Decision ID: 014dc722-0e93-5e43-97d8-e07d0ac48d40
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 29. Januar 2002 bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(IV-act. 6). Gemäss Arztbericht von Dr. med. B._, Fachstelle für Sozialpsychiatrie und
Psychotherapie, vom 15. Oktober 2001 entwickelte die Ver¬sicherte ein
Beschwerdebild bestehend aus körperlichen Beschwerden (Knieschmerzen,
Schmerzen der Lendenwirbelsäule, Kopf- und Magenschmerzen) sowie psychischen
Symptomen, wie gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Verminderung des Antriebs,
rasche Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkung (IV-act. 10-12). Im Arztbericht des
Kantonalen Spitals Z._ vom 30. Juli 2001 über die Hospitalisation der Versicherten
vom 18. bis 23. Juli 2001 diagnostizierten die Ärzte eine somatoforme autonome
Funktionsstörung bei gastrointestinalen, zervikalen, muskulo-skelettalen
Manifestationen und psychosozialer Belastungssituation bei drohender Ausschaffung
des Ehemanns (IV-act. 10-9). Dr. B._ diagnostizierte im Bericht vom 8. Mai 2002 eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie einen Verdacht auf
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0). Seit 5. April 2001 sei die Versicherte zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 12).
A.b Am 4. und 7. November 2002 wurde die Versicherte durch die MEDAS Ostschweiz
psychiatrisch und internistisch/rheumatologisch begutachtet. Im Gutachten vom 29.
April 2003 hielten die Fachärzte als Diagnose mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit eine lang anhaltende Depression, aktuell mittelschweren bis schweren
Grades ohne psychotische Symptome, kombiniert mit einer undifferenzierten
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Somatisierungsstörung (ICD-10: F33.2/F45.1) bei einer Immigrantin aus dem Kosovo in
schwieriger psycho-sozialer Situation fest (Z60.3/Z56). Aus psychiatrischer Sicht
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100% für jegliche berufliche Tätigkeit. Um die
Niederlassungsbewilligung C zu erhalten, habe die Versicherte eine Erwerbstätigkeit im
Gemüsebau unter für sie ungünstigen Arbeitsbedingungen aufgenommen. So seien
Pflückarbeiten teils im ungeheizten Gewächshaus auf den Knien erfolgt, was zu
Knieschmerzen geführt habe. Zunehmend seien depressive Symptome aufgekommen.
A.c Am 16. Oktober 2003 verfügte die IV-Stelle die Zusprache einer ganzen Rente ab
1. April 2002 (IV-act. 35).
A.d Anlässlich der Rentenrevision im Jahr 2006 wurde an einem unveränderten
Gesundheitszustand festgehalten (IV-act. 43, 46, 48, 52, 54). Der Rechtsvertreter der
Versicherten teilte der IV-Stelle mit, dass jene nicht mehr zur Gesprächstherapie gehe.
Die früher vom Psychiater verschriebenen Medikamente erhalte sie nun vom Hausarzt
(IV-act. 51, vgl. auch Telefonnotiz bezüglich dem Ende der psychiatrischen Behandlung
im Jahr 2004: IV-act. 62-1).
A.e Infolge eines festgestellten Mammakarzinoms (vgl. IV-act. 73-5) wurde die auf das
Jahr 2011 angesetzte Revision auf die Zeit nach Abschluss der Therapie verschoben
(IV-act. 65). Die Behandlung des Mammakarzinoms wurde im März 2012
abgeschlossen (IV-act. 77).
A.f Im Rahmen der im Jahr 2014 durchgeführten Rentenrevision wurde die Versicherte
im Dezember 2014 polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch)
durch die BEGAZ GmbH, Begutachtungszentrum, abgeklärt. Im Gutachten vom 24.
Dezember 2014 diagnostizierten die Experten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine beidseitige trikompartimentäre Gonarthrose mit Varus-Fehlstellung beidseits. Die
u.a. ebenfalls vorhandenen Diagnosen einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eines Status nach depressiver Episode (ICD-10
F32) würden sich nicht (mehr) auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Der psychiatrische
Gutachter Dr. med. C._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, konnte keine
relevante affektive Störung und damit auch keine depressive Störung feststellen,
weshalb von einer Remission der affektiven Störung auszugehen sei. Ab dem Zeitpunkt
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des Gutachtens seien der Versicherten adaptierte Tätigkeiten, d.h. Tätigkeiten, die
weder körperlich schwer noch kniebelastend seien, vollschichtig möglich (IV-act.
82-31, 34, 53). RAD-Arzt Dr. med. D._ befand das Gutachten mit Stellungnahme vom
14. Januar 2015 als umfassend und widerspruchsfrei, weshalb darauf abgestellt
werden könne (IV-act. 86).
A.g Im Vorbescheid vom 16. Januar 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, die Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 20% einzustellen
(IV-act. 89).
A.h Dagegen liess die Versicherte durch Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, Muolen, mit
Eingabe vom 20. Februar 2015 Einwand erheben und die Gewährung der bisherigen
Rente beantragen (IV-act. 90). RAD-Arzt Dr. D._ sah gestützt darauf in seiner
Stellungnahme vom 5. März 2015 keinen Grund, von seiner Beurteilung abzuweichen
und befand das Gutachten weiterhin als nachvollziehbar (IV-act. 92).
A.i Am 23. März 2015 verfügte die IV-Stelle die Einstellung der Invalidenrente auf Ende
des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats (IV-act. 93).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 23. April
2015 mit dem Antrag auf deren Aufhebung und auf Weiterausrichtung einer mindestens
halben Rente. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei
durch das Gericht eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin rügt
die Rentenaufhebung bereits in formeller Hinsicht auf Grund einer ungenügenden
Abklärung der seit einem Jahrzehnt geklagten Kopfschmerzen. Diese hätten dringend
durch einen Neurologen abgeklärt werden müssen, bevor die Rente hätte aufgehoben
werden dürfen. Auch sei die Rentenaufhebung schon deshalb nicht verständlich, weil
die Beschwerdeführerin seit der Rentenzusprache eine deutliche Verschlimmerung der
gesamten medizinischen Problematik inkl. Krebsleiden zu beklagen habe. Weiter
beanstandet der Rechtsvertreter die Rentenaufhebung, weil der Beschwerdeführerin
zuvor keine beruflichen Massnahmen angeboten worden seien. Schliesslich habe es
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der psychiatrische Gutachter unterlassen, die geläufigen Tests durchzuführen, was
ebenfalls nach einer erneuten polydisziplinären Begutachtung verlange (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. Juni 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung hält sie fest, auf Grund der Remission
der affektiven Störung, welche im Jahr 2003 noch im Vordergrund gestanden habe, sei
ein Revisionsgrund gegeben. Gestützt auf die von Fachärzten nachvollziehbar
attestierte Arbeitsfähigkeit von 100% in adaptierten Tätigkeiten sei kein
Rentenanspruch mehr gegeben. Hinsichtlich der Frage nach beruflichen Massnahmen
verweist die Beschwerdegegnerin auf die Praxis des Bundesgerichts, wonach vor der
Herabsetzung oder Auf¬hebung der Rente eine erwerbsbezogene Abklärung und/oder
die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen zu erfolgen habe. Diese beschränke
sich jedoch auf Sachverhalte, bei denen die versicherte Person das 55. Altersjahr
zurückgelegt oder die Rente mehr als 15 Jahre bezogen habe. Dies sei beides
vorliegend nicht der Fall (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 13. Juli 2015 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest
(act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
8).

Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob und inwiefern
sich der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verändert hat (act. G 1).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
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1.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG, SR 830.1). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die
Invalidenrente ist somit nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Zeit¬licher Referenzpunkt für die Prüfung
einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf
einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur
Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4). Dagegen stellt die
bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein
genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/08, E. 2.1).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
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Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) ab¬gegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1 Ausgangspunkt für die Beurteilung des gesundheitlichen Verlaufs bildet im vor-
liegenden Revisionsverfahren die ursprüngliche Rentenzusprache gestützt auf die Ver-
fügung vom 16. Oktober 2003 (IV-act. 35). Hinsichtlich der geltend gemachten
Veränderung des Gesundheitszustands ist in erster Linie umstritten, welche Schlüsse
aus den im Revisionsverfahren 2014 eingeholten ärztlichen Unterlagen zu ziehen sind
bzw. ob der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ausreichend medizinisch
abgeklärt ist. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Invaliditätsbemessung
vorwiegend auf das Gutachten des BEGAZ vom 24. Dezember 2014 (vgl. IV-act. 82).
2.2 In formeller Hinsicht rügt der Rechtsvertreter vorab, dass die Beschwerdeführerin
neben der internistischen, der rheumatologischen und der psychiatrischen
Begutachtung auch in neurologischer Hinsicht hätte abgeklärt werden müssen. Da sie
seit über einem Jahrzehnt unter Kopfschmerzen sowie unter Bluthochdruck leide und
unklar sei, wie weit diese beiden Leiden zusammenhängen würden, müsse dieser
Problematik auf den Grund gegangen werden (act. G 1). Bereits im MEDAS-Gutachten
vom 29. April 2003 hielten die damaligen Fachärzte fest, dass die Beschwerdeführerin
occipitale Kopfschmerzen beklage und bei Anstrengungen Schwindelgefühle aufträten
(IV-act. 23-3). Untersucht wurde die Beschwerdeführerin durch einen Internisten/
Rheumatologen sowie einen Psychiater. Ersterer führte zum Neurostatus - abgesehen
von einem verlangsamten Gang mit aus¬geprägtem, ostentativ wirkendem
Schonhinken rechts und Schmerzangaben beim Zehen- und Fersengang sowie bei der
Beugung des Knies - unauffällige Befunde auf (vgl. IV-act. 23-6). Ein MRI oder sonstige
Abklärungen der Kopfschmerzproblematik schienen sich bereits damals nicht
aufzudrängen. Auch im BEGAZ-Gutachten stellte die Rheumatologin Dr. med. E._,
FMH Innere Medizin und Rheumatologie, als Neurostatus symmetrische
Muskeleigenreflexe und Muskelkraft (M4-5) sowie eine Hyposensibilität des linken
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Unterarms ulnarseitig von Ellenbogen bis Handgelenke fest (IV-act. 82-42). Auf Grund
der von der Beschwerdeführerin geklagten Dauerschmerzen von Kopf bis Fuss, wobei
am schlimmsten die Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich empfunden würden
(vgl. IV-act. 82-20), gingen die Gutachter von einem Ganzkörperschmerzsyndrom aus
(IV-act. 82-21). Dabei sahen sie offenbar keinen Nutzen in weiteren neurologischen
Abklärungen.
2.3 Dass demgegenüber eine Ausweitung auf weitere Disziplinen, wie die geltend
gemachte neurologische Begutachtung, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
notwendig gewesen wäre, wird somit weder von den begutachtenden Medizinern noch
den behandelnden Ärzten aufgeworfen. Damit ist die Beweiskraft des bidisziplinären
Gutachtens aus formellen Gründen nicht zu beanstanden.
3.
3.1 Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielten die BEGAZ-
Gutachter eine beidseitige trikompartimentäre Gonarthrose bei Varus-Fehlstellung fest.
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit befanden sie eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), einen Status nach depressiver Episode
(ICD-10 F32), einen Vitamin D-Mangel sowie ein Ganzkörperschmerzsyndrom,
differentialdiagnostisch im Rahmen der psychiatrischen Komorbidität (IV-act. 82-31). In
somatischer Hinsicht hielten die Gutachter nach allgemeininternistischer Untersuchung
durch Dr. med. F._, FMH für Allgemeine Innere Medizin, und nach rheumatologischer
Unter¬suchung durch Dr. E._ fest, dass sich in der klinischen Untersuchung mit
Ausnahme einer leichten Skoliose sowie klinischen Hinweisen für eine beidseitige
Varusgonarthrose kein wesentlicher pathologischer Befund ergebe. Die von der
Beschwerdeführerin sehr hoch angegebene Schmerzintensität (auf einer visuellen
Analogieskala 9 Punkte) sowie das Verhalten nach den ersten zehn
Untersuchungsminuten (d.h. nach der Untersuchung des Achsenskeletts im Stehen)
sowie nach der Untersuchung hätten stark mit dem Verhalten während der
Anamneseerhebung kontrastiert. Hier habe die Beschwerdeführerin einen eher
entspannten Eindruck gemacht, die Gesichtsmimik sei relativ lebhaft gewesen, häufig
habe die Beschwerdeführerin gelächelt oder sogar gelacht. Konventionell-radiologisch
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hätten sich lediglich die auf Grund der klinischen Präsentation bereits zu vermutenden
Varusgonarthrosen beidseits nachweisen lassen, zudem bestehe auch eine beidseitige
Retropatellararthrose. Auch im Labor hätten sich keine pathologischen Befunde
gezeigt, mit Ausnahme eines Vitamin D-Mangels. Dieser sollte zwar substituiert
werden, dennoch vermöge er das Gesamtausmass der Beschwerden nicht zu erklären.
Im Rahmen des MEDAS-Gutachtens vom 29. April 2003 habe die Beschwerdeführerin
angegeben, dass die Knieschmerzen beidseits erstmals im Herbst 2001 aufgetreten
und so progredient gewesen seien, dass sie schlussendlich zur Arbeitsunfähigkeit
geführt hätten. Erst im weiteren Verlauf seien Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen
sowie Schmerzen im rechten Arm dazugekommen. Die sehr ausgeprägte
Schmerzhaftigkeit sei damals der psychiatrischen Komorbidität zugeschrieben, die
Diagnose einer Fibromyalgie aber verworfen worden, da eine deutlich über die
Tenderpoints hinausgehende Druckschmerzhaftigkeit bestanden habe. Auch unter
Anwendung der neueren Diagnosekriterien für die Fibromyalgie (ACR Kriterien von
2010) sei eine Fibromyalgie zu verneinen. Die Beschwerdeführerin erreiche zwar einen
ausreichend hohen widespread pain-Index, jedoch beim Symptom severity score nicht
ausreichend Punkte. Auch klage sie nicht über die sonst bei Fibromyalgie
typischerweise vorhandenen vegetativen Beschwerden. Deswegen und auf Grund
fehlender Hinweise auf eine Schilddrüsenstoffwechselstörung beurteilten die Gutachter
die Schmerzsymptomatik als Ganzkörperschmerzsyndrom. Die einzig relevante
Diagnose von Seiten des Bewegungsapparates sei die beidseitige, zwischenzeitlich
fortgeschrittene Gonarthrose. Auf Grund dieser könnten der Beschwerdeführerin von
rheumatologischer Seite her kniebelastende Tätigkeiten, d.h. alle Arbeiten, welche
dauerndes oder wiederholtes Arbeiten im Knien, Steigen auf Treppen oder Leitern,
Arbeiten in der Höhe oder Gehen auf unebenem Grund notwendig machten, bleibend
nicht mehr zugemutet werden. Da die Schmerzsymptomatik aus rheumatologischer
Sicht nicht erklärt werden könne und auch (korrekt: nicht) wie oben diskutiert als
Fibromyalgie beurteilt werden könne, könnten von rheumatologischer Seite rein auf
Grund der Schmerzsymptomatik keine zusätzlichen Einschränkungen geltend gemacht
werden. Eine angepasste Tätigkeit könne der Beschwerdeführerin somit aus
rheumatologischer Sicht seit 2011 (auf Grund der Aufnahme des rechten Knies vom 20.
Juni 2011) vollschichtig zugemutet werden (IV-act. 82-44ff.).
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3.2 Hinsichtlich der psychiatrischen Komponente hielten die Gutachter fest, dass die
Beschwerdeführerin immer noch unter einer Körperschmerzsymptomatik leide, die aus
somatischer Sicht bei Weitem nicht nachvollziehbar sei. Teilweise im Vordergrund
stünden auch Kopfschmerzen. Sie fühle sich diesbezüglich derart beeinträchtigt, dass
sie keine Tätigkeit durchführen könne. Die Gutachter erörterten, dass die
Körperschmerzsymptomatik zu einem Zeitpunkt aufgetreten sei, als eine psychosozial
belastende Situation bestanden habe. Es müsse deshalb eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung angenommen werden. Differentialdiagnostisch könne eine
Somatisierungsstörung angenommen werden. Dies vorwiegend auf Grund der
Kopfschmerzsymptomatik, andererseits gebe die Beschwerdeführerin auch eine diffuse
Körperschmerzsymptomatik an. Es werde deshalb heute der erwähnten Diagnose der
Vorzug gegeben, wobei bezüglich dieser Schmerzstörung seit 2003 keine wesentliche
Änderung eingetreten zu sein scheine. Dr. C._ konnte im Zeitpunkt der Begutachtung
keine affektive Problematik vorfinden. Die Beschwerdeführerin mache sich Sorgen, was
durchaus nachvollziehbar sei. Zudem sei auch im Rahmen einer Schmerzstörung
immer mit zeitweisen Verstimmungszuständen zu rechnen. Eine depressive Störung
könne nicht vorgefunden werden. Es sei demnach von einer Remission dieser
affektiven Störung auszugehen, die im Jahr 2003 noch im Vordergrund gestanden
habe. Insgesamt könne daher aus rein psychiatrischer Sicht von einer deutlichen
Besserung der psychischen Störung ausgegangen werden, indem die affektive Störung
nicht mehr in beeinträchtigendem Ausmass vorliege (IV-act. 82-28f.). Da bezüglich der
Schmerzstörung allerdings von einer Chronifizierung auszu¬gehen sei, die auch in
Zukunft persistieren werde, sei mit keiner weiteren Änderung des Zustands zu rechnen.
Ungünstig würden sich die passiven Bewältigungsstrategien der Beschwerdeführerin
und die eher geringen Ressourcen auswirken (IV-act. 82-55). Infolge der
Schmerzsymptomatik sei der Beschwerdeführerin keine körperliche Schwerarbeit mehr
möglich. Es sollte ihr aber eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit in vollem Umfang
möglich sein. Eine weitere Leistungseinschränkung könne diesbezüglich nicht
begründet werden. Auch im Haushaltsbereich bestehe aus rein psychiatrischer Sicht
keine Einschränkung. Diese neue Einstufung bestehe mindestens ab dem
Untersuchungsdatum, da zum Vorfeld keine aussagekräftigen Unterlagen aus
psychiatrischer Sicht vorliegen würden (IV-act. 82-54). Obgleich sich die Begutachtung
durch den Psychiater offenbar lediglich durch eine mündliche Befragung abspielte, was
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der Rechtsvertreter bemängelt, kann dies allein kein Kriterium für eine ungenügende
Abklärung ergeben. So hielt Dr. C._ fest, dass bereits der im Vorfeld zugeschickte
Fragebogen lediglich rudimentär durch den Sohn ausgefüllt worden sei. Auch habe die
Kognition nicht getestet werden können, da die Beschwerdeführerin teilweise die
diesbezüglichen Anweisungen nicht richtig verstanden habe. Ihre Antworten seien
durchwegs sehr pauschalisierend und völlig undifferenziert gewesen, sie habe einen
ungebildeten Eindruck hinterlassen und sei in keiner Weise introspektiv gewesen (IV-
act. 82-51). Dass unter diesen Voraussetzungen auf eine Durchführung von
schriftlichen Tests verzichtet wurde, erscheint daher nachvollziehbar und vermag die
Beweiskraft des Gutachtens insgesamt nicht zu entkräften.
3.3 Bezüglich der durchgemachten Krebsbehandlung gab die behandelnde Ärztin Dr.
med. G._, Frauenklinik des Spitals Y._, im Bericht vom 27. Mai 2014 an, dass die
Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig sei und keine Einschränkung mehr bestehe (IV-
act. 72). Auch die Beschwerdeführerin selber äusserte gegenüber Dr. C._, dass
hinsichtlich des Brusttumors keine direkten Folgen mehr bestünden (IV-act. 82-27f.).
Somit hinterliess die Krebserkrankung keine Invaliditätsfolgen und eine Begutachtung
durch einen Onkologen erübrigt sich.
3.4 RAD-Arzt Dr. D._ bezeichnete das BEGAZ-Gutachten als umfassend und
widerspruchsfrei (IV-act. 86). Daran hielt er auch nach Prüfen der Einwände des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin fest. So hätten die Gutachter die Diagnosen
hinlänglich gewürdigt und sie unter dem Gesichtspunkt der Auswirkungen auf die
Funktionalität der betroffenen Strukturen definiert (IV-act. 96-5). Dieser Einschätzung
stehen keine widersprechenden medizinischen Beurteilungen entgegen. Vielmehr
erscheint das BEGAZ-Gutachten gestützt auf die vorhandenen Akten als
nachvollziehbar und schlüssig, weshalb darauf abzustellen und bei der
Beschwerdeführerin ab dem Zeitpunkt der Begutachtung vom Dezember 2014 von
einer Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten von 100% auszugehen ist.
4.
Hinsichtlich der Bestimmung des Invaliditätsgrads im Rahmen eines
Einkommensvergleichs ist zu bemerken, dass die Beschwerdeführerin als Gesunde im
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Vergleich zu den statistischen Hilfsarbeiterinnenlöhnen kein überdurchschnittliches
Jahreseinkommen erzielt hätte (gemäss IK-Auszug hatte sie im Jahr 2000 ein
Jahreseinkommen von Fr. 30'578.-- erzielt [IV-act. 9], was angepasst an die
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2001 um 2.5% und für das Jahr 2002 um 2.3%
ein Jahreseinkommen 2002 von Fr. 32‘063.-- ergibt [vgl. T 39 Entwicklung der
Nominallöhne 1976-2015 des Bundesamts für Statistik, Frauen]; dagegen beträgt der
statistische Hilfsarbeiterinnenlohn für das Jahr 2002 Fr. 47‘903.-- [vgl. zum
Tabellenlohn: Die Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2002, S. 43, Tabelle TA1,
Anforderungsniveau 4, Frauen, Total, Fr. 3‘820.--/Monat, was angepasst an die
Betriebsübliche Arbeitszeit von 41.8 Stunden pro Woche einen Jahreslohn von Fr.
47‘903.-- ergibt]). Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leichte bis
mittelschwere körperliche, die Knie schonende Tätigkeiten besteht somit offensichtlich
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr. Dies gilt selbst dann, wenn der
Beschwerdeführerin in Abweichung vom gewährten 20%igen ein 25%iger
Tabellenlohnabzug zugestanden würde. Unter diesen Umständen kann auf eine exakte
Ermittlung der Vergleichseinkommen und des Tabellenlohnabzugs bzw. des (nicht
rentenbegründenden) Invaliditätsgrads verzichtet werden.
5.
5.1 Schliesslich beanstandet die Beschwerdeführerin, dass vor der Rentenaufhebung
keine beruflichen Massnahmen durchgeführt worden seien.
5.2 Nach der Rechtsprechung können nach langjährigem Rentenbezug
ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarkts der sofortigen Anrechnung einer
medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen
Leistungsentfaltung entgegen¬stehen. Dies ist dann der Fall, wenn aus den Akten
einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials
ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels
Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist. Diese Rechtsprechung ist
allerdings auf Fälle beschränkt worden, in denen die (revisions- oder
wiedererwägungsweise) Rentenherabsetzung bzw. -aufhebung eine versicherte Person
betrifft, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren
bezogen hat (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Juli 2015, 8C_90/2015, E. 4 mit
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Hinweisen). Massgebender Zeitpunkt ist das Datum der rentenaufhebenden Verfügung
oder jenes der verfügten Rentenaufhebung (BGE 141 V 5 E. 4).
5.3 Vorliegend bezog die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der angefochtenen Ver-
fügung (23. März 2015, IV-act. 93) allerdings erst seit 13 Jahren eine ganze Rente
(Rentenbeginn am 1. April 2002; siehe Verfügung vom 16. Oktober 2003, IV-act. 35).
Zudem war sie bei der Rentenaufhebung 54 Jahre alt, weshalb sie die
Voraussetzungen nicht erfüllt. Auch wenn bei Grenzfällen wie diesen die vorgängige
Durchführung befähigender Massnahmen angesichts konkreter Umstände zwar
zulässig wäre, erscheinen berufliche Massnahmen denn allein bereits auf Grund der
Behinderungsüberzeugung der Beschwerdeführerin hier kaum durchführ- und
umsetzbar, weshalb auch die BEGAZ-Gutachter keine solchen empfahlen (vgl. IV-act.
82-35). Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die
Rentenaufhebung ohne Durchführung von Eingliederungsmassnahmen verfügt hat.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
angemessen. Diese ist der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen unter
Anrechnung des von ihr bezahlten Kostenvorschusses von Fr. 600.--.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.