Decision ID: e7f3e073-c4d5-4725-8a72-76f21ee308ba
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war als "Haushelferin" bei B._ angestellt und
dadurch bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Mit Bagatellunfallmeldung UVG vom 19. September 2020 wurde
der Helsana gemeldet, dass die Versicherte am 11. Mai 2020 während der Arbeit auf
einer Treppenstufe abgerutscht sei und sich dabei am rechten grossen Zeh und am
Zehengelenk verletzt habe (UV-act. 1).
A.a.
Am 11. Juni 2020 erfolgte eine Untersuchung bei Dr. med. C._, Innere Medizin
und Rheumatologie FMH, bei welcher Hand und Fuss der Versicherten geröntgt
wurden. Gemäss einer Telefonnotiz einer Sachbearbeiterin der Helsana wurde die
Röntgenuntersuchung seitens der Praxis von Dr. C._ später als "ganz klar
krankheitsbedingt" bezeichnet (vgl. Notiz über ein Telefonat vom 8. Dezember 2020,
UV-act. 27-6). Am 8. September 2020 führte Dr. med. D._, Facharzt für Radiologie,
wegen Vorfussschmerzen rechts ein MRT des Vorfusses rechts durch, in welchem eine
ausgeprägte Entzündung am Grosszehengrundgelenk bei mässig ausgeprägten
degenerativen Veränderungen (aktuell noch kein Bild wie bei einer Gicht) sowie ein
beginnender Hallux valgus zur Darstellung kamen (UV-act. 21).
A.b.
Am 14. September 2020 fand eine Konsultation bei Dr. med. E._, Facharzt FMH
für Innere Medizin, statt, der im UVG Zwischenbericht festhielt, dass die Versicherte
beim Fensterputzen am 11. Mai 2020 ausgerutscht sei. Sie habe dabei einen Schlag
auf den Fuss erlitten, worauf es zu persistierenden Schmerzen gekommen sei (UV-
act. 25). Am 1. Oktober 2020 befand sich die Versicherte erstmals bei Dr. med. F._,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, in Behandlung. Als Befunde erhob diese
Druckdolenzen am Os metatarsale I am rechten Fuss sowie über dem Flexor/Extensor
A.c.
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Dig. I. Sie diagnostizierte eine unfallbedingte Grosszehenkontusion rechts mit reaktiver
Tendinopathie von Flexor hallucis longus (FHL) und Extensor hallucis longus (EHL).
Dem Arztzeugnis UVG von Dr. F._ vom 17. Dezember 2020 sind sodann bescheinigte
Arbeitsunfähigkeiten vom 1. Oktober bis 15. November 2020 und vom 26. November
2020 bis 3. Januar 2021 zu entnehmen (UV-act. 24). Am 7. Oktober 2020 war
ausserdem eine Untersuchung durch Dr. med. G._, FMH Orthopädie und
Traumatologie, erfolgt. Dieser hielt im gleichentags erstellten Bericht unter der Rubrik
"Jetziges Leiden" fest, es sei am 11. Mai 2020 zu einem Treppensturz mit seitlichem
Abknicken des rechten Fusses gekommen. Nachdem es zu einem grossen Bluterguss
über dem Vorfuss und Fussrücken gekommen sei, der sich im Verlauf wieder
zurückgebildet habe, hätten sich die belastungsabhängigen Schmerzen unwesentlich
gelindert. Dr. G._ stellte eine pathologische Fussdeformität im Sinne eines
Spreizfusses mit Druckdolenz am Vorfuss sowie einen Halluxwinkel von 15° fest. Nach
Erstellung von Röntgenbildern erhob er den Befund einer leichten Spreizfussstellung
mit geringer Gelenkspaltverschmälerung (UV-act. 22).
Am 5. Mai 2021 nahm Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, als beratender Arzt der Helsana zum
Schadenfall Stellung. Das Ereignis vom 11. Mai 2020 habe zu einer Kontusion/
Distorsion des rechten Vorfusses geführt. Traumatisch strukturelle Läsionen als Folge
dieses Ereignisses könnten bildgebend ausgeschlossen werden. Es liege ein
Vorzustand im Sinne eines Spreizfusses mit Hallux valgus und
Grosszehengrundgelenksarthrose vor. Die Kontusion/Distorsion habe zu einer
vorübergehenden Verschlimmerung dieses Vorzustandes geführt. Der Status quo sine
sei per 8. September 2020 erreicht worden (UV-act. 30).
A.d.
Am 21. Mai 2021 verfügte die Helsana, dass der Zusammenhang zwischen den
gesundheitlichen Beschwerden und dem Unfall nicht mehr nachgewiesen sei. Dr. H._
habe den unfallfremden Vorzustand, wie er früher oder später ohne Unfall eingetreten
wäre, als am 8. September 2020 erreicht beurteilt. Entgegenkommenderweise und
ohne Präjudiz übernehme die Helsana die Behandlungskosten noch bis am
31. Dezember 2020 (UV-act. 31).
A.e.
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B.
C.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 6. Juni 2021 Einsprache. Sie
machte geltend, dass bei ihr keine Vorerkrankungen bestanden hätten und dass die
Helsana für die Folgekosten des Unfalls vom 11. Mai 2020 aufzukommen habe.
Ungedeckt seien insbesondere die Kosten für Schuheinlagen und für die
Röntgenaufnahmen vom 11. Juni 2020. Am 8. September 2020 habe sie noch extreme
Schmerzen gehabt, sodass sie kaum habe stehen und keine Schuhe mehr habe tragen
können. Danach seien Therapien erfolgt und es habe bis 3. Januar 2021 ein Zeugnis für
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (UV-act. 33).
B.a.
Mit Einspracheentscheid vom 9. August 2021 wies die Helsana die Einsprache ab.
Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass weder ein Unfallereignis noch eine
natürliche Kausalität zwischen den geklagten Beschwerden und dem Ereignis vom
11. Mai 2020 mit dem erforderlichen Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sei. Und selbst wenn beides ausgewiesen wäre, sei
der Status quo sine per 8. September 2020 erreicht gewesen (act. G 1.1).
B.b.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 31. August 2021 Beschwerde und beantragte sinngemäss die
Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids sowie die Ausrichtung der
gesetzlichen Leistungen (act. G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 28. Oktober 2021 beantragte die Helsana
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.b.
Mit Eingabe vom 25. November 2021 bekräftigte die Beschwerdeführerin, dass sie
vor dem Unfall keinerlei Beschwerden mit dem Fuss gehabt habe (act. G 7). In einer
weiteren Eingabe vom 27. November 2021 informierte die Beschwerdeführerin darüber,
dass sie ihre Arbeitsstelle (offenbar während der Krankschreibung gegen Ende des
Jahres 2020) verloren habe (act. G 8).
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.d.
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Erwägungen
1.
2.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens (zum
Anfechtungsgegenstand siehe BGE 131 V 164 f. E. 2.1) bildet der Einspracheentscheid
vom 9. August 2021 (act. G 1.1). Diesem liegt die Verfügung vom 21. Mai 2021 (UV-
act. 31) zugrunde. Sowohl in der Verfügung vom 21. Mai 2021 (UV-act. 31) als auch im
Einspracheentscheid vom 9. August 2021 (act. G 1.1) hat die Beschwerdegegnerin
einen Anspruch auf Versicherungsleistungen ab dem 1. Januar 2021 abgelehnt. Nur
Ansprüche ab dem vorgenannten Datum können damit Gegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens bilden, nicht jedoch Ansprüche bis zum 31. Dezember 2020.
Die Beschwerdeführerin hat die Vergütung der Röntgenaufnahmen vom 11. Juni 2020
sowie von Schuheinlagen beantragt (UV-act. 27; act. G 1 und UV-act 33), wobei nicht
aktenkundig ist, ob sie der Beschwerdegegnerin eine Rechnung für Schuheinlagen
eingereicht hat und von wann diese datiert. Auf die beiden vorgenannten Anträge kann
somit mangels Anfechtungsgegenstands nicht eingetreten werden. Die
Beschwerdegegnerin wird jedoch über diese beiden Leistungen (Röntgenaufnahmen,
allenfalls Schuheinlagen) zu verfügen haben, falls sie dies unterdessen nicht bereits
gemacht hat.
1.1.
Die Beschwerdegegnerin hält in der Verfügung vom 21. Mai 2021 fest, dass sie
über den 8. September 2020 hinaus, also auch, nachdem der Status quo sine erreicht
sei, bis zum 31. Dezember 2020 noch "Behandlungskosten" übernehmen werde (UV-
act. 31). Im Einspracheentscheid vom 9. August 2021 wird durchgehend von
"gesetzlichen Leistungen" geschrieben, welche auch weitere gesetzliche Leistungen
umfassen können (act. G 1.1). Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht zwischen dem 8. September und
31. Dezember 2020 nicht nur für Heilbehandlungen anerkannte, sondern auch für die
weiteren gesetzlichen Leistungen.
1.2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist somit die
Rechtsmässigkeit der Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin per 1. Januar
2021.
1.3.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen
2.1.
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und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Als Unfall
gilt nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist aussergewöhnlich, wenn er den Rahmen des
im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht
fallen (André Nabold, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG], N 42 zu Art. 6; Irene Hofer, in: Ghislaine
Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG], N 32 ff. zu Art. 6; Alexandra Rumo-
Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012,
S. 31; RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38
E. 1a, je mit Hinweisen). Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer
unkoordinierten Bewegung bestehen (RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U
345 S. 422 E. 2b; KOSS UVG-Nabold, N 32 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 37 zu Art. 6;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 40; Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. 1989, S. 176 f.). Bei unkoordinierten Bewegungen ist
die Ungewöhnlichkeit zu bejahen, wenn der normale Bewegungsablauf durch etwas
Programmwidriges wie Ausgleiten, Stolpern oder Abwehren eines Sturzes
unterbrochen bzw. gestört wird (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG] vom 7. Oktober 2003, U 322/02, E. 4.1). Die Frage, ob die einzelnen Unfall
begriffsmerkmale im Sinne von Art. 4 ATSG erfüllt sind, ist eine Rechtsfrage, die vom
Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist.
Bei Vorliegen eines Unfalls hat der Unfallversicherer für einen Gesundheitsschaden
nur insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser in einem natürlichen sowie adäquaten
Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 181 E. 3.1 ff. mit
Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53). Für die Beantwortung der Tatfrage nach
dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das
2.2.
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Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die
Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine
Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu
beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66, 74 zu Art.
6; Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Im Bereich klar ausgewiesener somatischer
Unfallfolgen spielt jedoch die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu
bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/
bb mit Hinweisen).
Ist die Unfallkausalität einmal nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst dann, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche oder adäquate
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, d.h. wenn die Beschwerden nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Dies trifft dann zu, wenn
entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b mit Hinweisen).
2.3.
Der im Sozialversicherungsprozess vorherrschende Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die
Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen, 138 V 221 f. E. 6). Die
Verwaltung respektive das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Die Frage, ob sich ein
Unfallereignis im Rechtssinn ereignet hat, und falls ja, die weiteren Fragen, ob
zwischen dem Unfallereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist oder ob ein solcher dahingefallen ist (vgl. Erwägung
2.2 f.), beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Die blosse Möglichkeit eines Unfallereignisses
bzw. einer Unfallkausalität bzw. eines Dahinfallens einer Unfallkausalität genügt für die
Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen;
Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl.
2014, § 70 N. 58 f.).
2.4.
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Wird auf dem Weg der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses
nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt, so hat dieses als unbewiesen zu
gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person auswirkt (BGE 116 V
136 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei der Frage, ob ein Kausalzusammenhang
eines Gesundheitsschadens zu einem Unfallereignis überhaupt jemals gegeben ist, ist
ebenfalls die versicherte Person beweisbelastet. Die Beweislast für einen behaupteten
Wegfall einer durch den Unfallversicherer anerkannten Unfallkausalität trägt hingegen
der Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326; Urteil des Bundesgerichts vom 6.
August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V 264 E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O.,
S. 54 f.).
2.5.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder die Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a).
Auch den Berichten beratender Ärzte und Ärztinnen von Versicherungen kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Auf das Ergebnis von
Abklärungen beratender Ärzte und Ärztinnen kann nicht abgestellt werden, wenn auch
nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V
229 E. 5.2, 135 V 469 f. E. 4.4 und 471 E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts vom 16.
September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2). Die Rechtsprechung erachtet reine
Beurteilungen aufgrund der Akten als beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung
mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom
18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Angesichts der obigen Darlegungen spricht das
Fehlen einer persönlichen Untersuchung für sich allein nicht gegen den Einbezug der
2.6.
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3.
Aktenbeurteilung von Dr. H._ vom 5. Mai 2021 (Suva-act. 30). Ob letztlich auf diese
abgestellt werden kann, ist im Rahmen der nachfolgenden materiellrechtlichen
Beurteilungen bzw. Beweiswürdigung zu prüfen.
Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 21. Mai 2021 ihre Leistungen
zunächst wegen eines aus ihrer Sicht dahingefallenen Kausalzusammenhangs
zwischen der Vorfussproblematik und dem Ereignis vom 11. Mai 2020 per 1. Januar
2021 eingestellt (UV-act. 31). Im angefochtenen Einspracheentscheid hat sie ihre
Leistungseinstellung zusätzlich auch damit begründet, dass das Ereignis vom 11. Mai
2020 nicht als Unfall und die natürliche Kausalität zwischen den geklagten
Beschwerden und dem Ereignis nicht mit dem erforderlichen Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei und sie von Beginn an nicht
leistungspflichtig gewesen wäre. Auf eine Rückforderung der erbrachten Leistungen
hat sie verzichtet (act. G. 1.1). Diese Vorgehensweise ist insofern nicht zu beanstanden,
als der Unfallversicherer gemäss BGE 130 V 384 E. 2.3.1 die Möglichkeit hat, die durch
Ausrichtung von Heilbehandlung (und allenfalls Taggeld) anerkannte Leistungspflicht
mit Wirkung ex nunc et pro futuro ohne Berufung auf den Rückkommenstitel der
Wiedererwägung oder der prozessualen Revision (vgl. dazu Art. 53 ATSG) einzustellen,
dies mit der Begründung, ein versichertes Ereignis liege – bei richtiger
Betrachtungsweise – gar nicht vor.
3.1.
Es ist somit zunächst zu prüfen, ob es sich beim Ereignis vom 11. Mai 2020 um
einen leistungsbegründenden Unfall gehandelt hat. Nach der Rechtsprechung hat die
versicherte Person die Umstände des als Unfall gemeldeten Ereignisses glaubhaft zu
machen. Zur Glaubhaftmachung müssen über das konkrete Geschehen genaue und
möglichst detaillierte Angaben namhaft gemacht werden, aufgrund derer der
Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein klares Bild zu
machen und diese in objektiver Weise abzuschätzen (vgl. BGE 114 V 305 E. 5b; Urteile
des EVG vom 25. November 2004, U 209/04, E. 1.2, und 15. September 2004, U
234/04). Unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben zum
Geschehensablauf können die Verneinung der Leistungspflicht der Unfallversicherung
zur Folge haben. Im Streitfall hat das Sozialversicherungsgericht zu beurteilen, ob die
einzelnen Merkmale des Unfallbegriffs, insbesondere die Ungewöhnlichkeit des
äusseren Faktors, gegeben sind. Spricht der rechtserhebliche Sachverhalt nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der einzelnen Begriffsmerkmale,
ist ein Unfall im Rechtssinne zu verneinen (vgl. Erwägung 2.2; Urteil des EVG vom 23.
November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit Hinweisen).
3.2.
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4.
Das Ereignis vom 11. Mai 2020 ist in den Akten im Wesentlichen einheitlich
geschildert worden. Die Beschwerdeführerin ist demnach am 11. Mai 2020 beim
Fensterputzen auf einer Treppenstufe ab- bzw. ausgerutscht (UV-act. 1, 24 f.). Einen
Sturz, wie er von Dr. G._ festgehalten wurde (UV-act. 22), hat die
Beschwerdeführerin offenbar nicht erlitten. Sie dürfte jedoch mit dem rechten Fuss
seitlich abgeknickt sein (UV-act. 22) und/oder sich angeschlagen haben (UV-act. 25).
Durch das programmwidrige Ab- bzw. Ausrutschen auf der Treppe wurde der normale
Bewegungsablauf der Beschwerdeführerin gestört, womit der geschilderte
Geschehensablauf das Unfallbegriffsmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors
erfüllt (vgl. Art. 4 ATSG und Erwägung 2.1, "Ausgleiten") und die Beschwerdegegnerin
in ihrer Verfügung vom 21. Mai 2021 (UV-act. 31) zu Recht von einem Unfallereignis
ausgegangen ist. Der Umstand allein, dass Ereignisse wie ein Sturz oder ein
Ausrutschen potentiell geeignet sind, körperlich gravierende Verletzungen
herbeizuführen, bedeutet jedoch weder, dass dadurch tatsächlich eine schädigende
Einwirkung auf den menschlichen Körper erfolgt ist (vgl. Art. 4 ATSG), noch, dass der
konkrete Unfall für alle Beschwerden eines unfallbetroffenen Körperteils verantwortlich
sein muss und damit auch natürlich kausale Unfallfolgen vorliegen (vgl. Art. 6 UVG und
Erwägung 2.2). Die Beschwerdeführerin klagt über Schmerzen im rechten Vorfuss (UV-
act. 21). Angesichts dessen, dass die Schilderungen des Ereignisses vom 11. Mai 2020
grundsätzlich einen Distorsions- und/oder Kontusionsvorgang beschreiben (Abknicken
und/oder "Anschlagen" des Fusses), als betroffener Körperteil der rechte Fuss genannt
wird (UV-act. 25), Dr. F._ eine Grosszehenkontusion rechts diagnostiziert hat (UV-
act. 24) und die Beschwerdeführerin nach dem Ereignis Schmerzen im Fuss und einen
Bluterguss hatte (UV-act. 22), erscheint die anfängliche Anerkennung eines
Leistungsanspruchs der Beschwerdeführerin als gerechtfertigt. Nachdem die
Beschwerdegegnerin keinerlei Rückforderungsansprüche geltend macht, kann aber
ohnehin offengelassen werden, ob die anfänglichen Beschwerden auf einen Unfall
zurückzuführen sind. Im vorliegenden Verfahren gilt es einzig die Frage zu prüfen, ob
die ab 1. Januar 2021 fortbestehenden Beschwerden unfallkausal sind und eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründen.
3.3.
Die Beschwerdegegnerin bringt vor, dass selbst wenn ein Unfallereignis sowie eine
anfängliche natürliche Kausalität zwischen dem Unfallereignis und den geklagten
Beschwerden ausgewiesen wären, der Status quo sine per 8. September 2020 erreicht
worden sei, weshalb die erst später erfolgte Leistungseinstellung per 31. Dezember
2020 erst recht nicht beanstandet werden könne.
4.1.
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Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung hat die Beschwerdeführerin
unbestrittenermassen an Schmerzen am rechten Fuss gelitten und ist zu 100%
arbeitsunfähig geschrieben gewesen (vgl. UV-act. 24, 33 und act. G 1). Ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlichen Beschwerden hat in der
Regel als gegeben zu gelten, wenn sich mittels apparativer Untersuchungsmethoden
(wie Röntgen, Sonographie, Computertomogramm, Kernspintomogramm,
Arthroskopie) ein unfallkausaler organischer Befund im Sinn eines strukturellen
Gesundheitsschadens erheben lässt (vgl. BGE 138 V 248 E. 5.1, 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2 mit
Hinweisen; BSK UVG-Hofer, N 81 zu Art. 6).
4.2.
Am 8. September 2020 hat Dr. D._ in einer MRT-Untersuchung des rechten
Vorfusses der Beschwerdeführerin eine ausgeprägte Entzündung am
Grosszehengrundgelenk bei mässig ausgeprägten degenerativen Veränderungen
(aktuell noch kein Bild wie bei einer Gicht) sowie einen beginnenden Hallux valgus
erhoben (UV-act. 21). Anlässlich einer Röntgenuntersuchung des rechten Vorfusses
vom 7. Oktober 2020 durch Dr. G._ hat sich bildgebend eine leichte
Spreizfussstellung mit geringer Gelenkspaltverschmälerung gezeigt (UV-act. 22).
4.3.
Wie von Dr. H._ in seiner ärztlichen Beurteilung vom 5. Mai 2021 festgehalten,
können aufgrund der in Erwägung 4.3 genannten MRT- und Röntgenbefunde
traumatisch-strukturelle Läsionen als Folge des Ereignisses vom 11. Mai 2020
ausgeschlossen werden. Vorbestehend seien jedoch ein Spreizfuss mit Hallux valgus
und Grosszehengrundgelenksarthrose rechts (vgl. UV-act. 30). Die Beschwerdeführerin
stellt sich in ihrer Beschwerde auf den Standpunkt, dass der Hallux valgus auch eine
Folge des Unfalls sein könne (vgl. act. G 1). Laut der medizinischen Literatur können
Hallux valgus und Arthrose am Grosszehengrundgelenk grundsätzlich als Folge eines
Traumas auftreten, dies jedoch höchstens sekundär, d.h. als (Spät-)Folge einer
primären Verletzung, beispielsweise einer Fraktur oder Ruptur (vgl. dazu Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2002, S. 580 f., 1146 f., 1148,
1156, 1176, 1183 ff.; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 152).
Typisch sind aber der Hallux valgus sowie die Arthrose als Begleit- bzw.
Folgeerscheinungen eines Spreizfusses. Epidemologisch untersucht können sie auch
einzeln angeboren oder erworben sein (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 1146, 1150,
1157 ff.; Pschyrembel, a.a.O., S. 721 f.; Leitlinie der Orthopädie, Hrsg. Deutsche
Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und Berufsverband der Ärzte
für Orthopädie, 2. Aufl. 2002, S. 65). Vorliegend liess sich radiologisch keine primäre
4.4.
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Unfallverletzung, insbesondere keine Fraktur, nachweisen (vgl. UV-act. 21 ff.). Damit
entfällt auch ein Hinweis für sekundäre traumatische Gesundheitsschäden.
Dr. H._ hält übereinstimmend mit den medizinischen Berichten fest, dass das
Ereignis vom 11. Mai 2020 nur zu einer Kontusion/Distorsion des rechten Vorfusses
geführt habe (UV-act. 30). Mit dieser Diagnose wird nichts über die konkreten Folgen
der Kontusion/Distorsion ausgesagt. Bei einer Kontusion und Distorsion handelt es sich
um Gesundheitsschädigungen, die sich zwar durch den Unfallmechanismus erklären
oder anhand klinisch erhobener Befunde – wie Hämatome, Schwellungen,
Druckdolenzen, Bewegungseinschränkungen, Muskelverhärtungen – objektivieren
lassen, die aber in der Regel keine Dauerschäden im Sinn einer strukturellen Läsion
bzw. einer schlecht verheilten strukturellen Läsion mit fortdauernden gesundheitlichen
Störungen zur Folge haben, sondern folgenlos abheilen (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S.
412; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 357; vgl. dazu auch nachfolgende
Erwägung 4.7).
4.5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Gründe ersichtlich sind,
derentwegen die Richtigkeit der Beurteilung von Dr. H._ in Zweifel zu ziehen wäre.
Die Beschwerdeführerin hat mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit durch den Unfall vom 11. Mai 2020 keine neue, bleibende
Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen Veränderung erlitten, welche
fortdauernde Beschwerden am Vorfuss bewirken könnte. Es ist von Vorzuständen und
damit von unfallfremden Gesundheitsschädigungen auszugehen.
4.6.
4.7.
Ist es durch den Unfall zu keinen neuen unfallbedingten strukturellen Schäden
gekommen, trifft er aber auf einen vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder richtunggebende
Verschlimmerung des Vorzustandes in Betracht. Eine richtunggebende
Verschlimmerung liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn medizinischerseits
feststeht, dass weder der Status quo sine noch der Status quo ante je wieder erreicht
werden können (vgl. Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54). Die lediglich vorübergehende
unfallbedingte Verschlimmerung eines Vorzustandes basiert auf dem Wissen, dass es
im Unfallversicherungsrecht Fälle gibt, bei denen die Unfallfolgen bzw. deren Anteil an
einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des posttraumatischen Verlaufs nie konkret
beschrieben werden können. Dennoch wird bei einem geeigneten bzw. adäquaten
Ereignis in einer ersten Phase von einer schädigenden Wirkung des Ereignisses (Unfall)
auf den Körper ausgegangen, die in der Folge aufgetretenen bzw. ausgelösten
4.7.1.
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Beschwerden werden nach einem bestimmten Zeitraum – trotz ihres möglichen
Fortdauerns – aufgrund einer medizinischen Erfahrungstatsache aber nicht mehr dem
Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in diesen Fällen nur den durch das
Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie hat bis zum Erreichen des
Status quo sine oder ante Leistungen für die unmittelbar im Zusammenhang mit dem
Unfall stehenden Beeinträchtigungen zu erbringen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3, 9. Januar 2012, 8C_601/2011, E. 3.2, und 24.
Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2 und 4; Urteil des EVG vom 14. März 2000, U 266/99,
E. 1; vgl. auch Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 f.).
Es ist eine medizinische Erfahrungstatsache, dass Weichteilverletzungen, wie
beispielsweise Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen, ohne strukturelle
Schädigung der Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder und Knochen in der Regel innert
weniger Wochen bis Monate folgenlos ausheilen und sich die damit verbundenen
Schmerzen gänzlich zurückbilden (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 412). Diese
Erfahrungstatsache darf im Rahmen des Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt
werden. Dies hat insbesondere für den Nachweis des Status quo sine zu gelten, bei
dem es sich um einen hypothetischen Zustand handelt, welcher sich häufig nur mit
Erfahrungswerten bestimmen lässt (vgl. dazu Urteil des EVG vom 18. September 2002,
U 60/02, E. 2.2). Fortdauernde Beschwerden werden also auch ohne Veränderung bzw.
Besserung der klinischen Befundsituation ab einem bestimmten Datum aufgrund der
obgenannten medizinischen Erfahrungstatsache eben nicht mehr dem Unfall
angelastet. Dass damit der Zeitpunkt der Leistungseinstellung ein Stück weit
theoretisch bleibt, versteht sich von selbst bzw. ergibt sich aus der mangelnden
Wahrnehmbarkeit der Verletzung. Medizinische Erfahrungssätze beziehen sich auf den
Regelfall, d.h. auf medizinische Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich
dargestellt haben. Eine Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht
ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche präsentieren. Konnten spezifische
Kontusions- bzw. Distorsionsfolgen objektiviert werden, übernimmt der
Unfallversicherer selbstverständlich die Leistungen bis zur Heilung dieser spezifischen
Kontusions- bzw. Distorsionsfolgen, d.h. bis zum Status quo ante (BSK UVG-Hofer, N
71 zu Art. 6; KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54; vgl.
Erwägung 2.2).
4.7.2.
Dr. H._ geht in seiner Beurteilung vom 5. Mai 2021 (implizit) von einer
Heilungsdauer von rund vier Monaten aus, was angesichts des Erfahrungssatzes ohne
Weiteres plausibel und überzeugend erscheint. In den medizinischen Akten sind keine
spezifischen Kontusions- bzw. Distorsionsfolgen als augenscheinliche Hinweise auf
4.7.3.
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einen weiter andauernden Heilungsprozess vermerkt (Suva-act. 22, 24 f.). Die
Untersuchung bei Dr. C._ vom 11. Juni 2020, also einen Monat nach dem Unfall, war
laut diesem "ganz klar krankheitsbedingt" gewesen. Daraus kann zumindest keine
Aussage für die Beurteilung des Heilungsverlaufs der Kontusions- bzw.
Distorsionsfolgen abgeleitet werden (vgl. UV-act. 27-4 und 27-6). Auch den von
Dr. D._ vom 8. September 2020 erhobenen Befunden sind keine Folgen einer
Kontusion oder Distorsion zu entnehmen (UV-act. 21). Dr. G._ gibt in seinem
ärztlichen Bericht vom 7. Oktober 2020 das von der Beschwerdeführerin beschriebene
Leiden wieder und erwähnt, dass es nach dem Unfall zu einem grossen Bluterguss
über dem Vorfuss- und Fussrücken gekommen sei, der im Verlauf jedoch wieder
zurückgegangen sei (UV-act. 22). Der Heilungsprozess des Blutergusses als
Kontusionsfolge war demnach offenbar im Leistungseinstellungszeitpunkt längst
abgeschlossen. Dr. F._ hat in ihrem ärztlichen Bericht vom 17. Dezember 2020 eine
Grosszehenkontusion rechts mit reaktiver Tendinopathie FHL/EHL diagnostiziert (UV-
act. 24). Eine Tendinopathie stellt eine Entzündung der Sehne in Ansatznähe und damit
grundsätzlich ein krankheitsbedingtes Leiden bzw. eine degenerative Veränderung dar,
die in den medizinischen Akten in Übereinstimmung mit der medizinischen Literatur
(vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 412, 627 f.; Pschyrembel, a.a.O., S. 1646, 1782; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 1681, 1808) nirgends als Unfallverletzung beurteilt oder diskutiert
wird. Auch Dr. D._ hat die Entzündung am Grosszehengrundgelenk in einen
Zusammenhang mit unfallfremden Faktoren gestellt (vgl. UV-act. 21). Vorliegend ist das
Bestehen der Tendinopathie daher nicht aussagekräftig für die Beurteilung des
Heilungsverlaufs der Kontusions- bzw. Distorsionsfolgen. Eine genaue Erfassung des
Heilungszeitpunkts, d.h. eine exakte zeitliche Bestimmung, wann die überwiegend
wahrscheinlichen unfallbedingten von unfallfremden Faktoren abgelöst wurden, ist
aufgrund des fliessenden Charakters der Heilung nicht möglich. Vor diesem
Hintergrund können von Dr. H._ keine weiteren Ausführungen zum Dahinfallen der
Unfallkausalität verlangt werden, als dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom
11. Mai 2020 eine Kontusions-/Distorsionsverletzung erlitten habe, der Unfall zu einer
vorübergehenden Verschlimmerung geführt habe, fortdauernde Beschwerden jedoch
vier Monate nach dem Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dem
mutmasslichen Zustand, wie er beim schicksalsmässigen Verlauf des Vorzustandes
auch ohne Unfall eingetreten wäre, entsprechen (UV-act. 30). Aufgrund der oben
dargelegten Sachlage ist kein Ausnahmefall der medizinischen Erfahrungssätze zum
Heilungsverlauf einer blossen Weichteilverletzung anzunehmen.
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Grundsätzlich weist auch die Entwicklung der Beschwerden mit einer erst rund
vier Monate nach dem Unfall eingetretenen 100%igen Arbeitsunfähigkeit (vgl. UV-act.
24) eher darauf hin, dass diese auf unfallfremde Ursachen zurückzuführen ist. In der
Regel zeigt sich eine Beschwerdesymptomatik unmittelbar nach dem Unfall oder
zumindest in zeitlicher Nähe am stärksten. Nachfolgend schliesst der Heilungsprozess
an, was in der Regel zu einer stetigen Beschwerdeabnahme führt. Die vorliegend
spätere Progredienz der Schmerzen und die erst nach über vier Monaten eingetretene
erstmalige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin entsprechen nicht dem Regelfall
eines Heilungsprozesses von Weichteilverletzungen, weshalb es unwahrscheinlich
erscheint, dass die zum Leistungseinstellungszeitpunkt bestehenden Beschwerden am
rechten Vorfuss der Beschwerdeführerin auf eine unfallkausale Ursache zurückzuführen
sind.
4.7.4.
Angesichts des Gesagten darf der von der Beschwerdegegnerin bzw. von
Dr. H._ auf den 8. September 2020 festgelegte Status quo sine rund vier Monate
nach dem Unfall als angemessen betrachtet werden. Allein der Umstand, dass eine
versicherte Person nach einem Unfallereignis fortdauernde Beschwerden beklagt,
begründet, wie bereits erwähnt, keine andauernde Leistungspflicht des
Unfallversicherers. Dies umso weniger, als – wie im konkreten Fall – ein krankheits-
bzw. degenerativbedingter Vorzustand gegeben ist, der schon für sich allein
Schmerzen verursachen kann. Die Beurteilung von Dr. H._ basiert auf den im
Rahmen der Kausalitätsfrage richtungsweisenden Beurteilungskriterien – nämlich der
gestellten Unfalldiagnose (Kontusion/Distorsion) als massgebendem Ausgangspunkt
für traumatische Folgeschäden, den Ergebnissen radiologischer Untersuchungen
betreffend Vorliegen unfallkausaler somatischer Befunde im Sinn struktureller
Veränderungen sowie dem Vorliegen von Vorzuständen – und findet sowohl in der
Erfahrungsmedizin als auch in der konkreten Anamnese eine eindeutige Stütze.
Anhaltspunkte, die geeignet wären, Zweifel daran zu begründen, sind keine zu
erkennen, womit seiner Einschätzung hinsichtlich der Fussproblematik volle
Beweiskraft zukommt.
4.8.
Mit der Argumentation, sie habe bis zum Unfall keinerlei Beschwerden gehabt,
solche seien erst nach dem erlittenen Unfall aufgetreten, nimmt die
Beschwerdeführerin lediglich eine zeitliche Einordnung vor (act. G 7). Der zeitliche
Aspekt allein besitzt indessen in solchen Fällen, in denen das Vorliegen einer
strukturellen Verletzung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
verneint werden kann, keine wissenschaftlich genügende Erklärungskraft (vgl. dazu
BSK UVG-Hofer, N 67 zu Art. 6; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 96 zu
4.9.
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5.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid nicht zu beanstanden
und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist (vgl.
Erwägung 1.1). Bei Streitigkeiten über Leistungen ist das Verfahren kostenpflichtig,
wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist (Art. 61 lit. f ATSG). Im UVG ist
eine solche Kostenpflicht nicht vorgesehen. Das Verfahren ist deshalb kostenlos.