Decision ID: d1001f25-e7aa-43f7-94ca-b96333a6a620
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
ist Gesellschafter und Geschäftsfü
hrer mit Einzelunterschrift
der
Y._
GmbH
, welche
der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
Ausgleichskasse
,
seit dem 1. Oktober 2015
angeschlossen
ist
(
Urk.
6/5
).
Am 1
6.
November
2020
, 30. Dezember
2020
, 27.
Januar 2021 und 1.
Februar 2021
meldete
die
Y._
GmbH
bei der Aus
gleichskasse
mittels
Anmeldeformular „
AG/GmbH – wesentliche Einschränkung der Erwerbstätigkeit
“
X._
zum Bezug ei
ner Erwerbsausfallentschädigung
gestützt auf die Verordnung über
Massnahmen
bei Erwerbsausfall im Zusammen
hang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall) an (
Urk.
6/21 ff.,
Urk.
6/25
ff.
,
Urk.
6/30 ff.
).
Mit
Verfügung vom
10.
Februar 2021
verneinte die Ausgleichskasse einen
entsprechenden
Anspruch für
die Monate September, Oktober und November 2020
mangels
einer wesentlichen
Umsatzeinbusse
(
Urk.
6/35
).
Am 19.
Februar 2021
meldete
die
Y._
X._
erneut zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung (Dezember 2020 und Januar 2021)
an (Urk.
6/38 ff.). Mit Schreiben vom 2
6.
Februar 2021 fo
rderte die
Ausgleichskasse
X._
auf, die Antragsformulare nochmals neu und
korrekt auszufüllen; der Antrag auf Erwerbsersatzentschädigung werde
erst nach Eingang der korrekt ausgefüllten F
ormulare geprüft (
Urk.
6/41). Darauf
hin reichte dieser diverse
Unterlagen zu den wirtschaftlichen Verhältnissen
der
Y._
GmbH
,
namentlich die Steuererklärung, Bilanz sowie
Kontoauszüge
ein
(
Urk.
6/45 ff.).
Am
9.
April 2021
meldete sich
X._
mit dem Anmeldeformular „An
gestellte -
besonders gefährdete Person
“
bei der Ausgleichskasse zum Bezug ei
ner Erwerbsausfallent
schädigung (
für den Zeitraum vom
1
8.
Januar bis
30.
April 2021
)
gest
ützt auf die
Cov
id-19-Verordnung Erwerbsausfall
an (
Urk.
6/56
). Mit Abrechnungen vom 2
3.
u
nd 3
0.
April sowie 2.
Juni 2021 sprach ihm die
Aus
gleichskasse
vom 18.
Januar bis 3
1.
Mai 2021 eine
Erwerbsersatzentschädigung
von
Fr.
27.20 pro Tag zu
(
Urk.
6/64 f.,
Urk.
6/67). Am
2
6.
Juli 2021
meldete die
Y._
GmbH mit
tels Anmeldeformular „
Arbeit
geber
– besonders gefährdete Person“
X._
für den Bezug einer
Erwerbsersatz
entschädigung (
1.
b
is 3
0.
Juni 2021
)
an (
Urk.
6/68
ff.
).
Mit Abrechnung
vom
2
9.
Juli 2021
sprach
die Ausglei
chskasse
X._
vom 1.
bis 3
0.
Juni 2021
erneut
eine
Erwerbsersatzentschädigung von
Fr.
27.20 p
ro Tag zu (
Urk.
6/72
).
Am
2.
August
und
8.
September 2021
tätigten
die
Y._
GmbH
resp.
X._
analoge Anmeldungen
für die Monate
Juli und August 2021
(
Urk.
6/73
,
Urk.
10/1-3
)
. Mit Verfügung
en
vom 18.
August
und 1
0.
September 2021
entschied
die A
usgleichskasse
abschlägig
und begründete dies damit,
es sei kein medizinischer Grund ersichtlich, weshalb sich
X._
nicht impfen lassen könne, daher gelte er ab dem
1.
Juli 2021 nicht mehr als besonders gefährdet
e Person
(
Urk.
6/83
,
Urk.
6/85
).
Die von
X._
am 1
3.
und 2
0.
September 2021
dagegen erhobenen
Einsprache
n
(
Urk.
6
/
84,
Urk.
6/87) wies die Ausgleichskasse mit
Einspracheentscheid
vom 4.
Oktober 2021 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
4.
November 2021 Beschwerde und beantragte (
sinngemäss
), es sei ihm in Aufhebung des angefochtenen
E
insprachee
ntscheids
vom 4.
Oktober 2021 eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Monate Juli und August 2021 auszurichten (
Urk.
1). Mit B
eschwerdeantwort vom 14.
Dezember 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer am 1
6.
Dezember 2021 (
Urk.
7) zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Mit Verfügung vom 2
4.
Februar 2022 forderte das Geri
cht die Beschwerdegegnerin auf,
die
mit der Beschwerdeantwort unvollständig eingereichten Akten zu ergänzen
(
Urk.
8)
. Innert
Frist reichte
diese
die verlangten Unterlagen ein
(Urk.
9,
Urk.
10/1-4).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer
wohnte im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung
ausserhalb
des Kantons Zürich (Urk. 1
). Für die Beurteilung von Beschwerden gegen die
Ein
spracheentscheide
kantonaler Ausgleichskassen betreffend Corona-Erwerbs
ausfallentschädigung ist aber das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichs
kasse zuständig (Urteil des Bundesgerichts 9C_738/2020 vom 7. Juni 2021 E. 3). Die örtliche Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts ist gegeben, weil der angefochtene
Einspracheentscheid
von der Beschwerdegegnerin als kantonale Ausgleichskasse des Kantons Zürich erlassen wurde.
2.
2.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verord
nungen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen -
am 20. März 2020
die
C
ovid-19-
Ver
ordnung Erwerbsausfall, welche
rückwirkend per
17. März 2020 in Kraft gesetzt wurde. A
m
1
9.
Juni
2020 erliess der Bundesrat ausserdem
die
Verordnung 3 über Massnahmen zur Bekämp
fung des
Coronavirus
(
C
ovid-19-Verordnung
3
,
in Kraft seit 2
2.
Juni 2020). Diese Verordnungen erfuhren
in der Folge
mehrere Änderungen.
Mit
dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie vom 25. September 2020
(Covid-19-Gesetz) wurde rückwir
kend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die
vorgenannten Verordnungen
geschaffen (Art. 15 in Ver
bindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz).
2.2
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tat
bestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hin
weisen).
Da
vorliegend
der Anspruch auf ei
ne Er
werbsersatzentschädigung für den Zeitraum vom
1.
Juli bis 3
1.
August 2021 strittig ist, sind die in diesem Zeit
raum gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.3
2.3.1
Nach
Art. 2 Abs. 3 der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall
(Stand:
1.
Juli
2021)
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG und Personen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) unter der Voraussetzung von Absatz 1
bis
Buchstabe c anspruchsberechtigt, wenn sie:
-
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
-
b. einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden.
2.3.2
Nach
Art. 2 Abs. 3
bis
der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall (Stand:
1.
Juli
2021)
sind
Selbst
ändigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG und Personen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c AVIG, die ni
cht unter Absatz 3 fallen,
unter der Voraussetzung von Absatz 1
bis
Buchstabe c anspruchsberechtigt, wenn:
-
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
-
b.
sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
-
c.
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens 10 000 Franken erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinn
gemäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraussetzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015–2019 vorliegt. Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatz
einbusse von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Um
satz von mindestens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen
(
Art.
2
Abs.
3
ter
)
.
2.3.3
Unter Art. 31 Abs. 3 Buchstaben b und c AVIG fallen mitarbeitende Ehegatten des Arbeitgebers und Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie
ihre mitarbeitenden Ehegatten
.
2.
4
2.4.1
Nach
Art. 2 Abs. 3
quater
(e
ingefügt durch Anhang der Ä
nderung vom 13.
Jan
uar 2021
, in Kraft
seit
1
8.
Ja
nuar
2021 [
AS 2021
5])
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
(
Stand:
1.
Juli
2021
)
sind
besonders gefährdete Arbeit
nehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne von
Art.
27a der Covid-19-Verordnung 3 vom 1
9.
Juni 202
0
anspruchsberechtigt, wenn es nicht möglich ist, sie nach
Art.
27a Absätze 1-4 der Covid-19-Verordnung 3 zu beschäftigen, oder wenn diese die zugewiesene Arbeit im Sinne von
Art.
27a
Abs.
6 der Covid-19-Ver
ordnung 3 ablehnen. Die besondere Gefährdung muss mittels ärztlichem Attest nachgewiesen werden.
2.4.2
Nach
Art.
2
Abs.
3
quinquies
(eingefügt durch Anhang der Änderung vom 13. Januar 2021, in Kraft seit 1
8.
Januar 2021 [AS 2021 5])
der Covid-19-Verordnung
Erwerbsausfall
(Stand:
1.
Juli
2021) sind
Selb
ständigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG, die
besonders gefährdet sind,
anspruchsberechtigt, wenn sie ihre Arbeit nicht von zuhause aus verrichten können. Zur Definition von besonders gefährdeten Personen gilt Artikel 27
a
Absätze 10 und 11 der Covid-19-Verordnung 3 analog. Die besondere Gefährdung muss mittels ärztlichem Attest nachgewiesen werden.
2.5
Nach
Art.
27a
(
eingefügt durch
Ziff.
I der Änderung vom 1
3.
Januar 2021, in Kraft seit 1
8.
Januar
2021
[AS 2021 5])
der Covid-19-Verordnung
3
(Stand: 1.
Juli
2021)
ermöglicht
es der Arbeitgeber
seinen besonders gefährdeten Arbeit
nehmerinnen und Arbeitnehmern, ihre Arbeitsverpflichtungen von zu Hause aus zu erfüllen. Er trifft zu diesem Zweck die geeigneten organisatorischen und technischen Massnahmen. Für die gestützt auf diese Bestimmung angeordnete Erfüllung der Arbeitsverpflichtung von zu Hause aus sind den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern keine Auslagenentschädigungen geschuldet
(
Abs.
1)
.
Ist es nicht möglich, die angestammte Arbeitsverpflichtung von zu Hause aus zu erfüllen, so weist der Arbeitgeber der betroffenen Arbeitnehmerin oder dem betroffenen Arbeitnehmer in Abweichung vom Arbeitsvertrag bei gleicher
Ent
löhnung
eine gleichwertige Ersatzarbeit zu, die von zu Hause aus erledigt werden kann
(
Abs.
2).
Ist aus betrieblichen Gründen die Präsenz besonders gefährdeter Arbeit
nehmerinnen und Arbeitnehmer vor Ort ganz oder teilweise unabdingbar, so dürfen diese
-
unter den in Buchstaben a und b
dieses Absatzes
genannten Voraussetzungen
-
in ihrer angestammten Tätigkeit vor Ort beschä
ftigt werden (
Abs.
3).
Ist es nicht möglich, die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach den Absätzen 1–3 zu beschäftigen, so weist ihnen der Arbeitgeber in Abweichung vom Arbeitsvertrag bei gleicher
Entlöhnung
eine gleichwertige Ersatzarbeit vor Ort zu, bei der die Vorgaben nach Absatz 3 Buchstaben a und b erfüllt sind
(
Abs.
4).
Die betroffene Arbeitnehmerin oder der betroffene Arbeitnehmer kann die Über
nahme einer ihr oder ihm zugewiesenen Arbeit ablehnen, wenn der Arbeitgeber die Voraussetzungen nach den Absätzen 1–4 nicht erfüllt oder wenn die Arbeit
nehmerin oder der Arbeitnehmer die Gefahr einer Ansteckung mit dem
Corona
virus
trotz der vom Arbeitgeber getroffenen Massnahmen nach den Absätzen 3 und 4 aus besonderen Gründen als zu hoch für sich erachtet. Der Arbeitgeber kann ein ärztliches Attest verlangen
(
Abs.
6).
Für die Geltendmachung des Anspruchs auf Corona-Erwerbsersatz gilt Artikel 2 Absatz 3
quater
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall vom 2
0.
März 2020
(
Abs.
9).
Nach
Art.
27a
Abs.
10 der Covid-19-Verordnung
3
(in der ab 2
6.
Juni 2021 gültig gewesenen Fassung, eingefügt durch die
Ände
rung
vom 2
3.
Juni 2
021,
AS 2021 378
)
galten
s
chwangere Frauen (Buchstaben
a)
und
Personen mit den Erkrankungen oder genetischen Anomalien nach Anhang 7, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können
(Buchstaben
b) als besonders gefährdet.
Die Erkrankungen und genetischen Anomalien nach Absatz 10 Buch
stabe b werden in Anhang 7 anhand medizinischer Kriterien präzisiert. Die Liste dieser Kr
iterien ist nicht abschliessend (
Abs.
11).
Das
Eidgenössische Departement des Inneren (
EDI
)
führt Anhang 7 gestützt auf den Stand der Wissenschaften laufend nach
(
Abs.
12).
3
.
3
.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
der Bundesrat habe am 2
3.
Juni 2021 die Covid-19-Verordnung 3 angepasst und den Anspruch für besonders gefährdete Personen, die sich aus medizinischen Gründen nic
ht impfen lassen könn
en, verlängert. Gemäss
Kreisschreiben über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
– Corona-Erwer
b
sersatz (KS
CE
) vom 1
7.
September 2020, Randziffer (RZ) 1041.10 würden ab dem
1.
Juli 2021 neu schwangere Frauen und Personen mit Erkrankungen oder genetischen Ano
malien nach Anhang 7 der Covid-19-Verordnung 3, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, als besonders gefährdet gelten. Aus den eingereichten Unterlagen ergäben sich keine medizinischen Gründe, weshalb sich der Beschwerdeführer nicht impfen l
assen könne. Folglich bestehe für die Monate
Juli
und August
2021 kein Anspruch auf eine Corona-Erwerbsersatz
entschädigung (
Urk.
2, vgl. auch
Urk.
6/83,
Urk.
6/85,
Urk.
5
).
3
.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein, er leide unter eine
r
Vorerkrankung und habe von Januar bis Juni 2021 eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung er
halten. Nun sei ihm mitgeteilt worden, dass er kein
en
Entschädigungsanspruch mehr habe, weil er nicht geimpft sei. Gemäss schweizerischen
Epidemiegesetz
könne in der Schweiz niemand zum Impfen gezwungen werden. Er finde keine Gesetzestexte, welche den abschlägigen Entscheid der Beschwerdegegnerin recht
fertigte. Daher
habe er
für die Monate Juli und August 2021
Anspruch auf
eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung (
Urk.
1).
4
.
4
.1
Vorab festzuhalten ist, dass grundsätzlich nur natürliche Personen im Sinne von Art. 15 des Covid-19 Gesetzes und Art. 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall anspruchsberechtigt sind, wobei der Arbeitgeber bei Lohnfortzahlung
ge
mäss
Art. 7 Abs. 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall die Entschädigung geltend machen kann (was primär bei Entschädigungen nach Art. 2 Abs. 1
bis
oder Abs. 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall der Fall sein dürfte).
In Frage steht vorliegend somit einzig der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Erwerbsausfallentschädigung, was soweit unbestritten ist.
4.2
Die Parteien gehen davon aus, dass der Beschwerdeführer als besonders gefährdeter Arbeitnehmer
im Sinne von
Art.
27a
Abs.
10 (in den vom 1
8.
Januar bis 2
5.
Juni 2021 gültig gewesenen Fassungen) der Covid-19-Verordnung 3
vom
1
8.
Januar bis 30.
Juni 2021
Anspruch auf eine Corona-
Erwerbsersatzent
schädigung
hat
(
Urk.
6/64 ff.,
Urk.
6/72;
wobei der Beschwerdeführer gegen die Höhe der zugesprochenen Entschädigung
gemäss
Abrechnung vom 2
3.
April 2021 opponierte,
vgl.
Urk.
6/66).
Demgegenüber verneinte
die Beschwerdegegnerin
im umstrittenen Zeitraum vom
1.
Juli bis 3
1.
August 2021 einen Anspruch
des Beschwerdeführers gestützt auf
Art.
27a
Abs.
10
(in der
ab 26. Juli 2021 gültig gewesenen Fassung
) der Covid-19-Verordnung 3
mangels ärztlich ausgewiesener Kontraindikation für eine Covid-
19-
Impfung.
4.3
Vorliegend ist
d
er Beschwerdeführer
als (einziger) Gesellschafter und Geschäfts
führer mit Einzelunterschrift der
Y._
GmbH
ins Handelsregister eingetragen.
Mithin
gehört
er
dem obersten betrieblichen Ent
scheidungsgremium an und kann massgeblich Einfluss auf die Unternehmens
entscheidungen nehmen.
Z
udem ist
der
Beschwerdeführer
(einzige
r
) Angestellte
r
der
Y._
GmbH (vgl.
Urk.
6/11,
Urk.
6/15,
Urk.
6/31).
Ob er in dieser Eigenschaft
als besonders gefährdeter Arbeitnehmer
im Sinne von
Art. 27a
Abs.
10 der Covid-19-Verordnung 3
qualifizieren und gestützt auf
Art.
2
Abs.
3
quater
resp.
Abs.
3
quinquies
der Covid-19-Vordnung Erwerbsausfall
Anspruch auf
Erwerbsersatzentschädigung
überhaupt
geltend machen k
ann
, kann
mangels Relevanz für das Beurteilungsergebnis offengelassen werden, wie nachfolgend zu zeigen sein wird.
4.4
Se
ine Anmeldungen
vom
2.
August und 8.
September 2021
tätigte der Beschwerdeführer
mittels
Formular «Arbeitgeber
- besonders gefährdete Person» (
Urk.
6/73)
resp. mittels Formular
«Angestellte – besonders gefährdete Person»
Urk.
10/1).
Dabei reichte er
jeweils den Konsiliarbericht von
Dr.
med.
Dr.
Z._
, Facharzt FMH für Kardiologie, Endokrinologie/Diabetologie und All
gemeine Innere Medizin, vom 1
3.
Mai 2021
ein
.
Daraus erhellt
, dass beim Beschwerdeführer
namentlich
diverse kardiovaskuläre Erkrankungen sowie eine Adipositas Grad I diagnostiziert wurde und
dass
die im April/Mai 2021 durch
geführten bildgebenden (MRT) und
endokrinologischen
Untersuchungen den Ausschluss einer Schädigung der
Adenohypophyse
erbracht haben (
Urk.
6/74
,
Urk.
10/2
). Mit Schreiben vom
5.
August 2021 forderte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer auf, bis spätestens 1
9.
August 2021 ein ärztliches Attest betreffend Kontraindikation einer Covid-19-Impfung einzureichen (
Urk.
6/77). Mit E-Mail vom
9.
August 2021 teilte der Beschwerdeführer im Wesentlichen mit, er sei von der Covid-19-Impfung grundsätzlich nicht begeistert. Ärztlicherseits sei ihm aber nicht davon abgeraten worden; die Schulmediziner würden ja meist zum Impfen raten. Er habe sich für eine Imp
fung in der Praxis
A._
angemeldet. Allerdings sei eine Impfung dort nicht möglich wegen zu geringer Nachfrage (
Urk.
6/78). Alsdann reichte der Beschwerdeführer den Austrittsbericht des Kantonsspitals
B._
vom
2.
Juli 2021 betreffend die Covid-19-bedingte
Hospitalisation
von
C._
, den Laborbefund der
Permanence
D._
betreffend das negative Testergebnis des Beschwerdeführers vom 1
1.
Juni sowie die ab dem 2
4.
Dezember 2020 gültig gewesenen Anweisungen zur Isolation des Bundesamtes für Gesundheit (BAG,
Urk.
6/80 ff.) ein.
4.5
Bei der vorliegenden Sachlage liegt weder eine ärztlich ausgewiesene Kontra
indikation für eine Covid-19-Impfung vor noch hat der Beschwerdeführer eine solche behauptet. Im Gegenteil führte dieser aus, ärztlicherseits sei ihm vo
n
der Covid-19-Impfung nicht abgeraten worden. Bei dieser Sachlage kann offen
bleiben, ob der Beschwerdeführer an einer Listenerkrankung nach Anhang 7 der Covid-19-Verordnung 3 leidet; mangels ärztlich ausgewiesen
er
Kontraindikation für eine Covid-19-Impfung qualifizierte er gestützt auf die am 26. Juni 2021 in Kraft getretene Änderung von
Art.
27a
Abs.
10 der
Covid-19-Verordnung 3 (vgl. E. 2.5 in
fine
) jedenfalls nicht als besonders gefährdet. Dass für den Beschwerde
führer keine Impfpflicht bestand ist unbestritten, vermag am Gesagten allerdings nichts zu ändern. Dasselbe gilt für die Befindlichkeiten des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung.
4.
6
Mithin
ist nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin einen Anspruch
des Beschwerdeführers
auf
Erwerbsersatzentschädigung
gestützt auf
Art. 27a
Abs.
10 der Covid-
19-
Verordnung 3
für
den Zeitraum vom
1.
Juli bis 3
1.
August
2021
verneint
hat
. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.