Decision ID: e2f68c8e-7a8c-590c-8f82-da2dcab54a61
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1982 geborene
X._
hatte vom 25. Mai 2009 bis 10. Dezember 2010 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung und war damit obligatorisch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) versi
chert (Urk. 6/1, Urk. 6/2, Urk. 6/19).
Am 14. Januar 2011
überwies er der
SUVA
den Betrag von
Fr. 25.
-- als Prämie
für eine
Abredeversicherung
(Urk.
6/101)
.
1.2
Mit Schadenmeldung UVG für arbeitslose Personen
(Urk. 6/1)
teilte
X._
der SUVA
am 6. April 2011 mit,
er sei am 16. Januar 2011 beim Skifahren gestürzt und habe sich dabei an der linken Hand verletzt.
Die SUVA anerkannte mit Schreiben vom 8. April 2011 (Urk. 6/3 f.) ihre
Leistungs
pflicht
für das fragliche Ereignis und erbrachte in der Folge Taggeld-
und
Heil
behandlungsleistungen
. Am 30. Mai 2011 teilte sie
X._
mit, sie könne keine Versicherungsleistungen erbringen, da der Versicherungs
schutz am 30. Tag nach dem Tag, an dem er letztmals Anspruch auf
Arbeitslo
sentaggeld
gehabt habe, mithin noch vor dem Unfall vom 16. Januar 2011, geendet habe (Urk. 6/20).
Nachdem
X._
hiegegen
oppo
niert hatte (Urk. 6/21), beschied ihm die SUVA, dass angesichts der für die Zeit vom 15. Januar bis 15. April 2011 abgeschlossenen
Abredeversicherung
tat
sächlich Anspruch auf Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Skiunfall bestehe (vgl. Schreiben vom 6. J
uni
2011, Urk. 6/22).
In der Folge erbrachte sie weiterhin Taggelder und kam für die Heilbehandlungskosten auf. Mit Verfügung vom 24. April 2013 (Urk. 6/105) forderte sie – unter Hinweis darauf, dass im Zeitpunkt des Unfalls keine Versicherungsdeckung mehr bestanden habe – zu Unrecht
ausgerichtete
Taggelder in der Höhe von Fr. 19‘482.65 sowie Kostenvergütungen im Betrag von Fr. 373.75 von
X._
zurück. Bei
seinem
Krankenversicherer hatte sie bereits mit
Schreiben vom 23. April 2013 (Urk. 6/104) eine Rückforderung von Fr. 10‘187.-
- geltend gemacht.
Die von
X._
gegen die Verfügung vom 24. April 2013 (Urk. 6/105) erhobene Einsprache (Urk. 6/109) hiess die SUVA am 23. Juli 2013 in dem Sinne teilweise gut, dass sie
auf eine Rückforderung der bereits erbrachten Taggelder und Heilbehandlungskosten verzichtete,
ex
nunc
et pro
futuro
indes
an der Verweigerung von Leistungen für
den Unfall vom 16. Januar 2011
f
esthielt
(Urk. 2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) erhob
X._
am 6. September 2013 mit dem sinngemässen Antrag, die SUVA sei zu verpflichten, im Zusammenhang mit dem Unfall vom 16. Januar 2011 weiterhin die gesetzli
chen
Leistungen zu erbringen, Beschwerde (Urk. 1). Die SUVA schloss am 1. Oktober 2013 auf Abweisung der Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort Urk. 5) und verzichtete in der Folge stillschweigend darauf, sich zur vom Beschwerdeführer am 5. November 2013 eingereichten Stellungnahme (Urk. 8) zu äussern (vgl. Urk. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Arbeitslose Personen, welche die Anspr
uchsvoraussetzungen
nach
Art.
8
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung (
AVIG
)
erfüllen oder Entschädigungen nach Art.
29 AVIG beziehen, sind grundsätzlich bei der SUVA obligatorisch gegen Unfälle versi
chert (Art. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung von arbeitslosen Per
sonen, UVAL). Die
Versicherung endet mit dem 30.
Tag nach dem Tag, an dem die arbeitslose Person letztmals die Ans
pruchsvoraussetzungen nach Art.
8 AVIG erfüllt
oder Entschädigungen nach Art. 29 AVIG bezogen hat (Art. 3 Abs.
2 UVAL). Soweit die UVAL keine spezielle Regelung enthält, richtet sich die Unfallversicherung der arbeitslosen Personen nach den Vorschriften des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATS
G
), des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
und der
der Ver
ordnung über die Unfallversicherung (
UVV
;
Art.
1 UVAL).
1.
2
Gemäss
Art.
3 Abs.
2 UVG endet die obligatorische Unfallversicherung mit
dem 30.
Tag nach dem Tage, an dem der Anspruch auf mindestens den halben Lohn aufhört.
Der Versicherer hat dem Versicherten die Möglichkeit zu bieten, die Versicherung durch besondere Abrede bis zu 180
Tage zu verlängern (Art.
3 Abs.
3 UVG).
1.
3
Abreden mit dem Versicherer über die Verlängerung der
Nichtberufs
unfall
versi
cherung
müssen einzeln oder kollektiv vor dem Ende dieser Versicherung getroffen werden (Art. 8
UVV
).
2.
2.1
Die SUVA begründete die Leistungseinstellung im Wesentlichen damit, dass der Anspruch auf A
rbeitslosenentschädigung am 10.
Dezember 2010 und die
Ver
si
cherungsdeckung
demnach am 9.
Januar 2011 geendet habe. Da der Beschwer
deführer die Prämie
für die
Abredeversicherung
erst - nach dem Ende der obli
gatorischen Versicherung -
am 14.
Januar 2011 bezahlt habe, sei keine rechts
gültige Verlängerung des Versicherungsschutzes im Rahmen der
Nichtberufs
unfallversicherung
zustande gekommen (
Urk.
2 S. 4 f.,
Urk.
5 S. 2 f.). Ange
sichts der Tatsache, dass auf eine Rückforderung der bereits erbrachten Taggel
der und Heilbehandlungsleistungen verzichtet werde, könne offen bleiben, ob die Voraussetzungen der Revision oder
der
Wiedererwägung
erfüllt seien
, stehe es dem Unfallversicherer doch auch nach – durch Übernahme der Heilkosten und Ausrichtung von Taggeldern
–
einmal
anerkannter Leistungspflicht frei, diese wegen anfänglicher Unrichtigkeit der Leistungszusprechung ex
nunc
e
t pro
futuro
zu verneinen (Urk.
2 S.
6, Urk.
5 S.
2
f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber sinngemäss auf den Stand
punkt, dadurch, dass er nie Einsicht in die Akten der SUVA habe nehmen kön
nen, sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. (
Urk.
1 S. 4). Betreffend die
Abredeversicherung
habe er – wie in den Versicherungsakten dokumentiert sein müsse – bereits im Dezember 2010 schriftlich und später auch telefonisch mit der SUVA in Kontakt gestanden. Dass die erste
der
insge
samt drei geleisteten
(
und von
der SUVA nie zurückerstatteten [
Urk.
1 S.
3]) Monatsprämie
n
verspätet bei der Beschwerdegegnerin eingetroffen sei, sei der Post anzulasten. Der Anspruch auf Taggelder habe – aufgrund eines im Novem
ber 2010 erlittenen Unfalls fünf und im Zusammenhang mit dem Tod eines nahen Verwandten im Juli 2010 weitere drei Tage – tatsächlich acht Tage später als von der SUVA angenommen geendet (
Urk.
1 S. 4,
Urk.
8).
3.
3.1
Was die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs
(Art. 29 Abs. 2 der Bundes
verfassung)
anbelangt (
Urk.
1,
Urk.
8), ist nicht dokumentiert (und wurde von ihm selbst auch gar nicht geltend gemacht), dass der Beschwerdeführer die SUVA je um Akteneinsicht ersucht h
ä
t
te
(vgl.
hiezu
auch Urk. 5 S. 3)
. Insofern gibt es auch keine Anhaltspunkte für eine Verweigerung des
Akteneinsichts
rechts
durch die Beschwerdegegnerin. Anzumerken ist, dass der Beschwe
rde
führer
von der Möglichkeit, die vollständigen Akten dieses Verfahrens nach telefonischer Voranmeldung beim hiesigen Gericht einzusehen,
trotz des ent
sprechenden Hinweises in der
Verfügung vom 11.
November 2013 (Urk.
9) keinen Gebrauch
gemacht hat
.
3.2
Aus dem Umstand, dass die SUVA ihre Leistungspflicht ursprünglich anerkannt hatte, kann der Beschwerdeführer nichts zu sein
en Gunsten ableiten (Urk. 1). Stellt der Unfallversicherer nämlich nachträglich fest, dass die
Anspruchsvo
r
aussetzungen
von Anfang an nicht erfüllt waren, so ist es ihm unbenommen,
die durch Ausrichtung von Heilbehandlung und Taggeld anerkannte
Leistungs
pflicht
mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
ohne Berufung auf den
Rückkom
menstitel
der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision einzustellen
(BGE 130 V 380 E. 2 mit Hinweisen)
.
3.3
3.3
.1
Der Beschwerdeführer
hatte innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug Anspruch auf maximal 400 Taggelder der Arbeitslosenversicherung (Art. 27 Abs. 2
lit
. b AVIG). Diese Höchstzahl war gemäss der zuständigen
Arbeitslosen
kasse
per 10. Dezember 201
1
ausgeschöpft (vgl. Urk. 6/19, Urk. 6/102).
Ob der
Beschwerdeführer, wie er
–
unter Hinweis auf Sachverhalte, die wohl temporär eine Befreiung von de
n
Kontrollvorschriften, nicht aber eine Verlängerung des Taggeldanspruch
s
zur Folge hatten
–
geltend machte
(Urk. 1 S. 4, Urk.
8)
,
an sich noch über diesen Zeitpunkt hinaus Anspruch auf
Arbeitslosenentschädi
gung
gehabt hätte,
braucht nicht abschliessend geprüft zu werden
.
Nachdem er nämlich nach der Auszahlung der letzten
Arbeitslosentaggelder
im Dezember 2010 bis zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde im September 2013 während knapp drei Jahren nicht gegen die Leistungseinstellung durch die Arbeitslosenkasse opponiert hat,
hat deren Entscheid
(Urk. 6/102 S. 2)
– auch für den vorliegenden Prozess
–
jedenfalls Rechtswirksamkeit erhalten (vgl.
hiezu
BGE 134 V 145).
Die Nachdeckung endete demnach am 30. Tag nach dem 10. Dezember 201
0
, mithin am 9
. Januar 2011
.
3.3.2
Der Beschwerdeführer hatte – gemäss eigenen Angaben – bereits im Dezember 201
0
Kenntnis von der Möglichkeit des Abschlusses einer
Abredeversicherung
.
Dass er von den Organen der Arbeitslosenversicherung nicht entsprechend informiert worden wäre, ist daher nicht anzunehmen und wurde auch gar nicht geltend gemacht (Urk. 1,
Urk
8).
Die
Abredeversicherung
kommt
– wie auf dem entsprechenden Informationsblatt der SUVA klar festgehalten
ist
–
nur dann
z
ustande, wenn der
Vertragsa
bschluss
vor dem Ende der obligatorischen
Nicht
berufsunfallversicherung
erfolgte
(
E. 1.4;
vgl.
auch
Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 155
).
Will der (noch obli
gatorisch) Versicherte eine
Abredeversicherung
bei der SUVA
abschliessen, hat er
dieser
noch während der Dauer der Nachdeckung
den letzten Arbeitgeber
beziehungsweise
die Arbeitslosenkasse, den letzten bezahlten Tag sowie die gewünschte Dauer der
Abredeversicherung
anzugeben
und die (erste) Prämie zu bezahlen
.
Da d
ie (erste) Prämienzahlung von Fr. 25.
--
erst
am 14. Januar 2011, mithin
fünf Tage nach dem Ablauf der obligatorischen Versicherungsdeckung
,
überwiesen wurde
(Urk. 6/
101 S. 1),
kam
die
Abredeversicherung
nicht rechts
gültig zustande.
3.3.3
Nach dem Gesagten endete der Versicherungsschutz bei der SUVA mit Ablauf der Nachdeckungsfrist am 9. Januar 201
1.
Die Voraussetzungen für einen
Leis
tungsanspruch
gegenüber der Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit dem am 16. Januar 2011 erlittenen Unfall waren daher nicht erfüllt. Deren
Leis
tungseinstellung
ex
nunc
et pro
futuro
ist folglich nicht zu beanstanden.
Ob der Beschwerdeführer – trotz der bereits bezogenen und
von der SUVA
schliesslich nicht zurückgeforderten Leistungen – Anspruch auf Rückerstattung der drei bezahlten Monatsprämien im Betrag von insgesamt Fr. 75.-- (Urk. 6/101 S. 1 und S. 3) hat (vgl. Urk. 1, Urk. 8), kann vorliegend offen bleiben
. Im
verwal
tungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren sind nämlich grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungs
behörde vorgän
gig verbindlich
in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
Stellung genom
men hat. Da die SUVA in ihrer Verfügung vom 24. April 2013 (Urk. 6/105) und im ange
fochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) nicht über einen allfälligen Anspruch auf Prämienrückerstattung befunden hat, fehlt es diesbezüglich an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
3.
3.4
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.