Decision ID: b0d0bf13-6c6b-4801-8530-083460294275
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._, meldete sich am 15./21. September 2009 wegen Einschränkungen in der
Beweglichkeit (Hocke und Steigen/Treppensteigen) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1 und 6). Der
Versicherte war als Industrie-Elektriker, Bauleiter bei der B._, tätig (IV-act. 21). Die
Stelle wurde ihm per 31. März 2011 gekündigt (vgl. IV-act. 88).
A.b Der Versicherte war am 13. Januar 2009 gestürzt und hatte eine pertrochantäre
mehrfragmentäre dislozierte Femurfraktur links erlitten. Er war im Spital C._ operiert
worden und war dort bis am 27. Januar 2009 hospitalisiert (IV-act. 60-31 f.). Anlässlich
der Kreisärztlichen Untersuchung vom 13. November 2009 wurde dem Versicherten
eine Arbeitsfähigkeit von 75% attestiert (IV-act. 60-26 ff.).
A.c Am 23. Dezember 2010 erlitt der Versicherte einen ischämischen Kleinhirninfarkt
links bei A. vertebralis-Verschluss links. Er war bis am 29. Dezember 2010 im Spital
C._ hospitalisiert (IV-act. 60-11 ff.). Infolge der symptomatischen ACI-Stenose links
wurde am 19. Januar 2011 im Kantonsspital St. Gallen eine Carotis-TEA links mit
Erweiterungspatchplastik durchgeführt. Der Eingriff und der postoperative Verlauf
waren problemlos (IV-act. 60- 9 f.).
A.d Der Hausarzt Dr. med. D._, Facharzt FMH Allgemeine und Manuelle Medizin,
attestierte dem Versicherten im Arztzeugnis vom 15. März 2011 unter anderem vom 16.
Dezember 2010 bis 13. Februar 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Ab dem 14.
Februar 2011 sei er wieder zu 50% arbeitsfähig und ab dem 1. März 2011 75% (IV-act.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
60-8). Im Arztzeugnis vom 15. Juni 2011 attestierte Dr. D._ dem Versicherten eine
Arbeitsfähigkeit von 50% ab 1. Juli 2011. Diese Teilarbeitsfähigkeit ergebe sich aus
100% Arbeitszeit und reduzierter körperlicher Arbeitsleistung bei regelmässig
einzulegenden Pausen (IV-act. 60-6 f.). Im Arztbericht vom 8. September 2011
diagnostizierte Dr. D._ ein chronisches Schmerzsyndrom bei Status nach
mehrfragmentärer Femurfraktur links, einen Status nach Gamma-Nagelosteosynthese
links, Restsymptomatik (deutliche Verlangsamung) bei Status nach Kleinhirninfarkt bei
Arteria Carotis Stenose links und eine allgemeine Dekonditionierung bei chronischem
Alkoholabusus. Im Verlauf attestierte Dr. D._ dem Versicherten eine
Arbeitsunfähigkeit zwischen 25 und 100%, zuletzt ab 1. Juli 2011 von 50% (IV-act.
60-1 ff.).
A.e Gemäss Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 7. und 8. Mai 2012 in
der Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) untersucht. Im Gutachten vom 26.
Juni 2012 (ABI-Gutachten) wurde für körperlich leichte bis selten mittelschwere,
adaptierte Tätigkeiten von einer uneingeschränkten Arbeits- und Leistungsfähigkeit
ausgegangen. Im Verlauf könne faktisch eine bleibende volle Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit seit Januar 2009 bestätigt werden. Von Januar 2009 bis
Dezember 2010 seien 3 Operationen mit jeweils mehrwöchigen bis mehrmonatigen
Rekonvaleszenzen durchgeführt worden, sodass über diesen Zeitraum auch in
Verweistätigkeiten keine "verwendbare" Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Die noch
aktuell gültige Arbeitsfähigkeit bestehe ab Januar 2011 (IV-act. 77).
A.f Auf Verlangen der IV-Stelle wurde der Versicherte vom ABI am 12. September
2012 neuropsychologisch untersucht. Im Neuropsychologischen Teilgutachten vom 5.
November 2012 wurde eine minime neuropsychologische Störung diagnostiziert, die
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe (IV-act. 85).
A.g Mit Vorbescheid vom 5. März 2013 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Bereits vor Ablauf des Wartejahres im
Dezember 2009 sei dem Versicherten eine mindestens 75%ige Arbeitsfähigkeit
zumutbar gewesen. Im Dezember 2010 habe er zusätzlich einen Kleinhirninfarkt
erlitten, welcher zwischenzeitlich eine höhere Arbeitsunfähigkeit begründet habe. Ab
März 2011 habe er aber bereits wieder eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 75%
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erreicht. Die ABI-Begutachtung habe eine volle Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit ergeben. Mittels eines Einkommensvergleichs wurde ein
Invaliditätsgrad von 31% ermittelt (IV-act. 94).
A.h Mit Einwand bzw. Begründung vom "24. April 2013" beantragte der Versicherte
die Aufhebung des Vorbescheids und die Zusprache einer halben IV-Rente.
Eventualiter sei ihm von Januar 2010 bis Dezember 2010 eine "volle" und ab Januar
2011 eine Viertelsrente zuzusprechen. Das Gutachten setze sich ungenügend mit den
Auswirkungen der Alkoholabhängigkeit und des Untergewichts in Bezug auf die
bestehenden körperlichen Beschwerden auseinander. Es müssten dazu weitere
Abklärungen gemacht werden. Weiter sei beim Valideneinkommen von Fr. 92'538.--
auszugehen. Die Spesen und der Bonus seien jährlich in gleichem Umfang ausbezahlt
worden und seien Lohnbestandteil. Beim Invalideneinkommen sei ein Leidensabzug
von mindestens 20% zu berücksichtigen (IV-act. 97 und 99).
A.i Mit Verfügung vom 6. September 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
des Versicherten ab. Bezüglich "Alkoholabhängigkeit" sei gutachterlich festgehalten
worden, dass weder eine psychiatrische Erkrankung vorliege, noch relevante
Suchtfolgeschäden zu verzeichnen seien. Bezüglich des Valideneinkommens sei auf
die Angaben des ehemaligen langjährigen Arbeitgebers abgestellt worden. Die
vorgebrachten Argumente, der Versicherte verfüge über keine Ausbildung und
Berufserfahrung in einer leidensadaptierten Tätigkeit und das Alter seien nicht geeignet,
einen Leidensabzug zu begründen (IV-act. 101).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 25. September 2013. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Aufhebung der Verfügung vom 6. September 2013. Ihm sei ab
März 2010 bis Juni 2011 eine ganze Invalidenrente und ab Juli 2011 bis auf weiteres
eine Dreiviertelsrente, eventuell eine halbe Rente zuzusprechen und auszurichten.
Subeventualiter sei die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen zurückzuweisen. Soweit das ABI-Gutachten für die Zeit
nach Dezember 2010 von einer 100%igen Arbeits- und Leistungsfähigkeit für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
körperliche leichte Tätigkeiten ausgehe, dürfe darauf nicht abgestellt werden. Das ABI-
Gutachten sei in Bezug auf die Frage des chronischen Alkoholabusus sowie des
festgestellten Untergewichts, aber auch in Bezug auf die nach erlittenem
Kleinhirninfarkt bleibenden Beeinträchtigungen und Einschränkungen in der
Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar und nicht schlüssig. Ab Juli 2011 bestehe im
Sinne der Feststellungen von Dr. D. _ eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Bezüglich des
Valideneinkommens sei entsprechend des Einwandes für das Jahr 2009 von Fr.
92'538.-- auszugehen und entsprechend der Nominallohnentwicklung auf das Jahr
2011 anzupassen. Beim Invalideneinkommen sei ein Tabellenlohnabzug von 25%
vorzunehmen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 28. November 2013 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den
Standpunkt, dass die Expertisen des ABI die von der Rechtsprechung aufgestellten
formellen und materiellen Voraussetzungen an ein lege artis abgefasstes
beweiskräftiges Gutachten erfüllen würden. Aufgrund beträchtlicher Schwankungen im
Einkommensverlauf sei bei der Bestimmung des Valideneinkommens vom Durchschnitt
der Jahre 2004 bis 2008 auszugehen. Ein Tabellenlohnabzug sei beim
Invalideneinkommen nicht vorzunehmen. Nach dem Ablauf der einjährigen Wartezeit
per Ende 2009 nach der Femurfraktur im Januar 2009 sei die Erwerbsunfähigkeit unter
40% gesunken. Am 1. April 2010 habe somit kein Rentenanspruch entstehen können.
Die Phasen einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit infolge der Entfernung des
Osteosynthesematerials und des Kleinhirninfarkts seien zu kurz gewesen, um einen
vorübergehenden Rentenanspruch auszulösen (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 9. Dezember 2013 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich an
den Rechtsbegehren gemäss Beschwerdeschrift fest (act. G 7). Zudem reichte er einen
Arztbericht von Dr. D._ vom 13. Mai 2013 ein, in welchem dieser festhielt, dass die
Kniebeschwerden bei Status nach mehreren Stürzen im Winter 2012/13 im
Vordergrund stehen würden. Ob die Schmerzen vom Sturz herrührten oder durch die
Erkrankung des Knochens hervorgerufen würden, sei schwierig zu beurteilen. Daneben
sei der Beschwerdeführer in seinem ganzen allgemeinen Tun und Lassen sehr
verlangsamt und ohne viel Energie. Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen
Tätigkeit als Elektromonteur teilweise eingeschränkt. Er könne einer anderen Tätigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nachgehen, wobei diese wechselhaft und von leichter Art, ohne Zeitdruck sein sollte.
Aufgrund der raschen Ermüdbarkeit müsse er wiederholt Pausen einlegen können. Die
objektive Leistungsfähigkeit pro Zeitrahmen sei durch seine Verlangsamung stark
vermindert (act. G 7.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 19. Dezember 2013 auf
die Einreichung einer Duplik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor,
so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den
Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es,
den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlich Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Behinderung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend
und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswerte eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.4 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb).
3.
3.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich die angefochtene Verfügung vom 6.
September 2013 auf das ABI-Gutachten vom 26. Juni 2012 (IV-act. 77) mit der
neuropsychologischen Ergänzung vom 5. November 2012 (IV-act. 85). Mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Gutachter einen Status nach Kleinhirninfarkt
links am 23. Dezember 2010, chronische Beschwerden im Bereich der linken unteren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Extremität und anamnestisch eine chronisch rezidivierende Schulterluxation beidseits.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde der Verdacht auf arterielle Hypertonie,
Untergewicht (BMI 16.5 kg/m ), chronischer Nikotinabusus (ca. 70 py), Stenose der A.
carotis links und intermittierende ventrale Knieschmerzen rechts diagnostiziert (IV-act.
77-22). In der angestammten Tätigkeit als Elektromonteur sowie in jeder anderen
Tätigkeit, welche auf Leitern, Gerüsten oder Treppen verrichtet werden müsse, sowie in
sämtlichen körperlich schwerbelastenden Tätigkeiten könne eine Arbeitsunfähigkeit
festgestellt werden. Für körperlich leichte bis selten mittelschwere, adaptierte
Tätigkeiten bestehe hingegen eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit
(IV-act. 77-23). Im neuropsychologischen Teilgutachten wurde eine minime
neuropsychologische Störung diagnostiziert, welche die Arbeitsfähigkeit nicht
beeinträchtige (IV-act. 85-3 f.). Der Beschwerdeführer hält das ABI-Gutachten für nicht
beweiskräftig.
3.2 Das ABI-Gutachten sei in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
bei leichten Tätigkeiten von einer zu optimistischen Einschätzung ausgegangen. Es sei
nicht nachvollziehbar und nicht schlüssig auf die Fragen des chronischen
Alkoholabusus, des stetigen Untergewichts, sowie auf die bleibenden
Beeinträchtigungen und Einschränkungen nach erlittenem Kleinhirninfarkt eingegangen
worden. Der Hausarzt Dr. D._ habe verschiedentlich den chronischen Alkoholabusus,
welcher seit vielen Jahren bestehe und mit einer Dekonditionierung verbunden sei,
erwähnt (act. G 1, S. 6 ff.).
3.2.1 Im Arztbericht vom 8. September 2011 diagnostizierte Dr. D._ unter anderem
eine allgemeine Dekonditionierung bei chronischem Alkoholabusus seit vielen Jahren.
Dazu hielt Dr. D._ fest, dass der Beschwerdeführer seine Stelle als Elektroinstallateur
trotzdem im grossen und ganzen noch wahrnehmen könne (IV-act. 60-2).
3.2.2 Aus der ELAR-Notiz vom 18. Oktober 2011 geht lediglich hervor, dass gemäss
dem RAV-Mitarbeiter ein Alkoholproblem vorliegen könnte (IV-act. 66). Entgegen den
Ausführungen des Beschwerdeführers (act. G 1, S. 7) lässt sich daraus nicht ein
Nachweis für eine bestehende Alkoholabhängigkeit ableiten.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2.3 Im ABI-Gutachten wird festgehalten, dass der Beschwerdeführer die vom
Hausarzt erwähnte allgemeine Dekonditionierung bei chronischem Äthylabusus
verneine. Es würden sich auch keine pathologischen Leberwerte finden (IV-act. 77-10).
In der psychiatrischen Beurteilung wird weiter festgehalten, dass der
Beschwerdegegner eingehend nach seinem Alkoholkonsum befragt worden sei.
Wiederholt habe er bestätigt, maximal 2 dl Wein am Abend zu trinken. Ob eine
Alkoholabhängigkeit vorliege, sei schwierig zu beurteilen. Es würden sich jedenfalls
keine Hinweise auf irreversible geistige und psychische Folgeschäden nach
langjähriger Alkoholabhängigkeit ergeben. Es hätten keine kognitiven
Beeinträchtigungen festgestellt werden können. Es würden sich auch keine Hinweise
auf vorbestehende psychiatrische Störungen finden, sodass es sich allenfalls um eine
primäre Alkoholabhängigkeit handeln würde (IV-act. 77-13).
3.2.4 Das Untergewicht (BMI 16.5 kg/m ) wurde im ABI-Gutachten unter den
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgenommen (IV-act. 77-22). Die
allgemeininternistischen Diagnosen würden den Beschwerdeführer nicht in der
Arbeitsfähigkeit einschränken. Er mache auch keine entsprechenden Beschwerden
geltend (IV-act. 77-10). Der Hausarzt Dr. D._ äussert sich im Arztbericht vom 8.
September 2011 nicht bezüglich des Untergewichts (vgl. IV-act. 60-1 ff.).
3.2.5 Die Auswirkungen des Kleinhirninfarkts links wurden im neurologischen Teil des
Gutachtens beurteilt. Als Symptome seien vom Beschwerdeführer
Gleichgewichtsstörungen angegeben worden. Die Gutachterin kam daraufhin zum
Schluss, dass für den angestammten Beruf keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei. In
einem angepassten Beruf sei eine Arbeitsfähigkeit von 100% gegeben, wobei keine
Tätigkeiten auf Leitern, Gerüsten oder Treppen zumutbar seien und der
Beschwerdeführer überwiegend leichte körperliche Arbeiten verrichten müsse (IV-act.
77-21). Bei der neuropsychologischen Beurteilung diagnostizierten die Gutachter eine
minime neuropsychologische Störung. Der Beschwerdeführer sei im Bereich der
Intelligenz durchschnittlich leistungsfähig. Das Testprofil belege lediglich auf dem
Gebiet der kognitiven Arbeitsgeschwindigkeit eine Verlangsamung und eine
randständig zur Norm sich befindende Leistung im selbstaktiven Abruf von
sinnunverbundenen Wörtern. Zudem zeige sich eine leichte Perseverationstendenz im
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
figuralen Bereich. Die Arbeitsfähigkeit sei aus neuropsychologischer Sicht nicht
beeinträchtigt. Es sei vollumfänglich am ABI-Gutachten festzuhalten (IV-act. 86-3 f.).
3.2.6 Die Gutachter haben die Fragen des Alkoholabusus, des Untergewichts und der
Folgen des Kleinhirninfarkts aufgenommen und nachvollziehbar und schlüssig
behandelt. Dr. D._ hielt in seinem Bericht vom 8. September 2011 fest, dass der
Beschwerdeführer seine Stelle als Elektroinstallateur im grossen und ganzen noch
wahrnehmen könne und auch im Bericht vom 13. Mai 2013 ging er zuletzt – offenbar
auf Wunsch des Beschwerdeführers – ab 1. Januar 2013 bis zu einem Unfall am 13.
Februar 2013 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aus
(vgl. IV-act 60-2 und act. G 7.1). Diese Berichte vermögen deshalb keine Zweifel am auf
umfassenden Untersuchungen beruhenden, in Kenntnis der vollständigen Aktenlage
und in Berücksichtigung des gesamten Leidensbildes ergangenen, nachvollziehbaren
ABI-Gutachten zu begründen. Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Elektromonteur sowie in jeder
anderen Tätigkeit, welche auf Leitern, Gerüsten oder Treppen verrichtet werden muss,
und in sämtlichen körperlich schwerbelastenden Tätigkeiten arbeitsunfähig ist. Für
körperlich leichte bis selten mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten besteht hingegen
eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Es besteht kein Bedarf für die
Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen.
3.3 Sodann ist der zeitliche Verlauf der Arbeitsfähigkeit zu klären. In der
angestammten Tätigkeit kann gemäss ABI-Gutachten im Verlauf faktisch eine volle
Arbeitsunfähigkeit seit dem 13. Januar 2009 bestätigt werden (IV-act. 77-23). Diese
Einschätzung ist unbestritten geblieben; sie erscheint auch nachvollziehbar.
3.4 Aufgrund der 3 Operationen mit jeweils mehrwöchigen bis mehrmonatigen
Rekonvaleszenzen hat gemäss ABI-Gutachten im Zeitraum von Januar 2009 bis
Dezember 2010 auch in einer Verweistätigkeit keine verwertbare Arbeitsfähigkeit
bestanden. Retrospektiv sei die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten schwierig. Die volle Arbeitsfähigkeit gelte mit Sicherheit ab dem Zeitpunkt
der Untersuchung im Mai 2012 (IV-act. 77-23). Der Hausarzt Dr. D._ attestierte vom
9. Dezember 2009 bis 15. August 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 25%, vom 16.
Dezember 2010 (recte: 16. August 2010, vgl. RAD Stellungnahme vom 2. Juli 2013, IV-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
act. 100-1) bis 13. Februar 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%, danach bis 28.
Februar 2011 von 50%, anschliessend bis 30. Juni 2011 von 25% und ab 1. Juli 2011
bis auf Weiteres von 50% (IV-act. 60-3). Wie RAD-Arzt Dr. E._, Facharzt für
Arbeitsmedizin, in der Stellungnahme vom 24. Oktober 2011 darlegte, kann dieser
ärztlichen Einschätzung gefolgt werden (IV-act. 67-2). Somit ist im zeitlichen Verlauf mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von diesen Arbeitsunfähigkeiten in einer adaptierten
Tätigkeit auszugehen.
4.
4.1 Auf die rückwirkende Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten
Invalidenrente sind die für die Rentenrevision geltenden Normen (Art. 17 ATSG i.V.m.
Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis, BGE 109 V
125 E. 4a). Wird rückwirkend eine derartige Rente zugesprochen, sind daher einerseits
der Moment des Rentenbeginns und andererseits der in Anwendung der
Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der
Rentenherabsetzung oder -aufhebung die massgebenden zeitlichen Vergleichsgrössen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2010, 8C_468/2010, E. 2 sowie vom
25. Mai 2010, 8C_834/2009, E. 2 mit Hinweis). Ist aufgrund eines Gutachtens
überwiegend wahrscheinlich, dass sich der Gesundheitszustand verbessert hat, nicht
aber ersichtlich, in welchem Zeitpunkt diese Besserung stattgefunden hat, so kann es
sich jedoch rechtfertigen, die Rente bereits auf den Zeitpunkt des Gutachtens hin
herabzusetzen oder aufzuheben (Urteil vom 10. Februar 2012, 8C_670/2011, E. 5.1 mit
Hinweisen).
4.2 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Rentenanspruchs. Der
Beschwerdeführer meldete sich im September 2009 zum Bezug von Leistungen bei der
IV-Stelle an (IV-act. 1 und 6), somit ist ein Rentenanspruch frühestens per 1. März 2010
entstanden. Zu diesem Zeitpunkt war auch das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG, welches mit dem Eintritt des Gesundheitsschadens mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit am 13. Januar 2009 ausgelöst wurde, erfüllt, ist doch der
Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit, die für die Bestimmung der
Wartezeit massgeblich ist, ab 13. Januar 2009 zu 100% arbeitsunfähig (vgl. E. 3.3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.3 Der Auffassung der Beschwerdegegnerin, dass nach Ablauf des Wartejahres per
Ende 2009 die Erwerbsunfähigkeit unter 40% gesunken sei und somit am 1. April 2010
kein Rentenanspruch habe entstehen können (act. G 4, S. 6), ist nicht zu folgen. Das
Wartejahr war – wie vorgängig dargelegt – im Januar 2010 mit einer bleibenden
Arbeitsunfähigkeit von 100% in der angestammten Tätigkeit erfüllt. Auch wenn im
Januar 2010 mangels rentenbegründendem Invaliditätsgrad kein Anspruch gegeben
gewesen wäre, bliebe die bestandene Wartezeit für einen allfällig späteren Eintritt einer
rentenbegründenden Invalidität massgebend. So werden gemäss Art. 29 IVV bei der
Berechnung der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG früher zurückgelegte Zeiten
angerechnet, wenn die Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades aufgehoben
wurde, dieser jedoch in den folgenden drei Jahren wegen einer auf dasselbe Leiden
zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein rentenbegründendes Ausmass
erreicht. Dies gilt auch, wenn nach der Erfüllung einer früheren Wartezeit noch kein
Rentenanspruch bestand (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 1. September 2014, IV 2014/173, E. 5.2). Zudem ist vorliegend ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von über 40% gegeben (vgl. nachfolgende E. 6.1).
5.
5.1 Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1). Weist das bis
zum Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in
Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei für eine bessere Repräsentativität
auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst
abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2011, 8C_167/2011, E. 4.2 mit
Hinweisen).
5.2 Das Einkommen des Beschwerdeführers unterlag in den Jahren vor dem Eintritt
des Gesundheitsschadens erheblichen Schwankungen (2004: Fr. 82'900.--, 2005: Fr.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
89'963.--, 2006: Fr. 80'875, 2007: Fr. 92'626, 2008: Fr. 86'825; vgl. IK-Auszug, IV-act.
56). Das Abstellen auf das Durchschnittseinkommen der Jahre 2004 bis 2008 gemäss
Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin ist demnach nicht zu beanstanden. Für
die Durchschnittsberechnung ist jedes Einkommen der Nominallohnentwicklung bis
zum allfälligen Rentenbeginn (2010; vgl. E. 4.2) anzupassen (Nominallohnindex 2004:
1'975, 2005: 1'992, 2006: 2'014, 2007: 2'047, 2008: 2'092, 2010: 2'151). Das
Valideneinkommen beträgt somit Fr. 92'083.-- ([Fr. 90'288.-- + Fr. 97'144.-- + Fr.
86'376.-- + Fr. 97'332.-- + Fr. 89'274.--] / 5).
5.3 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen aus der Arbeitsleistung angemessen und
nicht als Soziallohn erscheint. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der
versicherten Person (nach zumutbarer Behandlung und allfälliger Eingliederung)
angesichts ihrer Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung
zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
5.4 Das Heranziehen der LSE-Tabellenwerte und das Abstellen auf den Totalwert für
Männer bei Arbeiten im Anforderungsniveau 4 gemäss Tabelle TA1 der LSE 2010 (Fr.
4'901.--) ist nicht zu beanstanden. Angepasst an eine betriebsübliche Arbeitszeit von
41.6 Wochenstunden ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 61'164.-- (Fr. 4'901.-- /
40 x 41.6 x 12).
5.5 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25%
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
zu verwerten in der Lage sind. Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in
welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen
und beruflichen Umständen – auch von invaliditätsfremden Faktoren – des konkreten
Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25%
festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig
(BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit
Hinweisen).
5.5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass aufgrund der körperlichen Leiden,
des fortgeschrittenen Alters, der langen Betriebszugehörigkeit und somit nur Erfahrung
in der Elektromontage sowie der Teilzeitarbeit ein Tabellenlohnabzug von 25%
vorzunehmen sei (act. G 1, S. 13).
5.5.2 Der Beschwerdeführer ist in einer adaptierten Tätigkeit 100% arbeitsfähig,
weshalb kein Teilzeitabzug vorzunehmen ist.
5.5.3 Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich
leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75
E. 5a/bb). Sind hingegen leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein
deswegen auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt,
weil der Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2009,
9C_72/2009, E. 3.4). Vorliegend sind dem Beschwerdeführer körperlich leichte bis
selten mittelschwere Tätigkeiten zumutbar, sofern diese nicht auf Leitern, Gerüsten
oder Treppen verrichtet werden müssen. Somit liegen selbst bei leichten Tätigkeiten
Einschränkungen vor, welche beim Tabellenlohnabzug zu berücksichtigen sind.
5.5.4 Was den abzugsrelevanten Faktor des Alters anbelangt, so ist zu
berücksichtigen, dass dem 1953 geborenen Beschwerdeführer im Zeitpunkt des ABI-
Gutachtens vom 26. Juni 2012 (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.3) nur noch eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aktivitätsdauer von rund 6 Jahren bevorstand. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung
gewährt regelmässig Tabellenlohnabzüge für das fortgeschrittene Alter (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 2. April 2013, 8C_154/2013, E. 3.3.2; Urteil vom 24. Juli 2013,
9C_334/2013, E. 3; Urteil vom 29. November 2012, 9C_655/2012, E. 3). Aufgrund der
vorliegend eher kurzen Aktivitätsdauer von rund 6 Jahren erscheint ein
Tabellenlohnabzug aufgrund des fortgeschrittenen Alters gerechtfertigt.
5.5.5 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers liegt aufgrund der fehlenden
beruflichen Erfahrung ausserhalb der "Elektromontage" keine unterdurchschnittliche
Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit vor. Der Beschwerdeführer ist in einer adaptierten
Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Der Tabellenlohn umfasst im Anforderungsniveau 4
eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten (Urteil des Bundesgerichts
vom 30. März 2009, 9C_72/2009). Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Industrie-
Elektriker und Bauleiter besteht kein Anlass zur Annahme, dass sich ein Wechsel in
eine andere Branche zusätzlich lohnsenkend auswirken würde. Dabei darf nicht ausser
Acht gelassen werden, dass es sich bei Tätigkeiten im Anforderungsniveau 4 um
einfache und repetitive Hilfsarbeiten handelt, in denen weder Berufs- noch
Fachkenntnisse vorausgesetzt sind, weshalb eine allenfalls fehlende Ausbildung oder
Erfahrung in der Regel nicht zu unterdurchschnittlichen Erwerbsmöglichkeiten führt.
5.5.6 Zusammenfassend sind Einschränkungen selbst bei leichten Tätigkeiten und
zusätzlich der Abzugsgrund des fortgeschrittenen Alters gegeben, weshalb vorliegend
ein Tabellenlohnabzug von 10% angemessen erscheint.
6.
6.1 Vom Beginn des Rentenanspruchs am 1. März 2010 bis zum 15. August 2010
war der Beschwerdeführer zu 25% arbeitsunfähig (vgl. E. 3.4). Unter Berücksichtigung
eines Valideneinkommens von Fr. 92'083.-- und eines Invalideneinkommens von Fr.
41'286.-- (Fr. 61'164.-- x 0.75 x 0.9) resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 50'797.--
(Fr. 92'083.-- – Fr. 41'286.--) bzw. ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von
gerundet 55% ([Fr. 50'797.-- / Fr. 92'083.--] x 100). Der Beschwerdeführer hat damit in
Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 2 IVV vom 1. März 2010 bis 30.
November 2010 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.2 Vom 16. August 2010 bis zum 13. Februar 2011 war der Beschwerdeführer zu
100% arbeitsunfähig, womit auch ein Invaliditätsgrad von 100% gegeben ist. Somit hat
der Beschwerdeführer in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV vom
1. Dezember 2010 bis 31. Mai 2011 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Es
rechtfertigt sich, die bloss 14 Tage dauernde Arbeitsunfähigkeit von 50% vom 14. bis
28. Februar 2011 nicht weiter zu berücksichtigen.
6.3 Vom 1. März 2011 bis 30. Juni 2011 war der Beschwerdeführer zu 25%
arbeitsunfähig, woraus ein Invaliditätsgrad von 55% resultiert (vgl. E. 6.1). Der
Beschwerdeführer hat damit in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 2 IVV
vom 1. Juni 2011 bis 30. September 2011 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
6.4 Vom 1. Juli 2011 bis 8. Mai 2012 war der Beschwerdeführer zu 50%
arbeitsunfähig. Unter Berücksichtigung eines Valideneinkommens von Fr. 92'083.-- und
eines Invalideneinkommens von Fr. 27'524.-- (Fr. 61'164.-- x 0.5 x 0.9) resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr. 64'559.-- (Fr. 92'083.-- – Fr. 27'524.--) bzw. ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von gerundet 70% ([Fr. 64'559.-- / Fr. 92'083.--] x
100). Gemäss der vorgängig zitierten Rechtsprechung (vgl. E. 5.1) rechtfertigt es sich
vorliegend die Rente aufgrund der Verbesserung des Gesundheitszustandes (vgl.
nachfolgende E. 6.5) bereits auf den Zeitpunkt des Gutachtens hin zu berücksichtigen.
Somit hat der Beschwerdeführer vom 1. Oktober 2011 bis 31. Mai 2012 Anspruch auf
eine ganze Rente.
6.5 Ab 9. Mai 2012 war der Beschwerdeführer gemäss ABI-Gutachten in einer
adaptierten Tätigkeit nicht mehr in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Unter
Berücksichtigung eines Valideneinkommens von Fr. 92'083.-- und eines
Invalideneinkommens von Fr. 55'048.-- (Fr. 61'164.-- x 0.9) resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr. 37'035.-- (Fr. 92'083.-- – Fr. 55'048.--) bzw. ein
Invaliditätsgrad von gerundet 40% ([Fr. 37'035.-- / Fr. 92'083.--] x 100). Damit hat der
Beschwerdeführer ab 1. Juni 2012 Anspruch auf eine Viertelsrente.
7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
6. September 2013 aufzuheben. Dem Beschwerdeführer ist eine halbe Rente vom 1.
März 2010 bis 30. November 2010, eine ganze Rente vom 1. Dezember 2010 bis 31.
Mai 2011, eine halbe Rente vom 1. Juni 2011 bis 30. September 2011, eine ganze
Rente vom 1. Oktober 2011 bis 31. Mai 2012 und eine Viertelsrente ab 1. Juni 2012
zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
8.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer
Honorarnote verzichtet. Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen
erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer).