Decision ID: cd9a83c1-22f7-4aa9-95ec-8f1299d47049
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Sie gab an, sie habe keine berufliche Ausbildung
absolviert. Zuletzt habe sie als Küchenhilfe gearbeitet. Der Allgemeinmediziner Dr. med.
B._ berichtete am 3. November 2008 (IV-act. 14), die Versicherte sei im Mai 2008
gestürzt. Dabei sei es zu einer Ruptur und zu einer Retraktion an der rechten Schulter
gekommen. Die Supraspinatussehne sei im Juni refixiert worden. Die Versicherte leide
an persistierenden Schulterschmerzen und an einer eingeschränkten Beweglichkeit.
Differentialdiagnostisch sei an eine Algodystrophie oder an eine Fibromyalgie zu
denken. Zurzeit sei die Versicherte nicht arbeitsfähig. Sie befinde sich immer noch in
Abklärung und Behandlung. Im Auftrag der zuständigen obligatorischen
Unfallversicherung erstattete der leitende Arzt der Klinik für Allgemein- und
Unfallchirurgie des Kantonsspitals C._, Dr. med. D._, am 5. Dezember 2008 ein
fachärztliches Gutachten (Fremdakten). Er hielt fest, die Versicherte könne im Moment
mit ihrem rechten Arm nur noch leichte manuelle Tätigkeiten in einer normalen
Arbeitshöhe ausführen. Für leidensadaptierte Tätigkeiten sei von einer Arbeitsfähigkeit
von 80 Prozent auszugehen. Mit einer Verfügung vom 18. September 2009 wies die IV-
Stelle das Rentenbegehren der Versicherten mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades ab (IV-act. 64). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle
Rechtskraft.
A.a.
Im August 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-
act. 66). Die IV-Stelle forderte sie auf, eine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustandes seit dem 18. September 2009 glaubhaft zu machen (IV-act. 71).
A.b.
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Nachdem sie diverse medizinische Berichte, die die Versicherte in der Folge
eingereicht hatte, gewürdigt hatte, notierte Dr. med. E._ vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) am 22. November 2010, dass es der Versicherten nicht
gelungen sei, eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen (IV-act.
74). Die IV-Stelle trat deshalb mit einer Verfügung vom 6. April 2011 nicht auf die
Neuanmeldung ein (IV-act. 85). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess
eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde mit einem Entscheid vom 6.
Dezember 2012 (IV 2011/178; vgl. IV-act. 109) mit der Begründung gut, die aktuellsten
medizinischen Berichte liessen eine wesentliche Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes als glaubhaft erscheinen, weshalb die IV-Stelle auf die
Neuanmeldung hätte eintreten müssen. Die Verfügung vom 6. April 2011 sei folglich
aufzuheben und durch den verfahrensleitenden Entscheid zu ersetzen, dass auf die
Neuanmeldung eingetreten werden müsse.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Ostschweiz am 3. Februar 2014 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 130). Die
Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an einem chronischen
Schulterschmerz rechts, an einer Impingementsymptomatik bei einer
Supraspinatussehnenruptur und einer AC-Gelenksreizung rechts, an einer
Hyperthyreose, an einer Hypoglykämie sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an einer myogenen Cervicalgie rechts, an einer Lumbosacralgie, an
einer Spondylarthrose L3–S1, an einer Gangstörung unklarer Genese und an einer
Osteopenie. Aus psychiatrischer Sicht seien keine Auffälligkeiten ersichtlich gewesen.
Aus orthopädischer Sicht liege ein instabiler Zustand vor, weil eine erneute Operation
geplant sei. Aus internistischer Sicht sei die Versicherte aktuell vollständig
arbeitsunfähig, da gerade erst ein Morbus Basedow mit einer Hyperthyreose entdeckt
worden sei, der noch nicht therapiert worden sei. Es empfehle sich eine erneute
Begutachtung nach einer Stabilisierung der Akutsituation in etwa einem Jahr. Die IV-
Stelle beauftragte die MEDAS Ostschweiz (nun: medexperts AG) im Januar 2015 mit
einer Verlaufsbegutachtung (IV-act. 170). Das Verlaufsgutachten wurde am 29. April
2015 erstellt (IV-act. 175). Die Sachverständigen führten aus, die Versicherte leide an
einer schmerzhaften Schultersteife rechts bei einem Verdacht auf eine Capsulitis, an
einem Status nach mehrfachen subacromialen Infiltrationen und AC-
A.c.
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Gelenksinfiltrationen, an einem chronifizierten Schulterschmerz Grad II, an einer
chronischen Cervicobrachialgie rechts, an einer Osteochondrose und an
Facettenarthrosen C4–7, an Störungen durch Sedativa oder Hypnotika sowie – ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem Morbus Basedow mit aktuell normalen
Schilddrüsenwerten, an einer persistierenden Schmerzsymptomatik der rechten
Schulter, an einer Hypercholesterinämie, an rezidivierenden myofascialen und
lumbospondylogenen Schmerzen L3–S1, an Ansatztendopathien am Pes anserinus
beidseits, an einem Senk-Spreizfuss beidseits und an einem therapiebedürftigen
Vitamin D-Mangel. Zudem bestehe der Verdacht auf eine Anpassungsstörung mit einer
längeren depressiven Reaktion. Aus allgemein-internistischer, neurologischer und
psychiatrischer Sicht seien der Versicherten leidensadaptierte Tätigkeiten
uneingeschränkt zumutbar. Aus orthopädischer Sicht bestehe selbst für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent. Diese resultiere
aus der starken Funktionseinschränkung der rechten Schulter, den therapierefraktären
chronifizierten Schulterschmerzen bei einer frozen shoulder-Symptomatik und der
Cervicobrachialgie rechts bei einer im MRI verifizierten Discushernie C5/6. Auf Anraten
der RAD-Ärztin Dr. E._ forderte die IV-Stelle die medexperts AG auf, Stellung zur
funktionellen Einschränkung der rechten Schulter unter reiner Berücksichtigung der
strukturell bedingten Anteile und ohne Einbezug der Symptomausweitung zu nehmen
(vgl. IV-act. 176). Die orthopädische Sachverständige der medexperts AG antwortete
am 9. Juni 2015 (IV-act. 179), aus orthopädischer Sicht liege keine
Symptomausweitung vor. Die vorliegenden Beschwerden seien somatisch erklärbar. Es
liege eine sogenannte frozen shoulder vor. Die RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 30. Juli
2015 (IV-act. 180), die Ausführungen im orthopädischen Teilgutachten der medexperts
AG und in der Stellungnahme vom 9. Juni 2015 seien nicht überzeugend. Es erstaune,
dass bei einem angeblich langjährigen Einsatz nur als Hilfshand keine Muskelatrophie
feststellbar gewesen sei. Vom normalen Ablauf einer frozen shoulder-Problematik her
hätte schon längst wieder eine Verbesserung der Beweglichkeit eintreten müssen. Die
ausgeprägten Schmerzangaben der Versicherten stünden auch in einem Widerspruch
zu deren Weigerung, sich adäquat behandeln zu lassen. Da die Schmerzsymptomatik
im Gutachten der medexperts AG jener in einem vor Jahren erstellten Bericht des
Schmerzzentrums des Kantonsspitals St. Gallen entspreche und da in jenem Bericht
eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent attestiert worden sei, sei für ideal
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B.
leidensadaptierte Tätigkeiten von einer Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent auszugehen.
Mit einer Verfügung vom 18. November 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 193).
Die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) liess am 5. Januar 2016
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 18. November 2015 erheben, die vom
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit einem Entscheid vom 31. Mai 2018 (IV
2016/2) teilweise gutgeheissen wurde. Es hielt fest, dass sowohl das orthopädische
wie auch das psychiatrische Teilgutachten der medexperts AG nicht überzeugten und
dass sich auch anhand der übrigen Akten die Frage nach dem Arbeitsfähigkeitsgrad
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
beantworten lasse, weshalb die Sache zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden
neuen Verfügung an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen sei.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin erhob eine Beschwerde gegen den Entscheid IV 2016/2
vom 31. Mai 2018. Diese wurde vom Bundesgericht gutgeheissen. Das Bundesgericht
verpflichtete das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, ein Gerichtsgutachten
einzuholen (Urteil des Bundesgerichtes 8C_468/2018 vom 6. Dezember 2018).
B.b.
Nachdem das Versicherungsgericht den Parteien die Möglichkeit zur
Stellungnahme eingeräumt hatte (vgl. act. G 2 und 3), erteilte es am 19. Februar 2019
der asim den Auftrag, ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten zu erstellen (act. G 4).
Die asim erstattete dieses Gerichtsgutachten am 17. Oktober 2019 (act. G 18). Die
fallführende allgemein-internistische Sachverständige hatte festgehalten (act. G 18.1.2),
in der Laboruntersuchung habe sich bis auf einen unzureichenden Vitamin D-Spiegel
keine Auffälligkeit gezeigt. Bei der klinischen Untersuchung sei eine starke
Krankheitsüberzeugung aufgefallen, die von der Überzeugung begleitet gewesen sei,
dass die Beschwerdeführerin ein Anrecht auf eine Rente habe, da sie ja dafür
einbezahlt habe. Der psychiatrische Sachverständige hatte ausgeführt (act. G 18.1.3),
die Beschwerdeführerin leide an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren. Im Vordergrund stünden eine Selbstüberzeugung über die
aufgehobene Funktionalität und eine ausgeprägte Symptomausweitung mit einer
B.c.
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entsprechenden Selbstlimitierung. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei
deshalb deutlich höher einzuschätzen, als es vordergründig erscheinen möge. Das
habe sich auch im Mini-ICF gezeigt: Die Beschwerdeführerin habe nur wenig
Einschränkungen bezüglich ihrer funktionellen Fähigkeiten aufgewiesen, die sich auf
die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Der Arbeitsunfähigkeitsgrad sei aus
psychiatrischer Sicht auf 20–30 Prozent zu schätzen. Der neurologische
Sachverständige hatte festgehalten (act. G 18.1.4), die Versicherte leide an einem
chronischen panvertebralen Syndrom ohne klinische Anhaltspunkte für ein sensibles
oder motorisches radiculäres Reiz- oder Ausfallsyndrom. Die Arbeitsfähigkeit sei
mangels fassbarer neurologischer Befunde aus orthopädischer Sicht zu beurteilen. Die
orthopädische Sachverständige hatte ausgeführt (act. G 18.1.5), die Versicherte leide
an einem chronischen Schmerzsyndrom der rechten Schulter und an einem
chronischen panvertebralen Schmerzsyndrom. Anhand der morphologischen,
objektivierbaren Befunde liessen sich vornehmlich belastungs-, positions- und
bewegungsabhängige Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule ohne eine wesentliche
Ausstrahlung ableiten. Bezüglich der Schulter seien eine Funktionseinschränkung,
insbesondere ab Horizontalstellung, bewegungsabhängige lokale Schmerzen,
Nachtschmerzen sowie eine Impingementsymptomatik bei einer AC-Gelenksarthrose
nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar seien dagegen die präsentierte extreme
Schmerzsymptomatik und Funktionseinschränkung. In der Untersuchung sei eine sehr
theatralische Darstellung der Einschränkungen aufgefallen: Die Beschwerdeführerin
habe den rechten Arm fast schon puppenhaft bewegungslos am Körper gehalten, aber
beim Heraussuchen der Medikamente aus der Handtasche habe der rechte Arm die
Tasche ohne sichtbare Einschränkungen auf den Oberschenkeln der sitzenden
Beschwerdeführerin festgehalten. Die klinische Untersuchbarkeit sei stark
eingeschränkt gewesen, da die Beschwerdeführerin auf geringste Berührungen wie
elektrisiert zusammengezuckt sei, den Arm und den Rücken bei
Untersuchungsmanövern weggezogen habe und den Abbruch der Untersuchung
verlangt habe. Die geltend gemachten Beschwerden liessen sich sowohl bezüglich der
Lokalisation als auch hinsichtlich der Stärke aus orthopädischer Sicht nicht
nachvollziehen. Aus medizinisch-theoretischer Sicht seien der Beschwerdeführerin
leichte, wechselbelastende, rückenschonende Tätigkeiten ohne einen repetitiven
Einsatz des rechten Arms zumutbar. Sicherlich nicht möglich seien Tätigkeiten, die
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Überkopfpositionen des rechten Arms verlangen würden, repetitive Bewegungen der
rechten Schulter, das Heben oder Tragen von Lasten über fünf Kilogramm sowie der
kraftvolle Einsatz des rechten Arms. Die angegebene faktische Funktionslosigkeit des
gesamten Arms sei dagegen nicht nachvollziehbar. In Anbetracht der degenerativen
Veränderungen an der Wirbelsäule sei auf eine rückenergonomische Tätigkeit zu
achten. Unter diesen Einschränkungen sei ein Pensum von 80 Prozent bei einer
Leistung von 50 Prozent zumutbar. Die zeitliche Einschränkung ergebe sich aus einem
etwas vermehrten Pausenbedarf infolge der Schmerzen. Die qualitative Einschränkung
begründe sich mit der Tatsache, dass die Einschränkung den dominanten Arm betreffe,
weshalb mit einer gewissen Ineffizienz durch den vermehrten Gebrauch des linken
Arms zu rechnen sei. In ihrer Konsensbeurteilung hielten die Sachverständigen fest
(act. G 18), für die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei die orthopädische Beurteilung
führend; die aus psychiatrischer Sicht attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
gehe in der orthopädisch attestierten Arbeitsfähigkeit auf.
Mit einem Schreiben vom 8. November 2019 forderte das Versicherungsgericht
die Sachverständigen der asim auf (act. G 22), das Gutachten vom 17. Oktober 2019
mit einer überzeugenden Begründung für das Attest einer Arbeitsfähigkeit von lediglich
40 Prozent selbst für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit zu ergänzen. Im Gutachten
selbst finde sich nämlich als einziger Ansatz einer Begründung für dieses Attest einer
doch sehr erheblichen Leistungseinbusse nur die Angabe der orthopädischen
Sachverständigen, dass eine „gewisse Ineffizienz durch den vermehrten Gebrauch des
linken Arms angenommen werden“ könne. Eine „gewisse Ineffizienz“ könne aber
offensichtlich keine Leistungseinbusse von immerhin 50 Prozent erklären.
Diesbezüglich sei auch darauf hinzuweisen, dass sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung
auf eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit beziehen müsse, also auf eine Tätigkeit, bei
der der rechte Arm gar nicht oder höchstens zudienend eingesetzt werden müsse. Die
Sachverständigen der asim antworteten am 20. Februar 2020 (act. G 24), die attestierte
Arbeitsfähigkeit setze sich zusammen aus der Einschränkung bezüglich der
psychiatrisch attestierten Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren, woraus sich gemäss dem psychiatrischen
Teilgutachten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20–30 Prozent ergebe, und
aus der Einschränkung aus orthopädischer Sicht, die eine darüber hinausgehende
B.d.
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Erwägungen
1.
Der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens wird durch den Gegenstand des mit
der angefochtenen Verfügung vom 18. November 2015 abgeschlossenen
Verwaltungsverfahren definiert. Dieses hat die Prüfung einer Neuanmeldung zum
Rentenbezug zum Inhalt gehabt, was bedeutet, dass umfassend hat geprüft werden
müssen, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Rente der
zusätzliche Einschränkung von mindestens 20 Prozent rechtfertige. Gesamthaft ergebe
sich somit eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent für eine adaptierte Tätigkeit.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. März 2020 (recte wohl: 8. oder 9.
April), dass nicht auf das Gutachten der asim abgestellt werde (act. G 30). Zur
Begründung verwies sie auf eine Stellungnahme des RAD vom 8. April 2020 (act. G
30.1). Darin hatte die RAD-Psychiaterin Dr. med. F._ festgehalten, der psychiatrische
Sachverständige der asim habe es versäumt, die psychischen Faktoren
herauszuarbeiten und die Hinweise auf eine Simulation zu diskutieren, obwohl diese
zwei Punkte wesentlich seien. Im Fliesstext des Gutachtens seien zwar psychische
Faktoren auffindbar, aber nur in der Form der subjektiven Überzeugung der
Beschwerdeführerin, dass sie genug gearbeitet habe, und in der Form einer scheinbar
bewusstseinsnahen Beschwerdendarstellung und Selbstlimitierung. Ohne einen
auffindbaren, die von den Sachverständigen beschriebenen Diskrepanzen erklärenden
psychischen Gesundheitsschaden könne nicht davon ausgegangen werden, dass
keine Simulation vorliege. Dem Sachverständigen sei es gesamthaft nicht gelungen,
einen psychischen Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nachvollziehbar zu machen. Die RAD-Ärztin Dr. E._ hatte ausgeführt, die
orthopädische Sachverständige der asim habe ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
nachvollziehbar begründet. Es fehle eine Herleitung gestützt auf die objektiven Befunde
und die erhobenen Funktionsausfälle. Das Gutachten erwecke den Eindruck, dass sich
die Sachverständige auf das gezeigte Verhalten und die demonstrierten
Funktionsausfälle abgestützt habe. Zwar habe sie die Inkonsistenzen benannt, aber sie
habe diese in der Gesamtbeurteilung nicht gewürdigt.
B.e.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Stellungnahme (act. G 31 und 33).B.f.
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Invalidenversicherung gehabt hat. Auch im anschliessenden Beschwerdeverfahren IV
2016/2 ist dementsprechend zu prüfen gewesen, ob die Beschwerdeführerin im
massgebenden Zeitraum nach der Neuanmeldung im August 2010 einen Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat. Daran hat das Urteil des
Bundesgerichtes 8C_468/2018 vom 6. Dezember 2018 nichts geändert, denn dessen
Dispositiv hat sich darauf beschränkt, das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
zur Einholung eines Gerichtsgutachtens zu verpflichten. Nachdem das
Versicherungsgericht ein solches Gerichtsgutachten eingeholt hat, ist nun erneut zu
prüfen, ob die Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitraum nach der
Neuanmeldung im August 2010 einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung gehabt hat.
2.
Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem
Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach
der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
2.1.
Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert und sie ist vor dem
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung als Hilfsarbeiterin tätig gewesen. Da die Akten
keine Hinweise auf eine deutlich über- oder unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin als Gesunde enthalten, ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin auf dem massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt einen
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn hätte erzielen können. Der Umstand, dass sie
effektiv etwas weniger verdient hat, ist auf arbeitsmarktliche Zwänge des
invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten tatsächlichen Arbeitsmarktes
zurückzuführen. Mit anderen Worten hätte die Beschwerdeführerin gewiss in eine
besser respektive durchschnittlich bezahlte Tätigkeit gewechselt, wenn sie die
Möglichkeit dazu gehabt hätte. Die Validenkarriere der Beschwerdeführerin besteht
folglich in der Verrichtung einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit, was bedeutet,
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
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dass das Valideneinkommen dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne
in der Schweiz entspricht.
Aus medizinischer Sicht ist es der Beschwerdeführerin grundsätzlich zumutbar,
eine leidensadaptierte Hilfsarbeit auszuführen. Die von den Sachverständigen der asim
formulierten Voraussetzungen, denen eine Tätigkeit genügen muss, damit sie als
leidensadaptiert qualifiziert werden kann, sind nicht so streng, dass realistischerweise
von einer Unverwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
müsste. Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne in der
Schweiz. Weil er mit dem Betrag des Valideneinkommens identisch ist, kann er bei der
Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen. Der
Invaliditätsgrad kann also anhand eines sogenannten Prozentvergleichs berechnet
werden, was bedeutet, dass er dem Arbeitsunfähigkeitsgrad – allenfalls korrigiert um
einen zusätzlichen Abzug aus betriebswirtschaftlich-ökonomischen Gründen –
entspricht.
2.3.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Das
bedeutet, dass der Beweiswert eines Beweismittels nicht anhand der Herkunft oder der
Art des Beweismittels, sondern allein anhand des Inhaltes oder der „inneren“
Überzeugungskraft des Beweismittels zu bestimmen ist. Ueli Kieser schreibt in seinem
ATSG-Kommentar (4. Aufl. 2020, Art. 43 N 61), dass dieser Grundsatz „durch die
Rechtsprechung mit Selbstverständlichkeit berücksichtigt“ werde. Nach der
bundesgerichtlichen Auffassung soll es allerdings mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung vereinbar sein, eine Abstufung des Beweiswertes von medizinischen
Berichten anhand der Herkunft solcher Berichte vorzunehmen (statt vieler: BGE 125 V
351). Das Bundesgericht hat gewissermassen eine „Vierklassengesellschaft“
eingeführt, denn nach seiner Auffassung verfügen Berichte von behandelnden Ärzten
(„vierte Klasse“) generell nur über einen sehr eingeschränkten Beweiswert, weil bei
deren Würdigung der Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden muss, dass
behandelnde Ärzte wegen ihrer auftragsrechtlichen Stellung in Zweifelsfällen eher
zugunsten ihrer Patienten berichten (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353 mit Hinweisen);
auf Berichte von versicherungsinternen medizinischen Sachverständigen („dritte
Klasse“) kann dagegen generell abgestellt werden, sofern nicht Zweifel an deren
Überzeugungskraft bestehen, wobei allerdings bereits geringe Zweifel genügen (BGE
135 V 465 E. 4.6 S. 471 mit Hinweisen); von einem Administrativgutachten eines
versicherungsexternen medizinischen Sachverständigen („zweite Klasse“) darf nach
der bundesgerichtlichen Auffassung nur abgewichen werden, wenn konkrete Indizien
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
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gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353 mit
Hinweisen); von einem Gerichtsgutachten („erste Klasse“) darf schliesslich nicht ohne
zwingende Gründe abgewichen werden (Kieser, a.a.O., Art. 43 N 64, mit Hinweisen).
Beim Gutachten der asim vom 17. Oktober 2019 handelt es sich um ein
Gerichtsgutachten und damit um ein Beweismittel, dem nach der bundesgerichtlichen
Auffassung per se ein sehr hoher Beweiswert zukommt („erste Klasse“) respektive von
dem nicht ohne einen zwingenden Grund abgewichen werden darf. Die Kritik der RAD-
Ärzte Dres. F._ und E._ am Gutachten der asim stellt keinen solchen zwingenden
Grund dar, auch wenn die Einwände der beiden RAD-Ärzte nicht gänzlich von der
Hand zu weisen sind, denn bei dieser Kritik handelt es sich um Einwände von
versicherungsinternen Medizinern, die nach der bundesgerichtlichen Auffassung keinen
besonders hohen Beweiswert haben („dritte Klasse“). Auf solche Beweismittel „dritter
Klasse“ darf gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bereits dann nicht
abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit bestehen.
Solche Zweifel liegen hier vor, weil die RAD-Ärzte ihre Einwände zu einem Zeitpunkt
erhoben haben, in dem die Beschwerdegegnerin bereits Partei des gerichtlichen
Beschwerdeverfahrens gewesen ist. Bei den Einwänden der RAD-Ärzte handelt es sich
folglich um Parteiäusserungen, deren Beweiswert in sinngemässer Anwendung des
„Vierklassensystem“-Prinzips des Bundesgerichtes wohl noch unter demjenigen der
Berichte behandelnder Ärzte liegen dürfte. Auch die (zunächst) wenig überzeugende
Begründung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung stellt keinen Grund dar, der dazu
zwingen würde, vom Gerichtsgutachten abzuweichen, denn auf eine entsprechende
Rückfrage des Versicherungsgerichtes hin haben die Sachverständigen der asim eine
Begründung für ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung nachgereicht. Die orthopädische
Sachverständige hat in dieser Ergänzung darauf hingewiesen, dass sie nicht, wie man
nach einer ersten Durchsicht ihres Teilgutachtens meinen könnte, eine rein
orthopädisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 60 Prozent (Arbeitsfähigkeit: 50
Prozent von 80 Prozent = 40 Prozent) attestiert habe, was angesichts der von ihr
beschriebenen, eher diskreten objektiven klinischen Befunde, der Diskrepanzen und
des Hinweises darauf, dass für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten nur eine „gewisse
Ineffizienz“ zu attestieren sei, weil die Beschwerdeführerin vermehrt den adominanten
linken statt des dominanten rechten Arms einsetzen müsse, nur schwer
nachvollziehbar gewesen wäre. Vielmehr rechtfertigten die objektiven klinischen
Befunde aus orthopädischer Sicht nur eine Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent.
Allerdings müsse die vom psychiatrischen Sachverständigen attestierte Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit von 20–30 Prozent dazugerechnet werden, sodass sich insgesamt
ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent. Diese Ausführungen überzeugen, denn sie
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
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zeigen, dass die orthopädische Sachverständige eine klare Abgrenzung zwischen den
objektiv-klinisch fassbaren und den aus orthopädischer Sicht nicht objektiv
nachweisbaren Befunden vorgenommen hat. Sie hat sich also von der
Beschwerdeverdeutlichung nicht irreführen lassen. Gemäss dem psychiatrischen
Teilgutachten ist diese Beschwerdeverdeutlichung ein Symptom der psychischen
Erkrankung, das heisst der chronischen Schmerzstörung gewesen. Der psychiatrische
Sachverständige hat deshalb bezüglich der aus somatischer Sicht nicht objektiv
nachweisbaren Befunde eine Abgrenzung zwischen jenen Einschränkungen, die aus
psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit begründet haben, und jenen geltend
gemachten Einschränkungen, die (auch) aus psychiatrischer Sicht kein
Arbeitsunfähigkeitsattest gerechtfertigt haben, vornehmen müssen. Dem
psychiatrischen Teilgutachten lässt sich entnehmen, dass der psychiatrische
Sachverständige diese Abgrenzung effektiv vorgenommen und dass er überzeugend
begründet hat, weshalb der aus der psychischen Erkrankung resultierende Teil der
Beschwerden eine Arbeitsunfähigkeit von 20–30 Prozent entstehen lässt. Diese
Teilarbeitsfähigkeit, die sich ja nur auf jene Symptome bezogen hat, für die aus
somatischer (insb. orthopädischer) Sicht keine nachweisbaren objektiven klinischen
Befunde vorgelegen haben, hat selbstverständlich zu jener Teilarbeitsfähigkeit addiert
werden müssen, die aus den orthopädisch nachweisbaren objektiven klinischen
Befunden resultiert hat. Zusammenfassend haben die Sachverständigen der asim also
überzeugend dargelegt, dass die Beschwerdeführerin zu 50 Prozent arbeitsunfähig
gewesen ist. Weil das Versicherungsgericht explizit nach dem Verlauf der
Arbeitsfähigkeit rückwirkend ab Januar 2010 gefragt hatte und weil die
Sachverständigen der asim in ihrem Gutachten festgehalten haben, dass retrospektiv
von einem durchgehend unveränderten Arbeitsunfähigkeitsgrad (abgesehen von den
Rehabilitationsphasen nach den operativen Eingriffen in den Jahren 2008 und 2009)
auszugehen sei, gilt der Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent für den gesamten hier
massgebenden Zeitraum. Die Sachverständigen haben sich mit dem Katalog der
sogenannten „Standardindikatoren“ auseinandergesetzt, weshalb das Gutachten auch
in dieser Hinsicht den Anforderungen der Rechtsprechung genügt. Andere zwingende
Gründe, die gegen ein Abstellen auf das Gerichtsgutachten der asim sprechen würden,
springen nicht ins Auge, weshalb der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum
Beweiswert von medizinischen Berichten folgend auf das Gerichtsgutachten der asim
abzustellen ist. Das bedeutet, dass für den gesamten hier massgebenden Zeitraum von
einer Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50 Prozent für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen ist.
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Bleibt zu prüfen, ob ein zusätzlicher Abzug aus betriebswirtschaftlich-
ökonomischen Gründen zu berücksichtigen ist. Massgebend dafür ist die Antwort auf
die Frage, ob ein strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender potentieller
Arbeitgeber der Beschwerdeführerin einen (dem zumutbaren Pensum von 50 Prozent
entsprechenden) durchschnittlichen Lohn bezahlen könnte. Das wäre der Fall, wenn die
Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit so verwerten könnte, dass der Wert ihrer
Arbeitsleistung betriebswirtschaftlich-ökonomisch betrachtet jenem einer gesunden,
durchschnittlich leistungsfähigen Person entsprechen würde, die ebenfalls in einem
Pensum von 50 Prozent angestellt wäre. Insbesondere weil die längerfristig
durchschnittlich 50 Prozent betragende Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin
krankheitsbedingt kurzfristig starken Schwankungen unterliegen dürfte, weil die
Beschwerdeführerin deshalb nicht in der Lage sein dürfte, ihre Arbeitsleistung konstant
zuverlässig und damit im Voraus planbar zu erbringen, weil offensichtlich das Risiko
von vermehrten unerwarteten krankheitsbedingten Absenzen besteht und weil die
Beschwerdeführerin weder in zeitlicher Hinsicht (Fähigkeit, Überstunden zu leisten)
noch in organisatorischer Hinsicht (Möglichkeit, vorübergehend anderweitige Arbeiten
auszuführen) flexibel eingesetzt werden kann, kann die Arbeitsleistung der
Beschwerdeführerin aus rein betriebswirtschaftlich-ökonomischer Sicht nicht
denselben Wert haben wie die Arbeitsleistung einer gesunden, durchschnittlich
leistungsfähigen, in einem Pensum von 50 Prozent angestellten Hilfsarbeiterin, die
keinen dieser ökonomischen Nachteile aufweist. Würde ein potentieller Arbeitgeber
trotzdem einen Lohn ausrichten, der 50 Prozent des statistischen Zentralwertes der
Hilfsarbeiterinnenlöhne entsprechen würde, müsste dieser Lohn einen Soziallohnanteil
enthalten. Bei der Invaliditätsbemessung muss ein Soziallohnanteil aber zwingend
ausgeblendet werden, weshalb praxisgemäss ein zusätzlicher Lohnabzug von 15
Prozent zu berücksichtigen ist.
2.6.
Anhand eines Prozentvergleichs ergibt sich damit ein Invaliditätsgrad von 57,5
Prozent (= 100% – 85% × 50%). Gestützt auf den Art. 28 Abs. 2 IVG hat die
Beschwerdeführerin folglich einen Anspruch auf eine halbe Rente der
Invalidenversicherung. Da es sich bei der hier massgebenden Neuanmeldung im
August 2010 um eine sogenannt „verspätete“ Anmeldung lange nach dem Ablauf des
sogenannten „Wartejahrs“ (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) gehandelt hat, ist der
Rentenanspruch in Anwendung des Art. 29 Abs. 1 IVG per 1. Februar 2011 entstanden.
Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin also ab dem 1. Februar 2011 einen
Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung. Weil der „AHV-rechtliche“
Teil des Sachverhaltes bislang noch nicht abgeklärt worden ist, kann die Rente nicht
2.7.
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St.Galler Gerichte
3.
Rechtsprechungsgemäss gilt dieser Verfahrensausgang als ein vollständiges Obsiegen
der Beschwerdeführerin. Die Gerichtskosten sind folglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der Beurteilungsaufwand muss mit Blick auf den Zusatzaufwand im
Zusammenhang mit der Einholung des Gerichtsgutachtens als weit
überdurchschnittlich qualifiziert werden, weshalb die Gerichtskosten auf 1’000 Franken
festzusetzen sind. Nach dem Verursacherprinzip sind die Kosten des
Gerichtsgutachtens – unabhängig vom Verfahrensausgang – der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen, weil diese Kosten nur deshalb angefallen sind, weil die
Beschwerdegegnerin den massgebenden Sachverhalt ungenügend abgeklärt und
damit ihre Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) verletzt hatte. Die Gesamtkosten
für das Gerichtsgutachten von 20’274.45 Franken (vgl. act. G 23 und 35) sind also von
der Beschwerdegegnerin zu bezahlen. Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist als deutlich überdurchschnittlich zu qualifizieren, denn bereits
im ersten Beschwerdeverfahren IV 2016/2 ist ein für einen IV-Rentenfall
durchschnittlicher Vertretungsaufwand erforderlich gewesen und in diesem
Beschwerdeverfahren ist nochmals ein wesentlicher Vertretungsaufwand im
Zusammenhang mit dem Gerichtsgutachten und den Einwänden der RAD-Ärzte
angefallen. Der Aufwand im bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren ist
demgegenüber nicht zu berücksichtigen. Da die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerhin in diesem Beschwerdeverfahren keine umfangreichen Eingaben
mehr gemacht hat, ist von einem Vertretungsaufwand auszugehen, der eine
Parteientschädigung von 5’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) rechtfertigt. Zusätzlich hat die Beschwerdeführerin in Anwendung des
Art. 98 Abs. 2 VRP einen Anspruch auf eine Entschädigung jener Kosten, die im
Zusammenhang mit der Begutachtung im Auftrag des Gerichtes angefallen sind (vgl.
dazu den Entscheid IV 2013/629 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 27.
Februar 2018, E. 4.2). Die am 8. August 2019 geltend gemachten Kosten von
insgesamt 262.90 Franken (act. G 16) sind als erforderliche und damit
entschädigungspflichtige Ausgaben zu qualifizieren, die von der Beschwerdegegnerin
direkt in diesem Urteil zugesprochen werden; die Sache muss zur Festsetzung der
Rentenbeträge an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden.
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zu ersetzen sind. Die Parteientschädigung beträgt deshalb insgesamt 5’262.90
Franken.