Decision ID: 84ad0bdd-63ab-4daf-8f77-e850a0f13d2e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend fahrlässige Körperverletzung
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 5. Juni 2019 (GG190043)
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Anklage:
Die Anklageschriften der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 25. Februar 2019
sind diesem Urteil beigeheftet (Urk. 38; Urk. 42; Urk. 46).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 74 S. 27 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigten B._, C._ und D._ sind nicht schuldig und werden freige-
sprochen.
2. Die Zivilklage der Privatklägerschaft wird abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten (Gebühren für das Vorver-
fahren, Auslagen Gutachten sowie allfällige weitere Kosten) werden auf die Gerichtskasse
genommen.
4. Dem Beschuldigten B._ wird eine Prozessentschädigung von Fr. 14'626.73 für anwalt-
liche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
5. Dem Beschuldigten C._ wird eine Prozessentschädigung von Fr. 16'064.35 für anwalt-
liche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
6. Dem Beschuldigten D._ wird eine Prozessentschädigung von Fr. 17'121.30 für
anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
7. (Mitteilungen.)
8. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 16 ff.)
A. Des Vertreters des Privatklägers:
(Urk. 80 und 151 S. 1 f.)
1. In vollständiger Aufhebung des angefochtenen Urteils seien die
Beschuldigten 1. B._, 2. C._ und 3. D._ je wegen fahrläs-
siger Körperverletzung und wegen fahrlässiger Verletzung der Regeln
der Baukunde zu verurteilen und angemessen zu bestrafen.
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2. Eventualiter sei die Sache in Aufhebung des angefochtenen Urteils an
die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie der Staatsanwaltschaft
Gelegenheit gibt, die Anklagen je hinsichtlich des konkreten, den
Beschuldigten 1 - 3 vorgeworfenen Sachverhalts betreffend die beiden
Tatbestände fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Verletzung
der Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 329 Abs. 2 StPO zu ergän-
zen bzw. im Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO zu ändern.
3. Subeventualiter sei der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zu geben, die
Anklagen je hinsichtlich des konkreten, den Beschuldigten 1 - 3 vorge-
worfenen Sachverhalts betreffend die beiden Tatbestände fahrlässige
Körperverletzung und fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde
im Sinne von Art. 329 Abs. 2 StPO zu ergänzen bzw. im Sinne von
Art. 333 Abs. 1 StPO zu ändern.
4. Es sei – dem Grundsatze nach – festzustellen, dass die Beschuldigten
1 - 3 je solidarisch für den dem Privatkläger A._ aus dem Bauunfall
vom 4. April 2017 entstandenen Schaden vollumfänglich haften (Haf-
tungsquote: 100%) und dass ihm auch eine angemessene Genugtuung
zusteht;
5. Es seien die Beschuldigten 1 - 3 je solidarisch zu verpflichten, dem
Privatkläger für das Untersuchungs- und das vorinstanzliche Verfahren
eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der
Beschuldigten."
B. Der Verteidigung des Beschuldigten 1, B._:
(Urk. 162 S. 1)
1. Die Berufung des Privatklägers sei abzuweisen.
2. Das Urteil der Vorinstanz vom 5. Juni 2019 sei zu bestätigen.
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3. Der Beschuldigte 1, B._, sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. Mwst. zu Lasten des
Privatklägers.
C. Der Verteidigung des Beschuldigten 2, C._:
(Urk. 169 S. 2)
1. Es sei das Urteil der Vorinstanz vom 5. Juni 2019 vollumfänglich zu
bestätigen und der Beschuldigte 2, C._, von Schuld und Strafe frei-
zusprechen.
2. Es sei die Zivilklage des Privatklägers abzuweisen, eventualiter auf den
Zivilweg zu verweisen.
3. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens dem Privatkläger aufzuer-
legen.
4. Es sei der Privatkläger zu verpflichten, dem Beschuldigten 2 für die
anwaltliche Verteidigung im Berufungsverfahren eine angemessene
Parteientschädigung auszurichten.
D. Der Verteidigung des Beschuldigten 3, D._:
(Urk. 164 S. 3 f.)
1. Es sei vorab festzustellen, dass die Dispositiv-Ziff. 2, 3, 4, 5 und 6 des
angefochtenen erstinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen sind.
2. In Bestätigung des Urteils der Vorinstanz vom 5. Juni 2019 sei der
Beschuldigte 3, D._, vom Vorwurf der fahrlässigen Körperver-
letzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 82
Abs. 1 UVG, Art. 3 Abs. 1 VUV und Art. 17 Abs. 2 BauAV freizu-
sprechen.
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3. Eventualantrag, falls Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Urteils nicht
bereits in Rechtskraft erwachsen ist: Die Zivilklage der Privatklägerschaft
sei abzuweisen.
4. Eventualantrag, falls Dispositiv-Ziff. 3 des angefochtenen Urteils nicht
bereits in Rechtskraft erwachsen ist: Die Kosten der Untersuchung und
des erstinstanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
5. Eventualantrag, falls Dispositiv-Ziff. 6 des angefochtenen Urteils nicht
bereits in Rechtskraft erwachsen ist: Für das erstinstanzliche Verfahren
sei dem Beschuldigten 3, D._, eine Prozessentschädigung von
Fr. 17'121.30 für die anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse
zuzusprechen.
6. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Privatkläger aufzu-
erlegen.
7. Der Privatkläger sei zu verpflichten, dem Beschuldigten 3, D._, für
die anwaltliche Verteidigung im Berufungsverfahren eine beim
Abschluss des schriftlichen Berufungsverfahrens noch zu beziffernde
Entschädigung zu bezahlen.
E. Die Staatsanwaltschaft (Urk. 75; Urk. 88, 99, 111, 138 und 157)
(Verzicht auf einen Antrag.)

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Sachverhalt
Am 4. April 2017 ereignete sich auf der Baustelle an der E._-strasse ... in
Zürich ein Unfall. Im Untergeschoss des Gebäudes stürzte ein Rollgerüst um, auf
welchem der Bauarbeiter A._ mit Deckenverputzarbeiten beschäftigt war.
Dabei zog er sich einen Armbruch zu. Ursache des Unfalls war gemäss Anklage
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ein vorschriftswidrig nicht abgedecktes Schachtloch im Boden, in welches ein Rad
des Rollgerüsts geraten sei, worauf dieses umkippte. Die drei Beschuldigten wa-
ren Bauleiter auf der betreffenden Baustelle.
2. Erstinstanzliches Verfahren
Am 28. Februar 2018 erhob die Staatsanwaltschaft gegen die Beschuldigten,
welche für die Baustellensicherung und somit für die Abdeckung des Schacht-
loches verantwortlich gewesen seien, Anklage beim Einzelgericht des Bezirks-
gerichts Zürich (Urk. 74). Dieses sprach die Beschuldigten am 5. Juni 2019 frei
mit der Begründung, dass nicht zweifelsfrei erwiesen werden könne, dass das
Rollgerüst deshalb umkippte, weil es mit einem Rad in die ungesicherte Boden-
öffnung geraten sei (Urk. 74 S. 26).
Gegen diesen Entscheid meldete der Rechtsvertreter des Privatklägers am
5. Juni 2019 mündlich und die Staatsanwaltschaft am 14. Juni 2019 schriftlich
Berufung an (Prot. I S. 28; Urk. 71/1; Urk 68).
3. Berufungsverfahren
3.1. Die schriftlich begründete Fassung des vorinstanzlichen Urteils wurde dem
Rechtsvertreter des Privatklägers am 18. Juli 2019 zugestellt (Urk. 73/4). Am
6. August 2019 (Datum Poststempel: 5. August 2019) ging hierorts die Berufungs-
erklärung ein (Urk. 80). Die 20-tägige Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO wurde damit
eingehalten. Die Staatsanwaltschaft zog ihre Berufung am 24. Juli 2019 nach
Erhalt der schriftlichen Urteilsbegründung zurück (Urk. 75).
3.2. Am 20. August 2019 leistete der Privatkläger die ihm mit Verfügung vom
12. August 2019 auferlegte Prozesskaution (Urk. 83 und 85).
3.3. Mit Verfügung vom 22. August 2019 wurde Frist zur Erhebung einer
Anschlussberufung und zur Stellungnahme zum Beweisantrag des Privatklägers
auf Einholung eines technischen Gutachtens angesetzt (Urk. 86). Mit Präsidial-
verfügung vom 10. Oktober 2019 wurde der Beweisantrag abgewiesen (Urk 103).
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Auf Anschlussberufungen wurde verzichtet (Urk. 88, Urk. 89 S. 1, Urk. 92 S. 1;
Urk. 95 und 100).
3.4. Mit Beschluss vom 8. Mai 2020 wurde beschlossen, ein technisches
Gutachten über das Baugerüst bzw. die Ursache des Umkippens einzuholen
(Urk. 107). Dies mit der Begründung, dass nicht ausgeschlossen werden könne,
dass das Schachtloch zumindest eine Teilursache für das Umstürzen des Gerüsts
bildete (Urk. 107 S. 2). Nach Einholung von Stellungnahmen zur vorgeschlagenen
Gutachterin und zur Fragenstellung wurde mit Auftrag vom 8. Juli 2020 das tech-
nische Gutachten in Auftrag gegeben (Urk. 120). Mit Verfügung vom 15. Juli 2020
wurde im Einverständnis mit den Parteien das schriftliche Verfahren angeordnet
(Urk. 125 und 128). Das angeforderte Gutachten ging am 1. Februar 2021 hierorts
ein (Urk. 134). Mit Verfügung vom 11. Februar 2021 wurde den Parteien
Gelegenheit zur Stellung von Ergänzungsfragen gegeben (Urk. 136). Die Parteien
verzichteten in der Folge auf Ergänzungsfragen an die Gutachterin (Urk. 138,
139, 141, 143, 147).
3.5. Mit Verfügung vom 19. März 2021 wurde dem Privatkläger Frist zur schrift-
lichen Berufungsbegründung und Stellung allfälliger weiterer Beweisanträge
angesetzt (Urk. 149). Diese Berufungsbegründung ging am 13. April 2021 hierorts
ein (Urk. 151). Die Berufungsantworten gingen am 11. Mai 2021, am 28. Mai 2021
und am 22. Juni 2021 hierorts ein (Urk. 162, 164, 169). Die Staatsanwaltschaft
verzichtete auf eine Berufungsantwort (Urk. 157).
II. Umfang der Berufung
1. Die Vorinstanz hielt in Dispositivziffer 2 ihres Urteils fest, dass die Zivilklage
des Privatklägers abgewiesen werde (Urk. 74). Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO
verlangt, dass der Berufungskläger angibt, ob er das Urteil vollumfänglich oder
nur in Teilen anficht. Der Privatkläger unterliess es im Einzelnen zu bezeichnen,
welche Dispositivziffern des vorinstanzlichen Urteils er beanstandet (Urk. 80 und
151). Zwar stellt er den Antrag, dass die Beschuldigten in vollständiger Aufhebung
des angefochtenen Urteils wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen
seien. Dieser Antrag auf vollständige Aufhebung bezieht sich allerdings auf den
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Schuldspruch und zumindest vom Wortlaut her nicht auf den Entscheid der
Vorinstanz bezüglich der Zivilforderung. Der Verteidiger des Beschuldigten 3 ist
der Ansicht, dass es an der wünschbaren Klarheit der Berufungserklärung
mangelt. Immerhin wird auch in der Literatur die Ansicht vertreten, dass genau
anzugeben ist, in welchen Punkten das Dispositiv des vorinstanzlichen Urteils
angefochten werde (BSK StPO II-EUGSTER, Art. 399 N 4; VIANIN, in: Commentaire
Romand, Code de prodédure pénale suisse, Art. 399 N 17: "L'appelant ne doit
pas seulement mentionner les parties du jugement qu'il attaque, mais indiquer les
modifications du dispositif qu'il demande sur ces points").
2. Dass bei Berufungserklärungen eine gewisse Formstrenge zu verlangen ist,
wird nicht in Abrede gestellt. Auch auf Berufungserklärungen finden jedoch die
allgemeinen Grundsätzen der Auslegung von Willenserklärungen Anwendung.
Führt diese Auslegung nicht zu einem klaren Resultat, ist es im Zweifelsfall auf-
grund von Art. 3 StPO geboten, von einer vollständigen Anfechtung sämtlicher
Dispositivziffern auszugehen oder allenfalls dem Berufungskläger die Gelegenheit
zu geben, die Berufung auf einzelne Teile zu beschränken, was auch im
Nachgang noch möglich ist. Der Privatkläger stellte in der Berufungserklärung
auch einen formellen Antrag, wie mit den Zivilforderungen zu verfahren sei,
nämlich dass diese gutzuheissen seien (Urk. 80, Anträge 4 und 5). Vor diesem
Hintergrund erscheint es im vorliegenden Fall zu formalistisch, die Abweisung der
Zivilklage in Dispositivziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils als nicht angefochten zu
betrachten.
3. Somit ist vom vorinstanzlichen Urteil kein Punkt in Rechtskraft erwachsen.
III. Prozessuales
1. Anklage
1.1. Dass die Anklage nicht konkret schildert, welche Regeln der Baukunde die
Beschuldigten verletzt haben, stellt keinen prozessualen Mangel dar (Urk. 151
S. 9). Aus dem Sachverhalt geht hervor, dass die Beschuldigten nicht für die vor-
schriftsgemässe Abdeckung eines Schachtes gesorgt hätten. Dies ist eine Regel
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der Baukunde. Der Rest ist eine Frage der rechtlichen Würdigung und nicht des
Anklagegrundsatzes.
1.2. Der Rechtsvertreter des Privatklägers hat richtig gesehen, dass die
Anklage bei der Umschreibung der vorgeworfenen Sorgfaltspflichtverletzungen
äusserst pauschal geblieben ist. Allein die Feststellung der grundsätzlichen Ver-
antwortlichkeit von Bauleitern für die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften dürfte
wohl nicht genügen. Der Rechtsvertreter des Privatklägers stellte deshalb den
Eventualantrag auf Rückweisung der Anklage an die Staatsanwaltschaft zur
Ergänzung bzw. Änderung der Anklage im Sinne von Art. 329 Abs. 2 StPO und
Art. 333 Abs. 1 StPO. Darauf wird weiter unten noch eingegangen.
IV. Sachverhalt
1. Aussagen
1.1. Der Privatkläger gab in seiner Einvernahme zu Protokoll, dass er daran
gewesen sei, die Decke mit Weissputz zu spritzen. Dann wisse er nur noch, dass
er auf dem Boden gewesen sei. Er wisse nicht, wie es passiert sei (Urk. 15).
1.2. Die Vorinstanz erachtete die Aussage des Privatklägers als nicht glaubhaft,
weil er in seiner Einvernahme am 24. September 2018 mit keinem Wort erwähnt
habe, dass der Sturz durch das Hineinrollen eines Gerüstrades in die nicht korrekt
abgedeckte Bodenöffnung verursacht worden sei, was zu erwarten gewesen wäre
(Urk. 74 S. 19). Diese Auffassung ist lebensfremd und nicht haltbar. Selbstunfälle
auf einer Baustelle werden nicht im Voraus geplant, sondern passieren für Opfer
fast immer überraschend. Jeder normale Mensch, der die nahe Gefahr des
Schachtloches erkannt hätte, hätte das Gerüst nicht bestiegen oder dieses zuvor
an eine sichere Stelle verschoben. Bereits die Tatsache, dass ein Unfall passiert
ist, deutet in der Regel darauf hin, dass das Unfallopfer den Grund bzw. die
Ursache nicht erkannt hat. Es ist eher verdächtig, wenn ein Opfer ohne Kenntnis
der genauen Sachlage bereits von Anfang an Ursache und Grund für einen Unfall
angibt. Die Darstellung des Privatklägers, wonach er nicht gewusst habe, weshalb
das Gerüst umgefallen sei, ist deshalb im Gegenteil realitätsnah und glaubhaft.
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Sie stimmt auch mit der im Polizeirapport festgehaltenen Äusserung unmittelbar
nach dem Unfall überein, wo er gesagt habe, er könne sich den Hergang über-
haupt nicht erklären (Urk. 3 S. 3). Erwiesen ist auch, dass der Privatkläger nach
seinem Sturz mit gebrochenem und verdrehtem Oberarm liegen blieb, bis die
Sanität eintraf (Urk. 19/10). Auf den Fotos ist zudem erkennbar, dass er aus
seiner Unfallendlage keinen freien Blick auf den halboffenen Schacht und das
Gerüstrad hatte. Gemäss der Aussage seines Kollegen vor Ort, F._, habe
der Privatkläger vor Schmerz geschrien (Urk. 13 Antwort 35). Es befremdet, wenn
die Vorinstanz impliziert, ein Opfer hätte in einer solchen Situation noch den Un-
fallort untersucht und nach der Ursache für das Umstürzen des Gerüsts geforscht.
1.3. Wenn die Vorinstanz dann die Auffassung äusserte, die späteren Aus-
sagen des Privatklägers hinsichtlich der Unfallursache seien teilweise wider-
sprüchlich, überzeugt dies ebenso wenig (Urk. 74 S. 19). Der Privatkläger sagte
aus, dass er nach dem Unfall von seinem Vorgesetzten, der mit seinem Mobiltele-
fon Fotos vom Unfallort gemacht habe, erfahren habe, dass das Gerüst wegen
dem Schachtloch umgestürzt sei (Urk. 15 Antwort 15). Bei seinen Aussagen über
die Unfallursache handelt es sich deshalb offenkundig um blosse Mutmassungen
und Interpretationen und nicht um eigene Wahrnehmungen während des
Geschehens. Wenn aus solch hypothetischen, rein spekulativen Überlegungen
des Privatklägers, zu welchen er nota bene durch die Frage des Staatsanwaltes
aufgefordert wurde, sinngemäss geschlossen wird, die Mutmassungen seien nicht
logisch, weshalb er bei den Aussagen über seine eigenen, direkten Wahr-
nehmungen gelogen bzw. die Wahrheit verschwiegen habe, ist dies willkürlich.
1.4. Nichts Ausschlaggebendes kann auch aus der Frage abgeleitet werden, ob
die Rollen am Fuss des Gerüsts arretiert waren oder nicht. Der Privatkläger
machte geltend, die Rollen des Gerüsts seien immer mit der Bremse blockiert
gewesen, wenn er darauf gearbeitet habe (Urk. 15 Antwort 23). Die Feststellung
der Vorinstanz, dies widerspreche sich mit dem Bericht des forensischen Institu-
tes, ist unzutreffend (Urk.74 S. 19). Diesem Bericht, der im Übrigen den Anforde-
rungen an ein Fachgutachten nicht entspricht, kann nur entnommen werden, dass
sich durch den Sturz allenfalls eine oder zwei Bremsen lösen könnten (Urk. 19/2).
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Es sei jedoch eher unwahrscheinlich, dass sich alle vier Bremsen lösen könnten
(Urk. 19/2). Ob und welche Bremsen arretiert oder gelöst waren, ist nicht rechts-
genügend erstellt. Einzig im Randkommentar einer Fotografie der Stadtpolizei
Zürich vom umgestürzten Gerüst steht "Übersichtsaufnahme im 1. UG, gestürzter
Gerüstwagen sichtbar. Sämtlich vier Räder ohne arretierten Bremsmechanismus"
(Urk. 19/5). Dies steht allerdings in einem gewissen Widerspruch zur Aktennotiz
über eine Äusserung von G._ vom unfalltechnischen Dienst (UTD): "2 der
vier blockierten Räder (Bremsen) konnten nur mit enormem Kraftaufwand gelöst
werden (ich musste dazu das Gerüst leicht anheben und ein Holzstück unter den
Handgriff legen, so dass ich auf einen Querholmen steigen konnte und mit mei-
nem Körpergewicht die Blockade zu lösen)" (Urk. 19/7 S. 2).
1.5. Der Privatkläger gab an, das Lösen der Bremsen zwecks Verschiebung
des Gerüsts und das Arretieren sei seine Aufgabe gewesen (Urk. 15 Antwort 20).
F._ sagte aus, er könne keine Antwort zur Frage geben, ob die Bremsen ar-
retiert waren oder nicht (Urk. 74 S. 21). Er könne es nicht sagen, weil er die Si-
cherung weder gelöst noch aktiviert habe (Urk. 13 Antwort 50). Dies sei üblicher-
weise die Aufgabe des Privatklägers gewesen (Urk. 13 Antwort 51).
1.6. Auch aus den Aussagen von F._ geht unmissverständlich hervor,
dass er nicht wusste bzw. wahrnahm, weshalb das Gerüst umkippte (Urk. 13
Antwort 73). F._ zog vielmehr im Nachhinein gewisse Schlussfolgerungen:
"Das Gerüst hat sich nicht bewegt. Aber logischerweise müssten sich wohl die
Holzplatten, die die Löcher im Boden deckten, bewegt haben. Es kann nicht an-
ders gewesen sein" (Urk. 13, Antwort 54). "Normalerweise müsste man die Schal-
tafeln mit Schrauben oder ähnlichem am Boden befestigen. Vermutlich war es bei
dieser Tafel nicht der Fall" (Urk. 13 Antwort 57). Der Standpunkt der Vorinstanz,
die Aussagen von F._ zum Unfallhergang seien nicht schlüssig und wirkten
konstruiert, ist deshalb ohne Grundlage (Urk. 74 S. 23). Seine Aussagen sind klar
und unzweideutig: Er weiss nicht, wie es passiert ist. Die Vorinstanz verkennt,
dass blosse Spekulationen von Unfallbeteiligten oder -zeugen für die Erstellung
eines Sachverhaltes rechtlich weitestgehend irrelevant sind. Es ist nicht angängig,
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die Glaubwürdigkeit einer Person anzuzweifeln, bloss weil ihre rein hypotheti-
schen Überlegungen nicht stimmig sind oder erscheinen.
1.7. Der Beschuldigte B._ äusserte in seiner Befragung, es sei polizeilich
festgehalten, dass F._ das Gerüst mit dem darauf befindlichen Privatkläger
verschoben habe und dieses daraufhin umgefallen sei (Urk. 6 Antwort 13). Dies
ist klar aktenwidrig. F._ hat dies weder wörtlich noch sinngemäss je ausge-
sagt (Urk. 13). Er hat nur davon gesprochen, dass das Gerüst manchmal ver-
schoben worden sei. Dass ein Rollgerüst zwischen den Arbeitsgängen verscho-
ben werden muss, entspricht dem Zweck eines Rollgerüstes und ist auch einem
bautechnischen Laien klar. Dieser Umstand impliziert selbstverständlich aber
nicht, dass während dem Verschieben eine Person auf dem Gerüst steht.
F._ sagte im Gegenteil aus, dass der Privatkläger jeweils das Gerüst ver-
schoben habe und er von ihm zu Hilfe geholt worden sei, weil das Gerüst für eine
Person alleine zu schwer gewesen sei (Urk. 13 Antwort 51). Der Privatkläger sag-
te aus, dass er das Gerüst an jenem Tag jeweils selbst an den neuen Standort
gestellt habe. Dann sei er wieder auf die Plattform gestiegen, was an jenem Tag
mehrmals geschehen sei (Urk. 20/3 S. 2). Und selbst wenn man von der Hypo-
these des Beschuldigten B._ ausginge, ist immerhin festzuhalten, dass
B._ nie die Meinung geäussert hat, dass das Schachtloch keinen Zusam-
menhang mit dem Umstürzen des Gerüstes habe. Seine Äusserung wäre viel-
mehr dahingehend zu interpretieren, dass F._ das Gerüst vorschriftswidrig,
d.h. mit dem Privatkläger auf der Plattform, verschoben habe, wobei das Rad in
die Schachtöffnung gelangt sei.
1.8. Von den drei Beschuldigten machte einzig der Beschuldigte D._ Aus-
sagen zur Sache. Während der Beschuldigte B._ zumindest in der polizei-
lichen Befragung noch Angaben zur Sache machte, verweigerte der Beschuldigte
C._ während der gesamten Untersuchung jegliche Aussagen (Urk. 8 und 9).
Auch vor Vorinstanz beriefen sich B._ und C._ auf ihr Aussageverwei-
gerungsrecht (Prot. I S. 9 -14). Es wäre wünschenswert, wenn verantwortliche
Personen auf einer Baustelle im Falle eines Unfalles bemüht sind, alles dazu bei-
zutragen, um die Unfallursache zu ermitteln und den Unfallhergang zu klären. Es
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darf mit Fug gefragt werden, welchen Stellenwert die Gesundheit und das Wohl
der Arbeiter auf einer Baustelle für die Beschuldigen C._ und B._ hat,
sofern ihre eigenen Interessen betroffen sind. In strafprozessualer Hinsicht steht
gestützt auf Art. 113 Abs. 1 StPO aber jeder beschuldigten Person ein Aussage-
verweigerungsrecht zu, weshalb allein aus diesem Schweigen keine Rückschlüs-
se auf die Schuldfrage gezogen werden dürfen.
1.9. Letztlich steht fest, dass die Aussagen der befragten Personen wenig
Erhebliches zum Unfallhergang liefern.
2. Polizeirapport
2.1. Die Vorinstanz schloss das Schachtloch als kausale Mitursache am
Umstürzen des Gerüstes aus, einerseits aufgrund einer reinen Mutmassung des
Zeugen H._ und des Beschuldigten B._, die den Unfall gar nicht beo-
bachtet hatten, andererseits aufgrund einer Bemerkung im Polizeirapport (Urk. 74
S. 25 i.V.m. Urk. 3 S. 2). Der Zeuge H._ hatte zum Zeitpunkt des Unfalls die
Funktion als Bauleiter (Urk. 16 S. 4). Weshalb er nicht strafrechtlich belangt
wurde, bleibt aufgrund der Akten ungeklärt. Ein eigenes Interesse am Ausgang
des Verfahrens kann nicht ausgeschlossen werden, weshalb seiner Äusserung
kaum beweisrechtliche Bedeutung zukommt. Bei der Schlussfolgerung von
H._ handelt es sich nach eigenen Angaben zudem um eine reine Vermutung,
da er erst an den Unfallort gekommen war, als die Polizei schon vor Ort gewesen
sei (Urk. 16 Antwort 19). Es kommt hinzu, dass H._ mit keinem Wort erwähn-
te, dass das Gerüst alleine durch das Verschieben umgefallen sei. Es liegt jeden-
falls sehr nahe anzunehmen, dass auch H._ der Meinung war bzw. die Ver-
mutung hatte, F._ habe das Gerüst mit einem Rad in das Schachtloch ges-
tossen.
2.2. Im Polizeirapport steht als Kommentar zu einem Foto: "Beim Kippen
befand sich A._ auf der Standfläche. Durch das Umkippen rollte der
Gerüstwagen unten weg und blieb mit einem Rad im Bodenschacht stecken."
(Urk. 3, Fotodokumentation S. 2). Diese Feststellung ist offenkundig falsch, denn
von einem Feststecken des Rades kann keine Rede sein. Auf den Fotoauf-
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nahmen ist ersichtlich, dass das Rad nach dem Sturz einfach über dem offenen
Schachtloch lag.
2.3. Grundsätzlich geht es bei Feststellungen in einem Polizeirapport nicht um
Beweissicherungen, sondern primär um die Klärung der Rollen und Funktionen
der beim relevanten Geschehen Anwesenden (Schmid/Jositsch, Handbuch des
schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen, 2017, N 859).
Bereits aus diesem Grund ist es unzulässig, solche Rapportbemerkungen alleine
als rechtsgenügende Beweise zu betrachten. Kommt hinzu, dass es sich beim
rapportierenden Beamten Wm I._ nicht um einen Sachverständigen handelt.
Wie die Vorinstanz eine solch laienhafte Rapportbemerkung und eine aus der Luft
gegriffene, allenfalls missinterpretierte Mutmassung des unbeteiligten H._
sowie des Beschuldigten B._ zur Grundlage ihres Entscheides machen
konnte und somit dem Arbeiter F._ unterstellte, er habe das Gerüst mit dem
Privatkläger auf der Plattform ohne Einwirkung des Schachtlochs zum Umstürzen
gebracht, ist nicht nachvollziehbar. Diese Hypothese scheint auch deshalb un-
wahrscheinlich, weil kaum ein vernünftiger Mensch so lange und mit der von der
Gutachterin festgestellten nötigen Kraft gegen das Gerüst gedrückt hätte, bis es
samt der Person auf der Plattform umgekippt wäre. Immerhin müsste das Gerüst
vor dem Umstürzen so weit gekippt werden, bis sich der Schwerpunkt über die
Grundfläche hinaus bewegt hätte. Es wäre auch schlecht erklärbar, weshalb sich
der Privatkläger A._ in seiner ersten Reaktion derart überrascht über die Ur-
sache des Sturzes gezeigt hatte, wenn F._ ihn umgestossen hätte. Darüber
hinaus ging die Vorinstanz davon aus, dass die Bremsen aller Gerüstrollen gelöst
gewesen seien, obschon in einem solchen Falle das Umstürzen des Gerüstes
schwieriger zu bewerkstelligen ist als bei arretierten Rollen.
3. Fotodokumentation und Gutachten
3.1. Die Fotos vom Unfallort und dem umgestürzten Baugerüst geben einen
weit besseren Eindruck, als dies in Worten umschrieben werden kann. Ersichtlich
ist ein Schachtloch im Boden von ca. 100 cm x 100 cm Grösse, welches teilweise
von zwei losen Brettern überdeckt ist (Urk 134 S. 1; vgl. Aussage des Beschuldig-
ten D._, wonach die entfernten Stahlträger diese Masse gehabt hätten;
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Urk. 11 Antwort 19). Die exakten Masse des Schachtloches sind vorliegend ne-
bensächlich. Ersichtlich ist auf dem Bild weiter, dass der unterste Teil von einem
der vier Standfüsse des umgestürzten Gerüsts mit dem Rad weit in das Schacht-
loch hineinragt, das Rad sogar teilweise unter dem losen Brett liegt (Urk. 134
S. 1). Selbst für einen bautechnischen Laien bräuchte es eine gehörige Portion
Fantasie, um anzunehmen, dass das Schachtloch keinerlei Zusammenhang mit
dem Umstürzen des Gerüstes hatte. Nichts desto trotz wurde ein technisches
Gutachten eingeholt.
3.2. Das fragliche Baugerüst ist für den professionellen Einsatz bestimmt und
nicht zu verwechseln mit einem leichten Aluminiumgerüst aus dem Baumarkt für
den Heimwerkerbedarf. Der Standboden des Gerüstes befand sich auf einer
Höhe von rund 2,2 Metern (Gutachten Urk. 134; vgl. auch Sicherheitshinweise
Urk. 20/2 S. 3, Quantity Schedule, Plattformhöhe 2,2 m). Grundsätzlich wäre ein
weit höherer Aufbau zulässig gewesen. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass
je tiefer der Aufbau ist, desto schwerer ein Gerüst zum Umkippen gebracht
werden kann, jedenfalls bei gewährleisteter Auflagerfläche. Das Gutachten stellte
fest, dass das Gerüst zwar nicht vorschriftsgemäss zusammengesetzt war
(Urk. 134 S. 9). Allerdings wirke sich die verminderte Steifigkeit nur unter Einfluss
einer horizontalen Kraft am oberen Aufbaurahmen aus (Urk. 134 S. 16). Bei den
Kippversuchen mit einem Vergleichsgestell wurde die konkrete Montage des
Gerüsts berücksichtigt (Urk. 134 S. 14). Ebenso der Versatz der Rollen bei einer
Nichtarretierung (Urk. 134 S. 11).
3.3. Gemäss Gutachten ist eine unsachgemässe Lasteinwirkung als Kippur-
sache nicht realistisch, sehr fraglich und zu bezweifeln. Für ein Kippen sei eine
Kraft von 60 kg auf einer Höhe 1,5 Metern nötig, um das Rollgerüst inkl. einer
Person auf der Plattform bei einem Verschiebevorgang zum Kippen zu bringen.
Es sei sehr fraglich, ob eine Person dazu imstande sei (Urk. 134 S. 15). Es
komme nur eine Kippursache in Betracht, bei der die Auflagersituation des
Gerüsts verändert worden sei (Urk. 134 S. 16). Weiter kommt die Gutachterin
zum Schluss: "Wenn die Bodenöffnung vorschriftsgemäss verschlossen gewesen
wäre (unverrückbar, durchbruchsicher), hätte die Rolle Nr. 3 auf der Abdeckung
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der Bodenöffnung stehen können. Das Gerüst wäre nicht umgekippt. Deshalb
könne die Bodenöffnung nicht als kausale Mitursache ausgeschlossen werden
(Urk. 134 S. 17). Schliesslich korreliert die Fallrichtung des Gerüstes bzw. dessen
Endlage mit der Annahme, wonach das Rad Nr. 3 in die Bodenöffnung gelangt
und zum Sturz des Gerüsts geführt hat (Urk. 134 S. 13). Es mutet seltsam an,
dass ein Gerüst ohne Zusammenhang mit einem bloss wenige Zentimeter weit
weg liegenden Schachtloch genau so fällt, wie wenn es mit einem Rad in das
Schachtloch geraten und dann das betreffende Rad ebenso zufällig noch über
das Schachtloch geschoben worden wäre.
3.4. Dass die Gutachterin ein Umstossen des Gerüstes ohne Veränderung der
Auflagersituation nicht mit absoluter Sicherheit ausschliessen konnte, ändert am
erforderlichen Beweismass nichts. Mangels Vorhandensein auch nur geringster
Indizien für eine solche Dritteinwirkung muss eine solche Möglichkeit als bloss
theoretische Möglichkeit taxiert werden, die immer besteht. Das Gericht kann in
einer Gesamtwürdigung der Beweislage deshalb auch zur Überzeugung gelan-
gen, dass ein Sachverhalt erstellt ist, selbst wenn ein Gutachten, dass sich auf die
rein technische Sicht zu beschränken hat, andere Geschehensabläufe nicht mit
naturwissenschaftlich absoluter Sicherheit ausschliessen kann. Es geht hier nicht
primär um die Beweislast des Staates zum Nachweis der Schuld, sondern um den
Ausschluss von theoretisch denkbaren, alternativen Handlungsabläufen. Solche
können nie mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden, insbesondere nicht
von einer Gutachterin, welche auftragsgemäss nicht die gesamte Beweislage zu
berücksichtigen hat. Von etwas anderem auszugehen würde bedeuten, dass bei
Unfällen nie ein rechtsgenügender Beweis erbracht werden kann. Auch im Falle
eines tödlichen Sturzes eines Bauarbeiters von einer ungesicherten Etage eines
Hochhauses kann man beispielsweise ebenso wenig mit absoluter Sicherheit
ausschliessen, dass er nicht wegen der fehlenden Abschrankung hinuntergefallen
war, sondern weil ihn sein Arbeitskollege gestossen habe.
3.5. Die Staatsanwaltschaft und der Vertreter des Privatklägers gingen völlig zu
Recht davon aus, dass das Gerüst mit einem Rad in das Schachtloch geriet – aus
welchen Gründen auch immer – und deshalb umstürzte (Urk. 10 Frage 41;
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Urk. 12 Frage 56; Urk. 151 S. 2 f.). Berücksichtigt man sämtliche vorliegenden
Akten und Aussagen der befragten Personen sowie das technische Gutachten, ist
zweifelsfrei erstellt, dass das Baugerüst nicht umgestürzt wäre, wenn das
Schachtloch vorschriftsgemäss durch eine unverrückbare Abdeckung gesichert
gewesen wäre. Ausser die Vorinstanz ging niemand der im Laufe der Unter-
suchung befragten Personen je von der Hypothese aus, dass das Gerüst ohne
jeglichen Einfluss des Schachtloches zum Umstürzen gebracht worden sei. Selbst
der Beschuldigte D._ äusserte in seiner Befragung, dass es wohl so gewe-
sen sein müsse, dass ein Rad in die Bodenöffnung geraten und abgesackt sei
(Urk. 11 Antwort 28). Er ist zwar kein Gutachter, verfügt aber doch über jahre-
lange Erfahrung aus seiner Tätigkeit auf dem Bau.
3.6. Mit der Gutachterin ist davon auszugehen, dass das Rad Nr. 3 kurz vor
dem Sturz in unmittelbarer Nähe des Schachtes bzw. der losen Abdeckungs-
bretter stand (Urk. 134 S. 11). Dass sich das Gerüst im Laufe der Arbeiten des
Privatklägers auf dem Gerüst leicht bewegte, kann zwanglos angenommen
werden, denn ansonsten wäre es nicht zum Sturz gekommen. Ob und inwieweit
diese Bewegung durch Dritteinwirkung, durch nicht vorschriftsgemäss arretierte
Bremsen oder mangelhafte Zusammenstellung des Gerüsts verursacht wurde,
kann vorliegend offen bleiben. Das Schachtloch als 'conditio sine qua non' ver-
bleibt als Hauptursache und ein allfälliges Mitverschulden des Privatklägers oder
eines Dritten vermag nach der Adäquanztheorie die fehlerhafte Abdeckung nicht
in den Hintergrund zu schieben (BGE 135 IV 56 Erw. 2.1). Selbst wenn man
davon ausginge, dass F._ das Gerüst mit einem Rad über das Schachtloch
verschoben habe, wofür wie erwähnt keine Indizien vorliegen, hätte dies den
Kausalzusammenhang nicht unterbrochen.
4. Sorgfaltspflichtverletzung
4.1. Bei der Verantwortlichkeit von Bauleitern auf einer Baustelle handelt es
sich in strafrechtlicher Hinsicht nicht um eine Kausalhaftung. Wie bei jedem
Fahrlässigkeitsdelikt muss für die Tatbestandsmässigkeit eine Sorgfaltspflicht-
verletzung vorliegen. Dabei wird Voraussehbarkeit und Vermeidbarkeit des
Unfalls verlangt. Daran ändert auch eine Garantenpflicht nichts (Urk. 151 S. 10).
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Eine Sorgfaltspflichtverletzung ist nur anzunehmen, wenn der Täter eine Gefähr-
dung der Rechtsgüter von Dritten hätte voraussehen können und müssen (Urteil
des Bundesgerichts 6B_342/2012 vom 8. Januar 2013 E. 2.4.). Eine Pflicht zur
permanenten Überwachung besteht hingegen nicht generell, sondern nur in
speziellen Fällen.
4.2. Die Anklageschriften gegen die drei Beschuldigten führen diesbezüglich
aus, die Beschuldigten hätten es in ihrer Funktion als Baupolier bzw. Bauleiter
unterlassen, die durch die Entfernung des Stahlträgers entstandene Boden-
öffnung durch eine korrekte Sicherung zu ersetzen. Eine Sorgfaltspflichtver-
letzung lässt sich jedoch nicht allein aus dem Umstand herleiten, dass es einen
Unfall gegeben hat. Allein die Feststellung von generellen Verantwortlichkeiten
genügt mit anderen Worten noch nicht für die Feststellung einer strafrechtlich
relevanten Sorgfaltspflichtverletzung.
4.3. Es ist nicht aktenkundig, wann der betreffende Stahlträger im 1. UG aus-
gebaut wurde, wann die Abdeckung erstellt wurde, wer diese Arbeiten gemacht
hat und ob und wann die Schachtlöcher bzw. deren Abdeckung kontrolliert
wurden. Es wäre beispielsweise ausserordentlich erhellend gewesen zu wissen,
ob die übrigen Schachtlöcher, welche durch den Rückbau der Stahlträger
entstanden waren, nicht vorschriftsgemäss abgedeckt worden waren. Ein solcher
Umstand könnte der Bauleitung kaum entgangen sein; ganz im Gegensatz dazu
für den Fall, dass nur das fragliche Unfall-Schachtloch zu einem unbekannten
Zeitpunkt mangelhaft geschützt worden war. Immerhin machte der Beschuldigte
D._ geltend, die Schachtlöcher seien alle zu 100% in Ordnung gewesen, als
sie es gemacht hätten (Urk. 10 Antworten 27, 30, 38 und 39). Er gehe davon aus,
dass jemand die korrekte Abdeckung im 1. UG entfernt habe, um an die
Installationen des darunterliegenden Kriechkellers zu gelangen (Urk. 11 Antwort
25). Den Akten ist wiederum nicht zu entnehmen, ob abgeklärt wurde, welche
anderen Handwerker in den vorausgegangenen Tagen in den Kriechkeller ge-
stiegen und dort Arbeiten ausgeführt haben; dies hätte sich nach der Aussage
D._s aber aufgedrängt. Ebenso wurde auch kein Bauarbeiter einvernommen,
der mit der Entfernung des Stahlträgers im 1. UG oder der Abdeckung betraut
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war. Es ist anzunehmen, dass dieser hätte Auskunft darüber geben können,
welche Anweisung bezüglich der Sicherung des Schachtlochs bestand und wie
damit verfahren wurde.
4.4. Aus dem Umstand, dass im Bauprotokoll festgehalten wird, die Schacht-
löcher seien nach Entfernung der Stahltürme umgehend zuzubetonieren, kann
nichts abgeleitet werden (Urk. 151 S. 8). Es stellt keine Sorgfaltspflichtverletzung
dar, wenn das Zubetonieren aus unbekannten Gründen eine zeitliche Verzöge-
rung erfuhr und stattdessen eine vorschriftsgemässe Abdeckung erstellt worden
ist.
4.5. Auf einem der Fotos vom Unfallschacht ist erkennbar, dass das fragliche
Schachtloch einen Falz aufwies, was es grundsätzlich ermöglicht, die Abdeckung
ebenerdig zu verlegen und eine Stolperfalle zu vermeiden (Urk. 20/4). Dies
schliesst zwar nicht aus, dass das Loch hernach nur unzulänglich mit Brettern ab-
gedeckt worden war. Allerdings macht die Erstellung eines Falzes wenig Sinn,
wenn dies gar nicht nötig gewesen wäre bzw. zum Vornherein feststand, dass
sofort zubetoniert oder nur mit blossen Brettern abgedeckt wird (Urk. 11 S. 4 Ant-
wort 23). Dieser Umstand stützt zumindest die Behauptung des Beschuldigten
D._, dass die Abdeckungen ursprünglich korrekt angebracht worden seien.
Nicht verfängt die Behauptung des Vertreters des Privatklägers, wonach der
Beschuldigte D._ erklärt habe, er könne mit Fotos belegen, dass die Sicher-
heitsbestimmungen im Zusammenhang mit den Schachtlöchern eingehalten wor-
den seien (Urk. 151 S. 8). D._ brachte vielmehr vor: "Da sind bestimmt Fotos
vorhanden, wo ersichtlich ist, dass alles korrekt abgedeckt worden ist" (Urk. 10
Antwort 38). Dass der Beschuldigte D._ selbst keine Fotos einreichte, kann
ihm nicht angelastet werden. Er hat nie behauptet, selbst im Besitze solcher Auf-
nahmen zu sein.
4.6. Den Akten ist auch nicht zu entnehmen, wann zwischen dem 15. März
2017 und dem Unfall am 4. April 2017 eine Begehung im Beisein der SUVA
stattgefunden hat, obschon es solche zuvor gab (Urk. 12 Antwort 57). Dass bei
den Kontrollen der SUVA im Januar und Februar fehlende Schachtabdeckungen
nicht aufgefallen seien, wie der Verteidiger des Beschuldigten D._ geltend
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macht, ist kein Argument, denn damals waren die Stahlträger noch gar nicht ent-
fernt (Urk. 164 Rz 36 und 40).
4.7. Weiter ist auf den Unfallfotos erkennbar, dass der demontierte Stahlträger
durch das gesamte 1. UG hindurchlief und durch die Decke mindestens ins
darüberliegende Geschoss reichte (Urk. 134 S. 11). Es hätte somit die Möglichkeit
bestanden, die Abdeckung des genau über dem Unfall-Schachtloch liegenden
weiteren Schachtlochs in das obere Geschoss dahingehend zu überprüfen, ob
jene Abdeckung – welche auf dem Foto von unten erkennbar ist – korrekt oder
vorschriftswidrig angebracht worden war. Wären nämlich alle anderen Schacht-
abdeckungen vorschriftsgemäss gewesen, würde dies die Version des Beschul-
digten D._ nähren, wonach die Abdeckung im 1. UG von einem anderen
Handwerker entfernt worden sei. Umgekehrt hätte eine mangelhafte Abdeckung
der anderen Schächte durchaus den Rückschluss auf eine generelle sorgfaltswid-
rige Erstellung der Abdeckungen erlaubt. Auch in Bezug auf die Dringlichkeit einer
nötigen Kontrolle spielt durchaus eine Rolle, ob zuvor zahlreiche Abdeckungen
weisungsgemäss korrekt erstellt worden waren.
4.8. Aus dem beigezogenen Bausitzungsprotokoll vom 15. März 2017 geht
einzig hervor, dass mit den Arbeiten des Rückbaus der Stahltürme ab sofort zu
beginnen sei (Bausitzungsprotokoll 84 vom 15. März 2017, Urk. 21/13 S. 1
Ziff. 4.01.1). Jenem vom 29. März 2017 lässt sich entnehmen, dass die Aus-
sparungen der Stahltürme nach deren Ausbau umgehend zu verschliessen seien,
wobei die Vorgaben des Bauleiters abzuholen seien (Bausitzungsprotokoll 86
vom 29. März 2017, Urk. 21/15 S. 1 Ziff. 4.02.3). Ob solche Vorgaben bestanden,
ob Weisungen erteilt wurden, wer diese erteilt und welche Person diese entgegen
genommen hat, lässt sich den Strafakten nicht entnehmen. Auf den Unfallfotos ist
ersichtlich, dass zumindest einer der Stahlträger noch stand, weshalb diese
Rückbauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren (Urk. 134 S. 1). Wann diese
Arbeiten abgeschlossen wurden, kann entgegen der Auffassung des Rechtsver-
treters des Privatklägers den Bausitzungsprotokollen nicht entnommen werden
(Urk. 151 S. 5 f. Ziff. 3.1). Allein diese Bausitzungsprotokolle lassen zudem weder
den Schluss zu, dass die Abdeckungen vorschriftswidrig erstellt wurden, noch
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kann daraus ersehen werden, wer konkret die Abdeckung des Unfall-Schacht-
loches erstellt hat, ob jemand die Abdeckung im 1. UG durch lose Bretter ersetzt
hat und wenn ja, wer und wann. Ebenfalls ungeklärt bleibt, ob und wann die
nötigen Kontrollen durchgeführt wurden. Es wäre deshalb von hoher Wichtigkeit
gewesen zu ermitteln, wann und welche Person an der Entfernung der Stahltürme
beteiligt war und wie mit der nachfolgenden Situation mit den offenen Schacht-
löcher verfahren wurde. All dies lässt sich anhand der Akten nicht klären.
4.9. Es ist unstrittig, dass ein verantwortlicher Bauleiter auch die Pflicht hat, für
die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften besorgt zu sein. Wie oft und wie inten-
siv solche Kontrollen vorzunehmen sind, ist im Einzelfall zu beantworten. Auch die
Bauarbeitenverordnung (BauAV, SR 832.311.141) und die Verordnung über die
Unfallverhütung (VUV, SR 832.30) machen hier keine quantitativen Vorgaben. Es
ist nicht so, dass ein Bauleiter jede bauliche Massnahme seiner Untergebenen
vor Ort persönlich überwachen und jeden Tag kontrollieren muss, ob sich daran
nichts verändert hat. Insofern kann der Standpunkt des Vertreters des Privat-
klägers, wonach Schachtöffnungen bis zum endgültigen Zubetonieren "immer
wieder" zu kontrollieren seien, nicht uneingeschränkt geteilt werden. Insbesonde-
re bei baulichen Sicherheitsmassnahmen, die korrekt erstellt wurden, besteht
ohne äusseren Anlass kein Grund, diese in hoher Kadenz laufend zu überprüfen.
Wenn Bauarbeiter auf Anweisung des Bauleiters oder Poliers mehrere Schacht-
abdeckungen korrekt erstellt haben, darf ein Bauleiter zudem auch darauf
vertrauen, dass diese eine weitere Abdeckung gleich, d.h. ebenfalls weisungs-
gemäss korrekt erstellen. Das heisst nicht, dass der Bauleiter ab einer gewissen
Menge gleicher Arbeiten auf eine Überwachung oder Kontrolle gänzlich verzich-
ten darf; aber die Häufigkeit der Kontrollgänge darf in solchen Fällen reduziert
werden. Nicht ausgeschlossen werden kann aufgrund der Akten beispielsweise
auch, dass der Co-Bauleiter J._ mit der Überwachung der Schachtsicherung
betraut war. Dieser wurde von der Staatsanwaltschaft nicht als beschuldigte Per-
son einvernommen (Urk. 12).
4.10. Anhand der vorliegenden Akten bzw. aufgrund der zahlreichen, nicht abge-
klärten Sachumstände lässt sich deshalb eine konkrete, sorgfaltspflichtwidrige
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Handlung oder Unterlassung, wie beispielsweise eine zeitadäquate Kontrolle,
einschliesslich der Vorausseh- und Vermeidbarkeit des Unfalls aus Sicht einer
Person in der Situation und mit der Verantwortung der Beschuldigten, nicht
rechtsgenügend erstellen. Insbesondere kann dem Beschuldigten D._ nicht
widerlegt werden, dass die Schachtabdeckung im 1. UG ursprünglich korrekt
erstellt worden war und durch eine Drittperson durch lose Bretter ersetzt worden
sei.
5. Rückweisung an die Vorinstanz bzw. Untersuchungsbehörde
Gemäss Art. 333 Abs. 1 StPO gibt das Gericht der Staatsanwaltschaft Gelegen-
heit, die Anklage zu ändern, wenn nach seiner Auffassung der in der Anklage
umschriebene Sachverhalt einen anderen Straftatbestand erfüllen könnte, die
Anklageschrift aber den gesetzlichen Anforderungen nicht entspricht. Vorliegend
beschränkt sich der Verfahrensmangel nicht auf eine fehlende Umschreibung der
Sorgfaltspflichtverletzung in der Anklageschrift, sondern auch bzw. viel mehr auf
das fehlende Beweisfundament hinsichtlich einer Sorgfaltspflichtverletzung. Ob
solche Beweise durch weitere Abklärungen der Untersuchungsbehörde im
heutigen Zeitpunkt noch erbracht werden könnten, erscheint sehr fraglich, kann
aber dahingestellt bleiben. Wenn das Gericht das Beweisfundament für eine
Anklage als nicht ausreichend erachtet, bietet Art. 333 StPO keine Grundlage für
die Rückweisung zwecks Wiederaufnahme bzw. Ergänzung einer Strafunter-
suchung. Vielmehr hat in einem solchen Falle ein Freispruch zu ergehen, weil ein
Schuldspruch mangels genügender aktenkundiger Beweise nicht ergehen kann.
V. Zivilforderungen
Da der Sachverhalt für die Behandlung der Zivilforderungen nicht spruchreif ist,
sind diese gestützt auf Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO auf den Zivilweg zu verweisen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens sind
auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 426 StPO e contrario). Die Kosten des
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Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens und
Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der Privatkläger mit seiner Berufung
unterliegt, sind ihm die Kosten aufzuerlegen, unter Verrechnung mit der Prozess-
kaution von Fr. 20'000.– (Urk 85). Vom vorinstanzlichen Urteil wird dahingehend
abgewichen, dass eine zivilrechtliche Verantwortlichkeit der Beschuldigten in
diesem Verfahren mangels genügendem Beweisfundament nicht ausgeschlossen
werden kann. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren ist deshalb entge-
gen dem vorinstanzlichen Entscheid nicht abzuweisen, sondern lediglich auf den
Zivilweg zu verweisen. In Bezug auf die Kostenfolge wirkt sich dies aber nicht
aus, da auch ein Verweis auf den Zivilweg kein Obsiegen darstellt. Auch der
Berufungsrückzug der Staatsanwaltschaft, welcher grundsätzlich als Unterliegen
gilt (Art. 428 Abs. 1 StPO), hat usanzgemäss keine Auswirkungen auf den
Kostenentscheid, da der Rückzug innert der Frist zur Berufungserklärung erfolgte
(ZR 110 [2011] Nr. 37).
2. Der Privatkläger hat den Beschuldigten die Kosten der erbetenen Vertei-
digungen zu ersetzen (BGE 139 IV 45 Erw. 1 und 141 IV 476). Die Höhe der
Entschädigung sowie der anzuwendende Stundenansatz richtet sich nach der
kantonalen Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010
(LS 215.3); vgl. BGE 142 IV 163; BSK StPO-WEHRENBERG/ FRANK, Art. 429 N 15).
Die seitens der Verteidigungen der Beschuldigten geltend gemachten Stunden-
ansätze bewegen sich im vorgegebenen Rahmen von § 3 AnwGebV und sind in
Anbetracht der Bedeutung des Falles für die Beschuldigten gerechtfertigt. Die
jeweils geltend gemachten Aufwendungen der Verteidigungen sind sodann aus-
gewiesen und erscheinen angemessen. Der Privatkläger ist daher zu verpflichten,
die Beschuldigten für ihre Aufwendungen im Zusammenhang mit der erbetenen
Verteidigung für das Berufungsverfahren gemäss den eingereichten Honorar-
noten zu entschädigen. Demgemäss ist der Privatkläger zu verpflichten, folgende
Prozessentschädigungen für anwaltliche Verteidigung im Berufungsverfahren zu
bezahlen:
− dem Beschuldigten B._ Fr. 8'494.90 (inkl. MwSt.)
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− dem Beschuldigten C._ Fr. 7'094.40
(inkl. MwSt.)
− dem Beschuldigten D._ Fr. 10'376.60 (inkl. MwSt.).