Decision ID: f26ce63e-18d2-47bd-a4cf-246d188f3838
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958
,
war vom
1.
Januar 2001
bis zur K
ündigung
per
30.
November 2007 (letzter Arbeitstag
4.
Dezember 2004)
bei der
Y._
AG als Monteur Trägermontage angestellt
(
Urk.
14/42)
.
Im Rahmen dieses Arbeits
verhältnisses war er bei der
AXA Stiftung Berufliche Vorsorge, Winterthur
berufsvorsorgeversichert (vgl.
Urk.
14/32).
Am
5.
Dezember 2004 erlitt er einen Verkehrsunfall
,
als ihm in
Z._
vor einem Rotlicht ein nachfolgendes Fahrzeug ins Heck seines Autos fuhr. Die Suva als zuständiger Unfallversicherer
erbrachte
die gesetzlichen
Leistungen (Heilungskosten und Taggeld)
und stellte diese
per 3
0.
November 2005 ein
.
Dieser Entscheid wurde
letztinstanzlich
m
it Urteil des Bundesgerichts U
_
422/0
6
vom 6.
Februar 2007 (
Urk.
14/24) bestätigt.
Am 1
5.
Dezember 2005
hatte
sich der Versicherte bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zu
m
Leistungsbezug an
gemeldet
(
Urk.
14/9). Mit V
erfü
gung vom 2
8.
November 2007 (
Urk.
7/31) verneinte die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Anspruch auf eine Invalidenrente
mit der Begründung
,
die angestammte Tätigkeit in der Trägermontage wie
auch
eine
angepasste Tätigkeit sei
en
voll zumutbar und der Einkommensvergleich
ergebe einen
I
nvaliditätsgrad von
19
%
.
Am
7.
Juni 2010 meldete sich der
mittlerweile
in sein Heimatland
A._
ausgewanderte Versicherte
e
rneut zum Leistungsbezug bei der Invalidenversiche
rung an (
Urk.
14/30).
Die nunmehr zuständige IV-Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA) stellte mit Vorbescheid vom
2.
April 2013 (
Urk.
14/108)
einen Anspruch auf eine ganze Rente ab
1.
Dezember 2006 und
-
da der A
ntrag am
7.
Juni 2010 gestellt worden
sei
-
die Ausrichtung der Rente ab 1.
Dezember 2010 in Aussicht. Der dagegen von
der
AXA erhobene E
inwand vom 2.
Mai 2013 (
Urk.
14/115)
führte zu keiner anderen Einschätzung, weshalb
die IVSTA mit Verfügung vom 2
1.
August 2013
im angekündigten Sinne entschied
(
Urk.
14/132, vgl.
Urk.
14/124). Die
von der AXA
dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
14/141) hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom
7.
September 2015
(
Urk.
14/183)
in dem Sinne
gut
, dass es
die Sache zur weiteren Abklärung
und anschliessender Neuverfügung an
die
Vorinstanz zurück
wies
. Nachdem die IVSTA ein Gutachten in der
B._
AG
veranlasst hatte
(
Expertise
vom
7.
Mai 2018,
Urk.
14/372)
,
sprach sie dem Versicherten
mit Verfügung
en
vom 2
3.
November 2018 (
Urk.
18/394
-395
)
ab
1.
Dezember 2010
eine halbe und ab
1.
Januar 2013 eine ganze Rente zuzüglich Kinderrenten zu
. Die dagegen
erhobene
Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom
1.
Oktober 2020 (
Urk.
14/419) ab.
1.2
Mit Schreiben vom 1
1.
Oktober
2018
(
Urk.
9/2/2) und 1
0.
Dezember 2020 (
Urk.
9/2/1)
lehnte die
AXA ihre Leistungspflicht
mit der Begründung ab,
dass der zeitliche Konnex zwischen de
r
bei
Austritt aus ihrer Versicherung per 30. November 2007
vorliegenden Arbeitsunfähigkeit
und der
erneuten
Arbeits
unfähigkeit ab
1.
Januar 2009 unterbrochen sei.
2.
Am
1
9.
Februar 2021
erhob der
Versicherte mit folgendem Rechtsbegehren Klage gegen die
AXA
(
Urk.
1 S. 2):
1.
Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger die versicherten Pensions
kassenleistungen nach Massgabe des Gesetzes und der Statuten ab Beginn der IV-Rente (Renten und Prämienbefreiung) zu gewähren.
2.
Eventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, die jährliche Invalidenrente samt Prämienbefreiung nach einer Wartefrist von 24 Monaten im
Umfang von jährlich
Fr.
27'240.--
samt 5
%
Zins ab
Klagetag
zu entrichten.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten.
Die
AXA
beantragte
am
1
9.
Mai 2021 (
Urk.
8)
die
Abweisung der
Klage. Nach
dem mit Verfügung vom
25.
Mai 2021 (
Urk.
10
) die Akten der IV-Stelle
beigezogen worden waren (
Urk.
1
4
), hielten
die Parteien
replicando
(
Urk.
17
) und
duplicando
(
Urk.
2
0)
an ih
ren Rechtsbegehren fest, was
zuletzt
dem Kläger am 2
3.
September 2021
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
21
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
24
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu
40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29 IVG). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG in Verbindung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss
Art.
23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40
%
invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevan
ten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetrete
ne
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrich
tung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorge
verhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
menhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusam
menhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (analoger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeein
flussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraus
sichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheits
schadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123
V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
1.3
Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt und sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Der Kläger
führte zur Klagebegründung aus (
Urk.
1 S. 3
),
die IV-Stelle habe am 2
8.
November 2007 und
damit
zu
einem
Zeitpunkt, als er noch im Arbeitsver
hältnis
mit
der Firma
Y._
AG
gestanden und bei der Beklagten versichert gewesen sei
,
eine 19%ige Invalidität
festgestellt. In der Zwischenzeit habe sich diese Sockelinvalidität von 20
%
ausgeweitet und zu vollen IV-Leistungen geführt
. D
er sachliche und zeitliche Zusammenhang sei dabei nicht unterbrochen worden
.
Bereits
in
der stationären Untersuchung
in der Klinik
C._
vom
2
8.
bis 3
1.
März
2007
sei
ein schweres chronisches depressives Syndrom
mit Somatisierung festgestellt
worden. D
ie neuropsychologische
n Tests
hätten
eindeutige Resultate im
dem
enziellen Bereich erbracht
und es
sei
erstellt, dass die demenzielle Entwick
lung schon damals eingesetzt habe
.
D
ieses
Gutachten des Klinikums
C._
sei für die
Beklagte
bindend.
Zwar habe d
a
s Bundesverwaltungsgericht
in Abrede gestellt, dass die
demenzielle Entwicklung bereits im Jahre 2007 kräftig eingesetzt habe. Das
Gericht ha
be
aber den Beginn der Entwicklung und die vorerwähnte
19
%ige Arbeitsunfähigkeit wegen dieser damal
s eingetretenen Demenz nicht in
Abrede gestel
lt. Die demenzielle Entwicklung sei in der Zwischenzeit fortgeschritten respektive die ursprüngliche Diagnose habe sich doch als wahr erwiesen und diese habe nach dem Gutachten, welches die IV-Stelle beim
B._
im Jahre 2018 in Auftrag gegeben habe, die definitive und verbleibende vollumfängliche Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit auf der Basis der demenziellen Entwicklung herbeigeführt
.
Sollt
e
an der demenziellen Entwicklung, die bereits damals zur 19%igen Invali
dität und am Schluss
zu
eine
r
ganze
n
Rente
geführt habe
, gezweifelt werden, so sei ein fachmedizinisches Gutachten anzufordern
(S. 4).
2.2
Die Beklagte
stellte sich demgegen
über auf den Standpunkt (
Urk.
8
S. 3
),
gemäss dem Gutachten des Klinikums
C._
vom 3
1.
März 2007 habe kein
plau
sibles Krankheitsgeschehen erhoben werden können und die
Gutachter
hätten
d
en Kläger als vollumfänglich
arbeitsfähig sowohl in der angestammten Tätigkeit a
ls auch in einer vergleichbaren
leichten bis mittelschweren körperlichen Tätigkeit
erachtet
.
Am
7.
Juni 2010 habe sich der Kläger erneut bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug angemeldet und im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums
D._
vom 1
2.
Oktober 2012 sei schliesslich erstmals die Diagnose Demenz gestellt worden. Das Bundesverwaltungsgericht, welches in diesem Zusammenhang geprüft habe, ob bereits in der Zeit vor dem 1
2.
Oktober 2012 eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe, habe festgehalten, dass gemäss dem polydisziplinären Gutac
hten des
B._
die Situation vor dem 1
2.
Oktober 2012 unklar sei (S. 4).
Es könne allenfalls geschätzt werden, dass unter der Annahme einer im Vordergrund stehenden Depression in dieser Zeit die Arbeitsfähigkeit bei etwa 50
%
gelegen habe
(ab 2009). Genauere Angaben hierzu seien
aber
nicht möglich. Aufgrund des s
chleichenden Krankheitsverlaufs
,
bei
dem eine Depression in eine Demenz münde, sei zwar davon auszugehen, dass der Kläger schon vor dem 12. Oktober 2012 in seinem Leistungsvermögen erheblich beeinträchtigt gewesen sei (S. 4).
W
eder
die Gutachter
des
B._
noch
das
Bundesver
waltungsgericht
hätten
eine frühere Arbeitsunfähigke
it als im Jahr 2009 festsetzen können.
Zusätzlich fehl
e
es
a
uch
am sachlichen Zus
ammenhang, da das
B._
erstmals ab dem Jahr 2009 überhau
pt von einer Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen
sei und
die Diagnose einer
Demenz erstmals im Oktober 2012 gestellt
worden sei
(
S. 6).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
ein zeitlicher und sachlicher Konnex
besteht
,
nach
dem d
er Kläger
bereits
Ende Dezember 2007
(Nachdeckung) aus
der beruflichen Vorsorge bei der Beklagten
ausgeschieden
war,
ihm
aber erst
ab 1.
Dezember 2010
eine Rente der Invalidenversicherung zugesprochen
worden ist
(
Verfügun
g
en
vom 2
3.
November 2018 [
Urk.
18/394
-395
] bestätigt durch das Urteil des
Bundesverwaltungsgericht
s
vom
1.
Oktober 2020
[
Urk.
14/419])
.
Dabei gilt es zu
beachten
, dass die Invalidenversicherung
zuvor aufgrund der Erstanmeldung
mit Verfügung
vom 2
8.
November 2007 (
Urk.
14/31)
ein
en
IV-Rentenanspruch rechtskräftig
verneint
hat
.
3.
3.1
Im Gutachten des
B._
vom
7.
Mai 2018, welches
auf Untersuchungen
in den Fachrichtungen Psychiatrie, Neuropsychologie, Innere Medizin, Orthopädie und Neurologie
basiert
,
hielten
die
Gutachter
fest
(
Urk.
14/372 S. 27),
der psychiatrische Untersuchungsbefund und die neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse und die fremdanamnes
tischen Angaben, nicht zuletzt auch die Informationen aus den Aktenunterlagen
,
liessen
beim Kläger
mit Sicherheit auf die Diagnose Demenz schliessen. In der Zusammenschau sei es zu einem deutlichen Leistungsabfall im Vergleich zu seinem früheren Funktionsniveau gekommen. Die inhomogene Verteilung der Symptome und die zum Teil erheblichen Fluktuationen seines mental-kognitiven Funktionsniveaus liessen an eine vaskuläre Komponente der Demenz denken. Hierfür spreche auch der MRT-Befund. Die zum Teil depressiv anmutenden Symptome seien quasi
als
neuropsychiatrisches Subsyndrom der Demenz zu interpretieren, was auch für die optischen Halluzinationen gelte. Zusammen
fassend
lasse
sich die Diagnose einer gemischten Demenz bestätigen, die dem klinischen Gesamteindruck nach und in Anbetracht der Qualität und Quantität der betroffenen Funktionen und deren Relevanz für den Alltag als mittelgradig eingeschätzt werden müsse. Trotzdem bedeutet diese Diagnose in diesem Stadium, dass dem Betroffenen keine Tätigkeit mehr zugemutet werden könne, da er
bereits mit einfachen Aufgaben überfordert
sei.
Die Arbeitsfähigkeit betrage
demnach für jede Art von Tätigkeit 0
%
.
Zum retrospektiven Verlauf der Arbeitsfähigkeit führten die Experten aus (S. 29), aus den Aktenunterlagen
lasse
sich nicht eindeutig rekonstruieren, ab wann die Symptome des Klägers eher einer Demenz als einer
Depression entsprochen hätten
. Im Gutachten vom 3
1.
März 2007 des Klinikum
s
C._
sei noch der Verdacht auf eine mittelgradig
e
depressive Störung geäussert worden. Ein CCT 2009 sei als normal
befundet
und im selben Jahr in einem psychiatrischen Bericht von einer
chronifizierten
schweren Depression mit zusätzlichen Anzeichen psychoorganischer Veränderungen gesprochen worden, bei der trotz der medika
mentösen Therapie keine Besserung habe erreicht werden können. Bereits 2010 sei gemeldet worden, dass der Kläger im Alltag auf Hilfe und Pflege Dritter angewiesen sei und es sei zunehmend von einer Wesensänderung berichtet worden. Im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums
D._
vom 12.
Okto
ber
2012
sei
schliesslich erstmals die Diagnose Demenz gestellt
worden
. Spätes
tens ab diesem
Zeitpunkt
sei
keine Arbeitsfähigkeit mehr anzunehmen. Für die Zeit davor bleib
e die Situation unklar und es könne
allenfalls geschätzt werden, dass unter d
er Annahme einer im Vordergrund
stehenden Depression in dieser Zeit die Arbeitsfähigkeit bei etwa 50
%
gelegen haben könnte (ab 2009).
Genau
ere Angaben
dazu seien
nicht möglich
.
3.2
Das Bundesverwaltungsgericht erwog im Urteil vom
1.
Oktober 2020 (
Urk.
14/419 E. 5.4), die Verwaltung habe zu Recht das polydisziplinäre Gutach
ten als beweiskräftig erachtet und auf die nachvollziehbare
n
Angabe
n
des
B._
abgestellt. Aufgrund der per 1
2.
Oktober 2012 mit überwiegender Wahrschein
lichkeit ausgewiesenen mittelgradigen Demenz, die eine Betätigung am Arbeits
markt verunmögliche
,
stehe dem Kläger mit Wirkung ab
1.
Januar 2013 eine ganze Invalidenrente zu.
Für die Zeit vor dem 1
2.
Oktober 2012 sei die Situation gemäss Gutachten unklar und es könne allenfalls geschätzt werden, dass unter der Annahme
einer im Vordergrund stehenden
Depression in dieser Zeit die Arbeits
fähigkeit bei etwa 50
%
gelegen
haben könnte (ab 2009). Genauere Angaben hierzu seien nicht möglich
. Aufgrund des schleichenden Krankheits
verlaufs, in dem eine
Depression in eine Demenz münd
e, sei ohne Weiteres davon auszugehen, dass der Kläger schon vor dem 1
2.
Oktober 2012 in seinem Leistungsvermögen erheblich beeinträchtigt gewesen sei. Dass 2018 retrospektiv zur Arbeitsfähigkeit von 2009 bis 2012 nur eine ungefähre Schätzung habe abgegeben werden können, liege in der Natur der Sache bzw. im schleichenden Verlauf der Demenzerkrankung begründet und schmälere die Beweiskraft des polydisziplinären Gutachtens nicht. Mithin sei auch auf die nachvollziehbare Schätzung des
B._
abzustellen (E.
5.5). Die Beweisschwierigkeiten hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeit, die sich aus dem schleichenden Krankheitsverlauf ergeben
würden, bei dem eine Depression
schliessli
ch in eine Demenz münde
, gingen
zu Lasten des
Klägers und es sei zu ergänzen
, dass die gutachterlich
geschätzte Arbeitsfähigkeit von 50
%
we
gen der Depression, die ab 2009
bis (am 1
2.
Okto
ber) 2012 mutma
sslich noch im Vordergrund gestanden habe, von
der
Verwal
tung vollumfänglich anerkannt worden sei (E. 5.7). Damit sei die angefochtene Verfügung auch mit Blick auf den Zeitraum vom
1.
Dezember 2010 bis 3
1.
Dezember 2012, für den eine halbe Invalidenrente gewährt worden sei, nicht zu beanstanden
und der Kläger habe im Übrigen seinerseits auch nicht explizit geltend gemacht, dass ihm in diesem Zeitraum eine höhere Invalidenrente zustehen würde (E. 5.8).
Eine weitere Abklärung erübrige sich in Anbetracht des beweiskräftigen polydisziplinären Gutachtens des
B._
und es sei ist nicht anzunehmen, dass 2020 oder 2021 retrospektiv genauere Angaben zur Arbeits
fähigkeit von 2009 bis 2012
erlangt werden könnten,
als die vorhandenen aus
dem Jahr
2018 (E. 5.9).
4.
4.1
Der
Beweiswert des
B._
-G
utachtens
wird von den Parteien im vorliegenden Verfahren zu Recht nicht
(mehr)
in Frage gestellt
.
Dazu
kann
einerseits
auf die zutreffenden Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts
verwiesen werden
(vgl. E. 3.2 hiervor).
Anderseits lagen d
en G
utachtern
auch sämtliche
Vorakten
seit Dezember 2004 und insbesondere auch alle relevanten Arztberichte aus
A._
vor (
vgl.
Urk.
14/372 S. 3 – S. 24).
Das
Gutachten
bildet
damit
auch
eine verlässliche und tragfähige Grundlage zu
r Einschätzung des
medizinische
n
Verlauf
s
seit dem rechtskräftigen Entscheid der IV-Stelle vom
28.
November 2007 (
Urk.
14/31),
mit dem sich
die Experten
eingehend
auseinander
gesetzt haben. D
em Gutachten
ist damit auch in dieser Hinsicht
B
eweiswert zuzuerkennen
und mit
dem Bundesverwaltungsgericht
kann davon ausgegangen werden
, dass
von neuen
Abk
lärungen auch
für den hier interessierenden Zeitraum
ab Ende 2007 keine
entscheidrelevanten
Resultate zu erwarten
sind, sodass
auf Weiterungen
zu verzichten ist
(
a
ntizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b
.).
4.2
Wie das Bundesverwaltungsgericht
zutreffend
festgehalten hat (vgl. E. 3.2 hiervor)
,
basiert die dem Kläger zugesprochene
ganze
Invalidenrente
auf der
Diagnose
einer
mittelgradigen Demenz
.
Die e
ntsprechende Diagnose wurde erst
mals
am
1
2.
Oktober 2012
gestellt und verunmöglicht seither dem Kläger eine
Betätigu
ng am Arbeitsmark
t.
E
in sachlicher Konnex zwischen dem
bei
Austritt aus der beruflichen Vorsorge bei der Beklagten im Dezember 2007
allenfalls vorhandenen depressiven Geschehen
und der rund fünf Jahre später am
1
2.
Oktober 2012
erstmals diagnostizierten mittelgradigen Demenz
lässt sich
aufgrund
der medizinischen Akten
damit
nicht herstellen. D
aran ändert
auch
nicht
s
,
dass
das
Bundesverwaltungsgericht
zu Gunsten des Klägers
die vorinstanzliche Einschätzung
insofern
unbeanstandet liess,
a
ls
retrospektiv
ab
2009
eine
Depression
und eine daraus hergeleitete
Arbeitsfähigkeit
von
50
%
berücksichtigt wurde
n
.
Denn
die
medizinischen
Expert
en
begründeten dies
damit
, dass im
Gehirn
-
CT vom 1
8.
Juni 2009 (
vgl.
Urk.
14/207)
noch
ein normaler
B
efund vorgelegen hat
und deshalb
das depressive Geschehen
als mutmasslich
im Vordergrund
stehend berücksichtigt wurde
.
Aber s
elbst wenn
die Symptome
der Depression und der Demenz sich
damit
t
eilweise überschnitten
haben sollten
und
der
Verlauf der Demenzerkrankung
schleichend
von
s
tattenging
, liefern
die medizinischen Berichte
jedenfalls
keine Anhaltspunkte
dafür, dass
eine
d
emen
z
ielle Entwicklung bereits
vor 2009
eingesetzt hat
.
D
amit ist nicht erstellt, dass der i
m Zeitpunkt
der Invalidität
ausschlaggebende
Gesundheitsschaden im
Wesentlichen derselbe ist,
wie er bereits während der Versicherungszeit bei der Beklagten
(bis Ende Dezember 2007)
vorgelegen hat
.
Der sachliche Konnex
(vgl. E. 1.3 hiervor) ist damit nicht
gegeben
, was zur Klageabweisung führt.
4.3
In Bezug auf den zeitlichen Konnex hat d
ie Beklagte zu
dem zu
Recht
darauf hingewiesen
, dass
die
IV-S
telle in ihrer Verfügung vom
2
8.
November 2007 (
Urk.
14/31)
erkannt hat, dass aufgrund der
damaligen
medizinischen
Abklärun
gen
dem
Kläger
keine Einschränkungen attestiert wurden, die ihn an einer vollzeitigen Verwertung seiner Arbeitsfähigkeit in
angestammte
r
und
angepasste
r
Tätigkeit
hinderten
.
Dieser Entscheid, welcher auch der B
eklagten eröffnet wurde, ist für die Parteien insofern bindend
,
als
im V
erfügungszeitpunkt
vom
2
8.
November 2007
der Eintritt
eine
r
invaliditätsrelevanten
Arbeitsunfähigkeit
ausgeschlossen wurde.
Während s
eitens der Beklagten
,
bei welcher der Kläger nur noch bis Ende Dezem
ber 2007 versichert war,
kein Anlass
bestand
,
den Entscheid anzufechten
,
hätte
es
dem Kläger freigestanden
,
den damaligen Entscheid
hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
überprüfen zu lassen
oder eine allfällige Verschlechterung
des Gesundheitszustandes
geltend zu machen.
Dies hat er
nicht getan und
die erneute Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
er
folgte
erst
am
7.
Juni 201
0.
Für
allfällige Beweisschwie
rigkeiten
, welche
aufgrund des Zeitablaufs
entstanden sind und mangels fehlen
der echtzeitlicher Berichte und Abklärungen nicht mehr
be
hoben werden können,
hat er
damit
selber einzustehen.
Dies gilt im
Zusammenhang mit dem zeitlichen Konnex respektive
dem Nachweis eines
zeitlichen Zusammenhangs einer
ununterbrochenen
Arbeitsunfähigkeit
von mindestens 20
%
(vgl. E. 1.3 hiervor)
, welcher
vorliegend nicht erbracht ist
.
Bei fehlendem sachlichen Konnex kann diese Frage letztlich
aber
offenbleiben.
4.4
Zusammenfassend ist damit gestützt auf die medizinischen Einschätzungen nicht erstellt, dass sich der invalidisierende Gesundheitsschaden bereits während der Vorsorgedeckung einschränkend auf die Arbeitsfähigke
it des Klägers
ausgewirkt hat. Der sachliche Zusammenhang zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ist damit zu verneinen. Die Beklagte ist demnach nicht leistungspflichtig, was zur Abweisung der Klage führt.