Decision ID: 1177ce3a-7fd5-5429-ab93-21130cb6ed79
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 23. Dezember 2017 im damaligen Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in B._ um Asyl nach.
Am 4. Januar 2018 wurde er zu seiner Person, zum Reiseweg sowie sum-
marisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am
24. April 2019 hörte ihn das SEM einlässlich zu den Asylgründen an (An-
hörung).
B.
Anlässlich seiner Befragungen machte er zu seinem persönlichen Hinter-
grund sowie zu seinen Ausreisegründen im Wesentlichen geltend, dass er
persischer Ethnie, im Iran geboren und in der Ortschaft C._ in der
Nähe der Stadt D._ (Provinz E._) aufgewachsen sei. Sein
Grossvater väterlicherseits, der iranischer Staatsangehöriger gewesen sei,
sei mit seiner Grossmutter väterlicherseits, welche keine Identitätspapiere
besessen habe, eine heimliche Ehe eingegangen. Aus diesem Grund sei
sein Vater, der bereits verstorben sei, als Sohn einer papierlosen Frau im
Iran nirgends registriert worden und habe folglich ebenso wenig die irani-
sche Staatsangehörigkeit besessen. Auch er sei infolgedessen nicht als
iranischer Staatsangehöriger wahrgenommen worden und habe über keine
Identitätsdokumente verfügt. Aufgrund dieser Umstände habe er die
Schule nicht besuchen, nicht arbeiten und auch nicht heiraten können. Sein
Bruder F._ (N [...]) habe dieselben Probleme gehabt. Er befürchte,
von den iranischen Behörden verhaftet, in ein Lager eingesperrt und in ein
fremdes Land geschickt zu werden. Zu konkreten Problemen mit den Be-
hörden sei es vor der Ausreise jedoch nicht gekommen. Da er im Iran keine
Zukunft gesehen habe, sei er im Juli 2016 illegal ausgereist.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer die Kopie eines Familien-
registerauszugs des Onkels väterlicherseits, die Kopien eines Todes-
scheins des Onkels väterlicherseits, eines Todesscheins des Urgrossva-
ters sowie eines Todesscheins des Grossvaters, Kopien der Ausweisdoku-
mente der Mutter, die Kopie eines Familienregisterauszugs des Grossva-
ters väterlicherseits, Kopien seiner Gesundheitskarte und der Gesund-
heitskarten seiner Geschwister, die Kopien medizinischer Akten aus Grie-
chenland, die Kopie des Identitätsausweises des Grossvaters mütterlicher-
seits, die Kopie eines Kaufvertrags betreffend eine Immobilie, Kopien der
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Todesregisterauszüge des Grossvaters und der Grossmutter mütterlicher-
seits, die Kopien von Fotos des Grabsteins seines Vaters sowie eine Kopie
des N-Ausweises des Bruders zu den Akten.
C.
Am 3. April 2020 wurde bei der Schweizer Botschaft in Teheran eine Ab-
klärung in Auftrag gegeben und am 23. Juni 2020 dem Beschwerdeführer
schriftlich das rechtliche Gehör zu den Abklärungsergebnissen gewährt.
D.
Mit Eingabe vom 17. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer zu den Abklä-
rungsergebnissen Stellung und reichte eine Kopie der Todesbescheinigung
des Vaters sowie Kopien von Familienfotos als weitere Beweismittel zu den
Akten.
E.
Mit Verfügung vom 10. August 2020 – eröffnet am 12. August 2020 – stellte
das SEM fest der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug an.
F.
Mit Eingabe vom 11. September 2020 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung der Vo-
rinstanz und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventu-
aliter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine Staatenlosigkeit
anzuerkennen, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu
gewähren. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und es sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege einschliesslich des Verzichts auf Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sowie die Beiordnung eines unentgeltli-
chen Rechtsbeistandes.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seiner Geburts-
urkunde, Kopien der Impfausweise von ihm, seiner Schwester und seinem
Bruder, Kopien der Geburts- und der Todesurkunde des Vaters, Kopien der
Geburts- und der Todesurkunde des Grossvaters väterlicherseits, Kopien
der Geburts- und Todesurkunde des Onkels väterlicherseits, eine Kopie der
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Todeskurkunde des Urgrossvaters väterlicherseits, eine Kopie der Bezeu-
gung der Ehe der Eltern, Kopien iranischer Gerichtsdokumente, eine Kopie
des Vertrages betreffend das Haus der Mutter, Kopien der Ausweise von
Verwandten sowie ein Arztzeugnis der (...) vom 4. September 2020 zu den
Akten.
G.
Mit Schreiben vom 15. September 2020 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Eingang der Beschwerde.
H.
Am 5. Oktober 2020 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine den Be-
schwerdeführer betreffende Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung des (...)
des Kantons G._ ein.
I.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer die mit
Beschwerde in Aussicht gestellten Originale der Beweismittel ein.
J.
Das Bundesverwaltungsgericht zog die Akten des Bruders des Beschwer-
deführers bei (N [...]).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist
als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – vorbehältlich
der Erwägung 1.4 – einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG [vgl. E. 1.2] und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Septem-
ber 2015).
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1.3 Zwar ist im Beschwerdeverfahren die Sprache des angefochtenen Ent-
scheides massgebend, indessen kann das Verfahren in einer anderen
Amtssprache geführt werden, wenn die Parteien eine solche verwenden
(vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG). In Übereinstimmung mit der Beschwerde-
schrift wird das vorliegende Beschwerdeverfahren deshalb in deutscher
Sprache geführt.
1.4 Bei der Anerkennung der Staatenlosigkeit handelt es sich um ein ei-
genständiges Verfahren, welches mittels eines Gesuchs des Beschwerde-
führers beim SEM einzuleiten wäre. Auf das entsprechende Rechtsbegeh-
ren ist nicht einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tat-
sachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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4.
4.1 Zur Begründung ihrer abweisenden Verfügung führte die Vorinstanz zu-
nächst aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforde-
rungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten.
Insofern er geltend gemacht habe, dass die Behörden ihn nicht als irani-
schen Staatsangehörigen anerkannt hätten, sei festzuhalten, dass seine
Aussagen über die von ihm unternommenen Schritte uneinheitlich und so-
gar widersprüchlich ausgefallen seien. Bei der BzP habe er erklärt, dass er
sich bezüglich dieser Angelegenheit nie mit den Behörden in Verbindung
gesetzt habe. An der Anhörung habe er hingegen behauptet, dass er die
Behörden kontaktiert habe, die von ihm jedoch Tests verlangt hätten. Er
habe anschliessend erwähnt, dass seine Mutter diese Anträge mündlich
gestellt habe. Betreffend diese Tests habe er in der Anhörung zuerst ange-
geben, dass er diesen Schritt nicht unternommen habe, weil der Onkel der
zweiten Frau seines Grossvaters bereits verstorben gewesen sei und eine
Exhumierung erforderlich gewesen wäre. Dies habe er sich aus finanziel-
len Gründen nicht leisten können. Später habe er jedoch argumentiert,
dass die Familienmitglieder väterlicherseits mit der Exhumierung nicht ein-
verstanden gewesen seien, weil sie Sunniten seien und seine schiitische
Mutter nicht unterstützen würden. Ebenso vage sei er in Bezug auf die Um-
stände geblieben, aufgrund welcher er nicht zur Schule habe gehen kön-
nen. So habe er in der Anhörung zunächst erwähnt, dass die Islamische
Republik Iran ihm die Möglichkeit zum Schulbesuch verwehrt habe. Dann
habe er zu Protokoll gegeben, dass er nicht zur Schule gegangen sei. Auf
die Frage, ob er es wenigstens versucht habe, habe er sich auf die Aus-
sage beschränkt, dass dies nicht möglich gewesen sei. Schliesslich habe
er anlässlich der BzP am 4. Januar 2018 zu Protokoll gegeben, dass seine
Schwester H._ 13 oder 14 Jahre alt sei. In seiner Stellungnahme
zum rechtlichen Gehör vom 17. Juli 2020 habe er jedoch ein Foto einge-
reicht, dass angeblich seine Schwester, seinen Vater und seine Mutter
zeige. Gemäss seinen Angaben sei das Foto vor 15 Jahren im Heimatdorf
aufgenommen worden, weswegen das Mädchen, welches neben seinem
Vater abgebildet sei, nicht seine Schwester H._ sein könne. Sollte
es sich dennoch um seine Schwester handeln und sollte diese in der Tat
älter sein, sei nicht nachvollziehbar, warum sie im Gegensatz zu ihm im
Iran geblieben sei. Nach dem Gesagten bestehe Grund zur Annahme, dass
er wichtige Informationen über seine Familiengeschichte und die Um-
stände, unter denen ihm Ausweispapiere vorenthalten worden sein, ver-
schweige.
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Aus der Botschaftsabklärung gehe weiter hervor, dass die iranische Staats-
angehörigkeit durch die väterliche Abstammung weitergegeben werde. Un-
ter diesen Umständen und unter der Annahme, dass seine Grossmutter
väterlicherseits über keinerlei Identitätsdokumente verfügt habe, wäre es
seinem Vater möglich gewesen, aufgrund der Nationalität des Grossvaters
väterlicherseits iranische Dokumente zu erhalten. Es sei nicht nachvoll-
ziehbar, dass sein Vater, der offensichtlich mit ähnlichen Problemen kon-
frontiert gewesen sei wie er, insbesondere im Zusammenhang mit seiner
Ehe, keine Schritte unternommen habe, um seine Situation zu regeln. Da-
nach gefragt, warum dieses Problem über Generationen hinweg fortbe-
standen habe, habe er lediglich erklärt, dass dies damals kein Problem ge-
wesen sei und man einfach sein Leben gelebt habe, ohne auf irgendwelche
Dokumente angewiesen zu sein, was als Erklärung das SEM jedoch nicht
überzeuge. Aktive Schritte, seinen Fall gegenüber den iranischen Behör-
den, gegebenenfalls mit der Hilfe eines Rechtsvertreters, zu klären, habe
er nicht unternommen. Angesichts der Nachteile, mit denen er täglich kon-
frontiert gewesen sei, sei es wenig überzeugend, dass er es bei mündli-
chen Befragungen im Einwohnermeldeamt belassen habe. Sodann habe
die Botschaftsabklärung ergeben, dass gemäss Art. 976 Ziff. 5 des irani-
schen Zivilgesetzbuches selbst bei Wahrunterstellung des Umstandes,
dass sein Vater keine iranischen Identitätsdokumente besessen habe, von
seiner iranischen Staatsangehörigkeit auszugehen sei. Schliesslich handle
es sich bei den von ihm vorgelegten Beweismitteln um Kopien, die seine
Aussagen nicht zu untermauern vermöchten. Die Kopien der Familiendo-
kumente mütterlicherseits seien nicht relevant, da sie nicht geeignet seien,
seine Probleme betreffend Papierlosigkeit zu belegen. Dasselbe gelte für
den Grundstückkaufvertrag, den N-Ausweis seines Bruders und die Ster-
beurkunde seines Urgrossvaters väterlicherseits. Was die Dokumente zu
seiner Familie väterlicherseits angehe, so würden sie zwar mit den im Iran
durchgeführten Abklärungen korrespondieren, indessen deute nichts auf
Unregelmässigkeiten oder auf eine Verbindung zwischen ihm und der Fa-
milie I._ hin. Darüber hinaus habe er keine Unterlagen über allfäl-
lige Bemühungen zur Legalisierung seiner Situation und zum Nachweis
seiner Abstammung von der Familie I._ gegenüber den iranischen
Behörden zu den Akten gereicht.
Letzten Endes würden seine Vorbringen auch den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. So sei das
angebliche Fehlen von Dokumenten nicht das Ergebnis einer Verfolgung
im Sinne von Art. 3 des AsylG, sondern lediglich eine administrative Kon-
sequenz des angeblichen Fehlens von Dokumenten seiner Grossmutter
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väterlicherseits. Auch vermöchten die von ihm angeführten Schwierigkei-
ten keinen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu be-
gründen. Ohne die extrem schwierigen Lebensbedingungen und das Aus-
mass des psychischen Druckes einer im Iran lebenden Person ohne Pa-
piere zu verkennen, erreichten die von ihm aufgezählten Nachteile im All-
tag (fehlende Schul- beziehungsweise Berufsbildung, Angst vor den Be-
hörden) die hohe Schwelle der asylrelevanten Verfolgungsintensität nicht.
Darüber hinaus scheine aufgrund seiner Aussagen sowie der einschlägi-
gen iranischen Rechtsbestimmungen, nämlich Art. 976 Abs. 2 und Art. 976
Abs. 5 des iranischen Zivilgesetzbuches, klar zu sein, dass er die iranische
Staatsangehörigkeit, gegebenenfalls mit Hilfe eines Rechtsvertreters, be-
anspruchen könne und es sei ihm zuzumuten, diesbezüglich Schritte zu
unternehmen.
4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer zunächst
vor, dass er gewisse Elemente des Sachverhaltes im vorinstanzlichen Ver-
fahren nicht richtig erzählt habe, wofür er sich entschuldige. Er habe sich
in einer Zwangslage befunden, wobei sein psychisch labiler Zustand an-
lässlich der Anhörung auch der anwesenden Hilfswerksvertretung aufge-
fallen sei. Sein richtiger Name sei J._ und der richtige Name seines
Bruders F._ sei K._ I._. Da sie den Islam ablehnten,
hätten sie ihre Vornamen jedoch zu A._ und F._ geändert
und diese Namen deshalb bei den griechischen und auch den schweizeri-
schen Behörden angegeben. Sein richtiges Geburtsdatum sei der (...). In
Griechenland sei ihm von einem anderen Afghanen gesagt worden, er solle
sich für sein Asylgesuch jünger machen. Er habe deshalb sowohl gegen-
über den griechischen als auch den schweizerischen Behörden ein fal-
sches Geburtsjahr angegeben. Aus Angst vor negativen Konsequenzen
habe er nicht die Wahrheit gesagt. Sein Grossvater habe zwei Mal gehei-
ratet. Seine zweite Ehefrau habe keine Identitätsdokumente gehabt, wes-
halb sie heimlich geheiratet hätten. Aufgrund der heimlichen Heirat seien
keine Identitätsdokumente für seinen Vater, der aus dieser Ehe hervorge-
gangen sei, ausgestellt worden. Da sein Vater keine solchen Dokumente
besessen habe und die Ehe seiner Eltern nie offiziell registriert worden sei,
habe auch er nie heimatliche Ausweisdokumente erhalten, weshalb er nie
die Schule besuchen und auch keine anderen staatlichen Leistungen in
Anspruch habe nehmen können. Das Leben im Iran sei deshalb sehr
schwierig gewesen. Er habe in ständiger Angst vor einer Ausschaffung ge-
lebt und viele Dinge seien ihm verwehrt geblieben. Die Belastung, die mit
dieser Situation einhergegangen sei, sei für ihn unerträglich gewesen und
habe schliesslich zur Ausreise geführt. Er habe einen Bruder (F._)
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und drei Schwestern namens H._, M._ und N._.
Seine beiden älteren Schwestern würden im Iran unter falschen Namen mit
Ausweisen von bereits verstorbenen Personen leben, da auch sie nie Iden-
titätsdokumente erhalten hätten. Er habe seine beiden älteren Schwestern
gegenüber der Vorinstanz verschwiegen, da er negative Konsequenzen für
sie befürchtet und gedacht habe, die Schweiz könnte den iranischen Be-
hörden mitteilen, dass seine Schwestern im Iran unter einer falschen Iden-
tität lebten. Seine Schwester H._ sei heute ungefähr 24 Jahre alt.
Er entschuldige sich auch dafür, falsche Angaben in Bezug auf ihr Alter
gemacht zu haben. Nach dem Tod seines Vaters habe seine Mutter mit
Hilfe einer Anwältin ein Gerichtsverfahren angestrengt, um ihre Heirat und
somit auch den Status ihrer Kinder zu legalisieren. Von diesem Verfahren
habe er der Vorinstanz aus Angst ebenfalls nichts erzählt. Das Gericht
habe ihre Klage jedoch abgewiesen und gesagt, die Abstammung müsse
mit einem Blut- und DNA-Test nachgewiesen werden. Ein solcher Abstam-
mungstest müsse im Iran gemäss iranischem Recht zwingend an männli-
chen Verwandten durchgeführt werden. Von seiner Familie väterlicherseits
lebten jedoch nur noch seine Cousine, weshalb sie zur Durchführung eines
solchen Tests das Grab seines Onkels väterlicherseits hätten öffnen müs-
sen. Dies sei jedoch nicht möglich gewesen, wie er bereits der Vorinstanz
erklärt habe. Er reiche mit der Beschwerde weitere Beweismittel ein, wel-
che seine Herkunft sowie den Umstand belegen würden, dass er im Iran
alles Zumutbare unternommen habe, um einen Ausweis zu erhalten. Die
Originale habe seine Schwester M._ im Iran am 7. September 2020
der Post übergeben. Sobald diese in der Schweiz einträfen, würde er sie
nachreichen. Da er gewisse Sachverhaltselemente aus seinem Leben vor
der Vorinstanz nicht habe richtig vorbringen können und letztere die mit
Beschwerde eingereichten neuen Beweismittel in Bezug auf seine Asylvor-
bringen nicht habe würdigen können, sei die Sache für weitergehende Ab-
klärungen sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Falls das Gericht zum Schluss komme, es sei entgegen seiner Ausführun-
gen keine Rückweisung an die Vorinstanz notwendig, so sei festzustellen,
dass er mit den neu eingereichten Beweismitteln seine Asylvorbringen, ins-
besondere den Umstand, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, im Iran
einen Ausweis zu erhalten, habe glaubhaft machen können. Es sei ihm im
Iran nicht möglich gewesen, Papiere über seine Mutter zu beschaffen, da
er und seine Geschwister nicht offiziell als deren Kinder registriert worden
seien, weil eben auch die Ehe seiner Mutter mit seinem Vater damals nicht
offiziell registriert worden sei.
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5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz
nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG) und kann auf Beschwerdeebene
eine Motivsubstitution vornehmen.
5.2 Das Bundesverwaltungsgericht konzentriert sich nachfolgend auf die
Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers (Art. 3 AsylG). Ob
diese darüber hinaus – wie von der Vorinstanz festgestellt – als unglaubhaft
zu qualifizieren sind, kann vorliegend offengelassen werden.
5.3 Zunächst gilt es an dieser Stelle erneut festzuhalten, dass das vorlie-
gende Asylverfahren keinen Raum bietet, die Frage einer (formellen) Aner-
kennung der Staatenlosigkeit zu überprüfen (vgl. dazu bereits vorgängig
E. 1.4). Die Frage der Staatsangehörigkeit ist jedoch mit Blick auf die Prü-
fung, ob der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG erfüllt, von Bedeutung. In diesem Zusammenhang hat die Vo-
rinstanz zutreffend auf Art. 976 Ziff. 2 und Art. 976 Ziff. 6 des iranischen
Zivilgesetzbuches verwiesen. Gemäss Art. 976 Ziff. 2 des iranischen Zivil-
gesetzbuches gelten alle Personen, deren Vater die iranische Staatsange-
hörigkeit besitzt, ebenfalls als iranische Staatsangehörige. Heiratet ausser-
dem ein iranischer Mann eine ausländische Frau, erlangt diese gemäss
Art. 976 Ziff. 6 des iranischen Zivilgesetzbuches von Gesetzes wegen die
iranische Staatsangehörigkeit. Angesichts dieser klaren gesetzlichen Best-
immungen ist davon auszugehen, dass sowohl die Grossmutter väterli-
cherseits sowie der Vater des Beschwerdeführers über die iranische
Staatsangehörigkeit verfügt habe und auch der Beschwerdeführer als ira-
nischer Staatsangehöriger gilt. Das Vorbringen des Beschwerdeführers,
die Ehe zwischen seinen Grosseltern väterlicherseits sei heimlich ge-
schlossen worden, weshalb sein Vater nirgends registriert worden sei, ver-
mag angesichts des Umstandes, dass die Vererbung der Staatsangehörig-
keit gemäss den vorstehend zitierten gesetzlichen Bestimmungen über die
männliche Linie erfolgt, nicht zu überzeugen. Sodann gelten gemäss
Art. 976 Ziff. 5 des iranischen Zivilgesetzbuches jene Personen, die zwar
im Iran geboren worden sind, deren Vater jedoch eine ausländische Staats-
angehörigkeit besitzt und die unmittelbar nach Vollendung des achtzehnten
Lebensjahres mindestens noch ein Jahr im Iran gelebt haben, ebenfalls als
iranische Staatsangehörige. Der Beschwerdeführer erfüllt diese Vorausset-
zungen offensichtlich, ist er doch gemäss eigenen Angaben im Iran gebo-
ren, stammt von einer iranischen Mutter ab und hat unmittelbar nach Voll-
endung des achtzehnten Lebensjahres länger als das vorausgesetzte Jahr
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im Iran gelebt. Somit wäre selbst bei behaupteter nicht-iranischer Staats-
angehörigkeit des Vaters davon auszugehen, dass er als iranischer Staats-
angehöriger gilt und nicht bloss die iranische Staatsangehörigkeit erlangen
kann. Demzufolge ist es dem Beschwerdeführer möglich und zumutbar,
seinen in Art. 976 Ziff. 2 und Art.976 Ziff. 5 des iranischen Zivilgesetzbu-
ches vorgesehenen Anspruch auf die iranische Staatsangehörigkeit bezie-
hungsweise den Erhalt iranischer Identitätsdokumente nötigenfalls mit
Hilfe eines Rechtsbeistandes, einzufordern. Angesichts der klaren Rechts-
lage sind weder die Ausführungen auf Beschwerdeebene noch die einge-
reichten Beweismittel geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu führen,
zumal sie sich nicht auf diesen Aspekt beziehen. In diesem Zusammen-
hang erübrigt sich auch die vom Beschwerdeführer beantragte Rückwei-
sung an die Vorinstanz.
5.4 Weiter hat die Vorinstanz zu Recht erkannt, dass die vom Beschwer-
deführer aufgeführten Nachteile aufgrund seiner geltend gemachten Pa-
pierlosigkeit nicht geeignet sind, einen ernsthaften Nachteil im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 AsylG darzustellen. Darunter fallen nämlich lediglich Mass-
nahmen, welche Leib, Leben oder die Freiheit gefährden oder einen uner-
träglichen psychischen Druck bewirken. Das Gericht verkennt zwar weder
die äusserst schwierigen Lebensumstände des Beschwerdeführers im
Iran, noch unterschätzt es das Ausmass des psychischen Druckes, wel-
chem der Beschwerdeführer ausgesetzt war. Indes erreichen nach Urteil
des Gerichts die vorgebrachten mit seiner „Staatsangehörigkeit“ im Zu-
sammenhang stehenden unterschiedlichen Probleme im Alltag die hohe
Schwelle der asylrelevanten Verfolgungsintensität nicht (vgl. BVGE
2014/29 E. 4.4 m.w.H.; BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1).
5.5 Demnach hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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Seite 12
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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Seite 13
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zuläs-
sig.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Die allgemeine Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt. Die allgemein schwierigen Lebensbedingungen al-
lein vermögen ebenfalls keine konkrete Gefährdung zu begründen. Auch
in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche eine Weg-
weisung als unzumutbar erscheinen liessen. Beim Beschwerdeführer han-
delt es sich um einen alleinstehenden Mann. Insofern er in der Anhörung
«seelische» Probleme erwähnt hat, hat er selber angegeben, deswegen
bereits im Iran behandelt worden zu sein ([...]), und weiter ausgeführt, zur-
zeit gehe es ihm gut. Unter Berücksichtigung dessen, stehen auch die im
Arztbericht vom 4. September 2020 erwähnten Beschwerden dem Weg-
weisungsvollzug nicht entgegen, zumal Im Iran Zugang zur medizinischen
und psychotherapeutischen Behandlung besteht (vgl. World Health Orga-
nization [WHO], Mental Health Atlas 2017 – Islamic Republic of Iran, 2017,
https://www.who.int/mental_health/evidence/atlas/profiles-
2017/IRN.pdf?ua=1, abgerufen am 9. Februar 2021; BVGer E-7009/2014
vom 23. März 2016 E. 7.4.3). Der Beschwerdeführer verfügt im Iran über
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ein soziales Beziehungsnetz ([...]), das ihm bei der Reintegration behilflich
sein kann, wobei die Familie mit der Vermietung einer Immobilie Einkom-
men generiert ([...]). Sodann hat der Beschwerdeführer angegeben, er
habe in den zwei Jahren vor seiner Ausreise zusammen mit seinem Bruder
als Masseur gearbeitet ([...]). Es ist demnach davon auszugehen, dass ihm
der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz möglich sein wird. Blosse sozi-
ale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölke-
rung im Allgemeinen betroffen ist, genügen sodann nicht, um eine konkrete
Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darzustellen (vgl. BVGE
2008/34 E. 11.2.2).
7.3.3 Auch die Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug nicht
entgegen. Denn die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [E-
MARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es sich
– wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem
somit im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden
Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situa-
tion im Heimatland angepasst wird.
7.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutre-
ten ist.
9.
9.1 Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist
mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos geworden. Der Be-
schwerdeführer ersuchte um die Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um die Einsetzung eines amtlichen
Rechtsbeistandes (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Aus den vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben.
Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gege-
ben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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