Decision ID: 04364fcc-26d2-5205-b741-6da83c4c5492
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 23. September 2009 wegen HWS-Beschwerden,
Schmerzen und psychischen Beschwerden erneut zum Bezug von Rentenleistungen
der Invalidenversicherung an, nachdem ein erstes Gesuch mit Verfügung vom 30. April
2007 rechtskräftig abgewiesen worden war (act. G 5.1/46). Damals stützte sich die IV-
Stelle St. Gallen auf ein orthopädisch-neurologisch-psychiatrisches Gutachten des
Medizinischen Gutachtenzentrums St. Gallen, Dres. B._, Spezialarzt Orthopädie
FMH, und C._, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, vom 30. Januar 2007/7. Februar
2007, sowie auf eine Haushaltsabklärung vom 27. April 2006, und ging von einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit um 40 % und von
einer solchen von knapp 20 % im Aufgabenbereich aus, bei einer Aufteilung von 70 %
zu 30 % (act. G 5.1/41 [vgl. zum ausführlichen Sachverhalt: Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 25. März 2014 [IV 2012/159]]).
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A.b Bei der Wiederanmeldung reichte die Versicherte ein neurologisch-psychiatrisches
Privatgutachten der Dres. D._, FMH Neurologie, und E._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 26. August 2009 ein, welches ihr aus "gesamtmedizinischer
Sicht" (Konsens) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für ausserhäusliche (Erwerbs-)
Tätigkeiten bescheinigte. Im Haushalt sei die Versicherte zu 50 % beeinträchtigt (act. G
5.1/50). Am 19. September 2011 führte die IV-Stelle sodann eine erneute
Haushaltsabklärung durch, wobei sie dieses Mal eine Einschränkung im Haushalt von
51 %, sowie eine Aufteilung Haushalt/Erwerbstätigkeit von je 50 % ermittelte (act. G
5.1/87). In der Folge ging die IV-Stelle gestützt auf die Angaben der RAD-Ärztin von
einer Arbeitsfähigkeit von 50 % aus, was rechnerisch allerdings zu keiner
Erwerbsunfähigkeit führte, da die für den Gesundheitsfall angenommene
Erwerbstätigkeit im Umfang von 50 % noch möglich war. Die Einschränkung im
Aufgabenbereich wurde nachträglich wiederum auf 20 % festgesetzt, da diese
Einschränkung bereits der rechtskräftig gewordenen Verfügung vom 30. April 2007 zu
Grunde gelegen habe (act. G 5.1/91, 92). Mit Verfügung vom 19. März 2012 wies die
IV-Stelle das Leistungsgesuch bei einem errechneten Invaliditätsgrad von 10 % ab (act.
G 5.1/101).
A.c Die dagegen erhobene Beschwerde vom 7. Mai 2012 hiess das hiesige
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 25. März 2014 teilweise gut und wies die
Angelegenheit zur weiteren medizinischen Abklärung (orthopädische sowie
neurologisch-psychiatrische Begutachtung) an die IV-Stelle zurück.
A.d In der Folge beauftragte die IV-Stelle St. Gallen die Medexperts AG, St. Gallen, mit
der Erstellung eines entsprechenden Gutachtens (inkl. Allgemeine Innere Medizin),
welches am 17. September 2015 erstattet wurde. Darin diagnostizieren die Experten
(mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) eine chronische Cervikobrachialgie links bei
Bandscheibenprolaps HWK 5 bis 7 und hochgradiger foraminaler C6 bis C7-
Nervenwurzelkompression links, hypertropher Unkarthrose HWK 5 bis 7 mit relativer
spinaler Enge (neurologisch: Cervikobrachialgie links [M54.83], anamnestisch bekannt
seit 1999) und eine Spondylarthrose HWK 7 bis BWK 1. Als Diagnosen ohne
wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter unter anderem
eine histrionische Persönlichkeitsstörung (F60.4). Aus orthopädischer Sicht bestehe
eine leicht verminderte Belastbarkeit (bzw. leicht bis mittelgradige
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Funktionseinschränkung) der Halswirbelsäule für regelhafte reklinierende
Seitwärtsbewegungen, schweres Heben und Tragen von Lasten über 10 kg. Die
Versicherte benötige vermehrt Pausen. Auch sei von einer Verlangsamung bei
Schmerzchronifizierung auszugehen. Ausgehend von einem Vollpensum sei in einer
adaptierten sowie in der Haushaltstätigkeit ein Rendement von 20 bis 30 % (gemeint
wohl: eine Verminderung des Rendements um 20 bis 30 %) anzunehmen. Aus
neurologischer, internistischer und psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Der Versicherten seien damit leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten ohne regelhafte Reklination/Rotation der Halswirbelsäule, ohne schweres
Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne einseitige Zwangshaltungen, ohne
Armeinsatz links mit Heben über Schulterhöhe, in temperierten Räumen, bei Vermeiden
von Zugluft und Nässe, zumutbar (act. G 5.1/176.57 und 176.62 f.). Der RAD
Ostschweiz (Dr. med. F._ und Dr. med. G._) ging in seinen Stellungnahmen vom
27. Oktober 2015, 8. Dezember 2015 und 10. Dezember 2015 sowohl für die
angestammte als auch für eine adaptierte Tätigkeit von einer 75 %-igen
Arbeitsfähigkeit aus (act. G 5.1/177).
A.e Am 15. September 2016 führte die IV-Stelle St. Gallen eine weitere
Haushaltsabklärung durch. Dieses Mal ermittelte sie - unter Berücksichtigung der
Mitwirkungspflicht von Familienangehörigen - eine Einschränkung im Haushalt von
37,89 %, was bei einer anerkannten Aufteilung Erwerbstätigkeit/Haushalt von 80 % zu
20 % zu einem Invaliditätsgrad von 27,59 % führte (act. G 5.1/209.15). Aus
medizinischer Sicht erachtete die RAD-Ärztin Dr. F._ auf Grund des schmerzbedingt
verlangsamten Tempos und des erhöhten Pausenbedarfs eine Leistungsminderung im
Haushalt von 25 % als angemessen. Die - ohne Berücksichtigung der
Mitwirkungspflicht der Angehörigen ermittelte - Einschränkung von 60,74 % sei
demgegenüber aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar (Stellungnahme vom 7.
Februar 2017 [act. G 5.1/210]). Mit Feststellungsblatt vom 20. März 2017 ging die IV-
Stelle schliesslich von einem Invaliditätsgrad von lediglich 5 % aus. Dabei ging sie im
Erwerbsteil davon aus, dass die Versicherte anstatt des im Gesundheitsfall
gewünschten Arbeitspensums von 80 % noch eine 75 %-Tätigkeit ausüben könnte
(Einschränkung 6,25 %; Gewichtung 80 %). Für den Haushaltsteil ging sie nunmehr
von einer Einschränkung von zunächst 20 % aus, da die Versicherte nur noch leichte
Tätigkeiten ausüben könne. Unter Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht der
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Angehörigen sei dagegen von keiner Einschränkung auszugehen (Einschränkung 0 %;
Gewichtung 20 % [act. G 5.1/212]).
A.f Mit Vorbescheid vom 20. März 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
bei diesem Abklärungsergebnis kein Anspruch auf eine IV-Rente bestehe (act. G
5.1/213). Am 7. August 2017 verfügte sie wie angekündigt (act. G 5.1/216).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 12.
September 2017 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Der
Beschwerdeführerin sei sodann ab 24. September 2009 nach Durchführung eines
medizinischen Gutachtens eine IV-Rente zuzusprechen. Schliesslich sei der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Gemäss
Haushaltsabklärung vom 15. September 2016 sei die Beschwerdeführerin zu 60,74 %
eingeschränkt. Wenn die RAD-Ärztin dies als medizinisch nicht nachvollziehbar
beurteile, stelle sie pauschalisierte Behauptungen auf, ohne die Beschwerdeführerin
gesehen zu haben. Zudem sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bei
Dr. med. H._ in psychiatrischer Behandlung sei, gemäss welchem Arzt die
Beschwerdeführerin an einer psychiatrischen Erkrankung leide. Um sich ein
Gesamtbild über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin machen zu können,
sei eine psychiatrische Abklärung zwingend nötig (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2017 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Die Gutachter hielten die Beschwerdeführerin für 20 - 30
% eingeschränkt im Haushalt. Funktionell betrachtet sei sie aus orthopädischer Sicht
voll arbeitsfähig in der angestammten wie in einer adaptierten Tätigkeit. Auf Grund der
Schmerzen werde von einer Verlangsamung und einem vermehrten Pausenbedarf
ausgegangen. In der Haushaltsabklärung sei ohne Berücksichtigung der
Mitwirkungspflicht eine Einschränkung von 60,74 % ermittelt worden. Bei der
Ernährung sei eine Einschränkung von 50 % angenommen worden. Auf Grund ihrer
Angaben könne die Beschwerdeführerin aber die Arbeiten (Rüsten, Geschirr in
Spülmaschine einräumen, Reinigen der Küche) grösstenteils selber ausführen, sodass
die angegebene Einschränkung nicht nachvollziehbar sei. Bei der Wohnungspflege
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werde eine Einschränkung von 80 % angegeben. Die Beschwerdeführerin könne diese
Arbeiten jedoch mit Hilfe von Maschinen und Kindern sowie vermehrten Pausen
weitestgehend selbst erledigen. Betreffend Einkäufe sei weder aus somatischer noch
psychiatrischer Sicht ersichtlich, weshalb sie nicht mehr aus dem Haus gehen können
sollte. Die geltend gemachte Einschränkung in diesem Bereich von 70 % (richtig: 80 %)
sei daher nicht plausibel. Die RAD-Ärztin Dr. F._ sei deshalb in ihrer Stellungnahme
vom 7. Februar 2017 zum Schluss gekommen, dass eine 60 %-ige Einschränkung im
Haushalt medizinisch nicht nachvollziehbar sei. Die Leistungsminderung sei gemäss
Gutachten auf 25 % festzusetzen. Bei einem Widerspruch zwischen den Ergebnissen
der Abklärung vor Ort und den fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der
versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, sei den ärztlichen
Stellungnahmen in diesem Fall mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die
Haushaltsabklärung. Vorliegend sei deshalb auf die medizinisch-theoretische
Einschränkung gemäss dem Medexperts-Gutachten bzw. der RAD-Stellungnahme vom
7. Februar 2017 abzustellen. Unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht
zeige sich, dass die Beschwerdeführerin dank der Putzmaschinen und der Kinder
praktisch nicht eingeschränkt sei, weshalb die medizinisch attestierte Einschränkung
von 25 % angemessen zu kürzen sei (act. G 5).
B.c Mit Replik vom 30. Januar 2018 lässt die Beschwerdeführerin ausführen, dass
gemäss Gutachten nicht etwa eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 - 30 %
bestehe. Vielmehr werde ein Rendement von 20 - 30 % für adaptierte Tätigkeiten und
die Tätigkeit im Haushalt veranschlagt. Das Rendement betreffe die
Leistungskomponente und nicht die Einschränkung. Somit bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 70 - 80 %. Der psychiatrischen Exploration sei sodann nicht zu
entnehmen, ob und welche Tests mit der Beschwerdeführerin durchgeführt worden
seien. Es scheine, dass die psychiatrische Begutachtung einzig auf Grund des
optischen Erscheinungsbildes und der Erzählungen der Beschwerdeführerin erstellt
worden sei. Neben den früheren Arztberichten widerspreche auch der neueste Bericht
von Dr. H._ vom 26. Dezember 2017 der Diagnose der psychiatrischen Gutachterin
erheblich. Nach seinen Ausführungen zeige die Beschwerdeführerin ausgeprägte
Symptome einer generalisierten Angststörung mit Panikattacken (F41.1 und F40) sowie
einer Schmerzverarbeitungsstörung (F45. F [richtig wohl: F45.4]), was ihr gesamtes
Leben deutlich beeinträchtige. Die Diagnose der psychiatrischen Gutachterin weiche
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zudem erheblich von früheren Gutachten ab, so von jenem von Dr. C._ vom 30.
Januar 2007 und von jenem von Dr. E._ vom 26. August 2009. Es erscheine somit
angebracht, eine neue psychiatrische Begutachtung durchzuführen. Im Hinblick auf die
neue Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteile 8C_841/2016 und 8C_130/2017
vom 30. November 2017) sei zusätzlich zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin an einer
Depression leide. Betreffend die Arbeitsfähigkeitsschätzung widerspreche sich das
polydisziplinäre Gutachten, wenn es die Cervikobrachialgie links als Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufführe, gleichzeitig aber feststelle, aus neurologischer
Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Es treffe auch nicht zu, dass die
Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit als (angelernte) Parfümerieverkäuferin
im eingeschränkten Rahmen wieder ausüben könnte. So könne es in einer Parfümerie
vorkommen, dass die Produkte in einem Regal über Schulterhöhe gelagert seien oder
beim Öffnen der Ladentür Zugluft in den Laden gelange. Ebenso wenig treffe zu, dass
die Arbeitsfähigkeit im Haushalt gutachterlich abgeklärt worden sei. Vielmehr sei im
Gutachten einfach festgehalten worden, das Rendement von 20 bis 30 % bestehe
auch für die Tätigkeit im Haushalt. Darauf habe der RAD abgestellt, obwohl er kein
persönliches Gespräch mit der Beschwerdeführerin geführt habe. Die in der Abklärung
an Ort und Stelle vom 15. September 2016 ermittelte Einschränkung von 60,74 % sei
demgegenüber unberücksichtigt geblieben. Weiter sei die neue (ab 1. Januar 2018
gültige) Bestimmung des Art. 27bis Abs. 2 bis 4 IVV zu beachten, sodass eine neue
Berechnung des Invaliditätsgrades vorzunehmen sei. Zudem sei ein Leidensabzug von
25 % zuzulassen, da die Beschwerdeführerin gegenüber einer gesunden
Teilzeiterwerbstätigen benachteiligt sei, dieses Jahr (2018) 58 Jahre alt werde und
zuletzt im Jahr 1988 als Parfümerieverkäuferin gearbeitet habe. Die Chance, eine Arbeit
zu finden, stände bei null (act G 10).
B.d Mit Duplik vom 21. Februar 2018 führt die Beschwerdegegnerin aus, der
eingereichte Arztbericht von Dr. H._ vom 26. Dezember 2017 vermöge die
Schlussfolgerungen des verwaltungsexternen Gutachtens nicht in Frage zu stellen.
Dieses geniesse damit vollen Beweiswert, weshalb weiterhin darauf abzustellen sei
(act. G 12).
B.e Am 25. Mai 2018 beauftragt das Gericht Frau Dr. med. I._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, mit der psychiatrischen Begutachtung der
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Beschwerdeführerin (act. G 17). Dr. I._ erstattet ihr Gutachten am 31. August 2018.
Sie diagnostiziert eine generalisierte Angststörung (F41.1) sowie eine komplexe
posttraumatische Belastungsstörung bzw. kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
vorwiegend ängstlich-vermeidenden, dependenten und anteilig histrionischen und
zwanghaften Zügen (F61). Differenzialdiagnostisch diagnostiziert sie eine anhaltende
mittelgradige depressive Episode (F32.1) sowie eine zusätzliche chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41). Die
Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage, einer ausserhäuslichen Tätigkeit auf dem
freien Arbeitsmarkt nachzugehen. Im Haushalt gehe sie von einer Einschränkung von
mehr als 50 %, ab 2015 von etwa 70 % aus. Eine einfache Homeoffice-Tätigkeit sei ab
2015 noch im Umfang von ca. 2 Stunden pro Tag möglich. Allerdings beständen als
zusätzliche Einschränkungen eine Legasthenie und vermutlich nur begrenzte Lese- und
Schreibkompetenzen (act. G 20).

Erwägungen
1.
1.1 Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende
oder länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Abs. 3 derselben
Bestimmung gelten Volljährige, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, als invalid, wenn eine Unmöglichkeit
vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Nach Art. 28 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) hat die versicherte
Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50% oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid
ist.
1.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
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Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch im Wesentlichen mit der
Begründung, dass die Beschwerdeführerin gemäss Medexperts-Gutachten noch eine
75 %-ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aufweise und damit eine
lediglich 6 %-ige Erwerbseinbusse (gewichtet 4,8 %) erleide, während sie im
Aufgabenbereich unter Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht von im gleichen
Haushalt lebenden Personen nicht eingeschränkt sei (act. G 5.1/216). In der
Zwischenzeit hat das Versicherungsgericht bei Dr. I._ ein weiteres psychiatrisches
Gutachten eingeholt, insbesondere um die fragliche Angstproblematik auszuleuchten.
Dabei kommt die Expertin zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin eine
generalisierte Angststörung (F41.1) sowie eine komplexe posttraumatische
Belastungsstörung bzw. eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend
ängstlich-vermeidenden, dependenten und anteilig histrionischen und zwanghaften
Zügen (F61) vorliege. Differenzialdiagnostisch liege zusätzlich eine anhaltende
mittelgradige depressive Episode (F32.1) und eine zusätzliche chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) vor (act. G 20 S.
48). Eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit sei der Beschwerdeführerin nicht mehr
möglich. Eine einfache Homeoffice-Tätigkeit sei ihr ab August 2009 (Gutachten Dr.
E._) wahrscheinlich bis etwa vier Stunden pro Tag möglich gewesen, ab 2015
theoretisch noch zu etwa zwei Stunden pro Tag, wobei hier eine Legasthenie sowie
vermutlich nur begrenzte Lese- und Schreibkompetenzen limitierend wirkten. Im
Aufgabenbereich geht Dr. I._ davon aus, dass die in den Haushaltsabklärungen von
2011 und 2016 festgestellten Einschränkungen von 51 % bzw. 38 % zu tief angesetzt
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sind. Sie gehe von über 50 % aus. Ab 2015 und bis auf weiteres schätze sie die
Einschränkung im Haushalt auf ca. 70 %. Dr. E._ habe die Einschränkung im
Haushalt bereits in seinem Gutachten vom August 2009 auf 50 % und die
Arbeitsfähigkeit für ausserhäusliche (Erwerbs-)Tätigkeiten auf 0 % geschätzt. Dies sei
nachvollziehbar. Ab 2015 habe die Beschwerdeführerin das Haus nicht mehr allein
verlassen können und beim Mitfahren im Auto ihres Lebenspartners Angst gehabt (act.
G 20 S. 49 ff.). Auf das Gutachten ist grundsätzlich abzustellen. In zeitlicher Hinsicht
übernimmt die Gutachterin den Ablauf von Dr. E._, nach welchem bereits ab August
2009 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in ausserhäuslichen Tätigkeiten bestanden
habe. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass Dr. E._ aus rein psychiatrischer Sicht
lediglich von einer Einschränkung von 50 % in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen
war. Dr. D._ ging aus neurologischer Sicht ebenfalls von einer zumindest 50 %-igen
Einschränkung in einer adaptierten Tätigkeit aus. In der Konsensbeurteilung gingen die
beiden Experten sodann von einer (addierten) vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus,
begründeten dies aber vor allem damit, dass die Beschwerdeführerin einem
Arbeitgeber nicht mehr zuzumuten sei (act. G 5.1/50.12 f. und 50.23). Demgegenüber
stellte Dr. J._ in ihrem Teilgutachten vom 5. August 2015 keine Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, wobei sie aber die Angstproblematik gerade nicht
behandelte. Mithin erscheint eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit erst ab der Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands ab
Anfang 2015 (Verlassen der Wohnung, Autofahrten) als plausibel (vgl. auch Angaben
der Beschwerdeführerin in der Haushaltsabklärung vom 15. September 2016, wonach
vor zwei bis drei Jahren [also 2013 oder 2014] die Panikattacken zu den körperlichen
Schmerzen neu dazu gekommen seien und wo von der Abklärungsperson beschrieben
wurde, dass die Angaben der Beschwerdeführerin, sich kaum mehr bewegen zu
können und schwer invalid zu sein, auf sie befremdlich gewirkt hätten, habe jene etwa
plötzlich wieder aufspringen und den streitenden Katzen nachrennen können [act. G
5.1/209.1, 209.12 und 209.15]). Davor, d.h. ab der psychiatrischen Begutachtung durch
Dr. E._, im August 2009 bis Ende 2014 ist von einer psychiatrisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen. Auch Dr. I._ geht davon aus, dass vor
2015 noch eine Homeoffice-Tätigkeit von immerhin rund vier Stunden pro Tag möglich
war. In Bezug auf die somatischen Symptome ist grundsätzlich auf das Medexperts-
Gutachten abzustellen, da dieses durch die neuerliche psychiatrische Expertise von Dr.
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I._ nicht ersetzt wurde. Nachdem das Medexperts-Gutachten in einer adaptierten
Tätigkeit lediglich von einer Verminderung des Rendements um 20 - 30 % ausgeht (act.
G 5.1/176.62), lässt sich daraus kein relevanter zusätzlicher Einfluss auf die
Gesamtarbeitsfähigkeit ableiten. Die gemäss der psychiatrischen Gutachterin
theoretisch mögliche geringfügige Homeoffice-Tätigkeit kann ab 2015 als nicht
verwertbar bezeichnet werden, da es kaum vorstellbar ist, dass sich die
Beschwerdeführerin bei den geschilderten Symptomen (Verstecken hinter
Lebenspartner) irgendwo bewerben oder die notwendige Konstanz in der Durchführung
der Tätigkeit aufbringen könnte, zumal noch weitere - wenn auch invaliditätsfremde -
Limitierungen bestehen. Im Aufgabenbereich können die Ausführungen der Expertin
dahingehend interpretiert werden, dass ebenfalls bereits ab August 2009 eine
Einschränkung von 50 %, ab Anfang 2015 eine solche von 70 % bestanden hat. Auch
die Haushaltsabklärung von 2011 ging noch von einer Einschränkung von 51 % aus,
während jene von 2016 - jeweils unter Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht der
Familienangehörigen bei der Wohnungspflege und beim Grosseinkauf - auf eine
Einschränkung von 38 % kam. Die Reduktion kam im Wesentlichen durch die weg-
fallende Kinderbetreuung zu Stande (act. G 5.1/87.8 f. und 209.13 f.).
2.2 Nachdem spätestens ab August 2009 (Gutachten Dr. E._) sowohl in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit als auch im Haushalt von einer 50 %-igen Einschränkung
auszugehen ist, beträgt der Invaliditätsgrad nach Ablauf des Wartejahrs (Art. 28 Abs. 1
lit. b und c IVG, Art. 27bis Abs. 2 f. IVV) ab August 2010 50 % ([80 % x 50 %] + [20 % x
50 %]). Die Verschlechterung per Januar 2015 ist ab April 2015 zu berücksichtigen (Art.
88a Abs. 2 IVV), womit der Invaliditätsgrad ab diesem Zeitpunkt 94 % beträgt ([80 % x
100 %] + [20 % x 70 %]). Mit der Beschwerdegegnerin ist auf Grund der langen
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt von einem Prozentvergleich auszugehen (vgl.
Feststellungsblatt vom 20. März 2017, wo sowohl beim Valideneinkommen als auch
beim Invalideneinkommen vom Tabellenwert von Fr. 53'793.-- [2014] ausgegangen
wurde [act. G 5.1/211]).
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung vom 7. August 2017 aufzuheben. Die Beschwerdeführerin hat
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- nachdem zu diesem Zeitpunkt auch die 6-monatige Karenzzeit gemäss Art. 29 Abs. 1
IVG erfüllt war - ab August 2010 Anspruch auf eine halbe, ab April 2015 auf eine ganze
Invalidenrente (vgl. Art. 29 Abs. 3 IVG). Die Sache ist zur Rentenberechnung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 1‘000.--
erscheint auf Grund der Einholung eines Gerichtsgutachtens und des damit
verbundenen Mehraufwands als angemessen. Die Beschwerdeführerin hat bereits für
die Zeit ab September 2009 Rentenleistungen beantragt. Diese zeitliche Überklagung
bleibt ohne Einfluss auf die Bemessung der Kosten- und Entschädigungsfolge (vgl.
betreffend quantitative und zeitliche Überklagung das Urteil des Bundesgerichts vom 7.
Januar 2016, 9C_288/2015, E. 4.2). Somit ist diesbezüglich von einem vollständigen
Unterliegen der Beschwerdegegnerin auszugehen. Sie hat deshalb die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 1‘000.-- zu bezahlen.
3.3 Die Kosten des psychiatrischen Gerichtsgutachtens von Fr. 8'625.-- (act. G 21) hat
die Beschwerdegegnerin vollumfänglich zu tragen (Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. September 2016, IV 2013/259, E.
5.4.1 ff.; BGE 143 V 269).
3.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Gericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal
Fr. 1‘000.-- bis Fr. 12‘000.--. Gemäss Praxis des hiesigen Gerichts wird sie bei üblich
aufwändigen Fällen mit Gerichtsgutachten mit Fr. 4'500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) bemessen, was auch vorliegend angemessen erscheint. Bei diesem
Ausgang erübrigt sich die Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.