Decision ID: 24183705-6a0f-4bb1-a2ea-1dcf2b36ce61
Year: 2008
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A.
Die deutsche Staatsangehörige A hält sich seit Dezember 2003 in der Schweiz auf. Sie ist bei der ihr zu 90 % gehörenden C GmbH angestellt. Für ihr Einkommen wird sie an der Quelle besteuert. Sie wurde (unter anderem) für die Steuerperioden 2003 und 2004 aufgefordert, Steuererklärungen einzureichen. Da sie dieser Aufforderung trotz Mahnung nicht nachkam, wurde sie vom kantonalen Steueramt am 31. Oktober 2005 bzw. 30. März/19. April 2006 für die Steuerperioden 2003 (ab 1.11.) und 2004 in Anwendung von § 139 Abs. 2 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) nach pflichtgemässem Ermessen mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. ... (zum Satz von Fr. ...) bzw. Fr. ... und einem steuerbaren Vermögen von je Fr. ... eingeschätzt. Die Einschätzungen wurden der Pflichtigen am 8. November 2005 bzw. 21. April 2006 zugestellt. Die Einsprachefristen liefen jeweils unbenützt ab.
B.
Die Pflichtige beantragte dem kantonalen Steueramt am 15. Februar 2007, es sei die Nichtigkeit dieser Einschätzungsentscheide festzustellen und es seien die gestützt darauf bezahlten Steuern zurückzuerstatten. Soweit das Steueramt diese Eingabe als Revisionsbegehren behandelte, wies es dieses am 7. Juni 2007 ab. Mit Einspracheentscheid vom 1. November 2007 hielt es daran fest. Es vertrat die Auffassung, die Einschätzungsentscheide seien der Pflichtigen formell gehörig eröffnet worden und daher nicht nichtig. Auch liege kein Revisionsgrund vor.
II.
Die Steuerrekurskommission II wies das Begehren um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands am 11. Januar 2008 und den Rekurs am 5. Mai 2008 ab.
III.
Mit Beschwerde vom 11. Juni 2008 liess die Pflichtige dem Verwaltungsgericht beantragen, es sei festzustellen, dass die Einschätzungsentscheide vom 31. Oktober 2005 bzw. 19. April 2006 für die Steuerperioden 2003 (ab 1.11.) und 2004 nichtig seien, und es seien die gestützt darauf bezahlten Steuern der Steuerperiode 2003 von Fr. ... zuzüglich Zinsen zurückzuerstatten. Ausserdem ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sowie Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands und verlangte die Zusprechung einer Parteienschädigung.
Während die Steuerrekurskommission II auf Vernehmlassung verzichtete, schloss das kantonale Steueramt auf Abweisung der Beschwerde.
Die Kammer

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Angefochten ist der Entscheid der Steuerrekurskommission II, womit diese in Übereinstimmung mit dem kantonalen Steueramt das Begehren der Pflichtigen um Revision der Einschätzungen für die Steuerperioden 2003 (ab 1.11.) und 2004 abgewiesen hat.
1.2
Die Nichtigkeit einer Verfügung oder eines Entscheids kann zwar jederzeit geltend gemacht werden, doch setzt deren förmliche Feststellung durch die Rechtsmittelinstanz nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts voraus, dass die Rechtsmittelfrist eingehalten wird (RB 2003 Nr. 94; dazu BGr, 6. Mai 2004, 2A.82/2004 E. 5.1; vgl. allerdings BGr, 26. Oktober 2006, 2A.241/2006, E. 2.2, www.bger.ch).
Im Übrigen wird der Anspruch auf einen Feststellungsentscheid im Verwaltungsverfahren anerkannt, wenn ein schutzwürdiges Interesse an der Feststellung besteht (RB 1996 Nr. 30).
Da die Rechtskraft einer Einschätzung Voraussetzung der Revision im Sinn von § 155 StG ist, muss die Frage der allfälligen Nichtigkeit des zu revidierenden Entscheids in diesem Zusammenhang vorfrageweise geprüft werden. Dies hat denn auch das kantonale Steueramt getan, indem es auf das Revisionsbegehren der Pflichtigen eingetreten ist, weil es die Auffassung vertreten hat, die streitbetroffenen Einschätzungen seien nicht nichtig und seien deshalb mit Ablauf der Einsprachefrist rechtskräftig geworden.
Ist die Frage der Nichtigkeit aber im Zusammenhang mit der Rechtskraft der zu revidierenden Einschätzungsentscheide zu prüfen, besteht auch kein schützenswertes Interesse an einer selbständigen Feststellung ihrer Nichtigkeit. Auf die Beschwerde ist daher insoweit nicht einzutreten.
1.3
Die Rückerstattung von Staats- und Gemeindesteuern ist eine Frage des Steuerbezugs, für welchen gemäss
§ 172 StG das Gemeindesteueramt zuständig ist (VGr, 16. April 2008, SB.2008.00004, E. 2.3, www.vgrzh.ch). Gegen dessen Entscheid kann nach § 178 StG Einsprache, gegen den Einspracheentscheid Rekurs beim kantonalen Steueramt erhoben werden (Abs. 1), das (kantonal) als letzte Instanz entscheidet (Abs. 3). Dem Verwaltungsgericht ist es demnach mangels sachlicher Zuständigkeit verwehrt, über den Rückerstattungsantrag der Pflichtigen zu befinden.
Mithin ist auch insoweit auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.
2.1
Nach § 155 StG kann ein rechtskräftiger Entscheid auf Antrag oder von Amtes wegen zugunsten des Steuerpflichtigen revidiert werden, wenn die in Abs. 1 lit. a-c dieser Bestimmung aufgeführten Gründe erfüllt sind. Die Revision ist indessen gemäss Abs. 2 ausgeschlossen, wenn der Antragsteller als Revisionsgrund vorbringt, was er bei der ihm zumutbaren Sorgfalt schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können.
Die Einschätzungsentscheide vom 31. Oktober 2005 und 30. März/19. April 2006 des kantonalen Steueramts für die Steuerperioden 2003 (ab 1.11.) und 2004 sind der Pflichtigen unstreitig am 8. November 2005 bzw. 21. April 2006 zugestellt worden. Die Einsprachefrist von 30 Tagen (§ 140 Abs. 1 StG) ist unbenützt abgelaufen. Die Einschätzungsentscheide sind damit rechtskräftig geworden, sofern sie nicht Mängel aufweisen, die zu ihrer Nichtigkeit führen.
2.2
2.2.1
Fehlerhafte Verwaltungsakte sind in der Regel nicht nichtig, sondern nur anfechtbar; sie werden also durch Nichtanfechtung rechtsgültig.
Nichtigkeit
, d.h. absolute Unwirksamkeit einer Verfügung wird nur angenommen, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders schwer wiegt, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der
Nichtigkeit