Decision ID: 44ee7da8-2904-42ec-9279-4e221b4ef01c
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1974, verfügt über keine Berufsausbildung und war zu
letzt zwischen dem 1. Mai 1999 und dem 30. November 2001 bei der Ein
zel
unternehmung Y._, als Hilfsdachdecker angestellt (Urk. 8/8/1). Am 25. Juli 2000 erlitt er einen Arbeitsunfall mit einer Ketten
säge, bei dem er sich eine Fräsenverletzung an der linken Schulter zuzog (Urk. 8/6/87).
Die Suva als Unfallversicherer stellte mit Verfügung vom 5. November 2001 (Urk. 8/6/9-11) die aufgrund dieses Unfalles erbrachten Heilkosten- und Tag
geldleistungen per 31. Oktober 2001 ein und wies die dagegen erhobene Ein
sprache mit Einspracheentscheid vom 22. Februar 2002 (Urk. 8/6/2-8) ab. Da
s
hiesige Gericht (Urteil vom 29. Oktober 2002, Prozessnummer UV.2002
.00043, Urk. 8/28/14-29) sowie das Bundesgericht (Urteil vom 1. September 2003, Prozessnummer U 341/02, Urk. 8/28/8-13) wiesen die gegen diese Leistungs
einstellung gerichteten Beschwerden des Versicherten ab.
1.2
Am 2. September 2001 meldete der Versicherte sich wegen Schulter-, Kopf- und Magenschmerzen sowie Schwindel bei der Eidgenössischen Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2/5). Mit Verfügung vom 4. Juli 2002 (Urk. 8/24) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten eine ganze Rente auf der Grundlage eines Inva
liditätsgrades von 100 % zu.
Ein mit Anmeldung vom 10. Dezember 2007 (Urk. 8/29) gestelltes Begehren um Zusprechung einer Hilflosenentschädigung wurde durch die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. Oktober 2011 (Urk. 8/81) abgewiesen. Dieser Entscheid blieb unangefochten.
Nach Durchführung eines amtlichen Revisionsverfahrens bestätigte die IV-Ste
lle am 27. November 2008 (Urk. 8/48) den bisherigen ganzen Renten
an
spruch.
1.3
Im Juni 2010 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren ein, in dessen Verlauf sie, neben Berichten behandelnder Ärzte (Urk. 8/58, 8/61), ein polydisziplinäres Gutachten der Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie einholte. Dieses wurde von den Fach
ärzten des Z._ am 8. März 2011
erstattet (Gutachten vom 8. März 2011, Urk. 8/67). Gestützt auf das einge
hol
te Gutachten teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 7. Juni 2011 (Urk. 8/75) mit, dass sein Rentenanspruch unverändert fortbestehe.
1.4
Am 23. April 2013 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren zur Überprü
fung der Rente im Sinne von
lit. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen der Änderung des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
vom 1
8.
März 2011 (
6.
IV-Re
vision, erstes Mass
nahmenpaket; nachfolgend: SchlB IVG) ein (Urk. 8/83). Sie holte hierfür Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 8/86, 8/90) ein und gab eine polydis
ziplinäre medizinische Begutachtung in Auftrag. Die Fachärzte der A._ erstatteten am 26. Mai
2014 (Urk. 8/113) ein Gutachten der Fachrichtungen Allgemeine Innere Medi
zin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie (Urk. 8/113). Gestützt auf das eingeholte Gutachten sah die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 4. November
2014 (Urk. 8/119) die Renteneinstellung in Anwendung von lit. a Abs. 1 SchlB
IVG vor
.
Dagegen erhob der Versicherte am 30. Januar 2015 (Urk. 8/126) Einwand und reichte einen ärztlichen Bericht ein (Urk. 8/125). Mit Vor
be
scheid vom 7. Januar 2016 (Urk. 8/132) stellte die IV-Stelle dem Versicherten unverändert eine Rentenaufhebung in Aussicht. Dagegen erhob
der Ver
sicherte am 14. März 2016 (Urk. 8/138) wiederum Einwand und reichte
weitere
ärztliche Berichte (Urk. 8/137/1-2, 8/137/3) ein. Nachdem die begut
ach
ten
den
Fachärzte am 14. Juli 2016 (Urk. 8/143) zu den dem Einwand zu
grunde lie
genden Argumenten und Arztberichten Stellung genommen hatten, ver
fügte die IV-Stelle am 16. September 2016 (Urk. 8/146 = Urk. 2) wie an
gekündigt. Sie stellte die bisherige Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschie
bende Wirkung.
2.
Mit Beschwerde vom 19. Oktober 2016 (Urk. 1) reichte der Beschwerdeführer die ärztlichen Berichte von Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 16. Oktober 2016 (Urk. 3/2) und Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. Oktober 2016 (Urk. 3/3) ein. Er be
an
tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die weitere Aus
richtung der bisherigen Rente, eventualiter die Rückweisung zu weiteren Ab
klärungen. In prozessualer Hinsicht stellte er Gesuche um Wieder
her
stellung
der aufschiebenden Wirkung und Gewährung der unentgeltlichen Prozess
füh
rung sowie
Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person
von Rechtsanwalt Zollinger. Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2016
(Urk. 7) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 9. Januar 2017 (Urk. 12) zur Kennt
nis gebracht wurde. Mit der gleichen Verfügung wurde das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen, dem Beschwer
de
führer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Zollinger als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG)). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
ben
de ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach lit. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schluss
be
stimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 des
Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket; nachfol
gend:
SchlB IVG
) werden Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syn
dromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage ge
spro
ch
en wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Ände
rung überprüft.
Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7
ATSG
nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Bestimmung ist ver
fassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 E. 3).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von lit. a
Abs.
1
SchlB IVG
nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Beschwerden, das heisst auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage beruhen.
1.3
G
emäss
der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter ent
wickelten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diag
nos
tizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomati
sche
Leiden (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
führende Arbeitsunfähigkeit zu
bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder
ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den
Arbeitsprozess
unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt (zur Entstehungsge
schichte dieser Praxis:
BGE 135 V 201
E.
7.1.2;
Urteil des Bundesgerichtes 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 2.1
).
Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so ge
nannte „Foerster-Kriterien“, vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 39 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3.2.3).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung aufgegeben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struk
tu
rierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regel
fall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standard
indi
katoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und sym
metrisch beurteilt, indem
gleichermassen
den
äusseren
Belastungs
fak
toren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Anerkennung eines rentenbegrün
den
den Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2016 vom 15. April 2016 E. 3.2).
Die Rechtsprechung hat zu den „vergleichbaren psychosomatischen Leiden“ ausdrücklich jene gezählt, die im Nachgang zu BGE 130 V 352 über die Jahre als sogenannte „pathogenetisch-ätiologisch unklare syndromale Beschwerde
bilder ohne nachweisbare organische Grundlage“ in invalidenversiche
rungs
rechtlicher Hinsicht den gleichen sozialversicherungsrechtlichen Anforde
rungen (Regel-Ausnahmemodell mit "Überwindbarkeitsvermutung“) unterstellt
wurden (BGE 142 V 342 E. 5.2.1; BGE 141 V 281 E. 4.2; BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3; bislang: Fibromyalgie: BGE 132 V 65 E. 4 [Urteil des Bundes
gerichts I 336/04 vom 8. Februar 2006]; dissoziative Sensibilitäts- und Emp
findungsstörung: Urteil des Bundesgerichts I 9/07 vom 9. Februar 2007 E. 4 in fine, in: SVR 2007 IV Nr. 45 S. 149; dissoziative Bewegungsstörung: Urteil des Bundesgerichts 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E. 3.4; Chronic Fatigue Syndrome [CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom] und Neurasthenie: Urteile
des Bundesgerichts I 70/07 vom 14. April
2008 E. 5; 9C_98/2010 vom 28. April
2010 E. 2.2.2, in: SVR 2011 IV Nr. 17 S. 44, und 9C_662/2009 vom 17. August
2010 E. 2.3, in: SVR 2011 IV Nr. 26 S. 73; spezifische und unfalladäquate HWS-Verletzungen [Schleudertrauma] ohne organisch nach
weis
bare Funktionsausfälle: BGE 136 V 279 [Urteil des Bundesgerichts 9C_510/2009 vom 30. August 2010]; nichtorganische Hypersomnie: BGE 137 V 64 E. 4 [Urteil des Bundesgerichts 9C_871/2010 vom 25. Februar 2011]; leichte Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerzsyndrom: Urteil des Bundesgerichts 8C_167/2012 vom 15. Juni 2012 E
.
5.2 und 6.1). Gemäss BGE 142 V 342 ist die Rechtsprechung
gemäss
BGE 141 V 281 auch auf eine posttraumatische Belastungsstörung anwendbar
.
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die angefochtene Verfügung vom 16. September 2016 (Urk. 2) damit, dass die der Rentenzusprache zugrunde liegenden Diag
nosen den pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage zuzuordnen seien. Im
polydiszi
pli
nären
Gutachten vom 5. Juni 2014 (Urk. 8
/
113) sei festgehalten worden, dass sich die geklagten Beschwerden sowie die subjektive Krankheitsüberzeugung, keiner Arbeit nachgehen zu können, durch die somatischen Befunde nicht ob
jektivieren liessen. Diese seien weitgehend psychisch überlagert, wobei es
sich um eine Somatisierungsstörung handle. Eine weitere psychiatrische Diag
nose könne nicht gestellt werden, womit weder rheumatologische noch psy
chiatrische Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen (Urk. 2 S. 2).
2.2
Mit Beschwerde vom 19. Oktober 2016 (Urk. 1) machte der Beschwerdeführer geltend, dass beide behandelnden Ärzte neben einer Somatisierungsstörung auch eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert hätten und von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausgingen. Als Ursache für die Belas
tungs
störung werde dabei nicht nur der Unfall aufgeführt, sondern auch ein später erfolgter Suizidversuch. Letzterer werde vom psychiatrischen Gutach
ter nicht berücksichtigt. Die Existenz der Beschwerden sei durch die beige
legten medizinischen Berichte ausgewiesen. Diese erwiesen sich als plausibel, wenn nicht bloss der Unfall, sondern die ganze Krankengeschichte berück
sichtigt werde (Urk. 1 S. 4). Aus dem Bericht von Dr. C._ vom 17. Oktober 2016 (Urk. 3/3) gehe hervor, dass er seinen linken Arm nicht mehr gebrau
chen könne. Der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, wonach keine funk
tio
nelle Armparese bestehe, sei aktenwidrig (Urk. 1 S. 4 f.). Die Feststellung des Gutachters, dass die aufgrund der Somatisierungsstörung bestehenden Be
schwerden durch eigene Willensanstrengung überwunden werden könnten, werde den mit BGE 141 V 281 aufgestellten Anforderungen nicht gerecht. Da der in diesem Entscheid definierte Fragenkatalog zu beachten sei, liege eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung vor (Urk. 1 S. 5).
3.
3.1
Bei der Revision nach den Schlussbestimmungen handelt es sich um einen Spe
zialfall einer materiellen Revision (
Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014
vom 3. September 2014 E. 2.4.2), womit die zu Art. 17 ATSG ergangene Recht
sprechung analoge Anwendung findet.
Daraus ergibt sich, dass für die Beant
wortung der Frage, ob eine Rente aufgrund eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwer
de
bildes gesprochen wurde, auf denjenigen Sachverhalt abzustellen ist, wie er der letzten rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiellen Prü
fung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweis
würdigung und Durchfüh
rung eines Einkommensvergleichs (bei An
halts
punkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Ge
sund
heitszustands) beruht
(BGE 134 V 131 E.
3 und 133 V 108 E.
5.4 mit Hin
weis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist
der Erlass
eine
r
Verfügung verzichtbar, wenn bei einer
von Amtes wegen durchgeführten Revision keine leistungsbeeinflussende Ände
rung der Verhäl
tnisse festgestellt wurde (Art.
74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV))
und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin
keine Ver
fügung verlangt (Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichs
zeit
punkt einer (ordentlichen) rechtskräf
ti
gen Verfügung gleichzustellen (Urtei
le des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September
2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen)
.
3.2
3.2.1
Die mit Verfügung vom 4. Juli 2002 (Urk. 8/24) zugesprochene ganze Rente wurde von der Beschwerdegegnerin mit den Mitteilungen vom 27. November 2008 (Urk. 8/48) und 7. Juni 2011 (Urk. 8/75) bestätigt. Im Rahmen des zweiten Revisionsverfahrens, welches mit der Mitteilung vom 7. Juni 2011
abgeschlossen wurde, holte die Beschwerdegegnerin das polydisziplinäre Gut
achten des Z._ vom 8. März 2011 (Urk. 8/67) ein. Da keine Verfügung ver
langt wurde, ist aufgrund des dieser Mitteilung zugrunde liegenden, rechts
konform abgeklärten Sachverhalts die Frage zu klären, ob die Rente auf
grund eines unklaren syndromalen Leidens zugesprochen und seither aus
ge
richtet wurde.
3.2.2
Wie dem Feststellungsblatt für den Beschluss (Urk. 8/74/4) zu entnehmen ist, stellte die IV-Stelle für die Mitteilung vom 7. Juni 2011 (Urk. 8/75) auf das polydisziplinäre Gutachten vom 8. März 2011 (Urk. 8/67) ab und ging auf
grund der Diagnose einer gemischten dissoziativen Störung (Konversions
störung, ICD-10: F44.7) von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglichen Tätig
keiten aus. Diese Diagnose ist nach der Rechtsprechung den unklaren syndromalen Beschwerdebildern zuzuordnen (Urteil 8C_311/2013 vom 2. Dezem
ber 2013 E. 4 mit Hinweis auf BGE 137 V 64 E. 4.2). Die Über
prüfung der Rente aufgrund der SchlB IVG wurde am 23. April 2013 (Urk. 8/83) und damit innert der Frist von drei Jahren nach deren Inkraft
treten (1. Januar 2012) in die Wege geleitet. Die persönlichen Ausschluss
gründe für die Anwendbarkeit der Bestimmung gemäss lit. a Abs. 4 SchlB IVG sind beim Beschwerdeführer nicht gegeben: Weder war er bei Inkraft
treten der Schlussbestimmungen IVG am 1. Januar 2012 55 Jahre alt, noch lag der Beginn seines Rentenanspruchs bei Einleitung der Rentenüberprüfung
am 23. April 2013 bereits mindestens 15 Jahre zurück (1. Juli 2001, Urk. 8/24
, BGE 139 V 442 E. 4.3).
3.2.3
Die Schlussbestimmungen sind jedoch nicht anwendbar, wenn die spezifische Rechtsprechung zu den unklaren Beschwerdebildern bei der Rentenzu
spre
chung bereits beachtet wurde (BGE 140 V 8 E. 2.2.2).
Bei Erlass der
Mittei
lung
vom
7. Juni 2011
(Urk. 8/75) bestand
die
bundesgerichtliche
Recht
spre
chung betreffend Überwindbarkeit von somatoformen Schmerzstörungen (BGE
130 V 352 [Urteil vom 1
2.
März 2004])
bereits. Ebenso war bereits fest
gestellt worden, dass diese auch auf die beim Beschwerdeführer gestellte Diagnose Anwendung findet (BGE 137 V 64 [Urteil vom 25. Februar 2011])
.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (Urk. 8/126) hatten die Gut
ach
ter des Z._ die damals relevanten Kriterien für die Überwindbarkeit nicht beachtet. Und auch die Beschwerdegegnerin unterliess es in der Folge, sich im Rahmen
des mit der rentenbestätigenden Mitteilung vom 7. Juni 2011 (Urk. 8/74, 8/75
) abgeschlossenen Revisionsverfahrens mit der Überwindbar
keit der Auswir
kungen der gestellten Diagnose auseinanderzusetzen. Damit sind die SchlB IVG anwendbar und es bleibt einzig zu prüfen, ob ein inva
lidi
sierender Ge
sund
heitsschaden vorliegt, der einen rentenbegründenden Inva
liditätsgrad zur
Folge hat.
4.
4.1
4.1.1
Gestützt auf die am 24. und 26. März 2014 durchgeführten persönlichen Unter
such
un
gen und die zur Verfügung gestellten medizinischen Vorakten
erstatteten die
A._
-Sachverständigen der Beschwerdegegnerin am 26. Mai 2014
(Urk. 8/113) ihr polydiszip
linäres Gut
achten.
4.1.2
Gegenüber dem allgemeininternistischen Gutachter, Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, klagte der Beschwerdeführer über rund um die Uhr bestehende, extreme chronische Schmerzen im Bereich der linken Schulter, des Nackens und des Kopfes, wodurch auch der Nachtschlaf erheb
lich gestört sei (Urk. 8/113/8). Dr. D._ diagnostizierte auf seinem Fachge
biet eine behandelte arterielle Hypertonie (ICD-10: I10), einen chronischen Nikotinabusus, circa 30 Package Years, (ICD-10: F17.1) und äusserte einen Verdacht auf Medikamentenmalcompliance betreffend zwei Psychopharmaka (ICD-10: Z91.1). Den Diagnosen mass er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit bei (Urk. 8/113/9).
4.1.3
Anlässlich des psychiatrischen Untersuchungsgesprächs berichtete der Ver
sicherte Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, da
rü
ber, dass er unter Schmerzen am ganzen Körper leide. Der Kopf sei blockiert, er leide unter Schwindel, einer Schwäche im linken Bein und könne den linken Arm nicht gebrauchen. Zudem schlafe er schlecht und könne sich kaum erinnern (Urk. 8/113/10). Dr. E._ stellte die Diagnose einer Soma
ti
sierungsstörung (ICD-10: F45.0) und verneinte eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Der Beschwerdeführer habe sehr vage und ungenaue Angaben gemacht. Auf die meisten Fragen habe er keine
Antwort gegeben und erwidert, er wisse nichts und könne sich nicht erin
n
ern. Nachdem er ein Gespräch über den Unfall zunächst abgelehnt hätte, habe er später davon
berichtet, wie sich während der Arbeit die Kettensäge in einem Netz verfangen habe und beim Losreissen die Kettensäge an die linke Schulter geschlagen habe. Dabei sei er nicht besonders in Aufregung geraten und es seien keine Zeichen vegetativer Erregung feststellbar gewesen. Der Versicherte habe keine Albträume erwähnt und auch auf Nachfrage hin nicht erklärt, dass ihn das Unfallereignis tagsüber öfters belaste (Urk. 8/113/12). Der Explorand habe nicht nur über eine funktionelle Lähmung seines linken Armes, sondern auch über Schmerzen im ganzen Körper, Schwindel, Brennen in der Bauchgegend und Schwächegefühle in den Beinen geklagt. Die ge
klag
ten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, keiner Arbeit nachgehen zu können, liessen sich durch Befunde nicht objektivieren. Sie seien weitgehend psychisch überlagert, wobei es sich um eine Somati
sierungsstörung handle. Daneben sei keine weitere psychiatrische Diagnose zu stellen (Urk. 8/113/13).
4.1.4
Gegenüber dem Gutachter Dr. med. F._, Facharzt für Rheumatologie, klagte der Beschwerdeführer über subjektiv extrem starke, während 24 Stun
den anhaltende, quälende Schmerzen an Kopf, Nacken, am Schultergürtel mit Ausdehnung Richtung Brustwirbelsäule, mit teilweise blockierendem akutem Schmerzcharakter und Ausstrahlung in den gesamten linken Arm, so dass dieser im Alltag nicht mehr eingesetzt werden könne (Urk. 8/113/15).
Dr. F._ berichtete über ausgedehnte Befunde beziehungsweise Beobach
tungen, die rheumatologisch-klinisch in keiner Art und Weise erklärt werden könnten. Der Explorand habe einen sehr unruhigen, zum Teil agitierten Ein
druck gemacht. Eine segmentale Bewegungsprüfung der Halswirbelsäule habe
bei einer ausgeprägten Schmerzartikulation und Schmerzabwehrhaltung nicht
adäquat durchgeführt werden können. Bereits das Berühren der Nacken-Schul
tergürtelweichteile habe derart starke Schmerzen ausgelöst, dass eine weitere Untersuchung nicht mehr möglich gewesen sei. Der linke Arm wie auch Ellbogen-, Hand- und periphere Fingergelenke links seien zu keinem Zeitpunkt während der Statuserhebung aktiv bewegt worden. Rein passiv assi
stiert sei die linke Schulter durchaus adäquat zu bewegen gewesen, auch wenn endphasig eine massive Schmerzexazerbation im gesamten Nacken-Schulter-Armbereich links festzustellen gewesen sei. Die Ellbogen-, Hand- und peripheren Fingergelenke seien passiv assistiert ebenfalls völlig unauf
fällig frei beweglich (Urk. 8/113/18). Es bestünden keine relevanten musku
lären Defizite, weder im Schultergürtel noch an den Ober- und Unterarm
weichteilen. Die vorhandene Pseudoparese der linken oberen Extremität könne
ätiologisch in keiner Art und Weise adäquat erklärt werden (Urk. 8/113/19).
Der Rheumatologe stellte die Diagnose eines chronischen, somatisch nicht erklärbaren Nacken-Schulter-Armsyndroms links mit funktioneller Pseudo
pa
rese der gesamten linken oberen Extremität (ICD-10: R52.2) bei Status nach
rein oberflächlicher Weichteilverletzung links ventral mit einer Kettensäge
am 25. Juli 2000 und reaktiven Myogelosen der Nackenschultergürtel- und de
r interscapulären Muskelgruppen bei muskulärer Dysbalance (Urk. 8/113/18
). Der Rheumatologe hielt zur Arbeitsfähigkeit fest, der Ver
sicherte müsse funktionell als einarmig betrachtet werden, weil er offen
sicht
lich nicht in der Lage/nicht gewillt sei, den linken Arm aktiv einzusetzen. Er sei allerdings Rechtshänder, der rechte Arm sei für alle Arbeiten vollum
fänglich und nor
mal einsetzbar. Für jegliche leichten bis mittelschweren,
wechselbe
las
ten
den körperlichen Tätigkeiten unter ergonomisch guten Arbeits
platzbe
ding
ung
en bestehe eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit (Urk. 8/113/19).
4.1.5
Gegenüber Dr. med. G._, Facharzt für Neurologie, klagte der Beschwerde
führer über Schmerzen am ganzen Körper, Zittern, Schlaflosigkeit, Schwindel und kognitive Einschränkungen. Der Hauptschmerz sei im Bereich der linken Schulter lokalisiert, wobei es zur Ausbreitung in den Kopf und den ganzen Körper komme. Die Schmerzen seien im Bereich des Nackens andauernd vorhanden (Urk. 8/113/20).
Aus neurologischer Sicht stellte Dr. G._ keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mass er einer hochgradigen funktionellen sensomotorischen Funktionsstörung des linken Armes (ICD-10: F44.6) (Urk. 8/113/21) bei. Anlässlich der klinischen Untersuchung stellte er eine ausgeprägte Drucküberempfindlichkeit im linken Schulterbereich fest (Urk. 8/113/20). Die muskuläre Trophik am linken Arm beurteilte er als gut erhalten und wies darauf hin, dass angesichts der de
monstrierten Plegie des linken Armes weitaus stärker ausgeprägte Atrophien zu erwarten gewesen seien. Das hochgradige sensomotorische Defizit am linken Arm sei aus neurologischer Sicht nicht erklärbar (Urk. 8/113/22).
4.1.6
Im Rahmen der Konsensbeurteilung einigten sich die Gutachter hinsichtlich der relevanten Diagnosen auf diejenige eines chronischen, somatisch nicht erklärbaren Nacken-Schulter-Armsyndroms links mit funktioneller Pseudo
pa
rese der gesamten linken oberen Extremität (ICD-10: R52.2) bei vorhan
dener Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0). Differentialdiagnostisch sei die Diagnose einer dissoziativen Störung in Betracht zu ziehen. Eine post
trau
matische Belastungsstörung schlossen sie aus. Hinsichtlich der Arbeitsfähig
keit hielten die Gutachter fest, dass sich einzig aus rheumatologischer Sicht eine Einschränkung ergebe. Da der Beschwerdeführer aufgrund des chroni
schen, somatisch nicht erklärbaren Nacken-Schulter-Armsyndroms links mit funktioneller Pseudoparese der gesamten linken oberen Extremität nicht in der Lage beziehungsweise nicht gewillt sei, den linken Arm aktiv einzu
setzen, sei er funktionell als einarmig zu betrachten (Urk. 8/113/23). Für kör
perlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine uneinge
schrän
kte
Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Ungeeignet seien hingegen körperlich schwere
Tätigkeiten und solche, die den repetitiven Einsatz des linken Armes erfor
derten. Eine retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten sei schwierig, weshalb ihre Einschätzung ab dem Zeitpunkt der Untersuchung im März 2014 Geltung habe (Urk. 8/113/24).
4.2
Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 12. Januar 2015 (Urk. 8/125) über den Beschwerdeführer. Dieser stehe seit dem 19. Dezember 2002 bei ihm in Behandlung. Das Zustandsbild habe sich während dieser Zeit weiter verschlechtert. Er zeige ein hektisch agitiertes Verhalten mit Nervosität, grosser Angespanntheit und Angst. Er klage über Konzentrationsstörungen und starke Vergesslichkeit (Urk. 8/125/1). Wegen der Behinderung sei er nicht in der Lage zu putzen oder zu waschen und könne auch nicht kochen. Er ernähre sich deshalb von Sandwiches und ande
ren Fertiggerichten oder gehe in der Migros etwas essen. Sozial scheine er sehr isoliert zu sein und nur mit seinen Kindern Kontakt zu haben. Zwischendurch telefoniere er mit seinen Eltern. Dr. C._ stellte die folgenden Diagnosen:
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und damit asso
zi
ierte Depression nach potenziell gefährlichem Unfall mit einer Kettensäge am 25. Juli 2000
-
Somatoforme Schmerzstörung im linken Schulter- und Armbereich mi
t funktioneller Armparese links
-
Status nach Suizidversuch mit Tabletten am 1. September 2003
-
Dissoziative Störung
-
Verdacht auf andauernde Persönlichkeitsänderung, Differential
diag
nose: ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6)
Seit Behandlungsbeginn und auch weiterhin attestiere er dem Beschwerde
führer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 8/125/2).
Am 22. Februar 2016 (Urk. 8/137/1 f.) stellte er unveränderte Diagnosen und attestierte weiterhin eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit.
Im Hinblick auf dieses Beschwerdeverfahren äusserte sich Dr. C._ am 17. Oktober 2016 (Urk. 3/3) erneut zur Behandlung des Beschwerdeführers, wobei er empfahl, den Beschwerdeführer im H._ beruflich abklären zu lassen.
4.3
Dr. med. B._, der behandelnde Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte am 15. Februar 2016 (Urk. 8/137/3) eine Pseudoparalyse des linken Armes nach Fräsenverletzung am 25. Juli 2000 (ICD-10: R29.8) sowie ein schweres, angstbetontes agitiertes Zustandsbild im Rahmen einer post
trau
matischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Seit dem Unfall bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Der körperliche wie auch der psychische Zustand des Beschwerdeführers sei unverändert. Aufgrund von Schmerzen könne der Versicherte den linken Arm und die linke Schulter nicht bewegen.
Am 16. Oktober 2016 (Urk. 3/2) führte Dr. B._ aus, er gehe nach wie vor von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus, da eine Benützung des linken
Armes nicht mehr möglich sei. Es handle sich um eine funktionelle Parese/
Lähmung infolge der im Jahr 2000 erlittenen Fräsenverletzung. In Bezug auf die linke Hand sei eine Somatisierungsstörung zu diagnostizieren, da keine rheumatologische oder neurologische Diagnose gestellt werden könne. Die
Diagnose einer PTBS werde nicht nur vom behandelnden Psychiater, Dr.
C._
, gestellt, sondern sei bereits im Jahr 2001 von einem Arzt der I._ gestellt worden.
5.
5.1
5.1.1
Die Sachverständigen des A._ führten in ihren jeweiligen Fachdisziplinen umfassende Untersuchungen durch, welche sie durch eine
Laboruntersuchung des Blutes (Urk.
8
/1
13/9
)
ergänzten. Neben den Ergebnissen ihrer Unter
su
chungen setzten sie sich ebenso mit den geklagten Beschwer
den wie auch mit
den medizinischen Vorakten auseinander. Wichen ihre Befunde oder Diag
nosen von denen in den Vorakten ab, begründeten sie dies in nachvoll
zieh
barer Weise. Auch setzten sie sich mit der Entwicklung des
Ge
sund
heits
zustandes, soweit aufgrund der bestehenden medizinischen Akten möglich,
auseinander
(BGE 140 V 193 E. 3.2)
. Ihre Diagnosen stellten sie gestützt auf die Vorgaben der von der Weltgesund
heitsorganisation (WHO) herausgege
be
nen Internationalen
statistischen Klassi
fikation der Krankheiten und verwand
ter Gesundheitsprobleme (ICD-10) (BGE
130 V 396 E. 6, 136 V 279 E. 3.2.1; Urteil des Bun
desgerichts 9C_636/2013 vom 25.
Februar 2014 E. 4.2.1 mit Hin
weisen)
. Unter Erörterung der erho
be
nen Befunde gelangten sie im Kon
sens zum Er
geb
nis, dass eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einzig der vom rheu
matologischen Gutachter auf der Grundlage der durchgeführten Unter
such
ungen und in Berücksichtigung der medizinischen Vorakten ge
stellten Diag
nose eines chronischen
,
somatisch
nicht erklärbaren Nacken-Schulter-Arm-Syndroms links mit funktioneller Pseudoparese der gesamten linken oberen Extremität (ICD-10: R52.2) beizumessen sei. Diese Diagnose stellten sie in den Zusammenhang zum ehemals vorgefallenen Sägeunfall mit der Folge einer rein oberflächlichen Weichteilverletzung, zu den vorhan
de
nen reaktiven Myogelosen bei muskulärer Dysbalance und der Somatisie
rungsstörung, der wiederum sie keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beimassen (Urk. 8/113/23 f.). Mit der Annahme einer uneingeschränkten Arbeits- und Leistungsfähigkeit in leichten bis mittelschweren Tätigkeiten ohne repetitiven Einsatz des linken Armes übernahmen sie die rheuma
to
lo
gisch begründete qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Auf An
frage
der IV-Stelle nahmen sie am 14. Juli 2016 (Urk. 8/143) zu den vorge
brachten Einwänden
(Urk. 8/138)
und den zwischenzeitlich eingereichten Arzt
be
rich
ten von Dr. C._ vom 12. Januar 2015 (Urk. 8/125) und 22. Febru
ar 2016 (Urk. 8/137/1 f.) sowie zum Arztbericht von Dr. B._ vom 15. Februar 2015
(Urk. 8/137/3) Stellung. Sie legten dabei dar, weshalb die vorge
brach
ten Argu
mente nichts an ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit änder
te
n.
5.1.2
Dass die vom Beschwerdeführer aktiv gezeigte, praktisch totale Immobilität des linken Armes und die Ausdehnung der Beschwerden auf andere Körper
regionen keinen relevanten somatischen Kern haben, steht zweifelsfrei fest. Weder der Rheumatologe noch der Neurologe und auch der behandelnde Somatiker Dr. B._ gingen in ihren Berichten von etwas anderem aus. Bereits die somatischen Gutachter des Z._ sprachen vom gleichen bei ihnen gezeigten Beschwerdebild mit linker Armplegie bzw. Hemisymptomatik, die keine somatische Ursache habe (Urk. 8/67/36). Ebenfalls berichteten sämt
liche somatischen Gutachter, dass passiv unterstützt durch den Untersucher eine praktisch uneingeschränkte und freie Beweglichkeit der linken Schulter herbeigeführt werden konnte. Bei einer gewissen Ablenkung des Versicher
ten, so zum Beispiel bei der Messung des Finger-Boden-Abstandes mit nach vorne hängenden Armen, berichtete der Rheumatologe über gar keine spon
ta
nen Schmerzäusserungen, obwohl dies einem Bewegungswinkel von 90° Elevation entsprach und vom Versicherten sonst als nicht durchführbar bezeichnet wurde (Urk. 8/113/16). Sodann zeigten sich weder anlässlich der Begutachtung durch das Z._ noch bei der aktuellen Begutachtung durch das
A._
Zeichen von Muskelatrophien, Gewebeatrophien, Osteopenien, trophi
sche
Störungen oder andere Folgen einer über 10jährigen, tatsächlich gelebten Immobilität der linken Schulter. Die Armumfänge zwischen rechts und links waren nicht in relevantem Masse unterschiedlich (Urk. 8/67/37, 8/113/17). Wenn bei dieser Ausgangslage die Somatiker des A._ erhebliche Zweifel an der vom Versicherten an den Tag gelegten grossen Immobilität äusserten und
deshalb eine eigentliche, glaubhafte funktionelle Armparese in ihrer Stellung
nahme vom 14. Juli 2016 explizit verneinten und vielmehr von einem aggravierenden Verhalten sprachen (Urk. 8/143/2), ist das nachvollziehbar und überzeugend. Auch die Gutachter des Z._ hatten dargelegt, dass man davon ausgehen müsse, dass der Versicherte den Arm im Alltag mehr einsetze als er darlege und dass der Arm nicht so funktionslos sei, wie der Versicherte geltend mache (Urk. 8/67/37). Sie verwerteten ihre Erkenntnis über das diskrepante Verhalten in ihrem Gutachten jedoch nicht weiter, sondern sprachen einzig von einer schweren Konversionsstörung, der sie grosse Bedeutung und einen Krankheitswert mit einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % beimassen (Urk. 8/67/37) und übergingen damit diese offenkundig zur Diskussion stehende Problematik ohne weitere Begründung (Urk. 8/67/37).
Eine weitere Inkonsistenz fand sich darin, dass der Versicherte
die medi
zinischen Therapieoptionen nur vereinzelt in Anspruch
nahm.
Die im Labor des
A._
durchgeführte Blutuntersuchung ergab für die verschriebenen Psy
cho
pharmaka Olanzapin
(Antipsychotikum)
und Surmontil
(Antidepressivum)
(Wirkstoff: Trimipramin) Werte deutlich unterhalb des therapeutischen Be
reichs (vgl. Urk. 8/113/9), was darauf
schliessen lässt, dass er diese
nur unre
gelmässig einnimmt
, was den von ihm beschriebenen enormen Leidensdruck hinsichtlich der geltend gemachten Schmerzen und inneren Unruhe mit gegenüber dem behandelnden Psychiater beschriebenen Schattenfiguren und Pseudohalluzinationen ebenfalls in Frage stellt
(Urk. 8/113/14
, 8/125/2
).
5.1.3
Der psychiatrische Gutachter Dr. E._ stellte beim Beschwerdeführer an
lässlich des Untersuchungsgesprächs vom 26. März 2014 eine weitgehende psy
chische Überlagerung der geklagten Beschwerden fest. Da sich weder diese Beschwerden noch die subjektive Überzeugung, keiner Arbeit nach
gehen zu können, durch die somatischen Befunde objektivieren liessen, stellt
e er die Diagnose einer Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0; Urk. 8/113/12).
Vorausgesetzt werden für diese Diagnose zunächst seit mindestens zwei Jahren anhaltende multiple und unterschiedliche körperliche Symptome, für die keine ausreichenden somatischen Erklärungen gefunden wurden. Weiter ist erforderlich, dass der Patient sich hartnäckig weigert, die Beurteilung mehrerer Ärzte anzuerkennen, wonach für die geklagten Symptome keine körperliche Erklärung zu finden sei. Schliesslich muss die Art der Symptome und das sich daraus ergebende Verhalten zu einem gewissen Grad an Be
einträchtigung sozialer und familiärer Funktionen geführt haben (Dilling/
Mombour/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Stö
rung
en
, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 9. Auflage, Bern 2014, S. 225 f.).
Der Beschwerdeführer klagte seit Jahren, dass er den linken Arm seit dem Unfall nicht mehr benützen könne (Urk. 8/113/10). Eine somatische Ursache für die Schmerzen in der linken oberen Extremität wurde von behandelnden Ärzten bereits wenige Monate nach dem Unfall ausgeschlossen: Die erst
be
handelnden Ärzte des J._ hielten am 11. August 2000 (Urk. 8/6/97) aufgrund der gleichentags erfolgten Notfallkonsultation fest, dass ein Infekt als Ursache für die geklagten Schulterschmerzen laborche
misch ausgeschlossen werden könne. Ein Abszess könne sonographisch aus
geschlossen werden und eine Röntgenuntersuchung der Schulter habe keine Auffälligkeiten gezeigt. Dr. med. K._, Facharzt für Neurologie, berichtete dem zuweisenden Dr. B._ am 4. September 2000 (Urk. 8/14/3 f.) über voll
ständig normale Resultate der am 31. August 2000 durchgeführten Elektro
myographie und fehlende Hinweise für eine lokale Parese oder Muskel
atro
phien. Auch der behandelnde Hausarzt, Dr. B._, verneinte eine somatische Ursache für die geklagte Beeinträchtigung des linken Armes (Urk. 8/86/1). Daneben fand eine Ausdehnung der Beschwerden auf andere Körperregionen statt. So sprachen auch die Ärzte des Z._ von einem linken Hemisyndrom durch unerklärliche Beschwerden mit Schonhinken im linken Bein und im Rumpf. Daneben klagte der Versicherte über Schwindel, für den es ebenfalls kein objektives Korrelat gab (Urk. 8/67/27). All diese Beschwerden schilderte der Beschwerdeführer so, dass er rund um die Uhr und ohne irgendwelche
Besserungen zu erfahren, darunter so leide, dass er keiner Tätigkeit mehr nach
gehen könne (Urk. 8/113/8 f.). Diese Ausdehnung stand gemäss Dr. E._ bei der Begutachtung im A._ im Zentrum, indem der Versicherte den Ärzten gegenüber Schmerzen im ganzen Körper, Brennen in der Bauchgegend, Schwindel und ein Schwächegefühl in den Beinen klagte (Urk. 8/113/8, 8/113/10), wohingegen die schlechte Funktionalität des linken Armes bei den Klagen nicht mehr im Vordergrund stand (Urk. 8/113/13). Mit den multiplen, nicht erklärbaren Symptomen ist ein Element der gestellten Diagnose der Somatisierungsstörung nachvollziehbar gegeben.
Die zweite Leitlinie ("hartnäckige Weigerung, den Rat oder die Versicherung mehrerer Ärzte anzunehmen, dass für die Symptome keine körperliche Er
klärung zu finden ist")
nimmt Bezug
auf das Kriterium "lange und kom
pli
zierte Patienten-Karriere (...), sowohl in der Primärversorgung als auch in spezialisierten medizinischen Einrichtungen, wo viele negative Unter
such
ungen und ergebnislose explorative Operationen durchgeführt sein können" (Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.2.3). Auch diese Leitlinie ist erfüllt, da neben der aktuellen psychiatrischen (Dr. C._) und hausärztlichen (Dr. B._) Behandlung zahlreiche weitere Behandlungen stattfanden. Dazu zählen namentlich eine neurologische Abklärung durch Dr. K._ (
Urk. 8/14/3 f.),
mehrere ambulante Nachbehandlungen durch das Departement für Chirurgie des K._ (Urk. 8/96, 8/97, 8/98), mehrere Be
handlungsblöcke Physiotherapie (Urk. 8/6/20, 8/6/55 und 8/6/63) sowie ein stationärer Aufenthalt in der L._ vom 29. November 2000 bis am 7. Februar 2001 (Urk. 8/13/7).
Das mit den von ihm geklagten Beschwerden einhergehende Verhalten führte gemäss Aussagen des Beschwerdeführers dazu, dass seine Ehefrau sich von ihm getrennt habe (Urk. 8/113/11).
Da alle drei Leitlinien für die von Dr. E._ diagnostizierte Somati
sie
rungsstörung (ICD-10: F45.0) erfüllt sind, wurde diese Diagnose sachgerecht gestellt.
5.1.4
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde vor, entgegen dem psy
chiatrischen Gutachter hätten beide behandelnden Ärzte die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (nachfolgend: PTBS, ICD-10: F43.1) ge
stellt.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die sich auf die medizinische Literatur und die internationale Klassifikation psychischer Störungen stützt, setzt die Diagnose einer PTBS ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde voraus (BGE 142 V 342 E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Die A._-Gutachter hatten im Gutachten und in der Stellungnahme vom 14. Juli 2016 dargelegt, weshalb ihres Erachtens die Diagnose einer PTBS nicht gestellt werden könne: Der Beschwerdeführer habe zwar einen Unfall mit einer Kettensäge erlebt, er sei dabei aber nicht schwer verletzt worden und habe nach einer nur ambulanten Abklärung aus dem Spital entlassen werden können. Auch habe er nicht von Angstträumen oder Flashbacks berichtet (Urk. 8/113/12, 8/143/2). Diese Beurteilung ist einleuchtend und basiert auf den dargelegten Fakten. Tatsächlich erlitt der Versicherte glück
li
cherweise mit der Kettensäge nur eine oberflächliche Wunde über dem Humeruskopf links, die mittels einer Fasciennaht und eines Verbandes ambulant behandelt werden konnte (Urk. 8/6/87), so dass in der Tat nicht
von einem Ereignis mit katastrophenartigem Ausmass gesprochen werden kann
, an dessen Folgen der Versicherte noch leide.
Auch die vormals durch das Z._ und auch durch Dr. C._ diagnostizierte
Konversionsstörung (dissoziative Störung, ICD-10: F44) wurde von Dr.
E._
diskutiert und für den Zeitpunkt seiner Untersuchung aber nicht als im Vordergrund stehend erachtet, weil man davon ausgehen müsse, dass beim Versicherten keine funktionelle Armparese vorliege, dieser vielmehr aggra
viere und seinen Arm mehr einsetze als er darlege (Urk. 8/143/2); er er
wähnte die Diagnose einzig als Differentialdiagnose (Urk. 8/113/13). Auch dies ist überzeugend. Denn aufgrund der aufgezeigten objektiven Diskre
panzen und der Tatsache, dass der Beschwerdeführer – anders als noch im Zeitpunkt der Begutachtung durch das Z._ – bei der Begutachtung durch das A._ alleine lebte und daher zwangsläufig bei der Alltagsbewältigung den linken Arm einsetzen musste und sich nicht mehr – wie früher - von der Ehefrau umfassend helfen lassen konnte, steht in der Tat mit Dr. E._ der Verlust der Kontrolle über den linken Arm aus psychischen Krankheits
gründen (vgl. ICD-10: F44) nicht mehr im Vordergrund (Urk. 8/113/13), sondern es ist von der diagnostizierten Somatisierungsstörung auszugehen.
5.2
5.2.1
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit kamen im Rahmen der interdisziplinären Konsensbeurteilung die Gutachter des A._ zum Schluss, dass aus somatischer Sicht in körperlich leichten bis mittelschweren, geeigneten Tätigkeiten eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit besteht. Als ungeeignet beurteilten sie körperlich schwere Tätigkeiten und solche mit repetitivem Einsatz des linken Armes (Urk. 8/113/24). Dies ist nachvollziehbar. In Anbe
tracht dessen, dass vom tatsächlichen Einsatz des betroffenen, adominanten linken Arms im Alltag ausgegangen werden muss (vgl. Urk. 8/113/13, 8/113/19, 8/113/22), steht einem grundsätzlichen Einsatz des linken Armes
im Erwerbsbereich - zumindest in der von den Gutachtern vorgesehenen Weise
- nichts entgegen. Damit steht dem Versicherten auch eine grosse Vielfalt an Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung.
5.2.2
Der Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0) massen die Gutachter – allen vor
an der Psychiater Dr. E._ - keine (zusätzliche) Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bei (Urk. 8/113/12, 8/113/23). Nach der geänderten Recht
sprechung ist für die Frage der Relevanz einer Diagnose für eine invalidi
sierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit entscheidend, ob fachärzt
licher
seits Ausschlussgründe genannt werden, die überwiegend für die gezeigte eingeschränkte Leistungsfähigkeit verantwortlich sind. Diesfalls liegt recht
sprechungsgemäss regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor und es erübrigt sich, weiter anhand des Prüfungsrasters eine relevante Arbeits
unfähigkeit zu ermitteln (BGE 141 V 281 E. 2.2, Urteil des Bundesgerichts
9C_549/2015
vom 29. Januar 2016 E. 4.1). Wie gezeigt wurde (E. 5.1.2) gehen die Gutachter von einem erheblich aggravierenden und diskrepanten, gar unglaubwürdigen Verhalten des Versicherten mit einer gezeigten gänz
lichen Immobilität des linken Armes aus. Diese erhebliche Funktions
ein
schrän
kung und die damit einhergehenden gezeigten übermässigen Be
schwer
den am ganzen Körper sind deshalb nicht als invalidisierend anzuerkennen. Eine weitere Prüfung der Indikatoren erübrigt sich daher.
5.3
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass dem Gutachten des A._ Beweiswert zukommt und gestützt auf die Einschätzung der dortigen Gut
achter von einer gesundheitsbedingt uneingeschränkten Leistungsfähigkeit bei einer den somatischen Gegebenheiten angepassten, körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit im beschriebenen Sinn (Urk. 8/113/23) auszugehen ist. Da eine solche Verweisungstätigkeit zumutbar ist, ist ein Einkommens
vergleich vorzunehmen.
6.
6.1
6.1.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommens
ver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Validen
einkommen).
6.1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Drei
viertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
6.
2
.
6.2.1
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versi
cherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, weil es der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
6.2
.2
Der rentenzusprechenden Verfügung vom 4. Juli 2002 (Urk. 8/24) lag gemäss dem Feststellungsblatt für den Beschluss vom 27. März 2002 (Urk. 8/18) ein Bruttolohn von Fr. 43‘200.-- im Jahr 2000 zugrunde, welcher dem Arbeit
geberfragebogen vom 1. November 2001 (Urk. 8/8/2) zu entnehmen
war
. Zur Bestimmung des Valideneinkommens ist diese Lohnsumme an die
seit dem Jahr 2000 eingetretene Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 201
6
(BFS, Ent
wicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne [1939 = 100; im Internet abrufbar], Nominallöhne [T39,
2/2], Männer; 2000: 1‘856; 2016
: 2‘
239
)
anzupassen
.
Fr. 43‘200.-- / 1‘856 x 2‘
239
= Fr. 5
2
‘
114
.
66
6.3
6.3.1
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens
kann
nach der Rechtsprechung
bei Fehlern eines
tatsächlich erzielte
n
Erwerbseinkommen
s
auf
Tabellenlöhne gemäss den vom
BFS
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
abgestellt
werden (BGE 139 V 592 E. 2 mit Hinweis auf BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Der Beschwerdeführer hat nach dem Unfall vom 25. Juli 2000 keine Erwerbs
tätigkeit mehr aufgenommen. Aufgrund der qualitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die rheumatologische Diagnose ist das Invalidenein
kommen auf der Grundlage der Tabellenlöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
LSE
des Jahres 2012 (nachfolgend: LSE 2012) zu bestim
men. Da der Beschwerdeführer über keine Berufsausbildung ver
fügt, ist auf den Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 der LSE 2012 abzu
stellen, welches eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.4). Für das vom Beschwerdeführer weiterhin erzielbare Ein
kommen ist auf die Tabelle T1_skill_level, Kompetenzniveau 1, Männer,
Total
mit einem Bruttomonatsl
ohn von Fr. 5‘295.-- abzustellen.
Weiter sind die Tatsache, dass die LSE
2012 auf einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden basiert, die effektive betriebsübliche Arbeitszeit im Jahr 2012 jedoch
41,
7 Wochenstunden (BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schafts
abteilungen [im Internet abruf
bar], 2012, total) betrug,
sowie die zwischen 2012 und 2016
eingetretene Nominallohnentwicklung zu berück
sichtigen (BFS, Entwicklung der Nomi
nallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne [1939 = 100; im Internet abrufbar], Nominallöhne [T39,
2/2], Männer; 2012: 2‘188; 2016
: 2‘2
39
):
12 x Fr. 5‘295.-- /40 x 41,7
/
2‘188 x 2‘2
39
= Fr. 67‘
784.45
Damit ergibt sich im Vergleich zum Valideneinkommen von
Fr. 52
‘
144
.
66
(vgl. E. 6.2.2) keine invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse. Selbst die Berück
sichtigung des maximal zulässigen leidensbedingten Abzuges von 25 % (vgl. zum Ganzen: BGE 134 V 322 E. 3.2) hätte lediglich einen Invaliditätsgrad von gerundet
3
% (zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121)
zur Folge.
Da der Invaliditätsgrad unter 40 % liegt, besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Damit sind Voraussetzungen für eine Aufhebung der Rente im Sinne von lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen erfüllt, weshalb die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Rente zu Recht mit Verfügung vom 16. September 2016 aufhob.
7.
7.1
Es bleibt abschliessend zu prüfen, ob der Beschwerdeführer gestützt auf lit. a
Abs.
2 Schl
B
IVG Anspruch auf Massnahmen zur Wiedereingliederung im Sinne von
Art.
8a IVG hat. Eine Durchführung solcher Massnahmen hätte eine Weiterausrichtung der Rente bis zu deren Abschluss zur Folge, längstens jedoch während zwei Jahren ab dem Zeitpunkt der Aufhebung (lit. a
Abs.
3 Schl
B
IVG)
.
7.2
Am
2.
September
2014 wurde der Beschwerdeführer zu einem
Informations
gespräch im Zusammenhang mit der Überprüfung der Rentenleistungen ge
stützt auf lit. a SchlB IVG eingeladen (Urk. 8/114). Dieses Gespräch fand am 23. September 2014 statt, wobei die mit der Revision 6a des IVG einher
gehende Gesetzesänderung und die Auswirkungen auf den Rentenbezug des Beschwerdeführers besprochen wurden. Gleichzeitig wurde der Beschwerde
führer über die Möglichkeit informiert, an Eingliederungsmassnahmen teilzu
nehmen, unter Weiterausrichtung der Rente bis zum Abschluss dieser Mass
nahmen, längstens für zwei Jahre. Dabei erklärte der Beschwerdeführer, er sei kaputt und dies wüssten doch alle. Er würde sich jedoch diesbezüglich bei der M._ melden (Urk. 8/118/9). Der zuständige Sozialpädagoge der M._ informierte die Sachbearbeiterin der IV-Stelle mit E-Mail vom 30. September 2014 (Urk. 8/117) über den Verlauf des Erstgespräches. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage gewesen sich zu setzen und habe immerzu wiederholt, dass er krank, invalid, kaputt und nervös sei. Ein Ge
spräch sei nicht möglich gewesen, weshalb keine Vorstellung der Integra
tions
möglichkeiten habe stattfinden können und vereinbart worden sei, dass die IV-Stelle über den Verlauf dieses Erstgesprächs informiert werde.
Im Rahmen der Begutachtung durch die Ärzte der A._ äusserte der Be
schwer
deführer, er könne sich aufgrund seiner chronischen Beschwerden keinerlei Arbeitstätigkeit mehr vorstellen (Urk. 8/113/9). Die Gutachter rieten von der Durchführung beruflicher Massnahmen ab, da diese aufgrund der ausgeprägten Krankheits- und Behinderungsüberzeugung des Beschwerde
führers kaum durchführbar sein würden und die Erfolgsaussichten zu gering seien (Urk. 8/113/25). Auch im Beschwerdeverfahren liess der Beschwer
de
führer geltend machen, er sei komplett arbeitsunfähig (Urk. 1 S. 6).
7
.3
Angesichts der gesamten Umstände, insbesondere aufgrund der vom Be
schwer
deführer geäusserten Standpunkte im Zusammenhang mit der Wieder
aufnahme einer Erwerbstätigkeit, ist sein subjektiver Eingliederungswille in Frage gestellt. Dieser aber ist Voraussetzung für die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen unter gleichzeitiger Weiterausrichtung der Rente (Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2014 vom 5. September 2014 E. 5). Über die gesetzlich vorgesehenen Eingliederungsmöglichkeiten war der Beschwer
de
führer vor Erlass des Vorbescheides ausdrücklich informiert worden. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit dem ange
foch
tenen Entscheid die Rente ohne Weiterungen auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats (Art. 88
bis
Abs. 2 lit. a IVV) aufgehoben hat.
8.
8
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
sicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgesetzt. Vorliegend erweist sic
h eine Kostenpauschale von Fr. 8
00.-- als angemessen.
Weil die Beschwerde abzuweisen ist,
sind die Kosten de
m
Beschwerde
führer
aufzuerlegen
.
Z
ufolge Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung
werden diese
einstweilen auf die
Gerichts
kasse
genommen
.
8.
2
Dem
une
ntgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Zollinger
, steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwie
rigkeit des Prozesses, und nach dem Zeitaufwand festzu
setzen ist.
Nachdem Rechtsanwalt Zollinger keine Zusammenstellung über
seine anwaltlichen Bemühungen ein
gereicht hat, erfolgt die Festsetzung seiner
Entschädigung nach Ermessen. Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass Rechtsanwalt Zollinger den Beschwerdeführer bereits im Einwandverfahren vertreten hat und seither nur in sehr beschränktem Mass Aktenstudium er
for
derlich war, ist die Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr
. 1’500.
-- (inklu
sive Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) festzusetzen.