Decision ID: 9d7e86e8-086e-4c50-a5df-dd525f7cb073
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ J. G. hielt in der Gemeinde S. verschiedene Tierarten, darunter Hunde, Schweine,
Ponys, Ziegen und Federvieh. Anlässlich von Kontrollen durch das Veterinäramt (ab 1.
April 2008 Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz, abgekürzt AfGVS; ab 1. März
2011 Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen) vom 10. Januar 2000,
12. Mai 2000, 25. Juli 2000, 24. August 2000, 20. Oktober 2000, 18. Januar 2001,
6. Juni 2001 und vom 22. Oktober 2001 wurde die Art und Weise seiner Tierhaltung
verschiedentlich bemängelt. Unter dem Eindruck der Kontrolle vom 22. Oktober 2001
wurde J. G. mit Verfügung des Veterinäramtes vom 6. November 2001 unter anderem
mit einem Tierhalteverbot belegt. Der dagegen erhobene Rekurs wurde vom
Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St. Gallen am 11. September 2002 mit der
Begründung, die rechtlichen Voraussetzungen für ein Tierhalteverbot seien nicht erfüllt,
teilweise gutgeheissen.
Mit Rapporten vom 23. November 2001 und 7. April 2003 brachte das Veterinäramt
zudem verschiedene Widerhandlungen gegen die damalige Tierschutzgesetzgebung
(Tierschutzgesetz vom 9. März 1978, AS 1981, S. 562 ff., abgekürzt aTSchG) zur
Anzeige. J. G. wurde insbesondere vorgeworfen, dass er einen erkennbar kranken, ihm
zur Tötung übergebenen Berner Sennenhund monatelang gehalten und stark
vernachlässigt hatte, dass er es bei einem Minipig-Schwein an der nötigen
Klauenpflege hatte fehlen lassen und dass er einem Pony die nötige Wundbehandlung
versagt hatte. Mit Urteil des Kreisgerichts Gaster-See vom 22. Dezember 2003 wurde
J. G. wegen Tierquälerei und mehrfacher übriger Widerhandlungen gegen das
Tierschutzgesetz zu einer Busse von Fr. 5'000.-- und zu sieben Tagen Gefängnis,
bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren, verurteilt. Am 15. September 2004 wurde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dieser Entscheid vom Kantonsgericht St. Gallen bestätigt und die Busse auf
Fr. 10'000.-- erhöht.
Nachdem die Tierhaltung von J. G. am 27. Mai 2004 erneut durch das Veterinäramt
kontrolliert und teilweise beanstandet worden war, kam es im Jahr 2007 zu weiteren
Vorkommnissen. Damals hatte er nämlich einen Welpen verkauft, der, wie sich
herausstellte, einerseits unter starkem Wurmbefall litt und andererseits nicht mit einem
Mikrochip gekennzeichnet war. J. G. wurde deswegen mit Rapport vom 13. Februar
2007 zur Anzeige gebracht. In der Folge fand eine Hausdurchsuchung statt, bei der
drei weitere nicht durch Chip gekennzeichnete Hunde gefunden wurden. Im Urteil vom
20. November 2007 kam das Kreisgericht Gaster-See zum Ergebnis, dass der
Angeklagte vom Vorwurf des Vergehens gegen das aTSchG freizusprechen sei, jedoch
der mehrfachen fahrlässigen Übertretung des Tierseuchengesetzes (SR 916.40,
abgekürzt TSG) schuldig sei.
Am 22. April 2009 wurde die Tierhaltung von J. G. von zwei Vertretern des AfGVS in
Begleitung eines Kantonspolizisten überprüft. Gestützt auf die Ergebnisse dieser
Kontrolle wurde mit Rapport vom 13. Juli 2009 erneut Anzeige wegen Verdacht auf
Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz (vom 16. Dezember 2005, SR 455,
abgekürzt TSchG) und das TSG erstattet. Im anschliessenden Strafverfahren wurde im
Wesentlichen festgestellt, dass Federvieh verbotenerweise einzeln und zum Teil in total
verkoteten Schlägen gehalten worden war, dass drei Hunde alleine in Gehegen
respektive an einer zu kurzen Kette gehalten worden waren, dass verschiedene Hunde
nicht auf seinen Namen gemeldet gewesen waren und dass J. G. ferner am
5. August 2009 in G. zwei Minipig-Schweine ausgesetzt hatte. Aufgrund dieser
Sachverhalte wurde er per Strafbescheid der Staatsanwaltschaft St. Gallen vom
17. März 2010 der mehrfachen vorsätzlichen Tierquälerei durch Aussetzen und
Vernachlässigung sowie der mehrfachen Übertretung des Tierseuchengesetzes
schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 290.--, davon
10 Tagessätze unbedingt, und zu einer Busse von Fr. 2000.-- verurteilt.
Am 8. Oktober 2010 stellte das AfGVS J. G. den folgenden Verfügungsentwurf zu und
forderte ihn auf, innert 10 Tagen schriftlich Stellung zu nehmen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. J. G. wird verboten, Tiere zu halten oder selbständig für Dritte zu betreuen.
2. Das Tierhalteverbot gilt nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung.
3. J. G. bezahlt eine Gebühr von Fr. 900.--.
4. Widerhandlungen gegen diese Verfügung werden nach Art. 28 Abs. 3 TSchG bestraft
(...).
In seiner Stellungnahme vom 29. Oktober 2010 stellte J. G. die Angemessenheit eines
unbefristeten Tierhalteverbotes in Abrede und verlangte, dieses sei auf maximal zwei
Jahre zu beschränken. In der Verfügung vom 8. November 2010 führte das AfGVS dazu
unter anderem aus, es handle sich bei J. G. um einen völlig uneinsichtigen Tierhalter,
der weder willens noch fähig sei, seine Tiere entsprechend der
Tierschutzgesetzgebung zu halten und zu betreuen. Ein unbefristetes Verbot sei daher
in jedem Fall gerechtfertigt. Die Verfügung wurde im Übrigen wie im Entwurf
vorgesehen erlassen.
B. Gegen diese Verfügung legte J. G. mit Eingabe vom 22. November 2010 Rekurs
beim Gesundheitsdepartement ein, mit den Anträgen, es sei die angefochtene
Verfügung kosten- und entschädigungspflichtig aufzuheben, eventualiter sei das
ausgesprochene Verbot auf zwei Jahre zu beschränken. Zur Begründung machte er
insbesondere geltend, das AfGVS sei materiell zu wenig auf seine Stellungnahme zum
Verfügungsentwurf eingegangen und habe somit sein rechtliches Gehör verletzt. Weiter
stehe einem unbefristeten Tierhalteverbot in diesem konkreten Fall das Gebot der
Verhältnismässigkeit entgegen. Mit Entscheid des Gesundheitsdepartementes vom 27.
Mai 2011 wurde der Rekurs abgewiesen.
C. Mit Eingabe vom 10. Juni 2011 erhob J. G. Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er
beantragt, der Entscheid des Gesundheitsdepartementes vom 27. Mai 2011 sei
aufzuheben und das Tierhalteverbot in Abänderung von Ziff. 1 der Verfügung des
AfGVS vom 8. November 2010 zeitlich auf maximal zwei Jahre zu beschränken; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen nach Ausgang des Verfahrens. Als Begründung
bringt er im Wesentlichen vor, ein unbefristetes Tierhalteverbot sei ihm formell nie
angedroht worden und sei unverhältnismässig. Ein solches stelle die Höchststrafe der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Tierschutzgesetzgebung dar und lasse sich erst bei einem Verstoss gegen ein
befristetes Tierhalteverbot rechtfertigen.
Mit Vernehmlassung vom 8. Juli 2011 beantragte das Gesundheitsdepartement die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist es auf die
zahlreichen Beanstandungen durch das Veterinäramt und den erwähnten
Strafbescheid vom 17. März 2010. Der Beschwerdeführer habe sich in der
Vergangenheit als unfähig erwiesen, seine Tiere vorschriftsgemäss zu halten. Er habe
es in Kauf genommen, dass die Tiere nicht artgerecht gehalten würden und wegen der
Folgen ihrer Vernachlässigung Schmerzen litten. Auch sei der Einwand, das Verbot sei
formell nie angedroht worden, unbegründet. Mit Eingabe vom 9. August 2011
verzichtete J. G. auf eine Stellungnahme.
Auf die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers wird, soweit erforderlich, in den

nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Streitgegenstand vor dem Verwaltungsgericht ist ausschliesslich das vom AfGVS
gegenüber J. G. verfügte generelle Tierhalteverbot.
2.1. Zweck des Tierschutzgesetzes ist der Schutz der Würde und des Wohlergehens
des Tieres (Art. 1 TSchG). Gemäss Art. 4 Abs. 1 TSchG hat, wer mit Tieren umgeht,
ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung zu tragen (lit. a) und, soweit es
der Verwendungszweck zulässt, für ihr Wohlergehen zu sorgen (lit. b). Niemand darf
einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst
versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten. Das Misshandeln,
Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren ist verboten (Art. 4 Abs. 2
TSchG). Wer Tiere hält oder betreut, muss sie angemessen nähren, pflegen, ihnen die
für ihr Wohlergehen notwendige Beschäftigung und Bewegungsfreiheit sowie soweit
nötig Unterkunft gewähren (Art. 6 Abs. 1 TSchG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2. Staatliche Massnahmen müssen sich auf eine gesetzliche Grundlage stützen
(Legalitätsprinzip, Art. 5 Abs. 1 der Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt BV). Zu
prüfen ist also, ob die Verfügung eines Tierhalteverbotes mit dem Gesetz in Einklang
steht. Nebst den materiellrechtlichen Vorschriften für den Umgang mit Tieren enthält
das TSchG ein Kapitel über Verwaltungsmassnahmen und Behördenbeschwerde
(Art. 23-25 TSchG) sowie Strafbestimmungen (Art. 26-31 TSchG). Gemäss Art. 23
Abs. 1 TSchG kann die zuständige Behörde denjenigen Personen das Halten oder die
Zucht von Tieren, den Handel oder die berufsmässige Beschäftigung mit Tieren auf
bestimmte oder unbestimmte Zeit verbieten, die wegen wiederholter oder schwerer
Zuwiderhandlung gegen Vorschriften des TSchG und seiner Ausführungserlasse oder
gegen Verfügungen bestraft worden sind (lit. a) oder die aus anderen Gründen unfähig
sind, Tiere zu halten oder zu züchten (lit. b). Ein solches von einem Kanton erlassenes
Verbot ist in der ganzen Schweiz gültig (Art. 23 Abs. 2 TSchG).
Voraussetzung für ein Verbot gemäss Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG ist also, dass sich der
Tierhalter wegen schwerer oder wiederholter Zuwiderhandlung gegen die
Tierschutzgesetzgebung strafbar gemacht hat. Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil
des Kantonsgerichts St. Gallen vom 15. September 2004 und mit Strafbescheid der
Staatsanwaltschaft St. Gallen vom 17. März 2010 verschiedener Vergehen gegen das
Verbot der Tierquälerei gemäss Art. 26 TSchG respektive Art. 27 aTSchG schuldig
gesprochen. Bei diesem Tatbestand handelt es sich ohne weiteres um eine schwere
Zuwiderhandlung im Sinne von Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG (A.F. Goetschel, Kommentar
zum eidgenössischen Tierschutzgesetz, Bern/Stuttgart 1986, N 7 zu Art. 24 aTSchG).
Angesichts der bereits zweimaligen Verurteilung ist zudem erwiesen, dass der
Beschwerdeführer wiederholt wegen Zuwiderhandlungen gegen die
Tierschutzgesetzgebung bestraft worden ist (vgl. VerwGE ZH vom 19. August 2004, E.
3.2). Damit ist sowohl der Tatbestand der schweren als auch der wiederholten
Zuwiderhandlung gegen das Tierschutzgesetz gemäss Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG
erfüllt. Die Gesetzmässigkeit des Verbots wird denn auch vom Beschwerdeführer nicht
bestritten.
2.3. Gemäss Art. 5 Abs. 2 BV muss staatliches Handeln unter anderem das Gebot der
Verhältnismässigkeit beachten. Dieses Prinzip verlangt, dass eine staatliche
Massnahme in Rechtsetzung oder Rechtsanwendung geeignet, erforderlich und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zumutbar sein muss (statt vieler BGE 136 I 26 E. 4.4; vgl. zum Ganzen auch Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010,
Rz. 581 ff. mit Hinweisen).
2.3.1. Die Verwaltungsmassnahme muss zunächst dazu geeignet sein, das im
öffentlichen Interesse liegende Ziel zu erreichen. Ungeeignet ist sie, wenn sie keinerlei
Wirkungen im Hinblick auf den angestrebten Zweck entfaltet oder die Erreichung
dieses Zwecks sogar erschwert oder verhindert (Häflin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 587). Dem im öffentlichen Interesse liegenden Schutz der Würde und des
Wohlergehens der Tiere wird unter anderem durch die Tierschutzgesetzgebung
Rechnung getragen. Gegen diese hat der Beschwerdeführer wiederholt und in
schwerer Weise verstossen. Ein generelles Tierhalteverbot ist zweifelsohne geeignet, in
Zukunft weitere Verstösse zu verhindern.
2.3.2. Ferner muss die Massnahme im Hinblick auf das im öffentlichen Interesse
liegende Ziel erforderlich sein und hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete,
aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde (Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rz. 591). Das TSchG sieht einerseits repressiv Strafbestimmungen
vor, um in der Vergangenheit erfolgte Vorschriftsverletzungen zu sanktionieren, und
andererseits präventiv Tierhalteverbote und andere Massnahmen, um künftige
Verletzungen zu vermeiden (BGE 2C.737/2010 vom 18. Juni 2011, E. 4.4.1). Sowohl die
beiden Strafurteile als auch die verschiedenen Verfügungen und Forderungen des
Veterinäramtes konnten den Beschwerdeführer während der vergangenen zehn Jahre
nicht dazu bewegen, den Anforderungen der Tierschutzgesetzgebung nachzukommen.
Trotz repressiver Massnahmen kam es immer wieder zu neuen Verstössen. Es muss
als erwiesen gelten, dass repressive Massnahmen im Fall von J. G. alleine nicht
geeignet waren, Würde und Wohlergehen seiner Tiere sicherzustellen oder auch nur
wesentlich zu verbessern. Erforderlich ist somit auf jeden Fall eine präventive
Massnahme.
Der Beschwerdeführer macht geltend, ein unbefristetes Verbot sei ihm formell nie
angedroht worden. Das TSchG sieht nicht ausdrücklich eine Verwarnung, Mahnung
oder Androhung einer künftigen Massnahme als Verwaltungssanktion vor. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung können aber diese Massnahmen als milderes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mittel zunächst auch nur in Form einer anfechtbaren Verfügung angedroht werden
(BGE 136 II 466 E. 6.3; zum Tierschutzrecht insbesondere BGE 2C.737/2010 vom 18.
Juni 2011, E. 4.2; BGE 2C.829/2009 vom 27. August 2010, E. 2.2). Ein solches
Vorgehen kann aus Gründen der Verhältnismässigkeit selbst dort geboten sein, wo es
gesetzlich nicht vorgesehen ist (Imboden/Rhinow, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, 6. Aufl., Basel 1986, S. 323). Tatsächlich handelt es sich
beim Tierhalteverbot um eine sehr schwerwiegende Massnahme, und es ist nur unter
qualifizierten Voraussetzungen von einer vorgängigen Androhung abzusehen (vgl.
Goetschel, a.a.O., N 6 zu Art. 24 TschG). Die Verhältnismässigkeit bleibt jedoch
gewahrt, wenn aufgrund der konkreten Umstände davon auszugehen ist, der
Betroffene werde trotz Androhung die Tierschutzvorschriften auch künftig nicht
einhalten (VerwGE vom 17. August 2004 i.S. J.S., E. 2b.bb, sowie BGE 2A.552/2004
vom 14. Februar 2005, E. 4.3.2).
Aktenkundig ist, dass das Veterinäramt in der Verfügung vom 30. Mai 2000 dem
Beschwerdeführer als Schlussbemerkung in Aussicht gestellt hatte, er müsse
längerfristig mit einem Tierhalteverbot rechnen, wenn der herrschende Zustand
andauern sollte. Weiter wurde er bereits mit Verfügung vom 6. November 2001 mit
einem unbefristeten Tierhalteverbot ab 1. Januar 2002 belegt, welches allerdings mit
Entscheid des Volkswirtschaftsdepartements vom 11. September 2002 wieder
aufgehoben wurde. Ob damit dem Erfordernis der formellen Androhung Genüge getan
wurde, kann indessen offen bleiben. Dies, weil er nach seiner Verurteilung wegen
Tierquälerei im Jahr 2003 erst recht davon ausgehen musste, dass gleiches wieder
geschehen werde, sollte er sein Verhalten nicht nachhaltig ändern. Bereits im
Entscheid des Volkswirtschaftsdepartementes vom 11. September 2002 wird nämlich
diesbezüglich mehrfach auf das laufende Strafverfahren verwiesen (E. 2b und 3c.bb).
Dass die Verurteilungen und Beanstandungen nicht immer auf denselben
Sachverhalten beruhten, ist ferner unbeachtlich (VerwGE vom 17. August 2004 i.S. J.S.,
E. 2b.bb). Wesentlich ist, dass auf Dauer keine Verbesserung erreicht werden konnte.
Nachdem auch die beiden Strafurteile keine Wirkung auf die Tierhaltung des
Beschwerdeführers zeigten, ist ferner nicht einzusehen, warum dies bei einer formellen
Androhung eines Tierhalteverbotes anders sein sollte.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, es gebe keine Gründe, mit dem
unbefristeten Halteverbot bereits die "Höchststrafe" auszusprechen. Vielmehr
entspreche es der Praxis des Verwaltungsgerichts, dass sich ein unbefristetes erst bei
einem Verstoss gegen ein befristetes Tierhalteverbot als rechtmässig und
verhältnismässig erweise. Bezüglich der Gesetzmässigkeit kann auf das unter
Erwägung 2.2. Gesagte verwiesen werden. Hinsichtlich der Verhältnismässigkeit ist das
zitierte Urteil (VerwGE vom 22. September 2009 i. S. W. E., E. 2.3.) nicht so zu
verstehen wie vom Beschwerdeführer dargestellt. Aus diesem Entscheid geht lediglich
hervor, dass der Tierhalter bereits früher gegen befristete Tierhalteverbote verstossen
hatte. Dass die Verfügung von unbefristeten Verboten nur verhältnismässig sei, wenn
befristete Verbote missachtet, wenn also trotz Verbot Tiere gehalten worden sind, kann
daraus nicht abgeleitet werden. Das unbefristete Tierhalteverbot richtet sich nämlich
gegen Verletzungen der materiellen Tierschutzgesetzgebung und nicht gegen
Ungehorsam gegenüber amtlichen Verfügungen.
Zur Wahrung der Verhältnismässigkeit beantragte der Beschwerdeführer eine
Befristung des Tierhalteverbotes auf zwei Jahre. Tatsächlich ist es so, dass
Massnahmen nur so lange dauern dürfen, als es notwendig ist, das damit angestrebte
Ziel zu erreichen (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 605). Er unterlässt es aber
insbesondere darzutun, inwiefern nach Ablauf des zeitweiligen Verbots Aussicht auf
eine einwandfreie Tierhaltung bestehe. Die lange Zeitspanne, in der es in der
Tierhaltung des Beschwerdeführers immer wieder zu Beanstandungen und
Verurteilungen kam, ohne dass er sich davon beeindrucken liess, legt den Verdacht
nahe, dass ein befristetes Verbot zur Durchsetzung des öffentlichen Interesses am
Schutz der Würde und des Wohlergehens der Tiere untauglich wäre. Der Umstand,
dass der Beschwerdeführer in den letzten Jahren die Art und Weise der Tierhaltung
nicht substantiell verbessert hat, lässt darauf schliessen, dass sich nach Ablauf der
Frist wieder ein ähnliches Bild zeigen würde. Das unbefristete Verbot ist daher
erforderlich.
2.3.3. Die Verhältnismässigkeit einer Massnahme im engeren Sinn wird gewahrt, wenn
zwischen dem angestrebten Ziel und dem Eingriff, den sie für den Privaten bewirkt, ein
vernünftiges Verhältnis besteht. Es sind deshalb das öffentliche Interesse an einer
Massnahme und die beeinträchtigten privaten Interessen im konkreten Fall wertend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
miteinander zu vergleichen (vgl. statt vieler BGE 130 I 154 E. 5.3.6; Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rz. 613 ff.).
Es ist erwiesen, dass sich der Beschwerdeführer in der Vergangenheit wiederholte und
massive Verfehlungen gegen die Tierschutzgesetzgebung zuschulden kommen liess.
Das Einschreiten selbst der Strafbehörden hat ihn wenig beeindruckt. Entsprechend
hoch ist das öffentliche Interesse an der Durchsetzung des Tierhalteverbots (vgl.
VerwGE vom 17. August 2004 i. S. J. S., E. 2b.ee).
In Bezug auf seine privaten Interessen trifft ein Tierhalteverbot den Beschwerdeführer
zumindest wirtschaftlich nicht schwer. Sowohl hinsichtlich des Ausmasses als auch der
Arten der gehaltenen Tiere ist davon auszugehen, dass er damit primär keine
kommerziellen Ziele verfolgt. Unter dem Eindruck der misslichen Umstände der
Haltung und dem offensichtlichen Unwillen, irgendwelche Verbesserungen
herbeizuführen, muss zudem nicht davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer
verspüre eine besonders hohe emotionale Bindung zu seinen Tieren. Vielmehr hat er es
trotz behördlichen Einschreitens über Jahre hinweg in Kauf genommen, dass diese
nicht artgerecht gehalten wurden und unter den Folgen der Vernachlässigung litten. Die
Anordnung eines Tierhalteverbots ist aus diesen Gründen zumutbar.
2.4. Zusammenfassend steht somit fest, dass die Anordnung eines unbefristeten
Tierhalteverbots gemäss Art. 23 Abs. 1 TSchG gesetzmässig und unter Wahrung der
Verhältnismässigkeit erfolgt ist. Die Beschwerde ist als unbegründet abzuweisen.
3. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht