Decision ID: 9976959a-c3da-4944-98f8-cc785e41d675
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
C._ sel., geboren 1950, gestorben am 5. Januar 2020, bezog seit längerer Zeit
Ergänzungsleistungen zunächst zu einer Rente der Invalidenversicherung und später zu
einer Altersrente der AHV (vgl. act. G 3.1.59 und G 3.1.46). Nebst einer
Ergänzungsleistung nach dem Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG, SR 831.30) bezog sie aufgrund eines
erhöhten Mietzinsanteils auch eine ausserordentliche Ergänzungsleistung nach dem
Ergänzungsleistungsgesetz des Kantons St. Gallen (ELG/SG, sGS 351.5). Zusätzlich
wurden ihr regelmässig Krankheits- und Behinderungskosten vergütet. Mit einer
Verfügung vom 19. Dezember 2019 passte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung ab 1. Januar 2020 einer Erhöhung des Betrags für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung sowie einer Reduzierung des
Vermögensertrags an (act. G 3.1.8, G 3.1.9 und G 3.1.25). Gleichentags meldete das
A.a.
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Hospiz D._ der EL-Durchführungsstelle, dass die EL-Bezügerin am 19. Dezember
2019 in das Hospiz eingetreten sei (act. G 3.1.6). Mit einer Verfügung vom
27. Dezember 2019 ersetzte die EL-Durchführungsstelle die Verfügung vom
19. Dezember 2019 und stellte die Ergänzungsleistung ab 1. Januar 2020 aufgrund
eines Einnahmenüberschusses ein (act. G 3.1.4). In der Anspruchsberechnung
berücksichtigte sie neu eine "diverse Einnahme" von Fr. 7'847.--; den erhöhten
Mietzinsanteil von bislang Fr. 2'700.-- berücksichtigte sie nicht mehr (act. G 3.1.5). Dies
ergab einen Einnahmenüberschuss von Fr. 1'597.-- jährlich. Zur Begründung gab die
EL-Durchführungsstelle an, während des Aufenthalts im Hospiz D._ müsse die EL-
Bezügerin nicht für ihre Verpflegung aufkommen. Der "Lebensbedarf" werde deshalb
ab dem Folgemonat gekürzt. Sie stütze sich dabei auf die Naturallohnansätze gemäss
Art. 11 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung. Im
"Lebensbedarf" sei für die Verpflegung eine Pauschale von Fr. 21.50 berücksichtigt.
Somit werde der "Lebensbedarf" um Fr. 7'847.50 gekürzt bzw. auf der Ausgabenseite
belassen und Fr. 7'847.50 würden als übrige Einnahme angerechnet. Am 6. Januar
2020 meldete die AHV-Zweigstelle E._, dass die EL-Bezügerin am 5. Januar 2020
verstorben sei (act. G 3.1.3). Als Kontaktadresse gab sie den Sohn der EL-Bezügerin,
B._, an.
Mit einer Verfügung vom 17. Januar 2020 vergütete die EL-Durchführungsstelle
Krankheitskosten für den Aufenthalt der EL-Bezügerin im Hospiz D._ vom 19. bis
31. Dezember 2019 von Fr. 2'590.80 (act. G 3.2.20). Am 5. Februar 2020 ging bei der
EL-Durchführungsstelle eine Rechnung des Hospiz D._ vom 3. Februar 2020 für den
Aufenthalt der EL-Bezügerin vom 1. bis 5. Januar 2020 im Betrag von Fr. 1'046.-- ein
(act. G 3.2.18). Die Heimtaxe betrug Fr. 135.-- pro Tag, die Betreuungstaxe Fr. 45.--
pro Tag und der Anteil der EL-Bezügerin an der Pflegetaxe Fr. 23.-- pro Tag. Mit einer
Verfügung vom 11. Februar 2020 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch um
Rückerstattung der Kosten von Fr. 900.-- (5 x Fr. 135.-- = Fr. 675.--, 5 x Fr. 45.-- =
Fr. 225.--) und von Fr. 115.-- (5 x Fr. 23.--) ab (act. G 3.2.16 und G 3.2.17). Zur
Begründung gab sie an, aufgrund des Einnahmenüberschusses von Fr. 1'597.--
komme es nicht zu einer Auszahlung. Krankheits- und Behinderungskosten könnten
erst vergütet werden, wenn die Kosten den Betrag des Einnahmenüberschusses
A.b.
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überstiegen. Die EL-Durchführungsstelle sandte das Original der Verfügung vom
11. Februar 2020 an B._ und eine Kopie der Verfügung an das Hospiz D._.
B._ erhob am 25. März 2020 eine Einsprache gegen die Verfügung vom
11. Februar 2020 (act. G 3.2.14). Er gab an, dass er die Verfügung am 11. März 2020
postalisch vom Hospiz D._ erhalten habe, als er aus den Ferien zurückgekehrt sei. Er
bat um eine Klärung, weshalb die Krankheitskosten nicht übernommen würden. Er
entnehme der Verfügung den Vermerk "Abzug: EL-Einnahmenüberschuss
(Fr. 1'597.--)" und bitte um eine Klärung, um was für einen Überschuss es sich dabei
handle. Als Beilage reichte er eine Kopie der an das Hospiz D._ adressierten
Verfügung vom 11. Februar 2020 ein (act. G 3.2.15).
A.c.
Die EL-Durchführungsstelle bat B._ am 8. April 2020 um die Einreichung einer
Erklärung aller die Erbschaft der verstorbenen EL-Bezügerin nicht ausschlagenden
Erben, ob sie das Einspracheverfahren fortführen wollten, und – falls vorhanden – eine
Erbbescheinigung sowie die Nennung eines Erbenvertreters oder Willensvollstreckers
(act. G 3.2.11). B._ reichte am 27. April 2020 eine Erklärung der Erben und eine
Erbbescheinigung des Amtsnotariats F._ ein (act. G 3.2.10). Demnach waren B._
und dessen Bruder A._ die einzigen Erben der verstorbenen EL-Bezügerin. Eine
Erbschaftsausschlagung war dem Amtsnotariat F._ nicht eingereicht worden. Die
Erben erklärten, an der Einsprache festzuhalten und nannten B._ als ihren Vertreter.
A.d.
Mit einem Entscheid vom 15. September 2020 wies die EL-Durchführungsstelle
die Einsprache ab (act. G 3.2.6). Zur Begründung gab sie an, beim Eintritt in das Hospiz
D._ habe es sich um einen "vorübergehenden Aufenthalt" gehandelt, weshalb die
entsprechenden Kosten über die Krankheitskosten abgerechnet worden seien. Mit
einer Verfügung vom 27. Dezember 2019 sei die Ergänzungsleistung aufgrund des
Eintritts der verstorbenen EL-Bezügerin in das Hospiz D._ angepasst worden.
Aufgrund eines Einnahmenüberschusses von Fr. 1'597.-- ab 1. Januar 2020 sei der EL-
Anspruch entfallen. Der Einsprecher beanstande, dass die Hospizkosten vom 1. bis
5. Januar 2020 nicht übernommen worden seien. Diese seien gemäss Art. 14 Abs. 6
ELG an den Einnahmenüberschuss angerechnet worden, was jedoch zu keiner
Vergütung geführt habe. Die Gesamthospizkosten hätten sich auf Fr. 900.-- (Pension
und Betreuung) und Fr. 115.-- (Selbstbehalt Bewohner) belaufen. Das Total von
A.e.
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B.
Fr. 1'015.-- sei anschliessend mit dem Einnahmenüberschuss von Fr. 1'597.--
verrechnet worden. Da die Krankheits- und Behinderungskosten erst vergütet werden
könnten, wenn die Kosten den Betrag des Einnahmenüberschusses überstiegen, sei es
vorliegend korrekterweise zu keiner Vergütung gekommen.
B._ und A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhoben am 13. Oktober 2020,
vertreten durch B._, eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom
15. September 2020 (act. G 1). Sie beantragten die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids und die Vergütung der Krankheitskosten gemäss der Rechnung
des Hospiz D._ vom 3. Februar 2020. Zur Begründung machten sie im Wesentlichen
geltend, in der Anspruchsberechnung vom 27. Dezember 2019 für die Periode ab
1. Januar 2020 seien die Einnahmen und Ausgaben auf das ganze Jahr 2020
hochgerechnet worden. Eine Korrektur der Berechnung oder eine Schlussabrechnung
nach dem Tod der EL-Bezügerin habe es nicht gegeben. Die EL-Bezügerin sei am
5. Januar 2020 verstorben. Die Berechnung hätte auf der Lebensdauer von fünf Tagen
im Januar 2020 beruhen müssen. Für die "Verpflegung" bis zum 5. Januar 2020
könnten somit maximal Fr. 21.50 x 5 Tage = Fr. 107.50 angerechnet werden. Somit
ergebe sich kein Einnahmenüberschuss für das Jahr 2020. Die Rechnung des Hospiz
D._ vom 3. Februar 2020 sei deshalb zu vergüten.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
26. November 2020 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Ergänzend zu den
Erwägungen im Einspracheentscheid vom 15. September 2020 hielt sie fest, die
Verfügung vom 27. Dezember 2019 sei unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Der
vorübergehende Aufenthalt im Hospiz D._ sei unbestritten. Nach einem Todesfall
werde keine Schlussabrechnung gemacht. Die Ergänzungsleistung werde bis zum
Ende des Todesmonats ausgerichtet (wie z.B. eine AHV- und IV-Rente). Bestehe
infolge eines Einnahmenüberschusses kein Anspruch auf eine jährliche
Ergänzungsleistung, werde die Vergütung der Krankheitskosten aufgrund der Differenz
zwischen dem Einnahmenüberschuss und den Krankheitskosten festgestellt
(Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV [WEL], Stand 1. Januar
2020, Rz 5310.06). Dies sei vorliegend umgesetzt und der Einnahmenüberschuss mit
B.b.
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den geltend gemachten Krankheitskosten von total Fr. 1'015.-- verrechnet worden,
woraus kein Auszahlungsanspruch resultiert habe.
Mit einer Replik vom 24. Dezember 2020 machten die Beschwerdeführer geltend
(act. G 5), da die EL-Bezügerin am 5. Januar 2020 verstorben sei, müsse die
Berechnung auf der Lebensdauer von fünf Tagen im Januar 2020 bzw. auf dem Monat
Januar 2020 beruhen. Eine unterjährige Überprüfung und Berechnung der
Ergänzungsleistung sei nicht unüblich.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin brachte in einer Duplik vom 12. Januar 2021 vor (act.
G 7), eine tageweise Abrechnung der Ergänzungsleistung sei nicht möglich, denn sie
wäre eine Ungleichbehandlung zu allen anderen EL-Bezügern. Ein EL-Anspruch
erlösche am Ende des Monats, in dem eine der Voraussetzungen zum EL-Bezug
dahingefallen sei (Art. 12 ELG). Die Einnahmen und Ausgaben würden unter
Berücksichtigung von zwölf Monaten berechnet und dann auf die einzelnen Monate
hinuntergebrochen. Tatsächlich gebe es unterjährige Anpassungen. Diese würden
jedoch immer auf den Beginn eines Monats und nicht tageweise erfolgen. Selbst wenn
kein Einnahmenüberschuss bestanden hätte, hätten nicht die gesamten Kosten der
geltend gemachten Rechnung vergütet werden können. Beispielsweise seien die
Kosten für den Nähservice sowie der Emulsionen nicht zu vergütende
Krankheitskosten.
B.d.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bat den Vertreter der
Beschwerdeführer am 21. Oktober 2021 um eine Stellungnahme dazu, aus welchem
Grund er erst am 25. März 2020 eine Einsprache gegen die Verfügung vom 11. Februar
2020 erhoben habe (act. G 9). Dieser teilte am 5. November 2021 mit (act. G 10), dass
er die Verfügung erst am 11. März 2020 postalisch vom Hospiz D._ erhalten habe.
Danach habe er Zeit benötigt, um die Einsprache zu verfassen. Wäre das Original Mitte
Februar 2020 bei ihm angekommen, was es bis dato nicht sei, so hätte er es dann
bearbeitet. Die Beschwerdegegnerin teilte am 16. November 2021 mit (act. G 12),
unerklärlich sei, weshalb die Originalverfügung nicht eingetroffen sei. Das Hospiz D._
habe mit der Schlussabrechnung vom 26. Februar 2020 eine Kopie der Verfügung an
den Vertreter der Beschwerdeführer gesandt. Sie reichte eine Telefonnotiz betreffend
B.e.
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Erwägungen
1.
Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Einsprache vom
25. März 2020 gegen die Verfügung vom 11. Februar 2020 eingetreten ist.
ein Telefonat mit einer Mitarbeiterin des Hospiz D._ vom 16. November 2021 und die
Schlussabrechnung des Hospiz D._ vom 26. Februar 2020 ein (act. G 12.1 und 12.2).
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle
Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und
verfahrensleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Berechnet sich eine
Frist nach Tagen oder Monaten und bedarf sie der Mitteilung an die Parteien, so
beginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Art. 38 Abs. 1 ATSG). Eine
Verfügung gilt in dem Moment als zugestellt, in welchem sie dem Adressaten
tatsächlich übergeben wird. Dabei genügt es, wenn sie in den Machtbereich der
betreffenden Person gelangt ist, wenn sie also ordnungsgemäss zugestellt worden ist.
Die tatsächliche Kenntnisnahme ist nicht erforderlich. Die objektive Beweislast
betreffend die Zustellung einer Verfügung trägt die Behörde. Wird die Tatsache oder
das Datum der Zustellung uneingeschriebener Sendungen bestritten, muss im Zweifel
auf die Darstellung des Empfängers abgestellt werden, sofern seine Darlegung der
Umstände nachvollziehbar ist und einer gewissen Wahrscheinlichkeit entspricht. Sein
guter Glaube wird vermutet. Allerdings kann der Nachweis der Zustellung auch
aufgrund von Indizien oder gestützt auf die gesamten Umstände erbracht werden
(Alfred Kölz/Isabelle Häner/Martin Bertschi, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage 2013, N 577 f., m.w.H.; Urteil des
Bundesgerichts vom 25. März 2015, 9C_282/2014 E. 3.2, m.w.H.).
1.1.
Die Beschwerdegegnerin hat die Verfügung vom 11. Februar 2020 mittels B-Post
versandt, denn es findet sich auf der Verfügung kein Hinweis auf eine andere
Versandart (A-Post, A-Post Plus oder Einschreiben). Sie hat das Original der Verfügung
an die Adresse des Vertreters der Beschwerdeführer und eine Kopie der Verfügung an
das Hospiz D._ gesandt. Aufgrund der Versandart mittels B-Post ist die
Beschwerdegegnerin nicht in der Lage, den direkten Nachweis der ordnungsgemässen
Zustellung dieser Verfügung zu erbringen. Der Vertreter der Beschwerdeführer hat
angegeben, dass er am 11. März 2020 nach seiner Rückkehr aus den Ferien vom
1.2.
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2.
Hospiz D._ eine Kopie der Verfügung erhalten habe. Das Original der Verfügung sei
nie bei ihm angekommen. Die Adressierung des Originals der Verfügung ist zwar
korrekt gewesen, dennoch kann es gelegentlich vorkommen, dass eine Postsendung
den Empfänger nicht erreicht. Die Schilderung des Vertreters der Beschwerdeführer
betreffend den Nicht-Empfang des Originals der Verfügung ist daher plausibel. Damit
bestehen auch aufgrund der gesamten Umstände keine ausreichenden Anhaltspunkte
dafür, dass das Original der Verfügung ordnungsgemäss zugestellt worden wäre. Im
Weiteren fehlen auch Hinweise darauf, dass die Verfügung nicht ordnungsgemäss
zugestellt worden sein könnte (z.B. eine Retournierung an die Beschwerdegegnerin).
Der Beweis der ordnungsgemässen Zustellung oder der Nicht-Zustellung dieser
Verfügung kann also nicht erbracht werden. Damit besteht eine objektive
Beweislosigkeit. Zu prüfen bleibt, ob die Verfügung auf andere Art und Weise
erfolgreich eröffnet worden ist. Dies ist der Fall gewesen, denn der Vertreter der
Beschwerdeführer hat angegeben, dass er die Verfügung am 11. März 2020 vom
Hospiz D._ erhalten habe. Er hat der Einsprache vom 25. März 2020 denn auch die
Kopie der an das Hospiz D._ adressierten Verfügung beigelegt. Aus der
Schlussabrechnung des Hospiz D._ vom 26. Februar 2020 ist ersichtlich, dass das
Hospiz D._ dem Vertreter der Beschwerdeführer eine Kopie der Verfügung vom
11. Februar 2020 gesandt hat. Die Verfügung vom 11. Februar 2020 ist dem Vertreter
der Beschwerdeführer also am 11. März 2020 erfolgreich eröffnet worden. Die
Einsprachefrist hat damit am 12. März 2020 zu laufen begonnen. Selbst wenn ihm die
Verfügung bereits am Tag nach der Erstellung der Schlussabrechnung, also am
27. Februar 2020, erfolgreich eröffnet worden ist, ist mit der Einsprache vom 25. März
2020 die Frist von 30 Tagen gewahrt gewesen. Die Einsprache ist deshalb rechtzeitig
erfolgt und die Beschwerdegegnerin ist zu Recht darauf eingetreten.
Die Kantone vergüten den Bezügerinnen und Bezügern einer jährlichen
Ergänzungsleistung ausgewiesene, im laufenden Jahr entstandene Kosten für Hilfe,
Pflege und Betreuung zu Hause sowie in Tagesstrukturen (Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG). Sie
bezeichnen die Kosten, die nach Absatz 1 vergütet werden können (Art. 14 Abs. 2
Satz 1 ELG). Der kantonale Gesetzgeber hat die Regelung der Einzelheiten bezüglich
des Anspruchs auf Vergütung der Krankheits- und Behinderungskosten der Regierung
übertragen (Art. 4 Abs. 5 ELG/SG). Diese hat in Art. 6a der Verordnung über die
Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten (VKB/SG, sGS 351.53) mit der
Marginalie "Vorübergehender Aufenthalt in einem Heim" statuiert, dass die Kosten für
einen Aufenthalt in einem Pflegeheim für höchstens drei Monate je Kalenderjahr
2.1.
bis
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/16
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übernommen werden, wenn vorübergehend ein erhöhter Pflegeaufwand nötig ist und
dieser zu Hause oder im angestammten Heim nicht gewährt werden kann. Gemäss
Art. 1 Abs. 1 und 2 der Verordnung über die nach Ergänzungsleistungsgesetz
anrechenbare Tagespauschale (sGS 351.52) beträgt die bei Aufenthalt in einem Heim
oder Spital höchstens anrechenbare Tagespauschale für Pension und Betreuung
Fr. 180.--. Fallen Pflegekosten nach Art. 8 Abs. 1 des Gesetzes über die
Pflegefinanzierung vom 13. Februar 2011 an, erhöht sich die höchstens anrechenbare
Tagespauschale um diesen Betrag. Personen, die auf Grund eines
Einnahmenüberschusses keinen Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung
haben, haben laut Art. 14 Abs. 6 ELG Anspruch auf die Vergütung der Krankheits- und
Behinderungskosten, die den Einnahmenüberschuss übersteigen.
Unbestritten ist, dass es sich beim Aufenthalt der verstorbenen EL-Bezügerin im
Hospiz D._ vom 19. Dezember 2019 bis 5. Januar 2020 um einen vorübergehenden
Aufenthalt im Sinne von Art. 6a VKB/SG gehandelt hat. Die Beschwerdegegnerin hat
die Kosten des Hospiz D._ deshalb zu Recht über die Krankheits- und
Behinderungskosten abgerechnet (und mit der Verfügung vom 27. Dezember 2019
nicht auf eine Heimberechnung umgestellt, vgl. Art. 10 Abs. 2 ELG). Strittig und im
Folgenden zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten für den Aufenthalt im
Hospiz D._ vom 1. bis 5. Januar 2020 zu Recht nicht vergütet hat.
2.2.
Massgebend zur Beurteilung der Rechtmässigkeit der Ablehnung der
Kostenvergütung ist, wie der Begriff "Einnahmenüberschuss" in Art. 14 Abs. 6 ELG
auszulegen ist, ob damit nämlich – wie die Beschwerdegegnerin geltend gemacht hat –
der Einnahmenüberschuss pro Jahr oder – wie der Vertreter der Beschwerdeführer
sinngemäss geltend gemacht hat – pro Tag oder ob damit – als dritte Möglichkeit – ein
Einnahmenüberschuss pro Monat gemeint ist. Ist nicht der jährliche
Einnahmenüberschuss massgebend, sondern ein Einnahmenüberschuss pro Monat
oder pro Tag, so hätten die Beschwerdeführer Anspruch auf eine (anteilige) Vergütung
der Krankheits- und Behinderungskosten.
2.3.
Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der massgeblichen Norm. Ist
der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach
der wahren Tragweite der Bestimmung gesucht werden, wobei alle
Auslegungselemente zu berücksichtigen sind (Methodenpluralismus). Dabei kommt es
namentlich auf den Zweck der Regelung, die dem Text zugrunde liegenden Wertungen
sowie auf den Sinnzusammenhang an, in dem die Norm steht. Die
Entstehungsgeschichte ist zwar nicht unmittelbar entscheidend, dient aber als
2.3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/16
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Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Namentlich zur Auslegung neuerer
Texte, die noch auf wenig veränderte Umstände und ein kaum gewandeltes
Rechtsverständnis treffen, kommt den Materialien eine besondere Bedeutung zu. Vom
Wortlaut darf abgewichen werden, wenn triftige Gründe dafür bestehen, dass er nicht
den wahren Sinn der Regelung wiedergibt. Sind mehrere Auslegungen möglich, ist jene
zu wählen, die der Verfassung am besten entspricht. Allerdings findet auch eine
verfassungskonforme Auslegung ihre Grenzen im klaren Wortlaut und Sinn einer
Gesetzesbestimmung (BGE 142 V 460 E. 3.1; 141 V 225 E. 5.2.1).
Dem Wortlaut des Art. 14 Abs. 6 ELG lässt sich nicht entnehmen, ob mit dem
Begriff "Einnahmenüberschuss" ein Einnahmenüberschuss pro Jahr, pro Monat oder
pro Tag gemeint ist. Auch den französisch- und italienischsprachigen Fassungen ("...
ont droit au remboursement des frais de maladie et d’invalidité qui dépassent la part
des revenus excédentaires" und "...hanno diritto al rimborso delle spese di malattia e
d’invalidità che superano l’eccedenza dei redditi") lässt sich dazu nichts entnehmen.
Lediglich die Art und Weise, wie der Einnahmenüberschuss berechnet wird, indem
nämlich die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen pro Jahr
berücksichtigt werden (vgl. Art. 10 und 11 ELG) weist darauf hin, dass damit ein
jährlicher Einnahmenüberschuss gemeint sein könnte. Bei der EL-
Anspruchsberechnung mit Jahreszahlen handelt es sich jedoch nur um die gesetzlich
geregelte Berechnungsmethode. Daraus ist nicht zu schliessen, dass mit dem Begriff
"Einnahmenüberschuss" ein Einnahmenüberschuss pro Jahr gemeint ist. Ein klarer
Wortlaut liegt also nicht vor. Die grammatikalische Auslegungsmethode spricht somit
für keine der möglichen Auslegungsvarianten.
2.3.2.
In systematischer Hinsicht stellen Krankheits- und Behinderungskosten
anerkannte Ausgaben dar, die nicht in Art. 10 ELG, sondern in Art. 14 ELG geregelt
sind und die – indirekt – in die Anspruchsberechnung gemäss Art. 9 ELG einbezogen
werden (vgl. BGE 142 V 464 E. 4.3; Ralph Jöhl/Patricia Usinger-Egger,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Soziale Sicherheit,
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht Band XIV, 3. Auflage 2016, S. 1681 ff.,
N 234). Der Unterschied zwischen den anerkannten Ausgaben gemäss Art. 10 ELG und
den Krankheits- und Behinderungskosten gemäss Art. 14 ELG besteht einzig darin,
dass die anerkannten Ausgaben gemäss Art. 10 ELG regelmässig anfallen, während die
Krankheits- und Behinderungskosten unregelmässig anfallen. Würde man die
Krankheits- und Behinderungskosten direkt in die Berechnung der jährlichen
Ergänzungsleistung (wie eine anerkannte Ausgabe gemäss Art. 10 ELG) einbeziehen,
müssten immer wieder Revisionsverfügungen (Art. 17 Abs. 2 ATSG) ergehen, was mit
2.3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/16
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einem übermässigen administrativen Aufwand verbunden wäre. Das ELG lässt es
deshalb zu, die Krankheits- und Behinderungskosten separat zu vergüten, während die
konkrete laufende jährliche Ergänzungsleistung von den unregelmässig anfallenden
Krankheits- und Behinderungskosten unberührt bleibt und folglich nicht immer wieder
revidiert werden muss (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 12. Januar 2021, EL 2019/40 E. 3.2). Die separate Vergütung der Krankheits- und
Behinderungskosten erfolgt also nur zur Verfahrensvereinfachung (BGE 142 V 464
E. 4.3; Jöhl/Usinger-Egger, a.a.O., N 238). Bei Personen, die grundsätzlich EL-
anspruchsberechtigt sind, aber keine laufende Ergänzungsleistung beziehen, ist
deshalb bei einem Gesuch um eine Vergütung von Krankheits- und
Behinderungskosten zwecks Prüfung, ob und gegebenenfalls wie hoch ein
Einnahmenüberschuss ausfällt, eine Berechnung, wie sie für die Ermittlung eines
Anspruchs auf eine laufende Ergänzungsleistung notwendig ist, vorzunehmen. Aus
dieser systematischen Einordnung der Krankheits- und Behinderungskosten zur
jährlichen Ergänzungsleistung lässt sich in Bezug auf die Frage, ob mit dem Begriff
"Einnahmenüberschuss" in Art. 14 Abs. 6 ELG ein Einnahmenüberschuss pro Jahr, pro
Monat oder pro Tag gemeint ist, aber nichts ableiten.
Historisch betrachtet hat der Gesetzgeber mit dem Erlass des Art. 14 Abs. 6
ELG, der am 1. Januar 2008 im Rahmen einer Totalrevision des ELG in Kraft getreten
ist, die Regelung des Art. 3d Abs. 4 aELG in Verbindung mit Art. 19a aELV fortgeführt
(das aELG vom 19. März 1965 ist mit dem Inkrafttreten des ELG vom 6. Oktober 2006
aufgehoben worden [vgl. Art. 35 ELG], Art. 19a aELV ist mit Wirkung seit 1. Januar
2008 ebenfalls aufgehoben worden). Gemäss der Botschaft zur
Ausführungsgesetzgebung zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der
Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen vom 7. September 2005 hat Art. 14
Abs. 6 ELG nämlich den Inhalt der Regelung des Art. 19a aELV in Verbindung mit
Art. 3d Abs. 4 dritter Satz (richtig wohl: zweiter Satz) aELG übernommen (BBI 2005
6029, 6232). Gemäss Art. 3d Abs. 4 Satz 2 aELG konnte der Bundesrat die Vergütung
von Krankheits- und Behinderungskosten bei Personen regeln, bei denen die zu
vergütenden Kosten höher waren als der Überschuss der anrechenbaren Einnahmen
über die anerkannten Ausgaben. Der Bundesrat hatte von dieser Delegationsnorm
Gebrauch gemacht und in Art. 19a Abs. 1 und 2 aELV geregelt, dass Personen mit
Einnahmenüberschuss (anrechenbare Einnahmen höher als anerkannte Ausgaben)
Anspruch auf die Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten hatten, wenn sie
die übrigen Voraussetzungen nach Art. 2 aELG erfüllten. Die Vergütung entsprach dem
Betrag, um den die ausgewiesenen Kosten den Einnahmenüberschuss überstiegen.
2.3.4.
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Weder der Botschaft zur 3. EL-Revision vom 20. November 1996 (BBl 1997 1197,
1209) noch den Erläuterungen zu den Verordnungsänderungen im Zusammenhang mit
der 3. EL-Revision (AHI-Praxis 1/1998), die der Einführung der Art. 3d Abs. 4 aELG und
Art. 19a aELV (Inkrafttreten am 1. Januar 1998, AS 1997 2960 und 2969) zugrunde
gelegen haben, lässt sich zur vorliegend massgeblichen Frage etwas entnehmen. Der
Wortlaut der Art. 3d Abs. 4 Satz 2 aELG und Art. 19a aELV deutet aber darauf hin, dass
lediglich dann Krankheits- und Behinderungskosten zu vergüten waren, wenn diese
den jährlichen Einnahmenüberschuss überstiegen, da explizit auf die anrechenbaren
Einnahmen und die anerkannten Ausgaben verwiesen wurde, die jährlich bemessen
wurden. Wie erwähnt handelt es sich der EL-Anspruchsberechnung mit Jahreszahlen
nur um die Berechnungsmethode (vgl. E. 2.3.2). Die historische Auslegung führt somit
zu keinem Resultat.
Der Sinn und Zweck der Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten ist
identisch mit dem Sinn und Zweck der jährlichen Ergänzungsleistung, nämlich die
Deckung eines Ausgabenüberschusses respektive die Sicherung des Existenzbedarfs
eines EL-Bezügers. Dies ergibt sich insbesondere aus Art. 14 Abs. 6 ELG, denn diese
Regelung bezweckt, dass einer anspruchsberechtigten Person, deren Existenzbedarf
aufgrund von (unregelmässig anfallenden) Krankheits- und Behinderungskosten nicht
mehr gedeckt ist, die Krankheits- und Behinderungskosten in dem Umfang vergütet
werden, dass damit der Existenzbedarf exakt gedeckt wird. Die Sicherung des
Existenzbedarfs wird nur erreicht, wenn auf den jeweils aktuellen, tatsächlichen Bedarf
abgestellt wird, denn andernfalls besteht die Möglichkeit, dass bei einem laufenden
Leistungsbezug eine höhere respektive eine tiefere als dem tatsächlichen Bedarf
entsprechende Ergänzungsleistung ausbezahlt wird. Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen verfolgt deshalb die konstante Praxis, dass bei stark schwankenden
Einkommen die Ergänzungsleistung an das jeweils aktuelle Erwerbseinkommen
angepasst werden muss, da nur so der vom ELG verfolgte Zweck, den jeweils
aktuellen, das heisst den effektiven finanziellen Bedarf zu decken, erreicht werden
kann; unter Umständen muss die Ergänzungsleistung Monat für Monat neu berechnet
werden (Leitentscheid vom 24. Mai 2016, EL 2014/51 E. 3.4; vgl. auch die Entscheide
vom 17. November 2016, EL 2015/16 E. 3.1; vom 22. Dezember 2017, EL 2016/35
E. 1.2.2; vom 6. März 2018, EL 2015/21 E. 2.3; vom 5. November 2019, EL 2018/18
E. 4.1.1; vom 20. Oktober 2020, EL 2018/25 E. 2.4; vom 12. Januar 2021, EL 2019/40
E. 5.6). Die Ergänzungsleistung hat also zum Ziel, den Existenzbedarf im
entsprechenden Monat zu decken. Sie wird denn auch monatlich ausgerichtet (Art. 3
Abs. 2 ELG in Verbindung mit Art. 15 und 19 Abs. 1 ATSG). Bei
2.3.5.
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Sachverhaltsveränderungen, die sich auf die anerkannten Ausgaben und die
anrechenbaren Einnahmen auswirken, wird die Ergänzungsleistung auf den Beginn
eines Monats angepasst (vgl. Art. 25 Abs. 2 der Verordnung über die über die
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ELV,
SR 831.301), was ebenfalls für eine auf die Deckung des Existenzbedarfs im
entsprechenden Monat ausgerichtete Leistung spricht. Ist es das Ziel, mit der
Ausrichtung einer Ergänzungsleistung den Existenzbedarf eines Monats zu decken,
sind die Krankheits- und Behinderungskosten für den Monat, in dem die Krankheits-
und Behinderungskosten anfallen, zu vergüten. In zeitlicher Hinsicht ist das
Behandlungs- respektive das Kaufdatum und nicht das Rechnungsdatum massgebend
(vgl. Art. 14 Abs. 1 ELG in Verbindung mit Art. 4 ELG/SG und Art. 1 Abs. 1 Satz 1
VKB/SG; Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
22. September 2020, EL 2018/50 E. 4.4). Soll mit der Vergütung der Krankheits- und
Behinderungskosten der Existenzbedarf des entsprechenden Monats gedeckt werden
– es sei daran erinnert, dass die Krankheits- und Behinderungskosten systematisch
betrachtet anerkannte Ausgaben darstellen, die lediglich zur Verfahrensvereinfachung
separat vergütet werden (vgl. E. 2.3.3) – setzt dies voraus, dass der
Einnahmenüberschuss pro Monat berechnet und die diesen monatlichen
Einnahmenüberschuss übersteigenden Krankheits- und Behinderungskosten vergütet
werden. Alternativ könnten die Krankheits- und Behinderungskosten – entsprechend
der Berechnungsmethode zur Ermittlung des EL-Anspruchs mit Jahreszahlen – mit
zwölf multipliziert werden und nur der den jährlichen Einnahmenüberschuss
übersteigenden Anteil der Krankheits- und Behinderungskosten vergütet werden,
wobei dieser Anteil wiederum durch zwölf zu teilen wäre. Der Umstand, dass die
Kantone gemäss Art. 14 Abs. 3 ELG jährliche Höchstbeträge für die vergüteten
Krankheits- und Behinderungskosten vorsehen können – gemäss Art. 4 Abs. 4 ELG/
SG gelten im Kanton St. Gallen die in Art. 14 Abs. 3 bis 5 ELG festgelegten Ansätze –
bedeutet einzig, dass die Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten pro
(Kalender-)Jahr (vgl. Art. 1 VKB/SG) betraglich begrenzt sind. Daraus kann jedoch nicht
abgeleitet werden, dass bei einem Einnahmenüberschuss nur die den jährlichen
Einnahmenüberschuss übersteigenden Krankheits- und Behinderungskosten zu
vergüten wären. Die teleologische Auslegung ergibt also, dass mit dem Begriff
"Einnahmenüberschuss" in Art. 14 Abs. 6 ELG ein monatlicher Einnahmenüberschuss
gemeint ist.
bis
bis
Im Rahmen einer verfassungskonformen Auslegung (als Teil der systematischen
Auslegung) des Art. 14 Abs. 6 ELG ist das Rechtsgleichheitsgebot gemäss Art. 8
2.3.6.
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Abs. 1 der Bundesverfassung (BV, SR 101) relevant, laut dem alle Menschen vor dem
Gesetz gleich sind. Das Rechtsgleichheitsgebot gebietet, dass Gleiches nach
Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit
ungleich zu behandeln ist. Der Anspruch auf rechtsgleiche Behandlung ist verletzt,
wenn hinsichtlich einer entscheidwesentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidungen
getroffen werden, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen nicht
ersichtlich ist, oder wenn Unterscheidungen unterlassen werden, die aufgrund der
Verhältnisse hätten getroffen werden müssen (BGE 147 I 81 E. 6.1; 143 V 145, E. 6.2.3).
Eine rechtsgleiche Behandlung von Personen, die aufgrund eines
Einnahmenüberschusses keinen Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung, aber
einen Anspruch auf die Vergütung jener Krankheits- und Behinderungskosten haben,
die den Einnahmenüberschuss übersteigen, ist nur gewährleistet, wenn die Krankheits-
und Behinderungskosten monatlich abgerechnet werden und auf den
Einnahmenüberschuss pro Monat abgestellt wird. Dies ist wie folgt zu begründen: Hat
eine grundsätzlich EL-anspruchsberechtigte Person nicht während eines ganzen
(Kalender-)Jahres einen Anspruch auf eine Vergütung von Krankheits- und
Behinderungskosten, da sie im Laufe des Jahres verstorben ist, erleidet sie – sofern auf
den jährlichen Einnahmenüberschuss abgestellt würde – im Vergleich zu einer Person
mit einem ganzjährigen Anspruch einen Nachteil, da sie anteilsmässig stärker belastet
würde. Dies ist anhand des folgenden Beispiels zu veranschaulichen: Bei einem
jährlichen Einnahmenüberschuss von Fr. 2'400.-- und Krankheits- und
Behinderungskosten im Januar von Fr. 1'000.--, im Juni von Fr. 1'500.-- und im
November von Fr. 800.-- würden einer Person mit einem ganzjährigen Anspruch
Fr. 900.-- vergütet. Einer im Februar verstorbenen Person würden demgegenüber
Fr. 0.-- vergütet. Eine Person mit einem unterjährigen Anspruch auf eine Vergütung von
Krankheits- und Behinderungskosten würde also allein deshalb keine Krankheits- und
Behinderungskosten vergütet erhalten, weil sie einen unterjährigen Anspruch hat. Eine
sachliche Begründung für diese Ungleichbehandlung fehlt. Eine rechtsgleiche
Behandlung wird nur dann erreicht, wenn die Krankheits- und Behinderungskosten
monatlich abgerechnet werden und wenn auf den Einnahmenüberschuss pro Monat
abgestellt wird, denn dann erhält sowohl eine Person mit einem ganzjährigen als auch
eine Person mit einem unterjährigen Anspruch auf eine Vergütung von Krankheits- und
Behinderungskosten für den Monat Januar Fr. 800.-- vergütet (monatlicher
Einnahmenüberschuss von Fr. 200.-- [Fr. 2'400.-- : 12] abzüglich Fr. 1'000.--). Die
verfassungskonforme Auslegung von Art. 14 Abs. 6 ELG ergibt also, dass eine
rechtsgleiche Behandlung nur dann gewährleistet ist, wenn die Krankheits- und
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3.
Das Beschwerdeverfahren ist gemäss der nach Art. 82a ATSG anwendbaren, bis zum
31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung von Art. 61 lit. a ATSG kostenlos.