Decision ID: efbecbad-1cea-4fff-b3a2-9168abdf64d7
Year: 2006
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft (nachfolgend „“) führt unter anderem gegen A. ein gerichtspolizeiliches  wegen Verdachts der Förderung der Prostitution und des , ausgehend von einer kriminellen Organisation (act. 1.6).
B. Im Rahmen dieses Verfahrens eröffnete die Bundesanwaltschaft A. am
28. März 2006 die Haft, wobei sie am 29. März 2006 beim Haftgericht III Bern-Mittelland einen Antrag auf Haftbestätigung stellte. Mit Entscheid vom 30. März 2006 gab das Haftgericht dem Antrag der Bundesanwaltschaft statt und verfügte, A. verbleibe weiterhin in Haft (act. 1.1 S. 2; act. 1.2 S. 1; act. 4.2).
Am 3. April 2006 reichte A. bei der Bundesanwaltschaft ein erstes  ein. Die Bundesanwaltschaft leitete dieses mit ihrem  Antrag am 5. April 2006 an das Haftgericht III Bern-Mittelland weiter. Das Haftgericht III Bern-Mittelland wies das Gesuch mit Entscheid vom 19. April 2006 ab (act. 1.5).
Am 29. Juni 2006 gelangte A. erneut an die Bundesanwaltschaft und , er sei umgehend aus der Untersuchungshaft zu entlassen (act. 1.2). Die Bundesanwaltschaft übermittelte das Gesuch mit ihrem abschlägigen Begehren am 3. Juli 2006 dem Haftgericht III Bern-Mittelland. Nach  der Replik entschied das Haftgericht III Bern-Mittelland am 12.  2006 wiederum, das Haftentlassungsgesuch von A. werde abgewiesen (act. 1.1).
C. Gegen diesen Entscheid wendet sich A. mit Beschwerde vom 17. Juli 2006 (Postaufgabe: 18. Juli 2006) an die Beschwerdekammer des  und verlangt unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, der  Entscheid sei aufzuheben und er sei – eventuell gegen  Sicherheit – unverzüglich aus der Untersuchungshaft zu entlassen (act. 1).
Das Haftgericht III Bern-Mittelland verweist in seiner Eingabe vom 20.  2006 auf die Begründung in seinem Entscheid vom 12. Juli 2006 (act. 3).
Die Bundesanwaltschaft schliesst in ihrer Beschwerdeantwort vom 24.  2006 auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde; für den Fall, dass das
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Vorliegen des Haftgrundes der Fluchtgefahr verneint werden sollte, werde Haftverlängerung bis mindestens Mitte November 2006 beantragt (act. 4).
Mit Replik vom 27. Juli 2006 und Duplik vom 2. August 2006 halten die  an ihren Anträgen fest (act. 5 und 8).
Auf die Ausführungen der Vorinstanz und der Parteien sowie die  Akten wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gegen die Abweisung eines Haftentlassungsgesuchs kann bei der Be-
schwerdekammer gemäss Art. 52 Abs. 2 BStP Beschwerde geführt . Die Beschwerde steht nach Massgabe von Art. 214 Abs. 2 BStP den Parteien und einem jeden zu, der durch eine Verfügung oder durch die Säumnis des Untersuchungsrichters einen ungerechtfertigten Nachteil . Die Beschwerde ist gemäss Art. 217 BStP innert fünf Tagen nach Kenntnisnahme der ablehnenden Verfügung einzureichen.
1.2 Die Abweisung des Haftentlassungsgesuchs datiert vom 12. Juli 2006 und
ging tags darauf beim Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein (act. 1 und 1.1). Mit Postaufgabe der Beschwerde am 18. Juli 2006 ist die  Beschwerdefrist gewahrt. Der sich in Untersuchungshaft befindende Beschwerdeführer ist überdies durch den angefochtenen Entscheid  und damit zur Beschwerde legitimiert. Auf die Beschwerde ist  einzutreten.
2. 2.1 Nach Massgabe von Art. 47 Abs. 1 BStP wird der verhaftete Beschuldigte
unverzüglich der Behörde, die den Haftbefehl erlassen hat – vor Einleitung der Voruntersuchung ist hierzu unter anderem der Bundesanwalt berechtigt (Art. 45 Ziff. 1 BStP) – zugeführt und von dieser innert 24 Stunden zur  einvernommen. Besteht nach wie vor ein Haftgrund, so veranlasst der Bundesanwalt unverzüglich die Zuführung an die für die Haftprüfung  kantonale Gerichtsbehörde oder den eidgenössischen  und stellt Antrag auf Bestätigung der Haft (Art. 47 Abs. 2 BStP). Die Möglichkeit, im Rahmen des Bundesstrafprozesses eine
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kantonale Gerichtsbehörde anzurufen, stellt eine Ausnahme dar. Diese Ausnahmeregelung wurde erst mit Änderung vom 22. Dezember 1998 (AS 2001 3308) in die BStP eingeführt und am 1. Januar 2002 in Kraft . Mit Schaffung dieser Haftprüfungsmöglichkeit durch einen kantonalen Richter wollte der Gesetzgeber die rasche Zuführung garantieren (BBl 1998 1555). Dies erscheint insbesondere auch mit Blick auf den Umstand , als die richterliche Behörde nach Anhörung des Beschuldigten innert 48 Stunden seit der Zuführung schriftlich und mit kurzer Begründung über Fortsetzung oder Aufhebung der Untersuchungshaft zu entscheiden hat (Art. 47 Abs. 3 und 4 BStP). Damit dem Haftprüfungsverfahren dennoch  gewisse Einheitlichkeit zukommt, hat auch der kantonale  die Bestimmungen des Bundesstrafprozesses anzuwenden (vgl. BBl 1998 1554). Dies ist umso mehr geboten, als dass die kantonalen  im Vergleich zum Bundesstrafprozessrecht weitere  – wie etwa den Haftgrund der Wiederholungsgefahr, der in vielen Kantonen vorgesehen ist, indessen dem Bundesstrafprozess fremd ist – vorsehen können. Es wäre nämlich nicht vertretbar, dass der im Rahmen eines Bundesstrafverfahrens verhaftete Beschuldigte gestützt auf Gründe inhaftiert bliebe, die in dem für ihn anwendbaren Strafverfahren nicht  vorgesehen sind.
Das Gesetz sieht alsdann weiter vor, dass der verhaftete Beschuldigte  Verzug auf das Recht aufmerksam zu machen ist, jederzeit ein  nach Massgabe von Art. 52 BStP einzureichen (Art. 47 Abs. 5 BStP). Nach Massgabe des Gesetzestextes kann gegen die  desselben durch den Untersuchungsrichter oder den Bundesanwalt bei der Beschwerdekammer Beschwerde geführt werden (Art. 52 Abs. 2 BStP). Das Bundesgericht hat unlängst entschieden, dass – um ein EMRK-konformes Verfahren zu garantieren – der ein  abweisende Entscheid nicht von derjenigen Behörde gefällt werden darf, welche die Anklage vor Gericht vertritt. Dies liess das Bundesgericht zum Schluss gelangen, dass der Bundesanwalt, wenn er sich dem  widersetzen will, die Sache dem eidgenössischen  zum Entscheid überweisen muss (vgl. Urteil des  1S.25/2005 vom 14. September 2005 E. 1.4). Damit hat das  zu erkennen gegeben, dass für die Behandlung von  einzig der eidgenössische Untersuchungsrichter zuständig ist. Eine Ausnahmeregelung, wie sie aufgrund der da gebotenen  in Art. 47 Abs. 2 BStP vorgesehen ist, findet sich für den Entscheid  ein Haftentlassungsgesuch nicht.
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2.2 Im vorliegenden Fall leitete die Beschwerdegegnerin das  des Beschwerdeführers an ein kantonales Haftgericht weiter, das in Anwendung von kantonalem Strafprozessrecht über das Gesuch befand. Damit hat die für diesen Verfahrensschritt funktionell unzuständige Behörde gestützt auf die falsche gesetzliche Grundlage über das  entschieden.
3. 3.1 Nach der Praxis stellt die funktionelle und sachliche Unzuständigkeit einen
schwerwiegenden Mangel und damit einen Nichtigkeitsgrund dar, es sei denn, der entscheidenden Behörde komme auf dem betreffenden Gebiet allgemeine Entscheidungsgewalt zu oder der Schluss auf Nichtigkeit  sich nicht mit der Rechtssicherheit. Nichtigen Entscheiden gehen jede Verbindlichkeit und Rechtswirksamkeit ab (BGE 118 Ia 336, 340 E. 2a). Die Nichtigkeit eines Entscheids ist jederzeit und von sämtlichen  Behörden von Amtes wegen zu beachten (vgl. TPF BK.2006.4 vom 1. Juni 2006 E. 1.3; vgl. BGE 127 II 32, 47 f. E. 3g m.w.H.).
3.2 Da der Vorinstanz im Bereich des Bundesstrafprozesses keine allgemeine
Entscheidungsgewalt zukommt, erweist sich der Entscheid der Vorinstanz zufolge funktioneller Unzuständigkeit als nichtig; die Rechtssicherheit wird dadurch nicht gefährdet. Dem angefochtenen Entscheid geht folglich jede Rechtswirksamkeit und Verbindlichkeit ab.
3.3 Nach dem Gesagten ist das Haftentlassungsgesuch zuständigkeitshalber
umgehend dem eidgenössischen Untersuchungsrichteramt vorzulegen, das darüber angesichts der eingetretenen Verzögerungen schnellstmöglich zu befinden hat. In der Zwischenzeit verbleibt der Beschwerdeführer in , basierend auf dem Entscheid des Haftprüfungsrichters vom 30. März 2006.
4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von der Erhebung von Gerichts-
kosten abzusehen (Art. 245 BStP i.V.m. Art. 156 Abs. 2 OG).
4.2 Die Beschwerdegegnerin hat dem – zumindest faktisch – obsiegenden Be-
schwerdeführer die verursachten, notwendigen Kosten zu ersetzen (Art. 245 BStP i.V.m. Art. 159 Abs. 1 und 2 OG; vgl. statt vieler TPF BK_B 139/04 vom 24. Januar 2005 E. 5). Die Entschädigung ist nach  festzusetzen (Art. 3 Abs. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004
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über die Entschädigungen in Verfahren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.31). Vorliegend erscheint eine pauschale Entschädigung von Fr. 1’000.-- (inkl. MwSt) als angemessen.
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