Decision ID: 78aae9bf-26b3-5036-a52d-699df9c524f6
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Bauzimmermann bei der B._ AG angestellt und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als er beim Verschrauben von Dachplatten aus einer Höhe von ca. 5 Metern
vom Dach auf einen schneebedeckten Kiesboden stürzte (Suva-act. 1). Der Versicherte
trat gleichentags ins Kantonsspital Winterthur ein, wo die behandelnden Ärzte nach
Durchführung einer klinischen sowie einer CT-Untersuchung des gesamten Körpers,
insbesondere des gesamten Achsen- und Extremitätenskeletts, ein Minor head injury
Grad I mit Monokelhämatom rechts mit Verdacht auf Fissur im Bereich der Lamina
papyracea rechts und Schleimhautläsion der Seitenwand des Nasenostium rechts
sowie eine Kontusion des ISG und der Hüfte rechts diagnostizierten. Am 7. Februar
2012 konnte der Versicherte wieder aus dem Spital entlassen werden (Suva-act. 8). Der
nachbehandelnde Hausarzt, Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, attestierte dem
Versicherten vom 6. bis 26. Februar 2012 eine 100%ige und vom 27. Februar bis 3.
März 2012 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 9, 11). Im ärztlichen
Zwischenbericht vom 18. März 2012 beschrieb er eine kontinuierliche, aber langsame
Schmerzregredienz, wobei die Kopf- und Gesichtsverletzungen nicht mehr
beeinträchtigend seien. Im Vordergrund stünden die ISG-Gluteal-
Oberschenkelschmerzen rechts (Suva-act. 13). Im Unfallschein UVG vom 18. April
2012 vermerkte Dr. C._ eine letzte Konsultation am 16. April 2012 sowie eine
weiterhin andauernde 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 17). Die Suva erbrachte für
den Unfall die gesetzlichen Leistungen (Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen).
A.b Nachdem Dr. C._ in einem weiteren ärztlichen Zwischenbericht vom 20. April
2012 darüber informiert hatte, dass die im Vordergrund stehenden ISG-Gluteal-
Oberschenkelschmerzen rechts nun seit 3 - 4 Wochen keine weitere
Besserungstendenz mehr zeigten (Suva-act. 18), beauftragte die Suva Dr. med. D._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie, mit einer spezialärztlichen Beurteilung. Dieser
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untersuchte den Versicherten am 1. Juni 2012 und erstellte gleichentags einen
Untersuchungsbericht (Suva-act. 19 ff.).
A.c Am 15. Juni 2012 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung durch Prof. Dr. med.
E._, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie FMH, der im gleichentags erstellten
Untersuchungsbericht insbesondere vermerkte, dass in Anbetracht der noch deutlich
ausgeprägten subjektiven Beschwerdesymptomatik trotz erfolgter CT-Abklärung eine
weitere diagnostische Abklärung mittels MRI erforderlich sei (Suva-act. 29). Am 21.
Juni 2012 wurde im Röntgeninstitut F._ eine MRI-Untersuchung beider Hüftgelenke
durchgeführt (Suva-act. 31), deren Ergebnis die Suva am 16. Juli 2012 durch Prof. Dr.
E._ beurteilen liess (Suva-act. 36). Ab dem 3. Juli 2012 nahm der Versicherte seine
Arbeit wieder vollständig auf (Suva-act. 35).
A.d Mit Verfügung vom 19. Juli 2012 stellte die Suva ihre Leistungen auf den 2. August
2012 mit der Begründung ein, dass gestützt auf die Beurteilung von Prof. Dr. E._ vom
16. Juli 2012 davon auszugehen sei, dass die heute bestehenden Beschwerden mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht mehr unfallbedingt,
sondern ausschliesslich krankhafter Natur seien. Sie sei demzufolge nicht mehr
leistungspflichtig (Suva-act. 40).
B.
Die gegen diese Verfügung vom Versicherten am 12. September 2012 erhobene
Einsprache (Suva-act. 51) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 17. Dezember
2012 ab (Suva-act. 56). Der Krankenversicherer hatte eine vorsorglich erhobene
Einsprache (Suva-act. 43) wieder zurückgezogen (Suva-act. 49).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 17. Dezember 2012 liess der Versicherte
durch Rechtsanwalt lic. iur. R. Hochreutener, St. Gallen, mit Eingabe vom 28. Januar
2013 Beschwerde erheben. Der Rechtsvertreter beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid vom 17. Dezember 2012 sei aufzuheben und die Streitsache sei
zur Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Eventualiter seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen nach UVG auch
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für die Zeit nach dem 2. August 2012 weiterhin zu erbringen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1). Am 4. März 2013 ergänzte Rechtsanwalt Hochreutener
die Beschwerdebegründung (act. G 3) und reichte ausserdem einen von ihm
eingeholten Bericht von Dr. med. G._, Facharzt für Chirurgie, Fähigkeitsausweis
Manuelle Chirurgie (SAMM), vom 3. Januar 2013 ein (act. G 3.1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 9. April 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 13. Mai 2013 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an
seinen Anträgen fest (act. G 13) und reichte eine weitere Stellungnahme von Dr. G._
vom 22. April 2013 ein (act. G 7.1). Mit Duplik vom 10. Juni 2013 bestätigte die
Beschwerdegegnerin ihrerseits ihr Rechtsbegehren (act. G 9).
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Vorliegend ist streitig, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungsleistungen, welche
sie im Anschluss an das Unfallereignis vom 6. Februar 2012 ausgerichtet hatte, zu
Recht auf den 2. August 2012 einstellte.
2.
Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid (Erwägung Ziff.
1) die rechtlichen Voraussetzungen des Vorliegens eines natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhangs zwischen Unfallereignis und gesundheitlicher Schädigung
gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20; BGE
129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen) sowie die Grundsätze des Entfallens einer
Leistungspflicht des Unfallversicherers bzw. des Dahinfallens des
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leistungsbegründenden Kausalzusammenhangs zutreffend dar. Darauf ist zu
verweisen.
3.
3.1 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Als objektiviert gilt eine solche Läsion, wenn sie durch einen
entsprechenden radiologischen Untersuchungsbefund erhoben wird. Im
Unfallversicherungsrecht gibt es allerdings Fälle, bei denen die Unfallfolgen bzw. deren
Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des posttraumatischen Verlaufs nie
wirklich sichtbar gemacht werden konnten. Dennoch wird bei einem geeigneten bzw.
adäquaten Ereignis - beispielsweise einer Kontusion - in einer ersten Phase von einer
schädigenden Wirkung dieses Ereignisses (Unfall) auf den Körper ausgegangen, die in
der Folge aufgetretenen bzw. ausgelösten Beschwerden werden nach einem
bestimmten Zeitraum - trotz ihres möglichen Fortdauerns - aber nicht mehr dem Unfall
zugerechnet (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006
Eidgenössischen Versicherungsgerichts, EVG] vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E.
2 mit Hinweis, und vom 5. September 2011, 8C_310/2011, E. 4.1; Urteil des EVG vom
18. September 2002, U 60/02, E. 2.2., 3.2 mit Hinweisen auf die medizinische Literatur;
Urteil des Bundesgerichts vom 28. Februar 2007, U 357/06, E. 4.6). Die beim
Beschwerdeführer am Unfalltag im Kantonsspital Winterthur durchgeführte CT-
Untersuchung des ganzen Körpers brachte eine infraorbitale Weichteilschwellung
rechts sowie eine Obliteration einzelner Ethmoidalzellen rechts zutage. Eine Läsion der
Lamina papyracea liess sich nicht ausschliessen. Im Weiteren zeigte sich ein
Weichteilhämatom der Hüfte rechts. Nachweise einer intrakraniellen Blutung, einer
Organläsion oder intraabdominalen Blutung, eines Hämato- oder Pneumothorax sowie
einer frischen Fraktur am Achsenskelett oder den Extremitäten konnten keine erhoben
werden. Die im Austrittsbericht vom 13. Februar 2012 gestellten Diagnosen lauteten
sodann: Minor head injury Grad I mit Monokelhämatom rechts mit Verdacht auf Fissur
im Bereich der Lamina papyracea rechts und Schleimhautläsion der Seitenwand des
Nasenostium rechts; Kontusion des ISG und der Hüfte rechts (Suva-act. 8). Am 21.
Juni 2012 wurde im Röntgeninstitut F._ eine MRI-Untersuchung beider Hüftgelenke
durchgeführt, wobei eine beidseitige beginnende Coxarthrose mit Verdacht auf
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beidseitiges CAM/Pincer Impingement sowie eine beidseitige degenerative
Labrumveränderung festgestellt wurden (Suva-act. 31).
3.2 Unbestritten ist, dass hinsichtlich der Gesichtsverletzungen ein komplikationsloser
Heilungsverlauf stattgefunden hat (vgl. dazu Suva-act. 13, 18) und diese damit im
vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht weiter zu erörtern sind. Sowohl die klinische
Untersuchung durch Dr. D._ am 1. Juni 2012 (Suva-act. 21) als auch diejenige durch
Kreisarzt Prof. Dr. E._ vom 15. Juni 2012 (Suva-act. 29) zeigten hingegen eine
beiderseitige Bewegungseinschränkung der Hüftgelenke. Von Seiten des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers wird jedoch nicht in Frage gestellt und ist in
den medizinischen Akten belegt, dass der Beschwerdeführer durch den Unfall vom 6.
Februar 2012 keine bleibende strukturelle Schädigung der rechten Hüfte erlitten hat, er
in diesem Bereich degenerative Veränderungen aufweist und im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung (2. August 2012) ein ursächlicher Einfluss der Kontusion auf die
rechte Hüfte bzw. die hier bestehenden Vorzustände verneint werden kann. Aufgrund
des beiderseitigen, gleichartigen degenerativen, keine traumatisch bedingten Schäden
am rechten Hüftgelenk dokumentierenden MRI-Befundes scheidet laut Prof. Dr. E._
ein kausaler Zusammenhang zum Unfall vom 6. Februar 2012 aus (Suva-act. 36). Die
Berichte von Dr. G._ vom 3. Januar und 22. April 2013 (act. G 3.1, G 7.1) enthalten
keine dieser Schlussfolgerung widersprechende Ausführungen, sondern lediglich den
Hinweis auf das unfallunabhängige CAM/Pincer-Impingement mit einer beginnenden
Coxarthrose sowie die Feststellung, dass die Schmerzlokalisation nicht durch das
Hüftgelenk generiert werde.
4.
4.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wendet nun aber ein, die Beurteilung
des Kreisarztes Prof. Dr. E._ erweise sich insoweit als unvollständig, als sie
ausschliesslich die Hüftgelenksproblematik prüfe. Die vom Beschwerdeführer
kontinuierlich angegebene Schmerzsymptomatik werde laut überzeugender Darstellung
von Dr. G._ oberhalb des Hüftgelenks generiert. Insofern müsse eine unfallbedingte
Schädigung bzw. Kontusion des ISG und der unteren LWS ausgeschlossen werden
können. Es bedürfe dementsprechend noch einer klinischen und bildgebenden
Abklärung dieser Möglichkeit, was bis zum heutigen Zeitpunkt zu Unrecht unterblieben
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sei. Im Folgenden gilt es mithin zu prüfen, ob mit den radiologischen
Untersuchungsergebnissen des rechten Hüftgelenks das Bestehen unfallkausaler
Verletzungsfolgen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden kann.
4.2 Laut Schadenmeldung UVG vom 9. Februar 2012 stürzte der Beschwerdeführer
aus einer Höhe von 5 Meter auf einen schneebedeckten Kiesboden rechtsseitig auf
sein Becken (Suva-act. 1). Im Austrittsbericht des Kantonsspitals Winterthur vom 13.
Februar 2012 wurde als Unfallereignis ein Sturz aus einer Höhe von 5 Metern auf das
Gesäss und den unteren Rücken vermerkt. Anlässlich der klinischen Untersuchung am
Unfalltag gab der Beschwerdeführer weder einen Hüftkompressions- noch einen
Symphysendruckschmerz an. Auch sein Becken zeigte sich stabil. Hingegen konnte
eine lokale Druckdolenz über dem Trochanter Major und dem ISG rechts erhoben
werden. Die umfassende CT-Untersuchung brachte zwar, wie bereits erwähnt, lediglich
ein Weichteilhämatom der Hüfte rechts zutage. Entsprechend der klinischen sowie
radiologischen Untersuchungsergebnisse diagnostizierten die Ärzte des Kantonsspitals
Winterthur sodann aber neben einer Hüftkontusion rechts auch eine Kontusion des ISG
rechts (Suva-act. 8). Dr. C._ verordnete dem Beschwerdeführer am 6. März 2012
eine Physiotherapie-Serie in der H._, Physiotherapie und Rehabiliationszentrum. Als
Unfalldiagnose vermerkte er einen Status nach Sturz aus mehreren Metern Höhe mit
multiplen Kontusionen; aktuell Becken-/ISG-Schmerz rechts sowie verspannte
paravertebrale Muskulatur lumbal rechts. Entsprechend wurden als
physiotherapeutische Massnahmen eine muskuläre Detonisierung, eine Mobilisation
LWS/ISG rechts sowie eine Korrektur der muskulären Dysbalance vermerkt (Suva-act.
12). Auch der ärztliche Zwischenbericht von Dr. C._ vom 18. März 2012 enthält
sowohl die Diagnose einer Hüftkontusion rechts als auch diejenige einer ISG-
Kontusion. Dr. C._ führte sogar an, dass die ISG-Gluteal-Oberschenkelschmerzen im
Vordergrund stehen würden (Suva-act. 13). Am 5. April 2012 teilte der
Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin telefonisch mit, dass das Ziehen im
Rücken weg sei. Es ziehe nur noch von der Hüfte aus in die Beine (Suva-act. 14). Im
ärztlichen Zwischenbericht vom 20. April 2012 wiederholte Dr. C._ seine Diagnose
vom 18. März 2012 und hielt fest, dass die im Vordergrund stehenden ISG-Gluteal-
Oberschenkelschmerzen rechts nun seit 3 - 4 Wochen keine Besserungstendenz
zeigen würden (Suva-act. 18). Am 1. Juni 2012 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag
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der Beschwerdegegnerin durch Dr. D._ untersucht. Laut gleichentags erstelltem
Untersuchungsbericht gab der Beschwerdeführer ihm gegenüber weiterhin
persistierende Schmerzen im Bereich der Hüfte und des ISG rechts an. Die
ausstrahlenden Schmerzen würden vom ISG über das Hüftgelenk bis in die Adduktoren
Höhe Kniegelenk medialseitig ziehen. Die klinische Untersuchung zeigte ein
unauffälliges Gangbild sowie einen gut möglichen Zehen- und Fersengang. Der
Einbeinstand sei beidseits problemlos möglich gewesen. Ausserdem habe keine
Glutealinsuffizienz erhoben werden können. Hingegen habe sich eine Druckdolenz im
Bereich des rechten ISG und eine deutlich schmerzhaft eingeschränkte
Hüftgelenksbeweglichkeit gezeigt. Entsprechend stellte auch Dr. D._ die Diagnose
unklarer, persistierender Hüft-/ISG-Beschwerden rechts nach Kontusion. Die Ursache
der Beschwerden beurteilte er aufgrund der klinischen Untersuchung und auch des
vorliegenden CT als nur schwer fassbar. Möglicherweise handle es sich um eine
posttraumatische Entzündung, welche die Beschwerdesymptomatik erklären könnte.
Auffällig sei die erheblich eingeschränkte Hüftgelenksbeweglichkeit, die jedoch auch
auf der Gegenseite festzustellen sei. Da die Beschwerden nun bereits über knapp 4
Monate anhalten würden, empfehle er eine Weiterabklärung mittels MRI. Zum aktuellen
Zeitpunkt sei der Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht weiterhin zu 50%
arbeitsunfähig. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei bei entsprechendem
Zumutbarkeitsprofil (Vermeiden von Heben schwerer Lasten > 10kg, Vermeiden von
Steigen auf Leitern und entsprechenden Gerüsten) möglich (Suva-act. 21). Anlässlich
der kreisärztlichen Untersuchung vom 15. Juni 2012 gab der Beschwerdeführer
gegenüber Prof. Dr. E._ laut Untersuchungsbericht vom 18. Juni 2012 an, dass nach
längerer Belastung Schmerzen in der rechten Hüfte auftreten würden, die von der
Leiste medial in die rechte Oberschenkelmitte ausstrahlten. Nachts könne er nicht auf
der rechten Hüfte liegen. Die Beschwerden hätten sich seit dem Unfall mässig
gebessert, bestünden jedoch weiterhin. Vor dem Unfall habe er weder
Rückenschmerzen noch Beschwerden im Becken, respektive im rechten Hüftgelenk,
gehabt und sei diesbezüglich auch nicht ärztlich behandelt worden. Die klinische
Untersuchung des Kreisarztes zeigte im Bereich des Achsenorgans (BWS/LWS) einen
unauffälligen Befund mit Betonung der sagitalen Schwingungen. Die Beweglichkeit des
Achsenorgans sei nicht eingeschränkt, altersentsprechend, jedoch zeige sich bei der
heutigen Untersuchung eine beiderseitige Bewegungseinschränkung der Hüftgelenke,
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die bereits von Dr. D._ in der Untersuchung vom 1. Juni 2012 beschrieben worden
seien. Als Befund vermerkte Prof. Dr. E._ einen Druckschmerz der Spina dorsalis
superior posterior rechts. Als Diagnose hielt er eine unklare Schmerzsymptomatik des
rechten Hüftgelenks bzw. rechten Oberschenkels sowie einen Zustand nach Kontusion
des ISG und der rechten Hüfte am 6. Februar 2012 fest. Abschliessend legte er sodann
dar, dass in Anbetracht der noch deutlich ausgeprägten subjektiven
Beschwerdesymptomatik trotz erfolgter CT-Abklärung eine weitere diagnostische
Abklärung mittels MRI erforderlich sei. Der Beschwerdeführer sei mit dem Vorgehen
einverstanden. Über den Hausarzt werde ein entsprechender MRI-Termin vereinbart.
Nach erfolgter diagnostischer Abklärung werde aus kreisärztlicher Sicht erneut Stellung
zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und zur Notwendigkeit weiterer
Therapiemassnahmen genommen (Suva-act. 29). Auch anlässlich eines
Telefongesprächs vom 15. Juni 2012 hatte Prof. Dr. E._ der Beschwerdegegnerin
erklärt, erst nach Durchführung einer MRI-Untersuchung abschliessend Stellung
nehmen zu können (Suva-act. 27), worauf diese den neuen Hausarzt des
Beschwerdeführers, Dr. med. I._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin,
um schnellstmögliche Veranlassung der fraglichen Abklärung ersuchte (Suva-act. 26).
Am 21. Juni 2012 wurde eine MRI-Untersuchung beider Hüftgelenke mit dem in
Erwägung 3.2 festgehaltenen Ergebnis durchgeführt (Suva-act. 31), worauf Prof. Dr.
E._ in seiner Beurteilung vom 16. Juli 2012 einen Kausalzusammenhang zwischen
den nunmehr geklagten Beschwerden im Bereich des rechten Hüftgelenks und dem
Unfall vom 6. Februar 2012 ausschloss (Suva-act. 36).
4.3 Dr. G._ hält der kreisärztlichen Beurteilung angesichts des in Erwägung 4.2
dargelegten Sachverhalts nachvollziehbarerweise dagegen, dass sie in keiner Weise
die unfallbedingte Schmerzlokalisation des Gesässes und des dorsalen
Beckenbereichs berücksichtige, und fordert für eine Klarheit über die mit dem Unfall
bedingte Schmerzsymptomatik die Durchführung einer MRI-Abklärung sowohl der
unteren LWS wie auch des ISG (act. G 3.1). Prof. Dr. E._ habe unabhängig von der
unfallbedingten Quetschung der pelvitrochanteren Muskulatur und der Kontusion des
ISG die dorsal liegenden Beschwerden nun nach vorne auf die Hüftgelenke verlagert,
für die beidseits radiologisch ein Impingement bestehe, das aber überhaupt nichts mit
dem Unfallereignis zu tun habe (act. G 7.1). In den medizinischen Akten bildet das ISG
rechts Teil jeder im Verlauf der ärztlichen Abklärungen gestellten Diagnosen, liessen
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sich klinisch sowohl im Bereich des ISG, aber auch im Bereich der Spina dorsalis
superior posterior rechts Druckdolenzen erheben und wurden vom Beschwerdeführer
lückenlos Beschwerden im Bereich des Gesässes, Beckens bzw. ISG, aber auch im
Bereich der LWS beklagt. Von seinem damaligen Hausarzt Dr. C._ wurden die ISG-
Gluteal-Oberschenkelschmerzen sogar als im Vordergrund stehend bezeichnet. Die
Argumentation der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 9. April 2013,
der Beschwerdeführer habe vor Leistungseinstellung über keine ISG- bzw.
Rückenbeschwerden geklagt (act. G 5), ist damit aktenwidrig. Gerade die
Beschwerdesymptomatik im Bereich des ISG führte denn auch - trotz ihrer unklaren
und damit nicht ohne weiteres anzunehmenden Unfallursächlichkeit - dazu, dass
sowohl Dr. D._ als auch Prof. Dr. E._ eine MRI-Untersuchung der Hüftgelenke,
aber auch des Beckens, als erforderlich erachteten. Weder die CT-Untersuchung, mit
welcher sich keine strukturellen Unfallfolgen im Rückenbereich objektivieren liessen,
noch die MRI-Untersuchung beider Hüftgelenke vermag die von Dr. D._ und
zunächst auch Prof. Dr. E._ übereinstimmend als erforderlich erachtete MRI-
Abklärung des ISG überzeugend zu ersetzen. Gerade in Bezug auf den konkreten Fall
ist sodann insgesamt zu beachten, dass die Lokalisation von Schmerzen für den
Betroffenen nicht immer einfach ist. Ihre Fähigkeit zur Ausstrahlung erscheint auch dem
medizinischen Laien als möglich (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 205). Die Feststellung von Dr. G._ in
seinem Bericht vom 3. Januar 2013, dass es bei einem Sturz aus 5 m Höhe mit einer
Kontusion des Gesässes und der rechten Körperhälfte auch zu einem
Stauchungsmechanismus des ISG kommen kann, erscheint nachvollziehbar und wurde
in den unfallnahen medizinischen Akten offensichtlich auch angenommen (Suva-act. 8,
12 f., 18). Es ist selbstredend, dass der eindeutige Ausschluss einer ISG- und LWS-
Problematik nicht mit einer radiologischen Untersuchung der Hüftgelenke erbracht
werden kann. Hierfür ist - wie von ärztlicher Seite übereinstimmend empfohlen - eine
radiologische Untersuchung des ISG erforderlich. Dr. D._ und Prof. Dr. E._
empfahlen ausdrücklich eine MRI-Untersuchung und damit - wie von Dr. G._
festgestellt (act. G 7.1) - problemadäquat eine Untersuchung zur Diagnostik eventuell
bestehender Weichteilprobleme. Ein solches Untersuchungsergebnis liegt jedoch nicht
vor und es ist in keiner Weise nachvollziehbar, weshalb sich nun Prof. Dr. E._ in
seiner Beurteilung vom 16. Juli 2012 entgegen seiner früheren Empfehlung mit dem
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MRI-Untersuchungsergebnis nur der Hüftgelenke begnügte. Die Beschwerdegegnerin
wäre gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz zur Vornahme einer solche Abklärung
verpflichtet gewesen. Dies wird sie daher nachzuholen haben. Der Vollständigkeit
halber erscheint - wie von Dr. G._ vorgeschlagen - auch eine MRI-Untersuchung der
LWS sinnvoll.
4.4 Ein Anspruch auf Heilbehandlung und Taggeld bedingt grundsätzlich das Vorliegen
unfallkausaler Verletzungsfolgen (vgl. Art. 10 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 UVG). Entfällt
die natürliche Kausalität, entfällt von vornherein ein Anspruch auf Heilbehandlung und
Taggeld, womit auch nicht mehr geprüft werden muss, inwiefern noch eine ärztliche
Behandlung stattfindet bzw. ob von deren Fortsetzung eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands erwartet werden kann (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Der
Beschwerdeführer arbeitet seit 3. Juli 2012 wieder zu 100%, dies jedoch nach eigener
Aussage nur deshalb, weil er von der Beschwerdegegnerin gezwungen worden sei. Er
wollte sehen, wie sich die Schmerzen dabei entwickeln (Suva-act. 35). In der Replik
vom 13. Mai 2013 wird sodann auf eine Arbeitsfähigkeit unter Inkaufnahme von
erheblichen Beschwerden hingewiesen (act. G 7). Inwieweit der Beschwerdeführer
noch einen Anspruch auf weitere Heilkosten- sowie allenfalls Taggeldleistungen hat,
kann erst dann abschliessend beurteilt werden, wenn die Beschwerdegegnerin die im
konkreten Fall erforderlichen medizinischen Abklärungen vorgenommen hat.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf das Vorliegen von
Unfallrestfolgen des Beschwerdeführers von einer unvollständigen Beweislage
auszugehen ist und die Beschwerdegegnerin insofern den Nachweis für eine
Leistungseinstellung per 2. August 2012 nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erbracht hat. Die Angelegenheit ist zur Veranlassung einer MRI-
Untersuchung des ISG und der LWS bzw. zur Prüfung von Verletzungen in diesen
Körperbereichen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 17. Dezember 2012 gutzuheissen und die Angelegenheit
zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinn der Erwägungen und zu neuer Verfügung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben
(Art. 61 lit a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Hingegen hat der Beschwerdeführer bei
diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g
ATSG). Angesichts der Art und des Umfangs der Bemühungen erscheint eine
Parteientschädigung, wie in vergleichbaren Fällen üblich, von Fr. 3'500.--
einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 17.
Dezember 2012 gutgeheissen und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinn
der Erwägungen und neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- einschliesslich Mehrwertsteuer und Barauslagen zu erbringen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 20.08.2013 Art. 6 UVG: Beweislosigkeit betreffend Dahinfallen unfallkausaler Verletzungsfolgen zu Ungunsten des Unfallversicherers. Rückweisung zu weiteren radiologischen Abklärungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. August 2013, UV 2013/12).
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2021-09-19T12:25:01+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen