Decision ID: 370e2c16-b199-543e-8682-9a876ab9ebea
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste im Jahr 2003 mit einem in Indien ausgestell-
ten Besuchervisum in die Schweiz ein und ersuchte als Tibeter aus der
Volksrepublik (VR) China unter falscher Identität um Asyl. Am 24. Novem-
ber 2003 wurde sein Asylgesuch abgelehnt. Mit Verfügung vom 1. April
2008 hob das damalige Bundesamt für Migration (BFM; heutzutage SEM)
den abweisenden Asylentscheid infolge einer Gesetzesänderung auf und
das erstinstanzliche Asylverfahren wurde wiederaufgenommen. Nach Ab-
klärungen mit der Schweizer Vertretung in New Delhi erachtete es das BFM
als erwiesen, dass der Beschwerdeführer unter dem heute bekannten Na-
men in Indien geboren wurde und dort über einen geregelten Aufenthalt
("Residential Permit") sowie über ein "Identity Certificate" verfügte. In der
Folge trat das BFM mit Verfügung vom 6. August 2009 auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an. Das Bundesverwaltungsgericht wies eine dagegen erhobene
Beschwerde mit Urteil D-5127/2009 vom 26. August 2009 ab. Es hielt fest,
es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in Indien geboren
worden sei und sich bis zu seiner Ausreise in die Schweiz ordnungsgemäss
und geregelt in Indien aufgehalten habe. Die geltend gemachte Verfolgung
in der VR China befand es als unglaubhaft, weshalb er die Flüchtlingsei-
genschaft nicht erfülle. Die Wegweisung aus der Schweiz sei zu Recht an-
geordnet worden und der Wegweisungsvollzug nach Indien sei zulässig,
zumutbar und möglich.
B.
Mangels Kooperation des Beschwerdeführers konnte eine Wegweisung
nach Indien nicht vollzogen werden. Am 10. November 2011 wurde er vor-
läufig aufgenommen und am 29. August 2012 erhielt er eine Aufenthalts-
bewilligung.
C.
Drei Gesuche um Ausstellung eines Reisedokuments lehnte das SEM
mangels Bemühungen um Reisepapierbeschaffung ab und wies den Be-
schwerdeführer mit der letzten abweisenden Verfügung vom 25. Septem-
ber 2018 darauf hin, dass zwischen dem 26. Januar 1950 und dem 1. Juli
1987 in Indien geborene Tibeter seit Sommer 2017 die indische Staatsan-
gehörigkeit und damit einen indischen Pass beantragen könnten.
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D.
Am 10. Oktober 2019 beantragte der Beschwerdeführer beim Migrations-
amt des Kantons B._ erneut die Ausstellung eines Passes für eine
ausländische Person. Das Migrationsamt überwies das Gesuch dem SEM
zum Entscheid.
E.
Mit Schreiben vom 19. Dezember 2019 gewährte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Abweisung des
Gesuchs. In der Folge ersuchte dieser um Erlass einer beschwerdefähigen
Verfügung.
F.
Die Vorinstanz wies das Gesuch des Beschwerdeführers um Ausstellung
von Reisepapieren mit Verfügung vom 1. April 2020 ab.
G.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
13. Mai 2020 (Poststempel tags darauf) Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und Neubeurteilung der Sache. Eventualiter sei ihm ein Zweitasyl zu ge-
währen.
Als Beweismittel reichte er folgende Unterlagen ein: ein Beweismittel zu
seiner Herkunft aus Tibet/China, ein Personalienblatt der Stadt C._
betreffend Anfrage Vorgehen Ausstellung Reisepass vom 2. November
2017 sowie eine Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
(SFH) vom 9. September 2013 mit dem Titel: "China/Indien: Situation tibe-
tischer Flüchtlinge in Indien".
H.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Juni 2020 lud das Bundesverwaltungsge-
richt die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. Mit Eingabe
vom 24. Juni 2020 liess sich die Vorinstanz vernehmen und beantragte die
Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer replizierte am 11. Au-
gust 2020 und reichte ein Protokoll seiner Begleitperson betreffend den
Besuch bei der indischen Botschaft in Bern vom 21. Juli 2020 sowie ein
Foto von ihm vor der indischen Botschaft ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen der Vorinstanz, welche die Ausstellung von Reisedoku-
menten für ausländische Personen betreffen, sind mit Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG).
Dieses entscheidet in der vorliegenden Materie endgültig (Art. 83 Bst. c
Ziff. 6 BGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf das frist- und formgerecht eingereichte
Rechtsmittel ist – mit Ausnahme der nachfolgenden Ausführungen – einzu-
treten (Art. 50 und 52 VwVG).
Auf das Eventualbegehren des Beschwerdeführers, ihm sei in der Schweiz
ein Zweitasyl zu gewähren, ist nicht einzutreten. Dieses Gesuch ist nicht
Gegenstand der angefochtenen Verfügung.
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes sowie – wenn nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Das SEM kann einer schriftenlosen ausländischen Person mit Aufent-
haltsbewilligung Reisedokumente ausstellen (Art. 59 Abs. 1 AIG
[SR 142.20] i.V.m. Art. 4 Abs. 2 Bst. a der Verordnung über die Ausstellung
von Reisedokumenten für ausländische Personen [RDV; SR 143.5]). Als
schriftenlos im Sinne dieser Verordnung gilt gemäss Art. 10 Abs. 1 RDV
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eine ausländische Person, die keine gültigen Reisedokumente ihres Hei-
mat- oder Herkunftsstaates besitzt und von der nicht verlangt werden kann,
dass sie sich bei den zuständigen Behörden ihres Heimat- oder Herkunfts-
staates um die Ausstellung oder Verlängerung eines Reisedokuments be-
müht (Bst. a), oder für welche die Beschaffung von Reisedokumenten un-
möglich ist (Bst. b).
3.2 Die Kontaktaufnahme mit den zuständigen Behörden des Heimat- oder
Herkunftsstaates kann namentlich von schutzbedürftigen und asylsuchen-
den Personen nicht verlangt werden (Art. 10 Abs. 3 RDV).
3.3 Als unmöglich im Sinne dieser Bestimmung gilt die Beschaffung eines
Reisepapiers grundsätzlich nur dann, wenn sich die ausländische Person
bei den Behörden ihres Heimatstaates um einen Reisepass bemüht, des-
sen Ausstellung aber ohne zureichende Gründe verweigert wird (zum Gan-
zen siehe BVGE 2014/23 E. 5.3–5.4). Die Ausstellung von Reise- und Iden-
titätspapieren liegt in der Kompetenz des jeweiligen Heimatstaates. Die-
sem kommt bei der Ausübung seiner Passhoheit ein erheblicher Gestal-
tungsspielraum zu, den es zu respektieren gilt (vgl. Urteil des BVGer
F-6281/2016 vom 17. Mai 2018 E. 4.2 m.H.).
4.
4.1 Zur Begründung der Abweisung des Gesuchs um Ausstellung eines
Passes für eine ausländische Person führte die Vorinstanz im Wesentli-
chen aus, der Beschwerdeführer sei in der Schweiz nicht als Flüchtling an-
erkannt. Es sei ihm möglich und zumutbar, sich bei den indischen Behör-
den in der Schweiz um die Ausstellung eines indischen Reisedokuments
zu bemühen. Der Beschwerdeführer erfülle damit die Voraussetzungen an
die Schriftenlosigkeit nicht, weshalb sein Gesuch abgelehnt werde.
4.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Beschwerde, die Behörden
hätten nie bestritten, dass er chinesischer Staatsangehöriger sei und er
habe dies auch mittels eines Originals einer chinesischen Identitätskarte
belegt. Um überhaupt an indische Papiere zu gelangen, habe er einen in-
dischen Geburtsort angeben müssen. Eine LINGUA-Analyse sei bei ihm
nie durchgeführt worden. Damit hätte festgestellt werden können, dass
seine Hauptsozialisierung vor der Einreise in der Schweiz in Tibet stattge-
funden habe. Mehrmals habe er sich in den Jahren 2009 und 2010 bemüht,
indische Reisedokumente zu erhalten. Zufolge der Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs nach China sei ihm die vorläufige Aufnahme ge-
währt worden und später habe er eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Mit
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der Anerkennung der Unmöglichkeit der Wegweisung sei vom SEM bestä-
tigt worden, dass es ihm nicht möglich sei, Reisepapiere zu beschaffen. Im
Rahmen früherer Gesuche habe er mehrere Versuche unternommen, bei
der chinesischen Botschaft in der Schweiz vorzusprechen. Unter dem
flüchtlingsrechtlichen Aspekt sei es aufgrund einer drohenden Refoule-
ment-Verletzung nicht zumutbar, dass er seine Identität dem Verfolgerstaat
China preisgebe. Seine indische "Identity Card" sei seit 15 Jahren ungültig.
Er sei nie mehr in Indien gewesen und verfüge auch über kein "Registration
Certificate". Gemäss dem Bericht der SFH vom Jahr 2013 sei es für tibeti-
sche Flüchtlinge weiterhin schwierig, die indische Staatsangehörigkeit zu
erlangen.
Er lebe bereits seit 17 Jahren in der Schweiz und habe das Land nicht
verlassen können. Dies stelle eine grobe Verletzung seiner Grundrechte,
insbesondere der Reisefreiheit, dar. Seit langem möchte er eine wichtige
Pilgerreise unternehmen, was ihm jedoch nicht möglich sei. Damit werde
auch seine Religionsfreiheit verletzt.
4.3 In ihrer Vernehmlassung macht die Vorinstanz geltend, die Angaben
des Beschwerdeführers zu seiner Herkunft und Gefährdung in China seien
nicht erneut zu prüfen. Das Verfahren betreffend Schriftenlosigkeit diene
nicht dazu, den Asylentscheid in Wiedererwägung zu ziehen. Es stehe
rechtskräftig fest, dass er in Indien geboren sei. Seit Sommer 2017 hätten
Tibeter, die zwischen dem 26. Januar 1950 und dem 1. Juli 1987 in Indien
geboren seien die Möglichkeit, die indische Staatsangehörigkeit und somit
einen indischen Pass zu beantragen. Im Rahmen des Asylverfahrens sei
die Beschaffung von indischen Dokumenten aufgrund mangelhafter Ko-
operation des Beschwerdeführers gescheitert.
4.4 Replizierend erwidert der Beschwerdeführer, gemäss dem Grundsatz-
urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1813/2019 dürften Ergebnisse der
Beweiswürdigung aus einem abgeschlossenen ordentlichen Asylverfahren
nicht ohne weiteres auf eine späteres Verfahren betreffend Familienasyl
übertragen werde. Das Gleiche müsse auch für das Verfahren der Prüfung
der Schriftenlosigkeit gelten. Es stimme nicht, dass er in Indien geboren
sei und er besitze auch keine indische Geburtsurkunde. In Bezug auf sei-
nen Heimatstaat China könne nicht verlangt werden, dass er dort Reisedo-
kumente besorge. Das SEM habe wiederholt festgehalten, dass er chine-
sischer Staatsangehöriger sei und ein Wegweisungsvollzug in die VR
China sei ausgeschlossen worden. Es sei deshalb anerkannt, dass von
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einer Gefährdung in Bezug auf die VR China ausgegangen werde. Den-
noch habe er mehrmals bei der chinesischen Botschaft vorgesprochen, je-
doch nie eine Bestätigung des Besuchs oder der Abweisung seines Ge-
suchs erhalten. Er habe auch eine Kopie des Familienbüchleins (Houku)
eingereicht. Am 21. Juli 2020 sei er in Begleitung einer Schweizerin mit
tibetischen Wurzeln zur indischen Botschaft in Bern gegangen. Die Bot-
schaftsmitarbeiterin habe ihm mitgeteilt, dass es tibetischen Personen
nicht möglich sei, Papiere von der indischen Botschaft zu erhalten und dies
dem SEM auch bekannt sei. Die indische Botschaft könne nur auf Anfrage
von Seiten des SEM aktiv werden und nicht von Einzelpersonen. Ebenfalls
im Juli 2020 habe er sich beim Tibet Bureau in Delhi informiert und die
Auskunft erhalten, dass es nicht möglich sei, eine "Identity Card" zu erhal-
ten, wenn diese bereits ungültig sei. Diese müsse vor Ablauf in Indien
selbst erneuert werden. In seinem Heimatstaat China sei es unzumutbar,
Reisedokumente zu besorgen und in Bezug auf Indien unmöglich, solche
zu erhalten.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer konnte im Asylverfahren seine Sozialisierung in
der VR China sowie seine Verfolgung nicht glaubhaft darlegen. Eine durch-
geführte Botschaftsabklärung in Indien ergab, dass er in Indien geboren
wurde und dort über ein "Residential Permit" sowie über eine gültige indi-
sche "Identity Card" verfügt habe. Das Bundesverwaltungsgericht befand
mit Urteil D-5127/2009 vom 28. August 2009, dass keine Hinweise beste-
hen würden, die an der Rechtmässigkeit des Abklärungsergebnisses der
Botschaft zweifeln lassen würden. Der Kopie des chinesischen Familien-
büchleins mass das Gericht keinen rechtserheblichen Beweiswert zu und
die geltend gemachte Flucht aus der VR China stufte es als unglaubhaft
ein. Dieses Urteil ist rechtskräftig und der Beschwerdeführer bringt im vor-
liegenden Verfahren keine neuen Gründe vor, die an dieser Einschätzung
etwas zu ändern vermöchten. Zu prüfen ist deshalb nur, ob es dem Be-
schwerdeführer zumutbar und möglich ist, bei der indischen Botschaft Rei-
sepapiere zu beschaffen; seine geltend gemachten (Verfolgungs-)Vorbrin-
gen in Bezug auf die VR China sind dabei unbeachtlich.
5.2 Der Citizenship Act von 1955 (zuletzt angepasst im Jahr 2019) ermög-
licht seit dem Sommer 2017 Personen, die zwischen dem 26. Januar 1950
und dem 1. Juli 1987 in Indien geboren wurden, den Erwerb der Staatsan-
gehörigkeit durch Geburt (vgl. Art. 3 Citizenship Act von 1955, Refworld |
India: The Citizenship Act, 1955 with 2019 amendments). Hinweise zum
Vorgehen für den Erhalt des indischen Passes und auf das entsprechende
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Antragsformular finden sich auf der Webseite der indischen Vertretung in
der Schweiz (vgl. Embassy of India, Berne, Switzerland: Application for
fresh passport / reissue [indembassybern.gov.in]) sowie im ausführlichen
"Compendium of Instructions/Guidelines Relating to Issue of Passports in
India/Abroad" auf der Seite des indischen Passportals (vgl. < https://por-
tal1.passportindia.gov.in/AppOnlineProject/pdf/Passport_Manual_16_
Chapters_to_be_disclosed.pdf >). Der Antrag für einen Reisepass ist on-
line auszufüllen. Nach dem Ausfüllen der Details werden eine Web File
Nummer und ein Antragsformular generiert, welche von der antragstellen-
den Person ausgedruckt werden können. Das Antragsformular ist zusam-
men mit den erforderlichen Dokumenten und nach der Bezahlung einer
Gebühr der Botschaft einzureichen (vgl. Embassy of India, Berne, Switzer-
land: Application for fresh passport / reissue [indembassybern.gov.in]).
Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei mehrmals bei der indischen
Botschaft vorbeigegangen und habe diese schriftlich kontaktiert, ohne ein
Reisedokument erhalten zu haben. Am 3. September 2009 habe er mit
Hilfe einer Übersetzerin persönlich auf der indischen Botschaft vorgespro-
chen und Reisepapiere sowie ein Visum für Indien beantragt. Dies sei je-
doch abgelehnt worden, da die indische Botschaft Nicht-Staatsangehöri-
gen keine Reisedokumente ausstelle. Auf ein Schreiben vom 17. Novem-
ber 2009 habe er keine Antwort erhalten (vgl. act. 7 S. 4). Am 21. Juli 2020
sei er erneut bei der indischen Botschaft vorbeigegangen, jedoch habe er
keinen Einlass erhalten. Einer Mitarbeiterin habe er seine Situation geschil-
dert, diese habe ihm mitgeteilt, die indische Botschaft werde nicht auf Ge-
suche von Einzelpersonen tätig (vgl. act. 7 S. 4 und Beilage 1 zu act. 7).
Das indische Gesetz bezüglich des Erhalts der Staatsbürgerschaft von ti-
betischen Personen zufolge Geburt in Indien wurde erst im Sommer 2017
angepasst. Die früheren Bemühungen des Beschwerdeführers stellen da-
mit keinen Nachweis für die Unmöglichkeit der Papierbeschaffung dar.
Auch die SFH-Länderanalyse vom 9. September 2013 (vgl. Beilage 4 zu
act. 1) gibt deshalb nicht die aktuelle Situation wieder. Nicht ersichtlich ist,
ob der Beschwerdeführer nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung im
Sommer 2017 bei der indischen Botschaft je ein Antragsformular mit den
nötigen weiteren Dokumenten eingereicht hat oder sich einen offiziellen
Termin hat geben lassen. Es ist der indischen Botschaft nicht vorzuwerfen,
dass sie die Ausstellung eines Reisepasses vom Einreichen bestimmter
Unterlagen abhängig macht. Auch legte der Beschwerdeführer nicht dar,
sich beispielsweise Hilfe von einer auf das indische Einbürgerungsverfah-
ren spezialisierten Person geholt zu haben. Er muss nachweisen, dass er
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alle notwendigen Dokumente eingereicht und alle notwendigen Schritte un-
ternommen hat; informelle Schreiben und Vorsprachen ohne vorherige An-
meldung genügen dazu nicht. Aufgrund der strengen Anforderungen, die
an die Ernsthaftigkeit der Bemühungen zur Beschaffung von Reisepapie-
ren zu stellen sind, ist in einer Gesamtwürdigung nicht davon auszugehen,
der Beschwerdeführer habe alles ihm zumutbare unternommen, um in de-
ren Besitz zu gelangen. Das Verfahren und dessen Ablauf zum Erhalt eines
Reisedokuments fällt in die Hoheit des jeweiligen Staates. Würde die
Schweiz in einer solchen Situation auf breiter Basis von einer Schriftenlo-
sigkeit ausgehen, wäre sie regelmässig gehalten, in die Passhoheit – und
damit in die Souveränität eines anderen Staates – einzugreifen (vgl. Urteil
des BVGer F-1004/2019 vom 11. Februar 2021 E. 5.3).
5.3 Aufgrund obiger Erwägungen ist die Beschaffung eines gültigen indi-
schen Reisedokuments durch den Beschwerdeführer als zumutbar und als
möglich einzustufen. Er ist nicht als schriftenlos im Sinne von Art. 10 Abs. 1
anzusehen. Damit fehlt es an einer unabdingbaren Voraussetzung für die
Ausstellung des beantragten Reisedokuments für eine ausländische Per-
son.
6.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit im Lichte von Art. 49 VwVG
als rechtmässig. Es erübrigt sich vor diesem Hintergrund, auf die weiteren
Vorbringen in der Beschwerde (Verletzung Reise- und Religionsfreiheit)
näher einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzu-
treten ist.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen und auf Fr. 800.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 VwVG
VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kosten-
vorschuss gedeckt.
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