegegnerin bereits im Jahr 2006 mit Zustellung der entsprechenden Unterlagen gemeldet wurde, herrscht somit Beweislosigkeit. Weder machte die Beschwerdeführerin geltend noch besteht aufgrund der Umstände ein Anlass zu vermuten, d
ie
Beschwerde
gegnerin
sei
der ihr obliegenden Aktenführungspflicht nicht ordnungsgemäss
und vollständig nachgekommen. D
eshalb
kommt
mit Bezug auf die in den
Ak
ten
fehlende
n
Unterlagen betreffend den Rentenbezug
eine Umkehr der Be
weislast
nicht in Frage
.
Gemäss dargelegter Rechtsprechung fällt demnach der Entscheid zu Ungunsten der Beschwerdeführerin aus, weil sie die behauptete Kenntnis der Beschwerdegegnerin vom Bezug der Rente der PAX Versicherung auf die streitige aber unbewiesen gebliebene Zustellung der einschlägigen Un
terlagen an die Beschwerdegegnerin stützt.
Nach dem Gesagten kann nicht davon ausgegangen werden, dass die
Beschwer
-
de
gegnerin
bereits im Herbst 2006, im Zeitpunkt der Anmeldung zur Aus
-
richtung von Zusatzleistungen, aufgrund der von der Gemeinde
Y._
zugestellten Unterlagen Kenntnis davon hatte, dass die Beschwerdeführerin eine Rente der PAX Versicherung bezieht.
3.
4
Auf dem
Anmeldeformular betreffend Zusatzleistungen zur AHV/IV
(vgl.
Urk.
7/1) sowie den Formularen betreffend
d
ie
periodische Überprüfung (vgl.
Urk.
7/39,
Urk.
7/
70,
Urk.
7/102)
sind hinsichtlich des nachzuweisenden Ver
mö
gens
und Einkommens
verschiedene (anzukreuzende) Vermögens
- und
Ein
kommens
arten
sowie
einzureichende Be
lege aufgeführt, wie insbesondere die Saldoausweise aller Bankkonten
respektive die Auszüge von jeder
Bank, bei der ein Konto besteht. Dabei werden
d
ie
Begriff
e
"Vermögen"
und „Einkommen“
in diesen Formularen in einem weiten, uneingeschränkten Sinne gebraucht, was sich auch darin zeigt, dass am Ende der
jeweiligen Rubrik
eine generelle
Auf
fangklausel
mit der Frage nach dem Vorhandensein von anderen Vermögens
werten
beziehungsweise Einkommen aufgeführt ist
. Dieser Aufbau der Formu
lare und die dabei verwendeten Formulie
rungen machen somit nach Treu und Glauben genügend klar, dass alle Aus
weise mit
Einkommen und
Vermögens
wer
ten auf Konten anzugeben
sind.
Das Vorgehen der Beschwerdeführerin, dies hinsichtlich der
Rente der PAX-Versi
cherung
dennoch zu unterlassen, war daher nicht
korrekt
.
Zumindest hätte die Beschwerdeführerin damals eine entsprechende Anmerkung machen müssen - und zwar spätestens bei der Auffangklausel
in Ziffer 7.7 der Formulare
mit der
ausdrücklichen
Frage nach
weiteren Renten und/oder Taggeldern anderer Versi
cherungen
.
Somit machte die Beschwerdeführerin bei der Anmeldung
und
im Rahmen
der
periodischen Überprüfungen
mehrfach unvollständige respektive unrichtige Angaben zu ihrem
Einkommen und Vermögen
. Welche Beweggründe die
sem Vorgehen zugrunde
lagen, kann indes offen bleiben.
3.
5
Da die betreffenden
Antworten der Beschwerdeführerin zwar unvollständig
,
jedoch nicht offenkundig falsch waren, brauchte die Beschwerdegegnerin da
mals entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
auch
keine weiteren Nachforschungen über allfällig nicht deklariertes
Einkommen und Vermögen anzustellen.
Denn es wird, wie die Beschwerdegegnerin zutreffend erwähnt, die Untersuchungspflicht der Verwaltung durch eine entsprechende
Mitwirkung
s
pflicht
der versicherten Person und gegebenenfalls auch durch den Grundsatz von
Treu und Glauben eingeschränkt.
Dies gilt insbesondere in einem Fall wie dem vorliegenden,
in
welchem sich die Angaben auf Formularen oder
unter
schriftliche
Bestätigungen im Nachhi
nein als unzutreffend erweisen.
Zudem musste die Verwaltung damals selbst unter Berücksichtigung der
von der Be
schwerdeführerin
erwähnten Belege
nicht
von
weiteren Versicherung
sleistungen
und somit
von einem
weitere
n
Einkommen
ausgehen.
Dies gilt umso mehr, als
die Beschwerdeführerin die Frage nach Leistungen anderer Versicherungen aus
drücklich mit „nein“
beantwortete.
B
ei der Anmeldung
wurden
ein Zins- und Saldoausweis
jeweils per 3
1.
Dezember 2003, 2004 und 2005
des
Postkontos 84-482264-0
(vgl.
Urk.
7/16)
eingereicht
.
Auch dieser Um
stand gab somit kei
nen Anla
ss dazu, hinsichtlich allfälliger übrige
r
Einkommen
weitere Nachfor
schungen zu
betreib
en.
3.
6
Auch im nachfolgende
n Zeitraum bis 201
1
gab die Beschwerdeführerin wieder
holt zu verschiedenen Verfügungen die unterschriftliche Bestätigung hinsicht
lich der Vollständigkeit von deren Berechnungsgrundlagen ab, obwohl dies in Bezug auf
das Einkommen nach Erwägung 3.
4
nicht zu
traf.
Bei den peri
odi
schen
Überprüfungen in den Jahren 2008
(
Urk.
7/39) und
20
09
(
Urk.
7/70)
ver
neinte
sie
die
Frage nach
Leistungen
(Renten/Taggelder)
anderer Versicherungen
wie schon bei ihrer A
nmeldung klar.
Deshalb, sowie unter Berücksichtigung der übrigen Akten
,
gab es in diesem Zeitraum für die Verwaltung keinen zweiten Anlass respektive kein zusätzliches Indiz
im Sinne der Rechtsprechung (E
. 1.2
), aufgrund dessen sie bei Anwendung der zumutbaren Aufmerksamkeit die Un
vollständigkeit der
Einkommens
be
rechnung hätte bemerken müssen.
Dies gilt auch hinsichtlich de
r
von der Beschwerdeführerin
in Ziffer 6.2
erwähnten
Le
bens
versicherung (vgl.
Urk.
7/39/3
,
Urk.
7/70/4
)
und de
r
Schreiben der PAX-Versicherung vom 3
0.
Januar 2008
(
Urk.
7/42/1) beziehungsweise vom 2
3.
Oktober 2009 (
Urk.
7/77
/1
)
betreffend
deren Rückkaufswert
beziehungsweise den Angaben zum Überschuss
.
Das Gleiche gilt auch für die von der Beschwer
deführerin erwähnte
Steuererklärung 2006, welche
sich im Übrigen ebenfalls nicht in den Akten befindet.
3.
7
Da nach
dem Gesagten mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrschein
-
lich
keit
feststeht,
dass
die Verwaltung erstmals
anlässlich der perio
dischen Überprüfung
im April
20
11
Kenntnis
von der
Rente der PAX-Versicherung in der Höhe von jährlich
Fr.
6‘000.--
erhielt
(vgl.
Urk.
7/101/1,
Urk.
7/109/3
Ziff.
3.2,
Urk.
7/
114/2),
wurde die ein
jährige Verwirkungsfrist (Art. 25 Abs. 2 ATSG)
mit der Verfügung vom 3
.
Februar
20
12 (Urk. 7
/1
39
) gewahrt.
Im Übrigen blieb der angefochtene Entscheid un
bestritten und es liegen auch keine konkreten Anha
ltspunkte für Berechnungsfehler
vor. Dies
führ
t
zur Ab
weisung der Beschwerde.