Decision ID: c49195f1-6b0d-5a8d-b066-5e5fcceed7e4
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im August 2001 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
einer Altersrente der Alters- und Hinterlassenenversicherung an (EL-act. 46). Er gab an,
alleine in einer Mietwohnung zu leben und abgesehen von seiner Altersrente keine
Einnahmen zu erzielen. Der Anmeldung lagen eine Kopie des Mietvertrages (EL-act.
47–2 f.) und ein Schreiben der Ordensgemeinschaft B._ vom 26. März 2001 an das
Steueramt C._ bei (EL-act. 47–4), laut dem der EL-Ansprecher als B._ weder über
ein Einkommen noch über ein Vermögen verfügte, sondern alles dem Orden
abzugeben hatte. Die EL-Durchführungsstelle mass diesem Schreiben offenbar keine
Bedeutung zu. Sie verglich die Pauschalprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung, den Mietzins und eine Pauschale für den allgemeinen
Lebensbedarf mit der Altersrente der AHV, was einen Ausgabenüberschuss von 1’390
Franken pro Monat sowie einen Anspruch auf eine ausserordentliche,
kantonalrechtliche Ergänzungsleistung von 201 Franken pro Monat ergab (EL-act. 44–
3). Mit einer Verfügung vom 20. September 2001 sprach sie dem EL-Ansprecher mit
Wirkung ab dem 1. August 2001 eine Ergänzungsleistung von 1’390 + 201 Franken pro
Monat zu (EL-act. 44–1 f.). Bis ins Jahr 2013 wurde eine Ergänzungsleistung von zuletzt
1’577 + 110 Franken pro Monat (vgl. EL-act. 7) ausgerichtet.
A.b Ab dem 1. Januar 2012 hätte die Prämienpauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung gemäss dem auf diesen Zeitpunkt hin neu in Kraft
getretenen Art. 21a ELG direkt der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
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ausbezahlt werden müssen. Am 27. Juni 2013 teilte der EL-Bezüger – wohl auf eine
entsprechende, nicht in den Akten enthaltene Anfrage der EL-Durchführungsstelle hin –
mit (EL-act. 6), dass er bei einer deutschen Krankenversicherung versichert sei. Seine
Wohnsitzgemeinde habe dieses Versicherungsverhältnis als
Krankenpflegeversicherung im Sinne des KVG anerkannt. Er wisse nicht, wie die
Direktauszahlung der Prämienpauschale in diesem speziellen Fall gehandhabt werden
solle. Mit einer Verfügung vom 28. November 2013 stellte die EL-Durchführungsstelle
die laufende Ergänzungsleistung mit Wirkung per Ende November 2013 ein (EL-act. 5).
Zur Begründung führte sie an, sie habe festgestellt, dass der EL-Bezüger ein Missionar
der Gemeinschaft „Verein D._“ sei. Gemäss der Wegleitung über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (WEL) hätten die Mitglieder einer religiösen
Gemeinschaft üblicherweise keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Eine
Ausnahme von diesem Grundsatz liege nur vor, wenn eine Hilflosenentschädigung der
AHV bezogen werde. Da der EL-Ansprecher keine Hilflosenentschädigung beziehe,
habe er keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Diese müsse folglich per sofort
eingestellt werden. Ob eine rückwirkende „Einstellung“ (gemeint wohl: Aufhebung)
erfolgen müsse und ob bereits ausbezahlte Ergänzungsleistungen zurückgefordert
werden müssten, werde noch geprüft. Der EL-Bezüger könne im Dezember 2013 mit
einer entsprechenden „Rückmeldung“ rechnen. Die Sachbearbeiterin der EL-
Durchführungsstelle notierte am 17. Dezember 2013 (EL-act. 4), der EL-Anspruch sei
bereits dreimal überprüft worden. Bei diesen periodischen Überprüfungen hätte
festgestellt werden müssen, dass die Ergänzungsleistung zu Unrecht ausgerichtet
worden sei. Die einjährige Verwirkungsfrist sei folglich schon längst abgelaufen,
weshalb nur die ab Dezember 2012 ausbezahlten Ergänzungsleistungen
zurückgefordert werden könnten. Mit einer Verfügung vom 19. Dezember 2013 hob die
EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung rückwirkend per Ende November 2012
auf (EL-act. 3). Sie verwies auf ihre Verfügung vom 28. November 2013 und führte
ergänzend aus, dass die in den letzten gut zwölf Jahren ausbezahlten
Ergänzungsleistungen von total mehr als 240’000 Franken nicht hätten ausgerichtet
werden dürfen. Da die Verwirkungsfrist jedoch bereits abgelaufen sei, fordere sie nur
noch die während des letzten Jahres ausgerichteten Ergänzungsleistungen von total
20’237 Franken zurück.
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A.c Gegen diese Verfügung liess der nun anwaltlich vertretene EL-Bezüger am 14.
Januar 2014 eine Einsprache erheben (EL-act. 15). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Weiterausrichtung der Ergänzungsleistung sowie die
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren.
Zur Begründung führte er aus, dass der EL-Bezüger zeitlebens kein typisches Mitglied
der B._ gewesen sei. Da ihm seine persönliche Freiheit und seine Unabhängigkeit
stets sehr wichtig gewesen seien, habe er zu keinem Zeitpunkt seiner Zugehörigkeit
(seit dem Jahr 1960) in einer Missionskommunität gelebt. Rechtlich könne das
Verhältnis zwischen dem EL-Bezüger und den B._ weder als ein
Verpfründungsvertrag noch als eine verpfründungsähnliche Konstellation qualifiziert
werden. Folglich könne der EL-Bezüger nicht als typischer Ordensmann behandelt
werden; ihm stehe eine Ergänzungsleistung zu. Die Aufhebung der Ergänzungsleistung
und die Rückforderung von ausbezahlten Ergänzungsleistungen seien somit
rechtswidrig. Am 4. März 2014 wies die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger darauf
hin (EL-act. 9), dass er gemäss einer Aussage des zuständigen Ordensmitgliedes
finanziell unterstützt würde, wenn ein entsprechender Bedarf vorläge. Soweit der EL-
Bezüger von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch mache, liege ein Verzicht vor. Er habe
die Möglichkeit zu belegen, dass kein solcher Verzicht vorliege. Am 28. April 2014 liess
der EL-Bezüger der EL-Durchführungsstelle eine Stellungnahme der B._ vom 24.
April 2014 zugehen (EL-act. 6 f.). Dieser liess sich entnehmen, dass der EL-Bezüger
seine Einkünfte nie der Ordensgemeinschaft abgegeben, im Gegenzug aber auch nie
Bezüge aus der Ordenskasse erhalten hatte. Der Provinzial führte weiter aus, dem EL-
Bezüger seien seine Selbständigkeit und die Eigenverantwortung stets sehr wichtig
gewesen. Grundsätzlich sei die Ordensgemeinschaft aber für das finanzielle
Auskommen ihrer Mitglieder zuständig. Mit einem Entscheid vom 24. Juni 2014 wies
die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (EL-act. 3). Zur Begründung führte sie
aus, die Ordensgemeinschaft habe bestätigt, dass sie für den EL-Bezüger sorgen
würde. Indem er die entsprechenden Leistungen nicht in Anspruch nehme, verzichte er
auf Einkünfte, die eine Deckung seines ergänzungsleistungsrechtlichen Existenzbedarfs
erlauben würden. Folglich könne kein EL-Anspruch bestehen. Die Rückforderung der
im Zeitraum vom Dezember 2012 bis zum November 2013 ausbezahlten
Ergänzungsleistungen sei eine zwingende rechtliche Folge der rückwirkenden
Aufhebung der Ergänzungsleistung. Da sich im vorliegenden Fall keine schwierigen
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rechtlichen oder tatsächlichen Fragen gestellt hätten, sei eine Rechtsverbeiständung
nicht erforderlich gewesen, weshalb das Gesuch um die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung abzuweisen sei.
B.
B.a Am 25. August 2014 liess der EL-Bezüger (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung
der Verfügungen vom 28. November 2013 und vom 19. Dezember 2013, die
Weiterausrichtung der Ergänzungsleistung und eventualiter die Rückweisung der
Sache an die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur
weiteren Abklärung des Sachverhaltes sowie die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Zur Begründung führte er an (act. G 3), eine generelle Verweigerung
von Ergänzungsleistungen für Mitglieder einer Ordensgemeinschaft sei gesetzwidrig.
Massgebend sei nämlich nicht die Mitgliedschaft, sondern das Bestehen einer
verpfründungsähnlichen vertraglichen Vereinbarung. Da der Beschwerdeführer der
Ordensgemeinschaft weder sein Vermögen noch seine Einkünfte übertragen habe,
liege hier keine solche Vereinbarung vor, weshalb bei der EL-Anspruchsberechnung
keine entsprechenden Einkünfte berücksichtigt werden könnten. Der Beschwerdeführer
habe auch keine Leistungen vom Orden erhalten und er lebe nicht in einer häuslichen
Gemeinschaft mit anderen Ordensmitgliedern. Der Orden habe nur eine grundsätzliche
Verpflichtung für seine Mitglieder bestätigt, aber ausgeführt, dass diese Verpflichtung
in Bezug auf den Beschwerdeführer nicht bestanden habe. Somit könne der
Beschwerdeführer auch nicht auf Einkünfte verzichtet haben. Eine allfällige
Rückforderung sei verwirkt und hätte dem Beschwerdeführer von Amtes wegen
erlassen werden müssen, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre. Das Verfahren habe
sich um komplexe sachliche und rechtliche Fragen gedreht, weshalb eine
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren erforderlich gewesen sei. Der
Beschwerdeführer liess eine mündliche Verhandlung beantragen, an der er zu
verschiedenen Punkten persönlich befragt werden wollte.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. September 2014 unter Hinweis auf
die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6).
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B.c Am 11. Januar 2016 liess der Beschwerdeführer seinen Antrag auf eine
mündliche Verhandlung zurückziehen (act. G 9).

Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat die Aufhebung der Verfügungen vom 28. November 2013
und vom 19. Dezember 2013 beantragen lassen. Die von ihm erhobene Beschwerde
hat sich allerdings nicht gegen diese Verfügungen, sondern nur gegen den
Einspracheentscheid vom 24. Juni 2014 richten können (Art. 56 Abs. 1 ATSG). Bei der
Verfügung vom 28. November 2013 hat es sich im Übrigen nicht um einen
verfahrensabschliessenden Entscheid, sondern um eine vorsorgliche Massnahme
gehandelt, wie sich dem darin enthaltenen Hinweis auf die (weiter) laufende
Sachverhaltsabklärung und dem Hinweis auf die „definitive Rückmeldung im Dezember
2013“ entnehmen lässt. Sie hätte folglich innert 30 Tagen direkt mit einer Beschwerde
angefochten werden müssen (Art. 52 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 56 Abs. 1 ATSG sowie
Art. 60 Abs. 1 ATSG). Mangels einer rechtzeitigen Beschwerde ist sie unangefochten in
formelle Rechtskraft erwachsen und kann daher durch das Gericht nicht mehr
überprüft werden. Im Übrigen ist ihre vorsorgliche Wirkung mit dem Erlass der
verfahrensabschliessenden Verfügung vom 19. Dezember 2013 dahingefallen. Den
Gegenstand des mit dem Einspracheentscheid vom 24. Juni 2014 abgeschlossenen
Einspracheverfahrens haben folglich nur die Aufhebung der laufenden Leistung per 30.
November 2012 und die Abweisung des Gesuchs um die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren gebildet. Die
Beschwerde an das Versicherungsgericht hat sich deshalb nur gegen diesen
Einspracheentscheid vom 24. Juni 2014 richten können. Da der Beschwerdeführer
seiner Beschwerde den Einspracheentscheid beigelegt hat und da er in der
Beschwerdebegründung darauf verwiesen hat, kann seine Beschwerde trotz ihres
falschen Betreffs als gegen den Einspracheentscheid vom 24. Juni 2014 gerichtet
interpretiert werden. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
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Auf den ersten Blick scheint es sich bei der Verfügung vom 19. Dezember 2013 um
eine Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG rückwirkend ab dem 1. Dezember
2012 zu handeln. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass nicht einer
Sachverhaltsveränderung, sondern einem bei der ursprünglichen Leistungszusprache
(Verfügung vom 20. September 2001) begangenen Rechtsanwendungsfehler hat
Rechnung getragen werden sollen. Der angefochtene Einspracheentscheid ist also das
Ergebnis eines Wiedererwägungsverfahrens gemäss dem Art. 53 Abs. 2 ATSG
gewesen. Da ein Wiedererwägungsverfahren der Beseitigung eines (qualifizierten)
Fehlers dient und da es rechtswidrig wäre, einen früher begangenen Fehler nur
teilweise zu korrigieren, muss die Wiedererwägung einer Verfügung notwendigerweise
immer zu einem vollständigen Ersatz dieser fehlerhaften Verfügung führen. Der
Wirkungszeitpunkt der Wiedererwägungsverfügung muss also zwingend dem
Wirkungszeitpunkt entsprechen, den die wiedererwägungsweise zu korrigierende
Verfügung richtigerweise hätte haben müssen. Die Korrektur des bei der
Leistungszusprache vom 20. September 2001 begangenen Fehlers hat vorliegend also
nur mit Wirkung ab dem 1. August 2001 erfolgen können. Der von der
Beschwerdegegnerin im Rahmen der Wiedererwägung gewählte Wirkungszeitpunkt,
der 1. Dezember 2012, ist folglich rechtsfehlerhaft. Dieser Fehler der
Beschwerdegegnerin findet seinen Grund wohl darin, dass diese bei der
Wiedererwägung bereits auf die daraus resultierende Rückforderung „geschielt“ und
keine Notwendigkeit gesehen hat, die Leistungen für einen Zeitraum zu korrigieren, für
den ihres Erachtens keine Rückforderung mehr möglich gewesen ist. Der
Wirkungszeitpunkt einer Wiedererwägung kann aber nicht davon abhängen, welcher
Teil einer aus der Wiedererwägung resultierenden Rückforderung bereits verwirkt ist.
Die Wiedererwägung ist für sich rechtmässig und damit auch mit dem korrekten
Wirkungszeitpunkt zu verfügen. Anschliessend ist gestützt auf den Art. 25 Abs. 2 Satz
1 ATSG zu prüfen, welcher Teil der durch die Wiedererwägung unrechtmässig
gewordenen Leistungen noch zurückzufordern beziehungsweise noch nicht verwirkt ist.
In diesem Verfahren stellt sich folglich zunächst die Frage, ob der Beschwerdegegnerin
bei der ursprünglichen Leistungszusprache ein Fehler unterlaufen ist, der die
wiedererwägungsweise Korrektur der Verfügung vom 20. September 2001 respektive
die rückwirkende Korrektur der Ergänzungsleistung ab dem 1. August 2001 rechtfertigt.
Diese Frage ist zu bejahen, wenn die leistungszusprechende Verfügung vom 20.
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September 2001 als zweifellos unrichtig qualifiziert werden muss und wenn die
Berichtigung des Fehlers von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Somit ist
zunächst zu prüfen, ob die Wiedererwägung rechtmässig gewesen ist.
3.
3.1 Gemäss der Rz. 3531.01 WEL haben die Mitglieder einer religiösen
Gemeinschaft üblicherweise keinen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung. Diese
Weisung legt den Schluss nahe, dass die Mitgliedschaft in einer religiösen
Gemeinschaft als solche bereits zur Abweisung eines Gesuchs um
Ergänzungsleistungen führen müsse. Die Beschwerdegegnerin scheint die Weisung
zumindest so verstanden zu haben, denn sie hat einen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen ohne weiteres verneint, das heisst insbesondere ohne vorher
eine Anspruchsberechnung durchgeführt zu haben. So verstanden wäre die Rz.
3531.01 WEL allerdings gesetzwidrig, denn das Gesetz kennt keinen solchen
generellen Ausschluss von der Anspruchsberechtigung. Der in der Rz. 3531.01 WEL
enthaltene Verweis auf die Rz. 2630.04 WEL, die sich auf Verpfründungsverträge
bezieht, zeigt deutlich, dass die Rz. 3531.01 WEL gar nicht zum Ausdruck bringen will,
die Mitgliedschaft in einer Ordensgemeinschaft müsse per se zur Abweisung eines
Gesuchs um Ergänzungsleistungen führen. Vielmehr steht hinter der Rz. 3531.01 WEL
der Gedanke, dass der Beitritt zu einer Ordensgemeinschaft in der Regel mit einer
verpfründungsähnlichen Vereinbarung verbunden ist, und dass die Konsequenzen
dieser verpfründungsähnlichen Vereinbarung den Bezug einer Ergänzungsleistung
ausschliessen. Dies deckt sich mit der gesetzlichen Regelung, denn gemäss dem Art.
11 Abs. 1 lit. e ELG sind die Leistungen aus einem Verpfründungsvertrag oder aus einer
verpfründungsähnlichen Vereinbarung bei der EL-Anspruchsberechnung als Einnahme
anzurechnen. Da sich ein Pfrundgeber mit einem Verpfründungsvertrag verpflichtet, für
den Lebensunterhalt des Pfrundnehmers zu sorgen, und da er diese Pflicht
definitionsgemäss nicht im geschuldeten Umfang erfüllt, wenn der Pfrundnehmer
darauf angewiesen ist, zusätzlich noch Ergänzungsleistungen zu beziehen, muss die
Anrechnung von Leistungen aus einem Verpfründungsvertrag oder aus einer
verpfründungsähnlichen Vereinbarung zu einem Einnahmenüberschuss und damit zu
einer Abweisung eines Gesuchs um Ergänzungsleistungen führen. Dennoch kann im
Einzelfall nicht auf eine Anspruchsberechnung verzichtet werden, denn erst die
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Anspruchsberechnung zeigt, ob der Pfrundgeber seine vertragliche Pflicht
vollumfänglich erfüllt. Dabei ist für jede Ausgaben- und Einnahmenposition zu prüfen,
ob sie durch den Verpfründungsvertrag oder durch die verpfründungsähnliche
Vereinbarung beeinflusst ist. Lässt der Pfrundgeber beispielsweise den Pfrundnehmer
unentgeltlich wohnen, ist kein Mietzins respektive ein Mietzins von null Franken zu
berücksichtigen. Deckt der Pfrundgeber den täglichen Lebensbedarf des
Pfrundnehmers, so ist gestützt auf den Art. 11 Abs. 1 lit. e ELG eine Einnahme
anzurechnen, deren Betrag der Pauschale für den Lebensbedarf entspricht. Häufig
dürften sich bei einer solchen Anspruchsberechnung die Krankenkassenpauschale und
die Pauschale für den Lebensbedarf als Ausgaben sowie die Rente der ersten Säule
und die Leistungen aus dem Verpfründungsvertrag oder aus der
verpfründungsähnlichen Vereinbarung als Einnahmen gegenüber stehen. Sofern sich
die Ordensgemeinschaft, der sich der Beschwerdeführer angeschlossen hat,
verpflichtet haben sollte, vollumfänglich für alle anrechenbaren Ausgaben des
Beschwerdeführers aufzukommen, sollte an sich bei der Anspruchsberechnung ein
Gleichgewicht zwischen den Ausgaben und den Einnahmen resultieren, so dass kein
anspruchsbegründender Ausgabenüberschuss vorliegen könnte.
3.2 Der Beschwerdeführer erhält de facto aber gar keine Leistungen der
Ordensgemeinschaft. Gestützt auf den Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG ist deshalb bei der
Anspruchsberechnung zu prüfen, ob er einen durchsetzbaren Anspruch auf Leistungen
der Ordensgemeinschaft hat, auf dessen Geltendmachung er verzichtet. Stünden ihm
nämlich entsprechende Leistungen der Ordensgemeinschaft zu, verzichtete er aber auf
deren Geltendmachung, so müssten gestützt auf den Art. 11 Abs. 1 lit. e ELG i.V.m.
dem Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG fiktiv die Leistungen der Ordensgemeinschaft
angerechnet werden, die er erhalten würde, wenn er sie geltend machen würde. Läge
ein solcher Verzicht vor, erwiese sich die leistungszusprechende Verfügung vom 20.
September 2001 als zweifellos unrichtig, weil die Beschwerdegegnerin trotz des
Verzichts auf den tatsächlichen (keine Leistungen der Ordensgemeinschaft) und nicht
auf den fiktiven Sachverhalt (vollumfängliche Deckung aller Ausgaben durch die
Ordensgemeinschaft) abgestellt hätte. Entscheidend für die Beantwortung der Frage,
ob die Wiedererwägungsverfügung vom 19. Dezember 2013 rechtmässig gewesen ist,
ist also die Antwort auf die Frage, ob der Beschwerdeführer auf Leistungen der
Ordensgemeinschaft verzichtet hat, die ihm zugestanden haben. Hierfür muss in
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Erfahrung gebracht werden, ob er mit dem Beitritt zur Ordensgemeinschaft einen
Verpfründungsvertrag oder eine verpfründungsähnliche Vereinbarung eingegangen ist
und unter welchen Voraussetzungen er die entsprechenden Leistungen hätte beziehen
können. Diese Fragen können anhand der Akten nicht beantwortet werden, da die
massgebende Vereinbarung dem Versicherungsgericht nicht vorliegt. Der relevante
Sachverhalt erweist sich diesbezüglich als ungenügend abgeklärt. Die
Beschwerdegegnerin hat somit ihre Untersuchungspflicht (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG)
verletzt; der angefochtene Einspracheentscheid vom 24. Juni 2014 ist rechtswidrig und
muss folglich aufgehoben werden. Da es nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes
ist, die von der Beschwerdegegnerin im Rahmen des Wiedererwägungsverfahrens
versäumten Sachverhaltsabklärungen nachzuholen, ist die Sache zur weiteren
Sachverhaltsabklärung respektive zur Vervollständigung der Akten an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.3 Die Beschwerdegegnerin wird in Erfahrung bringen, unter welchen
Voraussetzungen der Beschwerdeführer seit August 2001 von der Ordensgemeinschaft
hätte Leistungen beziehen können und welche spezifischen Leistungen ihm
gegebenenfalls zugestanden hätten. Entscheidend ist, ob und allenfalls welche
vertraglichen, durchsetzbaren Ansprüche der Beschwerdeführer gegenüber der
Ordensgemeinschaft gehabt hat. Sind der Beschwerdeführer und die
Ordensgemeinschaft einen Verpfründungsvertrag oder eine verpfründungsähnliche
Vereinbarung eingegangen, wird die EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung in
Anwendung des Art. 11 Abs. 1 lit. e ELG und unter Berücksichtigung der Rz. 3461.01
ff. WEL wiedererwägungsweise ab dem Anspruchsbeginn, dem 1. August 2001,
korrigieren. In einem weiteren Schritt wird die Beschwerdegegnerin eine allfällige
Rückforderung von bereits ausbezahlten Ergänzungsleistungen prüfen müssen. Die
Sache ist deshalb zur Weiterführung des Wiedererwägungsverfahrens an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bei dieser Rechtslage kann noch nicht über
eineallfällige Rückforderung von Ergänzungsleistungen als Folge der Wiedererwägung
entschieden werden.
4.
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Wo die Verhältnisse es erfordern, wird einer gesuchstellenden Person ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt (Art. 37 Abs. 4 ATSG). Die
Beschwerdegegnerin hat eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Einspracheverfahren mit der Begründung verweigert, es hätten sich keine schwierigen
tatsächlichen und rechtlichen Fragen gestellt, weshalb eine Rechtsverbeiständung
nicht erforderlich gewesen sei. Allerdings hat die Anwendung des geltenden Rechts auf
den vorliegenden Sachverhalt augenscheinlich selbst die Beschwerdegegnerin
überfordert. Wenn eine Angelegenheit aber die auf entsprechende Anwendungsfälle
spezialisierte Behörde überfordert, kann nicht der Standpunkt vertreten werden, ein
juristischer Laie sei nicht auf einen Rechtsbeistand angewiesen gewesen. Die
vorliegend entscheidende Rechtsfrage, ob der Beschwerdeführer mit der
Ordensgemeinschaft einen Verpfründungsvertrag oder eine verpfründungsähnliche
Vereinbarung abgeschlossen und in der Folge auf die Geltendmachung von ihm
aufgrund dieses Vertrages bzw. dieser Vereinbarung zustehende Leistungen verzichtet
hat, ist als anspruchsvoll zu qualifizieren. Ihre Beantwortung setzt Kenntnisse im
Vertragsrecht und profunde Kenntnisse im Ergänzungsleistungsrecht voraus. Der
Beschwerdeführer wäre auf sich allein gestellt damit überfordert gewesen, weshalb
eine Rechtsverbeiständung notwendig gewesen ist. Auch eine soziale Institution wie
die Pro Senectute hätte die notwendige kompetente Hilfe nicht leisten können. Die
Einsprache kann zudem nicht als zum Vorneherein aussichtslos bezeichnet werden.
Der Beschwerdeführer ist im massgebenden Zeitraum bedürftig gewesen. Die
Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das
Verfahren vor der Vorinstanz sind folglich erfüllt gewesen, weshalb diese mit Wirkung
ab dem Zeitpunkt, in dem das entsprechende Gesuch gestellt worden ist, das heisst ab
dem 20. Dezember 2013 (EL-act. 1), bewilligt wird. Diese Bewilligung gilt auch für die
Rechtsvertretung im von der Beschwerdegegnerin aufgrund des vorliegenden
Rückweisungsentscheides weiterzuführenden Wiedererwägungsverfahren sowie in
einem allfälligen anschliessenden Einspracheverfahren.
5.
Der Beschwerdeführer dringt mit seinem Hauptanliegen, nämlich der Aufhebung des
von ihm als rechtswidrig angesehenen Einspracheentscheides vom 24. Juni 2014,
vollumfänglich durch. Folglich hat er einen Anspruch auf eine Parteientschädigung für
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das Beschwerdeverfahren. Angesichts des geringen Umfangs der Akten ist der
Vertretungsaufwand als unterdurchschnittlich zu bezeichnen, weshalb es sich
rechtfertigt, die Parteientschädigung auf 2’500 Franken (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Gerichtskosten sind gemäss dem Art. 61 lit. a ATSG
keine zu erheben. Die Bewilligung des Gesuchs um die unentgeltliche Prozessführung
wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos. Da der angefochtene
Einspracheentscheid sowohl die ordentliche, bundesrechtliche als auch die
ausserordentliche, kantonalrechtliche Ergänzungsleistung betrifft, gilt es bei einer
allfälligen Anfechtung dieses Entscheides den geteilten Rechtsmittelweg zu beachten.