Decision ID: ebc63fe2-6101-40f0-a7e3-7a06baf4fd67
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1963 geborene
X._
, gelernte Pflegefachfrau, meldete sich am 10. Septemb
er 2019 unter Hinweis auf eine s
eit dem 15. April 2019 bestehende Arbeitsunfähigkeit infolge psychischer Beeinträchtigungen bei der
Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/6). Die IV-Stelle
zog daraufhin
die Akten des Krankentaggeldversicherers bei
(Urk. 6/8,
6/11, 6/12), führte ein Standortge
spräch durch (Urk. 6/15) und holte einen Arztbericht der behandelnden Psychia
terin,
Dr.
med. Y._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein (Urk. 6/16). Mit Mitteilung vom 14. April 2020 gewährte die IV-Stelle für die Zeit vom 25. März bis 24. September 2020 Frühinterventionsmassnahmen in Form von Arbeitsplatzerhalt und Job C
oaching (Urk. 6/31) und erteilte am 2
7.
August 2020 Kostengutsprache für eine Pedicure-Ausbildung (Urk. 6/35). Am 12. Oktober 2020
schloss
die IV-Stelle
zufolge erfolgreicher Arbeitsvermittlung die berufliche Eingliederung ab
(Urk. 6/37). Nach neuerlicher Ei
nholung eines Berichts von Dr. Y._
(Urk. 6/41) und erneutem
B
eizug
der Akten der Kranken
taggeldversicherung (Urk. 6/43), legte die IV-Stelle das Dossier ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vor (Urk. 6/44/
5-6
). Mit Vorbescheid vom 16. Februar 2021 stellte sie der Versicherten die Abweisung ihres Leistungs
begehrens in Aussicht (Urk. 6/45)
, wogegen Letztere
mit Schreiben vom 14. März 2021 Einwand
erhob
(Urk. 6/46)
. Mit Verfügung vom 13. April 2021 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
mangels Vorliegens eines langandauernden Gesundheitsschadens
ab
(Urk. 2 = Urk. 6/50).
2.
Dagegen erhob
X._
am 11. Mai 2021 B
eschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zu ergänzenden Abklärungen und zum Neuentscheid über die Invalidenrente an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 23. Juni 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 25. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen sei (E.
5.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit
auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Res
sourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen
einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
D
ie Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist
indessen
nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindika
toren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu trage
n (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Ent
scheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festge
stellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechts
mittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
13. April 2021, die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass die Behandlungsmög
lichkeiten zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation noch nicht ausge
schöpft seien. Durch eine adäquate Therapie wäre eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes möglich. Aus versicherungsrechtlicher Sicht sei
damit
kein die Arbeitsfähigkeit langfristig beeinträchtigender Gesundheitszustand aus
gewiesen
, weshalb
kein Anspruch auf eine Invalidenrente
bestehe
(Urk. 2).
2.2.
Demgegenüber
stellte sich
die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 11. Mai 2021
im Wesentlichen auf den Standpunkt, auf die RAD-Stellungnahme vom 29. Januar 2021 könne nicht abgestellt werden.
Diese erweise sich als nicht beweiskräftig, da sie
inhaltlich den bundesgerichtlichen Anforderungen
nicht genüge. Zudem sei
die reine Aktenbeurteilung nicht durch einen psychiatrischen Facharzt, sondern durch einen Facharzt für Neurologie erfolgt.
Insgesamt würden sich die medizinische wie auch die erwerbliche Situation als ungenügend abge
klärt erweisen, weshalb die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei, damit die notwendigen Abklärungen nachgeholt werden könnten (Urk. 1
S. 6 ff.).
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in ihrem Bericht vom 26. August 2019 (Urk. 6/8/2-7) zuhanden des Kran
kent
aggeldversicherers die Diagnose
(Urk. 6/8/5) mittelgradige depressive Epi
sode mit somatischem Syndrom, aktuell im Ausmass einer leichten Episode (ICD-10 F32.11), einhergehend mit einem psychophysischen Erschöpfungszustand (ICD-10 Z73.0).
Zu den pathologischen Untersuchungsbefunden führte sie auf, die Versicherte wirke ordentlich gepflegt, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Sie sei im Kontakt offen und freundlich zugewandt, nehme Blickkontakt auf und halte diesen. Während des Gesprächs gebe die Versicherte klare Antworten auf die gestellten Fragen, wobei sie sich in ihrem formalen Gedankengang geordnet und kohärent aber leicht umständlich sowie auf die aktuelle Situation eingeengt zeige. Es bestehe leichtes Grübeln. Im Gespräche fielen leichte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite auf, es seien aber keine Störungen der übrigen mnestischen Funktionen feststellbar. Es bestünden keine D
enkstörungen sowie
keine Hinweise auf Wahn- und Sinnestäuschungen
oder Ich-Störungen. Zudem gebe es keine Anhaltspunkte auf Zwänge. Die Grundstimmung sei leicht zum depressiven Pol verschoben, wobei die Modulation nicht eingeschränkt sei. Es
bestünden Insuffizienzgefühle, die Versicherte sei im Antrieb gemindert und zeige E
nergie- und Interessenlosigkeit sowie niedrige Belastbarkeit und
Stresstoleranz. Es bestünden leichte Schlafstörungen, aber keine Hinweise auf Eigen- oder Fremdgefährdung. Das Becks-Depressions-Inventar (BDI) zeige 13 Punkte, was auf eine milde depressive Symptomatik hinweise.
Basierend darauf
attestierte
sie
der Beschwerdeführerin sowohl in ihrer ange
stammten Tätigkeit als auch in einer angepassten Tätigkeit ab 31. Juli bis 1
5.
Sep
tember 2019 eine 100%ige und ab 16. September bis 31. Oktober 2019 eine 50%ige A
rbeitsunfähigkeit.
Unter Hinweis darauf, dass die uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit bei adäquater Therapie erreicht werden könne, empfahl sie die konsequente Weiterführung der bereits etablierten ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sowie die Optimierung der antidepressiven Medikation. Sollte sich die
Rekonvaleszenzzeit
weiter verzögern oder eine Besse
rung des Befindens ausbleiben, sei eine Intensivierung der Behandlungsmassnah
men in Form einer teilstationären Behandlung zu empfehlen (Urk. 6/8/6-7).
3.
2
Die behandelnde
Psychiaterin
Dr.
Y._
hielt in ihrem Bericht
vom 5. November 2019 (Urk.
6/16) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit fest (Urk. 6/16/4):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit erhöhter Vulnerabilität und Neigung zu impulsiven Reaktionen (ICD-10 Z73.1) wahrscheinlich auf dem Hinter
grund einer Bindungstraumatisierung
Zum psychopathologischen Befund führte sie aus, es bestehe subjektiv eine deut
lich verminderte Konzentrationsspanne. Ansonsten ergäben sich keine Hinweise auf eine Störung der mnestischen Funktionen. Im formalen Denken sei die Ver
sicherte kohärent, inhaltlich von Ängsten und Sorgen geprägt. Die Grundstim
mung sei gedrückt, leicht pessimistisch, anamnestisch auch gereizt und situati
onsbedingt schwankend. Im Antrieb sei die Versicherte leicht vermindert und die psychische und körperliche Belastbarkeit seien eingeschränkt mit noch deutlich erhöhter Erschöpfbarkeit.
Im
BDI
erreiche die
Versicherte 21 Punkte, was einer mittelgradigen depr
essiven Symptomatik entspreche (Urk. 6/16/4).
V
om 15.
April bis 30. September 2019
habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit
1. Oktober 2019 bis auf weiteres bestehe eine 100%ige arbeits
platzbezogene
Arbeitsunfähigkeit sowie ab
1.
Oktober bis vorerst 30. November 2019 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit
(Urk. 6/16/2). Bei
der Haushaltsführung bestünden grundsätzlich keine Einschränkungen, die Ver
sicherte benötige allerdings noch vermehrt Pausen und Erholungszeiten (Urk. 6/16/6).
Langfristig sei von einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auszugehen, deren Aus
mass im Moment noch nicht festgelegt werden könne. Ob eine Rückkehr in den angestammten Beruf möglich sei, müsse ebenfalls offengelassen werden (Urk. 6/16/4).
3.
3
Gemäss Aktenbeurteilung von
Dr.
med. A._
, Facharzt FMH für Psychi
atrie und Psychotherapie, zuhanden des Krankentaggeldversicherers vom 30. De
zember 2019 sei von
Dr.
Y._
nachvollziehbar begründet worden, dass sich
die gesundheitliche Situation
der Versicherten anders entwickelt habe, als von
Dr.
Z._
prognostiziert worden sei. Die Arbeitsunfähigkeit in der angestamm
ten Tätigkeit betrage 100 %
,
wobei
der Verlauf ungewiss sei
. Bei der Arbeits
-
un
fähigkeit handle es sich nicht um eine rein auf den aktuellen Arbeitsplatz bezogene (Urk. 6/43/76-77).
3.
4
In ihrem Bericht vom 6. März 2020 zuhanden des Krankentaggeldversicherers
wies Dr. Y._
auf eine rückläufige depressive Symptomatik hin, welche einer rezidivierenden depressiven Störung, mit gegenwärtig noch leichter Restsympto
matik einer mittelgradigen Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11) entspreche. Im Rahmen der Psychotherapie hätten in letzter Zeit vor allem stüt
zende Gespräche hinsichtlich der Medikamentenumstellung sowie der Auseinan
dersetzung mit beruflichen Perspektiven geführt werden können. Zudem sei eine Abklärung bezüglich
ADHS erfolgt, welches aufgrund der Befunde habe bestätigt werden können (Urk. 6/43/73-74).
Unverändert
bestehe
bis mindestens 31. März 2020 eine 100%ige arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit. Für eine angepasste Tätigkeit liege seit dem 1. Oktober 2019 eine Arbeitsfähigkeit von zwei Halbtagen pro Woche vor. Grundsätzlich sei mit einer künftigen Erhöhung der Arbeitsfähig
keit zu rechnen. Die Versicherte werde
am
1. Mai 2020 eine neue St
elle bei der B._
antreten. Dabei handle es sich um eine angepasste Tätigkeit ohne administrative Aufgaben, keiner Bezugspersonenpflege und insgesamt weniger Verantwortung im Vergleich zur früheren Ste
lle bei der C._
. Es seien circa 20 % im Stundenlohn vorgesehen. Wie sich die Arbeitsfä
higkeit im weiteren Verlauf entwickeln werde, könne erst mit Wiederaufn
ahme der Tätigkeit eingeschätzt
und m
üsse deshalb noch offengelassen
werden (Urk. 6/43/73).
3.
5
In seiner neuerlichen Aktenbeurteilung zuhanden des Krankentaggeldversicherers vom
9.
April 2
020 hielt
Dr.
A._
fest, die attestierte
100%ige Arbeitsunfähig
keit betreffe lediglich die Verhältnisse am letzten Arbeitsplatz und sei somit wie von
Dr.
Y._
festgehalten eine arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund der nunmehr noch milden depressiven Symptomatik im Rahmen des als günstig einzuschätzenden Heilungsverlaufs sollte die Versicherte in der Lage sein bereits heute ihre bisherige Tätigkeit (anderen Ortes) zu 50 % auszuüben. Ab 1. Mai 2020 bestehe alsdann keine Arbeitsunfähigkeit mehr
. Bei der Versicherten würden hauptsächlich Störungen der Konzentration aufgeführt und gleichzeitig darauf hingewiesen, es liege eine Aufmerksamkeitsdefizitproblematik im Rahmen eines adulten ADHS vor. Es sollte diesbezüglich eine Behandlung mit
Methylphenidat
erwogen werden
(Urk. 6/
43/70-71).
3.
6
Zuhanden der IV-Stelle b
erichtete Dr. Y._
am 18. November 2020
über
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/41/4):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit selbstunsicheren Zügen und erhöhter Vul
nerabilität (ICD-10 Z73.1, DD: F61.0), wahrscheinlich auf dem Hinter
grund einer Bindungstraumatisierung und früherer emotionalen Vernach
lässigung (ICD-10 Z62.4)
-
ADHS im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.1)
Zum psychopathologischen Befund hielt
Dr.
Y._
fest
, dass subjektiv Konzentra
tionsstörungen mit eingeschränkter Konzentrationsspanne bestünden. Die Merkfähigkeit sei subjektiv eingeschränkt. Im formalen Denken sei die Versi
cherte kohärent, berichte aber Gedanken
k
reisen und Grübeln. Die Grundstim
mung sei traurig und gedrückt, anamnestisch auch gereizt. Die Versicherte
klage
über den Verlust von Freude, Interesse und Perspektive sowie über Selbstableh
nung, Gefühle von Wertlosigkeit und Versagensgefühle. Zudem mangle es ihr an Energie. Es bestehe eine erhöhte Erschöpfbarkeit sowie eine verminderte Stress
belastba
rkeit. Im BDI
erreiche die Versicherte 25 Punkte, einer
mässigen Depres
sion entspreche
nd
(Urk. 6/41/3-4).
Im April 2020 habe die Versicherte an ihrem ne
uen Arbeitsplatz bei der B._
eingeführt werden können
, wobei sie durch
einen Job Coach
beglei
tet worden sei
. Der Arbeitseinstieg habe erneut Ängste, Gefühle von Überforde
rung und einen Stimmungseinbruch ausgelöst.
Nach bestandener Probezeit sei die Arbeitszeit auf ein 30 %-Pensum im Stundenlohn festgelegt worden. Der weitere Verlauf habe gezeigt, dass die Versicherte dieses Pensum habe bewältigen können, mehr j
edoch aufgrund weiterhin vorhandener Konzentrationsstörungen und einer verminderten Stress
belast
barkeit
nicht drin liege (Urk. 6/41/3). Aufgrund dieser Entwicklung sei davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit langfristig auf dem aktuellen Niveau von 30 % in angepasster Tätigkeit bewegen werde
(Urk. 6/41/4)
, wobei es sich bei der aktuellen Tätigkeit bereits um eine angepasste Tätigkeit handle (Urk. 6/41/6)
.
3.
7
Am 2
9.
Januar 2021 nahm
Dr.
med. univ. D._
, Facharzt FMH für Neu
rologie,
für den RAD Stellung und hielt fest
, seitens des Krankentaggeldversiche
rers seien dreimal Aktenbeurteilungen bei zwei Psychiatern eingeholt worden, die jeweils nur eine
niedriggradige
depressive Symptomatik erkannt hätten und von einer baldigen Wiederaufnahme der vollen Arbeitstätigkeit ausgegangen seien. Sie hätten eine teilstationäre Behandlung und Etablierung einer Medikation mit
Methylphenidat
empfohlen, wobei diese Massnahmen nicht eingeleitet worden seien. Die Arbeitstätigkeit sei inzwischen in einem Ausmass von
maximal
30 % umgesetzt worden. Die
behandlerseitig
berichteten Beschwerden befänden sich stark im subjektiven Bereich und objektivierbar primär im Ausmass von Befind
lichkeitsstörungen. Es bestünden Therapieoptionen mit teilstationärer und stati
onärer fachpsychiatrischer
Behandlung, Dosissteigerung, S
ubstanzvariation, Substanzklassendiversifizierung und
Augmentierung
der antidepressiven Medi
kation, Etablierung einer Erstpharmakotherapie bei ADHS sowie Psychotherapie b
ei einem
Zweitbehandler
. Ein manifester Gesundheitsschaden, der eine
höher
gradige
und längerdauernde Arbeitsunfähigkeit bedinge, sei nicht nachvollzieh
bar ausgewiesen (Urk. 6/44/6).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte gestützt auf die RAD-Beurteilung vom 21. Ja
nuar 2021 das Vorliegen eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens (vgl. E. 2.1 und E. 3.7).
Dies vermag jedoch aus den nach
folgend darzulegenden Gründen nicht zu überzeugen:
4.2
Aufgrund der medizinischen Akten ist ersichtlich, dass
sich widersprechende
Beurteilungen über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vorliegen. So stehen sich einerseits die Einschätzung von Dr.
A._
, welcher von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit seit 1. Mai 2020 ausging (vgl. E. 3.5) und andererseits die Beurteilung der behandelnden Psychiaterin, welche zuletzt eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit attestierte (vgl. E. 3.6), gegenüber.
Die
Aktenbeurteilungen von
Dr.
A._
erweisen sich
insofern als nicht schlüs
sig, als dieser am 30. Dezember 2019 noch ausführte, bei der attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit handle es sich nicht um eine rein auf den aktuellen Arbeitsplatz bezogene (vgl. E. 3.3), um rund drei M
onate
später
das Gegenteil festzuhalten (vgl. E. 3.5).
Indem Dr.
A._
am 9. April 2020
annahm
, die attes
tierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei wie v
on Dr. Y._
festgehalten ausschliess
lich arbeitsplatzbezogen (vgl. E. 3.5), übersah er allerdings, dass Letztere
in ihren
Bericht
en vom 5. November 2019 sowie
vom 6. März 2020 zwar festhielt, es bestehe bei der Versicherten eine 100%ige arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähi
g
keit, gleichzeitig aber
darauf
hinwies
, dass auch in angepasster Tätigkeit nur eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe (vgl. E.
3.2 und
3.4).
Darüber hinaus erweist sich denn auch als widersprüchlich, dass Dr.
A._
zwar einerseits von einer ausschliesslich arbeitsplatzbezogenen Arbeitsunfähigkeit ausging, anderer
seits aber
ohne Begründung gleichwohl
bis zum 1. Mai 2020 nur eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit an einem anderen Ort annahm (vgl. E. 3.6).
Nach dem Gesagten
sind die Ausführungen von Dr.
A._
nicht plausi
bel nachvollziehbar, weshalb
gestützt hierauf
nicht unbesehen auf eine Arbeits
fähigkeit in a
ngepasster Tätigkeit von 100 %
geschlossen werden kann.
Indes
leuchten
auch die Ausführungen der behandelnden
Psychiaterin
nicht
ein
. So fällt a
uf, dass Dr. Y._
bei
zuletzt
mässiger depressiver Symptomatik eine doch
erhebliche Einschränkung in angepasster Tätigkeit von 70 % attestiert
e
(vgl. E. 3.6).
Dass das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der Beschwerdefüh
rerin mit dem 30 % Pensum
in angepasster Tätigkeit
vollständig ausgeschöpft sein soll, erscheint fraglich, zumal es
ihr
immerhin möglich war, in ihren Ferien
im Oktober 2020
an vier Abenden den Theoriekurs für die Pedicure-Ausbildung zu besuchen und das A
bsolvieren
der Theorieprüfung zumindest im Raum stand (Urk. 6/41/3).
Vor diesem Hintergrund kann – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführ
erin (vgl. E. 2.2) – auch nicht
auf die Berichte der behandelnden Ärztin abgestellt werden.
4.3
In Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist
sodann
daran zu erinnern, dass seit der Praxisänderung
gemäss BGE 143 V 418 grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen s
ind (vgl. E. 1.2.2). G
rundsätzlich
kann
nur eine schwere psychische Störung invalid
isierend im Rechtssinn sein
,
weshalb
es Aufgabe der medizinischen Sachverständigen
ist
, nachvollziehbar aufzuzeigen, weshalb trotz lediglich leichter bis mittelschwerer Depression und an sich guter Therapiebarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Einschränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundes
gerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.2 mit Hinweisen).
An sol
chen
schlüssige
n
ärztliche
n
Ausführungen
mangelt es den Berichten von
Dr.
Y._
, weshalb ihre Einschätzung auch aus dieser Sicht nicht zu überzeugen vermag.
Nach dem Gesagten ergibt sich aufgrund der aktenkundigen Berichte kein schlüs
siges Bild über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin.
Weder lässt sich ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit bestätigen noch lässt sich solches ausschliessen.
Daran ändern insbesondere auch die Ausführungen des RAD nichts, zumal die Einschät
zung eines Neurologen bei der derzeitigen Aktenlage eine fachpsychiatrische Beurteilung nicht zu ersetzen vermag.
4.4
Zusammenfassend ist es bei der aktuellen medizinischen Aktenlage nicht mög
lich, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die funktionelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Damit erweist sich der medizinische Sachverhalt in psychiatrischer Hinsicht als ergän
zungsbedürftig. Die angefochtene Verfügung vom 13. April 2021 ist demnach aufzuheben und die Sache zur Durchführung einer psychiatrischen Abklärung und zu neuem Entscheid über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Je nach Resultat der medizinischen Abklärung
wird
auch die Statusfrage zu klären und zu prüfen
sein
, in welchem Pensum die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall tätig wäre.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Die vertretene Beschwerdeführerin
hat demnach
Anspruch auf eine Prozessent
schädigung
.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1’
7
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.