Decision ID: 35fe00e3-93a8-532a-9738-3ce68406498d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich über seinen
Krankentaggeldversicherer am 17. Mai 2016 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1 f.). Der Versicherte war seit 1986 als Bauarbeiter bei der
B._ AG tätig (Angaben vom 23. Mai 2016, IV-act. 5) und ab 1. Januar 2016 wegen
eines lokalen Lumbalsyndroms mit pseudoradikulärer Ausstrahlung zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 1-4; Arztbericht Dr. med. C._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, vom 15. Juni 2016, Fremdakten, act. 3-38 ff.).
A.a.
Am 16. Juni 2016 unterzog sich der Versicherte einer ISG-Fusion links mit drei
Implantaten über minimal invasivem Zugang (Prof. Dr. med. D._, Operationsbericht
vom 23. Juni 2016, IV-act. 14; Austrittsbericht vom 23. Juni 2016, IV-act. 15). Prof.
D._ attestierte aufgrund der Diagnosen eines lokalen Lumbalsyndroms mit
beidseitiger pseudoradikulärer Ausstrahlung und eines ISG-Schmerzes links mehr als
rechts, Zustand nach ISG-Fusion links, weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
sowohl in der bisherigen als auch in einer adaptierten Tätigkeit (Arztbericht vom
9. September 2016, IV-act. 22-2 f., Bericht vom 8. November 2016, IV-act. 32-5 f.;
Verlaufsbericht vom 9. November 2016, IV-act. 24). Im Auftrag des
Krankentaggeldversicherers klärte Dr. med. E._, Fachärztin für Physikalische Medizin
und Rehabilitation, den Versicherten ab. Sie kam in ihrem Bericht vom 17. November
A.b.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2016 (Fremdakten, act. 3-13 ff.) zum Schluss, der Versicherte leide unter einem
chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndrom beidseits bei Status nach lSG-
Fusion links im Juni 2016 und MR-tomografisch nachgewiesenen mehrsegmentalen,
leicht- bis mässiggradigen degenerativen LWS-Veränderungen. Anamnestisch und
klinisch stünden die Zeichen der Schmerzchronifizierung im Vordergrund mit
Entwicklung eines maladaptiven Schmerz- und Schonverhaltens. Aufgrund der
Angaben vom Versicherten selbst und von seinem Hausarzt sei davon auszugehen,
dass er nicht im vom Operateur beschriebenen Ausmass vom operativen Eingriff
profitiert habe (Fremdakten, act. 3-21). Zurzeit sei die Arbeitsunfähigkeit als Hilfsmaurer
ausgewiesen. Leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Arbeiten ohne hohen
Anteil an wirbelsäulenbelastenden Arbeitspositionen (statisch vorgemerkt [richtig wohl:
vorgeneigt], hockend, kniend, kauernd) wären ganztags zumutbar (Arbeitsfähigkeit
100 %; Fremdakten, act. 3-22).
Vom 27. Februar bis 25. März 2017 erfolgte eine stationäre Rehabilitation in der
Klink Valens. Es wurde ein lumbospondylogenes Syndrom links bei degenerativen
Veränderungen mit ventrolateraler Spondylophytenbildung sowie Spondylarthrose
betont der unteren LWS diagnostiziert und festgehalten, nach Erhöhung der Dosis von
Fentanyl und Infiltrationen hätten sich die sehr starken muskulären Verspannungen, die
verminderte Kraft der lumbalen Muskulatur und Schmerzen nur leicht verbessert. Für
eine leichte wechselbelastende Tätigkeit mit Hantieren von Gewichten bis 12.5 kg sei
der Versicherte für die Dauer von mindestens vier Wochen zu 50 % arbeitsfähig,
danach sei theoretisch eine weitere Steigerung möglich (Austrittsbericht vom 30. März
2017, IV-act. 49). Nachdem ein Arbeitsversuch mit leichten Spachtelarbeiten,
Gewichtsbelastung 2 - 3 kg, ohne Treppensteigen wegen extremer Schmerzen nach
eineinhalb Stunden abgebrochen werden musste, schloss die
Eingliederungsverantwortliche den Fall am 1. Mai 2017 ab (Assessmentprotokoll, IV-
act. 52-5).
A.c.
Die RAD-Ärztin Dr. med. F._, Praktische Ärztin, hatte am 28. April 2017 Stellung
genommen und eine monodisziplinäre orthopädische Begutachtung einschliesslich
Erhebung der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) vorgeschlagen (IV-act. 54). Die
alsdann beauftragte Swiss Medical Assessment- and Business-Center (SMAB) AG
(Dr. med. G._, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
A.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bewegungsapparates, Orthopädische Rheumatologie [D]; Untersuch 16. Oktober 2017,
EFL 1./2. November 2017; IV-act. 62) diagnostizierte in ihrem Gutachten vom
30. November 2017 ein lumbospondylogenes Syndrom links mit degenerativen
Veränderungen mit ventrolateraler Spondylophytenbildung, Spondylarthrose bei Status
nach ISG-Fusion links mit drei Implantaten am 16. Juni 2016, Status nach Infiltration
der ISG beidseits diagnostische Facettengelenkinfiltration L5/S1 links und
therapeutischer Infiltration (IV-act. 62-30). Sie hielt weiter fest, im Vordergrund stehe
ein schmerzlimitiertes Verhalten. Deshalb könne die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als
Hilfsbauarbeiter nicht abschliessend beurteilt werden. Die zuletzt ausgeübte Arbeit als
Betonkosmetiker könne der Beschwerdeführer vollumfänglich, vollzeitlich, ohne
zusätzliche Pausen und ohne spezielle Einschränkungen bewältigen. Es sei keine
Einschränkung der Arbeitsausdauer beobachtet worden (IV-act. 62-31). Die RAD-Ärztin
Dr. F._ bestätigte am 4. Dezember 2017 die 100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten (IV-act. 63), worauf die IV-Stelle das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen mit Mitteilung vom 9. Januar 2018 abwies (IV-act. 68) und mit
Vorbescheid vom 23. Januar 2018 das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung
des Rentengesuchs einräumte (IV-act. 74). Mit Einwand vom 21. Februar/16. März
2018 machte der Versicherte, vertreten durch Advokatin lic. iur. M. Armesto, geltend,
das Gutachten basiere auf einer unvollständigen Aktenlage; er sei seit Mai 2017 in
psychiatrischer Behandlung bei Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie. Sie habe eine Depression diagnostiziert (IV-act. 78; vgl. auch IV-
act. 75, 77). Die RAD-Ärztin Dr. F._ führte am 4. Mai 2018 im Wesentlichen aus, der
medizinische Sachverhalt sei nicht umfassend abgeklärt (IV-act. 82). Dr. H._ hielt im
Arztbericht vom 7. Juni 2018 als Diagnosen eine mittelgradige depressive Episode,
diagnostiziert im Mai 2017, sowie Probleme in Verbindung mit Beruf und
Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z56) fest und machte Ausführungen zur Lebenssituation und
den Ressourcen des Versicherten. Sie hielt eine angepasste Tätigkeit zu Beginn
während zwei Stunden pro Tag für möglich (IV-act. 85). Die RAD-Ärztin Dr. F._
äusserte sich am 18. Juni 2018 dahingehend, dass die mittelgradige depressive
Episode reaktiv sei, es handle sich nicht um eine eigenständige psychische
Erkrankung. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit und weitere
medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt (IV-act. 86). In der am 19. Juli 2018
gewährten zweiten Anhörung (IV-act. 87) brachte der Versicherte am 24. August 2018
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vor, die Auffassung des RAD widerspreche der Rechtsprechung des Bundesgerichts,
wonach auch bei reaktiven Depressionen ein strukturiertes Beweisverfahren
durchzuführen sei (IV-act. 88). Dr. H._ führte in einem Verlaufsbericht vom
17. November 2018 im Wesentlichen aus, der Zustand sei seit Mai bzw. Juni 2018
unverändert, der Verlauf sei nicht zufriedenstellend. Rein aus psychiatrischer Sicht sei
der Versicherte zu höchstens 40 % arbeitsfähig (IV-act. 91).
Die RAD-Ärztin Dr. F._ befand am 18. Januar 2018, der Bericht von Dr. H._
überzeuge nicht und optierte für eine psychiatrisch-orthopädische Begutachtung durch
die Dres. I._ / J._ (IV-act. 95). Der Versicherte erklärte sich am 12. Februar 2019
damit einverstanden (IV-act. 99) und reichte am 28. Februar 2019 weitere medizinische
Unterlagen ein: einen Kurzaustrittsbericht des Spitals K._ vom 12. Mai 2017 (IV-
act. 102-1 f.), einen Befundbericht vom 15. November 2018 über ein MRI der
Wirbelsäule (IV-act. 102-3), ein Arztzeugnis von Dr. med. L_, Facharzt für Innere und
Allgemeinmedizin, vom 7. Januar 2019, wonach er in angepassten Tätigkeiten zu 80 %
arbeitsunfähig sei (IV-act. 102-4), sowie einen Bericht des Schmerzzentrums des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 10. Januar 2019, wo eine Abklärung die
Diagnose einer chronischen Schmerzerkrankung mit psychischen wie somatischen
Faktoren, Chronifizierungsgrad II nach Gerbershagen ergab. Unter anderem wurde in
diesem Bericht ausgeführt, es bestehe klinisch keine eindeutige Radikulopathie L5
rechts. Die Schmerzen würden myofaszial aufgrund der kompensatorischen
Fehlbelastung und der Minderbeweglichkeit in Becken und LWS und den frustranen
bisherigen Therapieverlauf mitunterhalten. Da dem Versicherten keine sofort wirksame
Therapie angeboten werden könne, werde die Behandlung beendet (IV-act. 102-5 ff.).
A.e.
Die Gutachter Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates diagnostizierten laut Gutachten vom 11. Mai 2019
(Untersuchungen 5. April 2019, IV-act. 105) eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41), ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom bei degenerativen
Veränderungen der LWS ossärer und diskogener Art und Beinlängendifferenz sowie
einen beginnenden Morbus Dupuytren Strahl IV beidseits, links mehr als rechts (IV-
A.f.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
act. 105-7). Die Anforderungen der bisherigen Tätigkeit, als welche diejenige eines
Kundenmaurers anzusehen sei, überträfen die Belastbarkeit des Versicherten, so dass
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestehe. In leidensangepassten Tätigkeiten liege
aus führender psychiatrischer Sicht spätestens seit der aktuellen Untersuchung eine
Arbeitsfähigkeit von 70 % vor. Rückwirkend sei durch die behandelnde Psychiaterin ab
Behandlungsbeginn im Mai 2017 eine Arbeitsfähigkeit von 2 Stunden pro Tag, ab
November 2018 von 30 % und im Dezember 2018 von -40 % attestiert worden (IV-
act. 105-8).
Die RAD-Ärztin Dr. F._ nahm am 15. Mai 2019 Stellung, auf das Gutachten
könne abgestellt werden. Die adaptierte Arbeitsfähigkeit betrage gesamthaft 70 % seit
April 2019. Retrospektiv liege aus orthopädischer Optik seit Dezember 2016 eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten vor. Eine retrospektive Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht könne nicht vorgenommen werden (IV-
act. 106). Die IV-Stelle eröffnete dem Versicherten am 16. Mai 2019 die dritte Anhörung
(IV-act. 107). Dieser liess am 17. Mai 2019 Berichte einreichen, wonach er an einem
Morbus Hashimoto leide (Bericht der Hals-Nasen-Ohrenklinik des KSSG vom 7. Januar
2019 [IV-act. 108]; Berichte der HNO-Praxis M._ vom 29. September 2017 [IV-
act. 109] und 9. Februar 2018 [IV-act. 110]; IV-act. 111). Am 1. Juli 2019 nahm er
Stellung, es sei ihm ein Leidensabzug von mindestens 15 % zuzugestehen, womit ab
dem Begutachtungszeitpunkt ein Invaliditätsgrad von 43 % bestehe. Zwischen Mai
2017 und November 2018 sei er nicht bzw. lediglich zu 20 % arbeitsfähig gewesen. Ab
Dezember 2018 bis zum Zeitpunkt der Begutachtung habe eine Arbeitsfähigkeit von
60 % und ein Invaliditätsgrad von 51 % vorgelegen (IV-act. 114).
A.g.
Die RAD-Ärztin Dr. F._ äusserte sich am 19. Juli 2019 abschliessend, der neu
diagnostizierte Morbus Hashimoto wirke sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus (IV-
act. 115).
A.h.
Mit Verfügung vom 19. Juli 2019 wies die IV-Stelle den Rentenanspruch ab. Seit
April 2019 bestehe gemäss gutachterlicher Abklärung eine 70%ige Arbeitsfähigkeit.
Eine retrospektive psychiatrische Arbeitsfähigkeitsbeurteilung könne nicht
vorgenommen werden. Zur abschliessenden Beurteilung des medizinischen
Sachverhalts sei das Dossier nochmals dem RAD vorgelegt worden. An der bisherigen
A.i.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung könne weiterhin festgehalten werden. Das fortgeschrittene
Alter, eine niedrige berufliche Qualifikation und mangelnde Sprachkenntnisse sowie die
Adaptionskriterien begründeten keinen Abzug vom lnvalideneinkommen (IV-act. 117).
Mit Beschwerde vom 16. September 2019 beantragt A._ (fortan:
Beschwerdeführer) durch die Rechtsvertreterin, die Verfügung vom 19. Juli 2019 sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und es sei ihm ab 1. Januar 2017
eine ganze Rente, ab 1. März 2019 mindestens eine Dreiviertelsrente und ab dem
1. August 2019 mindestens eine Viertelsrente auszurichten. Zur Begründung lässt er
ausführen, das Gutachten der SMAB AG basiere auf einer unvollständigen Aktenlage,
weshalb darauf nicht abgestellt werden dürfe. Gestützt auf die Atteste von Dr. H._,
welche durch das Gutachten der Dres. I._ und J._ bestätigt würden, sei davon
auszugehen, dass er zunächst bis Mai 2017 vollständig arbeitsunfähig gewesen sei und
ab Mai 2017 eine Arbeitsfähigkeit von zwei Stunden täglich, ab November 2018 von
30 % und ab Dezember 2018 von 40 % vorgelegen habe. Er könne nur noch körperlich
leichte Hilfsarbeitertätigkeiten verrichten. Daneben bestünden aus somatischer Sicht
weitere qualitative Einschränkungen (keine Zwangspositionen der Wirbelsäule, keine
Reklinations-/Inklinations oder Rotationsbewegungen), weshalb ein Tabellenlohnabzug
von mindestens 10 % vorzunehmen sei. Aus psychischer Sicht seien ausserdem die
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit beeinträchtigt, was einen zusätzlichen Abzug
rechtfertige. Somit erscheine ein Tabellenlohnabzug von 15 % angemessen, weshalb
er ab 1. August 2019 Anspruch auf eine Viertelsrente habe (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 20. November 2019 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. In der Beurteilung der
funktionellen Einschränkungen und der Arbeitsfähigkeit bestehe zwischen dem
Gutachten der SMAB AG und dem Gutachten von Dr. I._ keine Divergenz, womit die
Einschätzung im SMAB-Gutachten nach wie vor nachvollziehbar sei. Der Gutachterin
der SMAB AG hätten alle aus somatischer/orthopädischer Sicht für eine umfassende
orthopädische Beurteilung relevanten Akten vorgelegen. Im Übrigen habe der
Beschwerdeführer die Behandlung bei Dr. H._ nicht gemeldet und somit die
Auskunftspflicht verletzt. Dr. J._ habe keine retrospektive Einschätzung der
B.b.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsfähigkeit vornehmen können und lediglich die Aussagen der behandelnden
Dr. H._ zitiert. Der RAD habe ausgeführt, dass deren Berichte nicht nachvollziehbar
seien, da sie trotz eines unbefriedigenden Verlaufs die Dosis der antidepressiven
Medikation halbiert habe und weil der Beschwerdeführer Alltagsaktivitäten angebe, die
mit einer Arbeitsfähigkeit von lediglich zwei Stunden täglich bzw. 30 % oder 40 % nicht
vereinbar seien. Da die Berichte von Dr. H._ den RAD nicht überzeugt hätten, sei eine
bidisziplinäre Begutachtung in Auftrag gegeben worden. Sie - die Beschwerdegegnerin
- habe alle notwendigen und möglichen Abklärungen vorgenommen. Wenn nun die
retrospektive Arbeitsfähigkeit nicht mit ausreichendem Beweismass festgestellt werden
könne, trage der Versicherte die Folgen der Beweislosigkeit. Seien leichte bis
mittelschwere Arbeiten zumutbar, rechtfertige dies keinen Tabellenlohnabzug. Die
psychischen Einschränkungen seien bereits bei der Einschätzung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden und könnten daher nicht nochmals mit einem
Abzug vom Tabellenlohn angerechnet werden. Zudem gelte eine psychisch bedingte
verstärkte Rücksichtnahme seitens der Vorgesetzten und Arbeitskollegen nicht als
eigenständiger abzugsfähiger Umstand (act. G 4).
Mit Replik vom 20. Januar 2020 lässt der Beschwerdeführer vorbringen, er sei bei
der SMAB AG lediglich orthopädisch begutachtet worden, womit dieses Gutachten für
den Verlauf der Arbeitsfähigkeit keinen Beweiswert habe. Das psychiatrische Befinden
sei nicht Thema gewesen, weshalb er dieses nicht erwähnt habe. Es sei nicht
nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin nicht auf das im Einwandverfahren in
Auftrag gegebene, sondern auf das nicht beweiskräftige SMAB-Gutachten abstellen
wolle. Entgegen der Beschwerdegegnerin bestehe keine Beweislosigkeit, sondern
ergebe sich der Arbeitsfähigkeitsverlauf aus dem bidisziplinären Gutachten der Dres.
I._ / J._. Der Tabellenlohnabzug werde wegen der zusätzlich zur zeitlichen
Einschränkung bestehenden qualitativen Einschränkungen geltend gemacht. Das
fortgeschrittene Alter, die mangelnden Deutschkenntnisse und die Berufsbiographie
mit lediglich schweren körperlichen Tätigkeiten seien zu berücksichtigen, weil sie sich
stark einkommensmindernd auswirkten (act. G 6).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 9).B.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 289 E. 3.2;
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist
zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert werden können und sich
auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427 E. 6). Für
somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren
mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429 E. 7.2;
BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2). Der Beweis für eine lang andauernde
und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
1.4.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107).
1.5.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
1.6.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
Streitgegenstand ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Es ist zu prüfen,
ob die medizinischen Akten eine schlüssige Beurteilung des Gesundheitszustandes
sowie der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zulassen, insbesondere auch
retrospektiv.
2.1.
Sowohl die orthopädische Gutachterin der SMAB AG, Dr. G._, als auch Dr. I._
gelangen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht in einer
angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Angepasst sind körperlich leichte bis
gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten mit Möglichkeit des
Wechsels zwischen Sitzen, Gehen und Stehen ohne Heben und Tragen von Lasten
über 10 kg, Zwangspositionen der Wirbelsäule sowie Inklinations-, Reklinations- oder
Rotationsbewegungen des Körpers (orthopädisches Gutachten Dr. I._, IV-
act. 105-21). Im Gutachten der SMAB AG wurden aufgrund der EFL im Wesentlichen
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten (Gewichtslimite 15 kg) mit einer auf drei Stunden
begrenzten Zumutbarkeit wiederholter Rumpfrotationen und Arbeiten mit
Handkoordination für zumutbar befunden (IV-act. 62-16, 31). Schliesslich schätzte
bereits Dr. E._ den Beschwerdeführer als in adaptierten Tätigkeiten für voll
arbeitsfähig ein und hielt fest, im Vordergrund stehe die Entwicklung eines
maladaptiven Schmerz- und Schonverhaltens (Bericht vom 17. November 2016,
Fremdakten, act. 3-21 f.). Somatisch-diagnostisch wurde ein lumbospondylogenes
Syndrom links mit degenerativen Veränderungen (ventrolaterale
Spondylophytenbildung, Spondylarthrose, Status nach ISG-Fusion links mit drei
Implantaten am 16. Juni 2016; IV-act. 62-30) bzw. ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom bei degenerativen Veränderungen der LWS ossärer und
diskogener Art sowie ein beginnender Morbus Dupuytren Strahl IV, links mehr als
rechts, erhoben (IV-act. 105-19). Die somatischen Gutachter kamen im Wesentlichen
übereinstimmend zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer beklagten
Beschwerden zufolge Inkonsistenzen bei der Untersuchung bzw. Symptomausweitung
bei der EFL nicht in der geltend gemachten Intensität nachvollzogen werden könnten
(IV-act. 115-20; IV-act. 62-16 f., 22). Bildgebend zeigte sich zwischen den MRI-
Untersuchungen vom 20. Mai 2016 und vom 20. Juli 2017 keine signifikante
Befundänderung; es bestehe multisegmental eine leichtgradige (Osteo-)chondrose mit
geringem Diskusbulging ohne neurokompressive Diskushernie, Spinalkanalstenose
oder höhergradige Degeneration der Facettengelenke (IV-act. 62-48). Weitere MRI-
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Untersuchungen wurden am 7. Juni 2017 und am 15. November 2018 durchgeführt.
Diese ergaben ebenfalls stationär eine kleinvolumige Diskushernie im Segment LWK 5/
SWK 1 rechts mit radikulärer L5-Affektion und moderate Farcettenarthrosen in LWK 4
bis SWK 1 beidseitig (IV-act. 102-3). Im klinischen Befund wurden in beiden Gutachten
ein Muskelhartspann im Nacken- Schulterbereich und Schmerzen bei der
Untersuchung der Lendenwirbelsäule festgehalten, wobei der Beschwerdeführer in der
zweiten Begutachtung teilweise stärkere Schmerzen beziehungsweise Angst vor
solchen angab (vgl. IV-act. 62-13 f., IV-act. 105-16). Im Bericht des Schmerzzentrums
des KSSG vom 10. Januar 2019 wurden als Diagnose eine chronische
Schmerzerkrankung mit psychischen wie somatischen Faktoren,
Chronifizierungsgrad II nach Gerbershagen und im Befund ein deutlicher
Muskelhartspann panvertrebral und eine Steifigkeit der LWS mit schmerzhafter aktiver
Beweglichkeit und auf 100 m bis 200 m begrenzter Gehstrecke festgehalten (IV-
act. 102-5 ff.). Dieser Bericht lag dem orthopädischen Gutachter Dr. I._ vor (IV-
act. 105-49). Das Gutachten nimmt zwar nicht Stellung dazu, jedoch ergeben sich aus
dem Bericht keine objektivierten Gesichtspunkte, welche die orthopädische
Einschätzung der Gutachter in Frage stellen. Aus orthopädischer Sicht ist damit
schlüssig und nachvollziehbar, dass in adaptierten Tätigkeiten eine volle
Arbeitsfähigkeit besteht. Dies ist denn auch unbestritten (vgl. IV-act. 114). Unbestritten
und nachvollziehbar ist auch, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten
Tätigkeit, als welche diejenige als Bauarbeiter bzw. Kundenmaurer, nicht aber diejenige
als Betonkosmetiker zu betrachten ist, seit 1. Januar 2016 zu 100 % arbeitsunfähig ist
(IV-act. 105-20 f.; vgl. auch Fremdakten, act. 3-22 und SMAB-Gutachten IV-act. 62-35,
wonach diese Arbeitsfähigkeit aufgrund selbstlimitierenden Verhaltens nicht
abschliessend beurteilt werden könne).
Die psychiatrische Gutachterin diagnostizierte bzw. bestätigte eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10:
F33.11) und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10: F45.41; IV-act. 105-27). Sie hielt bei der Würdigung von Fähigkeiten,
Ressourcen und Belastungen fest, Störungen der mnestischen Funktionen lägen nicht
vor. Die Stimmungslage sei niedergedrückt, deprimiert, etwas klagsam und
hoffnungslos, affektarm. Weiter würden Verarmungs- und Insuffizienzgefühle geäussert
(IV-act. 105-26). Die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sei mittelgradig
eingeschränkt. Der Beschwerdeführer habe Schwierigkeiten, sich neuen Situationen
anzupassen. Die Anwendung fachlicher Kompetenzen sei nicht wesentlich
eingeschränkt. Die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sei leicht beeinträchtigt, da sich
der Beschwerdeführer von äusseren Faktoren beeinflussen lasse. Das
2.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Durchhaltevermögen sei mässig beeinträchtigt, ebenso die Selbstbehauptungsfähigkeit
- der Beschwerdeführer sei teilweise deprimiert, dysphorisch, freudlos und müde. Die
Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit seien nicht wesentlich
eingeschränkt. Auch in der Beziehung mit seiner Familie gebe der Beschwerdeführer
keine Probleme an. Die Fähigkeit zu Spontanaktivitäten sei mässig eingeschränkt,
Hobbys würden vernachlässigt und er verhalte sich passiv. Die Selbstpflege, Kleidung
und Sauberkeit seien angemessen. Die Verkehrsfähigkeit sei vorhanden - der
Beschwerdeführer fahre selbstständig Auto (IV-act. 105-29). Aufgrund der
diagnostizierten psychischen Leiden liege eine leichte bis mittelgradige
Beeinträchtigung vor mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % (IV-
act. 105-27). Zur retrospektiven psychiatrischen Einschätzung führte die psychiatrische
Gutachterin aus, von Seiten der behandelnden Fachärztin sei in adaptierten Tätigkeiten
ab Behandlungsbeginn im Mai 2017 eine Arbeitsfähigkeit von zwei Stunden pro Tag
attestiert worden, ab Juni 2018 werde von einer Besserung gesprochen - im November
2018 eine Arbeitsfähigkeit von 30 % adaptiert und im Dezember 2018 eine
Arbeitsfähigkeit von 40 % in leichten und abwechselnden Tätigkeiten festgehalten (IV-
act. 105-8, 27).
Aufgrund der vorliegenden Diagnosen ist die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers nach dem strukturierten Beweisverfahren festzulegen. Die
Gutachterin führte diesbezüglich aus, insgesamt liege aus gutachterlicher Sicht infolge
einer chronischen Schmerzstörung sowie einer leichten depressiven Episode mit
somatischem Syndrom eine leichte bis mittelgradige Beeinträchtigung vor (IV-
act. 105-26 f.). Dies erscheint mit Blick auf die in E. 2.3 erwähnten Einschränkungen
gemäss Mini-ICF-APP einleuchtend. Im Rahmen der Begutachtung gab der
Beschwerdeführer an, er habe früher gerne seinen Schrebergarten gepflegt und
kümmere sich gerne um seine 12 Tauben. Daneben gehe er, abhängig von seinem
Gesundheitszustand, gerne spazieren (IV-act. 105-14). Dr. H._ ermuntere ihn, aktiv
zu bleiben. Er sei glücklich verheiratet und freue sich an seiner _-jährigen Tochter. Er
habe auch sonst inner- und ausserhalb der Familie gute Kontakte und erfahre
Unterstützung (IV-act. 105-24). Die Haushaltarbeiten und das Kochen übernehme zur
Gänze die Ehefrau, mehrmals täglich schaue er zu seinen 12 Tauben, den
Gemüseanbau habe er aufgeben müssen (IV-act. 105-25). Der Beschwerdeführer
verfügt somit über ein intaktes familiäres, trotz gewissem Rückzug über ein soziales
Umfeld und die beschriebenen Aktivitäten deuten auf vorhandene Ressourcen hin. Von
Seiten der Persönlichkeit sind laut der Gutachterin - bis auf eine gewisse Verbitterung,
3.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zurückhaltung und Reserviertheit - keine relevanten Persönlichkeitsmerkmale
vorhanden (IV-act. 105-26). In Bezug auf Konsistenz wird im orthopädischen Gutachten
dargelegt, dass die vom Exploranden geklagten Beschwerden nachvollzogen werden
können, allerdings nicht in der dargestellten Intensität. Weiter weist der orthopädische
Gutachter darauf hin, dass das Benehmen während der expliziten Untersuchung der
Beweglichkeit an den unteren Extremitäten in sich nicht konsequent gewesen sei, der
Beschwerdeführer seinen Beschwerden einen hohen Stellenwert beimesse und daraus
recht absolute Schlussfolgerungen bezüglich seiner Leistungs- und damit auch der
Arbeitsfähigkeit ziehe. Von psychiatrischer Seite gibt es keinen Hinweis auf
Diskrepanzen oder Widersprüche (IV-act. 105-7, 14 f., 20, 25). Aufgrund der
vorhandenen Informationen zu den Standardindikatoren erscheint die
Arbeitsunfähigkeit von 30 % ab Gutachtenszeitpunkt nachvollziehbar und ist
unbestritten.
Uneinigkeit besteht hinsichtlich der rückwirkenden Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht. Der Beschwerdeführer begab sich am 16. Mai 2017 in
psychiatrische Behandlung bei Dr. H._ (Arztbericht vom 7. Juni 2018, IV-act. 85) und
gab übrigens anlässlich der Begutachtung bei der SMAB AG am 16. Oktober 2017 an,
er sei alle zwei Wochen in psychiatrischer Therapie (IV-act. 62-11). Die behandelnde
Psychiaterin diagnostizierte bei Therapiebeginn eine mittelgradige depressive Episode
nebst Problemen in Verbindung mit Beruf und Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z56). In
Anbetracht der durch die Behandlung erfolgten Beruhigung, der Ressourcen und
Aktivitäten des Beschwerdeführers hielt sie gemäss Arztbericht vom 7. Juni 2018 eine
Erwerbstätigkeit im Umfang von zu Beginn zwei Stunden pro Tag zumutbar, wobei sie
jedoch auch festhielt, bisherigen Arbeitsunfähigkeiten seien nicht durch sie, sondern
durch den Hausarzt für die bisherige Tätigkeit im Bau attestiert worden (IV-act. 85). Im
Verlaufsbericht vom 17. November 2018 führte sie aus, das Denken sei formal
unauffällig, inhaltlich auf die depressive Thematik eingeengt. Die Affektivität sei leicht
bis mittelgradig gestört, die Stimmung sei bedrückt, besorgt und zeitweise gereizt. In
einer ideal adaptierten Tätigkeit schätze sie den Beschwerdeführer für höchstens 30 %
arbeitsfähig (IV-act. 91). Mit am 28. Dezember 2018 bei der Beschwerdegegnerin
eingegangenem Schreiben beantwortete Dr. H._ deren Zusatzfragen und führte
dabei aus, der Zustand des Patienten sei seit dem 7. Mai 2018 praktisch unverändert
geblieben. Eine Zunahme der realistischen Existenzängste und die ernüchternde
Erfahrung des geringen eigenen Werts auf dem Arbeitsmarkt hätten beim
Beschwerdeführer innere Unruhe und zeitweise Verzweiflung ausgelöst. Der Verlauf sei
nicht zufriedenstellend. Rein aus psychiatrischer Sicht schätze sie die Arbeitsfähigkeit
auf höchstens 40 % (IV-act. 93 f.). Die RAD-Ärztin Dr. F._ hielt in ihrer Stellungnahme
3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 18. Januar 2019 fest, die Berichte von Dr. H._ vermöchten nicht zu überzeugen,
da trotz eines als unbefriedigend bezeichneten Verlaufs die Dosis des
Antidepressivums Duloxetin nicht erhöht, sondern halbiert worden sei. Zudem gebe sie
an, dass der Beschwerdeführer vielseitigen, körperlich wenig belastenden
Alltagaktivitäten nachgehe (Kochen, Schwimmen, Taubenhaltung), einen strukturierten
Tagesablauf einhalte und dies ihn psychisch stabilisiere (IV-act. 95). Während die
Beschwerdegegnerin geltend macht, die Berichte von Dr. H._ seien nicht
beweistauglich und eine psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit vor dem
Zeitpunkt der bidisziplinären Begutachtung bleibe beweislos, verlangt der
Beschwerdeführer, auf die Berichte von Dr. H._ abzustellen.
Auch rückwirkend ist die Arbeitsfähigkeit nach dem strukturierten Beweisverfahren
festzulegen. Dr. H._ diagnostizierte nebst Problemen in Verbindung mit Beruf und
Arbeitslosigkeit ausschliesslich eine mittelgradige depressive Episode und führte in
diesem Zusammenhang im Arztbericht vom 7. Juni 2018 im Wesentlichen aus, das
Nichtansprechen der Schmerzen auf die Behandlung, die Notwendigkeit einer
beruflichen Neuorientierung, Perspektivenlosigkeit und Existenzängste hätten den
Beschwerdeführer belastet und die depressive Episode ausgelöst (IV-act. 85). Somit
bestehen zwar psychosoziale Belastungsfaktoren. Die psychischen Beschwerden sind
aber nicht ausschliesslich durch diese verursacht, sondern stehen im Zusammenhang
mit mindestens teilweise organisch bedingten Schmerzen. Der funktionelle
Schweregrad hat sich im Vergleich zu den Berichten von Dr. H._ gegenüber dem
Gutachten insofern verbessert, als Dr. H._ noch eine mittelgradige, die Gutachterin
hingegen eine leichtgradige Depression diagnostizierte. Allerdings erhob die
Gutachterin zusätzlich eine Schmerzstörung. Dr. H._ führte aus, der
Beschwerdeführer verfüge über Ressourcen. Er bemühe sich (nach eigenen Angaben)
um einen strukturierten Tagesablauf, koche für die Familie, gehe zweimal wöchentlich
schwimmen, treffe Kollegen und halte Tauben (Arztbericht Dr. H._ vom 7. Juni 2018,
IV-act. 85; Verlaufsbericht vom 17. November 2018, IV-act. 91; Schreiben vom
28. Dezember 2018, IV-act. 93 f.). Insoweit ist trotz der wie von der
Beschwerdegegnerin aufgezeigt nicht gegebenen Nachvollziehbarkeit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die Berichte von Dr. H._ abzustellen. Anhaltspunkte
für eine wesentliche Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes im Vorfeld
der Begutachtung ergeben sich aus den Berichten von Dr. H._ nicht; vielmehr scheint
das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers mit Blick auf das im Gutachten nicht mehr
erwähnte Kochen und die Pflege des Schrebergartens eher zurückgegangen zu sein. In
Bezug auf die übrigen Standardindikatoren sind zwischen den Berichten von Dr. H._
und der Erhebung der Gutachterin keine wesentlichen Änderungen ersichtlich.
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Insgesamt erscheint damit als überwiegend wahrscheinlich, dass eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 30 % schon vor der Begutachtung bestanden hat.
Lediglich eine 30 % übersteigende Arbeitsunfähigkeit bleibt retrospektiv beweislos.
Somit ist ab Mai 2016 von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
auszugehen.
Ein allfälliger Rentenanspruch besteht vorliegend frühestens nach Ablauf des
Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG, somit ab 1. Januar 2017 (vgl. zum Beginn
der Arbeitsunfähigkeit Sachverhalt Aa, IV-act. 1-4, Fremdakten, act. 3-38 ff.). Dieses
Jahr ist für die Berechnung des Einkommensvergleichs massgebend (BGE 129 V 222).
4.1.
Der Beschwerdeführer arbeitete während gut 30 Jahren bei der B._ AG. Es ist
ohne Weiteres anzunehmen, dass der Beschwerdeführer ohne Eintritt des
Gesundheitsschadens weiterhin an dieser Arbeitsstelle erwerbstätig geblieben wäre, so
dass das dort erzielte Einkommen dem Valideneinkommen entspricht (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1, mit weiteren
Verweisen). Gemäss Arbeitgeberfragebogen erzielte er ein Einkommen von Fr. 5'500.--
monatlich bzw. Fr. 71'500.-- jährlich, was unbestritten ist (vgl. Beschwerdeschrift,
act. G 1, Ziff. 10. S. 6). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung gemäss
Lohnentwicklung des Bundesamtes für Statistik beläuft es sich auf Fr. 72'238.76
(massgebliche Indices Männer: 2015: 2226, 2017: 2249; Informationsstelle AHV/IV, IV
2019, 10. Aufl., Bern 2019, Anhang 2).
4.2.
Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist vom Tabellenlohn gemäss
Lohnstrukturentwicklung (LSE)/Lohnentwicklung des Bundesamtes für Statistik (BFS),
Kompetenzniveau 1, Männer 2017 auszugehen, welches Fr. 67'102.-- und
entsprechend der Arbeitsfähigkeit von 70 % Fr. 46'971.-- beträgt.
4.3.
4.4.
Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei ihm ein Tabellenlohnabzug in der
Höhe von insgesamt 15 % zu gewähren.
4.4.1.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 %
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
4.4.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 146 V 16 E. 4.1). Nach der Rechtsprechung hängt
die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich
leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75
E. 5a/bb S. 78). Sind hingegen leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein
deswegen auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt,
weil der Tabellenlohn Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2017.
8C_805/2016, E. 3.4.2). Bestehen jedoch über das ärztlich beschriebene
Beschäftigungspensum hinaus zusätzliche Einschränkungen, wie beispielsweise ein
vermindertes Rendement pro Zeiteinheit wegen verlangsamter Arbeitsweise oder ein
Bedarf nach ausserordentlichen Pausen, oder ist die funktionelle Einschränkung ihrer
besonderen Natur nach nicht ohne weiteres mit den Anforderungen vereinbar, wie sie
sich aus den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen ergeben, kann dies bei der
Bemessung des leidensbedingten Abzugs vom statistischen Tabellenlohn
berücksichtigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30. September 2019,
8C_219/2019, E. 5.2, mit weiteren Verweisen).
4.4.3.
Gemäss Gutachten ist das Zumutbarkeitsprofil des Beschwerdeführers aus
psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt. Der orthopädische Gutachter umschrieb
körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten mit
Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und
Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule und ohne
ln(klinations)/Re(klinations) oder Rotationsbewegungen des Körpers als adaptiert (IV-
act. 105-21). Eine zumutbare Tätigkeit muss demnach nicht nur leicht, sondern im
Wesentlichen auch rückenadaptiert sein. Solche zusätzlichen Einschränkungen
begründen keinen Tabellenlohnabzug, soweit sie bereits durch die medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt sind, indem dort eine reduzierte Leistung
angenommen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2018, 9C_284/2018,
4.4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
E. 2.2.2), was vorliegend gerade nicht der Fall ist. Keinen Abzug begründen das Alter
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 13. August 2020, 9C_226/2020, E. 5.2, vom
16. Juli 2020, 8C_798/2019, E. 5.2) sowie die fehlenden Deutschkenntnisse und die
nicht vorhandene Ausbildung, da sich diese Faktoren im Bereich des
Kompetenzniveaus 1 nicht lohnsenkend auswirken (Urteil des Bundesgerichts vom
30. Juli 2020, 8C_139/2020, E. 6.3.4). Dem Gutachten kann nicht entnommen werden,
dass die 70%ige Arbeitsfähigkeit lediglich in einem Teilzeitpensum umzusetzen wäre.
Es fehlen Angaben zur maximalen täglichen Arbeitszeit, und aufgrund der psychischen
Beschwerden scheint es plausibel, dass eher die Arbeitsgeschwindigkeit eingeschränkt
ist. Es ist demnach von einer ganztägigen Umsetzbarkeit der Arbeitsfähigkeit
auszugehen, weshalb keine Grundlage für einen Teilzeitabzug besteht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 17. November 2015, 9C_380/2015, E. E. 3.2.3). Gesamthaft
erscheint aufgrund des somatischen Zumutbarkeitsprofils in Kombination mit der
psychisch(erseits) bedingten Einschränkungen ein Tabellenlohnabzug von 10 %
begründet. Somit beträgt das Invalideneinkommen Fr. 42'274.--. Es resultiert ein
Invaliditätsgrad von 41,48 % ([Fr. 72'239.-- - Fr. 42'274.--] : Fr. 72'239.--) bzw. 41 %
(zum Runden vgl. BGE 130 V 121). Somit hat der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2017
Anspruch auf eine Viertelsrente.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 19. Juli 2019 in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und der Beschwerdeführer hat ab 1. Januar
2017 Anspruch auf eine Viertelsrente. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung
der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Hinsichtlich der Beschwerde gegen die Rentenverfügung gilt es zu beachten, dass
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Überklagung in
sozialversicherungsrechtlichen Rentenfällen im vorliegenden Fall von einem
vollständigen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Januar 2016, 9C_288/2015, E. 4.2). Die Beschwerdegegnerin
hat daher die gesamten Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.
5.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte