Decision ID: 34f996e6-5a02-4ad6-8f50-fcad31229dd1
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren
1967, absolvierte nach der Schule eine
Anlehre
als Verkaufshelferin (
Urk.
12/1). Sie
war vom Juni bis Dezember 2007 in einem 20%igen Pensum in der Reinigung tätig und meldete sich am 30. September 2009 wegen einer Diskushernie der Lendenwirbelsäule bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (
Urk.
12/3).
Nach erwerblichen und medizinischen Abklärungen hielt die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 16. April 2010 fest, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (
Urk.
12/22).
Ab dem 1
2.
Dezember 2011 war die Versicherte in einem 100%-Pensum als Wäschereimitarbeiterin tätig. Am 24. September 2012
rutschte sie
beim Duschen aus und
fiel
auf den Rücken, weshalb sie anschliessend
krankgeschrieben
war (
Urk.
12/25,
Urk.
12/26).
Wegen unfallbedingter Schmerzen und
Beschwerden
der Arme meldete sie sich am 14. Januar 2013
bei der Eidgenössischen Invali
denversicherung
erneut
zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/31).
Die IV-Stelle nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
12/34,
Urk.
12/35,
Urk.
12/37,
Urk.
12/39,
Urk.
12/41,
Urk.
12/42,
Urk.
7/43), insbesondere zog sie die Akten der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, der obligatorischen Unfallversicherung der Versicherten, bei (
Urk.
12/33,
Urk.
12/40)
und gab ein polydisziplinäres (allgemeininternistisches, neurologisches, psychiatrisches, rheumatologisches, ophthalmologisches) Gutachten
beim Institut Y._
in Auftrag, welches
am
19. Mai 2014 erstattet wurde (
Urk.
12/56). Mit Vorbescheid vom 5. August 2014 stellte die IV-Stelle die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
12/64)
.
Dagegen erhob die Versicherte am 15. September 2014 Einwand (
Urk.
12/69). Am 30. Septem
ber 2014 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Michael Grimmer, am 24. November 2014 Beschwerde erheben. Sie beantragte, ihr sei eine ange
messene Nachfrist zur Begründung beziehungsweise Verbesserung der Beschwerde anzusetzen (
Urk.
1). Mit Verfügung vom 26. November 201
4 wurde der Versicherten
sodann
eine
solche
Nachfrist zur Begründung der Beschwerde eingeräumt (
Urk.
5),
wonach die begründete Beschwerde
am
11. Dezember 2014 erfolgte. Die Versicherte beantragte, ihr sei mindestens eine halbe Invaliden
rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren
Sachverhaltsabklä
rung
und Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zudem beantragte sie, es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ein unent
geltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (
Urk.
7).
Mit Beschwerdeantwort vom
29. Januar 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11) und mit Verfügung vom 6. Februar 2015 wurde der Versicherten die unentgeltliche Prozessführung bewilligt sowie Rechtsanwalt Michael Grimmer als unentgeltli
cher Rechtsvertreter bestellt (
Urk.
13). Nach telefonischer Auf
-
forderung reichte Rechtsanwalt Michael Grimmer am
31. August 2015
seine Honorarnote ein (
Urk.
15,
Urk.
16).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über das Allgemeine Sozialversicherungsrecht [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
-
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt - was vor allem bei ps
ychischen Fehlent
wicklungen nötig ist -, in Kenntnis der un
d gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolg
erungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Expert
e oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschwe
ren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügung vom 30. September 2014 gestützt auf das
Y._
-Gutachten vom
19. Mai 2014 (
Urk.
12/56) von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus. Dabei nahm die IV-Stelle eine
Herabsetzung
des Invalideneinkommens
aufgrund einer
Einkom
mensparallelisierung
vor und berücksichtigte einen leidensbedingten Abzug in der Höhe von 10
%
. Aufgrund des ermittelten Invaliditätsgrads von 29
%
ver
neinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (
Urk.
2).
2.2
Die Versicherte liess in der Beschwerde vom
11. Dezember 2014 insbesondere vorbringen, die im April 2014 durchgeführte Operation an der rechten Hand beziehungsweise dem rechten Handgelenk habe nicht den gewünschten Erfolg
gebracht, weshalb von einer höheren Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei, als
ihr
im
Y._
-Gutachten attestiert worden s
ei
. Die IV-Stelle sei ihrer
Abklärungs
pflicht
in diesem Zusammenhang nicht in genügendem Mass nachgekommen, weshalb eine Rückweisung für weitere Sachverhaltsabklärungen nötig sei. Zudem sei nicht nachvollziehbar, weshalb die im
Y._
-Gutachten festgehaltene Arbeitsunfähigkeit von 10
%
aus ophthalmologischer Sicht vollumfänglich in der aus rheumatologischer Sicht attestierten Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
von
2
5
%
aufgehen solle
, vielmehr seien diese zusammenzuzählen
. Schliesslich kritisierte die Versicherte
auch
das von der IV-Stelle festgelegte Invaliden
-
einkommen (
Urk.
7 S. 8-10).
2.3
Die IV-Stelle ist auf die Neuanmeldung der Versicherten vom
14. Januar 2013 (
Urk.
12/31) eingetreten, weshalb zu prüfen ist, ob sich seit der
rentenver
-
neinenden
Verfügung vom 16. April 2010 (
Urk.
12/22) eine für den Rentenan
spruch relevante Änderung des Invaliditätsgrads ergeben hat.
Dazu ist zunächst auf die gesundheitlichen Beschwerden und deren Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit auszugehen.
3.
3.1
Die Gutachter des
Instituts
Y._
untersuchten die Versicherte
im Auftrag der IV-Stelle
am 7., 8. und 23. April 2014 (
Urk.
12/56/2), wobei auch Labor
untersuchungen durchgeführt
(
Urk.
12/56/12)
und Ergebnisse bildgebender Untersuchungen berücksichtigt wurden (
Urk.
12/56/18-
19)
.
I
m
polydisziplinären
, nämlich
allge
meininternistischen
, neurologische
n, psychiatrischen
, rheumatologische
n und ophthalmologischen
Gutachten vom 19. Mai 2014
wurde
zunächst die Aus
gangslage zusammen
gefasst
und
wurden sodann
die vorhandenen Akten aus
zugsweise wieder
gegeben
(
Urk.
12/56/3-10). Anschliessend erhob
der
allge
meininternistische
Gutachter die
persönliche Anamnese, also das jetzige Leiden, die Sozial- und Arbeitsanamnese sowie die medizinische Anamnese (
Urk.
12/56/11-12).
Zudem wurden
spezifische
psychiatrische
,
rheumatologische
, neurologische und ophthalmologische
Anamnesen erhoben
(
Urk.
12/56/13-
15,
Urk.
12/
56/
16-17
,
Urk.
12/56/22-23
).
3.2
Die Versicherte teilte dem psychiatrischen Gutachter
mit, sie fühle
sich
sehr belas
tet
und leide unter verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden. Zudem
befinde sich i
hr jüngster Sohn im Strafvollzug. Sie lebe in vierter
Ehe mit ihrem Mann in einer 1,5-Zimmerwohnung. Am Morgen stehe sie zwischen sieben und acht Uhr auf, gehe dann mit dem Hund spazieren, widme sich dem Haushalt und koche das Mittagessen. Am Nachmittag gehe sie erneut mit dem Hund spazieren, habe oft Arzttermine wahrzunehmen und schaue, falls sie nichts zu tun habe, eine
n Film
. Abends führe sie Gespräche mit dem Ehemann. Sie versu
che auch immer wieder Zeitung zu lesen und benütze einen Hometrainer. Soziale Kontakte pflege sie kaum noch und
sie
habe die Verbindungen zu ihrer Herkunftsfamilie schon
vor
Jahren eingestellt. Im Oktober 2013 habe sie eine Reise mit ihrem Mann in dessen Herkunftsland Tunesien unternommen (
Urk.
12/56/14-15).
Die Versicherte klagte gegenüber dem rheumatologischen Gutachter über ausge
prägte lumbale Anlaufschmerzen am Morgen
,
mit Ausstrahlung in den Becken
gürtel und die Oberschenkel
. Nach
einer knappen Stunde
bessere sich
Bewe
gungsfähigkeit im Beckengürtel
jeweils
.
B
eim Tragen und Heben von Lasten mit
mehr
Gewicht als fünf bis sieben Kilogramm, nach wenigen Minuten
Stehen am Ort und
nach einer halben Stunde
Spazierengehen in langsamen Tempo
trete
lumbal und im Beckengürtel eine sofortige und deutliche Schmerzzunahme auf
.
Z
udem nähmen die Schmerzen am Abend generell an Intensität zu.
D
ie chroni
schen zervikalen Beschwerden
ständen
zur Zeit
gegenüber den Lenden
-
beschwerden eindeutig im Vordergrund, denn diese Schmerzen beständen andau
ernd und führten zu Durchschlaf- und Einschlafstörungen. Ausserdem träten immer wieder starke Kopfschmerzen mit einem
migräniformen
Schmerz
-
charak
ter
auf. Schliesslich seien
linksseitig
auch intermittierende Vorfuss
-
schmerzen vorhanden (
Urk.
12/56/17).
Während die Versicherte gegenüber dem allgemeininternistischen Gutachter angab, sie könne sich keine körperlich belastenden Tätigkeiten mehr vorstellen, doch eine Tätigkeit im Verkauf sei eventuell durchaus möglich (
Urk.
12/56/12), gab sie dem psychiatrischen Gutachter an, sie denke
,
eine berufliche Tätigkeit sei im Moment nicht möglich, da sie schon im Haushalt überfordert sei (
Urk.
12/56/15).
3.
3
Die Gutachter des
Instituts Y._
nannten als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit
(
Urk.
12/56/28)
:
ein chronisches zervikales bis
zervikozephales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.0)
radiomorphologisch: Fortgeschrittene
Oste
o
chondrose
und beidseitige
Unkovertebralarthrosen
. Multivektorielle
rechtsbetonte
Protrusio
nen
/
Bulging
disc
der Bandscheiben C5/6 und der
mit
residuellen
Knöchern weitgehend
überbrückten Bandscheibe C6/7.
Geringe Einengung des
Spinalkanal
s
in Höhe C5/6 und C6/7 kombiniert, vor
wiegend
ossär
, weniger
diskal
ventral. Ventral in beiden Etagen tangiertes
Myelon
, nicht signifikant komprimiert. Kombinierte
ossäre
weniger
diskale
Neuroforamen
-Stenosen,
mässi
ggradig
einzustufen in Höhe C5/
6 rechts und C6/7 links,
höhergradige
Foramenstenose
in Höhe C6/7
rechts
.
Wirbelsäulenfehlhaltung mit betonter
Kyphosierung
im
zervikothoraka
len
Übergang, konsekutiv H
alswirbelsäulen
- sowie Schulterprotraktionsfehlstellung
Reaktive
Myogelosen
der Nacken-Schultergürtelmuskulatur mit ausge
dehnten
interskapulären
schmerzhaften
Tri
gg
erpoints
im Rahmen einer allgemeinen muskulären
Dekonditionierung
ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
Verdachtsdiagnose: chronisches
Fazettengelenk
schmerz
syndrom
r
adiom
orphologisch:
Osteochondrose
Lendenwirbelkörper
5/
Sakral
-
wirbelkörper
1, erhaltenes ventrales und dorsales
ossäres
Alignement,
Spondylophyten
Brustwirbelkörper
12-
Sakralwirbelkör
per
1 ventral, Höhenminderung der Deckplatte
Brustwirbelkörper
12 und
Lenden
-
wirbelkörper
1 ventral,
Fazettengelenksarthrose
LWK4/5, WK5/SWK1 linksbetont
Wirbelsäulenfehlhaltung/-
fehlform
(s-förmige Skoliose, lumbal rechts, thorakal linkskonvex, abgeflachte mittlere BWS-Kyphose
erhebliche muskuläre
Dekonditionierung
Adipositas
permagna
(ICD-10 E66)
mit BMI von 37 kg/m
2
eine diabetische Polyneuropathie (ICD-10 G62.8)
ein anamnestischer Verdacht auf Epilepsie (ICD-10 G40.3)
verminderte Sehfähigkeit
diabetische
Makulopathie
beidseits rechtsbetont
proliferative diabetische Retinopathie rechts und nicht proliferative dia
betische Retinopathie links (ICD-10 H36.0)
beginnende Linsentrübung beidseits (ICD-10 H25.0)
.
Zudem hielten die Gutachter folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeits
-
fä
higkeit
fest (
Urk.
12/56/29):
Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
Karpaltunnelsy
nd
rom rechts (ICD-10 G56.0), operative Dekompress
ion
des
N
ervus
medianus
geplant am 15. April 2014
anamnestisch Verdacht auf Migräne (ICD-10 G43)
Metabolisches Syndrom (ICD-10 E88.9)
Diabetes mellitus Typ II (ICD-10 E11.7)
arterielle Hypertonie (ICD-10 I10)
Adipositas per magna (ICD-10 E66)
Verdacht auf intermittierenden
gastroösophagealen
Reflux (ICD-10 K21.9)
Chronischer
Nikotinabusus
(ICD-10 F17.1)
Störung des roten Blutbildes (ICD-10 D75.9)
Anlagebedingte Fehlsichtigkeit (
Hyperopie
, Astigmatismus) (ICD-10 H52.0/H52.2)
latentes Aussenschielen (ICD-10 H50.5)
chronische Benetzungsstörung (ICD-10 H19.3)
Zustand nach akuter Glaskörperblutung, rechtes Auge (ICD-10 H43.1)
z
entrale
epiretinale
Gliose
, rechtes Auge (ICD-10 H35.3)
.
3.
4
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter in der interdisziplinären
Gesamtbeur
teilung
aus, es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die angestamm
ten Tätigkeiten in der Reinigung und als Wäsche
r
eimitarbeiterin ebenso wie für sonstige regelmässig mittel- bis schwerbelastende berufliche Tätigkeiten. Für körperlich leicht
e
,
wechselbelastende berufliche Tätigkeiten bestehe hingegen eine 75%ige ganztägig verwertbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit, mit einem erhöhten Pausenbedarf von zehn bis fünfzehn Minuten pro Stunde (
Urk.
12/56/30-32). Zum Profil der angepassten Tätigkeit hielten die Gutachter fest, die Versicherte müsse jederzeit die Möglichkeit haben
,
ihre Arbeitsposition selbständig zu wechseln, wobei insbesondere Arbeiten in anhaltender Oberkör
per-Vorneigeposition zu vermeiden seien, ebenso Arbeiten verbunden mit stere
otypen Rotationsbewegungen von Hals- und Lendenwirbelsäule sowie vor allem Überkopfarbeiten mit der Notwendigkeit einer Hohlkreuzbildung. In
Schulter
neutralstellung
seien derzeit feinmotorische Tätigkeiten mehrheitlich nur links möglich. Weiter seien regelmässig
e
berufsbedingte Gehstrecken ungünstig und
es
sei zu vermeiden, dass
wiederholt
Treppen oder gar Leitern oder Gerüste benutzt werden müssten.
Das Heben, Ziehen, Stossen und Tragen von Lasten
sei
bis zur Taille bis maximal
zum Gewicht von
zehn Kilogramm und über die
Taille bis maximal
zum Gewicht von
fünf Kilogramm möglich (
Urk.
12/56/21).
Schliesslich
seien Arbeiten mit erhöhter Verletzungsgefahr oder Anforderungen an das Gleichgewichtsvermögen nicht zumutbar und beinhalteten die Tätigkei
ten vorzugsweise weder Schichtdienst noch Stereosehen (
Urk.
12/56/24-25,
Urk.
12/56/27).
3.5
Die im Gutachten des
Instituts Y._
festgehaltene Arbeitsfähigkeit von 75
%
in einer ange
passten Tätigkeit wurde mit den gesundheitlich bedingten Einschränkun
gen der Versicherten schlüssig begründet und erscheint nachvollziehbar.
Die Versicherte lässt
dagegen
geltend machen, die im April 2014
aufgrund ihres Karpaltunnelsyndroms
durchgeführte Operation sei nicht erfolgreich verlaufen (
Urk.
7 S.
8). Doch der rheumatologische Gutachter hielt zum
Karpaltunnelsyn
drom
lediglich fest, dass momentan feinmotorische Tätigkeiten mehrheitlich links möglich seien. Dabei führte er aus, dass die Arbeitsfähigkeit von 75
%
für eine angepasste Tätigkeit bereits ab dem 24. September 2012, dem Unfalldatum, vorliege (
Urk.
12/56/21).
Da auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch genü
gend Verweistätigkeiten
existieren, für welche keine
feinmotorische
n
Fähigkei
ten benötigt werden
, ist die Versicherte auch im Falle eines nicht optimalen Verlauf
s
der Operation im April 2014 in einer angepassten Tätigkeit
weiterhin
zu 75
%
arbeitsfähig.
Die Einschränkungen
in Bezug auf das Tätigkeitsspektrum
werden im Rahmen des leidensbedingten Abzugs vom gemäss Tabellenwerten
bestimmten Invalidenlohn
zu berücksichtigen sein (vgl. E. 4.4).
Anzumerken ist, dass die Versicherte in der Beschwerde vom 11. Dezember 2014 zwar erwähnte, wegen
des Karpaltunnelsyndroms
nach wie vor die Ergotherapie zu besuchen, jedoch keinen Arzt benannte, bei welchem sie sich wegen diesen Beschwerden
aktuell
in Behandlung befinde
t
und auch keine Arztberichte einreichte (
Urk.
7
S. 8).
Weiter kritisierte die Versicherte, dass das
Y._
-Gutachten insgesamt von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausg
ehe
, obwohl
rheu
matologischerseits
eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit und von ophthalmologischer Seite her eine 10%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe
(
Urk.
7 S. 8-9)
.
M
ehrere
, auf verschiedenen Krankheitsfaktoren beruhende Beschwerden können in ihrer Kumulation im Rahmen einer Gesamtbeurteilung einen höheren, aber auch einen niedrigeren Grad an Behinderung ergeben, als dies bei separater Beurtei
lung und anschliessender Addition zutreffen würde
(Urteil
des Bundesgerichts
8C_831/2010 vom 3.
Februar
2011 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen)
. Der Grad der Arbeitsunfähig
keit ist
diesfalls
vielmehr aufgr
und einer sämtliche Behinderun
gen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen (Urteil
des Bun
desgerichts I 85/04 vom 27. April
2004 E. 2.3).
Vorli
e
gend legten die Gutachter einen Gesamtschaden dar und eine gesamthafte Ar
b
eitsfähigkeit fest. Es leuch
tet nicht ein, weshalb die 10%ige generelle Arbeitsunfähigkeit aus
ophtalmol
o
gischen
Gründen zu
r
körperlichen Einschrän
k
ung dazugezählt werden müsste. Es ist vielmehr
nachvollziehbar, dass die 75%ige Arbeitsfähigkeit gemäss inter
disziplinäre
r Gesamtbeurteilung de
s
Instituts Y._
durchaus die Auswirkungen sämtlicher gesundheitlicher Beschwerden in ihrem Zusammenspiel berücksichtig
t
.
3.6
Es ist folglich von einer Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Umfang von 75
%
für eine leidensangepasste Tätigkeit im Sinne des im
Y._
-Gutachten festgeleg
ten Tätigkeitsprofils (vgl. E. 3.4) auszugehen. Somit ist mittels
Einkommensver
gleichs
der Invaliditätsgrad zu bestimmen und zu prüfen, ob ein Rentenan
spruch besteht.
4.
4.1
Die IV-Stelle bestimmte das
Valideneinkommen
der Versicherten basierend auf de
r
A
uskunft
ihrer letzten Arbeitgeberin, der
Wäscherei Z._
,
vom 7. Mai 2013
(
Urk.
2,
Urk.
12/39,
Urk.
12/62).
Zudem hat d
ie IV-Stelle das
Validen
ein
kommen
gemäss der Nominallohnentwicklung für das Jahr 2013
(
Schweizeri
scher Lohnindex nach Branche [
Bundesamt für Statistik
[BFS]
20
10
= 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex
Frauen
[T1.
2
.
10]
)
be
rechnet
(
Urk.
12/69,
Urk.
2). Diese Bestimmung des
Valideneinkommens
erfolgte
korrekt. Im Übrigen
wurde dieses
Valideneinkommen
von der Versicherten anerkannt
(
Urk.
7 S. 9).
Es ist somit von einem
Jahresbruttov
alideneinkommen
in der Höhe von
Fr.
48‘305.80 (
Fr.
47‘970.-- x 1,007) auszugehen.
4.2
Die Versicherte liess geltend machen, es sei zur Bestimmung des
Invalidenein
kommens
nicht auf d
en Tabellenwert
für
Hilfsarbeiten
in sämtlichen Branchen
abzustützen, sondern es sei
vom
Tabellenwert für Hilfsarbeiten im Bereich Kör
per- und Kleiderpflege auszugehen (
Urk.
7 S. 9).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist jedoch beim
Invalideneinkommen
der Tabellenwert gemäss der
Tabelle TA 1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE)
, Zeile 'Total Privater Sektor' anzuwenden
, wenn
die Versi
cherte eine ihrem Leiden angepasste Tätigkeit in verschiedenen Bereichen aus
zuüben vermag.
Daran
ändert sich nichts
,
wenn das
so bestimmte
Einkommen höher ist als der vormals erzielte Verdienst
in einer
Branche
, in welcher
die Löhne statistisch gesehen erheblich unte
r dem Gesamtdurchschnitt liegen (Urteil
des Bundesgerichts
8C_176/2012 vom 3.
September
2012
E. 7).
Vorliegend kann die Versicherte unter Berücksichtigung des behinderungs
-
beding
ten Anforderungsprofils in sämtlichen Branchen einer Hilfstätigkeit nachgehen.
Zur Festsetzung des Invalideneinkommens ist
daher wie von der IV-Stelle festgehalten
auf die Tabelle TA 1 der
LSE
20
10
abzustel
len. Der standardisierte Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) für einfache und repetitive Tätigkeiten (
Anforde
rungsniveau
4) für
Frauen
betrug Fr.
4‘
225
.--. Dieser Betrag ist auf die im Jahr 20
13
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41
,7
Stunden hochzurechnen (
BFS
, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, im Internet abrufbar
) sowie an die Nominallohnentwicklung anzupassen (
BFS
, Schweizeri
scher Lohnindex nach Branche [20
10
= 100; im Internet abrufbar],
Nominal
lohnindex
Frauen
[T1.
2
.
10]
). Daraus resultiert ein jährliches Bruttoeinkommen von Fr.
54‘
294
.
5
5
(
Fr.
4‘
225
.-- x 12 : 40 x 41,
7
x
1,01 x 1,01
x 1,007
).
4.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügt der auf - nur, aber immer
hin - 5
%
zu beziffernde
Erheblichkeitsgrenzwert
als Voraussetzung der
Ein
kommensparallelisierung
dem Bedürfnis nach Ausgleichung eines aus
invalidi
tätsfremden
Gründen unfreiwillig deutlich unterdurchschnittlich realisierten Einkommens in der angestammten Tätigkeit. Mit Blick auf eine dem Grundsatz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung ist zu vermeiden, dass die - bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich erzieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen - ab Erreichen des
Erheblichkeitsgrenzwertes
von mindestens 5
%
gegebenenfalls durchzufüh
rende
Einkommensparallelisierung
eine sprunghafte Erhöhung des
Invaliditäts
grades
zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheblichkeitsgrenzwert
von 5
%
übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung praxisgemäss nur die Ausglei
chung einer deutlichen - also nicht jeder kleinsten - Abweichung des tatsäch
lich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen
Refe
renzeinkommen
(
BGE 135 V 297
).
Da das effektiv
von der Versicherten erzielte
Valideneinkommen
11
%
und somit mehr als 5
%
unter dem branchenüblichen Wert nach LSE liegt, ist das Invalideneinkommen
im Rahmen einer sogenannten
Einkommensparallelisierung
um den Wert
herabzusetzen
, der die
Erheblich
keitsgrenze
von 5
%
übersteigt, also um 6
%
, was
Fr.
51‘036.88 ergibt (54‘294.55 x 0,94)
. Gemessen am noch zumutbaren Pensum von 7
5
% resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 3
8
'
277
.
66
(
Fr.
51‘036.88 x 0,75)
.
4.4
Weiter hat die IV-Stelle vom Invalideneinkommen
aufgrund des behinderungs
-
be
dingt eingeschränkten Tätigkeitsspektrums einen
leidensbe
dingten
Abzug von 10
%
vorgenommen (
Urk.
12/62,
Urk.
2). Die Versicherte liess demgegenüber geltend machen, aufgrund der zahlreichen Einschränkungen rechtfertige sich ein leidensbedingter Abzug in der Höhe von mindestens 20
%
(
Urk.
7 S. 9-10
).
Das Bundesgericht hat wiederholt bestätigt, dass die faktische
Einhändigkeit
oder die Beschränkung der dominanten Hand als
Zudienhand
Tatbestände einer erheblich erschwerten Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt darstellen, dass jedoch genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten zu finden sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_726/2014 vom 0
2.
April 2015 E. 4)
.
Wird ein verhältnismässig hoher leidensbedingter Abzug
in der Höhe von 20
%
vorgenommen, welcher auch der Tatsache Rechnung trägt, dass
die
dominante rechte
Hand
nicht für
feinmoto
rische
Tätigkeiten eingesetzt werden kann, so ergibt sich Invalideneinkommen in der Höhe von
Fr.
30‘622.13 (
Fr. 3
8
'
277
.
66 x 0,8).
4.5
Verglichen mit dem
Valideneinkommen
ergibt sich ein invaliditätsbedingter Minderverdienst von Fr.
17
'
683
.
65
und somit ein Invaliditätsgrad von aufge
rundet
37
%.
Es besteht
folglich
kein Rentenanspruch, weshalb die Beschwerde gegen die angefochtene Verfügung vom 30. September 2014 (
Urk.
2) abzuwei
sen ist.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder die Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem
Ausgang
des Verfahrens sind sie der
unterliegenden
Beschwerdeführerin aufzu
erlegen
, zufolge der ihr gewährten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
.
5.2
Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Michael Grimmer, steht bei diesem Verfahrensausgang eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu. Mit Honorarnote vom 31. August 2015 machte er einen Aufwand von elf Stunden und vierundfünfzig Minuten sowie Barauslagen von
Fr.
216.40 geltend (
Urk.
16). Dieser Aufwand ist dem Umfang und der Schwie
rigkeit der Sache angemessen
. Unter Berücksichtigung des vom unentgeltlichen Rechtsvertreter verrechneten angemessenen Stundenansatzes von
Fr.
200.--
beläuft
sich
die
Entschädigung
auf
Fr.
2‘804.65 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
, wobei die Versicherte auf die Nachzahlungspflicht nach
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen ist.