Decision ID: 026f43d9-906f-462f-8497-94415d2a0ebc
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach erhob am 27. November 2020
Anklage gegen den Beschuldigten wegen Vergewaltigung, mehrfacher
sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern, mehr-
facher Pornografie, mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG,
Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Fahrens ohne Berechtigung, Entwen-
dung eines Fahrzeugs zum Gebrauch, mehrfacher Verletzung der Ver-
kehrsregeln, Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs sowie mehr-
facher Widerhandlung gegen Art. 19a BetmG.
Der Sachverhalt gemäss Anklage lautet wie folgt:
1. Vergewaltigung
Der Beschuldigte hat vorsätzlich eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs genötigt, namentlich indem er sie unter psychischen Druck setzte.
Der Beschuldigte hat die Geschädigte A., geb. tt.mm.2003, [...], am Abend des 22. Dezember 2018 in seinem Schlafzimmer an der X-Strasse in Q. wissentlich und willentlich zur Duldung des Beischlafs genötigt.
Er erklärte der mit dem Oberkörper nach vorne gebückt vor ihm knienden Geschädigten, nachdem er vorher bereits etliche Sex- bzw. Nacktfotos von ihr angefertigt hatte (vgl. hierzu im Detail Ziff. 3.3. hienach), dass er älter sei und deshalb sagen dürfe, was sie machen muss. Er lasse sie erst gehen, wenn sie noch weiter mitmache. Der Beschuldigte versuchte dann seinen Penis von hinten vaginal in sie einzuführen, wobei die Geschädigte ihm mitteilte, dass sie dies nicht wolle.
Der der Geschädigten altersmässig und körperlich überlegene Beschuldigte liess sich dadurch allerdings nicht von seinem Vorhaben abbringen und führte seinen Penis nichtsdestotrotz wissentlich und willentlich in die Vagina der Geschädigten ein und praktizierte den Geschlechtsverkehr bis zum Samenerguss. Die  liess dies trotz Schmerzen über sich ergehen. Einerseits in der Hoffnung, dass der Beschuldigte sie anschliessend gehen lassen würde. Zudem stand sie aufgrund der Tatsache und des Wissens, dass der Beschuldigte aufgrund der vorgängig angefertigten Aufnahmen im Besitz von Sex- und Nackfotos von ihr war, unter einem starken psychischen Druck.
In Anbetracht der geschilderten Umstände, des jugendlichen Alters und der sexuellen Unerfahrenheit der Geschädigten, welche dem Beschuldigten bekannt war, nahm dieser durch seine Aussagen und sein Verhalten zumindest billigend in Kauf, dass die Geschädigte sich psychisch so stark unter Druck gesetzt fühlte und den Beischlaf auch entgegen ihrem Willen duldete.
Die Geschädigte macht eine Zivilforderung dem Grundsatz nach geltend.
2. Mehrfache sexuelle Nötigung
Der Beschuldigte hat mehrfach vorsätzlich eine Person zur Duldung einer sexuellen Handlung genötigt, namentlich indem er sie unter psychischen Druck setzte.
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2.1 Der Beschuldigte hat der Geschädigten A. am 10. Mai 2019 von seinem Wohnort an der X-Strasse in Q. aus via Whatsapp mitgeteilt, dass sie mit ihm auf Snapchat befreundet bleiben und seine dortigen Anweisungen befolgen soll. Ansonsten werde er sämtliche sich in seinem Besitz befindlichen Nacktfotos und intimen Videos, die er im vorigen Jahr von ihr angefertigt hatte, auf einem eigens dafür eingerichteten Instagram-Account veröffentlichen. Diese wäre sodann für alle ihre Freunde sichtbar.
Am darauffolgenden Morgen forderte der Beschuldigte die Geschädigte via Snapchat auf, dass sie ihm bis 10:00 Uhr ein Nacktfoto, auf dem auch ihr Gesicht sichtbar sei, zusenden solle. Die Geschädigte kam dieser Aufforderung nach und sendete dem Beschuldigten gleichentags zwei oben-ohne-Fotos. Dies einzig deshalb, weil sie durch die Drohung des Beschuldigten vom Vorabend hinsichtlich der Veröffentlichung der Bilder psychisch unter Druck gesetzt wurde, was dieser durch seine Drohung zumindest billigend in Kauf nahm.
2.2 Am Abend des 13. Mai 2019 forderte der Beschuldigte die Geschädigte von seinem
Wohnort an der X-Strasse in Q. aus via Snapchat auf, mehrere Nacktfotos sexueller Natur von sich zu erstellen und ihm zukommen zu lassen. So verlangte er ein Foto, auf welchem sie sich einen Finger vaginal einführt sowie ein Foto, das sie komplett nackt zeigt. Weiter verlangte er ein Foto, auf welchem sie sich drei Finger anal einführt. Schliesslich verlangte er Fotos, auf welchen sie sich eine Zahnbürste vaginal und anal einführt. Der Beschuldigte bestand darauf, dass das Gesicht der Geschädigten auf sämtlichen dieser Fotos sichtbar war und abgesehen von dem Ganzkörperfoto sollte die Geschädigte für sämtliche Fotos einen Kamerawinkel wählen, der sie von hinten zeigt. Da der Beschuldigte der Geschädigten bereits am 10. Mai 2019 via Whatsapp mit der Veröffentlichung von intimen Fotos auf Instagram drohte, sollte sie seinen Anweisungen künftig nicht folgen, erstellte die Geschädigte sämtliche der verlangten Fotos und liess diese dem Beschuldigten gleichentags zukommen.
Indem der Beschuldigte der Geschädigten mit der Veröffentlichung von intimen Fotos drohte, nahm er zumindest billigend in Kauf, dass sich die Geschädigte dadurch unter psychischen Druck gesetzt fühlen und die verlangten sexuellen Handlungen aus diesem Grund vornehmen würde.
3. Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern
Der Beschuldigte hat mehrfach vorsätzlich mit einem Kind unter 16 Jahren sexuelle Handlungen vorgenommen, es zu einer solchen Handlung verleitet oder es in eine sexuelle Handlung einbezogen.
Der Beschuldigte nahm von Herbst 2018 bis Mai 2019 folgende sexuelle Handlungen an der Geschädigten A., geb. tt.mm.2003, vor bzw. bezog diese in sexuelle Handlungen ein. Dies obwohl die Geschädigte zum damaligen Zeitpunkt erst 15 Jahre alt war. Der Beschuldigte wusste dabei, dass die Geschädigte zum damaligen Zeitpunkt erst 15 Jahre alt war, rechnete zumindest aber damit, und nahm folglich mindestens billigend in Kauf, dass er die entsprechenden sexuellen Handlungen an einer Person unter 16 Jahren vornimmt:
3.1 Der Beschuldigte hat der Geschädigten A. an einem nicht näher bestimmbaren
Abend im Oktober / November 2018 in Q. wissentlich und willentlich ans Gesäss gefasst und dieses geknetet, wobei er ihr mitteilte, dass sie einen geilen Arsch habe.
Am selben Abend fasste der Beschuldigten der Geschädigten auf einer Sitzbank am Rhein in Q. zudem wissentlich und willentlich mit seiner Hand unter den Pullover und streichelte ihre nackte Haut, küsste sie und knetete ihr Gesäss.
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3.2 An einem nicht näher bestimmbaren Abend im Winter 2018 hat der Beschuldigte
der lediglich mit Unterwäsche bekleideten Geschädigten in seinem Schlafzimmer an der X-Strasse in Q. wissentlich und willentlich ans Gesäss gefasst sowie über den Büstenhalter an die Brüste gefasst.
3.3 Der Beschuldigte hat die Geschädigten am Abend des 22. Dezember 2018 in
seinem Schlafzimmer an der X-Strasse in Q. in Unterwäsche auf seinem Bett in einer klar sexuell geprägten Position (d.h. kniend, mit dem Oberkörper nach vorne gebückt) posieren lassen und davon Fotos angefertigt. Anschliessend hat er ihr die Unterhose nach unten gezogen und ihr einen seiner Finger anal und dann auch vaginal eingeführt und seinen Penis auf ihr Gesäss gelegt, wobei er weiterhin Fotos und Videos anfertigte.
Schliesslich führte der Beschuldigte sodann gegen den Willen der Geschädigten seinen Penis vaginal bei ihr ein und praktizierte den Geschlechtsverkehr bis er schliesslich auf ihren Po ejakulierte (vgl. Ziff. 1 hiervor).
3.4 Der Beschuldigte hat die Geschädigte am 13. Mai 2019 von seinem Wohnort an
der X-Strasse in Q. aus via Snapchat aufgefordert, diverse sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen, Fotos davon zu erstellen und ihm zukommen zu lassen. So musste die Geschädigte sich einen Finger vaginal, drei Finger anal sowie eine Zahnbürste sowohl vaginal, als auch anal einführen. Indem der Beschuldigte diese Fotos verlangte, verleitete er sie wissentlich und willentlich zur Vornahme von sexuellen Handlungen.
3.5 Der Beschuldigte liess der Geschädigten am 13. Mai 2019 von seinem Wohnort an
der X-Strasse in Q. aus via Snapchat vier bis fünf Fotos seines Penis sowie ein Video, welches ihn bei der Selbstbefriedigung zeigte, zukommen. Durch den Versand dieser Fotos und des Videos an die Geschädigte bezog er diese wissentlich und willentlich in seine sexuelle Handlung ein.
4. Mehrfache Pornografie
4.1 Der Beschuldigte hat mehrfach vorsätzlich pornografische Ton- oder Bildaufnah-
men, Abbildungen oder andere Gegenstände solcher Art einer Person unter 16 Jahren angeboten, gezeigt, überlassen und zugänglich gemacht.
4.1.1 Der Beschuldigte hat der Geschädigten A., geb. tt.mm.2003, die zum damaligen
Zeitpunkt 15 Jahre alt war, an einem nicht näher bestimmbaren Abend im Oktober / November 2018 auf einer Sitzbank bei einer Holzhütte am Waldrand an der  in Q. wissentlich und willentlich japanische Zeichentrickfilme mit pornografischem Inhalt auf seinem Mobiltelefon gezeigt. Der Beschuldigte wusste, dass die Geschädigte zum damaligen Zeitpunkt erst 15 Jahre alt war, rechnete zumindest aber damit, und nahm folglich mindestens billigend in Kauf, dass er die pornografischen Bildaufnahmen einer Person unter 16 Jahren zeigte.
4.1.2 Der Beschuldigte liess der Geschädigten, die zum damaligen Zeitpunkt 15 Jahre
alt war, am 13. Mai 2019 von seinem Wohnort an der X-Strasse in Q. aus via Snapchat vier bis fünf Fotos seines Penis sowie ein Video, welches ihn bei der Selbstbefriedigung zeigte, zukommen. Durch den Versand dieser Fotos und des Videos an die Geschädigte überliess er dieser wissentlich und willentlich pornografisches Material. Da er zudem wusste, dass die Geschädigte zum damaligen Zeitpunkt erst 15 Jahre alt war, zumindest aber damit rechnete, nahm er folglich mindestens billigend in Kauf, dass er die pornografischen Bildaufnahmen einer Person unter 16 Jahren zeigte.
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4.2 Der Beschuldigte hat mehrfach vorsätzlich pornografische Ton- oder , Abbildungen oder andere Gegenstände solcher Art, die tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt haben, konsumiert oder zum eigenen Konsum hergestellt, eingeführt, gelagert oder erworben.
4.2.1 Der Beschuldigte hat am 22. Dezember 2018 in seinem Schlafzimmer an der an
der X-Strasse in Q. ein Foto der Geschädigten, die zum damaligen Zeitpunkt 15 Jahre alt war, gemacht, als diese in Unterwäsche auf seinem Bett posiert hat. Anschliessend wies er die Geschädigte an, den Büstenhalter nach oben zu ziehen, sodass ihre Brüste sichtbar waren und fertigte weitere Fotos an. Die Geschädigte musste sich zudem auf dem Bett kniend mit dem Oberkörper nach vorne gekippt positionieren, wobei der Beschuldigte sich hinter ihr befand und ihr schliesslich die Unterhose nach unten zog. Er führte ihr dann einen Finger anal ein und legte anschliessend seinen Penis auf ihr Gesäss. Von sämtlichen dieser Positionen fertigte der Beschuldigte ebenfalls Fotos sowie kurze Videos an, wobei sich diese auf den Genitalbereich konzentrierten. Sämtliche dieser Fotos und Videos stellte der Beschuldigte wissentlich und willentlich für sich selber her. Zudem wusste der Beschuldigte bzw. rechnete damit, dass die Geschädigte zum damaligen Zeitpunkt erst 15 Jahre alt und damit minderjährig war.
4.2.2 Der Beschuldigte hat am 13. Mai 2019 wissentlich und willentlich via Snapchat
Fotos konsumiert, die mit Fokus auf den Genitalbereich zeigten, wie sich die Geschädigte, die zum damaligen Zeitpunkt 15 Jahre alt war, einen Finger vaginal, drei Finger anal sowie eine Zahnbürste sowohl vaginal, als auch anal einführte. Der Beschuldigte wusste, dass die Geschädigte zum damaligen Zeitpunkt erst 15 Jahre alt und damit minderjährig war.
4.2.3. Der Beschuldigte besass zudem seit einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt
vor dem 29. Mai 2019 (Zeitpunkt der Hausdurchsuchung) wissentlich und willentlich auf einer externen Festplatte HGST gespeichert ein Foto (modifiziert am 19.02.2013; 03:23:25 Uhr; 2019_064_04_01.E0), welches das Genitale eines Kindes oder zumindest eines klar minderjährigen Mädchens und einem Penis zeigt, sowie ein weiteres Foto (Beweisnummer 2019_064_04_01.E01), welches das Genitale eines Kindes oder zumindest eines klar minderjährigen Mädchens und zwei Finger zeigt. Die Fotos hatte er im Zeitpunkt der Hausdurchsuchung jedoch bereits gelöscht. Der Beschuldigte wusste bzw. rechnete damit, dass die auf den Bildern gezeigten Personen zumindest klar unter 18 Jahre alt und damit minderjährig waren und nahm den Besitz dieser Bilder dennoch in Kauf.
5. Mehrfache Widerhandlung gegen Art. 19bis des Bundesgesetzes über die
Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe
Der Beschuldigte hat mehrfach vorsätzlich einer Person unter 18 Jahre ohne medizinische Indikation Betäubungsmittel angeboten, abgegeben oder auf andere Weise zugänglich gemacht.
5.1 An einem nicht näher bestimmbaren Abend im Oktober / November 2018 gab der
Beschuldigte der Geschädigten, die zum damaligen Zeitpunkt 15 Jahre alt war, in Q. ohne medizinische Indikation wissentlich und willentlich eine unbekannte Menge Marihuana ab. Der Beschuldigte wusste, dass die Geschädigte zum damaligen Zeitpunkt erst 15 Jahre alt und damit minderjährig war.
5.2 Am Abend des 22. Dezember 2018 gab der Beschuldigte der Geschädigten, die
zum damaligen Zeitpunkt 15 Jahre alt war, in Q. ohne medizinische Indikation wissentlich und willentlich eine unbekannte Menge Marihuana ab. Der Beschuldigte wusste, dass die Geschädigte zum damaligen Zeitpunkt erst 15 Jahre alt und damit minderjährig war.
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6. Fahren in fahrunfähigem Zustand
Der Beschuldigte hat vorsätzlich in angetrunkenem Zustand mit qualifizierter Atemalkohol- oder Blutalkoholkonzentration ein Motorfahrzeug geführt.
Der Beschuldigte führte am 9. Dezember 2018, um 02:14 Uhr, in R., den Personenwagen Toyota Yaris Verso, weiss / AG [...]. Er lenkte das betreffende Fahrzeug, obwohl er vorgängig Alkohol konsumiert hatte und zum Fahrzeitpunkt noch eine minimale Atemalkoholkonzentration von 0.97 mg/l aufwies.
Der Beschuldigte wusste aufgrund des Alkoholkonsums um die mangelnde Fahrfähigkeit. Dennoch lenkte er den Personenwagen und nahm damit das Fahren in fahrunfähigem Zustand (unter Alkoholeinfluss) zumindest billigend in Kauf.
7. Fahren ohne Berechtigung
Der Beschuldigte hat vorsätzlich ohne den erforderlichen Führerausweis ein Motorfahrzeug geführt.
Der Beschuldigte führte am 9. Dezember 2018, um 02:14 Uhr, in R., den Personenwagen Toyota Yaris Verso, weiss / AG [...]. Er lenkte das betreffende Fahrzeug, obwohl er nie im Besitz des dafür notwendigen Führerausweises der Kategorie B war.
Der Beschuldigte wusste um seine fehlende Fahrberechtigung für Fahrzeuge der Kategorie B und nahm damit das Fahren ohne Berechtigung zumindest billigend in Kauf.
8. Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch
Der Beschuldigte hat vorsätzlich ein Motorfahrzeug zum Gebrauch entwendet.
Der Beschuldigte, der nicht über den erforderlichen Führerausweis verfügte, behändigte am 9. Dezember 2018, um ca. 02:00 Uhr, in Q. den Personenwagen Toyota Yaris Verso, weiss / AG [...] von seiner Mutter F.. Der Beschuldigte beabsichtigte, mit dem Personenwagen von Q. nach V. zu fahren, wobei er seine Fahrt aufgrund eines Defekts am Fahrzeug bereits in R. beenden musste. Der Beschuldigte wusste um die fehlende Einwilligung seiner Mutter zur Benutzung des betreffenden Fahrzeuges.
9. Mehrfache Verletzung der Verkehrsregeln
Der Beschuldigte hat mehrfach fahrlässig die Verkehrsregeln des SVG oder der Vollziehungsvorschriften des Bundesrates verletzt, indem er mehrfach eine Sicherheitslinie überfuhr und ein Trottoir befuhr.
9.1 Der Beschuldigte überfuhr am 9. Dezember 2018, kurz nach 02:00 Uhr, im
Umfahrungstunnel in Q. in Richtung T. mit dem Personenwagen Toyota Yaris Verso, weiss / AG [...] mehrfach pflichtwidrig unvorsichtig die Sicherheitslinie.
9.2 Der Beschuldigte fuhr am 9. Dezember 2018, kurz nach 02:00 Uhr, in Q. beim
Kreisverkehr nach der Ausfahrt aus dem Umfahrungstunnel mit dem Personenwagen Toyota Yaris Verso, weiss / AG [...] pflichtwidrig unvorsichtig ungebremst auf das Trottoir.
10. Führen eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges gemäss Art. 93 Abs. 2 lit. a
SVG i.V.m. Art. 29 SVG i.V.m. Art. 57 Abs. 1 VRV
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Der Beschuldigte hat ein Fahrzeug geführt, von dem er weiss oder bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit wissen konnte, dass es den Vorschriften nicht entspricht.
Der Beschuldigte führte am 9. Dezember 2018, ab kurz nach 02:00 Uhr den Personenwagen Toyota Yaris Verso, weiss / AG [...] von Q. kommend. In R. musste er seine Fahrt aufgrund eines Defekts der Kupplung abbrechen. Die Kupplung des betreffenden Fahrzeuges war bereits vor dem 9. Dezember 2018 kaputt, was dem Beschuldigten, der sich zu diesem Zeitpunkt in der Ausbildung zum Automobilfachmann befand, bekannt war, beziehungsweise bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit aufgrund des charakteristischen Geruchs hätte bekannt sein müssen. Der Beschuldigte führte folglich ein Fahrzeug, dass nicht den Vorschriften entsprach, was er zumindest billigend in Kauf nahm.
11. Mehrfache Widerhandlung gegen Art. 19a des Bundesgesetzes über die
Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe
Der Beschuldigte hat mehrfach vorsätzlich und unbefugt Betäubungsmittel für den Eigenkonsum besessen und konsumiert.
11.1 Der Beschuldigte konsumierte an nicht näher bestimmbaren Zeitpunkten im
Zeitraum vom 10. Dezember 2018 bis 13. August 2019 in Q. wissentlich und willentlich eine nicht näher bestimmbare Menge Marihuana.
11.2 Der Beschuldigte konsumierte an nicht näher bestimmbaren Zeitpunkten im
Zeitraum vom 10. Dezember 2018 bis 13. August 2019 in Q. wissentlich und willentlich eine nicht näher bestimmbare Menge halluzinogene Pilze mit dem Wirkstoff Psilocybin.
11.3 Der Beschuldigte war am 9. Dezember 2018, um 02:14 Uhr, in R. wissentlich und
willentlich in Besitz von 0.5 Gramm Marihuana, welches er selbst zu konsumieren beabsichtigte.
11.4 Im Rahmen der Hausdurchsuchung im Zimmer des Beschuldigten am 29. Mai
2019, um 06:25 Uhr, an der X-Strasse in Q. wurden 7 Gramm Marihuana sichergestellt. Das Marihuana befand sich wissentlich und willentlich im Besitz des Beschuldigten, welcher beabsichtigte, dieses selbst zu konsumieren.
11.5 Im Rahmen der Hausdurchsuchung im Zimmer des Beschuldigten am 29. Mai
2019, um 06:25 Uhr, an der X-Strasse in Q. wurden 12 Gramm halluzinogene Pilze mit dem Wirkstoff Psilocybin sichergestellt. Die halluzinogenen Pilze mit dem Wirkstoff Psilocybin befanden sich wissentlich und willentlich im Besitz des Beschuldigten, welcher beabsichtigte, diese selbst zu konsumieren.
2.
Mit Urteil vom 3. November 2021 erkannte das Bezirksgericht Zurzach:
1. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf - der Vergewaltigung i.S.v. Art. 190 Abs. 1 StGB gemäss Ziff. 1 der Anklageschrift, - der sexuellen Handlungen mit Kindern i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB gemäss Ziff. 3.2 der
Anklageschrift, - der Pornografie i.S.v. Art. 197 Abs. 1 StGB gemäss Ziff. 4.1.1 der Anklageschrift,
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- des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges i.S.v. Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG i.V.m. Art. 57 Abs. 1 VRV gemäss Ziff. 10 der Anklageschrift,
- der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Abs. 1 BetmG gemäss Ziff. 11.3 und 11.4 der Anklageschrift.
2. Der Beschuldigte ist schuldig - der mehrfachen sexuellen Nötigung i.S.v. Art. 189 Abs. 1 StGB gemäss Ziff. 1 sowie
2.1 und 2.2 der Anklageschrift, - der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB gemäss
Ziff. 3.1/3.3/3.4 und 3.5 der Anklageschrift, - der mehrfachen Pornografie i.S.v. Art. 197 Abs. 1 und Abs. 5 StGB gemäss
Ziff. 4.1.2/4.2.1/4.2.2 und 4.2.3 der Anklageschrift, - der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG gemäss Ziff. 5.1 und 5.2 der
Anklageschrift, - des Fahrens in fahrunfähigem Zustand i.S.v. Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG gemäss Ziff. 6
der Anklageschrift, - des Fahrens ohne Berechtigung i.S.v. Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG gemäss Ziff. 7 der
Anklageschrift, - der Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch i.S.v. Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG gemäss
Ziff. 8 der Anklageschrift, - der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27
Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 73 Abs. 6 SSV sowie i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 43 Abs. 2 SVG gemäss Ziff. 9.1 und 9.2 der Anklageschrift,
- der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Abs. 1 BetmG gemäss Ziff. 11.1/11.2 und 11.5.
3. 3.1. Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 genannten Gesetzesbestimmungen sowie gestützt auf Art. 40 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt.
3.2. Dem Beschuldigten wird für den Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe gestützt auf Art. 42 i.V.m. Art. 43 StGB der teilbedingte Vollzug gewährt. Die Freiheitsstrafe von 3 Jahren ist im Umfang von 18 Monaten zu vollziehen. Im Umfang von 18 Monaten wird sie aufgeschoben. Die Probezeit für den bedingten Teil der Strafe wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt.
3.3. Die ausgestandene Haft von 1 Tag (vorläufige Festnahme am 29. Mai 2019) wird dem Beschuldigten an die Freiheitsstrafe angerechnet (Art. 51 StGB).
3.4. Der Beschuldigte wird weiter in Anwendung der in Ziff. 2 genannten  sowie gestützt auf Art. 106 StGB zu einer Busse von CHF 500.00 verurteilt.
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen vollzogen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
4. 4.1. Die folgenden Gegenstände werden gestützt auf Art. 69 Abs. 2 StGB eingezogen und vernichtet: - 7 Gramm Marihuana - 12 Gramm halluzinogene Pilze (Psilocybin)
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4.2. Die folgenden Gegenstände werden dem Beschuldigten innert zwei Monaten nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen zurückgegeben: - Nokia Sirocco 8 - externe Festplatte HGST Travelstar 7K 100
5. 5.1. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin [A.] eine Genugtuung in Höhe von CHF 8'000.00 zuzüglich Zins zu 5 % seit 1. Februar 2019 zu bezahlen.
5.2. Die übrigen Forderungen der Zivil- und Strafklägerin werden auf den Zivilweg verwiesen.
5.3. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Zivil- und Strafklägerin (MLaw Victoria Huber, Rechtsanwältin, Baden) eine Entschädigung für die notwendigen Aufwendungen im Straf- und Zivilpunkt in richterlich genehmigter Höhe von CHF 9'649.20 (Honorar inkl. Auslagen und MWST) zu bezahlen (Kosten nach Ziff. 6.1 lit. g nachfolgend).
6. 6.1. Die Verfahrenskosten bestehen aus: a) der Gerichtsgebühr von CHF 3'000.00 b) der Anklagegebühr von CHF 2'250.00 c) den Untersuchungskosten CHF 1'995.05 d) den Spesen von CHF 150.00 e) den Kosten für die amtliche Verteidigung bis 6. Mai 2021 von CHF 1'994.45 f) den Kosten für die amtliche Verteidigung ab 7. Mai 2021 von CHF 11'476.85 g) den Kosten für die unentgeltliche Vertretung der Zivil- und
Strafklägerin von CHF 9'649.20
Total CHF 30'515.55
6.2. Dem Beschuldigten werden die Kosten gemäss lit. a bis d, somit der Betrag von CHF 7'395.05, auferlegt.
6.3. Die Gerichtskasse Zurzach wird angewiesen, dem - bis 6. Mai 2021 - amtlichen Verteidiger des Beschuldigten (lic. iur. Stephan Nüesch, Rechtsanwalt, Spreitenbach) dessen richterlich genehmigtes Resthonorar im Betrag von CHF 1'994.45 (inkl. Auslagen und MWST) zu entrichten (Kosten gemäss lit. e).
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigte hat dem amtlichen Verteidiger die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar in Höhe von CHF 428.65 (inkl. MWST) zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. b i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).
6.4. Die Gerichtskasse Zurzach wird angewiesen, dem – ab 7. Mai 2021 - amtlichen Verteidiger des Beschuldigten (lic. iur. Philipp Müller, Rechtsanwalt, Dietikon) dessen richterlich festgesetztes Honorar im Betrag von CHF 11'476.85 (inkl. Auslagen und MWST) zu entrichten (Kosten gemäss lit. f).
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Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigte hat dem amtlichen Verteidiger die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar in Höhe von CHF 1'111.45 (inkl. MWST) zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. b i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).
7. Über die Tragung der Vollzugskosten, unter Einschluss der Kosten der erstandenen und auf die Strafe angerechneten Haft, entscheidet die Vollzugsbehörde.
3.
3.1.
Mit begründeter Berufungserklärung vom 1. April 2022 beantragte der
Beschuldigte, die Dispositivziffern 5.1. und 5.3. seien aufzuheben und die
Dispositivziffern 2, 3.1, 3.2, 6.1 und 6.2 wie folgt abzuändern: Der Beschul-
digte sei von den Tatvorwürfen der mehrfachen sexuellen Nötigung, der
mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen Pornogra-
fie sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG freizu-
sprechen. Er sei zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à
Fr. 30.00, eventualiter zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten,
subeventualiter zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten,
wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 6 Monaten anzuord-
nen sei, zu verurteilen. Weiter seien dem Beschuldigten die Verfahrens-
kosten im Umfang von 10%, eventualiter im Umfang von 80%, aufzuerle-
gen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen.
3.2.
Die Berufungsverhandlung mit Einvernahme der Privatklägerin A. und des
Beschuldigten fand am 2. November 2022 statt. Anlässlich der Berufungs-
verhandlung beantragten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die
Privatklägerin die Abweisung der Berufung.
- 11 -

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch
wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen
mit einem Kind, mehrfacher Pornografie sowie mehrfacher Widerhandlung
gegen Art. 19bis BetmG, das Strafmass, die Zivilforderung der Privatklägerin
A. sowie die Kostenfolgen. Im Übrigen ist das Urteil der Vorinstanz
unangefochten geblieben. Eine Überprüfung dieser unbestrittenen Punkte
findet somit nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.
2.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich Anklageziffer 3.1 der
sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie
hinsichtlich Anklageziffer 5.1 der Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG
schuldig gesprochen. Sie erachtete den Sachverhalt, wonach der Beschul-
digte an einem nicht näher bestimmbaren Abend im Oktober / November
2018 in Q. der damals 15-jährigen A. Marihuana abgegeben habe sowie
ihr ans Gesäss gefasst und dieses geknetet, unter ihrem Pullover ihre
nackte Haut angefasst und sie geküsst habe, gestützt auf die Aussagen
von A. als erstellt (vorinstanzliches Urteil E. 3.8.4.1 und 3.10).
2.2.
Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte sich im Herbst 2018 mit A.
getroffen hat und sie sich anlässlich dieses Treffens geküsst haben
(Gerichtsakten [GA] act. 123 Rz. 52). Im Übrigen bestreitet der Beschul-
digte den angeklagten Sachverhalt (Berufungserklärung Rz. 5, 11 und 14).
2.3.
Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten
Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-
gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten
günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; «in dubio pro reo»). Bloss
abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche
immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann.
Nur das Übergehen offensichtlich erheblicher Zweifel kann eine Verletzung
des Grundsatzes «in dubio pro reo» begründen (BGE 144 IV 345).
2.4.
A. wurde am 25. Mai 2019 (Untersuchungsakten [UA] act. 298 ff.) und
am 26. Juni 2019 (UA act. 306 ff.) durch die Polizei sowie am 3. November
2021 anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (GA act. 61 ff.) zur
Sache einvernommen.
- 12 -
Die Einvernahme von A. vom 26. Juni 2019 wurde auf Video aufgezeichnet
(UA act. 331) und ermöglicht dem Gericht nicht nur eine inhaltliche
Würdigung ihrer Aussagen, sondern zeigt auch optisch und im Originalton,
wie sie die Aussagen gemacht hat. Im Rahmen der Berufungsverhandlung
wurde A. erneut einlässlich einvernommen. Das Obergericht konnte
dadurch zusätzlich einen persönlichen Eindruck ihrer Persönlichkeit und
ihres Aussageverhaltens gewinnen und Unklarheiten klären.
2.5.
2.5.1.
Mit der Vorinstanz ist für das Obergericht der Sachverhalt gemäss Anklage-
ziffern 3.1 und 5.1 aus den nachfolgenden Gründen erstellt:
2.5.2.
Die Aussagen von A. sind bezüglich des Kerngeschehens konstant,
schlüssig und nachvollziehbar. A. sagte anlässlich der polizeilichen
Einvernahme vom 25. Mai 2019 sowie vom 26. Juni 2019 übereinstimmend
aus, sie habe sich mit dem Beschuldigten in Q. getroffen und er habe sie
gefragt, ob sie «kiffen» wolle. Er habe das «Zeugs» dabeigehabt (UA
act. 300, 307). Sie seien dann zu einer Sitzbank am Waldrand gegangen
und sie habe dort «das Kiffen» ausprobiert (UA act. 300) bzw. sie hätten
«das Zeugs geraucht» (UA act. 307). Danach habe sie Bier getrunken, das
der Beschuldigte ihr angeboten habe, und sie hätten Wahrheit oder Pflicht
gespielt. Sie habe ihm die Pflicht gestellt, dass er sie berühren solle, wo er
möchte, worauf er ihr an den Po gefasst, diesen geknetet und ihr gesagt
habe, sie habe einen «geilen Arsch» (UA act. 300 f., 307 f.). Sie seien zum
Bahnhof gelaufen und sie habe den Zug verpasst und eine halbe Stunde
warten müssen, weshalb sie in Richtung Rheinufer gelaufen und dort auf
eine Sitzbank gesessen seien (UA act. 301, 308). Anlässlich der
Einvernahme vom 25. Mai 2019 sagte sie aus, sie könne sich nicht mehr
genau daran erinnern, wie es dazu gekommen sei, aber der Beschuldigte
habe dann mit der Hand auf ihren Oberschenkel und unter ihren Pullover
auf die nackte Haut gefasst (UA act. 301). Auch anlässlich der
Einvernahme vom 26. Juni 2019 sagte A. aus, sie habe Erinnerungslücken
und wisse nicht, wie es angefangen habe, als sie hingesessen seien. Sie
glaube, nachher habe er angefangen, sie zu berühren. Zuerst an den
Beinen, [wobei sie mit der flachen Hand vom Knie über ihren linken
Oberschenkel oben und auf der Seite fuhr], nachher sei seine Hand unter
ihren Pullover gegangen und er habe sie oberhalb des BH an den Brüsten
angefasst (UA act. 308 f. bzw. Videobefragung [act. 331] CD 1, 28:11 ff.).
Danach sei seine Hand auf ihrem Oberschenkel in Richtung ihres
Intimbereichs gefahren, aber das habe sie nicht gewollt und ihn ein
bisschen weggescheucht (UA act. 308) bzw. «Nein» gesagt (UA act. 301).
Sie seien danach aufgestanden, hätten sich geküsst und der Beschuldigte
- 13 -
habe sie am Po berührt bzw. wieder ihren Po geknetet (UA act. 301, 308
bzw. Videobefragung CD 1, 30:00 ff.).
Die Schilderungen unterscheiden sich im Kerngeschehen dahingehend,
dass A. zum Anfassen unter dem Pullover in der Einvernahme vom 25. Mai
2019 beschrieb, der Beschuldigte habe sie auf der nackten Haut angefasst
(UA act. 301), wohingegen sie in der Einvernahme vom 26. Juni 2019
aussagte, er habe sie oberhalb des BH berührt (UA act. 309). Aus der
Beschreibung, wie der Beschuldigte mit seiner Hand zuerst über ihre
Oberschenkel und danach unter ihren Pullover gefahren sei (UA act. 308
bzw. Videobefragung CD 1, 28:11 ff.), ergibt sich jedoch, dass der
Beschuldigte dabei ebenfalls – wie angeklagt – ihre nackte Haut berührt
hat.
Die Aussagen anlässlich der Einvernahmen vom 25. Mai 2019 und vom
26. Juni 2019 stimmen auch mit den Aussagen von A. anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung (GA act. 62 f.) sowie der Berufungs-
verhandlung (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7 f.) überein.
Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erfolgten die Aussagen
weniger detailliert, was jedoch darauf zurückzuführen ist, dass sie nicht
aufgefordert wurde, den gesamten Vorfall zu schildern, sondern lediglich
auf das Küssen und einzelne Aussagen anlässlich der früheren Einvernah-
men angesprochen wurde (vgl. GA act. 62 f.).
A. schilderte den Vorfall insgesamt sehr detailliert und gab auch den Inhalt
von Gesprächen mit dem Beschuldigten, ihre eigenen Gefühle und
Gedankengänge bezüglich einzelner Handlungen sowie in Bezug auf das
Kerngeschehen belanglose Nebensächlichkeiten wieder, was ihre
Aussage als authentisch und erlebt erscheinen lässt. So schilderte sie
beispielsweise, sie habe sich nach dem «Kiffen» ein bisschen «beduselt»
gefühlt, sei aber nicht weg gewesen. Ihr Mund sei trocken geworden,
weshalb sie etwas habe trinken wollen (UA act. 300; vgl. Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 8). Danach hätten sie Musik gehört, die ihr nicht
gefallen habe, und der Beschuldigte habe ihr erzählt, dass er auch schon
mit ihrem Bruder «gekifft» habe (UA act. 300). Sie führte aus, dass sie sich
geschmeichelt gefühlt habe, als der Beschuldigte ihr gesagt habe, sie habe
einen «geilen Arsch» und sie habe ihm dann erzählt, dass sie sich nicht
körperlich attraktiv finde, weil sie nicht wirklich eine «krasse weibliche
Figur» habe (UA act. 308; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7).
Als er mit seiner Hand in Richtung ihres Intimbereichs gefahren sei, habe
sie das nicht gewollt, weil sie ihre Tage gehabt habe (UA act. 301; Protokoll
der Berufungsverhandlung S. 7). Zum Küssen führte sie aus, sie habe es
nicht gewollt und sich geschämt, weil sie ihre Zähne vorher nicht geputzt
hatte. Sie habe sich schon vorgestellt, ihn zu küssen, aber sie sei nicht
verliebt gewesen. Sie müsse zugeben, dass es sich doch noch irgendwie
- 14 -
schön angefühlt habe (UA act. 308). Auf die Frage, ob sie dem Beschuldig-
ten mitgeteilt habe, dass sie das [Küssen] nicht wollte, verneinte sie dies
und führte aus, dies sei ihr Fehler gewesen (UA act. 309), womit sie auf
naheliegende Mehrbelastungen verzichtete. Weiter gestand A. konstant
eine Erinnerungslücke in Bezug darauf ein, wie es begonnen hatte, als sie
sich mit dem Beschuldigten auf die Sitzbank am Rhein setzte (vgl. oben)
und korrigierte oder präzisierte spontan ihre Aussagen, was ebenfalls für
die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht. So korrigierte sie spontan, dass
sie nicht ein T-Shirt, sondern einen Pullover getragen hatte (UA act. 309)
und ergänzte, dass der Beschuldigte sie beim Küssen auch am Po berührt
habe (act. 308 bzw. Videobefragung CD 1, 30:00 ff.).
2.5.3.
Entgegen der Ansicht des Beschuldigten sind auch keine Motive für eine
Falschbelastung ersichtlich. Der Beschuldigte sagte aus, A. habe ihn
geküsst, was er aber abgelehnt habe. Er habe ihr gesagt, dass er keinen
Kontakt mehr wolle, weil er eine Freundin habe, worauf sie nichts mehr
miteinander gemacht hätten (UA act. 251 f.) bzw. er habe ihr gesagt, dass
er nichts in diese Richtung wolle, aber Nachhilfe für ihn weiterhin möglich
sei, falls sie dies akzeptieren könne (UA act. 286). Er stellt die Vermutung
auf, A. würde ihn zu Unrecht belasten, weil sie sich Hoffnungen auf mehr
gemacht habe, die von ihm enttäuscht worden seien (UA act. 115, 287; vgl.
Protokoll der Berufungsverhandlung S. 34). Dies erscheint in Anbetracht
des Zeitpunkts, in welchem A. erstmals Anschuldigungen gegen den
Beschuldigten erhob, sowie des Zustandekommens der Anzeige gegen
den Beschuldigten jedoch nicht nachvollziehbar. A. erzählte am 16. Mai
2019 einem Schulsozialarbeiter, sie würde mit Fotos und Videos erpresst,
worauf dieser sie zu einem Termin bei der Opferhilfe begleitete (UA
act. 303; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16 f., 21). In der Folge
erstattete die Beraterin der Opferhilfe Anzeige bei der Polizei (UA act. 212).
Die Strafuntersuchung wurde somit erst rund ein halbes Jahr nach dem
Vorfall in Gang gesetzt und nicht direkt durch A. initiiert. Hätte sie den
Beschuldigten aus Enttäuschung über seine Ablehnung nach dem Kuss zu
Unrecht belasten wollen, wäre zu erwarten, dass sie dies zeitnah und direkt
bei der Polizei getan hätte. Zudem wäre es in diesem Fall naheliegend
gewesen, wenn sie wesentlich schwerere Vorwürfe als die vorliegenden
gegen den Beschuldigten erhoben hätte. Der Beschuldigte sagte
ausserdem aus, er sei mit dem Bruder von A. schwer zerstritten, weshalb
die beiden vielleicht etwas miteinander abgesprochen hätten (UA act. 288
f.; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 34). Es erscheint allerdings
lebensfern, dass der damals 23-jährige Bruder von A. (vgl. GA act. 64), der
seit längerem keinen Kontakt zum Beschuldigten mehr hatte (GA act. 77;
Protokoll der Berufungsverhandlung S. 30), seine Schwester zu Falsch-
aussagen anstiften würde, nur weil er sich in seiner Jugend mit dem
Beschuldigten zerstritten hatte. Nicht nachvollziehbar ist auch die
Hypothese des Beschuldigten, A. würde ihn zu Unrecht belasten, um vor
- 15 -
ihrer Familie – insbesondere, weil die Eltern den Zeugen Jehovas
angehören – das Gesicht zu wahren (GA act. 115 f.). Wäre dies der Fall,
hätte sie ihrer Mutter nicht aus eigener Initiative von den Vorfällen erzählt
(vgl. GA act. 66) und auch nicht von Handlungen berichtet, die sie selber
initiiert, gewollt oder zugelassen hat. Zum Beispiel sie habe das «Kiffen»
ausprobieren wollen (UA act. 307), sie habe ihm die Pflicht gestellt, sie zu
berühren, wo er möchte (UA act. 300, 308) oder sie habe es zugelassen,
als er sie unter dem Pullover und auf den Oberschenkeln angefasst habe
(UA act. 308).
2.5.4.
Nach dem Gesagten bestehen für das Obergericht keine Zweifel an der
Richtigkeit der Aussagen von A., weshalb vollumfänglich auf diese
abzustellen ist. Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte der damals 15-
jährigen A. Marihuana abgegeben hat (Anklageziffer 5.1) sowie ihr ans
Gesäss gefasst und dieses geknetet, unter ihrem Pullover ihre nackte Haut
angefasst und sie geküsst hat (Anklageziffer 3.1).
2.6.
2.6.1.
Offenbleiben kann, ob der Beschuldigte A. ebenfalls über dem Büstenhalter
an die Brüste gefasst hat (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7),
da dieser Sachverhalt in Anklageziffer 3.1 – im Gegensatz zu Anklageziffer
3.2, wo ein Anfassen der Brüste über dem Büstenhalter ausdrücklich
erwähnt ist – gerade nicht angeklagt wurde. Zu prüfen ist damit einzig, ob
das Anfassen und Kneten des Gesässes, das Anfassen der nackten Haut
unter dem Pullover sowie das Küssen den Tatbestand der sexuellen
Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB erfüllt.
2.6.2.
Der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB
macht sich strafbar, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle
Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verleitet oder es in eine
sexuelle Handlung einbezieht. Eine sexuelle Handlung im Sinne dieser
Norm liegt bei einer körperlichen Betätigung an sich selber oder an
anderen, welche eine sexuelle Erregung oder den sexuellen Genuss
mindestens einer der beteiligten Personen zum Ziel hat, vor (Urteil des
Bundesgerichts 6B_881/2021 vom 27. Juni 2022 E. 2.2 mit weiteren
Hinweisen). Als sexuelle Handlungen gelten nur Verhaltensweisen die für
den Aussenstehenden nach ihrem äusseren Erscheinungsbild einen
unmittelbaren sexuellen Bezug aufweisen und im Hinblick auf das
geschützte Rechtsgut der ungestörten psychisch-emotionalen und
sexuellen Entwicklung des Kindes erheblich sind. Bedeutsam für die
Beurteilung der Erheblichkeit sind qualitativ die Art und quantitativ die
Intensität und Dauer der Handlung, wobei die gesamten Begleitumstände
zu berücksichtigen sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_549/2021 vom
- 16 -
18. Mai 2022 E. 1.4). In Zweifelsfällen wird nach den Umständen des
Einzelfalls die Erheblichkeit relativ, etwa nach dem Alter des Opfers oder
dem Altersunterschied zum Täter bestimmt (BGE 125 IV 58 E. 3b).
Subjektiv muss der Täter mit dem Wissen handeln, mindestens möglicher-
weise ein Kind unter 16 Jahren vor sich zu haben, und er muss das
Bewusstsein haben, dass der betreffenden Handlung mindestens
möglicherweise eine sexuelle Bedeutung zukommt. Sodann muss er den
Willen haben bzw. in Kauf nehmen, mit dem Kind eine sexuelle Handlung
vorzunehmen oder es zur Vornahme einer solchen zu verleiten. Bei der
Tatbestandsvariante des Einbezugs in eine sexuelle Handlung muss der
Täter den Willen haben, dass das Kind die sexuelle Handlung mitansieht.
2.6.3.
In Bezug auf das Anfassen und Kneten des Gesässes, das blosse
Anfassen der nackten Haut unter dem Pullover (und nicht etwa der Brust
oder des Schambereichs) sowie das Küssen ist auch unter Berücksichti-
gung der Handlungen in ihrer Gesamtheit eine sexuelle Handlung im Sinne
von Art. 187 Ziff. 1 StGB mangels Erheblichkeit zu verneinen. Es handelt
sich zwar um objektiv sexualbezogene Handlungen, diese sind jedoch bei
Jugendlichen im Alter von 15 Jahren nicht ungewöhnlich und erreichen
damit in Bezug auf ihre Art und Intensität nicht eine Schwere, die geeignet
ist, die sexuelle Entwicklung von A. zu beeinträchtigen. Gemäss dem
angeklagten Sachverhalt berührte der Beschuldigte weder ihren
Genitalbereich oder ihre Brüste, noch drang er beim Küssen mit seiner
Zunge in ihren Mund ein. Die Handlungen geschahen zudem nicht gegen
den Willen von A.. Sie forderte den Beschuldigten auf, sie dort zu berühren,
wo er möchte, und fühlte sich vom Kommentar des Beschuldigten über ihr
Gesäss geschmeichelt, nachdem dieser sie berührt hatte (UA act. 308;
Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7). Auch das Küssen empfand sie
als schön (GA act. 62; UA act. 301). Sie sagte aus, sie habe gewusst, dass
es nicht richtig sei, die Handlungen zuzulassen. Sie hätte sagen können,
sie wolle es nicht, aber ihre «pubertierende gelüstige Art» habe es doch
indirekt gewollt (Videobefragung CD 2, Teil 1, 08:55 ff.). Insgesamt ist
daher der objektive Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB nicht erfüllt. Da es
sich nicht um unerwünschte sexuelle Annäherungen handelte, sich A.
mithin durch die Handlungen nicht belästigt fühlte, fällt auch eine
Verurteilung wegen sexueller Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB
ausser Betracht. Der Beschuldigte ist damit hinsichtlich Anklageziffer 3.1.
freizusprechen.
2.7.
Nach Art. 19bis BetmG macht sich strafbar, wer einer Person unter 18
Jahren ohne medizinische Indikation Betäubungsmittel anbietet, abgibt
oder auf andere Weise zugänglich macht. In subjektiver Hinsicht erfordert
- 17 -
der Tatbestand mindestens Eventualvorsatz, wobei dieser auch das
Wissen bzw. die Inkaufnahme umfassen muss, dass das Angebot an eine
zumindest möglicherweise unter 18 Jahre alte Person erfolgt.
Indem der Beschuldigte der damals 15-jährigen A. ohne medizinische
Indikation Marihuana abgegeben hat, erfüllt er den objektiven Tatbestand
von Art. 19bis BetmG. Der Beschuldigte sagte aus, er sei davon
ausgegangen, A. sei schon über 16, wahrscheinlich 17 Jahre alt (UA
act. 285). Er handelte damit im Wissen um die Minderjährigkeit von A.,
womit auch der subjektive Tatbestand erfüllt ist. Der Beschuldigte ist
folglich hinsichtlich Anklageziffer 5.1 der Widerhandlung gegen Art. 19bis
BetmG schuldig zu sprechen.
2.8.
Zusammenfassend ist der Beschuldigte für den Vorfall am Abend im
Oktober / November 2018 wegen Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG
schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem
Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB ist er freizusprechen.
3.
3.1.
Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift weiter vorgeworfen, A. am
Abend des 22. Dezembers 2018 Marihuana abgegeben (Anklageziffer 5.2)
und sie in seinem Schlafzimmer auf dem Bett in sexuell geprägten
Positionen posieren lassen zu haben, wovon er Fotos angefertigt habe.
Anschliessend habe er ihr die Unterhose nach unten gezogen und ihr einen
Finger anal und dann auch vaginal eingeführt und seinen Penis auf ihr
Gesäss gelegt, wobei er weiterhin Fotos und Videos angefertigt habe
(Anklageziffer 3.3 und 4.2.1). Danach habe der Beschuldigte gegen ihren
Willen seinen Penis vaginal bei ihr eingeführt und den Geschlechtsverkehr
praktiziert, bis er schliesslich auf ihren Po ejakuliert habe. A. habe dies über
sich ergehen lassen, weil sie unter einem starken psychischen Druck
gestanden habe (Anklageziffer 1).
3.2.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der sexuellen Nötigung gemäss
Art. 189 Abs. 1 StGB, der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss
Art. 187 Ziff. 1 StGB, der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB sowie
der Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG schuldig gesprochen. Vom
Vorwurf der Vergewaltigung hat sie ihn freigesprochen, weil nicht mit hin-
reichender Sicherheit davon ausgegangen werden könne, dass eine
Vereinigung des männlichen und weiblichen Geschlechtsteils durch den
Beschuldigten habe vollzogen werden können (vorinstanzliches Urteil
E. 3.6.3.2). Im Hinblick auf die übrigen sexuellen Handlungen (Penetration
mit den Fingern, Berühren des Gesässes mit dem Penis, sexuell geprägtes
Posieren) erachtete sie den Sachverhalt als erstellt und bejahte das
- 18 -
Vorliegen einer Nötigungshandlung durch Unter-Druck-Setzen (vorinstanz-
liches Urteil E. 3.6.3.1 und E. 3.6.4.2).
3.3.
3.3.1.
Der Beschuldigte macht geltend, die Vorinstanz habe den Anklage-
grundsatz verletzt, indem sie ihn gemäss Anklageziffer 1 gestützt auf den
Verweis auf Anklageziffer 3.3 wegen sexueller Nötigung verurteilt hat
(Plädoyer Berufungsverhandlung Rz. 16).
3.3.2.
Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO;
Art. 29 Abs. 2 sowie Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a sowie
lit. b EMRK). Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen
Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip; Art. 350 StPO). Die Anklage
hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem
Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver
und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Der Anklage-
grundsatz bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der
beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör
(Informationsfunktion). Die beschuldigte Person muss unter dem Gesichts-
punkt der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen können, wessen
sie angeklagt ist (BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.3.3.
Gestützt auf den in Anklageziffer 1 wiedergegebenen Sachverhalt, kann
der Beschuldigte nicht wegen sexueller Nötigung verurteilt werden. Dem
Beschuldigten wird in Anklageziffer 1 eine Vergewaltigung vorgeworfen. Er
habe A., nachdem er davor gemäss Anklageziffer 3.3 etliche Sex- bzw.
Nacktfotos von ihr angefertigt habe, erklärt, er sei älter und dürfe deshalb
sagen, was sie machen müsse und er lasse sie erst gehen, wenn sie noch
weiter mitmache. Er habe dann seinen Penis gegen ihren Willen in ihre
Vagina eingeführt und den Geschlechtsverkehr bis zum Samenerguss
praktiziert. A. habe dies trotz Schmerzen über sich ergehen lassen, weil sie
gehofft habe, dass er sie anschliessend gehen lassen würde und weil sie
aufgrund der Tatsache und des Wissens, dass er aufgrund der vorgängig
angefertigten Aufnahmen im Besitz von Sex- und Nacktfotos von ihr
gewesen sei, unter einem starken psychischen Druck gestanden habe. Der
Anklagesachverhalt umschreibt damit einzig in Bezug auf den
Geschlechtsverkehr eine Nötigung durch Unter-Druck-Setzen. An diesen
Sachverhalt ist das Gericht gebunden (Art. 350 StPO). Im Zusammenhang
mit den übrigen, in Anklageziffer 3.3 aufgeführten sexuellen Handlungen
wurde keine Nötigung angeklagt. Entgegen der Vorinstanz lässt sich nichts
Gegenteiliges aus dem Verweis in Anklageziffer 1 auf Anklageziffer 3.3
- 19 -
ableiten. Es wird damit nur darauf verwiesen, dass das vorgängige Erstel-
len der Sex- bzw. Nacktfotos in einer anderen Anklageziffer beschrieben
wird. Durch die Verurteilung wegen sexueller Nötigung gemäss Anklage-
ziffer 1 wurde folglich der Anklagegrundsatz verletzt und es hat diesbezüg-
lich ein Freispruch zu ergehen.
3.4.
Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte sich am Abend des
22. Dezembers 2018 mit A. getroffen hat (GA act. 124 Rz. 55). Im Übrigen
bestreitet der Beschuldigte den angeklagten Sachverhalt (Berufungserklä-
rung Rz. 9, 11, 12, 14).
3.5.
Nachdem die Vorinstanz den Beschuldigten vom Vorwurf der
Vergewaltigung freigesprochen hat, fällt aufgrund des Verschlechterungs-
verbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) eine Verurteilung wegen (versuchter)
Vergewaltigung ausser Betracht. In sachverhaltlicher Hinsicht ist damit nur
noch zu prüfen, ob der Beschuldigte die übrigen sexuellen Handlungen mit
A. vorgenommen und davon Fotos und Videos erstellt hat sowie ob er ihr
Marihuana abgegeben hat.
3.6.
Der Beschuldigte rügt, die Vorinstanz habe Bundesrecht verletzt, indem sie
die Aussagen von A. zu den anlässlich der Einvernahme vom 26. Juni 2019
vorgelegten Fotos vollumfänglich zugelassen habe. Die Fotos würden von
Datenträgern stammen, die zu diesem Zeitpunkt der Siegelung unterlegen
hätten (Berufungserklärung Rz. 6; GA act. 120 f.).
Diese Behauptung ist unzutreffend. Die Fotos, die A. anlässlich der
Einvernahme vom 26. Juni 2019 vorgelegt wurden (UA act. 322 ff.),
stammen von seinem Mobiltelefon Nokia Sirocco 8 (UA act. 148 ff.), das zu
keinem Zeitpunkt der Siegelung unterlag. Der Beschuldigte verzichtete
anlässlich der vorläufigen Sicherstellung des Mobiltelefons am 29. Mai
2019 ausdrücklich auf eine Siegelung (UA act. 146 f.) und auf seine
Beschwerde gegen den Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl vom
3. Juni 2019, mit der er die Siegelung beantragt hatte, wurde nicht
eingetreten und infolge der verspäteten Geltendmachung von einer
Weiterleitung des Siegelungsgesuchs an die Staatsanwaltschaft abgese-
hen (Entscheid der Beschwerdekammer in Strafsachen SBK.2019.135
vom 26. Juli 2019, UA act. 204 ff.). Die Aussagen von A. zu den anlässlich
der Einvernahme vom 26. Juni 2019 vorgelegten Fotos sind damit ohne
Weiteres verwertbar. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, wird allerdings
ohnehin nicht auf diese Fotos und ihre Aussagen dazu abgestellt.
- 20 -
3.7.
Mit der Vorinstanz erachtet es das Obergericht aus den nachfolgenden
Gründen als erstellt, dass der Beschuldigte A. in Unterwäsche und mit
hochgeschobenem Büstenhalter posieren lassen, mit seinem Penis ihr
Gesäss berührt und seinen Finger anal und vaginal in sie eingeführt hat,
wobei er von diesen Handlungen Fotos und Videos erstellt hat. Ebenfalls
als erstellt erachtet wird, dass der Beschuldigte A. Marihuana abgegeben
hat.
Die Aussagen von A. sind bezüglich des Kerngeschehens konstant,
schlüssig und nachvollziehbar und somit glaubhaft ausgefallen. A.
schilderte, sie sei mit dem Beschuldigten zu ihm nach Hause gelaufen, er
habe auf dem Weg gekifft und sie habe auch kurz mitgeraucht bzw. ein,
zwei Züge genommen, obwohl sie das nicht wirklich gewollt habe (UA
act. 301, 312). Bei ihm zu Hause hätten sie darüber gesprochen, dass er
«am Arsch» wäre, wenn rauskommen würde, dass er sie berührt hatte und
sie sich geküsst hatten. Der Beschuldigte habe gesagt, er brauche einen
Beweis von ihr, dass sie es nicht weitererzählen würde und habe ein Bild
vorgeschlagen (UA act. 301, 312 bzw. Videobefragung CD 2, Teil 1, 11:53
ff.; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10). Sie sei davon
ausgegangen, dass er ein Oben-ohne-Bild von ihr wolle, habe ihren
Pullover und ihre Hose ausgezogen, sich in Unterwäsche auf das Bett
gelegt und für ein Bild posiert (UA act. 301, 312 f. ). Der Beschuldigte habe
ihr jeweils gesagt, wie sie posieren solle (UA act. 302, 313; Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 10). Sie habe dann den BH ein bisschen nach
oben ziehen bzw. sich so hinlegen müssen, dass sich ihr BH nach oben
geschoben hatte und ihre Brust sichtbar war. Weiter habe sie eine «Hund
Katze Position», auf dem Bett kniend mit dem Oberkörper nach vorne und
dem Po in Richtung des Beschuldigten, einnehmen müssen und er habe
ihre Unterhose nach unten gezogen (UA act. 302, 313; vgl. Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 10 f.). In sämtlichen Einvernahmen schilderte A.,
der Beschuldigte habe seinen Penis auf ihren Po gelegt bzw. sie habe
etwas Klebriges an ihren Po gespürt, was vermutlich sein Penis gewesen
sei, und der Beschuldigte habe gesagt, es sei nur für das Bild (GA act. 65;
UA act. 302, 313; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10). In der ersten
Einvernahme vom 25. Mai 2019 sagte sie aus, der Beschuldigte habe
zudem seinen Finger anal bei ihr eingeführt, was ihr weh getan habe (UA
act. 302). Dies wiederholte sie auch in der Einvernahme vom 26. Juni 2019,
berichtete jedoch zusätzlich von einer vaginalen Penetration (UA act. 313).
Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung wurde sie nur zur
vaginalen Penetration befragt und bestätigte diese (GA act. 65). In der
Berufungsverhandlung sagte sie aus, der Beschuldigte sei vaginal und anal
in sie eingedrungen. Er habe nach der analen Penetration seinen Finger
an der Trainerhose abgeputzt (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11).
Danach sei die Mutter des Beschuldigten zu seinem Zimmer gekommen
und der Beschuldigte habe seine Hose angezogen und sei zu ihr
- 21 -
gegangen. Sie habe sich dann auch angezogen und habe auf seinem
Handy, welches er offen im Zimmer gelassen hatte, gesehen, dass er nicht
nur Bilder, sondern auch Videos gemacht habe (UA act. 302, 314; vgl.
Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11). Auf den Videos seien sein
Penis und ihr Gesäss sichtbar gewesen (UA act. 314).
Für den Erlebnisbezug ihrer Aussagen spricht, dass A. das Kerngeschehen
mit einem hohen Detailgrad, unter Wiedergabe von Gesprächen und
eigenen mit dem Kerngeschehen zusammenhängenden Gedankengängen
schildert. So beschrieb sie zum Beispiel die verschiedenen Posen genau
und zeigte diese auf (UA act. 313 bzw. Videobefragung CD 2, Teil 1, 16:40
ff.) oder erzählte von Gewissensbissen, weil sie nicht wirklich mit dem
Beschuldigten habe Marihuana rauchen wollen, aber dies nicht ernst
gesagt habe (UA act. 312). Sie erklärte nachvollziehbar, wie es ihr nach
ihrem anfänglichen Einverständnis für ein Bild zu viel geworden sei, als der
Beschuldigte weitere Bilder gemacht habe und sie sich, nachdem der
Beschuldigte seinen Penis auf ihr Gesäss gelegt hatte, geschämt habe und
nur noch gewollt habe, dass es vorbei sei (UA act. 313). Sie erwähnte
nebensächliche Einzelheiten, wie zum Beispiel, dass sie an diesem Tag
zufälligerweise die gleiche Hose wie beim letzten Mal und sehr peinliche
Unterwäsche angehabt habe und dass der Beschuldigte auf seinem Bett
für die Bilder extra die Kissen und die Bettdecke schön drapiert habe (UA
act. 313). Erinnerungslücken gesteht sie spontan ein. Sie sagte aus, sie
wisse nicht mehr, ob sie an diesem Abend Nachhilfe bekommen habe (UA
act. 312), ob sie «Nein» gesagt habe, als der Beschuldigte sie aufgefordert
habe, ihren BH auszuziehen (UA act. 301) und ob sie in der Hundestellung
für das Bild auch nach hinten habe schauen müssen (UA act. 313). Sie
verzichtete auf naheliegende Mehrbelastungen des Beschuldigten, indem
sie beispielsweise aussagte, der Beschuldigte habe ihr nicht gesagt, was
für ein Bild er von ihr wolle, sie sei einfach davon ausgegangen, dass er ein
Oben-ohne-Bild wolle und habe ihren Pullover ohne Aufforderung
ausgezogen (UA act. 301).
Dass die Aussagen von A. im Hinblick auf die vaginale und anale
Penetration mit dem Finger weniger genau ausfielen, lässt sich ohne
Weiteres damit erklären, dass diese Handlungen für sie mit einem grossen
Schamgefühl behaftet sind und es ihr unangenehm war, im Detail darüber
zu sprechen, was sie selbst auch aussagte (UA act. 313). Anlässlich der
Einvernahme vom 26. Juni 2019 zeigte sich dies auch darin, dass ihre
Stimme am Ende des Satzes teilweise nach oben ging und sie zwischen-
durch verlegen auflachte, was auch der bei der Einvernahme anwesenden
Psychologin aufgefallen ist (UA act. 329). Der Wahrheitsgehalt ihrer
Aussage wird dadurch nicht geschmälert, vielmehr weist ihr Schamgefühl
beim Beschreiben der Handlungen auf ein tatsächliches Erleben hin.
- 22 -
Ein Motiv für eine bewusste Falschaussage von A. ist nicht erkennbar. Es
kann dazu auf die obigen Erwägungen 2.5.3 verwiesen werden. Insgesamt
bestehen für das Obergericht keine Zweifel an der Richtigkeit ihrer
Aussagen, weshalb vollumfänglich auf diese abzustellen ist.
3.8.
Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz als Widerhandlung gegen
Art. 19bis BetmG (durch Abgeben von Marihuana an A.) und Pornografie
gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB (durch Erstellen von Fotos und Videos von
A. in sexuell aufreizenden Posen, mit seinem Penis auf ihrem Gesäss
sowie bei der analen und vaginalen Penetration) ist zutreffend und wird
vom Beschuldigten nicht bestritten. Die Schuldsprüche wegen
Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG (Anklageziffer 5.2) und wegen
Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB (Anklageziffer 4.2.1) sind damit
zu bestätigen und der Beschuldigte ist entsprechend zu verurteilen.
3.9.
3.9.1.
In Bezug auf den Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind
gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB bestreitet der Beschuldigte, dass für ihn hätte
erkennbar sein müssen, dass A. noch nicht 16 Jahre alt war
(Berufungsbegründung Rz. 10). Er sei davon ausgegangen, dass sie 16
oder bereits 17 Jahre alt sei. Sie habe ihm gesagt, sie sei in der Abschluss-
klasse [der Oberstufe] und er habe gewusst, dass sie die Abschlussklasse
habe wiederholen müssen (GA act. 126).
3.9.2.
A. war zum Tatzeitpunkt 15 Jahre alt. Aus ihren anlässlich der
Berufungsverhandlung eingereichten Zeugnissen ergibt sich, dass sie
damals in der dritten Oberstufe, d.h. der Abschlussklasse, gewesen ist und
während der Primar- und Oberstufe nie eine Klasse wiederholt hatte.
Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sagte sie auch aus, sie
habe nie ein Schuljahr wiederholt (GA act. 67). Es ist nicht ersichtlich,
weshalb sie den Beschuldigten diesbezüglich – insbesondere vor dem
Hintergrund, dass er ihr Nachhilfe erteilt hat – hätte anlügen sollen, weshalb
sein Vorbringen als Schutzbehauptung zu werten ist. Selbst wenn der
Beschuldigte tatsächlich davon ausgegangen wäre, dass A. die
Abschlussklasse der Oberstufe wiederholte, hätte er damit rechnen
müssen, dass sie sich noch im Schutzalter befand, da Schülerinnen und
Schüler bei einer regulären Einschulung zu diesem Zeitpunkt erst 15 bis 16
Jahre alt sind. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte A. bereits länger
gekannt hat. Er war mit ihrem Bruder L. in der Oberstufe (2008 bis 2012)
befreundet und oft bei diesem zu Hause, wo er jeweils auch A. gesehen
hatte (GA act. 77, UA act. 249, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 30).
Diese war damals ein fünf- bis neunjähriges Mädchen, womit dem
Beschuldigten der grössere Altersunterschied zu ihr bewusst sein musste.
- 23 -
Insgesamt ist damit erstellt, dass der Beschuldigte es zumindest für
möglich gehalten und in Kauf genommen hat, dass A. im Tatzeitpunkt noch
nicht 16 Jahre alt war, womit er eventual-vorsätzlich gehandelt hat.
3.9.3.
Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz als sexuelle Handlungen mit
einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB ist zutreffend und wird vom
Beschuldigten nicht bestritten. Der Schuldspruch wegen sexueller Hand-
lungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB (Anklageziffer 3.3) ist
zu bestätigen und der Beschuldigte ist entsprechend zu verurteilen.
3.10.
Zusammenfassend ist der Beschuldigte für den Vorfall vom 22. Dezember
2018 wegen sexueller Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1
StGB, wegen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB sowie wegen
Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf
der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB ist er freizusprechen.
4.
4.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich Anklageziffern 2.1, 2.2,
3.4, 3.5, 4.1.2 sowie 4.2.2 der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss
Art. 189 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem
Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie der mehrfachen Pornografie
gemäss Art. 197 Abs. 1 und Abs. 5 StGB schuldig gesprochen. Sie
erachtete den Sachverhalt, wonach der Beschuldigte A. mit der
Veröffentlichung von intimen Fotos gedroht und sie damit dazu genötigt
habe, ihm am 11. Mai 2019 zwei Oben-ohne-Fotos und am 13. Mai 2019
mehrere Nacktfotos, auf welchen sie sich ihre Finger und eine Zahnbürste
vaginal und anal einführte, zu senden, als erstellt. Weiter erachtete sie als
erstellt, dass der Beschuldigte A. am 13. Mai 2019 vier bis fünf Fotos seines
Penis sowie ein Video, das ihn bei der Selbstbefriedigung zeigte, zu-
geschickt habe (vorinstanzliches Urteil E. 3.7.3, 3.8.4.4 ff.).
4.2.
Der Beschuldigte bestreitet den angeklagten Sachverhalt vollumfänglich
(Berufungserklärung Rz. 5, 9, 11, 12).
4.3.
Mit der Vorinstanz ist für das Obergericht der Anklagesachverhalt gemäss
Ziff. 2.1, 2.2, 3.4, 3.5, 4.1.2 und 4.2.2 aufgrund der glaubhaften Aussagen
von A. sowie der sichergestellten WhatsApp-Nachrichten zwischen dem
Beschuldigten und A. erstellt.
Die Aussagen von A. sind bezüglich des Kerngeschehens konstant,
schlüssig und nachvollziehbar. Sie schilderte, sie habe dem Beschuldigten
- 24 -
am 10. Mai 2019 mitgeteilt, dass sie keinen Kontakt mehr mit ihm möchte.
Sie habe ihm geschrieben, dass es ihr Wunsch sei, dass so etwas nie
wieder passiere. Er habe ihr dann eine längere Nachricht geschickt, in der
er geschrieben habe, er habe auch einen einzigen Wunsch, den er sich
erfüllen würde und worin sie eine Rolle spiele. Er habe auf Instagram
nachgeschaut, wer ihre engsten Freunde seien und zum Glück könne man
auf Instagram ein Konto erstellen und jeder könne hochladen, was er wolle.
Mit diesem Konto würde er ihre Freunde anfragen, wenn sie nicht nach
seiner Pfeife tanzen würde. Ihr sei danach schlecht geworden, weil sie
Angst gehabt habe, dass ihre Bilder öffentlich würden. Sie habe dann das
Handy zur Seite gelegt und am nächsten Morgen gesehen, dass er ihr
mehrfach geschrieben hatte. Er habe dann verlangt, dass sie ihm bis 10:00
Uhr ein Oben-ohne-Bild schicke, sonst würde ihr nichts Gutes passieren.
Sie habe ihm dann ein Oben-ohne-Foto geschickt. Am Montag, 13. Mai
2019, habe er ihr abends wieder auf Snapchat geschrieben und Bilder von
ihr gefordert. Sie habe wieder ein Oben-ohne-Bild schicken müssen. Er
habe jeweils gewollt, dass ihr Gesicht auch auf dem Bild sichtbar sei.
Zudem habe sie sich eine Zahnbürste und mehrere Finger anal und vaginal
einführen und davon Fotos machen und ihm schicken müssen. Er habe ihr
dann auch mehrere Fotos von seinem Penis (insgesamt ca. 4 - 5, UA
act. 303) und Videos, auf denen sie gesehen habe, wie er gekommen sei,
geschickt, obwohl sie ihm gesagt habe, dass sie das nicht wolle (UA
act. 303, 317 ff. bzw. Videobefragung CD 2, Teil 2, 00:10 ff.; vgl. Protokoll
der Berufungsverhandlung S. 14 ff.).
Die Aussagen von A. zum Kerngeschehen erscheinen aufgrund des
grossen Detailreichtums, der Wiedergabe von wechselseitigen Interaktio-
nen und Gesprächen sowie eigenen Gefühlen und physiologischen
Abläufen insgesamt als tatsächlich erlebt. A. beschrieb beispielsweise, sie
sei mit Freunden aus ihrer Religion unterwegs gewesen und sei bleich
geworden und habe gezittert, als sie die Nachricht des Beschuldigten
gesehen habe. Ihre Freunde hätten dies bemerkt und sie habe ihnen dann
gesagt, das Essen habe ihr nicht gut getan, worauf sie nach Hause
gefahren worden sei (Videobefragung CD 2, Teil 2, 02:30 ff.). Sie erklärte,
wie sie die Fotos gemacht habe (Handy an die Badewanne angelehnt,
Timer) und dass sie dazu ins Badezimmer gegangen sei, weil sie sonst bei
sich zu Hause nirgends habe abschliessen dürfen (Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 15). Weiter schilderte sie spezielle Einzelheiten
und Komplikationen, wie z.B. dass der Beschuldigte ein Foto mit Spucke
auf ihrer Brustwarze gewollt habe, allerdings habe man das auf den Fotos
nicht wirklich gesehen, weil Spucke durchsichtig ist (UA act. 303, 317 f.)
oder dass der Beschuldigte gewollt habe, dass sie sich vier Finger einführe,
was ihr jedoch nicht gelungen sei (UA act. 318). Ein Motiv für eine bewusste
Falschaussage ist zudem nicht ersichtlich (vgl. E. 2.5.3).
- 25 -
Dass der Beschuldigte A. gedroht hat, ihre intimen Bilder auf Instagram zu
veröffentlichen, wird durch ihre gegenseitigen Nachrichten auf WhatsApp
bestätigt. A. schrieb dem Beschuldigten am 10. Mai 2019, sie würde das
Ganze hinter sich lassen wollen und verabschiedete sich von ihm. Sie
schrieb, das einzige, was sie sich wünsche, sei, dass so etwas nie wieder
vorkomme (UA act. 137 f.). Der Beschuldigte antwortete darauf, jeder solle
seinen einzigen Wunsch bekommen, er wolle daher seinen auch erfüllen
und sie sei ebenfalls Teil davon. Sie würden sicherlich im Guten
auseinandergehen, doch zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er schrieb weiter:
«Du hast ja zum Glück Instagram und auf Instagram hast du viele Freunde
einige davon stehen dir ja sehr nahe und ich habe Mal geschaut welche
das sind... Zum Glück ist es einfach auf Instagram ein Profil zu erstellen
und man kann ja dort auch ALLE Bilder hochladen die Man will... Ich denke
du verstehst mich und ich denke es wäre das beste auf Snapchat
befreundet zu bleiben... habe dich extra wieder angefragt... schau ich mag
dich und ich will nicht auf Instagram schlecht über dich «reden» deshalb
wäre es das Beste du würdest mich wieder annehmen und darauf hören
was ich dir sage» (UA act. 139). A. schrieb ihm darauf, dass sie nicht
verstehe, wie er denken könne, dass sie gut auseinandergehen könnten,
wenn er ihr Profil «gestalkt» habe und ein Profil gemacht habe, auf dem er
Bilder von ihr veröffentlicht habe oder veröffentlichen werde. Der
Beschuldigte antwortete darauf: «du wirst schon sehen dass wir gut
auseinander gehen werden jedoch momentan solltest du auf das hören
was ich dir sage... Sonst könnte es sein dass ich deine Kollegen mit dem
Profil anfragen könnte und das würde ja dann Recht schnell die Runde
machen, aber das weisst du ja selber» (UA act. 140). Entgegen der Ansicht
des Beschuldigten, können seine Nachrichten nur als Drohung verstanden
werden, die intimen Bilder, die er von A. erstellt hatte (siehe oben E. 3.7),
zu veröffentlichen. Er verlangte von A., wieder mit ihm auf Snapchat
befreundet zu sein und dort seine Anweisungen zu befolgen. Im Gegensatz
zu WhatsApp werden auf Snapchat Nachrichten und Fotos nach dem
Betrachten sofort gelöscht, weshalb einleuchtet, dass der Beschuldigte
seine konkreten Forderungen dort stellen und Fotos und Videos dort
austauschen würde. Es erscheint in Anbetracht dieser Nachrichten
naheliegend, dass der Beschuldigte danach – wie von A. ausgesagt – auf
Snapchat verschiedene Fotos mit sexuellen Inhalten von ihr verlangte und
ihr Fotos seines Penis und Videos, die ihn bei der Selbstbefriedigung
zeigten, schickte.
Nach dem Gesagten bestehen für das Obergericht keine Zweifel an der
Richtigkeit der Aussagen von A., weshalb vollumfänglich auf diese
abzustellen ist. Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte A. mit der
Veröffentlichung von intimen Fotos auf Instagram gedroht hat und sie damit
dazu genötigt hat, ihm am 11. Mai 2019 zwei Oben-ohne-Fotos
(Anklageziffer 2.1) und am 13. Mai 2019 mehrere Nacktfotos, auf welchen
sie sich mehrere Finger und eine Zahnbürste vaginal und anal einführt
- 26 -
(Anklageziffern 2.2, 3.4, 4.2.1), zu senden. Zudem ist erstellt, dass der
Beschuldigte ihr vier bis fünf Fotos seines Penis sowie ein Video, das ihn
bei der Selbstbefriedigung zeigte, zugeschickt hat (Anklageziffern 3.5 und
4.1.2).
4.4.
Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz als mehrfache sexuelle Nötigung
Art. 189 Abs. 1 StGB, sexuelle Handlungen mit einem Kind gemäss
Art. 187 Ziff. 1 StGB (durch das Verleiten von A. zu sexuellen Handlungen
gemäss Anklageziffer 3.4) sowie mehrfache Pornografie gemäss Art. 197
Abs. 1 (durch Überlassen der Fotos und des Videos seines Penis) und
Abs. 5 StGB (durch den Konsum der Fotos von A.) ist zutreffend und wird
vom Beschuldigten nicht bestritten. Die Schuldsprüche wegen mehrfacher
sexueller Nötigung (Anklageziffern 2.1 und 2.2), sexueller Handlungen mit
einem Kind (Anklageziffer 3.4) sowie mehrfacher Pornografie
(Anklageziffern 4.1.2 und 4.2.2.) sind damit zu bestätigen und der
Beschuldigte ist entsprechend zu verurteilen.
4.5.
4.5.1.
In Bezug auf den Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind
gemäss Anklageziffer 3.5 (Zusenden von vier bis fünf Fotos seines Penis
und eines Videos seiner Selbstbefriedigung) bringt der Beschuldigte vor,
es handle sich bei den beschriebenen Vorgängen nicht um sexuelle
Handlungen i.S.v. Art. 187 StGB und das Vorführen von Bildern und Videos
erfülle das notwendige Einbeziehen nicht (Plädoyer Berufungsverhandlung
Rz. 27).
4.5.2.
Das Video, das der Beschuldigte A. auf Snapchat zugeschickt hat, zeigte
ihn bei der Selbstbefriedigung. Dabei handelt es sich um eine eindeutig
sexualbezogene körperliche Betätigung an sich selbst mit dem Ziel seiner
sexuellen Erregung oder seines sexuellen Genusses und folglich um eine
sexuelle Handlung i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB (vgl. E. 2.6.2). Bezüglich der
Fotos, die der Beschuldigte A. zugeschickt hat, ist eine sexuelle Handlung
hingegen zu verneinen. Auf den Fotos war lediglich sein Penis zu sehen.
Eine körperliche Betätigung fehlt.
Die Tatbestandsvariante des Einbeziehens eines Kindes in eine sexuelle
Handlung setzt voraus, dass der Täter das Kind gezielt zum Zuschauer
seiner sexuellen Handlungen und dadurch zum Sexualobjekt macht. Das
Kind muss den äusseren Vorgang der sexuellen Handlung als Ganzes
unmittelbar sinnlich wahrnehmen. Das ist etwa der Fall, wenn der Täter vor
dem Kind mit allen Zeichen sexueller Erregung onaniert (BGE 129 IV 168
E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_541/2021 vom 3. Oktober 2022
- 27 -
E. 3.3). Genügend ist beispielsweise auch, wenn das Kind akustisch wahr-
nehmen kann, wie der Täter während eines Telefongesprächs onaniert
(Urteil des Bundesgerichts 6B_702/2009 vom 8. Januar 2010 E. 4.5).
Der Beschuldigte hat A. das Video davon, wie er sich selbst befriedigt, im
Rahmen eines wechselseitigen Kontakts über Snapchat geschickt, womit
diese die sexuelle Handlung unmittelbar sinnlich wahrnahm. A. schilderte,
er habe ihr, nachdem sie ihm die abgenötigten Bilder geschickt hatte, ein
Bild seines Penis geschickt, worauf sie ihm mitgeteilt habe, dass sie dies
nicht möchte und es ihr nicht gefalle. Er habe sie dann gefragt, ob sie sehen
wolle, wie er komme. Sie habe ihm wiederum mitgeteilt, dass sie das nicht
möchte, worauf der Beschuldigte ihr trotzdem ein Video davon, «wie er sich
einen herunterholt» geschickt habe (UA act. 303). Damit hat der
Beschuldigte A. gezielt zur Zuschauerin seiner Selbstbefriedigung gemacht
und sie durch das Zusenden des Videos im wechselseitigen Austausch
über Snapchat in die Selbstbefriedigung einbezogen, womit er den
Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 3 StGB erfüllt. Der Beschuldigte ist
somit auch hinsichtlich Anklageziffer 3.5 wegen sexueller Handlungen mit
einem Kind schuldig zu sprechen.
5.
5.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten betreffend Anklageziffer 4.2.3 wegen
Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB schuldig gesprochen.
5.2.
Der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB macht sich unter anderem
strafbar, wer pornografische Bildaufnahmen, die sexuelle Handlungen mit
Minderjährigen zum Inhalt haben, besitzt. Handelt es sich um tatsächliche
sexuelle Handlungen mit Minderjährigen, ist die Strafe Freiheitsstrafe bis
zu drei Jahren oder Geldstrafe.
5.3.
Es ist unbestritten, dass es sich bei den Bildern 1 und 4 (UA act. 279
und 281) um pornografische Bildaufnahmen handelt und der Beschuldigte
diese auf seiner externen Festplatte gespeichert hatte. Der Beschuldigte
bestreitet hingegen, dass die Fotos Minderjährige zeigen. Zudem bringt er
vor, die Staatsanwaltschaft habe ihren Vorwurf nicht genügend spezifiziert
(Berufungserklärung Rz. 13). Beim zweiten in der Anklageschrift erwähn-
ten Bild sei unklar, welches Bild die Staatsanwaltschaft meine, da die
angegebene Beweisnummer bei allen sichergestellten Dateien die gleiche
sei (GA act. 128).
5.4.
Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Art. 9 und Art. 325 StPO). Die Anklage hat die der
- 28 -
beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so
präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver
Hinsicht genügend konkretisiert sind. Entscheidend ist, dass der Betroffene
genau weiss, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein
Verhalten rechtlich qualifiziert wird (BGE 143 IV 63 E. 2.2).
In der Anklageschrift wurde beschrieben, dass ein Foto das Genital eines
Kindes oder zumindest eines klar minderjährigen Mädchens und einen
Penis und das andere Foto das Genital eines Kindes oder zumindest klar
minderjährigen Mädchens und zwei Finger zeige (Anklageziffer 4.2.3). In
der Schlusseinvernahme wurden dem Beschuldigten diese beiden Bilder
(Bild 1 und Bild 4) zusammen mit drei weiteren Bildern vorgelegt, wobei nur
Bild 1 und Bild 4 der Beschreibung gemäss Anklageschrift (Genital und
zwei Finger bzw. Penis) entsprechen (UA act. 279 ff.). Auch wenn sich
durch die in der Anklageschrift angegebene Beweisnummer die beiden
Fotos nicht eindeutig identifizieren lassen, war für den Beschuldigten durch
die Vorlage der Bilder anlässlich der Schlusseinvernahme und die
Beschreibung in der Anklageschrift klar erkennbar, um welche Fotos es
sich bei den in Ziff. 4.2.3 der Anklage erwähnten handelt. Der Anklage-
grundsatz ist somit nicht verletzt.
5.5.
Mit der Vorinstanz ist für das Obergericht erstellt, dass die Bilder 1 und 4
Minderjährige zeigen. Aufgrund der noch nicht weit entwickelten äusseren
weiblichen Geschlechtsorgane ist klar erkennbar, dass es sich um
Mädchen vor dem Beginn der Pubertät handelt (UA act. 279 und 281).
Dass es sich somit eindeutig nicht um volljährige Frauen handeln kann,
musste für den Beschuldigten ohne Weiteres erkennbar sein, womit er die
pornografischen Bilder im Wissen um die Minderjährigkeit der abgebildeten
Personen besessen hat. Der Tatbestand ist damit erfüllt und der Beschul-
digte hinsichtlich Anklageziffer 4.2.3 der Pornografie gemäss Art. 197
Abs. 5 StGB schuldig zu sprechen.
6.
Die Berufung des Beschuldigten erweist sich im Schuldpunkt hinsichtlich
der sexuellen Nötigung gemäss Anklageziffer 1 sowie der sexuellen Hand-
lungen mit einem Kind gemäss Anklageziffer 3.1 als begründet und der
Beschuldigte ist von diesen Vorwürfen freizusprechen. Im Übrigen ist die
Berufung abzuweisen. Der Beschuldigte ist wegen mehrfacher sexueller
Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 2.1 und 2.2), mehr-
facher sexueller Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB
(Anklageziffer 3.3, 3.4 und 3.5), mehrfacher Pornografie gemäss Art. 197
Abs. 1 und Abs. 5 StGB (Anklageziffer 4.1.2, 4.2.1, 4.2.2 und 4.2.3), mehr-
facher Widerhandlung gegen Art. 19bis BetmG und – was im Berufungs-
verfahren unangefochten geblieben ist – wegen Fahrens in fahrunfähigem
Zustand mit qualifizierter Atemalkoholkonzentration gemäss Art. 91 Abs. 2
- 29 -
lit. a SVG, Fahrens ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG,
Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch gemäss Art. 94 Abs. 1 lit. a
SVG, mehrfacher Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1
i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 73 Abs. 6 SSV sowie gemäss Art. 90
Abs. 1 i.V.m. Art. 43 Abs. 2 SVG und mehrfacher Widerhandlung gegen
Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Anklageziffer 11.1, 11.2 und 11.5) schuldig zu
sprechen.
7.
7.1.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV
217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann
verwiesen werden.
7.2.
7.2.1.
Die Einsatzstrafe ist für die sexuelle Nötigung vom 13. Mai 2019 (Anklage-
ziffer 2.2) als – bei gleichem Strafrahmen qua Verschulden – konkret
schwerste Straftat festzusetzen.
Der Tatbestand der sexuellen Nötigung nach Art. 189 Abs. 1 StGB sieht
eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder eine Geldstrafe vor. Das
Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach dem
Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die Bestimmung
des Verschuldens ist die Schwere der Verletzung oder Gefährdung des
betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der sexuel-
len Nötigung schützt die sexuelle Freiheit und Integrität (BGE 146 IV 153
E. 3.5.2).
Der Beschuldigte hat A. dazu genötigt, sich mehrere Finger sowie eine
Zahnbürste vaginal und anal einzuführen und ihm davon Fotos zu schicken.
Beim vaginalen und analen Einführen mehrerer Finger und einer
Zahnbürste handelt es sich im breiten Spektrum der bei einer sexuellen
Nötigung möglichen und denkbaren sexuellen Handlungen um einen der
schwereren Eingriffe in die sexuelle Integrität. Weil A. die Handlungen in
Abwesenheit des Beschuldigten an sich selbst vornehmen musste, war sie
dem Beschuldigten allerdings nicht im selben Masse ausgeliefert, wie wenn
dieser die Handlungen an ihr getätigt hätte. Insbesondere dürften die dabei
empfundene Ohnmacht und Demütigung sowie durch das Einführen
verursachte Schmerzen geringer ausgefallen sein. Die
Rechtsgutsverletzung wiegt damit leichter als bei einer Penetration durch
den Täter.
Der Beschuldigte hat A. damit gedroht, intime Fotos von ihr auf Instagram
zu veröffentlichen und sie somit in erheblichem Masse öffentlich
- 30 -
blosszustellen. Das Ausmass der Drohung ist jedoch nicht über die zur
Erfüllung dieser Tatbestandsvariante erforderliche Androhung eines ernstli-
chen Nachteils hinausgegangen und damit neutral zu bewerten.
Leicht verschuldenserhöhend wirkt sich das planhafte Vorgehen des
Beschuldigten aus, das eine gewisse kriminelle Energie offenbart. Er stand
mit A. über WhatsApp in Kontakt, verlangte jedoch von ihr, ihn wieder auf
Snapchat hinzuzufügen und dort seine Anweisungen zu befolgen. Damit
wechselte er bewusst auf eine Plattform, bei der die ausgetauschten
Nachrichten, Bilder und Videos und folglich die Beweise für seine
strafbaren Handlungen nach dem Betrachten wieder verschwinden.
Der Beschuldigte hat in subjektiver Hinsicht primär aus egoistischen
Motiven, nämlich der Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse gehandelt.
Dieser Umstand ist jedoch jedem Sexualdelikt immanent und entsprechend
nicht verschuldenserhöhend zu gewichten (Urteil des Bundesgerichts
6P.194/2001 vom 3. Dezember 2002 E. 7.4.2).
Verschuldenserhöhend ist hingegen das sehr grosse Mass an Entschei-
dungsfreiheit, über welches der Beschuldigte verfügte, zu berücksichtigen.
Es sind keine inneren oder äusseren Umstände ersichtlich, welche die
Entscheidungsfreiheit des Beschuldigten hätten einschränken können. Je
leichter es aber für ihn gewesen wäre, die sexuelle Integrität und das
sexuelle Selbstbestimmungsrecht von A. zu respektieren, desto schwerer
wiegt die Entscheidung dagegen und damit einhergehend das Verschulden
(BGE 117 IV 112 E. 1; BGE 127 IV 101 E. 2a).
Insgesamt ist im breiten Spektrum der vom Tatbestand der sexuellen Nöti-
gung erfassten Sachverhalte von einem nicht mehr leichten bis mittel-
schweren Verschulden auszugehen und in Relation zum Strafrahmen von
bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe von einer angemessenen Einsatzstrafe
von 1 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen.
7.2.2.
Diese Einsatzstrafe ist für die sexuellen Handlungen mit einem Kind vom
22. Dezember 2018 (Anklageziffer 3.3) in Anwendung des Asperations-
prinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen.
Der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit einem Kind nach Art. 187
Ziff. 1 StGB sieht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geld-
strafe vor. Der Tatbestand schützt die ungestörte psychisch-emotionale
und sexuelle Entwicklung des Kindes (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2). Auch
wenn es dabei um eine Gefährdung (siehe Marginalie zu Art. 187 f. StGB)
und nicht um einen Angriff auf die sexuelle Freiheit und Ehre geht (siehe
Marginale zu Art. 189 ff. StGB), spielen dabei die konkret vorgenommenen
sexuellen Handlungen, deren Intensität und deren Häufigkeit eine wichtige
- 31 -
Rolle. Es versteht sich von selbst, dass als besonders schwer zu qualifizie-
rende sexuelle Handlungen auch zu einer entsprechend höheren Gefähr-
dung der ungestörten psychisch-emotionalen und sexuellen Entwicklung
des betroffenen Kindes führen.
Der Beschuldigte hat die damals 15-jährige A. in Unterwäsche und mit
hochgeschobenem Büstenhalter posieren lassen, mit seinem Penis ihr
Gesäss berührt und seinen Finger anal und vaginal in sie eingeführt. Im
breiten Spektrum denkbarer sexueller Handlungen mit einem Kind handelt
es sich beim Eindringen mit dem Finger in die Vagina und den Anus um
einen vergleichsweise schwerwiegenden Eingriff, zumal die anale Penetra-
tion A. physische Schmerzen bereitet hat. A. hat mit dem Beschuldigten vor
dem Vorfall darüber gesprochen, dass sie noch nicht bereit für das erste
Mal sei (UA act. 315). Er hat damit bewusst in ihre psychisch-emotionale
und sexuelle Entwicklung eingegriffen, indem er die beischlafsähnlichen
Handlungen an ihr vorgenommen hat. A. schilderte, es sei ihr nach dem
Vorfall schlecht gegangen und sie habe sich beim Duschen vor ihrem
nackten Körper geekelt (UA act. 65). Um das Geschehene zu verarbeiten,
habe sie mehrere Beratungsgespräche bei einer Psychotherapeutin und
zwei Sitzungen bei einer Heilpraktikerin wahrgenommen (GA act. 103). Die
psychischen Auswirkungen des Vorfalls dauern bis heute an. So schilderte
sie anlässlich der Berufungsverhandlung glaubhaft, sie habe im Sommer
dieses Jahres wieder eine Therapie aufgenommen, weil die Vorfälle sie
doch noch belasten würden. Sie sei sich mit der Zeit immer mehr bewusst
geworden, dass die Vorfälle sie «unterbewusst beschädigt» hätten. Sie
habe Albträume und sei «paranoid» gegenüber Männern, vor allem in der
Nacht. Die Vorfälle hätten dazu beigetragen, dass ihr Selbstbild kaputt sei.
Es sei ein Teil von ihr dazugekommen, der sich Vorwürfe mache und
angewidert sei, wenn sie sich nackt sehe. Sie sei in ihrer Beziehung auch
noch nicht sexuell aktiv. Sie besuche nun alle zwei Wochen die
Sprechstunde bei einer Psychologin der M. (Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 18 f.).
Verschuldenserhöhend wirkt sich die Art und Weise bzw. die Verwerflich-
keit des Handelns des Beschuldigten aus, welche erheblich über die blosse
Erfüllung des Tatbestandes hinausgegangen ist. Die Familie von A. kannte
den Beschuldigten bereits seit längerem und er genoss als Nachhilfelehrer
von A. bei ihnen ein hohes Vertrauen. Dies zeigte sich darin, dass A. sich
jeweils mit ihm am Abend treffen und länger wegbleiben durfte, was ihr
ansonsten nicht erlaubt gewesen wäre (UA act. 300). Er nützte das
freundschaftliche Verhältnis, das er mit A. anlässlich des
Nachhilfeunterrichts aufgebaut hatte, ihre Freude über seine
Aufmerksamkeit sowie ihre Unerfahrenheit und kindliche Naivität aus, um
sie zu überzeugen, ein Oben-ohne-Bild von ihr zu machen und um danach
durch sein forderndes und dominantes Verhalten die weiteren sexuellen
Handlungen mit ihr vornehmen zu können.
- 32 -
Die egoistischen Beweggründe des Beschuldigten sind wiederum neutral
und das sehr grosse Mass an Entscheidungsfreiheit verschuldenserhö-
hend zu gewichten (vgl. E. 7.2).
Insgesamt ist im breiten Spektrum der vom Tatbestand der sexuellen
Handlungen mit einem Kind erfassten Sachverhalte von einem mittel-
schweren Verschulden auszugehen und in Relation zum Strafrahmen von
bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe von einer angemessenen Einzelstrafe von
2 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen.
Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass zwischen der
sexuellen Nötigung vom 13. Mai 2019 und den sexuellen Handlungen vom
22. Dezember 2018 einzig insofern ein Zusammenhang besteht, als der
Beschuldigte die Fotos, die er während der sexuellen Handlungen von A.
erstellte, einige Monate später durch die Androhung der Veröffentlichung
als Nötigungsmittel gegenüber demselben Opfer verwendete. Der
Zusammenhang erweist sich damit als lose und entsprechend ist von
einem grossen Gesamtschuldbetrag auszugehen. Angemessen erscheint
unter diesen Umständen eine Erhöhung der Einsatzstrafe von 1 1⁄2 Jahren
um 1 1⁄2 Jahre auf insgesamt 3 Jahre.
7.2.3.
Diese Strafe wäre zusätzlich für die sexuellen Handlungen mit einem Kind
gemäss Anklageziffer 3.4, die Pornografie gemäss Anklageziffer 4.2.1
sowie das Fahren ohne Berechtigung, für die aufgrund der jeweiligen
Tatschwere und dem damit einhergehenden Verschulden jeweils nur eine
Freiheitsstrafe in Frage kommt, in Anwendung des Asperationsprinzips
angemessen zu erhöhen.
Aufgrund der Täterkomponente würde sich sodann keine Anpassung des
Strafmasses ergeben, da sich diese vorliegend neutral auswirkt. Der
Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (UA act. 1 f.), was neutral zu
behandeln ist, da die Vorstrafenlosigkeit als Normalfall zu gelten hat (BGE
136 IV 1). Auch aus seinem Verhalten nach der Tat ergeben sich keine
strafmindernden Umstände. Die Staatsanwaltschaft Graubünden hat am
12. September 2022 einen Strafbefehl gegen den Beschuldigten wegen
Nichtabgabe von Ausweisen oder Kontrollschildern gemäss Art. 97 Abs. 1
lit. b SVG erlassen und den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe
von 10 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt. Weiter kann
das Verhalten des Beschuldigten im Strafverfahren entgegen seiner
Ansicht nicht als kooperativ angesehen werden. So teilte er den
Strafverfolgungsbehörden zwar den PIN Code eines Mobiltelefons und
iPads mit, verweigerte jedoch die Aussage oder berief sich auf Nichtwissen
betreffend die übrigen sichergestellten Datenträger, wozu auch die externe
Festplatte HGST gehörte, auf der sich die beiden kinderpornografischen
- 33 -
Bilder befanden (UA act. 246 ff.). Er bestritt während des gesamten
Verfahrens sämtliche Delikte zum Nachteil von A. und gestand hinsichtlich
der Strassenverkehrsdelikte sowie des Konsums und Besitzes von Betäu-
bungsmitteln nur das ein, was ohnehin aufgrund der erdrückenden
Beweislage auf der Hand lag. Der Beschuldigte hat damit nicht wesentlich
zur Vereinfachung oder Verkürzung des Verfahrens beigetragen und auch
keine Einsicht und Reue hinsichtlich aller von ihm begangenen Delikte
gezeigt. Die übrigen persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten bieten
zu keinen Bemerkungen Anlass. Der 25-jährige Beschuldigte ist in Q. und
QR. aufgewachsen, hat eine Lehre als Automobilfachmann abgeschlossen
und studiert aktuell Teilzeit [...] an der Fachhochschule in QS. mit voraus-
sichtlichem Studienabschluss im Jahr 2024. Zur Finanzierung seines
Studiums betreibt er eine Garage mit Occasionshandel in QT. als Einzel-
unternehmen ([...]). Er ist ledig und kinderlos, aber seit ca. fünf Jahren in
einer festen Beziehung (UA act. 5 ff.; GA act. 69 ff.; Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 24). Seine Strafempfindlichkeit erweist sich als
durchschnittlich.
Weiter ist auch keine Verletzung des Beschleunigungsgebots ersichtlich,
für die eine Strafminderung angezeigt wäre. Der Beschuldigte wurde am
9. Dezember 2018 im Zusammenhang mit den Strassenverkehrsdelikten
angehalten und am 22. Dezember 2018 dazu befragt (UA act. 221 ff.). Am
25. Mai 2019 wurde die Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten im
Zusammenhang mit den Delikten zum Nachteil von A. eröffnet (UA
act. 419). Die Zeitspanne zwischen den Einvernahmen des Beschuldigten
am 13. August 2019 und am 19. Mai 2020 lässt sich durch die Dauer,
welche die Auswertung und Durchsicht der verschiedenen anlässlich der
Hausdurchsuchung sichergestellten Datenträger in Anspruch genommen
hat (vgl. UA act. 89), begründen. Die Dauer des vorinstanzlichen Verfah-
rens bis zur Eröffnung des Urteilsdispositivs von rund einem Jahr ist in
Anbetracht der Tatsache, dass der Termin der Hauptverhandlung zweimal
aus Gründen, die in der Person des Beschuldigten lagen (Anwesenheits-
pflicht im Studium und kurzfristige Verhandlungsunfähigkeit; UA act. 15
und 48), verschoben werden musste, nicht zu beanstanden. Für die
schriftliche Urteilsbegründung benötigte die Vorinstanz rund vier Monate,
womit sie die Ordnungsfristen von 60 und ausnahmsweise 90 Tagen
gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO nicht eingehalten, jedoch auch nicht in einem
Masse überschritten hat, dass dies eine besondere Belastung für den
Beschuldigten dargestellt hätte. Längere Phasen des Stillstands sind im
gesamten Verfahren nicht auszumachen. Auch die Gesamtdauer des
Verfahrens bis zum obergerichtlichen Urteil von knapp vier Jahren erweist
sich unter diesen Umständen nicht als unangemessen.
Die Strafzumessung würde damit insgesamt zu einer höheren als der von
der Vorinstanz ausgesprochenen Strafe von 3 Jahren Freiheitsstrafe
führen. Da nur der Beschuldigte Berufung erhoben hat, ist es dem
- 34 -
Obergericht aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO)
jedoch verwehrt, eine höhere Strafe auszusprechen, weshalb es damit sein
Bewenden hat.
7.3.
Aufgrund des Verschlechterungsverbots ist sodann auch ausgeschlossen,
für jene Straftaten, für welche bei isolierter Betrachtung unter Berücksichti-
gung der Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten, des Verschuldens sowie
unter Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit je auf eine Geld-
strafe zu erkennen wäre (sexuelle Nötigung gemäss Anklageziffer 2.1,
sexuelle Handlungen mit einem Kind gemäss Anklageziffer 3.5, mehrfache
Pornografie gemäss Anklageziffern 4.1.2, 4.2.2, 4.2.3, mehrfache Wider-
handlung gegen Art. 19bis BetmG, Fahren in fahrunfähigem Zustand mit
qualifizierter Atemalkoholkonzentration sowie Entwendung eines Fahr-
zeugs zum Gebrauch), eine zusätzliche Geldstrafe auszufällen.
7.4.
7.4.1.
Das Gericht kann den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem
Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn dies
notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu
tragen (Art. 43 Abs. 1 StGB). Fällt bei Freiheitsstrafen zwischen zwei und
drei Jahren die Legalprognose nicht negativ aus, tritt der teilbedingte
Strafvollzug an die Stelle des in diesem Bereich nicht mehr möglichen
vollbedingten Strafvollzugs. Besteht hingegen keinerlei Aussicht, dass sich
der Täter durch den teilweise gewährten Strafaufschub im Hinblick auf sein
zukünftiges Legalverhalten positiv beeinflussen lässt, ist die Strafe in voller
Länge zu vollziehen (BGE 144 IV 277 E. 3.1.1).
Insgesamt bestehen erhebliche Bedenken an der Legalbewährung des
Beschuldigten. Er bestritt die ihm vorgeworfenen sexuellen Handlungen
und Nötigungen, für welche er schuldig gesprochen wird, auch noch im
Berufungsverfahren hartnäckig und zeigte diesbezüglich keinerlei Einsicht
und Reue. Während des laufenden Verfahrens wurde er wegen Nicht-
abgabe von Ausweisen oder Kontrollschildern verurteilt und sah auch
diesbezüglich keine Verantwortung bei sich (Protokoll der Berufungs-
verhandlung S. 27). Trotz dieser Bedenken ist dem Beschuldigten jedoch
knapp keine eigentliche Schlechtprognose zu stellen. Der Beschuldigte ist
nicht vorbestraft und es ist zu erwarten, dass er bereits aus einem
teilbedingten Vollzug der Freiheitsstrafe seine Lehren ziehen und sich in
Zukunft wohlverhalten wird. Ein Zusammenhang zwischen den vom
Beschuldigten begangenen Delikten und seinen damaligen Lebensumstän-
den ist nicht erkennbar. Er lebte bei seiner Mutter, machte eine Lehre als
Automobilfachmann und war bereits im Zeitpunkt der zum Nachteil von A.
begangenen Sexualdelikte in einer Beziehung (UA act. 4 ff.; GA act. 71).
Dennoch ist es als positiv zu werten, dass der Beschuldigte sich durch
- 35 -
seine selbständige Erwerbstätigkeit ohne finanzielle Unterstützung seiner
Eltern ein Fachhochschulstudium finanziert. Insgesamt erweist sich damit
ein teilbedingter Vollzug der Freiheitsstrafe als angezeigt.
Beim teilbedingten Strafvollzug ist das Verhältnis der Strafteile so fest-
zusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des
Täters einerseits und dessen Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum
Ausdruck kommen. Je günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerf-
barkeit der Tat, desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte
Strafteil sein. Der unbedingte Strafteil darf dabei das unter Verschuldens-
gesichtspunkten (Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht unterschreiten (BGE
134 IV 1 E. 5.6).
Infolge der erheblichen Bedenken an seiner Legalbewährung sowie des
insgesamt als mittelschwer zu qualifizierenden Verschuldens ist der zu
vollziehende Teil der Freiheitsstrafe auf 15 Monate und der aufgeschobene
Teil auf 21 Monate festzusetzen. Aufgrund des Verschlechterungsverbots
hat es bei der auf das gesetzliche Minimum von zwei Jahren festgesetzten
Probezeit sein Bewenden (Art. 44 Abs. 1 StGB).
7.5.
Dem Beschuldigten ist die Dauer der vorläufigen Festnahme von einem
Tag (29. Mai 2019, UA act. 26 f.) auf die Freiheitsstrafe anzurechnen
(Art. 51 StGB).
7.6.
Die von der Vorinstanz für die Übertretungen (Verkehrsregelverletzungen
gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG und Widerhandlungen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz gemäss Art. 19a BetmG) ausgesprochene Gesamtbusse von
Fr. 500.00, ersatzweise fünf Tage Freiheitsstrafe, wurde im Berufungs-
verfahren nicht angefochten, weshalb es damit sein Bewenden hat.
8.
Die Vorinstanz hat der Privatklägerin A. eine Genugtuung von Fr. 8'000.00
zuzüglich Zins zu 5 % seit 1. Februar 2019 zugesprochen (vorinstanzliches
Urteil E. 8.1).
In der Berufung des Beschuldigten finden sich für den Fall der ganz oder
teilweisen Abweisung der Berufung im Schuldpunkt keine Ausführungen zu
der von der Vorinstanz zugesprochenen Genugtuung. Darauf ist somit nicht
weiter einzugehen bzw. es kann auf die unbestritten gebliebenen
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO),
zumal hinsichtlich der adhäsionsweise geltend gemachten Zivilforderungen
die Dispositionsmaxime gilt.
- 36 -
9.
9.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigte erwirkt mit Berufung insofern einen für ihn günstigeren
Entscheid, als er von den Vorwürfen der sexuellen Nötigung gemäss
Anklageziffer 1 sowie der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss
Anklageziffer 3.1 freigesprochen wird und der zu vollziehende Teil der
dreijährigen Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf 15 Monate reduziert wird.
Im Übrigen ist seine Berufung abzuweisen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten 3⁄4 der obergerichtlichen
Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD), d.h. Fr. 3'750.00, aufzu-
erlegen und den Rest auf die Staatskasse zu nehmen.
9.2.
Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das obergerichtliche
Verfahren gestützt auf die anlässlich der Berufungsverhandlung einge-
reichte Kostennote, angepasst an die effektive Dauer der Berufungs-
verhandlung, mit gerundet Fr. 7'580.00 (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuer) aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m.
§ 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT).
Die Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von 3⁄4 zurückzufor-
dern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135
Abs. 4 lit. a StPO).
9.3.
Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin A. ist für das
obergerichtliche Verfahren gestützt auf die anlässlich der Berufungs-
verhandlung eingereichte Kostennote mit gerundet Fr. 7'250.00 (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen (Art. 138 Abs. 1 StPO
i.V.m. Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13
AnwT).
Der Beschuldigte befindet sich nicht in günstigen wirtschaftlichen
Verhältnissen im Sinne von Art. 426 Abs. 4 StPO. Die dem unentgeltlichen
Rechtsbeistand auszurichtende Entschädigung ist vom Beschuldigten
deshalb nicht zurückzufordern.
10.
10.1.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person
die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie teilweise freigesprochen, so
sind ihr die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. Ihr dürfen jedoch
- 37 -
dann die gesamten Kosten auferlegt werden, wenn die ihr zur Last gelegten
Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen und alle
Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig
waren (Urteile des Bundesgerichts 6B_343/2020 vom 14. Dezember 2021
E. 8.3; 6B_460/2020 vom 10. März 2021 E. 10.3.1).
Die Vorwürfe, von denen der Beschuldigte freigesprochen wird, hängen
eng mit den ähnlich gelagerten weiteren Delikten der jeweiligen Tat-
bestandsdossiers (Sexualdelikte zum Nachteil von A. [UA act. 211 ff.];
anlässlich der Hausdurchsuchung festgestellte Betäubungsmitteldelikte
[UA act. 219 f.]; Strassenverkehrsdelikte vom 29. Mai 2019 [UA act. 211
ff.]) zusammen, für die der Beschuldigte verurteilt wird. Es sind auch keine
Untersuchungshandlungen hinsichtlich dieser Freisprüche ersichtlich, die
nicht ohnehin für die übrigen Delikte hätten vorgenommen werden müssen.
Unter diesen Umständen sind dem Beschuldigten deshalb die gesamten
erstinstanzlichen Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 7'395.05 aufzuerlegen.
10.2.
Die dem ehemaligen amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, Rechts-
anwalt Stephan Nüesch, für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene
Entschädigung von Fr. 1'994.45, und die dem aktuellen amtlichen
Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene Entschädi-
gung von Fr. 11'476.85 sind mit Berufung nicht angefochten worden,
weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen
werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar
2019 E. 2.3).
Diese Entschädigungen sind vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald
es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
10.3.
Die Vorinstanz hat der ehemaligen unentgeltlichen Rechtsbeiständin der
Privatklägerin, Rechtsanwältin Victoria Huber, für das erstinstanzliche
Verfahren eine Entschädigung von Fr. 9'649.20 zugesprochen. Entgegen
der Vorinstanz hat der Beschuldigte die Kosten für die unentgeltliche
Verbeiständung der Privatklägerschaft nur dann zu tragen, wenn er sich in
günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet, was vorliegend nicht der
Fall ist (Art. 426 Abs. 4 StPO). Hat der Beschuldigte die Kosten für die
unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerschaft nicht zu tragen, ist er
mangels Beschwer auch nicht zu deren Anfechtung legitimiert. Auf die der
unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin für das erstinstanzliche
Verfahren zugesprochene Entschädigung ist deshalb nicht zurückzukom-
men.
- 38 -
11.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).
- 39 -