Decision ID: 7bbc21bc-e8df-5378-9c25-13e582e98a02
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Das 167'809 m grosse Grundstück Nr. 0000_, Grundbuch Y._ (Eigentümer: A._)
und das 95'540 m grosse Nachbargrundstück Nr. 0001_ (Eigentümer: B._) liegen in
A.a. 2
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Landwirtschaftszone, sind mit landwirtschaftlichen Gebäuden überbaut und
teilweise als Fruchtfolgeflächen ausgeschieden. Südlich der beiden Grundstücke
verläuft die C._-strasse (Kantonsstrasse) bzw. die F._-strasse (Gemeindestrasse
2. Klasse) sowie die Nationalstrasse A1. Das Grundstück Nr. 0000_ liegt zum
grösseren Teil im Gewässerschutzbereich A auf dem Grundstück sind gemäss
kantonaler Gewässerschutzkarte die Quellen Nrn. 0002T_ ("Wasserversorgung im
öffentlichen Interesse") und 0002_ erfasst. Die Wasserversorgung in der politischen
Gemeinde Y._ erfolgt im Rahmen der öffentlichen Versorgung sowie mit kleineren
privaten Versorgungen. Die Quelle Nr. 0002_ ist zu Gunsten von Grundstück Nr.
0001_ gefasst. Die Grundstücke Nrn. 0004 f._, 0005_, 0006 f._, 0007_, 0008_,
0009_, 0010 f._ und 0011_ haben ein Bezugsrecht an der Quelle Nr. 0002T_
(Grunddienstbarkeit vom 14. Juli 1978; act. G 10/26/1 Anhang Nr. 3); für diese Quelle
ist eine provisorische Gewässerschutzzone ausgeschieden. Die berechtigten
Grundeigentümer schlossen sich am 14. Dezember 2015 zum Verein
Wasserversorgung X._ zusammen.
u;
Für die Quelle 0002T_ strebt die Gemeinde Y._ seit mehreren Jahren die
Ausscheidung einer definitiven (rechtsverbindlichen) Gewässerschutzzone
(nachstehend: GWSZ) an. Am 5. Juli 2017 erliess der Stadtrat Y._ für die Quellfassung
D._-E._ ein Schutzzonenreglement (act. G 10/26 Beilage 2; nachstehend: SZR) und
einen Umgrenzungsplan (act. G 10/26 Beilage 3). Während der Auflagefrist erhoben
A._ und B._, beide vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Heer, Flawil,
Einsprache gegen die Ausscheidung der GWSZ mit dem Begehren, auf die
Ausscheidung sei zu verzichten. Die GWSZ sei zum einen unnötig und zum anderen sei
die Quelle für die Trinkwasserversorgung ungeeignet, womit es an einem öffentlichen
Interesse an der Fassung fehle. Sodann würden sie dadurch als Grundstückeigentümer
unverhältnismässige Bewirtschaftungseinschränkungen erfahren. Nach einer
erfolglosen Einigungsverhandlung und einem Augenschein (act. G 10/7/9 f.) wies der
Stadtrat Y._ die Einsprachen mit Beschluss vom 20. März 2018 ab mit der
Begründung, dass an der Grundwasserfassung ein öffentliches Interesse bestehe. Die
mit der Ausscheidung der GWSZ verbundenen Eigentumsbeschränkungen und die im
SZR vorgesehenen Sanierungsmassnahmen für die bestehenden Bauten und Anlagen
seien notwendig und verhältnismässig. Mit der Umsetzung der Massnahmen gemäss
SZR werde sichergestellt, dass die Wasserqualität den Anforderungen entspreche (act.
G 10/7/13).
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwalt Heer für A._ und B._ am
13. Juni 2018 Rekurs mit dem Begehren, der Entscheid sei aufzuheben und auf die
Ausscheidung von GWSZ sei zu verzichten. Das Baudepartement führte am 23. Januar
2019 mit den Verfahrensbeteiligten einen Augenschein an Ort durch (act. G 10/12). Am
25. Januar 2019 stellte A._ bei der Stadt Y._ ein Gesuch für eine Sondierung des
Grundwasservorkommens, welches zuständigkeitshalber dem Amt für Wasser und
Energie (AWE) weitergeleitet wurde. Nachdem das Gesuch innert Frist nicht begründet
worden war, trat das AWE darauf nicht ein (act. G 10/15, G 2 S. 7). Mit Entscheid vom
13. Februar 2020 wies das Baudepartement den Rekurs vom 13. Juni 2018 ab (act. G
2).
A.c.
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Heer für A._ und B._
(Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 28. Februar 2020 Beschwerde mit dem
Rechtsbegehren, der Entscheid sei aufzuheben, die Beschwerde sei gutzuheissen und
auf die Ausscheidung von GWSZ um die Quellfassung D._-E._ sei zu verzichten,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 1).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 12. Mai 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid (act. G 9).
Am 8. Mai 2020 hatte das Baudepartement den dem vorliegend angefochtenen
Entscheid zugrundeliegenden Erlass (GWSZ für die Quellwasserfassung X._)
genehmigt (act. G 10/26). Die Beschwerdebeteiligte beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 5. Juni 2020 Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werden könne. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen
Entscheid und äusserte sich ergänzend zur Beschwerde (act. G 12). Der durch
Rechtsanwältin Dr. Ursula Schmid, St. Gallen, vertretene Beschwerdegegner stellte in
der Vernehmlassung vom 24. Juni 2020 den Antrag auf Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf eingetreten werde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich
Mehrwertsteuer zulasten der Beschwerdeführer (act. G 15).
B.b.
Mit Eingabe vom 17. August 2020 bestätigten die Beschwerdeführer ihren Standpunkt
(act. G 20). Die Beschwerdebeteiligte teilte mit Eingabe vom 20. August 2020 den
Verzicht auf eine weitere Stellungnahme mit (act. G 23). Der Beschwerdegegner
B.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe
vom 28. Februar 2020 (act. G 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Als Adressaten des angefochtenen Entscheids kommt den Beschwerdeführern
die Beschwerdebefugnis nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP zu. Auf die
Beschwerde ist somit einzutreten.
Nach Art. 2 der Statuten des Beschwerdegegners (act. G 10/1 Beilage 5) besteht der
Vereinszweck darin, die Mitglieder mit Trink- und Brauchwasser zu versorgen (lit. a), die
gemeinsamen Anlagen für die Wasserversorgung zu bauen und zu betreiben (lit. b) und
die Interessen der Mitglieder nach aussen zu vertreten, namentlich zu den Eigentümern
der mit dem Quellrecht belasteten Grundstücke und zu den Fachstellen der Gemeinde
und des Kantons. Die bundesgerichtliche Praxis lässt, abweichend vom Wortlaut von
Art. 60 ZGB, Vereine mit wirtschaftlichem Zweck zu, sofern sie selbst kein
äusserte sich in der Stellungnahme vom 21. September 2020 zu den Vorbringen in der
Eingabe vom 17. August 2020 (act. G 26). Hierzu nahmen die Beschwerdeführer mit
Eingabe vom 2. November 2020 Stellung (act. G 30).
Am 16. Dezember 2020 räumte das Verwaltungsgericht den Verfahrensbeteiligten
Gelegenheit ein, zu den von der Vorinstanz eingereichten weiteren Angaben/Unterlagen
(E-Mail der Vorinstanz vom 16. Dezember 2020 mit Anhängen) im Zusammenhang mit
dem im Rekursverfahren ergangenen Schreiben der Vorinstanz vom 9. August 2019
Stellung zu nehmen (act. G 33). Die Beschwerdebeteiligte teilte am 11. Januar 2021
den Verzicht auf eine Stellungnahme mit (act. G 35). Der Beschwerdegegner äusserte
sich mit Eingabe vom 18. Januar 2021 (act. G 36). Die Beschwerdeführer reichten am
9. Februar 2021 eine Stellungnahme ein (act. G 39). Hierzu ergingen Stellungnahmen
der Vorinstanz vom 22. Februar 2021 zusammen mit derjenigen des Amtes für Umwelt
vom 19. Februar 2021 (act. G 41 und 42) sowie des Beschwerdegegners vom
22. Februar 2021 (act. G 43).
B.d.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.e.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kaufmännisches Unternehmen führen (Ch. Niggli, in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.],
Handkommentar zum Privatrecht, Personen- und Familienrecht, 3. Aufl. 2016, N 10 zu
Art. 60 ZGB mit Hinweisen). Die Beschwerdeführer stellen die Rechts- und
Parteifähigkeit des Beschwerdegegners in Frage (act. G 1 S. 3; act. G 20 S. 2 f.; G 30
S. 2). Sie halten fest, dass die Versorgung der Mitglieder mit Trink- und Brauchwasser
sowie der Bau und Betrieb von Trinkwassergewinnungsanlagen einem nach
kaufmännischer Art geführten Betrieb entspreche und im Sinn von Art. 934 Abs. 1 OR
zwingend einen Eintrag in das Handelsregister mit rechtskonformer Wahl der
Organisationsform erfordere. Die Verfahrensteilnahme des Beschwerdegegners sei
unter Kostenfolge auszuschliessen (act. G 20 S. 3). Der Beschwerdegegner verneint
sowohl das Vorliegen einer wirtschaftlichen Zwecksetzung als auch eines nach
kaufmännischer Art geführten Betriebes (act. G 26). - Vorliegend erscheint wesentlich,
dass die Vereinsmitglieder des Beschwerdegegners am Quellwasser bereits als
Dienstbarkeitsberechtigte an der Quelle (act. G 21 Beilage 12 und G 10/26/1 Anhang
Nr. 3) - und damit nicht gestützt auf ihre Vereinsmitgliedschaft - zum Wasserbezug
berechtigt sind. Der Vereinszweck bezieht sich mithin im Wesentlichen auf die
technischen und administrativen Aspekte der Wassernutzung. Selbst wenn hier von
einer teilweise wirtschaftlichen Zwecksetzung des Beschwerdegegners auszugehen
wäre, bestünde kein Anlass, seine Rechts- und Parteifähigkeit in Frage zu stellen,
nachdem er selbst unbestritten kein kaufmännisches Unternehmen führt.
2.
In materieller Hinsicht ist streitig, ob die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid die
Rechtmässigkeit der Ausscheidung der Grundwasserschutzzonen (GWSZ) für die
Trinkwasserfassung D._-E._ bzw. das Bestehen eines öffentlichen Interesses an der
Ausscheidung und die Verhältnismässigkeit der dadurch bewirkten
Eigentumseinschränkungen der Beschwerdeführer zu Recht bejahte. - Gemäss Art. 20
des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz; SR
814.20, GSchG) scheiden die Kantone Schutzzonen für die im öffentlichen Interesse
liegenden Grundwasserfassungen und -anreicherungsanlagen aus; sie legen die
notwendigen Eigentumsbeschränkungen fest (Abs. 1). Die Inhaber von
Grundwasserfassungen müssen die notwendigen Erhebungen für die Abgrenzung der
Schutzzonen durchführen (Abs. 2 lit. a). Gemäss Art. 31 Abs. 2 der
Gewässerschutzverordnung (SR 814.201, GSchV) sorgt die Behörde dafür, dass bei
bestehenden Anlagen in den Gebieten nach Art. 31 Abs. 1 GSchV, bei denen die
konkrete Gefahr einer Gewässerverunreinigung besteht (d.h. besonders gefährdete
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bereiche nach Art. 29 Abs. 1 GschV sowie Grundwasserschutzzonen), die nach den
Umständen gebotenen Massnahmen zum Schutz der Gewässer, insbesondere
diejenigen nach Anhang 4 Ziffer 2 GSchV, getroffen werden.
Anhang 4 GSchV enthält eine Detailregelung der Grundwasserschutzzonen S1 bis S3
(Ziff. 12; vgl. dazu auch Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft [BUWAL, heute
Bundesamt für Umwelt, BAFU], Wegleitung Grundwasserschutz, Bern 2004). Die
Kantone stützen sich bei der Bezeichnung dieser Gewässerschutzbereiche auf
hydrogeologische Kenntnisse; reichen diese nicht aus, sorgen sie für die Durchführung
der erforderlichen hydrogeologischen Abklärungen (vgl. Art. 29 Abs. 4 GSchV).
Namentlich die Gewässerschutzbereiche gehen aus den durch die Kantone zu
erstellenden Gewässerschutzkarten hervor (vgl. Art. 30 Abs. 1 GSchV). Die Zone S1
erstreckt sich mindestens 10 Meter um die Fassung sowie um Fassungsstränge,
Sickergräben, Stollen usw. (Wegleitung Grundwasserschutz, S. 43). Die Zone S2 wird
gemäss Anhang 4 Ziff. 123 Abs. 3 GSchV um Grundwasserfassungen und -
anreicherungsanlagen ausgeschieden und so dimensioniert, dass der Abstand von der
Zone S1 bis zum äusseren Rand der Zone S2 in Zuströmrichtung mindestens 100 m
beträgt; er kann kleiner sein, wenn durch hydrogeologische Untersuchungen
nachgewiesen ist, dass die Grundwasserfassung oder -anreicherungsanlage durch
wenig durchlässige und nicht verletzte Deckschichten gleichwertig geschützt ist (lit. a)
und bei Lockergesteins- und schwach heterogenen Karst- und Kluft-
Grundwasserleitern die Fliessdauer des Grundwassers vom äusseren Rand der Zone
S2 bis zur Grundwasserfassung oder -anreicherungsanlage mindestens zehn Tage
beträgt (lit. b). Die Zone S3 bildet eine Pufferzone um die Zone S2. Sie soll
gewährleisten, dass bei unmittelbar drohenden Gefahren (z.B. Unfällen) ausreichend
Zeit für die erforderlichen Massnahmen zur Verfügung steht. Der Abstand vom
äusseren Rand der Zone S2 bis zum äusseren Rand der Zone S3 ist in der Regel
mindestens so gross wie der Abstand von der Zone S1 bis zum äusseren Rand der
Zone S2 (Anhang 4 Ziff. 124 GSchV). In der Zone S3 sind Anlagen und Nutzungen, von
denen eine Gefahr für das Grundwasser ausgeht, nicht zulässig (Anhang 4 Ziff. 221
GSchV; Art. 8 SZR). Bei Bauarbeiten sind besondere Schutzmassnahmen zu treffen
(Art. 9 Abs. 4 SZR). Unter Beachtung der Bodenbelastbarkeit sowie der geltenden
Vorschriften und Richtlinien (vgl. Art. 13 SZR) sind Bodenbewirtschaftung und Düngung
erlaubt (Art. 16 Abs. 1 SZR). In der Zone S2 gilt ein allgemeines Bau- und
Grabungsverbot (Art. 18 SZR; Anhang 4 Ziff. 222 GSchV). Bodenbewirtschaftung und
Düngung richten sich nach dem Bundesrecht und ergänzenden Richtlinien. Für das im
Umgrenzungsplan besonders bezeichnete Gebiet ist Ackerbau unzulässig (Art. 19
SZR). In der Zone S1 sind grundsätzlich nur bauliche Eingriffe und andere Tätigkeiten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zulässig, welche der Trinkwasserversorgung dienen. Diese Zone ist auf geeignete
Weise dauerhaft zu markieren und vor dem Zutritt Unbefugter zu schützen (Art. 21 f.
SZR). Wer Massnahmen nach dem GSchG verursacht, trägt die Kosten dafür (Art. 3a
GSchG).
Ein unterirdisches Gewässer gilt als nutzbar bzw. für die Wassergewinnung geeignet,
wenn das Wasser die Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung (Bundesgesetz
über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände, LMG [SR 817.0], Verordnung über
Trink-, Quell- und Mineralwasser, SR 817.022.102) an Trinkwasser - nötigenfalls nach
Anwendung einfacher Aufbereitungsverfahren - einhält und im natürlichen oder
angereicherten Zustand in einer Menge vorhanden ist, für welche eine Nutzung in
Betracht fällt. Dabei bleibt der tatsächliche Bedarf unberücksichtigt. Das quantitative
Kriterium ist erfüllt, wenn das Vorkommen bei nachhaltiger Nutzung einen Beitrag zur
regionalen oder kommunalen Versorgung zu leisten vermag oder wesentlich zur
Speisung eines stromabwärts liegenden nutzbaren Grundwasservorkommens beiträgt.
Zu berücksichtigen ist auch die Eignung für die Trinkwasserversorgung in Notlagen
(zum Ganzen vgl. Anhang 4 GSchV, Ziff. 111 Abs. 1 und 2 sowie Wegleitung
Grundwasserschutz a.a.O., Ziff. 2.2.2, S. 34).
Nach Art. 32 des kantonalen Vollzugsgesetzes zur eidgenössischen
Gewässerschutzgesetzgebung (sGS 752.2, GSchVG) bedarf der Umgrenzungsplan für
die GWSZ mit den zugehörigen Vorschriften der Genehmigung des zuständigen
Departementes, wenn nicht dieses die Ausscheidung vorgenommen hat. Diese
Genehmigung ist vorliegend am 8. Mai 2020 erfolgt (act. G 10/26). Die Grundstücke
Nrn. 0001_ und 0000_ der Beschwerdeführer werden teilweise durch die
Schutzzonen S1 bis S3 überlagert. Soweit die streitige Unterschutzstellung einen
Eingriff in das Eigentum der Beschwerdeführer darstellt, ist ein solcher nur zulässig,
wenn er auf einer gesetzlichen Grundlage basiert, durch ein öffentliches Interesse
gerechtfertigt ist und sich als verhältnismässig erweist (Art. 36 Abs. 2 und 3 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV). Dabei sind
die in Betracht fallenden öffentlichen und privaten Interessen zu erfassen und im
Hinblick auf die anzustrebende räumliche Entwicklung und im Lichte der Ziele und
Grundsätze der Raumplanung gegeneinander abzuwägen (Art. 1 und 3 des
Bundesgesetzes über die Raumplanung [Raumplanungsgesetz], SR 700, RPG; Art. 2
und 3 der Raumplanungsverordnung, SR 700.1, RPV). Ob die Interessen vollständig
erfasst worden sind, ist eine Rechtsfrage. Die relative Gewichtung der potenziell
widerstreitenden Interessen ist dagegen weitgehend Ermessensfrage (vgl. BGer
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
1C_398/2015 vom 9. August 2016 E. 4.2 mit Hinweisen).
Gemäss Art. 12 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr beauftragte
Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen durch
Befragen von Beteiligten, Auskunftspersonen und Zeugen, durch Beizug von
Urkunden, Amtsberichten und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere
geeignete Weise. Dieser Grundsatz gilt (mit Einschränkungen hinsichtlich
Behauptungs- und Beweisführungslast) auch im Rechtsmittelverfahren (vgl. dazu
B. Märkli, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,
Praxiskommentar, St. Gallen/Zürich 2020, N 5 und 26 zu Art. 12-13 VRP). Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung hat die Behörde alle Beweismittel - ungeachtet
ihrer Herkunft - objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob diese eine
zuverlässige Beurteilung des rechtserheblichen Sachverhalts erlauben. Aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich sodann kein generelles Recht auf die
Einholung eines externen Gutachtens. Der Beizug externer Fachpersonen kommt nur in
Betracht, wenn das erforderliche Fachwissen nicht innerhalb der entscheidenden
Behörde vorhanden ist. Sind die zu behandelnden Fragen für Personen mit einer
bestimmten fachtechnischen Grundausbildung allgemein verständlich, bedarf es auch
nicht des Beizugs einer spezifisch in einem engen Fachgebiet ausgebildeten und
tätigen Person (VerwGE B 2019/15 vom 11. April 2019 E. 2.1 mit Hinweisen). In der
Praxis wird amtlichen Stellungnahmen von Fachstellen, die vom Gesetzgeber als
sachkundige Beurteilungsinstanzen eingesetzt wurden, ein erhöhter Beweiswert
zugemessen, sofern diese den Charakter eines Gutachtens (amtliche Expertise)
aufweisen (vgl. B. Waldmann, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2016, N 22 zu Art.
19 VwVG mit Hinweisen). Weitere externe Abklärungen sind bei Zweifeln an der
Richtigkeit der Feststellungen in der amtlichen Beurteilung vorzunehmen (VerwGE B
2017/184 vom 13. Dezember 2018 E. 4.1).
Am 30. April 2013 (mit Ergänzungen bis 27. Mai 2016) erstellte das Geologiebüro G._
AG einen hydrogeologischen/technischen Bericht betreffend die Quellfassungen (act. G
10/26 Beilage 1). Im Amtsbericht vom 28. September 2018 hielt das AFU für das AWE
fest, dass die Schutzzonen für die Quellfassung D._-E._ im März 2014 vorgeprüft und
die in der Vorprüfung angeregten Anpassungen vollständig umgesetzt worden seien.
Das AWE befürworte die Genehmigung der Schutzzonen. Die Nähe der Autobahn, der
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kantonsstrasse, der abgeschlossenen Deponien sowie die laufende Deponieplanung
stünden der Schutzzonenausscheidung nicht entgegen. Durch die Überwachung der
Deponien könne sichergestellt werden, dass keine Schadstoffe in die Fassung
gelangen würden. Die Schutzzonengrösse sei richtig gewählt, und auch die verfügte
Markierungspflicht der Schutzzone stelle keine übermässige Belastung dar. Die
Verbote für Ackerbau (auf einer Fläche von 0.74 ha in den Zonen S1 und S2) und für die
Verwendung von Flüssigdünger (auf einer Fläche von rund 1 ha in den Zonen S1 und
S2) würden nicht stark ins Gewicht fallen. Gleiches gelte für das Verbot der Anwendung
bestimmter Pflanzenschutzmittel, nachdem verschiedene andere Mittel zur Verfügung
stünden, welche in den Zonen S2 und S3 verwendet werden dürften. Auch die Pflicht
der Bodenbedeckung mit einer "normal entwickelten Wintervegetation" stelle keine
unverhältnismässige Belastung dar, da sie der guten landwirtschaftlichen Praxis
entspreche. Aufgrund des grossen Benutzerkreises und der Abgabe von Trinkwasser
an Mietwohnungen stehe das öffentliche Interesse an dieser Fassungsanlage ausser
Zweifel (act. G 10/10). Im Bericht vom 14. November 2018 wurden die Ergebnisse der
Überwachung der Quelle D._ festgehalten und die Trinkwasserqualität bestätigt (act.
G 10/24 Beilage).
Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid unter anderem dar, an der Quelle
(0002T_) seien nur die jeweiligen Eigentümer der begünstigten Grundstücke
berechtigt. Eigentümer anderer Grundstücke hätten an der Quelle kein Bezugsrecht
und es gebe auch keine Anhaltspunkte dafür, dass Nichtberechtigte Wasser von der
Quelle beziehen würden. Im Weiteren sei das Gemeinwesen nur innerhalb der
Bauzonen für die Erschliessung verantwortlich (Art. 19 Abs. 2 RPG), nicht jedoch - wie
vorliegend - in Gebieten ausserhalb der Bauzone. Erschliessungskosten ausserhalb der
Bauzonen würden in der Regel von den Privaten getragen. Aufgrund des Umstandes
allein, dass im betroffenen Gebiet nicht alle umliegenden Grundstücke vom gefassten
Wasser beziehen dürften, könne das öffentliche Interesse an der Fassung nicht zum
vornherein ausgeschlossen werden. Bei privaten Fassungen müsse neben dem
Verwendungszweck des Trinkwassers praxisgemäss Art und Grösse des
Benützerkreises mitberücksichtigt werden. Private Fassungen sollten nur dann
besonders geschützt werden, wenn sie die gleichen Aufgaben wie öffentliche
Wasserversorgungen erfüllen würden (A. Brunner, in: Hettich/Jansen/Norer [Hrsg.],
Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und zum Wasserbaugesetz, Zürich 2016, N 14
f. zu Art. 20 GSchG). Vorliegend seien 11 Grundstücke bzw. mindestens
11 Haushaltungen und 6 Landwirtschaftsbetriebe am gefassten Grundwasser
berechtigt, womit das öffentliche Interesse an der Fassung gegeben sei. Eine
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schutzzone sei zudem auch deshalb nötig, weil die 11 an der Quellfassung
berechtigten Grundstücke kein Miteigentum daran hätten, sondern bloss dinglich
berechtigt seien (act. G 2 S. 10-12).
Die Fassung liefere zwischen 90 und 130 Liter pro Minute (l/min). Zwischen 19. Januar
2009 und 13. März 2013 seien 25 Schüttmessungen durchgeführt worden. Mit einer
mittleren Ergiebigkeit von 110 l/min könnten bis zu 500 Personen mit Trink- und
Brauchwasser versorgt werden. Nachdem der tägliche Quellertrag ein Vielfaches des
Tagesbedarfs der berechtigten Grundstücke betrage, sei die Behauptung, wonach die
Quelle bezüglich der 11 berechtigten Grundstücke in absehbarer Zeit an ihre
Kapazitätsgrenze stosse, nicht belegt, zumal auch kein Schweinemaststall geplant sei.
Das Grundwasservorkommen sei nachgewiesenermassen konstant. Engpässe
während der letzten Hitzesommer hätten Bezüger anderer Quellen betroffen. In Bezug
auf die Trinkwasserqualität würden sämtliche Untersuchungsberichte zeigen, dass die
gesetzlichen Anforderungen mit grosser Reserve eingehalten werden könnten und die
Schadstoffbelastung in den letzten Jahren abgenommen habe (hydrologisch/
technischer Bericht, act. G 10/26 Beilage 1; act. G 10/7/13). Die festgestellten erhöhten
Chlorid- und Nitrateinträge seien nicht gesundheitsgefährdend, aber weiter zu
reduzieren. Die Schutzzonen hätten zum Zweck, die entsprechenden Werte weiter zu
senken bzw. tief zu halten. Grundwasserfassungen seien von Gesetzes wegen,
unabhängig von (bisher nicht aufgetretenen) allfälligen Störfällen, vor Verunreinigungen
zu schützen. Das Trassee der Nationalstrasse sei im Hinblick auf die Schutzzonen in
den Jahren 2000/2001 bereits fachgerecht saniert worden. Demgegenüber sei die
Kantonsstrasse im Bereich der Schutzzonen erst teilweise gewässerschutzrechtlich
gesichert. Nebstdem die notwendigen Massnahmen zum Grundwasserschutz
strassenseitig bereits weitgehend umgesetzt seien bzw. dank der vorliegenden
Schutzzonen umgesetzt werden könnten, stelle die Tatsache allein, dass zwei stark
befahrene Strassen die Schutzzone S3 tangieren würden, keinen Hinderungsgrund für
die Unterschutzstellung der Grundwasserfassung dar. Im Weiteren befänden sich im
Bereich der Schutzzonen drei belastete Standorte (Bericht G._ S. 8 oben, act. G 10/26
Beilage 1). Die im Rekurs erwähnten Standorte (J._-hof) seien für die Beurteilung nicht
relevant, weil sie deutlich ausserhalb der GWSZ und deren Hauptzuströmrichtung
liegen würden. Gemäss Bericht der H._ AG vom 22. Oktober 2012 sei der Standort
KBS-Nr. 0012_ überwachungsbedürftig. Durch die Überwachung könne sichergestellt
werden, dass keine Schadstoffe in die Fassung gelangen würden. Bei den Standorten
0014_ und 0015_ handle es sich um örtliche Bauschuttablagerungen, von welchen
keine schädlichen Auswirkungen ausgingen. Auch diese Belastungen stünden einer
Schutzzonenausscheidung nicht entgegen. Sodann führten die drei geplanten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Deponien (N._, D._-wald und P._) nicht zur Aufhebung der Schutzzone bzw. der
Quelle. Sie könnten nur realisiert werden, wenn dadurch kein Nutzungskonflikt zu den
Schutzzonen entstehe. Daran ändere nichts, dass die möglichen Deponiestandorte im
Richtplan aufgeführt seien (act. G 2 S. 12-14).
Die ausgeschiedene Zone S1 erweise sich als nötig bzw. nicht übermässig gross. Die
Markierung (im Sinn von Art. 22 SZR) müsse gut sichtbar sein und Bestand haben. Ein
Zaun könne als entfernbare Umzäunung gestaltet werden. Dementsprechend sei es
nicht unmöglich, die Zone S1 mit landwirtschaftlichen Maschinen schonend zu
befahren. Die Markierungspflicht stelle demnach keine übermässige Belastung der
landwirtschaftlichen Bewirtschaftung dar. Von der Fläche, für welche (in der Zone S1
und auf der schraffierten Fläche der Zone S2) ein Ackerbauverbot bestehe, entfielen
auf den Beschwerdeführer 1 0.51 ha und auf den Beschwerdeführer 2 0.23 ha. Auf der
Fläche des Beschwerdeführers 2 befinde sich eine Naturwiese, weshalb hier das
Ackerbauverbot keine Einschränkung bedeute. Der Beschwerdeführer 1 verfüge über
eine Fläche von 21.55 ha, wovon er 19.65 ha für den Ackerbau verwende. Die 0.51 ha
fielen daher nicht stark ins Gewicht. Das Verbot von Flüssigdünger (in der Zone S1 und
S2) betreffe eine Fläche von rund 2.2 ha. Ein Teil davon (0.59 ha) sei bereits heute
extensive Wiese (keine Düngung). Auf Gesuch könne nach Angabe des AFU
voraussichtlich eine Ausnahmebewilligung für Flüssigdünger in der Zone S2 für eine
Fläche von 1.45 ha bewilligt werden, sofern die Grenzwerte für Nitrat eingehalten
würden. Dies bedeute, dass das Flüssigdüngerverbot voraussichtlich weniger als 1 ha
betreffen werde. In den Schutzzonen seien nur wenige Wirkstoffe verboten, so dass für
die Zonen S2 und S3 genügend Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stünden;
massgebend seien die Verordnung zur Reduktion von Risiken beim Umgang mit
bestimmten besonders gefährlichen Stoffen, Zubereitungen und Gegenständen
(Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung, SR 814.81) und die Verordnung über das
Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln (Pflanzenschutzmittelverordnung, SR
916.161). Daran ändere nichts, dass die Vorschriften für die Zonen S1 und S2
bezüglich der Pflanzenschutzmittel Clethodim und Isoxa-flutole verschärft worden
seien. Sodann habe die Bodenbedeckung nach der guten landwirtschaftlichen Praxis
zu erfolgen (Art. 17 der Direktzahlungsverordnung, SR 910.13). Die Bodenbedeckung
mit einer normal entwickelten Wintervegetation entspreche dieser Praxis und stelle
keine übermässige Belastung für die Bewirtschaftung dar. Insgesamt entsprächen die
Vorgaben des Reglements (SZR) den gesetzlichen Vorgaben. Aufgrund des
Amtsberichts der kantonalen Fachstelle stehe fest, dass die daraus resultierenden
Einschränkungen geeignet, erforderlich und zumutbar seien, um Verunreinigungen der
Grundwasserfassung zu vermeiden. Es könne darauf verzichtet werden, zur Frage, in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
welchem Umfang die landwirtschaftliche Bewirtschaftung durch die geplante GWSZ
beeinträchtigt werde, eine Expertise erstellen zu lassen. Wenn der Beschwerdeführer 1
die durch die GWSZ bewirkte Notwendigkeit der Anpassung von Abnahmeverträgen
mit Grossverteilern anführe, sei ihm entgegenzuhalten, dass die Orientierung über die
erforderliche Schutzzone bereits vor sieben Jahren stattgefunden und er mit allfälligen
Einschränkungen für den Ackerbau habe rechnen müssen (act. G 2 S. 15-17).
Vorliegend stehe keine (privatrechtliche) Zerstückelung oder Realteilung von
landwirtschaftlich genutzten Grundstücken (im Sinn von Art. 58 des Bundesgesetzes
über das bäuerliche Bodenrecht, SR 211.412.11, BGBB) zur Debatte, sondern eine
öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkung zum Schutz einer Grundwasserfassung.
Die umstrittene GWSZ könne Art. 58 BGBB zum vornherein nicht verletzen. Nach dem
Planungsgrundsatz von Art. 3 Abs. 2 RPG müssten Fruchtfolgeflächen erhalten
bleiben. Vorliegend dürfe einzig auf 0.74 ha kein Ackerbau mehr betrieben werden. Das
bedeute nicht, dass diese Flächen für den Krisenfall (im Sinn von Art. 23 Abs. 3 RPV)
erst wieder rekultiviert werden müssten und deshalb zu kompensieren seien. Dank dem
Schutz der darunterliegenden Wasserfassung dürfe das darüber liegende Land weder
überbaut noch derart intensiv bewirtschaftet werden, dass die Qualitätskriterien der
Fruchtfolgeflächen verloren gehen würden. Auch der von den Beschwerdeführern
angeführte Kanton Luzern schliesse in der Zone S2 Fruchtfolgeflächen nicht mehr
vollständig aus und belasse einzelfallweise selbst Zonen S1 in den Fruchtfolgeflächen
(Stellungnahme des AWE vom 30. Januar 2019 [act. G 10/13] mit Verweis auf Merkblatt
des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements des Kantons Luzern vom Juni 2016,
Ziff. 2). Nach der Rechtsprechung komme es für die Anrechenbarkeit von
Fruchtfolgeflächen nicht auf die aktuelle Nutzung, sondern auf die Erhaltung des
Anbaupotentials an. Gewässerräume blieben der Landwirtschaft grundsätzlich erhalten,
und die Bodenqualität werde durch die extensive Bewirtschaftung jedenfalls nicht
beeinträchtigt. Die Bewirtschaftung könne daher in Notzeiten binnen kurzer Frist wieder
intensiviert werden (BGer 1C_15/2019 vom 13. Dezember 2019 E. 9.3.3 und 9.4). Das
gleiche habe für Schutzzonen zu gelten, welche für eine Grundwasserfassung
ausgeschieden würden. Der angefochtene Sondernutzungsplan sehe nicht nur keine
Bodeneingriffe vor, die zu einem Verlust von ackerfähigem Kulturland führen könnten;
er verhinderte im Gegenteil solche ausdrücklich. Es sei daher nicht zu beanstanden,
dass für die von den Schutzzonen überlagerten Fruchtfolgeflächen keine
Kompensationsflächen bezeichnet würden. Dazu komme, dass die betroffene kleine
Fläche (0.74 ha) ohne Kompensation von der Freifläche von 12 ha aufgenommen
werden könne, die der Kanton St. Gallen jährlich kompensationslos verbrauchen dürfe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Richtplan des Kantons St. Gallen, Koordinationsblatt V11, Stand November 2017, S. 3;
act. G 2 S. 17-19).
Die Beschwerdeführer wenden ein, ihre berechtigten landwirtschaftlichen Anliegen
seien nicht ernsthaft berücksichtigt worden. Alternativlösungen und Varianten seien nie
ernsthaft geprüft worden. Dies stelle eine willkürliche Nichtanwendung gesetzlicher
Vorgaben und einen Verstoss gegen das Rechtmässigkeits- und
Zweckmässigkeitsprinzip dar. Seit Jahrzehnten diene die Quelle Nr. 0002_
ausschliesslich dem Privatgebrauch von 11 Grundeigentümern. Der Bezügerkreis sei
grunddienstbarkeitsrechtlich geregelt und lasse sich, wie es zur Rechtfertigung eines
öffentlichen Interesses erforderlich wäre, nicht ausweiten. Es bestehe lediglich ein
provisorischer Eintrag der Quelle Nr. 0002T_ in der Gewässerschutzkarte des Kantons
St. Gallen. Ein Eintrag "Trinkwasser für Privatgebrauch" existiere wohl für die Quelle
Nr. 0003_, nicht jedoch für die Quelle Nr. 0002_. Mit dieser Verwechslung liege dem
vorinstanzlichen Entscheid nicht der korrekte Sachverhalt zugrunde. Eine Abklärung,
welche Haushalte in den vom Netz bislang nicht angeschlossenen Weilern D._, O._,
E._ und S._ tatsächlich mit Trinkwasser versorgt werden müssten, habe die
Vorinstanz nicht vorgenommen (Beweisantrag: Namentliche Auflistung aller Bezüger
von Wasser der streitigen Quellfassung). Weil lediglich ein Teil der in den erwähnten
Weilern gelegenen Grundstücke quellwasserberechtigt sei, dürfte schon heute über
das von den Eigentümern mit Grunddienstbarkeit zugestandene privatrechtliche Mass
hinaus Wasser bezogen werden. Die Quelle könne die Weiler nicht umfassend
versorgen, weshalb die Ausscheidung einer Schutzzone nicht gerechtfertigt sei.
Sodann gestehe die Vorinstanz die Schadstoffbelastung des Trinkwassers
unumwunden ein und belege dies gleich selbst mit den Untersuchungsberichten der
Firma R._ (Wasserprobeentnahme vom 19. März 2019). Vor diesem Hintergrund sei
die Aussage, wonach die Trinkwasserqualität immer mit grosser Reserve eingehalten
worden sei, unverständlich. Mangels öffentlichem Interesse fehle es an einer
Schutzzonenpflicht. An der Quelle seien nur die jeweiligen Eigentümer der begünstigten
Grundstücke berechtigt. Das Gemeinwesen habe sich offensichtlich bereits verbindlich
für die Erweiterung des Trinkwassernetzes zur Versorgung der Weiler entschieden, was
ein öffentliches Interesse nicht mehr aufrecht erhalten lasse (act. G 4 Beilage 6). Auch
sei von Belang, ob die private Fassung wie vorliegend lediglich einen abgeschlossenen
Bezügerkreis mit Wasser zu versorgen vermöge oder eine eher im öffentlichen
Interesse liegende Versorgung eines oder mehrerer Weiler sicherzustellen vermöge.
Letzterem genüge die Quellwasserversorgung X._ offenkundig nicht (act. G 1 Rz.
15-21). Die Aussagen der Vorinstanz zur Ergiebigkeit der Quelle seien nicht belegt. Die
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Vorinstanz habe weder die Ergiebigkeit der Quelle im Hitzesommer 2019 untersucht
noch zu den Überlegungen der Beschwerdeführer zum steigenden Wasserbedarf in der
Landwirtschaft Stellung genommen. Allein die Erweiterung der Rindviehhaltung löse
einen Wasserbedarf von 150 l pro Einheit und Tag aus; diesbezüglich sei auf das
pendente Stallerweiterungsgesuch im Bezugsgebiet der Quelle verwiesen. Mit ihren
Ausführungen unterstelle die Vorinstanz unterschwellig, die Beschwerdeführer seien als
Landwirte für die erhöhten Chlorid- und Nitrateinträge verantwortlich; dies sei
willkürlich (act. G 1 Rz. 22-26). Im Bereich der geplanten GWSZ befänden sich drei
belastete Standorte. Problematisch sei der Standort Nr. 0013_ (Deponie P._).
Inwiefern die Vorinstanz diese Deponie in der Zone S3 mit den einschlägigen
Gewässerschutzbestimmungen vereinbaren wolle, sei nicht nachvollziehbar und stelle
eine fehlerhafte Rechtsanwendung dar. Ein Überwachungskonzept sei bis heute nicht
erarbeitet worden (act. G 1 Rz. 27-32). Die Schutzzonenausscheidung bewirke sodann
eine nicht gerechtfertigte übermässige Einschränkung der Beschwerdeführer und eine
unzulässige Beeinträchtigung von Fruchtfolgeflächen (act. G 1 Rz. 33-46).
Unbestritten (act. G 1 S. 6 Ziffer 9) und aktenkundig ist vorliegend, dass an der in Frage
stehenden Quellfassung 11 Grundstücke dinglich berechtigt sind bzw. insgesamt
mindestens 11 Haushalte und 6 Landwirtschaftsbetriebe die Quellfassung nutzen.
Dieser Umstand begründet, wie im vorinstanzlichen Entscheid zutreffend festgehalten,
ein öffentliches Interesse an der GWSZ. Die aufgrund eines interkantonalen Vergleichs
eruierte Praxis stuft eine private Wasserfassung, welche 3-15 Wohneinheiten versorgt,
als im öffentlichen Interesse stehend ein (vgl. act. G 2 E. 3.4 mit Hinweis auf
Stellungnahme des AFU vom 28. September 2018, act. G 10/10). Wenn die Vorinstanz
von dieser Praxis ausgeht, kann ihr keine Sachwidrigkeit bzw. Willkür (act. G 1 S. 9)
vorgeworfen werden. Davon abgesehen wäre das öffentliche Interesse an der Fassung
auch schon dann gegeben, wenn das Wasser an Mieter und Pächter der
Grundeigentümer abgegeben würde (AWE, Merkblatt AFU 207, Abklärung der
Schutzpflicht - wann ist für Grundwasserfassungen und Quellen eine
Grundwasserschutzzone auszuscheiden, Ziffer 2 lit. c und d). Einer namentlichen
Auflistung aller Bezüger von Wasser der streitigen Quellfassung (Beweisantrag
Beschwerdeführer) bedarf es in diesem Zusammenhang nicht. Anhand der von den
Beschwerdeführern vorgenommenen Gegenüberstellung von Grundstücken mit und
ohne dienstbarkeitsrechtliches Quellrecht (act. G 1 S. 5) lässt sich die Frage, ob eine
GWSZ auszuscheiden ist, nicht beantworten. Hinsichtlich ihres Vorbringens, die
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gemeinde habe sich bereits verbindlich für die Erweiterung des Trinkwassernetzes in
den Weilern T._, D._, E._ und U._ entschieden, was gegen ein öffentliches
Interesse an der GWSZ spreche (act. G 1 S. 8 f. Ziffer 19), lässt sich der
Besprechungsnotiz vom 17. Februar 2020 in Verbindung mit den Ausführungen des
Beschwerdegegners folgendes entnehmen: Die Beschwerdebeteiligte habe zwei
Liegenschaften in E._, deren eigene Quellen über eine schwache Schüttung verfügten,
an die Wasserversorgung X._ anschliessen wollen. Die Beschwerdeführer seien indes
nicht bereit gewesen, diesen Grundeigentümern eine Quelldienstbarkeit einzuräumen,
weshalb die Beschwerdebeteiligte 2017 beschlossen habe, für diese Liegenschaften
eine eigene Leitung ab T._ zu bauen. Im Rahmen der Erschliessung M._-hof
(Versorgung mit Löschwasser) im Jahr 2018 und der Erstellung einer neuen
Abwasserleitung habe sich die Beschwerdebeteiligte für die Erstellung einer
Trinkwasserleitung im Gebiet T._-U._ (im gleichen Baugraben wie die
Abwasserleitung) entschieden. Die Beschwerdebeteiligte bestätigte indes den
Weiterbestand der Wasserversorgung X._ und die Notwendigkeit einer GWSZ für die
Quelle (act. G 16 Beilage 2 und G 15 S. 6). Damit hat als dargetan zu gelten, dass die
geplante Trinkwasserleitung die bestehende Wasserversorgung X._ lediglich
ergänzen, nicht jedoch ersetzen soll, was auch mit Blick auf allfällig künftig vermehrt
auftretende Trockenheit und Wasserknappheit (vgl. act. G 15 S. 6) sinnvoll erscheint.
Am öffentlichen Interesse an der streitigen GWSZ vermag somit die Erstellung der
erwähnten Trinkwasserleitung nichts zu ändern. Auch der Umstand, dass nicht alle
Liegenschaften der Weiler D._, O._, E._ und S._ durch die Quelle versorgt werden,
stellt das öffentliche Interesse an der GWSZ nicht in Frage. Eine Expertise zur Frage
des öffentlichen Interesses für die partielle Trinkwasserversorgung nahegelegener
Weiler unter Berücksichtigung des Umstands, dass nicht alle Liegenschaften mit dem
Quellwasser versorgt werden können (act. G 1 S. 1), vermöchte für die vorliegende
Streitfrage keinen Erkenntnisgewinn zu bewirken, zumal es für die Bejahung des
öffentlichen Interesses an der Fassung nicht erforderlich ist, dass sämtliche
umliegenden Liegenschaften mit dem Quellwasser versorgt werden.
Sodann ist festzuhalten, dass Gegenstand der vorliegenden Schutzzonenausscheidung
einzig die Quelle Nr. 0002T_ ist, welche auf der Gewässerschutzkarte
(www.geoportal.ch) mit der Rechtsgrundlage "Dienstbarkeit" und dem
Verwendungszweck "Wasserversorgung im öffentlichen Interesse" eingetragen ist. Die
von den Beschwerdeführern behauptete Eintragung "unbekannte Rechtsgrundlage,
Trinkwasser für Privatgebrauch" bezieht sich auf die nicht Verfahrensgegenstand
bildende Quelle Nr. 0003_. Wenn im vorinstanzlichen Entscheid (Sachverhalt A.b)
diesbezüglich die Quelle Nr. 0002_ angeführt wird, wie die Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beanstanden (act. G 1 S. 6 Ziffer 8), so handelt es sich dabei augenscheinlich um einen
Verschrieb, zumal sich aus den im angefochtenen Entscheid abgedruckten Karten (act.
G 2 S. 2-4) ergibt, dass die Vorinstanz von der massgebenden Quelle ausgeht. Im
Weiteren bestehen keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass Nichtberechtigte Wasser
von der Quelle 0002T_ beziehen würden, wie die Beschwerdeführer vermuten (vgl.
act. G 1 S. 1 Ziffer 9-12); diese (zivilrechtliche) Frage wäre im Übrigen, da nicht
Verfahrensgegenstand, auch nicht im vorliegenden Verfahren zu klären.
Die weitere Frage, ob zugunsten des Grundstücks Nr. 0001_ ein
Überwasserbezugsrecht besteht, wie die Beschwerdeführer mit Hinweis auf die
Verfügung betreffend Dienstbarkeiten-Neuordnung vom 31. Mai 1978 (act. G 21
Beilage) geltend machen (act. G 20 S. 6), kann vor dem dargelegten Hintergrund an
sich offenbleiben. Immerhin ist festzuhalten, dass der spätere Dienstbarkeitsvertrag
vom 14. Juli 1978 (Datum Grundbucheintrag) ein solches Überwasserbezugsrecht nicht
vermerkt (act. G 10/26/1 Anhang Nr. 3), weshalb vom Bestand dieses Rechts nicht
ausgegangen werden kann.
Die bundesrechtlich in quantitativer Hinsicht lediglich pauschal vorgegebene
Schüttmenge (Menge, die für eine Nutzung in Betracht fällt, ohne Berücksichtigung des
Bedarfs; vgl. Anhang 4 Ziff. 111 Abs. 2 lit. a GSchV) beträgt für die streitige Fassung
nach den Feststellungen im Bericht G._ 110 Liter/Minute (Mittelwert; vgl. act. G 10/26
Beilage 1 S. 4). Diesbezüglich ist unstreitig von einer für die Nutzung ausreichenden
Wassermenge auszugehen. Zur Berechnung der Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid (act. G 2 E. 4.1) betreffend Versorgung von bis zu 500 Personen weist der
Beschwerdegegner (act. G 15 S. 7) auf die Wasserbedarfserhebung
(Trinkwasserverbrauch von 142 l pro Kopf und Tag im eigenen Haushalt) des
Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (www.svgw.ch) hin; die
Versorgungskapazität für (mindestens) 500 Personen hat auf dieser Grundlage
jedenfalls als dargetan zu gelten. Ein öffentliches Interesse an der Fassung lässt sich
dementsprechend auch von der Fördermenge her nicht in Abrede stellen. Wenn die
Beschwerdeführer auf einen künftig steigenden Wasserbedarf und Auswirkungen von
Hitzesommern verweisen (act. G 1 S. 10 Rz. 24), spricht auch dies im Ergebnis für die
Notwendigkeit einer Unterschutzstellung der Wasserfassung. Im Übrigen dürfte sich -
ausgehend von 11 Haushalten und 6 Landwirtschaftsbetrieben, welche die
Quellfassung nutzen (vorstehende E. 4.1) - mit der erwähnten Versorgungskapazität
auch die von den Beschwerdeführern angeführte Kapazitätserweiterung um
15 Grossvieheinheiten (act. G 1 S. 10: Wasserbedarf 150 Liter pro GVE und Tag; G 20
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
S. 9; G 26 S. 4) noch abdecken lassen, zumal der Zusatzbedarf von insgesamt 2'250
Liter pro Tag der Fördermenge von rund einer halben Stunde entspricht.
4.3.
Mit Bezug auf die Qualität des Wassers ist gemäss Anhang 2 Ziff. 22 Abs. 1 GSchV
verlangt, dass es nach Anwendung einfacher Aufbereitungsverfahren die
Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung einhält. Der Bericht G._ bestätigt, dass
keine der in den Jahren 2009 bis 2012 entnommenen Wasserproben habe beanstandet
werden müssen und die bakteriologischen Analysen eine einwandfreie Wasserqualität
belegen würden. Der Chlorid- und Nitratgehalt werde regelmässig kontrolliert. Die
erhöhte Chloridkonzentration, wie sie vorliegend im Zeitverlauf an der Quellfassung
gemessen wurde (vgl. act. G 10/26 Beilage 1 Tabellen Anhang 5), deutet gemäss
Bericht G._ auf eine Beeinflussung durch Düngemittel, Abwasser, Deponien oder
Streusalz hin (act. G 10/26 Beilage 1 S. 5 und Anhang 5). Erhöhte
Nitratkonzentrationen, wie sie ebenfalls festgestellt wurden, haben gemäss dem
Bericht ihren Ursprung oft im Acker- und Gemüsebau bzw. in der Stickstoffdüngung
und Bodenbearbeitung (vgl. act. G 10/26 Beilage 1 Anhang 6 und Bericht S. 5). Diese
Feststellungen bedeuten keinen unterschwelligen Vorwurf gegenüber den
Beschwerdeführern als Landwirte (vgl. act. G 1 S. 10), sondern geben ausschliesslich
Erfahrungstatsachen bzw. Untersuchungsergebnisse wieder.
4.3.1.
Zu den Vorbringen der Beschwerdeführer (act. G 1 S. 7 Ziffer 13) betreffend die
Untersuchungen der R._ AG vom November 2018 sowie März und Juli 2019 (act. G
10/24; G 30 Beilagen) ist vorab anzumerken, dass bereits der Bericht G._
Untersuchungen (der H._ AG) betreffend Trichlormethan, Tetrachlorkohlenstoff,
Trichlorethen und Tetrachlorethen bestätigt. Eine Überschreitung der entsprechenden
Grenzwerte lässt sich dem Bericht nicht entnehmen (act. G 10/26 Beilage 1 Ziffer 4.2).
Zur Feststellung der Beschwerdeführer, dass die vorinstanzliche Bestätigung der
Einhaltung der Trinkwasserqualität im Schreiben vom 9. August 2019 (act. G 10/24)
unverständlich sei (act. G 1 S. 7 Ziffer 13 f.), äusserte sich die Vorinstanz in der
Vernehmlassung (act. G 9) nicht. In der Folge brachten die von ihr am 16. Dezember
2020 nachgereichten Unterlagen eine Klärung insofern, als das E-Mail der H._ AG vom
22. Juli 2019 die Einhaltung der Trinkwasserqualität (mit sehr grosser Reserve) im
Verlauf von zehn Jahren sowie eine eindeutig abnehmende Tendenz der geringen
Spurenbelastungen bestätigt (act. G 34). Die entsprechende Feststellung im
4.3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorinstanzlichen Entscheid lässt sich somit im Ergebnis nicht beanstanden. Die
Tatsache der erst in diesem Verfahren nachgereichten (ergänzenden) Begründung (act.
G 34) ist indes bei der Verteilung der amtlichen und ausseramtlichen Kosten zu
berücksichtigen (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 92).
Hinsichtlich der von den Beschwerdeführern (in act. G 1 S. 11 f.) erwähnten, im
Kataster der belasteten Standorte (www.geoportal.ch) eingetragenen Deponie Nr.
0013_ (P._) bestätigt der Bericht der H._ AG zur Altlastenvoruntersuchung eine
Überwachungsbedürftigkeit - und damit keine Sanierungsbedürftigkeit. Im erwähnten
E-Mail vom 22. Juli 2019 vermerkt die H._ AG, dass die Notwendigkeit für eine
Sanierung der Deponie P._ trotz weiterhin auf tiefem Niveau bestehenden
Spurennachweisen klar ausgeschlossen werden könne (act. G 34 S. 2 unten). Eine von
den Beschwerdeführern beantragte (act. G 1 S. 12) Expertise zur Frage der
Weiterbetriebsmöglichkeit der Quellfassung D._-E._ während und nach einer
Sanierung der erwähnten Deponie ist insofern nicht einzuholen, als zum einen eine
Sanierung nicht zur Diskussion steht und sich zum anderen die erwähnte Frage
unabhängig vom Bestehen einer GWSZ (bzw. auch ohne Vorliegen einer solchen)
stellen würde. Zu der im Weiteren von den Beschwerdeführern zur Diskussion
gestellten Deponieprojektidee (act. G 4/2) ist festzuhalten, dass eine solche lediglich
dann realisiert werden könnte, wenn sie die Wasserqualität der hier streitigen Quelle
bzw. der GWSZ nicht beeinträchtigt. Was die Strassendurchquerung der Schutzzonen
(act. G 1 S. 12 Rz. 32) betrifft, ist festzuhalten, dass gemäss Bericht des AFU vom
5. März 2014 (act. G 10/7/2) das ASTRA im Rahmen der Vorprüfung der
Schutzzonenunterlagen diesbezüglich keine Bedenken vorgebracht bzw. solche mit
Hinweis auf den sanierten Zustand der Nationalstrasse im Bereich GWSZ bzw. noch
vorzukehrender Massnahmen ausgeräumt hatte. Die Schutzzonenausscheidung und
die entsprechenden Bestimmungen des SZR bilden von daher auch Anlass, die
gegebenenfalls noch erforderlichen quellsichernden Massnahmen im Bereich der die
Quelle umgebenden Strassen noch zu realisieren.
Die Beschwerdeführer beanstanden in der Eingabe vom 8. Januar 2021, dass im
Abstrombereich der Altlastendeponie P._ insbesondere die Indikatorwerte von Kupfer,
Tetrachlorethen und Zink überschritten seien, diese Werte jedoch bei der Quelle D._
nicht untersucht worden seien (act. G 39). Hierzu ist festzuhalten, dass gemäss Anhang
2 der Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen
4.3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bädern und Duschanlagen (SR 817.022.11, TBDV) die zulässigen Höchstwerte bei
Kupfer 1mg/l, bei Tetrachlorethen 10 ug/l und bei Zink 5 mg/l betragen. Diese Werte
werden gemäss Zusammenstellung des AFU vom 19. Februar 2021 selbst im
Abstrombereich der alten Deponie nicht überschritten (act. G 42 S. 3). Damit hat - auch
aufgrund der Entfernung zwischen der Deponie und der Quelle D._ - als dargetan zu
gelten, dass bei der Quelle D._ die Indikatorwerte nicht überschritten werden, wie dies
auch im erwähnten Bericht bestätigt wird. Für weitere Probeentnahmen und
Untersuchungen des Grundwassers im Abstrombereich der Deponie P._ sowie bei der
Quellfassung D._ bzw. für eine Expertise zum aktuellen Zustand sowie zur Gefährdung
des Grundwassers durch die Deponie P._ (Beweisanträge der Beschwerdeführer in
act. G 39) besteht unter den dargelegten Umständen kein Anlass. Ausgangspunkt der
Beurteilung der qualitativen Eignung des Grundwassers bildet im Übrigen dessen
(unbelasteter) natürlicher Zustand, weshalb temporäre Belastungen des Wassers (wie
Altablagerungen) nicht zu berücksichtigen sind (BGer 1C_258/2015 vom 22. März 2016
E. 6). Auch durch Einträge belastetes Wasser befindet sich nicht im natürlichen
Zustand und kann dementsprechend nicht den Qualitätsmassstab bilden (vgl. VerwGE
B 2017/185 vom 13. Dezember 2018 E. 5.3.2). Folge der vorliegend zur Diskussion
stehenden Ausscheidung von Grundwasserschutzzonen wird aller Voraussicht nach
eine Verbesserung der Eintragswerte sein (vgl. act. G 10/26 Beilage 1 S. 6), indem die
Verkehrsanlage (Kantonsstrasse) mittelfristig zu sanieren sein wird (vgl. Art. 12, 25 und
27 Schutzzonenreglement; act. G 10/26 Beilage 2). Das Grundwasser wird auf diese
Weise die Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung für Trinkwasser (im Sinn von
Anhang 4 Ziffer 111 der GSchV) noch besser erfüllen können, als dies aktuell schon der
Fall ist (vgl. act. G 10/24). Der planerische Schutz macht mithin die Verbesserung der
Eintragswerte erst möglich. Auch von daher wurde ein öffentliches Interesse am Schutz
der Quelle im vorinstanzlichen Entscheid zu Recht bejaht.
Die Vorinstanz befasste sich im angefochtenen Entscheid (E. 6.3 f.) mit den sich aus
der GWSZ ergebenden Einschränkungen der Bodenbewirtschaftung durch die
Beschwerdeführer in den Zonen S1 bis S3 und verneinte das Vorliegen übermässiger
Einschränkungen. Zum Einwand, dass die Markierungspflicht (Zone S1) eine rationelle
Bewirtschaftung weitgehend verunmögliche (act. G 1 S. 13 Rz. 34), verwies bereits das
AFU auf die Möglichkeit der Anbringung einer entfernbaren Umzäunung (act. G 10/10
S. 5 f.), so dass die Zone S1 vollumfänglich befahrbar (wenn auch nicht bebaubar)
bleibt. Im Weiteren sind Ausnahmebewilligungen vom Acker- und Gülleverbot
(Flüssigdünger) in der Zone S2 (vgl. Ausführungen der Beschwerdeführer in act. G 1
Ziffer 36-38) möglich, bedürfen jedoch eines Gesuchs bei der zuständigen Stelle (act. G
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E. 6.4). Die pauschale Aussage, dass die in der Zone S2 verbotenen
Pflanzenschutzmittel sich nicht einfach durch andere Präparate ersetzen lassen würden
(act. G 1 S. 14 Rz. 39), ändert an der Möglichkeit einer Ausnahmebewilligung nichts
und vermag die diesbezüglichen (begründeten) Darlegungen des AFU (act. G 10/10 S.
5 f.) nicht in Frage zu stellen. Das Ackerbauverbot (act. G 1 S. 13 Rz. 34 f.) gilt nur für
die im Umgrenzungsplan (act. G 10/26 Beilage 3) bezeichnete Fläche und erweist sich
mit Blick auf den Zweck der Schutzzonenausscheidung (Sicherstellung einer
einwandfreien Trinkwasserversorgung) als verhältnismässig. Mit einer Anpassung der
Fruchtfolgeplanung als Folge der Schutzzonenausscheidung (Ausführungen der
Beschwerdeführer in act. G 1 Ziffer 37) mussten die Beschwerdeführer rechnen, zumal
die GWSZ schon seit Jahren zur Diskussion stand. Eine Expertise zur Frage, in
welchem Umfang die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Beschwerdeführer durch
die GWSZ beeinträchtigt wird (act. G 1 S. 5 und S. 13) bzw. welche wirtschaftlichen
Auswirkungen der Wegfall des Ackerlandes hat (act. G 1 S. 14), kann unter den
dargelegten Umständen unterbleiben, zumal die Frage, ob die von den
Beschwerdeführern angeführten Einschränkungen eine materielle Enteignung zur Folge
haben und wie diese gegebenenfalls zu entgelten ist, nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens bildet.
Was im Übrigen den Bericht G._ vom 27. Mai 2016 (act. G 10/26 Beilage 1) betrifft, ist
festzuhalten, dass entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer (act. G 1 Ziffer 41)
nicht dieser Bericht den "Amtsbericht" darstellt, sondern einzig die Grundlagen für den
Amtsbericht des AFU vom 28. September 2018 lieferte, welcher den
Verfahrensbeteiligten vor dem Rekursaugenschein zugestellt worden war (vgl. act. G
10/10). Dieser Amtsbericht (vgl. vorstehende E. 3.1) enthält eine ausführliche Darlegung
der Situation und Abwägung der Interessen sowie eine begründete Schlussfolgerung.
Es lässt sich nicht beanstanden, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid sich
auf diesen Bericht stützte und dementsprechend eine unverhältnismässige Belastung
der Beschwerdeführer durch die GWSZ verneinte. Sie setzte sich mit der Frage der
Fruchtfolgeflächen in Gewässerschutzzonen auseinander (act. G 2 E. 7.2 f.) und kam
zum Schluss, dass die GWSZ Bodennutzungen, welche die Ackerfähigkeit des
Kulturlandes tangieren, im Ergebnis gerade verhindern sollen, dass im Weiteren das
Anbaupotential der vom Ackerbauverbot umfassten Fläche (für Notzeiten) erhalten
bleibt und dass zudem die in Frage stehende Fläche (0.74 ha) von der
kompensationslos verbrauchbaren Fläche von 12 ha (vgl. Richtplan des Kantons St.
Gallen, Koordinationsblatt V11, S. 3) umfasst ist. Ihr Vorbringen, wonach es unmöglich
sei, über Jahre brachliegenden Boden innert 12 Monaten für die ackerbauliche Nutzung
wieder verfügbar zu machen (act. G 1 S. 15 f. Rz. 44), führten die Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
nicht weiter aus. Einer Expertise zur Frage, wie die von den Schutzzonen tangierten
Fruchtfolgeflächen zu kompensieren seien (act. G 1 S. 15 Rz. 45), bedarf es unter den
geschilderten Umständen nicht. Insgesamt kann der Vorinstanz weder eine
mangelhafte Sachverhaltsfeststellung noch eine Rechtsverletzung vorgeworfen
werden, weshalb sich der angefochtene Entscheid nicht beanstanden lässt.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der angefochtene Entscheid zu bestätigen
und die Beschwerde abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die
amtlichen Kosten des Verfahrens grundsätzlich den Beschwerdeführern aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 VRP), wobei die Tatsache der von der Vorinstanz erst in diesem
Verfahren nachgereichten entscheidwesentlichen Unterlagen (act. G 34; E-Mail
H._ AG vom 22. Juli 2019) und des dadurch notwendig gewordenen weiteren
Schriftenwechsels (act. G 35 bis 43) bei der Verteilung der Kosten nach dem
Verursacherprinzip (Art. 95 Abs. 2 VRP) zu berücksichtigen ist. Eine Entscheidgebühr
von CHF 4'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Es rechtfertigt sich, den Beschwerdeführern hiervon CHF 3'000
aufzuerlegen, unter Anrechnung des von ihnen geleistete Kostenvorschusses von
CHF 4'000 und Rückerstattung des verbleibenden Betrages von CHF 1'000 an sie.
Amtliche Kosten von CHF 1'000 gehen aufgrund der dargelegten Gegebenheiten zu
Lasten der Vorinstanz bzw. des Staates; auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP).
5.1.
Der Beschwerdegegner hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf
Entschädigung für das Beschwerdeverfahren (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP). Das
Verwaltungsgericht spricht bei Fehlen einer Kostennote praxisgemäss
Pauschalentschädigungen nach Ermessen gemäss Art. 6, 19 und Art. 22 Abs. 1 lit. b
der Honorarordnung, sGS 963.75 [HonO]). Mit Blick auf vergleichbare Verfahren und
unter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse ist eine Entschädigung des
obsiegenden Beschwerdegegners für das Beschwerdeverfahren mit CHF 3‘000
zuzüglich 4% Barauslagen (= CHF 120) angemessen. Die Mehrwertsteuer wird dazu
gerechnet (Art. 29 HonO; act. G 15), zumal der Beschwerdegegner selber nicht
mehrwertsteuerpflichtig ist (kein Eintrag im UID-Register). Diese Entschädigung geht,
gleich wie die amtlichen Kosten, zu drei Vierteln (CHF 2'250 zuzüglich Barauslagen von
CHF 90 und Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdeführer, unter solidarischer
5.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte