Decision ID: 514857f4-16f2-447a-aba8-003cb39b383a
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Storchenegger, Rorschacher Strasse 107,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 29. Dezember 2003 zum Bezug von IV-Rentenleistungen an
(act. G 6.1.1). Am 25. September 2004 erlitt die Versicherte einen Verkehrsunfall (act.
G 6.1.36). Der erstbehandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
berichtete am 10. November 2004, dass sich die Versicherte beim Verkehrsunfall eine
Schulterprellung rechts, eine Prellung der mittleren BWS und des rechten
Unterschenkels lateral zugezogen habe. Radiologisch hätten keine Frakturen
bestanden. Aufgrund der Befunde handle es sich "lediglich um leichte Prellungen und
um keine schweren Verletzungen" (act. G 6.1.21-5).
A.b Der seit 1997 behandelnde Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
stellte im Bericht vom 1. April 2005 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit: somatoformes Schmerzsyndrom der rechten Körperseite (seit 2001)
und ein cervicovertebrales Schmerzsyndrom nach Autounfall vom 25. September 2004
(act. G 6.1.28). Der behandelnde Dr. med. D._, u.a. Facharzt FMH für Innere Medizin,
berichtete am 23. Mai 2005, dass die Versicherte an einer Fibromyalgie, einem
chronischen cervicovertebralen und thorakovertebralen Syndrom, einem Thoracic-
outlet-Syndrom rechts, einer reaktiven Depression sowie einem Status nach Autounfall
vom 25. September 2004 leide. Seit dem 5. Dezember 2001 sei die Versicherte in der
angestammten Tätigkeit als Fabrikmitarbeiterin zu 100% arbeitsunfähig. Er hielt die
Versicherte mindestens zu 70% invalid (act. G 6.1.33).
A.c Am 9. Oktober, 29. November und 11. Dezember 2006 wurde die Versicherte im
Auftrag der für die Folgen des Unfallereignisses vom 25. September 2004
leistungspflichtigen Haftpflichtversicherung (unter Mitwirkung der IV-Stelle, act. G 6.55)
an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich psychiatrisch, neuropsychologisch und
neurologisch durch Prof. Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, begutachtet (vgl. Gutachten vom 8. Mai 2007, act. G 6.2). Am
22. August 2007 wurde sie im Universitätsspital Zürich rheumatologisch von
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Prof. Dr. med. F._, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, begutachtet
(rheumatologisches Teilgutachten vom 27. August 2007, act. G 6.2). Prof. E._
diagnostizierte eine Anpassungsstörung, eine längere depressive Reaktion (ICD-10:
F43.21), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie eine
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung, vorwiegend der
Aufmerksamkeit. Er bescheinigte der Versicherten "derzeit" für sämtliche Tätigkeiten
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Mittels adäquater Psychotherapie könne die
Arbeitsfähigkeit schrittweise erhöht werden (Gutachten vom 8. Mai 2007, S. 11 und 15,
act. G 6.2). Prof. F._ stellte die Diagnosen eines (wahrscheinlichen) Thoracic Outlet-
Syndroms, von nackenbetonten Wirbelsäulenbeschwerden ohne klinisches Korrelat
sowie einen Status nach wahrscheinlicher Distorsion der Halswirbelsäule bei Status
nach Autounfall. Ferner übernahm er die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung aus dem Gutachten der Universitätsklinik Zürich vom 8. Mai 2007. Es
bestünden "keine Konsequenzen" der wahrscheinlich stattgehabten Distorsion
anlässlich des Unfalls vom 25. September 2004 mehr. Sichere krankheitsbedingte
Befunde hätten rheumatologischerseits nicht erhoben werden können. Die Versicherte
sei für leichtere bis mittelschwere Arbeit, insbesondere auch für ihre angestammte
Tätigkeit als Fabrikarbeiterin, zu 100% arbeitsfähig (rheumatologisches Teilgutachten
vom 27. August 2007, act. G 6.2).
A.d Da aus Sicht des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) das Gutachten von
Prof. E._ versicherungsmedizinisch "nicht vollständig" überzeugte (act. G 6.1.67),
wurde beim behandelnden Psychiater, Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, ein Arztbericht in Auftrag gegeben. Mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit diagnostizierte dieser eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10:
F45.4) sowie eine auf die Schmerzstörung zurückzuführende Persönlichkeitsänderung
(ICD-10: F62.80) mit asthenischen, emotional impulsiven, histrionischen, narzistischen
und neurotischen Zügen. Von Dezember 2001 bis heute sei die Versicherte zu 100%
arbeitsunfähig in der angestammten Tätigkeit. Für leidensadaptierte Tätigkeiten - deren
Zumutbarkeit er verneinte - schätzte er die verminderte Leistungsfähigkeit auf 50%
(Bericht vom 18. Dezember 2007, act. G 6.1.68). Gestützt auf den Bericht von Dr. G._
kam der RAD-Arzt J._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zum
Schluss, dass "versicherungsmedizinisch" seit Dezember 2001 (act. G 6.1.73) von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit für schwere körperliche Tätigkeiten und eine 50%ige
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Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten bestehe (act.
G 6.1.69).
A.e Im Schreiben vom 29. Februar 2008 gab Dr. G._ an, er erachte die Versicherte zu
100% arbeitsunfähig für eine Erwerbsarbeit. Die im Bericht vom 18. Dezember 2007
aufgeführte 50%ige "zeitliche" Einschränkung betreffe "jedwelche Tätigkeit, auch im
sogenannt geschützten Rahmen". Von der IV sei dies nun offenbar zum Anlass
genommen worden, eine generelle 50%ige Leistungseinschränkung bei einer
adaptierten Tätigkeit anzunehmen. Dies halte er für falsch (act. G 6.1.75).
A.f Der RAD gelangte am 11. März 2008 zur Auffassung, dass der Bericht von
Dr. G._ vom 29. Februar 2008 nicht mit dessen Beurteilung vom 18. Dezember 2007
zu vereinbaren sei. Um eine "versicherungsmedizinisch fundierte" Beurteilung zu
erhalten, empfahl der RAD eine erneute polydisziplinäre Begutachtung (RAD-
Stellungnahme vom 11. März 2008, act. G 6.1.76).
A.g Die Versicherte wurde am 9. und 10. September 2008 in der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch, neurologisch)
begutachtet. Im Gutachten vom 15. Oktober 2008 diagnostizierten die ABI-Gutachter
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zervikovertebrales und
thorakovertebrales Syndrom (ICD-10: M54.2/M54.6). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden ein multilokuläres Schmerzsyndrom ohne neurologisches
Korrelat (ICD-10: R52.9), eine funktionelle sensomotorische Armlähmung rechts
(ICD-10: F44.4), eine Schmerzverarbeitungsstörung bzw. Symptomausweitung (ICD-10:
F54) sowie ein chronischer Nikotinabusus (ICD-10: F17.1). Insgesamt bestehe für
körperlich leichte oder mittelschwer belastende Tätigkeiten eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit. Arbeiten mit den Armen über der Horizontalen oder körperlich schwer
belastende Tätigkeiten seien der Versicherten nicht mehr zumutbar. Die Gutachter
gingen davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit in körperlich schwer belastenden
Tätigkeiten mindestens seit dem 25. September 2004 aufgehoben sei. Eine
langandauernde Arbeitsunfähigkeit in den übrigen Tätigkeiten sei aus gutachterlicher
Sicht nicht nachvollziehbar (act. G 6.1.88).
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A.h Im Vorbescheid vom 18. Dezember 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, einen Anspruch auf Rentenleistungen zu verneinen. Die Abklärungen hätten
ergeben, dass ihr leidensangepasste körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zu
100% zumutbar seien. Der Invaliditätsgrad betrage 0% (act. G 6.1.94).
A.i Im an die ABI gerichteten Schreiben vom 20. September 2009 kritisiert Dr. H._
die ABI-Begutachtung (act. G 6.1.99). Die ABI nahm hierzu am 4. Februar 2009 Stellung
(act. G 6.1.99).
A.j Am 16. Februar 2009 verfügte die IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids (act.
G 6.1.100).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 16. Februar 2009 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 20. März 2009. Die Beschwerdeführerin beantragt darin
unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Zusprache mindestens einer halben Rente.
Sämtliche involvierten Ärzte seien sich einig, dass kein die Schmerzsituation
erklärendes somatisches Korrelat habe gefunden werden können. Dies mache eine
objektive Beurteilung schwierig. Die Beschwerdeführerin betont, dass der RAD-Arzt vor
Eintreffen des Zusatzberichts von Dr. G._ vom 29. Februar 2008 noch der
Überzeugung gewesen sei, es bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten. Sie bemängelt des Weiteren den psychiatrischen Teil des
ABI-Gutachtens in verschiedener Hinsicht (etwa zu kurze Exploration; Widerspruch zur
Aktenlage; unzutreffende Verneinung von psychosozialen Belastungsfaktoren und
damit einhergehend unzutreffende Verneinung einer somatoformen Schmerzstörung;
lückenhafte Aktenkenntnis), weshalb auf das aus ihrer Sicht überzeugendere Gutachten
von Prof. E._ zur Beurteilung der Invalidität abzustellen sei. Ferner hält sie die
Vornahme eines 25%igen Leidensabzugs für gerechtfertigt (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. April 2009
die Beschwerdeabweisung. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass das ABI-
Gutachten beweistauglich und die gestützt darauf getroffene Ablehnung eines
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Rentenanspruchs zutreffend sei. Es bestünden keine Gründe für die Vornahme eines
Leidensabzugs (act. G 6).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 20. April 2009 wurde dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 7).
B.d Die Beschwerdeführerin hält in der Replik vom 5. Juni 2009 unverändert am
gestellten Antrag sowie dessen Begründung fest. Ergänzend rügt sie die von der
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort neu vorgenommene Bestimmung der
Vergleichseinkommen (act. G 11).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
Rentenleistungen der Invalidenversicherung hat.
1.1 Am 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), am 1. Januar 2004 sind die neuen
Normen der 4. IV-Revision und am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision
revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des
ATSG in Kraft getreten. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine
übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu
legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt
gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt
verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die
angefochtene Verfügung ist am 16. Februar 2009 ergangen (act. G 6.1.100), wobei ein
Sachverhalt zu beurteilen ist (Eintritt Arbeitsunfähigkeit am 5. Dezember 2001, act.
G 6.1.1), der vor dem Inkrafttreten des ATSG und der revidierten Bestimmungen der
4. und 5. IV-Revision begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit
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eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist
entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis
31. Dezember 2002 bzw. bis 31. Dezember 2003 bzw. bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab 1. Januar 2008 auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Nachfolgend werden die seit
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben, soweit
nicht ausdrücklich auf die altrechtlichen Bestimmungen verwiesen wird.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
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medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt
einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober
2002, I 779/01, E. 4.2).
1.4 Gemäss aArt. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2003 gültigen Fassung)
besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu zwei Dritteln, derjenige auf eine halbe Rente, wenn sie wenigstens zur
Hälfte invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, so besteht ein
Anspruch auf eine Viertelsrente. Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG (in der seit 1. Januar 2004
bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) und Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar
2008 gültigen Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 16.
Februar 2009 (act. G 6.1.100) auf das ABI-Gutachten vom 15. Oktober 2008 (act.
G 6.1.88). Die Beschwerdeführerin hält dessen psychiatrische Beurteilung durch
Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, u.a. deshalb für nicht
beweiskräftig, weil sie mit dem psychiatrischen Gutachten von Prof. E._ vom 8. Mai
2007 (act. G 6.2) sowie den Angaben des behandelnden Psychiaters im Bericht vom
18. Dezember 2007 (act. G 6.1.68) nicht zu vereinbaren sei.
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2.2 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt entscheidend ins Gewicht,
dass sich die genannten Einschätzungen des behandelnden Psychiaters und von
Prof. E._ einerseits und jene des psychiatrischen ABI-Gutachters andererseits in der
Beurteilung der Leistungsfähigkeit diametral widersprechen. Es bestehen darüber
hinaus weitere Diskrepanzen. So hält beispielsweise Dr. I._ in der persönlichen
Anamnese keine Schwierigkeiten fest sondern spricht im Gegenteil von einer
unbelasteten Kindheit (act. G 6.1.88-10). Demgegenüber wies Prof. E._ auf eine
mehrfache Emigrationsproblematik hin. Von einer zweifachen Emigration spricht auch
der behandelnde Psychiater (act. G 6.1.68-2; Dr. G._ wies zusätzlich auf differierende
anamnestische Angaben der Beschwerdeführerin hin, act. G 6.1.68-4). All diese
Hinweise in den Vorakten scheint Dr. I._ nicht zur Kenntnis genommen zu haben;
jedenfalls hinterfragte er die anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin nicht.
Die Untersuchung bei Dr. I._ fand offenbar in einem etwas gespannten Rahmen statt;
so schilderte Dr. I._ die Beschwerdeführerin als äusserst pflegmatisch und
ausgesprochen desinteressiert, was die Beurteilung schwierig mache (act. G
6.1.88-10). Wenn Dr. I._ kurz darauf die Beurteilung von Prof. E._ rundweg für
falsch hält und dazu meint, dieser scheine die Aufmerksamkeitsstörung mit der
Gleichgültigkeit und dem Desinteresse der Beschwerdeführerin verwechselt zu haben,
so ist diese Folgerung nicht schlüssig begründet. Wenig überzeugend ist auch der
Hinweis von Dr. I._, dass im Leben der Beschwerdeführerin weder psychosoziale
Belastungsfaktoren nachweisbar seien noch vulnerable Stressfaktoren in der Kindheit.
Immerhin war die Kindheit durch die Rückkehr nach K._ belastet; Prof. E._ sah
Hinweise für gegeben, dass die Beschwerdeführerin ihrer glücklichen Kindheit in L._
hinter her traure, so dass eine Anpassungsstörung vorliegen könne (act. G 6.2,
Gutachten S. 12). Bei Prof. E._ war auch ein grosser Leidensdruck spürbar (act. G
6.2, Gutachten S. 7). In der Untersuchungssituation bei Dr. I._ ist davon keine Rede,
sondern allein von sekundärem Krankheitsgewinn. Zwar spricht Prof. E._ auch von
motivationalen Problemen, die gewisse schlechte Testleistungen vermutlich
überlagerten (act. G 6.2, Gutachten S. 12). Insgesamt hielt Prof. E._ jedoch
psychiatrische Diagnosen für gegeben, welche die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin beeinträchtigen würden. Offen blieb allerdings bei Prof. E._, ob
bzw. in welchem Ausmass er die Schmerzüberwindung für zumutbar erachtet.
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2.3 Vor diesem Hintergrund wäre vom psychiatrischen ABI-Gutachter zu erwarten
gewesen, dass er seine im Vergleich zu den Vorakten abweichende Beurteilung
einlässlich begründet und seine den Vorakten widersprechenden Feststellungen (vgl.
vorstehende E. 2.2) in einer kritischen Abwägung mit den Erkenntnissen von Prof. E._
und des behandelnden Psychiaters diskutiert. So ist es gerade ein Qualitätszeichen,
wenn ein Experte im Bereich diagnostisch nicht eindeutiger und demzufolge einen
Interpretationsspielraum eröffnender Beschwerdebilder das Für und Wider einer
krankhaften seelischen Abwegigkeit kenntlich macht, statt eine Sicherheit
vorzutäuschen, welche es in solchen Belangen von der Natur der Sache her kaum
geben kann. Diesen Anforderungen kam der psychiatrische ABI-Gutachter nicht nach.
Vielmehr begründete er seine abweichende Beurteilung allein mit fehlerhaften
Diagnosen, ohne dafür eine schlüssige Begründung anzuführen (act. G 6.1.88-12).
2.4 Insgesamt bestehen zwischen den verschiedenen psychiatrischen Beurteilungen
unüberbrückbare Gegensätze, so dass es für das Gericht nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit beurteilbar ist, welche Einschätzung der Invaliditätsbemessung
zugrunde zu legen ist (vgl. Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 16. Mai 2007, IV 2006/91, E. 2c, und vom 14. April 2010, IV 2009/69, E. 2.5).
2.5 Zusammenfassend steht fest, dass in psychiatrischer Hinsicht ein in allen Teilen
nachvollziehbares, überzeugendes Gutachten fehlt. Es rechtfertigt sich daher, die
Sache zur Vornahme einer psychiatrischen Oberbegutachtung durch eine noch nicht
mit dem Fall befasste MEDAS an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 16. Februar 2009 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur weiteren
Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- bis
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erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
3.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat am 5. Juni 2009 ein pauschales Honorar von Fr. 3'906.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) geltend gemacht. Bei einer
Rechtsvertretung im gesamten Beschwerdeverfahren wird in
invalidenversicherungsrechtlichen Fällen praxisgemäss eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
gesprochen. Ein höherer Aufwand erscheint mit Rücksicht auf vergleichbare Fälle (vgl.
etwa Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. Februar 2011,
IV 2009/123) nicht angemessen. Mit der Zusprache einer Parteientschädigung von
pauschal Fr. 3'500.-- erübrigt sich die Frage einer Entschädigung aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP