Decision ID: a0fcc23f-37d4-40b7-acd9-b57bc7e0b721
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
X._
, geboren 1983, reiste im April 2005 aus den
O._
in die Schweiz
und arbeitete seither
als
Koch/
Küchenchef im Restaurant
B._
in Zürich (
vgl.
Urk.
8/8
).
Am 1
1.
Februar 2012 wurde dem Ver
sicherten bei einem Streit ein volles Bi
erglas ins Gesicht geworfen,
was eine Ver
letzung des linken Auges zur Folge hatt
e
(vgl.
die Ermittlungsakten
der
Stadtpolizei Zürich und der Kantonspolizei Zürich
,
Urk.
8/9).
Am 1
0.
August 2012
(Eingangsdatum)
meldete
sich
der Versicherte
wegen der Folgen dieses Unfallereignisses vom 1
1.
Februar 2012
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1).
Die
IV-Stelle
zog
die Akten der zuständigen Unfallversicherung
Swica
Versicherungen AG
(nach
folgend:
Swica
) bei (
Urk.
8/4)
.
Am 2
9.
August 2012 kündigte das Restau
rant
B._
das Arbeitsverh
ältnis des Versicherten per 30.
November 2012 unter Hinweis auf dessen 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall vom Februar 2012
sowie
auf
das sehr grosse Unf
allrisiko in der Küche wegen de
r
ver
minderten Sehkraft
(
Urk.
8/46/173).
Am
9.
Oktober 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass gemäss ihren Abklärungen zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
8/12).
Am 18. Oktober 2012 teilte die
Swica
der IV-Stelle mit, dass sie bei der Augenklinik
Z._
ein Gut
achten einholen werde, und liess ihr unter Hinweis darauf, dass sie Zusatz
fra
gen
stellen könne, ihren Fragenkatalog zugehen (Urk. 8/13). Von dieser Möglichkeit machte die IV-Stelle am 8. November 2012 Gebrauch (Urk. 8/14). Die von der
Swica
in Auftrag gegebene Beurteilung wurde am 26. November 2012 erstattet (medizini
scher Bericht von Dr. med. A._
, FMH
Ophtalmologie
, von der Augenklinik
Z._
vom 26. November 2012, Urk. 8/23; Ergänzungen vom
18. Februar 2013 [Urk. 8/46/128] und vom 4. März 2013 [Urk. 8/46/122]). In de
r Folge erkundigte sich die IV-Stelle
mehrfach
nach dem Verfahrensstand und
zog weitere Akten der
Swica
bei
(
Urk.
8/28).
Mit Vorbescheid vom 24.
Septem
ber 2014 stellte
die IV-Stelle
dem Versicherten die Abweisung seines
Rentenbe
gehrens
in Aussicht (
Urk.
8/34), wogegen dieser am 2
4.
Oktober 2014 Einwand erhob (
Urk.
8/42).
In
der Folge zog
die IV-Stelle
erneut
A
kten der
Swica
bei
(
Urk.
8/46), wozu
sich der Versicherte am 18.
Dezember 2014 vernehmen
liess
(
Urk.
8/48). Mit Verfü
gung vom
9.
Januar 2015 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch des Versi
cherten auf eine Rente mit der Begründung,
dass nach dem gesetzlichen
War
tejahr
lediglich
eine
durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 30
%
ausgewie
sen
gewesen sei
(Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
6.
Januar 2015 Beschwerde und beantragte, es sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
ihm gemäss den nachfolgenden
Erwägungen eine Rente der Invalidenversicherung auszurichten; eventualiter se
i die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die
Beschwerde
geg
ne
rin
zurückzuweisen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit
Be
schwer
de
antwort
vom 1
7.
April 2015 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem
Beschwerdeführer am 2
0.
April 2015 ang
ezeigt wurde (Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
for
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
glei
ch
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommens
vergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
D
ie Ärzte der Augenklinik des Universitätsspitals
P
._
(
P
._
)
erklärten im
Bericht vom
3.
Mai
2012
(
Urk.
8/46/247
-248
) zuhanden der AXA-ARAG Rechts
schutz AG (der Rechtsschutzversicher
ung des Beschwerdeführers, vgl.
Urk.
8/46/221)
, dass es durch den Unfall vom 1
1.
Februar 2012 zu einer Ver
letzung der zentralen Hornhaut links, die im Bereich der Sehachse liege, ge
kommen sei.
Aufgrund der Narbe erreiche der Beschwerdeführer
am linken Auge aktuell eine Sehschärfe um 0,1 (im Volksmund 10
%
entsprechend), durch Zuhilfenahme der
stenopäischen
Lücke (wo der Refraktionsfehler durch die entstandene Hornhautverkrümmung minimiert werde) erreiche er eine Seh
schärfe um 0,
4.
Zusammengefasst: Er habe eine deutliche Seheinschränkung links, es bestehe jedoch keine eigentliche Erblindung. Als nächsten Schritt wür
den sie die Anpassung formstabiler Kontaktlinsen planen. Dadurch könnte mög
licherweise eine Besserung der Sehschärfe resultie
ren.
2.2
Der damalige Augenarzt des Beschwerdeführers
,
Dr.
med. C._
, FMH für Augenheilkunde,
gab i
m
an die
Swica
gerich
teten
Bericht vom 1
0.
Septem
ber 2012
an
, dass
er den Beschwerdeführer
am
1
6.
Mai 2012 zwecks Anpassung einer
formstabilen Kontaktlinse
Herrn
D._
, einem Op
tiker in
E._
, über
wiesen habe
. Der bestmögliche
Visus
sei dabei 0,63 gewesen. Grundsätzlich sei davon auszugehen, dass die relativ zentralnahe Narbe zu einer definitiven Sehkraftverminderung (noch nicht ganz sicheres Ausmass festlegbar) geführt habe und
dass
der Beschwerdeführer dam
it leben müsse (
Urk.
8/46/190).
2
.3
Dr.
A._
erklärte
im
Bericht
vom 2
6.
Novem
ber 2012
zuhanden der
Swica
,
dass der Beschwerdeführer
seines Erach
tens
als Küch
enchef zu 100
%
arbeitsfähig
sei
, da er ja auch weitgehend delegieren könne
. Er sei einzig ein
geschränkt im
räumli
chen
Sehen und durch eine erhöhte
Bl
endungsempfind
lichkeit
aufgrund
der Hornhautverletzung. Die eingeschränkte Sicht wirke sich bei seiner Arbeit ode
r auch zum Beispiel bei längerer
Arbeit
szeit
am PC aus
. Er habe dem Beschwerdeführer die Durch
füh
rung einer
transepithelialen
Keratek
tomie
(
TransPRK
) mit Hilfe der
wellenfront
geführten
cornealen
Abtragung mit dem
Excimer
Laser
an
der linken Hornhaut empfohlen
(
Urk.
8/23/
1-
3).
Im
an die
Swica
gerichteten
Schreib
en vom 1
8.
Februar 2013 hielt
Dr.
A._
auf deren Nachfrage hin (Urk. 8/46/129)
fest
, er sei seinerzeit davon ausge
gangen sei,
dass der Beschwer
deführer seine
Arbeit weitgehend delegierend ausführen würde.
Zudem habe der Beschwerdeführer
damals angegeben
, dass er im Februar 2013 eine andere Ar
beit aufnehmen würde. Aus diesem Grund habe er eine 100%ige Arbeitsfähig
keit attestiert. Gemäss dem Schreiben des
Rechts
vertreters
des
Beschwerdefüh
rers sei dessen Arbeit als Küchenchef jedoch viel anspruchsvoller bzw. speziel
ler, als anzunehmen gewesen sei. Er könne nun nachvollziehen, dass
d
er
Be
schwerdeführer
seinerzeit
als Küchenchef
wegen des erlittenen Augenunfalls zu ca. 30
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Allerdings habe er sich dahingehend ge
äussert, dass durch eine Operation die Sehschärfe am linken Auge weitgehend
verbessert werden könnte, wobei
aber
eine gewisse Blendungsempfindlichkeit zurückbleiben würde
(
Urk.
8/46/128
).
Im an die
Swica
gerichteten
Sc
hreiben vom
4.
März
2013
ergänzte Dr.
A._
,
dass
Dr.
C._
ab dem 1
6.
Mai 2012 bis auf Weiteres eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt habe. Seines Erachtens sei der Be
schwer
deführer, der nach dem Unfall vom 1
1.
Februar 2012 zu 100
%
arbeits
unfähig gewesen sei, ab dem 1
6.
Mai 2012 bis auf Weiteres zu 30
%
ar
beitsunfähig.
Der Beschwerdeführer sei
bei den Tätigkeiten Heben,
Tragen, Körper
stel
lung/Beweglichkeit, psychische Belast
ung etc. nicht eingeschränkt
. Redu
ziert seien jedoch die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit. Die
vorge
schlagene Operation (
TransPRK
)
sei seines Erachtens
im Sinne von
Art.
21
Abs.
4
ATSG zumutbar (
Urk.
8/46/122; vgl. auch
Urk.
8/46/123-124
).
2.4
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Augenheilkunde,
hielt
im Bericht vom 2
3.
Mai 2013
(
”Zweitmeinung”
)
zuhanden des Rechtsver
treters des Beschwerdeführers fest
, dass man eine
TransPRK
am linken Auge als Versuch durchführen könn
t
e. Das postoperative
Visusresultat
sei aber fraglich (
Urk.
8/46/
106-
107).
2.5
Prof.
Dr.
med. G._
, stellvertretende Chefärztin und Abteilungsleiterin der Universitätsklinik für Augenheilkunde des
Spitals H._
, erklärte in der
von der
Swica
veranlassten
Aktenbeurteilung vom
9.
Januar 2014
(”
Dritt
meinung
”)
, dass eine
TransPRK
(Topografie ge
steuert) den Astigmatismus
(
Horn
haut
verkrümmung
)
tatsäch
lich verbessern
könnte. Da es sich um einen spe
ziellen Fall handle, gebe es aber nur vereinzelte Fallbeschreibungen und keine Studie.
Es sei auch möglich, dass die Behandlung nicht zum gewünschten Effekt führe.
Sie würde
schätzen, dass die Chancen re
l
ativ gut seien, dass der Beschwerdeführer
nach der
TransPRK
mit dem linken Auge mit einer
Brillen
korrektur
besser sehe.
Die Behandlung sei mit wenigen Komplikationen behaftet (sehr seltene Infektionen mit Hornhautnarben [Risiko weniger als 1
%
]). Theo
retisch könnten sich die optischen
Aberationen
noch verschlimmern. Eine
Trans
PRK
könne
aber
nicht zu einer besser
en
u
nkorrigier
ten
Sehschärfe führen,
als
sie
mit einer Kontaktlinse
(einer formstabilen, aber
evtl. auch anderen
Linsentypen)
erreicht werden könne
. Eine Verschlechterung der Sehschärfe
würd
e sie als ein Risiko von 5
%
schätzen. Wie hoch die Ar
beitsfähigkeit in ange
stammter und angepasster Tätigkeit schliesslich wäre, wenn die Operatio
n erf
olg
reich durchgeführt worden wäre
, könne nicht mit Gewissheit beantwortet werden. Bei einer erfolgreichen Operation mit
Wieder
erreichen
einer annähernd normalen Sehschärfe könnte der Beschwerdeführer ca. zwei Wochen nach der Operation wieder voll arbeiten. Die Operation sei
im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG zumutbar
. Im Weiteren sei ihres Erachtens je
doch die Anpassung einer Kontaktlinse die zweckmässigste Massnahme, noch vor der
Excimer
-Behand
lung
(
TransPRK
)
. Theoretisch wäre die Anpassung einer formstabilen Kontakt
linse am idealsten.
Sie
sei aber durchaus auch möglich mit einer weichen K
ontaktlinse oder
mit
anderen Linsen
(zum Beispiel
Sklerallin
sen
)
. Die Aus
übung des Berufs als Koch sei mit einem einseitigen Linsentragen durchaus zumutbar
(
Urk.
8/46/52-56
).
2.
6
Die aktuelle Augenärztin des Beschwerdeführers,
Dr.
med. I._
, FMH
Ophtalmologie
, bestätigte im an die
Swica
ge
richteten Bericht vom 1
4.
Juli 2014, dass es sich bei der
Kontaktlinsenanpas
sung
durch
die
D._
Optik um eine Anpassung bzw. Linse handle, wie sie von Prof.
G._
in der Aktenbeurteilung
vom
9.
Januar 2014 empfohlen worden sei
.
Es handle sich um eine formstabile Kontaktlinse
(
Urk.
8/46/30
-31
).
Im an die
Swica
gerichteten
Verlaufsbericht
vom 1
8.
September 2014
führte Dr.
I._
aus
, dass
der Beschwerdeführer mit der neu angepassten
Kontakt
linse auf der verletzten Seite einen
Visus
von 0,5
erreiche
. Dies im Gegensatz zum
Visus
mit Brille,
mit welcher
nur ca. 0,1 bis 0,2 erreicht werden könne, womit sich der Beschwerdeführer aber deutlich sicherer fühle als ohne. Generell möchte er
gerne
wieder als Koch arbeiten und traue sich dies auch
wieder
zu. Die zeitliche Be
lastbarkeit könne vorgängig allerdings
nicht abgeschätzt werden und werde sich im V
erlauf zeigen.
Vermieden werden
sollte
nur
Staub (auch Mehl), damit
sich
dieser
nicht auf der Kontaktlinse
ablagere.
D
as ein
ge
schränkte Stereosehen bedeute erhöhte Vorsicht im Umgang insbesondere mit schar
fen/spitzen Gegenständen und Utensil
ien (
Urk.
8/46/21).
In der
Stellungnahme vom
8.
Oktober 2014 zuhanden der
Swica
gab
Dr.
I._
an
, dass
hier wohl eine Beurteilung am Arbeitsplatz selbst, also unter realen Bedingungen nach Anpassung einer gut verträglichen Kontakt
linse
,
sinnvoll sei
.
Bisher habe der Beschwerdeführer die Kontaktlinse maximal einen halben Tag getragen, weil sie ihn nach dieser Zeit massiv störe. Es seien aber neue Anpassungen vorgenommen worden. Die aktuelle Kontaktlinse habe er
in der
letzten Untersuchung indes
erst seit ca. 1,5 Wochen und nie länger als vie
r bis fünf Stunden getragen (der
A
usbau der Tragezeit sei vorgesehen gewe
sen). Somit habe zu diesem Zeitpunkt keine Aussage zur Verträglichkeit ge
macht werden können.
Der Grad der Arbeits
un
fähigkeit sei abhängig von der mög
lichen Tragedauer der Kontaktlinse
.
Generell habe sie aber bereits darauf hin
gewiesen, dass der Beschwerdeführer auch ohne Kontaktlinse ordentlich
zurecht komme
.
Generell
sei
er
als funktioneller Einäugiger zu betrachten und insofern müsse auch das gute Auge optimal geschützt werden
(
Urk.
8/46/4
-5
).
3.
3.1
Vorwegzunehmen ist
, dass
laut Bundesgericht
Einäugigkeit nach der auf medizinischer Erkenntnis beruhenden Praxis nur selten die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt, da auch der Einäugige nach einer gewissen Anpassungszeit räumlich zu sehen vermag und in vielen beruflichen Tätigkeiten
Binokularsehen
nicht zwingend erforderlich ist (SVR 2004 IV Nr. 13 S. 37, I 29/02 E. 4.2 und E.
6 mit zahlreichen Hinweisen; Urteil
e des Bundesgerichtes
8C_474/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 7.2
und 8C_508/2014 vom 4. November 2014 E. 3.3).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes obliegt es dem Facharzt zu beur
teilen, ob die versicherte Person in Bezug auf ein ermitteltes Tätigkeitsspektrum auf
Binokularsehen
angewiesen ist.
Soweit der einseitige Ausfall der
Sehfähig
keit
durch Angewöhnung an den Verlust des stereoskopischen Sehens
zumut
barerweise
kompensiert werden kann
, hat dies der Facharzt
im Einzelfall zu berücksichtigen und dazu Stellung zu nehmen.
Demnach hat sich der Facharzt nicht nur zu
allenfalls vorhandenen erheblichen
ophtalmologischen
Nebenbe
funden
, anderen eventuell bekannten nicht
ophtalmologischen
Erkrankungen und gegebenenfalls notwendig
en
optischen Hilfsmitteln,
sondern auch
zu den Anfor
derungen an das stereoskopische Sehen, zur Angewöhnung, zu den Aus
wir
kungen von störenden
Blendeffekten
und zur Beeinträchtigung der Arbeits
fähig
keit
in der in Frage stehenden Tätigkeit zu
äussern
(Urteil des Bundes
ge
richtes I 29/02 vom 24. Juli 2003 E. 7.2).
3.
2
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
9.
Januar 2015, dass beim Beschwerdeführer nach dem gesetzlichen Warte
jahr lediglich eine
durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit v
on 30
%
ausgewiesen gewesen sei (
Urk.
2)
.
Sie stützte sich dabei – wie dem Feststellungsblatt vom
9.
Januar 2015 zu entnehmen ist (
Urk.
8/49/2) –
offenbar
auf die
Angaben zur Arbeitsunfähig
keit in den
Taggeld-
Leis
tungsabrechnungen der
Swica
(100
%
Arbeitsunfähig
keit
vom 1
2.
bis zum
2
8.
Februar 2012,
50
%
vom 2
9.
Februar bis zum 3
1.
Mär
z 2012,
25
%
vom
1.
April b
is zum 3
1.
Dezember 2012 und 15
% vom
1.
Januar bis zum 1
0.
Februar 2013
; vgl. auch
Urk.
8/46/64
).
Die Taggelda
us
zahlungen ab dem
1.
April 2012 bzw. ab dem
1.
Januar 2013
waren allerdings
gestützt
auf
Arbeitsunfähi
gkeiten von 25
%
bzw. 15
%
erfolgt
, weil
die
Swica
jeweils pro
visorische Kürzung
en
von 50
%
vorgenommen hatte (
vgl.
E-Mail der
Swica
vom 2
3.
Juli 2012,
Urk.
8/46/21
4, und auch
Urk.
1 S. 2-3).
Die
Swica
war mit
anderen
Worten davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer ab dem
1.
April
2012 zu 50
%
und ab dem
1.
Januar 2013 zu 30
%
arbeitsunfähig war.
Bereits aus diesem Grund
konnte
auf die genannten
Angaben
in den
Taggeld-
Leis
tungsab
rechnungen
der
Swica
somit nicht
abgestellt werden.
3.
3
Dr.
med. J._
, Oberassistentin der Augenklinik des
P
._
, gab im ärztlichen Zeugnis vom 1
2.
April 2012 an, d
ass der Beschwerdeführer vom 1.
bis zum 1
2.
April 2012 zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Vom 1
3.
bis zum 3
0.
April 2012 sei er zu 25
%
arbeitsunfähig. Dies betreffe aber nur admini
stra
tive Tätigkeiten. In der Küche betrage die Arbeitsunfähigkeit 100
%
(
Urk.
8/46/244).
Dr.
C._
– auf dessen Angaben die
Swica
für den Zeitraum vom 1
6.
Mai bis zum 3
1.
Dezember 2012
anscheinend
abstellte -
bezifferte die Arbeitsunfähigkeit
im Unfallschein UVG
ab d
em 1
6.
Mai 2012
bis auf Weiteres
auf 50
%
(
Urk.
8/46/203)
und
Dr.
A._
im Schreiben
vom
4.
März 2013
ebenfalls ab dem 1
6.
Mai
2012
,
bis auf Weiteres
auf 30
%
(vgl. E. 2.3
; vgl. auch
Urk.
8/33
)
. Dr.
A._
waren dabei mit Schreiben der
Swica
vom
1
4.
Novem
ber 2012
(
Urk.
8/46/165)
zwei von
Dr.
me
d. K._
, Fachärztin
Innere Medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) formulierte Zusatzfragen
(
Urk.
8/14 und
Urk.
8/44/4
)
unterbreitet worden
. Zum
einen
wurde er
ersucht, detaillierte An
gaben zum chronologischen und prozentualen Verlauf der Ar
beits
fähigkeit seit Beginn der 20%igen Einschränkung in der bisherigen Tätig
keit als Küchenchef und in einer angepassten Tätigkeit (inkl. Belastungsprofil)
zu machen
. Zum an
deren sollte
Dr.
A._
die vorhandenen Arztberichte würdigen, insbeson
dere bei Diskrepanzen in der A
rbeitsfähigkeit
.
Dr.
A._
hat diese
beiden
relevanten
Zu
satzfragen jedoch weder in den
Bericht
en
vom 2
6.
November 2012 (
Urk.
8/23)
und
vom 1
5.
Januar 2013 (
Urk.
8/46/140)
noch in den Schrei
ben
vom
1
8.
Februar 2013 (
Urk.
8/46/128)
und vom
4.
März 2013 (
Urk.
8/46/122)
beantwortet.
Angesichts
der
genannten stark voneinander ab
weichenden fachärztlichen Beurteilungen
zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers
wäre eine
Auseinandersetzung
Dr.
A._
mit
den vorhandenen Arztberichten
indes erforderlich gewesen.
Zudem fehlt vorliegend daher – offensichtlich – auch eine
eingehende ärztliche Beurteilung
der Zumutbarkeit ei
ner be
hinderungsangepassten Tätigkeit
mit entsprechendem
Belastungsprofil
.
Dr.
A._
ursprüngliche (und später korrigierte) Einschätzung
der Ar
beits
fähigkeit
im Ber
icht vom 2
6.
November 2012
war
im Übrigen insofern nicht nachvollziehbar, als er einerseits angegeben hatte, der Beschwerdeführer sei als Küchenchef
(
wieder
)
zu 100
%
arbeitsfähig,
andererseits aber bereits da
mals auch darauf hingewiesen hatte, dass sich die eingeschränkte Sicht bei s
ei
ner Arbeit auswirke (vgl. E. 2.3
).
3.4
Was den weiteren Verlauf anbelangt, sind
Dr.
I._
s Angaben
vage und eben
falls nicht sehr aussagekräftig, zumal sie
im Schreiben vom 18. September 2014
im Wesentlichen
lediglich
erklärte
, dass
– im Rahmen der Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers -
n
ur Staub (auch Mehl) vermieden werden
sollte
, damit
sich
dieser
nicht auf der Kontaktlinse
ablagere. Das eingeschränkte Stereosehen bedeute erhöhte Vorsicht im Umgang insbesondere mit scharfen/spitzen Ge
genständen und Utensil
ien. Im Weiteren wies Dr.
I._
in der Stellungnahme vom
8.
Oktober
2014
auch
darauf hin
, dass der Grad der Arbeitsfähigkeit ab
hängig sei von der möglichen Tragedauer der
neu angepassten
Kontaktlinse. Nähere Angaben
zur Verträglichkei
t konnte sie
damals jedoch
nicht machen (vgl. E. 2.6).
3.
5
Es ist somit festzuhalten, dass
die
praxisgemäss
entscheidenden Fragen
(vgl. E.
3.1) vorliegend von den involvierten Fachärzten nicht eindeutig beantwortet wurden. Insbesondere kann – entgegen der von der Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort vom 17. April 2015 nunmehr vertretenen Auffassung (Urk. 7
) – aufgrund der vorliegenden ärztlichen Angaben nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer bei Ablauf des Wartejahres
(Februar 2013) zumindest in einer angepassten Tätigkeit uneingeschränkt arbeits
fähig war. Davon, dass die Frage der Arbeitsfähigkeit ärztlicherseits auch im weiteren Verlauf nicht klar beantwortet wurde und weitere Abklärungen erfor
derlich sind, ging im Übrigen auch die
Swica
aus (vgl. E-Mail der
Swica
an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vom 24. November 2014, Urk. 3/3; vgl.
Urk. 8/46/2-3).
Die Sache ist daher in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die
Be
schwer
degegnerin
zurückzuweisen, damit diese
die Akten der
Swica
ab Novem
ber 2014 beizieht und hernach
selber abklärt ode
r gutachterlich abklären lässt,
in welchem Umfang dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als
Koch/
Küchenchef
und
eine behinderungsangepasste
Tätigkeit (wo
bei diesbezüglich ein detailliertes Belastungsprofil zu erstellen ist)
seit dem 1
1.
Februar 2012 noch zumutbar ist
,
und
danach
über sein
Rentenbegehren
neu verfügt.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
4.
4.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwer
t festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf
eine Prozessentschädigung
hat.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Ver
bi
ndung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierig
keit des Prozesses auf Fr. 1‘800
.-- (inkl.
Bar
aus
lagen
und
MWSt
) festzusetzen.