Decision ID: 48cf4803-2309-44de-9761-933f2942e8f1
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Drohung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung - Einzelgericht, vom 8. November 2019 (GG190098)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 10. April 2019
(Urk. D1/21) sowie die Nachtragsanklage der Staatsanwaltschaft I des Kantons
Zürich vom 26. Juli 2019 (Urk. 42/12) sind diesem Urteil beigeheftet.
Entscheid der Vorinstanz (Urk. 47 S. 57 ff.)
"Es wird verfügt:
1. Prozess Nr. GG190167-L wird mit dem vorliegenden Prozess-Nr. GG190098-L vereinigt
und unter der letztgenannten Prozess-Nr. weitergeführt. Der Prozess-Nr. GG190167-L wird
als durch Vereinigung erledigt abgeschrieben.
2. Schriftliche Mitteilung gemäss nachfolgendem Urteil.
Sodann wird erkannt:
1. Das Verfahren wird in Bezug auf versuchte Drohung zum Nachteil von B._ im Sinne
von Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 StGB (Dossier 1) eingestellt.
2. Der Beschuldigte ist schuldig
– der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB;
– der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2
lit. a StGB;
– der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2
lit. b StGB;
– des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292
StGB.
3. Vom Vorwurf der mehrfachen Körperverletzung wird der Beschuldigte freigesprochen.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, wovon 1 Tag durch
Haft erstanden ist, sowie mit einer Busse von Fr. 4'000.–.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festge-
setzt. Die Busse ist zu bezahlen.
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6. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 40 Tagen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ Fr. 1'200.– zuzüglich 5 %
Zins ab 1. August 2018 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin C._ für die
mehrfache Drohung dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststel-
lung des Umfanges des Schadenersatzanspruches und der Kausalität wird die
Privatklägerin C._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Hinsichtlich der mehrfa-
chen Tätlichkeiten wird das Feststellungsbegehren der Privatklägerin C._ abgewiesen.
9. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger B._ für die
mehrfachen Tätlichkeiten dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen
Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches und der Kausalität wird der Pri-
vatkläger B._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins
ab 15. November 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche Rechtsvertre-
terin der Privatklägerin C._ mit Fr. 4'869.10 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
12. Rechtsanwalt lic. iur. Z._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher Rechtsver-
treter des Privatklägers B._ mit Fr. 3'363.70 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
13. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'500.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 755.00 Auslagen der Untersuchung
Fr. 4'363.80 amtliche Verteidigung
14. Die Kosten der Untersuchung, des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der
amtlichen Verteidigung durch Rechtsanwalt X2._, sowie der unentgeltlichen Vertretung
der Privatkläger werden dem Beschuldigten auferlegt.
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15. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Betrag von Fr. 4'363.80 werden auf die Gerichts-
kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
16. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ für das Verfahren GG190167-
L (Nachtragsanklage) eine Prozessentschädigung von Fr. 1'525.45 (inkl. Mehrwertsteuer
und Barauslagen) zu bezahlen.
17. [Mitteilung]
18. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 71 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei in allen Anklagepunkten von Schuld und Strafe freizu-
sprechen. Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien abzuweisen.
2. Eventualiter, im Falle einer allfälligen auch teilweisen Verurteilung gemäss
Anklageschrift, sei der Beschuldigte milde zu bestrafen.
3. Dies alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
(Urk. 56; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 47 S. 5 f. E. I.1.-4.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich wurde der Beschuldigte gemäss dem
eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv verurteilt. Gegen dieses Urteil
meldete der Beschuldigte fristgemäss Berufung an (Urk. 44). Ihr begründetes
Urteil versandte die Vorinstanz am 31. Juli 2020 (Urk. 49/1-5). Fristgerecht reichte
der Beschuldigte mit Eingabe vom 24. August 2020 seine Berufungserklärung ein.
Gleichzeitig beantragte er, es sei ihm für das Berufungsverfahren Rechtsanwalt
lic. iur. X1._ als amtlicher Verteidiger zu bestellen (Urk. 52).
1.3. Mit Verfügung vom 26. August 2020 wurde Rechtsanwalt lic. iur. X1._
für das Berufungsverfahren als amtlicher Verteidiger eingesetzt. Gleichzeitig ging
die Berufungserklärung an die Anklägerin 1 und 2 sowie die Privatkläger und wur-
de diesen Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird
oder um ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen; ferner wurde der Be-
schuldigte aufgefordert, das Datenerfassungsblatt sowie Unterlagen zu seinen fi-
nanziellen Verhältnissen einzureichen (Urk. 54).
1.4. Die Anklägerin 1 teilte mit Eingabe vom 8. September 2020 mit, auf eine
Anschlussberufung zu verzichten und die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
zu beantragen (Urk. 56). Mit Eingabe vom 15. September 2020 erklärte die An-
klägerin 2, auf eine Anschlussberufung zu verzichten, und dass sie sich am weite-
ren Verfahren nicht aktiv beteiligen wolle (Urk. 61). Die Privatkläger liessen sich
innert Frist nicht vernehmen. Mit Eingabe vom 10. September 2020 reichte der
Beschuldigte das Datenerfassungsblatt ein (Urk. 57). Am 11. März 2021 teilte der
Vertreter des Privatklägers B._, Rechtsanwalt lic. iur. Z._, mit, er ver-
zichte auf eine Teilnahme an der Berufungsverhandlung und das Einreichen einer
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Kostennote (Urk. 65). Mit Eingabe vom 15. März 2021 reichte die amtliche Vertei-
digung ihre Honorarnote ein (Urk. 67).
1.5. Am 22. März 2021 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des
Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. X1._,
statt (Prot. II S. 4). Im Anschluss an die Verhandlung erging nachfolgendes Urteil.
2. Umfang der Berufung
Vom Beschuldigten nicht angefochten werden die vorinstanzliche Verfahrens-
einstellung (Dispositiv-Ziffer 1), der vorinstanzliche Freispruch (Dispositiv-Ziffer 3),
die Entschädigungen der unentgeltlichen Vertretungen der Privatkläger zu Lasten
der Staatskasse (Dispositiv-Ziffern 11 und 12), die vorinstanzliche Kostenfest-
setzung (Dispositiv-Ziffer 13) sowie die Entschädigung der amtlichen Verteidigung
zu Lasten der Staatskasse (Dispositiv-Ziffer 15, erster Satzteil), was er anlässlich
der heutigen Berufungsverhandlung bestätigte (Prot. II S. 5; vgl. auch Urk. 52 S. 1
und Urk. 71 S. 1). Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil in den Dis-
positiv-Ziffern 1, 3, 11-13 und 15 teilweise (in Bezug auf den ersten Satzteil) in
Rechtskraft erwachsen. Dies ist vorab mittels Beschluss festzustellen (Art. 404
Abs. 1 StPO). Soweit das vorinstanzliche Urteil zur Disposition steht, ist das
Verschlechterungsverbot im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zu berücksichtigen.
3. Prozessuales
3.1. Bei den vorliegend zu prüfenden Straftatbeständen der Tätlichkeiten im
Sinne von Art. 126 StGB sowie der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB handelt
es sich an sich um Antragsdelikte. Die Privatklägerin C._ und der
Beschuldigte waren jedoch zu den jeweiligen Tatzeitpunkten verheiratet, weshalb
die Tatbestände der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB sowie der
Drohung gemäss Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB von Amtes wegen zu prüfen sind. Der
Privatkläger B._ stand im Tatzeitraum unter der Obhut des Beschuldigten,
weshalb der Tatbestand der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB
ebenfalls von Amtes wegen zu prüfen ist.
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3.2. Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt,
sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen. Der Strafantrag ist
dieser Erklärung gleichgestellt. Die Erklärung ist gegenüber einer Straf-
verfolgungsbehörde spätestens bis zum Abschluss des Vorverfahrens abzugeben
(Art. 118 Abs. 1 bis 3 StPO). Die Geschädigten C._ und B._ haben sich
mittels Einreichung des Formulars "Geltendmachung von Rechten als Privatklä-
gerschaft" bzw. Strafantragsstellung je rechtzeitig als Straf- und Zivilkläger konsti-
tuiert (Urk. D1/2-3; Urk. D1/11/4; Urk. D1/12/4; Urk. 42/1/2;).
3.3. Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch
auf rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu be-
gründen. Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von
denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt.
Es darf sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss
sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für
den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässiger
Motivationsaufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt sich
Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes
Argument gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer Urteil des Bundesgerichtes
6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage / Vorbringen des Beschuldigten
1.1. Betreffend die dem Beschuldigten zur Last gelegten Anklagevorwürfe kann
auf die beigeheftete Anklageschrift der Anklägerin 1 vom 10. April 2019
(Urk. D1/21) sowie die Nachtragsanklage der Anklägerin 2 vom 26. Juli 2019
verwiesen werden (Urk. 42/12).
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1.2. Der Beschuldigte stellte sämtliche Anklagevorwürfe sowohl im bisherigen
Verfahren, als auch im Berufungsverfahren in Abrede und beantragt dementspre-
chend, er sei vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen. Nachfolgend
ist deshalb zu prüfen, ob sich der Anklagesachverhalt in tatsächlicher Hinsicht
anhand der verwertbaren Beweismittel mit rechtsgenügender Sicherheit erstellen
lässt. Anschliessend ist der erstellte Sachverhalt rechtlich zu würdigen.
1.3. Betreffend das Vorgehen bei der Sachverhaltserstellung und der Beweis-
würdigung kann vorab – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Die Vorinstanz hat
richtig erwogen, das zur Erstellung des Anklagesachverhalts vorliegend im
Wesentlichen die Aussagen der Privatkläger und des Beschuldigten zu würdigen
sind. Ebenso hat die Vorinstanz richtig ausgeführt, dass für die Sachverhalts-
erstellung in erster Linie die Glaubhaftigkeit der Aussagen relevant sei und nicht
einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person
abgestellt werden dürfe (Urk. 47 S. 7 f. E. II.).
2. Komplott-Theorie
2.1. Die Verteidigung des Beschuldigten machte bereits im vorinstanzlichen
Verfahren sinngemäss geltend, es sei vorliegend von einem Komplott seitens der
Privatkläger auszugehen, indem diese ihre Aussagen abgesprochen und ihn
absichtlich zu Unrecht belastet hätten. Hinsichtlich der Motivlage für die Falsch-
belastungen liess der Beschuldigte vorbringen, die Privatklägerin habe sich in der
Ehe nicht mehr wohlgefühlt, was ein typischer Motivator für Falschaussagen sei.
Sie habe sich von ihm emotional entfernt und sich aus der Ehe befreien wollen.
Sie habe mutwillig Konflikte zwischen ihm und dem Privatkläger herbeigeführt und
den Eklat am 18. Juni 2018 gesucht. Er werde von ihr regelrecht verteufelt. Als
weiterer Motivator fielen die aus Sicht des Beschuldigten massiv überhöhte
Genugtuungsforderungen der Privatkläger in Betracht. Es sei gut vorstellbar, dass
die Privatklägerin den Privatkläger im Hinblick auf eine finanzielle Besserstellung
zu seinen Aussagen motiviert habe. Beim Privatkläger sei – wie dies auch der
Schulsoziarbeiter gesagt habe – das Lügen immer wieder ein Thema. Schliesslich
sei auch eigentümlich, dass die Privatkläger erst Strafantrag gestellt hätten, als
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die Ereignisse bereits weit zurückgelegen hätten (Prot. S. 24 ff.). Auch in der
Berufungserklärung hielt der Beschuldigte an dieser Argumentation fest und liess
erneut sinngemäss vorbringen, er sei quasi Opfer eines Komplotts geworden. Die
zu beurteilenden Straftaten stünden allesamt vor dem Hintergrund eines Ehe-
konfliktes, in welchem die Privatklägerin die gemeinsamen Kinder, insbesondere
den Privatkläger, auf ihre Seite gezogen habe (Urk. 52). Anlässlich der heutigen
Berufungsverhandlung stellte die Verteidigung die allgemeine Ehe- und Familien-
situation im hier interessierenden Zeitraum und die von ihr ins Feld geführten
Motive der Privatkläger für Falschaussagen erneut sehr ausführlich dar, ohne sich
indes mit der Qualität der Aussagen der Privatkläger näher auseinanderzusetzen
(Urk. 71).
2.2. Die Vorinstanz hat die Einwände der Verteidigung im angefochtenen Urteil
im Rahmen der Beweiswürdigung zutreffend abgehandelt, worauf zunächst ver-
wiesen werden kann (Urk. 47 S. 12 und 25 E. II. A. 1. e. und II. A. 3. e.). Dass
sich die Privatklägerin vom Beschuldigten trennen wollte, ist unbestritten und
wurde von ihr in der Untersuchung auch wiederholt zu Protokoll gegeben ("Ich
kann wirklich nicht mehr. Ich will ihn auch nicht mehr sehen. Er soll uns in Ruhe
lassen." "Ich will das auch nicht mehr, weil ich keine Gefühle mehr für ihn habe
und auch keine Lust mehr."; Urk. D1/5/1 F/A 32, 36). Daraus kann aber entgegen
der Verteidigung nicht geschlossen werden, dass sie die angeklagten Vorfälle frei
erfunden hat, um sich aus der Ehe mit dem Beschuldigten zu befreien (es sei an
dieser Stelle erwähnt, dass das Verschuldensprinzip im Scheidungsrecht längst
abgeschafft wurde), oder um im Eheschutz-/Scheidungsverfahren besser da zu
stehen. Vielmehr erhellt aus ihren Depositionen ("Das einzige, was sich an jenem
Tag [18. Juni 2018 = Tag der polizeilichen Anzeigeerstattung] änderte, war, dass
ich diese Situation nicht mehr akzeptierte"; vgl. Urk. D1/5/2 F/A 13), dass sie das
Verhalten des Beschuldigten über lange Zeit erduldete und sich nicht gegen ihn
zur Wehr setzte. Dementsprechend geht auch der Einwand der Verteidigung fehl,
wonach die Privatklägerin den Eklat am 18. Juni 2018 gesucht hätte. Vielmehr
erscheint die Anzeigeerstattung der Privatklägerin als Ergebnis eines längeren,
inneren Prozesses. Schlicht aktenwidrig ist das Vorbringen der Verteidigung,
wonach die anklagebegründenden Ereignisse im Zeitpunkt der Anzeigeerstattung
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bereits weit zurückgelegen hätten, was sich bereits anhand des Anklagesachver-
halts widerlegen lässt. Sodann ist bereits an dieser Stelle zu betonen, dass beide
Privatkläger – wie nachfolgend dargetan wird – im gesamten Verfahren zurück-
haltend und frei von Aggravierungstendenzen ausgesagt haben sowie auch
entlastende Momente nannten. Hätten die Privatkläger – wie die Verteidigung
insinuiert – den Beschuldigten zu Unrecht belasten wollen, dann wären wohl ganz
andere Vorwürfe zu erwarten gewesen. Soweit diese Zivilforderungen stellen,
handelt es sich um ein ihnen von Gesetzes wegen zustehendes Recht, weshalb
allein daraus nicht auf ein Komplott geschlossen werden kann. Insgesamt kann
aus den Vorbringen der Verteidigung nichts zulasten der allgemeinen Glaub-
würdigkeit der Privatkläger oder der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen abgeleitet
werden. Weiter sind auch keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich, wonach sich die
Privatkläger gegen den Beschuldigten verschworen und ihn absichtlich falsch
belastet hätten. Die von der Verteidigung geltend gemachte These des Komplotts
kann damit verworfen werden.
3. Dossier 1; mehrfache Tätlichkeiten zum Nachteil von B._
3.1. Anklagevorwurf
Die Anklägerin 1 wirft dem Beschuldigten vor, er habe von April 2017 bis 18. Juni
2018 den Privatkläger B._ am damals gemeinsamen Wohnort an der
D._-strasse ..., in ... Zürich, regelmässig, durchschnittlich zweimal pro Wo-
che, mehrheitlich mit einem Hosengurt gegen dessen Rücken und Beine, teilwei-
se mit der Faust bzw. Hand gegen die Schultern, den Rücken und die Beine ge-
schlagen. Aufgrund der Schläge mit dem Hosengurt habe der Privatkläger diverse
Blutergüsse sowie erhebliche Schmerzen erlitten, was der Beschuldigte bei seiner
Vorgehensweise zumindest billigend in Kauf genommen habe. Im Anschluss an
die Schläge habe der Beschuldigte den Privatkläger zudem regelmässig bespuckt
(Urk. D1/21 S. 2 f.).
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3.2. Standpunkt des Beschuldigten
Nachdem der Beschuldigte zu Anfang der Untersuchung den Anklagevorwurf
noch gänzlich in Abrede gestellt hatte, räumte er in der Folge sowie vor Vor-
instanz ein, den Privatkläger einmal mit dem weichen Ende eines Hosengürtels
geschlagen und dabei dessen Beine getroffen zu haben. Seines Wissens habe
der Privatkläger von diesem Vorfall keine Blutergüsse davongetragen (vgl. dazu
im Einzelnen Urk. D/1/4/1-3, Prot. S. 14 ff.). Auch anlässlich der Berufungs-
verhandlung hat der Beschuldigte anerkannt, den Privatkläger einmal geschlagen
zu haben (Urk. 70 S. 5).
3.3. Würdigung
3.3.1. Sachverhalt
3.3.2. Die Vorinstanz hat die relevanten Beweismittel zur Erstellung des zu
beurteilenden Vorwurfs zutreffend aufgeführt, die wesentlichen Aussagen der Be-
teiligten richtig wiedergegeben und diese anschliessend, unter Berücksichtigung
der dazu gemachten Ausführungen der Verteidigung, einer sorgfältigen Prüfung
unterzogen und zutreffend gewürdigt (Urk. 47 S. 8 ff. E. II. A. 1. a.-e.), worauf
zunächst verwiesen werden kann.
3.3.3. Mit der Vorinstanz ist insbesondere davon auszugehen, dass die stimmi-
gen, plausiblen, reflektierten, strukturgleichen und im Wesentlichen widerspruchs-
freien Aussagen des Privatklägers sehr glaubhaft sind und überzeugen. Der
Privatkläger zeigte sich anlässlich der Videobefragung vom 18. Januar 2019 sehr
bemüht, das Geschehene möglichst tatsachengetreu wiederzugeben, wobei kein
besonderer Belastungseifer noch Aggravierungstendenzen erkennbar sind. So
führte er aus, der Beschuldigte habe ihn meistens auf den Rücken und die Beine
geschlagen, hingegen nicht ins Gesicht (Urk. D1/6/1 ab 00:10:19), oder, der
Beschuldigte habe ihn – im Gegensatz zur Schwester – nie mit dem Metallteil des
Gürtels geschlagen (a.a.O. ab 00:48:45). Originell schilderte der Privatkläger zu-
dem das erste Mal, als ihn der Beschuldigte gemäss seiner Erinnerung schlug: Er
habe Geburtstag gehabt und nur weil die Privatklägerin ein Stück Kuchen in den
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Kühlschrank getan habe, und das dem Beschuldigten nicht gepasst habe, habe er
sie beide geschlagen (a.a.O. ab 00:47:40). Es ist nur schwerlich vorstellbar, dass
sich der Privatkläger dies ausgedacht haben könnte. Authentisch wirkt auch seine
Erklärung für das Verhalten des Beschuldigten, nämlich dass dieser selber von
seinem Vater geschlagen worden sei (a.a.O. ab 00:15:04), was der Beschuldigte
selbst bestätigt hat (Prot. S. 21). Für die Darstellung des Beschuldigten bzw. des-
sen Verteidigung, wonach der Privatkläger zum Lügen neige und von der Privat-
klägerin zu den belastenden Aussagen motiviert worden sei, zeigen sich hingegen
keinerlei Anhaltspunkte. Im Gegenteil spricht der Umstand, dass der Privatkläger
auch entlastende Momente nannte (bspw. auch hinsichtlich der physischen Ge-
walt gegenüber der Privatklägerin: So habe der Beschuldigte die Privatklägerin in
den letzten Jahren nicht mehr so geschlagen; a.a.O. ab 00:17:30) ebenfalls für
die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Er gab auch unumwunden zu, wenn er
Konflikte zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin nicht selber wahr-
genommen hatte. Weiter lassen sich die Aussagen des Privatklägers zwanglos
mit jenen der Privatklägerin, welche ebenfalls glaubhaft erscheinen, in Einklang
bringen. Zudem werden sie zumindest teilweise durch die Zugaben des Beschul-
digten gestützt. Demgegenüber sind die wenig konsistenten, in der Sache immer
wieder ausweichenden und vom eigenen Verhalten ablenkenden Aussagen des
Beschuldigten – wobei dieses Aussageverhalten in sämtlichen Einvernahmen
zum Ausdruck kommt – soweit er den Anklagevorwurf bestreitet, nicht glaubhaft,
teilweise sinnbefreit und vermögen keine begründeten Zweifel an den glaubhaften
Aussagen der beiden Privatkläger aufkommen lassen. Geradezu abenteuerlich
mutet sodann das Vorbringen des Beschuldigten an, wonach die Privatklägerin
die von ihm eingestandene Züchtigung provoziert haben soll (Prot. S. 20 f.). Der
eingeklagte Sachverhalt ist damit erstellt.
3.3.4. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 47 S. 33-36 E. III. A. 1.), darauf kann verwiesen werden. Die Verteidigung
machte anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung ein elterliches Züchti-
gungsrecht als Rechtfertigungsgrund geltend (Urk. 71 S. 8). Das erhebliche
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physisch gewalttätige Verhalten des Beschuldigten über einen längeren Zeitraum
hinweg lässt sich in keinerlei Hinsicht mit einem etwaigen aus der elterlichen
Sorge resultierenden Züchtigungsrecht, unabhängig von dessen heute noch
anerkannten Form, rechtfertigen.
4. Dossier 1; mehrfache Drohung zum Nachteil von C._
4.1. Anklagevorwurf
4.1.1. Erster Sachverhaltsabschnitt
Die Anklägerin 1 wirft dem Beschuldigten vor, an einem nicht näher bestimm-
baren Vormittag Ende Dezember 2017 / Anfang Januar 2018 in der Küche der
damals gemeinsamen Wohnung an der D._-strasse ..., in ... Zürich, im Ver-
lauf einer verbalen Auseinandersetzung mit der Privatklägerin C._ aus einer
Schublade ein Küchenmesser (Länge von ca. 30 cm) behändigt und dieses in
Richtung der Privatklägerin gehalten zu haben, welche dabei gewesen sei, das
Geschirr abzuwaschen, und dabei sinngemäss geäussert zu haben, er werde ihr
die Kehle durchzuschneiden. Dadurch habe sich die Privatklägerin in ihrem Si-
cherheitsgefühl erheblich beeinträchtigt gefühlt, was der Beschuldigte beabsichtigt
oder aber zumindest billigend in Kauf genommen habe.
4.1.2. Zweiter Sachverhaltsabschnitt
Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, im März oder April 2018, ebenfalls in
der Küche der oben erwähnten Örtlichkeit, als die Privatklägerin den Abwasch
getätigt und sich dabei einen Schritt vom Fenster entfernt befunden habe, dieser
gegenüber sinngemäss geäussert zu haben, er werde sie aus dem Fenster
werfen. Dadurch habe sich die Privatklägerin in ihrem Sicherheitsgefühl erheblich
beeinträchtigt gefühlt, was der Beschuldigte beabsichtigt oder aber zumindest
billigend in Kauf genommen habe.
4.1.3. Dritter Sachverhaltsabschnitt
Schliesslich wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, am Abend des 18. Juni 2018
im Korridor der oben erwähnten Örtlichkeit ein Sparschwein aus Keramik
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behändigt, hochgehalten und angedeutet zu haben, es nach der Privatklägerin zu
werfen. Diese sei dadurch in grosse Angst versetzt worden, indem sie körperliche
Übergriffe seitens des Beschuldigten erwartet habe, was der Beschuldigte
gewusst und gewollt oder zumindest billigend in Kauf genommen habe (vgl. zum
Ganzen Urk. D1/21 S. 3-4).
4.2. Standpunkt des Beschuldigten
Dieser Anklagevorwurf wird vom Beschuldigten vollumfänglich bestritten (vgl.
dazu im Einzelnen Urk. D/1/4/1-3, Prot. S. 14 ff., Urk. 70 S. 6).
4.3. Würdigung
4.3.1. Sachverhalt
Vor dem Hintergrund, dass jeweils niemand anderes als der Beschuldigte und die
Privatklägerin bei den Vorfällen zugegen war, es sich mithin um Vier-Augen-
Delikte handelt, die vorliegend im Raum stehen, weshalb bei der Erstellung des
strittigen Sachverhalts deren Aussagen ausschlaggebend sind, hat die Vorinstanz
die massgebenden und soweit entscheidrelevant zu würdigenden Beweismittel
zutreffend dargestellt, worauf verwiesen werden kann. Schliesslich kann bereits
an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Vorinstanz die vorliegenden Be-
weise unter Bezugnahme auf die Vorbringen der Verteidigung im Hinblick auf den
strittigen Sachverhalt grundsätzlich überzeugend gewürdigt hat (Urk. 57 S. 13 ff.
E. II. A. 2. a.-e.), weshalb auf die entsprechenden Ausführungen vorab ebenfalls
verwiesen werden kann.
4.3.1.1. Erster Sachverhaltsabschnitt
4.3.1.1.1. Es ist der Verteidigung insofern beizupflichten, als die Aussagen des
Beschuldigten zufolge Bestreitens des Vorwurfs naturgemäss mit weniger Detail-
reichtum verbunden sind (Prot. II S. 11), was ihm grundsätzlich nicht zum Nachteil
gereichen darf. Dennoch gibt es einige Auffälligkeiten, welche Zweifel an der
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen wecken. So fällt auf, dass sich der Beschuldigte
zum Kerngeschehen dieses Vorwurfs ebenfalls nur ausweichend äusserte. So
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machte er vor Vorinstanz Ausführungen dazu, wie er ständig und mit aller Kraft
versucht habe, seine Familie zu retten und sie zurückzugewinnen und wie er alles
versucht habe, um seine Familie glücklich zu machen, anstatt sich zum Anklage-
vorwurf zu äussern (Prot. S. 17). Dabei findet sich in den Aussagen des Beschul-
digten auch eine Tendenz zu Übertreibungen (Die Zeit, während welcher er
zusammen mit seiner Familie in der Schweiz gelebt habe, habe er "ständig auf
Knien bettelnd verbracht"; Prot. S. 17). Weiter fällt auf, dass er versucht, die Pri-
vatklägerin in einem schlechten Licht darzustellen (Sie wisse nicht, was sie rede;
vgl. Prot. S. 18; Sie habe immer die Kinder gegen ihn aufgehetzt und ihn provo-
zieren wollen; vgl. Urk. D1/4/3 F/A 3 und 8; Sie habe einfach nicht normal mit ihm
in einer Ehe leben wollen; a.a.O. F/A 9). Auch seine zusammenhangslose Aus-
führung, wonach die Privatklägerin im Jahr 2016 eine Affäre mit einem Nachbarn
gehabt haben soll (Prot. S. 15), erscheint als hilfloser Versuch, ein unvorteilhaftes
Bild von ihr zu zeichnen. Die Depositionen des Beschuldigten zum Vorwurf sind
immer wieder von ausufernden Schilderungen betreffend Nebensächlichkeiten
geprägt (So auf die Frage, ob er sich zu den Aussagen der Privatklägerin äussern
wolle, wo er unter anderem ausführte, ihr Adamsapfel habe sich von oben nach
unten bewegt, was zeige, dass sie Angst vor der Befragung gehabt habe [dies
wohl als Indiz für angebliche absichtliche Falschaussagen]; Urk. D1/4/3 F/A 6).
Soweit der Beschuldigte vorbringt, die Aussagen der Privatklägerin seien dadurch
motiviert, dass sie höherem Stress, insbesondere verursacht durch Ausbildung,
Haushalt und Kinderbetreuung und Geldsorgen, unterlegen sei (Urk. D1/4/2
F/A 21 und 37), ist festzuhalten, dass eine solche Stresssituation in den Akten
keine Stütze findet, aber selbst wenn die Privatklägerin aus den vom Beschuldig-
ten vorgebrachten Gründen "gestresst" gewesen wäre, dies noch kein plausibles
Motiv für Falschaussagen zu begründen vermag.
4.3.1.1.2. Die Aussagen der Privatklägerin sind mit der Vorinstanz lebensnah, de-
tailliert, wirken authentisch und erscheinen insgesamt glaubhaft (Urk. 47 S. 20 f.
E. II. A. 2. e.). In Bezug auf diesen Sachverhaltsabschnitt ist zudem zu berück-
sichtigen, dass die Erinnerung an ein bestimmtes Erlebnis mit der Zeit naturge-
mäss abnimmt, was sich regelmässig im Detailierungsgrad der Aussagen nieder-
schlägt. Vorliegend lag der Vorfall im Zeitpunkt der ersten Befragung bereits rund
- 16 -
ein halbes Jahr zurück, was erklärt, weshalb die diesbezüglichen Schilderungen
der Privatklägerin weniger detailreich als diejenigen zum Vorfall sind, welcher zur
polizeilichen Anzeigeerstattung führte (dritter Sachverhaltsabschnitt). Die Privat-
klägerin führte in den Einvernahmen konstant, im Wesentlichen widerspruchsfrei
und schlüssig aus, der Beschuldigte habe etwa Ende Dezember 2017/Anfang
Januar 2018 im Rahmen eines Streites ein ca. 30 cm langes Rüstmesser aus der
Küche ergriffen und sie damit bedroht, was sie ernst genommen habe
(Urk. D1/5/1 F/A 29; Urk. D1/5/2 F/A 33 f. und 60). Insbesondere besteht der von
der Verteidigung in der Untersuchung aufgegriffene Widerspruch in ihren Aus-
sagen (vgl. Urk. D1/5/2 F/A 59) bei genauerer Betrachtung nicht. So führte sie am
18. Juni 2018 gegenüber der Polizei in Bezug auf Drohungen des Beschuldigten
mit einem Messer aus, der Beschuldigte habe gesagt, er würde ihr das Messer in
den Bauch rammen (Urk. D1/5/1 F/A 29). Im Rahmen der staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme vom 5. Oktober 2018 führte sie von sich aus konkretisierend
– nicht abweichend, wie es von der Verteidigung dargestellt wurde (Urk. D1/5/2
F/A 59) – aus, beim ersten Vorfall mit dem Messer zu Beginn der Ehe habe der
Beschuldigte gesagt, er würde ihr das Messer in den Bauch rammen und beim
zweiten Vorfall – welcher schliesslich Eingang in die Anklage fand – habe der
Beschuldigte "Wenn das so weitergeht, dann werde ich dir irgendwann die Kehle
aufschneiden" oder so ähnlich zu ihr gesagt (Urk. D1/5/2 F/A 33). Entsprechend
vermag denn auch ihre Ausführung zu überzeugen, wonach sie die beiden
Vorfälle mit dem Messer bei der Polizei noch nicht einzeln, sondern allgemein
geschildert habe. Lebensnah wirkt und zeugt von selbst Erlebtem insbesondere
auch die Aussage, dass der Beschuldigte bemerkt habe, dass sie verängstigt
gewesen sei und zu ihr gesagt "ah, du hast ein gelbliches Gesicht", weshalb er
das Messer zurückgelegt habe (Urk. D1/5/2 F/A 37). Ebenfalls nachvollziehbar
erscheint – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Prot. II S. 9) – dass die Privat-
klägerin nicht bereits früher zur Polizei ging, ist es doch geradezu typisch und
entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass die Opfer oft sehr lange in von
gewalttätigen Übergriffen geprägten Ehen verharren.
4.3.1.1.3. Insgesamt vermag der Beschuldigte die glaubhaften Depositionen der
Privatklägerin nicht zu entkräften. Bei dieser Ausgangslage bestehen keine ver-
- 17 -
nünftigen Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt wie eingeklagt zugetragen hat.
Der äussere Sachverhalt ist damit erstellt. Was den inneren Sachverhalt anbe-
langt, ist an dieser Stelle festzuhalten, dass der Beschuldigte das Küchenmesser
wissentlich und willentlich in Richtung der Privatklägerin hielt und ebenso
wissentlich und willentlich die eingeklagte Äusserung tätigte. Weiter wird darauf
im Rahmen der rechtlichen Würdigung eingegangen.
4.3.1.2. Zweiter Sachverhaltsabschnitt
4.3.1.2.1. Die Vorinstanz hat richtig erkannt, dass die diesbezüglichen Depositio-
nen des Beschuldigten auch hier von weitschweifigen Schilderungen zum allge-
meinen Familienleben geprägt sind, wobei immer wieder auffällt, dass er einer-
seits versucht, sich in ein vorteilhaftes Licht zu rücken und andererseits, die Pri-
vatklägerin ungünstig darzustellen. Mit Blick auf das Kerngeschehen beschränkte
er sich jedoch darauf, den Vorwurf pauschal zu bestreiten (Urk. 47 S. 21 E. II.
A. 2. e. ii.). Es kann im Übrigen auf das vorstehend Ausgeführte verwiesen wer-
den, was auch bezüglich dieses Sachverhaltsabschnitts zutrifft (E. II. 4.3.1.1.1.).
Die Aussagen des Beschuldigten erweisen sich somit als wenig glaubhaft.
4.3.1.2.2. Die Schilderungen der Privatklägerin erweisen sich mit der Vorinstanz
als stimmig, lebensnah und authentisch (Urk. 47 S. 21 E. II. A. 2. e. ii.). In Korrek-
tur zu den Ausführungen der Vorinstanz ist lediglich festzuhalten, dass die Privat-
klägerin im Einklang mit dem Anklagesachverhalt angegeben hat, der Beschuldig-
te habe ihr letztmals im März oder April 2018 damit gedroht, sie aus dem Fenster
zu werfen (Urk. D1/5/2 F/A 67). Sodann finden die Aussagen der Privatklägerin
eine gewisse Stütze durch die ebenfalls glaubhaften Depositionen des Privat-
klägers, was die Vorinstanz richtig erkannt hat. Dieser schilderte ebenfalls, dass
der Beschuldigte einmal zu ihm gesagt habe, dass er ihn aus dem Fenster werfen
werde, damit endlich Ruhe im Haus sei (Urk. D1/6/1 S. 6 ab 00:28:33). Insbeson-
dere ist auch kein Widerspruch in den Schilderungen der Privatklägerin zu
erblicken, soweit sie gegenüber der Polizei ausführte, sie wisse vielleicht, dass
der Beschuldigte seine Drohungen nicht umsetzen würde, habe aber gleichwohl
grosse Angst vor ihm, jedes Mal verdrehe und verschliesse sich dabei ihr Magen
(Urk. D1/5/1 F/A 32). Dies untermauert viel mehr die glaubhaften Aussagen der
- 18 -
Privatklägerin, wonach sich solche Situationen offenbar wiederholten und einem
Beziehungsmuster entsprachen. Vor diesem Hintergrund erscheinen ihre Aus-
sagen durchaus verständlich. Jedenfalls kann daraus nicht geschlossen werden,
die Privatklägerin habe in dieser Situation keine Angst gehabt. So gab die Privat-
klägerin bei der Staatsanwaltschaft nachvollziehbar an, dass sie in jenem Moment
versucht habe, sich selbst davon zu überzeugen, dass eine Person jemanden
nicht aus dem Fenster werfen könne. Dies sei jedoch unabhängig davon ge-
wesen, dass sie grosse Angst gehabt habe (Urk. D1/5/2 F/A 62). Weiter gab sie
zu Protokoll, sie habe vor allem dann vor dem Beschuldigten Angst gehabt, wenn
sie sich in der Nähe des Fensters aufgehalten habe (Urk. D1/5/2 F/A 44), was in
Bezug auf den eingeklagten Vorfall, welcher sich in der Küche ereignete, der Fall
war. Dass die Privatklägerin durch die Drohung in erhebliche Angst versetzt
wurde, erscheint nicht zuletzt auch deshalb nachvollziehbar, weil der Beschuldigte
der Privatklägerin physisch (in Bezug auf Körpergrösse und -gewicht) offenbar
weit überlegen war und sich innerhalb der Familie wiederholt gewalttätig zeigte.
Der Beschuldigte vermag den glaubhaften Ausführungen der Privatkläger nichts
Überzeugendes entgegenzusetzen und es kann mit der Vorinstanz nicht auf seine
Angaben abgestellt werden. Demgegenüber wirken die Schilderungen der Privat-
kläger insgesamt derart authentisch, dass ein nicht erlebnisbasierter Hintergrund
ausgeschlossen werden kann.
4.3.1.2.3. Insgesamt vermag der Beschuldigte die glaubhaften Depositionen der
Privatklägerin nicht zu entkräften. Der äussere Sachverhalt ist damit erstellt. Was den inneren Sachverhalt anbelangt, ist an dieser Stelle festzuhalten, dass der
Beschuldigte die erstellte Äusserung wissentlich und willentlich machte. Weiter
wird darauf im Rahmen der rechtlichen Würdigung eingegangen.
4.3.1.3. Dritter Sachverhaltsabschnitt
4.3.1.3.1. Mit der Vorinstanz ist zunächst festzuhalten, dass der Beschuldigte und
die Privatklägerin die Rahmenumstände bzw. den Konfliktherd weitgehend
deckungsgleich schilderten, wohingegen deren Aussagen sich in Bezug auf das
Kerngeschehen diametral gegenüberstehen. So vertritt der Beschuldigte den
Standpunkt, dass die Privatklägerin ihn angeschrien habe, wohingegen er sich
- 19 -
überwiegend deeskalierend und passiv verhalten haben will, indem er sich
zurückgezogen und dadurch die Auseinandersetzung beendet haben will
(Urk. D1/4/1 F/A 4; Urk. D1/4/2 F/A 11; Urk. D1/4/3 F/A 21). Die Privatklägerin hat
die Dynamik des Kerngeschehens zwischen ihr und dem Beschuldigten bzw. die
Bedrohungssituation in tatsächlicher und emotionaler Hinsicht sehr differenziert,
konstant, lebensnah, zurückhaltend und schlüssig geschildert, ohne den Beschul-
digten unnötig zu belasten. Zudem zeigen ihre Aussagen keinerlei Aggravierungs-
tendenzen. Weiter vermochte die Privatklägerin anlässlich ihrer Ausführungen die
mit ihren Handlungen logisch verknüpften Gedanken zu beschreiben und sehr
einfühlbar ihre Empfindungen während des Vorfalls zu schildern ("Ich blieb dies-
mal standhaft und wollte nicht klein beigeben, wie sonst so oft. Ich war verzwei-
felt, hatte keine Geduld mehr. Ich hatte genug von diesem Schreien und der Ge-
walt meines Mannes."; vgl. Urk. D1/5/1 F/A 16). Auch finden sich in ihren Deposi-
tionen anschauliche und plausible Interaktionsschilderungen (z.B. wie die Töchter
E._ und F._ in das Geschehen eingegriffen und den Beschuldigten be-
sänftigt hätten; a.a.O. D1/5/1 F/A 17 und 18). Nicht zuletzt sind die Vorbringen be-
treffend die Drohgebärde mit einem Sparschwein aus Keramik derart originell,
dass sich kaum vorstellen lässt, dass die Privatklägerin diese erfunden hat, was
ebenfalls als Realitätszeichen zu werten ist. Insgesamt weisen die Aussagen der
Privatklägerin keinerlei Lügensignale auf, weshalb darauf abzustellen ist.
4.3.1.3.2. Die Aussagen des Beschuldigten geben zum Kerngeschehen weniger
her, was jedoch angesichts dessen, dass er den Vorfall bestreitet, nicht per se als
Lügensignal zu werten ist. Immerhin fällt auf, dass er – auch hier – einerseits ver-
sucht, die Privatklägerin in ein schlechtes Licht zu rücken, und andererseits sich
selbst als mustergültigen Ehemann präsentiert. Zudem leuchtet nicht ein und
vermochte der Beschuldigte auch nicht nachvollziehbar zu erklären, weshalb
unmittelbar nach dem Vorfall die Polizei alarmiert wurde, wenn er sich doch weit-
gehend deeskalierend und passiv verhielt, wie von ihm behauptet wird. Insgesamt
vermögen die Depositionen des Beschuldigten keine vernünftigen Zweifel an den
glaubhaften Aussagen der Privatklägerin zu wecken.
- 20 -
4.3.1.3.3. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz lässt sich nicht erstellen, was
die Gebärde mit dem Sparschwein bei der Privatklägerin ausgelöst hat bzw. ob
sie dadurch in Schrecken oder Angst versetzt wurde, da diesbezüglich keine Aus-
sagen von ihr vorliegen. Damit ist nicht erstellt, dass die Privatklägerin durch die
Gebärde des Beschuldigten "in grosse Angst versetzt wurde". Im übrigen Umfang
ist der äussere Sachverhalt erstellt. Was den inneren Sachverhalt anbelangt, ist
an dieser Stelle festzuhalten, dass der Beschuldigte die Gebärde wissentlich und
willentlich machte. Weiter wird darauf im Rahmen der rechtlichen Würdigung
eingegangen.
4.3.2. Rechtliche Würdigung
4.3.2.1. Erster Sachverhaltsabschnitt
4.3.2.2. Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt,
wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft
(Art. 180 Abs. 1 StGB). Der Täter muss dem Geschädigten einen schweren Nach-
teil in Aussicht stellen und diesen, damit die Tat vollendet ist, tatsächlich in Angst
oder Schrecken versetzen. Geschützte Rechtsgüter sind die innere Freiheit und
das Sicherheitsgefühl. Die Drohung braucht nicht ernst gemeint, sondern nur
nach der Vorstellung des Täters wirksam zu sein. Auch eine Scheindrohung ohne
tatsächliche Gefahr für das Opfer (z.B. Drohung mit ungeladener Waffe) kann die
beabsichtigte Wirkung erzielen. Der Täter muss zum Ausdruck bringen, dass die
Zufügung des angedrohten Übels von seinem Willen abhängig ist; dass dem
tatsächlich so ist, ist nicht notwendig. Tut er das nicht, ist von einer blossen
Warnung auszugehen. Das Übel kann auf irgendeine Weise angekündigt werden,
so durch Wort, Schrift, konkludente Handlungen oder auch über eine Drittperson.
Wenn die Drohung verbal erfolgt, ist sie nicht ausschliesslich nach den gefallenen
Äusserungen zu beurteilen; vielmehr kommt es darauf an, ob diese Äusserungen
nach den gesamten Umständen geeignet gewesen sind, das Opfer in Angst und
Schrecken zu versetzen. Dabei ist grundsätzlich ein objektiver Massstab anzu-
legen, wobei in der Regel auf das Empfinden eines vernünftigen Menschen mit
einigermassen normaler psychischer Belastbarkeit abzustellen ist (vgl. dazu statt
Weiterer DONATSCH in OFK StGB, 20. Aufl., N 1-5 zu Art. 180, mit Verweisen auf
- 21 -
die einschlägige Rechtsprechung). Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der
Beschuldigte ein ca. 30 cm langes Küchenmesser in Richtung der Privatklägerin
gehalten und dabei sinngemäss ihr gegenüber geäussert, er werde ihre Kehle
durchschneiden, womit er ihr einen schweren Nachteil in Aussicht stellte. Mit
seiner Äusserung brachte der Beschuldigte zum Ausdruck, dass die Zufügung
des angedrohten Übels von seinem Willen abhängig ist. Die Äusserung war nach
den gesamten Umständen, namentlich vor dem Hintergrund, dass es sich um ein
Verhaltensmuster des Beschuldigten handelte und er sich gegenüber der Familie
auch wiederholt gewalttätig zeigte, auch bei Ansetzung eines objektiven Mass-
stabes durchaus geeignet, einen vernünftigen Menschen mit durchschnittlicher
Belastbarkeit in Angst oder Schrecken zu versetzen. Das Handeln des Beschul-
digten ist damit als objektiv tatbestandsmässig im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
zu qualifizieren. Gemäss erstelltem Sachverhalt fühlte sich die Privatklägerin
durch das Handeln des Beschuldigten in ihrem Sicherheitsgefühl erheblich
beeinträchtigt, womit das objektive Tatbestandselement des Taterfolges erfüllt ist.
4.3.2.3. In subjektiver Hinsicht erfordert Art. 180 Abs. 1 StGB Vorsatz bzw.
Eventualvorsatz. Der Täter muss den Willen haben, sein Opfer in Schrecken oder
Angst zu versetzen und er muss sich bewusst sein, dass seine Drohung diese
Wirkung hervorruft oder dies zumindest in Kauf nehmen (vgl. dazu statt Weiterer
DELNON/RÜDY in BSK StGB II, 4. Aufl., N 33 zu Art. 180). Erstellt ist, dass der
Beschuldigte die Äusserung und die Gebärde mit dem Küchenmesser wissentlich
und willentlich tätigte, mithin die Tathandlung direktvorsätzlich beging. Aber auch
in Bezug auf den Taterfolg handelte der Beschuldigte direktvorsätzlich, um der
Privatklägerin Angst einzujagen und seinen Willen durchzusetzen, was sich
insbesondere daran zeigt, dass er das Messer zurücklegte, als er bemerkte, dass
die Privatklägerin durch sein Handeln verängstigt war. Die Vorinstanz hat damit
das Verhalten des Beschuldigten zu Recht als Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 StGB in Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB qualifiziert.
4.3.2.4. Zweiter Sachverhaltsabschnitt
Die Vorinstanz hat den Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt (Urk. 47 S. 36 f.
E. III. A. 2. ii.), worauf zu verweisen ist. Erstellt ist, dass der Beschuldigte die
- 22 -
Privatklägerin mit Wissen und Willen bedrohte, mithin die Tathandlung direkt-
vorsätzlich beging. Bezüglich des Taterfolges handelte der Beschuldige ebenfalls
direktvorsätzlich.
4.3.2.5. Dritter Sachverhaltsabschnitt
Die Vorinstanz hat das Handeln des Beschuldigten zu Recht als objektiv tat-
bestandsmässig im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB qualifiziert. Entgegen der
Vorinstanz lässt sich wie ausgeführt mit den verwertbaren Beweismitteln nicht er-
stellen, was die Drohgebärde mit dem Sparschein bei der Privatklägerin auslöste
bzw. ob diese dadurch in Schrecken oder Angst versetzt wurde. Damit fehlt es am
objektiven Tatbestandselement des Taterfolges und es kommt eine versuchte
Tatbegehung in Betracht, was allerdings voraussetzt, dass sich der eingeklagte
innere Sachverhalt bzw. ein vorsätzliches Handeln des Beschuldigten erstellen
lässt, mithin der subjektive Tatbestand erfüllt ist, was in einem nächsten Schritt zu
prüfen ist. Erstellt ist, dass der Beschuldigte die Drohgebärde mit Wissen und
Willen machte, mithin die Tathandlung direktvorsätzlich beging. Bezüglich des
Taterfolges handelte der Beschuldige auch hier direktvorsätzlich, so wollte er im
Bewusstsein des Umstandes, dass ein Bewerfen mit einem Keramikgegenstand
erhebliche Verletzungen nach sich ziehen kann, die Privatklägerin mit der Droh-
gebärde einschüchtern und im Rahmen des ehelichen Konfliktes seine Meinung
bzw. seinen Willen durchsetzen, was die Vorinstanz zutreffend erkannt hat (vgl.
Urk. 47 S. 37 E. 3 III. A. 2. iii.). Der Beschuldigte ist deshalb der versuchten
Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2
lit. a und Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
4.3.3. Fazit
Der Beschuldige hat sich mangels Vorliegen von Rechtfertigungs- und Schuld-
ausschlussgründen gesamthaft der mehrfachen, teilweise versuchten, Drohung
im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. a und
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
- 23 -
5. Dossier 1; mehrfache Tätlichkeiten zum Nachteil von C._
5.1. Anklagevorwurf
Die Anklägerin 1 wirft dem Beschuldigten vor, an zwei nicht mehr näher
bestimmbaren Tagen im März 2018 am damals gemeinsamen Wohnung an der
D._-strasse ..., in ... Zürich, der Privatklägerin anlässlich zweier Auseinan-
dersetzungen jeweils eine Ohrfeige mit der linken Hand versetzt zu haben
(Urk. D1/21 S. 4-5).
5.2. Standpunkt des Beschuldigten
Dieser Anklagevorwurf wird vom Beschuldigten bestritten (vgl. dazu im Einzelnen
Urk. D/1/4/1-3, Prot. S. 14 ff., Urk. 70 S. 6).
5.3. Würdigung
5.3.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der Privatkläger und des Beschuldig-
ten richtig zusammengefasst und überzeugend gewürdigt (Urk. 57 S. 23-25 E. II.
A. 3. a.-e.), worauf zunächst verwiesen werden kann. Die nachfolgenden Erwä-
gungen sind deshalb lediglich als punktuell ergänzende und rekapitulierende zu
verstehen. Dieser Vorwurf stützt sich im Wesentlichen auf die glaubhaften Aus-
sagen der Privatklägerin, die schlüssig mit den ebenfalls glaubhaften Aussagen
des Privatklägers korrespondieren. Sowohl die Vorbringen der Privatklägerin als
auch jene des Privatklägers wirken erlebt, zeichnen sich durch Zurückhaltung und
ein augenscheinliches Bestreben aus, den Beschuldigten nicht übermässig zu be-
lasten. Sodann wurden auch entlastende Momente genannt. Für die Darstellung
der Verteidigung, wonach die Aussagen der Privatklägerin das Produkt einer
rechtlichen Beratung seien (Urk. 71 S. 11), liegen demgegenüber keinerlei An-
haltspunkte vor. Vielmehr schilderte sie – wie auch der Privatkläger – anschaulich
und nachvollziehbar die wiederkehrende Gewalttätigkeit des Beschuldigten. Es ist
daher auf diese Aussagen, anders als auf die Bestreitungen des Beschuldigten,
worin dieser denkbar unbehelflich versucht, ein Motiv für die von ihm behaupteten
Falschaussagen der Privatklägerin zu kreieren (psychischer Druck/Stress),
- 24 -
abzustellen. Insgesamt bestehen damit keine vernünftigen Zweifel daran und ist
erstellt, dass sich der Sachverhalt wie eingeklagt zugetragen hat.
5.3.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 47 S. 38 E. III. A. 3.), darauf kann verwiesen werden.
6. Dossier 3; Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen
6.1. Anklagevorwurf
Die Anklägerin 1 wirft dem Beschuldigten vor, im Wissen um das ihm mit polizei-
licher Verfügung vom 19. Juni 2018 auferlegte und mit Urteil des Bezirksgerichts
Zürich vom 3. Juli 2018 bis am 3. Oktober 2018 verlängerte Kontaktverbot zur
Privatklägerin diese am 26. August 2018 um 12:44 Uhr auf ihrem Mobiltelefon
angerufen zu haben (Urk. D1/21 S. 5).
6.2. Standpunkt des Beschuldigten
Nachdem der Beschuldigte in der Untersuchung den Anklagevorwurf einge-
standen hatte, machte er vor Vorinstanz geltend, infolge Hasch-Konsums nicht
bemerkt zu haben, dass er den Anruf getätigt habe (Urk. D1/4/3 F/A 23; Prot. I
S. 18). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung machte er demgegenüber
geltend, aufgrund seiner misslichen Lage vergessen zu haben, dass es ihm ver-
boten war, die Privatklägerin zu kontaktieren (Urk. 70 S. 6). Durch seine Verteidi-
gung liess er dazu sowohl vor Vorinstanz als auch im Berufungsverfahren geltend
machen, es sei zugunsten des Beschuldigten von fehlender Zurechnungsfähigkeit
auszugehen (Prot. I S. 30; Urk. 52 S. 2 Ziff. 4, Urk. 71 S. 10, Prot. II S. 12).
6.3. Würdigung
6.3.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat die relevanten Beweismittel zutreffend aufgeführt und über-
zeugend gewürdigt (Urk. 57 S. 25-16 E. II. B. a.-b.), weshalb auf diese Erwä-
gungen vorab verwiesen werden kann. Die Anklage stützt sich hauptsächlich auf
- 25 -
das im inkriminierten Zeitpunkt bestehende Kontakt- und Rayonverbot, welches
mit Hinweis auf die Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB angeordnet wurde, und
wovon der Beschuldigte Kenntnis hatte (vgl. Urk. D5/7 S. 7; Urk. D5/3;
Urk. D1/4/3 F/A 23), und die vom Beschuldigten im Beisein seines Verteidigers
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 18. März 2019 ge-
machten Zugaben, die sich zwanglos mit den Aussagen der Privatklägerin, dem
Standbild ihres Mobiltelefons betreffend die Telefonnummer des Beschuldigten
und der Anrufliste in Einklang lassen bringen (Urk. D1/5/2 F/A 45-47;
Urk. D3/2/1-2; Urk. D3/3/2; vgl. zur Telefonnummer des Beschuldigten auch
Urk. D1/1 S. 1). Die Zugaben des Beschuldigten sind stimmig und glaubhaft, ganz
im Gegensatz zu seinen vor Vorinstanz nachgeschobenen Relativierungen, die
als reine Schutzbehauptungen zu taxieren sind. Es bestehen damit keine Zweifel
daran und ist erstellt, dass sich der Sachverhalt wie eingeklagt zugetragen hat.
6.3.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 47 S. 38 E. III. B.), darauf kann verwiesen werden. Für den Standpunkt der
Verteidigung betreffend fehlende Schuldfähigkeit des Beschuldigten bestehen
keinerlei objektiven Anhaltspunkte, weshalb die diesbezüglichen Vorbringen als
Schutzbehauptungen zu taxieren sind. Im Übrigen kann diesbezüglich ebenfalls
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (a.a.O. S. 40
E. III. E.; vgl. dazu auch nachfolgend unter E. II. 10.). Mangels Vorliegen von
Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründen ist der Beschuldigte damit des
Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB schuldig
zu sprechen.
7. Dossier 4; Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen
7.1. Anklagevorwurf
Die Anklägerin 1 wirft dem Beschuldigten vor, im Wissen um das ihm mit polizei-
licher Verfügung vom 19. Juni 2018 auferlegte und mit Urteil des Bezirksgerichts
Zürich vom 3. Juli 2018 bis am 3. Oktober 2018 verlängerte Kontakt- und Rayon-
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verbot zur Privatklägerin und seinen Kindern sich am 29. August 2018 an den
Wohnort seiner Familie an der D._-strasse ..., in ... Zürich, begeben zu ha-
ben, vor die Wohnungstüre gestanden zu sein und die Türfalle betätigt zu haben
(Urk. D1/21 S. 5).
7.2. Standpunkt des Beschuldigten
Dieser Anklagevorwurf wird vom Beschuldigten bestritten (vgl. dazu im Einzelnen
Urk. D/1/4/3, Prot. S. 14 ff., Urk. 70 S. 7).
7.3. Würdigung
7.3.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat auch in diesem Punkt die wesentlichen Aussagen der Beteilig-
ten richtig aufgeführt und diese anschliessend zutreffend gewürdigt (Urk. 57
S. 26-28 E. II. C. a.-e.), worauf vollumfänglich verwiesen werden kann. Lediglich
teilweise rekapitulierend und ergänzend ist nochmals festzuhalten, dass die kon-
stanten Aussagen der beiden Privatkläger übereinstimmen, keine wesentlichen
Ungereimtheiten aufweisen, äusserst lebensecht erscheinen und damit glaubhaft
sind. Zum inkriminierten Zeitpunkt bestand ein Kontakt- und Rayonverbot im
Sinne der Anklageschrift, welches mit Hinweis auf die Strafandrohung gemäss
Art. 292 StGB angeordnet wurde, und wovon der Beschuldigte Kenntnis hatte
(Urk. D3/2/1-2). In Bezug auf die Aussagen des Beschuldigten hat die Vorinstanz
zu Recht festgehalten, dass diese von Ausflüchten geprägt sind und er insbeson-
dere kein Alibi zu nennen vermochte, welches hätte überprüft werden können.
Zudem entspricht es mit der Vorinstanz dem Verhaltensmuster des Beschuldig-
ten, dass er neben dem Telefonanruf auch die persönliche Kontaktaufnahme
anstrebte. Es bestehen damit keine vernünftigen Zweifel daran und ist erstellt,
dass sich der Sachverhalt wie eingeklagt zugetragen hat.
7.3.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 47 S. 39 E. III. C.), darauf kann verwiesen werden.
- 27 -
8. Dossier 5; mehrfacher Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen
8.1. Anklagevorwurf
Die Anklägerin 1 wirft dem Beschuldigten vor, im Wissen um das ihm mit polizei-
licher Verfügung vom 19. Juni 2018 auferlegte und mit Urteil des Bezirksgerichts
Zürich vom 3. Juli 2018 bis am 3. Oktober 2018 verlängerte Kontakt- und Rayon-
verbot zur Privatklägerin und seinen Kindern sich am 15. September 2018 um
16:20 Uhr und 17:09 Uhr an den Wohnort seiner Familie an der D._-strasse
..., in ... Zürich, begeben zu haben, vor die Wohnungstüre gestanden zu sein und
die Türfalle betätigt zu haben (Urk. D1/21 S. 6).
8.2. Standpunkt des Beschuldigten
Auch dieser Anklagevorwurf wird vom Beschuldigten bestritten (vgl. dazu im
Einzelnen Urk. D/1/4/3, Prot. S. 14 ff., Urk. 70 S. 7).
8.3. Würdigung
8.3.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat auch in diesem Punkt die relevanten Beweismittel zur
Erstellung des beurteilenden Vorwurfs zutreffend aufgeführt, die wesentlichen
Aussagen der Beteiligten richtig wiedergegeben und diese anschliessend, unter
Berücksichtigung der dazu gemachten Ausführungen der Verteidigung, einer
sorgfältigen Prüfung unterzogen und zutreffend gewürdigt (Urk. 57 S. 26-30 E. II.
D. a.-d.), worauf vollumfänglich verwiesen werden kann. Auch hier gilt, das der
Sachverhalt insbesondere aufgrund der detailreichen, realitätsnahen und stimmi-
gen Aussagen der Privatklägerin zweifelfrei erstellt ist und die Bestreitungen des
Beschuldigten als reine Schutzbehauptungen anzusehen sind.
8.3.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 47 S. 39 E. III. C.), darauf kann verwiesen werden.
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9. Nachtragsanklage
9.1. Anklagevorwurf
Die Anklägerin 2 wirft dem Beschuldigten vor, am 11. April 2019, um ca.
17:05 Uhr, an der G._-strasse ..., in ... Zürich, seine von ihm getrennt
lebende Ehegattin, die Privatklägerin, getroffen und dabei gefragt zu haben, was
sie ihm nur angetan habe, wie sie ihm so etwas habe antun können, wie sie sich
so etwas habe erlauben können und gesagt zu haben, sie habe die Familie
zerstört, womit er auf das damals von der Privatklägerin gegen ihn angestrengte
und pendente Strafverfahren betreffend häusliche Gewalt angesprochen habe.
Sodann habe er mehrfach gesagt, es sei ihre Schuld, sie solle sich daran erin-
nern, dass sie sterben müsse. Diese Worte hätten bei der Privatklägerin vor dem
Hintergrund der letzten Anzeige gegen den Beschuldigten betreffend Tätlichkei-
ten, Drohung etc. zu einer massiven Einschränkung des Sicherheitsgefühls ge-
führt, was der Beschuldigte auch bezweckt, zumindest jedoch in Kauf genommen
habe (Urk. 42/12 S. 2).
9.2. Standpunkt des Beschuldigten
Auch dieser Anklagevorwurf wird vom Beschuldigten bestritten (vgl. dazu im Ein-
zelnen Urk. 42/3/1-3, Prot. S. 14 ff.).
9.3. Würdigung
9.3.1. Sachverhalt
9.3.1.1. Die Vorinstanz hat auch in diesem Punkt eine korrekte und inhaltlich
überzeugende Würdigung der relevanten Beweismittel, der Aussagen der Privat-
klägerin und des Beschuldigten, vorgenommen (Urk. 57 S. 30-32 E. II. E. a.-d.),
worauf vorab verwiesen werden kann.
9.3.1.2. In Ergänzung zu den Erwägungen der Vorinstanz ist zunächst auf die bei
der Polizei deponierten Aussagen der Privatklägerin zum Kerngeschehen hinzu-
weisen, die weitestgehend exakt mit dem eingeklagten Sachverhalt übereinstim-
men (Urk. 42/2/1 F/A 13). Konkret gab die Privatklägerin an, vom Beschuldigten
- 29 -
insgesamt zweimal mit dem Tod bedroht worden zu sein (a.a.O.), was sie gegen-
über der Staatsanwaltschaft bestätigte (Urk. 42/2/2 F/A 13). Mit der Vorinstanz
weisen die Aussagen der Privatklägerin sodann verschiedene Realitätskriterien
auf, welche vorliegend für deren Glaubhaftigkeit sprechen. Die Privatklägerin hat
sowohl in der polizeilichen als auch in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
detaillierte und konstante Aussagen gemacht, welche jedoch nicht in einem
solchen Masse deckungsgleich sind, als dass sie als erlernt erscheinen würden.
Minutiös schilderte sie den genauen Gesprächsinhalt im Kernbereich. Insgesamt
erscheinen deren Schilderungen glaubhaft, weshalb darauf abzustellen ist. Insbe-
sondere erscheint vor dem Hintergrund des bereits laufenden Strafverfahrens und
der Tatsache, dass der Beschuldigte bereits in der Vergangenheit zu gewalt-
tätigem und drohendem Verhalten in der Familie neigte, auch plausibel, dass die
Aussagen des Beschuldigten zu einer massiven Einschränkung des Sicherheits-
gefühls bei der Privatklägerin führten.
9.3.1.3. In Bezug auf die Aussagen des Beschuldigten fällt mit der Vorinstanz auf,
dass er sich in der ersten polizeilichen Einvernahme nicht an den genauen Ort
des Zusammentreffens mit der Privatklägerin zu erinnern vermochte (Urk. 42/3/1
F/A 10). Sodann liegt der Ort des Zusammentreffens entgegen den diesbezüg-
lichen Ausführungen des Beschuldigten nicht auf dem Weg zwischen seinem
Wohnort, dem Geschäft H._ und der Schule des Privatklägers, welche
Örtlichkeiten er – wie er behauptet – an jenem Tag aufsuchen wollte. Dies lässt
Zweifel an dessen Behauptung aufkommen, wonach er zufällig auf die Privatklä-
gerin getroffen sei. Plausibler erscheint, dass er die Privatklägerin in der Nähe der
"KITA" abgepasst hat. Sodann fällt auch betreffend diesen Anklagesachverhalt
auf, dass der Beschuldigte versucht, die Privatklägerin zu diskreditieren und ihre
Glaubwürdigkeit zu untergraben. So machte er ungefragt und zusammenhangslos
Ausführungen dazu, wie ein Nachbar zu ihm gesagt habe, dass seine Tochter
auch schon alleine zuhause gewesen und ununterbrochen geweint habe, sowie
dass die Privatklägerin gesagt habe, sie habe kein Interesse an den Kindern,
womit er offenbar die Privatklägerin als Mutter in ein schlechtes Licht zu rücken
versucht (Urk. 42/3/1 F/A 23). Mit der Vorinstanz stellte er auch hier wiederholt ein
Verhältnis zwischen der Privatklägerin und einem Nachbarn in den Raum
- 30 -
(Urk. 42/3/1 F/A 13; Urk. 42/3/2 F/A 9), was ebenfalls als Versuch erscheint, die
Privatklägerin schlecht zu machen. Zudem brachte er bei der Staatsanwaltschaft
angebliche Aussagen der Privatklägerin vor (z.B. er habe sie mit Gürtel ge-
schlagen), die diese im vorliegenden Verfahren gar nie gemacht hatte (Urk. 42/3/2
F/A 10 und 13). Damit erscheinen die Aussagen des Beschuldigten wenig
glaubhaft. Insgesamt vermag der Beschuldigte die glaubhaften Depositionen der
Privatklägerin nicht zu entkräften.
9.3.1.4. Damit bestehen keine vernünftigen Zweifel daran, dass sich der Vorfall
wie eingeklagt zugetragen hat. Aufgrund der konstanten Depositionen der Privat-
klägerin ist erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin zweimal sinngemäss
mit dem Tod bedroht hat.
9.3.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 47 S. 39 f. E. III. D.), darauf kann verwiesen werden.
10. Schuldfähigkeit
Mit der Vorinstanz sind keine Anhaltspunkte für eine Schuldunfähigkeit oder
verminderte Schuldfähigkeit in den Deliktszeitpunkten gegeben (Urk. 47 S. 40 f.
E. III. E.), auf die entsprechenden Ausführungen kann verwiesen werden.
11. Ergebnis
Der Beschuldigte ist der mehrfachen, teilweise versuchten, Drohung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB und Art. 22
Abs. 1 StGB, der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB, der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne
von Art. 126 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB sowie des
mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292
StGB schuldig zu sprechen.
- 31 -
III. Sanktion und Vollzug
1. Vorbemerkungen
Die Vorinstanz hat zunächst zutreffend festgehalten, dass das seit 1. Januar 2018
geltende neue Sanktionenrecht keine praktischen Auswirkungen auf die vor-
liegende Strafzumessung hat. Weiter hat die Vorinstanz die allgemeinen Straf-
zumessungsregeln zutreffend wiedergegeben und den konkreten Strafrahmen
richtig dargestellt, worauf verwiesen werden kann (Urk. 47 S. 41-43 E. IV. A.-B.).
Ergänzend ist festzuhalten, dass die Deliktsmehrheit in Bezug auf die Drohungen
innerhalb des ordentlichen Strafrahmens straferhöhend zu berücksichtigen ist.
2. Konkrete Strafzumessung für die Drohungen
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Die Vorinstanz hat zunächst das objektive und subjektive Tatverschulden
für die Drohung in der ehelichen Wohnung mit dem Küchenmesser abgehandelt
und dazu zutreffende Ausführungen gemacht, auf die vollumfänglich verwiesen
werden kann (Urk. 47 S. 43 f. E. IV. C. 1.-2.). Aufgrund des gesamten, noch
leichten Tatverschuldens erscheint eine hypothetische Einsatzstrafe von
90 Tagessätzen Geldstrafe bzw. drei Monaten Freiheitsstrafe als angemessen.
2.1.2. Weiter hat die Vorinstanz die weiteren Drohungen unter Anwendung des
Asperationsprinzips von Art. 49 Abs. 1 StGB straferhöhend berücksichtigt. Die
Vorinstanz hat diese Drohungen gesamthaft unter dem Aspekt des objektiven und
subjektiven Tatverschuldens gewürdigt (Urk. 47 S. 44 f. E. IV. C. 3.). Hierzu ist
festzuhalten, dass gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Gesamt-
strafenbildung grundsätzlich für jeden Normverstoss (in Bezug auf welchen auf
dieselbe Sanktionsart erkannt wird) einzeln eine (hypothetische) Strafe zu er-
mitteln ist. Wenn indes nicht ein deutlich schwereres Delikt zusammen mit einer
oder wenigen weiteren, leichter wiegenden Nebentat(en) zu sanktionieren ist, ist
es jedoch ausnahmsweise angebracht, die Delikte und die kriminelle Energie in
einem Gesamtzusammenhang zu betrachten. Diesfalls ist es nicht angezeigt, für
jeden Normverstoss einzeln eine (hypothetische) Strafe zu ermitteln. Sind ver-
- 32 -
schiedene Straftaten zeitlich und sachlich derart eng miteinander verknüpft, dass
sie sich nicht sinnvoll auftrennen und für sich allein beurteilen lassen, verletzt es
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zudem kein Bundesrecht, wenn
das Gericht nicht für jedes Delikt eine hypothetische Strafe festsetzt, sondern
diese in einem Gesamtzusammenhang würdigt (BGer 6B_210/2017 vom
25. September 2017, E. 2.2.1. mit Verweisen auf die einschlägige Rechtspre-
chung). Vor dem Hintergrund, dass die einzelnen Drohungen vorliegend in einem
Gesamtkontext stehen, ist das Vorgehen der Vorinstanz nicht zu beanstanden,
wonach sie diese in einem Gesamtzusammenhang gewürdigt und die Einsatzstra-
fe unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips um insgesamt 90 Tagessätze
Geldstrafe bzw. drei Monate Freiheitsstrafe erhöht hat. Es kann auf die dies-
bezüglich zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47
S. 44 f. E. IV. C. 3.). Ergänzend bzw. konkretisierend ist lediglich festzuhalten,
dass der Beschuldigte die Privatklägerin gemäss erstelltem Sachverhalt der
Nachtragsanklage insgesamt zweimal indirekt mit dem Tod bedroht hat.
Insgesamt rechtfertigt sich aufgrund der weiteren Drohungen unter Anwendung
des Asperationsprinzips eine Straferhöhung um 90 Tagessätze Geldstrafe bzw.
drei Monate Freiheitsstrafe auf 180 Tagessätze Geldstrafe bzw. sechs Monate
Freiheitsstrafe vorzunehmen.
2.1.3. Strafreduzierend wirkt sich aus, dass die Drohung mit dem Sparschwein
aus Keramik im Versuchsstadium stecken blieb, weshalb die unter Berück-
sichtigung des Asperationsprinzips festgesetzte Einsatzstrafe um 30 Tagessätze
Geldstrafe bzw. einen Monat Freiheitsstrafe zu reduzieren ist.
2.2. Täterkomponente
Was die Täterkomponente anbelangt, so kann was die persönlichen Verhältnisse
des Beschuldigten betrifft, vorab ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen im
Entscheid der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 45 E. IV. C. 4.). Dazu ist
aufgrund der anlässlich der Berufungsverhandlung gemachten Aussagen des
Beschuldigten ergänzend festzuhalten, dass sein Arbeitspensum 80% beträgt und
er monatlich ungefähr Fr. 2'600.-- netto verdient (Urk. 70 S. 3). Die nicht ganz ein-
fache von Gewalt geprägte Kindheit des Beschuldigten ist leicht strafreduzierend
- 33 -
zu berücksichtigen. Strafzumessungsneutral ist die Vorstrafenlosigkeit sowie das
fehlende Geständnis bzw. die fehlende Einsicht und Reue zu berücksichtigen.
Demgegenüber fällt das mehrfache Delinquieren während laufender Strafuntersu-
chung bzw. während laufendem Strafverfahren (mehrfacher Ungehorsam gegen
amtliche Verfügungen [Dossiers 3-5] und Drohung gemäss Nachtragsanklage)
straferhöhend ins Gewicht. Insgesamt überwiegen die straferhöhenden Gründe
die strafreduzierenden. Die Beurteilung der Täterkomponente ergibt, dass die
unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips festgesetzte Einsatzstrafe um
30 Tagessätze Geldstrafe bzw. einen Monat Freiheitsstrafe auf 180 Tagessätze
Geldstrafe bzw. sechs Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen ist.
2.3. Sanktionsart
2.3.1. Die Vorinstanz hat zur Wahl der Sanktionsart sinngemäss erwogen, eine
Geldstrafe erscheine aufgrund der beengten finanziellen Situation des Beschul-
digten voraussichtlich nicht vollziehbar. Zudem müsse aufgrund der fortgesetzten
Delinquenz des Beschuldigten während laufendem Strafverfahren davon ausge-
gangen werden, dass eine Geldstrafe den Beschuldigten nicht von der Begehung
weiterer Delikte abhalten würde (Urk. 47 S. 46 E. IV. C. 6.).
2.3.2. Bestimmt es das Gesetz nicht anders, so beträgt die Geldstrafe mindestens
drei und höchstens 180 Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 Satz 1). Gemäss Art. 41
Abs. 1 StGB kann das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe er-
kennen, wenn (a) eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Begehung
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder (b) eine Geldstrafe voraus-
sichtlich nicht vollzogen werden kann. Mit Art. 41 StGB hat der Gesetzgeber für
Strafen unter sechs Monaten eine gesetzliche Prioritätsordnung zugunsten nicht
freiheitsentziehender Sanktionen eingeführt. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als
wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswir-
kungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu
berücksichtigen. Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur
Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sank-
tionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche
- 34 -
Freiheit des Betroffenen eingreift (BGer 6B_210/2017 vom 25. September 2017,
E. 2.2.2. mit Verweisen auf die einschlägige Rechtsprechung).
2.3.3. In Bezug auf mittellose Täter sollte nicht talis qualis eine Freiheitsstrafe
ausgesprochen werden. Ansonsten würde diese Täterschicht ab einer gewissen
Anzahl Tagessätze a priori von dieser milderen Strafart ausgeschlossen, was
nicht der ratio legis entspräche. Soweit bei solchen Tätern die Möglichkeit und Be-
reitschaft für einen Geldstrafenvollzug in Form von gemeinnütziger Arbeit besteht,
sollte bei der Frage der Vollzugsmöglichkeit dieser Vollzugsalternative Rechnung
getragen werden (DONATSCH in OFK StGB, 20. Aufl., N 2c zu Art. 41). Das be-
scheidene Einkommen des Beschuldigten (vgl. dazu vorstehend unter E. III. 2.2.)
kann ihm nicht zum Nachteil gereichen. Jedenfalls verstösst die Vorinstanz gegen
Bundesrecht, indem sie allein gestützt auf die finanzielle Situation des Beschul-
digten zum Schluss kommt, eine Geldstrafe sei voraussichtlich nicht vollziehbar.
Hierfür müssten weitere Gesichtspunkte wie beispielsweise ein Fehlen eines
Aufenthaltsrechts in der Schweiz oder eine vollstreckbare Landesverweisung etc.
hinzukommen, welche den Einzug einer Geldstrafe per se verunmöglichten.
2.3.4. Mit der Vorinstanz ist zwar festzuhalten, dass der Beschuldigte mehrfach
während laufendem Strafverfahren delinquiert hat. Hingegen liess die Vorinstanz
unberücksichtigt, dass der Beschuldigte keinerlei Vorstrafen aufweist. Zudem hat
sich der Beschuldigte seit den vorliegend zu beurteilenden Delikten (seit 11. April
2019) wohlverhalten (Urk. 51). Ferner ist zu berücksichtigen, dass sich die vorlie-
gend zu beurteilende Delinquenz offenbar vor dem Hintergrund von Problemen
beim familiären Zusammenleben abspielte und sich die Situation aufgrund des
Umstandes, dass der Beschuldigte nicht mehr mit den Privatklägern zusammen-
lebt, weitgehend entschärft haben dürfte. Aufgrund des Gesagten erweist sich die
Geldstrafe als erforderliche, geeignete und verhältnismässige Sanktion. Die
Vorinstanz hat damit gegen Bundesrecht verstossen, indem sie auf eine
Freiheitsstrafe erkannt hat. Unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse
des Beschuldigten erweist sich ein Tagessatz von Fr. 30.-- als angemessen
(Art. 34 Abs. 1 StGB).
- 35 -
2.4. Vollzug
Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass vorliegend die Voraussetzungen
für den bedingten Vollzug gegeben sind und die Probezeit auf zwei Jahre festzu-
setzen ist (Urk. 47 S. 46 f. E. IV.C. 7.), darauf kann verwiesen werden.
2.5. Fazit
In Würdigung sämtlicher Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte mit einer
Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.--, entsprechend Fr. 5'400.--, zu
bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe ist unter Ansetzung einer Probezeit von
zwei Jahren aufzuschieben. Der Anrechnung der erstandenen Haft von einem
Tag steht nichts entgegen.
3. Konkrete Strafzumessung für die Übertretungen
3.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Bemessungsregeln der Busse und de-
ren Maximalhöhe korrekt dargestellt. Weiter hat sie ausgehend von der aufgrund
des konkreten Verschuldens schwersten Tat (mehrfache Tätlichkeiten zum Nach-
teil des Privatklägers) unter Berücksichtigung der relevanten Strafzumessungs-
faktoren zu Recht eine Einsatzstrafe gebildet und diese aufgrund der weiteren
Übertretungen unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips erhöht, worauf
vorab verwiesen werden kann (Urk. 47 S. 47-49 E. IV. D. 1.-4.). Die vorinstanz-
liche Einsatzstrafe erweist sich indes angesichts der bescheidenen finanziellen
Verhältnisse des Beschuldigten als zu hoch und ist bei Fr. 2'000.-- anzusetzen.
Die von der Vorinstanz vorgenommene Erhöhung der Einsatzstrafe aufgrund der
weiteren Übertretungen um insgesamt Fr. 1'000.-- (um Fr. 400.-- aufgrund der
mehrfachen Tätlichkeiten zum Nachteil der Privatklägerin, und um weitere
Fr. 600.-- aufgrund des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen)
erweist sich demgegenüber als angemessen. Insgesamt erscheint für die Über-
tretungen eine Busse von Fr. 3'000.-- als dem Verschulden und den finanziellen
Verhältnissen des Beschuldigten angemessene Strafe.
3.2. Gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB spricht das Gericht im Urteil für den Fall,
dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von min-
- 36 -
destens einem Tag und höchstens drei Monaten aus. Wird nebst der Busse eine
Geldstrafe ausgesprochen, gibt es an sich keinen Grund, bei der Bemessung der
Ersatzfreiheitsstrafe von einem anderen Satz auszugehen (BGE 134 IV 77). Wür-
de vorliegend vom Tagessatz von Fr. 30.-- ausgegangen, fiele die Ersatzfreiheits-
strafe höher als drei Monate aus. Unter Berücksichtigung des Verschlechterungs-
verbots erweist sich vorliegend als angemessen, für die Ersatzfreiheitsstrafe
einen Umwandlungssatz von einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe pro Fr. 100.-- Busse
festzulegen. Es ist deshalb eine Ersatzfreiheitsstrafe von 30 Tagen anzuordnen.
4. Auszufällende Strafe
In Würdigung sämtlicher Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte mit einer
Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.--, wovon ein Tag durch Haft erstanden
ist, sowie mit einer Busse von Fr. 3'000.-- zu bestrafen. Der Vollzug der Geld-
strafe ist unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufzuschieben. Die
Busse ist zu bezahlen. Für den Fall des schuldhaften Nichtbezahlens der Busse
ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 30 Tagen anzuordnen.
IV. Zivilansprüche
1. Schadenersatzforderung der Privatklägerin C._
1.1. Die Vorinstanz hat festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der
Privatklägerin C._ für die mehrfache Drohung dem Grundsatze nach scha-
denersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des
Schadenersatzanspruches und der Kausalität wurde die Privatklägerin auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen. Hinsichtlich der mehrfachen Tätlichkeiten
wurde ihr Feststellungsbegehren abgewiesen (Urk. 47 S. 58 Dispositiv-Ziffer 8).
1.2. Gemäss Art. 126 Abs. 3 Satz 1 StPO kann das Gericht die Zivilklage nur
dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen,
wenn die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwen-
dig wäre. Ein solcher liegt etwa dann vor, wenn bei Körperschäden zur Fest-
stellung der Schadenshöhe lang dauernde Begutachtungen notwendig wären, der
Heilungsvorgang noch nicht abgeschlossen ist, allfällige Spätfolgen abzuwarten
- 37 -
oder komplexe Schadensberechnungen vorzunehmen sind. Entscheidend ist, ob
das Strafverfahren durch die Behandlung der Zivilklage unzumutbar verzögert
würde. In einem solchen Fall kann das Strafgericht die Beurteilung der Zivilklage
auf die Frage beschränken, ob und aus welchen Rechtsgründen der Zivilkläger-
schaft Forderungen zustehen und die Bestimmung der Höhe der Ansprüche dem
Zivilgericht überlassen. Auch die Beurteilung des (adäquaten) Kausalzusammen-
hangs zwischen einer Gesundheitsstörung der geschädigten Person und dem
strafbaren Verhalten kann ausnahmsweise dem Zivilgericht überlassen werden.
Beim Grundsatzentscheid handelt es sich in der Regel um ein Feststellungsurteil
über den Bestand der Zivilansprüche (DOLGE in BSK StPO, 2. Aufl., N 45 und 48
zu Art. 126).
1.3. Die Vorinstanz hat vorliegend richtig erkannt, dass die vom Beschuldigten
gegenüber der Privatklägerin verübten Tätlichkeiten nicht geeignet erscheinen,
eine Therapienotwendigkeit zu begründen. Es fehlt diesbezüglich von vornherein
an der Kausalität zwischen Tat und (möglichem) Schaden. Der Vorinstanz ist
auch zuzustimmen, soweit sie unter sorgfältiger Würdigung der Vorbringen der
Vertretung der Privatklägerin und der Verteidigung zum Schluss kommt, dass die
erstellten Drohungen demgegenüber geeignet erscheinen, einen Therapie-
notwendigkeit hervorzurufen, die vollständige Beurteilung des Schadenersatz-
anspruchs im vorliegenden Strafverfahren jedoch insbesondere mit Blick auf die
Kausalität zwischen Tat und Schaden und der noch nicht abschliessend
feststehenden Schadenshöhe unverhältnismässig aufwändig wäre. Auf die ent-
sprechenden Erwägungen der Vorinstanz kann vollumfänglich verwiesen werden
(Urk. 47 S. 50-52 E. V. 2.). Damit ist die entsprechende vorinstanzliche Regelung
zu bestätigen.
2. Schadenersatzforderung des Privatklägers B._
Die Vorinstanz hat festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privat-
kläger B._ für die mehrfachen Tätlichkeiten dem Grundsatze nach schaden-
ersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatz-
anspruches und der Kausalität wurde der Privatkläger auf den Weg des Zivilpro-
zesses verwiesen (Urk. 47 S. 58 Dispositiv-Ziffer 9). Zwecks Vermeidung von
- 38 -
Wiederholungen kann grundsätzlich vollumfänglich auf die sorgfältigen und zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (a.a.O. S. 52 f. E. V. 3.).
Ergänzend ist lediglich hinzuzufügen, dass angesichts der Häufung der gegen
den Privatkläger gerichteten Schläge, welche regelmässig unter Zuhilfenahme ei-
nes Gürtels verübt wurden, und dessen noch sehr jungen Alters, dieser in seiner
physischen und psychischen Integrität über einen langen Zeitraum massiv gestört
wurde, weshalb ein durch die Taten des Beschuldigten adäquat kausal verursach-
ter Schaden durchaus möglich erscheint. Die entsprechende vorinstanzliche Re-
gelung ist daher zu bestätigen.
3. Genugtuungsforderung der Privatklägerin C._
3.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, der Privatklägerin eine
Genugtuung in Höhe von Fr. 1'200.-- zuzüglich 5 % Zins ab 1. August 2018 als
Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren der
Privatklägerin abgewiesen (Urk. 47 S. 58 Dispositiv-Ziffer 7).
3.2. Vorliegend geht es um die Beurteilung von vorsätzlich verübten Delikten
gegen die körperliche Integrität und die innere Freiheit der Willensbildung und
-betätigung der Privatklägerin, wobei diese durch das Verhalten des Beschuldig-
ten erhebliche immaterielle Unbill erlitten hat. So ist gestützt auf ihre glaubhaften
Aussagen im Rahmen des erstellten Sachverhalts davon auszugehen, dass sie
– insbesondere durch die Häufung der gegen sie gerichteten Drohungen – in
ihrem Wohlbefinden über einen längeren Zeitraum massiv gestört wurde.
Erschwerend kommt hinzu, dass ihr die Delikte von ihrem Ehemann und somit
eigentlich einer nahen Vertrauensperson zugefügt wurden. Zudem wurde zumin-
dest einmal ein Küchenmesser eingesetzt, um der Drohung Nachdruck zu ver-
leihen. Vor diesem Hintergrund erscheint die von der Vorinstanz zugesprochene
Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'200.-- den konkreten Umständen angemessen,
weshalb die entsprechende vorinstanzliche Regelung zu bestätigen ist.
- 39 -
4. Genugtuungsforderung des Privatklägers B._
4.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger eine
Genugtuung in Höhe von Fr. 1'500.-- zuzüglich 5 % Zins ab 15. November 2017
als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren
des Privatklägers abgewiesen (Urk. 47 S. 58 Dispositiv-Ziffer 10). Die Vorinstanz
hat die Anspruchsvoraussetzungen sowie die vorliegend relevanten Be-
messungskriterien sorgfältig und zutreffend gewürdigt, darauf kann verwiesen
werden (a.a.O. S. 52 f. E. V. 4.). Vor diesem Hintergrund erscheint die von der
Vorinstanz zugesprochene Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'500.-- den
konkreten Umständen angemessen, weshalb die entsprechende vorinstanzliche
Regelung ebenfalls zu bestätigen ist.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Vorinstanzliches Verfahren
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten der Untersuchung und des erst-
instanzlichen Verfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung
durch Rechtsanwalt MLaw X2._ und der unentgeltlichen Vertretung der Pri-
vatkläger, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung durch Rechtsanwalt MLaw X2._ und der unentgeltlichen Vertretung der
Privatkläger sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzah-
lungspflicht des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138
Abs. 1 StPO vorbehalten. Unter Hinweis auf die zutreffenden Ausführungen
(Urk. 47 S. 56 f. E. VI. 3.) ist zudem Dispositiv-Ziffer 16 des vorinstanzlichen Ent-
scheids zu bestätigen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.--
festzusetzen. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach
Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der
Beschuldigte obsiegt in Bezug auf die Wahl der Sanktionsart betreffend die Ver-
gehen. Zudem ist die Drohung mit dem Sparschwein im Versuchsstadium stecken
geblieben. Im Übrigen unterliegt er mit seinen Anträgen. Daher sind ihm die
- 40 -
Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Ver-
teidigung, im Umfang von drei Vierteln aufzuerlegen und im übrigen Umfang auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind im
Umfang von drei Vierteln einstweilen und im übrigen Umfang definitiv auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang
von drei Vierteln bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
2.2. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur.
X1._, reichte mit Eingabe vom 15. März 2021 seine Honorarnote mit der Auf-
listung seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein (Urk. 67).
Sie sind ausgewiesen und erweisen sich als angemessen. Dementsprechend ist
Rechtsanwalt lic. iur. X1._ mit Fr. 6'135.80 aus der Gerichtskasse zu ent-
schädigen.