Decision ID: 3d28e963-7978-59a6-bc80-cab7279489e2
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Diggelmann, Neugasse 14, 9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
S._ meldete sich am 30. August 2004 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie gab
dabei u.a. an, sie habe drei 1995, 1998 und 2000 geborene Kinder. Dr. med. A._ von
der Rheinburg-Klinik berichtete der IV-Stelle am 28. September 2004, die Versicherte
leide an einer generalisierten Fibromyalgie mit einer vegetativen Begleitsymptomatik,
mit einer funktionellen Überlagerung und mit einer depressiven Verstimmung sowie an
einer psychosozialen Belastungssituation. Der Gesundheitszustand sei
besserungsfähig. Dr. med. A._ verwies auf sein Konsilium vom 29. Juli 2004
zuhanden des Hausarztes Dr. med. B._. Dort hatte er ausgeführt, die Versicherte
habe über Schmerzen im ganzen Körper, v.a. am rechten Arm und im linken Bein, aber
auch am gesamten Stamm und im Bereich des linken Ellbogens geklagt. Weiter habe
die Versicherte angegeben, sie sei am ganzen Körper schwach. Dr. med. A._ hatte
dies als somatoforme autonome Schmerzstörung und als wahrscheinlich länger
dauernde Störung der Affektregulation qualifiziert. Dr. med. B._ berichtete der IV-
Stelle am 14. Oktober 2004, die Versicherte sei seit dem 7. Juli 2003 in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Er gab dieselbe Diagnose wie Dr. med.
A._ von der Rheinburg-Klinik an. Weiter führte er aus, die Versicherte habe über
chronisch-rezidivierende Muskel- und Rückenschmerzen und über Schwächeanfälle
geklagt. Berufliche Massnahmen wären auch aus therapeutischer Sicht sinnvoll. Dabei
könnte die Versicherte aber höchstens eine Arbeitsfähigkeit von 50% erreichen, da sie
ja für ihre drei Kinder sorgen müsse. Die von der Klinik Valens früher postulierte
Arbeitsfähigkeit von 100% für leichte Arbeiten sei aufgrund der klinischen Situation
völlig unrealistisch. Dr. med. B._ legte seinem Bericht ein Gutachten der Klinik Valens
vom 19. Mai 2004 bei, das der Taggeldversicherer in Auftrag gegeben hatte. Laut
diesem Gutachten litt die Versicherte unter vegetativ vermittelten Funktionsstörungen
vornehmlich des skelettmotorischen Apparates, aber auch der respiratorischen,
gastrointestinalen und urogenitalen Systeme. Die Sachverständigen der Klinik Valens
führten aus, das klinische Bild ähnle zwar einem Fibromyalgiesyndrom, weise aber
phänomenologisch darüber hinaus. Es handle sich am ehesten um eine somatoforme
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autonome Funktionsstörung (F 45.3). Daneben bestehe ein unspezifisches chronisches
weichteilrheumatisches Beschwerdebild. Anlässlich des Basistests über die körperliche
Leistungsfähigkeit habe keine verlässliche Leistungsgrenze ermittelt werden können.
Die Versicherte habe sich nicht bereit gezeigt, bei den Tests die mutmassliche
Leistungsgrenze aufzusuchen. Ausserhalb der Tests habe sie bestimmte Positionen
eingenommen und Funktionen ausgeführt, die auf Funktionsreserven hätten schliessen
lassen. Diese Funktionsreserven seien als so gross zu beurteilen gewesen, dass für
eine leichte und wechselbelastende Tätigkeit aus ergonomisch-medizinischer Sicht
keine Einschränkung habe begründet werden können. Deshalb bestehe für eine leichte
und wechselbelastende Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
B.
Die IV-Stelle prüfte zunächst die berufliche Eingliederung der Versicherten. In einer
internen Notiz vom 6. Januar 2005 hielt sie fest, es sei nicht geklärt, ob die Versicherte
objektiv und subjektiv eingliederungsfähig sei. Deshalb sollte vorab eine
Haushaltabklärung stattfinden. Dabei könne auch die Möglichkeit einer allfälligen
beruflichen Eingliederung mit der Versicherten besprochen werden. Dr. med. B._
machte am 10. Januar 2005 gegenüber der IV-Stelle geltend, es sei möglichst bald eine
neue medizinische Begutachtung vorzunehmen. Sollte der Versicherten dabei wider
Erwarten eine teilweise Arbeitsfähigkeit attestiert werden, müsste sie die Möglichkeit
haben, sich in einen Arbeitsrhythmus einzuarbeiten. Am 10. März 2005 erfolgte die
Haushaltabklärung. Gemäss dem entsprechenden Bericht gab die Versicherte dabei
an, sie wäre wieder voll erwerbstätig, wenn sie gesund wäre. Auch wenn sie am
jetzigen Wohnort ihre (weitere) Familie nicht in der Nähe habe, hätte sie keine Probleme
wegen der Kinder, denn es gebe einen Kinderhort. Sie habe ja früher schon stets in der
Nachmittagsschicht gearbeitet. Ihr Ehemann sei arbeitslos. Die Haushaltabklärung
ergab eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt von 20%.
Die Abklärungsperson hatte bei einigen Haushaltsbereichen eine Mitarbeit des
Ehemannes der Versicherten "schadenmindernd" berücksichtigt, bei anderen
Haushaltsbereichen aber nicht. Abschliessend hielt die Abklärungsperson im Bericht
über die Haushaltabklärung fest, der Ehemann habe angegeben, er sei nie dafür
gewesen, dass die Versicherte zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachgehe. Solche
Doppelbelastungen seien nicht normal und im Übrigen sei es finanziell gar nicht nötig
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gewesen. Das richtige Mass wäre eine 50%ige Erwerbstätigkeit gewesen. Die
Versicherte sei im Haushalt schon immer übertrieben perfekt gewesen. Wenn er
mithelfe, sei seine Arbeit nie gut genug. Die Abklärungsperson wies darauf hin, dass
eine Kinderkrippe angesichts des tiefen von der Versicherten erzielbaren Lohnes wohl
nicht sinnvoll wäre. Deshalb sei die Versicherte als zu 50% erwerbstätig und zu 50% im
Haushalt tätig zu betrachten. Die IV-Stelle erkundigte sich bei ihrem RAD, ob die
vorliegenden Akten genügten, um die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beurteilen und
schliesslich Stellung zum Rentenbegehren nehmen zu können. Dr. med. C._ gab am
12. April 2005 an, gemäss den durchgeführten, ausgedehnten Abklärungen bestehe
kein psychisches Leiden, das sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde. Die
Eingliederungsberaterin der IV-Stelle hielt in ihrem Schlussbericht vom 30. Juni 2005
fest, die Versicherte habe kommuniziert, dass sie sich nicht arbeitsfähig fühle und dass
sie weitere medizinische Abklärungen für notwendig halte. Deshalb sei die Versicherte
damit einverstanden, dass der Eingliederungsfall mit der Prüfung des Rentenbegehrens
abgeschlossen werde. Am 31. August 2005 verfügte die IV-Stelle den Abschluss der
Arbeitsvermittlung. Mit einer Verfügung vom 1. September 2005 wies sie das
Rentenbegehren der Versicherten ab, da sich der nach der sogenannten gemischten
Methode ermittelte Invaliditätsgrad auf lediglich 10% belaufe.
C.
Die Versicherte erhob am 3. Oktober 2005 Einsprache sowohl gegen die Verfügung
vom 31. August 2005 betreffend die Arbeitsvermittlung als auch gegen die Verfügung
vom 1. September 2005, mit der ihr Rentenbegehren abgewiesen worden war. Sie
beantragte die Zusprache einer ganzen Invalidenrente und die Bewilligung der
beantragten Eingliederungsmassnahmen. Zur Begründung verwies sie auf einen
Bericht der Klinik Valens vom 19. September 2005, laut dem sie vor allem aus
psychischen Gründen zu 100% arbeitsunfähig war. Aus internistischer und
rheumatologischer Sicht hatte die früher gestellte Diagnose eines chronischen
unspezifischen Weichteilrheumatismus bestätigt werden können. Wiederum war bei
den Ärzten der Eindruck entstanden, dass zusätzlich zur chronischen Schmerzsituation
psychische Faktoren eine gewichtige symptomunterhaltende Rolle spielten. Die
psychosomatische Abklärung hatte eine Anpassungsstörung mit vorwiegender
Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (Angst, Depression, Sorgen, Anspannung,
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Ärger), eine Störung durch ein Sedativa- oder Hypnotika-Abhängigkeitssyndrom
(ständiger Substanzgebrauch), multiple spezifische (isolierte) Phobien, Hinweise in der
Familienanamnese auf bestimmte Behinderungen und chronische behindernde
Krankheiten (Schizophrenie, Poliomyelitis, Myasthenia gravis), Probleme in der
Beziehung zum Ehegatten und Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und
Arbeitslosigkeit aufgezeigt. Daraus hatten die Ärzte der Klinik Valens den Schluss
gezogen, die Versicherte sei im erwerblichen Bereich zu 100% und im Haushalt zu
60-80% arbeitsunfähig. Am 22. Dezember 2005 zog die Versicherte die Einsprache
gegen die Verfügung vom 31. August 2005 (Arbeitsvermittlung) zurück. Das
entsprechende Einspracheverfahren wurde von der IV-Stelle am 28. Dezember 2005
abgeschrieben. Ebenfalls am 22. Dezember 2005 führte die Versicherte zur
Begründung der gegen die Verfügung vom 1. September 2005 (Rente) gerichteten
Einsprache aus, aufgrund des neuen Berichts der Klinik Valens sei sie zu 100%
arbeitsunfähig, so dass es keine adaptierte Erwerbstätigkeit gebe. Als Gesunde ginge
sie zu 100% einer Erwerbstätigkeit nach. Sie sei immer zu 100% einem Erwerb
nachgegangen. Die Erwerbstätigkeit sei ausschliesslich krankheitsbedingt aufgegeben
worden. Sie habe damals geglaubt, nach einer vier- bis fünfmonatigen Erwerbspause
wieder gesund und voll leistungsfähig eine Erwerbstätigkeit aufnehmen zu können.
D.
Die IV-Stelle erkundigte sich beim RAD, ob weitere medizinische Abklärungen
notwendig seien oder ob auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Valens abgestellt
werden könne. Dr. med. C._ empfahl am 6. Januar 2006, das Ergebnis der
vorgesehenen stationären Rehabilitation in der Klinik Valens abzuwarten. Damit könnte
eine bidisziplinäre Begutachtung der Versicherten in der Klinik Valens verbunden
werden, wobei dies wenn möglich in der letzten Woche des Rehabilitationsaufenthalts
stattfinden sollte. Die Versicherte gab am 7. Februar 2006 an, nach der Meinung von
Dr. med. D._ sei ein Klinikaufenthalt zur Zeit nicht sinnvoll. Sie wollte ein
entsprechendes Schreiben von Dr. med. D._ einreichen. Am 2. Mai 2006 erfuhr die
IV-Stelle, dass nun doch ein Rehabilitationsaufenthalt geplant sei. Med. pract. E._
vom psychiatrischen Zentrum berichtete der IV-Stelle am 3. Oktober 2006, die
Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und an einer
Störung durch Sedativa oder Hypnotika (Abhängigkeitssyndrom bei ständigem
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Substanzgebrauch). Seit Juni 2003 bestehe durchgehend eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Er empfehle wegen der Widersprüche in den verschiedenen
spezialärztlichen Untersuchungsberichten und wegen mangelnder Objektivität
innerhalb des ambulanten Settings eine weitergehende Abklärung durch eine MEDAS.
Die IV-Stelle erfuhr am 1. Dezember 2006, dass der geplante Rehabilitationsaufenthalt
in der Klinik Valens nicht stattgefunden hatte. Die Klinik Valens erstattete zwar am 28.
November 2006 Bericht, stützte sich dabei aber ausschliesslich auf den Stand per 12.
September 2005. Dr. med. F._ vom RAD empfahl am 1. Februar 2007 eine
polydisziplinäre Begutachtung durch eine MEDAS. Am 23. Februar 2007 widerrief die
IV-Stelle ihre einspracheweise angefochtene Verfügung vom 1. September 2005. Sie
schrieb das Einspracheverfahren am 26. Februar 2007 ab. Am 14. Mai 2007
beauftragte sie das ärztliche Begutachtungsinstitut in Basel (ABI) mit der
Begutachtung.
E.
E.a Die Sachverständigen des ABI führten in einem Gutachten vom 11. September
2007 aus, mangels Hinweisen auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus intern-
medizinischer Sicht sei auf eine spezialärztliche internistische Untersuchung verzichtet
worden. Bei der psychiatrischen Untersuchung sei die Versicherte durch die Einnahme
von Benzodiazepinen deutlich beeinträchtigt gewesen. Sie sei verlangsamt gewesen
und z. T. sei sie fast eingeschlafen. Die Sprache sei aus demselben Grund teilweise
etwas verwaschen gewesen. Der massive Benzodiazepin-Abusus bestehe seit 2003.
Die geklagten Beschwerden führten bei der Versicherten zu einem erheblichen
sekundären Krankheitsgewinn. Seit sie krank sei, werde sie nämlich von ihrem
Ehemann nicht mehr geschlagen. Im Gegensatz zu früher kümmere er sich jetzt auch
um die Kinder und den Haushalt. Die Versicherte zeige keinerlei Motivation, mit dem
Konsum von Benzodiazepinen aufzuhören. Durch den hohen Konsum von
Benzodiazepinen sei sie im Alltag beeinträchtigt. Auch die Arbeitsfähigkeit sei
betroffen. Die Versicherte leide unter leichten depressiven Verstimmungen. Diese seien
im Rahmen der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu sehen und
begründeten nicht die Diagnose einer depressiven Störung. Die Versicherte habe zwei
Behandlungsversuche mit Antidepressiva wegen Nebenwirkungen abgebrochen. Es
entspreche nicht der klinischen Erfahrung, dass mittelschwer oder schwer depressive
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Personen Antidepressiva nach kurzer Zeit absetzten, denn sie profitierten von der
antidepressiven Wirkung bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen. Die
Versicherte leide an einer Benzodiazepin-Abhängigkeit und - ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit - an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Die
Benzodiazepin-Abhängigkeit vermindere die Arbeitsfähigkeit um 50%. Die Versicherte
sei verlangsamt und könne sich schlecht auf die Anforderungen der Berufswelt
einstellen. Es gebe keine Hinweise auf irreversible geistige oder psychische Schäden.
Die Versicherte leide nicht an einer schweren psychischen Störung, es handle sich also
um eine primäre Abhängigkeit. Ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht vorhanden.
Hinweise auf unbewusste Konflikte fehlten. Aus psychiatrischer Sicht könne es der
Versicherten zugemutet werden, Abstinenz vorausgesetzt, die nötige
Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit
nachzugehen. Die im Bericht der Klinik Valens erwähnten phobischen Symptome seien
nicht mehr nachweisbar. Indiziert wäre eine stationäre Entzugsbehandlung. Die
notwendige Voraussetzung fehle aber, da die Versicherte nicht gewillt sei, auf den
Konsum von Benzodiazepinen zu verzichten.
E.b Der orthopädische Sachverständige des ABI führte aus, fast sämtliche
Bewegungen seien stark verlangsamt, vom Ablauf her jedoch ohne Auffälligkeiten
gewesen. Das Gangbild auf der Treppe im Wechselschritt und auf ebenem Terrain sei
mitsamt den geprüften Gangarten unauffällig gewesen. Der Finger-Boden-Abstand von
50 cm sei später im Langsitz auf 15 cm reduziert worden. Die aktive Kopfbeweglichkeit
sei rotatorisch nach expliziter Aufforderung stark eingeschränkt gewesen, habe sich in
abgelenkten Situationen aber vollständig normalisiert. Die ausgiebige Palpation des
Rückens habe nach Ablenkung nicht zu Schmerzangaben geführt. Bei Nachfrage seien
dann aber Schmerzen angegeben worden. An den unteren Extremitäten habe eine freie
Beweglichkeit sämtlicher Gelenke bei palpatorisch diffuser Schmerzangabe bestanden.
Die Zuordnung der Schmerzen zu eingrenzbaren anatomischen Strukturen sei nicht
möglich gewesen. Hinweise auf entzündliche Affektionen hätten gefehlt. Auch die
oberen Gelenke seien frei beweglich gewesen. Die hier angegebenen diffusen
Schmerzen hätten ebenfalls keinen näher eingrenzbaren anatomischen Strukturen
zugeordnet werden können. Ebenso habe es keine Indizien für ein generalisiertes
entzündliches oder degeneratives Leiden gegeben. Auf neurologischer Ebene hätten
Hinweise für eine Pathologie im Bereich der peripheren Nervensysteme gefehlt.
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Zusammenfassend sei festzustellen, dass sich die angegebenen Beschwerden nicht
auf der Ebene des Bewegungsapparates erklären liessen. Die Diagnose laute:
multilokuläres Schmerzsyndrom, derzeit ohne sicher objektivierbares klinisches
Korrelat. Für leichte bis mittelschwere Arbeiten mit einer Hebe- und Tragelimite von 15
kg, die in wechselnder Position und ohne langdauernde Zwangshaltungen der
Wirbelsäule durchgeführt werden könnten, bestehe eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Bei der Hausarbeit bestehe eine Einschränkung für
körperlich stark belastende Arbeiten, die in einem durchschnittlichen Haushalt
höchstens 10% ausmachten.
E.c Die Gesamtbeurteilung ergab eine Arbeitsfähigkeit von 50% für eine körperlich
adaptierte Tätigkeit, wobei die qualitative Einschränkung ausschliesslich auf den
chronischen Benzodiazepin-Abusus zurückzuführen war. Die Sachverständigen führten
aus, bei vollständiger Abstinenz bestünde eine Arbeitsfähigkeit von 100% in einer
adaptierten Tätigkeit. Der Entzug wäre aus psychiatrischer Sicht zumutbar. Die
Arbeitsunfähigkeit bestehe etwa seit Anfang 2005, als sich der chronische
Benzodiazepin-Abusus zunehmend klinisch manifestiert habe. Ein vollständiger Entzug
sei dringend angezeigt. Er würde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zur
Wiedererlangung der vollständigen Arbeitsfähigkeit führen. Der Versicherten wäre die
Willensanstrengung zumutbar, auf den Gebrauch von Lexotanil zu verzichten, was
einen günstigen Einfluss auf die anhaltende somatoforme Schmerzstörung hätte.
F.
Die zuständigen Ärzte des RAD hielten am 24. Oktober/9. November 2007 u.a. fest, die
empfohlene Suchtbehandlung hätte hinsichtlich des Rentenanspruchs keine
Auswirkungen, weil die IV-relevante Arbeitsfähigkeit klar unter Ausschluss der durch
das Suchtverhalten bedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit festzulegen sei.
Mit einem Vorbescheid vom 6. Dezember 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie das Rentengesuch abweisen werde, weil der Invaliditätsgrad lediglich 5%
betrage. Die Versicherte wandte am 18. Dezember 2007 ein, es lägen andere
Arztberichte vor, laut denen sie krank sei. Die Untersuchung durch das ABI sei
unmenschlich und malträtierend gewesen. Mit einer Verfügung vom 3. Januar 2008
wies die IV-Stelle das Rentengesuch der Versicherten ab.
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G.
Die Versicherte erhob am 8. Februar 2008 Beschwerde gegen diese
Abweisungsverfügung. Sie beantragte die Zusprache einer ganzen Invalidenrente,
eventualiter die Rückweisung der Streitsache an die IV-Stelle zu weiteren
Sachverhaltsabklärung. Zur Begründung führte die Versicherte aus, die Annahme, sie
wäre ohne den Gesundheitsschaden nur zu 50% erwerbstätig, treffe nicht zu. Sie habe
immer zu 100% gearbeitet und daneben den Haushalt besorgt und die Kinder betreut.
Die Aufgabe der letzten Arbeitsstelle sei krankheitsbedingt erfolgt, wobei die Absicht
bestanden habe, nach vier bis fünf Monaten bzw. nach der Gesundung wieder
vollerwerbstätig zu sein. Im Weiteren sei die Einschränkung im Haushalt ungenügend
abgeklärt worden. Effektiv sei eine Einschränkung von 30-40% ermittelt worden. Die
Klinik Valens habe dann sogar eine Einschränkung im Haushalt von bis zu 80%
angenommen. Die Angaben im Gutachten des ABI zur Leistungsfähigkeit im Haushalt
genügten nicht. Deshalb müsse nochmals eine Haushaltabklärung durchgeführt
werden. Die letzte Erwerbstätigkeit sei eine körperlich leichte gewesen. Trotzdem habe
sie krankheitsbedingt aufgegeben werden müssen. Damit sei die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI widerlegt. Damals habe noch keine Benzodiazepin-
Abhängigkeit bestanden. Von einer eigentlichen Abhängigkeit könne nur für die jüngere
Zeit gesprochen werden. Sie habe sich als Folge der Schmerzsymptomatik und der
Rheumabeschwerden entwickelt. Die Behauptung, bei einem erfolgreichen Entzug
bestünde wieder eine volle Arbeitsfähigkeit, sei somit haltlos. Massgebend sei die
Einschätzung der Klinik Valens aus dem Jahr 2005, laut der bereits aus psychiatrischer
Sicht allein eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorliege.
H.
Die IV-Stelle beantragte am 18. März 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte
geltend, praxisgemäss begründeten Süchte für sich allein keine Arbeitsunfähigkeit.
Deshalb sei es irrelevant, ob ein Benzodiazepin-Abusus bestehe. Dieser sei jedenfalls
nicht die Folge oder das Symptom eines invalidisierenden körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschadens. Ebenso wenig habe er einen erheblichen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden verursacht. Eine somatoforme Schmerzstörung sei
vermutungsweise durch eine zumutbare Willensanstrengung zu überwinden und
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bewirke deshalb keine Arbeitsunfähigkeit. Diese Vermutung sei dann widerlegt, wenn
besondere Umstände hinzuträten, welche die Willensanstrengung verunmöglichten. Im
Fall der Versicherten fehle der wichtigste dieser besonderen Umstände, nämlich eine
psychische Komorbidität erhebliche Schwere, Dauer und Ausprägung. Die Versicherte
sei als zu 50% Erwerbstätige zu qualifizieren, weil es der allgemeinen Lebenserfahrung
widerspreche, dass eine Mutter von drei kleineren Kindern einer vollzeitlichen
Erwerbstätigkeit nachgehe.
I.
Die Versicherte machte am 14. Juli 2008 geltend, eine psychische Komorbidität
bestehe in der Suchterkrankung und in der Depressivität. Entgegen der Auffassung des
psychiatrischen Sachverständigen des ABI habe immer eine erhebliche depressive
Störung bestanden. Die Antidepressiva seien abgesetzt worden, weil Nebenwirkungen
aufgetreten seien und weil die Wirkung unzureichend gewesen sei. Die Versicherte
verwies auf einen Bericht von Dr. med. G._ vom psychiatrischen Zentrum vom 20.
März 2008, laut dem eine rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig mittelgradige
Episode mit somatischem Syndrom, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
und Störungen durch Sedativa oder Hypnotika (Abhängigkeitssyndrom) vorlagen.
Gemäss den Angaben von Dr. med. G._ war nach dem Aufbau einer tragfähigen
therapeutischen Beziehung sichtbar geworden, dass bei der Versicherten verschiedene
Traumata anamnestisch vorlagen. Die Behandlung brachte bis dahin keine
Verbesserung des psychopathologischen Zustandsbildes, das eine gleichbleibende
depressive Symptomatik mit Antriebsverlust, durch Kraftlosigkeit und durch
regelmässig auftretende Intrusionen (sich aufdrängende Erinnerungen an erhebliche
Traumatisierungen) gekennzeichnet war. Schon die Beibehaltung des Status quo war
nach der Auffassung von Dr. med. G._ als Therapieerfolg zu werten. Die Versicherte
wurde als vollständig arbeitsunfähig betrachtet. Als weitere Umstände, die geeignet
seien, die Vermutung der Überwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung zu
widerlegen, nannte die Versicherte den mehrjährigen Krankheitsverlauf, den
erheblichen Krankheitsgewinn und den ausgeprägten inneren Rückzug. Nach der
Auffassung der Versicherten war das ABI-Gutachten unzureichend begründet, weil die
depressive Erkrankung einzig mit dem Argument der fehlenden
Antidepressivaeinnahme abgetan worden sei. Am 17. Juli 2008 reichte die Versicherte
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einen Bericht des Kantonsspitals St. Gallen ein, laut dem neben dem bereits bekannten
weichteilrheumatischen und somatoformen Schmerzsyndrom mit grosser
Wahrscheinlichkeit eine Spondarthropathie undifferenzierten Typs vorlag. Es war eine
anti-TNF-Therapie eingeleitet worden.
J.
Die IV-Stelle verzichtete am 29. Juli 2008 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV).
Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als 'gemischte Methode'
bezeichnet. Laut Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn
anzunehmen ist, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In
ständiger Praxis prüft das Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem
Ausmass eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im
Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen Verhaltensweise der
versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die
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versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person und deren berufliche
Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei auf die
hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum
massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150).
1.2 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen teilt diese Auffassung nach wie
vor nicht. Es ist weiterhin der Auffassung, dass Art. 8 Abs. 3 ATSG eine
Invaliditätsbemessung anhand der behinderungsbedingten Einschränkung im
Aufgabenbereich (Haushalt) nur zulasse, wenn und soweit der versicherten Person die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall objektiv nicht
zumutbar sei (vgl. etwa die Urteile vom 22. Januar 2007, IV 2006/60, Erw. 1b, vom 30.
November 2007, IV 2006/175, Erw. 1b und c, und insbesondere die
Auseinandersetzung mit BGE 133 V 504 ff. und dem Bundesgerichtsurteil 9C_15/2007,
Erw. 6.3 in den Urteilen vom 11. Dezember 2008, IV 2007/323, und vom 17. Februar
2009, IV 2007/425). Nun ist aber nicht damit zu rechnen, dass das Bundesgericht seine
Praxis aufgeben wird. Unter diesen Umständen bleibt dem Versicherungsgericht nichts
anderes übrig, als im vorliegenden Fall die bundesgerichtliche Praxis zur Anwendung
zu bringen. Trotzdem sei festgehalten, dass es der Beschwerdeführerin objektiv
betrachtet angesichts der Existenz eines Kinderhorts und des Beizugs der weiteren
Familie (allenfalls nach einem erneuten Umzug) sowie der Möglichkeit der
Beschwerdeführerin, in der Nachmittagsschicht zu arbeiten, zumutbar wäre, einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die von der Beschwerdegegnerin
behauptete allgemeine Lebenserfahrung, laut der eine Mutter von drei kleinen Kindern
(Jg. 1995, 1998 und 2000) nicht vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachgehe, besteht
zumindest in jenen Kreisen, zu denen die Familie der Beschwerdeführerin gehört, gar
nicht. Sie würde zudem nichts daran ändern, dass es der Beschwerdeführerin objektiv
zumutbar wäre, sich anders zu verhalten, denn das Übliche ist nicht notwendigerweise
das objektiv Zumutbare.
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1.3 Es ist somit in Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis zu untersuchen, ob die
Beschwerdeführerin ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf ihre gesamten
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sind die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, die Erziehungs- und Betreuungsaufgabe,
das Alter der Beschwerdeführerin und deren berufliche Fähigkeiten, Neigungen und
Begabungen massgebend. Dabei soll auf die hypothetischen Verhältnisse in
tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben
würden, abgestellt werden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Die Beschwerdeführerin ist zwar
anlässlich der Haushaltabklärung vom 10. März 2005 zur hypothetischen erwerblichen
Situation im "Gesundheitsfall" befragt worden. Der Abklärungsbericht enthält aber kein
korrektes Protokoll dieser Befragung. Aber die sinngemäss wiedergegebene Antwort
der Beschwerdeführerin ist so detailliert, dass anzunehmen ist, die Beschwerdeführerin
habe die Frage richtig verstanden, sich also in eine hypothetische Situation ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung hineinversetzen können. Die Beschwerdeführerin hat
zusammengefasst angegeben, sie wäre voll erwerbstätig, wenn sie gesund wäre. Nun
hat die Abklärungsperson aber nicht nur die Beschwerdeführerin, sondern auch deren
Ehemann befragt. Zwar fehlt auch hier ein korrektes Protokoll, aber die
wiedergegebenen Ausführungen des Ehemannes ermitteln den Eindruck, dass
zumindest inhaltlich korrekt protokolliert worden sei. Der Ehemann der
Beschwerdeführerin hat sinngemäss angegeben, er sei nie dafür gewesen, dass die
Beschwerdeführerin vollzeitlich erwerbstätig sei. Er erachte derartige
Doppelbelastungen für nicht normal. Im Übrigen wäre es auch finanziell gar nicht
notwendig. Ein Beschäftigungsgrad von 50% wäre das richtige Mass. Die
Beschwerdeführerin habe schon seit Jahren eine übertriebene Perfektion bei der
Haushaltarbeit an den Tag gelegt. Die Abklärungsperson hat diese Angaben des
Ehemannes offenbar als überzeugender betrachtet als diejenigen der
Beschwerdeführerin selbst. Als Begründung dafür hat sie den Betreuungsbedarf der
drei Kinder bzw. die allzu hohen Kosten einer ganztägigen Betreuung in der
Kinderkrippe genannt. Sie ist also wohl davon ausgegangen, dass sich der Ehemann
im hypothetischen "Gesundheitsfall" durchgesetzt und dafür gesorgt hätte, dass die
Beschwerdeführerin nur zu 50% einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre. Ob das
Argument des Ehemannes, finanziell wäre es nicht nötig, dass die Beschwerdeführerin
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vollzeitlich erwerbstätig wäre, stichhaltig ist, muss angesichts der damals kritischen
finanziellen Situation der Familie bezweifelt werden. Möglicherweise hat der Ehemann
auch noch seinen eigenen hypothetischen "Gesundheitsfall" angenommen, was nicht
zulässig ist. Zudem erweckt die Beschwerdeführerin den Eindruck, dass sie sich im
hypothetischen "Gesundheitsfall" in einem überdurchschnittlichen Ausmass für ihre
erwerbliche Karriere eingesetzt hätte. Mit einem erneuten Wechsel des Wohnortes
zurück an den alten Ort hätten zudem Verwandte für die Kinderbetreuung eingesetzt
werden können, so dass die Kinderbetreuung durch einen Hort, der aufgrund der
Schichtarbeit der Beschwerdeführerin sowieso nicht den ganzen Tag über nötig
gewesen wäre, auf ein Minimum hätte beschränkt bleiben können. Damit wären auch
keine erheblichen Kosten entstanden. Der Drang der Beschwerdeführerin nach
perfekter Arbeit hätte an einem Arbeitsplatz ökonomisch weit ertragreicher befriedigt
werden können als im eigenen Haushalt. Unter diesen Umständen vermag die Aussage
der Beschwerdeführerin, sie wäre im hypothetischen "Gesundheitsfall" zu 100%
erwerbstätig, eher zu überzeugen als diejenige des Ehemannes. Die von der
Abklärungsperson befürchtete Überlastungssituation bei einer vollzeitlichen
Erwerbstätigkeit hätte vernünftigerweise dadurch verhindert werden können, dass sich
der Ehemann entsprechend stärker um den Haushalt gekümmert hätte. Damit steht
fest, dass die Beschwerdeführerin in hypothetischen "Gesundheitsfall" einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachginge. Ihre Invalidität bemisst sich deshalb
ausschliesslich durch einen Einkommensvergleich.
2.
2.1 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das
Einkommen, das eine versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung allfälliger notwendiger und zumutbarer Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Ausschlaggebendes Element des
Einkommensvergleichs ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, da
er die Höhe des zumutbaren Invalideneinkommens - und damit im Ergebnis den
Invaliditätsgrad - massgeblich beeinflusst. Dr. med. B._ hat am 14. Oktober 2004
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angegeben, die Beschwerdeführerin sei in einer leichten Erwerbstätigkeit zu höchstens
50% arbeitsfähig, da sie ja für ihre drei Kinder sorgen müsse. Die von der Klinik Valens
am 19. Mai 2004 angegebene volle Arbeitsfähigkeit sei völlig unrealistisch. Ob sich
dieses "völlig unrealistisch" nur auf die reinen Krankheitsfolgen bezogen hat oder ob
Dr. med. B._ die gesamte gesundheitliche und soziale Situation der
Beschwerdeführerin zugrunde gelegt hat, ist nicht bekannt. Der Verweis auf die
Versorgung der drei Kinder deutet aber eher darauf hin, dass Dr. med. B._ nicht die
Arbeitsfähigkeit gemäss Art. 6 ATSG angegeben, sondern sich auf die Gesamtsituation
der Beschwerdeführerin bezogen hat. Seine Einschätzung überzeugt deshalb nicht. Sie
ist als Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens unbrauchbar.
2.2 Die Ärzte der Klinik Valens haben am 19. Mai 2004 eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit und etwas mehr als ein Jahr später, am 19. September 2005 dann eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit angegeben. Für diese Veränderung sind psychische
Gründe geltend gemacht worden. Der psychiatrische Sachverständige des ABI ist im
Gutachten vom 11. September 2007 zu einem völlig anderen Ergebnis gelangt als die
Ärzte der Klinik Valens in deren zweitem Bericht. Er hat die Beschwerdeführerin
nämlich ausschliesslich aufgrund des massiven Benzodiazepinabusus als zu 50%
arbeitsunfähig betrachtet, wobei der Abusus zumutbarerweise überwunden werden
könnte. Der psychiatrische Sachverständige des ABI hat zwar einen erheblichen
sekundären Krankheitsgewinn ausgemacht, weil die Beschwerdeführerin nun nicht
mehr von ihrem Ehemann geschlagen werde und weil dieser sich nun auch um die
Kinder und um den Haushalt kümmere. Aber er hat den Zustand der
Beschwerdeführerin trotzdem nur als leichte depressive Verstimmung im Rahmen der
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung qualifiziert. Er hat dies damit begründet,
dass zwei Behandlungsversuche mit Antidepressiva abgebrochen worden seien, was
nicht der klinischen Erfahrung entspreche, da mittelschwer oder schwer depressive
Patienten von der antidepressiven Wirkung profitierten, ohne erhebliche
Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen. Nach der Auffassung des psychiatrischen
Sachverständigen des ABI lag mangels einer schweren psychischen Störung eine
primäre Abhängigkeit vor, deren Überwindung der Beschwerdeführerin möglich und
zumutbar war. Demgegenüber hat Dr. med. G._ in seinem Zeugnis vom 20. März
2008 neben der somatoformen Schmerzstörung und dem Abhängigkeitssyndrom eine
rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig mittelgradige Episode) angegeben. Er
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hat die Beschwerdeführerin deshalb als vollständig arbeitsunfähig betrachtet, da all
diese Gesundheitsprobleme nicht überwindbar seien.
2.3 Sowohl die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Valens als auch diejenige von Dr.
med. G._ beruhen auf einer therapeutischen Sichtweise. Erfahrungsgemäss
orientieren sich derartige Arbeitsfähigkeitsschätzungen nicht an Art. 6 ATSG, sondern
am bisherigen therapeutischen Erfolg und/oder am weiteren therapeutischen Bedarf.
Hinzu kommt, dass behandelnde Ärzte die pessimistische Selbsteinschätzung ihrer
Patienten im Laufe der - meist erfolglosen - Behandlung zu teilen beginnen und
dementsprechend deren subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugungen als objektive
Arbeitsunfähigkeit fehlinterpretieren. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung eines
behandelnden Arztes vermag deshalb nur dann ausnahmsweise als Grundlage der
Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens zu dienen, wenn all diese im
Normalfall auftretenden Umstände nachweislich fehlen und der behandelnde Arzt sich
zudem klar erkennbar jener Objektivität befleissigt hat, wie sie von einem
unabhängigen Sachverständigen verlangt wird. Weder der Bericht der Klinik Valens
vom 19. September 2005 noch das Zeugnis von Dr. med. G._ vom 20. März 2008
erfüllen diese beiden Voraussetzungen. Sie enthalten deshalb keine überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung.
2.4 Das bedeutet aber nicht, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten
vom 11. September 2007 ohne weiteres als überzeugend zu werten wäre. Dieses
Gutachten scheint nämlich in bezug auf die Folgen der Beeinträchtigung der
psychischen Gesundheit widersprüchlich zu sein, insbesondere wenn man den
Angaben von Dr. med. G._ - mit Ausnahme der Arbeitsfähigkeitsschätzung - eine
gewisse Plausibilität beimisst. Der psychiatrische Sachverständige des ABI hat darauf
hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin einen sekundären Krankheitsgewinn erziele,
indem sie nun nicht mehr von ihrem Ehemann geschlagen werde. Dies spricht für die
Richtigkeit der Aussage von Dr. med. G._, dass die Beschwerdeführerin an
regelmässig auftretenden Intrusionen leide. Dies wiederum lässt darauf schliessen,
dass die depressive Erkrankung dem Zeugnis von Dr. med. G._ entsprechend stärker
sein könnte, als der psychiatrische Sachverständige des ABI angegeben hat. Das vom
Sachverständigen des ABI für seine Behauptung einer nur leichten depressiven
Verstimmung ins Feld geführte Argument, das Scheitern der Behandlung mit
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Antidepressiva sei mit der Erfahrung nicht in Übereinstimmung zu bringen, vermag
zudem nicht zu überzeugen. Es ist durchaus möglich, dass der erhebliche
Benzodiazepinabusus den Erfolg der Behandlung mit Antidepressiva vereitelt hat.
Jedenfalls fehlt im Gutachten des ABI jede Auseinandersetzung mit dieser Frage.
Dasselbe gilt für die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Nebenwirkungen
der Antidepressiva. Dass es statistisch gesehen nur selten zu erheblichen
Nebenwirkungen kommt, bedeutet nicht, dass bei der Beschwerdeführerin keine
Nebenwirkungen aufgetreten sein können. Auch hier fehlt im ABI-Gutachten eine
Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Einwand der Beschwerdeführerin. Unter
diesen Umständen vermag die vom psychiatrischen Sachverständigen des ABI
gestellte Diagnose der nur leichten depressiven Verstimmung nicht zu überzeugen.
Hinzu kommt, dass das Kantonsspital St. Gallen in seinem Bericht an den
behandelnden Arzt vom 22. Mai 2008 neu den dringenden Verdacht auf eine
seronegative Spondarthropathie vom undifferenzierten Typ geäussert hat. Es könnte
also auch in somatischer Hinsicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit vorliegen. Damit reicht auch die Überzeugungskraft der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI-Sachverständigen nicht aus, um mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit nach der
Überwindung der Sucht ausgehen zu können. Ebenso wenig steht fest, dass es der
Beschwerdeführerin möglich und zumutbar wäre, die Sucht zu überwinden. Es ist
durchaus möglich, dass im massgebenden Zeitraum eine psychische Störung
bestanden hat, welche die Beschwerdeführerin ganz oder teilweise arbeitsunfähig
gemacht hat. Da das Ausmass der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anhand der
bestehenden Aktenlage nicht mit ausreichender Sicherheit ermittelt werden kann,
erweist es sich als unmöglich, die Höhe des zumutbaren Invalideneinkommens und
damit den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin zu ermitteln.
2.5 Die Beschwerdegegnerin hat somit auf der Grundlage eines nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehenden
Arbeitsfähigkeitsgrades das zumutbare Invalideneinkommen und damit den
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin ermittelt. Die angefochtene Verfügung, die sich
auf den so ermittelten Invaliditätsgrad stützt, beruht also auf einem in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes unvollständig ermittelten Sachverhalt. Sie ist deshalb als
rechtswidrig aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung des Sachverhalts,
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zur Ermittlung des Invaliditätsgrades anhand eines reinen Einkommensvergleichs und
zur anschliessenden neuen Verfügung über den Rentenanspruch an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird für den Fall, dass
die zusätzlichen Abklärungen eine Einschränkung um 40% oder mehr ergeben sollten,
in Nachachtung des Grundsatzes der 'Eingliederung vor Rente' vorab prüfen, ob eine
Möglichkeit besteht, die Beschwerdeführerin beruflich so einzugliedern, dass sie trotz
reduzierter Arbeitsfähigkeit ein Erwerbseinkommen erzielen könnte, das einen
Rentenanspruch ausschlösse.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Praxisgemäss ist dieser Verfahrensausgang in
Bezug auf die Kosten des Beschwerdeverfahrens als vollumfängliches Obsiegen der
Beschwerdeführerin zu werten. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die Parteikosten
der Beschwerdeführerin zu vergüten. Diese bemessen sich nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG).
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erscheint eine Entschädigung von Fr. 3500.-
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als gerechtfertigt. Die unterliegende
Beschwerdegegnerin hat auch die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG geschuldete
Gerichtsgebühr zu bezahlen. Diese beläuft sich unter Berücksichtigung des
Verfahrensaufwandes auf Fr. 600.-. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist
der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG