Decision ID: c9ab7625-18fc-480c-a20a-5b1c98b3bf97
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 2013 geborene
X._
erlitt infolge einer Kollision mit einem Linien
bus
, welche sich am 21. Juni 2019 ereignet hatte,
schwere Verletzungen,
auf
grund
derer
ihr im Rahmen der ärztlichen Behandlung der linke Fuss
teil
amputiert werden musste (Urk.
6/
1, 6/
20 S. 42 f.
und S. 46 f.
).
Mit de
m
Ziel,
so
wohl
die Gehfähigkeit
als auch
das psychische Wohlbefinden wiederzuerlangen
,
wurde
die Versicherte nach Abschluss der Spitalbehandlung von 29. Juli bis 22. November 2019
zur
stationäre
n
Rehabilitation
ins Rehabilitationszentrum
Z._
zugewiesen
(
Urk. 6/1
2
).
1.2
Am
24. Januar 2020 meldeten die Eltern
die Versicherte bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug
einer
Hilflosenentschädi
gung für Minderjährige an (Urk. 6/2)
.
Mit Schreiben vom 25. März 2020
sowie vom 20. August 2020
erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache
n
für eine Vorfuss-Prothese links für den Zeitraum vo
n
21. Januar 2020 bis 31. Januar 203
0
(Urk. 6/24)
und
für orthopädische Spezialschuhe
sowie
für orthopädische Ände
rungen/Schuhzurichtungen an orthopädischen Spezialschuhen
für den Zeitraum vo
n
9. Juni 2020 bis 31. Januar 2030
(Urk. 6/57)
.
Nach durchgeführtem Vorbe
scheid
verfahren (
Vorbescheid
vom 16. Juli 2020
[
Urk. 6/50
]; Einwand
vom 31. August 2020 [Urk. 6/63]) lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. Oktober 2020 das Gesuch um
Hilflosenentschädigung für Minderjährige
ab (Urk. 6/71).
1.
3
Mit Schreiben vom 29. Januar 2020
hat
te
der Krankenversicherer der Ver
si
cher
ten,
die SWICA Krankenversicherung AG
(nachfolgend: SWICA)
,
die Ver
sicherte bei der IV-Stelle
zum Bezug von
medizinische
n
Massnahmen an
gemeldet
und
aufgrund erbrachter Vorleistungen
gemäss Art. 70 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
um Kostenüber
nahme des erfolgten Rehabilitationsaufenthaltes
ersucht
(Urk. 6/12).
In der Folge
holte die IV-Stelle Arztbericht
e
ein (Urk. 6/21)
und lehnte, nach durchgeführtem Vor
be
scheidverfahren (Vorbescheid vom
2. Juli 2020
[Urk. 6/45]; Einwand
der SWICA
vom 31. Juli 2020 [Urk. 6/53])
,
mit Verfügung vom 22. September
2020 die Koste
n
übernahme
des Rehabilitationsaufenthaltes
ab (Urk. 2
/1
[= Urk. 6/68]).
2.
Gegen die Verfügung vom 22. September 2020 (Urk. 2/1)
erhob die SWICA m
it Eingabe vom 19. Oktober 2020 Beschwerde
und beantragte
, die IV-Stelle sei zu
verpflichten, die Kosten der stationären Rehabilitation vo
n
29. Juli bis 22. Novem
ber 2020 als medizinische Massnahme zu übernehmen und SWICA die erbrachten Vorleistungen respektive der Versicherten die Kostenbete
iligung zurückzu
er
stat
ten, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be
schwerdegegnerin (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 25. November 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
Mit Verfügung vom 13. Januar 2021 wurde die gesetzlich durch ihre Mutter ver
tretene Versicherte zum Prozess beigeladen (Urk. 7). Die Beigeladene liess sich innert Frist nicht vernehmen, was den Parteien
mit Verfügung vom
3. März 2021 angezeigt und
zugleich
ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet wurde (Urk. 9).
Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 12. März 2021 vollumfänglich an ihre
m
Antrag
fest (Urk. 10),
während
die IV-Stelle auf das Erstatten einer Duplik
verzichtete
(Urk. 14), was den Parteien mit Verfügung vom
12. April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 12
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen,
die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern un
mittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Auf
gabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor we
sent
lich
er Beeinträchtigung zu bewahren.
Als medizinische Massnahmen im Sinne von Art. 12 IVG gelten
nach
Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Inva
liden
ver
sicherung (IVV)
namentlich chirurgische, physiotherapeutische und psy
chothera
peutische Vorkehren, die eine als Folgezustand eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalls eingetretene Beeinträchtigung der Körperbe
wegung, der Sinneswahrnehmung oder der Kontaktfähigkeit zu beheben oder zu mildern trachten, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben
bereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beein
trächtigung zu bewahren
.
Die Massnahmen müssen nach be
währter Erken
ntnis
der medizini
schen Wissenschaft angezeigt sein und den Eingliederungs
erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben
.
Der Eingliederungserfolg ist bei jüngeren Versicherten als dauernd zu betrachten, wenn er wahrscheinlich während eines bedeutenden Teils der konkreten Aktivi
tätserwartung, welche ihrerseits nicht wesentlich herabgesetzt sein darf, erhalten bleiben wird. Bestehen Nebenbefunde, welche geeignet sind, die Aktivitätserwar
tung trotz der medizinischen Massnahme wesentlich herabzusetzen, ist die Dauer
haftigkeit des Eingliederungs
erfolges
zu verneinen (Urteil des Bundesgerichts 9C_695/2009 vom 1. Dezember 2009 E.
2.1). Ob der Eingliederungserfolg dauer
haft sein wird, ist prognostisch zu beurteilen. Massgebend ist der medizinische Sachverhalt vor Durchführung der Massnahme in seiner Gesamtheit. Die erfor
derliche Prognose bei einem Kind muss zwei Aussagen enthalten: Zunächst muss erstellt sein, dass ohne die vorbeugende Behandlung in naher Zukunft mit Wahr
scheinlichkeit eine bleibende Beeinträchtigung eintreten würde; zugleich muss erstellt sein, dass durch die Behandlung ein stabiler Zustand herbeigeführt werden kann, in welchem vergleichsweise erheblich verbesserte Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit bestehen (Urteile des Bundesgerichts
9C_677/2017 vom 8. Juni 2018 E.
2.2 und 8C_632/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1; Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011
, S.
155 Rz.
245).
1.
2
Nach der Rechtsprechung hat die Invalidenversicherung nicht nur medizinische Massnahmen zu übernehmen, die unmittelbar auf die Be
seitigung oder Korrektur
stabiler Defektzustände oder Funktionsausfälle gerichtet sind, sondern auch solche
, die bei einstweilen noch labilem Leidenscharakter einen die berufliche Ausbil
dung oder die künftige Erwerbsfähigkeit beeinträch
tigenden Defektzustand vor
beu
gen. Dies ist der Fall, wenn ohne die betreffende Vorkehr in absehbarer Zeit eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabili
sierter Zustand einträte, wo
durch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt würd
en
(Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2012 vom 20. August 2012 E. 3 mit Hinwei
sen
). Die entsprechenden Kosten werden bei Minderjährigen also von der Invaliden
versicherung getragen, wenn das Leiden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheb
lich behindernden stabilen patholo
gischen Zustand führen würde (BGE 131 V 9 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.
3
Art. 12 IVG strebt insbesondere eine Abgrenzung zwischen dem Geltungsbereich der Invalidenversicherung und dem der Krankenversicherung und der Unfallver
sicherung an. Grundsätzlich erfolgt die Behandlung der Unfallfolgen unabhängig
von der Dauer der unfallbedingten Gesundheitsbeeinträchtigung zunächst im Be
reich der Unfallversicherung (BGE 140 V 246 E. 7.5.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_648/2010 vom 12. Januar 2011 E. 2.3). Gemäss Art. 2 Abs. 4 IVV gilt die Behandlung von (unfallbedingten) Verletzungen denn auch nicht als medizini
sche Massnahme im Sinne von
Art.
12 IVG. Stabile
–
oder relativ stabilisierte
–
unfallbedingte Defekte können hingegen Anlass zu Eingliederungsmassnahmen nach Art. 12 IVG geben, sofern kein enger sachlicher und zeitlicher Zusammen
hang mit den primären Unfallfolgen besteht (Urteile des Bundesgerichts 9C_748/2012 vom 12. April 2013 E.
2.1 und U
91/02 vom 21. Oktober
2003 E. 3.2;
ferner
BGE 102 V 69 E.
1). Gemäss der Rechtsprechung ist ein enger sach
licher Zusammenhang mit den primären Unfallfolgen gegeben, wenn die medi
zinische Vorkehr mit der Unfallbehandlung einen einheitlichen Komplex bildet, wobei für die Beurteilung ausschliesslich der Zeitpunkt der Entstehung des De
fektes und nicht der Zeitpunkt der Diagnosestellung oder der Durchführung der Massnahme ausschlaggebend ist. Eine Massnahme, die schon während der Un
fallbehandlung als voraussichtlich notwendig erkennbar war, ist keine Eingliede
rungsmassnahme der Invalidenversicherung (BGE 140 V 246 E. 7.5.1 und 114 V 18 E.
1b). Wenn ein enger und sachlicher Zusammenhang mit den Unfallfolgen besteht, fällt die Leistungspflicht der Invalidenversicherung daher ausser Betracht (Urteil des Bundesgerichts 9C_748/2012 vom 12. April 2013 E. 2.2). Der zeitliche
Zusammenhang mit der Unfallbehandlung wird von der Rechtsprechung als un
ter
brochen betrachtet, wenn der Defekt ohne Behandlung länger, das heisst
in der Regel während 360 Tagen
stabil war und die versicherte Person im Rahmen der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit tätig sein konnte, wobei die massgebende Zeitspanne für die Beurteilung des zeitlichen Zusammenhanges mit dem Eintritt des stabilen Defektzustandes nach Abschluss der primären Unfallbehandlung beginnt und zum Zeitpunkt der erstmaligen Indikation der neuen Behandlungs
vorkehr endet (Urteil des Bundesgerichts 9C_748/2012 vom 12. April
2013 E.
2.3.1;
ferner
BGE 114 V 18).
1.4
In einem Entscheid aus dem Jahre 2013 betreffend ein unter einem unfallbeding
ten
Hemisyndrom
n
ach Schädel-Hirntrauma leidendes
versichertes Kind (Urteil 9C_748/2012 vom 12. April 2013) erwog das Bundesgericht, dass eine Zeitspanne zwischen dem Unfallereignis und dem Beginn eines stationären Rehabilitations
aufenthaltes von rund zehn Wochen Dauer den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen der
elf
Tage nach dem Unfall begonnenen Frührehabilitation und dem anschliessenden stationären Rehabilitationsaufenthalt ni
cht in Frage zu stellen vermöge
und dass von einem längere Zeit ohne Behandlung stabilen Defekt, welcher den zeitlichen Zusammenhang mit der Unfallbehandlung allenfalls zu
unterbrechen vermöchte, bei einer Zeitspanne von zehn Wochen keine Rede sein könne (E. 4.2). Der stationäre Rehabilitationsaufenthalt habe vielmehr in einem hinreichend engen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den Unfallfol
gen gestanden. Auch aus dem Umstand, dass die behandelnden Ärzte nebst der Ergotherapie auch die Weiterführung von Logopädie und der heilpädagogischen Frühförderung empfohlen hätten, liesse nicht darauf schliessen, dass die an
läs
s
lich des fraglichen stationären Rehabilitationsaufenthaltes durchgeführten Thera
pien nicht mehr hauptsächlich die Unfallfolgen betroffen hätten. Sodann gelte es zu berücksichtigen, dass die Unfallbehandlung im Rechtssinn unvollstän
dig sei, wenn sich an die unfallmedizinische Akutversorgung nicht eine ebenso intensive Rehabilitation anschliessen würde, zumal aus medizinischer Sicht aus
ser Zweifel stehe, dass Schädel-
Hirntraumatiker
nicht nur auf der Intensivstation versorgt, sondern auch rehabilitativ betreut werden müssten, was grundsätzlich Sache des Unfallversicherers sei (E. 4.4 mit Hinweis auf BGE 114 V 18 E. 2b).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in
der angefochtenen Verfügung
im Wesentlichen,
gemäss den medizinischen Unterlagen
handle es sich beim Rehabilitationsaufenthalt um keine medizinische Massnahme zur Behandlung von Geburtsgebrechen im Sinne von Art. 13 IVG
;
der
stationäre Aufenthalt
sei vielmehr
infolge eines Unfalles notwendig geworden
.
Aus diesem Grund liege
eine posttraumatische Leidensbe
handlung
vor
, welche
bei Eintritt in die Reha
bilitations
klinik noch nicht abge
schlossen gewesen
sei
,
wie
dem Austrittsbericht vom 13. Dezember 2019
zu
ent
nehmen
sei
. Bei inkompletter Wundheilung, Teilbelastbarkeit und postoperativer Rehabilitation könne nicht von einer medizinischen Massnahme die Rede sein, welche unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
a
benbereich gerichtet sei
.
D
ie Rehabilitation habe mit überwiegender Wahrschein
lichkeit primär der direkten Nachbehandlung nach Amputation sowie der Schaf
fung einer stabilen gesundheitlichen Situation vor Entlassung nach Hause ge
dient,
weshalb eine Kostenübernahme
auch
im Rahmen von Art. 12 IVG nicht erfolgen könne (Urk. 2/1
und 5
).
2.2
Demgegenüber argumentierte die Beschwerdeführerin,
nach Art. 12 Abs. 1 IVG bestehe Anspruch auf Übernahme medizinischer Massnahmen durch die Invali
denversicherung, wenn durch die entsprechende Vorkehr stabile oder relativ sta
bile Folgezustände von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall behoben oder gemildert würden, um die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich verbessern
oder vor wesentlicher Beeinträchtigung bewahren zu können. Nach bundesge
richtlicher Rechtsprechung sei
bei
Minderjährigen gegebenenfalls vom strikten Erfordernis der Korrektur stabiler Funktionsausfälle oder Defekte abzusehen, wes
halb medizinische Vorkehren trotz des noch labilen Charakters des Leidens von
der Invalidenversicherung übernommen würden, wenn
das Leiden mit hinrei
che
n
der Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbil
dung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden stabilen pathologischen Zu
stand führe würde. Sei die Leidensbehandlung abgeschlossen, spiele zudem die Ursache des Funktionsausfalles keine Rolle mehr, zumal auch nach Unfällen die Inva
li
denversicherung leistungspflichtig sei, sobald die Korrektur eines Defektes im Raum
stehe.
D
ie
Beigeladene
habe
eine Amputation hinter sich, welche an sich keine Leistungspflicht der Invalidenversicherung begründe, und
habe
anschlies
send
im Rahmen des Rehabilitationsaufenthaltes
die
nicht mehr vorhandene, für die spätere Eingliederung ins Erwerbsleben indes sehr wesentliche
Gehfähigkeit wiedererlangen müssen
.
Der Rehabilitationsaufenthalt
sei
folglich
auf die Wieder
herstellung eines Funktionsausfalles gerichtet gewesen und
nicht als reine Lei
dens
behandlung anzusehen, sondern als ein Vorkehren, ohne welches die Berufs
bil
dung voraussichtlich beeinträchtigt würde.
Im Zentrum sei nicht die Entlas
sung der
Beigeladenen
nach Hause gestanden, zumal sie auch früher hätte nach Hause entlassen und von ihren Eltern betreut werden können.
Da zudem die Am
putation bereits abgeschlossen und der Zustand deshalb nicht mehr labil sei, son
dern eine gewisse Stabilität erfahren habe, erweise sich die Ablehnung der Leis
tungspflicht als nicht haltbar (Urk. 1
und 10
).
3.
3.1
Die Ärzte des
Spitals A._
,
Rehabilitationszentrum
Z._
, erwähnten im Austrittsbericht vom
13
.
Dezember
201
9 (Urk. 6/1
), dass sich die
Versicherte
am
21
.
Juni
2019
ein schweres
Überroll
trauma am Fuss links
zuge
zogen habe und vo
n
29
.
Juli
bis
22
.
November
201
9
hospitalisiert gewesen sei. Sie stellten die folgende Diagnose (S. 1):
-
Schweres Überrolltrauma Fuss links vom 21. Juni 2019 mit/bei:
-
Degloving
des Weichteilgewebemantels des Vor- und Mittelfusses
-
Substanzdefekt des Weichteilgewebes des Fussrückens
-
dislozierten Frakturen Basis
Ossa
metatarsalia
I-IV, Os
cuneiforme
mediale, Phalanx
proximalis
Digitus
II und IV
Weiter
führten
sie
aus, die
Versicherte
sei notfallmässig per
Helikopter ins
Spital A._
gebracht worden, nachdem sie unkontrolliert mit dem Bobby
-C
ar gegen einen fahrenden Bus kollidiert sei. Dabei seien der linke Fuss und Unterschenkel
unter das Hinterrad des Busses geraten
, was vier Operationen nach sich gezogen habe. Anlässlich der Hospitalisation
im Rehabilitationszentrum
habe die
Versicherte
an einem ärztlich geleitete
n
, intensiven und multimodalen Thera
piepro
gramm teilgenommen, welches Physiothera
pie, Ergotherapie,
medizinische Trai
nings- und Sporttherapie sowie Rehabilitationspflege beinhaltet habe. Auch
das Lappentraining nach Schema sei im Rehabilitationszentrum fortgeführt wor
den
. Während des gesamten Aufenthaltes habe die
Versicherte
die spitalinterne Schu
le besucht und – nach Erhalt ihrer Mobilität – intensives Training am
Loko
mat
erhalten.
Ziel des Aufenthaltes sei die Wiedererlangung der Gehfähigkeit
und
des psychischen Wohlbefindens gewesen.
Während der Rehabilitation habe sich in weitgehend allen Bereichen eine Verbesserung der Funktion gezeigt; die ver
ein
barten Ziele hätten erfolgreich erreicht werden und die
Versicherte
am 22. November 2019 als freie Fussgängerin nach Hause und in ihr angestammtes Umfeld entlassen werden können (S. 2 f.).
3.2
Im Arztbericht vom 21.
Februar 2020 (Urk. 6/21) hielt
Dr.
med.
B._
, Ober
ärztin
A._
,
fest,
die statio
näre Behandlung im Rehabili
ta
tionszentrum
Z._
habe nicht i
n
Zusammenhang mit einem Ge
burtsgebrechen gestanden, auch wirke sich der Ge
sundheitszustand aktuell nicht auf den Schulbesuch oder die berufliche Aus
bildung aus, dies sei jedoch abhängig vom weiteren Verlauf. Allenfalls könnten nicht alle Berufe ausgeübt werden. Zurzeit liege ein noch nicht ganz dynamisches Gangbild bei Vorfussprothese vor.
Die
Versicherte
benötige regelmässige Kon
trollen bei plastischen Chirurgen, Ortho
päden und der Wundberatung, zudem re
gelmässige Physiotherapie.
3.3
Dr. med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der IV-Stelle, hielt in seiner Stellungnahme vom 1. Juli 2020 (Urk. 6/44 S. 2) fest, der Behandlungsbedarf für eine Rehabilitationsbehandlung bestehe aus medizinischer und versicherungsmedizinscher Sicht zweifellos, jedoch handle es sich um eine
Traumafolge
und nicht um ein Geburtsgebrechen.
Auch
sei eine Kostenübernahme im Rahmen von Art. 12 IVG nicht indiziert, da es sich bei der Rehabilitation um eine posttraumatische Leidensbehandlung handle, welche von der Unfallversicherung zu übernehmen sei.
Ergänzend führte Dr.
C._
in seiner Stellungnahme vom 7. August
2020 (Urk. 6/67 S. 2) aus, es habe im Zeitpunkt des Eintrittes in die Rehabilitations
klinik kein stabiler Gesundheitszustand vorgelegen, was durch den Austritts
be
richt vom 13. Dezember 2019 belegt würde: So sei die Zuweisung zur sta
tionären Rehabilitation mit dem Ziel des Wiedererlangens der Gehfähigkeit sowie des psychischen Wohlbefindens erfolgt und
es sei geplant gewesen, das
noch im
Spital A._
begonnene Lappentraining nach Schema im Rehabilitationszentrum
fortzuführen
. Infolge des guten Heilungsverlaufes sei ab 16. August 2019, mithin 18 Tage nach Eintritt in die Rehabilitation, die Belastungsfreigabe erteilt worden, geschlossene Wundverhältnisse hätten ab 25. September 2019 vorgelegen. Bei inkompletter Wundverheilung, Teilbelastbarkeit und postoperativer Rehabili
ta
tion könne nicht von einer medizinischen Massnahme
im Sinne von Art. 12 IVG
die Rede sein, welche unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenberei
ch
gerichtet sei. Vielmehr sei der Rehabilitationsauf
enthalt aus versicherungsmedizinischer Sicht als reine Leidensbehandlung einzu
stufen, wes
halb eine Kostenübernahme nicht gutgeheissen werden könne.
4.
4.1
Dass der
streitige
stationäre Rehabilitationsaufenthalt der
Versicherten
von 29. Juli bis 22.
November
2019
, wie von der IV-Stelle ausgeführt (vgl. Urk. 2/1), mangels Vorliegens eines Geburtsgebrechens nicht gestützt auf Art. 13 IVG über
nommen werden kann, wird von der Beschwerdeführerin vorliegend zu Recht nicht bestritten.
Zu prüfen ist
folglich
, ob der Rehabilitationsaufenthalt
in einem engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit den primären Unfallfolgen stand, mithin ob der Rehabilitationsaufenthalt mit der Unfallbehandlung einen einheitlichen Kom
plex bildete (vgl. vorstehend E.
1.3 f.
).
4.2
Dem
Austrittsbericht der Ärzte des
Spitals A._
, Rehabilitationszentrum
Z._
,
vom 13. Dezember 2019
(vgl. vorstehend E. 3.1)
ist
zu ent
nehmen,
dass
die
Versicherte
infolge eines schweren Überrolltraumas am linken Fuss
nach der notf
allmässigen Zuweisung ins A._
am 21. und 24.
Juni sowie am 1. und 17. Juli 2019 operativ versorgt und anschliessend
von 29. Juli bis 22. November 2019
im Rehabilitationszentrum
Z._
hospitalisiert
war
und dass die Rehabili
tation primär die Wiedererlangung der Gehfähigkeit und des psychischen Wohl
befindens zum Ziel
hatte
.
Im Rahmen der
Rehabilitation hat sich in weitgehend allen Funktionen eine Verb
esserung gezeigt
, so dass die Zie
le erreicht werden konnten.
Im Arztbericht vom 21. Februar 2020
(vgl. vorstehend E. 3.2) hielt
die Ärzt
in
zudem fest, dass zurzeit noch kein ganz dynamisches Gangbild bei Vorfuss
prothese vorliege und die
Versicherte
regel
mässige Kontrollen bei plastischen Chirurgen, Orthopäden und der Wundbe
ra
tung
sowie regelmässige Physiothera
pie benötige.
RAD-Arzt Dr.
C._
hielt
in seiner Stellungnahme vom 7. August 2020 (vgl. vorstehend E. 3.3)
mit Verweis auf den Austrittsbericht vom 13. Dezember 2019
fest, die Belastungsfreigabe sei erst nach Eintritt in die Rehabilitation erteilt wor
den, stabile Wundverhältnisse hätten erst ab 25. September 2019 vorgelegen
,
zu
dem
sei das Lappentraining nach Schema im Rehabilitationszentrum
fortge
führt worden. Bei inkompletter Wundverheilung, Teilbelastbarkeit und postoperativer Rehabilitation sei
der Rehabilitationsaufenthalt als reine Leidensbehandlung ein
zustufen.
4.3
Vor diesem Hintergrund steht einerseits fest, dass der Rehabilitationsaufenthalt der
Versicherten
von 29. Juli 2019 bis 22. November 2019 bereits nach einem verhältnismässig kurzen Zeitraum von knapp sechs Wochen nach dem Unfall am 21. Juni 2019
angetreten wurde
, mit der Rehabilitation folglich unmittelbar nach
der
akutmedizinischen Behandlung
begonnen wurde
.
Angesichts dieser Zeit
spanne
kann von einem Unterbruch des zeitlichen Zusammenhanges, welchen das Bun
des
gericht dann
annimmt
, wenn ein Defekt ohne Behandlung während 360 Tagen stabil war, nicht die Rede sei (vgl. vorstehend E. 1.3
f.
).
Andererseits
war die Unfallbehandlung während des Rehabilitationsaufenthaltes noch nicht abgeschlossen und es stand während des Aufenthaltes die Behandlung
der Unfallfolgen im Vordergrund, was sich bereits daraus ergibt, dass
stabile Wu
ndverhältnisse erst ab 25. September 2019 vorlagen und
das im Rahmen der akutmedizinischen Behandlung begonnene Lappentraining in der Rehabilitation fortgeführt wurde. Die Rehabilitation diente
demnach
der Behebung unfallbe
dingter Funktionseinschränkungen, indem sie auf die Wiederherstellung der Geh
fähigkeit
und folglich der Mobilität
der Beigeladenen ausgerichtet war.
Es ist da
her davon auszugehen, dass bereits unmittelbar nach dem Unfallereignis vom 21.
Juni
2019 vorauszusehen war, dass im Anschluss an die akutmedizinische Behandlung der Unfallfolgen eine rehabilitationsmedizinische Behandlung
mit Physiotherapie, Ergotherapie
sowie medizinischer Trainings- und Sporttherapie
im Rahmen eines stationären Rehabilitationsaufenthaltes notwendig respektive erforderlich war
.
4.4
Nach dem Gesagten
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der streitige Rehabilitationsaufenthalt der Beigeladenen von 29. Juli bis 22. November 2019
in einem hinreichend engen sachlichen und zeitlichen
Zu
sammenhang
mit den primären Unfallfolgen stand und in erster Linie respektive weit überwiegend der Behandlung der Unfallfolgen diente beziehungsweise
mit der Unfallbehandlung einen einheitlichen Komplex bildete
.
Entsprechend stellt der streitige Rehabilitationsaufenthalt keine medizinische Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung im Sinne von Art. 12 IVG
dar, sondern kommt im Bereich der Leistungspflicht der Beschwerdeführerin zu liegen.
Demnach
erweist sich die Verfügung der IV-Stelle vom
22. September 2020
als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.