Decision ID: 41a3fc38-81fa-564d-b39c-d2a55201ba5c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975, war
seit 2006
hauptberuflich
bei der
Y._
AG
als Raumpfleger
tätig, als er sich
am 27. September 2016 beim Fussballspiel am rechten
Knie verletzte
(vordere Kreuzbandruptur)
;
a
m
17.
Au
gust 2017 fand eine Operation
der Knorpelläsionen
statt (
Urk. 7/29
).
I
m August 2017
meldete er sich
unter Hinweis auf eine seit
dem
27.
September 2016 b
e
ste
hende unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit
in unterschiedlichem Ausmass
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungsbezug an (Urk.
7/7)
. Die IV-Stelle holte beim zuständigen Unfallversicherer Akten
ein
(Urk.
7/9)
und tätigte Abklärungen in erwerblicher Hinsicht (
insbes.
Arbeitgeber
fragebogen der
Y._
AG
[
Urk.
7/12]
sowie der
Z._
AG, wo der Versicherte
nebenberuflich
ebenfalls als Reinigungsmitarbeiter
im Stun
denlohn
tätig war [Urk.
7/13]).
Am
28.
September 201
7 führte
die IV-Stelle
mit dem Versicherten
telefonisch
ein Standortgespräch
,
welches ergab, dass zunächst keine Eingliederung möglich und der Heilungsverlauf
abzuwarten sei
(Urk.
7/16; vgl. auch entsprechende Mitte
ilung vom
5.
Februar 2018; Urk.
7/27).
Im
Januar und
März 2018 zog sie
abermal
s die
Unfallakten
bei
(Urk.
7/
24,
Urk.
7/
29
-30
)
.
Gestützt auf eine vom Unfallversicherer vera
nlasste
spezialärztliche
Untersu
chung
durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
an der
Klinik B._
(
Bericht vom 1
3.
März 2018;
Urk.
7/31
S. 5 ff.
)
,
erliess die IV-Stelle a
m 1
0.
April 2018 einen Vorbescheid, mit welchem sie
dem Versicherten
unter Hin
w
eis darauf, dass er
sich nicht für die Durchführung von Eingliederungsmass
nahmen gemeldet habe und er gemäss Akten der Unfallversicherung
in einer lei
densangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig
sei,
die Verneinung des Renten
ansp
ruchs in Aussicht stellte (Urk.
7/33). Dagegen liess der Versicherte
mit Ein
gabe vom
8.
Mai 2018
(
durch
die
Gemeinde
C._
, Soziales
;
Urk.
7/41)
,
ergänzt durch Eingabe
vom
12.
Juni 2018
(durch Rechtsanwalt
Dr.
iur
. Stadler
; Urk. 7/47)
Einwand erh
eben
.
Mit Eingaben vom 22.
Juni 2018
(Urk.
7/50) und vom 4.
Juli 2018
(Urk.
7/52-53)
teilte die Gemeindeverwaltung
C._
der IV-Stelle unter Einreichung von ärztlichen Berichten mit, dass der Ver
sicherte am
rechten
Knie
eine weitere Verletzung (Kreuzbandriss)
erlitten habe, eine zweite Operation erforderlich und der Versicherte nun auch psychisch in einer schlechten Verfassung sei. Nach Einholung eines
hausärz
tlichen Berichts (Urk.
7/57) sowie eines Berichts der behandelnden
Klinik D._
,
Muskulo
-Skelettal Zentrum, Orthopädie Untere Extremi
t
äten, vom 27.
August 2018 (Urk.
7/58)
,
sowie Gewährung des rechtli
c
hen Gehörs hierzu (Stellungnahme vom 1
1.
September 2018
;
Urk.
7/60
)
,
hielt die IV-Stelle
mit Verfügung vom 19. No
vember 2018, ersetzt durch Verfügung vom 6.
Dezember 2018
,
daran fest, dass kein Anspruch
auf IV-Leistungen bestehe (Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom
6.
Dezember 2018
erhob
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
iur
.
Stadler,
hierorts mit Eingabe vom 2
1.
Januar 2019 Beschwerde (Urk. 1) mit den Anträgen, es sei die Verfügung der SVA vom 6. De
zember 2018 betreffend Abweisung von Leistungen der Invalidenversicherung aufzuheben (1.), dem Beschwerdeführer seien Leistungen der Invalidenversiche
rung zuzusprechen (2.), zunächst sei die Angelegenheit an die SVA zurückzuwei
sen, damit diese nach Eintritt eines stabilen Gesundheitszustands den medizini
schen Sachverhalt un
d dessen Auswirkungen auf die Arb
eitsf
ä
hig
k
eit
umfassend kläre
un
d
dann
auch einen korrek
ten Einkommensvergleich erstelle
(3.), eventu
aliter seien der Ge
s
undh
eits
zustand und die Arbeit
s
fähigke
i
t, angestammt und angepasst, de
s B
eschwerdeführers so
dann mit
tels eines unabhän
g
igen medizini
schen
Gutachtens prüfen zu lassen (4.). In verfahrensmässiger Hinsicht liess er alsdann die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie die Gewäh
rung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung in der
Person von Rechtsanwalt
Dr.
iur
. Peter Stadler beantragen sowie die Zusprache einer Prozessentschädigung (Anträge 5-7).
Die IV-Stelle ste
llte mit Vernehmlassung vom 26.
Februar 2019 Antrag auf
Ab
weisung der Beschwerde (Urk.
6), was dem Beschwerdefü
hrer mit Gerichtsv
erfü
gung vom
27.
Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde
, unter anderem
unter Hinweis darauf, dass über den Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und un
entgeltliche Rechtsvertretung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ih
rem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich;
Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
1.6
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzu
kehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schadenminde
rungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berück
sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzel
falles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Recht
sprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen Schadenmin
derungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbsteingliederung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Einglie
derungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
1.7
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leis
tungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- und
Eingliederungs
massnahmen
, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (
Art.
21
Abs.
4 ATSG).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die angefochtene Verfügung im Wesentlichen damit, dass
der Versicherte gemäss den ihr vorliegenden Unterlagen der Unfallversiche
rung in einer leidensangepassten Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsfähig sei. Dass er un
regelmässig zu den orthopädischen Verlaufskontrollen erschienen sei
,
lasse auf einen niedrigen Grad der Dringlichkeit eines weiteren Behandlungsbedarfs bei abgelehnter operativer Sanierung des rechten Kniegelenks bzw. auf einen gerin
gen Leidensdruck schliessen. Alsdann habe der Hausarzt eine reaktive Depression mit guter Prognose bei optimalen Verhältnissen diagnostiziert. Jedoch liege keine fachärztlich gestellte, nachvollziehbar begründete
Diagnose vor und
es
habe auch keine fachärztlich
e
psychiatrische Behandlung stattgefunden. Der Versicherte sei in verstärktem Masse verpflichtet
,
sich schadenmindernd zu verhalten. Es sei ihm zumutbar, trotz Beschwerden einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
.
Da er als un
gelernte Person stets Einkommen auf dem Niveau von Hilfsarbeitertätigkeiten er
zielt habe, könne er in einer angepassten Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen zur Hauptsache vorbring
en, die Beschwer
degegnerin habe den Sachverhalt
in Verletzung
ihrer Untersuchungspflicht n
ur ungenügend abgeklärt.
Mit Blick auf die psychischen Beschwerden treffe nament
lich nicht zu
,
dass er in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei. Vielmehr gehe Art und Umfang einer dem Beschwerdeführer noch möglichen Tätigkeit aus den Akten nicht hinreichend hervor.
Auch
hätte die Beschwerde
gegnerin selbst bei vollständiger Arbeitsfähigkeit in
leidens
angepasster Tätigkeit einen Einkommensvergleich
vornehmen müssen (
Urk.
1).
2.3
In
ihrer
Vernehmlassung ergänzte die Beschwerdegegnerin
zusammenfassend
, dass d
ie Behandlungs
optionen in orthopädischer und psychiatrischer Hinsicht nicht ausgeschöpft seien, weshalb zu Recht entschieden worden sei, dass dem Beschwerdeführer keine Invalidenrente zustehe. Des Weiteren werde eine starke Belastung durch psychosoziale Faktoren beschrieben, welche den Gesundheitszu
stand ne
gativ beeinflussen würden
. Berufliche Eingliederungsmassnahmen seien nicht angezeigt, zumal der Beschwerdeführer berichte, dass er aktuell krankge
schrieben werde
(
Urk.
6).
3.
3.1
In seinem Bericht
vom 1
3.
März 2018 stellte
Dr.
A._
zuhanden de
s
Un
fallversicherer
s
die
folgende
n
Diagnosen:
-
Distorsionstrauma Knie recht
s am 27
.09.2016 mit/bei
-
Partialruptur des
antero
-medialen Bündels des vorderen Kreuzbandes
-
Zerrung mediales Kollateralband
-
Status nach arthroskopischer
Plica
-
Entfernung und
Microfra
k
tur
ierung
von IV-gradigen Knorpelläsionen an der
Trochlea
sowie medialer
Femu
r
kondylus
Kniegelenk rechts vom 17.08.2017
-
MR-tom
o
graphisch
e
laterale Meniskusläsion
In seiner Beurteilung gab
Dr.
A._
im Wesentlichen an, arbeitstechnisch sei der Versicherte als Raumpfleger mit der aktuellen Schmerzsymptomatik nicht einsetzbar. Jedoch sei er für administrative Tätigkeiten in
s
itzender Posi
ti
on zu 100
% arbeitsfähig
bzw. könnten Arbeiten in sitzender Position mit vollem Ein
satz der oberen Extremität, insbesondere feinmotorische Aufgaben ohne Ein
schränkung durchgeführt werden
(
Urk.
7/31
).
3.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH und Hau
sarzt des Versicher
ten, diagnos
t
i
zierte in seinem Bericht vom
11. August 2018
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine (sonstige) Spontanruptur eines oder mehrerer Bänder des Kniegelenkes (M23.6) sowie
eine mittelgradige depressive Episode (F32.1); sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Instabilität der Wirbelsäule im
Zervikalbereich
(M53.22). Er gab im Wesentlichen an, beim Versicherten bestün
den eine reaktive Depression, Schlafstörungen, Ungeduld, rasche Ermüdbarkeit sowie eine Schwäche und Schmerzen im rechten
Knie, objektiv psychopatholo
gisch eine klare Depression mittleren Ausmasses sowie
das
Knie mit Schwellung, Bewegungseinschränkung und Instabilität.
Aktuell
sei keine Tätigkeit möglich, die Prognose sei bei op
timalen Verhältnissen gut (Urk.
7/57).
3.
3
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie de
s
Bewegungsapparates
sowie
Oberarzt an der
Klinik D._
,
Muskulo
-Ske
lettal Zentrum
,
Orthopädie Untere Extremitäten, diagnostizierte in seinem Bericht vom
2
7.
August 2018
am Kniegelenk rechts eine vollständige VKB-Ruptur nac
h Kniegelenksdistorsion vom
5.
Juni
2018 mit/bei
a
rthroskopischer
Plica
-Entfer
nung
und Mikrofrakturierung von 4.gradigen
Knorpelläsionen in der
Trochlea
sowie dem
medialen
Femurkondylus
vom 1
7.
August
201
7.
Er gab im Wesentli
chen an, die letzte Konsultation habe vor
zwei
Monaten stattgefunden, ob es zwischenzeitlich zu einer Besserung der Situation gekommen sei, könne er
nicht sagen. Anlässlich (wohl: a
ufgrund) der letzten Konsultation gehe er auch nicht davon aus, dass der Patient wieder eine Berufstätigkeit aufgenommen habe. Dem Patient
en
sei anlässlich der letzten Konsultation eine vordere Kreuzban
dersatz
plastik empfohlen worden;
dies
er habe den Eingriff bis anhin
jedoch
abgelehnt.
Bezüglich Funktionseinschränkungen führte er aus, d
er Patient sei nicht in der Lage
,
für längere Zeit zu gehen und zu stehen, sowie schwere Last
en zu heben und zu tragen (
Urk.
7/5
8/
7 f.
).
3.4
In dem
im vorliegenden Verfahren eingereichten und
von
der Psychotherapeutin
M. Sc.
G._
sowie
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH
,
unterzeichneten
Bericht vom
7.
Januar 2019
diagnostizierte
n
dies
e
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2). Sie
führte
n
zur Hauptsache aus,
im Jahr 2018 hätten
zwischen dem 2
1
.
Juni und dem
5.
Dezember
vier Abklärungsgespräche stattgefunden. Der Ver
sicherte
habe sich selbst zu ein
er
psychotherapeuti
schen Be
h
a
ndlung
angemeldet aufgrund depressiver Verstimmung sowie persistierend
er ständiger Knieschmer
zen bei S
tatus nach Knieoperation sowie einem Kreuzbandriss.
Aktuell leide der Versicherte an Deprimiertheit, ausgeprägten Schlafstörungen, Erschöpfung, Ge
reiztheit sowie erhöhtem Misstrauen. Zudem spüre er starke Verspannungen im Nacken und damit verbundene häu
fi
g
e Kopfschmerzen und erlebe sich selbst durch die aktuelle berufliche Situation durch erfahrenen Jobverlust als psycho
sozial sehr stark belastet.
Eine ambulante Psychotherapie zur Reduktion der de
pressiven Symptomatik
sei
dringend indiziert. Aus ärztlicher Sicht sei eine Be
handlung mit stimmungsfördernden sowie schlafanstossenden Psychopharmak
a
indiziert, jedoch stehe der Versicherte einer solchen aktuell kritisch gegenüber. Der Versicherte berichte, dass er aktuell zu 100
% krankgeschrieben werde. Dies entspreche auch der Einschätzung aus psychiatrisch-ps
ychotherapeutischer Sicht (
Urk.
3/4).
4.
4.1
Aus den
bislang von
der Verwaltung eingeholten Akten geht
ohne Weiteres
her
vor
und ist zwischen den Parteien soweit ersichtlich nicht grundsätzlich streitig, dass
beim Beschwerdeführer sowohl
in somatischer wie auch psychischer Hin
sicht
gesundheitliche Einschränkungen bestehen.
Uneins sind sich die Parteien indes
darin
, ob dem B
eschwerdeführer aufgrund der
in den vorliegenden Berich
ten
attestierten
Gesundheitsschäden
L
e
istung
en der I
nvalidenversicherung zu
stehen oder
nicht.
4.2
Die IV-Stelle ging in
somatischer
Hinsicht
gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
A._
vom 1
3.
März 2018
davon aus,
dass
in einer leidensangepassten Tätigkeit
eine vollständige Arbeitsfähigkeit besteht (vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss vom 1
0.
April
2018,
Urk.
7/32 S. 4)
. Dies
lässt sich
jedoch nicht
mit den übrigen
Akten
vereinbaren
.
So hatte sich
der Beschwerdeführer
am
5.
Juni 2018
erneut
eine
Verletzung
am
rechten
Knie
zu
ge
zog
en
(Kniegelenksdistor
sion), infolge
welcher
der behandelnde
Facharzt
Dr.
F._
gemäss
Bericht vom
2
7.
August 2018
eine Kreuzbandersatzplastik empfahl
(
Urk.
7/58 S. 8)
.
Dr.
F._
äussert sich
indes
nicht
explizit
dazu, in welchem Umfang das im ge
nannten Bericht umschriebene Anforderungsprofil in einer leidensangepassten Tätigkeit dem Beschwerdeführer noch zumutbar sei,
weshalb
nicht ohne Weiteres
von einem
zumutbaren
vollzeitlichen
Rendement
ausgegangen werden
kann.
Von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit ist aber auch daher nicht ohne Weiteres auszugehen, als
aufgrund der
Akten
Hinweise auf
eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
in psychiatrischer Hinsicht bestehen
. So hatte
Hausarzt
Dr.
E._
in
seinem Bericht vom
1
1.
August 2018
beim Beschwerdefüh
rer
eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert und eine vollständige Ar
beitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
7/57) bzw. stellten die
Psychotherapeutin
G._
und
die Psychiaterin
Dr.
H._
in ihrem (sich auf den vorliegenden Beur
teilungszeitraum beziehenden und daher vorliegend zu berücksichtigenden
)
Be
richt
vom
7.
Januar 2019
die Diagnose
einer
schwere
n
depressive
n
Episode
,
wo
bei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (
Urk.
3/4).
Soweit die IV-Stelle
darauf hinweist, sowohl
in orthopädischer als auch psychi
atrischer Hinsicht seien die Behandlungsoptionen noch nicht ausgeschöpft, steht dies einer
anspruchsbegründenden Invalidität
nicht entgegen. Die IV-Stelle ver
kennt, dass
die
Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rente
nbegrün
denden Invalidität nicht
absolut entgegensteht, sondern für die Entstehung des Anspruchs auf eine Rente vielmehr immer und einzig vorausgesetzt ist, dass wäh
rend eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Ar
beitsunfähigkeit bestanden hat und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfähig
keit weiterhin besteht (vgl. zum Ganzen BGE 143 V 409 E.
4.2.1 sowie E. 1.4 hievor).
Vorliegend kann
dem Beschwerdeführer
eine
Nichtausschöpfung von therapeutischen Möglichkeiten
umso weniger entgegen
gehalten werden, als
die IV-Stelle
ihm
zu keinem Zeitpunkt
unter Hinweis
auf
s
eine
Schadenminderungs
pflicht die Inanspruchnahme von Behandlungsmassnahmen
im Verfahren nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG
(v
gl. E.
1.7 hievor)
auferlegt hat.
Aber auch soweit die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung
in psychiatrischer Hinsicht darauf hinweist
, dass eine starke Belastung durch psychosoziale Faktoren bestehe,
ändert dies nichts.
Denn auch wenn bei der Annahme von Invalidität Zurückhaltung geboten ist
,
wo psychosoziale Einflüsse das Bild prägen (BGE 141 V 281 E. 4.3.3
, BGE 127 V 294), ist eine fachärztlich festgestellte psychische Störu
ng zu berücksichtigen. Vorlie
gend
wurde in dem (auch) von
der Psychiaterin
Dr.
H._
unterzeichneten Bericht
vom
7.
Januar 2019
eine schwere depressive Episode diagnostiziert
(
Urk.
3/4)
.
Damit bestehen
jedenfalls
durchaus
Hinweise darauf, dass
eine
von psychosozialen Umständen klar zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte (fachärztlich diagnostizierte) psychische Störung
vorliegen könnte
, wel
che
invalidenversicherungsrechtlich von Belang
ist
, auch wenn ihr eine psycho
soziale Komponente zugrunde liegt
(vgl. zum Ganzen
BGE 127 V 294 E. 5a
)
.
Jedoch bestanden bereits aufgrund der Angaben
von
Hausarzt
Dr.
E._
vom
1
1.
August 2018
Hinweise auf eine psychische Problematik
(
Urk.
7/57)
.
Hatte die IV-Stelle
mit Blick auf dessen (nicht
psychiatrisch-
fachärztliche
)
Angaben daher
Zweifel
an einem invalidenversicherungsrechtlich bedeutsamen psychischen Ge
sundheitsschaden,
wäre
sie im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes gehalt
en gewesen, ergänzende Abklärunge
n
zu tätigen, soweit von weiteren Abklärungs
massnahmen noch zusätzliche Erkenntnisse zu erwarten waren (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_219/2007 vom 1
8.
März 2008, E.
2.2.1)
,
was vorliegend zwei
fellos der Fall war.
4.3
Zusammengefasst ergibt sich demnach, dass das Vorliegen eines invalidisi
e
ren
den Gesundheitsschadens
aufgrund der Akten nicht
beurteilt
werden kann. Die Sache ist daher in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
an die IV-Stelle zu
rückzuweisen, damit diese
–
vorzugsweise
in
Form eines
bidisziplinären
(ortho
pädisch-psychiatrischen) Gutachtens
– zum Gesundheitszustand und zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit
des Versicherten
eine rechtsgenügende
medizinische Beur
teilung einhole,
welche sich in psychiatrischer Hinsicht
in Nachachtung der bun
desgerichtlichen Rechtsprechung zum strukturierten Beweisverfahren (BGE 143 V 418)
ins
b
esondere
auch
zu den massgebenden Standartindikatoren
zu äussern haben wird
(vgl. E. 1.3 hievor)
. Hernach wird
die IV-Stelle
neu
über das Leis
tungsbegehren des Beschwerdeführers
(einschliesslich Eingliederungsmassnah
men)
zu entscheiden haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
In erwerblicher Hinsicht
bleibt
anzumerken
, dass nach getätigten medizinischen Abklärungen im Rahmen der vorzunehmenden Neuverfügung die Invaliditätsbe
messung (bzw
.
der
faktisch vorgenommene Prozent
vergleich) einer erneuten Übe
rprüfung zu unterziehen
und – wie der Beschwerdeführer zu Recht
moniert
- ein korrekter Einkommensvergleich vorzunehmen
sein wi
rd.
Insbesondere wird zu berücksichtigen sein, dass der Versicherte neben seiner (hauptberuflichen) Tä
tigkeit bei der
Y._
(
Urk.
7/12)
noch weitere Einkünfte aus Ne
benerwerb
(bei der
Z._
; vgl.
Urk.
7/13)
erzielte
(vgl. etwa auch Auszug aus dem individuellen Konto;
Urk.
7/11)
.
6
.
6
.1
Die Kos
ten des Verfahrens sind auf
Fr.
800.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(
Urk.
1 S. 2)
erweist sich dadurch
als
gegenstandslos.
6
.2
Ausgangsgemäss
ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung
zuzuspre
chen
, welche ermessensweise auf
Fr.
2’300
.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer)
festzusetzen ist
(
§
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialve
rsicherungsgericht)
. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
(
Urk.
1 S. 2)
erweist sich
damit
ebenfalls als gegenstandslos.