Decision ID: df60e588-875c-4944-9906-99eb89fdea62
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1988 geborene
X._
,
Recyclist
mit Fähigkeit
s
ausweis und zuletzt vollzeitlich als Sachbearbeiter
bei der
Y._
in Winterthur tätig, meldete sich am 17. November 2014 unter Hinweis auf eine psychische Krankheit bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
5
/1).
Mit
Verfügung vom 29. September 2016 (Urk.
5
/45)
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren des Versicherten ab.
Am 16. November 2016 meldete sich der Versicherte bei der Invaliden
versi
che
rung erneut zum Leistungsbezug an
(Urk. 5/
50-
51)
. Die IV-Stelle nahm erwerb
liche und medizinische Abklärungen vor und teilte dem Versicherten am
12. Dezember 2017 mit, dass aufgrund seines aktuellen Gesundheitszustands keine
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk.
5
/61).
In der Folge holte die IV-Stelle bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein psychiatrisches Gutachten (Expertise vom 16. Juli 2018, Urk.
5
/73/1-63)
ein
. Mit Vorbescheid vom 31. Januar 2019 (Urk.
5
/76) stellte die IV-Stelle dem Ver
sicherten die Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht, wogegen der Beschwer
deführer am 8. April 2019 Einwand (Urk.
5
/80, Urk.
5
/84) erhob
. Am 2. April 2020 verneinte die IV-Stelle verfügungsweise einen Leistungsanspruch des Ver
sicherten.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 19. Mai 2020 Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, dass die Verfügung vom 2. April 2020 aufzuheben und ihm eine Rente auf der Basis von 10
0 % zuzusprechen sei. Eventuell
sei die Verfügung aufzu
heben und
es seien
ihm Eingliederungs- und Umschulungsmassna
hmen zuzu
sprechen. Subeventuell
sei die Verfügung aufzuheben und
es sei
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und ein gerichtliches Obergutachten bei einer unabhängigen Fachperson der Psychiatrie anzuordnen (S. 2). Mit Beschwer
deantwort vom 3. Juli 2020 (Urk. 4) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei
sung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 7. Juli 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 6)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV)
), so ist im Beschwerdeverfahren
zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Anlass zur Rentenrevision
nach Art. 17 ATSG
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar.
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit, dass für die bisherige Tätigkeit als
Recyclist
im Bereich Chemikalien und Lösungsmittel eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 1).
In einer angepassten Tätigkeit, beispielsweise als Papier-
und
Metallrecyclist
,
sei nach einem stufen
weisen Einstieg mit einer vollen Arbeitsfähigkeit zu rechnen.
In den medizi
ni
schen Unterlagen w
erde ein Unfallereignis beschrie
ben, woraus eine vollständige und über Jahre anhaltende Invalidisierung bezüglich jeglicher Tätigkeit resultiere. Dies sei nicht nachvollziehbar, da
der Vorfall
weder die Kriterien eines auslö
senden Ereignisses einer akuten Belastungsreaktion noch einer posttraumatische
n Belastungsstörung (PTBS) oder
einer andauernden Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung
erfülle.
Zusammenfassend ergebe sich kein stimmiges Gesamt
bild für ein invalidisierendes Leiden, weshalb eine Wiedereingliederung im Pen
sum von 100 % möglich sei und kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), im psychiatrischen Gutachten
seien
verschiedene Inkonsistenzen nicht ausreichend geklärt worden. Entgegen der gutachterlichen Auffassung habe bei
ih
m weder eine paranoide Verarbeitung seiner Erlebnisse noch ein regelmässiger Cannabis
konsum ab dem 11. Lebensjahr vorgelegen
(S. 6 f. Ziff. 14 ff.). Im Weiteren sei die Einschätzung von Dr.
Z._
, das Ereignis im Mai 2014 erfülle nicht die Kriterien einer Belastungsstörung, nicht korrekt.
Entscheidend sei, dass ein be
drohliches Ereignis ein subjektives Angstgefühl auslöse,
man könnte sterben
.
E
r stehe unter ein
e
m so hohen Leidensdruck, dass sein gesamtes Leben davon be
troffen sei (S. 7 f. Ziff. 17
f.
).
Der Experte spreche ferner von Wiederein
glie
de
rung,
obwohl
eine solche ja bereits vor der Begutachtung gescheitert sei (Ziff. 19).
Die medizin
isch
-theoretische Arbeitsfähigkeit sei
demnach
ungenügend abgeklärt worden und es bleibe auch
nach
Erstellung des Gutachtens unklar, weshalb er derart belastet sei und keine
r
Arbeit mehr nachgehen könne. Zur Klärung der genannten Unstimmigkeiten sei eine gerichtliche Oberbegutachtung angezeigt (S. 9 Ziff. 20).
Der Beschwerdeführer machte
abschliessend
geltend, das Verwal
tungsgutachten
sei
aufgrund der wirtschaftlichen Abhängigkeit des Experten bestenfalls als Parteibehauptung zu werten
, weshalb
auch im Sinne der Waffen
gleichheit
die Einholung
ein
es
Gerichtsgutachten
s erforderlich sei
(S. 9 f. Ziff. 2
2 ff.).
2.3
Nachdem die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
16. November
2016 (Urk. 5/51) eingetreten und zwischen den Parteien unstreitig ist, dass sich sein Gesundheitszustand seit der rentenabweisenden Verfügung vom 29. September 2016
(Urk. 5/45)
in versicherungsrelevanter Weise verändert hat,
ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer ab
Mai
2017
(vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG)
ein Rentenanspruch zusteht (vgl. E. 1.4).
3.
Dr.
med.
Z._
nannte
in seinem psychiatrischen Gutachten vom 16. Juli 2018 (Urk. 5/
73/1-63) folgende Diagnosen
(S.
49 ff.):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10
:
F33.0
); differenzialdiagnostisch
sei
aufgrund der fehlenden Hinweise auf symp
tomfreie Intervalle eine gleichzeitig vorliegende
Dysthymie
(ICD-10
:
F34.1)
zu erwägen
-
Verdacht auf
anankastisch
-paranoiden Persönlichkeitsakzent (ICD-10
:
Z73.1)
-
Cann
a
bisabhängigkeit (ICD-10
:
F12.
25) mit Beginn in der Adoleszenz und
gegenwärtigem berichtete
m
Konsum von Substanzen mit nied
rigem
THC-Gehalt
Der Gutachter führte aus, dass der nach ADMP erhobene psychopathologische Befund in maximal mittelgradiger Ausprägung eine Störung der Vitalgefühle (S), eine Ängstlichkeit (Sf), eine
Klagsamkeit
(F), ein Krankheitsgefühl (S), eine erschwerte Beschäftigung (S), Ein-
/
Durchschlafstörungen (S) sowie
psychove
ge
tative
Beschwerden
(nächtliches Schwitzen und Kopfdruck [
S
]
)
beinhaltete
. Die mit S gekennzeichneten Items entsprächen dabei einer reinen Selbstbeurteilung durch den Beschwerdeführer, das mit F gekennzeichnete Item einer reinen Fremdbeurteilung durch den Gutachter. Das Item Ängstlichkeit beinhalte ein
e vorwiegende Selbstbeurteilung,
die Fremdbeurteilung zeige sich von geringer Be
deutung. Die geklagten Beschwerden stellten sich
damit als
vorwiegend selbstde
klariert dar und entz
ö
gen sich einer Objektivierbarkeit durch eine entsprechende Verhaltensbeobachtung
(S. 43)
.
Dr.
Z._
führte weiter aus, der
psychopathologische Befund lasse bereits vor einer Validierung durch anamnestische oder aktenkundige Informationen keine psychische Störung von erheblichem Ausmass erkennen. Der Befund impliziere zusammen mit den relevanten anamnestischen Angaben weder eine aktuelle Manifestation einer organisch-kognitiven (ICD-10
:
F0)
noch
eine
gegenwärtige psychotische
(ICD-10
:
F
2) oder
gegenwärtige mittelgradige bis schwere affektive Störung (ICD-10
:
F3)
oder
eine gegenwärtige neurotische, Belastungs- oder so
ma
toforme Störung (ICD-10
:
F5). Ferner
liessen sich eine gegenwärtige Ess
stö
rung
(ICD-10
:
F5
)
und ein klinisch relevantes
aktives Suchtgeschehen (ICD-10
:
F1) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Ebenso wenig lägen Hinweise
auf eine Entwicklungs- (ICD-10
:
F8) oder eine Persönlichkeitsstörung (ICD-10
:
F6)
,
eine Intelligenzminderung (ICD-10
:
F7) oder eine Verhaltens- und emotionale Stö
rung mit Beginn i
n der Kindheit (ICD-10
:
F9) vor
(S. 43). Der aktuelle psy
chopathologische Befund impliziere lediglich eine
momentane
, relativ geringe Sympt
omlast, welche die Kriterien für eine maxim
al
leichte depressive Episode (ICD-10
:
F32.0) erfülle. Eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit seien zwar
vom Beschwerdeführer
berichtet worden, aber während der Unter
suchung nicht evident gewesen. Ebenso wenig
sei
en
ein deutlich vermindertes Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen
, ein
Schuldgefühl
oder
a
usgesprochen negative oder pessimistische Zukunftsperspektiven
geschildert worden und die geklagte Appetitminderung sei nur marginal. Suizidgedanken seien verneint worden und betreffend die angegeben
en Schlafstörungen sei differenz
ialdiagnostisch
ein
nicht-organisches (psychogenes) verzögertes Schlafphasensyndrom zu erwägen. Beim Beschwerdeführer
sei
en
eine mangelnde Aufhellbarkeit sowie ein allenfalls leichter Interessenverlust anzunehmen und die psychopathologischen Items Affektarmut (F) und Affektstarre (F) stellten sich – auch wenn nur leicht aus
geprägt – aufgrund ihrer reinen Fremdbeurteilung im Rahmen der Untersuchung objektivierbar dar. Die übrigen Elemente des somatischen Syndroms einer affek
tiven
Störung
seien demgegenüber nicht erfüllt
.
Gleichermassen sei
die
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht zu bestätigen, da sich aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers das prämorbide Funktionsniveau vor dem Er
eignis im
Mai 2014 inklusive Anpassung
sfähigkeit im unterschiedlichen
beruflichen Kontext sowie das Familien- und Sozialleben als angepasst, flexibel und insgesamt unbe
einträchtigt darstelle. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung erfordere einen nachvollziehbaren Beginn einer erheblich von der Norm abweichenden Persön
lichkeitsentwicklung in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter, wobei sich eine solche Normabwei
chung
beim Beschwerdeführer vor dem Ereignis im Mai 2014 nicht bestätigen lasse
(S. 44
f.
,
S. 50
).
Im Zusammenhang mit der rezidivierenden
depressiven
Störung führte der Gut
achter aus, dass in den Akten
die
Beschreibung von symptomarmen
/-
freien Inter
vallen
fehle
,
wobei
solche
für die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Stö
rung zwingend
erforderlich
seien. Sofern indes die
als
leicht zu interpretie
rende,
frühere depressive Symptomatik (Dokumente vom 8. Januar
2015 [Urk. 5/16/1-5]
)
und die gegenwärtig leichte depressive Symptomatik (ICD-10
:
F32.0)
als symp
tom
arme Intervalle interpretiert würden, lasse sich die Diagnose einer rezidivie
renden depressiven Störung gleichwohl postulieren (S. 49).
Eine fundierte Aus
sage zum Schweregrad der depressiven Störung sei schwierig, da die Diagnose der Cannabisabhängigkeit die Beurteilung erschwere (S. 51).
Der gutachterlich post
ulierte
anankastisch
-paranoide Persönlichkeitsa
kzent sei durch die Aktenlage
belegt
, wobei die erzählten Inhalte um die Arbeitsbe
din
gungen im Mai 2014 nicht berücksichtigt werden müss
t
en. Der Beschwerdeführer sei aktenkundig auch während der stationären Aufenthalte in seinem Interak
tionsverhalten genügend auffällig beschrieben worden, um einen paranoiden Akzent anzunehmen.
Im Rahmen
der gutachterlichen
Exploration
hätten Hin
weise für drei psychopathologische Items aus dem paranoiden Spektrum (über
triebene Empfindlichkeit bei Rückschlägen
/
Zurücksetzungen, Misstrauen und ne
gative Missdeutungen, Nähren von Verschwörungstheorien) dokumentiert werden
können, nicht aber mit einer Persistenz und Rigidität in allen Lebenslagen, welche eine paranoide Persönlichkeitsstörung implizieren würde
n
. Ferner hätten sich während der
Untersuchung
Anzeichen
auf
anankastische
Züge
,
wie beispielsweise das Andrängen beharrlicher und unerwünschter Gedanken,
eine
R
igidität mit überwertiger und (z
wanghafter) B
eschwerdefixierung im Alltag, eine
übermässige Detailbehaftung
und ein übermässiger Zweifel respektive eine übermässige Vor
sicht
,
gezeigt. Aufgrund des gleichzeitigen Substanzkonsums könne die genannte Persönlichkeitsdiagnose lediglich als Verdachtsdiagnose formu
liert werden. Eine Bestätigung
oder ein Ausschluss dieser Verdachtsdiagnose erfordere eine länger andauernde Abstinenz von psychotropen Substanzen, insbesondere von solchen, welche THC enthalten, unabhängig in welcher Konzentration (S. 50
, vgl. auch S. 51
).
Im Weiteren führte der Experte
aus, dass sich aufgrund der Schilderungen
des Beschwerd
eführers
anlässlich der gutachterlichen Untersuchung
keine akute Be
lastungsreaktion (ICD-10
:
F43
) herleiten lasse.
D
ie Schwere
des
in Frage ste
hen
den
Ereignisses
qualifiziere es kaum
, eine solche Diagnose zu stellen.
Eine
ernst
hafte Bedrohung der Sicherheit des Beschwerdeführers
könne in diesem Kontext
nicht verwendet werden, weil das Element des Plötzlichen fehle,
da
er sich
an seinem Arbeitsplatz
schon
vorgängig
seit rund einem halben Jahr in seiner Sicherheit bedroht gefühlt habe. Es
mangle
sodann an einem raschen Abklingen der Symptome innert Stunden
, wobei
die Diagnose einer akuten Belastungs
reaktion nicht zur Beschreibung einer plötzlichen Verschlechterung einer vor
bestehenden Symptomatik herangezogen werden
könne
. Hinsichtlich einer PTBS
(ICD-10
:
F43.1)
seien ähnliche Erwägungen zum auslösenden Ereignis in Betracht zu ziehen. Es sei ferner zu keinen Nachhallerinnerungen und Albträumen ge
kommen und der Beschwerdeführer habe bei der Schilderung des Ereignisses
während der gutachterlichen Exploration
weder eine entsprechende vegetative oder emotionale Äusserung noch eine zeitnahe Beschwerdeäusserung
oder
Kon
zentrations
-/Gedächtnisstörungen
gezeigt.
Vielmehr habe der Beschwerdeführer eine hohe Konzentration mit entsprechend hohem Detaillierungsrad in der Schil
derung aufgewiesen.
Im Weiteren habe
er
eine Tendenz zur Projektion
gezeigt
, indem er die Vorgesetzten aufgrund einer fehlenden Supervision kritisiert habe, was für Patienten mit einer PTBS untypisch sei, da diese in aller Regel ein hohes
Schuldgefühl zeigten. Auch der hohe Sprechdrang bei der Schilderung des Erei
g
nisses spreche gegen
eine
PTBS. Die Kern
elemente
der
PTBS -
wie
Hyper
arousal
, Vermeidungsverhalten, Nachhallerinnerungen und depressive Entwick
lung
-
seien
gemäss dem behandelnden Psychiater vornehmlich
vom Beschwerdeführer
geschildert
worden
und entz
ö
gen sich somit einer Verhaltensbeobachtung, was die Diagnostik zusätzlich erschwere. Eine PTBS sei auch deswegen unwahr
schein
lich, weil die über Jahre stattgefundenen vielfältigen Behandlungsbemühungen offenbar keinen oder lediglich marginalen Behandlungserfolg gezeigt hätten und dies bereits zu einem Zeitpunkt, als sich die
vom behandelnden Psychiater
pos
tulierte Persönlichkeitsänderung noch gar nicht hätte entwi
ckeln können. Gleichermassen sei
die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung (ICD-10
:
F62
.
0) zweifelhaft, weil das Ereignis eine solche Diagnose kaum qualifiziere und zudem
keine diagnostisch verwertbaren Infor
mationen
über die prämorbide Persönlichkeit des Beschwerdeführers vorlägen
. Anlässlich der Exploration seien
sodann
weder erhebliche Gefühle der Leere noch explizit solche einer starken Hoffnungslosigkeit
beschrieben worden
. Auch sei
keine chronische Nervosität oder ein ständiges Gefühl des
Bedrohtseins
zu erken
nen
gewesen
,
wobei
der Beschwerdeführer lediglich angegeben
habe
, dass das Ereignis gedanklich allgegenwärtig sei, ohne sich jedoch akut bedroht zu fühlen. Die Schilderungen des Beschwerdeführers erinnerten eher an eine zwanghafte, gedankliche Fixierung
(S.
19 ff.
)
.
Der Gutachter hielt weiter fest, dass das Ereignis
vom Mai 2014
auch unter Berücksichtigung einer vorbestehenden persönlichen Vulnerabilität
(ICD-10
:
Z73.1)
keine vier Jahre andauernde gesundheitliche Ein
schränkung zur Folge haben könn
e, welche de facto eine praktisch vollständige Invalidisierung in allen Lebensbereichen zur Folge habe (S.
52
).
Im Zusammenhang mit
der
Ausübung der bisherigen Tätigkeit – Arbeiten mit Chemikalien und Lösungsmitteln –
verneinte der
Experte
eine Arbeitsfähigkeit
, da einerseits nachvollziehbar keine Ausbildung für eine derartige Tätigkeit be
stehe und andererseits auch nachvollziehbar keine Arbeit medizinisch zumutbar sei, welche in engem oder gar exaktem Zusammenhang mit der Tätigkeit während des Unfallereignisses stehe. Dementsprechend sollte an dieser Stelle die ange
stammte Tätigkeit im engeren Sinne als Papier- und
Metallrecyclist
definiert wer
den. Im Rahmen des vorliegenden Gutachtens sei es nicht gelungen, eine
entspre
chende
Arbeitsunfähigkeit zu definieren.
Das Leitsymptom - die geäusserte Angst -
müsse überwältigend und bedrohlich sein, um eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit zu erklären. Die sei in der Zeit nach dem Unfallgeschehen nachvollzieh
bar gewesen, vier Jahre später indes nicht mehr. Ferner sei die Angst im vorlie
genden Gutachten diagnostisch im Rahmen der genannten Diagnosen (ICD-10
:
F33.0,
F
12.25, Z73.1) einzuordnen, wobei eine PTBS ausgeschlossen worden sei. Entsprechend sei eine Wiedereingliederung
in der Tätigkeit
als Papier- und
Metallrecyclist
ohne Arbeiten mit Lösungsmitteln oder Chemikalien nach Ablauf
einer
ein halbes
Jahr dauern
den Wiedereingliederung
mit einem
Pensum von 100 % medizinisch zumutbar (S. 59 f.).
4.
4.1
Das
psychiatrische
Gutachten
von Dr.
Z._
vom
16. Juli 2018
(vgl. E.
3
) ent
spricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Exper
tise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit de
s
Be
schwerdefüh
rer
s
. Es beruht sodann auf den notwendigen psychiatrischen Unter
su
chungen. D
er Gutachter berücksich
tigte
detailliert die geklagten Beschwerden und setzte sich damit auseinander (Urk.
5/73/1-63
S.
23 ff., S. 52
ff.
). Die Exper
tise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich d
er
Gutachter zur
Krankheitsentwicklung äusserte
und Bezug auf die me
dizi
ni
schen
Vorakten
nahm
(S.
11 ff.
,
S. 20,
S. 22,
S. 57
). Schliesslich leuchtet die Expertise in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beur
teilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen im Gutachten sind begründet.
In diesem Sinne beschrieb
Dr.
Z._
einleuch
tend, dass
aufgrund des psycho
pathologischen Befunds eine relativ geringe Symptomlast
besteht, welche maxi
mal die Kriterien für eine leichte depressive Episode erfüllt.
Das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung verneinte er
nachvollziehbar unter Hinweis auf eine beim Besch
werdeführer fehlende erhebliche
Normabweichung in der Persönlichkeits
entwicklung in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter und äusserte
ledig
lich
den Verdacht auf
einen
anankastisch
-paranoiden Persönlichkeitsakzent
(S. 44
, S. 50
).
Das Bestehen einer akuten Belastungsreaktion und einer PTBS lehnte
er in schlüssiger Weise ab, da
namentlich
das Ereignis vom
Mai
2014 nicht den für solche Störungen erforderlichen be
trächtlichen Schweregrad erfüllt
e
(S
. 19).
Gestützt auf die
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode,
sowie eine Cannabisabhängigkeit mit gegenwärtigem Kon
sum von Substanzen mit niedrigem
THC-Gehalt ging der Experte in der
bisherigen
Tätigkeit als
Recy
clist
im Bereich Chemikalien und Lösungsmittel
unter Hinweis auf die medizi
ni
sche Unzumutbarkeit
der Ausübu
ng einer Arbeit in exaktem/engem
Zusammen
hang mit dem Ereignis vom Mai 2014
nachvollziehbar von einer 100%igen Arbeits
un
fähigkeit aus
, attestierte aber in einer angepassten Tätigkeit als Papier- und
Metallrecyclist
eine volle Arbeitsfähigkeit
(S. 59 f.).
Die
Expertise erfüllt demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines ärztlichen Gut
achtens (BGE 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c), weshalb für die
Entscheidfindung
grundsätzlich darauf abzustellen ist.
4.2
An dieser Beurteilung vermögen die vom Beschwerdeführer gegen das psychia
trische Gutachten erhob
enen Einwände nichts zu ändern. Betreffend die geltend gemachte Diskrepanz zwischen der Auffassung der Kundenberaterin der Be
schwerdegegnerin, wonach der Beschwerdeführer in derart schlechter Verfassung beschrieben worden sei, dass eine Eingliederung aufgrund der Angstzustände nicht möglich sei, und der gutachterlichen Einschätzung einer 100%igen Arbeits
fähigkeit
in angepasster Tätigkeit
(Urk. 1 S. 6 Ziff. 11) ist festzuhalten, dass es sich bei der Kundenberaterin um keine in Psychiatrie spezia
lisierte Arztperson handel
t
.
Was den
Hinweis
des Beschwerdeführers
auf
Inkonsistenzen
betreffend den Be
ginn
des Cannabiskonsums und
Schwierigkeiten in den Ausbildungs-/Anstel
lung
s
verhältnissen angeht (S. 6 f. Ziff. 14 ff.), ist Folgendes festzuhalten:
Der Gut
achter wies
wiederholt
auf die verschiedenen Angaben bezüglich des Beginns des Cannabiskonsums in den Arztberichten und der Exploration hin (Urk. 5/73/1-63
S.
20
,
S. 22, S. 26
, S. 57
)
und
hielt
im
Übrigen fest
, dass der Beginn
sowohl im Alter von 11 als auch von 17 Jahren eine relevante gesundheitliche Beein
trä
chtigung darstelle, wobei es dem Beschwerdeführer unter dem fortgesetzten
Cannabiskonsum gleichwohl gelungen sei, sowohl schulisch wie auch beruflich ein
e ausreichende Leistung zu erbringen (S. 51 f.).
Gleichermassen zeigte der Ex
perte die unterschiedliche Bewertung früherer Arbeitsstellen durch den Beschwer
deführer auf, wobei letzterer
gemäss dem Bericht des damalig
b
ehan
delnden Psychiaters vom 26.
August 2014 (Urk. 5/7
/
11-13) von sehr schlechten Arbeits
bedingungen, Ausnutzung und psychosomatischen Beschwerden gesprochen hab
e (S. 1 f.), im Rahmen der gutachterlichen Exploration die früheren Arbeitsplätze
indes
als durchwegs positiv beschrieben habe (Urk. 5/7
3
/1-63 S. 13).
Damit sind die vom Beschwerdeführer erwähnten Inkonsistenzen vom Gutachter in rechts
genügender Weise berücksichtigt worden
.
Mit Bezug auf den
Einwand, die gutachterliche
Einschätzung, wonach das Ereig
nis vom Mai 2014 die ICD-10-Kriterien für eine
Belastungsstörung
nicht erfülle
, sei falsch (Urk. 1 S. 7 f. Ziff. 17
f.
), ist Folgendes zu bemerken:
Gemäss
Dilling
H./
Mombour
W./Schmid M.H. [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen; ICD-10 Kapitel V [F] Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., 2015,
erfordert
eine
akute Belastungsreaktion im Sinne von ICD-10 F43.0 als
auslösendes Ereignis ein überwältigendes traumatisches Erlebnis mit einer ernst
haften Bedrohung für die Sicherheit oder körperliche Unversehrtheit des Patien
ten oder einer geliebten Person (beispielsweise Naturkatastrophe, Unfall, Krieg, Verbrechen, Vergewaltigung) oder eine ungewöhnlich plötzliche und bedrohliche Veränderung der sozialen Stellung und/oder des Beziehungsnetzes des Betroffe
nen
(zum Beispiel
Verluste
durch mehrere Todesfälle, Brand; S. 205).
Die PTBS nach ICD-10 F43.1 ist gekennzeichnet durch ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde (S. 207). Nichts
anderes
folgt aus d
en
vom Beschwerdeführer
angeführten
Literaturangaben.
Das in
Frage stehe
nde
Ereignis
vom Mai 2014
, bei welchem es beim
Um
giessen von chemischen Flüssigkeiten in einen Sammelbehälter zu einem Brodeln und Damp
fen gekommen ist (Urk. 5/73/1-63 S.
31), erfüllt die obgenannten Kriterien für
ein
aussergewöhnli
ch belastendes Lebensereignis
respektive
ein
überwältigendes traumatisches Erlebnis nicht. Im Übrigen hat der psychiatrische Gutachter das Vorliegen einer akuten Belastungsreaktion und einer PTBS nicht nur unter Hin
weis auf die
mangelnde
Qualifikat
ion des auslösenden Ereignisses verneint, son
dern auch
aufgrund des Fehlens
anderer für die genannten Störungen erforder
liche
r
Kriterien (vgl. S. 19 f.).
Der Beschwerdeführer machte weiter geltend,
der Gutachter postuliere eine Wiedereingliederung, obwohl eine solche ja bereits vor der Begutachtung ge
scheitert sei (Urk. 1 S. 8
f.
Ziff. 19). Hierzu
ist zu bemerken, dass das Scheitern der Eingliederungsbemühungen im
Frühling/Sommer 2017
gemäss dem Experten
auf eine dysfunktionale Symptomfixierung sowie ein fehlendes rehabilitative
s Bemühen des Beschwerdeführers zurückzuführen
war
,
welche beide
nicht krank
heitsbedingt
sind
(
Urk. 5/73/1-63
S. 54).
Was schliesslich die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verletzung des Grundsatzes der Waffengleichheit
betrifft
(
Urk. 1
S. 3 Ziff. 3, S. 9
f.
Ziff. 22 ff.
)
, ist Folgendes festzuhalten:
Rechtsprechungsgemäss
darf unter den Aspekten von Unabhängigkeit und Verfahrensfairness aus dem Umstand, dass die IV-Stelle – Durchführungsorgan der Invalidenversicherung – im gerichtlichen Verfahren for
mell als Partei auftritt
und aus ihrer Legitimation zur Erhebung von Be
schwerden in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten offensichtlich nicht gefol
gert werden, die Beweiserhebungen der Verwaltung im vorausgehenden nichtstreitigen Ver
fah
ren seien Parteihandlungen
(BGE 137 V 210 E. 1.3.2
).
4.3
Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer
seit
Mai
2017 (
vgl. E.
2.3
)
in einer angepassten Tätigkeit als Papier- und
Metallrecyclist
zu 100 % arbeits
fähig ist.
Dar
an
vermag
der Umstand, dass der Gutachter unter
Hinweis auf einen stufenweisen Wiedere
instieg in den Arbeitsmarkt von einem Startpen
sum von
50 % während sechs Monaten
ausging (Urk. 5/73/
1-63 S. 59 ff.), nichts zu än
dern
.
Dr.
Z._
begründete das reduzierte Pensum mit der seit dem Verlust der letzten Arbeitsstelle im Herbst 2014 (vgl. Urk. 5/12) eingetretenen allgemeinen
Dekondit
ionierung
des Beschwerdeführers, wobei er gleichzeitig darauf hinwies, dass
sich aufgrund der Begutachtung
keine erheblichen Funktionsdefizite
zeigten
, welche die Leistungserbringung am Arbeitsplatz grundsätzlich in Frage stellten.
5.
5.1
Mit BGE 143 V 418
und
BGE 145 V 215
entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen
und Suchterkrankungen
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.
2
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» in der Kategorie «funktioneller Schwere
grad» ist festzuhalten, dass die diagnoserelevanten Befunde und Sympto
me nicht ausgeprägt erscheinen. Der begutachtende Psychiater ging von einer maximal leichten depressiven Episode aus, wobei er namentlich das Vorliegen einer ver
minderten Konzentration und Aufmerksamkeit, eines
reduzierten
Selbstwert
ge
fühls
, eines Schuldgefühls sowie ausgesprochen negativer oder pessimistischer Zukunftsperspektiven verneint
e
und im Übrigen lediglich von einer mangelnden Aufhellbarkeit, einem (allenfalls) leichten Interessenverlust sowie einer leicht ausgeprägten Affektarmut und-starre ausging
(Urk. 5/74/1-63 S. 44). Im Weite
ren wies der Experte darauf hin, dass
es dem
Beschwerdeführer trotz fortge
setztem Cannabiskonsum
gelungen sei, sowohl schulisch wie auch beruflich eine aus
reichende Leistung zu erbringen,
und er
zuletzt nur noch Cannabisprodukte mit nied
rigem
THC-Gehalt konsumiere
(S. 52
, S. 58
)
.
Der Beschwerdeführer war nach dem Ereignis im Mai 2014 in stationärer
und
tagesklinischer Behandlung
respektive
befand sich
in regelmässiger psychotherapeutischer
und P
sychop
har
m
a
kot
herapie (S. 34 f., S. 55).
Angaben zu suchtspezifischen Therapieversuchen liegen nicht vor.
Die Diagnosen der rezidivierenden depressiven Störung und der
Cannabisabhängigkeit können sich gegenseitig unterhalten und verstärken (S. 58).
Was den Komplex «Persönlichkeit» anbelangt, gilt es zu beachten, dass keine Per
sön
lichkeitsstörung vorliegt (S. 44 f., S. 53
)
, sondern vom Gutachter
einzig
der Verdacht auf einen
anankastisch
-paranoiden Persönlichkeitsakzent geäussert wurde (S. 50)
. Des Weiteren konnte der Beschwerdeführer seine Lehre als
Recy
clist
abschliessen und
war
danach
bei verschiedenen Arbeitgebern im
Recyc
lingbereich tätig (Urk. 5/59/1-3 S. 2
)
.
Als Belastungsfaktoren anzusehen sind die un
selb
ständige Wohnsituation bei der psychisch angeschlagenen Mutter und zeitweise (über das Wochenende) mit dem behinderten Bruder
sowie
die –
vor Mai 2014
erfolgte -
schwi
erige Trennung von der
Exfr
eundin
(
Urk. 5/73/1-63 S. 27, S. 32 f.
, S. 54
).
Betreffend den
Komplex «Sozialer Kontext» ist zu berücksichtigen, dass der Be
schwerdeführer
zu
r Mutter und
den zwei Geschwistern einen guten Kontakt
hat
.
Er
gab ferner an, dass ihm auch der erst kürzlich wiederaufgenommene Kontakt zum Vater
gut tue
und dass ihn Kollegen zu Hause besuchten
(
S. 24,
S. 26, S. 54)
.
Zum Aspekt der «Konsistenz» ist festzuhalten,
dass zum einen eine Diskrepanz zwischen der subjektiven Beschwerdeschilderung und dem Verhalten des Be
schwerdeführers im Rahmen der gutachterlichen Exploration vorlag
und
zum anderen ein Missverhältnis zwischen der subjektiven Beschwerdeintensität und der Vagheit der Symptombeschreibung bestand
.
Im Weiteren wurde auch der Krank
heitsverlauf vage beschrieben.
Demgegenüber war keine Diskrepanz zwi
schen der subjektiv geschilderten Beeinträchtigung und der Inanspruchnahme von ther
apeutischer Hilfe festzustellen.
Zum psychosozialen Funktionsniveau
im Alltag
machte der Beschwerdeführer
lediglich wenige Angaben
(
S. 24 f., S. 37
),
dies im Gegensatz zu der sehr
detaillierten
Schilderung seiner Tätigkeit bei der
Y._
(S. 29 ff.
)
.
Der Beschwerdeführer gab immerhin an, dass er einige Male pro Woche den Hund seiner Schwester betreue
und
mit diesem spazieren gehe, er sich ab und an eine Mahlzeit vorbereite und tagsüber auf dem Bett liege, auf dem Balkon rauche oder Internet TV – insbesondere Dokumentarfilme – schaue (S. 24 f.).
Der
Gutachter
sprach von
einer erheblichen Überbewertu
ng der Funk
tionseinschränkungen,
wobei
er
ungeachtet der Inkonsistenzen nicht von einer Vortäuschung von Symptomen
ausging
(S. 56)
.
5.3
Eine Gesamtschau über alle Indikatoren ergibt, dass die voll attestierte Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
als Papier- und
Metallrecyclist
mit dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als plausibel erscheint.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
6.2
Der Beschwerdeführer war im Rahmen seiner angestammten Täti
gkeit bei der
Y._
, einem auf Chemiesond
ermüllentsorgung spezialisierten
Unternehmen, als
Recyclist
tätig
(Urk. 5/73/1-64 S. 29), wobei er gemäss Auszug
aus dem Individuellen Konto (IK)
vom 17. Juli 2017 (Urk. 5/58) in den Jahren 2013 und 2014
jeweils
hochgerechnet auf ein Jahr
e
in Einkommen von Fr.
64'799.
--
respek
tive Fr. 68'778.-- erzielte.
Nach Auskunft der ehemaligen Arbeitgeberin betrug der letzte Monatslohn
Fr.
5'430.-- zuzüglich eine
s
1
3.
Monatslohn
s
, was einem Jahreslohn von
Fr.
70'590.-- entspricht (
Urk.
5/12).
Als angepasste Verrichtung gilt die
Arbeit
als
Recyclist
ohne Umgang mi
t Chemikalien und Lösungsmitteln
respektive
als Metall- und
Papierrecyclist
(Urk. 2 S. 2, Urk. 5/73/1-63 S. 59
)
, mithin die Tätigkeit, für welche der Beschwer
deführer über eine abgeschlossene Lehre
mit
weiterführenden Praktika
verfügte und welche er bis
zur Anstellung bei der
Y._
während mehreren
Jahre
n
ausübte (vgl. Urk. 5/59/2-3).
Nachdem der Beschwerdeführer
trotz der gesundheitlichen Einschränkungen in der Lage ist,
als
Recyclist
mit einem 100%-Pensum zu arbeiten, besteht keine Notwendigkeit, bei der Ermittlung des Invalidenein
kom
mens statistische Werte beizuziehen
(Urteile des Bundesgerichts 9C_545/2020 vom 29.
Dezember
2020 E. 4.2.2, 9C_756/2016 vom 13. Juni
2017 E. 5
und 9C_599/2011 vom 13. Januar 2012 E. 4.1)
. Entsprechend ist dem
Valideneinkom
men
ein auf der gleichen Lohnbasis ermitteltes, uneingeschränktes Invalidenein
kommen gegenüberzustellen, weshalb der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeits
unfähigkeit von 0 % entspricht.
6.3
Nach dem Gesagten resultiert kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (vgl. E. 1.3), weshalb sich die angefochtene Verfügung als rechtens erweist
, was an
gesichts der fehlenden Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit auch für die im Even
tualstandpunkt beantragten
, nicht näher spezifizierten
Eingliederungs- und
Umschulungsmassnahmen
gilt
. Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Da
es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs.
1bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
dem
unterliegenden Beschwerde
füh
rer aufzuerlegen.