Decision ID: dea6e88b-32d2-58f4-9f0d-0c064d9c8a35
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a Die 1967 geborene S._ war über die Arbeitslosenversicherung bei der Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 4. März 2008 stürzte sie auf nasser
Treppe aufs Gesäss (Suva-act. 1 und 2). Der am folgenden Tag konsultierte Hausarzt,
Dr. med. A._, Innere Medizin FMH, stellte mit Zeugnis vom 19. März 2008 ein
Hämatom am lumbosacralen Übergang mit Schwellung bis in die Rima ani fest und
diagnostizierte eine Sacrumkontusion (Suva-act. 2). Die Suva anerkannte ihre
Leistungspflicht für das Unfallereignis und erbrachte die gesetzlichen Leistungen
(Suva-act. 6).
A.b Am 20. Mai 2008 wurde die Versicherte durch Kreisarzt Dr. med. B._, Facharzt
FMH für Chirurgie, untersucht. Dieser hielt im gleichentags erstellten Bericht als
Diagnose chronische lumbosakrale Schmerzen sowie eine flächige Hyposensibilität am
lateralen Oberschenkel beidseits fest und ordnete radiologische Abklärungen an (Suva-
act. 7). Nach Durchführung einer konventionellen LWS-Aufnahme und eines MRI im
Spital Lachen vom 17. Juni 2008 (Suva-act. 11) berichtete Dr. med. C._, Facharzt
Neurologie FMH, am 9. Juli 2008 über die gleichentags erfolgte neurologische
Untersuchung (Suva-act. 12). Dr. B._ nahm mit Nachtrag zur kreisärztlichen
Untersuchung vom 20. Mai 2008 zu den Abklärungen Stellung (Suva-act. 14).
A.c Am 18. September 2008 äusserte Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, der neue Hausarzt der Versicherten, den Eindruck einer massiv
psychosomatischen Überlagerung der vom erlittenen Rückentrauma herrührenden
Schmerzen (Suva-act. 21). Dr. B._ hielt am 30. September 2008 fest, dass sich keine
somatisch-strukturellen Unfallfolgen finden liessen (Suva-act. 23).
A.d Mit Verfügung vom 1. Oktober 2008 stellte die Suva die Versicherungsleistungen
per 31. Oktober 2008 auf Grund fehlender Unfallkausalität gestützt auf die Beurteilung
ihres Kreisarztes ein (Suva-act. 25). Die gegen diese Verfügung durch die Versicherte
erhobene Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 1. Dezember 2008
ab (Suva-act. 31).
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B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtete sich die von der Versicherten am
8. Januar 2009 eingereichte und mit Eingabe vom 15. Januar 2009 ergänzte
Beschwerde mit den sinngemässen Anträgen, der Einspracheentscheid vom
1. Dezember 2008 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien weiterhin die
gesetzlichen Leistungen aus der Unfallversicherung zu erbringen. Zur Begründung hielt
sie fest, dass sie seit ihrem Sturz von der Treppe am 4. März 2008 an
Rückenschmerzen leide, die auch durch Physiotherapie keine Besserung gefunden
hätten. Dr. E._ von der Rosenklinik Rapperswil-Jona habe auf Grund der
Röntgenbilder einen eindeutigen "Black Diskus" diagnostiziert und ihr zu einer
Operation geraten. Gemäss seiner Aussage könne ein Black Diskus unmöglich durch
Krankheit, sondern nur durch einen Unfall entstehen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 13. Februar 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids. Zur Begründung verwies sie auf die
Ausführungen im Einspracheentscheid und machte insbesondere geltend, dass für die
geklagten Beschwerden weder radiologisch noch neurologisch ein entsprechendes
unfallkausales organisches Substrat habe objektiviert werden können. Ausserdem sei
ärztlicherseits eine massive psychische Überlagerung festgestellt worden. Da der
Treppensturz jedoch als leichter Unfall zu qualifizieren sei, müsse die adäquate
Unfallkausalität dieser psychischen Beschwerden von vorneherein verneint werden.
B.c Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdeführerin hat mit Schreiben vom 8. Januar 2009 beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen eine "zweite Einsprache" gegen die
Verfügung der Suva vom 1. Oktober 2008 erhoben (act. G 1). Am 13. Januar 2009
reichte sie den Einspracheentscheid der Suva vom 1. Dezember 2008 per Telefax nach
(act. G 3) und mit eingeschriebener Postsendung vom 16. Januar 2009 erfolgte eine
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nachgebesserte Beschwerdeeingabe mit Rechtsbegehren und Begründung sowie dem
Einspracheentscheid im Anhang (act. G 4). Damit sind die Prozessvoraussetzungen
nach Art. 61 lit. b des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) erfüllt. Unter Berücksichtigung des
Fristenstillstands gemäss Art. 38 Abs. 4 lit. c ATSG ist die Beschwerde innerhalb der
dreissigtägigen Beschwerdefrist erhoben worden (Art. 60 ATSG). Auf die Beschwerde
ist daher einzutreten.
2.
Vorliegend ist streitig, ob die von der Beschwerdeführerin ab dem 1. November 2008
geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden immer noch auf den Unfall vom
4. März 2008 zurückzuführen sind und die Beschwerdeführerin damit weiterhin einen
Anspruch auf Versicherungsleistungen der Beschwerdegegnerin hat. Unbestritten ist,
dass die Beschwerdegegnerin den Unfall vom 4. März 2008 anerkannt und für dessen
Folgen Taggelder und Heilbehandlungen erbracht hat.
3.
3.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt gemäss Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein
natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ob zwischen dem
schädigenden Ereignis und dem Gesundheitsschaden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit
eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht
(BGE 129 V 177 E. 3.1; 123 V 43 E. 2a, je mit Hinweisen). Wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss auch der Wegfall eines
ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den bestehenden
Beschwerden mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Weil es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt,
liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim
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Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45, 1994 Nr. U 206 S. 328; siehe ebenso
BGE 117 V 261 E. 3b). Dabei muss jedoch nicht etwa der Beweis für unfallfremde
Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat,
ob es Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder degenerative Veränderungen
sind, ist unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der Unfallversicherer bei einmal
bejahter Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde Ursachen nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag. Entscheidend ist allein, ob
unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b). Wird durch einen
Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt
die Leistungspflicht des Unfallversicherers, wenn entweder der (krankhafte) Zustand,
wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante), oder aber derjenige
Zustand, der sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften
Vorzustandes auch ohne den Unfall früher oder später eingestellt hätte (status quo
sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit
Hinweisen; siehe ebenso BGE 117 V 261 E. 3b in fine). Im Rahmen der Prüfung des
Dahinfallens der Leistungspflicht des Unfallversicherers genügt es mithin für die
Bejahung des fortbestehenden natürlichen Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für
die fragliche gesundheitliche Störung immer noch eine Teilursache darstellt. Gemäss
Art. 36 Abs. 1 UVG werden die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die
Taggelder und Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die
Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung
beinhaltet eine Durchbrechung des Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein
Gesundheitsschaden durch das Zusammenwirken konkurrierender, teils
unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen bewirkt worden ist (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. Februar 2003 i/S S. [U 287/02] E. 4.4).
3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
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Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen
bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne
Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens - abschliessen
(RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin klagte infolge des Unfalls über persistierende
Rückenschmerzen. Gemäss Arztzeugnis vom 19. März 2008 erlitt sie beim Ereignis
vom 4. März 2008 eine Sacrumkontusion. Die röntgendiagnostischen Untersuchungen
im Spital Lachen am 17. Juni 2008 zeigten keine frischen ossären Frakturen. Die
konventionelle LWS-Aufnahme machte eine leichte Verschmälerung der Bandscheibe
L5/S1 bei sonst unauffälligen Wirbelsäulenbildern erkennbar. Eine gleichentags
durchgeführte Magnetresonanztomographie (MRT) der LWS ergab weiter keine
Hinweise auf eine relevante Diskushernie, eine Diskusprotrusion oder eine
Wirbelkörperfraktur. Hingegen zeigten sich eine deutlich degenerativ bedingte
Entwässerung der Bandscheibe L4/L5 sowie Spondylarthrosen der unteren LWS
(Suva-act. 11). Bei der Beschwerdeführerin sind damit im Bereich der LWS
zweifelsohne organische Substrate ausgewiesen, die grundsätzlich als Ursache der
geklagten Schmerzen im Bereich der LWS in Erwägung zu ziehen sind (vgl. dazu Alfred
M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 848 ff.). Zu
prüfen ist daher im Folgenden, inwieweit sie durch den Unfall bzw. die Kontusion vom
4. März 2008 verursacht wurden oder inwieweit der Unfall bzw. die Kontusion auf sie
eingewirkt hat. In Frage kommt eine durch den Unfall verursachte organische
Gesundheitsschädigung, eine richtunggebende Verschlimmerung eines degenerativen
Vorzustands oder ein durch den Unfall lediglich ausgelöster (nicht verursachter) oder
vorübergehend verschlimmerter degenerativer Vorzustand. Beim Unfall als
Auslösefaktor interessiert im Weiteren die Frage, ob der Beschwerdeschub noch
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andauert bzw. bis zu welchem Zeitpunkt er angedauert hat (vgl. dazu RKUV 2000 Nr. U
378 S. 190 und Nr. U 379 S. 192).
4.2
4.2.1 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall
eine strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als
objektivierbares Korrelat verlangt. Die im Rahmen der röntgendiagnostischen
Abklärungen im Spital Lachen am 17. Juni 2008 erstellten Bilder lieferten laut Dr. med.
F._, Leitender Arzt des Instituts für Radiologie, keine derartigen Anzeichen (vgl. Suva-
act. 11). Dr. B._ gab daher gestützt auf diese Ergebnisse in seinem Bericht vom
15. Juli 2007 an, dass die radiologischen Abklärungen keine Hinweise auf eine
posttraumatische Veränderung ergeben hätten. Im Weiteren verwies er auf den Bericht
von Dr. C._ vom 9. Juli 2008, der die Beschwerden noch im Rahmen der Kontusion
sah. Auch am 30. September 2008 nahm Dr. B._ zur LWS-Problematik dahingehend
Stellung, dass sich keine somatisch-strukturellen Unfallfolgen finden liessen. Bei der
Spondylarthrose handelt es sich sodann um eine häufige degenerative, also nicht
traumatisch bedingte, Veränderung an der Wirbelsäule, die Folge- oder
Begleiterscheinung einer Diskushernie bilden kann (vgl. dazu Alfred M. Debrunner,
a.a.O., S. 852 ff.; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 261. Aufl., S. 1810). Damit steht
mit dem im Sozialversicherungsrecht geforderten Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (vgl. Th. Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl.
Bern 2003, S. 451 f.) fest, dass bei der Beschwerdeführerin eine durch den
Treppensturz verursachte neue, bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer
strukturellen Veränderung auszuschliessen ist.
4.2.2 Im Weiteren ist in Bezug auf den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin ebenfalls eine richtunggebende, mithin dauernde, unfallbedingte
Verschlimmerung ihrer degenerativen Gesundheitsschäden im Bereich der Wirbelsäule
auszuschliessen. Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass eine
solche Verschlimmerung nur dann als erwiesen gelten kann, wenn die Radioskopie ein
plötzliches Zusammensinken der Wirbel und das Auftreten bzw. die Vergrösserung von
Randzacken nach einem Trauma aufzeigt (E. Morscher, in: Baur/Nigst [Hrsg.],
Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 191). Die medizinischen Akten enthalten
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keine Hinweise darauf, dass sich der degenerative Zustand der LWS im Zeitpunkt des
Unfalls vom 4. März 2008 massiv verändert hätte. Das Vorliegen einer
richtunggebenden Verschlimmerung einer degenerativen Erkrankung wird nirgends
diskutiert. Vielmehr hielt Dr. F._ eine unfallbedingte Entwässerung der Bandscheibe
L4/5 sowie leichtgradige degenerative Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke
beidseits auf Höhe von L3-S1 fest. Nun kann eine Kontusion der Wirbelsäule zwar ohne
Weiteres eine bisher stumme, vorbestehende Spondylarthrose oder andere
Wirbelsäulenerkrankungen symptomatisch machen. Dabei handelt es sich aber
meistens nur um eine vorübergehende Verschlimmerung (Debrunner/Ramseier, Die
Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 5). Hinweise dafür, dass vorliegend
von einem anderen Verlauf auszugehen wäre, finden sich in den Akten keine. Auch die
Aussage von Dr. C._, dass er die anhaltenden Schmerzen im Bereich des Übergangs
der LWS zum Os sacrum mit zum Teil Ausstrahlung pseudoradikulär in beide Beine vier
Monate nach dem Unfallereignis durchaus noch als nachvollziehbar erachte, ist vor
diesem Hintergrund zu verstehen und lässt lediglich auf eine vorübergehende
Verschlimmerung des degenerativen Vorzustands schliessen. Es ist folglich davon
auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin nach dem Unfall einzig unveränderte
degenerative Vorzustände radiologisch ausgewiesen waren.
4.2.3 Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, Dr. E._ habe anhand
der Röntgenbilder eine "Black Diskus" diagnostiziert, welche einzig durch Unfall
entstehen könne. Unter dem Begriff einer "Black Disk" wird eine degenerierte,
ausgetrocknete und somit nicht mehr funktionstüchtige Bandscheibe verstanden. Da
solche Bandscheiben auf einem CT/MRT schwarz sind, werden sie Black Disk genannt.
Eine funktionstüchtige Bandscheibe sieht demgegenüber auf einem CT/MRT gräulich-
schwarz aus, wobei der Bandscheibenkern weißlich dargestellt wird (vgl.: http://
www.diebandscheibe.de/lexikon.php: Fremdwörterlexikon, Abfrage vom 6. Oktober
2009). Wie bereits aus der Definition hervorgeht, besteht die Ursache einer "Black
Disk" in einem deutlichen Verschleiss der Bandscheibe mit Abnahme des
Flüssigkeitsgehalts und keinesfalls - wie behauptet wurde - in einem Unfallereignis.
Weitere Abklärungen hierzu bzw. das Einholen eines ärztlichen Berichts von Dr. E._
erübrigen sich damit.
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4.2.4 Auf Grund dieser Ausführungen ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit weder
eine klar ausgewiesene neue, bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer
strukturellen Veränderung noch eine richtunggebende Verschlimmerung des
degenerativen Vorzustands erlitten hat.
4.3 Wie bereits geschildert, kann ein Vorzustand durch einen Unfall ausserdem
ausgelöst oder vorübergehend verschlimmert werden. In diesem Fall übernimmt die
Unfallversicherung jedoch lediglich den durch das Unfallereignis ausgelösten
Beschwerdeschub (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 E. 2a mit Hinweisen). - Dr. C._ sah
die geltend gemachten Beschwerden in seinem Bericht vom 9. Juli 2008 noch im
Rahmen der Kontusion. Dr. B._ äusserte am 30. September 2008 bezüglich der
Dauer solcher Beschwerden, dass Wirbelsäulenkontusionen und Distorsionen
normalerweise innerhalb von maximal sechs Monaten vollumfänglich abheilen würden.
Meistens seien die Beschwerden innerhalb von einigen Wochen bzw. zwei bis drei
Monaten rückläufig. Auch in Fällen, bei denen ursprünglich organische Beschwerden
vorhanden waren und später nicht mehr nachweisbar sind, ist für die
Leistungserbringung gegenüber dem Unfallversicherer erforderlich, dass die geklagten
Beschwerden einer medizinisch noch fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung
zugeschrieben werden können und diese Gesundheitsschädigung mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfall
steht. Gerade dies muss angesichts der geschilderten Aktenlage jedenfalls ab 1.
November 2008 verneint werden. Der zwischen dem Unfall und den lumbalen
Rückenbeschwerden anfänglich gegebene Zusammenhang ist als weggefallen zu
betrachten. Es sind keine Gründe ersichtlich, welche die Richtigkeit der dargelegten
Beurteilung in Zweifel ziehen würde, zumal es einer medizinischen Erfahrungstatsache
entspricht, dass Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne
strukturelle Läsionen normalerweise innert kurzer Zeit - in der Regel innerhalb von
sechs Monaten, spätestens innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr (bei
degenerativen Veränderungen) - folgenlos abheilen und die damit verbundenen
Beschwerden sich gänzlich zurückbilden. Insofern zeichnet sich eine vorübergehende
Verschlimmerung eines Vorzustands im Bereich der Wirbelsäule im Regelfall durch eine
stetige Besserung des unfallkausalen Beschwerdeanteils aus (vgl. dazu Bär/Kiener,
Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule, Medizinische Mitteilungen der
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Suva Nr. 67, S. 45). Schliesslich spricht der Umstand, dass seit dem Unfall anhaltende,
zu Beginn als unfallkausal taxierte Schmerzen sowie eine damit verbundene
Arbeitsunfähigkeit bestehen, nicht automatisch für das Vorliegen anhaltender
Unfallrestfolgen bzw. eine andauernde unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit. Die
Leistungseinstellung des Unfallversicherers bedingt keine Beschwerdefreiheit bzw.
volle Arbeitsfähigkeit. Entscheidend ist allein, ob der durch den Unfall ausgelöste
Beschwerdeschub seine kausale Bedeutung verloren hat (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329
E. 3b). Diesfalls können anhaltende Beschwerden mit unfallfremden Befunden,
beispielsweise degenerativer Art, erklärt werden. Soweit die Beschwerdeführerin im
Übrigen geltend macht, sie sei bis zum besagten Ereignis beschwerdefrei gewesen, ist
festzuhalten, dass nach der Formel "post hoc ergo propter hoc" eine gesundheitliche
Schädigung nicht schon deshalb als durch einen Unfall verursacht gilt, weil sie nach
diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 E. 2b/bb). Auf die Ausführungen von Dr. B._
ist vorliegend abzustellen. Sie basieren auf eigenen ärztlichen Untersuchungen sowie
den relevanten Vorakten und einer umfassenden Würdigung des medizinischen
Sachverhalts. Zudem hält der Kreisarzt in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise fest,
weshalb die Rücken- und Beinbeschwerden der Beschwerdeführerin nicht auf das
Geschehen vom 4. März 2008 zurückzuführen sind. Auf Grund des Gesagten ist nach
Massgabe der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung, d.h. acht Monate nach dem Unfallereignis, von einem Wegfall der
Prellungsfolgen als Ursache der Rückenbeschwerden auszugehen.
4.4 Im Weiteren leidet die Beschwerdeführerin seit dem auf das Unfallereignis
folgenden Tag an einem Taubheitsgefühl an beiden Oberschenkeln (Suva-act. 7) und
seit ca. Juni 2008 auch an Missempfindungen am ventralen Unterschenkel sowie der
lateralen Fusskante rechtsseitig, dies insbesondere im Sitzen (Suva-act. 12).
4.4.1 Dr. B._ hat in der kreisärztlichen Untersuchung vom 20. Mai 2008 eine
flächige Hyposensibilität am lateralen Oberschenkel beidseits diagnostiziert, welche am
ehesten dem Nervus cutaneus femoris lateralis zugeordnet werden könne. Zur weiteren
Abklärung hat er eine Untersuchung in der Praxis für Neurologie angeordnet. Laut Dr.
C._ hat die neurologische Untersuchung eine ursächlich ungeklärte
Sensibilitätsstörung im Ausbreitungsgebiet des Nervus cutaneus femoris lateralis sowie
klinisch Anzeichen einer Polyneuropathie der Beine ergeben. Auch wenn die sensiblen
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Störungen am lateralen Oberschenkel beidseits im zeitlichen Zusammenhang zum
Treppensturz aufgetreten seien, könne er hier anatomisch keine sichere ursächliche
Beziehung herstellen. Auf Grund des klinischen Befunds zeigten sich zudem deutliche
und reproduzierbare Störungen der Tiefensensibilität an beiden Beinen und eine
Sensibilitätsminderung über dem Fussrücken im ventralen Unterschenkel rechts bei
abgeschwächten Muskeleigenreflexen an den Beinen. Hier bestehe der Verdacht auf
eine unabhängig zum Unfall vorliegende Polyneuropathie an den Beinen. Die Ursache
der Störung der Tiefensensibilität an beiden Beinen könne er gegenwärtig nicht
benennen, es bleibe der weitere Verlauf abzuwarten. Im Fall einer Verschlechterung
wäre eine laborchemische Abklärung bei Verdacht auf Polyneuropathie vorzunehmen.
Auch die MRT der LWS liefere laut dem schriftlichen Befund keine Erklärung für die
Sensibilitätsstörungen am Oberschenkel, an den Unterschenkeln sowie an den Füssen
beidseits. Letztlich bleibe deren Ursache gegenwärtig offen (Suva-act. 12). Im Nachtrag
vom 15. Juli 2008 zog Dr. B._ aus dem Bericht von Dr. C._ den Schluss, dass kein
unfallkausaler Zusammenhang zwischen dem Sturz und den Sensibilitätsstörungen
bestehe. Ausserdem stehe die Verdachtsdiagnose einer Polyneuropathie im Raum,
welche nicht durch den Unfall ausgelöst worden sei. Diesbezüglich sei der weitere
Verlauf abzuwarten und der Hausarzt über die Berichte zu informieren.
4.4.2 Auf Grund dieser ärztlichen Ausführungen ergibt sich, dass die
Sensibilitätsstörungen nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als unfallkausal zu betrachten sind.
4.5 Zusammenfassend ist demnach davon auszugehen, dass die natürliche
Kausalität zwischen dem Unfall und den geklagten somatischen Beschwerden auf
Grund der vorliegenden Akten spätestens bis zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung
überwiegend wahrscheinlich dahingefallen ist.
5.
Dr. D._ wies im Bericht vom 18. September 2008 auf die Möglichkeit einer
psychosomatischen Überlagerung der vom Unfall herrührenden Schmerzen hin, da die
Beschwerdeführerin seit Frühling 2008 unter starken Stimmungsschwankungen leide.
Die Beschwerdegegnerin hat es jedoch zu Recht unterlassen, diesem Ursachenhinweis
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im Rahmen ihrer Abklärungspflicht nachzugehen. Wie sie im Einspracheentscheid
ausführte, vermögen auch psychische Beeinträchtigungen nach den Grundsätzen der
höchstrichterlichen Rechtsprechung vorliegend keinen Anspruch auf Heilbehandlung
und Geldleistungen zu begründen (vgl. BGE 115 V 133 ff.).
5.1 Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers für psychische Beeinträchtigungen
würde voraussetzen, dass zwischen dem Unfall und der eingetretenen
Gesundheitsschädigung sowohl ein natürlicher als auch ein adäquater
Kausalzusammenhang bestünde (BGE 122 V 416 E. 2a mit Hinweis). Im vorliegenden
Fall begründete die Beschwerdeführerin ihre "Stimmungsschwankungen" selber jedoch
durch ein familiäres Unglücksereignis, da ihre beiden Brüder infolge eines Unfalls kurz
nacheinander verstorben seien (act. G 4). Die Frage nach dem natürlichen
Kausalzusammenhang kann jedoch offen gelassen werden, wenn - wie im vorliegenden
Fall - ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Störungen und
dem Unfallereignis ohnehin verneint werden muss (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67).
5.2 Angesichts des augenfälligen Geschehensablaufes und der Verletzungen, die sich
die Beschwerdeführerin zugezogen hat, ist das Ereignis vom 4. März 2008 als leichter
Unfall zu qualifizieren (vgl. dazu EVG-Urteil vom 18. Januar 2000 i/S S. [U 51/99]). Ein
Sturz auf einer Treppe, der eine Kontusion der LWS und des Steissbeins zur Folge hat,
ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet, einen erheblichen
psychischen Gesundheitsschaden zu verursachen. Unter diesem Aspekt ist der
adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und einer nachfolgenden
psychischen Gesundheitsstörung ohne Weiteres zu verneinen (BGE 115 V 139 E. 6a).
6.
Unter diesen Umständen lässt sich der angefochtene Einspracheentscheid vom
1. Dezember 2008, mit welchem eine weitere Leistungsausrichtung ab 1. November
2008 mangels eines nachweisbaren somatischen oder unfalladäquaten psychischen
Gesundheitsschadens abgelehnt wurde, nicht beanstanden. Da die
Beschwerdegegnerin nicht den Nachweis zu erbringen hat, welche unfallfremden
Ursachen für die anhaltenden Beschwerden gegeben sind, kann von weiteren
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Abklärungen abgesehen werden. Damit ist die Leistungseinstellung per 31. Oktober
2008 rechtmässig erfolgt.
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 1. Dezember 2008 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG