Decision ID: 0b904503-dbf7-55cf-ada1-e7c53a3515aa
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war bei der B._ GmbH als Nachstickerin tätig und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen
die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 6. September 2016 beim Hinuntergehen
einer Treppe stürzte, sich dabei mit der rechten Hand am Geländer festhielt und an der
rechten Schulter verletzte (Suva-act. 1). Der am 27. September 2016 erstbehandelnde
Dr. med. C._ erhob einen deutlich pathologischen Jobe-Test rechts und verwies die
Versicherte nach Durchführung einer Sonographie, welche einen Hinweis auf eine
Ruptur der Supraspinatussehne rechts ergeben hatte, zu weiteren Abklärungen an die
Orthopädie D._ (vgl. Suva-act. 7). Der dort zuständige Dr. med. E._ liess am 16.
November 2016 ein MRI der Schulter rechts durchführen (vgl. Suva-act. 9) und hielt
gleichentags als Diagnose eine Supraspinatussehnen-Läsion Schulter rechts nach
Treppensturz im September 2016 fest. Er empfahl einen operativen Eingriff und befand,
es bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (Suva-act. 8).
A.a.
Suva-Kreisarzt Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, bestätigte am 11. Januar 2017 die
Unfallkausalität der Rotatorenmanschettenläsion und die Indikation für die empfohlene
Operation (Suva-act. 10). Mit Schreiben vom 25. Januar 2017 teilte die Suva der
Versicherten mit, sie übernehme für die Folgen des Unfalls vom 6. September 2016 die
A.b.
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Versicherungsleistungen und erbringe ab dem 25. Januar 2017 ein Taggeld (Suva-act.
14, vgl. auch Schreiben vom 27. Februar 2017; Suva-act. 19).
Am 26. Januar 2017 unterzog sich die Versicherte in der Klinik G._ einer
Schulterarthroskopie rechts mit partieller Synovectomie, einer Tenotomie der langen
Bicepssehne, einer subacromialen Dekompression mit Bursectomie und
Acromioplastik sowie einer Rekonstruktion der Supraspinatussehne (Suva-act. 17). Dr.
C._ und Dr. E._ attestierten der Versicherten ab dem 23./25. Januar 2017 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Suva-act. 16-2 f., 21, 23, 29).
A.c.
Am 8. März 2017 diagnostizierte Dr. E._ eine adhäsive Kapsulitis Schulter
rechts. Er empfahl eine subacromiale Infiltration und attestierte der Versicherten
weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Am 24. März 2017 berichtete er zwar über
eine leichte Besserung der Beschwerden nach Optimierung der Analgesie, es bestehe
aber immer noch eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit und eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Suva-act. 30).
A.d.
Aufgrund der adhäsiven Kapsulitis und einer Reruptur der Supraspinatussehne
Schulter rechts unterzog sich die Versicherte am 11. Mai 2017 in der Klinik G._ einer
Mobilisation in Narkose sowie einer Schulterarthroskopie rechts mit Rekonstruktion der
Supraspinatussehne und subacromialer Dekompression (Suva-act. 44-3 f.). Dr. E._
attestierte der Versicherten weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 49,
55, 62, 65).
A.e.
Eine am 23. Oktober 2017 in der Radiologie H._ durchgeführte MR-
Untersuchung der Schulter rechts erbrachte unter anderem den Nachweis einer
erneuten höhergradigen gelenkseitigen und interstitiellen Partialläsion der ansatznahen
Supraspinatussehne, eines geringen Reizzustandes im Bereich der ehemaligen
bursalen Verschiebungsschicht subdeltoidal und subacromial sowie fortbestehender
Zeichen einer adhäsiven Kapsulitis (Suva-act. 68). Dr. E._ empfahl der Versicherten
am 17. November 2017 neben weiterer Analgesie eine Wassertherapie, welche diese in
der Folge besuchte (Suva-act. 70 f.).
A.f.
Kreisarzt Dr. F._ beurteilte im Januar 2018, die Beschwerdesymptomatik
scheine eher der adhäsiven Kapsulitis mit starker Entzündungskomponente als der
A.g.
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Veränderung der Rotatorenmanschette geschuldet zu sein. Er empfehle die
weiterführende Physiotherapie bei intraartikulärer und subacromialer
Schmerzausschaltung durch Injektion. Gegebenenfalls sei eine Zweitmeinung durch
einen anderen Schulterspezialisten angezeigt (Suva-act. 73). Dr. E._ hielt am 17.
Januar 2018 fest, die Versicherte berichte weiterhin über persistierende Schmerzen.
Die Beweglichkeit der Schulter sei eingeschränkt. Er empfehle die Weiterführung der
konservativen Behandlung mit Physiotherapie. Die Versicherte sei weiterhin zu 100 %
arbeitsunfähig (Suva-act. 79).
Eine am 26. April 2018 in der Radiologie H._ durchgeführte MR-Untersuchung
zeigte unter anderem eine mässige Rezidiv-/Rest-Insertionstendinopathie der
Supraspinatussehne mit humeralseitiger und kurzstreckig longitudinal interstitiell
verlaufender Aufsplitterung/Partialläsion, eine Insertionstendopathie der
Subscapularissehne, multifokale postoperative narbige Veränderungen sowie eine
vorbestehende moderate Chondropathie des Humeruskopfs kaudo-medial betont
(Suva-act. 85).
A.h.
Im Auftrag der Suva untersuchten Dr. med. I._, Oberärztin, Orthopädie Obere
Extremitäten, und Dr. med. J._, Leitender Arzt Orthopädie, beide Klinik K._, die
Versicherte am 10. Juli 2018 im Sinne einer Zweitmeinung. Sie hielten gleichentags als
Diagnosen starke Schulterschmerzen und eine Funktionseinschränkung der rechten
Schulter fest. Sie beurteilten, im aktuellsten MRI und auch im Ultraschall seien die
Rotatorenmanschetten intakt und entsprächen der normalen postoperativen Situation.
Auch die Trophik sei im Vergleich zum ersten MRI keinesfalls schlechter geworden.
Insofern hätten sie keine Erklärung für die fehlende Funktion der Schulter der
Versicherten. In Anbetracht der vorliegenden Befunde stünden die Schmerzen in
keinem Verhältnis dazu. Sie rieten stark von weiteren operativen Massnahmen ab und
empfahlen eine stationäre Rehabilitation mit multimodalem Therapieansatz und
Schmerztherapie (Suva-act. 102, vgl. Suva-act. 90).
A.i.
Kreisarzt Dr. med. L._, Facharzt Chirurgie, speziell Unfallchirurgie, befand am 27.
Juli 2018, aus medizinischer Sicht sei davon auszugehen, dass keine wesentliche reale
Funktionsstörung oder Gebrauchseinschränkung vorliege. Deshalb sei
realistischerweise von einer Rehabilitation wie auch von weiteren operativen und
A.j.
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konservativen Behandlungsmassnahmen keine Besserung des "demonstrierten"
Befundes zu erwarten. Vielmehr sei von einem stabilen somatischen medizinischen
Zustand auszugehen (Suva-act. 105).
Dr. C._ hielt am 4. Oktober 2018 als Diagnose eine persistierende Frozen
Shoulder rechts bei Status nach mehrfacher Schulteroperation und eine unklare,
wahrscheinlich entzündlich bedingte Schmerzhaftigkeit fest. Er befand, die Versicherte
sollte konsequent mobilisiert werden. Da ambulante Massnahmen nicht den
gewünschten Erfolg gebracht hätten, schlage er eine stationäre Rehabilitation vor. Eine
Arbeitsunfähigkeit (gemeint wohl: Arbeitsfähigkeit; vgl. auch Suva-act. 144) sei derzeit
nicht gegeben (Suva-act. 132-2).
A.k.
Am 11. Oktober 2018 wurde die Versicherte durch Kreisarzt Dr. F._ untersucht.
Dieser hielt am 15. Oktober 2018 fest, derzeit bestünden eine mittelgradig
schmerzhafte Funktionsbeeinträchtigung des rechten Schultergelenks mit
Bewegungslimitierung der Abduktion und Elevation knapp unter der Horizontalen,
Einschränkungen der Rotationsbewegung und Kraftverlust im rechten Schultergelenk,
ein reaktives myogenes Verspannungssyndrom des Schultergürtels und eine
bildgebend nachgewiesene partielle lipomatöse Atrophie des rechten
Supraspinatusmuskels. Der Endzustand sei erreicht und der Versicherten eine
adaptierte Tätigkeit vollschichtig zumutbar (Suva-act. 116). Den Integritätsschaden
schätzte Dr. F._ auf 15 % (Suva-act. 117).
A.l.
Mit Schreiben vom 7. November 2018 teilte die Suva der Versicherten mit, sie
schliesse den Schadenfall ab und stelle die Taggeldzahlungen per 31. Oktober 2018
ein. Sie übernehme für die Dauer von zwei Jahren je drei Behandlungsserien à neun
Behandlungseinheiten Physiotherapie und die Kosten für Schmerzmedikamente (Suva-
act. 125).
A.m.
Mit Verfügung vom 14. November 2018 verneinte die Suva einen Rentenanspruch
und sprach der Versicherten eine Integritätsentschädigung basierend auf einer
Integritätseinbusse von 15 % zu (Suva-act. 128).
A.n.
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B.
C.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin M.A. HSG M.
Enderli, St. Gallen, am 17. Dezember 2018 Einsprache (Suva-act. 142, vgl. auch
Eingabe vom 5. Dezember 2018; Suva-act. 137).
B.a.
Dr. med. M._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Orthopädie D._, befand am 19. Dezember 2018, er könne sich
mit der Beurteilung von Dr. F._ nicht einverstanden erklären. Die Versicherte sei nicht
arbeitsfähig und es könnte ihr mit einer stationären Rehabilitation sowie einem
multimodalen Therapie-Konzept weitergeholfen werden. Er empfehle die Weiterführung
der Wassertherapie, bis die rechtliche Situation geklärt sei (Suva-act. 150).
B.b.
Mit Entscheid vom 5. Februar 2020 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act.
172).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020 erhob Rechtsanwältin
Enderli für die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 9. März 2020
Beschwerde mit folgenden Anträgen: 1. Der Einspracheentscheid der Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 5. Februar 2020 und die zugrundeliegende
Verfügung vom 14. November 2018 seien aufzuheben. 2. Der Beschwerdeführerin
seien die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. 3. Die Beschwerdeführerin sei zu
einer stationären Rehabilitation mit multimodalem Therapieansatz und Schmerztherapie
aufzubieten. 4. Eventualiter sei zur Beurteilung der Zumutbarkeit allfälliger
Ersatztätigkeiten eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) anzuordnen.
5. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung/Begutachtung und
Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 6. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G1). Gleichentags liess
die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung einreichen (act.
G1.2). Nach entsprechender Aufforderung der Verfahrensleitung (vgl. act. G2) machte
Rechtsanwältin Enderli am 30. März 2020 weitere Angaben zum Vermögen der
Beschwerdeführerin und reichte zusätzliche Belege ein (act. G4, G4.1.1 f.).
C.a.
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Erwägungen
1.
Dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020 (Suva-act. 172) liegt die
Verfügung vom 14. November 2018 zugrunde (Suva-act. 128). In dieser entschied die
Beschwerdegegnerin über die Ansprüche auf eine Rente und eine
Integritätsentschädigung. Die Einstellung der vorübergehenden Leistungen wurde nicht
thematisiert. Die Beschwerdegegnerin verwies jedoch einleitend auf ihr Schreiben vom
7. November 2018 (Suva-act. 128). Mit diesem hatte sie die Leistungen formlos per 31.
Oktober 2018 eingestellt (Suva-act. 125). In ihrer Einsprache liess die
Beschwerdeführerin Ausführungen zur Leistungseinstellung machen und insbesondere
eine stationäre Rehabilitation beantragen (Suva-act. 142). Die Beschwerdegegnerin
äusserte sich in ihrem Einspracheentscheid dazu (Suva-act. 172). Zwischen den
Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist mithin der Anspruch auf
vorübergehende Leistungen über den 31. Oktober 2018 hinaus, insbesondere die
Übernahme der Kosten einer stationären Rehabilitation, sowie der Anspruch auf eine
Rente. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die bereits im
Einspracheverfahren unangefochten gebliebene Integritätsentschädigung.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. April 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G5).
C.b.
Am 15. April 2020 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G6).
C.c.
Die Beschwerdeführerin liess am 18. Mai 2020 mitteilen, sie verzichte auf die
Einreichung einer Replik und halte an ihren Ausführungen in der Beschwerde fest (act.
G8).
C.d.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist die
versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie
Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Die vorübergehenden
Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) sind einzustellen und der Anspruch auf eine
1.1.
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2.
Die Beschwerdegegnerin stellte die vorübergehenden Leistungen per 31. Oktober 2018
Invalidenrente zu prüfen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind und von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG). Das Erreichen des
medizinischen Endzustands bildet demgemäss in Nachachtung des
Eingliederungsgrundsatzes die Voraussetzung für die Prüfung der Rentenfrage.
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181, E. 3; Alexandra Rumo-
Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in Erwin Murer/
Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.).
1.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den Berichten und
Gutachten, welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren
eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen, kann rechtsprechungsgemäss ebenfalls
Beweiswert beigemessen werden (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/
ee, je mit Hinweisen). In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U 281,
S. 281 f., E. 1a).
1.3.
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ein (Suva-act. 125, vgl. Suva-act. 128, 172). Sie stützte sich dabei auf die Beurteilung
von Kreisarzt Dr. F._ vom 15. Oktober 2018 (Suva-act. 115). Die Beschwerdeführerin
spricht dieser Beurteilung die Beweiskraft ab und hält eine stationäre Rehabilitation mit
multimodalem Therapieansatz und Schmerztherapie sowie eventualiter weitere
Abklärungen für notwendig (act. G1).
Die Beschwerdeführerin hatte im Zeitpunkt der Einstellung der vorübergehenden
Leistungen per 31. Oktober 2018 unbestrittenermassen noch gewisse unfallkausale
Beschwerden an der rechten Schulter. Diese stellen jedoch den Fallabschluss nicht per
se in Frage. Für den Anspruch auf weitere vorübergehende Leistungen wird
rechtsprechungsgemäss vorausgesetzt, dass noch eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Das Kriterium beurteilt sich namentlich nach
Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit,
soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Es bedarf dabei einer ins Gewicht
fallenden Besserung durch die ärztliche Behandlung. Eine allfällige blosse
Verbesserung allein des Leidens an sich, eine nur kurzfristige Linderung, eine blosse
Verbesserung der Befindlichkeit oder dass die versicherte Person etwa von
Physiotherapie profitieren kann, genügen nicht. Für den Abschluss der medizinischen
Behandlung ist ein Dahinfallen jeglichen Bedarfs an Heilbehandlung somit nicht
vorausgesetzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2016, 8C_306/2016,
E. 5.3, mit weiteren Hinweisen; Philipp Geertsen, N 7 ff. zu Art. 19, in Marc Hürzeler/
Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018).
2.1.
Dr. F._ untersuchte die Beschwerdeführerin am 11. Oktober 2018 und befand
am 15. Oktober 2018, diese habe auch nach der zweiten Operation (vom 11. Mai 2017;
Suva-act. 44-3 f.) über anhaltende Bewegungs-, Belastungs- und auch
Ruheschmerzen des rechten Schultergelenks geklagt. Bildgebend habe sich bei der
kernspintomographischen Abklärung des rechten Schultergelenks im April 2018 eine
erneute Teilschädigung der Supraspinatussehne mit konsekutiver lipomatöser
Teilatrophie des Supraspinatusmuskels Goutallier II bei knapp negativem Zanetti-
Zeichen gezeigt. Die Bildgebung bestätige die teilweise eingeschränkte
Funktionsfähigkeit des rechten Schultergelenkes aufgrund einer Insuffizienz der
rekonstruierten Supraspinatussehne. Auf der anderen Seite sprächen die objektiven
Untersuchungsbefunde ohne nachweisbare Atrophiezeichen der periarticulären
Schultermuskulatur rechts, die eher dominanten Muskelumfänge des rechten
Oberarmes und die kräftige Handbinnenmuskulatur gegen ein relevantes
Schonverhalten des rechten Armes unterhalb der Horizontalebene. Die klinischen
2.2.
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Befunde stünden im Widerspruch zur von der Beschwerdeführerin demonstrierten
Schmerzintensität sowie zur Funktionsbeeinträchtigung und sprächen gegen das
(gemeint wohl: gezeigte) Ausmass der Bewegungslimitierung des rechten Armes in der
seitlichen und ventralen Elevation zum Teil ab 50 Grad. Unter Berücksichtigung der
passiven Bewegungsausmasse sei überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführerin ein Anheben des Armes ohne Gewichtsbelastung bis zur
Horizontalen ohne weiteres möglich sei. Unter Berücksichtigung des Verlaufs der
konservativen Therapie und der Meinung der behandelnden Orthopäden, wonach von
einer weiteren operativen Versorgung keine namhafte Verbesserung der
Funktionsfähigkeit des rechten Schultergelenkes mehr zu erwarten sei, empfehle er
den Abschluss des Schadenfalles. Der Endzustand sei erreicht (Suva-act. 116). Diese
Beurteilung ist insofern nachvollziehbar, als Dr. F._ in der ausführlichen klinischen
Untersuchung keine Einschränkungen der Schulter rechts finden konnte, welche die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit beeinträchtigen würden. Vor dem
Hintergrund der dargelegten Befundsituation besteht kein erkennbarer Raum für
weitere, den Gesundheitszustand namhaft verbessernde Heilbehandlungen (vgl. dazu
auch die nachfolgende Erwägung 3). Zudem steht sie - wie nachfolgend ausgeführt
wird - im Einklang mit weiteren ärztlichen Einschätzungen.
Dr. I._ und Dr. J._ untersuchten die Beschwerdeführerin am 10. Juli 2018 im
Auftrag der Beschwerdegegnerin. Sie beurteilten gleichentags, die Beschwerdeführerin
leide an massivsten Schulterschmerzen und einer sehr schlechten Funktion (der
Schulter). Im aktuellsten MRI vom 26. April 2018 und auch in der sonographischen
Untersuchung vom 10. Juli 2018 sei die Rotatorenmanschette intakt und entspreche
der normalen postoperativen Situation. Auch die Trophik sei im Vergleich zum ersten
MRI keinesfalls schlechter geworden. Insofern hätten sie keine Erklärung für die
fehlende Funktion der Schulter der Beschwerdeführerin. Das Labor zeige unauffällige
Werte, im Ultraschall bestehe weder ein Gelenkserguss noch eine Bursitis. Die geltend
gemachten Schmerzen stünden in keinem Verhältnis zu den vorliegenden Befunden.
Sie würden stark von weiteren operativen Massnahmen abraten und eine stationäre
Rehabilitation mit multimodalem Therapieansatz und Schmerztherapie empfehlen
(Suva-act. 102). Sie waren damit in Übereinstimmung mit Dr. F._ der Ansicht, dass
eine Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und den geltend gemachten
Beschwerden bestand und dass weitere operative Massnahmen keine Verbesserung
der Beschwerden mehr bewirken könnten. Sie empfahlen zwar eine stationäre
Rehabilitation, führten jedoch nicht aus, inwiefern diese zu einer Beschwerdebesserung
beitragen und insbesondere die Arbeitsfähigkeit erhöhen könnte. Die Einschätzung von
Dr. I._ und Dr. J._ ist damit nicht geeignet, die Beurteilung von Dr. F._ und
2.3.
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insbesondere den Zeitpunkt des Fallabschlusses per 31. Oktober 2018 in Frage zu
stellen.
In Kenntnis des Berichts von Dr. I._ und Dr. J._ befand Kreisarzt Dr. L._ am
27. Juli 2018, es bestehe eine sehr grosse Diskrepanz zwischen den objektivierbaren
klinischen und bildgebenden Befunden. Insbesondere fänden sich keinerlei Zeichen
einer Schonung oder Gebrauchsminderung der rechten oberen Extremität (z.B.
Muskelminderung bis hin zur Atrophie der Rotatorenmanschettenmuskulatur), wie dies
im Langzeitverlauf bei begründeten Beschwerden und Schmerzen unweigerlich
eintreten müsste. Solche Zeichen seien ebenso wenig vorhanden wie andere klinische
Symptome oder Befunde, die überhaupt eine schmerz- oder beschwerdebedingte
Gebrauchsminderung der Schulter belegen würden. Aus medizinischer Sicht sei davon
auszugehen, dass keine wesentliche reale Funktionsstörung oder
Gebrauchseinschränkung vorliege, weil dies über den langen Heilungsverlauf
unweigerlich zu einer Muskelminderung/-atrophie der
Rotatorenmanschettenmuskulatur hätte führen müssen, dies aber nachweislich nicht
der Fall sei. Folgerichtig sei realistischerweise von einer Rehabilitation wie auch von
weiteren operativen und auch ambulanten Behandlungsmassnahmen keine Besserung
des "demonstrierten" Befundes zu erwarten, weil die erhebliche Diskrepanz zwischen
den gesamten objektiven Befunden und den beklagten subjektiven Beschwerden in
keiner Weise erklärbar oder nachvollziehbar sei. Vielmehr sei aus medizinischer Sicht
nach rein objektiven, somatischen klinischen und bildgebenden Befunden nun weit
mehr als ein Jahr nach der letzten Operation von einem stabilen somatischen
medizinischen Zustand auszugehen, der durch weitere Behandlungsmassnahmen
jeglicher Art keine Besserung erfahre (Suva-act. 105). Dr. L._ ging damit in
Übereinstimmung mit Dr. F._ davon aus, dass der Endzustand erreicht sei und
insbesondere von einer Rehabilitation keine namhafte Verbesserung des
Gesundheitszustandes erreicht werden könne.
2.4.
Dr. C._ hatte die Klinik Valens mit Schreiben vom 16. Mai 2018 um eine
konsiliarische Untersuchung der Beschwerdeführerin gebeten, welche in der Folge
jedoch nicht stattfand. Er hatte ausgeführt, die Rehabilitation der Beschwerdeführerin
sei "von Beginn weg" (seit der zweiten Operation) äusserst schwierig gewesen,
insbesondere die Mobilisierung des Gelenks habe enorme Schwierigkeiten gemacht. In
der aktuellen MRT-Aufnahme würden vor allem narbige Veränderungen und
synovalitische Veränderungen im Gelenk beschrieben, sowie auch nach wie vor
kleinere Defekte der rekonstruierten Supraspinatussehne. Sonographisch lasse sich
allerdings eine normale Kontur der Supraspinatussehne dokumentieren, diesbezüglich
2.5.
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scheine die Rekonstruktion der Rotatorenmanschette wirklich gelungen zu sein. Seine
Frage an den zuständigen Arzt der Klinik Valens sei, ob allenfalls mit intraartikulären
Steroidinfiltrationen und gleichzeitig forcierter physiotherapeutischer Mobilisation
glenohumeral das Problem gelöst werden könnte. Angesichts der langen Dauer des
Ganzen und der Problematik müsste allenfalls sogar eine stationäre oder teilstationäre
Rehabilitation ins Auge gefasst werden (Suva-act. 85). In seinem Bericht vom 4.
Oktober 2018 hielt Dr. C._ als Diagnosen eine persistierende Frozen shoulder rechts
bei Status nach mehrfacher Schulteroperation und eine unklare, wahrscheinlich
entzündlich bedingte Schmerzhaftigkeit fest. Die Beschwerdeführerin sollte zwingend
konsequent mobilisiert werden, ambulante Massnahmen hätten bis dato nicht den
gewünschten Erfolg gebracht. Er schlage eine stationäre Rehabilitation vor. Eine
Arbeitsunfähigkeit (gemeint wohl: Arbeitsfähigkeit) sei derzeit nicht gegeben (Suva-act.
132-2). Dr. C._ äusserte sich im Gegensatz zu Dr. I._, Dr. J._ und den Kreisärzten
nicht zu den von diesen festgestellten Diskrepanzen zwischen den subjektiv geltend
gemachten Beschwerden und den objektiven Befunden und setzte sich - soweit sie
ihm überhaupt bekannt waren - nicht mit den abweichenden ärztlichen Beurteilungen
auseinander. Zudem begründete er nicht, inwiefern die gemäss ihm notwendige
Mobilisation durch eine stationäre Rehabilitation erreicht werden könnte, nachdem
ambulante Massnahmen gescheitert sind.
Dr. M._ führte am 19. Dezember 2018 aus, er habe die Beschwerdeführerin
letztmals am 6. Juni 2018 in der Sprechstunde gesehen und eine Konsultation in einer
Schmerztherapie vorgeschlagen. Die Beschwerdegegnerin sei jedoch weder darauf,
noch auf die Empfehlung der Klinik K._ (Dr. I._ und Dr. J._) einer stationären
Rehabilitation eingegangen. Er sei der Ansicht, dass der Beschwerdeführerin mit einer
stationären Rehabilitation sowie einem multimodalen Therapiekonzept weitergeholfen
werden könnte (Suva-act. 150). Er führte jedoch nicht aus, inwiefern eine weitere
Behandlung die Beschwerden in relevanter Weise verbessern und insbesondere die
Arbeitsfähigkeit steigern könnte.
2.6.
Insgesamt ist davon auszugehen, dass spätestens per 31. Oktober 2018 durch
weitere medizinische Massnahmen keine massgebliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes mehr möglich war. Dies insbesondere vor dem Hintergrund,
dass - wie nachfolgend ausgeführt wird (Erwägung 3) - in diesem Zeitpunkt eine volle
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit vorlag. Die IV-Stelle wies das
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin um berufliche Massnahmen am 6.
November 2018 ab (Suva-act. 121-2 f.). Die Leistungseinstellung per 31. Oktober 2018
ist damit nicht zu beanstanden. Über diesen Zeitpunkt hinaus war die
2.7.
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3.
Unter Berücksichtigung der unfallkausalen Beschwerden (mittelgradig schmerzhafte
Funktionsbeeinträchtigung des rechten Schultergelenks mit Bewegungslimitierung der
Abduktion und Elevation knapp unter der Horizontalen, Einschränkungen der
Rotationsbewegung und Kraftverlust rechtes Schultergelenk, reaktives myogenes
Verspannungssyndrom des Schultergürtels, partielle lipomatöse Atrophie des rechten
Supraspinatusmuskels; vgl. Suva-act. 116-5) ist nachfolgend die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zu prüfen.
Beschwerdegegnerin (nebst der anerkannten beschränkten Übernahme der Kosten für
Physiotherapie und Schmerzmittel; vgl. Suva-act. 125) nicht dazu verpflichtet, Kosten
für weitere medizinische Massnahmen, insbesondere eine stationäre Rehabilitation, zu
übernehmen.
Dr. F._ beurteilte, der Beschwerdeführerin seien Tätigkeiten, die mit körperferner
Gewichtsbelastung auf Brusthöhe oder Überkopf ausgeübt werden müssten, nicht
mehr zumutbar. Das Heben von Lasten über fünf Kilogramm über Hüfthöhe und das
Heben von Lasten über zehn Kilogramm auf Hüfthöhe seien ihr ebenso wenig
zuzumuten wie Arbeiten mit Stoss- oder Vibrationsbelastungen, Tätigkeiten auf Leitern,
Gerüsten oder in absturzgefährdeten Bereichen sowie Tätigkeiten mit repetitivem
Gebrauch von Werkzeugen oder an schnell rotierenden oder automatisierten
Maschinen (negatives Belastungsprofil). Die Beschwerdeführerin könne hingegen in
einer leichten, leidensadaptierten und das rechte Schultergelenk in der beschriebenen
Weise entlastenden Tätigkeit vollschichtig eingesetzt werden (Suva-act. 116). Diese
Adaptionskriterien und die Arbeitsfähigkeit von 100 % sind unter Berücksichtigung der
eingeschränkten Belastungs- und Haltefähigkeit sowie den
Bewegungseinschränkungen der rechten Schulter nachvollziehbar.
3.1.
Dr. C._ attestierte der Beschwerdeführerin seit der ersten Operation vom 25.
Januar 2017 durchgehend eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (vgl. Suva-act. 16-2,
132-2). Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich diese Einschätzung auf die
angestammte Tätigkeit bei der B._ GmbH als Nachstickerin bezog. So hielt Dr. C._
am 9. November 2018 in einem an den Ehemann der Beschwerdeführerin gerichteten
Schreiben fest, er bestätige, dass die Beschwerdeführerin in Folge des Unfalls und von
Operationskomplikationen nach wie vor arbeitsunfähig sei. In der ehemaligen Tätigkeit
sei die Beschwerdeführerin nicht mehr einsetzbar (Suva-act. 144). Er äusserte sich
jedoch nicht konkret zur Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit und legte keine
Adaptionskriterien fest. Es ist im Übrigen nicht plausibel, dass die Beschwerdeführerin
3.2.
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mit ihren Einschränkungen an der rechten Schulter in jeglicher Tätigkeit voll
arbeitsunfähig sein sollte. Dies würde selbst dann gelten, wenn sie - entgegen der
Aktenlage - ihre rechte obere Extremität gar nicht mehr einsetzen könnte (vgl. zur
funktionellen Einarmigkeit die Urteile des Bundesgerichts vom 9. März 2015,
9C_842/2014, E. 3.2, vom 10. April 2019, 8C_811/2018, E. 4.4.2, und vom 28. Mai
2019, 9C_124/2019).
Auch Dr. E._ attestierte der Beschwerdeführerin seit dem 25. Januar 2017 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 %, äusserte sich jedoch nie zu einer Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit (vgl. Suva-act. 76, 79). Dr. M._ hielt am 19. Dezember 2018 fest,
er könne sich mit der Begutachtung von Dr. F._ nicht einverstanden erklären. Dieser
habe beispielsweise über einen muskelstärkeren Oberarmumfang rechts als links
berichtet, ohne die Situation genau zu analysieren. Tatsächlich finde sich nämlich ein
massiver Lymphstau mit pastöser Schwellung des ganzen Arms, dies im Sinne einer
beginnenden Algoneurodystrophie. Die Beschwerdeführerin führe den rechten Arm
immer in einer schmerzarmen Funktionsstellung. Der Nacken- und Schürzengriff seien
nur mit Ausweichbewegungen knapp möglich. Die Abduktion glenohumeral betrage 70
Grad, die Flexion knapp 85 Grad, die Aussenrotation 15 Grad, die Innenrotation bis
zum hinteren Beckenkamm. Die Beschwerdeführerin habe Mühe, bei der Untersuchung
ihren rechten Arm locker zu lassen. Die Palpation des rechten Oberarms zeige einen
massiven Lymphstau mit pastös geschwollenen Weichteilen. Der lange Bizepsbauch
sei leicht distalisiert. Die Beschwerdegegnerin habe die Beschwerdeführerin in einer
angepassten Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig geschrieben, was sicher nicht der Fall
sei. Er sei der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin, welche rechtsdominant sei,
derzeit nicht arbeitsfähig sei (Suva-act. 150). Dr. F._ stellte gleich wie Dr. M._ eine
leichte Distalisierung der rechten Bicepsmuskulatur fest und führte aus, im Verlauf der
Untersuchung habe die Beschwerdeführerin ihren Arm nahezu krampfhaft in 90 Grad
Beugung vom Ellbogengelenk gehalten. Gelegentlich sei aber ein freies Schwingen des
gestreckten Arms am Oberkörper möglich gewesen. Wie Dr. M._ ausführte, hatte Dr.
F._ ein Muskelplus des rechten dominanten Oberarmes von 2.5 cm im Vergleich zur
Gegenseite festgestellt (vgl. Suva-act. 116). Obwohl er im Gegensatz zu Dr. M._
keinen Lymphstau feststellte, ist davon auszugehen, dass Dr. F._ die
Einschränkungen der Schulter rechts genügend berücksichtigte. Neben den
Muskelumfängen sprach auch die kräftige Handbinnenmuskulatur rechts gegen ein
relevantes Schonverhalten der rechten oberen Extremität. Zudem ist darauf
hinzuweisen, dass Dr. M._ offenbar die Diskrepanzen zwischen den geltend
gemachten Beschwerden und den objektiven Befunden im Gegensatz zu Dr. F._
sowie Dr. I._ und Dr. J._ (vgl. dazu die voranstehenden Erwägungen 2.2 ff.) nicht
3.3.
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4.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer ideal adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
berücksichtigte. Er äusserte sich diesbezüglich nicht zu den abweichenden ärztlichen
Beurteilungen (vgl. Suva-act. 150). Insgesamt ist damit seine Einschätzung einer
Arbeitsunfähigkeit von 100 % nicht nachvollziehbar, insbesondere nicht in einer
adaptierten Tätigkeit.
Dr. I._ und Dr. J._ äusserten sich nicht konkret zur Arbeitsfähigkeit. Sie hielten
lediglich anamnestisch fest, die Beschwerdeführerin sei als Rechtshänderin stark
eingeschränkt und als "Näherin" arbeitsunfähig (Suva-act. 102). Zu allfälligen
Adaptionskriterien und einer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit machten sie
keine Ausführungen.
3.4.
Zusammengefasst sind die genannten ärztlichen Beurteilungen nicht geeignet, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ in Zweifel zu ziehen. Es ist gestützt auf seine
Einschätzung von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit
auszugehen. Eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit, wie die
Beschwerdeführerin sie beantragen lässt (act. G1), sowie weitere medizinische
Abklärungen erübrigen sich damit.
3.5.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei ist in der
Regel vom zuletzt - d.h. grundsätzlich vor dem Beginn der unfallbedingten ganzen oder
teilweisen Arbeitsunfähigkeit - erzielten Verdienst auszugehen (BGE 139 V 30 E. 3.3.2,
je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_590/2014, E. 5.1).
Die Beschwerdeführerin war vor ihrem Unfall zuletzt als Nachstickerin bei der B._
GmbH tätig. Sie arbeitete dort in einem Teilpensum von 20 bis 40 % (abweichende
Angaben in den Akten). Dies sehr unregelmässig, je nach Auftragslage (vgl. Suva-act.
11, 52). Das dort erzielte schwankende Einkommen (vgl. Suva-act. 82) ist damit als
Grundlage für die Bestimmung des Valideneinkommens nicht geeignet. Stattdessen
rechtfertigt es sich, dieses - wie von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagen (vgl.
Suva-act. 128, 172) - gestützt auf die LSE 2016, Tabelle T17, Branche 7, Nr. 75
"Nahrungsmittelverarbeitung, Bekleidungsherstellung und verwandte handwerkliche
Berufe", Frauen älter als 50 Jahre, zu bestimmen. Der entsprechende Lohn belief sich
4.1.
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im Jahr 2016 auf Fr. 4'809.-- pro Monat bzw. Fr. 57'708.-- jährlich. Aufgerechnet auf
die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und angepasst an die
Nominallohnentwicklung bis 2018 (Index 2016: 2'709, 2018: 2'732) ergibt sich ein
massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 60'671.--.
4.2.
Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches
Einkommen. Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht für
dessen Ermittlung der Beizug von Tabellen und vergleichbaren Übersichten im
Vordergrund (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 67 zu Art. 16). Hat die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können entweder LSE-
Tabellenlöhne oder die DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 129 V 475 E. 4.2.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Januar 2010, 8C_579/2009, E. 2.1). Es ist
damit grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin zur
Festsetzung des Invalidenlohns DAP-Zahlen beigezogen hat. Die Beschwerdeführerin
beanstandet jedoch die gewählten DAP-Profile und das basierend darauf auf Fr.
54'964.-- (vgl. Suva-act. 128, 172) festgelegte Invalideneinkommen. Sie bringt
insbesondere vor, bei allen Profilen seien beidhändige Tätigkeiten zu erbringen.
Teilweise seien feinmotorische Tätigkeiten oder solche mit häufiger Hand- (und
Körper-)rotation gefordert. Es handle sich allesamt um Tätigkeiten, die ihr gemäss dem
adaptierten Leistungsprofil nicht mehr möglich seien (act. G1). Entgegen diesen
Ausführungen sind ihr gemäss Einschätzung von Dr. F._ durchaus beidhändige
Tätigkeiten zumutbar, auch solche, welche feinmotorische Fähigkeiten oder eine
(gelegentliche) Handrotation erfordern (vgl. Suva-act. 116). Die von der
Beschwerdegegnerin gewählten DAP-Profile (vgl. Suva-act. 126) entsprechen dem
Anforderungsprofil der Beschwerdeführerin damit grundsätzlich. Wie sich nachfolgend
ergibt, resultiert jedoch auch dann kein rentenbegründender Invaliditätsgrad, wenn zur
Festlegung des Invalideneinkommens statt der DAP-Zahlen auf die statistischen Daten
der LSE abgestellt wird.
4.2.1.
Da der Beschwerdeführerin Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es
sich diesfalls, das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2016, Total sämtlicher
Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Frauen, zu bestimmen. Der entsprechende
Lohn belief sich im Jahr 2016 auf Fr. 4'363.-- pro Monat bzw. Fr. 52'356.-- jährlich.
Aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und
4.2.2.
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angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2018 (Index 2016: 2'709, 2018: 2'732)
ergibt sich ein massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 55'045.--.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter-)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Wie Kreisarzt
Dr. F._ festhielt, sind der Beschwerdeführerin Tätigkeiten, die mit körperferner
Gewichtsbelastung auf Brusthöhe oder Überkopf ausgeübt werden müssen, nicht mehr
zumutbar. Das Heben von Lasten über fünf Kilogramm über Hüfthöhe und das Heben
von Lasten über zehn Kilogramm auf Hüfthöhe sind ihr ebenso wenig zuzumuten wie
Arbeiten mit Stoss- oder Vibrationsbelastungen, Tätigkeiten auf Leitern, Gerüsten oder
in absturzgefährdeten Bereichen sowie Tätigkeiten mit repetitivem Gebrauch von
Werkzeugen oder an schnell rotierenden oder automatisierten Maschinen (negatives
Belastungsprofil). Hingegen kann die Beschwerdeführerin in einer leichten,
leidensadaptierten und das rechte Schultergelenk in der beschriebenen Weise
entlastenden Tätigkeit vollschichtig eingesetzt werden (Suva-act. 116). Die
Einschränkungen der Beschwerdeführerin wurden im Rahmen dieser medizinischen
Leistungsbeurteilung umfassend berücksichtigt (vgl. E. 3.1) und eine lohnmässige
Einschränkung im Vergleich zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmerinnen ist entgegen
ihrer Ansicht (act. G1) nicht ersichtlich. Zudem steht ihr aufgrund der genannten
Einschränkungen noch das ganze Spektrum von sitzenden und leichten
wechselbelastenden Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen. Es sind
keine Umstände ersichtlich, welche auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als
ausserordentlich zu bezeichnen wären und deshalb einen Tabellenlohnabzug
rechtfertigen würden (vgl. dazu SVR 2021 IV Nr. 7. E. 6.2).
4.2.3.
Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit bei
einem Valideneinkommen von Fr. 60'671.-- und einem Invalideneinkommen von Fr.
55'045.-- (gemäss LSE) bzw. von Fr. 54'964.-- (DAP-Zahlen) resultiert ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 9 %.
4.3.
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5.