Decision ID: aac1087e-bbfa-5a00-885d-007fd9593752
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
betreffend
Schlechtwetterentschädigung
Sachverhalt:
A.
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Die K._ (nachstehend: Arbeitgeberin) reichte am 5. März 2009 eine Meldung über den
wetterbedingten Arbeitsausfall für Februar 2009 betreffend die Baustelle A._ ein. Zur
Begründung wies sie darauf hin, dass aufgrund von Minustemperaturen und des
gefrorenen Terrains nicht habe gearbeitet werden können (act. G 3.1/A11). Mit
Verfügung vom 17. März 2009 erhob das Amt für Arbeit gegen die Auszahlung von
Schlechtwetterentschädigung Einspruch mit der Begründung, es bestehe für den
Monat Februar 2009 kein Restanspruch für diese Baustelle. Die Arbeitgeberin habe für
zwei Mitarbeitende im Dezember 2008 und Januar 2009 je 21 Ausfalltage bzw.
insgesamt 84 Manntage entschädigt erhalten (act. G 3.1/A12). Die gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache vom 17. April 2009, mit welcher die Arbeitgeberin die
versehentliche Beilegung der Auftragsbestätigung 2000013 (A._) anstelle der
Auftragsbestätigung 200014 (B._) geltend machte (act. G 3.1/A17), wies das Amt für
Arbeit mit Einspracheentscheid vom 25. Mai 2009 ab (act. G 3.1/A20).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Arbeitgeberin mit Eingabe vom
29. Mai 2009 Beschwerde. Zur Begründung legte sie unter anderem dar, sie habe das
Gefühl, nicht verstanden worden zu sein. Der Fehler habe darin gelegen, dass der
zuständige Sachbearbeiter C._, welcher bei ihr den ganzen Büroapparat kostenlos
erledige, der Meldung vom 5. März 2009 die Auftragsbestätigung 200013 (A._) und
nicht die Auftragsbestätigung 200014 (B._) beigefügt habe. Im März 2009 habe sie
(die Beschwerdeführerin) einen Domizilwechsel vorgenommen. Nachdem dieser
vollzogen gewesen sei, habe man die Bearbeitung des Schreibens vom 17. März 2009
(ablehnende Verfügung) angehen können. Um ja keinen Fehler zu machen, habe sie
D._ (vom Amt für Arbeit) anrufen wollen. Leider habe sie ihn nicht erreichen können.
Eine Sachbearbeiterin des Beschwerdegegners habe sie dann (am 17. April 2009)
mündlich instruiert, wie vorzugehen sei (vgl. act. G 1 Beilage 3). Die Beantwortung des
Schreibens vom 17. März 2009 habe sie gemäss dieser Instruktion vorgenommen.
Dieses Schreiben (Einsprache; act. G 1 Beilage 4) habe sie am 17. April 2009
verschickt. In der Folge habe sie am 20. April 2009 ein Schreiben der Kantonalen
Arbeitslosenkasse erhalten (act. G 1 Beilage 5), welches sie beim besten Willen nicht
verstanden habe. Auch hierauf habe sie reagiert (act. G 1 Beilage 6). Mehr als einen
Monat später habe sie den Einspracheentscheid erhalten. Sie finde es lächerlich, dass
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man sie aufgrund einer fehlerhaften Kopie abstrafen wolle. Sie tue hier nichts anderes,
als zwei Mitarbeitern zu helfen, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Für sie sei es
jedesmal ein Riesenaufwand, der sich kaum rechnen lasse. Wenn der
Einspracheentscheid bestätigt werde, komme man nicht umhin, bei den betroffenen
Mitarbeitern eine Änderungskündigung durchzuführen, um einer neuen Lösung
(befristete Arbeitsverträge oder ähnliches) Platz zu machen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 23. Juni 2009 beantragte der Beschwerdegegner
Abweisung der Beschwerde betreffend die Baustelle A._. Auf eine Beschwerde
betreffend die Meldung für die Baustelle B._ sei nicht einzutreten. Zur Begründung
wurde unter anderem dargelegt, für die Arbeitsstelle B._ sei überhaupt keine
Meldung gemacht worden. Die Auftragsbestätigung sei ohne weitere Erklärung mit der
Einsprache gegen die Verfügung betreffend die Baustelle A._ eingereicht worden.
B.c Mit Replik vom 22. August 2009 bestätigte die Beschwerdeführerin ihren
Standpunkt. Der Beschwerdegegner verzichtete auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Nach Art. 42 Abs. 1 AVIG haben Arbeitnehmer in Erwerbszweigen, in denen
wetterbedingte Arbeitsausfälle üblich sind, Anspruch auf Schlechtwetterentschädigung,
wenn sie für die Versicherung beitragspflichtig sind oder das Mindestalter für die
Beitragspflicht in der AHV noch nicht erreicht haben (lit. a) und sie einen anrechenbaren
Arbeitsausfall erleiden (lit. b). Anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er
ausschliesslich durch das Wetter verursacht wird und die Fortführung der Arbeiten trotz
genügender Schutzvorkehrungen technisch unmöglich oder wirtschaftlich nicht
vertretbar ist oder den Arbeitnehmern nicht zugemutet werden kann, und wenn er vom
Arbeitgeber ordnungsgemäss gemeldet wird (Art. 43 Abs. 1 AVIG). Der Arbeitgeber
muss der kantonalen Amtsstelle den wetterbedingten Arbeitsausfall spätestens am
fünften Tag des folgenden Kalendermonats auf dem Formular des Seco melden. Die
gesetzliche Meldevorschrift gilt als formelle Anspruchsvoraussetzung mit der Folge,
dass bei ohne entschuldbarem Grund verspätet gemeldeten Arbeitsausfällen der
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Beginn des Anspruchs um die Dauer der Verspätung verschoben wird (Art. 69 Abs. 1
und 2 AVIV).
2.
2.1 Vorliegend ist die Entschädigung des wetterbedingten Arbeitsausfalls der
Beschwerdeführerin betreffend den Februar 2009 streitig. Die Beschwerdeführerin
meldete diesen Ausfall rechtzeitig am 5. März 2009, wobei sie sich im Meldeformular
ausdrücklich auf den Auftrag A._ bezog und auch die entsprechende
Auftragsbestätigung 200013 beilegte (act. G 3.1/A10, A11). Erst mit Einsprache vom
17. April 2009 gegen die Verfügung vom 17. März 2009 reichte sie die
Auftragsbestätigung 200014 (B._; act. G 3.1/A18) nach und hielt fest, sie habe für
diesen Auftrag für Februar 2009 einen schlechtwetterbedingten Ausfall melden wollen.
Die Auftragsbestätigung 200013 sei mit der Meldung vom 5. März 2009 irrtümlich
erneut eingereicht worden (act. G 3.1/A17). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die
Meldung eines wetterbedingten Ausfalls für die Baustelle B._ nicht bis zum 5. März
2009 und auch danach nicht erfolgte. Die Meldefrist (Art. 69 Abs. 1 AVIV) mit
entsprechender Verwirkungsfolge (Art. 69 Abs. 2 AVIV) kann daher nicht als gewahrt
gelten. Bei dieser Frist steht die Sicherung der Kontrollmöglichkeiten der kantonalen
Amtsstelle im Vordergrund, indem sich die konkreten Verhältnisse nach einer gewissen
Zeit nur noch erschwert bzw. nicht mehr abklären lassen. Im Übrigen wäre die
Rechtssicherheit und die rechtsgleiche Behandlung von Leistungsbezügern tangiert,
wenn der Zeitpunkt der "richtigen oder berichtigten" Meldung im Einzelfall individuell
festgelegt werden könnte.
2.2 Ein Versehen, wie es vorliegend von der Beschwerdeführerin geltend gemacht wird,
kann nicht als entschuldbarer Grund im Sinn von Art. 69 Abs. 2 AVIV angesehen
werden. Handlungen bzw. Unterlassungen von Mitarbeitern hat die
Beschwerdeführerin sich selbst bzw. den betrieblichen Verhältnissen zuzuschreiben.
Die Darlegungen in der Beschwerde und in der Replik (act. G 1 und 5) vermögen hieran
nichts zu ändern. Überdies wurde eine eigentliche Meldung für wetterbedingten
Arbeitsausfall betreffend die Baustelle B._ unbestrittenermassen auch am 17. April
2009 nicht nachgereicht. Der Beschwerdegegner prüfte denn auch diesen Ausfall nicht
näher. Selbst bei Annahme einer verspäteten Meldung, welche durch die am 17. April
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2009 eingereichte Auftragsbestätigung 200014 (Baustelle B._) erfolgt sei, würde bei
Verschiebung des Leistungsbeginns um die Dauer der Verspätung (rund 40 Tage) für
Februar 2009 keine Schlechtwetterentschädigung mehr ausgerichtet werden können.
Die Darlegungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich ihrer Rückfrage beim
Beschwerdegegner im April 2009 (gemäss eigenen Aktennotizen meldete sich die
Beschwerdeführerin erst am 17. April 2009 telefonisch beim Beschwerdegegner)
betreffend das weitere Vorgehen (act. G 1 und 5) vermögen nicht zu einem anderen
Ergebnis zu führen, zumal zu Recht keine fehlerhafte Auskunft von Seiten der
Verwaltung behauptet wird. Aber selbst wenn von einer solchen auszugehen wäre,
hätte sie im April 2009 nicht mehr ursächlich für die verspätete Einreichung der
Meldung für Februar 2009 sein können.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägung ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 25. Mai 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 09.04.2010 Art. 69 AVIV. Ein wetterbedingter Arbeitsausfall war von der Arbeitgeberin irrtümlich für die falsche Baustelle gemeldet worden. Prüfung der Frage der Fristwiederherstellung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. April 2010, AVI 2009/49).
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