Decision ID: 2666103d-a2be-4b2a-b624-1aadb4a379a5
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Eidgenössische Spielbankenkommission (nachfolgend „ESBK“)
führt die Strafuntersuchung 62-2013-049 wegen des Verdachts der Wider-
handlungen gegen das Bundesgesetz vom 18. Dezember 1998 über
Glücksspiele und Spielbanken (Spielbankengesetz, SBG; SR 935.52).
B. Im Rahmen dieses Verfahrens führte die ESBK am 18. Juni 2013 eine
Hausdurchsuchung in den Räumlichkeiten des Hotels B. in Olten, dessen
Inhaber und Geschäftsführer A. ist, durch. Gleichentags wurde A. zur Sa-
che einvernommen (BH.2014.5 act. 2.2).
C. Gestützt auf die Ermittlungsergebnisse der obgenannten Hausdurchsu-
chung wurde A. am 2. April 2014 angehalten. Gleichentags wurden Haus-
durchsuchungen an seinem Wohndomizil sowie in den Räumlichkeiten der
C. AG in Olten vollzogen (BH.2014.5 act. 1.1).
D. Mit Verfügung vom 10. April 2014 sperrte die ESBK das auf A. laufende
Universalkonto CHF Nr. 1 bei der Bank D. (act. 2.1), wogegen dieser, ver-
treten durch Rechtsanwalt Roland Winiger, am 21. April 2014 Beschwerde
bei diesem Gericht führt und folgende Rechtsbegehren stellt (act. 1):
"1. Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben.
2. Auf die Sperrung des Universalkontos bei der Bank D. CHF Nr. 1, lautend
auf A., sei zu verzichten bzw. es seien die auf dem Konto vorhandenen
Gelder nicht zu beschlagnahmen.
3. Eventualiter sei unter Bestätigung der verfügten Kontosperre der Betrag
von CHF 118'050.00 freizugeben.
4. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
5. U.E.&K.F."
Gemäss Art. 26 Abs. 2 lit. b VStrR wurde die Beschwerde beim Direktor der
ESBK eingereicht, worauf dieser die Beschwerde mitsamt Beschwerdeant-
wort am 28. April 2014 diesem Gericht weiterleitete (act. 2).
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E. Mit Replik vom 12. Mai 2014 hielt der Beschwerdeführer an seinen in der
Beschwerde gestellten Anträgen - ausser an Rechtsbegehren Ziff. 3 - fest
(act. 5). Am 15. Mai 2014 wurde die Replik der ESBK zur Kenntnis zuge-
stellt (act. 7).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Art. 57 Abs. 1 SBG besagt, dass bei der Verfolgung von Widerhandlungen
gegen das SBG das Bundesgesetz vom 22. März 1974 über das Verwal-
tungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0) zur Anwendung gelangt. Verfolgende
Behörde ist dabei das Sekretariat der ESBK.
1.2 Gegen Zwangsmassnahmen im Sinne der Art. 45 ff. VStrR und damit zu-
sammenhängende Amtshandlungen kann bei der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 26 Abs. 1 VStrR).
Die Beschwerde ist innert drei Tagen, nachdem der Beschwerdeführer von
der Amtshandlung Kenntnis erhalten hat, bei der zuständigen Behörde
schriftlich mit Antrag und kurzer Begründung einzureichen (Art. 28 Abs. 3
VStrR).
Die Eintretensvoraussetzungen geben vorliegend zu keinen Bemerkungen
Anlass. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Gemäss ESBK wurde das zur Diskussion stehende Konto zur Sicherung
der einzuziehenden Vermögenswerte bzw. zur Deckung einer entspre-
chenden Ersatzforderung des Staates gesperrt (act. 2.1). Der Beschwerde-
führer wendet gegen die angefochtene Verfügung sinngemäss ein, dass
kein Konnex zwischen dem ihm vorgeworfenen Sachverhalt und dem Kon-
to bestehe (act. 1 Ziff. 10), und dass die ESBK ihre Begründungspflicht ver-
letzt habe, indem sie in ihrer Verfügung vom 10. April 2014 den Delikts-
konnex nicht darlege (act. 1 Ziff. 8 und 9). Vollständigkeitshalber ist zu er-
wähnen, dass der Rechtsanwalt des Beschwerdeführers in der Beschwer-
deschrift festhält, dass das gesperrte Konto auf das Hotel B. laute. Da er in
seiner Replik anerkennt, dass das gesperrte Konto auf den Beschwerde-
führer lautet (act. 1 Ziff. 5, 6 und. 11 ff. und act. 5 Ziff. 1), braucht auf die in
diesem Zusammenhang vorgebrachten Rügen nicht eingegangen zu wer-
den.
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2.2 Die Beschlagnahme ist eine provisorische (konservatorische) prozessuale
Massnahme zur vorläufigen Sicherung von Beweismitteln bzw. zur vorläufi-
gen Sicherstellung von allenfalls der Einziehung unterliegenden Vermö-
genswerten oder Gegenständen (vgl. BGE 135 I 257 E. 1.5 S. 260; HAURI,
Verwaltungsstrafrecht [VStrR], Bern 1998, S. 111; PIQUEREZ/MACALUSO,
Procédure pénale suisse, 3. Aufl., Genf/Zürich/Basel 2011, N. 1354; PIETH,
Schweizerisches Strafprozessrecht, 2. Aufl., Basel 2012, S. 137).
2.3 Voraussetzung einer Beschlagnahme ist zunächst, dass ein hinreichender
Verdacht auf eine strafbare Handlung vorliegt. Der hinreichende Verdacht
setzt nicht voraus, dass Beweise und Indizien bereits für eine erhebliche
oder hohe Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung sprechen; allerdings muss
er sich im Verlaufe der Ermittlungen weiter verdichten (vgl. Beschluss des
Bundesstrafgerichts BV.2013.19 + 20 vom 19. März 2014, E. 5.2). Die Be-
schlagnahme muss wie jedes Zwangsmittel verhältnismässig sein (Art. 36
Abs. 3 BV; vgl. auch Art. 45 Abs. 1 VStrR).
2.4 Die ESBK begründet den Tatverdacht gegen den Beschwerdeführer wie
folgt (act. 2):
Der Beschwerdeführer soll im Hotel B. und zahlreichen anderen Lokalitäten
in der Schweiz auf "Internet-Terminals" und Automaten die Online-Casino
Plattform "E.-Fun" bzw. "E.-Casino" angeboten und daraus ehebliche ille-
gale Gewinne generiert haben. Über diese serverbasierte Online-Plattform
könne auf diverse klassische Glücksspiele wie Poker, Roulette und Wal-
zenspiele zugegriffen werden. Auswertungen eines im Rahmen der Haus-
durchsuchung vom 18. Juni 2013 beschlagnahmten USB-Sticks hätten u.a.
ergeben, dass der Beschwerdeführer Inhaber der Internet-Domain
"E.-casino.com" sei und regen Austausch mit "Internet Hoster" aus diver-
sen Ländern pflege. Weiter befänden sich auf dem obgenannten USB-Stick
Dokumente mit dem Inhalt "Wir sind E.-Casino" und "Wir besitzen im Mo-
ment 500 Terminals". Aus den beschlagnahmten Abrechnungen gehe her-
vor, dass der Umsatz von "E." in den Monaten Oktober 2012 und Dezem-
ber 2012 - April 2013 durchschnittlich rund Fr. 3'200'000.-- betragen habe.
Der Beschwerdeführer und seine Mittelsmänner sollen dabei im Schnitt
Fr. 690'000.-- beziehen, wobei Fr. 236'000.-- an einen Unbekannten gehe.
Auf den Abrechnungen befinde sich u.a. die Unterschrift des Beschwerde-
führers. Zwei bei der Hausdurchsuchung vom 18. Juni 2013 anwesende
Gäste hätten zu Protokoll gegeben, an diesem Abend Online-Casinospiele
gespielt zu haben. Die Gewinne seien ihnen jeweils durch Mitarbeiter des
Hotels B. in bar ausbezahlt worden. Weiter lägen Belege vor, wonach die
F. AG "Internet Terminals" an Aufsteller verkaufe, welche die "Internet
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Terminals" an Lokalbesitzer weitervertrieben. Die Geräte sollen illegale
Glücksspiele enthalten, welche der Beschwerdeführer organisiere.
2.5 Art. 55 Abs. 1 lit. a SBG lautet wie folgt: Mit Gefängnis bis zu einem Jahr
oder mit Busse bis zu 1 Million Franken wird bestraft, wer vorsätzlich eine
Spielbank errichtet, betreibt, dazu Raum gibt oder Spieleinrichtungen be-
schafft, ohne dass die dafür notwendigen Konzessionen oder Bewilligun-
gen vorliegen. In schweren Fällen ist die Strafe Zuchthaus bis zu fünf Jah-
ren oder Gefängnis nicht unter einem Jahr. Damit kann zusätzlich eine
Busse bis zu Fr. 2'000'000.-- verbunden werden.
2.6 Die obgenannten Feststellungen der ESBK liefern genügend konkrete Hin-
weise, welche im jetzigen Zeitpunkt den hinreichenden Verdacht begrün-
den, wonach der Beschwerdeführer die Strafnorm von Art. 55 Abs. 1 lit. a
SBG erfüllt und dabei siebenstellige Gewinne generiert haben könnte. Der
hinreichende Tatverdacht wird vom Beschwerdeführer auch nicht explizit
bestritten. Die Kontosperre erweist sich auch als verhältnismässig, insbe-
sondere ist der Betrag auf dem gesperrten Konto mit Fr. 242'169.36 kleiner
als der mutmasslich durch Widerhandlungen gegen das SBG erzielte Ge-
winn.
2.7 Gemäss Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR sind vom untersuchenden Beamten Ge-
genstände und andere Vermögenswerte, die voraussichtlich der Einzie-
hung unterliegen, mit Beschlag zu belegen. Welche Gegenstände der Ein-
ziehung unterliegen, ergibt sich aus Art. 69 ff. StGB (vgl. Art. 2 VStrR; EI-
CKER/FRANK/ACHERMANN, Verwaltungsstrafrecht und Verwaltungsstrafver-
fahrensrecht, Bern 2012, S. 195). Gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB verfügt das
Gericht u.a. die Einziehung aller Vermögenswerte die durch eine Straftat
erlangt worden sind. Einzuziehen sind nicht nur direkt aus der Straftat
stammende Vermögenswerte, sondern auch echte und unechte Surrogate
(BOMMER/GOLDSCHMID, Basler Kommentar, Basel 2011, Art. 263 StPO
N. 44; HEIMGARTNER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung [StPO], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 263 StPO N. 17). Ebenfalls ein-
ziehbar und mithin beschlagnahmefähig sind Erträge aus Straftaten ohne
individuellen Geschädigten (BOMMER/GOLDSCHMID, a.a.O., Art. 263 StPO
N. 43). Die Vermögenseinziehungsbeschlagnahme nach Art. 46 Abs. 1 lit. b
VStrR i.V.m. Art. 70 Abs. 1 StGB setzt zusätzlich zu den obgenannten Vo-
raussetzungen der Beschlagnahme einen Deliktskonnex voraus; es bedarf
einer voraussichtlich adäquaten, wesentlichen Kausalität zwischen der
möglichen Straftat und dem erlangten Vermögenswert (HEIMGARTNER,
Strafprozessuale Beschlagnahme, Zürich/Basel/Genf 2011, S. 144 f.
m.w.H.).
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Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vor-
handen, so erkennt das Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in
gleicher Höhe (Art. 71 Abs. 1 StGB). Zur Sicherung einer solchen Ersatz-
forderung können die Vermögenswerte des Betroffenen ebenfalls mit Be-
schlag belegt werden (sog. Ersatzforderungsbeschlagnahme; Art. 71
Abs. 3 StGB i.V.m. Art. 2 VStrR.; vgl. auch EICKER/FRANK/ACHERMANN,
a.a.O., S. 196).
2.8 Zunächst gilt es festzuhalten, dass sämtliche aus Widerhandlungen gegen
das SBG generierten Gewinne der Einziehung unterstehen - es wird nicht
vorausgesetzt, dass jemand individuell geschädigt wird (s. supra E. 2.7).
Sind die erzielten Gewinne nicht mehr vorhanden, so hat der Staat einen
Ersatzforderungsanspruch gegenüber dem Täter. Vorliegend besteht der
hinreichende Tatverdacht, dass der Beschwerdeführer siebenstellige Ge-
winne durch Widerhandlungen gegen das SBG erzielt hat, weswegen die
erzielten Gewinnerträge und deren Surrogate mittels Vermögenseinzie-
hungsbeschlagnahme beschlagnahmt werden können. Sind diese Vermö-
genswerte (Gewinnerträge und Surrogate) nicht mehr vorhanden, so kön-
nen Vermögenswerte des Beschuldigten mittels Ersatzforderungsbe-
schlagnahme gesichert werden. Die Frage nach dem Deliktskonnex kann
deshalb offen gelassen werden.
2.9 Die ESBK begründete die hier angefochtene Verfügung wie folgt: Der Be-
schwerdeführer stehe nach einer zweiten, kürzlich durchgeführten Haus-
durchsuchung unter dringendem Verdacht, in den Räumlichkeiten des un-
ter seiner Führung stehenden Hotels B. in Olten sowie diverser anderer Lo-
kalitäten in der Schweiz eine serverbasierte Online-Spielbank mit zahlrei-
chen Terminals zu betreiben, und damit den Tatbestand vom Art. 55 Abs. 1
lit. a SBG erfüllt zu haben. Die bisherigen Untersuchungen der ESBK hät-
ten bestätigt, dass der Beschwerdeführer aus dem widerrechtlichen Online-
Casinobetrieb beachtliche illegale Einnahmen erziele. Der Beschwerdefüh-
rer und seine Firmen hätten Geschäftsbeziehungen zur Bank D. Es beste-
he die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer illegale Einnahmen auf das
gesperrte Konto geschafft habe. Vermögenswerte, welche durch eine Straf-
tat erlangt worden seien, unterlägen der Einziehung. Zur Sicherung der
einzuziehenden Vermögenswerte bzw. zur Deckung einer entsprechenden
Ersatzforderung des Staates sei das obgenannte Konto zu sperren.
Indem der Beschwerdeführer rügt, dass die ESBK den Deliktskonnex nicht
darlege, verkennt er, dass es sich bei der Beschlagnahme um eine vorläu-
fige Massnahme handelt und eine summarische Begründung - auch im
Hinblick auf Art. 29 Abs. 2 BV - genügt (HEIMGARTNER, Strafprozessuale
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Beschlagnahme, Zürich/Basel/Genf 2011, S. 106). Da die ESBK festhielt,
welcher Sachverhalt dem Beschwerdeführer vorgeworfen wird, welchen
Tatbestand dieser erfüllt haben könnte sowie welche Beschlagnahmegrün-
de bestehen, hat sie ihre Begründungspflicht erfüllt.
2.10 Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist
abzuweisen. Mit der materiellen Behandlung bzw. der Abweisung der Be-
schwerde wird das Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung gegenstandslos.
3. Die Gerichtskosten sind bei diesem Ausgang des Verfahrens dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG analog; vgl. TPF 2011
25 E. 3). Die Gerichtsgebühr ist dabei auf Fr. 2'000.-- festzusetzen, unter
Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe (Art. 73
StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts
vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in
Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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