Decision ID: 135b374c-c8c4-5936-8dc0-d16788cf4f5f
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, advokatur am brühl,
Scheffelstrasse 2, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 6. Juni 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 14.1). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
berichtete am 28. Juni 2006, dass der Versicherte an einer koronaren Herzkrankheit bei
Status nach koronarer Revaskularisation vom 16. März 2006 leide. Eine - vorerst leichte
- Tätigkeit als Hilfsarbeiter sei bei einer 100%igen Präsenz und 50%igen Leistung
zumutbar (act. G 14.14-1 ff.). Die behandelnden medizinischen Fachpersonen des
Psychiatrischen Zentrums Rorschach, wo der Versicherte - nachdem er im Jahr 1990
mehrere Monate in der KPK Wil hospitalisiert gewesen war (act. G 14.21-7) - seit
30. Juni 2006 wieder in psychiatrischer Behandlung stand, diagnostizierten zusätzlich
zum somatischen Leiden eine seit 1990 andauernde Persönlichkeitsstörung nach
Extrembelastung (ICD-10: F62). Für leidensangepasste Tätigkeiten verfüge der
Versicherte über eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Diese sei im Rahmen eines täglichen 6-
stündigen Pensums mit einer um 30% reduzierten Leistungsfähigkeit realisierbar. Der
Versicherte sei während des Bürgerkriegs im Land H._ in den 80er Jahren während
drei Jahren inhaftiert gewesen. Dabei habe er wiederholt psychische und physische
Gewalt erfahren müssen (Bericht vom 27. Februar 2007, act. G 14.21-1 ff.).
A.b Am 18./19. Februar 2008 wurde der Versicherte im AEH Zentrum für Arbeits
medizin, Ergonomie und Hygiene AG somatisch begutachtet. Eine psychiatrische Be
gutachtung wurde am 21. Februar 2008 durch Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, durchgeführt (vgl. zum psychiatrischen Teilgutachten vom
7. März 2008, act. G 14.37). Im Gesamtgutachten vom 28. April 2008 diagnostizierten
die Experten aus somatischer Sicht eine klinisch multidirektionale Bewegungs
einschränkung der Schulter rechts mit dringendem Verdacht auf eine Frozen shoulder;
unklare belastungsabhängig vermehrt auftretende Oberschenkelbeschwerden rechts;
unklare Oberschenkelbeschwerden im Bereich der Venenentnahmestellen links; be
lastungsabhängig vermehrt auftretende, vor allem linksseitige Thoraxsensationen bei
u.a. koronarer Herzerkrankung. Ferner bestehe klinisch ein Verdacht auf eine Hüft
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pathologie rechts, eventuell links (act. G 14.39-5 f.). Der psychiatrische Gutachter
diagnostizierte ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung mit
Ängsten, depressiven Verstimmungen, Sorgen und Anspannungen (ICD-10: F43.23)
bestehend seit März 2006 und eine seit 1989 bestehende Panikstörung (ICD-10: F41.0;
act. G 14.37-6). Insgesamt verfüge der Versicherte aus orthopädisch-rheumatologisch-
psychiatrischer Sicht über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätig
keiten. Die Arbeitsfähigkeit aus kardiovaskulärer Sicht könne nicht abschliessend be
urteilt werden. Die kardiovaskuläre Problematik dürfte jedoch die Arbeitsfähigkeit
wesentlich mitprägen (act. G 14.39-7).
A.c Auf entsprechendes Ersuchen hin reichte der behandelnde Dr. B._ der IV-Stelle
am 5. Januar 2009 den von Dr. med. D._, Facharzt für Kardiologie und Allgemeine
Innere Medizin FMH, verfassten Kardiologiebericht vom 10. April 2008 ein. Dr. D._
diagnostizierte im Bericht vom 10. April 2008 eine koronare Herzkrankheit, eine
arterielle Hypertonie, eine Hypercholesterinämie, ausgeprägte Thoraxwandschmerzen
bei Status nach Thorakotomie, eine Kontrastmittelallergie sowie eine Adipositas.
Aktuell zeige sich eine normale systolische, jedoch gestörte diastolische Funktion (act.
G 14.46).
A.d In der Stellungnahme vom 5./9. Februar 2009 kamen die RAD-Ärztin
Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr. med.
F._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, zum
Schluss, dass für eine körperlich leichte Wechseltätigkeit, ohne repetitive
Überkopfarbeiten, ohne grössere Kniebelastung, ohne Einnahme von Hockestellungen,
ohne Zeitdruck und ohne besonderen Stress eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe
(act. G 14.47).
A.e Im Vorbescheid vom 21. März 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aus
sicht, das Gesuch um Rentenleistungen abzuweisen (act. G 14.53). Am 1. April 2009
teilte sie dem Versicherten mit, auch sein Gesuch um berufliche Massnahmen abzu
weisen (Vorbescheid vom 1. April 2009, act. G 14.55). Gegen diesen Vorbescheid
erhob der Versicherte am 2. Juni 2009 Einwand und beantragte die Gewährung
beruflicher Massnahmen (act. G 14.62).
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A.f Am 15. Juni 2009 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten Beratung und Unter
stützung bei der Stellensuche durch die Stellenvermittlung (act. G 14.64). Vom 4. Mai
bis 24. Juli 2009 nahm er an einem Kurs Orientierung - Kommunikation - Praktikum
(OKP) teil. Die Kursleitung führte im OKP-Bericht vom 24. Juli 2009 aus, die Arbeits
leistung des Versicherten sei für den ersten Arbeitsmarkt nicht genügend effizient
(act. G 14.68). In der Mitteilung vom 4. November 2009 gewährte die IV-Stelle eine
Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung im I._ für die Dauer vom 12. Oktober
bis 11. Dezember 2009 (act. G 14.80).
A.g Am 5. Oktober 2009 wurde im Auftrag des zuständigen Krankenversicherers eine
testpsychologische Abklärung des Versicherten durchgeführt. Im testpsychologischen
Bericht vom 21. Oktober 2009 kam die Abklärungsperson zum Schluss, dass eine
Wiedereingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt bei dem derzeitigen psychischen
und physischen Gesundheitszustand des Versicherten eine Überforderung darstelle. Es
sollte langfristig ein geschützter Arbeitsplatz in Erwägung gezogen werden (act.
G 14.82; vgl. auch den Bericht des Case Managers vom 12. November 2009, act.
G 14.100-8). Die IV-Stelle verlängerte am 16. Dezember 2009 ihre Kostengutsprache
für die berufliche Abklärungsmassnahme im I._ bis 31. Januar 2010 (act. G 14.89). Im
Schlussbericht des I._ vom 5. Februar 2010 führten die Abklärungspersonen aus,
dass dem Versicherten auf dem ersten Arbeitsmarkt die Erbringung einer 50%igen
Leistung in einer einfachen, angepassten, sich wiederholenden Montagetätigkeit bei
einer 70%igen Präsenzzeit möglich sei (act. G 14.95).
A.h Der behandelte Dr. B._ berichtete am 2. März 2010, dass der Gesundheits
zustand des Versicherten seit Juni 2006 stationär geblieben sei (act. G 14.102). Da sich
der Versicherte auf dem ersten Arbeitsmarkt für chancenlos halte, schloss die Ein
gliederungsverantwortliche die Arbeitsvermittlung ab (Schlussbericht vom 2. März
2010, act. G 14.105; vgl. Mitteilung Abschluss Arbeitsvermittlung vom 18. März 2010,
act. G 14.107). Im Arztzeugnis vom 30. März 2010 bestätigte Dr. B._, dass in kurzer
Zeit zwei Familienangehörige des Versicherten gestorben seien. Dieser habe seine
Familie 20 Jahre nicht gesehen und könne auch jetzt nicht in sein Heimatland zurück.
Diese Umstände würden ihm zurzeit psychisch sehr zu schaffen machen (act.
G 14.113). Der RAD-Arzt Dr. med. G._, Facharzt für Arbeitsmedizin FMH, führte in
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der Stellungnahme vom 14. April 2010 aus, dass keine Umstände bestünden, von der
gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abzuweichen (act. G 14.114).
A.i Am 15. April 2010 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs. Der
Versicherte verfüge gemäss gutachterlicher Einschätzung über eine 100%ige Arbeits
fähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten. Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von
0% (act. G 14.116).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Eingabe vom 10. Mai 2010, worin der
Beschwerdeführer aufgrund laufender medizinischer Abklärungen um eine
Verlängerung der Beschwerdefrist ersucht (act. G 1). Die Verfahrensleitung des
Versicherungsgerichts macht den Beschwerdeführer im Schreiben vom 11. Mai 2010
darauf aufmerksam, dass die Eingabe vom 10. Mai 2010 die gesetzlichen
Mindestanforderungen an eine Beschwerde nicht erfülle und ihm eine Frist bis 31. Mai
2010 zur Mängelbehebung gewährt werde (act. G 3). In der Beschwerde vom 26. Mai
2010 beantragt der Beschwerdeführer unter Kosten- und Entschädigungsfolge die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer Invalidenrente (act. G 4). Er bringt in
der Beschwerdeergänzung vom 30. August 2010 vor, dass die Einschätzung des
psychiatrischen Gutachters, wonach er über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfüge,
unzutreffend und nicht nachvollziehbar sei. Diese Einschätzung sei weder mit den
abweichenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte noch mit den Ergebnissen der
beruflichen Abklärungen zu vereinbaren. Ferner sei es falsch, wenn die
Beschwerdegegnerin eine gesundheitliche Verschlechterung seit der Begutachtung
verneine. Im Übrigen hätte Dr. C._ wegen Vorbefassung nicht als Gutachter tätig
werden dürfen. Denn dieser sei zur Zeit, als er (der Beschwerdeführer) sich in der Klinik
Gais vom 5. April bis 2. Mai 2006 zur Rehabilitation befunden habe, Chefarzt
Psychosomatik an der Klinik Gais gewesen (act. G 11). Der Beschwerdeergänzung ist
ein Arztbericht des Psychiatrischen Zentrums Rorschach vom 8. Juli 2010 beigelegt,
worin dem Beschwerdeführer seit Februar 2007 bis aktuell durchgängig eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% bescheinigt wird (act. G 11.1).
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 4. Oktober
2010 die Beschwerdeabweisung. Sie stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt,
dass die gutachterliche Beurteilung beweiskräftig sei und seither keine relevante
gesundheitliche Veränderung stattgefunden habe. Betreffend die Person des
psychiatrischen Gutachters bestünden keine Anhaltspunkte für eine formelle
Unzulässigkeit (act. G 14).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 21. Oktober 2010 wird dem Gesuch des Beschwerde
führers um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von den Ge
richtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen
(act. G 17).
B.d In der Replik vom 2. März 2011 hält der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde
unverändert fest (act. G 24).
B.e Die Beschwerdegegnerin bemerkt in der Duplik vom 14. März 2011 ergänzend,
dass den Ergebnissen der testpsychologischen Abklärung vom 21. Oktober 2009 kein
Gewicht beizumessen sei (act. G 26).

Erwägungen:
1. Umstritten ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Es
gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechts
normen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids be
ziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechts
folgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b,
je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 15. April 2010 ergangen, wobei
ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Be
stimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat (IV-Anmeldung vom
6. Juni 2006, act. G 14.1). Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine
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Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007
auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen
Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
ab 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Renten
anspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen Ein
kommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person nach
dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unter
lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Ver
fügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheits
zustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das
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Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen,
ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte
Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
Rechtsprechungsgemäss kommt einem Gutachten oder anderen medizinischen
Beurteilungen schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn Indizien gegen deren
Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht feststehen, dass die medizinischen
Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen entsprechen, was nicht mit medizinischen
Fachpersonen besetzte Behörden in der Regel nicht beurteilen können (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).
2. Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf die
gutachterliche Einschätzung der AEH und von Dr. C._, wonach der
Beschwerdeführer für leidensangepasste Tätigkeiten über eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit verfüge (Gesamtgutachten vom 28. April 2008, act. G 14.39-7). Der
Beschwerdeführer hält diese medizinische Grundlage aus verschiedenen Gründen für
nicht beweiskräftig (act. G 11 und G 24).
2.1 Zunächst ist die Beweiskraft des somatischen Teilgutachtens der AEH zu be
urteilen. Bei der Durchsicht ergibt sich, dass dieses Teilgutachten unvollständig ist und
nicht auf umfassenden Abklärungen beruht. So erkannte die AEH-Gutachterin, dass
bezüglich der nicht zuverlässig zuordbaren rechten Oberschenkelschmerzen "sicher
eine radiologische Abklärung" zum Ausschluss einer Hüftarthrose angezeigt sei. Aber
auch die linksseitigen Oberschenkelschmerzen bedürften wohl einer Kontrolle. Die
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(radiologische) Hüftbeurteilung sei auch deshalb indiziert, als die geklagten
Knieschmerzen möglicherweise Ausdruck der Hüftbeschwerden seien. Die
Kniebeschwerden selbst wurden lediglich klinisch untersucht. Die AEH-Gutachterin
erkannte damit selbst einen erheblichen weiteren Abklärungsbedarf. Sie beschränkte
sich dennoch auf die Feststellung: "Angesichts dessen, dass der Versicherte bisher
keine eingehende rheumatologisch-orthopädische Abklärung inkl. radiologischer
Bildgebung erhielt, können wir derzeit nur eine funktionelle Momentaufnahme
machen" (vgl. zum Ganzen act. G 14.39-5). Allein schon aus diesem Grund vermag die
somatische AEH-Begutachtung die Anforderungen an beweiskräftige Gutachten nicht
zu erfüllen. Dies umso weniger, als im AEH-Gutachten auch kardiovaskuläre
Abklärungen als erforderlich erachtet wurden ("sicher angezeigt", act. G 14.39-5) und
der kardiovaskulären Problematik "eine wesentliche Mitprägung der Arbeitsfähigkeit"
zugeschrieben wurde (act. G 14.39-7). Die Zweifel an der somatischen Begutachtung
werden dadurch bestätigt, als die AEH-Gutachterin selbst eingesteht, dass ohne
nochmalige kardiovaskuläre Abklärung und ohne eine rheumatologisch-orthopädische
Abklärung keine verantwortbar abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und
Zumutbarkeit der Arbeitsleistung erfolgen könne (act. G 14.39-5 unten). Daran ändert
nichts, dass in kardiovaskulärer Hinsicht ein fachmedizinischer Bericht von der
Beschwerdegegnerin einverlangt wurde. Denn die kardiologische Beurteilung von
Dr. D._ vom 10. April 2008 enthält keine Einschätzung hinsichtlich der
massgebenden Frage nach der qualitativen und quantitativen Arbeitsfähigkeit (act.
G 14.46). Darüber hinaus wurde sie der AEH-Gutachterin nachträglich nicht zur
Kenntnis gebracht. Auch die durchgeführte EFL vermag den Abklärungsmangel nicht
zu beheben, beruht sie doch nicht auf einer medizinisch hinreichend abgeklärten
Grundlage.
2.2 Gegen das psychiatrische Teilgutachten bringt der Beschwerdeführer vorweg vor,
Dr. C._ hätte wegen Vorbefassung nicht als Gutachter amten dürfen, da dieser zur
Zeit, als sich der Beschwerdeführer in der Klinik Gais (vom 5. April bis 2. Mai 2006) zur
Rehabilitation befunden habe, deren Chefarzt für psychosomatische Rehabilitation ge
wesen sei (act. G 11). Es erscheint fraglich, ob Dr. C._ als befangen angesehen
muss. Denn vorliegend ist entscheidend, dass sich der Beschwerdeführer zur kardio
logischen Rehabilitation in der Klinik Gais befand. Der Bericht vom 9. Mai 2006 ist aus
schliesslich von Angehörigen der kardiologischen Abteilung unterzeichnet worden (act.
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G 11/Beilage 8). Diese Abteilung verfügt über einen eigenen Chefarzt (vgl. die Website
der Klinik, http://www.klinik-gais.ch/team/, abgerufen am 22. Mai 2012). Es ergeben
sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die psychosomatische Abteilung, geschweige
denn Dr. C._, an der damaligen Rehabilitation beteiligt gewesen war. Letztlich kann
die Frage der Befangenheit indessen offen gelassen werden, da die psychiatrische Teil
begutachtung (act. G 4.37) aus anderen Gründen nicht überzeugt. Zunächst vermag
sich die psychiatrische Einschätzung von Dr. C._ nicht auf eine somatisch hin
reichend abgeklärte medizinische Aktenlage zu stützen. Hinzu kommt, dass die Aus
einandersetzung mit den relevanten medizinischen Vorakten (Bericht des Psychi
atrischen Zentrums Rorschach vom 27. Februar 2007, act. G 14.21-1 ff.) und der teil
weise sehr traumatischen Biographie des Beschwerdeführers (vgl. zur während
Monaten erlittenen Folter act. G 14.37-6 und G 14.21-2) rudimentär ausfiel. Ferner
ergeben sich aus der seit der psychiatrischen Teilbegutachtung ergangenen Aktenlage
Hinweise für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (zur eingeschränkten psychischen
Belastbarkeit vgl. das Protokoll der Koordinationskonferenz vom 11. Januar 2010, act.
G 14.93; vgl. ferner auch den testpsychologischen Abklärungsbericht vom 21. Oktober
2009, act. G 14.82).
2.3 Zusammenfassend ist mit dem Beschwerdeführer (act. G 11, S. 6) festzustellen,
dass die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht beweiskräftig ist. Der
Sachverhalt erweist sich damit in medizinischer Hinsicht als nicht genügend abgeklärt.
Da es vorliegend bislang an einer fachkardiologischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
fehlt, mithin diese Frage bislang vollständig ungeklärt geblieben ist, rechtfertigt es sich,
die Sache zur Vornahme einer polydisziplinären Begutachtung (internistisch, kardio
logisch, rheumatologisch-orthopädisch und psychiatrisch) an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen (vgl. BGE 137 V 264 E. 4.4.1.4). Bei der Wahl der Gutachtensstelle
wird die Beschwerdegegnerin die Anforderungen gemäss BGE 137 V 210, namentlich
das Bestreben nach einer einvernehmlichen Bestimmung (vgl. hierzu auch Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Mai 2012, 9C_950/2011, E. 1.1 und 3.4), zu beachten haben.
Um dem Anliegen der bundesgerichtlichen Vorgaben gerecht zu werden, erscheint es
sinnvoll, wenn die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine (kleine) Auswahl
von möglichen Gutachterstellen unterbreitet.
3.
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3.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
15. April 2010 aufzuheben. Die Sache ist zur medizinischen Abklärung und zu neuer
Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er
scheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin voll
umfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
3.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der Be
deutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine Parteient
schädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer). Mit
der Zusprache einer Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- erübrigt sich die
Frage einer Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP