Decision ID: 6d5943a5-f354-561a-ba7a-5b51e9374033
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (geb. 1943) besitzt den Führerausweis seit 1968. Nach polizeilichen
Interventionen im häuslichen Bereich und Hinweisen ihres Sohnes auf eine
möglicherweise fehlende Fahreignung ergaben sich im Jahr 2008 nach einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung der Verdacht auf eine psychische Störung im
Sinn einer manisch-depressiven Erkrankung sowie Hinweise auf zumindest
episodischen Alkoholüberkonsum, die unkontrollierte Einnahme von Benzodiazepinen
und eine Gesichtsfeldeinschränkung nach einer transienten ischämischen Attacke (act.
8-9/18 ff.). Der Führerausweis wurde X.Y. deshalb vorsorglich entzogen (vgl. act.
8-9/29 ff.). Nachdem sie eine regelmässige psychiatrische Betreuung, die Einstellung
der Blutdruckwerte und eine Abstinenzkontrolle hinsichtlich Alkohol und
Benzodiazepinen nachgewiesen hatte, wurde die Fahreignung am 23. Februar 2010
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verkehrsmedizinisch unter Auflagen bejaht (act. 8-9/38 ff.). Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt hob den vorsorglichen Entzug am 11. März 2010 auf und verpflichtete
X.Y. auf unbestimmte Zeit zur regelmässigen psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung und zu augen- und hausärztlichen Kontrollen mit Verlaufsbeurteilung des
Alkoholkonsums (CDT, keine Haaranalysen; act. 8-9/59 f.).
B. Anlässlich einer erneuten polizeilichen Intervention im häuslichen Bereich im August
2011 hielten sich X.Y. und ihr Ehemann gegenseitig vor, psychiatrischer Behandlung zu
bedürfen (act. 8-9/74 ff., insbesondere 87). Ihr Sohn teilte dem Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt am 20. Oktober 2011 mit, seine Mutter trinke wieder vermehrt Alkohol
(act. 8-9/91 und 93). Die betreuende Psychiaterin berichtete am 26. Oktober 2011, X.Y.
wolle die psychiatrische Behandlung derzeit wegen Symptomfreiheit sistieren (act.
8-9/96). Gestützt auf ein verkehrsmedizinisches Aktengutachten hielt das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt am 21. November 2011 an den bisherigen
Auflagen fest (act. 8-9/100 f.). In der Folge gingen lediglich Bestätigungen der
Hausärztin und des Augenarztes ein. X.Y. gab am 21. Mai 2012 an, sie werde von der
Hausärztin psychologisch betreut (act. 8-9/107).
C. Mit der Begründung, sie sei seit Februar 2012 von ihrem „aggressiven Mann“, der
zum Sohn gezogen sei, geschieden, ersuchte X.Y. am 25. Oktober 2012 um Aufhebung
der Auflagen (act. 8-9/108). Im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 23. April 2013
wurde die Fahreignung aufgrund eines Alkoholmissbrauchs – über der Norm erhöhtes
MCV und GGT, 59 pg/mg Ethylglucuronid in der Haarprobe vom 13. März 2013,
Bagatellisierung des Konsums – wegen einer psychiatrischen Erkrankung mit derzeit
instabilem Verlauf – X.Y. hatte seit einem Jahr auf eine Behandlung verzichtet –
verneint. Als Bedingungen für die erneute verkehrsmedizinische und -psychologische
Beurteilung wurden eine fachärztliche psychiatrische Behandlung, eine betreute und
kontrollierte Alkoholabstinenz mit Haaranalysen auf EtG und Benzodiazepinen während
zwölf Monaten und die Einreichung eines aktuellen augenärztlichen
Untersuchungsberichts genannt (act. 8-9/115 ff.). Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt verfügte deshalb am 5. November 2013 einen Führerausweisentzug auf
unbestimmte Zeit aus medizinischen Gründen und machte die Prüfung der
Wiedererteilung von den im Gutachten genannten Bedingungen abhängig.
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Die Verwaltungsrekurskommission hiess den von X.Y. gegen den Sicherungsentzug
erhobenen Rekurs am 28. Mai 2014 gut und wies die Streitsache zur weiteren
Abklärung an die verfügende Behörde zurück. Das Gutachten vom 23. April 2013
vermöge den Nachweis einer die Fahreignung ausschliessenden psychischen
Erkrankung nicht zu erbringen. Ein Alkoholkonsum mit verkehrsrelevanter Bedeutung
sei nicht festgestellt worden. Es sei eine Neubeurteilung anhand eines umfassenden
verkehrsmedizinischen Gutachtens inklusive psychiatrischer Untersuchung
vorzunehmen, welche sich insbesondere auch zur Wechselwirkung zwischen
psychischer Erkrankung und Alkoholkonsum sowie zur Verkehrsrelevanz des
Alkoholkonsums äussere (act. 8-9/157 ff.).
D. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt entzog X.Y. am 20. Juni 2014 den
Führerausweis vorsorglich (act. 8-9/186 ff.) und beauftragte am 12. August 2014 die
Abteilung Verkehrsmedizin des Instituts für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen
mit der Beantwortung folgender Fragen:
a) Besteht eine Alkoholabhängigkeit beziehungsweise ein verkehrsrelevanter
Alkoholmissbrauch, wodurch zu erwarten ist, dass der Proband mehr als jede andere
Person gefährdet ist, ein Motorfahrzeug in alkoholisiertem Zustand zu lenken?
b) Leidet die Betroffene an einer psychischen Erkrankung? Wenn ja, an welcher
(Diagnose), und ist sie aufgrund derer in der Lage, Motorfahrzeuge im Strassenverkehr
sicher zu führen?
c) Gibt es eine Wechselwirkung zwischen psychischer Erkrankung und Alkoholkonsum
der Betroffenen? Wenn ja, wie wird eine allfällige Wechselwirkung zwischen
psychischer Erkrankung und Alkoholkonsum der Betroffenen beurteilt?
d) Liegen andere verkehrsmedizinisch relevante Befunde vor?
e) Sind weitere Abklärungen notwendig?
f) Lassen die Untersuchungsergebnisse den Schluss zu, dass zu erwarten ist, dass die
Betroffene zukünftig erheblich oder wiederholt gegen strassenverkehrsrechtliche
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Bestimmungen verstossen wird (charakterliche Nichteignung)? Wenn ja, welche
Problematik besteht und welche Massnahmen sollten ergriffen werden?
g) Kann die Fahreignung befürwortet werden und welche Auflagen sind allenfalls
notwendig?
h) Falls die Fahreignung nicht befürwortet werden kann, welche Bedingungen müssen
vor einer erneuten Beurteilung / Wiederzulassung erfüllt sein?
Für die verkehrsmedizinische Beurteilung wurde unter anderem ein Bericht der
Psychiaterin vom 22. Oktober 2014, bei welcher X.Y. seit 15. Juli 2014 in Behandlung
war, beigezogen. Darin wird ausgeführt, eine fundierte Diagnosestellung und
Behandlung sei erschwert. Eine tragfähige Patienten-Therapeutenbeziehung habe auch
deshalb nicht aufgebaut werden können, weil ihr sehr wichtig sei, in Bezug auf die
Fahreignung in einem positiven Licht zu stehen. Es gebe Hinweise auf eine wahnhafte
Symptomatik (Beeinträchtigungsideen) und eine leichte kognitive Beeinträchtigung. Die
Symptomatik sei unverändert geblieben und die Prognose aktuell stationär bis unsicher
(act. 8-9/207). Die Analyse der am 6. November 2014 entnommenen Haarprobe ergab
einen Ethylglucuronid-Gehalt von 42 pg/mg (act. 8-9/209). Der Verkehrspsychologe
kam im Bericht vom 21. November 2014 zum Schluss, aufgrund der mindestens
mittelstark beeinträchtigten Leistungsfähigkeit im Arbeitstempo, bei der visuellen
Orientierung, in der Wahrnehmung der komplexen Figur, in der Wahrnehmung ins linke
und rechte Gesichtsfeld sowie beim Wert für die geteilte Aufmerksamkeit sei die
Fahreignung nicht gegeben (act. 8-9/207 f.).
Im Gutachten vom 5. Dezember 2014 wird festgehalten, gesamthaft ergäben sich
deutliche Hinweise auf eine Alkoholproblematik zumindest im Sinn eines
Alkoholmissbrauchs. Ob X.Y. an einer manisch-depressiven Erkrankung leide, könne
nicht sicher beantwortet werden. Im Gutachtergespräch seien keine sicheren
wahnhaften Denkinhalte ausgemacht worden. Weiter bestehe der Verdacht auf ein
leicht ausgeprägtes anamnestisches Syndrom. Diese Störung insbesondere des
Kurzzeitgedächtnisses könne im Rahmen eines seit vielen Jahren bestehenden,
chronischen Alkoholüberkonsums auftreten. Die verkehrspsychologische
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Leistungsdiagnostik habe die Fahreignung ausschliessende kognitive Defizite gezeigt
(act. 8-9/211 f.).
Das Gutachten wurde am 17. März 2015 mit der Beantwortung der vom
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt gestellten Fragen ergänzt. Aufgrund der
fehlenden Problemeinsicht sei die Wahrscheinlichkeit einer Verkehrsteilnahme trotz
vorherigen relevanten Alkoholkonsums deutlich erhöht (zu a). Hinsichtlich
psychiatrischer Störungen könne keine endgültige Diagnose gestellt werden. Die
fehlende Offenheit und Krankheitseinsicht könne dazu führen, dass ein Wiederauftreten
der – möglicherweise bestehenden – Erkrankung zu spät bemerkt werde, was zu einem
erheblichen Risiko im Strassenverkehr führen könne. Da sich die möglichen
wahnhaften Gedankeninhalte auf das familiäre System zu begrenzen scheinen, sei eher
nicht von einer Verkehrsrelevanz auszugehen (zu b). Bei manisch-depressiven
Erkrankungen sei ein Substanzmissbrauch oder eine Substanzabhängigkeit einer der
häufigsten komorbid auftretenden Störungen insbesondere im Sinne eines individuellen
Therapieversuches. Das bedinge gleichzeitig eine Verschlechterung der Prognose (zu
c). Die Gesichtsfeldeinschränkung sei bezüglich der Fahreignung grenzwertig (zu d).
Bezüglich der psychiatrischen Verdachtsdiagnosen sei im Hinblick auf eine suffiziente
Therapie eine kontinuierliche psychiatrische Betreuung zur weiteren Abklärung und
genaueren Diagnosestellung dringend notwendig, was die Bereitschaft voraussetze,
offen und ehrlich über bestehende Schwierigkeiten zu sprechen (zu e). Aufgrund der
Untersuchungsergebnisse sei zu erwarten, dass die Betroffene zukünftig erheblich oder
wiederholt gegen strassenverkehrsrechtliche Bestimmungen verstosse (Leistung und
Charakter, zu f). Die Fahreignung könne wegen der nachweisbaren verkehrsrelevanten
kognitiven Leistungseinbussen sowie der charakterlichen Schwierigkeiten und der
Hinweise auf eine Alkoholmissbrauchsproblematik sowie einer zusätzlich bestehenden,
diagnostisch noch nicht endgültig eingegrenzten psychischen Störung nicht
befürwortet werden (zu g; act. 8-9/246 ff.).
E. Gestützt auf die verkehrsmedizinische und -psychologische Beurteilung vom 5.
Dezember 2014/17. März 2015 entzog das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt X.Y.
am 6. Mai 2015 den Führerausweis mangels ausreichender körperlicher und geistiger
Leistungsfähigkeit und mangels charakterlicher Eignung auf unbestimmte Zeit. In den
Gutachtensergänzungen werde ihre Fahreignung aufgrund der nachweisbaren
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verkehrsrelevanten kognitiven Leistungseinbussen sowie der charakterlichen
Schwierigkeiten und der Hinweise auf eine Alkoholmissbrauchsproblematik sowie eine
zusätzlich bestehende, diagnostisch noch nicht endgültig eingegrenzte psychischen
Störung nicht befürwortet. Als Bedingung für die Wiederzulassung wurde die
Durchführung eines ergotherapeutischen Neurotrainings mit zwei Wochenstunden über
mindestens ein Jahr, eine Alkoholabstinenz von mindestens zwölf Monaten mit
halbjährlichen Haaranalysen, eine regelmässige ambulant-psychiatrische Betreuung zur
genauen diagnostischen Eingrenzung der psychischen und neurokognitiven
Auffälligkeiten sowie die Durchführung einer Goldmann-Perimetrie und einer
verkehrsmedizinisch-verkehrspsychologischen Kontrolluntersuchung vorgängig einer
künftigen Neubeurteilung verlangt.
Den von X.Y. gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs wies die
Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 7. Januar 2016 ab mit der
Begründung, die kognitive Leistungsfähigkeit von X.Y. sei zweifelsfrei ungenügend.
Zudem habe bei ihr im fraglichen Zeitpunkt auch eine Alkoholsucht im
verkehrsmedizinischen Sinn bestanden. Hinweise für eine charakterliche Nichteignung
lägen zwar keine vor, da ihr der Führerausweis aber in erster Linie mangels geistiger
Leistungsfähigkeit entzogen worden sei, erübrige sich eine diesbezügliche Aufhebung
der Verfügung. Eine abschliessende Diagnose einer psychischen Störung ergebe sich
zwar aus den aktuellen Gutachten ebenfalls nicht, jedoch würden genügend
Anhaltspunkte vorliegen, um die damit verbundene Anordnung einer regelmässigen
ambulant-psychiatrischen Betreuung zu rechtfertigen.
F. X.Y. (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 13. Januar 2016 versandten
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 28. Januar 2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben, soweit damit ein definitiver Sicherungsentzug auf unbestimmte
Zeit verfügt worden sei. Es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin nicht an
einer die Fahreignung ausschliessenden Sucht oder psychischen Störung leide und es
seien die damit verbundenen „Auflagen“ – Alkoholabstinenz und ambulant-
psychiatrische Betreuung – aufzuheben.
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Die Vorinstanz verwies am 11. Februar 2016 auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt (Beschwerdegegner) verzichtete am 19. Februar 2016 auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird – soweit wesentlich – in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Der Beschwerdegegner hat der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 6. Mai 2015
den Führerausweis mangels körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit (Art. 16d Abs.
1 Ingress und lit. a des Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, SVG) und mangels
charakterlicher Eignung (Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. c SVG) auf unbestimmte Zeit
entzogen. Die Vorinstanz hat den dagegen erhobenen Rekurs im Dispositiv des
angefochtenen Entscheides zwar abgewiesen. In den Erwägungen hielt sie aber fest,
die charakterliche und die Nichteignung wegen einer psychischen Erkrankung seien
nicht rechtsgenüglich nachgewiesen. Im Zeitpunkt der Begutachtung habe aber eine
Alkoholsucht im verkehrsmedizinischen Sinn (Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. b SVG)
bestanden. Die Beschwerdeführerin macht geltend, es gebe keine objektiven
Anzeichen für einen definitiven Sicherungsentzug. Sie bestreitet, dass
verkehrsrelevante kognitive Leistungseinbussen (dazu nachfolgend Erwägung 2.1), eine
die Fahreignung ausschliessende psychische Störung (dazu nachfolgend Erwägung
2.2) sowie eine verkehrsmedizinisch relevante „Alkoholsucht“ (dazu nachfolgend
Erwägung 2.3) nachgewiesen seien. Ergänzend ist zur Frage der die Fahreignung
ausschliessenden psychischen Störung auf den vom Beschwerdegegner angeführten
Ausschluss der Fahreignung der Beschwerdeführerin aus charakterlichen Gründen
einzugehen (dazu nachfolgend Erwägung 2.4).
2.1.
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2.1.1. Nach Art. 14 Abs. 2 Ingress und lit. b SVG verfügt über Fahreignung, wer die
erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von
Motorfahrzeugen hat. Gemäss Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. a SVG wird der
Führerausweis auf unbestimmte Dauer entzogen, wenn die körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein Motorfahrzeug sicher zu führen.
Bestehen Zweifel an der Fahreignung wird entsprechend Art. 15d Abs. 1 Ingress SVG
eine Fahreignungsuntersuchung angeordnet. Bei sowohl verkehrsmedizinischen als
auch verkehrspsychologischen Fragestellungen ist gemäss Art. 28a Abs. 3 der
Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr
(Verkehrszulassungsverordnung; SR 741.51, VZV) eine verkehrsmedizinische
Untersuchung durch einen Arzt mit der Anerkennung der Stufe 4 im Sinn von Art. 5bis
VZV und eine verkehrspsychologische Untersuchung durch einen Psychologen mit der
Anerkennung nach Art. 5c VZV durchzuführen. Der Richter ist an die Auffassung des
Experten gebunden, soweit Fachfragen betroffen sind und soweit nicht triftige Gründe
für eine abweichende Würdigung sprechen (BGer 1C_7/2017 vom 10. Mai 2017 E. 3.5
mit Hinweis auf BGE 132 II 257 E. 4.4.1). Er hat zu prüfen, ob sich auf Grund der
übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die
Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm die
Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat er nötigenfalls
ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben (vgl. BGE 133 II 384 E.
4.2.3).
2.1.2. Sowohl der Beschwerdegegner als auch die Vorinstanz stützten ihre Beurteilung,
der Beschwerdeführerin sei die Fahreignung mangels ausreichender kognitiver
Leistungsfähigkeit abzusprechen, auf den schriftlichen Bericht vom 21. November 2014
zur verkehrspsychologischen Untersuchung vom 16./30. Oktober 2014 und die
Ergänzung vom 12. März 2015 (act. 8-9/218 ff. und 251 ff.). Bericht und Ergänzung
wurden von Dr. A.B., Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP und
Verkehrspsychologe VfV, erstattet. Dass er die Voraussetzungen von Art. 5c VZV erfüllt,
ist unbestritten. Er stellte eine mindestens mittelstarke Beeinträchtigung des
allgemeinen Leistungsniveaus – mit Hauptschwierigkeiten bei der Reaktion ins
Gesichtsfeld, beim Spurhalten, bei der geteilten Aufmerksamkeit, bei der visuell-
räumlichen Wahrnehmung und beim Arbeitstempo – fest und verneinte aufgrund
dessen die Fahreignung der Beschwerdeführerin. Die Vorinstanz begründete
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ausführlich, weshalb das Gutachten in diesem Punkt als durchwegs schlüssig und
widerspruchsfrei erachtet werden kann (vgl. angefochtener Entscheid E. 2c). Darauf
kann vollumfänglich verwiesen werden.
2.1.3. Was in der Beschwerde dagegen vorgebracht wird, vermag an dieser
Beurteilung nichts zu ändern. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist es –
gerade wegen der diesbezüglich „fehlenden fachlichen Kompetenz im Spruchkörper“ –
nicht Aufgabe des Gerichts, eine gutachterliche Beurteilung der
verkehrspsychologischen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin vorzunehmen.
Wenn die Vorinstanz anhand ihrer Kenntnisse über verkehrspsychologische
Testverfahren ausführlich prüft, ob das verkehrspsychologische Gutachten
diesbezüglich nachvollziehbar, schlüssig und widerspruchsfrei ist, kommt sie der
Pflicht zur rechtlichen Würdigung vorbildlich nach. Der Vorwurf der Verletzung der
Begründungspflicht erweist sich deshalb als unbegründet.
Die Beschwerdeführerin beanstandet, es sei unklar, wie der für die Fahreignung
erforderliche Leistungsgrad wissenschaftlich festgelegt und wo er geregelt werde. Es
müsste unter anderem aufgezeigt werden, in welchem Bereich einer
altersentsprechenden Kontrollgruppe sich die Ergebnisse der Beschwerdeführerin
befinden. Kognitive Leistungstests, welche den psychomotorischen Bereich der
Fahraufgabe abdecken, wurden sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland und
Österreich entwickelt. Die Fachleute in diesen Ländern sind sich einig darüber, dass
auf der Leistungsseite hauptsächlich die Bereiche visuelle Wahrnehmung,
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung, Reaktionsverhalten und
sensomotorische Koordination relevant sind. Die in der verkehrspsychologischen
Untersuchung eingesetzten Leistungstests – Kopieren der komplexen Figur nach Rey,
Durchstreichetest Deux-Barrages, SVN 2000, Figurenfeld, ART 2020,
Aufmerksamkeitstest unter Monotonie, verkehrsspezifischer Überblick TT15 und
Trackingaufgabe PVT – werden im Anhang zum Bericht des Verkehrspsychologen vom
21. November 2014 detailliert beschrieben. Sie sind geeignet, die für das Lenken von
Motorfahrzeugen bedeutsamen geistigen Fähigkeiten und die Abweichungen von der
durchschnittlichen Leistungsfähigkeit zu messen (vgl. beispielsweise J. Bächli-Biétry,
Was kann die Verkehrspsychologie im Bereich Fahreignungsdiagnostik leisten? in: R.
Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S.
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55 ff., S. 77; Expertengruppe Verkehrssicherheit, Verdachtsgründe fehlender
Fahreignung, Massnahmen, Wiederherstellung der Fahreignung, Leitfaden für die
Administrativ-, Justiz- und Polizeibehörden, 26. April 2000, Anhang 2
Verkehrspsychologische Normaluntersuchung 1996; M. Russ, Rey Complex Figure
Test [CFT], Anleitung für die Anwendung im Frankfurter Neuropsychologischen
Testprofil [FNTP], Stand 4. Februar 2014, www.fntp.de, Downloads; Materialien und
Normwerte für die Neuropsychologische Diagnostik MNND, Ch. Balzer, Test des Deux
Barrages T2B, www.normdaten.ch, Deux Barrages). Dem Bericht sind die Normwerte
der einzelnen Leistungstests (Angabe in sogenannten Prozenträngen) – und damit auch
die jeweiligen Mindestanforderungen – zu entnehmen (vgl. act. 8/9 S. 221 f.). Die
Beschwerdeführerin bringt im Übrigen nichts vor, was – in Bezug auf ihre
psychophysische Leistungsfähigkeit – Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens
aufkommen liesse. Vielmehr akzeptiert sie einen vorsorglichen Führerausweisentzug,
„solange kein erneutes verkehrspsychologisch ausreichendes Gutachten vorliegt“.
Eine altersabhängige Differenzierung ist im Gesetz nicht vorgesehen und mit Blick auf
den Schutz der Verkehrssicherheit auch nicht gerechtfertigt. Die Fahreignung bildet
gemäss Art. 14 SVG neben der Fahrkompetenz eine Grundvoraussetzung für das
Führen von Motorfahrzeugen (Abs. 1) und wird positiv umschrieben (Abs. 2). Sie ist nur
insoweit relativ, als die Anforderungen je nach Fahrzeugart und Ausweiskategorie
unterschiedlich hoch angesetzt sind (vgl. BGE 133 II 384 E. 3.2). In diesem Rahmen
gelten die Mindestanforderungen an die psychophysische Leistungsfähigkeit für
Motorfahrzeugführer jeden Alters gleichermassen, weshalb bei
verkehrspsychologischen Leistungstests altersbedingte Kriterien zu Recht keine
Beachtung finden. Es erübrigt sich deshalb, die ermittelte psychophysische
Leistungsfähigkeit in den Kontext einer altersentsprechenden Kontrollgruppe zu stellen.
Es trifft zwar zu, dass gemäss Ergänzung zum verkehrsmedizinischen Gutachten vom
17. März 2015 verschiedene psychiatrische Störungen diskutiert werden, eine
endgültige Diagnose bisher aber aufgrund einer fehlenden tragfähigen Patienten-
Therapeuten-Beziehung durch die aktuell behandelnde Psychiaterin nicht gestellt
werden konnte. Ob die mittels verkehrspsychologischer Leistungsdiagnostik
festgestellte, die Fahreignung der Beschwerdeführerin ausschliessende mindestens
mittelstarke Beeinträchtigung ihrer Leistungsfähigkeit auf ein amnestisches Syndrom
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zurückzuführen ist, ist für die Beurteilung der Rechtmässigkeit des definitiven – oder
wie von der Beschwerdeführerin bevorzugten vorläufigen – Sicherungsentzugs nicht
von Belang. Eine abschliessende psychiatrische Diagnose ist nicht erforderlich.
2.1.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass Beschwerdegegner und Vorinstanz der
Beschwerdeführerin zu Recht die Fahreignung mangels ausreichender geistiger
Leistungsfähigkeit im Sinn von Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. a SVG abgesprochen
haben. Soweit mit der Beschwerde verkehrsrelevante kognitive Leistungseinbussen
bestritten werden, ist sie deshalb abzuweisen.
Abzuweisen ist damit auch der Antrag der Beschwerdeführerin, es sei ihr der
Führerausweis bloss vorsorglich zu entziehen. Beim vorsorglichen
Führerausweisentzug nach Art. 30 VZV handelt es sich (ausschliesslich) um eine
vorsorgliche Massnahme im Rahmen des Sicherungsentzugsverfahrens. Im Anschluss
an dessen Verfügung hat die Behörde die notwendigen Vorkehren zur definitiven
Abklärung der Fahreignung von Amtes wegen und ohne Verzug zu treffen und das
Verfahren innert angemessener Frist abzuschliessen. Wird die fehlende Fahreignung
nachgewiesen, so muss unmittelbar der Sicherungsentzug selber angeordnet werden
(vgl. BGE 125 II 492 E. 2b). Die Leistungsunfähigkeit der betroffenen Person muss
dabei zwar von einer gewissen Dauer sein. Bloss aufgrund der Möglichkeit, dass die
Beschwerdeführerin durch entsprechendes Training ihre Leistungsdefizite in
ungewisser Zeit beheben kann, gelten diese jedoch nicht als eine lediglich
vorübergehende gesundheitliche Beeinträchtigung wie es beispielsweise bei einer
Grippe oder einer Lungenentzündung der Fall ist (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des
schweizerischen Strassenverkehrsrechts – Band III: Die Administrativmassnahmen,
Bern 1995, Rz. 2090). Deshalb kommt eine Weiterführung des vorsorglichen
Führerausweisentzugs als „mildere Massnahme mit dem gleichen Effekt“ nicht in
Frage. So oder anders hat die Beschwerdeführerin den Erfolg des Neurotrainings in
einer erneuten verkehrspsychologischen Untersuchung nachzuweisen.
2.2. In der Verkehrsmedizin wird die Auffassung vertreten, ebenso wie schwere
Depressionen – das heisst wahnhafte oder agitierte Depressionen, Depressionen mit
suizidalen oder stuporösen Symptomen sowie rezidivierende Depressionen –
schlössen alle Ausprägungsarten bipolarer Störungen die Fahreignung aus. Das gilt
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auch für wahnhafte Störungen, es sei denn der Wahn könne hinsichtlich Thematik und
Dynamik als nicht verkehrsrelevant beurteilt werden (vgl. Afflerbach/Ebner/Dittmann,
Fahreignung und psychische Störungen, in: Schweiz Med Forum 2004 S. 701 ff., S.
704 f.). Auch im verkehrsmedizinischen Gutachten wird ausgeführt, bei einer manisch-
depressiven Erkrankung handle es sich um eine Krankheit mit hoher Verkehrsrelevanz.
Manische Phasen führten zu einer, der Situation unangemessenen und dadurch
auffällig gehobenen, expansiven oder gereizten Stimmungslagen mit deutlich erhöhtem
Erregungsniveau, Antriebssteigerung, Rededrang, Ideenflucht, reduzierten sozialen
Hemmungen, überzeugter Selbsteinschätzung, Ablenkbarkeit sowie riskantem
Verhalten.
Bei der Beschwerdeführerin wurde indessen bis anhin keine verkehrsrelevante
psychiatrische Erkrankung – sei es eine manisch-depressive (bipolare), sei es eine
wahnhafte Störung – diagnostiziert. Im Gutachten und in der Ergänzung dazu wird
dargelegt, die behandelnde Psychiaterin äussere den Verdacht auf eine gegenwärtig
remittierte bipolare Störung. Mangels Befreiung vom Arztgeheimnis seien die
Diagnosen anlässlich zweier fürsorgerischer Unterbringungen in der Psychiatrischen
Klinik in Wil nicht bekannt. Ob die Beschwerdeführerin an einer manisch-depressiven
Erkrankung leide, könne nicht sicher beantwortet werden (act. 8-9/211). Bei einer
remittierten bipolar affektiven Störung sei die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls ohne
medikamentöse Behandlung deutlich erhöht und die Fahreignung nur bei einer
engmaschigen psychiatrischen Behandlung mit Offenlegen vorhandener psychischer
Symptome und Krankheitsverständnis, Krankheitseinsicht und wenn notwendig
Behandlungseinsicht gegeben. Differentialdiagnostisch falle nach der Beurteilung der
behandelnden Psychiaterin eine wahnhafte Störung in Betracht. Im Gutachtergespräch
seien keine sicheren wahnhaften Denkinhalte ausgemacht worden (act. 8-9/212).
Die Beschwerdeführerin möchte den Umstand, dass sie an keiner verkehrsrechtlich
relevanten psychischen Störung leide, festgestellt haben. Eine solche Feststellung ist
indessen nicht möglich. Die Diagnose einer psychischen Störung ist eine medizinische
Fragestellung. In rechtlicher Hinsicht kann einzig festgestellt werden, dass mangels
Diagnose einer verkehrsrechtlich relevanten psychischen Störung der Entzug des
Führerausweises auf unbestimmte Zeit nicht mit dem Vorhandensein einer solchen
Störung begründet werden kann. Diese Feststellung hat indessen bereits die
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Vorinstanz getroffen. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt deshalb als
unbegründet.
2.3.
2.3.1. Nach Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. b SVG wird der Führerausweis einer Person
auf unbestimmte Dauer entzogen, wenn sie an einer die Fahreignung ausschliessenden
Sucht leidet. Trunksucht im Sinn dieser Bestimmung wird bejaht, wenn der Lenker
diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu
überwinden oder zu kontrollieren vermag. Er muss mithin in einem Masse abhängig
sein, dass er mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem
Zustand ans Steuer eines Fahrzeugs zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr
gewährleistet. Nach der Rechtsprechung darf auf fehlende Fahreignung geschlossen
werden, wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der
Suchtbegriff deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff der
Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls
ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können vom Führen eines Motorfahrzeugs ferngehalten
werden (vgl. BGE 129 II 82 E. 4.1; 127 II 122 E. 3c; BGer 1C_446/2012 vom 26. April
2013 E. 3.2).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht auf
einer hinreichend umfassenden Untersuchungen beruht, die Vorbringen der
untersuchten Person berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGer 1C_5/2014 vom 22. Mai 2014 E. 3.3 mit Hinweisen auf
BGE 125 V 351 E. 3a und 1C_359/2008 vom 23. Februar 2009 E. 2.2). Genügen die
vom Gutachter getätigten Abklärungen und die dem Gericht anderweitig zur Kenntnis
gebrachten entscheidrelevanten Informationen nicht, um die Fahreignung zu verneinen,
bestehen aber begründete Zweifel an der Fahreignung fort, muss das Gericht ein
Zusatzgutachten einholen und dabei den Auftrag klar formulieren. Ohne hinreichende
Tatsachenlage und medizinische Diagnose darf es selbst keine Diagnose stellen und
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gestützt darauf auf fehlende Fahreignung schliessen (vgl. BGer 6A.5/2004 vom 17. Mai
2004 E. 3.3).
2.3.2. In den verkehrsmedizinischen und -psychologischen Untersuchungen der
Beschwerdeführerin wurden zum Alkoholkonsum der Beschwerdeführerin folgende
Tatsachen erhoben: Die Beschwerdeführerin gab zu ihrem Alkoholkonsum an, dreimal
wöchentlich gewöhnlich 1 Glas, maximal drei Gläser Prosecco zu trinken. Die
Haaranalyse ergab eine Ethylglucuronid-Konzentration von 42 pg/mg. Während der
Auflagenkontrolle waren im Januar und September 2014 die CDT-Werte auffällig. Die
behandelnde Psychiaterin äusserte den Verdacht auf einen schädlichen Gebrauch von
Alkohol, wobei auch an eine Abhängigkeit zu denken sei. Eine genaue Einordnung sei
mangels Angaben zu Konsummuster und Ausmass nicht möglich. Im Fragebogen für
alkoholauffällige Kraftfahrer (TAAK) ist der Wert für die alkoholspezifische Dissimulation
auffällig. Nicht auffällig sind die Werte unter anderem für das Gefahrenbewusstsein und
die Normenakzeptanz. Im Gutachten werden diese Tatsachen wie folgt gewürdigt: Die
Differenz zwischen den Angaben zum Konsum und dem nachgewiesenen
Ethylglucuronid-Gehalt weise auf eine häufige suchttypische Verleugnung hin.
Gesamthaft ergäben sich deutliche Hinweise auf eine Alkoholproblematik zumindest im
Sinn eines Alkoholmissbrauchs. In der Ergänzung vom 17. März 2015 zum Gutachten
wird ausgeführt, der Beschwerdeführerin sei es offensichtlich nicht möglich, das
Ausmass ihres Alkoholkonsums richtig einzuschätzen und die Trinkmenge zu
reduzieren, weshalb aufgrund der fehlenden Problemeinsicht die Wahrscheinlichkeit
einer Verkehrsteilnahme trotz vorherigen relevanten Alkoholkonsums im Vergleich zu
einer anderen Person deutlich erhöht sei. Eine Alkoholabhängigkeit wurde nicht
diagnostiziert.
2.3.3. EtG-Werte von 30 pg/mg und mehr sprechen für einen übermässigen
Alkoholkonsum (BGE 140 II 334 E. 7; Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin,
Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von EtG in Haarproben, Version 2014, Ziffern
6.1 und 6.2, www.sgrm.ch Verkehrsmedizin/Dokumente zur Haaranalytik). Da einerseits
der Sicherungsentzug dem Interesse der Verkehrssicherheit dient und in diesen
Verfahren deshalb keine Unschuldsvermutung gilt und anderseits der ermittelte EtG-
Wert nach unten und nach oben mit der gleichen Messunsicherheit von 25 Prozent
behaftet ist, ist auf diesen Mittelwert abzustellen (BGE 140 II 334 E. 6). Die
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unterschiedliche Beweislast beim erstmaligen Entzug und bei der Wiedererteilung des
Führerausweises stellt keinen sachlichen Grund dar, welcher im vorliegenden Verfahren
eine Korrektur des Messwerts nach unten verlangte. Der bei der Beschwerdeführerin
festgestellte EtG-Wert von 42 pg/mg deutet damit auf einen übermässigen
Alkoholkonsum hin. Allein dieses Analyseresultat erlaubt aber noch keinen
zweifelsfreien objektiven Befund einer Alkoholsucht und damit eines verkehrsrelevanten
Alkoholmissbrauchs. Ein solcher Befund liegt vor, wenn der Proband zwischen seinem
Alkoholkonsum und einem verantwortungsvollen Verhalten im Strassenverkehr nicht
ausreichend zu differenzieren vermag beziehungsweise wenn die naheliegende Gefahr
besteht, dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt
(BGer 1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.3 zu EtG-Werten von 45 pg/mg und
66 pg/mg).
Weitere in der verkehrsmedizinischen und -psychologischen Untersuchung erhobene
Tatsachen – die Angaben der behandelnden Psychiaterin, die erhöhten CDT-Werte
während der Auflagenkontrolle, die Selbsteinschätzung im Fragebogen für
alkoholauffällige Kraftfahrer – verstärken den Verdacht, dass die Beschwerdeführerin –
allenfalls im Zusammenhang mit der möglichen psychiatrischen Erkrankung – zum
Alkoholmissbrauch neigt. Im Gutachten wird keine Alkoholabhängigkeit der
Beschwerdeführerin diagnostiziert. Es ist von deutlichen Hinweisen auf eine
Alkoholproblematik im Sinn eines zumindest vorliegenden Alkoholmissbrauchs die
Rede. Die Verkehrsrelevanz des Alkoholmissbrauchs wurde nicht thematisiert. Vielmehr
wurde zusammenfassend die Fahreignung wegen „fortbestehendem“
Alkoholmissbrauch nicht befürwortet. Der automobilistische Leumund der
Beschwerdeführerin ist – mit Ausnahme der Sanktionierung einer Fahrt ohne
Führerausweis – ungetrübt. Insbesondere aber ist nicht aktenkundig, dass sie in der
Vergangenheit in fahrunfähigem Zustand ein Motorfahrzeug gelenkt hätte. Insoweit ist
fraglich, inwieweit die kritischen Hinweise im Bericht des Verkehrspsychologen zu den
Antworten im Fragebogen für alkoholauffällige Kraftfahrer – thematisiert und erkennt
das problematische Verhalten in der Vergangenheit zu wenig, geht zu wenig auf ihr
früheres Fehlverhalten ein – von Belang sind. Vielmehr wird in diesem Zusammenhang
auch festgehalten, die Werte für Informationsdefizite, Gefahrenbewusstsein,
Normenakzeptanz, alkoholaffine Einstellung und alkoholaffines Umfeld seien nicht
auffällig (act. 8-9/224). Zur praktischen Bedeutung der Fahrberechtigung für die
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Beschwerdeführerin äussert sich die gutachterliche Beurteilung nicht. Insbesondere
haben weder der Verkehrsmediziner noch der Verkehrspsychologe Abklärungen
darüber getroffen, in welchem Umfang und unter welchen Umständen die
Beschwerdeführerin ein Motorfahrzeug lenken würde, wenn sie wieder im Besitz des
Führerausweises sein sollte. Ebensowenig wurde der Zusammenhang zwischen
Alkoholkonsum und Führen eines Motorfahrzeuges in der Zeit, als die
Beschwerdeführerin im Besitz des Führerausweises war, geklärt.
Das Gutachten genügt deshalb noch nicht als Nachweis dafür, dass die
Beschwerdeführerin nicht in der Lage ist, Alkoholkonsum und Strassenverkehr
ausreichend zu trennen. Insgesamt ist der erforderliche Suchtnachweis damit nicht
abschliessend erbracht. Die vorinstanzliche Feststellung in der Begründung zum
angefochtenen Entscheid, bei der Beschwerdeführerin habe im fraglichen Zeitpunkt
auch eine Alkoholsucht im strassenverkehrsrechtlichen Sinn bestanden, findet
dementsprechend in den Gutachten vom 5. Dezember 2014 und in der Ergänzung vom
17. März 2015 keine ausreichende Grundlage. Der angefochtene Entscheid lautet
einzig auf Abweisung des Rekurses. Damit wurde die Verfügung vom 6. Mai 2015 –
welche den Sicherungsentzug nicht auf Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. b SVG stützte –
bestätigt. Eine entsprechende Feststellung im Dispositiv des Beschwerdeentscheides
erscheint deshalb nicht erforderlich. Indessen wird sich der fehlende Nachweis einer
Sucht im Sinn des Strassenverkehrsrechts auf die Zulässigkeit der Bedingungen, unter
denen eine Wiedererteilung des Führerausweises erneut geprüft wird, auswirken (dazu
nachfolgend Erwägung 3).
2.4. Gestützt auf Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. c SVG wird einer Person der Lernfahr-
oder Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie auf Grund ihres
bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen eines
Motorfahrzeuges die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht
nehmen wird. Bereits die Vorinstanz hat – zumindest in der Begründung (E. 2d) –
ausgeführt, eine charakterliche Nichteignung der Beschwerdeführerin sei nicht
nachgewiesen. Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden. Weil diese Feststellung
am Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit nichts zu ändern vermochte, hat
die Vorinstanz den Rekurs im Dispositiv abgewiesen. Da die Betroffene für die
Wiedererteilung des Führerausweises die Überwindung des Eignungsmangels
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nachweisen muss, ist es allerdings gerechtfertigt, im Dispositiv des
Beschwerdeentscheids klarzustellen, welcher Eignungsmangel dem Entzug des
Führerausweises auf unbestimmte Zeit zugrunde liegt.
3. Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass die Wiedererteilung des Führerausweises
von der Einhaltung einer mittels Haaranalysen in sechs und zwölf Monaten
kontrollierten Alkoholabstinenz und einer regelmässigen ambulant-psychiatrischen
Betreuung zur genaueren diagnostischen Eingrenzung der psychiatrischen und
neurokognitiven Auffälligkeiten abhängig gemacht wird.
Neigt ein Fahrzeuglenker zum Alkoholmissbrauch, stellt dies einen besonderen Grund
dar, der Auflagen zum Führerausweis rechtfertigt. Die Fahreignung solcher Lenker
bedarf der besonderen Kontrolle (vgl. VerwGE B 2014/237 vom 28. Mai 2015 E. 3.1 mit
Hinweis auf BGE 131 II 248 E. 6.3). Als Auflage zum Führerausweis wäre eine solche
Anordnung angesichts des bei der Beschwerdeführerin festgestellten zumindest
zeitweilig übermässigen Alkoholkonsums möglicherweise verhältnismässig. Da
indessen – wie dargelegt (vgl. Erwägung 2.3) – eine Trunksucht im
strassenverkehrsrechtlichen Sinn nicht nachgewiesen ist, kann die Wiedererteilung des
Führerausweises nicht vom Nachweis einer kontrollierten Alkoholabstinenz abhängig
gemacht werden. Allerdings wird bei der Prüfung der Wiedererteilung aufgrund der
unklaren Verhältnisse hinsichtlich einer möglichen psychiatrischen Erkrankung und
eines – möglicherweise damit zusammenhängenden – übermässigen Alkoholkonsums
und der dadurch nach wie vor bestehenden Zweifel an der Fahreignung eine
verkehrsmedizinische Untersuchung auch zum Aspekt des Alkoholkonsums
gerechtfertigt sein.
Vergleichbares gilt für die als Bedingung für die Prüfung der Wiedererteilung formulierte
Verpflichtung der regelmässigen ambulanten-psychiatrischen Betreuung zur genaueren
diagnostischen Eingrenzung der psychiatrischen und neurokognitiven Auffälligkeiten.
Im verkehrsmedizinischen Gutachten wird weder eine manisch-depressive Erkrankung
(bipolare Störung) noch eine wahnhafte Störung diagnostiziert. Der Entzug des
Führerausweises auf unbestimmte Zeit lässt sich deshalb nicht mit einer
psychiatrischen Erkrankung begründen. Deshalb kann die Wiedererteilung auch nicht
davon abhängig gemacht werden, dass die Beschwerdeführerin eine nicht
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diagnostizierte Krankheit behandeln lässt. Indessen ist der Verdacht einer solchen
Erkrankung nach wie vor nicht ausgeräumt. Im Rahmen der Wiedererteilung wird
deshalb die Frage der psychiatrischen Erkrankung und des damit möglicherweise
zusammenhängenden Alkoholkonsums von Bedeutung sein. Hält sich die
Beschwerdeführerin an die verkehrsmedizinischen Empfehlungen, kann dies die
Ausgangslage für die verkehrsmedizinische Beurteilung insoweit günstig beeinflussen,
als Klarheit über die Diagnose und die allfällige Bereitschaft der Beschwerdeführerin,
sich der notwendigen psychiatrischen und medikamentösen Behandlung zu
unterziehen, besteht. Hält sie sich nicht daran, kann daraus zwar nicht von vornherein
abgeleitet werden, die Fahreignung sei nicht gegeben. Allerdings sind dann
gegebenenfalls – wie in früheren Verfahren – aufwendigere Untersuchungen und
Abklärungen angezeigt. Werden entsprechende Diagnosen gestellt, kommt ein erneuter
Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit in Betracht. Bleibt es bei den
Verdachtsdiagnosen, kann die Wiedererteilung mit entsprechenden Auflagen verknüpft
werden.
4. Zusammenfassend hat der Beschwerdegegner der Beschwerdeführerin die
Fahreignung zurecht mangels ausreichender geistiger Leistungsfähigkeit abgesprochen
und ihr gestützt auf Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. a SVG den Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzogen. Dass die Prüfung der Wiedererteilung von einem
mindestens einjährigen ergotherapeutischen Neurotraining mit zwei Wochenstunden
und Evaluation des Therapieergebnisses abhängig gemacht wurde, ist unbestritten.
Insoweit hat die Vorinstanz den Rekurs zu Recht abgewiesen, und die dagegen
erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet. Hingegen sind – was auch die
Vorinstanz in den Erwägungen zu ihrem Entscheid ausdrücklich ausführte – weder eine
die Fahreignung ausschliessende psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin noch
ein charakterliches Ungenügen nachgewiesen. Die Beschwerde erweist sich deshalb
insoweit als begründet, als mangels entsprechender Feststellung der fehlenden
Fahreignung als Bedingungen für die Prüfung der Wiedererteilung der Nachweis der
Alkoholabstinenz von mindestens 12 Monaten mittels Haaranalysen in 6 und 12
Monaten und die regelmässige ambulante-psychiatrische Betreuung zur genaueren
diagnostischen Eingrenzung der psychiatrischen und neurokognitiven Auffälligkeiten
nicht gerechtfertigt sind. Dies schliesst jedoch nicht aus, dass die Beschwerdeführerin
ihnen im Hinblick auf die Schaffung günstiger Voraussetzungen für die erneute
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verkehrsmedizinische und verkehrspsychologische Abklärung ihrer Fahreignung bei der
Prüfung der Wiedererteilung als Empfehlung Rechnung trägt.
Die Beschwerde ist dementsprechend teilweise gutzuheissen. Der angefochtene
Entscheid ist aufzuheben. Die ihm zugrunde liegende Verfügung des
Beschwerdegegners vom 6. Mai 2015 ist insoweit abzuändern, als die – auf die nicht
nachgewiesenen Eignungsmängel der Trunksucht im Sinn von Art. 16d Abs. 1 Ingress
und lit. b SVG und des bisherigen Verhaltens im Sinn von Art. 16d Abs. 1 Ingress und
lit. c SVG gestützten – Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs gemäss Ziffer 7 al.
2 und 3, nämlich die mittels Haaranalysen in 6 und12 Monaten kontrollierte
Alkoholabstinenz von mindestens 12 Monaten und die regelmässige ambulante
psychiatrische Betreuung zur genaueren diagnostischen Eingrenzung der
psychiatrischen und neurokognitiven Auffälligkeiten, aufzuheben sind.
5. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des Rekurs- und
des Beschwerdeverfahrens je zur Hälfte der Beschwerdeführerin und dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Gebühr für den Beschwerdeentscheid von CHF
2'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Die von der Vorinstanz für den Rekursentscheid gesprochene Gebühr von
CHF 1‘800 ist unbestritten und nicht zu beanstanden (Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die von der Beschwerdeführerin zu tragenden
Anteile sind mit den von ihr geleisteten Kostenvorschüssen von CHF 2‘000 im
Beschwerdeverfahren und von CHF 1‘500 im Rekursverfahren zu verrechnen. Vom
Kostenvorschuss im Beschwerdeverfahren sind ihr CHF 1‘000, von jenem im
Rekursverfahren CHF 600 zurückzuerstatten. Auf die Erhebung der vom Staat zu
tragenden Anteile ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind weder für das Beschwerde- noch für das Rekursverfahren
zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).