Decision ID: 8aaa6439-5f40-56ec-8fe2-a774db149f01
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Am Sonntag, 2. März 2014, um 13.52 Uhr, war X mit seinem Personenwagen auf
der Autobahn A1 in Lindau unterwegs. Eine Patrouille der Kantonspolizei Zürich
beobachtete, wie er zu einem vor ihm fahrenden Personenwagen einen zu geringen
Abstand eingehalten habe, und erstattete Anzeige wegen grober
Verkehrsregelverletzung an die Staatsanwaltschaft See/Oberland. Die Polizisten gingen
von einem Abstand zum vorderen Fahrzeug von ungefähr 10 Metern aus. Die
Staatsanwaltschaft See/Oberland stellte nach Sichtung der Videosequenz fest, dass
der minimal eingehaltene Abstand ca. 24 Meter betragen hatte, nahm die
Untersuchung wegen grober Verkehrsregelverletzung nicht anhand und überwies die
Akten zur weiteren Bearbeitung an das Statthalteramt Pfäffikon, das X mit Strafbefehl
vom 9. Mai 2014 wegen einfacher Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Abs. 1
SVG zu einer Busse von
Fr. 270.– verurteilte.
B.- Mit Schreiben vom 16. September 2014 teilte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung Administrativmassnahmen, X mit,
dass aufgrund der schweren Verkehrsregelverletzung vom 2. März 2014 ein
Führerausweisentzug von drei Monaten vorgesehen sei, und gewährte ihm das
rechtliche Gehör. Mit Schreiben vom 29. September 2014 beantragte X durch seinen
Rechtsvertreter, es sei auf einen Führerausweisentzug zu verzichten, eventualiter sei
eine Verwarnung auszusprechen. Zudem sei das Verfahren von einem unbefangenen
Mitarbeiter weiter zu bearbeiten. Zur Begründung machte er geltend, aufgrund der
Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland treffe es
aktenkundig nicht zu, dass er lediglich einen Abstand von 10 Metern eingehalten habe.
Im Strafbefehl sei er lediglich mit Fr. 270.– gebüsst worden, was höchstens einer
leichten Widerhandlung gleichkomme.
Mit Schreiben vom 3. November 2014 teilte ein anderer Sachbearbeiter des
Strassenverkehrsamtes X mit, dass aufgrund der mittelschweren Widerhandlung vom
2. März 2014 (ungenügender Abstand von ungefähr 24 Meter beim
Hintereinanderfahren auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 115 km/h) ein
Führerausweisentzug von einem Monat vorgesehen sei, und gewährte ihm dazu das
rechtliche Gehör. Am 17. November 2014 stellte X durch seinen Rechtsvertreter beim
Strassenverkehrsamt den Antrag, es sei auf einen Führerausweisentzug zu verzichten,
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eventualiter sei eine Verwarnung auszusprechen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Mit Verfügung vom 19. November 2014 entzog das
Strassenverkehrsamt X den Führerausweis für die Dauer eines Monats und auferlegte
ihm die Verfahrenskosten von Fr. 250.–. Der Antrag auf Ausrichtung einer
Parteientschädigung wurde nicht behandelt. Die Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
C.- Mit Schreiben vom 7. Januar 2015 beantragte X für das
Administrativmassnahmeverfahren eine ausseramtliche Entschädigung von Fr. 2'250.–
zuzüglich Mehrwertsteuer. Dieser Antrag wurde vom Strassenverkehrsamt mit
Verfügung vom 2. Februar 2015 abgewiesen.
Dagegen erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 17. Februar 2015 und
Ergänzung vom 9. März 2015 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Antrag, die Verfügung der Vorinstanz vom 2. Februar 2015 sei aufzuheben und es sei
ihm eine angemessene Entschädigung zuzusprechen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete am 18. März 2015 auf eine
Vernehmlassung. Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner
Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 17. Februar 2015 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 9. März 2015 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Vorab ist anzumerken, dass die Vorinstanz nicht verpflichtet gewesen wäre, auf das
Wiedererwägungsgesuch des Rekurrenten einzutreten, da dieser gegenüber der
Verfügung der Vorinstanz vom 19. November 2014 keinen wesentlich veränderten
Sachverhalt und auch keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel geltend
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machte (vgl. BGE 124 II 6). Vielmehr hätte er ohne weiteres die ursprüngliche
Verfügung, worin sein Antrag auf Parteientschädigung nicht behandelt worden war, mit
dem ordentlichen Rechtsmittel anfechten können und auch müssen. Nachdem die
Vorinstanz jedoch das Wiedererwägungsgesuch materiell behandelt hat, steht dem
Rekurrenten die Möglichkeit des Weiterzugs an die Verwaltungsrekurskommission
offen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003,
Rz. 574).
3.- Strittig ist, ob dem Rekurrenten für das Verfahren vor der Vorinstanz eine
Parteientschädigung auszurichten ist.
a) Im Rekurs wird hauptsächlich geltend gemacht, die Vorinstanz habe offenbar ohne
Abwarten der Strafakten ein Administrativmassnahmeverfahren eröffnet und dabei
basierend auf einem falschen Sachverhalt einen zu langen Führerausweisentzug
angedroht. Unter diesen Umständen sei es verständlich, dass der Rekurrent Rat bei
einem Rechtsanwalt geholt habe, zumal der angedrohte Führerausweisentzug für ihn
existenzgefährdend gewesen sei. Aufgrund der Intervention des Rekurrenten sei in der
Folge der Sachbearbeiter gewechselt und ein neues Verfahren mit der Androhung eines
einmonatigen Entzugs eröffnet worden, ohne dass das erste formell beendet worden
wäre. Damit habe er im ersten Teil des Verfahrens obsiegt, wofür ihm eine
angemessene Entschädigung zuzusprechen sei, handle es sich doch gerade nicht um
einen leichten Fall. Wenn berücksichtigt werde, dass sogar die Vorinstanz vom
Sachverhalt und den Konsequenzen daraus überfordert sei, wie solle dann ein
rechtsunkundiger Bürger selber feststellen und beurteilen können, ob der von der
Vorinstanz angedrohte Führerausweisentzug richtig oder falsch sei. Daher sei eine
Prüfung durch einen Rechtsanwalt notwendig gewesen. Ferner habe sich der Rekurrent
auch beraten lassen müssen, was der Unterschied zwischen einer einfachen und einer
mittleren Verkehrsregelverletzung sei. Diese Abgrenzung sei keineswegs klar und
einfach vorzunehmen. Schliesslich könne es nicht sein, dass die Vorinstanz
unsorgfältig arbeiten dürfe, weil die
Rekursinstanz über eine umfassende Kognition verfüge.
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Die Vorinstanz wies den Antrag auf Parteientschädigung in der Verfügung vom 2.
Februar 2015 gestützt auf Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP ab mit der Begründung, im
erstinstanzlichen Verfahren würden grundsätzlich keine Parteientschädigungen
zugesprochen. Eine solche sei nur gerechtfertigt, wenn das Verfahren willkürlich
eröffnet worden oder wenn für den Betroffenen durch die Eröffnung des Verfahrens zur
Wahrung seiner Rechte der Beizug eines Anwalts unbedingt erforderlich sei. Beides
treffe vorliegend nicht zu, es liege keine komplexe Fragestellung vor, zudem verfüge
die Rekursinstanz über eine umfassende Überprüfungsbefugnis.
b) Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP bestimmt, dass in erstinstanzlichen Verfahren in der Regel
keine ausseramtlichen Kosten zugesprochen werden. Eine ausseramtliche
Entschädigung ist im erstinstanzlichen Verfahren jedoch dann gerechtfertigt, wenn das
Verfahren willkürlich eröffnet wurde oder wenn für die Betroffenen durch die Eröffnung
des Verfahrens zur Wahrung ihrer Rechte der Beizug eines Anwalts unbedingt
erforderlich ist (GVP 1987 Nr. 46). So hielt denn die Verwaltungsrekurskommission
bereits im Jahre 1987 fest, dass gerade darin, dass das Gesetz eine ausseramtliche
Entschädigung im erstinstanzlichen Verfahren für den Regelfall ausschliesse, die
Befugnis und auch die Verpflichtung liege, in besonders gelagerten Fällen eine
ausseramtliche Entschädigung dennoch zuzusprechen (GVP 1987 Nr. 46 E. b). Die
ausseramtliche Entschädigung wird bei Zusprechung nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 98 VRP). Die zivilprozessualen Vorschriften über die
Parteientschädigung gelangen sachgemäss zur Anwendung (Art. 98 VRP).
Ob der Beizug eines Anwalts notwendig ist, hängt insbesondere von der Schwierigkeit
der sich in einem Verfahren stellenden Fragen, von den Rechtskenntnissen der ins
Verfahren einbezogenen Parteien, von der Tragweite des Entscheids und von einer
allfälligen Rechtsvertretung der Gegenpartei ab (vgl. BGE 104 Ia 72, 77). Die ältere
Rechtsprechung stellte an die Notwendigkeit und Angemessenheit ausseramtlicher
Kosten im erstinstanzlichen Verfahren ausserordentlich hohe Anforderungen. Im Jahre
1987 erklärte die Verwaltungsrekurskommission, dass die gesteigerte
Massnahmenempfindlichkeit von Berufschauffeuren für sich allein noch keine
Notwendigkeit rechtsanwaltlicher Vertretung begründe, sondern im Zusammenhang
mit den übrigen Kriterien beurteilt werden müsse. Im erstinstanzlichen Verfahren
müssten für den Beizug eines Anwalts geradezu "bedingende Umstände" vorliegen,
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insbesondere dann, wenn gegen den erstinstanzlichen Entscheid Rekurs erhoben
werden könne und die Rekursinstanz über eine volle Überprüfungsbefugnis verfüge
(GVP 1987 Nr. 46 E. b/bb; vgl. auch BGE 111 Ia 5, 10).
In der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine gewisse Lockerung der
Praxis zur
Notwendigkeit einer Rechtsverbeiständung ersichtlich, welche insbesondere im
Zusammenhang mit der unentgeltlichen Rechtspflege, die mit Art. 29 Abs. 3 BV
inzwischen verfassungsrechtlich ausdrücklich verankert ist, immer wieder thematisiert
wurde. So hielt das Bundesgericht fest, dass bei einem besonders starken Eingriff in
die Rechtsstellung des Betroffenen eine rechtliche Verbeiständung grundsätzlich
geboten sei (BGE 119 Ia 264 E. 3b; BGE 125 V 32 E. 4b). Die Anwendbarkeit von
Offizialmaxime oder Untersuchungsgrundsatz würde sodann die Notwendigkeit der
anwaltlichen Vertretung nicht ausschliessen (BGE 119 Ia 264 E. 3b). Ferner könne die
Notwendigkeit der Rechtsverbeiständung nicht grundlegend davon abhängig gemacht
werden, dass es sich um ein streitiges Verfahren handle, sondern falle grundsätzlich für
jedes staatliche Verfahren in Betracht (BGE 125 V 32, E. 4a und 4c; BGE 130 I 180 E.
2.2). In BGE 130 I 180 erklärte das Bundesgericht schliesslich, es sei nicht
gerechtfertigt, die Notwendigkeit der Rechtsverbeiständung im erstinstanzlichen
Verfahren generell mit dem Hinweis auf eine umfassende Überprüfungsbefugnis der
Rechtsmittelinstanz zu verneinen. Die Erfahrung zeige, dass es schwierig sei, ein
Verfahren erst in einem späteren Stadium auf die richtige Bahn zu bringen (E. 3.2).
c) Für eine willkürliche Verfahrenseröffnung ergeben sich vorliegend keine
Anhaltspunkte und solche werden vom Rekurrenten auch nicht konkret geltend
gemacht. Der Rekurrent ist aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit aber erhöht
sanktionsempfindlich, weshalb ein länger dauernder Ausweisentzug einen nicht
unerheblichen Eingriff in seine Rechtsstellung bedeutet hätte. Die Zweispurigkeit von
Straf- und Administrativmassnahmeverfahren im Bereich des Strassenverkehrsrechts
bietet zudem eine gewisse Komplexität. Grundsätzlich kann ein Betroffener davon
ausgehen, dass die Administrativmassnahmebehörden Kenntnis von den tatsächlichen
Feststellungen und vom Ergebnis des Strafverfahrens haben. Dies war aber vorliegend
nicht der Fall. Weder die Nichtanhandnahmeverfügung vom 11. März 2014 noch der
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Strafbescheid vom 9. Mai 2014 wurden der Vorinstanz von den Zürcher Strafbehörden
zugestellt. Der betreffende Sachbearbeiter hat daher auch nicht fehlerhaft gehandelt,
weshalb weder ein Wechsel der zuständigen Person noch eine neue
Verfahrenseröffnung nötig gewesen wären. Für den Rekurrenten wäre es vielmehr ein
Leichtes und auch ohne weiteres zumutbar gewesen, die offensichtlich falsche
Sachverhaltsdarstellung der Vorinstanz, wonach er beim Vorfall vom 2. März 2014
lediglich einen Abstand von 10 Metern zum voranfahrenden Personenwagen
eingehalten habe, mittels eines kurzen Schreibens samt Zusendung der
Nichtanhandnahmeverfügung sowie des Strafbefehls korrigieren zu lassen. Gerade
dafür wird dem Betroffenen unter anderem das rechtliche Gehör gewährt. Der
Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV stellt einerseits ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht dar, dient andererseits aber auch der
Sachaufklärung und trägt insbesondere dazu bei, dass die Behörde ihrer Beurteilung
einen korrekten Sachverhalt zugrunde legt. Für eine solche Mitteilung an die Vorinstanz
bedurfte es keiner speziellen Rechtskenntnisse bzw. Unterstützung durch einen
Rechtsanwalt. Im Übrigen kann der Rekurrent nicht als generell rechtsunkundig
bezeichnet werden. Dies zeigt auch sein Schreiben vom 7. Januar 2015, worin er den
Antrag auf ausseramtliche Entschädigung stellte. Mit Kenntnis der tatsächlichen
Feststellung im Strafverfahren sowie der Verurteilung nach Art. 90 Abs. 1 SVG wäre die
Vorinstanz nicht mehr von einer schweren, sondern von einer mittelschweren
Widerhandlung ausgegangen und hätte aufgrund des guten automobilistischen
Leumunds die Mindestentzugsdauer von einem Monat verfügt. Weiterer Einwendungen
hätte es dazu nicht mehr bedurft. Auch für eine Erläuterung des Unterschieds zwischen
einer leichten und mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften durch einen Rechtsanwalt besteht im erstinstanzlichen
Verfahren keine Notwendigkeit. Ändert schliesslich die Vorinstanz während des
hängigen Administrativmassnahmeverfahrens – z.B. aufgrund eines Hinweises des
Betroffenen – die rechtliche Beurteilung des fraglichen Fehlverhaltens im
Strassenverkehr, so hat dies grundsätzlich keine Kostenfolge, namentlich liegt dann
noch keine Verfügung vor.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Notwendigkeit des Beizugs eines
Rechtsanwaltes im erstinstanzlichen Verfahren unter Würdigung sämtlicher Umstände
nicht gegeben war; dementsprechend ist der Rekurs abzuweisen.
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4.- Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.– ist angemessen
(vgl. Art.7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 VRP).