Decision ID: 810b955e-4af0-4b56-acc1-eaeff4d2f5db
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, meldete sich am 20. Dezember 2007 unter Hinweis auf
somatische und
psychische Beschwerden wegen eines
am Arbeitsplatz
erfolgten Angriffs am 15. September 2006
bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom
26. Januar 2009 (Urk. 7/45) bei einem Invaliditätsgrad von 100 %
rückwirkend
ab 1. September 2007
eine ganze Rente
zu.
Am 26. Januar 2011 (Urk. 7/57) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert.
1.2
Nach Eingang eines am
21. Februar 2014
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
7/59
) holte die IV-Stelle unter anderem bei
der
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
1. Dezember 2018 erstattet wurde (Urk. 7/91
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/98; Urk. 7/99; Urk. 7/102) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Sep
tember 2019 die Verfügung vom 26. Januar 2009 wiedererwägungsweise auf und stellte die bisher ausgerichtete ganze Invalidenrente ein (Urk. 7/105 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 17. Oktober 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 16. September 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine volle (richtig: ganze) Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, nach Durchführung der sich aufdrängenden Massnahmen neu zu entscheiden (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 21. November 2019 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 25. November 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Mit Gerichtsverfügung vom 4. Dezember 2019 (Urk. 12) wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
,
IVG)
.
1
.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach Art. 53 Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein vernünf
tiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser ein
zige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom 2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung kann das Gericht eine zunächst auf
Art.
17 ATSG gestützte Rentenaufhebung oder -herabsetzung gegebenenfalls mit der (substi
tuierten) Begründung schützen, dass die ursprüngliche (bzw. die letzte auf einer umfassenden materiellen Prüfung beruhende, vgl. BGE 140 V 514, 133 V 108) Rentenverfügung oder Mitteilung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei (BGE 144 I 103 E. 2.2, 140 V 85 E. 4.2, 125 V 368 E. 2, je mit Hinweisen; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invaliden
versi
cherung, 3. Auflage 2014,
Rn
77 zu Art. 30–31).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass die
Rentenzusprache
von 2009 zweifellos unrichtig gewesen sei.
Namentlich bestünden Zweifel über den Hergang der Auseinandersetzung vom 15. September 2006 am Arbeitsplatz der Beschwerdeführerin
, welche
Vor
kommnisse
einer
eingehenden Untersuchung bedurft
hätte
n
.
Auch hätten die damals gestellten psychiatrischen Diagnosen hinterfragt werden müssen. Da sich dieser Übergriff weder in strafrechtlicher Hinsicht noch durch entsprechende Befunde
habe
erhärten
lassen, bestünden erhebliche Zweifel, ob tatsächlich die Voraussetzungen für eine posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
erfüllt gewesen seien. Diese Zweifel seien derart offenkundig, dass eine eingehende Prüfung hätte durchgeführt werden müssen. Indem eine solche unterlassen worden sei, sei der Untersuchungsgrundsatz verletzt worden. Die
Rentenzu
sprache
vom 26. Januar 2009 erweise sich deshalb als zweifellos unrichtig, weshalb sie in Wiedererwägung zu ziehen sei (S. 2). Gemäss dem eingeholten polydisziplinären Gutachten leide die Beschwerdeführerin nicht an invalidenver
sicherungsrechtlich relevanten gesundheitlichen Einschränkungen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit. Es liege daher keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe (S.
2.
f
.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin a
uf den Standpunkt (Urk. 1), sie habe bereits vor dem Übergriff des Arbeitskollegen psychische Probleme gehabt, welche durch den Übergriff wieder verstärkt aufgekommen seien (S. 4).
Das eingeholte Gutachten gehe fälschlicherweise davon aus, dass am 15.
Septem
ber 2006 nichts R
elevantes passiert sei, weshalb sich auch keine gesu
ndheitlich nachteiligen Folgen hätten e
instellen können
(S. 6). Des Weiteren sei auf die Beurteilung des Psychoanalytikers
Z._
abzustellen, welcher sehr wohl immer die Diagnose einer PTBS gestellt habe (S. 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die ursprüngliche
Rentenzusprache
zweifellos unrichtig war und die wiedererwägungsweise Aufhebung der Rente rechtens ist.
3.
3.1
Der rentenzusprechenden Verfügung vom 26. Januar 2009 (Urk.
7/45
) lagen im Wesentlichen die folgenden Arztberichte zugrunde:
3.2
Mit Austrittsbericht vom 16. September 2006 (Urk. 7/4/10-11) berichteten die Ärzte des Spitals
A._
über den stationären Aufenthalt
der Beschwerdeführerin vom 1
5.
b
is 17. September 200
6.
Sie nannten als Diagnose eine Commotio cerebri und führten aus, die Beschwerdeführerin habe geschildert, dass sie am 15. Sep
tember 2006 bei der Arbeit von einem Arbeitskollegen (mit der rechten Hand)
am Hals
gepackt und rückwärts gegen die Wand gedrückt worden sei. Für einige Sekunden habe eine fragliche Bewusstlosigkeit bestanden. In der Folge habe die Beschwerdeführerin Schmerzen am Hinterkopf und am Nacken sowie Schwindel
und Übelkeit verspürt, weshalb sie sich zur Abklärung und Ausschluss einer Fraktur in Spitalpflege begeben habe (S. 1).
Die
Kurzhospitalisation
zur Commotio-Überwachung mit einem
Glasgow
Coma
Scale
(
GCS
)
von stets 15 sei problemlos verlaufen. Lediglich beim schnellen Aufstehen aus dem Liegen habe die Beschwerdeführerin über leichten Schwindel geklagt. Bezüglich der fraglichen Strangulation zeigten sich wäh
rend des Aufenthaltes
keine akuten pulmonalen Probleme
. Gegen 18.
00 Uhr habe die Beschwerdeführerin am
16. September 2006 das Krankenhaus
,
ohne auf den Austrittbericht und den Arzt zu warte
n
,
verlassen, sei indes gegen 21.
00 Uhr nach Auftreten von Nausea, Würgereiz, Schwindel und frontalen sowie temporalen Kopfschmerzen
wieder eingetreten
. Die neurologische Überwachung sei negativ ausgefallen. Am 17. September 2006 sei zum Aus
schluss einer intrazerebralen Pathologie eine Computertomographie (CT) des Schädels durchgeführt worden
, dies
ohne pathologischen Befunde. Gleichentags sei die Beschwerdeführerin in gutem Allgemeinzustand entlassen worden (S. 2).
3.3
Die Ärzte der Neurologischen Klinik am Universitätsspital
B._
berichte
ten am 11. April 2007 (Urk.
7/13/10-12). Als Diagnose nannten sie einen Ver
dacht auf eine
PTBS
nach Status nach tätlichem Übergriff am Arbeitsplatz am 15. September 2006, aktuell im Vordergrund stehende
funktionelle Beschwerden mit chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp, wechselnde, belastungsab
hängige Rücken- und
Extremitätenschmerzen
, chronische Müdigkeit sowie anamnestisch eine hypochrom
mikrozytäre
Anämie (S. 1).
Bei der Beschwerde
führerin sei es nach einem tätlichen Übergriff bei der Arbeit zu multiplen neuro
logischen Symptomen gekommen, zusätzlich zu psychischen Symptomen mit wiederkehrenden Angstgefühlen, Schlaf- und Durchschlafstörungen sowie einer depressiven Stimmungslage. Klinisch hätten keine objektivierbaren Ausfälle gefunden werden können. Neurologisch stehe für diese multiplen, wechselhaften Beschwerden, welche auch während der Untersuchung wiederholt und deutlich zum Vorschein gekommen seien
,
eine funktionelle Ursache im Vordergrund.
Bei der kürzlich gestellten Diagnose
ei
ner Anämie durch den Hausarzt sei
eine gewisse somatische Komponente der Kopfschmerzen wohl möglich, jedoch auf
grund des Gesamtkontextes eher wenig wahrscheinlich. Aufgrund der
seit
nun über 7 Monaten bestehenden Arbeitsunfähigkeit
sei die Beschwerdeführerin zum Ausschluss einer somatischen Ursache, insbesondere zur Frage nach
Demyelini
sationen
/posttraumatischen Veränderungen
,
für ein
e
Magnetresonanztomogra
phie (MRI) des Schädels angemeldet (S. 3).
3.4
Suva-Kreisarzt Dr. med.
C._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, gelangte
in seinem Bericht vom 9. November 2007 über die gleichentags erfolgte
kreisärzt
liche Untersuchung (Urk. 7/13/13-20 = Urk. 7/9/21-
25) zur Beurteilung, die Beschwerdeführerin leide an einem diffusen, von somatisch
er Seite her nicht eingrenzbaren
Schmerzsyndrom
mit
Zephalgi
en
, Nacken-
und Schulterschme
rzen beidseits mit Hinweisen auf
eine ausgedehnte Selbstlimitierung. Nach einem nach Aktenlage sehr fra
glichen
Ereignis mit Gewalteinwirkung auf die Versicherte (widersprüchlichste Zeugenaussagen)
finde er heute eine Beschwerdeführerin vor, bei welcher die psychische Problematik absolut im Vordergrund zu stehen scheine.
Am gleichen Tag der Gewalteinwir
kung seien bei den klinischen Untersuchungen keinerlei Hinweise auf eine äussere Gewalteinwirkung gefunden worden. Sämtliche durchgeführten Mass
nahmen hätten zudem keinen Hinweis auf irgendwelche organische
n
struktu
relle
n
Läsionen ergeben. Die heutige Untersuchung habe zudem sehr deutliche Hinweise auf eine ausgeprägte Selbstlimitierung gegeben. Aufgrund der Umstände, wonach es aufgrund der Untersuchungen vom 15. September 2006 im Spital
A._
sowie der Situation, dass hierbei keinerlei äusseren Folgen von Gewalteinwirkungen festgestellt und keinerlei strukturelle
n
Läsionen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) und des Schädels gefunden worden seien, könne es seiner Meinung nach nicht zu einer erheblichen traumatischen Gewalteinwirkung gekommen sei
n
. Die psychische Situation stehe gegenwärtig eindeutig im Vor
dergrund. Ob diese jedoch t
atsächlich dem Ereignis vom 15.
September 2006 zu
geordnet werden
könne, sei fraglich. Auch hinter der Diagnose einer PTBS des Psychiatriezentrums
D._
erlaube er sich
,
einige Fragezeichen zu
stellen (S. 4 Mitte)
.
Aus rein somatis
cher Sicht bestehe keine Einschränkung für eine ganztags durch
zuführende
,
mittelschwere Tätigkeit (S. 4 am Schluss).
3.5
Die Beschwerdeführerin liess sich vom 28. August 2006 bis 10. August 2007 ambula
nt psychiatrisch im Psychiatriez
entrum
D._
behandeln. Die Ärzte
nannten in ihrem Abschlussbericht vom 15. August 2007 (Urk. 7/8/2-8) die fol
genden Diagnosen (S. 6 f.):
-
PTBS (IC
D
-10 F43.1)
-
psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren (Entwurzelung, Analphabetismus, geringe Deutschkenntnisse, tiefes Bildungsniveau)
-
beginnende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
leichtgradige Intelligenzminderung (ICD-10 F70)
Die Kontaktaufnahme sei zunächst zur Beurteilung des psychischen Gesundheits
zustandes und der intellektuellen Ressourcen im Zusammenhang
mit einem abgelehnten Einbürgerungsgesuch
erfolgt
. Zuhanden der Einbürgerungsge
meinde sei ein Kurzgutachten erstellt worden, in welchem dargelegt worden sei, dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht aufgrund ihrer einge
schränkten
intellektuellen Leistungsfähigkeit nicht in der Lage sei, einen Grossteil der in den Einbürgerungstests gestellten Fragen zu beantworten. Auch nach Abschluss dieser Abklärungen habe die Beschwerdeführerin gewünscht, weiterhin in ambulante Behandlung zu kommen
, dies
wegen einer ängstlich-depressiven Entwicklung im Rahmen einer Mobbing-Situation am Arbeitsplatz. Aufgrund der Befunde und Anamnese sei man zu diesem Zeitpunkt von einem eher le
ichtgradig ängstlich-depressiven
Störungsbild im Sinne der Diagnose Angst und Depression gemischt (ICD-10 F41.2) ausgegangen
(S. 4 oben)
.
Am 15. September 2006 sei die Beschwerdeführerin Opfer einer tätlichen Attacke eines Arbeitskollegen geworden. Die genauen Ums
tände dieses Übergriffes hätten
nicht eruiert werden können, da die Aussagen der Beschwerdeführerin und fremdanamnestische Angaben einander teilweise
widersprochen hätten (S. 4 unten). Im Verlauf habe die Beschwerdeführerin relativ rasch die vollständige Symptomatik einer PTBS entwickelt, wobei auch die Bedrohung durch Soldaten als 7
-
oder 8-jähriges Mädchen in der Türkei wieder in Erinnerung gerufen wor
den sei. Ein Arbeitsversuch im 50%-Pensum habe im Februar 2007 abgebrochen werden müssen.
Nebst der PTBS habe sich auch eine ausgeprägte Depression ent
wickelt, ebenso eine somatoform
e Schmerzstörung mit Schmerzau
sweitung (S. 5).
Seit dem gescheiterten Arbeitsversuch im Februar 2007 sei die Beschwerdeführe
rin nicht mehr arbeitsfähig gewesen (S. 6 unten).
3.6
Dem
am 11. März 2008 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen Bericht von Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und Dr. med.
F._
(Urk. 7/12)
,
lässt sich die folgenden Diagnosen entnehmen (Ziff. 1.1):
-
PTBS (ICD-10 F43.1), bestehend seit 2006
-
Anpassungsstörungen (ICD-10 F43.2), bestehend seit Juli 2007
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwergradige Episode (ICD-10 F43.2), bestehend seit Juli 2007
-
anhaltende somatoforme Störung (ICD-10 F45.5), bestehend seit Juli 2007
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), bestehend seit Juli 2007
-
soziale Phobien (ICD-10 F40.1), bestehend seit Juli 2007
-
Klaustrophobie (ICD-10 F40.2), bestehend seit Juli 2007
Die Beschwerdeführerin werde seit dem 21. Juni 2007 in der Praxis behandelt (Ziff. 3.1) und es bestehe
aktuell wie auch in absehbarer Zeit
eine vollständige Arbeits
unfähigkeit (Ziff.
2), weshalb eine
100%ige
IV-Rente beantragt werde (Ziff. 5.1).
3.7
Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
nannte in seinem B
ericht
vo
m 14. März 2008 (Urk. 7/13/21-22)
als Diagnosen eine Commotio cerebri, posttraumatische Kopf-, Nacken, Schulter-, Arm und Rückenschmerzen sowie eine PTBS mit Schlaflosigkeit, Depression, Angstzuständen
,
bestehend seit 15. September 2006 (Ziff. 2).
Die Beschwerdeführerin sei am 15. September 2006 bei der Arbeit von einem Arbeitskollegen am Hals gepackt und rückwärts gegen die Wand gedrückt worden. Die Erstversorgung sei im Spital
A._
erfolgt.
D
em Bericht sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin für einige Sekunden bewusstlos gewesen sei. Anschliessend habe sie Schmerzen am Hinterkopf und am Nacken verspürt mit Schwindel und Übelkeit. Im weiteren Verlauf hätten sich ihre Beschwerden bis heute als ziemlich therapieresistent gezeigt. Neben den körperlichen Beschwerden seien bei ihr Angstzustände mit Panikattacken aufge
treten und sie sei zunehmend depressiv geworden (Ziff. 4.3). Auf
g
rund der Untersuchung des Suva-Krei
sarztes vom 19. November 2007 wü
rde
ein kausaler Zusammenhang mit den jetzigen somatischen Beschwerden und dem damal
s erfolgten Trauma verneint. Auch
die Diagnose einer PTBS werde vom untersu
chenden Arzt in Frage gestellt. Die Beschwerdeführerin sei heu
tzutage nach wie vor wegen ihrer
somatischen und psychischen Beschwerden nicht arbeitsfähig. Sie werde intensiv sowohl psychiatrisch als auch medikamentös und mit physi
kalisch-therapeutischen Anwendungen behandelt (Ziff. 4.3).
3.8
In
ihrer
Beurteilung vom 21. Juli 2008 (Urk. 7/19
S.
4) hielt RAD-Ärztin Dr. med.
H._
, Fachärztin für Chirurgie, fest, aufgrund der Einschränkungen (verlangsamt, eingeengt, ängstlich, ausgeprägte Schuldgefühle) könne ein IV
relevanter Gesundheitsschaden angenommen werden. Analog
der Beurteilung durch
Dr.
E._
und
das
Psychiatriezentrum
D._
sei seit dem 15. September 2006 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit auszuge
hen. Im Leistungsfall solle folgende Schadenminderungspflicht auferlegt werden: Fortführung der fachärztlichen Therapie mit Revision in zwei Jahren.
4.
4.1
Im
ab Februar 2014 eingeleiteten
Revisionsverfahren
(vgl. Urk. 7/59)
lagen die folgenden medizinischen Akten vor:
4.2
Dr.
G._
ergänzte in seinem Bericht vom 4. April 2014 (Urk. 7/61) seine bislang gestellten Diagnosen um Übelkeit und Schwindel (Ziff. 1.1) und hielt die Beschwerdeführerin bis auf Weiteres für vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6).
4.3
Der seit dem 9. Januar 2012 die Beschwe
rdeführerin behandelnde
med.
pract
.
I._
nannte in seinem Bericht vom 16. April 2014 (Urk. 7/62) die folgenden Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode seit 2007 (ICD-10 F33.1)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung seit 2007 (ICD-10 F45.5)
-
PTBS seit 2006 (ICD-10 F43.1)
-
s
oziale Phobien seit 2008 (ICD-10 F40.1)
-
ä
ngstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, wahrscheinlich seit Jugendalter (ICD-10 F60.6)
Die Prognose sei vor dem Hintergrund des mehrjährigen Verlaufs der depressiven Symptome, sozialphobische
r
Züge, ängstlich-vermeidende
r
Persönlichkeits
stö
rung, anhaltende
r
somatoforme
r
Schmerzstörung kombiniert mit Migrationshin
tergrund und Desintegration in die Gesellschaft im Sinne eines Entwurzelungs
syndroms als ungünstig zu bezeichnen. Durch eine engmaschige Behandlung und Betreuung könnten möglicherweise Krisen und Selbstgefährdung vermieden werden (Ziff. 1.4). Aktuel
l
erfolge eine integrierte psychiatrisch-psychotherapeu
tische Behandlung mit stützender Gesprächstherapie in 2-wöchentlichen Abstän
den, bei krisenhafter Verschlechterung auch häufiger, sowie medikamentöse Therapie (Ziff. 1.5).
Es sei bisher mehrmals eine Behandlung im stationären Rahmen thematisiert worden. Aufgrund ihrer ängstlich-vermeidenden und miss
trauischen Persönlichkeitsstruktur sowie teilweise aufgrund der Sprachbarriere sei ein stationärer Aufenthalt von der Beschwerdeführerin als unmöglich ange
sehen und abgelehnt worden (Ziff. 1.11).
Die Beschwerdeführerin sei nicht leistungsfähig und es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit 2007 (Ziff. 1.6 f.). Sie könne keine Leistungen erbringen, weder in der freien Marktwirtschaft noch in einem Beschäftigungsprogramm. Die Angst und depressiven Symptome
, die starke Antriebsminderung und
die Angst vor Kontakt mit anderen Menschen hinder
t
e
n
sie weiterhin
an
einer adäquaten Kommunikation mit anderen Menschen und beeinträchtigten somit die Arbeits
aufnahme. Durch die deutliche Vermeidung sozialer Situationen und emotionale Belastung aufgrund der Einsicht, dass ihr Verhalten unvernünftig und übertreiben sei, komme sie permanent in innerseelische Konfliktsituationen, was sie perma
nent unter Druck bringe und eine vernünftige Leistungserbringung verhindere. Es sei von einer deutlichen Progredienz der Erkrankung auszugehen (Ziff. 1.11).
4.4
Dr.
G._
berichtete der Beschwerdegegnerin am 28. April 2017 (Urk. 7/72) und nannte als Diagnosen eine PTBS mit
Angst und
Depression, Panikattacken,
Schwindel, Schlafstörungen, Übelkeit, Erbrechen,
Atembeschwerden
,
eine post
traumatische
Ze
phal
- und
Zervikobrachialgie
sowie
Rücken
/Handgelenk
beschwerden
(Ziff. 1.2). Die Beschwerdeführerin habe zunehmend Schmerzen, vermehrt
e
Panikattacken und sei zunehmend isoliert (Ziff. 1.3).
Sie sei nicht mehr arbeitsfähig, auch nicht in einer leidensangepassten Tätigkeit (Ziff. 2.1).
4.5
Der behandelnde Psychologe,
lic.
phil.
Z._
, erstellte seinen Bericht am
3. Mai 2017 (Urk. 7/71). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1):
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, seit 2007 (ICD-10 F33.1)
-
a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung seit 2007 (ICD-10 F45.5)
-
PTBS seit 2006 (ICD-10 F43.1)
-
s
oziale Phobien seit 2008 (ICD-10 F40.1)
-
ä
ngstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, bestehend seit wahr
scheinlich Jungendalter (ICD-10 F60.6)
Die
Beschwerdeführerin könne die erwarteten Lei
s
tungen weder in der freien Wirtschaft noch in den sozialen Beschäftigungsprogrammen erbringen. Die depressiven Symptome, die Angstzustände sowie das Vermeiden der Kontaktauf
nahme zur Aussenwelt verhinder
te
n
eine Teilnahme
am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben (Ziff. 2).
Die Beschwerdeführerin
nehme
an den
psycho
therapeutischen Sitzungen alle zwei Wochen teil (Ziff. 7). Aufgrund de
s chroni
fizierten Zustands sei
eine schnelle Genesung nicht möglich. Die Beschwerde
führerin verfüge nicht über ausreichende Ressourcen, um von der angebotenen Therapie zu profitieren. Ihr persönlicher Hintergrund und ihre Sozialisation ver
hinderten den positiven Effekt einer Gesprächstherapie. Die bisherigen therapeu
tischen Massnahmen hätten ebenfalls verdeutlicht, dass die therapeutischen Massnahmen
nicht sehr viel
zur Genesung
h
ätt
en
beitragen
können. Die depressive Störung sei therapieresistent (Ziff. 8).
4.6
RAD-Ärztin
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
nahm am 14. Mai 2018 Stellung (Urk. 7/97/3-4). Die Diagnose einer PTBS sei schon im Arztbericht von Dr.
F._
nicht mehr gestellt worden. Warum sie nun erneut gestellt werde, könne nicht nachvollzogen werden, da absolut nicht klar sei, ob die Diagnose jemals gerechtfertigt gewesen sei. Von Anfang an sei es nicht klar gewesen, ob überhaupt ein «Überfall» vorgefallen sei. Insgesamt könne knapp eine mittelgradige depressive Symptomatik nachvollzogen werden. Hier
mit müsste jedoch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit möglich sein. Auffallend sei, dass sich die Beschwerdeführerin erst wieder in Therapie begeben habe, nachdem sie von der Rentenrevision in Kenntnis
gesetzt worden sei. Insgesamt könne Aggra
vation/Simulation bei sekundärem Krankheitsgewinn nicht ausgeschlossen wer
den. Zur Klärung der Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit werde die Durchführung eines polydisziplinären Gutachtens empfohlen (Urk. 7/97/3-4).
4.7
Infolge eines Autounfalles am
26.
Mai 2018 wurde die Beschwerdeführerin am 28. Mai 2018 notfallmässig im
B._
, Institut für Notfallmedizin, behandelt. Die Ärzte nannten in ihrem Austrittsbericht vom 28. Mai 2018 (Urk. 7/91/20-22) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
leichtes Schädelhirntrauma vom 26. Mai 2018
-
Halswirbelsäulen (HWS)-Distorsion vom 26. Mai 2018
-
Acromioclavicular
(
AC
)
-Gelenksluxation Typ
Rockwood
II links (
adomi
nant
) vom 26. Mai 2018
Die Beschwerdeführerin
habe sich am 28. Mai 2018 aufgrund von Schulter
schmerzen, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Übelkeit, einmalige
m
Erbrechen bei Status nach Autounfall
vom
26. Mai 2018 notfallmässig selbst vorgestellt.
Sie habe berichtet, dass ein Auto in die rechte Seite ihres
Wagens
gefahren sei. Sie sei Beifahrerin gewesen (S. 1). Radiologisch
zeige sich eine AC-Gelenksluxation bei blandem CT-Schädel/HWS. Der Beschwerdeführerin sei eine
Mitellaschlinge
angelegt und sie mit Analgesie nach Hause entlassen worden (S. 2).
4.8
Am 1. Dezember 2018 erstatteten die
Ärzte der
Y._
im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten (Urk. 7/91).
Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 8 ff.) und ihre am
16. August, 7. September sowie 16
.
und 19. Oktober 2018
erhobenen
psychiatrischen (S. 19 ff.), orthopädi
schen (S. 33 ff.), internistischen (S. 44 ff
.), neurologischen (S. 53 ff.) und
neu
ropsychologischen (Urk. 7/91/72-
78)
Befunde
. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), und soziale Phobien (ICD-10 F40.1
; S. 6 Ziff. 2.4
).
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurde
n
au
fgeführt (S. 6 Ziff. 2.5):
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
-
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung und atypische famili
äre Situation (ICD-10 Z60)
-
endphasig schmerzhafte Funktionseinschränkung der HWS bei myogenem paravertebralen Verspannungssyndrom des Schultergürtels und der
parascapularen
Sehnenansätze
-
endphasig schmerzhafte Funktionsbeeinträchtigung der Lendenwirbel
säule (LWS) bei leichtem
spondylogenen
Schmerzsyndrom
facettogenen
Charakters mit minimaler Bewegungseinschränkung, freier
Entfaltbarkeit
aller Wirbelsäu
lenanteile, leichtem
Druckschmerz der Dornfortsätze im thorakalen und lumbalen Bereich
-
leichtes Übergewicht
In der Konsensbeurteilung führten die Gutachter aus, d
ie Beschwerdeführerin sehe sich als vollständig arbeitsunfähig und auch im Lebensalltag als erheblich eingeschränkt. Als Ursache werde ein Ereignis am Arbeitsplatz, konkret eine tätliche Auseinandersetzung mit einem Mitarbeitenden, im Jahr 2006 geschildert
, welche
aus ihrer Sicht für erhebliche psychiatrische und somatische Beschwerden
auslösend gewesen sei
.
In der aktuellen Begutachtung zeigten sich vielfältige Inkonsistenzen, Verdeutlichungstendenzen und durchgehend hochgradig auffäl
lige Ergebnisse in Symptomvalidierungstests. Die vorliegenden neuropsychologi
schen Befunde seien ohne eine erhebliche zugrundeliegende hirnorganische Problematik nicht einzuordnen. Mit dem aktuellen kognitiven Potential wäre die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen, ohne fremde Hilfe einer berufli
chen Tätigkeit im ersten Arbeitsma
rkt
nachzugehen. Die Beschwerdeführerin zeige Minderleistungen in allen untersuchten Bereichen. Es habe aber zu keinem Zeitpunkt der Eindruck
be
standen, dass bei der Beschwerdeführerin eine Intelligenz
minderung oder andere kognitive Störungen
vorliegen könnten
. Diese Feststellungen sprächen zweifelsfrei für ein nicht valides Untersuchungsergebnis. Unter Berücksichtigung dieses Ergebnisses müsse davon ausgegangen werden, dass auch die Beschwerdeschilderung bei der psychiatrischen und den somati
schen Untersuchungen nicht valide gewesen seien und Symptome nicht in dem Masse bestünden, wie sie ges
childert worden seien (S. 5 Ziff. 2.3 oben).
Nach eigener Untersuchung und sorgfältiger Durchsicht aller vorliegenden Unterlagen könne
aus psychiatrischer Sicht
retrospektiv angenommen werden, dass zu keinem Zeitpunkt die Diagnosekriterien einer PTBS erfüllt gewesen seien. Zum jetzigen Zeitpunkt seien die Diagnosekriterien einer
depressiven Episode nicht mehr erfüllt, die Beschwerdeführerin nehme auch keine Psychopharmaka mehr ein. Es sei von einer erheblichen psychosozialen Belastungssituation
vor dem Hintergrund soziokultureller Probleme
auszugehen.
Unter Berücksichtigung der Biographie der Beschwerdeführerin sei von einem klassischen primären Krankheitsgewinn zu sprechen (S. 5 Ziff. 2.3 Mitte). Durch die geklagten Schmerzen sei sie nicht nur von ihrer Berufstätigkeit entpflichtet worden, sondern auch von allen Aufgaben innerhalb der Familie. Mittlerweile sei sie aber im Ver
lauf der Jahre aus dem Familienverband ausgegrenzt worden (S. 6 Ziff. 2.6).
Die aktuellen Ergebnisse aus den somatischen Fachgebieten zeigten keine rele
vanten Einschränkungen (S. 5 Ziff. 2.3
am Schluss
).
Weder psychiatrisch noch somatisch bestünden medizinisch begründet relevante Einschränkungen für die Ausführung der angestammten Tätigkeit, mithin liege eine vollständige Arbeitsfähigkeit vor (S. 6 f. Ziff. 2.9 ff.).
Zum Revisionsverfahren wurde von den Gutachtern ausgeführt, eine Verände
rung des Gesundheitszustandes sei nicht zu benennen. Die Beschwerdeführerin beklage nach wie vor
über
subjektive körperliche und psychiatrische Einschrän
kungen. Aktuell liessen sich klare Tendenzen zur Symptomverdeutlichung fest
stellen. Eine rückwirkende Betrachtung der früher gemachten Feststellungen gestalte sich schwierig. Es sei nicht eindeutig darzulegen, ob und wann ja, in welchem Schweregrad medizinisch begründete Einschränkungen vorgelegen hätten
(S. 7 Ziff. 2.12)
.
4.9
RAD-Ärztin Dr.
J._
hielt in ihrer Stellungnahme vom 12. D
e
zember 2018 (Urk. 7/97
S.
5
f.
) fest, eine Veränderung des Gesundheitszustandes sei nicht zu benennen. Aus versicherungsmedizinischer Sicht werde empfohlen, auf das Gut
achten abzustellen. Auch
RAD-Arzt Dr. med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
erachtete
mit Stellungnahme vom 14. Dezember 2018 das eingeholte Gutachten für beweistauglich und die Beschwerdeführerin als vollständig arbeitsfähig für
eine
wechselbelastend leichte bis mittelschwere Tätigkeit
(Urk. 7/97
S. 4 f.
).
4.10
Mit Bericht vom 31. Mai 2019 (Urk. 3) führte
der
Psychologe
Z._
aus, die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem 15. April 2016 bei ihm in psychiatri
scher und psychotherapeutischer Behandlung.
Er nannte die gleichen Diagnosen wie in seinem Bericht vom 3. Mai 2017 (vg
l. vorstehend E. 4.5
).
Zu der im Gut
achten geäusserten Kritik stellte er fest, dass er
aus näher ausgeführten Gründen
sehr wohl eine PTBS diagnostiziert habe und
auf
somatische Beschwerden der Beschwerdeführerin eingehe beziehungsweise
diese
beschreibe (S. 2 ff.). Die Kriterien der depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, seien erfüllt, jedoch habe der Gutachter die Angaben der Beschwerdeführerin nicht ernst genommen (S. 4 f.). Das Gutachten sei nicht tiefgründig, nicht objektiv und erfasse die aktuellen Beschwerden ungenügend. Die Beschwerdeführerin habe sich während der Begutachtung unwohl sowie nicht verstanden gefühlt. Sie sei im Alltag in allen Bereichen eingeschränkt und könne in diesem Zustand im ersten Arbeitsmarkt nicht beschäftigt werden (S. 5).
5.
5.1
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit - als Schranke für ein wiedererwä
gungsweises Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Leistungszuspre
chung - ist rechtsprechungsgemäss so zu handhaben, dass die Wiedererwägung nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung von Dauer
leistungen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung entspricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglicher besserer Einsicht der Durchführungs
organe jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können (Urteil des Bun
desge
richts 8C_336/2017 vom 11. Oktober 2017 E.
3.3).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebende Bestimmungen nicht oder unrichtig ange
wandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung notwen
digerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräf
tigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zwei
felloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein ein
ziger Schluss derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denkbar (Urteil des Bun
desgerichts 8C_111/2019 vom 14. Juni 2019 E. 4.2, BGE 138 V 324 E.
3.3).
Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung kann (auch) bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein. Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Eine auf keiner nachvoll
ziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entsprechende Verfügung zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne (Urteil des Bundesge
richts 9C
_362/2017 vom 8. August 2017 E.
2.1
; vgl. auch vorstehend E. 1.2
).
5.2
Zu prüfen ist demnach, ob die gestützt auf die medizinische Stellungnahme von Dr.
H._
vom
21. Juli 2008 (vgl. vorstehend E.
3.8
) erfolgte Annahme einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in allen Tätigkeiten und die daraus rückwirkend ab 1. September 2007 folgende Zusprache einer ganzen Invalidenrente mit Verfügung vom
26. Januar 2009 (Urk. 7/45) als zweifellos unrichtig einzustufen ist.
Qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung unter anderem, wenn ihr ein unvollstän
diger Sachverhalt zugrunde liegt, so wenn - wie hier - eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dazu führte, dass die Invaliditätsbemessung nicht auf einer nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruht. So stellt die Stellungnahme von
Dr.
H._
vom 21. Juli 2008 (vgl. vorstehend E.
3.8
)
aus den nachfolgend aufgeführten Gründen keine taugliche Grundlage für die
Rentenzusprache
dar.
5.3
Dr.
H._
folgte der Lei
s
tungsbeurteilung von Dr.
F._
im Bericht vom 11. März 2008, welche
r
bei den Diagnosen PTBS, Belastungs- und Anpassungs
störungen, rez
i
divierende depressi
v
e Störung, anhaltende somatoforme Schmerz
störung, generalisierte An
g
ststörung
, soziale Phobien
und
Klaustrophobie
in der bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsf
ähigkeit ab Juli 2007 verneinte (vgl. vorstehend E. 3.6).
Namentlich die Hauptdiagnose
PTBS erscheint aus mehreren Gründen nicht gesichert. Erstens bestehen erhebliche Ungereimtheiten beziehungsweise Wider
sprüche in der Schilderung zum erfolgten Angriff/Übergriff
am Arbeitsplatz
vom 15. September 200
6.
So habe
-
gemäss Schilderung der Beschwerdeführerin
-
der Täter sie am Hals gepackt, gewürgt und rückwärts gegen die Wand gedrückt (Urk. 7/8 S. 4). Demgegenüber
hat
eine Zeugin berichtet, es habe eine verbale Auseinandersetzung gegeben, wobei die Beschwerdeführerin den Täter laut beschimpft habe, woraufhin dieser lediglich die linke Hand auf die Schulter der Beschwerdeführerin gelegt und mit der rechten Hand gegen die Wand geklopft habe. Dabei
sei
die Beschwerdeführerin erschrocken
, zurückgetreten und habe sich den Kopf an der Wand angeschlagen
. Eine Tätlichkeit habe nicht vorgelegen und der ganze Ablauf sei eine Lappalie
(Urk. 7/13/13-14).
Auch in der Suva
-Schadenmeldung UVG
vom 13. Oktober 2006
wurde zu diesem Ereignis nur fest
gehalten, dass während eines Gesprächs mit dem Schichtleiter und anderen Mit
arbeitern die Beschwerdeführerin habe zurücktreten wollen und sich dabei d
en Kopf angeschlagen habe (Urk.
7/9/106). Von einer tätlichen Auseinandersetz
ung wurde indes nicht berichtet.
Nebst
diesen
widersp
rüchliche
n
Aussagen zum Ereignishergang
fehlt
auch ein formelles Strafverfahren.
Zwar gab die Beschwerde
führerin an, einen Strafantrag gestellt zu haben
, dieser wurde jedoch von ihr wieder zurückgezogen (
vgl.
Urk. 1 S. 5
; Urk. 7/8 S. 4
), weshalb auch
von Seiten der Strafverfolgungsbehörden keine Untersuchung geführt
wurde.
Schliesslich wird eine PTBS definitionsgemäss nur anerkannt, wenn sie nach einem Ereignis
mit aussergewöhnlichen Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass auftritt, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde
, womit
die Leistungsberechtigung in der Invalidenversicherung zwangsläufig eine gewisse Objektivierung
verlangt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_671/2012 vom
1
5.
November 2002 E. 4.3)
,
was gestützt auf die dargelegten Schilderungen
indes
nicht angenommen werden kann.
Zweitens
sind keine Verletzungen aus diesem Angriff festgestellt worden. Die Ärzte
des Spitals
A._
erhoben
am gleichen Tag
keine Befunde
, nicht einmal solche
, welche
typischerweise bei dem
von der Beschwerdeführerin
geschildeten
Tathergang
von körperlicher Gewalt
zu erwarten gewesen wären
, wie zum Bei
spiel Petechien, Hämatome oder Abschürfungen am Hals
(
Urk. 7/4/10)
.
Auch die Suva-Schadenmeldung
vom
13. Oktober 2006 (
Urk.
7/9/106) gab als Verletzung nur eine Prellung des Schädels an (Ziff. 9).
Schliesslich verneinte auch Kreisarzt Dr.
C._
in seiner Untersuchung vom 9. September 2007 Hinweise auf eine äussere Gewalteinwirkung und das Vorliegen von organischen strukturellen Läsionen (vgl. vorstehend E. 3.4).
Drittens
haben die Gutachter der
Y._
nach eigene
n
Untersuchung
en
und sorgfältiger Durchsicht aller vorliegenden Unterlagen retrospektiv eine PTBS zu keinem Zeitpunkt als erfüllt erachtet (vgl. vorstehend E.
4.8
)
, welche Diagnose auch schon der Kreisarzt in seiner Beurteilung vom 9. November 2007 in Frage gestellt hatte (vgl. vorstehend
E.
3.4
). Indem das Psychiatriezentrum
D._
die diagnostizierte PTBS
ursächlich auf den Übergriff vom 15. September 2006 zurückführte
(vgl. vorstehend E. 3.5)
, sind nach dem Gesagten die Zweifel derart offenkundig, dass sie schon damals zu eingehenden Untersuchungen hätten Anlass geben sollen.
5.4
Darüber h
inaus
fehlt in der Beurteilung durch D
r.
H._
eine gründliche Aus
einandersetzung mit den übrigen psychiatrischen Diagnosen gemäss den
Berich
ten der behandelnden Ärzte Dr.
F._
(vgl. vorstehend E. 3.6)
und des Psychiatriezentrums
D._
(vgl. vorstehend E.
3.5)
.
Dies n
amentlich vor dem Hin
tergrund
der seinerzeit gültigen Rechtsprechung, wonach
somatoforme Schmerz
störungen und vergleichbare psychosomatische Leiden (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342) in der Regel keine lang dauernde, zu eine
r Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs.
1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit
bewirken
vermöchten
(BGE 130 V 352),
leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven For
menkreis
als
in der Regel therapierbar
galten
und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führ
t
en (vgl. Urteile des Bundesge
richtes 9C_836/2014 vom 2
3.
März 2015 E. 3.1, 9C_474/2
013 vom 2
0.
Februar 2014 E. 5.4
)
sowie
dass
bei Befunden, die
in
psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben
ist
(BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bun
desgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E.
2).
Aktenkundig wurden bei der
Beschwerdeführerin
schon damals
aus
geprägte psy
chosoziale Umstände
(Entwurzelung, Analphabetismus, geringe Deutschkennt
nisse, tiefes Bildungsniveau; vgl. vorstehend E. 3.5)
erhoben und Selbstlimi
tierungen
(vgl. vorstehend E. 3.4)
festgestellt.
Diesbezüglich hätte der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin zweifelsfrei zu weiteren medizinischen Abklärungen Anlass geben müssen.
5.5
Aufgrund des Gesagten
er
ging
die rückwirkend ab
September 2007
erfolgte Zusprache einer
ganzen Invalidenrente
mit Verfügung vom
26. Januar 2009 (Urk. 7/45)
in offenkundiger Verletzung des im Sozialversicherungsrecht allge
mein geltenden Untersuchungsgrundsatzes im Sinne mangelhafter Sachverhal
ts
abklärung (vgl. vorstehend
E. 5.1
) und ist damit als zweifellos unrichtig einzu
stufen. Da deren Berichtigung angesichts des geldwerten Charakters der Leistung von erheblicher Bedeutung ist, war die Verwaltung unter dem Blickwinkel der Wiedererwägung befugt, darauf zurück
zukommen (vgl. vorstehend E. 1.2
).
Damit wird
auch die später - ohne materie
lle Anspruchsprüfung - ergangene Mitteilung
, der Rentenanspruch sei unverändert
(vgl. Urk. 7/57)
, hinfällig
.
6.
6.1
Sind die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung erfüllt, müssen die Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs pro
futuro
geprüft werden. Wie bei einer
materiellen Revision nach Art. 17 Abs.
1 ATSG ist auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad zu ermitteln (Urteil des Bundesgerichts 8C_111/2019 vom 14
. Juni 2019 E.
4.2).
6.2
Was einen allfälligen aktuellen Rentenanspruch betrifft, ist auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im 2018 erstatteten
Y._
-Gutachten (vorstehend E.
4.8
) abzustellen, das alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.
3
)
erfüllt
und im psychiatrischen Teil (Urk. 7/91 S. 19 ff.) ausführlich auf die mit BGE 141 V 281 etablierten Standardindikatoren Bezug nimmt.
Überdies wäre bei dieser Ausgangslage die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach den massgeblichen Sta
n
dardindikatoren zumindest frag
lich. Denn die
Gutachter haben nicht nur eine
zumindest bewusstseinsnahe Steuerung der Beschwerden konstatiert, sondern es finden sich durchgehend ärzt
lich dokumentierte erhebliche Diskrepanzen zwischen den Schmerzschilde
rungen, den während der Untersuchungen erhobenen Befunde
n
und dem
gezeig
ten Verhalten
, mithin l
ie
gen
durchaus
Inkonsistenzen vor
(vgl.
Urk. 7/91 S. 5 ff,
S. 28
,
S. 41
, S. 50, S. 61
; Urk. 7/91/77
)
.
Aus somatischer Sicht
bestehe gemäss Gutachter
aufgrund der
fehlenden
organischen Befunde in der bisherigen Tätig
keit
eine vollständige
Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/91 S. 6)
. Im Übrigen erhoben die Experten aber weitestgehend Befunde, die im
aggravatorischen
Verhalten ihre hinreichende Erklärung finden (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a S. 299
; vgl. auch RAD
Stellungnahme vom Mai 2018, E. 4.6
), namentlich schlossen sie eine erhebliche
psychische Beeinträchtigung aus beziehungsweise erachteten eine rezidivierende depressive
Störung als remittiert und wiesen auf eine psychosoziale Belastungs
situation vor dem Hintergrun
d soziokultureller Probleme hin.
Bei
gutachterlich geschilderten Symptomverdeutlichung,
den festgestellten
Inkonsistenzen
und klaren Tendenzen zur Aggravation
wäre
ein strukturierte
s
Beweisverfahren über
flüssig (
vgl. BGE 141 V 281 E.
2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9
C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E.
4.4).
Demnach bestehen medizinisch begründet wede
r
psychiatrisch noch somatisch relevante Einschränkungen, mithin besteht in der angestammten Tätigkeit sowie Verweistätigkeiten ein
e vollständige Arbeitsfäh
igkeit (vgl. vorstehend E. 4.8),
wie dies auch
die Ärzte des RAD
festhielten
(vgl. vorstehend E. 4.9).
Die Kritik der Beschwerdeführerin an der durchgeführten orthopädischen Begut
achtung (vgl. Schreiben vom 12. September 2018, Urk. 7/85) erweist sich gestützt auf die nachvollziehbare Stellungnahme der
Y._
mit Eingang 10. Dezember 2018 (Urk. 7/93) als
unbegründet
.
6.3
Auch die
übrigen medizinischen Berichte
–
soweit
sie
nicht ohnehin das
Gut
achten
stützen
-
vermögen d
essen
Beweiskraft nicht zu erschüttern.
Einerseits ist in
Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc),
was
insbesondere in noch ausgeprägterem Masse im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie, welche von einem besonders ausgeprägten Vertrauensverhältnis zwischen behandelnder und therapierender Person geprägt ist,
zutrifft. An
derer
seits verfügt
Psychologe
Z._
ü
ber keinen Facharztt
itel. Zudem wi
e
sen sowohl
med.
pract
.
I._
, dessen Bericht aus dem Jahr 2012 ohnehin als nicht mehr zeitnah
und deshalb als relevant
angesehen werden kann,
als auch Psychologe
Z._
auf invaliditätsfremde psychosoziale Belastungsfaktoren hin, klammer
te
n diese jedoch bei ihrer Beurteilung zur Arbeitsfähigkeit nicht aus
(vgl. vorstehend E. 4.3; E. 4.10)
. Darüber hinaus
sah med.
pract
.
I._
eine stationäre Therapie vor
(eine solche wurde bereits
2010
von Dr.
F._
postuliert, vgl. Urk. 7/
54 Ziff. 1.11)
, welche die Beschwerdeführerin indes
ablehnte
(vgl. vorstehend E. 4.3)
, was den Schluss auf einen nicht ausgeprägten Leidensdruck zulässt.
Zudem
wies die
RAD-Ärztin
Dr.
J._
auf
die Auffälligkeit
hi
n,
dass sich die Beschwerde
führerin erst wieder in Therapie begeben habe, nachdem sie von der Rentenrevi
sion in Kenntnis gesetzt worden sei
(vgl. vorstehend E. 4.6)
.
Auch die letzten Beurteilungen durch den Hausarzt Dr.
G._
vermögen den Beweiswert des Gutachtens nicht zu schmälern, zumal er (fachfremd) auf p
sychi
sche
Diagnosen hinwies und die Beschwerdeführerin pauschal
und ohne nach
vollziehbare Begründung
für nicht mehr arbeitsfähig erachtete (vgl. vorstehend E. 4.2 und E. 4.4).
6.4
Für das Invalideneinkommen massgebend ist somit der Tabellenlohn
(vgl. BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E.
4.2.1
)
für Hilfstätigkeiten bei
einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
, welcher gemäss Tabellenlohn
der
vom Bundes
amt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
im Jahr 2018 (Tabelle TA1 «
tirage
skill
level
» im total aller Wirtschaftszweige
und Kompetenzniveau 1
) und unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchent
lichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
(
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen, herausgegeben vom Bundesamt für Statistik, T03.02
)
monatlich rund Fr. 4'557.-- (Fr. 4'371.-- : 40 x 41.7) beziehungsweise jährlic
h Fr. 54'681.--
beträgt.
Beim vor Eintritt des Gesundheitssch
adens erzielten Ein
kommen (Urk. 7/19/5
) von maximal
Fr.
51'462.--
(200
6
) führt ein Einkommens
vergleich
gemäss Art. 16 ATSG
in keinem Fall zu einem anspruchsbegründenden Invaliditätsgrad von mindes
tens 40
%.
Es besteht somit kein Rentenanspruch und die angefochtene Verfügung ist auch in dieser Hinsicht zu bestätigen.
Entsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten
auf Fr.
900.-- anzusetzen und de
r
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung sind die Gerichtskosten einstweilen auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Beschwerdeführer
in ist auf § 16 Ab.
4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) hinzuweisen.
7.2
Der
unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
hat von der ihm m
it Gerichtsverfügung vom
4. Dezember 2019
(Urk. 12) eingeräumten Möglichkeit,
eine Honorarnote ein
zu
reichen
, keinen Gebrauch gemacht. Somit ist er unter
Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schw
ierigkeit des Pro
zesses (vgl. § 34 Abs.
3
GSVGer
) und beim praxi
sgemässen Stundenansatz von Fr.
220.-- (zuzügl
ich Mehrwertsteuer) mit Fr. 2'3
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.