Decision ID: 7819f277-813e-5dea-b52f-3127a6e2bd37
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war im Nebenverdienst bei der B._ AG tätig (hauptberuflich
Sanitärmonteur; vgl. UV-act. A101) und dadurch bei der AXA Versicherungen AG
(nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Unfällen obligatorisch versichert, als er am
13. Juni 2009 als Motorradfahrer mit einem Transporter kollidierte (UV-act. A1). Die
erstbehandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) diagnostizierten eine
intraarticuläre distale Radiusfraktur C3 links, eine Os pisiforme Luxation links und eine
Thoraxkontusion rechts. Sie führten am Unfalltag eine offene Reposition mit innerer
Fixierung (ORIF) und eine palmare Plattenosteosynthese links durch (UV-act. M1, M3,
M101 ff.). Am 24. August 2009 befanden die behandelnden Ärzte des KSSG, der
Versicherte sei für eine handwerkliche Tätigkeit weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig (UV-
act. M5).
A.a.
Aufgrund einer Instabilität des Os pisiforme (vgl. UV-act. M14) unterzog sich der
Versicherte am 9. April 2010 in der C._ Klinik einer Exzision desselben. Gleichzeitig
erfolgte eine Metallentfernung und die Entfernung zweier subkutaner Lipome am
volaren proximalen Vorderarm links (UV-act. M16 f.). Nachdem Dr. med. D._,
Oberarzt Handchirurgie, C._ Klinik, eine Pseudarthrose des Processus styloideus
ulnae festgestellt hatte (vgl. UV-act. M22 f.), führte dieser am 19. Juli 2010 in der C._
Klinik eine Resektion des Processus styloideus ulnae links durch (UV-act. M24). Am 13.
Dezember 2010 äusserte Dr. D._ einen Verdacht auf eine Kompressionsneuropathie
A.b.
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des Nervus ulnaris im Sulcus ulnaris und einen Verdacht auf ein Carpaltunnelsyndrom
links. Er habe den Versicherten zu einer neurologischen Untersuchung angemeldet
(UV-act. M35, vgl. auch frühere Berichte von Dr. D._; UV-act. M28, M31). Dr. D._
führte am 13. Januar 2011 aus, die ENMG-Untersuchung (vgl. UV-act. M37) habe
unauffällige Befunde gezeigt. Die Restbeschwerdesymptomatik sei sehr vielschichtig
einzuordnen. Eine komplette Befundbesserung durch einen erneuten Eingriff scheine
ihm sehr ungewiss, weshalb er die Nachbehandlung in seiner handchirurgischen
Sprechstunde abschliesse. Die Arbeitsunfähigkeit sei bei 100 % verblieben, könnte
aber nach einer beruflichen Umorientierung angepasst werden (UV-act. M36).
Ab 31. Januar 2011 wurde der Versicherte in der Praxis E._ mit myofaszialer
Therapie und Frequenztherapie behandelt. Am 14. Dezember 2011 berichtete der
zuständige Therapeut F._, Dipl. RM Masseur/MFR, es zeige sich eine deutliche
Besserung der Flexibilität des Handgelenks, der Beweglichkeit und der
Schmerzempfindung. Während der Behandlung sei aufgefallen, dass die
Vertebralsegmente C6/C7/Th1 eine übernatürliche Spannung aufgewiesen hätten und
eine Verschiebung dieser Wirbelsegmente vorhanden sei. Es könne davon
ausgegangen werden, dass eine Nervenwurzelirritation vorhanden sei, was einen
negativen Einfluss auf die nervalen Dermatome habe. Während des Lösens der
Vertebralsegmente hätten sich deutliche Reaktionen im Bereich des linken
Handgelenks gezeigt, was auf eine deutliche unfallbedingte myofasziale Verspannung
schliessen lasse. Aktuell konzentriere sich die Behandlung auf das Lösen der noch
vorhandenen muskulären Verspannungen im Nacken-Thoraxübergang (UV-act. M40,
vgl. UV-act. M39). Am 12. November 2012 hielt F._ fest, während der nächsten fünf
Behandlungen sollte eine nachhaltige Besserung der Schmerzempfindung im linken
Handgelenk und der Wirbelsäulensegmente erzielt werden. Höchstwahrscheinlich
werde eine leicht erhöhte Reizbarkeit im Handgelenk verbleiben (UV-act. M42, vgl.
auch UV-act. M41, M43).
A.c.
Im Auftrag der AXA wurde der Versicherte am 12. März 2013 durch Dr. med G._,
Orthopädie H._ untersucht. Dieser befand am 15. April 2013, zum Erhalt der
Erwerbsfähigkeit sei keine dauernde Behandlung notwendig. Der Integritätsschaden
liege unter 5 % (UV-act. M44). Die AXA teilte dem Versicherten am 22. April 2013 mit,
A.d.
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sie sehe vor, ihm keine Integritätsentschädigung auszurichten (UV-act. A18). Der
Versicherte erklärte sich damit nicht einverstanden (UV-act. A19).
Im Herbst 2013 schloss der Beschwerdeführer die 2011 begonnene, von der IV-
Stelle unterstützte Umschulung zum technischen Kaufmann ab. Er bestand die
schulinterne Prüfung, nicht jedoch die eidgenössische Abschlussprüfung (vgl. UV-act.
A12, A15, M52).
A.e.
Dr. med. I._, Neurologie FMH, untersuchte den Versicherten am 13. Mai 2014.
Gleichentags hielt sie fest, es lägen wahrscheinlich alltagsrelevante
neuropsychologische Funktionsstörungen als Folge des Unfalls vom 13. Juni 2009 vor.
Am 22. November 2010 habe der Versicherte einen weiteren Autounfall erlitten, habe
danach aber keine relevanten Beschwerden gehabt (UV-act. M50; bzgl. des zweiten
Unfalls vgl. UV-act. M45, M60). Am 28. Mai 2014 wurde in der J._ Klinik, ein MRI-
Untersuchung des Knies links durchgeführt, welche eine diskrete Chondropathia
patellae Grad II zur Darstellung brachte. Als Indikation wurde unter anderem ein Status
nach Knieprellung links 2009 aufgeführt (UV-act. M47).
A.f.
Im Juni 2014 wurde der Versicherte in der K._ Klinik konsiliarisch neuro
psychologisch untersucht. Die zuständigen medizinischen Fachpersonen berichteten
am 4. bzw. 8. Juli 2014 über leichte neuropsychologische Funktionsstörungen bei
affektiver Störung mit Schlafstörung und einem chronifizierten cervicospondylogenen
Schmerzsyndrom. Sie empfahlen dringend eine angemessene psychiatrische
Behandlung der affektiven Problematik (UV-act. M52 f.)
A.g.
Auf Nachfrage der AXA (vgl. UV-act. A28) berichtete Dr. med. L._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, am 14. Juli 2014 unter anderem, der Versicherte habe
erstmals im Zusammenhang mit dem Unfall von 2009 Kniebeschwerden geäussert. Die
neuropsychologischen und psychischen Beschwerden habe der Versicherte erstmals
2012 beobachtet (UV-act. M55). Dr. med. M._, Oberarzt am Psychiatrischen
Zentrum, welcher den Versicherten ab 18. August 2014 behandelte, berichtete am 22.
August 2014 über die vorläufige Arbeitsdiagnose einer mittelgradig depressiven
Episode (ICD-10: F32.1; UV-act. M58).
A.h.
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Dr. med. N._, Facharzt FMH für Innere Medizin, beratender Arzt der AXA,
beurteilte am 5. November 2014, die Schmerzen und Überlastungserscheinungen im
Bereich des linken Handgelenks und der linken Handwurzel seien überwiegend
wahrscheinlich als Folge des Unfalls vom 13. Juni 2009 einzustufen. Das zweite
Unfallereignis vom 22. November 2010 dürfte möglicherweise zu einer kurzen
vorübergehenden Verschlimmerung der Vorzustände im Bereich der HWS geführt
haben (UV-act. M61).
A.i.
Dr. L._ beurteilte am 23. September 2015 auf Nachfrage der AXA, die
Beschwerden am Knie sowie am Handgelenk links seien "mit überwiegender Kausalität
auf das Unfallereignis zurückzuführen". Die Beschwerden der Kognition und des
Schwindels könnten eine Reaktion auf die Krankheitssituation respektive das
chronische Schmerzsyndrom darstellen. Der Versicherte könne seine Arbeit zur
kaufmännischen Umschulung in einem Pensum von 50 % (halbtags) ausführen (UV-act.
M64).
A.j.
PD Dr. med. O._, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie, untersuchte den Versicherten am 13. Oktober 2015. In seinem Bericht
vom 15. Oktober 2015 hielt er als Diagnosen einen Verdacht auf ein posttraumatisches
antero-mediales Hoffa- bzw. Plica-Impingement links, einen Status nach Kniekontusion
links 2009 mit Rissquetschwunde (RQW) und einen Status nach mehrfachen
Handgelenkseingriffen links bei komplizierter Radiusfraktur 2009 fest (UV-act. M67). Dr.
L._ berichtete am 11. November 2015, im Zusammenhang mit dem Unfall von 2009
seien Fussbeschwerden aufgetreten. Die erste Konsultation betreffend die
Fussprobleme habe am 23. September 2015 stattgefunden (UV-act. M69).
A.k.
Der seit 2015 behandelnde Dr. med. P._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, berichtete am 13. Januar 2016 über eine posttraumatische
Belastungsstörung (PTBS) nach Motorradunfall (ICD-10: F43.1) und eine schwere
depressive Episode (ICD-10: F32.2; UV-act. M76).
A.l.
Dr. N._, beratender Arzt der AXA, befand am 24. Februar 2016, eine
neurologische Beurteilung sei dringend indiziert. Ohne kritische neurologische
Beurteilung insbesondere der geltend gemachten Schmerzen im Handgelenk sei keine
A.m.
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unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit mehr erklärbar. Der Versicherte könne sein
Arbeitspensum an seinem optimalen Arbeitsplatz auf 100 % steigern. Er sehe keine
weiteren therapeutischen Massnahmen (UV-act. M77).
Ab März 2016 wurde der Versicherte im Schmerzzentrum des KSSG behandelt.
Die zuständigen Ärzte berichteten am 4. April 2016 über ein chronifiziertes komplexes
regionales Schmerzsyndrom (CRPS) des Handgelenks bei Zustand nach
Motorradunfall (UV-act. M83, vgl. auch Bericht vom 13. Oktober 2016; UV-act. M89).
Dr. med. Q._, Spezialarzt FMH für Chirurgie, attestierte dem Versicherten am 10. Mai
2016 weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (UV-act. M84). Mit Bericht vom 25.
August 2016 ging Dr. Q._ sodann von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % aus (UV-act.
M87).
A.n.
Nachdem der Versicherte ab Herbst 2015 an einer durch die IV-Stelle finanzierten
Eingliederungsmassnahme teilgenommen hatte (UV-act. A46), hatte er per 1. April 2016
eine Anstellung als Betreuer in einem Empfangs- und Verfahrenszentrum für
Asylsuchende zu einem Pensum von 60 % erhalten (vgl. UV-act. A84 f.).
A.o.
Die AXA teilte dem Versicherten am 25. November 2016 mit, sie sei bereit, dem
Versicherten für das ganze Jahr 2016 ein Taggeld basierend auf einer
Arbeitsunfähigkeit von 40 % nachzuzahlen. Danach erhalte er bis Ende Juli 2017
weiterhin ein Taggeld im Rahmen der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit, jedoch von
maximal 40 % (UV-act. A76, vgl. auch UV-act. A88).
A.p.
Dr. P._ hielt mit Bericht vom 14. März 2017 als Diagnosen eine andauernde
mittelschwere depressive Episode (ICD-10: F32.1) und Probleme in Verbindung mit
ökonomischen Verhältnissen (ICD-10: Z59) fest. Die Symptomatik der ursprünglichen
PTBS sei subklinisch noch vorhanden. Aus psychiatrischer Sicht betrage die
Arbeitsfähigkeit maximal 60 %, die aktuelle Stelle sei für den Versicherten ideal (UV-
act. M94). Dr. O._ führte am 4. Juli 2017 aus, die noch vorhandene
Beschwerdesymptomatik am Knie links sei überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall
zurückzuführen (UV-act. M100).
A.q.
Dr. Q._ berichtete am 23. August 2017, nachdem der Zustand längere Zeit
stationär gewesen sei, habe ihn der Versicherte am 6. Juni 2017 wegen starker
A.r.
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Schmerzen im Bereich des Handgelenks ulnar und einer schmerzhaften Schwellung am
Handgelenk palmar im Bereich der Operationsnarbe aufgesucht. Er habe dem
Versicherten eine Ruhigstellung empfohlen und ihm vom 30. Mai bis 11. Juni 2017 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Seit 12. Juni 2017 sei er wieder im bisherigen
Pensum von 60 % arbeitsfähig (UV-act. M99). Dr. med. R._, Facharzt Neurologie
FMH, untersuchte den Versicherten im August und September 2017. Am 7. September
2017 befand er, die wiederkehrenden und belastungsabhängigen Dysästhesien /
Hypästhesien im Versorgungsgebiet des Nervus ulnaris links seien vorwiegend auf ein
sensibles Loge-de-Guyon-Syndrom links zurückzuführen (UV-act. M109).
Im Auftrag der AXA war der Versicherte im August 2017 durch Dr. med. S._,
Spezialarzt für Chirurgie FMH, speziell Handchirurgie FMH, untersucht worden. In
seinem Gutachten vom 20. Oktober 2017 diagnostizierte dieser als Beeinträchtigungen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine komplexe intraartikuläre Mehr
fragmentluxationsfraktur Handgelenk links, ein posttraumatisches Stresssyndrom in
Remission, eine Depression mit mittelschwerer Episode, ein degeneratives
Wirbelsäulenleiden (derzeit asymptomatisch), eine Chondropathia patellae und OSG-
Schmerzen links. Der Versicherte sei in der derzeit ausgeübten sowie einer anderen
adaptierten Tätigkeit aus somatischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig. Die aktuelle
Beeinträchtigung ergebe keinen über 5 % hinausgehenden Integritätsschaden (UV-act.
M113).
A.s.
Die AXA teilte dem Versicherten am 30. Oktober 2017 mit, der Fallabschluss könne
erfolgen (UV-act. A120). Der Versicherte nahm am 13. Dezember 2017 Stellung zum
Gutachten von Dr. S._ und legte Zusatzfragen sowie unter anderem Berichte von Dr.
Q._ vom 23. August 2017 und 6. Dezember 2017 vor (UV-act. A124). Am 7. Februar
2018 reichte der Versicherte eine Stellungnahme von Dr. Q._ vom 17. Januar 2018
ein und machte geltend, es sei eine zusätzliche Begutachtung notwendig (UV-act.
A126, M 115). Am 26. März 2018 äusserte sich Dr. S._ zu den Zusatzfragen der AXA
bzw. des Versicherten (UV-act. M119, vgl. UV-act. A128).
A.t.
Mit Verfügung vom 9. Juli 2018 verneinte die AXA einen Rentenanspruch und
sprach dem Versicherten eine Integritätsentschädigung basierend auf einer
Integritätseinbusse von 5 % zu. Sie sicherte bis Ende 2022 die Übernahme der Kosten
A.u.
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B.
C.
von zwei Serien Ergotherapie jährlich zu und stellte die Übernahme der übrigen
Heilbehandlungskosten per Ende Juni 2018 ein (UV-act. A159).
Dagegen erhob der Versicherte am 6. September 2018 Einsprache und
begründete diese am 4. Oktober 2018 (UV-act. A164, A167).
B.a.
Vom 7. Januar bis 2. März 2019 befand sich der Versicherte stationär in der Reha
T._. Die dort zuständigen medizinischen Fachpersonen hielten in ihrem
Austrittsbericht vom 20. März 2019 als Diagnosen eine rezidivierende depressive
Störung (ICD-10: F33.1), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) und Probleme in Verbindung mit ökonomischen
Verhältnissen (ICD-10: Z59) fest. Während des Aufenthalts und bis zum 17. März 2019
habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden. Danach sei eine Eingliederung
empfohlen, die maximale Arbeitsfähigkeit sollte dauerhaft 50 % vom Wochenpensum
betragen (vgl. UV-act. M125).
B.b.
Dr. med. U._, Spezialarzt FMH Chirurgie, beratender Arzt der AXA, befand am
16. April 2019, das Gutachten von Dr. S._ sei umfassend, nachvollziehbar und
schlüssig. Weitere somatische Abklärungen seien nicht zielführend (UV-act. M126).
B.c.
Mit Entscheid vom 9. Mai 2019 wies die AXA die Einsprache ab (UV-act. A172).B.d.
Gegen den Einspracheentscheid vom 9. Mai 2019 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) am 12. Juni 2019 die vorliegende Beschwerde. Er
beantragte darin, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und das Verfahren sei an die
AXA (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen, damit diese eine
unabhängige medizinische interdisziplinäre, insbesondere auch eine psychiatrische,
Begutachtung in Auftrag gebe. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten, sich am derzeit geplanten interdisziplinären Gutachten der IV-Stelle zu
beteiligen und diesen Gutachtern die unfallrelevanten Fragen zu stellen.
Subeventualiter sei das Verfahren an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
diese ein orthopädisches Ergänzungsgutachten einhole, welches die offenen Fragen
C.a.
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und Widersprüche des Gutachtens von Dr. S._ kläre; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G1). Am 18. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer einen
Bericht von Dr. med. V._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Klinik H._, vom 5. Juni 2019 ein (act. G2, G2.1). Mit Eingabe
vom 2. Oktober 2019 legte er einen Bericht der Klinik H._ über eine am 8. August
2019 durchgeführte Knieoperation links sowie eine Zusammenfassung der
Krankengeschichte durch die Klinik H._ ins Recht (act. G8, G8.1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 2. Dezember 2019, die Beschwerde sei
abzuweisen, sofern darauf einzutreten sei. Sie brachte vor, das Gutachten von Dr.
S._ sei voll beweiskräftig. Nur die Beschwerden am linken Handgelenk seien
unfallkausal und der Beschwerdeführer sei diesbezüglich in einer angepassten Tätigkeit
voll arbeitsfähig. Es resultiere kein rentenbegründender Invaliditätsgrad und der
Integritätsschaden sei korrekt auf 5 % festgesetzt worden (act. G12).
C.b.
Mit Replik vom 25. Januar 2020 bzw. Duplik vom 5. April 2020 hielten die Parteien
an ihren Anträgen und Ausführungen fest (act. G14, G18).
C.c.
Am 24. September 2020 reichte der Beschwerdeführer ein am 14. August 2020 im
Auftrag der IV-Stelle (vgl. UV-act. A186) durch Ärzte der estimed AG erstelltes
polydisziplinäres (internistisch, neurologisch, kardiologisch, chirurgisch, orthopädisch,
neuropsychologisch, psychiatrisch) Gutachten ein (act. G22, G22.1). Diese hatten als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine sonstige rezidivierende
depressive Störung (somatisiert; ICD-10: F33.8), ein komplexes neuropathisches und
somatisches Schmerzsyndrom im Bereich des linken Handgelenks/linken Unterarms
und eine schmerzhafte Pseudarthrose Processus styloideus ulnae links aufgelistet. Sie
hatten beurteilt, aus psychiatrischer Sicht bestehe für jegliche Tätigkeiten eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Aus somatischer Sicht liege in der bisherigen sowie
einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % vor (neuropsychologisch
nicht beurteilbar; act. G22.1). Ebenfalls reichte der Beschwerdeführer ein im Auftrag
der Helsana Zusatzversicherungen AG am 22. November 2019 durch Ärzte der
medexperts AG erstelltes bidisziplinäres (orthopädisch, psychiatrisch) Gutachten ein, in
welchem diese (aus psychiatrischer Sicht) von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % in
einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen waren (vgl. act. G22.1). Mit Eingabe vom 29.
C.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente und eine höhere Integritätsentschädigung,
als die Beschwerdegegnerin ihm bereits zugesprochen hat. Dabei ist insbesondere
umstritten, ob der medizinische Sachverhalt genügend abgeklärt ist.
Oktober 2020 nahm der Beschwerdeführer Stellung zum Gutachten der estimed AG. Er
beantragte, das Gericht solle den Gutachtern der estimed AG im Sinne eines
Gerichtsgutachtens die von ihm formulierten Zusatzfragen vorlegen (act. G24). Die
Beschwerdegegnerin reichte am 15. März 2021 eine Stellungnahme zum Gutachten
und den beiden Eingaben des Beschwerdeführers ein. Sie hielt darin an ihrem Antrag
auf Abweisung der Beschwerde fest und beantragte zusätzlich, der Antrag des
Beschwerdeführers auf Vorlage von Zusatzfragen an die Gutachter der estimed AG sei
abzuweisen (act. G33.1).
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 % invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Grad der für den Rentenanspruch
massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Erleidet die versicherte Person durch
den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.1.
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
1.2.
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Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2018,
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.).
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit - wissenschaftlich anerkannten
(BGE 134 V 231) - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen, CT, MRT,
EEG) bestätigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009,
8C_216/2009, E. 2). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht regelmässig auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-
Nabold, N 53 und 59 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55 und 58; BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht
publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009, je mit Hinweisen). Bei
physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen
Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, BGE 127 V 103 E. 5b/bb; SVR 2000 UV Nr.
14 S. 45). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, bewirkt
die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung des
adäquaten Kausalzusammenhangs. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung nach der Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133, E. 6c/aa
vorzunehmen.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Um den Gesundheitszustand und insbesondere das Ausmass der
Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
1.3.
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2.
Am 22. November 2010 hat der Versicherte als Fahrer in einem Personenwagen eine
Heckkollision erlitten, sich dabei jedoch unbestritten keine relevanten Verletzungen
zugezogen (vgl. UV-act. M50, M60, M113, S. 50). Vorliegend zu prüfen sind damit nur
die im Zusammenhang mit dem Unfall vom 13. Juni 2009 aufgetretenen Beschwerden.
Vorab ist festzuhalten, dass der mit Verfügung vom 9. Juli 2018 mit Wirkung auf den
30. Juni 2018 vorgenommene Fallabschluss (mit Ausnahme der Übernahme der Kosten
von zwei Serien Ergotherapie jährlich bis Ende 2022) ausgewiesen und mindestens
bezüglich der nachfolgend als unfallkausal anerkannten Beschwerden (vgl. E. 2.1 ff.)
unbestritten ist (vgl. UV-act. A159, act. G1). Entsprechend erfolgte in zeitlicher Hinsicht
die Prüfung eines Rentenanspruchs auf den 1. Juli 2018 zu Recht (vgl. Art. 19 Abs. 2
UVG). Dasselbe gilt in Bezug auf den Zeitpunkt der Festlegung der
Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 2 UVG). Im Folgenden ist zu prüfen, welche
organisch objektivierbaren Unfallfolgen im Zeitpunkt des Fallabschlusses per 30. Juni
2018 beim Beschwerdeführer noch vorlagen.
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweisen). Den Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen oder von beratenden Ärzten und Ärztinnen
einholen, kann rechtsprechungsgemäss ebenfalls Beweiswert beigemessen werden
(BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen
Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen.
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U 281 E. 1a S. 281 f.).
Dr. S._ hielt in seinem Gutachten vom 20. Oktober 2017 fest, es lägen
radioulnare und radiocarpale Arthroseveränderungen inklusive einer möglichen, nur
knapp darstellbaren Instabilität am Handgelenk links vor. Zudem bestehe eine leichte
Sensibilitätsstörung des sensiblen ulnaren Profundastes im Hypothenarbereich (UV-
2.1.
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act. M113). Der handchirurgische Teilgutachter der estimed AG, Dr. med. W._,
Facharzt FMH für Chirurgie, stellte im Wesentlichen die gleiche Problematik fest und
berichtete zusätzlich über Handgelenksbeschwerden ulnar bei Gelenksganglion und
reaktiver Synovialitis, eine lokoregionäre Tenosynovialitis palmar und dorsal im Bereich
des Handgelenkes links sowie einen Verdacht auf eine rezidivierende Neuropathie des
Nervus ulnaris bei fokaler postoperativer Narbenbildung (act. G22.1, handchirurgisches
Teilgutachten S. 12). Der Beschwerdeführer bemängelt das Gutachten von Dr. S._
unter anderem insofern, als dieser die von behandelnden Ärzten, insbesondere Dr.
Q._ (vgl. UV-act. M115), festgestellten Schwellungen am Handgelenk und das
Schnappphänomen nicht berücksichtigt habe (act. G1, G8). Dies ist jedoch insofern
unzutreffend, als sich Dr. S._ mit diesen Problemen auseinandersetzte. Er konnte
anlässlich seiner persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers zwar weder eine
Schwellung, noch ein Schnappen des Handgelenks erheben (vgl. UV-act. M113). In
seiner Stellungnahme vom 26. März 2018 stellte er jedoch nicht in Abrede, dass diese
Auffälligkeiten beim Beschwerdeführer zu anderen Zeitpunkten aufgetreten waren. Er
führte überzeugend aus, gewisse "Schnappphänomene" seien bei Handgelenken sehr
häufig. Er gehe jedoch von keiner relevanten Instabilität des Handgelenks aus. Die
verbleibende Instabilität führe nur zu einer geringen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Er bezweifle nicht, dass Schwellungen des Handgelenks auftreten könnten (UV-act.
M119).
Der Beschwerdeführer macht weiter unfallkausale Kniebeschwerden geltend (vgl.
act. G1).
2.2.
Nach dem Unfall vom 13. Juni 2009 wurde er mit dem Rettungsdienst ins KSSG
gebracht und dort bis am 15. Juni 2009 stationär behandelt. In ihrem Austrittsbericht
vom 18. Juni 2009 listeten die zuständigen Ärzte des KSSG als Diagnosen eine
intraarticuläre distale Radiusfraktur C3 links, eine Os pisiforme Luxation links und eine
Thoraxkontusion rechts auf. Beschwerden im Zusammenhang mit einer Knieverletzung
sind nicht erwähnt (UV-act. M3). In der "Krankengeschichte" der zentralen
Notaufnahme des KSSG wurden als Befund Schürfungen über dem linken Knie lateral
und eine leichte Druckdolenz über dem Trochanter major festgehalten. Eine
Röntgenuntersuchung des Knies ergab einen normalen Status ohne frische ossäre
Läsion (UV-act. M101 f.). Zeitnah nach dem Unfall erfolgten keine weiteren
Abklärungsmassnahmen oder Behandlungen bezüglich des Knies. Erstmals wurde am
28. Mai 2014 ein MRT des Knies links erstellt (vgl. UV-act. M47). Dr. N._ verneinte am
5. November 2014 die Unfallkausalität der Kniebeschwerden und ging von
degenerativen Befunden aus (UV-act. M61). Dementsprechend verneinte die
2.2.1.
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Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 19. November 2014 ihre diesbezügliche
Leistungspflicht (UV-act. A39).
Dr. L._ hielt am 14. Juli 2014 und 23. September 2015 fest, seit dem
Unfallereignis bestünden mediale Knieschmerzen links (UV-act. M55, M64). Dr. O._
berichtete am 15. Oktober 2015 über einen Verdacht auf ein posttraumatisches antero-
mediales Hoffa- bzw. Plica-Impingement links und einen Status nach Kniekontusion
links 2009 mit RQW. Er hielt gestützt auf die anamnestischen Angaben des
Beschwerdeführers fest, beim Unfall 2009 sei es zu einer Gewebequetschung am
vorderen und mittleren Kniegelenk links gekommen. Die Wunde habe damals lange
offen sezerniert. Seither bestehe ein undulierendes Schmerzphänomen am vorderen
Kniegelenk, zum Teil aber auch im Bereich der hinteren Kniegelenkskapsel. Da die
Handgelenksbeschwerden in den letzten Jahren im Vordergrund gestanden hätten, sei
die gesamte Behandlung darauf fixiert gewesen. Das im Jahr 2014 durchgeführte MRT
des Kniegelenks habe dann eine leichte Chondropathia patellae zweiten Grades
gezeigt (UV-act. M67). Sowohl Dr. L._ als auch Dr. O._ stützten sich bei ihrer
Beurteilung einer posttraumatischen Beschwerdesituation einzig auf die Angaben des
Beschwerdeführers. In den echtzeitlichen medizinischen Unterlagen finden sich jedoch
- wie gesagt - bis zum im Jahr 2014 durchgeführten MRT keine Hinweise auf
Kniebeschwerden.
2.2.2.
Insgesamt ist ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Unfall vom 13. Juni
2009 und den erstmals im Frühjahr 2014, mithin knapp fünf Jahre nach dem Unfall,
behandelten Beschwerden am Knie links nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt. Es
ist zwar nachvollziehbar, dass in der ersten Zeit nach dem Unfall die Verletzung am
Handgelenk links im Vordergrund stand und allfällige weitere Beschwerden zweitrangig
waren. Trotzdem erscheint es nicht plausibel, dass - hätten Kniebeschwerden seit dem
Unfall bestanden - diese während eines solch langen Zeitraums in den zahlreichen
ärztlichen Berichten nicht einmal am Rande erwähnt wurden. Dr. S._ ging
vorwiegend aufgrund des grossen zeitlichen Abstands zwischen dem Unfall und den
erstmals beklagten Beschwerden ebenfalls davon aus, dass kein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht (vgl. UV-act. M113). Daran ändert auch die Beurteilung
von Dr. O._ vom 4. Juli 2017 nichts. Er hatte ausgeführt, aufgrund des vom
Beschwerdeführer geäusserten Beschwerdeverlaufs nach der zweifelsfrei erlittenen
schweren Kniekontusion links sei die noch vorhandene Beschwerdesymptomatik
überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall zurückzuführen. Der Beschwerdeführer sei
vor dem Unfall nicht wegen einer Knieschmerzsymptomatik in hausärztlicher oder
fachärztlicher Behandlung gewesen und habe des Weiteren bis vor dem Unfallereignis
2.2.3.
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keine kniebelastende Arbeitstätigkeit ausgeübt (UV-act. M100). Die von Dr. O._
sinngemäss vorgebrachte Formel "post hoc ergo propter hoc", ist jedoch nach
ständiger Rechtsprechung für sich allein nicht ergiebig (vgl. SVR 2009 UV Nr. 13
[8C_590/2007], S. 52 E. 7.2.4 mit weiteren Hinweisen; BGE 119 V 340 E. 2b/bb).
Dasselbe trifft auch auf die Stellungnahme von Dr. V._ vom 5. Juni 2019 zu, in
welcher dieser festhielt, der Beschwerdeführer sei bis zum Unfall von Seiten des linken
Kniegelenks beschwerdefrei gewesen. Die Beschwerden seien erst nach dem Unfall
aufgetreten, damals seien jedoch diverse, akut interventionspflichtige andere
Verletzungen im Vordergrund gestanden. Die von Dr. V._ erwähnte höhergradige
Knie-Kontusion beim Unfall vom 13. Juni 2009 ist zudem aktenmässig nicht
ausgewiesen (act. G2.1, vgl. auch Operationsbericht vom 8. August 2019; act. G8.1).
Unter den Parteien ist inzwischen nicht mehr umstritten und im Übrigen
aktenmässig ausgewiesen, dass allfällige noch bestehende Rückenbeschwerden nicht
auf den Unfall vom 13. Juni 2009 zurückzuführen, sondern vorbestehend bzw.
degenerativ bedingt sind (vgl. act. G1, UV-act. M49, M55 f., M61, M113). Auch die vom
Beschwerdeführer erstmals am 23. September 2015, mithin über sechs Jahre nach
dem Unfall, gegenüber Dr. L._ geltend gemachten Fussbeschwerden links (vgl. UV-
act. M68) sind unbestritten nicht unfallkausal (vgl. act. G1, G8).
2.3.
Der Beschwerdeführer klagt über neurologische Probleme im Bereich des linken
Handgelenks. Der neurologische Teilgutachter der estimed AG, Dr. med. X._,
Facharzt für Neurologie FMH, hielt als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein komplexes neuropathisches und somatisches Schmerzsyndrom im Bereich des
linken Handgelenks bzw. des linken Unterarmes fest. Dieses sei nach der Radiusfraktur
am 13. August (richtig: Juni) 2009 aufgetreten. Zudem bestehe ein dringender Verdacht
auf ein stattgehabtes CRPS mit residuellen neuropathischen Schmerzen und eine
schmerzhafte Pseudoarthrose Processus styloideus ulnae links. Dr. X._ führte aus, es
sei davon auszugehen, dass ein CRPS bestanden habe. Bei den vorangegangenen
Untersuchungen habe keine weitere schwere Nervenaffektion gesehen werden können.
Der Nervus radialis links sei sensibel und noch relativ langsam, was durchaus zum Bild
eines stattgehabten CRPS passe. Es bestehe das Bild eines somatischen Schmerzes,
das aber genauer von orthopädischer Seite beleuchtet werden müsse. Insgesamt
ergebe sich bezüglich der Handgelenksproblematik ein glaubhaftes deutliches
neuropathisches Schmerzsyndrom, am ehesten im Sinne eines residuellen CRPS (act.
G22.1, neurologisches Teilgutachten, S. 21 f.). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht
geltend macht (vgl. act. G33), überzeugt die Beurteilung von Dr. X._ insofern nicht,
als dieser bei seiner Diagnose eines neuropathischen Schmerzsyndroms im
2.4.
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3.
Weiter ist die Adäquanz der psychischen Beschwerden zu prüfen. Der
Beschwerdeführer befindet sich seit 2014 (mit Unterbrüchen) in psychiatrischer
Behandlung (vgl. unter anderem UV-act. M58, M76, M94, M125). Entgegen den
Ausführungen des Beschwerdeführers (act. G1) ist es rechtsprechungsgemäss
zulässig, vorerst die Adäquanz zu prüfen und bei Verneinung derselben die Frage der
Wesentlichen auf ein vermutungsweise stattgehabtes CRPS verwies. Die
behandelnden Ärzte des Schmerzzentrums des KSSG hatten am 4. April 2016 erstmals
über ein chronifiziertes CRPS des Handgelenks berichtet (UV-act. M83). Dr. S._, Dr.
U._ sowie die Gutachter der medexperts AG hatten das Vorliegen eines CRPS
hingegen übereinstimmend verneint (vgl. UV-act. M113, M126, act. G22.1). Die
Diagnose eines Schmerzsyndroms mit Verweis auf ein residuelles, also gar nicht mehr
bestehendes, und auch nur vermutungsweise zuvor stattgehabtes CRPS überzeugt
damit nicht. Zudem hielt Dr. X._ fest, die schmerzhafte Pseudarthrose müsse weiter
orthopädisch beurteilt werden. Wie die Beschwerdegegnerin jedoch zu Recht
vorbrachte, hatten sowohl der orthopädische, als auch der handchirurgische
Teilgutachter der estimed AG die Beschwerden am Handgelenk, insbesondere die
geltend gemachten Schmerzen, umfassend abgeklärt und überzeugend keine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (vgl. die entsprechenden
Teilgutachten in act. G22.1). Dies entspricht auch dem Gutachten der medexperts AG
und der Beurteilung von Dr. S._, welche nach eingehender Abklärung der
Beschwerden aus somatischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (in einer adaptierten Tätigkeit) stellten (act. G22.1, UV-act. M113). Das
Teilgutachten von Dr. X._ ist damit als nicht nachvollziehbar zu betrachten. Es sind
keine - über die bereits von den weiteren somatischen Gutachtern hinausgehenden -
Beschwerden als neurologische kausale Unfallfolgen zu berücksichtigen. Schliesslich
ist mit der Beschwerdegegnerin (act. G33.1) darauf hinzuweisen, dass das von Dr.
X._ diagnostizierte neuropathische Schmerzsyndrom aufgrund von klinischen
Befunden und nicht gestützt auf bildgebende/apparative Methoden gestellt wird. Es
handelt sich dabei folglich um eine nicht organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolge
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Januar 2019, 8C_647/2018, E. 5.2). Dr. X._
stützte sich bei der Herleitung der Diagnosen im Wesentlichen auf die Angaben des
Beschwerdeführers und schloss eine Nervenschädigung neurographisch aus (vgl. act.
G22.1, neurologisches Teilgutachten, S. 18 ff.).
Zusammengefasst sind als unfallkausale somatische Beschwerden nur die
Beeinträchtigungen am Handgelenk links (vgl. E. 2.1) zu berücksichtigen.
2.5.
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natürlichen Kausalität offenzulassen (vgl. BGE 134 V 465, E. 5.1; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. September 2016, 8C_685/2015, E. 4.2).
Bei der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer
anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133) vom
Unfallereignis auszugehen. Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs
ist im Hinblick auf die Gebote der Rechtssicherheit und der rechtsgleichen Behandlung
der Versicherten eine objektivierte Betrachtungsweise angezeigt (BGE 115 V 139 E. 6
mit Hinweisen). Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und
dem Unfall besteht, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung
der Beschwerden zukommt. In objektivierter Betrachtungsweise werden die Unfälle
nach ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Beschwerden zu bewirken,
eingeteilt in banale und leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle andererseits und in
einen dazwischenliegenden Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen
kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und psychischen
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der
allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden kann, dass ein solcher
Unfall nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu
verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang
in der Regel zu bejahen, denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken. Dabei gelten als schwer nur solche Unfälle, bei
denen sämtliche Umstände, insbesondere die Dramatik des Unfallereignisses und die
Dauer desselben wie auch die somatischen Unfallfolgen eine für die versicherte Person
aussergewöhnliche Eindrücklichkeit aufweisen.
3.1.
Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und
der psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere,
objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang
stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine
Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; eine
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein
3.2.
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schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie der Grad und die
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 139 ff. E. 6a-c). Um die
adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle Umstände gegeben sein.
Vielmehr genügt ein Kriterium, wenn es sich um einen schweren Unfall im mittleren
Bereich handelt. Kommt keinem Einzelkriterium ein besonders bzw.
ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien heran
gezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Diese Würdigung führt
zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs, ohne dass nach
weiteren Ursachen geforscht werden muss, die eine psychisch bedingte
Erwerbsunfähigkeit begünstigt haben könnten (SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32).
Vorliegend war der Beschwerdeführer mit seinem Motorrad unterwegs, als er mit
einem Transporter kollidierte, dessen Lenkerin den Vortritt missachtete (UV-act. A1;
act. G22.1, psychiatrisches Teilgutachten, S. 18). Im angefochtenen
Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin präzisierend ausgeführt, der
Beschwerdeführer sei bei einem Brems-/Ausweichmanöver mit seinem Motorrad
gestürzt und rutschend mit einem Lieferwagen kollidiert, da dessen Lenkerin ihn beim
Abbiegen übersehen habe (vgl. UV-act. A172, S. 11). Aufgrund des Geschehensablaufs
ist mit der Beschwerdegegnerin (vgl. UV-act. A172) von einem mittelschweren Ereignis
im engeren Sinn auszugehen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 10. Juni 2016,
8C_174/2016, und vom 28. Oktober 2013, 8C_372/2013).
3.3.
Bei mittelschweren Ereignissen im engeren Sinn müssen für die Bejahung des
adäquaten Kausalzusammenhangs mindestens drei der relevanten Kriterien oder ein
einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein. Bei der Prüfung
dieser Kriterien sind psychische Aspekte ausser Acht zu lassen (BGE 115 V 140 E. 6c/
aa, Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.5).
3.4.
Bei der Beurteilung des Kriteriums der dramatischen Begleitumstände oder der
besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls sind objektive Massstäbe anzuwenden. Nicht
was in der einzelnen betroffenen Person beim Unfall psychisch vorgeht, soll
entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei ihr
psychische Vorgänge auszulösen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc). Zu beachten
ist auch, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit
eigen ist, die noch nicht für die Bejahung dieses Adäquanzkriteriums ausreichen kann
(vgl. SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142). Vorliegend bestehen keine Hinweise auf eine
besondere Eindrücklichkeit im Sinne der Rechtsprechung.
3.4.1.
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Der Beschwerdeführer erlitt eine intraarticuläre distale Radiusfraktur C3 links,
eine Os pisiforme Luxation links und eine Thoraxkontusion rechts (UV-act. M3). Diese
Verletzungen können entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. act. G1) weder
als besonders schwer, noch als Verletzungen besonderer Art eingestuft werden. Auch
sind derartige Verletzungen in der Regel nicht geeignet, psychische Fehlentwicklungen
auszulösen.
3.4.2.
Zur Beantwortung der Frage der Dauer der ärztlichen Behandlung ist nicht allein
der zeitliche Massstab entscheidend. Ebenfalls in die Prüfung einzubeziehen sind die
Art und Intensität der Behandlung sowie die Frage, inwieweit davon noch eine
Besserung des Gesundheitszustands zu erwarten war (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 20. Oktober 2006, U 488/05, E. 3.2.3; BGE 134 V
128, E. 10.2.3). Eine Behandlung, die lediglich noch der Erhaltung des
Gesundheitszustands und nicht der Heilung dient, ist im Rahmen der Adäquanzprüfung
grundsätzlich nicht relevant. Abklärungsmassnahmen und blossen ärztlichen Kontrollen
kommt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu (Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Februar 2008, U 11/07, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Am Unfalltag
wurde im KSSG eine ORIF sowie eine Plattenosteosynthese links durchgeführt (UV-act.
M3). Am 9. April 2010 erfolgte die operative Entfernung des Os pisiforme sowie
gleichzeitig eine Metallentfernung und die Entfernung zweier subkutaner Lipome am
volaren proximalen Vorderarm links (UV-act. M16 f.). Dr. D._ führte am 19. Juli 2010
eine Resektion des Processus styloideus ulnae links durch (UV-act. M24). Ab 31.
Januar 2011 bis Anfang 2014 wurde der Beschwerdeführer in der Praxis E._ mit
myofaszialer Therapie und Frequenztherapie behandelt, wobei der Behandler bereits
am 12. November 2012 über eine Verbesserung der Situation berichtete und festhielt,
während der nächsten fünf Sitzungen (eine pro Woche) sollte eine weitere nachhaltige
Besserung der Schmerzempfindung im linken Handgelenk und der
Wirbelsäulensegmente erzielt werden (UV-act. M40 ff.). Dr. G._ hatte schon am 12.
März 2013 befunden, zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit sei keine dauernde Behandlung
notwendig (UV-act. M44). Ab März 2016 wurde der Beschwerdeführer im
Schmerzzentrum des KSSG behandelt, wobei ein chronifiziertes CRPS des
Handgelenks links diagnostiziert wurde (vgl. UV-act. M83). Die Übernahme der Kosten
der vom Beschwerdeführer beanspruchten Ergotherapie sicherte die
Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 9. Juli 2018 bis Ende 2022 zu (vgl. UV-act.
A159). Ab Frühjahr 2013, spätestens aber nach Ende der Behandlung in der Praxis
E._, hatten sich die medizinischen Massnahmen im Wesentlichen auf
Kontrolluntersuchungen und die Erhaltung des somatischen Gesundheitszustandes
3.4.3.
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sowie Abklärungsmassnahmen beschränkt (vgl. UV-act. M50, M52 f., M109). Dr. S._
führte am 20. Oktober 2017 aus, bezüglich der Handfunktion habe schon seit Jahren
kaum mehr ein wirklicher Fortschritt erzielt werden können (UV-act. M113). Das
Kriterium der langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist damit als erfüllt zu erachten,
jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise.
Der Beschwerdeführer äusserte gegenüber den behandelnden und abklärenden
Ärzten wiederholt Schmerzen und wurde unter anderem im Schmerzzentrum des
KSSG behandelt (vgl. UV-act. M83, M89). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht
geltend macht (vgl. UV-act. A172), kam es nach dem Unfall zu einer wesentlichen
Besserung der Beschwerden am Handgelenk links. Dr. D._ hatte die Behandlung in
seiner handchirurgischen Sprechstunde am 13. Januar 2011 abgeschlossen (UV-act.
M36). Während der Behandlung in der Praxis E._ konnte eine weitere Reduktion der
Beschwerden am Handgelenk erzielt werden, der Fokus lag eher auf der Lösung von
Verspannungen im Nackenbereich (UV-act. M39 ff.). Dementsprechend befand Dr.
N._ am 5. November 2014, es könne von einer optimalen Rehabilitation der
Handverletzung gesprochen werden (UV-act. M61, S. 4). Dr. med. Y._, FMH
Chirurgie und Handchirurgie, Handchirurgische Praxis, befand am 15. Oktober 2015,
die klinischen und radiologischen Untersuchungsbefunde könnten die persistierenden
Schmerzen im Handgelenk nicht erklären. Mit weiteren operativen Massnahmen sei
sicherlich keine Verbesserung zu erreichen. Es dürfte eigentlich sechs Jahre nach dem
Trauma bei diesen Befunden für eine Bürotätigkeit mit einer zumindest 80%igen
Arbeitsfähigkeit gerechnet werden (UV-act. M65). Dr. Q._ berichtete am 23. August
2017, der Zustand sei längere Zeit stationär gewesen. Der Beschwerdeführer habe ihn
am 6. Juni 2017 sodann wegen starker Schmerzen im Handgelenk aufgesucht, worauf
er ihm eine Ruhigstellung empfohlen und ihm vorübergehend eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % attestiert habe (UV-act. M99). Somit beklagte der Beschwerdeführer keine
seit dem Unfall andauernd bestehenden Schmerzen im Handgelenk links und solche
waren auch nicht durchgehend medizinisch erklärbar. Das Kriterium der
Dauerschmerzen ist zudem wegen der psychosomatischen Komponente (vgl. u.a. UV-
act. M125) und dem Umstand, dass die Schmerzen sich nicht ausschliesslich auf das
unfallbedingt geschädigte Handgelenk links, sondern auch auf unfallfremde
Gesundheitsschädigungen (Knie, Fuss, Rücken) bezogen, als nicht erfüllt zu
betrachten.
3.4.4.
Es bestehen keine Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte.
3.4.5.
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Die Dauer der ärztlichen Behandlung und die geklagten Beschwerden deuten
alleine nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf hin. Das entsprechende
Kriterium erfordert besondere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt und verzögert
haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2008, U 590/06, E. 4.3.2, und
vom 10. Juli 2008, 8C_61/2008, E. 7.6). Vorliegend deutet nichts auf einen besonders
schwierigen Heilungsverlauf hin. Die Entwicklung eines CRPS - welches
rechtsprechungsgemäss deutlich ausserhalb des normalen Heilungsverlaufs läge (vgl.
Urteil des EVG vom 23. Juni 2006, U 304/05, E. 3.4) - ist vorliegend nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen (vgl. dazu E. 2.4).
3.4.6.
Der Beschwerdeführer war ab dem Unfalldatum vom 13. Juni 2009 zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben (vgl. UV-act. M1, M5, M36). Bereits am 15. September
2019 befand Dr. L._ jedoch, in einer körperlich leichten Arbeit (Büro) wäre der
Beschwerdeführer weitgehend arbeitsfähig (UV-act. M4). Dr. D._ führte am 13.
Januar 2011 aus, die Arbeitsunfähigkeit sei bei 100 % verblieben, könnte aber nach
einer beruflichen Umorientierung angepasst werden (UV-act. M36). Es ist demnach
davon auszugehen, dass schon damals in einer adaptierten Tätigkeit mindestens eine
Teilarbeitsfähigkeit bestanden hätte. Ab 2011 wurde der Beschwerdeführer mit
Unterstützung der IV-Stelle zum technischen Kaufmann umgeschult. Die Umschulung
schloss er im Herbst 2013 mit der schulinternen Prüfung ab (vgl. UV-act. A12, A15,
M52). Dr. N._ befand am 5. November 2014, bezüglich der
Handgelenksbeschwerden sei in diesem Beruf keine Arbeitsunfähigkeit verblieben (UV-
act. M61). Ab Herbst 2015 nahm der Beschwerdeführer an einer
Eingliederungsmassnahme der IV-Stelle teil und war ab 1. April 2016 zu 60 % als
Betreuer in einem Asylzentrum tätig (vgl. UV-act. A46, A48 f.). Dr. N._ befand am 24.
Februar 2016, ohne kritische neurologische Beurteilung, insbesondere der Schmerzen
im Handgelenk, sei keine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit mehr erklärbar (UV-act.
M77). Dr. Q._ attestierte dem Beschwerdeführer bis am 10. Mai 2016 weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 %, danach eine solche von 40 %. Er bezog sich dabei
jedoch offenbar auf die damalige Tätigkeit des Beschwerdeführers und äusserte sich
nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer anderen, adaptierten Tätigkeit (UV-act. M84, M87).
Insgesamt ist davon auszugehen, dass bereits im Jahr 2011 (bzw. allenfalls schon
früher) in einer adaptierten Tätigkeit bezüglich der unfallkausalen Beschwerden
mindestens eine Teilarbeitsfähigkeit möglich gewesen wäre. Nach der Umschulung
zum technischen Kaufmann hätte grundsätzlich eine volle Arbeitsfähigkeit vorgelegen
(vgl. dazu auch die nachfolgenden Erwägungen). Die danach noch attestierte
Arbeitsfähigkeit war im Wesentlichen auf unfallfremde Ursachen zurückzuführen. Von
3.4.7.
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4.
Unter Berücksichtigung der unfallkausalen Beschwerden am Handgelenk links ist
nachfolgend die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit
zu prüfen.
einer besonders ausgeprägten Erfüllung des Kriteriums kann damit nicht gesprochen
werden.
Da somit höchstens zwei der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt sind, keines
jedoch in besonders ausgeprägter Weise, ist der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall vom 13. Juni 2009 und den geklagten psychischen Beschwerden
zu verneinen.
3.5.
Dr. S._ beurteilte am 20. Oktober 2017, Heben und Tragen sei funktionell im
Normalbereich der haushaltlichen Tätigkeit und der Bürotätigkeit grundsätzlich
zumutbar. Bei Heben von sehr schweren Lasten, möglicherweise auch bei massivem
Druck mit der Hohlhand auf eine Unterfläche, die im Handgelenk einen
Verschiebestress auslöse, und auch bei extremen Rotationen, die Supination oder
Pronation im Anschlag belasteten, bedingten die vom Unfall herrührenden
arthrosebedingten Schmerzen eine Einschränkung, die solche Arbeiten nicht mehr
zumutbar machten. Auch bei repetitiver langdauernder Benützung der linken Hand
könne es durch die arthrotischen Veränderungen zu Einschränkungen kommen. Dies
zum Beispiel beim Schreiben am Computer oder bei der Mausbedienung mit der linken
Hand während vieler Stunden. Die diesbezügliche Einschränkung sei jedoch nur
relevant bei wirklich andauernder langer Tätigkeit. Ein abwechslungsweises Bedienen
eines Computers bleibe zumutbar. Aufgrund der Stellenbeschreibung als Betreuer in
einem Empfangs- und Verfahrenszentrum für Asylsuchende finde er keinen
somatischen Grund, weshalb diese Tätigkeit nicht zu 100 % ausgeübt werden könnte.
Die Belastungsdauer der linken Hand müsse durch Abwechslung der Arbeitsschritte
möglichst kurzgehalten werden. Dies bedeute, dass zur Optimierung die Arbeit am
Computer vielleicht in zwei Phasen aufgetrennt werden könnte. Eine andere ideal
adaptierte Tätigkeit sei ebenfalls zu 100 % zumutbar (UV-act. M113).
4.1.
Der Beschwerdeführer nahm am 13. Dezember 2017 Stellung zum Gutachten von
Dr. S._, stellte an diesen gerichtete Ergänzungsfragen und reichte insbesondere eine
durch seinen Vorgesetzten erstellte Arbeitsplatzbeschreibung als Betreuer im
Asylzentrum ein (UV-act. A124 f.). Dieser ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
rund dreieinhalb bis vier Stunden täglich vorwiegend am Computer arbeiten und die
4.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/29
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verbleibende Zeit von rund einer bis eineinhalb Stunden täglich bei den
Heimbewohnern Dokumente einsammeln und weitere Individualaufträge wie
beispielsweise Aufräum- und Reinigungsarbeiten sowie Instruieren oder Beaufsichtigen
von Asylsuchenden bzw. deren Kinder durchführen musste (vgl. UV-act. A125). Am 7.
Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer zudem eine Stellungnahme von Dr. Q._
vom 17. Januar 2018 ein (vgl. UV-act. A126, M115). Dieser hatte ausgeführt, offenbar
bestehe doch eine Tendenz, dass der Beschwerdeführer zu viel am Computer arbeiten
müsse und die verletzte linke Hand oftmals überdurchschnittlich eingesetzt werde. Bei
der beschriebenen Stelle bestehe sicher keine 100%ige Arbeitsfähigkeit, es sei von
einer Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60 % auszugehen. Sollte an diesem Arbeitsplatz eine
volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden, müsste die Stelle bzw. der Arbeitseinsatz
modifiziert werden (UV-act. M115). Dr. S._ nahm am 26. März 2019 Stellung zu den
von den Parteien gestellten Ergänzungsfragen. Er führte aus, er sei vor allem basierend
auf den Angaben des Beschwerdeführers davon ausgegangen, dass dieser nicht
kontinuierlich am Computer arbeiten müsse, sondern im Wechsel. Dies hätte einen
ideal adaptierten Arbeitsplatz bedeutet. Offenbar sei eine Ausdehnung des
Arbeitspensums am konkreten Arbeitsplatz nur mit vermehrten Arbeiten mit stärkerer
Handgelenksbelastung möglich. Er müsse also anerkennen, dass die derzeitige
Arbeitstätigkeit mit viel Computerarbeit nicht ideal adaptiert sei im Hinblick auf die
Ausdehnung auf ein 100 % Pensum. Eine ideal adaptierte Tätigkeit, welche nicht zur
Hauptsache aus Bildschirmarbeit, sondern aus gemischten Handlungen mit
intermittierender Entlastung des Handgelenks bestehe, sei jedoch zu 100 % zumutbar.
Denkbar sei beispielsweise eine Kontrollarbeit mit leichterer Belastung, wobei durchaus
dazwischen auch einmal hart zugelangt werden dürfe. Die verbleibende Instabilität des
Handgelenks führe nur zu einer geringen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Stauchende Belastungen des Handgelenks könnten einschiessende Schmerzen
verursachen und bei repetitiver Belastung auch eine entsprechende
Schmerzerschöpfung mit sich bringen. Bei seiner Untersuchung habe sich keine
Schwellung des Handgelenks gezeigt, er stelle aber nicht in Abrede, dass eine solche
auftreten könne (UV-act. M119). Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, Dr. S._
habe offenbar nicht verstanden, wie seine konkrete berufliche Tätigkeit aussehe (vgl.
act. G1, S. 6 ff.), ist dies unerheblich, zumal Dr. S._ in seiner Stellungnahme
einräumte, die ausgeübte Tätigkeit als Betreuer sei doch nicht ideal adaptiert und eine
Ausdehnung auf ein Pensum von 100 % nicht möglich (vgl. UV-act. M119).
Ausschlaggebend ist lediglich die Arbeitsfähigkeit in einer anderen, ideal adaptierten
Tätigkeit. Diese schätzte Dr. S._ nachvollziehbar auf 100 %. Auch der behandelnde
Dr. Q._ ging mindestens sinngemäss davon aus, dass in einer adaptierten Tätigkeit
eine volle Arbeitsfähigkeit möglich sei (vgl. UV-act. M115). Insgesamt ist also davon
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5.
auszugehen, dass eine adaptierte Tätigkeit zu 100 % zumutbar ist, es sich bei der
damals ausgeübten Tätigkeit als Betreuer jedoch nicht um eine solche handelte. Dass
der Vorgesetzte in seiner Tätigkeit maximal ein Pensum von 60 % als zumutbar
erachtete (vgl. act. G1, G1.3), ist insofern irrelevant, als sich diese Einschätzung (eines
medizinischen Laien) auf die konkrete Arbeit und nicht eine ideal adaptierte Tätigkeit
bezog.
Der neurologische Teilgutachter der estimed AG ging von einer Arbeitsunfähigkeit
von 20 % in einer adaptierten Tätigkeit aus (vgl. act. G22.1). Wie bereits erwähnt, ist
dieses Teilgutachten jedoch nicht als beweiskräftig zu erachten (vgl. E. 2.4). Die
weiteren somatischen Teilgutachter der estimed AG gingen in Übereinstimmung mit Dr.
S._ von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit aus. Die
neuropsychologische Teilgutachterin war aufgrund der mangelnden Mitwirkung des
Beschwerdeführers und der dadurch nicht verwertbaren Testresultate nicht in der
Lage, die Arbeitsfähigkeit zu schätzen (act. G22.1, neuropsychologisches
Teilgutachten, S. 23). Auch der orthopädische Teilgutachter der medexperts AG ging in
seinem Gutachten vom 22. November 2019 von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in
einer adaptierten Tätigkeit aus (vgl. act. G22.1). Sodann betrachtete Dr. U._ am 16.
April 2019 das Gutachten von Dr. S._ insgesamt als medizinisch schlüssig und
nachvollziehbar (UV-act. M126). Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, Dr. U._
müsse mittlerweile ein sehr hohes Alter haben und sei offenbar häufig für die
Beschwerdegegnerin tätig (act. G1, S. 18 f.), ist dies vorliegend nicht
ausschlaggebend. Der Beschwerdeführer brachte keine konkreten, differenzierten
medizinischen Einwände gegen die Einschätzung von Dr. U._ vor. Zudem erstellte
dieser vorliegend lediglich eine kurze Stellungnahme, in welcher er im Wesentlichen
das Gutachten von Dr. S._ als schlüssig erklärte (vgl. UV-act. M126). Die
Stellungnahme enthält kaum eigene Erkenntnisse und ist für den vorliegenden Fall für
sich allein nicht ausschlaggebend, zumal genügend andere medizinische
Einschätzungen (Gutachten der estimed AG und der medexperts AG; act. G22.1) die
Schlussfolgerungen von Dr. S._ stützen.
4.3.
Insgesamt ist damit von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten
Tätigkeit auszugehen. Weitere medizinische Abklärungen, insbesondere die Vorlage
von Zusatzfragen an die Gutachter der estimed AG, erübrigen sich (vgl. die
diesbezüglichen Anträge des Beschwerdeführers in act. G1, G8, G24).
4.4.
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Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei ist in der
Regel vom zuletzt – d.h. grundsätzlich vor dem Beginn der unfallbedingten ganzen oder
teilweisen Arbeitsunfähigkeit – erzielten Verdienst auszugehen (BGE 139 V 30 E. 3.3.2,
je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_590/2014, E. 5.1).
Der Beschwerdeführer war vor seinem Unfall zuletzt hauptberuflich als Sanitärmonteur
tätig (vgl. UV-act. A101). Gemäss Auskunft der damaligen Arbeitgeberin, der Z._ AG,
hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2018 ein Einkommen von Fr. 71'500.-- erzielt (Fr.
5'500.-- x 13; vgl. UV-act. A158).
5.1.
Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches Einkommen.
Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht für dessen
Ermittlung der Beizug von Tabellen und vergleichbaren Übersichten im Vordergrund
(Kieser, a.a.O., N 67 zu Art. 16). Der Beschwerdeführer ist soweit aktenkundig nicht
mehr erwerbstätig und schöpfte zuvor mit seiner teilzeitlichen Tätigkeit als Betreuer im
Empfangs- und Verfahrenszentrum sein Erwerbspotential nicht voll aus. Der
Beschwerdeführer ist gelernter Sanitärmonteur und hat ausserdem eine Umschulung
zum technischen Kaufmann absolviert. Es rechtfertigt sich daher, das
Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2014, Total sämtlicher Wirtschaftszweige,
Kompetenzniveau 2, Männer, zu bestimmen (die LSE 2016 und 2018 waren zum
Zeitpunkt des Einspracheentscheids noch nicht publiziert und daher nicht anwendbar;
vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2019, 8C_64/2019, E. 6.2.1). Der
entsprechende Lohn belief sich im Jahr 2014 auf Fr. 5'660.-- pro Monat bzw. Fr.
67'920.-- jährlich. Aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von
41.7 Stunden und angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2018 (Index 2014:
2'220, 2018: 2'260) ergibt sich ein massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 72'082.--.
5.2.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter-)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 26/29
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Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Der
Beschwerdeführer hat gewisse qualitative Einschränkungen (insbesondere
intermittierende Entlastung des linken Handgelenks, Vermeiden von repetitiven und
schweren Handgelenksbelastungen; vgl. UV-act. M113, act. G22.1). Er ist im Vergleich
zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmern damit lohnmässig benachteiligt und muss mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum Ganzen Philipp Geertsen, Der
Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar
2014, 9C_796/2013, E. 3.1.2). Vorliegend rechtfertigt es sich, den Tabellenlohnabzug
auf 5 % festzusetzen, womit ein Invalideneinkommen von Fr. 68'478.-- (0.95 x Fr.
72'082.--) resultiert. Ein höherer Abzug rechtfertigt sich nicht.
Weiter umstritten ist die Berücksichtigung eines Nebenerwerbs. Der
Beschwerdeführer war im Zeitpunkt seines Unfalls im Jahr 2009 stundenweise für die
B._ tätig (vgl. UV-act. A1). Bezüglich des Valideneinkommens sind bei der
Bestimmung des zuletzt erzielten Einkommens sämtliche Erwerbseinkommen, auch
etwa Nebeneinkünfte und regelmässig geleistete Überstunden, zu berücksichtigen.
Dies mag einschliessen, dass gegebenenfalls von einer Arbeitszeit ausgegangen wird,
welche weit über der üblichen liegt (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 51
zu Art. 16). Rechtsprechungsgemäss ist ein Nebenverdienst beim Valideneinkommen
zu berücksichtigen, sofern er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weiterhin erzielt
worden wäre, wenn die versicherte Person gesund geblieben wäre. Dies gilt ohne
Rücksicht auf den hierfür erforderlichen zeitlichen oder leistungsmässigen Aufwand
(Entscheide des EVG vom 29. November 2002, U 130/02, E. 3.2.1 [= RKUV 2003
Nr. U 476]; vom 2. November 2004, U 66/02 [= RKUV 2005 Nr. U 538]; vom 3. Februar
2006, I 181/05, E. 2 und vom 9. Mai 2007, I 130/06, E. 6). Der Beschwerdeführer führte
anlässlich eines Telefongesprächs mit der Beschwerdegegnerin am 9. Juli 2018 aus, es
sei sein Ziel gewesen, im Alter von 45 Jahren ein Eigenheim zu haben. Bis dahin, also
bis ins Jahr 2026, habe er vorgehabt, zwei Jobs gleichzeitig zu haben. Dies sei auch
organisatorisch kein Problem gewesen mit einer Familie. Schon zum Unfallzeitpunkt
habe er ein Kind gehabt und es habe sich gut organisieren lassen. Er habe bis 16:30
Uhr jeweils als Sanitärmonteur gearbeitet und danach frei gehabt. Die Einsätze für die
B._ seien abends oder nachts gewesen (UV-act. A156). Es ist demnach davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Validenfall weiterhin seiner
Nebenerwerbstätigkeit für die B._ AG nachgehen würde. Beim Invalideneinkommen
ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein Zusatzeinkommen aus
Nebenerwerb nur insoweit zu berücksichtigen, als eine versicherte Person ein solches
5.4.
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6.
Schliesslich ist die Höhe des Anspruchs des Beschwerdeführers auf eine
Integritätsentschädigung zu beurteilen. Die Beschwerdegegnerin sprach ihm eine
solche basierend auf einem Integritätsschaden von 5 % zu (UV-act. A159, A172).
trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise weiterhin erzielen kann.
Hierfür ist gleich wie bei der Haupterwerbstätigkeit massgebend, welche
Arbeitstätigkeiten und -leistungen der versicherten Person aufgrund ihres
Gesundheitszustandes nach ärztlicher Beurteilung noch zugemutet werden können
(Entscheid des EVG vom 28. August 2003, I 109/02, E. 3.3.2; vgl. Entscheide des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. März 2009, IV 2007/189, E. 4.3,
und vom 24. Februar 2021, UV 2019/68, E. 6.2). Vorliegend sind keine Gründe
ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer nicht auch im Invalidenfall stundenweise
einer adaptierten Nebenerwerbstätigkeit sollte nachgehen können. Ob er - wie die
Beschwerdegegnerin annimmt (vgl. UV-act. A159) - weiterhin bei der B._ AG tätig
sein könnte, ist aufgrund seiner Beschwerden am Handgelenk fraglich (vgl. act. G1, S.
30). Jedoch könnte er - wie beim Haupterwerb - eine andere adaptierte Tätigkeit
ausüben. Gemäss Angaben der B._ AG vom 8. Mai 2012 hätte der Beschwerdeführer
seit Juli 2009 einen Verdienst von Fr. 28.22 brutto pro Stunde erzielen können (vgl. UV-
act. A138 ff.). Im Vergleich dazu betrug der im Invalidenfall zumutbare Monatslohn
gemäss Tabelle TA1 der LSE 2012, Kompetenzniveau 2, Total bei den Männern, Fr.
5'633.--, was einem Stundenlohn von Fr. 32.50 (Fr. 5'633.-- / 4.33 Wochen / 40
Stunden) entspricht. Dementsprechend resultiert - auch unter Berücksichtigung eines
Tabellenlohnabzugs von 5% - beim Nebenverdienst keine Lohneinbusse und dieser ist
beim Einkommensvergleich nicht zu berücksichtigen.
Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit bei
einem Valideneinkommen von Fr. 71'500.-- und einem Invalideneinkommen von Fr.
68'478.-- resultiert ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 4 %.
5.5.
Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG entsprechend der
Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Bei einem gleichen medizinischen Befund
ist der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär
bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 E. 3c, 113 V 221 E: 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht
6.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 28/29
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7.
zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Nach Art. 36 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) wird die Integritätsentschädigung gemäss den
Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als
gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte Skala. Die medizinische Abteilung
der Suva hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet.
Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll; sie sind mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32
E. 1c mit Hinweis).
Dr. S._ beurteilte in seinem Gutachten vom 20. Oktober 2017, die
posttraumatische Arthrose und die geringfügige Instabilität im linken Handgelenk
stellten eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen Integrität dar. Derzeit
bewirke diese nur eine geringfügige Beeinträchtigung der Funktion, bleibe aber
langfristig mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Problem, möglicherweise auch in
verstärktem Ausmass. Die derzeitige Beeinträchtigung ergebe aufgrund der Suva-
Tabellen keine über 5 % hinausgehende Integritätsentschädigung. Es sei schwierig, die
voraussehbare Verschlimmerung zu berücksichtigen, da das Handgelenk bereits
arthrotische Veränderungen zeige, welche sich verstärken könnten. Er schlage
diesbezüglich vor, einen Vorbehalt zu machen (UV-act. M113, S. 61). Gemäss Suva-
Tabelle 5 "Integritätsschaden bei Arthrosen" rechtfertigt eine mässige
Handgelenksarthrose einen Integritätsschaden von 5 bis 10 %. Im Zeitpunkt der
Beurteilung durch Dr. S._ bestand erst eine beginnende Arthrose (vgl. UV-act. M113)
bzw. gemäss dem handchirurgischen Teilgutachter der estimed AG gar erst der
Verdacht auf eine solche (vgl. act. G22.1, handchirurgisches Gutachten, S. 12). Mit
dem von der Beschwerdegegnerin anerkannten Integritätsschaden von 5 % wurde
damit auch einer möglichen zukünftigen Verschlechterung der Arthrose genügend
Rechnung getragen. Für die vorliegende leichte Instabilität im Handgelenk sehen die
Suva-Tabellen keine Integritätsentschädigung vor (vgl. Suva-Tabelle 1
"Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten"). Dr. U._
erachtete die Beurteilung von Dr. S._ bezüglich Integritätsentschädigung ebenfalls
für nachvollziehbar (UV-act. M126).
6.2.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid nicht zu
beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
7.1.
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