Decision ID: da385445-88f5-4c27-8687-634a57308f03
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

2. In der Folge klärte die IV-Stelle den Sachverhalt ab. Dabei holte sie unter
anderem einen Bericht von Dr. med. D._, Hausarzt und Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, ein. Dieser stellte folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: postoperative Flexionsschwäche
der linken Hüfte mit inkompletten Denervationszeichen im Bereich des
Musculus iliopsoas bei Status nach Hüft-Totalprothesenimplantation links
bei Coxarthrose am 11. November 2016. Zudem attestierte er A._ ab
dem 10. November 2016 eine 100%ige, ab dem 16. Januar 2017 eine
70%ige und ab dem 31. Januar 2017 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
Weiter hielt er fest, dass es ihm aufgrund der Hüftflexionsschwäche nicht
mehr möglich sei, auf Dächern oder Gerüsten zu arbeiten. Dies bestätigte
auch Dr. med. E._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, in seinem Bericht vom
9. Februar 2018, wobei er gleichzeitig festhielt, dass in prognostischer
Hinsicht bei bereits recht guter Verbesserung der Situation eine nahezu
vollständige Restitutio ad integrum möglich sein sollte. Diese Prognose
relativierte Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie, in seinem Bericht
vom 5. März 2018 insoweit, als er es für wahrscheinlich hielt, dass eine
Restparese bestehen bleibe.
3. Mit Mitteilung vom 15. März 2018 gewährte die IV-Stelle A._
berufliche Massnahmen im Sinne von Berufsberatung und Abklärung der
beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten. Nachdem sich dieser aufgrund
seiner Selbständigkeit nicht in der Lage gesehen hatte, berufliche
Massnahmen insbesondere im Sinne einer Umschulung in Anspruch zu
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nehmen, wurden die beruflichen Massnahmen mit Mitteilung vom
20. Juni 2018 abgeschlossen.
4. Im Januar 2019 wurde eine Betriebsanalyse der B._ durchgeführt.
Dabei wurde im entsprechenden Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende vom 22. Januar 2019 ein SE-Valideneinkommen
von Fr. 106'000.-- und ein SE-Invalideneinkommen von Fr. 59'000.--
ausgewiesen. Es wurde allerdings darauf hingewiesen, dass sämtliche
Einkommenserhebungen auf eher vagen Grundlagen basierten, da
einerseits A._ seine selbständige Erwerbstätigkeit erst im Frühling
desjenigen Jahres aufgenommen hatte, in dem er seine
Gesundheitsschädigung erlitten hatte, und andererseits erst ein einziger
Jahresabschluss aus der Zeit nach dem Eintritt des Gesundheitsschadens
vorlag.
5. Am 30. April 2019 wurde A._ im Zentrum für Medizinische
Begutachtung (ZMB) in Basel durch Dr. med. G._, Facharzt für
Neurologie, und Dr. med. H._, Facharzt für orthopädische Chirurgie,
bidisziplinär begutachtet. In ihrem Gutachten vom 3. Juni 2019 stellten sie
folgende Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: residuelle
iatrogene Femoralisparese links mit Schwerpunkt beim M. iliopsoas bei
Status nach minimal-invasiver Hüft-TP bei Coxarthrose am 11. November
2016. Dabei hielt Dr. med. G._ fest, dass aus neurologischer Sicht
nicht mehr mit einer relevanten Besserung gerechnet werden könne. In der
bisherigen Tätigkeit als Zimmermann bestehe seit November 2016 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit, da das Verletzungsrisiko bei den notwendigen
Tätigkeiten in der Höhe als zu hoch einzustufen sei. Prinzipiell durchgeführt
werden könnten leichte, kurzzeitig mittelschwere Tätigkeiten auf ebenem
Boden, ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten und ohne Tätigkeiten an
absturzgefährdeten Arbeitsplätzen (wie auf Dächern oder Dachstühlen),
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wobei auch die Fähigkeit, Treppen zu steigen, eingeschränkt sei (auch
ohne das Tragen schwerer Lasten). Für eine derart angepasste Tätigkeit
bestehe seit Januar 2017 eine Arbeitsfähigkeit von 100 %.
6. Dr. med. I._, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) Ostschweiz, Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin, Facharzt für physikalische Medizin und
Rehabilitation sowie Facharzt für Rheumatologie, gelangte in seiner
Abschlussbeurteilung vom 11. Juni 2019 zum Schluss, dass auf das
bidisziplinäre ZMB-Gutachten abgestellt werden könne.
7. Mit Vorbescheid vom 12. Juni 2019 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht. Dagegen erhob er
zunächst einen provisorischen und am 25. Juli 2017 (recte: 25. Juli 2019)
einen begründeten Einwand.
8. Am 6. August 2019 verfügte die IV-Stelle wie vorbeschieden und verneinte
einen Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von
35 %. Dabei ging sie von einem Valideneinkommen von Fr. 106'000.--
(gestützt auf Branchenstatistiken), einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in
adaptierter Tätigkeit (d.h. körperlich leichte, wechselbelastende,
vorwiegend sitzende Tätigkeiten ohne Arbeiten in der Höhe oder auf
unebenem Grund und ohne Treppensteigen) und einem
Invalideneinkommen von Fr. 68'418.-- (gestützt auf den Totalwert der
Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016, aufindexiert auf das Jahr 2019) aus.
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9. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
12. September 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Er stellte folgende Anträge:
1. Die Verfügung der IV-Stelle vom 6. August 2019 sei aufzuheben und es sei ihm ab dem 1. April 2018 eine halbe Rente der Invalidenversicherung, mindestens jedoch eine Viertelsrente, zuzusprechen.
2. Alles unter vollumfänglicher Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. 7.7 % MWST) zu Lasten der Vorinstanz.
Begründend führte er im Wesentlichen aus, dass ihm die Aufgabe seiner
selbständigen Tätigkeit unzumutbar und das Invalideneinkommen
anzupassen sei.
10. In ihrer Vernehmlassung vom 24. September 2019 schloss die IV-Stelle auf
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten des
Beschwerdeführers. Zur Begründung verwies ist primär auf die
angefochtene Verfügung vom 6. August 2019.
11. Am 3. Oktober 2019 hielt der Beschwerdeführer replicando an seinen
Anträgen fest und vertiefte seine bisherige Argumentation.
12. Mit Schreiben vom 8. Oktober 2019 verzichtete die IV-Stelle auf die
Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 6. August 2019, worin das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen wurde (kein
Anspruch auf eine Invalidenrente). Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind
Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem
Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Als kantonales
Versicherungsgericht ist das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sowohl örtlich als auch
sachlich zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Der Beschwerdeführer ist
Adressat der angefochtenen Verfügung, weshalb er durch die
angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist und ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Er ist demnach zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf
die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und
Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet vorliegend der Rentenanspruch des
Beschwerdeführers ab dem 1. April 2018 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
Unbestritten ist dabei, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen
Tätigkeit als selbständiger Zimmermann erheblich eingeschränkt, in
adaptierter Tätigkeit allerdings seit Januar 2017 zu 100 % arbeitsfähig ist.
Ebenfalls nicht streitig ist das Valideneinkommen von Fr. 106'000.--.
Uneins sind sich die Parteien allerdings hinsichtlich der Zumutbarkeit der
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Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit, der Bemessung des
Invalideneinkommens gestützt auf die LSE-Tabelle und der Vornahme
eines Leidensabzugs.
3.1. Zur Frage der Zumutbarkeit der Aufgabe der selbständigen
Erwerbstätigkeit gilt es vorab Folgendes festzuhalten: Bevor die versicherte
Person Leistungen verlangt, hat sie aufgrund der
Schadenminderungspflicht alles ihr Zumutbare selber vorzukehren, um die
Folgen der Invalidität bestmöglich zu mindern. Ein Rentenanspruch ist zu
verneinen, wenn sie selbst ohne Eingliederungsmassnahmen, nötigenfalls
mit einem Berufswechsel, zumutbarerweise in der Lage ist, ein
rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Für die
Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit im
Allgemeinen, wie bei der Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit im
Besonderen, sind die gesamten subjektiven und objektiven Gegebenheiten
des Einzelfalls zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen bei den
subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die
weiteren persönlichen Verhältnisse, wie Alter, berufliche Stellung,
Verwurzelung am Wohnort etc. Bei den objektiven Umständen sind
insbesondere der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu erwartende
Aktivitätsdauer massgeblich. Eine Betriebsaufgabe ist nur unter strengen
Voraussetzungen unzumutbar, und es kann ein Betrieb selbst dann nicht
auf Kosten der Invalidenversicherung aufrechterhalten werden, wenn die
versicherte Person darin Arbeit von einer gewissen erwerblichen
Bedeutung leistet (Urteil des Bundesgerichts 9C_771/2017 vom 29. Mai
2018 E.3.3.1 m.w.H.).
3.2. Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, er sei erst seit
Frühjahr 2016 selbständig, habe Investitionen von rund Fr. 300'000.--
getätigt und sei auch an einen mehrjährigen, nicht kündbaren Mietvertrag
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gebunden. Die Aufgabe der selbständigen Tätigkeit würde zu einem
finanziellen Kollaps führen, zumal auch ein Grossteil der Investitionen nicht
mehr erhältlich gemacht werden könnte. Eine Betriebsübergabe an eine
andere Person sei in der peripheren Region J._ schlicht unmöglich,
weshalb sämtliche Mitarbeiter [...] die Arbeitsstelle verlieren würden. Die
Gesamtauswirkung der Betriebsaufgabe wäre verheerend und ein solches
Szenario sei dem Beschwerdeführer nicht zuzumuten sowie zwingend zu
vermeiden.
3.3.1. Es ist zwar durchaus verständlich, dass der Beschwerdeführer sich mit
seinem Betrieb, in den er viel Zeit, Geld und Arbeit investiert hat, sowie mit
seinen Mitarbeitenden verbunden fühlt und in der Region J._
verwurzelt ist. Dies macht aber den Wechsel in eine unselbständige
Erwerbstätigkeit nicht ohne Weiteres unzumutbar. Zu würdigen ist dabei,
dass dem Beschwerdeführer nicht gefolgt werden kann, soweit er vorbringt,
die Aufgabe seiner selbständigen Tätigkeit führte zu einem finanziellen
Kollaps, da ein Grossteil der Investitionen nicht mehr erhältlich gemacht
werden könnte. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, weshalb die mit dem
investierten Geld erworbenen Sachwerte (Fahrzeuge, Maschinen,
Lagereinrichtungen, Inventar usw.) nicht veräussert und für die gemietete
Werkhalle kein Untermieter gesucht bzw. mit dem Vermieter keine
vorzeitige Vertragsauflösung vereinbart werden könnte(n). Mit dem bloss
pauschalen Hinweis darauf, dass der Verkauf der Sachwerte sicherlich mit
einem grossen Verlust einherginge und sich eine Werkhalle in C._
nicht einfach so untervermieten liesse, zeigt der Beschwerdeführer nicht
hinreichend auf, inwiefern mit dem Verkauf der Sachwerte (unter
Berücksichtigung der darauf getätigten Abschreibungen) bzw. der
Untervermietung der Räumlichkeiten tatsächlich ein erheblicher finanzieller
Nachteil verbunden wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_460/2011 vom
22. September 2011 E.4.3).
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Weiter ist mit der IV-Stelle festzuhalten, dass keine Hinweise darauf
ersichtlich sind, dass der Beschwerdeführer ernsthaft versucht hätte, einen
Betriebsnachfolger zu finden. Seine nicht weiter substanziierte Aussage,
wonach es in der Region J._ per se immens schwierig sei, eine
Nachfolgeregelung zu finden, verfängt nur schon deshalb nicht, weil er
selber im Frühjahr 2016 einen Zimmereibetrieb in der Region J._
übernommen hat, nachdem er dort bereits viele Jahre als Zimmermann
gearbeitet hatte (vgl. Beschwerde S. 3 und den Auszug aus dem
individuellen Konto [IK; IV-act. 19]). Darüber hinaus ist den Akten zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer über [...] Mitarbeitende verfügt,
die seit der Betriebsübernahme bei ihm angestellt sind (vgl. Fragebogen
Selbständigerwerbende [IV-act. 16 S. 2]), und dass einer der [...]
Mitarbeitenden [...] vornehmlich die gesundheitsbedingten Arbeitsausfälle
des Beschwerdeführers kompensiert (vgl. IV-act. 65 S. 10 Fn. 8). Insofern
erscheint es nicht abwegig, wenn die IV-Stelle folgerte, der Betrieb könnte
durchaus durch eine andere Person [...] übernommen werden.
3.3.2. Der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer gegenüber seinen
Angestellten in einer sozialen Verantwortung sieht, relativiert die
sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungspflicht nicht und lässt
auch einen Berufswechsel nicht als unzumutbar erscheinen (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 9C_621/2017 vom 11. Januar 2018 E.2.4 und I 643/03
vom 17. August 2004 E.3.3.2). Zudem gilt es mit der IV-Stelle darauf
hinzuweisen, dass es dem Beschwerdeführer selbstverständlich freigestellt
ist, je in einem Teilzeitpensum zum einen nach wie vor als Geschäftsführer
seines Betriebs und zum anderen als Unselbständiger in einer
leidensadaptierten Tätigkeit zu arbeiten. Dies könnte insbesondere
deshalb ein gangbarer Weg sein, weil die administrativen und
geschäftsführerischen Tätigkeiten sowie allenfalls auch leichte Arbeiten in
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der Werkstatt (vgl. hierzu Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende
vom 22. Januar 2019 [IV-act. 65 S. 5] und Fragebogen
Selbständigerwerbende [IV-act. 16 S. 2]) als leidensadaptierte Tätigkeiten
angesehen werden können und eine (hälftige) Aufteilung zwischen der
bisherigen selbständigen und einer leidensadaptierten, unselbständigen
Erwerbstätigkeit durchaus im Streubereich der praxisorientierten Abklärung
liegt (vgl. hierzu auch Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende vom
22. Januar 2019 [IV-act. 65 S. 6 f.]; vgl. ferner die Aussage des
Beschwerdeführers anlässlich der orthopädischen Exploration, wonach
organisatorische Tätigkeiten etwa 30 % der Gesamttätigkeit ausmachen
[IV-act. 74 S. 26]). Zu denken wäre bei der selbständigen Erwerbstätigkeit
bspw. an Arbeiten wie das Einholen von Aufträgen, Erstellen von Offerten,
Personalführung, Planung von Arbeiten und deren Überwachung,
Buchführung, Rechnungswesen, leichte Maschinenbedienungen bzw.
deren Unterhalt und an Aufgaben organisatorischer Natur (vgl. IV-act. 39
S. 1 f., IV-act. 65 S. 5 f. und RAD-Bericht vom 9. März 2018 [IV-act. 40
S. 3]). Wieso eine solche Einschätzung völlig unrealistisch sein soll
(vgl. Replik S. 2), belegt der Beschwerdeführer nicht näher und ist auch
nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer scheint sich nach Eintritt des
Gesundheitsschadens denn auch gut organisiert zu haben, indem er zwei
Hilfskräfte hinzuzog und er selbst nur noch weniger bedeutende Aufgaben
im Sinne einer "leichten Mithilfe in der Werkstatt" sowie Büroarbeiten
ausführte (vgl. Fragebogen Selbständigerwerbende vom
9. November 2017 [IV-act. 16]; ferner Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende vom 29. Januar 2019 [IV-act. 65 S. 5]).
3.3.3. Angesichts der dem Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen
Situation noch zumutbaren Tätigkeiten (vgl. hierzu nachstehende
Erwägungen 4.1 ff. zum Invalideneinkommen und 5.1 ff. zum
Leidensabzug) kann auch nicht gesagt werden, diese seien nur noch in so
eingeschränkter Form möglich, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt
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praktisch nicht kennt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_253/2017
vom 6. Juli 2017 E.2.2.1 m.w.H.). Soweit der Beschwerdeführer der IV-
Stelle vorwirft, nicht aufgezeigt zu haben, welche behinderungsgeeigneten
Einsatzmöglichkeiten in der Region J._ effektiv bestünden, verkennt
er, dass einzig massgebend ist, ob der Beschwerdeführer seine
Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 Abs. 1
ATSG) noch wirtschaftlich nutzen könnte. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt
ist ein theoretischer und abstrakter Begriff und berücksichtigt die konkrete
Arbeitsmarktlage in einer bestimmten Region gerade nicht (vgl. BGE 134
V 64 E.4.2.1 m.w.H.). In diesem Zusammenhang bringt die IV-Stelle zudem
zu Recht vor, dass nicht ersichtlich ist, inwiefern die Aufnahme einer
unselbständigen Erwerbstätigkeit einen Wegzug aus C._ bedingen
würde, was rechtsprechungsgemäss ohnehin einen Berufswechsel nicht
als unzumutbar erscheinen liesse (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_308/2017 vom 27. September 2017 E.4.3.2).
3.3.4. Zwar trifft es zu, dass der Beschwerdeführer seit Frühjahr 2016 eine eigene
Zimmerei führt und zwischen der Tätigkeit als Geschäftsführer und den in
der angefochtenen Verfügung dargelegten Verweistätigkeiten (vgl. hierzu
auch nachstehende Erwägung 4.3.3) ein nicht unerheblicher Unterschied
besteht. Dennoch kann rechtsprechungsgemäss auch in einer solchen
Situation bei der hier gebotenen objektiven Betrachtung indes nicht von
einem sozialen Abstieg gesprochen werden, der es für den
Beschwerdeführer ausnahmsweise als unzumutbar erscheinen liesse,
unselbständig erwerbstätig zu sein (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_732/2018 und 8C_742/2018 vom 26. März 2019 E.7.3.2). Immerhin
sind die in der angefochtenen Verfügung angeführten leidensangepassten
Tätigkeiten mit der vom Beschwerdeführer hauptsächlich ausgeführten
Arbeit als Zimmermann vergleichbar (vgl. Abklärungsbericht für
Selbstständigerwerbende vom 22. Januar 2019 [IV-act. 65 S. 6]). Zudem
ist der Beschwerdeführer erst seit Frühjahr 2016 selbständig erwerbstätig.
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3.3.5. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer in einer Verweistätigkeit eine
höhere Leistungsfähigkeit aufweist als in der angestammten Tätigkeit als
Zimmermann. Zudem ist der im Rahmen einer Verweistätigkeit erzielbare
Verdienst – entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers – in nicht
unerheblichem Masse höher als das in der angestammten Tätigkeit
erzielbare Einkommen: Im Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende
vom 22. Januar 2019 wird gestützt auf den Jahresabschluss 2017 ein
hypothetisches SE-Invalideneinkommen von rund Fr. 59'000.--
ausgewiesen (vgl. IV-act. 65 S. 11), was auf das Jahr 2019 aufindexiert
einen Betrag von Fr. 60'185.90 ergibt (= Fr. 59'000.-- x 1.01 x 1.01).
Dagegen erzielten Männer laut der Lohnstrukturerhebung 2016 des
Bundesamts für Statistik für einfache Tätigkeiten körperlicher und
handwerklicher Art (LSE 2016, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1) und
unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit
von 41.7 Stunden auf das Jahr 2019 aufindexiert einen Jahreslohn von
Fr. 68'418.40 (= Fr. 5'340.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.003995 x 1.01 x 1.01). Dies
ergibt eine Differenz von rund 12 %.
3.3.6. Für den Wechsel des Beschwerdeführers in eine unselbständige Tätigkeit
sprechen des Weiteren dessen persönlichen Verhältnisse und Fähigkeiten.
[...]. Hinzu kommen seine bisher gewonnenen Berufserfahrungen und
breiten Kenntnisse (insbesondere in der Geschäfts- und Personalführung,
Akquisition, Offertstellung, im Rechnungswesen sowie in den klassischen
Handwerksarbeiten als Zimmermann und Zimmerpolier [vgl. IV-act. 65
S. 6]), welche in einer Verweistätigkeit die Vermittelbarkeit erleichtern,
insbesondere wenn die IV-Stelle dafür mittels beruflichen Massnahmen
nachweislich Hand bietet (vgl. angefochtene Verfügung S. 4 und
Vernehmlassung S. 3). Ausserdem hat der Beschwerdeführer auch bisher
vornehmlich handwerkliche Tätigkeiten ausgeübt, weshalb sich der
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Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand in eine Verweistätigkeit in
Grenzen halten dürfte. Schliesslich spricht neben seiner
Persönlichkeitsstruktur als arbeits- und leistungswillige Person (vgl. ZMB-
Gutachten IV-act. 74 S. 7) auch das Alter des Beschwerdeführers (knapp
49 Jahre im Zeitpunkt des Verfügungserlasses) und damit verbunden die
noch verbleibende lange Aktivitätsdauer für die Aufnahme einer
unselbständigen Erwerbstätigkeit.
3.3.7. Bei der hier gebotenen Gesamtwürdigung der subjektiven und objektiven
Gegebenheiten des konkreten Einzelfalls überwiegen daher im Ergebnis
die Faktoren, welche für die Zumutbarkeit eines Berufswechsels sprechen.
4.1. Die IV-Stelle bemisst das Invalideneinkommen gestützt auf den Totalwert
(Produktions- und Dienstleistungssektor) der Tabelle TA1,
Kompetenzniveau 1, der LSE 2016. Zwar anerkennt der
Beschwerdeführer, dass er in einer adaptierten Tätigkeit grundsätzlich voll
arbeitsfähig ist. Er macht allerdings geltend, dass die entsprechenden
Tätigkeiten an bestimmte Einschränkungen gekoppelt seien, aufgrund
derer es ihm sicherlich nicht möglich sei, Produktionsarbeiten im Sinne von
verarbeitendem Gewerbe auszuführen. Diese Arbeiten seien hauptsächlich
allesamt mit Tragen von Lasten, Gehen auf unebenem Grund (Stichwort:
Werkhalle) und wohl auch mit regelmässigem Treppensteigen
(Leitertreppen sowie Absätze beachten etc.) verbunden und würden erst
noch oftmals feinmotorische Fertigkeiten verlangen. Hinzu komme, dass
auch seine rechte Hüfte, die Wirbelsäule und die Schulter eine leicht- bis
mässiggradige funktionelle Störung aufwiesen und diese zusätzlichen
Problematiken nicht mit verarbeitendem Gewerbe kompatibel seien. Es
würde sich dementsprechend rechtfertigen, beim Invalidenlohn (lediglich)
die statistischen Werte des Dienstleistungssektors heranzuziehen.
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4.2. Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der
Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation
auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach
Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ –
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll
ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung
als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich
erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach
Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können für die
Festsetzung des Invalideneinkommens insbesondere die LSE-
Tabellenlöhne herangezogen werden (vgl. BGE 135 V 297 E.5.2 m.w.H.).
Bei versicherten Personen, die nach Eintritt eines Gesundheitsschadens
lediglich noch leichte Arbeiten verrichten können, ist dabei in der Regel vom
Totalwert im niedrigsten (und am schlechtesten bezahlten)
Kompetenzniveau 1 auszugehen. Davon abzuweichen besteht bspw.
Anlass, wenn der Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit enge
Grenzen gesetzt sind, etwa wenn alle produktionsnahen Tätigkeiten ausser
Betracht fallen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_411/2019 vom
16. Oktober 2019 E.7.2 m.H.a. Urteile des Bundesgerichts 9C_325/2018
vom 29. Juni 2018 E.3.2.2 und 9C_633/2013 vom 23. Oktober 2013 E.4.2).
4.3.1. Vorliegend haben die ZMB-Gutachter hinsichtlich der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ein Anforderungsprofil definiert
(vgl. IV-act. 74 S. 8 und IV-act. 74 S. 27). Demnach erweisen sich folgende
- 15 -
Tätigkeiten als zumutbar: leichte, kurzzeitig mittelschwere Tätigkeiten auf
ebenem Boden, ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten und ohne
Tätigkeiten an absturzgefährdeten Arbeitsplätzen (wie auf Dächern oder
Dachstühlen). Eingeschränkt sei zudem die Fähigkeit, Treppen zu steigen,
auch ohne das Tragen schwerer Lasten (vgl. dazu auch RAD-
Abschlussbeurteilung vom 11. Juni 2019 [IV-act. 82 S. 12]). Der
neurologische Gutachter wies zudem darauf hin, dass bei sehr
feinmotorischen Tätigkeiten der essentielle Tremor interferieren könnte
(vgl. IV-act. 74 S. 38).
4.3.2. Inwiefern es dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Einschränkungen
bzw. unter Berücksichtigung des Anforderungsprofils (vgl. vorstehende
Erwägung 4.3.1) nicht möglich sein sollte, Produktionsarbeiten im Sinne
von verarbeitendem Gewerbe (vgl. LSE 2016, TA1, Sektor 2,
Wirtschaftszweige 05-43) auszuführen, ist nach Auffassung des
streitberufenen Gerichts nicht nachvollziehbar. Soweit der
Beschwerdeführer dafür das Tragen von Lasten anführt, verkennt er, dass
der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 eine Vielzahl von leichten
Tätigkeiten erfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2017 vom
14. Mai 2018 E.5.2.2.2 m.w.H.), so auch im verarbeitenden Gewerbe.
Weiter ist nicht ersichtlich, inwiefern in einer Werkstatt mit unebenem
Boden zu rechnen ist bzw. weshalb dem Beschwerdeführer Arbeiten in
einer Werkstatt nicht zumutbar sein sollten, gab er anlässlich der
Begutachtung als Verweistätigkeiten doch selber solche "auf ebenem
Boden in der Werkstatt" an (vgl. IV-act. 74 S. 7). Zudem wies er im
Fragebogen für Selbständigerwerbende bzw. im Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende aus, dass er in der Werkstatt seines Betriebs
mithelfe und leichte Arbeiten verrichte (vgl. IV-act. 16 S. 2 und IV-act. 65
S. 5). Hinsichtlich des Treppensteigens gilt es festzuhalten, dass die
Gutachter und Dr. med. E._ zwar auf Einschränkungen hinwiesen
(vgl. IV-act. 74 S. 3 unten und IV-act. 74 S. 8 bzw. IV-act. 35 S. 2). Es
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finden sich allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass diese derart stark
ausgeprägt wären, dass dem Beschwerdeführer auch das gelegentliche
Überwinden von Treppenstufen oder einzelnen Absätzen nicht möglich
wäre (vgl. undatierter, von der IV-Stelle eingeholter Bericht von Dr. med.
D._ [IV-act. 27 S. 4] und ZMB-Gutachten, wonach der
Beschwerdeführer zwar Mühe habe, Treppen zu steigen, ihm dies aber
dennoch gelinge [IV-act. 74 S. 3 f.] bzw. in dessen Rahmen der
Beschwerdeführer selbst angibt, Schwierigkeiten beim Treppenhochgehen
zu haben [IV-act. 74 S. 17]; vgl. ferner Bericht von Dr. med. E._ vom
21. November 2017 [IV-act. 35 S. 4], wonach es dem Beschwerdeführer
bereits rund ein Jahr nach der Hüfttotalprothesenimplantation laut eigenen
Aussagen bereits möglich gewesen sei, zwei Bergtouren durchzuführen;
vgl. aber ZMB-Gutachten [IV-act. 74 S. 32], wonach er das Bergsteigen
aufgrund der Hüftproblematik habe aufgeben müssen). Zudem gibt der
Beschwerdeführer selber an, mit gewissen Anpassungen relativ flüssig
Treppen steigen zu können (vgl. ZMB-Gutachten [IV-act. 74 S. 32]), was er
anlässlich der neurologischen Exploration auch demonstrieren konnte (vgl.
ZMB-Gutachten [IV-act. 74 S. 34]). Schliesslich vermögen auch die
weiteren vom Beschwerdeführer ins Feld geführten somatischen
Beschwerden (Tremor, rechte Hüfte, Wirbelsäule und Schulter) die
Leistungsfähigkeit aus gutachterlicher Sicht nicht in
arbeitsfähigkeitsrelevanter Weise einzuschränken (vgl. dazu
nachstehende Erwägung 5.3.1).
Auf weitergehende Abklärungen, welche vom Beschwerdeführer ohnehin
bloss pauschal beantragt werden, kann in antizipierter Beweiswürdigung
verzichtet werden, da nicht anzunehmen ist, dass die Überzeugung des
streitberufenen Gerichts dadurch geändert würde (vgl. BGE 136 I 229 E.5.3
m.w.H.). Schliesslich mutet es auch widersprüchlich an, wenn sich der
Beschwerdeführer in Tätigkeiten im Produktionssektor nicht sieht, die
Heranziehung der statistischen Werte des Dienstleistungssektors indes
- 17 -
damit begründet, dass Letzterer auch produktionsnahe Tätigkeiten enthält,
die ihm allenfalls zumutbar seien (vgl. Beschwerde S. 8).
4.3.3. Insgesamt ist daher nicht davon auszugehen, dass der Verwertbarkeit der
verbliebenen Arbeitsfähigkeit derart enge Grenzen gesetzt wären, dass
praktisch alle Tätigkeiten eines bestimmten Sektors – hier der Produktion
– ausser Betracht fielen. Vielmehr verweist die IV-Stelle in der
angefochtenen Verfügung in diesem Zusammenhang auf Tätigkeiten wie
leichte Maschinenbedienung, leichte Sortier- oder Prüfarbeiten sowie
leichtere Arbeiten im Bereich der (zum Teil maschinell, mit Hubstapler etc.
unterstützten) Lager- oder Ersatzteilbewirtschaftung. Es besteht daher kein
Grund, nicht auf den durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn ("Total") für
Männer mit Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art) im privaten Sektor abzustellen, wie das die IV-Stelle
der Regel entsprechend gemacht hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_475/2019 vom 15. November 2019 E.5.1 m.w.H.). Der Vollständigkeit
halber gilt es zudem darauf hinzuweisen, dass allfällige regionale
Lohnunterschiede bei der Bestimmung des Invalideneinkommens nicht zu
berücksichtigen sind. Selbst in wirtschaftlich schwachen Regionen mit
tieferen Einkommen rechtfertigt es sich gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nicht, vom Zentralwert des monatlichen Bruttolohnes
(Median) abzuweichen; die Invalidenversicherung hat weder für ungünstige
konjunkturelle Verhältnisse einzustehen noch regionale Lohnunterscheide
auszugleichen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_190/2019 vom
12. Februar 2020 E.4.1 m.w.H.).
5.1. Schliesslich erachtet der Beschwerdeführer einen Leidensabzug von 10 %
vom Invalideneinkommen als angemessen. Er begründet dies im
Wesentlichen damit, dass er im Vergleich zu einer komplett gesunden
Person ein deutlich höheres Krankheitsrisiko habe, da multiple
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Einschränkungen (beim Treppensteigen, beim Heben von Lasten,
aufgrund der Problematik an der rechten Hüfte, der Wirbelsäule sowie der
Schulter und des Tremors) bei der Art der Arbeitstätigkeit bestünden. Ein
Arbeitsplatz müsste mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf
seine Einschränkungen angepasst werden (massgeschneiderte Arbeiten
an für ihn angepassten Örtlichkeiten).
5.2.1. Ein leidensbedingter Abzug kommt auch bei Heranziehen der LSE zur
Bestimmung des Invalideneinkommens nicht generell und in jedem Fall zur
Anwendung. Ein Abzug soll nicht automatisch, sondern dann erfolgen,
wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte
Person wegen eines oder mehrerer einkommensbeeinflussender
Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem
Erfolg verwerten kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2019 vom
2. September 2019 E.4.2 m.H.a. BGE 126 V 75 E.5a/bb und E.5b/aa).
Praxisgemäss soll mit dem Abzug vom Tabellenlohn der Tatsache
Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale,
wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad je nach
Ausprägung Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Der Abzug ist
unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2017 vom 11. Juli 2017 E.3.1 m.H.a.
BGE 135 V 297 E.5.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019
vom 8. Oktober 2019 E.3.1 m.w.H.).
5.2.2. Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen
körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer Leistungsfähigkeit
- 19 -
eingeschränkt ist. Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben
Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014
vom 22. Januar 2015 E.4.1.1 m.w.H.). Praxisgemäss werden keine separat
quantifizierten Abzüge je für die massgeblichen Kriterien vorgenommen
und addiert, sondern es wird vielmehr der Abzug gesamthaft geschätzt (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_536/2019 vom 26. September 2019
E.5.2.2 f.).
5.3.1. Soweit der Beschwerdeführer einen Leidensabzug mit dem Verweis auf
multiple Einschränkungen geltend macht, ist ihm entgegenzuhalten, dass
keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die gesundheitlichen
Einschränkungen nicht bereits vollumfänglich in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit enthalten
sind (vgl. dazu vorstehende Erwägung 5.2.2). So wurde der Einschränkung
mit Blick auf das Heben von Lasten insofern Rechnung getragen, als nur
noch körperlich leichte, kurzzeitig mittelschwere Tätigkeiten als zumutbar
erachtet werden (vgl. IV-act. 74 S. 8 und IV-act. 74 S. 27). Soweit sich der
Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auf weitere Beschwerden im
Bereich der rechten Hüfte, der Wirbelsäule und der Schulter beruft,
übersieht er, dass entsprechende Diagnosen (insb. chronisches
belastungsabhängiges Schulterschmerzsyndrom, chonische Lumbalgie
und Coxarthrose) im ZMB-Gutachten nachvollziehbar als ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit ausgeschieden worden sind (vgl. IV-act. 74 S. 2 ff.).
Dasselbe gilt für den festgestellten leichtgradigen essentiellen Tremor (vgl.
IV-act. 74 S. 4 ff.). Abgesehen davon wies der neurologische Gutachter in
seiner Arbeitsfähigkeits-Einschätzung lediglich aus, dass der essentielle
Tremor – wenn überhaupt – bei sehr feinmotorischen Tätigkeiten
interferieren könnte (vgl. IV-act. 74 S. 38), was bei Tätigkeiten im
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Kompetenzniveau 1 nicht massgeblich ins Gewicht fällt. Überdies mutet es
widersprüchlich an, wenn der Beschwerdeführer in der vorliegenden
Beschwerde ausführt, aufgrund des Tremors würden bereits einfache
Sortier- oder Verpackungsarbeiten zum Problem, er solche Tätigkeiten im
Einwand indes selbst als noch ausführbare Arbeiten bezeichnet hat (vgl.
IV-act. 80 S. 3).
5.3.2. Dem Beschwerdeführer kann des Weiteren nicht gefolgt werden, soweit er
geltend macht, bei nur mehr leichten Tätigkeiten werde praxisgemäss ein
Leidensabzug von 10 % vorgenommen. Vielmehr ist nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung der Umstand allein, dass nur mehr
leichte Arbeiten zumutbar sind, kein Grund für einen zusätzlichen
Leidensabzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine
Vielzahl von leichten Tätigkeiten umfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_841/2017 vom 14. Mai 2018 E.5.2.2.2 m.w.H). Er umfasst – wie die IV-
Stelle zu Recht vorbringt – namentlich auch vorwiegend sitzende,
wechselbelastende Tätigkeiten auf ebenem Boden ohne Arbeiten auf
Leitern oder Gerüsten bzw. an absturzgefährdeten Arbeitsplätzen und
ohne die Notwendigkeit, regelmässig (oder mit Lasten) Treppen zu steigen.
Bezüglich Letzterem kann dem Beschwerdeführer darüber hinaus nicht
gefolgt werden, wenn er vorbringt, es sei für ihn aufgrund von Treppen und
Absätzen schon ein Problem, überhaupt an den Arbeitsplatz zu gelangen.
Denn auch wenn diesbezüglich aus Sicht der Gutachter und Dr. med.
E._ Einschränkungen bestehen (vgl. IV-act. 74 S. 8 bzw. IV-act. 35
S. 2), kann der ärztlichen Einschätzung nicht entnommen werden, dass
diese Beeinträchtigungen derart ausgeprägt sein sollen, dass gar keine
Treppen mehr oder nicht einmal mehr einzelne Stufen bzw. Absätze
überwunden werden könnten (vgl. darüber hinaus auch vorstehende
Erwägung 4.3.2). Insofern ist nicht ersichtlich, inwiefern ein Arbeitgeber
den Arbeitsplatz an die Einschränkungen des Beschwerdeführers
anpassen bzw. ihm massgeschneiderte Arbeiten an für ihn angepassten
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Örtlichkeiten zuweisen müsste. Vielmehr sind die funktionellen
Einschränkungen des Beschwerdeführers mit den gewöhnlichen
betrieblichen Anforderungen vereinbar. Daher leuchtet auch nicht ein,
weshalb der Beschwerdeführer im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern ein
deutlich erhöhtes Krankheitsrisiko aufweisen soll. Zudem ist mit der IV-
Stelle festzuhalten, dass der romanisch- und deutschsprachige
Beschwerdeführer mit Schweizer Bürgerrecht und ausgewiesener Schul-
und Berufsausbildung – entgegen seiner Auffassung – durchaus auch über
gewisse Wettbewerbsvorteile verfügt. Dass er aufgrund seiner
Ausbildungen überqualifiziert wäre, relativiert sich durch die aufgrund des
Belastungsprofils noch zumutbaren Tätigkeiten.
5.3.3. Nach dem Gesagten rechtfertigt es sich vorliegend nicht, einen
Leidensabzug vorzunehmen. Das Invalideneinkommen beläuft sich somit
– gestützt auf den Totalwert (Produktions- und Dienstleistungssektor) der
Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, der LSE 2016 und aufindexiert auf das
Jahr 2019 – auf Fr. 68'418.40 (= Fr. 5'340.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.003995 x
1.01 x 1.01). Dabei ergibt sich bei einem unbestritten gebliebenen
Valideneinkommen von Fr. 106'000.-- ein rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 35.45 %.
6. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als unbegründet, weshalb
sie abzuweisen ist.
7. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 83 ATSG). Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
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Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend
rechtfertigt es sich, die Kosten auf Fr. 700.-- festzulegen. Diese sind vom
unterliegenden Beschwerdeführer zu tragen (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG). Der
obsiegenden IV-Stelle steht kein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu
(vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).