Decision ID: 257edac6-b084-56c9-a755-ab55bde638af
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1979 geborene
X._
wurde aufgrund einer
Skoliose
1993 bei der Invalidenversicherung zum Bezug von Leistungen für Minderjährige angemeldet (Urk. 7/3)
, welche in der Folge für die Kosten medizinischer Massnahmen aufkam.
Die diagnostizierte thorakale Skoliose wurde 1994 sodann operativ behandelt (
Skolioseaufrich
tung
und CD-
Spondylodese
Th4-L3,
Austrittsbericht vom 12. Juli 1994, Urk. 7/22/2).
Am 7. Oktober 2002 (Eingang bei der IV-Stelle) meldete sich
X._
unter Hinweis auf die Skoliose und ein Schleudertrauma infolge eines Auffahr
unfalls im Mai 2001 erneut zum Bezug von Leistungen bei der Invaliden
versicherung an (Urk. 7/34). Die IV-Stelle zog in der Folge die Akten des Unfall
versicherers bei (Urk. 7/38 f. und 65) und tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen (Urk. 7/49, 57-59, 61, 63). Mit Verfügung
en
vom
1
5.
Mai
2003 wurde
X._
ab 1. Mai 2002 eine halbe Rente zugesprochen (Urk. 7/
99
).
Nach
der Geburt ihres ersten Sohnes am 2. Juni 2004 gab
X._
ihre bisherige Erwerbstätigkeit auf
(
Urk.
7/142)
. Die
IV-Stelle
ermittelte
mit Verfü
gung vom 18. Februar 2005 (
Urk. 7/148) nach der gemischten Methode einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad und stellte
die Rente in der Folge ein, was
letztlich
vom Bundesgericht mit Entscheid vom 30. März 2007 (Urk. 7/185) bestätigt wurde.
Am 23. Juli 2008 meldete sich
X._
erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an und machte geltend, dass
sie
nun zwei Jahre nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Gesundheitsfalle zu 80 % erwerbstätig wäre (
Urk.
7/190). Die IV-Stelle
führte
unter anderem eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeits
fähigkeit in Beruf und Haushalt
durch
(Bericht v
om 21. April 2009, Urk. 7/210) und verneinte m
it Verfügung vom 28. Dezember 2009 aufgrund eines renten
ausschliessenden Invaliditätsgrad
es
einen Rentenanspruch (Urk. 7/218).
Unter Hinweis auf die Skoliose und einen Bandscheibenvorfall meldete sich
X._
am
6
. Februar 2018 (Eingang bei der IV-Stelle)
neuerlich
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 7/221).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen (Urk. 7/241
,
250
, 270 f.
)
,
zog die Akten des Kranken
taggeld
versicherers bei (Urk. 7/242)
und liess
X._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst am 2. Mai 2019 orthopädisch unter
suchen (Bericht vom 3. Mai 2019, Urk. 7/275). Am 15. Juli 2019 fand zudem eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt statt (Bericht vom 22. Juli 2019, Urk. 7/280). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Vorbescheid vom 8. August 2019,
Urk.
7/284; Einwand vom 13. Novem
ber 2019,
Urk. 7/296) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 3. Januar 2020 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom 6. Februar 2020 (Urk. 1) Beschwerde erheben und beantragen, unter Aufhebung der angefochtenen Ver
fügung seien ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine halbe Rente ab Oktober 2018 zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur Durchführung einer externen medizinischen Begutachtung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführer
i
n
die
Durchführung eines zweiten Schriften
wechsels. Mit Beschwerdeantwort vom 3. März 2020 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 6. März 2020 zur Kenntnis gebracht wurde. Zugleich erachtete das hiesige Gericht die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels nicht als erforderlich (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
tätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
gen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbs
tätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beur
teilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
1.3.2
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4
der
Verordnung über die Invalidenversi
cherung
(
IVV
)
per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teil
erwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die
prozen
tuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versi
cherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Ein
schränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betref
fend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versi
cherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 3. Januar 2020 (Urk. 2) aus,
die Abklärung vor Ort habe ergeben, dass die Beschwerde
führerin heute zu 80 % erwerbstätig
und zu 20 % im Haushalt tätig
wäre
. I
m Haushaltsbereich
liege eine
Einschränkung
im Umfang 8 % vor, was einem Teilinvaliditätsgrad von rund 2 % entspreche
.
Gestützt auf die
medizinischen Abklärungen sei der Beschwerdeführerin ein 70%-Pensum in ihrer bisherigen Tätigkeit als Sachbearbeiterin zumutbar.
Anhand des
Einkommensvergleich
s
resultiere
eine Einschränkung von 30 %, was einem Teilinvaliditätsgrad von 24 % gleichkomme. Damit liege ein
rentenausschliesse
nder Gesamtinvaliditätsgrad von 26 % vor.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde vom 6. Februar 2020 (Urk. 1) demgegenüber
auf den Standpunk
t,
ihr sei ein
wie vom RAD attestiert dermassen hohes Pensum
nicht zumutbar - was denn auch der Hausarzt und die Spezialisten der
Klinik Z._
bestätigen würden. Der Invaliditätsgrad belaufe sich damit
auf
über 42
%
. Im Übrigen erscheine die Beurteilung des RAD nicht schlüssig und es liege keine genügende Begründung vor, weshalb rückwirkend auf ein zumutbares Arbeitspensum von 80 % zu schliessen sei
;
dies
stehe
auch
im Widerspruch zu den Einschätzungen der langjährigen behandelnden Ärzte.
3.
3.1
D
er Verfügung
vom 28. Dezember 2009 (Urk. 7/21
8)
lag unverändert
- wie bereits der Verfügung vom 18. Februar 2005 (Urk. 7/148)
und der
jenigen
vom
1
5.
Mai
2003 (Urk. 7/77
,99
)
–
die Annahme zugrunde
,
die Beschwerdeführerin sei
nach erlittenem Unfall im Jahr 2001
in ihrer angestammten
Tätigkeit
aufgrund eines Schleudertraumas
bloss
zu 50 % arbeitsfähig
(vgl. Feststellungsblatt vom
2
3.
Januar 2003, Urk. 7/67; Feststellungsblatt vom 3. Januar 2005, Urk. 7/146; Feststellungsblatt vom
30. April 2009, Urk. 7/211/3).
Aufgrund der Qualifikation von 60 % erwerbstätig und 40 % im Haushalt tätig,
ergab
sich ein renten
ausschliessender Invaliditätsgrad von rund 20 %
(
Urk.
7/218).
3.2
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
6
.
Feb
ruar 2018
sind folgende Berichte aktenkundig:
3.2.1
Aus den diversen Berichten von
Dr.
med. univ.
A._
, Oberarzt Neurologie an der
Klinik Z._
(Urk. 7/239/8-18), ist Folgendes festzuhalten: A
ufgrund eines chronischen Schmerzsyndroms habe sich die Beschwerdeführerin am 29. November 2017 rheumatologisch untersuchen lassen und anhand des MRI und der Elektroneurografie (vgl. hierzu mit Urk. 7/239/16) habe eine
Zerviko
brachialgie
rechts bei
foraminaler
Enge der C6 rechts
festgestellt we
rden können. In der Folge seien
am 14. Dezember 2017 zervikale Infiltrationen vorgenommen
worden
, welche die Beschwerdeführerin sehr gut vertragen habe (Urk. 7/239/14-15). Rund ein
en
Monat später habe sie von einem Wideraufkommen der Beschwer
den bis auf das Ausgangsniveau berichtet (Urk. 7/239/12), weshalb eine weitere zervikale Facettengelenks- und Wurzelinfiltration C5/6 nach rechts
geplant worden sei
(Urk. 7/239/10)
.
Dr.
A._
führte im
Bericht vom 7. Mai 2018 zusammenfassend
aus, dass ein solches Vorgehen aufgrund nur geringem Nutzen und starken Nebenwirkungen nicht erfolgsversprechend sei. Bei Schmerz
remission sei eine MTT zunächst begleitend und danach im Heimprogramm
durchzuführen
. Was d
ie Wiedereingliederung anbelange
, bestehe eine günstige Prognose, da die
Foraminalstenose
nicht sehr ausgeprägt sei und diese die Beschwerden der Beschwerdeführerin nur unzureichend erkläre. Langfristig sei sicherlich die thorakale
Spondylodese
hinsichtlich einer Auswirkung auf den
zervikothorakalen
Bereich ungünstig
. Die Wiederaufnahme der beruflichen Tätig
keit
soll
t
e
nach schrittweise
r
Wiedereingliederung
angestrebt werden, wobei
in Abhängigkeit der Schmerzentwicklung bestenfalls
das Wiedererlangen der voll
stän
digen Arbeitsfähigkeit im angestammten Pensum von 60 % möglich sei
(Urk. 7/239/8-9)
.
3.2.2
Mit Bericht vom 26. März 2019 (Urk. 7/271) zuhanden der Beschwerdegegnerin führte
Dr.
med.
B._
, leitender Arzt Neurologie an der
Klinik Z._
aus, im CT-SPECT der Wirbelsäule hätten sich Überlastungszeichen im Bereich der kranialen Facettengelenke der
Spondylodese
gezeigt, worauf Infiltrationen in
die
Facettengelenke, wie auch am Hauptschmerzort durchgeführt worden seien. Davon habe die Beschwerdeführerin leider nicht profitiert.
E
ine nochmalige Operation
sei
als nicht indiziert erachtet worden. Zusätzlich sei die Beschwerde
führerin noch wegen Knieschmerzen in rheumatologischer Abklärung. Aktuell
liege ein morphologisch gut erklärbares hochthorakales bis zervikales und rechts
brachiales Schmerzsyndrom bedingt durch Degenerationserscheinungen bei Status nach
Spondylodese
Th4-L3 im Jahre 1994 aufgrund einer idiopathischen Skoliose vor, wobei die Beschwerden momentan durch medizinische Mass
nahmen nicht massgebend verbesserbar seien. Die Beschwerdeführerin besuche
die
Physiotherapie und wende lokal Olfen-Pflaster an.
Prinzipiell wäre eine stationäre Rehabilitationsbehandlung zum intensiven Training zu empfehlen, aus logistischen Gründen könne dies die Beschwerdeführerin als alleinerziehende Mutter aktuell nicht bewerkstelligen. Was die Arbeitsfähigkeit anbelange,
lägen
streng
genommen keine neulogischen Gründe
für eine Arbeitsunfähigkeit vor. Die Schmerzsymptomatik könne allerdings anhand der Befunde im Bereich der
Spondylodese
gut erklärt werden. Aufgrund dieser Schmerzsymptomatik sei
es
aus gesamtmedizinischer Sicht adäquat, dass die Beschwerdeführerin in einem 40%-Pensum im Büro arb
eite. Die Arbeitsfähigkeit soll
e
in etwa zwei Jahren
reevaluier
t
werden.
%1.%2.3
Gemäss
den Berichten des
Hausarztes
,
Dr.
med.
C._
, Allgemeine Medizin FMH,
ist
von einer Arbeitsunfähigkeit i
m Umfang von 33.33 % auszu
gehen, womit
der Beschwerdeführerin e
ine leidensangepasste Tätigkeit
für
maximal 4 Stunden pro Tag zumutbar
sei
(
Urk
.
7/250/
3-5 und Urk. 7/
262
/2-5).
%1.%2.4
Am 2. Mai 2019 fand eine orthopädische Untersuchung beim RAD durch
D._
, Fachärztin orthopädische Chirurgie & Traumatologie
, statt
(Urk. 7/275)
, wobei als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der Wirbelsäule bei Status nach Skoliose-Operation mit
langstreckiger
Spondylodese
ohne senso
motorische Defizite festgehalten wurde. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit wurde
n
ein
Status nach HWS-Distorsion 2001 und
radiologisch
eine
Fora
mens
tenose
C6 rechts genannt (Urk. 7/275/8).
Im Rahmen einer kritischen Würdigung der Aktenlage erklärte
D._
, aus versicherungsmedizinischer Sicht sei eine verminderte Belastbar
keit der Wirbelsäule angesichts der
langstreckigen
Spondylodese
unstrittig.
Auf der
morphologischen Ebene könne festgestellt werden, dass eine Anschluss
degeneration am oberen Ende der
Spondylodese
beschrieben worden sei. Korres
pondierend dazu habe die Beschwerdeführerin über Schmerzen im Bereich
zwischen den Schulterblättern g
eklagt. Da eine Infiltration der radiologisch von der Anschlussdegeneration betroffenen Gelenke gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin keine Wirkung gehabt
habe
, könne davon ausgegangen werden, dass die Facettendegeneration nicht die Hauptursache der Beschwerden sei. Gleiches gelte für die radiologisch beschriebene
Foramenstenose
der Hals
wirbelsäule. Es falle auf, dass es im zeitlichen Verlauf zu einem
Symptomshift
von Beschwerden des rechten Armes mit der Angabe eines erheblichen Funkti
onsverlustes, der anhand der objektiven Befunde nicht zu erklären gewesen sei, hin zu Beschwerden der Brustwirbelsäule gekommen sei. Objektive Hinweise auf eine Minderfunktion des rechten Armes oder der rechten Hand würden nicht bestehen und hätten auch in der Vergangenheit nicht gefunden werden können. Der neurologische Befund sei regelrecht gewesen. Das Ausmass der geklagten Beschwerden sei anhand der erhobenen Untersuchungsbefunde nicht nachvoll
ziehbar. Zusammengefasst sei das bestehende Schmerzsyndrom für die Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit massgebend (Urk. 7/275/9)
.
Hinsichtlich
versicherungsmedizinische
r
Beurteilung führte
D._
aus, ein somatischer Gesundheitsschaden, welcher die Arbeitsfähigkeit beein
trächtige, sei ausgewiesen. Die angestammte Tätigkeit als Sachbearbeiterin entspreche dabei einer angepassten Tätigkeit, da der Arbeitsplatz der Beschwer
deführerin diesbezüglich
habe optimiert werden können
(Stehpult). In dieser Tätigkeit als Sachbearbeiterin bestehe seit jeher eine 70%ige Arbeitsfähigkeit (Rendement von 70 % bei einer Präsenz von 80 %). Als Belastungsprofil definierte
die Ärztin
eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 5 bis 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufige wirbelsäulenbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten (Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeit, Arbeiten im Armvor
halteposition), ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände, ohne andauernde Vibrationsbelastungen und Nässe-/Kälteexposition. Vor diesem Hintergrund liege somit gegenüber 2009 keine wesentliche Veränderung des Gesundheits
zustandes vor (Urk. 7/275/10).
%1.%2.5
Am 22. Juli 2019 berichtete die Abklärungsperson über die am 15. Juli 2019 durchgeführte Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (Urk. 7/280). Die Beschwerdeführerin habe erzählt, dass im Alter von 10 Jahren eine Skoliose festgestellt worden sei und die Beschwerden m
it Physio
therapie behandelt worden seien
. Später habe sie ein Korsett tragen müssen und mit 15 Jahren sei sie am Rücken operiert worden. Als sie bei der Ausübung ihres
erlernten Berufes als
Papeterie
-Verkäuferin Probleme mit den Knien bekommen habe, habe sie sich umschulen lassen und da
s Handelsdiplom absolviert. Im B
üro habe
sie
mit den gesundheitlichen Einschränkungen arbeiten können. 2001 habe sie eine Auffahrkollision und dabei ein Schleudertrauma erlitten (Urk. 7/280/1)
, was ihr über 10 Jahre hinweg
massive Probleme bereitet habe;
die
se
Beschwerden
seien
heute mehrheitlich weg. Im Oktober 2017 seien die Beschwerden im Rücken
plötzlich
wieder schlimmer geworden. Sie habe starke Rückenschmerzen sowie Gefühlsstörungen in den Händen gehabt. Aktuell arbeite sie
zu 60 % auf drei Tage verteilt
(
Urk.
7/280/2).
Zur Qualifikation führte die Abklärungsperson aus, die Beschwerdeführer
i
n habe eine zweijährige Verkaufslehre in einer
Papeterie
absolviert und danach in diesem Bereich Vollzeit gearbeitet. Nach Abschluss des Handelsdiploms habe sie erstmals eine Bürotätigkeit aufgenommen. Aus gesundheitlichen Gründen habe sie bis zur Geburt ihres ersten Kindes zu 50 % gearbeitet
und danach gekündigt. 2006 sei
das zweite Kind zur Welt gekommen.
Ab
Oktober 2010 habe die Beschwerdeführerin erneut zu 50 % gearbeitet. Beim selben Arbeitgeber sei die Beschwerdeführerin noch heute tätig. Im August 2016 habe sie das Pensum
auf 60 % erhöhen müssen
, nachdem sie sich von ihrem Ehemann
getrennt habe
. Ein
höheres Pensum sei damals aufgrund der Kinderbetreuungssituation kaum möglich gewesen.
Seit Juni 2019 sei die Beschwerdeführerin geschieden.
Aktuell lebe der ältere
Sohn mit der Beschwerdeführerin, während der jüngere beim Vater lebe.
Weiter
habe
die Beschwerdeführerin an
gegeben
, dass sie gewillt wäre, mehr zu arbeiten.
Die Abklärungsperson qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu 80 % als erwerbstätig und zu 20 % im Haushalt tätig, seien
doch
die Kinder mittl
erweile selbständiger und
nicht mehr
auf
dieselbe Betreuung
angewiesen
(Urk. 7/280/2-3).
Zum Bereich «Ernährung» habe die Beschwerdeführerin unter anderem erzählt, sie koche für sich und den Sohn, beim Ge
müserüsten habe sie aufgrund der
Gefühlsstörungen in den Händen Mühe. Sie habe beim Heben von schweren Kochtöpfen Müh
e, überhaupt müsse sie jegliche
Tätigkeiten in der Küche unter Schmerzen erledigen. Der Sohn unterstütze sie bei schweren Arbeiten, wie beispielsweise beim Ausräumen des Geschirrspülers. Die Abklärungsperson hielt
fest, die Einschränkung aufgrund der Gefühlsstörungen und de
r
Rücken
schmerzen sei nachvollziehbar. Dem 15
-
jährigen Sohn könne auch eine Mitwir
kungs
pflicht auferlegt werden. Die Aufgaben hätten sich aufgrund der geän
derten Familienstruktur zwar verändert
, die Aufwände im Bereich der E
rnährung für zwei Personen
würden allerdings einiges
geringer aus
fallen
. Es resultiere
eine Einschränkung von 10
%
(Urk. 7/280/5-6).
Zum Bereich «Wohnungspflege» habe die Beschwerdeführerin davon berichtet,
die meisten Aufräum- und Reinigun
gsarbeiten
unter Schmerzen zur erledigen
. Ihr Sohn unterstütz
e sie beim Bettmachen, putze sein eigenes Zimmer und helfe bei den nicht aufwendigen Gartenarbeiten auf dem Gartensitzplatz. Auch erledige er die Abfallentsorgung und übernehme das Bündeln von Altpapier sowie die Reinigung der Katzenkisten.
Die Abklärungsperson merkte an,
vor der Ehescheidung habe der damalige Ehemann diverse Aufgaben im Haushalts
bereich erledigt, was zur Entlastung der Beschwerdeführerin beigetragen habe. Der Sohn fange für sein Alter viele Einschränkungen ab. Die Beschwerdeführerin erledige den Grossteil der anfallenden Arbeiten und gehe dabei oft auch über die Schmerzgrenze hinaus.
Die E
inschränkung belaufe sich auf 15
%
(
Urk.
7/280/6
).
Zum Bereich «Einkauf sowie weitere Besorgungen» habe die Beschwerdeführerin ausgeführt, dass sie
in Etappen einkaufe und bei schweren Sachen der Sohn mitkomme. Eine grosse Entlastung sei der Einkauf mit dem Auto. Der Gang auf Amtsstellen, Post usw. sei ohne Einschränkungen möglich.
Die Abklärungsperson
sah die hauptsächliche
Einschränkung
beim Einkauf von grossen Sachen. Auch in diesem Bereich sei dem Sohn eine Mitwirkungspflicht zumutbar. In diesem Bereich sei daher keine Einschränkung anzurechnen, mache der Einkauf von
schweren Sachen
doch
nur einen kleinen Teil des
ganzen
Bereichs aus
(
Urk.
7/280/6
).
Zum Bereich «Wäsche und Kleiderpflege» habe die Beschwerdeführerin erzählt,
die Wasc
hmaschine befinde sich im Keller
.
E
in Tumbler
sei nicht vorhanden aber ein
Trocknungsraum. Die leichten Aufgaben erledige sie selber, bei den schweren Waschgängen würde sie vom Sohn unterstützt. Beim Aufhängen der grossen Wäsche über Kopf sei die Beschwerdeführerin
ebenfalls
auf die Hilfe des Sohnes angewiesen. Die Abklärungsperson
erklärte
es
sei
der Beschwerdeführerin mög
lich
,
die Wäsche und Kleiderpflege zu erledigen. Im Rahmen der Mitwirkungs
pflicht sei es dem Sohn zumutbar
,
diesbezüglich schwerere Arbe
iten (Bettwäsche) zu übernehmen, da dies
auch keine regelmässige und sehr zeitaufwendige Mit
hilfe nach sich
ziehe
. Daher könne in diesem Bereich keine Einschränkung mehr angerechnet werden (Urk. 7/280/7)
.
Zum Bereich «Betreuung von Kindern und/oder Angehörige
n
» berichtete die Beschwerdeführerin, ihr Sohn stehe in der Pubertät und es würden beratende Tätigkeiten sowie Fahrten anfallen. Jedes zweite Wochenende sei auch der 12
jährige Sohn bei ihr zuhause, welcher noch mehr Unterstützung benötige. Die Abklärungsperson rechnete für diesen Bereich keine Einschränkung an, da für den 15-jährigen Sohn nur noch berate
nde Unterstützung anfalle
(Urk. 7/280/7)
.
Zusammenfassend
erhob die Abklärungsperson
im Bereich Haushalt insges
amt eine Einschränkung von 7.5
%
(Urk.
7/280/7
).
4.
Die Einschätzung der RAD-Ärztin
D._
, welche als Fachärztin der orthopä
dischen Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates über die erfor
derlichen persönlichen und fachliche
n Qualifikationen verfügt, beruh
t auf
der
persönlich
en Untersuchung
der Beschwerdeführerin
vom 2. Mai 201
9.
Im Untersuchungsbericht legte die RAD-Ärztin die medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtend dar und begründete ihre Schlussfolgerung nach
vollzieh
bar. Der Untersuchungsberi
cht erfüllt
alle rechts
p
r
echungsgemässen Kriterien für eine beweistaugliche medizinische Entscheidungsgrundlage, wes
halb diesem grundsätzlich voller Beweiswert zukommt (vgl. E. 1.5).
Soweit die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Berichte ihrer behandelnden Ärzte geltend macht,
eine 8
0%ige Arbeitsfähigkeit
sei ihr nicht
zumutbar, kann ihr nicht gefolgt werden.
Zwar postulierte
Dr.
B._
, es sei aus gesamtmedizinischer Sicht adäquat, dass die Beschwerdeführerin in eine
m 40%igen Pensum arbeite,
er
begründete indessen seine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin
nicht weiter. Dr.
B._
wies
zudem
darauf hin,
dass keine neurologischen Gründe für eine Arbe
itsunfähigkeit vorliegen würden und erachtete die im Bereich der
Spondylodese
bestehende Schmerzsymptomatik für die Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit als massgebend. Weiter war
Dr.
B._
der Ansicht, dass
die Arbeitsfähigkeit in zwe
i Jahren neu zu evaluieren sei (vgl. E. 3.2.2 hiervor).
Dr.
A._
ging
von einer
60%igen Arbeitsfähigkeit
aus,
ohne dies indes näher zu begründen
. Die Prognose sei günstig und vor allem von der
Weiterentwicklung der Schmerzsymptomatik
abhängig
(vgl. E. 3.2.1 hiervor).
Dr.
C._
war sodann der Ansicht, dass der Beschwerdeführerin eine leidensangepasste Tätigkeit maxi
mal vie
r Stunden pro Tag zumutbar sei. E
ine substantiierte Begründung seiner Einschätzung liegt ebenfalls nicht vor
(vgl. E. 3.2.3 hiervor).
Auch die
RAD-Ärztin
D._
erachtete
aus versi
cherungsmedizinischer Sicht
eine vermin
derte Belastbarkeit der Wirbelsäule angesichts der
langstreckigen
Spondylodese
als
unstrittig
gegeben
und
hielt
das bestehende Schmerzsyndrom für die Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
für
massgebend (vgl. E. 3.2.4 hiervor). Damit sind sich
die behandelnden
Ärzte und die untersuchende
RAD-Ärztin
D._
einig, dass eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende Schmerzsymptomatik vor
liegt.
Vor diesem Hintergrund
ist nicht vollends nachvollziehbar
, d
ass bislang keine konsequente Sch
merztherapie durchgeführt wurde
. Die RAD-Ärztin
D._
führte
hierzu
aus, e
ine regelmässige medikamentöse S
chmerztherapie
sei
aufgrund von
Nebenwirkungen aller eingesetzter Präparate
bisher
nicht etabliert wor
den, wobei a
us versicherungsmedizinischer Sicht die Möglichkeiten der Schmerztherapie bei weitem nicht ausgeschöpft
seien
. So habe
Dr.
A._
im Bericht vom 4. Dezember 2017 einmalig Olfen 50 mg zweimal täglich mit Magenschutz erwähnt
(
vgl.
Urk
7/239/16-18)
.
Dr.
C._
habe am 14. Juli 2018 mitgeteilt, es seien diverse Schmerzmittel, bislang ohne Wirkung, eingesetzt worden. Momentan würden keine Medikamente
eingenommen werden
(
vgl.
Urk. 7/250/3)
.
Dr.
B._
habe am 26. März 2019 eine lokale Olfen-Anwendung als einzige Medikation erwähnt
(
vgl.
Urk. 7/271)
. Eine konsequente Schmerztherapie sei damit nicht dokumentiert. Der Einsatz von schmerzdistanzierenden Anti
depressiva sei offenbar nie erwogen worden
(
Urk. 7/275/9-10
)
.
In Auseinandersetzung mit der von den behandelnden Ärzten attestierten Arbeits
unfähigkeit der Beschwerdeführerin legte die RAD-Ärztin
D._
ihre Einschätzung der Einschränkung nachvollziehbar dar.
Die RAD-Ärztin
D._
führte aus, dass b
ei einer ärztlich festgelegten Arbeitsunfähigkeit von 33.3 %
(=
die Häl
fte des üblichen Pensums)
die Restarbeitsfähigkeit an drei hintereinan
der
liegenden Tagen à 5.5 Stunden umgesetzt
werde
.
Mit anderen
Wort
en bestehe a
n drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Arbeitsfähigkeit von rund 66 % und an zwei Tagen eine
solche
von 0 %
, was aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar sei. Das von der Beschwerdeführerin geschilderte Aktivitäts
niveau mit nur geringen Einschränkungen in der Haushaltsführung und im Alltag würde den Eindruck einer guten Ressourcenlage bestätigen.
Der Leidensdruck der Beschwerdeführerin
in Bezug auf die geklagten Schmerzen
erscheine
daher
gering.
Eine
dauerhafte Verschlechterung des Gesundheitszustands
sei damit nicht ausgewiesen.
Allerdings erweise sich a
ufgrund der
Spondylodese
mit Anschluss
degenerationen
e
in erhöhter Pausen- und
Erholungsbedarf als
nach
vollziehbar (Urk. 7/275/9-10).
Nach dem Gesagten
überzeugt
die Einschätzung von RAD-Ärztin
D._
, wonach von einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigk
eit als Sachbe
arbeiterin
im
Umfang von 70 % auszugehen
ist
. Die von der Beschwerdeführerin gegenüber dem Untersuchungsbericht der RAD-Ärztin erhobenen Einwände
sind
nicht stichhaltig.
Vielmehr sind die praxisgemässen Kriterien für eine beweis
kräftige Entscheidungsgrundlage erfüllt, weshalb darauf abzustellen ist.
An dieser Ausgangslage vermag auch der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin keine
externe
medizinische Untersuchung der Beschwerdeführerin in Auftrag gegeben hat, nichts zu ändern. Im Übrigen ist mit Blick auf die umfassenden Abklärungen
davon auszugehen, dass weitergehende medizinische Abklärungen den vorlie
genden Sachverhalt nicht
zusätzlich
erhellen würden (antizipierte Beweis
würdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
Was den von der Beschwerdeführerin mit
der
Beschwerde ins Recht gelegten Bericht
vom 14. Januar 2020 von
Dr.
med.
E._
(
Urk.
3
)
anbelangt
,
wonach von
eine
r
50%ige
n
Leistungsfähigkeit
auszugehen sei
,
vermag
dieser
an der nachvollziehbar begründeten Einschätzung der RAD-Ärztin
D._
eben
falls nichts zu ändern.
Der Bericht ist weder durch einen fachkundigen Arzt erstellt, noch liefert er eine plausible Erklärung für die attestierte Einschränkung. Sodann versäumte es
Dr.
E._
, sich mit der Einschätzung der RAD-Ärztin auseinanderzusetzen. Im Übrigen erging die fragliche Stellungnahme nach dem angefochtenen Entscheid, weshalb sie im vorliegenden Verfahren ohnehin unbe
achtlich zu bleiben hätte.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin machte sodann geltend, dass vorliegend von einer höheren Einschränkung im Haushaltsbereich auszugehen sei. Hingegen ist die Status
frage, das heisst die Qualifizierung der Beschwerdeführerin als zu 80 % erwerbs
tätig und zu 20 % im Haushalt beschäftigt unstrittig und aufgrund der Aktenlage ausgewiesen (vgl. Urk. 7/280).
5.2
Nach der Rechtsprechung stellt der durch die IV-Stelle eingeholte Bericht über die Abklärung vor Ort eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage zur Ermittlung des Invaliditätsgrades von im Haushalt tätigen Versicherten dar. Für den Beweiswert eines entsprechenden Berichtes ist analog auf die Rechtsprechung zur Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 352 E. 3a und b, BGE 122 V 160 E. 1c) zurückzugreifen. Sind die entsprechenden K
riterien
(
vgl. vorstehend E. 1.5
)
erfüllt, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift
diesfalls
in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein
schätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (zum Beispiel infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbe
sondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht.
5.3
Die zuständige Abklärungsperson führte zur Beurteilung der Beeinträchtigungen im Haushaltsbereich am 15. Juli 2019 eine Abklärung an Ort und Stelle durch. Sie stellte dabei unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden sowie der Familien- und Wohnverhältnisse, der tech
nischen Einrichtungen und der örtlichen Lage eine Einschränkung der Beschwer
deführerin im Haushaltsbereich von 7.5 % fest.
Der von der Abklärungsperson verfasste Bericht vom
22. Juli 2019
beschreibt die einzelnen Haushaltsbereiche und deren prozentuale Gewichtung, die zu verrich
tenden Tätigkeiten sowie die an Ort und Stelle festgestellten Einschränkungen in diesen Bereichen umfassend. Ebenfalls berücksichtigt wurde
eine Mitwirkung des im selben Haushalt lebenden Sohnes (Jahrgang 2004)
der Beschwerdeführerin. Der Abklärungsbericht ist sodann schlüssig und in nachvollziehbarer Weise begründet
(vgl. E. 3.2.5 hiervor)
. Es sind vorliegend keine besonderen Umstände gegeben, welche den Abklärungsbericht als mangelhaft oder ungeeignet erschei
nen liessen; vielmehr entspricht dieser den an ihn gestellten Anforderungen, so dass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann.
5.4
Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, dass die Einschränkung im Haushalts
bereic
h im Abklärungsbericht mit 7.5
% zu tief ausgefallen sei und der Umstand, dass bei einem höher anzurechnenden Arbeitspensum in der Folge weniger Zeit zur Einteilung de
r Arbeiten im Haushalt verbleibe
und dadurch mehr Ruhepausen notwendig seien (vgl. Urk. 1 S. 6),
vermag sie nicht durchzudringen
.
So stellt der auf der Basis von Erhebungen an Ort und Stelle verfasste Abklä
rungsbericht vom 22. Juli 2019 (
vgl. E. 3.2.5 hiervor
) grundsätzlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Ermittlung der entsprechenden Einschränkung im Haushalt dar. Dagegen vermag die pauschale Aussage der Beschwerdeführerin, wonach in den einzelnen Bereichen von einer höheren Einschränkung auszu
gehen sei, ohne allerdings hierfür konkrete Anhaltspunkte zu nennen, den vor
liegenden Abklärungsbericht nicht in Zweifel zu ziehen, zumal der Bericht vor Ort von einer qualifizierten Person in Kenntnis der örtlichen und räumlichen Ver
hältnisse und der sich aus den medizinischen Diagnosen ergebenden Beeinträch
tigungen erhoben wurde.
Die Beschwerdeführerin verkennt zudem, dass bei der Besorgung des eigenen Haushalts in der Regel mehr Spielraum und Flexibilität für die Einteilung sowie Ausführung der Arbeit besteht, als im Rahmen eines – hinsichtlich des Tätigkeits
profils ähnlich ausgestalteten – Anstellungsverhältnisses. Kann die Versicherte wegen ihrer Beeinträchtigung gewisse Haushaltsarbeiten nur mehr mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit entsprechend gliedern, wobei sie in üblichem Umfang die Mithilfe von Familien
angehörigen in Anspruch zu nehmen hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_440/2011 vom 1
1.
Juli 2011 E. 4.2). Dass die Beschwerdeführerin gewisse
Arbeiten nicht mehr eigenständig beziehungsweise nur unter Schmerzen erledigen kann, wurde von der Abklärungsperson entsprechend bei de
r Ein
schrän
kung berücksichtigt.
5.5
Zusammenfassend bestehen somit keine Anhaltspunkte für Fehleinschätzungen der Abklärungsperson, welche eine gerichtliche Ermessenskorrektur der vor Ort erhobenen gesundheitsbedingten Beeinträchtigungen rechtfertigten, weshalb auf den Abklärungsbericht vom
22. Juli 2019
abgestellt werden kann. Es ist daher v
on einer Einschränkung von
rund 8
% im Haushaltsbereich auszugehen
, was
einem
Teilinvaliditätsgrad von gerundet 2 % (8 % x 0.2) entspricht
.
6.
6.1
Im Folgenden sind die erwerblichen Auswirkungen zu prüfen.
6.2
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Nachdem sich die Beschwerdeführerin
am
6
. Februar 2018
bei der Beschwerde
gegnerin zum Leis
tungsbezug angemeldet hat (Urk. 7/221
), ist der frühestmög
liche Rentenbegi
nn im
August
2018 (
Art.
29
Abs.
1 IVG). Dies bedeut
et, dass der Invaliditätsgrad
gemäss dem in
Art.
27
bis
Abs.
2–4 IVV per 1.
Januar 2018 einge
führten neuen Berechnungsmodell zu ermitteln ist
(vgl. E. 1.3 hiervor)
.
6.3
6.3
.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
6.3
.2
Gemäss den Angaben des Arbeitgebers vom
17. Mai 2018
ist die Beschwerde
führerin sei dem 25. Oktober 2010 als Sachbearbeiterin angestellt (Urk. 7/241; vgl. auch mit IK-Auszug vom 1. März 2018, Urk. 7/232). Der
Jahreslohn
2018
hätte
bei einem 60%-Pensum Fr. 45'500.-- betragen (Urk. 7/241).
Aufgerechnet auf ein Vollzeitpensum
(vgl. E. 1.3.2 hiervor)
resultiert ein Einkommen von
Fr. 75
'
833
.-- (Fr. 45'500.--
/ 60 x 100
)
, was der Beschwerdeführerin als
Validen
einkommen
anzurechnen ist.
6.4
6.4.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalide
nlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3;
135 V 297 E.
5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
6.4.2
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kann für das Invalideneinkommen vorliegend nicht
auf ihren tatsächlichen Verdie
n
s
t abge
stellt werden, da
die
Beschwerdeführerin ihre Rest
arbeitsfähigkeit nicht voll ausschöpft (vgl. Urk.7/280/2, wonach sie aktuell in einem 60% Pensum arbeite),
obwohl ihr eine Arbeitsfähigkeit von 70 % zumutbar ist
(
vgl. dazu auch die Urteile des Bundes
gerichts 8C_72/2010 vom 1
7.
Juni 2010 E. 5.3 sowie I 23/01 vom 2
8.
November 2001 = SVR 2002 IV Nr. 24, E. 3b/
bb
)
.
Nachdem die aktuelle Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Sachbearbeiterin einer angepassten Tätigkeit entspricht, welche ihr im 70
%
-Pensum zumutbar ist (E. 3.2.4), ist das
Vorgehen der Beschwerdegegnerin, welche den tatsächlichen Verdienst der Beschwerdeführerin entsprechend dem ihr zumutbaren Pensum von 70 %
(vgl. E. 4 hiervor)
aufrech
nete, nicht weiter zu beanstanden. Es ist demnach von einem Invalidenein
kommen von Fr. 53'083.-- auszugehen.
6.5
Der Vergleic
h des
Valideneinkommens
von Fr. 75'833.--
mit dem Invaliden
einkommen von
Fr. 53'083.--
ergi
bt eine Erwerbseinbusse von Fr. 22'750.--
und einen Teilinvaliditätsgrad im erwerbl
ichen Bereich von (gerundet) 24
%
(30 %
x
0.8)
.
Dasselbe Ergebnis resultierte, wenn im Sinne einer rechnerischen Verein
fachung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_368/2019 vom
8.
Oktober 2019) sowohl für das Validen- als auch das Invalideneinkommen von demselben Tabel
lenwert für eine Sachbearbeiterin ausgegangen würde.
Zusammen mit dem Teilinvaliditätsgrad im Haushalt
von rund 2 %
resultiert ein Gesamtinvalidi
tätsgrad von 26
%.
Damit wird ein für den Anspruch auf eine Invalidenrente vorausgesetzter Invali
ditätsgrad von mindestens 40 % nicht erreicht.
7.
Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom
3. Januar 2020 (Urk.
2) einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneinte, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
20
0.-- bis
Fr.
1'000.--) auf Fr. 8
00.-- festzusetzen und der unterliegenden B
eschwerdeführerin aufzuerlegen.