Decision ID: 6beed5f1-6fde-4faa-995f-dc661699ded0
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Der Einzelrichter entnimmt den Akten:
A.
Die Gesuchsgegnerin reiste am 10. September 2013 im Rahmen des
Familiennachzugs in die Schweiz ein, worauf ihr das Migrationsamt des
Kantons Zürich am 14. Oktober 2013 eine Aufenthaltsbewilligung zwecks
Verbleibs bei ihrem schweizerischen Ehemann erteilte (Akten des Amts für
Migration und Integration [MI-act.] 121).
Am 27. Oktober 2013 verliess die Gesuchsgegnerin aufgrund von
Eheproblemen die Schweiz und reiste auf dem Luftweg nach Sri Lanka
zurück (MI-act. 157 f.; Protokoll S. 3, act. 38). Am 15. Mai 2014 reiste sie
erneut in die Schweiz ein (MI-act. 11). Daraufhin verfügte das
Migrationsamt des Kantons Zürich am 12. Januar 2015 die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Gesuchsgegnerin und
wies diese unter Ansetzung einer Ausreisefrist bis zum 11. März 2015 aus
der Schweiz weg (MI-act. 200 ff.). Dagegen reichte die Gesuchsgegnerin
Rekurs bei der Sicherheitsdirektion Kanton Zürich ein, welcher mit
Rekursentscheid vom 3. März 2016 abgewiesen wurde (MI-act. 257 ff.).
Die hiergegen beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich eingereichte
Beschwerde wurde mit Urteil vom 13. Juli 2016 abgewiesen (MI-
act. 359 ff.). Auch die in der Folge beim Bundesgericht eingereichte
Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 23. Dezember 2016
ab, soweit es darauf eintrat (MI-act. 407 ff.)
Mit Schreiben vom 16. März 2017 setzte das Migrationsamt des Kantons
Zürich eine neue Ausreisefrist auf den 31. März 2017 an (MI-act. 445 f.).
Am 21. Juli 2017 stellte die Gesuchsgegnerin in Kreuzlingen ein
Asylgesuch (MI-act. 11). Mit Verfügung vom 21. August 2017 wies das
Staatssekretariat für Migration (SEM) die Gesuchsgegnerin dem Kanton
Aargau zu (MI-act. 13).
Mit Verfügung vom 28. Juni 2019 lehnte das SEM das Asylgesuch der
Gesuchsgegnerin ab, wies sie aus der Schweiz weg, ordnete an, sie habe
die Schweiz bis zum 23. August 2019 zu verlassen und beauftragte den
Kanton Aargau mit dem Vollzug der Wegweisung (MI-act. 20 ff.). Die
dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil vom 7. Oktober 2019 ab, soweit es darauf eintrat (MI-act. 48 ff.). In
der Folge setzte das SEM eine neue Ausreisefrist auf den 6. November
2019 an (MI-act. 72 f.)
Anlässlich eines Ausreisegesprächs beim Amt für Migration und Integration
Kanton Aargau (MIKA) am 31. Oktober 2019 erklärte sich die
Gesuchsgegnerin nicht zur Rückkehr nach Sri Lanka bereit (MI-
act. 489 ff.).
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Mit Eingabe vom 13. Dezember 2019 stellte die Gesuchsgegnerin ein
Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines
schwerwiegenden persönlichen Härtefalles (MI-act. 495 ff.), welche das
MIKA mit Schreiben vom 26. Februar 2021 ablehnte (MI-act. 514 f.).
Am 13. April 2021 führte das MIKA erneut ein Ausreisegespräch mit der
Gesuchsgegnerin durch (MI-act. 528 ff.). Anlässlich dieses Ausreise-
gesprächs gab die Gesuchsgegnerin zu Protokoll, sie könne nicht nach Sri
Lanka zurückkehren (MI-act. 528). Gleichentags ersuchte das MIKA das
SEM um Vollzugsunterstützung bei der Papierbeschaffung für die
Gesuchsgegnerin, sollte dies aufgrund der abweichenden Nachnamen
nötig sein (MI-act. 534 f.).
Mit Verfügung vom 23. Juni 2021 wies das SEM das Mehrfachgesuch der
Gesuchsgegnerin vom 11. Juni 2021 ab, wies sie aus der Schweiz weg,
ordnete an, sie habe die Schweiz bis am Tag nach Eintritt der Rechtskraft
der Verfügung zu verlassen und beauftragte den Kanton Aargau mit dem
Vollzug der Wegweisung (MI-act. 558 ff.). Die dagegen erhobene
Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom
16. September 2021 ab (MI-act. 576 ff.).
Am 17. November 2021 meldete das MIKA die Gesuchsgegnerin beim
SEM für einen unbegleiteten Flug nach Sri Lanka an (MI-act. 603 f.), der
auf den 14. Februar 2022 bestätigt wurde (MI-act. 605 f.).
Mit Verfügung vom 24. Dezember 2021 ordnete das MIKA die Eingrenzung
der Gesuchsgegnerin auf das Gebiet des Kantons Aargau an (MI-
act. 616 ff.).
Mit Verfügung vom 6. Januar 2022 trat das SEM auf das Mehrfachgesuch
der Gesuchsgegnerin vom 31. Dezember 2021 nicht ein, wies sie aus der
Schweiz weg, ordnete an, sie habe die Schweiz bis am Tag nach Eintritt
der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen und beauftragte den Kanton
Aargau mit dem Vollzug der Wegweisung (MI-act. 628 ff.). Die dagegen
erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom
25. Januar 2022 ab, soweit es darauf eintrat (MI-act. 641 ff.), worauf die
Verfügung des SEM vom 6. Januar 2022 am 26. Januar 2022 in
Rechtskraft erwuchs (MI-act. 655).
Die Gesuchsgegnerin wurde am 9. Februar 2022, 14.10 Uhr, polizeilich
angehalten und gleichentags dem MIKA zugeführt (MI-act. 657 f.).
B.
Im Rahmen der Befragung durch das MIKA wurde der Gesuchsgegnerin
am 9. Februar 2022 das rechtliche Gehör betreffend die Anordnung einer
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Ausschaffungshaft gewährt (MI-act. 658 ff.). Im Anschluss an die
Befragung wurde der Gesuchsgegnerin die Anordnung der
Ausschaffungshaft wie folgt eröffnet (act. 1):
1. Es wird eine Ausschaffungshaft angeordnet.
2. Die Haft begann am 9. Februar 2022, 14.10 Uhr. Sie wird in Anwendung von Art. 76 AIG für drei Monate bis zum 8. Mai 2022, 12.00 Uhr, angeordnet.
3. Die Haft wird im Flughafengefängnis Zürich oder im Zentralgefängnis Lenzburg vollzogen.
C.
Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des
Verwaltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und die Gesuchsgegnerin
befragt.
D.
Der Gesuchsteller beantragte die Bestätigung der Haftanordnung
(Protokoll S. 3, act. 38).
Die Gesuchsgegnerin liess folgende Anträge stellen (Protokoll S. 4,
act. 39):
1. Die mit Verfügung vom 9. Februar 2022 angeordnete Ausschaffungshaft sei nicht zu bestätigen und die Gesuchstellerin sei anzuweisen die Gesuchsgegnerin unverzüglich aus der Haft zu entlassen.
2. Die Gesuchsgegnerin sei für die in Unrecht erstandene Haft mit CHF 200.00 pro Tag zu entschädigen.
3. Im Sinne einer Ersatzmassnahme sei der Gesuchsgegnerin die Auflage zu erteilen, sich regelmässig bei einer durch das Verwaltungsgericht zu bestimmenden Amtsstelle zu melden.
4. Die Sprechende sei als amtliche Vertreterin für das vorliegende Verfahren zu bestellen und zu entschädigen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Kantons.
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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
I.
1.
Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und
Angemessenheit einer durch das MIKA angeordneten Ausschaffungshaft
aufgrund einer mündlichen Verhandlung spätestens nach 96 Stunden
(Art. 80 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer-
und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20], § 6 des Einführungsgesetzes
zum Ausländerrecht vom 25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Die
Haftüberprüfungsfrist beginnt mit der ausländerrechtlich motivierten
Anhaltung der betroffenen Person zu laufen (vgl. BGE 127 II 174, Erw. 2.
b/aa).
2.
Im vorliegenden Fall wurde die Gesuchsgegnerin am 9. Februar 2022,
14.10 Uhr, angehalten. Die mündliche Verhandlung begann am
11. Februar 2022, 14.40 Uhr; das Urteil wurde um 15.45 Uhr eröffnet. Die
richterliche Haftüberprüfung erfolgte somit innerhalb der Frist von
96 Stunden.
II.
1.
Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet
oder wurde die betroffene Person mit einer Landesverweisung belegt, kann
die zuständige kantonale Behörde die betroffene Person zur Sicherstellung
des Vollzugs in Haft nehmen (Art. 76 AIG).
Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 Abs. 1 AIG ist gemäss
§ 13 Abs. 1 EGAR das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde die
Haftanordnung durch das MIKA und damit durch die zuständige Behörde
erlassen (act. 1 ff.).
2.
2.1.
Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass es die
Gesuchsgegnerin aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den
Vollzug sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt.
2.2.
Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft
rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher
Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet oder eine erstinstanzliche
Landesverweisung ausgesprochen wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG).
- 6 -
Die Gesuchsgegnerin wurde mehrfach (MI-act. 20 ff, 200 ff., 558 ff.),
zuletzt mit Verfügung des SEM vom 6. Januar 2022 aus der Schweiz
weggewiesen (MI-act. 628 ff.). Die dagegen erhobene Beschwerde wies
das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 25. Januar 2022 ab (MI-
act. 641 ff.), womit die Verfügung des SEM vom 6. Januar 2022 am
26. Januar 2022 in Rechtskraft erwachsen ist (MI-act. 655). Damit liegt ein
rechtsgenüglicher Wegweisungsentscheid vor.
2.3.
Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist,
dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen
Gründen undurchführbar ist.
Wenn die Rechtsvertreterin der Gesuchsgegnerin vorbringt, dass
völkerrechtliche Non-Refoulement-Gebot stehe dem Vollzug der
Wegweisung der Gesuchsgegnerin entgegen, so kann ihr nicht gefolgt
werden. Die völkerrechtliche Zulässigkeit der Ausschaffung der
Gesuchsgegnerin wurde nämlich bereits mehrfach durch das SEM und das
Bundesverwaltungsgericht überprüft und es wurde mehrfach festgehalten,
dass es keine Anhaltspunkte dafür gäbe, dass sie im Falle einer Rückkehr
nach Sri Lanka einer durch Art. 3 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK;
SR 0.101) verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (MI-
act. 27, 67, 563, 584 f., 632, 648 f.). Soweit ersichtlich, sind seit der letzten
Beurteilung auch keine neuen Tatsachen oder Beweismittel aufgetaucht,
die einen anderen Schluss nahelegen würden. Daher ist der Vollzug der
Wegweisung unter dem völkerrechtlichen Non-Refoulement-Gebot
zulässig.
Weitere Anzeichen, die an der Ausschaffungsmöglichkeit in rechtlicher
oder tatsächlicher Hinsicht Zweifel aufkommen lassen würden, sind
ebenfalls keine ersichtlich. Dies umso weniger, als die Gesuchsgegnerin
bereits für einen unbegleiteten Flug am 14. Februar 2022 angemeldet
werden konnte (MI-act. 603 ff.; Protokoll S. 3, act. 38) und ein
Reisedokument in Form eines Reisepasses vorliegt (act. 3). Insbesondere
bestehen trotz der Covid-19-Pandemie regelmässige Flugverbindungen
nach Sri Lanka (act. 3), womit dem Wegweisungsvollzug per Luftweg keine
Hindernisse entgegenstehen.
3.
3.1.
Das MIKA stützt seine Haftanordnung auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG,
wonach ein Haftgrund dann vorliegt, wenn konkrete Anzeichen befürchten
lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entziehen will,
insbesondere weil sie der Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AIG und Art. 8
Abs. 1 lit. a oder Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,
- 7 -
SR 142.31) nicht nachkommt. Ob im Sinne dieser Gesetzesbestimmung
konkrete Anzeichen befürchten lassen, dass sich eine Person der
Ausschaffung entziehen will, ist aufgrund des ganzen bisherigen
Verhaltens, insbesondere auch gegenüber den Behörden, sowie ihrer
eigenen Aussagen zu beurteilen. Auch wenn einzelne Fakten für sich eine
Ausschaffungshaft nicht rechtfertigen, kann dies aufgrund der Gesamtheit
der Vorkommnisse der Fall sein. Erforderlich sind gewichtige
Anhaltspunkte dafür, dass die betroffene Person sich der Ausschaffung
entziehen und untertauchen will. Die blosse Vermutung, dass sie sich der
Wegweisung entziehen könnte, genügt nicht; deren Vollzug muss erheblich
gefährdet erscheinen (vgl. BGE 129 I 139, Erw. 4.2.1).
Von einer Untertauchensgefahr und damit von einem Haftgrund ist zudem
auch dann auszugehen, wenn das bisherige Verhalten der betroffenen
Person darauf schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen
widersetzt (Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG).
Eine klare Trennung der beiden genannten Haftgründe ist in der Praxis
kaum möglich. Vielmehr ist Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG wohl als
Präzisierung von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG zu verstehen, womit die
beiden Bestimmungen als einheitlicher Haftgrund zu betrachten sind (vgl.
ANDREAS ZÜND, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER BOLZLI/CON-
STANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht,
5. Aufl., Zürich 2019, N. 7 zu Art. 76 AIG und TARKAN GÖKSU, in: MARTINA
CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Hand-
kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer
[AuG], Bern 2010, N. 11 zu Art. 76).
3.2.
Die Gesuchsgegnerin äusserte sich wiederholt dahingehend, dass sie nicht
bereit sei, die Schweiz in Richtung Sri Lanka zu verlassen. So erklärte sie
gegenüber dem MIKA sowohl anlässlich der Ausreisegespräche vom
31. Oktober 2019 und 13. April 2021 als auch anlässlich der Gewährung
des rechtlichen Gehörs betreffend die Anordnung einer Ausschaffungshaft
am 9. Februar 2022 ausdrücklich, sie sei nicht zu einer Rückkehr nach Sri
Lanka bereit (MI-act. 489, 528, 659). Auch gegenüber der
Rückkehrberatungsstelle erklärte sie am 28. Oktober 2021, sie sei nicht
bereit, selbstständig in ihr Heimatland zurückzukehren (MI-act. 595). Im
Rahmen der heutigen Verhandlung gab die Gesuchsgegnerin zu Protokoll,
sie werde es sich noch überlegen, ob sie den für sie gebuchten Flug nach
Sri Lanka am 14. Februar 2022 antreten wird (Protokoll S. 3, act. 38). In der
konsistenten Weigerung, der Ausreisepflicht nachzukommen, ist –
entgegen der Auffassung der Rechtsvertreterin der Gesuchsgegnerin – ein
klares Anzeichen dafür zu erkennen, dass sich die Gesuchsgegnerin der
Ausschaffung entziehen will.
- 8 -
Zudem hat sich die Gesuchsgegnerin – entgegen dem Vorbringen ihrer
Rechtsvertreterin – nicht immer in ihrer Unterkunft aufgehalten, sondern
kehrte immer nur dann in ihre Unterkunft zurück, wenn Auszahlung war
oder sie die Post holen musste (Protokoll S. 3, act. 38). Daher war die
Gesuchsgegnerin für die Behörden nicht stets erreichbar und sie musste
auch gezielt an einem Auszahlungstag polizeilich angehalten werden (MI-
act. 653 f.).
Entgegen der Auffassung der Rechtsvertreterin der Gesuchsgegnerin ist
die Untertauchensgefahr auch nicht deshalb zu verneinen, weil die
Gesuchsgegnerin sämtlichen Vorladungen Folge geleistet und nie eine
falsche Identität angegeben hat. Dieses Verhalten legte sie an den Tag, als
sie noch nicht befürchten musste, ausgeschafft zu werden. Primär
massgeblich ist deshalb nicht, wie sich die Gesuchsgegnerin früher
verhielt.
Unter diesen Umständen steht fest, dass die Gesuchsgegnerin mit ihrem
bisherigen Verhalten klare Anzeichen für eine Untertauchensgefahr gesetzt
hat, und es ist nicht davon auszugehen, dass sie nach einer Entlassung
aus der Ausschaffungshaft die Schweiz freiwillig in Richtung Sri Lanka
verlassen würde. Damit ist der Haftgrund von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3
und 4 AIG erfüllt.
4.
Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor, die
geeignet wären die Haft als unverhältnismässig erscheinen zu lassen
(Protokoll S. 3, act. 38).
5.
Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem
Beschleunigungsgebot (Art. 76 Abs. 4 AIG) nicht ausreichend Beachtung
geschenkt hätte.
6.
Das MIKA ordnete die Ausschaffungshaft für drei Monate an. Nachdem der
Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten der
Gesuchsgegnerin abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen
kommen kann, ist die beantragte Haftdauer nicht zu beanstanden. Im
Übrigen ist festzuhalten, dass das MIKA bisher stets bemüht war,
Ausschaffungen so rasch wie möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA
entgegen seiner bisherigen Gewohnheit das Beschleunigungsgebot
verletzen, besteht die Möglichkeit, ein Haftentlassungsgesuch zu stellen.
- 9 -
7.
Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu
bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der
Verhältnismässigkeit verstossen würde.
Eine mildere Massnahme zur Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung
ist – entgegen der Auffassung der Rechtsvertreterin der Gesuchsgegnerin
– nicht ersichtlich. Dies umso weniger, als sich die Gesuchsgegnerin derart
klar gegen eine Ausreise in ihr Heimatland ausspricht, dass eine
Meldepflicht keinesfalls zielführend wäre.
Daran ändert nichts, dass die Gesuchsgegnerin bisher stets allen
Vorladungen Folge geleistet und nicht gegen die angeordnete Eingrenzung
verstossen hat, wäre es ihr doch ohne weiteres möglich, sich den Behörden
bis zum Rückführungszeitpunkt zur Verfügung zu halten und trotzdem
unterzutauchen, sobald die Rückreise anzutreten wäre.
Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte,
welche gegen eine Haftanordnung sprechen würden.
Die Gesuchsgegnerin macht geltend, es gehe ihr gesundheitlich nicht gut
(Protokoll S. 3, act. 38). Hierzu ist festzuhalten, dass es der
Gesuchsgegnerin während ihrer Inhaftierung jederzeit zusteht, eine
Untersuchung durch eine ärztliche Fachperson zu verlangen und
notwendige Medikamente zu erhalten. Darüber hinaus macht die
Gesuchsgegnerin nicht geltend, sie sei nicht hafterstehungsfähig.
Insgesamt sind keinerlei Gründe ersichtlich, welche die angeordnete Haft
als unverhältnismässig erscheinen liessen.
III.
1.
Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung
unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben.
2.
Der Gesuchsgegnerin ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend eine
amtliche Rechtsvertretung zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für
eine Dauer von mehr als 30 Tagen anordnete. Die Vertreterin der
Gesuchsgegnerin wird aufgefordert, nach Haftentlassung der
Gesuchsgegnerin ihre Kostennote einzureichen.
IV.
1.
Die Gesuchsgegnerin wird darauf hingewiesen, dass ein
Haftentlassungsgesuch frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung
- 10 -
gestellt werden kann (Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist
(§ 15 Abs. 1 EGAR).
2.
Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine
Verhandlung mit Parteibefragung durchzuführen (Aargauische Gerichts-
und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359, Erw. 4.4.3). Im Rahmen
des rechtlichen Gehörs hat das MIKA der Gesuchsgegnerin daher die
Frage zu unterbreiten, ob sie die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung wünscht und ob sie in diesem Fall eine Präsenzverhandlung
verlangt oder mit einer Skype-Verhandlung einverstanden ist (Urteil des
Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 19. November 2021). Die Anordnung
einer allfälligen Haftverlängerung ist dem Verwaltungsgericht spätestens
acht Arbeitstage vor Ablauf der bewilligten Haft einzureichen.
3.
Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen
Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das
Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt.