Decision ID: 4db5b351-64d7-5e46-af1d-b846aa357466
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin – eine sri-lankische Staatsangehörige tamilischer
Ethnie – suchte am 15. Mai 2017 im damaligen Empfangs- und Verfahren-
szentrum (EVZ) des SEM in B._ um Asyl nach.
B.
Ein am 16. Mai 2017 durchgeführter Abgleich mit der europäischen Finger-
abdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass die Beschwerde-
führerin am 24. April 2017 in Italien aufgegriffen worden war.
C.
Am 30. Mai 2017 wurde die Beschwerdeführerin zu ihrer Person, zum Rei-
seweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur
Person, BzP). Anlässlich der BzP wurde ihr das rechtliche Gehör zur mut-
masslichen Zuständigkeit Italiens für die Durchführung ihres Asyl- und
Wegweisungsverfahrens sowie zu einem allfälligen Nichteintretensent-
scheid gewährt.
D.
Am 7. Juni 2017 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behörden um
Übernahme der Beschwerdeführerin. Die italienischen Behörden stimmten
dem Ersuchen am 11. Juli 2017 zu.
E.
Mit Verfügung vom 11. Juli 2017 trat das SEM auf das Asylgesuch der Be-
schwerdeführerin nicht ein, wies sie aus der Schweiz nach Italien weg, for-
derte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwer-
defrist zu verlassen und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Voll-
zug der Wegweisung.
F.
Am 18. Juli 2017 erklärte die Beschwerdeführerin schriftlich den Verzicht
auf eine Beschwerde.
G.
Ab dem 21. Juli 2017 galt die Beschwerdeführerin als verschwunden.
H.
Mit Schreiben ihres Rechtsvertreters vom 16. Februar 2019 ersuchte die
Beschwerdeführerin um Wiederaufnahme ihres Asylverfahrens.
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I.
Angesichts des Umstandes, dass die Frist zur Überstellung nach Italien
zwischenzeitlich abgelaufen war, hob die Vorinstanz mit Verfügung vom
6. Mai 2019 ihren Entscheid vom 11. Juli 2017 auf und nahm das nationale
Asylverfahren wieder auf.
J.
Am 28. Februar 2020 wurde die Beschwerdeführerin von der Vorinstanz
einlässlich zu den Asylgründen angehört (Anhörung).
Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen geltend, dass sie im Dorf C._ (Distrikt D._,
Nordprovinz) aufgewachsen sei. Im Jahr 1990 sei ihr Vater verschwunden.
Kurze Zeit später sei sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern wegen
des Bürgerkriegs nach Indien geflohen. In Indien habe sie die Schule bis
zur (...) Klasse besucht. Nach Unterzeichnung des Friedensabkommens
sei sie im Jahr 2004 mit ihrer Mutter nach Sri Lanka zurückgekehrt, wobei
sie sich erneut in C._ niedergelassen hätten. Im August 2012 habe
sie ihren Ehemann nach religiösem Brauch geheiratet. Beide Familien
seien gegen eine Heirat gewesen, weshalb sie zu diesen kaum noch Kon-
takt gehabt hätten. Ihr Ehemann sei ab und zu nach Indien gereist und
habe dort eine Bewegung unterstützt, aber sie habe keine genauen Kennt-
nisse über seine Aktivitäten gehabt. Im Oktober 2014 hätten sie und ihr
Ehemann schliesslich zivilrechtlich geheiratet. Am (...) 2014 sei ihr Ehe-
mann plötzlich verschwunden. Er habe das Haus verlassen und sei nicht
mehr zurückgekehrt. Einige Tage beziehungsweise Wochen später seien
zwei bis drei Personen bei ihr zu Hause vorbeigekommen und hätten nach
ihm gefragt. Da sie keine Auskunft habe geben können, sei sie bedroht
worden. Ungefähr eine Woche später sei sie von denselben Personen auf
der Strasse beobachtet worden. Ab ungefähr Februar oder März 2015
habe sie zudem Probleme mit Soldaten des benachbarten Armeecamps
gehabt. Da diese bemerkt hätten, dass sie seit dem Weggang ihres Ehe-
mannes alleine gewohnt habe, hätten sie begonnen, sie zu belästigen. Sie
habe befürchtet, dass es zu weiteren sexuellen Übergriffen kommen
könnte und habe sich daher zur Ausreise entschieden. Am 19. April 2017
sei sie von Colombo via E._ nach F._ geflogen und einige
Tage später per Bus über ihr unbekannte Länder nach Italien gelangt. Von
dort sei sie am 15. Mai 2017 illegal in die Schweiz eingereist.
Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin ihre sri-lankische Identi-
tätskarte im Original zu den Akten.
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Seite 4
K.
Mit Verfügung vom 12. März 2020 – eröffnet am 17. März 2020 – stellte
das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete
den Vollzug an.
L.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 15. April 2020 erhob die Be-
schwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht gegen den vorinstanzli-
chen Entscheid Beschwerde und beantragte dabei in materieller Hinsicht,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, ihre Flüchtlingseigenschaft
festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben und sie in der Schweiz vorläufig aufzuneh-
men. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin, dass
die Dispositivziffern 3, 4 und 5 des angefochtenen Entscheides bezie-
hungsweise ihre Abschiebung aus der Schweiz vorläufig auszusetzen
seien. Ferner sei ihr zu gestatten, bis zum Abschluss des Beschwerdever-
fahrens in der Schweiz zu verbleiben und ihr für die Dauer desselben (wie-
der) eine N-Bewilligung auszustellen. Schliesslich ersuchte die Beschwer-
deführerin um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um die
Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Person ihres Rechts-
vertreters.
M.
Mit Schreiben vom 16. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführerin ist
als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.3 Im Beschwerdeverfahren ist die Sprache des angefochtenen Ent-
scheids massgebend (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG), weshalb das Verfahren
vorliegend in deutscher Sprache geführt wird.
1.4 Insofern die Beschwerdeführerin beantragt, die Dispositivziffern 3, 4
und 5 des angefochtenen Entscheides beziehungsweise ihre Abschiebung
aus der Schweiz seien vorläufig auszusetzen respektive ihr sei zu gestat-
ten, für die Dauer des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz zu verbleiben
und ihr sei für diese Dauer (vorläufig wieder) eine N-Bewilligung zu erteilen,
ist festzustellen, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschie-
bende Wirkung zukommt und die Vorinstanz die aufschiebende Wirkung
nicht entzogen hat (Art. 55 VwVG). Gemäss Art. 42 AsylG darf sodann, wer
in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hat, bis zum Abschluss des Verfah-
rens in der Schweiz bleiben. Die entsprechenden Anträge erweisen sich
somit als gegenstandslos.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung ihrer abweisenden Verfügung führte die Vorinstanz
aus, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden.
So seien an ihrem Vorbringen, sie habe Sri Lanka verlassen, weil sie so-
wohl von Personen, die ihren Ehemann gesucht hätten, als auch von Sol-
daten belästigt worden sei, angesichts ihrer durchwegs unsubstantiierten,
teilweise widersprüchlichen und wenig erlebnisgeprägten Aussagen erheb-
liche Zweifel anzubringen. Grundsätzlich sei bereits erstaunlich, dass sie
die angeblichen Probleme mit den Personen, die ihren Ehemann gesucht
hätten, bei der BzP gänzlich unerwähnt gelassen habe. Hätten diese Er-
eignisse zu ihrem Ausreiseentschluss beigetragen, wäre zu erwarten ge-
wesen, dass sie sie bereits anlässlich der Erstbefragung erwähnt hätte.
Des Weiteren habe sie sich an der Anhörung widersprüchlich zu den an-
geblichen Besuchen dieser Personen geäussert. Zunächst habe sie aus-
gesagt, ein paar Wochen nach dem Verschwinden ihres Ehemannes seien
zwei bis drei Personen zu ihr nach Hause gekommen, um ihn zu suchen.
Auf die darauffolgende Frage, wie viele Wochen zwischen dem Verschwin-
den ihres Mannes und dem Erscheinen dieser Personen vergangen sei,
habe sie geantwortet, diese Männer seien nach fünf bis sechs Tagen ge-
kommen. Später habe sie zudem zu Protokoll gegeben, dass nach diesem
einen Besuch nicht mehr bei ihr zu Hause nach ihrem Ehemann gesucht
worden sei. Im Gegensatz dazu habe sie nur wenig später ausgeführt, dass
vier- bis fünfmal Leute zu ihr gekommen seien und ihren Ehemann gesucht
hätten. Somit habe sie sich sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch betreffend
die Anzahl der Besuche widersprüchlich geäussert. Ferner sei festzustel-
len, dass sämtliche ihrer Aussagen sowohl zu den Suchen nach ihrem
Mann als auch zu den angeblich später erfahrenen Problemen mit den Sol-
daten substanzlos ausgefallen seien. Ihre diesbezüglichen Schilderungen
beschränkten sich auf die blosse Wiedergabe von Handlungsabläufen,
seien überaus kurz respektive einsilbig ausgefallen und erweckten keines-
falls den Eindruck, als würde sie von persönlichen Erlebnissen berichten.
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Obwohl sie wiederholt und unmissverständlich aufgefordert worden sei,
vom Erlebten zu erzählen, habe sie sich bloss in wenigen Sätzen und auf
überaus pauschale Weise geäussert. Ihren Aussagen seien keinerlei Re-
alkennzeichen oder subjektive Elemente zu entnehmen. Schliesslich sei
ihr Vorbringen auch logisch nicht nachvollziehbar. Einerseits habe sie gel-
tend gemacht, von Männern belästigt worden zu sein und Angst vor sexu-
ellen Übergriffen gehabt zu haben. Andererseits wolle sie keine Massnah-
men zu ihrem Schutz oder Versuche zum Schutzerhalt durch Behörden
oder Privatpersonen unternommen haben. Ihre diesbezügliche, pauschale
Begründung, sie habe andere Personen nicht gefährden wollen, vermöge
nicht zu überzeugen. Es wäre von ihr zu erwarten gewesen, dass sie sich
zunächst um innerstaatlichen Schutz oder allenfalls Aufenthaltsalternati-
ven bemüht hätte, bevor sie sich zu der ungewissen und teuren Flucht ins
Ausland entschieden hätte. Ihr geschildertes Vorgehen bestärke die Ver-
mutung, dass sie ihren Heimatstaat unter anderen Umständen und aus an-
deren Gründen verlassen habe, als sie angegeben habe. Angesichts des-
sen, dass ihr Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss
Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermöge, könne auf die Abhandlung weiterer
Ungereimtheiten ebenso verzichtet werden, wie auf die Prüfung der Asyl-
relevanz.
Schliesslich bestehe auch kein begründeter Anlass zur Annahme, dass sie
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und
in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt sein werde. Sie habe nicht glaubhaft machen können, vor ihrer Aus-
reise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu
sein. Vielmehr sei sie bis April 2017 in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe
also nach Kriegsende noch mehrere Jahre in ihrem Heimatstaat gelebt.
Allfällige, im Zeitpunkt ihrer Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten
folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden
auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, wes-
halb sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Be-
hörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden solle. Auch die
am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl vermöge diese Ein-
schätzung nicht umzustossen. Mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum
Präsidenten sowie ersten Anzeichen der Zunahme von Überwachungsak-
tivitäten gingen zwar Befürchtungen von mehr Einschüchterungen von
Minderheiten einerseits und Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Op-
positionellen und weiteren regierungskritischen Personen andererseits ein-
her. Tatsächlich habe die Überwachung der Zivilbevölkerung nach den
dschihadistisch motivierten Terroranschlägen an Ostern 2019 und erneut
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nach den Präsidentschaftswahlen im November 2019 zugenommen. Den-
noch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur Annahme, dass
ganze Volks- oder Berufsgruppen unter Präsident Gotabaya Rajapaksa
kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Voraussetzung für die
Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen
vom 16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden
Person zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Weder habe
sie die Präsidentschaftswahlen respektive deren Folgen als Gefährdungs-
element vorgebracht, noch seien den Akten Hinweise auf eine Verschär-
fung ihrer persönlichen Situation aufgrund dieses Ereignisses zu entneh-
men. Die Anforderungen an die Annahme einer begründeten Verfolgungs-
furcht seien damit nicht erfüllt.
4.2 In ihrer Beschwerde bringt die Beschwerdeführerin unter Wiederholung
des Sachverhalts dagegen vor, dass sie ihre Vorbringen gegenüber der
Vorinstanz möglichst genau und vollkommen kohärent geschildert habe.
Kleine Unterschiede zwischen den Antworten auf verschiedene Fragen be-
ziehungsweise kleine Ungenauigkeiten würden in Wirklichkeit nur die
Schwierigkeiten der Übersetzung oder den Stress, den die Befragungen
für sie bedeutet hätten, widerspiegeln. Wenn ihre Antworten anlässlich der
Befragungen aus dem Zusammenhang gerissen würden, sei ebenso offen-
sichtlich, dass dies, und nur dies, ihre Plausibilität und Tragweite schwä-
che. Aber das Vorgehen überzeuge nicht. Daraus folge, dass der Entscheid
der Vorinstanz letztlich als willkürlich anzusehen sei. Insofern die
Vorinstanz auf Widersprüche abstelle, sei festzuhalten, dass die erste Be-
fragung im Jahr 2017 nur sehr oberflächlich gewesen sei und nicht dazu
gedient habe, ihren Fall zu prüfen. Es sei lediglich um ihre Abschiebung im
Rahmen des Dublin-Verfahrens gegangen. Folglich sei es willkürlich, sie
zu kritisieren, dass sie zu diesem Zeitpunkt lediglich summarisch und
knapp geantwortet habe. Ebenso sei es willkürlich, sie dafür zu kritisieren,
dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht alle wichtigen Informationen geliefert
habe. Solches sei damals weder Gegenstand noch Zweck dieser Anhörung
gewesen. Im Hinblick auf die zweite Befragung sei zu bedenken, dass
diese fünf bis sechs Jahre nach dem von ihr geschilderten Sachverhalt
stattgefunden habe. Das sei eine lange Dauer und es sei absolut normal,
dass im Laufe der Zeit Details verschwimmen würden. Dies gelte insbe-
sondere für subjektive Eindrücke. Sodann sei sie kein gesprächiger
Mensch und begnüge sich damit, in ihren Antworten direkt auf den Punkt
zu kommen. Auch sei zu berücksichtigen, dass das Erlebte für sie sehr
traumatisch gewesen sei und es in der Regel ohnehin nicht möglich sei,
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von jemandem eine absolut erschöpfende Schilderung zu erwarten, insbe-
sondere wenn es um Bedrohungen der eigenen Freiheit und sexuellen In-
tegrität gehe. Was die angeblichen Widersprüche anbelange, so gehe aus
den Protokollen hervor, dass sie die ihr gestellten Fragen nicht immer voll-
ständig verstanden habe und dass sie daher beispielsweise einen Besuch
von Fremden in ihrer Wohnung auf der Suche nach ihrem Ehemann er-
wähnt habe, ohne damit andere Besuche auszuschliessen. Die Vorinstanz
habe dann Antworten dahingehend fehlinterpretiert, dass es nur einen ein-
zigen Besuch von Fremden in ihrer Wohnung gegeben hätte. Auch die Ant-
worten zu Frage (...) und Frage (...) seien nicht widersprüchlich. So habe
sie auf die erste Frage geantwortet, dass die ersten Fremden, die nur we-
nige Tage nach dem Verschwinden ihres Ehemannes vorbeigekommen
seien, um diesen zu suchen, überhaupt nicht zurückgekehrt seien. Auf
Frage (...) habe sie Besuche von weiteren Fremden in ihrer Wohnung er-
wähnt, aber nicht von den bereits vorgängig Erwähnten, es habe sich um
andere Personen gehandelt. Es liege also kein Widerspruch vor. Auch dort,
wo sie sich gemäss der Vorinstanz in zeitlicher Hinsicht widersprochen
habe, habe sie unterschiedliche Besuche dargelegt. Entgegen der Ein-
schätzung des SEM seien ihre Aussagen auch nicht stereotyp. So habe sie
in den Antworten auf gewisse Fragen durchaus viele und ausreichend De-
tails sowie persönliche Eindrücke geschildert. Sodann habe ihr das SEM
zu Unrecht vorgeworfen, dass sie es unterlassen habe, Hilfe und Schutz
vor Ort zu suchen. Dies sei für sie unmöglich gewesen. Sie sei ohne Ehe-
mann, Vater oder Brüder, die sie beschützen könnten. Was die lokalen Be-
hörden betreffe, so würden diese nichts unternehmen, vor allem nicht für
eine alleinstehende Frau tamilischer Ethnie, insbesondere wenn es sich
bei den Beschuldigten um Soldaten handle. Des Weiteren habe das SEM
den Vorfällen auch zu Unrecht die erforderliche Intensität abgesprochen.
Bedrohungen, Hausfriedensbruch und sexuelle Berührungen stellten für
eine Frau in Sri Lanka eine besonders schwere Verletzung dar. Glückli-
cherweise habe sie das Schlimmste verhindern können. Insofern sei ihre
Furcht begründet gewesen. Schliesslich habe das SEM bei seinem Ent-
scheid zu Unrecht die Lage in Sri Lanka, die sich für sri-lankische Minder-
heiten seit dem vergangenen Herbst erheblich verschlechtert habe, nicht
berücksichtigt. Es sei davon auszugehen, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt
nicht sicher wäre, wenn sie nach Sri Lanka zurückgeschickt würde.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es der Beschwer-
deführerin entgegen ihren Beschwerdevorbringen nicht gelungen ist, eine
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asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft
zu machen. Insbesondere ergibt eine Konsultation der Befragungsproto-
kolle und der vorinstanzlichen Verfügung, dass die Vorinstanz die Akten
sorgfältig geprüft und schliesslich zu Recht festgestellt hat, dass es der
Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, die geltend gemachten Probleme
in Sri Lanka glaubhaft darzulegen. Diesbezüglich ist auf die vorinstanzli-
chen Ausführungen zu verweisen, welche weder in rechtlicher noch in tat-
sächlicher Hinsicht zu beanstanden sind und denen sich das Gericht an-
schliesst (vgl. E. 4.1).
Die Rechtsmitteleingabe stellt dem nichts Stichhaltiges entgegen, sondern
erschöpft sich vielmehr in Wiederholungen des aktenkundigen Sachverhal-
tes und Erklärungsversuchen, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vor-
instanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechts-
fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen soll. Solches ist auch nicht er-
sichtlich.
Zunächst ist dem Argument, es habe sich bei der BzP lediglich um eine
summarische Befragung gehandelt, deren Ziel die Wegweisung im Rah-
men des Dublin-Verfahrens gewesen sei und bei der es nicht darum ge-
gangen sei, alle wichtigen Elemente zu erörtern, nicht zu folgen. So haben
Gesuchsteller zwar nicht die Pflicht, sämtliche Gründe ihres Asylgesuchs
abschliessend in der Erstbefragung darzulegen, aber doch die Obliegen-
heit, alle wesentlichen Fluchtgründe wenigstens ansatzweise zu nennen.
Klare asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefragung von späteren Aus-
sagen diametral abweichen oder bestimmte Ereignisse oder Befürchtun-
gen, die nicht ansatzweise erwähnt werden, lassen sich nicht mit dem sum-
marischen Charakter der Erstbefragung erklären (so bereits Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1993/3 E. 3 S. 13; Urteil des BVGer E-812/2020 vom 26. Feb-
ruar 2020 E. 6.1). Dass die Beschwerdeführerin schliesslich ein Dublin-
Verfahren durchlief, vermag an diesen Erwägungen nichts zu ändern, zu-
mal es sich bei ihrer Erstbefragung um eine ganz normale BzP gehandelt
hat, anlässlich derer ihr lediglich am Ende das rechtliche Gehör zur mut-
masslichen Zuständigkeit von Italien beziehungsweise Wegweisung dort-
hin gewährt worden ist.
In diesem Zusammenhang erweist sich auch der Einwand, die von der Vor-
instanz festgestellten Widersprüche, zum Beispiel betreffend die Anzahl
der Besuche und die zeitliche Abfolge, beruhten auf Fehlinterpretationen
der Aussagen, als untauglich: So beantwortete die Beschwerdeführerin die
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Frage, ob nach dem ersten Besuch bei ihr zu Hause noch einmal nach
ihrem Ehemann gefragt worden sei dahingehend, dass dies nicht mehr der
Fall gewesen sei ([...]). Wenig später erwidert sie auf die Frage, wie oft sie
zu Hause belästigt worden sei, nachdem der Ehemann verschwunden sei
jedoch, dass etwa vier- bis fünfmal Leute vorbeigekommen seien, um ihren
Mann zu suchen ([...]). Die Antworten der Beschwerdeführerin beziehen
sich beide Male offensichtlich auf die Anzahl der Besuche, unabhängig von
der Identität der Personen. Sodann gab die Beschwerdeführerin zu Proto-
koll, dass, nachdem ihr Ehemann nicht nach Hause gekommen sei, nach
ein paar Wochen zwei, drei Personen vorbeigekommen seien, um ihn zu
suchen, nur um gleich anschliessend auf die Frage, wie viele Wochen ver-
gangen seien, bis diese zwei Personen nach ihrem Mann gefragt hätten,
zu antworten, dass es sich um fünf bis sechs Tage gehandelt habe ([...]).
Auch hier beziehen sich Antworten beziehungsweise die Frage der Vo-
rinstanz augenscheinlich auf den Zeitpunkt des Besuches und wiederum
nicht auf die Identität von Personen.
Die Argumentation, die mangelhafte Substanz beziehungsweise kleine Un-
genauigkeiten seien auf ihre Art, knappe und prägnante Antworten zu ge-
ben, zurückzuführen beziehungsweise würden den Stress, den die Befra-
gungen für sie bedeutet hätten, widerspiegeln, vermag ebenso wenig zu
überzeugen. Vielmehr durfte die Vorinstanz von ihr erwarten, dass sie ihre
Asylgründe im Kern kohärent und in zentralen Bereichen hinreichend aus-
führlich und nachvollziehbar schildert. Es bestanden auch keinerlei Hin-
weise auf eine mangelnde Fähigkeit der Beschwerdeführerin, sich auszu-
drücken und Erlebnisse zusammenhängend zu schildern. Eine besondere
Eloquenz oder Geschicklichkeit dürfte für das Wiedergeben von tatsächlich
erlebten Begebenheiten nicht nötig sein respektive wird bei der Beurteilung
der Glaubhaftigkeit von Asylvorbringen nicht vorausgesetzt.
Auch der Hinweis in der Beschwerde auf die angebliche Traumatisierung
der Beschwerdeführerin vermag die von der Vorinstanz zutreffend aufge-
führten Unglaubhaftigkeitselemente in ihren Vorbringen nicht plausibel zu
erklären, zumal sich aus den Befragungsprotokollen keine konkreten Hin-
weise darauf ergeben, dass die Urteilsfähigkeit der Beschwerdeführerin
anlässlich der Befragungen eingeschränkt gewesen wäre. Die Beschwer-
deführerin konnte ihre Asylgründe im Rahmen der BzP summarisch und
anlässlich der Anhörung umfassend schildern und bestätigte beide Male,
dass sie alle Asylgründe habe nennen und darlegen können ([...]).
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Sodann vermag auch der Einwand, die Übersetzung anlässlich der Befra-
gungen sei schwierig gewesen, vorliegend nicht zu überzeugen. Anlässlich
der BzP gab die Beschwerdeführerin an, die Dolmetscherin gut zu verste-
hen ([...]). Auch im Anhörungsprotokoll vom 28. Februar 2020 finden sich
keine Anhaltspunkte für die Annahme, es sei bei der Anhörung zu Verstän-
digungsschwierigkeiten gekommen, und auch dort hat die Beschwerdefüh-
rerin die Dolmetscherin gemäss eigenen Angaben gut verstanden [...]).
Nach der Rückübersetzung hat sie die Richtigkeit respektive Vollständig-
keit ihrer Aussagen unterschriftlich bestätigt und auch die zur Beobachtung
eines korrekten Verfahrens anwesenden Hilfswerksvertretung verzichtete
auf entsprechende Bemerkungen ([...]).
Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten die Vorbringen der Beschwerde-
führerin zu Recht als nicht glaubhaft beurteilt.
5.2 Im Übrigen ist der Vorinstanz beizupflichten, dass auch im Falle einer
Rückkehr nach Sri Lanka keine begründete Furcht vor künftigen Verfol-
gungsmassnahmen besteht (vgl. dazu Urteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert], E. 8 und 9). Gemäss dem eben
zitierten Referenzurteil des BVGer sind insbesondere Rückkehrende ge-
fährdet, die in die „Stop-List“ eingetragen sind, Verbindungen zu den LTTE
aufweisen oder solche nachgesagt werden oder sich exilpolitisch betätigt
haben. Schwach risikobegründende Faktoren sind Narben, das Fehlen or-
dentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka und eine
zwangsweise beziehungsweise durch die Internationale Organisation für
Migration (IOM) begleitete Rückführung nach Sri Lanka (a.a.O., E. 8.5.5).
Der Beschwerdeführerin ist es vorliegend nicht gelungen, glaubhaft zu ma-
chen, sie sei vor ihrer Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen
ausgesetzt gewesen. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin, die gel-
tend machte, der Schlepper habe ihr den legal erhaltenen Reisepass ab-
genommen ([...]), aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren wird, ge-
nügt für die Feststellung einer objektiv begründeten subjektiven Furcht vor
Verfolgung nicht. Weitere risikobegründende Faktoren sind den Akten nicht
zu entnehmen. Schliesslich ist insbesondere auch nicht davon auszuge-
hen, dass die sri-lankischen Behörden der Beschwerdeführerin ein Inte-
resse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zuschreiben
würden.
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5.3 Insofern in der Beschwerde geltend gemacht wird, die Lage in Sri
Lanka habe sich seit dem vergangenen Herbst verschlechtert, ist Folgen-
des festzuhalten: Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum
neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ],
In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019;
https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-
candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 13. Mai
2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema-
ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht
war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge-
gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben.
Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und
Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun-
gen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020).
Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda
zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa,
in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.ani-
news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha-
mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen
am 13. Mai 2020). Beobachter und ethnische beziehungsweise religiöse
Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die ver-
mehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten,
Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen
Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel
weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste
Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen
an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
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Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zu den Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Solches ist jedoch für die Beschwerdeführerin insbeson-
dere auch unter Berücksichtigung der Erwägungen zu ihrem Risikoprofil
(vgl. vorgängig E. 5.2) zu verneinen beziehungsweise wurde durch sie zur
Begründung ihres Asylgesuchs auch nicht dargetan.
5.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin nichts
vorgebracht hat, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzu-
weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihr Asyl-
gesuch zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der
Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in
den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts besteht
kein Grund zur Annahme, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen
in Sri Lanka konkret auf die Beschwerdeführerin auswirken könnten. Die
allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen
und die Beschwerdeführerin weist ihrerseits keine individuellen Merkmale
auf, welche eine Unzulässigkeit des Vollzugs begründen könnten. Der Voll-
zug der Wegweisung erweist sich damit als zulässig.
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Seite 16
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner
Gewalt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung
und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Gemäss Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts ist der Wegweisungsvollzug in die
Ost- und Nordprovinz (auch in das „Vanni-Gebiet“) zumutbar, wenn das
Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz ei-
nes tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussich-
ten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden
kann (vgl. Referenzurteile des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 13.3.3 sowie D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 insb. E. 9.5.9.).
7.3.3 Gestützt auf das Referenzurteil E-1866/2015 hat die Vorinstanz die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach C._ (Distrikt
D._, Nordprovinz), wo die Beschwerdeführerin bis zur Ausreise
hauptsächlich gelebt hat, zu Recht bejaht. Daran vermögen weder die Ge-
waltvorfälle in der Region Colombo (und in Negombo und Batticaloa) vom
21. April 2019 noch die Präsidentschaftswahlen vom November 2019 et-
was zu ändern.
7.3.4 Es sind keine individuellen Gründe ersichtlich, die gegen eine Weg-
weisung sprechen würden. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um
eine alleinstehende (...)-jährige Frau. Zwar gab sie an der Anhörung einer-
seits an, sie habe (...) und gehe aufgrund starker (...)schmerzen regelmäs-
sig zur Physiotherapie ([...]). Allerdings wurden durch die Beschwerdefüh-
rerin bis heute keine Arztberichte zu den Akten gereicht und sie bezeich-
nete sich in der Anhörung andererseits auch als gesund ([...]), weshalb
vorliegend nicht von nennenswerten gesundheitlichen Problemen auszu-
gehen ist. In D._ lebt ihre Mutter, die in C._ einen Laden und
ein Haus besitzt ([...]). Zu ihrer Mutter hat die Beschwerdeführerin seit ihrer
Ausreise auch wieder Kontakt ([...]). Sodann lebt in C._ nach wie
vor eine Tante (...), welche gemäss Angaben der Beschwerdeführerin
wohlhabend ist und einen (...)shop und viele Landstücke besitzt ([...]).
Zwar gab die Beschwerdeführerin an, sie habe seit ihrer Ausreise nicht
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mehr mit ihrer Tante gesprochen ([...]). Allerdings ist es ihr zuzumuten, den
Kontakt nach ihrer Rückkehr wiederaufzunehmen, zumal die besagte
Tante die Beschwerdeführerin bereits früher, etwa bei der Finanzierung der
Ausreise, unterstützt hat ([...]). Die Beschwerdeführerin verfügt über Ar-
beitserfahrung als (...) ([...]) und zusammen mit ihrem Ehemann hatte sie
einen (...), um den sich gegenwärtig ihre Tante (...) kümmert und mit dem
sie gemäss eigenen Angaben genügend Einkommen erzielen konnte ([...]).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Für die Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass. Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
9.1 Die Beschwerdeführerin ersuchte um die Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und die Einsetzung eines amtli-
chen Rechtsbeistandes (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Aus den vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten ha-
ben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht ge-
geben, weshalb die Gesuche ungeachtet einer allfälligen Mittellosigkeit ab-
zuweisen sind.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
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2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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