Decision ID: 6f6a2387-d225-5bb2-b727-a23598e3165b
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 19. Dezember 2014 zum Leistungsbezug bei der
Militärversicherung an (MV-act. 12–12). Er gab an, er sei am 5. September 2014, in der
zweiten Woche eines Wiederholungskurses, während einer Übung am Morgen mit
Schmerzen im rechten Arm und in der rechten Schulter erwacht. Der Arm habe
permanent – bewegungs- und positionsunabhängig – geschmerzt. Am 9. September
2014 habe er den Truppenarzt konsultiert. Nach dem Wiederholungskurs sei er bei
seinem Hausarzt vorstellig geworden, da die Schmerzen weiter angehalten hätten. Am
6. Februar 2015 forderte die obligatorische Krankenpflegeversicherung die
Militärversicherung zur Bezahlung von Heilbehandlungskosten über total 6’116.15
Franken auf, wobei sie geltend machte, sie habe diese Kosten im Sinne einer
Vorleistung vergütet (MV-act. 12–1 ff.). Bereits am 13. Oktober 2014 hatte Dr. med.
B._ vom Spital C._ berichtet (MV-act. 15), es liege ein Verdacht auf eine Labrum-
Bizepssehnenläsion der rechten Schulter bei einem Status nach rezidivierenden
anterioren Schulterluxationen in den Jahren 2005 und 2008 vor. Zur Klärung der
Sachlage sei die Anfertigung von Röntgenbildern und eines Arthro-MRI geplant. Am 27.
Oktober 2014 hatte Dr. B._ berichtet (MV-act. 17), das MRI zeige eine Slap 2 Läsion,
die ins anteriore Labrum übergehe, eine Bankartläsion vom Typ Perthes und eventuell
eine minime PASTA-Läsion. Die Knorpelsituation sei unauffällig. Soweit beurteilbar sei
die Rotatorenmanschette nicht beteiligt. Die Schulter müsse arthroskopisch revidiert
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werden. Am 11. November 2014 war der Versicherte ambulant arthroskopisch operiert
worden. Im Operationsbericht vom 19. November 2014 (MV-act. 16) hatte Dr. B._ als
Diagnose eine anteriore Schulterinstabilität bei einer Bankartläsion (ALPSA) der rechten
Schulter bei rezidivierenden anterioren Schulterluxationen rechts in den Jahren 2005
und 2008 sowie – als „letztes Ereignis“ – eines vom am 8. September 2014 genannt.
Am 19. Dezember 2014 hatte Dr. B._ über einen regulären stabilen Verlauf in den
ersten sechs Wochen nach dem arthroskopischen Eingriff berichtet (MV-act. 19). Am
16. Januar 2015 hatte Dr. B._ bei einem weiterhin stabilen Verlauf ohne
Besonderheiten und bei einem noch abschliessenden physiotherapeutischen Aufbau
für die Zeit ab dem 19. Januar 2015 wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert
(MV-act. 20).
A.b Am 10. Februar 2015 nahm die Militärversicherung einen Auszug der sanitarischen
Akten des Militärs betreffend den Versicherten zu ihren Akten (MV-act. 21). Diesen liess
sich folgendes entnehmen: Der Versicherte hatte in einem ärztlichen Zeugnis zum
Antritt einer Tätigkeit als Zeitmilitär per 1. Juni 2009 angegeben, dass er im Jahr 2003
eine Verletzung an der rechten Schulter erlitten habe, die geheilt sei; die Schulter sei
„angeknackst“ gewesen; ein Truppenarzt hatte am 11. August 2008 notiert, der
Versicherte habe ab dem 31. Juli nach einer Übernachtung in einer Hängematte
Schmerzen in der rechten Schulter angegeben, die in den folgenden Tagen stetig
zugenommen hätten, der klinische Befund sei aber unauffällig gewesen; der
orthopädische Chirurg Dr. med. D._ hatte am 19. August 2008 berichtet, es bestehe
der Verdacht auf eine Nervenkompression des rechten Armplexus; der Verlauf sei
erfreulich, weshalb eine weitere Abklärung nicht notwendig sei. Ein
Aussendienstmitarbeiter der Militärversicherung berichtete am 26. Februar 2015 (MV-
act. 29), der Versicherte habe angegeben, dass er im Jahr 2003 beim
Snowboardfahren auf die rechte Schulter gestürzt sei. Ein Röntgenbild habe eine
Knochenabsplitterung gezeigt. Der Arm sei bandagiert worden. Nach einigen Wochen,
höchstens nach einem halben Jahr sei der Versicherte wieder beschwerdefrei
gewesen. Im Jahr 2005 habe er sich den rechten Arm auf einer Wasserrutsche heftig
angeschlagen. Dabei habe er möglicherweise eine Subluxation der rechten Schulter
erlitten: „Halb raus und sofort selber wieder rein“. Der Zustand sei „ziemlich schnell
wieder gut“ gewesen. Im Jahr 2008 habe er nach einer Übernachtung in einer
Hängematte Schmerzen und ein „komisches Gefühl“ im rechten Arm verspürt. Ein
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Neurologe habe ihm gesagt, dass die Nervenenden abgedrückt seien. In den Wochen
darauf habe sich der Zustand langsam, aber kontinuierlich verbessert. Er habe den
Militärdienst normal beendet. Im Wiederholungskurs, den er als Kompaniekommandant
vom 28. August 2014 bis zum 12. September 2014 absolviert habe, habe wohl die
grosse ständige Belastung (Kampfausrüstung komplett, Splitterschutzweste, Schlafen
auf dem Feld, häufiges An- und Ausziehen der schweren Ausrüstung) zu Schmerzen im
rechten Arm geführt. Der Truppenarzt habe ihm eine entzündungshemmende Salbe
abgegeben und ihm geraten, sich nachdienstlich beim Hausarzt zu melden, falls die
Schmerzen anhalten sollten. Am 2. März 2015 berichtete Dr. med. E._ (MV-act. 35),
der Versicherte sei im März 2003 auf die rechte Schulter gestürzt. Radiologisch habe
ein Verdacht auf einen Ausriss des Tuberculum majus bestanden. Die Beschwerden
seien symptomatisch behandelt worden. Im August 2005 sei es zu einer
Spontanluxation der rechten Schulter mit anschliessender spontaner Reposition
gekommen. Die Behandlung sei am 5. September 2005 abgeschlossen worden. Vom
Ereignis im Jahr 2008 habe er, Dr. E._, erst im Jahr 2014 Kenntnis erlangt. Am 31.
März 2015 teilte Dr. med. F._ der Militärversicherung mit (MV-act. 38), er habe den
Versicherten während des Wiederholungskurses kurz getroffen. Dieser habe über
Schulterbeschwerden geklagt, „wahrscheinlich im Rahmen des Tragens der
Schutzweste“, und „eine im Rahmen der WK-Möglichkeiten mögliche konservative
Therapie mit NSAR-Crème erhalten“. Der Kreisarzt Dr. med. G._ notierte am 21. April
2015 (MV-act. 46), die radiologisch nachgewiesene nicht dislozierte Fraktur des
Tuberculum majus belege, dass der Versicherte bei seinem Sturz im März 2003 eine
Schulterluxation erlitten habe. Die durch dieses erste Ereignis verursachte Schädigung
des ventralen Schultergelenks im Bereich des Labrum glenoidale und der damit
verbundenen strukturellen Destabilisierung habe eine erneute Schulterluxation im Jahr
2005 begünstigt. Die Beschwerden, die an der rechten Schulter und am rechten Arm
im Rahmen einer fraglichen Druckneuropathie im Jahr 2008 aufgetreten seien, hätten
nicht in einem kausalen Zusammenhang mit der traumatischen Vorschädigung
gestanden. Es sei davon auszugehen, dass die Folgen der Druckschädigung wieder
vollständig abgeheilt seien. Während des Wiederholungskurses im Jahr 2014 seien
keinerlei traumatisch auf die rechte Schulter einwirkenden Ereignisse dokumentiert. Es
sei lediglich im Rahmen einer vermehrten Belastung eine Beschwerdesymptomatik
aufgetreten. Diese Verschlimmerung des posttraumatischen Vorzustandes mit einer
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anterioren Schulterinstabilität rechts während des Militärdienstes sei wohl noch vor der
operativen Behandlung der rechten Schulter wieder behoben gewesen. Die
kernspintomographisch am 7. Oktober 2004 (recte: 2014) diagnostizierte
posttraumatische Schädigung des rechten Schultergelenks stehe nicht überwiegend
wahrscheinlich in einem kausalen Zusammenhang mit dem Wiederholungskurs,
sondern sei klar eine Spätfolge der vordienstlichen Luxationsereignisse des rechten
Schultergelenks, insbesondere der Erstluxation anlässlich des Snowboardsturzes im
Jahr 2003.
A.c Am 21. April 2015 teilte die Militärversicherung dem Versicherten mit (MV-act. 47),
dass sie keine Haftung für die Schulterbeschwerden rechts anerkenne. Zur
Begründung führte sie an, diese seien gemäss der kreisärztlichen Stellungnahme von
Dr. G._ nicht überwiegend wahrscheinlich während des Wiederholungskurses
verursacht worden, weshalb die Voraussetzungen für eine Haftung der
Militärversicherung bei einer nachdienstlichen Meldung (Art. 6 MVG) nicht erfüllt seien.
Falls der Versicherte damit nicht einverstanden sei, könne er die Eröffnung einer
rechtsmittelfähigen Verfügung verlangen. Dagegen wandte der Versicherte am 28. April
2015 ein (MV-act. 48), die Militärversicherung habe offenbar übersehen, dass er bereits
im Jahr 2008 während eines Militärdienstes an der Schulter habe behandelt werden
müssen. Er könne auch nichts dafür, dass Dr. F._ kein Protokoll seiner Behandlung
während des Wiederholungskurses erstellt habe. Seine Schulterbeschwerden könne
der Versicherte sich nur anhand des Umstands erklären, dass er während des
Wiederholungskurses sieben Tage lang auf einem harten Betonboden habe schlafen
müssen. Im Zivilleben verrichte er nämlich schon seit Jahren eine körperlich stark
belastende Tätigkeit, er sei aber trotzdem stets beschwerdefrei gewesen. Auch seine
bisherigen 500 Diensttage habe er trotz der hohen körperlichen Belastung ohne weitere
Probleme an der Schulter absolvieren können. Am 6. Mai 2015 liess der nun durch
einen Juristen vertretene Versicherte den Erlass einer anfechtbaren Verfügung
verlangen (MV-act. 59). Mit einer Verfügung vom 7. Mai 2015 lehnte die
Militärversicherung ihre Haftung für die Schulterbeschwerden ab (MV-act. 60).
B.
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B.a Am 28. Mai 2015 liess der Versicherte eine Einsprache gegen die Verfügung vom
7. Mai 2015 erheben (MV-act. 61). Sein Vertreter beantragte die Aufhebung der
Verfügung, die Anerkennung der Haftung der Militärversicherung für die während des
Dienstes gemeldeten Schulterbeschwerden sowie eventualiter die Anerkennung der
Haftung der Militärversicherung für die eingetretene Verschlimmerung. Zur Begründung
führte er an, der Versicherte sei beschwerdefrei in den Wiederholungskurs eingetreten.
Der letzte „Vorfall“ habe zum damaligen Zeitpunkt bereits über sechs Jahre
zurückgelegen. Die Meldung der Schulterbeschwerden sei noch während des Dienstes
und nicht erst nachdienstlich erfolgt. Die Haftung der Militärversicherung beurteile sich
folglich nicht anhand des Art. 6 MVG, sondern gemäss dem Art. 5 MVG.
B.b Am 5. August 2016 beantragte der zwischenzeitlich als Rechtsanwalt im
Anwaltsregister des Kantons St. Gallen eingetragene Rechtsvertreter des Versicherten
die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren
(MV-act. 67). Am 14. Februar 2017 reichte er eine Honorarnote über 3’080.50 Franken
ein (MV-act. 71).
B.c Mit einem Entscheid vom 14. Februar 2017 wies die Militärversicherung die
Einsprache ab (MV-act. 74). Sie bewilligte aber die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für die Zeit ab der Aufnahme des Rechtsvertreters ins
Anwaltsregister, das heisst ab dem 30. Juni 2016. Zur Begründung führte sie an, aus
den Akten gehe mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit hervor, dass der Versicherte seine Schulterbeschwerden tatsächlich
während des Dienstes gemeldet habe. Folglich bestimme sich die Haftung der
Militärversicherung nach den Regeln des Art. 5 MVG. Der Versicherte habe das An-
und Ausziehen sowie das Tragen einer Splitterschutzweste beziehungsweise der
Kampfausrüstung und das Schlafen auf dem Feld für die Schulterbeschwerden
verantwortlich gemacht. Dabei handle es sich aber um normale Belastungen des
Dienstes, denen sämtliche übrigen Dienstleistenden ebenfalls unterworfen gewesen
seien. Ein die Schulterbeschwerden auslösendes traumatisches Ereignis während des
Dienstes sei jedenfalls weder geltend gemacht worden noch ausgewiesen. Gleichzeitig
stehe medizinisch fest, dass die rechte Schulter bereits vor dem Dienst infolge zweier
Luxationen massiv geschädigt gewesen sei. Dementsprechend habe das Arthro-MRI
vom 7. Oktober 2014 eine kleine, flache, ausdrücklich als alt deklarierte Hill-Sachs-
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Delle, eine minimale labrale Bankart-Läsion loco classico, Reizungen beziehungsweise
Kontusionen des Rotatorenintervalls sowie eine AC-Gelenksarthrose mit einem Erguss
im AC-Gelenk gezeigt. Eine Hill-Sachs-Delle sei ein typisches Symptom einer
ausgerenkten Schulter; eine Bankart-Läsion sei ebenfalls eine typische Folge bei einer
vorderen Schultergelenksluxation. Nach der medizinischen Erfahrung seien die
entsprechenden Beschwerden folglich auf die vordienstlichen Schulterluxationen
zurückzuführen, wie Dr. G._ überzeugend aufgezeigt habe. Die Indikation für die
arthroskopische Operation habe die anteriore Schulterinstabilität bei einer Bankart-
Läsion gebildet, weshalb die Operation der Behebung der vordienstlich verursachten
traumatischen Schulterschädigungen gedient habe. Dabei habe die ungünstige
Beeinflussung der vordienstlichen Gesundheitsschädigung keine Rolle mehr gespielt.
C.
C.a Am 20. März 2017 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 14. Februar 2017 erheben (act. G 1).
Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides und die Anerkennung der Haftung der Militärversicherung für
die während des Dienstes gemeldeten Schulterbeschwerden sowie eventualiter die
Anerkennung der Haftung der Militärversicherung für die eingetretene
Verschlimmerung. Zur Begründung führte er an, die Militärversicherung (nachfolgend:
die Beschwerdegegnerin) habe im angefochtenen Einspracheentscheid anerkannt,
dass sich die Haftung nach dem Art. 5 MVG richte. Für eine Haftungsbefreiung müsse
folglich der volle Beweis erbracht werden, dass die Gesundheitsschädigung nicht
während des Dienstes eingetreten sei und dass sie sich auch nicht während des
Dienstes verschlimmert habe. Die fehlende Dokumentation des Truppenarztes dürfe
dem Beschwerdeführer nicht zum Nachteil gereichen. Aus der nachträglichen
Stellungnahme des Truppenarztes gehe immerhin hervor, dass der Körper des
Beschwerdeführers während des Dienstes überbeansprucht worden sei. Mit anderen
Worten habe ein gesteigertes Schädigungspotential vorgelegen. Der Kreisarzt Dr. G._
habe sich zur entscheidenden Frage, weshalb der Beschwerdeführer bis zum Dienst
über Jahre hinweg beschwerdefrei gewesen sei und erst im Wiederholungskurs wieder
Schmerzen verspürt habe, nicht geäussert. Die Schlussfolgerung des Kreisarztes, die
Verschlimmerung des posttraumatischen Vorzustandes sei noch vor der operativen
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Behandlung wieder behoben gewesen, könne nicht nachvollzogen werden. Die
Beschwerdegegnerin treffe mindestens eine sogenannte Verschlimmerungshaftung.
C.b Am 28. März 2017 bewilligte der verfahrensleitende Richter die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung (act. G 3).
C.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 4. Mai 2017 die Abweisung der
Beschwerde, soweit überhaupt darauf eingetreten werden könne (act. G 4). Zur
Begründung führte sie aus, den Gegenstand des mit dem angefochtenen Entscheid
abgeschlossenen Einspracheverfahrens habe die Ablehnung der Leistungspflicht für
die rechtsseitigen Schulterbeschwerden gebildet. Konkrete Leistungsbegehren hätten
nicht zum Gegenstand des Einspracheverfahrens gehört, weshalb auf die
entsprechenden Ausführungen in der Beschwerde nicht eingetreten werden könne. In
materieller Hinsicht sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerden während des
Dienstes nicht so stark gewesen sein könnten, wie der Beschwerdeführer heute
glauben machen wolle. Sonst hätte der Truppenarzt nicht lediglich eine Salbe
abgegeben. Der Beschwerdeführer habe den Dienst dann ja auch ganz normal zu Ende
führen können. Während des Dienstes sei kein traumatisches Ereignis eingetreten. Zur
Diskussion stünden folglich nur belastungsabhängige Schulterschmerzen. „Allseits
anerkannt und unbestritten“ sei zudem, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2003
und 2005 zwei Luxationen an der rechten Schulter erlitten habe. Die bildgebend im
Oktober 2014 nachgewiesenen intraartikulären Verletzungen könnten nicht auf ein
während des Dienstes eingetretenes Ereignis zurückgeführt werden, sondern stünden
im Zusammenhang mit den früheren Schulterluxationen. Dasselbe gelte auch für die im
November 2014 intraoperativ erhobenen Befunde. Nach der medizinischen Erfahrung
seien die Hill-Sachs-Läsion, die labrale Bankart-Läsion und die AC-Gelenksarthrose
sicher Folgen der beiden vordienstlichen Schulterluxationen. Die Indikation für die
arthroskopische Stabilisationsoperation am 11. November 2014 habe ausschliesslich
die anteriore Schulterinstabilität bei einer Bankart-Läsion gebildet.
C.d Der Beschwerdeführer liess am 10. Juli 2017 an seinen Anträgen festhalten (act. G
10). Gleichentags reichte sein Rechtsvertreter eine Honorarnote ein (act. G 11). Die
Beschwerdegegnerin hielt am 14. September 2017 ebenfalls an ihrem Antrag fest (act.
G 13).
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat geltend gemacht, dass konkrete Leistungsbegehren nicht
zum Gegenstand des mit dem angefochtenen Einspracheentscheid abgeschlossenen
Verfahrens gehört hätten, weshalb auf die entsprechenden Beschwerdeanträge nicht
eingetreten werden dürfe. Diese Ansicht ist unzutreffend, denn der Gegenstand des mit
der Verfügung vom 7. Mai 2015 abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens und damit
auch des mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 14. Februar 2017
abgeschlossenen Einspracheverfahrens ist durch das Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers definiert gewesen, das augenscheinlich und zu Recht nicht bloss
auf eine Feststellung betreffend die Haftungsfrage, sondern vielmehr auf konkrete
Leistungen der Beschwerdegegnerin abgezielt hat. Folglich hat das
Verwaltungsverfahren (respektive das Einspracheverfahren) mit einer
rechtsgestaltenden Verfügung enden müssen; mit einer blossen
Feststellungsverfügung im Sinne des Art. 49 Abs. 2 ATSG hätte die
Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren nicht definitiv erledigen können. Im
angefochtenen Einspracheentscheid hat sich die Beschwerdegegnerin zwar nur zur
Haftungsfrage geäussert, was an sich typisch für eine sich nur auf ein einzelnes
Tatbestandselement konzentrierende Feststellung ist, aber sie hat keine blosse
Feststellungsverfügung erlassen wollen. Sie ist nämlich überzeugt gewesen, dass sie
keine Haftung treffe, weshalb sie das Leistungsbegehren bereits aus diesem Grund
rechtsgestaltend abweisen könne. Die (rechtsgestaltende) Abweisung eines
Leistungsbegehrens ist bereits möglich, wenn nur schon eines der kumulativ zu
erfüllenden Tatbestandselemente nicht erfüllt ist. Sie setzt deshalb (anders als eine
Gutheissung) keine umfassende Prüfung sämtlicher Anspruchsvoraussetzungen
voraus. Dass sich die Beschwerdegegnerin auf die Haftungsfrage beschränken konnte,
liegt im Ergebnis – der Verneinung einer Haftung – begründet. Die Prüfung der weiteren
Tatbestandselemente ist aus verwaltungsökonomischen Gründen unterblieben.
Dadurch ist der Entscheid jedoch nicht zu einem Feststellungsentscheid im juristischen
Sinn geworden. Die konkreten Leistungsbegehren des Beschwerdeführers, auf die
dessen Anmeldung zum Leistungsbezug abgezielt hat, haben also sowohl zum
Verwaltungs- als auch zum Einspracheverfahren gehört, weshalb sie auch zum
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Beschwerdeverfahren gehören müssen. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin sind sämtliche Beschwerdeanträge vom Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens erfasst, weshalb vollumfänglich auf die Beschwerde einzutreten
ist (vgl. zum Ganzen auch den Entscheid MV 2017/1 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 25. Mai 2018, E. 1).
2.
2.1 Die Haftungsfrage ist gestützt auf den Art. 5 MVG zu beantworten, da der
Beschwerdeführer seine Schulterbeschwerden noch während des Dienstes gemeldet
hat, was die Beschwerdegegnerin nicht mehr bestreitet. Gemäss dem Art. 5 Abs. 1
MVG gilt dabei der Grundsatz, dass die Militärversicherung für jede
Gesundheitsschädigung, die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet
oder sonstwie festgestellt wird, haftet. Der Art. 5 Abs. 2 MVG nennt allerdings
Voraussetzungen, unter denen dieser Grundsatz nicht zur Anwendung gelangt
respektive unter denen sich die Militärversicherung aus ihrer grundsätzlichen Haftung
für jede während eines Dienstes in Erscheinung getretene und gemeldete
Gesundheitsschädigung befreien kann. Demnach haftet die Militärversicherung
(ausnahmsweise) nicht, wenn die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich
entstanden ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte und
wenn sich die Gesundheitsschädigung sicher während des Dienstes weder
verschlimmert hat noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist. Mit anderen Worten
haftet die Militärversicherung für eine während des Dienstes in Erscheinung getretene
und gemeldete Gesundheitsschädigung nur dann nicht, wenn mit an Sicherheit
grenzender – und nicht nur mit überwiegender – Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der
Dienst in keiner Weise für die Gesundheitsbeeinträchtigung mitverantwortlich ist.
2.2 Gemäss der insofern überzeugenden Zusammenfassung und Würdigung der
medizinischen Akten durch den Kreisarzt Dr. G._ vom 21. April 2015 hatte der
Beschwerdeführer im März 2003 eine Schulterluxation erlitten, wobei das ventrale
Schultergelenk im Bereich des Labrum glenoidale beschädigt und strukturell
destabilisiert worden war, was in der Folge eine erneute Schulterluxation begünstigt
hat, zu der es dann im Jahr 2005 auch tatsächlich gekommen ist. Während des
Dienstes im Jahr 2014 ist der Beschwerdeführer zwar verhältnismässig schweren
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körperlichen Belastungen ausgesetzt gewesen: Offenbar hat er oft schwere Lasten
tragen und mehrere Male auf einem harten Untergrund übernachten müssen. Ein
traumatisches Ereignis, bei dem die (vorgeschädigte) rechte Schulter tangiert worden
wäre, ist aber weder in den Akten dokumentiert noch vom Beschwerdeführer
behauptet worden. Der Beschwerdeführer hat den Dienst nach der Verabreichung
eines nicht steroidalen Antirheumatikums durch den Truppenarzt ohne
Einschränkungen zu Ende führen können. Nach dem Dienst ist im Oktober 2014
kernspintomographisch eine posttraumatische Schädigung des rechten
Schultergelenks festgestellt worden, nämlich eine „kleine, alte flache Hill-Sachs-Delle
und minimale labrale Bankart-Läsion loco classico nach rezidivierenden
Schulterluxationen“ (MV-act. 26). Zwar hat das MRI auch Reizungen und Kontusionen
des Rotatorenintervalls und einen kleinvolumigen Erguss im AC-Gelenk sowie eine
leicht aktivierte beziehungsweise traumatisierte AC-Arthrose gezeigt, was aus der Sicht
eines medizinischen Laien nicht eindeutig als eine Folge der vordienstlichen
Schulterluxationen zu qualifizieren ist, sondern auch die Folge einer übermässigen
Belastung während des Dienstes sein könnte. Aber die im November 2014
durchgeführte arthroskopische Operation hat nicht der Behebung dieser
Nebenbefunde, sondern vielmehr der Stabilisierung des Schultergelenks gedient, das
als Folge der Bankartläsion instabil geworden war (vgl. MV-act. 16). In einem weiteren
MRI im Dezember 2014 ist der klinische Befund rund sechs Wochen nach der
Operation als unauffällig beurteilt worden (MV-act. 27). Selbst wenn also im MRI vom
Oktober 2014 tatsächlich auch eine dienstliche Schädigung festgestellt worden wäre,
wäre diese im Dezember 2014 bereits wieder folgenlos abgeheilt gewesen, ohne dass
sie operativ behandelt worden wäre. Auch wenn eine gewisse Unsicherheit darüber
besteht, ob allfällige zusätzliche, mit dem Dienst im September 2014 in einem
Zusammenhang stehende Beschwerden tatsächlich bereits vor der Operation im
November 2014 wieder abgeheilt gewesen sind, wie der Kreisarzt Dr. G._ geltend
gemacht hat, so steht doch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass
die während des Dienstes aufgetretene Beschwerdesymptomatik, soweit sie nicht eine
Folge der vordienstlichen Schädigungen des Schultergelenks gewesen ist, jedenfalls im
Dezember 2014 wieder behoben gewesen ist. Vor diesem Hintergrund steht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit fest, dass
sich die Behandlung nach dem Dienst im Jahr 2014 ausschliesslich auf die
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vordienstliche Schädigung bezogen hat, dass diese vordienstliche Schädigung
während des Dienstes nicht wesentlich verschlimmert worden ist und dass eine
mögliche, aber unwahrscheinliche, während des Dienstes aufgetretene minime
Verschlimmerung des Vorzustandes allerspätestens im Dezember 2014 wieder
komplett verheilt gewesen ist, ohne dass sie hätte behandelt werden müssen. Damit
sind die Voraussetzungen des Art. 5 Abs. 2 MVG erfüllt, weshalb sich der angefochtene
Einspracheentscheid im Ergebnis als rechtmässig erweist.
3.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. a ATSG). Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung hat der Staat aber 80 Prozent des Aufwandes seines
Rechtsvertreters zu entschädigen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Das vom Rechtsvertreter
geltend gemachte Honorar von 3’050 Franken (bereits um einen Fünftel herabgesetzt;
act. G 11) ist als übersetzt zu qualifizieren, denn der Vertretungsaufwand ist vorliegend
angesichts des geringen Aktenumfangs und der umfassenden Fallkenntnis des
Rechtsvertreters aus dem Einspracheverfahren als insgesamt leicht
unterdurchschnittlich zu qualifizieren. Die Entschädigung wird deshalb auf 80 Prozent
von 3’000 Franken, das heisst auf 2’400 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festgesetzt. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst
gestatten, wird der Beschwerdeführer zur Rückerstattung dieser Entschädigung
verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).