Decision ID: ea7adccd-41c2-48b2-8e2e-d6f428f6bc45
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die Eheleute X und Y wohnen in A. Der Ehemann ist als Bücherexperte in B
unselbständig erwerbstätig, die Ehefrau ist sowohl unselbständig als auch selbständig
mit einem eigenen Verlag tätig. In der Steuererklärung 2014 deklarierten die Eheleute X
und Y Fahrkosten des Ehemannes für die Strecke von A nach B von Fr. 5'800.– sowie
Krankheits- und Unfallkosten von Fr. 3'665.– und behinderungsbedingte Kosten der
Ehefrau von Fr. 7'909.– , wovon ein erheblicher Teil der letzteren auf Kosten für eine
Haushaltshilfe entfielen. Die Steuerbehörde veranlagte die Eheleute X und Y mit
Verfügungen vom 4. Mai 2016 für die Kantons- und Gemeindesteuern 2014 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 90'000.– und einem steuerbaren Vermögen von
Fr. 179'000.– und für die direkte Bundessteuer 2014 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 88'800.–. Dabei reduzierte sie mit dem Vermerk "analog Vorjahr"
die Fahrkosten des Ehemannes auf Fr. 5'350.– und anerkannte die
behinderungsbedingten Kosten der Ehefrau von Fr. 7'909.– nicht mit der Begründung,
der Aufwand für die Haushaltshilfe könne nicht als behinderungsbedingte Kosten in
Abzug gebracht werden; es handle sich um Kosten der privaten Lebenshaltung. Gegen
diese Veranlagungen erhoben die Steuerpflichtigen am 24. Mai 2016 Einsprache und
machten geltend, das Generalabonnement 1. Klasse koste gemäss Kaufquittung der
SBB Fr. 5'800.– und nicht Fr. 5'350.–. Ausserdem habe ihr Hausarzt zuhanden des
Steueramtes schon zweimal einen entsprechenden Fragebogen für Ärzte bei
Behinderungsfällen ausgefüllt und die andauernde Behinderung mit vielfältigen
Einschränkungen im Alltag und damit verbunden insbesondere auch der Notwendigkeit
der Inanspruchnahme einer Haushaltshilfe bestätigt. In der Folge unterbreitete das
Steueramt A den Pflichtigen einen Veranlagungsvorschlag, der auf einem Abzug der
Kosten für das öffentliche Verkehrsmittel des Ehemannes von Fr. 5'800.– sowie auf der
Anerkennung der Hälfte der Kosten der Haushalthilfe als behinderungsbedingte Kosten
beruhte. Die Steuerpflichtigen beharrten in ihrer Stellungnahme vom 28. September
2016 auf dem vollumfänglichen Abzug der geltend gemachten behinderungsbedingten
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Kosten von Fr. 7'909.–. In der Folge hiess das kantonale Steueramt die Einsprachen
mit Entscheiden vom 9. Dezember 2016 teilweise gut und veranlagte die Pflichtigen für
die Kantons- und Gemeindesteuern 2014 mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 84'700.– und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 179'000.– und für die direkte
Bundessteuer 2014 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 85'400.–. Es erhöhte die
abzugsfähigen Krankheits- und Unfallkosten auf Fr. 5'607.– und reduzierte die Kosten
für die Haushalthilfe um die Hälfte auf Fr. 2‘918.–. Zur Begründung wurde angeführt,
die Kosten für ein Jahresabonnement A-B betrügen Fr. 4'725.– (ZVV-Ostwindpass
10 Zonen, 1. Klasse). Nur diese Kosten wären abziehbar. Vorliegend werde auf eine
Schlechterstellung im Einspracheverfahren verzichtet und wie veranlagt der Abzug von
Fr. 5'350.– zugelassen. Im Weiteren hielt das Kantonale Steueramt fest, gemäss
Bestätigung des Arztes könne die Ehefrau aufgrund ihrer körperlichen Defizite die
allgemeinen Haushaltsarbeiten nicht selbst bewältigen und sei somit auf Hilfe
angewiesen. Der Ehemann gehe einer hundertprozentigen unselbständigen
Erwerbstätigkeit nach. Im Rahmen der ehelichen Gemeinschaft erfolge die Besorgung
des gemeinsamen Haushaltes nicht ausschliesslich durch eine Person. Deshalb lasse
es sich rechtfertigen, dass die Kosten für die Haushaltshilfe je hälftig auf die Eheleute
aufgeteilt würden. Ein Abzug der Kosten für die Haushaltshilfe stehe vorliegend nur der
Ehefrau zu.
B.- Gegen die Einspracheentscheide vom 9. Dezember 2016 erhoben die
Steuerpflichtigen Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit
dem Antrag, die Abzüge für öffentliche Verkehrsmittel und die behinderungsbedingten
Kosten von Fr. 7'909.– seien ungekürzt gemäss der Steuererklärung 2014 zu
veranlagen. Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 27. Februar 2017
unter Hinweis auf die Ausführungen im Einspracheentscheid die Abweisung des
Rekurses und der Beschwerde. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat
stillschweigend auf eine Vernehmlassung zur Beschwerde verzichtet.

Auf weitere Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuern 2014 sowie der direkten Bundessteuer 2014. Betrifft
das Verfahren sowohl die Kantons- und Gemeindesteuer als auch die direkte
Bundessteuer, wie dies vorliegend der Fall ist, sind zwei Entscheide zu fällen. Diese
können zwar beide im gleichen Dokument enthalten sein; dieses muss jedoch eine
getrennte Begründung und ein getrenntes Dispositiv aufweisen, oder zumindest ein
Dispositiv, das die beiden Steuern auseinanderhält (BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114
E. 8.3). Nach einem neueren Urteil könne im Dispositiv sogar auf eine Unterscheidung
zwischen beiden Steuern verzichtet werden, wenn die entschiedene Rechtsfrage im
Bundesrecht und im harmonisierten kantonalen Recht gleich geregelt sei und für beide
Kategorien von Steuern gleich begründet werden könne. Aus der Begründung müsse
dann aber klar hervorgehen, dass der Entscheid sowohl für die direkte Bundessteuer
als auch für die Kantons- und Gemeindesteuern gelte (BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr.
37 E. 1.3.1). Gleichwohl entscheidet das Bundesgericht auch bei Fragen, die sowohl
auf Bundes- als auch auf kantonaler Ebene übereinstimmend geregelt sind, mit
separaten Dispositiven (vgl. z.B. Urteile des Bundesgerichts [BGer] 2C_560/2014 und
2C_561/2014 vom 30. September 2015, 2C_164/2013 und 2C_165/2013 vom 28. März
2014). Im Einklang damit werden der Rekurs und die Beschwerde vorliegend in einem
einzigen Dokument behandelt, wobei im gemeinsamen Dispositiv beide Steuern
auseinandergehalten werden.
2.- Die Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis
zur Rekurs- und Beschwerdeerhebung ist gegeben. Der Rekurs und die Beschwerde
vom 4. Januar 2017 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG, bzw. Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs und die Beschwerde ist einzutreten, soweit sich diese gegen die
angefochtenen Einspracheentscheide richten. Nicht Gegenstand des Verfahrens
können frühere rechtskräftige Veranlagungen oder das Verhalten einzelner Personen
sein; das Gericht ist nicht Aufsichtsbehörde über das Kantonale Steueramt.
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3.- a) Nach Art. 39 Abs. 1 lit. a StG bzw. Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG in den im Jahr 2014
massgebenden Fassungen werden als Berufskosten die notwendigen Kosten für
Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte abgezogen. Für gewisse Berufskosten,
namentlich Fahrkosten, werden Pauschalansätze festgelegt; dem Pflichtigen steht der
Nachweis höherer Kosten offen (Art. 39 Abs. 2 StG und Art. 26 Abs. 2 DBG). Nach
Art. 18 Abs. 1 der kantonalen Steuerverordnung (sGS 811.11, abgekürzt: StV) werden
als notwendige Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte bei Benützung
der öffentlichen Verkehrsmittel die tatsächlich angefallenen Auslagen abgezogen (vgl.
auch Art. 5 Abs. 1 der Berufskostenverordnung des Bundes in der für 2014
massgebenden Fassung). Die Vorinstanz hat für die Fahrstrecke von A nach B die
Kosten für einen ZVV-Ostwind-Pass 1. Klasse im Betrag von Fr. 4'725.– zum Abzug
zugelassen. Wenn die Kosten eines Streckenabonnements tiefer sind als jene für ein
Generalabonnement, können nur die Kosten des Streckenabonnements als notwendig
im Sinn von Art. 39 Abs. 1 lit. a StG bzw. Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG qualifiziert und von
den Einkünften abgerechnet werden. Das Generalabonnement ist auch privat nutzbar,
was eine Reduktion des Abzugs auf die notwendigen Kosten für ein
Streckenabonnement rechtfertigt. Die angefochtene Veranlagung ist daher in diesem
Punkt rechtmässig. Daran ändert nichts, dass die Vorinstanz im Einspracheverfahren
im Rahmen des Versuchs einer gütlichen Einigung den Abzug der Kosten für ein
Generalabonnement in Aussicht stellte.
b) Nach Art. 46 lit. a StG und Art. 33 Abs. 1 lit. h DBG sind von den
Nettoeinkünften die behinderungsbedingten Kosten des Steuerpflichtigen abziehbar,
soweit dieser die Kosten selber trägt. Nicht abziehbar sind die Kosten für den
Lebensunterhalt (Art. 47 Abs. 1 lit. a StG und Art. 34 lit. a DBG).
Die Vorinstanz anerkennt im Einspracheentscheid grundsätzlich, dass die Ehefrau zur
Besorgung des Haushalts auf eine Haushalthilfe angewiesen ist. Mit der Begründung,
der Haushalt sei von beiden Ehegatten gemeinsam zu besorgen, liess sie jedoch nur
die Hälfte der Kosten für die Haushalthilfe zu. Damit bringt die Vorinstanz zum
Ausdruck, der Ehemann habe sich hälftig an der Hausarbeit zu beteiligen. Allerdings
hat der Fiskus den Eheleuten die interne Rollenverteilung im Haushalt nicht
vorzuschreiben. Wenn der Ehemann ein 100%-Pensum versieht und die Ehefrau ein
reduziertes Arbeitspensum, so ist es naheliegend, dass ihr Anteil an den Hausarbeiten
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grösser ist und sie diese wie im vorliegenden Fall weitgehend übernimmt. Die Kosten
für die Haushalthilfe im Betrag von knapp Fr. 5'400.– entspricht einem Aufwand von
rund Fr. 100.– pro Woche, was nicht übermässig erscheint. Hinzu kommt, dass die
Zuordnung von Krankheitskosten einerseits und behinderungsbedingten Kosten
andererseits gemäss der Selbstdeklaration vorzunehmen ist und für die
Umqualifizierung einzelner Aufwendungen im Einspracheentscheid keine zwingenden
Gründe ersichtlich sind. Die deklarierten Aufwendungen sind daher in diesem Punkt
vollumfänglich zum Abzug zuzulassen.
c) Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass der Rekurs
und die Beschwerde teilweise gutzuheissen sind. Die angefochtenen
Einspracheentscheide vom 9. Dezember 2016 sind aufzuheben. Es können nicht die
Kosten eines Generalabonnements gewährt werden, sondern es sind die Kosten für ein
Jahresstreckenabonnement von Fr. 4'725.– abzurechnen. Als Krankheits- und
Unfallkosten sind Fr. 3'665.– und als behinderungsbedingte Kosten Fr. 7'909.– zu
berücksichtigen. Die Rekurrenten und Beschwerdeführer sind für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2014 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 82'700.– und einem
steuerbaren Vermögen von Fr. 179'000.– und für die direkte Bundessteuer 2014 mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 84'600.– zu veranlagen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend werden die amtlichen Kosten zu zwei
Dritteln dem Staat und zu einem Drittel den Rekurrenten und Beschwerdeführern
auferlegt (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von je
Fr. 600.– ist angemessen (Art. 7 Ziff. 122 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die
geleisteten Kostenvorschüsse von je Fr. 600.– sind zu verrechnen und der Rest von
Fr. 800.– den Rekurrenten und Beschwerdeführern zurückzuerstatten.