Decision ID: b8b5fc6e-9284-55b5-b420-7dfc20408ada
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Pascale Hartmann, c/o Procap Schweiz,
Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 19_, meldete sich am 4. November 2008 (Eingang SVA:
19. Dezember 2008) zum Bezug von IV-Leistungen an (act. G 5.1.1). Anlässlich des
Frühinterventionsgesprächs vom 4. Februar 2009 gab der behandelnde med. pract.
B._, Oberarzt am Psychiatrie-Zentrum C._, gegenüber dem RAD an, der
Versicherte leide an einer anhaltenden depressiven Episode vor dem Hintergrund einer
Persönlichkeitsstörung (hohe narzisstische Verletzbarkeit, selbstunsicher, abhängig,
antriebslos, passiv-aggressiv). Es bestehe des Weiteren ein langdauernder, sehr
entwertender Ehekonflikt. In der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellter sei der
Versicherte aufgrund einer Psoriasis, somatischer Einschränkungen und einer
verminderten Agilität gravierend eingeschränkt (act. G 5.1.14). Der behandelnde
Dr. med. D._, Orthopädische Chirurgie FMH, diagnostizierte im Bericht vom 9. April
2009 eine Gonarthrose beidseits links stärker als rechts, eine massive Psoriasis, eine
psychische Dekompensation sowie eine Herzinsuffizienz. Für die angestammte
Tätigkeit als Hotelfachangestellter bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act.
G 5.1.23; zur Einschätzung des Gesundheitszustands durch den Hausarzt Dr. med.
E._, FMH Allgemeine Medizin, vom 24. Juni 2009 siehe act. G 5.1.27).
A.b Am 28. Juli 2009 berichtete Dr. med. F._, Dermatologische Abteilung des
Universitätsspitals Zürich, wo der Versicherte vom 6. April bis 8. Mai 2009 stationär
behandelt wurde, für die angestammte Tätigkeit bestehe aus dermatologischer Sicht
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Hinsichtlich einer leidensangepassten Tätigkeit
beschrieb er keine Einschränkungen (act. G 5.1.31; vgl. auch Bericht der behandelnden
Dr. med. G._ vom 28. August 2009, act. G 5.1.33).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.c Am 17. März 2010 diagnostizierte med. pract. B._ aus psychiatrischer Sicht eine
anhaltende affektive (depressive) Störung (ICD-10: F34.8) mittelgradiger Ausprägung
sowie eine gemischte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61). Es bestehe aus
psychiatrischer Sicht nur die Notwendigkeit, im Rahmen einer Wiedereingliederung
eine geminderte Leistungsanforderung und Unterstützung entsprechend einer
Minderung der Arbeitsfähigkeit von 20 bis 30% zu berücksichtigen. Allerdings
bedingten zusätzliche organmedizinische Einschränkungen wahrscheinlich eine
darüber hinaus gehende Beeinträchtigung (act. G 5.1.55). Der seit 8. Februar 2010
behandelnde Dr. med. H._, Facharzt FMH Kardiologie und FMH Innere Medizin,
berichtete am 14. April 2010, der Versicherte leide an einer dilatativen
Kardiomyopathie, ED 2000. Aufgrund der eingeschränkten linksventrikulären Funktion
sei der Versicherte für schwere körperliche Arbeiten als arbeitsunfähig einzuschätzen
(act. G 5.1.58).
A.d Die IV-Stelle erteilte am 31. Mai 2010 Kostengutsprache für eine berufliche
Abklärung im I._ für die Dauer vom 31. Mai bis 27. August 2010 (act. G 5.1.64). Im
Bericht des I._ vom 23. September 2010 führten die Abklärungspersonen aus, sie
hätten sehr bedauert, dass der Versicherte nicht in der Lage gewesen sei, sein Pensum
von 50% zu erhöhen. Sie seien der Meinung, der Versicherte habe Chancen, einen für
ihn passenden Arbeitsplatz zu finden, da er sich fachlich wie auch persönlich dafür
empfehle (act. G 5.1.74; bis 30. April 2011 stand der Versicherte noch in einem
befristeten, durch das Sozialamt finanzierten Arbeitsverhältnis mit dem I._, in dessen
Rahmen er vor allem administrative Tätigkeiten am Computer verrichtete, act.
G 5.1.85). Am 31. Januar 2011 verfügte die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (zum Vorbescheid vom 29. November 2010 siehe act. G 5.1.77)
die Abweisung des Begehrens um berufliche Massnahmen, da davon auszugehen sei,
der Versicherte habe kein Interesse an beruflichen Eingliederungsmassnahmen (act.
G 5.1.83).
A.e Dr. E._ gab im Verlaufsbericht vom 28. Januar 2011 an, der Gesundheitszustand
des Versicherten sei seit Juni 2009 stationär geblieben. Theoretisch sei eine
Arbeitsfähigkeit in Teilzeit mit reduzierter Leistung (keine körperliche Belastung)
denkbar. Diese sei praktisch kaum realisierbar (act. G 5.1.84).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.f Mit Vorbescheid vom 7. März 2011 stellte die IV-Stelle ausgehend von einer
70%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten die Abweisung des
Rentengesuchs in Aussicht (act. G 5.1.90). Dagegen erhob der Versicherte am 6. April
2011 vorsorglich Einwand (act. G 5.1.95), den er am 21. April 2011 ergänzend
begründete (act. G 5.1.97). Am 4. Mai 2011 verfügte die IV-Stelle die Rentenabweisung
(act. G 5.1.100). Auf Beschwerde vom 7. Juni 2011 hin (act. G 5.1.106-2 ff.) widerrief
die IV-Stelle die angefochtene Verfügung am 11. November 2011 und teilte mit, weitere
Abklärungen durchzuführen (act. G 5.1.121).
A.g Am 30. Januar und 2. Februar 2012 wurde der Versicherte polydisziplinär
(internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch) in der MEDAS Ostschweiz
untersucht. Im Gutachten vom 25. April 2012 diagnostizierten die Experten mit
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit: Varusgonarthrosen, eine dilatative
Kardiomyopathie und eine leichte bis mittelgradige depressive Störung (ICD-10:
F32.00/F32.10) ohne somatisches Syndrom. Sowohl die Gonarthrosen wie die
Kardiomyopathie führten zu einer Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere bis auch
mittelschwere Tätigkeiten und auch für vorwiegend gehende und stehende Tätigkeiten,
wie sie im ursprünglichen Beruf als Kellner und Hotelfachmann häufig verrichtet
worden seien. Für leidensangepasste Tätigkeiten bestehe aufgrund der leichten bis
mittelgradigen depressiven Störung eine 20 bis 30%ige Arbeitsunfähigkeit (act.
G 5.1.131). Der RAD hielt die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS-Gutachter für
beweiskräftig (Stellungnahme vom 21. Mai 2012, act. G 5.1.132).
A.h Im Vorbescheid vom 11. Juni 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie
werde das Rentengesuch gestützt auf eine 75%ige Restarbeitsfähigkeit und einen
ermittelten Invaliditätsgrad von 25% abweisen (act. G 5.1.136). Dagegen erhob der
Versicherte am 12. Juli 2012 Einwand, worin er eine halbe Rente beantragte. Im
Wesentlichen bemängelte er den von der IV-Stelle vorgenommenen
Einkommensvergleich (act. G 5.1.137). Am 24. August 2012 verfügte die IV-Stelle die
Abweisung des Rentengesuchs (act. G 5.1.139).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.a Gegen die Verfügung vom 24. August 2012 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 25. September 2012. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer halben
Rente mit Wirkung ab 1. Juni 2009. Zur Begründung bringt er vor, die
Beschwerdegegnerin habe ein zu niedriges Valideneinkommen berücksichtigt. Er sei
unter anderem während 17 Jahren (1983 bis 2000) als _-leiter und stellvertretender
Direktor tätig gewesen. Es sei ihm gelungen, sich in diesem Betrieb hoch zu arbeiten.
Allerdings habe er bereits Ende 1999 / Anfang 2000 gesundheitliche Probleme gehabt.
Ab dem Jahr 2000 sei es ihm gesundheitsbedingt nicht mehr möglich gewesen, eine
Arbeitsstelle länger zu behalten. Wäre er heute aufgrund der gesundheitlichen
Schwierigkeiten nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, würde er nach wie vor
eine leitende Funktion in der Gastronomie ausüben. Es sei für das Jahr 2008 von einem
Valideneinkommen von Fr. 87'000.-- auszugehen. Bei der Bemessung des
Invalideneinkommens rechtfertige sich ein 20%iger Tabellenlohnabzug (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. November
2012 die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich neu auf den Standpunkt, dem
psychischen Gesundheitsschaden komme keine invalidisierende Wirkung zu, weshalb
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen sei.
Eine Arbeitsunfähigkeit habe nach gutachterlicher Einschätzung erst ab April 2008
bestanden. Weil beim Beschwerdeführer seit August 2000 keine repräsentative
Einkommensbasis zur Verfügung stehe, könne das Valideneinkommen abstrakt
gestützt auf den massgebenden LSE-Hilfsarbeiterlohn bemessen werden. Es könne ein
Tabellenlohnabzug von 10% gewährt werden, woraus ein 10%iger Invaliditätsgrad
resultiere (act. G 5).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 13. November 2012 wird dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 6).
B.d In der Replik vom 6. Dezember 2012 hält der Beschwerdeführer an seiner
Beschwerde unverändert fest. Ergänzend bringt er vor, der depressiven Krankheit
könne die invalidisierende Wirkung nicht abgesprochen werden (act. G 8).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers. Von den Parteien wird die Beweiskraft des MEDAS-
Gutachtens vom 25. April 2012 nicht in Frage gestellt. Es ergeben sich aus den Akten
auch keine Hinweise, welche Zweifel an der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung
entstehen lassen, weshalb mit den Parteien darauf abgestellt werden kann.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Nachdem die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung und im gesamten
vorangegangenen Verwaltungsverfahren der Auffassung war, das depressive Leiden
sei erheblich und invalidenversicherungsrechtlich relevant (act. G 5.1.139 und
G 5.1.100), vertritt sie in der Beschwerdeantwort vom 9. November 2012 neu den
Standpunkt, das psychische Leiden des Beschwerdeführers sei
invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant. Aus rechtlicher Sicht sei daher von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen (act. G 5,
Rz 1).
2.1 Grundsätzlich bedarf es nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für die
Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis
auf die Vorgaben eines Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der
freien Beweiswürdigung dürfe sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht
- weder über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die
rechtsanwendenden Behörden hätten mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren)
mitberücksichtige, die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus
unbeachtlich seien. Wo psychosoziale Einflüsse das Bild prägen würden, sei bei der
Annahme einer rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen).
2.2 Der Gesetzgeber hat im Rahmen der 6. IV-Revision deutlich hervorgehoben, dass
depressive Leiden invalidenversicherungsrechtlich relevant sind und nicht als
pathogenetisch-ätiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder gelten (vgl. Votum
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kleiner Marianne ["Nicht dazu gehören diagnostizierte Depressionen, ..."], sowie
diverse Voten Burkhalter Didier ["ne sont pas et ne seront jamais concernées par cette
disposition les maladies telle que la dépression, ..."], Amtliches Bulletin Nationalrat,
16. Dezember 2010, AB 2010 N 2117 ff.; vgl. auch Amtliches Bulletin Ständerat,
1. März 2011, AB 2011 S. 39 f.). Gemäss gesetzgeberischem Willen ist einzig
entscheidend, ob ein klinisch festgestellter psychischer Gesundheitsschaden - wie
etwa eine Depression - vorliegt (vgl. Votum Burkhalter Didier, Amtliches Bulletin
Nationalrat, a.a.O. AB 2010 N 2122: "Toutes celles qui peuvent être clairement établies
au moyen d'examens cliniques, c'est-à-dire psychiatriques, en seront pas concernées,
soit - je cite à nouveau pour que ce soit vraiment clair - la dépression, ..." sowie Votum
Kleiner Marianne, Amtliches Bulletin Nationalrat, a.a.O., AB 2010 N 2118 f.: "Es handelt
sich nicht um Beschwerdebilder, bei denen gestützt auf klinische oder auch
psychiatrische Untersuchungen eine klare Diagnose gestellt werden kann ... z.B.
Depressionen, ..."). Für die Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens ist
sodann erforderlich, dass sich das depressive Leiden von einem blossen
Verstimmungszustand abhebt.
2.3 Vorliegend ist ein medizinisches Substrat für eine psychisch bedingte Invalidität
ärztlicherseits schlüssig gestützt auf "objektive Befunde" (act. G 5.1.131-11) im Sinn
des Gesetzgebers (vgl. vorstehende E. 2.2) klinisch festgestellt (act. G 5.1.131-11 ff.)
und vom RAD bestätigt worden (act. G 5.1.132-2; vgl. ferner act. G 5.1.60-2). Die
Erheblichkeit des depressiven Leidens wird durch den Umstand unterstrichen, dass es
sich um eine depressive Störung mittelgradiger Ausprägung handelt und das
depressive Syndrom in seinem Ausmass schwankt. Die Erheblichkeit der Depression
wird deshalb auch nicht durch den Umstand in Frage gestellt, dass der psychiatrische
Gutachter im Zeitpunkt der Begutachtung lediglich eine leichte Ausprägung
wahrgenommen hat. Für die Relevanz des psychischen Leidens spricht ferner, dass es
sich beim Beschwerdeführer um eine überangepasste, leistungsorientierte
Persönlichkeit handle. Dadurch falle es ihm umso schwerer, das Nachlassen seiner
Leistungen zu akzeptieren und damit zu leben. Des Weiteren wird er u.a. durch die
unbestrittenen somatischen Diagnosen zusätzlich in emotionaler Hinsicht belastet (act.
G 5.1.131-12). Das depressive Leiden besteht schon seit Jahren (vgl. Bericht
med. pract. B._: "wohl seit 2005", act. G 5.1.55-2). Seit 17. April 2008 unterzieht sich
der Beschwerdeführer fortlaufend - wenn auch mit Unterbrechungen (act. G 5.1.55-3) -
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einer ambulanten psychiatrischen Behandlung (act. G 5.1.55-2). Hinweise für relevante
Inkonsistenzen finden sich in den Akten keine.
2.4 Entgegen der in der Beschwerdeantwort vertretenen Auffassung, der
Beschwerdeführer erlebe sich nicht als besonders depressiv (act. G 5, Rz 1), hat der
psychiatrische Gutachter schlüssig gestützt auf eine eigene Untersuchung festgestellt,
der Beschwerdeführer wirke "hoffnungslos". "Lebensüberdruss bis hin zu
Todeswunsch werden einige Male spontan geäussert" (act. G 5.1.131-11; zur
Selbsteinschätzung, wonach die "Batterie" leer sei siehe act. G 5.1.131-10). Daran
ändert nichts, dass der Beschwerdeführer von sich aus angab, er nehme die im
Zusammenhang mit der Depression "verschriebenen Medikamente" nicht ein, da er
nicht glaube, diese würden seinen Zustand verbessern (act. G 5.1.131-10 und -12).
Vielmehr passt dies ins Bild der vom psychiatrischen Gutachter beschriebenen
nihilistischen Zukunftsvorstellungen (act. G 5.1.131-11), und es darf auch nicht ausser
Acht gelassen werden, dass med. pract. B._ gar keine psychopharmakologische
Medikation verschrieben hat (act. G 5.1.55-3). Im Übrigen kann daraus nicht auf eine
allgemein mangelhafte Compliance geschlossen werden, nimmt doch der
Beschwerdeführer seit langem und weiterhin an einer regelmässigen ambulanten
psychiatrischen Behandlung teil (vgl. vorstehende E. 2.3 am Schluss) und hat er - nach
eigenen glaubhaften Angaben - zumindest früher eine antidepressive
Medikationstherapie versucht (act. G 5.1.131-5). Schliesslich hat der psychiatrische
Gutachter die Weiterführung der bisherigen psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung empfohlen (act. G 5.1.131-13) und insbesondere keine zusätzlichen (etwa
medikamentösen) Behandlungen erwähnt bzw. für empfehlenswert gehalten.
2.5 Die Beschwerdegegnerin hält das psychische Leiden auch mit Blick auf
vorhandene psychosoziale Umstände für nicht invalidisierend (act. G 5, Rz 1). Dabei
verkennt sie, dass der psychiatrische Gutachter die relevanten psychosozialen
Faktoren beschrieb (worauf die Beschwerdegegnerin ausdrücklich hinweist, act. G 5,
Rz 1, Mitte) und bei seiner Beurteilung berücksichtigte (vgl. etwa zu den als ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten Eheprobleme [ICD-10: Z63.0] und
längere Arbeitslosigkeit [ICD-10: Z73.3], act. G 5.1.131-13), weshalb davon
auszugehen ist, dass solche Aspekte im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsschätzung
ausgeklammert wurden (Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2013, 8C_651/2012,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E. 5.3). Hinzu kommt, dass sich aus dem Gutachten nicht ergibt und von der
Beschwerdegegnerin auch nicht substanziiert geltend gemacht wird, dass die
psychosozialen Faktoren derart ausgeprägt seien, dass das psychische Leiden darin
aufgehe (vgl. hierzu Urteile des Bundesgerichts vom 25. September 2013,
9C_415/2013, E. 5.4, und vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.2). Im Übrigen ist es
ohne weiteres nachvollziehbar, wenn Personen, die bereits an erheblichen depressiv
bedingten Beeinträchtigungen ihrer psychischen Ressourcen leiden und
krankheitsbedingt die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sowie
entsprechende Verdienstmöglichkeiten verloren haben, durch einschneidende
psychosoziale Umstände sich zusätzlich belastet fühlen. Es erscheint daher der Sache
nicht angemessen, jegliche invalidisierende Wirkung einer gutachterlich bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit zu verneinen, sobald auch psychosoziale oder soziokulturelle
Belastungsfaktoren vorhanden sind, zumal sich vorliegend nicht ergibt, diese seien
primär verantwortlich für die Aufrechterhaltung des depressiven Leidens.
2.6 Soweit die Beschwerdegegnerin zur Verneinung der invalidenversicherungs
rechtlichen Relevanz des depressiven Leidens auf die Foersterkriterien verweist (act.
G 5, Rz 1), übersieht sie, dass vorliegend keine einschlägige pathogenetisch-
ätiologisch unklare gesundheitliche Beeinträchtigung vorliegt, weshalb sich
Weiterungen erübrigen.
2.7 Zusammengefasst besteht vorliegend kein Anlass, die gutachterlich bescheinigte
und vom RAD bestätigte Arbeitsunfähigkeit aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
als nicht relevant zu erklären (act. G 5.1.132).
2.8 Die Gutachter bescheinigten für die angestammte Tätigkeit eine 100%ige und für
leidensangepasste Tätigkeiten eine 20 bis 30%ige Arbeitsunfähigkeit (act.
G 5.1.131-15 f.). Gibt ein Arztbericht die Arbeitsunfähigkeit in Form einer Bandbreite
an, ist nach der Rechtsprechung in der Regel auf den Mittelwert abzustellen. Dadurch
werden Rechtsungleichheiten vermieden, die aus der Art der Bezifferung resultieren
(Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2009, 9C_193/2009, E. 1.3.1 mit Hinweis).
Es ist daher vorliegend für die Bestimmung des Invalideneinkommens von einer
25%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausgehend von einer Restarbeitsfähigkeit von 75% "bei einer vollen Präsenzzeit" (act.
G 5.1.131-13) verbleibt damit die Bestimmung des Invaliditätsgrads im Rahmen eines
Einkommensvergleichs (vgl. hierzu vorstehende E. 1.2).
3.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im massgeblichen Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen
müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 325 E. 4.1).
Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, darf auf
statistische Werte wie die LSE zurückgegriffen werden, sofern dabei die für die
Entlöhnung im Einzelfall relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren
mitberücksichtigt werden (BGE 139 V 30 E. 3.3.2; vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Februar 2014, 8C_808/2013, E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).
Der Beschwerdeführer hat sich am 4. November 2008 (act. G 5.1.1) zum Bezug von IV-
Leistungen angemeldet, weshalb ein Rentenanspruch in Nachachtung von Art. 29
Abs. 1 IVG frühestens am 4. Mai 2009 entsteht.
3.1.1 Die Beschwerdegegnerin nahm zur Bestimmung des Invaliditätsgrads eine
Parallelisierung der Vergleichseinkommen vor (act. G 5.1.139). Zur Begründung dieses
Vorgehens bringt sie in der Beschwerdeantwort vor, es bestehe seit August 2000 keine
repräsentative Einkommensbasis (act. G 5, Rz 3). Der Beschwerdeführer macht
demgegenüber geltend, es sei auf die zuletzt in leitender Position in einem Hotelbetrieb
erzielten Einkommensverhältnisse des Jahres 2002 abzustellen und diese auf ein Jahr
hochzurechnen, woraus für das Jahr 2008 ein Valideneinkommen von Fr. 87'000.--
resultiere (act. G 1, S. 7).
3.1.2 Gemäss IK-Auszug hat der Beschwerdeführer in den 90er-Jahren in seiner
angestammten Tätigkeit durchgehend Einkommen zwischen Fr. 70'850.-- (1991) und
Fr. 82'492.-- (1994: Fr. 75'992.-- + Fr. 6'500.--) erzielt. Auch in den Folgejahren erzielte
er entsprechende Verdienste (Januar bis Juli 2000: Fr. 46'888.--; August bis Dezember
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2000: Fr. 32'101.--; Januar bis September 2001: Fr. 44'939.--; August bis Dezember
2001: Fr. 34'507.--; Januar bis September 2002: Fr. 60'824.--). Danach bezog der
Versicherte während mehrerer Jahre Arbeitslosenentschädigung und erzielte zeitweise
einen Zwischenverdienst in einer Pizzeria (act. G 5.1.79) Da in den Jahren vor dem
Beginn einer allfälligen Rente das Bestehen einer aussagekräftigen Einkommensbasis
mit der Beschwerdegegnerin zu verneinen ist, rechtfertigt es sich vorliegend, zur
Bestimmung des Valideneinkommens auf einen statistischen Durchschnittslohn,
welcher der langjährig ausgeübten angestammten leitenden Tätigkeit im
Gastronomiebereich entspricht, abzustellen.
3.1.3 Dies gilt vorliegend umso mehr, als gesundheitliche Beeinträchtigungen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit spätestens ab dem Jahr 2000 plausibel
dokumentiert sind (etwa Gonarthrose rechts 2000, nebst vorher bestehender
Gonarthrose links; act. G 5.1.16-2; daneben Herzinsuffizienz seit 2000, zuvor bereits
massive Psoriasis, act. G 5.1.23; vgl. ferner act. G 5.1.55-2). Auch im MEDAS-
Gutachten wird erwähnt, dass sich die Kniebeschwerden etwa im Jahr 2000 "immer
mehr gemeldet" hätten, und die Erstdiagnose der Herzkrankheit im selben Jahr gestellt
worden sei (act. G 5.1.131-15). Zwar führen die Gutachter zum Beginn der
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aus, eine volle Arbeitsunfähigkeit
habe ab 9. Februar 2009 bestanden. Dabei stützten sie sich einzig auf den Bericht des
(erst) seit 9. Februar 2009 behandelnden Dr. E._ vom 24. Juni 2009 (act.
G 5.1.131-16) und setzten sich nicht mit den abweichenden Vorakten auseinander. Die
Gutachter haben ferner übersehen, dass auch Dr. E._ der seit 2000 dokumentierten
Herzproblematik eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zumass (act. G 5.1.27-1). Die
gutachterliche Beurteilung des Beginns der Arbeitsfähigkeit (Februar 2009) ist deshalb
nicht beweiskräftig, was auch vom RAD festgestellt wurde (act. G 5.1.132-2; in der
RAD-Stellungnahme vom 3. März 2011 wurde der Beginn der langdauernden
Einschränkung auf Oktober 2005 festgesetzt; act. G 5.1.86-1).
3.1.4 Nach dem Gesagten erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass der
Beschwerdeführer heute im Gesundheitsfall einer seiner langjährigen erfolgreichen
Erwerbsbiographie entsprechenden leitenden Tätigkeit im Gastronomiebereich
nachgehen würde. Diese Vermutung wird auch durch die unbestrittenermassen
arbeitgeberseits erfolgten Kündigungen (zumindest die Kündigung der vor der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
längerdauernden Arbeitslosigkeit von August 2001 bis September 2002 ausgeübten
Stelle wurde wirtschaftlich begründet, act. G 5.1.4-8) vorliegend nicht umgestossen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2009, 8C_143/2009, E. 2.2.3). Im
Licht dieser Umstände erscheint es sachgerecht, zur Bestimmung des
Valideneinkommens auf den statistischen LSE-Durchschnittsmonatslohn der Tabelle
T 7, Gastgewerbliche und hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Anforderungsniveau 1,
Männer, 2008, von Fr. 6'790.-- abzustellen (zur Zulässigkeit der Anwendung der Löhne
der Tabelle TA7 vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2008, 9C_22/2008,
E. 4.2.3). Angepasst an die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 42 Stunden
(Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen,
2008, Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie) resultiert ein statistischer
Monatslohn von gerundet Fr. 7'130.-- ([Fr. 6'790.-- / 40] x 42) bzw. ein statistischer
Jahreslohn von Fr. 85'560.-- (Fr. 7'130.-- x 12). Unter Berücksichtigung der bis 2009
eingetretenen Nominallohnentwicklung von +2.1% (Bundesamt für Statistik,
Entwicklung der Nominallöhne) ist ein Valideneinkommen von gerundet Fr. 87'357.-- zu
berücksichtigen.
3.2 Mit den Parteien ist der Bestimmung des Invalideneinkommens der statistische
Hilfsarbeiterlohn zugrunde zu legen, der für das Jahr 2009 Fr. 61'240.-- beträgt. Unter
Berücksichtigung einer 75%igen Restarbeitsfähigkeit resultiert ein Einkommen von
Fr. 45'930.--. Zu prüfen ist schliesslich noch die Vornahme eines Tabellenlohnabzugs.
3.3 Gemäss Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs
ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481
E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin anerkennt in der Beschwerdeantwort
einen 10%igen Abzug, da der Beschwerdeführer nur noch leichte
Hilfsarbeitertätigkeiten ausführen könne (act. G 5, Rz 4). Der Beschwerdeführer hält
aufgrund der leidensbedingten Einschränkungen, der schubartig verlaufenden Psoriasis
mit stationären Spitalaufenthalten sowie weiterer krankheitsbedingten Absenzen und
des fortgeschrittenen Alters einen Abzug von 20% für gerechtfertigt (act. G 1).
Vorliegend kann indessen offen bleiben, ob der von der Beschwerdegegnerin
anerkannte Tabellenlohnabzug auf 20% zu erhöhen ist, da dies ohne Auswirkung auf
den Rentenumfang bleibt (vgl. nachfolgende E. 3.4).
3.4 Bei einem 10%igen bzw. 20%igen Tabellenlohnabzug resultieren ein
Invalideneinkommen von Fr. 41'337.-- (Fr. 45'930.-- x 0.9) bzw. Fr. 36'744.--
(Fr. 45'930.-- x 0.8), eine Erwerbseinbusse von Fr. 46'020.-- (Fr. 87'357.-- -
Fr. 41'337.--) bzw. Fr. 50'613.-- (Fr. 87'357.-- - Fr. 36'744.--) und ein Invaliditätsgrad
von gerundet 53% ([Fr. 46'020.-- / Fr 87'357.--] x 100) bzw. 58%
([Fr. 50'613.-- / Fr 87'357.--] x 100), womit der Beschwerdeführer in beiden Fällen einen
Anspruch auf eine halbe Rente hat.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 24. August 2012 aufzu
heben und dem Beschwerdeführer eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung
von Rentenbeginn und -höhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versiche
rungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Ausgang erübrigt sich
die Festlegung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP