Decision ID: fe83f32b-64b7-5717-8b8d-6428f6d6fa35
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A. A_ (geb. am XX.XX.1984) ist ungarische Staatsangehörige. Sie reiste am 10. Juni 2017
erstmals in die Schweiz ein, meldete sich am 12. Juni 2017 an und verliess die Schweiz im
August 2017 wieder, ohne sich abzumelden. Nach der erneuten Einreise am 17.
September 2017 schloss A_ am 21. September 2017 mit der B_ GmbH in Herisau
einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Serviceangestellte ab. Darauf erhielt sie am
27. September 2017 vom Amt für Inneres, Abteilung Migration, die Aufenthaltsbewilligung
B-EU/EFTA für die Ausübung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit. Gemäss
Arbeitsvertrag trat A_ die Stelle am 1. Oktober 2017 an und kündigte diese jedoch nach
kurzer Zeit infolge Schwangerschaft. Seit dem 1. Januar 2018 geht sie keiner
Erwerbstätigkeit mehr nach und muss von der Sozialhilfe unterstützt werden. Am
XX.XX.2018 wurde ihr Sohn C_ geboren.
B. Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Amt für Inneres, Abteilung
Migration (im Folgenden: Vorvorinstanz) am 3. Mai 2018 die Aufenthaltsbewilligung von
A_ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig wies es sie an, die Schweiz
bis spätestens 17. Juni 2018 zu verlassen.
Seite 3
C. Dagegen liess A_, vertreten durch RA AA_, mit Eingabe vom 28. Mai 2018 beim
Departement Inneres und Sicherheit Rekurs erheben u.a. mit den Anträgen, die Verfügung
aufzuheben und auf einen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung zu verzichten.
D. Mit Entscheid vom 19. Juni 2018 wies das Departement Inneres und Sicherheit den Rekurs
ab. Im Weiteren wies es A_ an, die Schweiz bis spätestens 31. August 2018 zu
verlassen.
E. Gegen diesen Entscheid liess A_ (im Folgenden: Beschwerdeführerin), vertreten durch
RA AA_, mit Eingabe vom 21. August 2018 beim Obergericht Beschwerde mit den
eingangs erwähnten Rechtsbegehren erheben.
F. Mit Schreiben vom 4. und 6. September 2018 liessen sich das Departement Inneres und
Sicherheit (im Folgenden: Vorinstanz) und die Vorvorinstanz mit den eingangs erwähnten
Rechtsbegehren vernehmen.
G. Auf die Eröffnung des Urteildispositivs hin verlangte die Beschwerdeführerin mit Schreiben
vom 28. Mai 2019 eine Begründung des Urteils. Damit sind die Voraussetzungen für die in
Ziff. 3 des Dispositivs in Aussicht gestellte Reduktion der Entscheidgebühr nicht gegeben.
H. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen
näher eingegangen.

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Die sachliche bzw. funktionale Zuständigkeit des
Obergerichts ergibt sich aus Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRPG, bGS 143.1), wonach das Obergericht zur Behandlung von Beschwerden gegen
letztinstanzliche Verfügungen der Verwaltungsbehörden zuständig ist. Auf die Beschwerde
ist damit einzutreten.
2. Bei der Beurteilung der hier vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Obergerichts
gemäss Art. 56 Abs. 1 VRPG darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich
allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen, wozu auch eine rechtsfehlerhafte Ausübung
Seite 4
des Ermessens zählt. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die Vorinstanzen den
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt haben. Die Überprüfung der
Angemessenheit ist dem Obergericht jedoch verwehrt (Art. 56 Abs. 1 VRPG e contrario).
3. Die Erteilung bzw. der Widerruf von Aufenthaltsbewilligungen richtet sich grundsätzlich
nach dem Ausländer- und Integrationsgesetz vom 16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20).
Für Angehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Union hat dieses allerdings nur
insoweit Geltung, als das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft (nunmehr Europäische
Union [EU]) und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit
(Freizügigkeitsabkommen, FZA, [SR 0.142.112.681]) keine abweichende Bestimmung oder
das Ausländer- und Integrationsgesetz eine für den betroffenen Ausländer bzw. die
betroffene Ausländerin vorteilhaftere Regelung enthält (Art. 2 Abs. 2 AIG).
3.1 Das Freizügigkeitsabkommen bezweckt die diskriminierungsfreie Einführung des freien
Personenverkehrs für erwerbstätige (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie
Selbständigerwerbende [Art. 1 lit. a FZA; Art. 6 ff. bzw. Art. 12 ff. Anhang I FZA]) sowie
nichterwerbstätige (etwa Rentnerinnen und Rentner [Art. 1 lit. c FZA; Art. 24 Anhang I
FZA]) Angehörige eines EU-Mitgliedstaats und ihre Familienangehörigen (vgl. Art. 3
Anhang I FZA). Entsprechend ist den genannten Personenkategorien im Rahmen der
Voraussetzungen des Anhangs I FZA etwa gestattet, sich - mit einer Aufenthaltsbewilligung
EU/EFTA - in der Schweiz aufzuhalten und hier einer unselbständigen oder selbständigen
Erwerbstätigkeit nachzugehen (vgl. Art. 4 FZA) bzw. im Anschluss an diese gegebenenfalls
im Land zu verbleiben (Art. 4 Abs. 1 Anhang I FZA; vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
2C_243/2015 vom 2. November 2015 E. 2.1 mit Hinweisen). Gemäss Art. 4 FZA in
Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 erster Satz Anhang I FZA erhalten Arbeitnehmende, die
Angehörige eines EU-Mitgliedstaats sind und mit einer arbeitgebenden Person in der
Schweiz ein Arbeitsverhältnis mit einer Dauer von mindestens einem Jahr eingehen, eine
Aufenthaltsbewilligung mit einer Gültigkeitsdauer von fünf Jahren ab dem Zeitpunkt der
Erteilung der Erlaubnis. Eine Person, die die Staatsangehörigkeit einer Vertragspartei
besitzt und keine Erwerbstätigkeit im Aufenthaltsstaat ausübt und dort kein Aufenthaltsrecht
auf Grund anderer Bestimmungen dieses Abkommens hat, erhält eine Aufenthaltserlaubnis
mit einer Gültigkeitsdauer von mindestens fünf Jahren, sofern sie den zuständigen
nationalen Behörden den Nachweis dafür erbringt, dass sie für sich selbst und ihre
Familienangehörigen über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, so dass sie während
ihres Aufenthalts keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen müssen (Art. 24 Abs. 1 lit. a
Anhang I FZA).
Seite 5
3.2 Sind die Voraussetzungen für ihre Erteilung nicht mehr erfüllt, können
Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA gemäss Art. 23 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Mai
2002 über die schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs (VEP, SR 142.203)
widerrufen werden. Nach Art. 6 Abs. 6 Anhang I FZA darf einer arbeitnehmenden Person
eine gültige Aufenthaltsbewilligung jedoch nicht allein deshalb entzogen werden, weil sie
infolge von Krankheit oder Unfall vorübergehend arbeitsunfähig oder unfreiwillig arbeitslos
geworden ist, falls das zuständige Arbeitsamt dies ordnungsgemäss bestätigt. Der
Unterbruch der Erwerbstätigkeit infolge von Krankheit oder Unfall, die von der zuständigen
Behörde bestätigte Zeit unfreiwilliger Arbeitslosigkeit und der unfreiwillige
Erwerbsunterbruch von unselbständig Erwerbstätigen gelten als Beschäftigungszeiten.
3.3 Das Bundesgericht hat in Auslegung dieser Grundlagen entschieden, dass eine
arbeitnehmende Person ihren freizügigkeitsrechtlichen Status als unselbständig
erwerbstätige Person verlieren kann, wenn sie freiwillig arbeitslos geworden ist, aufgrund
ihres Verhaltens feststeht, dass keinerlei ernsthafte Aussichten (mehr) darauf bestehen,
dass sie in absehbarer Zeit eine andere Arbeit finden wird (Dahinfallen des
Arbeitnehmerstatus) oder ihr Verhalten gesamthaft als rechtsmissbräuchlich bezeichnet
werden muss, da sie ihre Bewilligung (etwa) gestützt auf eine fiktive bzw. zeitlich kurze
Erwerbstätigkeit einzig zum Zweck erworben hat, von günstigeren Sozialhilfeleistungen als
im Heimat- oder einem anderen Vertragsstaat zu profitieren (vgl. zum Ganzen: BGE 141 II
1 E. 2.1.2 ff.).
4.
4.1 Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass es zwar
nachvollziehbar sei, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht
mehr in der Lage gewesen sei, ihre Erwerbstätigkeit weiterzuführen. Dies ändere jedoch
nichts daran, dass sie ihre Erwerbstätigkeit freiwillig aufgegeben habe. Es möge sein, dass
sie von ihrem Arbeitgeber schlecht beraten worden sei, jedoch wäre es ihr zuzumuten
gewesen, sich vor ihrer Kündigung nach ihren Rechten zu erkundigen. Wenn sie darüber
hinaus die Voraussetzungen für die Arbeitslosentschädigung nicht erfülle und auf
Sozialhilfe angewiesen sei, entfielen auch die Voraussetzungen für die EU/EFTA-
Aufenthaltsbewilligung.
4.2 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass es ihr aufgrund einer
Risikoschwangerschaft nicht mehr möglich gewesen sei, weiterhin als Küchenhilfe und
Servicetochter zu arbeiten. Der Arbeitgeber habe ihr empfohlen, das Arbeitsverhältnis von
sich aus zu kündigen und sich beim Sozialamt zu melden. Die Beschwerdeführerin sei in
rechtlichen Angelegenheiten völlig unerfahren und habe weder Kenntnis von dem ihr
Seite 6
zustehenden Recht auf Lohnfortzahlung noch von dem bei Schwangerschaft bestehenden
Kündigungsschutz. Für sie habe kein Anlass bestanden, an der Verlässlichkeit der
Angaben ihres Arbeitgebers zu zweifeln. Aufgrund des engen Vertrauensverhältnisses
habe sie nicht davon ausgehen müssen, durch die Befolgung seines Rats auf ihre
zustehenden arbeitsrechtlichen Ansprüche zu verzichten. Zumal der Beschwerdeführerin
zugesichert worden sei, die Arbeit nach der Geburt ihres Kindes wieder aufnehmen zu
können. Art. 6 Abs. 6 Anhang I FZA müsse analog auch für Arbeitnehmerinnen gelten, die
aufgrund einer Schwangerschaft keiner Arbeit nachgehen könnten. Es sei
unverhältnismässig, einer Person bloss wegen eines kurzfristigen Sozialhilfebezugs die
Aufenthaltsbewilligung zu entziehen. Mit dem ehemaligen Arbeitgeber sei von Anfang an
vereinbart worden, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeit ein paar Wochen nach der
Niederkunft wieder aufnehmen könne.
4.3 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin unbefristet angestellt wurde, sie damit ein
Arbeitsverhältnis von mindestens einem Jahr gemäss Art. 6 Abs. 1 Anhang I FZA
eingegangen ist und sie ihr Arbeitsverhältnis nach höchstens 3 Monaten selbst gekündigt
hat. Es gibt auch keine Anhaltspunkte, dass sie zwischenzeitlich wieder eine
Erwerbstätigkeit aufnahm. Vielmehr wurde sie bis zum Urteilsdatum durch
Sozialhilfeleistungen unterstützt. Umstritten ist jedoch, ob die Beschwerdeführerin gemäss
Art. 6 Abs. 6 Anhang I FZA unfreiwillig arbeitslos wurde. Dem steht zum einen der Umstand
entgegen, dass sich in den Akten keine Belege finden lassen, wonach der Arbeitgeber der
Beschwerdeführerin eine Kündigung empfohlen hat und sie nach der Niederkunft wieder
von ihm angestellt wird. Zum anderen liegt auch keine ärztliche Bestätigung über eine
Risikoschwangerschaft vor, welche sie daran gehindert hätte, während der
Schwangerschaft vorübergehend ihre Arbeit fortzusetzen. Im Weiteren ist der Vorinstanz
darin zuzustimmen, dass es einer 33-jährigen Frau zuzumuten wäre, sich bei
Beratungsstellen über ihre Rechte bei einer Schwangerschaft zu erkundigen. Dies gilt umso
mehr, als dass ihre Schreiben vom 27. Februar 2018 und 19. April 2018 an die
Vorvorinstanz (act. 6.7 und 6.9) darauf hindeuten, dass sie die deutsche Sprache
beherrscht bzw. zumindest für die allfällige Einholung von Auskünften durch eine
deutschkundige Person unterstützt worden wäre. Dazu kommt, dass auch im ungarischen
Arbeitsgesetz ein Kündigungsschutz während der Schwangerschaft (Art. 65) sowie ein
bezahlter Mutterschaftsurlaub (Art. 127) existieren, weshalb es nicht als glaubhaft
erscheint, dass der Beschwerdeführerin vor der Kündigung entsprechende arbeitsrechtliche
Ansprüche völlig unbekannt waren. Im Übrigen liegt auch keine Bestätigung des
Arbeitsamtes nach Art. 6 Abs. 6 Anhang I FZA vor, wonach die Beschwerdeführerin
unfreiwillig arbeitslos geworden ist, was der Aufrechterhaltung der Aufenthaltsbewilligung
zusätzlich entgegensteht. Damit kann offen gelassen werden, ob das Verhalten der
Seite 7
Beschwerdeführerin aufgrund der zeitlich sehr kurzen Erwerbstätigkeit und ihrer
Sozialhilfeabhängigkeit auch als rechtsmissbräuchlich einzustufen ist.
4.4 In Anbetracht dieser Umstände haben die Vorinstanzen daher das Fortbestehen eines
freizügigkeitsrechtlichen Anwesenheitsanspruchs als erwerbstätige Person zu Recht
verneint. Durch ihre andauernde Sozialhilfeabhängigkeit hat die Beschwerdeführerin zudem
auch offensichtlich die Voraussetzungen von Art. 24 Abs. 1 Anhang I FZA nicht erfüllt,
weshalb ihr auch als Erwerbslose keine Aufenthaltsbewilligung zuzusprechen ist.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht sodann das Vorliegen eines Härtefalls geltend, da sich der
mutmassliche Vater des am XX.XX.2018 geborenen Sohns C_ weigere, die Vaterschaft
anzuerkennen. Fehlende Kenntnis der biologischen Herkunft könne die
Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen, sowie Dissonanzerfahrungen und
Identitätskrisen auslösen. Deshalb müsse der Beschwerdeführerin die Chance gegeben
werden, eine Vaterschaftsklage anhängig zu machen, was einen weiteren Verbleib in der
Schweiz voraussetze. Mit Blick auf das Kindeswohl von C_ sei der Beschwerdeführerin
zurzeit die Ausreise aus der Schweiz nicht zumutbar. Hinzu komme, dass C_ als
Frühgeburt in der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen sei und gesundheitliche
Beschwerden habe. Aufgrund der Frühgeburtlichkeit erachte sein behandelnder Kinderarzt
eine Ausreise aus der Schweiz aktuell nicht als angemessen. Zudem habe die
Beschwerdeführerin zu ihrem Herkunftsland keinen Bezug. Ihre Eltern seien verstorben als
sie noch jung gewesen sei. Von da an sei sie auf sich alleine gestellt und pflege keine
Beziehungen zu Verwandten in ihrem Herkunftsland. In der Schweiz habe sie sich nun ein
neues Leben und ein soziales Umfeld aufgebaut.
5.2 Die Vorinstanz wendet dagegen ein, dass gemäss dem vorliegenden Arztzeugnis aktuell
keine schwerwiegenden Gesundheitsprobleme beim Kind bestünden, welche einer
Rückkehr der Kindsmutter in die Heimat entgegenstehen würden. Allein der Umstand, dass
es möglicherweise rechtliche Auseinandersetzungen mit dem möglichen Kindsvater gebe,
könne nicht als Grund für einen Härtefall aufgeführt werden, zumal sich die
Beschwerdeführerin durchaus in der Schweiz vertreten lassen und diese Vertretung aktuell
auch ohne Probleme organisieren könne. Eine Betreuung des Kindes sei in ihrer Heimat
genauso gut möglich. Zudem sei die Beschwerdeführerin nicht in der Schweiz integriert und
sie halte sich erst seit kurzem im Land auf, so dass eine Rückreise in die Heimat durchaus
zumutbar sei und nicht zu einem Härtefall führe.
Seite 8
5.3 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG kann von den Zulassungsvoraussetzungen abgewichen
werden, um schwerwiegenden persönlichen Härtefällen Rechnung zu tragen. Gemäss der
Rechtsprechung des Bundesgerichts setzt der massgebliche Härtefall voraus, dass sich die
betreffende Person in einer persönlichen Notlage befindet. Das bedeutet, dass ihre Lebens-
und Daseinsbedingungen gemessen am durchschnittlichen Schicksal von Ausländern in
gesteigertem Mass infrage gestellt sein müssen bzw. dass die Verweigerung der
Härtefallbewilligung für die Betroffene schwere Nachteile zur Folge hätte (BGE 119 Ib 33
E. 4c). Der Begriff des Härtefalls wird in Art. 31 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) konkretisiert. Zu berücksichtigen sind
insbesondere der Integrationsgrad, die Respektierung der Rechtsordnung, die
Familienverhältnisse, die finanziellen Verhältnisse, die Anwesenheitsdauer in der Schweiz,
der Gesundheitszustand sowie die Möglichkeit der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat.
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei Ausländern, die sich seit zehn und mehr
Jahren in der Schweiz aufhalten, in der Regel vom Vorliegen eines schwerwiegenden
persönlichen Härtefalls auszugehen, sofern diese finanziell unabhängig, sozial und
beruflich gut integriert sind und sich bis dahin klaglos verhalten haben (vgl. BGE 124 II 110
E. 3).
5.4 Es ist mit der Vorinstanz darin übereinzugehen, dass für eine allfällige rechtliche
Auseinandersetzung mit dem Kindsvater der dauernde Aufenthalt der Beschwerdeführerin
in der Schweiz nicht erforderlich ist und sie sich in der Schweiz vertreten lassen kann.
Ebenso liegen keine aktuellen Belege vor, dass der Gesundheitszustand des Sohnes eine
Ausreise derzeit nicht zulassen würde. Im Weiteren gilt es festzuhalten, dass sich die
Beschwerdeführerin erst seit rund 20 Monaten in der Schweiz aufhält und in Ungarn den
grössten Teil ihres Lebens verbracht hat, weshalb keineswegs von einem langen und
lebensprägenden Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Schweiz gesprochen werden
kann. Zudem ist die Beschwerdeführerin sozialhilfeabhängig und es liegen keine Hinweise
für eine gute Integration vor. Auch wenn die Wiedereingliederung im Heimatland mit
Schwierigkeiten verbunden sein kann, ist davon auszugehen, dass ihrer Rückkehr keine
unüberwindlichen Hindernisse entgegenstehen. Im Übrigen hat die Beschwerdeführerin die
Möglichkeit, gestützt auf einen neuen Arbeitsvertrag ein neues Gesuch für eine
Aufenthaltsbewilligung zu stellen. Insofern sind keine Gründe ersichtlich, die darauf
schliessen lassen würden, dass sich das Schicksal der Beschwerdeführerin von denjenigen
anderer Ausländer-/innen in vergleichbaren Situationen abhebt. Demzufolge wurde ihr zu
Recht auch keine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit b AIG erteilt.
6. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung der
Beschwerdeführerin und ihre Wegweisung aus der Schweiz nicht zu beanstanden sind. Die
Seite 9
Beschwerde ist damit abzuweisen. Da die der Beschwerdeführerin durch die Vorinstanz
angesetzte Frist zum Verlassen der Schweiz schon lange abgelaufen ist, gilt es eine
angemessene neue Ausreisefrist anzusetzen (Art. 64d Abs. 1 AIG). Im vorliegenden Fall
erscheint eine Ausreisefrist bis zum 31. August 2019 als gerechtfertigt. Sollte allerdings ein
Weiterzug dieses Urteils an das Bundesgericht erfolgen und Letzteres dem Rechtsmittel
aufschiebende Wirkung verleihen, hat die Beschwerdeführerin sich binnen zweier Monate
ab dem Datum eines den Wegweisungspunkt nicht ändernden bundesgerichtlichen
Endentscheids aus der Schweiz zu entfernen.
7. Nach Art. 19 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor
Obergericht gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf
dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Der Beschwerdeführerin ist ausgangsgemäss
eine Entscheidgebühr aufzuerlegen, wobei eine Gebühr von Fr. 1‘500.00 als angemessen
erscheint (Art. 4a des Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen [bGS 233.2]).
Diese ist im Rahmen der unentgeltlichen Prozessführung der Staatskasse zu belasten,
unter Vorbehalt der Rückerstattungspflicht nach Art. 25 Abs. 3 VRPG.
8. Der Beschwerdeführerin wurde für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gewährt. Gemäss Art. 23 der Verordnung über den Anwaltstarif (AT,
bGS 145.53) entschädigt der Staat diese nach dem notwendigen Zeitaufwand. Das
Honorar beträgt Fr. 170.-- je Stunde plus Mehrwertsteuer (Art. 24 Abs. 1 aAT i.V.m. Art. 27
AT). Der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin hat eine Kostennote von Fr. 2‘361.85 (inkl.
7.7% MWSt.) eingereicht, was angesichts ausgewiesenen Bemühungen als angemessen
erscheint. Dieser Betrag ist der Staatskasse zu belasten, unter Vorbehalt der
Rückerstattungspflicht nach Art. 25 Abs. 3 VRPG.
Seite 10