Decision ID: 4862e45b-7fad-49cf-9797-685cc266845f
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1979 geborene
X._
, diplomierter Ingenieur FH in
Elektro
technik
(Urk. 7/1/5 f.),
war ab 1. März 2011 als Lehrbeauftragter
an einer Berufs
schule
tätig (Urk. 7/12) und
meldete sich am 14. Januar 20
13 wegen einer Angststörung sowie einer
Depression bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 7/2). Die IV-Stelle
führte mit dem Versicher
ten am 5. April 2013 ein Erstgespräch zur Abklärung der beruflichen Situation (Urk. 7/18/2).
Am 17. Mai 2013
teilte
sie
dem Versicherten mit, es
werde eine
Ber
ufsberatung
im Sinne
einer Frühinterventionsmassnahme
gewährt (Urk. 7/17);
g
leichentags wurde
dafür
eine
Zielverein
barung
geschlossen
(Urk. 7/19).
Der Versicherte wurde sodann i
m Auftrag der Pensionskasse seiner Arbeitgeberin
(BVK
Personalvor
sorge
des Kantons Zürich)
begutachtet.
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete
das
Gutachten am 26. Juni 2013 (Urk. 7/20).
Am 6. September 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
die gewährten
beruflichen Massnahmen
abgeschlossen
würden
(Urk. 7/22).
Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 21. Oktober 2013; Urk. 7/28) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 2. Dezember 2013
einen Anspruch
des Versicherten
auf
weitere
L
eistungen der I
nvalidenversiche
rung (Urk. 2 [=
Urk. 7/29]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 26. Dezember 2013 Beschwerde (
Urk.
1).
Mit
Beschwerde
antwort
vom
31. Januar 2014
(Urk. 6
) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 3. Februar 2014
wurde dem Beschwerdeführer das Doppel der
Beschwerde
ant
wort
zuge
stellt
und es wurde ihm Frist angesetzt, um zu erklären, ob er an der Beschwerde festhalte und wenn ja, mit welchem Rechtsbegehren und mit wel
cher Begründung (Urk.
8 und Urk. 9
).
Mit Eingabe vom 22. Februar 2013 (rich
tig 2014) erklärte der Beschwerdeführer, dass er an der Beschwerde festhalte
(Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise
begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die
Beschwerdegegnerin, gemäss Gutachten bestehe kein sozialer Rückzug und es seien genügend Ressourcen vorhanden, um die gesundheitlichen Einschränkungen zu überwinden. Dies bedeute, dass der Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Lehrbeauftragter mit einer zumutbaren Willensanstrengung zu 100 % ausüben könne (Urk. 2). In der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin aus, es lägen durchwegs behandelbare Erkrankungen vor. Sobald eine wirksame Behandlung greife, sei mit einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und im ange
stammten Pensum zu rechnen. Es liege kein invalidenversicherungsrechtlich rele
vanter Gesundheitsschaden vor. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestehe daher keine dauerhafte Minderung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde vom 26. Dezember 2013 vor,
er könne die angestammte Tätigkeit zur Zeit nicht ausüben und
es sei dem Gut
achten nicht zu entnehmen, dass er die angestammte Tätigkeit als Lehrbeauf
tragter zu 100 % ausüben könne (Urk. 1).
In seiner Eingabe vom 22. Februar 2013 wies der Besch
werdeführer darauf hin, dass
er
zwar wieder arbeitsfähig
sei
, jedoch nicht in der angestammten Tätigkeit (Urk. 10).
3.
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Gutachten vom 26. Juni 2013 die folgenden Diagnosen (Urk. 7/20/27):
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), hyperaktiv-impulsiver Typus (DSM-IV: 314.01) respektive hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F90.1)
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
akzentuierte Persönlichkeit mit narzisstischen Zügen (ICD-10 Z73
.
1 „Prob
leme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
“
)
Regelmässiger Konsum von Cannabis ohne Hinweise auf einen Miss
brauch nach den Kriterien von ICD-10
Dr.
Y._
wies unter anderem darauf hin, dass die vom Beschwerdeführer ange
gebene Arbeitsunfähigkeit inkonsistent sei zu dessen aktuell hohem
Fun
ktions
niveau
im Freizeitbereich sowie
seinen bisherigen Fähigkeiten, trotz der psy
chischen Probleme zu arbeiten, die
Ausbildung abzuschliessen sowie die
Rek
rutenschule
(RS)
und
die
Wiederholungskurse (WK) zu absolvieren
.
Die Angaben des Beschwerdeführers über das Ausmass seiner Störungen sowie die Leis
tungsfähigkeit und die Motivation, sich für Verweistätigkeiten zu engagieren, könnten nicht als ausreichend valide betrachtet werden (Urk. 7/20/23).
Es
bestehe keine Minderung der Berufsfähigkeit, da prinzipiell gut behandelbare psychische Störungen
vorlägen
, welche bei insgesamt guten Ressourcen des Beschwerdeführers noch nie mit einer evidenzbasierten, wirksamen und vertret
baren Therapieform behandelt worden seien. Bei einer Tätigkeit, welche ihn nicht mit einer „Klassensituation“
, in welcher er schwierige und
belastende Führungssituationen erlebt habe, konfrontiere, bestehe bereits jetzt eine volle Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/20/26).
4.
4.1
Das Gutachten vom 26. Juni 2013 vermag die an eine beweiskräftige ärztli
che Expertise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (E. 1.4).
Es
beruht auf sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (Urk. 7/20/3 ff.; Urk. 7/20/7 ff.), berücksichtigt die geklagten Beschwerden (Urk. 7/20/6
f.; Urk. 7/20/18 ff.
) und ist in Kenntnis der relevanten
Vorakten
(Urk. 7/20/2 f.)
abgegeben worden.
4.2
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers lässt sich a
ufgrund des Gutachtens kein Gesundheitsschaden erkennen, welcher zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen würde.
Dr.
Y._
attestierte dem Beschwerdeführer in einer Tätigkeit, welche ihn nicht mit einer „Klassensituation“ konfrontiere, eine volle Arbeitsfähigkeit.
Darauf ist abzustellen, da es sich bei der
seit 2
011
ausge
übten Lehrtätigkeit nicht um die anges
tammte Tätigkeit handelt. Der Beschwer
deführer ist diplomierter Ingenieur FH in Elektrotechnik und arbeitete von Juli 2007 bis Februar 2011 als Entwicklungsingenieur bei der
Z._
AG (Urk. 7/16/3).
Der Quereinstieg als Lehrperson gelang dem Beschwerdeführer offensichtlich nicht; er brach auch d
en Studie
ngang zum Berufsfachschullehrer
ab (Urk. 7/8/3
).
Daher ist die Tätigkeit als Elektroingenieur
als angestammte Tätigkeit
zu betrachten
.
4.3
Selbst wenn
die
Lehrtätigkeit als angestammte Tätigkeit
betrachtet würde
,
wäre
mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
vorl
iegt
.
G
emäss
Dr.
Y._
ist eine
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers als
Lehrbeauftragter
mit weit überwiegender Wahrschein
lichkeit bei adäquater,
evi
denzbasierter
Therapie
überwindbar
(Urk. 7/20/25)
.
Bei der
vom Beschwerde
führer angeführte
n
wöchentliche
n
Psychotherapie (
Urk. 10 und
Urk. 7/20/6)
handelt es sich nach Ansicht von
Dr.
Y._
jedoch um
keine
evidenzbasierte, wirksame und vertretbare
Therapie
form
(Urk. 7/20/26).
Des weitern wäre ohnehin fraglich, ob ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultierte, wenn von einer 100%igen Arbeits
un
fähigkeit in der Lehrtätigkeit als angestammte
r
Tätigkeit ausgegangen würde. Der Beschwerdeführer war als Lehrbeauftragter in einem Arbeitspensum von lediglich 53.85 % tätig (14 Wochenlektionen bei einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 26
Wochenlektio
nen
)
und hätte im Jahr 2013 ohne Gesundheitsschaden ein Jahreseinkommen von Fr. 57‘478.95
(inklusive 13. Monatslohn)
erzielt (Urk. 7/12/2). Da keine gesund
heitlichen Gründe für das reduzierte Pensum angeführt wurden, ist von einer freiwillig ausgeübten Teilzeiterwerbstätigkeit auszugehen. Damit ent
spricht das erwähnte Jahreseinkommen dem
Validen
einkommen
, welches
nied
riger
sein dürfte als
das
Jahreseinkommen
bei einer 100%igen Arbeitstätigkeit in einer gemäss Gutachten angepassten Tätigkeit.
4.4
Im Sinne des Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5
.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 6
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Das Gericht erkennt
:
1.
D
ie Beschwerde wird
abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage eines Dop
pels von Urk. 10
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.