Decision ID: cfd4d836-000b-5570-a027-0b17f7258e3a
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1957
,
war im Rahmen seiner unselbständigen Er
werbstätigkeit
aufgrund der durch seine
Arbeitgeber
in, die
Y._
AG
, bei der
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
AG (nachfolgend
Allianz
) abgeschlossenen kollektiven Krankentaggeldversicherung nach dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) gegen die wirt
schaftlichen Folgen von Krankheit versichert (Urk.
9/5
).
Am 30. Mai 2017 sprach die Arbeitgeberin die Kündigung des Arbeitsverhältnisses per 31. Oktober 2017 aus (Urk. 2/4)
.
Mit
Krankheitsmeldung vom
21
.
August 2017
wurde der Allianz mitgeteilt,
dass der Versicherte am 30. Juli 2017 unter Verweis auf Arbeitsunfähigkeitszeugnisse die Arbeit ganz niedergelegt habe (Urk. 9/
6).
Die
Allianz
anerkannte ihre Leis
tungspflicht und richtete dem Versicherten Taggelder aus.
Auf Veranlassung der
Allianz
wurde der Versicherte am
10
.
Oktober 2017
durch Dr.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutach
tet (Gutachten vom
15
.
Oktober 2017
, Urk. 9/
22
).
Mit Schreiben vom
18
.
Dezember 2017
teilte die
Allianz
dem Versicherten mit,
dass die Taggelder per 31. Dezember 2017 eingestellt würden
, da von einer ar
beitsplatzbezogenen Arbei
tsunfähigkeit ausgegangen
und ab dem 1. Januar 2018 von einer externen vollen Arbeitsfähigkeit und Vermittelbarkeit auf dem allge
meinen Arbeitsmarkt ausgegangen werde
(Urk. 9/
29
).
Nachdem der Versicherte
da
gegen
unter Verweis auf die Berichte seiner behandelnden Psychiaterin
Dr.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
Ein
wände
erhob
en hatte
(Urk. 9/30
, Urk. 9/33, Urk. 9/35, Urk. 9/38
)
,
veranlasste die Beklagte bei Dr.
B._
, Fachärztin für Neurologie, ein Gut
achten, welches am
28. März 2018 erstattet wurde (Urk. 9/46).
Mit Schreiben vom
12. April 2018,
vom
15. M
ai
2018
und vom 25. Juni 2018
teilte die Allianz dem Versicherten mit, dass s
ie an ihrem Entscheid festhalte (
Urk. 9/47,
Urk. 9/51, Urk. 9/55).
2.
Am 16. August 2018 erhob der Versicherte Klage gegen die Allianz und bean
tragte, diese sei zu ver
pflichten
, ihm einen Betrag von Fr. 28'036.65 nebst Zins seit wann rechtens zu bezahlen (Urk. 1 S. 2). Mit Klageantwort vom 29. Oktober 2018 beantragte die Allianz
,
die Klage vom 16. August 2018 sei v
ollumfänglich abzuweisen (Urk. 8
S. 2). Mit Gerichtsverfügung vom 16. November 2018 wurde dem Kläger die Klageantwort zur Kenntnis gebracht und
den
Parteien eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um schriftlich mitzuteilen, falls eine Hauptverhandlung gewünscht werde und dass
,
sofern keine Mitteilung gemacht werde, davon aus
gegangen werde, dass die Parteien auf eine Hauptverhandlung verzichteten
(Urk. 10). Der Kläger verzichtet
e
am 28. November 2018 und die Beklagte am 30. No
vember 2018 auf die Durchführung einer Hauptverhandlung (Urk. 13-14). Am
17. Januar 2018 reichte der Kläger seine Replik (Urk. 17) ein, und die Beklagte er
stattete am 13. März 2019 ihre Duplik (Urk. 21), welche dem Kläger am
17. April 2019 zur Ken
ntnis gebracht wurde (Urk. 22).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen
gemäss
Art. 2 Abs. 2 Satz 2 des Bundesgesetzes vom 26. September 2014 betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenver
sicherungsaufsichtsgesetz, KVAG) dem Bundesgesetz über den Versicherungsver
trag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG). Sie sind privatrechtlicher Natur (BGE 138 III 2 E. 1.1). Kollektive Krankentaggeldversicherungen werden vom Bundes
gericht wie alle weiteren Taggeldversicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung subsumiert (BGE 142 V 448 E. 4.1).
1.2
Das Sozialversicherungsgericht ist als einzige kantonale Gerichtsinstanz für Kla
gen über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversiche
rung nach dem KVG zuständig (Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, ZPO, in Verbindung mit § 2 Abs. 2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht;
GSVGer
; BGE 138 III 2 E. 1.2.2), ohne dass vorgängig ein Schlich
tungsverfahren durchzuführen ist (BGE 138 III 558 E. 4).
1.3
Nach Art. 87 VVG steht demjenigen, zu dessen Gunsten eine kollektive Unfall- oder Krankenversicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderung
srecht gegen den Versicherer zu.
1.4
Gemäss
Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO werden Ansprüche aus einer Zusatzversiche
rung zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren nach Art. 243 ff. ZPO beurteilt.
Gemäss
Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO stellt das Gericht im Verfahren betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
Der Untersuchungsgrundsatz befreit die Parteien indessen nicht davon, bei der Feststellung des
entscheidwesentlichen
Sachverhalts aktiv mitzuwirken. Das Ge
richt ist im Rahmen der sozialen Untersuchungsmaxime
gemäss
Art. 247 Abs. 2
lit
. a ZPO lediglich einer erhöhten Fragepflicht unterworfen. Wie unter der Ver
handlungsmaxime müssen die Parteien selbst den Stoff beschaffen. Das Gericht kommt ihnen nur mit spezifischen Fragen zur Hilfe, damit die erforderlichen Be
hauptungen und die entsprechenden Beweismittel genau aufgezählt werden. Es ermittelt aber nicht aus eigenem Antrieb. Ist eine Partei durch einen Anwalt ver
treten, kann und muss sich das Gericht ihr gegenüber wie bei Geltung der Ver
handlungsmaxime zurückhalten (Urteil des Bundesge
richts 4A_702/2016 vom 23. März 2017 E. 3.1).
1.5
Gemäss
Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet.
Demgemäss
hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, wäh
rend die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Diese Grund
regel kann durch abweichende gesetzliche Beweislastvorschriften verdrängt wer
den und ist im Einzelfall zu konkretisieren (BGE 128 III 271 E. 2a/
aa
). Sie gilt auch im Bereich des Versicherungsvertrags. Nach dieser Grundregel hat der An
spruchsberechtigte - in der Regel der Versicherungsnehmer, der versicherte Dritte oder der Begünstigte - die Tatsachen zur «Begründung des Versicherungsanspru
ches» (Marginalie zu Art. 39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs. Den Versicherer trifft die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglichen Leistung berechtigen (z.B. wegen schuldhafter Herbeiführung des befürchteten Ereignisses: Art. 14 VVG) oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unver
bindlich machen (z.B. wegen betrügerischer Begründung des Versicherungsan
spruches: Art. 40 VVG). Anspruchsberechtigter und Versicherer haben im Streit um vertragliche Leistungen je ihr eigenes Beweisthema und hierfür je den Haupt
beweis zu erbringen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.6
Es obliegt der versicherten Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf Taggelder hat, wenn die Versicherung zunächst Tag
gelder ausbezahlt hat und sodann geltend macht, die Umstände hätten sich ge
ändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig (BGE 141 III 241 E. 3.1). Den Ver
sicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kür
zung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unverbind
lich machen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.7
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungs
vertrags
regelmässig
mit Schwierigkeiten verbunden ist,
geniesst
der beweis
pflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versiche
rer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaub
würdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schil
derungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchsberech
tigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert (BGE 130 III 321 E. 3.4).
1.8
Ausnahmen vom
Regelbeweismass
des strikten Beweises, in denen eine überwie
gende Wahrscheinlichkeit als ausreichend betrachtet wird, ergeben sich einerseits aus dem Gesetz selbst, anderseits sind sie durch Rechtsprechung und Lehre her
ausgearbeitet worden. Den Ausnahmen liegt die Überlegung zu Grunde, dass die Rechtsdurchsetzung nicht an Beweisschwierigkeiten scheitern darf, die typischer
weise bei bestimmten Sachverhalten auftreten (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2). Die Beweiserleichterung setzt demnach eine «Beweisnot» voraus. Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich oder nicht zumutbar ist,
insbesondere
wenn die von der beweisbelasteten Partei be
haupteten Tatsachen nur mittelbar durch Indizien bewiesen werden können. Die entsprechenden Überlegungen gelten unabhängig davon, welche Partei beweis
belastet ist. Das Bundesgericht hat denn auch in Bezug auf den vom Versicherer zu erbringenden Beweis der absichtlichen Herbeiführung des versicherten Ereig
nisses (Art. 14 VVG) entschieden, dass der Versicherer sich ebenfalls auf eine Re
duktion des
Beweismasses
auf den Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit berufen kann, wenn der strikte Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich bzw. nicht zumutbar ist. Diese Beweiserleichterung soll auch für den Beweis der absichtlichen Herbeiführung des Versicherungsfalls (mit oder ohne Täuschungs
wille, der
naturgemäss
nur schwierig zu erbringen ist), gelten (Urteil des Bundes
gerichts 4A_382/2014 vom 3. März 2015 E. 5.3).
1.9
Die Beweislastverteilung regelt die Folgen der Beweislosigkeit. Gelangt ein Ge
richt dagegen in Würdigung der Beweise zum Schluss, eine Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislastverteilung gegenstandslos. Tatsäch
liche Vermutungen lassen den Schluss auf das Vorhandensein oder das Fehlen bestimmter Tatsachen zu und bilden Teil der Beweiswürdigung. Dazu gehört auch die allfällige Vermutung, dass eine versicherte Person auch bei gesunder Verfas
sung keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre (BGE 141 III 241 E. 3.2).
1.10
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
. a), Urkunde (
lit
. b), Augenschein (
lit
. c), Gutachten (
lit
. d), schriftliche Auskunft (
lit
. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
. f). Diese Aufzählung ist
abschliessend
; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein Numerus clausus der Beweismittel, vor
behalten bleiben nach Art. 168 Abs. 2 ZPO lediglich die Bestimmungen über Kin
derbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1). Art. 168 Abs. 1
lit
. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Be
weismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2)
.
1.11
Das Arztzeugnis wird beweisrechtlich den Zeugnisurkunden, denen im Beweis
verfahren mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen ist, zugeordnet und gilt im Bereich des Zivilprozessrechts
gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts als Privatgutachten (BGE 140 III 24 E. 3.3.3; 140 III 16 E. 2.5). Nach der Lehre beweisen Arztzeugnisse grundsätzlich nur, dass die Erklärung von der ausstellen
den Person abgegeben wurde. Aufgrund des Fachwissens der ausstellenden Per
son sowie der strafrechtlichen Sanktion (Art. 318 StGB) kann zunächst von der Richtigkeit eines Arztzeugnisses ausgegangen werden. Der Beweiswert kann je
doch durch irgendwelche Beweismittel und Umstände erschüttert werden, wenn beispielsweise der Arzt den Patienten nicht untersucht und
ausschliesslich
auf dessen Aussagen abgestellt hat ober bei widersprüchlichem Verhalten des Pati
enten während bescheinigter Arbeitsunfähigkeit.
Solchenfalls
hat der Beweisfüh
rer bei unveränderter Beweislast den vollen Beweis für die mit dem Arztzeugnis bescheinigten Tatsachen zu erbringen (Heinrich Andreas Müller, in: Schweizeri
sche Zivilprozessordnung, ZPO, Kommentar, Brunner/Gasser/Schwander, Hrsg., 2. Auflage, Zürich 2016, Art. 177
Rz
9; Annette
Dolge
in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Basel 2017, Art. 177
Rz
13).
1.12
Auch Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, sind
als
blosse
Parteibehauptungen zu qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017, E. 3.2 am Ende).
2.
2.1
Es ist unbestritten, dass der Kläger aufgrund der von seiner
(ehemaligen) Arbeit
geberin, der
Y._
AG, mit der Beklagten abge
schlossenen Krankentaggeldversicherung (Vertrags-Nr.
...
)
gemäss
den Angaben im
Datenblatt
zur Police (Urk. 9/5
) und den Allgemeinen
B
edin
gung
en, Ausgabe 2008 (AB, Urk. 9/1
), für ein Taggeld versichert war.
D
as Taggeld beträgt 80 % des effektiven Lohnes und wird während 730 Tagen abzüglich einer Wartefrist von
60 Tagen ausgerichtet (Urk. 9/5
).
Strittig ist die Leistungspflicht der Beklagten ab 1.
Januar 2018.
2.2
Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt,
d
ass die Beklagte auch über den
1. Januar
2018 hinaus eine Leistungspflicht treffe. Auf die von
ihr
veranlassten Gutachten, wonach er zu 100 % arbeitsfähig sei
, könne nicht abgestellt werden
. Es liege keine
bloss
arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit vor, sondern eine Burnout-Symptomatik, welche zu einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit
ge
führt habe
, was aus den Berichten der behandelnden
Psychiaterin
hervorgehe
.
Zudem sei ihm angemasst worden, innert weniger Wochen und zudem noch über die Weihnachtsfeiertage, seine berufliche Tätigkeit an einer anderen Stelle aus
zuüben,
was absolut unrealistisch sei
(Urk. 1).
2.3
Demgegenüber vertrat die Beklagte in ihrer Klageantwort die Ansicht,
dass
ge
stützt auf die Berichte der
Dres
.
C._
,
Z._
und
B._
von einer Anpas
sungsstörung auszugehen sei mit der Folge einer
arbeitsplatzbezogenen Arbeits
unfähigkeit.
Seit dem 17. August 2017 wäre
der Kläger
an einer anderen Arbeits
stelle leistungsfähig gewesen.
Die von Dr.
A._
berichtete Verschlech
terung habe Dr.
B._
nicht bestätigen können
,
und von den behandelnden Ärzten
sei keine B
urn
o
ut-Thematik festgestellt worden
. Die Übergangsfrist für die Suche nach einer neuen Stelle habe mit Eintritt der arbeitsplatzbezogenen Ar
beitsunfähigkeit am 17. August 2017 angefangen zu laufen
. Indem das Taggeld bis Ende Dezember 2017 ausbezahlt worden sei, sei dem Kläger eine maximale Übergangsfrist von rund fünf Monaten gewährt worden. Für die finanzielle Un
terstützung während der Stellensuche sei das regionale Arbeitsamt zuständig
(Urk. 8)
.
2.4
In seiner Replik machte der Kläger sodann geltend,
die Begutachtung bei
Dr.
Z._
sei lediglich vor dem Hintergrund der im Raum stehenden Taggeldein
stellung erfolgt
,
und die Beklagte habe bereits eine vorgefasste Meinung hinsicht
lich seiner Arbeitsunfähigkeit gehabt. Die Art und die Dauer, wie die Begutach
tung durchgeführt worden sei
,
genügten in keiner Weise
,
um mit einer an Sicher
heit grenzender Wahrscheinlichkeit eine derart komplexe Geschichte mit der nö
tigen Sorgfalt und Tiefe zu eruieren. Dass es sich bei der Erkrankung lediglich um eine Anpassungsstörung handle, die als Reaktion auf ein arbeitsplatzbezogenes Geschehen einzustufen sei,
sei nicht erwiesen. Auch Dr.
B._
sei n
ich
t von der Beklagten unabhängig
(Urk. 17)
.
2.5
In ihrer Duplik führte die Beklagte aus,
die Tatsache, dass es sich bei den Gutach
ten der
Dres
.
Z._
und
B._
beweisrechtlich um Parteibehauptungen handle, spiele keine Rolle, weil nicht sie
, die Beklagte,
die Beweislast für das Be
stehen der Arbeitsun
fähigkeit trage
.
Den Gutachten von Dr.
Z._
und
Dr.
B._
komme Beweiswert zu
.
Bei den Problemen mit dem ehemaligen Arbeit
geber, der Jobkündigung, dem Wohnungswechsel und der schwierigen Lebenssi
tuation handle es sich um richtungsweisende und
medizinalfremde
Belastungs
faktoren, welche versicherungsmedizinisch als überwindbar gälten (Urk. 21).
2.6
Strittig und zu prüfen ist, ob der
Kläger über den 31. Dezember 2017 hinaus
Anspruch auf Krankentaggelder hat.
3.
3.1
Dr. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
nannte in seinem ersten Arztzeugnis vom
30. August 2017
(Urk. 9/12) als Diagnose
eine reaktive depressive Episode bei sozialer Belastungssituation
(Ziff. 1). Der Kläger habe in
folge Kündigung des Jobs und der Wohnung eine depressive Episode entwickelt (Ziff. 4). Es sei vom 7. bis 15. August 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit at
testiert worden (Ziff. 10). Betreffend die weitere Arbeitsunfähigkeit sei die behan
delnde Psychiaterin Dr.
A._
zu kon
taktieren, ebenso betreffend den Verlauf
(Ziff. 13).
3.2
Dr.
A._
nannte in ihrem Bericht vom
31. August 2017
(Urk. 9/13) als Diagnose eine Anpassungsstörung mit depressive
r
Reaktion (ICD-10 F43.20) und anderer Störung der Gefühle (ICD-10 F43.28). Dr.
A._
führte aus, der Kläger sei seit dem 21. Juni 2017 bei ihr in Behandlung
,
und die letzte Kontrolle sei am 24. August 2017 erfolgt
(S. 1 Ziff. 2)
.
Die Konflikte am Arbeitsplatz seien eskaliert
,
und es sei zu gegenseitigen massiven Schuldzuweisungen und zum Streit via Anwälten gekommen. Zu den aktuellen Symptomen respektive zum aktuellen Zustand führte Dr.
A._
aus, der Kläger könne das Gedanken
kreisen nicht mehr abstellen und sei fixiert auf die Verletzungen und Kränkun
gen. Er finde den Abstand nicht. Er habe Angst bezüglich seiner beruflichen Zu
kunft, habe perfektionistische Züge, sei sehr engagiert und dementsprechend stark verletzt durch die Situation. Er wohne an der Arbeitsstelle
(S. 1 Ziff. 4).
Dr.
A._
führte aus, seit dem 17. August 2017 bestehe eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit (S. 1 Ziff. 6).
Der Kläger
leide an Konzentrationsstörungen und an instabilen emotionalen Reaktionen, depressiven Phasen sowie aggressiven Durchbrüc
h
en. Im Moment sei die bisherige Tätigke
it nicht zumutbar (S.
2
Ziff. 7.
1-
3). Es seien im Moment auch keine Eingliederungsmassnahmen zumutbar, da
zuerst die Situation hinsichtlich des Wohnens und des Arbeitsverhältnisses ge
klärt werden müsse (S. 2 Ziff. 7.4
).
An einer neuen Arbeitsstelle könne mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden (S. 2 Ziff. 8).
3.3
Dr.
A._
nannte in ihrem Bericht vom 28. September 2017 (Urk. 9/21) als Diagnose eine rezidivierende Depression,
aktuell mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F33.1)
,
i
m
Zusammenhang mit Konflikten am Arbeitsplatz
(S. 2 Ziff. 3).
Zur aktuellen Psychopathologie führte Dr.
A._
aus, der Kläger leide an einer inneren Unruhe, Anspannung, emotionaler Labilität
und an Schlaf
störungen.
Er
quäle sich in Gedanken um die
Frage, ob er eine Schuld trage
an der Situation
. Seinen Selbstwert stelle er in Frage
,
und er reagiere mit perfektio
nistischen Verhaltensmustern und habe Angst, Fehler zu machen. Immer wieder kehrten seine Gedanken auf eine juristische Ebene. Er fühle sich in der Wohnsi
tuation mit der Wohnung noch
auf dem
Gelände der Arbeitsstelle sehr unwohl (S. 1 f. Ziff. 1).
Dr.
A._
führte aus, der Kläger habe bereits im Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung vor einigen Jahren mit einer depressiven Episode rea
giert. Damals sei er vom Hausarzt behande
lt worden
(S. 2 Ziff. 2). Zur Frage, worin die effektive Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe und zum Schwe
regrad
führte Dr.
A._
aus, es bestünden keine Voraussetzungen für eine korrekte Berufsausübung, wenn die Unerwünschtheit an der Arbeitsstelle of
fensichtlich sei
. Zudem zeige der Kläger im Moment eine depressive Stimmung, einen fehlenden Antrieb sowie eine fehlende Motivation und Freude, Ängste und Unsicherheit sowie eine mentale Erschöpfung. Der Schweregrad
sei derzeit hoch (S. 2 Ziff. 5)
. Es könne noch nicht gesagt werden, wann die Arbeit wiederaufge
nommen werden könne (S. 2 Ziff.
7
).
3.4
Dr.
Z._
führte in seinem von der Beklagten veranlassten Gutachten vom 15. Oktober 2017 (Urk. 9/22) zur Standortbestimmung respektive zur Bestimmung der versicherungspsychiatrisch-arbeitsprognostischen Perspektive aus,
klinisch-psychopathologisch sei im Rahmen der aktuellen Momentaufnahme kein krank
heitswertiges Störungsbild zu objektivieren. Es handle sich um ein kategorial richtungsweisendes reaktiv-arbeitsbezogenes Geschehen im Sinne eines kumula
tiven Summationseffektes (Anpassungsstörung). Dr.
Z._
führte aus, dass die Anstellung des Klägers nach elf Dienstjahren unerwartet gekündigt worden sei. Aus
therapeutisch-
rehabilitiven
Gründen bestehe eine Unzumutbarkeit der Rück
kehr in die alten, angestammten Arbeitsverhältnisse (100%ige Arbeitsunfähig
keit)
. A
uch für jede andere bildungsangepasste Täti
gkeit bestehe derzeit eine 100%i
ge Arbeitsunfähigkeit zur weiteren psychisch-emotionalen Stabili
sierung für ein bis zwei Monate
.
Es
wäre
als positiv zu werten, wenn sich der Kläger proaktiv um eine Neuanstel
lung bemüh
t
e. Auf eine narrative Aufarbeitung aller Kategorien habe vereinba
rungsgemäss bei guter Kooperation, Auskunfts- und Leistungsbereitschaft und Fehlen von Diskrepanzen verzichtet werden könne (S. 2 oben).
Dr.
Z._
führte aus, versicherungsmedizinisch-normativ gälten richtungs
weisend erlebnisreaktive Störungsbilder (F4-Anpassungsstörung) als Folge psy
chosozialer, sogenannt
medizinalfremder
Stressoren im Rahmen des Kausalitäts
kriteriums
prinzipiell als überwindbar und qualifizierten auch nicht für eine lang
dauernde Arbeitsunfähigkeit.
Störungen im Antrieb, Denken, in der Urteilsbil
dung, Impulskontrolle und in der Emotionsregulation lägen ausserhalb einer the
matischen
Affektlabilisierung
/
dysthym-dysphorischen
Zeichnung und seien nicht vorliegend (S. 2 Mitte).
Die
Frage hinsichtlich des objektiven, effektiven handlungsbezogenen Funktionsniveaus müsste zusätzlich mittels qualifizierter neuropsychologischer, handlungsbezogener Funktions- und Leistungstestung in allen rele
vanten Modalitäten beantwortet werden (S. 3 oben).
3.5
Dr.
A._
führte in ihrem Schreiben vom 28. Dezember 2017 (Urk. 9/32) zuhanden des Klägers aus, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Arbeitsfähig
keit bestehe und der Kläger weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig sei. Die Arbeits
stelle sei
ihm
offiziell gekündigt worden, weshalb es ihm weder zuzumuten sei, an die Arbeitsstelle zurückzukehren
noch sei aus medizinischen Gründen eine Arbeitsfähigkeit gegeben. Der Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Arbeit könne nicht festgelegt werden, und es sei auch keine andere Arbeit zumutbar.
Dr.
A._
führte
ferner
aus, aus psychiatrischer Sicht bestünden weiter
hin Anhaltspunkte für eine mittelschwere Depression. Folgende Symptome hätten an der Sitzung vom 13. Dezember 2017 festgehalten werden können: depressive Stimmungslage, unverarbeitete
,
noch nicht formal abgeschlossene Kündigungs
situation, was schwierig zu verarbeiten sei, bei unvorhergesehener Lebensverän
derung, grüblerische Gedankengänge
,
fixiert auf die juristische Problematik, so
wie
eine
affektive Unausgeglichenheit mit Zukunftsängsten und wiederkehrenden Schlafstörungen. Der Kläger zeige wenig Selbstmotivation, um eigene Ressourcen aufzubauen, und es bestehe ein mangelnder Antrieb für Eigeninitiativen.
3.6
In ihrem Schreiben vom 6. Februar 2018 (Urk. 9/37) führte Dr.
A._
zuhanden des Klägers aus
, dass sich dessen Zustandsbild verschlechtert habe
(S. 1 Mitte). Es liege nun eine mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32.11) mit somatischen Symptomen vor. Aus psychiatrischer Sicht bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es werde eine nochmalige Untersuchung und Beur
teilung durch den Vertrauensarzt der Taggeldversicherung empfohlen (S. 2 Mitte).
Nebst der bereits festgestellten depressiven Stimmung und Antriebslosigkeit leide
d
er
Kläger
heute an psychosomatischen Beschwerden, ausgeprägten Schlafstö
rungen und
an Ängsten, die im
Zusammenhang mit der ungelösten Kündigungs
situation und der seit Juli 2017 andauernden psychischen Belastung stünden.
Er habe existentielle Ängste, da keine Lohnzahlungen mehr erfolgt seien.
Er stelle sich die Frage, inwieweit das Leben noch einen Sinn mache. Eine Herzabklärung habe kein
e körperliche
n Ursachen ergeben (S. 1 Mitte)
. Der Kläger wirke psy
chisch stark belastet
,
und die innere Spannung und Nervosität hätten deutlich zugenommen. Er wirke müde und erschöpft und habe Schlafstörungen sowie ei
nen Druck und eine Spannung auf der linken Brustseite. Der Antrieb sei reduziert und die Stimmung deutlich depressiv. Die innere Motivation sei abhandengekom
men
,
und die Freudlosigkeit habe zugenommen (S. 1 unten). Das Interesse an der eigenen Person oder an gewissen alltäglichen Tätigkeiten sei verloren gegangen
,
und das Gedankenkreisen um juristische Fragen habe zugenommen, ebenso die emotionale Unausgeglichenheit. Es fehlten innere Ressourcen
,
und es sei zu einem sozialen Rückzug gekommen. Zukunftsorientierte Perspektiven fehl
t
en
inners
p
s
ychisch
und aus externen Gründen (S.
1 f.
)
.
3.7
Dr.
B._
erstattete am 28. März 2018 Bericht über die von der Beklagten veranlasste verhaltensneurologisch-neuropsychologische Abklärung
des Klägers
(Urk. 9/46)
.
Dr.
B._
führte aus, die Abklärung sei am 15. März 2018 durchgeführt worden (S. 1 Mitte).
Aus verhaltensneurologisch-psychopathologi
scher Sicht könn
t
en hinsichtlich
depressogener
Kernsymptome (Denken, Antrieb,
Spontanreaktivität
, pragmatisches Kommunikationsverhalten, dynamischer Ge
samteindruck, psychisches Energieniveau, kognitive U
m
stell
fähigkeit, Emotions
regulation, I
ch-Stärke) keine relevanten affektpathologischen Alterationen objek
tiviert werden. Der Versicherte
sei
zwar fixiert
auf seine multiplen Beschwerden, jedoch seien seine Gedan
kengänge kohärent und seine psychische und kognitive Belastbarkeit sowie seine Kontroll-
und Steuerungsfähigkeit s
eien
nicht be
ein
trächtigt. Insbesondere zeige
er
über den ge
samten Verlauf der Exploration keine Antriebs-,
Initiations- oder Impulskontroll
störung und keine psychomotorische Hemmun
g oder anderweitige affektpathol
ogische
n
Störungsbilder.
Dr.
B._
führte aus, dass die berufsbezogene neuropsychologisch-leis
tungspsychol
ogische Abklärung
im kognitiven Bereich unter Be
rücksichtigung eines prämorbid mittleren Leistungsprofils sowie ordentlichem Leistun
gswill
en im Untersuchungsgang eine durchwegs intakte kognitive Leistungsfähigkeit
er
gebe. Ein depressionsassozii
ertes kognitives Ausfallmuster l
asse sich nicht objek
tivieren
(S. 2 oben)
.
Gesamthaft l
iessen sich keine kognitiven Ein
schränkungen an die im angestammten Beruf des Versicherten gest
ellten Anforderungen an die
kog
nitive Belastbarkeit, die kog
nitive Flexibilität und die Fehl
erkontrolle ablei
ten. Die hier aufgeführten Befunde qualifizier
t
en gemäss Mini-ICF-APP nicht für relevante Beei
nträchtigungen des psychosozial
en
Funktionsniveaus (Al
ltagsakti
vitätsspektrum).
Dr.
B._
hielt fest, dass die normativ-
kriterienorientierte
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nach heute anerkannten ressourcenlimitierten Modellen (Te
ilhabe und Aktivitäten gemäss Mini-I
CF-APP) aktuell keine Einschränkung de
r Arbeitsfähigkeit
ergebe
.
Die für die Bemessung von Arbeitsfähigkeitsprozenten nach v
ersicherungsmedizinischen Kriterien geforderte klini
sch-objektive Schweregradbeurteilung und konsekutiv des psychosozialen Funktionsniveaus implizier
ten heute aus verhal
tensneur
ologisch-psychopathologischer bezie
hungsweise neu
ropsychologisch-leistungspsychologischer Sicht für die ange
sta
mmte Tätigkeit als Geschäftsfüh
rer eines Restaurants, als Koch und als Hotelier sowie für jede andere bildungsadäquate Tätigkeit keine Einschränkung der
Ar
b
eitsfähigkeit (100%ige Arbeitsfähigkeit, S. 2
).
3.8
Dr.
A._
führte in ihrem Schreiben vom 23. Mai 2018 (Urk. 9/52) aus, es bestehe offensichtlich eine Diskrepanz in der Beurteilung der Diagnosen
(S. 1 Mitte)
. Die Symptome seien nicht nur durch den äusseren Anlass der beruflichen Situation veranlasst, sondern es seien beim Kläger Existenzängste geweckt wor
den, die er bereits im Zusammenhang mit seiner Krebserkrankung erlebt habe. Da diese Symptome nicht nur
subsyndromal
und
von
aussen gemacht wirkten, son
dern sehr die Person des Klägers betroffen hätten, habe sie die Diagnose einer depressiv
en Episode gestellt. Aus ihrer Sicht seien es nicht nur Symptome einer Anpassungsstörung gewesen (S. 1 unten).
Dr.
A._
führte aus, im weiteren Verlauf habe der Kläger durch die zer
mürbende Warterei und d
ie
Un
fähigkeit
,
sich von der Situation zu distanzieren
,
neurovegetative Symptome mit körperlichen Verspannungen und einer Herzsymptomatik entwickelt. Diese sei abgeklärt worden und habe keine medizi
nische Ursache ergeben, sei damit funktionell und psychisch bedingt. Das im Ver
lauf der
Behandlung verordnete Antidepressivum habe eine Besserung bewirkt, die seit etwa April 2018 erkennbar sei.
Der Kläger sei wieder arbeitsfähig (S. 2 oben).
Dr.
A._
führte aus, die Diskrepanzen in der Beurteilung durch die Neu
ropsychologie entstünden aufgrund des fehlenden Einbezuges des Verlaufes und weil der Kläger im Grunde
eine sehr kontrollierte Persönlichkeit sei. Seine Symp
tome kämen deswegen im testpsychologischen Verfahren nicht zur Geltung.
Sie sei nicht einverstanden mit der Beurteilung, dass keine psychomotorische Hem
mung bestanden habe (S. 2 Mitte).
Was den Umstand betreffe, dass Dr.
Z._
keine affektpathologischen Altera
tionen im klinischen Ausmass habe feststellen können, sei festzuhalten, dass in mehreren Gesprächen im Verlauf der Behandlung ein Gedankenkreisen mit fi
xierten Gedanken auf juristische Aspekte und Vernachlässigung aller anderen Interessen und Freuden zu finden sei. Der Antrieb sei in allen Teilbereichen ge
stört gewesen
,
und der Kläger habe sein Zuhause nicht mehr verlassen. Allerdings habe er im Gespräch korrekt auf Fragen antworten können und sich affektiv für eine bestimmte Gelegenheit und für kurze Zeit sehr gut gegen aussen kontrollie
ren können.
Dr.
A._
führte aus, zusammenfassend sei festzuhalten, dass eine re
zidivierende Depression mit einer mittelschweren depressiven Episode (ICD-10 F33.1) bestehe, wozu die Wiederholung einer schwierigen Lebenssituation dur
ch die Kündigung in einem Alter
, in dem es schwierig sei, beruflich wieder Fuss zu fassen, beigetragen habe. Dies habe stärkere pathologische Symptome ausgelöst, als dies bei einer Anpassungsstörung normalerweise festzustellen sei (S. 2 unten).
Es sei zu berücksichtigen, dass der Kläger eine eher kontrollierte und differen
zierte Person sei. Er bewahre diese Kontrolle und zeige seine Emotionen nicht sofort. Deshalb habe sich die Symptomatik bei den kurzen Beurteilungen durch die Versicherungsärzte nicht oder nur geringfügig gezeigt (S. 3 oben).
4.
4
.1
Der Kläger beantragt die
Zusprache
von Taggeldern über den
31. Dezember
2017 hinaus.
Wie ausgeführt (vgl. vorstehend E. 1.6),
obliegt
es
der versicherten Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf Taggel
der hat, wenn die Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat und sodann geltend macht, die Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeits
fähig.
4.2
Der Kläger
stützte sich zur Begründung seiner Klage
respektive der über den
31. Dez
ember 2017 hinaus andauernden Ar
beitsunfähigkeit
auf die Beurteilungen seiner behandelnden Psychiaterin Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.
2-3,
E. 3.5-6 und E. 3.8
) und bestritt das Vorliegen einer lediglich
arbeitsplatzbe
-
zogenen
Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 2.2 und E. 2.4).
Demgegenüber ging die Beklagte
gestützt auf das Gutachten ihres
Vertrauensarz
tes Dr.
Z._
vom
15.
Oktober 2017
(v
gl. vorstehend E. 3.4
)
sowie
gestützt auf
die verhaltensneurologisch-neuropsychologische
Beurteilung
durch
Dr.
B._
vom
28. März 2018
(vgl. vorstehend E. 3.
7
) davon aus, dass beim Kläger
seit
dem
17
. August 2017
lediglich eine arbeitsplatzbezogene Arbeitsun
fähigkeit bestehe
,
und er seit
her
in jeder bildungsadäquaten Tätigkeit zu 100 % arbeitsf
ähig sei (vgl. vorstehend E. 2.3 und E. 2.5
).
Zu prüfen ist nachfolgend,
ob der Beschwerdeführer seine über den 31. Dezember 2017 hinaus andauernde Arbeitsunfähigkeit gestützt auf die Beurteilungen seiner behandelnden Psychiaterin Dr.
A._
mit dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit darzulegen vermag.
4.
3
Vorliegend erweisen sich die Beurteilungen durch die behandelnden
Psychiaterin Dr.
A._
(
vgl. vorstehend E. 3.2-3, E. 3.5-6 und E. 3.8)
aus
den nach
folgend aufgeführten Gründen als nicht geeignet, um mit dem notwendigen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine Arbeitsunfähigkeit auszu
weisen. In Bezug auf Berichte
von
behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist vorab auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Insbesondere
den
Berichten
von Dr.
A._
aus dem Jahr 2017
lässt sich entnehmen
, dass sie die Arbeitsunfähigkeit unter anderem damit begründete, dass es dem Kläger infolge Freistellung von der Arbeit verwehrt war, seine Arbeits
leistung zu erbrin
gen
,
und nicht infolge Krankheit (vgl. vorstehend E.
3.3 und
E.
3.5)
.
Weshalb auch an einem anderen Arbeitsplatz eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit bestehen soll, geht aus ihren Berichten nicht schlüssig hervor, zumal sich die Beschwerden
des Klägers
hauptsächlich auf das alte Arbeitsverhältnis und die aus
seiner
Sicht erfolgten Kränkungen durch die ungerechtfertigte Kün
digung der Arbeitsstelle und der Wohnung bez
ogen haben
. Auch
die Zumutbar
keit von
Eingliederungsmassnahmen
machte Dr.
A._
davon abhängig, dass die Situation hinsichtlich des Wohnens und des Arbeitsverhältnisses geklärt sei
(vgl. vorstehend E. 3.2)
, was keine
krankheitsbedingten
Umstände sind.
Ferner räumte Dr.
A._
der subjektiven Problematik
im Zusammenhang mit der im fortgeschrittenen Alter aus Sicht des Klägers ungerechtfertigten Kün
digung sowohl der Arbeitsstelle als auch der Wohnung
einen
überaus
grossen
Stellenwert ein
. Ihren Berichten lässt sich nicht entnehmen, dass sie lösungsori
entiert
allfällige positive Aspekte einer neuen Arbeitsstelle
und der damit einher
gehenden finanziellen Entlastung und Distanzierung von der alten Arbeitsstelle
in Betracht
zog
respektive derartige Bestrebungen
des Klägers förderte. Weiter bestehen auch an
der im Schreiben von
Dr.
A._
vom
6.
Februar 2018 (vgl. vorstehend E. 3.6) nach Einstellung der Taggeldleistungen durch die Be
klagte postulierte
n
Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes des Klägers
er
hebliche
Zweifel.
Auf Antrag von Dr.
A._
veranlasste die Beklagte so
dann eine Folgebegutachtung bei Dr.
B._
, welche anlässlich ihrer ver
haltensneurologisch-neuropsychologischen Abklärung vom 15. März 2018 (vgl. vorstehend E. 3.7)
einhergehend mit Dr.
Z._
keine depressiven Kernsymp
tome feststellen und keine affektpathologischen Alterationen objektivieren
konnte
. Über den gesamten Verlauf der Untersuchung konnte
n
weder eine An
triebs-,
Initations
- oder Impulskontrollstörung noch eine psyc
homotorische Hem
mung festgestellt werden
. Dr.
B._
bestätigte überdies eine durchwegs intakte kognitive Leistungsfähigkeit, weshalb sie dem Kläger keine Einschrän
kung in der Arbeitsfähigkeit attestierte.
Die Begründung dieser Diskrepanzen zu ihrer eigenen Einschätzung erörterte
Dr.
A._
in ihrem Bericht vom 23. Mai 2018 (vgl. vorstehend E. 3.8) da
hingehend, dass die Symptome beim Kläger aufgrund dessen
Kontrolliertheit
wohl nicht ersichtlich gewesen seien.
Zu beachten ist
aber
, dass
Art. 3 Ziff. 4 A
B ausdrücklich darauf hin
weist
, dass eine Arbeitsunfähigkeit nur vorliege, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (vgl. Urk. 9/1). Dies erscheint vorlie
gend überwiegend wahrscheinlich nicht der Fall.
Abgesehen davon ist die von Dr.
A._
im Februar 2018
postulierte
Verschlecht
erung des Gesund
heitszustandes
auch vor dem Hintergrund zu relativieren, dass
sie
selbst bereits ab April 2018 von einer Verbesserung und ab
Mai 2018 unter der Voraussetzung der Beibehaltung der Therapie
von einer 100
%
igen
Arbeitsfähigkeit sprach
(vgl. vorstehend E. 3.8).
F
ür die vom Kläger geltend gemachten
Anzeichen eines
burn
outbedingten
Krankheitszustandes
(
vgl. vorstehend E. 2.2)
finden sich in
den Ak
ten
keine Anhaltspunkte.
Vor d
em Hintergrund, dass der Kläger seit der am
30. Mai 2017 seitens der Ar
beitgeberin ausgesprochenen Kündigung
(vgl. Urk. 2/4)
davon wusste, dass er sich um eine neue Anstellung zu bemühen hat, und auch kein Berufswechsel medizinisch indiziert
war
, erübrigt sich die Frage, ob die Beschwerdegegnerin im Rahmen von Art. 61 VVG gehalten gewesen wäre, ihm eine angemessene Über
gangsfrist anzusetzen.
4.4
Nach dem Gesagten stellte die Beklagte die Leistungen gestützt auf die von ihr veranlassten Abklärungen unter Berücksichtigung der übrigen medizinischen Ak
tenlage z
u Recht per 31.
Dezember
2017 ein,
und es gelang dem Kläger nicht, mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen, dass er über die Einstellung der Taggeldleistungen hinaus noch arbeits- beziehungsweise erwerbsunfähig war.
Dies führt zur Abweisung der Klage.
5.
Gemäss
Art. 114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.