Decision ID: 2b58ed02-7758-46d4-b4a8-bec3d997c430
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1966 geborene
X._
arbeitete zuletzt bis am 2. Juni 2017 bei der
Y._
AG als stellvertretende Geschäftsführerin
(vgl. zur Tätig
keit:
Urk.
11/A85 S. 2)
und
war
ihm Rahmen dieser Tätigkeit bei der AXA
Versi
cherungen
AG
(im Folgenden: AXA)
gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Mit Unfallmeldung UVG vom 17. Januar 2017 liess sie dieser mitteilen, dass sie am 15. Januar 2017 auf der Skipiste gestürzt sei und sich dabei einen Schulter
bruch zugezogen habe (Urk. 11/A1). Infolgedessen wurde die Versicherte mittels
Rega
ins Kantonsspital
Z._
gebracht, wo sie operiert wurde (
Reposition und Osteosynthese;
Urk. 10/M2).
Die AXA
erbrachte die gesetzlichen Leistungen. A
m 6.
Oktober 2017 (
Urk.
10/M
9)
fand
eine zweite Operation
statt (
Osteosynthe
sematerialentfernung
und Schultermobilisation)
und am
7.
Dezember 2018
eine
arthroskopische
Arthrolyse
(
Urk.
10/M22).
Die AXA holte diverse Berichte der behandelnden Ärzte ein und
liess ihren beratenden Arzt dazu Stellung nehmen (
Urk.
10/M31).
Mit Verfügung vom 2
3.
Juli 2019 (
Urk.
11/A42) teilte die AXA der Versicherten mit,
der medizinische Endzustand sei erreicht, sprach ihr eine
Integritätsentschä
digung
aufgrund einer Integritätseinbusse von 20
%
im Betrag
von
Fr.
29'640.-- zu und verneinte
einen
Anspruch auf Pflegeleistungen und Kostenvergütungen
nach dem 3
1.
Juli 201
9.
Nach erhobene
r
E
insprache vom 16.
September 2019 (
Urk.
11/A50
samt
Einspracheergänzung
vom
1
6.
Oktober 2019
Urk.
11/A54)
tätigte die AXA weitere Abklärungen und teilte der Versicherten mit
neuerlicher
Verfügung vom 17. Februar 2020 (
Urk.
11/A67)
im Dispositiv
mit, dass die Leis
tungen per 2
9.
Februar 2020 eingestellt
würden. Einen
Anspruch auf eine Rente
verneinte sie
und
sprach der Versicherten eine
Integritätsentschädigung
aufgrund einer Integritätseinbusse
von
nunmehr
25
%
beziehungsweise
F
r.
37
'050.-- zu.
Erwägungsweise hielt sie fest, ab dem 1
7.
Januar 2019 besteh
e
kein Taggeldan
spruch mehr.
Die dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
11/A69)
hiess
sie mit Ent
scheid vom 1
6.
Oktober 2020 (
Urk.
2)
in dem Sinne teilweise gut, als dass die Taggeldleistungen
erst
per 1
6.
Mai 2019 eingestellt würden
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
1
8.
November 2020 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, ihr seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten, insbesondere seien ihr bis 2
9.
Februar 2020 Taggelder und danach eine Invalidenrente auszurichten
;
zudem seien ihr
weiterhin die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu gewähren
. In pro
zessu
aler Hinsicht beantragte sie die Durchführung eines zweiten Schriften
wechsels (S.
2
).
Die AXA schloss am 1
2.
März 2021 (
Urk.
8) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom
2.
Juli 2021 (
Urk.
16) hielt die Beschwerdeführerin an
den gestellten
Anträgen fest und ergänzte, ihr seien Pflegeleistungen und Kostenvergütungen
(
insbesondere Heilbehandlungen
)
zu gewähren (S. 2).
Mit Schreiben vom 13. September 2021 (
Urk.
20) verzichtete die Beschwerdegegnerin
auf das Einrei
chen einer Duplik, was der Beschwerdeführerin am 1
4.
September 2021 (
Urk.
21) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Mit Urteil 8C_111/2021 vom 3
0.
April 2021 schützte das Bundesgericht den hie
sigen Entsch
eid IV.2020.00
163 vom
7.
Dezember 2020 in Sachen der Beschwer
deführerin gegen die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit welchem die leistungsverweigernde Verfügung der IV-Stelle vom 2
9.
Januar 2020
(
Urk.
11/A66)
bestätigt und ein rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 8,4
%
ermittelt worden war.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden - soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Aus
serdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Ver
unfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie
Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG).
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Zur Bestimmung des Inva
liditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versi
cherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchfüh
rung der medi
zinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Vali
deneinkommen
).
1.
3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG;
BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen;
Urteil
des Bundesge
richts
8C_
527/2020
vom 2.
November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen
). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
674/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.1
).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begrif
fes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger
therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In die
sem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person pro
gnostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_
64/2021
vom
14. April 2021 E. 3.2
mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3).
Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_44/2021 vom 5. März 2021 E. 5.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid (
Urk.
2) damit, dass seit dem 3
1.
Oktober 2018 ein stationärer Gesundheitszustand bestehe
, womit der medizi
nische Endzustand
bereits am 3
1.
Oktober 2018, jedoch
spätestens am 2
9.
Februar 2020 erreicht worden
und der Fallabschluss mit der Rentenprüfung nicht zu beanstanden sei
(S. 6).
Was den Taggeldanspruch anbelange, habe d
er behan
delnde Arzt der Beschwerdeführerin am 16. Januar 2019 in einer angepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert und
sie habe
ab dem 1
7.
Januar 2019 auch keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
mehr
erhalten
. Aufgrund ihrer Aussage bei der Invalidenversicherung im Rahmen eines Standortgesprächs sei belegt, dass sie sich zu jenem Zeitpunkt
bereits
auf der Suche nach einer geeigneten Stelle befunden habe, womit sie ihrer Schadenminderungspflicht nachgekommen sei.
Eine explizite Aufforderung zur beruflichen Neuorientierung sei daher nicht notwendig gewesen.
Ab dem Zeitpunkt der attestierten Arbeitsfä
higkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin
recht
sprechungsgemäss
eine Übergangsfrist von vier Monaten zu gewähren
. Der Taggeldanspruch ende somit am 1
6.
Mai 2019
(S. 7).
Hinsichtlich des
Validenein
kommens
sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne das Unfall
ereignis ihre bisherige Tätigkeit auch in Zukunft ausgeübt hätte. Aufgrund des hohen Bildungsgrades sei der Beschwerdeführerin eine berufliche Neu- bzw. Umorientierung zuzumuten, womit beim Invalideneinkommen auf das Kompe
tenzniveau 3 der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abgestellt werden könne. Der gewähr
t
e leidensbedingte Abzug in der Höhe von 15
%
erweise sich als sehr grosszügig. Anhand der errechneten
Einkommen
lasse sich kein renten
begründender Invaliditätsgrad ermitteln (
S.
8 f.).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
März 2021 (
Urk.
8) hielt
die Beschwerdegegnerin
ergänzend fest,
Heilbehandlungen seien an einen Rentenanspruch geknüpft und
da kein solcher bestehe, würden sich auch weitere Ausführungen
hierzu
erübrigen (S. 9).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
die Taggelder seien bis zum Erreichen des Endzustands zu erbringen, da ein Berufswechsel in der Taggeldphase grundsätzlich nicht gefordert werden könne.
Art.
6
Abs.
2
ATSG
sei nicht anwendbar.
Der Endzustand sei am 2
9.
Februar 2020 eingetreten, womit sie bis zum 29. Februar 2020 Anspruch auf Taggelder habe. Zudem könne kein Berufswechsel vor Erreichen des Endzustands gefordert wer
den, da kein stabiler Gesundheitszustand vorgelegen habe. Sie sei nicht einge
gliedert gewesen, weshalb ihr ein Berufswechsel nicht habe zugemutet werden können. Ausserdem habe die Beschwerdegegnerin sie nicht zum Berufswechsel aufgefordert, weshalb auch bis 2
9.
Februar 2020 Taggelder
zu erbringen seien
(S.
6 f. und S. 15)
.
Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die Beschwer
de
gegnerin die Taggelder per 1
6.
Mai 2019 habe einstellen dürfen, seien ihr bis 2
9.
Februar 2020
reduzierte
Taggelder auszurichten, da sie in einer Verweistätig
keit weniger verdiene als in der angestammten Tätigkeit
(S. 8 f. und S. 10)
. Zudem sei die von der Beschwerdegegnerin angenommene Übergangsfrist von vier Monaten zu kurz. Angemessen seien vorliegend mindestens fünf Monate
(S. 9 f.)
.
Des Weiteren sei der vorgenommene Einkommensvergleich
nicht
zutreffend
. Unter Berücksichtigung der korrekten Werte resultiere ein IV-Grad von 43.5
%
, weshalb sie ab
1.
März 2020 Anspruch auf eine Invalidenrente habe (S. 11 ff.). Zudem seien Pflegeleistungen und Kostenvergütungen weiterhin von der Unfall
versicherung zu übernehmen, da sie ihre verbleibende Erwerbsfähigkeit ohne ent
sprechende Therapie nicht erhalten könne (S. 14 f.).
Mit Replik vom
2.
Juli 2020 (
Urk.
16)
hielt sie ergänzend fest, da auch über den 1
6.
Januar 2019 hinaus eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in ihrer angestammten Tätigkeit
bestanden habe,
brauche
es
keine echtzeitlichen Arbeitsunfähigkeits
zeugnisse. Das Bewerben auf Stellen schliesse das Vorliegen einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit keinesfalls aus (S. 3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist im Folgenden der Zeitpunkt der Einstellung der Tag
geldleistungen, der Anspruch auf Übernahme weiterer Heilbehandlungskosten sowie der Anspruch auf eine Invalidenrente. U
nangefochten in Rechtskraft er
wach
sen ist der angefochtene Entscheid dagegen in Bezug auf die zugesprochene Integritätsentschädigung
.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
FMH,
von
der Klinik
B._
,
hielt in seinem Bericht vom
4.
April 2019 (
Urk.
10/M29) folgende Diagnose fest (S. 1):
-
Schulter rechts, dominant: Status nach
arthroskopischer
Arthrolyse
, Tenotomie der langen
Bicepssehne
und
Defilée
-Erweiterung am 7. Dezem
ber 2018 bei ausgeprägter
Arthrofibrose
(posttraumatisch) und MR-
t
omographisch verifizierter
Humeruskopfnekrose
sowie Status nach Frakturversorgung im Januar 2017 und OSME im September 2017
Zum Verlauf führte er
an, die Beweglichkeit habe sich nicht bedeutend steigern lassen. Die Beschwerdeführerin habe aber gleichzeitig auch schon lange mit den Schmerzmitteln aufhören können. Die
Kinetec
-Schiene sei bis vor Kurzem noch gebraucht worden, werde nun aber zurückgeschickt. Im Rahmen der Physiothe
rapie werde ein Zyklus angeschlossen mit dem Ziel, die Beweglichkeit
glenohu
meral
und
scapulothorakal
noch etwas zu verbessern und parallel den Kraftauf
bau mittels
Therabandübungen
zu starten (S. 1). Es seien keine weiteren fixen Kontrollen mehr vereinbart worden (S. 2).
Zur Arbeitsfähigkeit, welche er
bereits
in seinem Bericht vom 1
6.
Januar 2019 in angepasster Tätigkeit als per sofort nicht mehr eingeschränkt beurteilt hatte (
Urk.
10/M27 S. 2), äusserte er sich nicht.
3.2
Die behandelnde Physiotherapeutin
C._
gab in ihrem Bericht vom 3
0.
Juni 2019 (
Urk.
10/M30) an,
die Beschwerdeführerin könne im Alltag ihren Haushalt kaum bewältigen und müsse gewisse Arbeiten portionieren (S. 1).
Das Ziel des Behandlungskonzepts sei
,
die Beweglichkeit so gut wie möglich zu erhalten und die Schmerzen zu senken, damit sie den Alltag mit möglichst wenig Fremdhilfe bewältigen und die Operation eines künstlichen Schultergelenks hinausschieben könne. Durch die regelmässige Therapie bleibe das Gelenk mehr oder weniger mobil. Man habe versucht
,
die Therapie in grösseren Abständen zu machen. Dabei seien die Schmerzen bei einer Belastung klar grösser. Trotz grossem Einsatz der Beschwerdeführerin betreffend Übungen, welche sie konsequent durchführe, sei sie nicht in der Lage
,
diese passiven
Mobilisationen
selber zu machen. Eine Ver
besserung des Gesundheitszustandes dürfe so nicht erwartet werden. Das würde definitiv an ein Wunder grenzen. Das Aufhalten oder Verlangsam der Problema
tik sei das Ziel
(S. 2).
3.3
Der beratende Arzt,
Dr.
med.
D._
,
führte in seiner Stellungnahme vom 19. Juli 2019 (
Urk.
10/M31) aus, der medizinische Endzustand dürf
t
e per Ende Juli erreicht sein. Eine entscheidende weitere Verbesserung sei kaum mehr zu erwar
ten
,
hingegen, dass eine Verschlechterung eintreten werde, was die
Omarthrose
-
Symptomatik und eventuell auch die
Humeruskopfnekrose
-Symptomatik anbe
lange (S. 1).
Als dauernde körperliche Schädigung bestehe eine schmerzhafte Funktionseinschränkung und
Arthroseentwicklung
im Gelenk sowie eine
Humeruskopfnekrose
(S. 2).
3.4
Im Bericht vom 28. November 2019 (
Urk.
10/M33)
hielt
Dr.
A._
fest
, die
Beschwerdeführerin
leide unter einer ausge
prägten
Arthrofibrose
(posttrauma
tisch) und einer MR-tomographisch verifizier
ten
Humeruskopfnekrose
, wobei diese aktuell deutlich progredient sei. Bezüglich der rechten Schulter habe die Beschwerdeführerin über erneute progrediente Schmerzen sowie eine zuneh
mende Bewegungseinschränkung berichtet. Sie sei bei alltäglichen Tätigkeiten wie Bügeln oder auch bei längeren Bürotätigkeiten durch Schmerzen einge
schränkt
.
Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr.
A._
aus, eine körperliche Tätig
keit und körperferne Tätigkeiten seien der Patientin nicht zumutbar. Möglich seien leichte Bürotätigkeiten (S. 2).
4.
Dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilungen des behandelnden Arztes
Dr.
A._
und de
s
beratenden Arztes
Dr.
D._
den Fall
mit
Verfü
gung
vom
1
7.
Februar 2020
(
Urk.
11/A67
) per
2
9.
Februar 2020
zu Recht
ab
ge
schloss
en
und die Rentenprüfung
eingeleitet hat
, wird
im Grundsatz
nicht bestrit
ten und ist aufgrund der medizi
nischen Aktenlage nicht zu beanstan
den (vgl. E.
3.3, E. 3.4 hiervor).
Eingliederungsmassnahmen der IV-Stelle standen nach Lage der Akten nicht zur Diskussion
(vgl.
Urk.
11/10 S. 3) und eine namhafte Besse
rung des Gesundheitszustandes war von der ärztlichen Behandlung vorder
hand nicht mehr zu erwarten, zumal die Beschwerdeführerin die ärztlicherseits disku
tierte Revisionsoperation im Sinne einer Kunstgelenkversorgung (vgl. unter anderem
Urk.
10/M22
S.
1) weiter hinausz
ögern wollte
(
Urk.
10/M33 S. 3).
Ebenfalls unbestritten und ausgewiesen ist die unfallbedingte 100%ige Arbeitsun
fä
higkeit in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin von Hochzeits
kleidern und die 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
, körperlich leich
ten
(Büro-)
Tätigkeit. Umstritten
und im Folgenden zunächst zu prüfen
ist
hinge
gen,
ob die Beschwerdegegnerin die Ausrichtung der Taggelder
trotz formalem Fallabschluss per 1
7.
Februar 2020
zu Recht
bereits
per 16 Mai 2019 eingestellt hat
.
5.
5.
1
Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wie
dererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mithin im Zeitpunkt der vollen Wieder
erlangung der Fähigkeit, im bisherigen oder in einem anderen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 16 Abs. 1 und 2 UVG in Verbindung mit Art. 6 ATSG; BGE 137 V 199 E. 2.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3), mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Das Taggeld der Unfallversicherung wird nicht gewährt, wenn ein Anspruch auf ein Taggeld der Invalidenversicherung oder eine
Mutter
schafts
- oder Vaterschafts
entschädigung nach dem EOG besteht (Art. 16 Abs. 3 UVG).
5
.
2
Arbeitsunfähigkeit ist gemäss
Art.
6 ATSG
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teil
weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (
BGE 135 V 287
E. 3.1). Steht fest, dass die versicherte Person unter dem Blickwinkel der Schadenminderungspflicht einen Berufswechsel vorzunehmen hat, so hat der Versicherungsträger sie dazu aufzufordern und ihr zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse sowie zur Stellensuche eine angemessene Übergangsfrist einzuräumen, während welcher das bisherige Taggeld geschuldet bleibt (RKUV 2000 Nr. KV 112 S. 122,
Urteil des Bundesgerichts
K 14/99
vom 7.
Februar 2000
E. 3a). Diese Übergangsfrist bemisst sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalles und ist in der Regel auf drei bis fünf Monate festzulegen (
BGE 114 V 281
E. 5b; RKUV 2005 Nr. KV 342 S.
358,
Urteil des Bundesgerichts
K 42/05
vom 1
1.
Juli 2005
E. 1.3; Urteil
des Bun
desge
richts
8C_803/2010 vom 1
7.
Dezember 2010 E. 3.1.2
zur sinngemässen Anwen
dung der Praxis der sozialen Krankenversicherung in der Unfallversiche
rung
). Nach deren Ablauf entspricht der für die Bemessung des Taggeldes mass
gebende Arbeitsunfähigkeitsgrad der Differenz zwischen dem Einkommen, das ohne Unfall im bisherigen Beruf verdient werden könnte, und dem Einkommen, das im neuen Beruf
zumutbarerweise
zu erzielen wäre (
BGE 114 V 281
E. 3c).
5
.
3
Es steht auch ausser Frage, dass d
i
e Beschwerdeführerin
in der
bisherige
n
Tätig
keit
im Zeitpunkt der Einstellung der Taggelder am 1
6.
Mai 2019 schon seit län
gerer Zeit nicht mehr arbeitsfähig war.
Als zumutbar erachtet
wurde
hingegen eine angepasste
, körperlich leichte
(Büro-)
Tätigkeit und zwar in einem 100%igen Pensum. Dazu gab
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 1
6.
Januar 2019 (Urk. 10/M27) an, dass ab Berichtsdatum keine Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit mehr bestehe. Den Akten lassen sich auch keine anderweitigen Hinweise entnehmen, welche bestätigen würden, dass die Beschwerdeführerin nach Januar respektive Mai 2019 in einer angepassten
körperlich leichten Bürotätigkeit
arbeitsunfähig gewesen sein soll, mithin lassen sich
hierfür auch
keine echtzeit
lichen Arbeitszeugnisse finden (
Urk.
9), welche eine über den 1
6.
Januar 2019 hinausgehende Arbeitsunfähigkeit
bescheinigen
. Es kann somit davon ausgegan
gen werden, dass der Beschwerdeführerin ab dem 1
7.
Januar 2019 eine leidens
angepasste Tätigkeit im Umfang von 100
%
zumutbar war.
Hinsichtlich der Möglichkeit einer namhaften Besserung des Gesundheitszustands
im Zeitpunkt der Einstellung der Taggelder per 1
6.
Mai 2019
ist den Akten Fol
gendes zu entnehmen:
Dr.
A._
führte im April 2019 (vgl. E. 3.1 hiervor) aus, dass sich die Beweglichkeit nicht mehr steigern
lasse
, die Beschwerdeführerin aber keine Schmerzmittel mehr benötig
e
und mit der Physiotherapie die Beweg
lichkeit erhalten und der Kraftaufbau gestartet werden soll
e
. Weitere
Unter
su
chungs
- oder Kontrolltermine wurden nicht vereinbar
t
. Auch die behandelnde Physiotherapeutin
C._
und der beratende Arzt
Dr.
D._
gingen in ihren Berichten davon aus, dass keine weitere Verbesserung des Gesundheitszustands möglich
sei
(E. 3.2 und 3.3 hiervor).
Vielmehr standen das Aufhalten und die Verlangsamung der Problematik
bereits dannzumal
im Fokus
, weshalb sich der Fallabschluss wohl bereits zu jenem Zeitpunkt gerechtfertigt hätte
5.4
5.
4
.1
Praxisgemäss kann sich der Versicherungs
träger erst dann auf
Art.
6 Satz 2 ATSG berufen, wenn er die versicherte Person zuvor zu einem Berufswechsel aufgefor
dert und ihm eine angemessene Übergangsfrist eingeräumt hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_173/2008 vom 20. August 2008 E. 2.3).
5.
4
.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie hätte von der Beschwerdegegnerin vor Einstellung der Taggelder unter Ansetzung einer angemessenen Übergangs
f
rist zu einem Berufswechsel aufgefordert werden
müssen (
Urk.
1 S. 9). Dies ist zwar grundsätzlich richtig.
Jedoch gilt es zu beachten, dass d
ie Beschwerdefüh
rerin
zwar nicht im Zeitpunkt des Unfalls,
doch bereits
seit
Juni 2017 (
Urk.
11/A85) arbeitslos
war
.
Gemäss
eigenen
Angaben im Standortgespräch
bei der IV-Stelle am
3.
April 2019 (
Urk.
11/A85 S. 4 f.
)
war der Beschwerdeführerin
dannzumal
klar, dass sie in ihrer angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeiten kann und sie war bereits darum bemüht, eine angepasste Tätigkeit im Bereich von Büroarbeiten oder Politik zu suchen
, letzteres bereits 201
8.
Sodann erklärte sie, keine Taggelder mehr zu erhalten, weil sie sich für Stellen beworben habe.
Ent
sprechend ging sie
selber von einer zumindest teilweisen Verwertbarkeit ihrer Restarbeitsfähigkeit und der Notwendigkeit
sowie Zumutbarkeit
eines B
erufs
wechsels
aus
. Von einer Anmeldung beim Regionalen Arbeitsvermittlungs
zent
rum
(RAV)
sah sie nur deshalb ab, weil sie wisse, wie sie sich bewerben müsse und das B
ewerbungsdos
sier eigens auf den neuesten Stand gebracht
habe
(
Urk.
11/A85 S.
4.
f.). Eine besondere Aufforderung, sich eine neue Stelle zu suchen, war angesichts dieser Umstände entbehrlich (vgl. auch: Urteile des Bundesgerichts 8C_838/2012 vom 1
9.
April 2013 E. 4.2.2 und 8C_889/201
4 vom 2
3.
Februar 2015 E. 4.3.2
sowie 8C_320/2007 vom
7.
Dezember 200
7.
Nachdem
Dr.
A._
ab
1
6.
respektive 1
7.
Januar 2019
eine uneingeschränkte Arbeits
fähigkeit
in angepasster Tätigkeit
attestiert
hatte
(Urk.
9 S. 2,
10/M27)
,
erweist sich die – wenn auch nachträglich - eingeräumte
Übergangsfrist von vier Mona
ten bis
1
6.
Mai 2019
als
angemessen.
5.5
D
a ein Berufswechsel unter dem Titel der Schadenminderungspflicht geboten war, richtet sich der Taggeldanspruch vom 1
7.
Mai 2019 bis 2
9.
Februar 2020 nach der Höhe des Restschadens. Im Lichte des nachfolgend
ge
prüften
Einkommens
vergleichs (E. 6)
kann ein
Restschaden und damit ein Anspruch auf weitere Tag
gelder
aber ohne Weiterungen ausgeschlossen werden
.
6.
Zu prüfen bleibt, wie sich die verbleibende
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit
in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
6
.1
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V
28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Es besteht unter den Parteien zu Recht Einigkeit darüber (vgl. Urk. 1 S.
11
und
Urk.
2 S. 8
), dass bei
m
Valideneinkommen
auf das
tatsächlich als
stellvertretende Geschäftsführerin
bei der
Y._
AG
bis zum Unfall
erwirtschaf
tete Einkommen in der Höhe von Fr.
6’00
0.--
pro Monat
abzustellen ist (
Urk.
11/A1
). Unter Berücksichtigun
g der Nomi
nallohnentwicklung bis ins mass
gebliche Jahr 2019 ergibt sich ein
Vali
deneinkommen
von Fr.
73'011.
--
(Fr.
72’000.-- x
[2018]
1.005
x [2019]
1.009
; Bundesamt für Statistik, Nominal
lohnindex Frauen 2016-2019, Tabelle T1.2.15
,
Sektor
Dienstleistungen
).
6.2
Hinsichtlich der Festsetzung des Einkommens, das die versicherte Person trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
noch zu erzielen ver
möchte (Invalideneinkommen), ist
rechtsprechungsgemäss
primär von der beruf
lich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher sie konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare Erwerbs
tätigkeit mehr aus, so können Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange
zo
gen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin
bemass
das Invalideneinkommen auf der Grundlage der LSE 201
8.
Dabei ist sie vom monatlichen Bruttolohn für
Frauen für Tätig
keiten im Kompetenzniveau
3
in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors ausgegangen (Fr.
6’229
.--, Tabelle TA1) und hat
angepasst an die im Jahr 2019 betriebsübliche durchschnitt
liche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Wochen
stun
den und unter Berücksichtigung des Nominallohnindexes von 0.5 % für das Jahr 2019
und eines leidensbedingten Abzuges von 15
%
ein erzielbares Einkommen von Fr.
66'832.20 ermittelt (Urk. 2 S. 9
).
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass auf das Kompetenzniveau 1 abzustellen sei, wodurch unter Berücksichtigung der
betriebsüblichen durchschnitt
lichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochen
stunden
,
des Nominallohnindexes
und eines Tabellenlohnabzugs von 25
%
ein Invalideneinkommen von
Fr.
41'010.90 resultiere (
Urk.
1 S. 14).
Die Beschwerdeführerin hat eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen, sich als Marketing Planerin weitergebildet und schliesslich ein Studium MBA (Master
of
Business Administration) absolviert (
Urk.
11/A85
S. 3). Gemäss ihren Angaben im Rahmen des Standortgesprächs am 3. April 2019 war sie auf der Suche nach einem Bürojob (
Urk.
11/A85
S. 5).
Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist ihr eine körperlich sehr leichte wechselbelastende Tätigkeit vollumfänglich zumut
bar. Solche Tätigkeit
en
bietet der ausgeglichene Arbeitsmarkt an, wobei der Beschwerdeführerin auch der öffentliche Sektor offensteht.
Auch wenn
sie
geltend macht, seit
vielen
Jahren nicht mehr in einer büroähnlichen Tätigkeit
gear
beitet zu haben (Urk. 1 S. 13 f.
),
verfügt
sie dennoch
über eine breite und qualifi
zierte Ausbildung hierfür. Sodann übte
sie
vor Eintritt der gesundheitlichen Ein
schrän
kungen eine qualifizierte und entsprechend
entlöhnte
Tätigkeit aus. Wie sie selber in ihrer IV-Anmeldung angab, war sie bei ihrer letzten Tätigkeit gar als stellvertretende Geschäftsführerin angestellt (Urk.
11/A85
S. 6). Dass sie ihr Wis
sen hinsichtlich gewisser Computerprogramme auffrischen müsste, ist grund
sätz
lich üblich und betrifft auch aktiv tätige Personen in einem ähnlichen Beruf.
Ob es sich aber mit Blick auf ihre berufliche Laufbahn
rechtfertigt, das Invaliden
einkommen gestützt auf das Kompetenzniveau 3 (komplexe praktische Tätigkeit, welches ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen) zu ermitteln, kann mit Blick auf die bundesgerichtlich geschützte
Ermittlung
des Invalidenein
kommens im Fall IV.2020.00163 gestützt auf
die
Tabelle T17 der LSE,
deren Anwendung auch in diesem Fall angemessen erscheint
, offenbleiben. Unter Ver
weis auf E. 4.2 im Urteil 8C_111/2021 vom 3
0.
April 2021
ist das Invalidenein
kommen gestützt auf die LSE 2018 (veröffentlicht am 2
1.
April 2020), Tabelle T17, Berufs
gruppe Ziffer 44, Frauen, Lebensalter ab 50 und damit
monatlich
Fr.
5'856.-- zu ermitteln. Angepasst an die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2019 von 1
%
(N
ominallohnindex, a.a.O., Total) sowie unter Berücksichtigung der
betriebsübli
chen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
(betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen, www.bsf.ch, T03.02)
resultiert ein Invalidene
in
kommen von
Fr.
73'991.
--
(
Fr.
5'856.—x 12 x 1.001
x
41.7 :
40).
6.3
6.3.1
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.3.2
Vorliegend
erachtete die
Beschwerdegegnerin
die Voraussetzungen für die Gewährung
eine
s
leidensbedingten Abzug
s als nicht gegeben, verzichtete aber angesichts des berechneten rentenausschliessenden Invaliditätsgrades von 7.18
%
auf eine Korrektur des mit Verfügung vom 1
7.
Februar 2020 gewährten Abzugs von
15
%
(
Urk.
2 S. 9
, 11/A67 S. 3
).
Wie
das Bundesgericht im Urteil 8C_111/2021 vom 3
0.
April 2021
in Sachen der Beschwerdeführerin
zutreffend erwog, berück
sichtigt
das massgebliche Belastungsprofil
lediglich
körperlich sehr leichte, wech
selbelastende Tätigkeiten
, was impliziert, dass
eine eingeschränkte S
chulterbe
weglichkeit als darin bereits berücksichtigt zu betra
chten ist
. N
achdem sonstige
Abzugsgründe
nicht
ersichtlich
sind, ist
unter Verweis auf die überzeugenden bundesgerichtlichen Ausführungen
(E. 4.3.2 und 4.3.3 im zitierten Urteil) kein Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren.
6
.4
Nachdem aus dem
Einkommensvergleich
keine Erwerbseinbusse resultiert, besteht auch kein Rentenanspruch
7
.
Weiter beantragte die Beschwerdeführerin Kostenübernahme für weitere Heilbe
handlungen (Urk. 1 S. 2
und S. 14 f.).
Für einen weiteren Anspruch auf Heilbehandlung nach Fallabschluss wird nach dem Wortlaut des Art. 21 Abs. 1 UVG vorausgesetzt, dass die entsprechenden Leistungen "nach der Festsetzung der Rente" einem "Bezüger" ausgerichtet wer
den. Die Bestimmung
gemäss
lit
. c bezieht sich demnach eindeutig auf Versi
cherte, die eine Rente beziehen, also einen Invaliditätsgrad zwischen 10 % und weniger als 100 % (für vollständig Erwerbs
unfähige kommt
lit
. d des Art. 21 Abs. 1 zur Anwendung; vgl. Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversiche
rungsrecht, 2. Aufl. 1989, S. 384) aufweisen. Diese Interpretation ergibt sich auch bei Konsultation der französischen ("
Lorsque
la
rente
a
été
fixée
, les
prestations
pour
soins
et
remboursement
de frais [art. 10 à 13]
sont
accordées
à
son
bénéfi
ciaire
dans
les
cas
suivants
: c.
lorsqu'il
a
besoin
de
manière
durable
d'un
traite
ment
et de
soins
pour
conserver
sa
capacité
résiduelle
de
gain
") und der italieni
schen ("
Determinata
la
rendita
, le
prestazioni
sanitarie
e
il
rimborso
delle
spese
[art. 10 a 13]
sono
accordati
se
il
beneficiario
: c.
abbisogna
durevolmente
di
trattamento
e
cure
per
mantenere
la
capacità
residua
di
guadagno
") Fassung des Gesetzes. Es ist jeweils von einer Situation "nach der Rentenfestsetzung" die Rede. Andere Interpretationsmöglichkeiten bestehen nicht (
BGE 140 V 130 E. 2.3
f.
).
Mangels Rentenanspruchs der Beschwerdefüh
rerin ist auch keine Heilbehand
lung nach Art. 21 Abs. 1 UVG zu erbringen, wie die Beschwerdegegnerin richtig erkannt hat. Damit fehlt es spätestens ab März 2020 für das Er
bringen weite
rer
Kostenvergütung für die Heilbe
handlung an einer gesetzlichen Grundlage
. Zu Recht wies die Beschwerdegegnerin die Beschwerd
eführerin im angefochtenen E
n
t
scheid auf ihr Rückfallmelderecht (
Art.
11 UVV) hin (
Urk.
2 S. 10).
8
.
Der
Einspracheentscheid
vom 16. Oktober 2020 (Urk. 2) erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.