Decision ID: 6f7c66fc-efba-47bd-9920-2f90d6814707
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 14. Mai 2007 wegen Rücken- und Schulterproblemen
erstmals bei der schweizerischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an
(IV-act. 1). Mit Verfügung vom 22. Juni 2010 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab
(IV-act. 89). Dagegen erhob der Versicherte Beschwerde (IV-act. 105), welche das
Versicherungsgericht am 16. April 2012 abwies (IV 2010/310, IV-act. 116). Das
Bundesgericht trat auf eine dagegen gerichtete Beschwerde nicht ein (Urteil vom 1.
Oktober 2012, 8C_444/2012, IV-act. 122).
A.b Am 16. Juli 2013 meldete sich der Versicherte wegen starker Depression nebst
vorbestehenden Rücken- und Schulterbeschwerden, Bein- und Hüftschmerzen erneut
bei der IV zum Leistungsbezug an (IV-act. 126).
A.c Gestützt auf eine konsiliarische Beurteilung von Dr.med. B._, FMH Psychiatrie
und Psychotherapie, vom 20. April 2013 (IV-act. 128) nahm RAD-Arzt Dr.med. C._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 30. August 2013 Stellung,
Eingliederungspotential sei vorhanden. Aus somatischer Sicht bestünden keine neuen
Einschränkungen, aus psychiatrischer Sicht eine solche von etwa 30 %. Die
psychiatrische und somatische Einschränkung könnten nicht addiert werden, demnach
könne von einer maximal 30 %igen Einschränkung ausgegangen werden (Fallübersicht
RAD per 24. Oktober 2013, IV-act. 147).
A.d Die Eingliederungsberatung vereinbarte mit dem Versicherten die Teilnahme an
einem von der Sozialhilfe finanzierten Arbeitsrehabilitationsprogramm bei D._ vom
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21. Oktober 2013 bis 20. Juli 2014 (Eingliederungspläne vom 17./24. Oktober 2013, IV-
act. 148, und vom 20. Januar/12. März 2014, IV-act. 158). Die
Eingliederungsverantwortliche schloss den Fall am 20. Mai 2014 ab, da der Versicherte
das Arbeitspensum von 50% nicht habe steigern können und die Rentenprüfung
wünsche, weil sich die gesundheitliche Situation (körperlich und psychisch) sukzessive
verschlechtert habe (IV-act. 159-3). Der Projektleiter von D._ hielt im Arbeitsbericht
vom 20. Mai 2014 fest, der Versicherte könne nur schwer lesen und verstehe das
Gelesene nicht. Grundsätzlich nähmen sie ihn als korrekte und ruhige Person wahr, die
die ihr übertragenen Arbeiten qualitativ einwandfrei erledige. Seine Arbeitsleistung sei
bescheiden. Im ersten Arbeitsmarkt sei er nicht mehr vermittelbar (IV-act. 160-1).
Bereits im Beschäftigungsbericht vom 10. Februar 2014 hatte der Projektleiter auf die
sehr vielen Absenzen (Krankheit, Behördengänge und unentschuldigte) sowie die
fehlende Eigenmotivation hingewiesen (IV-act. 160-4 f.). Die IV-Stelle wies einen
(weiteren) Anspruch auf berufliche Massnahmen mit Mitteilung vom 23. Mai 2014 ab
(IV-act. 162).
A.e Dr.med. E._, Allgemein- und Tropenmedizin FMH, hielt im Arztbericht vom 2.
Dezember 2014 fest, aus rein somatischer Sicht erachte er den Versicherten für leichte,
sitzende und zum Teil wechselbelastende Tätigkeiten ohne Heben von schweren
Lasten für 30 % bis 50 % arbeitsfähig. Erschwerend hinzu komme die psychiatrische
Problematik (IV-act. 170). Dr.med. F._, Spezialärztin für Psychiatrie/Psychotherapie,
diagnostizierte gemäss Arztbericht vom 27. April 2015 eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) sowie eine somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4), Zustand nach Arbeitsunfall 2007 mit bleibenden
Schultern- und Rückenschmerzen. Der Versicherte habe in der Therapie seine
schweren Lebensschicksale bezüglich der Invalidität seines ersten Sohnes und der
Drogenabhängigkeit seines jüngeren Sohnes nicht verarbeiten können. Er sei der
Meinung, dass sein Leben sinnlos sei, und habe keine Energie mehr, weiter zu
kämpfen. Auffassung, Aufmerksamkeit und Konzentration seien deutlich herabgesetzt.
Im formalen Denken sei er verlangsamt und auf seine psychosozialen Probleme und
Schmerzen eingeengt, grübelnd und misstrauisch. Es sei nicht zu erwarten, dass durch
die aktuelle Behandlung - regelmässige, ein- bis zweimonatlich stattfindende
stützende, ressourcenorientierte psychiatrische Gespräche und Psychopharmaka -
eine erhebliche Besserung der Antriebs- und Stimmungslage erreicht werde. Auch eine
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behinderungsangepasste Tätigkeit sei seit Oktober 2014 nicht mehr möglich (IV-act.
176). RAD-Arzt Dr. C._ nahm am 12. Mai 2015 Stellung, der Bericht von Dr. F._
enthalte keine wesentlichen neuen medizinischen Fakten. Aus Sicht des RAD blieben
die im Rahmen des beruflichen Abklärungsverfahrens im Vordergrund stehenden, von
der depressiven Symptomatik abzugrenzenden Verhaltensweisen weiterhin ohne
medizinisches Korrelat, weshalb an der letzten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
festgehalten werde (IV-act. 177). In der Stellungnahme vom 23. Februar 2015 hatte der
RAD-Arzt eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Präsenz für zumutbar erachtet
(IV-act. 171-3).
A.f Nachdem die IV-Stelle daraufhin zunächst von einem schon vor der Einreise in die
Schweiz bestandenen psychischen Gesundheitsschaden ausging und deshalb das
Rentenbegehren abweisen wollte (vgl. IV-act. 179), erachtete sie schliesslich die
Einholung eines polydisziplinären Gutachtens als erforderlich (vgl. IV-act. 185-2).
Dieses wurde durch die Neurologie G._ AG erstattet (Gutachten vom 12. Juli 2017,
IV-act. 209; Untersuchungen 9. und 23. Mai 2017; Dr.med. H._, Allgemeine Innere
Medizin; PD Dr.med. I._, Orthopädie; Prof.Dr.med. J._, Psychiatrie). Die Gutachter
kamen aus polydisziplinärer Sicht zum Schluss, als führender, die Leistungsfähigkeit
einschränkender Gesundheitsschaden seien ein chronisches lumbospondylogenes
Schmerz-syndrom, eine Degeneration der Halswirbelsäule sowie eine beginnende
rechtsseitige Omarthrose bei chronischer Rotatorenmanschettenschädigung
auszuweisen. Auf psychiatrischem und allgemeinmedizinisch-internistischem Gebiet
bestehe kein versicherungsmedizinisch relevanter Gesundheitsschaden. Die Intensität
der geschilderten Schmerzen erscheine angesichts der objektiven orthopädischen
Befunde und vor dem Hintergrund der berichteten Alltagsaktivitäten des Versicherten
nicht vollständig nachvollziehbar. Weiterhin sprächen die gemessenen
Wirkstoffkonzentrationen gegen die regelmässige Einnahme der verordneten
Medikamente Surmontil und Venlafaxin. Eine Wiedereingliederung erscheine
grundsätzlich möglich, sei jedoch sicherlich durch invaliditätsfremde Faktoren, in erster
Linie die mangelnde Sprachkenntnis und eine fehlende berufliche Ausbildung,
erschwert (IV-act. 209-51). Es bestehe seit 2010 und derzeit fortdauernd aufgrund der
aufsummierten Degenerationen auf orthopädischem Fachgebiet eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % für die angestammte Tätigkeit als Gipser. In wechselbelastenden, körperlich
sehr leichten bis mittelschweren Tätigkeiten, die überwiegend im Sitzen ausgeübt
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würden und gelegentliches Heben und Tragen von Lasten bis Lendenhöhe bis 15 kg
beinhalten könnten, sei der Versicherte seit jeher und derzeit voll arbeitsfähig (IV-act.
209-52).
A.g Mit Vorbescheid vom 21. Juli 2017 bekundete die IV-Stelle dem Versicherten die
beabsichtigte Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 213). Dieser machte mit
Einwand vom 13. September 2017 geltend, aus altersbedingten Gründen sei eine
Umschulung in einen Büro-Job undenkbar. Es fehlten ihm auch die notwendigen
Informatikkenntnisse. Alle Versuche, wieder eine Vollzeitbeschäftigung aufzunehmen,
und Eingliederungsmassnahmen seien wegen mangelnder Berufskenntnisse
gescheitert. Die täglich starken Schmerzen seien sowohl psychisch als auch physisch
eine grosse Belastung. Eine berufliche Tätigkeit komme unter den gegebenen
Umständen kaum in Frage (IV-act. 215).
A.h Mit Verfügung vom 27. September 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
hinsichtlich Rente ab. Gemäss Gutachten (vom 12. Juli 2017) bestehe in
leidensangepassten, körperlich leichten bis mittelschweren Erwerbsmöglichkeiten eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte müsse keine behinderungsbedingte
Erwerbseinbusse in Kauf nehmen. Im IV-Recht müssten IV-fremde Gründe wie
vorgerücktes Alter, mangelnde Sprach- und Berufskenntnisse bei der Rentenprüfung
ausgeklammert werden. Die IV stelle bei der Beurteilung der zumutbaren Tätigkeiten
auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt ab. Unter diesen Voraussetzungen bestünden
verschiedene geeignete Erwerbstätigkeiten, welche trotz der vorhandenen
Beschwerden noch uneingeschränkt ausgeübt werden könnten (IV-act. 216).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 27. September 2017 lässt der Versicherte, vertreten
durch Rechtsanwalt St. Jau, M.A. HSG in Law, am 30. Oktober 2017 Beschwerde
erheben. Er beantragt, es sei ihm unter Kosten- und Entschädigungsfolge eine ganze
Rente der IV zuzusprechen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es sei ihm die
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die
Beschwerdegegnerin habe seine Vorbringen zu Unrecht nicht geprüft. In der
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Rechtsprechung sei anerkannt, dass das vorgerückte Alter zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen könne, dass die
(Rest)erwerbsfähigkeit der versicherten Person auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise nicht mehr nachgefragt werde. Fehle es an einer wirtschaftlich
verwertbaren Restarbeitsfähigkeit, liege eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründe. Massgeblicher Zeitpunkt für die
Überprüfung der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit sei das Datum des
polydisziplinären Gutachtens, also der 12. Juli 2017. In diesem Zeitpunkt sei er bereits
60 1/2 Jahre alt gewesen. Er habe nie eine ordentliche Berufslehre abgeschlossen,
selbst als Gipser sei er lediglich angelernt worden. Über Computerkenntnisse verfüge
er nicht und könne sich nicht in deutscher Sprache verständigen. Aufgrund des
Fähigkeitsprofils könne er im Baubereich keine Tätigkeiten mehr ausführen. Abgesehen
von einem Bürojob sei keine Arbeitsmöglichkeit mehr gegeben (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 29. Dezember 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Anforderungen der
Rechtsprechung für die Annahme einer Unverwertbarkeit der verbleibenden
Restarbeitsfähigkeit seien sehr streng. Die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers lasse sich aus insgesamt drei wesentlichen Gründen bejahen:
Zunächst sei der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig. Er könne körperlich sehr leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne zeitliche
Einschränkung verrichten. Gewichtsbelastungen beim Tragen oder Heben bis
Lendenhöhe seien für eine Traglast bis 10 kg - 15 kg möglich, Arbeiten mit frei
wählbarer Körperhaltung, in Rumpfbeugung und nicht achsgerechter Bewegung der
Wirbelsäule seien möglich. Es seien ihm daher Arbeitstätigkeiten als Hilfsarbeiter,
Hausmeister etc. zuzumuten. Die geltend gemachten mangelnden Sprach- und IT-
Kenntnisse fielen hier gemäss Gerichtspraxis nicht in Betracht. Zweitens habe auch
miteinbezogen zu werden, dass dem Beschwerdeführer eine gewisse mangelnde
Motivation zur Arbeitssuche vorgehalten werden könne. Drittens sei der allgemeine
Grundsatz der Schadensminderung vorliegend anwendbar, weil der erhobene
Medikamentenspiegel dafür spreche, dass der Beschwerdeführer seine verschriebenen
Psychopharmaka nicht einnehme (act. G 5).
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B.c Die Abteilungspräsidentin entspricht am 9. Januar 2018 dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
unentgeltliche Rechtsverbeiständung; IV-act. G 6).
B.d Der Beschwerdeführer verzichtet stillschweigend auf eine Replik (act. G 8).

Erwägungen
1.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3 Referenzpunkt für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit ist der hypothetisch
ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es
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sich dabei um einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den
Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der
Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits ein
bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach
Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen
Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob
die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten,
und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE
110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Für die Invaliditätsbemessung ist nicht
massgeblich, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen
vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach
Arbeitskräften bestünde (ausgeglichener Arbeitsmarkt, Art. 16 ATSG).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
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1.5 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b;
BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung bildet das Gutachten der
Neurologie G._ AG vom 12. Juli 2017 (IV-act. 209). Dessen Beweistauglichkeit ist
unbestritten.
2.2 Der orthopädische Gutachter umschrieb folgendes Zumutbarkeitsprofil: Körperlich
schwere und überwiegend schwere Tätigkeiten seien nicht, sehr leichte bis
mittelschwere Arbeiten seien ohne zeitliche Einschränkung zumutbar. Arbeiten mit frei
wählbarer Körperhaltung und -stellung sowie mit leichter Wechselbelastung mit Stehen
und Gehen bis 20 % der Arbeitszeit seien möglich. Die Gehstrecke sei auf eine Stunde
reduziert, eine ergonomisch orientierte sitzende (wenigstens 80 %) Tätigkeit sei
anzustreben. Arbeiten in Rumpfbeugung und nicht achsgerechter Bewegung der
Wirbelsäule sowie zeitweise (bis 10 % der Arbeitszeit) mit Besteigen von Hockern,
Treppen und Trittstufen, Arbeiten mit gelegentlichem Treppensteigen und zeitweise
Arbeiten auf Gerüsten, Leitern, Dächern, Bühnen und Stegen seien möglich. Arbeiten
unter Einwirkung von Hitze, Kälte und Temperaturschwankungen in Gebäuden sowie
unter Einwirkung von Staub, Gas, Dampf oder Rauch seien zumindest zeitweise
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möglich. Kraftanstrengende Armarbeiten rechts sowie gelegentliches oder häufiges
Bücken oder Knien und Arbeiten im Hocken sowie das Bücken zum Aufheben von
Lasten am langen Arm rechts seien nicht zumutbar (IV-act. 209-27, 31 f.). Die
Symptome würden grundsätzlich glaubhaft dargestellt, jedoch erscheine die
geschilderte Intensität der Schmerzen nicht glaubhaft (IV-act. 209-27 f.). In der
Tätigkeit als Gipser bestehe aufgrund der aufsummierten Degenerationen auf
orthopädischem Teilgebiet seit ca. 2010 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit. In
leidensangepasster Tätigkeit ergebe sich seit jeher eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 209-30, 32).
2.3 Der psychiatrische Experte stellte die Diagnosen einer Dysthymie (ICD-10: F34.1)
sowie einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10: F45.41; IV-act. 209-45). Er führte aus, der Beschwerdeführer präsentiere sich
mit einer subdepressiv morosen Stimmungslage bei im Wesentlichen nicht
eingeschränkter sozialer Partizipation mit erhaltener Tagesstruktur, Alltagsaktivitäten,
Reisetätigkeit und Interesse an politischen Ereignissen in der Heimat. Sein Denken sei
eingeengt auf die körperlichen Funktionen. Psychosoziale Belastungsfaktoren (Tod der
Mutter, Tod des ältesten Sohnes, Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau, Sorge um
drogenabhängigen Sohn) würden somatisch verarbeitet und führten zu einer
phasenweisen Verstärkung und dauerhaften Aufrechterhaltung der
Schmerzsymptomatik. Die einfache Persönlichkeitsstruktur des Versicherten lasse kein
tiefgreifendes Verständnis für psychophysische Zusammenhänge erkennen. Es liege
eine chronische depressive Störung im Sinne einer Dysthymie vor (IV-act. 209-46). Die
geschilderten Symptome, der psychopathologische Befund und die Vorgeschichte
seien stimmig für das Bild einer dysthymen Störung. Eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom bestehe zum Zeitpunkt der Untersuchung deshalb
nicht, weil die erforderlichen Kernsymptome einer depressiven Störung nicht erfüllt
seien. Der Versicherte zeige nicht bei allen Tätigkeiten eine ausgeprägte Müdigkeit, der
Schlaf werde trotz nicht ausreichender Konzentration eines Schlaf anstossenden
Antidepressivums nicht als wesentlich gestört angegeben (IV-act. 209-49). Die
chronischen Schmerzen seien nicht typisch für eine Dysthymie, deshalb sei (zusätzlich)
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.411) zu diagnostizieren (IV-act. 209-46 f.). Die von Dr. F._ ebenfalls
diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) müsse dahingehend
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ergänzt werden, dass körperliche Störungen des Bewegungsapparates zu
berücksichtigen seien (IV-act. 209-49). Auf psychiatrischem Gebiet bestünden keine
Funktionseinschränkungen (IV-act. 209-47). Die gemessenen Medikamentenspiegel
sprächen gegen eine regelmässige Einnahme von Surmontil und Venlafaxin (beides
Antidepressiva, vgl. www.compendium.ch; IV-act. 209-47). Die familiäre Unterstützung
für den Versicherten müsse als gering eingeschätzt werden. Die erneute
Verschlechterung habe sich nach der Heirat der Tochter eingestellt, die nicht mehr zum
Unterhalt der Familie habe beitragen können. Die Ehefrau sei ebenfalls erkrankt. Von
seinem Sohn und seinen in K._ lebenden Schwestern sei keine Unterstützung zu
erwarten. Eine mögliche Veränderungsmotivation werde behindert durch die
vorliegende dysthyme Störung (IV-act. 209-48). Mindestens seit dem Zeitpunkt der
erneuten IV-Anmeldung im Jahr 2013 sei aus psychiatrischer Sicht keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festzustellen (IV-act. 209-50). Dass die
behandelnde Psychiaterin dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsunfähigkeit
attestiert, ist dadurch erklärbar, dass sie den von ihr gestellten Diagnosen im
Gegensatz zum Gutachter Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuerkennt
(Arztberichte vom 27. April 2015, IV-act. 176-1, und vom 13. Juni 2016, IV-act. 191-2)
und dabei wohl auch die enormen, aber invalidenversicherungsrechtlich nicht zu
berücksichtigenden psychosozialen Belastungen mit einbezieht. Demgegenüber trifft
der Gutachter seine Einschätzung aufgrund einer Abwägung von Beeinträchtigungen,
Ressourcen und Konsistenz, wie es dem für die diagnostizierten Leiden anwendbaren
strukturierten Beweisverfahren mittels Indikatoren entspricht (BGE 141 V 281, insb. S.
294 f. E. 3.5 f.; BGE 143 V 415 f. E. 4.5.1 und 143 V 427 ff., E. 7.1). Mit RAD-Arzt Dr.
C._ ist somit auf das Gutachten abzustellen (Stellungnahme vom 17. Juli 2017, IV-
act. 210).
3.
3.1 Zu befinden ist über die Verwertbarkeit der von den Gutachtern attestierten 100
%igen Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, diese
sei aufgrund seines Alters, seiner nicht vorhandenen Ausbildung und Sprachkompetenz
sowie des eingeschränkten medizinischen Zumutbarkeitsprofils nicht mehr gegeben.
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3.2 Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in
der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und dass ihr deren
Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Der
Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen
Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend
können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang
auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich sein (BGE 138 V 460 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen; Urteile des
Bundesgerichts vom 22. März 2012, 9C_153/2011, E. 3.1; und vom 28. Mai 2009,
9C_918/2008, E. 4.2.2 mit Hinweisen). Massgebend für die Beurteilung der
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist der Zeitpunkt des Feststehens der
medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)erwerbstätigkeit. Dies ist gegeben, sobald die
medizinischen Unterlagen eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE
138 V 461 f. E. 3.3 f.). Eine verbleibende Aktivitätsdauer von rund fünf Jahren gilt
rechtsprechungsgemäss grundsätzlich als ausreichend, um eine neue einfache
Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzuarbeiten und die Arbeit auszuüben (Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Juni 2017, 8C_28/2017, E. 5.2, mit Verweis auf Urteil
9C_677/2016 vom 7. März 2017 E. 4.3). Relevant für die wirtschaftliche Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit ist sodann deren Ausmass (Urteil des Bundesgerichts vom 19.
Mai 2016, 8C_910/2015, E. 4.3.3).
3.3 Der Beschwerdeführer war im massgeblichen Zeitpunkt des Gutachtens der
Neurologie G._ AG vom 12. Juli 2017 rund 59 1/2 Jahre alt. Gemäss beweiskräftigem
Gutachten besteht in adaptierten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Das
medizinische Zumutbarkeitsprofil (E. 2.2) umfasst im Wesentlichen körperlich leichte
bis mittelschwere, wechselbelastende, vorwiegend im Sitzen zu verrichtende Arbeiten,
welche den rechten Arm bzw. die rechte Schulter nicht stark belasten. Auch wenn die
Gutachter keine konkreten Verweistätigkeiten nennen, ist der Beschwerdeführer aus
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medizinischen Gründen nicht ausschliesslich auf eine "Bürotätigkeit" verwiesen. Er
fährt Auto (IV-act. 209-39), so dass neben Kontroll-, Überwachungs-, Sortier- und
Verpackungstätigkeiten sowie leichten Montagearbeiten auch leichte Kurierdienste
möglich sind. Auch weitere wechselbelastende Hilfsarbeiten mit geringer körperlicher
Anstrengung kommen gemäss dem orthopädischen Gutachter in Betracht (IV-act.
209-28). Zu berücksichtigen ist indes, dass beim Beschwerdeführer die
Wiedereingliederung durch mangelnde Sprachkenntnis und fehlende berufliche
Ausbildung erschwert ist (vgl. Gutachten, IV-act. 209-51). Der durch die in der
bisherigen Tätigkeit als angelernter Gipser nicht mehr gegebene Arbeitsfähigkeit
bedingte Tätigkeitswechsel erfordert somit einen gewissen Umstellungs- und
Anpassungsaufwand. Hinzu kommt, dass beim Beschwerdeführer erhebliche
psychosoziale Belastungsfaktoren vorliegen. Diese sind zwar für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung auszuklammern, wirken sich aber nachvollziehbarerweise
zusätzlich negativ auf die Belastbarkeit aus. Schliesslich wird gemäss psychiatrischem
Teilgutachten die Veränderungsmotivation durch die dysthyme Störung erschwert,
deren Auswirkungen jedoch gemäss Gutachten überwindbar sind (IV-act. 209-48).
3.4 Das Eidgenössische Versicherungsgericht (seit 1. Januar 2007 Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts; EVG) hat bezüglich einem etwa 60-jährigen
Versicherten, welcher mehrheitlich als Wirker in der Textilindustrie tätig gewesen war,
ausgeführt, mit Bezug auf den hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt bestünden
Möglichkeiten, eine Stelle zu finden, zumal Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen,
ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt werden, und
der Versicherte zwar eingeschränkt (weiterhin zumutbar waren leichte und
mittelschwere Arbeiten im Gehen, Stehen und Sitzen in geschlossenen Räumen), aber
immer noch im Rahmen eines Vollpensums arbeitsfähig war (Urteil vom 5. August
2005, I 376/05 insbesondere E. 4.2). Weiter erachtete das Bundesgericht die Chancen
eines zwar nicht leicht vermittelbaren 60 Jahre alten Versicherten, der für körperlich
leichte Arbeiten, die abwechslungsweise sitzend oder stehend ausgeführt werden
können, ohne regelmässiges Heben oder Tragen von Gewichten über 10 kg, ohne
häufige Arbeiten über der Horizontalen und ohne regelmässige Kraftanwendung des
linken Arms bei voller Stundenpräsenz im Umfang von 80 % arbeitsfähig war, auf eine
Anstellung für intakt (Urteil vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008 E. 4.3). Es hat etwa bei
einem 62 3/4-jährigen Versicherten, welcher nur noch vorwiegend sitzende oder
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wechselbelastende Arbeiten ausführen konnte, an den oberen Extremitäten aber nicht
beeinträchtigt war und dem somit feinmotorische Tätigkeiten trotz fehlender
diesbezüglicher Erfahrung in Form von Sortier- und Überwachungsarbeiten möglich
waren, die Verwertbarkeit der 100 %igen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
bejaht (Urteil 8C_345/2013 vom 10. September 2013 E. 3.3 f. und 4.3.3). In einem am
19. August 2015 beurteilten Fall kam es bei einem ähnlichen Zumutbarkeitsprofil wie
demjenigen des Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren (namentlich vorwiegend
sitzende Tätigkeiten) eines 61 Jahre alten Versicherten zum Schluss, die vollzeitliche
Arbeitsfähigkeit sei verwertbar (Urteil 8C_330/2015, E. 3.1 f.). Das Fehlen von Sprach-
und PC-Kenntnissen führte bei einem 57-jährigen Versicherten nicht zur Verneinung
der Verwertbarkeit der vollen Arbeitsfähigkeit für leichte, wechselbelastend ausübbare
Erwerbstätigkeiten (Urteil vom 25. Juli 2016, 8C_324/2016, E. 4.3.2 ff.). Verneint wurde
hingegen u.a. die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit eines 61 1/2 jährigen
gelernten Mechanikers, dem im Umfang von 50 % leichte Verweistätigkeiten (Montage,
Recycling, leichtere Magazinertätigkeiten und vor allem Büroarbeiten) zumutbar waren.
Massgebend war dabei nicht nur der Berufswechsel und die damit verbundene
erforderliche hohe Anpassungsfähigkeit, sondern auch die selbst in einer adaptierten
Tätigkeit reduzierte Arbeitsfähigkeit mit notwendigen zwischenzeitlichen
Erholungsphasen (Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02. E. 3.2.1 und 3.3).
3.5 Dem entsprechend und ebenso mit Blick auf die strenge Rechtsprechung des
Bundesgerichts kann davon ausgegangen werden, dass der im massgeblichen
Zeitpunkt noch nicht 60-jährige Beschwerdeführer seine volle Arbeitsfähigkeit in
leichten und mittelschweren, rückenschonenden, die rechte Schulter und den rechten
Arm nicht belastenden Tätigkeiten auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise noch verwerten kann.
4.
Bei erneuter Anmeldung zum Leistungsbezug am 16. Juli 2013 (IV-act. 126) besteht ein
allfälliger Rentenanspruch frühestens ab 1. Januar 2014. Das Jahr 2014 ist somit
massgebend für den Einkommensvergleich (BGE 129 V 222). Für die Bemessung des
Valideneinkommens ist auf den Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturentwicklung (LSE)
des Bundesamtes für Statistik (BFS) 2014 im Baugewerbe abzustellen (vgl. Entscheid
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des Versicherungsgerichts vom 16. April 2012, IV-act. 116-11). Dieser beträgt Fr.
5'816.-- (TA1_b, Ziff. 41-43, Männer ohne Kaderfunktion). Hochgerechnet auf die
betriebsübliche Arbeitszeit von 41,5 Stunden pro Woche (BFS, Betriebsübliche
Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Ziff. 41-43) und 12 Monate beträgt das
Valideneinkommen Fr. 72'409.--. Dem Invalideneinkommen ist das
Durchschnittseinkommen Kompetenzniveau 1, Männer, zugrunde zu legen. Dieses
belief sich 2014 auf Fr. 66'453.-- (Informationsstelle AHV/IV, IV, Ausgabe 2018, Bern
2018, Anhang 2). Selbst bei Gewährung des maximalen Tabellenlohnabzugs von 25 %
(BGE 126 V 80 E. 5b/cc) würde ein Invaliditätsgrad von lediglich 31,1 % ([Fr. 72'409.-- -
{0,75 x Fr. 66'453.--}] : Fr. 72'409.--) resultieren. Damit hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden
Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
5.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote
eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint mit Blick auf
das auf die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit und einen einfachen
Schriftenwechsel beschränkte Verfahren eine pauschale Parteientschädigung von Fr.
3‘000.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
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Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2‘400.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
5.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).