Decision ID: fb44367b-47f6-56e0-b8aa-5ff18c4eb480
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach,
8887 Mels,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1969, meldete sich am 9. August 2008 aufgrund der Folgen ihrer
Brustkrebsbehandlung zum Bezug einer Perücke als Hilfsmittel bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 5 ff.).
A.b Mit Verfügung vom 12. September 2008 wurde der Versicherten die
Kostengutsprache für Perücken oder anderen Haarersatz einschliesslich Reparaturen
und Pflege erteilt (IV-act. 8 f.).
A.c Am 27. Oktober 2008 erstattete der behandelnde Arzt Dr. med. B._, Facharzt für
Allgemeine Medizin FMH, einen Arztbericht. Er diagnostizierte ein Mammacarzinom
links, Diabetes mellitus Typ I und arterielle Hypotonie und attestierte eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit ab 27. Mai 2008 bis noch andauernd. Die aktuellen vier
Chemotherapiezyklen seien Mitte September 2008 beendet worden (IV-act. 18-7).
A.d Am 27. Oktober 2008 meldete sich die Versicherte zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung - Massnahmen für die berufliche Eingliederung und Rente - bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 9-1 ff.).
A.e In einem internen Protokoll vom 10. November 2008 führte Dr. med. C._ vom
IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) nach einem gleichentags
stattgefundenen Gespräch mit dem behandelnden Arzt Dr. B._ aus, ein seit Mai 2008
erst-diagnostiziertes Mammacarcinom links, der Diabetes mellitus Typ I sowie der
Status nach bisweilen schweren depressiven Episoden mit suizidalen Phasen würden
die Arbeitsfähigkeit der Versicherten beeinträchtigen. Angesichts einer durch die
Chemotherapie bedingten Müdigkeit mit allgemeiner Schwäche sei die Versicherte in
ihrer bisherigen Tätigkeit als Produktionsarbeiterin noch nicht arbeitsfähig. Jedoch
werde die Versicherte Anfang 2009 wieder die volle (ursprüngliche) Arbeitsfähigkeit
erreichen (IV-act. 18-1 ff.).
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A.f Im Frühinterventions-Triage-Protokoll vom 12. Januar 2009 wurde vorgesehen,
die beruflichen Massnahmen aufgrund des aktuell instabilen Gesundheitszustandes
abzuweisen (IV-act. 20-1). Am 12. Januar 2009 teilte die SVA der Versicherten mit, auf
Grund ihres Gesundheitszustandes seien aktuell keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich. Der Verlauf werde geprüft und Mitte April 2009
würden weitere Abklärungen eingeleitet (IV-act. 21-1 f.).
A.g Am 7. Juli 2009 erstattete der RAD Bericht über die Beurteilung des
Gesundheitsschadens, der Arbeits- sowie der Eingliederungsfähigkeit. Die Versicherte
sei seit Juni 2008 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben und befinde sich seit Ende
April 2009 in gekündigter Stellung. Subjektiv fühle sie sich aktuell zwar
eingliederungsfähig, bringe aber selbst zum Ausdruck, dass eine Eingliederung graduell
zu erfolgen hätte. Aufgrund der Abklärung vom 7. Juli 2009 ergebe sich, dass die
Versicherte objektiv in einer körperlich leichten Tätigkeit, die keine allzu grossen
feinmotorischen Anforderungen stellen würde, ab sofort zu 100 % als arbeitsfähig
betrachtet werden könne (IV-act. 28-1 ff.).
A.h Eingliederungsverantwortliche, RAD-Arzt und IV-Stellen-Mitarbeiterin kamen
nach einem Gespräch mit der Versicherten vom 3. August 2009 zum Schluss, dass
keine Frühinterventionsmassnahmen erforderlich seien und kein Anspruch auf IV-
Leistungen bestehe. Mit Vorbescheid vom 7. August 2009 wurde der Versicherten eine
Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen und Rente in Aussicht gestellt. Es
liege kein Gesundheitsschaden vor, der sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde.
Für körperlich leichte Tätigkeiten, die keine allzu grossen feinmotorischen
Anforderungen stellen würde, bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 35-1 f.).
A.i Am 14. September 2009 bemängelte die Versicherte den Vorbescheid, da ihr Fall
aufgrund der unsicheren weiteren Krankheitsentwicklung noch nicht abgeschlossen
sei. Ab dem 10. September 2009 sei sie im Umfang von 50 % arbeitsfähig und beim
RAV Sargans angemeldet (IV-act. 36-1 f.).
A.j Mit Verfügung vom 1. Oktober 2009 (IV-act. 37-1 f.). wies die IV-Stelle das
Leistungsgesuch der Versicherten (Arbeitsvermittlung und Rente) ab.
B.
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B.a Gegen diese leistungsverweigernde Verfügung richtet sich die Beschwerde vom
30. Oktober 2009. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren Aufhebung, die
Zusprache einer Invalidenrente und eventualiter die nochmalige vorgängige Prüfung
der beantragten beruflichen Massnahmen. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen
aus, die angefochtene Verfügung würde sich auf die RAD-Abklärung vom 22. Juni 2009
abstützen; eine eigentliche Untersuchung habe dabei nicht stattgefunden. Übergangen
worden sei in der RAD-Abklärung insbesondere, dass sie seit der Operation erhebliche
Probleme mit dem linken Arm habe. Der behandelnde Arzt habe in diesem
Zusammenhang eine Lymphstase der linken oberen Extremität diagnostiziert. Es
bestehe aufgrund der ausgedehnten Schwellung des Vorderarms und der Hand eine
Einschränkung der Handfunktion, nicht nur in Bezug auf die Feinmotorik, sondern vor
allem bezüglich der Kraft. Es würden ihr Gegenstände entgleiten. Die Situation habe
sich vor allem verschlechtert, nachdem sie im Hinblick auf die Steigerung der
Arbeitsfähigkeit diese Hand vermehrt eingesetzt habe. Sie trage einen
Kompressionshandschuh und -strumpf für den Arm. Die Kraft in der Hand sei im
Seitenvergleich deutlich vermindert. Der Spitzgriff Daumen mit allen Langfingern sei
möglich, aber kraftlos. Zur Zeit werde noch eine intensivierte Lymphdrainage-
Behandlung durchgeführt. Sie bleibe auf das Tragen des Kompressionshandschuhs
und -strumpfes angewiesen. Zwar habe der behandelnde Arzt Dr. B._ ab 1.
September 2009 die Arbeitsfähigkeit versuchsweise auf 50 % festgelegt. Dr. B._
bezweifle aber, ob mit der massiven Schwellung und der damit verbundenen
Funktions- und Krafteinbusse überhaupt eine Vermittelbarkeit vorhanden sei. Die
Beschwerdeführerin verweist diesbezüglich auf den mit der Beschwerde eingereichten
Arztbericht von Dr. B._ vom 29. Oktober 2009 und die Krankenkarte (act. G 1.2.2, G
1.2.3). Prognostisch sei das Lymphödem auch mit Medikamenten zur Entstauung nicht
zu behandeln. Zudem habe sie in der Brust neue Knoten festgestellt. Mit dem
Kantonsspital St. Gallen sei deshalb ein neuer Termin im Dezember 2009 festgelegt
worden. Die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bestehe damit weiter. Entgegen der
Beurteilung des RAD bestehe damit auch in einer körperlich leichten Tätigkeit, die
keine allzu grosse feinmotorische Anforderung stellen würde, keine Arbeitsfähigkeit von
100 %. Gegebenenfalls sei die medizinische Situation umfassend zu klären (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 2. Dezember
2009 die Beschwerdeabweisung. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen Folgendes
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aus: Aufgrund der Angaben des Hausarztes vom April 2009, der RAD-Untersuchung
vom Juni 2009 und der Angaben der Beschwerdeführerin im August 2009 stehe fest,
dass der Gesundheitszustand mehrere Monate stabil und gut gewesen sei, so dass aus
objektiver Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit
bestanden habe. Im Oktober 2009 habe sich der Gesundheitszustand aufgrund einer
Schwellung der linken Hand offenbar verschlechtert. Dieser Umstand führe jedoch
nicht dazu, dass eine Rente ab Mai 2009 geschuldet sei. Wie in der angefochtenen
Verfügung erwähnt, sei eine Neuanmeldung bei einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes möglich. Sie habe daher in der angefochtenen Verfügung zu
Recht ein Anspruch auf IV-Leistungen abgewiesen. Die Beschwerdeschrift würde als
Neuanmeldung behandelt (act. G 4).
B.c In der Replik vom 4. Januar 2010 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. Sie führt im Wesentlichen aus, ihr Gesundheitszustand habe sich seit April 2009
zwar etwas stabilisiert. Da sie sich jedoch seither in einer "milden" Chemotherapie
befunden habe, sei ihr Gesundheitszustand nicht gut gewesen. Die Chemotherapie
habe zu einer allgemeinen, bisweilen ausgesprochen beschwerlichen Müdigkeit sowie
zu einem Taubheitsgefühl in den Fingern und Zehen geführt. Auch habe seit April 2009
aus objektiver Sicht keine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestanden. Dr. B._ habe ihr
effektiv vom 27. Mai 2008 bis 1. September 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
attestiert. Anschliessend habe er sie ab dem 2. September 2009 versuchsweise zu 50
% arbeitsfähig geschrieben. Anderslautende Angaben habe auch sie nicht gemacht.
Schliesslich gehe die Beschwerdegegnerin in der Annahme fehl, dass sich ihr
Gesundheitszustand im Oktober 2009 aufgrund einer Schwellung der linken Hand
verschlechtert habe. Vielmehr hätten seit der Operation erhebliche Probleme mit dem
linken Arm bestanden. Der RAD habe dies in seinem Bericht vom 7. Juli 2009 mit dem
Befund "linker Oberarm, linke Hand sowie sämtliche Finger links geschwollen"
erwähnt, jedoch werde dieser Befund bei der zusammenfassenden Beurteilung und
den Schlussfolgerungen bezüglich Eingliederungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit
übergangen. Die Schwellung ihrer linken Hand bzw. ihres linken Armes habe gemäss
dem mit der Replik eingereichten Bericht von Dr. B._ vom 22. Dezember 2009 (act. G
7.1.1) seit der Operation im Juni 2008 bestanden; der probatorisch gesteigerte Einsatz
der linken Hand Ende August / Anfangs September 2009 habe die Symptomatik aber
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wesentlich verschlechtert. Daher habeeine durchgehende Arbeitsunfähigkeit
bestanden. Eine Neuanmeldung würde dieserSituation nicht gerecht (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Strittig und zu prüfen ist vorliegend der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit
Hinweisen). Unter Berücksichtigung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung hat
das Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie
stammen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist deshalb allein
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
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ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
Rechtsprechungsgemäss kommt einem Gutachten oder anderen medizinischen
Beurteilungen schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht feststehen, dass die medizinischen
Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen entsprechen, was nicht mit medizinischen
Fachpersonen besetzte Behörden in der Regel nicht beurteilen können (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).
1.3 Die Invalidenrente wird gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG nach dem Grad der Invalidität
bestimmt. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% ist der Anspruch auf
eine halbe Rente gegeben. Eine Dreiviertelsrente steht denjenigen Versicherten zu, die
einen Invaliditätsgrad von mindestens 60% aufweisen und eine ganze Rente
denjenigen, deren Invaliditätsgrad mindestens 70% beträgt (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.
Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Beurteilung der zumutbaren
Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin auf das Ergebnis der RAD-Abklärung vom 22.
Juni 2009 (vgl. Art. 49 Abs. 2 IVV). Diese umfasste eine Erhebung der Anamnese, die
Befunde und Funktionsfähigkeit, die zusammenfassende Beurteilung sowie die
Schlussfolgerung bezüglich Eingliederungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit. Sie ergab,
dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten Tätigkeit,
die keine allzu grossen feinmotorischen Anforderungen stellt, ab sofort 100 %
ausmache. Die Beschwerdeführerin hält die RAD-Abklärung vom 22. Juni 2009 u.a.
deshalb für nicht beweiskräftig, weil eine eigentliche medizinische Untersuchung dabei
nicht stattgefunden habe. Übergangen werde in der Abklärung insbesondere, dass sie
seit der Operation erhebliche Probleme mit dem linken Arm habe. Zudem habe der
behandelnde Arzt Dr. B._ zwar die Arbeitsfähigkeit versuchsweise auf 50 %
festgelegt, aber gleichzeitig bezweifelt, ob mit der massiven Schwellung und der damit
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verbundenen Funktions- und Krafteinbusse überhaupt eine Vermittelbarkeit vorhanden
sei. Diesbezüglich verweist die Beschwerdeführerin auf den mit der Beschwerde
eingereichten Arztbericht von Dr. B._ vom 29. Oktober 2009 (act. G 1.2.2) sowie die
Krankenkarte (act. G 1.2.3). Entgegen der Beurteilung des RAD bestehe auch in einer
körperlich leichten Tätigkeit, die keine allzu grossen feinmotorischen Anforderungen
stelle, keine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Die erheblichen Probleme mit dem linken Arm
hätten im übrigen seit der Operation im Juni 2008 bestanden. Daher habe sich ihr
Gesundheitszustand entgegen der Meinung der Beschwerdegegnerin nicht erst im
Oktober 2009 verschlechtert. Diesbezüglich wird auf den ärztlichen Bericht von Dr.
B._ vom 22. Dezember 2009 verwiesen (act. G 7.1.1).
2.2 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt ins Gewicht, dass sich die
genannte Einschätzung des ärztlichen Sachverständigen des RAD einerseits und jene
des behandelnden Arztes Dr. B._ andererseits in der Beurteilung der
Leistungsfähigkeit ab Juni 2009 widersprechen. So hielt es Dr. C._ für angebracht,
der Beschwerdeführerin bereits ab dem Zeitpunkt der RAD-Abklärung vom 22. Juni
2009 für eine adaptierte Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit zu attestieren (IV-act. 28-2).
Dr. B._ hingegen gestand der Beschwerdeführerin bis am 31. August 2009 bzw. 8.
September 2009 eine 100 %ige und ab dem 1. (act. G 1.2.2., G 1.2.3) bzw. 9.
September 2009 (act. G 7.1.1) eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit zu.
2.3 Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin gemäss
Austrittsbericht der Kantonalen Psychiatrischen Klinik Waldhaus Chur vom 31. August
1999 in der Zeit vom 7. Juli 1999 bis 12. August 1999 aufgrund von Zwangsgedanken
oder Grübelzwang, wegen einer mittelgradigen depressiven Episode und wegen einer
Eisenmangelanämie stationär in Behandlung gewesen war (IV-act. 18-37). Die
zuständigen Ärzte erachteten sie in der Zeit vom 1. Juli bis 15. August 1999 als zu 100
% und ab dem 16. August 1999 als zu 50 % arbeitsunfähig. Die psychiatrische
Nachbetreuung wurde durch Klinikarzt Dr. med. H. Hahn ambulant übernommen (IV-
act. 18-38). Zudem befand sich die Beschwerdeführerin vom 30. Juni bis zum 11. Juli
2003 in stationärer Behandlung im Kantonalen Spital Walenstadt. Dort wurde am 23.
Juli 2003 die hauptsächliche Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 gestellt (IV-act. 18-33).
Die Ärzte des Spitals Walenstadt, in welchem die Beschwerdeführerin am 18. Mai 2006
ambulant behandelt wurde, diagnostizierten im Bericht vom 19. Mai 2006 eine
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Kreislaufdysregulation vasovagal, Anämie, Diabetes, Hypovolämie, Angststörung,
Depression, Diabetes mellitus Typ 1 sowie mikrozytäre Anämie (IV-act. 18-31). Obwohl
dem abklärenden Arzt des RAD diese Vorakten zur Verfügung standen, erfolgte kaum
eine Auseinandersetzung mit diesen Arztberichten. Vor dem Hintergrund der
psychischen Vorgeschichte der Beschwerdeführerin wäre die Anordnung einer
psychologischen oder psychiatrischen Begutachtung angezeigt gewesen. Dies zumal
Dr. B._ eine diesbezügliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bereits am 10.
November 2008 explizit geltend gemacht hat (IV-act. 18-1) und RAD-Arzt Dr. C._ als
Facharzt für Innere Medizin nicht geeignet erscheint, eine lang andauernde
psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Dazu kommt, dass sich die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Abklärung durch den RAD offenbar immer noch
einer "milden" Chemotherapie unterzogen hat (IV-act. 22-1, 23-2, 28-1). Es ist
aktenkundig, dass diese Form der Chemotherapie mit verschiedenen Nebenwirkungen
wie Müdigkeit mit allgemeiner Schwäche, Taubheitsgefühl in allen Fingern und Zehen
verbunden ist (IV-act. 18-1, 28-1 ff.). Es ist folglich nicht nachvollziehbar, wieso der
abklärende RAD-Arzt bereits von einem stabilen Gesundheitszustand ausgehen und
den Grad der Arbeitsfähigkeit auch für die Zukunft festsetzte, obwohl die Behandlung
zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war und mithin nicht von einem stabilen
Gesundheitszustand ausgegangen werden konnte. Schliesslich ist festzustellen, dass
im RAD-Abklärungsbericht vom 7. Juli 2009 die gesundheitlichen Probleme der
Beschwerdeführerin mit dem linken Arm bzw. der linken Hand explizit vermerkt sind
(IV-act. 28-2), diese gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdegegnerin im
Zeitpunkt der Abklärung am 22. Juni 2009 folglich bereits bekannt waren. Da im
Zeitpunkt der Beschwerdeantwort im Dezember 2009 Hinweise auf eine zumindest ab
September 2009 bestandene gesundheitliche Verschlechterung aufgrund massiver
Schwellungen und damit verbundener Funktions- und Krafteinbusse der linken
Extremität vorhanden waren, erscheint es verfehlt, dass die Beschwerdegegnerin den
Beginn der diesbezüglichen Verschlechterung des Gesundheitszustands erst im
Oktober 2009 ansetzte und die Beschwerdeschrift vom 30. Oktober 2009 somit als
Neuanmeldung behandelte (act. G 4, Ziff. III.2).
2.4 Hinsichtlich der sich in den Akten befindenden Berichte von Dr. B._ ist zu
bemerken, dass dessen Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit ab 27. Mai 2008 im
Umfang von 100 % (IV-act. 18-7) und ab 1. bzw. 9. September 2009 im Umfang von 50
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% (act. G 1.2.2, G 1.2.3, G 7.1.1) nicht näher begründet sind sowie keine Stellung dazu
nehmen, bezüglich welcher Tätigkeiten die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig ist.
Zudem ist nicht nachvollziehbar, wieso Dr. B._ der Beschwerdeführerin anlässlich
ihrer Konsultation am 20. März 2009 genau ab Datum 27. Mai 2009 eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert hat (act. G 1.2.3). Kommt hinzu, dass dem
Erfahrungsgrundsatz Rechnung zu tragen ist, dass behandelnde Ärzte die
Arbeitsfähigkeit ihrer Patienten eher pessimistischer einschätzen als unabhängige
Sachverständige. Das beruht unter anderem auf dem Therapieverhältnis, das die
behandelnden Ärzte dazu neigen lässt, die Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten
hoch zu gewichten und deren subjektive Selbsteinschätzung zu übernehmen (vgl. Urteil
des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 7. Oktober 2010, IV 2009/106,
E. 5.3). Schliesslich bezweifelt Dr. B._ die "Vermittelbarkeit" der Beschwerdeführerin
aufgrund der massiven Schwellung des Vorderarms sowie der Hand und der damit
verbundenen Funktions- und Krafteinbusse (act. G 1.2.2). Dies ist jedoch nicht relevant,
wird doch die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht vom Mediziner bestimmt,
und ist dabei stets auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen.
2.5 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass weder die ärztliche Beurteilung
des RAD noch die sich in den Akten befindenden übrigen Arztberichte eine
ausreichend zuverlässige Beurteilung des stabilen Gesundheitszustands und der
insgesamt unter allen relevanten Gesichtspunkten vorliegenden Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin (bis zum massgeblichen Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung) zulassen. Die Sachverhaltsabklärung ist zu ergänzen. Auch
eine allfällige psychiatrische Komponente wird dabei Berücksichtigung zu finden
haben.
2.6 Je nach Ergebnis der medizinischen Abklärungen werden schliesslich auch die
Möglichkeiten beruflicher Massnahmen bzw. des Anspruchs darauf erneut zu prüfen
sein.
3.
3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 1. Oktober 2009 dahingehend gutzuheissen, dass die
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Sache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
3.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Nach
Art. 95 Abs. 1 VRP/SG hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer Sicht in Bezug auf die
Kosten ein vollständiges Obsiegen der Beschwerdeführerin dar (vgl. SVR 1995 IV
Nr. 51 S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Es rechtfertigt sich daher, der
Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten gesamthaft aufzuerlegen. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
3.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP