Decision ID: 7f8cc271-8168-48d0-bd4a-59bb3294e418
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli 2012 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 12). Sie gab an, sie habe keine Berufsausbildung
absolviert; zuletzt habe sie als Mitarbeiterin in einem Vollpensum für einen
Produktionsbetrieb für Elektrohaushaltsgeräte gearbeitet. Nebenbei sei sie während
fünf Stunden pro Woche als Reinigungsfrau tätig gewesen. Der Psychiater Dr. med.
B._ von der Klinik C._ berichtete im August 2012 telefonisch (IV-act. 23), die
Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt
infolge langdauernder rheumatologischer Schmerzen. Aus psychiatrischer Sicht
könnten ihr körperlich angepasste Tätigkeiten in einem Pensum von 50 Prozent
zugemutet werden. Der Internist Dr. med. D._ teilte im August 2012 mit (IV-act. 26–13
f.), die Versicherte leide an einer Discushernie C6/7 und L5/S1, an einer Depression
sowie an einem Status nach einem Carpaltunnelsyndrom links. Für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung entscheidend sei letztlich die psychiatrische Beurteilung.
Körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten seien der Versicherten in einem
Pensum von 50 Prozent zumutbar. Der Psychiater Dr. med. E._ berichtete im August
2013 (IV-act. 71), seit Januar 2013 sei es zu einer Beruhigung der depressiven
Symptomatik gekommen. Die weiter bestehenden Angstzustände seien milder
geworden und träten phasenweise nicht mehr auf. Aus psychiatrischer Sicht könne der
Versicherten die Aufnahme einer leidensadaptierten Tätigkeit in einem Vollpensum
zugemutet werden. Mit einer Mitteilung vom 9. Oktober 2013 wies die IV-Stelle das
Begehren der Versicherten um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 77). Mit einer
Verfügung vom 6. Januar 2014 wies sie auch das Rentenbegehren der Versicherten ab
(IV-act. 88).
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A.b Im Juli 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-
act. 90). Am 15. Juli 2014 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf (IV-act. 96), eine
relevante Sachverhaltsveränderung seit der Abweisung des letzten Leistungsbegehrens
glaubhaft zu machen. Andernfalls werde die IV-Stelle nicht auf die Neuanmeldung
eintreten. Der Hausarzt Dr. D._ gab am 18. Juli 2014 an, die Versicherte leide neu an
einem chronischen Husten, dessen Ätiologie noch nicht geklärt sei (IV-act. 97–1). Die
Klinik für Pneumologie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete am 22. Oktober 2014
(IV-act. 110–5 ff.), es handle sich um einen chronischen Husten ohne Auswurf und um
ein Asthma bronchiale mit einer komplett reversiblen leichten obstruktiven Ventilation.
In Bezug auf die Medikamenteneinnahme liege wohl eine Malcompliance vor. Aufgrund
der anamnestischen Angaben und der klinisch-anatomisch prädisponierenden
Verhältnisse enoral bestehe Grund zur Annahme, dass die Versicherte an einem
Schlafapnoesyndrom leide. Diesbezüglich würden noch weitere Untersuchungen
durchgeführt. Am 16. Dezember 2014 berichtete Dr. D._ (IV-act. 110–1 ff.), die
Versicherte leide an einem chronischen Husten, an einem Asthma bronchiale, an einem
chronischen Schmerzsyndrom und an einer Depression. Sie sei vollständig
arbeitsunfähig. Die Psychiaterin Dr. med. F._ teilte der IV-Stelle am 15. Januar 2015
mit (IV-act. 112), die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung
sowie an verschiedenen körperlichen Beschwerden. Die Medikamentencompliance sei
gemäss den Ergebnissen einer Kontrolle des Medikamentenspiegels sehr schlecht. Der
Versicherten sei eine regelmässige Einnahme der Medikamente und eine vorsichtige
berufliche Wiedereingliederung zu empfehlen. Die Versicherte gebe zwar an, dass sie
sich bei der Verrichtung der bisherigen Tätigkeit körperlich, geistig und psychisch
überfordert gefühlt habe, aber es müsste überprüft werden, inwieweit diese Angaben
zuträfen. Am 2. März 2015 berichtete die Klinik für Pneumologie des Kantonsspitals St.
Gallen (IV-act. 115), zwischenzeitlich seien ein obstruktives Schlafapnoesyndrom
nachgewiesen und eine CPAP-Therapie begonnen worden. Die Werte hätten sich in
der Folge verbessert. Sofern die Therapie weiterhin regelmässig durchgeführt werde,
sei die Prognose gut. Am 16. September 2015 teilte Dr. F._ der IV-Stelle mit, der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit der letzten Berichterstattung nicht
verändert (IV-act. 125).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinisches Gutachtenzentrum Region
St. Gallen (MGSG) GmbH am 6. Juni 2016 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 147).
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Der orthopädische Sachverständige hielt fest, die Versicherte leide an einer
Pseudocervicobrachialgie und an einer Pseudolumboischialgie. Bei der Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit habe sich eine mässige Symptomausweitung gezeigt.
Objektiv seien erhebliche konditionelle Einschränkungen, ein unsicheres Gleichgewicht
und eine starke Kyphose im cervico-thoracalen Übergang festgestellt worden. Die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit, die eine häufig inklinierte Körperhaltung erfordert habe, sei
wegen der Pseudocervicobrachialgie nur noch im Umfang von 60 Prozent zumutbar.
Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend
und stehend verrichtet werden könnten und die keine häufig inklinierte, reklinierte oder
rotierte Körperhaltung erforderten, seien im Umfang von 90 Prozent zumutbar. Der
psychiatrische Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an einer gemischten
Angst- und depressiven Störung sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
dissoziativen Störungen und an akzentuierten, einfach strukturierten und histrionischen
Persönlichkeitszügen. Aus rein psychiatrischer Sicht könne ohne Berücksichtigung der
körperlich begründbaren Beschwerden für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 60 Prozent (verwertbar in einem Vollpensum) zugemutet werden.
Für leidensadaptierte Tätigkeiten betrage die zumutbare Arbeitsfähigkeit 70 Prozent.
Als leidensadaptiert seien geistig einfache Tätigkeiten ohne eine erhöhte emotionale
Belastung, ohne einen erhöhten Zeitdruck, ohne eine besondere geistige Flexibilität,
ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne eine überdurchschnittliche Dauerbelastung
zu qualifizieren. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe in diesem Ausmass
seit Januar 2013. Mittels einer regelmässigen psychiatrischen und
psychotherapeutischen Behandlung, die mit einer antidepressiven Medikation
kombiniert werde, könne die Arbeitsfähigkeit innerhalb eines Jahres auf etwa 80
Prozent gesteigert werden. Der internistische Sachverständige hielt fest, aus
internistischer Sicht könnten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt werden. Aus polydisziplinärer Sicht sei für geistig einfache Arbeiten ohne eine
erhöhte emotionale Belastung, ohne eine Stressbelastung, ohne eine besondere
geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne eine
überdurchschnittliche Dauerbelastung eine Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent zu
attestieren. Die Tätigkeit müsse körperlich leicht sein und abwechslungsweise sitzend
und stehend verrichtet werden können und sie dürfe keine häufig inklinierte, reklinierte
oder rotierte Körperhaltung sowie kein Heben oder Tragen von Lasten über zehn
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Kilogramm erfordern. Am 30. Juni 2016 notierte Dr. med. G._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD), dass auf das Gutachten der MGSG GmbH
abgestellt werden könne (IV-act. 148). Mit einem Vorbescheid vom 6. Juli 2016 teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens
mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 151). Mit einer
Verfügung vom 3. Oktober 2016 wies sie das Rentenbegehren ab (IV-act. 156).
B.
B.a Am 4. November 2016 liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte
(nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 3.
Oktober 2016 erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer
vollen (recte: ganzen) Invalidenrente und eventualiter einer Teilrente mit Wirkung ab
dem 1. Januar 2013; subeventualiter sei die Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Weiter beantragte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Durchführung einer öffentlichen und
mündlichen Verhandlung und einer mündlichen Parteibefragung der
Beschwerdeführerin unter Beizug eines Dolmetschers. Zur Begründung führte er aus,
es sei fraglich, ob die Sachverständigen der MGSG GmbH die Beschwerdeführerin
hinreichend verstanden hätten, denn diese spreche sehr schlecht Deutsch. So fehle in
der Anamnese beispielsweise ein Hinweis auf die Nebenerwerbstätigkeit, die die
Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübt habe.
In den letzten Monaten hätten sich das Asthma und die Schlafstörungen
verschlimmert. Selbst wenn auf das Gutachten der MGSG GmbH abgestellt werden
könnte, würde unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von 15 Prozent ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 41 Prozent resultieren.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Januar 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, sie und auch die MGSG GmbH
hätten die Beschwerdeführerin vor der Begutachtung mehrfach darauf hingewiesen,
dass sie einen Dolmetscher verlangen könne. Von dieser Möglichkeit habe die
Beschwerdeführerin keinen Gebrauch gemacht. Der Beizug eines Dolmetschers wäre
denn auch nicht notwendig gewesen, denn gemäss den Ausführungen der
Sachverständigen der MGSG GmbH spreche die Beschwerdeführerin ausreichend
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Deutsch. Auch in den Berichten der behandelnden Ärzte fänden sich keine Hinweise
auf relevante Verständigungsprobleme. Zudem lebe die Beschwerdeführer mittlerweile
seit 43 Jahren im deutschsprachigen Raum. Die Sachverständigen der MGSG GmbH
hätten ihre Diagnosestellung und ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugend
begründet. Anhaltspunkte, die Zweifel an der Überzeugungskraft des Gutachtens
wecken würden, seien nicht ersichtlich. Im Übrigen sei die Diagnose einer gemischten
Angst- und depressiven Störung als im Grenzbereich dessen zu situieren, was
überhaupt noch als ein krankheitswertiges Leiden im Sinne des IVG qualifiziert werden
könne. Ein Tabellenlohnabzug komme nicht in Frage.
B.c Am 17. Januar 2017 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 6).
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 20. April 2017 an ihren Anträgen festhalten (act.
G 15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 17).
B.e Am 4. Juni 2018 liess die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin sowie eventualiter die Zusprache mindestens einer Viertelsrente
mit Wirkung ab dem 1. Januar 2013 beantragen (act. G 20). Der Eingabe lag ein Bericht
der psychiatrischen Klinik H._ vom 29. Mai 2018 bei (act. G 20.1.2). Darin war
festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin vom 17. Januar 2018 bis zum 29.
März 2018 behandelt worden sei. Sie habe an einer rezidivierenden depressiven
Störung mit einer schweren Episode, an einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren sowie an einem Analphabetismus gelitten. Im
Verlauf der Behandlung seien die depressiven Beschwerden in den Hintergrund
getreten. Die Beschwerdeführerin sei vor allem durch die psychosoziale Situation
belastet gewesen. Mit Unterstützung eines Hypnotikums und der CPAP-Maske habe
sich das Schlafverhalten verbessert. Gemäss zwei Berichten des Kantonsspitals St.
Gallen hatte die Beschwerdeführerin das Spital im August und Oktober 2017 zweimal
notfallmässig aufgesucht; beide Male hatten keine neuen relevanten Befunde erhoben
werden können (act. G 20.1.3 und G 20.1.4). In einem Bericht vom 18. Dezember 2017
hatte die Klinik für Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen festgehalten (act. G
20.1.1), die Beschwerdeführerin leide an einem chronischen Schmerzsyndrom bei einer
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Polyarthrose und einer rezidivierenden depressiven Störung. Man empfehle eine
multimodale stationäre Schmerztherapie und eine Gewichtsabnahme.
B.f Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. Juni 2018 erneut die Abweisung der
Beschwerde (act. G 22).
B.g Am 25. April 2019 liess die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf eine
Parteiverhandlung zurückziehen (act. G 25).

Erwägungen
1.
Bei der Anmeldung zum Leistungsbezug vom Juli 2014 hat es sich um eine sogenannte
Neuanmeldung im Sinne des Art. 87 Abs. 3 IVV gehandelt, was bedeutet, dass das
Eintreten darauf eine Glaubhaftmachung einer relevanten Sachverhaltsveränderung seit
der Abweisung des ersten Leistungsbegehrens vom Juli 2012 vorausgesetzt hat. Die
Beschwerdeführerin hat im Zusammenhang mit der Neuanmeldung zwar keine neue
Gesundheitsbeeinträchtigung glaubhaft gemacht, die beim Abschluss des ersten
Verwaltungsverfahrens noch nicht bekannt gewesen wäre. Ein Vergleich zwischen den
Angaben in den damals aktuellen medizinischen Akten und jenen in den Akten des
ersten Verwaltungsverfahrens hat aber den Verdacht wecken müssen, dass sich die
Beschwerden insgesamt nach der Abweisung des ersten Leistungsbegehrens
wesentlich intensiviert haben könnten. Damit ist eine relevante
Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht gewesen. Die Beschwerdegegnerin ist
deshalb zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten. Entgegen der vom
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin offenbar vertretenen Ansicht und entgegen
einer entsprechenden Praxis des Bundesgerichtes hat es sich beim in der Folge
eröffneten Verwaltungsverfahren nicht um ein Revisionsverfahren, sondern um ein
Verfahren zur Prüfung einer erstmaligen Rentenzusprache gehandelt. Der Art. 17 Abs. 1
ATSG regelt nämlich nur die Anpassung einer laufenden Rente an eine nachträgliche
Veränderung des Invaliditätsgrades und nicht etwa auch die „Anpassung“ eines aus
einer früheren formell rechtskräftigen Abweisung eines Rentengesuchs resultierenden
„Keinen-Anspruch-auf-eine-Rente-Habens“ an eine nachträgliche Veränderung des für
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die Invalidität massgebenden Sachverhalts. Das IVG und das ATSG enthalten keine
gesetzliche Grundlage, welche die „Anpassung“ einer solchen „Nichtrente“ regeln
würde. Ein solche „Anpassung“ ist auch gar nicht nötig, denn die Abweisung eines
Rentenbegehrens kann und darf ihre Wirkung nur für den Zeitpunkt der Abweisung und
nicht auch für die Zukunft entfalten, denn offenkundig kann weder die versicherte
Person noch die IV-Stelle ein schutzwürdiges Interesse an der Verbindlichkeit einer
Abweisung auch für die Zukunft haben. Das Konstrukt der „Anpassung“ einer
„Nichtrente“ würde nämlich dem Zweck des Verfahrensrechts, der Verwirklichung des
materiellen IV-Leistungsrechts zu dienen, geradewegs zuwiderlaufen; das
Verfahrensrecht würde dadurch – entgegen seinem Sinn und Zweck – eigentlich zu
einem „Verhinderungsrecht“ werden. Dass es dann doch nicht zu dieser
„Verhinderung“ der Durchsetzung des materiellen Leistungsrechts kommen muss, liegt
in der bundesgerichtlichen Interpretation des Art. 17 ATSG begründet: Das
Bundesgericht geht davon aus, dass der Sachverhalt in einem Revisionsverfahren
immer umfassend („... keine Bindung an frühere Beurteilungen ...“, vgl. BGE 141 V 9 E.
2.3 S. 11) überprüft werden müsse. Das Revisionsverfahren beschränke sich also nicht
auf die Anpassung der formell und materiell rechtskräftigen Zusprache einer
Invalidenrente (oder einer anderen Dauerleistung) mittels einer Verfügung, eines
Einspracheentscheides oder eines Gerichtsurteils an eine nachträgliche Veränderung
des renten- oder dauerleistungsrelevanten Sachverhalts, sondern bestehe auch in der
Korrektur von Fehlern bei der Sachverhaltsermittlung oder der Rechtsanwendung, die
schon bei der ursprünglichen Leistungsfestsetzung begangen worden seien (was –
auch für Gerichtsurteile – auf eine Wiedererwägung hinauslaufen würde, bei der zudem
die strengen Voraussetzungen des Art. 53 Abs. 2 ATSG nicht erfüllt sein müssten,
sofern die Korrektur ex nunc erfolge). Selbst wenn man also der Bundesgerichtspraxis
zur analogen Anwendbarkeit des Art. 17 ATSG auf Abweisungsverfügungen, -
einspracheentscheide und -urteile folgt, muss der Sachverhalt im vorliegenden Fall –
analog einem Verfahren zur Prüfung einer erstmaligen Rentenzusprache – (bei einer
Neuanmeldung automatisch ex nunc) umfassend neu geprüft werden (vgl. zum Ganzen
den Entscheid IV 2010/428 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 5. November
2012, E. 1.2).
2.
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2.1 Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem
Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach
der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert und deshalb
lediglich Hilfsarbeiten verrichten können. Die sogenannte Validenkarriere besteht
folglich in der Ausübung einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit, was denn auch
von beiden Parteien anerkannt wird.
2.3 Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens kommt
der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung eine massgebende Bedeutung zu.
2.3.1 Die Beschwerdegegnerin hat zur Beantwortung der Frage nach der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin die Berichte der behandelnden Ärzte eingeholt
und die MGSG GmbH mit einer polydisziplinären Begutachtung beauftragt. Die
Beschwerdeführerin lässt geltend machen, das Gutachten der MGSG GmbH sei nicht
aussagekräftig, weil die Beschwerdeführerin nur sehr schlecht Deutsch spreche, weil
die Sachverständigen keinen Dolmetscher beigezogen hätten und weil die
Kommunikation zwischen der Beschwerdeführerin und den Sachverständigen deshalb
ungenügend gewesen sei. Unter Berücksichtigung der gesamten Akten erscheint es
allerdings als überwiegend wahrscheinlich, dass die Verständigung bei der
Begutachtung ausreichend gewesen ist. So haben die Sachverständigen der MGSG
GmbH darauf hingewiesen, dass die Verständigung ohne Dolmetscher möglich
gewesen sei. Nur im Zusammenhang mit der Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit ist darauf hingewiesen worden, dass die Beschwerdeführerin Mühe
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gehabt habe, die Fragen zu verstehen, und dass sie ungenau geantwortet habe. Das
kann für sich allein aber nicht als ein Beweis dafür angesehen werden, dass die
Begutachtung mithilfe eines Dolmetschers hätte durchgeführt werden müssen, denn
diese Aussage könnte auch als ein Hinweis auf inhaltliche oder willentliche – statt
sprachliche – Kommunikationsprobleme verstanden werden. Immerhin konnte ja auch
in diesem Zusammenhang eine vollständige Anamnese erhoben werden (IV-act. 147–
11). Auch in den Berichten der behandelnden Ärzte finden sich mit einer Ausnahme
keinerlei Hinweise auf Verständigungsschwierigkeiten. Diese eine Ausnahme bildet der
Bericht der psychiatrischen Klinik H._ vom 29. Mai 2018, in dem auf gewisse
Verständigungsprobleme hingewiesen worden war. Allerdings hatten die behandelnden
Ärzte weder beim Eintritts- noch beim Austrittsgespräch und auch nicht während der
Dauer der stationären Behandlung den Beizug eines Dolmetschers für notwendig
erachtet, woraus zu schliessen ist, dass sich die Beschwerdeführerin zumindest
ausreichend gut für eine Untersuchung und für eine Behandlung auf Deutsch
verständigen kann. Im Übrigen lebt die Beschwerdeführerin schon seit ihrem
Jugendalter im deutschsprachigen Raum, weshalb es höchst unwahrscheinlich ist,
dass sie sich nicht auf Deutsch soll verständigen können. Überwiegend wahrscheinlich
sind die Sachverständigen der MGSG GmbH deshalb in der Lage gewesen, eine
vollständige Anamnese zu erheben und die subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin umfassend zu erfragen. Im Übrigen würde ein allfälliges
„Mitverschulden“ der Beschwerdeführerin entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin keine Rolle spielen, wenn der Beizug eines Dolmetschers
unterblieben wäre, obwohl er notwendig gewesen wäre, denn es geht ja nur um die
Frage, ob die Beschwerdegegnerin ihre Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
erfüllt hat. Dafür trägt sie allein die Verantwortung.
2.3.2 Die Sachverständigen der MGSG haben zwar offenbar die Beschwerdeführerin
umfassend persönlich untersucht und die Vorakten eingehend gewürdigt, aber sie
haben ihre Schlussfolgerungen bezüglich der Diagnosen und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeugend begründet. Die Ergebnisse der
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit sind nicht oder höchstens nur sehr
eingeschränkt verwertbar, da sie durch eine mässige Symptomausweitung, durch eine
Selbstlimitierung, durch Inkonsistenzen und durch einen schlechten Trainingszustand
der Beschwerdeführerin negativ beeinflusst gewesen sind. Auch der orthopädische
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Sachverständige hat auf eine ungenügende Mitwirkung hingewiesen, aber aus der
Sicht eines medizinischen Laien nicht überzeugend dargelegt, wie es ihm gelungen
sein soll, die dadurch bedingten „Verzerrungen“ zuverlässig auszublenden, das heisst
eine Diagnose zu stellen und eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben, die allein auf
den „unverzerrten“ objektiven klinischen Befunden beruht haben. Er hat auch nicht
angegeben, worauf seine Arbeitsfähigkeitsschätzungen für die zuletzt ausgeübte und
für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit beruhen. Offenbar hat sich der
Arbeitsunfähigkeitsgrad für ihn direkt aus der Diagnose ergeben, was aber aus der
Sicht eines medizinischen Laien nicht überzeugt, da sich die Arbeitsfähigkeit anhand
der spezifischen Auswirkungen einer Gesundheitsbeeinträchtigung auf eine bestimmte
Tätigkeit bemisst. Beispielsweise könnte der im Vergleich zu jenem für eine ideal
leidensadaptierte Tätigkeit tiefere Arbeitsunfähigkeitsgrad für die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit auf einen erhöhten Pausenbedarf im Zusammenhang mit der vorwiegend
inklinierten Körperhaltung bei der Verrichtung der Arbeit zurückgeführt werden. Eine
entsprechende Darstellung der massgebenden Zusammenhänge fehlt aber im
orthopädischen Teilgutachten der MGSG GmbH. In Bezug auf den
Arbeitsfähigkeitsgrad von 90 Prozent für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten kann
lediglich gemutmasst werden, was der Grund dafür sein könnte. Auch der
psychiatrische Sachverständige der MGSG GmbH hat auf eine „Verzerrung“
hingewiesen, nämlich auf eine Dramatisierung der Beschwerden (wobei nicht
ersichtlich ist, ob damit die körperlichen oder die psychischen Beschwerden gemeint
sind), auf einen übertriebenen Ausdruck von Gefühlen, auf ein vermehrtes Klagen und
Stöhnen sowie auf demonstrative Hinweise auf Beschwerden. Wie es ihm gelungen
sein soll, diese „Verzerrungen“ zuverlässig auszublenden und eine sich allein auf den
massgebenden objektiven klinischen Befund stützende Diagnose und
Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben, lässt sich dem psychiatrischen Teilgutachten
nicht einmal ansatzweise entnehmen. Das Fehlen einer entsprechenden
Auseinandersetzung wirkt umso schwerer, als die Diagnosestellung und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im psychiatrischen Fachbereich bekanntlich zu einem
wesentlichen Anteil von jenen subjektiven Angaben der explorierten Person abhängen,
die der Sachverständige als schlüssig qualifiziert. Eine überzeugende Diagnosestellung
und Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychiatrischer Sicht setzt also eine detaillierte
Auseinandersetzung mit den subjektiven Angaben der versicherten Person in Bezug
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auf deren Überzeugungskraft voraus. Eine solche Prüfung fehlt im psychiatrischen
Teilgutachten der MGSG GmbH vollständig. Als für die Arbeitsfähigkeit relevante
Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung hat der psychiatrische
Sachverständige Beeinträchtigungen der emotionalen Belastbarkeit, der geistigen
Flexibilität, des Antriebs, der Interessen, der Motivation, der Kontaktfähigkeit, der
Anpassungsfähigkeit und der Dauerbelastbarkeit genannt. Das ist nicht
nachvollziehbar, denn es leuchtet nicht ein, dass sich eine Beeinträchtigung der
emotionalen Belastbarkeit, der geistigen Flexibilität, der Interessen, der
Kontaktfähigkeit oder der Anpassungsfähigkeit wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit in
einer ideal leidensadaptierten Hilfsarbeit auswirken sollte. Der Rechtsanwender ist
darauf angewiesen, dass ihm der medizinische Sachverständige ganz spezifisch und
nachvollziehbar erklärt, welche konkreten Auswirkungen der
Gesundheitsbeeinträchtigung die Arbeitsfähigkeit einschränken, wobei er anzugeben
hat, auf welche Weise und in welcher Intensität diese Beeinträchtigungen sich
auswirken. Eine solche Darstellung der massgebenden Zusammenhänge fehlt im
psychiatrischen Teilgutachten der MGSG GmbH vollständig. Zusammenfassend
enthält das Gutachten der MGSG GmbH also keine überzeugenden Angaben zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Auch in den übrigen medizinischen Akten
finden sich keine überzeugenden Angaben zur Arbeitsfähigkeit. Der Hausarzt Dr. D._
hat sich nicht zu konkreten Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin geäussert. Die Psychiaterin Dr. F._ hat
Zweifel an den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin gehegt und deshalb eine
medizinische Begutachtung empfohlen. Die Klinik für Pneumologie des Kantonsspitals
St. Gallen hat sich nur mit dem chronischen Husten und mit dem Schlafapnoesyndrom
beschäftigt und keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Damit erweist sich der
medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung ist
folglich in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen,
weshalb sie als rechtswidrig aufzuheben ist. Da es nicht die Aufgabe des
Versicherungsgerichtes sein kann, ein Versäumnis der Beschwerdegegnerin bezüglich
deren ureigenster Aufgabe – der umfassenden Sachverhaltsabklärung – zu beheben, ist
die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Rückweisung rechtfertigt sich aber auch aus einem anderen
Grund: Die Klinik für Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen hat bereits im
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Februar 2014 auf eine Valgusgonarthrose links hingewiesen. Im Bericht vom 18.
Dezember 2017 hat sie eine beidseitige Gonarthrose und eine Fingerarthrose mit
Heberden Arthrosen erwähnt. Dieser Bericht ist zwar erst lange nach der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung verfasst worden, aber unter Berücksichtigung des Berichtes
vom 4. Februar 2014 muss zumindest bezüglich der Gonarthrose links davon
ausgegangen werden, dass diese bereits vor der Eröffnung der angefochtenen
Verfügung bestanden hat. Der orthopädische Sachverständige der MGSG GmbH hat
die Gonarthrose zwar im Rahmen des „Aktenauszuges“ erwähnt, sich aber nicht weiter
damit befasst. Auch der internistische Sachverständige der MGSG GmbH hat
diesbezüglich offenbar keine Abklärungen vorgenommen. Vor diesem Hintergrund
besteht der Verdacht, dass die Beschwerdeführerin bereits bei der Begutachtung
durch die MGSG GmbH an einer relevanten Arthrose in beiden Kniegelenken und in
den Fingern gelitten haben könnte, die allerdings nicht entdeckt worden ist, weil der
medizinische Sachverhalt diesbezüglich nicht abgeklärt worden ist. Gemäss der
Rechtsprechung des Bundesgerichtes rechtfertigt ein solcher Umstand eine
Rückweisung zur weiteren Sachverhaltsabklärung (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S.
264).
3.
Rechtsprechungsgemäss gilt eine Rückweisung zur weiteren Abklärung hinsichtlich der
Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind folglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Deren Rechtsvertreter hat
bereits vor der Einreichung seiner umfangreichen Eingabe vom 4. Juni 2018 einen
Vertretungsaufwand von 3’229.20 Franken geltend gemacht (vgl. act. G 15.1). Eine
aktualisierte Kostennote hätte folglich einen wesentlich höheren Betrag ausgewiesen.
Zu entschädigen ist aber nur der erforderliche Vertretungsaufwand. Diese ist vorliegend
angesichts des relativ geringen Aktenumfangs als unterdurchschnittlich zu qualifizieren,
weshalb die Entschädigung praxisgemäss auf 3’000 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.