Decision ID: 629e825e-511e-49eb-bbad-10172131e630
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Hausfriedensbruch
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht in
Strafsachen, vom 27. November 2015 (GG150009)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 19. Mai 2015 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 39).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte C._ ist des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186
StGB nicht schuldig und wird von diesem Vorwurf freigesprochen.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 1'700.– Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung
CHF 4'700.– Total
3. Die Entscheidgebühr wird den Privatklägern auferlegt. Im Umfang, in dem
die Einstellungs- und Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft
See/Oberland vom 26. März 2014 nicht in Rechtskraft erwachsen ist, wird
die Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung auf die Gerichtskasse
genommen.
4. Die Privatkläger werden verpflichtet, der Beschuldigten für ihre Aufwendun-
gen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte eine Entschädi-
gung von CHF 9'450.– (darin eingeschlossen 8 % Mehrwertsteuer) zu be-
zahlen.
5. Der Beschuldigten wird weder eine Entschädigung für wirtschaftliche Ein-
bussen noch eine Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer
persönlichen Verhältnisse zugesprochen.
6. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens UE140095-O werden auf die Ge-
richtskasse genommen.
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7. Der Beschuldigten wird für das Beschwerdeverfahren UE140095-O eine
Entschädigung von CHF 1'161.– (darin eingeschlossen 8 % Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse zugesprochen.
8. Den Privatklägern wird für das Beschwerdeverfahren UE140095-O eine Ent-
schädigung von CHF 2'970.– (darin eingeschlossen 8 % Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse zugesprochen.
9. Mündliche Eröffnung und Begründung sowie schriftliche Mitteilung als un-
begründetes Urteil und hiermit als begründetes Urteil im Sinne von Art. 82
Abs. 2 StPO an
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 101)
1. Ziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Meilen sei bezüglich der Höhe
der Entschädigung aufzuheben und es sei die Entschädigung für das
erstinstanzliche Verfahren und das Vorverfahren auf CHF 30'623.45
(zzgl. Mehrwertsteuer) festzusetzen;
2. Ziffer 7 des Urteils des Bezirksgerichts Meilen sei bezüglich der Höhe
der Entschädigung aufzuheben und es sei die Entschädigung für das
Beschwerdeverfahren auf CHF 1'290.– (zzgl. Mehrwertsteuer) festzu-
setzen;
3. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Meilen zu bestätigen;
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% Mehrwertsteuer)
zulasten der Berufungskläger, evenutaliter zulasten der Staatskasse.
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b) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 94, schriftlich)
Verzicht auf Antragstellung
c) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 100)
1. Die Dispositiv-Ziff. 1 (Freispruch vom Vorwurf des Hausfriedens-
bruchs), Ziff. 3 Satz 1 (Auferlegung Entscheidgebühr zu Lasten der Pri-
vatkläger) und Ziff. 4 (Parteientschädigung zu Gunsten der Beschuldig-
ten und zu Lasten der Privatkläger) des Urteils des Bezirksgerichts
Meilen vom 27. November 2015 seien aufzuheben.
2. Es sei die Beschuldigte des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186
StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.
3. Es sei die Entscheidgebühr des erstinstanzlichen Verfahrens der Be-
schuldigten aufzuerlegen, eventualiter auf die Staatskasse zu nehmen.
4. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, den Privatklägern eine Entschädi-
gung von CHF 12'903.84 inkl. MWST für das erstinstanzliche Verfah-
ren auszurichten.
5. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens der Beschuldigten auf-
zuerlegen, eventualiter auf die Staatskasse zu nehmen.
6. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, den Privatklägern für das Beru-
fungsverfahren eine Entschädigung von CHF 7'786.80 inkl. MWST
auszurichten.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Am 27. August 2013 kam es in der Wohnung der Privatkläger in Meilen zu
einem Aufeinandertreffen des Privatklägers 1 mit der Beschuldigten und D._.
In dessen Nachgang erstatteten die Privatkläger Strafantrag wegen Haus-
friedensbruchs (Urk. 2 und 3). Die daraufhin von der Staatsanwaltschaft
See/Oberland wegen Hausfriedensbruchs und weiterer Delikte geführte Straf-
untersuchung wurde am 26. März 2014 eingestellt resp. nicht anhand genommen
(Urk. 17). Gegen diese Einstellungs- und Nichtanhandnahmeverfügung führten
die Privatkläger (teilweise) erfolgreich Beschwerde bei der III. Strafkammer des
Obergerichts des Kantons Zürich. Nach diesem Entscheid war die Untersuchung
nur, aber immerhin, wegen Hausfriedensbruchs zufolge Verweilens trotz Aufforde-
rung zum Verlassen der Wohnung weiter zu führen. Nach Ergänzung der Unter-
suchung erhob die Staatsanwaltschaft See/Oberland beim Einzelgericht in Straf-
sachen des Bezirkes Meilen Anklage gegen die Beschuldigte wegen Hausfrie-
densbruchs. Die Staatsanwaltschaft und die Beschuldigte beantragten einen Frei-
spruch, die Privatkläger einen Schuldspruch. Das Einzelgericht sprach die Be-
schuldigte am 27. November 2015 vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs im Sinne
von Art. 186 StGB frei, auferlegte die Entscheidgebühr den Privatklägern, nahm
die Gebühr für die Untersuchungsführung im Umfang, in welchem die Einstel-
lungs- und Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland
vom 26. März 2014 nicht in Rechtskraft erwachsen war, auf die Gerichtskasse,
und verpflichtete die Privatkläger zur Zahlung einer Entschädigung von
Fr. 9'450.– an die Beschuldigte. Zudem entschied das Einzelgericht, die Kosten
des vorgängigen Beschwerdeverfahrens UE140095-O auf die Gerichtskasse zu
nehmen und der Beschuldigten und den Privatklägern für das Beschwerdever-
fahren UE140095-O je eine Entschädigung zuzusprechen (Urk. 35, S. 30 ff.).
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2. Gegen dieses Urteil meldeten die Privatkläger am 1. Dezember 2015
(Urk. 73) und die Beschuldigte am 7. Dezember 2015 (Urk. 74) fristgerecht Beru-
fung an. Die Privatkläger reichten am 11. April 2016 innert Frist ihre Berufungser-
klärung ein (Urk. 83/1). In dieser Berufungserklärung beantragten die Privatkläger
die Aufhebung der Dispositivziffern 1 (Freispruch), 3 Satz 1 (Auferlegung Ent-
scheidgebühr zulasten der Privatkläger) und 4 (Parteientschädigung zugunsten
der Beschuldigten und zulasten der Privatkläger), die Schuldigsprechung der Be-
schuldigten wegen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, deren an-
gemessene Bestrafung unter Auflage der Kosten und ihre Verpflichtung zur Zah-
lung einer Entschädigung an die Privatkläger für das erstinstanzliche Verfahren
sowie Auflage der Kosten des Berufungsverfahrens an die Beschuldigte und de-
ren Verpflichtung zur Zahlung einer Entschädigung an die Privatkläger für das Be-
rufungsverfahren (Urk. 83/1, S. 2).
Die Beschuldigte hingegen liess die Frist zur Einreichung der Berufungs-
erklärung ungenutzt verstreichen. Entsprechend wurde auf ihre Berufung mit Be-
schluss vom 1. Juni 2016 nicht eingetreten (Urk. 87).
3. Mit Präsidialverfügung vom 1. Juni 2016 wurde den Privatklägern eine
Frist zur Zahlung einer Kaution von Fr. 4'000.– angesetzt, welche fristgerecht ge-
leistet wurde (Urk. 89 und 91/1). Mit Präsidialverfügung vom 13. Juni 2016 wurde
der Staatsanwaltschaft See/Oberland und der Beschuldigten Frist zur Anschluss-
berufung angesetzt (Urk. 92). Mit Schreiben vom 17. Juni 2016 verzichtete die
Staatsanwaltschaft See/Oberland auf eine Anschlussberufung, erklärte, sich am
weiteren Verfahren nicht aktiv beteiligen zu wollen, und ersuchte um Dispensation
von der Berufungsverhandlung (Urk. 94). Die Beschuldigte hingegen erhob mit
Schreiben vom 7. Juli 2016 fristgerecht Anschlussberufung, wobei sie die Höhe
der Entschädigungen gemäss Dispositivziffern 4 und 7 des Urteils des Bezirks-
gerichts Meilen vom 27. November 2015 anfocht und die Festsetzung einer Ent-
schädigung für das erstinstanzliche Verfahren von Fr. 30'623.45 (zuzüglich
Mehrwertsteuer) und für das Beschwerdeverfahren von Fr. 1'290.– (zuzüglich
Mehrwertsteuer) beantragte (Urk. 95/1).
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4. Gemäss Art. 402 in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung im
Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des an-
gefochtenen Urteils dementsprechend gehemmt. Nachdem die Dispositivziffer 2
(Kostenfestsetzung), die Dispositivziffer 3 Satz 2 (teilweise Übernahme der Ge-
bühr für die Führung der Strafuntersuchung auf die Gerichtskasse), die Disposi-
tivziffer 5 (keine Entschädigung und keine Genugtuung an die Beschuldigte), die
Dispositivziffer 6 (Übernahme der Kosten des Beschwerdeverfahrens UE140095-
O auf die Gerichtskasse) und 8 (Entschädigung der Privatkläger für das Be-
schwerdeverfahren UE140095-O) nicht angefochten worden sind (Urk. 83/1 und
95/1), ist mittels Beschlusses festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in die-
sem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
5. In der heutigen Berufungsverhandlung stellten die Parteien die eingangs
aufgeführten Anträge. Das Verfahren ist spruchreif.
II. Tatsächliches
1. Der Beschuldigten wird in der Anklageschrift vorgeworfen, sich am
27. August 2013 um ca. 11 Uhr zusammen mit ihrem Ehemann D._ in die
Wohnung der beiden Privatkläger begeben zu haben und dort den Privatkläger 1
im Rahmen einer bestehenden Meinungsverschiedenheit im Zusammenhang mit
ihrem nachbarschaftlichen Verhältnis sogleich angeschrien zu haben. In der Folge
habe die Beschuldigte sich geweigert, der Aufforderung des Privatklägers 1 nach-
zukommen, dessen Wohnung zu verlassen, und sei während etwas mehr als
neun Minuten gegen den Willen des Privatklägers 1 in dessen Wohnung verblie-
ben, obwohl er die Beschuldigte bereits nach ca. 30-45 Sekunden nach Betreten
der Wohnung ein erstes Mal und während der folgenden ca. neun Minuten min-
destens sieben weitere Male angewiesen habe, diese zu verlassen. Dies habe die
Beschuldigte im Wissen darum getan, dass ihre Anwesenheit nicht erwünscht
gewesen sei (Urk. 39, S. 2 ). Damit habe sich die Beschuldigte des Hausfriedens-
bruchs im Sinne von Art. 186 StGB schuldig gemacht.
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2. Die Beschuldigte ist nicht geständig und verlangt einen Freispruch von
Schuld und Strafe. Insbesondere bestreitet die Beschuldigte, dass der Privatklä-
ger 1 sie bereits 30-45 Sekunden nach Betreten der Wohnung und danach noch
mindestens weitere sieben Male angewiesen habe, die Wohnung zu verlassen,
was zu tun sie sich geweigert habe. Von der Beschuldigten anerkannt ist lediglich,
dass der Privatkläger 1 die Beschuldigte vor dem Schluss des Aufeinander-
treffens zweimal kurz hintereinander aufgefordert habe, die Wohnung nun zu ver-
lassen, welchem Ansinnen sie dann auch Folge geleistet habe (Prot. I S. 12 f.;
Urk. 6, S. 2 ff., Urk. 25 S. 2 ff.; Prot. II S. 14 f.). Hierbei ist aber wiederum strittig,
wie schnell die Beschuldigte sich diesem Ansinnen fügte. Damit einher geht die
Frage, ob die willen- und wissentliche Missachtung des Hausrechts der Privatklä-
ger durch die Beschuldigte als nachgewiesen gelten kann oder nicht. Der bestrit-
tene Sachverhalt ist durch das Gericht zu erstellen. Die Beweislage präsentiert
sich dabei so, dass die strittigen Sachverhaltselemente drei Personen gesamthaft
und direkt miterlebt haben, nämlich der Privatkläger 1, die Beschuldigte und deren
Ehemann. Ihre Aussagen sind die zentralen Beweismittel. Der Zeuge E._ hat
den ersten Teil der Begegnung der erwähnten drei Personen am Telefon mit-
gehört, die Zeugin F._ befand sich im unteren Stock des Gebäudes, in wel-
chem der Vorfall passierte, und hat den Streit am Rande mitbekommen. Die Aus-
sagen dieser beiden Zeugen sind weitere direkte Beweismittel zur Sachverhalts-
erstellung. Die übrigen Beweismittel, wie z.B. der Polizeirapport, die Personal-
akten etc., sind nur, aber immerhin indirekte Beweismittel. Sie taugen zum Beweis
von Hilfstatsachen oder Indizien, welche wiederum zur Hauptbeweisführung her-
angezogen werden können.
3. Die Erstellung des rechtserheblichen Sachverhaltes erfolgte bereits durch
die Vorinstanz. Diese hat dabei sehr sorgfältig und ausführlich die massgebenden
Beweismittel, die Grundsätze der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung
der Aussagen von Beschuldigten, Privatklägern und Zeugen benannt, die Glaub-
würdigkeit der aussagenden Personen beleuchtet und die Glaubhaftigkeit der
konkreten Aussagen entsprechend diesen Grundsätzen gewürdigt (Urk. 81, S. 8
ff.). Auf diese Ausführungen ist zur Vermeidung von Wiederholungen zu verwei-
sen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu ergänzen und zu präzisieren ist das Folgende:
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4.1 Bei der Würdigung der Aussage des Privatklägers 1 sind zunächst ein-
mal die Umstände der Anzeigeerstattung von Interesse. Ein besonderes Gewicht
erhält eine Erstaussage, die unmittelbar nach dem Vorfall erfolgt, da diese zeitnah
und frei von äusseren Einflüssen ist. Eine solche Aussage fehlt vorliegend. Der
angeklagte Vorfall ereignete sich am 27. August 2013 um ca. 11 Uhr. Unmittelbar
nach dem Vorfall wurde keine Strafanzeige erstattet und keine Polizei involviert,
sondern der Privatkläger 1 ging auf einen längeren Spaziergang mit D._. Ein
erster Kontakt mit der Polizei erfolgte am 28. August 2013 um 15:24 Uhr, als der
Privatkläger 1 sich telefonisch bei der Polizeistation Meilen meldete und sich dort
über die rechtlichen Möglichkeiten informieren liess. Eine Anzeige erfolgte nicht.
Am 5. September 2013 meldete sich der Privatkläger 1 erneut bei der Polizeista-
tion Meilen und erklärte, Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs stellen zu wollen.
Am 6. September 2013 erschienen beide Privatkläger auf der Polizeistation und
stellten Strafantrag gegen die Beschuldigte wegen Hausfriedensbruchs. In der
Folge wurde der Privatkläger 1 am 23. September 2013 als Geschädigter zum
ersten Mal einvernommen (Urk. 1 S. 3). Diese Umstände zeigen, dass sich der
rechtskundige Privatkläger 1 genau überlegte, ob und wie er Anzeige gegen die
Beschuldigte machen wollte. Er stellte den Strafantrag bei der Anzeigeerstattung
auch nicht alleine, sondern zusammen mit der Privatklägerin 2, wohl weil er sich
überlegte, dass ihnen das Hausrecht gemeinsam zustehe. Dies alles ist legitim
und bei einer Vielzahl von Strafanzeigen so. Gerade in Fällen, in denen die Be-
weisführung nur mittels Personalbeweisen zu führen ist und in denen letztlich
Aussage gegen Aussage steht, kommt den Umständen der Erstaussage aber be-
sonders Gewicht zu und vermögen diese die Beweiskraft der Erstaussage zu un-
terstützen. Hier ist nur, aber immerhin, festzuhalten, dass die Umstände der Erst-
aussage die Beweiskraft der Aussage des Privatklägers 1, der sich in einem
Nachbarschaftsstreit mit der von ihm Beschuldigten befindet, nicht zu stärken
vermögen.
4.2 Zu dieser Erstaussage des Privatklägers 1 ist aber auch zu erwähnen,
dass er die von ihm geltend gemachten verschiedenen Aufforderungen gegen-
über der Beschuldigten, die Wohnung zu verlassen, zumindest teilweise mit spe-
zifischen Details zu unterscheiden vermochte (Urk. 8, S. 2 ff.). So sagte er bei der
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Polizei aus, dass die Beschuldigte, nachdem er die Türe geöffnet habe, auf ihn
eingeschrien und ihn beschimpft habe. Sie habe ihm erklärt, dass sie ihm nun die
Meinung sagen würde und er aufhören solle, solche E-Mails zu schreiben. Er sei
instinktiv ein, zwei Schritte zurückgewichen. Zu diesem Zeitpunkt seien beide
noch vor der Türe gestanden. In der Folge hätten sie die Wohnung in deren Ein-
gangsbereich - einem kleinen Raum von ca. 1,2 x 1,2 m - betreten. Er habe nie-
manden hineingebeten. Die Beschuldigte habe ca. zehn Minuten in extrem gros-
ser Lautstärke auf ihn eingeschrien, sodass nach ca. fünf Minuten die Nachbarin
im 1. Stock, F._, aus der Türe herausgekommen sei und gesagt habe:
"C._ hör auf zu schreien, und bis endlich ruhig." Er habe schnell gesagt:
"Verlönd sofort diä Wohnig." Dies sei nicht passiert. Die Beschuldigte habe ihm
gesagt, sie seien nicht an einer Gerichtsverhandlung, sondern würden jetzt mitei-
nander reden. Er sei instinktiv immer mehr zurückgewichen und rückwärts zuerst
die erste, dann die zweite Stufe der Treppe hochgegangen. Die Beschuldigte sei
ihm nachgegangen. Zeitweise habe sie nur noch einen Abstand von ca. 50 cm zu
ihm gehabt. Er habe nochmals wiederholt: "Verlönd sofort mein Haus, oder ich
hole die Polizei." Er sei rückwärts auf die dritte Stufe und am Schluss sogar auf
die vierte Stufe gegangen, weil die Beschuldigte immer weiter geschrien habe.
Die Beschuldigte sei am Schluss auf der zweiten oder dritten Stufe gestanden. Er
habe zu D._ gesagt: "D._, nimm sie zrugg, das isch inakzeptabel das
Verhalte. Ich chan das Verhaltä nöd akzeptiärä und bitte üch, d Wohnig z'verlaa."
Als er ca. auf der vierten Stufe gestanden sei und die Beschuldigte sich immer
weiter genähert habe – D._ sei immer noch im Eingangsbereich gestanden
und habe nichts gesagt – habe er sie mit seiner rechten Hand an ihrem rechten
Unterarm gefasst und sie leicht zurückgeschubst. Er habe signalisieren wollen:
So nicht, jetzt zurück. Darauf habe D._ gesagt: "Fasse meine Frau nicht an."
Der Privatkläger 1 habe ihm darauf gesagt, er - D._ - müsse sich darum kei-
ne Sorgen machen, er - der Privatkläger 1 - werde dies sicher nicht tun. Er habe
D._ gesagt, dass er ihnen jetzt insgesamt acht Mal gesagt habe, sie müssten
seine Wohnung verlassen. Dies sei nicht passiert. Er habe überlegt, was er ma-
chen müsse, damit sie seine Wohnung verliessen. Die Beschuldigte habe wieder
geschrien: "Jetzt gehen wir in deine Wohnung hoch und reden miteinander. Du
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bist ja auch schon in unserer Wohnung gewesen." Er habe ihr gesagt, dass sie
mit Sicherheit nicht in seiner Wohnung reden würden. Er sei aber bereit, mit
D._ nach draussen zu gehen, etwas zu spazieren und sich zu unterhalten.
Aber mit jemandem, der so hysterisch und laut sei, sei er nicht bereit zu diskutie-
ren. Als er sich bereit erklärt habe, mit D._ zusammen zu reden, und dieser
die Beschuldigte auch aufgefordert habe, die Wohnung zu verlassen, sei sie auch
gegangen. Sie sei die Treppe nach unten gegangen und habe seine Wohnung
verlassen.
4.3 Auffallend ist hier zunächst einmal die Aussage, dass die Beschuldigte
nach der ersten Aufforderung des Privatklägers 1, die Wohnung zu verlassen,
entgegnet haben soll, dass sie hier nicht an einer Gerichtsverhandlung seien und
jetzt miteinander reden würden. Hier benennt der Privatkläger 1 ein originelles Kri-
terium, welches dieser Aussage angesichts der Situation (die Beschuldigte ist an-
erkanntermassen erbost und will den Privatkläger 1 mit ihrer Sicht der Dinge kon-
frontieren; beim Privatkläger 1 handelt es sich bekanntermassen um einen auch
forensisch tätigen Rechtsanwalt) ein hohes Mass an Glaubhaftigkeit verschaffen
kann. Die zweite Aufforderung, dass Haus zu verlassen, habe er dann ausge-
sprochen, als er auf der Treppe gestanden und die Beschuldigte ihm bis auf ca.
50 cm Abstand gefolgt sei (Urk. 8, S. 2). Dabei habe er gesagt: "Verlönd sofort
mein Haus, oder ich hole die Polizei" (Urk. 8, S. 2). Auch hier schildert der Privat-
kläger 1 ein neues, originelles Detail, nämlich, dass er mit der Polizei gedroht hat-
te. Diesbezüglich ist aber mit der Vorinstanz festzuhalten, dass - entgegen der
Auffassung des Vertreters der Privatkläger (Urk. 100, S. 6 f.) - nicht verständlich
ist, weshalb der Privatkläger 1 mit dem Beizug der Polizei gedroht haben soll, die-
se dann aber gleichwohl nicht avisiert hat, obwohl nach seinen eigenen Aussagen
die Beschuldigte seiner Aufforderung keine Folge geleistet habe, sondern ihm
weiter auf der Treppe gefolgt sein soll, sie ihn noch während mehreren Minuten in
der Wohnung angeschrien haben soll, und er das Haustelefon griffbereit bei sich
in der Hosentasche hatte. Selbst wenn der Akku des Telefons zu diesem Zeit-
punkt bereits leer gewesen wäre, wie der Vertreter des Privatklägers 1 geltend
macht (Urk. 100, S. 6 f.), hätte der Privatkläger 1 ein anderes Telefon benutzen
können. Die dritte Aufforderung sei nach den Angaben des Privatklägers 1 dann
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mit den Worten erfolgt: "D._, nimm sie zrugg, das isch inakzeptabel das Ver-
halte. Ich chan das Verhaltä nöd akzeptiärä und bitte üch, d Wohnig z'verlaa"
(Urk. 8, S. 2). Danach sei er ca. auf der vierten Stufe seiner Treppe gestanden
und die Beschuldigte habe sich ihm weiter genähert, worauf er sie mit der rechten
Hand an ihrem rechten Unterarm gefasst und zurückgeschoben habe. D._
habe ihm daraufhin gesagt, er solle dessen Frau nicht anfassen, worauf er ent-
gegnet habe, er müsse sich da keine Sorgen machen, aber er habe ihnen jetzt
schon achtmal gesagt, sie müssten seine Wohnung verlassen, ohne dass sie die-
sem Ansinnen Folge geleistet hätten. Daraufhin habe der Privatkläger 1 vorge-
schlagen, das Gespräch mit D._ draussen weiterzuführen, worauf sich die
Beschuldigte und D._ aus der Wohnung entfernt hätten (Urk. 8, S. 3). Hier ist
festzuhalten, dass diese letzten Schilderungen in wesentlichen Teilen mit den
Aussagen der Beschuldigten und D._s übereinstimmen, nämlich so weit sie
auch ausdrücken, dass der Privatkläger 1 gegen Ende der Unterredung die Be-
schuldigte zumindest zweimal aufgefordert habe, die Wohnung zu verlassen, wo-
bei er sie zwischen den Aufforderungen am Arm gepackt habe, darauf ein Wort-
wechsel mit D._ bezüglich des Anfassens der Beschuldigten gefolgt sei und
die Beschuldigte die Wohnung anschliessend verlassen habe. In den Aussagen
der beiden anderen Direktbeteiligten findet sich sodann auch die Beschreibung,
dass der Privatkläger 1 vorschlug, das Gespräch draussen und alleine mit
D._ weiter zu führen, worauf man sich dann auch verständigte. Hier ist zu
konstatieren, dass der Privatkläger 1 drei Aufforderungen an die Beschuldigte, die
Wohnung zu verlassen, darlegt, und dann zusammenfassend ausführt, er habe
die Beschuldigte bereits achtmal aufgefordert, die Wohnung zu verlassen. Die
letzte dieser drei genannten Aufforderungen findet sich auch in den Schilderun-
gen der Beschuldigten und von D._. Damit sind bei genauer Betrachtung nur
die beiden ersten Aufforderungen strittig. Strittig bleiben zudem weitere wichtige
Details: Hat sich die Beschuldigte nach der Aufforderung, die Wohnung zu ver-
lassen, dem Privatkläger 1 weiter genähert oder stand sie da schon still? Wann
genau verliess die Beschuldigte die Wohnung? Erst nachdem man sich darauf
geeinigt hatte, das Gespräch unter den Männern draussen weiter zu führen, oder
während resp. vor dieser Einigung? Hierauf ist später zurückzukommen.
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4.4 Die Vorinstanz erkannte in den Aussagen des Privatklägers 1 einen
Widerspruch in einem zentralen Punkt, nämlich dem Zeitpunkt, in welchem er die
Beschuldigte zum ersten Mal zum Verlassen der Wohnung aufgefordert haben
soll. Sie machte geltend, in der vorgenannten Schilderung habe er ausgeführt,
erst nachdem F._ hinaufgerufen habe, die Beschuldigte solle aufhören her-
umzuschreien, die Beschuldigte erstmals zum verlassen der Wohnung aufgefor-
dert zu haben (Urk. 81, S. 43 f.). Dieser Zwischenruf von F._ sei aber nicht
zu Beginn des ca. zehnminütigen Streitgesprächs erfolgt, sondern nach ca. fünf
Minuten, also etwa in der Mitte. Diese Aussage kontrastiere mit der Behauptung
des Privatklägers 1, die Beschuldigte bereits zu Beginn des Gesprächs, nach ca.
30-45 Sekunden erstmals aufgefordert zu haben, die Wohnung zu verlassen. Mit
dem Vertreter des Privatklägers 1 (Urk. 83/1, S. 4 f.; Urk. 100, S. 3 f.) ist hier aber
festzuhalten, dass sich diese Interpretation der Aussage des Privatklägers 1 nicht
zwangsläufig ergibt. Ebenso möglich erscheint, dass die Aussage "Ich sagte
schnell: 'Verlönd sofort diä Wohnig.' Was nicht passiert war, sondern sie sagte
mir, wir seien nicht an einer Gerichtsverhandlung, sondern jetzt reden wir mitei-
nander." (Urk. 8, S. 2) sich wieder auf den gesamten Vorfall bezog und "schnell"
nicht in einem zeitlichen Konnex zum Hinaufrufen von F._ stand, sondern
zum ganzen Streitgespräch. Diese Folgerung drängt sich auf, wenn man nicht nur
diese beiden Sätze zueinander in Verbindung bringt, sondern die ganze (vorste-
hend geschilderte) Antwort des Privatklägers 1 auf die Frage 6 in Betracht zieht.
Zudem hat der Vertreter des Privatklägers 1 richtig festgehalten, dass die beiden
genannten Sätze zeitlich nicht miteinander verbunden wurden (z.B. mit "dann",
"danach" oder "anschliessend"; Urk. 83/1, S. 5; Urk. 100, S. 3).
5.1 Zu den Aussagen der Beschuldigten: Sie führte anlässlich ihrer polizei-
lichen Einvernahme aus (Urk. 6, S. 3 ff.), dass sie und ihr Ehemann D._ um
ca. 11:00 Uhr zur Wohnung der Privatkläger 1 gegangen seien und dort geklingelt
hätten. Der Privatkläger 1 sei nach unten gekommen und habe trotz 'Guggloch'
gefragt, wer da sei. D._ habe darauf "C._ und D._" geantwortet.
Der Privatkläger 1 habe gesagt: "Moment bitte, ich bin am Telefon, ich komme
gleich." Sie hätten ca. zehn Minuten vor der Türe gewartet, dann habe der Privat-
kläger 1 geöffnet. Der Privatkläger 1 habe Platz gemacht, sei auf die Treppe ge-
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treten und habe sie so hereingelassen. Dann habe sie das Gespräch eröffnet und
dem Privatkläger 1 gesagt, dass er bitte aufhören solle, sie im ganzen Haus zu
verleumden und eine Lösung im Zusammenhang mit dem Wasserschaden zu be-
hindern. Der Privatkläger 1 habe so getan, als würde er nicht wissen, wovon sie
rede. Er habe die Sache auf andere Personen abgeschoben und so getan, als ob
er von nichts wüsste. Dann habe der Privatkläger 1 sie aufgefordert, die Wohnung
zu verlassen. Er habe plötzlich etwas die Kontrolle über sich verloren. Es sei ge-
wesen, als würde er sich nicht spüren. Als sie im Begriff gewesen sei, die Woh-
nung zu verlassen, habe er sie am Arm gefasst und zurückgestossen. Daraufhin
habe sie die Wohnung verlassen. Der Privatkläger 1 habe gesagt, dass er gerne
mit ihrem Mann reden würde. Sie sei im Gang gestanden und habe zugeschaut
(Urk. 6, S. 3). Auf Nachfrage, wie lange sich die Beschuldigte insgesamt in der
Wohnung aufgehalten habe, führte diese aus: "circa 10 Minuten" (Urk. 6, S. 4).
Sie führte weiter aus, dass der Privatkläger 1 die Türe geöffnet habe und dann zur
Seite getreten sei. Sie habe deshalb die Wohnung betreten. Sie habe nur mit ihm
reden wollen. Sie hätte keinen Grund gehabt, in seine Wohnung zu gehen. Das
Gespräch hätte auch im Gang stattfinden können. Sie habe einfach die Sache
klären wollen (Urk. 6, S. 5). Sie sei weiter in den Vorraum getreten, weil der Pri-
vatkläger 1 auf der Treppe gestanden sei und man ihn nicht gesehen habe. Die
Treppe stehe im rechten Winkel zum Eingang (Urk. 6, S. 5). Auf die Frage, wie oft
der Privatkläger 1 sie aufgefordert habe, die Wohnung zu verlassen, erklärte sie:
"Zweimal hintereinander. Er forderte mich auf zu gehen. Wenige Sekunden später
packte er mich schon am Arm und schob mich zurück" (Urk. 6, S. 4). Der Privat-
kläger 1 habe sie zweimal kurz nacheinander zum Verlassen der Wohnung auf-
gefordert. Als sie im Begriff gewesen sei, die Wohnung zu verlassen, habe er sie
am Arm gepackt und nochmals gesagt, dass sie seine Wohnung verlassen solle
(Urk. 6, S. 5). Auf den Vorhalt, sie solle dem zurückweichenden Privatkläger 1
nochmals zwei bis drei Stufen die Treppe hoch gefolgt sein und ihn dabei ange-
schrien haben, erklärte die Beschuldigte, es sei so gewesen, dass sie energisch
miteinander gesprochen hätten, wobei der Privatkläger 1 alles zurückgewiesen
habe. Er sei gar nicht auf sie eingegangen. Er sei oben gestanden und sie unten.
Er habe gesagt, sie spinne, und sei dabei nochmals zwei Schritte nach oben ge-
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gangen. Sie sei ihm darauf nachgegangen. Das treffe zu. Sie habe das getan,
damit sie wieder einen normalen Abstand voneinander gehabt hätten. Auf die
nächste Frage, wo sie gestanden sei, als der Privatkläger 1 sie am Arm angefasst
und zurückgestossen habe, führte sie aus, dass dies genau zu diesem Zeitpunkt
gewesen sei. Er habe sie aufgefordert, die Wohnung zu verlassen. Als sie sich
habe umdrehen wollen, habe er sie am Arm angefasst und zurückgeschoben
(Urk. 6, S. 6).
In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft führte die Beschuldigte aus,
dass, als der Privatkläger 1 ihr gesagt habe, sie solle die Wohnung verlassen, sie
sich sofort umgedreht habe. Während dem sie sich umgedreht habe, habe der
Privatkläger 1 nochmals "gang use" gesagt, sie am Arm gepackt und gegen die
Wand gedrückt. Daraufhin habe sie die Wohnung verlassen (Urk. 25.1, S. 2). Die-
se Anpassung der Aussage zu ihren Gunsten in einer Einvernahme, welche ein-
einhalb Jahre nach dem Vorfall erfolgte, ist jedenfalls nicht glaubhaft. Während
sie in der ersten Einvernahme ausführte, sie habe sich gerade umdrehen wollen,
als sie der Privatkläger 1 am Arm anfasste, führte sie hier aus, er habe sie wäh-
rend des Umdrehens am Arm angefasst. Hier ist auf die erste Aussage abzustel-
len. Nach ihrer ersten Aussage hat sie sich entschieden, die Wohnung zu verlas-
sen. Sie habe sich deshalb umdrehen und die Treppe nach unten gehen wollen.
Noch bevor sie dies aber getan habe, habe sie der Privatkläger 1 am Arm gepackt
und zurückgeschoben. Diese Schilderung ist stimmig und wird von D._ be-
stätigt (Urk. 7, S. 3). Ihr schadet auch nicht, dass der Privatkläger 1 in der polizei-
lichen Einvernahme zunächst ausführte, er habe der Beschuldigten und D._
gesagt: "D._, nimm sie zrugg, das isch inakzeptabel das Verhalte. Ich chan
das Verhalte nöd akzeptiärä und bitte üch, d Wohnig z'verlaa", und danach aus-
führte, dass er auf der vierten Stufe gestanden sei und sich die Beschuldigte im-
mer weiter genähert habe, worauf er sie mit seiner rechten Hand an ihrem rechten
Unterarm gepackt und leicht zurückgeschubst habe (Urk. 8, S. 2). Bereits vorste-
hend wurde darauf hingewiesen, dass die Schilderungen des Privatklägers 1 nicht
streng chronologisch erfolgten. Aus diesem Grund ist auch hier sehr wohl denk-
bar, dass das Nachfolgen der Beschuldigten auf der Treppe vor oder während der
Aufforderung des Privatklägers 1, die Wohnung zu verlassen, erfolgte. Damit lässt
- 16 -
sich nicht widerlegen, dass die Beschuldigte, nachdem der Privatkläger 1 diese
Aufforderung an sie ausgesprochen hatte, für sich entschied, umzukehren, die
Treppe wieder hinunterzusteigen und die Wohnung zu verlassen. Dies zeigt dar-
über hinaus, dass das, was die Beschuldigte wollte, und das, was der Privatkläger
1 dachte, was sie tun wollte, nicht zwingend übereinstimmen musste. Mit Blick auf
diese Konkretisierung lässt sich auch der Vorbehalt der Vorinstanz (Urk. 81, S.
35) und des Rechtsvertreters des Privatklägers 1 (Urk. 83/1, S. 4) gegen diese
Schilderung der Beschuldigten entkräften. Dass der Privatkläger 1 hier die Be-
schuldigte am Arm fasste und sie zurückschob, macht aus seiner Sicht Sinn, ging
er doch davon aus, dass die Beschuldigte sich ihm weiter nähern würde, während
die Beschuldigte aber bereits für sich entschieden hatte, der Aufforderung nach-
zukommen. Im Kern lassen sich hier die Schilderungen aller drei Direktbeteiligten
widerspruchsfrei und sinnvoll verbinden.
5.2 Zu den Aussagen von D._: Er führte aus, dass er und die Beschul-
digte bei den Privatklägern geklingelt hätten. Sie hätten zwei bis drei Minuten ge-
wartet und seien wieder in ihre Wohnung zurückgegangen. Dann hätten sie von
oberhalb ein leichtes Poltern gehört und daraus geschlossen, dass jemand anwe-
send sei. Fünfzehn Minuten nach dem ersten Klingeln hätten sie nochmals an der
Türe des Privatklägers geklingelt und gehört, wie jemand die Treppe herunterge-
kommen sei. Der Privatkläger 1 habe durch die Türe gefragt, wer draussen sei. Er
habe "D._ und C._" geantwortet, worauf der Privatkläger 1 erklärt habe,
dass er am Telefon sei, aber gleich kommen werde. Sie hätten dann fünf bis zehn
Minuten im Treppenhaus gewartet. Dann habe der Privatkläger 1 die Türe geöff-
net und sie in die Wohnung hineingelassen. Der Privatkläger 1 habe sich einige
Stufen die Treppe hochbegeben und die Beschuldigte habe das Gespräch eröff-
net. Sie habe den Privatkläger 1 gebeten, E-Mails, welche aus ihrer Sicht Un-
wahrheiten enthalten würden, nicht weiter zu versenden. Der Privatkläger 1 sei
darauf nicht eingegangen. Dann habe die Beschuldigte den Umstand richtig stel-
len wollen, dass es nicht richtig sei, dass die Stockwerkeigentümergemeinschaft
die Kosten des Wasserschadens übernehmen müsse, da dies unter Garantie lau-
fe. Auch darauf sei der Privatkläger 1 nicht eingegangen. Der Privatkläger 1 habe
sich ein, zwei Treppenstufen hinauf begeben und die Beschuldigte aufgefordert,
- 17 -
die Wohnung zu verlassen. Seiner Meinung nach sei sie im Begriff gewesen, die
Wohnung zu verlassen, als der Privatkläger 1 sie am Arm gepackt und zurückge-
stossen habe. Dabei habe der Privatkläger 1 ihr erneut gesagt: "Jetzt verlasse
meine Wohnung." Er sei über die heftige Reaktion des Privatklägers 1 überrascht
und einen Moment lang perplex gewesen. Er glaube, dass auch der Privatkläger 1
für einen Moment erschrocken sei. Die Beschuldigte habe die Fassung wieder ge-
funden, die Wohnung verlassen und sich ins Treppenhaus begeben. Der Privat-
kläger 1 habe sich bereit erklärt, mit ihm weiter zu sprechen, wobei er (D._)
die Beschuldigte gebeten habe, in ihre Wohnung zurück zu gehen, und gesagt
habe, dass er mit dem Privatkläger 1 reden würde. Sie habe gefragt, ob er sicher
sei, dass er dies so tun wolle. Er habe ihr versichert, dass dies ok sei und sie zu
beruhigen versucht. Sie sei sehr erschrocken gewesen. Darauf habe der Privat-
kläger 1 auch ihn aufgefordert, die Wohnung zu verlassen. Der Privatkläger 1
würde sich die Schuhe anziehen und käme gleich nach draussen. D._ habe
dann auch die Wohnung verlassen und der Privatkläger 1 habe die Türe hinter
ihm geschlossen (Urk. 7, S. 3). Damit lässt sich festhalten, dass sowohl D._
als auch die Beschuldigte und der Privatkläger 1 übereinstimmend schildern, dass
Letzterer gegen Ende der Unterredung die Beschuldigte zumindest zweimal auf-
gefordert hatte, die Wohnung zu verlassen, wobei er sie zwischen den Aufforde-
rungen am Arm gepackt hatte, darauf ein Wortwechsel mit D._ bezüglich des
Anfassens der Beschuldigten folgte und die Beschuldigte die Wohnung anschlies-
send verliess. Dieses von allen drei Direktbeteiligten geschilderte Kerngeschehen
kann deshalb zumindest einmal so als erstellt betrachtet werden.
6.1 Zur Frage der Dauer des Verweilens der Beschuldigten, nachdem diese
vom Privatkläger 1 aufgefordert worden ist, die Wohnung zu verlassen, führte
D._ in der polizeilichen Einvernahme aus, dass sie ca. fünf bis zehn Minuten
in der Wohnung der Privatkläger gewesen seien. Nach der ersten Aufforderung
zum Verlassen der Wohnung sei die Beschuldigte noch "maximal eine Minute,
vielleicht auch weniger" in der Wohnung verblieben. Diese sei erfolgt, nachdem
die Beschuldigte laut geworden sei und der Privatkläger 1 begonnen habe, rück-
wärts die Treppe hochzugehen (Urk. 7, S. 8). Aus dieser Aussage zu schliessen,
dass D._ hier zugestehe, dass die Aufforderung an die Beschuldigte, die
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Wohnung zu verlassen, bereits ganz zu Beginn des Vorfalls erfolgt sei, weil die
Beschuldigte von Beginn an laut geschrien habe und der Privatkläger 1 bereits zu
Beginn die Treppe zwei Stufen hoch gegangen sei, ist falsch. D._ hat ja im
Gegenteil betont, dass sie zehn Minuten lang in der Wohnung gewesen seien und
die Beschuldigte eine knappe Minute nach der Aufforderung die Wohnung verlas-
sen habe. Die Aussage ist viel mehr so zu verstehen, dass sich die (bereits laute)
Tonalität noch einmal verschärfte, worauf der Privatkläger 1 die Treppe (noch
einmal) ein paar Stufen hinauf ging, die Beschuldigte ihm folgte, und der Privat-
kläger 1 dann zum ersten Mal die Beschuldigte aufforderte, die Wohnung zu ver-
lassen. Dass der Privatkläger 1, kurz bevor er die Beschuldigte am Arm anfasste,
die Treppe noch einmal weiter hochgestiegen sei, bestätigten sowohl jener (Urk.
8, S. 2 ) als auch die Beschuldigte (Urk. 6, S. 6).
6.2 Die Beschuldigte führte in der polizeilichen Einvernahme aus, dass sie
lediglich zwei bis drei Sekunden lang in der Wohnung verblieben sei, nachdem sie
zum Verlassen aufgefordert worden sei (Urk. 6, S. 4). In der staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme sagte sie auf Vorhalt der Aussage von D._, dass sie viel
weniger als eine Minute nach der Aufforderung in der Wohnung verblieben sei.
Zeitmessungen seien schwierig, umso mehr bei emotionaler Belastung, und ihr
Ehemann sei sehr schockiert gewesen, nachdem der Privatkläger 1 sie am Arm
gepackt und an die Wand gedrückt hätte (Urk. 25.1, S. 5). Sie blieb dabei, nach
der Aufforderung zum Verlassen der Wohnung nur ein paar wenige Sekunden
lang in dieser verblieben zu sein (Urk. 25.1, S. 2). Diese zeitlichen Einschätzun-
gen der Beschuldigten erscheinen in jeder Hinsicht als beschönigt. Allein wenn
man bedenkt, dass sie nach der Aufforderung vom Privatkläger 1 noch auf der
Treppe stehend am Arm gepackt wurde, jener sie nochmals aufforderte, die Woh-
nung zu verlassen, danach D._ den Privatkläger 1 anwies, die Beschuldigte
nicht anzufassen, Letzterer dies zusagte und die Beschuldigte danach die Woh-
nung verliess, erkennt man, dass dieser ganze Ablauf niemals nur zwei bis drei
Sekunden oder ein paar wenige Sekunden dauerte. Auch die zeitliche Angabe
von D._ in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ("sieben Sekunden")
erscheint eindeutig als zu kurz und als beschönigte Angabe zugunsten der Be-
schuldigten (Urk. 26.1, S. 3 und 4). Realistisch erscheint hier eine Zeitspanne von
- 19 -
vielleicht 30 - 40 Sekunden. Eine solche Zeitspanne lässt sich auch mit den An-
gaben von D._ anlässlich der polizeilichen Einvernahme, dass die Beschul-
digte nach der ersten Aufforderung zum Verlassen der Wohnung noch "maximal
eine Minute, vielleicht auch weniger" in der Wohnung verblieben sei, in Einklang
bringen. Eingedenk der Tatsache, dass es sehr schwierig ist, Zeiträume im Nach-
hinein zu schätzen, weshalb diese Schätzungen recht ungenau sind, und in
Nachachtung des Grundsatzes in dubio pro reo, ist bei dieser Sachlage von ei-
nem Verbleib der Beschuldigten nach der ersten Aufforderung von etwa 30 Se-
kunden auszugehen.
6.3 Der Privatkläger 1 schilderte, dass nach dem Wortwechsel mit D._
wegen seines Anfassens der Beschuldigten diese noch gesagt habe, sie würden
jetzt nach oben in die Wohnung des Privatklägers 1 gehen und miteinander re-
den. Sie habe dazu gesagt, er sei ja auch schon in ihrer Wohnung gewesen. Er
habe dann entgegnet, dass man mit Sicherheit nicht in seiner Wohnung oben mit-
einander reden würde (Urk. 8, S. 2 und 3). Diese Schilderung ist nun aber in zeit-
licher Hinsicht kaum glaubhaft. Sie passt nicht in die Chronologie. Es ist schwer
vorstellbar, dass die Beschuldigte gerade dann, als sie vom Privatkläger 1 ange-
fasst und zurückgeschoben wurde und darob sehr erschrak, worauf sich D._
zur Aussage genötigt sah, dass der Privatkläger 1 seine Frau nicht mehr anfassen
solle, gesagt hat, dass man das Gespräch nun oben in dessen Wohnung weiter-
führen solle. Vielmehr ist auch hier zu konstatieren, dass der Privatkläger 1 den
Vorfall nicht streng chronologisch schilderte und dieser Wortwechsel früher statt-
fand. Das manifestiert sich in der Antwort 7 der polizeilichen Einvernahme gerade
noch einmal, als der Privatkläger 1 ausführte, dass er nicht mehr genau wisse,
was die Beschuldigte genau zusammengeschrien habe. Er wisse aber noch wört-
lich, dass sie gesagt habe, wenn er noch einmal so eine E-Mail schreibe, passiere
etwas ganz Schlimmes. Auch diese Aussage ist wohl zeitlich nicht nach dem An-
fassen durch den Privatkläger 1 einzuordnen.
6.4 Schliesslich schildert der Privatkläger 1 hier noch, dass er die Beschul-
digte und D._ auf schwarze Striemen an der Wand hingewiesen habe, die
von den Kleidern der Beschuldigten stammen sollen, sowie, dass die Beschuldig-
- 20 -
te die Wohnung verliess, als er sich bereit erklärt hatte, mit D._ alleine das
Gespräch weiter zu führen, und D._ die Beschuldigte auch aufforderte, die
Wohnung zu verlassen (Urk. 8, S. 3). Diese letzte Aussage widerspricht den Aus-
sagen der Beschuldigten und denjenigen von D._. Die Beschuldigte führte
dazu aus, dass sie die Wohnung nach der Aufforderung des Privatklägers 1 und
nachdem dieser sie am Arm angefasst und zurückgestossen habe, verlassen ha-
be. Der Privatkläger 1 habe gesagt, dass er mit D._ reden würde. Sie sei da-
bei im Gang gestanden und habe zugeschaut, was sich zwischen D._ und
dem Privatkläger 1 ereignete. Sie sei sehr darüber erschrocken, wie stark der Pri-
vatkläger 1 sie angefasst habe. Sie sei dann in ihre Wohnung gegangen, während
der Privatkläger 1 und D._ ca. drei Stunden lang spazieren und miteinander
reden gegangen seien (Urk. 6, S. 4). D._ hielt fest, dass die Beschuldigte im
Begriff gewesen sei, die Wohnung zu verlassen, als der Privatkläger 1 sie am Arm
gepackt und zurückgestossen habe. Dabei habe er zu ihr nochmals gesagt, sie
solle jetzt die Wohnung verlassen. Er sei über die heftige Reaktion des Privatklä-
gers 1 überrascht gewesen. Er glaube, dass auch der Privatkläger 1 einen Mo-
ment lang über sich erschrocken sei. Seine Frau habe dann die Fassung wieder
gefunden, die Wohnung verlassen und sich ins Treppenhaus begeben. Der Pri-
vatkläger 1 habe erklärt, dass er gerne bereit sei, mit D._ weiter zu sprechen,
worauf er die Beschuldigte gebeten habe, in ihre eigene Wohnung zurückzuge-
hen. Er würde mit dem Privatkläger 1 reden. Die Beschuldigte habe gefragt, ob er
sicher sei, dass er dies so tun wolle. Er habe ihr erklärt, dass das für ihn ok sei,
und habe versucht, sie zu beruhigen, da sie ob der Handlung des Privatklägers 1
sehr erschrocken gewesen sei. Darauf habe der Privatkläger 1 auch ihn aufgefor-
dert, die Wohnung zu verlassen. Der Privatkläger 1 habe gesagt, er würde sich
die Schuhe anziehen und käme gleich nach draussen. D._ habe dann auch
die Wohnung verlassen und der Privatkläger 1 habe die Türe hinter ihm geschlos-
sen (Urk. 7, S. 3).
Auch hier ist zu konstatieren, dass beide Versionen möglich erscheinen. Der
Privatkläger 1 hat nach den Angaben der Beschuldigten und von D._ die Be-
schuldigte zweimal explizit aufgefordert, die Wohnung zu verlassen, und dazwi-
schen auch körperlich deutlich gemacht, dass er wollte, dass die Beschuldigte die
- 21 -
Wohnung verliess, weshalb nachvollziehbar erscheint, dass die Beschuldigte al-
leine sich diesem Ansinnen fügte. Gleichzeitig wurde das Gespräch aber zwi-
schen den Männern weitergeführt, wobei vom Privatkläger 1 der Vorschlag kam,
draussen mit D._ weiter zu reden. Auch hier ist nachvollziehbar, dass die
Beschuldigte nicht alleine in ihre Wohnung zurückkehrte, sondern nur die Tür-
schwelle überschritt und von dort den weiteren Verlauf des Gesprächs verfolgte.
Auch die Version des Privatklägers 1 ist plausibel. Aber für sie spricht nicht mehr
als für die Version der Beschuldigten und von D._. Steht so Aussage gegen
Aussage, ist nach dem Grundsatz in dubio pro reo von der für die Beschuldigte
günstigeren Version auszugehen. Dabei ist noch einmal darauf hinzuweisen, dass
D._ in dieser Einvernahme zahlreiche Angaben machte, die sich zulasten
seiner Ehefrau verwerten lassen. Neben dem Zugeständnis, dass diese etwas
weniger als eine Minute nach der ersten Aufforderung die Wohnung verliess, er-
klärte D._ auch, dass man nicht hätte laut werden sollen, dass man auf die
Aufforderung, die Wohnung zu verlassen, schneller hätte reagieren sollen und
dass man den Satz nicht hätte fertig sprechen sollen (Urk. 7, S. 8). Diese Aus-
sagen unterstreichen den Willen von D._, wahrheitsgemäss auszusagen,
und stärken damit die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Schliesslich ist der Voll-
ständigkeit halber aber hier auch festzuhalten, dass sich darüber hinaus aus die-
sen Zugaben nichts ableiten lässt, was sich nicht mit dem vorstehend erstellten
Ergebnis in Einklang bringen liesse.
Was schliesslich die Striemen an der Wand betrifft, so ist mit dem E-Mail-
Verkehr zwischen der Privatklägerin 2 und D._ zumindest erstellt, dass diese
am 27. August 2013 ein Thema waren. Unklar bleibt, ob der Privatkläger 1 diese
Striemen vor oder nach dem Verlassen der Wohnung durch die Beschuldigte an-
sprach. Auch hier ist nach dem Grundsatz in dubio pro reo zugunsten der Be-
schuldigten von Letzterem auszugehen.
7.1 Zu E._: Was die zusätzlichen und insbesondere früher getätigten
Aufforderungen des Privatklägers 1 an die Beschuldigte, die Wohnung zu verlas-
sen, betrifft, verweist der Rechtsvertreter des Privatklägers 1 auf die Aussagen
des Zeugen E._. Dessen Aussagen würden die Darstellung des Privatklä-
gers 1 stützen. E._ habe sich zwar nicht mehr genau an die Worte des von
- 22 -
ihm am Telefon mitgehörten Gesprächs erinnern können. Sinngemäss habe er
aber durchaus Ausführungen machen und bestätigen können, dass die Beschul-
digte bereits zu Beginn des Aufeinandertreffens sehr laut gewesen sei, böse auf
den Privatkläger 1 eingesprochen habe, und habe er den Eindruck erhalten, die
Beschuldigte sei in der Wohnung der Privatkläger nicht erwünscht. Sodann habe
er ausgeführt, er glaube sich erinnern zu können, dass der Privatkläger 1 die Be-
schuldigte zum Verlassen der Wohnung aufgefordert habe (Urk. 83/1, S. 8; Urk.
100, S. 10). Dem ist zu entgegnen, dass der Zeuge E._ keine die Beschul-
digte konkret belastenden Aussagen machte. In der polizeilichen Einvernahme
(Urk. 10, S. 1 ff.) führte er aus, dass er vielleicht eine Minute lang habe zuhören
können. Er habe vor allem die Beschuldigte gehört. Er sei sich nicht sicher, ob der
Privatkläger 1 überhaupt etwas gesagt habe, solange er habe zuhören können.
An einzelne Worte oder Sätze könne er sich nicht erinnern. Auf die konkrete
Nachfrage, ob er eine Aufforderung des Privatklägers 1 gehört habe, dass die
Wohnung zu verlassen sei, sagte er: "Das ist möglich. Ich kann es nicht sagen.
Evtl. ja. Dies könnte schon möglich sein" (Urk. 10, S. 3). Damit vermag E._
die Darstellung des Privatklägers 1 nicht massgeblich zu stützen, wie auch die
Verteidigung zutreffend ausführte (Urk. 101, S. 9 f.). Er sagte zwar, es sei mög-
lich, aber auch, er könne es nicht sagen. Wenn er aber letztlich nicht sagen kann,
ob er gehört hat, dass der Privatkläger 1 die Beschuldigte zum Verlassen der
Wohnung aufgefordert hat, dann vermag seine Aussage die Behauptung des Pri-
vatklägers 1, bereits zu Beginn des Aufeinandertreffens die Beschuldigte zum
Verlassen der Wohnung aufgefordert zu haben, nicht zu bekräftigen.
7.2 Zu F._: Der Rechtsvertreter des Privatklägers 1 verweist bezüglich
der Dauer des Verweilens auf die Aussagen der Zeugin F._, aus denen sich
ergebe, dass die Beschuldigte, nachdem D._ gerufen habe "lang mini Frau
nöd aa", noch während mehreren Minuten weiter geschrien habe (Urk. 26.4, S. 6
und 10, Urk. 83/1, S. 5, Urk. 100, S. 8 und S. 11 f.). Im Nachgang dieser Aussage
habe die Beschuldigte erstmals anlässlich der Einvernahme vom 20. April 2015
ausgeführt, dass sie auch nach dem Verlassen der Wohnung der Privatkläger
noch fünf Minuten im Treppenhaus weiter geschrien habe (Urk. 83/1, S. 6, Urk.
100, S. 9). Soweit die Privatkläger geltend machen wollen, dass die Beschuldigte
- 23 -
hier ihre Aussagen dem Stand des Verfahrens angepasst habe und diese Aus-
sagen deshalb unglaubhaft seien, so mag dies zutreffen. Sofern sie damit aber
belegen wollen, dass die Beschuldigte, nachdem der Privatkläger 1 sie am Arm
gepackt habe, noch während fünf Minuten in der Wohnung verblieben sei, so sind
sie damit nicht zu hören. Diese Aussage von F._ zwei Jahre nach dem Vor-
fall widerspricht den zeitnahen Aussagen von allen drei Hauptbeteiligten (Privat-
kläger 1, Beschuldigte und D._), welche alle den Moment, als der Privatklä-
ger 1 die Beschuldigte am Arm packte, am Schluss und nicht in der Mitte des Vor-
falls einordneten, und vermögen deshalb den vorstehend erstellten Sachverhalt in
Bezug auf die Dauer des Verweilens der Beschuldigten nach der ersten Aufforde-
rung, die Wohnung zu verlassen, nicht umzustossen.
8. Zusammenfassung und Würdigung
8.1 Unter Verweis auf die Würdigung der Vorinstanz, namentlich deren
Aussage- und Motivationsanalyse sowie deren Fazit (Urk. 79, S. 33-60; Art. 82
Abs. 4 StPO), ist festzuhalten, dass sich die in der Anklage aufgeführten zahlrei-
chen Aufforderungen des Privatklägers 1 an die Beschuldigte, die Wohnung zu
verlassen, mit Ausnahme der letzten beiden, auch mit diesen Präzisierungen und
Ergänzungen in Nachachtung des Grundsatzes in dubio pro reo nicht rechtsge-
nügend erstellen lassen. Es bleibt hier im Wesentlichen bei der Konstellation Aus-
sage gegen Aussage, resp. präziser, eine Aussage (Privatkläger 1) gegen mehre-
re Aussagen (Beschuldigte und D._). Die Ausführungen des Privatklägers 1
sind dabei zwar als detailliert, konstant und nachvollziehbar zu bezeichnen. Sie
stimmen im Kern in weiten Teilen mit den Ausführungen der Beschuldigten und
von D._ überein. Gerade die weiteren, früheren Aufforderungen an die Be-
schuldigte, die Wohnung zu verlassen, finden aber in den übrigen Untersu-
chungsergebnissen keine Stütze. Die Aussagen von E._ taugen dazu so we-
nig wie diejenigen von F._. Allein auf die Aussagen des Privatklägers 1 ab-
zustellen, genügt in einer solchen Konstellation nicht. Hierbei ist mit in Betracht zu
ziehen, dass der Privatkläger 1 und die Beschuldigte zerstritten waren, der Privat-
kläger 1 die Strafanzeige erst mehr als eine Woche nach dem Vorfall erhob und
seine erste Aussage fast vier Wochen nach dem Vorfall erfolgte. Dem Privatklä-
- 24 -
ger 1 wird dabei keinesfalls eine bewusste Lüge unterstellt. Mit dem Verteidiger ist
aber festzuhalten, dass gerade in einer solchen Konstellation eine Schärfung und
Anpassung der Erinnerungen nicht unüblich ist (Urk. 66, S. 6 f.) Sodann ist zu
konstatieren, dass die Ausführungen von D._ in der polizeilichen Einvernah-
me zahlreiche Zugeständnisse zulasten der Beschuldigten enthalten. Diese Zu-
geständnisse unterstützen die Beweisführung denn auch massgeblich zugunsten
der Privatkläger. Im Gegenzug wirkt sich aber auch zulasten der Privatkläger aus,
dass D._ auch in der ersten Einvernahme bei der Polizei angab, nicht gehört
zu haben, dass der Privatkläger 1 die Beschuldigte bereits früher zum Verlassen
der Wohnung aufgefordert haben soll. Bezüglich der Behauptungen, die Beschul-
digte habe sich dem Privatkläger 1 weiter genähert, nachdem er sie aufgefordert
hatte, die Wohnung zu verlassen, und dass die Beschuldigte die Wohnung erst
verlassen habe, nachdem sich der Privatkläger 1 und D._ geeinigt hatten,
das Gespräch allein unter den Männern und draussen weiterzuführen, wurde
nachgewiesen, dass auch hier beide Versionen gleich plausibel erscheinen. Ins-
gesamt verbleiben bei dieser Sachlage beim Gericht begründete Zweifel, ob sich
der Sachverhalt so zugetragen hat, wie er in der Anklageschrift geschildert wurde.
Nach dem Grundsatz in dubio pro reo ist bei dieser Sachlage von dem für die Be-
schuldigte günstigeren Sachverhalt auszugehen und deshalb als erstellt zu be-
trachten, dass der Privatkläger 1 die Beschuldigte nur zweimal kurz nacheinander
explizit aufgefordert hat, die Wohnung zu verlassen. Weiter ist als erstellt zu be-
trachten, dass die Beschuldigte nach der ersten Aufforderung ihren Satz noch be-
endete, sich danach aber gerade umdrehen und die Treppe hinab zum Ausgang
gehen wollte, und der Privatkläger 1 sie just in diesem Moment am Arm packte
und erneut anwies, die Wohnung zu verlassen, weil er davon ausging, dass sie
sich seiner ersten Aufforderung widersetzte. In Folge reagierte D._ und wies
den Privatkläger 1 an, seine Frau nicht anzurühren, was der Privatkläger 1 ihm
zusicherte, worauf sich eine kurze Diskussion im Hinblick auf die Weiterführung
des Gesprächs draussen und alleine unter den Männern anschloss, während wel-
chem die Beschuldigte die Wohnung verliess. Schliesslich ist als erstellt zu be-
trachten, dass zwischen der ersten Aufforderung zum Verlassen der Wohnung
und dem tatsächlichen Verlassen der Wohnung ca. 30 Sekunden vergingen.
- 25 -
8.2 Der angeklagte Sachverhalt ist nicht nur in objektiver Hinsicht, sondern
auch in subjektiver Hinsicht zu erstellen. In subjektiver Hinsicht ist bei einem Vor-
satzdelikt erforderlich, dass der Beschuldigte um die objektiv erstellten Tatbe-
standselemente wusste und deren Verwirklichung wollte oder zumindest in Kauf
nahm. Der subjektive Tatbestand lässt sich bei fehlendem Geständnis immer nur
aufgrund von Indizien erstellen. Von in objektiver Hinsicht erstellten Tatsachen
wird auf die innere Haltung des Beschuldigten geschlossen. Vorliegend fällt hierzu
in Betracht, dass die Beschuldigte grundsätzlich keine Intention hatte, das Haus-
recht der Privatkläger zu verletzen. Sie hatte nie zuvor ein Hausverbot von den
Privatklägern erhalten. Ihre Intention am Vormittag des 27. August 2013 war es,
den Privatkläger 1 mit seinen in E-Mails getätigten Aussagen zu konfrontieren
(Urk. 6, S. 5). Das Wissen, dass der Privatkläger 1 sein Hausrecht geltend macht
und sie zum Verlassen der Wohnung auffordert, hat die Beschuldigte nach dem
vorstehend in objektiver Hinsicht erstellten Sachverhalt erst am Schluss des Auf-
einandertreffens. Sie war bei dieser Aufforderung anerkanntermassen in Rage.
Dass sie auf diese Aufforderung hin nicht augenblicklich verstummte und die
Wohnung schnurstracks verliess, sondern ihren angefangenen Satz noch be-
endete, bedeutet weder, dass sie wissen- und willentlich das Hausrecht der Pri-
vatkläger verletzte, noch, dass sie dies in Kauf nahm. Die Aufforderung musste
sich bei der aufgebrachten Beschuldigten zunächst einmal setzen. Hierfür ist ihr
eine kurze Zeitspanne zuzugestehen. Eine solche, und nur eine solche, kann als
erstellt gelten. Dass sie danach tatsächlich umkehren und die Wohnung verlassen
wollte, ist vorstehend ebenfalls erstellt worden. Genauso der Umstand, dass der
Privatkläger 1 sie genau in diesem Moment am Arm packte und damit auch kör-
perlich zum Verlassen der Wohnung auffordern wollte. Dies, weil er nicht wahrge-
nommen hatte, dass die Beschuldigte seinem Ansinnen Folge leisten wollte. Dass
die Beschuldigte sodann nach der körperlichen Berührung und dem nachfolgen-
den verbalen Disput zwischen dem Privatkläger 1 und D._ stehen blieb, kann
in subjektiver Hinsicht ebenfalls noch nicht als wissen- und willentliche Verletzung
des Hausrechts oder dessen Inkaufnahme gedeutet werden. Danach, das ist
ebenfalls erstellt worden, hat die Beschuldigte die Wohnung verlassen. Damit ist
- 26 -
aber das willentliche Verletzen des Hausrechts oder auch nur dessen Inkaufnah-
me nicht erstellt.
III. Rechtliches
1. Einen Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB begeht, wer gegen
den Willen des Berechtigten in eine Wohnung unrechtmässig eindringt oder, trotz
der Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, darin verweilt. Das Haus-
recht ermächtigt den Berechtigten, Personen, die mit seinem Willen den ge-
schützten Raum betreten haben, nachträglich wieder wegzuweisen (BSK StGB I -
DELNON/RÜDY, 3. Aufl., Basel 2013, N 33 zu Art. 186 StGB). Gemäss bundesge-
richtlicher Praxis setzt Hausfriedensbruch in der Form des unrechtmässigen Ver-
weilens trotz Aufforderung des Berechtigten voraus, dass der Täter im Raum, aus
dem er sich entfernen soll, während einer gewissen Dauer verbleibt und dadurch
nach aussen zu erkennen gibt, dass er sich um das Verbot des Berechtigten nicht
kümmert. Wer sich auf erste Aufforderung hin entfernt, dies aber nur zögernd tut,
der verweilt nicht und handelt demnach nicht tatbestandsmässig (BGE 83 IV 69;
BSK StGB I - DELNON/RÜDY, a.a.O. N 35 zu Art. 186 StGB).
2. Der Rechtsvertreter der Privatkläger macht geltend, dass es für die Er-
füllung des Tatbestandes des Hausfriedensbruchs nach Art. 186 StGB genüge,
wenn das Verweilen gegen den Willen des Geschädigten wenige Sekunden dau-
re. Wenn man zum Verlassen einer Wohnung aufgefordert werde, müsse man so-
fort gehen und nicht erst nach beispielsweise dreissig Sekunden. Es sei daher
nicht erforderlich, zu beweisen, dass sich der Sachverhalt genau gemäss Ankla-
gevorwurf abgespielt habe, sondern lediglich, dass die Beschuldigte die Wohnung
der Privatkläger nicht umgehend verlassen habe, nachdem der Privatkläger 1 sie
zum Verlassen der Wohnung aufgefordert habe (Urk. 83/1, S. 9, Urk. 100, S. 12).
3. Festzuhalten ist, dass der Vertreter der Privatkläger zu Recht geltend
macht, dass der Tatbestand des Hausfriedensbruchs bereits nach wenigen Se-
kunden erfüllt sein kann. Wenn jemand wissen- und willentlich ein Haus betritt,
von dem er weiss, dass der Hausherr sein Eindringen nicht toleriert, so erfüllt er
- 27 -
bereits mit dem Betreten des Raums den Tatbestand. Beim Verweilen trotz Auf-
forderung, den Raum zu verlassen, präsentiert sich die Situation etwas anders.
Hier kommt es nicht allein auf die Dauer des Verweilens nach der Aufforderung
an, sondern darauf, ob sich aus dem Verweilen der Wille der Verletzung des
Hausrechts ableiten lässt oder nicht. Als Beispiel sei hier der Gaukler genannt,
der mit seinen Utensilien in einem Einkaufszentrum vom Hausdienst angetroffen,
mit einem Hausverbot belegt und weggewiesen wird. Wenn der Gaukler darauf
beginnt, seine Habseligkeiten zusammen zu räumen, und sich danach zum Aus-
gang hin bewegt, so erfüllt er den Tatbestand des Hausfriedensbruchs auch dann
nicht, wenn das Zusammenräumen zwei Minuten dauerte und das Hinausgehen
noch einmal so lange. Wer hingegen auf Aufforderung hin sagt, dass er den
Raum nicht verlassen werde und sich z.B. demonstrativ auf den Boden setzt, gibt
bereits damit – und somit nach wenigen Sekunden – zu erkennen, das er sich
dem Willen des Berechtigten nicht unterziehen wird. Massgebend ist hier wie
auch im vorliegenden Verfahren, ob der Beschuldigte mit seinem Verhalten zu er-
kennen gibt, dass er sich dem Verbot des Berechtigten widersetzen will. Damit ist
letztlich eine innere Tatsache (der Wille, sich der Wegweisung zu widersetzen)
und der subjektive Tatbestand angesprochen, der sich aber in einem objektiv er-
kennbaren Verhalten manifestiert.
Vorliegend wurde erstellt, dass der Privatkläger 1 die Beschuldigte auffor-
derte, die Wohnung zu verlassen, und dass jene hernach noch circa 30 Sekunden
in der Wohnung verweilte. In subjektiver Hinsicht ist sodann aber zusätzlich erfor-
derlich, dass die Beschuldigte um die objektiv erstellten Tatbestandselemente
wusste und deren Verwirklichung wollte oder zumindest in Kauf nahm. Das wil-
lentliche Verletzen des Hausrechts oder auch nur dessen Inkaufnahme konnte
vorliegend aber nicht erstellt werden. Die Beschuldigte wollte wenige Sekunden
nach der Aufforderung die Wohnung verlassen. Dass sich ihr Rückzug verzöger-
te, ist dem Umstand zuzuschreiben, dass der Privatkläger 1 nicht erkannte (und
wohl nicht erkennen konnte), dass die Beschuldigte seinem Ansinnen Folge leis-
ten wollte, und sie körperlich berührte. Bei dieser besonderen Konstellation ist
festzuhalten, dass das Verhalten der Beschuldigten nach der Aufforderung des
Privatklägers 1, die Wohnung zu verlassen, insgesamt noch als zögerliches Ent-
- 28 -
fernen im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 83 IV 69) ange-
sehen werden kann. Bei dieser Sachlage ist der Tatbestand des Hausfriedens-
bruchs im Sinne von Art. 186 StGB nicht erfüllt, und die Beschuldigte von Schuld
und Strafe freizusprechen.
IV. Kostenfolgen
1. Der Beschuldigten wurde von der Vorinstanz für die Untersuchung und ihr
Verfahren statt der verlangten Fr. 30'623.45 (zuzüglich Mehrwertsteuer) lediglich
eine Entschädigung von Fr. 8'750.– (zuzüglich Mehrwertsteuer) zugesprochen.
Die Höhe dieser Entschädigung ist mit Anschlussberufung angefochten
(Urk. 95/1, Urk. 101, S. 2 und S. 16).
2.1 Die Vorinstanz hat die Kürzung u.a. damit begründet, dass es sich vor-
liegend um einen "offensichtlichen Bagatellfall" handle (Urk. 79, S. 64). Dem ist
uneingeschränkt zuzustimmen. Gemäss der Verordnung über die Anwaltsgebüh-
ren bestimmt sich die Anwaltsgebühr im Strafprozess nach der Bedeutung des
Falles, der Verantwortung und dem notwendigen Zeitaufwand des Anwalts und
der Schwierigkeit des Falles (§ 2 Abs. 1 lit. b-e AnwGebV). Richtig ist vorliegend
sicher, dass der Zeitaufwand trotz des Bagatellcharakters des strafrechtlichen
Vorwurfs als vergleichsweise hoch eingeschätzt werden kann. Dies ergibt sich
allein aus dem Umfang der Rechtsschriften und der Gerichtsurteile. Ungeachtet
dessen bleibt es aber in strafrechtlicher Hinsicht ein unbedeutender Fall mit eher
tiefer Verantwortung des Anwalts. Die Bandbreite, welche die Verordnung für die
Festsetzung der Gebühr nach Zeitaufwand normiert, umfasst Fr. 150.– bis
Fr. 350.– pro Stunde, wobei für amtliche resp. unentgeltliche Rechtsvertretungen
ein Stundenansatz von Fr. 220.– festgesetzt wird (§ 3 AnwGebV). Wenn die Vor-
instanz die Entschädigung vorliegend auf Fr. 250.– pro Stunde festsetzte, so er-
scheint dies unter den genannten Prämissen absolut angemessen.
2.2. Die Vorinstanz hat weiter ausgeführt, dass die Staatsanwaltschaft in
ihrer Einstellungsverfügung vom 26. März 2014 in Dispositiv-Ziffer 8 entschieden
habe, dass der Beschuldigten keine Entschädigung zugesprochen werde
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(Urk. 81, S. 64 und Urk. 17, S. 11). Dispositiv-Ziffer 8 der Einstellungsverfügung
wurde vom Beschwerdeentscheid der III. Strafkammer des Obergerichts des Kan-
tons Zürich vom 5. November 2014 nicht tangiert und ist in Rechtskraft erwach-
sen. Die von der Verteidigung genannten Gründe, wieso die Beschuldigte gegen
die Einstellungsverfügung keine Beschwerde erhob (Urk. 101, S. 16), ändern
nichts daran, dass sie auf eine Beschwerde an die III. Strafkammer verzichtete.
Entsprechend hat die Vorinstanz zu Recht festgehalten, dass für eine Entschädi-
gung der Beschuldigten für den Zeitraum vor dem 26. März 2014 kein Raum be-
steht und die in den Honorarnoten Urk. 67/1-5 aufgeführten Leistungen nicht zu
entschädigen sind (Urk. 79, S. 64). Sodann ist darauf hinzuweisen, dass im Straf-
prozess nur der (notwendige) Aufwand während des Vorverfahrens nach dem
Zeitaufwand abgerechnet wird, während für die Vorbereitung des Parteivortrags
und die Hauptverhandlung eine Grundgebühr festzusetzen ist, welche gegebe-
nenfalls mittels Zuschlägen zu erhöhen ist (§ 17 Abs. 1 und 2 AnwGebV). Be-
züglich der Honorarnoten für das erstinstanzliche Verfahren ab dem Datum der
Einstellungsverfügung (Urk. 67/1-5) und ohne das separat zu behandelnde Be-
schwerdeverfahren (Urk. 67A/1-4) ist zunächst festzuhalten, dass nicht ersichtlich
ist, weshalb am 26. Mai 2014 Aktenstudium von einer halben Stunde zu entschä-
digen sein soll, nachdem die Strafuntersuchung eingestellt und das Beschwerde-
verfahren hängig war, für welches separate Honorarnoten eingereicht wurden
(Urk. 67/6 und Urk. 67A/1-4). Dieser Aufwand ist nicht zu entschädigen. Bis zur
Einreichung der Anklage beim Einzelgericht am 2. Juni 2015 macht der Verteidi-
ger der Beschuldigten einen Zeitaufwand von 22.05 Stunden geltend (Urk. 67/7-
10). Telefonate und E-Mails mit der Beschuldigten und der Staatanwaltschaft
werden dabei nicht getrennt ausgewiesen. Der gesamte in dieser Zeitperiode un-
ter diesem Titel geltend gemachte Aufwand erscheint aber in der Tat dem Fall
nicht angemessen und ist um 2.05 Stunden auf 20 Stunden zu kürzen. Damit
ergibt sich für das Untersuchungsverfahren eine Entschädigung in der Höhe von
Fr. 5'000.–. Für das Gerichtsverfahren werden vom Verteidiger sodann 42.40
Stunden geltend gemacht (Urk. 67/10-13). Davon betreffen wohl 3.40 Stunden
(und nicht nur, wie die Vorinstanz berechnet hat, 2.75 Stunden; Urk. 79, S. 65) die
Vor- und Vergleichsverhandlung vom 31. August 2015 (Urk. 67/11). Diese 3.40
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Stunden sind als Zuschlag zu entschädigen (§ 17 Abs. 2 lit. a AnwGebV). Nämli-
ches gilt für die Eingabe des Verteidigers vom 11. Juni 2015 (Urk. 44), für welche
ein Aufwand von 1.30 Stunden als Zuschlag zu entschädigen ist (§ 17 Abs. 2 lit. b
AnwGebV). Die verbleibenden 37.70 Stunden ergäben bei einem Stundenansatz
von Fr. 250.– Fr. 9'425.–, mithin einen Betrag, der ausserhalb des Gebührenrah-
mens für ein Strafverfahren in Einzelrichterlicher Kompetenz liegt. Angemessen
erscheint hier eine Grundgebühr von Fr. 6'500.– zuzüglich Fr. 850.– für die Vor-
und Vergleichsverhandlung und Fr. 325.– für die Eingabe vom 11. Juni 2015, total
mithin Fr. 7'675.–. Die geltend gemachten Barauslagen sind nicht zu beanstan-
den. Im Ergebnis ist die Entschädigung für die Beschuldigte deshalb auf
Fr. 5'000.– (Aufwand Untersuchungsverfahren), plus Fr. 7'675.– (Gebühr inklusive
Zuschläge für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren), plus Fr. 814.60 (Bar-
auslagen ab 26. März 2014), plus Fr. 1'079.15 (8% Mehrwertsteuer), insgesamt
Fr. 14'568.75 (inkl. Mehrwertsteuer) festzusetzen. In diesem Teilumfang ist die
Anschlussberufung gutzuheissen.
3. Mit der Anschlussberufung ebenfalls angefochten wurde die von der Vor-
instanz festgesetzte Entschädigung der Beschuldigten für das Beschwerdeverfah-
ren UE140095-O (Urk. 95/1, Urk. 101, S. 2 und S. 16). Hier wird ein Betrag von
Fr. 1'290.– zuzüglich 8% Mehrwertsteuer statt der festgesetzten Fr. 1'075.– zu-
züglich 8% Mehrwertsteuer verlangt. Der Unterschied gründet hier alleine auf dem
entschädigten Stundenansatz von Fr. 250.– statt der verlangten Fr. 300.–. Dazu
wurde bereits vorstehend ausgeführt, dass Fr. 250.– angemessen erscheinen.
Entsprechend ist die Anschlussberufung in diesem Punkt abzuweisen.
4.1 Die Privatkläger machen geltend, dass auch bei einem Freispruch die
Verfahrenskosten gestützt auf Art. 426 Abs. 2 StPO der Beschuldigten aufzuerle-
gen seien und diese gestützt auf Art. 433 Abs. 1 lit. b StPO zu verpflichten sei,
den Privatklägern eine Entschädigung zu bezahlen, weil diese rechtswidrig und
schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt habe (Urk. 83/1, S. 9, Urk. 100
S. 12, S. 15 und S. 16). Vorliegend habe das laute und ununterbrochene Schreien
der Beschuldigten Anlass für die Einleitung des Verfahrens gebildet. Bereits die
Staatsanwaltschaft habe in ihrer Einstellungsverfügung vom 26. März 2014 fest-
- 31 -
gehalten, dass sich die Beschuldigte anlässlich der Zusammenkunft zwischen ihr
und dem Privatkläger 1 sehr ungehobelt verhalten und die Entscheidung des Pri-
vatklägers 1, sich zurückzuziehen, um so räumliche Distanz zu schaffen, nicht ak-
zeptiert habe und ihm stattdessen in seine Wohnung nachgefolgt sei. Dadurch
habe die Beschuldigte die Persönlichkeitsrechte des Privatklägers 1 im Sinne von
Art. 28 ZGB verletzt und deshalb die Einleitung des Verfahrens betreffend Haus-
friedensbruch und Drohung durch ihr rechtswidriges und schuldhaftes Verhalten
veranlasst (Urk. 17, S. 10, Urk. 100, S. 12 f.). Die Beschuldigte habe zudem die
Einstellungsverfügung und damit auch die Kostenauflage zu ihren Lasten akzep-
tiert. An der diesbezüglichen Würdigung könne sich nichts geändert haben
(Urk. 83/1, S. 10).
4.2 Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigespro-
chen, so können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden,
wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder
dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Die Regelung von
Art. 426 Abs. 2 StPO folgt dem gemäss der Praxis des Bundesgerichts und der
EMRK-Organe geltenden Grundsatz, wonach der beschuldigten Person bei Ver-
fahrenseinstellung und Freispruch angesichts der Unschuldsvermutung (Art. 32
Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK) nur dann Kosten auferlegt werden dürfen,
wenn sie die Einleitung des Strafverfahrens in widerrechtlicher und schuldhafter
Weise veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat (BOTSCHAFT zur Ver-
einheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 1085 ff.,
1326). Nach der Rechtsprechung handelt es sich bei der entsprechend begründe-
ten Kostenpflicht nicht um eine Haftung für ein strafrechtliches Verschulden, son-
dern um eine zivilrechtlichen Grundsätzen, namentlich Art. 41 OR, angenäherte
Haftung für ein fehlerhaftes Verhalten, das ursächlich für die Einleitung oder Er-
schwerung des Strafverfahrens war. Es ist mit der Bundesverfassung vereinbar,
einer nicht verurteilten beschuldigten Person Kosten aufzuerlegen, wenn sie in
zivilrechtlich vorwerfbarer Weise gegen eine Verhaltensnorm, die sich aus der
Gesamtheit der schweizerischen Rechtsordnung ergeben kann, klar verstossen
und dadurch das Strafverfahren veranlasst oder dessen Durchführung erschwert
hat. In tatsächlicher Hinsicht darf sich die Kostenauflage nur auf unbestrittene
- 32 -
oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen (Urteile des Bundesgerichts
6B_250/2013 vom 13. Januar 2014 E. 1.3 und 1B_180/2012 vom 24. Mai 2012
E. 2.2). Zwischen dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten und den durch die
Untersuchung entstandenen Kosten muss ein Kausalzusammenhang bestehen.
Hingegen verstösst eine Kostenauflage bei Verfahrenseinstellung oder Freispruch
gegen den Grundsatz der Unschuldsvermutung, wenn der beschuldigten Person
in der Begründung des Kostenentscheids direkt oder indirekt vorgeworfen wird,
sie habe sich strafbar gemacht bzw. es treffe sie ein strafrechtliches Verschulden
(zum Ganzen vgl. insbesondere Urteil des Bundesgerichts 6B_250/2013 vom
13. Januar 2014 E. 1.3 m.w.H.; GRIESSER, in: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER,
StPO Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, N 9 ff zu Art. 426.; BSK
StPO-DOMEISEN, 2. Aufl., Basel 2014, N 26 ff. zu Art. 426).
4.3 Vorab ist festzuhalten, dass die Staatsanwaltschaft in ihrer Einstellungs-
und Nichtanhandnahmeverfügung vom 26. März 2014 tatsächlich unter Hinweis
auf Art. 426 Abs. 2 StPO die Kosten teilweise der Beschuldigten und den Privat-
klägern auferlegt hat, dies von der Beschuldigten nicht angefochten wurde und
die Staatsanwaltschaft zur Begründung der rechtswidrigen und schuldhaften Ein-
leitung des Verfahrens auf eine Persönlichkeitsverletzung im Sinne von Art. 28
ZGB hinwies. Allein, dieser Umstand hindert weder das Gericht noch die Be-
schuldigte, im jetzigen Verfahrensstadium diese Frage neu und frei zu erörtern.
Die Einstellungs- und Nichtanhandnahmeverfügung hat keine Bindungswirkung
für den Teil des Strafverfahrens, welcher nicht rechtskräftig eingestellt, sondern
weitergeführt wurde.
Für eine Kostenauflage nach Art. 426 Abs. 2 StPO muss eine klare Verlet-
zung einer Rechtsnorm vorliegen, welche kausal für die Einleitung oder Erschwe-
rung des Strafverfahrens war. Gefordert wird also eine qualifizierte Rechtswidrig-
keit (Niklaus Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 6 zu Art. 426). Von den Privatklägern wird als
verletzte Norm Art. 28 ZGB angerufen. Zu Art. 28 ZGB ist festzuhalten, dass nicht
jede Beeinträchtigung der Persönlichkeit mit einer Verletzung im Sinne dieses Ar-
tikels gleichgesetzt werden kann, sondern eine gewisse Intensität zu verlangen
ist. Nicht jeder Übergriff über die Grenzen sozial korrekten Verhaltens stellt gleich
- 33 -
eine Persönlichkeitsverletzung dar (BSK ZGB I-ANDREAS MEILI, 5. Aufl., Basel
2014, N 38 zu Art. 28). Vorliegend steht fest, dass die Beschuldigte den Privatklä-
ger 1 in seiner Wohnung als Folge einer nachbarschaftlichen Meinungsverschie-
denheit während zehn Minuten immer wieder angeschrien hat. Das Anschreien
alleine kann aber noch nicht als schwere Verletzung der Persönlichkeit angese-
hen werden. Zum Inhalt des Geschreis ist zu sagen, dass nicht geltend gemacht
wurde, dass die Beschuldigte den Privatkläger 1 dabei beschimpft oder beleidigt
oder sonst wie in seiner Ehre verletzt hätte. Es wurde denn auch nie ein Straf-
antrag wegen Beschimpfung oder Ehrverletzung gegen die Beschuldigte erhoben.
Unbeteiligte Dritte (E._, F._) haben zwar das Anschreien des Privatklä-
gers 1 mitbekommen. Deren Aussagen ist aber zu entnehmen, dass durch diesen
Vorfall nicht das Ansehen und die Persönlichkeit der Privatkläger Schaden ge-
nommen haben, sondern höchstens die der Beschuldigten. Bei dieser Sachlage
sind aber insgesamt keine genügend intensiven Verletzungen von Persönlich-
keitsrechten der Privatkläger nachgewiesen. Auch eine Verletzung im Sinne von
Art. 28b ZGB ist nicht erstellt. Das Strafverfahren wegen Drohung wurde nicht an-
hand genommen. Nachstellungen oder Gewalt wurden nicht geltend gemacht.
Auch hier ergibt sich keine Grundlage für die zur Begründung der Kostenauflage
trotz Freispruchs geforderte Widerrechtlichkeit. Nämliches gilt für eine Verletzung
des Hausrechts; gerade dies wurde vorliegend ja abgeklärt und verneint.
4.4 Ungeachtet der materiellen Voraussetzungen für eine Kostenauflage
an die freizusprechende Beschuldigte fällt eine solche auch deshalb nicht in Be-
tracht, weil ihr Verhalten jedenfalls nicht mehr als adäquat kausal für die nun in
Frage stehenden Prozesskosten angesehen werden kann. Das Verhalten der
Beschuldigten mag allenfalls kausal für die Strafanzeige mit Strafantrag wegen
Hausfriedensbruchs gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft hat dieses Strafver-
fahren aber in der Folge einstellen wollen. Dies verhindert haben allein die Privat-
kläger, welche mit Beschwerde erreichten, dass die Staatsanwaltschaft (gegen
die eigene Überzeugung) Anklage erhob. Damit haben sie veranlasst, dass das
Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs gerichtlich beurteilt wurde. Entspre-
chend tragen sie für den weiteren Verlauf des Verfahrens auch das Prozessrisiko.
Damit bleibt kein Raum für eine Kostenauflage an die Beschuldigte oder die Ver-
- 34 -
pflichtung der Beschuldigten zur Bezahlung einer Entschädigung an die Privatklä-
ger trotz Freispruchs.
4.5 Mit ausführlicher Begründung hat die Vorinstanz sodann dargelegt, wes-
halb den Privatklägern bei dieser Konstellation die Kosten des erstinstanzlichen
Verfahrens aufzuerlegen und diese zu verpflichten sind, der Beschuldigten eine
Entschädigung zu bezahlen. Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters der
Privatkläger (Urk. 100, S. 14 f.) sind diese Erwägungen überzeugend und richtig.
Auf diese Ausführungen ist deshalb zu verweisen (Urk. 81, S. 60 ff.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
5. Die Privatkläger unterliegen mit ihrer Berufung vollumfänglich. Die Be-
schuldigte obsiegte mit ihrer Anschlussberufung, welche nur die Höhe der Ent-
schädigung betraf, teilweise. Zudem wurde auf ihre Berufung mit Beschluss vom
1. Juni 2016 nicht eingetreten (Urk. 87). Bei diesem Ausgang rechtfertigt es sich,
die Kosten des Berufungsverfahrens zu 7/8 den Privatklägern (solidarisch) und zu
1/8 der Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Privatkläger ha-
ben sodann keinen Anspruch auf eine Entschädigung für das Berufungsverfahren,
sondern sind zu verpflichten, der Beschuldigten eine um 1/4 reduzierte Entschä-
digung zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO und Art. Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m.
Art. 432 Abs. 2 StPO). Die Höhe dieser Entschädigung richtet sich nach § 18
Abs. 1 AnwGebV. Die Verteidigung bezifferte die Kosten des Aufwandes für das
Berufungsverfahren auf Fr. 9'878.– (Urk. 102), ging dabei aber von einem Stun-
denansatz von Fr. 300.– aus und schätzte die Dauer der Berufungsverhandlung
auf 4 Stunden. Diese dauerte aber lediglich 2.5 Stunden (vgl. Prot. II S. 6 und
S. 14). Bei einem Stundenansatz von Fr. 250.–, welcher auch für das Berufungs-
verfahren angemessen erscheint, errechnet sich für 28.25 Stunden ein Honorar
von Fr. 7'062.50. Zuzüglich Barauslagen von Fr. 225.30 zuzüglich 8% Mehrwert-
steuer ergibt dies einen Betrag von Fr. 7'870.80, welcher angemessen erscheint.
Reduziert um 1/4 bleiben Fr. 5'903.10. Entsprechend sind die Privatkläger solida-
risch zu verpflichten, der Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine reduzier-
te Entschädigung von Fr. 5'903.10 (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Für das Berufungsverfahren haben die Privatkläger eine Prozesskaution in
- 35 -
der Höhe von Fr. 4'000.– zur Deckung von allfälligen Prozesskosten und Ent-
schädigungen an die Gegenpartei geleistet (vgl. Urk. 89). Diese Prozesskaution
ist ausgangsgemäss zur Deckung der den Privatklägern auferlegten Kosten des
Berufungsverfahrens heranzuziehen.