Decision ID: ce406b32-9189-4d2f-8bd5-bf47072ce3c5
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Der D._ geborene A._ war als Geschäftsführer der C._ AG
bei der B._ AG (nachfolgend: B._) gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er am 11. Dezember 2018 einen Nichtberufsunfall
erlitt, indem er mit einem Motorrad auf der Rennstrecke in E._ stürzte
und sich dabei am linken Schlüsselbein verletzte (Bänder gerissen). Die
medizinische Erstversorgung erfolgte im Spital in E._, anschliessend
liess sich A._ in der Klinik F._ in G._ und H._
behandeln. Die B._ übernahm die Heilungskosten. Am 5. September
2019 verfügte sie in Bezug auf die Taggeldleistungen eine Kürzung um 50
% mit der Begründung, laut Art. 39 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung sei ein Motorradrennen inkl. Training und
Motorradfahren auf einer Rennstrecke als absolutes Wagnis zu
qualifizieren und habe deshalb gemäss Verordnung eine Kürzung der
Geldleistungen von 50 % zur Folge.
2. Dagegen erhob A._ am 2. Oktober 2019 Einsprache, welche er am
6. November 2019 unter Mitteilung der Adresse und der Webseite des
Veranstalters (I._ ag) sowie unter Einreichung einer Bestätigung des
Geschäftsführers der I._ ag und des damals anwesenden
Fahrinstruktors ergänzte. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und auf eine Kürzung der Taggeldleistungen sei zu
verzichten. Begründend hielt A._ im Wesentlichen fest, dass er an
einer Instruktionsfahrt teilgenommen habe, um seine Motorrad-
Fahrfähigkeiten bzw. die Fahrsicherheit zu verbessern. Dies sei das pure
Gegenteil eines Wagnisses. Er habe eindeutig nicht an einem Rennen
teilgenommen. Dass der Kurs auf einer Rennstrecke und nicht auf der
Strasse abgehalten worden sei, sei nachvollziehbar und mache die
Kursfahrt natürlich nicht zu einer Rennfahrt.
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3. Mit Einspracheentscheid vom 20. Februar 2020 wies die B._ die
Einsprache ab und bestätigte die Verfügung vom 5. September 2019. Zur
Begründung wurde zusammenfassend ausgeführt, dass sich sowohl aus
den Angaben von A._ zum Unfall wie auch aufgrund der Internetseite
des Veranstalters und der Bestätigung des beim Unfall anwesend
gewesenen Instruktors zeige, dass die Fahrt von A._ eben nicht als
Fahrsicherheitskurs, sondern als Training auf der Rennstrecke zu
qualifizieren sei. Die Motorradrennbahn in E._ sei bereits mehrfach in
die Schlagzeilen geraten wegen tödlichen Unfällen und zwar nicht beim
Rennen, sondern beim Training bzw. bei einer Veranstaltung wie
derjenigen, an der A._ teilgenommen habe. Damit liege ein absolutes
Risiko vor und die Geldleistungen seien entsprechend zu kürzen.
4. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe
vom 11. März 2020 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Darin beantragte er, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben und die B._ zu verpflichten, die Taggeldleistungen aus
UVG betreffend die Folgen des Unfalls vom 11. Dezember 2018 ungekürzt
auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur nochmaligen
Ermittlung des Sachverhalts und zu neuem Entscheid im Sinne der
Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Begründend brachte der
Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, die B._ habe den
Sachverhalt unzureichend abgeklärt und sich geweigert, die offerierten
Beweismittel näher zu prüfen, allenfalls durch eigene Anfrage oder
Einvernahme der angebotenen Zeugen. Die Argumentation der B._,
weshalb auf die Stellungnahmen des Veranstalters und des Instruktors
nicht abgestellt werde und weitere Sachverhaltsabklärungen, wie etwa
eine persönliche Befragung dieser beiden Personen, unterlassen würden,
sei nicht überzeugend und verletze den Grundsatz der
Untersuchungsmaxime. Der Hinweis auf die Webseite des Veranstalters
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I._ reiche nicht aus, ihre unzulässige antizipierte Beweiswürdigung zu
rechtfertigen. I._ werbe für Motorradrennen und -trainings auf der
Rennstrecke und zwar für den Einsteiger bis zum engagierten
Hobbypiloten. Daraus zu schliessen, es würde nur um Renntraining und
Vorbereitung für Rennen gehen, sei falsch. Ebenfalls rechtfertige der
Hinweis der B._, I._ weise auf seiner Webseite unter dem
Stichwort "Versicherungen" darauf hin, dass die Suva bei einem Unfall auf
der Rennstrecke die Geldleistungen um die Hälfte kürze, keinen Verzicht
auf weitergehende Abklärungen des Sachverhalts. Dies, weil sich dieser
Hinweis nicht auf sämtliche der angebotenen Fahrten beziehe, sondern
lediglich auf die Teilnahme an Renntrainings und Rennen. Selbst wenn es
sich um ein Renntraining gehandelt hätte, sei der Schluss, deshalb wäre
eine Kürzung der Leistungen gerechtfertigt, nicht zulässig. Denn aus
unfallversicherungsrechtlicher Sicht falle ein Renntraining, das zur
Verbesserung der Fahrsicherheit und nicht im Hinblick auf eine Teilnahme
an Rennen absolviert werde, nicht unter die absoluten Wagnisse. Wo denn
sonst als auf einer Rennstrecke sollte ein Fahrtraining durchgeführt
werden. Der Beschwerdeführer habe keine Teilnahme an Rennen geplant
und die Fahrt habe denn auch nicht im Hinblick auf irgendein Renen
stattgefunden. Vor diesem Hintergrund erscheine die vorgenommene
Leistungskürzung als unzulässig.
5. Die B._ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 26. März 2020 die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass sie den Unfallhergang
abgeklärt habe, indem sie den Beschwerdeführer zunächst mit dem
Formular "Unfallmeldung" zum Unfallhergang befragt habe, wobei er den
Unfall als "mit dem Motorrad auf der Rennstrecke gestürzt" beschrieben
habe. Dann habe sie den Unfallhergang nochmals mit einem Fragebogen
abgeklärt, wobei der Beschwerdeführer angegeben habe, "anlässlich der
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Instruktionsfahrt von der Strecke abgekommen und im Kiesbett gelandet"
zu sein. Ein Hinweis auf einen Fahrsicherheitskurs fehle sowohl in der
Unfallmeldung wie auch im Fragebogen. Eine Instruktionsfahrt sei
definitionsgemäss kein Fahrsicherheitskurs. Diese Behauptung habe erst
der Anwalt des Beschwerdeführers im Einspracheverfahren erhoben.
Beim Veranstalter I._ handle es sich um einen Anbieter für
Veranstaltungen und Ferien für Motorradrennfahren und freies Fahren auf
unterschiedlichen Rennstrecken. Eigentliche Fahrsicherheitskurse
würden nicht angeboten. Selbst beim angebotenen Training gehe es um
sichereres und vor allem schnelleres Fahren auf der Rennstrecke. Auf der
Webseite sei zum Training zudem explizit erwähnt, dass auch für die
Teilnahme an Fahrtrainings die grundlegende Beherrschung des
Motorrades und eine gewisse Grundgeschwindigkeit Voraussetzung sei
und die Veranstaltung für Anfänger und weniger Geübte daher nicht
geeignet sei. In den Sicherheitshinweisen sei ebenfalls vermerkt, dass die
Rennstrecke zügig zu befahren sei. Die der Einsprache beigelegten
Erklärungen des Veranstalters und des Instruktors würden ebenfalls
keinen Fahrsicherheitskurs belegen. Der Instruktor habe noch explizit
bestätigt, dass es um eine Fahrt zur Verbesserung des Fahrkönnens und
der Sicherheit auf der Rennstrecke gegangen sei – mit anderen Worten
also nicht um ein Fahrsicherheitstraining für den normalen Gebrauch im
Strassenverkehr. Ein Fahrsicherheitstraining solle überall stattfinden, aber
eben nicht auf der Rennstrecke. Es gebe zahlreiche Lern- und
Sicherheitstrainingsangebote für Motorradfahrer, die alle nicht auf einer
Rennstrecke, sondern auf speziellen Übungsparcours und im
Strassenverkehr stattfänden. Es sei nicht nachvollziehbar, wieso sich der
Beschwerdeführer mit seinem leistungsstarken und in den Rennbereich
gehörenden Motorrad (Modell Yamaha R1M) bis nach E._ begeben
habe, um dort auf einer Rennstrecke unter der Ägide eines von
ehemaligen Motorradrennfahrern gegründeten und auf Motorradrennen
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und den entsprechenden Trainings spezialisierten Anbieters einen reinen
Fahrsicherheitskurs zu absolvieren.
6. Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 20. Februar 2020. Gemäss Art. 1 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid Beschwerde an das
Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in welchem
die versicherte Person im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ihren
Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer wohnt im Kanton Graubünden,
womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden gegeben ist. Dessen sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus
Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als formeller und materieller
Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer davon überdies berührt und er weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf
die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und
Art. 61 lit. b ATSG) ist somit einzutreten.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die
Taggeldleistungen zu Recht mit der Begründung, der Nichtberufsunfall
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vom 11. Dezember 2018 sei auf ein absolutes Wagnis zurückzuführen, um
50 % gekürzt hat.
3.1. Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren,
nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die
erforderlichen Auskünfte ein. Bei Geltung des Untersuchungsprinzips darf
der Versicherungsträger die Abklärungen nicht in das
Einspracheverfahren verlegen, sondern die Abklärungen haben vor Erlass
der Verfügung zu erfolgen. Das Einspracheverfahren verlöre sonst
weitgehend seinen Sinn und Zweck, letztlich die Gerichte zu entlasten.
Vorbehalten bleiben ergänzende Abklärungen, zu denen die in der
Einsprache vorgebrachten Einwände Anlass geben (vgl. KIESER, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 43 Rz. 14 mit
Hinweisen).
Das Einspracheverfahren wird zur nachträglichen verwaltungsinternen
Rechtspflege gezählt. Es zielt darauf ab, der verfügenden Stelle die
Möglichkeit zu geben, die angefochtene Verfügung nochmals zu
überprüfen und über die bestrittenen Punkte zu entscheiden, bevor
allenfalls die Beschwerdeinstanz angerufen wird. Der Versicherungsträger
nimmt in diesem Rahmen – soweit nötig – weitere Abklärungen vor und
überprüft die eigenen Anordnungen aufgrund des vervollständigten
Sachverhalts (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 52 Rz. 11 f.).
3.2. Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin die für die Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts notwendigen Abklärungen vor Erlass
der Verfügung vom 5. September 2019 vorgenommen. Sie hat den
Sachverhalt bzw. Unfallhergang anhand der Unfallmeldung UVG vom
19. Dezember 2018 und des Fragebogens "Verkehrsunfall" vom 28.
Dezember 2018 erhoben (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 5
f., 7 ff., 11 ff. und 43). Die vom Beschwerdeführer zusammen mit der
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Einsprache eingereichten Bestätigungen des Geschäftsführers der
I._ ag und des Instruktors (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.]
9 und 10) hat die Beschwerdegegnerin im Rahmen des
Einspracheverfahrens überprüft (vgl. Bf-act. 11 S. 3 ff.). Dabei durfte sie
willkürfrei auf die Einvernahme dieser Personen bzw. die Einholung von
schriftlichen Auskünften bei diesen Personen verzichten, zumal – wie
nachfolgend dargelegt wird (vgl. nachstehend Erwägung 8) – davon kein
entscheidrelevanter neuer Aufschluss zu erwarten ist und den
Zeugenaussagen bzw. schriftlichen Auskünften nur geringe Beweiskraft
beizumessen wäre. Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin
ausreichend Unterlagen bzw. Auskünfte in ihre Sachverhaltsermittlung
einbezogen und gewürdigt, so dass formell kein Fehlverhalten im Sinne
einer Abklärungspflichtverletzung vorliegt. Ob aufgrund der getätigten
Abklärungen die richtigen Schlüsse betreffend Taggeldanspruch bzw.
Taggeldkürzung gezogen wurden, ist im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens zu prüfen. Somit erweist sich der formelle Einwand
des Beschwerdeführers, wonach die Beschwerdegegnerin den
Sachverhalt unzureichend abgeklärt und es unterlassen habe, die
offerierten Beweismittel näher zu prüfen, allenfalls durch eigene Anfrage
oder Einvernahme der angebotenen Zeugen, als unbegründet.
4. Gemäss Art. 37 Abs. 2 Satz 1 UVG werden in Abweichung von Art. 21
Abs. 1 ATSG (der bei Vorsatz eine Kürzung oder Verweigerung von
Geldleistungen vorsieht) in der Versicherung der Nichtberufsunfälle die
Taggelder, die während der ersten zwei Jahre nach dem Unfall
ausgerichtet werden, gekürzt, wenn der Versicherte den Unfall grob
fahrlässig herbeigeführt hat. Nach Art. 39 UVG kann der Bundesrat
aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der
Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher
Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Die
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Verweigerung oder Kürzung kann er in Abweichung von Art. 21 Abs. 1-3
ATSG ordnen. Von dieser Kompetenz machte der Bundesrat Gebrauch
und erliess bezüglich Wagnissen Art. 50 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202): Bei Nichtberufsunfällen, die auf
ein Wagnis zurückgehen, werden die Geldleistungen um die Hälfte gekürzt
und in besonders schweren Fällen verweigert (Art. 50 Abs. 1 UVV).
Wagnisse sind Handlungen, mit denen sich der Versicherte einer
besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne die Vorkehren zu treffen oder
treffen zu können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken
(Art. 50 Abs. 2 Satz 1 UVV). Art. 39 UVG stellt im Verhältnis zu Art. 37
Abs. 2 UVG eine lex specialis dar (vgl. BGE 134 V 340 E.3.2.4; RUMO-
JUNGO/HOLZER, in: MURER/STAUFFER [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, S. 222 f.), so dass
letztere Bestimmung (Leistungskürzung infolge Grobfahrlässigkeit) erst zu
prüfen ist, wenn Art. 39 UVG (Leistungskürzung infolge Wagnis) nicht
erfüllt ist.
5.1. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer am 11. Dezember 2018 mit
dem Motorrad auf der Rennstrecke von E._ stürzte und sich bei
diesem Nichtberufsunfall an der linken Schulter verletzte (vgl. Bf-act. 1, 3,
4 und 5). Die Heilungskosten wurden vollumfänglich übernommen (vgl. Bf-
act. 6). Betreffend Taggeldleistungen verfügte die Beschwerdegegnerin
am 5. September 2019 eine Kürzung um 50 % infolge eines absoluten
Wagnisses (vgl. Bf-act. 6). Diese Verfügung bestätigte sie mit
Einspracheentscheid vom 20. Februar 2020 (vgl. Bf-act. 11).
5.2. Der Unfall vom 11. Dezember 2018 hat sich aufgrund der Akten wie folgt
zugetragen:
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Der Beschwerdeführer selbst gab in der Unfallmeldung UVG vom 19.
Dezember 2018 betreffend Sachverhalt/Unfallbeschreibung an, "mit dem
Motorrad auf der Rennstrecke gestürzt" zu sein (vgl. Bf-act. 1). Im
Fragebogen "Verkehrsunfall" vom 28. Dezember 2018 hielt er unter dem
Titel "Ausführliche Beschreibung des Unfallhergangs vom 11.12.2018
(Ursachen und Umstände)" Folgendes fest: "Anlässlich der
Instruktionsfahrt von der Strecke abgekommen und im Kiesbett gelandet."
Zudem fertigte er eine Skizze an, welcher entnommen werden kann, dass
er in einer Rechtskurve von der Strecke abkam und geradeaus fuhr bzw.
rutschte. Sodann ergibt sich aus dem besagten Fragebogen, dass sich der
Unfall mit dem Motorrad des Beschwerdeführers – einer Yamaha R1M mit
1'000 cm3 Hubraum – ereignete und es sich nach Ansicht des
Beschwerdeführers um einen Selbstunfall handelte (vgl. Bf-act. 2).
6.1. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 8C_217/2018 vom 26. März 2019
(vgl. Urteilsbesprechung [E.2-5] in HAVE 4/2019, S. 421 f.) erwogen, die
Schwierigkeit, ein Motorrad zu fahren, liege ja gerade hauptsächlich in der
Art und Weise, wie man eine Kurve zu befahren habe. Bei Trainingsfahrten
gehe es darum, die Grenzen auszuloten (siehe auch Urteil des
Bundesgerichts 8C_472/2011 vom 27. Januar 2012 E.5.2). Indem jeweils
mehrere Fahrerinnen und Fahrer gemeinsam unterwegs seien, entstehe
eine gewisse Wettkampfsituation. Das Risiko eines Sturzes sei dabei
selbst für erfahrene Lenker nicht unbedeutend. Ausserdem hat das
Bundesgericht in seinem Urteil 8C_81/2020 vom 3. August 2020 (vgl.
Urteilsbesprechung [E.3 und 4] in HAVE 1/2021, S. 64 f.) festgehalten,
letztlich sei es indessen das einem solchen Motorrad-Training
innewohnende Sturzrisiko, das ausschlaggebend für die Beurteilung des
Wagnisses sei. [...] Der erlittene Unfall sei somit das Ergebnis der
Verwirklichung dieses inhärenten Risikos gewesen, ohne dass
Massnahmen ergriffen worden wären, um dieses Risiko auf ein
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vernünftiges Mass zu reduzieren. Gemäss den Autoren
BRUNNER/VOLLENWEIDER (in FRÉSARD-FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.],
Basler Kommentar zum UVG, Basel 2019, Art. 39 Rz. 49) werde beim
absoluten Wagnis ausschliesslich auf objektive Faktoren abgestellt; die
subjektiven Verhältnisse würden – anders als bei der Frage, ob ein
relatives Wagnis vorliege – nicht berücksichtigt.
6.2. Die Empfehlung der Ad-Hoc-Kommission Schaden UVG Nr. 5/83
"Wagnisse" stellt zwar keine Weisung an die Durchführungsorgane der
obligatorischen Unfallversicherung dar und ist insbesondere für die
Gerichte nicht verbindlich. Sie ist jedoch geeignet, eine rechtsgleiche
Praxis sicherzustellen (vgl. BGE 138 V 140 E.5.3.6). Nach der besagten
Empfehlung werden als Sportarten/Tätigkeiten, die als absolute Wagnisse
gelten und bei Unfällen eine Kürzung der Geldleistungen um 50 % nach
sich ziehen, insbesondere die folgenden aufgeführt: Motorradrennen inkl.
Training und Motorradfahren auf einer Rennstrecke (ausgenommen
Fahrsicherheitskurse) (lit. a). Zudem wird in der Empfehlung Nr. 5/83
"Wagnisse" darauf hingewiesen, dass die Auflistung nicht abschliessend
sei; als absolute Wagnisse würden auch andere Aktivitäten mit
vergleichbarem Risiko gelten (vgl.
https://www.svv.ch/sites/default/files/2018-08/83-05-Wagnisse_
Anpassung%202018D.pdf, zuletzt besucht am 1. Juni 2021). Laut dem
Autor GEHRING (in HÜRZELER/KIESER [Hrsg.], UVG-Kommentar, Bern 2018,
Art. 39 Rz. 76) werden gemäss Verwaltungspraxis unter anderem
motorsportliche Betätigungen wie Motorradrennen inkl. Training und
Motorradfahren auf einer Fahrstrecke (ausgenommen
Fahrsicherheitskurse) als absolute Wagnisse eingestuft. Schliesslich führt
die Suva auf ihrer Webseite unter dem Titel "Beispiele für absolute
Wagnisse" Motorradrennen inkl. Training und Motorradfahren auf einer
Rennstrecke (ausgenommen Fahrsicherheitskurse) an (vgl.
https://www.svv.ch/sites/default/files/2018-08/83-05-Wagnisse_
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https://www.suva.ch/de-ch/praevention/freizeit/ gefaehrliche-sportarten-
wagnisse, zuletzt besucht am 1. Juni 2021).
7.1. Im Lichte obiger, aktueller Rechtsprechung und unter Hinweis
insbesondere auch auf die Empfehlung der Ad-Hoc-Kommission Schaden
UVG Nr. 5/83 "Wagnisse" ist mit der Beschwerdegegnerin davon
auszugehen, dass die Unfallfahrt vom 11. Dezember 2018 als absolutes
Wagnis zu qualifizieren und die Taggeldkürzung um 50 % als rechtmässig
zu bezeichnen ist. Dies aus insbesondere folgenden Gründen:
7.2. Nach eigenen Angaben des Beschwerdeführers ereignete sich der Unfall
an einer besonderen Stelle, nämlich in einer Rechtskurve, wo er von der
Rennstrecke abkam und im Kiesbett landete (vgl. Bf-act. 2 S. 1; vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_217/2018 vom 26. März 2019,
Urteilsbesprechung [E.2-5] in HAVE 4/2019, S. 421 f., [siehe vorstehend
Erwägung 6.1]).
7.3. Der Unfall ereignete sich bei einer Motorradfahrt auf einer Rennstrecke im
Rahmen eines Fahrtrainings. Hinweise auf einen Fahrsicherheitskurs
lassen sich – wie die Beschwerdegegnerin zutreffend festhält – weder der
Unfallmeldung UVG vom 19. Dezember 2018 (vgl. Bf-act. 1) noch dem
Fragebogen "Verkehrsunfall" vom 28. Dezember 2018 (vgl. Bf-act. 2),
welche beide vom Beschwerdeführer erstattet wurden, entnehmen. Eine
Instruktionsfahrt ist nicht gleichzusetzen mit einem Fahrsicherheitskurs.
Der Touring Club Schweiz (TCS) bietet beispielsweise eine breite Palette
von Fahrsicherheitskursen an. Darunter fallen insbesondere Moto-Basis-
(Theorie und Fahrtraining für Alltagssituationen), Moto-Aufbau- (Theorie
und Fahrtraining für Alltags- und Notfallsituationen), Moto-WarmUp-
(Theorie und Fahrtraining für den Saisonstart) und Moto-Road-Kurse
(Theorie und Fahrtraining im öffentlichen Strassenverkehr) (vgl.
https://www.tcs.ch/ de/kurse-fahrzeugchecks/kurse-fahrtrainings/ samt
https://www.suva.ch/de-ch/praevention/freizeit/ https://www.tcs.ch/
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Videoclips mit Übungsparcours, zuletzt besucht am 1. Juni 2021). Der
Einwand des Beschwerdeführers, wonach es sich bei der Instruktionsfahrt
um eine Fahrt zur Verbesserung der Fahrsicherheit gehandelt habe, ist als
Schutzbehauptung zu qualifizieren, welche erst von seinem
Rechtsvertreter im Rahmen des Einspracheverfahrens vorgebracht wurde
(vgl. Bf-act. 7 und 8). Es ist nicht einleuchtend, wieso sich der
Beschwerdeführer mit seinem leistungsstarken Motorrad (Modell Yamaha
R1M) nach E._ begeben haben soll, um dort auf einer Rennstrecke
unter der Ägide eines Anbieters, welcher auf Motorradrennen bzw.
entsprechende Trainings spezialisiert ist und mit ehemaligen
Motorradrennfahrern wie z.B. J._ zusammenarbeitet bzw.
zusammengearbeitet hat, einen reinen Fahrsicherheitskurs zu
absolvieren. Nach der Beweismaxime, wonach die sogenannten
spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und
zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst
von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer
Art beeinflusst sein können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_723/2019
vom 10. März 2020 E.5.1), ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer selbst nicht von einem Fahrsicherheitskurs ausging, bei
dem der Unfall geschah (vgl. Bf-act. 1 und 2), sondern dies erst später aus
unfallversicherungsrechtlichen Überlegungen so benannt wurde, um eine
Taggeldkürzung zu verhindern.
7.4. Mit Blick auf die Webseite des Veranstalters (I._ ag) handelt es sich
bei diesem um einen Anbieter für Veranstaltungen und Ferien für
Motorradrennfahren und freies Fahren auf unterschiedlichen
Rennstrecken. Eigentliche Fahrsicherheitskurse werden – soweit
ersichtlich – von diesem Veranstalter nicht angeboten. Selbst beim
angebotenen Training geht es um sichereres und schnelleres Fahren auf
der Rennstrecke (vgl. Bg-act. C1). Auf der Webseite ist betreffend Training
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zudem explizit erwähnt, dass auch für die Teilnahme an Fahrtrainings die
grundlegende Beherrschung des Motorrades und eine gewisse
Grundgeschwindigkeit Voraussetzung sei und ein solches Training auf der
Rennstrecke für sehr unerfahrene Fahrer oder Anfänger eine
Überforderung darstellen könne (vgl. Bg-act. C1). In den
Sicherheitsbestimmungen ist ebenfalls vermerkt, dass die Rennstrecke
zügig zu befahren sei (vgl. Bg-act. C1). Zudem dienen gemäss den
Sicherheitshinweisen alle Veranstaltungen der Verbesserung der
Fahrzeugbeherrschung (vgl. Bg-act. C1), was nicht mit Fahrsicherheit
insgesamt gleichzusetzen ist.
7.5. Die seitens des Beschwerdeführers ins Recht gelegten Stellungnahmen
des Instruktors (Herr K._, vgl. Bf-act. 9) und des Veranstalters (Herr
L._, vgl. Bf-act. 10) belegen ebenfalls keinen eigentlichen
Fahrsicherheitskurs. Der Instruktor bestätigte nämlich explizit, dass es um
eine Fahrt zur Verbesserung des Fahrkönnens und der Sicherheit auf der
Rennstrecke gegangen sei, damit also nicht um ein
Fahrsicherheitstraining hinsichtlich der Teilnahme im Strassenverkehr.
Zudem erweist sich die Bestätigung des Veranstalters als wenig
beweiswertig, da sie sehr knapp und allgemein gehalten ist und sich nicht
zum Unfallgeschehen am 11. Dezember 2018 äussert. Das Fahren auf
einer Rennstrecke ist mit der Teilnahme als Motorradfahrer im
Strassenverkehr nur bedingt vergleichbar (z.B. keine unterschiedlichen
Verkehrsteilnehmer, kein Gegenverkehr, keine Hindernisse,
Berechenbarkeit der Strecke, grundsätzlich zügiges Tempo), so dass die
Aussage des Veranstalters, es habe sich um ein Sicherheitstraining mit
dem einzigen Ziel der Verbesserung der Fahrsicherheit im
Strassenverkehr gehandelt, nicht überzeugt. Diese Aussage dürfte von
unfallversicherungsrechtlichen Überlegungen zu Gunsten des Kunden
geprägt sein.
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7.6. Der Veranstalter weist auf seiner Webseite (für Personen mit Wohnsitz in
der Schweiz) mehrfach ausdrücklich darauf hin, dass Unfälle bei der
Teilnahme an seinen Veranstaltungen durch die Unfallversicherung nicht
gedeckt seien bzw. dass bei Unfällen auf der Rennstrecke die
Geldleistungen um die Hälfte gekürzt würden, und empfiehlt deshalb den
Abschluss einer zusätzlichen Unfallversicherung (vgl. Bg-act. C1).
7.7. Selbst wenn das Befahren einer Rennstrecke zweifellos Fahrtechnik und
-können verbessern kann, entspricht diese Tätigkeit nicht den Inhalten
eines Fahrsicherheitskurses (vgl. vorstehend Erwägung 7.3). Es handelt
sich um ein Training, unabhängig davon, ob es letztlich zu einer
Rennteilnahme kommt. Laut Veranstaltungsunterlagen befahren während
des Trainings Motorräder unterschiedlicher Leistung gleichzeitig die
Strecke (vgl. Bg-act. C1), weshalb davon ausgegangen werden kann,
dass das Fahren in der Gruppe auf einer Rennstrecke naturgemäss einen
Wetteifer mit sich bringt und einen Wettkampfgeist fördert. Damit ist das
Risiko eines Sturzes nicht zu vernachlässigen, selbst bei erfahrenen
Piloten nicht. Es ist bei einem Unfall unter diesen Umständen von einem
absoluten Wagnis auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_472/2011 vom 27. Januar 2012 E.5.2 f.; siehe auch Urteil des
Bundesgerichts 8C_217/2018 vom 26. März 2019 E.5.1).
7.8. Aus den gesamten Umständen ist zu schliessen, dass es sich bei der
Unfallfahrt vom 11. Dezember 2018 um ein Fahrtraining auf einer
Rennstrecke handelte. Damit liegt ein absolutes Wagnis vor, weshalb sich
die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Kürzung der
Taggeldleistungen um 50 % als rechtmässig erweist.
8. In Bezug auf die angebotenen Beweismittel ist festzuhalten, dass auf die
beantragte Einholung von schriftlichen Auskünften beim Veranstalter (Herr
L._) und beim Instruktor (Herr K._) bzw. auf die verlangte
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Einvernahme dieser Personen gestützt auf die antizipierte
Beweiswürdigung verzichtet werden kann (vgl. BGE 144 V 361 E.6.5, 136
I 229 E.5.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_754/2019 vom 6. Februar 2020
E.5.3). Einerseits liegen von beiden genannten Personen bereits
schriftliche Stellungnahmen im Recht (vgl. Bf-act. 9 und 10). Im Rahmen
einer erneuten schriftlichen Stellungnahme bzw. als Zeugen würden sie
wiederholen, was sie bereits schriftlich bescheinigt haben. Anderseits
wäre der Beweiswert ihrer schriftlichen Auskunft bzw. Zeugenaussage
gering, da sie als Geschäftsführer bzw. Instruktor des Veranstalters selbst
ein Interesse daran haben, dass Fahrten, wie sie vorliegend zum Unfall
führten, nicht als Wagnis qualifiziert werden.
9. Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen und der angefochtene
Einspracheentscheid vom 20. Februar 2020 zu bestätigen.
10. Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 83 ATSG).
Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).