Decision ID: 13bd9cf6-778a-5e75-ad42-c66c20e9f164
Year: 2015
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_001
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Übersicht
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 17. Juli 2013 mit seinem VW New Beetle in an-
getrunkenem Zustand (1.6 Promille) vom Restaurant C_ in D_ zu sich nach Hause in
E_ gefahren zu sein. Zuvor war es im Restaurant zu einer Auseinandersetzung
gekommen, bei der sich der Beschuldigte eine Schnittverletzung am rechten Handballen
zuzog. Der Beschuldigte bestreitet, selbst nach Hause gefahren zu sein und erklärt, dass
er von seiner Kollegin F_ in seinem eigenen Wagen nach Hause gebracht wurde.
B. Prozessgeschichte vor der Einzelrichterin des Ka ntonsgerichts
Nach einer Meldung einer Passantin fuhr eine Polizeipatrouille der Kantonspolizei Appen-
zell Ausserrhoden zum Wohnort des Beschuldigten, wo sie diesen antraf. Vor Ort wurden
zwei Atemlufttests durchgeführt. Der Beschuldigte verweigerte jedoch die Abnahme einer
Blutprobe. Daneben wurden Abklärungen bei der Wirtin des Restaurants C_ in D_
sowie um das Restaurant C_ vorgenommen und Fotos vom und um das Auto des
Beschuldigten gemacht (act. B 5/1). Am 13. August 2013 wurde G_ als Auskunfts-
person von der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden befragt (act. B 5/5). Am
22. August 2013 fand die erste Befragung des Beschuldigten durch die Kantonspolizei
Appenzell Ausserrhoden statt (act. B 5/6). Gleichentags wurde F_ einvernommen (act.
B 5/7). Am 5. November 2013 wurde F_ durch den Staatsanwalt befragt (act. B 5/9),
der Beschuldigte am 25. November 2013 (act. B 5/11). G_ wurde am 10. Dezember
2013 von der Staatsanwaltschaft als Zeuge einvernommen (act. B 5/15). Am 1. Juli 2014
erliess die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen den Beschuldigten (act. B 5/23).
Dieser erhob am 9. Juli 2014 rechtzeitig Einsprache (act. B 5/24). Am 16. September
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2014 wurden die Polizeibeamten P1_ (act. B 5/30) und P2_ (act. B 5/31), die Wirtin
H_ (act. B 5/32) und deren Vater I_ (act. B 5/33) sowie J_ (act. B 5/34) als Zeugen
befragt. Die Zeugin F_ wurde mit Strafbefehl vom 1. Juli 2014 u.a. wegen falschem
Zeugnis und Begünstigung schuldig gesprochen (act. B 5/35). Dieser Strafbefehl ist
unangefochten in Rechtskraft erwachsen (act. B 5/51). Am 29. Oktober 2014 überwies die
Staatsanwaltschaft den Strafbefehl gegen den Beschuldigten an das Kantonsgericht (act.
B 5/46). Mit Verfügung vom 25. November 2014 wurden die Akten an die Staatsanwalt-
schaft zurückgewiesen und das Verfahren wurde sistiert (act. B 5/47). Mit Schreiben vom
4. Dezember 2014 überwies der Staatsanwalt eine Präzisierung der Anklageschrift (act. B
5/51). Die Vorladung zur Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht wurde am
19. Dezember 2014 versandt. Gleichzeitig wurde den Parteien Gelegenheit gegeben,
Beweisanträge zu stellen (act. B 5/53). Mit Eingabe vom 12. Januar 2015 beantragte der
Verteidiger des Beschuldigten die Befragung von F_ (act. B 5/55). Diesem Antrag
wurde mit Vorladung vom 15. Januar 2015 nachgekommen (act. B 5/56). Im Laufe der
Vorbereitungen zur Hauptverhandlung nahm die Einzelrichterin den Fahrplan der
Appenzeller Bahnen, gültig vom 9. Dezember 2012 bis 14. Dezember 2013, zu den Akten
(act. B 5/60). Die Hauptverhandlung fand am 6. Februar 2015 statt. Das Urteil wurde dem
Beschuldigten im Anschluss an die Hauptverhandlung mündlich eröffnet und begründet
(act. B 5/61). Das Dispositiv wurde am 9. Februar 2015 versandt (act. B 5/67). Der Vertei-
diger des Beschuldigten meldete mit Eingabe vom 10. Februar 2015 (act. B 5/69/1) und
der Staatsanwalt mit Eingabe vom 12. Februar 2015 (act. B 5/73) rechtzeitig die Berufung
an. Demzufolge wurde eine schriftliche Urteilsbegründung ausgefertigt.
C. Vorstrafen
A_ weist zwei Vorstrafen auf (act. B 5/45 P 3): Am 16. November 2009 verurteilte das
Verhöramt Appenzell Ausserrhoden ihn wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln und
Fahren ohne Führerausweis oder trotz Entzug zu einer bedingten Geldstrafe von 100
Tagessätzen zu je CHF 60.00 und einer Busse von CHF 2‘000.00. Am 22. September
2010 sprach das Untersuchungsamt Uznach den Beschuldigten der groben Verletzung
der Verkehrsregeln für schuldig und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen
zu je CHF 100.00. Gleichzeitig wurde die Probezeit betreffend den Vorfall vom 16.
September 2009 um 1 Jahr verlängert.
D. Entscheid der Vorderrichterin
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Mit Urteil vom 6. Februar 2015 sprach die Einzelrichterin des Kantonsgerichts A_ des
Führens eines Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand (Art. 91 Abs. 1 Satz 2 aSVG
i.V.m. Art. 31 Abs. 2 aSVG) sowie der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der
Fahrunfähigkeit (Art. 91a Abs. 1 aSVG) schuldig und verurteilte ihn, unter Ansetzung einer
Probezeit von 4 Jahren, zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF
50.00. Zudem wurde er mit einer Busse von CHF 500.00 bestraft, bei schuldhaftem
Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen. Der mit Strafverfügung
des Verhöramts Appenzell Ausserrhoden vom 16. November 2009 für eine Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu je CHF 60.00 bedingt gewährte Strafvollzug wurde widerrufen.
Weiter wurden dem Beschuldigten die Verfahrenskosten in Höhe von CHF 2‘194.00
auferlegt und ihm keine Entschädigung zugesprochen (act. B 3).
Auf eine Wiedergabe der Urteilsbegründung wird an dieser Stelle verzichtet. Auf die
entsprechenden Ausführungen der Einzelrichterin des Kantonsgerichts wird - soweit
erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen zurückgekommen.
E. Schriftenwechsel im Berufungsverfahren
a) Gegen dieses Urteil liess A_ am 15. Juli 2015 durch seinen Verteidiger Berufung
erklären (act. B 1).
b) Mit Verfügung vom 24. Juli 2015 wurde der Staatsanwaltschaft Frist zur Einreichung eines
Nichteintretensantrags und/oder einer Anschlussberufung angesetzt (act. B 4).
c) Am 7. August 2015 reichte der Verteidiger des Beschuldigten das ausgefüllte Formular
„Befragung zur Person/Angaben zu den Einkommens- und Vermögensverhältnissen“ mit
den entsprechenden Unterlagen ein (act. B 7 und B 8).
d) Mit Eingabe vom 6. August 2015 erhob die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung (act. B
9).
e) Die Frist zur Einreichung eines begründeten Nichteintretensantrags bezüglich der
Anschlussberufung lief unbenutzt ab (act. B 10 und B 11).
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Auf die Ausführungen in den vorstehend aufgeführten Eingaben kann verwiesen werden;
soweit für die Beurteilung von Berufung und/oder Anschlussberufung erforderlich, ist
darauf im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
F. Berufungsverhandlung und Urteil des Obergerichts
Die mündliche Berufungsverhandlung vor dem Obergericht fand am 24. November 2015
in Trogen statt (act. B 17 bis B 19).

Erwägungen
1. Formelles
1.1 Anwendbares Recht und Zuständigkeit
Auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen in Ziffer 1.1 und 1.2 zum anwendbaren
Recht und zur örtlichen und sachlichen Zuständigkeit kann verwiesen werden.
Bezüglich der sachlichen Zuständigkeit des Obergerichts ist auf Art. 26 des am 1. Januar
2011 in Kraft getretenen Justizgesetzes vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) hin-
zuweisen. Nach Art. 26 JG ist das Obergericht Berufungs- und Beschwerdeinstanz in der
allgemeinen Strafrechtspflege, unter Vorbehalt der Befugnisse des Einzelrichters.
1.2 Gegenstand der Berufung
Der Beschuldigte verlangt die vollumfängliche Aufhebung des Urteils der Einzelrichterin
des Kantonsgerichts vom 6. Februar 2015 (act. B 1).
1.3 Rechtzeitigkeit von Berufung und Anschlussberuf ung
Die erstinstanzliche Urteilsbegründung wurde dem Verteidiger des Beschuldigten wie
auch der Staatsanwaltschaft am 29. Juni 2015 zugestellt (act. B 5/76 und act. B 5/77). Die
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Berufungserklärung vom 15. Juli erfolgte somit fristgerecht (Art. 399 Abs. 3 StPO; act. B
1). Dasselbe gilt für die Anschlussberufung (act. B 6 und B 9).
1.4 Legitimation
Die Legitimation des Beschuldigten zur Erhebung der Berufung ergibt sich aus Art. 382
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 398 Abs. 1 StPO; diejenige der Staatsanwaltschaft für die
Anschlussberufung folgt aus Art. 381 Abs. 1 StPO.
1.5 Berufungsgründe
Mit der Berufung können gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO
- Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung
- die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts - Unangemessenheit
gerügt werden. Aus den Ausführungen von RA AA_ an Schranken (act. B 14) ergibt
sich, dass sowohl eine unrichtige Feststellung des Sachverhaltes als auch
Rechtsverletzungen Gegenstand des Rechtsmittels sind.
2. Führen eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zu stand - massgeblicher Sachverhalt
2.1 Ausgangslage
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 17. Juli 2013 in seinem VW New Beetle mit
einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration von mindestens 1.6 Promille vom Restaurant
C_ in D_ zu sich nach Hause in E_ gefahren zu sein. Der Beschuldigte bestreitet
die festgestellte Blutalkoholkonzentration von 1.6 Promille nicht (act. act. B 5/64, S. 2). Er
bestreitet aber vehement, dass er selbst nach Hause gefahren sei. Er macht geltend,
dass er von seiner Kollegin F_, die er auf dem Parkplatz des Restaurants C_
angetroffen haben will, in seinem Auto nach Hause gefahren worden und diese danach zu
Fuss nach D_ zurück gegangen sei, um ihr eigenes Auto zu holen. Weiter bestreitet er,
dass sein Auto, wie angeklagt, auf dem östlichen Parkplatz entlang der Hauptstrasse
gestanden habe. Seiner Meinung nach hatte er sein Auto auf dem grossen westlichen
Parkplatz des Restaurants C_ parkiert. Deshalb könnte auch die Zeugenaussage von
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G_, der ihn vom östlichen Parkplatz entlang der Hauptstrasse habe wegfahren sehen,
nicht stimmen.
Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob der Beschuldigte selbst nach Hause gefahren ist
oder von seiner Kollegin F_ nach Hause gefahren wurde und auf welchem Parkplatz
der VW Beetle parkiert war.
2.2 Polizeirapport
Der Polizeirapport datiert vom 10. September 2013 (act. B 5/1). Darin wird festgehalten,
dass die ausgerückten Polizisten P1_ und P2_ den stark angetrunkenen
Beschuldigten vor dessen Haus antrafen. Dieser hatte eine frische, massive
Schnittverletzung am Handballen der rechten Hand, die leicht blutete. Das Auto des
Beschuldigten stand direkt neben seinem Wohnhaus. Beim Heck wies es eine Beule und
einen blutigen Handabdruck auf. Weitere Blutspritzer waren über das Auto verteilt. Die
Polizisten stellten fest, dass die Motorhaube noch warm war. Laut Polizeirapport erklärte
der Beschuldigte den beiden Polizisten, dass er soeben mit seinem Auto vom Restaurant
C_ in D_ zu sich nach Hause gefahren sei. Zwei Alkoholblastests ergaben Werte von
1.61 und 1.65 Promille. Im Rapport wird ausgeführt, dass sich Bluttropfen im Auto aus-
schliesslich direkt beim Schalthebel, bei der Mittelkonsole und auf der Türschwelle auf der
Fahrerseite befanden. Auf dem Boden ausserhalb des Autos, direkt bei der Fahrertüre,
konnte eine Menge Bluttropfen konzentriert festgestellt werden. Auf der rechten Seite des
Beifahrersitzes wurden keine Blutspuren festgestellt. Im Polizeirapport wird ausserdem
die am gleichen Tag durch G_ um 21.59 Uhr an die Kantonale Notrufzentrale in
Herisau erfolgte Meldung wiedergegeben. G_ berichtete, er habe beobachten können,
wie der Beschuldigte kurz zuvor mit seinem Auto in angetrunkenem Zustand gefahren sei.
2.3 Fotodokumentation
In den Akten findet sich eine Fotodokumentation, die am 17. Juli 2013 von den ausge-
rückten Polizisten erstellt wurde (act. B 5/29). Diese Fotodokumentation zeigt einerseits
Aufnahmen vom westlichen Besucherparkplatz des Restaurants C_ (Richtung
St. Gallen). Darauf sind Blutspuren und Blutlachen etwa auf der Höhe des ersten und
zweiten Parkplatzes ersichtlich. Dokumentiert sind ausserdem Blutspuren vor dem Ein-
gang des Restaurants C_ sowie auf dem sich davor befindenden Trottoir und der
Strasse. Weiter finden sich in der Dokumentation diverse Fotos vom Auto des Beschul-
digten. Die Fotos aus dem Innenraum des Autos zeigen, dass Blutspuren auf der Mittel-
konsole unterhalb des Schalthebels und in Richtung der Fahrerseite vorhanden sind. Auf
der Beifahrerseite befinden sich im Innenraum keine Blutspuren oder Bluttropfen. Um und
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am Auto befinden sich diverse Blutspuren, so am Heck des Autos und vorne links auf der
Kühlerhaube. Am Boden vor der Fahrerseite befindet sich eine kleine Blutlache, auf der
Beifahrerseite befinden sich am Boden und an der Karosserie etwa auf der Höhe der
Rückbank einige Bluttropfen.
2.4 Aussagen von G_
G_ wurde am 13. August 2013 als Auskunftsperson von der Kantonspolizei Appenzell
Ausserrhoden befragt (act. B 5/5). Er sagte aus, dass er nach einer Motorradtour mit
einem Kollegen im Restaurant C_ etwas trinken ging und dort auf den bereits
angetrunkenen Beschuldigten traf. Er führte aus, sein Kollege habe mit dem Beschuldig-
ten eine kleine verbale und körperliche Auseinandersetzung gehabt. Danach habe sich
der Beschuldigte zu seinem Auto begeben, sei kurz darauf zurückgekommen und habe
nach seinem Autoschlüssel gefragt, er wolle jetzt nach Hause. Die anwesenden Leute
hätten ihm gesagt, er solle besser nicht mehr fahren, der Schlüssel stecke bestimmt im
Zündschloss. Es sei nochmals zu einer Auseinandersetzung gekommen. Er (Zeuge G_;
Anmerkung der Unterzeichneten) habe den Beschuldigten dann nach draussen begleitet.
Dort hätten die Wirtin, ein Taxichauffeur (J_; Anmerkung der Unterzeichneten) und ein
paar andere Leute den Beschuldigten erneut davon überzeugen wollen, dass er nicht
mehr fahren soll. Der Beschuldigte habe das Fahrangebot des Taxifahrers abgelehnt und
gemeint, dass er selber nach Hause fahren werde. Er, G_, sei zurück auf die Terrasse
gegangen und habe von dort aus gesehen, wie der Beschuldigte alleine in seinen VW
Beetle gestiegen und Richtung St. Gallen davon gefahren sei. Danach sei er rechts
abgebogen über den Bahnübergang Richtung Jägerei.
Am 10. Dezember 2013 wurde G_ durch die Staatsanwaltschaft als Zeuge befragt (act.
B 5/15). Dabei hielt er an seiner Aussage vom 13. August 2013 fest. Er präzisierte, dass
er sein Motorrad hinter dem Auto des Beschuldigten bei der Hauptstrasse parkiert hatte.
Dessen Auto sei auf dem vordersten Parkfeld in Fahrtrichtung St. Gallen gestanden.
G_ erklärte, dass der Beschuldigte, nachdem er zunächst gegangen war, wieder kam,
weil er seinen Autoschlüssel suchte. Daraufhin hätten ihm die Leute klar gesagt, er solle
das Auto stehen lassen und in diesem Zustand nicht mehr fahren. Der Taxifahrer J_
habe ihm angeboten, ihn nach Hause zu fahren. Er selbst habe den Beschuldigten, als es
nochmals zu einer Auseinandersetzung mit K_ und ihm kam, nach draussen "spediert".
Dabei habe der Beschuldigte ihn mit einer Vase angegriffen, wobei sich dieser die
Verletzung an der rechten Hand zugezogen habe. Danach sei er selbst wieder hoch
gegangen. Oben habe er gesehen, wie K_ am Fenster stand, da dessen Töff unten
parkiert war. Frau H_, die Wirtin, und J_ seien beide mit dem Beschuldigten nach
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unten und auf den Parkplatz gegangen, wo das Auto parkiert war. Er, G_, habe sich zu
seinem Kollegen K_ gestellt und von oben die Auseinandersetzung auf dem Parkplatz
beobachtet. Der Beschuldigte habe nicht mitfahren wollen und sei dann zu seinem Auto
nach vorne gegangen. Er, G_, sei dann auf die Veranda zurückgekehrt und habe den
Beschuldigten allein ins Auto steigen und davonfahren sehen. Er habe bewusst geschaut,
weil er nicht habe glauben können, dass man in diesem Zustand noch Auto fahren könne,
zumal der Beschuldigte kaum noch laufen konnte. G_ verneinte, F_ gesehen zu
haben. Er konnte ausserdem ausschliessen, dass jemand anderes als der Beschuldigte
auf der Fahrerseite eingestiegen ist. G_ führte aus, dass er F_ ca. 2 Wochen nach
dem Vorfall zufällig in E_ getroffen hatte. Dabei habe sie die Geschichte erzählt, dass
sie den Beschuldigten nach Hause gefahren habe und vorgeschlagen, dass er "mitziehe".
2.5 Aussagen von F_
F_ wurde sowohl im Laufe des Verfahrens gegen den Beschuldigten (act. B 5/7 = B
5/37, B 5/9, B 5/62), als auch im Verfahren gegen sie selbst betreffend falsche Aussage
befragt (act. B 5/38, B 5/40, B 5/42 und B 5/43; Konfrontationseinvernahme mit G_).
F_ sagte aus, dass sie am 17. Juli 2013 in St. Gallen einkaufen war (act. B 5/7).
Danach sei sie von St. Gallen nach D_ gefahren und habe im Restaurant C_ noch
einen Kaffee trinken gehen wollen. Um etwa 20.00 Uhr sei sie beim Restaurant C_
angekommen und habe auf dem unteren Parkplatz bei der Kirche parkiert (act. B 5/9, S.
2). Den Beschuldigten will sie, bei seinem Auto stehend, auf dem Parkplatz des
Restaurants C_ angetroffen haben (act. B 5/7, S. 2). Weil der Beschuldigte betrunken
gewesen sei, habe sie diesem angeboten, ihn nach Hause zu fahren. Er habe das Ange-
bot angenommen. Sie habe ihn mit seinem Auto nach E_ gefahren, weil er sein Auto
brauchte (act. B 5/9, S. 2). Dort angekommen, habe sie seine Wunde verbinden wollen.
Er habe jedoch nicht gewollt und wollte seine Ruhe haben. Daraufhin sei sie gegangen.
Eigentlich habe sie mit dem Zug ab der Haltestelle L_ wieder Richtung D_ fahren
wollen. Da sie auf dem Fahrplan gesehen habe, dass erst in etwa 20 Minuten ein Zug
kommen würde, sei sie zu Fuss in ca. 30 Minuten zurück zum Restaurant C_ gegan-
gen. Danach sei sie nach Hause gefahren, ohne noch ins Restaurant C_ gegangen zu
sein. Sie sei um ca. 21.00 Uhr in M_ angekommen und habe dann noch etwas im
Fernsehen geschaut (act. B 5/7, S. 3 und act. B 5/9, S. 3). F_ kennt den Beschuldigten
bereits seit der Kindheit. Die beiden bezeichnen sich als Kollegen.
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F_ wurde mit Strafbefehl vom 1. Juli 2014 wegen falschen Zeugnisses und
Begünstigung zum Vorteil des Beschuldigten schuldig gesprochen (act. B 5/35). Der
Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft (act. B 5/51).
Anlässlich der Einvernahme durch die Einzelrichterin und auf den rechtskräftig geworde-
nen Strafbefehl angesprochen, erklärte F_, dass sie im Spital war, den einge-
schriebenen Brief nicht abholte und der Strafbefehl dann mit normaler Post zugestellt
wurde. Sie habe niemanden, der ihr den Briefkasten leere. Die 30 Tage seien bei ihrer
Rückkehr schon vorbei gewesen. Zudem präzisierte sie, dass der nächste Zug ab L_
"30 oder 35" fuhr, verbesserte dann später, dass es "05" war, sie sei um ca. 20.40 Uhr an
der Haltestelle gewesen. Sie verneinte die Frage, ob ein Zug an ihr vorbeigefahren war,
als sie beim Wohnort des Beschuldigten oder als sie auf dem Weg zur Haltestelle war. Sie
meinte, dass sie vielleicht auch 40 Minuten zu Fuss nach D_ brauchte. Die Heimfahrt
habe ca. 10 Minuten gedauert. Zu Hause habe sie dann um 21.15 Uhr noch eine Sen-
dung auf RTL angeschaut.
2.6 Aussagen von P1_
P1_ wurde am 16. September 2014 durch die Staatsanwaltschaft als Zeuge
einvernommen (act. B 5/30). Der Zeuge führte aus, wie es zum Einsatz gekommen war.
Eine Nachbarin habe gemeldet, A_ liege betrunken vor der Haustüre. Vor Ort hätten sie
den Beschuldigten antreffen können, der blutverschmiert gewesen sei. Der Beschuldigte
habe eine Schnittwunde an der rechten Hand gehabt, die aber nicht mehr stark blutete.
Der Beschuldigte habe dann auf Nachfrage erklärt, dass er sich die Wunde bei einer
Rangelei im Restaurant C_ zugezogen habe. Dabei habe er auch gesagt, dass er grad
mit dem Auto nach Hause gefahren sei, das sollten sie [die Polizisten] aber für sich
behalten. Erst in diesem Moment seien sie darauf gekommen, dass er in angetrunkenem
Zustand nach Hause gefahren sein müsste. Als sie ihn darauf aufmerksam machten, dass
sie einen Alkoholtest durchführen müssten, habe er dann sofort gemeint, dass es nicht
stimme, was er gesagt habe. Zu den Blutflecken um das Restaurant C_ meinte Zeuge
P1_, dass sie vom Eingang aus keine weiteren Blutflecken festgestellt hätten. Er habe
aber auch nicht gewusst, wo das Auto des Beschuldigten gestanden habe.
2.7 Aussagen von P2_
P2_ wurde am 16. September 2014 durch die Staatsanwaltschaft als Zeugin befragt
(act. B 5/31). P2_ fuhr gemäss ihrer Aussage zusammen mit ihrem Kollegen P1_
zum Einsatz beim Beschuldigten. Dabei habe ihnen der Beschuldigte gesagt, dass er
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eben noch nach Hause gefahren sei. Sie dürften dies aber niemandem sagen. Die Zeugin
erklärte, dass sie anschliessend zum Restaurant C_ gefahren seien; auf dem
Restaurantparkplatz hätten sie Blut gesehen und diese Blutspur verfolgt. Die Wirtin habe
sie dann weggeschickt, sie hätten bei ihr nichts zu suchen. Auf der anderen Seite des
Restaurants hätten sie deswegen nicht nach Blutspuren gesucht.
2.8 Aussagen von K_
Im Polizeiprotokoll vom 10. September 2013 wird eine telefonische Aussage von K_,
mit welchem G_ die Motorradtour unternommen hatte, wiedergegeben. Der
Beschuldigte beruft sich zu seinen Gunsten an verschiedenen Stellen auf diese Aussage
(act. B 5/27, B 5/65), weshalb diese grundsätzlich verwertbar ist. Demnach will K_ "vom
Fenster des Restaurants aus" gesehen haben, "dass der Wagen von A_ direkt vor dem
Restaurant parkiert war". "Als ich mich durch das Restaurant zurück auf die Terrasse
begeben hatte, war das Auto plötzlich nicht mehr dort". Und: "Ich kenne F_ vom Sehen
her. Sie war an jenem Abend sicher nicht beim Restaurant C_".
2.9 Aussagen von H_, I_ und J_
H_ konnte anlässlich der Befragung durch die Staatsanwaltschaft am 16. September
2014 lediglich bestätigten, dass es eine Rangelei gegeben hatte. Sie führte aus, dass die
Polizei später noch vorbei kam und eine halbe Stunde auf dem Parkplatz stand. Das habe
sie aufgeregt. H_ konnte nur Vermutungen anstellen, wo das Auto des Beschuldigten
parkiert war (act. B 5/32, S. 3).
I_, der ebenfalls am 16. September 2014 von der Staatsanwaltschaft einvernommen
wurde, konnte ebenfalls keine Angaben zum Standort des Autos des Beschuldigten ma-
chen. Er verwies darauf, dass er das Auto des Beschuldigten auch nicht kannte (act. B
5/33, S. 2).
J_ bestätigte anlässlich seiner Befragung durch die Staatsanwaltschaft vom 16.
September 2014 als Zeuge, dass es zu einer Rangelei gekommen war und er dem
Beschuldigten angeboten hatte, ihn kostenlos nach Hause zu fahren. J_ sagte aus,
dass er selbst auf dem offiziellen Parkplatz des Restaurants C_ parkiert hatte. Er habe
nicht darauf geachtet, ob das Auto des Beschuldigten auf dem Parkplatz stand. Er
vermute aber, dass er das Auto wahrgenommen hätte, wenn es dort gestanden hätte. Es
sei ein auffälliger Wagen und er kenne ihn. Er sei aber nicht 100% sicher (act. B 5/34, S.
2 f.).
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2.10 Fahrplan Appenzeller Bahnen
Gemäss Fahrplan der Appenzeller Bahnen, gültig vom 9. Dezember 2012 bis 14. Dezem-
ber 2013, fuhr der Zug ab L_ um 20.27 und 20.57 Uhr Richtung D_. Aus dem
Fahrplan geht ebenso hervor, dass der Zug von St. Gallen Richtung Appenzell zu densel-
ben Fahrzeiten den Gegenzug Richtung St. Gallen an der Haltestelle L_ kreuzt (act. B
5/60).
2.11 Aussagen des Beschuldigten
Der Beschuldigte wurde am 22. August 2013 erstmals polizeilich einvernommen (act. B
5/6). Am 25. November 2013 erfolgte eine Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft
(act. B 5/11) und am 6. Februar 2015 die Befragung durch die Einzelrichterin des Kan-
tonsgerichts Appenzell Ausserrhoden (act. B 5/64). Der Beschuldigte war dabei gestän-
dig, am Abend des 17. Juli 2013 alkoholisiert gewesen zu sein und anerkannte die mit
Atemlufttest ermittelten 1.61 Promille. Dagegen bestritt er, an jenem Abend selbst von
D_ nach E_ gefahren zu sein. Er gab jeweils an, dass er von seiner Kollegin F_ in
seinem Auto VW Beetle nach Hause gefahren wurde und er selbst auf dem Beifahrersitz
sass. Er bestand ausserdem darauf, dass er sein Auto auf dem Parkplatz Richtung St.
Gallen abgestellt hatte (act. B 5/11, S. 3). Dass er gegenüber den ausgerückten
Polizeibeamten erwähnt habe, er sei von der C_ selbst mit dem Auto nach Hause
gefahren, bestritt er. Daran, wo F_ parkiert hatte, konnte der Beschuldigte sich nicht
erinnern (act. B 5/11, S. 3 f.).
2.12 Erwägungen der Vorderrichterin
Die Einzelrichterin des Kantonsgerichts führte aus (act. B 3, S. 11 ff.), die spontane Aus-
sage des Beschuldigten gegenüber der ausgerückten Polizeistreife ohne danach gefragt
worden zu sein und ohne dass ein entsprechender Verdacht überhaupt bestand, spreche
dafür, dass sie wahr sei. Für ihre Richtigkeit spreche ausserdem, dass der Beschuldigte,
als er unmittelbar auf die Reaktion der Polizisten seine spontane Aussage zurücknehmen
wollte, nicht darauf hingewiesen habe, dass F_ ihn gefahren habe. Hätte sie das getan,
wäre ein solcher Hinweis nicht nur logisch gewesen, sondern hätte sich zwingend
aufgedrängt (S. 11). Die entlastenden Aussagen von F_ vermöchten nicht zu
überzeugen. Zunächst seien F_ und der Beschuldigte seit Jahren befreundet. Der
Letztere sei zudem erst rund einen Monat nach dem Vorfall einvernommen worden und
die beiden hätten genügend Zeit gehabt, sich abzusprechen, um übereinstimmend
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aussagen zu können. Nicht nachvollziehbar sei, dass A_, wäre er tatsächlich von F_
nach Hause gefahren worden, der Polizei dies innert nützlicher Frist nicht mitgeteilt habe.
Denn spätestens als die Polizisten einen Alkoholtest durchführten und ihn zur Blutprobe
aufforderten, habe der Beschuldigte gewusst, dass es um seine Fahrt von D_ nach
E_ ging. Schliesslich könne der von der Zeugin geschilderte zeitliche Ablauf nicht
stimmen: Wenn F_ tatsächlich um 20.40 Uhr an der Haltestelle L_ gewesen wäre,
könne sie nach einem 30ig- bis 40ig-minütigen Spaziergang nicht bereits um 21.00 Uhr
bis maximal 21.15 Uhr zu Hause gewesen sein. Wäre sie bereits früher an der Haltestelle
gewesen oder vom Wohnort des Beschuldigten losgegangen, hätte sie den Zug um 20.27
Uhr noch erwischt oder hätte sich wenigsten noch an einen der sich kreuzenden Züge
erinnert (S. 12).
Gegen die Darstellung des Beschuldigten spreche auch die glaubwürdige Aussage des
Zeugen G_, wonach dieser den Beschuldigten selbst habe in das Auto auf der
Fahrerseite einsteigen und wegfahren sehen. Die Behauptung eines Racheaktes über-
zeuge demgegenüber nicht. Hätte das Auto des Beschuldigten tatsächlich auf dem gros-
sen westlichen Parkplatz gestanden, wäre eine solche Aussage, die auch darauf fusse,
dass das Auto eben auf der anderen Seite entlang der Hauptstrasse parkiert war, äus-
serst riskant gewesen. Denn wie verschiedene Beteiligte aussagten und sich auch auf
den Polizeifotos feststellen lasse, handle es sich beim Wagen des Beschuldigten um
einen auffälligen VW New Beetle, der von einem Beteiligten problemlos hätte erkannt
werden können. Die Aussagen des Zeugen G_ seien daher glaubwürdig und würden
beweisen, dass das Auto von A_ entlang der Hauptstrasse parkiert war und dieser
selbst vom Restaurant C_ wegefahren sei (S. 12).
J_, der Taxifahrer, habe sich nicht daran erinnern können, ob das Auto des
Beschuldigten auf dem grossen westlichen Parkplatz gestanden habe. Da der VW New
Beetle gemäss den Aussagen von F_ und A_ in unmittelbarer Nähe des Fahrzeuges
von J_ abgestellt hätte sein müssen, äusserst auffällig und J_ auch bekannt sei,
hätte sich dieser wohl daran erinnert, wenn dieser tatsächlich dort parkiert gewesen wäre
(S. 13).
Ein gewichtiges Indiz würden die diversen vorgefundenen Blutspuren beim Restaurant
C_ und im sowie am Fahrzeug darstellen. Beim Restaurant C_ seien Blutspuren auf
dem grossen westlichen Parkplatz gefunden worden. Der Verteidiger des Beschuldigten
schliesse daraus, dass A_ von Anfang an zu diesem Parkplatz gewollt habe, da er
davon ausgegangen sei, dass sein Fahrzeug dort abgestellt sei. Wäre der Beschuldigte
nachträglich auf die östliche Seite gelaufen, hätten gemäss Verteidiger auch dort
Blutflecken gefunden werden müssen, was aber nicht der Fall gewesen sei. Dem sei
entgegen zu halten, dass A_ aus dem Restaurant „hinaus spediert“ worden sei, den
Ausgang zum westlichen Parkplatz also nicht selbst gewählt habe. Weiter hätten die
Seite 15
Polizeibeamten P1_ und P2_ lediglich Fotos vom westlichen Parkplatz gemacht, weil
sie von der Wirtin nach kurzer Zeit weggeschickt worden seien. Ob es weitere Blutspuren
in Richtung zum östlichen Parkplatz überhaupt gehabt habe, lasse sich nicht
abschliessend klären. Der Beschuldigte habe anlässlich der Hauptverhandlung auch
ausgeführt, dass er die rechte Hand notdürftig mit Haushaltpapier, das ihm die Wirtin
gebracht habe, verbunden habe. Dies sei eine plausible Erklärung dafür, dass allenfalls
gar keine weiteren Blutspuren vorhanden gewesen seien. Aus den auf dem Parkplatz des
Restaurants C_ vorgefundenen Blutspuren könne nicht darauf geschlossen werden,
dass das Auto des Beschuldigten tatsächlich dort parkiert gewesen sei (S. 13).
Aussagekräftiger seien die im Auto vorgefundenen Blutspuren. Dass diese nicht derart
massiv seien, wie jene auf dem Parkplatz sowie jene beim Wohnort des Beschuldigten,
lasse sich mit dem notdürftigen Verband erklären. Auffallend sei jedoch, dass sich sämt-
liche Blutspuren im Auto entweder auf der Fahrerseite (Türleiste) oder aber auf der Mittel-
konsole befänden. Dieses Spurenbild passe zur Verletzung am rechten Handballen.
Damit stimme auch überein, dass sich am Schalthebel und am Lenkrad selbst kaum bzw.
keine Blutspuren befanden. Lenken lasse sich ein Wagen auch nur mit der linken Hand
und Schalten könne man problemlos mit den Fingern und dem vorderen Teil der Hand,
ohne dass die ganze Hand inklusive Handballen dafür eingesetzt werden müsste. Die auf
der Fahrerseite und der Mittelkonsole aufgefundenen Blutspuren und das Fehlen jeglicher
Spuren auf der Beifahrerseite würden klar dafür sprechen, dass A_ selbst gefahren sei.
Die Aussage an Schranken, wonach der Beschuldigte sich Zigaretten aus der
Mittelkonsole geholt habe, als das Auto bereits bei ihm zu Hause gestanden habe,
erscheine konstruiert und sei überdies erstmals an Schranken getätigt worden. Dabei
handle es sich um eine reine Schutzbehauptung (S. 13 f.).
Aus der Formulierung, K_ habe vom Fenster des Restaurants sehen können, dass der
Wagen des Beschuldigten direkt vor dem Restaurant abgestellt gewesen sei, schliesse
der Verteidiger, dass der VW Beetle auf dem Parkplatz des Restaurants C_ gestanden
haben müsse. Denn gemäss der Wirtin und ihrem Vater gebe es kein Fenster, aus dem
man auf den Parkplatz auf der Ostseite habe sehen können. Dazu sei zu sagen, dass sich
bei der im Polizeirapport wiedergegebenen Aussage von K_ nicht ableiten lasse, aus
welchem Fenster er geschaut habe. Aussagekräftiger sei demgegenüber die Aussage,
„als ich mich durch das Restaurant zurück auf die Terrasse begeben hatte, war das Auto
plötzlich nicht mehr dort“. Diese Darstellung spreche dafür, dass das Auto des
Beschuldigten entlang der Hauptstrasse parkiert gewesen sei. Ausserdem habe K_
erklärt, dass F_ an jenem Abend nicht beim Restaurant C_ gewesen sei. Die
Unklarheit in der Wiedergabe der Aussagen von K_ vermöge die Beweise und Indizien,
die dafür sprächen, dass der Wagen von A_ entlang der Hauptstrasse parkiert
Seite 16
gewesen sei und dieser selbst nach Hause gefahren sei, nicht in Zweifel zu ziehen (S.
14).
In Würdigung sämtlicher Aussagen und Beweismittel bestehe aufgrund der spontanen
Äusserung des Beschuldigten gegenüber den Polizeibeamten P1_ und P2_, wonach
er selbst gefahren sei, der Zeugenaussage von G_ und der vorgefundenen und nicht
vorgefundenen Blutspuren im Auto kein Zweifel daran, dass das Fahrzeug von A_
entlang der Hauptstrasse abgestellt gewesen sei und dieser selbst in angetrunkenem
Zustand mit 1.61 Promille von D_ nach E_ gefahren sei. Der angeklagte Sachverhalt
sei damit erstellt.
2.13 Ausführungen des Beschuldigten im Berufungsver fahren
RA AA_ hob zunächst die enorm grosse Bedeutung des vorliegenden
Gerichtsverfahrens für den Beschuldigten hervor, insbesondere die Auswirkungen des
Führerausweisentzugs auf unbestimmte Zeit, mindestens aber zwei Jahre, auf dessen
Einmannfirma (act. B 14, S. 1 f.). Fakt sei, dass es eine klar belastende und eine klar
entlastende Aussage gebe, nämlich diejenigen von G_ und F_. Es sei klar, dass in
einer solchen Situation, wenn Aussage gegen Aussage stehe, nicht zwingend der
Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ zur Anwendung gelange. Das Gericht müsse
sich im Rahmen der freien Beweiswürdigung nämlich zuerst davon zu überzeugen
versuchen, ob eine der beiden sich widersprechenden Aussagen zutreffend und
überzeugend sei. Der genannte Grundsatz müsse allerdings dann zur Anwendung
kommen, wenn nach der Beweiswürdigung relevante Zweifel daran verblieben, welcher
von den zwei in Betracht kommenden Geschehensabläufen zutreffend sei. Es müsse also
ein Freispruch erfolgen, wenn erhebliche Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ver-
blieben (S. 2).
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz gebe es nicht nur den belastenden Geschehens-
ablauf, der dem vorinstanzlichen Urteil zugrunde gelegt worden sei, sondern durchaus
auch einen anderen, für den Beschuldigten entlastenden, der möglich und wahrscheinlich
sei. Unbestritten sei zunächst, dass A_ mit zwei anderen Gästen, nämlich G_ und
K_ eine Auseinandersetzung auf der Terrasse hatte und von G_ die Treppe hinunter
spediert wurde. Dann habe er sich auf den westlichen Parkplatz des Restaurants C_
begeben. Das sei von allen Zeugen übereinstimmend bestätigt worden und stimme auch
mit den massiven Blutspuren auf dem westlichen Parkplatz überein. Für die Behauptung
der Vorderrichterin, der Beschuldigte habe sich nicht freiwillig auf den westlichen
Parkplatz begeben, gebe es in den Akten keine Anhaltspunkte und kein Zeuge habe dies
bestätigt. Objektiv deute das darauf hin, dass sein Auto auf dem westlichen Parkplatz
stand und er dort einsteigen wollte. Der Zeuge G_ behaupte nun, A_ sei in sein Auto
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gestiegen, das unmittelbar vor der Terrasse abgestellt gewesen sei und sei dann
abgefahren. Kein anderer Zeuge habe den auffälligen Wagen jedoch längs der
Hauptstrasse wahrgenommen, geschweige denn gesehen, dass der Beschuldigte
eingestiegen und weggefahren sei. Die Aussage von K_, der von der Polizei als
Auskunftsperson befragt worden sei, widerspreche der Schilderung von G_. Gegen die
Annahme, das Auto sei vor der Terrasse, längs der Hauptstrasse parkiert gewesen,
sprächen auch die vorgefundenen Blutspuren. Die Darstellung von F_ sei entgegen der
Meinung der Vorderrichterin durchaus plausibel und es sei ohne weiteres möglich, dass
sich das Geschehen so abgespielt habe, wie die Zeugin es geschildert habe. Dass die
Zeitangaben der Zeugin nach rund 1 1/2 Jahren nicht genau seien, sei nicht
verwunderlich. Im Übrigen habe sie nie behauptet, um 21.00 oder 21.15 Uhr zu Hause
gewesen zu sein, sondern nur, sie habe eine Sendung auf RTL angeschaut, die um 21.15
Uhr begonnen habe. Sie könne also auch erst gegen 21.30 Uhr nach Hause gekommen
sein (S. 5).
Möglicherweise habe der Zeuge G_ sich für den Faustschlag rächen wollen. Er gehe
nicht davon aus, dass die Anzeige bei der Polizei aus Sorge um die Allgemeinheit erfolgt
sei, sondern um dem Beschuldigten eins auszuwischen. Zugegebenermassen habe sich
der Beschuldigte im Gespräch mit den Polizisten ungeschickt verhalten, indem er nicht
darauf hingewiesen habe, er sei von F_ nach Hause gebracht worden. A_ sei damals
allerdings stark angetrunken und aggressiv gewesen und offensichtlich nicht bereit, mit
der Polizei zu sprechen (S. 6).
Die Angaben von A_, dass die Blutspuren an der Türleiste davon herrühren könnten,
dass er nach der Fahrt Zigaretten aus der Mittelkonsole geholt habe, sei keine
Schutzbehauptung wie die Vorderrichterin annehme, sondern eine durchaus plausible
Erklärung für die vorgefundenen Spuren. Die vorgefundenen Bluttropfen bei der Mittel-
konsole seien für ihn ein Indiz, dass der Beschuldigte nicht gefahren sei. Gemäss den
Aussagen der Polizeibeamtin habe die Wunde nämlich noch stark geblutet. Wenn der
Beschuldigte selber gefahren wäre, hätte es am Schaltknauf also ebenfalls Blut haben
müssen. Diese nicht vorhandenen Blutspuren würden vielmehr darauf hindeuten, dass
A_ den Wagen nicht selbst gelenkt habe (S. 7 f.).
Zusammenfassend spreche gegen den Beschuldigten, dass er gegenüber den Polizei-
beamten nicht sofort erklärt habe, dass F_ gefahren sei. Weiter würden ihn die
Aussagen von G_ belasten. Für A_ spreche, dass kein anderer Zeuge gesehen
habe, dass er seinen Wagen vor der Terrasse des Restaurants parkiert habe und
niemand beobachtet habe, dass er selbst gefahren sei. Dazu kämen die entlastenden
Aussagen von F_ sowie die nicht vorgefundenen Blutspuren am Schalthebel des VW
Beetle und auf dem Parkplatz vor der Terrasse sowie die festgestellten Blutspuren auf
dem westlichen Parkplatz. Insgesamt bestünden so erhebliche Zweifel an der Schuld von
Seite 18
A_, dass dieser vom Vorwurf des Fahrens im fahrunfähigen Zustand und der
Verweigerung einer Blutprobe freizusprechen sei (S. 8).
2.14 Ausführungen der Staatsanwaltschaft im Berufun gsverfahren
A.o. StA B_ hielt fest (act. B 16, S. 1), die Vorderrichterin sei nach einer aufwändigen
Untersuchung zum Schluss gelangt, dass der Sachverhalt zweifelsfrei erstellt sei. Der
Version des Beschuldigten, eine langjährige Kollegin habe ihn nach Hause chauffiert,
habe diese keinen Glauben geschenkt. Die Aussagen aller Beteiligten, das Spurenbild
und das Verhalten des Beschuldigten würden ein stimmiges Bild ergeben, welches zur
erstinstanzlichen Verurteilung geführt habe. Ergänzend sei lediglich darauf hinzuweisen,
dass F_ rechtskräftig wegen Falschaussage verurteilt worden sei. In der ersten Skizze
sei das Auto des Beschuldigten hinter den Bäumen eingezeichnet worden; eventuell sei
es also nicht für alle Besucher auf der Terrasse sichtbar gewesen. Auf dem östlichen
Parkplatz hätten die Polizeibeamten überhaupt nicht nach Spuren gesucht, weil sie von
der Wirtin weggeschickt worden seien. Wenn A_ angeblich so stark geblutet habe,
müsse man sich fragen, wieso es auf der Beifahrerseite überhaupt keine Blutspuren
gegeben habe. Schliesslich sei die Sache mit den Zigaretten bei seiner Befragung noch
kein Thema gewesen.
2.15 Rechtliche Grundlagen
Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO besagt, dass die
Strafverfolgungsbehörden und die Strafgerichte nicht nach festen Beweisregeln, sondern
aufgrund ihrer persönlichen Überzeugung darüber entscheiden, ob sie eine Tatsache als
bewiesen ansehen oder nicht1. Im Rahmen der freien Beweiswürdigung kommt es weder
auf die Zahl der für oder gegen ein bestimmtes Beweisergebnis sprechenden Beweismit-
tel an, noch kommt bestimmten Arten von Beweismitteln ein Vorrang resp. ein Überge-
wicht gegenüber anderen Arten von Beweismitteln zu. Weder hat der Personalbeweis
Vorrang vor dem Sachbeweis, noch umgekehrt. Entscheidend ist allein der Beweiswert
der konkret vorhandenen Beweismittel, beim Personalbeweis also die Glaubwürdigkeit
der Person - und vor allem - die Glaubhaftigkeit der Angaben, welche diese Person
gemacht hat2. Verletzt ist der Grundsatz der freien Beweiswürdigung dann, wenn der
Richter sich auf schematische Regeln stützt, was dann der Fall ist, wenn er nicht mehr auf
die innere Autorität des konkreten Beweismittels abstellt, sondern beispielsweise Aussa-
1 BGE 133 I 33 E. 2.1 2 WOLFGANG WOHLERS, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 27 zu Art. 10
Seite 19
gen von Angehörigen generell keinen bzw. einen geringen Beweiswert beimisst3. Sind die
Strafbehörden von jeder positiven oder negativen Beweisregel entbunden, werden sie
damit auf ihr eigenes Urteilsvermögen zurückgeworfen: Nach dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung sollen sie einzig nach ihrer persönlichen Überzeugung aufgrund gewis-
senhafter Prüfung darüber entscheiden, ob sie eine Tatsache für bewiesen halten oder
nicht4. Die richterliche Überzeugung lässt sich inhaltlich in eine subjektive und eine objek-
tive Komponente aufgliedern. Als gefühlsmässige Empfindung verlangt sie nach persön-
licher Gewissheit, dass sich ein Sachverhalt so und nicht anders zugetragen hat. Eine
blosse Vermutung oder ein Verdacht reichen hierfür nicht aus. Die Gewissheit ist jedoch
nicht Ausfluss gefühlsmässigen Empfindens, sondern beruht auf rationaler Erkenntnis.
Überzeugt zeigen darf sich das Gericht nur, wenn es jeden vernünftigen Zweifel aus-
schliessen kann. Die Überzeugung muss mit anderen Worten durch gewissenhaft festge-
stellte Tatsachen und logische Schlussfolgerungen begründet sein; dadurch wird die
Herleitung des Beweisergebnisses objektiv nachvollziehbar5.
2.16 Würdigung durch das Obergericht
Nach Auffassung des Obergerichts sprechen die folgenden Umstände gegen eine Täter-
schaft des Beschuldigten:
- Zunächst einmal die nachträglichen Aussagen von A_, der seine spontane
anfängliche Äusserung gegenüber den Polizisten, die aufgrund der Meldung der
Nachbarin ausgerückt waren, korrigierte und darauf beharrte, nicht selbst vom Res-
taurant C_ an seinen Wohnort in E_ gefahren zu sein (vgl. act. B 5/1, S. 2, act. B
5/6, act. B 5/11 und act. B 5/64).
Der Beweiswert der eigenen Aussage ist allerdings nicht besonders hoch, da eine
beschuldigte Person nicht verpflichtet ist, aktiv an ihrer eigenen Überführung mitzuwir-
ken (nemo tenetur se ipsum accusare)6.
- Die wiederholten Aussagen von F_, die konstant bestätigte, dass sie A_ vom
Restaurant C_ nach E_ chauffiert habe (act. B 5/7, act. B 5/9 und act. B 5/62).
3 WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N. 28 zu Art. 10; THOMAS HOFER, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl.
2014, N. 54 ff. zu Art. 10 4 THOMAS HOFER, a.a.O., N. 58 zu Art. 10; WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N. 31 zu Art. 10 mit weiteren
Hinweisen 5 THOMAS HOFER, a.a.O., N. 61 zu Art. 10; WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N. 31 zu Art. 10; Urteil des
Bundesgerichts 6B_439/2010 vom 29. Juni 2010 E 5.5 6 WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N 3 zu Art. 10
Seite 20
Die Erklärungen von F_ sind nach Meinung des Obergerichts allerdings mit Vorsicht
zu würdigen. So ist sie nach eigenen Angaben seit vielen Jahren mit A_ befreundet
(act. B 5/9, S. 2 und act. B 5/62, S. 2). Weiter überzeugt der von ihr geschilderte
zeitliche Ablauf, wie schon die Vorderrichterin anmerkte (act. B 3, S. 12), nicht. An
dieser Stelle kann man sich durchaus auch fragen, weshalb F_ die aufwändige Hin-
und Herfahrt überhaupt auf sich nahm. Sie hätte ebenso gut ihren eigenen Wagen
nehmen und A_ in E_ einfach absetzen können. Ein konkreter Grund, weshalb
dieser den VW New Beetle nicht am nächsten Morgen in D_ hätte holen können,
wurde nicht vorgebracht. Zum grossen und uneigennützigen Aufwand, den F_
betrieben haben will, um ihren Kollegen nach Hause zu bringen, passt auch nicht,
dass sie ihn anschliessend verletzt und angetrunken einfach sich selbst überliess.
Sodann ist festzuhalten, dass F_ wegen falscher Zeugenaussage rechtskräftig
verurteilt wurde (act. B 5/51). Wenn sie sich tatsächlich nichts zu Schulden hat
kommen lassen, hätte sie sicher versucht, eine Korrektur des Strafbefehls zu
erwirken. Die Angabe, dass während des Spitalaufenthalts niemand nach ihrer Post
geschaut habe, überzeugt nicht. Denn es ist normalerweise üblich, bei einer längeren
Abwesenheit, jemanden mit dem Besorgen der Post zu beauftragen, diese umzuleiten
oder bei der Post einen entsprechenden Auftrag (zum Beispiel „postlagernd“) zu
deponieren. Bemerkenswert ist auch, dass F_ am fraglichen Abend von
niemandem gesehen wurde, obwohl verschiedene Beteiligte sie kannten (Aussage
G_, act. B 5/15, S. 4 f.; Aussage H_, act. B 5/32, S. 3 und Aussage J_, act. B
5/34, S. 3). Die Aussage von F_, sie habe ihr Auto auf dem Parkplatz der
katholischen Kirche abgestellt (act. B 5/9, S. 2 und act. B 5/62, S. 3), passt nicht zu
den Angaben des Beschuldigten, der zunächst ausgesagt hat, er sei auf dem
westlichen Parkplatz des Restaurants C_ gestanden, als seine Kollegin
dahergefahren sei (act. 11, S. 3 f.). Vor der Einzelrichterin des Kantonsgerichts
vermochte er sich dann angeblich nicht mehr genau zu erinnern (act. B 5/64, S. 3 f.).
Wie für die Einzelrichterin des Kantonsgerichts sprechen auch für das Obergericht
insbesondere die nachstehend aufgeführten Umstände dafür , dass A_ seinen VW New
Beetle am Abend des 17. Juli 2013 selbst von D_ nach E_ gelenkt hat:
- Die spontane Äusserung des Beschuldigten (das heisst, ohne dass er danach gefragt
wurde resp. ohne dass ein entsprechender Verdacht bestand) gegenüber den beiden
ausgerückten Polizeibeamten, er sei selbst gefahren, sie sollten dies jedoch für sich
behalten (act. B 5/30, S. 2 und act. B 5/31, S. 2). Aus dem Polizeirapport ergibt sich
nämlich, dass die Polizeibeamten erst durch die Erklärung des Beschuldigten darauf
Seite 21
kamen, dass dieser angetrunken mit seinem Auto nach Hause gefahren sein könnte.
Ausgerückt waren sie nämlich aufgrund der Meldung einer Nachbarin, wonach A_
vermutlich betrunken auf dem Trottoir liege und kurz zuvor sein Velo auf den Gehsteig
geworfen und auf sein Auto eingeschlagen habe (act. B 5/1, S. 2). Den ersten
Angaben (sog. Erstbekundung) kommt erfahrungsgemäss ein besonders hoher
Wahrheitswert zu7.
- Zu Recht hat die Vorderrichterin weiter festgehalten, es spreche für die Richtigkeit der
Äusserung, dass der Beschuldigte, als er unmittelbar auf die Reaktion der Polizisten
seine spontane Aussage zurücknehmen wollte, nicht darauf hinwies, dass F_ ihn
gefahren haben soll. Hätte sie das getan, wäre ein solcher Hinweis nicht nur logisch
gewesen, sondern hätte sich geradezu aufgedrängt.
- Gegen die Darstellung von A_ sprechen sodann die klaren und konstanten
Aussagen von G_. Dieser hat angegeben, er habe gesehen, wie der Beschuldigte
in seinen vor der Terrasse parkierten VW New Beetle gestiegen und weggefahren sei.
Seine Beobachtungen meldete er am gleichen Abend der Kommandozentrale in
Herisau (act. B 5/1, S. 3). Ein Motiv für eine Falschaussage ist nicht erkennbar. Auch
A_ hatte keine Erklärung, weshalb der Zeuge G_ ihn zu Unrecht hätte
beschuldigen sollen (act. B 5/11, S. 6 und act. B 5/64, S. 5).
- Sehr aussagekräftig sind schliesslich die im Auto des Beschuldigten vorgefundenen
Blutspuren. Diese sind zwar nicht so intensiv wie diejenigen auf dem westlichen Park-
platz beim Restaurant C_ und am Wohnort von A_. Dies lässt sich jedoch mit
dem notdürftigen Verband erklären. Auffallend ist jedoch, dass sich sämtliche
Blutspuren im Auto entweder auf der Fahrerseite (zum Beispiel an der Türleiste) oder
aber auf der Mittelkonsole befinden. Dieses Spurenbild passt sowohl zur Verletzung
von A_ am rechten Handballen, als auch zum Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass
dieser den Wagen selbst gelenkt hat. Anders lässt sich das Fehlen jeglicher Spuren
auf dem Beifahrersitz nicht plausibel erklären. Die erst nach einem Jahr an Schranken
vorgetragene Erklärung des Beschuldigten (act. 64, S. 5), er habe Zigaretten aus der
Mittelkonsole geholt, als das Auto bereits bei ihm zu Hause abgestellt war, wirkt
konstruiert und wurde auch von der Vorderrichterin zu Recht als Schutzbehauptung
abgetan.
7 Urteile des Bundesgerichts 6B_257/2015 vom 24. August 2015 E. 1, 6B_404/2013 vom 28. Okto-
ber 2013 E. 1 und 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1
Seite 22
Keine zuverlässigen Schlussfolgerungen lassen sich nach Ansicht des Obergerichts aus
den Blutspuren auf dem westlichen Parkplatz des Restaurants C_ ziehen. Zum einen
hielt der Beschuldigte sich unbestritten mit H_ auf dem westlichen Parkplatz auf (act. B
5/34, S. 3), zum andern machten die Polizeibeamten P1_ und P2_ lediglich Fotos
vom westlichen Parkplatz, da die Wirtin H_ sie nach kurzer Zeit wegschickte (act. B
5/30, S. 3 und act. B 5/31, S. 3). Es kann somit nicht mehr in Erfahrung gebracht werden,
ob es weitere Blutspuren in Richtung zum östlichen Parkplatz hatte oder nicht.
Zusammenfassend lässt sich nicht mit letzter Sicherheit feststellen, wo das Auto des
Beschuldigten parkiert war. Dies ändert indessen nichts daran, dass die vom Beschuldig-
ten vorgebrachte Version, wonach er von F_ nach Hause gebracht wurde, zahlreiche
Ungereimtheiten aufweist, während sich die Darstellung der Staatsanwaltschaft als
schlüssig erweist und sich mit den Sachbeweisen, d.h. insbesondere den Blutspuren im
und am Wagen, sowie den überzeugenden Aussagen der Polizeibeamten P1_ und
P2_, die A_ im Gegensatz zu F_ und G_ vor dem 17. Juli 2013 nicht kannten,
deckt. Der von der Verteidigung vorgebrachte und der Version des Zeugen G_
entgegengesetzte Geschehensablauf stützt sich demgegenüber einzig auf die - wie vorne
ausgeführt - mit Vorsicht zu geniessenden Aussagen von F_ und A_.
2.17 Fazit
In Würdigung sämtlicher Umstände bestehen für das Obergericht keine Zweifel daran,
dass A_ sich am Abend des 17. Juli 2013 selbst ans Steuer seines Wagens setzte und
diesen mit einer Blutalkoholkonzentration von 1.6 Promille vom Restaurant C_ in D_
an seinen Wohnort in E_ gelenkt hat.
3. Führen eines Motorfahrzeuges in nicht fahrfähige m Zustand
3.1 Objektiver Tatbestand
Wer wegen Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss oder aus anderen Grün-
den nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, gilt
während dieser Zeit als fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen (Art. 31 Abs. 2 SVG).
Gemäss Art. 91 Abs. 1 aSVG wird, wer in angetrunkenem Zustand ein Motorfahrzeug
führt, mit Busse bestraft. Die Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe,
wenn eine qualifizierte Blutalkoholkonzentration vorliegt. Als qualifiziert gilt eine Blutalko-
holkonzentration von 0.8 Promille oder mehr (Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über Blutalko-
holgrenzwerte im Strassenverkehr, BAGV 1, SR 741.13). Gemäss Art. 17 Strassenver-
kehrskontrollverordnung (SKV, SR 741.013) kann auch aufgrund von Zustand und Ver-
Seite 23
halten der verdächtigen Person oder durch Ermittlung über den Konsum eine Angetrun-
kenheit festgestellt werden.
A_ anerkennt, dass er am Abend des 17. Juli 2013 eine Blutalkoholkonzentration von
1.6 Promille hatte, was auch dem Resultat der beiden durchgeführten Alkoholblastests
entspricht (act. 1, S. 2, act. 6, S. 3 und 5). Er lenkte seinen Wagen folglich am 17. Juli
2013 um ca. 20.00 Uhr mit einer Blutalkoholkonzentration von mindestens 1.6 Promille
von D_ nach E_. Damit ist der objektive Tatbestand des Fahrens in angetrunkenem
Zustand mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration erfüllt.
3.2 Subjektiver Tatbestand
Strafbar ist, wer eine Tat mit Wissen und Willen begeht (Art. 102 SVG i.V.m. Art. 12
StGB). Konnte der Täter aufgrund der relativ hohen Blutalkoholkonzentration, des dafür
erforderlichen grossen Konsums alkoholischer Getränke vor Antritt der Fahrt und der
damit zwingend verbundenen Trunkenheitssymptome nicht daran zweifeln, die gesetz-
lichen Grenzwerte überschritten zu haben, liegt Vorsatz vor8. Gemäss Art. 100 Ziff. 1 SVG
ist im Strassenverkehrsrecht zusätzlich auch die fahrlässige Handlung strafbar.
Anlässlich der Hauptverhandlung vor der Einzelrichterin des Kantonsgerichts erklärte
A_, dass er am fraglichen Abend zwei Flaschen Weisswein getrunken hatte (act 64, S.
6) und ihm von einem anderen Gast, J_, angeboten worden war, ihn nach Hause zu
fahren (act 64, S. 4). Dem Beschuldigten war also bewusst, dass er zu viel Alkohol
konsumiert hatte und dennoch mit seinem Auto nach Hause fuhr. Damit liegt vorsätzliches
Handeln vor, weshalb auch der subjektive Tatbestand erfüllt ist.
Demzufolge ist der Beschuldigte des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 1 Satz 2 in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 aSVG und Art. 1 Abs. 2 BAGV 1
schuldig zu sprechen.
4. Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer sich als Motorfahr-
zeugführer vorsätzlich einer Blutprobe, einer Atemalkoholprobe oder einer anderen vom
8 PHILIPPR WEISSENBERGER, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 2. Aufl. 2015, N. 20 zu Art. 91 mit
weiteren Hinweisen
Seite 24
Bundesrat geregelten Voruntersuchung, die angeordnet wurde oder mit deren Anordnung
gerechnet werden musste, oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt
oder entzogen oder den Zweck dieser Massnahmen vereitelt hat (Art. 91a Abs. 1 SVG) .
Der Beschuldigte ist geständig, dass er sich bei der Kontrolle durch die Kantonspolizei an
seinem Wohnort in E_ weigerte, eine Blutentnahme durchführen zu lassen, obwohl ihm
die Konsequenzen durch die anwesenden Polizisten aufgezeigt worden waren (act. 64, S.
3). Der angeklagte Sachverhalt ist damit erstellt, weshalb der Beschuldigte der Vereite-
lung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit im Sinne von Art. 91a Abs. 1
SVG schuldig gesprochen wird.
5. Strafzumessung
5.1 Erwägungen der Vorderrichterin
Die Vorderrichterin hat beim objektiven Tatverschulden erwogen (act. B 3, S. 17 f.), der
Beschuldigte sei unter der Woche um ca. 20.00 Uhr ca. 4.5 km in stark angetrunkenem
Zustand entlang der Hauptstrasse mit seinem Auto von D_ nach E_ gefahren. Somit
habe eine abstrakte Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer bestanden. Der
Beschuldigte habe gewusst, dass er zu viel Alkohol getrunken hatte und habe die Auffor-
derung verschiedener Personen, er solle nicht mehr fahren sowie ein konkretes Fahran-
gebot ausgeschlagen. Das objektive Verschulden sei damit als nicht mehr leicht zu quali-
fizieren.
Dabei habe A_ direkt vorsätzlich gehandelt, denn er habe gewusst, dass er massiv
getrunken hatte und nicht mehr hätte fahren dürfen. Die Tat hätte ohne weiteres
verhindert werden können, hätte er das Fahrangebot von J_ angenommen. Vor diesem
Hintergrund sei sein subjektives Verschulden ebenfalls als nicht mehr leicht zu beurteilen.
Das Verschulden von A_ sei daher als leicht bis (knapp) mittel zu qualifizieren (S. 18).
Bezüglich der täterbezogenen Kriterien könne festgehalten werden, dass der Beschul-
digte zwei Vorstrafen wegen grober Verkehrsregelverletzungen aus den Jahren 2009 und
2010 aufweise; er sei aber nicht einschlägig vorbestraft. Leicht straferhöhend wirke sich
sein Verhalten nach der Tat aus, indem er versucht habe, mit einer Falschaussage von
F_ den ihm vorgeworfenen Sachverhalt zu vertuschen. Er gelte als Ersttäter im Sinne
der Richtlinien des Kantonsgerichtes für die Strafzumessung bei „FiaZ-Tatbeständen“,
welche sich an analoge Richtlinien der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen und der
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich anlehnten. Sein Tatvorgehen entspreche dem
Regelfall. Die genannten Richtlinien sähen für einen Ersttäter bei einer
Seite 25
Blutalkoholkonzentration von 1.6 Promille eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen vor. Diese
Strafe sei auch nach einer Gesamtwürdigung der Umstände und des eher als leicht denn
als mittelschweren Verschuldens des Beschuldigten schuldangemessen (S. 19).
Die Einsatzstrafe von 30 Tagessätzen sei aufgrund der Vereitelung von Massnahmen zur
Feststellung der Fahrunfähigkeit in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu
erhöhen. Laut Polizeirapport habe sich der Beschuldigte körperlich vehement der Auffor-
derung, die Polizeipatrouille zur Blutentnahme zu begleiten, widersetzt. Dem Beschuldig-
ten sei jedoch zugute zu halten, dass er im weiteren Verfahren die mit Alkoholblastest
gemessenen 1.6 Promille anerkannt habe. Nach Würdigung dieser Umstände erscheine
eine Erhöhung der Geldstrafe auf insgesamt 50 Tagessätze als angemessen (S. 19).
Die Höhe des Tagessatzes bestimme sich nach den persönlichen und wirtschaftlichen
Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Ver-
mögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach
dem Existenzminimum. Der Beschuldigte habe das Formular „Erklärung über die finanzi-
ellen Verhältnisse“, die Steuererklärung 2013 sowie die Veranlagungsverfügung für das
Jahr 2013 eingereicht. Demnach erziele er ein jährliches Einkommen von CHF 27‘667.00
resp. ein solches von CHF 2‘300.00 im Monat. Familien- und Unterstützungspflichten
habe er keine, ebenso wenig Schulden. Nach Abzug einer Pauschale von 30 % vom oben
erwähnten monatlichen Betreffnis resultiere ein Betrag von CHF 1‘610.00. Dividiert durch
30 ergebe sich ein Tagessatz von abgerundet CHF 50.00. A_ sei somit zu einer
Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 50.00, total also CHF 2‘500.00, zu verurteilen.
5.2 Ausführungen des Beschuldigten
Der Verteidiger des Beschuldigten hat sich im Berufungsverfahren zum Strafmass nicht
geäussert.
5.3 Ausführungen der Staatsanwaltschaft
Auch die Staatsanwaltschaft hat auf Bemerkungen zum Strafmass verzichtet.
5.4 Rechtliche Grundlagen
Das Gericht bemisst die Strafe nach dem Verschulden des Täters und berücksichtigt
dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf
das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der
Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des
Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit
Seite 26
der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Verletzung zu
vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die
Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu
der Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das
Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an
das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. StGB).
Auszugehen ist vom Strafrahmen der schwersten Tat, wobei als schwerste jene gilt, für
welche das Gesetz die höchste Strafe vorsieht9. Der Strafrahmen reicht sowohl für Fahren
in angetrunkenem Zustand bei qualifizierter Blutalkoholkonzentration als auch für die Ver-
eitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit von Geldstrafe bis zu drei
Jahren Freiheitsstrafe (Art. 91 Abs. 1 und Art. 91a Abs. 1 aSVG).
5.5 Würdigung durch das Obergericht
Den Ausführungen der Einzelrichterin des Kantonsgerichts kann das Obergericht sich mit
Ausnahme der Tagessatzhöhe vollumfänglich anschliessen, und es kann somit grund-
sätzlich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorderrichterin verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
Was die Höhe des Tagessatzes angeht, beantragt die Staatsanwaltschaft eine Erhöhung
auf CHF 60.00, ohne diese jedoch zu begründen. Massgebend für die Beurteilung ist der
Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 Abs. 2 StGB). Die durch den Beschuldigten im Berufungs-
verfahren eingereichten Unterlagen ergeben für das Jahr 2014 einen Jahresgewinn von
CHF 39‘878.00 gegenüber dem Vorjahr von CHF 27‘667.00 (act. B 8/2/1 und B 8/2/3). An
Schranken bestätigte A_, dass er pro Monat rund CHF 2‘500.00 zur Verfügung habe,
wobei die Miete von CHF 1‘400.00 sowie die Nebenkosten da schon bezahlt seien (act.
B. 18, S. 2). Nach Gewährung eines Pauschalabzugs von 30 % auf dem monatlichen
Betreffnis von mindestens CHF 3‘900.00 resultiert ein Tagessatz von mehr als CHF
80.00. Mit Blick auf Art. 391 Abs. 2 StPO übt das Obergericht jedoch Zurückhaltung und
erhöht den Tagessatz lediglich in dem von der Staatsanwaltschaft beantragten Ausmass
auf CHF 60.00.
5.6 Fazit
9 STEFAN TRECHSEL/HEIDI AFFOLTER-EIJSTEN, in: Stefan Trechsel/Mark Pieth [Hrsg.], Schweizerisches
Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 8 zu Art. 49
Seite 27
A_ ist demnach zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 60.00 zu
verurteilen.
6. Strafvollzug und Widerruf
6.1 Erwägungen der Vorderrichterin
Die Einzelrichterin des Kantonsgerichts widerrief den mit Strafverfügung des Verhöramts
des Kantons Appenzell Ausserrhoden ausgesprochenen bedingten Strafvollzug für die
Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 60.00 (act. B 3, S. 21 f.). Weiter führte sie
aus, aufgrund des Widerrufs könne entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung eine Schlechtprognose für die neue Straftat verneint werden, weshalb für die mit
diesem Urteil ausgesprochene Geldstrafe der bedingte Vollzug gewährt werden könne.
Die Probezeit werde auf vier Jahre angesetzt.
6.2 Ausführungen des Verteidigers des Beschuldigten
RA AA_ verwies in erster Linie auf die Ausführungen der Vorderrichterin. Dem
Beschuldigten könne nicht nur wegen des Widerrufs eine günstige Prognose gestellt
werden. Zum einen habe er sich seit dem Vorfall nichts mehr zuschulden kommen lassen
und stehe zum andern beruflich „am Abgrund“. Er wisse, dass nichts mehr passieren
dürfe, wenn er sein Geschäft nicht verlieren wolle.
6.3 Ausführungen der Staatsanwaltschaft
A.o. StA B_ betonte (act. B 16, S. 2), A_ erfülle die Voraussetzungen für eine
Strafaussetzung, eine günstige Prognose, nicht. Im Gegenteil müsse davon ausgegangen
werden, dass sich der Beschuldigte auch durch dieses Verfahren nicht nachhaltig
beeindrucken lasse. Dies komme einer ungünstigen Prognose gleich. Namentlich sei sein
automobilistischer Leumund getrübt. Das heute zu beurteilende Delikt habe der
Beschuldigte innerhalb der um ein Jahr verlängerten Probezeit begangen. Ein Widerruf
der bedingt ausgesprochenen Strafe sei daher folgerichtig. Die Frage, ob für die heute zu
beurteilenden Straftaten erneut eine bedingte Strafe ausgesprochen werden könne, sei
klar zu verneinen: Neben dem automobilistischen Leumund sprächen die Umstände der
neuen Tat sowie sein Verhalten während der Strafuntersuchung dagegen.
6.4 Rechtliche Grundlagen
Seite 28
Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe auf, wenn
ein unbedingter Strafvollzug nicht notwendig ist, um den Täter vor der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Während früher eine positive Prognose für künfti-
ges Wohlverhalten gestellt werden musste, genügt nach Art. 42 Abs. 1 StGB das Fehlen
einer ungünstigen Prognose, um einen bedingten Strafvollzug anzuordnen10. Die Gewäh-
rung des Strafaufschubes setzt mit anderen Worten nicht mehr die positive Erwartung
voraus, der Täter werde sich bewähren, sondern es genügt die Abwesenheit der
Befürchtung, dass er es nicht tun werde. Der Strafaufschub ist deshalb die Regel, von der
grundsätzlich nur bei ungünstiger Prognose abgewichen werden darf. Er hat im breiten
Mittelfeld der Ungewissheit den Vorrang11. Eine Ausnahme liegt vor, wenn der Täter
innerhalb der letzten fünf Jahre unter anderem zu einer Geldstrafe von mindestens 180
Tagessätzen verurteilt worden ist. Ein Strafaufschub ist dann nur zulässig, wenn beson-
ders günstige Umstände vorliegen (Art. 42 Abs. 2 StGB).
Der in Art. 42 Abs. 2 StGB geschilderte Fall liegt nicht vor, und es ist daher die Prognose
für das zukünftige Wohlverhalten des Beschuldigten zu prüfen.
Bei der Prüfung, ob der Verurteilte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet, hat
das Gericht eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. In die
Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das Vorleben und der
Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des
Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Für die Einschätzung des Rück-
fallrisikos ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich. Relevante Faktoren sind
etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsverhalten, das
Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdung usw. Dabei sind die persön-
lichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Entscheides mit einzubeziehen. Es ist unzuläs-
sig, einzelnen Umständen eine vorrangige Bedeutung beizumessen und andere zu ver-
nachlässigen oder überhaupt ausser Acht zu lassen. Wie bei der Strafzumessung (Art. 50
StGB) müssen die Gründe für die Gewährung oder Nichtgewährung des bedingten Voll-
zugs der Strafe im Urteil so wiedergegeben werden, dass sich die richtige Anwendung
des Bundesrechts überprüfen lässt12.
Auch ein allfälliger Widerruf ist in die Gesamtbetrachtung miteinzubeziehen. Gemäss BGE
134 IV 140 E. 4.5 kann der Richter zum Schluss kommen, dass vom Widerruf des
bedingten Vollzugs für die frühere Strafe abgesehen werden kann, wenn die neue Strafe
10 ROLAND M. SCHNEIDER/ROY GARRÉ, Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, N. 38 zu Art. 42 11 BGE 134 IV 1 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen 12 BGE 134 IV 1 E. 4.2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_572/2013 vom 20. November 2013 E. 1.3
Seite 29
vollzogen wird. Auch das Umgekehrte ist zulässig: Wenn die frühere Strafe widerrufen
wird, kann unter Berücksichtigung ihres nachträglichen Vollzugs eine Schlechtprognose
für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB verneint und diese folglich bedingt
ausgesprochen werden. Demnach wird einem allfälligen Vollzug der Vorstrafe eine
"Schock- oder Warnungswirkung" zugemessen, die bei der Prognosebeurteilung zu
berücksichtigen ist13.
Wenn dagegen eine ungünstige Prognose gestellt werden muss, weil keinerlei Aussicht
besteht, der Verurteilte werde sich durch den - ganz oder teilweise - gewährten Strafvoll-
zug beeinflussen lassen, ist die Geldstrafe unbedingt auszufällen und in voller Höhe zu
vollziehen (Art. 35 StGB)14.
Da vorliegend eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen ausgesprochen wird, sind die objekti-
ven Voraussetzungen für einen vollständig bedingten Vollzug erfüllt15.
Die Staatsanwaltschaft beantragt ausserdem den Widerruf der vom Verhöramt des Kan-
tons Appenzell Ausserrhoden mit Verfügung vom 16. November 2009 ausgesprochenen
bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 60.00. Das Verhöramt setzte dabei
eine Probezeit von 4 Jahren an, die vom Untersuchungsamt Uznach am 22. September
2010 um 1 Jahr verlängert wurde (vgl. act. B 5/45 P3). Da sich der hier zu beurteilende
Sachverhalt innerhalb der Probezeit dieser Strafe ereignete, ist ein Widerruf zu prüfen.
Dem Gesetz ist nicht zu entnehmen, ob der Richter von den ihm in Art. 46 Abs. 2 StGB
eingeräumten Möglichkeiten mehrfach Gebrauch machen kann. Dies sollte ausnahms-
weise zulässig sein, wenn etwa die neuesten Taten geringfügig und ganz anders, als die
früheren geartet sind16.
6.5 Würdigung durch das Obergericht
Die heute zu beurteilenden Taten sind weder geringfügig noch völlig anderer Art als die
früheren. Ausserdem hat sich der Beschuldigte weder von der unbedingten Strafe des
zweiten Urteils noch von der Verlängerung der Probezeit für das erste Urteil beeindruckt
gezeigt und ist erneut innerhalb der Probezeit straffällig geworden. Eine nochmalige Ver-
längerung der Probezeit für die mit Strafverfügung des Verhöramts Appenzell Ausserrho-
13 MARKUS HUG, Kommentar StGB, Andreas Donatsch [Hrsg.], Zürich 2013, N 10 zu Art. 42 StGB mit
Hinweis auf BGE 116 IV 100, 116 IV 178, 134 IV 14, 134 IV 144; auch ROLAND M. SCHNEIDER/ROY GARRÉ, a.a.O., N 43 ff. zu Art. 46 StGB
14 BGE 134 IV 60 E. 7.5 15 MARKUS HUG, a.a.O., N. 2 zu Art. 42 StGB 16 ROLAND M. SCHNEIDER/ROY GARRÉ, a.a.O., N. 40 zu Art. 46 StGB
Seite 30
den am 16. November 2009 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 100 Tagessätzen
kommt für das Obergericht somit nicht in Frage. Vielmehr ist der mit Strafverfügung des
Verhöramts von Appenzell Ausserrhoden bedingt ausgesprochene Strafvollzug zu wider-
rufen und die Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 60.00 zu vollziehen. Eine
Gesamtstrafenbildung ist wegen der gleichartigen Strafen nicht möglich17.
Im Folgenden gilt es mittels einer Gesamtwürdigung aller Umstände zu prüfen, ob dem
Beschuldigten bezüglich seines künftigen Wohlverhaltens im Strassenverkehr eine
eigentliche Schlechtprognose gestellt werden muss oder ob nur erhebliche Bedenken
bestehen.
Gegen eine günstige Prognose fällt namentlich ins Gewicht:
- Die Trunkenheitsfahrt vom 17. Juli 2013 ereignete sich während der Probezeit, welche
dem Beschuldigten durch das Verhöramt am 16. November 2009 für die Begehung
einer groben Verkehrsregelverletzung gewährt und die durch das Untersuchungsamt
Uznach am 22. September 2010 um ein Jahr verlängert worden war (act. B 5/45 P 3).
- A_ wies am 17. Juli 2013 eine mittlere minimale Blutalkoholkonzentration von 1.6
Gewichtspromille auf und mehrere Personen bestätigten, dass er stark angetrunken
war (Aussage G_, act. B 5/15, S. 4 und 5; Aussage Gfr P1_, act. B 5/30, S. 2;
Aussage P2_, act. B 5/31, S. 2).
- Dem Beschuldigten musste bei Trinkbeginn bewusst sein, dass er mit dem Auto unter-
wegs war und sich später nochmals ans Steuer setzen würde, um nach Hause zu
gelangen.
- A_ legte nach dem Genuss alkoholischer Getränke eine längere, erfah-
rungsgemäss auch am Abend rege befahrene Strecke zurück.
- Die Reaktion auf die Frage der Einzelrichterin an Schranken, ob er ein Alkoholproblem
habe, zeigt, dass er seine Gewohnheiten im Umgang mit Alkohol kaum reflektiert und
dazu neigt, diese zu bagatellisieren (act. B 5/64, S 6 f.).
Für künftiges Wohlverhalten sprechen demgegenüber:
- Bezüglich des Fahrens in angetrunkenem Zustand sowie der Vereitelung der Blut-
probe ist der Beschuldigte Ersttäter.
- Mangels anderer Hinweise ist davon auszugehen, dass der allgemeine Leumund von
A_ intakt ist (vgl. persönliche Akten, act. B 5/45 P).
17 BGE 134 IV 241 E.
Seite 31
- Der Beschuldigte ist sich gemäss den Ausführungen von RA AA_ an Schranken
bewusst, dass ein längerer Führausweisentzug die Zukunft seiner Einzelfirma
gefährdet und er sich in dieser Hinsicht nichts mehr leisten kann (vgl. act. B. 17, S. 3).
Wägt man die verschiedenen Faktoren gegeneinander ab, liegen gesamthaft gewichtige
Bedenken bezüglich der Legalbewährung des Beschuldigten vor und es kann nicht vom
Fehlen einer ungünstigen Prognose gesprochen werden. Namentlich müsste es ihm zu
denken geben, dass er ein konkretes Fahrangebot ausgeschlagen hat, obwohl ihm auf-
grund der Äusserungen verschiedener Personen und seinem Zustand klar sein musste,
dass er nicht mehr fahrfähig war. Kommt hinzu, dass er sich weder von der unbedingten
Strafe des zweiten Urteils noch von der Verlängerung der Probezeit für die erste Strafe
beeindruckt gezeigt hat und erneut innerhalb der Probezeit straffällig geworden ist. Auf
der andern Seite ist A_ Ersttäter was das Fahren in angetrunkenem Zustand und die
Vereitelung der Blutprobe angeht. Aufgrund der Äusserungen seines Verteidigers an
Schranken scheint er sich zudem bewusst zu sein, dass er sich im Strassenverkehr nichts
mehr zuschulden lassen kommen darf, auch im Hinblick auf seine berufliche Zukunft. Wie
oben ausgeführt, ist der mit Strafverfügung des Verhöramts des Kantons Appenzell
Ausserrhoden am 16. November 2009 bedingt ausgesprochene Strafvollzug zu
widerrufen und die Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 60.00 zu vollziehen. Auf-
grund der Warnwirkung des Widerrufs der Vorstrafe kann das Obergericht bei A_
gerade nochmals vom Fehlen einer negativen Prognose für das künftige Wohlverhalten
ausgehen18 und die neue Strafe bedingt aussprechen. Dabei muss sich der Beschuldigte
aber bewusst sein, dass er jeglichen Anspruch auf eine wohlwollende Beurteilung
verspielt hat, sollte er erneut ein Motorfahrzeug in angetrunkenem Zustand führen.
Gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB bestimmt das Gericht eine Probezeit von zwei bis fünf Jah-
ren, wenn es den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise aufschiebt. Für den aufgescho-
benen Teil der Strafe wird eine Probezeit von vier Jahren angesetzt. A_ wird im Sinne
von Art. 44 Abs. 3 StGB ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die bedingte Strafe nach
Art. 46 Abs. 1 StGB widerrufen werden kann, wenn er während der Probezeit ein
Verbrechen oder Vergehen verüben sollte und deshalb zu erwarten wäre, dass er weitere
Straftaten verüben wird.
7. Verbindungsbusse
18 BGE 134 IV 140 E. 4.5
Seite 32
Eine bedingt ausgesprochene Strafe ist in Anwendung von Art. 42 Abs. 4 StGB und der
bereits erwähnten Richtlinien des Kantonsgerichts stets mit einer Busse in Höhe von 20 %
der Geldstrafe, mindestens aber CHF 300.00, zu verbinden19. Bei einer bedingten Geld-
strafe von CHF 3‘000.00 hat der Beschuldigte somit eine Busse von CHF 600.00 zu
bezahlen.
Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, spricht der Richter im Urteil
eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens einem Tag und maximal drei Monaten aus (Art.
106 Abs. 2 StGB). Der Beschuldigte wird zu einer Busse von CHF 600.00 verurteilt. In
Berücksichtigung der Tatsache, dass CHF 100.00 Busse einer Ersatzfreiheitsstrafe von
einem Tag entspricht, wird die Ersatzfreiheitsstrafe auf sechs Tage festgesetzt.
8. Behandlung der Berufung
Den obigen Erwägungen entsprechend (vgl. E. 2-7) ist die Berufung vollumfänglich abzu-
weisen und die Anschlussberufung teilweise gutzuheissen. Die teilweise Gutheissung der
Anschlussberufung ist im Dispositiv, welches am 27. November 2015 verschickt worden
ist, irrtümlich nicht erwähnt worden. Praxisgemäss ist dieses Versehen in der schriftlichen
Begründung zu korrigieren (Art. 83 StPO).
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1 Verfahrenskosten
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsie-
gens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die beschuldigte Person trägt die Verfah-
renskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz
selber einen neuen Entscheid, wozu sie gestützt auf Art. 408 in Verbindung mit Art. 81
Abs. 4 StPO verpflichtet ist20, so befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz
getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Dabei ist zu beachten, dass den Straf-
behörden wie beispielsweise der Staatsanwaltschaft keine Kosten auferlegt werden kön-
nen. Bei einem Freispruch dürfen also die Kosten und die der beschuldigten Person zu
leistenden Entschädigungen usw. nicht der Staatsanwaltschaft als Behörde auferlegt
werden und diese hat bei Obsiegen auch nicht Anspruch auf Entschädigung21.
19 Änderung der Richtlinien in Anwendung von BGE 138 IV 188 20 Urteil des Bundesgerichts 6B_99/2012 vom 14. November 2012 E. 5 21 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 2 zu Art. 423 StPO
Seite 33
Es besteht kein Grund, etwas am erstinstanzlichen Kostenspruch zu ändern, zumal dieser
sich am Prozessausgang orientiert und die festgesetzten Beträge sich im Rahmen der
anwendbaren Bestimmungen bewegen. Auch die Berechnung der Höhe des Tagessatzes
war im damaligen Zeitpunkt korrekt.
Dem Verfahrensausgang entsprechend, die Berufung wird vollumfänglich abgewiesen -
die Anschlussberufung in einem untergeordneten Punkt teilweise gutgeheissen, sind die
zweitinstanzlichen Verfahrenskosten ebenfalls dem Beschuldigten und Berufungskläger
aufzuerlegen. Die Gerichtsgebühr wird mit Blick auf den Umstand, dass eine mündliche
Hauptverhandlung durchgeführt werden musste, auf CHF 1‘500.00 festgesetzt (Art. 29
Abs. 1 lit. b Gebührenordnung, bGS 233.3).
9.2 Entschädigungen
Die Bestimmungen über die Entschädigungen und die Genugtuung nach den Art. 429-434
StPO kommen auch im Rechtsmittelverfahren zur Anwendung und richten sich hinsicht-
lich der Kostenauflage nach Massgabe des Obsiegens bzw. Unterliegens gemäss Art.
428 StPO22, wobei die Kosten- und Entschädigungsfragen für jede Verfahrensstufe
getrennt zu prüfen sind23.
Aus den Art. 429-434 StPO folgt ohne weiteres, dass bei einem Schuldspruch grundsätz-
lich kein Raum für eine Entschädigung des Beschuldigten bleibt24. A_ hat somit für die
Verfahren vor beiden Instanzen keine Entschädigung zugute.
22 STEFAN WEHRENBERG/FRIEDRICH FRANK, Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung,
2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 436 StPO 23 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 1 zu Art. 436 StPO 24 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 1 zu Art. 429 StPO
Seite 34