Decision ID: a718caed-ea55-42dd-bcb8-95e21792ab1b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Mit Beschluss vom 19. Dezember 2017 erliess der Gemeinderat Y._ das
Strassenprojekt "Erschliessung X._" samt Teilstrassenplan. Mit dem Strassenprojekt
soll die vom Baukonsortium B._ geplante Überbauung auf Grundstück Nr. 000_,
Grundbuch Y._, mit zwei Zweifamilienhäusern und drei Einfamilienhäusern
erschlossen werden. Die als Gemeindestrasse dritter Klasse geplante
A.a.
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Erschliessungsstrasse zweigt an der Grenze der Grundstücke Nrn. 001_ und 002_
von der bestehenden X._-strasse (Gemeindestrasse zweiter Klasse) ab. Am Ende der
geplanten, rund 78 m langen Erschliessungsstrasse ist ein Wendeplatz vorgesehen. Die
Kosten für den Strassenbau werden von der privaten Bauherrschaft (Baukonsortium
B._) getragen. Strassenprojekt und Teilstrassenplan lagen vom 7. März bis 5. April
2018 öffentlich auf. Gleichzeitig wurde das Bauprojekt des Baukonsortiums B._
öffentlich aufgelegt.
A._ vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jörg Frei, St. Gallen, erhob als Eigentümerin
des durch das Strassenprojekt betroffenen Grundstücks Nr. 001_ mit Eingabe vom
5. April 2018 Einsprache gegen das Strassenprojekt, den Teilstrassenplan und die
Zulässigkeit der daraus resultierenden Enteignung sowie das Bauprojekt des
Baukonsortiums. Zur Begründung machte sie unter anderem geltend, es stünden
alternative Erschliessungsmöglichkeiten zur Verfügung, welche keine
Eigentumsbeschränkung bei ihr (A._) zur Folge hätten. Sodann sei das
Strassenprojekt weder aus Gründen der Verkehrssicherheit noch des Umweltschutzes
erforderlich. Die Enteignung auf ihrem Grundstück sei nicht zulässig. Durch die Strasse
würde ihr Grundstück in der Mitte durchtrennt. Die Erschliessungsstrasse erweise sich
als unverhältnismässig (act. G 13/8/11). Nach einem Einigungsversuch wies der
Gemeinderat Y._ die Einsprache gegen das Strassenprojekt und den Teilstrassenplan
mit Beschluss vom 14. August 2018 ab. Zur Begründung legte er unter anderem dar,
dass die Erschliessung von Bauland im öffentlichen Interesse erfolge. Das Grundstück
Nr. 000_ in der Wohnzone "2 Vollgeschosse Hanglage" liege innerhalb des
Überbauungsplans X._ vom 5. März 1976. Letzterer zeige die künftige Erschliessung
des Grundstücks Nr. 000_ auf. Der Erschliessungskorridor im Bereich des
Grundstücks von A._ sei am 17. Mai 1984 grunddienstbarkeitsrechtlich gesichert
worden. Die heutigen Anforderungen an einen Einlenker verlangten eine leichte
Abweichung gegenüber dem Verlauf des Fuss- und Fahrwegrechts. Einschliesslich der
Beanspruchung für die Sichtzonen betrage der Landbedarf ab dem Grundstück von
A._ rund 44 m und zerteile dieses nicht in zwei Hälften. Eine zweckmässige
Erschliessung sei ohne Beanspruchung des Grundstücks der Einsprecherin nicht
möglich. Wenn die neue Erschliessungsstrasse sieben Wohneinheiten erschliesse,
diene sie der übrigen Erschliessung und sei als Gemeindestrasse dritter Klasse
einzuteilen (act. G 13/1/1).
A.b.
2
Gegen diesen Beschluss erhob Rechtsanwalt Frei für A._ am 3. September 2018
A.c.
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B.
Rekurs (act. G 13/1). In der Rekursergänzung vom 31. Oktober 2018 wies der
Rechtsvertreter unter anderem darauf hin, dass durch den zwischenzeitlich bewilligten
und realisierten Bau einer Garage auf dem Grundstück von A._ die Linienführung nicht
mehr realisierbar und damit kein Strassenbau auf ihrem Grundstück möglich sei. Durch
den Verzicht auf eine Einsprache gegen das Baugesuch hätten die Berechtigten auf die
Dienstbarkeit verzichtet und diese sei untergegangen (act. G 13/6). In der
Rekursvernehmlassung vom 3. Dezember 2018 hielt der Gemeinderat Y._ unter
anderem fest, dass das Fuss- und Fahrwegrecht nicht untergegangen sei. Es
beanspruche eine Fläche von 33 m einschliesslich einer nicht nutzbaren Restfläche
von 11 m . Das angefochtene Projekt belaste das Grundstück von A._ (mit einem
Landbedarf von ca. 24 m ) somit weniger als die Linienführung gemäss Fuss- und
Fahrwegrecht; das nicht bewilligte Dach werde nicht berührt (act. G 13/8). Nach
Erstattung eines Amtsberichts vom 15. März 2019 durch das Tiefbauamt/Kantonales
Strasseninspektorat (act. G 13/13) und Durchführung eines Augenscheins am 3. Juli
2019 (act. G 13/17) wies das Baudepartement den Rekurs mit Entscheid vom 4. März
2020 ab, soweit es darauf eintrat (act. G 2).
2
2
2
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Frei für A._ mit Eingabe vom 19. März
2020 Beschwerde mit den Rechtsbegehren, der Entscheid sei aufzuheben und das
Baugesuch für das Strassenbauprojekt und den Teilstrassenplan "Neubau
Erschliessung X._" sei abzuweisen (Ziffer 1). Eventualiter sei der Entscheid
aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen
(Ziffer 2). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer (Ziffer 3).
In der Beschwerdeergänzung vom 13. Mai 2020 bestätigte und begründete der
Rechtsvertreter die gestellten Anträge (act. G 7).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 26. Juni 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung verwies sie auf
den angefochtenen Entscheid und äusserte sich ergänzend zu den Vorbringen in der
Beschwerde (act. G 12). Die Beschwerdebeteiligte beantragte in ihrer Vernehmlassung
vom 14. August 2020 Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden
könne. Zur Begründung verwies sie auf den Einspracheentscheid vom 14. August 2018
und ihre Stellungnahmen vom 22. November 2018 und 24. September 2019 im
Rekursverfahren. Zusätzlich äusserte sie sich zu den Vorbringen in der Beschwerde
(act. G 15). Das Baukonsortium B._/C._ GmbH (Beschwerdegegnerin 1) äusserte sich
B.b.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 46 des
Strassengesetzes, sGS 732.1, StrG, in Verbindung mit Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Sodann entspricht die
Beschwerdeeingabe vom 19. März 2020 (act. G 1) in Verbindung mit der
Beschwerdeergänzung vom 13. Mai 2020 (act. G 7) zeitlich, formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP setzt die
Rechtsmittelbefugnis voraus, dass eine besondere, beachtenswerte, nahe Beziehung
zum Streitgegenstand besteht. Dabei liegt das schutzwürdige Interesse im
"praktischen Nutzen", den ein erfolgreich geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in
seiner rechtlichen oder tatsächlichen Situation einträgt, bzw. in der Abwendung
materieller, ideeller oder sonstiger Nachteile, die ein Bestand des angefochtenen
Entscheids mit sich bringen würde (BGE 137 II 30 E. 2.2.3). Die Rechtsmittelbefugnis
ist vorliegend zu bejahen, nachdem die Beschwerdeführerin als Eigentümerin des
durch das Strassenprojekt direkt betroffenen Grundstücks Nr. 001_ mit der
Prozessführung eigene Interessen im erwähnten Sinn verfolgt. Auf die Beschwerde ist
damit einzutreten.
in der Stellungnahme vom 20. August 2020 mit dem Antrag auf Abweisung der
Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 16). Die
Beschwerdegegner 2 und 3 (D._, E._) verzichteten stillschweigend auf eine
Stellungnahme (act. G 17).
Mit Stellungnahme vom 5. Oktober 2020 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seine Rechtsbegehren (act. G 20). Hierzu äusserten sich die
Beschwerdegegnerin 1 mit Eingabe vom 23. Oktober 2020 (act. G 24) und die
Beschwerdebeteiligte mit Eingabe vom 2. November 2020 (act. G 25). Von der ihnen
eingeräumten Möglichkeit zur Stellungnahme hierzu machten die Verfahrensparteien
keinen Gebrauch (act. G 26).
B.c.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
bis
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2.
Streitig ist vorliegend die Art der Ausführung des Strassenprojekts "Erschliessung X._"
und die Zulässigkeit der daraus resultierenden Enteignung (Landbedarf von ca. 24 m
und Sichtzonen von 20 m ab dem Grundstück der Beschwerdeführerin). Die
Klassierung der geplanten Erschliessungsstrasse als Gemeindestrasse dritter Klasse
blieb demgegenüber unbestritten. Die von den Verfahrensbeteiligten zum Teil
thematisierte (privatrechtliche) Frage des Bestandes und des Inhalts der
Grunddienstbarkeit (Fuss- und Fahrwegrecht) zu Lasten des Grundstücks der
Beschwerdeführerin bildete nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens,
weshalb die Vorinstanz hierauf zu Recht nicht eintrat (act. G 2 S. 6 Ziffer 2.1 am
Schluss). Dementsprechend ist auf diesbezügliche Vorbringen der Beschwerdeführerin
(act. G 20 S. 3) auch in diesem Verfahren nicht einzutreten.
2.1.
2
2
Der Bau der Strasse muss sich mit Blick zumindest auf eine der in Art. 32 StrG
genannten Voraussetzungen als notwendig erweisen. Ein Strassenbauprojekt ist jedoch
nicht erst dann notwendig, wenn eine Alternativlösung (sowie allenfalls eine
Nullvariante) zum vornherein ausscheidet, sondern bereits dann, wenn der Bau als
verkehrsplanerisch und im Lichte der Grundsätze von Art. 33 StrG als sinnvoll und
sachlich begründet erscheint (vgl. VerwGE B 2010/61 vom 9. November 2010 E. 2.1).
Nach Art. 33 StrG sind beim Strassenbau folgende Aspekte zu beachten: Schutz des
Menschen und seiner Umwelt (lit. a); Verkehrssicherheit (lit. b); Schutz der schwächeren
Verkehrsteilnehmer, insbesondere von Fussgängern, Radfahrern und Behinderten
(lit. c); Ortsbild- und Heimatschutz (lit. d); Natur- und Landschaftsschutz (lit. e); die
anerkannten Grundsätze eines umwelt- und siedlungsgerechten Strassenbaus (lit. f);
sparsamer Verbrauch des Bodens (lit. g). Diese Grundsätze sind bei der Planung,
Projektierung und Ausführung einer Strasse zwingend zu beachten (P. Schönenberger,
in: G. Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum st. gallischen Strassengesetz vom
12. Juni 1988, Rz. 1 zu Art. 33). Bei der Beurteilung des hinreichenden öffentlichen
Interesses am Bau von Gemeindestrassen besitzt die politische Gemeinde
grundsätzlich Autonomie (Art. 38 Abs. 1 StrG). Allerdings wird die Autonomie durch die
in Art. 32 StrG geregelten Voraussetzungen für den Strassenbau begrenzt, an welche
die politische Gemeinde gebunden ist (vgl. Art. 89 der Kantonsverfassung, sGS 111.1).
Eine Strasse darf nur gebaut werden, wenn eine der namentlich in Art. 32 StrG
genannten Voraussetzungen dies erfordert (VerwGE B 2010/61 a.a.O. E. 2.1; sowie
B 2009/197 vom 15. April 2010 E. 2.1).
2.2.
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Enteignungen von privatem Eigentum sind nur zulässig, wenn sie auf einer gesetzlichen
Grundlage beruhen, im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sind (vgl.
BGE 115 Ia 29 mit Hinweisen). Art. 48 Abs. 2 StrG verweist auf das Enteignungsgesetz
(sGS 735.1, EntG), sofern das StrG nichts anderes bestimmt. Nach Art. 5 lit. a EntG ist
die Enteignung zulässig für den Bau eines öffentlichen oder überwiegend im
öffentlichen Interesse liegenden Werks. Des Weiteren wird vorausgesetzt, dass der
Zweck des Werks auf andere Weise nicht befriedigend oder nur mit
unverhältnismässigem Mehraufwand verwirklicht werden kann. Insbesondere darf die
Enteignung nicht zu einem Nachteil führen, der in einem Missverhältnis zum verfolgten
Zweck steht (Art. 6 EntG; Grundsatz der Verhältnismässigkeit). Die Prüfung der
Verhältnismässigkeit von Eingriffen in das Eigentumsrecht setzt eine umfassende
Abwägung aller öffentlichen und privaten Interessen voraus. Verfassungsrechtliche
Gesichtspunkte sowie Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention
(SR 0.101) gebieten, dass das Verwaltungsgericht bei der Überprüfung der
Verhältnismässigkeit einer formellen Enteignung umfassende Kognition ausübt und
sich nicht nur auf die Rechtskontrolle beschränkt (VerwGE B 2012/182 vom 11. Juni
2014, E. 4 mit Hinweisen).
Im Amtsbericht vom 15. März 2019 legte das Strasseninspektorat dar, der
Überbauungsplan X._ vom 5. März 1976 mit besonderen Vorschriften (besV) enthalte
keine Angaben zu einer angedachten Erschliessung des Gebietes der heutigen Parzelle
Nr. 000_. Die im Richtplan Nr. 003_ vom März 1974 (Art. 5 besV) vorgesehene
Erschliessung im Bereich der Parzelle Nr. 000_ sei aus dem beigelegten Plan
ersichtlich. Das im Grundbuch zu Lasten der Parzelle Nr. 001_ eingetragene Fuss-
und Fahrwegrecht verlaufe nicht im Erschliessungsperimeter X._, sondern rund
20-35 m südlich davon. Mit der Überbauung auf Parzelle Nr. 001_ sei dieses endgültig
unterbrochen worden (s. Beilage). Die Beilage enthalte auch die Situation der
vorgesehenen Erschliessung gemäss Projekt vom 28. September 2017 (rev.
14. November 2017). Für die Sichtzonen beim Einlenker sei eine Beobachtungsdistanz
von 2.5 m (Minimum) angewendet worden. Die vorgesehene Fahrbahnbreite von 3 m
mit teilweise nur einseitigem Bankett von 50 cm lasse ein Kreuzen von zwei
Personenwagen nicht zu. Neben den Zufahrten zu Parkplätzen/Garagen gebe es keine
Ausweichstellen. Im Bereich des Einlenkers sei das Kreuzen von zwei PW's zu
gewährleisten; der vorgesehene Einlenker sei für dieses Manöver zu eng. Der
vorgesehene Kehrplatz genüge nur für PW's (nicht für Lastwagen). Die vorgesehene
Absturzsicherung gemäss Normalprofil sei ungenügend. Die Verwendung der
2.3.
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bergseitigen Sickerleitung als Längsleitung der Strassenentwässerung sei längerfristig
ungeeignet (Wurzeleinwuchs). Je nach Ausgestaltung der geplanten PW-Abstellfläche
im Auge des Einlenkers X._-strasse könne die Sichtberme tangiert werden. Zudem sei
die Zu- und Wegfahrt im Einlenkerbereich verkehrssicherheitstechnisch problematisch.
Das Strasseninspektorat kam vor diesem Hintergrund zum Schluss, dass der Einlenker
X._-strasse um 3-5 m bergwärts verschoben und damit das Grundstück Nr. 001_
geschont werden könnte, ohne dabei die Sichtzone auf ein kritisches Mass zu
reduzieren. Der Einlenker sei so weit zu öffnen, dass an dieser Stelle zwei
Personenwagen kreuzen könnten (1). Beim Beginn der Fahrbahnbreite 3 m Richtung
Westen sei (mit Vorteil bergseits) eine Ausweichstelle zu schaffen (2). Am Ende der
Sackgasse sei zusammen mit den Vorplätzen der Garage eine Wendemöglichkeit für
einen 8 m langen Lastwagen zu schaffen. Das notwendige Befahren der privaten
Grundstücke sei rechtlich sicherzustellen (3). Auf den Parkplatz beim Einlenker in die
X._-strasse sei zu verzichten (4). Die Absturzsicherung auf der Stützmauer sei
normgerecht zu erstellen (5; act. G 13/13). In der Stellungnahme zum
Augenscheinprotokoll vermerkte das Strasseninspektorat ergänzend, dass sich die
vorgesehene Erschliessung bezogen auf die geometrischen Anforderungen als
absolutes Minimum erweise. Im Übrigen sei ein Wenden für Lastwagen nur unter
Einbezug privater Vorflächen möglich, was rechtlich zu sichern wäre. Der
Wendehammer entspreche nicht der Norm (act. G 13/18). In der Stellungnahme vom
11. Juni 2019 wies die Beschwerdebeteiligte darauf hin, dass das Fuss- und
Fahrwegrecht vom 17. Mai 1984 sehr wohl im Bereich des Erschliessungsperimeters
X._ verlaufe und nach wie vor gültig sei. Die Bauherren hätten den
Erschliessungsperimeter explizit aufgrund dieses Fuss- und Fahrwegrechts gewählt
(act. G 13/15).
Im angefochtenen Entscheid stellte die Vorinstanz unter anderem fest, dass Grundlage
des vom Beschwerdegegner eingereichten Baugesuchs und des Teilstrassenplans der
Überbauungsplan X._ vom 2. April 1974 (genehmigt durch Baudepartement am
5. März 1976) sowie der Richtplan 003_ vom März 1974 bilde. Darin sei vorgesehen,
dass das heutige Grundstück Nr. 000_ über den nachträglich durch die Errichtung
eines Fuss- und Fahrwegrechts gesicherten Korridor zu erschliessen sei. Die
Erschliessung für die beabsichtigte Überbauung liege im öffentlichen Interesse. Die
Beschwerdeführerin bestreite weder die gesetzliche Grundlage für den Erlass des
Teilstrassenplans noch die Zweckmässigkeit der Erschliessung. Entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführerin vermöge die Strasse die technischen
Minimalanforderungen zu erfüllen, auch wenn für den Wendehammer private Vorplätze
2.4.
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beansprucht würden. Sodann würden alternative Erschliessungsmöglichkeiten von der
Beschwerdeführerin weder aufgezeigt noch seien solche ersichtlich. Das
privatrechtliche Fuss- und Fahrwegrecht bestehe seit 1984. Die Linienführung des
Strassenprojekts verlaufe bei der Abzweigung von der X._-strasse auf der
gemeinsamen Grenze der Grundstücke Nr. 000_ und 002_. Aus topographischen
Gründen sei keine hälftige Verlegung gewählt worden. Damit erweise sich der Eingriff in
das Grundstück der Beschwerdeführerin weit weniger schwer, als wenn die
Linienführung gemäss Fuss- und Fahrwegrecht gewählt worden wäre. Die
Linienführung (gemäss Strassenprojekt) erweise sich sogar für den Fall des von der
Beschwerdeführerin behaupteten Erlöschens des Fuss- und Fahrwegrechts als
verhältnismässig. Das öffentliche Interesse an der Erschliessung der geplanten
Überbauung überwiege das private Interesse der Beschwerdeführerin an ihrem
ungeschmälerten Eigentum (act. G 2).
Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Auffassung der Vorinstanz, wonach die
Erschliessungsstrasse gerade noch zur Erschliessung der geplanten Überbauung
geeignet sei, erstaune, würden doch im Amtsbericht mehrere Punkte des geplanten
Strassenprojekts bemängelt. Die Kreuzungsmöglichkeit von PW's sei aus Gründen der
Verkehrssicherheit unerlässlich, konkret jedoch nicht gegeben. Gleichermassen sehe
das Projekt keine Ausweichmöglichkeiten vor. Die Aussage im Amtsbericht, dass auch
der kleinste LKW-Typ keine Chance habe, im Bereich der projektierten Erschliessung
zu wenden, sei auch anlässlich des Augenscheins nicht relativiert worden. Wenn die
Vorinstanz schon ein öffentliches Interesse am Strassenprojekt mit der Erschliessung
mehrerer Wohneinheiten begründe, so seien an diese Erschliessung bezüglich
Zweckmässigkeit mindestens die üblichen Anforderungen zu stellen. Die Vorinstanz
gehe fehl, wenn sie ausführe, die technische Ausgestaltung der Erschliessungsstrasse
erfülle gerade noch das absolute Minimum. Sie stütze sich einzig auf die aus dem
Kontext gerissene Aussage im Bericht vom 17. September 2019, während im
Amtsbericht aufgeführte Mängel unbeachtet blieben. Die Erschliessungsplanung sei
technisch ungenügend und nicht zweckmässig. Die mit dem Strassenbauprojekt
verbundene Enteignung der Beschwerdeführerin sei auch nicht verhältnismässig. Im
Amtsbericht sei eine alternative Erschliessungsmöglichkeit vorgeschlagen worden
(Verschiebung des Einlenkers um 3-5 m bergwärts), welche die Schonung des
Grundstücks der Beschwerdeführerin zur Folge hätte und dementsprechend ein
milderes Mittel darstelle. Ebenfalls denkbar erscheine eine Erschliessung über
Nordwesten über die R._-strasse (mit Tiefgarage; Amtsbericht vom 15. März 2019).
Der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben (act. G 7).
2.5.
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3.
Für die Beurteilung der technischen Anforderungen an eine hinreichende Zufahrt sind
grundsätzlich die Normen der Vereinigung Schweizerischer Strassenfachleute (VSS)
massgebend, wobei ihre Anwendung im Einzelfall dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit entsprechen muss und sie nicht ungeachtet der konkreten
Verhältnisse zugrunde gelegt werden dürfen (VerwGE B 2018/52 vom 27. Februar 2019
E. 5.1 zweiter Absatz mit Hinweis auf VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017, E. 11.1;
VerwGE B 2011/110 vom 20. März 2012, E. 4; GVP 1990 Nr. 99). Nach der VSS-Norm
SN 640 045 "Projektierung, Grundlagen; Strassentyp Erschliessungsstrassen" vom
April 1992, Ziff. 5 Abs. 1, werden die Sicherheitsanforderungen an
Erschliessungsstrassen allgemein durch geringe Verkehrsmengen und niedrige
Geschwindigkeiten angestrebt, weshalb der Ausbaustandard generell niedrig
anzusetzen ist. Der Erschliessungsstrassentyp "Zufahrtsweg" dient der Erschliessung
von bis zu 30 Wohneinheiten. Er ist auf den Grundbegegnungsfall "PW/Fahrrad bei
stark reduzierter Geschwindigkeit" und eine durchschnittliche stündliche
Verkehrsbelastung von maximal 50 Fahrzeugen ausgerichtet. Für Zufahrtswege genügt
ein Fahrstreifen; sie müssen in der Regel keinen Wendeplatz aufweisen und nicht
durchgehend befahrbar sein. Es handelt sich um Fusswege, die zum gelegentlichen
Befahren mit Motorfahrzeugen vorgesehen und entsprechend befestigt sind. Für die
seltenen Begegnungsfälle zwischen Motorfahrzeugen können angrenzende
Bankettflächen und Vorplätze einbezogen werden (VSS-Norm a.a.O., Ziff. 8 Abs. 6).
Gemäss VSS-Norm SN 640 201 "Geometrisches Normalprofil" vom Oktober 1992
beträgt das für einen Personenwagen erforderliche horizontale Lichtraumprofil 2 bis
2.1 m bei Geschwindigkeiten von 0 bis 40 km/h, für einen Lastwagen bzw. ein
landwirtschaftliches Fahrzeug beträgt das horizontale Lichtraumprofil bei den
erwähnten Geschwindigkeiten 2.7 bis 2.8 m und dasjenige eines Fahrradlenkers 0.9 bis
1.1 m. Bei stark reduzierter Geschwindigkeit (bis 30 km/h) ist beim
Grundbegegnungsfall PW/Fahrrad eine Strassenbreite von mindestens 3.4 m (keine
Steigungen) und beim Begegnungsfall PW/PW eine Breite von mindestens 4.4 m
erforderlich (vgl. VerwGE B 2018/52 a.a.O. E. 5.1 zweiter Absatz mit Hinweisen).
3.1.
Mit dem streitigen Strassenprojekt sollen vorerst sieben Wohneinheiten (zwei
Zweifamilienhäuser, drei EFH) erschlossen werden. Der Amtsbericht vom 15. März
2019 vermerkt wie dargelegt mehrere Mängelpunkte des Strassenprojekts,
insbesondere die Unmöglichkeit des Kreuzens von zwei PW bei einer Fahrbahnbreite
3.2.
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von 3 m mit teilweise nur einseitigem Bankett von 50 cm, das Fehlen von (rechtlich
gesicherten) Ausweichstellen neben den Zufahrten zu Garagen und Parkplätzen, die
Unmöglichkeit des Kreuzens von zwei PW im Bereich des Einlenkers, die fehlende
Befahrbarkeit des Kehrplatzes für Lastwagen, eine unzureichende Absturzsicherung
gemäss Normalprofil, die fehlende Eignung der bergseitigen Sickerleitung als
Längsleitung der Strassenentwässerung und eine verkehrssicherheitstechnisch
problematische Zu- und Wegfahrt im Einlenkerbereich. Das Strasseninspektorat
vermerkte gestützt darauf in vier Punkten einen konkreten Anpassungsbedarf (act.
G 13/13). Seine Feststellung in der Stellungnahme zum Augenscheinprotokoll, wonach
sich die vorgesehene Erschliessung "als absolutes Minimum" erweise, bezog sich
explizit lediglich auf die geometrischen Anforderungen an die Strasse (act. G 13/18). Es
bleibt damit bei den festgestellten verkehrssicherheitstechnischen Mängeln der
geplanten Erschliessungsstrasse und der Tatsache, dass ein Wenden für Lastwagen
(öffentliche Dienste) nur unter Einbezug privater Vorflächen möglich ist, was rechtlich
zu sichern wäre, und dass der Wendehammer nicht der Norm entspricht. Die vom
Strasseninspektorat veranschlagten Anpassungen erscheinen umso mehr erforderlich,
als die rund 78 m lange Strasse - bei teilweise fehlendem Bankett - selbst die für den
Grundbegegnungsfall PW/Fahrrad erforderliche Breite gemäss der erwähnten VSS-
Norm (3.4 m ohne Steigung) nicht aufweist (act. G 13/18). Hinzu kommt, dass das
Gelände anerkanntermassen sehr steil ist (act. G 12 S. 2; vgl. Höhenkurvenkarte
Geoportal), was erhöhte Anforderungen an die Strassenbreite vor allem auch für den
Winterbetrieb mit sich bringt. Um für Begegnungsfälle zwischen Motorfahrzeugen die
angrenzenden Bankettflächen benutzen zu können (vgl. vorstehende E. 3.1), müssen
diese zumindest zureichend vorhanden sein, was konkret nicht der Fall ist. Die
rechtliche Sicherung des Einbezugs privater Vorflächen für Begegnungsfälle zwischen
Motorfahrzeugen und für das Wenden von längeren Fahrzeugen (öffentliche Dienste)
wurde bislang nach Lage der Akten nicht abschliessend festgelegt. Eine rechtliche
Sicherung im erwähnten Sinn bildet Bestandteil des Strassenprojekts und kann
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin 1 (act. G 16 S. 1 unten) nicht erst
nach Abschluss der Erschliessung privatrechtlich vereinbart werden. Beim
Strassenplan handelt es sich um einen Sondernutzungsplan, dessen
Rechtsbeständigkeit sich nicht ohne Weiteres nach kurzer Zeit wieder in Frage stellen
lässt, zumal eine diesbezügliche Abänderung geänderte Verhältnisse voraussetzt (vgl.
Art. 12 und 14 StrG; vgl. VerwGE B 2019/210 vom 25. Juni 2020 E. 4.2.2 dritter
Absatz). Der von der Beschwerdegegnerin 1 in ihrer Eingabe vom 23. Oktober 2020
angeführte Umstand, dass sie nach dem Erwerb des Grundstücks Nr. 000_ und des
für den Strassenbau benötigten Teils des Grundstücks Nr. 002_
(Vertragsbeurkundung am 26. Oktober 2020) Eigentümerin des gesamten, für den Bau
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der Strasse, der Ausweichplätze und Wendemöglichkeiten benötigten Landes sei (act.
G 24), lässt die Notwendigkeit der Projektanpassung nicht hinfällig werden, zumal es
dabei um eine Gemeindestrasse geht, für deren Funktionsfähigkeit nicht auf (im
Zeitpunkt der Veräusserung einzelner Teilgrundstücke noch zu treffende; vgl. act. G 24
S. 2) privatrechtliche Abmachungen abgestellt werden darf. Dass eine Festlegung der
rechtlichen Sicherung des Befahrens privater Flächen im Strassenprojekt nötig ist, zeigt
sich auch in der Feststellung der Vorinstanz, dass eine grosszügigere Ausgestaltung
des Wendehammers (und damit eine bessere Befahrbarkeit) schlicht nicht möglich
gewesen sei (act. G 12 S. 2).
Grundsätzlich ändert das Verwaltungsgericht einen sachlich haltbaren und
zweckmässigen Strassenplanungsentscheid der Vorinstanz zwar selbst dann nicht,
wenn es eine andere Lösung als ebenso zweckmässig erachtet (vgl. statt vieler VerwGE
2014/202 vom 19. Juli 2016, E. 3.3 und VerwGE B 2010/7 vom 24. August 2010 E. 3.4).
Vorliegend fanden für die Strassenplanung jedoch wie dargelegt nicht sämtliche
relevanten Umstände Berücksichtigung. Wenn die Vorinstanz festhält, die
angefochtene Erschliessung sei die einzig mögliche Variante, da das Gelände sehr steil
und eine andere Erschliessung erheblichen Mehraufwand verursachen würde (act. G 12
S. 2), ist festzuhalten, dass es vorliegend vorderhand um die Prüfung der vom
Strasseninspektorat vorgeschlagenen Anpassungen des bestehenden Projekts und
eine entsprechend angepasste Realisierung geht und nicht um eine gänzlich andere
Erschliessung. Dabei versteht es sich, dass die vom Strasseninspektorat (wegen der
Unmöglichkeit des Kreuzens von zwei PW im Bereich des Einlenkers) als nötig
erachtete Verschiebung des Einlenkers um 3-5 m bergwärts bei den bestehenden
Geländeverhältnissen nicht kostenneutral ist. Bei der Verschiebung des Einlenkers
handelt es sich vorab darum, den Einlenker soweit zu öffnen, dass zwei PW's
(zumindest) dort kreuzen können (vgl. act. G 13/13 Ziffer 1). Damit erübrigt sich
aufgrund des von der Beschwerdebeteiligten angeführten Umstandes, dass die
Bauherren (Beschwerdegegner) die Erschliessung über das Fuss- und Fahrwegrecht
gewählt hätten (act. G 15), eine Verschiebung des Einlenkers offensichtlich nicht, da die
Verschiebung vorab verkehrssicherheitstechnisch begründet ist. Im Übrigen stünde
eine gänzlich andere (noch aufwändigere) Erschliessungsvariante erst dann zur
Diskussion, wenn sich die Anpassungen nicht realisieren liessen. Der angefochtene
Entscheid lässt sich vor diesem Hintergrund nicht aufrechterhalten. Die Sache ist zur
Projektanpassung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdebeteiligte
zurückzuweisen. Die Frage der Rechtmässigkeit der Enteignung braucht unter diesen
Umständen nicht weiter erörtert zu werden.
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
4.