Decision ID: 29cfcca4-11d3-52e5-b7e1-0ea8c0f26c80
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war seit 1. Februar 2005 als Anlage-/Maschinenführer bei der B._ AG
(nachfolgend: Arbeitgeberin) tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten
obligatorisch versichert. Dr. med. C._, Facharzt FMH für Hals-Nasen-
Ohrenkrankheiten, diagnostizierte am 17. Juni 2009 einen lärmbedingten Tinnitus mit
leichter Hochtonsenke (UV-act. 4). Am 3. September 2009 meldete die Arbeitgeberin
der Suva, der Versicherte leide seit ca. 6 Monaten unter einem Pfeifen in den Ohren
(UV-act. 1).
A.b Gestützt auf eine technische Beurteilung der beruflichen Lärmbelastung des Ver-
sicherten im Zeitraum von 1991 bis 2009 durch den Bereich Physik der Suva vom 12.
Oktober 2009 (UV-act. 7) und eine dazu abgegebene Stellungnahme von Dr. med.
D._, Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Abteilung Arbeitsmedizin der
Suva, vom 14. Dezember 2009 (UV-act. 8) verneinte die Suva mit Schreiben vom 7.
Januar 2010 (UV-act. 10) das Vorliegen einer berufsbedingten Hörschädigung durch
Arbeiten im Lärm und lehnte die Erbringung von Versicherungsleistungen ab. Aufgrund
einer Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 24. Januar 2010 (UV-act. 13) liess
die Suva am 12. April 2010 eine weitere technische Beurteilung der beruflichen
Lärmbelastung im Zeitraum von 1991 bis 2010 durch ihren Bereich Physik durchführen.
Diese ergab erneut, dass die Lärmbelastung Lex während der gesamten Berufstätigkeit
des Versicherten unter 85 dB(A) gelegen habe (UV-act. 20). Dr. D._ stellte daraufhin
fest, das Vorliegen einer Berufslärmschwerhörigkeit sei auszuschliessen (UV-act. 21).
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Entsprechend lehnte die Suva mit Verfügung vom 26. April 2010 ihre Leistungspflicht
formell ab (UV-act. 22).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 21. Mai 2010 vorsorglich
Einsprache (UV-act. 23). Mit Eingabe vom 16. Juli 2010 begründete er, früher sei er
einem durch zusätzliche, ungeschützte Düsen verursachten, stärkeren Lärm ausgesetzt
gewesen. Es sei nicht ersichtlich, ob dieser Sachverhalt in die technische Beurteilung
vom 12. April 2010 Eingang gefunden habe. Er ersuchte insbesondere um Eröffnung
der in der technischen Beurteilung vom 12. April 2010 zitierten Schallmessprotokolle
sowie des Besprechungsprotokolls mit dem Sicherheitsbeauftragten der Arbeitgeberin
vom 7. April 2010 (UV-act. 31). Nachdem die Suva dem Versicherten die
Schallmessprotokolle hatte zukommen lassen (UV-act. 32), führte dieser am 31. August
2010 (UV-act. 34) aus, der Draht-Extruder sei durch eine erhebliche Staubentwicklung
aufgefallen, weshalb man Abblasdüsen montiert habe. Diese in einer Startphase extrem
lauten Abblasdüsen seien nach einer Intervention von Arbeitnehmerseite saniert
worden. Den Ursprung der Hörbeschwerden lokalisiere er in der Zeit, in der die
Abblasdüsen in unsaniertem Zustand tätig gewesen seien. Eine Messung der
Spitzenbelastung durch diese Abblasdüsen habe nicht stattgefunden. Ohne diese
müsse davon ausgegangen werden, dass die dem lärmgewohnten Versicherten als
ausserordentlich aufgefallene Belastung sich über dem Grenzwert befunden habe.
B.b Dr. C._ stellte am 22. September 2010 fest, eine Kausalität zwischen der
Hörstörung im Hochtonbereich und der Arbeit in lärmigem Umfeld sei sehr
wahrscheinlich (UV-act. 39-5). Dr. med. E._, Facharzt für allgemeine Medizin FMH,
ging gleichentags ebenfalls von durch Lärm am Arbeitsplatz entstandenen Schäden,
mithin einer Berufskrankheit, aus (UV-act. 39-6). Im März 2011 führte die Suva eine
Messung bei der Arbeitgeberin am Extruder KO30 und KO31 im Gebäude 57 mit
offenen und gekapselten Abblasdüsen sowie maximalem Druck durch und kam in
ihrem fachlichen Bericht zum Schluss, der Versicherte sei im schlimmsten Fall während
zwei Jahren einer Lärmbelastung von LEX von 85 dB(A) ausgesetzt gewesen (UV-act.
57). Dr. med.
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F_, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Abteilung Arbeitsmedizin
Suva, beurteilte, es sei äusserst unwahrscheinlich, dass eine derartige
Berufslärmexposition die ausschliessliche oder vorwiegende Ursache für die
diagnostizierte Hörstörung darstelle. Demnach liege keine Berufskrankheit vor (UV-act.
58). Der Versicherte brachte darauf vor, er habe bei der Messung der Lärmbelastung
nicht anwesend sein können, nur bei der anschliessenden Besprechung des Berichts
sei er dabei gewesen (UV-act. 61).
B.c Mit Entscheid vom 3. Mai 2011 (UV-act. 62) verfügte die Suva die Abweisung der
Einsprache. Dagegen erhob der Versicherte Beschwerde und beantragte die
Aufhebung des Entscheids sowie die Rückweisung der Sache an die Suva zur
formgerechten Durchführung des Beweisverfahrens, namentlich zur Gewährung des
rechtlichen Gehörs, und anschliessender Neuentscheidung, eventualiter die Zusprache
der dem Versicherten zustehenden gesetzlichen Leistungen der Unfallversicherung
(UV-act. 69).
B.d Mit Entscheid vom 5. Januar 2012 wies das Versicherungsgericht St.Gallen die
Beschwerde ab. Es begründete, es sei auf die im März 2011 vorgenommene
Lärmmessung abzustellen. Somit sei von einer Lärmbelastung von 85dB(A)
auszugehen und die Gehörschädigung des Beschwerdeführers könne mangels
entsprechender Lärmeinwirkung nicht mindestens vorwiegend beim Arbeiten im Lärm
entstanden sein. Folglich bestehe keine Leistungspflicht seitens der Suva (UV-act. 85).
Das Bundesgericht hiess die dagegen erhobene Beschwerde (vgl. UV-act. 87) mit
Entscheid vom 26. Juli 2012 gut. Es wies die Sache an die Suva zurück, damit diese
unter Gewährung der Mitwirkungsrechte des Versicherten die Lärmmessung durch
einen externen Sachverständigen durchführen lasse und über den Leistungsanspruch
neu verfüge (UV-act. 101).
B.e Die Suva informierte die Arbeitgeberin am 4. Oktober 2012 telefonisch über die
erneut notwendige Messung, worauf diese bestätigte, die im fraglichen Zeitpunkt
bestandene Situation könne nochmals hergestellt werden (UV-act. 109). Mit Schreiben
vom 25. Oktober 2012 schlug die Suva dem Versicherten einen externen
Sachverständigen vor (UV-act. 113). Der Versicherte schlug seinerseits andere
Sachverständige vor und beantragte den Beizug diverser interner Dokumente der
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Arbeitgeberin sowie eine Abklärung bezüglich ototoxischer Stoffe am Arbeitsplatz (UV-
act. 114). Gestützt darauf wurde am 1. März 2013 in den Gebäuden der Arbeitgeberin
eine Arbeitsanamnese bezüglich ototoxischer Substanzen und Lärmexposition
erhoben. Dabei wurden veränderte Arbeitsbedingungen im Bereich der Extruderlinien
angetroffen. Die Suva stellte weder Arbeitsstoffe mit bekanntem ototoxischem
Potential noch Hinweise auf Expositionen zu anderen potentiell
gesundheitsgefährdenden Arbeitsstoffen in relevantem Ausmass fest (UV-act. 122).
Nach einem Betriebsbesuch am 7. Mai 2013 bestätigte G_, Suva Bereich Chemie, es
gebe keinen Hinweis auf die Exposition gegenüber ototoxischen Substanzen und
Substanzgruppen am Arbeitsplatz (UV-act. 135). Auf telefonische Mitteilung der Suva
vom 15. und 17. Mai 2013, wonach die angeordnete Lärmmessung nun durchgeführt
werden könne, teilte die Arbeitgeberin mit, das Gebäude 57 befinde sich im Umbau,
was nicht gestoppt werden könne. Die fraglichen Produkte würden schon länger nicht
mehr produziert. Die Situation habe bereits für die Messung vom März 2011
wiederhergestellt werden müssen, jetzt sei dies jedoch nicht mehr möglich (UV-act.
136, UV-act. 138). Die Suva teilte dem Versicherten darauf mit, die vom Bundesgericht
auferlegten erneuten Messungen könnten nicht mehr durchgeführt werden (UV-act.
142).
B.f Dr. med. H._, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, attestierte am 6.
März 2013 einen chronisch-dekompensierten Tinnitus aurium beidseits Grad 3-4 mit
reaktiver Depression und Hyperakusis bei geringgradiger lärmtraumatischer
Hochtonperzeptionsstörung beidseits (UV-act. 120). Dr. med. I._, Oberarzt am
Psychiatrie-Zentrum J._, diagnostizierte am 8. Juli 2013 eine leichte depressive
Episode (ICD-10: F32.0), eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01) sowie
einen Tinnitus aurium (ICD-10: H93.1). Aufgrund der depressiven Symptomatik,
insbesondere der Agoraphobie, bestehe derzeit eine 100% Arbeitsunfähigkeit des
Versicherten in seinem angestammten Beruf. Sollte sich die Angst und die depressive
Symptomatik in Zukunft bessern, wovon derzeit auszugehen sei, so könnte sich beim
Versicherten wieder eine Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, zunächst
in einem reduzierten Umfang von 30-50%, einstellen (UV-act. 176-9 f.).
B.g Bei einer Betriebsbesichtigung im Juli 2013, bei der u.a. der Versicherte sowie
Vertreter der Suva und der Arbeitgeberin teilnahmen, stellte sich heraus, dass die
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Maschine K030 seit Dezember 2010 ausser Betrieb, danach als Ersatzteillager für
andere Maschinen verwendet und zum Besichtigungszeitpunkt absolut
funktionsuntauglich war (UV-act. 148). Am 4. März 2014 verfügte die Suva, sie könne
keine Versicherungsleistungen erbringen. Die leistungsbegründenden Voraussetzungen
für eine Berufskrankheit könnten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen werden (UV-act. 177).
B.h Der Versicherte erhob am 8. April 2014 Einsprache gegen die Verfügung vom 4.
März 2014 und beantragte deren Aufhebung sowie die Zusprache der ihm zustehenden
gesetzlichen Leistungen mit Wirkung ab wann rechtens. Er brachte vor, die von der
Suva durchgeführten Messungen seien mangelhaft und die vom Bundesgericht
angeordneten neuen Lärmmessungen seien nie durchgeführt worden. Die Gründe, die
neue Messungen verunmöglicht hätten, seien von der Suva (und zudem von der
Arbeitgeberin) zu vertreten. Die Verletzung der Pflicht zur Erstellung eines den
rechtlichen Ansprüchen genügenden Messprotokolls habe unter Berücksichtigung der
gesamten Umstände zwingend die Umkehr der Beweislast zur Folge (UV-act. 180). Mit
Entscheid vom 2. Juli 2014 wies die Suva die Einsprache ab (UV-act. 185).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 2. Juli 2014 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 26. August 2014 (act. G 1). Der Beschwerdeführer beantragt darin
dessen Aufhebung sowie die Zusprache von gesetzlichen Leistungen der
Unfallversicherung mit Wirkung ab wann rechtens, insbesondere Heilungskosten,
Hilfsmittel, Umschulung, Taggeld bzw. Rente und Integritätsentschädigung; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Er brachte im Wesentlichen vor, die am 22. März
2011 durchgeführten Messungen seien unter Verletzung seiner Mitwirkungsrechte
erstellt worden. Neue Messungen, wie sie vom Bundesgericht verlangt worden seien,
habe die Beschwerdegegnerin nie durchgeführt. Die Beschwerdegegnerin habe es
offensichtlich versäumt, (materiell und formell) mängelfreie Messprotokolle zu erstellen
und den Sachverhalt ordentlich zu ermitteln. Vor diesem Hintergrund könne daher nicht
auf Beweislosigkeit erkannt werden. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände
habe die Pflichtverletzung der Beschwerdegegnerin zwingend die Umkehr der
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Beweislast zur Folge und dem Beschwerdeführer seien daher die ihm zustehenden
Leistungen zu entrichten.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 28. November 2014 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 7). Sie führt im
Wesentlichen aus, sie sei ihrer Verpflichtung, für die Umsetzungen der
bundesgerichtlichen Anordnung besorgt zu sein, vollumfänglich nachgekommen und
sei daher nicht verantwortlich dafür, dass die vom Bundesgericht angeordnete
Lärmmessung nicht wiederholbar gewesen sei. Die Nichtdurchführbarkeit der
Messwiederholung habe keine Beweislosigkeit zur Folge und führe nicht zur Umkehr
der Beweislast. Es sei äusserst unwahrscheinlich, dass die Berufslärmexposition die
ausschliessliche oder vorwiegende Ursache der Hörstörung darstelle, weshalb sich die
Beschwerde als unbegründet erweise.
C.c Mit Replik vom 13. Januar 2015 (act. G 9) bzw. Duplik vom 10. Februar 2015 (act.
G 11) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.

Erwägungen
1.
Streitig ist vorliegend, ob der nach Lage der Akten bestehende Tinnitus aurium des
Beschwerdeführers eine Berufskrankheit darstellt und somit eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin auslöst.
1.1 Nach Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) gelten Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder
vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden
sind, als Berufskrankheiten. Rechtsprechungsgemäss liegt eine "vorwiegende"
Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten
dann vor, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im
gesamten Ursachenspektrum mehr als 50% ausmachen (BGE 119 V 200 E. 2a; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. September 2011, 8C_465/2011, E. 7.1). Eine
"ausschliessliche" Verursachung liegt vor, wenn der ursächliche Anteil der
schädigenden Stoffe oder bestimmten Arbeiten an der Berufskrankheit praktisch 100%
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beträgt (BGE 119 V 201 E. 2a mit Hinweis). Der Bundesrat erstellt laut Art. 9 Abs. 1
Satz 2 UVG die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten
Erkrankungen. Gestützt auf diese Delegationsnorm und Art. 14 der Verordnung über
die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) hat er in Ziff. 1 des Anhangs 1 zur UVV
abschliessend die schädigenden Stoffe (Listenstoffe) aufgeführt und in Ziff. 2 des
Anhangs 1 zur UVV ebenfalls abschliessend die Krankheiten (Listenkrankheiten), die
mit bestimmten Arbeiten korrespondieren, aufgezählt.
1.2 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a, BGE 121 V 210 E. 6c). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsrecht tragen mithin die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte; bei einer leistungsaufhebenden Tatfrage liegt die Beweislast
somit beim Unfallversicherer, bei einer leistungsbegründenden Tatfrage bei der
versicherten Person. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Im
Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit. Die Versicherungsträger haben dabei alle Beweismittel,
unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des
streitigen Anspruchs gestatten. Dass allenfalls bestimmte Beweismittel nicht (mehr)
erhoben werden können, ändert an der Massgeblichkeit des Regelbeweisgrads nichts
(UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Bern/St.Gallen/Zürich 2015, Art. 43 Rz 46
ff.).
1.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) haben die Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 42 des Bundesgesetzes über den
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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Verletzung des
Gehörsanspruchs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten in der Sache selbst zur
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die sozialversicherungsrechtliche
Rechtsprechung lässt eine Heilung einer nicht besonders schwerwiegenden
Gehörsverletzung ausnahmsweise zu, wenn die betroffene Person die Möglichkeit
erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie
auch die Rechtslage frei überprüfen kann (UELI KIESER, a.a.O., Art. 42 Rz 13 und 15).
2.
Vorerst zu klären ist die Frage der Unmöglichkeit der vom Bundesgericht mit Entscheid
vom 26. Juli 2012 angeordneten Lärmmessung durch einen externen Sachverständigen
(vgl. UV-act. 101).
2.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, die am 22. März 2011 durchgeführten
Messungen seien unter Verletzung seiner Mitwirkungsrechte erstellt worden und damit
weder verwertbar, noch beweisbildend. Er sei überzeugt und es bestünden
verschiedene Hinweise dafür, dass die Werte nicht korrekt ermittelt worden seien,
insbesondere seien lediglich zwei der vier Extruderanlagen gemessen worden. Neue
Messungen, wie sie vom Bundesgericht angeordnet worden seien, habe die
Beschwerdegegnerin nie durchgeführt. Beim Augenschein vom 1. März 2013 seien
sowohl die Wände als auch die Maschinen bei der Arbeitgeberin noch vorhanden
gewesen. Es sei daher davon auszugehen, dass die Messung zu jenem Zeitpunkt noch
durchführbar gewesen wäre. Zusammengefasst habe es die Beschwerdegegnerin
offensichtlich versäumt, (materiell und formell) mängelfreie Messprotokolle zu erstellen
und den Sachverhalt ordentlich zu ermitteln. Dennoch weise die Beschwerdegegnerin
den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers mit der Begründung ab, dass gemäss
ihren Abklärungen die leistungsbegründenden Voraussetzungen für eine
Berufskrankheit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit hätten nachgewiesen
werden können und infolge Beweislosigkeit eine Berufskrankheit zu verneinen sei.
Dieses Ergebnis sei insbesondere auch vor dem Hintergrund falsch, dass sämtliche
Beteiligte bereits seit langer Zeit in das Verfahren involviert und über die
durchzuführenden Messungen informiert gewesen seien. Wenn es die
Beschwerdegegnerin offensichtlich unterlasse bzw. versäume, auch nur ein
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Messprotokoll zu erstellen, das inhaltlich und formell den rechtlichen Ansprüchen
genüge, könne dies nicht dem Beschwerdeführer zum Nachteil gereichen. Vor diesem
Hintergrund könne daher nicht auf Beweislosigkeit erkannt werden, die Konsequenzen
des fehlerhaften Vorgehens der Beschwerdegegnerin seien durch diese zu tragen.
Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände habe die Pflichtverletzung der
Beschwerdegegnerin zwingend die Umkehr der Beweislast zur Folge und dem
Beschwerdeführer seien daher die ihm zustehenden Leistungen zu entrichten (act. G 1
und G 9).
2.2 Die Beschwerdegegnerin führt hingegen aus, sie sei nicht dafür verantwortlich,
dass die vom Bundesgericht angeordnete Wiederholung der Lärmmessung vom 22.
März 2011 nicht habe erfolgen können. Sie habe keinen Anlass gehabt, an der klaren
Zusicherung der Arbeitgeberin vom 4. Oktober 2012, wonach die Situation von damals
nochmals hergestellt werden könne, zu zweifeln. Eine Besichtigung der Räume der
Arbeitgeberin und eine Besprechung mit dieser hätten ergeben, dass sich die Situation,
wie sie anlässlich der Lärmmessung vom 22. März 2011 bestanden habe, nicht
wiederherstellen lasse. Die Anordnung im Rückweisungsurteil des Bundesgerichts sei
offenbar von Beginn weg gar nicht umsetzbar gewesen, was sich jedoch erst im
Nachhinein herausgestellt habe. Nicht die Umbauarbeiten, sondern die bereits lange
zuvor erfolgte Einstellung der entsprechenden Produktion habe die Messwiederholung
verunmöglicht. Die Beschwerdegegnerin habe beabsichtigt, einen externen
Sachverständigen beizuziehen, sobald die vom Bundesgericht angeordnete
Lärmmessung hätte stattfinden können. Die Nichtdurchführbarkeit der
Messwiederholung führe nicht zur Umkehr der Beweislast. Jedenfalls habe sie keine
Beweislosigkeit zur Folge (act. G 7 und G 11).
2.3 Gemäss Bericht über die bei der Arbeitgeberin stattgefundene Besichtigung vom
9. Juli 2013 war die Produktionsmaschine K030 ausser Betrieb und die Holzwände,
welche die vier Produktionsmaschinen umgeben hatten, praktisch vollständig
abgebaut. Die Vertreter der Arbeitgeberin hätten mitgeteilt, mit der Anlage K030 sei
noch bis Dezember 2010 produziert worden, anschliessend sei die Maschine stillgelegt
worden. Für die Lärmmessung im März 2011 sei es noch möglich gewesen, die
Maschine nochmals in Betrieb zu nehmen. Danach sei die Maschine wieder stillgelegt
und als Ersatzteillager für die anderen drei alten Anlagen benutzt worden. Derzeit sei
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die Anlage K030 absolut funktionsuntauglich und könne nicht einmal mehr gestartet
werden. Ein Rückbau sei nicht mehr möglich. Ausserdem müsse berücksichtigt
werden, dass auf den anderen drei noch laufenden Maschinen ein anderes Produkt
verarbeitet werde. Die lärmverursachenden Abblasdüsen würden nicht mehr verwendet
und seien ebenfalls abgebaut. Da die exakte Produktionssituation nicht mehr
hergestellt werden könne, spiele der spätere Abbau der Holzwände eine sekundäre
Rolle (UV-act. 148). Der Beschwerdeführer, welcher an der Besichtigung teilnahm,
bestritt die Feststellungen im Bericht vom 9. Juli 2013 grundsätzlich nicht (vgl. UV-act.
151). Er brachte lediglich vor, seiner Ansicht nach wäre eine Inbetriebnahme der Anlage
K030 mit entsprechendem Aufwand durchaus möglich. Eine Begründung für diese
Ansicht ist den Akten nicht zu entnehmen und die Aussage erfolgte nach einem
äusserlichen Augenschein, welcher es dem Beschwerdeführer nicht ermöglichte, den
Zustand der Anlage fundiert zu beurteilen. Somit kann auf den unter Gewährung der
Mitwirkungsrechte erstellten Bericht abgestellt werden. Es ist demnach davon
auszugehen, dass die Anlage K030 schon kurz nach der ersten Messung vom März
2011 nicht mehr funktionstüchtig war und die fraglichen Produkte seit Dezember 2010
nicht mehr produziert werden. Folglich war die Situation, wie sie zum Zeitpunkt des
erstmaligen Auftretens der Hörstörungen des Beschwerdeführers bestand, bereits
beim Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juli 2012 (vgl. UV-act. 101) nicht mehr
wiederherstellbar. Daran ändert auch nichts, dass die Arbeitgeberin gemäss
Telefonnotiz am 4. Oktober 2012 die mögliche Wiederherstellung der Situation
bestätigte (vgl. UV-act. 109) und anlässlich der Arbeitsanamnese vom 1. März 2013
offenbar über die bevorstehende erneute Lärmmessung gesprochen wurde (vgl. UV-
act. 122, UV-act. 151-3). Im Gegenteil ist dem Bericht vom 1. März 2013 zu
entnehmen, dass an den Arbeitsplätzen Veränderungen an den Extruderlinien erfolgt,
die Anlage K030 stillgelegt und die zusätzlichen Abblasdüsen abgebaut worden seien,
da in diesem Bereich PEEK nicht mehr verwendet werde (UV-act. 122-5).
2.4 Da von einer bereits beim Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juli 2012
bestehenden Unmöglichkeit einer erneuten Lärmmessung ausgegangen wird,
erübrigen sich weitere Erwägungen zu den Vorbringen des Beschwerdeführers,
wonach die Beschwerdegegnerin die Arbeitgeberin nach der bundesgerichtlichen
Anordnung nicht (schriftlich) darauf hingewiesen hätte, dass weitere Messungen nötig
seien und die damalige Situation wiederherstellbar bleiben müsse. Wie die
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Beschwerdegegnerin richtig vorbringt (vgl. act. G 11), hätten entsprechende Hinweise
und insbesondere auch ein Abbruch des Umbaus des Gebäudes 57 nicht zur
Wiederherstellbarkeit der fraglichen Arbeitssituation geführt. Ebenso hätte eine frühere
Mitteilung seitens der Arbeitgeberin über die (doch) nicht durchführbare
Wiederherstellung der Situation die angeordnete Messung nicht ermöglicht. Vor Erlass
des Bundesgerichtsurteils vom 26. Juli 2012 mussten zudem weder die
Beschwerdegegnerin noch die Arbeitgeberin mit einer erneut nötigen Lärmmessung
rechnen und damit auch nicht vorsorglich die Wiederherstellbarkeit sicherstellen. Dies
auch zumal das hiesige Versicherungsgericht mit Entscheid vom 5. Januar 2012
ausführte, auf die Lärmmessungen vom 22. März 2011 könne abgestellt werden, eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs sei zu verneinen (UV-act. 85-10 und 85-16).
2.5 Es ist somit festzuhalten, dass die vom Bundesgericht angeordnete Messung
durch einen externen Sachverständigen damals (26. Juli 2012) nicht möglich war. Das
darauffolgende Verhalten der Parteien und der Arbeitgeberin ist folglich unbeachtlich.
3.
Nach dem Gesagten ist gestützt auf die vorhandenen Akten zu prüfen, ob beim
Beschwerdeführer von einer Listenkrankheit i.S.v. Art. 9 Abs. 1 UVG i.V.m. Ziff. 2 des
Anhangs 1 zur UVV, konkret einer erheblichen Schädigung des Gehörs durch Arbeiten
im Lärm, auszugehen ist. Während der Beschwerdeführer die Ansicht vertritt, der
Tinnitus aurium sei durch die Arbeit im Lärm bedingt, erachtet die Beschwerdegegnerin
die Berufslärmexposition als ausschliessliche oder vorwiegende Ursache der
Hörstörung als äusserst unwahrscheinlich.
3.1 Vorerst zu bemerken ist, dass verschiedene Fragen bezüglich der
Entstehungsmechanismen von Tinnitus von der medizinischen Wissenschaft bislang
nicht verlässlich beantwortet werden konnten. Gemäss der überwiegenden
medizinischen Lehre handelt es sich beim Tinnitus nicht um ein eigenständiges
Krankheitsbild, sondern primär um ein Symptom. Dieses ist wiederum gekennzeichnet
durch eine Vielzahl möglicher Ursachen (vgl. BGE 138 V 248, E. 5.8.2 mit weiteren
Hinweisen). Beim Tinnitus handelt es sich um abnorme Signale in den neuralen
Elementen des Hörsystems, welches das Innenohr, die Hörnerven sowie die
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Hörbahnen und –zentren des Gehirns umfasst. Wo genau diese abnormen Signale
entstehen, weiss man noch nicht. Praktisch jede Innenohrschädigung kann mit Tinnitus
verbunden sein. Bleibender Tinnitus kommt beispielswiese vor bei Lärmschäden, nach
Hörsturz (dort manchmal auch Schwindel), bei Altersschwerhörigkeit, nach gewissen
ohrschädigenden Medikamenten, bei Otosklerose oder gutartigen Tumoren der Hör-
bzw. Gleichgewichtsnerven. Auch Störungen im Bewegungsapparat können Tinnitus
verstärken oder gar auslösen (BERNHARD KELLERHALS, Grundprobleme der
Tinnitus-Hilfe aus medizinischer Sicht, S. 1 und 3 f., abrufbar unter http://
www.laermorama.ch/m4_ohrenschuetzen/pdf/Grundprobleme_Tinnitushilfe.pdf;
besucht am 31. August 2016). Neben Lärm sind somit vielfältige andere Auslöser für
einen Tinnitus aurium denkbar.
3.2 Das hiesige Versicherungsgericht stützte sich bei seinem Entscheid vom 5. Januar
2012 bei der Verneinung einer Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin massgeblich
auf die Lärmmessungen vom 22. März 2011 (vgl. UV-act. 85). Das Bundesgericht
befand sodann, der Anspruch auf rechtliches Gehör des Beschwerdeführers sei verletzt
worden, da er nicht unmittelbar vor Ort an der eigentlichen Beweiserhebung in
Anwesenheit des Arbeitshygieniker und der Vorgesetzten habe teilnehmen können,
womit ihm die Mitwirkungsrechte an der Ermittlung feststellungsbedürftiger Tatsachen
verwehrt worden seien. Die Beschwerdegegnerin habe die Lärmmessung unter
Gewährung der Mitwirkungsrechte durch einen externen Sachverständigen vornehmen
zu lassen (vgl. UV-act. 101). Die in Abwesenheit des Beschwerdeführers
durchgeführten Erhebungen vom 22. März 2011 sind daher nicht beweisbildend.
3.3 Der im September 2008 bei der Arbeitgeberin durchgeführten Lärmmessung lässt
sich für den Maschinenführer Extruder im Gebäude 57 ein Wert Lex von 80 dB(A)
entnehmen (UV-act. 32-16). Der Beschwerdeführer wendete dagegen ein, die Messung
berücksichtige nicht, dass er bei Beginn seiner Hörstörungen Anfang 2009 (vgl. UV-act.
4) durch die ungedämmten Abblasdüsen stärkerem Lärm ausgesetzt gewesen sei (UV-
act. 34). Ob dies tatsächlich nicht berücksichtigt wurde, lässt sich den Akten nicht
entnehmen. Das Messprotokoll vom November 2003 (UV-act. 32-17 ff.) gibt für den
Maschinenführer Extrusion im Bau 57 ebenfalls einen Wert Lex von 80 dB(A) an. Dabei
ist jedoch zu beachten, dass die Arbeitsplatzsituation nicht derjenigen entsprach, wie
sie zum Zeitpunkt des angegebenen Beginns der Hörbeschwerden war. Gleiches gilt
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für die Lärmmessungen vom Mai 1998 (UV-act. 32-2 ff.). Ob bei den Messprotokollen
von 1998 und 2003 die Lärmexposition berücksichtigt wurde und wie hoch sie allenfalls
bewertet wurde, lässt sich den Akten nicht entnehmen (vgl. zur Festlegung der
Lärmexposition und des Wertes Lex dB(A) UV-act. 32-13 und UV-act. 57). Aus diesen
Lärmmessungen sowie der darauf basierenden technischen Beurteilung vom 1. April
2010 (vgl. UV-act. 20) lässt sich somit keine exakte Lärmbelastung festlegen.
3.4 Die auf Antrag des Beschwerdeführers (vgl. UV-act. 114) erhobene
Arbeitsanamnese bezüglich Exposition zu ototoxischen Substanzen ergab, dass keine
Arbeitsstoffe mit bekanntem ototoxischen Potenzial im Einsatz waren und keine
Hinweise auf Expositionen zu anderen potentiell gesundheitsgefährdenden
Arbeitsstoffen in relevantem Ausmass bestehen (UV-act. 122). Dr. med. Dr. sc. nat.
K._, Facharzt für Rechtsmedizin FMH, verantwortlicher Arzt für Toxikologie der Suva,
beurteilte am 2. April 2013, es könne nicht von einer verstärkt gehörschädigenden
Interaktion mit Lärm ausgegangen werden. Substanzen, welche auch ohne
Anwesenheit von Lärm eine erwiesene ototoxische Wirkung zeigten, seien im
Besuchsrapport (vgl. UV-act. 122) nicht aufgeführt (UV-act. 127). Auch G_, Bereich
Chemie der Suva, stellte fest, die Überprüfung in den Bauten 57 und 61 habe keinen
Hinweis auf die Exposition gegenüber ototoxischen Substanzen und Substanzgruppen
ergeben (UV-act. 135). Diese Ausführungen sind überzeugend, nachvollziehbar und
werden auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten.
3.5 In den Akten finden sich unterschiedliche ärztliche Beurteilungen, welche
nachfolgend zu würdigen sind.
3.5.1 Dr. C._ diagnostizierte am 17. September 2009 einen wahrscheinlich
lärmbedingten Tinnitus mit leichter Hochtonsenke. Es liege eine C5-Senke vor, welche
als lärmbedingt angeschaut werden müsse. Bei seiner Diagnose stützte er sich
vorwiegend auf die Aussagen des Beschwerdeführers (UV-act. 4). Am 22. September
2010 diagnostizierte er sodann einen möglicherweise lärmindizierten (richtig wohl:
lärminduzierten) Tinnitus. Der Beschwerdeführer leide seit seiner Arbeit mit lärmigen
Maschinen trotz adäquatem Hörschutz unter einem Tinnitus sowie unter einer
Hörstörung im Hochtonbereich. Eine Kausalität sei sehr wahrscheinlich, wobei “über
das Ausmass des Lärms von unserer Seite aussage gemacht werden können“ (UV-act.
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39-5). Da jegliche weitere Erklärung fehlt, dürfte sich hier wohl ein Schreibfehler
eingeschlichen haben und Dr. C._ dürfte gemeint haben, von seiner Seite her könne
über das Ausmass des Lärms keine Aussage gemacht werden. Wie Dr. F_ im
Übrigen nachvollziehbar vorbringt (vgl. UV-act. 47), sind die Angaben in diesem Bericht
widersprüchlich. So schätzt Dr. C._ den Tinnitus einerseits als möglicherweise
lärminduziert ein, führt dann aber aus, eine Kausalität sei sehr wahrscheinlich und
beurteilt somit im selben Schreiben die Kausalität mit zwei unterschiedlichen
Wahrscheinlichkeitsgraden. Hausarzt Dr. E._ stellte am 26. September 2009, mithin
kurz nach Erhalt des Berichts von Dr. C._ (vgl. UV-act. 4), fest, der Beschwerdeführer
habe am Arbeitsplatz einen chronischen Lärmschaden erlitten (UV-act. 6). Am 22.
September 2010 bestätigte Dr. E._, offensichtlich gestützt auf den gleichentags
erstellten Bericht von Dr. C._ (vgl. UV-act. 39-5), er sehe den Tinnitus als
Berufskrankheit an. Er und Dr. C._ seien nach wie vor der Meinung, dass diese
Schäden durch den Lärm am Arbeitsplatz entstanden seien. Dies sei ohne Präjudiz als
Berufskrankheit anzusehen (UV-act. 39-6). Wie von Dr. F_ ausgeführt (vgl. UV-act.
47) und von Dr. C._ sinngemäss erwähnt (vgl. UV-act. 39-5), sind Dr. C._ und Dr.
E._ nicht in der Lage, über das Ausmass des Lärms bei der Arbeitgeberin eine
Angabe zu machen, da entsprechende Lärmmessungen nicht vorliegen, mithin also
nicht erwiesen ist, ob eine gehörgefährdende Lärmbelastung bestanden hat.
3.5.2 Dr. H._ diagnostizierte im März 2013 einen chronisch-dekompensierten
Tinnitus auris beidseits Grad 3-4 mit reaktiver Depression und Hyperakusis bei
geringgradig lärmtraumatischer Hochtonperzeptionsstörung beidseits. Der
Beschwerdeführer habe nach jahrelanger Lärmarbeit seit 2009 einen bilateralen
hochfrequenten Tinnitus bemerkt. Grundlage sei die lärmtraumatische Hochtonsenke
bei 4 und 6 kHz (UV-act. 120-4). Bei der Nennung von Lärm als Ursache der
diagnostizierten Hochtonsenke stützt sie sich soweit ersichtlich ausschliesslich auf die
Aussagen des Beschwerdeführers. Den weiteren aktenkundigen Berichten von Dr.
H._ vom Mai 2013, Juli 2013, März 2014 und August 2014 sind abgesehen von der
gleichbleibenden Diagnose der geringgradig lärmtraumatischen
Hochtonperzeptionsstörung keine Ausführungen zu allfälligen Ursachen der Hörstörung
zu entnehmen (UV-act. 134, UV-act. 149, UV-act. 179, UV-act. 188).
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3.5.3 Dr. med. L._, Praktische Ärztin, welche den Beschwerdeführer seit 2014
hausärztlich betreut, stützte sich bei ihrem Arztzeugnis vom 28. Januar 2014 bei ihrer
Einschätzung, wonach der Tinnitus durch Lärmexposition am Arbeitsplatz
hervorgerufen worden sei, ausdrücklich auf die Akten (UV-act. 176). Ihrer Beurteilung,
welche sie kurz nach Beginn der ärztlichen Betreuung des Beschwerdeführers
verfasste, ist somit vorliegend keine eigenständige Bedeutung beizumessen. Für die zu
beurteilende Frage der Berufskrankheit nicht ausschlaggebend sind auch die Angaben
von Dr. I._, welcher den Beschwerdeführer vorwiegend aus psychiatrischer Sicht
beurteilte (UV-act. 176-9 f.).
3.5.4 Die erwähnten Ärzte stützten ihre Einschätzung bezüglich der Ursache der
Hörstörung soweit erkennbar ausschliesslich auf die Angaben des Beschwerdeführers.
Die Berichte geben keinen Hinweis auf entsprechende eigene
Untersuchungsergebnisse oder eine Auseinandersetzung mit den Akten der
Beschwerdegegnerin (abgesehen vom Schreiben von Dr. E._ vom 16. März 2011,
vgl. UV-act. 59). Es lässt sich aus den Aussagen der Ärzte kein qualifizierter
Kausalzusammenhang zwischen der Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der
Arbeitgeberin und der Hörstörung ableiten.
3.6 Schliesslich sind auch keine lärmbedingten Beschwerden oder Klagen anderer
Mitarbeiter der Arbeitgeberin aktenkundig. Es liegt wohl eine durch zwei ehemalige
Mitarbeiter der Arbeitgeberin unterzeichnete Bestätigung des Arbeitsablaufes bei der
Arbeitgeberin im Recht. Dieser ist bezüglich Lärm jedoch nur zu entnehmen, dass es
neben der Extrudersteuerung und den Extrudern viel zu laut gewesen sei (UV-act.
166-18 f.). Diese subjektive Lärmempfindung begründeten sie nicht und brachten auch
keine allfällig durch die Lärmbelastung entstandenen Probleme vor.
3.7 Da die beim Beginn der Hörstörung des Beschwerdeführers bestandene
Arbeitsplatzsituation nicht wiederhergestellt werden kann, sind weitere Abklärungen
bezüglich der Lärmbelastung nicht möglich. Insbesondere ist der vom
Beschwerdeführer im Vorverfahren mehrfach vorgebrachte (vgl. UV-act. 114, UV-act.
160) und in der Beschwerde sinngemäss wiederholte Antrag auf Edition der
Werkstattrapporte, Tagesrapporte und Diames-Protokolle der Arbeitgeberin für die
Jahre 2007 bis 2009 (act. G 1) abzulehnen. Der Beschwerdeführer bringt vor, diese
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Unterlagen könnten Hinweise auf die Expositionszeit in der Nähe der Abblasdüsen
sowie den Zeitpunkt des Anbringens und Dämmens der Abblasdüsen geben. Wie der
Beschwerdeführer in seiner Replik (act. G 9) selbst jedoch zutreffend ausführt, ist die
Festlegung der Expositionszeit aufgrund der nicht verwertbaren Messergebnisse
vorliegend irrelevant.
3.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Hörstörung des Beschwerdeführers
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausschliesslich oder
vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht wurde.
Damit sind die Voraussetzungen für eine Qualifizierung der Hörstörung als
Berufskrankheit i.S.v. Art. 9 Abs. 1 UVG nicht erfüllt. Dem Beschwerdeführer stehen
mithin für die gemeldeten Hörbeschwerden mangels Vorliegens einer Berufskrankheit
keine Versicherungsleistungen zu.
3.9 Selbst wenn man, wie von den Parteien teilweise vorgebracht (vgl. UV-act. 177,
UV-act. 185-8, act. G1, act. G9), von einer Beweislosigkeit ausginge, käme es nicht zu
einer Umkehr der Beweislast, weil die Unmöglichkeit der bundesgerichtlich
angeordneten Lärmmessung nicht durch das Verhalten der Beschwerdegegnerin
verursacht wurde. Der Beschwerdeführer hätte die Beweislast zu tragen, da er aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt einen Leistungsanspruch ableiten wollte.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.