Decision ID: 2b9a2eef-2ea5-47ba-aa5e-f81aa75413d5
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A.R., geb. 1980, ist iranischer Staatsangehöriger. Er reiste am 16. Mai 2001 in die
Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Das Bundesamt für Migration wies dieses mit
Verfügung vom 3. Dezember 2002 ab und wies den Gesuchsteller aus der Schweiz
weg. Das Bundesverwaltungsgericht wies mit Urteil vom 4. Dezember 2008 die vom
Gesuchsteller gegen die Verfügung des Bundesamts für Migration erhobene
Beschwerde ab. Das Bundesamt setzte in der Folge am 11. Dezember 2008 eine
Ausreisefrist zum Verlassen der Schweiz bis 8. Januar 2009 an. A.R. befolgte die
Anordnung zur Ausreise nicht. Am 4. Mai 2009 stellte er beim Ausländeramt des
Kantons St. Gallen ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung als Härtefall.
Mit Verfügung vom 22. Juli 2009 wies das Ausländeramt das Gesuch ab und
verweigerte die Unterbreitung des Antrags an das Bundesamt für Migration.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob A.R. mit Eingabe vom 31. August
2009 Rekurs, der vom Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom
14. Dezember 2009 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingaben seiner Rechtsvertreterin vom 13. Januar und 4. Februar 2010 erhob
A.R. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements vom 14. Dezember 2009 sei aufzuheben und es
sei ihm eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. es sei dem Bundesamt für
Migration ein entsprechendes Gesuch um Zustimmung zu
unterbreiten, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 9. Februar 2010 die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung
zu nehmen. Dies tat er mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 26. Februar 2010.

Die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die Vorbringen des
Beschwerdeführers werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
dargelegt und gewürdigt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP; VerwGE B
2009/150 vom 22. September 2009, in: www.gerichte.sg.ch). Der Beschwerdeführer ist
zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 13. Januar und 4. Februar 2010 wurden
rechtzeitig eingereicht und entsprechen formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist im Grundsatz einzutreten.
2. Art. 14 AsylG lautet wie folgt:
Ab Einreichung des Asylgesuches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig
angeordneten Wegweisung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur
Anordnung einer Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug kann eine
asylsuchende Person kein Verfahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen
Aufenthaltsbewilligung einleiten, ausser es bestehe ein Anspruch auf deren Erteilung
(Abs. 1).
Der Kanton kann mit Zustimmung des Bundesamtes einer ihm nach diesem Gesetz
zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn:
a. die betroffene Person sich seit Einreichung des Asylgesuches mindestens fünf Jahre
in der Schweiz aufhält;
b. der Aufenthaltsort der betroffenen Person den Behörden immer bekannt war; und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c. wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall
vorliegt (Abs. 2).
Will der Kanton von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, so meldet er dies dem
Bundesamt unverzüglich (Abs. 3).
Die betroffene Person hat nur beim Zustimmungsverfahren des Bundesamtes
Parteistellung (Abs. 4).
Hängige Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung werden mit dem
Einreichen eines Asylgesuchs gegenstandslos (Abs. 5).
Erteilte Aufenthaltsbewilligungen bleiben gültig und können gemäss den
ausländerrechtlichen Bestimmungen verlängert werden (Abs. 6).
2.1. Der Beschwerdeführer ist abgewiesener Asylbewerber. Eine vorläufige Aufnahme
wurde im Asylverfahren nicht angeordnet. Gegen den Beschwerdeführer wurde die
Wegweisung verfügt und eine Ausreisefrist angesetzt. Art. 14 Abs. 1 AsylG statuiert
den Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens, falls nicht ein Anspruch auf
Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung besteht. Nur bei einer
Person, die sich seit Einreichung des Asylgesuchs mindestens fünf Jahre in der
Schweiz aufhält, kann ein Kanton mit Zustimmung des Bundesamtes einer ihm nach
dem Asylgesetz zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn
wegen fortgeschrittener Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt
(Art. 14 Abs. 2 AsylG). Aus der Regelung von Art. 14 Abs. 2 bis 4 AsylG ergibt sich,
dass der Kanton vorerst blosser Antragsteller ist und erst nach einer allfälligen
Zustimmung des Bundesamtes, welches seinerseits dem Ausländer Parteistellung
(einschliesslich Beschwerderecht) einräumen muss, die Erteilung oder auch nur die
Zusicherung einer Bewilligung ins Auge fassen kann. Dem abgewiesenen
Asylbewerber, der keinen Bewilligungsanspruch geltend machen kann, steht, vom
Gesetzgeber gewollt (Wortlaut von Art. 14 Abs. 1 AsylG), kein Recht zu, einen
Bewilligungsantrag zu stellen bzw. ein entsprechendes kantonales Verfahren in Gang
zu setzen und zu durchlaufen (Urteil des Bundesgerichts BGE 2D_90/2008 vom 9.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
September 2008 mit Hinweis auf die Urteile 2C_526/2008 vom 17. Juli 2008 E. 2,
2D_79/2008 vom 6. August 2008 E. 2 sowie 2D_81/2008 vom 5. August 2008 E. 2).
Dies bedeutet, dass ein letztinstanzlicher kantonaler Entscheid, der die Frage einer
Bewilligungserteilung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG zum Gegenstand hat, nicht mit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten angefochten werden kann (vgl.
Art. 83 lit. c Ziff. 2 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110, abgekürzt BGG). Zudem
ist auch die Möglichkeit, gegen einen solchen Entscheid subsidiäre
Verfassungsbeschwerde zu erheben, weitgehend einge-schränkt, wenn nicht gar
ausgeschlossen (Urteil 2D_90/2008 vom 9. September 2008).
2.2. Der Beschwerdeführer hat keinen Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung.
Er hält sich zwar seit Einreichung des Asylgesuchs mehr als fünf Jahre in der Schweiz
auf, weshalb die Voraussetzung von Art. 14 Abs. 2 lit. a AsylG erfüllt ist. Dagegen
haben Ausländeramt und Vorinstanz das Kriterium von Art. 14 Abs. 2 lit. c AsylG
(schwerwiegender persönlicher Härtefall wegen fortgeschrittener Integration) zu Recht
verneint, da keine Tatsachen ersichtlich sind, die eine fortgeschrittene Integration
begründen. Eine solche wird zwar in der Beschwerde unter Hinweis auf die Akten der
Vorinstanz geltend gemacht wird. Aus den Akten ergibt sich aber, dass der
Beschwerdeführer sowohl in persönlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht nicht
integriert ist.
Ausländeramt und Vorinstanz haben zudem die vom Beschwerdeführer vorgebrachten
Gründe materiell geprüft. Trotz Fehlens eines Anspruchs auf Parteistellung hat auch die
Vorinstanz die zur Begründung eines Härtefalls vorgebrachten Argumente materiell
behandelt. Damit liegt keine Verletzung von Verfahrensrechten oder anderweitigen
Verfahrensgarantien durch die kantonalen Instanzen vor. Das Bundesgericht hat im
übrigen ausdrücklich festgehalten, dass dem abgewiesenen Asylbewerber, der keinen
Bewilligungsanspruch geltend machen kann, (auch) kein Recht zusteht, einen
Bewilligungsantrag zu stellen bzw. ein entsprechendes kantonales Verfahren in Gang
zu setzen und zu durchlaufen (Urteil 2D_90/2008 vom 9. September 2008, E. 2.1).
Soweit der Beschwerdeführer Einwendungen gegen den Vorwurf der Verletzung der
Mitwirkungspflicht erhebt, sind seine Vorbringen nicht stichhaltig. Sein Asylgesuch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wurde rechtskräftig abgewiesen, und im Asylverfahren wurde die Wegweisung verfügt.
Wenn der Beschwerdeführer nunmehr vorbringt, er habe sich deshalb nicht um die
Beschaffung von Reisepapieren bemüht, da er Angst vor der Rückkehr in den
Herkunftsstaat habe, so sind diese Argumente nicht mehr zu hören. Das Verfahren
betreffend Erteilung einer Härtefallbewilligung dient nicht dazu, Asylgründe in einem
zweiten Verfahren vorbringen zu können. Im Entscheid der Vorinstanz ist keine
Rechtsverletzung bzw. kein Ermessensmissbrauch zu erblicken, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist.
3. Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Prozessführung gewährt. Die
amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen daher zu Lasten des Staates. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Der Anspruch der unentgeltlichen Rechtsbeiständin aus der Vertretung im
Beschwerdeverfahren ist auf Fr. 1'200.-- zuzügl. MWSt festzusetzen (Art. 22 Abs. 1
lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, in
Verbindung mit Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
Demnach hat das Verwaltungsgericht