Decision ID: 2d326ec1-8ae6-5cd0-acd6-72251e585b4e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1962
,
ist
seit 1993 als selbstständiger Fugenmonteur tätig und
ist
Inhaber der Einzelfirma
Y._
.
Unter Hinweis auf
Rücken- und Bein
beschwerden
meldete sich
der Versicherte
am
2
9.
Oktober 2013
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/10
). Die
So
zi
alversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die
medizini
sche und erwerbliche Situation ab
,
zog
die
Akten de
r
Krankentaggeldversiche
rung
bei
(
Urk.
6/14) und führte eine Abklärung für
Selbständigerwerbende
durch
(
Urk.
6/
29
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/31
;
Urk.
6/36
) sprach die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
1.
August 2014
dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von
45
%
eine
Viertelsr
ente
ab
1.
April 2014
zu (
Urk.
6/39,
Urk.
6/4
3
,
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
1
9.
September 2014
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
2
1.
August 2014
(
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzuheben
,
es sei
ihm
eine halbe Rente zuzusprechen
und es seien weitere medizinische und erwerbliche Abklärungen durchzuführen
(
Urk.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
7.
Oktober 2014
(
Urk.
5
) die
teilweise Gutheissung im Sinne einer Rückweisung zu weiteren Abklärun
gen
.
Mit Gerichts
beschluss
vom
3
0.
Oktober 2014 (
Urk.
7) wurde dem Beschwerde
füh
rer die Gelegenheit eingeräumt, um zur beantragten Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und der damit verbundenen Möglichkeit einer Schlechterstellung Stellung zu nehmen und gegebenenfalls die Beschwerde
zu
rückzuziehen. Innert Frist liess sich der Beschwerdeführer dazu nicht vernehmen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie
kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begeh
ren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung ab
gelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im
Verwaltungs
verfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gut
achtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der -
anschliessend
refor
matorisch entscheidenden - Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstel
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
Zu prüfen ist, ob die Sache
zur ergänzenden Abklärung an die
Beschwerdegeg
nerin
zurückzuweisen ist.
3.
3.1
Mit Bericht vom 1
5.
November 2012
(
Urk.
6/5/9-10)
diagnostizierte
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Neurochirurgie,
Klinik A._
, Abteilung Ortho
pädie,
eine Lumbago rechts und hielt fest, dass das MRI vom 1
3.
November 2012 Segmentdegenerationen L3-S1 mit
einer
rechtsbetont kranial sequestrier
te
n
Diskushernie L3/4, eine ausgeprägte Bandscheibendegeneration L4/5 sowie eine
geringer
e
bei L5/S1 mit median rechtsbetonter
Protrusion
bei L5/S1 erg
e
ben habe. In der Beurteilung führte er aus, dass für den Beschwerdeführer die Anlaufschwierigkeiten nach längerem Sitzen oder morgendlich nach dem Auf
stehen im Vordergrund stünden und die Symptomatik ausschliessli
ch rechtssei
tig sei. Die einzig
e klinische Auffälligkeit sei ein Verlust der
Achillessehne
n
reflexe
rechts.
Zunächst sollten Infiltrationsmassnahmen versucht werden, um den Hauptbereich innerhalb der sichtbaren Veränderungen einzugrenzen.
Er empfehle einen Nervenwurzelblock der S1-Wurzel rechtsseitig.
Im
B
ericht vom 2
1.
Dezember 2012 (
Urk.
6/14/22-23) führte
Dr.
Z._
auf
grund der klinischen Verlaufskontrolle nach CT-gesteuertem Nervenwurzelblock S1 rechts aus, dass die radiologisch klare Einengung der S1-Wurzel rechtsseitig die Symptomatik im Bereich der Wade erkläre; diese sei für den Beschwerde
führer jedoch tolerabel. Deutlich einschränkend seien die Rückenschmerzen, welche unter Belastung verstärkt seien, auch bestünden morgendliche Anlauf
schwierigkeiten. Am ehesten würden diese durch die Segmentdegenerationen L4/5 und L5/S1 verursacht, sodass bei entsprechendem Leidensdruck wahr
scheinlich nur eine
Spondylodese
L4 bis S1 Sinn mache. Solange die Situation kompensiert werden könne, sollte auch der Eingriff hinausgezögert werden. Als nächster Schritt sei eine
probatorische
Facetteninfiltration L4/5 und L5/S1 zu empfehlen.
3.2
Mit Arztbericht vom
3.
Dezember 2012 (richtig wohl:
3.
Dezember 2013;
Urk.
6/22/1-4) und im Wesentlichen damit übereinstimmenden früheren Be
richten (
Urk. 6/
5/1-4,
Urk.
6/14/21,
Urk.
6/14/24,
Urk.
6/14/28) nannte
der den Beschwerdeführer seit Oktober 2012 behandelnde (
Ziff.
1.2) Hausarzt,
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
schwere chronische Lumbago bei
Segmentdegeneration L3 bis S1 rechtsbetont
sequestrierter Diskushernie L3/4
ausgeprägter Bandscheibendegeneration L4/5, etwas weniger L5/S1 mit median rechtsbetonter
Protrusion
L5/S1
Dr.
B._
führte aus, dass die Rückenschmerzen seit längerer Zeit bestünden und erträglich gewesen seien. Seit Sommer 2012 sei die Arbeitsfähigkeit als Selbstständiger im Bereich Fugendichtungen zunehmend beeinträchtigt gewe
sen. Der Beschwerdeführer habe Anlaufschmerzen nach Liegen, nach längerem Bücken und Knien. Nach einem Tag mit vollem Einsatz sei er am nächsten arbeitsunfähig. Eine Besserung sei nicht zu erwarten (
Ziff.
1.4). Ein
Nervenwur
zelblock
sei erfolglos geblieben, und eine Stabilisierungsoperation habe eine zu schlechte Erfolgschance (
Ziff.
1.5). In angestammter Tätigkeit sei der Beschwer
deführer zu 50
%
arbeitsunfähig seit dem
1.
Oktober 2012 (
Ziff.
1.6).
Weiter vermerkte
Dr.
B._
, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einem anderen Beruf wahrscheinlich höher wäre (
Urk.
6/22/4).
3.3
In seiner Beurteilung vom
6.
Januar 2014
(
Urk. 6/
30 S. 3)
hielt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
Regio
nalärztlicher
Dienst (RAD), gestützt auf diese Arztberichte fest, dass der sich daraus ergebende somatische Gesundheitsschaden einschliesslich der sich dar
aus ableitenden Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit ausgewie
sen und der Gesundheitszustand stabil sei. Hinsichtlich der bisherigen Tätigkeit sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
seit Oktober 2012 nachvollziehbar, und es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch keine Besserung zu erwarten.
Für eine angepasste Tätigkeit lägen keine konkreten prozentualen Angaben vor, sondern nur die eher vage Aussage von
Dr.
B._
, wonach eine solche Tätig
keit „wahrscheinlich“ in höherem Ausmass möglich sei. Medizinisch-theoretisch sei dies unter Berücksichtigung einer mehr als
20-jährigen orthopädischen
Berufserfahrung zu bestätigen, wobei sicher eine gewisse Leistungsminderung wegen der Notwendigkeit häufigerer kleiner Pausen einzukalkulieren sei. Somit sei für eine angepasste Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
auszuge
hen, bestehend aus voller zeitlicher Präsenz und einer Leistungsminderung von etwa 20
%
. Als Belastungsprofil hielt er eine körperlich leichte, selten mittel
schwere, Arbeit fest, ohne Hantieren mit Lasten über 10-12 kg, ohne häufiges Bücken, Rumpfdr
e
hungen oder Arbeit über Kopf.
4.
4.1
Unbestritten (
Urk.
1,
Urk.
5) und aufgrund de
r
in diesem Punkt übereinstim
menden Arztbericht
e
(vorstehend E. 3.1-3.3)
nachvollziehbar ist eine Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers in angestammter Tätigkeit als Fugenmonteur von 50
%
seit
1.
Oktober 2012.
4.2
Die Rechtsprechung, wonach das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von der Einschätzung der medizinischen Experten abweicht, hat den Beweiswert von Gerichtsgutachten zum Gegenstand und findet auf versicherungsinterne ärztli
che Beurteilungen nicht Anwendung. Berichte und Gutachten
versicherungs
interner
Ärztinnen und Ärzte unterliegen wie andere Beweismittel der freien richterlichen Beweiswürdigung. Es kann ihnen Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gege
n ihre Zuverlässigkeit bestehen
(BGE 123 V 331 E. 1c mit Hinweisen).
Vorliegend wurde die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
von den untersu
chenden Ärzten
nicht beurteilt
. A
us
Dr.
B._
Vermerk allein, dass diese
„wahrscheinlich höher“
als die in angestammter Tätigkeit
sei, lässt sich nichts
K
onkretes
ableiten
. Auch auf de
n
internen Aktenbericht des RAD vom
6.
Januar 2014 (
Urk. 6/
30 S. 3
) kann nicht abgestellt werden
, denn d
iese ärztliche Stel
lungnahme beruh
t
nicht auf
der
persönliche
n
Untersuchun
g de
s
Beschwerde
führer
s
. S
oweit ersichtlich, lag
dem RAD auch
das MRI vom 1
3.
November 2012 nicht vor (vgl.
Urk. 6/
30 S. 2 unten)
, sondern nur die gestützt darauf erstellten Berichte der
Klinik A._
.
Der RAD
-Arzt
stützt
e
sich
lediglich auf diese
sowie seine über 20-jährige Erfahrung, ohne näher darzulegen, wie er auf eine zumutbare Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
von 80
%
kommt
. Au
ch die Umschreibung des zumutbaren Belastungsprofils ist allgemein gehalten, ohne Beispiele dafür, welche Verweistätigkeiten denn in Frage kämen.
Damit
ist die ärztliche Stellungnahme
als verwaltungsinterne
Entscheidungs
hilfe
derart kurz ausgefallen, dass sie den von der Rechtsprechung entwickel
ten An
forderungen an
Arztberichte (BGE 125 V 352 E
. 3d) nicht genüg
t
.
Nach dem Gesagten lässt
sich
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nach Eintritt des Gesundheitsschadens nicht schlüssig beurteilen.
Insbesondere
ist
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (
Urk.
5 S. 3)
aufgrund der vorhandenen medizinischen Akten
nicht
nachvollziehbar
,
dass
dem Beschwerdeführer nebst der Fortführung seiner angestammten Tätigkeit als Fugenmonteur im Umfang von 50
%
zusätzlich
auch die Übernahme des
admi
nistrativen Bereich
s
im Umfang von 30
%
zumutbar
sein soll
.
Keine Stütze findet diese Einschätzung jedenfalls im
Abklärungsbericht
für
Selbständiger
werbende
, welcher im
Betätigungsvergleich von einer Gesamteinschränkung
von 50
%
für beide
Aufgabenbereiche (Fugenmonteur und administrative Arbeiten)
ausging
(
Urk.
6/29 S. 4)
.
Auch insgesamt erweist sich
die Arbeitsfähigkeit de
s
Beschwerdeführer
s
in einer leidensangepassten Tätigkeit
als unzureichend abgeklärt
.
I
n der angefochtenen Verfügung
wurde
das Invalideneinkommen mittels eines
Betätigungsvergleich
s auf der Grundlage der bisherigen Erwerbstätigkeit ermittelt. Dem lag die
Annah
me
zu Grunde
,
dass mit einer Verweistätigkeit ohnehin ein viel tieferes Einkommen erzielt würde
und daher eine berufliche Umstellung nicht zu prüfen sei (
Urk.
6/29 S. 6 unten)
.
In
der Beschwerdeantwort stellt
e
die
Beschwerdegeg
nerin
indessen in Aussicht, die Zumutbarkeit der Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit zur
vollständigen
Ausschöpfung der Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zu prüfen.
Für diesen Fall wäre
die medizinische
Abklärung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
und der gemäss
Belas
tungsprofil
noch möglichen Verweistätigkeiten
jedoch
unumgänglich.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Arbeitsfähigkeit
und das Belastungsprofil
des Beschwerdeführers in
behinde
rungsangepasster
Tätigkeit
und insbesondere
die ihm neben der Fortführung seiner bisherigen Tätigkeit noch zusätzlich zumutbaren
betriebsinternen
Aufga
ben abkläre.
5.
5.1
Der Einkommensvergleich hat auch bei
Selbständigerwerbenden
in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu verglei
chen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuver
lässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen und der
Invalidi
tätsgrad
nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Der grundsätzliche Unterschied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur spezifischen Methode (
Art.
28a
Abs.
2 IVG) besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchen bemes
sen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die
leidens
bedingte
Behinderung festzustellen; sodann ist aber diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschrän
kung im funktionellen Leistungsvermögen einer erwerbstätigen Person kann zwar, muss aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Um
fangs zur Folge haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (ausserordentliches
Bemes
sungsverfahren
; BGE 128 V 29 E. 1; AHI 1998 S. 120 E. 1a und S. 252 E. 2b je mit Hinweisen). Die ausserordentliche Bemessungsmethode des erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs unterscheidet sich von der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs
Unselbständigerwerbender
gerade dadurch, dass bei der Einkommensermittlung nicht auf die LSE abgestellt wird, sondern
deren Festsetzung unter Berücksichtigung der einzelfallbezogenen Kriterien (Betriebsgrösse, Branche, Erfahrung des Betriebsinhabers, etc.) zu erfolgen hat (Urteil des Bundesgerichts I 707/06 vom 9. Juli 2007 E. 3.3.1 mit Hinweis).
5.2
Für die Bemessung der Invalidität
Selbständigerwerbender
, die zusammen mit Familienangehörigen ein Geschäft betreiben, genügt der blosse
Einkommens
vergleich
nach
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
16 ATSG nicht. Gemäss
Art.
25
Abs.
2 IVV ist in diesen Fällen auf die Mitarbeit der invaliden Person im Betrieb vor und nach der Invalidisierung abzustellen. Das bedingt eine Aufteilung des Gesamteinkommens nach Massgabe der Arbeitsleistung der versicherten Person und ihrer Familienangehörigen. Der auf die Mitarbeit der Familienangehörigen entfallende Teil des Einkommens scheidet für den
Ein
kommensvergleich
aus. Dabei ist allerdings die Funktion der betriebsleitenden Person angemessen zu berücksichtigen. Da lediglich der Ausfall an
Erwerbsein
kommen
für die Bemessung der Invalidität ausschlaggebend ist, ist auch das Einkommen aus dem investierten Kapital auszuscheiden (ZAK 1970 S. 571 E. 1 mit Hinweisen).
5.
3
Aktenkundig sind vorliegend die Erfolgsrechnungen aus den Jahren 2011 und 2012 (
Urk.
6/24), der Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) des Beschwerdeführers (
Urk.
6/19) sowie der Abklärungsbericht für
Selbständiger
werbende
vom 2
1.
März 2014 (
Urk.
6/29).
Das
Valideneinkommen
des selbstständig erwerbenden Beschwerdeführers setzte die Beschwerdegegnerin gestützt auf den Durchschnitt der letzten fünf Jahre gemäss IK-Auszug auf
Fr.
129‘395.-- fest (
Urk. 6/29 S.5 f.; Urk.
6/19).
Gestützt auf die Differenz zwischen Reingewinn und dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten Einkommen aus dem Jahr 2011 von
Fr.
145‘600.-- errechnete sie ein Invalideneinkommen von
Fr.
71‘453.-- für das Jahr 2012
(
Urk.
2,
Urk.
6/29 S.
5
f.)
.
Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, ist das
E
inkommen
von Selb
ständigerwerbenden
nach Massgabe der Arbeitsleistung der versicherten Per
son festzusetzen.
Vorliegend ist jedoch unklar, ob die
genannten
Einkommen vollumfänglich dem Beschwerdeführer anzurechnen sind, oder ob sie davon in Abzug zu bringende
, nicht auf
seine
Tätigkeit zurückgehende
Einkommen bein
halten.
So arbeitet
e
auch
die Ehefrau des Beschwerdeführers im Betrieb mit
.
D
eren Einkommen wurde mit zwischen
Fr.
40‘000.-- bis 50‘000.-- angegeben
(
Urk.
6/29 S. 3)
, was sich mangels
eines
IK-Auszugs
der Ehefrau
jedoch nicht überprüfen lässt. Auch das Einkommen des im Betrieb ebenfalls beschäftigten weiteren Fugenmonteurs lässt sich nicht klar ausscheiden. De
r Erfolgsrechnung
zufolge wurden
zwar
Lohnkosten
in der Höhe von
Fr.
56‘074.95 (Jahr 2011) be
ziehungsweise
Fr.
47‘117.55 (Jahr 2012)
abgezogen
(
Urk.
6/24)
. Dabei ist aber unklar, ob es sich nur um die Lohnkosten des Fugenmonteurs oder allenfalls auch um die Lohnkosten der Ehefrau handelt
,
denn es fehlen
weitere
Buchhal
tungsunterlagen
.
Auszuscheiden wäre zudem auch das
ebenfalls nicht akten
kundige
Einkommen aus dem investierten Kapital.
Damit sind weitere erwerbli
che Abklärungen zur Bestimmung des Validen
- und Invaliden
einkommens angezeigt.
Zusammenfassend erweis
t
sich d
ie erwerbliche
Situation des
Beschwerdeführers als unzureichend abgeklärt, weshalb die Sache zur Abklärung an die
Beschwer
degegnerin
zurückzuweisen ist.
6.
Insgesamt erschein
t
somit die medizinische
und erwerbliche Situation
des Beschwerdeführers als zu wenig abgeklärt, so dass im jetzigen Zeitpunkt nicht über den Rentenanspruch entschieden werden kann und die Sache
wie von den Parteien beantragt
an die Beschwerdegegnerin
zur weiteren Abklärung
zurück
zuweisen ist. Diese
wird
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in
behin
de
rungsangepasster
Tätigkeit sowie
sein
e erwerblichen Verhältnisse
weiter
abzu
klä
ren und
danach
über den Rentenanspruch neu zu befinden haben.
7.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), ermessensweise auf
Fr.
600.-- anzusetzen und
ausgangs
gemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.