Decision ID: d58b157f-7fb1-4b5c-8d9b-c422e2ac66c5
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andres Büsser, Marktgasse 20, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 23. Dezember 2009 wegen eines am 17. Juni 2002
erlittenen Schleudertraumas zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an
(Rente [act. G 4.1/4]). Am 2. Juli 2002 diagnostizierte Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Neurochirurgie, Zervikalgien bei Instabilität C7/Th1 bei Status nach Sturz mit
Rollschuhen Ende Februar 2002 sowie Zervikalgien und Zervikobrachialgie beidseits
linksbetont bei medianer Diskushernie C5/C6 und Spinalkanalstenose C5/C6 und C6/
C7 bei Status nach Autounfall am 17. Juni 2002 (act. G 4.1/7.4). Am 19. September
2008 erlitt die Versicherte einen weiteren Autounfall. Der von der Unfallversicherung
bestellte Gutachter Dr. med. C._, Facharzt FMH für Neurologie, diagnostizierte in
seinem Gutachten vom 26. Mai 2008 im Wesentlichen Cervikobrachialgien bei leichten
degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule mit Diskusprotrusion sowie relativer
Enge des Spinalkanals und einen Status nach Distorsionstrauma der Halswirbelsäule.
Die noch vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien nicht auf den Unfall
zurückzuführen (Fremdakten G 4.2, S. 12 des Gutachtens). Ein weiteres von der
Unfallversicherung eingeholtes interdisziplinäres (neurologisch/rheumatologisch/
otologisch/neuropsychiatrisch) Gutachten der Gutachterstelle Solothurn (GutSo) vom
19. Oktober 2010 ergab unter anderem das Vorliegen eines chronischen
zervikovertebralen, zervikozephalen und zervikobrachialen, rechtsbetonten
Schmerzsyndroms bei Spondylarthrose C2/3 und diversen Discopathien sowie einer
schweren depressiven Störung (F33.2). Auch die GutSo kam zum Schluss, dass die
noch vorhandenen Beschwerden nicht mehr auf die beiden Autounfälle zurückzuführen
seien (Fremdakten G 4.2, S. 63 des Gutachtens).
A.b Am 9. März 2010 fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt. Die
Abklärungsperson kam zum Schluss, dass die 1973 geborene Versicherte heute ohne
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Gesundheitsschaden auf Grund des Alters ihrer Kinder (geb. 1994,1996 und 1999) zu
100 % ausserhäuslich erwerbstätig wäre (act. G 4.1/26.9).
A.c Nachdem aus Sicht des RAD Ostschweiz eine Beschreibung der
Funktionsausfälle und Ressourcen fehlte sowie die Diagnose einer schweren
Depression im Gutachten der GutSo ungenügend befundet war, ordnete die IV-Stelle
St. Gallen eine eigene polydisziplinäre (internistisch/orthopädisch/psychiatrisch)
Begutachtung an (act. G 4.1/32 f.). Die Gutachter der beauftragten Medas Ostschweiz
diagnostizierten in ihrem Gutachten vom 24. Mai 2011 eine Spondylose C5 - C7 mit
Bewegungseinschränkung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten
sie unter anderem eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Anteilen (F45.41). Schwere depressive Störungen würden derzeit anamnestisch negiert.
Auf Grund der festgestellten Befunde ergebe sich eine dahingehende Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit, dass das Aufnehmen von Böden von Hand nur für wenige
Quadratmeter möglich sei und keine länger dauernden Fensterreinigungen über
Kopfhöhe ausgeführt werden könnten. Es sollten auch nicht wiederholt Lasten über
15 kg gehoben werden. Die zur Zeit anfallenden Reinigungsarbeiten in zwei Haushalten
seien als leicht einzustufen und zumutbar (act. G 4.1/38.22). Der RAD erachtete in der
Folge leichte Reinigungsarbeiten ohne längere Zwangshaltungen in Reklination des
Kopfes und ohne wiederholtes Lastenheben über 15 kg als vollschichtig zumutbar (act.
G 4.1/42.2).
A.d Mit Feststellungsblatt vom 8. Juli 2011 ging die IV-Stelle davon aus, dass die Ver
sicherte sowohl als Gesunde in ihrer angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin als
auch in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit ein Einkommen auf dem Niveau 4 der
LSE (Fr. 51'368.--) erzielen könne und damit ein Invaliditätsgrad von 0 % resultiere (act.
G 4.1/43). Entsprechend verfügte sie am 29. September 2011 die Abweisung des
Rentengesuchs (act. G 4.1/50).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 31. Oktober
2011 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die
Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, durch ein unabhängiges polydisziplinäres
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fachmedizinisches Gutachten die funktionale Leistungsfähigkeit der Versicherten
abzuklären. Eventualiter habe das Gericht diese Abklärung vorzunehmen. Der
Beschwerdeführerin seien sodann die gesetzlichen Leistungen ab gesetzlichem
Zeitpunkt zu gewähren. Entgegen der Ansicht der Medas-Gutachter gingen die
Gutachter der Unfallversicherung sehr wohl von einem komplizierten limitierenden und
behandlungsbedürftigen Beschwerdekomplex aus, wenn sie diesen auch nicht auf den
Unfall vom 17. Juni 2002 zurückführten. Dass also limitierende Beschwerden vorlägen,
sei allen Gutachtern - bis auf jene der Medas - klar. Dass die Beschwerden nach den
Gutachtern der Unfallversicherung nicht unfallkausal seien, sei für die IV irrelevant.
Obwohl die Medas-Gutachter offenbar eine quantitativ unklare Einschränkung der
Leistungsfähigkeit aus somatischen Gründen erkannt hätten, halte der RAD und die
Beschwerdegegnerin die Versicherte für uneingeschränkt und voll leistungsfähig. Dies
sei aktenwidrig und eine falsche Würdigung des Medas-Gutachtens. Schliesslich liege
auf der Hand, dass die von Prof. Dr. med. D._ (Klinik und Poliklinik für
Anästhesiologie und Schmerztherapie am Inselspital Bern) und von der GutSo in den
Gutachten vom 8. April 2008 bzw. 19. Oktober 2010 diagnostizierte schwere
depressive Störung nicht einfach verschwunden sei. Es sei aktenkundig, dass die
Beschwerdeführerin abhängig von den Schmerzen mehr oder weniger stark an
Depressionen leide (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2012 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Der orthopädische Gutachter (Dr. E._) habe ausgeführt,
das Ausmass der degenerativen Veränderungen liege etwa im Rahmen der
altersentsprechenden Norm. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit habe Dr. E._ auf eine
vollschichtige Arbeitsfähigkeit in leichten Reinigungsarbeiten geschlossen. Dabei seien
längere Zwangshaltungen in Reklination des Kopfes und ein wiederholtes Lastenheben
über 15 kg zu vermeiden. Diese Einschätzung erscheine plausibel und nachvollziehbar.
In Bezug auf die vom psychiatrischen Gutachter (Dr. F._) diagnostizierte chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen finde die
bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend somatoforme Schmerzstörung
Anwendung. Wie Dr. F._ ausführe, seien die Foerster-Kriterien nicht in genügendem
Ausmass erfüllt. Aus psychiatrischer Sicht beständen keine Befunde von
Krankheitswert und es liege keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor. Die
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gutachterlichen Schlussfolgerungen seien plausibel begründet und hielten der
Rechtsprechung zur Unüberwindbarkeit der Schmerzsymptomatik stand (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 28. Februar 2012 weist der Rechtsvertreter nochmals darauf hin,
dass die Beschwerdeführerin nicht einfach eine Rente verlange, sondern vielmehr eine
gesetzmässige Abklärung des Beschwerdebildes und der erforderlichen IV-Leistungen,
die durchaus auch in geeigneten Heilbehandlungen oder Schmerzlinderungstherapien
bestehen könnten. Die Beschwerdegegnerin habe dazu nichts verfügt und sie äussere
sich in der angefochtenen Verfügung auch nicht dazu. Darin liege eine Verletzung des
Grundsatzes Eingliederung vor Rente aber auch des rechtlichen Gehörs und des
Untersuchungsgrundsatzes. Selbstverständlich bleibe auch die Rentenfrage im Raum.
Der medizinische Sachverhalt sei nicht vollständig abgeklärt. So sei aus dem
Gutachten von Dr. G._ der GutSo zu schliessen, dass wegen der schweren
chronischen Depression eine behindernde Auswirkung auf die Erwerbsfähigkeit
bestehen bleibe, die beachtlich hoch sei. Näher abgeklärt worden sei dies aber nicht.
Die somatischen Einschränkungen seien durch sämtliche Gutachten, inklusive jenes
der Medas, ausgewiesen. Bisher nicht geklärt worden sei jedoch die effektive
Auswirkung der limitierenden somatischen Beschwerden. Unzutreffend sei die
Schlussfolgerung von Dr. E._, wonach leichte Reinigungsarbeiten vollschichtig
zumutbar seien. Gleichzeitig erwähne er, es dürften keine längeren Zwangshaltungen in
Reklination des Kopfes und kein wiederholtes Lastenheben über 15 kg vorkommen.
Zwangshaltungen des Nackens seien bei Reinigungsarbeiten offensichtlich
unvermeidlich. Das gelte für sämtliche Reinigungsarbeiten, die über dem
Schulterbereich stattfänden, was für Reinigungsarbeiten in der Raumpflege überall
zutreffe (Staubwischen, Fensterputzen, Gestelle reinigen etc.). Auch wiederholtes
Lastentragen über 15 kg gehöre zum Alltag bei Reinigungsarbeiten. Die zusätzlichen
psychischen Beschwerden seien hier noch nicht einmal berücksichtigt. Im Unterschied
zum Medas-Gutachten habe das GutSo-Gutachten klar erkannt, dass die Versicherte
zusätzlich an einer schweren depressiven Störung leide. Es treffe nicht zu, dass
Dr. G._ diese Störung mit Eheproblemen in Zusammenhang gebracht habe. Im
Gegenteil seien die Eheprobleme aus den psychischen Problemen, den Schuldgefühlen
und dem krankheits- und schmerzbedingten Rückzug der Beschwerdeführerin aus
dem Familienleben entstanden (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Duplik (act. G 10).
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Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2012 sind die im Zug des ersten Teils der 6. Revision revidierten
Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20),
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) in Kraft getreten. Der zu beurteilende Sachverhalt geht zurück auf das Jahr
2002, wobei die IV-Anmeldung erst im Dezember 2009 erfolgte. Da sich die Definition
der Invalidität und die damit zusammenhängenden Begriffe mit der genannten Revision
nicht geändert haben, werden nachfolgend die seit dem 1. Januar 2012 gültigen
Bestimmungen wiedergegeben.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine
Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
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und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten (BGE 125 V 351 E. 3b).
1.4 Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn
die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge einleuchtet und
die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
2.1 Die Medas-Begutachtung wurde namentlich wegen der aus RAD-Sicht
ungenügend mit psychopathologischen Befunden dokumentierten schweren
depressiven Störung, die von der GutSo diagnostiziert worden war, in Auftrag gegeben.
Zudem fehlte dem RAD eine Stellungnahme zu den Auswirkungen der diagnostizierten
Depression auf die Arbeitsfähigkeit. Nachdem das Medas-Gutachten diesbezüglich
umstritten ist, ist zunächst darauf einzugehen. Dr. G._ von der GutSo diagnostizierte
in seinem Gutachten vom 19. Oktober 2010 eine seit Monaten bestehende schwere
Depression ohne psychotische Symptome (F33.2) und stellte in der Folge eine massive
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fest. Demgegenüber stellte der psychiatrische
Gutachter der Medas, Dr. F._, in seinem Bericht vom 13. April 2011 keine
schwerwiegenden depressiven Befunde mehr fest. Vielmehr stellte er - wie auch die
GutSo - eine Schmerzstörung fest, die er als chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Anteilen (F45.41) diagnostizierte. Entgegen der
Auffassung des Rechtsvertreters ist tatsächlich von einer Verbesserung des
psychischen Gesundheitszustands auszugehen. So standen anlässlich der
Untersuchung durch Dr. G._ namentlich die damals bestehenden Eheprobleme im
Vordergrund. Der Gutachter führte aus, die Beschwerdeführerin habe über die längsten
Phasen der Exploration geweint, im Besonderen als sie die offensichtlich als
dramatisch und erniedrigend empfundene Lebensphase, als sich der Ehemann von ihr
habe trennen wollen, geschildert habe. Trotz Beizugs einer Dolmetscherin scheint der
Gutachter bei der Erhebung der Anamnese Mühe gehabt zu haben, relativiert er doch
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die entsprechenden Passagen immer wieder mit Formulierungen wie "soweit der
Untersucher das richtig verstanden hat" (Gutachten S. 38), "so gemäss Übersetzung
der Dolmetscherin" (S. 37), "so gemäss Beschreibung" (S.38). Die Erhebung des
eigentlichen Psychostatus, im Besonderen die Einschätzung der Affektivität und der
Stimmung, erachtete er auf Grund der Übersetzerdienste als sehr erschwert. Auch
konnte er zu anderen psychischen Funktionen, abgesehen von der Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin bewusstseinsklar und voll orientiert sei, nichts Verbindliches
sagen. Letztlich scheint sogar die Diagnose einer schweren Depression auf dem
Eindruck der Übersetzerin, die offensichtlich Erfahrung im Umgang mit ähnlichen
Situationen habe und die Beschwerdeführerin als deutlich depressiv und im affektiven
Rapport eingeschränkt erlebe, zu beruhen (act. G 4.2 S. 46 f. des Gutachtens).
2.2 Demgegenüber erwähnte Dr. F._ eingangs die guten Deutschkenntnisse der
Beschwerdeführerin, die ein einwandfreies Interview ermöglicht hätten. Die noch im
Vorgutachten thematisierten Eheprobleme und die darauf beruhende starke
Verunsicherung der Beschwerdeführerin scheinen sich nun zurückgebildet zu haben,
konnte Dr. F._ doch keine diesbezüglichen Angaben der Beschwerdeführerin
erheben. Insbesondere kann nicht davon ausgegangen werden, die
Beschwerdeführerin sei angesichts der Anwesenheit des Ehemanns in der freien
Schilderung ihrer Situation gehemmt gewesen. So beschreibt der Gutachter die
Atmosphäre beim Interview als freundlich und angenehm. Die Beschwerdeführerin
habe sich gerne unterhalten und sei ohne Zögern auf die gestellten Fragen
eingegangen. Zudem sei teilweise auch der Ehemann miteinbezogen worden. Im
Gegensatz zur Voruntersuchung zeigte sich die Beschwerdeführerin nun gut gelaunt
und es konnte ein guter affektiver Rapport hergestellt werden. Nicht relevant ist, ob die
auch von Dr. F._ für die Vergangenheit beschriebenen passageren depressiven
Episoden Folge oder Ursache der angegebenen Eheprobleme waren, müsste doch
auch in letzterem Fall - wovon die Beschwerdeführerin im Gegensatz zu Dr. F._
ausgeht - vom (nunmehrigen) Fehlen der Folge auf ein Fehlen der Ursache geschlossen
werden. Im Übrigen erachtete auch die GutSo die psychische Störung als Folge der
innerfamiliären Interaktion, die in gewissem Umfang durch kulturspezifische Faktoren
begünstigt werde (Gutachten S. 71). Weiter ergaben auch die von Dr. F._
durchgeführten Tests keinen eindeutigen Hinweis auf das Vorliegen einer (schweren)
depressiven Störung. Die HAD-Skala (Selbstbeurteilungsskala) ergab bei den
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Symptomgruppen Angst und Depression einen Wert von 12 bzw. 10 bei einer
Höchstpunktzahl von je 21. Dies weise auf eine Angststörung und einen Verdacht auf
eine depressive Störung (im Grenzbereich) hin. Der Gutachter führte dieses Resultat
auf die Schmerzempfindung zurück. Bei der Hamilton-Depressionsskala
(Fremdbeurteilungsskala) ergab sich eine Punktzahl von 6, was eine depressive
Störung im Sinn der ICD-10-Klassifikation ausschliesse, zumal die vereinzelten
depressiven Symptome nicht über eine Zeitspanne von 2 Wochen andauernd
vorhanden seien (act. G 4.1/38.33 ff.).
2.3 Nachdem die Beschwerdeführerin bislang nicht in psychiatrischer Behandlung
war - also keine Angaben behandelnder Fachärzte bestehen - und die Ausführungen
Dr. G._ durch das Gutachten von Dr. F._ nicht bestätigt werden konnten, erscheint
der psychiatrische Sachverhalt als genügend abgeklärt. Soweit nicht von einem
tatsächlich gebesserten psychischen Gesundheitszustand auszugehen ist, erscheinen
die Ausführungen Dr. G._ jedenfalls nicht plausibler als diejenigen Dr. F._, zumal
letzterer offenbar einen besseren Zugang zur Beschwerdeführerin erreichen konnte.
Daran vermag schliesslich auch nichts zu ändern, dass bereits der Anästhesiologe
Dr. D._ vom Inselspital Bern in seinem Gutachten vom 8. April 2008 eine Depression
diagnostiziert hatte, die er gemäss Beck-Depressionsinventar (Selbstbeurteilungsskala)
als mittelschwer bis schwer bezeichnete (45 Punkte), und die "am ehesten" auf die
andauernde Schmerzproblematik mit den begleitenden, belastenden psychosozialen
Faktoren zurückzuführen sei (S. 3 und 5 des Gutachtens). Dr. D._ führte offenbar
neben dem Beck-Test keine weiteren psychiatrischen Untersuchungen durch und weist
zudem selber auf seine fehlende Qualifikation auf diesem Gebiet hin (S. 5 des
Gutachtens). Zusammenfassend ist somit nicht von einem anhaltenden schweren
depressiven Geschehen - und damit nicht von einer schwerwiegenden psychischen
Komorbidität - auszugehen.
2.4 Nach dem Gesagten bleibt als wesentliche psychiatrische Diagnose die
Schmerzstörung bestehen (chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Anteilen [Medas] bzw. chronisches zervikovertrebrales, -zephales und -
brachiales Schmerzsyndrom [GutSO]). Solche Schmerzsyndrome gelten grundsätzlich
als überwindbar (vgl. BGE 136 V 279 E. 3.2.3). An Foerster-Kriterien konnte Dr. F._
eine chronische körperliche Erkrankung mit mehrjährigem Krankheitsverlauf und
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unveränderter Symptomatik ausmachen (act. G 4.1/38.35). Mit der
Beschwerdegegnerin ist somit nicht von der ausnahmsweisen Unzumutbarkeit der
willentlichen Schmerzüberwindung auszugehen. Auf die entsprechenden Ausführungen
der Beschwerdegegnerin kann verwiesen werden (Beschwerdeantwort, Ziff. III. 4.2).
2.5 Im Weiteren ist die orthopädische Arbeitsfähigkeitsschätzung umstritten.
Anlässlich der orthopädischen Untersuchung vom 23. März 2011 diagnostizierte Dr.
E._ eine Spondylose C5 - 7 mit Bewegungseinschränkung. Die Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit sei derart, dass das Bödenaufnehmen von Hand nur für wenige
Quadratmeter möglich sei und keine länger dauernden Fensterreinigungen über
Kopfhöhe ausgeführt werden könnten. Es sollten nicht wiederholt Lasten über 15 kg
gehoben werden müssen. Die zur Zeit anfallenden Reinigungsarbeiten in zwei
Haushalten seien als leicht einzustufen und zumutbar. Mit den erwähnten
Einschränkungen sei ein vollschichtiger Einsatz als Raumpflegerin zumutbar (act.
G 4.1/38.29). Die Gutachter der GutSo diagnostizierten in ihrem Gutachten eine
Spondylarthrose C2/3 sowie diverse Discopathien. Aus somatischer Sicht sei keine
dauernde, unfallbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
als Tagesmutter bzw. Reinigungsfrau anzunehmen. Ganzheitlich (ohne Beschränkung
auf die Unfallfolgen) seien jedoch Tätigkeiten in lärmiger Umgebung oder mit
Sturzgefahr (Arbeiten auf Leitern, Podesten, Stufen) zu vermeiden, respektive nicht
zumutbar (act. G 4.2, Gutachten S. 66 f.). Mithin weicht die orthopädische Beurteilung
von Dr. E._ nicht wesentlich von jener der GutSo ab. In Bezug auf die Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit führt Dr. E._ sogar weitergehende Einschränkungen als die
GutSo auf, wobei die GutSo im Wesentlichen Einschränkungen aufführt, die auf die
otologische Untersuchung (Tinnitus, Phonophobie, Schwindel) zurückzuführen sind,
jedoch keine auf der Wirbelsäulenproblematik beruhenden Einschränkungen nennt. Es
drängt sich somit auch keine weitere orthopädische Untersuchung auf. Im Weiteren
kann nicht von einem Widerspruch der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung (von
Dr. E._) ausgegangen werden, wenn einerseits Zwangshaltungen in Reklination des
Kopfes und das Tragen von Gewichten über 15 kg als unzumutbar, gleichzeitig aber
leichtere Putzarbeiten als vollschichtig zumutbar erklärt werden, ist doch die Frage der
erwerblichen Verwertbarkeit nicht durch die medizinische Fachperson zu beantworten.
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2.6 Zusammenfassend sind somit die von Dr. E._ und - nachdem die otologische
Untersuchung nicht wiederholt wurde und insoweit von der Beschwerdegegnerin
anerkannt ist - von Dr. med. H._, Facharzt FMH Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten
(GutSO) postulierten Einschränkungen massgebend (vgl. vorstehende Erwägung; vgl.
auch nachträgliches Schreiben von Dr. E._ vom 22. Juni 2011, wonach die erwähnte
Meidung der Sturzgefahr für jede Tätigkeit gelte [act. G 4.1/41.2]). Diesbezüglich macht
der Rechtsvertreter geltend, die Einschätzung einer vollen Arbeitsfähigkeit als
Reinigungskraft sei bei den genannten Einschränkungen nicht schlüssig. Jemand, der
nur wenige Quadratmeter Böden reinigen und keine Arbeiten über Schulter- bzw.
Kopfhöhe ausführen könne, sei offensichtlich nicht in der Lage, vollschichtig als
Reinigungskraft zu arbeiten. Dies mag zutreffen. Indessen ist festzustellen, dass der
Beschwerdeführerin körperlich leichte (bis mittelschwere) Tätigkeiten mit den
genannten Einschränkungen möglich sind. Da die Beschwerdeführerin als
Hilfsarbeiterin einzustufen ist, kann sie sich nicht auf die Ausübung von Arbeiten als
Reinigungskraft beschränken. Vielmehr sind ihr auch andere Hilfsarbeiten zuzumuten,
welche die genannten Kriterien erfüllen.
2.7 Ausgehend von der ungekündigten Anstellung bei Rechtsanwalt Dr. Stach ist von
einem Valideneinkommen (2010; hochgerechnet von 13 auf 41,6 Wochenstunden [vgl.
act. G 12.3 und Anhang 2 zur IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV]) von
Fr. 4'800.-- pro Monat bzw. Fr. 57'600.-- pro Jahr auszugehen (1'500.-- : 13 x 41,6 x
12). Demgegenüber beträgt das Invalideneinkommen gemäss Anhang 2 Fr. 52'790.--.
Selbst unter Annahme eines Leidensabzugs von 15 % würde daraus ein
Invalideneinkommen von Fr. 44'872.-- und damit ein rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 22,1 % resultieren ([Fr. 57'600.-- - Fr. 44'872.--] : Fr. 57'600.-- x
100).
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren
ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig
vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs.
1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens
bis
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entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat
die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP