Decision ID: 40e054c7-7987-51e5-9b6a-408fb0e550ba
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 27. Mai 2021 in der Schweiz um Asyl
(Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1).
B.
Am 2. Juni 2021 nahm die Vorinstanz die Personalien des Beschwerdefüh-
rers auf und am 8. Juni 2021 gewährte sie ihm rechtliches Gehör, unter
anderem zur Zuständigkeit Rumäniens für die Durchführung des Asyl- und
Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid
sowie zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat (SEM-act. 9 und 13).
C.
Mit Verfügung vom 29. Juni 2021 – eröffnet am 30. Juni 2021 – trat die
Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch nicht ein, ordnete die Wegweisung nach Rumänien an und
forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der
Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf die ei-
ner allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende
Wirkung hin und beauftragte den Kanton Solothurn mit dem Vollzug der
Wegweisung (SEM-act. 19).
D.
Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am
5. Juli 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte,
die Verfügung vom 29. Juni 2021 sei aufzuheben. Es sei ihm die Flücht-
lingseigenschaft zuzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Ausserdem sei
(eventualiter) festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig,
unzumutbar und unmöglich sei und es sei die vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer
die Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie der unentgeltlichen
Prozessführung unter Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes (Ak-
ten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
E.
Am 7. Juli 2021 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in elektro-
nischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den Voll-
zug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus (BVGer-
act. 2).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Der Be-
schwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz ist vorliegend auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist
(vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2; je m.w.H.). Die Fragen der An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft, der Gewährung von Asyl bezie-
hungsweise der Anordnung einer vorläufigen Aufnahme bildeten nicht Ge-
genstand des angefochtenen Nichteintretensentscheids, weshalb sie auch
nicht Gegenstand des dagegen gerichteten Beschwerdeverfahrens sein
können. Auf die entsprechenden Rechtsbegehren ist daher nicht einzutre-
ten. Im Übrigen ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
jedoch einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3. Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen sein wird
– als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung
eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln
ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der "Eurodac"-Datenbank ergab, dass
der Beschwerdeführer am 22. Januar 2021 in Rumänien um Asyl ersucht
hatte. Er bestreitet diesen Sachverhalt nicht. Rumänien stimmte seiner
Wiederaufnahme am 15. Juni 2021 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO)
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in Verbindung mit Art. 23 Dublin-III-VO zu. Sodann gaben die rumänischen
Behörden an, am 29. März 2021 ein Wiederaufnahmeersuchen der Slowa-
kei gutgeheissen zu haben (SEM-act. 16). Die grundsätzliche Wiederauf-
nahmezuständigkeit Rumäniens zur Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahrens ist daher vorliegend gegeben (Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG).
4.
4.1. Vor Bundesverwaltungsgericht bringt der Beschwerdeführer erstmals
vor, in Rumänien Probleme mit (Menschen-) Schmugglern zu haben. Diese
hätten ihn geschlagen und mit Verfolgung sowie dem Tode gedroht. Mit
Hilfe anderer afghanischer Staatsangehöriger habe er nach Tschechien
fliehen können. In Rumänien sei er geschlagen worden. Die Polizei habe
ihm die Nase gebrochen und sein Mobiltelefon sowie sein Geld wegge-
nommen. In Rumänien auf der Strasse leben zu müssen sei unmenschlich.
In einem solchen Fall sei es besser, tot zu sein.
4.2. Anlässlich des ihm am 8. Juni 2021 gewährten rechtlichen Gehörs trug
der Beschwerdeführer keinerlei Gründe vor, die gegen eine Überstellung
nach Rumänien sprechen. Gegenüber der Vorinstanz gab er zudem mehr-
mals an, von Rumänien aus in die Slowakei, und nicht nach Tschechien
gelangt zu sein. Die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ist deshalb zu rela-
tivieren. Seine Aussagen zu seiner Verfolgung durch Schmugglerbanden
sowie zur Polizeigewalt in Rumänien sind gänzlich unsubstantiiert und ent-
behren eines jeglichen Nachweises. Sie erwecken den Anschein einer
Schutzbehauptung. Darauf ist im vorliegenden Verfahren daher nicht näher
einzugehen.
4.3. Nach seiner Wiederaufnahme ist der Beschwerdeführer gestützt auf
Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO und Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO berech-
tigt, in Rumänien den Abschluss der Prüfung seines Asylgesuches zu ver-
langen. Alternativ kann er ein neues Asylgesuch stellen, das nicht als
Folgeantrag geprüft werden darf (vgl. Urteil des BVGer F-555/2021 vom
12. Februar 2021). Im Weiteren ist die Sorge, in Rumänien auf der Strasse
leben zu müssen, unberechtigt. Hinweise für den Bestand einer ernsthaf-
ten Gefahr, dass die rumänischen Behörden ihm den Zugang zum Asylver-
fahren verweigern oder ihm dauerhaft die ihm gemäss Richtlinie des Euro-
päischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur
Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationa-
len Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) zustehenden minimalen
Lebensbedingungen vorenthalten würden, sind keine ersichtlich.
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5.
Der angefochtene Entscheid verletzt weder Art. 3 EMRK, noch eine an-
dere, die Schweiz bindende völkerrechtliche Bestimmung. Eine gesetzes-
widrige Ermessensausübung der Vorinstanz ist nicht ersichtlich. Demzu-
folge ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von dem in Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO und in Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) verankerten Selbsteintrittsrecht
keinen Gebrauch gemacht hat. Zu Recht ist sie auf das Asylgesuch nicht
eingetreten und hat die Überstellung nach Rumänien verfügt. Die Be-
schwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Der An-
trag auf Gewährung aufschiebender Wirkung erweist sich mit der Ausfäl-
lung des vorliegenden Urteils als gegenstandslos.
6.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-
sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt
– als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
7.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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