Decision ID: 5eb8d162-e221-54a2-b9e8-a5d9ad816d5a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reichte am (...) November 2009 bei der Schwei-
zerischen Botschaft in Colombo ein schriftliches Asylgesuch ein und wurde
aufgrund der Wohnsitznahme in B._ am 14. Oktober 2014 auf der
dortigen Vertretung zu seinen Asylgründen angehört.
Dabei macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei am
(...) November 2006 von der Polizei in C._ festgenommen worden,
weil er der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten verdächtigt worden sei.
Nach einem gerichtlichen Beschluss vom (...) Dezember 2006 sei er frei-
gelassen worden. Danach sei er mehrere Male von einer ihm unbekannten
bewaffneten Gruppe bedroht worden. Sein (...) sei getötet worden, weil
dieser verdächtigt worden sei, ein Mitglied der Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) zu sein. Deshalb solle auch er – der Beschwerdeführer –
umgebracht werden. Am (...) Juni 2008 sei er von C._ nach
B._ gereist und sei jeweils in den Jahren 2011 und 2014 zwecks
Ferien nach Sri Lanka zurückgekehrt. Als Hauptgrund für sein Asylgesuch
gab er an, er habe Angst, von unbekannten Leuten mitgenommen zu wer-
den. Zudem wolle er die Kinder seines verstorbenen (...) finanziell unter-
stützen.
A.b Mit Verfügung vom 20. Mai 2015 verweigerte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer die Einreisebewilligung und lehnte das Asylgesuch ab.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
B.a Am 19. November 2015 reiste der Beschwerdeführer in die Schweiz
ein und suchte gleichentags erneut um Asyl nach.
Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei ethnischer Tamile und stamme
aus D._ Distrikt E._. (...) seiner (...) Geschwister sowie
seine (...) seien durch den Tsunami im Jahr 2004 ums Leben gekommen.
Vom (...) Juni 2008 bis am (...) September 2015 habe er als Gastarbeiter
in F._ gearbeitet. In den Jahren 2011 und 2014 sei er in den Ferien,
unter anderem auch zur medizinischen Behandlung, nach Sri Lanka ge-
reist.
Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, im Jahr 2011 hät-
ten Geheimdienstleute drei Mal seine Familie aufgesucht und sich nach
ihm erkundigt. Anlässlich der Befragung in B._ habe er zufolge
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Sprachschwierigkeiten und mangelndem Vertrauen seine Asylgründe nicht
frei erzählen können. Am 10. September 2015 sei er nach Sri Lanka zu-
rückgekehrt, weil er fünf Tage zuvor in F._ aus wirtschaftlichen
Gründen entlassen worden sei. Zu diesem Zeitpunkt sei auch sein Visum
für F._ ausgelaufen. Dank Bestechung habe er am Flughafen in
C._ keine Probleme gehabt. Als am (...) September 2015 seine
Verwandten bei ihm zu Besuch gewesen seien, seien (...) unbekannte
Leute gekommen und hätten ihn befragen wollen. Er habe ihnen mitgeteilt,
er sei soeben erst in Sri Lanka angekommen und würde sich in zehn Tagen
für eine Befragung zur Verfügung stellen. Eine dieser Personen habe erwi-
dert, er solle in zehn Tagen zum «(...)» kommen. Er vermute, dass sie ihm
Fragen zu seinem Cousin, welcher LTTE-Mitglied gewesen sei und beim
(...) der LTTE gearbeitet habe, hätten stellen wollen. In der Folge habe er
nicht mehr zu Hause übernachtet. Am vereinbarten Datum habe er sich
wegen der Hochzeit eines Nachbarn nicht beim «(...)» melden können. Ein
Beamter sei bei der Hochzeit aufgetaucht und habe ihn in ein Fahrzeug
zerren wollen. Dies sei jedoch nicht gelungen, da er – der Beschwerdefüh-
rer – geschrien habe, worauf viele Nachbarn gekommen seien. Er sei zu
einem Tempel gerannt und habe sich dort für eine Nacht versteckt. Am
nächsten Morgen sei er nach E._ gereist und dort acht Tage bei
einer (...) geblieben. Während dieser Zeit hätten sich unbekannte Leute in
seinem Heimatdorf nach ihm erkundigt. Am (...) Oktober 2015 sei er mit
seinem Pass ausgereist. Er habe die Beamten bei seiner Ausreise besto-
chen, weil sie ihn sonst aufgrund seiner Narben (...) festgenommen hätten.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer seine Identitätskarte im Origi-
nal, ein Schreiben eines Parlamentsmitglieds, eines Dorfvorstehers und ei-
nes Pfarrers, das Original eines Attests des Internationalen Komitee des
Roten Kreuzes (IKRK), diverse Todesscheine von Bekannten aus den Jah-
ren 2006 bis 2008, mehrere Zeitungsartikel mit englischer Übersetzung,
Röntgenbilder aus dem Jahr 2011 und einen Arztbericht der Radiologie
vom 6. Mai 2011 zu den Akten.
B.b Mit Verfügung vom 11. April 2017 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, die Rückkehr des Beschwerde-
führers nach Sri Lanka im September 2015 sei nicht glaubhaft, da er vage
Angaben zu seinem Aufenthalt gemacht und seine Aussagen immer wieder
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situativ angepasst habe. Er habe nicht aufzeigen können, weshalb die Be-
hörden ein Interesse an seiner Befragung haben könnten. Sein Verhalten,
wonach er aus Angst nicht zu Hause übernachtet habe, aber genau zehn
Tage später, am vereinbarten Termin, an der Hochzeit eines Nachbarn teil-
genommen habe und sich demnach öffentlich gezeigt habe, sei nicht nach-
vollziehbar. Die eingereichten Schreiben seien als Gefälligkeitsschreiben
zu werten, denen kein Beweiswert zukomme. Vor seiner Ausreise sei er
keinen asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen und
in den Jahren 2011 und 2014 habe er jeweils problemlos und legal nach
Sri Lanka ein- und ausreisen können. Der Vollzug der Wegweisung sei zu-
lässig, zumutbar und möglich.
B.c Mit Urteil E-2779/2017 vom 28. Juni 2018 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die gegen die Verfügung vom 11. April 2017 erhobene Be-
schwerde ab.
Zur Begründung führte das Gericht aus, die Vorinstanz habe die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers zu Recht als unglaubhaft und nicht asylrele-
vant beurteilt. Das erste Asylgesuch des Beschwerdeführers sei unange-
fochten in Rechtskraft erwachsen, weshalb nur noch Gründe, die danach
eingetreten seien, für die Beurteilung des zweiten Asylgesuches relevant
seien. An der Echtheit des eingereichten Arztberichts, welcher eine (...)
Behandlung im September 2015 in Sri Lanka belegen solle, sei zu zweifeln.
Im Briefkopf des Arztberichts stehe „G._“, statt „(...)“. Weder an der
BzP noch an der Anhörung habe der Beschwerdeführer die angebliche Be-
handlung vom (...) September 2015 vorgebracht. Stattdessen habe er eine
(...)behandlung von 2014 erwähnt. Sodann habe er nicht substantiiert dar-
legen können, weshalb er in Anbetracht der geltend gemachten Angst den-
noch an der Hochzeit teilgenommen habe. Insgesamt habe der Beschwer-
deführer seinen Aufenthalt in Sri Lanka von September bis Oktober 2015
nicht glaubhaft machen können.
Nachdem die Aussagen des Beschwerdeführers unglaubhaft ausgefallen
seien, er im Jahr 2006 vom Verdacht der Beteiligung an terroristischen
Aktivitäten freigesprochen worden sei und danach problemlos mehrfach
nach Sri Lanka ein- und ausreisen konnte, sei davon auszugehen, dass er
keine stark risikobegründenden Faktoren erfülle. Alleine aus der tami-
lischen Ethnie und der mehrjährigen Landesabwesenheit könne er keine
Gefährdung ableiten. Es ist daher nicht anzunehmen, dass ihm, selbst
unter Berücksichtigung seiner Narben (...) im Falle einer Rückkehr nach
Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
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C.
C.a Am 20. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein
Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung vom 11. April 2017 ein. Darin
machte er im Wesentlichen geltend, aufgrund der veränderten Sicherheits-
lage in Sri Lanka sei der Vollzug der Wegweisung unzumutbar.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer mehrere Zeitungsartikel
und Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige An-
gelegenheiten (EDA) ein.
C.b Mit Verfügung vom 20. Juni 2019 wies die Vorinstanz das Wiederer-
wägungsgesuch ab und erklärte die Verfügung vom 11. April 2017 für
rechtskräftig sowie vollstreckbar. Die Verfügung vom 20. Juni 2019 er-
wuchs unangefochten in Rechtskraft.
Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, trotz der Terroranschläge vom
21. April 2019 herrsche in Sri Lanka aktuell keine Situation wie Krieg, Bür-
gerkrieg oder allgemeine Gewalt, welche Rückkehrende generell gefähr-
den würde. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Medienberichte und
Reisehinweise würden zu keiner anderen Einschätzung führen, zumal aus
diesen kein persönlicher Bezug zu ihm ersichtlich sei. Schliesslich seien
auch auf individueller Ebene keine neuen Tatsachen erkennbar, die dem
Vollzug der Wegweisung entgegenstehen würden.
D.
Mit Eingabe vom 19. September 2019 reichte der Beschwerdeführer bei
der Vorinstanz eine als «Qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch, eventua-
liter Mehrfachgesuch, subeventualiter Revisionsgesuch» bezeichnete Ein-
gabe ein. Darin machte er im Wesentlichen geltend, inzwischen liege ein
Haftbefehl gegen ihn vor. Er werde von der «Terrorist Investigation Division
(TID)» aufgrund des Verdachts auf Beteiligung an terroristischen Aktivitä-
ten gesucht. Zudem bestätige sein Rechtsanwalt in dessen Schreiben,
dass er bereits im Jahr 2006 in Untersuchungshaft gewesen und vom
«H._» angehört worden sei. Er sei nur gegen Bezahlung einer Kau-
tion freigelassen worden. Einer erneuten Vorladung des Gerichts habe er
aus Angst keine Folge geleistet, weshalb er behördlich gesucht werde und
am 13. August 2019 ein Haftbefehl ausgestellt worden sei. Schliesslich
habe sich die Sicherheitslage in Sri Lanka verändert und es sei davon aus-
zugehen, dass der Rajapaske-Clan Ende Jahr die Macht ergreifen werde,
weshalb eine Rückkehr unzumutbar sei.
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Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer einen Haftbefehl vom
13. August 2019 und ein Schreiben seines Anwalts vom 21. August 2019
ein.
E.
Mit Verfügung vom 14. November 2019 qualifizierte die Vorinstanz die Ein-
gabe vom 19. September 2019 als Wiedererwägungsgesuch, wies das Ge-
such ab, erklärte die Verfügung vom 11. April 2017 für rechtskräftig sowie
vollstreckbar und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–. Gleichzeitig stellte sie
fest, einer allfällige Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu
und zog den als gefälscht qualifizierten Haftbefehl ein.
F.
Mit Eingabe vom 16. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung des
SEM vom 14. November 2019 sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzu-
lässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen
und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Prozessual sei ihm
die unentgeltliche Prozessführung und die amtliche Verbeiständung zu ge-
währen.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer diverse Zeitungsartikel und
eine Fürsorgebestätigung zu den Akten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2019 hiess die Instruktionsrich-
terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig
wies sie das Gesuch um Gewährung der amtlichen Verbeiständung ab.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
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(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.2 Dem Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 20. De-
zember 2019 die unentgeltliche Prozessführung gewährt, die Beschwerde
also nicht als aussichtslos qualifiziert. Dies steht einer Behandlung der vor-
liegenden Beschwerde im Verfahren nach Art. 111 Bst. e AsylG indes nicht
entgegen (vgl. dazu ausführlich Urteil des BVGer E-4923/2016 vom 9. Feb-
ruar 2017 E. 2.2).
4.
4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügt
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgrund einer unvollständigen
und unrichtigen Sachverhaltsabklärung.
4.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
4.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe die einge-
reichten Beweismittel nicht ernsthaft geprüft. Ihre Argumentation, wonach
sich seine Angaben im Rahmen des Auslandsgesuchs mit denjenigen sei-
nes Anwalts im Schreiben vom 21. August 2019 widersprechen würden,
sei haltlos. Er habe den Dolmetscher im Verfahren des Auslandsgesuchs
nicht gut verstanden und die Übersetzung sei fehlerhaft gewesen. Es sei
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willkürlich und falsch auf die Aussagen im Protokoll des Auslandsgesuchs
abzustellen. Sodann habe das SEM keine Beurteilung des Risikoprofils so-
wie der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorge-
nommen.
4.4 Die Vorinstanz überprüfte den eingereichten Haftbefehl und stellte ver-
schiedene Fälschungsmerkmale fest. Diese gab sie dem Beschwerdefüh-
rer – so weit möglich – bekannt. In der Rechtsmitteleingabe äussert sich
der Beschwerdeführer weder zu den festgestellten Fälschungsmerkmalen
noch reichte er weitere Beweismittel ein, die die Schlussfolgerung des SEM
in Frage stellen würden. Vor diesem Hintergrund besteht keine Veranlas-
sung, die Authentizität des Haftbefehls durch die Botschaft in Colombo
überprüfen zu lassen; der entsprechende Antrag ist abzuweisen.
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, das Protokoll des Auslandsge-
suchs könne aufgrund Verständigungsschwierigkeit nicht als Entscheid-
grundlage herangezogen werden, ist festzustellen, dass er die Richtigkeit
seiner Aussagen damals mittels Unterschrift bestätigte, womit er sich bei
seinen Aussagen zu behaften hat. Es wäre dem Beschwerdeführer unbe-
nommen gewesen, die Verfügung der Vorinstanz in jenem Verfahren anzu-
fechten und Verständigungsschwierigkeiten sowie eine fehlerhafte Proto-
kollierung geltend zu machen. Sodann verwies die Vorinstanz bezüglich
des Risikoprofils des Beschwerdeführers sowie die Zulässigkeit und Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges auf die Schlussfolgerungen in den
vorangegangenen Verfahren, insbesondere auf das Urteil E-2779/2017
vom 28. Juni 2018 und die Verfügung vom 20. Juni 2019 gegen die Ableh-
nung des ersten Wiedererwägungsgesuches. Dieses Vorgehen ist nicht zu
beanstanden, zumal eine Wiedererwägung nicht dazu dient, eine bereits
gewürdigte Sachlage erneut zu prüfen. Der Machtwechsel in Sri Lanka er-
folgte schliesslich erst nach Erlass der Verfügung vom 14. November 2019.
Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde von der Vorinstanz richtig und voll-
ständig festgestellt.
4.5 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet, weshalb keine
Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der diesbezügliche Antrag ist abzuwei-
sen.
5.
5.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
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innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren
nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
5.2 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
es würden keine Wiedererwägungsgründe vorliegen. Das Schreiben des
Anwalts vom 21. August 2019 sei als Gefälligkeit zu werten. Die Angaben
des Anwalts würden denjenigen des Beschwerdeführers im Auslandsge-
such sowie den damals eingereichten Gerichtsunterlagen widersprechen.
Aus den Akten des früheren Verfahrens gehe hervor, dass gegen den Be-
schwerdeführer keine Beweise vorgelegen hätten und er demnach am
(...) Dezember 2006 freigelassen worden sei. Im Schreiben des Anwalts
vom 21. August 2019 werde indes ausgeführt, dass der Beschwerdeführer
mehrmals vor Gericht habe erscheinen und seine Anwälte mehrere Einga-
ben hätten machen müssen, um ihn gegen Kaution freizubekommen.
Beim angeblichen Haftbefehl vom (...) August 2019 handle es sich offen-
sichtlich um eine Fälschung. Fälschungsmerkmale seien hinsichtlich des
Formats, dem Verhaftungsgrund und der Aushändigung auszumachen.
Weitere Details könnten nicht offengelegt werden, da ein Lerneffekt in an-
deren Verfahren vermieden werden solle. Der als gefälscht qualifizierte
Haftbefehl werde eingezogen.
Hinsichtlich des Risikoprofils des Beschwerdeführers und der aktuellen Si-
tuation in Sri Lanka könne auf das Urteil des BVGer E-2779/2017 vom
28. Juni 2018 sowie die Verfügung vom 20. Juni 2019 betreffend Ableh-
nung des Wiedererwägungsgesuches vom 20. Mai 2019 verwiesen wer-
den.
5.3 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, die
Vorinstanz habe das Vorliegen von Wiedererwägungsgründen zu Unrecht
verneint. Er werde vom TID wegen des Verdachts auf Beteiligung an terro-
ristischen Aktivitäten mittels Haftbefehl gesucht. Er sei bereits im Jahr 2006
aufgrund desselben Verdachts in Untersuchungshaft gewesen und nur ge-
gen Kaution freigelassen worden. Einer erneuten Vorladung des Gerichts
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habe er aus Angst keine Folge geleistet, weshalb am (...) August 2019 ein
Haftbefehl ausgestellt worden sei. Sein Rechtsanwalt, der ihn bereits im
Verfahren im Jahr 2006 vertreten habe, sei überzeugt, dass er bei einer
Rückkehr erneut in Untersuchungshaft genommen würde.
5.4 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Zur
Vermeidung von Wiederholungen kann vollumfänglich auf die zutreffenden
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Aus-
führungen in der Beschwerde sind offensichtlich nicht geeignet, zu einer
anderen Beurteilung zu führen. Sie beschränken sich im Wesentlichen auf
das Festhalten an der Echtheit des Haftbefehls und auf die bereits in den
vorangegangen Verfahren geltend gemachten Vorbringen, welche als un-
glaubhaft erachtet wurden. Weiter hat der Beschwerdeführer in den voran-
gegangenen Verfahren nie geltend gemacht, er habe nach seiner Freilas-
sung im Jahr 2006 eine weitere Vorladung des Gerichts erhalten und dieser
keine Folge geleistet. Sodann ist nicht nachvollziehbar, weshalb die sri-
lankischen Behörden eine angeblich seit Jahren gesuchte Person im Jahr
2019 erstmals mittels Haftbefehl suchen sollten. Aufgrund der Akten ent-
steht der Eindruck, der Beschwerdeführer versuche mit der Einreichung
eines gefälschten Dokuments und eines Gefälligkeitsschreibens, dessen
Inhalt im Widerspruch zu seinen Angaben steht, eine ihm in Sri Lanka dro-
hende Verfolgung zu belegen, nachdem es ihm in mehreren Verfahren
nicht gelungen war, eine solche glaubhaft zu machen.
Zu den weiteren in der Beschwerdeschrift aufgeführten Umständen und
Entwicklungen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka ist sodann
festzustellen, dass in keiner Weise erkennbar ist, wie sich diese zum heu-
tigen Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Sie sind je-
denfalls nicht geeignet, hinsichtlich der geltend gemachten Gefährdung im
Heimatstaat zu einer neuen Einschätzung zu gelangen. An dieser Feststel-
lung ändern auch die eingereichten Zeitungsartikel nichts.
5.5 Bezüglich der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs
der Wegweisung kann vollumfänglich auf die Ausführungen im Urteil
E-2779/2017 vom 28. Juni 2018 und die Verfügung vom 20. Juni 2019 ver-
wiesen werden. An diesen Einschätzungen vermögen der Regierungs-
wechsel vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri
Lanka nichts zu ändern.
5.6 Insgesamt liegen somit keine Wiedererwägungsgründe vor.
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Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 20. De-
zember 2019 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erhe-
ben.
(Dispositiv nächste Seite)
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