Decision ID: 2b9d266d-662f-5b0c-bb6c-ceece6bc3c6c
Year: 2020
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1941 geborene A._ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) ist bei der Arcosana AG (Krankenversicherung bzw. Beschwerdegegnerin) obligatorisch krankenpflege- und unfallversichert (Dossier der Krankenversicherung, Antwortbeilage [AB] 1). Am 15. Mai 2017 erlitt er einen Fahrradunfall (AB 2) und liess sich gleichentags in der Praxis B._ AG behandeln (AB 3). Die Praxis B._ AG stellte der Krankenversicherung am 28. November 2019 für diese Behandlung Fr. 128.30 in Rechnung (AB 3). Die Krankenversicherung zahlte diese Rechnung in Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Pflichten (System des Tiers payant) dem Leistungserbringer. Mit Leistungsabrechnung vom 29. November 2019 forderte die Krankenversicherung vom Versicherten eine Kostenbeteiligung in Form einer Franchise im Umfang von Fr. 128.30 (AB 4). Am 19. Dezember 2019 forderte der Versicherte die Krankenversicherung auf, den Betrag bei der Unfallverursacherin bzw. deren Haftpflichtversicherung zu verlangen. Weiter ersuchte er um Erlass einer Verfügung und beantragte ebenfalls bis zum „Erreichen der Rechtskraft dieser Verfügung“ die aufschiebende Wirkung bezüglich der Bezahlung der Leistungsabrechnung (AB 5). Am 3. Januar 2020 forderte die Krankenversicherung den Versicherten erneut auf, die Kostenbeteiligung zu bezahlen (AB 6). Der Versicherte seinerseits wiederholte am 10. Januar 2020 seine bisherigen Aufforderungen (AB 7). Die Krankenversicherung mahnte den Versicherten am 26. Januar 2020 für den Betrag von Fr. 128.30 und stellte ihm am 22. Februar 2020 eine Zahlungsaufforderung von Fr. 148.30 zu (inkl. Mahngebühren von Fr. 20.--; AB 10, 11).
B.
Mit Eingabe vom 7. März 2020 erhob der Versicherte beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Rechtsverweigerungsbeschwerde. Er beantragte, es sei die Beschwerdegegnerin zum Erlass einer Verfügung
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. April 2020, KV/20/204, Seite 3
zu verpflichten. Weiter sei sie anzuweisen, bis zum „Erreichen der Rechtskraft dieses Verfahrens und des Verfahrens nach Erlass der Verfügung betreffend der Leistungsabrechnung vom 29. November 2019 auf Zwangsvollstreckungsmassnahmen im Rahmen der aufschiebenden Wirkung zu verzichten“, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Mit Beschwerdeantwort vom 31. März 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin, es sei die Beschwerde vom 7. März 2020 vollumfänglich abzuweisen und die Korrektheit des bisherigen Vorgehens sei zu bestätigen.

Erwägungen:
1.
1.1 Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung. Eine Rechtsverweigerungs- resp. Rechtsverzögerungsbeschwerde kann gemäss Art. 56 Abs. 2 ATSG erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen Einspracheentscheid erlässt (BGE 130 V 90 E. 2 S. 92; vgl. auch UELI KIESER, Kommentar zum ATSG, 4. Aufl., 2020, Art. 56 N. 24). Nach Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Bezogen auf die Rechtsverweigerungs- resp. Rechtsverzögerungsbeschwerde bedeutet dies, dass zu deren Erhebung legitimiert ist, wer durch das Fehlen einer anfechtbaren Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Erlass hat (BGE 133 V 188 E. 4.1). Der Beschwerdeführer ist vorliegend in seinen finanziellen
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. April 2020, KV/20/204, Seite 4
Interessen betroffen und damit legitimiert. Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über die Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind und Rechtsverweigerungsbeschwerde jederzeit erhoben werden kann (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 16. Februar 2009, 9C_1002/2008, E. 2.2), ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2 Gegenstand einer Rechtsverweigerungs- resp. Rechtsverzögerungsbeschwerde ist einzig die Prüfung der beanstandeten Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung (vgl. RKUV 2000 KV 131 S. 246 E. 2c). Gemäss einem allgemeinen Grundsatz führt die Gutheissung einer Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsbeschwerde ganz allgemein zur Rückweisung der Sache an die untätige Vorinstanz (SVR 2001 KV Nr. 38 S. 110 E. 2d). Es ist nicht Sache des kantonalen Gerichts, materiell zu entscheiden und erstmals den rechtserheblichen Sachverhalt zu ermitteln (SVR 2005 IV Nr. 26 S. 102 E. 4.2).
Streitig ist der gegenüber der Beschwerdegegnerin erhobene Vorwurf der Rechtsverweigerung und damit die Frage, ob die Beschwerdegegnerin pflichtwidrig untätig geblieben ist. Im vorliegenden Fall ist die Frage, ob die Kostenbeteiligung geschuldet ist, nicht zu prüfen.
1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). In Streitigkeiten, die weder von grundsätzlicher Bedeutung noch von grosser Tragweite sind, können sie auf dem Zirkulationsweg auch Mehrheitsbeschlüsse fassen (Art. 56 Abs. 5 GSOG).
2.