Decision ID: 07d955b0-6ec7-4dfd-bfbb-23fbe29dbdda
Year: 2011
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

worden und dadurch sei der Sachverhalt nicht genügend abgeklärt worden.
Zudem habe die Verweigerung bewirkt, dass sie sich nicht hätten äussern
können. Die Anlage sei während laufender Rechtsmittelfrist nicht mehr
indiziert gewesen. Das rechtliche Gehör sei verletzt. Auch anderweitig sei das
rechtliche Gehör von der Vorinstanz verletzt worden (keine Nachfrist
angesetzt, keine Möglichkeit der Replikergänzung). Die Gebühr von Fr.
4'560.-- und die Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- seien zu hoch. ...
müssten bezüglich Gebühr und Parteientschädigung gleich behandelt werden
wie ... (Reduktion auf die Hälfte).
8. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Oktober 2010 äusserte sich die Gemeinde
gleich wie im Verfahren R 10 86 und ergänzte nur, die Strahlung von
Bahnleitung, um Richterwerk und Mobilfunkanlage müssten nicht
zusammengezählt werden. Zudem äusserte sie sich zu den formellen Rügen.
9. Die ... AG beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Zwar sei am 26. März
2009 eine nicht unterzeichnete Sammeleinsprache eingereicht worden; dieser
sei eine Namens- und Adressliste mit Unterschriften einer Vielzahl von
Personen beigelegt gewesen. Die Bevollmächtigung dieser Personen für ...
sei aber auf das Einspracheverfahren vor der Gemeinde A. beschränkt
gewesen. Das rechtliche Gehör sei nicht verletzt worden. Auf die Anlage seien
die Gebäudehöhen- und Firsthöhenvorschriften der Gemeinde nicht
anwendbar. Das Landschafts- und Ortsbild nicht beeinträchtigt. Die
Zonenkonformität sei gegeben, ebenfalls der Bedarf. Die Anlage entspreche
betreffend Gesundheitsgefährdung der Verwaltungs- und Gerichtspraxis. Die
Omen seien korrekt festgelegt worden. Der Standort ... sei ungeeignet. Ein
Augenschein zur Feststellung von Strahlungsemissionen bringe nichts. Die
Gebühren seien korrekt festgelegt worden.
10. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten
fest, ohne neue wesentliche Argumente vorzubringen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Die Verfahren R 10 86 und R 10 90 sind zusammenzulegen, da sie den
gleichen Streitgegenstand betreffen.
b) Im Verfahren R 10 90 ist fraglich, ob auf die Beschwerde hinsichtlich aller
Beschwerdeführer eingetreten werden kann. Dies kann jedoch offenbleiben,
da jedenfalls auf die Beschwerde derjenigen, welche in der Einsprecher-Liste
figurieren und ihren Rechtsanwalt nachweislich bevollmächtigt haben (es sind
dies ...), ohne weiteres einzutreten ist.
2. a) Fraglich und zu prüfen ist zunächst, ob die Vorinstanz die Standortevaluation
für die geplante Mobilfunkanlage in rechtsgenüglicher Weise durchgeführt
hat. Auszugehen ist dabei von der Rechtsprechung des Bundesgerichtes zur
Zonenkonformität solcher Anlagen innerhalb der Bauzonen einerseits und
ihrer Standortgebundenheit ausserhalb des Baugebietes.
b) In BGE 133 II 321 hat das Bundesgericht in E. 4.3 die Rechtsprechung zu
Infrastrukturbauten in Bauzonen zusammengefasst. Danach sind sie dort
nicht generell und unabhängig von ihrem Verwendungszweck zulässig. Auch
bei ihnen wird im ordentlichen Baubewilligungsverfahren ein Bezug zu den
Zonenflächen verlangt, auf welchen sie erstellt werden sollen (Art. 22 Abs. 2
lit. a des eidg. Raumplanungsgesetzes [RPG]). So ist für den Bau von nicht in
einem Nutzungsplan vorgesehenen Erschliessungsstrassen eine
Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG erforderlich, soweit Land
beansprucht wird, das ausserhalb der Bauzonen liegt. Allerdings soll nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine Strasse, die Bauland erschliesst,
grundsätzlich durch das Siedlungsgebiet führen und darf nicht Land im
übrigen Gemeindegebiet bzw. in der Landwirtschaftszone beanspruchen. In
der Regel kann daher für eine solche Anlage die Standortgebundenheit
ausserhalb der Bauzonen nicht anerkannt werden. Dies folgt letztlich aus dem
fundamentalen raumplanerischen Grundsatz der Trennung von Bau- und
Nichtbaugebiet. Der Umstand, dass bereits eine - für den neuen Zweck aber
ungenügende - Strasse besteht, ist für sich allein noch kein zwingender
Grund, die Erschliessung künftiger Bauten über diese Strasse zu
bewerkstelligen (BGE 118 Ib 497 E. 4a S. 500). Diese Grundsätze gelten nicht
nur für Erschliessungsanlagen, sondern generell für Infrastrukturanlagen und
zwar sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Bauzonen. Sämtliche Anlagen
der Infrastruktur sind Bestandteil einer umfassenden Planungs- und
Koordinationspflicht (vgl. Art. 2 i.V.m. Art. 3 Abs. 4 und Art. 6 Abs. 3 RPG;
BERNHARD WALDMANN/PETER HÄNNI, Raumplanungsgesetz, Bern
2006, N. 6 zu Art. 19 RPG). Davon sind auch Antennenstandorte für die
Mobiltelefonie nicht ausgenommen. Innerhalb der Bauzonen können sie nur
als zonenkonform betrachtet werden, soweit sie hinsichtlich Standort und
Ausgestaltung in einer unmittelbaren funktionellen Beziehung zum Ort stehen,
an dem sie errichtet werden sollen, und im Wesentlichen Bauzonenland
abdecken. Die Zonenkonformität einer Infrastrukturbaute kann unter
Umständen auch bejaht werden, wenn sie der Ausstattung der Bauzone als
Ganzem und nicht nur speziell dem in Frage stehenden Bauzonenteil dient
(BGE 131 II 321 E. 4.3.1 und 4.3.2).
c) Mobilfunkantennen können nach der Rechtsprechung ausnahmsweise auf
einen Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen sein, wenn eine
Deckungs- oder Kapazitätslücke aus funktechnischen Gründen mit einem
oder mehreren Standorten innerhalb der Bauzonen nicht in genügender
Weise beseitigt werden kann bzw. es bei einem Standort innerhalb der
Bauzonen zu einer nicht vertretbaren Störung der in anderen Funkzellen des
Netzes verwendeten Frequenzen kommen würde. Nicht ausreichend sind
dagegen wirtschaftliche Vorteile des gewählten Standorts (z.B. geringere
Landerwerbskosten; voraussichtlich geringere Zahl von Einsprachen) oder
zivilrechtliche Gründe für die Standortwahl, wie z.B. die Weigerung von
Eigentümern, einer Mobilfunkantenne auf ihren Grundstücken innerhalb der
Bauzonen zuzustimmen (BGE 133 II 321 E. 4.3.3; 133 II 409 E. 4.2 mit
Hinweisen). Unter besonderen qualifizierten Umständen kann sich allerdings
ein Standort ausserhalb der Bauzonen unter Beachtung aller massgebenden
Interessen als derart vorteilhaft erweisen, dass er ausnahmsweise in weiteren
als den vorne genannten Fällen als standortgebunden im Sinne von Art. 24 lit.
a RPG anerkannt werden kann. Im Unterschied zu anderen Bauten und
Anlagen (wie Strassen, Parkplätzen, Deponien, Materialgewinnungsanlagen,
Sportanlagen usw.) können Mobilfunkantennen ausserhalb der Bauzonen
angebracht werden, ohne dafür zwingend neues unüberbautes
Nichtbauzonenland in Anspruch zu nehmen. Dies ist der Fall, soweit sie auf
bestehende Bauten und Anlagen, wie einem bestehenden Antennenmast,
montiert werden. Diesem Umstand ist bei der im Rahmen der
Standortevaluation vorzunehmenden Interessenabwägung, in welche
namentlich Standorte innerhalb aber auch solche ausserhalb der Bauzonen
einzubeziehen sind, Rechnung zu tragen. Bei den Standorten ausserhalb der
Bauzonen können nach dem Gesagten somit nicht mehr nur solche
ausgewählt werden, die für eine angemessene Abdeckung für die
Mobiltelefonie aus technischen Gründen unentbehrlich sind. Vielmehr können
sich bei der genannten Abwägung auch Standorte ausserhalb der Bauzonen
gegenüber solchen innerhalb der Bauzonen als wesentlich geeigneter
erweisen, soweit sie auf bestehenden Bauten und Anlagen angebracht
werden können. Eine entsprechende auf die speziellen Verhältnisse der
Mobilfunktechnik zugeschnittene Bejahung der Standortgebundenheit ist
jedoch an die folgenden, streng zu beachtenden Bedingungen zu knüpfen:
Grundvoraussetzung einer solchen erweiterten ausnahmsweisen Bejahung
der Standortgebundenheit ist, dass die Mobilfunkanlage ausserhalb der
Bauzonen keine erhebliche Zweckentfremdung von Nichtbauzonenland
bewirkt und nicht störend in Erscheinung tritt. Ein positiver Ausgang der
genannten Interessenabwägung reduziert sich somit wie erwähnt
grundsätzlich auf Örtlichkeiten, an welchen sich bereits zonenkonforme oder
zonenwidrige Bauten und Anlagen befinden. Auch wenn sich ein bereits
baulich genutzter Standort im Rahmen der Standortabklärung als klarerweise
besser geeignet erweist als ein Standort innerhalb der Bauzonen, so darf eine
Ausnahmebewilligung für eine Mobilfunkantenne nur erteilt werden, wenn als
zusätzliche Voraussetzung gewährleistet ist, dass dem Vorhaben keine
überwiegenden Interessen entgegenstehen (Art. 24 lit. b RPG; BGE 133 II
321 E. 4.3.3; 133 II 409 E. 4.2).
3. In Bezug auf den von der Gemeinde bewilligten Standort der Mobilfunkanlage
ist Folgendes zu beachten:
Gestützt auf Art. 5 NHG hat der Bundesrat die Verordnung über das
Bundesinventar der geschützten Ortsbilder (VISOS) erlassen. Gemäss Art. 2
VISOS erfolgt die Umschreibung der Objekte und ihre Darstellung auf Plänen,
Fotoaufnahmen und in Texten in gesonderten Veröffentlichungen. In Art. 4a
VISOS ist festgehalten, dass die Kantone das ISOS bei der Erstellung ihrer
Richtpläne gemäss Art. 6-12 des RPG berücksichtigen. "B. als Dorf" figuriert
gemäss Anhang zur VISOS im ISOS.
Gemäss Aufnahme vom Juni/September 1980 sind insbesondere die beiden
Nrn. 1 und 2, der bürgerlich-bäuerliche Strassendorfteil und der bäuerliche
Haufendorfteil, geschützt (Aufnahmekategorie A = Erhalten der Substanz, alle
Bauten, Anlagenteile und Freiräume integral erhalten, störende Eingriffe
beseitigen; Abbruchverbot, keine Neubauten, Detailvorschriften für
Veränderungen). Die Anlage kommt an den Rand der Umgebungsrichtung VI
(verbaute Ebene Bahnlinie-Umfahrung, Aufnahmekategorie b = Erhalten der
Eigenschaften, die für die angrenzenden Ortsbildteile [hier also auch für die
Nrn. 1 und 2] wesentlich sind; Gestaltungsvorschriften und Auflagen für
Neubauten, Bepflanzung usw.; für die Aufnahmekategorien vgl. die
Erläuterungen zum ISOS). Im ISOS B. heisst es dazu: "Gänzlich unterbrochen
ist der Zusammenhang zwischen historischer Ortsbebauung und
Schwemmlandschaft im Süden. Zwischen Bahnlinie und neuer
Umfahrungsstrasse ist ein uneinheitliches Wohn- und Industriequartier
entstanden (Umgebungsrichtung VI), und die anliegende Bachwiese ist zu
einem neuen Wohn- und Ferienquartier geworden (Umgebungsrichtung V).
Auf diese erst locker, aber grossflächig verbauten Bereiche sollte die weitere
Neubautätigkeit beschränkt bleiben." Ein Bauverbot herrscht also in der
Umgebungsrichtung VI keines, indessen ist vor allem die Auswirkung auf die
Nrn. 1 und 2 entscheidend.
Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass sich der Standort der projektierten
Anlage in der qualifizierten Pufferzone des UNESCO-Welterbes "Rhätische
Bahn in der Landschaft Albula/Bernina" befindet. Die UNESCO-Konvention
(SR 0.451.41) hat selbst keine unmittelbare Rechtswirkung für die Schweiz.
Die Umsetzung der Ziele der Konvention erfolgt im Rahmen der
schweizerischen Gesetzgebung (Art. 3ff). Im KRIP UNESCO-Welterbe sind
die diesbezüglichen behördenverbindlichen Bestimmungen festgelegt. Bei
Neubau, Umbau und Erneuerung von Bauten und Anlagen in der qualifizierten
Pufferzone gilt für die Ausführung und Gestaltung eine erhöhte Sensibilität im
Bezug auf die Einordnung in das Orts- und Landschaftsbild und zwar ausser-
und innerhalb des Siedlungsgebietes. Die Sicherstellung erfolgt in erster Linie
durch eine Fachberatung im Bereich der Gestaltung unter Federführung von
Gemeinde und eventuell der BAB-Behörde.
Die Bauberaterin der Gemeinde A. hat am 30. Juli 2009 festgehalten, dass
das Erstellen von hohen Anlagen wie hier insbesondere in der Talebene einen
nicht zu unterschätzenden Eingriff darstelle. Aus gestalterischer und
ästhetischer Sicht solle man bestrebt sein, in dieser Umgebung ein Minimum
an Masten mit Antennen/Mobilfunkanlagen zu erstellen. Zwar sei das
Gesamtbild der Anlage ehrlich, weil sie einem Zweck diene und dies auch
zeige, anhand der Höhe von über 25 m sei sie aber aus gestalterischer Sicht
trotzdem störend. Sie sei je nach Standpunkt von weitem zu erkennen, stehe
optisch am Dorfrand von B. und beeinflusse die Dorfkulisse, insbesondere aus
Süd und Südwest, zum Beispiel von der Kantonshauptstrasse aus. Weniger
störend sei die Ansicht vor Ort, weil sie sich in einem Umfeld anderer
technischer Einrichtungen befinde. Sie erachte das Orts- und Landschaftsbild
als durch das Bauvorhaben beeinträchtigt. Sie schreibt, dass, wenn auf neue
Antennen in keinem Fall verzichtet werden könne, aus gestalterischer Sicht
unbedingt ein bereits bestehender Mast einem neuen vorgezogen werden
sollte, auch wenn die Versorgung nicht dem Maximum entspreche. Müsse aus
übergeordneten Interesse eine neue Anlage gebaut werden, sei der geplante
Standort am Rand der Gemeinde B., entlang der Bahnlinie und in der Nähe
anderer technischer Anlagen einem Standort in der näheren Umgebung der
Dorfzone von B. vorzuziehen.
Am 15. Juni 2010 betrachtete die kantonale Denkmalpflege die Anlage als im
Kontext eines historischen Ortsbildes zweifellos ortsfremd und von potentiell
störender Wirkung. In diesem Sinne stimmte sie dem Vorbehalt der
Bauberaterin zu. Die Standortfrage sollte eingehend geprüft werden. Eine
angemessene Interessensabwägung könne wohl nur auf der Grundlage einer
umfassenden Standortevaluation erfolgen. Das Areal des Umformerwerks für
den Bahnstrom der RhB weise bereits eine hohe Dichte an technischen
Anlagen auf. Hier liege kein Fall vor, der eine erhebliche Beeinträchtigung des
Ortsbildes gemäss Art. 7 Abs. 1 NHG darstelle.
Das ANU hielt am 14. Oktober 2010 fest, dass es die Auffassung der
Bauberaterin teile. Da der KRIP UNESCO-Welterbe ausdrücklich die
Gemeinden mit der Federführung für die Umsetzung der Anforderung
"erhöhte Sensibilität im Bezug auf die Einordnung in das Orts- und
Landschaftsbild" in Bezug auf neue Anlagen beauftrage, dürfe die
Baubehörde nur mit einer sehr guten Begründung von den Anträgen
beziehungsweise Schlussfolgerungen der Bauberatung abweichen. Eine
solche Begründung könnte zum Beispiel darin bestehen, dass kein anderer
Standort in Frage komme, was vorliegend nicht der Fall zu sein scheine.
4. Die hier gemäss KRIP UNESCO-Welterbe obligatorisch beizuziehende
Bauberaterin ist folglich klar der Meinung, der gewählte Standort komme nur
in Frage, wenn ein anderer Standort nicht möglich sei. Gleicher Ansicht ist
sinngemäss die Denkmalpflege, wenn sie schreibt, dass die Standortfrage
eingehend geprüft werden müsse und eine angemessene
Interessensabwägung nur auf der Grundlage einer umfassenden
Standortevaluation erfolgen könne. Das ANU teilt ebenfalls die Auffassung
der Bauberaterin.
Aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und des oben Gesagten
erweist sich die von der Gemeinde vorgenommene Standortevaluation als klar
ungenügend. Die Gemeinde hat den geprüften Alternativstandorten, welche -
ausser dem laut Gemeinde nicht in Frage kommenden Kirchturm - allesamt
ausserhalb der Bauzone liegen, schon aus diesem Grund ihre Eignung
abgesprochen Entscheidend sei aber vor allem, dass die jeweilige Distanz
dieser Alternativstandorte zum Dorf B. zu gross sei, so dass Letzteres trotz
Neubau einer Mobilfunkanlage nur mangelhaft versorgt würde. Zudem
würden entweder die Achse A.- und/oder die ... überhaupt nicht oder nur
partiell versorgt, was zumindest bei fehlender Erschliessung der Achse A.-...
allenfalls einen zusätzlichen Antennenstandort erforderlich machte. Dazu
verwies die Gemeinde auf die Ausführungen im Schreiben der ... AG vom 17.
September 2009, welches aber eine reine Parteibehauptung darstellt.
Insbesondere der Standort ..., der zwar ausserhalb der Bauzone liegt, aber
unter den gegebenen Umständen und der erwähnten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung auch als Standort für eine Mobilfunkanlage in Frage käme,
die hauptsächlich Bauzonen versorgt, kommt nach Auffassung von Gemeinde
und insbesondere ... AG aus versorgungstechnischen Gründen nicht in
Frage, insbesondere, weil er für die UMTS-Versorgung zu weit von der
Bauzone entfernt sei. Dies ist seitens ... AG aber nur behauptet, nicht aber
bewiesen. Die mit der Duplik eingelegten Gebietsabdeckungskarten stellen
ebenfalls blosse Parteibehauptungen dar und sind nicht verifiziert. Die
Gemeinde hat die entsprechenden Behauptungen einfach übernommen.
Zudem legt die Tatsache, dass vorher ... eine Bewilligung zum Bau und
Betrieb einer UMTS-Sendeanlage auf ... erteilt wurde, nahe, die
Versorgungseignung vor allem dieses Standortes einer vertieften Prüfung zu
unterziehen, auch wenn ... von dieser Bewilligung noch keinen Gebrauch
gemacht hat. Die Prüfung hat zusammen mit der Gemeinde B. zu erfolgen,
da die allenfalls möglichen anderen Standorte – insbesondere der Standort ...
- auf deren Gebiet liegen. Die Gemeinde B. ist verpflichtet, bei diesen
Abklärungen mitzuwirken.
Die Gemeinde hat im angefochtenen Entscheid sogar die Auffassung
vertreten, sie sei, nachdem die Zonenkonformität der Anlage in der ZöBA nicht
zur Diskussion stehe, mangels gesetzlicher Grundlagen seitens der
Gemeinde keine Möglichkeit bestehe, gar nicht befugt, unter diesem Aspekt
weitergehend auf den konkreten Standort Einfluss zu nehmen. Dabei schenkt
sie indessen dem ISOS und den Vorschriften über das UNESCO-Welterbe zu
wenig Beachtung. Diese machen das Gebiet, in dem der vorgesehene
Standort liegt, erhöht schutzwürdig. Überdies geht es vorliegend nicht darum,
dem Bauvorhaben die Bewilligung mit der Begründung zu verweigern, es
widerspreche behördenverbindlichen Vorschriften. Behördenverbindlich ist
die Mitwirkung der Bauberatung; das Resultat der Bauberatung hat dann aber
- via Art. 3 NHG (allgemeine Pflicht zur Erhaltung des Landschafts- und
Ortsbildes) - direkten Einfluss auf das Ergebnis des
Baubewilligungsverfahrens.
Hier führen die erhöhten Ortsbildschutzanforderungen am gewählten Standort
dazu, dass dieser nur dann in Frage kommt, wenn kein anderer Standort auch
ausserhalb der Bauzone, wenn die Anforderungen der zitierten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung erfüllt sind, eine befriedigende
Abdeckung ermöglicht. Es könnte allenfalls sogar eine Ersatzlösung mit zwei
oder mehr Standorten als Alternative zum vorliegenden Projekt in Frage
kommen. Ob eine Lösung mit einem anderen Standort (ev. anderen
Standorten) möglich ist, hat die Gemeinde A. nicht genügend abgeklärt. Die
beiden Beschwerden sind daher schon aus diesen Gründen gutzuheissen,
weshalb es sich erübrigt, auf die weiteren Rügen näher einzugehen.
Folgerichtig ist der angefochtene Entscheid ohne Weiteres aufzuheben und
die Angelegenheit zur Weiterführung des Baubewilligungsverfahrens – unter
Mitwirkung der Gemeinde B. - und neuem Entscheid im Sinne der
Erwägungen an die Gemeinde A. zurückzuweisen.
5. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten je zur Hälfte zulasten der
Beschwerdegegnerinnen.
Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG wird die unterliegende Partei in der Regel
verpflichtet, der obsiegenden Partei alle durch den Rechtsstreit verursachten
notwendigen Kosten zu ersetzen. Die Gemeinde und die private Gegenpartei
haben daher die anwaltlich vertretenen Beschwerdeführenden
aussergerichtlich zu entschädigen. Der Rechtsvertreter im Verfahren R 10 86
hat eine Honorarnote über Fr. 10'360.20 eingereicht, welche ausgewiesen ist.
Der Anwalt der Beschwerdeführer R 10 90 hat keine Kostennote unterbreitet.
Sein Honorar wird ermessensweise auf Fr. 10'000.-- festgesetzt.