Decision ID: dbcdcf3b-332d-5dd1-8cb8-9b1987725b09
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Kläger,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dominique Chopard, Werdstrasse 36,
8004 Zürich,
gegen
Stiftung Pensionskasse der W._,
Beklagte,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a L._, geboren 1941, war vom 1. Juni 1979 bis 31. März 1993 bei der A._ als
Leiter Personalwesen angestellt. In dieser Funktion war er bei der Stiftung "BVG-Kasse
W._" obligatorisch und bei der Stiftung "Pensionskasse der Firma A._", heute
"Pensionskasse der W._" (nachfolgend: Pensionskasse), überobligatorisch
berufsvorsorgerechtlich versichert. Wegen psychischer Störungen sprach ihm die IV-
Stelle St. Gallen mit Verfügung vom 25. Juli 1996 ab 1. August 1993 auf der Grundlage
eines Invaliditätsgrads von 70 % eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu. Die
Stiftungen anerkannten ab gleichem Datum eine ganze Invalidenrente nach BVG und
eine 70 %-Invalidenrente im überobligatorischen Bereich.
A.b Auf Grund der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes ersuchte der
Versicherte die Pensionskasse um Erhöhung der überobligatorischen Invalidenrente
von 70 % auf 100 %. Die Pensionskasse lehnte das Gesuch am 22. Juni 2004 unter
Berufung auf die Bindungswirkung des Entscheids der Invalidenversicherung ab,
nachdem jene am 1. März 2004 auf ein Revisionsgesuch des Versicherten nicht
eingetreten war.
A.c Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies die vom Versicherten am
17. Mai 2005 durch Rechtsanwalt Dominique Chopard, Zürich, gegen die
Pensionskasse eingereichte Klage auf Ausrichtung einer überobligatorischen
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von neu 100 % und entsprechender
Prämienbefreiung mit Entscheid vom 12. Juni 2006 ab. Die dagegen erhobene
Verwaltungsgerichtsbeschwerde hiess das Bundesgericht mit Entscheid vom 7. Mai
2007 (B 49/06) in dem Sinn gut, als es den Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 12. Juni 2006 aufhob und die Sache an das kantonale Gericht
zurückwies. Dieses solle ein interdisziplinäres Gutachten zur Beurteilung der Frage
einholen, ob es sich beim Gesundheitsschaden, welcher zur Invalidität geführt hatte, im
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Wesentlichen um denselben handelte, wie jener, der die Arbeitsunfähigkeit bewirkt
hatte.
B.
B.a Am 6. August 2007 legte das Versicherungsgericht die beabsichtigten Fragen an
die Begutachtungsstellen den Parteien zur Stellungnahme vor. Der Kläger äusserte sich
mit Eingaben vom 5. September, 1. und 31. Oktober 2007, woraufhin das Gericht den
Fragenkatalog anpasste.
B.b Mit Schreiben vom 6. November 2007 beauftragte das Versicherungsgericht die
Kardiologie des Kantonsspitals Graubünden sowie die Psychiatrischen Dienste
Graubünden mit der Erstellung eines interdisziplinären Gutachtens unter Beantwortung
seiner Fragen (BV 2005/11 act. G 44). Am 3. Januar 2008 nahm Dr. med. B._,
Leitender Arzt der Kardiologie am Departement für Innere Medizin des Kantonsspitals
Graubünden, zum Fragenkatalog des Versicherungsgerichts Stellung (act. G 49). Als
Beilage reichte er zwei Berichte an Dr. med. C._, Innere Medizin FMH, ebenfalls
datiert vom 3. Januar 2008, über die beim Versicherten ambulant durchgeführte
kardiologische Abklärung und die Echokardiographie ein (act. G 49.1 und G 49.2). Mit
Gutachten vom 3. Oktober 2008 (eingegangen am 8. Oktober 2008) kam auch Dr. med.
D._, Oberarzt Psychiatrische Dienste Graubünden, Klinik Waldhaus, dem Auftrag des
Versicherungsgerichts nach (act. G 61).
B.c Am 8. Oktober 2008 lud das Versicherungsgericht die Parteien ein, zu den
durchgeführten Abklärungen abschliessend Stellung zu nehmen.
B.d Mit Schreiben vom 29. Oktober 2008 verzichtete die Beklagte auf eine
Stellungnahme.
B.e Der Rechtsvertreter des Klägers nahm mit Schreiben vom 7. November 2008
Bezug auf die beiden Gutachten. Er machte sinngemäss geltend, der
Gesundheitszustand des Klägers habe sich aus kardiologischer Sicht nach der
Bypassoperation vom 17. Juli 2003 wieder verbessert. Die Arbeitsfähigkeit habe sich
jedoch aus psychiatrischer Sicht ab April 1995 stetig verschlechtert und sei spätestens
im Juli 2003 auf 0 % gesunken. Somit sei erstellt, dass der Kläger aus psychischen
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Gründen im Sinn einer Verschlimmerung des ursprünglichen Leidens vollständig
arbeitsunfähig geworden sei und die Herzerkrankung lediglich eine Episode dargestellt
habe.

Erwägungen:
1.
Bezüglich der rechtlichen Voraussetzungen zum Leistungsanspruch aus der
überobligatorischen beruflichen Vorsorge wird auf das Urteil des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 12. Juni 2006, E. II. Ziff. 1., 2. und 3.b - d sowie auf das
Urteil des Bundesgerichts vom 7. Mai 2007 (B 49/06) E. 3 verwiesen. Für den weiteren
Sachverhalt kann ebenfalls auf die beiden Urteile abgestellt werden.
2.
Umstritten und zu prüfen ist, ob der Kläger infolge der ausgewiesenen Erhöhung des
Invaliditätsgrads in der weitergehenden Vorsorge Anspruch auf eine Invalidenrente der
Beklagten von 100 % hat.
3.
3.1 Nachdem beim Kläger im Juli 2003 eine Angina pectoris NYHA III festgestellt
worden war, unterzog er sich am 17. Juli 2003 einer dreifachen AC-Bypass-Operation
(IV-Verlaufsbericht von Dr. C._ vom 22. Dezember 2003, BV 2005/11 act. G 13.1).
Seither war er sowohl gemäss Dr. C._ als auch dem behandelnden Psychiater
Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zu 100 %
arbeitsunfähig (BV 2005/11 act. G 13.1). Das Bundesgericht befand jedoch die
medizinischen Akten als ungenügend, um gestützt darauf die erforderliche sachliche
und zeitliche Konnexität zwischen der Invalidität und der während des
Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten eingetretenen Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu
können. Es sind daher nun die beiden Gutachten von Dr. B._ und Dr. D._
hinsichtlich der Frage zu prüfen, ob auf Grund ihrer Ergebnisse das Bestehen einer
sachlichen und einer zeitlichen Konnexität beantwortet werden kann. Dabei ist zu
beachten, dass – sofern es sich letztlich ausschliesslich um eine Verschlimmerung des
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psychischen Grundleidens handeln sollte - der zeitlichen Komponente praxisgemäss
(BGE 123 V 262 E. 1a) keine eigenständige Bedeutung zukommen würde.
3.2 Gemäss dem Gutachten von Dr. B._ vom 3. Januar 2008 erholte sich der
Kläger nach der Bypass-Operation vom 17. Juli 2003 während des stationären
Aufenthalts in F._ gut. In der Folge sei er in Bezug auf die Herzfunktionen
beschwerdefrei geblieben und habe sich gut und leistungsfähig gefühlt. Daran habe
sich bis zum Begutachtungszeitpunkt nichts geändert. Auf Grund der objektivierten
Leistungsfähigkeit am Ende des stationären Rehabilitationsaufenthalts in F._ sei der
Kläger bereits zu diesem Zeitpunkt gut belastbar gewesen. Nachdem sich seine
physische Belastbarkeit noch deutlich verbessert habe, sei ihm aus kardiologischer
Sicht die frühere Teilzeittätigkeit von 20 % - 30 % ab Januar 2004 wieder möglich
gewesen.
3.3 Dr. D._ diagnostiziert in seinem Gutachten vom 3. Oktober 2008 wie bereits
Dr. med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, im Gutachten vom Dezember
1995 beim Kläger eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ICD-10 F60.8. Zu diesem
Krankheitsbild würden auch wiederkehrende depressive Verstimmungen bis hin zur
mittelgradigen, aber schwerwiegenden Depression und Suizidalität gehören. Die
Erkrankung sei seit Ende 1995 bis zum Begutachtungszeitpunkt fortgeschritten und die
Symptome hätten sich intensiviert. Die verschiedenen im Leben des Klägers seit 1998
eingetretenen Ereignisse wie Stellenverlust, erfolglose Bewerbungen, körperliche
Krankheit sowie verminderte physische und psychische Belastbarkeit hätten ihn weiter
in seiner narzisstischen Persönlichkeit verletzt und zu wiederkehrenden depressiven
Episoden geführt. Die Krankheit habe sich schliesslich zum Vollbild einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung entwickelt. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung sei die
Arbeitsfähigkeit weiterhin gesunken. Spätestens im Juli 2003 habe sie mit Eintritt der
Herzerkrankung 0 % betragen. Die Prognose von Dr. G._ im Gutachten vom
8. Dezember 1995, wonach der Kläger schätzungsweise nach zwei Jahren intensiver
Therapie wieder hätte in der Lage sein sollen, eine Arbeitsstelle mit höherer
Verantwortung und Belastung anzunehmen, habe sich auf Grund der nicht
voraussehbaren, einschneidenden Lebensereignisse, nicht bewahrheitet. Erschwerend
sei hinzugekommen, dass dem Kläger die Motivation zur Therapie gefehlt habe, was
der Störung jedoch inhärent sei. Für den Kläger hätten die Herzerkrankung und die
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Bypassoperation somit eine weitere Verletzung bedeutet. Seine physische und
psychische Leistungsfähigkeit sei gesunken. Daraus könne mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit abgeleitet werden, dass sich der psychische Gesundheitszustand
des Klägers auf die Dauer verschlechtert habe. Dr. D._ geht davon aus, dass sich die
Herzerkrankung in dem Sinn auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hat, als sie zusätzlich
eine psychische Belastung darstellte. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit habe die
psychische Störung mit wiederkehrenden depressiven Phasen auf der Basis der
diagnostizierten narzisstischen Persönlichkeitsstörung die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigt. Dabei habe die Herzerkrankung, wie auch die anderen Ereignisse im
Leben des Klägers, lediglich eine Episode dargestellt. Gesamthaft gesehen hätten
diese Ereignisse jedoch nicht episodenhafte, sondern andauernde Wirkung gehabt.
3.4 Die beiden Begutachter haben die entscheidende interdisziplinäre Frage zur
Auswirkung der Herzerkrankung auf die Arbeitsfähigkeit (Frage Nr. 8) ohne
gegenseitige Rücksprache ausschliesslich aus der jeweils eigenen fachspezifischen
Warte beantwortet. Da ihre Aussagen jedoch ausreichend klar sind, können die
Gutachten als sich ergänzende Teile betrachtet werden. Zudem wurden die
Gutachtensergebnisse insgesamt umfassend ausgeführt. Sie beruhen auf allseitigen
Untersuchungen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden, wurden in Kenntnis der
Anamnese abgegeben und sind in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend. Die
Schlussfolgerungen der Begutachter sind begründet und nachvollziehbar.
Insbesondere stehen die Gutachten auch in keinem Widerspruch zu den älteren
ärztlichen Feststellungen. So hielt Dr. E._ im Bericht vom 16. April 2005 fest, dass
der Kläger nach seiner krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit im Jahr 1997 mit viel
Energie über einige Jahre eine 30 %-ige Arbeitsfähigkeit habe aufrechterhalten können.
Er sei dabei aber zusehends ausgebrannt, und seit der Bypassoperation sei ihm
überhaupt keine Arbeitstätigkeit mehr zumutbar gewesen. Dabei sei der Beginn der
100 %igen Arbeitsunfähigkeit letztlich aber rein zufällig identisch mit der Bypassopera
tion. Es gehe um eine chronisch depressive Entwicklung bei einer äusserst gekränkten
und kränkbaren Persönlichkeit (BV 2005/11 act. G 1.1.10). Dr. E._ ging davon aus,
dass die Invalidität der eigenen Tochter und die Kündigung durch die A._ beim
Kläger die depressive Entwicklung, welche schliesslich zur völligen Arbeitsunfähigkeit
führte, in Gang gesetzt hatte. Die kardialen Geschehnisse im Jahre 2003 hatten auch
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gemäss seiner Beurteilung kaum eine Rolle gespielt. Damit ist der Beweiswert der
Gutachten vom 3. Januar 2008 und 3. Oktober 2008 ausgewiesen (vgl. BGE 125 V 351
E. 3a S. 352 mit Hinweis; BGE 122 V 157 E. 3c S. 160 f. mit Hinweisen), weshalb auf
sie abgestellt werden kann.
3.5 Zusammenfassend steht fest, dass zwischen der ursprünglichen
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen und der ab Juli 2003 eingetretenen
Erhöhung der Invalidität die sachliche Konnexität gegeben ist. Damit ist die Beklagte
für die Erhöhung des Invaliditätsgrads auf 100 % leistungspflichtig.
4.
Die Höhe einer vollen Invalidenrente richtet sich nach Art. 7 Abs. 6 des Reglements der
Beklagten vom 1. Januar 1985 (vgl. zum anwendbaren Reglement: BV 2005/11 E. 3c).
Dieser Artikel stellt die Vollinvalidenrente als der bei Beginn der Invalidität versicherten
Altersrente gleich. Bei Teilinvalidität wird die Invalidenrente auf den dem
Invaliditätsgrad entsprechenden Teilbetrag herabgesetzt. Bei einer Änderung des
Invaliditätsgrads wird die Invalidenrente entsprechend neu festgesetzt, wobei stets auf
diejenige Altersrente abgestellt wird, die bei Beginn der Invalidität versichert gewesen
ist. Vorliegend hat die Beklagte dem Kläger ab 1. Juli 2003 - unter dem Vorbehalt einer
allfälligen Kürzung aus Überentschädigung nach Art. 12 des Reglements - eine volle
Invalidenrente auszurichten.
5.
Der Kläger lässt die Beitragsbefreiung beantragen. Gemäss Art. 18 des Reglements der
Beklagten entfällt die Beitragspflicht für Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach Massgabe
des Invaliditätsgrads für die Dauer der Invalidität. Damit ist der Kläger ab 1. Juli 2003
von der Beitragspflicht vollständig zu befreien.
6.
Im Allgemeinen sind ausserhalb der Anwendbarkeit des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in der
Sozialversicherung auf Leistungen keine Verzugszinsen geschuldet (BGE 117 V 351,
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113 V 50). Die berufliche Vorsorge bzw. das BVG ist dem ATSG nicht unterstellt (vgl.
Art. 2 ATSG; SZS 2003 S. 199 ff.). Im Bereich der beruflichen Vorsorge anerkennt die
Rechtsprechung jedoch die Pflicht zur Entrichtung von Verzugszinsen bei einer
verspäteten Überweisung von Freizügigkeitsleistungen sowie bei verspäteter
Auszahlung eines Alterskapitals oder bei Invalidenrenten (Hans-Ulrich Stauffer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum BVG, 1997, S. 27). Enthalten die Statuten
keine Bestimmungen über die Höhe des Verzugszinses, beträgt dieser 5 % (Art. 104
Abs. 1 OR). Der Beginn der Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR (BGE 119 V
133 E. 4 = Pra 83 (1994) Nr. 67). Danach hat ein Schuldner, der mit der Entrichtung von
Renten in Verzug ist, erst vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen
Klage an Verzugszinsen zu bezahlen. Im vorliegenden Fall hat der Kläger am 17. Mai
2005 Klage beim Versicherungsgericht erhoben; somit schuldet ihm die Beklagte ab
diesem Zeitpunkt Verzugszins zu 5 % auf den nach einer allfälligen
Überentschädigungsberechnung ausstehenden Leistungen.
7.
Im nichtstreitigen Entscheidverfahren der beruflichen Vorsorge gilt, wie im gesamten
Verwaltungsverfahren, der Untersuchungsgrundsatz (vgl. R. Schnyder, Das nicht
streitige Entscheidverfahren in der beruflichen Vorsorge, in: Verfahrensfragen in der
Sozialversicherung [hrsg. von R. Schaffhauser und F. Schlauri], St. Gallen 1996,
S. 131). Die Vorsorgeeinrichtung trägt insbesondere dort, wo keine Bindungswirkung
des IV-Entscheids besteht (vgl. Entscheid des Bundesgerichts in dieser Sache vom 7.
Mai 2007 [BV 49/06] E. 3 mit Hinweisen), die Verantwortung zur Abklärung des
leistungsbegründenden Sachverhalts. Vorliegend wäre die beklagte
Vorsorgeeinrichtung verpflichtet gewesen, zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, da
ihr sowohl bezüglich der Herzkrankheit als auch in Bezug auf den psychischen
Krankheitsverlaufs keine zuverlässigen ärztlichen Unterlagen vorlagen, welche eine
abschliessende Beurteilung ihrer Leistungspflicht gestattet hätten. Die Abklärung des
Rentengesuchs war damit nicht ausreichend. Bei einer derartigen Verletzung der
Untersuchungspflicht wird die Sache im Verwaltungsgerichtsverfahren üblicherweise
vom Gericht an die Verwaltungsbehörde zurückgewiesen, damit diese ihre
Versäumnisse nachholen kann und dem Betroffenen durch den Wegfall einer mit
uneingeschränkter Kognition ausgestatteten Instanz kein Nachteil entsteht. Im Bereich
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der beruflichen Vorsorge ist das Gericht nun aber nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts nicht befugt, die Sache zur Vornahme ergänzender Abklärungen und
neuer Entscheidung an die Vorsorgeeinrichtung zurückzuweisen (SZS 2000, 172; BGE
117 V 237; BGE 115 V 239). Deshalb musste das notwendige Obergutachten vom
Versicherungsgericht eingeholt und die unzureichende Abklärung durch die Beklagte
auf diese Weise nachgeholt werden. Damit rechtfertigt es sich aber auch, die daraus
entstehenden Kosten der Beklagten zu auferlegen, deren Obliegenheit es aufgrund des
geltenden Untersuchungsgrundsatzes gewesen wäre, diese Abklärungen zu treffen
(vgl. dazu U. Kieser, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, Zürich 1999,
Rz 534). Hieran vermag auch die in Art. 73 Abs. 2 BVG angeführte grundsätzliche
Kostenlosigkeit des Verfahrens nichts zu ändern, denn es kann nicht angehen, dass
der Staat die Kosten für ein Gutachten zu übernehmen hat, das die
Vorsorgeeinrichtung in Verletzung ihrer Untersuchungspflicht nicht eingeholt hat.
Entsprechend sind daher die Kosten von insgesamt Fr. 3'642.15 für das vom Gericht
angeordnete Obergutachten von der Beklagten zu tragen.
8.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage insoweit gutzuheissen, als die
Beklagte - unter Vorbehalt einer allfälligen Kürzung aus der
Überentschädigungsberechnung - verpflichtet wird, dem Kläger ab 1. Juli 2003
Invalidenleistungen auf Grund einer Invalidität von 100 % gemäss Gesetz und
Reglement zuzüglich 5 % Verzugszins ab 17. Mai 2005 zu bezahlen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Hingegen hat der Kläger bei diesem
Ausgang des Verfahrens Anspruch auf den vom Gericht festgesetzten Ersatz der
Parteikosten (Art. 73 Abs. 2 BVG und Art. 98 ff. VRP) durch die Beklagte. Im
vorliegenden Verfahren erscheint eine Entschädigung von Fr. 4'500.-- (einschliesslich
Mehrwertsteuer und Barauslagen) für die Verfahren B 2005/11 und B 2007/9 als
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG