Decision ID: 2202f556-b69e-5514-9428-88801796db7f
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2007 erstmals wegen einer HIV-Infektion, einer
Hypertonie, einer Depression, einem Diabetes mellitus Typ 2, einer Osteoporose und
einem Rückenleiden zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-
act. 1). Sie gab an, sie besitze die Staatsangehörigkeit von B._. Sie habe keine
Schule besucht und keine Ausbildung absolviert. Seit ihrem Zuzug aus B._ in die
Schweiz am 16. September 2002 sei sie arbeitsunfähig. Sie sei als Hausfrau tätig. Die
IV-Stelle holte beim Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin FMH, sowie
beim H._ Berichte ein (IV-act. 11, 12) und legte diese dem Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD) zur Stellungnahme vor (IV-act. 14). Mit einer Verfügung vom 23. Mai 2008
wies sie das Begehren um eine Invalidenrente ab (IV-act. 19). Zur Begründung gab sie
an, die Schweiz habe mit B._ kein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen.
Die Abklärungen hätten ergeben, dass die Versicherte seit der Einreise in die Schweiz
keine Beitragsleistungen erbracht habe. Die versicherungsmässigen Voraussetzungen
seien nicht erfüllt. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Am 10. Juli 2015 ersuchte der Beistand der Versicherten um Akteneinsicht (IV-
act. 25), die ihm die IV-Stelle am 15. Juli 2015 gewährte (IV-act. 27). Am 8./11. April
2016 meldete er die Versicherte zum Leistungsbezug an (IV-act. 28-32). Er machte
geltend, der Gesundheitszustand habe sich erheblich verschlechtert. In der
Zwischenzeit erfülle die Versicherte auch die Versicherteneigenschaft. Er reichte einen
Bericht von Dr. C._ vom 30. Juli 2015 ein. Dr. C._ hatte darin die folgenden
Diagnosen aufgeführt: Schulterschmerzen rechts mit Verkalkungen, chronisches
lumbospondylogenes und zervikospondylogenes Schmerzsyndrom, HIV-Infektion CDC
B.a.
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Stadium B3 (ED 05/03), Osteoporose (ED 2007), Depression, arterielle Hypertonie,
Dyslipidämie.
Am 27. Juni 2016 teilte die IV-Stelle dem Beistand der Versicherten mit, dass auf
das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten werde (IV-act. 36). Am 1. Juli 2016
zeigte ein Rechtsanwalt die Vertretung der Versicherten an (IV-act. 37). Mit einer
Eingabe vom 28. Juli 2016 beantragte er, dass auf die Wiederanmeldung vom 11. April
2016 eingetreten werde; bei der Anmeldung mit offiziellem Formular handle es sich
nicht um ein Wiedererwägungsgesuch (IV-act. 40). Nach mehrmaligem Nachfragen
nach dem Stand (IV-act. 41-43) und – nach erhaltener Akteneinsicht – ersichtlich
gewordener Untätigkeit der IV-Stelle forderte der Rechtsvertreter die IV-Stelle am
19. Juni 2017 auf, einen anfechtbaren Entscheid zu erlassen oder konkrete
Abklärungen vorzunehmen (IV-act. 45). Am 28. Juni 2017 teilte die IV-Stelle mit, dass
der Rentenanspruch materiell geprüft werde (IV-act. 46).
B.b.
Der Hausarzt Dr. C._ gab folgende Diagnosen an (Bericht undatiert,
Posteingang: 6. Juli 2017, IV-act. 48): Chronisches lumbospondylogenes und
zervikospondylogenes Schmerzsyndrom, St.n. TLIF L4/L5 2008, St.n. chronischer
Spondylodiszitis 2011-2017, HIV-Infektion CDC Stadium B3 (ED 05/03), Depression,
St.n. arthroskopischer Rekonstruktion Supraspinatussehne und Dekompression rechts
15.1.2016, Osteopenie 10/15, unklare papulöse Hautveränderungen (Gesicht, Arme),
arterielle Hypertonie, Dyslipidämie. Er gab weiter an, die Gehfähigkeit der Versicherten
sei nach wie vor stark eingeschränkt. Ausserhalb des Hauses gehe die Versicherte mit
einem Stock. Sie habe eine regelmässige Spitex-Betreuung. Aufgrund der
Polymorbidität bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Dr. C._ legte Berichte
des H._ und von Dr. med. D._, Neurologie FMH, bei.
B.c.
Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die
Versicherte am 15. August 2017 an (IV-act. 52), dass sie ohne eine gesundheitliche
Beeinträchtigung eine Vollerwerbstätigkeit als Hilfsarbeiterin/Lagermitarbeiterin
ausüben würde. Sie habe in B._ als Marktfrau gearbeitet. Sie würde zur
Existenzsicherung eine Vollerwerbstätigkeit ausüben und zwar seitdem sie Sozialhilfe
beziehe (19. September 2002).
B.d.
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Die RAD-Ärztin Dr. med. E._ notierte am 7. November 2017 nach einer
Durchsicht der medizinischen Berichte (IV-act. 55), seit dem Jahr 2008 habe sich die
Versicherte mehrfachen operativen Eingriffen am Rücken unterziehen müssen. Zudem
sei es zu einer Spondylodiszitis gekommen, welche eine mehrjährige
Suppressionstherapie nötig gemacht und zu einer Destruktion der Deck- und
Bodenplatten L2/3 geführt habe. Aufgrund der Rückenproblematik seien nur leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten ohne die Einnahme von Zwangshaltungen der
Wirbelsäule zumutbar. Wegen der Schulterproblematik seien keine Überkopfarbeiten
möglich. Die Veränderung des Gesundheitszustands sei vermutlich auf den Beginn der
Spondylodiszitis im Jahr 2011 anzusetzen. Die Höhe der Arbeitsfähigkeit sei schwierig
festzulegen. Die vom Hausarzt attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit sei nicht
nachvollziehbar. Dass die Gehfähigkeit eingeschränkt sei, stehe nicht im Einklang mit
der beschriebenen raumgreifenden Mobilität im Bericht der Klinik für Orthopädie vom
Dezember 2016. Wie sich die erwähnte Diagnose einer Depression auswirke, sei nicht
beurteilbar, da kein psychiatrischer Bericht vorliege. Weitere Abklärungen seien
notwendig.
B.e.
Der Hausarzt Dr. C._ sandte der IV-Stelle am 16. November 2017 diverse
Berichte der Jahre 2008 bis 2017 zu (IV-act. 57-127). Berichte betreffend eine
psychiatrische Behandlung waren darin nicht enthalten.
B.f.
Die RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 27. November 2017 (IV-act. 133), eine
polydisziplinäre Begutachtung sei erforderlich.
B.g.
Der Rechtsvertreter der Versicherten reichte am 2. Februar 2018 Berichte von
Dr. C._ und des H._ ein (IV-act. 139). Im aktuellsten Bericht vom 26. Januar 2018
hatte Dr. C._ dieselben Diagnosen wie im Bericht vom Juli 2017 mitgeteilt (IV-
act. 140). Zusätzlich hatte er eine Periarthropathie humeroscapulis bds. angegeben. Er
hatte ausgeführt, die Beschwerden hätten sich unter einer regelmässigen
physiotherapeutischen Behandlung gelindert; die Versicherte könne wieder frei gehen.
Im August 2017 habe sie über Schmerzen in der Schulter und im linken Arm geklagt.
Eine neurologische Abklärung habe ein leichtgradiges CTS gezeigt. Eine Untersuchung
im H._ wegen den rechtsbetonten Schulterschmerzen sei ausstehend. Die
Versicherte sei weiterhin aufgrund des schweren lumbalen und zervikalen
B.h.
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Rückenleidens, aber auch wegen verschiedener degenerativer Gelenkveränderungen
vollständig arbeitsunfähig. Aktuell sei die Belastbarkeit der Hände erheblich
eingeschränkt.
Am 24. Februar 2018, 3./15. März 2018 und 5. April 2018 wurde die Versicherte
von der PMEDA polydisziplinär (internistisch, neurologisch, orthopädisch, psychiatrisch
und neuropsychologisch) abgeklärt. Im Gutachten vom 27. Juni 2018 gaben die
Sachverständigen folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-
act. 164-69): Spondylodese LWK2 auf SWK1, Rotatorenmanschettensyndrom rechts,
Rotatorenmanschettenruptur links. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannten sie: HIV-Infektion CDC Stadium B3 (ED 05/03), metabolisches
Syndrom mit Diabetes mellitus Typ 2 (ED 2003), Adipositas Grad I, arterielle
Hypertonie, Dyslipidämie, fragliche hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie,
aktenkundige Osteopenie (Dexa 2015), St.n. wiederholten Eingriffen an der LWS ohne
neurologische Folgeschäden und ohne Hinweise auf das Vorliegen neurologischer
Ausfallerscheinungen, HIV-Infektion ohne Anhalt für Manifestationen am Nervensystem,
Carpaltunnelsyndrom links, St.n. Oberschenkelhalsfraktur rechts. Die internistische
Sachverständige führte aus (IV-act. 164-33 f.), anamnestisch seien keine spezifischen
internistischen Beschwerden vorgetragen worden. Die Versicherte habe vorrangig über
Schmerzen im Extremitäten- und Rückenbereich berichtet. Der erhobene Befund zeige
eine Adipositas, ein sanierungsbedürftiges Gebiss und suboptimal gepflegte
Zehennägel. Im Hinblick auf den Diabetes mellitus sollte auf eine gute Fusspflege
geachtet werden. Hinsichtlich des metabolischen Syndroms sei eine
Gewichtsreduktion zu empfehlen. Laborchemisch zeigten sich erhöhte Transaminasen.
Daneben imponiere serologisch der St.n. einer durchgemachten Hepatitis B-Infektion.
Die HIV-Infektion sei unter der etablierten Medikation seit vielen Jahren stabil. Es
fänden regelmässig Kontrollen im H._ statt; die aktuell bestimmten Marker lägen im
gut kontrollierten Bereich. Aktenanamnestisch werde in den gynäkologischen Berichten
eine obstruktive hypertrophe Kardiomyopathie erwähnt. Diskrepant zu einer solchen
Diagnose fänden sich in den Akten keine kardiologischen Abklärungen. Anamnestisch
werde lediglich von Palpitationen berichtet. Anhand der Anamnese ergäben sich keine
Hinweise auf relevante kardiopulmonale Einschränkungen im Alltag.
Elektrokardiographisch imponierten teilweise im Bereich der Vorderwand T-
B.i.
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Negativierungen. Eine Kardiomyopathie sei also allenfalls möglich. Bei einer
unauffälligen Anamnese und einem nicht erheblich auffälligen körperlichen Status
ergebe sich auf internistischem Gebiet keine namhafte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Der neurologische Gutachter hielt fest (IV-act. 164-39), die Versicherte
habe über Schmerzen im Bereich der Extremitäten und über Lumbalgien und sensible
Störungen der rechten Hand geklagt. Der neurologische Befund weise keine namhafte
nervale Läsion aus. Die elektrophysiologische Untersuchung sei mit einem
Karpaltunnelsyndrom links vereinbar. Hinweise für ein namhaftes Vertebralsyndrom
oder eine die Extremitätenschmerzen erklärende spinale oder radikuläre Läsion
ergäben sich nicht. Auch aktenkundig ergäben sich keine Hinweise auf das Vorliegen
einer die Arbeitsfähigkeit namhaft einschränkenden neurologischen Erkrankung. Das
leichtgradige linksseitige Karpaltunnelsyndrom sei gut behandelbar und beeinträchtige
die Arbeitsfähigkeit nicht. Der klinische Befund und das Labor (CD4-Zellzahl > 200)
sprächen gegen eine neurologische HIV-Manifestation. Der orthopädische Experte
erklärte (IV-act. 164-47), die Versicherte habe Schmerzen in der Schulterregion rechts
mit Ausstrahlung entlang des rechten Arms bei St.n. einer erfolgten operativen
Rotatorenmanschettenrekonstruktion 01/2016 mit einer zwischenzeitlichen
Schmerzfreiheit geäussert. Weiter habe sie Schmerzen in der Lumboglutealregion
rechtsbetont angegeben bei St.n. mehreren operativen lumbalen Eingriffen,
schlussendlich mit einer Spondylodese. Im Bereich des rechten Hüftgelenks bestehe
ein St.n. einer Oberschenkelhalsfraktur mit einer osteosynthetischen Versorgung. Bei
der klinischen Untersuchung zeigten sich eine Adipositas und ein rechtsakzentuiert
dargebotenes Gangbild an einer Gehstütze links. Im Untersuchungszimmer sei jedoch
kein namhaftes Hinken objektivierbar; es bestehe auch keine Inaktivitätshypotrophie
der Beinmuskulatur; die Fusssohlen seien seitengleich beschwielt, sodass eine
alltagsrelevante Gehbeeinträchtigung als nicht plausibel erscheine. Die funktionelle
Prüfung der Hüft- und Kniegelenke zeige einen im Wesentlichen seitengleichen Befund;
es bestehe ein leichtes Extensionsdefizit beider Hüftgelenke. Die Kniegelenke seien im
Wesentlichen frei beweglich, ebenso die Fussgelenke. Im Bereich des rechten
Schultergelenks liessen sich "leichtgradige subacromiale und Schmerzzeichen am
Tuberculum majus" auslösen, eine namhafte Störung der Funktionalität liege nicht vor.
Die Oberschenkelhalsfraktur rechts sei folgenlos mit einem guten Ergebnis ausgeheilt.
Bildgebend seien, die Lendenwirbelsäule betreffend, die langstreckige Spondylodese
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und ebenso langstreckige degenerative Alterationen mit möglichem Neurokontakt
dargestellt. Zeichen einer namhaften spinalen Stenose oder entzündlicher
postoperativer Affektionen seien nicht objektiviert. Für das rechte Schultergelenk seien
Zeichen degenerativer Rotatorenmanschetten-(Rezidiv)-läsionen mittels MRI
objektiviert, ebenso eine degenerative Läsion der langen Bizepssehne sowie
Kapselrandläsionen des Glenoids. Aufgrund der erhobenen klinischen Befunde und der
bildgebenden Abklärung sei eine dauerhafte qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit
zu formulieren: Körperlich leichte Arbeiten ohne spinale Zwangshaltungen, Hebe- und
Tragebelastungen fünf Kilogramm, wechselbelastende oder überwiegend sitzende
Tätigkeit bei einer guten Arbeitsplatzergonomie, keine Rumpfzwangshaltungen.
Tätigkeiten im Armvorhalt und/oder über Kopf oder mit Kraftaufwand seien als
dauerhaft ungeeignet einzuschätzen. Für entsprechend adaptierte Tätigkeiten bestehe
eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Die anamnestisch aufscheinende weitgehende
Selbstständigkeit, Selbstversorgung und Aktivität stütze die Annahme einer
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten. Der psychiatrische Sachverständige gab
an (IV-act. 164-54 f.), die Versicherte fühle sich nicht psychisch krank und habe frühere
depressive Beschwerden seit über einem Jahr überwunden. Im AMDP-konform
erhobenen psychiatrischen Befund liessen sich die Achsenkriterien einer namhaften
Depression nicht erkennen. Die Verhaltensbeobachtung, die Alltagsgestaltung, die
Selbsteinschätzung und das Fehlen einer psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung sprächen auch gegen eine psychische, insbesondere gegen eine namhafte
affektive Beeinträchtigung. Die in fachfremden Befundberichten aktenkundig erwähnte
Depression habe sich ausweislich des hiesigen objektiven Befundes somit
zurückgebildet. Die angegebenen chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat
könnten nicht einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zugeordnet werden.
Zusammenfassend finde sich keine psychiatrische Erkrankung mit einer Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Die neuropsychologische Untersuchung führten Dr. med. F._
und mag. rer. nat. G._ durch, wobei G._ die testpsychologischen Erhebungen
machte. In der Beurteilung hielten sie fest (IV-act. 164-62 f.), der klinische Befund
ergebe keine Hinweise auf eine namhafte kognitive Funktionsstörung. Die
Untersuchung erbringe formal unterdurchschnittliche Ergebnisse im Bereich des
visuellen Gedächtnisses, der Verarbeitungsgeschwindigkeit und des figuralen
divergenten Denkens. Das Beschwerdevalidierungsverfahren erbringe deutliche
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Hinweise auf ein verzerrendes Antwortverhalten. In der aktuellen MRI-Untersuchung
des Gehirns zeigten sich lediglich eine leichte, überwiegend subkortikale
Frontalatrophie sowie leichte Demyelinisierungen, die nicht geeignet seien, die
vorliegenden stark unterdurchschnittlichen testpsychologischen Ergebnisse zu
erklären. Angesichts des Labors (CDC Zellzahl > 200) sei eine HIV-Manifestation am
zentralen Nervensystem eher unwahrscheinlich. Die anamnestisch erhobene
selbstständige Lebensführung spreche ebenfalls gegen eine gravierende kognitive
Störung jedweder Genese. Zusammenfassend sei von neuropsychologischer Seite
keine invalidisierende kognitive Störung mit der hierfür gebotenen Wahrscheinlichkeit
zu attestieren. Vergleichbare neuropsychologische Voruntersuchungen, die der
hiesigen Einschätzungen widersprächen, lägen nicht vor. In der Konsensbeurteilung
gaben die Sachverständigen an (IV-act. 164-64 ff.), in einer körperlich leichten,
wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit des allgemeinen
Arbeitsmarkts sei die Arbeitsfähigkeit der Versicherten als nicht limitiert anzusehen.
Das spinale Defektsyndrom und der postoperative Schulterstatus sprächen gegen eine
Einsetzbarkeit in körperlich schweren Tätigkeiten, in Arbeiten mit häufigen
Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule und in Arbeiten mit einem häufigen
Armeinsatz über der Horizontalen. Aufgrund des geringen Bildungsniveaus schieden
Tätigkeiten, die das Lesen und Schreiben erforderten, aus. Die auffällige
Symptomvalidierung und die Diskrepanzen/Inkonsistenzen in den hiesigen Befunden
(kein namhaft schmerzgeplagter Eindruck, seitengleiche Beschwielungszeichen der
Fusssohlen und die fehlende Inaktivitätshypotrophie der Extremitäten bei einer
reklamierten schmerzbedingten Limitation und bei einem reklamierten notwendigen
Einsatz von Gehhilfen und dem dargebotenen Hinken) sprächen für eine Aggravation.
Anamnestisch erscheine eher eine erhaltene Selbstständigkeit, Selbstversorgung,
soziale Kontaktfähigkeit und Reiseaktivität gegeben zu sein, was die aktenkundige
behandlerseitige Einschätzung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit nicht stütze.
Retrospektiv werde spätestens seit dem Jahr 2011 (Spondylodese) eine qualitative
Minderung der Arbeitsfähigkeit bestanden haben; in der Folge sei es jedoch zu
Komplikationen und zu mehrfachen Schultergelenksbehandlungen gekommen, sodass
vorangehend zumindest passager/phasenweise auch eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bestanden haben dürfte, was sich jedoch nicht näher zeitlich
eingrenzen oder quantifizieren lasse. Auch für die Zeit vor dem Jahr 2011 seien seit
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dem Jahr 2003 Behandlungen (HIV assoziiert, Oberschenkelhalsfraktur) berichtet
worden, die eine passagere/phasenweise höhergradige Arbeitsunfähigkeit bedingt
hätten, was sich jedoch ebenfalls nicht näher zeitlich eingrenzen oder quantifizieren
lasse.
Die RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 3. Juli 2019 (recte: 2018, IV-act. 166), auf das
Gutachten könne abgestellt werden.
B.j.
Mit einem Vorbescheid vom 5. Juli 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 168). Zur
Begründung gab sie an, gemäss dem Gutachten der PMEDA vom 27. Juni 2018
bestehe in einer adaptierten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Bei einem
Validen- und einem Invalideneinkommen von je Fr. 54'517.-- (Zentralwert des
Einkommens einer Hilfsarbeiterin gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts
für Statistik) betrage der Invaliditätsgrad 0%. Der Rechtsvertreter der Versicherten
erhob am 31. August 2018 einen Einwand (IV-act. 173). Er beantragte die Ausrichtung
einer ganzen Rente. Zur Begründung machte er geltend, beim Gutachten der PMEDA
handle es sich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts. Die Gutachter
hätten nicht nachgefragt oder vertieft abgeklärt, inwieweit die Versicherte aus
invaliditätsrelevanten Gründen Aufgaben nicht oder falsch verstanden, im Alltag
vorhandene Schmerzen, Unwohlsein und Müdigkeit bei der Begutachtung unterdrückt
und eine selbstständige Lebensführung dissimuliert habe. Die gutachterliche
Darstellung und die Feststellungen der behandelnden Fachpersonen klafften diametral
auseinander. Die Versicherte werde seit mindestens dem Jahr 2017 von der Spitex
betreut. Sie sei nicht fähig, die Medikamente richtig einzunehmen. Auch bei anderen
Verrichtungen helfe ihr die Spitex. Im Gutachten sei dieser Sachverhalt keiner
vertiefenden Abklärung unterzogen worden. Aufgrund der aktenkundigen Tatsachen sei
nicht nachvollziehbar, dass die Versicherte eine "angepasste" Tätigkeit, die
zwangsläufig Hilfsarbeitercharakter habe und repetitiv sei, sollte ausführen können.
Ausserdem bestehe ein Analphabetismus. Auch HIV sei bei Arbeitgebern ein Hindernis.
Ein Widerspruch bestehe darin, dass in der neurologischen Untersuchung vom
27. September 2017 die Kooperationsbereitschaft vermindert gewesen sei, was für
eine krankheitsbedingte Symptomatik spreche. Im Gutachten sei die Versicherte
mehrfach als kooperativ gelobt worden, obwohl ihr gleichzeitig inkonsistentes
B.k.
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Verhalten vorgeworfen worden sei. Aus kardiologischer Sicht sei das Gutachten unklar;
eine ernstere Störung sei nicht ausgeschlossen worden. Der Rechtsvertreter der
Versicherten legte ein Schreiben der Spitex vom 3. August 2018 mit Beilagen und einen
Bericht von Dr. C._ vom 20. August 2018 bei. Dr. C._ hatte darin festgehalten, die
Versicherte sei keinesfalls arbeitsfähig. Überrascht habe ihn die Schlussbeurteilung der
testpsychologischen Ergebnisse. Obwohl er bei den Erhebungen hochpathologische
Werte sehe und obwohl ein Gesamt-IQ von 50 errechnet worden sei, der stark
pathologisch sei, seien die Resultate bagatellisiert worden. Seines Erachtens müsste
diesen Resultaten auf den Grund gegangen werden.
Die RAD-Ärztin Dr. E._ empfahl am 20. September 2018, den Einwand des
Rechtsvertreters den Gutachtern zur Stellungnahme vorzulegen (IV-act. 175).
B.l.
Die Gutachter der PMEDA teilten am 17. Oktober 2018 mit (IV-act. 177), neue
ärztliche Berichte mit neuen medizinischen Sachverhalten lägen nicht vor. Das
Schreiben von Dr. C._ vom 20. August 2018 enthalte keinen Untersuchungsbefund.
Die Spitex-Aufzeichnungen des Jahres 2018 beschrieben keine behinderungsbedingte
Auffälligkeit. Die Aufzeichnungen liessen auch keinen Pflegebedarf erkennen. Die
Einlassungen von Dr. C._ zur neuropsychologischen Untersuchung seien irreführend,
da die Untersuchung offenkundige Anhaltspunkte für ein verfälschendes
Antwortverhalten ergeben habe. Die Durchführung von Symptomvalidierungstests gelte
als Qualitätsstandard testpsychologischer Untersuchungen.
B.m.
Die RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 31. Oktober 2018 (IV-act. 178), auf das
Gutachten könne weiterhin abgestellt werden. Gemäss dem Verlaufsprotokoll der
Spitex werde die Medikamentenbox aufgefüllt, damit die korrekte Einnahme der HIV-
Medikation gewährleistet sei. Andere Spitex-Leistungen seien dem Verlaufsprotokoll
nicht zu entnehmen. Die Gutachter hätten einen Verdacht auf eine Kardiomyopathie
geäussert, weil diese Diagnose in den Akten erwähnt worden sei. Anlässlich der
Untersuchung habe klinisch kein Anhalt für eine Herzinsuffizienz bestanden. Der
Gutachter habe also die Diagnose übernommen, jedoch festgestellt, dass keine
Funktionseinschränkungen aus kardiologischer Sicht vorliegen würden, sodass diese
Verdachtsdiagnose auch keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe.
B.n.
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C.
Nach der Durchführung einer zweiten Anhörung, in welcher der Rechtsvertreter
der Versicherten an den Anträgen und an der Begründung im Einwand vom 31. August
2018 festgehalten hatte (IV-act. 180), wies die IV-Stelle mit einer Verfügung vom
13. Dezember 2018 das Begehren um eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad
von 0% ab (IV-act. 181). Zum Einwand gab sie im Wesentlichen die RAD-
Stellungnahme vom 31. Oktober 2018 wieder.
B.o.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 29. Januar 2019 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 13. Dezember 2018 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer Invalidenrente ab 1. Oktober 2016. Eventualiter sei die Sache zur
Vornahme ergänzender Abklärungen und zur anschliessenden Neuverfügung an die
Verwaltung zurückzuweisen. Zudem beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte er im
Wesentlichen geltend, in Anbetracht der Berichte von Dr. C._ vom 30. Juli 2015,
6. Juli 2017 und 26. Januar 2018 sei die im Gutachten der PMEDA attestierte
vollständige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten nicht nachvollziehbar. Bei der
Beurteilung der Gutachter handle es sich um eine andere Beurteilung des Sachverhalts,
sodass die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) nicht hätte darauf abstellen
dürfen. In der internistischen Begutachtung seien eine regelmässige Spitex-
Unterstützung sowie eine wöchentliche Physiotherapie, ferner eine Betreuung durch
eine Sozialhelferin im Alltag festgehalten worden. Dies deute doch auf "erhebliche
Einschränkungen in der Alltagsbewältigung auch in einer adaptierten Tätigkeit auf dem
ersten Arbeitsmarkt" hin. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei
eine fragliche hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie aufgeführt worden. Die von
Dr. C._ diagnostizierte Dyslipidämie sei als kardiovaskulärer Risikofaktor bekannt, im
Gutachten aber nicht berücksichtigt worden. Es sei nicht hinreichend begründet
worden, dass die Beschwerdeführerin in der Arbeitsfähigkeit kardiologisch gesehen
nicht eingeschränkt sei. Der neurologische Gutachter habe zur MRI-Untersuchung vom
März 2018 festgehalten, bei der Brust- und Lendenwirbelsäule sei ein Kontakt zum
Myelon bzw. zur Nervenwurzel ausgewiesen worden. Weshalb er später nur noch einen
möglichen Neurokontakt genannt habe, sei unbegründet geblieben. Somit sei nicht
C.a.
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überwiegend wahrscheinlich, dass bei einer vollen Arbeitstätigkeit nicht wesentlich
ernstere, belastungsbedingte Rückenbeschwerden aufträten, insbesondere auch bei
überwiegend sitzenden Tätigkeiten, wie sie für zumutbar gehalten worden seien. Im
psychiatrischen Teilgutachten sei erwähnt worden, dass die Beschwerdeführerin
Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Vergesslichkeit seit vielen Jahren genannt und dies auf
die HIV-Infektion zurückgeführt habe. Diesbezüglich habe Dr. C._ am 26. Januar
2018 eine HIV-Infektion CDC Stadium B3 diagnostiziert, im Gegensatz zum Stadium B2
noch im infektiologischen Bericht vom 23. März 2018. Eine vollständige Arbeitsfähigkeit
sei aufgrund des Fortschreitens der HIV-Infektion nicht ausgewiesen. Eine
entsprechende Untersuchung durch die PMEDA sei nicht erfolgt. Die Verneinung einer
Wechselwirkung der Diagnosen erweise sich im Gutachten somit ebenfalls als
unbegründet. Im psychiatrischen Teilgutachten falle weiter auf, dass 2011, 2013 und
2015 eine mässige Depression bzw. eine rezidivierende depressive Episode
diagnostiziert und behandelt worden sei. Die generelle Verneinung einer
psychiatrischen Erkrankung sei nicht hinreichend begründet, auch nicht eine allfällige
dauerhafte Remission. Auch aus der neuropsychologischen Untersuchung könne keine
vollständige Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden. Die Rechtsprechung messe dem
testmässigen Erfassen der Psychopathologie im Rahmen der psychiatrischen
Exploration generell nur ergänzende Funktion zu (Urteil des Bundesgerichts vom
23. September 2008, 9C_458/2008, E. 4.2). Beschwerdevalidierungstests könnten
ergänzend als mögliche Mosaiksteine der Begutachtung hilfreich sein. Diese seien aber
in der Praxis mit Bezug auf Schmerzleiden noch nicht etabliert (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 4.2.3). Gemäss dem
neuropsychologischen Teilgutachten solle eine Aggravationstendenz festzustellen
gewesen sein. Die übrigen Teilgutachten hätten dies nicht ausgewiesen, sodass die
neuropsychologische Abklärung in diesem Punkt für sich alleine stehe. Die
unterdurchschnittlichen Werte und der IQ von erheblich unter 70 seien zwar
festgehalten worden, aufgrund der in der Praxis nicht etablierten
Beschwerdevalidierung sei aber eine höhere Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin angenommen worden. Dies sei unbegründet und widerspreche
auch den obigen Angaben zu den deutlich eingeschränkten Ressourcen in der
Alltagsbewältigung (Spitex, aufsuchende Sozialbegleitung,
erwachsenenschutzrechtliche Vertretung, Sozialhilfeberatung). Ferner seien die
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neuropsychologischen Gutachter Dr. F._ und mag. G._ nicht auf der Liste der
FachpsychologInnen für Neuropsychologie FSP mit einer jährlichen kontrollierten
Fortbildung der Schweizerischen Vereinigung der Neuropsychologinnen und
Neuropsychologen SVPN aufgeführt. Dr. F._ sei im Medizinalberuferegister des
Bundes als Arzt mit Weiterbildung Psychiatrie und Psychotherapie aufgeführt. Ein
Fachtitel in Neuropsychologie sei nicht ersichtlich. Die Fachkompetenz beider
Personen sei nicht nachgewiesen. Mag. G._ sei zudem im rechtlichen Gehör vom
11. Januar 2018 nicht unter den vorgesehenen Gutachtern erwähnt worden. Auch die
Tatsache, dass mag. G._ offenbar nur die testpsychologischen Erhebungen
vollzogen habe, während Dr. F._ die restliche neuropsychologische Untersuchung
vorgenommen habe, erscheine unüblich und sei vor dem Hintergrund des
Analphabetismus und des Bedarfs nach einer französischen Übersetzung stark
fehleranfällig. Die Schlussfolgerungen der neuropsychologischen Untersuchung seien
mit erheblichen Zweifeln behaftet.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. März 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, die Berichte
von Dr. C._ erfüllten die Voraussetzungen an eine beweisfähige medizinische
Entscheidungsgrundlage nicht. Die vorgebrachte Kritik am Gutachten sei unbegründet;
auf das Gutachten sei abzustellen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
schreite die HIV-Infektion nicht fort. Die Behauptung, die im neuropsychologischen
Teilgutachten festgehaltene Aggravationstendenz sei in den anderen Teilgutachten
nicht ausgewiesen worden, sei unzutreffend. In der Konsensbeurteilung sei dargelegt
worden, dass die auffällige Symptomvalidierung (neuropsychologisches Teilgutachten)
und die Diskrepanzen/Inkonsistenzen in den hiesigen Befunden (kein namhaft
schmerzgeplagter Eindruck, seitengleiche Beschwielungszeichen der Fusssohlen und
fehlende Inaktivitätshypotrophie der Extremitäten bei reklamierter schmerzbedingter
Limitation und reklamiertem notwendigen Einsatz von Gehhilfen und dargebotenem
Hinken) für eine Aggravation sprächen.
C.b.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 8. März 2019 das
Gesuch um die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren
(act. G 7).
C.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/29
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Mit einer Replik vom 8. April 2019 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten (act. G 9). Ihr Rechtsvertreter machte ergänzend geltend, die
Beschwerdegegnerin übersehe, dass Dr. C._ in seinen Berichten auf spezialärztliche
Untersuchungen und Behandlungen hingewiesen, seine Beurteilung also nicht nur auf
seine eigenen Untersuchungen abgestützt habe. Dr. C._ begründe durchaus
erhebliche Zweifel an den Feststellungen und Beurteilungen im Gutachten. In der
Angabe der relevanten medizinischen Aktenlage im Gutachten fehle zudem der Bericht
von Dr. C._ vom 6. Juli 2017, dem Dr. C._ medizinische Berichte im Umfang von
25 Seiten beigefügt habe. Die Berichte seit 2015 würden eine HIV-Infektion der
Kategorie B3 ausweisen, was für eine Verschlechterung spreche. Aus sozial- bzw.
versicherungsrechtlichen Gründen sei dieser Wert unabhängig von der klinischen
Kategorie C als AIDS-definierend zu bewerten (vgl. www.hivleitfaden.de). Die
Beschwerdeführerin sei daher, wie sie wiederholt angegeben habe, glaubhaft in ihrer
Alltagsbewältigung und auch in ihrer Arbeitsfähigkeit deutlich beeinträchtigt. Der
Vorwurf der Aggravation im Gutachten gründe sich allein auf die neuropsychologische
Beurteilung. Daran ändere nichts, dass diese Beurteilung auch in der interdisziplinären
Zusammenfassung aufgeführt sei. In den übrigen Untersuchungen hätten sich keine
Hinweise auf das Vorliegen einer Aggravation ergeben. Eine auf Aggravation oder
vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungseinschränkung vermöge eine
versicherte Gesundheitsschädigung nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn
im Einzelfall Klarheit darüber bestehe, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die
Anhaltspunkte auf eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwögen
und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten
seien, ohne dass das aggravatorische Verhalten auf eine verselbstständigte,
krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen sei (Urteil des Bundesgerichts
vom 19. Oktober 2016, 9C_154/2016, E. 4.3). Diese Voraussetzungen seien vorliegend
nicht erfüllt. Das Gutachten erweise sich auch in diesem Punkt als nicht schlüssig. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte einen Bericht von Dr. C._ vom
19. November 2018 ein (act. G 9.1). Dr. C._ hatte darin die Krankenkasse der
Beschwerdeführerin um eine Kostengutsprache ersucht und diverse Medikamente
aufgelistet. Neue Diagnosen hatte er nicht genannt; die in früheren Berichten
angegebene Diagnose einer Depression hatte er nicht erwähnt. Er hatte festgehalten,
das Schmerzniveau habe stabilisiert und der Bewegungsumfang habe verbessert
C.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/29
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Erwägungen
1.
Die Verfügung vom 23. Mai 2008, mit der die Beschwerdegegnerin ein erstes
Rentengesuch der Beschwerdeführerin abgewiesen hatte, war damit begründet
worden, dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen nicht erfüllt seien; die
Beschwerdeführerin habe nämlich in der Schweiz noch nie Beiträge geleistet. Letzteres
dürfte falsch gewesen sein, denn die Beschwerdeführerin war auf jeden Fall
beitragspflichtig, hätte also von der zuständigen Ausgleichskasse rückwirkend als
Nichterwerbstätige erfasst werden müssen, was zu einer rückwirkenden
Beitragserhebung geführt hätte. Das war allerdings gar nicht relevant, denn die
Beschwerdegegnerin hatte nicht abgeklärt, ob überhaupt ein (rentenspezifischer)
Versicherungsfall eingetreten war, d.h. ob die Beschwerdeführerin das sogenannte
Wartejahr erfüllt hatte und seither zu mindestens 40% invalid war. Die
Beschwerdegegnerin holte zwar Behandlerberichte ein, aber deren Beweiswert war in
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin offensichtlich unzureichend.
Weitere Abklärungen unterblieben, so dass die Beschwerdegegnerin nicht wissen
konnte, ob (und gegebenenfalls wann) ein rentenspezifischer Versicherungsfall
eingetreten war. In dieser Situation (keine ausreichende Kenntnis über die
Beitragsleistung und keine ausreichende Kenntnis über eine allfällige
anspruchsbegründende Invalidität) war es unhaltbar, das Rentenbegehren der
Beschwerdeführerin mit der Begründung abzuweisen, die versicherungsmässigen
Voraussetzungen seien nicht erfüllt. Aufgrund des Ergebnisses der aktuellen
Sachverhaltsabklärung ist, wie nachfolgend noch darzulegen sein wird, davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin weder am 23. Mai 2008 noch später das
werden können; die Beschwerdeführerin sei ohne Stöcke mobil. Ziel sei die
Fortsetzung der physiotherapeutischen Behandlung, um die Beschwerden zu lindern
und die Gehfähigkeit weiter zu verbessern.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 11).C.e.
Am 18. Dezember 2020 bat das Versicherungsgericht die PMEDA, Auskunft zu
erteilen, über welche spezifisch neuropsychologische Fachausbildung Dr. F._ und
mag. G._ verfügen würden sowie allfällige Ausbildungsbelege einzureichen (act.
G 12). Die PMEDA reichte am 15. Januar 2021 entsprechende Unterlagen ein (act.
G 13).
C.f.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/29
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Wartejahr erfüllt hat und auch nie in einem anspruchsbegründen Ausmass invalid
gewesen ist. Die korrekte Begründung für die Abweisung des Rentenbegehrens am 23.
Mai 2008 hätte also lauten müssen: Das Wartejahr ist nicht erfüllt und es liegt keine
Invalidität von mindestens 40% vor. Bei der Anwendung des Art. 87 Abs. 3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) auf die erneute
Anmeldung zum Rentenbezug vom April 2016 ist somit zu prüfen, ob die
Beschwerdeführerin eine nach dem 23. Mai 2008 eingetretene, anspruchsrelevante
Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht hat. Die RAD-Ärztin
Dr. E._ hat am 7. November 2017 festgehalten, dass auf den Beginn der
Spondylodiszitis im Jahr 2011 von einer Veränderung des Gesundheitszustandes
auszugehen sei und dass zudem eine Depression diagnostiziert worden sei, was eine
weitere Abklärung erfordere. Das zeigt, dass eine Veränderung des
Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht worden ist, die durchaus einen
Invaliditätsgrad von mindestens 40% bewirken könnte. Beim Rentengesuch vom April
2016 hat es sich also eindeutig nicht um eine repetitive Neuanmeldung gehandelt, die
an der Hürde des Art. 87 Abs. 3 IVV scheitern müsste, um der Beschwerdegegnerin
einen überflüssigen Abklärungs- und Verwaltungsaufwand zu ersparen. Die
Beschwerdegegnerin ist demnach zu Recht auf das Rentengesuch vom April 2016
eingetreten.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 13. Dezember
2018 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0%
verneint. Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/29
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3.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich).
Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und teilweise im Aufgabenbereich tätig
sind, wird der Invaliditätsgrad für beide Bereiche nach der jeweiligen Methode
berechnet; die Teilinvaliditätsgrade werden nach den Anteilen der Bereiche "gewichtet"
und dann addiert (sog. gemischte Methode; Art. 28a Abs. 3 IVG).
4.
Die Beschwerdeführerin hat keine Schule besucht und auch keine Ausbildung
absolviert. Sie ist seit ihrer Einreise in die Schweiz im September 2002 nie erwerbstätig
gewesen. Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt
hat sie angegeben, dass sie ohne eine gesundheitliche Beeinträchtigung zur
Existenzsicherung eine Vollerwerbstätigkeit als Hilfsarbeiterin/Lagermitarbeiterin
ausüben würde. Sie lebt allein in einer eineinhalb Zimmer-Wohnung. Ihre Tochter lebt in
B._ (IV-act. 164-30) und ihr Ehemann ist in B._ verstorben (IV-act. 1). Die
Beschwerdeführerin müsste also im fiktiven "Gesundheitsfall" zwingend eine
Vollerwerbstätigkeit ausüben, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Sie ist
also als Vollerwerbstätige einzustufen. Da sie keinen Beruf erlernt hat, kann die
Validenkarriere ausschliesslich in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin bestehen. Die
Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung vom
13. Dezember 2018 somit zu Recht als Vollerwerbstätige eingestuft und beim
Valideneinkommen auf das durchschnittliche Einkommen einer Hilfsarbeiterin
(Zentralwert des Einkommens einer Hilfsarbeiterin gemäss der Lohnstrukturerhebung
des Bundesamts für Statistik) abgestellt (IV-act. 181).
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/29
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5.
6.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu die
PMEDA mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Die Gutachter
haben in einer adaptierten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert. Strittig
und im Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten vom 27. Juni 2018 voller
Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die vollständige Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
belegt.
5.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
5.2.
Alle Gutachter der PMEDA haben umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt
(IV-act. 164-5 ff.) und diese gewürdigt (IV-act. 164-33 f., 164-39, 164-54). Sie haben die
Beschwerdeführerin persönlich untersucht und die subjektiven Klagen aufgenommen
(IV-act. 164-27 ff., 164-34 f., 164-40 f., 164-49 ff.) sowie die erhobenen objektiven
Befunde im Gutachten wiedergegeben (IV-act. 164-31 f., 164-35 ff., 164-41 ff.,
164-52 f.). Gestützt auf ihre Befunde haben sie die Diagnosen gestellt (IV-act. IV-
act. 164-32 f., 164-39, 164-47, 164-53) und ihre Beurteilung zur Arbeits(un)fähigkeit,
inklusive eine Konsensbeurteilung, abgegeben (IV-act. 164-34, 164-39, 164-47 ff.,
164-54 f., 164-64 ff.). Die erhobenen Diagnosen haben im Wesentlichen denjenigen
entsprochen, die auch der Hausarzt Dr. C._ in den Berichten vom 30. Juli 2015,
6. Juli 2017 und 26. Januar 2018 angegeben hat. Hinweise darauf, dass die
Untersuchung nicht umfassend gewesen wäre, bestehen nicht. Der psychiatrische
Gutachter hat sich im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung zwar nicht zu
6.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/29
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den Standardindikatoren geäussert; da er aber keine Diagnose mit einer Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit gestellt hat, ist dies auch nicht nötig gewesen. Die
Ausführungen der Gutachter sind schlüssig und nachvollziehbar. Widersprüche
bestehen im Gutachten nicht. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Einwände des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin Zweifel am Gutachten zu wecken vermögen.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, in Anbetracht
der Berichte von Dr. C._ vom 30. Juli 2015, 6. Juli 2017 und 26. Januar 2018 sei die
im Gutachten attestierte vollständige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten nicht
nachvollziehbar. Dr. C._ habe in seinen Berichten auf spezialärztliche
Untersuchungen und Behandlungen hingewiesen und seine Beurteilung nicht nur auf
seine eigenen Untersuchungen abgestützt. Die Berichte von Dr. C._ begründeten
erhebliche Zweifel an den Feststellungen und Beurteilungen im Gutachten. Zudem
fehle in der Angabe der relevanten medizinischen Aktenlage im Gutachten der Bericht
von Dr. C._ vom 6. Juli 2017, dem Dr. C._ medizinische Berichte im Umfang von
25 Seiten beigefügt habe. Dazu ist festzuhalten, dass der Bericht vom 6. Juli 2017
tatsächlich nicht in der Liste der explizit aufgeführten Vorakten enthalten ist. Die
Gutachter haben aber vorausgeschickt, dass sie das gesamte vom Auftraggeber
zusammengestellte Aktendossier gründlich geprüft und nur die für die Beantwortung
der Gutachtenfragen wesentlichen Dokumente kurz zitiert hätten (IV-act. 165-5). Ferner
ist relevant, dass die im Bericht vom 6. Juli 2017 aufgeführten Diagnosen denjenigen
im Bericht von Dr. C._ vom 26. Januar 2018 entsprochen haben; diesen Bericht
haben die Gutachter der PMEDA ausdrücklich gewürdigt (IV-act. 164-65 f.). Somit ist
davon auszugehen, dass die Gutachter über die von Dr. C._ im Bericht vom 6. Juli
2017 genannten Diagnosen orientiert gewesen sind. Die dem Bericht vom 6. Juli 2017
beigelegten medizinischen Berichte haben, mit Ausnahme eines Berichts des H._
vom 16. Dezember 2016, die Zeit vor dem Zeitpunkt des frühest möglichen
Rentenbeginns am 1. Oktober 2016 (sechs Monate nach der Anmeldung vom April
2016, vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) betroffen und sind damit nicht ausschlaggebend
gewesen. Den Bericht vom 16. Dezember 2016 haben die Gutachter explizit erwähnt
(IV-act. 164-23). Damit ist davon auszugehen, dass die Gutachter umfassende
Kenntnis von den zur Prüfung eines Rentenanspruchs relevanten Vorakten gehabt
haben. Betreffend die diametral unterschiedlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen der
Gutachter (vollständige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit) und von Dr. C._
(vollständige Arbeitsunfähigkeit) bei im Wesentlichen gleichen Diagnosen ist der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
auszusagen pflegen und dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen
6.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/29
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ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353, E. 3b.cc;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03,
E. 2.4.2). Es ist deshalb davon auszugehen, dass Dr. C._ aufgrund seines
Therapieauftrags die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu pessimistisch
eingeschätzt haben dürfte. Die Berichte von Dr. C._ vermögen daher keine Zweifel
am Gutachten zu wecken.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat im Weiteren vorgebracht, in der
internistischen Begutachtung seien eine regelmässige Spitex-Unterstützung sowie eine
wöchentliche Physiotherapie, ferner eine Betreuung durch eine Sozialhelferin im Alltag
festgehalten worden. Dies deute auf "erhebliche Einschränkungen in der
Alltagsbewältigung auch in einer adaptierten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt"
hin. In Bezug auf das internistische Teilgutachten hat er angeführt, als Diagnose ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine fragliche hypertrophe obstruktive
Kardiomyopathie aufgeführt worden. Die von Dr. C._ diagnostizierte Dyslipidämie sei
als kardiovaskulärer Risikofaktor bekannt, im Gutachten aber nicht berücksichtigt
worden. Es sei nicht hinreichend begründet, dass die Beschwerdeführerin in der
Arbeitsfähigkeit kardiologisch gesehen nicht eingeschränkt sei. Gemäss den
Unterlagen der Spitex vom 3. August 2018 (IV-act. 173-8 ff.) benötigt die
Beschwerdeführerin Hilfe beim Richten der Medikamente, nicht aber bei deren
Einnahme. Dass sich die Spitex-Fachpersonen bei dieser Gelegenheit bei der
Beschwerdeführerin nach dem aktuellen gesundheitlichen Befinden erkundigen (vgl.
die Einträge im Verlaufsbericht, IV-act. 173-9), vermag keinen spezifischen
Unterstützungsbedarf und erst recht keine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Auch eine
wöchentliche Physiotherapie ist für sich allein kein Nachweis für eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, ebenso wenig eine Betreuung durch
eine Sozialhelferin. Die internistische Sachverständige der PMEDA hat eine
Dyslipidämie als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt. Sie hat
diese also, entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters, in ihre Beurteilung
miteinbezogen, auch wenn sie diese nicht explizit als kardiovaskulären Risikofaktor
bezeichnet hat. Die Diagnose einer fraglichen hypertrophen obstruktiven
Kardiomyopathie stellt bestenfalls eine Verdachtsdiagnose dar. Verdachtsdiagnosen
sind nicht geeignet, eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu belegen. Die
internistische Gutachterin hat dieser Diagnose daher zu Recht keine Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit zugemessen, zumal anlässlich der Untersuchung klinisch kein
Anhalt für eine Herzinsuffizienz bestanden hat (vgl. die RAD-Stellungnahme vom
31. Oktober 2018, IV-act. 178).
6.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/29
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Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat weiter angeführt, der
neurologische Gutachter (recte: orthopädische Gutachter) habe zur MRI-Untersuchung
vom März 2018 festgehalten, bei der Brust- und Lendenwirbelsäule sei ein Kontakt
zum Myelon bzw. zur Nervenwurzel ausgewiesen worden. Weshalb er später nur noch
einen möglichen Neurokontakt genannt habe, sei unbegründet. Somit sei nicht
überwiegend wahrscheinlich, dass bei einer vollen Arbeitstätigkeit nicht wesentlich
ernstere, belastungsbedingte Rückenbeschwerden aufträten, insbesondere auch bei
überwiegend sitzenden Tätigkeiten, wie sie für zumutbar gehalten worden seien. Der
orthopädische Gutachter hat in Bezug auf die MRI-Untersuchung die bildgebenden
Befunde zunächst lediglich zitiert; er hat also nicht in eigenen Worten festgehalten,
dass ein Kontakt zum Myelon bzw. zur Nervenwurzel ausgewiesen worden sei (vgl. IV-
act. 164-46). Bei der im Rahmen der orthopädischen Beurteilung festgehaltenen
Angabe eines möglichen Neurokontakts ist davon auszugehen, dass der orthopädische
Sachverständige die bildgebenden Befunde lege artis interpretiert hat. Der Einwand
des Rechtsvertreters vermag deshalb keine Zweifel am orthopädischen Gutachten zu
wecken.
6.4.
Im Weiteren hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend gemacht, im
psychiatrischen Teilgutachten sei erwähnt worden, dass die Beschwerdeführerin
Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Vergesslichkeit seit vielen Jahren genannt und dies auf
die HIV-Infektion zurückgeführt habe. Dr. C._ habe am 26. Januar 2018 eine HIV-
Infektion CDC Stadium B3 diagnostiziert, im Gegensatz zum Stadium B2 noch im
infektiologischen Bericht vom 23. März 2018. Eine vollständige Arbeitsfähigkeit sei
aufgrund des Fortschreitens der HIV-Infektion nicht ausgewiesen. Eine entsprechende
Untersuchung durch die PMEDA sei nicht erfolgt. Die Verneinung einer
Wechselwirkung der Diagnosen erweise sich im Gutachten somit ebenfalls als
unbegründet. In der Replik hat er dann angeführt, die Berichte seit 2015 wiesen eine
HIV-Infektion der Kategorie B3 aus, was für eine Verschlechterung spreche. Aus sozial-
bzw. versicherungsrechtlichen Gründen sei dieser Wert unabhängig von der klinischen
Kategorie C als AIDS-definierend zu bewerten (vgl. www.hivleitfaden.de). Zunächst ist
festzuhalten, dass die Akten keinen infektiologischen Bericht vom 23. März 2018
enthalten (möglicherweise hat der Rechtsvertreter den Bericht vom 30. März 2016
gemeint). Wie der Rechtsvertreter selber angegeben hat, weisen die Berichte seit 2015
(mehrheitlich) die Diagnose HIV-Infektion CDC Stadium B3 (IV-act. 107, 111, 113, 114,
115), gelegentlich auch Stadium B2 (IV-act. 108, 118, 145), aus und enthalten damit
keine Hinweise für eine Verschlechterung ab dem Zeitpunkt des frühest möglichen
Rentenbeginns am 1. Oktober 2016. Die internistische Sachverständige hat denn auch
überzeugend festgehalten, die HIV-Infektion sei unter der etablierten Medikation seit
6.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/29
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vielen Jahren stabil. Die Angabe im psychiatrischen Teilgutachten, dass die
Beschwerdeführerin seit vielen Jahren an Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Vergesslichkeit
leide und dies auf die HIV-Infektion zurückführe, basiert auf den Selbstangaben der
Beschwerdeführerin und vermag keine Zweifel an der Beurteilung der internistischen
Sachverständigen zu wecken. Soweit der Rechtsvertreter geltend gemacht hat, in
Bezug auf die HIV-Infektion sei keine Untersuchung durch die PMEDA erfolgt, weshalb
sich die Verneinung einer Wechselwirkung der Diagnosen im Gutachten als
unbegründet erweise, ist entgegenzuhalten, dass die internistische Sachverständige
die HIV-Marker bestimmt hat (IV-act. 164-33). Inwiefern sich die Verneinung der
Wechselwirkung der Diagnosen als unbegründet erweisen soll, ist nicht
nachvollziehbar. Ob eine HIV-Infektion CDC Stadium B3 in anderen Staaten aus sozial-
bzw. versicherungsrechtlichen Gründen als AIDS-definierend bewertet wird (die
entsprechende Angabe auf der vom Rechtsvertreter genannten Webseite bezieht sich
auf die Vereinigten Staaten von Amerika, vgl. https://www.hivleitfaden.de/cms/
index.asp?inst=hivleitfaden&snr=6911&t= CDC+Klassifikation, zuletzt besucht am
19. August 2021), ist in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
irrelevant.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat eingewendet, im psychiatrischen
Teilgutachten falle weiter auf, dass 2011, 2013 und 2015 eine mässige Depression
bzw. eine rezidivierende depressive Episode diagnostiziert und behandelt worden sei.
Die generelle Verneinung einer psychiatrischen Erkrankung sei nicht hinreichend
begründet, auch nicht eine allfällige dauerhafte Remission. Der psychiatrische
Gutachter hat im Begutachtungszeitpunkt keinen Anhalt für eine psychiatrische
Erkrankung mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen können. Er hat dies
im Abschnitt zum psychiatrischen Befund nach AMDP ausführlich begründet.
Ausweislich des unauffälligen objektiven Befunds hat er die in den Vorakten erwähnte
Depression als zurückgebildet bezeichnet. Die Beschwerdeführerin hat dem Gutachter
gegenüber selber angegeben, dass sie vor etwa einem Jahr mit dem Einverständnis
ihres Hausarztes das Antidepressivum abgesetzt habe und sich seither psychisch gut
fühle. Zu berücksichtigen ist auch, dass die in den Vorakten erwähnte Diagnose einer
Depression fachfremd gestellt worden ist. Anhaltspunkte dafür, dass eine
psychiatrische/psychotherapeutische Behandlung stattgefunden hätte, bestehen nicht.
Die Beschwerdeführerin hat vielmehr angegeben, dass sie ca. 2013/2014 im Spital mit
einem Antidepressivum behandelt worden sei, als sie wegen ihrer besorgniserregenden
gesundheitlichen Situation betreffend die Lendenwirbelsäule mit starken Schmerzen
sehr gelitten habe. Eine begleitende Psychotherapie sei damals nicht erfolgt. Entgegen
6.6.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/29
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der Auffassung des Rechtsvertreters hat der psychiatrische Gutachter seine
Beurteilung damit ausreichend begründet.
Im Weiteren hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin gerügt, auch aus der
neuropsychologischen Untersuchung könne keine vollständige Arbeitsfähigkeit
abgeleitet werden. Die Rechtsprechung messe dem testmässigen Erfassen der
Psychopathologie im Rahmen der psychiatrischen Exploration generell nur eine
ergänzende Funktion zu (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2008,
9C_458/2008, E. 4.2). Beschwerdevalidierungstests könnten ergänzend als mögliche
Mosaiksteine der Begutachtung hilfreich sein. Diese seien aber in der Praxis mit Bezug
auf Schmerzleiden noch nicht etabliert (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015,
9C_899/2014, E. 4.2.3). Gemäss dem neuropsychologischen Teilgutachten solle eine
Aggravationstendenz festzustellen gewesen sein. Die übrigen Teilgutachten hätten dies
nicht ausgewiesen, sodass die neuropsychologische Abklärung in diesem Punkt für
sich alleine stehe. Die unterdurchschnittlichen Werte und der IQ von erheblich unter 70
seien zwar festgehalten worden, aufgrund der in der Praxis nicht etablierten
Beschwerdevalidierung sei aber eine höhere Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin angenommen worden. Dies sei unbegründet und widerspreche
auch den obigen Angaben zu den deutlich eingeschränkten Ressourcen in der
Alltagsbewältigung (Spitex, aufsuchende Sozialbegleitung,
erwachsenenschutzrechtliche Vertretung, Sozialhilfeberatung). In der Replik brachte er
ergänzend vor, eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende
Leistungseinschränkung vermöge eine versicherte Gesundheitsschädigung nicht
leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber bestehe,
dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine klar als solche
ausgewiesene Aggravation eindeutig überwögen und die Grenzen eines bloss
verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten seien, ohne dass das
aggravatorische Verhalten auf eine verselbstständigte, krankheitswertige psychische
Störung zurückzuführen sei (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Oktober 2016,
9C_154/2016, E. 4.3). Diese Voraussetzungen seien vorliegend nicht erfüllt. Ferner
machte er geltend, die Fachkompetenz der neuropsychologischen Gutachter Dr. F._
und mag. G._ sei nicht nachgewiesen. Mag. G._ sei zudem im rechtlichen Gehör
vom 11. Januar 2018 nicht unter den vorgesehenen Gutachtern erwähnt worden. Auch
die Tatsache, dass mag. G._ offenbar nur die testpsychologischen Erhebungen
vollzogen habe, während Dr. F._ die restliche neuropsychologische Untersuchung
vorgenommen habe, erscheine als unüblich und sei vor dem Hintergrund des
Analphabetismus und des Bedarfs nach einer französischen Übersetzung stark
fehleranfällig. Die Schlussfolgerungen der neuropsychologischen Untersuchung seien
6.7.
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mit erheblichen Zweifeln behaftet. Zunächst ist festzuhalten, dass die
neuropsychologischen Gutachter Dr. F._ und mag. G._ zum Ergebnis gelangt sind,
dass keine invalidisierende kognitive Störung mit der hierfür gebotenen
Wahrscheinlichkeit zu attestieren sei. Zur Arbeitsfähigkeit haben sie sich nicht
geäussert. Beschwerdevalidierungstests werden in neuropsychologischen Testungen
regelmässig zur Prüfung eines verzerrenden Antwortverhaltens eingesetzt. Die
Gutachter der PMEDA haben in der Stellungnahme vom 17. Oktober 2018 denn auch
darauf hingewiesen, dass die Durchführung von Symptomvalidierungstests als
Qualitätsstandard testpsychologischer Untersuchungen gelte. Auch in den von der
Schweizerischen Vereinigung der Neuropsychologinnen und Neuropsychologen
herausgegebenen Leitlinien für die neuropsychologische Begutachtung wird
empfohlen, die Anstrengungsbereitschaft des Exploranden mit Hilfe von
Beschwerdevalidierungsverfahren zu quantifizieren (vgl. Ziffer 7.4 der Leitlinien,
abrufbar unter https://www.neuropsy.ch/de/fachpersonen
/qualitaetssicherung, zuletzt besucht am 19. August 2021). Ob sich
Beschwerdevalidierungstests bei Schmerzleiden etabliert haben oder nicht, kann
offengelassen werden, da die Beschwerdeführerin nicht an einer somatoformen
Störung leidet. Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters hat nicht nur die
neuropsychologische Untersuchung, sondern auch die orthopädische Untersuchung
Inkonsistenzen und Diskrepanzen aufgezeigt, sodass die Gutachter in der
Konsensbeurteilung angegeben haben, dies spreche für eine Aggravation. Entgegen
dem vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin angeführten Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Oktober 2016, 9C_154/2016, E. 4.3, ist festzuhalten, dass eine
Aggravation das Bestehen einer Gesundheitsbeeinträchtigung, welche die
Arbeitsfähigkeit reduziert, natürlich nicht ohne weiteres ausschliesst; massgebend ist
vielmehr, ob die Gutachter trotz einer Aggravation den objektiv bestandenen
Gesundheitszustand haben erheben können, was vorliegend der Fall gewesen ist. Zur
Beurteilung der Fachkompetenz der neuropsychologischen Gutachter Dr. F._ und
mag. G._ hat das Versicherungsgericht Unterlagen zu deren Aus- und
Weiterbildungen erhalten (act. G 13.2). Mag. G._ hat in Österreich im Jahr 2009 einen
universitären Abschluss in Psychologie erzielt. Eine Bestätigung der Anerkennung des
Hochschulabschlusses in der Schweiz der Psychologieberufekommission des
Bundesamts für Gesundheit liegt vor. Im Weiteren hat er im Jahr 2016 eine
Weiterbildung in Klinischer Neuropsychologie der Gesellschaft für Neuropsychologie
Österreich in Kooperation mit dem Berufsverband Psychologinnen und Psychologen
abgeschlossen. Dr. F._ hat in Deutschland im Jahr 2008 die Anerkennung als
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erhalten. Ausweise über eine
fachspezifische Aus- oder Weiterbildung auf dem Gebiet der Neuropsychologie liegen
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nicht vor. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dient ein Gutachten dazu,
Fachwissen, über welches die Verwaltung oder das Gericht nicht verfügt, in das
Verfahren einzuführen. Die medizinischen Experten müssen deshalb über ein
hinreichendes Fachwissen und über praktische Erfahrung verfügen. Da es sich bei der
Medizin um eine internationale Wissenschaft handelt, muss dieses Fachwissen und die
praktische Erfahrung nicht zwingend in der Schweiz erworben worden sein. Die
Beurteilung des Ausbildungsstands eines medizinischen Experten ist generell nicht
einfach, weshalb im Wesentlichen auf formelle Kriterien wie die vom Arzt erworbenen
Facharzttitel abgestellt werden muss (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020,
8C_767/2019, E. 3.3.2, m.w.H.). Gestützt auf die vorerwähnten Unterlagen ist davon
auszugehen, dass mag. G._ über hinreichende Fachkenntnisse auf dem Gebiet der
Neuropsychologie verfügt, dies im Unterschied zu Dr. F._. In Anbetracht dessen,
dass mag. G._ die testpsychologischen Untersuchungen durchgeführt hat und die
neuropsychologische Beurteilung durch beide Gutachter erfolgt ist, ist es als
ausreichend zu betrachten, dass ein Sachverständiger über das nötige Fachwissen
verfügt hat. Auch wenn die von Dr. F._ und mag. G._ gewählte Vorgehensweise als
unüblich erscheinen mag, liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Beurteilung im
neuropsychologischen Teilgutachten nicht lege artis erfolgt wäre. Zutreffend ist, dass
mag. G._ in der Mitteilung vom 11. Januar 2018 (IV-act. 137) nicht als vorgesehener
Gutachter erwähnt worden ist. Der Rechtsvertreter hat jedoch weder im
Vorbescheidverfahren noch im Beschwerdeverfahren Einwendungen gegen mag. G._
vorgebracht, die gegen eine unabhängige Beurteilung durch mag. G._ gesprochen
hätten. Er hat einzig vorgebracht, dass mag. G._ nicht auf der Liste der
FachpsychologInnen für Neuropsychologie FSP mit einer jährlichen kontrollierten
Fortbildung der Schweizerischen Vereinigung der Neuropsychologinnen und
Neuropsychologen SVPN aufgeführt sei. Wie bereits ausgeführt, verfügt mag. G._
über die erforderlichen neuropsychologischen Fachkenntnisse; eine jährliche Teilnahme
an einer Fortbildung des SVPN ist für eine gutachterliche Tätigkeit nicht erforderlich.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einwände des Rechtsvertreters gegen das
neuropsychologische Teilgutachten keine Zweifel am Gutachten zu wecken vermögen.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat schliesslich vorgebracht, die
Gutachter hätten nicht nachgefragt oder vertieft abgeklärt, inwieweit die
Beschwerdeführerin aus invaliditätsrelevanten Gründen Aufgaben nicht oder falsch
verstanden, im Alltag vorhandene Schmerzen, Unwohlsein und Müdigkeit bei der
Begutachtung unterdrückt und eine selbstständige Lebensführung dissimuliert habe.
Nicht nachvollziehbar sei, dass die Versicherte eine "angepasste" Tätigkeit, die
zwangsläufig Hilfsarbeitercharakter habe und repetitiv sei, solle ausführen können. Ein
6.8.
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Widerspruch bestehe darin, dass in der neurologischen Untersuchung vom
27. September 2017 die Kooperationsbereitschaft vermindert gewesen sei, was für
eine krankheitsbedingte Symptomatik spreche. Im Gutachten sei die
Beschwerdeführerin mehrfach als kooperativ gelobt worden, obwohl ihr gleichzeitig ein
inkonsistentes Verhalten vorgeworfen worden sei. Ob die Beschwerdeführerin in der
neurologischen Untersuchung vom 27. September 2017 kooperativ gewesen ist oder
nicht, ist hinsichtlich des Beweiswerts des Gutachtens nicht massgebend. Eine
allfällige mangelnde Kooperation allein spricht auch nicht für eine krankheitsbedingte
Symptomatik. Inkonsistentes Verhalten und Kooperation sind voneinander zu
unterscheidende Verhaltensweisen einer Person. Auch bei einer guten Kooperation
kann eine Person ein inkonsistentes (unter Umständen bewusstseinsfernes) Verhalten
zeigen. Im Gutachten ist deshalb kein Widerspruch ersichtlich. Für die Gutachter hat
kein Anlass bestanden, bei der Beschwerdeführerin vertieft abzuklären, ob sie
Aufgaben nicht oder falsch verstanden oder ihren Gesundheitszustand zu optimistisch
dargestellt habe. Anhaltspunkte dafür hat es nämlich offenkundig nicht gegeben. Die
Gutachter haben eine körperlich leichte, wechselbelastende oder überwiegend sitzend
ausgeübte Tätigkeit als zumutbar erachtet. Körperlich schwere Tätigkeiten und
Arbeiten mit häufigen Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule und Arbeiten mit
häufigem Armeinsatz über der Horizontalen haben sie ausgeschlossen. Selbst wenn
eine Hilfsarbeiterinnentätigkeit repetitiv sein sollte, ist dies mit dem formulierten
Tätigkeitsprofil vereinbar; eine repetitive Tätigkeit muss nämlich nicht mit der Einnahme
einer Zwangshaltung verbunden sein.
Es bleibt zu prüfen, ob die Berichte von Dr. C._ vom 20. August 2018 (IV-
act. 173-15) und vom 19. November 2018 (act. G 9.1) Zweifel am Gutachten wecken. In
Bezug auf die Attestierung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit durch Dr. C._ im
Bericht vom 20. August 2018 kann auf die Ausführungen in der Erwägung 5.2
verwiesen werden. Betreffend die Einlassungen von Dr. C._ zur
neuropsychologischen Untersuchung – Dr. C._ hatte festgehalten, obwohl er bei den
Erhebungen hochpathologische Werte sehe und obwohl ein Gesamt-IQ von 50
errechnet worden sei, der stark pathologisch sei, seien die Resultate bagatellisiert
worden – haben die Gutachter der PMEDA in der Stellungnahme vom 17. Oktober
2018 überzeugend festgehalten (IV-act. 177), diese Ausführungen von Dr. C._ seien
irreführend, da die Untersuchung Anhaltspunkte für ein verfälschendes
Antwortverhalten ergeben habe. Darauf ist zu verweisen. Der Bericht vom
19. November 2018 enthält sodann keine neuen Diagnosen oder medizinische
Befunde, die auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der
Begutachtung durch die PMEDA hinweisen würden.
6.9.
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7.
Es bleibt der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich zu
prüfen. Das Valideneinkommen besteht in einem durchschnittlichen Einkommen einer
Hilfsarbeiterin (vgl. E. 4). Da die Beschwerdeführerin keinen Beruf erlernt hat, besteht
die Invalidenkarriere ebenfalls in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin. Der Betrag der
Vergleichseinkommen kann daher mathematisch keine Rolle spielen; der
Invaliditätsgrad ist anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen. Er
entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen zusätzlichen
Abzug. Der Arbeitsfähigkeitsgrad beträgt vorliegend an einem adaptierten Arbeitsplatz
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 100%. Der Rechtsvertreter
hat vorgebracht, die Beschwerdeführerin sei Analphabetin. Ausserdem sei HIV bei
Arbeitgebern ein Hindernis. Soweit er damit geltend macht, die Restarbeitsfähigkeit sei
nicht verwertbar, ist festzuhalten, dass eine HIV-Infektion in den allermeisten
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einwände des Rechtsvertreters, das
Schreiben der Spitex vom 3. August 2018 und die Berichte von Dr. C._ vom
20. August 2018 und 19. November 2018 keine Zweifel am Gutachten wecken. Damit
steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom
13. Dezember 2018 in adaptierten Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig gewesen ist. Das
Tätigkeitsprofil besteht in einer körperlich leichten, wechselbelastend oder
überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit. Körperlich schwere Tätigkeiten und
Arbeiten mit häufigen Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule und Arbeiten mit einem
häufigen Armeinsatz über der Horizontalen sind ausgeschlossen. Aufgrund des
geringen Bildungsniveaus sind Tätigkeiten, die das Lesen und Schreiben erfordern,
ebenfalls ausgeschlossen. Retrospektiv haben die Gutachter der PMEDA eine
qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit seit dem Jahr 2011 (Spondylodese)
attestiert. Sie haben angegeben, in der Folge sei es jedoch zu Komplikationen und zu
mehrfachen Schultergelenksbehandlungen gekommen, sodass vorangehend
zumindest passager/phasenweise auch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden
haben werde, was sich jedoch nicht näher zeitlich eingrenzen oder quantifizieren lasse.
Auch für die Zeit vor dem Jahr 2011 haben gemäss den Gutachtern Behandlungen
stattgefunden (HIV assoziiert, Oberschenkelhalsfraktur), die eine passagere/
phasenweise höhergradige Arbeitsunfähigkeit bedingt haben, was sie jedoch ebenfalls
nicht näher zeitlich haben eingrenzen oder quantifizieren können. Nachdem selbst die
Gutachter die Dauer und die Höhe der bestandenen Arbeitsunfähigkeit nicht haben
festlegen können, ist diesbezüglich von einer objektiven Beweislosigkeit auszugehen,
deren Folge die Beschwerdeführerin zu tragen hat.
6.10.
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Tätigkeiten kein Hindernis zu deren Ausübung darstellt. Davon ausgenommen sind
Tätigkeiten, die eine Infektionsgefahr für Dritte beinhalten, was bei einer
Hilfsarbeiterinnentätigkeit in der Regel nicht zutreffen dürfte. Der Analphabetismus ist
ein Faktor, der zwar auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt ein Hinderungsgrund sein
kann, um eine Arbeitsstelle zu finden. Auf dem (fiktiven) allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt können angepasste Hilfsarbeiten bei einer ausreichenden
Instruktion durch den Vorgesetzten aber ohne weiteres von Analphabeten ausgeführt
werden. Invalidenversicherungsrechtlich ist dieser Faktor – zur Vermeidung einer
Vermengung von Invalidität und Arbeitslosigkeit – daher nicht massgebend. Die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist somit zu bejahen. Ob die
Beschwerdeführerin mit indirekten Lohnnachteilen zu rechnen hätte, die einen
zusätzlichen Abzug vom zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommen
rechtfertigen würden (sog. Tabellenlohnabzug), kann vorliegend offenbleiben. Selbst
bei einer grosszügigen Betrachtungsweise würde dieser Abzug nämlich sicher nicht
mehr als 10% betragen, womit der Invaliditätsgrad 10% betragen würde. Ein
Rentenanspruch resultiert damit nicht.
8.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
8.1.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Entschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat
keine Honorarnote eingereicht. In einem durchschnittlich aufwändigen
Beschwerdeverfahren betreffend einen Rentenanspruch spricht das
Versicherungsgericht eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- zu. Da es
sich vorliegend um ein durchschnittlich aufwändiges Beschwerdeverfahren handelt,
erweist sich eine pauschale Entschädigung von Fr. 4'000.-- als angemessen. Diese ist
8.2.
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