Decision ID: 38b05850-8776-4a0d-a42d-2b5e0dd1fc29
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A.
A und B führten bis ca. April 2021 eine mehrjährige Beziehung. Bis zum Auszug von B am 18. Juni 2021 lebten sie gemeinsam in einer Wohnung in C (Gemeinde D).
Mit Verfügung vom 27. Mai 2021 ordnete die Kantonspolizei Zürich in Anwendung des Gewaltschutzgesetzes vom 19. Juni 2006 (GSG) gegenüber A für die Dauer von jeweils 14 Tagen die Wegweisung aus der Wohnung in C, ein Rayonverbot betreffend diese sowie den Arbeitsort von B in E sowie ein Kontaktverbot zu B an.
B.
Mit Eingabe vom 28. Mai 2020 [recte: 2021] ersuchte B den Haftrichter am Bezirksgericht Bülach um Verlängerung der Schutzmassnahmen. Mit Verfügung vom 9. Juni 2021 verlängerte der Haftrichter antragsgemäss die Wegweisung und das Rayonverbot bis 18. Juni 2021 sowie das Kontaktverbot bis 10. September 2021 – dies vorläufig, mithin ohne vorgängige Anhörung von A oder B. Die Kosten auferlegte der Haftrichter A.
C.
Mit Einsprache vom 11. Juni 2021 beantragte A beim Bezirksgericht Bülach die Aufhebung der Verfügung vom 9. Juni 2021 bzw. der Schutzmassnahmen. Am 16. Juni 2021 hörte die Haftrichterin die Parteien getrennt an. Mit Urteil vom 17. Juni 2021 verlängerte die Haftrichterin das Kontaktverbot bis 10. September 2021. Davon ausgenommen seien Verhandlungen vor Gerichten und Termine, zu denen die Parteien von Behörden vorgeladen würden (Dispositivziffer 2). Die Wegweisung und das Rayonverbot verlängerte die Haftrichterin demgegenüber nicht (Dispositivziffer 1). Die Gerichtskosten nahm sie auf die Gerichtskasse, Parteientschädigungen sprach sie keine zu (Dispositivziffern 5 und 6).
II.
In der Folge wandte sich A mit als "Gesuch um: Erläuterung und Berichtigung" bezeichneter Eingabe vom 20. Juni 2021 abermals an das Bezirksgericht Bülach und ersuchte dieses um Erläuterung und Berichtigung des Urteils vom 17. Juni 2021 sowie um Akteneinsicht. Die Kosten seien auf die Staatskasse zu nehmen. Mit Verfügung vom 5. Juli 2021 wies die Haftrichterin sowohl das Begehren um Berichtigung (Dispositivziffer 1) als auch das Begehren um Erläuterung (Dispositivziffer 2) des Urteils vom 17. Juni 2021 ab. Zugleich setzte sie A eine Frist von fünf Tagen ab Zustellung der Verfügung an, um zu erklären, ob seine Eingabe vom 20. Juni 2021 ebenfalls als Beschwerde gegen das Urteil vom 17. Juni 2021 entgegenzunehmen sei. Bei Säumnis würde die Eingabe zur Behandlung als Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergeleitet (Dispositivziffer 3). Die Entscheidgebühr von Fr. 300.- (Dispositivziffer 4) auferlegte die Haftrichterin A (Dispositivziffer 5), Parteientschädigungen sprach sie keine zu (Dispositivziffer 6).
III.
A.
A gelangte daraufhin mit Beschwerde vom 20. Juni 2021 (Datum des Poststempels vom 14. Juli 2021, Eingang am 15. Juli 2021) an das Verwaltungsgericht und stellte folgende Rechtsbegehren:
" 2.1 a) Punkt 2 des Dispositivs sei aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei festzustellen, dass die Vorinstanz bereits eine Erläuterung abgegeben hat und folglich das Gesuch nicht abgewiesen wurde.
b) Eventualiter sei der angefochtene Punkt aufzuheben, weil das Dispositiv vom 17. Juni 2021 Widersprüche enthält und folglich die Voraussetzungen für das Eintreten erfüllt sind. Zur Behandlung sei die Sache an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
c)
Subeventualiter sei das Gesuch um Erläuterung als Beschwerde entgegenzunehmen und weiterzuleiten.
2.2 Punkt 1 des Dispositivs sei aufzuheben und zur Bearbeitung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Bei Punkt 5. des Urteils vom 17. Juni 2021 "Kosten- und Entschädigungsfolgen" sei der Wortlaut zu korrigieren in:
Vorliegend wird die mit Verfügung der Kantonspolizei vom 27. Mai 2021 (Geschäfts-Nr. 01) ausgesprochene Wegweisung und das Betretverbot (Rayonverbot gemäss Planbeilage der Verfügung vom 27. Mai 2021) nicht verlängert, lediglich das Kontaktverbot ist zu verlängern.
Die Korrektur der Redaktionsfehler sei dann vorzunehmen, wenn auf Punkt 2.1
oder 2.2 in irgendeiner Form eingetreten wurde und der Entscheid ohnehin überarbeitet werden muss.
2.3 Punkt 4. des Dispositivs sei aufzuheben. Die Vorinstanz sei anzuweisen das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zu prüfen.
2.4 Für gewöhnlich werden Beschwerden gegen Erläuterungs- und Berichtigungsgesuche kassatorisch behandelt, die Rechtsbegehren sind dahingehend formuliert. Für den Fall einer reformatorischen Behandlung würden sie sinngemäss gelten.
2.5 Unter Kostenfolge der Gesuchsgegnerin"
Daneben ersuchte A auch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.
B.
Mit Präsidialverfügung vom 20. Juli 2021 zog das Verwaltungsgericht die Akten bei, unter Hinweis darauf, dass das Bezirksgericht Bülach die Eingabe des Beschwerdeführers vom 20. Juni 2021 gemäss Dispositivziffer 3 der Verfügung vom 5. Juli 2021 bis dato nicht weitergeleitet habe.
Der Einzelrichter

erwägt:
1.
Gegen die Abweisung eines Erläuterungs- und/oder Berichtigungsbegehrens ist dasjenige Rechtsmittel zulässig, welches gegen die zugrundeliegende Anordnung gegeben gewesen wäre (Martin Bertschi in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014 [Kommentar VRG], Vorbemerkungen zu §§ 86–86d N. 26 f.). Gemäss
§ 11a Abs. 1 GSG ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des Haftrichters oder der Haftrichterin in Angelegenheiten des Gewaltschutzgesetzes das Verwaltungsgericht zuständig. Beschwerden im Bereich dieses Erlasses werden von der Einzelrichterin oder dem Einzelrichter behandelt, sofern sie nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung der Kammer überwiesen werden (§ 38b Abs. 1 lit. d Ziff. 4 und Abs. 2 in Verbindung mit § 43 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]). Dies ist vorliegend nicht der Fall, sodass der Einzelrichter zum Entscheid berufen ist.
2.
2.1
Die Haftrichterin erwog in der Verfügung vom 5. Juli 2021, der Beschwerdeführer habe im Rahmen seiner Eingabe vom 20. Juni 2021 auch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügt. Eine solche Verletzung sei jedoch nicht mittels Begehren um Erläuterung oder Berichtigung, sondern mittels Beschwerde beim
Verwaltungsgericht geltend zu machen. Es sei unklar, ob der Beschwerdeführer mit seiner Eingabe vom 20. Juni 2021 auch Beschwerde gegen das Urteil vom 17. Juni 2021 erheben wolle, für deren Behandlung das Verwaltungsgericht zuständig wäre. Dem Beschwerdeführer sei daher Frist anzusetzen, um sich hierzu zu äussern. Bei Säumnis sei die Eingabe an das Verwaltungsgericht weiterzuleiten. Für die Einhaltung der Fristen sei der Zeitpunkt der Einreichung bei der unzuständigen Behörde massgebend.
Dass sich der Beschwerdeführer daraufhin gegenüber der Haftrichterin hätte vernehmen lassen, kann den vorinstanzlichen Akten nicht entnommen werden. Dennoch leitete die Haftrichterin die
Eingabe vom 20. Juni 2021 – entgegen der angedrohten Säumnisfolge – nach Ablauf der mit
Dispositivziffer 3 der Verfügung vom 5. Juli 2021 angesetzten Frist nicht an das Verwaltungsgericht weiter (vorn III.).
2.2
Abgesehen von der gerügten Gehörsverletzung ergeben sich aus der Eingabe des Beschwerdeführers
vom 20. Juni 2021 keinerlei Anhaltspunkte, dass er damit mehr als die blosse Erläuterung und Berichtigung des Urteils vom 17. Juni 2021 anbegehrte, nämlich auch Beschwerde gegen dieses Urteil erheben wollte. Augenfälligste Indizien hierfür sind die gewählte Bezeichnung als