Decision ID: 3c282e5e-b51e-5f8c-ab6f-f89980f9f849
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren und Rente
(Observation)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war seit August 1998 bis Ende April 2002 bei der B._ AG,
Bauunternehmung, als Gipser angestellt. Ihm wurde das Arbeitsverhältnis infolge
Auflösung der Firmengruppe C._ gekündigt (UV-act. 1/35). Er schlug sich am
14. März 2002 gemäss Meldung der Arbeitgeberin zuhanden der SUVA vom 12. April
2002 die linke Hand an einem Türrahmen zu Hause an (UV-act. 1/38). Dem Vorfall ging
gemäss Bericht des Kantonsspitals Altstätten vom 8. März 2002 eine kleine Verletzung
des linken Daumens mit möglicher Fremdkörpereinsprengung voraus, die sich bereits
vor zwei oder drei Jahre ereignet hatte (vgl. UV-act. 1/11). Nun zog sich der Versicherte
eine Metacarpale-V-Schrägfraktur links zu, welche am 20. März 2002 mit einer
Osteosynthese operativ versorgt wurde (UV-act. 1/37). Es folgten eine operative
Metallentfernung samt Neurinomentfernung am 10. Juni 2002 (UV-act. 1/26) sowie eine
Entfernung eines scheibenförmigen Glassplitters am 5. Juli 2002. Letzteres war
angezeigt, weil der Versicherte über persistierende Beschwerden und unverändertes
Fremdkörpergefühl im Daumen links geklagt hatte (UV-act. 1/11).
A.b Ab 12. August 2002 unternahm der Versicherte einen Arbeitsversuch bei einer
neuen Arbeitgeberin. Diese kündigte aber das Arbeitsverhältnis per 23. August 2012,
weil er anlässlich des Anstellungsgesprächs die Beeinträchtigung der linken Hand
verschwiegen hatte und deswegen kurz nach dem Anstellungsantritt zu 50%
arbeitsunfähig geschrieben wurde (UV-act. 1/14, 16).
A.c Eine kreisärztliche Untersuchung vom 25. September 2002 ergab, dass der linke
Daumen des Versicherten beschwerdefrei sei und eine vollumfängliche Funktion mit
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erhaltener Sensibilität zeige. Die geklagten Beschwerden seien als Dekonditionierung
nach fast einem halben Jahr Arbeitsunfähigkeit anzusehen (UV-act. 1/13).
B.
B.a Der Versicherte meldete sich erstmals am 13. Februar 2003 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Massnahmen und Rente) an. Er wies
dabei auf eine seit 2000 bestehende Knochenentzündung der linken Hand hin (IV-
act. 1) und legte später ein Arztzeugnis des Hausarztes Dr. med. D._,
Allgemeinmedizin FMH, vom 16. Mai 2003 vor. Danach war der Versicherte für die
Verrichtung von schweren Arbeiten mit der linken Hand nicht mehr arbeitsfähig (IV-
act. 11/1).
B.b Infolge der Anmeldung zog die IV-Stelle des Kantons St. Gallen die Akten der
Unfallversicherung bei (IV-act. 9). Aus den darin enthaltenen Berichten der Klinik für
Orthopädische Chirurgie am Kantonspital St. Gallen zuhanden des Hausarztes vom
1. April 2003 (UV-act. 2/12) und vom 6. Juni 2003 (UV-act. 2/9) ging hervor, dass der
Versicherte zu 100% arbeitsfähig sei.
B.c Vor diesem medizinischen Hintergrund legte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6. August 2004 eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten leichten
Tätigkeit fest, ermittelte einen Erwerbsausfall von 15% und wies das
Leistungsbegehren betreffend berufliche Massnahmen ab (IV-act. 31). Daran hielt sie
mit Einspracheentscheid vom 27. Januar 2005 fest (IV-act. 39).
C.
C.a Der Versicherte füllte am 12. August 2005 ein zweites Anmeldeformular zuhanden
der Invalidenversicherung aus und beantragte die Zusprache einer Rente (IV-act. 40).
Er legte dem Formular einen Bericht der Klinik Gais vom 19. Juli 2005 bei. Darin
wurden eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F 32.1) und
differentialdiagnostisch eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4) angeführt.
Gestützt darauf ergebe sich eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-act. 41).
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C.b Dr. med. E._, Allgemeinmedizin FMH, nannte in einem Bericht vom 29. August
2005 auch die mittelgradige depressive Episode und die somatoforme
Schmerzstörung. Er wies im Zusammenhang mit dem Status nach Mittelhandfraktur
darauf hin, dass die geklagten Schmerzen trotz spezialärztlichen Untersuchungen nicht
objektiviert werden könnten. Unfallbedingt sei der Versicherte seit 15. Dezember 2003
zu 50% arbeitsunfähig und krankheitsbedingt seit 26. Mai 2004 zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 47/3 f.).
C.c Die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, hielt in einem Bericht
vom 7. November 2005 fest, dass Tätigkeiten, die keinen Gebrauch der linken Hand
erfordern würden, grundsätzlich zumutbar seien. Eine an sich erforderliche
Arbeitserprobung könne aber möglicherweise nicht durchgeführt werden, weil das
Denken des Versicherten auf die Krankheit seiner linken Hand fixiert sei (IV-act. 50).
C.d Dr. med. F._, Orthopädie/Handchirurgie, Schulthess Klinik, führte im Gutachten
zuhanden der Suva vom 11. November 2005 an, der Versicherte könne aus
handchirurgischer Sicht eine leichte Tätigkeit ausführen, wenn sie vorwiegend als
rechtsdominant ausfalle und die linke Hand als Hilfshand eingesetzt werde. Eine
schlüssige Diagnose könne nicht gestellt werden. Es liege eine Verdachtsdiagnose
eines Narbenneuromrezidives vor, welches sekundär zu einer massiven
Symptomausweitung geführt habe (UV-act. 6/24).
C.e Mit Verfügung vom 20. April 2007 teilte die Unfallversicherung dem Versicherten
mit, dass für die verbliebene Beeinträchtigung aus dem Unfall vom 14. März 2002 ab
1. Januar 2004 eine Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 18% und
eines versicherten Jahresverdienstes von Fr. 76'353.-- ausgerichtet werde (UV-act. 7).
I/220). Mit Einspracheentscheid vom 10. Dezember 2007 wurde der Invaliditätsgrad
von 18% auf 27% erhöht (UV-act. 9). Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Urteil vom 26. August 2008 ab (UV-
act. 12/3-16).
C.f Die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz erstellte im Auftrag
der IV-Stelle und unter Mitwirkung der Konsiliarärzte Dr. med. G._, Facharzt für
Rheumatologie FMH, und Dr. med. H._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein
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interdisziplinäres Gutachten vom 12. Juli 2007. Dieses stellte die sich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkenden Diagnosen eines chronifizierten therapierefraktären
schmerzhaften Residualzustands der linken oberen Extremität mit funktioneller
Einarmigkeit und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Aufgrund der
rheumatologischen Befunde seien dem Versicherten die angestammte Tätigkeit als
Gipser sowie andere manuell kraftaufwändigen Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Er
könne lediglich eine körperlich und vor allem manuell leichte Tätigkeit mit vermindertem
Einsatz der linken Hand im Sinne einer Zudien- und Hilfshand sowie vorwiegend
rechtsdominante Arbeiten zu 90% ausführen. Die quantitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ergebe sich aus den psychopathologischen Befunden. Andere
Diagnosen (depressive Störung, überwertige Idee, diastolische Hypertonie und
Übergewicht) hätten zwar Krankheitswert, würden aber zu keiner wesentlichen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (IV-act. 74/21).
C.g Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (IV-act. 81-83) verneinte die IV-
Stelle mit Verfügung vom 21. Januar 2008 (richtig 24. Januar 2008) bei einem
Invaliditätsgrad von 18% einen Anspruch auf eine IV-Rente (IV-act. 86).
D.
D.a Der Versicherte meldete sich erneut am 5. November 2008 bei der Invalidenver
sicherung an (IV-act. 90). Aus psychiatrischer Sicht war er gemäss Bericht des
Psychiatrie-Zentrums Z._ vom 25. November 2008 zu 100% arbeitsunfähig (IV-
act. 96). Dr. E._ berichtete am 27. November 2008 von einer psychiatrischen
Entgleisung mit depressiver Entwicklung, Agitiertheit, Aggressivität gegen sich und
Fremdpersonen bis hin zu suizidalen Absichten (IV-act. 95).
D.b In der Folge beauftragte die IV-Stelle am 27. März 2009 die MEDAS-
Zentralschweiz mit einer psychiatrischen Verlaufsbegutachtung des Versicherten (IV-
act. 103). Im Gutachten vom 25. Mai 2009 stellte Dr. H._ die sich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkenden Diagnosen einer wegen Komorbidität und anderen
Umständen nicht überwindbaren anhaltenden Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), einer
schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2) und
einer überwertigen Idee (sonstige anhaltende wahnhafte Störungen, ICD-10: F22.8).
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Aufgrund der psychischen Störungen könne der Versicherte eine Arbeitspräsenzzeit
von nur 50% in einer adaptierten Tätigkeit theoretisch erfüllen. Da seine Leistungen
aber nicht verwertbar wären, sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% in jeder
Tätigkeit auszugehen. Seit der Begutachtung im März 2007 habe sich der
Gesundheitszustand schleichend verschlechtert; seit dem Eintritt in die stationäre
Behandlung in der Klinik St. Pirminsberg betrage die Arbeitsunfähigkeit 100% (IV-
act. 105/7-11).
D.c Auf dieses Verlaufsgutachten war gemäss Stellungnahme des Arztes I._,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) Ostschweiz, vom 21. Juli 2009 abzustellen (IV-act.
106). Demgegenüber stellte der RAD-Arzt J._ am 4. August 2009 Ungereimtheiten
und inkonsistente Angaben des Versicherten fest und erstellte am 25. August 2009 ein
Leistungsprofil im Hinblick auf einen Überwachungsauftrag (IV-act. 107). Gleichentags
ersuchte Rechtsanwalt R. Niedermann, St. Gallen, im Namen des Versicherten, die
Invalidenversicherung um Akteneinsicht. Zudem beantragte er die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung (IV-act. 108).
D.d Am 27. August 2009 beauftragte die IV-Stelle ein Ermittlungsbüro mit der Über
wachung des Versicherten (IV-act. 110).
D.e Am 3. September 2009 gewährte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter des
Versicherten Akteneinsicht (IV-act. 114).
D.f Die Observation wurde in der Zeitspanne vom 1. Oktober 2009 bis 10. November
2009 durchgeführt (IV-act. 126). Der Versicherte hatte sich am 24. August 2009 wegen
Suizidalität freiwillig in stationäre Behandlung in die Klinik St. Pirminsberg, Psychiatrie-
Dienste Süd, Pfäfers, begeben und blieb bis 31. Oktober 2009 dort (IV-act. 146/10-14).
Die Ermittler haben ihn dann erstmals am 9. November 2009 und am 10. November
2009 überwachen können (vgl. IV-act. 126).
D.g Mit Schreiben vom 27. November 2009 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter
des Versicherten mit, eine anwaltliche Verbeiständung dränge sich nach der
Rechtsprechung vor Erlass eines Vorbescheids nur im Ausnahmefall auf. Ein solcher
sei hier nicht gegeben (IV-act. 119).
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D.h Die Ergebnisse der Observation wurden in einem Ermittlungsbericht vom
28. Dezember 2009 festgehalten (IV-act. 126; Videoaufnahmen der Observation wurden
zu den Akten gelegt, act. G 16). Diesbezüglich nahm der RAD-Arzt J._ am 5. Januar
2010 aus medizinischer Sicht Stellung (IV-act. 127).
D.i Am 13. Januar 2010 trat der Versicherte erneut eine stationäre Behandlung in
der Klinik St. Pirminsberg an, die bis 9. Februar 2010 dauerte (IV-act. 146/5-9).
D.j Mit Schreiben vom 14. Januar 2010 beanstandete der Rechtsvertreter des Ver
sicherten, dass die IV-Stelle ihm Akten vorenthalten habe, und verlangte volle
Akteneinsicht (IV-act. 151/3). Gleichentags ersuchte er mit separatem Schreiben erneut
um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung (IV-act. 151/1).
D.k Mit den Ergebnissen der Observation konfrontierte die IV-Stelle den Versicherten
im Beisein seines Rechtsvertreters am 1. Februar 2010 (IV-act. 138 f.).
D.l Mit Bericht zuhanden des Psychiatrie-Zentrums Rheintal vom 16. März 2010
berichteten die Ärzte der Klinik St. Pirminsberg von einer stationären Krisenintervention
vom 14. bis 16. März 2010 (IV-act. 146/3). Sie erstatteten daraufhin am 26. März 2010
einen Verlaufsbericht zuhanden der IV-Stelle (IV-act. 146/1).
D.m Am 3. Juni 2010 ergänzte die RAD-Ärztin, Dr. med. K._, aus psychiatrischer
Sicht die Ausführungen von RAD-Arzt J._ vom 5. Januar 2010. Dabei berücksichtigte
sie die am 1. Februar 2010 durchgeführte Konfrontation des Versicherten mit den
Observationsergebnissen (IV-act. 149).
E.
E.a Mit Verfügung vom 8. Juni 2010 wies die IV-Stelle das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung ab. Sie hielt fest, im Verfahren vor dem Erlass des Vorbescheids
komme eine anwaltliche Vertretung nur ausnahmsweise infrage. Der "erhöhte
Korrespondenzaufwand", um das "Verfahren voranzutreiben" stelle keine Besonderheit
dar, die eine anwaltliche Vertretung unumgänglich machen würde. Zudem habe der
Versicherte im laufenden Verfahren nachweisbar falsche Angaben gemacht, um die
Zusprache einer Invalidenrente zu erwirken. Dieses verpönte Verhalten dürfe nicht mit
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einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung unterstützt werden. Die Berufung auf
Verfahrensgarantien sei unter diesen Umständen rechtsmissbräuchlich. Zudem müsse
Aussichtslosigkeit des Verfahrens angenommen werden (IV-act. 152).
E.b Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt R. Niedermann für den Versicherten
am 12. Juli 2010 Beschwerde mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei im Vorbescheidverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Dem Beschwerdeführer sei auch im
Beschwerdeverfahren (IV 2010/286) die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Eine angemessene Frist zur
Beschwerdeergänzung sei anzusetzen. Der Rechtsvertreter begründet die Beschwerde
summarisch damit, dass das Vorbringen falscher Angaben durch den
Beschwerdeführer nicht erwiesen sei. Das vorliegende Verwaltungsverfahren komme
aufgrund der Observation einem strafrechtlichen Verfahren mit sehr eingeschränkten
Parteirechten gleich, weshalb die Rechtsvertretung zwingend notwendig erscheine (IV
2010/286, act. G 1).
F.
F.a Nach Durchführung des Vorbescheidsverfahrens (IV-act. 158, 166/1-6) wies die
IV-Stelle mit Verfügung vom 4. Oktober 2010 das Rentengesuch mit der Begründung
ab, die Observation des Versicherten im Alltag zeige, dass die angegebene und
demonstrierte Einschränkung der Funktionsfähigkeit aus somatischer und
psychiatrischer Sicht nicht den Tatsachen entspreche. Diese Schlussfolgerung sei von
medizinischen Fachpersonen der Allgemeinmedizin und Psychiatrie bestätigt worden.
Gestützt darauf könne auf die im Verlaufsgutachten vom 25. Mai 2009 gestellten
Diagnosen und geschätzte Arbeitsunfähigkeit nicht mehr abgestellt werden. Der
Versicherte habe durch sein Verhalten die medizinischen Abklärungen manipuliert und
verfälscht. Von einer weiteren medizinischen Begutachtung seien keine neuen
medizinischen Erkenntnisse zu erwarten (IV-act. 167).
F.b Gegen diese leistungsverweigernde Verfügung richtet sich die Beschwerde von
Rechtsanwalt R. Niedermann, im Namen des Versicherten, vom 5. November 2010. Er
beantragt die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei
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eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Streitsache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese habe weitere Abklärungen vorzunehmen
und anschliessend neu zu verfügen. Dem Beschwerdeführer sei für das vorliegende
Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung
sei anzusetzen. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, die
Observationsergebnisse seien nicht verwertbar. Selbst wenn die Observation zulässig
gewesen wäre, liessen sich daraus keine neuen Erkenntnisse gewinnen, welche das
Gutachten der MEDAS-Zentralschweiz vom 12. Juli 2007 und insbesondere das
Verlaufsgutachten der MEDAS-Zentralschweiz vom 25. Mai 2009 umstossen könnten
(IV 2010/435, act. G 1).
G.
Mit Schreiben vom 8. Februar 2011 teilte die Verfahrensleitung dem Beschwerdeführer
mit, dass die beiden Verfahren IV 2010/286 und IV 2010/435 inskünftig parallel geführt
und beurteilt werden (IV 2010/435, act. G 8).
H.
H.a Nachdem die Frist für die beantragten Ergänzungen der Beschwerden mehrmals
erstreckt worden war, weil nach Angaben des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers
die Ergebnisse der medizinischen Abklärungen noch nicht vorgelegen hatten, wurde
eine gemeinsame Beschwerdeergänzung für die parallel geführten
Beschwerdeverfahren mit Eingabe vom 30. Juni 2011 eingereicht. Der Rechtsvertreter
macht darin gestützt auf verschiedene Arztberichte eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes geltend. Die behandelnden Ärzte hätten aufgrund neuer
Diagnosen festgestellt, dass der Beschwerdeführer für jede berufliche Tätigkeit
vollständig arbeitsunfähig sei. Die leistungsverweigernde Verfügung berücksichtige
weder einen Fenstersprung vom 22. September 2010 noch werde sie mit
beweiskräftigen medizinischen Unterlagen untermauert. Den Stellungnahmen des RAD
sei keine Beweiskraft beizumessen. Aufgrund des Observationsmaterials sei eine neue
Begutachtung medizinisch notwendig. Der Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung
im Verwaltungs- und im Beschwerdeverfahren sei gutzuheissen, weil der
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Beschwerdeführer bedürftig sei, sich die Sach- und Rechtslage als komplex erweise,
der Verfahrensausgang erhebliche Konsequenzen habe, die Verfahren nicht
aussichtslos seien und das Verwaltungsverfahren mit der Observation strafrechtliche
Züge angenommen habe (IV-10/435, act. G 13).
H.b Die Beschwerdegegnerin legt mit Beschwerdeantwort vom 10. Oktober 2011
unter Hinweis auf die UV-Akten dar, dass die Umstände der Verletzung an der linken
Hand des Beschwerdeführers fragwürdig seien. Die geklagten Beschwerden seien
durch die Verletzung in keiner Weise erklärbar und sehr bald praktisch als nur noch
psychiatrisch eingeordnet worden. Dass das Verlaufsgutachten vom 25. Mai 2009 in
sich widerspruchsfrei sei, bedeute nicht, dass kein Abklärungsbedarf mehr bestehen
könne. Da sich der begutachtende Psychiater ausschliesslich auf die Darstellung des
Beschwerdeführers abgestützt habe und eine tatsächlich bessere Arbeitsfähigkeit nicht
ausgeschlossen werden könne, sei eine Klärung nur mit fremdanamnestischen
Erhebungen wie der Observation möglich gewesen. Aufgrund der beobachteten
Tätigkeiten und Bewegungsfähigkeit des Beschwerdeführers könne eine Depression
ausgeschlossen werden. Die Ermittlungsergebnisse hätten gezeigt, dass die
Darstellungen des Beschwerdeführers nicht der Wahrheit entsprechen würden. Wer
sich so verhalte, mache sich strafbar und berufe sich missbräuchlich auf das Recht auf
unentgeltlichen Rechtsbeistand (IV 2010/435, act. G 16).
H.c Am 25. Oktober 2011 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege für beide Beschwerdeverfahren entsprochen (IV 2010/435, act. G 17).
H.d Mit Schreiben vom 31. Oktober 2011 ersuchte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers, die Verfahrensakten betreffend dessen Ehefrau (IV 2011/161) zu
edieren und ihm Akteneinsicht zu gewähren (IV 2010/435, act. G 19). Dem wurde am
7. November 2011 entsprochen (IV 2010/435, act. G 20).
H.e Am 21. Februar 2012 erstattete der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Replik. Er macht unter anderem geltend, die Behauptung, der Beschwerdeführer habe
sich die Verletzungen an der linken Hand selber zugefügt, entbehre jeglicher
Grundlage. Mit den Auswirkungen des Unfalls und den damit verbundenen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen habe sich die Beschwerdegegnerin bis heute
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nicht befasst. Nach dem Fenstersprung sei die Behandlung bei Dr. L._ abgebrochen
und von einer Psychotherapeutin unter Aufsicht von Dr. M._ fortgesetzt worden.
Diese behandelnden Ärzte und die Psychologin hätten in Kenntnis des
Observationsmaterials die Hypothese einer Simulation verneint und vielmehr eine
fortdauernde Kränkung festgestellt. Die Sache sei durch den MEDAS-Gutachter Dr.
H._ oder eine Oberbegutachtung - unter Einbezug des Observationsmaterials - neu
zu beurteilen, da nachweislich kein stabiler medizinischer Sachverhalt vorliege. Die
Verweigerung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands mache den Anspruch auf ein
faires Verfahren zunichte. Denn es handle sich hier nicht nur um eine komplexe
sozialversicherungsrechtliche Materie, sondern um den (schweren) Vorwurf des
Versicherungsmissbrauchs (IV 2010/435, act. G 25).
H.f Mit Duplik vom 29. März 2012 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Standpunkt
fest (IV 2010/435, act. G 27).
I.
Auf die näheren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und den Inhalt der
weiteren Akten wird - soweit erforderlich - in den folgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitgegenstände in den Beschwerdeverfahren IV 2010/435 und IV 2010/286 bilden
einerseits die Verneinung des Anspruchs auf Invalidenrente, andererseits die
Abweisung des Gesuchs um unentgeltlichen Rechtsbeistand im Verwaltungsverfahren.
Da diese Streitgegenstände eng zusammenhängen und sich dieselben Parteien
gegenüberstehen, rechtfertigt es sich die beiden Verfahren zu vereinigen.
2.
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Nachdem die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 24. Januar 2008 das Renten
begehren des Beschwerdeführers rechtskräftig abgewiesen hatte (IV-act. 86), machte
dieser dann erneut am 5. November 2008 einen Anspruch darauf geltend (IV-act. 90). In
zeitlicher Hinsicht ist der Sachverhalt massgebend, wie er sich seit der rechtskräftigen
Verfügung vom 24. Januar 2008 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
4. Oktober 2010 entwickelt hat. Der Bezug auf den Gesundheitszustand bis Ende des
Jahres 2007 dient lediglich dem Vergleich bei der Prüfung der Frage, ob
Veränderungen eingetreten sind. Demzufolge ist vor allem zu beurteilen, ob sich der
Gesundheitszustand nach dem Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
verändert hat; dabei sind die seither geltenden Bestimmungen der folgenden Gesetze
anwendbar: das Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), die
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und das Bundesgesetz
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).
3.
Da sich die leistungsverweigernde Verfügung vom 4. Oktober 2010 vor allem auf die
Observationsergebnisse stützt, ist zunächst zu prüfen, ob es nach der Aktenlage zu
lässig war, eine Überwachung anzuordnen.
3.1 Dr. H._ attestierte im Verlaufsgutachten vom 25. Mai 2009 dem
Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100% in einer
leidensangepassten Tätigkeit (IV-act. 105/7-11). Das Gutachten wurde in der
Stellungnahme des RAD vom 21. Juli 2009 nicht nur als in sich widerspruchsfrei
bezeichnet, wie in der Beschwerdeantwort behauptet (IV 2010/435, act. G 16), sondern
auch als schlüssig und nachvollziehbar (IV-act. 106). Damit steht fest, dass die
gutachterliche Beurteilung zu jenem Zeitpunkt den RAD überzeugte und keine Zweifel
an deren Richtigkeit bestanden. Dass dies dann am 4. August 2009 relativiert wurde
(IV-act. 107), ist an sich nicht zu beanstanden. Unklar ist jedoch, was den RAD dazu
veranlasste, den medizinischen Sachverhalt erneut zu beurteilen. Letzteres zeugt von
einer unsorgfältigen Aktenführung, hat der Versicherungsträger doch alle
Rechtshandlungen zu erfassen, die für die Prüfung des Leistungsbegehrens
massgeblich sein können (vgl. Art. 46 ATSG). Dieser formelle Mangel allein hat zwar
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nicht die Unzulässigkeit der Überwachungsanordnung zur Folge. Entscheidend bleibt,
ob ein Bedarf für weitere Abklärungen aktenkundig gegeben war.
3.2 Die Observation durch einen Privatdetektiv kann nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung ein geeignetes und erforderliches Mittel im Hinblick auf eine wirksame
Missbrauchsbekämpfung bilden. Dies setze voraus, dass die unmittelbare
Wahrnehmung aufgrund der Umstände objektiv geboten sei, um Erkenntnisse in Bezug
auf das Ausmass der tatsächlichen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu erlangen,
welche eine weitere Begutachtung nicht bringen könne. Objektiv geboten sei eine
Überwachung, wenn konkrete Anhaltspunkte bestünden, die trotz umfassender
Begutachtung Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der
geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen liessen. Solche Anhaltspunkte
könnten bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person gegeben sein oder
wenn Zweifel an deren Redlichkeit bestünden (eventuell durch Angaben und
Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung (BGE 137 I 327 f.
E. 5.4.1 mit Hinweisen).
3.3 Vorliegend ordnete die Beschwerdegegnerin die Observation offenbar gestützt
auf die Stellungnahme des RAD vom 4. August 2009 an, wonach das psychiatrische
Verlaufsgutachten vom 20. Mai 2009 zwar schlüssig erscheinen möge - dabei aber
einige allgemeine Ungereimtheiten bestünden. Die Angaben des Beschwerdeführers
seien zumindest teilweise inkonsistent, auf wenige Inhalte fixiert und teilweise ziemlich
fragwürdig. Dass er deutlich mehr als angegeben leisten könne, sei keineswegs
ausgeschlossen (IV-act. 107). Ausserdem erhielt die Beschwerdegegnerin offenbar von
dritter Seite Hinweise, wonach der Beschwerdeführer als Gipser "schwarz" arbeiten
würde (nicht in den Akten dokumentiert, vgl. IV-act. 139/2). Ergänzend beruft sich die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung auf die Tatsache, dass
Gutachter im früheren Verwaltungsverfahren (August 2005) auffälliges
Schmerzverhalten bei den Untersuchungen, Symptomausweitung und deutlich
grössere Beweglichkeit in scheinbar unbeobachteten Alltagssituationen festgestellt
hatten (IV-act. 167/3 f.). Dem hält der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zu Recht
entgegen, sämtliche während den Begutachtungen gemachten Beobachtungen seien
in die entsprechenden Beurteilungen eingeflossen, so dass die Diskrepanzen zwischen
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subjektiven Angaben und objektiven Befunden keine zusätzliche Fakten darstellten
(IV 10/435, act. G 1). Im Lichte der obenstehenden, für Eingriffe der Verwaltung
permissiven Rechtsprechung dürfte jedoch die Anordnung der Observation zulässig
gewesen sein. Inkonsistenzen und Aggravation schliessen eine
Gesundheitsbeeinträchtigung zwar nicht aus, können aber die Verwaltung dazu
veranlassen, ergänzende fremdanamnestische Abklärungen vorzunehmen. Deshalb
können der Ermittlungsbericht vom 28. Dezember 2009 (IV-act. 126) sowie die darauf
gestützten Stellungnahmen des RAD vom 5. Januar 2010 (IV-act. 127) und vom 3. Juni
2010 (IV-act. 149) als grundsätzlich verwertbar herangezogen werden.
4.
Es ist dennoch festzuhalten, dass ein Observationsbericht für sich allein keine sichere
Basis bildet, um den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der versicherten
Person festzustellen. Er kann diesbezüglich höchstens Anhaltspunkte liefern oder
Anlass zu Vermutungen geben. Sichere Kenntnis des Sachverhalts kann in dieser
Hinsicht erst die ärztliche Beurteilung des Observationsmaterials liefern (Urteil des
Bundesgerichtes 9C_343/2012 vom 11. Oktober 2012 E. 4.1.1; vgl. BGE 8C_272/2011
vom 11. November 2011 E. 7.1 mit Hinweisen). Die Invalidität im rechtlichen Sinn ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 4
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG); sie umfasst mit anderen Worten die erwerblichen
Folgen der Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Sie setzt daher voraus, dass der
Gesundheitsschaden sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuerst durch
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute festgestellt worden sind. Aufgabe
der Medizinalpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und
ZAK 1982 S. 34).
5.
Vor diesem Hintergrund sind die Stellungnahmen vom 5. Januar 2010 und vom 3. Juni
2010 im Folgenden zu würdigen, in denen sich der RAD mit den
Observationsergebnissen auseinandersetzte. Zu prüfen ist somit, ob diese
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Stellungnahmen die Einschätzungen im Verlaufsgutachten vom 25. Mai 2009 zu
entkräften vermögen.
5.1 Der RAD steht gemäss Art. 49 Abs. 3 IVV der IV-Stelle beratend zur Verfügung.
Er erstattet dabei für die in medizinischen Belangen nicht versierten Rechtsanwender
erläuternde Berichte und gibt ihnen Empfehlungen für weitere Abklärungen. Diese
Funktion erfüllen die Einschätzung vom 4. August 2009 und das Leistungsprofil vom
25. August 2009, auf deren Grundlage die Observation offenbar angeordnet wurde. Die
mit den Observationsergebnissen befassenden Stellungnahmen gehen über eine
blosse Beratung hinaus; sie beurteilen die medizinischen Voraussetzungen des
Leistungsanspruchs (vgl. Art. 59 Abs. 2 IVG und Art. 49 Abs. 1 IVV) im Hinblick auf
den Abschluss des Verwaltungsverfahren. Soweit sie von den Schlussfolgerungen des
Verlaufsgutachtens vom 25. Mai 2009 abweichen, können sie Zweifel an dessen
Richtigkeit erwecken. Dies allein genügt indessen nicht, um ein Gutachten schlüssig zu
entkräften (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2008 vom 4. Juni 2009 E. 5.3). Auf
Stellungnahmen des RAD kann direkt nur abgestellt werden, wenn sie den allgemeinen
beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügen (Urteil des
Eidgenössischen. Versicherungsgerichts I 694/05 vom 15. Dezember 2006 E. 2). Sie
müssen insbesondere in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sein
und in der Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge
einleuchten; die Schlussfolgerungen sind zu begründen (BGE 125 V 352 E. 3a). Die
RAD-Ärzte müssen sodann über die im Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen
Qualifikationen verfügen (Urteile des Bundesgerichts I 142/07 vom 20. November 2007
E. 3.2.3 und I 362/06 vom 10. April 2007 E. 3.2.1). Nicht zwingend erforderlich ist, dass
die versicherte Person untersucht wird. Nach Art. 49 Abs. 2 IVV führt der RAD für die
Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs nur «bei
Bedarf» selber ärztliche Untersuchungen durch. In den übrigen Fällen stützt er seine
Beurteilung auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen ab (BBl 2005 4572 zu Absatz 2).
Das Absehen von eigenen Untersuchungen ist somit nicht an sich ein Grund, um einen
RAD-Bericht in Frage zu stellen. Dies gilt insbesondere, wenn es im Wesentlichen um
die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts geht und die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des
Bundesgerichts I 1094/06 vom 14. November 2007 E. 3.1.1 in fine mit Hinweisen; vgl.
auch BGE 127 I 57 E. 2e und f.).
bis
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5.2 Der RAD-Arzt J._ legte am 5. Januar 2010 dar, es wäre anlässlich der
Observation zu erwarten, dass der nach eigenen Angaben schmerzgeplagte
Beschwerdeführer vollkommen auf die anhaltenden und quälenden Schmerzen in
seiner linken Hand fixiert sei und diese entsprechend stark schone. Dieser hätte
bezüglich Antrieb, Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, kognitiver Flexibilität und
Selbstvertrauen deutlich beeinträchtigt erscheinen müssen und wäre nicht mehr
imstande, normale persönliche Beziehungen zu pflegen.
5.2.1 Nach Einsicht in das Bildmaterial und in den Observationsbericht hielt der
RAD-Arzt fest, es seien keine sichtbaren Hinweise auf einen sozialen Rückzug,
Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, Freudlosigkeit usw. ersichtlich.
Insbesondere könne keine Einschränkung der Gebrauchsfähigkeit des linken Armes
und der linken Hand beobachtet werden - dies gelte selbst dann, wenn man die wohl
relativ ausgeprägte Rechtshändigkeit des Beschwerdeführers berücksichtige. Die
gestellten Diagnosen und die geschätzte Arbeitsunfähigkeit seien nicht mehr haltbar.
Die vorgebrachte somatische Störung mit der entsprechenden Schmerzproblematik sei
die entscheidende Voraussetzung für die psychiatrischen Diagnosen gewesen,
aufgrund derer gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert worden sei; sie
sei aber nachweislich nicht gegeben (IV-act. 127).
5.2.2 Der Verfasser dieser Stellungnahme versteht sich weder als Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie noch als Gutachter. Er weist auf die Ergebnisse der
Observation hin, die zumindest von einer Besserung des Gesundheitszustandes seit
dem Verlaufsgutachten vom 25. Mai 2009 zeugen würden. Diese vorsichtige Aussage
bildet nur teilweise eine retrospektive Beurteilung. Der relevante medizinische
Sachverhalt reicht allerdings bei einer IV-Anmeldung vom 5. November 2008 und
einem allfälligen Rentenbeginn ab Mai 2009 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) bis zum Mai 2008
zurück (vgl. einjährige Wartezeit, Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Es braucht an dieser Stelle
nicht erwogen zu werden, ob aus den Ergebnissen der Observation überhaupt
Rückschlüsse auf den früheren Gesundheitszustand, die Arbeitsfähigkeit und das
frühere soziale Verhalten für die Zeit vor der Überwachung gezogen werden können.
Denn der RAD-Arzt empfahl der Beschwerdegegnerin, den Grad der Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit nun mit einer medizinischen Verlaufsuntersuchung
festzulegen, die das vorliegende Bildmaterial einbeziehe.
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5.3 Mit der ergänzenden psychiatrischen Stellungnahme vom 3. Juni 2010 ging die
RAD-Ärztin Dr.med. K._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, davon aus,
dass das Verlaufsgutachten von Dr. H._ vom 25. Mai 2009 aufgrund der darin
enthaltenen Ungereimtheiten und der zwischenzeitlich erlangten Erkenntnisse der
Observation nicht aussagekräftig sei. Deshalb sei weiterhin auf die Feststellungen von
Dr. H._ im ersten psychiatrischen Teilgutachten vom 2. April 2007 (IV-act. 76)
abzustellen (IV-act. 149/2).
5.3.1 Die RAD-Ärztin beschrieb den Krankheitsverlauf wie folgt: Eine relativ kleine
Verletzung (Fraktur des fünften Mittelhandknochens links) habe sich zu einer nach
Angaben des Beschwerdeführers komplett invalidisierenden Schmerzstörung
entwickelt. Es falle auf, dass die psychiatrischen Symptome erst dann aufgetreten
seien, als die Beschwerdegegnerin gestützt auf ein Gutachten der MEDAS-
Zentralschweiz im Jahr 2007 das Leistungsbegehren abgewiesen habe. Der
Beschwerdeführer habe sich daraufhin lang ambulant und stationär erfolglos
behandeln lassen. Dann habe er im Jahr 2009 mit dieser Vorgeschichte beim Gutachter
der MEDAS-Zentralschweiz glaubhaft machen können, dass sich sein
Gesundheitszustand verschlechtert hätte. Dr. H._ habe zunächst festgehalten, dass
die rein depressiven Symptome lediglich eine leichte depressive Episode
diagnostizieren liessen; nur wenn die geklagten Schmerzen herangezogen würden,
ergäbe sich die Diagnose einer schweren depressiven Episode. Deshalb seien die
damals gestellten Diagnosen kritisch zu beurteilen. Der Psychiater habe als weiteres
Argument für eine schwere Episode die sogenannten überwertigen Ideen angeführt -
also bestimmte (häufig unwahrscheinliche), kaum korrigierbare Überzeugungen. Bei
genauerem Hinsehen seien die Schuldzuweisungen des Beschwerdeführers an
vorbehandelnde Ärzte und dessen Erwartung, dass jemand den Schaden in Ordnung
bringen müsse, keine überwertigen Ideen, sondern eher Ausdruck einer in dessen
Kulturkreis üblichen, nicht krankheitswertigen Einstellung. Nach dieser Einstellung
warte ein Patient meist in einer passiven schicksalsergebenen Haltung ab und erwarte
vom Arzt eine Art wunderheilerische Entfernung der Beschwerden. Hinzu komme, dass
der Psychiater seine Diagnose mit den Aussagen des Beschwerdeführers, dessen
Verhalten bei der Untersuchung und den Angaben seiner Ehefrau begründe. Das
Verhalten des Beschwerdeführers werde inzwischen auch von der behandelnden
Institution als aggravierend eingeschätzt. Der Beschwerdeführer habe beim jüngsten
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stationären Aufenthalt angegeben, dass sich sein Gesundheitszustand seit Oktober
2009 verschlimmert hätte. Dies stimme aber nicht mit der mittels der Observation
dokumentierten Beweglichkeit und dem unauffälligen Verhalten überein. Aus
psychiatrischer Sicht lasse sich aus dem Observationsmaterial keine schwere
psychische Störung erkennen. Dass ein schwer Depressiver mit einer Schmerzstörung
des linken Armes mit seinem Nachbarn Autoreifen bewege und freiwillig eine längere
Strecke über die Grenze in einen österreichischen Baumarkt fahre, um dort noch
beidhändig Dinge einzuladen, sei psychiatrisch überhaupt nicht plausibel. Angesichts
des Observationsmaterials und der letztlich nicht überzeugenden Aufenthalte in den
psychiatrischen Kliniken sei die behauptete Verschlechterung des
Gesundheitszustandes nicht ausreichend nachgewiesen (IV-act. 149).
5.3.2 Diese psychiatrische Beurteilung lässt die Krankengeschichte rückblickend
aussehen als eine Reihenfolge von Bemühungen, mit denen es dem Beschwerdeführer
gelungen sei, eine nicht bestehende Gesundheitsbeeinträchtigung zu dokumentieren.
Dabei hat die Fachärztin nicht nur die Observationsergebnisse aus medizinischer Sicht
bewertet, sondern die früheren Diagnosen im Verlaufsgutachten 2009 kritisch
diskutiert; sie hat nachvollziehbar erklärt, wie sie zu ihren Schlussfolgerungen
gekommen ist. Damit beurteilt sie retrospektiv den Gesundheitszustand sowie die
Arbeitsfähigkeit und erweckt Zweifel an der Richtigkeit des Verlaufsgutachtens -
hingegen vermag sie dessen Beweiskraft nicht schlüssig zu entkräften, zumal eine
persönliche Untersuchung hier angezeigt gewesen wäre. Zum einen können die letzten
Aufenthalte zur stationären Behandlung in der Klinik St. Pirminsberg nicht pauschal als
unbegründet betrachtet werden. Denn Verdeutlichungstendenzen, Aggravation und
Simulation sind klar auseinanderzuhalten. Zum anderen hätte eine Rücksprache mit
den seit dem 6. November 2009 im Psychiatrie-Zentrum Rheintal behandelnden
Medizinalpersonen gezeigt, dass der medizinische Sachverhalt nicht hinreichend klar
feststand.
5.4 Aus den letzten aktenkundigen stationären Behandlungen in der Klinik St.
Pirminsberg ging hervor:
5.4.1 Dort hielt sich der Beschwerdeführer vom 24. August 2009 bis 31. Oktober
2009 auf. Er habe sehr angespannt, agitiert und hoffnungslos gewirkt. Wegen akuter
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Suizidalität habe man ihn mehrere Tage im Isolierzimmer behandelt und auch anfangs
fixieren müssen. Die behandelnden Ärzte hätten ihn als sehr eingeengt auf sein Leiden,
rasch gekränkt und nicht auslenkbar erlebt. Die wiederholte Umstellung der
medikamentösen Therapie habe zu keiner wesentlichen nachhaltigen Linderung der
Symptomatik führen können. Es fehle dem Beschwerdeführer auch die Hoffnung auf
eine Besserung des Gesundheitszustandes. Da die Behandlungsmöglichkeiten im
Rahmen des damaligen Aufenthaltes als ausgeschöpft betrachtet wurden, wurde er
nach Hause entlassen (IV-act. 146/12f.).
5.4.2 Im Vergleich mit diesem Voraufenthalt habe der Beschwerdeführer
anlässlich einer stationären Behandlung vom 13. Januar 2010 bis 9. Februar 2010
etwas ruhiger, aktiver, weniger leidend, im Kontakt freundlicher und zugewandt,
gewirkt. Er sei jedoch beim Eintritt stark auf gewisse Themen - Leistungsbegehren,
Schmerzen, Depression, keine Freude mehr am Leben und sexuelle
Funktionsstörungen - eingeengt und habe fast schon theatralisch anmutend
herumgeklagt. Insgesamt falle auf, dass er stark aggraviere und jede Frage nach
Störungen und Pathologie vage beantworte. Er sei wegen Exazerbation der
Schmerzstörung freiwillig zur stationären Aufnahmen erschienen; zugleich bestehe eine
lange anhaltende psychosoziale Belastungssituation (IV-act. 146/7 f.).
5.4.3 Anlass für eine stationäre Krisenintervention vom 14. März bis 16. März
2010 gab ein heftiger Streit zu Hause, der beim Beschwerdeführer eine suizidale Krise
ausgelöst habe. Da kein Anhalt für akute Suizidalität vorgelegen habe, habe er auf
eigenen Wunsch die Klinik verlassen können (IV-act. 146/4).
5.4.4 Im Verlaufsbericht vom 26. März 2010 hielten die behandelnden Ärzte der
Klinik St. Pirminsberg fest, der Beschwerdeführer sei psychisch gesehen, im Verhalten
und Behandlungskompetenzen, massiv eingeschränkt. Er sei nur zu allereinfachsten
Verrichtungen (Körperpflege, Nahrungsaufnahme) in der Lage. Die kognitiven
Funktionen, die Psychosomatik, Geduld und Handlungsplanung sowie die
Kontaktaufnahme mit anderen Menschen seien massiv gestört. Bei der körperlichen
Untersuchung seien keine pathologischen Befunde erhoben worden. Allerdings
bestünden starke funktionelle Einschränkungen. So sei die Beweglichkeit wie auch die
Belastungsfähigkeit beider Hände und der gesamten oberen Extremitäten stark
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eingeschränkt. Aufgrund einer noch allgemein stark reduzierten Belastbarkeit sei auch
die körperliche Belastbarkeit insgesamt stark vermindert (IV-act. 146/2).
5.5 Mit Schreiben vom 24. Juni 2010 liess der Rechtsanwalt des Beschwerdeführers
dem behandelnden Dr.med. N._, Psychiatrie-Zentrum Z._, das
Observationsmaterial und die Stellungnahmen des RAD zur Prüfung zukommen (act.
G 13/2).
5.5.1 In der Folge hielten Dr.med. K. L._, Oberarzt, und Dr.med. O._,
Assistenzärztin, Psychiatrie-Zentrum Z._, am 2. September 2010 fest, die beim
Beschwerdeführer manchmal spürbare Aggravation spreche nicht gegen die
Diagnosen einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-19
F32.2) und einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10 F45.41). Einerseits handle es sich um ein häufiges Phänomen bei
einem kulturellen Hintergrund, in welchem Schmerz- und Symptomäusserungen oft
etwas anders präsentiert würden. Ausserdem bestünden sprachliche Einschränkungen,
welche es dem Beschwerdeführer erschwerten, sein Leiden exakt auszudrücken bzw.
zu schildern. Andererseits habe er mehrmals die Erfahrung gemacht, dass ihm nicht
geglaubt worden sei, was die Verdeutlichungstendenzen erklären könnte. Der
Beschwerdeführer sei vom 10. bis 25. August 2010 erneut zur psychischen
Stabilisierung in der Klinik St. Pirminsberg hospitalisiert. Er sei aus psychiatrischer
Sicht für jede Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig (act. G 13/3).
5.5.2 Auf Anfrage des Rechtsanwalts des Beschwerdeführers erklärte Dr. L._
am 24. Mai 2011, seine Institution könne zur Begutachtung und zu den
Observationsergebnissen keine Stellung beziehen und deshalb lediglich einen
Verlaufsbericht erstatten. Nach seiner Einschätzung sei eine neue Begutachtung
angezeigt. Der Beschwerdeführer sei vom 6. November 2009 bis 18. Mai 2011 in
psychiatrischer Behandlung im Psychiatrie-Zentrum Rheintal gestanden. Er habe bei
einer Konsultation vom 22. September 2010 einen affektiven Erregungszustand
entwickelt. Daraufhin habe die behandelnde Ärztin zur Unterstützung ihren Oberarzt
beiziehen wollen und kurzzeitig den Behandlungsraum verlassen. Bei der Rückkehr sei
der Beschwerdeführer aus dem Fenster geklettert und habe noch am Fenstersims
gehängt, bevor er sich aus dem ersten Stock in den Hof fallen gelassen habe. Er habe
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sich bei diesem Sturz eine Fraktur des dritten Lendenwirbelkörpers und Frakturen an
beiden Unterschenkeln zugezogen, die eine operative Versorgung mit anschliessendem
Rehabilitationsaufenthalt erfordert hätten (act. G 13/5). Gemäss Austrittbericht der
Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen wurde die Indikation
zum fürsorgerischen Freiheitsentzug am 15. Oktober 2010 gestellt und der
Beschwerdeführer in die psychiatrische Klinik verlegt (act. G 13/6). Dr. L._ führte im
Weiteren an, der Beschwerdeführer zeige eine andauernde und unveränderbare
verzweifelte, anklagende und vorwurfsvolle Grundhaltung. Dies werde von appellativen
Feststellungen begleitet. Aus dem Krankheits- und Behandlungsverlauf über zumindest
die letzten sechs Monate sei erkennbar, dass eine tiefgreifende und zunehmende
Pathologie vorliege, die weit über die sonst bei den Diagnosen einer depressiven
Störung, einer Schmerzstörung und einer Persönlichkeitsveränderung zu erwartenden
Symptome hinausgehe. Es hätten sich völlig unkorrigierbare dysfunktionale
Anschauungs- und Verhaltensmuster entwickelt, die eine ambulante psychiatrische
Behandlung blockieren und in ihrem Ausmass einer wahnhaften Störung entsprechen
würden. Auch der Sturz aus dem Fenster sei kein Suizidversuch gewesen, sondern
Ausdruck einer paranoiden Interpretation der Beiziehung des Oberarztes, dass dieser
etwas Schädliches hätte veranlassen können. Der Beschwerdeführer sei aufgrund der
tiefgreifenden Störung für jede berufliche Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig (act.
G 13/5).
5.6 Gestützt auf die gesamte medizinische Lage lassen sich folgende
Schlussfolgerungen ziehen: Die Observationsergebnisse geben zwar begründeten
Anlass zu vermuten, dass das Leiden des Beschwerdeführers zumindest nicht im
angegebenen Ausmass bestanden hat; sie ersetzen aber weder eine medizinische
Neubeurteilung noch gestatten sie eine retrospektive Beurteilung, indem sie sich
naturgemäss auf eine punktuelle Momentaufnahme der Handlungen des
Beschwerdeführers am 9. /10. November 2009 ausserhalb seines Haushalts
beschränken. Verdeutlichungstendenzen bis Aggravationsverhalten sind zwar
medizinisch nachgewiesen. Soweit die Beschwerdegegnerin den Fenstersturz vom
22. September 2010 aber auf den Versuch reduziert, einen Beweis für das behauptete
Leiden zu schaffen und zudem das Umfeld unter Druck zu setzen (IV 2010/435, act.
G 16), steht diese Hypothese im krassen Gegensatz zur Einschätzung der
behandelnden Ärzte. Die Aktenbeurteilung durch die RAD-Ärztin Dr. K._ weckt wohl
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Zweifel am Verlaufsgutachten des Dr. H._ vom 25. Mai 2009; indessen erscheint eine
schlüssige Beurteilung ohne neuerliche Begutachtung des Beschwerdeführers nicht
möglich. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme einer
ergänzenden Begutachtung durch Dr. H._ zurückzuweisen. Der Gutachter wird nicht
nur das Observationsmaterial, sondern auch die Erkenntnisse der weiteren Behandlung
und den Vorfall vom 22. September 2010 einzubeziehen haben. Es wird auch zu prüfen
sein, ob zusätzlich zum psychiatrischen Gutachten eine interdisziplinäre
Betrachtungsweise angezeigt ist. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin über
den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen haben.
6.
Des Weiteren ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu überprüfen, ob für das
Verwaltungsverfahren ein Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand
bestanden hat.
6.1 Die ältere bundesgerichtliche Praxis bejahte einen Anspruch auf unentgeltliche
Vertretung nur unter relativ engen Voraussetzungen. Im IV-Abklärungsverfahren wurde
ein Anspruch erst bejaht ab dem Zeitpunkt, in dem Elemente eines streitigen
Verfahrens auszumachen waren; dies war nach BGE 114 V 228 erst mit dem
Vorbescheid der IV-Stelle gegeben (kritisch dazu etwa der in SVR 1994 IV Nr. 4
publizierte Entscheid der AHV-Rekurskommission des Kantons Zürich vom
28. Dezember 1993, E. 2f). Das Bundesgericht lockerte schliesslich seine Praxis und
verzichtete darauf, das Vorliegen streitiger Elemente zu verlangen; es lehnte generelle
zeitliche Schranken ab (BGE 125 V 32). Im IV-Verwaltungsverfahren stellt der
Vorbescheid folglich nicht länger eine zeitliche Limite dar (SVR 2000 IV Nr. 18;
Entscheid 8C_48/2007 vom 19. Juli 2007, E. 1). Gemäss Art. 37 Abs. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) wird der gesuchstellenden Person im Sozialversicherungsverfahren ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern.
Voraussetzungen für die Bewilligung sind die finanzielle Bedürftigkeit, die fehlende
Aussichtslosigkeit und die Erforderlichkeit der Vertretung (vgl. BBl 1999 4595). Die
Erforderlichkeit der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren ist
eingehend zu prüfen, wobei neben der Schwierigkeit des Falles auch die
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Verfahrensphase zu berücksichtigen ist (BBl 1999 4595; vgl. auch BGE 132 V 201;
Entscheid 9C_816/2008 vom 12. März 2009, E. 4.1).
6.2 Der Beschwerdeführer bestellte seinen Rechtsvertreter zum Zeitpunkt, als der
RAD eine Observation als angezeigt erachtete (IV-act. 108). Die Anordnung der
Observation führte dazu, dass die Beschwerdegegnerin dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers vorübergehend Akten vorenthielt (vgl. IV-act. 151/1-4). Die strittige
Rechtmässigkeit der erfolgten Observation und der Verwertbarkeit des dabei
aufgenommenen Bildmaterials, die Tatsache, dass RAD-Ärzte, Gutachter und
behandelnde Medizinalpersonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangt sind
sowie die heikle Abgrenzung zwischen leistungsausschliessender Aggravation und
leistungsbegründender Krankheit zeugen von einem sowohl in medizinischer als auch
in rechtlicher Hinsicht komplexen Fall. Es leuchtet somit ein, dass eine
Rechtsverbeiständung vorliegend im Verwaltungsverfahren notwendig war. Das
Versicherungsgericht hat die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin im Rahmen der
Überprüfung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege im Gerichtsverfahren bejaht
(vgl. IV 2010/286, act. G 26; IV 2010/435, act. G. 17). Entsprechend sind sämtliche
Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung auch
im Verwaltungsverfahren gegeben.
6.3 Daran vermag nichts zu ändern, dass das Bundesgericht im Urteil 8C_272/2011
vom 11. November 2011 festhielt, ein rechtsmissbräuchliches Prozessieren sei vom
Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV) von vornherein nicht
gedeckt. Denn vorliegend hat die Beschwerdegegnerin weder eine Strafanzeige
erstattet noch kann von einem nachgewiesenen Rechtsmissbrauch die Rede sein. Das
Bundesgericht ging im zitierten Fall auch nicht von einem nachgewiesenen
Rechtsmissbrauch aus; es hielt nämlich fest, dass die Frage, ob die versicherte Person
bewusst unwahre Angaben gemacht oder Krankheitssymptome vorgetäuscht habe,
lasse sich erst abschliessend beantworten, wenn eine erneute medizinische
Begutachtung darüber Aufschluss geben werde (E. 8.4). Die Verwaltung und die
Gerichte müssen jedoch summarisch über die unentgeltliche Rechtspflege befinden,
bevor die Sache definitiv abgeklärt ist. Andernfalls wär das Grundrecht auf
unentgeltliche Rechtspflege nicht mehr gewährt, kann doch von Anwälten nicht
verlangt werden, dass sie das Kostenrisiko zugunsten der verbeiständeten, mittellosen
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Person tragen. Wie auch immer die mit dem vorliegenden Urteil angeordneten
Abklärungen ausfallen werden, steht hier fest, dass der Beschwerdeführer zwar
aggraviert hat. Selbst wenn die Neubeurteilung zu einer Abweisung jedes
Leistungsanspruchs führen würde, zeigen die Aussagen von den behandelnden Ärzten
und der Vorfall vom 22. September 2010 hinreichend auf, dass der Beschwerdeführer
seinen psychischen Zustand nicht einfach simuliert hat. Deshalb kann hier nicht von
vornherein von einem Rechtsmissbrauch ausgegangen werden. Sollte sich die
Hypothese eines Rechtsmissbrauchs nach den bevorstehenden Abklärungen dennoch
erhärten, dann wär gegebenenfalls im Sinne von Art. 99 Abs. 2 VRP/SG analog zu Art.
120 ZPO/CH die unentgeltliche Rechtspflege rückwirkend zu entziehen.
7.
7.1 In Gutheissung der Beschwerde vom 12. Juli 2010 (IV 2010/286) ist die
angefochtene Verfügung vom 8. Juni 2010 aufzuheben und dem Beschwerdeführer der
unentgeltliche Rechtsbeistand im Verwaltungsverfahren zu gewähren. Die
diesbezügliche Entschädigung ist durch die Beschwerdegegnerin festzusetzen und zu
entrichten.
7.2 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde vom 5. November 2010 (IV 2010/435)
ist die angefochtene Verfügung vom 4. Oktober 2010 aufzuheben. Die Sache ist zur
ergänzenden Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 900.-- für beide
Beschwerdeverfahren erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung
gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die
Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von
Fr. 900.-- zu bezahlen.
7.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
bis
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insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). In einem Fall mit
mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.-- ausgerichtet. Mit Rücksicht auf die
umfangreiche Abklärungen, die der Fall erfordert hat, und den Umstand, dass der
Beschwerdeführer gegen zwei Verfügungen Beschwerde erheben musste, rechtfertigt
es sich, die Entschädigung auf pauschal Fr. 5'250.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP