Decision ID: a2695fe5-7ced-44d1-b1dc-69829bec2c89
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Der 1996 geborene X._ stammt aus Nordmazedonien. Er reiste am 25. Januar 2009
im Rahmen des Familiennachzuges zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden
Geschwistern zu seinem Vater in die Schweiz nach, wo er eine Aufenthaltsbewilligung
erhielt. Am 21. Januar 2014 stellte er ein Gesuch um vorzeitige Erteilung der
Niederlassungsbewilligung (act. Migrationsamt [nachfolgend: MA] 43f.). Mit Schreiben
vom 27. Januar 2014 teilte ihm das Migrationsamt mit, dass sein bisheriger Aufenthalt
nicht ordnungsgemäss gewesen sei. Er sei mit Strafbefehl vom 18. Dezember 2012 des
Raubes schuldig gesprochen worden, weshalb eine vorzeitige Erteilung der
Niederlassungsbewilligung bereits daher nicht möglich sei. Es werde ihm empfohlen,
das Gesuch zurückzuziehen (act. MA 47 f.). In der Folge zog X._ am 4. Februar 2014
das Gesuch zurück (act. MA 49).
b. In den Jahren 2015 bis 2016 ergingen zwei weitere Strafbefehle gegen X._, unter
anderem wegen leichter Körperverletzung und versuchter Nötigung (act. MA 54 f., 99
f.). Das Migrationsamt verlängerte ihm die Aufenthaltsbewilligung mit Schreiben vom
10. Januar 2017 und 30. November 2017 in Anbetracht der laufenden Strafverfahren
jeweils nur unter Vorbehalt um ein Jahr (act. MA 114, 152). Letztmals wurde ihm eine
Aufenthaltsbewilligung bis 24. Januar 2019 ausgestellt (act. MA 178). Mit Entscheid des
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Kreisgerichts A._ vom 14. Februar 2017 wurde X._ wegen mehrfachen Raubes,
Widerhandlung gegen das Waffengesetz, Betrugs (begangen in Form des
geringfügigen Vermögensdelikts) und mehrfachen Betäubungsmittelkonsums zu einer
Freiheitsstrafe von zwei Jahren unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges bei
einer Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Busse von CHF 400 verurteilt (act. MA
196 ff.). Die Berufung ans Kantonsgericht zog X._ zurück, weshalb das Verfahren am
11. Juni 2018 als erledigt abgeschrieben wurde (act. MA 162 ff.).
c. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt mit Verfügung
vom 27. Dezember 2018 die Aufenthaltsbewilligung von X._ und wies ihn aus der
Schweiz weg. Zur Begründung führte es aus, X._ habe verschiedentlich zu schweren
Klagen Anlass gegeben. Er sei mehrfach straffällig geworden und habe durch sein
Verhalten Widerrufsgründe im Ausländerrecht gesetzt. Das öffentliche Interesse an
einer Fernhaltung überwiege das private Interesse am Verbleib in der Schweiz. Eine
Rückkehr in sein Heimatland sei möglich, zulässig und zumutbar (act. MA 291 ff.). Den
gegen die abschlägige Verfügung erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 15. April 2019 ab.
Am 25. März 2019 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen X._ wegen versuchter
schwerer Körperverletzung, grober Verletzung der Verkehrsregeln und mehrfacher
Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zudem beantragte die
Staatsanwaltschaft, dass X._ für sieben Jahre des Landes verwiesen werde
(act. Vorinstanz 7).
B.
a. X._ (Beschwerdeführer) reichte durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
29. April 2019 und Ergänzung vom 3. Juni 2019 gegen den Entscheid des Sicherheits-
und Justizdepartements (Vorinstanz) vom 25. April 2019 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht ein. Er stellte den Antrag auf Aufhebung des Entscheides der
Vorinstanz unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
b. Am 24. Mai 2019 ging beim Verwaltungsgericht eine Mutationsmeldung des
Migrationsamtes ein, gemäss welcher X._ per 17. Mai 2019 nach unbekannt verzogen
sei. Laut Angaben seines Vaters halte er sich nicht mehr in der Schweiz auf.
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c. Mit Vernehmlassung vom 17. Juni 2019 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids.
d. Der Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts bewilligte mit Schreiben vom
21. Juni 2019 auf entsprechendes Gesuch des Rechtsvertreters hin die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde gegen den am 15. April 2019 versandten Entscheid wurde mit
Eingabe vom 29. April 2019 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 3. Juni 2019 formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Ob der
Beschwerdeführer, der nach Angaben seines Rechtsvertreters bereits aus der Schweiz
ausgereist sein soll, ohne Aufenthalt in der Schweiz noch ein schutzwürdiges Interesse
an der Behandlung seiner Beschwerde hat, kann offengelassen werden. Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2. Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige – für die vorliegende
Streitsache indes nicht massgebende – Anpassungen. Art. 126 Abs. 1 AIG bestimmt,
dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht worden sind, das
bisherige materielle Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet sich demgegenüber
nach dem neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Da die Überprüfung der Verlängerung der
bis
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Aufenthaltsbewilligung im Oktober 2018 stattfand, ist die Angelegenheit nach dem bis
zum 31. Dezember 2018 geltenden Ausländergesetz (AuG) in der Fassung vom
1. Oktober 2015 zu beurteilen.
3.
3.1. Die Aufenthaltsbewilligung ist befristet und kann verlängert werden, wenn keine
Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen (Art. 33 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 62 Abs.
1 lit. b und c AuG kann die zuständige Behörde Bewilligungen, ausgenommen
Niederlassungsbewilligungen, unter anderem widerrufen, wenn eine ausländische
Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder sie erheblich oder
wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im
Ausland verstossen hat oder diese oder die innere oder die äussere Sicherheit
gefährdet. Als längerfristig gilt eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr (vgl. BGE
135 II 377 E. 4.2 und 4.5).
3.2. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer mit seiner rechtskräftigen
Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren den Widerrufsgrund nach Art. 62
Abs. 1 lit. b AuG gesetzt hat. Damit kann offenbleiben, ob das Verhalten des
Beschwerdeführers auch als schwerer oder wiederholter Verstoss gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG zu werten ist. Das
Vorliegen eines Widerrufsgrunds führt indes nicht automatisch zum Erlöschen des
Aufenthaltsanspruchs. Rechtmässig ist die Nichtverlängerung einer
Aufenthaltsbewilligung nur, wenn sie sich nach der im Einzelfall vorzunehmenden
Interessenabwägung als verhältnismässig erweist (BGE 135 II 377 E. 4.3). Dabei sind
alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten
Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M. Caroni, in: Caroni/Gächter/
Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, N
3 zu Art. 51). Strittig ist damit im vorliegenden Fall, ob die privaten Interessen des
Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an seiner
Wegweisung überwiegen.
4.
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4.1. Im angefochtenen Entscheid wies die Vorinstanz darauf hin, dass das
ausländerrechtliche Verschulden des Beschwerdeführers schwer wiege. Aufgrund der
begangenen diversen Straftaten, der Tatvorgehen und der betroffenen Rechtsgüter sei
von einem gravierenden Verstoss gegen die Rechtsordnung und einem entsprechend
erheblichen öffentlichen Interesse an der Beendigung des Aufenthalts des
Beschwerdeführers auszugehen. Da er erst im Alter von zwölf Jahren in die Schweiz
eingereist sei, sei er mit der Sprache, den Sitten und Gebräuchen seines Heimatlandes
zumindest teilweise vertraut. Im beruflichen Bereich sei er in der Schweiz nicht
erfolgreich integriert, nachdem er aufgrund ungenügender schulischer Leistungen und
Absenzen selbst eine Anlehre nicht habe erfolgreich abschliessen können. Er sei
unverheiratet und kinderlos. Die berufliche und soziale Eingliederung im Heimatland sei
ihm zuzumuten.
Der Beschwerdeführer hält entgegen, sämtliche Delikte habe er im jungen Alter von 16
bis 23 Jahren begangen. Er sei somit als Jugendlicher bzw. junger Erwachsener
straffällig geworden. Die Vorinstanz verkenne insbesondere die Tatsache, dass die
Tatvorgehen keineswegs von erhöhter krimineller Energie zeugen würden. Vielmehr sei
sein Vorgehen als äusserst unüberlegt und leichtsinnig zu werten. Bezüglich des
Hinweises der Vorinstanz auf das laufende Strafverfahren gegen ihn (Anklageschrift
vom 25. März 2019, act. Vorinstanz 7) sei darauf hinzuweisen, dass er im Sinne der
Unschuldsvermutung bis zum rechtskräftigen Urteil als unschuldig zu gelten habe. Des
Weiteren würden keine Anzeichen dafür bestehen, dass er aus seiner Verurteilung vom
14. Februar 2017 nicht die richtigen Schlüsse gezogen habe. Er habe den beruflichen
Wiedereinstieg angetreten und seit dem 1. Juli 2018 gar eine feste Arbeitsstelle bei der
Z._ in A._ (act. 8.1). Er versuche demnach mit seiner kurzen kriminellen Karriere
abzuschliessen. Daher sei es unverhältnismässig, einen derart jungen Straftäter noch
zusätzlich mit der Wegweisung aus der Schweiz zu bestrafen. Er sei seit dem zwölften
Lebensjahr in der Schweiz und hier aufgewachsen. Er spreche fliessend
Schweizerdeutsch und würde durch den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung aus
seinen engen familiären Verhältnissen gerissen. Auch sei die Massnahme aus
finanzieller Hinsicht prekär, da es ihm nicht ohne weiteres möglich sein werde, in
seinem Herkunftsland einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und sich dort ein völlig
neues Beziehungsnetz aufzubauen. Mit seinem Herkunftsland verbinde ihn nichts
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mehr. Er habe sich sowohl sozial als auch beruflich in der Schweiz integriert und die
Wegweisung würde für ihn eine unverhältnismässig grosse Härte darstellen.
4.2. Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit ist eine Interessenabwägung nach Art.
96 Abs. 1 AuG vorzunehmen, welche sich mit jener gemäss Art. 8 Ziff. 2 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK)
bzw. Art. 36 in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) deckt. Aus der EMRK oder der BV
ergibt sich grundsätzlich weder ein Recht auf Einreise oder Aufenthalt in einem
bestimmten Staat noch auf Wahl des für das Familienleben am geeignetsten
erscheinenden Orts (BGE 144 II 1 E. 6.1, 143 I 21 E. 5.1, BGer 2C_105/2018 vom
8. Mai 2018 E. 3.2).
Der Anspruch aus Art. 8 EMRK gilt nicht absolut. Vielmehr ist nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK
ein Eingriff in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut statthaft, soweit dieser gesetzlich
vorgesehen ist und eine verhältnismässige Massnahme darstellt, die in einer
demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und
Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Verhinderung von strafbaren
Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Freiheiten
anderer erforderlich ist. Die Konvention verlangt im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK,
die privaten Interessen der betroffenen Person am Verbleib im Land anhand mehrerer
Kriterien zu erfassen (Schwere des Fehlverhaltens, wobei besonders ins Gewicht fällt,
ob diese Taten als Jugendlicher oder als Erwachsener begangen wurden und ob es
sich dabei um Gewaltdelikte handelte; Dauer der Anwesenheit; Verhalten des
Betroffenen; Nationalität der beteiligten Personen; Art und Natur der familiären
Bindungen; der Familie drohende Nachteile; Qualität der sozialen, kulturellen und
familiären Beziehungen zum Gast- und Heimatstaat usw.); das so gewichtete private
Interesse ist anschliessend gegen das öffentliche Interesse an der Entfernung bzw.
Fernhaltung der betroffenen Person abzuwägen (BGE 142 II 35 E. 6.1, 135 I 143 E. 2.1,
BGer 2C_30/2018 vom 5. Juli 2018 E. 5.2, 2F_21/2017 vom 11. Juni 2018 E. 3.2.2).
4.3. Treten Jugendliche oder junge Erwachsene, die im Aufnahmestaat sozialisiert
worden sind, strafrechtlich in Erscheinung, so besteht im Falle überwiegend nicht
gewalttätiger Delikte grundsätzlich nur wenig Raum für eine Aufenthaltsbeendigung.
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Diese Altersgruppe lässt sich in ihrer Entwicklung noch wesentlich beeinflussen und die
meisten der "Frühdelinquenten" werden nicht mehr straffällig, weshalb ihre
Wiedereingliederung im Vordergrund steht. Das Wohl eines Jugendlichen oder eines
jungen Erwachsenen und dessen Wiedereingliederungschancen, die gefährdet
erscheinen, wenn die familiären und sozialen Bande aufgelöst werden und er im
Aufnahmestaat seine Wurzeln verliert, sind bei der Interessenabwägung jeweils von
besonderem, aber nicht allein ausschlaggebendem Gewicht, falls den Jugendlichen
oder den jungen Erwachsenen mit seinem Heimatstaat nicht mehr verbindet als
lediglich (noch) seine reine (weitgehend nicht mehr gelebte) Staatsbürgerschaft.
Handelt es sich bei den begangenen Straftaten jedoch um Gewaltdelikte, so vermag
das öffentliche Interesse an einer Ausreise des Straftäters, je nach Gewichtung der
übrigen, ebenfalls bei der Interessenabwägung zu berücksichtigenden Elemente,
dessen privates Interesse an einem Verbleib im Aufnahmestaat zu überwiegen. Selbst
eine einmalige Straftat kann eine aufenthaltsbeendende Massnahme rechtfertigen,
wenn die Rechtsgutsverletzung schwer wiegt (BGer 2C_656/2018 vom 13. Dezember
2018 E. 2.3, 2C_290/2017 vom 28. Februar 2018 E. 4.1, 2C_896/2014 vom 25. April
2015 E. 2.3).
4.4. Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die
fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafgericht verhängte Strafe
(BGer 2C_642/2016 vom 20. Juli 2017 E. 3.1). Im vorliegenden Fall trat der
Beschwerdeführer wiederholt strafrechtlich in Erscheinung. So wurde er ein erstes Mal
mit Strafbefehl vom 18. Dezember 2012 des Raubes für schuldig erklärt und mit einem
bedingten Freiheitsentzug von 28 Tage bestraft. Der bedingte Freiheitsentzug war
Folge einer im Zusammenhang mit einem Fussballspiel erfolgten Begegnung des
Beschwerdeführers mit seinen Kollegen mit Migrationshintergrund und zwei FC Basel-
Fans, wobei sie einem davon das Portemonnaie abnahmen. Da dieses leer war, kam es
zu einer Prügelei. Der Beschwerdeführer versetzte dem Opfer einen Schlag gegen den
Oberarm und mit dem Fuss einen Tritt in den Hintern. Mit Strafbefehl vom 18. März
2015 wurde der Beschwerdeführer sodann der leichten Körperverletzung und
versuchten Nötigung schuldig gesprochen und hierfür zu sieben Tagen Freiheitsentzug
verurteilt. Gemäss Tathergang tippte der Beschwerdeführer bei einem Kreisturnfest
einer ihm unbekannten Person auf die Schulter. Als sich diese umdrehte, schlug er ihr
unvermittelt die Faust ins Gesicht. Dabei zog sie sich eine Quetschrisswunde an der
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Unterlippe zu und einige Zähne lockerten sich. Ferner verurteilte ihn das Kreisgericht
A._ mit Entscheid vom 14. Februar 2017 wegen mehrfachen Raubes, Widerhandlung
gegen das Waffengesetz, Betrugs (begangen in Form des geringfügigen
Vermögensdelikts) und mehrfachen Betäubungsmittelkonsums zu einer Freiheitsstrafe
von zwei Jahren unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges bei einer Probezeit von
zwei Jahren. Dem Sachverhalt in Bezug auf den Raub ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer zusammen mit seinen Kollegen zwei unbekannten Personen Geld
abnehmen wollte. Einem Opfer habe der Beschwerdeführer ohne Warnung einen
heftigen Fusstritt und nachfolgend drei weitere gezielte und heftige Faustschläge ins
Gesicht versetzt. Auch auf das andere Opfer habe er eingeschlagen. Sodann wurde
ihm mit Strafbefehl vom 6. April 2018 aufgrund Überschreitens der
Höchstgeschwindigkeit innerorts um 22 km/h eine Busse von CHF 600 auferlegt.
Innerhalb der noch laufenden zweijährigen Probezeit erhob die Staatsanwaltschaft
aufgrund eines Vorfalls vom 14. Juli 2018 am 25. März 2019 erneut Anklage gegen den
Beschwerdeführer u.a. wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Der
Beschwerdeführer soll eine Person mit der Faust geschlagen haben.
Das Fehlverhalten des Beschwerdeführers wiegt schwer. Wie ausgeführt beging er in
der Vergangenheit mehrfach Gewaltdelikte und dies selbst während laufenden
Probezeiten. Das Kreisgericht A._ hielt das Verschulden des Beschwerdeführers in
seinem Entscheid vom 14. Februar 2017 angesichts der gezeigten Vorgehensweise
ebenfalls für schwer. Es beurteilte sein an den Tag gelegtes Verhalten als äusserst
aggressiv, gewaltsam und unberechenbar. So habe er mit voller Wucht zugeschlagen
und es nicht nur bei einem Fusstritt belassen, sondern anschliessend noch drei heftige
Faustschläge ins Gesicht ausgeteilt. Dies zeuge insgesamt von einem hohen Mass an
Skrupellosigkeit. Ausländerrechtlich negativ ins Gewicht – und im Übrigen auch vom
Kreisgericht A._ als straferhöhend taxiert – fällt auch, dass es bereits im Dezember
2012 und im Juni 2014 zu ähnlichen Delikten kam. Auch damals schlug der
Beschwerdeführer den Opfern unvermittelt und ohne Vorwarnung die Faust ins
Gesicht. Dieses Vorgehen scheint auch den Vorhalten gemäss Anklageschrift vom
25. März 2019 zugrunde zu liegen. Erneut soll der Beschwerdeführer einem Opfer einen
Faustschlag gegen den Kopf verpasst haben. Zwar steht in diesem Verfahren ein Urteil
noch aus, jedoch kann der Beschwerdeführer im ausländerrechtlichen Verfahren mit
dem Verweis auf die Unschuldsvermutung nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn
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anders als im Strafverfahren, wo vor einer rechtskräftigen Verurteilung die
Unschuldsvermutung gilt, muss im ausländerrechtlichen Verfahren mangels
Verurteilung nicht davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer habe sich nichts
zuschulden kommen lassen. Der Grund liegt darin, dass die mit dem Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung verbundene Wegweisung keine Strafe, sondern eine
ordnungsrechtliche Massnahme darstellt, die ihrerseits auf einen polizeirechtlichen
Gefahrentatbestand ausgerichtet ist (VerwGE B 2015/167 vom 20. Januar 2017 E. 5.3,
B 2012/140 vom 8. November 2013 E. 4.2.4, www.gerichte.sg.ch). Zutreffend ist zwar
wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht, dass angesichts der
Entwicklungsfähigkeit von Jugendlichen bei Frühdelinquenten nur wenig Raum für
aufenthaltsbeendende Massnahmen besteht, wenn die begangenen Delikte
überwiegend keine Gewaltanwendung implizieren (oben, E. 4.3). Der Beschwerdeführer
übersieht jedoch, dass er nicht für überwiegend nicht gewalttätige Delikte, sondern im
Gegenteil gar rechtskräftig für Raub und damit ein Delikt, das sich gegen Leib, Leben
und Vermögen anderer Menschen richtet, sowie Widerhandlung gegen das
Waffengesetz verurteilt worden ist. Sein Tatverschulden daran wurde vom Kreisgericht
A._ als schwer eingestuft. Auch das Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit
innerorts um 22 km/h, für welches der Beschwerdeführer mit Strafbefehl vom 6. April
2018 gebüsst wurde, kann nicht als Bagatelldelikt abgetan werden, nachdem diesem
Delikt ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Bevölkerung zugrunde liegt,
insbesondere wenn innerorts die Höchstgeschwindigkeit überschritten wird (vgl. BGer
2C_818/2010 vom 4. Juli 2011 E. 4, 2C_310/2011 vom 17. November 2011 E. 5.2).
Insgesamt muss konstatiert werden, dass der Beschwerdeführer trotz Verurteilungen
und laufenden Probezeiten fortfuhr, die hiesige Rechtsordnung immer wieder und in
gravierender Art und Weise zu missachten. Daran vermag der Einwand, er habe die
Delikte noch in jugendlichem Alter und als junger Erwachsener begangen, nichts zu
ändern. Dies umso weniger, als im Zeitpunkt als er die Gewalttat, für die er zu einer
zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, beging, bereits volljährig war. Bei der
letzten ihm vorgehaltenen Tat, für die er allerdings noch keine rechtskräftige
Verurteilung vorliegt, war er im Übrigen bereits 22 Jahre alt. Insgesamt betrachtet, kann
daher nicht mehr von jugendlicher Delinquenz gesprochen werden, die einer
aufenthaltsbeendenden Massnahme entgegenstehen könnte. Auch seine Behauptung,
dass er die richtigen Schlüsse gezogen habe und mit der kriminellen Karriere
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abgeschlossen habe, führt zu keinem anderen Schluss. Dies umso weniger, als sie
nach der letzten ihm entgegengehaltenen Tatbegehung vom Juli 2018 noch stärker in
Zweifel gezogen werden müssen. Sein Verschulden ist indes so oder anders als schwer
einzustufen. Entsprechend besteht ein erhebliches öffentliches Interesse am Widerruf
der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers, welches nur durch entsprechend
gewichtige private Interessen aufgewogen werden könnte.
4.5. Der Beschwerdeführer reiste mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern im
Alter von zwölf Jahren in die Schweiz ein und lebte nun seit zehn Jahren in der
Schweiz. Einen wesentlichen Teil der prägenden Jugendjahre und der Schulbildung bis
zur 8. Klasse (act. MA 60) verbrachte er somit im Heimatland. In der Schweiz wurde
ihm zuerst ein Deutschkurs ermöglicht, bevor er in eine Kleinklasse an der Oberstufe
eingeteilt wurde. Die Lehre als Maler konnte er nicht abschliessen, weil er – eigenen
Angaben zufolge - in der Schule nicht so gut war und Absenzen im Lehrbetrieb aufwies
(act. MA 60). Gemäss Angaben im Einvernahmeprotokoll vom 22. Mai 2015 war der
Beschwerdeführer sowohl im Jahr 2015 (act. MA 60) als auch im Zeitpunkt des
Entscheides des Kreisgerichts A._ vom 14. Februar 2017 arbeitslos. An der damaligen
Verhandlung gab der Beschwerdeführer an, er sei auf der Suche nach einer Lehrstelle,
um seinen Lehrabschluss nachzuholen (act. MA 211, S. 16 des Entscheides des
Kreisgerichts), was ihm indes nicht gelang. Seit dem 1. Juli 2018 arbeitet der
Beschwerdeführer in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis bei der Z._ in A._ als
Hilfsarbeiter/Fensterbauer. Der bisherige Verlauf der beruflichen Karriere des
Beschwerdeführers zeigt, dass er sich nicht erfolgreich beruflich und wirtschaftlich
integrieren konnte. Der Beschwerdeführer führt nun zwar zu Recht an, dass die
wirtschaftlichen Verhältnisse bzw. die Arbeitsmöglichkeiten in Nord-Mazedonien
schwieriger sein dürften als in der Schweiz. Dies betrifft jedoch alle dort lebenden
Personen in gleicher Weise und ist – gerade bei Konstellationen wie der oben
ausgeführten - kein spezifischer persönlicher Grund, der die Rückkehr als unzulässig
erscheinen lässt (BGer 2C_106/2017 vom 22. August 2017 E. 4.2). Dies umso weniger,
als der Beschwerdeführer diese Folge durch sein kriminelles Verhalten selbst
herbeigeführt hat (VerwGE B 2018/63 vom 14. August 2018 E. 6.6,
www.gerichte.sg.ch). Er wird damit in seiner Heimat nicht auf unüberwindbare
Integrationsschwierigkeiten stossen, selbst wenn ihm sein Heimatland nicht die
gleichen beruflichen Perspektiven bieten kann wie die Schweiz, zumal er diese auch
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hier bisher nicht nutzte. Obwohl der Beschwerdeführer nach dem 12. Altersjahr hier
aufgewachsen ist und schweizerdeutsch spricht, scheint er über keine vertieften
sozialen Beziehungen zu verfügen, die über eine normale Integration hinausgehen. Er
ist ledig und kinderlos. Seine Kollegen, mit welchen er die Straftaten beging, hatten
mehrheitlich Migrationshintergrund. Angesichts der verübten Straftaten kann vorliegend
auch nicht von einer erfolgreichen sozialen Integration ausgegangen werden. Ebenso
kann der Beschwerdeführer aus Art. 8 EMRK und seinem geltend gemachten engen
familiären Verhältnis keinen Schutz ableiten. In erster Linie wird damit die Kernfamilie,
d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern, geschützt.
Beziehungen zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern fallen ihrerseits nur in
den Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, sofern ein besonderes
Abhängigkeitsverhältnis besteht, welches über normale affektive Bindungen hinausgeht
(BGer 2C_642/2016 vom 20. Juli 2017 E. 4.2). Weder den Akten noch der
Beschwerdeschrift ist ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem
volljährigen Beschwerdeführer und seinen Eltern zu entnehmen. Folglich ist es ihm
auch aus dieser Sicht zuzumuten, in sein Heimatland zurückzukehren, um dort eine
neue Existenz und ein neues Beziehungsnetz aufzubauen. Auf jeden Fall ist er mit der
Sprache in seinem Heimatland aufgewachsen und ihm sind die dortigen
Gepflogenheiten aus seiner Kindheit bekannt. Gestützt auf die vorliegenden Akten und
die Vorbringen im vorliegenden Beschwerdeverfahren scheint der Beschwerdeführer
bereits aus der Schweiz ausgereist zu sein. Gesamthaft betrachtet vermögen die
privaten Interessen des Beschwerdeführers die erheblichen öffentlichen Interessen an
seiner Fernhaltung nicht zu überwiegen. Die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung erweist sich demnach als verhältnismässig und geboten. Die
Beschwerde ist folglich abzuweisen.
5.
5.1. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gehen die Kosten zulasten
des Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 lit. b der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO).
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5.2. Der Staat hat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zufolge unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung für die ausseramtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zu
entschädigen (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Ingress und Abs. 1 lit. a
ZPO). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die
Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist (Art. 30 lit. b Ziff. 2 und Art. 31 Abs. 1
des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG, Art. 6 und 19 der Honorarordnung; sGS
963.75, HonO). Eine Entschädigung von CHF 2'500 für das Beschwerdeverfahren
erscheint angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO). Der Staat hat somit den
Rechtsvertreter mit 80% (vgl. Art. 31 Abs. 3 AnwG) von CHF 2'500 zuzüglich CHF 100
Barauslagen (vier Prozent von CHF 2‘500, Art. 28 Abs. 1 HonO) und Mehrwertsteuer
von 7,7% (Art. 29 HonO), insgesamt somit CHF 2'100 zu entschädigen. Der
Rechtsvertreter darf von seinem Mandanten kein zusätzliches Honorar fordern
(Art. 11 HonO). Der Beschwerdeführer wird darauf hingewiesen, dass er je nach
Prozessausgang zur Nachzahlung von Gerichts- und Anwaltskosten verpflichtet
werden kann, wenn sich seine wirtschaftlichen Verhältnisse entsprechend verbessern
(Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 123 Abs. 1 ZPO).