Decision ID: fa266607-0b94-4970-8b6f-f926086c9e04
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung vom 9. August 2010; Proz. CG090012
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Rechtsbegehren:
"1. Die Beklagten seien zu verpflichten, dem Kläger zu bezahlen Fr. 115'231.75 nebst Zins zu 5% von Fr. 108'140.55 seit 2. April 2002 und von Fr. 7'091.20 seit 17. April 2003.
2. Die Gerichtskosten seien den Beklagten aufzuerlegen. 3. Die Beklagten seien zu verpflichten, dem Kläger eine Prozessent-
schädigung zu bezahlen und ihm die Weisungskosten von Fr. 415.-- zurückzuerstatten."
(act. 1 S. 2)
Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 9. August 2010:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr für das erstinstanzliche Verfahren wird neu festgesetzt
auf Fr. 10'000.–. Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
3. Diese Kosten wie auch die Kosten des Berufungsverfahrens LB060102 ge-
mäss Urteil der II. Zivilkammer des Obergerichts vom 12. Juni 2007 von
Fr. 5'383.– werden dem Kläger auferlegt.
4. Der Kläger wird verpflichtet, den Beklagten 1a und 1b zusammen, den Be-
klagten 2, 3, 4 und 5 je einzeln, Prozessentschädigungen von je Fr. 3'500.–
(insgesamt Fr. 17'500.–) zuzüglich 7,6% MwSt zu bezahlen. Er wird zudem
verpflichtet, den Beklagten für das Berufungsverfahren LB060102 die dort
festgesetzte Prozessentschädigung von je (für die Beklagte 1a und 1b zu-
sammen) Fr. 1'500.– (insgesamt Fr. 7'500.–) zu bezahlen.
5./6. Mitteilung / Rechtsmittel.
(act. 144 S. 26)
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Berufungsanträge:
des Klägers und Appellanten (act. 150 S. 2 f.):
1. In Gutheissung der Berufung sei das Urteil des Bezirksgerichts Diels-
dorf vom 9. September 2010 (Geschäfts-Nr. CG090012) vollumfänglich aufzuheben.
2. In Gutheissung der Berufung seien die Beklagten/Appellaten zu , dem Kläger/Appellanten zu bezahlen:
Fr. 115'231'75 nebst Zins zu 5% von Fr. 108'140.55 seit 02.04.2002 und von Fr. 7'091.20 seit 17.04.2003.
3. Die Gerichtskosten der drei erstinstanzlichen Verfahren (. CG020020, CG050039 und CG090012), der beiden  (Geschäfts-Nrn. LB04110118 und LB060102) sowie des  Berufungsverfahrens seien den Beklagten / Appellaten .
4. Die Beklagten/Appellaten seien zu verpflichten, dem /Appellanten für die drei erstinstanzlichen Verfahren (. CG020020, CG050039 und CG090012), für die beiden  (Geschäfts-Nr. LB0401118 und LB060102) sowie für das vorliegende Berufungsverfahren eine angemessene  zu bezahlen und ihm die Weisungskosten von Fr. 415.-- zurückzuerstatten.
der Beklagten und Appellaten (act. 155 S. 2):
1. Die Berufungsklage sei abzuweisen und das Urteil des Bezirksgerichts
Dielsdorf vom 9. August 2010 sei zu bestätigen. 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers.

Erwägungen:
I.
1.
1.1 Der Kläger ist Alleinerbe seines in H._ wohnhaft gewesenen Onkels
+I._. Die Beklagten 3 - 6 sind die Mitglieder der Sozialbehörde H._. Der
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frühere Beklagte 1, J._, gehörte auch dieser Behörde an. Er verstarb am
tt.mm.2010. Er hinterliess die Beklagten 1 und 2 als seine einzigen gesetzlichen
Erben.
1.2 Seit dem tt. November 1998 wohnte +I._ im Alters- und Pflegeheim
K._. Mit Beschluss vom 5. Juli 1999 ordnete die Sozialbehörde H._ für
diesen eine Beistandschaft im Sinne von Art. 396 ZGB an. Seinem Wunsch ent-
sprechend wurde L._ zur Beiständin ernannt. Da diese kein Eröffnungsinven-
tar erstellte und ihre Aufgabe ungenügend erfüllte, beschloss die Sozialbehörde
H._ am 23. Mai 2000, sie in ihrem Amt per sofort vorläufig einzustellen und
setzte an ihrer Stelle den Treuhänder M._ als vorläufigen Beistand ein.
I._ verstarb am tt.mm.2000. Laut der von M._ vorgelegten Schlussab-
rechnung fehlten Fr. 108'140.55, für welche die frühere Beiständin keine Belege
vorgelegt hatte. In der öffentlichen letztwilligen Verfügung vom 10. Juli 1996 hatte
+I._ den Kläger mit einem Vermächtnis bedacht und L._ als Alleinerbin
eingesetzt, welche jedoch die Erbschaft ausschlug. Von den gesetzlichen Erben
nahm dann nur der Kläger die Erbschaft an.
Auf Grund der erwähnten nicht belegten Verwendung von Geldern des Verbei-
ständeten erstattete die Sozialbehörde H._ am 3. November 2000 Strafan-
zeige gegen L._ wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, eventuell Verun-
treuung. Diese Strafuntersuchung wurde von der Bezirksanwaltschaft Dielsdorf
am 16. September 2002 eingestellt. Der Einzelrichter des Bezirks Dielsdorf wies
den vom Kläger gegen diese Einstellungsverfügung erhobenen Rekurs am 14.
März 2003 ab.
Der Kläger erhob am 22. August 2002 beim Bezirksgericht Dielsdorf Klage gegen
die ehemalige Beiständin auf Ersatz des Schadens in der Höhe von
Fr. 108'140.55. L._ anerkannte in der schriftlichen Klageantwort die Klage,
worauf das Gericht den Prozess am 17. Oktober 2002 als erledigt abschrieb und
die dortige Beklagte zu einer Prozessentschädigung von Fr. 6'200.-- zuzüglich
7,6% MWST und Fr. 420.-- Weisungskosten verpflichtete.
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2.
2.1 Am 23. September 2003 leitete der Kläger beim Bezirksgericht Dielsdorf die
vorliegend zu beurteilende Klage ein. Er verlangt von den Beklagten als Mitglieder
der Vormundschaftsbehörde gestützt auf Art. 426 ff. ZGB den obgenannten Be-
trag von Fr. 108'140.55 sowie Fr. 7'091.20 für die im Verfahren gegen die Bei-
ständin L._ zugesprochene Prozessentschädigung (inklusive der Mehrwert-
steuer und der Kosten der Weisung), insgesamt somit Fr. 115'231.75 (act. 1).
Nach Durchführung des Hauptverfahrens und einer Referentenaudienz fällte die
Vorinstanz am 28. Oktober 2004 das Urteil, mit welchem sie die Klage zufolge
Verjährung des Klageanspruchs abwies (act. 17).
2.2 Auf Berufung des Klägers hin hob die Kammer mit Beschluss vom 30. Sep-
tember 2005 dieses Urteil auf, da sie die Verjährungseinrede ablehnte, und wies
den Prozess zur materiellen Prüfung der Klage und zur neuen Entscheidung an
die Vorinstanz zurück (act. 44). Diese fällte daraufhin am 14. September 2006 ein
neues Urteil, mit welchem sie die Klage abwies (act. 49).
Wiederum erklärte der Kläger die Berufung. Nach Durchführung des schriftlichen
Berufungsverfahrens bestätigte die Kammer mit Urteil vom 12. Juni 2007 den
erstinstanzlichen Entscheid und wies die Klage ab (act. 97).
Die gegen dieses Urteil vom Kläger erhobene Nichtigkeitsbeschwerde wies das
Kassationsgericht des Kantons Zürich mit Beschluss vom 30. Juni 2008 ab, so-
weit es darauf eintrat (act. 98).
Am 8. September 2008 reichte der Kläger gegen das Urteil der Kammer vom 12.
Juni 2007 und gegen den Beschluss des Kassationsgerichts vom 30. Juni 2008
eine Beschwerde in Zivilsachen ein. Das Bundesgericht, II. zivilrechtliche Abtei-
lung hiess diese Beschwerde mit seinem Urteil vom 2. Dezember 2008 gut, hob
die beiden angefochtenen Entscheide auf und wies die Sache zu neuer Beurtei-
lung im Sinne der Erwägungen an die Kammer zurück (act. 99).
Daraufhin beschloss die Kammer am 6. April 2009, das Urteil des Bezirksgerich-
tes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 14. September 2006 aufzuheben und die Sache
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zur Ergänzung des Hauptverfahrens und Durchführung eines Beweisverfahrens
im Sinne der Erwägungen bzw. derjenigen des Bundesgerichts im Urteil vom
2. Dezember 2008 sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen (act. 100).
2.3 Nach Ergänzung des Hauptverfahrens und Durchführung eines Beweisverfah-
rens fällte das Bezirksgericht Dielsdorf, II. Abteilung am 9. August 2010 das dritte
Urteil in dieser Sache, mit welchem es die Klage wiederum abwies (act. 144).
Gegen dieses Urteil richtet sich die vorliegend zu beurteilende Berufung des Klä-
gers vom 13. September 2010, mit welcher er die eingangs aufgeführten Anträge
stellt (act. 150 S. 2). Die Beklagten beantragen, die Klage abzuweisen und das
angefochtene Urteil zu bestätigen (act. 155 S. 2). Das Berufungsverfahren wurde
vollständig schriftlich durchgeführt. Es fand mit Eingang der Duplik (act. 165) am
29. März 2011 seinen Abschluss.
3.
Auf den 1. Januar 2011 ist die schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) in Kraft
getreten. Gemäss Art. 404 Abs. 1 ZPO gilt für Verfahren, die bei Inkrafttreten die-
ses Gesetzes rechtshängig sind, das bisherige Verfahrensrecht bis zum Ab-
schluss vor der betroffenen Instanz. Mithin finden für das vorliegende Berufungs-
verfahren weiterhin die bisherigen Prozessgesetze des Kantons Zürich Anwen-
dung, nämlich die Zivilprozessordnung vom 13. Juni 1976 (ZPO/ZH) und das Ge-
richtsverfassungsgesetz vom 13. Juni 1976 (GVG).
II.
1.
1.1 Der Kläger stützt seine Klage auf die gesetzlichen Bestimmungen über die
Haftung der vormundschaftlichen Organe (Art. 426 ff. ZGB). Er begründet seinen
Anspruch im Wesentlichen damit, dass die Beklagten als Mitglieder der Sozialbe-
hörde ihre Pflichten bezüglich der Auswahl, Instruktion und Überwachung der
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Beiständin L._ vernachlässigt hätten. Sie hätten deshalb den Schaden zu
verantworten, der dadurch entstanden sei, dass die Beiständin Fr. 108'500.-- aus
dem Vermögen seines verstorbenen Onkels I._ verprasst habe (act. 1 S. 5
ff., act 59 S. 5 ff.).
1.2 Die Beklagten machten demgegenüber geltend, der Kläger sei zu seiner Kla-
ge aus Art. 426 ff. ZGB nicht aktivlegitimiert. Er besitze keinen eigenen Klagean-
spruch, da die vormundschaftlichen Haftungsnormen sich einzig auf die Haftung
gegenüber dem Mündel bzw. Verbeiständeten und nicht auch gegenüber Dritten
bezögen. Er könne aber auch keinen Schadenersatz aus Art. 426 ff. ZGB fordern,
welcher aus Erbrecht durch Universalsukzession auf ihn übergegangen sei, denn
dem verstorbenen I._ habe in keiner Weise ein Schadenersatzanspruch ge-
genüber der Beiständin zugestanden (act. 11 S. 9, act. 65 S. 5 f.). Insbesondere
bringen sie bezüglich des Geldbetrages, den die Beiständin in der Abrechnung
nicht auswies, vor, dass die Beiständin dieses Geld mit dem ausdrücklichen Ein-
verständnis des Verbeiständeten für sich selber, aber auch für Ausgaben zu des-
sen Gunsten und zu Zahlungen an diesen selber verwendet habe (act. 11 S. 7,
act. 65 S. 4 und S. 13).
2.
2.1 Mit Urteil vom 12. Juni 2007 (act. 97) bejahte die Kammer zunächst die von
den Beklagten bestrittene Aktivlegitimation, da der Kläger mit seiner Klage keinen
eigenen, unmittelbaren Anspruch gegenüber den Beklagten gestützt auf Art. 426
ff. ZGB geltend mache, sondern sich auf seine Stellung als Alleinerbe des
+I._ berufe und die Klageforderung auf einen zufolge der Universalsukzessi-
on auf ihn übergegangenen Anspruch des verstorbenen Verbeiständeten stützte
(act. 97 S. 6).
Die Kammer wies die Klage im Wesentlichen mit der Begründung ab, dass es an
der auch für einen Schadenersatzanspruch auf Grund von Art. 426 ZGB notwen-
digen Voraussetzung des schuldhaften Handelns der Beklagten fehle. So könne
ihnen nicht vorgeworfen werden, dass sie ihre cura in eligendo verletzt hätten, da
L._ auf ausdrücklichen Wunsch des +I._ als dessen Beiständin bestellt
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worden sei. Die Beiständin sei auch ausreichend für ihre Aufgabe instruiert wor-
den, habe doch der Sozialsekretär sie persönlich über ihre Aufgaben und Pflich-
ten informiert. Die Beklagten hätten auch ihre Pflicht zur Beaufsichtigung der Bei-
ständin nicht verletzt. Die Beaufsichtigung von Beiständen sei immer retrospektiv
und beinhalte nicht die Prüfung jeder einzelnen Handlung, ausser es lägen Anzei-
chen vor, dass die Beiständin ihr Amt missbrauche. Der Kläger habe jedoch keine
solchen Umstände genannt, welche die Beklagten zum vorneherein hätten zu ei-
ner engen Kontrolle veranlassen müssen. Zwar könnten die Verzögerungen im
Erstellen des Anfangsinventars und in der Ablieferung von Belegen nicht gerade
als normal, aber auch nicht als derart Besorgnis erregend bezeichnet werden,
dass schon bei der ersten Verzögerung eine sofortige Absetzung der Beiständin
angezeigt gewesen wäre. Im Übrigen sei auch nicht ersichtlich, inwiefern die so-
fortige Erstellung des Inventars den behaupteten Schaden hätte vermeiden kön-
nen (act. 97 S. 7 ff.).
2.2 Das vom Kläger angerufene Bundesgericht kam in seinem Urteil vom 2. De-
zember 2008 (act. 99) zum Schluss, dass nicht nur die Beiständin, sondern auch
die Beklagten als Mitglieder der Vormundschaftsbehörde in krasser Weise gegen
Art. 398 Abs. 1 ZGB verstossen hätten. Auf Grund der sie treffenden Beaufsichti-
gungspflicht hätten sie durch entsprechende Weisungen an den für die Vormund-
schaftsbehörde handelnden Sekretär vorbehaltlos auf eine rasche Erstellung und
Einreichung des Eröffnungsinventars dringen müssen. Bei einer Nichtbefolgung
der sich dabei aufdrängenden Anordnungen durch die Beiständin hätten sie diese
alsdann sofort in ihrem Amt einstellen müssen. Statt dessen hätten sie zugelas-
sen, dass L._ erst am 3. Januar 2000, d.h. mehr als drei Monate, nachdem
die Anordnung der Beistandschaft in Rechtskraft erwachsen sei, und ausserdem
zu einem Zeitpunkt, da die Zustimmung zum Verkauf der Wohnung des Verbei-
ständeten durch die Beiständin bereits erteilt gewesen sei, schriftlich auf das Feh-
len des Eröffnungsinventars aufmerksam gemacht und aufgefordert worden sei,
sich mit dem Sekretär der Sozialbehörde in Verbindung zu setzen. Bis zur Abset-
zung am 23. Mai 2000 seien dann noch fast fünf weitere Monate vergangen. Auf
Grund dieses Verhaltens der Beklagten sei die Haftungsvoraussetzung der Wider-
rechtlichkeit in dem Sinne erfüllt, dass die Beklagten das Untätigsein der Beistän-
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din viel zu lange geduldet hätten und damit den sich aus Art. 398 Abs. 1 ZGB er-
gebenden Pflichten nicht nachgekommen seien. In der dargelegten Verletzung
der Beaufsichtigungspflicht liege zudem auch das für eine Haftung der Beklagten
vorausgesetzte Verschulden. Unter diesen Umständen könne offen gelassen
werden, ob die Beklagten ihre Sorgfaltspflichten schon bei der Auswahl der Per-
son der Beiständin (cura in eligendo) oder bei deren Einführung in ihr Amt (cura in
instruendo) verletzt hätten (act. 99 S. 10 ff.).
Das Bundesgericht bejahte auch den adäquaten Kausalzusammenhang, indem
es ausführte, dass bei einem Beharren auf fristgerechter Erstellung des Eröff-
nungsinventars sehr rasch zutage getreten wäre, dass die Beiständin überhaupt
nicht in der Lage oder nicht willens sei, das ihr übertragene Amt korrekt auszu-
üben. Dies hätte zwangsläufig zur Einstellung in ihrem Amt vor Ende Novem-
ber/anfangs Dezember 1999 führen müssen, so dass sich die Frage einer Zu-
stimmung zum Verkauf der Wohnung des Verbeiständeten durch sie von vornhe-
rein nicht gestellt hätte. Der in einem Verbrauch des erzielten Verkaufserlöses
bestehende Schaden hätte somit gar nicht eintreten können (act. 99 S. 11 f.).
Da alle Voraussetzungen für eine grundsätzliche Haftung der Beklagten gegeben
seien, hiess das Bundesgericht die zivilrechtliche Beschwerde des Klägers gut
und hob den Entscheid der Kammer vom 12. Juni 2007 (act. 97) wie auch denje-
nigen des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 30. Juni 2008 (act. 98) auf
und wies die Sache zu neuer Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Kam-
mer zurück. Da kein vorsätzliches, d.h. arglistiges Fehlverhalten im Sinne von Art.
429 Abs. 3 ZGB vorliege, hafteten die Beklagten nur anteilsmässig (Art. 428 Abs.
1 und 2 ZGB). Es sei noch abzuklären, ob einzelne Beklagte allenfalls Exkulpati-
onsgründe darzutun vermöchten (Art. 428 Abs. 1 ZGB) oder ob bei gewissen Be-
klagten das individuelle Verschulden eine Reduktion des Anteils zu rechtfertigen
vermöchte. Auch der Schadensbetrag sei noch zu bestimmen (act. 99 S. 12 f.).
2.3 Da die Beklagten geltend gemacht hatten, dass die Beiständin den fraglichen
Erlös aus dem Verkauf seiner Eigentumswohnung mit dem Einverständnis bzw.
mit dessen Genehmigung zum einen Teil für sich und zum anderen Teil für den
Verbeiständeten selber verbraucht habe, was vom Kläger bestritten wurde, war
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ein Beweisverfahren über diesen Sachverhalt durchzuführen. Ebenso hatten sich
die Parteien gemäss dem bundesgerichtlichen Urteil noch dazu zu äussern, ob
sie allenfalls Exkulpationsgründe im Sinne von Art. 428 Abs. 1 ZGB dartun kön-
nen oder das individuelle Verschulden eine Reduktion des Anteils am Schadener-
satz zu rechtfertigen vermöge. Da somit noch das Hauptverfahren zu ergänzen
und Beweiserhebungen über einen zentralen Streitpunkt durchzuführen waren,
wurde mit dem Beschluss der Kammer vom 6. April 2009 (act. 100) das angefoch-
tene Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 14. September 2006 (act. 53) auf-
gehoben und die Sache im Sinne dieser Erwägungen bzw. derjenigen des Bun-
desgerichts an die Vorinstanz zurückgewiesen (act. 100 S. 3 ff.).
2.4 Nach Durchführung eines Beweisverfahrens kam die Vorinstanz in ihrem Ur-
teil vom 9. August 2010 (act. 144) zum Ergebnis, dass +I._ um die Bezüge
von L._ gewusst und nichts dagegen einzuwenden gehabt habe, und zwar
weder vor ihrer Ernennung zur Beiständin noch während dieser Zeit und auch
nicht nach ihrer Absetzung als Beiständin am 23. Mai 2000. Sämtliche in Frage
stehenden Bezüge seien mit +I._ abgesprochen bzw. von ihm nach der Ab-
setzung der Beiständin genehmigt worden. Damit sei dem Verbeiständeten kein
Schaden entstanden, denn Schaden sei nur eine unfreiwillige Vermögensvermin-
derung. Sei aber kein Schaden entstanden, so bestehe auch kein Schadener-
satzanspruch gegen die Beklagten als Mitglieder der Vormundschaftsbehörde.
Demzufolge wies die Vorinstanz die Klage ab (act. 144 S. 24 f.).
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3.
3.1 Der Kläger begründet seine Berufung im Wesentlichen damit, dass die Be-
klagten selber in ihrem Beschluss vom 5. Februar 2001 festgestellt hätten, dass
im Vermögen des +I._ ein Anspruch in exakt der eingeklagten Höhe gegen-
über L._ enthalten gewesen sei. Wenn sie heute behaupteten, dieser Betrag
sei falsch und gar nicht geschuldet, so entspreche dies einem "venire contra fac-
tum proprium". Sodann stütze sich die Forderung auch darauf, dass L._ zu-
gestanden habe, dass sie ihm Fr. 108'140.-- schulde und die entsprechende Kla-
ge deshalb anerkannt habe. Dadurch stehe der Schaden fest und die Beklagten
könnten im Rahmen der Kaskadenhaftung diesen Schadensbetrag nicht mehr in
Frage stellen. Im Übrigen sei es in hohem Masse unwahrscheinlich, dass ein voll
urteilsfähiger und mündiger Mann innerhalb von wenigen Monaten sein gesamtes
Vermögen verbraucht bzw. der Beiständin geschenkt haben soll. Mit den Aussa-
gen der Beiständin als Zeugin könnte nicht bewiesen werden, dass der Verbei-
ständete diesen Verbrauch seines Vermögens gebilligt habe. Denn ihre pauscha-
len, unsubstanzierten Behauptungen, sie habe die Bezüge mit +I._ abge-
sprochen, seien reine Schutzbehauptungen. Der Kläger macht auch geltend, dass
die Schenkungsverträge zwischen der Beiständin und dem Verbeiständeten hät-
ten genehmigt werden müssen, was nicht erfolgt sei. Zudem seien gemäss Art.
408 ZGB erhebliche Schenkungen zu Lasten des Verbeiständeten überhaupt ver-
boten. Schliesslich behaupteten die Beklagten auch keine konkrete Genehmi-
gungshandlung bezüglich der fraglichen Schenkungen, wobei eine nachträgliche
Genehmigung durch das Mündel ohnehin nicht zulässig wäre (act. 150, act. 160).
3.2 Dem halten die Beklagten zur Hauptsache entgegen, die Vorinstanz habe zu
Recht erkannt, dass die Bezüge der Beiständin mit +I._ abgesprochen und
genehmigt worden seien. Daher sei gar kein Schaden entstanden, weshalb die
Klage zutreffenderweise abgewiesen worden sei. Aus ihrem Beschluss vom
4. Februar 2001 könne der Kläger keinen direkten Forderungsanspruch ableiten.
Die Klageanerkennung durch die Beiständin sei für sie nicht bindend. Auf Grund
dieser Erklärung habe die Vorinstanz das Verfahren des Klägers gegen L._
ohne materielle Anspruchsprüfung abschreiben können. Es treffe nicht zu, dass
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die Beiständin die Fr. 108'140.55 "verprasst" habe, vielmehr seien sämtliche Be-
züge mit dem Verbeiständeten abgesprochen gewesen. Eine Zustimmung der
Aufsichtsbehörden zu diesen Bezügen und Schenkungen sei nicht notwendig ge-
wesen. Es sei angesichts der Umstände auch nicht "in hohem Masse unwahr-
scheinlich", dass +I._ diese Schenkungen gemacht habe. So habe er
L._ bereits drei Jahre vor der Verbeiständung Vollmacht über seine sämtli-
chen Konti erteilt. Zudem habe er ihr gesagt, dass er ihr seine Eigentumswoh-
nung vermachen wolle. Auch habe er sie bereits im Jahre 1996 als seine Alleiner-
bin eingesetzt und sie ausdrücklich als seine Beiständin gewünscht. Im Übrigen
könnten sie nicht auf Grund der Kaskadenhaftung belangt werden, denn eine Haf-
tung der Vormundschaftsbehörde käme grundsätzlich nur dann in Frage, wenn
beim Verbeiständeten ein Schaden eingetreten wäre, was jedoch nicht der Fall
sei (act. 155, act. 165).
III.
1.
Der Kläger stützt seine Klageforderung gegen die Beklagten auf Art. 426 ZGB
(act. 1 S. 4). Gemäss dieser Bestimmung haben der Vormund und die Mitglieder
vormundschaftlicher Behörden bei der Ausübung ihres Amtes die Regeln einer
sorgfältigen Verwaltung zu beobachten und haften für den Schaden, den sie ab-
sichtlich oder fahrlässig verschulden. Diese sowie die weiteren in diesem Zu-
sammenhang geltenden Bestimmungen gelten auch für eine Beiständin (vgl. Art.
367 Abs. 3 ZGB). Voraussetzung für eine solche Haftung vormundschaftlicher
Organe sind der Eintritt eines Schadens, die Widerrechtlichkeit der Schadenszu-
fügung, ein schuldhaftes Verhalten (Verschulden) sowie ein adäquater Kausalzu-
sammenhang zwischen dem schuldhaften Verhalten und dem Schaden (vgl. BSK
ZGB I, 4. Aufl., Rolando Forni/Giorgio Piatti, N. 7 ff. zu Art. 426 - 429).
- 13 -
2.
2.1 Das Bundesgericht hat in seinem Urteil festgestellt, dass die Beschwerdegeg-
ner das Untätigsein der Beiständin viel zu lange geduldet hätten und damit den
sich aus Art. 398 Abs. 1 ZGB für sie ergebenden Pflichten nicht nachgekommen
seien. In dieser Verletzung der Beaufsichtigungspflicht läge auch das für eine Haf-
tung der Beklagten vorausgesetzte Verschulden. Bejaht wurde in diesem Urteil
auch der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Fehlverhalten der Be-
klagten und dem Schaden. Zusammenfassend bejahte das Bundesgericht daher
die Voraussetzungen für eine grundsätzliche Haftung der Beklagten (act. 99
S. 11 f. E. 7 - 9).
An diese Rechtsauffassung ist die Kammer gebunden (§ 104a Abs. 1 GVG).
2.2 Nicht entschieden hat das Bundesgericht jedoch über die Haftungsvorausset-
zung des Schadens, sondern es wies die Sache zur Bestimmung des Schadens-
betrages an die Kammer zurück (act. 99 S. 6 und S. 12. E. 3 und E. 9). Entgegen
der Auffassung des Klägers (act. 160 S. 4) hat das Bundesgericht nicht verbind-
lich festgehalten, dass ein Schaden entstanden ist und nur noch die aktuelle
Schadenshöhe (beispielsweise auf Grund zwischenzeitlich erfolgter Tilgung) und
die Aufteilung auf die Beklagten (wegen allfälliger Exkulpationsgründe) zu be-
stimmen ist. Wohl führte das Bundesgericht aus, dass bei korrektem Verhalten
der Beklagten der in einem Verbrauch des erzielten Verkaufserlöses bestehende
Schaden gar nicht hätte eintreten können (act. 99 S. 12 E. 8). Diese Äusserung
erfolgte aber nur im Zusammenhang mit der Frage des adäquaten Kausalzu-
sammenhangs und stellt keine verbindliche Feststellung bezüglich des Schadens
dar, wurde doch diesbezüglich ausgeführt, dass die Kammer im angefochtenen
Urteil vom 12. Juni 2007 offen gelassen habe, ob überhaupt ein Schaden einge-
treten sei, weshalb für den Fall, dass die Voraussetzungen für eine Haftung der
Beklagten erfüllt seien, die Kammer (oder eventuell das Bezirksgericht) noch ent-
sprechende Abklärungen zu treffen hätten (act. 99 S. 6 E. 3).
- 14 -
Da die Beklagten behauptet hatten, es sei gar kein Schaden eingetreten, weil der
Verbeiständete, dessen Handlungsfähigkeit unangetastet geblieben sei, alle Be-
züge der Beiständin L._, über welche diese nicht habe abrechnen können,
genehmigt bzw. diesen zugestimmt habe, wies die Kammer – wie erwähnt – die
Sache zur Durchführung eines Beweisverfahrens über diesen Sachverhalt mit
Beschluss vom 6. April 2009 an die Vorinstanz zurück (act. 100 S. 5 ff.). Nach
Durchführung eines Beweisverfahrens verneinte dann – wie erwähnt – die Vo-
rinstanz das Vorliegen eines Schadens und wies demzufolge die Klage mit dem
angefochtenen Urteil vom 9. August 2010 ab (act. 144).
Somit ist zunächst zu prüfen, ob nebst den anderen Voraussetzungen für die
Haftbarkeit der Beklagten auch die Voraussetzung des Schadenseintritts gegeben
ist.
3.
3.1 Der verbeiständete I._ verstarb am tt.mm.2000. Laut der vom neuen Bei-
stand M._ vorgelegten Schlussabrechnung fehlten im Vermögen des Ver-
storbenen Fr. 108'140.55, für welche die frühere Beiständin L._ keine Belege
vorgelegt hatte (act. 124/1-2). Die Beklagten bestreiten diesen Sachverhalt nicht,
d.h. sie anerkennen, dass die Beiständin Ausgaben zu Lasten des Vermögens
von +I._ in diesem Umfang getätigt hat, mithin eine entsprechende Vermö-
gensverminderung verursacht hat. Sie bestreiten jedoch, dass sie damit dem Ver-
beiständeten einen Schaden zugefügt habe, indem sie geltend machen, die Bei-
ständin habe diesen Betrag mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Verbei-
ständeten für sich selber, aber auch für Ausgaben zu dessen Gunsten und zu
Zahlungen an diesen selber verwendet (act. 11 S. 7, act. 65 S. 4 und S. 13). An
diesem Standpunkt halten sie auch im vorliegenden Berufungsverfahren fest (act.
155 S. 4, act. 165 S. 3 f.).
Sieht man von diesem Einwand betreffend Einverständnis des Verbeiständeten
ab, so wäre nach den obigen Ausführungen (Ziffer II/2) davon auszugehen, dass
dieser Fehlbetrag einen Schaden darstellt, für welchen die Beklagten grundsätz-
lich haftbar sind.
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3.2 Schaden ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts die unge-
wollte Verminderung des Reinvermögens. Er entspricht der Differenz zwischen
dem gegenwärtigen Stand des Vermögens und dem Stand, den das Vermögen
ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 133 III 462 E. 4.4.2, BGE 132 III 186
E. 8.1).
Wäre somit – wie von den Beklagten behauptet – die fragliche Verminderung des
Vermögens von +I._ durch die Beiständin mit dessen Einverständnis bzw.
Genehmigung erfolgt, so wäre diese nicht ungewollt, mithin fehlte es an einem
Schaden. Denn die Verbeiständung liess seine Handlungsfähigkeit unangetastet
(Art. 417 Abs. 1 ZGB). Dieser konnte somit weiterhin selber über sein Vermögen
verfügen.
3.3.1 Die Vorinstanz ist in ihrem Urteil auf Grund des Beweisverfahrens – insbe-
sondere der Einvernahme von L._ (Prot. S. 13 ff. CG0900012) – zum
Schluss gelangt, dass deren sämtlichen fraglichen Bezüge aus dem Vermögen
des +I._ mit diesem abgesprochen bzw. nach ihrer Absetzung von diesem
genehmigt worden seien (act. 144 S. 24). Diesem Ergebnis ist zuzustimmen und
es ist im Sinne von § 161 GVG auf die entsprechenden Ausführungen zur Be-
weiswürdigung im angefochtenen Urteil (act. 144 S. 15 ff. und S. 21) zu verwei-
sen.
Was der Kläger im Berufungsverfahren dagegen vorbringt, vermag nicht zu einer
anderen Beurteilung zu führen.
3.3.2 Der Kläger stellt sinngemäss die Glaubwürdigkeit der Zeugin L._ in
Frage, indem er darauf hinweist, dass diese damals grosse psychische Probleme
gehabt habe und hoch verschuldet gewesen sei; heute sei sie selber verbeistän-
det (act. 150 S. 8, act. 160 S. 9). Es trifft zu, dass die Zeugin aussagte, dass es
ihr zum fraglichen Zeitpunkt psychisch sehr schlecht gegangen sei und sie da-
mals jegliche Schulden gehabt habe. Sie erwähnte auch, dass sie heute noch
verschuldet sei und eine Beiständin habe (Prot. S. 30 f. CG090012). Aus diesen
Umständen ist jedoch nicht zu schliessen, dass die Zeugin grundsätzlich nicht in
der Lage gewesen wäre, wahrheitsgemässe Aussagen zu machen. Der Kläger
- 16 -
legt denn auch nicht näher dar, inwiefern die Glaubwürdigkeit konkret beeinträch-
tigt wäre, noch behauptet er etwa, dass sie früher schon einmal nachgewiese-
nermassen falsch ausgesagt hätte.
Der Kläger erhebt sodann den Einwand, die Zeugin könne sich zur Frage des
Geldflusses nicht neutral und objektiv äussern, da sie dadurch, dass sie höchst-
persönlich den eingeklagten Schaden verursacht habe, ein Interesse daran habe,
diesen möglichst tief zu halten. Ihre Aussagen könnten daher höchstens als Par-
teiaussagen gewürdigt werden (act. 150 S. 9). Dieser Argumentation ist nicht zu
folgen, hat die Zeugin doch kein eigenes Interesse am Ausgang dieses Prozes-
ses, da sie die gestützt auf die fraglichen Bezüge erhobene Klage des Klägers
gegen sie persönlich anerkannt hat (beigezogene Akten CG020040 act. 6 S. 2,
act. 7). Sie konnte daher mit ihren Aussagen als Zeugin ihren Schaden für sich
selber nicht mehr tief halten. Überdies wurde auch die eingeleitete Strafuntersu-
chung schon längst eingestellt (act. 20/7).
Des Weiteren rügt der Kläger, dass im angefochtenen Urteil wiederholt darauf
hingewiesen worden sei, dass sie Alleinerbin sei und deshalb das Geld habe ver-
brauchen dürfen. Damit solle zu Gunsten der Beklagten der Eindruck erweckt
werden, dass die Beiständin moralisch korrekt gehandelt habe, als sie das Mün-
delvermögen verprasst habe. Diese Behauptung sei jedoch falsch (act. 150 S.
11). Es trifft zwar zu, dass die Zeugin zunächst sagte, sie habe nichts davon ge-
wusst, dass +I._ sie in seinem Testament vom 10. Juli 1996 als Alleinerbin
eingesetzt habe. Sie habe nicht gewusst, was im Testament stehe und N._
vom Notariat habe ihr gegenüber erwähnt, dass er ihr nicht sagen dürfe, worum
es gehe (Prot. S. 16 CG090012). Aus dem Zusammenhang ergibt sich jedoch,
dass sich diese Antworten auf ihr Wissen auf den Zeitpunkt der Erstellung des
Testaments bzw. der Einreichung beim Notariat bezogen, wohin die Zeugin
+I._ begleitet hatte. Immerhin sagte sie bereits an dieser Stelle, dass
+I._ ihr gegenüber einmal erwähnt habe, dass er sie als Alleinerbin einset-
zen möchte, sie jedoch nicht damit gerechnet habe (Prot. S. 16 CG090012). Aus
den weiteren Ausführungen der Zeugin ist jedoch zu schliessen, dass sie später
im fraglichen Zeitraum im Frühjahr 2000 gewusst hatte, dass sie Alleinerbin des
- 17 -
+I._ war. So beantwortete sie die Frage, ob sie wisse, weshalb +I._ sie
als Alleinerbin eingesetzt habe, damit, dass dieser gesagt habe, sie sei die einzi-
ge Person, die für ihn da sei, ihn an bestimmte Orte fahre und für ihn sorge. Sein
Patenkind sei nie zu ihm gekommen und wenn, dann nur um zu fragen, wie es
ihm gehe bzw. wie lange es bis zu seinem Tod noch dauern würde. Daraufhin sei
+I._ stets wütend geworden. Die weitere Frage des einvernehmenden Rich-
ters: "Dann haben Sie dennoch mit ihm darüber gesprochen, dass er Sie als Al-
leinerbin eingesetzt hat?", beantwortete sie mit: "Ja, das habe ich ja vorhin auch
gesagt. Aber ich wusste nicht, was er seinem Patenkind versprochen hat. Na-
mentlich war ich über das Vermächtnis an sein Patenkind nicht informiert. Er sag-
te mir nur, dass er auf ihn wütend sei, mehr nicht" (Prot. S. 17 CG090012).
Es kann auch nicht gesagt werden, die Aussagen seien unglaubhaft, weil die
Zeugin nicht im Einzelnen angeben konnte, wofür das vom Konto des +I._
abgehobene Geld verwendet worden sei, worauf der Kläger hinweist (act. 150 S.
12). So ist bei der Würdigung dieser Aussagen einerseits zu berücksichtigen,
dass sie damit zu Details hätte Auskunft geben müssen, die bereits zehn Jahre
zurück lagen. Andererseits ist festzuhalten, dass sie bezüglich der Verwendung
dieses Geldes doch einige nähere Angaben machte. So betonte sie, dass sie
nach seiner vorherigen telefonischen Anweisung das Geld bei der Bank geholt
und ihm ins Spital gebracht habe. Dabei habe er jeweils gesagt, dass es sein
Geld sei und er dieses haben wolle. Konkret auf den Verwendungszweck des ab-
gehobenen Betrages von Fr. 47'000.-- angesprochen, sagte die Zeugin aus, dass
er ihr gesagt habe, er wolle dieses Geld jemandem geben. Was er damit dann
gemacht habe, wisse sie nicht. Er habe ihr stets gesagt, das Geld habe er ge-
spart, es sei sein Geld und das wolle er auch haben. Es müsse niemand wissen,
auch sie nicht, was er damit mache. Er habe gesagt, er könne das Geld auch ins
WC hinunterspülen. Sodann erwähnte sie auch, dass sie mit dem Geld teilweise
Rechnungen bezahlt habe und den Betrag von Fr. 20'000.-- für das von ihm ge-
schenkte Auto verwendet habe (Prot. S. 21 ff. CG090012).
3.3.3 Der Kläger stellt die Darstellung der Zeugin auch dadurch in Frage, dass er
es als in hohem Masse unwahrscheinlich bezeichnet, dass ein voll urteilsfähiger
- 18 -
und mündiger Mann innerhalb von wenigen Monaten sein ganzes Vermögen ver-
braucht bzw. verschenkt haben soll (act. 150 S. 9). Demgegenüber weisen die
Beklagten zu Recht darauf hin, dass +I._ bereits im Jahre 1996 – also drei
Jahre vor der Verbeiständung – L._ Vollmachten über seine sämtlichen Konti
erteilt habe. Zudem habe er ihr gesagt, dass er ihr seine Eigentumswohnung
vermachen wolle und er habe sie bereits im Jahr 1996 als seine Alleinerbin ein-
gesetzt. Auch habe er sie ausdrücklich als Beiständin gewünscht (act. 155 S. 7).
Unter diesen Umständen erscheint es keineswegs als "in hohem Masse unwahr-
scheinlich" dass +I._ der Beiständin die fraglichen Geldmittel zugewendet
hat, kommt doch dadurch ein grosses Vertrauensverhältnis zu dieser Person zum
Ausdruck und mit der Einsetzung als Alleinerbin auch der Wille, diese materiell zu
begünstigen. Auch erscheint es objektiv gesehen nicht ausgeschlossen, dass er
weitere andere grössere Ausgaben tätigte und damit in Kauf nahm, dass sein
Vermögen deutlich abnahm. Laut den Aussagen der Zeugin hat sie darüber mit
dem Verbeiständeten gesprochen, worauf dieser immer wieder gesagt habe, es
sei sein Geld und er könne damit machen, was er wolle. Ihm sei dies egal, denn
es sei sein Geld, welches er gespart habe (Prot. S. 29 f. CG090012). Es ist gut
vorstellbar, dass der Hintergrund dieser Aussagen war, sein Erspartes nicht für
die Bezahlung der Kosten des Aufenthalts im Pflegeheim aufbrauchen zu müs-
sen.
Entgegen der Auffassung der Klägers lässt sich aus der Ausschlagung der Erb-
schaft durch L._ nicht ableiten, sie habe dies getan, weil sie die Konten "ge-
plündert" habe (act. 150 S. 12), also die entsprechenden Bezüge ohne Wissen
und Willen des Verbeiständeten getätigt habe. Wie die Beklagten zu Recht gel-
tend machen, wäre sie nämlich bei Annahme der Erbschaft nicht mit einer allfälli-
gen Schadenersatzforderung konfrontiert gewesen, da eine solche Forderung des
Erblassers gemäss Art. 118 OR wegen Vereinigung untergegangen wäre (act.
155 S. 8).
3.4 Der Kläger wendet sich gegen die Behauptung der Beklagten, es sei gar kein
Schaden entstanden, auch mit dem Argument, diese hätten selber in ihrem Be-
schluss vom 5. Februar 2001 festgehalten, dass im Vermögen des verstorbenen
- 19 -
Verbeiständeten ein Guthaben gegenüber L._ von Fr. 108'140.55 enthalten
sei. Zugleich hätten sie die Erben angehalten, diesen Anspruch direkt bei der Bei-
ständin einzufordern, und sie hätten eine Strafanzeige wegen ungetreuer Ge-
schäftsführung und Veruntreuung erstattet. Wenn die Beklagten nun behaupteten,
der von ihnen selber ausgewiesene Betrag sei komplett falsch und in Wirklichkeit
gar nicht geschuldet, so entspreche dies in eklatanter Weise einem "venire contra
factum proprium" (act. 150 S. 6 f.).
Zwar trifft es zu, dass die Beklagten als Sozialbehörde mit ihrem Beschluss vom
5. Februar 2001 eine Schlussrechnung des neuen Beistands genehmigten, wel-
che auf Grund der von der früheren Beiständin nicht vorgelegten Belege eine
Forderung von Fr. 108'140.55 dieser gegenüber enthielt (act. 4/4 = act. 124/2),
und dass sie zudem auf Grund dieses fehlenden Betrages eine Strafanzeige ge-
gen L._ wegen ungetreuer Geschäftsführung (eventuell Veruntreuung) ein-
reichten (act. 20/6/2). Wenn sie nun, nachdem die Angeschuldigte in der Strafun-
tersuchung ausgesagt hatte, dass die fraglichen Bezüge mit dem Verbeiständeten
abgesprochen und von diesem genehmigt worden seien, und die entsprechende
Untersuchung im Wesentlichen gestützt darauf eingestellt worden war (act. 20/2)
und sie diese Einstellung nicht angefochten hatten, so handeln sie nicht wider
Treu und Glauben, wenn sie sich im vorliegenden Verfahren auf die entsprechen-
den Aussagen von L._ berufen.
Im Übrigen hat die Kammer bereits in ihrem Urteil vom 12. Juni 2007 festgehal-
ten, dass die Klageforderung sich nicht auf den erwähnten Beschluss der Sozial-
behörde H._ vom 5. Februar 2001 stützen könne. Es sei nicht ersichtlich,
weshalb die Sozialbehörde, d.h. die Beklagten, mit der Genehmigung der
Schlussrechung, welche als Aktivum die Position "Kontokorrent Beiständin
Fr. 108'140.55" enthalte, als vorgesetzte Behörde der Beiständin den Erben des
Verbeiständeten einen Forderungsanspruch hätte verleihen können (act. 97
S. 11).
3.5 Der Kläger hält auch in diesem Berufungsverfahren daran fest, dass seine
Forderung nur schon dadurch ausgewiesen sei, dass er ein Urteil gegen die Bei-
- 20 -
ständin L._ erwirkt habe, worin die eingeklagte Forderung ebenfalls ausge-
wiesen sei (act. 150 S. 7 und S. 12).
Dass L._ im vom Kläger gegen diese angestrengten Zivilprozess eine ent-
sprechende Schadenersatzforderung anerkannt hat (act. 4/5, beigezogene Akten
CG020040 act. 6 S. 2, act. 7), hindert die Beklagten nicht, Einwendungen bezüg-
lich des vom Kläger ihnen gegenüber geltend gemachten Schadens zu machen,
denn die materielle Rechtskraft des Beschlusses, mit welchem die Klageanerken-
nung durch die Beiständin vorgemerkt wurde, hat nur Wirkung zwischen den glei-
chen Parteien (§ 191 ZPO/ZH). Die Beklagten waren an jenem Prozess nicht be-
teiligt und müssen sich daher die Anerkennung der Forderung durch die Beistän-
din nicht entgegenhalten lassen. Es ist offensichtlich, dass eine Beiständin die
Vormundschaftsbehörde nicht durch Anerkennung irgendeiner Forderung zu de-
ren Begleichung verpflichten kann, wenn sie nicht zahlungsfähig ist. Im Übrigen
ist anzumerken, dass L._ die Klage des Klägers in jenem Prozess zwar an-
erkannte, vorgängig jedoch darauf hingewiesen hatte, dass +I._ mit allen
Bezügen einverstanden gewesen sei ("Obwohl alles im Wissen und im Sinne des
I._ sel. geschah, habe ich den im Beschluss der Sozialbehörde H._ vom
5.2.2001 ermittelten Betrag von Fr. 108'140.55 akzeptiert und schulde deshalb
dem Alleinerben von I._ sel. den entsprechenden Betrag als Schadenersatz
gemäss Art. 426 ZGB. Es bleibt mir also nicht anderes übrig, als die Anerkennung
der Klage zu erklären, was hiermit geschieht" (beigezogene Akten CG020040 act.
6 S. 2)). Ob unter solchen Voraussetzungen der Prozess ohne Weiterungen hätte
abgeschrieben werden dürfen, kann hier offen bleiben.
An dieser Beurteilung ändert auch die vom Kläger angerufene Kaskadenhaftung
nach Art. 429 Abs. 1 ZGB nichts, wonach die Mitglieder der Vormundschaftsbe-
hörde nur für das haften, was vom Vormund nicht erhältlich ist, wenn der Vor-
mund und die Mitglieder der Vormundschaftsbehörde zugleich haftbar sind (act.
150 S. 7, act. 160 S. 4 f.). Diese Haftung setzt eben voraus, dass Vormund und
Vormundschaftsbehörde zugleich haftbar sind. Es muss somit separat festgestellt
werden, ob überhaupt zwei Ansprüche bestehen. Ein Fehlverhalten eines Vor-
mundes bedeutet nicht automatisch ein solches der Vormundschaftsbehörde. So
- 21 -
erhebt denn auch der Kläger im vorliegenden Fall unterschiedliche Vorwürfe ge-
genüber der Beiständin und der Vormundschaftsbehörde. Der Beiständin wirft er
vor, sie habe durch unerlaubte Bezüge bzw. Ausgaben das Vermögen des Ver-
beiständeten verprasst. Demgegenüber behauptet er gegenüber den Beklagten
nicht, sie hätten direkt an dieser Vermögensverminderung mitgewirkt, sondern sie
seien für diesen Schaden deshalb haftbar, weil sie ihre Sorgfaltspflichten als
Vormundschaftsbehörde bei der Ernennung, Instruktion und Überwachung der
Beiständin verletzt haben. Damit ist evident, dass die fragliche Anerkennung der
Forderung durch die Beiständin bzw. der entsprechende Gerichtsentscheid die
Beklagten nicht daran hindern kann, eigene Einreden – wie eben das Fehlen ei-
nes Schadens – gegenüber dem klägerischen Schadenersatzanspruch zu erhe-
ben.
3.6 Der Kläger hält sodann an seiner Auffassung fest, wonach die Schenkungen
von +I._ an die Beiständin ungültig wären, da sie gestützt auf Art. 422 Ziff. 7
ZGB hätten genehmigt werden müssen (act. 160 S. 6 ff.).
Zunächst ist festzuhalten, dass sich die Frage der Gültigkeit der Bezüge der Bei-
ständin unter dem Aspekt der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde nicht auf
den gesamten Klagebetrag, sondern nur auf Fr. 40'000.-- bezieht, welchen Betrag
die Beiständin für sich verwendete, indem sie damit ein Auto und ein Motorrad
kaufte sowie Rechnungen beglich (act. 160 S. 7 f., act. 165 S. 9, act. 20/6/15 S. 2,
Prot. S. 21 f. CG090019).
Dieser Einwand des Klägers betreffend die Ungültigkeit ist nicht stichhaltig. Es
kann hierzu auf die entsprechenden zutreffenden Erwägungen im vorinstanzli-
chen Urteil (act. 144 S. 11 und S. 22 ff.) verwiesen werden (§ 161 GVG). Demzu-
folge ist Art. 422 Ziff. 7 ZGB, der die Genehmigung von Geschäften zwischen
Mündel und Vormund (bzw. zwischen Beistand und Verbeiständetem) vorsieht,
auf die fraglichen Schenkungen nicht (oder allenfalls nur beschränkt) anwendbar,
da das Gesetz in Art. 419 Abs. 2 ZGB auch für die Beistandschaft auf eigenes
Begehren nach Art. 394 ZGB eine lex specialis darstellt. Ob – wie von der Vo-
rinstanz bejaht (act. 144 S. 23) – bei ausserordentlichen Rechtsgeschäften zwi-
schen Verbeiständetem und Beistand eine Zustimmung nach Art. 419 Abs. 2 ZGB
- 22 -
nicht ausreicht, sondern gemäss Art. 422 Ziff. 2 ZGB eine Zustimmung der Auf-
sichtsbehörden benötigt wird, kann hier jedoch offen bleiben, da davon auszuge-
hen ist, dass diese Schenkungen als zumindest nachträglich durch den Verbei-
ständeten als genehmigt zu gelten haben, wie die Vorinstanz zutreffend ausführte
(act. 144 S. 23).
Nicht gefolgt werden kann dem Kläger, wenn er vorbringt, bei Annahme der Not-
wendigkeit der Genehmigung der fraglichen Schenkungen durch die Aufsichtsbe-
hörde sei eine nachträgliche Genehmigung durch das Mündel (gemeint: die ver-
beiständete Person) nicht zulässig. Ist eine Person nicht mehr verbeiständet, so
besteht kein Bedürfnis mehr, sie vor Geschäften mit dem früheren Beistand zu
schützen. Demzufolge muss sie in dieser Situation auch früheren, mangels Ge-
nehmigung durch die Aufsichtsbehörde im Sinne von Art. 422 Ziff. 7 ZGB ungülti-
gen Geschäften nachträglich zustimmen können. Denn sie könnte ja ohne weite-
res angesichts ihrer uneingeschränkten Handlungsfähigkeit (Art. 417 Abs. 1 ZGB)
in dieser Situation auch ein gleiches, neues Geschäft mit dem früheren Beistand
abschliessen. Daran ändert auch nichts, dass +I._ nach der Entlassung von
L._ nahtlos weiter durch M._ verbeiständet gewesen war, und es somit
– wie der Kläger vorträgt (act. 160 S. 7 f.) – in diesem Sinne bis zu seinem Tod
gar keine Zeit ohne vormundschaftliche Massnahme gegeben hat. Art. 422 Ziff. 7
ZGB verlangt nicht eine generelle Zustimmung der Aufsichtsbehörden für den Ab-
schluss von Verträgen während einer Beistandschaft, sondern nach der von der
Vorinstanz gestützt auf eine Lehrmeinung (BSK ZGB I, Yvo Biderbost, N. 22 zu
Art. 419) vertretenen Ansicht nur bei – bedeutenden - Geschäften zwischen dem
Beistand und dem Verbeiständetem. Der entsprechende Schutzzweck ist mit ei-
nem gewissen, auf die Person des Beistandes bezogenen Abhängigkeitsverhält-
nis begründet. Dieses fällt aber weg, wenn ein Beistand aus seinem Amt aus-
scheidet. Dabei spielt es keine Rolle, ob die vormundschaftliche Massnahme als
solche aufgehoben wird oder nur die Person des Beistands ändert.
Der Kläger trägt im Berufungsverfahren des Weiteren vor, dass es keine nach-
trägliche Genehmigung der fraglichen Schenkungen durch +I._ gegeben ha-
be (act. 150 S. 8, act. 160 S. 7 f.). Eine solche nachträgliche sinngemässe Ge-
- 23 -
nehmigung, die sich an den Beistand und nicht an die Aufsichtsbehörde zu richten
hat (vgl. Art. 38 Abs. 1 OR), ergibt sich jedoch auf Grund der folgenden Aussagen
der Zeugin L._. Sie habe auch nach ihrer Absetzung als Beiständin noch-
mals mit +I._ über die Kontobelange gesprochen, insbesondere auch über
das Problem der verschwundenen Geldbeträge, und sie habe ihn über das
Schreiben des neuen Beistands M._ informiert. Daraufhin habe er gemeint,
sie solle M._ anrufen oder dieser solle ihn persönlich kontaktieren, um die
Sache zu klären. Er werde ihm bestätigen, dass sie ihm einen Teil des Geldes
gebracht und einen Teil für sich habe verwenden dürfen (Prot. S. 27 f.
CG090019).
3.7 Unbehelflich ist schliesslich der Hinweis des Klägers auf Art. 408 ZGB, wo-
nach unter anderem zu Lasten des Bevormundeten (bzw. Verbeiständeten) keine
erheblichen Schenkungen vorgenommen werden dürfen (act. 160 S. 7). Wie aus
diesem Wortlaut deutlich hervorgeht, bezieht sich diese Bestimmung auf Rechts-
geschäfte, im Konkreten um Schenkungen, welche der Vormund (bzw. Beistand)
im Namen bzw. zu Lasten des Verbeiständeten vornimmt. Ein solcher Sachver-
halt ist hier nicht gegeben, sondern es ging um eine vom Verbeiständeten selber
vorgenommene Schenkung zu eigenen Lasten an die Beiständin.
3.8 Zusammengefasst ergibt sich aus diesen Erwägungen, dass sämtliche Bezü-
ge der Beiständin zu Lasten des Vermögens des verbeiständeten +I._ mit
diesem abgesprochen bzw. von diesem genehmigt waren. Die entsprechende
Vermögensverminderung von Fr. 108'140.55 erfolgte somit nicht ohne dessen
Willen. Damit hat die Beiständin L._, welche diese Bezüge getätigt hatte,
keinen Schaden am Vermögen des Verbeiständeten verursacht. Der Kläger als
Erbe von +I._ hat somit keinen Schadenersatzanspruch gegenüber den Be-
klagten im Sinne von Art. 426 ZGB geerbt. Es besteht für die mit der Klage gel-
tend gemachte Forderung auch keine andere Rechtsgrundlage, weder auf Grund
des Beschlusses der Beklagten vom 5. Februar 2001 noch auf Grund der Aner-
kennung der vom Kläger gegenüber der Beiständin geltend gemachten Forde-
rung.
- 24 -
Hat der Kläger keinen Haftungsanspruch gegenüber den Beklagten, so kann er
von diesen auch nicht den Ersatz der ihm im Prozess gegen die Beiständin zuge-
sprochenen Prozessentschädigung verlangen.
All diese Erwägungen führen zur Abweisung der Klage.
IV.
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Kläger in vollem Umfang
kosten- und entschädigungspflichtig (§ 64 Abs. 2 ZPO/ZH, § 68 Abs. 1 ZPO/ZH).
2. Da wie erwähnt auf dieses Verfahren die Bestimmungen des zürcheri-
schen Prozessrechts anzuwenden sind, gilt gemäss § 23 GebV OG vom 8. Sep-
tember 2010 für die Festsetzung der Gerichtskosten die Verordnung des Oberge-
richts über die Gerichtsgebühren vom 4. April 2007 und gemäss § 25 Verordnung
über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 die Verordnung über die An-
waltsgebühren vom 21. Juni 2006.
3.1 In Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 GebV ist für das erstinstanzliche
Verfahren (CG030030, CG050039, CG090012) die Gerichtsgebühr auf
Fr. 10'000.-- festzusetzen.
3.2 Mit Beschluss der Kammer vom 30. September 2005 wurde die Ge-
richtsgebühr für das Berufungsverfahren LB040118 auf Fr. 2'500.-- (nebst
Fr. 417.-- Schreib- und Fr. 361.-- Zustellgebühren) festgesetzt (act. 44 S. 7). Die-
ser Entscheid wurde rechtskräftig.
Nach der Rückweisung durch das Bundesgericht wurde mit Beschluss vom
6. April 2009 (LB090020) die Kostenfestsetzung gemäss Urteil der Kammer vom
12. Juni 2007 (LB060102), d.h. Fr. 4'500.-- Gerichtsgebühr, Fr. 522.-- Schreib-
und Fr. 361.-- Zustellgebühren bestätigt. Für jenes Verfahren LB090020 wurden
keine Kosten erhoben (act. 100 S. 7). Dieser Entscheid blieb unangefochten.
- 25 -
Für das vorliegende Berufungsverfahren ist die Gerichtsgebühr in Anwen-
dung von § 13 Abs. 1 und 2 und § 4 Abs. 1 und 2 GebV auf Fr. 6'000.-- festzuset-
zen.
4.1 Für das erstinstanzliche Verfahren (CG030030, CG0500039,
CG090012) ist gestützt auf § 3 Abs. 1 und 3 AnwGebV die Grundgebühr auf
Fr. 14'000.-- festzusetzen. Hinzu kommen vier Zuschläge (1 Zuschlag CG030030
und 3 Zuschläge CG090012) von insgesamt Fr. 6'000.--. Somit beträgt die erstin-
stanzliche Prozessentschädigung Fr. 20'000.--. Entgegen der Auffassung des
Klägers (act. 150 S. 14) ist nur eine Grundgebühr zu veranschlagen, fand doch
das erstinstanzliche Verfahren zufolge Aufhebung der Urteile vom 28. Oktober
2004 und vom 14. September 2006 erst mit dem Urteil vom 9. August 2010 sei-
nen Abschluss.
4.2 Für das Berufungsverfahren LB040118 ist die Grundgebühr auf
Fr. 5'000.-- festzusetzen und ein Zuschlag von Fr. 1'000.-- hinzuzurechnen (§ 12
Abs. 1 und 2, § 3 Abs. 1 und 3 AnwGebV). Somit beträgt die Prozessentschädi-
gung für dieses Verfahren Fr. 6'000.--.
Für die beiden Berufungsverfahren LB060102 und LB100067 ist die Grund-
gebühr auf je Fr. 7'000.-- festzusetzen und je ein Zuschlag von Fr. 1'000.-- hinzu-
zurechnen. Somit beträgt die Prozessentschädigung für jedes dieser Verfahren
Fr. 8'000.--.
Alle Prozessentschädigungen für die Berufungsverfahren zusammen belau-
fen sich auf den Betrag von Fr. 22'000.--.
4.3 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Kläger zu verpflichten ist,
den Beklagten eine Prozessentschädigung für das erst- und die zweitinstanzli-
chen Verfahren von insgesamt Fr. 42'000.-- zu bezahlen.
Die Anteile für die einzelnen Beklagten 3 - 6 betragen Fr. 8'400.-- bzw.
Fr. 4'200.-- für die Beklagten 1 und 2.
- 26 -
Die Beklagten haben keinen Mehrwertsteuerzuschlag beantragt. Im Sinne
des Kreisschreibens der Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons
Zürich vom 17. Mai 2006 ist den Beklagten somit kein solcher Zuschlag auf die
Prozessentschädigung zuzusprechen.