Decision ID: ed4a4074-3400-427a-a22c-9cb88c9662f4
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchter Betrug und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 24. Juni 2019 (DG190022)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 14. Januar 2019 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 28).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 53 S. 42 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des versuchten Betrugs im Sinne von
Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau vom 5. Juli 2016 ausgefällten Freiheitsstrafe von 10 Monaten und 15
Tagen wird widerrufen.
3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe (Urteil des Regional-
gerichts Emmental-Oberaargau vom 5. Juli 2016) bestraft mit 24 Monaten Frei-
heitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon 55 Tage durch Haft bereits erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 14 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate, abzüglich 55 Tage,
die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafmandat der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Emmental-Oberaargau vom 6. Juli 2016 ausgefällten Strafe von 48 Tages-
sätzen zu Fr. 50.– wird widerrufen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 14. Januar 2019
beschlagnahmte Schiess-Munition (Asservaten-Nr. A011'391'541) wird eingezogen
und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
7. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 14. Januar
2019 einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände werden dem Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen hin herausgegeben.
Verlangt der Beschuldigte die Gegenstände nicht innert 30 Tagen ab Rechtskraft
des Urteils heraus, werden sie der zuständigen Lagerbehörde zur Vernichtung
überlassen:
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− ein Mobiltelefon "Samsung Galaxy S 3", IMEI-Nr. 1, mit Schachtel und  (Asservaten-Nr. A011'391'245);
− eine Schachtel, schwarz, zu iPhone mit IMEI-Nr. 2, mit SIM-Blister und SIM-Karte (Asservate-Nr. A011'391'256);
− drei Verträge "Sunrise" (Asservaten-Nr. A011'391'289, A011'391'303 und A011'391'314);
− ein Mobiltelefon "Switel M17D", IMEI-Nr. 3, 4 (Asservaten-Nr. A011'391'347); − ein Schreiben der Swisscom (Asservaten-Nr. A011'391'370) − ein Reparaturvertrag vom 7. März 2018 (Asservaten-Nr. A011'391'405); − ein Mobiltelefon "Samsung GT-19000", IMEI-Nr. 5, mit Netzteil und zwei SIM-
Karten (Asservaten-Nr. A011'391'427); − eine Fotokamera "Rollei" mit Akku und Speicherkarte
(Asservaten-Nr. A011'391'449); − eine Fotokamera "Nikon" mit Akku und Speicherkarte
(Asservaten-Nr. A011'391'450); − ein Mobiltelefon "Apple iPhone A1429", IMEI-Nr. 6,
(Asservaten-Nr. A011'391'472); − eine Schachtel zu iPhone mit IMEI-Nr. 7
mit drei SIM-Blistern (Asservaten-Nr. A011'391'507); − zwei Schachteln zu iPhones mit IMEI-Nr. 8 und 9 (Asservaten-
Nr. A011'391'494 und A011'391'518); − eine Schachtel zu iPhone mit IMEI-Nr. 10 mit SIM Blister
(Asservaten-Nr. A011'391'529); − eine Schachtel zu Samsung Galaxy S mit IMEI-Nr. 11
(Asservaten-Nr. A011'391'530); − ein Mobiltelefon "Apple iPhone A1778" (Asservaten-Nr. A011'391'563).
8. Das einzig als Beweismittel sichergestellte Mobiltelefon der Marke "Apple" (Asser-
vaten-Nr. A011'542'077) wird B._ auf erstes Verlangen hin herausgegeben.
Verlangt B._ das Mobiltelefon nicht innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils
heraus, wird es der zuständigen Lagerbehörde zur Vernichtung zur gutscheinenden
Verwendung überlassen.
9. Von der Abnahme einer DNA-Probe und der Erstellung eines DNA-Profils im Sinne
von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes wird abgesehen.
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10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 6'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 4'160.– Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 6 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 78 S. 2)
1. Es sei das Urteil vom 24. Juni 2019 (DG190022-L/U) aufzuheben und
der Beschuldigte vom Vorwurf des versuchten Betrugs freizusprechen
2. Unter den üblichen Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 80 S. 1)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs
2. Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten
als Gesamtstrafe und unter Einbezug der zu widerrufenen, ehemals
bedingt ausgefällten Freiheitsstrafe von 10 Monaten und 15 Tagen
durch das Regionalgericht Emmental-Oberaargau vom 5. Juli 2016
3. Anrechnung der erstandenen Haft
4. Widerruf der mit Strafmandat der Regionalen Staatsanwaltschaft
Emmental-Oberaargau vom 6. Juli 2016 ausgefällten bedingten Geld-
strafe von 48 Tagessätzen zu Fr. 50.–
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5. Im Übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
6. Unter Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten auch für das zweit-
instanzliche Verfahren

Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Berufungsumfang, Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 53 S. 4).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 24. Juni 2019 wur-
de der Beschuldigte A._ gemäss dem eingangs wiedergegebenen Urteilsdis-
positiv schuldig gesprochen und bestraft. Gegen das Urteil liess der Beschuldigte
noch an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung Berufung anmelden (Prot. I
S. 39). Mit Eingabe vom 26. Juni 2019 meldete auch die Staatsanwaltschaft innert
Frist Berufung an (Urk. 45). Das begründete Urteil wurde den Parteien in der Fol-
ge am 3. September 2019 zugestellt (Urk. 52/1-2). Die Staatsanwaltschaft reichte
mit Eingabe vom 4. September 2019 fristgerecht die Berufungserklärung ein
(Urk. 54). Mit Eingabe vom 10. September 2019 reichte sodann die Verteidigung
fristgerecht ihre Berufungserklärung beim hiesigen Gericht ein und stellte Beweis-
anträge (Urk. 55).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 27. September 2019 wurde den Parteien Frist
angesetzt, um bezüglich der Berufung der Gegenpartei Anschlussberufung zu
erklären, oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Des
Weiteren wurde dem Beschuldigten eine Frist angesetzt, die gestellten Beweisan-
träge zu begründen (Urk. 58). Mit Schreiben vom 14. Oktober 2019 erklärte die
Staatsanwaltschaft Anschlussberufung (Urk. 60). Mit Präsidialverfügung vom
16. Oktober 2019 wurde die Anschlussberufungserklärung der Staatsanwaltschaft
dem Beschuldigten zugestellt (Urk. 64).
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1.4. Nach einmal erstreckter Frist reichte die Verteidigung mit Eingabe vom
7. November 2019 die Begründung der gestellten Beweisanträge ein (Urk. 66).
Mit Präsidialverfügung vom 12. November 2019 wurde der Staatsanwaltschaft
Frist angesetzt, um zu den Beweisanträgen des Beschuldigten Stellung zu neh-
men (Urk. 68). Die Vernehmlassung der Staatsanwaltschaft erfolgte mit Eingabe
vom 19. November 2019 (Urk. 70). Mit Präsidialverfügung vom 28. November
2019 wurden die Beweisanträge des Beschuldigten begründet abgewiesen
(Urk. 71).
1.5. Am 3. Dezember 2020 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher
der Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr.
iur. X._, sowie die Staatsanwältin lic. iur. S. Leu erschienen sind (Prot. II
S. 6). Zu Beginn der Berufungsverhandlung zog die Staatsanwaltschaft ihre An-
schlussberufung zurück, wovon vorab mittels Beschlusses Vormerk zu nehmen
ist. Vorfragen waren keine zu entscheiden und – abgesehen von der Einvernah-
me des Beschuldigten (Urk. 77A) – auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 7
f.). Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 15.ff.).
2. Berufungsumfang
2.1. In ihrer Berufungserklärung vom 4. September 2019 beschränkte die
Staatsanwaltschaft die Berufung ausdrücklich auf die Bemessung der Strafe und
den Vollzug (Urk. 54). Die Verteidigung beantragte in ihrer Berufungserklärung die
vollumfängliche Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 55).
2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigten die Parteien, dass damit
die Dispositiv-Ziffern 6 bis 8 (Entscheid beschlagnahmte Gegenstände), 9 (Abse-
hen von Abnahme DNA) und 10 (Kostenfestsetzung) nicht angefochten sind.
2.3. Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositiv-Ziffern 6
bis 8 (Entscheid beschlagnahmte Gegenstände), 9 (Absehen von Abnahme DNA)
sowie 10 (Kostenfestsetzung) nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwach-
sen, was vorab mittels Beschlusses festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO).
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2.4. Im übrigen Umfang – für den nicht in Rechtskraft erwachsenen und ange-
fochtenen Teil des Urteils – steht das vorinstanzliche Urteil zwecks Überprüfung
zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Prozessuales
3.1. Anklageprinzip
Die Verteidigung führt im erstinstanzlichen Verfahren aus, man müsse in der
Anklageschrift suchen, worin nun der konkrete Tatbeitrag des Beschuldigten am
versuchten Betrug bestehen soll (Urk. 40 S. 5 f.). Soweit die Verteidigung hiermit
die Verletzung des Anklageprinzips geltend macht, ist diese Rüge unbegründet.
Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des
Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV;
Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Gericht
ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabili-
tätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde
(vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-
legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe
im objektiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind. Das Anklage-
prinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten
Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion;
BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Anklageschrift umschreibt sowohl die
Handlungen der Mittäter als auch das dem Beschuldigten vorgeworfene Verhal-
ten, seinen Tatbeitrag, genügend konkret. Mit Blick auf die Informationsfunktion
war dem Beschuldigten hinreichend klar, was ihm vorgeworfen wird. Dass und
inwiefern eine wirksame Verteidigung nicht möglich sein soll, ist weder aufgezeigt
noch erkennbar.
3.2. Verwertbarkeit der Aussagen
Die Vorinstanz erwägt, in Bezug auf die Ehefrau des Beschuldigten, B._, und
den Mitbeschuldigten C._ habe der Beschuldigte keine Gelegenheit gehabt,
allenfalls ihn belastende Aussagen in Zweifel zu ziehen und Fragen an die ein-
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vernommenen Personen zu richten. Entsprechend könnten die Aussagen von
B._ und C._ nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertet werden
(Urk. 53 S. 6). Es trifft zu, dass dem Beschuldigten zumindest ein einmaliges Kon-
frontationsrecht zugestanden hätte. Da keine Konfrontationseinvernahmen statt-
gefunden haben und der Beschuldigte auch nicht auf solches ausdrücklich ver-
zichtet hat, können die Aussagen von B._ und C._ – mit der Vorinstanz
– nur zugunsten des Beschuldigten berücksichtigt werden (WOHLERS, StPO-
Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 147 N 11 ff.; OBERHOLZER, Grundzüge des Straf-
prozessrechts, 4. Aufl. 2020, Rz. 694 ff.).
II. Sachverhalt
1. Allgemeines
1.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweis-
würdigung dargelegt (Urk. 53 S. 6 f.). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO), ebenso auf die vorinstanzlichen Erwägungen zur Frage der Glaub-
würdigkeit des Beschuldigten, der Mitbeschuldigten D._ und C._ und
der Ehefrau des Beschuldigten B._ (Urk. 53 S. 8). Im Übrigen kann sich die
Berufungsinstanz auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken
(vgl. BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; BGE 141 III 28 E. 3.2.4; je mit Hinweisen).
1.2. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass für die zentralen Punkte kei-
ne direkten Beweise vorliegen, gilt es hervorzuheben, dass – soweit ein direkter
Beweis nicht möglich ist – der Nachweis der Tat mit Indizien, d.h. mit indirekten,
mittelbaren Beweisen, zu führen ist. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis
gleichwertig, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik", zu
würdigen ist. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf
die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit
des Anders-seins offen, enthält es daher auch den Zweifel. Es ist jedoch zulässig,
aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrach-
tet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder
Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsge-
nügenden Beweis von Tat und/oder Täter zu schliessen. Der Indizienprozess als
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solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teil-
rechte. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet auf das einzelne Indiz keine An-
wendung (Urteile des Bundesgerichts 6B_360/2016 vom 1. Juni 2017 E. 2.4, nicht
publ. in BGE 143 IV 361; 6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8 und
6B_1021/2016 vom 20. September 2017 E. 4.1 mit Hinweisen). Er entfaltet seine
Wirkung bei der Beweiswürdigung als Ganzes. Massgebend ist nicht eine isolierte
Betrachtung der einzelnen Beweise, welche für sich allein betrachtet nur eine ge-
wisse Wahrscheinlichkeit begründen und insofern Zweifel offenlassen, sondern
deren gesamthafte Würdigung (Urteil des Bundesgerichts 6B_699/2018 vom
7. Februar 2019 E. 2.3.2; WOHLERS, StPO-Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 10 N
27; OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, Rz. 1090).
2. Anklagevorwurf und Sachverhalt
2.1. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, es ergebe sich
folgendes Bild: Der Beschuldigte sei Mitglied der Gruppe "E._" und
zusammen mit F._, dem Mitbeschuldigten D._ und weiteren Personen
Teil der WhatsApp-Chatgruppe "G._". Am 14. Februar 2018 sei der Beschul-
digte per WhatsApp von F._ kontaktiert worden und habe eingewilligt, in der
Schweiz bei der Abholung von Bargeld und Gold mitzumachen. F._ habe
dann den Beschuldigten mit H._ in Kontakt gebracht, dessen Tatbeitrag nicht
abschliessend eruiert werden könne. Am 20. Februar 2018 habe der Beschuldigte
den Mitbeschuldigten C._ organisiert, damit dieser zusammen mit dem Mit-
beschuldigten D._ die Abholung durchführen werde. Am frühen Nachmittag
habe sich der Beschuldigte mit dem Mitbeschuldigten D._ in I._ getrof-
fen, wo er D._ die Adresse des Geschädigten und die Telefonnummer des
Mitbeschuldigten C._ zur Verfügung gestellt habe. Dann habe der Mitbe-
schuldigte D._ den Mitbeschuldigten C._ angerufen, habe ihn abgeholt
und sei mit ihm zur Adresse des Geschädigten gefahren, wo die beiden schliess-
lich verhaftet worden seien. Während des ganzen Tages und so auch während
der Abholung seien der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte D._ in ständi-
gem telefonischen Kontakt gewesen. Nach der Verhaftung des Mitbeschuldigten
D._ sei der Beschuldigte von der Ehefrau des Mitbeschuldigten D._
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über die Geschehnisse informiert worden, worauf er wiederum F._ zu errei-
chen versucht habe, um ihm die Neuigkeiten mitzuteilen. Gestützt auf die objekti-
ven Beweismittel, die Aussagen des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten
D._ sowie die vorhandenen Indizien könne rechtgenügend erstellt werden,
dass der Beschuldigte am Betrug zulasten des Geschädigten als Mittäter beteiligt
gewesen sei. Sein Tatbeitrag habe insbesondere darin bestanden, als Bindeglied
zwischen F._, H._ und dem Mitbeschuldigten D._ zu fungieren und
die Abholung in Zürich zu orchestrieren. Er habe für die Geldabholung zudem
C._ an D._ vermittelt. Letzteren habe er die Adresse des Geschädigten
mitgeteilt. In Bezug auf den äusseren Sachverhalt des Tatgeschehens vom
20. Februar 2018, welches der Beschuldigte nicht in Zweifel ziehe, sei – wie dies
auch in der Anklageschrift umschrieben sei (Urk. 28 S. 3 ff.) – davon auszugehen,
dass der Geschädigte am 20. Februar 2018, ab etwa 11.40 Uhr an seinem Woh-
nort auf seinem Festnetzanschluss einen Anruf von einem Herrn J._ entge-
gengenommen habe, wobei sich der Anrufer als Kantonspolizist ausgegeben ha-
be; die Absendernummer sei mithilfe von Call-ID-Spoofing gefälscht gewesen. Die
Telefonanrufe hätten über den ganzen Tag hinweg angedauert, wobei die Anrufer
den Geschädigten unter Vorgabe von erfundenen Gegebenheiten hätten über-
zeugen wollen, ihnen seine Vermögenswerte zu überlassen. Dies hätten sie unter
Vorgabe des Grundes getan, dass in der Umgebung eingebrochen worden sei,
wobei der Täter habe festgenommen werden können. Auf dem Täter seien die
Daten des Geschädigten sichergestellt worden, und man befürchte einen Überfall
auf diesen durch andere Bandenmitglieder. Zur Sicherung der Vermögenswerte
und um mit der Versicherung keine Probleme zu bekommen, habe der Geschä-
digte diese an die Polizei übergeben sollen. Man habe vereinbart, dass ein Poli-
zeibeamter eine Sporttasche mit den Wertsachen des Geschädigten bei diesem
abholen werde. So sei denn auch eine männliche Person – der Mitbeschuldigte
C._ – beim Geschädigten erschienen und habe die Sporttasche übernom-
men (Urk. 28 S. 3 ff.). Die Polizei habe den Mitbeschuldigten C._ unmittelbar
nach der Übergabe und kurz darauf auch den im Fahrzeug wartenden Mitbe-
schuldigten D._ verhaften können. Auch könne das Wissen und der Wille
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des Beschuldigten um die tatsächlichen Vorgänge respektive den Betrugsversuch
rechtsgenügend erstellt werden (Urk. 53 S. 9 f., S. 22 f.).
2.2. Dass sich der äussere Sachverhalt des Tatgeschehens am 20. Februar
2018 gemäss Anklageschrift verwirklicht hat, blieb unbestritten (vgl. Urk. 53 S. 9
f.) und daran bestehen keine Zweifel.
2.3. Der Beschuldigte macht jedoch geltend, nichts mit dem Vorfall in Zürich
vom 20. Februar 2018 zu tun zu haben. Er habe die Mitbeschuldigten D._
und C._ nicht angewiesen, einen Betrug zu begehen. Er habe davon nichts
gewusst (Urk. 6/1 Frage 5; Urk. 6/3 Fragen 141 ff., 154).
2.4. Wie die Vorinstanz in ihren Erwägungen aufzeigt, fällt der Beschuldigte mit
widersprüchlichem und ausweichendem Aussagenverhalten auf.
2.4.1. Seine Aussagen betreffend den Kontakt mit den Mittätern sind widersprüch-
lich. In Bezug auf den Kontakt mit dem Mitbeschuldigten D._ widersprechen
sich seine Aussagen teilweise selbst (Ziff. II 2.5.3) und andererseits den Aussa-
gen von D._. Dieser weiss beispielsweise nichts von einem gemeinsamen
Projekt, eine Shisha-Bar zu eröffnen, in welchem Zusammenhang sie sich ge-
mäss den Angaben des Beschuldigten am 20. Februar 2018 bei der Ausfahrt
nach K._ in einer Cooptankstelle getroffen, telefonischen Kontakt gehabt und
um 17.00 Uhr einen gemeinsamen Termin gehabt hätten (Urk. 6/1 Frage 22 ff.;
Urk. 6/2 Frage 36 ff.; Urk. 6/3 Frage 12 f., 26 ff.; Urk. 7/3 Frage 155 ff.; Urk. 7/4
Frage 121 ff.; Urk. 9 S. 14 f.). Sodann stehen seine diesbezüglichen Aussagen
teilweise zu objektiven Beweismitteln im Widerspruch (Ziff. II 2.5.1).
2.4.2. Auch die Beziehung des Beschuldigten mit F._ schildert der Beschul-
digte unterschiedlich. Zuerst will er ihn gar nicht kennen und keinen Kontakt mit
ihm gehabt haben (Urk. 6/2 Frage 24 ff.). Später – nachdem die Ergebnisse der
Telefonauswertungen vorlagen – räumte er ein, "F1._", unter welchen
Namen F._ im Mobiltelefon des Beschuldigten abgespeichert war, doch zu
kennen. Dieser sei bei der "E._" in Deutschland der Verantwortliche (Urk. 6/3
Fragen 43 ff.). Sodann räumt er – nach längerem Bestreiten (Urk. 6/3 Fragen 72
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ff., 118 ff.) – ein, dass es Mitte Februar 2018 zum Austausch von Sprachnachrich-
ten gekommen sei. F._ habe ihm anerboten, "Geld zu machen", wobei er
aber nicht mitgemacht habe. Er habe zwar geantwortet, indes nicht gewusst, wo-
rum es gehe (Urk. 6/3 Fragen 127 ff.; Urk. 9 S. 6 f.; vgl. auch Urk. 4/3). Weiter
verstrickte sich der Beschuldigte in Widersprüche mit Bezug auf den Umstand, ob
er am Abend vom 20. Februar 2018 F._ angerufen habe. Während er zuerst
festhielt, mit F._ telefoniert zu haben, er wisse aber nicht, wer wen angerufen
habe, wich er kurz später davon ab. Auf Vorhalt, der Anruf am Abend des 20.
Februar 2018 sei von der Nummer 12 erfolgt, welche auf den Beschuldigten lautet
(Urk. 12/1), erklärte dieser, die Nummer gehöre seiner Ehefrau. Sie wisse nicht,
wer F._ sei. Sie habe wohl versucht herauszufinden, ob er (der Beschuldigte)
mit anderen Frauen in Deutschland Kontakt habe (Urk. 6/3 Frage 51 ff.; Urk. 9
S. 4; vgl. auch Urk. 4/5 Zeile 1'216). Diese Erklärung überzeugt nicht. Es ist weder
nachvollziehbar noch leuchtet es ein, weshalb seine Ehefrau eine ihr unbekannte
Nummer wählen sollte in der Absicht, mögliche Frauenkontakte des Beschuldig-
ten in Erfahrung zu bringen.
2.4.3. Des Weiteren verneinte der Beschuldigte zu Beginn, einen H._, der im
Zusammenhang mit F._ stehe, zu kennen (Urk. 6/3 Frage 85 ff.). Die Ergeb-
nisse der Telefonauswertungen zeigen indessen auch hier ein anderes Bild
(Urk. 4/2). Ferner gestand der Beschuldigte dann auch ein, von H._ zwei Ta-
ge vor dem 20. Februar 2018 sowie am Tattag kontaktiert worden zu sein. Er ha-
be aber nie erfahren, was H._ von ihm gewollt habe (Urk. 6/3 Frage 137 f.;
Urk. 9 S. 7 ff.). Diese Aussage überzeugt insofern nicht, als ein Rückruf an
H._ am 20. Februar 2018 um 20:53 Uhr dokumentiert ist (Urk. 4/5 Zeilen
1'214 und 1'215).
2.4.4. Schliesslich stritt der Beschuldigte anfangs auch ab, den Mitbeschuldigten
C._ zu kennen (Urk. 6/3 Frage 21 ff.). Er räumte erst später – nach längerem
Bestreiten selbst auf Vorhalt der Handyauswertung, welche einen Anruf des
Beschuldigten an C._ am 23. Februar 2018 dokumentiert (Urk. 6/3 Frage
35 ff., 139 f.; Anhang A zu Urk. 6/3; Urk. 3 S. 3) – ein, diesen doch zu kennen und
ihn dem Mitbeschuldigten D._ genannt zu haben, als dieser gefragt habe, ob
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er "einen zweiten" kenne. Sodann habe er diesen über Facebook kontaktiert. Er
habe C._ gesagt, dass D._ ihn abholen komme. Und D._ habe er
gesagt, dass dieser C._ abholen solle. Weshalb D._ jemanden ge-
braucht habe, wisse er nicht (Urk. 6/3 Frage 140 ff.; Urk. 9 S. 11 ff.). Insoweit gibt
der Beschuldigte die Vermittlung zwar zu, will seinen Beitrag jedoch auf einen
blossen Freundschaftsdienst hinunterspielen und nicht wissen, worum es gegan-
gen sei.
2.4.5. Die Aussagen des Beschuldigten im Zusammenhang mit der Gruppierung
"E._" fallen sodann zögerlich und ausweichend aus (Urk. 6/1 Frage 31 ff.;
Urk. 6/2 Frage 13 ff.; Urk. 9 S. 11 ff.; Prot. I S. 10 ff.). Wenn die Vorinstanz er-
wägt, seine diesbezüglichen Aussagen würden den Eindruck erwecken, als wolle
er seine Stellung herunterspielen, kann ihr ohne Weiteres beigepflichtet werden
(Urk. 53 S. 14 f.).
2.5. Auf der anderen Seite liegen zahlreiche Indizien vor, die als Gesamtheit
den klaren Eindruck vermitteln, dass der Beschuldigte in die Vorgänge massge-
blich involviert war:
2.5.1. Die Fotoaufnahme der von einem Mobiltelefon mit Displayschaden abfoto-
grafierten Adresse des Geschädigten Armbruster entstand in I._, nur 58 Me-
ter neben dem Wohnort des Beschuldigten, mit dem Mobiltelefon von D._ am
20. Februar 2018, um 14.53 Uhr, und damit nur elf Minuten nach einem telefoni-
schen Kontakt zwischen dem Beschuldigten und D._ (Urk. 1 S. 5; Urk. 3
S. 4; Urk. 12/2 S. 3; Urk. 12/3-4). Sodann konnte anlässlich der Hausdurchsu-
chung beim Beschuldigten zuhause ein Reparaturauftrag vom 7. März 2018 be-
treffend die Auswechslung des Displays seines iPhone 7 sichergestellt werden
(Urk. 18/7; Urk. 18/8 S. 3; Urk. 18/9; Urk. 1 S. 6). Gemäss Angaben des Beschul-
digten musste sein Display repariert werden (Urk. 6/1 Frage 48 ff.). Der Sohn ha-
be mit dem Handy gespielt und es sei ihm aus der Hand gefallen, sodass das
Glas kaputt gegangen sei (Urk. 6/1 Frage 49). Es liegt bereits angesichts dieser
Umstände die Vermutung nahe, dass das Mobiltelefon des Beschuldigten im rele-
vanten Zeitpunkt einen Displayschaden gehabt hatte. Ein weiterer Anhaltspunkt
besteht darin, dass das Mobiltelefon des Beschuldigten um 13.33 Uhr am Anten-
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nenstandort "Autobahn, ... Km ...", nahe von I._, eingeloggt war und bis
16.14 Uhr ab dem Mobiltelefon des Beschuldigten kein weiterer Antennenstandort
erfasst wurde (Urk. 3 S. 4). Dazu kommen noch die beidseits unglaubhaften Aus-
sagen des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten D._ zum gemeinsamen
Treffen vom 20. Februar 2018. Dass der Beschuldigte selbst angab, der Display-
schaden sei erst etwa 5 bis 6 Tage vor der Reparatur – und damit erst nach der
relevanten Fotoaufnahme – entstanden (Urk. 6/1 Frage 50), muss unter diesen
Umständen als reine Schutzbehauptung qualifiziert werden. Wenn die Vorinstanz
aufgrund dieser gesamten Umstände erwägt, diese Indizienkette und die beidseits
unglaubhaften Aussagen des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten D._
liessen nur den Schluss zu, dass sich der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte
D._ am 20. Februar 2018 in I._ getroffen hätten und D._ vom Mo-
biltelefon des Beschuldigten die Adresse des Geschädigten abfotografiert habe,
kann ihr ohne Weiteres zugestimmt werden (Urk. 53 S. 18 ff.).
2.5.2. Unmittelbar nach der Fotoaufnahme um 14.53 Uhr kontaktierte D._
sodann C._. Ein zweiter telefonischer Kontakt erfolgte dann um 15.28 Uhr,
vermutlich vor dem Eintreffen am Abholtreffpunkt in L._ (Urk. 7/2 Frage 9 f.;
Urk. 7/3 Frage 27 ff.). Der Beschuldigte gibt diesbezüglich – nach längerem
Bestreiten – zu, D._ den Kontakt zu C._ vermittelt zu haben (Urk. 6/2
Frage 67; Urk. 6/3 Frage 139 ff.; Urk. 9 S. 16). Indes bestreitet er, ihm die Handy-
nummer von C._ zur Verfügung gestellt zu haben (Urk. 6/3 Frage 144). An-
gesichts der dokumentierten Telefonauswertungen (vgl. Urk. 6/3 Frage 35 ff.;
Urk. 3 S. 3) und der bereits geschilderten Umstände verbleiben indessen gesamt-
haft keine nennenswerten Zweifel daran, dass der Beschuldigte D._ nicht nur
die Adresse des Geschädigten, sondern auch die Handynummer von C._
vermittelt hat. Diese Erkenntnis vermögen auch die Aussagen von C._, wel-
cher nach längerem Schweigen einräumte, dass es einen Auftraggeber gegeben
habe, er indes den Beschuldigten nicht kenne (Urk. 8/1 Frage 78, 113 ff.; Urk. 8/2
Frage 23, 60; Urk. 8/3 Frage 23 ff., 42 ff.; Urk. 8/4 Frage 5, 12, 69 f.), nicht umzu-
stossen. Sodann sind die Ausführungen von D._, wie er zur Telefonnummer
von C._ gekommen sei – ein Zwischenmann habe diese auf einem Zettel auf
der Frontscheibe seines Fahrzeugs deponiert –, teilweise widersprüchlich, reali-
- 15 -
tätsfremd und gesamthaft unglaubhaft (Urk. 7/1 Frage 28, 45 f.; Urk. 7/2 Frage 27
ff.; Urk. 7/3 Frage 24 ff.).
2.5.3. Die bereits aufgezeigte Indizienkette betreffend die Tatbeteiligung des
Beschuldigten wird weiter durch den intensiven telefonischen Kontakt zwischen
dem Beschuldigten und D._ am Tattag bis zur Verhaftung, insbesondere
zwischen 11.59 Uhr und 14.42 Uhr sowie ab 15.43 Uhr, verstärkt (Urk. 12/2 und
12/3). Die diesbezüglichen Erklärungsversuche des Beschuldigten, wie es am
Tattag zu den nachweislich zahlreichen Telefonkontakten zwischen ihm und dem
Mitbeschuldigten D._ gekommen sei – die Kinder hätten am Mittag allenfalls
mit seinem Handy gespielt und am Nachmittag könne es sein, dass die Anrufe
beim Training durch das Handy in seiner Hosentasche automatisch ausgelöst
worden seien – (Urk. 6/2 Frage 48 ff.; Urk. 6/3 Frage 28), erscheinen realitäts-
fremd und müssen als reine Schutzbehauptungen betrachtet werden.
2.5.4. Die gelöschte und wiederhergestellte WhatsApp-Chat-Kommunikation
zwischen dem Beschuldigten und F._ vom 14. Februar 2018 erscheint so-
dann aufgrund der gesamten Umstände als höchst konspirativ (Urk. 6/3 Anhang
B; Urk. 4/6 Zeilen 13'207-13'212). Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass
der Beschuldigte diesen Chat gelöscht hat und sich – auf Vorhalt – zunächst in
die Ausrede flüchtete, solche Nachrichten nie erhalten zu haben, das sei nicht
sein Chat (Urk. 6/3 Frage 72 ff.). Unter diesen Gesichtspunkten vermögen denn
auch die Angaben des Beschuldigten, nicht gewusst zu haben, worum es ging,
nicht zu überzeugen. Vielmehr muss diese WhatsApp-Chat-Kommunikation mit
der Vorinstanz als Zustimmung, in der Schweiz Bargeld und Gold abzuholen, ge-
deutet werden (Urk. 53 S. 18). Erstmals brachte die Verteidigung im Rahmen des
Berufungsverfahrens vor, es komme in türkischen Familien bzw. im türkischen
Kulturkreis häufig vor, dass Darlehen innerhalb der Familie mit Bargeld bezahlt
würden, und es sei auch üblich, dass beispielsweise bei Hochzeiten oder anderen
grossen Familienfeiern Gold, teilweise im Umfang von bis zu mehreren zehn-
tausend Franken und/oder Bargeld geschenkt werde und dann entsprechende
Transporte durchgeführt werden müssten (Urk. 78 S. 19 f.). Der Beschuldigte
selbst hat das nie erwähnt. Diese späten Erklärungsversuche erscheinen an-
- 16 -
gesichts der gesamten Umstände nicht überzeugend. Sodann wäre davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte dann zumindest nachgefragt hätte, was er offen-
sichtlich nicht getan hat.
2.5.5. Auch der Umstand, dass F._ gemäss Angaben des Beschuldigten ihn
am 20. Februar 2018 so oft angerufen habe, weil er habe wissen wollen, wo
D._ sei (Urk. 6/3 Frage 128), spricht weiter dafür, dass der Beschuldigte
Kenntnisse von den Vorgängen hatte und massgeblich involviert war. Gleiches
muss für den Umstand gelten, dass die Ehefrau von D._, nachdem sie von
dessen Verhaftung erfahren hatte, den Beschuldigten kontaktierte (Urk. 6/2 Fra-
ge 11).
2.6. Sodann hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, dass das Aussageverhal-
ten des Mitbeschuldigten D._ als zaghaft, zurückhaltend und widersprüchlich
erscheine. Insbesondere liegen zahlreiche Widersprüche in sich und zu den
objektiven Beweismitteln vor (Urk. 7/1-4; Urk. 9; Urk. 53 S. 11 ff., S. 21 f.). Aber
auch – wie bereits unter II.2.4.1. erwähnt – lassen sich diverse Aussagen nicht in
Einklang mit den Aussagen des Beschuldigten bringen. Auch die plötzlich auf-
tretenden Erinnerungslücken erwecken den Eindruck, als wollte er etwas verheim-
lichen. Die Aussagen des Mitbeschuldigten D._ belasten den Beschuldigten
nicht direkt. Aber da sie gesamthaft, und damit auch in Bezug auf die Beteiligung
des Beschuldigten, keineswegs überzeugen, vermögen sie ihn auch nicht zu
entlasten. Ebenso wenig vermögen die Aussagen der Ehefrau des Beschuldigten
ihn zu entlasten (Urk. 11/1-2).
2.7. Die Gesamtheit der objektiven Beweismittel und Indizien sowie die Aus-
sagen des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten D._, führen – mit der
Vorinstanz – zu einem Gesamtbild, wonach der Beschuldigte am Betrug zulasten
des Geschädigten Armbruster massgeblich beteiligt war. Bei dieser gesamthaften
Würdigung verbleiben keine ernsthaften Zweifel, dass sich der Beschuldigte des
ihm in der Anklageschrift vorgeworfenen Verhaltens – insbesondere hat er als
Bindeglied zwischen F._, H._ und dem Mitbeschuldigten D._ fun-
giert, letzterem die Kontaktdaten des Geschädigten übergeben und ihn angewie-
sen, den ebenfalls durch ihn organisierten Mittäter C._ an den Tatort zu fah-
- 17 -
ren, um die Vermögenswerte vom Geschädigten zu übernehmen – wissentlich
und willentlich schuldig gemacht hat. Der Anklagesachverhalt kann damit – mit
Verweis auf die Vorinstanz – rechtsgenügend erstellt werden.
III. Rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz würdigt das Verhalten des Beschuldigten in rechtlicher
Hinsicht als versuchten Betrug in Mittäterschaft im Sinne von Art. 146 Abs. 1
StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB.
1.2. Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz vorbringen, der objektive Tatbestand
des Betrugs sei nicht erfüllt, da der Geschädigte informiert gewesen und darum
nicht habe getäuscht werden können (Urk. 40 S. 11 f.).
2. Mittäterschaft
Die Vorinstanz hat detaillierte Ausführungen zur Mittäterschaft gemacht und ins-
besondere aufgezeigt, dass bei der Planung und Ausführung der Tat gemein-
schaftlich arbeitsteilig zusammengewirkt wurde sowie der Beschuldigte daran
massgeblich beteiligt war (Urk. 53 S. 24 f.). Die vorgenommene Qualifikation des
Beschuldigten als Mittäter – und nicht bloss als Gehilfe, wie die Verteidigung gel-
tend macht (Urk. 78 S. 33 f.) – ist zutreffend und dem ist nichts mehr hinzuzufü-
gen.
3. Versuchter Betrug
3.1. Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betrugs schuldig, wer in der
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in
einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt,
wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt.
3.1.1. Angriffsmittel beim Betrug ist die Täuschung des Opfers. Als Täuschung
gilt jedes Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der Wirk-
- 18 -
lichkeit abweichende Vorstellung hervorzurufen. Sie ist eine unrichtige Erklärung
über Tatsachen, das heisst über objektiv feststehende, vergangene oder gegen-
wärtige Geschehnisse oder Zustände. Der Tatbestand erfordert eine arglistige
Täuschung. Betrügerisches Verhalten ist strafrechtlich erst relevant, wenn der Tä-
ter mit einer gewissen Raffinesse oder Durchtriebenheit täuscht. Ob die Täu-
schung arglistig ist, hängt nicht davon ab, ob sie gelingt. Wenn das Opfer der
Täuschung nicht erliegt, entfällt Arglist deswegen nicht notwendigerweise. Es ist
dann hypothetisch zu prüfen, ob die Täuschung unter Einbezug der Selbst-
schutzmöglichkeiten des Opfers als nicht oder nur erschwert durchschaubar er-
scheint (BGE 143 IV 302 E. 1.2 mit Hinweis).
3.1.2. Arglist ist nach ständiger Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter sich
mehrfacher, raffiniert aufeinander abgestimmter Lügen bedient (sogenanntes
Lügengebäude), durch welche sich selbst ein kritisches Opfer täuschen lässt, o-
der bei besonderen Machenschaften im Sinne von Inszenierungen, die durch in-
tensive, planmässige und systematische Vorkehrungen, nicht aber notwendiger-
weise durch eine besondere tatsächliche oder intellektuelle Komplexität gekenn-
zeichnet sind. Dagegen genügen einfache Lügen, plumpe Tricks oder leicht über-
prüfbare falsche Angaben als solche nicht. Bei einfachen falschen Angaben ist
das Merkmal erfüllt, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe
möglich oder nicht zumutbar ist und wenn der Täter den Getäuschten von der
möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass die-
ser die Überprüfung der Angaben auf Grund eines besonderen Vertrauensver-
hältnisses unterlassen werde (BGE 143 IV 302 E. 1.3.1 S. 304; 135 IV 76 E. 5.2
S. 79 ff. mit Hinweisen). Arglist kann bei einfachen falschen Aussagen gegeben
sein, wenn eine weitere Überprüfung nicht handelsüblich ist, etwa weil sie sich im
Alltag als unverhältnismässig erweist und die konkreten Verhältnisse eine nähere
Abklärung nicht nahelegen oder gar aufdrängen und dem Opfer diesbezüglich der
Vorwurf der Leichtfertigkeit nicht gemacht werden kann (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2
mit Hinweisen). Arglist scheidet aus, wenn der Getäuschte den Irrtum mit einem
Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden können. Auch unter dem Ge-
sichtspunkt der Opfermitverantwortung erfordert die Erfüllung des Tatbestands in-
des nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und
- 19 -
alle erdenklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn es die
grundlegendsten nicht beachtet. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz
nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Getäuschten, sondern nur bei Leichtfertigkeit,
welche das betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lässt
(BGE 142 IV 153 E. 2.2.2 mit Hinweis). Nach bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung ist bei der Beurteilung der Opfermitverantwortung auch die jeweilige Lage
und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfall zu berücksichtigen, soweit
der Täter diese kennt und ausnützt. Das gilt insbesondere bei geistesschwachen,
unerfahrenen oder auf Grund des Alters oder einer (körperlichen oder geistigen)
Krankheit beeinträchtigten Opfern, ferner bei solchen, die sich in einem Abhän-
gigkeits- oder Unterordnungsverhältnis oder in einer Notlage befinden und des-
halb kaum im Stande sind, dem Täter zu misstrauen (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2;
135 IV 76 E. 5.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_1198/2013 vom 18. Juli 2014
E. 3.4; 6P.172/2000 vom 14. Mail 2001 E. 8.).
3.2. Vorliegend hat der Geschädigte die Betrugsmasche durchschaut. Er wurde
durch das Verhalten der Täter nicht in einen Irrtum versetzt und hat dement-
sprechend die von den Tätern angestrebte Vermögensdisposition nicht vorge-
nommen. Damit ist ihm auch kein Vermögensschaden entstanden. Entsprechend
sind nicht alle objektiven Tatbestandsmerkmale des Betrugs erfüllt.
3.3. Ein Versuch liegt vor, wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbestands-
merkmale erfüllt und seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle
objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150 E. 3.4;
BGE 137 IV 113 E. 1.4.2; BGE 128 IV 18 E. 3b; BGE 122 IV 246 E. 3a; BGE 120
IV 199 E. 3e).
3.4. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, setzt der Tatbestand des
Betrugs zunächst eine Täuschungshandlung voraus. Zusammengefasst bestehe
diese vorliegend darin, dass unbekannte Personen den Geschädigten angerufen
und sich als Mitarbeiter der Kantonspolizei ausgegeben hätten, wobei die Num-
mer durch Call-ID-Spoofing manipuliert wurden sei. Die Anrufer hätten angege-
ben, in der Nachbarschaft sei eingebrochen worden, und bei der Festnahme des
Täters seien die Daten des Geschädigten beim Täter festgestellt worden. Da an-
- 20 -
dere Bandenmitglieder noch flüchtig seien, würde ein Einbruch beim Geschädig-
ten erwartet. Wenn er seine Vermögenswerte nicht zur Sicherung der Polizei
übergebe, werde er bei einem allfälligen Überfall mit der Versicherung Schwierig-
keiten haben. Sodann habe sich der Abholer der Wertsachen als Polizist ausge-
geben. Damit hätten die Täter den Geschädigten mittels Täuschung über ihre
Identität und durch eine nicht leicht durchschau- und überprüfbare Lügenge-
schichte unter Benützung einer fiktiven Telefonnummer hinsichtlich eines (fiktiven)
bevorstehenden Überfalls in die Irre führen und zur Übergabe seiner Vermögens-
werte bewegen wollen (Urk. 53 S. 26 f.). Mit Verweis auf diese Erwägungen ist die
Täuschungshandlung der Täter begründet, und es braucht keine Ergänzung.
3.5. Die Arglist – so weiter die Vorinstanz – gründe darin, dass die Täter betref-
fend Identität, den bevorstehenden Überfall und die Abholung sich eines gesam-
ten Lügengebäudes bedienten, das durch raffinierte Manipulation der Absender-
nummer und den Einbezug mehrerer Polizeibeamten verstärkt worden sei. So-
dann hätten die Täter bewusst einen Rentner als Opfer ausgewählt, weil sie des-
sen Vertrauen in die Polizei haben ausnutzen wollen und davon ausgegangen
seien, dass eine solche Person bei einem überraschenden Telefonanruf unter
Vorspiegelung eines besonderen Vertrauensverhältnisses weniger in der Lage
sei, dem betreffenden Vorgehen mit Misstrauen zu begegnen und die Lügen zu
überprüfen. Von Letzterem und einer Alarmierung Dritter hätten die Täter den Ge-
schädigten sodann aktiv abzuhalten versucht. Die Vorgehensweise entspreche
dem typischen modus operandi von "Falschen Polizeibeamten-Betrüger" (Urk. 53
S. 27 ff.). Mit der Vorinstanz ist unter Würdigung der gesamten Umstände das
Verhalten der Täter – wozu auch der Beschuldigte als Mittäter gehört – als arglis-
tig zu qualifizieren.
3.6. Da der Geschädigte in der Vergangenheit bereits einmal von solchen Be-
trügern kontaktiert worden war, daher misstrauisch wurde und geistesgegenwärtig
sich nicht hinters Licht führen liess, wurde er durch die qualifizierte Täuschungs-
handlung – welche, wie aufgezeigt, durchaus geeignet ist, einen Irrtum im ange-
strebten Sinne hervorzurufen – nicht in einen Irrtum versetzt, weshalb es in der
Folge nicht zur angestrebten Vermögensdisposition und dem dadurch kausal
- 21 -
beabsichtigten Vermögensschaden gekommen ist. Die Täter – und damit auch
der Beschuldigte – handelten aber in Bezug auf diese weiteren objektiven Tatbe-
standsmerkmale vorsätzlich.
3.7. Schliesslich strebten die Täter, wozu auch der Beschuldigte zählt, für sich
einen unrechtmässigen Vorteil aus der Vermögensdisposition des Geschädigten
an, welche ihn im gleichen Umfang schädigen sollte. Damit handelten sie in Be-
reicherungsabsicht im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB.
3.8. Zusammenfassend haben die Täter und damit auch der Beschuldigte mit
direktem Vorsatz auf sämtliche objektiven Tatbestandsmerkmale sowie in Be-
reicherungsabsicht gehandelt. Nur dank des umsichtigen Verhaltens des Ge-
schädigten – mit welchem die Täter keineswegs rechneten – brach die von den
Tätern geplante und angestrebte Kausalkette nach der qualifizierten Täuschungs-
handlung ab.
4. Fazit
Der Beschuldigte ist in Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs des
versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Anträge/Grundsätze/Strafrahmen
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten unter Einbezug der widerrufe-
nen Strafe (Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 5. Juli 2016)
mit einer Gesamtstrafe von 24 Monaten Freiheitsstrafe unter Anrechnung der
ausgestandenen Haft von 55 Tagen.
1.2. Die Verteidigung beantragte vor Vorinstanz – im Falle einer Verurteilung –
eine wesentlich tiefere Strafe. In Anbetracht des Versuchs sei eine Geldstrafe
auszusprechen (Urk. 40 S. 16). Im Rahmen des Berufungsverfahrens beantragte
- 22 -
die Verteidigung, im Falle eines Schuldspruchs sei eine Geldstrafe von höchstens
180 Tagessätzen zu Fr. 30.– auszusprechen (Urk. 78 S. 40).
1.3. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Gesamtstrafe von 27 Monaten
Freiheitsstrafe (Urk. 39 S. 2; Urk. 54). Dazu führt sie in ihrer Berufungserklärung
aus, aufgrund des Verschuldens des Beschuldigten, dessen Vorleben und dessen
persönlichen Verhältnisse rechtfertige es sich, ihn mit einer Gesamtstrafe von
27 Monaten zu betrafen (Bestrafung unter Einbezug der zu widerrufenden,
ehemals bedingt ausgefällten Strafe von 10 Monaten und 15 Tagen durch das
Regionalgericht Emmental-Oberaargau vom 5. Juli 2016; Urk. 54 S. 2). Anlässlich
der Berufungsverhandlung schildert sie die Tatumstände detailliert und kommt
zum Schluss, das Verschulden des Beschuldigten wiege angesichts der gesam-
ten sowohl objektiven als subjektiven Umstände schwer. Sodann wirke sich bei
der Täterkomponente neben den Vorstrafen und der Delinquenz während laufen-
der Probezeit zweier Verurteilungen auch der Umstand, dass der Beschuldigte die
Verantwortung für sein Tun auf seinen Mittäter zu schieben versuche, strafer-
höhend aus (Urk. 80 S. 3 ff.).
1.4. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die Bildung der
Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des
Asperationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1, 217 E. 2.2 und E. 3; BGE 141 IV 61
E. 6.1.2; je mit Hinweisen). Darauf sowie auf die zutreffenden vorinstanzlichen
Erwägungen (Urk. 53 S. 29 ff.) kann verwiesen werden.
1.5. Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich.
Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip
nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Mehrere
gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden
einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzu-
wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt
nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2; je mit Hinweisen).
- 23 -
1.6. Wie noch zu zeigen ist, ist für das zu beurteilende strafbare Verhalten des
Beschuldigten eine Freiheitsstrafe auszufällen (Ziff. IV 2.3.) und die mit Urteil des
Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 5. Juli 2016 ausgefällte Freiheits-
strafe von 10 Monaten und 15 Tagen zu widerrufen (Ziff. IV 3), weshalb die Vo-
raussetzungen für die Bildung einer Gesamtstrafe gegeben sind (Art. 46 Abs. 1
StGB i.V.m. Art. 49 Abs. 1 StGB).
1.7. Das Gesetz sieht für Betrug eine Strafandrohung von Freiheitsstrafe bis zu
5 Jahren oder Geldstrafe vor. Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe füh-
ren mangels aussergewöhnlicher Umstände nicht dazu, die Grenzen des
ordentlichen Strafrahmens zu verlassen und sie nach oben oder unten zu er-
weitern (BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit Hinweisen).
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Tatkomponenten
2.1.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass das Vorgehen
der Täter als professionell bezeichnet werden muss. Die Tat wurde systematisch
und sorgfältig geplant. Dabei wurde arbeitsteilig agiert, wobei die Organisation
ebenfalls durchdacht war. Durch raffinierte Manipulation der Absendernummer,
sogenanntes Spoofing, wurden besondere technische Fähigkeiten eingesetzt.
Gezielt hat man es auf das gesamte Ersparte einer betagten Person abgesehen,
deren besondere Vertrauensseligkeit ausgenutzt werden sollte. Dabei wurde auch
von der Ausübung von Druck nicht zurückgeschreckt. Die Täter handelten in der
Vorstellung, der Geschädigte würde ihnen eine Tasche mit Bargeld in der Höhe
von Fr. 24'000.--, 34 Schweizer Sondermünzen und 24 "Goldvreneli" übergeben
(Urk. 10 Frage 4, 38 ff. und 57 ff.). Es mag sein, dass der Beschuldigte keine ge-
nauen Kenntnisse von den Einzelheiten der Handlungen der Mittäter hatte. Indes
muss er sich diese als Mittäter anrechnen lassen (vgl. BGE 108 IV 88 E. I.2). Die
Rolle des Beschuldigten bestand darin, als Bindeglied und Mann im Hintergrund
das Ganze vor Ort in der Schweiz zu orchestrierten und zu koordinieren, womit er
einen sehr wesentlichen Tatbeitrag lieferte. Der Beschuldigte bewegte sich in ei-
ner höheren Hierarchiestufe als D._ und C._, welche lediglich auf An-
- 24 -
weisung an vorderster Front ausführend tätig wurden. Wohlwissend um die Ge-
fahren hat er sich denn auch nicht selber exponiert und die gefährliche Ausfüh-
rungsarbeit andern überlassen. Gesamthaft zeugt das Verhalten des Beschuldig-
ten von einer erheblichen kriminellen Energie. Wenn die Vorinstanz unter diesen
Gesichtspunkten das objektive Verschulden als nicht mehr leicht betitelt, ist dies
keinesfalls zu beanstanden.
2.1.2. In subjektiver Hinsicht ist zunächst darauf hinzuweisen, dass der Beschul-
digte mit direktem Vorsatz handelte. Der Beschuldigte bestreitet eine Beteiligung
und äusserte sich deshalb nicht zu seinen Beweggründen. Es muss davon
ausgegangen werden, dass sein Motiv rein finanzieller und klar egoistischer
Natur war. Es zeugt von Skrupellosigkeit, wenn man gezielt das Vertrauen be-
tagter Menschen in die Polizei auf hinterlistige Weise zu missbrauchen ver-
sucht, um sich an deren Ersparnissen zu bereichern. Die Elemente der subjekti-
ven Tatkomponente erhöhen die objektive Tatschwere leicht.
2.1.3. Mithin ergibt sich, dass die von der Vorinstanz festgesetzte Einsatzstrafe
von 18 Monaten als angemessen erscheint.
2.1.4. Die Täter haben zusammen alles Erforderliche für die Verwirklichung des
angestrebten Erfolgs getan. Dieser ist nur ausgeblieben, weil der Geschädigte die
Betrugsmasche durchschaute, die Polizei informierte und nicht die Vermögens-
disposition, auf welche die Täter tatkräftig hinarbeiteten, vornahm. Es liegt ein
vollendeter Versuch vor. Es rechtfertigt sich deshalb, den Versuch – entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. 78 S. 37) – nur leicht strafmindernd zu berücksich-
tigen.
2.1.5. Wenn die Vorinstanz im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der Tatkompo-
nente eine Einsatzstrafe von 15 Monaten festsetzte, ist dies somit nicht zu bean-
standen.
2.2. Täterkomponenten
2.2.1. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 53
- 25 -
S. 33). Ergänzend bzw. aktualisierend führte der Beschuldigte anlässlich der
Berufungsverhandlung aus, er arbeite neu zu 40% bei der M._ Versicherung
als Chauffeur (Urk. 77A S. 2). Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
wirken sich strafzumessungsneutral aus.
2.2.2. Der Beschuldigte weist fünf Vorstrafen auf (Urk. 77). Mit Urteil des Regio-
nalgerichts Emmental-Oberaargau vom 5. Juli 2016 wurde der Beschuldigte unter
anderem wegen mehrfachen betrügerischen Konkurs- und Pfändungsbetrugs
i.S.v. Art. 163 Abs. 1 und 2 StGB schuldig gesprochen. Zumindest diese Vorstrafe
muss – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 78 S. 41) – als einschlägig
bezeichnet werden. Die Vorstrafen führen zu einer merklichen Erhöhung der Stra-
fe. Ebenfalls straferhöhend ist die Delinquenz während laufender Probezeit zufol-
ge zweier Verurteilungen zu berücksichtigen.
2.2.3. Aufgrund des Verbots des (unter anderem in Art. 14 Ziff. 3 lit. g UNO-
Pakt II und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten) Selbstbelastungszwangs ist es das
prozessuale Recht des Beschuldigten, die Vorwürfe abzustreiten. Im diesen
Sinne kann auch sein schuldabweisendes und damit teilweise Mittäter belas-
tendendes Aussageverhalten – entgegen der Staatsanwaltschaft (Urk. 80 S. 6) –
nicht zu seinen Lasten gereichen. Gleichzeitig kann er unter diesem Titel für
sich keine Strafreduktion reklamieren.
2.2.4. Anhaltspunkte für eine erhöhte Strafempfindlichkeit sind – mit der Vo-
rinstanz und entgegen der Verteidigung (Urk. 78 S. 38) – nicht ersichtlich.
2.2.5. Bei einer gesamthaften Betrachtung der Täterkomponente zeigt sich, dass
diese eindeutig straferhöhend zu Buche schlägt. Wenn die Vorinstanz unter die-
sem Titel eine Straferhöhung um einen Drittel als gerechtfertigt erachtet, so er-
weist sich dies jedenfalls als begründet.
2.3. Zwischenfazit
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Unter Berücksichtigung aller für die Strafzumessung relevanten Kriterien erscheint
die von der Vorinstanz festgesetzte Einsatzstrafe von 20 Monaten Freiheitsstrafe
insgesamt als angemessen.
3. Widerruf
3.1. Die Vorinstanz hat mit ihrem Urteil vom 24. Juni 2019 sowohl die mit
Strafmandat der regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau vom 6. Juli
2016 bedingt ausgefällte Geldstrafe von 48 Tagessätzen zu Fr. 50.– als auch die
mit Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 5. Juli 2016 bedingt
ausgefällte Freiheitsstrafe von 10 Monaten und 15 Tagen widerrufen (Urk. 53 S.
34 ff.).
3.2. Die Staatsanwaltschaft beantragt, diese Widerrufe seien zu bestätigen
(Urk. 54 S. 2; Urk. 60; Urk. 80 S. 1). Die Verteidigung hingegen beantragt, es sei
von den Widerrufen abzusehen (Urk. 78 S. 40).
3.3. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Verge-
hen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so wi-
derruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil der Strafe. Sind
die widerrufene und die neue Strafe gleicher Art, so bildet es in sinngemässer
Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe (Art. 46 Abs. 1 StGB; vgl. auch
Art. 46 Abs. 5 StGB). Ist nicht zu erwarten, dass der Verurteilte weitere Straftaten
begehen wird, so verzichtet das Gericht gemäss Abs. 2 derselben Bestimmung
auf einen Widerruf. Es kann den Verurteilten verwarnen oder die Probezeit um
höchstens die Hälfte der im Urteil festgesetzten Dauer verlängern. Die Anforde-
rungen an die Prognose entsprechen denjenigen gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB.
Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist anhand einer Gesamtwür-
digung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen (vgl. dazu im Einzelnen: BGE
134 IV 1 E. 4.2.1 mit Hinweisen). In die Beurteilung der Bewährungsaussichten im
Falle des Widerrufs des bedingten Strafvollzugs ist im Rahmen der Gesamtwürdi-
gung auch miteinzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt oder unbedingt ausge-
sprochen wird. Das Gericht kann zum Schluss kommen, dass vom Widerruf des
bedingten Vollzugs für die frühere Strafe abgesehen werden kann, wenn die neue
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Strafe vollzogen wird. Auch das Umgekehrte ist zulässig: Wenn der bedingte Voll-
zug der früheren Strafe widerrufen wird, kann unter Berücksichtigung ihres nach-
träglichen Vollzugs eine Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne von Art.
42 Abs. 1 StGB verneint und die Strafe folglich bedingt ausgesprochen werden.
Die mögliche Warnwirkung der zu vollziehenden Strafe muss zwingend beachtet
werden (BGE 134 IV 140 E. 4.5 mit Hinweisen).
3.4. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Regionalgerichts Emmental-Ober-
aargau vom 5. Juli 2016 unter anderem zu einer bedingten Freiheitsstrafe von
10 Monaten und 15 Tagen unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren verur-
teilt. Diese Probezeit wurde sodann mit Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau vom 19. Juli 2018 um ein Jahr verlängert. Sodann wurde der Be-
schuldigte mit Strafmandat der regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-
Oberaargau vom 6. Juli 2016 zu einer bedingten Geldstrafe von 48 Tagessätzen
zu Fr. 50.– unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren verurteilt (Urk. 77 S. 1
f.). In einem späteren Verfahren wurde auf den Widerruf verzichtet und der Be-
schuldigte verwarnt. Der Beschuldigte beging somit die vorliegend zu beurteilende
Tat während laufender Probezeit zufolge dieser beiden Verurteilungen. Er hat sich
weder durch die früheren Untersuchungs- und Gerichtsverfahren noch durch die
Verurteilungen zu bedingten respektive widerrufenen Geldstrafen, Bussen sowie
zu der bedingten Freiheitsstrafe von der Begehung neuer Delikte abhalten lassen
und ist in Bezug auf die bedingte Freiheitsstrafe, welche wegen seiner Delinquenz
betreffend mehrfachen betrügerischen Konkurs und Pfändungsbetrug ausgefällt
wurde, einschlägig straffällig geworden. Im vorliegenden Verfahren zeigte der Be-
schuldigte sich sodann weder einsichtig noch reuig. Des Weiteren führte ein wei-
teres strafbares Verhalten des Beschuldigten während laufender Probezeit dieser
beiden Verurteilungen zur Verurteilung des Amtsgerichts Lörrach (D) vom 23. Au-
gust 2017. Unter all diesen Gesichtspunkten besteht die Gefahr, dass er sich er-
neut strafbar machen wird. Aus den weiteren Lebensumständen des Beschuldig-
ten ergibt sich sodann – entgegen der Verteidigung (Urk. 78 S. 40 ff.) – nicht,
dass eine derart wesentliche Änderung, welche die negative Einschätzung der
Bewährungsaussichten umzustossen vermöge, erfolgt wäre. Es ist daher der
nachträgliche Vollzug der bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 48 Tagessät-
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zen zu Fr. 50.– sowie der bedingt ausgefällten Freiheitsstrafe von 10 Monaten
und 15 Tagen – in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils – anzuordnen, was
innerhalb der Widerrufsfrist erfolgt (vgl. Art. 46 Abs. 5 StGB).
4. Festsetzung Gesamtstrafe
4.1. Wie bereits ausgeführt (Ziff. IV 1.6) ist mit der zu widerrufenen Freiheitstra-
fe von 10 Monaten und 15 Tagen (Ziff. IV 3) eine Gesamtstrafe zu bilden. Bei der
Gesamtstrafenbildung hat das Gericht methodisch von derjenigen Strafe als
"Einsatzstrafe" auszugehen, die es für die während der Probezeit neu verübte
Straftat nach den Strafzumessungsgrundsätzen von Art. 47 ff. StGB ausfällt (BGE
145 IV 146 E. 2.4.2). Demnach ist die in Ziff. IV 2.3 festgesetzte Einsatzstrafe von
20 Monaten mit Blick auf die zu widerrufende Vorstrafe für den mehrfachen
betrügerischen Konkurs und Pfändungsbetrug im Sinne von Art. 163 Abs. 1 StGB
in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen (Art. 46 Abs. 1
StGB i.V.m. Art. 49 Abs. 1 StGB).
4.2. Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau setzte für den vom Beschul-
digten als Schuldner begangenen betrügerischen Konkurs und Pfändungsbetrug
über den Zeitraum vom 7. September 2009 bis 8. Mai 2014 eine Freiheitsstrafe
von 10 Monaten und 15 Tagen fest. Im Rahmen der Asperation ist namentlich das
Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere
oder geringere Selbständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenheit der ver-
letzten Rechtsgüter und Begehensweisen zu berücksichtigen (Urteil 6B_466/2013
vom 25. Juli 2013 E. 2.3.4). Die von der Vorinstanz hierfür vorgenommene
Erhöhung von lediglich 4 Monaten fällt dagegen zu gering aus. In Anwendung des
Asperationsprinzips erscheint unter Berücksichtigung aller massgeblichen
Umstände eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 7 Monate, d.h. um zwei Drittel der
ursprünglich festgesetzten Freiheitsstrafe, als angemessen.
4.3. Zusammenfassend ist somit eine Gesamtfreiheitsstrafe von 27 Monaten
auszufällen. Die erstandene Haft von 55 Tagen ist anzurechnen (Art. 51 StGB).
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V. Strafvollzug
1. Die Staatsanwaltschaft führt im Rahmen des Berufungsverfahrens aus,
angesichts der Vielzahl der Vorstrafen und der damit einhergehenden äusserst
ungünstigen Prognose sei die Gesamtstrafe zu vollziehen (Urk. 54 S. 2; Urk. 80
S. 7).
2. Die Verteidigung beantragt – bei Schuldspruch – den bedingten Vollzug der
Strafe (Urk. 40 S. 16 f.; Urk. 78 S. 42).
3. Wie vorstehend dargetan, ist die vorliegend zu beurteilende Delinquenz
des Beschuldigten mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von 27 Monaten zu sanktionie-
ren. Damit steht in objektiver Hinsicht der teilbedingte Vollzug zur Debatte (Art. 43
Abs. 1 StGB). Der teilbedingte Vollzug eine Gesamtfreiheitsstrafe im Sinne von
Art. 46 Abs. 1 StGB ist grundsätzlich zulässig (vgl. Urteil 6B_982/2019 vom
14. Februar 2020 E. 1.4). Da der Beschuldigte in den letzten fünf Jahren bereits
zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten und 15 Tagen verurteilt wurde, muss in
subjektiver Hinsicht eine besonders günstige Prognose vorliegen (Art. 42 Abs. 2
StGB). Mit anderen Worten muss eine Gesamtwürdigung aller massgeblichen
Faktoren den Schluss zulassen, dass trotz der Vortat eine begründete Aussicht
auf Bewährung besteht (HEIMGARTNER in: StGB-Kommentar, 20. Aufl. 2018,
Art. 42 N 19).
4. Der Beschuldigte weist fünf Vorstrafen auf (Urk. 77). Zumindest eine davon
ist als einschlägig zu bezeichnen. Dazu kommt, dass er während laufender Pro-
bezeit zufolge zweier Verurteilungen delinquierte (Urk. 77). Er hat sich weder
durch die früheren Untersuchungs- und Gerichtsverfahren noch durch die Verur-
teilungen zu bedingten respektive widerrufenen Geldstrafen, Bussen sowie zu ei-
ner bedingten Freiheitsstrafe von der Begehung neuer Delikte abhalten lassen.
Besorgniserregend ist sodann das Mass an krimineller Energie, welche der Be-
schuldigte an den Tag gelegt hat, und der Umstand, dass er keine Einsicht oder
Reue in das Unrecht seiner Tat zeigt. Auch wenn der Beschuldigte sich erneut um
eine Arbeitsstelle bemüht hat, was für ihn nicht einfach war, und ihm insgesamt
eine positive Entwicklung in den konkreten Lebensumständen zuzugestehen ist,
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kann ihm keine derart positive Wandelung attestiert werden, die allein unter die-
sen Gesichtspunkten eine günstige Prognose rechtfertigen würde. Zu berücksich-
tigen ist indes zudem, dass mit dem teilbedingten Vollzug sich die Warnwirkung
der Strafe erhöht und gleichzeitig, komplementär dazu, der ausgesetzte Vollzug
einen Anreiz bildet, nicht rückfällig zu werden. Dabei kann gerade bei Tätern wie
dem Beschuldigten, die noch nie zuvor eine Freiheitsstrafe verbüsst haben, ein
teilweiser Vollzug der Strafe in Verbindung mit der Drohung eines späteren Voll-
zugs des aufgeschobenen Teils die Rückfallneigung soweit vermindert werden,
dass die Erwartung, der Täter werde sich bewähren, gerechtfertigt erscheint (Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_1005/2017 vom 9. Mai 2018 E. 4.2.4). Die knapp
zweimonatige Untersuchungshaft sowie der Widerruf der mit Urteil des Regional-
gerichts Emmental-Oberaargau vom 5. Juli 2016 bedingt ausgefällten Freiheits-
strafe von 10 Monaten und 15 Tagen und der Widerruf der mit Strafmandat der
regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau vom 6. Juli 2016 bedingt
ausgefällten Geldstrafe von 48 Tagessätzen zu Fr. 50.– (vgl. Ziff. IV 3.4.) können
diesen Effekt noch verstärken. Unter Berücksichtigung all dieser Umstände ist
dem Beschuldigten im Sinne einer "letzten Chance" der teilbedingte Vollzug zu
gewähren.
5. Bei einer teilweise bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 27 Monaten
muss der zu verbüssende Strafteil mindestens sechs Monate betragen (Art. 43
Abs. 3 StGB), darf aber 13 1⁄2 Monate nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB).
Innerhalb dieses Rahmens steht dem Gericht ein erheblicher Ermessensspiel-
raum offen. Bei dessen pflichtgemässer Handhabung muss es aber einerseits die
Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Beschuldigten und anderseits des-
sen Einzeltatschuld angemessen berücksichtigen (BGE 134 IV 1 E. 5.6; BGE 144
IV 277 E. 3.1.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_785/2007 vom 14. Mai 2008,
E. 3.1). Unter diesen Gesichtspunkten – insbesondere unter Berücksichtigung,
dass dem Beschuldigten im Sinne einer "letzten Chance" der teilbedingte Vollzug
zu gewähren ist – ist die Freiheitstrafe im Umfang von 12 Monaten (abzüglich der
erstandenen Haft) zu vollziehen und der Vollzug der restlichen Strafe (15 Monate)
aufzuschieben. Den verbleibenden Bedenken betreffend die Legalprognose des
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Beschuldigten ist mit einer nicht minimalen Probezeit von 4 Jahren Rechnung zu
tragen (Art. 44 Abs. 1 StGB).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten- und Entschädigungsfolgen im erstinstanzlichen Verfahren
1.1. Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanz-
lichen Gerichtsverfahrens dem Beschuldigten vollumfänglich aufzuerlegen, nach-
dem er schuldig zu sprechen ist (Art. 426 Abs. 1 StPO).
1.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine
Entschädigung (vgl. Art. 429 Abs. 1 lit. a und c StPO).
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– zu ver-
anschlagen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der
Gebührenverordnung des Obergerichts). Die Kosten im Rechtsmittelverfahren
tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im Rechtsmittelverfahren als obsiegend
oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre vor Be-
schwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten Anträge gutgeheissen wur-
den (DOMEISEN in: BKS StPO II, 2. Aufl. 2014, Art. 428 N 6; GRIESSER, StPO-
Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 428 N 1).
2.2. Der Beschuldigte strebte mit seiner Berufung einen Freispruch an und
unterliegt im Berufungsverfahren mit seinen Anträgen vollumfänglich. Die
Staatsanwaltschaft obsiegt im Strafpunkt und unterliegt betreffend ihre Anträge
zum Strafvollzug, wobei es sich um einen Ermessensentscheid handelt. Es
rechtfertigt sich, dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens auf-
zuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
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3. Entschädigung
Mit Verweis auf die obigen Erwägungen hat der Beschuldigte keinen Anspruch
auf eine Prozessentschädigung (vgl. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO).