Decision ID: 61b7e8da-e80f-4f6b-8409-47a07a0a5397
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren am 2
7.
September 1974 und Mutter dreier 1994, 2002 und 2008 geborener Kinder, arbeitete seit
1.
Juni 2013 in einem Vollpensum zu 44 Stunden die Woche als Verkäuferin in einem Tankstellenshop der
Z._
GmbH und gleichzeitig seit
1.
Mai 2014 zu einem Pensum von 20
%
als Reini
gerin bei der
A._
AG. Hierbei war sie bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheit versichert (vgl. Unfallmeldungen vom 1./
2.
März 2016
[
Urk.
9/1-2]
). Am 2
5.
Februar 2016 wurde sie auf dem Fuss
gängerstreifen von einem Auto angefahren
(
Urk.
9/58)
und erlitt eine Rissquetschwunde
fronto
-temporal mit nicht dislozierter Fraktur des
Orbitadach
s
rechts mit Ausdehnung ins Os frontale rechts sowie eine dislozierte Fraktur des medialen
Klavikuladrittels
rechts,
was
notfallmässig i
m Kantonsspital B._
behandelt
wurde
. Nach stationärer Überwachung für eine Nacht konnte die
Versicherte
in die hausärztliche Versorgung
zu
Dr.
med. C._
, FMH für Allgemeine Medizin,
entlassen werden (Austrittsbericht vom
9.
März 2016,
Urk.
9/10/2 ff.).
Im Verlaufsbericht vom 3
0.
Mai 2016 über die Sprechstunde vom 2
7.
Mai 2016 (
Urk.
9/46) diagnostizierte der behandelnde Arzt des
B._
ausser
dem eine Distorsion MCP-Gelenk
Dig
.
I rechts und befürwortete wegen geklagten Konzentrationsstörungen eine neuropsychologische Beurteilung, welche am 1
1.
Juli 2016 bei
lic
.
phil. D._, Neuropsychologin,
und
Dr.
med. E._
, FMH Neurologie, durchgeführt wurde (
Urk.
9/57).
Am 1
5.
Mai 2016
hatte
die Versicherte ihre Arbeit als Reinigungskraft schritt
weise
,
anfänglich zu 50
%
wieder
auf
genommen
(
Urk.
9/39;
Urk.
9/71), kündigte diese Stelle indes per Ende
November
2016 aus gesundheitlichen Gründen (
Urk.
9/120). Als Verkäufe
rin im Tankstellenshop
war
eine
teilzeitliche
Wiederaufnahme der Tätigkeit
im April 2016
erfolgt
(
Urk.
9/35), wobei die Arbeitsfähigkeit nie über
70
%
hinaus gesteigert werden konnte und seit Januar 2018 anhaltend bei 50
%
verblieb
(
Urk.
9/74,
Urk.
9/78
; vgl. auch Taggeldübersicht
Urk.
9/401
)
. Ende 2016 klagte die
Versicherte
über vermehrte Schulterschmerzen rechts (
Urk.
9/84,
Urk.
9/92), die mittels MR-
Arthrographie
am 1
5.
November 2016 (
Urk.
9/85) abgeklärt wurden. Nach Aktenvorlage (
Urk.
9/93) verneinte Kreisarzt
Dr.
med. F._
, Facharzt für Chirurgie, die Unfallkausalität der
befundeten
leichten bis mässigen
Tendinose
der distalen
Supraspinatussehne
mit wahrscheinlich chronischer gelenkseitiger Partialruptur (
Urk.
9/93).
Die im
B._
vorerst als
subacromiale
Im
p
ingement
-Symptomatik behandelten Schulterbeschwerden rechts (Bericht vom
3.
Februar 2017,
Urk.
9/113) konnten mittels Infiltration gebessert
werden und wurden als
Scapula
d
yskinesie
diagnostiziert
(
Verlaufsberichte vom
3.
April [
Urk.
9/129
]
und
1.
Juni 2017 [
Urk.
9/1
70
]
; vgl. auch Verlaufsbericht von
Dr.
C._
vom 2
1.
Juni
2017
[
Urk.
9/141
]
).
Kreisärztin
Dr.
med. G._
, Fach
ärztin für Neurochirurgie,
veranlasste ausserdem
ein MRI des Gehirns inkl. Schädelkalotte (Bericht vom 2
4.
April 2017,
Urk.
9/127; vgl.
Urk.
9/98), d
as
verglichen mit der Voruntersuchung vom 2
5.
F
ebruar 2016 in der
SWI-Sequenz
einen
Suszeptibilitätsartefakt
im
Gyrus
frontali
s
superio
r
rechts, vereinbar mit einer posthämorrhagischen
Shearingverletzung
, ferner
eine
punktförmige Mikro
blutung im
Gyrus
f
rontalis
inferio
r rechts ergab, welche differentialdiagnostisch als alte Mikroblutungen oder als posttraumatische
Veränderungen eingeordnet wurde
, bei an
sonsten nicht mehr nachweisbarer
Fraktur
linie
im
Orbitadach
rechts.
Am
3.
Juli 2017 untersuchte
Dr.
G._
die Versicherte (
Urk.
9/3)
. Sie
befürwortete eine Steigerung des Arbeitspensums als Verkäuferin von sechs auf sieben Stun
den pro Tag, was sich in der Folge auch aus arbeitsorganisatorischen Gründen
als
schwierig umsetzbar zeigte (vgl. Besprechungen mit der Arbeitgeberin,
Urk.
9/168,
Urk.
9/201), wobei die
Z._
GmbH der Versicherten schliesslich am 2
4.
Oktober 2017 per Ende 2017 kündigte (
Urk.
9/193). Weiter erfolgte
n
im Sep
tember und November 2017
Abklärungen hinsichtlich der Beschwerden am Daumen der rechten Hand (
Urk.
9/1
81,
Urk.
9/215), die schliesslich konservativ behandelt wurden (
Urk.
9/196)
.
Ferner nahm die
Versicherte
ihre frühere Reini
gungstätigkeit bei der
A._
AG anfangs 2018 wieder auf (
Urk.
9/226,
Urk.
9/390).
Mit Schreiben vom 1
2.
Januar 2018 zeigte die Suva
X._
an, dass sie die Behandlung der Schulte
rbeschwerden rechts
per 2
6.
Januar 2018 abschliessen würden (
Urk.
9/228) und die Kostenübernahme für die notfallmässige Behandlung im
B._
wegen Magenschmerzen
im August 2017
nicht übe
rnehmen werde (
Urk.
9/227 f.). A
m
9.
April 2018 meldete die mittlerweile vertretene Versicherte vermehrte Schulterschmerzen und beantragte
hinsichtlich
diesbezüglich
angekündigten
Fallabschluss
es
den Erlass einer Verfü
gung (
Urk.
9/244). Am
1
5.
Juni 2018 erfolgte die zweite neuropsychol
ogische Untersuchung bei
Dr.
E._
(
Urk.
9/255).
2.
Nachdem sich die Versicherte
im November 20
17
bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen angemeldet hatte (
Urk.
9/209), richtete diese berufliche Massnahmen in Form eines Assess
ments (Mitteilung vom 2
6.
September 2018,
Urk.
9/290), eines vom 1
0.
Dezember 2018 bis
7.
Juni 2019 dauernden Arbeitstrainings in der Hauswirtschaft eines Alterszentrums (Mitteilung vom
3.
Dezember 2018,
Urk.
9/300) sowie eines Arbeitsversuches mit Coaching als Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft
(
Mitteilung vom 2
8.
Mai 2019,
Urk.
9/326)
aus
. Mit Mitteilung vom 2
7.
Novem
ber 2019 schloss die IV-Stelle Eingliederungsmassnahmen per 3
.
Dezember 2019
ab (
Urk.
9/341).
Seit Dezember 2019 arbeitete die
Versicherte
erneut bei der
A._
AG
als Reinigungsmitarbeiterin (
Urk.
9/391).
3.
Mittlerweile hatte die Suva am
4.
Februar 2019 die Einstellung der Leistungen betreffend Schulterbeschwerden rechts per 2
6.
Januar 2018 verfügt (
Urk.
9/305)
, hob diese
Verfügung
jedoch auf Einsprache hin
(
Urk.
9/9/312)
mit Schreiben vom
3.
April 2019 wieder auf (
Urk.
9/317)
. Gestützt auf die Akten
hielt
Dr.
G._
am
7.
Januar 2020
im Hinblick auf d
en Fallabschluss eine ne
uropsychologische Abschlussu
ntersuchung für notwendig (
Urk.
9
/356), welche am 2
1.
April 2020
in der Rehaklinik
H._
durch
Dr.
phil. I._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie F
SP, durchgeführt
wurde (
Urk.
9/371). Gestützt da
rauf beurteilte
Dr.
G._
die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der
Versicherten
(
Urk.
9/378) und schätzte die Integritätseinbusse aufgrund der verbliebenen kognitiven Störung auf 20
%
(
Urk.
9/380). Daraufhin holte die Suva bei den (ehemaligen) Arbeitgeberinnen der
Versicherten
Auskünfte über die Lohnent
wi
cklung ein (
Urk.
9/388,
Urk.
9/3
89). Mit Verfügung vom 3
0.
Juli 2020 sprach sie
X._
mit Wirkung ab
1.
September 20
20 eine Rente gestützt auf eine
Erwerbseinbusse von 29
%
sowie eine Integritätsentschädigu
ng im Ausmass einer 20%igen Einb
usse zu (
Urk.
9/406). Die dagegen erhobene Einsprache vom 1
0.
September 2020 mit dem Begehren um eine höhere Rente sowie eine höhere Integr
itätsentschädigung (
Urk.
9/412)
wies die Suva mit Entscheid vom 2
9.
Sep
tember 2020 ab (
Urk.
9/414 =
Urk.
2).
4.
Die IV-Stelle ihrerseits sprach
X._
gestützt auf das von ihr einge
holte polydisziplinäre Gutachten der
J._
AG (MEDAS-Gutachten) vom
5.
Oktober 2020 (
Urk.
9/424) ab
1.
Dezember 2019 gestützt auf einen Invalidi
tätsgrad von 40
%
eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung zu
(Verfügung
en vom 2
0.
April und 1
0.
Mai 2021
,
vgl.
Urk.
13)
. Die dagegen erhobene Beschwerde ist Gegenstand des Verfahrens IV.2021.00346 und wir
d mit Urteil heutigen Datums
abgewiesen.
5.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
9.
September
2020 erhob
X._
am
2.
November 2020 Beschwerde mit dem sinngemässen Rechts
begehren, es sei ihr in Aufhebung des angefochtenen Entscheids eine höhere Rente und höhere Integritätsentschädigung zuzusprechen. Die noch zumutbare Arbeitsleistung und die Höhe des Integritätsschadens seien durch eine externe medizinische Expertise zu klären; hierfür sei die Sache an die Vorinstanz zurück
zuweisen oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeant
wort vom
1.
März 2021 beantragte die Suva, die Beschwerde sei insofern teilweise gutzuheissen, als die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine IV-Rente von insge
samt 33
%
und Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von insgesamt 35
%
habe. Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen (
Urk.
8).
In der Folge ordnete das Gericht
einen zweiten Schriftenwechsel an (
Urk.
10).
Replicando
hielt die Beschwerdeführerin am Antrag auf eine höhere Rente fest; hinsichtlich der Integritätsentschädigung erklärte sie sich mit dem Wert von 35 % einverstanden (
Urk.
14). Mit Duplik vom
2.
September 2021 änderte die Beschwerdegegnerin ihr Rechtsbegehren dahingehend, dass die Beschwerde insofern teilweise gutzu
heissen sei, als die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine IV-Rente von insgesamt 38
%
und Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von insgesamt 35
%
habe; im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen (
Urk.
19). Mit dieser Rechtsschrift legte sie das Antwortschreiben der
J._
-Gutachter vom 1
9.
Oktober 2020 zu Rückfragen der IV-Stelle auf (
Urk.
20). Die Beschwerdefüh
rerin nahm zu diesen Eingaben am
9.
November 2021 Stellung
und legte dar, dass bei korrekter Invaliditätsbemessung ein Invaliditätsgrad von 50
%
ausge
wiesen sei, mindestens jedoch von 43
%
. Hinsichtlich akzeptierter Höhe der Integritätsentschädigung von 35
%
könne die Beschwerde als gutgeheissen betrachtet werden
(
Urk.
25)
. Dies wurde der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht (
Urk.
26).
6.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien sowie die aufgelegten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
5.
Februar 2016
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach
Art.
10
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18
Abs.
1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliede
rungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass e
in Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen
ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Beding
ungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohn
e dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Einstellung der Heilkosten- und Taggeldleistungen per
1.
September 2020 ist vorliegend
letztlich unbestritten. Wohl
behauptete
die Beschwerdeführerin in der Replik vom 2
6.
Mai 2021 (
Urk.
14)
, betreffend das rechte
Schultergelenk sei der
status
quo sine noch nicht erreicht
(S. 3 Ziffer 31),
nennt
indes konkret
keine
notwendige
n
medizinische
n
Massnahmen, die eine wesentliche Verbesserung versprechen
würden
. So geht
auch
aus dem
Medas
-Gutachten vom
5.
Oktober 2020 hervor, dass aus interdisziplinärer Sicht keine therapeutischen Optionen bestehen, von welchen die Mediziner eine Besserung des Beschwerdebildes oder eine höhere Arbeitsfähigkeit erwarten (
Urk.
9/424/25
) und erkannte der rheuma
tologische Gutachter insbesondere hinsichtlich der
Claviculafraktur
unverändert
ossär
konsolidierte Verhältnisse (
Urk.
9/424/34) ohne therapeutischen Bedarf (
Urk.
9/424/38).
2.2
Einig sind sich die Parteien nunmehr auch darin, dass der Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Einbusse von insgesamt 35
%
zusteht. Die übereinstimmenden Parteianträge geben aufgrund der vorliegenden Akten, insbesondere des im Rahmen der MEDAS-Begutachtung erstellte
n
neuropsychologische
n
Teilgutachten
s vom 5.
Oktober 2020 (
Urk.
9/424), kein
en
Anlass zu Weiterungen. Damit ist der
Einspracheentscheid
vom 2
9.
September 2020 hinsichtlich der Höhe der Integritätsentschädigung aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine solche gestützt auf eine Integritätseinbusse von 35
%
zuzusprechen
. Strittig und zu prüfen bleibt der am
1.
September 2020 entstan
dene Rentenanspruch in
masslicher
Hinsicht bzw. die der Rente zugrundzu
legende Erwerbsunfähigkeit.
3.
3.1
Dr.
G._
kam in ihrer abschliessenden Beurteilung vom
5.
Mai 2020 (
Urk.
9/378) gestützt auf die Ergebnisse der in der Rehaklinik
H._
durchgeführten neuropsychologischen Testungen (
Urk.
9/371) zum Schluss, dass noch leichte kognitive Störungen mit Beeinträchtigungen im Aufmerksam
keits
bereich und eine gemäss Angaben der
Beschwerdeführerin
reduzierte Belastbarkeit vorliegen, die überwiegend wahrscheinlich auf die traumatische Hirnverletzung zurückzu
führen sind. Die Tätigkeit als Verkäuferin sei der Beschwerdeführerin grundsätz
lich
ganztags
zumutbar
, ebenso wie auch eine Arbeit als Reinigungskraft.
Einschränkungen könnten bei Arbeiten unter Leistungs- oder Zeitdruck entstehen.
In e
ine
r
Tätigkeit in einem Bereich, in dem Zeit- und Leistungsdruck selten seien bzw. nur eine untergeordnete Rolle spielten, wäre ein vollumfäng
licher Einsatz wieder denkbar
. Bei einer Tätigkeit mit entsprechendem Zeit- und Leistungsdruck halte sie eine zeitliche Reduktion des Arbeitspensums von 30
%
,
überwiegend wahrscheinlich infolge der unfallbedingten kognitiven Einschrän
kungen
,
für erklärbar.
3.2
Die
J._
AG
erstattete nach Erlass des
Einspracheentscheids
das
von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen polydisziplinäre Gutachten vom
5.
Oktober 2020, welches auf fachärztlichen Untersuchungen im August
2020 beruhte (
Urk.
9/424
/16 ff.). In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass
sich
aus allgemein-internistischer und psychiatrischer Sicht keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit finden liesse
n
. Aus rheumatologischer Sich
t
bestünden eine
Perioarthropathia
humeroscapularis
tendinotica
rechts vom
Supraspinatustyp
mit (akten-)anamnestischem
subacro
mialem
Impingement
und leichter
b
is moderater
Tendinopathie
der
Supraspi
natussehne
mit Verdacht auf eine gelenkseitige Partialruptur (
Arthro
-MRI Schulter rechts 15.11.2016), ein Zustand nach Impression der
ossären
Ansätze des radialen Seitenbandes MCP I links (Erstdiagnose
November 20
17), nach konservativer Therapie einer nach
anterior
dislozierten
Mehrfragmentfraktur
des medialen
Claviculadrittels
rechts vom 2
5.
Februar 2016 sowie eine lang-/tiefge
zogene thorakale Hyperkyphose mit rechtsbetonter
Scapula
alata
und Haltungs
insuffizienz. Dadurch bestünden qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähig
keit: Aufgrund der von der
Beschwerdeführerin
beklagten chronisch persistieren
den Schulterbeschwerden rechts sei das Heben/Trage
n
schwerer Lasten mit der rechten oberen Extremität über Hüfthöhe zu vermeiden. Die anamnestisch chronischen Schmerzen im MCP I links führten zu einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bezüglich kraftanfordernder manueller
Tätig
keiten links. In der von der Beschwerdeführerin zuletzt
ausgeübten
Tätigkeit als stellvertretende
Leiterin eines Tankstellenshops, bei welcher es sich gemäss IV-Akten um eine körperlich leichte Tätigkeit gehandelt habe, in der im Nebenerwerb ausgeübten Tätigkeit als Raumpflegerin sowie in körperlich leichten bis mittel
schweren beruflichen Tätigkeiten ohne Heben/Tragen schwerer Lasten mit der r
echten oberen Extremität über Hü
fthöhe und ohne kraftanfordernde manuelle Tätigkeiten links bestehe aus rheumatologischer Sicht eine 100%ige Arbeits
fähigkeit. Aus neurologischer Sicht werde eine leicht- bis mittelgradige neuropsy
chologische Störung nach leichter traumatischer Hirnverletzung vom 2
5.
Februar 2016 mit nicht dislozierter
Orbitadachfraktur
rechts und Rissquetschwunde supraorbital rechts sowie kernsp
intomographischem Nachweis von
H
ämosiderin
ablagerungen
im
Gyrus
frontalis
superior
r
echts und im
Gyrus
frontalis
inf
erior rechts (MRI
Neurocranium
24.02.17) diagnostiziert. Es bestünden vordergründig Defizite im Aufmerksamkeitsbereich, in der
konzentrativen
Belastbarkeit, der Dauerauf
merksamkeit sowie im mnestischen Bereich. Aufgrund der neuropsycho
logisch objektivierten leichten bis
mässiggradigen
neuropsychologischen Störung werde aus neurologischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 0
%
in der von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit als stellvertre
tende Leiterin eines Tankstellenshops mit Arbeiten unter Zeitdruck ausgegangen. Die Tätigkeit als «selbständig erwerbstätige» Raumpflegerin werde aus neurolo
gischer Sicht als leidensangepasst eingestuft. Als leidensadaptierte Tätigkeiten würden Arbeiten ohne Akkordarbeit (kein enges Zeitlimit und kein Zeitdruck), ohne erforderliches Erlernen komplizierter Abläufe, mit wenig Anspruch an eine längerfristige Konzentrationsfähigkeit und ohne jegliche Art von Druck, in reizarmer Umgebung und ohne Ansprüche an eine schnelle und flexible Anpassungsleistung definiert.
Zudem sollte bei einem vollschichtigen Arbeits
pensum die Möglichkeit individuell angepasster Pausen gegeben sein. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei die Hypästhesie im Versorgungsgebiet des
N.
supraorbitalis
rechts bei Verdacht auf eine traumatische Durchtrennung von Ästen des
N.
supraorbitals
rechts nach leichter traumatischer Hirnverletzung mit nicht dislozierter
Orbitafraktur
rechts und supraorbitaler Rissquetschwunde rechts vom 2
5.
Februar 2016 sowie ein anhaltender Kopfschmerz nach traumatischer Verletzung des Kopfes.
Aus interdisziplinärer Sicht attestierten die Gutachter eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit in der von der Versicherten zuletzt ausgeübten Tätigkeit als stellvertre
tende Leiterin eines Tankstellenshops ab dem Zeitpunkt des Unfallereignisses vom 2
5.
Februar 201
6.
In der aktuell ausgeübten Tätigkeit als Raumpflegerin sowie in anderen körperlich leichten bis mittelschweren beruflichen Tätigkeiten ohne
Heben/Tragen schwerer Lasten mit der rechten oberen Extremität über Hüfthöhe, ohne kraftanforde
rnde manuelle Tätigkeiten links,
ohne Akkordarbeit, ohne erforderliches Erlernen komplizierter Abläufe, mit wenig Anspruch an eine längerfristige Konzentrationsfähigkeit, ohne jegliche Art Druck, in reizarmer Umgebung und ohne Ansprüche an schnelle und flexible Anpassungsleistungen sei die Beschwerdeführerin arbeitsfähig. Bei einem vollschichtigen Arbeitspensum sollte die Möglichkeit individuell angepasster Pausen gegeben sein (
Urk.
9/424/22).
3.3
Auf Nachfrage der IV-Stelle hin
präzisierten
der federführende
J._
-Gutachter sowie die Fachgutachterin für Neurologie
in ihrer
Stellungnahme
vom 1
9.
Oktober 2020 (
Urk.
9/20) Folgendes: Der erhöhte Pausenbedarf in einer leidensangepassten Tätigkeit würden sie mit 10 Minuten nach jeweils zirka einer Stunde bemessen. Aus neurologischer Sicht gingen sie - wie von der IV-Stelle ausgeführt - von einer Leistungsminderung von 15-20
%
in einer angepassten Tätigkeit aus. Diese Einschränkung könne seit der traumatischen Hirnverletzung am 2
5.
Februar 2016 angenommen werden. Weiterhin bestätigten sie eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als
Tankstellenshopleiterin
und eine vollständige A
rbeitsfähigkeit in der aktuell
ausgeübten Tätigkeit als Raumpflegerin. In anderen - näher ausgeführten - angepassten beruflichen Tätigkeiten sei von einer um 15-20
%
geminderten Arbeitsfähigkeit auszugehen, bedingt durch die Not
wendigkeit gehäufter und über das betriebsübliche Mass hinausgehender Pausen.
4
.
4.1
Auftragsgemäss gaben die
J._
-Gutachter keine Kausalitätsbeurteilungen ab.
Die Beschwerdegegnerin anerkannte gestützt auf die kreisärztliche Beurtei
lung (E. 3.1) als objektivierbare Unfallfolgen die
residuellen
kognitiven Defi
zite, den
Status nach leicht dislozierter Fraktur des medialen
Klavikuladrittels
rechts und eine kleinste Impression im lateralen Bereich der Basis der Grundphalanx des rechten Daumens. Hinsichtlich des rechten Schultergelenkes
lägen
keine un
f
all
bedingten Leistungseinschränku
ngen (mehr) vor (
Urk.
8 S. 4). Jedoch a
uch unter Berücksichtigung der Zumutbarkeitsbeurteilung im interdisziplinären G
utachten
sei die Ausübung
einer den
Behinderung
en
angepassten Tätigkeit im Ausmass von
jedenfalls 82,5
%
zumutbar
(
Urk.
8 S. 5 in Verbindung mit
Urk.
19).
4.2
Die Beschwerdeführerin wandte
replicando
ein (
Urk.
14), der
(durch die IV
initierte
)
Arbeitsversuch habe gezeigt, dass selbst bei R
ücksichtnahme und genügende
n
Pausen eine hohe qualitative Einschränkung bereits nach vier Stunden Präsenzzeit
eintrete
(S. 3
Ziff.
27)
. Die qualitative Leistungseinbusse
könne nur durch
eine
Evaluation der
f
unktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL)
und einzig im Rahmen eines stationären Aufenthaltes
ermittelt werden
(S. 4
Ziff.
34
und
36
, S. 5
Ziff.
39
)
.
4.3
A
ngesichts
der beweiskräftigen und umfassenden polydisziplinären Expertise
und
mehrfacher neuropsychologischer Begutachtungen
sowie
hinsichtlich Befundung
im Wesentlichen übereinstimmender versicherungsinterner Stellungnahme
besteht
kein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf. Insbesondere
konnten die Gutachter aus rheumatologischer Sicht keine quantitativen Einschränkungen feststellen und
besteht
hinsichtlich der eingeschätzten Leistungseinbusse aus neurologisch/neuropsychologischer Sicht
- wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführt
e
und worauf zu verweisen ist (
Urk.
19 S. 2) -
keine Notwen
digkeit
, das Zumutbarkeitsprofil im Rahmen einer EFL abzuklären, wobei die Beschwerdeführerin einen solchen Bedarf nicht darzulegen vermag (
Urk.
14,
Urk.
25).
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die
J._
-Gutachter Einsicht in die Berichte zu den beruflichen Abklärungen der Invalidenversicherung hatten
(
Urk.
9/424/70 f.)
und zu
den
Diskrepanzen, insbesondere der Selbsteinschätzung, Stellung nahmen (
Urk.
9/424/
36 f.). Der Beschwerdeantrag auf weitere medizi
nische Abklärungen
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in quantitativer wie qualitativer Hinsicht
ist daher
nicht zu hören
.
Mit der interdisziplinären Einschät
zung der
J._
-Gutachter ist davon auszugehen, dass der Beschwerde
führerin eine leichte bis mittelschwere, (näher ausgeführte) angepasste Tätigkeit in einem vollschichtigen Arbeitspensum zumutbar ist, wobei der Notwendigkeit, vermehrt Pausen einzulegen, mit einer quantitativen Einbusse von
gemittet
17,5
%
(vgl. hierzu: Urteil des Bundesgerichts 8C_696/2010 vom
5.
Juli 2011
E. 4.3.3 mit Hinweisen)
Rechnung zu tragen ist.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen.
5
.
5.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Valideneinkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
5
.2
Die Beschwerdegegnerin bemass das
Valideneinkommen
im
Einspracheentscheid
mit
Fr.
78
'420.-- (
Urk.
2 S. 7 f.). Hierbei stützte sie sich auf die Angaben beider Arbeitgeber zur mutmasslichen Lohnentwicklung (
Urk.
9/388 f.). Die
Z._
GmbH bezifferte den im Jahr 2020 mutmasslich erzielte
n
Monatslo
hn mit
Fr.
4'500.--, wobei ein Eintrag
unter der Rubrik 1
3.
Monatslohn
fehlt
, und beantwortete die Frage nach Kinderzulagen mit: «kann ich nicht sagen» (
Urk.
9/389/3-4). Die
A._
AG gab am 2
9.
Juni 2020 an, die Beschwerdeführerin würde ab
1.
Januar 2020
Fr.
1'660.-- monatlich verdienen (
Urk.
9/388/3-4).
Hieraus errechnete die Beschwerdegegnerin ein mutmassliches Jahreseinkommen 2020 von
Fr.
78'420.-- (13 x
Fr.
4'500.-- + 12 x
Fr.
1'660.--).
Mit
Duplik
vom
2.
September 2021 (
Urk.
19) führte die Beschwerdegegnerin aus, dass hinsichtlich des hauptberuflichen Einkommens
korrekterweise
von einem mutmasslichen Jahreseinkommen 2020 von
Fr.
54'000.-- (
Fr.
4'500.-- x 12) auszugehen
sei
, was zu einem als
Valideneinkommen
heranzuziehender Wert von summiert mit dem Nebeneinkommen
Fr.
73'920.-- führte.
Dem entgegnete die Beschwerdeführerin, dass infolge des im Jahre 2018 in Kraft getretenen Gesamtarbeitsvertrags Tankstellenshop, welcher nebst mehr Ferien, weniger Stunden und einem Zuschlag für Sonntagsarbeiten einen 1
3.
Monats
lohn vorschreibe eher von einer Lohnerhöhung zumindest im Rahmen des Lohn
indexes 2016 bis 2020 auszugehen sei (
Urk.
25 S. 4).
5
.3
Die Angaben der
Z._
GmbH (
Urk.
9/389) hinsichtlich der konkreten Lohnent
wicklung bis ins Jahr 2020
sowie des Anspruchs auf einen 1
3.
Monatslohn
sind unmissverständlich
.
Hinsichtlich letzteres
lässt sich den Lohnabrechnungen Januar bis Dezember 2016
jedoch
entnehmen, dass per 3
1.
Dezember 2016 ein
1
3.
Monatslohn in Höhe von
Fr.
4'5
00.-- (
Urk.
9/125/3-14)
und
im Jahre 2015 eine Gratifikation von
Fr.
3'296.15 (
Urk.
9/
125/15)
ausgerichtet wurde
. Ein
Abgleich mit den Eintragungen im individuellen K
onto (IK) der Beschwerdefüh
rerin
(
Urk.
9/286)
zeigt, dass
die
Z._
GmbH im Jahre 2014 einen Jahreslohn von F
r.
53'749.--
und
im Jahre 2015 einen solchen von
Fr.
57'296.--
abrechnete
. Der mit B
undesratsb
eschluss vom
6.
Dezember 2017 allgemeinverbindlich erklärte Gesamtarbeitsvertrag
Tankstellenshops in der Schweiz (GAV Tank
stellenshops)
, in Kraft getreten am
1.
Februar 2018 und zuletzt am 1
8.
November 2021 mit Wirkung ab
1.
Januar 2022
verlängert
, sieht in Ziffer 7 eine wöchent
liche Normalarbeitszeit von 42 Stunden bei einem Vollpensum und unter Ziffer
18 einen Anspruch auf
den
1
3.
Monatslohn vor. In Anhang 2
, worauf in der allgemeinverbindlich erklärten Ziffer 17 des GAV verwiesen wird,
ergeben sich
für das Gebiet des Kantons Zürich
Mindestlöhne von zwischen
Fr.
3'700.-- (ohne Berufslehre) und
Fr.
4'100.--
(mit dreijähriger Berufslehre). Daraus erhellt, dass der von der Arbeitgeberin angegebene Monatslohn für das Jahr 2020 von
Fr.
4'500.-- bei einer von 44 Wochenstunden (
Urk.
9/1/1) auf 42 reduzierten Normalarbeitszeit den allgemeinverbindlich erklärten Tarifen des GAV nicht entgegensteht.
Auf die Angabe, wonach der Beschwerdeführerin im Jahr 2020 einen monatlichen Lohn von
Fr.
4'500.-- ausgerichtet worden wäre, ist daher abzustellen; dies entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin ohne Aufrechnung der durchschnittlichen Nominallohnerhöhungen oder einer nicht ausgewiesenen Lohnverbesserung durch den GAV
. J
edoch ist ihr ein Anspruch auf einen 1
3.
Monatslohn anzurechnen
, hat sie einen solchen doch effektiv im Jahre 2016 und jedenfalls teilweise im Jahr 2015 realisiert.
Somit erweist sich das im
Einspracheentscheid
vom 2
9.
September 2020 bemessene
Valideneinkommen
von
Fr.
78'420.-- als korrekt.
6
.
6
.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Liegt kein anrechenbares Erwerbseinkommen vor, so können f
ür die Bestimmung des Invalideneinkommens nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebun
gen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3
). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V
178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsf
ähigkeit eingeschränkt ist (BGE
126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemä
ss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliege
nder erscheinen lassen (BGE 137 V
71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesam
thaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgericht
s
9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6
.2
Im
Einspracheentscheid
vom 2
9.
September 2020 wird das
Inv
alideneinkommen mit
Fr.
55'669
.90 beziffert, ausgehend von der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018
, Tabelle TA1, Position Total,
Kompetenzniveau 1, Frauen, und einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeits
zeit von 41,7 Wochenstunden sowie Nominallohnerhöhungen von je 0
,9
%
bis ins Jahr 2020 (
Urk.
2 S.
7).
In ihrer Stellungnahme vom
9.
November 2021 (
Urk.
25)
führte die Beschwerdegegnerin aus, aufgrund des
gutachterlich postulierten,
erhöhten Pausenbedarfs von 10 Minuten nach jeder Stunde
wäre
eigentlich eine verminderte Arbeitszeit von lediglich 15
%
zu berücksichtigen, wobei mit der pauschalen Einschätzung der
J._
-Gutachten von einer geminderten Arbeitsfähigkeit von
gemittet
82,5
%
ausgegangen werden könne. Jedenfalls lasse die Beachtung
des Pausenbedarfs durch eine
Reduktion des
zumutbaren Arbeitspensums
auf
82,5
%
eines Vollpensums
einen zusätzlichen Abzug vom Tabellenlohn nicht (mehr) zu (vgl. hierzu noch die Ausführungen in der Beschwerdeantwort vom
1.
März 2021,
Urk.
8 S. 5 f.
, wo noch von einem vollzeitlichen Pensum ausgegangen worden war
).
Dem hält d
ie Beschwerdeführerin entgegen
(
Urk.
14),
d
ie Einschränkungen in einer angepassten Tätigkeit seien so weit gefasst, dass
eine solche Stelle
auf dem
ersten
Arbeitsmarkt
nicht
oder nur schwer anzutreffen sei; das Profil entspreche einer geschützten Arbeitsstelle
(S. 4
Ziff.
34)
.
Der qualitativen Einschränkung
bei längerdauernden Tätigkeiten könnte im Rahmen eines erhöhten Leidensabzuges Rechnung getragen werden (S. 4
Ziff.
36).
6
.3
Da die Beschwerdeführerin mit ihrer weiterhin ausgeübten Nebenerwerbstätigkeit als Reinigungsfrau die ihr medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nicht voll verwertet, ist das Invalideneinkommen gestützt auf die statistischen Werte zu bemessen.
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführte, wurde
dabei
dem erhöhten Bedarf an Pausen mit einer
Arbeitsunfähigkeit
von
gemittet
17,5
%
aus medizinischer Sicht
grosszügig
Rechnung getragen. Das Anforderungsprofil an eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit
(vgl. E. 3.2)
erweist sich als nicht derart eingeschränkt, dass der Beschwerdeführerin mit ihrer beruflichen Erfahrung keine Arbeitsstelle mehr
offenstünde
oder nur mit aussergewöhnlichem Entgegen
kommen eines Arbeitgebers
,
das
sich lohnmindernd auswirken würde
. Immerhin ist
die Beschwerdeführerin
auch in
ihrem
nebenerwerblich
ausgeübten Beruf als Reinigungsfachfrau gemäss rheumatologischer Einschätzung grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähig. Von einem höchstens noch im Rahmen einer geschützten Arbeitsstelle
möglichen
Einsatz kann daher keine Rede sein.
Der Arbeitsversuch als Verkäuferin
in einem Kleidergeschäft
scheiterte nach Auskunft der Berufsbe
raterin an den Schwierigkeiten im Kundenkontakt
bei zu hohen eigenen Erwartungen
und
an der Hektik, wobei die Rückmeldungen der Arbeitgeberin positiv waren
(
Urk.
9/328
f.
)
.
Es ist
daher
nicht davon auszugehen, dass
mit einer
weiteren Lohneinbusse gerechnet werden muss, die über
die
infolge Notwendig
keit zu vermehrten Pausen berücksichtigte
Arbeitsunfähigkeit von 17,5
%
hinausgeht
.
Umstände, die einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfer
tigen würden, liegen nicht vor.
Gemäss
der am 2
1.
April 2020 vom Bundesamt für Statistik publizierten
LSE
2018
, Tabelle TA1_tirage_skill_level, betrug der standardisierte Zentralwert für Frauen im Kompetenzniveau 1
Fr.
4
’
371.-- monatlich, was hochgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit 2
020
von 41,
7
Wochenstunden und der Nominallohnentwicklung bis in
s Jahr 2020, Index Frauen, (2018
: 2
’
7
32
Punkte; 2020: 2
’
784 Punkte)
einen Wert von
Fr.
55'722
.--
ergibt
, der reduziert u
m 17,5
%
, das sind
Fr.
45'970.65
,
als Invalideneinkommen heranzuziehen ist.
Aus der Gegenüberstellung mit dem
Valideneinkommen
von
Fr.
78'420.-- ergibt sich
eine Einbusse von
Fr.
32'449.35
bzw
. ein Invaliditätsgrad von 41,38
%
, was mathematisch auf 41
%
(vgl. BGE 130 V 121)
ab
zurunden ist.
7
.
Nach diesen Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der Beschwerdeführerin in Aufhebung des
Einspracheentscheids
vom 1
0.
September 2020 mit Wirkung ab
1.
September 2020 eine Invalidenrente im Ausmass
einer Erwerbsunfähigkeit von 41
%
sowie eine Integritätsentschädigung im Ausmass einer Integritätseinbusse von 35
%
zuzusprechen. I
m darüber
hinausgehenden Umfang des Rechtsbegehrens ist die Beschwerde abzuweisen.
8
.
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nennen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34
GSVGer
sowie
§
7
GebV
SVGer
).
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung (zur sogenannten
Überklagung
vgl. BGE 117 V 401 E. 2c; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_449/2016 vom 2. November 2016 E. 3.1.1 und 8C_500/2020 vom 9. Dezember 2020 E. 4.4). Diese ist unter Schätzung des notwendigen Aufwandes ermessensweise auf
Fr.
3'000.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) und der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.