Decision ID: a2e9d6f0-7541-4289-9513-1a9a3b56adf6
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) Die A._ AG ist Baurechtsnehmerin am Baurechtsgrundstück
Nr. 001, welches das im Eigentum der O._ AG stehende Grundstück
Nr. 002 belastet. Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonenplan
der Gemeinde Z._ vom 16. August 2002 in der Industriezone.
b) D._ und E._ sind Eigentümer von Grundstück Nr. 003, wel-
ches südöstlich des Grundstücks Nr. 002 liegt und mit einem Wohn-
haus überbaut ist. Es liegt im übrigen Gemeindegebiet (üG). Das
ebenfalls südöstlich gelegene Grundstück Nr. 004 befindet sich im Ei-
gentum der Erbengemeinschaft F._, bestehend aus G._, H._,
I._, D._, J._, K._, L._, M._, und N._. Das Grundstück
der Erbengemeinschaft ist der Landwirtschaftszone zugewiesen.
c) Die A._ AG vermietet das im Baurecht stehende Grundstück
Nr. 002 an die B._ AG, welche auf einem Teil des Grundstücks ei-
nen Lager- und Werkplatz (nachfolgend Werkplatz) für Gerüstteile be-
treibt. Der Werkplatz basiert auf der Baubewilligung, welche der Ge-
meinderat Z._ am 30. September 2015 der P._ AG erteilt hat. Der
bewilligte Werkplatz erstreckt sich über eine Fläche von 1'900 m2 und
befindet sich im westlichen Bereich des Grundstücks. Im Jahr 2017
wurde die P._ AG in die heutige B._ AG umfirmiert.
B.
a) Mit Baugesuch vom 29. Mai 2018 beantragte die A._ AG bei
der Gemeinde Z._ die Baubewilligung für die Erweiterung des Werk-
platzes. Im Baugesuch wurde das Grundstück Nr. 002 in drei Teilflä-
chen unterteilt. Die Teilfläche 1 entspricht dem bestehenden und im
Jahr 2015 bewilligten Werkplatz. Die Teilfläche 2 schliesst direkt an
den bestehen Werkplatz an und reicht bis zum Q._bach. Die Teilflä-
che 3 liegt östlich des Q._bachs.
b) Innert der Auflagefrist erhoben mehrere Anwohner Einsprache
gegen die Erweiterung des Werkplatzes. Daraufhin konkretisierte die
A._ AG das Baugesuch dahingehend, dass die geplante Erweite-
rung des Werkplatzes nur noch die Teilfläche 2 umfasste. Für die Teil-
fläche 3 reichte die A._ AG am 20. Juli 2018 ein konkretisiertes Bau-
gesuch ein. Die Teilfläche 3 sollte planiert und gekoffert werden, um
darauf einen allgemeinen offenen Lagerplatz zu betreiben. Die Nut-
zung des Lagerplatzes für Gerüste wurde im Baugesuch ausdrücklich
ausgeschlossen.
c) Da in beiden Baugesuchsverfahren insbesondere die Einhal-
tung der massgeblichen Belastungsgrenzwerte für Lärm strittig war,
gab die Gemeinde Z._ bei der R._ AG (nachfolgend R._ AG)
ein Lärmgutachten in Auftrag. Bei den daraufhin von der R._ AG
durchgeführten Messungen wurde der Lärmpegel des bestehenden
Betriebs auf Teilfläche 1 gemessen. Gestützt auf sechs Messungen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 3/23
kam die R._ AG mit Gutachten vom 4. Dezember 2018 (nachfolgend
Gutachten R._ AG) zum Schluss, dass die massgeblichen Pla-
nungswerte für Industrie- und Gewerbelärm von 60 dB(A) [Tag] bzw.
50 dB(A) [Nacht] bei einem mittleren Beurteilungspegel von
64,5 dB(A) [Tag] bzw. 50,5 dB(A) [Nacht] überschritten seien. Die
Lärmemissionen schätzte die R._ AG nicht als ein primäres Problem
des Gerüstlagers und Umschlagplatzes, sondern als ein Personal-
problem ein. Sofern mittels Personalschulung hinsichtlich lärmarmer
Arbeitsweise keine entscheidenden Verbesserungen erreicht werden
könnten, empfehle sich der Bau einer Halle.
d) Mit Einsprache- und Bauentscheid vom 4. Februar 2019 erteilte
der Gemeinderat Z._ die Baubewilligung für die Teilfläche 3 unter
Bedingungen und Auflagen und wies die Einsprachen ab. Den hierge-
gen von D._ und E._ sowie der Erbengemeinschaft F._ erho-
benen Rekurs wies das Baudepartement mit BDE Nr. 39/2020 vom
8. Mai 2020 ab. Der Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
e) Mit Beschluss vom 7. März 2019 hiess der Gemeinderat Z._
die Einsprachen gegen das Vorhaben auf Teilfläche 2 gut und verwei-
gerte die Baubewilligung für die Erweiterung des Werkplatzes. Den
hiergegen von der A._ AG erhobenen Rekurs wies das Baudepar-
tement mit BDE Nr. 40/2020 vom 8. Mai 2020 ab. Der Entscheid wurde
vom Verwaltungsgericht mit Urteil B 2020/94 vom 17. Februar 2021 in
der Sache bestätigt.
C.
Parallel zu den Baubewilligungs- und den nachfolgenden Rechtsmit-
telverfahren reichten D._ und E._ beim Kreisgericht S._ eine
zivilrechtliche Klage auf Immissionsschutz ein. Mit einzelrichterlichem
Entscheid vom 20. Mai 2020 wurde die A._ AG unter Strafandro-
hung verpflichtet, sicherzustellen, dass der Gerüstbaubetrieb die
Lärmbelastung auf maximal 60 dB(A) am Tag bzw. 50 dB(A) in der
Nacht beschränkt. Der Entscheid wurde von der A._ AG mit Beru-
fung ans Kantonsgericht weitergezogen, wo die Sache derzeit noch
hängig ist.
D.
a) Mit Schreiben vom 31. August 2020 erhoben D._ und E._
sowie die Erbengemeinschaft F._, beide – wie bereits in den vor-
gängigen öffentlich-rechtlichen und zivilrechtlichen Verfahren – vertre-
ten durch M.A. HSG in Law Peter Schumacher, Rechtsanwalt,
Sargans, schliesslich beim Gemeinderat Z._ eine Immissionsklage.
Die Kläger stellten folgende Anträge:
1. Der B._ AG als Pächterin bzw. Inhaberin und Betrei-
berin des Gerüstbaubetriebes auf dem . 002 bzw. Baurechts-Nr. 001 sei das Verursachen von mehr als 60 dB(A) am Tag und mehr als 50 dB(A) in der Nacht unter Androhung der Betriebsschliessung im Widerhandlungsfalle unverzüglich zu verbieten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 4/23
2. Die Einhaltung der öffentlich-rechtlichen  auf dem Grundstück-Nr. 002 bzw. -Nr. 001 sei unverzüglich hoheitlich .
3. Es seien geeignete Massnahmen an der Lärmquelle auf dem Grundstück-Nr. 002 bzw. Baurechts-Nr. 001 gemäss den nachstehenden Anträgen anzuordnen.
4. Es seien geeignete lärmschützende bauliche  auf dem Grundstück-Nr. 002 bzw. . 001 namentlich der Bau einer Werkhalle, .
5. Soweit für eine Reduktion der übermässigen  erforderlich, seien weitere Massnahmen der Emissionsbegrenzung, namentlich zeitliche und  Betriebseinschränkungen auf dem . 002 bzw. Baurechts-Nr. 001 nötigenfalls ein Verbot des Gerüstumschlags auf offener Fläche bzw. eine Betriebsschliessung anzuordnen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten der B._ AG.
Die Immissionsklage wurde im Wesentlichen damit begründet, dass
zwischenzeitlich drei Instanzen, nämlich das Kreisgericht S._, das
Baudepartement sowie der Gemeinderat Z._, bestätigt hätten, dass
die aktuelle Situation den geltenden privatrechtlichen und öffentlich-
rechtlichen Bestimmungen widerspreche.
b) Mit Schreiben vom 1. September 2020 stellte der Gemeinderat
Z._ lic.iur. Urs Pfister, Rechtsanwalt, St.Gallen die Immissionsklage
zur Stellungnahme zu und stellte zugleich folgende Fragen zum Be-
trieb: (1) Was hat das Unternehmen seit dem Gutachten R._ AG in
Bezug auf die Lärmsituation unternommen? (2) Wie haben sich die
getroffenen Massnahmen ausgewirkt? (3) Wie sieht die Situation aus
Sicht der Betreiberin bald zwei Jahre später aus?
c) Mit Schreiben vom 30. September 2020 nahm lic.iur. Urs Pfister
in Vertretung seiner Mandantschaft Stellung und beantragte, dass auf
die Immissionsklage nicht einzutreten sei. Eventualiter sei das Verfah-
ren zu sistieren bis das öffentlich-rechtliche Verfahren vor Verwal-
tungsgericht und das zivilrechtliche Verfahren vor Kantonsgericht
rechtskräftig entschieden seien. Subeventualiter seien die Anträge ab-
zuweisen. Sofern die Sache materiell behandelt werde, sei die R._
AG aufzufordern, dem Gemeinderat sämtliche Messdaten zur Verfü-
gung zu stellen. Zur Frage (1) teilte der Rechtsvertreter mit, dass die
Betriebsfläche verkleinert und der Abstand zur Liegenschaft der Lärm-
kläger vergrössert worden sein. Sodann sei das Personal geschult
worden. Hinsichtlich der Frage (2) wurde festgehalten, dass die Pla-
nungswerte stets eingehalten worden seien. Durch die getroffenen
Massnahmen sei die Situation verbessert worden. Abschliessend zur
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 5/23
Frage (3) machte der Rechtsvertreter geltend, dass der Gerüstbaube-
trieb in der Industriezone zonenkonform sei und trotz zahlreicher
Rechtsverfahren seiner Mandantschaft auch nach zwei Jahren noch
immer nicht alle Messdaten offengelegt worden seien.
d) Nach zwei weiteren Stellungnahmen der Beteiligten wies der
Gemeinderat Z._ mit Beschluss vom 18. Oktober 2020 den Sistie-
rungsantrag ab.
e) Mit Schreiben vom 23. Oktober 2020 ersuchte der Gemeinderat
Z._ die R._ AG um Beurteilung der Frage, wie der bestehende
Gerüstbaubetrieb auf der Teilfläche 1 unter Berücksichtigung der Pla-
nungswerte betrieben werden müsste. Mit Schreiben vom 5. Novem-
ber 2020 teilte die R._ AG mit, dass aufgrund der zwischenzeitlich
eingeleiteten Massnahmen (gemeint Personalschulung sowie Verklei-
nerung und Verschiebung der Betriebsfläche) wiederum umfassende
Messungen notwendig seien. Hierzu reiche eine Messung nicht aus,
sondern es müsste eine Messserie unter verschiedenen Bedingungen
durchgeführt werden. Die technischen Randbedingungen solcher
Messungen seien im Gutachten R._ AG sowie im Schreiben der
R._ AG vom 25. Mai 2019 eingehend beschrieben worden. Um die
Emissionen wirksam einzuschränken, gebe es nur wenige Möglichkei-
ten. Als Massnahmen nennt der Gutachter die Einhausung des ge-
samten Areals oder mindestens des lärmintensiven Teils, die Verlage-
rung des Betriebs in eine andere Industriezone sowie die Personal-
schulung, welche anscheinend bereits durchgeführt worden sei. Letzt-
lich bestünde noch die Möglichkeit, die Emissionen durch eine zeitli-
che Beschränkung des Betriebs zu reduzieren. Damit der Planungs-
wert von 60 dB(A) am Tag eingehalten werden könnte, müsste – aus-
gehend vom mittleren Beurteilungspegel von 64,5 dB(A) gemäss Gut-
achten R._ AG – die tägliche Betriebsdauer von derzeit 2,57 Stun-
den auf 0,9 Stunden reduziert werden. In der Nacht sei eine Reduktion
der Betriebszeit um zwei Minuten notwendig.
f) Der Rechtsvertreter der Lärmkläger nahm mit Schreiben vom
13. November 2020 zur Einschätzung der R._ AG Stellung. Der
Rechtsvertreter der Lärmbeklagten nahm mit Schreiben vom
3. Dezember 2020 ebenfalls Stellung und brachte unter anderem vor,
dass seiner Mandantschaft das von der R._ AG erwähnte Schreiben
vom 25. Mai 2019 nicht bekannt sei und er daher um dessen
Zustellung bitte.
g) Mit E-Mail vom 9. Dezember 2020 wurde den Beteiligten an-
tragsgemäss das Schreiben der R._ AG vom 25. Mai 2019 zuge-
stellt.
h) Mit Beschluss vom 21. Dezember 2020 (versandt am 24. De-
zember 2020) hiess der Gemeinderat Z._ die Lärmklage mit folgen-
dem Dispositiv gut:
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 6/23
1. Die Beklagte wird angewiesen, erforderliche bauliche Massnahmen zu ergreifen, die den Lärm nachhaltig und dauerhaft auf das zulässige Mass reduzieren. Im Vordergrund steht die Einhausung mindestens der lärmintensiven Arbeiten (Gerüstumschlag) auf dem Werkplatz auf Grundstück Nr. 002.
2. Bis zur Bauvollendung der lärmreduzierenden  (Ziffer 1) darf der Gerüstumschlag auf offener bewilligter Fläche nur unter Einhaltung der  erfolgen und zwar werktags während drei  zwischen 13.30 und 16.30 Uhr. Die zeitliche  gilt ab 1.2.2021.
3. Der verfahrensrechtliche Antrag zur Herausgabe der Messdaten wird abgewiesen. Die Unterlagen sind .
4. Nichtbefolgung wird nach Art. 292 StGB unter Strafe gestellt: "Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen  nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft."  bleiben bei wiederholten Verstössen weitere verwaltungsrechtliche Massnahmen (insbesondere Erlass eines Nutzungsverbots) vorbehalten.
5. Einem allfälligen Rekurs gegen Ziff. 2 des  Entscheids wird die aufschiebende Wirkung .
6. Die Kosten für diesen Entscheid werden der Beklagten in Rechnung gestellt. Sie betragen CHF 3'021.80 (CHF 1'500 Entscheidgebühr, CHF 1'521.80 Auslagen R._ AG für Stellungnahme).
Seinen Beschluss begründete der Gemeinderat damit, dass der der-
zeitige Betrieb die massgebenden Planungswerte überschreite. Dabei
sei auf das Gutachten R._ AG abzustellen, welches auch vom Bau-
department sowie vom Kreisgericht S._ bestätigt worden sei. Weil
die Planungswerte nicht eingehalten werden könnten, seien Massnah-
men notwendig. Als mögliche Massnahmen erwog der Gemeinderat
die zeitliche Einschränkung des Betriebs, die Einhausung des Areals
oder zumindest des lärmintensiven Teils sowie die Verlegung des
Werkbetriebs. Er beurteilte die baulichen Massnahmen als technisch
und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich zumutbar. Bis zur Fertig-
stellung der baulichen Massnahmen sei aber zum Schutz der Gesund-
heit der Anwohner übergangshalber eine zeitliche Beschränkung des
Betriebs notwendig. Werktags werde durchschnittlich neun Stunden
gearbeitet. Zumal der Gutachter R._ AG eine Reduzierung auf 35%
empfehle, ergebe sich eine tägliche Nutzung von drei Stunden. Sinn-
vollerweise sollten die Stunden zusammenhängend geleistet werden
können. Idealerweise sollte der Arbeitseinsatz auf den Nachmittag ver-
legt werden, so könnten Gerüstteile des Vortags abgeladen und Fahr-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 7/23
zeuge mit den Gerüstteilen für den Folgetag beladen werden. Hinsicht-
lich des Entzugs der aufschiebenden Wirkung erwog der Gemeinde-
rat, dass die gesundheitliche Situation der Kläger keinen weiteren Auf-
schub rechtfertige. Weil im Fall des Weiterzugs des Beschlusses wie-
derum weitere Monate vergehen würden, rechtfertige es sich die auf-
schiebende Wirkung in Bezug auf die zeitliche Beschränkung für ein
allfälliges Rekursverfahren zu entziehen.
E.
Gegen diesen Beschluss erhoben die A._ AG, die B._ AG und
C._, alle vertreten durch lic.iur. Urs Pfister, Rechtsanwalt, St.Gallen,
mit Schreiben vom 27. Dezember 2020 Rekurs beim Baudepartement.
Mit Rekursergänzung vom 11. Januar 2021 werden folgende Anträge
gestellt:
1. Die Verfügung des Gemeinderates Z._ vom 21. De-
zember 2020 sei aufzuheben, soweit diese nicht von vornherein nichtig ist;
2. Dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung wieder zu gewähren; Ziff. 5 der angefochtenen Verfügung vom 21. Dezember 2020 sei aufzuheben;
Über das Rechtsbegehren Nr. 2 sei vorneweg und  zu entscheiden;
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, für das Rekursverfahren wie für das erstinstanzliche .
Zur Begründung wird geltend gemacht, dass die Vorinstanz für lärm-
begrenzende Massnahmen nicht zuständig sei und sie die Vorschrif-
ten über die Ausstandspflicht sowie das rechtliche Gehör der Rekur-
renten verletzt habe. Materiell bringen die Rekurrenten vor, dass der
Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt worden sei und der
Entscheid insbesondere hinsichtlich der Festlegung der Betriebszeiten
willkürlich sei. Schliesslich wird gerügt, dass die Gebührenrechnung
auf den Rekurrenten 3 persönlich ausgestellt worden sei. Für einen
Entzug der aufschiebenden Wirkung würden desweilen keine wichti-
gen Gründe im Sinn von Art. 51 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwal-
tungsrechtspflege (sGS 951.1; abgekürzt VRP) vorliegen. Damit sei
Ziff. 5 des angefochtenen Beschlusses rechtswidrig und entsprechend
aufzuheben.
F.
a) Mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2021 beantragt die
Vorinstanz, vertreten durch lic.oec. HSG Thomas Frey, Rechtsanwalt,
St.Gallen, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. Sofern auf den Rekurs eingetreten werde, sei das Ge-
such um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abzuweisen.
Die formellen und materiellen Einwände der Rekurrenten werden von
der Vorinstanz bestritten. Hinsichtlich der aufschiebenden Wirkung
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 8/23
bringt die Vorinstanz vor, dass die übermässige Lärmbelastung seit
dem Gutachten R._ AG vom 4. Dezember 2018 feststehe, ohne das
etwas dagegen unternommen worden sei. Die Gesundheit der Nach-
barn gehe fraglos den wirtschaftlichen Interessen der Rekurrenten vor.
b) Mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2021 beantragen die
Rekursgegner, weiterhin vertreten durch M.A. HSG in Law Peter
Schumacher, Rechtsanwalt, Sargans, den Rekurs unter Kostenfolge
abzuweisen. Der Entzug der aufschiebenden Wirkung sei zu bestäti-
gen. Die formellen und materiellen Einwände der Rekurrenten werden
ebenfalls bestritten. Hinsichtlich der aufschiebenden Wirkung wird gel-
tend gemacht, dass Lärm die Lebensqualität einschränke und phy-
sisch wie auch psychisch krank mache. Folge davon seien hohe Kos-
ten für Medikamente, Arztbesuche und Kuraufenthalte. Diese externen
Folgen würden seit nunmehr drei Jahren die Nachbarn des Gerüst-
baubetriebs bezahlen. Die Situation der Rekursgegner sei vor Einrei-
chung der vorliegend strittigen Lärmklage derart akut gewesen, dass
notfallmässige Klinikaufenthalte notwendig geworden seien.
c) Weil die in Ziff. 2 des angefochtenen Beschlusses vorgesehene
Beschränkung der täglichen Betriebszeiten ab dem 1. Februar 2021
gelten sollte und die Vorinstanz diesbezüglich die aufschiebende Wir-
kung des Rekurses entzogen hat, entschied das Baudepartement
vorab über den Antrag zur Wiederherstellung der aufschiebenden Wir-
kung des Rekurses, und zwar vor Abschluss des Schriftenwechsels.
Mit Entscheid Nr. 11/2021 vom 28. Januar 2021 hiess das Baudepar-
tement das Begehren der A._ AG, der B._ AG und von C._ um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Rekurses gut und
hob Ziff. 5 des angefochtenen Beschlusses auf. Die Kosten verblieben
bei der Hauptsache. Der Entscheid wurde damit begründet, dass der
bestehende Betrieb rechtskräftig bewilligt sei und die Änderung der
Baubewilligung klar überwiegende öffentliche Interessen voraussetze.
Das private Interesse an der vorgängigen Überprüfung der Änderung
müsse daher höher gewichtet werden. Dies umso mehr, als es sich
um einen länger bestehenden Zustand handle.
d) Mit Schreiben vom 29. Januar 2021 beantragen die Rekursgeg-
ner Einsicht in die Rekursakten, weshalb ihnen die Akten zusammen
mit dem Abschluss des Schriftenwechsels zugestellt wurden.
e) Gegen den Entscheid über die aufschiebende Wirkung erhoben
die Rekursgegner mit Eingabe vom 9. Februar 2021 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht, wo die Sache derzeit noch hängig ist.
f) Mit Schreiben vom 23. Februar 2021 reichen die Rekurrenten
eine weitere Stellungnahme ein.
g) Mit Schreiben vom 2. März 2021 reichen die Rekurrenten die
erhaltene Mahnung für die Gebührenrechnung der Vorinstanz ein.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 9/23
h) Mit Schreiben vom 4. März 2021 reicht die Vorinstanz ebenfalls
eine weitere Stellungnahme ein.
G.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis VRP.
1.2 Die Rekursberechtigung (Art. 45 VRP) der Rekurrentinnen 1 und
2 ist gegeben und auch unbestritten. Vorinstanz und Rekursgegner
bringen jedoch vor, dass der Rekurrent 3 nicht beschwert sei.
1.2.1 Der Rekurrent 3 begründet seine Legitimation damit, dass die
Vorinstanz die Gebührenrechnung für das vorinstanzliche Verfahren
dem Rekurrenten 3 persönlich zugestellt habe. Der Rekurrent 3 sei
lediglich der Rechtsvertreter der Rekurrentinnen 1 und 2 und daher
auch nicht Partei des vorinstanzlichen Verfahrens. Entsprechend
könne er auch nicht zur Zahlung der Gebühren verpflichtet werden.
1.2.2 Nach Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Erhebung eines Rekurses be-
rechtigt, wer an der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des
Entscheids ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut. Schutzwür-
dig ist es, wenn der Betroffene rechtlich geschützte Interessen geltend
macht oder wenn eine Verfügung oder ein Entscheid seine tatsächli-
che Interessenlage mehr berührt als irgendeinen Dritten oder die All-
gemeinheit (GEISSER/ZOGG, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Praxis-
kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,
Zürich/St.Gallen 2020, Art. 45 N 12; CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsge-
richtsbarkeit im Kanton St.Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
Verwaltungsgericht, St.Gallen 2003, Rz. 390 mit Hinweisen). Das
schutzwürdige Interesse besteht im praktischen Nutzen, den ein er-
folgreich geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in seiner rechtlichen
oder tatsächlichen Situation einträgt, bzw. in der Abwendung materiel-
ler, ideeller oder sonstiger Nachteile, den ein Bestand der angefochte-
nen Verfügung oder des Entscheids mit sich bringen würde
(GEISSER/ZOGG, a.a.O., Art. 45 N 12; CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 391;
Urteil des Bundesgerichtes 1C_236/2010 vom 16. Juli 2010
Erw. 1.3 ff.).
1.2.3 In Ziff. 6 des angefochtenen Beschlusses auferlegte die
Vorinstanz der "Beklagten" Gebühren in Höhe von Fr. 3'021.80. Im
Dispositiv wird die Beklagte nicht näher konkretisiert. Aus den Erwä-
gungen geht jedoch eindeutig hervor, dass es sich bei der Beklagten
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 10/23
um die Rekurrentin 2 handelt. Der Rekurrent 3 ist somit nicht Adressat
der Kostenauferlegung und damit vom angefochtenen Entscheid auch
nicht mehr berührt als irgendein Dritter oder die Allgemeinheit. Daran
ändert auch die Tatsache nichts, dass die Gebührenrechnung vom
22. Dezember 2020 wie auch die Mahnung vom 23. Februar 2021 auf
das Advokaturbüro des Rekurrenten 3 ausgestellt worden ist. Rech-
nungen ziehen im Allgemeinen keine Rechtswirkungen nach sich
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Auf-
lage, Zürich/St.Gallen 2020, N 866). Es fehlt ihm damit an der materi-
ellen Beschwer zur Ergreifung des Rechtsmittels. Auf den Rekurs des
Rekurrenten 3 ist somit nicht einzutreten.
1.3 Da im Übrigen die weiteren formellen Anforderungen an den
Rekurs – namentlich die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 VRP – gegeben sind, ist auf den Rekurs der Rekur-
rentinnen 1 und 2 einzutreten.
2.
Die Rekurrentinnen 1 und 2 (nachfolgend der Einfachheit halber
Rekurrentinnen) vertreten die Auffassung, dass die Vorinstanz zur Be-
urteilung der Lärmsituation auf dem Gerüstbaubetrieb sowie zur
Anordnung entsprechender Massnahmen nicht zuständig sei und sich
die angefochtene Verfügung daher als nichtig erweise. Die
Rekurrentinnen begründen ihren Standpunkt damit, dass gemäss
Art. 29 Abs. 1 Bst. g des Einführungsgesetzes zur eidgenössischen
Umweltschutzgesetzgebung (sGS 672.1; abgekürzt EG-USG) die Zu-
ständigkeit im vorliegenden Fall beim Kanton liege.
2.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 EG-USG vollzieht grundsätzlich die poli-
tische Gemeinde die eidgenössischen Vorschriften über den Lärm-
schutz, soweit keine besonderen Vorschriften gelten. Art. 29 EG-USG
regelt diejenigen Fälle, in welchen der Kanton zuständig ist. Unter an-
derem ist der Kanton für Verfügungen betreffend Lärm aus Industrie
und Gewerbe zuständig, wenn auch eine kantonale Stelle nach der
Gesetzgebung über den Arbeitnehmerschutz für die Anlage zuständig
ist (Art. 29 Abs. 1 Bst. g EG-USG). Die kantonale Zuständigkeit nach
der Gesetzgebung über den Arbeitnehmerschutz ist im Bundesgesetz
über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (SR 822.11; abge-
kürzt ArG) und den dazugehörigen Verordnungen geregelt. Der kan-
tonalen Zuständigkeit unterliegen grundsätzlich sog. plangenehmi-
gungspflichtige Betriebe. Das Plangenehmigungsverfahren nach
Art. 7 ArG betrifft alle industriellen Betriebe gemäss Art. 5 Abs. 2 ArG
sowie die nichtindustriellen Betriebe mit erheblichen Betriebsgefahren
gemäss Art. 1 der eidgenössischen Verordnung 4 zum Arbeitsgesetz
(SR 822.114; abgekürzt ArGV 4).
2.2 Der vorliegende Gerüstbaubetrieb dient weder der Herstellung,
Verarbeitung oder Behandlung von Gütern im Sinn von Art. 5
Abs. 1 ArG noch der Erzeugung, Umwandlung oder Übertragung von
Energie. Ebenfalls fehlt es an der gemäss Art. 5 Abs. 2 ArG erforderli-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 11/23
chen Arbeitsweise, Arbeitsorganisation und serienmässigen Verrich-
tung (vgl. Wegleitung zum Arbeitsgesetz, I. Geltungsbereich, Art. 5
Sondervorschriften für industrielle Betriebe, abrufbar unter
www.seco.admin.ch). Ebenso wenig handelt es sich um einen nichtin-
dustriellen Betrieb mit erheblichen Betriebsgefahren wie er in Art. 1
Abs. 2 ArGV 4 abschliessend aufgezählt wird. Es handelt sich somit
von vornherein nicht um einen planungspflichtigen Betrieb, so dass
auch keine kantonale Zuständigkeit nach Art. 29 Abs. 1 Bst. g EG-
USG gegeben ist. Entsprechend hat im vorliegenden Fall auch die Ge-
meinde die eidgenössischen Vorschriften über den Lärmschutz zu
vollziehen (Art. 28 Abs. 1 EG-USG). Die Rüge der Rekurrentinnen, der
angefochtene Beschluss sei zufolge Unzuständigkeit nichtig, erweist
sich als unbegründet.
3.
Weiter bringen die Rekurrentinnen vor, dass die Vorinstanz auch auf-
grund anderweitiger Rechtshängigkeit der Streitfrage nicht zuständig
sei. Die Streitfrage, ob vom bestehenden Gerüstbaubetrieb übermäs-
sige Lärmemissionen ausgehen würden, sei derzeit vor zwei Instan-
zen – nämlich dem Verwaltungsgericht (öffentlich-rechtlich) und dem
Kantonsgericht (zivilrechtlich) – hängig. Die Vorinstanz hätte somit auf
die Lärmklage der Rekursgegner nicht eintreten dürfen.
Dagegen bringen Vorinstanz und Rekursgegner vor, dass vor Verwal-
tungsgericht die Erteilung der Baubewilligung für die Erweiterung des
bestehenden Betriebs strittig sei. Die im angefochtenen Beschluss be-
handelte Lärmklage der Rekursgegner habe dagegen den bestehen-
den Betrieb zum Gegenstand. Damit liege ein anderer Verfahrensge-
genstand vor. Das hängig gemachte zivilrechtliche Verfahren stehe
der öffentlich-rechtlichen Lärmklage ebenfalls nicht entgegen. Der pri-
vatrechtliche und der öffentlich-rechtliche Immissionsschutz seien un-
abhängig voneinander und deshalb auch eigenständig zu beurteilen.
3.1 Rechtsmittel mit Devolutiveffekt überwälzen das ganze Verfah-
ren auf eine andere Instanz. Die Herrschaft über den Streitgegenstand
geht an die Beschwerdeinstanz über. Im Einzelnen betrifft die Devolu-
tivwirkung die Befugnisse, über die Sache materiell zu entscheiden,
vorsorgliche Massnahmen (einschliesslich der aufschiebenden Wir-
kung) zu treffen und verfahrensleitende Massnahmen anzuordnen,
Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen und Akteneinsicht zu gewäh-
ren oder andere Parteirechte einzuräumen (R. RHINOW ET AL., Öffent-
liches Prozessrecht, 2. Aufl., Basel 2010, N 684 f.). Die Devolutivwir-
kung kommt nach dem st.gallischen Verwaltungsverfahrensrecht den
ordentlichen Rechtsmitteln, der Kassations- und Minderheitsbe-
schwerde sowie der Rechtsverweigerungsbeschwerde zu
(CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 935). Die Herrschaft über den Streitge-
genstand geht wieder auf die Verwaltung über, wenn die Beschwer-
deinstanz den angefochtenen Entscheid aufhebt und die Sache an die
Vorinstanz zurückweist (H-J. SEILER, in: Waldmann/Weissenberger,
Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, Art. 54 N 15). Gegenstand der
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 12/23
Devolutivwirkung kann jedoch nur das sein, was Gegenstand der an-
gefochtenen Verfügung ist. Anfechtungsgegenstand ist eine Verfü-
gung, die ein bestimmtes Rechtsverhältnis regelt. Streitgegenstand im
Anfechtungsverfahren ist somit das durch die Verfügung geregelte
(oder zu regelnde) Rechtsverhältnis – allerdings nur insoweit, als es
im Verfahren noch umstritten ist (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 478).
3.2 Die Rekurrentinnen stützen sich einerseits auf die anderweite
Rechtshängigkeit vor Verwaltungsgericht. Streitgegenstand des mit
Urteil B 2020/94 vom 17. Februar 2021 vom Verwaltungsgericht beur-
teilten Beschwerdeverfahrens war die Nichterteilung der ersuchten
Baubewilligung für die Erweiterung des bestehenden Gerüstbaube-
triebs. Die Devolutivwirkung vor Verwaltungsgericht umfasst deshalb
auch nur das Rechtsverhältnis in Zusammenhang mit der Nicht-ertei-
lung der ersuchten Baubewilligung. Demgegenüber hat der vorliegend
im Rekurs angefochtene Beschluss einen völlig anderen Streitgegen-
stand; nämlich die gestützt auf eine Lärmklage angeordneten lärmre-
duzierenden Massnahmen hinsichtlich des bestehenden und rechts-
kräftig bewilligten Betriebs. Die von der Vorinstanz angeordneten Mas-
snahmen waren deshalb nicht von der Devolutivwirkung des verwal-
tungsgerichtlichen Verfahrens erfasst. Daran ändert auch die Tatsa-
che nichts, dass in beiden Verfahren das gleiche Lärmgutachten her-
angezogen wurde. Der Verfahrensgegenstand bleibt ein anderer. Die
Rüge der Rekurrentinnen hinsichtlich des verwaltungsgerichtlichen
Verfahrens erweist sich als unbegründet.
3.3 Andererseits stützen sich die Rekurrentinnen auf die Rechts-
hängigkeit vor Kantonsgericht. Zwar bestehen zwischen dem privat-
rechtlichen und dem öffentlich-rechtlichen Immissionsschutz Berüh-
rungspunkte und Überschneidungen. So bildet das öffentliche Recht
etwa ein Indiz für den Ortsgebrauch. Zudem ist es bei der Anwendung
von Art. 684 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210; abge-
kürzt ZGB) insofern mitzubedenken, als die Einheit der Rechtsordnung
ein beziehungsloses Nebeneinander von privatem und öffentlichem
Recht verbietet. Nichtsdestotrotz besteht aber der privatrechtliche Im-
missionsschutz grundsätzlich selbstständig neben dem öffentlich-
rechtlichen und ist entsprechend auch eigenständig zu beurteilen
(M. MÖHR, in: Bereuter/Frei/Ritter (Hrsg.), Kommentar zum Planungs-
und Baugesetz des Kantons St.Gallen, Basel 2020, Art. 154 N 14).
Somit steht auch die Devolutivwirkung in Zusammenhang mit dem
kantonsgerichtlichen Verfahren der öffentlich-rechtlichen Anordnung
von lärmreduzierenden Massnahmen nicht entgegen. Somit erweist
sich auch die Rüge hinsichtlich des kantonsgerichtlichen Verfahrens
als unbegründet.
4.
Die Rekurrentinnen bringen weiter vor, dass die Vorinstanz gegen die
Vorschriften über die Ausstandspflicht gemäss Art. 7 VRP verstossen
habe. Die Rekurrentinnen begründen ihre Rüge damit, dass T._ als
zuständige juristische Sachbearbeiterin der Vorinstanz am angefoch-
tenen Beschluss im Sinn von Art. 7 VRP mitgewirkt habe. T._ wohne
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 13/23
rund 200 m Luftlinie nördlich vom strittigen Gerüstbaubetrieb und habe
daher ein persönliches Interesse am Erlass der lärmreduzierenden
Massnahmen. Das persönliche Interesse zeige sich auch in der ra-
schen Behandlung der Lärmklage.
Dagegen bringen Vorinstanz und Rekursgegner vor, dass T._ als
juristische Sachbearbeiterin nicht dem Gemeinderat als entschei-
dende Behörde angehöre. Ohnehin stelle das persönliche Empfinden
einer Partei noch keinen Ausstandsgrund dar. Das Misstrauen in die
Unabhängigkeit und Unparteilichkeit müsse vielmehr durch objektive
Gründe gerechtfertigt sein. Der Wohnort in 200 m Entfernung genüge
hierzu sicherlich nicht.
4.1 Als Ausfluss des in Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung
(SR 101; abgekürzt BV) enthaltenen Anspruchs auf eine unabhängige
und unparteiliche Verfahrensführung in Verfahren vor Gerichts- und
Verwaltungsinstanzen durch eine ordnungsgemäss zusammenge-
setzte Behörde ergibt sich eine allgemeine Ausstandspflicht für Behör-
denmitglieder oder öffentlich Angestellte, welche ein persönliches In-
teresse an dem zu behandelnden Geschäft haben, mit einem Verfah-
rensbeteiligten nahe verwandt sind oder für die sich aus anderen Um-
ständen eine Befangenheit ergibt; eine tatsächliche Befangenheit
muss nicht gegeben sein, es genügt bereits, wenn bei objektiver Be-
trachtung der Anschein der Befangenheit entstehen kann
(CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 175). Dementsprechend bestimmt Art. 7
Abs. 1 VRP, dass Behördenmitglieder, öffentliche Angestellte und
amtlich bestellte Sachverständige, die Anordnungen treffen, solche
vorbereiten oder daran mitwirken, von sich aus in den Ausstand zu
treten haben,
a) wenn sie selbst, ihre Verlobten oder Ehegatten,
ihre eingetragenen Partner, ihre Verwandten und
Verschwägerten bis und mit dem dritten Grad, ihre
Adoptiv-, Pflege- oder Stiefeltern oder ihre
Adoptiv-, Pflege- oder Stiefkinder, der einge-
tragene Partner eines Elternteils oder die Kinder
des eingetragenen Partners an der Angelegenheit
persönlich beteiligt sind. Der Ausstandsgrund der
Verschwägerung besteht nach Auflösung der Ehe
oder der eingetragenen Partnerschaft fort;
b) wenn sie Vertreter, Beauftragte, Angestellte oder
Organe einer an der Angelegenheit beteiligten Person sind oder in der Sache Auftrag erteilt haben;
bbis) wenn sie bei einer Anordnung einer Vorinstanz mitgewirkt haben;
c) wenn sie aus anderen Gründen befangen
erscheinen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 14/23
Der Ausstandsgrund nach Art. 7 Abs. 1 Bst. c VRP verlangt nicht, dass
die betroffene Person tatsächlich befangen ist. Es genügt, wenn sie
befangen sein könnte oder befangen erscheint. Allein das persönliche
Empfinden einer Partei reicht dafür aber nicht aus. Das Misstrauen in
die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit muss durch vernünftige
Gründe objektiv gerechtfertigt sein (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 191).
Misstrauen in die Unparteilichkeit kann namentlich in einem bestimm-
ten subjektiven Verhalten der betroffenen Person oder in funktionellen
und organisatorischen Gegebenheiten begründet sein. Funktionelle
und organisatorische Gründe werden aber nicht grundsätzlich als Aus-
standsgründe anerkannt (I. HÄNER, Die Beteiligten im Verwaltungsver-
fahren und Verwaltungsprozess, Zürich 2000, N 448). Befangenheit ist
in der Regel zu bejahen, wenn eine besonders ausgeprägte Freund-
schaft oder Feindschaft besteht. Als befangen gilt auch, wer ein unmit-
telbares persönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens hat
(CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 192).
4.2 Wie aus den Vorakten hervorgeht, instruierte T._ als juristi-
sche Sachbearbeiterin das vorinstanzliche Verfahren. Damit hat sie
die angefochtenen Anordnungen vorbereitet bzw. daran mitgewirkt.
Als Sachbearbeiterin gehört T._ zwar nicht der entscheidenden Be-
hörde an. Jedoch umfasst die allgemeine Ausstandspflicht nicht nur
Behördenmitglieder, sondern auch öffentliche Angestellte. Es ist un-
bestritten, dass T._ in der Liegenschaft U._weg (Grundstück
Nr. 005 in Z._ wohnhaft ist. Das Grundstück liegt etwa 200 m Luftli-
nie vom Gerüstbaubetrieb entfernt an erhöhter Lage. Zwischen dem
Grundstück Nr. 005 und dem Gerüstbaubetrieb befinden sich diverse
Industrie- und Wohngebäude. Es ist daher davon auszugehen, dass
die Lärmemissionen des Gerüstbaubetriebs durch die Gebäude teil-
weise gebrochen bzw. gedämpft werden. Jedenfalls ist T._ den
Emissionen nicht gleich ausgesetzt, wie etwa die Rekursgegner auf
Grundstück Nr. 003. Ebenso wenig kann aber ausgeschlossen wer-
den, dass T._ die Lärmemissionen auch trotz weiterer Entfernung
wahrnimmt.
4.3 Die vorliegende räumliche Nähe von 200 m reicht für sich alleine
nicht aus, um den Anschein der Befangenheit zu erwecken. Denn für
den Anschein der Befangenheit sprechende Umstände müssen
jeweils im Einzelfall unter Berücksichtigung der Funktion und Organi-
sation der betroffenen Verwaltungsbehörde gewichtet werden (BGE
137 II 431 Erw. 5.2). Vielerorts ist es üblich, dass Behördenmitglieder
wie auch öffentliche Angestellte – teils auch aufgrund einer Wohnsitz-
pflicht – im Zuständigkeitsgebiet der politischen Gemeinde leben.
Würde alleine auf die räumliche Nähe abgestellt werden, müssten Be-
hördenmitglieder und öffentliche Angestellte – vor allem in kleinräumi-
gen Gemeinden – mit einer hohen Regelmässigkeit in den Ausstand
treten. Das alleinige Kriterium der räumlichen Nähe würde die beför-
derliche Behandlung der Geschäfte aufgrund zahlreicher Ausstands-
begehren massgeblich erschweren. Aus diesem Grund sind auch Ab-
lehnungs- und Ausstandsbegehren gegen nicht richterliche Justizper-
sonen bzw. gegen Personen die an einem Verwaltungsentscheid in
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 15/23
irgendeiner Form beratend oder instruierend mitwirken, grundsätzlich
nicht leicht gutzuheissen (BGE 137 II 431 Erw. 5.2).
4.4 Aufgrund der grossen Distanz zum lärmemittierenden Betrieb
braucht es im vorliegenden Fall noch weitere Umstände, welche auf
ein persönliches Interesse am Erlass der angefochtenen Massnahmen
hinweisen. Die Rekurrentinnen bringen vor, dass sich das persönliche
Interesse auch aus dem Verfahrensablauf ergebe. Die Behandlung
von Lärmklagen sei üblicherweise Sache des Bauamtes. Dennoch sei
der Fall T._ als Mitarbeiterin der Gemeindekanzlei zugewiesen wor-
den. Sodann sei auffällig, dass die Lärmklage am Tag der Anhängig-
machung sogleich durch T._ behandelt worden sei.
Von der beförderlichen Behandlung einer Lärmklage kann selbstver-
ständlich nicht auf ein persönliches Interesse der zuständigen Sach-
bearbeiterin geschlossen werden. Ebenso wenig deutet die Tatsache,
dass das Verfahren von der juristischen Mitarbeiterin der Gemeinde-
kanzlei – und nicht etwa der Bauverwaltung – instruiert wurde, auf ein
persönliches Interesse hin. Dies umso mehr, als die entscheidende
Behörde ja auch der Gemeinderat ist.
4.5 Aufgrund des Gesagten ist festzuhalten, dass die vorgebrachten
Umstände weder für sich alleine, noch in ihrer Gesamtheit ausreichen,
um den Anschein der Befangenheit zu begründen. Entsprechend hätte
T._ auch nicht in den Ausstand treten müssen; die Rüge der Rekur-
rentinnen erweist sich als unbegründet.
5.
Die Rekurrentinnen rügen in zwei Fällen die Verletzung ihres An-
spruchs auf rechtliches Gehör.
5.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sach-
aufklärung und stellt anderseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-
kungsrecht der Parteien dar. Sein Umfang richtet sich primär nach
kantonalem Recht und subsidiär nach Art. 29 Abs. 2 BV. Zu den we-
sentlichen Inhalten gehören die Orientierung und die Möglichkeit zur
Äusserung vor Erlass einer Verfügung, das Recht auf Akteneinsicht,
das Recht auf Teilnahme am Beweisverfahren und der Anspruch auf
Prüfung und auf begründeten Entscheid (G. STEINMANN, in: St.Galler
Kommentar BV, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N 23 ff.). Eine Entscheidempfän-
gerin soll zu den wesentlichen Punkten Stellung nehmen können, be-
vor der Entscheid gefällt wird. Dazu muss sie vorweg auch Kenntnis
von den massgeblichen Akten nehmen können. Der Anspruch auf
rechtliches Gehör enthält somit insbesondere auch das Recht, zu je-
der Eingabe von Vorinstanz oder Gegenpartei Stellung nehmen zu
können (S. RIZVI/S. RISI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxiskommentar
zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St.Gallen 2020,
Art. 15-17 N 18 und 39).
5.2 Die Rekurrentinnen rügen zum einen, dass V._ mit Eingabe
vom 9. Dezember 2020 ebenfalls eine übermässige Immission gerügt
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 16/23
habe. Diese Eingabe hätten die Rekurrentinnen jedoch erst mit Schrei-
ben vom 18. Dezember 2020 zugestellt erhalten. Zumal die Vorinstanz
den angefochtenen Beschluss bereits am 21. Dezember 2020 gefasst
habe, habe sie das zehntägige Replikrecht und damit den Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt.
Das Vorbringen der Rekurrentinnen geht von vornherein an der Sache
vorbei. Wie Vorinstanz und Rekursgegner zu Recht ausführen, war
V._ nicht Partei des vorinstanzlichen Verfahrens. Auch wurde seine
Eingabe vom 18. Dezember 2020 nicht im vorliegend angefochtenen
Beschluss behandelt. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs kann
somit nicht vorliegen.
5.3 Zum anderen rügen die Rekurrentinnen, dass ihnen die Rech-
nungen der R._ AG in Zusammenhang mit den Gutachterkosten
nicht zur Kenntnisnahme zugestellt worden seien. Dies obwohl die
Gutachterkosten den Rekurrentinnen auferlegt worden seien.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör erstreckt sich – entgegen der An-
sicht der Vorinstanz und der Rekursgegner – auch auf Rechnungen
betreffend Gutachterkosten (Urteil des Bundesgerichtes 8C_446/2018
vom 18. Dezember 2018 Erw. 4.2). Wie aus den Vorakten hervorgeht,
stellte die R._ AG der Vorinstanz zwei Rechnungen in Höhe von
Fr. 1'183.60 und Fr. 338.20. Daraus resultieren die Barauslagen in
Höhe von Fr. 1'521.90, welche die Vorinstanz den Rekurrentinnen auf-
erlegt hat. Weiter geht aus den Vorakten hervor, dass die Rechnungen
der R._ AG den Rekurrentinnen nicht zugestellt wurden. Damit ver-
letzte die Vorinstanz das rechtliche Gehör. Auf diese Weise blieb es
den Rekurrentinnen verwehrt, Einwände gegen die Kostenauflage vor-
zubringen. Daran ändert auch nichts, dass die Vorinstanz wenigstens
die Kostenüberbindung im Sistierungsbeschluss vom 19. Oktober
2020 in Aussicht gestellt hat. Ob eine Heilung der Gehörsverletzung
vorliegend möglich wäre, kann aufgrund der nachfolgenden Ausfüh-
rungen offenbleiben.
6.
Bezugnehmend auf den Anspruch auf rechtliches Gehör rügen die Re-
kurrentinnen weiter, dass die Anordnung gemäss Ziff. 2 – wonach der
Gerüstumschlag auf offener Fläche nur noch werktags zwischen 13.30
und 16.30 Uhr erfolgen dürfe – einem Nutzungsverbot gleichkomme.
Damit sei der angefochtene Beschluss offenkundig "belastend" für die
Rekurrentinnen. Sie hätten jedoch keine Gelegenheit gehabt, um zu
den beabsichtigten zeitlichen Nutzungsbeschränkungen vorgängig
Stellung zu nehmen.
6.1 Dagegen bringen Vorinstanz und Rekursgegner zusammenge-
fasst vor, dass bereits im Verfahren betreffend Baubewilligung auf
Teilfläche 2 auf mögliche zeitliche Beschränkungen hingewiesen wor-
den sei. Damit hätten die Rekurrentinnen von vornherein mit vorüber-
gehenden zeitlichen Beschränkungen rechnen müssen. Zudem hätten
sich die Rekurrentinnen ausführlich zu den Ausführungen der R._
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 17/23
AG, den möglicherweise in Frage kommenden Massnahmen, dem
weiteren Verfahren und auch zu sonst allem äussern können, was sie
für verfahrensrelevant hielten.
6.2 Gemäss Art. 15 Abs. 2 VRP sind erheblich belastende Verfü-
gungen nur zulässig, wenn die Betroffenen den wesentlichen Sach-
verhalt kennen und Gelegenheit zur Stellungnahme hatten. Art. 15
Abs. 2 VRP bestimmt, dass eine Partei über beabsichtigte behördliche
Anordnungen vorgängig orientiert werden muss, damit sie sich zu al-
len wesentlichen Aspekten auch vorgängig äussern kann. Sinn und
Zweck des rechtlichen Gehörs im Zusammenhang mit der Eröffnung
einer Verfügung ist, dass Betroffene nicht von einer hoheitlichen An-
ordnung getroffen werden, ohne dass sie sich vorgängig dazu respek-
tive zum zugrundeliegenden Sachverhalt äussern und allenfalls bei
der noch nötigen Sachverhaltsermittlung mitwirken konnten (S. RIZVI/
S. RISI, a.a.O., Art. 15-17 N 34). Um den Betroffenen eine Stellung-
nahme zu ermöglichen, muss ihnen die Verwaltungsbehörde den vo-
raussichtlichen Inhalt der Verfügung (zumindest die wesentlichen Ele-
mente) bekannt geben, sofern sie diese nicht selbst beantragt haben
oder deren Inhalt voraussehen konnten (HÄFELIN/MÜLLER/ UHLMANN,
a.a.O., N 1011). Der Anspruch auf rechtliches Gehör kann erforderlich
machen, dass eine Behörde, bevor sie in Anwendung einer unbe-
stimmt gehaltenen Norm oder in Ausübung eines besonders grossen
Ermessensspielraums einen Entscheid von grosser Tragweite für die
Betroffenen fällt, diese über ihre Rechtsauffassung orientiert und ihnen
Gelegenheit bietet, dazu Stellung zu nehmen. Im Allgemeinen besteht
jedoch kein Anspruch auf genaue Kenntnis der schlussendlich ge-
troffenen Massnahme und ihrer rechtlichen Begründung. Vom Anhö-
rungsrecht ebenfalls nicht erfasst ist die Beweiswürdigung. In diesem
Sinn ist die Behörde nicht verpflichtet, der betroffenen Person mitzu-
teilen, wie sie den Sachverhalt zu würdigen gedenkt. Der Gehörsan-
spruch verlangt auch nicht, dass eine Partei die Gelegenheit erhalten
muss, sich zu jedem möglichen Ergebnis zu äussern, das von der ent-
scheidenden Behörde geprüft wird. Es lässt sich nicht generell, son-
dern nur unter Würdigung der konkreten Interessenlage beurteilen,
wie weit das Äusserungsrecht geht. Wegleitend muss der Gedanke
sein, einer Partei zu ermöglichen, ihren Standpunkt in einem Verfah-
ren wirksam zur Geltung zu bringen (Urteil des Bundesverwaltungsge-
richtes A-727/2016 vom 13. Juli 2016 Erw. 3.2.4. mit weiteren Hinwei-
sen).
Weiter verlangt Art. 16 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Umwelt-
schutz (SR 814.01; abgekürzt USG), dass eine Behörde, bevor sie er-
hebliche Sanierungsmassnahmen anordnet, beim Inhaber der Anlage
Sanierungsvorschläge einholt. Abs. 3 überlässt so den Inhabern von
sanierungspflichten Anlagen einen Teil des Entscheidungsspielraums
bei der Anwendung von Sanierungsvorschriften (A. SCHRADE/
H. WIESTNER, in: A. Kölz [Hrsg.], Kommentar zum Umweltschutzge-
setz, Zürich 2001, Art. 16 N 89). Angesichts der Entwicklung des Ge-
hörsanspruchs zum umfassenden Partizipationsrecht besteht zwar
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 18/23
keine Notwendigkeit, Art. 16 Abs. 3 USG als eigenständige Mitwir-
kungsbefugnis aufzufassen (A. GRIFFEL/H. RAUSCH, Kommentar zum
Umweltschutzgesetz, Ergänzungsband 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2011, Art. 16 N 34). Jedoch bildet die Bestimmung einen Referenz-
punkt für den Umfang des Anspruchs auf rechtliches Gehörs. Darüber
hinaus ist sie für die Verhältnismässigkeit des behördlichen Vorgehens
(Art. 5 Abs. 2 BV) beachtlich (B. WAGNER PFEIFER, Umweltrecht – All-
gemeine Grundlagen, Zürich/St.Gallen 2017, S. 59).
6.3 Mit Ziff. 2 wird die Nutzung eines rechtskräftig bewilligten Be-
triebs beschränkt. Die Beschränkung ist erheblich, zumal in der Bau-
bewilligung aus dem Jahr 2015 keinerlei zeitliche Beschränkung vor-
gesehen war. Damit handelt es sich offensichtlich um eine erheblich
belastende Verfügung im Sinn von Art. 15 Abs. 2 VRP. Zwar hat die
Vorinstanz im vorangegangen Verfahren den Rekurrentinnen die An-
ordnung von geeigneten Massnahmen in Aussicht gestellt; so etwa im
Schreiben vom 1. September 2020 oder im Sistierungsbeschluss vom
19. Oktober 2020. Mit Schreiben vom 5. November 2020 zeigte so-
dann die R._ AG mögliche emissionsbeschränkende Massnahmen
auf. Die R._ AG zählte die Einhausung, Verlegung des Lagerplat-
zes, Personalschulung sowie die Reduktion der Betriebsdauer als
mögliche Massnahmen auf. Bezüglich der Betriebsdauer hielt die
R._ AG fest, dass ausgehend von den Messungen im Gutachten
R._ AG vom 18. Dezember 2018 der Tageswert von 64,5 dB(A) auf
den Planungswert von 60 dB(A) zu senken sei. Nach der Berech-
nungsformel der eidgenössischen Lärmschutz-Verordnung (SR
814.41; abgekürzt LSV) ergäbe dies eine maximale tägliche Betriebs-
zeit von 0,9 Stunden. Den Bericht der R._ AG stellte die Vorinstanz
mit E-Mail vom 12. November 2020 den Beteiligten zur Stellungnahme
zu. Die Vorinstanz räumte sodann die Möglichkeit ein, sich hinsichtlich
der möglichen Massnahmen zu äussern. Vor diesem Hintergrund
mussten die Rekurrentinnen ohne Weiteres davon ausgehen, dass die
Vorinstanz lärmreduzierende Massnahmen anordnen könnte und
auch werde. Die Rekurrentinnen wurden jedoch völlig im Dunkeln ge-
lassen, welche der verschiedenen Massnahmen die Vorinstanz letzt-
lich anzuordnen gedenkt. Auch über die Modalitäten der gewählten
Massnahme konnten sich die Rekurrentinnen kein Bild machen. Es
war den Rekurrentinnen somit unmöglich, die zu erwartende Mass-
nahme vorherzusehen und dieser den eigenen Standpunkt wirksam
entgegen zu halten. Unter Würdigung der konkreten Interessenlage
der Rekurrentinnen – insbesondere auch weil es sich um einen rechts-
kräftig bewilligten Betrieb handelt – hätten die Rekurrentinnen vorgän-
gig über die beabsichtigten Massnahmen informiert werden müssen.
Dies umso mehr, als bei der Festlegung der Betriebszeiten ein grosser
Spielraum bestand. Wie die zulässige Betriebszeit auf den Tag verteilt
wird, spielt – zumindest unter dem Gesichtspunkt der LSV – keine
Rolle. Hinzukommt, dass Art. 16 Abs. 3 USG den Inhabern von sanie-
rungspflichtigen Anlagen einen Teil des Entscheidungsspielraums zu-
kommen lässt. Auch liegt kein Fall von besonderer zeitlicher Dringlich-
keit im Sinn von Art. 15 Abs. 3 VRP vor. Damit hat die Vorinstanz den
Anspruch der Rekurrentinnen auf rechtliches Gehör verletzt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 19/23
6.4 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist nach der Rechtspre-
chung formeller Natur und führt bei seiner Verletzung grundsätzlich zu
einer Aufhebung des betreffenden Entscheids und zur Rückweisung
der Streitsache an die Vorinstanz. Eine nicht besonders schwerwie-
gende Verletzung kann jedoch geheilt werden, wenn der Betroffene
die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern,
die sowohl den Sachverhalt aus auch die Rechtslage mit mindestens
gleicher Kognition wie die Vorinstanz prüfen kann. So ist die Verwei-
gerung des rechtlichen Gehörs oder die Verletzung der Begründungs-
pflicht durch die erstentscheidende Behörde im Rekursverfahren heil-
bar, da die Rekursbehörden mit umfassender Kognition entscheiden
(Art. 46 VRP). Die Heilung soll gleichwohl die Ausnahme bleiben, weil
dem Betroffenen damit eine Instanz verloren gehen kann. Die Gehörs-
verletzung kann aber selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung
geheilt werden, wenn und soweit die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichge-
stellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Be-
urteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären. Auch in diesem Fall
muss die Rechtsmittelinstanz aber über die gleiche Kognition wie die
Vorinstanz verfügen (GVP 2014 Nr. 45 mit weiteren Verweisen).
6.5 Zwar verfügt die Rekursinstanz über die gleiche Kognition wie
die Vorinstanz. Eine Heilung der Gehörsverletzung ist jedoch ausge-
schlossen. Wie oben beschrieben, besteht bei der Festlegung der
möglichen Betriebszeitenbeschränkung ein grosser Spielraum. So er-
klärte sich selbst die Vorinstanz im Rahmen ihrer Vernehmlassung be-
reit, die Betriebszeiten anders zu verfügen, wenn sichergestellt sei,
dass fixe und letztlich auch ohne weiteren Aufwand durchsetzbare
Zeitfenster definiert würden. Die Rückweisung der Sache an die Vo-
rinstanz würde somit keinen formalistischen Leerlauf darstellen. Dem-
gegenüber würden die Rekurrentinnen bei der Heilung der Gehörsver-
letzung einer Rechtsmittelinstanz verlustig werden. Der Rückweisung
kann auch nicht die Tatsache entgegengehalten werden, dass die Re-
kurrentinnen im vorinstanzlichen Verfahren ihrerseits keine Betriebs-
zeiten vorgeschlagen hätten. Aufgrund der fehlenden vorgängigen Ori-
entierung über die beabsichtigte Betriebszeitenbeschränkung, hatten
die Rekurrentinnen ja auch keine Möglichkeit sich – zumindest im Rah-
men eines Eventualstandpunktes – hierzu zu äussern. Der angefoch-
tene Beschluss ist somit aufzuheben und zur erneuten Entscheidung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Neben der Gewährung des recht-
lichen Gehörs werden eventuell weitere Sachverhaltsabklärungen not-
wendig sein, um die Verhältnismässigkeit der Massnahme beurteilen
zu können.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass auf den Rekurs des Rekurren-
ten 3 mangels Beschwer nicht einzutreten ist. Auf den Rekurs der Re-
kurrentinnen 1 und 2 ist einzutreten, wobei sich deren Rügen hinsicht-
lich Unzuständigkeit, anderweitiger Rechtshängigkeit sowie Befan-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 20/23
genheit als unbegründet erweisen. Jedoch hat die Vorinstanz den An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie die Gutachterrech-
nungen den Beteiligten nicht zugestellt hat. Gravierender fällt jedoch
aus, dass die Vorinstanz die Rekurrentinnen über die beabsichtigte
Einschränkung der Betriebszeiten nicht vorgängig orientiert hat. Die
Gehörsverletzung kann nicht im Rahmen des Rekursverfahrens ge-
heilt werden. Der angefochtene Beschluss ist deshalb aufzuheben und
zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der
Rekurs erweist sich damit als begründet und ist im Sinn der Erwägun-
gen gutzuheissen.
8.
8.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. In Verfahren, bei denen sich ähnlich wie im Zivilprozess direkt
und indirekt Betroffene mit entgegengesetzten Interessen am Verfah-
rensausgang gegenüberstehen, werden in aller Regel diese beiden für
die Auferlegung von amtlichen Kosten herangezogen, während dem
erstverfügenden Gemeinwesen, selbst wenn es mit seinen Anträgen
unterliegt, keine amtliche Kosten auferlegt werden (R. HIRT, Die Rege-
lung der Kosten nach st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Lachen/St.Gallen 2004, S. 76). Indessen ist zu beachten, dass das Er-
folgsprinzip in gewissen, vom Gesetz ausdrücklich geregelten Fällen
durch das Verursacherprinzip durchbrochen wird (R. HIRT, a.a.O.,
S. 93 und S. 110). So gehen unter anderem Kosten, die ein Verfah-
rensbeteiligter durch Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften
verursacht hat, unabhängig vom Prozessausgang zu dessen Lasten
(Art. 95 Abs. 2 VRP). Dies kann insbesondere bei einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs als verfassungsmässiger Grundnorm der Fall sein
(R. VON RAPPARD-HIRT in: Rizvi/Schindler/Cavelti (Hrsg.), Praxiskom-
mentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRP), Zü-
rich/St.Gallen 2020, Art. 95 N 9).
8.2 Im Zwischenverfahren war entgegen dem Antrag der Vorinstanz
und der Rekursgegner mit Entscheid Nr. 11/2021 vom 28. Februar
2021 die aufschiebende Wirkung des Rekurses wiederherzustellen.
Die Kosten des Zwischenverfahrens verblieben bei der Hauptsache,
so dass nun auch über diese zu entscheiden ist. Eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'000.– erscheint angemessen (Nr. 20.13.02 des Gebührenta-
rifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung [sGS 821.5; abgekürzt
GebT]). Zumal sich die Rekurrentinnen und die Rekursgegner ähnlich
wie in einem Zivilprozess mit entgegengesetzten Interessen gegen-
überstehen, sind dem Ausgang des Verfahrens entsprechend die amt-
lichen Kosten den Rekursgegnern zu überbinden. Die Rekursgegner
bezahlen unter solidarischer Haftung für das Zwischenverfahren eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'000.–.
8.3 Die amtlichen Kosten des Hauptverfahrens betragen Fr. 3'000.–
(Nr. 20.13.01 GebT). Weil der Rekurs aufgrund einer wesentlichen
Gehörsverletzung gutgeheissen wird, sind die amtlichen Kosten nach
Art. 95 Abs. 2 VRP der Vorinstanz aufzuerlegen. Zumal die Vorinstanz
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 21/23
nicht finanzielle Ziele verfolgte, ist auf deren Erhebung zu verzichten
(Art. 95 Abs. 3 VRP).
8.4 Der von der Rekurrentin 1 am 7. Januar 2021 geleistete Kosten-
vorschuss von Fr. 1'800.– ist zurückzuerstatten.
9.
Die Rekurrentinnen 1 und 2, Rekursgegner und Vorinstanz stellen ein
Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kosten.
9.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP). Nach Art. 22 Abs. 1 Bst. a der Honorarordnung
(sGS 963.75; abgekürzt HonO) beträgt das Honorar in der Verwal-
tungsrechtspflege vor Verwaltungsbehörden pauschal Fr. 500.– bis
Fr. 6'000.–. Für ein aussergewöhnlich aufwendiges Verfahren kann
das Honorar um 100 Prozent erhöht werden (Art. 22 Abs. 2 HonO).
Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grund-
honorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und
Umfang der notwendigen Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls
und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen
(Art. 19 HonO). Nach ständiger Praxis des Baudepartementes wird für
durchschnittlich schwierige Rekursverfahren (ohne Rekursaugen-
schein) regelmässig ein mittleres Honorar von Fr. 2'750.–, bzw. von
Fr. 3'250.– mit Rekursaugenschein, zuzüglich Mehrwertsteuer festge-
setzt, sofern ein begründeter Antrag auf Entschädigung der Mehrwert-
steuer gestellt wurde.
9.2 Die Rekurrentinnnen 1 und 2 obsiegen mit ihren Anträgen. Da
das Verfahren zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwie-
rigkeiten bot, die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, be-
steht grundsätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98bis VRP). Die Rekurrentinnen 1 und 2 beantragen eine ausser-
ordentliche Entschädigung in Höhe von Fr. 3'750.– sofern kein Augen-
schein durchgeführt wird bzw. Fr. 4'250.– bei Durchführung eines Au-
genscheins, zuzüglich 4% Barauslagen. Der Antrag auf einen höheren
Pauschalbetrag wird zum einen damit begründet, dass wegen dem
Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ein zweiter
Rekurs geführt werden musste. Zum anderen wird die Erhöhung damit
begründet, dass der angefochtene Beschluss unmittelbar vor den
Weihnachtsfesttagen eröffnet worden sei. Darüber hinaus beantragen
die Rekurrentinnen eine ausseramtliche Entschädigung für das
vorinstanzliche Verfahren von Fr. 2'000.–, zuzüglich 4% Barauslagen.
Diesen Antrag begründen die Rekurrentinnen damit, dass Gegenstand
des angefochtenen Beschlusses eine Enteignung sei, weshalb voller
Ersatz für ausseramtliche Aufwendungen zuzusprechen sei.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 22/23
9.3 Zumal sich im vorliegenden Fall die Rekursgegner dem
rekurrentenischen Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung mit eigenen Anträgen widersetzt haben, ist es sachgerecht,
im Rahmen von Art. 98 VRP einen Anspruch auf ausseramtliche Ent-
schädigung anzuerkennen (vgl. R. HIRT, a.a.O., S. 166). Es ist jedoch
nicht ersichtlich, inwiefern durch die Verfügungseröffnung kurz vor
Weihnachten Mehraufwand entstanden sein soll. Die Frage der Ent-
eignung war sodann nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfah-
rens, so dass sich die Entschädigungsfrage diesbezüglich erübrigt.
9.4 Die ausseramtliche Entschädigung für das Zwischenverfahren
ist in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 HonO ermes-
sensweise auf Fr. 1'000.– zuzüglich der beantragten 4% Barauslagen
(Fr. 40.–), insgesamt also Fr. 1'040.–, festzulegen; sie ist von den
Rekursgegnern unter solidarischer Haftung zu bezahlen.
9.5 In der Hauptsache erscheint eine Entschädigung in der Höhe
des mittleren Honorars dem erforderlichen Aufwand angemessen. Die
ausseramtliche Entschädigung ist ermessensweise auf Fr. 2'750.–
zuzüglich der beantragten 4% Barauslagen (Fr. 110.–), insgesamt also
Fr. 2'860.–, festzulegen; sie ist von der Vorinstanz zu bezahlen.
Weil die zu entschädigenden Rekurrentinnen selber mehrwertsteuer-
pflichtig sind, können sie die der Honorarrechnung ihres Anwalts be-
lastete Mehrwertsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abziehen,
ohne dass ihnen dadurch eine Mehrbelastung entsteht. Daher muss
die Mehrwertsteuer bei der Bemessung der ausseramtlichen Entschä-
digung nicht zusätzlich berücksichtigt werden (R. HIRT, a.a.O., S. 194).
9.6 Da die Rekursgegner mit ihren Anträgen unterliegen, haben sie
von vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädi-
gung. Ihr Begehren ist deshalb abzuweisen.
9.7 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, a.a.O., S. 176). Sie bringt keine
Gründe vor, die ein Abweichen von dieser Regel rechtfertigen. Ihr Be-
gehren ist daher abzuweisen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 25/2021), Seite 23/23