Decision ID: abc86961-1f89-4d37-be31-6fc46f79379b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1961, arbeitete seit dem 1
5.
Juni 2011
in einem Beschäf
tigungsgrad von 30
%
bei der Stiftung
A._
als Betreuerin im Wohnheim
(Urk. 12/6)
. Zudem arbeitete sie für diese Arbeitgeberin für rund 4 Stunden im Monat als
Betreuerin im
Behinderten
sport
(
Urk.
12/44 S. 6)
. Sie war
bei der Schweizerischen Unfallversicherung (Suva) gegen die Folgen von Unfällen ver
si
chert (
Urk.
12/6).
Am 1
1.
Januar 2012 erlitt sie einen Verkehrsunfall, als sie mit ihrem Auto der Marke Skoda Fabia links ab
bie
gen wollte und vor einem Fuss
gängerstreifen anhielt und d
ie
folgende Len
ker
in
mit
ihrem
Fahrzeug
der Marke Mercedes-Benz C-Klasse
Kombi
auf ihr Auto auffuhr (
Urk.
12/6
,
Urk.
12/14
,
Urk.
12/30, Urk.
12/44 S.
1
). Die Versicherte begab sich am 1
3.
Januar 2012 zu
Dr.
B._
, Innere Medizin FMH, welche
r
ihr eine Arbeitsun
fähigkeit von drei Wochen at
testierte (
Urk.
12/7)
und Physio
therapie verordnete (
Urk.
12/34)
.
Die Suva er
brachte Heilbehandlungs- und Tag
geldleistungen (vgl.
Urk.
12/16).
Alsdann
ver
anlasste
Dr.
B._
die MRI-Untersuchung der Halswirbel
säule (HWS), der ober
en
Brust
wirbel
säule (
BWS
) und des
kranio
zer
vi
kalen
Über
gangs
durch
Dr.
C._
, Fachärztin FMH Radiologie, spez. Neuro
radiologie,
vom 8. Februar 2012 (Urk. 12/27)
.
Am
7.
Februar 2012 begann die Ver
sicherte wieder in einem redu
zierten Pensum zu arbeiten (
Urk.
12/44 S. 7
; vgl.
Urk.
12/71 S. 4
)
. Sie klagte jedoch weiterhin über Schmerzen, insbesondere Kopf- und Nackenschmerzen, und Schlafstörungen (
Urk.
12/44 S. 4).
Ab dem 1
7.
April 2012 arbeitete die Ver
sicherte wieder in ihrem
angestammten
30%-Pen
sum (
Urk.
12/52 S. 1
,
Urk.
12/71 S. 2
).
1.2
Am 2
5.
Juni 2012 schlug einer der
Bewohner des Wohnheims
A._
der Versicherten auf den Nacken,
was
eine Verschlimmerung ihrer Beschwer
den
zur Folge hatte
(Urk. 11/1 S. 2,
Urk.
11/8)
. Die Versicherte begab sich am
5.
Juli 2012 zu ihrem neuen Hausarzt. Er attestierte ihr ab dem
2.
Juli 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
12/82 S. 3,
Urk.
12/83 S. 1)
.
Von 1
8.
Oktober bis 1
5.
No
vember 2012 befand sich die Versicherte
sodann
zur stationären Rehabilitation in der Klinik
D._
(
Urk.
12/120).
Ab dem 16. Novem
ber 2016 arbei
tete die Versicherten wieder in einem reduzierten Pensum (
Urk.
11/28).
Es folgten weitere Behandlungen und bildgebende Untersuchungen.
Nach
d
er Unter
su
chung der Versicherten gelangte der
Suva-Kreisarzt am 2
5.
Oktober 2013
zum Schluss, dass weitere
Abklärungen
notwendig seien
(
Urk.
12/
152).
Dazu gehörten unter anderem neue bildgebende Untersuchungen.
Die Suva holte
über
dies
das Gutach
ten von
Dr.
E._
, F
MH
Radiologie
,
vom 2
3.
Januar 2016 (Urk. 12/233)
ein.
Zudem
gab
Dr.
F._
, Fachärztin für Chirurgie, spez. Gefässchirurgie, Ab
teilung
Versicherungsmedizin
der Suva
,
am 29. Februar 2016 eine Beurteilung ab (
Urk.
12/
237).
Gestützt darauf
stellte die Suva ihre Versicherungsleistungen mit Verfügung vom 14. März 2016 per
1.
April 2016 ein (
Urk.
12/
239).
Dagegen erhob die Versicherte am 2
7.
April 2016 Einsprache (
Urk.
12/
245
, unter Beilage
einer
Stellungnahme von
Dr.
C._
[
Urk.
12/
244 S. 3-4]
).
M
it Einspracheentscheid vom 17. Februar 2017
wies die Suva
die Einsprache
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
3.
März 2017 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 1
4.
März 2016 sowie des Einspracheentscheids vom 1
7.
Februar 2017 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die gesetz
lichen Leistungen auszurichten. Zudem beantragte sie, dass die Beschwerde
geg
nerin zu verpflichten sei, ihr die Kosten für die Stellungnahmen von
Dr.
C._
in der Höhe von insgesamt
Fr.
1'100.-- zu
ersetzen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Juni 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10,
unter Beilage der Suva-Akten [
Urk.
11/1-78
,
Urk.
12/1-275]), w
as der Beschwerdeführerin am 1
9.
Juni 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
3.
Zu ergänzen ist, dass
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die bisherige
Dreiviertelsrente
der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 2
7.
April 2018 mit Wirkung per
1.
Juli 2018
auf eine halbe Rente herab
ge
setzt hat
. Die dagegen von der Beschwerdeführerin am 2
8.
Mai 2018 beim Sozialver
siche
rungsgericht des Kantons Zürich erhobene Beschwerde ist Gegenstand des Verfahrens IV.2018.00500 und wurde mit Urteil heutigen Datums abgewiesen.
4.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
A
m 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
cherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
D
ie
hier zu beurteilende
n Unfä
ll
e
haben sich am 1
1.
Januar und 2
5.
Juni 2012
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1
.2
Gemäss
Art.
6
Abs.
1
UVG werden
-
soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt
-
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs
unfällen und Berufs
krankheiten gewährt
.
1
.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behand
lung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsun
fähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versiche
rungsrechts, ATSG
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1
UVG
). Der Rentenan
spruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1
.
4
1
.
4
.1
Die Leistungspflicht eines Unfallver
sicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1
.
4
.2
Diese Beweisgrundsätze gelten auch in Fällen mit Schleuderverletzung der Hals
wirbelsäule, Schädelhirntraumata und äquivalenten Verletzungen.
Ist ein Schleu
dertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopf
schmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausalzusammen
hang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungs
weise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Stö
rung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1
.
5
1
.
5
.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1
.
5
.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1
.
5
.3
Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Adäquanz von psychischen Unfallfolgeschäden wie folgt zu differenzieren: Zu
nächst ist abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) oder ein Schädel
Hirntrauma erlitten hat. Ist dies der Fall, sind bei Unfällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b umschriebenen Kriterien anzuwenden. Andernfalls erfolgt die Adäquanzbeurteilung in den dem mittleren Bereich zuzuordnenden Fällen nach den Kriterien gemäss BGE 115
V
133 E. 6c/aa (siehe zur Begründung der teilweise unterschiedlichen Kriterien: BGE 117 V 359 E. 6a, letzter Absatz).
Ergeben die Abklärungen, dass die versicherte Person ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine
diesem äquivalente Verletzung
oder ein Schädel-Hirn
trauma erlitten hat, ist zusätzlich zu beurteilen, ob die zum typischen Beschwer
debild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hinter
grund treten. Ist dies der Fall, sind für die Adäquanzbeurteilung bei Fällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 115 V 133 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Folgeschäden festgelegten Kriterien (und nicht jene für Fälle mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule, äquivalenter Verletzung oder Schädel-Hirntrauma gemäss BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b) massgebend (BGE 127 V 102 E. 5b/bb, 123 V 98 E. 2a
).
1
.
5
.4
D
ie Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psy
chische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren
Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adä
quaten Kausal
zusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/aa und 367 E. 6a).
1.6
1.6.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6.2
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es
bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpartei
lichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin aller
dings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2
.1
Nach dem Heckauffahrunfall vom 1
1.
Januar 2012 stellte
Dr.
B._
die Diagnose
cervikokraniales
Beschleunigungstrauma (vgl.
Urk.
12/34).
2.2
Bei der MRI-Untersuchung der HWS, der ober
en
BWS
und des
kraniozervikalen
Übergangs im Medizinischen Radiologischen Institut vom
8.
Februar 2012 zeigte sich gemäss der Beurteilung von
Dr.
C._
als Zeichen einer Extensionsver
let
zung eine Darstellung eines Risses des Liga
mentum longitudinale
anterius
und des
Anulus
fibrosus
auf Höhe C4/C5, eines
darunter liegenden
fokalen prä
verte
bralen Hämatoms und einer Extensions-
tear
-
drop
-Fraktur des Wirbelkörpers C
5.
Zudem zeigte sich eine normale Dar
stel
lung des
kraniozervikalen
und des
zervikothorakalen
Übergangs sowie des Plexus
brachialis
beidseits (
Urk.
12/27 S.
1). Als degenerative Veränderung bestand eine diskrete
Osteochondrose
, Spon
dylose, beidseitige
Unkovertebralathrose
und zirkuläre
Diskusprotrusionen
auf Höhe C6/C7 mit einer mittelgradigen Einengung der
Neuroforamina
und mit einer konsekutiven möglich
en
Irritation der
Radices
C7 beidseits (
Urk.
12/27 S. 2).
2
.
3
Nach der Untersuchung in der Uniklinik
G._
vom 1
1.
September 2012 hielten
Oberarzt
Dr.
H._
und
Assistenzärztin
Dr.
I._
in ihrem Bericht vom 3
0.
Oktober 2013 fest,
es bestehe ein Status nach zwei
malige
m
HWS-Distorsionstrauma sowohl im Januar als auch im Juni 2012 mit nun per
sis
tierenden Beschwerden in der HWS-Region sowie im rechten Arm. In der im August durchgeführten MRI-Untersuchung habe morphologisch keine ein
deutige Ursache der Beschwerden nachgewiesen werden
können. Zudem zeige sich keine Instabilität, wie dies bereits in den konventionell-radiologischen Auf
nahmen vom März 2012 ausgeschlossen worden sei. Aus wirbelsäulenchirurgi
scher Sicht könne der Beschwerdeführerin zum aktuellen Zeitpunkt keine weitere Therapie angeboten werden und es seien keine weiteren Verlaufskontrollen ge
plant (
Urk.
12/
156 S. 2).
2
.
4
Dr.
C._
führte
in ihrer Beurteilung zur MRI-Untersuchung vom
4.
Juni 2014 folgendes
aus
(
Urk.
12/
190)
: “Minimale Flüssigkeitsansammlung im Bereich des
ehemaligen prävertebralen
subligamentären
Hämatoms und langsam pro
gre
diente Verkalkung
des Ligamentum
longitudinale
anterius
auf Höhe C4/C5 als Hinweis für Reparationsmechanismus bei Status nach Riss des
anterioren
Längs
bandes in diesem Niveau. Unverändert leichte
Retrolisthese
(2.5 mm) C4 gegen
über C5 in
Reklination
. Dieses Ausmass erfüllt die Kriterien einer Insta
bili
tät nach
Panjabi
nicht, jedoch ist ein Zusammenhang mit dem Trauma überwiegend wahr
schein
lich. Keine weiteren
radiologisch sichtbaren
Trauma
fol
gen
. Aufgrund der CT-Untersuchung kann eine
tear
-
drop
-Fraktur ausgeschlossen werden. Keine Fraktur der HWS in der CT. Keine pathologischen Prozesse in der Medulla
spina
lis
. Unveränderte
Segmentdegnerationen
der
HWS
wie oben beschrieben. Dis
krete, seit dem ersten MRI vo
m
Jahre 2012 konti
nuierlich progrediente Flüssig
keitsansammlung im
a
tl
antodentalen
Gelenk - unspezifisch.“
2
.
5
In seiner Beurteilung vom
3.
Juli 2015 hielt
Suva-Kreisarzt
Dr.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH,
fest, so
fern die vollständige Dokumentation der Abklärungen im
G._
vom Au
gust/September 2012 bei der kreisärztlichen Untersuchung
vom 2
5.
Oktober 2013
be
reits bekannt gewesen
wäre
, wäre bereits zu diesem Zeitpunkt festgestanden, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 1
1.
Januar 2012 keine strukturelle Schä
di
gung erlitten habe, dass insbesondere die
tear
-
drop
-Fraktur, die
Dr.
C._
diag
nostiziert habe, eine
Falschdiagnose gewesen sei
(
Urk.
12/
214 S. 3).
2
.
6
Dr.
E._
führte
in seinem Gutachten vom 2
3.
Januar 2016
aus
, dass die MR-Untersuchung vom
8.
Februar 2012, welche ca. drei Wochen nach dem inkri
minierten Trauma vom 1
1.
Februar 2012 durchgeführt worden sei, keine Hin
weise für ein stattgehabtes Trauma
ge
zeig
t habe
. Die im Originalbefund der Unter
suchung beschriebenen Zeichen einer Ex
tensionsverletzung der
HWS
mit
t
ear
-
drop
-
Fraktur im Segment C4/5 seien nicht nachvollziehbar. Es würden dafür die typischen Veränderungen, welche nach einem solchen Trauma gesehen wür
den, nämlich Knochenmarksveränderungen, Bandscheiben- und
ligamentäre
Veränderungen fehlen. Schliesslich würden auch Zeichen eines prävertebralen
Hämatomes
fehlen und es seien auch
keine
Myleonveränderungen
vorhanden. Beim von
Dr.
C._
beschriebenen Hämatom auf Höhe C4/5 handle es sich um eine Verkalkung des
anterioren
(ventralen) Anteils des
Anulus
fibrosus
(
Urk.
12/
233 S. 2).
Nebenbefundlich
bestünden in der Untersuchung vom
8.
Fe
b
ruar
2012
lediglich degenerative Veränderungen im Bandscheibensegment C6/7 mit Zeichen einer
Chondrose
mit begleitender ventraler und dorsaler Spondylose sowie
Unkarthrosen
foraminal
beidseits (
Urk.
12/
233 S. 2-3). Im Weiteren bestehe eine
intraossäre
Zyste im dorsalen Anteil von HWK 6, welche radiologisch be
nigne sei (
Urk.
12/
233 S. 3). Der Befund, dass keine strukturelle bild
morpho
lo
gisch fassbare Verlet
zung der
HWS
insbesondere eine
t
ear
-
drop
-
Extensions
ver
letzung in der Untersuchung vom
8.
Februar 2012 vorgelegen habe
, werde auch durch die CT-Untersuchung vom 1
6.
Februar 2012 gestützt. Diese Untersuchung
hab
e keine Hinweise für eine
ossäre
Verletzung, insbesondere im Niveau C5/6, wie dies bei einer
tear
-
drop
-
Verletzung zu erwarten wäre
, gezeigt
. Der ventrale Anteil der Deckplatte vom HWK 5 sei abgerundet und zeige keinen Hinweis für einen Ausriss des Ligamentum longitudinale
anterius
. Bereits in dieser Unter
su
chung sei jedoch eine Verkalkung des ventralen
Anulus
fibrosus
(vergleichbare Anlage)
zu erkennen gewesen
. Die weiteren folgenden MR-Untersuchungen der HWS vom 3
0.
März 2012, 1
3.
August 2012 und 2
8.
Juni 2013 sowie die Unter
suchung vom
4.
Juli 2014 würden jedoch zeigen, dass es weder im Segment C4/5 noch in den übrigen zervi
kalen Bandscheibensegmenten zu einer morphologisch fassbaren Veränderung gekom
men sei, welche für ein stattgehabtes Trauma rich
tungsweisend wären (
Urk.
12/
233 S. 3).
Wenn es im Rahmen des Traumas zu einer, wie von der initial
be
funden
den
Radiologin
Dr.
C._
beschrieben
,
tear
-
drop
-
Verletzung gekommen wäre, wären im Verlauf de
generative Veränderungen zu erwarten ge
wesen. Die CT-Untersuchung vom
4.
Juni 2014 habe dann sehr schön die Ver
kalkung des ventralen Anteiles des
Anulus
fibrosus
gezeigt. Diese Verkalkung habe den
typischen
Aspekt einer
Anulus
fibrosus
Verkalkung in der HWS. Die Genese dieser Veränderung sei nicht vollständig geklärt, möglicher
weise habe sie sich sekundär durch einen chro
ni
schen Stress auf die Bandscheibe entwickelt (
Urk.
12/
233 S. 3).
Bezüglich der Beurteilung, ob eine Instabilität der HWS vor
liege, könnten
d
ie funktionellen Röntgenaufnahmen der HWS vom 3
0.
März 2012 und vom
6.
Juni 2014 in Be
tracht gezogen werden. Die beiden Unter
su
chungen würden keine Hinweise für eine Instabilität zeigen. Die Streck
haltung der HWS, welche
auf
beide
n
Aufnahmen zu erkenn
en
sei, sei unspezifisch (
Urk.
12/
233 S. 4).
Sowohl die verschiedenen MR-Untersuchungen sowie auch die CT-Untersuchungen würden keine Hinweise zeigen, dass es zu einer relevanten Veränderung der ossären Strukturen und der Weichteile gekommen sei. Die bereits 2012 bestehende
Chondrose
im Segment C6/7 mi
t
der verbunden
en
vent
ra
len Spondylose sowie der
bilateralen
Unkarthrose
sei im Verlauf unverändert
(Urk.
12/
233 S. 5)
.
Zusammenfassend bestünden somit aus radiologi
scher Sicht keine Hinweise dafür, dass einer der beiden Unfälle (Heckauffahrun
fall vom 1
1.
Januar 2012 res
pektive Schlag auf die HWS am 2
5.
Juni
2012) zu einer akuten und struk
turel
len Verschlimmerung des Vorzustandes (Spondylose) geführt habe (
Urk.
12/
233 S.
5). Es bestünden keine Gesundheitsschäden
, welche mit über
wiegender Wahr
schein
lichkeit auf die beiden Unfallereignisse zurückge
führt werden könnten (
Urk.
12/
233 S. 5).
2.7
Dr.
C._
führte in ihrer Stellungnahme vom 3
0.
März 2012 aus, das
subliga
mentäre
, prävertebrale Hämatom auf Höhe C4/C5 mit einem
kraniokaudalen
Durchmesser von 8 mm sei eindeutig zu erkennen und könne von einem er
fah
renen Radiologen nicht mit einer Verkalkung verwechselt werden. Dieser Befund (das Hämatom) werde durch die in der Folge angefertigten MRI Untersuchungen von 2
8.
Juni 2013 und
4.
Juni 2014
bestätigt, wobei nach der Resorption des Hämatoms lediglich eine kleinfleckige Rest-T2w Hyperintensität in diesem Be
reich zu erkennen sei. Dies sei eine no
rmale Evolution eines Hämatoms.
Ein Riss
des Ligamentum
longitudinale
anterius
auf Höhe C4/C5 sei in der T1 Sequenz vom
8.
Februar 2012 eindeutig zu erkennen (
Urk.
12/
244 S. 3).
Die allererste
Röngtenbestrahlung
-basierte Untersuchung (was für die Knochen
veränderungen und Verkalkungen am sensitivsten sei) - ein laterales Röntgen der HWS vom 3
0.
März 2012 - zeige
keine Verkalkung des Ligamentum
longitu
dinale
anterius
auf Höhe C4/C
5.
Jedoch sei in den darauffolgenden Röntgen
untersuchungen vom 2
8.
Juni 2013 und
6.
Juni 2014 eine neu aufgetretene (2013) und grössen
pro
gre
diente (2014) Verkalkung in diesem Bereich zu erkennen (was auch in der CT-Untersuchung vom
4.
Juli 2014 nachweisbar sei).
Dies könne als Ausdruck eines Reparationsmechanismus bei
Status nach Riss
des Ligamentum
longitudinale
anterius
oder als Reaktion auf eine Instabilität inter
pretiert werden.
Dass eine Veränderung von Natur aus (ohne Trauma) erfahrungsgemäss zustande kommen könne, bedeute nicht automatisch, dass die Veränderung nicht mit dem Trauma in Zusammenhang stehen könne. Wenn nach einem Trauma (2012) im denselben Bewegungssegment (C4/C5) ein
subligamentäres
prävertebrales Hä
ma
tom, ein Riss
des Ligamentum
longitudinale
anterius
, eine
Listhese
der angren
zenden Wir
belkörper
und eine über 1-2 Jahre neu aufgetretene (2013) und pro
grediente (2014) Verkalkung erkennbar sei
en
, bestehe ein überwiegend wahr
schein
licher Zusammenhang zwischen diesen Veränderungen und
dem Trauma (Urk.
12/
244 S. 4).
2
.
8
In seiner Stellungnahme vom
3.
November 2016
hielt
Dr.
E._
fest
,
Dr.
C._
habe nun ebenfalls ausgeführt, dass keine
tear
-
drop
-Fraktur im Seg
ment C4/C5 vorgelegen habe.
D
er (Kausal-)Zusam
men
hang zwischen dem statt
gehabten Trauma der Halswirbel
säule (Heckauffahrunfall vom 1
1.
Januar 2012 respektive Schlag auf die HWS am 2
5.
Juni 2012) und den be
schriebenen mor
phologischen Veränderungen im Segment C4/C5 könn
t
e
n
nicht als “über
wiegend wahrscheinlich“ bezeichnet werden (Urk.
12/
257 S. 1-2). Die morpholo
gischen Veränderungen
seien zu diskret und würden von verschiedenen Spezia
listen unterschiedlich interpretiert. Im Laufe der Zeit sei es in einem HWS-Seg
ment zu degenerativen Veränderungen gekommen. Im Zusammenhang mit einem Trauma sei es bei solch monosegmentalen Veränderungen deshalb immer schwierig, einen
möglichen Zusammenhang mit einem Trauma vollständig in Ab
rede zu stellen. Ob wirklich, wie
Dr.
C._
in ihrer Stellungnahme ausgeführt habe, im MR
I
vom
8.
Februar 2012 eine Rupt
ur des vorderen Längsbandes mit Begleithämatom auf Höhe C4/5 je vorhanden gewesen sei, werde aus Erfahrung von verschiedenen Radiologen unterschiedlich
beurteilt werden. Er bezweifle, dass es isolierte trau
matische Rupturen des vorderen Längsbandes ohne
ossäre
Beteiligung und ohne im ersten
MRI vorhandenen Diskuseinriss überhaupt gebe. Er komme deshalb zum Schluss, dass aus unfallmechanischer Sicht die Schwere des Trauma
s
2012 dahingehend beurteilt werden müsse, ob der
Traumamechanis
mus
eine
ligamen
täre
HWS
Verletzung erwarten lassen würde
(
Urk.
12/
257 S. 2).
2
.
9
Dr.
C._
führte am 1
7.
Januar 2017 aus, das in ihrem Bericht vom
8.
Februar 2012 beschriebene
subligamentäre
prävertebrale Hämatom auf Höhe C4/C5 mit einem
kraniokaudalen
Durchmesser von 8 mm sei ein objektiver und gut erkenn
barer Befund,
der nicht anders interpretiert
werden könne. Weil ein Hämatom in dieser Region lediglich als Folge eines Traumas entstehen könne (eine ent
zünd
li
che, degenerative oder neoplastische Ätiologie könne ausge
schlos
sen werden), bestehe ein Zusammenhang zwischen dieser Veränderung und dem Trauma. Auch wenn die MRI Bilder so beurteilt würden
, dass kein Riss des Ligamentum
longi
tudinale
anterius
bestehe, könne die Trauma-bedingte Ätiologie des Hämatoms nicht in Abrede gestellt werden (Urk.
12/
262 S.
2).
2.10
In ihrer Stellungnahme vom 1
3.
März 2017 hielt
Dr.
C._
sodann
fest, dass gemäss Bericht der MRI-Untersuchung der HWS vom 3
0.
März 2012 im
Kan
tonsspital
K._
eine “Signalstörung“ auf Niveau C5
bestehe
, das heisse “etwas“, was ana
tomisch nicht dorthin gehöre. Es gehe aus der Beschrei
bung auch klar hervor, dass diese Läsion im Vergleich zur Voruntersuchung klei
ner gewor
den sei. Eine Verkalkung (wie diese “Signalstörung“ durch
Dr
.
E._
beurteilt worden sei) könne erstens nicht
regredient
werden. Zweitens sei die Morphologie und Grösse (8 x 2.5 mm) dieser Läsion nicht mit einer
Ver
kal
kung des
anterioren
Anulus
fibrosus
oder des
anterioren
Längsbandes verein
bar und könne nur einer Flüssigkeitsansammlung entsprechen. Die Tatsache, dass im
K._
der Begriff “Hämatom“ nicht verwendet worden sei,
wider
spiegle lediglich einen deskriptiven (versus interpretierenden)
Befun
dungsstil
. Auch in diesem Bericht werde eine Konturunterbrechung des ventralen
Anulus
fibrosus
(welche
mit dem Ligamentum longitudinale
anterius
verwachsen sei) beschrieben und somit werde ihre Verdachtsdiagnose eines Risses des
Anulus
fibrosus
/ Ligamen
tum longitudinale
anterius
(die zwei Strukturen seien verwach
sen) durch die Radiologen im
K._
bestätigt
. Somit sei auch dieser Befund kongruent mit ihrer Beurteilung. In der nächsten MRI-Untersuchung der HWS vom 13. Au
gust 2012, mithin rund viereinhalb Monate später, habe in der Uniklinik
G._
kein
Hämatom auf Höhe C4/C
5 nachgewiesen werden können, was den Er
war
tungen völlig entspreche. Es sei klar, dass ein Hämatom sechs Monate nach einem Unfall nicht mehr erkennbar sei, denn das sei die normale Evolution einer Blutung. Der
befunden
d
e
Radiologe der Uniklinik
G._
würde sich mit seiner Beurteilung lediglich auf die aktuell durch ihn durchgeführte MRI-Untersuchung beschränken (
Urk.
3/4).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin wegen der Folgen
der
Un
f
ä
ll
e
vom
11. Januar
und 2
5.
Juli
2012
über den
1. April 2016
hinaus Leistungen zu erbringen hat, mithin, ob die nach diesem Zeitpunkt geklagten Beschwerden noch in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit
diesen Un
fallereignissen stehen.
3.2
Die
Beschwerdegegnerin
hat
die Fälle
per
1.
April 2016 abgeschlossen
,
was nicht zu beanstanden ist
(vgl. dazu Art. 19 Abs. 1 UVG)
.
Dr.
F._
, Fachärztin für Chirurgie, spez. Gefässchirurgie, FMH, Abteilung Versicherungs
medizin der Suva, hielt in ihrer chirurgischen Beurteilung vom 2
9.
Februar 2016
fest, dass bereits im Bericht der Physiotherapeutin
der Beschwerdeführerin vom 3
0.
September 2012 ein wellen
förmiger Therapieverlauf beschrieben werde. Auch in den Berichten vom 29.
Juli 2013, 27.
März 2014 und 12.
Januar 2015 werde durch die Physio
therapeutin trotz weiterführender Behandlung eine unveränderte Situation do
ku
mentiert. Zudem sei im Bericht der O
r
thopädie der Uniklinik
G._
vom 30.
Oktober 2013
ausgeführt worden, dass aus wirbelsäulenchirur
gischer Sicht keine weitere Therapie angeboten werden
könne. Der medizinische Endzustand sei heute, über vier Jahre nach dem Heckauffahrunfall, erreicht. Weder
von
ärzt
liche
r
noch
von
physiotherapeutische
r
Behandlung könne eine erhebliche Zu
standsverbesserung
erwartet werden (
Urk.
12/237 S. 13).
Da nach Lage der Akten auch keine Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversiche
rung pendent sind
(vgl. Sachverhalt Ziffer 3)
, ist der Fallabschluss durch die Beschwerdegegnerin per
1. April 2016
nicht zu beanstanden (vgl. etwa Urteil des Bundes
gerichts
8C_527/2008
vom 27. Novem
ber 2008 E. 4.1). Weitere Taggeld- und Heilbehand
lungsleistungen waren somit nicht geschuldet.
3.3
3.3.1
Zu prüfen bleibt der Anspruch auf Rente und Integritätsentschädigung.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass objektivierbare und bildgebend nach
weis
bare Unfallfolgen vorliegen würden. Der natürliche und adäquate Zusammen
hang sei somit gegeben.
Dr.
C._
zeige nachvollziehbar auf, weshalb auf das
Gutachten von
Dr
.
E._
vom 2
3.
Januar 2016 nicht abgestellt werden könne
(
Urk.
1 S. 3)
. In seiner Stellungnahme vom
2.
November 2016 gelinge es
Dr
.
E._
nicht, die von ihm ganz offensichtlich nicht erkannte Ruptur des vorderen Längsbandes mit Begleithämatom nachvollziehbar zu verneinen.
Sodann sei d
as
von
Dr.
C._
diagnostizierte
Hämatom bildgebend nachweis
bar und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf
den Unfall
vom 1
1.
Januar 2012 zurückzuführen. Dies werde von
Dr.
C._
nochmal
s
in ihrem Bericht vom 17.
Januar 2017 veranschaulicht. Die Beschwerde
gegnerin habe die Beurteilung von
Dr.
F._
vom 29. Februar 2016
ein
ge
holt. In ihre
r
Stellungnahme vom 1
3.
März 2017 habe
Dr.
C._
auch die
Beurteilung
von
Dr.
F._
widerlegt (
Urk.
1 S. 4).
3.3.2
Auch Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich fest
stehen
den medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte fachärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile des Bundesgerichts 9C_524/2017 vom 2
1.
März 2018 E. 5.1 und 9C_223/2014 vom
4.
Juni 2014 E.
6.1
, je
mit weiteren Hinweisen).
Das Gutachten von
Dr
.
E._
vom
2
3.
Januar
2016 (
Urk. 12
/
233) erfüllt diese Voraussetzungen (vgl.
Urk.
12/233 S.
1-2).
Gemäss
Dr
.
E._
bestehen aus radiologischer Sicht keine Hinweise dafür,
dass die Unfälle vom 11. Januar
und 2
5.
Januar 2012 zu einer akuten und strukturellen Ve
r
schlimmerung des Vorzustandes geführt hätten (
Urk.
12/233 S.
5).
Er
führte
in seinem
Gutachten
vom 2
3.
Januar 2016
zunächst
aus
, dass d
ie
von
Dr.
C._
im Originalbefund der Untersuchung
vom
8.
Februar 2012
be
schriebenen Zeichen einer Extensions
verletzung der
HWS
mit
t
ear
-
drop
-
Fraktur im Segment C4/5 nicht nach
voll
zie
h
bar seien
(
Urk.
12/233 S. 2)
.
Dr.
C._
hielt
in der Folge
am
4.
Juni 2014 ebenfalls fest, dass aufgrund der CT-Untersuchung (vom 1
6.
Februar 2012) eine
tear
-
drop
-Fraktur ausgeschlossen werden
müsse
(
Urk.
12/190). Weiterungen dazu können somit unterbleiben.
Nach der MRI-Untersuchung vom
8.
Februar 2012 diagnostizierte
Dr.
C._
zudem
ein
en
Riss
des Ligamentum
longitudinale und des
Anulus
fibrosus
auf Höhe C4/C5 mit einem darunter liegenden fokalen präver
te
bralen Hämatom (
Urk.
12/27 S. 1).
In ihrer Stellung
nahme vom 30. März 2012 hielt sie sodann fest, dass ein Riss des Ligamentums longitudinale
anterius
auf Höhe C4/C5 in der T1 Sequenz vom 8. Februar 2012 eindeutig zu erkennen sei (Urk. 12/244 S. 3). Alsdann
hätten
die in den Jahren 2012 bis 2014 durchgeführten bildgebenden Unter
suchungen eine grös
senprogrediente Verkalkung des Ligamentum longitu
dinale
anterius
auf Höhe C4/C5
gezeigt
. Dies könne als Ausdruck eines Repara
ti
ons
mechanis
mus bei Status nach Riss
des Ligamentum
longitudinale
anterius
oder als Reak
tion auf eine Instabilität inter
pretiert werden (Urk. 12/244 S. 4).
Dr
.
E._
führte in seinem Gutachten vom 23. Januar 2016 aus, als einziger Befund bestehe eine Verkalkung des
anterioren
Anteils des
Anulus
fibrosus
, wel
che zwischen den Untersuchungen vom 16. Februar 2012 und
d
er Unter
suchung vom 4. Juni 2014 etwas grösser geworden sei. Es gebe wissen
schaftlich aber keine Hinweise, dass diese Verän
de
rungen eindeutig einem HWS-Trauma zugeordnet werden könnten. Insbesondere gebe es keine Hinweise, dass diese Verkalkung Folge eines Risses
des Ligamentum
longitudinale
anterius
sein könn
t
e
n
(Urk. 12/233 S. 5). Ein isolierter Riss des Liga
mentum longitudinale
anterius
sei im Rahmen eines HWS-Traumas sowieso schwierig möglich, da diese Ver
letzun
gen immer mit einer ossären Komponente respektive einem ossären Ausriss res
pektive einer
tear
-
drop
-Fraktur vorkommen würde (Urk. 12/233 S. 5-6).
Diese Ausführungen vermögen zu überzeugen. In den Berichten der untersuchenden Radiologen sind aber keine solche ossären Verletzung
en
festgehalten worden:
Dr.
L._
, Fachärztin Radiologie FMH, Oberärztin Spital
M._
,
hat
bereits
nach der CT-Untersuchung vom 1
6.
Februar 2012
ausgeführt
, dass die Halswirbel
körper intakt seien und insbesondere keine
ossäre
Pathologie habe festgestellt werden können
(Urk. 12/48)
.
Laut Oberarzt
Dr.
N._
zeigten die bildgebenden Unter
suchungen im
K._
(MR Hals
wirbel
säule, Röntgen HWS und Funktions
aufnahmen) vom 3
0.
März 2012 (
Urk.
12/65-66) eine deut
li
che
Regre
dienz
der bildmorphologi
schen Primärauf
fälligkeiten bei rönt
geno
lo
gisch in Frage zu
stel
lender (weil nicht mehr nach
weis
barer)
tear
-
drop
-
Fraktur Hals
wirbel
körper (
HWK
) 5 sowie eine geringfügige
Alig
ne
mentstörung
HWK
4/5 (
Urk.
12/
57 S. 3).
Nach der Unter
suchung vom 13. August 2012 hielt Dr.
O._
, leitender Arzt Uniklinik
G._
, fest, dass keine
ligamentäre
Läsion und keine
ossäre
Läsion nachweisbar gewesen sei
en
. Insbesondere hätten sich im Verlauf
des Lig
a
mentum
longitudinale
anterius
nor
male Verhältnisse gezeigt
(Urk. 12/87 S. 2)
.
Nach der Untersuchung in der Uni
klinik
G._
vom 11. September 2012 führte
n
Dr.
H._
und Dr.
I._
in ihrem Bericht vom 30. Oktober 2013 aus, in der im August durch
ge
führten MRI-Untersuchung hät
ten morpho
logisch keine eindeutigen Ursachen der Beschwer
den nachge
wiesen werden kön
nen. Zudem zeige sich keine Instabilität, wie dies bereits in den kon
ventionell-radiologischen Aufnahmen vom März 2012 aus
ge
schlossen worden sei (Urk. 12/156 S. 2).
Alsdann
hielt
Dr.
F._
in ihrer chirurgischen Beurteilung vom 14. Februar 2017 fest, dass bei einem Heckauf
fahrunfall eine isolierte trau
matisch bedingte Läsion des Ligamentum longitu
dinale
anterius
ohne gleich
zei
tige Verletzung der
Fazettengelenke
und ohne Nachweis eines
Bone
bruise
in den betroffenen Wirbelkörper nicht über
wiegend wahrscheinlich
sei
(
Urk.
12/
266
S.
6).
Dr.
C._
führte in ihrer Stellung
nahme vom 17. Januar 2017
ferner
aus, das
in ihrem Bericht vom 8.
Februar 2012 beschriebene
subligamentäre
prävertebrale
Häma
tom auf Höhe C4/C5 mit einem
kraniokaudalen
Durchmesser von 8 mm sei ein objektiver und gut erkenn
barer Befund, der nicht anders interpretiert werden könne (Urk. 14/262 S. 2). In ihrer Stellungnahme vom 13. März 2017 hielt
sie
zudem
fest, die Tatsache, dass im
K._
der Begriff “Hämatom“ nicht verwendet worden sei, spiegle lediglich einen deskriptiven (versus interpre
tierenden)
Befundungsstil
wider
(Urk. 3/4).
In seiner Stellungnahme vom 3. November 2016 führte Dr.
E._
aus,
dass
die Frage, ob wirklich, wie es
Dr.
C._
be
schrie
ben habe, im MR vom 8. Februar 2012 eine Ruptur des vorderen Längs
bandes mit Begleithämatom auf Höhe C4/5 je vorhanden gewesen sei, aus Erfahrung von verschiedenen Radiologen unterschiedlich beurteilt werde (Urk. 12/257 S. 2). Hinzuweisen ist dabei etwa auf Dr.
L._
, welche schon am 16. Februar 2012 ausgeführt hatte, dass der im MRI (vom 8. Februar 2012) beschriebene Befund (Hämatom prävertebral auf Höhe C4/C5) computer
tomographisch nicht abgrenz
bar
sei (Urk. 12/48)
.
Massgebend sind die objektiv ausgewiesenen Un
fallfolgen. Objek
tivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Unter
su
chenden und den Angaben des Patienten unab
hängig sind. Vo
n
organisch objek
tiv ausgewiesen
en
Unfallfolgen kann somit erst dann ge
sprochen werden, wenn die erh
obenen Befunde mit apparativen/
bild
gebenden Abklärungen bestä
tigt wurden und die hierbei angewendeten Unter
su
chungs
methoden wissen
schaftlich anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1; Urteil des Bundes
gerichts 8C_720/2017 vom 12. März 2018 E. 3.2).
Der Um
stand, dass
Dr.
C._
die
bild
gebenden Untersuchungen anders interpretiert als
Dr
.
E._
,
genügt
mithin
nicht, um Zweifel an dessen Gutachten vom
2
3.
Januar 2016
(
Urk.
12/233)
zu begrün
den
.
Objektivierbare Befunde, welche
Dr
.
E._
nicht vorlagen oder von diesem nicht berücksichtigt wurden, konnte
Dr.
C._
nach dem Gesagten aber nicht angeben.
Mit
Dr
.
E._
ist somit davon auszugehen, dass die Unfälle vom 11. Januar 2012 und 25. Juni 2012 keine strukturelle Verschlimmerung bewirkt haben und dass aus radiologischer Sicht keine Gesundheitsschäden
, w
elche mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit auf die beiden Unfallereignisse zurückgeführt werden können, bestehen (Urk. 12/233 S. 5).
3.4
3.4.1
Bei der kreisärztlichen Untersuchung vom
2
5.
Oktober 2013 klagte die Beschwer
deführerin über belastungsabhängige Schmerzen und Übelkeit, Atemnot sowie Konzentrationsstörungen. Die Schmerzen seien im Nacken lokalisiert und würden über den ganzen Kopf ausstrahlen bis zur Stirn und in den ganzen Rücken bis zum Steissbein (
Urk.
12/152 S. 4).
Ob die
se und die anderen
noch geklagten Beeinträchtigungen, welchen nach den vorstehenden Aus
führungen kein klar
fassbares unfallbedingtes organisches Korrelat zugrunde liegt
, in einem na
tür
li
chen Kausalzusammenhang zu den
versicherten Unfallereignis
sen
stehen, kann
offen gelassen
werden. Denn diesbezüglich ist -
anders als bei Gesundheits
schä
digungen mit einem klaren un
fallbedingten organischen Substrat, bei welchen der adäquate Kausal
zusam
menhang in der Regel mit dem natürlichen bejaht wer
den kann (BGE 127
V 102 E. 5b/bb mit Hinweisen) -
eine besondere Adä
quanz
prüfung vorzu
nehmen.
3.4.2
Mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 1
7.
Februar 2017 führte die Beschwerdegegnerin für den Unfall vom 1
1.
Januar 2012 eine Adäquanzprüfung nach der sogenannten Schleudertrauma-Praxis durch (vgl.
Urk.
2 S. 6-8).
Zum Unfall vom 2
5.
Juni 2012 führte sie aus, dass auf diesen nicht näher eingegangen werden müsse, da er einzig eine vorübergehende Verschlimmerung bewirkt
habe
(Urk. 2 S. 7).
Gemäss Austrittsbericht der Klinik
D._
hat die Beschwerdeführerin durch den Schlag auf den Nacken vom
2
5.
Juni 2012 eine HWS-Kontusion erlitten,
wodurch es zu einer Exazerbation des
cervicospondylo
genen
Syndroms gekommen sei (
Urk.
11/26 S. 1).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
hat
bei zwei oder mehreren Unfällen die Adäquanzprüfung grundsätzlich auch bei
Unfällen mit
einem
Schleudertrauma der HWS
oder einer gleichgestellten Verletzung für jeden Unfall gesondert
zu erfolgen. In diesem Rahmen ist es rechtsprechungsgemäss jedoch nicht generell ausgeschlossen, die wiederholte Betroffenheit desselben Körperteils bei der Adäquanzprüfung zu berücksichtigen. Letzteres ist insbesondere dann denkbar, wenn die Auswirkun
gen der verschiedenen Ereignisse auf gewisse Beschwerden und/oder die
Arbeits
fähigkeit nicht
voneinander abgegrenzt werden können (Urteil des Bundes
ge
richts
8C_477/2008 vom 1
9.
Dezember 2008
E. 6.1)
.
Nachfolgend ist ent
spre
chend vorzugehen.
D
ie Adäquanzprüfung
hat
nach den
für die Folgen eines Schleuder
traumas der HWS, eines Schädel
hirn
traumas oder einer dem Schleuder
trauma ähnlichen
Ver
letzung in BGE 117 V 359 ent
wickelten und in BGE 134 V 109 präzisierten Regeln zu erfolgen.
3.5
3.5.1
Ausgangspunkt der Adäquanzprüfung bildet das (objektiv erfassbare) Unfall
er
eignis. Die Bestimmung des Schweregrades eines Unfallereignisses erfolgt auf
grund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei ent
wickeln
den Kräften, wobei eine objektivierte Betrachtungsweise anzu
wenden ist. Nicht mass
gebend sind die Folgen des Unfalles oder Begleitum
stände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Derartigen, dem eigentlichen Un
fallgeschehen nicht zuzuordnenden Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adä
quanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die
-
ein eigenes Krite
rium bildenden
-
Verletzungen, welche sich die versi
cherte Person zuzieht, aber auch für unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Be
gleitum
stände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfenden äusseren Um
stände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- re
spektive gar Todesfolgen, die der Unfall für andere Personen nach sich zieht (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 27 E. 5.3.1).
3.5.2
Beim
Unfall vom 1
1.
Januar 2012 hielt die Beschwerdeführerin
mit ihrem Auto der Marke Skoda Fabia vor einem Fuss
gängerstreifen an und die folgende Len
kerin
ist
mit ihrem Fahrzeug der Marke Mercedes-Benz C-Klasse Kombi auf ihr Auto auf
gefahren
(Urk. 12/6, Urk. 12/14, Urk. 12/30, Urk. 12/44 S. 1).
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen Einspracheentscheid vom 17.
Feb
ruar 2017 aus, dass der Unfall vom 11.
Januar 2011 unter Berücksichtigung der Akten und im Lichte der in der Rechtsprechung dargelegten
Präjudizien
maximal den mittelschweren Unfällen im engeren Sinn zuzuordnen wäre. Es würden sich aber wohl gar einige Argumente finden, die für einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten sprechen würden (
Urk.
2 S. 8).
Aufgrund der Scha
denbilder (
vgl. Urk. 12
/
30
S.
1
-7)
,
der am Fahrzeug
der
Beschwerdeführer
in
ent
standenen Reparatur
kosten (
Urk.
12/41
)
und dem unfallanalytischen Gutach
ten der Axa Winterthur vom 23.
Februar 2012, wonach die kollisions
bedingte Geschwindigkeitsänderung des Skoda Fabia zwischen ca. 16 und 26 km/h gelegen habe (
Urk.
12/30 S. 1),
rechtfertigt es sich
indes
, vorliegend
von einem mittel
schweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen
auszugehen.
E
infache Auf
fahr
kollisionen auf ein haltendes Fahrzeug
sind
in der Regel als mittel
schwe
rer Unfall im Grenz
bereich zu den leichten Unfällen
zu
betrachten (Urteil des Bundes
ge
richts U
380/04 vom
15.
März 2005
E. 5.1.2).
Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre somit nur dann zu bejahen, wenn von
den weiteren massgeblichen Kriterien
(vgl.
E.
1.5.4
) entweder ein einzelnes in ausgeprägter Weise oder aber mindestens vier in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären (Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2009 vom
7.
Dezember 2009 E. 5 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_421/2009 vom 2.
Oktober 2009).
3
.
6
3
.
6
.1
Zu diesen sogen
annten Adäquanzkriterien ist zu
nächst festzuhalten, dass eine
“ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert
hat
“ nach
Lage der Akten nicht gegeben ist.
3
.
6
.2
Alsdann ist das
Kriterium “
besonders dramatische Begleitumstände oder be
son
dere Eindrücklichkeit des Unfalls“ nach der Rechtsprechung objektiv zu beur
tei
len und nicht auf
grund des subjektiven Empfindens beziehungsweise Angst
ge
fühls der ver
sicherten Person. Zudem ist zu beachten, dass jedem mindestens mit
tel
schweren Unfall eine gewisse Ein
drück
lichkeit eigen ist (statt vieler: Urteil des Bundes
gerichts 8C_910/2009 vom 13. Januar 2010 E. 4.3 mit weiteren Hin
wei
sen).
Dieses
Kriterium ist
deshalb
ebenfalls nicht erfüllt
, auch wenn die Beschwer
de
führerin am
2.
März 2012 folgendes ausführte: Sie habe im Zeitpunkt des Ereig
nisses nach links geschaut, um zu prüfen, ob ein Fussgänger den Fuss
gän
ger
streifen
überqueren möchte. Sie habe daher nicht in den Rückspiegel geschaut und habe das von hinten kommende Fahrzeug nicht gesehen. Es habe sie total
überrascht (
Urk.
14/44 S. 1).
3
.
6
.3
Das Kriterium “Schwere oder besondere Art der erlittenen Ver
letzungen“ ist
nicht gegeben
.
Gemäss
Dr
.
E._
hat der Unfall vom 11. Januar 2012 keine strukturelle Verschlimmerung bewirkt (Urk. 12/233 S. 5).
Dr.
B._
stellte die Diagnose
cervikokraniales
Beschleunigungstrauma (vgl.
Urk.
12/34).
Dr.
P._
, FMH Allgemeinmedizin, nannte die Diagnose
“HWS-Distorsions
trauma Quebec Task Grad IV“ (vgl.
Urk.
11/13). Diese Diagnosen
allein
genügen jedoch
nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung (
vgl.
BGE 134 V 109 E. 10.2.2).
3
.
6
.4
Einzig aufgrund des Umstandes, dass
die
Beschwerdeführer
in
ihre
Schmerzen seit dem Unfall bei verschiedenen Ärzten und Institutionen zu lin
dern ver
suchte, kann noch nicht auf eine spezifische, belastende ärztliche Behandlung geschlos
sen werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_910/2009 vom 13. Januar 2010 E. 4.4). Durch die ärztliche Behandlung müsste eine er
heb
liche Mehr
belas
tung ausser
ge
wöhnlicher Natur resultieren (Urteil des Bun
desgerichts 8C_209/2008 vom 2. Dezember 2008 E. 5.4), was vorliegend nicht der Fall ist.
3
.
6
.5
Auch das Kriterium “
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Kompli
ka
tio
nen“ kann nicht bejaht werden. Nach der Recht
spre
chung des Bundesgerichts bedarf es hierzu besonderer Gründe, welche die Heilung beein
trächtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen ebenso wenig, wie der Um
stand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht wer
den konnten (Urteil des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 7.6).
Beim Unfall vom 25. Juni 2012 schlug einer der Bewohner des Wohnheims
A._
Land der Beschwerdeführerin auf den Nacken (Urk. 11/1 S. 2, Urk. 1
1/8). Laut den Ärzten der Klinik
D._
ist
es
dadurch
zu einer Exazerbation des
cervicospondylo
genen
Syndroms gekommen
(
Urk.
11
/26 S. 1). Der Hausarzt der Beschwerdeführerin schrieb sie ab
2.
Juli 2012 wieder zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
11/6 S. 3, Urk.
11/9 S. 1-2).
Laut
Dr
.
E._
hat der Unfall vom 25. Juni 2012 keine struk
turelle Ver
schlimmerung bewirkt (Urk. 12/233 S. 5). Gemäss
Dr.
J._
ist eine vorüber
gehende Zustandsverschlimmerung durch den Schlag gegen den Nacken möglich, allerdings sei in der Folge keine strukturelle Schädigung fest
stellbar gewesen. Kontusionen würden in aller Regel nach einigen Wochen oder wenigen Monaten ausheilen (
Urk.
12/214 S. 3).
Dr.
F._
führte am 2
9.
Februar 2016 aus, es sei von einer alleinigen Kontusion auszugehen, welche spätestens innert 6 bis 12 Wochen folgenlos ausheile (
Urk.
12/237 S. 13).
Aufgrund des Schlags auf den Nacken vom 25. Juni 2012 kann daher nicht von “erheblichen Komplikationen“ gesprochen werden. Gleiches gilt für das folgende in den Akten erwähnte Ereig
nis:
Angeblich hat am 17. Februar 2013 derselbe Bewohner des Wohnheims
A._
der Beschwerdeführerin gegen die Stirn geschlagen
(Urk. 11/38)
. Danach war aber keine medizinische Behand
lung nötig und es bestand auch keine Arbeitsunfähigkeit
(
vgl.
Urk. 11/38
).
3
.
6
.6
Adäquanzrelevant können
sodann
nur die
jenigen Beschwerden sein, die in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fall
ab
schluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehen, wobei sich deren Erheb
lichkeit nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung beur
teilt, welche die verunfallte Person in ihrem Lebens
alltag erfährt (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_768/2007 vom 4. August 2008 E. 4.2). De
r
Beschwerde
führer
in
war es nach dem Unfall nach wie vor möglich, gewisse häus
liche und ausserhäusliche Aktivitäten auszuüben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_209/2008 vom 2. Dezember 2008 E. 5.5).
Dazu gehörte
namentlich die
Arbeitstätigkeit bei
ihrer
Arbeitgeberin (Urk.
12
/2
1
, Urk.
12
/
44
S.
7
; vgl. auch das ärztliche Zeugnis von
Dr.
P._
vom
4.
Juni 2012 [
Urk.
11/6 S. 2
]
). Sie ist jeweils mit dem Auto zur Arbeit gefahren und hat am
2.
März 2012 angegeben, dass sie kurze Strecken mit dem Auto fahren könne (
Urk.
12/44
S. 7).
Das Krite
rium “
erhebliche Be
schwer
den“ ist daher nicht erfüllt.
3
.
6
.7
Bei der
Prüfung des Kriteri
ums einer “
erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz aus
ge
wiesenen Anstrengungen“ ist
schliesslich
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass
n
icht die
Dauer der Arbeitsunfähigkeit
mass
gebend
ist
, sondern eine erheb
liche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu über
winden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstren
gun
gen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Krite
riums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung
raschmöglichst
wieder opti
mal in den Arbeitspro
zess einzugliedern,
was schon der allgemeine
sozialversicherungsrechtliche Grundsatz der Schaden
minderungspflicht
gebietet. Solche Anstrengungen der versicherten Personen können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversu
chen trotz allfälliger per
sönlicher Unannehmlichkeiten mani
fes
tieren. Dabei ist auch der persönliche Ein
satz im Rahmen von medi
zi
nischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgericht
s
8C_987/2008 vom 31. März 2009 E. 6.7.1).
Wie fest
gehalten (E. 3.6.6) hat die Beschwerdeführerin nach dem Unfall vom 1
1.
Januar 2012
ihre Arbeitstätigkeit bei der Stiftung
A._
wieder aufgenommen
. Es kann jedoch
offen bleiben
, ob das Kriterium “
erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesenen Anstrengungen“
deswegen erfüllt ist, ist es doch nicht in aus
ge
prägter Weise gegeben.
3.6
.8
N
ach dem Gesagten
ist die Beschwerdegegnerin fü
r die
geklagten Gesundheits
beein
trächtigungen
mangels adäquaten
Kausalzusammenhang
s
mit dem ver
si
cherten Unfall
ereig
nis
sen
nicht über
den
1. April 2016
hinaus leistungs
pflichtig.
4
.
Gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG übernimmt der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil der nach
träg
lich zugesprochenen Leistungen bilden (Art. 45 Abs. 1 Satz 2 ATSG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts rechtfertigt es sich, die von der versicherten Person veranlasste Untersuchung einer vom Versicherer angeordneten Begut
ach
tung gleichzustellen und diesem die entsprechenden Kosten aufzuerlegen, wenn sich der medizinische Sachverhalt erst aufgrund der von der versicherten Person beigebrachten Untersuchungsergebnissen schlüssig feststellen lässt (Urteil des
da
maligen
Eidgenössischen Versicherungsgerichts
U 143/04 vom 22. Dezember 2004
E. 6.1 mit Hinweisen
; vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_388/2010 vom 7. Dezember 2010 E. 10.2
). Bei der
Beurteilung
des medizinischen Sachverhalts sind
die Stellungnahmen von
Dr.
C._
zwar mitberücksichtigt worden, es kann aber nicht gesagt werden, dass der medizinische Sachverhalt erst nach
deren
Bei
brin
gung hätte schlüssig festgestellt werden können (vgl.
E.
3.3.2
). Demnach kön
nen die
geltend gemachten
Kosten für
die Stellungnahmen von
Dr.
C._
in der Höhe von
Fr.
1'100.-- (
Urk.
1 S. 2 und S. 5,
Urk.
3/5-6)
nicht der Beschwerde
geg
nerin auferlegt werden.
5.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.