Decision ID: c359e299-4c38-5c68-9ed8-a3e1b97192e5
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein somalischer Staatsangehöriger somalischer
Ethnie – verliess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am (...) 2008
und reiste nach Äthiopien, wo er sich vom (...) 2008 bis am (...) 2015 im
Flüchtlingslager in B._ (somalisch: C._) aufgehalten habe.
Anschliessend sei er via Sudan, Libyen und Italien am 17. Oktober 2015
illegal in die Schweiz gelangt, wo er am selben Tag im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum (EVZ) D._ ein Asylgesuch stellte.
B.
B.a Der Beschwerdeführer wurde am 23. Oktober 2015 summarisch zu
seiner Person, seinem Reiseweg sowie zu seinen Gesuchsgründen be-
fragt (Befragung zur Person [BzP]).
Anlässlich dieser Erstbefragung gab der Beschwerdeführer zu seinem per-
sönlichen Hintergrund an, am (...) in E._ geboren zu sein, wo er
zusammen mit seinen Eltern und seinen sechs Geschwistern gelebt habe.
Dort habe er auch drei Jahre lang eine Koranschule besucht. Nach seinem
(...) Lebensjahr sei er zu seiner älteren Schwester nach F._ gezo-
gen. Im (...) 2015 habe er G._ geheiratet, welche er (...) im Flücht-
lingslager in B._, Äthiopien, kennen gelernt habe.
Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, Angehörige der Al-
Shabaab hätten ihn zwingen wollen, sich ihnen anzuschliessen und für sie
zu kämpfen. Da er sich geweigert habe, sei er infolgedessen drei Mal von
ihnen tätlich angegriffen worden. Erstmals sei er im (...) 2007 in einer Ca-
feteria in F._ und das zweite Mal im (...) 2007 verprügelt worden.
Zuletzt hätten sie ihn im (...) 2007 gewaltsam von zu Hause mitgenommen
und an einen Strand gebracht, wo sie ihn dann geschlagen hätten. Darauf-
hin sei das äthiopische Militär gekommen und habe die Al-Shabaab aus
der Stadt F._ vertrieben. Knapp ein Jahr später sei er schliesslich
am (...) 2008 illegal aus Somalia ausgereist.
B.b Am 15. August 2017 fand die eingehende Anhörung zu den Asylgrün-
den statt.
Hierbei machte der Beschwerdeführer zu seiner Person und Herkunft gel-
tend, er sei am (...) in H._ geboren und im Alter von (...) Jahren mit
seiner Familie nach E._ gezogen. Nach (...) Jahren seien er und
seiner Schwester nach F._ gegangen. Sie habe dort (...), wobei er
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ihr assistiert habe. Nebenbei sei er vier Jahre lang in die Koranschule ge-
gangen.
Zu seinen Fluchtgründen gab der Beschwerdeführer an, der Ehemann sei-
ner Schwester, I._, welcher für den Geheimdienst der Al-Shabaab
gearbeitet habe, habe ihn für die Organisation angeworben. Da er sich da-
gegen gewehrt habe, sei er in der Folge drei Mal von Al-Shabaab-Milizen
zusammengeschlagen worden. Das erste Mal hätten sie ihn (...) 2007 in
der Nacht von zu Hause aus mitgenommen und in die Nähe der Küste ge-
bracht, wo sie ihn die ganze Nacht lang geschlagen hätten. Circa eine Wo-
che später habe er sich zusammen mit anderen Jugendlichen einen Film
angeschaut, als das Kino gestürmt worden sei und er erneut verprügelt
worden sei. Zuletzt sei er einige Wochen später im (...) 2007 während dem
er am Fussballspielen gewesen sei, entführt worden. Sie hätten ihn mit
Metallketten gefesselt und wiederum geschlagen. Später in der Nacht sei
ein Gefecht ausgebrochen, wobei er sich hinter einem Baum versteckt
habe. Regierungstruppen hätten ihn daraufhin schwerverletzt in ein Kran-
kenhaus gebracht. Er sei zunächst verdächtigt worden, ebenfalls ein Mit-
glied der Al-Shabaab zu sein. Später hätten Regierungstruppen und äthio-
pische Armee-Angehörige, welche auf der Suche nach seinem Schwager
gewesen seien, fast jede Nacht ihr Haus gestürmt. Da seiner Schwester
damit gedroht worden sei, ihn (den Beschwerdeführer) in einem unterirdi-
schen Gefängnis einzusperren, wenn sie nicht kooperiere, sei er unterge-
taucht und habe sich vorübergehend auf der Insel J._, einer
K._, versteckt, bevor er schliesslich im (...) 2008 aus Somalia ge-
flüchtet sei.
B.c Im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerde-
führer zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen
folgende Unterlagen zu den Akten:
- seine Geburtsurkunde vom (...) (im Original),
- seinen Trauschein (im Original),
- eine Kopie seines Refugee-Ausweises des UNHCR mitsamt Refugee-
Nummer,
- ein Schreiben (...) betreffend (...) vom 13. Februar 2017,
- einen Befund (...) vom 7. Juli 2016,
- ein Elektrokardiogramm (EKG) anlässlich der Aufnahme im Notfall (...)
vom 7. Oktober 2016,
- die Analyseresultate von Point of Care Testing (POCT) Analysatoren
(...) vom 7. Oktober 2016,
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- ein Schreiben (...) betreffend Blutstatus, Differentialblutbild (Automat)
und Spezialhämatologie vom 7. Oktober 2016,
- ein Schreiben (...) betreffend chemische Untersuchungen von Blut vom
7. Oktober 2016,
- einen Austrittsbericht (...) vom 7. Oktober 2016,
- einen Operationsbericht (...) vom 8. Dezember 2016,
- einen Austrittsbericht (...) vom 9. Dezember 2016 und
- handschriftlich notierte Blutwerte sowie handschriftliche Notizen (...).
C.
Mit Verfügung vom 3. August 2018 – eröffnet am 6. August 2018 – ver-
neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers
und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete sie seine Wegweisung
aus der Schweiz an, schob den Vollzug jedoch infolge der Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
D.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch
seine Rechtsvertreterin, Rechtsanwältin Lena Weissinger, – mit Eingabe
vom 6. September 2018 (Poststempel: 5. September 2018) beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. In materieller Hinsicht beantragte er, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuwei-
sen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventua-
liter sei das Asylgesuch zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung, um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands in
der Person der unterzeichnenden Rechtsvertreterin sowie um Verzicht auf
Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem sei die aufschiebende Wir-
kung der Beschwerde zu konstituieren.
Der Beschwerde lagen – nebst einer Vollmacht vom 27. August 2018 und
einer Kopie der erstinstanzlichen Verfügung vom 3. August 2018 – ein
Schreiben von L._ vom (...) vom 23. August 2018 sowie ein ärztli-
ches Zeugnis von (...) von der (...) vom 10. August 2018 als Beweismittel
bei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 21. September 2018 hielt die zuständige In-
struktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten und er gelte als vorläufig in der Schweiz
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aufgenommen. Weiter hiess sie die Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Bei-
gabe einer amtlichen Rechtsbeiständin in der Person der rubrizierten
Rechtsvertreterin im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 Bst. a des Asylgesetzes
(AsylG, SR 142.31) – unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen
Lage des Beschwerdeführers und der Voraussetzung des Nachreichens
einer Fürsorgebestätigung – gut und forderte ihn auf, innert angesetzter
Frist eine Fürsorgebestätigung nachzureichen oder einen Kostenvor-
schuss zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. Schliesslich stellte
sie in Aussicht, dass nicht auf die Beschwerde eingetreten werde, wenn
weder die Fürsorgebestätigung eingereicht noch der Kostenvorschuss ge-
leistet werde.
F.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2018 gab der Beschwerdeführer eine von der
(...) ausgestellte Fürsorgebestätigung datierend vom 24. September 2018
als Nachweis für seine Bedürftigkeit zu den Akten.
G.
Innert Frist reichte das SEM eine Vernehmlassung ein, in welcher es voll-
umfänglich an seinen bisherigen Ausführungen festhielt und die Abweisung
der Beschwerde beantragte. Diese Vernehmlassung wurde dem Be-
schwerdeführer am 16. Oktober 2018 zur Kenntnisnahme übermittelt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des Asylgesetzes in Kraft getreten
(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher als Verfügungsadressat zur Einreichung der Beschwerde
legitimiert, weshalb auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
einzutreten ist (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG, Art. 48
Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Soweit in der Rechtsmitteleingabe die Feststellung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde beantragt wird, ist festzuhalten, dass ihr von Ge-
setzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55
Abs. 1 VwVG) und das SEM diese vorliegend nicht entzogen hat, weshalb
– mangels Rechtsschutzinteresse – auf den Antrag nicht einzutreten ist.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegwei-
sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu-
fig aufgenommen hat.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat be-
ziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-
kunft begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; vielmehr
müssen konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen re-
alistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57
E. 2.5).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden
(vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1).
5.
5.1 In ihrem negativen Asylentscheid vom 3. August 2018 qualifizierte die
Vorinstanz die Asylvorbringen als den Anforderungen an die Glaubhaftma-
chung gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend.
Zur Begründung führte das SEM in der angefochtenen Verfügung aus, der
Beschwerdeführer habe anlässlich der BzP weder die Probleme mit sei-
nem Schwager noch jene mit der Regierung erwähnt. Seine Erklärung
während des ihm dazu gewährten rechtlichen Gehörs in der Anhörung, wo-
nach er seine Asylgründe nicht habe ausführlich darlegen können, ver-
möge nicht zu überzeugen, denn es hätte gereicht, diese Probleme we-
nigstens kurz in einem Satz zu erwähnen. Angesichts dessen, dass die
BzP zweieinhalb Stunden gedauert habe, sei er sehr ausführlich befragt
worden. Er habe dabei genügend Gelegenheiten gehabt, diese gravieren-
den und für seine Ausreise massgebenden Probleme zu erwähnen. Auch
habe er in der BzP seinen dreimonatigen Aufenthalt auf der Insel
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J._ vor seiner Ausreise aus Somalia nicht erwähnt. Insgesamt seien
diese Vorbringen als nachgeschoben zu werten und müssten demzufolge
als unglaubhaft angesehen werden. Zwar habe der Beschwerdeführer in
den Befragungen übereinstimmend angegeben, drei Mal von den Al-
Shabaab zusammengeschlagen worden zu sein, seine weiteren Ausfüh-
rungen zu Zeitpunkt, Ort und Umständen dieser angeblichen Übergriffe
seien aber komplett widersprüchlich ausgefallen. Diese Ungereimtheiten
habe er in der Folge jedoch nicht zufriedenstellend erklären oder auflösen
können. Soweit er hierfür seine gesundheitlichen Probleme verantwortlich
mache, sei festzustellen, dass er anlässlich der BzP keine gesundheitli-
chen Einschränkungen geltend gemacht habe. Weiter sei unwahrschein-
lich, dass weder der Beschwerdeführer noch seine Schwester gewusst ha-
ben sollen, dass sein Schwager respektive ihr Ehemann für Al-Shabaab
gearbeitet habe. Ausserdem mache es keinen Sinn, dass er von Anhä-
ngern der Al-Shabaab mehrmals entführt und körperlich misshandelt wor-
den sei, sie ihn – obwohl sie ihn angeblich (zwangs-) rekrutieren wollten –
danach aber wieder gehen liessen. Schliesslich sei nicht nachvollziehbar,
weshalb die Regierung ihn und seine Schwester beinahe täglich aufge-
sucht, ihn verdächtigt und dennoch weiter nichts unternommen haben soll.
Infolge der zahlreichen Widersprüche, Ungereimtheiten sowie wiederholt
vagen und substanzlosen Angaben seien die Vorbringen des Beschwerde-
führers als unglaubhaft zu qualifizieren.
Zu den eingereichten Dokumenten hielt das SEM fest, dass diese die vom
Beschwerdeführer vorgebrachten Probleme nicht belegen könnten und an
der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen nichts ändern würden.
In ihrer Verfügung kam die Vorinstanz zum Schluss, die dargelegten Flucht-
gründe würden den Voraussetzungen an die Glaubhaftigkeit gemäss
Art. 7 AsylG nicht standhalten, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft
werden müsse. Die Flüchtlingseigenschaft sei nach dem Gesagten zu ver-
neinen und das Asylgesuch abzulehnen.
5.2
5.2.1 In der Rechtsmitteleingabe entgegnete der Beschwerdeführer hin-
sichtlich der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen, die Vorinstanz habe sich
lediglich auf einige wenige und ohnehin nicht allzu gewichtige Widersprü-
che und Unstimmigkeiten abgestützt, welche sich durchaus aufklären lies-
sen respektive schon während der Anhörung aufgelöst worden seien. Das
SEM sei weder auf die zentralen Sachverhaltselemente eingegangen noch
habe es eine Gesamtwürdigung vorgenommen.
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Er habe bereits anlässlich der Anhörung darauf hingewiesen, dass er in der
BzP nicht darüber informiert worden sei, dass die Behörden in seinem Hei-
matland nicht in Kenntnis über seine Aussagen gesetzt würden. Zwar stehe
dies so im entsprechenden Protokoll, dennoch sei es denkbar und wahr-
scheinlich, dass er diese Information nicht bewusst registriert habe, denn
erfahrungsgemäss dauere es einige Zeit, bis sich eine befragte Person
konzentrieren könne und alle konkreten Vorgaben mit ihren Konsequenzen
für ihre eigenen Aussagen vollständig verstehe und umsetzen könne. Es
sei anzunehmen, dass er aufgrund seiner Vergangenheit und insbeson-
dere den mit den Regierungsvertretern in Somalia und Äthiopien erlebten
Traumata davon ausgegangen sei, dass er den bei der BzP anwesenden
Personen nicht trauen könne. Während der Anhörung habe er auch vorge-
bracht, in der BzP nicht ausreichend Zeit für die Darlegung seiner Asyl-
gründe gehabt zu haben. Allein die Läge der Befragung reiche nicht für die
unumstössliche Annahme aus, dass er nicht zumindest subjektiv der Mei-
nung gewesen sei, dass man ihn zu kürzeren Antworten angehalten habe
und er dadurch (begründet oder unbegründet) nicht in der Lage gewesen
sei, ausführlich zu seinen Asylgründen Auskunft zu geben. Er habe zudem
erwarten dürfen, später noch weitere Ausführungen zu seinen Asylgründen
machen zu können. Damit habe er nachvollziehbare Gründe, weshalb er
seinen Schwager erst bei der zweiten Befragung erwähnt habe. Sodann
führte der Beschwerdeführer aus, habe er im vorinstanzlichen Verfahren
immer wieder versucht aufzuzeigen, dass er aufgrund der in Somalia er-
lebten traumatisierenden Erlebnisse gesundheitliche Probleme habe. Tat-
sächlich leide er an [gesundheitliche Beschwerden]. Diese Erkrankungen
seien von der Vorinstanz nicht beachtet worden, weil er angegeben habe,
gesundheitlich keine relevanten Einschränkungen zu haben und er in der
Lage sei die Fragen zu beantworten. Für traumatisierte Personen sei es
weiter nicht atypisch, wenn sie sich nicht mehr an die genaue zeitliche Ab-
folge des Erlebten erinnern könnten. Davon abgesehen, gebe es eine sehr
grosse Zahl an Übereinstimmungen in seinen Darstellungen bezüglich der
Zeitabfolge, was seitens des SEM in dessen Abwägung allerdings nicht
beachtet worden sei.
Bezüglich der Ansicht des SEM, wonach es unplausibel sei, dass weder er
noch seine Schwester von den Tätigkeiten seines Schwagers respektive
ihres Ehemannes gewusst haben sollen, entgegnete er, dass es doch ge-
rade ein Merkmal des Geheimdienstes sei, dass sogar die Familie nichts
davon erfahre.
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Seine Vorbringen seien demgemäss – entgegen der Beurteilung der
Vorinstanz – in wesentlichen Punkten nicht unglaubhaft.
5.2.2 Alsdann monierte der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmittel-
schrift, das SEM habe es unterlassen seine Flüchtlingseigenschaft anhand
seiner Aussagen während den Befragungen zu würdigen. Ihm würden von
verschiedenen Seiten konkrete Gefahren für Leib und Leben drohen. So
bestehe einerseits aufgrund der ihm unterstellten Verbindungen zu seinem
Schwager eine Bedrohung seitens der Regierung und andererseits sei er
ins Visier der Al-Shabaab geraten.
6.
6.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich das Bundesverwaltungsgericht den
vorinstanzlichen Erwägungen zur fehlenden Glaubhaftigkeit des vom Be-
schwerdeführer geltend gemachten Sachverhalts anschliessend kann.
6.2 Vorab ist auf die protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers zu
seiner Biografie hinzuweisen, welchen erhebliche Unstimmigkeiten zu ent-
nehmen sind. So gab er während der BzP hinsichtlich seines Geburtsda-
tums und seines Geburtsorts zu Protokoll, am (...) in E._ geboren
zu sein (vgl. SEM-Akte A/3, Ziffern 1.05 und 1.07), wohingegen er anläss-
lich der Anhörung behauptete, am (...) in H._ geboren zu sein
(vgl. SEM-Akte A/18, F 7). Seine Erklärung, wonach er beim ersten Inter-
view gestresst und verwirrt gewesen sei (vgl. SEM-Akte A/18, F 7 f.), ver-
mag die unterschiedlichen Aussagen nicht überzeugend zu begründen.
Auch hinsichtlich seiner Schulausbildung machte er unvereinbare Anga-
ben. Während der BzP gab er an, in E._ drei Jahre lang die Koran-
schule besucht zu haben (vgl. SEM-Akte A/3, Ziffer 1.17.04), wohingegen
er in der Anhörung vorbrachte, in F._ vier Jahre lang zur Koran-
schule gegangen zu sein (vgl. SEM-Akte A/18, F 37 f.). Diese aufgezeigten
Widersprüche sind der persönlichen Glaubwürdigkeit des Beschwerdefüh-
rers abträglich.
6.3
6.3.1 Übereinstimmend mit der Vorinstanz ist sodann festzustellen, dass
der Beschwerdeführer seine Fluchtvorbringen anlässlich der BzP und der
Anhörung unterschiedlich darstellte. Zwar machte er übereinstimmend gel-
tend, im Jahr 2007 drei Mal von den Al-Shabaab aufgesucht und verprügelt
worden zu sein, demgegenüber fielen seine weiteren Ausführungen hin-
sichtlich deren zeitlichen und örtlichen Einordnung sowie den Gesamtum-
ständen nicht kongruent aus (vgl. SEM-Akten A/3, Ziffer 7.02 und A/18,
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Seite 11
F 67 und F 80–84, F 88, F 94). Als ihm am Schluss der Anhörung die Ab-
weichungen und Ungereimtheiten vorgehalten wurden, konnte er diese
nicht nachvollziehbar erklären oder gar auflösen (vgl. SEM-Akte A/18,
F 107 ff.). Weiter ist seinen Ausführungen nicht zu entnehmen, weshalb die
Al-Shabaab-Milizen ihn wiederholt ohne jegliche Konsequenzen gehen
liessen, nachdem sie ihn – zwecks Zwangsrekrutierung – mitgenommen
und geschlagen haben sollen. Für Einzelheiten kann – zur Vermeidung von
Wiederholungen – auf die zutreffenden Erwägungen des SEM verwiesen
werden (vgl. E. II, Seite 3 ff. der vorinstanzlichen Verfügung vom 3. Au-
gust 2018 sowie die Zusammenfassung der entsprechenden Ausführun-
gen in E. 5.1 des vorliegenden Urteils).
6.3.2 Soweit der Beschwerdeführer die ihm vorgehaltenen Widersprüche
mit seinem Misstrauen und seiner Angst gegenüber Behörden sowie einer
fehlenden Belehrung bezüglich ihrer Verschwiegenheitspflicht während der
BzP erklärt (vgl. hierzu die Ausführungen auf Seite 4 f. in der Beschwerde),
ist Folgendes festzuhalten: Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass der Be-
schwerdeführer vor Beginn der Befragung auf die Verschwiegenheitspflicht
der Mitarbeitenden der Vorinstanz hingewiesen worden ist (vgl. SEM-
Akte A/3, Seite 2). Dem Protokollverlauf sind daneben auch keine Anhalts-
punkte zu entnehmen, wonach er begründete Zweifel am Geheimhaltungs-
willen der Behörden beziehungsweise deren Angestellten und Mandatsträ-
gerinnen und Mandatsträger haben musste. Weiter liegen keine Hinweise
vor, gemäss welchen er wegen Hemmungen oder Angst an der Wieder-
gabe eines hinreichend detaillierten und mit Realkennzeichen versehenen
Sachverhaltsvortrags gehindert worden wäre, weshalb die entsprechende
Begründung für die Widersprüche zwischen der BzP und der Anhörung
konstruiert wirkt und als vorgeschoben zu betrachten ist. Es bestehen da-
mit keine Zweifel an der Verwertbarkeit der Inhalte des betreffenden Befra-
gungsprotokolls und der Beschwerdeführer muss sich folglich auf seine
Aussagen an der BzP behaften lassen.
Die in diesem Zusammenhang in der Beschwerdeschrift geäusserten Ver-
mutungen, wonach der Beschwerdeführer wegen der nicht unbedingt über-
einstimmenden Übersetzung verschiedener relevanter Begriffe, seines Bil-
dungsstandes oder den erlittenen Schlägen auf den Kopf sowie den daraus
resultierenden Folgen der Verschwiegenheitspflicht der bei der BzP anwe-
senden Personen nicht vertraute, vermögen – mangels Substantiierung
und entsprechender Anhaltspunkte in den Akten – ebenfalls nicht zu über-
zeugen. Vielmehr durfte das SEM von ihm erwarten, dass er seine Asyl-
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Seite 12
gründe im Kern kohärent und in zentralen Bereichen hinreichend ausführ-
lich und nachvollziehbar schildert. Bezüglich der geltend gemachten Ver-
ständigungsschwierigkeiten anlässlich der BzP ist ergänzend festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer angab, seine Muttersprache sei Somalisch
(vgl. SEM-Akte A/3, Ziffer 1.17.01). Weiter erklärte er, den Dolmetscher gut
zu verstehen (vgl. SEM-Akte A/3, Bst. h und Ziffer 9.02), und bestätigte am
Schluss der BzP mit seiner Unterschrift, das Protokoll entspreche seinen
Aussagen und dieses sei ihm auf Somalisch – und damit einer ihm ver-
ständlichen Sprache – rückübersetzt worden (vgl. SEM-Akte A/3,
Seite 10). Den Aufzeichnungen sind sodann keine Hinweise zu entneh-
men, wonach seine zu Protokoll genommenen Aussagen und insbeson-
dere verwendeten Begriffe falsch übersetzt worden wären. Es bestanden
auch keinerlei Anhaltspunkte für eine mangelnde Fähigkeit des Beschwer-
deführers, sich auszudrücken respektive sich umfassend zu äussern und
Erlebnisse zusammenhängend zu schildern. Weder eine hohe Schulbil-
dung noch eine besondere Eloquenz oder Geschicklichkeit dürften für das
Wiedergeben von tatsächlich erlebten Begebenheiten nötig sein und wer-
den bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Asylvorbringen auch nicht
vorausgesetzt.
6.3.3 Was die in der Rechtsmitteleingabe vorgebrachten gesundheitlichen
Probleme des Beschwerdeführers anbelangt (vgl. darin Seite 8 f.), ergibt
sich aus den Akten, dass ihm während der BzP in Bezug auf seinen Ge-
sundheitszustand das rechtliche Gehör gewährt wurde, wobei er ausführte,
er sei gesund (vgl. SEM-Akte A/3, Ziffer 8.02). Während der Erstbefragung
gab es keinerlei Hinweise auf akute gesundheitliche Beeinträchtigungen.
Dem Anhörungsprotokoll lassen sich ebenfalls keine Hinweise darauf ent-
nehmen, dass er im Zeitpunkt der Befragung in einem Ausmass physisch
oder psychisch belastet gewesen wäre, welches es ihm verunmöglicht
hätte, seine Asylgründe vollständig und schlüssig darzulegen. Zwar bat er
die anwesenden Personen zu Beginn der Befragung laut zu sprechen, da
er aufgrund von Schlägen gewisse [gesundheitliche Beschwerden] erlitten
habe (vgl. SEM-Akte A/18, F 1), ansonsten machte er jedoch zu keinem
Zeitpunkt geltend, an der Befragung aus medizinischen Gründen nicht teil-
nehmen zu können, und gab auch nicht zu verstehen, er benötige weitere
Pausen oder die Anhörung solle abgebrochen werden. Darüber hinaus gab
er keine Probleme im Zusammenhang mit der Konzentration-, Denk- oder
Sprechfähigkeit zu Protokoll. Bezeichnenderweise verzichtete die an der
Anhörung anwesende Hilfswerksvertretung (HWV) auf Bemerkungen und
notierte auf dem «Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung (HWV) ge-
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Seite 13
mäss Art. 30 Abs. 4 AsylG» weder Anzeichen für gesundheitliche oder in-
tellektuelle Probleme noch sonstige Beobachtungen, Anregungen oder
Einwände (vgl. SEM-Akte A/18, Seite 21). Soweit der Beschwerdeführer in
der Anhörung vorbrachte, in Somalia von Al-Shabaab-Milizen [gesundheit-
liche Beschwerden] und aufgrund der daraus resultierenden Beschwerden
im Hauptbahnhof in Zürich gestürzt zu sein, weshalb er in der Folge habe
operiert werden müssen (vgl. SEM-Akte A/18, F 67 f.), ist auf die von ihm
hierzu eingereichten Arztberichte zu verweisen (vgl. hierzu SEM-Akte A/19
[Beweismittelcouvert], Beweismittel 4). Im Austrittsbericht (...) vom 7. Ok-
tober 2016 wurde festgehalten, dass bezüglich des Vorfalls vom 7. Okto-
ber 2016 am Zürcher Hauptbahnhof keine Hinweise auf einen Sturz oder
Krampfanfall vorlagen und in Zusammenschau der Befunde nicht ganz klar
sei, weshalb der Beschwerdeführer zu Boden gekommen sei. Weiter wurde
ausdrücklich festgehalten, dass das Leiden nicht aus dem Ausland einge-
schleppt wurde. Dem Beschwerdeführer wurden [gesundheitliche Be-
schwerden] sowie [gesundheitliche Beschwerden] diagnostiziert, welche
am ehesten sozioökonomisch bedingt seien. Hierfür wurde eine analgeti-
sche Therapie mit (...) verordnet. Zudem wurde eine bereits vorbeste-
hende (...) festgestellt. Die (...) sowie die (...) beidseits wurde in der Folge
(wie geplant) am 7. Dezember 2016 durchgeführt. Dem Schreiben (...) be-
treffend (...) vom 13. Februar 2017 kann schliesslich entnommen werden,
dass die Therapie Mitte Februar 2017 infolge Beschwerdefreiheit abge-
schlossen wurde. Vor diesem Hintergrund musste sich das SEM nicht ver-
anlasst sehen, weitere Abklärungen zum Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers vorzunehmen. Im Übrigen ist auf die Mitwirkungspflicht
gemäss Art. 8 AsylG zu verweisen, in deren Rahmen es dem Beschwerde-
führer oblegen hätte, im vorinstanzlichen Verfahren (weitere) relevante
Arztdokumente einzureichen.
Überdies findet die in der Beschwerdeschrift vorgebrachte Behauptung,
wonach die Vorinstanz selbst angegeben habe, dass der Beschwerdefüh-
rer immer wieder versucht habe zu erklären, dass er aufgrund seines Auf-
enthaltes in Somalia gesundheitliche Probleme davongetragen habe und
er sich daher nicht an alles genau erinnern könne beziehungsweise ge-
wisse Geschehnisse nicht akkurat wiedergeben könne, in den Akten keine
Stütze.
Der Vollständigkeit halber ist abschliessend festzustellen, dass beim Be-
schwerdeführer – entgegen dessen in der Rechtsmitteleingabe vertretenen
Meinung – weder eine [gesundheitliche Beschwerden], noch eine [gesund-
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Seite 14
heitliche Beschwerden] oder eine [gesundheitliche Beschwerden] diagnos-
tiziert wurde. Hierfür besteht gemäss dem Schreiben von L._ vom
(...) vom 23. August 2018 lediglich ein Verdacht, was mit dem ärztlichen
Zeugnis von (...) von der (...) vom 10. August 2018 bestätigt wird. Entspre-
chend attestierte Gesundheitsbeschwerden wären aber ohnehin nicht ge-
eignet, die klaren Unglaubhaftigkeitsindizien plausibel zu erklären.
6.3.4 Zusammenfassend ist im Sinne eines Zwischenergebnisses festzu-
halten, dass die Darstellungen des Beschwerdeführers zu den drei tätli-
chen Angriffen durch die Al-Shabaab erhebliche Widersprüche aufweisen,
womit der Glaubhaftigkeit der gesamten Fluchtgeschichte letztlich die
Grundlage entzogen wird, handelt es sich dabei doch um zentrale Kernvor-
bringen. Wie aufgezeigt, sind die Ausführungen des Beschwerdeführers
auf Beschwerdeebene nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu ge-
langen. Selbst unter Berücksichtigung des Umstandes, dass zwischen der
ersten und der zweiten Befragung knapp zwei Jahre liegen, lassen sich die
Unstimmigkeiten nicht begründen.
6.4
6.4.1 Während der BzP fanden weder die Rekrutierungsversuche seines
Schwagers für die Al-Shabaab noch die wiederholten nächtlichen Haus-
durchsuchungen und Verdächtigungen durch die somalischen Regierungs-
truppen Erwähnung (vgl. SEM-Akten A/3, Ziffern 7.01 ff.). Zudem berich-
tete er erstmals in der Anhörung von seinem mehrmonatigen Aufenthalt auf
der Insel J._ (vgl. SEM-Akte A/18, F 67 und F 69 ff.). Obwohl der
BzP nur summarischer Charakter zukommt und bei der Beurteilung der
Glaubhaftigkeit den Aussagen im Erstprotokoll lediglich ein beschränkter
Beweiswert zuzumessen ist, wäre zu erwarten gewesen, dass er diese we-
sentlichen Elemente des Sachverhalts bereits von Anfang an vorträgt. Fer-
ner wurde er sowohl zu Beginn der BzP als auch der Anhörung auf die
Wichtigkeit vollständiger, lückenloser und wahrheitsgetreuer Angaben wie
auf seine Verantwortung für seine Aussagen hingewiesen (vgl. SEM-Ak-
ten A/3, Seite 2 und A/18, Seite 2). Es darf deshalb erwartet werden, dass
die in Frage stehenden Ereignisse in den wesentlichen Zügen und in der
chronologisch richtigen Reihenfolge wiederholt korrekt erzählt werden kön-
nen, umso mehr als es sich dabei um einschneidende Erlebnisse handelt,
die erfahrungsgemäss besonders gut im Gedächtnis haften bleiben.
6.4.2 Der anlässlich der Anhörung (vgl. SEM-Akte A/18, F 105 und F 106)
sowie auf Beschwerdeebene (vgl. dort Seite 5 f.) vorgebrachte Einwand
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Seite 15
des Beschwerdeführers, er habe während der BzP nicht genügend Zeit ge-
habt, seine Asylgründe vollständig und ausführlich darzulegen, überzeugt
nicht. Die BzP dauerte vorliegend – inklusive Rückübersetzung von 20 Mi-
nuten – von 11:00 Uhr bis 13:30 Uhr und damit insgesamt 2.5 Stunden
(vgl. SEM-Akte A/3, Seite 10), womit der Beschwerdeführer – objektiv ge-
sehen – genügend Zeit hatte, um seine zentralen Vorbringen vorzutragen
und allfällige Ergänzungen zu machen. Wie die Vorinstanz richtig be-
merkte, wurde er ausdrücklich danach gefragt, ob er alle Gründe habe nen-
nen können, welche ihn dazu bewogen hätten, sein Heimatland zu verlas-
sen (vgl. SEM-Akte A/3, Ziffer 7.01 [«Ha menzionato tutti i motivi che
l’hanno spinta a lasciare il suo paese d’origine o di provenzienza?»]). Aus-
serdem wurde er vor Abschluss der BzP erneut danach gefragt, ob es noch
andere Gründe gebe, welche er nicht erwähnt habe, die einer Rückkehr in
den Heimatstaat entgegenstünden (vgl. SEM-Akte A/3, Ziffer 7.03 [«Ci
sono motivi che non ha menzionato che protrebbero opporsi ad un suo
rientro nei suo Paese d’origine o di provenzienza?»]). Beide Fragen ver-
neinte der Beschwerdeführer klarerweise (vgl. SEM-Akte A/3, Ziffern 7.01
und 7.03).
6.4.3 Zur in der Beschwerdeschrift vertretenen Ansicht des Beschwerde-
führers, wonach er habe erwarten dürfen, später noch weitere Ausführun-
gen zu seinen Asylgründen machen zu können (vgl. dort Seite 6), ist ihm
zwar zuzustimmen, dass Asylsuchende in der BzP lediglich summarisch zu
ihren Fluchtgründen befragt werden und sie in den nachfolgenden Anhö-
rungen Gelegenheit haben, sich einlässlich zu äussern. Aussagewider-
sprüche müssen und dürfen bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit jedoch
mitberücksichtigt werden, wenn klare Aussagen in der Erstbefragung in
wesentlichen Punkten der Asylbegründung diametral von den späteren
Aussagen in der Anhörung abweichen oder wenn bestimmte Ereignisse
oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt wer-
den, nicht zumindest ansatzweise in der Erstbefragung erwähnt worden
sind. Im Übrigen können die Aussagen im Rahmen der Anhörung nicht
bloss als Ergänzungen zu denjenigen in der BzP verstanden werden, son-
dern stehen diesen vielmehr unvereinbar gegenüber.
6.4.4 Nach dem Gesagten wirken die Vorbringen des Beschwerdeführers
hinsichtlich der Probleme mit seinem Schwager und der somalischen Re-
gierung sowie seines Aufenthalts auf der Insel J._ vor seiner Aus-
reise – wie von der Vorinstanz festgehalten wurde – konstruiert und nach-
geschoben, womit sie folglich ebenfalls als unglaubhaft zu beurteilen sind.
D-5060/2018
Seite 16
6.5
6.5.1 Ferner führte das SEM aus, es erscheine nicht plausibel, dass weder
der Beschwerdeführer noch seine Schwester von den Verbindungen sei-
nes Schwagers beziehungsweise ihres Ehemannes zu den Al-Shabaab
wusste. Hierzu kann – mangels stichhaltiger Gegenargumente seitens des
Beschwerdeführers – vollumfänglich auf die zu bestätigenden Erwägungen
hingewiesen werden.
6.5.2 Die Vorinstanz kommt des Weiteren zu Recht zum Schluss, dass das
Handeln der somalischen Regierung, welche den Beschwerdeführer ver-
dächtigte, Mitglied der Al-Shabaab zu sein, und ihn aufgrund dessen wäh-
rend circa sechs Monaten immer wieder zu Hause aufgesucht haben soll,
ohne dass ihm weiter etwas passiert sein soll, nicht nachvollziehbar und
der Handlungslogik zuwiderlaufend ist. Dies wurde vom Beschwerdeführer
denn auch nicht entkräftet.
6.6 Nach Durchsicht sämtlicher Akten schliesst sich das Bundesverwal-
tungsgericht im Ergebnis den vorinstanzlichen Erwägungen an und erach-
tet die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend. Es ist ihm im Rah-
men des Asylverfahrens nicht gelungen, eine flüchtlingsrechtlich relevante
Verfolgungssituation nachzuweisen oder als überwiegend wahrscheinlich
darzulegen. Die Entgegnungen und Einwände in der Beschwerdeschrift
vermögen die vom SEM im angefochtenen Entscheid getroffene Einschät-
zung ebenfalls nicht umzustossen, womit sich eine weitere Auseinander-
setzung mit diesen erübrigt. Schliesslich sind weder die im vorinstanzlichen
Verfahren noch die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel ge-
eignet, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen zu beseitigen. Die
Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers daher
zutreffend verneint und sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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Seite 17
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Vorliegend hat das SEM in seiner Verfügung vom 3. August 2018 an-
stelle des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme des Beschwer-
deführers in der Schweiz angeordnet (Art. 44 zweiter Satz AsylG i.V.m.
Art. 83 Abs. 1–4 AIG). In diesem Zusammenhang bleibt festzustellen, dass
die Gründe für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme im Einzelnen
– vorliegend erachtete das SEM den Vollzug nach Somalia als derzeit un-
zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AIG) – vom Bundesverwaltungsgericht nicht nä-
her zu prüfen sind und sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zuläs-
sigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen, da diese Voll-
zugshindernisse alternativer Natur sind: Ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der
Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
9.
Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver-
fügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt
richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde
ist daher abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem mit
Verfügung vom 21. September 2018 das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutge-
heissen worden ist und weiterhin von der Bedürftigkeit des Beschwerde-
führers auszugehen ist, sind ihm trotz Unterliegens keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen.
10.2 Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
ebenfalls mit Verfügung vom 21. September 2018 als amtliche Rechtsbei-
ständin im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG beigeordnet worden
ist, ist sie für ihren Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu
entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m.
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Art. 8 Abs. 2 VGKE). Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwal-
tungsgericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis
Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte ausgegangen (vgl. Art. 12 i.V.m.
Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die Rechtsvertreterin hat vorliegend keine Kosten-
note zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich
jedoch aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die
Einholung einer Honorarnote verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in
fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfakto-
ren (Art. 9–13 VGKE) sowie angesichts der Entschädigungspraxis in ver-
gleichbaren Fällen ist der Rechtsvertreterin zulasten der Gerichtskasse ein
amtliches Honorar von Fr. 1'200.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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