Decision ID: 9929f393-4240-4936-8fa3-f011ba30fe62
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
St._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andreas Wiget, Rosenbergstrasse 42b,
9000 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
und
S._,
Beigeladener,
betreffend
Nachbelastung von paritätischen Beiträgen 2002 - 2004 samt Verzugszins
Sachverhalt:
A.
A.a Die Ausgleichskasse St. Gallen führte am 22. November 2007 bei St._, Leiter
der damaligen A._ (heute: B._) Agentur, eine Arbeitgeberkontrolle an Ort und Stelle
durch. Anlässlich dieser Kontrolle stellte der ausführende Revisor C._ fest, dass beim
Mitarbeiter S._ in den Beitragsjahren 2002 bis 2004 trotz getrennt ausgewiesenen
Unkosten für die Bestimmung des AHV-pflichtigen Lohnes vom Bruttolohn ein
Pauschalabzug von 25% vorgenommen worden sei. Da die tatsächlichen – getrennt
ausgewiesenen – Unkosten im Umfang von Fr. 11'400.-- offensichtlich geringer seien
als der pauschale Spesenabzug, seien nur diejenigen Unkosten anzuerkennen, die
schätzungsweise den tatsächlich entstandenen Unkosten entsprächen (act. G 3.4).
A.b Mit Verfügungen vom 11. Dezember 2007 forderte die Sozialversicherungsanstalt
(SVA) des Kantons St. Gallen zu wenig abgerechnete Beiträge für das Jahr 2002 von
Fr. 3'061.15, für das Jahr 2003 Fr. 2'715.75 und für das Jahr 2004 Fr. 3'021.05 nach
(act. G 3.9). Am 13. Dezember 2007 verfügte sie Verzugszinsen für das Jahr 2002 von
Fr. 758.05, für das Jahr 2003 von Fr. 536.75 und für das Jahr 2004 von Fr. 446.00 (act.
G 1.5b, 1.6b und 1.7b).
B.
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B.a Gegen die Nachzahlungsverfügungen vom 11. Dezember 2007 erhob St._ am
27. Dezember 2007 Einsprache und beantragte deren Aufhebung. Er machte geltend,
der Spesenansatz von Fr. 11'400.-- sei der übliche Ansatz analog der Praxis des
Konzerns, wobei trotzdem auf der Basis von 25% des Bruttolohnes abgerechnet
werde. Dies geschehe offensichtlich deshalb, weil diese internen Ansätze die Unkosten
nur teilweise abgälten. Als Grundlage hierfür diene die entsprechende Wegleitung des
BSV (act. G 3.10). Der betroffene Mitarbeiter S._ berichtete in der Stellungnahme
vom 25. Januar 2008, er habe während all der Jahre seiner Anstellung mehrere
Arbeitgeber für die gleiche Tätigkeit gehabt, wobei immer die 25%-Vereinbarung
angewandt worden sei. Seine Kollegen, die ebenfalls bei Agenten der B._ angestellt
seien, hätten diesbezüglich keine Probleme (act. G 3.5).
B.b Die SVA St. Gallen wies mit Entscheid vom 1. April 2008 die Einsprache ab. Sie
begründete ihren Entscheid damit, dass bei getrennt ausgewiesenen Unkosten die
25%-Pauschalregelung für Unkostenentschädigungen nicht zur Anwendung gelange.
Das Steueramt habe im Übrigen höhere Spesen als Fr. 11'400.-- pro Jahr nicht
akzeptiert. S._ seien offensichtlich keine ausserordentlich hohen Spesen entstanden.
So habe er kein grösseres Reisegebiet und müsse namentlich keine Übernachtungen in
Kauf nehmen. Nebst den zu hohen Spesen sei auch der Beitrag des Arbeitgebers an
die Krankenkassenprämie des Arbeitnehmer von Fr. 330.-- im Jahr 2003 und Fr. 240.--
im Jahr 2004 zu Recht nachbelastet worden (act. G 3.12).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob St._ am 30. April 2008 Beschwerde.
Er beantragt darin unter Kostenfolge, dass die Nachzahlungsverfügungen vom 11.
Dezember 2007, die Verfügungen vom 13. Dezember 2007 betreffend Verzugszinsen
sowie der Einspracheentscheid vom 1. April 2008 aufzuheben seien, soweit die
Nachbelastung bestritten werde. Er führt aus, dass er bereits früher (als Beispiel
werden die Zahlen für das Jahr 1999 eingereicht) mit dem Pauschalabzug von 25%
abgerechnet habe, was bei der seinerzeitigen Revision nicht beanstandet worden sei.
Dies gelte auch für andere Agenten der B._. Zwei Hauptagenten hätten von einem
Revisor der Beschwerdegegnerin die Auskunft erhalten, dass die fragliche Abrechnung
zulässig sei. Bisher habe keine Ausgleichskasse in der Schweiz je Anlass gehabt, diese
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zu beanstanden. Es bestehe eine ständige Praxis der Beschwerdegegnerin, bei
Aussendienstmitarbeitern und weiteren Agenten der B._ sowie von
Versicherungsgesellschaften im Allgemeinen den Pauschalabzug von 25% für Spesen
zuzulassen. Die Voraussetzungen für eine Praxisänderung seien nicht erfüllt. Das
Verhalten der Beschwerdegegnerin verletze im Übrigen das berechtigte Vertrauen des
Beschwerdeführers und das Gleichbehandlungsgebot. Die Auffassung der
Beschwerdegegnerin, die Unkosten des Mitarbeiters S._ seien offensichtlich tiefer
gewesen als der pauschale Ansatz von 25%, sei unzutreffend. Die Korrekturen
betreffend die Zahlungen an die Krankenkassenprämien anerkennt der
Beschwerdeführer ausdrücklich (act. G 1).
C.b Unter Verweis auf die Begründung des angefochtenen Einspracheentscheids
beantragt die Beschwerdegegnerin am 16. Mai 2008 die Beschwerdeabweisung (act.
G 3).
C.c Auf Anfrage der Verfahrensleitung reicht die Beschwerdegegnerin mit Schreiben
vom 4. Juli 2008 den Arbeitgeberkontrollbericht vom 5. August 2003 ein. Sie teilt mit,
dass nicht bekannt sei, ob die Spesen von S._ in den Jahren 1999 bis 2001 getrennt
ausgewiesen worden seien. Da bei einer Arbeitgeberkontrolle u.a. aufgrund der
Stichproben nicht alle Differenzen entdeckt werden könnten, könne der
Beschwerdeführer aus dem Ergebnis einer früheren Arbeitgeberkontrolle nichts zu
seinen Gunsten ableiten. Es gehe nicht an, dass die AHV höhere Spesen als das
Steueramt anerkennen müsse. Die Gewährung von Sondervergünstigungen an
Versicherungsvertreter sei nicht zulässig (act. G 6).
C.d Auf weitere Anfrage der Verfahrensleitung (act. G 7) reicht die Beschwerdegegnerin
am 14. August 2008 eine Stellungnahme des Revisors C._ vom 18. Juli 2008 ein (act.
G 8). Darin berichtet dieser, es sei im Kanton Y._ versucht worden, gegenüber der
D._ die Praxis aufzubrechen, dass generell bei Aussendienstmitarbeitenden der
Versicherungsbranche 25% als Spesenpauschale betrachtet werden könne. Dieses
Vorgehen sei nach Durchführung des Einspracheverfahrens vom betroffenen
Versicherungsunternehmen akzeptiert worden. Allerdings habe dieses
Versicherungsunternehmen im Gegensatz zum Beschwerdeführer die Unkosten nicht
getrennt ausgewiesen. Eine Rückfrage bei den anderen Revisoren habe ergeben, dass
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in der Vergangenheit kein Revisor bei einer anderen Agentur der B._ die dort geübte
Abrechnung beanstandet habe (act. G 8.1).
C.e Der Beschwerdeführer bringt in der Stellungnahme vom 5. September 2008 vor,
dass die Voraussetzungen für eine Praxisänderung nicht erfüllt seien (act. G 10).
C.f Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts hat mit Schreiben vom
21. Oktober 2008 den betroffenen Arbeitnehmer der Beschwerdeführerin, S._, dem
Verfahren beigeladen und ihm Gelegenheit gegeben, sich zum vorliegenden
Beschwerdeverfahren vernehmen zu lassen (act. G 12). In der Stellungnahme vom
7. November 2008 bringt der Beigeladene vor, es sei ihm nicht bekannt, dass der 25%-
Abzug nicht mehr angewendet werden solle. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar,
weshalb der zuständige Revisor bewusst eine Ungleichbehandlung anstrebe (act.
G 13). Das Schreiben des Beigeladenen wurde den Parteien zur Kenntnis gebracht
(act. G 14).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist die Frage streitig, inwieweit ein Arbeitgeber der
Versicherungsbranche bei den von ihm geleisteten Zahlungen an einen im
Aussendienst tätigen Arbeitnehmenden trotz getrennt ausgewiesenen Unkosten
zusätzlich Pauschalspesen abziehen kann.
2.
2.1 Gemäss Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) sind vom Einkommen aus
unselbstständiger Erwerbstätigkeit – dem massgebenden Lohn – Beiträge zu erheben.
Dabei gilt als massgebender Lohn gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG jedes Entgelt für in
unselbstständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Zum
massgebenden Lohn gehören begrifflich sämtliche Bezüge der Arbeitnehmerin oder
des Arbeitnehmers, die wirtschaftlich mit dem Arbeitsverhältnis zusammenhängen,
gleichgültig, ob dieses Verhältnis fortbesteht oder gelöst worden ist und ob die
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Leistungen geschuldet werden oder freiwillig erfolgen. Als beitragspflichtiges
Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit gilt somit nicht nur unmittelbares
Entgelt für geleistete Arbeit, sondern grundsätzlich jede Entschädigung oder
Zuwendung, die sonst wie aus dem Arbeitsverhältnis bezogen wird, sofern sie nicht
kraft ausdrücklicher gesetzlicher Vorschrift von der Beitragspflicht ausgenommen ist.
Zu beachten gilt es, dass grundsätzlich nur Einkünfte, die tatsächlich geflossen sind,
der Beitragspflicht unterliegen (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar
2007 i.S. H., H 121/06, E. 3; BGE 131 V 446 E. 1.1).
2.2 Gemäss Art. 7 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(AHVV; SR 831.101) stellen Unkostenentschädigungen bzw. Spesenersatz keinen
massgebenden Lohn dar. Unkosten dürfen grundsätzlich nur in ihrem tatsächlichen
(nachgewiesenen) Ausmass berücksichtigt werden. Weitergehende Entschädigungen
gehören zum massgebenden Lohn (Hanspeter Käser, Unterstellung und Beitragswesen
in der obligatorischen AHV, 2. Auflage, Bern 1996, Rz 4.151 und Rz 4.159). Art. 9
Abs. 3 AHVV bestimmt sodann, dass Unkosten in Abzug gebracht werden können,
wenn sie nachweislich mindestens 10% des ausbezahlten Lohnes betragen; getrennt
vom Lohn ausgewiesene Unkosten können dagegen in jedem Fall abgezogen werden
(vgl. auch Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 2. August 2004 i.S.
Einwohnergemeinde B., H 274/03, E. 4.1; BGE 104 V 59 E. 2). Sofern die tatsächlichen
Unkosten getrennt vom Lohn ausgewiesen werden, braucht es zur Ermittlung des
massgebenden Lohns grundsätzlich keine Korrektur bzw. sind keine entsprechenden
Abzüge vom Lohn zulässig. Für die Ausgleichskassen gilt es dabei zu prüfen, ob sich
die Unkosten im üblichen Rahmen halten oder übersetzt erscheinen (Peter Forster,
AHV-Beitragsrecht, in: Ulrich Meyer/Thomas Gächter [Hrsg.], Schriften zum
Sozialversicherungsrecht, Zürich 2007, S. 82; vgl. auch die Wegleitung des BSV über
den massgebenden Lohn [WML] in der AHV, IV und EO, Rz 3008 [in der vom 1. Januar
2002 bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung]: Werden die tatsächlich entstandenen
Unkosten von Fall zu Fall getrennt vom Lohn ausgewiesen, so ist damit der
massgebende Lohn bestimmt.). Wo aber feststeht, dass Unkosten entstanden sind, der
strikte Nachweis der besonderen Verhältnisse wegen nicht möglich ist, sind sie von der
Ausgleichskasse – unter Berücksichtigung der glaubhaften Angaben der Arbeitgeber
bzw. der Arbeitnehmenden – zu schätzen (AHI 1996 S. 249 E. 3b mit Hinweisen). In
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diesem Rahmen können pauschale Unkostenvergütungen pro Berufsgruppe mit
typisiertem Arbeitseinsatz akzeptiert werden (AHI-Praxis 1998 S. 63; zur
Rechtfertigung, derartige Unkostenentschädigungen zu pauschalieren vgl. BGE 104 V
59 E. 2). Vergütet der Arbeitgeber von unselbstständigerwerbenden Reisevertretern
bzw. Reisevertreterinnen die Unkosten glaubhaft nur teilweise, so kann der 25%-
Pauschalansatz auf dem gesamthaft zur Auszahlung gelangenden Betrag (Lohn +
Unkostenersatz) angewendet werden (WML Rz 4033 i.V.m. 4036 [in der vom 1. Januar
2002 bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung]).
2.3 Nach ständiger Rechtsprechung haben die Arbeitgebenden bzw.
Arbeitnehmenden grundsätzlich nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen,
dass die behaupteten Unkosten tatsächlich entstanden sind. Bei der Beurteilung der
Frage, ob Unkosten nachgewiesen oder mindestens glaubhaft sind, ist das Kriterium
der objektiven Notwendigkeit der Auslagen hinsichtlich der Lohnerzielung strikt zu
beurteilen (Ueli Kieser, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.],
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage,
Basel 2007, Rz 142 mit Hinweisen). Die Anerkennung von Unkosten durch die
Steuerbehörden ist für die Ausgleichskassen grundsätzlich nicht verbindlich (AHI 1996
S. 249 E. 3b mit Hinweisen). Die Anerkennung oder Ablehnung der Abzugsfähigkeit von
Einkünften durch die Steuerbehörden stellt aber ein gewichtiges Indiz für den Charakter
von Unkostenentschädigungen dar (Käser, a.a.O., Rz 4.158 mit Hinweisen). Ferner ist
zu berücksichtigen, dass sich die Beitragspflichtigen nach der Rechtsprechung bei
Erklärungen und Dispositionen behaften lassen müssen, die sie im steuerrechtlichen
Veranlagungsverfahren vornehmen (Urteil des EVG vom 2. August 2004
i.S. Einwohnergemeinde B., H 274/03, E. 4.1; AHI 1996 S. 250 E. 4b/bb mit Hinweisen).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer und mit ihm der Beigeladene stellen sich auf den
Standpunkt, dass es beständige Praxis der Ausgleichskasse sei, auch bei getrennt
ausgewiesenen Unkosten den 25%igen Pauschalabzug generell und
voraussetzungslos zuzulassen. Die Voraussetzungen für eine Änderung dieser Praxis
seien nicht erfüllt. Die Fragen, ob es eine entsprechende Praxis gegeben hat und ob
bejahendenfalls die Voraussetzungen für eine Praxisänderung (vgl. zu den
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entsprechenden Erfordernissen etwa Urteil des EVG vom 7. Juni 2006 i.S. B.,
U 129/05, E. 5.2 mit Hinweisen) erfüllt sind, braucht insoweit nicht abschliessend
geprüft zu werden, da eine derartige Praxis gesetzwidrig und auch nicht mit den
einschlägigen Bestimmungen der WML zu vereinbaren wäre (vgl. WML Rz 4033 i.V.m.
4036 [in der vom 1. Januar 2002 bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung]), wie
nachfolgend dargelegt wird.
3.2 Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt, wurden die Unkosten in den
Lohnabrechnungen der Jahre 2002 bis 2004 getrennt ausgewiesen (act. G 3.4). Daher
ist der massgebende Lohn im Sinn von Art. 5 Abs. 2 AHVG bestimmt und weitere
Unkostenabzüge sind grundsätzlich unzulässig (Forster, a.a.O., S. 82; WML Rz 3008 [in
der bis zum 31. Dezember 2007 gültigen Fassung] bzw. Rz 3011 [in der ab 1. Januar
2008 gültigen Fassung]). Es könnte sich bei getrennt ausgewiesenen Unkosten im Fall
von unselbstständigerwerbenden Reisevertreterinnen und –vertretern lediglich die
Frage stellen, ob die Unkosten übersetzt erscheinen oder – was im vorliegenden Fall
interessiert – ob die Arbeitgebenden glaubhaft die Unkosten nur teilweise im Sinn der
WML vergüten (WML Rz 4033 i.V.m. 4036 [in der vom 1. Januar 2002 bis 31. Dezember
2007 gültigen Fassung]). Die Vornahme des 25%igen Pauschalabzuges ist aber bei der
Bestimmung des massgebenden Lohnes bei getrennt ausgewiesenen
Unkostenentschädigungen, von denen nicht glaubhaft dargetan ist, dass sie die
Unkosten nur teilweise decken, unzulässig. Vorliegend vermag der Beschwerdeführer
nicht glaubhaft darzulegen, dass die getrennt ausgewiesenen Unkosten (in der Periode
vom Dezember 2001 bis November 2002 und vom Dezember 2002 bis November 2003
jeweils Fr. 11'400.--, act. G 3.4) die tatsächlichen Unkosten nicht decken würden. Dies
gilt umso mehr, als auch die Steuerbehörden Unkosten lediglich im getrennt
ausgewiesenen Umfang akzeptierten (vgl. act. G 3.3).
3.3 Insoweit der Beschwerdeführer eine Behördenpraxis geltend macht, nach der
trotz Ausweises der Unkosten voraussetzungslos – d.h. ohne die Vornahme einer
Überprüfung im Sinn von Rz 4036 WML (in der vom 1. Januar 2002 bis 31. Dezember
2007 gültigen Fassung) – der wesentlich höhere Pauschalabzug geltend gemacht
werden könne, übersieht er, dass bei der Beurteilung von Unkosten das Kriterium der
objektiven Notwendigkeit hinsichtlich der Lohnerzielung strikt zu beurteilen ist (Kieser,
a.a.O., Rz 142 mit Hinweisen). Eine objektive Notwendigkeit von Unkosten hinsichtlich
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der Lohnerzielung liegt aber in demjenigen Umfang, in dem der 25%-Pauschalabzug
die getrennt ausgewiesenen Unkosten übersteigen, in der Regel gerade nicht vor. Im
Übrigen widerspricht die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Behördenpraxis
auch Art. 9 Abs. 1 AHVV, wonach als abzugsfähige Unkosten nur Auslagen gelten, die
den Arbeitnehmenden bei der Ausführung ihrer Arbeiten tatsächlich entstehen nebst
dem, dass sie mit der – für die Behörden verbindlichen – einschlägigen
Verwaltungsweisung (WML) nicht zu vereinbaren ist. Die Anerkennung einer solchen
Behördenpraxis würde im Übrigen zu einer nicht gerechtfertigten
Beitragsumgehungsmöglichkeit für die Arbeitnehmenden einer bestimmten Branche zu
Lasten der Sozialversicherung und zu einer nicht gerechtfertigten Ungleichbehandlung
mit den übrigen versicherten Arbeitnehmenden führen.
3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer geltend
gemachte Behördenpraxis nicht mit dem AHV-Recht und der einschlägigen
Verwaltungsweisung (WML) zu vereinbaren, mithin gesetzwidrig ist. Zu prüfen ist daher
nachfolgend nicht die Frage, ob die Voraussetzungen für eine Praxisänderung
vorliegen, sondern ob dem Beschwerdeführer ein Anspruch auf "Gleichbehandlung im
Unrecht" zukommt.
3.4.1 Nach der Rechtsprechung geht der Grundsatz der Gesetzmässigkeit eines
Entscheides in der Regel der Rücksicht auf die gleichmässige Rechtsanwendung vor.
Der Umstand, dass das Gesetz in anderen Fällen nicht oder nicht richtig angewendet
worden ist, gibt dem Bürger bzw. der Bürgerin grundsätzlich keinen Anspruch darauf,
ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Eine Gleichbehandlung im
Unrecht ist jedoch in Betracht zu ziehen, wenn die Behörde die Aufgabe der in anderen
Fällen geübten gesetzwidrigen Praxis ablehnt; erst dann kann der Rechtsadressat
verlangen, dass die gesetzwidrige Begünstigung, die Dritten zuteil wird, auch ihm
gewährt werde, soweit dies nicht andere legitime Interessen verletzt (vgl. Urteil des
EVG vom 4. Dezember 2003 i.S. F. AG, C 8/93, E. 4.3 mit zahlreichen Hinweisen).
3.4.2 Vorliegend kann die Frage offen gelassen werden, ob das Verhalten der
Beschwerdegegnerin eine gegen Art. 8 der Bundesverfassung (BV; SR 101)
verstossende Ungleichbehandlung darstellt. Denn die Beschwerdegegnerin gibt zu
erkennen, dass sie – wie auch die Ausgleichskasse des Kantons Y._ – in Zukunft den
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voraussetzungslosen Pauschalabzug bei getrennt ausgewiesenen Unkosten bei
unselbstständigerwerbenden Reisevertreterinnen und -vertretern nicht (mehr) tolerieren
werde (act. G 8.1). Ohnehin ist aufgrund der hier festgestellten Gesetzwidrigkeit der
vom Beschwerdeführer vorgebrachten Praxis anzunehmen, dass die
Beschwerdegegnerin ihre – im Sinn des Beschwerdeführers geltend gemachte – Praxis
ändern und einen voraussetzungslosen Pauschalabzug bei getrennt ausgewiesenen
Unkosten nicht mehr anerkennen wird. Unter diesen Umständen sind die
Voraussetzungen für eine "Gleichbehandlung im Unrecht" nicht erfüllt (vgl. BGE 112 Ib
387 E. 6) und es besteht im jetzigen Zeitpunkt keine Veranlassung, beim
Beschwerdeführer den Pauschalabzug trotz getrennt ausgewiesener Unkosten
voraussetzungslos – d.h. ohne die Vornahme einer Überprüfung im Sinn von Rz 4036
WML (in der vom 1. Januar 2002 bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) bzw.
Rz 4032 WML (in der ab 1. Januar 2008 gültigen Fassung) – anzuerkennen.
4.
Zu prüfen bleibt, ob sich der Beschwerdeführer auf den sogenannten Vertrauensschutz
berufen kann.
4.1 Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, der eine Person in ihrem
berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte
von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen
Recht abweichende Behandlung der rechtsuchenden Person gebieten. Gemäss
Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer konkreten
Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die
Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende
Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte;
3. wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen
konnte; 4. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen
getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können und 5. wenn
die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat (BGE
131 V 480 E. 5 mit Hinweisen).
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4.2 Auf den Vertrauensschutz kann sich der Beschwerdeführer vorliegend indessen
schon deshalb nicht berufen, weil er keine individuell konkrete, d.h. keine sich an ihn
persönlich und unter Bezugnahme auf seine konkrete Situation gerichtete, Auskunft
erhielt (vgl. BGE 125 I 274 E. 4c; Urteil des EVG vom 23. Februar 2004, B 102/03, E. 5).
Ferner ist fraglich, ob der Beschwerdeführer gestützt auf sein – von ihm geltend
gemachtes – Vertrauen überhaupt Dispositionen getätigt hat, die ohne Nachteil nicht
wieder rückgängig gemacht werden können.
5.
Zusammenfassend steht fest, dass das Vorgehen der Beschwerdegegnerin zulässig
gewesen ist. Es wäre allerdings wünschenswert gewesen, wenn die
Beschwerdegegnerin vorgängig kund getan hätte, sie werde Pauschalabzüge trotz
getrennt ausgewiesener Unkosten nicht (mehr) voraussetzungslos akzeptieren. Nach
dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben
(Art. 61 lit. a ATSG). Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung für das Beschwerdeverfahren (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht