Decision ID: 4922260b-98f1-55be-903e-8a353b453d11
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Philip Schneider, LL.M., Poststrasse 23,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision (Erhöhung)
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Sachverhalt:
A.
A.a Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen sprach G._ mit Verfügung vom 18. August
2005 mit Wirkung ab 1. Februar 2004 bei einem Invaliditätsgrad von 40% eine
Viertelsrente zu (act. G 4.100). In medizinischer Hinsicht stützte sie sich hierbei in erster
Linie auf das Gutachten von Dr. med. A._, Facharzt FMH für Physikalische Medizin
und Rehabilitation sowie für Rheumatologie, vom 28. November 2004. Darin war dieser
zum Schluss gekommen, dass dem Versicherten unter Berücksichtigung insbesondere
dessen Rücken- und Kniebeschwerden eine adaptierte Tätigkeit wie beispielsweise
Taxichauffeur oder Buschauffeur im Nahverkehr zu 60% zumutbar sei (act. G 4.79). Die
vom Versicherten gegen die Verfügung vom 18. August 2005 erhobene Einsprache
vom 27. September 2005 (act. G 4.101) wurde am 2. April 2007 zurückgezogen (act. G
4.119), nachdem das Einspracheverfahren auf dessen Begehren im Hinblick auf das
laufende UV-Verfahren ab Herbst 2005 sistiert worden war (act. G 4.105, 4.109, 4.111,
4.113 und 4.115).
A.b Im "Fragebogen für Revision der Invalidenrente" gab der Versicherte am 15. Juni
2007 an, sein Gesundheitszustand habe sich seit ca. einem Jahr verschlimmert. Er
klagte über eine Zunahme der Schmerzen im rechten Knie, vor allem nach Gehen von
wenigen Minuten. Seit der Zusprache der Viertelsrente habe er zu 50% als
Postautochauffeur gearbeitet, ohne dass krankheits- oder unfallbedingte
Arbeitsausfälle zu verzeichnen gewesen seien (act. G 4.122). Zum Beleg der geltend
gemachten Verschlechterung liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter am 19.
Juni 2007 einen Bericht des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), Klinik für Orthopädische
Chirurgie, vom 4. Mai 2007 einreichen. Darin führten die Ärzte aus, der aktuelle
Arbeitseinsatz des Versicherten sei ihres Erachtens ideal; sie schätzten seine
Arbeitsfähigkeit auf 50% (act. G 4.124). Im Verlaufsbericht vom 10. August 2007 gab
B._, praktischer Arzt, auf Anfrage der IV-Stelle an, der Gesundheitszustand sei
stationär. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten betrage "weiterhin 50%" (act. G 4.128).
B.
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B.a Mit Vorbescheid vom 28. Juli 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass seine Invalidenrente nicht erhöht werde, da keine Verschlechterung
seines Gesundheitszustands vorliege (act. G 4.146). Hiergegen erhob der Vertreter des
Versicherten am 16. September 2008 Einwand. Der Versicherte sei zu einer näheren
gesundheitlichen Abklärung an die Orthopädie am Rosenberg verwiesen worden. Eine
erste Konsultation sei bereits erfolgt, eine zweite finde am 8. Oktober 2008 statt. Es
werde gebeten, das Ergebnis dieser Untersuchung abzuwarten (act. G 4.148). Im
Bericht der Orthopädie am Rosenberg vom 9. Oktober 2008 wurde ausgeführt, es
bestehe eine schwere posttraumatische Gonarthrose nach multiplen Operationen. Eine
Restarbeitsfähigkeit von 50% sei zum jetzigen Zeitpunkt die obere Grenze (act. G
4.150). Auf Anfrage der IV-Stelle hielt der Regionale Ärztliche Dienst der
Invalidenversicherung (RAD) in seiner Stellungnahme vom 29. Januar 2009 fest, der
Bericht der Orthopädie am Rosenberg dokumentiere keine Verschlechterung. Die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei unverändert (act. G 4.153).
B.b Mit Verfügung vom 5. Februar 2009 entschied die IV-Stelle gemäss Vorbescheid
und lehnte eine Rentenerhöhung unter Verweis auf die RAD-Stellungnahme vom
29. Januar 2009 ab (act. G 4.154).
C.
C.a Mit Eingabe vom 11. März 2009 erhebt der Vertreter des Versicherten Beschwerde
und beantragt, die Verfügung vom 5. Februar 2009 sei aufzuheben. Dem
Beschwerdeführer sei eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die Erhöhung sei
rückwirkend auf den 6. Juni 2007, den Zeitpunkt der Einleitung der Rentenrevision,
festzulegen. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen mit dem Auftrag, weitere Abklärungen zur Erwerbsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu treffen und über seine Ansprüche neu zu befinden. Zur
Begründung macht er im Wesentlichen geltend, die fachärztlichen Beurteilungen
bestätigten einheitlich, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers heute bei
maximal 50% liege. Die Voraussetzungen für eine Revision seien erfüllt (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, die
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Diagnosen hätten sich seit der Rentenzusprache nicht verändert. Die Schmerzen des
Beschwerdeführers hätten subjektiv zugenommen. Eine Verschlechterung gegenüber
dem Gutachten von Dr. A._ sei nicht ausgewiesen (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 31. Juli 2009 hält der Vertreter des Beschwerdeführers an seinen
Anträgen fest (act. G 8).
C.d Mit Duplik vom 27. August 2009 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest
und verzichtet auf weitere materielle Ausführungen (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E.
1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 5.
Februar 2009, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der
revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher
und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Rentenrevision rückwirkend ab 6. Juni
2007 betrifft, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die
Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem
Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1).
Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG, des
IVG und der IVV wiedergegeben.
2.
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Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt nach der Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 349 f., E. 3.5). Eine bloss unterschiedliche
Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts stellt dagegen
praxisgemäss keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372, E. 2b; SVR
1996 IV Nr. 70, S. 203). Ob eine revisionsbegründende Änderung eingetreten ist,
beurteilt sich durch einen Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten
rechtskräftigen Verfügung bestand, welche auf einer materiellen Prüfung des
Rechtsanspruchs beruht (BGE 133 V 108), mit demjenigen zur Zeit der streitigen
Neubeurteilung (BGE 130 V 351, E. 3.5.2; BGE 125 V 369, E. 2).
3.
3.1 Vorliegend umstritten und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch Dr. A._ im November 2004 bzw. seit
der gestützt darauf ergangenen Verfügung vom 18. August 2005 verschlechtert hat.
Dabei steht diesbezüglich die Knieproblematik im Vordergrund. Die
Beschwerdegegnerin verneint eine Verschlechterung mit Hinweis darauf, dass B._
von einem stationären Verlauf seit September 2003 berichte. Was den Bericht der
Orthopädie am Rosenberg (act. G 4.150) anbelange, habe eine Beurteilung durch den
RAD (act. G 4.153) ergeben, dass die subjektiven Beschwerden den früheren Angaben
entsprächen.
3.2 Der Beschwerdegegnerin ist insoweit zuzustimmen, als sich weder dem Bericht des
KSSG vom 4. Mai 2007 (act. G 4.124-2 ff.) noch dem Verlaufsbericht von B._ vom
10. August 2007 (act. G 4.128) klare Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers entnehmen lassen. Der Bericht des
KSSG äussert sich nicht zum Verlauf des Gesundheitszustands, doch unterscheiden
sich die erhobenen Befunde im Vergleich zum Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr.
A._ (vgl. act. G 4.79) nicht wesentlich. B._ gab explizit an, der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers sei stationär. Er halte weitere medizinische Abklärungen nicht
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für angezeigt. Dass sowohl das KSSG als auch B._ dem Beschwerdeführer - in
Abweichung von Dr. A._ - nur eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestieren, könnte vor
diesem Hintergrund als eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhalts qualifiziert werden und lässt somit nicht zwingend auf einen
Revisionsgrund schliessen.
Allerdings finden sich in dem in der Folge eingeholten Bericht der Orthopädie am
Rosenberg vom 9. Oktober 2008 (act. G 4.150) Anhaltspunkte für eine
Verschlechterung, obgleich sich in Bezug auf die Diagnosen keine Änderungen
ergeben. In diesem Bericht wird ausgeführt, der Beschwerdeführer klage über typische
Gonarthroseschmerzen, die im Verlauf des letzten Jahrs zugenommen hätten. Ohne
Zweifel bestehe eine schwere Gonarthrose nach multiplen Operationen. Die Arthrose
habe deutlich zugenommen, der Leidensdruck steige und die Belastbarkeit habe
abgenommen. Eine Restarbeitsfähigkeit von 50% sei zum jetzigen Zeitpunkt die obere
Grenze. Bei der Komplexität des Falls sei eine Neubeurteilung der Invalidität in
Erwägung zu ziehen. Zwar geht der RAD davon aus, dass aufgrund des Berichts der
Orthopädie am Rosenberg nicht von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands
auszugehen sei. Nachdem der RAD aber seine Einschätzung auf eine reine
Aktenbeurteilung abstützt und der orthopädische Facharzt aufgrund seiner
Untersuchung eine neue Abklärung der Arbeitsfähigkeit als notwendig erachtet, lässt
sich das Vorliegen eines Revisionsgrunds nicht schlüssig beurteilen. Die Sache ist
daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie entsprechende
Abklärungen über eine Veränderung des Gesundheitszustands und deren
Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vornimmt und alsdann über das
Revisionsgesuch neu befindet.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Die angefochtene Verfügung vom 5. Februar 2009 ist aufzuheben, und die Sache ist zur
weiteren Abklärung und neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
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1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dementsprechend ist
der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
4.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz
der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom
5. Februar 2009 aufgehoben, und die Sache wird zu weiteren Abklärungen und zu
anschliessender neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen.
2. Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dem
Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückerstattet.
3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
bis
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 03.12.2010 Art. 17 ATSG. Revision. Aus den Akten ergeben sich Anzeichen für eine Verschlechterung des Gesundheitszustands. Rückweisung zu weiteren Abklärungen (Entscheid Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. Dezember 2010, IV 2009/90).
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