Decision ID: 79e343ce-528f-4f19-92c0-1c434f16cc5d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1998
,
leidet an einer primären
ziliären
Dyskinesie
und damit an einem Geburtsgebrechen gemäss Ziffer 249 des Anhangs zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
-Anhang)
. Am 3. Januar 2007 wurde sie deshalb von ihren Eltern bei der Invalidenversicherung zum L
eistungs
bezug angemeldet (Urk. 7/1
). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Z
ürich, IV-Stelle,
erteilte
der Versicherten d
a
raufhin
Kostengutsprachen
für
medizinische Massnahmen
, Hilfsmittel, Behandlungsgeräte und
Kinderspitex
(
Urk. 7/9;
Urk. 7/12;
Urk. 7/21; Urk. 7/28; Urk. 7/35; Urk. 7/41; Urk. 7/54
;
Urk. 7/78; Urk. 7/94
).
1.2
Am 28. Februar
2014 stellte die Versicherte
erstmals
ein Gesuch für
berufliche Massnahmen (Urk. 7/59), welches die IV-Stelle nach getätigten Abklärungen
mit Mitteilung vom 12. September 2014 (Urk. 7/75)
vorerst ab
wies
, da die Versicherte im Sommer 2015 eine
Attestausbildung
zur Detailhandelsassistentin im ersten Arbeitsmarkt antreten werde.
Diese Ausbildung
schloss
die Versicherte
im Jahr 2017
erfolgreich ab (vgl. Urk. 7/91).
1.3
Am 7. Februar 2018
ersuchte
die Versicherte erneut
um
berufliche
Massnahmen
(Urk. 7/92-93). Nach getätigten Abklärungen erteilte die IV-Stelle der Versicher
ten Kostengutsprache für Assessment und Begleitung
bei
der Stellensuche (vgl. Mitteilung vom 16. Oktober 2018, Urk. 7/115).
Im Verlauf der Abklärungen
ent
schied
sich die Versicherte für
ein Praktikum
und eine Ausbildung zur
Hunde
coiffeuse
/Tierpflegerin
(vgl. Praktikumsvertrag vom
20. November 2018,
Urk. 7/119).
Nach durchgeführte
m
Vorbescheidverfahren
(
Urk. 7/128
; Urk. 11/2
)
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten mit Verfügung vom 7. März 2019 (Urk.
11/1
= Urk. 2
/1
) ab.
2.
Die Versicherte erhob am 8. April 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom
7. März 2019 (Urk. 2
/1
) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr die Ausbildung im Hundesalon als berufliche Massnahme zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 14. Mai 2019 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 20. Mai 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8
Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.2
In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungs
zweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren (BGE 110 V 99). Denn das Ge
setz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BG
E 124 V 108 E. 2a mit Hinweisen
). Eine Eingliederungs
massnahme hat neben den in Art. 8 Abs.
1 IVG ausdrücklich ge
nannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (Verhältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes zu genügen. Sie muss demnach unter Be
rücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzel
falles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungsziel
stehen. Dabei lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die Massnahme prognostisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit aufweisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte Eingliederungs
erfolg voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten Eingliederungsmassnahme stehen; schliesslich muss die konkrete Massnahme dem Betroffenen auch zumutbar sein (BGE 132 V 215 E. 3.2.2).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass
die gewünschte Ausbildung im Hundesalon gemäss der umfassenden und nachvollziehbaren Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) keine an die schwere
Pneumopathie
der Beschwerdeführerin
angepasste berufliche Tätigkeit sei.
D
er aktuelle Kenntnis
stand in Bezug auf Hundeallergene
sei im Bericht von Dr. med.
Y._
nicht be
rücksichtigt worden.
Deshalb könne für das Praktikum und die Ausbildung im Hundesalon keine Kostengu
tsprache erteilt werden (
vgl. Urk. 2/1
S. 2
; Urk. 6
S. 1 f.
).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
es s
e
i
eine erhebliche Diskrepanz zwischen
den Beurteilungen des
RAD und des
behandelnden Spezialarzt
es
vorhanden. Die Resultate des Prick-Testes ergäben keine allergische Reaktion auf Hundehaare
. Eine kutane Sensibilisierung auf Hu
ndehaare sei nicht nachweisbar. Es sei deshalb nicht zu erwarten
, dass sie in einem höheren Ausmass eine zukünftig allenfalls entstehende Allergie auf Hun
dehaare e
ntwickle
als eine gesunde Person
(S. 6). Somit könne sie aus
allergolo
gischer
Sicht die Tätigkeit als
Hundecoiffeuse
erle
r
nen. Zudem handle es sich
dabei um eine körperlich
nicht
schwere Tätigkeit,
welche
auch nicht im Bereich von kühler oder kalter Luft
erledigt werde
. Die Geeignetheit für die Tätigkeit in einem Hundesalon sei gegeben (S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Kostengut
sprache für ein Vorpraktikum und die Ausbildung zur
Hundecoiffeu
se
/Tier
-
pflegerin EFZ.
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht steht aufgrund der Akten fest, dass die Beschwerdefüh
rerin
im Wesentlichen
an einer primären
ziliäre
n
Dyskinesie
mit
einer konseku
tiven
Panbronchiolitis
und einer schweren, kombinierten, restriktiven und ob
struktiven Ventilationsstörung,
einer
chronisch
en purulenten
Rhinitis sowie
einer chronisch rezidivierenden
Tubenmittelohrkatarrhe und damit an ein
em Geburts
gebrechen gemäss Ziffer
249
GgV
-Anhang leidet
.
Ferner
wurden unter anderem auch ein allergisches Asthma bronchiale und eine
Urtikaria
recidivans
diagnosti
ziert
(vgl. Urk. 7/4/3-4
S. 1
lit
. A
; Urk. 7/8/3-5
S. 1
lit
. A
; Urk. 7/11
S. 1
lit
. A
; Urk. 7/17
S. 1
;
Urk. 7/42;
Urk. 7/77/3-8
S. 1
).
Die Beschwerdegegnerin anerkannte, dass bei der Beschwerdeführerin ein Ge
sundheitsschaden ausgewiesen ist, welcher
grundsätzlich
zu Massnahmen beruf
licher Art qualifiziert
(vgl. Urk. 7/70; Urk. 7/132 S. 1 unten).
Anhand der medi
zinischen Akten (vgl. nachstehend E. 3.2-3.7) nachvollziehbar ausgewiesen
und unbestritten
ist
sodann
, dass
der Beschwerdeführerin die
bisherige
n
T
ä
tigkeit
en
als Detailhandelsassistentin
EBA
in der
Charcuterie
-Abteilung
sowie als Mitar
beiterin in einer Kindertagesstätte
aus medizinischen Gründen
nicht
zumutbar
sind
. Strittig
ist indessen
, ob die
nun
angestrebte Tätigkeit als
Hundecoiffeuse
eine geeignete berufliche Massnahme darstellt.
3.2
Mit Stellungnahme vom 2. Juni 2014 erachtete
RAD-Arzt
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
l
eichte körperliche Tätigkeiten
als voll
umfänglich zumutbar
.
Dagegen
seien psychisch und emotional belastende Tätig
keiten (medizinisch, pflegerisch, pädagogisch), mittelschwere und schwere kör
perliche Belastungen, Arbeiten in Bereichen mit atemwegsreizenden Stoffen (Staub, Rauch, Lösungsmittel, Pilze, Farben, Lacke) und Bereiche mit erhöhtem Infektionsrisi
ko (Bakterien, Viren, Pilze und anderem
)
ungeeignet
.
A
ufgrund von gehäuftem Husten und chronischer Keimbesiedlung der Atemwege
seien direkter Kundenkontakt sowie Umgang mit Lebensmitteln
ungeeignet. Stärker hautbelas
tende Tätigkeiten könnten aufgrund der Urtikaria problematisch werden
(vgl. Urk. 7/70).
3.3
Dr. med.
Y._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Pneumologie, Spital
B._
,
erklärte
mit Bericht vom 2
6. März 2018 (Urk. 7/104/
1-5)
, dass er die Beschwerdeführerin seit Januar 2014 behandle (S. 1 Ziff. 1.1). Auf
grund der chronischen Lungenerkrankung mit aktuell
bereits
mittelschwerer bis schwerer Bronchialobstruktion und ausgeprägt
er relativer Lungen
-
überblähung
sowie
der Tatsache, dass weitere rezidivierende bakterielle
Exazer
-
bationen
zu er
warten seien
,
und der
insgesamt auch bei gutem Management und therapie
ge
treuer Beschwerdeführerin zu erwartenden Verschlechterung, sei die Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt. Funktionell bestehe bereits eine dokumentierte medizi
nisch theoretische Ateminvalidität von 50 %. Zudem sei durch den therapeuti
schen Aufwand (regelmässige Inhalationen, Atemwegssekret-Drainage, regelmäs
siges körperliches Training) eine Einschränkung
in
der Arbeitsfähigkeit
gegeben
(S. 3 Ziff. 2.7). Die aktuelle Tätigkeit in einer Kindertagesstätte mit regelmässigem Umgang mit Kleinkindern und entsprechend hohem Risiko für eine Ansteckung mit Atemwegsinfekten
werde
nicht empfohlen
. Auch sei
diese Tätigkeit
mit mit
telschweren körperlichen Belastungen verbunden und
daher
nicht geeignet. Die zuvor ausgeübte Tätigkeit in
einer
Charcuterie
-Abteilung
sei mit
mittelschwere
n
bis schwere
n
körperliche
n
Belastungen
verbunden
und daher nicht geeignet. Zu
dem sei die Umgebung in gekühlten Räumen ungünstig (S. 4 Ziff. 3.2-3.3). Grund
sätzlich sei eine Tätigkeit mit geringer körperlicher Belastung
in
einem Pensum von 50 % denkbar, sofern die Beschwerdeführerin genügend Pausen einhalten könne und ihr Zeit für die notwendigen Therapien eingeräumt werde (S. 4 Ziff. 4.2).
3.4
Mit Bericht vom 5. Dezember 2018 (Urk. 7/118) nahm Dr.
Y._
Stellung zur beruflichen Eignung der Beschwerdeführerin.
Dabei kam er zum Schluss, dass eine
Anstellung
im Detailhandel nicht geeignet sei.
Aufgrund der deutlich einge
schränkten körperlichen Leistungsf
ähigkeit beziehungsweise Belastbarkeit
bei schwer eingeschränkter Lungenfunktion (schwere obstruktive Ventilationsstö
rung) seien mittelschwere bis schwere körperliche Belastungen nicht zumutbar. Hierzu zähle auch lange
s Stehen und Tragen von Lasten, was
im Detailhandel unausweichlich
sei.
Zudem hätten sich gekühlte Räume als ungünstig erwiesen.
Zur Vornahme der notwendigen Therapien und aufgrund
der eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit seien ausreichende Pausen notwendig. Für die Be
schwerdeführerin sei eine berufliche Tätigkeit mit einer möglichst hohen Flexibi
lität bezüglich Arbeitszeiten und auch kurzfristig angesetzten Pausen unbedingt anzustreben. Der Detailhandel sei deshalb als in
s
gesamt ungünstiges Tätigkeits
feld anzusehen (S. 1). Aufgrund der erhöhten Infektanfälligkeit, insbesondere für Atemwegsinfektionen, sei die Exposition gegenüber Menschenansammlungen beziehungsweise der häufig wechselnde Kontakt mit Menschen nicht ideal
. Vor
diesem Hint
ergrund sprächen diverse Aspekte für die von der Beschwerdeführerin favorisierte berufliche Tätigkeit als Tierpflegerin mit Spezialisierung als
Hunde
coiffeuse
.
Dabei
könnten sicherlich viele Arbeiten sitzend erledigt werden und es seien keine Arbeitstage mit langem Stehen zu erwarten. Durch die zu erledigen
den Arbeiten am Tier seien auch immer wieder kurze Pausen kurzfristig planbar. Es seien geregelte Arbeitszeiten zu erwarten. Der Kontakt mit Menschenansamm
lungen
und
der
sehr häufig wechse
lnde
Kontakt mit Menschen sei g
ege
nüber dem Detailhandel drastisch reduziert. Im Kontakt mit Tieren, insbesondere Hunden, sei keine zusätzliche Häufung von Atemwegsinfekten zu erwarten.
D
ie Umschulung zur Tierpflegerin mit Spezialisierung
als
Hundecoiffeuse
sei
medizinisch begründ
bar (S. 2).
3.5
In der Stellungnahme vom 21. Januar 2019
erklärte
RAD-Arzt Prof. Dr. med.
A._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, dass Dr.
Y._
nicht auf Allergierisiken
eingehe
. Eine Allergiediagnostik sei nicht
aktenkundig
. Neb
st
der primären
ziliären
Dyskinesie
seien
unter anderem auch eine chronische Bron
chitis und
eine
Rhino
sinusitis
sowie eine
Urtik
aria und
ein
all
erg
isches Asthma bronchiale
diagnostiziert worden
. Die Epithelien von Hunden und Katzen
würden
zu den führenden Risikofaktoren für die Entwicklung von Allergien
gehören
. Aus
allergologischer
Sicht werde davon ausgegangen, dass die kontinuierliche Expo
sition mit tierischen Allergen
en
zur allergischen Sensibilisierung und im Verlauf zu klinisch relevanten Symptomen führen könne. Die generelle Empfehlung für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen zur Vermeidung
inhalativer
No
xen gelte auch für Menschen mit primärer
Ziliendyskinesie
. Angesicht
s
d
er relativ weit fortgeschritten
en angeborenen
Ziliendyskinesie
mit chronischer Bronchitis, disseminierten
Bronchiektasien, Status nach Lungenteilresekti
on, chronischer Be
siedlung mit dem Problemkeim
Pseudomonas
aeruginosa
, massiv erhöhten Atem
w
egswiderständ
e
n,
Hypo
xämien
unter Belastung bei Reduktion wichtiger Lun
genfunktionsparameter auf 46 % der Norm, chronischer
Rhinosinusitis
, allergi
schem Asthma bronchiale und Status na
ch Urtik
aria sei eine berufliche Mass
nahme in einem Hundesalon aus versicherungsmedizinischer Sicht keine an die schwere
Pneumopathie
angepasste berufliche Tätigkeit.
E
s sei mit einer weiteren Verschlechterung der gesundheitlichen Situation zu rechnen, wenn zu den ge
nannten Störungen noch
eine Allergie
auf
Hundea
llergene dazukomme
.
Eine r
e
gelmässige Exposition mit Hundeallergenen sei mit einer bedeutsamen Erhöhung der Wahrscheinlichkeit verbunden, eine entsprechende Allergie zu entwickeln. Eine Tätigkeit in einem Hundesalon könne deshalb aus versicherungsmedizini
scher Sicht nicht als einfache und zweckmässige Massnahme eingeschätzt werden (vgl. Urk. 7/123 S. 2).
3.6
Am 6. März 2019 erklärte RAD-Arzt Prof.
A._
, dass Dr.
Y._
den
aktuelle
n
Kenntnisstand in Bezug
auf Hundea
llergene nicht berücksichtigt
habe
. Mit der RAD-Stellungnahme vom
21. Januar 2019
liege eine fundierte und sachlic
h for
mulierte Einschätzung vor. Dabei seien sämtliche
vorliegenden Arztberichte und Befunde, die aktuelle Fachliteratur und
seine eigene langjährige klinische Erfah
rung
mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkr
ankungen
berücksichtigt wor
den
(vgl. Urk. 7/133 S. 3).
3.7
Dem Protokoll hinsichtlich des am 28. März 2019 im Spital
B._
durch Dr.
Y._
durchgeführten Prick-Tests ist zu entnehmen, dass keine kutane Sensibilisie
rung auf Hundehaare nachweisbar
sei (Urk. 3/4).
4.
4.1
Zur Beurteilung der vorliegend strittigen Frage, ob die von der Beschwerdefüh
rerin gewünschte Ausbildung im Hundesalon aufgrund ihres gesundheitlichen Leidens eine für sie geeignete berufliche Tätigkeit darstellt, liegen unterschiedli
che medizinische
Einschätzungen
vor, wobei sich keine davon als verlässliche und zweifelsfreie Beurteilungsgrundlage erweist.
So
erscheint
fraglich, ob die
durch
Dr.
Y._
und Prof.
A._
vorgenommenen
Einschätzungen
in ausreichender Kenntnis des Berufsbildes eine
r
Hundecoiffeuse
vorgenommen wurden.
Angaben über das Belastungsprofil und den Tätigkeits
bereich einer
Hundecoiffeuse
sind nicht aktenkundig. Die generell gehaltene Ein
schätzung von Prof.
A._
befasst sich sodann hauptsächlich mit dem erhöhten Allergierisiko, wobei
eine
erfolgreiche Eingliederung nicht einzig hiervon abhän
gig gemacht werden kann. Zudem ist zu beachten, dass es sich bei Prof.
A._
um einen Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin handelt und er
weder
über einen Facharzttitel für Pneumologie
noch
für Allergologie und klinische Immu
nologie verfügt
.
Die Aussage von Dr.
Y._
, dass es sich
bei der Tätigkeit im Hundesalon
um eine leichte und überwiegend sitzende Tätigkeit handle, bei wel
cher keine Arbeitstage mit langem Stehen zu erwarten seien (vgl. Urk. 7/118
S. 2),
ist nicht belegt
.
Auch
begründet Dr.
Y._
in keiner Weise, weshalb im Kon
takt mit Tieren, insbesondere Hunden, keine zusätzliche Häufung von Atemwegs
infekten zu erwarten sei (vgl. Urk. 7/118 S. 2)
, ist doch möglicherweise mit einem erheblichen Aufkommen von Bakterien, Viren und Pilzen zu rechnen, was Dr.
Z._
als ungeeignet erachtete (vgl. vorstehend E.3.2). Die
Einschätzung, wonach grundsätzlich eine Tätigkeit mit geringer körperlicher Belastung in einem Pensum von 50 % denkbar sei (vgl. Urk. 7/104/1-5 S. 4 Ziff. 4.2), lässt schliesslich an einer erfolgreichen Eingliederung im Allgemeinen zweifeln, zumal der unter
schriebene Praktikumsvertrag letztlich ein Arbeitspensum von 100 % vorsieht
(Urk. 7/119 S. 1).
Zuletzt bleibt anzumerken, dass der nun durchgeführte Prick-Test einzig nachweist, dass derzeit keine kutane - die Haut betreffende - Sensibi
lisierung auf Hundehaare vorhanden ist. Ein möglicher Einfluss der Hundehaare auf die Atemwegsorgane
– beispielsweise bei sehr kurzer Schur -
wird damit
indessen
nicht ausgeschlossen.
Eine verlässliche Beurteilung kann unter diesen Umständen nicht vorgenommen werden, weshalb sich eine
pneumologisch-allergologische
Begutachtung der Be
schwerdeführerin in Kenntnis des Berufsbildes
einer
Hundecoiffeuse
aufdrängt. Hierfür ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Nach Lage der Akten hat die Besc
hwerdeführerin am 1. Januar 2019
bereits
ein Praktikum als
Hundecoiffeuse
begonnen, weshalb d
ie diesbezüglichen Erfahrungswerte in die Beurteilung miteinzubeziehen
sind
.
4.2
Nach dem Gesagten erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs als unvollständig, weshalb die ange
fochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen
ist
, damit diese nach ergänzenden Abklärungen über den Leis
tungsanspruch neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene
Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien ist die Prozess
entschädigung vorliegend auf Fr.
1
'000.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen.