Decision ID: 4c5151de-e7ef-4529-a996-98a4be5f064a
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Der Einzelrichter entnimmt den Akten:
A.
Die Gesuchsgegnerin reiste eigenen Angaben zufolge am 9. April 2018 in
die Schweiz ein und stellte am 11. April 2018 in Kreuzlingen ein Asylgesuch
(Akten des Amts für Migration und Integration [MI-act.] 131). Mit Verfügung
vom 3. Juli 2018 wies das Staatsekretariat für Migration (SEM) die
Gesuchsgegnerin dem Kanton Aargau zu (MI-act. 138).
Mit Verfügung vom 6. August 2018 trat das SEM auf das Asylgesuch der
Gesuchsgegnerin nicht ein, wies sie aus der Schweiz in den zuständigen
Dublin-Mitgliedstaat (Vereinigtes Königreich) weg, ordnete an, sie habe die
Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und
beauftragte den Kanton Aargau mit dem Vollzug der Wegweisung (MI-
act. 144 ff.). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 27. August 2018 gut, hob die
Verfügung des SEM vom 6. August 2018 auf und wies die Sache zur
Neubeurteilung an das SEM zurück (MI-act. 162 ff.). In der Folge schrieb
das SEM das Dublin-Verfahren mit Verfügung vom 31. August 2018 ab und
behandelte das Asylgesuch der Gesuchsgegnerin in nationaler
Zuständigkeit (vgl. MI-act. 217).
Mit Verfügung vom 7. November 2019 trat das SEM auf das Asylgesuch
der Gesuchsgegnerin nicht ein, wies sie aus der Schweiz weg, ordnete an,
sie habe die Schweiz bis zum 5. Dezember 2019 zu verlassen und
beauftragte den Kanton Aargau mit dem Vollzug der Wegweisung (MI-
act. 216 ff.). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 4. Dezember 2019 ab (MI-
act. 224 ff.).
Nachdem die britischen Behörden der Rückübernahme der
Gesuchsgegnerin am 4. April 2020 zugestimmt hatten (MI-act. 266 f.),
reiste die Gesuchsgegnerin am 4. August 2020 kontrolliert nach London
aus (MI-act. 309).
Die Gesuchsgegnerin meldete sich am 20. September 2021 am Schalter
des Amts für Migration und Integration (MIKA) und erklärte, sie sei am
19. September 2021 über Brüssel und Köln in die Schweiz eingereist und
wolle nun ein neues Asylgesuch einreichen, worauf das MIKA sie auf die
Formerfordernisse gemäss Art. 111c des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998
(AsylG; SR 142.31) hinwies (MI-act. 311) und ihr eine Frist bis zum
4. Oktober 2021 zur Einreichung des Mehrfachgesuchs gewährte (MI-
act. 310).
In der Folge erschien die Gesuchsgegnerin am 4. Oktober 2021 erneut am
Schalter des MIKA und erklärte nunmehr, dass sie kein Mehrfachgesuch
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stellen wolle, sondern Hilfe brauche, um mit ihrem Ehemann in Kontakt zu
treten (MI-act. 314).
Nachdem die Gesuchgegnerin innert der durch das MIKA angesetzten Frist
kein schriftlich begründetes Asylgesuch gemäss Art. 111c AsylG
eingereicht hatte, stellte das MIKA am 28. Oktober 2021 beim SEM einen
Rückübernahmeantrag für die Gesuchsgegnerin (MI-act. 320 ff.). In der
Folge stimmten die britischen Behörden einer erneuten Rückübernahme
der Gesuchsgegnerin mit E-Mail vom 16. November 2021 zu (MI-
act. 331 f.).
Am 2. Dezember 2021 teilte das SEM dem MIKA auf entsprechende
Nachfrage hin mit, dass ein handschriftlich verfasstes, undatiertes
Schreiben der Gesuchsgegnerin, welches am 3. November 2021 beim
SEM einging, nicht als Mehrfachgesuch qualifiziert worden sei (MI-
act. 334).
Nachdem die Gesuchsgegnerin am 6. Dezember 2021 am Schalter des
MIKA erschienen war, gewährte ihr das MIKA gleichentags das rechtliche
Gehör betreffend die Anordnung von Entfernungs- und
Fernhaltemassnahmen (MI-act. 344 ff., 349). Anlässlich dieses Gesprächs
gab die Gesuchsgegnerin zu Protokoll, dass sie nicht bereit sei, in das
Vereinigte Königreich zurückzukehren (MI-act. 346).
Die Gesuchsgegnerin wurde am 14. Dezember 2021, 07.20 Uhr durch die
Kantonspolizei Aargau polizeilich angehalten und gleichentags dem MIKA
zugeführt (MI-act. 357 f.). Anschliessend ordnete das MIKA mit sofort
vollstreckbarer Verfügung die Wegweisung der Gesuchsgegnerin aus der
Schweiz, dem Schengen-Raum und der Europäischen Union an (MI-
act. 360 ff.). Nach Eröffnung der Wegweisungsverfügung (MI-act. 360 ff.)
gewährte das MIKA der Gesuchsgegnerin gleichentags das rechtliche
Gehör betreffend die Anordnung einer Ausschaffungshaft (MI-act. 369 ff.).
Im Anschluss daran ordnete das MIKA eine Ausschaffungshaft für die
Dauer von drei Monaten an (MI-act. 372 ff.). Diese wurde mit Urteil des
Einzelrichters des Verwaltungsgerichts vom 15. Dezember 2021 bis zum
13. März 2022, 12.00 Uhr bestätigt (WPR.2021.47; MI-act. 397 ff.).
Mit Verfügung vom 14. Dezember 2021 ordnete das SEM gegen die
Gesuchsgegnerin ein ab dem 16. Dezember 2021 bis zum 15. Dezember
2024 gültiges Einreiseverbot für das Gebiet der Schweiz und
Liechtensteins an, welches der Gesuchsgegnerin am 16. Dezember 2021
eröffnet wurde (MI-act. 354 ff.).
Nachdem die Gesuchsgegnerin sich am 16. Dezember 2021 geweigert
hatte den für sie gebuchten unbegleiteten Flug (DEPU) in das Vereinigte
Königreich anzutreten (MI-act. 393), wurde sie am 12. Januar 2022
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polizeilich begleitet (DEPA) nach London ausgeschafft (MI-act. 408 ff.,
434).
Am 10. Februar 2022, 10.20 Uhr erschien die Gesuchsgegnerin beim
Bundesasylzentrum Altstätten (BAZ Altstätten) und wurde daraufhin von
der Kantonspolizei St. Gallen ab diesem Zeitpunkt migrationsrechtlich
festgehalten (MI-act. 443, 448 f.). Im Rahmen der anschliessenden
polizeilichen Einvernahme gab sie an, am 9. Februar 2022 mittels Car und
Zug via Frankreich, Belgien und Deutschland in die Schweiz eingereist zu
sein (MI-act. 444).
Am 11. Februar 2022, 10.50 Uhr wurde die Gesuchsgegnerin dem MIKA
zugeführt, welches ihr das rechtliche Gehör betreffend eine Wegweisung
gemäss Art. 64 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer-
und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20) gewährte (MI-act. 462) und sie
anschliessend mit sofort vollstreckbarer Verfügung aus der Schweiz
wegwies (MI-act. 467 ff.)
B.
Nach Eröffnung der Wegweisungsverfügung (MI-act. 467 ff.) gewährte das
MIKA der Gesuchsgegnerin gleichentags das rechtliche Gehör betreffend
die Anordnung einer Ausschaffungshaft (MI-act. 462 ff.). Im Anschluss an
die Befragung wurde der Gesuchsgegnerin die Anordnung der
Ausschaffungshaft wie folgt eröffnet (act. 1):
1. Es wird eine Ausschaffungshaft angeordnet.
2. Die Haft begann am 10. Februar 2022, 10.20 Uhr. Sie wird in Anwendung von Art. 76 AIG für drei Monate bis zum 9. Mai 2022, 12.00 Uhr, angeordnet.
3. Die Haft wird im Flughafengefängnis Zürich vollzogen.
C.
Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des
Verwaltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und die Gesuchsgegnerin
befragt.
D.
Der Gesuchsteller beantragte die Bestätigung der Haftanordnung
(Protokoll S. 3, act. 42).
Die Gesuchsgegnerin beantragt, die Haft sei nicht zu bestätigen (Protokoll
S. 4, act. 43).
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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
I.
1.
Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und
Angemessenheit einer durch das MIKA angeordneten Ausschaffungshaft
aufgrund einer mündlichen Verhandlung spätestens nach 96 Stunden
(Art. 80 Abs. 2 AIG, § 6 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom
25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Die Haftüberprüfungsfrist
beginnt mit der ausländerrechtlich motivierten Anhaltung der betroffenen
Person zu laufen (vgl. BGE 127 II 174, Erw. 2. b/aa).
2.
Im vorliegenden Fall wurde die Gesuchsgegnerin am 10. Februar 2022,
10.20 Uhr, angehalten. Die mündliche Verhandlung begann am
12. Februar 2022, 14.30 Uhr; das Urteil wurde um 15.55 Uhr eröffnet. Die
richterliche Haftüberprüfung erfolgte somit innerhalb der Frist von 96
Stunden.
II.
1.
Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet
oder wurde die betroffene Person mit einer Landesverweisung belegt, kann
die zuständige kantonale Behörde die betroffene Person zur Sicherstellung
des Vollzugs in Haft nehmen (Art. 76 AIG).
Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 Abs. 1 AIG ist gemäss
§ 13 Abs. 1 EGAR das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde die
Haftanordnung durch das MIKA und damit durch die zuständige Behörde
erlassen (act. 1 ff.).
2.
2.1.
Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass es die
Gesuchsgegnerin aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den
Vollzug sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt.
2.2.
Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft
rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher
Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet oder eine erstinstanzliche
Landesverweisung ausgesprochen wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG).
- 6 -
Das MIKA hat die Gesuchsgegnerin mit Verfügung vom 11. Februar 2022
unter Anordnung der sofortigen Vollstreckbarkeit aus der Schweiz
weggewiesen (MI-act. 467 ff.). Diese Verfügung wurde der
Gesuchsgegnerin gleichentags eröffnet (MI-act. 470), womit ein
rechtsgenüglicher Wegweisungsentscheid vorliegt.
2.3.
Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist,
dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen
Gründen undurchführbar ist.
Es sind keine Anzeichen vorhanden, die an der Ausschaffungsmöglichkeit
in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Zweifel aufkommen lassen
würden. Dies umso weniger, als die britischen Behörden bereits in der
Vergangenheit der Rückübernahme der Gesuchsgegnerin zugestimmt
haben (MI-act. 266 f., 331 f.). Insbesondere bestehen trotz der Covid-19-
Pandemie regelmässige Flugverbindungen in das Vereinigte Königreich
(act. 4), womit dem Wegweisungsvollzug per Luftweg keine Hindernisse
entgegenstehen.
3.
3.1.
Das MIKA stützt seine Haftanordnung auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG,
wonach ein Haftgrund dann vorliegt, wenn konkrete Anzeichen befürchten
lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entziehen will,
insbesondere weil sie der Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AIG und Art. 8
Abs. 1 lit. a oder Abs. 4 AsylG nicht nachkommt. Ob im Sinne dieser
Gesetzesbestimmung konkrete Anzeichen befürchten lassen, dass sich
eine Person der Ausschaffung entziehen will, ist aufgrund des ganzen
bisherigen Verhaltens, insbesondere auch gegenüber den Behörden,
sowie ihrer eigenen Aussagen zu beurteilen. Auch wenn einzelne Fakten
für sich eine Ausschaffungshaft nicht rechtfertigen, kann dies aufgrund der
Gesamtheit der Vorkommnisse der Fall sein. Erforderlich sind gewichtige
Anhaltspunkte dafür, dass die betroffene Person sich der Ausschaffung
entziehen und untertauchen will. Die blosse Vermutung, dass sie sich der
Wegweisung entziehen könnte, genügt nicht; deren Vollzug muss erheblich
gefährdet erscheinen (vgl. BGE 129 I 139, Erw. 4.2.1).
Von einer Untertauchensgefahr und damit von einem Haftgrund ist zudem
auch dann auszugehen, wenn das bisherige Verhalten der betroffenen
Person darauf schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen
widersetzt (Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG).
Eine klare Trennung der beiden genannten Haftgründe ist in der Praxis
kaum möglich. Vielmehr ist Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG wohl als
Präzisierung von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG zu verstehen, womit die
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beiden Bestimmungen als einheitlicher Haftgrund zu betrachten sind (vgl.
ANDREAS ZÜND, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER BOLZLI/
CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar Migrations-
recht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 7 zu Art. 76 AIG und TARKAN GÖKSU, in:
MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis
Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 11 zu Art. 76).
Die Gesuchsgegnerin äusserte sich mehrfach, zuletzt anlässlich der
heutigen Verhandlung dahingehend, dass sie nicht bereit sei, die Schweiz
in Richtung Vereinigtes Königreich oder Nigeria zu verlassen (MI-act. 346,
370, 404, Protokoll S. 3, act. 42). Sie wolle die Schweiz erst verlassen,
wenn sie mit ihren Kindern zusammen sei (Protokoll S. 3, act. 42). Sodann
verweigerte die Gesuchsgegnerin am 16. Dezember 2021 die unbegleitete
Ausreise in das Vereinigte Königreich und die Rückführung der
Gesuchsgegnerin in das Vereinigte Königreich musste mit polizeilicher
Begleitung erfolgen (MI-act. 393, 408 ff., 434). Trotzdem reiste sie in
Kenntnis und unter Missachtung des Einreiseverbots erneut in die Schweiz
ein (MI-act. 354 ff., 444 f.; Protokoll S. 3, act. 42) und widersetzte sich
damit behördlichen Anordnungen. In der konstanten Weigerung, der
Ausreisepflicht nachzukommen und der Wiedereinreise trotz bestehendem
Einreiseverbot, sind klare Anzeichen dafür zu erkennen, dass sich die
Gesuchsgegnerin der Ausschaffung entziehen will. Die Zusicherung der
Gesuchsgegnerin, sie werde bei einer Haftentlassung nicht untertauchen
(Protokoll S. 3, act. 42), erscheint vor diesem Hintergrund unglaubhaft.
Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters der Gesuchsgegnerin ist
die Untertauchensgefahr auch nicht deshalb zu verneinen, weil sich die
Gesuchsgegnerin den Behörden stets zur Verfügung gehalten hat. Dieses
Verhalten legte sie an den Tag, als sie noch nicht befürchten musste,
ausgeschafft zu werden. Primär massgeblich ist nicht, wie sich die
Gesuchsgegnerin früher verhielt.
Mit ihrem bisherigen Verhalten setzte die Gesuchsgegnerin damit klare
Anzeichen für eine Untertauchensgefahr, und es ist nicht davon
auszugehen, dass sie nach einer Entlassung aus der Ausschaffungshaft
die Schweiz freiwillig in Richtung Vereinigtes Königreich oder Nigeria
verlassen würde. Damit ist der Haftgrund von Art. 76 Abs. 1 lit. b
Ziff. 3 und 4 AIG erfüllt.
3.2.
Das MIKA stützt seine Haftanordnung zudem auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 1
AIG i.V.m. Art. 75 Abs. 1 lit. c AIG. Gemäss diesen Bestimmungen liegt ein
Haftgrund dann vor, wenn ein Betroffener trotz Einreiseverbot das Gebiet
der Schweiz betritt und nicht sofort weggewiesen werden kann.
- 8 -
Obwohl das SEM am 14. Dezember 2021 ein Einreiseverbot bis zum
15. Dezember 2024 gegen die Gesuchsgegnerin verfügt hatte (MI-
act. 354 ff.), welches der Gesuchsgegnerin am 16. Dezember 2021
eröffnet wurde (MI-act. 356), reiste sie am 9. Februar 2022 erneut in die
Schweiz ein (MI-act. 444 f.; Protokoll S. 3, act. 42). Damit missachtete sie
das Einreiseverbot, womit die erste Tatbestandsvoraussetzung von Art. 76
Abs. 1 lit. b Ziff. 1 i.V.m. Art. 75 Abs. 1 lit. c AIG erfüllt ist.
Das MIKA hat am 11. Februar 2022 einen Rückübernahmeantrag an das
SEM übermittelt (act. 45 f.). Die Zustimmung der britischen Behörden zur
Rückübernahme der Gesuchsgegnerin steht noch aus. Ein Flug für die
Gesuchsgegnerin kann erst gebucht werden, wenn die Zustimmung der
britischen Behörden vorliegt (Protokoll S. 3, act. 42). Der Vollzug der
Wegweisung der Gesuchsgegnerin kann daher nicht sofort erfolgen, womit
auch die zweite Tatbestandsvoraussetzung erfüllt ist.
Demnach ist auch der Haftgrund von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 AIG i.V.m.
Art. 75 Abs. 1 lit. c AIG gegeben.
4.
Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor
(Protokoll S. 3, act. 42).
5.
Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem
Beschleunigungsgebot (Art. 76 Abs. 4 AIG) nicht ausreichend Beachtung
geschenkt hätte.
6.
Das MIKA ordnete die Ausschaffungshaft für drei Monate an. Nachdem der
Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten der
Gesuchsgegnerin abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen
kommen kann, ist die beantragte Haftdauer nicht zu beanstanden. Im
Übrigen ist festzuhalten, dass das MIKA bisher stets bemüht war,
Ausschaffungen so rasch wie möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA
entgegen seiner bisherigen Gewohnheit das Beschleunigungsgebot
verletzen, besteht die Möglichkeit, ein Haftentlassungsgesuch zu stellen.
7.
Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu
bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der
Verhältnismässigkeit verstossen würde. Eine mildere Massnahme zur
Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung ist nicht ersichtlich. Dies
umso weniger, als sich die Gesuchsgegnerin derart klar gegen eine
Ausreise ausspricht, dass eine Meldepflicht oder eine Rayonauflage
keinesfalls zielführend wäre. Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben
- 9 -
sich keine Anhaltspunkte, welche gegen eine Haftanordnung sprechen
würden. Die Gesuchsgegnerin macht auch nicht geltend, sie sei nicht
hafterstehungsfähig. Insgesamt sind keinerlei Gründe ersichtlich, welche
die angeordnete Haft als unverhältnismässig erscheinen liessen.
III.
1.
Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung
unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben.
2.
Der Gesuchsgegnerin ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend ein
amtlicher Rechtsvertreter zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für
eine Dauer von mehr als 30 Tagen anordnete. Der Vertreter der
Gesuchsgegnerin wird aufgefordert, nach Haftentlassung der
Gesuchsgegnerin seine Kostennote einzureichen.
IV.
1.
Die Gesuchsgegnerin wird darauf hingewiesen, dass ein
Haftentlassungsgesuch frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung
gestellt werden kann (Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist
(§ 15 Abs. 1 EGAR).
2.
Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine
weitere Verhandlung mit Parteibefragung durchzuführen (Aargauische
Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359, Erw. 4.4.3). Im
Rahmen des rechtlichen Gehörs hat das MIKA der Gesuchsgegnerin daher
die Frage zu unterbreiten, ob sie die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung wünscht und ob sie in diesem Fall eine Präsenzverhandlung
verlangt oder mit einer Skype-Verhandlung einverstanden ist (Urteil des
Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 19. November 2021). Die Anordnung
einer allfälligen Haftverlängerung ist dem Verwaltungsgericht spätestens
acht Arbeitstage vor Ablauf der bewilligten Haft einzureichen.
3.
Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen
Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das
Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt.
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