Decision ID: b5ee7174-9b9d-4dc8-a21d-b6d13f685a89
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Im Rahmen einer Untersuchung gegen B. und unbekannte Täterschaft we-
gen wirtschaftlichen Nachrichtendiensts und Verletzung des Fabrikations-
oder Geschäftsgeheimnisses liess die Bundesanwaltschaft (nachfolgend
„BA“) Hausdurchsuchungen vornehmen. Anlässlich der Hausdurchsuchung
vom 27. März 2017 am Wohnort von B. stellte die Bundeskriminalpolizei
(nachfolgend „BKP“) im Auftrag der BA u.a. einen Laptop Lenovo ThinkPad
X240 (Ass.-Nr. 01.07.001, nachfolgend „Laptop“) sowie ein iPhone 6S,
IMEI 1 (Ass.-Nr. 01.07.002, nachfolgend „iPhone“) sicher (act. 1.6; 1.7).
B. Mit Entscheid vom 17. Mai 2017 verfügte das Kantonale Zwangsmassnah-
mengericht Bern (nachfolgend „KZMG-BE“) im Rahmen des Entsiegelungs-
verfahrens die Aushändigung des Laptops und des iPhones an B. nach Ab-
lauf der Rechtsmittelfrist (act. 1.3).
C. Mit Beschlagnahmebefehl vom 1. Juni 2017 verfügte die BA u.a., dass der
Laptop und das iPhone nach Eintritt der Rechtskraft des Entscheids des
KZMG-BE vom 17. Mai 2017 an die BA herauszugeben seien (act. 1.9).
D. Daraufhin gelangte das KZMG-BE am 2. Juni 2017 an die BA und bat um
Rücksprache mit der Verteidigung oder um Präzisierung bzw. Ergänzung
des Beschlagnahmebefehls vom 1. Juni 2017. Es hielt fest, dass mit der Ver-
fügung der BA unter anderem der Eindruck entstanden sei, „die direkte Rück-
gabe der sichergestellten Datenträger vom kantonalen Zwangsmassnah-
mengericht an die Bundesanwaltschaft ohne vorgängige endgültige Lö-
schung der darauf vorhandenen Daten führe im Ergebnis zu einer Umge-
hung des Zwecks der Siegelung oder vielmehr des Entsiegelungsverfahrens,
weil der Bundesanwaltschaft dadurch wieder die untriagierte Gesamtheit der
Daten zugänglich gemacht würde“ (act. 1.10).
E. Am 12. Juni 2017 ersetzte und ergänzte bzw. präzisierte die BA den Be-
schlagnahmebefehl vom 1. Juni 2017. Unter anderem wurde neu verfügt,
dass die Gerätschaften nach Eintritt der Rechtskraft des Entscheids des
KZMG-BE vom 17. Mai 2017 der BKP, Abteilung Forensik und Informatik,
zur Löschung der darauf vorhandenen Daten zu übergeben seien. Die nicht
entsiegelten elektronischen Daten seien B. auf einem separaten Datenträger
auszuhändigen (act. 1.12).
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F. Mit Schreiben vom 10. August 2017 informierte die BA die A. AG, dass die
vorgesehene Besprechung zwischen B., der A. AG und der BA abgesagt
werde, weil „kein Verhandlungsspielraum“ in Bezug auf die Geräte bestehe.
Die BA wies darauf hin, dass die A. AG gegen die Löschung der Daten op-
poniert habe, und dass mit Rückgabe der Geräte an die A. AG weder B.,
noch das KZMG-BE einverstanden seien. Die Löschung der Daten sei ge-
mäss BKP nicht wie in der Verfügung vom 12. Juni 2017 vorgesehen mög-
lich. Die Geräte konnten demnach nicht wie vorgesehen beschlagnahmt wer-
den. Deshalb hob die BA gleichentags die mit Beschlagnahmebefehl vom
12. Juni 2017 erfolgte Beschlagnahme auf und verfügte, dass mit dem Lap-
top und dem iPhone gemäss Entscheid des KZMG-BE vom 17. Mai 2017 zu
verfahren sei (act. 1.2).
G. Am 11. August 2017 teilte die A. AG der BA mit, dass sie sich mit der Ver-
nichtung des iPhones und der Herausgabe des Laptops nach Löschung der
Daten an die A. einverstanden erkläre. Sie ersuchte deshalb um Widerruf
der Verfügung vom 10. August 2017 und einen Vernichtungs- und Lö-
schungsauftrag an die BKP (act. 1.19). Mit Schreiben vom 14. August 2017
lehnte die BA das Ersuchen ab und hielt an der Aufhebung der Beschlag-
nahme vom 12. Juni 2017 und folglich am weiteren Verfahren gemäss Ent-
scheid des KZMG-BE vom 17. Mai 2017 fest (act. 1.13).
H. Mit Beschwerde vom 16. August 2017 gelangte die A. AG an die Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts und verlangte hauptsächlich die Abän-
derung der Verfügung der BA vom 10. August 2017, so dass der Laptop und
das iPhone der A. AG herauszugeben seien (act. 1). Gleichzeitig stellte sie
den prozessualen Antrag, dass die aufschiebende Wirkung der Beschwerde
anzuordnen sei. Für die Dauer der aufschiebenden Wirkung sei das KZMG-
BE anzuweisen, den Laptop und das iPhone zu verwahren (BP.2017.42,
act. 1).
I. Am 17. August 2017 erteilte der Referent der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts der Beschwerde die superprovisorische aufschiebende Wir-
kung (BP.2017.42, act. 2). Mit prozessleitender Verfügung vom 23. August
2017 wurde der Antrag auf aufschiebende Wirkung gutgeheissen
(BP.2017.42, act. 5).
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J. Mit Schreiben vom 21. August 2017 gelangte die A. AG an die BA und hielt
fest, dass sie und B. in Kontakt getreten seien. Im Sinne einer zügigen Lö-
sung der Situation habe die A. AG zugestimmt, das streitgegenständliche
iPhone vernichten zu lassen und den Laptop nach Überschreiben der Fest-
platte, soweit dies nicht schon erfolgt sei, zurückzuerhalten. B. stimme dem
ebenfalls zu und bestehe nicht auf die Herausgabe an sie (act. 8). Letzteres
bestätigt B. mit separaten Schreiben vom 21. August 2017 an die BA (act.
9.1).
K. Mit Eingabe vom 1. September 2017 zog die A. AG ihre Beschwerde zurück.
Hinsichtlich der Verfahrens- und Rechtsvertretungskosten ersucht sie die
(zumindest teilweise) Übernahme durch die Staatskasse (act. 11).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Wer ein Rechtsmittel ergriffen hat, kann dieses bei schriftlichen Verfahren
bis zum Abschluss des Schriftenwechsels und allfälliger Beweis- oder Ak-
tenergänzungen zurückziehen (Art. 386 Abs. 2 lit. b StPO). Der Rückzug der
Beschwerde beendet den Rechtsstreit, weshalb das Beschwerdeverfahren
als erledigt von der Geschäftskontrolle abgeschrieben werden kann (vgl.
hierzu sinngemäss ZIEGLER/KELLER, Basler Kommentar, 2. Aufl., Ba-
sel 2014, Art. 386 StPO N. 4). Der Rückzug der Beschwerdeführerin erfolgte
vor Abschluss des Schriftenwechsels, mithin rechtsgültig, weshalb das Ver-
fahren als erledigt abzuschreiben ist.
2.
2.1. Die Beschwerdeführerin ersucht in ihrem Rückzug der Beschwerde, „ange-
sichts der Begleitumstände dieses Verfahrens“ um eine Übernahme der Ver-
fahrenskosten und ihrer Kosten für die Rechtsvertretung durch die Staats-
kasse. Dabei bringt sie zusammengefasst vor, dass ihr keine andere Wahl
geblieben sei, als zur Beschwerde zu greifen. Erst die Beschwerde habe die
jetzige Lösung ermöglicht. Diese Lösung hätte allerdings schon erreicht wer-
den können, wenn die Beschwerdeführerin nicht über das Verhalten der Be-
schuldigten und der Verteidigung fehlerhaft informiert worden wäre. Die BA
hätte ausserdem auf die Zustimmung der Beschwerdeführerin zur Löschung
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der Daten bzw. der Vernichtung des iPhones vom 11. August 2017 eingehen
können (act. 11, S. 2 f.).
2.2. Die Parteien haben die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens zu tragen. Dabei gilt die Partei, die das
Rechtsmittel zurückzieht, als unterliegend (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Be-
schwerdeführerin hat demnach bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen
Kosten zu tragen. Für eine Entschädigung ihrer Anwaltskosten und Auferle-
gung an den Staat besteht keine rechtliche Handhabe.
2.3.
2.3.1. Ergänzend ist nachfolgend summarisch auf den Antrag um (zumindest teil-
weise) Übernahme der Verfahrens- und Anwaltskosten durch die Staats-
kasse einzugehen:
Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass sie vor Einreichung der Beschwerde
gewillt gewesen sei, eine Lösung zu finden, welche eine Anrufung der Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts vermieden hätte (act. 11, S. 2).
Indem die BA die Besprechung mit B. und der Beschwerdeführerin habe ab-
sagen lassen mit der Begründung, B. sehe in Bezug auf die beschlagnahm-
ten Firmengeräte „keinen Verhandlungsspielraum“, hätte ein Missverständ-
nis seinen Lauf genommen.
2.3.2. Zu welchem Zeitpunkt der Wille zur Kooperation von B. in Frage gestellt
wurde, wie dieses Missverständnis genau entstand und durch wen, kann
durch die Beschwerdekammer jedoch nicht genau eruiert werden. Jedenfalls
scheint nicht belegt, dass allein das Verhalten der BA dazu geführt hätte. B.
hatte vom Schreiben vom 10. August 2017 eine Kopie erhalten und hätte das
Missverständnis ebenfalls auflösen können.
2.3.3. Die Beschwerdeführerin kann auch keinen Entschädigungsanspruch aus
Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 434 Abs. 1 StPO ableiten, da sie im Beschwerde-
verfahren gerade nicht als „Dritte“ fungiert, sondern selbst im eigentlichen
Sinne Partei des Beschwerdeverfahrens war.
2.3.4. Im Übrigen stehen die geltend gemachten Kosten in keinem vernünftigen
Verhältnis zur Verfahrensgeschichte, berücksichtigt man die Tatsache, dass
die Parteien sich innert kürzester Zeit einigen konnten. Diese Einigung – so
räumt es auch die Beschwerdeführerin ein – hätte auch vor Anrufung des
Bundesstrafgerichts erzielt werden können. Dazu war jedoch nicht, wie die
Beschwerdeführerin dies vorbringt, die Beschwerde an das hiesige Gericht
nötig, sondern lediglich eine Aussprache der Parteien.
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2.3.5. Der Antrag der Beschwerdeführerin um (zumindest teilweise) Übernahme
der Kosten der Rechtsvertretung ist abzuweisen. In Bezug auf die Verfah-
renskosten wird berücksichtigt, dass die Beschwerde zurückgezogen wurde,
bevor ein Schriftenwechsel eingeleitet wurde. Ansonsten hat die Beschwer-
deführerin, wie in E. 2.2 festgehalten, für die Kosten als unterliegende Partei
nach Art. 428 Abs. 1 StPO aufzukommen.
3. Die Verfahrenskosten unter Berücksichtigung der Kosten der Verfügung
über die aufschiebende Wirkung sind vorliegend auf Fr. 1‘000.-- festzusetzen
(Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafge-
richts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigun-
gen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). Unter Anrechnung
des von der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschusses in Höhe
von Fr. 2‘000.-- wird die Bundesstrafgerichtskasse angewiesen, der Be-
schwerdeführerin Fr. 1‘000.-- zurückzuerstatten.
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