Decision ID: 48125dc1-23b7-4773-a3e4-4b5ea65206f5
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, war ab 22. August 2011 im Rahmen eines Zwischenverdienstes bei der
Y._
AG angestellt (tätig im Bereich Flugzeugreinigung) und bei der
Schweizerische
n
Unfallversiche
rungsanstalt
(SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 5. April 2012 auf einer nassen Wiese ausrutschte, stürzte und sich dabei am rechten Fussgelenk verletzte (Urk. 7/2
,
Urk.
7/17 und
Urk.
1/1 S. 4
).
Die medizinische Erstversorgung fand am
Z._
statt, wo eine
Bimalleolarluxationsfraktur
mit grossem Volkmannfragment und lateraler Trümmerzone der distalen Fibula rechts diagnostiziert wurde, weshalb sich die Versicherte am 12. April 2012 einem entsprechenden operativen Eingriff unter
ziehen lassen musste (Urk. 7/27). Am 17. April 2012 konnte die Versicherte das
Z._
verlassen (Urk. 7/31).
Vom 2.
Oktober bis 6. November 2012 hielt sie sich in der
Klinik A._
auf (Urk. 7/61).
1.2
Mit Schreiben vom 23. Januar 2013 (Urk. 7/70) teilte die SUVA der Versicherten nach Rücksprache mit Kreisarzt
Dr.
med.
B._
(vgl. Urk. 7/65) mit, dass sie die Taggeldleistungen per 13. Februar 2013 einstelle. Die Versicherte sei auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu 100 % arbeitsfähig.
1.3
Am 28. März 2013 wurde die Versicherte erneut operiert (Osteosynthese
-
material
entfernung
im
Z._
,
Urk. 7/85). Kreisärztin
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Neurochirurgie, untersuchte die Ver
sicherte am 29. Juli 2013 (Urk. 7/101). Am 24. September 2013 verneinte Kreis
arzt
Dr.
B._
sowohl das Vorliegen eines Integritätsschadens als auch die Notwendigkeit weiterer Behandlungen (Urk. 7/120).
Mit Schreiben vom 8. Oktober 2013 (Urk. 7/123) teilte die SUVA der Versicher
te
n
mit, dass die (offenbar nach der Materialentfernung wiederaufgenommenen) Taggeldleistungen mit dem 1. November 2013 eingestellt würden. Am 9. Dezember 2013 verneinte Kreisärztin
Dr.
C._
das Vorliegen einer
Integri
tätseinbusse
(Urk. 7/142).
1.4
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2013 (Urk. 7/148) verneinte die SUVA die Ansprüche der Versicherten auf eine Invalidenrente und eine
Integritätsent
schädigung
mit der Begründung, dass unfallbedingt weder eine Erwerbseinbusse noch eine Integritätseinbusse vorlägen. Die dagegen mit Eingabe vom
3. Februar 2014 (Urk. 7/151) erhobene Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 12. Mai 2014 (Urk. 2 = Urk. 7/161) ab.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 12. Juni 2014 (Urk. 1/1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Es sei der Einsprache-Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 12. Mai 2014 [...] aufzuheben;
2.
Es sei festzustellen, dass ab 1. November 2013 gestützt auf das Ereignis vom 5. April 2012 [...] ein Invaliditätsgrad bei der Beschwerdeführerin von 30 % besteht;
3.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdefüh
rerin für die Folgen des Ereignisses vom 5. April 2012 [...] die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, so insbesondere eine Invalidenrente bzw.
eine Komplementärrente zu einer
allfälligen IV-Rente sowie eine angemessene
Integri
tätsentschädigung
zuzüglich 5 % Verzugszins ab 1. November 2015 und Taggelder für die Zeit 13. Februar 2013 - 27. März 2013 zuzüglich 5 % Verzugszins ab 15. März 2015 zu bezah
len;
alles unter Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin.
Zudem liess die Versicherte beantragen, vor der
Entscheidfällung
weitere medizi
nische Abklärungen zu veranlassen. Die SUVA liess in ihrer
Beschwerde
antwort
vom 31. Juli 2014 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde schliessen.
Replicando
und
duplicando
liessen die Parteien an ihren Anträgen festhalten (Urk. 10 und 15).
Mit Eingabe vom 3. Juli 2015 (Urk. 17; „
Noveneingabe
“) liess die Versicherte ausführen, sie habe einen Rückfall (am rechten Fuss) erlitten und die Sistierung des Verfahrens bis zum 30. September 2015 beantragen. Die SUVA liess diesbe
züglich am 24. Juli 2015 in ablehnender Weise Stellung nehmen (Urk. 21). Mit weiterer „
Noveneingabe
“ vom 12. Oktober 2015 (Urk. 23) liess die Beschwerde
führerin den
Beizug
eines Arztberichts beantragen. Am 6. und 10. November 2015 liess die Versicherte weitere „
Noveneingaben
“ ins Recht reichen (Urk. 26 und 29). Am 12. November 2015 liess die SUVA eine weitere Stellungnahme einreichen (Urk. 32). Mit Verfügung vom 4. Februar 2016 (Urk. 34) wurden die diverse Eingaben den Parteien wechselseitig zur Kenntnisnahme zugestellt.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
1.1.2
Soweit die Beschwerdeführerin beantragen liess, die Beschwerdegegnerin sei zur Leistung von weiteren Taggeldzahlungen zu verpflichten (vgl. Urk. 1/1
Rechts
begehren
Ziff. 3
a.E
.), ist ihr entgegenzuhalten, dass weder in der Verfügung vom 20. Dezember 2013 (Urk. 7/148) noch im angefochtenen
Einspracheent
scheid
vom 12. Mai 2014 (Urk. 2) Taggeldansprüche thematisiert, geschweige denn darüber entschieden wurde. Mangels eines entsprechenden
Anfechtungs
gegenstands
ist folglich insoweit auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.2
1.2.1
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert ha
ben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bil
den (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflus
sen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
1.2.2
Somit
ist der Umstand
, dass währende pendentem Prozess ein Rückfall gemel
det, dieser von der Beschwerdegegnerin grundsätzlich anerkannt und nach Ein
stellung der erneuten Taggeldzahlungen bereits wieder ein
Einspracheverfahren
anhängig gemacht wurde (vgl. dazu Urk. 24/1-7 und 28), für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde grundsätzlich unbeachtlich.
Eine Sistierung des Verfahrens war deshalb nicht angezeigt oder gar notwendig.
Dies bedeutet
aber
nicht, dass beispielsweise neu eingereichte
(etwa im Rahmen des Rückfalls er
stellte)
Arztberichte, die direkt oder indirekt Aufschluss über die medizinische Situation zum Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen
Einspracheentscheides
geben können, unbeachtlich sind.
2.
2.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
). Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
2.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
[ATSG]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
ü
ber die Unfallversicherung [UVG]). Invalidität ist die voraussicht
lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des
Invaliditätsgra
des
wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeits
marktlage
erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.3
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dau
ernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen In
tegrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten
Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des
In
tegritätsschadens
abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der Verordnung über die Unfallver
sicherung (
UVV
)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des gan
zen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, au
genfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemes
sung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges 3. Fallen meh
rere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Un
fällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Be
einträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
2.4
2.4
.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.4
.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129
V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 12. Mai 2014 (Urk. 2) die Verneinung eines Rentenanspruchs und des An
spruchs auf eine Integritätsentschädigung im Wesentlichen gestützt auf die entsprechenden kreisärztlichen Einschätzungen und auf den Bericht der
Klinik A._
vom 5. April 201
2.
Aus den medizinischen Akten ergebe sich, dass durch eine Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung zu erwarten sei. Zwar seien gewisse unfallbedingte Restfolgen vor
handen, so dass die Beschwerdeführerin nicht mehr in ihrer angestammten Tä
tigkeit als Serviceangestellte arbeiten könne. Gestützt auf das ärztlicherseits formulierte Zumutbarkeitsprofil sei es ihr aber möglich ein
rentenausschliessen
des
Invalideneinkommen zu erzielen, weshalb ein Rentenanspruch zu verneinen sei. Da gemäss kreisärztlicher Beurteilung keine erhebliche Integritätseinbusse bestehe, habe die Beschwerdeführerin auch keinen Anspruch auf eine entspre
chende Entschädigung.
An diesen Auffassungen liess die Beschwerdegegnerin auch im vorliegenden Prozess festhalten (Urk. 6 und 15; vgl. auch Urk. 32).
3.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen (Urk. 1/1), es sei unbestritten, dass sie unfallbedingt weder im Service noch in der Flugzeugreinigung mehr tätig sein könne. Das gehe zweifelsfrei aus den medizinischen Akten hervor. Infolge des Unfalls vom 5. April 2012 leide
sie
unter einer bleibenden Einschränkung des rechten oberen Sprunggelenks bezie
hungsweise des rechten Fusses. Zudem seien Zeichen einer beginnenden
Osteo
penie
sowie eine beginnende Verknöcherung und eine Arthrose festgestellt wor
den. Die Beschwerdeführerin klage immer noch über Schmerzen. Das
Schmerz
verhalten
sei adäquat und die physischen Einschränkungen seien als objekti
vierbar beurteilt worden. Wie nun gestützt auf die unbestrittenen Diagnosen und Einschränkungen eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Arbeiten (mit weiteren Einschränkungen) habe angenommen werden können, sei nicht nachvollziehbar (S. 5 f.). Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, med.
pract
.
D._
, sei vielmehr von einer Einschränkung von 60 % auszugehen, wovon die Hälfte, also 30 %, auf das Unfallereignis vom 5. April 2012 zurückzuführen sei. Zudem sei fälschlicherweise der Unfall vom 3. Januar 2001, bei dem sich die Beschwerdeführerin Gesundheitsbeeinträchtigungen am linken Ellbogen zugezogen habe, niemals mitberücksichtigt worden (S. 9 f.).
An diesen Ausführungen liess die Beschwerdeführerin auch
replicando
festhal
ten (Urk. 10; vgl. auch Urk. 17, 23, 26 und 29).
3.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat, weil es ihr trotz der unfallbedingt vorliegenden Gesundheitsbeeinträchtigungen möglich sei, ein
rentenausschlies
sendes
Erwerbseinkommen zu erzielen. Weiter ist zu prüfen, ob die
Beschwerde
gegnerin
den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung zu Recht verneint hat, weil unfallbedingt keine erhebliche Integritätseinbusse gegeben sei.
Angesichts dessen, dass bereits während laufendem Gerichtsverfahren von der Beschwerdeführerin ein Rückfall gemeldet worden ist, dass die
Beschwerdegeg
nerin
diesen Rückfall ausdrücklich anerkannt und Taggeld- und
Heilbehand
lungsleistungen
ausgerichtet
hat (vgl. Urk. 33) und gegenwärtig ein neues
Ein
spracheverfahren
pendent ist (vgl. Urk. 28), ist vorweg zu klären, ob der medi
zinische Endzustand tatsächlich schon erreicht war, als die Beschwerdegegnerin den angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 12. Mai 2014 (
Urk.
2) erliess, mit dem sie die Ansprüche auf eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädi
gung
verneinte.
Dies wäre zwar grundsätzlich möglich. Vorliegend ist allerdings der kurze zeitliche Abstand zwischen (mutmasslich) abgeschlossenem Grundfall und dem Rückfall Grund genug, diese Frage genauer zu prüfen.
4.
4.1
Spitalfachärztin
Dr.
med.
E._
und Oberarzt med.
pract
.
F._
von der
Klinik A._
hielten in ihrem Bericht vom 9. November 2012
(Urk. 7/61)
folgende Diagnosen fest:
A.
Unfall vom 05.04.2012: Auf nassem Gras ausgerutscht und rechten Fuss abgeknickt:
Bimalleolarluxationsfraktur
rechts mit grossem Volkmann-Frag
ment und lateraler Trümmerzone der distalen Fibula rechts
-
12.04.2012 ORIF medialer
Malleolus
mit 2 Zugschrauben, latera
ler
Malleolus
ebenfalls mit 2 Zugschrauben, Volkmann-Verschraubung mit einer
Spongiosaschraube
-
17.09.2012 Röntgen OSG rechts
ap
/
lat
: Unveränderte Stellung mit vollständig
durchbauter
Fraktur. Im distalen
Tibiofibularge
lenk
diffuse Verknöcherung, kein Hinweis für eine
Synostose
. Beginnende
Arthroseneigung
,
Schmälerwerden
des
Gelenkspal
tes
-
17.09.2012 Kontrolle beim Operateur; Vollbelastung mit relativ flüssigem Gangbild sollte möglich sein. Stationäre Rehabilita
tion in
A._
notwendig
B.
Höhenphobie (ICD-10 F40.2)
C.
Arterielle Hypertonie
D.
Präadipositas
(BMI 28 kg/m
2
)
Bei Austritt aus der
A._
hätten noch folgende Probleme bestanden:
1.
Belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des rechten OSG,
Ent
lastungshinken
rechts
2.
Gehdauer
eingeschränkt auf ca. 30 Minuten, Treppensteigen er
schwert
3.
Schwellungstendenz Fuss rechts bei längerem Gehen oder Sitzen
4.
Dysmenorrhoe, rezidivierende Bauchschmerzen
Die zuletzt (temporär) ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiterin bei der
Flugzeugin
nenreinigung
sei nicht mehr zumutbar. Die Anforderungen seien dort zu hoch (ganztags gehend/stehend; wiederholtes Besteigen von niedrigen Leitern). Der Beschwerdeführerin seien jedoch ganztags leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar, wenn folgende Einschränkungen beachtet würden: wechselbel
astende Arbeit (im Wechsel von G
ehen, Stehen und Sitzen); ohne Gehen auf unebenem Boden, ohne Ersteigen von Leitern und Gerüsten; ohne häufiges Treppensteigen; ohne Fusszwangspositionen rechts (etwa Arbeiten in der Hocke oder im Knien).
Die Schmerzproblematik habe nicht verbessert werden können. Die körperliche Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit hätten beim Training auf einem tiefen Ni
veau deutlich gesteigert werden können.
Die Gleichgewichts- und
Koordinati
onsfähigkeit
sei noch vermindert, habe sich jedoch im Vergleich zu Beginn der Rehabilitation massiv verbessert. Die Fuss-Beweglichkeit rechts in
Plantarfle
xion
und
Supination
habe leicht verbessert werden können. Insgesamt habe durch
die stationäre Reha
bilitation
eine deutliche Verbesserung der allgemeinen Belastbarkeit erzielt werden
können.
4.2
Oberarzt
Dr.
med.
G._
vom
Z._
führte in seinem Bericht vom 24. November 2012 (Urk. 7/64) aus, dass die Beschwerdeführerin nach wie vor über Schmerzen im oberen Sprunggelenk klage. Er habe ihr erklärt, dass ein Restschmerz im Rahmen des Grundleidens respektive der Fraktur bestehen blei
ben werde. Es könne auch eine zunehmende Arthrose ausgemacht werden, die sicherlich in der klinischen Manifestation kaum weniger werden werde. Aller
dings könne betreffend
den Belastungsschmerz
im Rahmen der noch nicht vollständigen Abheilung eine gewisse Verbesserung erwartet werden.
4.3
Kreisärztin
Dr.
C._
äusserte sich in ihrem Bericht vom 29. Juli 2013 (Urk. 7/101) dahingehend, dass
die Beschwerdeführerin noch unter belastungs- und positionsabhängigen Schmerzen und einer Schwel
lungsneigung im rechten oberen
Sprunggelenk
klage
, die sich nach der Materialentfernung nur leicht ge
bessert hätten. In der klinischen Untersuchung zeige sich eine leicht einge
schränkte OSG-Beweglichkeit rechts im Seitenvergleich mit endphasigem Schmerz vor allem in
Plantarflexion
. Im Bereich des Unterschenkels finde sich eine diffuse zirkuläre Gefühlsstörung, die keinem
V
ersorgungsgebiet eines Ner
ven oder
Dermatoms
zugeordnet werden könne. Im Bereich des Fussrückens hätten
Kribbelparästhesien
, entsprechend dem Versorgungsgebiet des
Nervus
peroneus
superficialis
ausgelöst werden können. Bis auf eine schmerzbedingte eingeschränkte Fusshebung finde sich eine seitengleiche Kraftentwicklung. Nach leichter Besserung durch die
Osteosynthesematerialentfernung
habe sich in den letzte
n
vier Monaten der Zustand nicht mehr wesentlich verändert
.
Aus medizinischer Sicht sei ein stabiler Zustand erreicht worden; die medizinischen Voraussetzungen für einen Fallabschluss seien erreicht. Es gelte weiterhin das in der
Klinik A._
erstellte Zumutbarkeitsprofil (S. 6 f.).
4.4
Dr.
C._
führte am 9. Dezember 2013 aus, dass sich im Röntgenbild vom 29. August 2013 keine Hinweise für relevante degenerative Veränderungen im Bereich des rechten oberen Sprunggelenks gefunden hätten. Im Rahmen der kreisärztliche Untersuchung vom 29. Juli 2013 habe eine Beweglichkeit von 5
0
30° im rechten oberen Sprunggelenk (Dorsalextension/
Plantarflexion
) ge
genüber 10
0
50° auf der Gegenseite festgestellt werden können.
Die
Erheblichkeitsgrenze
eines Integritätsschaden
s
sei nicht erreicht. Gemäss Feinrastertabelle 2 „Integritätsschaden bei Funktionsstörung an den unteren Extremitäten“ erfolge eine Entschädigung für ein im rechten Winkel steifes Sprunggelenk sowie für ein stark im Spitzfuss steifes Sprunggelenk. Die vorlie
gende Funktion des rechten oberen Sprunggelenks sei, obgleich zur Gegenseite eingeschränkt, damit nicht vergleichbar. Auch lägen keine degenerativen Ver
änderungen vor, die gemäss Feinrastertabelle 5 „Integritätsschaden bei Arthro
sen“ entschädigt werden könnten. Diese Beurteilung berücksichtige nur den Unfall vom 5. April 2012 (Urk. 7/142).
4.5
Assistenzarzt
Dr.
med.
H._
und Oberarzt
Dr.
med.
I._
vom
Z._
hielten in ihrem Bericht vom 6. August 2015 (Urk. 24/2) fest, dass die aktuelle Untersuchung - wie erwartet - keine Änderung im Ver
gleich zum kreisärztlichen Bericht vom 29. Juli 2013 sowie zum Reha-Bericht
A._
vom 6. November 2012 gezeigt habe. Aufgrund der schwerwiegenden Verletzung sei bei der Beschwerdeführerin sicherlich bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für stehende Berufe gegeben. Eine Besserung sei nicht zu erwarten.
4.6
Kreisarzt
Dr.
med.
J._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, äusserte sich am 22. September 2015 dahingehend, dass die 2013 dokumentierte Zumutbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auch nach Kenntnis des aktuellen Berichts des
Z._
weiterhin Gültig
keit habe (Urk. 24/4).
4.7
Der Leitende Arzt
Dr.
med.
K._
vom
Z._
führte in seinem Bericht vom 24. September 2015 (Urk. 24/5) aus, dass die Beschwerde
führerin seit eineinhalb Jahren über tägliche, persistierende,
belastungsabhän
gige
Schmerzen im Bereich des rechten oberen Sprunggelenks klage. Es zeigten sich eine deutliche Schwellung am gesamten rechten oberen Sprunggelenk, reizlose Narben und ein
geringgradiger
Pes
cavovarus
mit
Rückfussvarus
von
0 bis 5° beidseitig. „Flexion/Extension links 40/0/20°, rechts 20/0/0°. Gute sagittale Stabilität. Keine mediale oder laterale Aufklappbarkeit. DMS intakt.“ Die Röntgenaufnahmen zeigten einen deutlich verminderten Gelenkspalt vor allem im lateralen Anteil des Talus. Insgesamt bestehe eine fortgeschrittene bis
endgradige
OSG-Arthrose. Neben konservativen Behandlungen seien auch die operativen Therapieoptionen (OSG-
Arthrodese
oder OSG-Prothese) zu bespre
chen.
5.
5.1
Wie aus den wiedergegebenen Arztberichten hervorgeht und zwischen den Par
teien zu Recht unbestritten ist, liegen bei der Beschwerdeführerin nach wie vor erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigungen vor, die auf das Unfallereignis vom 5. April 2012 zurückzuführen sind. Uneinigkeit besteht zwischen den Parteien jedoch hinsichtlich der Frage, wie si
ch
diese Gesundheitsbeeinträchtigungen in erwerblicher Hinsicht auswirken. Umstritten ist insbesondere, ob das in der
Klinik A._
(noch vor der erforderlichen erneuten Operation zur Materialentfernung) erstellte Zumutbarkeitsprofil (vgl. E. 4.1), das in der Folge von Kreisärztin
Dr.
C._
als weiterhin gültig erklärt wurde (vgl. E. 4.3)
,
eine hinreichende Grundlage zur Ermittlung des Invalideneinkommens darstellt.
5.2
Die einschlägigen medizinischen Akten sind vorliegend nicht besonders umfang
reich
und
zeichnen ein uneinheitliches Bild. Kreisärztin
Dr.
C._
vertrat am 9. Dezember 2013 die Ansicht, dass bei der Beschwerdeführerin keine
dege
nerativen Veränderungen vorlägen, die gemäss Feinrastertabelle 5 „
Integritäts
schaden
bei Arthrosen“ entschädigt werden könnten (vgl. E. 4.4). Demgegenüber hatte
Dr.
G._
bereits am 24. November 2012 davon gesprochen, dass eine zu
nehmende Arthrose auszumachen sei (vgl. E. 4.2). In neuerer Zeit ist sogar von einer fortgeschrittenen bis
endgradigen
OSG-Arthrose die Rede (Bericht von
Dr.
K._
vom 24. September 2015 [vgl. E. 4.7]). Angesichts der Tatsache, dass
Dr.
G._
die (nunmehr offenbar sehr ausgeprägte) Arthrose bereits ein Jahr vor der kreisärztlichen Untersuchung ausmachen und den progredienten Verlauf dieses Gesundheitsschadens realistisch einschätzen konnte, ist nicht nachvoll
ziehbar, weshalb die Kreisärztin gar keine Arthrose erkennen konnte.
Die kreisärztlichen Berichte vom 29. Juli und 9. Dezember 2013 (E. 4.3 und 4.4), auf welche sich die Beschwerdegegnerin bei der Verneinung der
streitgegen
ständlichen
Ansprüche in erheblicher Weise stützte, überzeugen - abgesehen davon, dass die von
Dr.
G._
festgestellte Arthrose nicht erkannt
beziehungs
weise nicht diskutiert
wurde - auch in weiterer Hinsicht nicht. Das
Zumutbar
keitsprofil
der
Klinik A._
wurde - wie erwähnt - vor der (anfänglich nicht geplanten) operativen Materialentfernung erstellt. Kreisärztin
Dr.
C._
erklärt zwar, dass dieses Zumutbarkeitsprofil weiterhin gelte, begrün
det dies aber nicht. Aufgrund der Umstände (schleppender Heilverlauf und er
neute Operation) wäre dies aber
zu erwarten
gewesen.
Auch hinsichtlich der Frage, ob der medizinische Endzustand erreicht
ist
, sind die kreisärztlichen Ausführungen
nicht detailliert.
Dr.
C._
führte einzig aus, dass sich der Zustand der Beschwerdeführerin seit vier Monaten nicht mehr
wesentlich verändert habe. Angesichts dessen, dass bei dieser Beurteilung die fortschreitende Arthrose unberücksichtigt blieb, kann das nicht genügen. Wie bereits ausgeführt wurde, hat im vorliegenden Prozess (in formeller Hinsicht) grundsätzlich unberücksichtigt zu bleiben, dass bereits wieder ein „Rückfall“ gemeldet wurde und dass nunmehr auch die Versorgung der Beschwerdeführe
rin mit einer OSG-Prothese zur Diskussion steht; diese Umstände sind allerdings auch nicht geeignet
,
die aufgeworfenen Zweifel an den kreisärztlichen Berichten zu
beseitigen.
5.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die medizinischen Akten kein verlässli
ches Bild abgeben, das Grundlage für die Beurteilung der Ansprüche der Be
schwerdeführerin auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung sein könnte. Es ist
auch
nicht erstellt, ob der medizinische Endzustand einge
treten war, als die Beschwerdegegnerin über die genannten Ansprüche entschie
den hatte.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, dass der
Einspracheentscheid
vom 12. Mai 2014 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie die notwendigen medizi
nischen Abklärungen veranlasse und hernach - je nach Abklärungsergebnis - neu über die Ansprüche auf Invalidenrente und Integritätsentschädigung ver
füge beziehungsweise über Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen entscheide. Angesichts der Umstände erscheint es angemessen, die medizinische Abklärung durch eine versicherungsunabhängige Person vornehmen zu lassen. Weiter ist es angezeigt, die erforderlichen Abklärungen und weiteren prozeduralen Schritte nach Möglichkeit mit denjenigen des bei der Beschwerdegegnerin pen
denten
Einspracheverfahrens
zu koordinieren.
6.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rückwei
sung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertre
tene Beschwerdeführer
in
zu Lasten der Beschwerdegegnerin
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist in Anwendung der massgeblichen Kriterien und in Anwendung des gerichtsüblichen Stundensatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) – ein Grund für einen höheren Ansatz ist nicht ersichtlich (
Urk.
1/1 S. 14) – auf
Fr.
Fr. 3‘400.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.