Decision ID: 8d96ee01-b82d-52c1-8d39-31b2bd64f44b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder reisten am 12. Januar 2016 in
die Schweiz ein und suchten am 18. Januar 2016 um Asyl nach. Die
Vorinstanz befragte die Beschwerdeführerin am 29. Januar 2016 zur Per-
son (BzP) und am 4. Oktober 2018 zu den Asylgründen. Sie führte aus, sie
sei Ajnabi, seit 2011 syrische Staatsbürgerin und stamme aus E._,
Provinz F._. Ihre Eltern, fünf Schwestern und ein Bruder seien in
Syrien. Ein weiterer Bruder sowie zwei Schwestern hielten sich in
G._ auf. In der Schweiz befänden sich drei (...) und ein (...). Sie
habe vier Jahre die Schule besucht und für kurze Zeit in einer (...) gearbei-
tet.
Ihr Ehemann sei als (...) tätig gewesen und habe kurdische Personen von
E._ zur irakischen Grenze gebracht. (...) 2013 habe es in einem
Haus der H._, die zu den Apojis (Anmerkung Gericht: Anhänger des
Kurdenführers "Apo" Abdullah Öcalan, also Mitglieder der Partei der De-
mokratischen Union [PYD] und deren militärischen Arm, die Volksverteidi-
gungseinheiten [YPG]) gehörten, eine Explosion gegeben. Im Zeitpunkt
der Explosion habe ihr Mann auf der anderen Strassenseite (...). Sie und
die Kinder hätten die Explosion zu Hause gehört. Eine halbe Stunde da-
nach habe sie erfahren, dass ihr Mann schwer am (...) sowie am (...) ver-
letzt worden sei. Er sei (...) im Spital gewesen. Nach der Entlassung aus
dem Spital hätten Angehörige der Apojis ihn zweimal zu Hause aufgesucht
und ihm vorgeworfen, für diesen Anschlag verantwortlich gewesen zu sein.
Ob diese Personen weitere Male vorbeigekommen seien, wisse sie nicht.
Ihr Mann habe ihr keine Details erzählt. Am (...) 2013 beziehungsweise im
Jahr 2014 hätten sie Syrien illegal verlassen. In I._ hätten sie und
die Kinder sich von ihrem Ehemann und ihrem Schwiegervater getrennt
und seien zunächst alleine in die Schweiz gereist. Sie persönlich habe nie
Probleme mit den syrischen Behörden, dem sogenannten Islamischen
Staat (IS), kurdischen Parteien oder Drittpersonen gehabt.
A.b Nachdem dem Beschwerdeführer am (...) 2017 ein humanitäres Vi-
sum gemäss Bundesratsbeschluss vom 6. März 2015 erteilt wurde, reichte
er nach seiner Ankunft am 25. Februar 2017 in der Schweiz am 13. März
2017 ein Asylgesuch ein. Die BzP fand am 20. März 2017 und die Anhö-
rung zu den Asylgründen am 11. Oktober 2018 statt. Der Beschwerdeführer
machte geltend, er sei ursprünglich Maktumin gewesen, habe im Jahr 2011
die syrische Staatsangehörigkeit erlangen können und stamme aus
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E._. Ein Bruder halte sich mittlerweile in J._ auf. Eine
Schwester sei in K._. Sein Vater sowie vier Geschwister befänden
sich in L._. Er habe die neunte Klasse absolviert und sei (...) gewe-
sen. Er habe Einheimische und ein paar Mal (...) transportiert. In der Nacht
habe er mit anderen Personen in seinem Wohnquartier patrouilliert und die
Strasse bewacht.
Zu seinen Asylgründen führte er aus, im (...) 2013 sei er vom Direktor des
M._ gebeten worden, einen Passagier nach N._ und zurück
zu fahren. Als sie auf dem Rückweg gewesen seien, seien hinter ihnen
zwei Fahrzeuge hergefahren. Ihnen sei signalisiert worden, anzuhalten,
was er nicht getan habe. Er sei mit seinem Fahrzeug auf eine nicht asphal-
tierte Strasse gedrängt worden. Schliesslich habe er sein Auto anhalten
müssen. Ihm und seinem Passagier seien die Augen verbunden worden.
Sie seien durchsucht und geschlagen worden. Die Personen hätten das
gefundene Geld an sich genommen und seien gegangen. Zudem sei er am
(...) 2013, als er die (...) wollen, durch eine Explosion in der Nähe in einem
Gebäude der H._ schwer verletzt worden. Danach sei er zweimal
zu Hause zum Vorfall befragt worden.
Daneben habe er Probleme mit der PYD gehabt. Angehörige der Apojis
respektive Asayesh hätten ihn von 2011 bis zur Ausreise fünfmal behelligt.
Er sei Sympathisant der Demokratischen Partei Kurdistan Syrien (PDKS)
gewesen und habe im Jahr 2011 an Demonstrationen teilgenommen. An-
lässlich einer Kundgebung sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung
mit Apojis gekommen, als er mit seinem Auto (...) habe. Zweimal sei er im
Rahmen seiner Berufsausübung schikaniert worden, wodurch es erneut zu
Spannungen gekommen sei. Im Jahr 2012 oder 2013 hätten ihn Mitglieder
des Asayesh einmal vier Stunden auf ihrem Posten im (...) festgehalten.
Sie hätten von ihm verlangt, sich der YPG anzuschliessen, was er abge-
lehnt habe. Vor seiner Freilassung habe er ein Dokument unterzeichnen
müssen, wonach er sich nicht mehr politisch engagiere. Im (...) 2014 habe
er einen verletzten (...) transportiert. An einem Kontrollposten sei er ange-
halten worden. Ihm sei unter einem Vorwand nicht erlaubt worden, den
Weg fortzusetzen. Nach einer Diskussion hätten sie ihm unter Hinterlegung
(...) die Weiterfahrt mit dem (...) gestattet. Er habe diesen zum Zielort
(O._) gebracht, wo er für gewöhnlich (...) hingefahren habe. Auf
dem Rückweg habe ihn ein Freund telefonisch gewarnt, seine Tätigkeit als
(...) von (...) sei verraten worden, er werde gesucht und solle sich einige
Tage zu verstecken, bis sich die Lage beruhigt habe. Daraufhin habe er
sich bei einem (...) versteckt. Am (...) 2014 sei er mit seiner Familie und
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seinem Vater ausgereist. In der I._ habe er sich von seiner Frau
und den Kindern getrennt. Er sei mit seinem kranken Vater zurückgeblie-
ben und später nachgereist.
B.
Mit Verfügung vom 30. April 2019 stellte die Vorinstanz fest, die Beschwer-
deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylge-
suche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und schob den Voll-
zug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen
Aufnahme auf. Gleichzeitig vermerkte sie, als Beilage stelle sie eine Kopie
des Aktenverzeichnisses sowie die dem Akteneinsichtsrecht unterliegen-
den Aktenstücke zu.
C.
Mit Schreiben vom 20. Mai 2019 an die Vorinstanz stellten die Beschwer-
deführerenden fest, ihnen sei keine Einsicht in das A-Dossier gewährt wor-
den. Sie ersuchen um Einsicht in sämtliche A-Akten. Insbesondere seien
die Befragungs- und Anhörungsprotokolle der Beschwerdeführerin nicht
zugestellt worden.
D.
In der Zwischenverfügung vom 31. Mai 2019 – zugestellt am 6. Juni 2019
– führte die Vorinstanz aus, den Beschwerdeführenden werde eine Kopie
des Aktenverzeichnisses sowie die editionspflichtigen Akten zugestellt.
E.
E.a Mit Eingabe vom 5. Juni 2019 reichten die Beschwerdeführenden ge-
gen den Asylentscheid vom 30. April 2019 Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht ein. Sie beantragen, ihnen sei vollumfängliche Einsicht in
das A-Dossier zu gewähren. Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz
sei aufzuheben und die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung
sowie Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeur-
teilung zurückzuweisen. Eventualiter sei ihnen nach der Gewährung der
Akteneinsicht eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerde-
ergänzung anzusetzen. Eventualiter sei die vorinstanzliche Verfügung auf-
zuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl
zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen. Auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses sei zu verzichten. Sie seien von der Bezahlung der Verfah-
renskosten zu befreien. Eventualiter sei ihnen eine angemessene Frist zur
Bezahlung des Gerichtskostenvorschusses anzusetzen.
E-2797/2019
Seite 5
Als Beilage reichten die Beschwerdeführenden unter anderem eine Kopie
des Akteinsichtsgesuchs an die Vorinstanz vom 20. Mai 2019 ein.
E.b Im Nachtrag zur Beschwerde vom 6. Juni 2019 beantragen die Be-
schwerdeführenden, die angefochtene Verfügung sei wegen der Verlet-
zung des Anspruchs auf Akteneinsicht aufzuheben und die Sache zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zu überweisen.
Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden die vorinstanzliche
Zwischenverfügung vom 31. Mai 2019 betreffend Akteneinsicht sowie die
von der Vorinstanz beigelegten Aktenstücke, inklusive Aktenverzeichnis
Dossier B, ein.
F.
Am 20. Juni 2019 reichten die Beschwerdeführenden ein undatiertes
Schreiben der (...) mit französischer Übersetzung ein.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Juli 2019 wies die Instruktionsrichterin die
Vorinstanz an, ihrer Aktenführungspflicht im Sinne der Erwägungen nach-
zukommen, das Gesuch um Akteneinsicht vom 20. Mai 2019 zu prüfen und
den Beschwerdeführenden im Rahmen der gesetzlichen Schranken Akten-
einsicht in das N-Dossier (...) (Unterdossier A und B) zu gewähren. Sodann
gab sie den Beschwerdeführenden Gelegenheit, innert 15 Tagen ab Ge-
währung der Akteneinsicht durch die Vorinstanz eine Stellungnahme beim
Gericht einzureichen. Schliesslich hiess sie das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses.
H.
Mit Schreiben vom 9. August 2019 teilte die Vorinstanz dem Gericht mit,
sie habe die Akten nachgeführt und den Beschwerdeführenden am 31. Juli
2019 Akteneinsicht gewährt.
I.
Mit Eingabe vom 26. August 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine
Stellungnahme ein.
J.
Am 9. September 2019 liessen die Beschwerdeführenden dem Bundesver-
waltungsgericht ein vom Beschwerdeführer verfasstes Schreiben zukom-
men.
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Seite 6
K.
Mit Eingabe vom 16. Oktober 2019 äusserten sich die Beschwerdeführen-
den zur Lageentwicklung in Syrien, namentlich zum Einmarsch der türki-
schen Truppen in Nordsyrien.
L.
Am 2. März 2020 reichten die Beschwerdeführenden eine Fotoaufnahme
einer (...) ein.
M.
Am 22. Mai 2020 teilten die Beschwerdeführenden dem Gericht unter Bei-
lage der entsprechenden Aufenthalts- respektive Niederlassungsbewilli-
gung in Kopie mit, mehrere Familienmitglieder seien in der Schweiz als
Flüchtlinge anerkannt worden.
N.
Mit Eingabe vom 23. Juli 2020 teilten die Beschwerdeführenden einen
Mandatswechsel mit und äusserten sich zur Lageentwicklung in Syrien.
O.
Mit Zwischenverfügung vom 9. November 2020 ersuchte die Instruktions-
richterin die Beschwerdeführenden, bis zum 24. November 2020 ihre al-
lenfalls weiterhin bestehende Bedürftigkeit zu belegen.
P.
Die Beschwerdeführenden reichten am 20. November 2020 eine Fürsor-
gebestätigung vom 17. November 2020 ein.
Q.
In der Eingabe vom 26. November 2020 halten die Beschwerdeführenden
fest, zwei (...) sowie ein (...) hätten in der Schweiz Asyl erhalten. Es sei
davon auszugehen, dass sie – die Beschwerdeführenden – Opfer von Re-
flexverfolgung werden würden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016
3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
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Seite 7
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
2.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
3.
3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.2 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Flüchtlingseigen-
schaft, der Asylpunkt sowie die Wegweisung. Der Vollzug der Wegweisung
ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Beschwerdeführen-
den und ihre Kinder vorläufig aufgenommen hat.
4.
Die Beschwerdeführenden erheben auf Rechtsmittelebene verschiedene
formelle Rügen. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie bei berechtigtem
Vorbringen zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen können.
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 8
5.2 Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ist der verfahrensrechtliche Anspruch
auf Akteneinsicht (Art. 26 VwVG). So können sich die Betroffenen in einem
Verfahren nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignet Beweis füh-
ren beziehungsweise Beweismittel bezeichnen, wenn ihnen die Möglich-
keit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche die Behörde
ihren Entscheid stützt. Das Recht auf Akteneinsicht kann eingeschränkt
werden, wenn ein überwiegendes öffentliches oder privates Interesse an
der Geheimhaltung der betreffenden Akten vorhanden ist (Art. 27 VwVG).
Wird einer Partei die Einsichtnahme in ein Aktenstück verweigert, muss ihr
die Behörde zumindest von seinem wesentlichen Inhalt Kenntnis sowie die
Gelegenheit geben, sich dazu zu äussern und Gegenbeweismittel zu be-
zeichnen (Art. 28 VwVG). Wird das Akteneinsichtsrecht eingeschränkt, ist
der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten. Je stärker das Ver-
fahrensergebnis von der Stellungnahme der Betroffenen zum konkreten
Dokument abhängt und je stärker auf ein Dokument bei der Entscheidfin-
dung (zum Nachteil der Betroffenen) abgestellt wird, desto intensiver ist
dem Akteneinsichtsrecht Rechnung zu tragen (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1;
2013/23 E. 6.4.1 und 6.4.2, je m.w.H.).
5.3 Als Gegenstück zum Akteneinsichtsrecht besteht – ebenfalls als Be-
standteil des rechtlichen Gehörs – die Aktenführungspflicht (BGE 124 V
372 E. 3b). Die Wahrnehmung des Akteneinsichtsrechts setzt eine Akten-
führungspflicht der Verwaltung voraus (BGE 130 II 473 E. 4.1; Urteil des
BGer 9C_231/2007 vom 5. November 2007 E. 3.2; vgl. auch BERNHARD
WALDMANN/MAGNUES OESCHGER, in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl.
2016, Art. 26 N. 35 ff.). Grundlage eines effektiven Akteneinsichtsrechts ist
eine vollständige, geordnete und übersichtliche Aktenführung (GEROLD
STEINMANN, in: Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kom-
mentar, 3. Aufl. 2014, Art. 26 N. 55). Dieser verfassungsmässige Anspruch
verpflichtet die Behörden und Gerichte, die Vollständigkeit der im Verfahren
eingebrachten und erstellten Akten sicherzustellen (vgl. Urteil BGer
8C_319/2010 vom 15. Dezember 2010 E. 2.2.1 sowie BVGE 2011/37
E. 5.4.1).
5.4
5.4.1 Die Beschwerdeführenden führen in der Rechtsmitteleingabe vom
5. Juni 2019 aus, ihnen sei mit der angefochtenen Verfügung vom 30. April
2019 lediglich Einsicht in das B-Dossier gewährt worden. Mit Schreiben
vom 20. Mai 2019 sei die Vorinstanz ausdrücklich um Einsicht in das
A-Dossier ersucht worden. Dieses Schreiben sei der Vorinstanz am 21. Mai
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Seite 9
2019 zugestellt worden. In der Eingabe vom 6. Juni 2019 ergänzen die Be-
schwerdeführenden, die Vorinstanz habe mit der Zwischenverfügung vom
31. Mai 2019 erneut lediglich Einsicht in das B-Dossier gewährt. Dies gehe
aus den Beilagen hervor. Die Vorinstanz habe weder eine Kopie des Ak-
tenverzeichnisses des A-Dossiers noch irgendein Aktenstück aus dem ge-
nannten Dossier zugestellt. Dadurch habe sie das Recht auf Akteneinsicht
respektive den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
5.4.2 In der Verfügung vom 31. Mai 2019 hält die Vorinstanz fest, den Be-
schwerdeführenden werde eine Kopie des Aktenverzeichnisses sowie die
editionspflichtigen Aktenstücke zugestellt. Aufgrund der von den Be-
schwerdeführenden mit Eingabe vom 6. Juni 2019 eingereichten Beilagen
ist anzunehmen, dass ihnen eine Kopie des Aktenverzeichnisses des
B-Dossiers, die Aktenstücke B1/2, B3/1, B5/14, B16/17, A19/9 (angefoch-
tene Verfügung; im Aktenverzeichnis als B19/9 erfasst) sowie die Kopien
der eingereichten Beweismittel (B17) zugestellt wurden, mithin keine Ein-
sicht in das A-Dossier gewährt wurde. Zudem ist davon auszugehen, dass
die Vorinstanz weder eine Kopie des Aktenverzeichnisses des A-Dossiers
beigelegt noch Bezug auf das Ersuchen um Einsicht in die Akten des
A-Dossiers sowie die nicht zugestellten Befragungsprotokolle der Be-
schwerdeführerin genommen hat. Damit hat die Vorinstanz das Recht auf
Akteneinsicht verletzt.
5.4.3 Weiter ist festzustellen, dass sich im Zeitpunkt der Beschwerdeerhe-
bung im A-Dossier diverse nicht paginierte Aktenstücke befanden, die we-
der im Aktenverzeichnis des A-Dossiers noch des B-Dossiers aufgeführt
waren, so namentlich auch das Anhörungsprotokoll der Beschwerdeführe-
rin vom 4. Oktober 2018. Sodann nummerierte die Vorinstanz die vorlie-
gend angefochtene Verfügung als Akte A19/9, obwohl es sich um ein Ak-
tenstück des B-Dossiers handelt. Im Aktenverzeichnis ist die angefochtene
Verfügung im B-Dossier hingegen korrekt als B19/9 erfasst. Diese Vorge-
hensweise genügt den Anforderungen an eine vollständige, übersichtliche
und geordnete Aktenführung aller Akten klarerweise nicht. Die Vorinstanz
hat demnach nebst dem Akteneinsichtsrecht auch die Aktenführungspflicht
verletzt.
5.4.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den An-
spruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehörs verletzt hat.
5.4.5 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, eine Verlet-
zung desselben führt deshalb grundsätzlich – das heisst ungeachtet der
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Seite 10
materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin ergangenen Ent-
scheides. Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen
Gründen ist auf Beschwerdeebene möglich, sofern das Versäumte nach-
geholt wird, die beschwerdeführende Person dazu Stellung nehmen kann,
die fehlende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem
Aufwand hergestellt werden kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen
Fall die gleiche Kognition wie die Vorinstanz in Bezug auf Sachverhalt und
Rechtsanwendung zukommt. Zu beachten ist, dass der Kognitionsumfang
nicht abstrakt zu betrachten ist. Eine Heilung ist bei eingeschränkter Kog-
nition auch dann möglich, wenn der Streitpunkt Rechtsfragen betrifft, wel-
che das Gericht frei überprüfen kann. Unter diesen Voraussetzungen kann
selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtli-
ches Gehör von einer Rückweisung in der Sache an die Vorinstanz abge-
sehen werden, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti-
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die
mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurtei-
lung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 142 II 218 E. 2.8.1,
BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H., PATRICK SUTTER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren,
2. Aufl. 2019, Art. 29 N. 17 ff. sowie BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL,
in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 29 N. 106 ff.).
5.4.6 Vorliegend wurde das Versäumte auf Beschwerdeebene nachgeholt,
indem die Instruktionsrichterin die Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom
25. Juli 2019 anwies, der Aktenführungspflicht nachzukommen, das Akten-
einsichtsgesuch sorgfältig zu prüfen und im Rahmen der gesetzlichen
Schranken Akteneinsicht zu gewähren. Darauffolgend hatten die Be-
schwerdeführenden Gelegenheit, eine Stellungnahme einzureichen, was
sie mit Eingabe vom 26. August 2019 taten. Die Entscheidreife konnte das
Gericht mit vertretbarem Aufwand durch die vorstehend aufgeführte In-
struktion herstellen. Darüber hinaus ist eine Rechtsfrage betroffen, die das
Bundesverwaltungsgericht mit gleicher Kognition wie die Vorinstanz über-
prüfen kann. Der geltend gemachte Verfahrensmangel ist somit als geheilt
zu erachten, zumal der rechtserhebliche Sachverhalt erstellt ist (siehe dazu
auch nachstehend E. 6). Eine Kassation der Sache ist nicht angezeigt. Der
Gehörsverletzung ist allerdings im Rahmen der Kosten- und Entschädi-
gungsfolge Rechnung zu tragen (vgl. E. 12).
5.5 Im Weiteren bringen die Beschwerdeführenden vor, die Vorinstanz
habe verschiedene Sachverhaltselemente nicht gewürdigt, namentlich die
E-2797/2019
Seite 11
Explosion, das politische Profil des Beschwerdeführers, den Transport von
(...) durch den Beschwerdeführer, die Identifikation des Beschwerdefüh-
rers durch die PYD als Demonstrant sowie das Widersetzen gegen belei-
digendes Verhalten anlässlich zahlreicher Kontrollen durch die
PYD/Asayesh. Dadurch habe sie das rechtliche Gehör verletzt.
Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung die wesentlichen
Sachverhaltselemente fest und würdigte diese. Dabei nahm sie insbeson-
dere auch Bezug auf die Explosion und das politische Profil des Beschwer-
deführers. Eine von der Ansicht der Beschwerdeführenden abweichende
materielle Würdigung betrifft aber nicht das rechtliche Gehör. Die Rüge ist
unbegründet.
6.
6.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
6.2 Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Vorinstanz habe die
Abklärungspflicht verletzt, da sie die Asylverfahren über zwei respektive
drei Jahre verzögert habe und zwischen den Befragungen jeweils rund ein
Jahr beziehungsweise eineinhalb Jahre vergangen seien. Darüber hinaus
habe die Anhörung des Beschwerdeführers sechs Stunden gedauert, was
über der Maximaldauer von vier Stunden liege, und auch die Anhörung der
Beschwerdeführerin sei zu lange gewesen.
6.3 Inwiefern die Verfahrensdauer eine Verletzung des Untersuchungs-
grundsatzes darstellen soll, wird in der Beschwerde nicht substantiiert. Ins-
besondere führen die Beschwerdeführenden nicht aus, weshalb aus der
Dauer des Verfahrens sowie der Zeitspanne zwischen den Befragungen
nachteilige Folgen bezüglich ihrer Asylgesuche resultierten. Im Übrigen
hätte es den Beschwerdeführenden offen gestanden, eine Rechtsverzöge-
rungsbeschwerde einzureichen.
E-2797/2019
Seite 12
Was die Dauer der Anhörung des Beschwerdeführers betrifft, so begann
diese um 9.30 Uhr und endete um 15.50 Uhr. Wie aus dem Protokoll her-
vorgeht, wurde um 10.45 Uhr eine 15-minütige, um 12.25 Uhr eine einstün-
dige und um 14.20 Uhr eine zehnminütige Pause eingelegt. Die reine An-
hörungsdauer betrug somit vier Stunden und 55 Minuten, was nicht als
übermässig lang bezeichnet werden kann. Die Anhörung der Beschwerde-
führerin dauerte von 9.40 Uhr bis 15.30 Uhr. Dazwischen wurden zwei Pau-
sen eingelegt, einmal 15 Minuten und einmal eine Stunde. Die blosse Be-
fragungszeit war demnach vier Stunden und 35 Minuten, was ebenfalls
nicht ausserordentlich lang ist. Zudem zeigen die Beschwerdeführenden in
der Rechtsmitteleingabe nicht auf, inwiefern ihnen aufgrund der Dauer der
Anhörungen in Bezug auf das Asylverfahren Nachteile widerfahren sein
sollen. Dem Protokoll lassen sich auch keine Hinweise dafür entnehmen,
dass die Beschwerdeführenden ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr
in der Lage waren, konzentriert die Fragen zu beantworten. Die Rüge ist
unbegründet.
7.
Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft
im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche im
Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat befürchten muss. Die Nachteile
müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder
zugefügt worden sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlings-
eigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine Verfolgung
oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die Verfolgungs-
furcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheides noch bestehen, das heisst
aktuell sein (BVGE 2010/57 E. 2 und die dort genannten Zitate und Litera-
turhinweise).
Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt
vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich –
aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – aus heutiger Sicht
– mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen.
Es müssen somit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung
vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor
Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei
hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungs-
weise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der betroffenen Per-
son bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren
E-2797/2019
Seite 13
Fällen zu ergänzen. Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war,
hat objektive Gründe für eine stärker ausgeprägte (subjektive) Furcht
(BVGE 2010/57 E. 2.5).
8.
8.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen der Beschwerdeführenden genügten den Anforderungen an
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Den Akten liessen
sich keine Hinweise auf das Vorliegen einer begründeten Furcht vor asyl-
relevanter Verfolgung entnehmen. Gemäss Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts seien die Rekrutierungsbestrebungen der YPG man-
gels eines Motivs nach Art. 3 AsylG sowie Intensität nicht asylrelevant. Be-
treffend das Festhalten des Beschwerdeführers im Kontrollposten sei fest-
zustellen, dass er nach vier Stunden freigelassen worden sei. Selbst wenn
die Bedingungen prekär gewesen seien, habe keine konkrete Gefährdung
der physischen Integrität vorgelegen. Was das Ereignis im Zusammenhang
mit dem Transport eines (...) betreffe, habe der Beschwerdeführer nicht
konkret aufzeigen können, unmittelbar vor einer Verhaftung durch die Apo-
jis gestanden zu haben. Er habe sich lediglich auf die Aussagen eines Be-
kannten gestützt. Dessen Äusserungen alleine reichten nicht aus, um eine
Verhaftungsabsicht durch die PYD anzunehmen. Zudem hätte er sich über
die Folgen einer Verhaftung informieren können, bevor er das Land verlas-
sen habe, was er nicht getan habe. Es sei inkonsequent, dass die Apojis
ihn mit dem (...) den Kontrollposten hätten verlassen lassen. Ausserdem
scheine es so, dass seine Ausreise durch die Ratschläge seiner Familie
und durch die Schweizer Behörden genehmigte Familienzusammenfüh-
rungen motiviert gewesen sei. Schliesslich stellten Nachteile, die auf Krieg
oder Situationen allgemeiner Gewalt zurückzuführen seien, keine Verfol-
gung im Sinne des Asylrechts dar, da es an einem Motiv nach Art. 3 AsylG
fehle. Die von den Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit dem Bür-
gerkrieg erwähnten Ereignisse respektive Erlebnisse, namentlich die durch
eine Explosion erlittenen Verletzungen des Beschwerdeführers, seien des-
halb nicht asylrelevant.
8.2 In der Rechtsmitteleingabe rügen die Beschwerdeführenden, die Vor-
instanz habe die Flüchtlingseigenschaft zu Unrecht verneint, mithin Bun-
desrecht verletzt. Der Beschwerdeführer habe ausführlich geschildert, eng
mit der PDKS zusammengearbeitet zu haben sowie aus einer politisch ak-
tiven Familie zu stammen. Die Vorinstanz missachte in der angefochtenen
Verfügung die herausragende Tätigkeit des Beschwerdeführers für die
PDKS während vieler Jahre. Er habe detailliert dargelegt, aktiv und immer
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wieder von Angehörigen der PYD behelligt worden zu sein. Die Verhaftung
sei wegen der politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers erfolgt, mithin
aus asylrelevanten Gründen. Zudem bestehe begründete Furcht vor einer
künftigen asylrelevanten Verfolgung. Der Beschwerdeführer sei wiederholt
von der PYD festgehalten worden. Zusätzlich zu seinem Profil als PDKS-
Anhänger werde er auch aufgrund der Flucht aus Syrien als politischer
Gegner der PYD betrachtet. Indem die Vorinstanz behaupte, der Be-
schwerdeführer habe keine konkreten Hinweise für eine Gefährdung nen-
nen können, verlange sie in willkürlicher Weise einen Beweis. Die Vor-
instanz habe die Glaubhaftigkeit nicht bezweifelt; dazu gehöre auch die
erwähnte erhaltene Information des Bekannten. Somit sei vom Vorliegen
einer drohenden Verhaftung im Zeitpunkt der Ausreise auszugehen. Beim
Argument, das Verhalten der Apojis sei nicht logisch, handle es sich einer-
seits um ein verstecktes Unglaubhaftigkeitselement und andererseits um
den öfters begangenen Fehler, vom Verhalten Dritter auf Unglaubhaftigkeit
der Vorbringen zu schliessen. Der für nicht logisch befundenen Freilassung
sei entgegenzuhalten, dass sie ihn unter Hinterlegung (...) als Pfand hätten
gehen lassen. Bei der Explosion und dem Überfall durch Unbekannte habe
es sich nicht um allgemeine Kriegsereignisse gehandelt. Die Vorinstanz
habe nicht berücksichtigt, dass die PYD eine Verbindung des Beschwer-
deführers zur Explosion vermutet habe und er gezielt aus politischen Grün-
den von dieser verfolgt worden sei. Beim Angriff auf der Strasse habe es
sich sodann um eine gezielte Verfolgungshandlung gegen den Beschwer-
deführer durch Angehörige der PYD gehandelt.
9.
9.1 Zum politischen Profil des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass er
gemäss seinen Angaben lediglich im Jahr 2011 an Demonstrationen teil-
genommen und hierfür (...) für die PDKS transportiert hat. Auch verneinte
er Parteimitglied gewesen zu sein beziehungsweise sich politisch enga-
giert zu haben (vgl. SEM-Akte B16/17 F28 sowie B5/14 Ziff. 7.01). Insofern
liegen weder herausragenden Tätigkeiten für die PDKS noch eine enge
Zusammenarbeit mit dieser vor. Weiter substantiieren die Beschwerdefüh-
renden das Vorbringen nicht näher, der Beschwerdeführer stamme – wie
er anlässlich der Erstbefragung ausgeführt habe – aus einer politisch akti-
ven Familie. Der Beschwerdeführer gab anlässlich der Erstbefragung le-
diglich an, sein Bruder sei Mitglied der PDKS gewesen, ohne dabei auf
dessen konkrete Funktion einzugehen (vgl. SEM-Akte B5/14 Ziff. 7.01). Zu
möglichen politischen Tätigkeiten seiner Familie äusserte sich der Be-
schwerdeführer nicht.
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9.2 Mit den Beschwerdeführenden ist zwar davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer mehrmals von Angehörigen der Asayesh respektive den
Apojis belästigt wurde. Diese Behelligungen erstreckten sich aber über ei-
nen Zeitraum von rund drei Jahren. Bei der Auseinandersetzung anlässlich
einer Kundgebung sowie den Schikanen im Rahmen der Berufsausübung
blieb es bei verbalen Disputen. Im Jahr 2012 wurde er zwar einmal wäh-
rend seines Wachdienstes mitgenommen und vier Stunden einem Kontroll-
posten festgehalten (vgl. SEM-Akte B16/17 F31, F39 und F47). Er blieb
dabei unversehrt und der Vorfall zog keine Konsequenzen nach sich, aus-
ser dass er sich verpflichten musste, keine politischen Aktivitäten durchzu-
führen (vgl. SEM-Akte B5/14 Ziff. 7.01). Betreffend den Transport von (...)
ist der Beschwerdeführer einmal an einem Kontrollposten überprüft wor-
den. Zunächst hätten sie ihn mit seinem (...) nicht weiterfahren lassen wol-
len, es nach einer Diskussion und der Hinterlegung (...) als Pfand aber
gestattet (vgl. SEM-Akte B16/17 F63). Vor diesem Hintergrund ist nicht von
intensiven beziehungsweise aktiven Verfolgungshandlungen gegen den
Beschwerdeführer auszugehen. Zudem sind ihm in diesem Zusammen-
hang keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG widerfahren.
Daneben ist die vierstündige Festnahme entgegen der Argumentation in
der Beschwerde nicht auf politische Aktivitäten zurückzuführen, sondern
auf die Weigerung, sich der YPG anzuschliessen (vgl. SEM-Akte B16/17
F31). Im Übrigen ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass eine allfällige
Einberufung durch die YPG zum Dienst, zu dessen Leistung seit Juli 2014
eine Pflicht besteht, gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts grundsätzlich asylrechtlich nicht relevant ist und auch die Verweige-
rung des Dienstes keine Gefahr einer asylrelevanten Verfolgung nach sich
zieht (vgl. Referenzurteil BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3
sowie dazu auch Urteile BVGer D-2455/2020 vom 24. Juni 2020 E.7.2;
E-6558/2019 vom 9. Januar 2020 E. 7.2 sowie D-4838/2019 vom 30. De-
zember 2019 E. 7.4.2).
Wie die Beschwerdeführenden in der Rechtsmitteleingabe zu Recht erken-
nen, hat die Vorinstanz die Glaubhaftigkeit der Vorbringen in der angefoch-
tenen Verfügung nicht in Frage gestellt, namentlich auch den Anruf des
Freundes des Beschwerdeführers nicht. Sie gelangte nach der Würdigung
der Schilderungen des Beschwerdeführers aber zum Schluss, es bestün-
den keine konkreten Indizien für eine unmittelbar bevorstehende Verhaf-
tung, unter anderem auch deshalb, weil die Apojis ihn am Kontrollposten
schliesslich hätten weiterfahren lassen. Dabei handelt es sich entgegen
der in der Beschwerde vertretenen Ansicht nicht um ein versteckt vorge-
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haltenes Unglaubhaftigkeitselement. Wie die Vorinstanz zutreffend fest-
hielt, ergeben sich aus den Akten keine genügend konkreten Anhalts-
punkte, dass dem Beschwerdeführer unmittelbar eine Verhaftung flücht-
lingsrechtlich relevanten Ausmasses gedroht hätte, zumal der Bekannte
am Telefon angab, er solle sich für ein paar Tage verstecken, bis sich die
Lage beruhigt habe (vgl. SEM-Akte B16/17 F63). Zudem wäre eine allfäl-
lige Inhaftierung respektive Bestrafung wegen des Transports von (...)
nicht auf ein Motiv nach Art. 3 AsylG zurückzuführen. Ob eine solche der
Zulässigkeit des Vollzugs entgegenstehen würde, ist angesichts der bereits
verfügten vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs aller-
dings nicht zu prüfen. Weitergehend kann diesbezüglich auf die angefoch-
tene Verfügung verwiesen werden.
9.3 Was den Überfall auf der Strasse betrifft, lässt sich den Akten entgegen
dem Vorbringen in der Beschwerde nicht entnehmen, dass dieser durch
Mitglieder der PYD erfolgt ist. Es bestehen keine Hinweise dafür, dass die-
ser Übergriff aus einem Grund nach Art. 3 AsylG gezielt gegen den Be-
schwerdeführer gerichtet war. Vielmehr geht aus seinen Ausführungen her-
vor, dass die Angreifer ihm und seinem Passagier das Geld abnahmen und
wieder gegangen sind (vgl. SEM-Akte B16/17 F62).
9.4 Inwiefern es sich bei der Explosion im (...) 2013, bei der der Beschwer-
deführer verletzt wurde, um einen gezielt gegen ihn gerichteten Angriff ge-
handelt haben soll, wird in der Beschwerde nicht aufgezeigt. Der Be-
schwerdeführer gab an, die Detonation sei in einem Gebäude der
H._ ausgelöst worden und er sei zu diesem Zeitpunkt in der Nähe
gewesen, um (...) (vgl. SEM-Akte B16/17 F66). Insofern handelte es sich
bei ihm um ein zufälliges Opfer dieses Anschlags. Was die in der Folge
zweimalige Befragung zu diesem Vorfall betrifft (vgl. a.a.O. F66 f.), begrün-
den diese ebenfalls keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. Aus den
Schilderungen des Beschwerdeführers geht nicht hervor, dass er ernsthaft
verdächtigt wurde, an der Durchführung des Anschlags beteiligt gewesen
zu sein. Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin ergibt sich nichts
Anderes. Sie erklärte zwar, der Beschwerdeführer sei mit der Explosion in
Zusammenhang gebracht worden. Diese Aussage ist aber insofern zu re-
lativieren, als sie ausführte, der Beschwerdeführer habe ihr keine Details
genannt (vgl. SEM-Akte A21/16 F50).
9.5 Betreffend die in der Eingabe vom 26. November 2020 erwähnte Re-
flexverfolgung haben die Beschwerdeführenden nie geltend gemacht, we-
gen der zwei (...) sowie des (...), die in der Schweiz Asyl erhalten haben,
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Schwierigkeiten gehabt zu haben. Die Beschwerdeführerin gab anlässlich
der Anhörung sogar an, sie hätten sich bewusst gegen eine gemeinsame
Ausreise mit zwei ihrer (...) entschieden, da sie eigentlich in Syrien hätten
bleiben wollen (vgl. SEM-Akte A21/16 F50). Den Akten lassen sich keine
Hinweise für eine mögliche Reflexverfolgung entnehmen. In besagter Ein-
gabe wird auch nicht dargelegt, weshalb eine solche vorliegen soll respek-
tive ein Bezug zu den Asylgründen der (...) sowie des (...) dargetan.
9.6 Die Beschwerdeführerin machte schliesslich keine eigenen in ihrer Per-
son liegenden Asylgründe geltend. Insgesamt gelingt es den Beschwerde-
führenden nicht, eine Bundesrechtsverletzung durch die Vorinstanz aufzu-
zeigen. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint
und die Asylgesuche abgelehnt.
10.
10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
10.2 Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder verfügen weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen. Für eine Rückweisung der Sache besteht keine Veranlassung.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen
indes mit Zwischenverfügung vom 25. Juli 2019 die unentgeltliche Prozess-
führung gewährt wurde und keine massgebende Veränderung der finanzi-
ellen Verhältnisse ersichtlich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Auch wären die festgestellten Verfahrensmängel bei der Festlegung allfäl-
liger Kosten zu berücksichtigen gewesen (vgl. BVGE 2008/47 E. 5.1).
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12.2 Praxisgemäss ist sodann eine anteilmässige Parteientschädigung zu-
zusprechen, wenn – wie vorliegend – eine Verfahrensverletzung (vgl.
E. 5.4) auf Beschwerdeebene geheilt wird (vgl. BVGE 2007/9 E. 7.2). Ge-
stützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13
VGKE) ist den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von
Fr. 500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten.
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