Decision ID: 968a7f57-58e8-5b67-b0bd-ed1738804ebd
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Schreiben vom 25. Mai 2012 informierte die Baupolizeibehörde der Gemeinde
Hilterfingen die Beschwerdegegner darüber, dass eine baupolizeiliche Anzeige der
Beschwerdeführenden eingegangen sei. In dieser werde geltend gemacht, dass an und im
Wohnhaus der Beschwerdegegner am G._ Weg 16, Parzelle Hilterfingen Gbbl.
Nr. H._, verschiedene Umbauarbeiten vorgenommen worden seien, die zumindest
bezüglich der Fassadenänderung und des Fenstereinbaus als baubewilligungspflichtig
eingestuft werden müssten. Das fragliche Wohnhaus solle sich laut der Anzeige zudem zu
einem Teil auf dem angrenzenden Grundstück der Beschwerdeführenden (G._
Weg 18, Parzelle Hilterfingen Gbbl. I._) befinden. Beide Grundstücke befinden
sich in der Zone E1 (Wohnzone eingeschossig). Die Baupolizeibehörde räumte den
Beschwerdegegnern die Möglichkeit zur Stellungnahme ein.
2. Die Beschwerdegegner erklärten in ihrer Stellungnahme vom 25. Juni 2012, dass im
Zeitraum vom Herbst 2010 bis Juni 2011 im Wesentlichen folgende Arbeiten vorgenommen
worden seien: "– elektrische Neuinstallation ab der Hauseinführung
– teilweise Erneuerung der Kalt- und Warmwasserleitungen
– Ersetzen alter und schadhafter Sanitärapparate
– Ersetzen von morschem und vermodertem Holz (Statik und Verkleidung)".
Dass sich ein Teil des Wohnhauses auf der Nachbarparzelle befinde, sei ihnen erst im
Spätherbst 2011 und somit nach Abschluss der Unterhaltsarbeiten bekannt geworden.
Ebenso befinde sich ein Teil des Wohnhauses G._ Weg 18, Gbbl. Nr. I._,
auf dem Grundstück der Beschwerdegegner.
3. Die Baupolizeibehörde ersuchte das Regierungsstatthalteramt Thun um Übernahme
der Verfahrensleitung, da der Beschwerdegegner 1 Mitglied der Bau- und
Planungskommission Hilterfingen war. Das Regierungsstatthalteramt Thun hat mit
Stellungnahme vom 29. Januar 2013 die erfolgten Bauarbeiten als bewilligungspflichtig
eingestuft, die Verfahrensleitung jedoch der Baupolizeibehörde Hilterfingen überlassen.1
1 Vgl. die Stellungnahme der Gemeinde Hilterfingen vom 16. Februar 2015.
3
Die Baupolizeibehörde forderte daher die Beschwerdegegner mit Schreiben vom 28. März
2013 zur Einreichung eines Baugesuches auf.
4. Die Beschwerdegegner reichten am 1. Mai 2013 bei der Gemeinde ein
nachträgliches Baugesuch für einen "Um- und Ausbau" ein. Das Baugesuch enthielt kein
Ausnahmegesuch. Die Bruttogeschossfläche wurde mit "bestehend 75 m2; neu 0 m2; total
75 m2" angegeben. Die Baupublikation enthielt jedoch den Hinweis: "Beanspruchte
Ausnahmen: Überschreiten der Ausnützungsziffer (GBR Art. 50)". Das Projekt wurde mit
"Sanierung Erdgeschoss (bereits ausgeführt)" umschrieben. Den Auflageakten lässt sich
entnehmen, dass insbesondere im bestehenden Badezimmer die Badewanne entfernt und
das Lavabo verschoben wurde und dass der angrenzende Raum (Reduit) neu mit einer
Badewanne und einem Lavabo sowie einer Waschmaschine ausgestattet wurde. Die
Beschwerdeführenden erhoben Einsprache mit Rechtsverwahrung gegen das Bauprojekt.
5. Mit Bauentscheid vom 16. Dezember 2014 erteilte die Gemeinde die Baubewilligung
für die bereits ausgeführten Sanierungsarbeiten im Erdgeschoss und wies die dagegen
erhobene Einsprache ab. Gegen diesen Entscheid reichten die Beschwerdeführenden am
14. Januar 2015 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons
Bern (BVE) ein. Sie beantragen die Aufhebung des Bauentscheids und die Erteilung des
Bauabschlags unter Einräumung einer angemessenen Frist zur Wiederherstellung des
ursprünglichen Zustandes.
6. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegner beantragen
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Entscheids. Sie
bestreiten insbesondere die Legitimation der Beschwerdeführenden zur
Beschwerdeeinreichung. Die Gemeinde Hilterfingen beantragt sinngemäss die Abweisung
der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Entscheids.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
4

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Die Beschwerdegegner bestreiten die Legitimation der Beschwerdeführenden. Diese
rügten die Mangelhaftigkeit des Bauentscheids, die Mangelhaftigkeit des Baugesuchs und
die fehlende bzw. ungenügende Begründung für die Erteilung der Ausnahmebewilligung
wegen der allenfalls leicht überschrittenen Ausnützungsziffer. Keine dieser Rügen habe –
sollte sie zutreffen – irgendwelche Nachteile für die Beschwerdeführenden zur Folge. Im
Gegenteil werde durch die vorgenommene Sanierung die gemeinsame Bausubstanz
gestärkt. Die Beschwerdeführenden könnten daher kein schutzwürdiges Interesse dartun.
Ihre Beschwerde sei rechtsmissbräuchlich.
c) Nach Art. 40 Abs. 2 BauG sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen
ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde zur Beschwerde befugt. Die
Beschwerdeführenden haben sich als Einsprecher am Baubewilligungsverfahren beteiligt.
Ihre Einsprache wurde abgewiesen; sie sind formell beschwert. Die Beschwerdelegitima-
tion setzt jedoch auch eine materielle Beschwer voraus, d.h. die Beschwerdeführenden
müssen durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen
betroffen sein; sie müssen durch dieses in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen
sein und zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe haben. Die Betroffenheit
kann rechtlicher oder auch nur tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber hinreichend sein,
d.h. eine bestimmte Intensität erreichen, so dass von der Abwendung eines materiellen
oder ideellen Nachteils gesprochen werden kann. Der Nachteil muss persönlich und
unmittelbar sein. Diese Anforderungen grenzen die Beschwerden betroffener Drittpersonen
von der unzulässigen Popularbeschwerde ab.4
d) Die Beschwerdeführenden sind Grundeigentümer des unmittelbar angrenzenden
Nachbargrundstücks. Das darauf befindliche Gebäude ist mit dem Gebäude der
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 8; BGE 133 II 400 E. 2.2.
5
Beschwerdeführenden zusammengebaut, wobei beide Häuser teilweise auf das jeweilige
Nachbargrundstück ragen, ohne dass entsprechende Dienstbarkeiten (Näher-, Grenz- oder
Überbaurechte) bestehen. Die streitigen Sanierungsarbeiten betreffen offenbar auch
Gebäudeteile, welche auf das Grundstück der Beschwerdeführenden ragen. Damit stehen
diese in besonderer Beziehungsnähe zum Streitgegenstand, denn sie sind als
Grundeigentümer in ihren rechtlichen Interessen betroffen. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten.
2. Rechtliches Gehör und Begründungspflicht
a) Die Beschwerdeführenden rügen, der angefochtene Entscheid sei ungenügend
begründet. Die Vorinstanz habe zur Mangelhaftigkeit des Baugesuchs keine Stellung
genommen. Eine Begründung, inwiefern die Voraussetzungen für die Bewilligung einer
Ausnahme von der Ausnützungsziffer vorlägen, fehle gänzlich. Die Berechnung der
Ausnützungsziffer sei nicht nachvollziehbar. Schliesslich schweige sich der angefochtene
Entscheid darüber aus, weshalb der Bauentscheid samt Baugesuchsformular und
Situationsplan dem Nachführungsgeometer eröffnet worden sei. Die mangelhafte
Begründung verletze das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden und müsse zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheids führen.
b) Eine Verfügung muss die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten, auf die sie
sich stützt.5 Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen den Entscheid
sachgerecht anfechten können. Deshalb muss die Behörde mindestens kurz die
Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid
stützt. Sie muss sich dabei nicht ausdrücklich mit jeder Behauptung zum Sachverhalt und
jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen. Vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.6
c) Die Beschwerdeführenden machten bereits in ihrer Einsprache geltend, das
Baugesuch sei mangelhaft. Insbesondere rügten sie, das Bauvorhaben sei unvollständig
umschrieben, denn die Umnutzung eines bisher nicht bewohnten Nebenraums in einen
5 Art. 52 Abs. 1 Bst. b des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 6 BGE 134 I 83 E. 4.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 6 ff.; Adrian Mauerhofer, Die verschiedenen Facetten des rechtlichen Gehörs, KPG-Bulletin 2015 S. 27 ff., S. 28 f.
6
bewohnten Gebäudeteil sei nicht deklariert worden; die Ausnützungsziffer sei nicht korrekt
angegeben worden und es fehle eine Begründung, welche besonderen Gründe eine
entsprechende Ausnahmebewilligung rechtfertigten; auf dem Formular sei nicht vermerkt,
dass fremder Boden (im Eigentum der Beschwerdeführenden) in Anspruch genommen
worden sei, und dass ein Näher, Grenz- oder Überbaurecht bzw. die Zustimmung der
Beschwerdeführenden fehle; schliesslich seien die Planunterlagen rudimentär und zeigten
die vorgenommenen baulichen Anpassungen und Änderungen in keiner Art und Weise.
Im angefochtenen Entscheid geht die Vorinstanz auf einige der vorgebrachten Rügen ein.
Zur Rüge der Mangelhaftigkeit des Baugesuchs führt sie aus: "Das Baugesuch ist
höchstens geringfügig mangelhaft. Die formellen Mängel sind nicht so schwerwiegend,
dass das Baugesuch zurückgewiesen werden muss. Im erwähnten Raum war bereits eine
Heizung vorbestehend, die abgebildeten Heizungsrohre lassen jedenfalls darauf
schliessen. Eine Umnutzung ist daher nicht ersichtlich."
d) Hinsichtlich der Ausnützungsziffer hält die Vorinstanz fest, dass der zulässige
Ausnützungsgrad von 0,3 gemäss Art. 50 GBR7 bei Hinzurechnung des bisherigen
Abstellraums (Reduit) um 0,02 überschritten wird. Es handle sich um eine geringe
Überschreitung und die Bauherrschaft stelle dafür ein Ausnahmegesuch.
Nach Art. 26 Abs. 1 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften gewährt
werden, wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und keine öffentlichen Interessen
beeinträchtigt werden. Wird eine Ausnahme beantragt, muss daher die
Baubewilligungsbehörde prüfen, ob besondere Verhältnisse vorliegen, welche die
Ausnahme rechtfertigen. Wird die Ausnahme im Bewilligungsentscheid gewährt, muss sie
zumindest kurz darlegen, worin sie solche besonderen Verhältnisse erblickt. Die Vorinstanz
erteilte jedoch die Ausnahmebewilligung ohne zu erläutern, worin die besonderen
Verhältnisse gemäss Art. 26 Abs. 1 BauG liegen. Damit hat sie die Voraussetzungen für
die Erteilung einer Ausnahmebewilligung ungenügend geprüft bzw. begründet.
e) Auf die Rüge des Bauens auf fremdem Grund geht die Vorinstanz nicht ein; sie
vermerkt lediglich, dass auch die Beschwerdeführenden ihrerseits über keine
Grunddienstbarkeit betreffend Näher-, Grenz- oder Überbaurechte verfügten.
7 Baureglement der Einwohnergemeinde Hilterfingen vom 20. November 1998.
7
Nach Art. 10 Abs. 2 BewD ist das Baugesuch bei Bauten auf fremdem Grund auch vom
Grundeigentümer zu unterzeichnen. Diese Bestimmung soll vermeiden, dass sich die
Baubewilligungsbehörden mit Bauvorhaben befassen müssen, die aus zivilrechtlichen
Gründen nicht verwirklicht werden können, weil ihnen die Grundeigentümerin oder der
Grundeigentümer nicht zustimmt. Nach der Praxis kann auf die unterschriftliche
Zustimmung der Grundeigentümerschaft verzichtet werden, wenn die gesuchstellende
Person ein eigenes schutzwürdiges Interesse an der Beurteilung des Baugesuchs hat.
Wenn wie vorliegend das Bauvorhaben bereits realisiert ist, kann von einem
schutzwürdigen Interesse der Bauherrschaft an der Beurteilung ausgegangen werden.8
Dass der Grundeigentümerschaft allenfalls zivilrechtliche Mittel zur Verfügung stehen, um
gegen die Baute auf ihrem Grund vorzugehen, hindert das Interesse an der Beurteilung
bereits verwirklichter Bauvorhaben im öffentlich-rechtlichen Bauverfahren nicht.
f) Die Beschwerdeführenden rügen, es fehle eine Begründung, weshalb der
Bauentscheid samt Baugesuchsformular und Situationsplan dem Nachführungsgeometer
eröffnet wurde. Die Zustellung von Bauentscheid und Situationsplan an den
Nachführungsgeometer ist in Art. 37 Abs. 3 BewD9 vorgesehen. Sie betrifft keine Rechte
und Pflichten der Beschwerdeführenden. Die fehlende Begründung, weshalb hier zugestellt
wurde, obwohl keine Grundrisse ändern, verletzt daher das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführenden nicht.
3. Ungenügende Pläne
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die zum Baugesuch beigelegten Pläne
(Situationsplan und Projektpläne) zeigten die vorgenommenen baulichen Anpassungen
und Änderungen in keiner Art und Weise. Insbesondere fehlten die Angaben zu den
Abständen zum Grundstück der Beschwerdeführenden, und auch die Aussenmasse des
Gebäudegrundrisses seien nicht eingetragen. Die Projektpläne enthielten die Angaben
gemäss Art. 14 BewD nicht. Insbesondere fehlten auch Schnitt- und Fassadenpläne.
Zudem trage der Situationsplan die Unterschriften der Beschwerdegegner nicht. Die
8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 10. 9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
8
Baubewilligungsbehörde hätte das Baugesuch und die Pläne zur Verbesserung und
Ergänzung zurückweisen respektive den Bauabschlag erteilen müssen.
b) Einem Baugesuch müssen der Situationsplan und die Projektpläne beigelegt werden;
alle Pläne sind zu datieren und von den Gesuchstellenden sowie von den
Projektverfassenden zu unterzeichnen (Art. 10 Abs. 3 BewD).
In Art. 13 BewD ist ausführlich geregelt, worüber der Situationsplan Aufschluss geben soll.
Unter anderem sollen die Grenzen und Nummern der Bauparzelle und der
Nachbarparzellen, die Namen ihrer Eigentümer und die auf diesen Parzellen bereits
vorhandenen oder bewilligten Bauten und Anlagen aus dem Situationsplan hervorgehen
(Art. 13 Bst. 3 BewD). Weiter soll der Situationsplan die Lage und Grundfläche des
Bauvorhabens und in Zahlen seine Abstände von den Strassen, den Grenzen
benachbarter Grundstücke und Gebäude und die Aussenmasse des Gebäudegrundrisses
aufzeigen (Art. 13 Bst. f BewD).
Für die Projektpläne schreibt Art. 14 Abs. 1 BewD vor, dass diese im Massstab 1:100 oder
1:50 beizulegen sind. Zu erstellen sind insbesondere Grundrisspläne, in denen die
Zweckbestimmung der Räume (unter zahlenmässiger Angabe ihrer Länge und Breite), die
Stärke der Aussenwände und ihrer Isolation sowie die ungefähre Stärke der übrigen
Mauern, die Feuerungs- und Rauchabzugsanlagen sowie die Boden- und Fensterflächen in
Quadratmetern einzutragen sind (Art. 14 Abs. 1 Bst. a BewD). Weiter sind die zum
Verständnis des Bauvorhabens nötigen Schnitte (Art. 14 Abs. 1 Bst. b BewD) und die
Fassadenpläne (Art. 14 Abs. 1 Bst. c BewD) beizulegen. Bei Änderungen an bestehenden
Bauten muss aus den Plänen hervorgehen, welche Gebäudeteile bestehen bleiben, welche
abgebrochen und welche neu erstellt werden sollen (Art. 14 Abs. 4 BewD).
c) In den Vorakten10 finden sich die folgenden Pläne, welche zusammen mit dem
Baugesuch als "Auflageakten" gestempelt sind:
- Ein Situationsplan im Massstab 1:500, datiert vom 2. Mai 2013 und vom
Nachführungsgeometer unterzeichnet, von der Einwohnergemeinde Hilterfingen
gestempelt und vom Bauverwalter unterzeichnet mit Datum vom 11. August 2014;
10 Vorakten, Register Nr. 11.
9
- ein Grundriss "EG: Wohnen, Küche, WC" im Massstab 1:50 mit dem Vermerk
"Massaufnahme nach Kauf", unterzeichnet von der Bauherrschaft; von der
Einwohnergemeinde Hilterfingen gestempelt und vom Bauverwalter unterzeichnet mit
Datum vom 11. August 2014;
- ein Grundriss "Küche, WC, Bad/Waschen" im Massstab 1:25, datiert vom
21. November 2010 und von der Bauherrschaft unterzeichnet; von der
Einwohnergemeinde Hilterfingen gestempelt und vom Bauverwalter unterzeichnet mit
Datum vom 11. August 2014.
Der letztere Plan enthält Angaben u.a. über Steckdosen, Lampen, Einrichtungen (WC,
Badewanne, Waschmaschine etc.) und Wasseranschlüsse. Es fehlen jedoch
nachvollziehbare Angaben darüber, was abgebrochen bzw. entfernt und was neu erstellt
wurde. Insbesondere fehlt eine farbliche oder sonstige Unterscheidung des
Vorbestehenden, des Abgebrochenen und des neu Erstellten. Auch ein Vergleich mit dem
Grundrissplan im Massstab 1:50 schafft keine Klarheit, zumal dieser offenbar – nicht nur in
Bezug auf den Massstab – nach anderen Vorgaben erstellt wurde; namentlich zeigt er die
Wände und den Gebäudeumriss nicht auf. Die Pläne sind auch in ihrer Gesamtheit nicht
geeignet, die vorgenommenen Arbeiten verständlich darzustellen. Damit genügen sie den
Anforderungen des Bewilligungsdekrets nicht.
4. Ausnützungsziffer
a) Die Beschwerdeführenden rügen, aus den Akten und dem angefochtenen Entscheid
werde nicht ersichtlich, wie die Ausnützungsziffer konkret berechnet wurde. Ebenso fehle
jegliche Begründung für die Gewährung der Ausnahme von der Einhaltung der
Ausnützungsziffer. Das Ausnahmegesuch hätte daher zurückgewiesen respektive der
Bauabschlag hätte erteilt werden müssen.
b) Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid fest, falls der Abstellraum/Schopf
(d.h. das Reduit) neu als Wohnraum der Ausnützungsziffer zugerechnet werde, so steige
diese von zulässigen 0,3 auf neu 0,32.
Die Beschwerdegegner sind der Ansicht, dass keine Umnutzung und damit auch keine
Zunahme der Bruttogeschossfläche vorliege. Sie räumen allerdings ein, dass die
10
Ausnützungsziffer nach heutigem Baureglement marginal überschritten werde. In ihrer
Vernehmlassung vom 19. März 2014 zur Einsprache der Beschwerdeführenden stellten sie
daher ein entsprechendes Ausnahmegesuch. Sie führten dabei aus, dass die
Bruttogeschossfläche heute total 74,3 m2 (EG: 41,8 m2; OG: 32,5 m2) betrage.11 Die
Ausnützungsziffer sei von zulässigen 0,3 auf neu 0,32 gestiegen, wenn der Nebenraum
(Reduit) als neu geschaffener Wohnraum betrachtet werde.
c) Es ist demnach seitens der Beschwerdegegner unbestritten, dass die zulässige
Ausnützungsziffer überschritten wird. Die Gewährung von Ausnahmen setzt nach Art. 26
Abs. 1 und 2 BauG voraus, dass besondere Verhältnisse es rechtfertigen und weder
öffentliche noch wesentliche nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden. Gemäss Art.
10 Abs. 4 BewD hätte daher in der Baueingabe ein entsprechendes Ausnahmebegehren
gestellt und begründet werden müssen. Die Beschwerdegegner hätten insbesondere
darlegen müssen, worin vorliegend die besonderen Verhältnisse zu erblicken wären,
welche eine Ausnahme rechtfertigen. Die unterlassene Begründung verletzt Art. 10 Abs. 4
BewD.
5. Energierechtliche Vorschriften
Die vorgenommenen Arbeiten werden als "Sanierung Erdgeschoss" bezeichnet. Der
angefochtene Entscheid und die Akten geben allerdings nur unzulänglich Aufschluss
darüber, was dies alles umfasst.
Bei Umbauarbeiten müssen nach Art. 1 i.V.m. 14 ff. KEnV12 die energierechtlichen
Vorschriften eingehalten werden. Im angefochtenen Entscheid finden sich keine
Ausführungen darüber, ob dies vorliegend der Fall ist. Die Bewilligung von Umbauten setzt
jedoch voraus, dass die Einhaltung dieser Vorschriften geprüft wird und bejaht werden
kann.
11 Vorakten, Register 15, Vernehmlassung vom 19. März 2014, S. 9. 12 Kantonale Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111).
11
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Nach dem Gesagten wurden die Voraussetzungen für die Erteilung der
Baubewilligung in verschiedener Hinsicht ungenügend geprüft bzw. begründet.
Insbesondere lässt sich den Plänen nicht entnehmen, was abgebrochen bzw. entfernt
wurde, was bestehen blieb und was neu dazukam. Zudem ist unbestritten, dass die
Ausnützungsziffer überschritten war; die Beschwerdegegner haben jedoch mit ihrer
Baueingabe kein begründetes Ausnahmegesuch gestellt und auch in ihrem später
nachgeholten Gesuch nicht dargelegt, worin die besonderen Verhältnisse liegen, die eine
Ausnahme rechtfertigen. Schliesslich wurde die Einhaltung der energierechtlichen
Vorschriften nicht geprüft.
Es ist nicht Sache der BVE, diese Abklärungen im Beschwerdeverfahren nachzuholen. Die
Beschwerde ist daher insoweit gutzuheissen, als der angefochtene Entscheid aufgehoben
und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der
Erwägungen zusätzliche Abklärungen trifft und gestützt darauf erneut über die Erteilung
der Baubewilligung befindet.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdegegner. Sie haben
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'200.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV13).
c) Die Beschwerdegegner haben zudem den Beschwerdeführenden die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdeführenden machen Parteikosten im
Umfang von Fr. 4'507.40 (Honorar Fr. 4'000.–, Auslagen Fr. 173.50, Mehrwertsteuer
Fr. 333.90) geltend.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV14 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz.
13 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 14 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811).
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Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG15). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als
unterdurchschnittlich zu werten, da nur ein Schriftenwechsel stattfand und kein
Beweisverfahren durchgeführt wurde. Angesichts der Baukosten gemäss Baugesuch von
Fr. 30'000.– und den umstrittenen Rechtsfragen sind auch die Bedeutung der Streitsache
und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als eher unterdurchschnittlich einzustufen.
Daher erscheint ein Honorar von Fr. 3'000.– als angemessen. Mit den Auslagen von
Fr. 173.50 und der Mehrwertsteuer von Fr. 253.90 resultieren Parteikosten von gesamthaft
Fr. 3'427.40.