Decision ID: 0606fe3e-b111-44e1-be2a-699deb14759d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, arbeitete zuletzt von August 2007 bis April 2013 als Dreher bei der
Y._
, wobei ihm
aufgrund der Schliessung seiner Abteilung
aus wirtschaftli
chen Gründen gekündigt wurde; hernach war er arbeitslos (vgl. Urk. 9/10/1-2; Urk. 9/38/32)
beziehungsweise im Rahmen eines Beschäftigungs
programmes im 2. Arbeitsmarkt vom 6. Juni 2016 bis 31. August 2017 bei der
Z._
in
A._
in der Verpackung tätig (vgl. Urk. 9/25)
. Unter Hinweis auf eine seit zwei Jahren bestehende Krankheit
der linken Schulter
mel
dete sich der Versicherte am 11. Dezember 2017 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der Unfallversicherung bei (Urk. 9/15) und holte bei
B._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
17
. Ja
nuar 2019 erstattet wurde (Urk. 9/38).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 9/42; Urk. 9/49; Urk. 9/58) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Mai 2019 einen
Leistungsan
spruch
(Urk. 9/60 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
17. Juni 2019
Beschw
erde gegen die Verfügung vom 16. Mai 2019 (Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
eine ganze Rente
zuzusprechen, eventuell sei
en ihm berufliche Massnahmen zu ge
währen (Urk. 1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
26. Juli 2019 (Urk. 8)
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Eingabe vom 8. August 2019 (Urk. 10) reichte der Beschwerdeführer einen medizinischen Bericht (Urk. 11/1-2) ein. Mit Gerichtsverfügung vom 12. August 2019 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeant
wort sowie der Beschwerdegegnerin die Eingabe des Beschwerdeführers vom 8. August 2019 mitsamt Beilagen zugestellt (Urk. 12).
Der
vom Beschwerdeführer am 13. September 2019
(Urk. 14) eingereichte medi
zinische Untersuchungsbericht (Urk. 15) wurde der Beschwerdegegnerin mit Ge
richtsverfügung vom 16. September 2016 (Urk. 16) zur Stellungnahme zugestellt. Die Beschwerdegegnerin teilte am 18. Oktober 2019 ihren Verzicht auf die Ein
reichung
einer Stellungnahme mit (Urk. 17), was dem Beschwerdeführer am 21. Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht
ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach ei
nem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versi
cherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen). Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es – unter Berücksichtigung leistungs
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspoten
tialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Aner
kennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen An
spruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewie
sen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versi
cherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht er
ledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge
ben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsablehnung – unter Hinweis auf das Gutachten der
B._
– damit,
dass
beim Beschwerdeführer
eine körperlich angepasste Tätigkeit
seit jeher voll zumutbar sei. Im
Oktober 2017 sei eine Schul
teroperation erfolgt
. Seit diesem Zeitpunkt könne der Beschwerdeführer
seine an
gestammte Tätigkeit als Dreher nicht mehr ausüben. Beim Einkommensvergleich sei das
Valideneinkommen
gestützt auf statistische Werte ermittelt worden, da der Beschwerdeführer seine Stelle aus wirtschaftlichen Gründen verloren habe und schon seit mehreren Jahren stellenlos sei.
Gestützt auf die statistischen Werte resultiere ein Invaliditätsgrad von 7 %. Ein leidensbedingter Abzug sei wegen des ausgewogenen ersten Arbeitsmarktes nicht zu gewähren. Ausserdem sei
der Be
schwerdeführer
bei der Stellensuche nicht eingeschränkt
, weshalb keine Einglie
derungsmassnahmen angezeigt seien und das Regionale Arbeitsvermittlungszent
rum (RAV) hierfür zuständig sei
(Urk. 2 S.
2).
2.2
Demgegenüber mach
te der Beschw
erdeführer geltend (Urk. 1), angesichts der bildgebenden Befunde der Hals- (HWS) und Lendenwirbelsäule (LWS) vom De
zember 2018 erweise sich das orthopädische
B._
-Gutachten als nicht ver
wertbar, da
der Gutachter
die Problematik der HWS/LWS als unbedeutend ein
schätze. Er habe nicht alle Diagnosen berücksichtigt
(S. 4 ff.)
. Ferner bestünden gemäss
der
behandelnde
n
Psychiaterin psychische Diagnosen. Die
Indikatoren
prüfung
im
B._
-Gut
a
chten sei äusserst ungenau erfolgt.
Bei vorliegendem
Beschwerdebild sei er bereits für eine leichte Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig
(S. 6 ff.)
. Sodann sei beim Einkommensvergleich
ein leidensbedingter Abzug von 25 % zu gewähren, da er über keine anerkannte Berufsausbildung verfüge, bereits 53-jährig sei und ihm keine körperlichen Tätigkeiten mehr zumutbar seien (S. 8 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Dem Arztbericht von Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Neu
rochirurgie
,
D._
, vom 15. April 2016 (Urk. 9/12/11-12) lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer unter anderem an einer
Lumbo
ischialgie
beidseits bei Segmentdegenration L4/5 mit schwerer Spinalkanalste
nose
und
Spondylarthrose
sowie an einer leichten
Spinalkanalein
engung L2/3 und L3/4 leidet (S. 1). Die Beschwerden seien gemäss dem
Neurochirurgen
klar durch die schwere Stenose mit Segmentdegeneration L4/5 zu erklären. Es werde unter anderem eine Sanierung des Segmentes empfohlen (S. 2).
3.2
Am 12. April 2017 übersah der Beschwerdeführer eine hinter ihm stehende Git
terbox und schlug sich beim Umdrehen die Schulter
an dieser an
(vgl. Schaden
meldung UVG, Urk. 9/15/2 Ziff. 4).
3.3
Am 5. Oktober 2017 berichteten die Ärzte der
E._
über die
am
glei
chen Tag durchgeführte Untersuchung des Beschwerdeführers (Urk. 9/8/7-9). Als Hauptdiagnosen nannten sie eine Partialläsion der
Subscapularis
mit instabiler
Bizepssehne
links, eine fortgeschrittene AC-Gelenksarthrose mit
subacromialem
Impingement
sowie eine
Supraspinatus
Partialruptur links (S. 1 oben). Schmerz
gebend sei vor allem die deutlich fortgeschrittene AC-Gelenksarthrose mit beglei
tender
subacromialer
Bursitis bei
subacromialem
Impingementsyndrom
.
Es werde klar zum operativen Vorgehen geraten, da ein rein konservatives Vorgehen keine Beschwerdefreiheit bringen werde (S. 2 unten).
Am 18. Oktober 2017 wurde in der
E._
die
Subscapularissehne
arth
roskopisch
und die
subpectorale
Bizepstenodese
saniert (vgl. Operationsbericht vom 18. Oktober 2017, Urk. 9/8/
10-12
).
Die Entlassung
des Beschwerdeführers
in die ambulante Weiterbildung erfolgte am 21. Oktober 2017 in gutem Allgemein
zustand (vgl. Urk. 9/8/13-14 S. 2).
Sechs Wochen nach erfolgter Schulterarthroskopie links mit Rekonstruktion der
Subscapularissehne
, Rekonstruktion der
anterioren
Supraspinatussehne
mittels PASTA-
Repair
,
subpectoraler
Bizepstenodese
,
Akromioplastik
und AC-Gelenksresektion, wurde von den Ärzten der
E._
mit Bericht vom 30. November 2017 (Urk. 9/8/15-16) ein stark schmerzgeplagter Zustand be
schrieben. Als Befund erhoben sie eine massivste Muskelverspannung und erach
teten die Fortführung der Physiotherapie als unbedingt notwendig
(S. 1).
3.4
Die Ärzte der
E._
berichteten der Beschwerdegegnerin am 8. Januar 2018
(Urk. 9/1
2/1-4
). Nebst den bekannten Diagnosen (Ziff. 1.1 Subziffer 1.) di
agnostizierten sie
lumboradikuläre
Schmerzen beidseits sowie eine Hypothyreose (Ziff. 1.1 Subziffer 2.). Der Beschwerdeführer habe weiterhin Schmerzen in der linken Schulter sowohl im Ruhezustand als auch beim Bewegen. Es sei keine Be
lastung erlaubt, nur aktives Bewegen. Ebenso habe der Beschwerdeführer täglich lumbale Schmerzen mit Ausstrahlung links oder rechts oder beidseits bis in die Knie beim längeren Stehen und Gehen (Ziff. 1.4). In der angestammten Tätigkeit als Maschinenmechaniker respektive als Mechaniker in einer Giesserei bestehe seit 24. April 2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(Ziff. 1.6). Stehende
,
mit
telschwere bis schwere Arbeit sei wegen der Schulter (erhebliche Bewegungsein
schränkung) und der Spinalkanalstenose nicht mehr möglich. Ebenso träten beim Sitzen lumbale Beschwerden auf (Ziff. 1.7).
3.5
Am 19. April 2018 (Urk. 9/17/5-6) berichteten die Ärzte der
E._
erneut
über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. Dieser leide noch immer an persistierenden starken Schmerzen und
einer
Funktionsstörung der lin
ken Schulter sowie an beginnenden Schulterschmerzen rechts bei ebenfalls Par
tialläsion der
Subscapularissehne
mit beginnender AC-Gelenksarthrose (S. 1 oben).
Aus schulterchirurgischer Sicht sei die Schulter nicht
verbesserbar und die klinischen Befunde seien mit den vorliegenden radiologischen Befunden auch nicht zu erklären. Insgesamt sei der Wiedereintritt als schwertätiger Arbeiter mit links Dominanz unwahrscheinlich, allenfalls wäre eine leichte Tätigkeit möglich (S. 2).
3.6
Dr. med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in sei
nem Bericht vom
23. Mai 2018 an die Beschwerdegegnerin (Urk. 9/17/1-4) und bei bekannten Diagnosen sowie mit Verweis auf den Bericht der
E._
vom 19. April 2018 (vgl. vorstehend E. 3.5) aus, es bestehe ein protrahierter Ver
lauf nach der Schulteroperation links vom 18. Oktober 2017 mit Schmerzen und massiver Bewegungseinschränkung
. Die behandelnden Ortho
p
äden der
E._
wüssten diagnostisch und therapeutisch nicht mehr weiter
(Ziff. 1.3).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit sei dem Beschwerdeführer keine Tätigkeit möglich, auch nicht angepasst (Ziff. 2.1).
3.7
Aufgrund anhaltend starker
Schulterschmerzen wurde der Besch
werdeführer bei Dr. med. G._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie
, behandelt. Im Bericht vom 22. Mai 2018 (Urk. 9/20) nannte sie die folgenden Diagnosen (S. 1
f.
):
-
persistierende starke Schmerzen und Funktionsstörung der linken Schulter
-
arterielle Hypertonie
-
Diabetes mellitus Typ II (Erstdiagnose Dezember 2017)
-
Hypothyreose
-
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom
beidseits
-
Verdacht auf Kontrastmittelallergie nach Magnetresonanztomographie (MRI) vom 16. Mai 2017
(Urk. 9/20/7-8)
mit Hautausschlag
Die Situation scheine wirklich sehr verfahren zu sein. Bereits vor der Operation hätten starke Schulterschmerzen links bestanden, welche sich durch den Eingriff noch verstärkt h
ätten
. Die Schulter könne aufgrund der Schmerzen und soforti
gem Gegenhalten kaum konklusiv untersucht werden. Da auch physiotherapeu
tisch das Mögliche getan worden sei, erachte sie zurzeit lediglich eine Optimie
rung der Analgesie als realistisch. Nicht zuletzt müsse die psychosoziale Kompo
nente mitberücksichtigt werden. Der Beschwerdeführer sehe sich nicht mehr ar
beitsfähig. Das IV-Verfahren sei angelaufen und der Beschwerdeführer weise eine gewisse
Fatalisierungstendenz
auf (S. 3).
Mit Ergänzung vom 9. Juli 2018 (Urk. 9/19) bekräftigte die Ärztin nochmals die ungünstige Prognose. Die Schmerzen des Beschwerdeführers, welcher bei ihr nicht mehr in Behandlung sei, könnten nicht beeinflusst werden.
3.8
Die Ärz
te der
B._
erstatteten am 17.
Januar 2019
ihr
im Auftrag der Be
schwerdegegnerin verfasstes polydisziplinäre
s
Gutachten (Urk. 9/38) gestützt auf die Akten und die im Oktober und November 2018 erfolgten internistischen (S. 10-42), neurologischen (S. 43-72), orthopädischen (S. 73-107) und psychiat
rischen (S. 108-137) Untersuchungen. Die Ärzte stellten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6 Ziff. 4.2):
-
Anpassungsstörung mit lä
ngerer, leicht
depressiv ängstlicher Reaktion
(ICD-10 F43.21)
-
Status nach
arthroskopischer
Schulteroperation wegen
Impingement
-Syndrom
-
Schmerzsyndrom der Hals- und Brustwirbelsäulenregion
-
leichtgradiges
Impingement
-Syndrom rechts ohne Funktionseinbussen
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine arte
rielle Hypertonie, einen Diabetes mellitus Typ II, eine Hypothyreose, eine
Hyper
cholestrinämie
, einen Nikotinkonsum, eine Adipositas WHO Grad I,
eine
Häma
tochezie
bei bekanntem
Hämorrhoid
alleiden, Sodbrennen sowie einen
Zustand nach
erosiver
Antrumgastritis
Mai 2005 und
Helicobacter-Eradikation
(S. 6 f. Ziff. 4.2).
In der internistischen Untersuchung habe der Beschwerdeführer vor allem chro
nische Schmerzen (Schultern und Nacken) sowie ein Sodbrennen reklamiert. Für die reklamierte Schmerzproblematik finde sich auf internistischem Fachgebiet keine Erklärung (S. 37). Es bestehe
aus internistischer Sicht
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 38).
In der neurologischen Untersuchung werde der linke Arm in Schonhaltung an den Rumpf gepresst gehalten. Paresen
oder ein sensibles Defizit l
ie
sse
n
sich
nicht objektivieren. Es fänden sich allseits keine Atrophien, die Kennmuskeln seien nicht betroffen bei unauffälligen Muskeleigenreflexe
n
.
Als Linkshänder und Zi
garettenraucher stünden die durch Zigarettenrauch induzierten gelblichen Ver
färbungen an den Fingern I bis III an der linken Hand im Gegensatz zu der sub
jektiv
g
eklagten Bewegungseinschränkung des linken Armes. Es sei nicht plausi
bel, wie derartige Verfärbungen an der linken Hand zustande kommen könnte
n, ohne dass diese benutzt worden sei
. Zur Erhärtung der Untersuchungsbefunde sei zusätzlich eine umfangreiche elektrophysiologische Untersuchung zu allen Ext
remitäten durchgeführt worden. Hie
r
bei fänden sich zusammenfassend keine pe
ripher-neurogenen Schädigungszeichen der Armnerven. Auch ergebe sich vor dem Hintergrund einer
g
eklagten Gangstörung keine Auffälligkeit der untersuch
ten Nerven zu den Beinen. Eine Polyneuropathie finde sich elektrophysiologisch nicht. Ein Schmerzkalender sei nicht vorgelegt worden und hinsichtlich Schmerz
medikation zeige sich im Labor kein Tramadol-Spie
ge
l, was den anamnestisch angegebenen Schmerzmittelbedarf nicht stütze. Die MRI-Diagnostik des Gehirns habe e
ine regelrechte Darstellung er
geben
(S. 66 f.).
Zusammenfassen
d
finde sich in der neurologischen Untersuchung kein plausibles Korrelat für die angegebenen Beschwerden und somit keine neurologische Gesundheitsstörung mit permanen
tem Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 68
).
Aus orthopädischer Sicht sei anamnestisch hinsichtlich der Schulterproblematik bei Therapieresistenz am 18. Oktober 2017 eine
arthroskopische
Schulteropera
tion erfolgt. Der Nach- und Weiterbehandlungsverlauf sei gekennzeichnet gewe
sen durch eine fortbestehende und praktisch nicht zu beeinflussende, als schmerz
haft angegebene Bewegungsstörung des linken Arms ohne strukturelle Ursache. Es sei zu einer nahezu kompletten Bewegungsstörung des linken Armes im Schul
tergelenk gekommen, di
e
bis jetzt anhalte (S. 102 oben). Bei der jetzigen klini
schen Untersuchung finde sich rechtsseitig ein leichtgradiges
Impingement
-Syn
drom mit einer
endgradigen
aktiven Bewegungsstörung der Armbeweglichkeit zur Seite, nach
vorn und für die Einwärts- und Auswärtsdrehung mit ungestörter Krafteinleitung.
Linksseitig werde die Schulter-Arm-Beweglichkeit als aktiv voll
kommen aufgehoben dargeboten. Der Arm werde am Körper in einer Schonhal
tung gehalten und jegliche Schulter-Arm-Bewegung vermieden. Die Unfalldiag
nostik, veranlasst von der betreuenden Orthopädin Dr.
G._
, einschliess
lich einer neurologischen Untersuchung mit elektrophysiologischen Messungen an den oberen Extremitäten und einer MRI-Bildgebung von
der
HWS und
des
Plexus
brachialis
, hätten keinen richtungsgebenden Befund
neurologischerseits
für eine konkurrierende Ursache für den dargebotenen Funktionsverlust des lin
ken Armes im Schultergelenk erb
r
acht (S. 102 unten). Es bestehe aktuell kein or
ganmorphologischer weiterer Behandlungsansatz zur Beseitigung der formalen Funktionsstörung des linken Armes. Die Prognose der weiteren Entwicklung sei ungewiss.
Die orthopädischen Gesundheitsstörungen an der Wirbelsäule seien insgesamt für die versicherungsmedizinische Leistungsbeurteilung von unterge
ordneter Bedeutung
(S.
103). Der Beschwerdeführer sei
aus orthopädischer Sicht
zumindest in der Lage, leichte Arbeiten im Wechselrhythmus zwischen
Stehen, Gehen und Sitzen zu verrichten. Aufgrund des postoperativen Schultergelenks
status und der degenerativen spinalen Bildbefunde seien körperlich schwere Ar
beiten eher ungeeignet und sollten vermieden werden (S. 103).
Der psychiatrische Gutachter führte aus, im aktuellen psychiatrischen Untersu
chungsbefund präsentiere sich ein freundlicher Explorand, der streckenweise et
was schwer besinnlich über seinen Werdegang berichte. Kognitive Defizite lägen keine vor. Die Konzentrationsfähigkeit, die Auffassungsgabe und die geistige Spannkraft seien nicht beeinträchtigt und der Beschwerdeführer sei in
d
er Lage, der ausführlichen Exploration ohne Zeichen einer vorzeitigen Ermüdbarkeit zu folgen. Die Stimmung sei
dysthym
verstimmt, wobei die affektive Modulations
fähigkeit nicht beeinträchtigt sei. Es bestehe eine leichte
Grübelneigung
sowie ein auf die körperlichen Beschwerden und das Schmerzerleben eingeengtes Denken, Zukunfts- und Existenzängste sowie Ein- und Durchschlafstörungen (S. 132 oben).
Der Beschwerdeführer berichte, er schlafe sehr schlecht und sei den ganzen Tag müde und abgeschlagen. Er habe zwar den Führerausweis, könne sich jedoch kein Auto leisten. Er mache keinen Sport oder Gymnastik und sitze meist zu Hause herum. Ab und zu gehe er kleinere Einkäufe erledigen, zum Beispiel Brot holen. Er bemühe sich, je nach seinem Befinden, im Haushalt etwas zu helfen. So räume er beispielsweise den Tisch ab. Soziale Kontakte habe er
kaum noch, meist verbringe er den Tag alleine zu Hause. Er habe auch keine sonstigen Hobbys. Er sei zuletzt vor etwa zwei oder drei Jahren in der serbischen
Heimat gewesen, seither habe er keinen Urlaub mehr gemacht (S. 126 f.).
Synoptisch sei letztlich ein leichtes depressiv ängstliches Syndrom im Sinne einer Anpassungsstörung mit ängstlich depressiver Symptomatik z
u diagnostizieren. Eine
schwere
gradige
affektive Störung, eine eigenständige Angst- oder Zwangserkrankung oder eine Störung aus dem psychotischen Formkreis sei nicht plausibel festzustellen (S. 132 f.). Eine wesentliche, durch psychische Beschwerden bedingte Beeinträchtigung des
Aktivitätenniveaus
sei nicht zu erkennen und bei kritischer Plausibilitäts- und Konsistenzprüfung der reklamierten Beschwerden bestünden Zweifel an deren tatsächlichen Intensität beziehungsweise dem Leidensdruck. In jedem Fall bestün
den noch weitreichende Behandlungsreserven (S. 134 oben).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wurde von den Gutachtern
in ihrer Konsensbe
urteilung ausgeführt, es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der an
gestammten Tätigkeit (S. 8
Ziff.
4.7), jedoch eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (S. 8 Ziff. 4.8).
3.9
In seiner abschliessenden Stellungnahme vom 1. Februar 2019 (Ur
k. 9/41/7-8) erachtete Dr. med. H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), das
B._
-
Gutachten als beweistauglich
. D
arauf
sei
ab
zustellen
. Dies bedeute für die Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit seit Jahren, medizintheoretisch überwiegend wahrscheinlich aber spätestens ab dem Zeit
punkt der linksseitigen Schulteroperation am 18. Oktober 2017, möglicherweise aber auch schon ab dem Zeitpunkt der
epiduralen
Infiltration am 6. Mai 2016, und wahrscheinlich auf Dauer vollständig arbeitsunfähig sei. In einer angepass
ten Tätigkeit bestehe seit jeher – medizintheoretisch ausgenommen ein Zeitraum von maximal drei Monaten im Hinblick auf die postoperative Rekonvaleszenz nach der Schulteroperation vom 18. Oktober 2017 – eine durchgehende vollstän
dige Arbeitsfähigkeit für körperlich vorwiegend leichte, wechselbelastende Arbei
ten ohne häufigen Einsatz des linken Armes über der Horizontalen, ohne langes Stehen in vornüber gebeugter oder rückgeneigter Haltung
und ohne häufiges Bü
cken.
3.10
Dr. med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 22. Mai 2019 über ihre ambulanten psychiatrischen Abklärungen vom 1
3.
b
is 17. Mai 2019 (Urk.
3/4
). Als Diagnosen nannte sie ein somatisches Schmerzsyn
drom mit depressiver Symptomatik sowie eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.11) bei Polymorbidität (S. 1 f.). In der Verlaufszeit von zwei Monaten seien vier Therapiesitzungen durchgeführt worden (S. 1).
3.11
Das MRI Schädel mit MR-Angiografie vom 28. Juni 2019 (Urk. 11/1) ergab eine alte intrakranielle Blutung
präzentral/
subcentral
links ohne erkennbare
zugrunde liegende
Gefässmissbildung
sowie zwei Mikroblutungen am
posterioren
Rand des rechten Nucleus
lentiformis
,
Differentialdiagnose
(DD) posttraumatisch. Dieses sei jedoch häufig
hypertensiver
respektive arteriosklerotischer Genese (Hypertonie? Nikotin?).
3.12
Mit Bericht vom 30. Juli
2019 (Urk. 15) nannte Dr. med.
J._
, Facharzt für Neurochirurgie, die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
therapieresistente chronische
Lumboischialgie
beidseits, rechts mehr als links
,
bei radiologisch Kompression
des Duralsack
es
,
Retrolistesis
und Dis
kushernie L5 bei S1 mit Kompression der Nervenwurzel L5 beidseits
in
traforaminal
-
absolute Spinalkanalstenose,
Anterolisthesis
Meyerding
Grad I und Dis
kushernie sowie
Spondylarthrose
L4/5 und Kompression der Nervenwur
zel L4 beidseits
intraforaminal
-
Lumbalenfacettensyndrom
L4 bis S1 beidseits mit degenerativen Verän
derungen
-
chronische
Zervikobrachialgi
e
beidseits mit Diskushernie Halswirbelkör
per (HWK)
5 bei 6 und HWK 6 bei 7 mit Kompression des
Myelon
und
U
nkovertebralarthrosen
und Stenose HWK 2 bei 3
-
Spannungskopfschmerzen mit Angst und Panikattacken sowie Depression und teilweise Migräne ohne Aura bei radiologisch alter intrakranieller Blutung
und weiteren Befunden gemäss MRI Schädel mit MR-Angiografie vom 2
8.
Juni 2019
-
Schulterschmerzen links bei Status nach
Tendese
der langen
Bizepssehne
-
somatisches Schmerzsyndrom mit depressiver Symptomatik
-
mittelgradige depressive Episode
-
Hypothyreose
-
arterielle Hypertonie
Seit Jahren klage der Beschwerdeführer über Rücken- und Nackenschmerzen. Seit einigen Monaten habe er zunehmende Schmerzen im Rücken mit Ausstrahlung an beide Gesässe
,
rechts mehr als links, mit Ausstrahlung an
den
dorsolateralen
Oberschenkel und Unterschenkel bis zum Fussrücken, grosse Zehe und kleiner Zehe im
Dermatom
L5 und S
1.
Mit konservativer Therapie sei keine Besserung eingetreten (S. 1). Zusätzlich klage der Beschwer
deführer über Schulterschmer
zen, Kopfschmerzen und seit einigen Wochen zunehmende Nackenschmerzen (S. 1 f.). Aufgrund des neurologischen und radiologischen Befundes bestehe die vorgenannte Diagnose. Er behandle den Beschwerdeführer weiterhin konservativ (Analgetika und
Physiotherapie) und mit lumbaler Facetteninfiltration. Nach sei
ner Sicht sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig. Er bitte um Revi
sion der IV-Rente
und
Zusprache
einer ganzen Rente
(S.
3
).
4.
4.1
Das Gutachten der
B._
vom 17. Januar 2019
(vgl. vorstehend E. 3.8)
, gestützt auf welches die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht
verneinte
(vgl. Urk. 2)
, nimmt umfassend Stellung zur Frage der weiterhin vorhandenen Gesundheitsstö
rungen und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit de
s Beschwerdeführers
, beruht auf allseitigen Untersuchu
ngen, berücksichtigt die vom Beschwerdeführer
geklagten Besc
hwerden, erging in Kenntnis der
Vorakten
und enthält begründete Schlussfolgerungen. Sofern
– was vom Beschwerdeführer bestritten wird (Urk. 1 S.
4 ff.) – die gutachterliche Darlegung der medizinischen Zusammenhänge be
ziehungsweise die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet, kann auf das Gutachten abges
tellt werden (vgl. vorstehend E. 1.4
).
4.2
4.2.1
Die vom Beschwerdeführer betreffend die
orthopädische Untersuchung
vorge
brachten Rügen
(Urk. 1 S. 5 f.) vermögen an der Beweiskraft der Expertise nichts zu ändern.
Der
Gutachter
befragte den Beschwerdeführer ausführlich zu seinem Al
ltag, seinen Beschwerden, seinem
sozialen Umfeld etc., untersuchte den Be
schwerdeführer und ging auch auf die bildgebenden Befunde ein.
Er
hat seine Beurteilung auch in Kenntnis des Berichts von Dr. med.
C._
(vgl. vorste
hend E. 3.1) und der
im Rahmen einer Zusatzdiagnostik
neu angefertigten MRI-Befunde vom 10. Dezember 2018 (Urk. 9/38/168-169) abgegeben, womit die Schulterbe
schwerden
und die Rückenbeschwerden
-
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
-
sehr wohl hinreichend dokumentiert und gewürdigt worden sind.
Basierend auf all diesen Beobachtunge
n
, Abwägungen, Untersuchungen und Auseinandersetzungen mit den
Vorakten
stellte der
Gutachter
seine Diagnosen.
Insbesondere erachtete er die orthopädischen Gesundheitsstörungen der Wirbel
säule von untergeordneter Bedeutung, mass ihr aber dennoch insofern Gewicht bei, als dass dem Beschwerdeführer lediglich leichte Tätigkeiten
zumutbar
seien (vgl. vorstehend E. 3.8).
Auch setzte sich der Gutachter mit der Schulterproble
matik auseinander
,
erhob als Befund ein rechtsseitiges, leichtgradiges
Impinge
ment-Syndrom
. Bezüglich des vom Beschwerdeführer dargebotenen Funktions
verlustes des linken Armes konnte er
keine Erklärung finden, zumal auch schon Dr.
G._
keine neurologische Ursache dafür ha
t
eruieren
können (vgl. vor
stehend E. 3.7) und auch der neurologische Gutachter
der
B._
nach erneuter elektrophysiologischer Untersuchung zu den Extremitäten keine Schä
digungszei
chen festgestellt hat
.
Darüber hinaus wies der neurologische Gutachter auf den
Widerspruch
hin, wonach die durch Zigarettenrauch indizierten Verfärbungen an den Fingern der linken Hand auf den Gebrauch der Extremität schliessen l
ie
sse
n
, der Beschwerdeführer hingegen von einer
– trotz festgestelltem fehlendem Schmerzmittelspiegel -
schmerzhaften kompletten Bewegungsstörung des linken Arm
es berichte
te
, mithin von deutlichen Hinweisen auf Inkonsistenzen sprach
(vgl. vorstehend E.
3.8).
Damit kann nicht gesagt werden, die in den
Vorakten
enthaltene medizinische Grundlage sei nicht berücksichtigt worden und das Gut
achten sei fehlerhaft.
Darüber hinaus steht auch
die gutachterliche
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit
im Einklang mit
derjenigen
de
r
Ärzte der
E._
, welche zuletzt den Wie
dereintritt als schwertätiger Arbeiter als unwahrscheinlich taxierten, indes leichte Arbeit allenfalls für möglich erachteten, eine solche folglich nicht aus
schlossen (vgl. vorstehend E. 3.5).
Ebenso berücksichtigte
der
RAD-Arzt Dr.
H._
die Schulter- und Rückenleiden durch die Formulierung
eines Belastungsprofils (körperlich vorwiegend leichte, wechselbelastende Arbeiten ohne häufigen Ein
satz des linken Armes über der Horizontalen, ohne langes Stehen in vornüber gebeugter oder rückgeneigter Haltung und ohne häufiges Bücken; vgl. vorstehend E. 3.9).
Dass
der
Hausarzt
Dr.
F._
(vgl. vorstehend E. 3.6)
oder nach Verfü
gungserlass D
r.
J._
(vgl. nachstehend E. 3.12
) zu einer anderen Diagnose bzw. Schlussfolgerung gelangten, vermag an der Beweistauglichkeit des Gutach
tens nichts zu ändern. Ihre Auffassung stellt sich in diesem Punkt als andere Beurteilung desselben Sachverhaltes dar.
4.2.2
In Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand ist Folgendes festzuhalten:
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt (vgl.
auch
vorstehend E. 1.3), ist in allen Fällen durch die Verwaltung beziehungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar be
gründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schla
gen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Ak
tenauszug, Anamnese, Befunden, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Ein
zelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizi
nisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerechter klinischer Prüfung und Explora
tion. Ä
rztlicherseits ist also
substant
iiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsver
mögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitli
cher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachverständige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Ver
gleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sons
tigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person (E. 4.3
).
Die vom Beschwerdeführer gerügten ungenauen Angaben im psychiatrischen Gutachten (Urk. 1 S. 6 f.) vermögen die Beweiswertigkeit der Expertise ebenfalls nicht in Abrede zu stellen. Dies gilt selbst dann, wenn der Vorwurf, die
Indikato
renprüfung
sei
etwas
ungenau und
knapp
(Urk. 1 S. 7)
,
zutrifft.
Der psychiatrische Gutachter der
B._
kam zum Schluss, dass letztlich ein leichtes depressiv ängstliches Syndrom im Sinne einer Anpassungsstörung mit ängstlich depressi
ver Symptomatik zu diagnostizieren und keine wesentliche, durch psychische Be
schwerden bedingte
,
Beeinträchtigung des
Aktivitätenniveaus
erkenn
bar
sei und
darüber hinaus
gar Zweifel an der vom Beschwerdeführer geäusserten
Beschwer
den best
ünden
(vgl. vorstehend
E. 3.8
)
.
Er wies zum einen d
a
rauf hin, dass mit den Alltagsaktivitäten, welche der Beschwerdeführer durchführe, dokumentiert werde, dass auch Ressourcen bestünden, was auch schon der neurologische Gut
achter bemerkt ha
be
.
Zusätzlich wies
Dr.
G._
auf eine invaliditätsfremde psychosoziale Komponente (
vgl.
BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8
C_730/2008 vom 23. März 2009 E.
2
) hin, indem sich der Beschwerdeführer als nicht mehr arbeitsfähig erachte und
Fatalisierungstendenzen
aufweise (vgl. vor
stehend E. 3.7).
Darüber hinaus
befand sich der Beschwerdeführer zum Begutachtungszeitpunkt nicht in psychiatrischer Behandlung. Erst im Zeitpunkt des Verfügungserlasses beziehungsweise im Beschwerdeverfahren und dazu noch auf Veranlassung der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers
hin
(vgl. Urk. 3/4)
begab sich der Be
schwerdeführer in ambulante psychiatrische Behandlung be
i Dr.
I._
, welche den Beschwerdeführer innerha
lb zweier Monate
nur gerade
vier
Mal
gesehen hat (vgl. vorstehend E.
3.10), was ebenfalls
gegen eine relevante psychische Erkran
kung spricht und
auf einen geringen Leidensdruck hinweist.
Ohnehin bleibt vorliegend eine vertiefte Auseinandersetzung der Standardindi
katoren
entbehrlich,
da
im Rahmen
des
beweiswertige
n
fachärztliche
n Gutach
tens
(vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint
wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fach
ärztlicher Qualifikation oder
- wie ausgeführt -
aus anderen Gründen kein Be
weiswert
beigemessen werden kann
(
BGE 143 V 409 E.
4.5).
4.3
Zusammenfassend sind keine Gründe ersichtlich, die gegen die Beweistauglich
keit des Gutachtens der
B._
sprechen. Daran ändern auch die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Berichte
der Psychiaterin Dr.
I._
vom 22. März und 22. Mai 2019 (vgl. vorstehend E. 3.10), de
r
MRI-Befund vom 28. Juni 2019 (Urk. 11/1-2)
und
der Bericht
des Neurochirurgen Dr.
J._
vom 30. Juli 2019 (vgl. vorstehend E. 3.12)
nichts, zumal diesen, da für die Beurteilung des Gesundheitszustands in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich der Zeitpunkt des Verfüg
ungserlasses (hier: 16. Mai 2019
) massgebend ist (BGE 129 V E.
1.2), oh
nehin die zeitliche Relevanz fehlt. Hinzu kommt, dass beiden Stellungnahmen
der behandelnden Psychiaterin
(vgl. vorstehend E. 3.10)
sowie dem bildgebenden Be
fund des Schädels des Beschwerdeführers
keine konkrete Aussage zur vorhande
nen Arbeits
fähigkeit entnommen werden kann. Was den Bericht von Dr.
J._
anbelangt, geht einerseits aus
s
einer Einschätzung
ein
er vollständigen Arbeits
unfähigkeit nicht
klar
hervor, ob sich
diese auf
die angestammte oder eine ange
passte Tätigkeit
beziehen soll
. Andererseits
stellt der Neurochirurg auch fach
fremde Diagnosen und sein
e
Einschätzung
ist aufgrund der Behandlungsnähe zum Patienten ohnehin mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 135 V 465 E. 4.5), w
as sich
auch
im Umst
and zeigt,
dass
Dr.
J._
die Beschwerdegegnerin
um voll
ständige Berentung
des Beschwerdeführers
ersucht
e
(vgl. vorstehend E. 3.12).
Demnach ist der Sachverhalt dahingehend erstellt, dass für leidensangepasste Tä
tigkeiten
unter Einhaltung
de
s vom RAD definierten Belastungsprofils (vgl. vor
stehend E. 3.9)
eine Arbeitsfähigkeit von 100 % besteht.
Bei einer allfälligen
, ver
sicherungsrechtlich relevanten
Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach Verfügungserlass ist es dem Beschwerdeführer
indes
unbenommen, sich bei der Beschwerdegegnerin neu anzumelden.
Soweit der Beschwerdeführer im Eventualantrag Wiedereingliederungsmassnah
men beantragt
e
(Urk. 1 S.
10 f.
)
,
ist mit der Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S
.
2; Urk.
8
S. 2 Ziff. 3) festzuhalten, dass bei festgestellter Restarbeitsfähigkeit von 100 % eine Selbsteingliederung zumutbar ist, zumal weder das Alter
des Be
schwerdeführers im Zeitpunkt des hier massgeblichen
B._
-Gutachtens (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.3) von 52 Jahren
,
noch sonstige Gründe dem allgemei
nen Gebot der Selbsteingliederung
(BGE 113 V 22 E.
4a mit Hinweisen
)
entge
genstehen.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) al
lenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass per
sönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Le
bensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321
E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Ar
beitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (vgl. BGE
135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E.
5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Inva
lideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschränkt ist (BGE 126 V 75 E.
5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurtei
lung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschrän
kungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einflies
sen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dür
fen (Urteile des
Bun
desgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E.
3.1 und 9C_
846/2014 vom 2
2.
Januar 2015 E.
4.1.1).
5.2
Der von der Beschwerdegegnerin durchgeführte Einkommensvergleich
(Urk. 9/40)
blieb mit Ausnahme des
sogenannten
Leidensabzugs
(Urk. 1 S. 8 f.)
unbestritten.
Mit Blick auf die Tatsache, dass
der Beschwerdeführer 2013 seine Arbeitsstelle aus wirtschaftlichen Gründen ve
rlor und seither nur im Rahmen ei
nes Beschäftigungsprogrammes im
2.
Arbeitsmarkt
gearbeitet hatte
(vgl. Urk. 9/25)
, sowie angesichts des
Umstand
s
, wonach ihm
eine leidensangepasste Restarbeitsfähigkeit
im Umfang von 100 % zumutbar ist (vgl. vorstehend E. 4.3)
, sind die von der Beschwerdegegnerin ermittelte
n
Validen- und Invalideneinkom
men entsprechend dem statistischen Durchschnittslohn (gemäss Lohnstrukturer
hebung des Bundesamtes für Statistik, LSE) für eine unter Kompetenzniveau 2 fallende Tätigkeit im Bereich der Herstellung von Möbeln und von sonstigen Wa
ren für das
Valideneinkommen
beziehungsweise für eine Hilfsarbeit im Kompe
tenzniveau 1 (Zentralwert)
für das Invalideneinkommen nicht zu beanstanden. Aus der Gegenüberstellung des tabellarisch bestimmten
Valideneinkommens
von Fr. 72'999.--
und
des ebenfalls gestützt auf die LSE erhobene
n
Invalideneinkom
men
s
von Fr. 68'201.
-- resultiert
ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 7 % (Urk. 9/40; Urk. 2)
.
Selbst wenn bei diesem Ergebnis – wie vom Be
schwerdeführer gefordert (Urk. 1 S. 8 f.) – ein in diesem Umfang nicht zu recht
fertigender Abzug vom Tabellenlohn von maximal 25 % gewährt werden würde (Fr. 68'201.-- x 0.75), ergäbe dies noch immer ein rentenausschliessender Invali
ditätsgrad von rund 30 %.
6
.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung
(Urk. 2)
nicht zu beanstan
den. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Strei
twert festzulegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG). Vor
l
iegend sind die Kosten auf Fr. 9
00.-- anzusetzen und dem unterliegenden Be
schwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung sind die Gerichtskosten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der Beschwerdeführer
ist auf § 16 Ab.
4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) hinzuweisen.
7.2
Mit Gerichtsverfügung vom 12. August 2019 wurde die unentgeltliche Rechts
vertreterin des Beschwerdeführers unter anderem darauf aufmerksam gemacht, dass sie eine Honorarnote einreichen kann, eine solche im Unterlassungsfall sei
tens des Gerichts nicht eingefordert und die Entschädigung nach Ermessen fest
gesetzt wird (vgl. Urk. 12). Bis dato reichte sie keine Honorarnote ein, weshalb sie, unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (vgl. § 34 Abs.
3
GSVGer
) und beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer), mit Fr. 2'
6
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.