Decision ID: 188fcea8-198f-5bc6-a46f-44afb42e7f31
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965,
war
vom 1. November 2000 bis 31. Juli 2010 zu 20 bis 25
%
für die
Y._
(
Urk.
10/
10
)
und vom 13
.
Oktober 2006 bis 30. September 2009 zu 50
%
für die
Z._
in der Lingerie (Urk. 10/9) tätig
.
Sie leidet seit dem Jahr 1998 an einem
lumboradikulären
Syn
drom mit Ausstrahlungen in den Oberschenkel. Nachdem die Beschwerden in einer ersten Phase intermittierend
aufgetreten waren
, wurde die Versicherte Ende Mai 2009 arbeitsunfähig.
Am
15. April
2010 meldete sich die Versicherte bei der Invalidenversicherung an und beantragte eine Rente (
Urk.
10/1
i.V.m
.
Urk.
10/6
). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die
persönlichen
(Urk.
10/3 und
Urk.
10/5)
,
erwerblichen (
Urk.
10/7)
,
beruflichen (
Urk.
10/9
-10
)
und medi
zinischen (Urk. 10/2,
Urk.
10/8, Urk. 10/11,
Urk.
10/13,
Urk.
10/38,
Urk.
10/41, Urk.
10/43 und
Urk. 10/45)
Verhältnisse
der Versicherten ab
. Am
9. September 2010 ordnete
si
e eine rheumatologische Abklärung mit Evaluation der Funktio
nellen Leistungsfähigkeit (EFL) beim
A._
an
(
A._
;
Urk.
10/18).
Da die Krankentagge
ldversicherung der Versicherten
eine solche Abklärung bereits in Auftrag gegeben hatte, diese wegen hoher Selbstlimitierung jedoch abgebrochen werden musste
(
Urk.
10/
2
6
S. 1
)
,
und
die Versicherte unterdessen in psychiatrischer Behandlung war
(
Urk.
10/30 und
Urk.
10/32)
, riet der
B._
, eine polydisziplinäre Begutachtung durchzuführen. Die IV-Stelle
liess
deshalb die Versicherte
durch das
C._
internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch begutachten (Interdisziplinäres MEDAS-Gut
achten vom 19. Dezember 2011,
Urk.
10/48;
in der Folge
„
C._
-Gutachten
“
)
.
Nach erfolgtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/51 ff.) wies die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 2
2.
März 2012 (
Urk.
2) das Rentenbegehren der Versicherten
ab.
2.
Gegen die Verfügung vom 2
2.
März 2012
(
Urk.
2)
erhob die
Versicherte am 30.
März
2012 Beschwerde
und beantragte
sinngemäs
s
, es sei ihr eine
Invali
denrente zuzusprechen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2012 (
Urk.
9) schloss die IV-Stelle auf Beschwerde
abweisung
.
Auf die Ausführungen der Parteien, die eingereichten und beigezogenen Unter
lagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemein
en Teil des Sozialversicherungs
rechts
; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E
. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; de
rselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2
.
2
.1
Gestützt auf das
C._
-
Gutachten (
Urk.
1
0
/
48
) stellte die Beschwerdegegnerin fest, d
ie
Versicherte
sei
sowohl in de
n
angestammten als auch
in einer
anderen
leidensan
gepassten Tätigkeit zu 100 % ar
beitsfähig.
Dem hält d
ie
Beschwerdeführer
in
entgegen, es könne nicht auf das
C._
-
Gutach
ten abgestellt werden, sondern es sei aufgrund der Berichte der behan
delnden Ärzte
und insbesondere
desjenigen
von
D._
, Praktische Ärztin
, vom 2
8.
Februar 2012
(
Urk.
10/56),
davon auszugehen, dass sie
zu 100
%
arbeitsunfähig sei (Urk. 1 S. 1
).
2
.2
Streitig und zu prüfen ist
somit, ob auf das
C._
-
Gutachte
n
abgestellt
und dem
entsprechend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Versicherten ausgegan
gen werden kann.
3
.
3.1
Die
E._
, die nach erfolglosen konservativen Massnahmen am
8.
Februar 2010 eine Dekompression L5/S1 links vorgenommen hatte, führte im Bericht vom 1
1.
Juni 2010 bei der Diagnose einer Segmentdegeneration L5/S1 mit Diskushernie und
Spondylarthrose
aus, subjektiv habe sich nach der Opera
tion keine zufriedenstellende Änderung ergeben, klinisch zeige sich jedoch eine rückläufige
radikuläre
Symptomatik (
Urk.
10/13 S. 6). Bis zum 2
8.
März 2010 sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen, für die Zeit da
nach könne die Arbeitsunfähigkeit nicht beurteilt werden (
Urk.
10/13 S. 7).
3.2
Vom
7.
bis 2
0.
April 2010 hielt sich die Versicherte zur stationären Rehabilita
tion in der
F._
auf. Im Bericht vom 3
0.
April 2010 führte die Klinik aus, die Beschwerdeführerin habe sehr gute Fortschritte ge
macht und habe mit verbesserter Belastbarkeit und Mobilität entlassen werden können.
3.
3
Das
A._
, welches die Versicherte
am 2
4.
und 2
5.
Juni 2010 mittels
Funktionsori
entierter
Medizinischer Abklärung (FOMA) untersucht hatte, stellte in seinem Bericht
vom
4.
Oktober 2010 folgende Diagnosen
(
Urk.
10/26 S. 2
Ziff.
1)
:
1.
Chronisches
zerviko
- und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit Aus
strahlung in beide Beine mit/bei:
-
Kopfprotraktion
, abgeflachte
r
Kyphose und rechtskonvexe
r
Skoliose der Brustwirbelsäule,
leichtgradige
r
Verlagerung des Wirbelsäulenlotes
-
Degeneration der Lendenwirbelsäule
, mit Betonung L5/S1
-
Status nach mikrochirurgischer Dekompression L5/S1 am
8.
Februar 2010 bei linksseitig
radikulärer
Nervenwurzelirritation S1
-
differenzialdiagnostisch:
radikuläre
Restsymptomatik
2.
Dysfunktionales Schmerz- und Krankheitsverhalten.
Die klinische Untersuchung sei durch die deutlichen Schmerzreaktionen geprägt gewesen und
es sei trotz der erfolgten Nervendehnungstests und der neurologi
schen Untersuchungen inklusive der Kraftprüfung kooperatio
nsbedingt nicht möglich gewesen
zu ermitteln, ob eine „aktive“
radikuläre
Komponente vor
liege.
Es dominiere ein dysfunktionales Schmerz- und Krankheitsverhalten mit jeweils entsprechenden Schmerzreaktionen bei der klinischen Untersuchung, häufiger Schmerzmimik und verbalen Schmerzäusserungen. Die Bela
stungstests hätten bereits
kurz nach Beginn abgebrochen werden müssen, da die Versicherte beim Heben vom Boden bis zur Taillenhöhe mit 2,5 kg, das heisst deutlich unter der „minimal
performance
“
(minimal notwendige Belastungstoleranz für die Ver
richtung einfachster Aufgaben im Leben wie Aufstehen, Gehen usw.)
, eine deutliche Schmerzverstärkung angegeben habe und das Schmerzverhalten
„
de
kompensiert
“ habe, in
Form von Weinen, Vorwürfen und s
tarrem
Bewe
gungs
verhalten
.
Das Nichterreichen der „minimal
performance
“ ohne medizi
nisch plausiblen Grund weise auf
motivationelle
Probleme im Sinne einer Ag
grava
tion hin. Passend dazu sei auch die äusserst minimale Selbsteinschätzung
der eigenen Leistungsfähigkeit
(
Urk.
10/26 S. 2
Ziff. 2
).
Aus rheumatologischer Sicht bestehe ärztlich-medizinisch für eine körperlich leichte bis knapp mittelschwere Tätigkeit
mit
nur selten vorgeneigter Rumpf
-
positi
on eine volle Arbeitsfähigkeit.
Die psychische Situation müsse allenfalls mit
berücksichtigt werden,
weshalb eine entsprechende Anfrage bei der behan
deln
den Psychiaterin empfohlen w
e
rde zur Klärung der Frage, ob eine Ein
schrän
kung der Zumutbarkeit der Willensanstrengung zur Überwindung der Schmer
zen aufgrund einer relevanten psychis
chen
Komorbidität
bestehe (Urk.
10/26 S. 3
Ziff.
5.1).
3
.
4
G._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie von der
H._
, st
e
llte
im Arztbericht vom
9.
Februar 2011 (
Urk.
10/32)
die Diagnose einer akuten Belastungsreaktion (ICD-10: F43.0), die als Folge der persistierenden Schmerzen nach der Rückenoperation aufgetrete
n sei
.
Die Versicherte sei
bewusstseinsklar und allseits orientiert
und ihr
Gedanken
gang sei formal in Ordnung
,
aber inhaltlich sei sie auf ihre Schmerzen einge
engt. Affektiv wirke sie bedrückt, traurig und besorgt um ihre Zukunft.
Sie habe Angst vor einer erneuten Rückenoperation und
sie
ärgere sich, dass sie sich er
neut für oder gegen eine Operation entscheiden müsse. Da ihr die zuständigen Fachärzte keine Garantie geben könn
t
en, sei sie verzweifelt, ziehe sich zurück, habe eine gedrückte Stimmung, sei misstrauisch, ambivalent und
entschei
dungsunfähig
.
Es ge
be keine Anhaltspunkte für Wahn, Sinnestäuschungen
,
Ich-Störungen
und Suizidalität, aber p
sychomotorisch sei sie angespannt.
Es erfolge eine ambulante psychiatrische Behandlung mit
Surmontil
50 mg
. Im Vorder
grund des Zustandsbildes stünden eine Schmerzsymptomatik, ausgeprägte Rückenbeschwerden und infolgedessen eine schlechte Prognose sowie Angst um die Zukunft. Im Hintergrund seien die erwähnten psychi
schen Beschwerden nach wie vor p
räsent.
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde nicht attestiert (
Urk.
10/30 S. 1-5
und
Urk.
10/32
).
3.
5
Die
E._
hielt im Verlaufsbericht vom 2
8.
Juni 2011 (
Urk.
10/38 S. 6 f.) fest, dass sich die Versicherte klinisch nicht einschätzen lasse. Radiolo
gisch zeige sich die
Bandscheibenprotrusion
unverändert, wie nach rein dorsaler
Dekompression zu erwarten gewesen sei. Eine sichere Affektion der S1-Wurzel sei nicht auszumachen, wobei kein Grund für ein weiteres operatives Vorgehen bestehe.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit bestünden nach Aktenlage von Seiten der Lendenwirbelsäule keine Einschränkungen (Urk. 10/38 S. 7).
3.6
Die
I._
, wo die Versicherte vom
1.
b
is 2
9.
Juni 2011 hospitali
siert war, stellte
im Austrittsbericht vom 2
5.
Juli 2011
folgende Diag
nosen
(
Urk.
10/45 S. 1)
:
1.
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
bei
-
Status nach mikrochirurgischer Dekompre
ssion L5/S1 links
am
8.
Februar 2010
-
a
usgeprägte
r
Osteochondrose
L5/S1
-
R
ezidiv
h
ernie
L5/S1
2.
Mikrozytäre
Anämie (Hämoglobin bei 8,6 g/dl).
Die Versicherte habe an einem vierwöch
igen, ganzheitlich orientierten
inter
-
diszip
linären
Behandlungsprogramm für Patienten mit chronischen Schmerzen
(ZISP) teilgenommen,
habe
aber
die zu Beginn formulierten Ziele nicht errei
chen können
(
Urk.
10/45 S. 2).
Trotz der intensiven Physiotherapie wie auch der körperaktivierenden Massnahmen habe
sie
über eine ständige Zu
nahme der Beschwerden nach der Therapie berichtet
,
und sie
sei nicht in der Lage gewesen, geeignete
Copingstrategien
zum Umgang mit den chronischen Schmerzen zu entwickeln, so dass bei Austritt eine annähernd unveränderte
Schmerzsympto
matik
angegeben worden sei. Dementsprechend habe auch keine Verbesserung der Belastungstoleranz erreicht werden können
(
Urk.
10/45 S. 2 am Ende)
.
Die
I._
äusserte sich nicht zur Arbeitsfähigkeit der Versicher
ten (
Urk.
10/45 S. 3 am Ende).
3.
7
D._
attestierte der Versichert
en in ihrem Arztbericht vom 28.
Februar 2012 unter Hinweis auf die Kontrollkarte für Arbeitsunfähigkeit der Krankentaggeldversicherung
(
Urk.
10/55 S. 1
-2
)
eine seit dem 2
5.
Mai 2009 be
stehende und weiter andauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
10/56).
3.8
Das
C._
stellte im Gutachten vom 1
9.
Dezember 2012 folgende Diagnosen (
Urk.
10/48 S. 29-30
Ziff.
6):
A.
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
l
umbospondylogenes
Syndrom links mit/bei
-
Status nach mikrochirurgischer Dekompression am
8.
Februar 2010 bei
Recessusstenose
infolge
Spondylarthrose
und verkalkter
Dis
kushernie
L5/S1
-
Osteochondrose
,
Spondylarthrose
L5/S1 beidseits;
B.
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
m
etabolisches Syndrom mit/bei
-
Adipositas Grad II nach WHO (BMI 35,2 kg/m
2
, Bauchumfang von 110 cm)
-
Dyslipidämie
-
Status nach
Messerkonisation
und Curettage des
Zervikalkanals
bei
-
CIN III, high grade SIL, im Gesunden reseziert.
Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei die Versicherte aus rheumatologischer Sicht für körperlich leichte oder auch mittelschwere,
wech
selbelastende
Tätigkeit
en
ohne länger dauerndes vornüber geneigtes Stehen und ohne andauerndes Sitzen aus rheumatologischer Sicht medizinisch-theoretisch zu 100
%
arbeitsfähig einzustufen. Au
s psychiatrischer Sicht bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
10/48 S. 34
Ziff.
7.4)
.
Das aktuell ermittelte Belastbarkeitsprofil gelte seit Mitte August 201
0.
Diese Beurteilung decke sich weitgehend mit jener der Abklärung am AEH, wo die FOMA aufgrund der Selbstlimitierung bereits nach wenigen Tests habe abgebro
chen werden müssen und die Beurteilung deshalb ebenfalls rein auf
grund der
objektivierbaren
strukturellen Befunde
erfolgt sei. Davor habe vom 2
5.
Mai 2009 bis Mitte Mai 2010 eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit im Rahmen des Bandscheibenleidens bzw. der postoperativen Rekonvaleszenz bestanden. Ab Mitte Mai 2010 sei der Versicherten eine 50%ige Arbeitstätigkeit zuzumuten gewesen, da bis dahin eine entsprechende Genesung chirurgisch anzunehmen sei und schon damals keine strukturellen Befunde bestanden hätten, die das Ausmass der Beschwerden e
rklären würden. Nach weiteren 3
Monaten, insge
samt 6 Monate postoperativ
, d.h. spätestens
ab
Mitte August 2010 sei eine volle Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Seither seien keine Befunde erhoben worden, die eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten rechtfertigen würden (
Urk.
10/48 S. 34
Ziff.
7.5).
In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Reinigungskraft und Lingerie
-
mitar
beiterin
sei die Versicherte
somit
seit Mai 2010 zu 50% und seit August
2010 zu 100
%
arbeitsfähig, sofern das
obgenannte
Belastungsprofil eingehal
ten werden könne. Gleiches gelte für eine leidensangepasste Tätigkeit (
Urk.
10/48 S. 34-35
Ziff.
7.6-7).
4.
4.1
Die Begutachtung
des
C._
beruht auf den erforderlichen fachärztlichen Untersu
chungen
internistischer,
rheumatologischer und psychi
at
ri
scher Art, die in einer internen Konsensbesprechung ausgewertet wurden (Urk.
10/48 S. 30
ff.
). Die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation werden eingehend erörtert und die Schlussfolge
rungen sind begründet.
4.2.
Die Beurteilung des
C._
stimmt zudem im Wesentlichen sowohl mit
den Berichten
der Ärzte
und
der Kliniken überein,
bei
denen sich die Versicherte in Behandlung befand
(
Urk.
10/11,
Urk.
10/13,
Urk.
10/30,
Urk.
10/32,
Urk.
10/38,
Urk.
10/45)
, als auch mit demjenigen des
A._
(
Urk.
10/26)
.
So sprach die
E._
nach der Operation vom Februar 2010
von einer rückläufigen
ra
dikuläre
n
Symptomatik (Urk.
10/13 S. 6)
,
und die
F._
gab
im April 2010
an
, die Versicherte in gutem Allgemeinzustand und mit ver
besserten Belastbarkeit und Mobilität entlassen zu haben (Urk. 10/11 S. 2). Das
A._
sodann wies bereits im Juni 2010 auf das auffällige Schmerzverhalten der Beschwerdeführerin hin, das Motivationsprobleme im Sinne einer Aggravation vermuten liess, und attestierte
aus
rheumatologischer Sicht ärztlich-medizinisch für eine körperlich leichte bis knapp mittelsc
hwere Tätigkeit mit nur selten
vor
geneigter Rumpfposition eine volle Arbeitsfähigkeit
(Urk. 10/26 S. 2)
.
Was die
psychische Situation angeht, ist entsprechend der Beurteilung des
C._
davon auszugehen, dass die von
G._
diagnostizierte
akute Reaktion (ICD-10: F43.0), welche als Folge persistierender Schmerzen nach der
Rücken
operation
aufgetreten sei
(
Urk.
10/32)
, nicht mehr gegeben
ist
, da es in ihrer Natur lieg
t
, dass es sich nur um eine vorübergehende Störung
handelt
(Urk.
10/48 S. 29
Ziff.
5.2 am Ende).
Auch im Übrigen ist auf die psychiatrische Begutachtung durch das
C._
abzustellen mit dem Ergebnis, dass keine massge
bliche psychische Beeinträchtigung besteht, die die Leistungsfähigkeit der Be
schwerdeführerin und die Zumutbarkeit, trotz der subjektiven Schmerzen einer Arbeitstätigkeit nachzugehen, tangiert.
4.3
Es ist zudem zu berücksichtigen, dass der
Versicherten
von keine
m
der behandeln
den Ärzte
– mit Ausnahme von
D._
(Urk.
10/56
) –
eine lang
fristige Arbeitsunfähigkeit
attestiert w
urde
(Urk.
10/11 S. 2; Urk.
10/13 S.
2 ad 1.6;
Urk. 10/26 S. 3
Ziff.
5.1; Urk.
10/30
S.
1-5 und 10/32; Urk. 10/38 S. 7; Urk.
10
/45 S. 3 am Ende; Urk. 10/48 S.
34-35
Ziff.
7.6-7).
Die
Beurteilung von
D._
(
Urk.
10/56)
sodann erfolgte
lediglich mit Bezug auf
die Kopien der Kontrollkarte der Krankentaggeldversicherung (Urk.
10/55 S. 1-2). A
us der Ausrichtung von
Krankenta
ggeldern
kann
jedoch kein
Anspruch auf eine Inva
lidenrente abgeleitet werden. Denn im Unterschied zur Invalidenversicherung wird bei der Ermittlung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen der zeitlich befristeten Leistungen der Taggeldversicherung nicht berücksichtigt, ob es sich bei den vorhandenen Beeinträchtigungen um solche handelt, die langfristig auch
inva
lidenversicherungsrechtlich
relevant sind (analog dazu das Urteil des Bundesge
richts I 601/03 vom 2
7.
Februar 2004).
Die Auffassung der behandelnden Ärztin
D._
vermag die sonstigen Beurtei
l
ungen somit nicht zu entkräften
.
4.
4
Das Gutachten de
s
C._
erweist si
ch somit als überzeugend
. Es genügt den für ein derartiges Beweismittel geltenden Anforde
rungen, weshalb darauf abgestellt werden kann.
Folglich ist die IV-Stelle zu Recht
davon ausgegangen, dass d
ie
Versicherte
vom 2
5.
Mai 2009 bis Mitte Mai 2010 zu 100
%
arbeitsunfähig,
von Mitte Mai bis Mitte August 2010 zu 50
%
arbeitsfähig gewesen
ist
,
und ab Mitte August 2010
sowohl in den
angestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit wie
der eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden hat.
4.
5
D
ie Versicherte
hat sich
erst am
1
5.
April
2010 bei der Invalidenversicherung angemeldet
.
Ein
Rentenanspruch
kann gemäss Art. 29
Abs.
1 IVG
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
– und somit erst ab
Oktober
2010 –
entste
hen
. Da bereits ab Mitte August 2010 keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestand
,
erweist sich d
ie angefochtene renten
abweisende Verfügung (Urk. 2) als richtig
, weshalb
die Beschwerde abzuweisen
ist
.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1'000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ent
sprechend
dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r unterliegenden Beschwer
deführer
in
aufzuerlegen.