Decision ID: eeac7d94-9442-477e-9b2e-77393515b78c
Year: 2018
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Der Präsident entnimmt den Akten:
1. Anfang 2017 wurde der A. (nachfolgend Angeklagte) die Steuererklärung 2016 zugestellt. Nachdem diese nicht eingegangen war, wurde die Angeklagte am 17. November 2017 erstmals gemahnt. Am 11. Januar 2018 erfolgte eine zweite, eingeschriebene Mahnung unter  einer Frist bis zum 10. Februar 2018 zur Einreichung der  2016 inklusive aller Beilagen. Des Weiteren wurde die  auf die Folgen im Unterlassungsfall (insbesondere Busse bis CHF 10'000.00) hingewiesen.
2. Da dem zuständigen Steueramt innert der Mahnfrist keine Steuererklärung zuging, wurde beim Steueramt des Kantons Aargau (KStA), Sektion Bezug, ein Bussenantrag gestellt.
3. Mit Strafbefehl des KStA, Sektion, Bezug, vom 14. März 2018 wurde der Angeklagten eine Busse von CHF 1'000.00 (zuzüglich Staatsgebühr/ Auslagen von CHF 65.00) auferlegt.
4. Gegen diesen Strafbefehl erhob die Angeklagte mit Schreiben vom 11. April 2018 Einsprache.
5. In seiner Stellungnahme vom 19. April 2018 beantragte das KStA, Sektion juristische Personen, die Abweisung der Einsprache.
6. Mit korrigiertem Strafbefehl des KStA, Sektion Bezug, vom 5. Juni 2018 wurde die auferlegte Busse auf CHF 250.00 (zuzüglich /Auslagen von CHF 65.00) reduziert.
7. Gegen den korrigierten Strafbefehl erhob die Angeklagte mit Schreiben vom 14. Juni 2018 erneut Einsprache.
8. In seiner Stellungnahme vom 26. Juni 2018 beantragte das KStA, Sektion juristische Personen, erneut die Abweisung der Einsprache.
- 3 -
9. Am 10. August 2018 erhob das KStA beim Spezialverwaltungsgericht  die Angeklagte folgende Anklage:
"1. Gestützt auf den angefochtenen Strafbefehl sei das Verfahren vor Spezialverwaltungsgericht gemäss § 249 ff. des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 durchzuführen.
2. Die angeklagte Person sei im Sinne des Strafbefehls zu bestrafen."
10. Mit Verfügung vom 17. August 2018 wurde die Angeklagte bzw. deren Organ auf den 24. Oktober 2018 vorgeladen. Gleichzeitig wurde die  zugestellt. Die Angeklagte bzw. deren Organ ist nicht erschienen.
- 4 -

Der Präsident zieht in Erwägung:
I. 1. Massgebend für die Beurteilung der vorliegenden Anklage ist das  vom 15. Dezember 1998 (StG).
2. 2.1. Im Steuerstrafverfahren ist das KStA für Ermittlung, Untersuchung und Strafbefehl (§ 242 StG) zuständig. Nach Abschluss der Untersuchung wird ein Strafbefehl erlassen oder das Verfahren eingestellt (§ 245 Abs. 1 StG). Die angeschuldigte Person und der Gemeinderat können innert 30 Tagen nach Zustellung des Strafbefehls beim KStA schriftlich Einsprache erheben; diese bewirkt die Aufhebung des Strafbefehls (§ 247 Abs. 1 StG). Ist Einsprache erhoben worden, kann das KStA weitere Untersuchungen durchführen und bei veränderter Sach- oder Rechtslage einen neuen Strafbefehl erlassen (§ 247 Abs. 2 StG). Erachtet das KStA den Erlass  neuen Strafbefehls nicht als geboten, stellt es das Verfahren ein oder erhebt Anklage beim Spezialverwaltungsgericht (§ 247 Abs. 3 StG). Der angefochtene Strafbefehl gilt als Anklageschrift (§ 247 Abs. 4 StG).
2.2. Das KStA hat gegenüber der Angeklagten einen Strafbefehl erlassen. Dieser gilt aufgrund der eingereichten Einsprache als aufgehoben. Gestützt auf die vorstehend zitierten Gesetzesbestimmungen ist das KStA befugt, Anklage zu erheben, und das Spezialverwaltungsgericht ist zuständig für deren Beurteilung. Auf die Anklage ist dementsprechend einzutreten.
3. Erscheint die Angeklagte bzw. deren Organ - wie im vorliegenden  - trotz Vorladung nicht zur Verhandlung und wurde vorgängig nicht ausdrücklich um die Ansetzung eines neuen Gerichtstermins ersucht, geht das Spezialverwaltungsgericht davon aus, dass das Gericht ermächtigt wird, das Urteil in Abwesenheit aufgrund der Akten zu fällen (§ 250 Abs. 2 lit. c StG, Hinweis in der Vorladung).
- 5 -
II. 1. 1.1. Eine Bestrafung nach § 235 Abs. 1 StG setzt drei Tatbestandselemente voraus: Eine Verfahrenspflicht nach Massgabe des Steuergesetzes, eine fruchtlos erfolgte Mahnung sowie die vorsätzliche oder fahrlässige  dieser gesetzlichen Verfahrenspflicht.
Zu den Verfahrenspflichten nach Steuergesetz gehört das Einreichen der Steuererklärung (§ 180 Abs. 2 StG). Die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung trifft denjenigen unmittelbar, der kraft persönlicher oder wirtschaftlicher Zugehörigkeit im Kanton eine Steuerpflicht begründet (§§ 62 f. StG).
1.2. Obwohl die Angeklagte ihren Sitz am 17. Juni 2016 in den Kanton Zürich verlegte (Handelsregister-Internetauszug vom 16. August 2018), blieb sie gemäss § 66 Abs. 2 StG nach Massgabe des  für die gesamte Steuerperiode im Kanton Aargau (anteilsmässig) steuerpflichtig. Somit war sie verpflichtet, dem KStA die Steuererklärung 2016 einzureichen.
1.3. Die Angeklagte wurde mehrfach gemahnt. Trotz rechtsgenüglicher  der zweiten, eingeschriebenen Mahnung vom 11. Januar 2018 reichte sie innert der gesetzten Frist keine Steuererklärung ein.
Die Angeklagte bringt vor, die Steuererklärung 2016 sei zu Unrecht an die Adresse von C. als Organ der Angeklagten gesandt worden. C. sei im Jahr 2016 bei der Angeklagten weder angestellt, noch an dieser beteiligt gewesen. Die Busse und die Kosten müssten die damaligen Eigentümer der Angeklagten bezahlen.
Dazu ist festzuhalten, dass die Gesellschaft als juristische Person  und demnach verpflichtet ist, eine Steuererklärung einzureichen. Für die Gesellschaft handeln deren Organe. Allein deshalb ist , wer im Jahr 2016 Eigentümer der Stammanteile der Angeklagten war.
Gemäss Internet-Handelsregisterauszug vom 16. August 2018 war C. im Jahr 2016 Geschäftsführer der Angeklagten und ab 16. März 2017 Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung mit . Spätestens im Zeitpunkt der letzten Mahnung, mit der die Angeklagte per Adresse von C. aufgefordert worden war, die Steuerklärung 2016 einzureichen, wäre er als Organ verpflichtet gewesen, für die Angeklagte dieser Aufgabe nachzukommen oder diese pflichtgemäss zu delegieren. Folglich vermag die Angeklagte aus dem Einwand, dass die
- 6 -
Steuererklärung 2016 an die Adresse von C. zugestellt worden sei, nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sämtliche Einwände unbehelflich sind und die Nichteinreichung der Steuererklärung 2016 bzw. eines Fristerstreckungsgesuches nicht zu begründen vermögen.
Weitere Gründe, welche der Angeklagten die fristgerechte Einreichung der Steuererklärung 2016 oder zumindest eines Fristerstreckungsgesuches verunmöglicht hätten, sind nicht ersichtlich.
Die Angeklagte hat damit ihre Pflicht zur fristgerechten Einreichung der Steuererklärung 2016 verletzt.
1.4. Zu prüfen bleibt der subjektive Tatbestand. Ob dieser erfüllt ist, beurteilt sich aufgrund strafrechtlicher Grundsätze. In diesem Zusammenhang  gemäss ständiger Rechtsprechung des Spezialverwaltungsgerichts die allgemeinen Bestimmungen des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) Anwendung (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Auflage, Muri-Bern 2015, § 236 StG N 10, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Vorsatz (Art. 12 Abs. 2 StGB) setzt ein Wissen und Wollen des Pflichtigen voraus. Fahrlässig begeht gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB eine Tat, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat.
Werden mit Wirkung für eine juristische Person Verfahrenspflichten , wird die juristische Person gebüsst (§ 241 Abs. 1 StG; zur  dieser Bestimmung vgl. Felix Richner, Die Strafbarkeit der juristischen Person im Steuerhinterziehungsverfahren, ASA 59 S. 456 f. mit Hinweisen). Zwar kann die juristische Person gemäss weit verbreiteter strafrechtlicher Lehre nicht selber schuldfähig sein, da ihr  die Einsicht in das Unrecht der Tat und die Fähigkeit, gemäss dieser Einsicht zu handeln, in einem unmittelbaren Sinn fehlen. Die juristische Person handelt aber von Rechts wegen durch ihre Organe, denen als natürliche Personen die Schuldfähigkeit zukommt und die gleichzeitig einen Teil der juristischen Person bilden. Handelt somit ein Organ schuldhaft, so handelt infolge Zurechnung auch die juristische Person selbst schuldhaft; die Handlungsweise des Organs stellt für die betreffende juristische Person eigenes Handeln dar (Richner, a.a.O., S. 455 mit Hinweisen).
Der Angeklagten (bzw. deren Organe) musste aufgrund der allgemein  Verpflichtung zur jährlichen Abgabe der Steuererklärung, der  Bekanntmachung im Sinne von § 180 Abs. 1 StG, der Zustellung des Formulars zur Einreichung der Steuererklärung, der früher ausgefällten
- 7 -
Busse sowie der Mahnungen bewusst gewesen sein, dass sie die ausgefüllte Steuererklärung bis zur angesetzten Frist hätte einreichen müssen. Dennoch hat sie dies unterlassen, womit sie zumindest fahrlässig handelte. Folglich erweist sich auch der subjektive Tatbestand von § 235 Abs. 1 StG als erfüllt.
1.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Angeklagte gegen § 235 Abs. 1 StG verstossen hat und dementsprechend zu bestrafen ist.
2. Es liegen weder Rechtfertigungsgründe noch  -milderungsgründe vor.
3. Liegt eine Verfahrenspflichtverletzung vor, ist eine Busse auszufällen (§ 235 Abs. 1 StG, letzter Teilsatz). Diese beträgt in leichten Fällen  CHF 1'000.00, in schweren Fällen oder bei Rückfall maximal CHF 10'000.00. Gemäss konstanter Praxis des KStA sowie des  richtet sich die Stufung der Busse in der Regel nach der Höhe des letzten rechtkräftig veranlagten steuerbaren Kapitals und nach der Anzahl früherer Ordnungsbussen. Diesbezüglich hat das KStA einen nicht zu beanstandenden Bussentarif ausgearbeitet. Das KStA  eine Busse in der Höhe des Strafbefehls, also von CHF 250.00 ( Staatsgebühr/Auslagen von CHF 65.00).
Die Anklage geht von einem für die Busse relevanten Kapital der  von CHF 20'000.00 aus. Dies wurde der Angeklagten mit  der Anklageschrift mitgeteilt. Die Angeklagte musste gemäss  innerhalb der letzten fünf Steuerperioden (d.h. bezüglich der Steuerveranlagungen der Jahre 2011 bis 2015) wegen Verletzung von  bereits ein Mal gebüsst werden (2012). Gemäss aktuellem Bussentarif beträgt die Busse bei einem steuerbaren Kapital von CHF 20'000.00 sowie bei der zweiten Widerhandlung CHF 250.00. Nachdem sich die Angeklagte weder zum relevanten Kapital noch zur Bussenhöhe äusserte und die beantragte Busse dem aktuellen Bussentarif entspricht, ist die von der Vorinstanz ausgefällte Busse von CHF 250.00 nicht zu beanstanden. Gründe für eine Reduktion der Busse sind keine ersichtlich.
- 8 -
III. Soweit die §§ 249 ff. StG betreffend das Strafverfahren vor  keine abweichenden Vorschriften enthalten, gelten die Bestimmungen über das Rekursverfahren bei ordentlichen Veranlagungen sinngemäss (§ 251 StG). Gemäss § 189 Abs. 1 StG werden die amtlichen Kosten grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt; bei teilweisem Obsiegen/Unterliegen sind die Kosten anteilsmässig zu verteilen.
Nachdem die vom KStA beantragte Busse von CHF 250.00 bestätigt wird, unterliegt die Angeklagte und die Verfahrenskosten sind ihr vollumfänglich aufzuerlegen. Es ist keine Parteientschädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG).
- 9 -