Decision ID: 37d3bc81-2861-40ca-9c5e-6efb608ba725
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Das Doppelwohnhaus .. (Politische Gemeinde Rapperswil-Jona) steht je hälftig im
Eigentum von X. und Y. ...
Am 21. Mai 2008 informierte der Stadtrat von Rapperswil-Jona erstmals über die neue
Natur- und Denkmalschutzverordnung (SRRJ 671.001, abgekürzt: Schutzverordnung)
und das damit zusammenhängende Schutzinventar. Sie erfasste neu auch die bis anhin
nicht geschützte Baute als Kulturobjekt der Kategorie II (Art. 9 Abs. 3
Schutzverordnung) mit dem Schutzziel, den Gebäudekubus mit Fassaden,
Fassadengliederung und Dachneigung zu erhalten.
Von 31. März bis 29. April 2009 wurde die Schutzverordnung mit dem Inventar erstmals
öffentlich aufgelegt. Mit Eingaben vom 24. bzw. 26. April 2009 erhoben X. und Y.
Einsprache gegen die Unterschutzstellung ihrer Hausteile. Daraufhin führte der Stadtrat
von Rapperswil-Jona einen Augenschein durch und lockerte die Schutzzielsetzung.
Ergänzend hielt er im Inventar fest: "Materialisierung der Fassaden: Die Ecken dürfen
auch wieder überputzt werden. Balkone gegen Osten sind analog zu jenen gegen
Westen möglich. Dachaufbauten analog zu jenen gegen Osten sind auch auf der
westlichen Dachfläche möglich. Innere Umbauten können ohne weitere Auflagen
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ausgeführt werden." Die Eigentümer hielten trotz diesen Anpassungen an ihren
Einsprachen fest. Mit Entscheid vom 31. August 2009 wies der Stadtrat Rapperswil-
Jona diese ab. Zur Begründung führte er im wesentlichen an, das Doppelbauernhaus
sei aufgrund seiner grossen Kubatur, seiner klaren baulichen Gliederung und der
dominanten Lage am Südhang von Bollingen ein wichtiger Zeitzeuge.
B./ Mit Eingaben vom 25. September und 19. Oktober 2009 erhoben X. und Y. durch
ihren Rechtsvertreter beim Baudepartement Rekurs gegen den Entscheid des
Stadtrates von Rapperswil-Jona. Sie beantragten, der Beschluss der Vorinstanz vom
31. August 2009 sei aufzuheben und die Unterschutzstellung der Liegenschaft
abzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz.
Zur Begründung führten sie im wesentlichen an, die Unterschutzstellung sei
unverhältnismässig und unbegründet. Die Fassade der Liegenschaft habe in der
Vergangenheit mehrfach Veränderungen erfahren. Wie die Vorinstanz eine klare
bauliche Gliederung erkennen könne, sei deshalb nicht nachvollziehbar. Im weiteren
könnten geschichtliche Bezüge nicht ausreichend nachgewiesen werden. Das
Doppelbauernhaus liege in grösserer Entfernung zum südlich der Bahnlinie liegenden
Ortsbild, sodass eine Verbindung zum geschützten Ortsbild nicht bestehe.
Unbestreitbar weise das Haus eine grosse Kubatur auf und stehe an dominanter Lage.
Dies alleine reiche für die Unterschutzstellung jedoch nicht aus. Es existierten viele
andere, nicht geschützte Gebäude mit den selben Eigenschaften. Im übrigen liege das
Haus in der Landschaftsschutzzone; sein Erscheinungsbild sei folglich durch
Baugesetz und Baureglement ausreichend geschützt.
Das Baudepartement führte am 26. April 2010 einen Augenschein durch und wies den
Rekurs mit Entscheid vom 30. Juni 2010 ab. Es erwog, das am Südhang oberhalb von
Bollingen thronende Gebäude sei ausgesprochen auffällig und ein wichtiger Zeuge für
eine aussergewöhnlich repräsentative Bauart in der offenen Landschaft. Für die
Gemeinde Rapperswil-Jona komme dem voluminösen Massivbau einzigartige
Bedeutung zu. Zudem sei er ein wichtiger Bestandteil des geschützten, national
bedeutenden Ortsbilds von Bollingen. Es möge sein, dass die in den vergangenen
Jahrzehnten sowohl innerhalb des Gebäudes als auch an der Fassade durchgeführten
Um- und Anbauten aus denkmalpflegerischer Sicht bedauerlich seien, an der
Gesamtbeurteilung ändere dies aber nichts.
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C./ Mit Eingaben vom 15. Juli und 20. August 2010 erhoben X. und Y. durch ihren
Rechtsvertreter Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragen die Aufhebung
des Entscheids des Baudepartements und die Abweisung der Unterschutzstellung der
Liegenschaft; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.
In der Stellungnahme vom 31. August 2010 beantragte das Baudepartement, die

Beschwerde sei abzuweisen. Es verwies auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid und teilte mit, der angefochtene Erlass sei am 16. Juli 2010 genehmigt
worden.
Mit Vernehmlassung vom 15. September 2010 beantragte die Stadt Rapperswil-Jona
unter Verweis auf die Erwägungen im Rekursentscheid des Baudepartements die
Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, zu den Vernehmlassungen der übrigen
Verfahrensbeteiligten Stellung zu nehmen. Mit Schreiben ihres Rechtsvertreters vom
30. September 2010 verzichteten sie darauf.
Vor seinem Entscheid hat das Verwaltungsgericht einen Augenschein an Ort und Stelle
durchgeführt. Die Verfahrensbeteiligten nahmen daran teil und hatten Gelegenheit, sich
zur Sache zu äussern. Die dabei gemachten Feststellungen und die weiteren von den
Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 15. Juli und 20.
August 2010 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2. Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausging, bei dem Doppelwohnhaus
handle es sich um ein Einzelobjekt im Sinne von Art. 98 Abs. 1 des Baugesetzes (sGS
731.1, abgekürzt BauG) und die Aufnahme in die Schutzverordnung sei deshalb
zulässig.
2.1. Die Aufzählung der Schutzgegenstände in Art. 98 BauG ist auf Art. 17 des
Bundesgesetzes über die Raumplanung (SR 700, abgekürzt RPG) abgestimmt
(Botschaft des Regierungsrates zu einem Nachtragsgesetz zum Baugesetz vom 9.
September 1980, ABl 1980, 1383 ff. 1419). Für die Auslegung des Begriffs der
Schutzgegenstände kann somit auch auf die Literatur und Rechtsprechung zu Art. 17
RPG abgestellt werden. Sowohl Art. 17 Abs. 1 lit. c RPG als auch Art. 98 Abs. 1 lit. c
BauG führen Kulturdenkmäler als Schutzgegenstände an. Die Umschreibung der
Denkmäler (von regionaler oder lokaler Bedeutung) fällt zwar gemäss Art. 78 Abs. 1 der
Bundesverfassung (SR 101) in die Kompetenz der Kantone, angesichts der im BauG
vorgenommenen Anpassung an das RPG kann aber auf die Begriffsumschreibung im
RPG abgestellt werden. Danach sind Kulturdenkmäler unbewegliche, von
Menschenhand geschaffene Objekte, die als wichtige, besonders charakteristische
Zeugen einer bestimmten, auch jüngeren Epoche und deren kulturellen,
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, baulichen oder technischen Gegebenheiten gelten.
Hingegen ist nicht erforderlich, dass sich die Objekte durch Schönheit auszeichnen.
Zum Denkmal gehören immer auch Zugehör, Bestandteile und die unmittelbare
Umgebung, die an der Wirkung einer Unterschutzstellung teilhaben (Waldmann/Hänni,
Handkommentar zum RPG, Bern 2006, Art. 17 N 19 mit Hinweisen). Der Begriff des
Denkmals wird in verschiedenen kantonalen Gesetzen unterschiedlich umschrieben.
Die verschiedenen Umschreibungen lassen sich indessen auf die Auffassung
zurückführen, dass Objekte, denen eine wichtige kulturelle, historische oder
ästhetische Bedeutung zukommt, als Denkmäler einzustufen sind (B. Furrer, Motive
und Objekte der heutigen Denkmalpflege, in: Aktuelle Rechtsfragen der Denkmalpflege,
Schriftenreihe des Instituts für Rechtswissenschaft und Rechtspraxis IRP-HSG, 2003,
Band 26, S. 12).
Art. 98 Abs. 1 lit. f BauG schützt sodann künstlerisch oder geschichtlich wertvolle
Bauten oder Bauteile. Deren Beseitigung darf nur bewilligt werden, wenn sich ein
gewichtiges, das Interesse an der Erhaltung überwiegendes Bedürfnis nachweisen
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lässt (Abs. 2). Die Schutzwürdigkeit kann folglich sowohl an der künstlerischen als auch
an der historischen Bedeutung anknüpfen. Eine beide Aspekte umfassende
Gesamtbetrachtung fordert das Gesetz indessen nicht (GVP 2001 Nr. 12; GVP 1997
Nr. 16 mit Hinweis auf VerwGE vom 13. Dezember 1991/27. April 1992 i.S.
Heimatschutz SG/AI; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003,
Rz. 1051). Die Frage, was unter einer geschichtlich oder künstlerisch wertvollen Baute
zu verstehen ist, ist eine Rechtsfrage, deren Beurteilung sich auf objektive und
grundsätzliche Kriterien zu stützen hat. Dabei sind die örtlichen Verhältnisse besonders
in Betracht zu ziehen. In Frage kommen vorab die stilistische Eigenart einer Baute,
deren Ausführung und Ausgestaltung und ihre Bedeutung für die örtlichen Verhältnisse.
Massgebend für den Entscheid ist die Überzeugung, die von einer Allgemeinheit
getragen werden kann. Der Entscheid über die Schutzwürdigkeit einer Baute ist in den
Anschauungen zu suchen, die durch weite Kreise getragen werden und Anspruch auf
eine gewisse Allgemeingültigkeit erheben können. Das subjektive Empfinden einzelner
Personen kann dagegen keinen gültigen Entscheidmassstab setzen. Dabei ist sowohl
das durchschnittliche Empfinden eines Menschen zu beachten als auch die Beurteilung
der Fachleute zu gewichten. Der Entscheid hat die Meinung der Allgemeinheit und jene
der Fachleute gebührend zu berücksichtigen und zwischen diesen Meinungen
gegebenenfalls einen Ausgleich zu finden. Was als erhaltenswürdig zu gelten hat,
entscheidet der Richter somit gestützt auf sein eigenes Urteil und unter
Berücksichtigung der Meinungsäusserungen von Fachleuten (GVP 2001 Nr. 12; GVP
1997 Nr. 16 mit weiteren Hinweisen; Heer, a.a.O., Rz. 1051). Der Ausdruck "wertvoll"
deutet darauf hin, dass die Schutzwürdigkeit nur solchen Bauten zukommen kann, die
aus künstlerischer oder historischer Sicht ein wertvolles Zeugnis der Baukunst ablegen
können. Bauten, die nicht über den Durchschnittswert hinausragen, fallen dagegen für
die Unterschutzstellung nach Art. 98 Abs. 1 lit. f BauG ausser Betracht. Auch mit dem
Argument der Rarität kann der Wert einer Baute nicht ohne weiteres nachgewiesen
werden (GVP 2001 Nr. 12; GVP 1997 Nr. 16; Heer, a.a.O., Rz. 1052).
Der Begriff der "Schutzwürdigkeit" ist ein unbestimmter Gesetzesbegriff. Bei der
Anwendung und der Auslegung eines solchen Begriffs bleibt der Verwaltungsbehörde
im Regelfall ein Beurteilungsspielraum, der sich allein deshalb schon rechtfertigt, weil
die behördliche Würdigung aufgrund von örtlichen Gegebenheiten erfolgt, über welche
die Ortsbehörden eine sachnahe Kenntnis verfügen. Einen solchen
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Beurteilungsspielraum anerkennt das Verwaltungsgericht in seiner Spruchpraxis zu
Art. 98 BauG. In solchen Fällen übt auch das Verwaltungsgericht die durch die
Rechtslage gebotene Zurückhaltung bei der eigenen Beurteilung (GVP 2001 Nr. 12).
Die Verhältnismässigkeit der damit zusammenhängenden Eigentumsbeschränkungen
prüft es jedoch mit voller Kognition.
2.2. Im Amtsbericht vom 29. Januar 2010 führt die Kantonale Denkmalpflege aus, bei
dem Gebäude handle es sich um einen Massivbau mit beachtlichen Dimensionen (ca.
14 mal 16 Meter). Die Baugeschichte sei nicht geklärt; dazu bedürfe es einer
bauhistorischen Untersuchung. Die Baute sei aber mit Sicherheit vor 1811 erstellt und
wahrscheinlich 1844 nach der Teilung in zwei Hausteile einem grösseren Umbau
unterzogen worden. Weitere Renovationen und Umbauten seien nach Angaben der
Eigentümer in den Jahren 1960 und 1978 erfolgt. Das Haus besteche trotz diesen
diversen baulichen Massnahmen in seinem heutigen Zustand durch den geschlossenen
Charakter, die regelmässige Fenstergliederung und kleine Details am Aussenbau. Zu
nennen seien beispielsweise die beiden für spätbarocke Wohnbauten typischen ovalen
Fensteröffnungen an der Ostseite. Das Haus sei sorgfältig gebaut und ursprünglich
deckend verputzt worden. Im Innern sei die statische Grundkonstruktion in den
grossen Zügen noch vorhanden. Der Dachstuhl sei weitgehend erhalten und überziehe
das ganze Gebäude in seiner heutigen Ausdehnung. Damit sei belegt, dass die Baute
in der ursprünglichen Dimension erhalten geblieben sei. Zu erwähnen sei die
Ausstattung der Stube im westlichen Hausteil mit ihren Decken und Wänden aus
einfachem gestemmtem Täfer, wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts stammend. Sie beinhalte zudem ein spätbarockes Einbaubuffet und
einen Stubenofen aus dem Jahre 1954. Im östlichen Hausteil befinde sich in der Stube
ein schöner Kachelofen mit Jugendstileinschlag (1910/1920), darüber ein ebenfalls mit
gestemmtem Täfer aus dem 19. Jahrhundert ausgestattetes Zimmer.
Das Gebäude hebe sich aufgrund seiner Bauweise und des Volumens deutlich von den
übrigen Landwirtschaftsgebäuden ab; es sei nicht nur in der Gemeinde Rapperswil-
Jona, sondern wahrscheinlich im gesamten Seebezirk einzigartig. Über die
Hintergründe der Baute könnten keine genauen Aussagen gemacht werden. In Frage
käme ein Bezug zu den nahe gelegenen Steinbrüchen oder einem Kloster. Die
Unklarheit über die historischen Grundlagen ändere aber nichts daran, dass die Baute
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kein gewöhnliches Bauernhaus sei. Die Theorie, es handle sich um ein klösterliches
Bauerngut, weise eine gewisse Wahrscheinlichkeit auf. Das Haus habe unabhängig
vom konkreten geschichtlichen Hintergrund einen hohen Zeugniswert als historisches
Bauwerk. Hinsichtlich Dimensionen und Materialisierung hebe es sich deutlich vom
normalen Baubestand ab und bilde in der Gemeinde Rapperswil-Jona einziges Beispiel
eines so repräsentativen Wohngebäudes ausserhalb eines Dorfes. Deshalb stelle es
ohne Zweifel einen Schutzgegenstand nach Art. 98 ff. BauG dar. Dass im Innern des
Gebäudes nur noch wenig historische Ausstattung vorhanden sei, sei zwar
bedauerlich, könne der Schutzwürdigkeit jedoch keinen Abbruch tun.
Die Kantonale Denkmalpflege würdigte das Gebäude im Amtsbericht nicht nur als
Einzelobjekt, sondern auch im Rahmen des Ortsbildes des Dorfes Bollingen. Obwohl
es ausserhalb des Dorfes stehe, sei es ein wichtiger Bestandteil des Ortsbildes. Zu
diesem gehöre gemäss dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz (ISOS) sowohl das innere als auch das äussere Ortsbild. Folglich sei der Blick
aus dem Ortskern hinaus ebenfalls zu berücksichtigen. Die Häusergruppe, in welcher
sich das Haus befinde, liege nicht nur im Umgebungsgebiet des vom ISOS erfassten
Ortes Bollingen, sondern bilde selbst ein kleines Ortsbild. Die Fernwirkung des
stattlichen Bauernhauses und sein intensiver Sichtbezug zum Kirchort seien im ISOS
ausdrücklich erwähnt. Insgesamt werde das höchste Schutzziel A (Erhalten der
Substanz) formuliert. Dieser Einstufung sei beizupflichten.
Unter Berücksichtigung aller Aspekte müsse das Doppelwohnhaus als wichtiger
Zeitzeuge für eine aussergewöhnlich repräsentative, massive und voluminöse Bauart in
der offenen Landschaft betrachtet werden, dem überdies grosse Bedeutung im
Zusammenhang mit dem geschützten Ortsbild von Bollingen zukomme. Es sei
wahrscheinlich, dass die aussergewöhnliche Bauweise im Zusammenhang mit
historischen, bis heute noch ungeklärten Umständen stehe.
2.3. Die Vorinstanz erwog, die Ausführungen der Kantonalen Denkmalpflege im
Amtsbericht hätten sich anlässlich des Rekursaugenscheins eindrücklich bestätigt. Das
von weither sichtbare, grosse Doppelwohnhaus präsentiere sich ausgesprochen
auffällig. Am Südhang oberhalb von Bollingen throne es als wichtiger Zeitzeuge für eine
aussergewöhnlich repräsentative Bauart in der offenen Landschaft. Der voluminöse
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Massivbau sei für die Gemeinde Rapperswil-Jona unbestritten einzigartig. Er sei zudem
ein wichtiger Bestandteil des geschützten Ortsbildes von Bollingen, welchem nationale
Bedeutung zukomme. Die in der Vergangenheit durchgeführten baulichen
Veränderungen vermöchten, auch wenn sie aus denkmalpflegerischer Sicht bedauert
werden könnten, an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Bei dem Doppelwohnhaus
handle es sich um ein schützenswertes Einzelobjekt im Sinne von Art. 98 Abs. 1 lit. f
BauG, das zu Recht in die Schutzverordnung der Gemeinde Rapperswil-Jona
aufgenommen worden sei.
2.4. Die Beschwerdeführer machen geltend, es sei wohl zutreffend, dass es sich bei
dem Haus um eine grosse Baute an Hanglage handle; alle anderen Vorbringen im
Amtsbericht seien jedoch Interpretationen, Mutmassungen und Annahmen. Weder
bestehe ein Bezug zur Geschichte noch zum Ortsbild von Bollingen. Es könne nicht
von einer künstlerisch wertvollen Baute gesprochen werden. Bei der Beurteilung sei
den wiederholten baulichen Veränderungen zu wenig Beachtung geschenkt worden.
Man habe in der Vergangenheit auf der Westseite Balkone angebracht und Fenster
verändert; im Jahre 1978 sei das Haus gar weiss verputzt worden, weshalb es heute
derart stark auffalle. Der Stadtrat von Rapperswil-Jona lasse weitere Veränderungen
auch in Zukunft zu. Alleine aufgrund seines Alters könne das Haus nicht als
geschichtlicher Zeitzeuge qualifiziert werden. Die Erwähnung von
Landwirtschaftsbetrieben im Buch "Geschichte der Gemeinde Jona" lasse darauf
schliessen, dass die Baute immer ein gewöhnliches Bauernhaus gewesen sei. Im
weiteren sei die Baute nicht Bestandteil des Ortsbildes von Bollingen. Die Vorinstanz
habe nicht begründet, warum sie für die Entstehungszeit charakteristisch sein soll und
auch nicht erklärt, worin die regional oder lokal typischen Eigenheiten bestünden. Die
Einzigartigkeit werde lediglich vermutet. Im übrigen habe die Vorinstanz die
Verhältnismässigkeit des Eingriffs falsch bewertet; sie habe die Interessen der
Eigentümer völlig ausser acht gelassen und einseitig diejenigen der Allgemeinheit
berücksichtigt.
2.5. Es ist unbestritten, dass das Doppelhaus vor 1811 erstellt wurde. Alleine mit dem
Alter kann dessen Schutzwürdigkeit jedoch nicht begründet werden. Ein Schutz
gemäss Art. 98 Abs. 1 lit. f erfordert einen überdurchschnittlichen künstlerischen oder
geschichtlichen Wert, der nach objektiven und grundsätzlichen Kriterien zu beurteilen
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ist. Der geschichtliche Bezug des Hauses konnte weder im Amtsbericht noch im
Inventarblatt zur Natur- und Denkmalschutzverordnung hergestellt werden. Es besteht
lediglich die Vermutung, das Gebäude könnte im Zusammenhang mit den
nahegelegenen Steinbrüchen oder einem Kloster gestanden haben. Die Vorinstanz
begründete die Schutzwürdigkeit denn auch nicht mit der Verbindung zu einer
bestimmten geschichtlichen Epoche, sondern mit der aussergewöhnlich
repräsentativen Bauart in der offenen Landschaft und stützte sich damit auf den
Amtsbericht, welcher die Unterschutzstellung des historischen Bauwerkes aufgrund
der Einzigartigkeit in Dimension und Materialisierung als zwingend beurteilte. Die
Beurteilung basierte somit auf objektiven Kriterien, die einen Vergleich mit anderen
Bauten ermöglichte.
Das Verwaltungsgericht konnte sich anlässlich des Augenscheins davon überzeugen,
dass es sich tatsächlich um ein stattliches Gebäude handelt, dessen Dimensionen jene
der umliegenden Bauten stark überschreiten. Die dominante Lage lässt das
beeindruckende Volumen des Hauses bereits von weitem klar erkennen. Aufgrund der
gemauerten Bauweise hebt es sich zudem von gewöhnlichen Holzbauten, wie sie im
ländlichen Gebiet im frühen 19. Jahrhundert üblich waren, deutlich ab. Die
Schutzwürdigkeit der Liegenschaft ergibt sich indessen nicht in erster Linie aus ihrem
geschichtlichen Kontext. Vielmehr legt das Haus Zeugnis für die baulichen
Gegebenheiten im frühen 19. Jahrhundert ab und ist deshalb als Kulturdenkmal nach
Art. 98 Abs. 1 lit. c BauG zu qualifizieren. Die Bedeutung der Liegenschaft ist umso
grösser, als sich auf dem gesamten Gemeindegebiet von Rapperswil-Jona im
ländlichen Gebiet kein weiteres derart markantes Bauernhaus mehr befindet. Das
bestreiten auch die Beschwerdeführer nicht. Fraglich ist lediglich, ob dies auf den
ganzen Seebezirk zutrifft. Das ist jedoch insofern von untergeordneter Bedeutung, als
die Schutzverordnung über das Gemeindegebiet hinaus keine Wirkung entfalten kann.
Nach dem Gesagten kann offen bleiben, ob das Gebäude auch den Schutz als
geschichtlich wertvolle Baute nach Art. 98 Abs. 1 lit. f verdienen würde; ein
künstlerischer Wert im Sinne des Gesetzes, darin ist den Beschwerdeführern
zuzustimmen, ist ihm auf jeden Fall nicht beizumessen.
Dass die Gebäudehülle in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Änderungen
erfuhr, wird ebenfalls nicht bestritten. Dieser Umstand verliert aber angesichts des
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Schutzzieles an Bedeutung. Die Gemeinde will primär den Gebäudekörper mit der
Fassade und deren Gliederung sowie die Dachneigung schützen. Damit setzt sie die
von weitem sichtbare Erscheinung des Gebäudes ins Zentrum der Schutzbemühungen
und nicht bauliche Details. Das führt dazu, dass aus denkmalpflegerischer Sicht auch
künftig im bisherigen Rahmen weitere Dachaufbauten und Balkonanbauten zulässig
sind. Es kann deshalb den Beschwerdeführern nicht gefolgt werden, wenn sie
behaupten, den baulichen Veränderungen würde nicht ausreichend Rechnung
getragen. Im übrigen richtet sich der Schutz der Kulturobjekte der Kategorie II gemäss
Art. 9 Abs. 3 der Schutzverordnung lediglich auf die festgelegte schutzwürdige
Substanz und nicht auf den integralen Erhalt des gesamten Gebäudes, wie er bei
Objekten der Kategorie I vorgesehen ist (Abs. 2).
Der Schutz des Gebäudes steht in einem engen Zusammenhang mit dem Ortsbild von
Bollingen, welches als Ortsbild (Spezialfall) von nationaler Bedeutung von der
Verordnung über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (SR
451.12, abgekürzt VISOS) erfasst wird. Auf dem von der Gemeinde Rapperswil-Jona
erstellten Inventarblatt über das Doppelbauernhaus wird in der Rubrik "Ortsbaulicher
Zusammenhang" mit dem Vermerk "Ensemble" auf einen über die Baute
hinausgehenden Kontext hingewiesen. Weitere Ausführungen dazu sind im
Amtsbericht zu finden, in welchem festgehalten wurde, die Häusergruppe "Rain", zu
der auch das Gebäude gehöre, liege gemäss ISOS nicht nur im
Umgebungsschutzgebiet von Bollingen, sondern bilde selber ein kleines Ortsbild. Im
Anhang II der Schutzverordnung sei das Ortsbild von Bollingen ebenfalls als
schützenswert aufgeführt. Mit der Unterschutzstellung des Gebäudes trug die
Gemeinde Rapperswil-Jona somit Art. 4a VISOS Rechnung, der verlangt, dass die
Kantone das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz bei der
Erstellung ihrer Richtpläne berücksichtigen. Die Umsetzung von ISOS im Richtplan des
Kantons St. Gallen ist noch nicht erfolgt; es spricht jedoch nichts dagegen, das
Bundesinventar trotzdem bereits auf kommunaler Ebene umzusetzen. Sowohl Kantone
als auch Gemeinden sind nämlich verpflichtet, Bundesinventare zu berücksichtigen
(BGE 135 II 2009 E. 2.1).
Die Beschwerdeführer bringen vor, das Haus sei nicht Bestandteil des Ortsbildes von
Bollingen, es liege in zu grosser Distanz zum Dorf; das habe auch die Stadt
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Rapperswil-Jona so gesehen. Es trifft zu, dass der Stadtrat von Rapperswil-Jona in
seinem Beschluss vom 31. August 2009 festhielt, das Schutzobjekt liege ausserhalb
des Ortsbildschutzgebietes südlich der Bahnlinie und der Kantonsstrasse. Zu den
erwähnten Feststellungen im ISOS hat er sich aber nicht geäussert; sie werden auch
von den Beschwerdeführern nicht bestritten. Es ist im übrigen festzuhalten, dass sich
die im Amtsbericht gemachten Ausführungen über die Erfassung des Doppelhauses
bzw. der Häusergruppe "Rain" im ISOS gemäss den im Beschwerdeverfahren
eingeforderten Akten bestätigt haben. Dass der im ISOS festgehaltene "intensive
Sichtbezug zum Kirchort" tatsächlich besteht, zeigte sich zudem anlässlich des
Augenscheins vom 16. März 2011.
2.6. Die Schutzverordnung wurde im Rahmen der Fusion der beiden Gemeinden
Rapperswil und Jona erlassen. Die fusionierte Gemeinde legte offenbar Wert darauf,
die in Frage kommenden Schutzobjekte nach einheitlichen Kriterien im Rahmen einer
Gesamtschau zu inventarisieren und nicht nur die beiden bestehenden Bestände
zusammenzuführen. Verordnung und Inventar wurden in der Folge dreimal öffentlich
aufgelegt (31. März bis 29. April 2009, 15. September bis 14. Oktober 2009, 1. bis 30.
Juni 2010). Somit hatte die Bevölkerung ausreichend Gelegenheit, sich zur
Schutzverordnung und zum Inventar zu äussern. Nach dem Abschluss dieses
Prozesses darf angenommen werden, dass sowohl die Schutzverordnung als auch das
zugehörige Inventar die Zustimmung der Allgemeinheit gefunden haben und der
Entscheid über die Unterschutzstellung der Liegenschaft, als Teil des Gesamtinventars,
demnach nicht nur durch Fachleute, sondern auch durch weite Kreise der Bevölkerung
getragen wird.
2.7. Die Beschwerdeführer bringen vor, die Vorinstanz habe die Verhältnismässigkeit
des Eingriffs falsch bewertet und die Interessen der Eigentümer völlig ausser acht
gelassen. Sie führen jedoch nicht aus, inwiefern ihre Interessen durch die
Unterschutzstellung konkret verletzt werden. Fest steht, dass der Stadtrat von
Rapperswil-Jona nach der Durchführung eines Augenscheins den Schutzumfang in
seinem Beschluss vom 31. August 2010 erheblich reduzierte. So wird es auch künftig
möglich sein, Balkone gegen Osten anzubauen und Dachaufbauten auf der westlichen
Dachfläche anzubringen. Innere Umbauten dürfen sogar ohne weitere Auflagen
durchgeführt werden. Die im Amtsbericht erwähnten Ausstattungen im Innern (mit
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einfachem gestemmtem Täfer ausgestattete Stube im westlichen Hausteil,
spätbarockes Einbaubuffet, Stubenofen, Kachelofen mit Jugendstileinschlag im
östlichen Hausteil, mit gestemmtem Täfer ausgestattetes Zimmer im ersten
Obergeschoss) werden somit, wie alle übrigen Innenausbauten, vom Schutz nicht
erfasst. Dieser beschränkt sich auf das im Inventar festgehaltene Schutzziel (Erhalt des
Gebäudekubus' mit Fassaden, der Fassadengliederung und der Dachneigung). Der
Eingriff ist somit auf das minimal Notwendige begrenzt und erscheint als
verhältnismässig. Im übrigen erwog die Vorinstanz, der voluminöse Massivbau sei für
die Gemeinde Rapperswil-Jona unbestritten einzigartig. Befänden sich auf dem
Gemeindegebiet noch weitere gleichartige Bauten, so wäre aus Gründen der
Verhältnismässigkeit eine Auswahl zu treffen gewesen. Nachdem die
Beschwerdeführer jedoch keine vergleichbaren Objekte anführten, bestand dazu kein
Anlass.
3. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Aufnahme des Doppelhauses in die
Schutzverordnung zulässig und die Beschwerde deshalb als unbegründet abzuweisen
ist.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 und Art.
96bis VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Art. 7, Ziff. 222
Gerichtskostenverordnung, sGS 94l.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in
gleicher Höhe zu verrechnen.
Eine ausseramtliche Entschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht