Decision ID: fb435ad6-6a17-4212-8c3a-21a3d34f7ee8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X._
, Mutter dreier Kinder (geboren 1993, 1996
,
2004; Urk. 7/1
,
Urk. 7/52 S. 1), absolvierte eine zweijährige
Anlehre
zur Verkäu
ferin und arbeitete zuletzt mi
t einem Pensum von 100 % als Le
bensmittelverkäu
ferin bei der
Y._
AG (Urk. 7/4). Am 9. Februar 2001 meldete sie sich unter Hin
weis auf ein
lumbospondy
logenes
Syndrom, eine
Hyperlaxi
zität
der Gelenke, einen Beckentiefstand rechts bei Beinverkürzung rechts sowie eine depressive Verstimmung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbe
zug an (Urk. 7/1).
In der Folge
sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 70 % eine ganze Rente ab
1
. Januar 2001 zu (Urk. 7/21/1-4), welche alsdann mit Mitteilungen vom 10. April 2003 (Urk. 7/40; Invaliditätsgrad 70 %), 22. Juli 2004 (Urk. 7/54; Inva
liditätsgrad 75 %), 10. Dezember 2007 (Urk. 7/65; Invalidi
tätsgrad 75 %) und 2. Mai 2012 (Urk. 7/97; Invaliditätsgrad 75 %) be
stätigt worden ist.
1.2
Nach der Einleitung eines
Revisionsverfahrens im Sommer 2014 stellte die IV
Stelle
mit Verfügung vom 5. Juli 2016 (Urk. 7/142) die Ausrichtung der bisherigen ganzen Rente per Ende A
ugust 2016 (Invaliditätsgrad
25 %) ein. Die dagegen von der Versicherten am 7. September 2016 erhobene Beschwerde (Urk. 7/146/3-12) hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 29. November 2017 (Urk. 7/155) insofern gut, als es feststellte, dass die Versicherte weiterhin Anspruch auf eine ganze R
ente
hat
und
es
die Sache zwecks Prüfung der Frage der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung der Versicherten respektive Prüfung von entsprechenden Hilfeleistungen durch die IV-Stelle an letztere zurückwies (S. 22).
1.3
In der Folge nahm die IV-Stelle medizinische Abklärungen vor und informierte die Versicherte am 17. August 2018 über die Kostenübernahme für ein Belast
barkeitstraining vom 13. August 2018 bis 12. November 2018 bei der
Z._
AG (
Z._
,
Urk. 7/182).
Am 12. September 2018 informierte die
IV-Stelle die Versi
cherte darüber, dass
das Belastbarkeitstraining per 11. September 2018 abge
brochen worden sei und
aktuell keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien
,
da die Versicherte am 13. September 2018 für sechs bis acht Wochen stationär in die Klinik
A._
AG in
B._
eintrete (Urk. 7/186
; Aus
tritts
bericht vom 2
3.
Oktober 2018, Urk. 7/194/8-12
)
. Am 20. Juni 2019 infor
mier
te die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass aktuell keine Eingliederungs
massnahmen möglich seien, da die behandelnde Psychologin ein erneutes
Reintegrationsprogramm als
auslösenden/
aufrechterhaltende
n
Faktor der beste
henden psychischen Beschwerden betrachte (Urk. 7/202). In der Folge veranlasste die IV-Stelle bei Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (FMH) und Facharzt für Neurologie (FMH)
,
ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten
(Expertise vom 14. Februar 2020, Urk. 7/220).
Am 12. Mai 2020 (Urk. 7/224/2-4)
beantwortete Dr.
C._
die von der IV-Stelle am 30. März 2020
(Urk. 7/221/1-2)
an ihn gerichteten Rückfragen
. Mit Vorbescheid vom 18. Novem
ber 2020 (Urk. 7/234) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Aufhe
bung der Rente per Ende Dezember 2020 in Aussicht, wogegen
die Versicherte am 5. Januar 2020 Einwand (Urk. 7/244) erhob. Am 31. März 2021 hob die IV-Stelle die bisherige ganze Rente mit Wirkung ab 30. April 2021 verfügungsweise auf (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte
unter Auflage neuer Arztberichte (Urk. 3/2-5)
am 3. Mai 2021 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, dass die Verfügung vom 31. März 2021 aufzuheben, ihr weiterhin eine ganze Rente zuzusprechen und der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen sei. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2021 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde
führerin am 16. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbe
itsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen
Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Ver
gleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähig
keit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang viel
mehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Aufhebung der ganzen Rente damit (Urk. 2), dass gestützt auf die fachärztlichen Berichte per Januar 2019 keine Ver
schlechterung zu erkennen gewesen sei.
Die behandelnde Psychologin habe per Juni 2019 bestätigt, dass keine Ei
ngliederungsmassnahmen möglich
seien, weshalb die Eingliederung im Juni
2019 abgeschlossen worden sei
. Die im Gutachten vom Februar 2020 statuierte Arbeitsunfähigkeit von 75 % sei damit begründet worden, dass die Beschwerdeführerin eine Tumorpatientin sei. Die Krebserkra
nkung im Jahre 2004 sei indes
erfolgreich behandelt worden und seit
der Z
w
eitkrebserkrankung im September 2011 sei keine Erkrankung mehr aufge
treten, so dass bald zehn
Jahre
nach der letzten Erkrankung nicht mehr von einer Tumorpatientin gesprochen werden könne. Der Gutachter habe offenbar die Arbeits
unfähigkeit ha
uptsächlich aufgrund des äusser
en
Eindrucks
attestiert. Allerdings bedeute ein reduzierter Allgemeinzustand mit magerem Ernährungs
zustand weder, dass eine somatische Krankheit, noch eine Arbeitsunfähigkeit vor
liegen müsse. Es sei zudem keine anhaltende Erkrankung bekannt. Die neue psy
chiatrische Diagnose im Gutachten vom Februar 2020 gründe auf der Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin nach dem Entscheid betreffend Renteneinstel
lung wieder in psychiatrische Behandlung begeben habe. Die genannte psychiat
rische Diagnose sei medizinisch nicht nachvollziehbar. Zusammen mit den aktuell beschriebenen Befunden und dem relativ hohen Aktivitätsniveau seien keine
schwergradigen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit erkennbar und es könne aus medizinischer Sicht nicht auf die Ergebnisse der Begutachtung vom Februar 2020 abgestellt werden. Mit Ausnahme des depressiven Einbruchs nach dem Ent
scheid betreffend Renteneinstellung könne keine Veränderung des Gesundheits
zustands seit dem Gutachten vom 9. November 2015 erkannt werden (S. 2).
Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Tätigkeit als angelernte Verkäuferin sowie in jeder angepassten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig, wobei ihr leichte bis mittel
schwere Tätigkeiten mit vermehrten Pausen zumutbar sei
en
. Mit einem vom Sozialversicherungsgericht errechneten Invaliditätsgrad von 25 % bestehe kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente. Die im Zusammenhang mit dem im Ein
wand geltend gemachten neuen somatischen Gesundheitsstörungen – Morbus Crohn, Mamma
-
Karzinom, episodische Migräne und
Restless
Legs
-Syndrom – hätten keine wesentlichen und dauerhaften Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit. Beim Morbus Crohn sei histologisch eine nur geringe aktive Entzündung objektiviert worden, weshalb nur von einer leichtgradigen Einschränkung im täg
lichen Leben auszugehen sei. Die
Migräne und das
Restless
Legs
-Syndrom gälten als durch Therapie besserbar (S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
dass sich ihr Gesundheitszustand seit der Begutachtung im Jahre 2015 ver
schlechtert habe, was von Dr.
C._
ausdrücklich bestätigt worden sei. Sie sei
seit 2016 in ambulanter B
ehandlung im Psychiatrie D._
und vom 5. September bis 17. Oktober 2017, vom 25. Januar bis 8. März 2018 und vom 13. September bis 18. Oktober 2018 in stationärer Behandlung
in der
Klinik A._
gewesen. E
s sei e
ine über 20jährige psychische Beeinträchtigung mit rezidivierenden depressiven Episoden mittleren bis schweren Grades mit entspre
chender Therapierung aktenkundig.
Gemäss Dr.
C._
bestehe
in einer ange
passten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 0 % und für die Zukunft eine solche von 25 % (S. 4 f. Ziff. 10 ff.). Die Beschwerdegegnerin habe sodann den Verlaufs
bericht von
med.
pract
.
E._
, Oberärztin
in der
Psychiatrie D
._,
vom 8. Dezember 2020 nicht berücksichtigt, wonach sich der Gesundheitszustand der Beschwerdefüh
rerin verschlechtert habe und eine verminderte Leistungsfähigkeit mit massiven Einschränkungen im Alltag und Rückzug statuiert worden sei (S. 5 f. Ziff. 16 ff.). Seit Juni 2018 leide sie
zudem
unter Problemen mit Magen und Darm
respektive seit 2018 unter episodischer bis chronischer Migräne und rezidivierenden Synkopen. Es bestünden zudem chronische Rückenschmerzen, welche mit Opia
ten behandelt würden (S. 6 f. Ziff. 20 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob die von der Beschwerdegegnerin am 31. März 2021 verfügte Aufhe
bung der bisher gewährten ganzen Rente (Urk. 2) rechtens ist.
Dies hängt
unter anderem
davon ab, ob eine revisionsrelevante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne von Art. 17 ATSG
besteht. In medizinischer Hinsicht bildet die im Zusammenhang mit der ursprünglichen
Rentenzusprache
im Jahre 2002 in der Höhenklinik
F._
durchgeführte Begutach
tung vom 21. Mai 2002 (Urk. 7/17/1-12) die massgebende Vergleichsbasis (vgl. auch Urk. 7/155 S. 5
E.
2.3).
Das hiesige Gericht
ging
im Urteil vom 2
9.
November 2017 gestützt auf das Gutachten der
G._ GmbH
vom
9.
November 2015
(
Urk.
7/127/2-35)
davon aus
, dass am
5.
Juli 2016
von einer relevanten Veränderung des Gesundheitszustandes auszugehen
war
(Urk.
7/155 S. 5 E. 4.3.1
f.
).
Weiter stellte es auf die Beurteilung der somatischen Gutachter des
G._
und deren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ab, wogegen es in Abweichung zu den psychiatrischen Feststellungen der attestierten leichten bis mittelgradigen depressiven Episode keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beimass (
Urk.
7/155 S. 13 ff. E. 4.1.1 und E. 4.2).
Im Ergebnis nahm es an, im Zeitpunkt der Verfügung vom
5.
Juli 2016 habe keine rentenbegründende Inva
lidität mehr bestanden.
An die
F
eststellung
en
zum Sachverhalt
vom 29. Novem
ber 2017
ist das hiesige Gericht
grundsätzlich gebunden (
vgl. Urteil des Bundes
gericht
s 9C_941/2012 vom 20.
März 2013
E. 4.3.2
).
Strittig und zu prüfen ist, ob
eine rentenbegründende Invalidität auch am 31. März 2021, dem nun massgeblichen Zeitpunkt für die Sachverhaltsfeststel
lung, weiterhin zu verneinen ist
beziehungsweise ob
nach
der Begutachtung durch das
G._
2015
eine rentenrelevante Veränderung eingetreten ist (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts
9C_748/2018
vom 1
2.
März 2019 E. 4.1).
3.
3.1
Bezüglich der der
Rentenzusprache
vo
m 14. August 2002 (Urk. 7/21
)
zugrunde gelegenen Berichte kann auf E. 3.1 des Urteils vom 2
9.
November 2017 verwiesen werden
(
Urk.
7/155
S. 6
ff.)
.
3.2
In dem nach Einleitung des Revisionsverfahrens eingeholten polydisziplinären
G._
-Gutachten vom
9.
November 2015 (Fachrichtungen: Allgemeine Innere Medi
zin, Orthopädie,
Angiologie
, Psychiatrie und Gynäkologie) wurden folgende Diagnosen gestellt (
Urk.
7/127/2-35 S. 30 f.
,
Urk.
7/155 S. 8 ff. E. 3.2
):
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
44-jährige IIIP mit invasiv-
duktalem
und
lobulärem
Mammakarzinom links pT2 NO (
sn
)(
0/3)MO, G3, ER+++, PR++, HER2 neu++, ohne FISH-Untersu
chung, Erstdiagnose September 2004 (ICD-10 C50)
-
Tumorektomie und
Sentinel-Lymphonodektomie
links am 14.09.2004, Spital
H._
-
adjuvante
Chemotherapie mit 6 Zyklen FEC 100 bis Februar 2005
-
radiatio
der linken Brust vom März bis April 2005, Spital
H._
-
antihormonelle Therapie mit Tamoxifen und
Zoladix
bis Februar 2008
-
laparoskopische
Adnexektomie
beidseits April 2008 (unauffällige Histo
lo
gie), Spital
H._
-
Tamoxifen weiter bis September 2011
-
Zweitkarzinom, respektive rezidiv eines Mammakarzinoms links, invasiv-
duktal
pT1c
pNo
(O/16),
cMO
, G3 ER positiv 10 %, PR negativ, HER2 negativ, (FISH), Erstdiagnose September 2011 (ICD-10 C50)
-
ablatio
und
axiliäre
Lymphonodektomie
links am 07.10.2011, Spital
H._
-
postoperative Chemotherapie mit 4 Zyklen DC vom 07.2011-09.01.2014
-
antihormonelle Therapie mit
Aromatasehemmer
seit Februar 2012
-
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0/F32.1)
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
sekundäres Lymphödem des linken Arms (ICD-10 I97.2)
-
bei Diagnose 1 und 2 oben
-
aktuell: gute Kompensation bei regelmässiger Lymphdrainage und Arm-Kompressionsstrumpf links
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne fassbare
radikuläre
Symp
tomatik (ICD-10 M54.5)
-
radiologisch regelrechter Befund der Lendenwirbelsäule (LWS) und ISG (
Rx
29.09.2015)
-
klinisch keine klar fassbare Läsion an LWS und ISG
-
chronische Schulter-Armbeschwerden der
adominanten
linken Seite (ICD-10 M79.60)
-
bei Diagnose 1 und 2 oben
-
klinisch unauffälliger Befund
-
konstitutionell vermehrte
Bandlaxizität
(ICD-10 M35.7)
-
Übergewicht mit BMI von 27 kg/m2 (ICD-10 E66.9)
-
Nikotinabusus (ICD-10 F17.1)
3.3
3.3.1
Bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 31. März 2021
(Urk. 2)
präsentierte sich der medizinische Sachverhalt wie folgt:
3.3.2
Gutachter Dr.
C._
nannte in seiner Expertise vom 14. Februar 2020 (Urk. 7/220/1-58) folgende Diagnosen (S. 44):
-
rezidivierende depressive Störung, leicht- bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0/33.1)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Migräne ohne Aura (ICD-10 D43.0)
Dr.
C._
führte aus, bei der Beschwerdeführerin zeige sich im psychiatrischen Befund ein gedrückter Affekt, die Schwingungsfähigkeit sei zum positiven Pol kaum möglich und der Antrieb sowie die Psychomotorik seien zum Depressiven hin ausgelenkt. Sie sei
klagsam
gewesen und habe eigenanamnestisch über Grübeln, Ängste vor einer neuen Krebserkrankung, Appetitlosigkeit und einen vollständigen sozialen Rückzug berichtet. Anhand des Befunds und der Eigen
anamnese sei ein depressives Syndrom zu konstatieren, wobei die Ausprägung im Untersuchungszeitpunkt als mittelgradig einzustufen sei. Gegen eine schwere Ausprägung der depressiven Episode spreche die fehlende psychiatrische Behand
lung bei der Beschwerdeführerin. Gemäss ihren Angaben sei sie alle zwei Wochen bei der Psychologin in Behandlung, wobei der letzte Termin am 9. Januar 202
0
, der nächste erst am 19. Februar 2020 stattfinde
und dies gemäss Beschwerde
führerin am Urlaub der Therapeutin liege
(S. 37 f.). D
er
im
Klinik A._
-Bericht betref
fend
den
Aufenthalt im September/Oktober
2018 genannte Ausprägungsgrad der schweren Episode
sei aufgrund des
von der Klinik übermittelten psychopatholo
gischen Befunds plausibel. Nicht plausibel sei indes die im Bericht aufgeführte Diagnose einer dissoziativen Störung, da es hierfür weder anhand des Klinik
berichts, der
Vorakten
und der Eigenanamnese, noch aufgrund des aktuellen gutachterlichen Befunds einen klaren Hinweis gebe (S. 40). Da gemäss den mehr
fa
chen orthopädischen Untersuchungen – einschliesslich des orthopädischen Vor
gutachtens – und der internistischen Expertise keine gravierenden körperli
chen Ursachen vorlägen, welche die Schmerzsymptomatik erklären könnten, sei
die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung gerechtfertigt
; bei
der Beschwer
deführerin
bestünden
aufgrund der Krebserkrankung und den bei ihr zusätzlich bestehenden vorhanden
en
Krebsängste erhebliche psychosoziale Belas
tungs
faktoren (S. 41).
Die
ausgeprägten
Krebsängste würden aufgrund ihrer Vorge
schichte mit dem unerwarteten Krebstod ihres Vaters und eigener Krebs
erkran
kung
plausibel berichtet (S. 41).
Der Schweregrad der Schmerzstörung sei als mit
telgradig einzustufen,
da namentlich
eine
chronische körperliche
Begleiter
kran
k
ung, ein sozialer Rückzug, ein schwer angehbarer innerseelischer Verlauf und eine missglückte psychische Entlastung/
Konfliktbewältigung zu bejahen sei
en
(S. 42 f.). Auf neurologischem Fachgebiet zeigten sich keine relevanten Befunde. Die vordiagnostizierte Migräne mit Aura sei anhand der Aktenlage und Eigen
anamnese schlüssig (S. 43).
Die Plasmaspiegel des Antidepressivums Citalopram und des Schmerzmittels seien im zu erwartenden Normbereich
und passten zu den Dosisangaben der Beschwerdeführerin
. Eine spezifische schmerztherapeutische Behandlung finde nicht statt
(S. 45 f.).
Dr.
C._
hielt weiter fest, dass in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe
. Der Allgemeinzustand der Beschwer
deführerin sei reduziert und es bestünden generelle Einschränkungen des psycho
physischen Restleistungsvermögens. Sie sei eingeschränkt in der Flexibilität und Umstellungsfähi
gkeit, habe Schwierigkeiten bei
der Anpassung an neue Situa
tionen und wechselnde Anforderungen der Umwelt
, das Verhalten/Denken und da
s Fühlen seien rigide und sie könne
die an sie gestellt
e
Rollenerwartung nicht erfüllen. Sie habe Schwierigkeiten, Schlussfolgerungen und Entscheidungen zu fällen und
habe
den Impuls, Aktivitäten ausfallen zu lassen. Ohne äusseren Druck bestehe Lethargie und Passivität und das Durchhaltevermögen sei vermindert. Im Weiteren sei die Selbstbehauptungsfähigkeit eingeschränkt und sie habe Schwie
rigkeiten im Sozialkontakt, was die Tätigkeit im Verkauf erschwere
(S. 49
f.
).
Vom zeitlichen Verlauf
bestehe
die 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem Untersu
chungszeitpunkt. Betreffend die Vergangenheit
ging
Dr.
C._
gestützt auf die Klinikberichte und den Bericht betreffend
den
abgebrochenen Wiedereingliede
rungsversuch davon aus, dass für die Zeit von März 2018 bis Juli 2019 – bezogen auf ein Pensum von 100 %
–
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen habe
. Es gebe keine Hinweise
dafür
, dass sich die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zwischenzeitlich verbessert habe, weshalb eine durchgehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit mindestens März 2018
bestehe
(S. 50 f., S. 56).
In einer angepassten Tätigkeit
liege
– bezogen auf ein 100 %-Pensum – eine 25%ige Arbeitsfähigkeit
vor
, wobei für eine solche Tätigkeit folgende Merkmale zu erfüllen seien: keine Tätigkeit in Nacht-/Wechselschicht, im Ak
kord oder unter hohem Zeitdruck
,
leichte bis vereinzelt mittelschwere Tätigkeiten.
Die Aufnahme einer
entsprechende
n
Tätigkeit von zwei Stunden
pro Tag sei aufgrund der aus
geprägten
Dekonditionierung
und der Abwesenheit vom ersten Arbeitsmarkt seit 20 Jahren nur nach vorangehender langsamer und schrittweiser Eingewöhnung realistisch.
Für den Zeitraum von März 2018 bis mindestens Juli 2019 sei
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
S. 51,
S. 53, S. 56).
3.
3
.
3
In Beantwortung der von der Beschwerdegegnerin am 30. März 2020
(Urk. 7/221/1-2)
gestellten Rückfragen führte Gutachter Dr.
C._
am 12. Mai 2020
(Urk. 7/224/2-4)
aus, dass die von ihm attestierte Arbeitsfähigkeit nicht einzig auf dem psychopathologischen Befund beruhe. Die Beschwerdeführerin sei eine Tumorpatientin in schlechtem Allgemeinzustand, abgemagert und mit
atropher
Muskulatur. Die Einschätzung fus
se
zudem
auf den
Berichte
n
betreffend d
ie Wiedereingliederungsversuche/das Arbeitstraining, wobei es
ihr
selbst unter besten Bedingungen nicht möglich gewese
n sei, das Pensum im geschützten Rahmen relevant zu steigern. Urlaube belegten
zwar
ein gewisses Leistungs
vermögen und eine gewisse Belastbarkeit, aber nicht zwingend eine volle Arbeits
fähigkeit. Bei der Beschwerdeführerin lägen zweifellos Diskrepanzen, eine Aggra
vation, eine Selbstlimitierung,
eine
zweifelhafte Therapiemotivation und eine
Dekonditionierung
vor.
Dennoch sei er der Überzeugung, dass nach
Abzug von Aggra
vation, verminderter Motivation,
Dekonditionierung
etc. das Restleistungs
vermögen auf dem ersten Arbeitsmarkt unter dem Strich gering
sei
(S. 1 f.).
An emotionalen Konflikten bestehe bei der Beschwerdegegnerin unter anderem eine Selbstwertproblematik, insbesondere in ihrem Rollenverständnis als Mutter, Ehefrau und Sexualpartnerin (S. 2).
Dr.
C._
führte weiter aus, dass er die
Einschätzung
im
G._
-
Gutachten vom November 2015
zur Kenntnis genommen
habe
, wobei er keine diagnostische oder Beurteilungsfehler
habe
erkennen könne
n
. Möglicherweise sei bei der Beschwer
deführerin zwischenzeitlich eine Besserung aufgetreten. In der genannten Exper
tise sei allerdings explizit angegeben worden, dass die Prognose für die Wieder
aufnahme einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit ungünstig sei (S. 2).
Das Verlaufsprotokoll vom 12. September 2018 habe er dahingehend gewürdigt, dass die Wiedereingliederungsmassnahmen gescheitert seien und die Beschwer
de
führerin danach stationär
habe behandelt werden müssen, was nicht für eine gute berufl
iche Belastbarkeit spreche (S. 2 f.
).
3.
3
.
4
In ihrer Stellungna
hme vom 26
. Mai 2020 (Urk. 7/233/12-14) führte die Ärztin des Regionalen Ärztli
chen Dienstes (RAD),
Dr.
med.
I._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, aus, das Gutachten von Dr.
C._
sei
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge – vor allem der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit – nicht einleuchtend
.
Die Beschwerdeführerin sei seit einem Zweitkarzinom im September 2011
rezidiv
frei
, weshalb bald zehn Jahre nach dem letzten Ereignis nicht mehr von einer Tumorpatientin gesprochen werden könne (Urk. 7/233/12). Die von Dr.
C._
–
im Vergleich zum Gutachten vom 2015 – neu gestellte Diagnose einer anhalten
den somatoformen Schmerzstörung aufgrund von Krebsängsten sei nicht plausi
bel, da diese seit bald über zehn Jahren hätte vorhanden sein müssen. Im Weite
ren könne die Selbstwert
problematik im Rollenverständnis als Mutter, Ehefrau und Sexualpartnerin sowie ein latenter Ehekonflikt nicht als auslösender emoti
onaler Konflikt interpretiert werden, da auch diese sicher seit über zehn Jahre bestünden. Zudem seien auch die anderen ICD-10-Kriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerzstö
rung nicht erfüllt (Urk. 7/233
/13).
Eine rezidivierende depressive Störung, leicht- bis mittelgradige Episode, allein könne eine anhaltende nur 25%ige Arbeitsfähigkeit nicht erklären. Der von Dr.
C._
genannte psychopathologische Befund (im Affekt gedrückt, Schwin
gungsfähigkeit zum positiven Pol vermindert, Ängste vor neuer Krebserkrankung, unauffälliger Antrieb, keine motorische Unruhe, Störung der circadianen Rhyth
mik mit Einschlafstörungen
, fehlender Appetit, sozialer Rückzug) lasse keine mit
telgradige depressive Symptomatik erkennen. Zudem bestehe ein relativ hohes Aktivitätsniveau (Haushalt, um die Kinder kümmern, Autofahren, Rausgehen mit dem Hund, Urlaub; Urk. 7/233/13).
D
ie Plasmasp
iegel
des Antidepressivums Citalopram und des Schmerzmittels
seien e
ntgegen den Angaben
von Dr.
C._
nicht im Normbereich. Die Ration N-
Desmethylcitalopramspiegel
/Citalopram
liege
bei 0.24 (Referenzbereich
0.31 bis 0.60), was bedeuten könne, das
s
eine
Malcompliance
vorliege (Urk. 7/233/13).
Dr.
C._
habe von erheblichen psychosozialen Belastungsfaktoren, ausgepräg
ten Diskrepanzen zwischen Beschwerden und objektiven Befunden in den soma
tischen Untersuchungen,
Un
plausibilitäten
, Selbstlimitierung, Diskrepanzen betref
fend die
Schilderung von Aktivitäten, der
Häufung von Behandlungen im Zusammenhang mit der Rentenprüfung
und dem
Wiedereingliederungsversuch, Aggravation und von einer zweifelhaften Therapiemotivation
gesprochen
. Trotz dieser Auffälligkeiten habe
er
die Beschwerdeführerin als so eingeschränkt
erach
tet
, dass nur noch eine 25%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit möglich sei, was aus der Sicht der RAD-Ärztin in keiner Weise nachvollziehbar sei. Aufgrund des beschriebenen psychopathologischen Befunds und des rela
tiv
hohen
Aktivitätenniveaus
seien keine schwerwiegenden Einschränkungen erkenn
bar. Die von Dr.
C._
postulierten funktionellen Einschränkungen seien nicht genauer begründet worden und könn
t
en ebenfalls nicht klar nachvollzogen werden (Urk. 7/233/13 f).
Aus RAD-Sicht könne nicht vollständig auf das Gutachten abgestellt werden (Urk. 7/233/14).
3.
3
.
5
Am 3. September
2020
äusserte sich die RAD-Psychiaterin
erneut zum Ge
sundheitszustand der Beschwerdeführerin
(Urk. 7/233/15-16
) und führte aus, Dr.
C._
habe am 12. Mai 2020 die 75%ige Arbeitsunfähigkeit damit begrün
det, dass die Beschwerdeführerin eine Tumorpatientin
sei mit schlechtem, abgemagertem,
fast kachektischem Allgemeinzustand mit
atropher
Muskulatur.
Während der Begutachtung sei ein reduzierter Allgemeinzustand mit magerem Ernährungszustand und wenig Muskelspannung beschrieben
worden
, also bei weitem nicht so gravierend. Es könne
zudem
nicht mehr von einer Tumorpatien
tin gesprochen werden, da die Beschwerdeführerin seit einem Zweitkarzinom im September 2011
rezidivfrei
sei. Dr.
C._
habe offenbar die Arbeitsunfähigkeit hauptsächli
ch aufgrund des äusser
en Aspekts attestiert. Allerdings bedeute ein reduzierter Allgemeinzustand mit magerem Ernährungszustand weder, dass eine somatische Krankheit, noch eine Arbeitsunfähigkeit vorliegen müsse. Zudem sei neben dem Status nach Mammakarzinom keine anhaltende konsumierende Erkran
kung bekannt (Urk. 7/233/15).
Die ICD-10-Kriterien für eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) seien aufgrund des Gutach
tens nicht erfüllt, so dass die
se Diagnose weiterhin ausgeschlossen werden könne. Die neue Nennung einer rezidivierenden Störung (ICD-10 F33) gründe auf der Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin nach Bescheid
betreffend
Rentenaufhebung wieder in psychiatrische Behandlung begeben habe, ob zum Zweck der Renten
erhaltung oder wegen eines depressiven Einbruchs könne nicht klar beantwortet werden.
Im Falle eines depressiven Einbruchs aufgrund von psychischen Belas
tungsfaktoren müsste von einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43) ausgegangen werden (Urk. 7/233/15
f.
).
Zusammen mit dem aktuell beschriebenen psychopathologischen Befund und dem relativ hohen
Aktivitätenniveau
seien keine
schwergradigen
Einschränkun
gen erkennbar, so dass sich – mit Ausnahme des depressiven Einbruchs nach Bescheid
betreffend
Rentenaufhebung – keine Veränderung
im Vergleich
zum Gutachten von 2015 zeige (Urk. 7/233/16).
3.
3
.
6
Dr.
med. univ.
J._
, Oberarzt
Gastroenterologie, und med.
prakt.
K._
, Assis
tenzärztin
Medizin
,
O._-Zentrum
Spital
H._
, diagnostizierten am 3. November
2020 (Urk. 7/230) einen Morbus Crohn, wobei
aktuell eine anhaltende leichtgradige klinische Aktivität bestehe. Seit der Entlassung aus dem stationären Aufenthalt im August 2020 zeige sich unter Steroidtherapie weiterhin eine leichtgradige Aktivität mit fünf bis sieben Stuhlgängen pro Tag. Im Rahmen der Kontrolle der Blut-/Stuhlwerte habe sich das
Calprotectin
mit 172ug/g nur noch leicht erhöht gezeigt, diskrepant zu den beschriebenen dumpfen Bauchschmerzen von VAS 5/1
0.
Bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sei eine gewisse funk
tionelle Komponente sehr häufig, gerade bei psychischen Nebendiagnosen. Der Stuhldrang sei leicht erhöht, jedoch kontrolliert und die Einschränkungen in den täglichen Aufgaben und im sozialen
Leben seien leicht (
S. 1).
3.
3
.7
Med.
pract
.
E._
berichtete am 8. Dezember 2020 über eine Verschlech
terung des Gesundheitszustands und nannte folgende psychiatrische Diagnosen (Urk. 7/243 S
.
1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere bis schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Akzentuierung von selbstunsich
eren Persönlichkeitszügen (ICD-10
Z73)
Die Ärztin erwähnte namentlich mittelschwere Konzentrationsstörungen, eine Ver
langsamung des formalen Denkens und Ängste bezüglich der Diagnose und Entwicklung der chronischen Darmerkrankung. Die Beschwerdeführerin sei affektiv sehr deprimiert, verzweifelt und hoffnungslos, weise Insuffizienz- und Schuldgefühle auf und die Vitalgefühle seien stark gestört, aktuell zusätzlich durch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall (S.
1).
In bisheriger sowie in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. Als Behandlungsrhythmus seien wöchentliche Termine geplant gewe
sen, aufgrund der körperlichen Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) sei es zu zwei bis vier wöchentlichen Abstände
n
gekommen. Ohne eine Abklärung, Therapie und deutliche Verbesserung der somatischen Beschwerden sei eine Ver
besserung der psychischen Situation nicht zu erwarten. Gleichzeitig sei die Beschwerdeführerin sehr bemüht, sich an die Empfehlungen zu halten und die erarbeiteten Strategien umzusetzen
. So habe sie beispielsweise einen bespro
chenen Entzug der Migränemedikation umgesetzt
(S. 2).
3.
3
.8
Am 23. Dezember 2020 stellte
Dr.
med.
L._
, Facharzt FMH für Neurologie, fol
gende Diagnosen (Urk. 7/237
):
-
episodische bis chronische Migräne
-
Differenzialdiagnose: Schmerzmittelübergebrauchskopfschmerz
-
depressive Entwicklung
-
Status nach Mammakarzinom links, ED 2004, Rezidiv 2011
-
rezidivierende Synkopen,
wahrscheinlich funktionell/
vaso
vagal
Es
bestünden
immer noch eine weitgehend therapie
re
fraktäre chronische Migräne an mindestens vier Tagen pro Woche und Schmerzen von VAS 6-7/1
0.
Da sich während des
Triptan
-Auslassversuchs die Kopfschmerz
en nicht verbessert hätten, könne
ein Schmerzmittelübergebrauchs-Kopfschmerz ausgeschlossen werden. Als neue Basistherapie werde ein Versuch mit
Orfiril
long
300mg vorgeschlagen, als Akutmedikamente
Eletriptan
und
Almo
g
ran
und als
schlafanstossende Medi
kation
Si
rdalud
2mg
.
3.
3
.9
Am 18. Januar 2021
(Urk. 7/246/3)
führte
RAD-Ärztin
Dr.
I._
im Zusammen
hang mit dem
Bericht von med.
pract
.
E._
vom 8. Dezember 2020 Fol
gendes aus: Insgesamt würden in etwa die gleichen Einschränkungen bei gleich
lautenden Diagnosen wie im Bericht der behandelnden Psychologin vom 16. Juli 2019 beschrieben. Die Beschwerdeführerin habe im Gutachten vom 14. Februar 2020 angegeben, dass sie nicht esse, weil es ihr aufgrund der Magen-Darm-Beschwerden schlecht gehe.
Auffälligerweise
seien im Gutachten Insuffizienz
gefühle und Schuldgefühle verneint worden und der Antrieb sei unauffällig gewesen.
Aus psychiatrischer Sicht könne keine Verschlechterung seit der RAD-Stellungnahme vom 3. September 2020 erkannt werden.
3.
3
.
10
RAD-Arzt
Dr.
med.
M._
, Orthopädische Chirurgie FMH,
äusserte sich am
19. Januar 2021 (Urk. 7/246/3-4)
zu den
von der Beschwerdeführerin am 5. Januar 2021 (Urk. 7/244)
eingereichten Berichte
n
zum somatischen Gesund
heitszustand
und
führte aus
, dass neben den
bereits
bekannten Tatsachen (
lumbo
radikuläres
Schmerzsyndrom, Mammakarzinom) neue somatische Gesund
heits
störungen – Morbus Crohn, episodische Migräne und
Restless
-
Legs
-Syndrom – präsentiert worden sei
en
. Bezüglich des Morbus Crohn sei histologisch eine nur
geringgradig
aktive Entzündung objektiviert und damit auch nur leicht
gradige Einschränkungen im täglichen Leben assoziiert. Die episodische Migräne gelte als durch Therapie besserbar und auch das
Restless
-
Legs
-Syndrom sei behandelbar. Gesamthaft handle es sich zwar um neu festgestellte körperliche Gesundheits
störungen, welche in ihrer klinischen funktionellen Repräsentanz indes keine wesentliche dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkten. Rein soma
tisch bleibe an den letzten RAD-Beurteilungen respektive am Entscheid festzuhalten. Die bisher angenommene Arbeitsfähigkeit von
70 % in angestamm
ter und
einer angepassten
T
ätigkeit könne weiterhin gelten
und zusätzliche
Abklä
rungen erschienen nicht
erforderlich (Urk. 7/246/4).
3.
3
.1
1
Am 13. April
2021
(Urk. 3/4)
führte Dr.
L._
aus, dass die Beschwerdeführerin, welche unter einer chronischen Migräne mit invalidisie
renden Kopfschmerzen leide, auf die bisherigen Therapieversuche nur partiell angesprochen habe.
Ein
Einsatz im primären Arbeitsmarkt sei deshalb bis auf weiteres nicht möglich.
3.
3
.1
2
Dr.
med.
N._
, Leitender Arzt Gastroenterologie, und med. prakt.
K._
, Assis
tenzärztin
Medizin
,
O._-Zentrum
Spital
H._
,
führten am 2
3
. April 2021
aus,
bei der Beschwerdeführerin sei im September 2020 im Rahmen einer Hospi
talisierung bei schwerer Kolitis die Diagnose eines Morbus Crohn mit Befall des gesamten Dick
darmes gestellt worden. Unter Steroid-Therapie habe die klinische Symptomatik verbessert werden können, so dass die weitere Therapie in den ambulanten Bereich habe verlegt werden können. Unter Reduktion der Steroid
dosis habe sich eine erneute Zunahme der Beschwerden mit erhöhter Stuhlfre
quenz, erhöhten Entzündungswerten im Stuhl und Fieberschüben gezeigt. Eine Steroid-sparende Therapie mit
Azathioprin
sei eingeleitet werden, habe indes bei starken gast
ro
intestinalen Nebenwirkungen wieder abgebrochen werden müssen. U
nter der Thera
pie mit
Vedolizumab
sei
eine Besserung der Entzündungsreaktion mit fehlendem Fieber und Schüttelfrost erreicht worden. Aktuell bestehe jedoch wei
terhin eine ausgeprägte gastrointestinale Symptomatik mit erhöhter Stuhlfre
quenz sowie
Abdominalgien
, so dass die Frage
betreffend
Therapiewechsel im Raum stehe. Insgesamt sei bei komplexem klinischem Krankheitsverlauf mit multiplen Komorbiditäten und psychischer Belastung im Rahmen der finanziellen Situation vorerst noch nicht von einer Krankheitskontrolle und möglicher Wieder
aufnahme der Arbeit zu sprechen
respektive sei ein Wiedereinstieg in die Arbeitstätigkeit aktuell nicht absehbar
.
4.
4.1
Bei der Beschwerdeführerin
trat im August 2019
über einen längeren Zeitraum
D
urchfall
auf.
Bei einer Koloskopie von November 2019 zeigten sich minimale Hinweise auf eine mikroskopische Colitis
(
Urk.
3/5). In diesem Zusammenhang berichtete die Beschwerdeführerin bei
Dr.
C._
im Januar 2020
über einen Gewichts
verlust von 10 kg
(Urk. 7/220 S. 25)
. Im
September 2020
wurde
erstmals die Diagnose eines Morbus Crohn gestellt (Urk. 7/
241 S. 1), wobei im
O._
-
B
ericht vom
3. November 2020 (Urk. 7/230)
von einer anhaltenden leichtgradigen klini
schen Aktivität mit fünf bis sieben kontrollierten Stuhlgängen pro Tag
und leichten Einschränkungen bei der Erledigung der täglichen Aufgaben und im sozialen Leben
berichtet
wurde
(S. 1). Am
23. Dezember 2020 wurde eine leicht
gradige, diskontinuierliche, ulzeröse
linksseitige Kolitis unter Aussparung des Rektums
beschrieben. Seit dem Spitalaustritt im September 2020
war
es weiterhin bis zu zweimal pro Woche zu Schüttelfrost mit Fieber mit Diarrhoe bis zu achtmal pro Tag und starken linksseitigen Bauchschmerzen gekommen.
Endoskopisch
zeigte
sich
weiterhin eine leicht- bis mittelgradige Aktivität trotz anhaltender Steroidtherapie (Urk. 7/239 S. 1 f.). In
ihrem
im Rahmen des Beschwerdever
fa
hrens vorgelegten Bericht
vom 23
. April 2021
(Urk. 3/3
)
wies
en
die
O._
-Ärzte
zwar auf eine Besserung der Entzündungsreaktion hin (kein Fieber
/
Schüttelfrost), berichtete
n
aber über eine stets noch ausgeprägte gastrointestinale Symptomatik mit erhöhter Stuhlfrequenz und
Abdominalgien
, weshalb ein Therapiewechsel im Raum stehe.
Bei
ei
nem
komplexen klinischen Krankheitsverlauf mit multiplen
K
omorbiditäten
und psychischer Belastung im Rahmen der finanziellen Situation
konnten sie
nicht von einer Krankheitskontrolle und möglicher Wiederaufnahme der Arbeit
sprechen
.
Der
gastroent
e
rologische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
und die sich daraus allfällig ergebenden Leistungseinschränkungen
lassen
sich gestützt auf die
Akten
nicht abschliessend beurteilen. Der konkrete Umfang der von
den
O._
-Ärzten
am 2
3.
April 2021
erwähnten ausgeprägten gastrointestinalen Symp
tomatik ist unklar und es fehlen namentlich nähere Angaben über die
erwähnte
erhöhte Stuhlfrequenz. Im Weiteren beliess
en es die
O._
-Ärzte
beim pauschalen Hinweis, die Aufnahme einer Arbeitstätigk
eit sei aktuell nicht absehbar, und legte
n
insbesondere nicht dar,
inwiefern die Beschwerdeführerin aufgrund de
s
Morbus Crohn
– insbesondere auch in einer angepassten Tätigkeit – in ihrer Leis
tungsfähigkeit in relevanter Weise eingeschränkt
ist
.
Im Zusammenhang mit der RAD-Einschätzung
vom 19. Januar 2021 betreffend
den
g
astroent
e
rologischen
Befund
(Urk. 7/246/
4) ist festzuhalten, dass es sich bei
Dr.
M._
um einen
in
orthopädischer Chir
urgie spezialisierten Facharzt
handelt
, welchem
zudem
der aktue
llste
O._
-Bericht
vom 23. April 2021 (Urk. 3/
3
) nicht
vorlag. Der RAD-Arzt erwähnte eine
geringgradig
aktive Entzündung, welche mit einer leichtgradigen Einschränkung im täglichen Leben einhergehe. Damit stützt
e
er sich auf den
nicht mehr aktuellen und
zwischenzeitlich durch den Bericht vom 23. April 2021 über
holten
O._
-Bericht vom 3. November 2020 (Urk. 7/230).
Neben de
m
nötigen
Fach
arzttitel
mangelt
es der
Einschätzung des RAD-Arztes
a
uch an der
Aktualität.
Bezüglich der bei der Beschwerdeführerin diagnostizierten Migräne wies der RAD-Arzt
im Rahmen seiner Einschätzung vom 1
9.
Januar 2021
in pauschaler Weise darauf hin, dass diese durch Therapie besserbar sei
; damit fehlt es an einer Auseinandersetzung mit
der Einschätzung des behandelnden Neurologen
, welcher
eine
therapierefraktäre Natur der Migräne (Urk. 7/23
7
)
beschrieb
.
Im Ergebnis
bedarf es
somit
ergänzender Abklärungen des somatischen Gesund
heitszustandes und allfälliger daraus resultierender Arbeitsunfähigkeiten.
4.2
W
ie
Dr.
C._
in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 1
2.
M
ai 2020 festhielt
, erfolgte seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht nur aufgrund des psycho
pathologischen Befunds, so
ndern
unter anderem
auch aufgrund des
von ihm festgestellten
schlechten Allgemeinzustands der Beschwerdeführerin, welche sich
als
Tumorpatientin abgemagert und mit
atropher
Muskulatur präsentiert hatte (
Urk.
7/224 S. 4). Ob dieser schlechte Allgemeinzustand auf somatischen oder psy
chischen Krankheitsursachen beruht
e
, wurde von
Dr.
C._
im Rahmen der Begutachtung
nicht
geprüft oder
beantwortet. Zumindest zum Teil dürfte der
gegenüber der
G._
-Begutachtung festgestellte
Gewichtsverlust im Zusammen
hang mit dem
gastroenterologischen
Krankheitsbild
gestanden haben
. Gemäss
den
Angaben der
O._
-Ärzte war es
nämlich
bei den verschiedenen K
rankheits
schüben
zu massivem Gewichtsverlust mit anschliessend wieder adäquater Gewichts
zunahme gekommen (
Urk.
7/241 S. 3). Da
Dr.
C._
somit auch soma
tische Aspekte in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
mit
e
inbezog
und er
deren
Anteil
nicht
näher auswies,
fehlt es
im Ergebnis
an einer Beurteilung der Arbeits
fä
higkeit aus rein psychiatrisch objektiver
Sicht.
Bei psychischen Leiden können sich zwar
aufgrund somatischer Komorbiditäten (vgl.
BGE 141 V 281 E. 4.3.1)
e
rheblicher
e Arbeitsunfähigkeiten ergeben
.
Entsprechende
somatische
Leiden müssen aber durch Fachärzte diagnostiziert und
allfällige
funktionelle
Auswir
kungen
müssen
erstellt sein.
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
durch
Dr.
C._
er
weist sich somit als mangelhaft
, womit auch
insoweit
ergänzende Abklärungen erforderlich sind.
RAD-Ärztin
Dr.
I._
nahm
in ihrer Beurteilung
an
,
für die
von
Dr.
C._
neu gestellte Diagnose einer
somatoformen Schmerzstörung
fehle es an einem auslö
senden emotionalen Konflikt oder
einer
psychosozialen Belastung und die ent
sprechende Diagnose sei weiterhin
–
wie bereits im Rahmen der
G._
-Begutach
tung
–
nicht ausgewiesen (
Urk.
7/233 S. 13). Es trifft zu, dass Ängste aufgrund der eigenen Krebserkrankung und die Selbstwertproblematik als Mutter, Ehefrau und Sexualpartnerin
bereits seit längerem bestanden
und somit
grund
sätzlich
nicht als neu auslösende Faktoren in Betracht fallen. J
edoch übersah
Dr.
I._
, dass
auch
aufgrund des
Tod
es
des Vaters circa
im Jahr
2017, welcher gemäss den
Angaben der Beschwerdeführerin wegen Magenkrebs und unerwartet ein
getreten war,
bei der Beschwerdeführerin
ausgeprägte Krebsängs
te
auftraten
(
Urk.
7/220/2-59 S. S. 24, S. 26, S. 41
)
. Mittlerweile leidet zudem sie selbst unter Magen- und Darmbeschwerden bei der Diagnose eines Morbus Crohn.
Da somit
ein eine somatoforme Schmerzstörung auslösendes Ereignis
zumindest nicht von vorneherein
zu verneinen
ist, kann der Einschätzung von
Dr.
I._
, es liege mit Ausnahme eines depressiven Einbruchs nach Bescheid über die Rentenaufhebung keine Veränderung zum
G._
-Gutachten vor, nicht gefolgt und nicht von ergän
zenden Abklärungen
zur Arbeitsfähigkeit
abgesehen werden.
4.3
Die Beschwerdegegnerin wird somit nach der Rückweisung eine
umfassende
polydisziplinäre Begutachtung zu veranlassen haben, womit
neu insbesondere auch die Auswirkungen des Morbus Crohn und der
rein
psychischen Sympto
matik
(E. 4.1 und E. 4.2)
zu beurteilen sind. Eine solche
(erneute
)
interdisziplinäre Begutachtung ist namentlich auch deshalb angezeigt, weil – wie dies die behan
delnden Ärzte und Ärztinnen wiederholt aufgezeigt haben
–
, Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Krankheitsbildern und deren Behandlung bestehen (
Urk.
7/241 S. 1,
Urk.
7/243 S. 2,
Urk.
3/2,
Urk.
3/3,
Urk.
3/5 S. 2).
Im Weiteren wird
dem
Z
eugnis von Dr.
L._
vom 1
3.
April 2021 (
Urk.
3/4) betreffend die teil
weise therapierefraktäre Migräne sowie d
er
diesbezüglich postulierte
n
100%ige
n
Arbeitsunfähigkeit Rechnung zu tragen sein.
Im Übrigen ist die Beschwerdegegnerin
darauf hinzuweisen, dass gemäss BGE 143 V 409 auch leichte bis mittelschwere Depressionen und auch Suchter
krankungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_274/2018 vom 11. Juli 2019) für die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (Änderu
ng der Rechtspre
chung) und eine invalidenversicherungsrechtl
ich relevante psychische Gesund
heitsschädigung nicht mehr allein mit dem Ar
gument der fehlenden Therapie
re
sistenz auszuschliessen ist (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2).
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
5.1.1
Gemäss Art. 66
IVG in Verbindung mit Art. 97
des
Bundesgesetz
es
über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG)
kann die Vorinstanz in ihrer Verfügung einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entziehen, auch wenn die Verfügung auf eine Geldleistun
g gerichtet ist. Gemäss Art. 66
IVG in Verbindung
mit Art. 97
AHVG und Art. 55 Abs. 3
des
Bundesgesetz
es
über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
)
kann die Beschwerdeinstanz, ihr Vorsitzender oder der Instruktionsrichter die von der Vorinstanz entzogene aufschiebende Wir
kung wiederherstellen; über ein Begehren um Wiederherstellung der aufschie
benden Wirkung ist ohne Verzug zu entscheiden.
5.1.2
Nach der Rechtsprechung zu Art.
55 Abs.
1
VwVG
(anwendbar nach Art. 61
ATSG
in Verbindung mit Art. 1 Abs. 3
VwVG
) bedeutet der Grundsatz der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nicht, dass nur ganz aussergewöhnliche Umstände ihren Entzug zu rechtfertigen vermöchten. Vielmehr ist es Sache der nach Art.
55
VwVG
zuständigen Behörde zu prüfen, ob die Gründe, die für die sofortige Vollstreckbarkeit der Verfügung sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können. Dabei steht der Behörde ein gewisser Beurteilungsspielraum zu. Im Allgemeinen wird sie ihren Entscheid auf den Sachverhalt stützen, der sich aus den vorhandenen Akten ergibt, ohne zeitraubende weitere Erhebungen anzustellen. Bei der Abwägung der Gründe für und gegen die sofortige Vollstreckbarkeit können auch die Aussichten auf den Ausgang des Verfahrens in der Hauptsache ins Gewicht fallen; sie müssen aller
dings eindeutig sein. Im Übrigen darf die verfügende Behörde die aufschiebende Wirkung nur entziehen, wenn sie
hiefür
überzeugende Gründe geltend machen kann (Urteil des Bundesgerichts I 426/05 vom 8. August 2005 E. 1.2).
Diese Grundsätze
sind auch im Rahmen von Art. 97
AHVG anwendbar (Urteil des Bundesgerichts I 46/04 vom 24. Februar 2004 E. 1.3).
5.2
Bei der Verfügung vom 31. März 2021 (Urk. 2), mit dem die Beschwerdegegnerin die bis dahin gewährte ganze Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats aufhob, handelt es sich um einen positiven
–
der
aufschieben
de
n
Wirkung
mithin
zugänglichen (vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts U 115/06 vom 24. Juli 2007 E. 4.1 mit Hinweisen)
–
Entscheid. Zu prüfen ist demnach, ob die Gründe, die für die sofortige Vollstreckbarkeit der Verfügung sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können.
5.3
5.3.1
Die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung hätte vorliegend zur Folge, dass die Beschwerdegegnerin de
r
Beschwerdeführer
in
weiterhin eine ganze Rente auszurichten hätte. Sofern sich im Rahmen
der Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin
ergäbe, dass
–
was sich nicht
ausschliessen
lässt
–
die Ren
tenaufhebung zu
mindest teilweise zu
Recht erfolgte, hätte
die
Beschwerdefüh
rer
in
die bis zum Verfahrensabschluss zu Unrecht bezogenen Leistun
gen zurück
zuerstatten (vgl. Art 25 Abs. 1
ATSG), wobei mangels gutgläubigen Bezugs von einer Rückforderung nicht abgesehen werden könnte.
Die Beschwerdegegnerin hat in Anbetracht der damit verbundenen administra
tiven Erschwernisse und der Gefahr der
Nichteinbringlichkeit
offensichtlich ein erhebliches Interesse, Rückerstattungsforderungen nach Möglichkeit zu vermei
den. Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in Bezug auf ein allfälliges Interesse an der Wiederherstellung
der
aufschiebende
n
Wirkung
geltend,
sie könne
gemäss
dem Gutachten von Dr.
C._
aufgrund ihres Gesundheits
zu
stands die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt nicht (sofort) realisieren (Urk. 1 S. 3 Ziff.
9
)
.
Dr.
C._
ging von einer 25%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus, wobei e
r
psychische und
nicht näher ausgewiesene
somatische Aspekte mitberücksichtigte; seiner Einschätzung ist nicht zu folgen
(
E. 4.2
)
. Ob
aufgrund der Ergebnisse der zusätzlichen
Abklärungen
von
einer
erheb
lichen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit auszugehen ist,
ist völlig offen
.
Es ist somit nicht mit
grosser
Wahrscheinlich
keit anzu
nehmen, dass die
Beschwer
deführer
in
obsiegen wird
und ein Anspruch auf eine ganze Rente weiterhin zu bejahen ist
(vgl. BGE 105 V 266 E. 3).
5.3.
2
Da nach dem Gesagten die Gründe, die gegen die sofortige Vollstreckbarkeit der Verfügung vom
3
1.
März
2021
(Urk. 2) sprechen, die für einen
Suspensiveffekt
des dagegen erhobenen Rechtsmittels sprechenden Argumente überwiegen, ist
dem Begehren um Wiederherstellung der
aufschiebende
n
Wirkung
der Beschwerde vom
3. Mai
2021 (Urk. 1
S. 2
) nicht stattzugeben.
6.
6.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und
unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und, da die Rück
weisung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vo
llständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V
57
E.
2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
6.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend
ist
die Beschwerdegegnerin
zu ver
pflich
ten
, eine Prozessentschädigung zu bezahlen.
Die Höhe der gerichtlich festzuset
zenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
,
in Verbindung mit Art. 61
lit
. g
ATSG). Es ist der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine Pro
zess
ent
schädigung von Fr. 2’
2
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.