Decision ID: a5c6460c-f298-4be4-a343-133b5a829511
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach 29,
8887 Mels,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 21. Dezember 2008 aufgrund von Rückenbeschwerden bei
der IV-Stelle der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. In ihrer seit 1996 ausgeübten
Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin bei der Firma B._ AG sei sie seit 18. Juli 2008
zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 1-1 ff.).
A.b Im Bericht vom 21. Oktober 2008 nannte der Hausarzt der Versicherten, Dr. med.
C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, folgenden Diagnosen: Lumbospondylo
genes Schmerzsyndrom links nach mikrochirurgischer Fensterung, Sequesterektomie
und Nukleotomie S1/L5 links im August 2008. Die Versicherte leide seit Jahren an einer
lumbalen Schmerzsymptomatik mit Ausstrahlung ins linke Bein. Im Juli 2008 habe eine
Exazerbation der Beschwerden stattgefunden. Vom 18. August bis 23. August 2008 sei
die Versicherte zur stationären Behandlung in der Neurochirurgie des Kantonsspitals
St. Gallen gewesen. Postoperativ hätten die Schmerzen lumbal mit Ausstrahlung ins
linke Bein wieder zugenommen. Es bestehe seit 18. Juli 2008 eine 100%-ige Arbeits
unfähigkeit (IV-act. 5-1 ff.)
A.c Im Gesprächsprotokoll vom 21. Januar 2009 zog der Hausarzt der Versicherten
eine somatoforme Komponente in Betracht. Er gehe jedoch eher davon aus, dass die
Versicherte ihre ursprüngliche Arbeitsfähigkeit wieder erlangen könne (IV-act. 14). In
einer Aktennotiz vom 24. Februar 2009 hielt der Regionalärztliche Dienst der IV-Stelle
(RAD) fest, der Hausarzt der Versicherten habe eine Symptomausweitung im Sinn von
zusätzlichen Kopfschmerzen festgestellt. Er halte eine somatoforme Schmerzstörung
für wahrscheinlich. Er mute der Versicherten eine mindestens 50%-ige, schnell steiger
bare Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, bis fallweise mittelschweren rücken
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schonenden Tätigkeit zu (IV-act. 18). In der Folge prüfte die IV-Stelle berufliche Mass
nahmen (IV-act. 28-1 ff.). Am 27. April 2009 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
Arbeitsvermittlung. Die Versicherte fühle sich derzeit nicht in der Lage, einer geregelten,
leidensadaptierten Tätigkeit nachzugehen (IV-act. 31).
A.d Im Verlaufsbericht vom 9. Juni 2009 nannte der Hausarzt folgende Diagnosen:
V.a. posttraumatische Belastungsstörung mit Somatisierung seit 2008; persistierendes
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links seit 2008. Aktuell zeige sich ein pan
vertebrales Schmerzsyndrom mit verschiedenen vegetativen Beschwerden. Die Be
funde liessen sich objektiv nicht klar definieren. Nach der operativen Sanierung im
Kantonsspital St. Gallen sei es im September 2008 zu einer erneuten Schmerzsympto
matik gekommen, für die sich bisher kein eindeutiges klinisches Substrat gefunden
habe. Die Beschwerden hätten von Monat zu Monat zugenommen. Im Dezember 2008
sei der Schwiegersohn an einer cerebralen Blutung gestorben. Anschliessend habe die
Versicherte an rezidivierenden Kopfschmerzen gelitten. Es hätten sich zudem ver
schiedene vegetative Beschwerden eingestellt. Ende Jahr habe der ehemalige Arbeit
geber Insolvenz angemeldet. Im Februar 2009 sei die Mutter der Versicherten ver
storben, was ebenfalls eine Verschlechterung des Allgemeinzustands mit sich gebracht
habe. Die Versicherte sei bei Dr. med. D._ in psychotherapeutischer Behandlung. In
ihrer angestammten Tätigkeit sei sie zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 32-3 ff.).
A.e Im Bericht vom 29. Juni 2009 diagnostizierte Dr. med. D._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Chefarzt Klinik X._, eine Anpassungsstörung mit Angst und
Depression gemischt (ICD-10: F 43.22), schleichend entwickelt seit Dezember 2008. Er
habe eine medikamentöse Therapie sowie regelmässige Gesprächstherapie empfohlen.
Insgesamt handle es sich aber doch um ein psychosomatisches Leiden. Eine stationäre
Behandlung sei dringend notwendig (IV-act. 33-6 ff.). Im Verlaufsbericht vom 6.
Oktober 2009 beschrieb Dr. D._ den Gesundheitszustand der Versicherten als
stationär. Sie habe sich in der Zwischenzeit in der Klinik Valens aufgehalten, wobei sich
ihr psychischer Zustand nicht gebessert habe. Die Arbeitsfähigkeit sei um ca. 40% ein
geschränkt (IV-act. 36). Nachdem am 1. Dezember 2009 der Bericht der Klinik Valens
vom 23. November 2009 bei der IV-Stelle einging (IV-act. 40), empfahl der RAD am
2. Dezember 2009 eine polydisziplinäre MEDAS-Begutachtung (IV-act. 41).
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A.f Im polydisziplinären Gutachten der MEDAS-Ostschweiz vom 7. Mai 2010 kamen
die Gutachter zum Schluss, dass bei der Versicherten aus somatischer Sicht in einer
adaptierten Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe (IV act. 47-16).
Der psychiatrische Gutachter nannte folgende Diagnosen: Chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Formen (ICD-10: F45.41; Hypochondrische Störung
(ICD-10: F45.2); Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F32.11/32.2).
In der Gesamtbeurteilung attestierten die Gutachter der Versicherten aufgrund der
psychischen Befunde in einer körperlich adaptierten Tätigkeit eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 40% seit 17. Juli 2008 (IV-act. 47-16 ff.).
A.g Mit Vorbescheid vom 28. September 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, einen Anspruch auf Rentenleistungen zu verneinen (IV-act. 51-1 ff.). Dagegen
erhob Rechtsanwalt lic. iur. R. Braun in Vertretung der Versicherten am 2. November
2010 Einwand (IV-act. 55 ff.). Am 7. Dezember 2010 verfügte die IV-Stelle unter
Hinweis auf die Rechtsprechung betreffend die somatoforme Schmerzstörung im Sinn
des Vorbescheids (IV-act. 56).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. R. Braun in Ver
tretung der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 21. Januar 2011. Die Verfügung
vom 7. Dezember 2010 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be
schwerdegegnerin aufzuheben. Der Beschwerdeführerin sei ab Juli 2009 mindestens
eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Zudem sei der Beschwerdeführerin die unent
geltliche Rechtspflege inklusive der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu
gewähren. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, die
Beschwerdegegnerin sei zu Unrecht von der im MEDAS-Gutachten attestierten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40% abgewichen. Entgegen der Auffassung
der Gutachter habe sie die Überwindbarkeit der psychischen Beschwerden bejaht und
damit eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit angenommen. Sodann habe die
Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen. Bei einer 40%-
igen Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit resultiere aus dem Einkommensvergleich
jedenfalls ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% (act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 24. Februar 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Aus somatischer Sicht bestehe für körperlich leichte
wechselbelastende Tätigkeiten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Hinsichtlich
der psychiatrischen Diagnosen seien die Grundsätze der bundesgerichtlichen Recht
sprechung betreffend somatoforme Schmerzstörungen anwendbar. Mit der im Wesent
lichen mittelgradigen depressiven Episode liege keine psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer zur chronischen Schmerzstörung vor. So
dann seien auch die weiteren Kriterien, die den rechtlichen Schluss auf einen invalidi
sierenden Gesundheitsschaden gestatteten, nicht hinreichend gehäuft und ausgeprägt
erfüllt. Es resultiere daher eine volle Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten.
Sodann bestünden keine direkt mit der Art der gesundheitlichen Beeinträchtigung
im Zusammenhang stehende lohnwirksame Umstände, welche einen Abzug vom
Tabellenlohn rechtfertigten. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 59'729.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 59'197.-- resultiere ein Invaliditätsgrad von gerundet 1%
(act. G 3).
B.c Mit Replik vom 25. März 2011 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Ergänzend führt sie aus, im MEDAS-Gutachten sei zur invalidisierenden Wirkung der
somatoformen Schmerzstörung explizit Stellung genommen worden. Es bestehe daher
kein Anlass, von den Schlussfolgerungen im Gutachten abzuweichen. Die Beschwerde
gegnerin gehe davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Begutachtungszeitpunkt
lediglich an einer mittelgradigen depressiven Episode gelitten habe. Im Gutachten sei
jedoch die Diagnose einer mittelgradig bis eventuell knapp schwergradigen
depressiven Episode plausibel begründet worden. Selbst wenn bei der
Beschwerdeführerin "nur" eine mittelgradige depressive Episode vorgelegen haben
sollte, müsse zur Beurteilung der Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung der Einzelfall betrachtet werden. Es könne nicht einfach darauf
verwiesen werden, dass das Bundesgericht eine mittelgradige depressive Episode in
mehreren Urteilen nicht als erhebliche psychische Komorbidität angesehen habe.
Sodann sei bei der Invaliditätsbemessung aufgrund der Angaben der ehemaligen
Arbeitgeberin von einem Valideneinkommen von Fr. 62'036.-- auszugehen. Nicht
nachvollziehbar sei zudem das Invalideneinkommen. Dieses betrage gemäss den
Tabellenlöhnen im privaten Sektor und im Anforderungsniveau 4 bei einer bestrittenen
Arbeitsfähigkeit von 100% Fr. 51'368.-- (angepasst an die durchschnittliche Arbeitszeit
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von 41.6 Stunden). Nicht zu folgen sei der Beschwerdegegnerin zudem, wenn sie einen
Abzug vom Tabellenlohn verneine. Da die Beschwerdeführerin lediglich noch körperlich
leichte und wechselbelastende Arbeiten ohne Zwangshaltung verrichten könne, über
keine Ausbildung und mangelnde Deutschkenntnisse verfüge, sei der Tabellenlohn um
mindestens 10% herabzusetzen (act. G 8).
B.d Mit Duplik vom 4. April 2011 führt die Beschwerdegegnerin aus, die Bestimmung
des Invalideneinkommens sei von der Beschwerdeführerin zu Recht bemängelt
worden. Der entsprechende Tabellenlohn im privaten Sektor in einfachen und
repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) liege bei Fr. 51'368.--. Aus der
Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen resultiere immer noch ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von rund 14%. Im Übrigen werde an den
Ausführungen und dem Antrag der Beschwerdeantwort festgehalten (act. G 10).
B.e Bereits am 24. Februar 2011 bewilligte die Abteilungspräsidentin das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege in Form der Befreiung von Gerichtskosten und der unent
geltlichen Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt lic. iur. R. Braun (act. G 5).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2012 ist der erste Teil der 6. Revision der Invalidenversicherung in Kraft
getreten. In zeitlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die bei Erlass des ange
fochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu
den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V 467
E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtene
Verfügung am 7. Dezember 2010 und somit vor Inkrafttreten der IV-Revision 6a er
lassen. Die übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen im vorliegenden Fall ohnehin
keine materiell-rechtlichen Folgen, weshalb nachfolgend die zum Zeitpunkt des Ver
fügungserlasses anwendbaren Bestimmungen wiedergegeben werden.
2.
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2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die voraus
sichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zu
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein
gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a);
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b); und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).
2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens
zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht An
spruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine
Viertelsrente.
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Be
schwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls
auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen
festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuver
lässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be
schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Dar
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legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
3.1 Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Be
schwerdeführerin auf Rentenleistungen zu Recht verneint hat.
3.2 Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 7. Mai 2010 stützt seine Beurteilung
auf sämtliche Vorakten, die persönlichen Befragungen der Beschwerdeführerin und die
rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen vom 1. und 2. März 2010 (IV-
act. 47-1 ff.). Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 47-13 ff.):
- Chronifiziertes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links und mögliches
residuelles Lumboradikulärsyndrom S1 links mit Schmerzausweitung im Sinn eines
diffusen, generalisierten "Hemischmerzsyndroms" links
o Mikrochirurgische Fensterung, Sequesterektomie und Nukleotomie L5/S1
19.08.2008 wegen medio-lateralem Nucleus pulposus-Prolaps L5/S1 mit Kompression
der Nervenwurzel links mit sensomotorischem lumboradikulärem Ausfallsyndrom S1
links
o Facettengelenksinfiltration L5/S1 links 09/08 und 01/09 (ohne Effekt)
o Periradikuläre Nervenwurzelinfiltration S1 links 04/09 (ohne Effekt)
o Sakroiliakalgelenksinfiltration links 01/09 (ohne Effekt)
o Residuelle Diskusprotrusion L5/S1 links mit Tangierung der Nervenwurzel S1 links
(MRI 12.03.2009)
o Spondylose der mittleren/distalen LWS
o Muskuläres Deconditioning
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- Chronische Cephalea, DD Spannungskopfschmerz, medikamenten-induzierter Kopf
schmerz
- Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Formen (ICD-10
F45.41)
- Hypochondrische Störung (ICD-10: F45.2)
- Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.11/32.2).
4.
4.1 Von der Beschwerdeführerin nicht bemängelt wird die Arbeitsfähigkeitsschätzung
aus somatischer Sicht gemäss MEDAS-Gutachten von 100% in einer körperlich
leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Arbeiten in Wirbelsäulenzwangshaltung
und Heben/Tragen von Lasten über 10-12.5 kg. Im Vordergrund hätten diffuse, nicht
auf lokalisierte organische Strukturen begrenzte Druckdolenzen im Bereich der
gesamten linken Körperseite und panvertebral bei ängstlich vermeidendem
Schmerzmuster bei der Untersuchung und deutlichen Zeichen eines nichtorganischen
Krankheitsverhaltens gestanden. In den wiederholt durchgeführten bildgebenden
Untersuchungen hätten sich keine Hinweise für ein Diskushernienrezidiv gefunden. In
der 03/09 durchgeführten MRI-Verlaufsuntersuchung habe sich eine kleine
linksparamediane Diskusprotrusion L5/S1 mit Kontakt zur Nervenwurzel S1 links ohne
Kompression derselben gefunden. Auf eine zunehmende Schmerzgeneralisation sei
bereits im Bericht der Rehabilitationsklinik Valens hingewiesen worden. Ein operatives
Prozedere sei von neurochirurgischer Seite abgelehnt worden (IV-act. 47-16). Sodann
sei auf die Schmerzausweitung und Selbstlimitierung der körperlichen
Leistungsfähigkeit der Versicherten hinzuweisen. Es sei eine deutliche Diskrepanz
zwischen den von der Beschwerdeführerin geschilderten subjektiven Beschwerden und
den objektivierbaren klinisch/radiologischen Befunden festgestellt worden (IV-act.
47-18).
4.2 Aufgrund der medizinischen Aktenlage ist die Arbeitsfähigkeitseinschätzung be
treffend die somatischen Beschwerden nicht in Frage zu stellen. Auch der Hausarzt
wies in seinem Bericht vom 9. Juni 2009 darauf hin, dass für die Schmerzsymptomatik
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bisher kein eindeutig klinisches Substrat habe gefunden werden können (IV-act. 32-5).
Die Ärzte der Klinik Valens führten im Bericht vom 23. November 2009 aus, es bestehe
von somatischer Seite her eine ausgeprägte Schmerzsymptomatik lumbal mit Aus
strahlung in den Ober- und Unterschenkel sowie den Fussrand lateral links und in den
lateralen Oberschenkel rechts. Die lumbale Stabilität sei deutlich vermindert, sodass
von einer eingeschränkten Belastbarkeit der Wirbelsäule ausgegangen werden müsse.
Zudem habe die Beschwerdeführerin starke Kopfschmerzen angegeben. Körperlich
schwere Arbeit sowie Arbeiten unter Zeitdruck seien ihr nicht mehr möglich (IV-act.
40-3). In Übereinstimmung mit der Einschätzung der MEDAS-Gutachter kamen die
Ärzte der Klinik Valens zum Schluss, dass aus medizinisch-theoretischer und rheuma
tologischer Sicht nichts gegen eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ganztags
spreche (IV-act. 40-4).
4.3 Im psychiatrischen Consiliargutachten wurden eine chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Formen (ICD-10 F45.41), eine hypochondrische
Störung (ICD-10: F45.2) sowie eine mittelgradige bis schwere depressive Episode
diagnostiziert (ICD-10: F32.11/32.2). Die Gutachter kamen zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund des depressiven Syndroms mit
Konzentrationsstörungen, ängstlichem Vermeidungsverhalten, verminderter Lärm-,
Schmerz- und Stresstoleranz, motorischer Verlangsamung, Denkstörungen, rascher
Ermüdbarkeit zu 40% vermindert arbeitsfähig sei (act. 47-16 ff.). Umstritten ist, ob
aufgrund der psychischen Beschwerden von einem invalidisierenden
Gesundheitsschaden auszugehen ist, was nachfolgend zu prüfen ist.
5.
5.1 Nach der Rechtsprechung kommt einer anhaltenden somatoformen Schmerz
störung (ICD-10 F45.4) ebenso wie grundsätzlich sämtlichen pathogenetisch-
ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische
Grundlage (BGE 136 V 279 E. 3.2.3 S. 283) nur ausnahmsweise invalidisierender, d.h.
einen Rentenanspruch begründender Charakter zu (Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs.
1 und Art. 6 ATSG; grundlegend BGE 130 V 352). Entscheidend ist, ob und inwiefern
die versicherte Person über psychische Ressourcen verfügt, die es ihr erlauben, trotz
den subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.4
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S. 355; 127 V 294 E. 4b/cc in fine und E. 5a S. 299 unten). Umstände, die bei Vorliegen
eines solchen Krankheitsbildes die Verwertung der verbliebenen Arbeitskraft auf dem
Arbeitsmarkt als unzumutbar erscheinen lassen können, sind: Eine Komorbidität im
Sinne eines vom Schmerzgeschehen losgelösten eigenständigen psychischen Leidens
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer, chronische körperliche
Begleiterkrankungen mit mehrjährigem Krankheitsverlauf bei unveränderter oder
progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, sozialer Rückzug, ein ver
festigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich
missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheits
gewinn), unbefriedigende Ergebnisse von konsequent durchgeführten Behandlungen
(auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitations
massnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten
Person (BGE 132 V 65 E. 4.2.2 S. 71; 130 V 352 E 2.2.3 S. 353 ff.;
Urteil 9C_1061/2009 vom 11. März 2010 E. 5.4.3.1.1). Umgekehrt sprechen u.a. eine
erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten
Verhalten oder der Anamnese, die Angabe intensiver in der Umschreibung vager
Schmerzen oder behauptete schwere Einschränkungen im Alltag bei weitgehend
intaktem psychosozialen Umfeld gegen das Vorliegen eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens (BGE 131 V 49 E. 2.1 S. 51; Urteil 9C_736/2011 vom 7. Februar
2012 E. 1.1).
5.2 Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Frage, ob eine festgestellte psychische
Komorbidität hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere der festgestellte
weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vorliegen, um gesamthaft den
Schluss auf eine im Hinblick auf eine erwerbliche Tätigkeit nicht mit zumutbarer
Willensanstrengung überwindbare Schmerzstörung und somit auf deren
ausnahmsweisen invalidisierenden Charakter zu gestatten, eine Rechtsfrage darstellt
(SVR 2008 IV Nr. 23 S. 71, I 683/06 E. 2.2).
5.3 Die fachärztlichen Stellungnahmen zum psychischen Gesundheitszustand und zu
dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotenzial bilden unab
dingbare Grundlage für die Beurteilung der Rechtsfrage, ob und gegebenenfalls inwie
weit einer versicherten Person unter Aufbringung allen guten Willens die Überwindung
ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft zumutbar ist oder
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nicht (BGE 130 V 352 E. 2.2.5 S. 355). Bei ihrer Einschätzung der psychischen
Ressourcen des Exploranden oder der Explorandin, mit den Schmerzen umzugehen,
haben die begutachtenden Ärzte notwendigerweise auch die massgebenden Kriterien
zu beachten (BGE 135 V 201 E. 7.1.3 S. 213; 130 V 352 E. 2.2.4 S. 355), sich daran zu
orientieren (Ulrich Meyer, Die Rechtsprechung zur Arbeitsunfähigkeitsschätzung bei
somatoformen Schmerzstörungen, in: Medizin und Sozialversicherung im Gespräch,
2006, S. 221). Insbesondere haben sie sich dazu zu äussern, ob eine psychische
Komorbidität oder weitere Umstände gegeben sind, welche die Schmerzbewältigung
behindern (SVR 2008 IV Nr. 23 S. 71, I 683/06 E. 2.2). Nicht erforderlich ist, dass sich
eine psychiatrische Expertise in jedem Fall über jedes einzelne der genannten Kriterien
ausspricht; massgeblich ist eine Gesamtwürdigung der Situation (SVR 2005 IV Nr.6 S.
21, I 457/02 E. 7.4 mit Hinweis, nicht publ. in: BGE 130 V 396).
5.4 Vorab ist festzuhalten, dass der Auffassung der Beschwerdegegnerin, dass bei
einer mittelgradigen depressiven Episode per se keine psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer zur chronischen Schmerzstörung
vorliege, nicht gefolgt werden kann. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung
kann auch die Diagnose einer mittelschweren depressiven Episode eine Invalidität
begründen (Urteile des Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.2, und
vom 20. Juni 2011, 9C_980/2010, E. 5.3). Zu prüfen sind daher stets die Verhältnisse
im konkreten Einzelfall.
5.5 Der psychiatrische Gutachter beurteilte die Beschwerdeführerin wie folgt (IV-
act. 47-12): In Übereinstimmung mit Dr. D._ sei er der Meinung, dass sich bei der
Beschwerdeführerin auf dem Boden der unerwarteten Kündigung während einer
"echten" Krankheit sowie infolge des Verlustes zweier nahestehender Angehöriger eine
Anpassungsstörung mit ängstlicher und depressiver Symptomatik seit Dezember 2008
entwickelt habe. Das depressive Syndrom sei aber aktuell gemäss den konsistenten
Angaben der Beschwerdeführerin gut mittelschwer, evtl. sogar knapp schwer und
dürfte nicht mehr spontan abklingen. Obwohl ursprünglich reaktiv, sollte es doch vom
Schweregrad her aggressiv pharmakotherapeutisch angegangen werden. Es drohe
eine Chronifizierung. Die Beschwerdeführerin mache nebst der affektiven-ängstlich-
depressiven Reaktion eine verheerende kognitive Konnotation ihrer Beschwerden. Sie
sei der vollen Überzeugung, dass sie die gleichen Voraussetzungen habe, wie der an
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einem Insult verstorbene Schwiegersohn und lasse sich trotz Kenntnis aller erfreulichen
Untersuchungsresultate nicht beruhigen. Im Gegenteil, sie traue den Ärzten zu, ihr
etwas zu verheimlichen oder eine gute Behandlung vorzuenthalten. Es bestehe eine
somatoforme Schmerzstörung gemäss ICD-10: F45.41, da eine somatische
Grundkrankheit vorhanden sei, die geklagten Beschwerden jedoch nicht mehr dem zu
erwartenden Verlauf entsprechen würden. Eine psychosoziale Überlagerung sei nicht
von der Hand zu weisen. Sodann präzisierte der Gutachter, es handle sich um die
Unterkategorie der somatoformen Schmerzstörung mit einer somatischen Komorbidität
(IV-act. 47-28). Des Weiteren führte er aus, es sei eine ausgewiesene psychische
Komorbidität in Form einer mittelschweren bis schweren depressiven Episode
vorhanden. Sie sei erheblich schwer und intensiv, aber dauere noch nicht lange. Sie sei
noch im Rahmen einer Anpassungsstörung nach Kränkung durch Kündigung und
Verlust zweier nahestehender Angehöriger zu sehen, gehe aber in ein chronifizierendes
Syndrom über. Der Rückzug sei noch nicht in allen Belangen des Lebens ausgewiesen,
man könne davon ausgehen, dass die Beschwerdeführerin sich im Rahmen der Familie
relativ wohl fühle. Die hypochondrische Störung dürfte einer missglückten aber
psychisch entlastenden Konfliktbewältigung im Sinn eines primären Krankheitsgewiss
entsprechen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne dieser aber nicht als verfestigt oder
therapeutisch nicht angehbar gelten. Die bisherigen Behandlungsergebnisse seien
unbefriedigend. Die Beschwerdeführerin sei insuffizient behandelt, jedenfalls mit der
bekannten Medikation (IV-act. 47-28). Betreffend den Verlauf wurde im
Gesamtgutachten festgehalten, die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40%
bestehe spätestens seit dem Untersuchungszeitpunkt (02.03.2010). Gemäss dem
Bericht von Dr. D._ vom 6. Oktober 2009 solle bereits damals eine Arbeitsunfähigkeit
im selben Umfang vorgelegen haben. Unter gesamthafter Würdigung des
Krankheitsverlaufs könne von einer mindestens 40%-igen Arbeitsunfähigkeit seit 18.
Juli 2008 ausgegangen werden, wobei vorübergehend auch eine volle
Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (IV-act. 47-16 f.).
5.6 Nachvollziehbar erscheint, dass sich bei der Beschwerdeführerin nach den
offenbar im November 2008 wieder aufgetretenen Rückenbeschwerden nach
operativer Sanierung im Juli 2008 (IV-act. 14-3), dem Tod ihres Schwiegersohns im
Dezember 2008 sowie dem Tod ihrer Mutter im Januar 2009 und dem Verlust ihres
Arbeitsplatzes per Ende Juni 2009 (IV-act. 33-7) im Laufe der Zeit eine depressive
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Symptomatik entwickelt hat. Plausibel ist zudem, dass sich die offensichtlich auch
durch psychosoziale Umstände ausgelöste depressive Symptomatik bis zum Zeitpunkt
der Begutachtung im März 2010 zu einem eigenständigen Leiden verselbständigt hat.
Der Ansicht der Gutachter, dass bereits seit 18. Juli 2009 (Ablauf des Wartejahrs) ein
aus psychischer Sicht invalidisierender Gesundheitsschaden bestanden haben soll,
kann indessen nicht beigepflichtet werden. Dr. C._ nannte im Bericht vom 9. Juni
2009 die Verdachtsdiagnose posttraumatische Belastungsstörung mit Somatisierung
seit 2008 (IV-act. 32-3). Dr. D._ stellte im Bericht vom 29. Juli 2009 erstmals eine
fachärztliche psychiatrische Diagnose. Die Beschwerdeführerin leide an einer
Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10: F 43.22), schleichend
entwickelt seit Dezember 2008. Abgesehen von leichten Konzentrationsstörungen
hätten sich unauffällige mnestische Funktionen gezeigt. Im formalen Denken sei die
Beschwerdeführerin eingeengt auf die eigenen Ängste, Befürchtungen und negativen
Zukunftsperspektiven, inhaltlich gebe es keine Hinweise auf Wahn, Halluzinationen
oder Ichstörungen. Im Affekt sei die Beschwerdeführerin leicht deprimiert, ängstlich,
verunsichert, die affektive Schwingungsfähigkeit sei leicht reduziert, affektiv
modulierbar, guter affektiver Rapport. Im Antrieb sei sie leicht vermindert, motorisch
wenig lebhaft. Es hätten sich keine Hinweise auf Selbst- oder Fremdgefährdung
gezeigt (IV-act. 33-7). Im Bericht der Klinik Valens vom 23. November 2009 führten die
Ärzte aus, durch die Anpassungsstörung mit Angst und Depression sei die
Beschwerdeführerin in Belastungssituationen wenig belastbar (IV-act. 40-3). Dr. D._
berichtete am 6. Oktober 2009, die Beschwerdeführerin sei in der Zwischenzeit
stationär in der Klink Valens gewesen, wobei sich ihr psychischer Zustand nicht
gebessert habe. Sie leide weiterhin unter leichten Konzentrationsstörungen,
Gedankeneinengung auf ihre Schmerzen, leichten Antriebsstörungen sowie leichter
psychophysischer Erschöpfung. Die Arbeitsfähigkeit sei um ca. 40% eingeschränkt.
Die Prognose sei weiterhin als offen zu bezeichnen (IV-act. 36-1). Zur Frage, ob die
geschätzte Arbeitsunfähigkeit mit der zumutbaren Willensanstrengung allenfalls
überwindbar wäre, äusserte sich Dr. D._ nicht. Insbesondere aufgrund des von Dr.
D._ im September 2009 echtzeitlich erhobenen Psychostatus mit im Wesentlichen
als leicht beschriebenen Befunden, erscheint die gutachterliche Annahme, dass bereits
vor dem Zeitpunkt der Begutachtung im März 2010 eine Komorbidität von erheblicher
Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer vorgelegen haben soll, nicht plausibel.
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Insofern kann im Zeitraum vor der Begutachtung durch die MEDAS-Ostschweiz im
März 2010 nicht von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden ausgegangen
werden.
5.7 Was den psychischen Zustand der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der MEDAS-
Begutachtung betrifft, ist folgendes festzuhalten: Im MEDAS-Gutachten wurde ausge
führt, dass die diagnostizierte mittelschwere bis schwere depressive Störung noch
nicht lange andaure. Sie sei noch im Rahmen einer Anpassungsstörung nach Kränkung
durch Kündigung und Verlust zweier nahestehender Angehöriger anzusehen. Es drohe
eine Chronifizierung (IV-act. 47-17). Die Prognose sei jedoch noch relativ gut, die Be
schwerdeführerin sei noch nicht adäquat behandelt worden (IV-act. 47-27). Vor diesem
Hintergrund ist die Bejahung einer Komorbidität durch die Gutachter in Frage zu
stellen. Denn offensichtlich hat die psychische Verfassung der Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der MEDAS-Begutachtung noch nicht einen langandauernden, chronischen
und therapeutisch nicht mehr angehbaren Zustand erreicht. Vielmehr scheint die
Anpassungsstörung aufgrund psychosozialer Faktoren im Vordergrund gestanden zu
haben. Sodann gingen die MEDAS-Gutachter davon aus, dass eine antidepressive
Therapie in ein bis zwei Monaten einen Effekt zeigen würde (IV-act. 47-17). Unter
diesen Umständen ist eine Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität,
Ausprägung und Dauer zu verneinen. Ferner sind auch die weiteren Kriterien, die gegen
eine willentliche Schmerzüberwindung sprechen würden, nicht hinreichend erfüllt. Ein
Rückzug in allen Belangen des Lebens ist gemäss MEDAS-Gutachten nicht
ausgewiesen. Ein primärer Krankheitsgewinn ist offenbar in der hypochondrischen
Störung zu erblicken. Allerdings erachteten die MEDAS-Gutachter diesen als nicht
verfestigt und therapeutisch noch angehbar. Sodann sehen die Gutachter den
unerfreulichen Behandlungsverlauf offenbar in der - jedenfalls medikamentös -
insuffizienten Behandlung (IV-act. 47-17).
5.8 Nach dem Gesagten waren die Kriterien für die Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung und den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess weder nach
Ablauf des Wartejahrs im Juli 2009 (Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG) noch im Zeitpunkt der
MEDAS-Begutachtung im März 2010 erfüllt. Für eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 7. Dezember 2010
finden sich in den Akten keine Hinweise; eine solche Änderung wurde von der
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Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Die Beschwerdegegnerin ist somit im
Zeitpunkt der Verfügung im Dezember 2010 zu Recht von einer 100%-igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen.
6.
6.1 Zu prüfen ist die in der angefochtenen Verfügung vorgenommene Invaliditäts
bemessung. Diese hat unbestritten mittels Einkommensvergleichs zu erfolgen.
6.2 Für die Ermittlung des Einkommens, welches die Versicherte ohne Invalidität er
zielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, was sie im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (BGE 129 V 222 E. 4.3.1). Da das Wartejahr
im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG mit dem Eintritt der - zeitlich und masslich ge
nügenden - Arbeitsunfähigkeit, definiert als "Einbusse an funktionellem Leistungsver
mögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich" (BGE 130 V 99 E. 3.2 mit Hin
weisen), beginnt, und ausgehend davon, dass sich das Rückenleiden im Juli 2008 mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit manifestiert hat und die Anmeldung im Dezember
2008 erfolgt ist (Art. 29 Abs. 1 IVG), sind bei einem allfälligen Leistungsanspruch ab Juli
2009 somit dem Einkommensvergleich die Lohnverhältnisse im Jahre 2009 zu Grunde
zu legen. Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hätte die
Beschwerdeführerin im Jahr 2009 ein Einkommen von Fr. 62'036.-- erzielt (IV-act. 20-3
f.). Das Valideneinkommen ist somit auf diesen Betrag festzusetzen.
6.3 Die Beschwerdeführerin war nach Eintritt des Gesundheitsschadens nicht mehr
erwerbstätig. Beim Invalideneinkommen ist daher auf die Tabellenlöhne der vom
Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) abzustellen (BGE 129 V 472 Erw. 4.2.1). Das Durchschnittseinkommen der
Hilfsarbeiterinnen gemäss Anhang 2 der Textausgabe IVG der Informationsstelle,
welche auf die LSE abstellt, belief sich im Jahr 2009 auf Fr. 52'457.--.
6.4 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
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erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 Erw. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 Erw. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalls ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 Erw. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 Erw. 4.2.3 mit Hinweisen).
6.5 Die Beschwerdegegnerin hat einen sogenannten Leidensabzug verneint. Vor
liegend erscheint es jedoch plausibel, dass der Wechsel von einer bisher mittel
schweren Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin (IV-act. 20-8) in eine nur noch leichte
Tätigkeit, die geringe Schulbildung und das Alter (Jg. 1955) der Beschwerdeführerin
sich nachteilig auf die Einkommenserzielung in einer Verweistätigkeit auswirken (vgl.
etwa Urteile des Bundesgerichts 9C_133/2011 vom 29. April 2011 E. 3.2, 9C_17/2010
vom 22. April 2010 E. 3.3.3). Unter diesen Umständen erscheint ein Leidensabzug von
10% angemessen. Das Invalideneinkommen ist somit mit Fr. 47'211.-- zu berück
sichtigen (52'457 x 0.9).
6.6 Bei der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 62'036.-- und eines
Invalideneinkommens von Fr. 47'211.-- resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr.
14'825.-- und somit ein nichtrentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 24%. Die
Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspruch zu Recht verneint.
7.
7.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2 Der Beschwerdeführerin wurde für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt. Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann sie
allerdings zur Nachzahlung verpflichtet werden (vgl. Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2
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VRP/SG). Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Ver
sicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1000.-- festgelegt. Die
Beschwerdeführerin ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihr die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen sind. Zufolge der Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) ist sie jedoch von deren Bezahlung
zu befreien.
7.3 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Es erscheint ein
Honorar von pauschal Fr. 3'000.-- inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer dem not
wendigen Aufwand als angemessen. Im Rahmen der unentgeltlichen Prozessführung
wird dieses Honorar um 20% reduziert (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist somit mit Fr. 2'400.-- zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP