Decision ID: ffb59ac0-f823-5256-8cdb-bfc22c6ef91f
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte beim Regierungsstatthalteramt Thun ein Baugesuch
ein für die Sanierung und Umgestaltung der Y._strasse auf dem Abschnitt
Z._platz bis Y._strasse Nr. 6/11 auf Parzelle Thun Grundbuchblatt
Nr. B._. Die fragliche Strassenparzelle ist der Überbauungsordnung UeO b Areal
Y._strasse zugeordnet. Das Industrieareal Y._strasse ist im
Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung
(ISOS) vermerkt und als Gebiet Nr. 6 mit Erhaltungsziel B (Erhaltung der Struktur)
2
eingestuft.1 Das Verwaltungsgebäude Y._strasse Nr. 3, die Villa C_
Y._strasse Nr. 4 und die Fabrikhalle Y._strasse Nr. 6 sind im ISOS als
Einzelobjekte mit Erhaltungsziel A (Erhaltung der Substanz) inventarisiert. Gegen das
Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom
26. März 2013 erteilte das Regierungsstatthalteramt Thun für das Vorhaben die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 30. April 2013 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er kritisiert insbesondere die
oberirdischen Parkplätze entlang des Gebäudes Y._strasse 11, die Anordnung der
Strassenbeleuchtung, die fehlende Erschliessung des Areals durch den Wärmeverbund
KVA Thun sowie die Gestaltung der Grünanlage bei der alten Rosstränke. Sinngemäss
beantragt er damit die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 26. März 2013.
3. Die Beschwerdegegnerin und das Regierungsstatthalteramt Thun beantragen in
ihren Stellungnahmen vom 28. und 29. Mai 2013 die Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf eingetreten werden kann.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Auf Antrag des Beschwerdeführers
führte es im Beisein der Parteien einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch.
Dabei zeichnete sich ab, dass zwischen den Parteien eine aussergerichtliche Einigung
zustande kommt. Mit Schreiben vom 17. Juli 2013 teilte der Vertreter der
Beschwerdegegnerin dem Rechtsamt der BVE mit, ein Vergleich mit Rückzug habe nicht
erzielt werden können.
5. In der Folge holte das Rechtsamt mit Verfügung vom 19. September 2013 bei der
D._ einen Bericht zur geplanten Strassenbeleuchtung ein. Nach mehrmaligen
1 Ortsbilder von nationaler Bedeutung, Kanton Bern, Band 8.2, Oberland Orte L - Z, S. 364 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
3
Fristerstreckungen reichte die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 28. Februar 2014
eine Projektanpassung ein (Situationsplan vom 25. Februar 2014, abgestempelt vom
Rechtsamt der BVE am 3. März 2014). Sie erklärte, dass sie mehrfach versucht habe, mit
dem kantonalen Denkmalpfleger zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen, der aus
denkmalpflegerischer Sicht hätte zugestimmt werden können. Leider habe der kantonale
Denkmalpfleger die Mitarbeit verweigert. Sie habe deshalb einzelne Bestandteile des
Projekts fallengelassen. Diese Behauptung wies die KDP mit Schreiben vom 7. April 2014
entschieden zurück. Sie hielt fest, die Fachstelle habe erst im Beschwerdeverfahren die
Möglichkeit erhalten, sich zum Gesamtprojekt zu äussern. Sie habe gegenüber dem
städtischen Tiefbauamt ihre Bereitschaft bekräftigt, an einer einvernehmlichen
Projektänderung mitzuarbeiten. Von diesem Angebot sei nicht Gebrauch gemacht worden.
Anschliessend gab das Rechtsamt den Parteien Gelegenheit, zum Ergebnis des
Beweisverfahrens Stellung zu nehmen und Schlussbemerkungen einzureichen.
6. Nach diversen Fristverlängerungen reichte die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom
8. September 2014 eine zweite Projektänderung ein (Situationsplan Teil 1 im Massstab
1:200, revidiert am 15. August 2014, abgestempelt vom Rechtsamt der BVE am
9. September 2014). Die Verfahrensbeteiligten und die KDP erhielten Gelegenheit, sich zur
Projektänderung zu äussern. Das Rechtsamt beauftragte das Regierungsstatthalteramt
Thun mit der Publikation der Projektänderung. Mit Schreiben vom 4. November 2014 teilte
das Regierungsstatthalteramt Thun mit, die Publikationen seien am 25. September und
2. Oktober 2014 im Thuner Anzeiger sowie am 24. September 2014 im Amtsblatt erfolgt.
Zudem reichte das Regierungsstatthalteramt Thun mit Eingabe vom 18. November 2014
vier nachgeführte Situationspläne Teil 1 im Massstab 1:200, revidiert am 15. August 2014,
abgestempelt vom Rechtsamt der BVE am 20. November 2014, ein. Gegen die
Projektänderung vom 8. September 2014 hat der Beschwerdeführer mit Schreiben vom
27. Oktober 2014 Einsprache erhoben. Mit Schreiben vom 25. Oktober 2014 unterbreitete
der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin zudem ausserhalb des Verfahrens einen
Vergleichsvorschlag. Mit Schreiben vom 12. Dezember 2014 nahm die
Beschwerdegegnerin zu den Vergleichsvorschlägen und Einsprachepunkten Stellung.
Danach erhielten die Beteiligten Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen. Davon
machte der Beschwerdeführer Gebrauch. Die Beschwerdegegnerin teilte mit, sie verzichte
auf die Einreichung von Schlussbemerkungen. Das Regierungsstatthalteramt liess sich
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nicht vernehmen. Auf die Rechtsschriften und vorhandenen Akten wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Grundstück an die Strassenparzelle
grenzt und dessen Einsprache abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen
Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Gegenstand des Verfahrens und Projektänderung
a) Laut Art. 43 BewD5 können die Baugesuchsteller während der Hängigkeit eines
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVE
ein Projektänderungsgesuch einreichen, ohne dass deshalb ein neues
Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Erfolgt die Projektänderung im
Beschwerdeverfahren, sind die Gemeinde, die Gegenpartei und die von der
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
5
Projektänderung berührten Dritten anzuhören. Wird in einem laufenden baurechtlichen
Verfahren eine Projektänderung im Sinn von Art. 43 BewD eingereicht, tritt das geänderte
Projekt an die Stelle des ursprünglichen Bauvorhabens.6
b) Die Beschwerdegegnerin reichte mit Eingabe vom 8. September 2014 eine zweite
Projektänderung ein. Im Unterscheid zum ursprünglich bewilligten Projekt sieht die zweite
Projektänderung im Bereich der Halle 6 und dem angebauten Winkelbau (westlich der
Halle 6) neu eine Beleuchtung mit Wandlampen des Leuchtentyps Alam 5102 24LED vor.
Der gleiche Leuchtentyp mit einer Lichtpunkthöhe von 7.00 m ist neu auch vor dem
Gebäude Nr. X geplant. In Abweichung zum ursprünglich bewilligten Situationsplan soll
gemäss der zweiten Projektänderung zudem die bestehende Grünfläche belassen und mit
einem grossen Abfallhai ausgerüstet werden. Dagegen hat der Beschwerdeführer mit
Eingabe vom 27. Oktober 2014 Einsprache erhoben. Er kritisiert den übergrossen
Abfallkübel in der Grünanlage, den Ersatz der bestehenden Originalwandlampe durch den
Leuchtentyp Alma an der Ostfassade der Halle 6 sowie die Mastleuchte vor seiner
Liegenschaft. Im Amtsbericht vom 6. November 2014 beantragte die KDP, die
Projektänderung könne unter den Auflagen, dass die Kandelaberhöhe vor der Liegenschaft
C._ auf die Höhe der Wandlampen der Halle 6 reduziert und auf den grossen
Abfallhai in der Grünfläche bei der ehemaligen Rosstränke verzichtet wird, bewilligt
werden.
c) Vorliegend bleibt das Projekt in den Grundzügen gleich, so dass es sich um eine
Projektänderung im Sinn von Art. 43 BewD handelt. Die Projektänderung wurde
veröffentlicht. Ob das von der Vorinstanz beurteilte Bauvorhaben oder die erste
Projektänderung vom 28. Februar 2014 bewilligungsfähig gewesen wären, ist nicht mehr
zu prüfen. Verfahrensinhalt ist somit nur noch das Projekt gemäss der Projektänderung
vom 8. September 2014. Aufgrund der Einwände des Beschwerdeführers gegen die
Projektänderung vom 8. September 2014 und der Beschwerde vom 30. April 2013 sind
folgende unerledigte Rügepunkte zu beurteilen:
- Gestaltung der Grünflache mit Abfallhai (E. 3)
- Strassenbeleuchtung (E. 4)
- oberirdische Parkplätze (E. 5)
- Anschluss des Areals an den Wärmeverbund der KVA (E. 6)
6 Vgl. BVR 2012 S. 463, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen
6
3. Gestaltung der Grünflache mit Abfallhai
a) Gemäss der zweiten Projektänderung vom 8. September 2014 soll die bestehende
Grünfläche in Abweichung zum ursprünglich bewilligten Situationsplan7 belassen werden.
Gemäss dem nachgeführten Situationsplan8 sind keine Pflanzenkübel mehr vorgesehen.
Aus dem Situationsplan geht allerdings hervor, dass der bestehende Kehrichtkorb in der
Grünfläche durch einen grossen "Abfallhai" ersetzt werden soll.
b) In der Einsprache vom 27. Oktober 2014 kritisiert der Beschwerdeführer, der
auffällige Abfallkübel verunstalte die kleine Grünanlage und beeinträchtige das Ortsbild
massiv. Er beantragt, auf den geplanten Abfallkübel in der Grünanlage sei zu verzichten
und es sei der bestehende Abfallkorb zu entfernen. Auch die Denkmalpflege beantragt in
ihrem Amtsbericht vom 6. November 2014, es sei im Sinn einer Auflage auf den grossen
Abfallhai in der Grünfläche bei der ehemaligen Rosstränke zu verzichten.
c) Nach Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und
Bemalungen Landschaften, Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Zur
Verhinderung einer störenden Baugestaltung (störende Farb- oder Materialwahl,
ortsfremde Bau- oder Dachform und dgl.) können im Baubewilligungsverfahren
Bedingungen und Auflagen verfügt oder Projektänderungen verlangt werden. Ferner
enthält Art. 23 Abs. 1 der Überbauungsvorschriften UeO b Areal Y._strasse
betreffend die Umgebungsgestaltung – soweit hier interessierend – folgende Grundsätze: "1 Die Aussenräume sind nach ökologischen Prinzipien zu gestalten. Dazu gehören
insbesondere:
- Minimierung der Bodenversiegelung, soweit diese mit der Altlastsituation vereinbar ist,
- Vernetzung der Grünräume,
- Verwendung einheimischer und standortgerechter Pflanzen,
- (...)"
d) Der Beschwerdeführer beanstandet das Belassen der Grünfläche nicht. Auch die
KDP bewertet die Erhaltung der kleinen Grünfläche im Amtsbericht vom 6. November 2014
als positiv. Der Auffassung der KDP kann gefolgt werden. Dass die bestehende Grünfläche
7 Vgl. Situationsplan Teil 1 im Massstab 1:200 mit Stempel des Regierungsstatthalteramts vom 26. März 2013 8 Vgl. Situationsplan Teil 1 im Massstab 1:200 mit Stempel des Rechtsamts vom 20. November 2014
7
erhalten und nicht versiegelt wird, ist vereinbar mit dem Erhaltungsziel B des
denkmalgeschützten ISOS-Gebiets Nr. 6 und entspricht den Grundsätzen von Art. 23 der
Überbauungsvorschriften UeO b Areal Scheibenstrasse. Das Belassen der fraglichen
Grünfläche ist unproblematisch und kann bewilligt werden. Die KDP und der
Beschwerdeführer kritisieren allerdings den übergrossen Abfallhai, welcher in der kleinen
Grünanlage erstellt werden soll. Er wirke sich störend auf das Ortsbild aus und sei unnötig,
weil der nächste Abfallhai nur gerade 15.00 m entfernt geplant sei. Die Argumentation
überzeugt: Der fragliche Aussenraum liegt zum einen in einem ISOS Gebiet. Zum andern
legen ebenfalls die Überbauungsvorschriften Wert auf eine gute Aussenraumgestaltung
(Art. 23, 24, 25 und 26 der Überbauungsvorschriften UeO b Areal Scheibenstrasse). Die
Beschwerdegegnerin hat sich mit Schreiben vom 12. Dezember 2014 zudem dazu bereit
erklärt, vorerst freiwillig auf den geplanten Abfallhai in der Grünfläche bei der ehemaligen
Rosstränke zu verzichten. Unter diesen Umständen ist es gestützt auf Art. 9 BauG
gerechtfertigt, die beantragte Auflage der KDP, wonach auf den grossen Abfallhai in der
Grünfläche bei der ehemaligen Rosstränke zu verzichten sei, ins Dispositiv dieses
Entscheids aufzunehmen. Insofern ist auch die Rüge des Beschwerdeführers
gutzuheissen.
4. Strassenbeleuchtung
a) Die Projektänderung vom 8. September 2014 sieht in den Bereichen Halle 6 und dem
angebauten Winkelbau (westlich der Halle 6) anstelle der Kandelaberreihe eine
Beleuchtung mit Wandlampen des Leuchtentyps Alam 5102 24LED vor. Die gleiche
Wandlampe soll auch an der Ostfassade der Halle 6, im Durchgang zwischen der Halle 6
und der Villa C._ installiert werden. Zudem ist vor der Villa C._ eine
Mastleuchte des Typs Alma, mit einer Lichtpunkthöhe von 7.00 m, geplant.
b) Zur geplanten Strassenbeleuchtung führte die KDP im Amtsbericht vom 6. November
2014 aus, mit der ALMA-Leuchte sei im Vergleich zu den vorhandenen Originallampen, die
sich nicht auf LED umrüsten liessen, ein formal ebenbürtiges, handelsübliches Produkt
ausgewählt worden, das den beleuchtungstechnischen Anforderungen entspreche. Das
Wegfallen der Kandelaber ergebe eine erhebliche Verbesserung für den Strassenraum.
Die Anordnung der Lampen an der Fassade respektiere deren symmetrische Gliederung
und die zusätzlich nötigen Leuchten seien auf der gesamten Gebäudelänge vertretbar.
8
Konsequenterweise sei in der Projektänderung vor der Villa C._ eine ALMA-
Leuchte vorgesehen. Da die Lampe für eine Kandelaberhöhe von 3.00 m bis 5.00 m
vorgesehen sei, eigne sie sich nicht für eine Kandelaberhöhe von 7.00 m. Als Auflage
beantragt die KDP, die Kandelaberhöhe vor der Liegenschaft C._ sei auf die Höhe
der Wandlampen der Halle 6 zu reduzieren. In der Einsprache vom 27. Oktober 2014
bemängelt der Beschwerdeführer, dass neu die original Wandlampe an der Ostfassade der
Halle 6 (im Durchgang zwischen der Halle 6 und der Villa C._) ersetzt werde.
Zudem wehrt sich der Beschwerdeführer gegen die Mastleuchte vor seiner Liegenschaft.
c) Unbestritten ist die neue Beleuchtungssituation im Bereich der Halle 6. Die fünf
Wandlampen des Typs Alma 5102 24LED, die gemäss der Projektänderung vom
8. September 2014 entlang der Strassenfassade vorgesehen sind, sind vergleichbar mit
den ursprünglichen Leuchten. Sie sind mit dem Ortsbild- und Denkmalschutz vereinbar. Zu
diesem Schluss gelangte auch die KDP im Amtsbericht vom 6. November 2014. Auch ist in
diesem Bereich gemäss den Berechnungen der Lichtplanungsfirma Wiederkehr und
Partner die Beleuchtungsqualität der Strasse ausreichend; die fünf Wandlampen des Typs
Alma 5102 24LED sind demzufolge bewilligungsfähig. Nicht mehr Gesuchsgegenstand ist
die Wandlampe im Durchgang zwischen der Halle 6 und der Villa C._. Die
Beschwerdegegnerin hat im Schreiben vom 12. Dezember 2014 mitgeteilt, sie belasse die
heute bestehende Wandleuchte. Dies stellt eine Rückzugserklärung dar. Das
Projektänderungsgesuch vom 8. September 2014 wird deshalb abgeschrieben, soweit es
die Wandlampe im Durchgang zwischen der Halle 6 und der Villa C._ betrifft (Art.
39 VRPG9). Der Klarheit halber wird dies im Dispositiv dieses Entscheids festgehalten.
d) Umstritten ist hingegen die Mastleuchte vor der Liegenschaft des
Beschwerdeführers. Er befürchtet, von der Leuchte gehe eine lästige Blendwirkung aus.
Zudem gibt er zu bedenken, durch die Leuchte würden Insekten und Schädlinge
angezogen, die Schaden in seinem Vorgarten verursachen würden. Dies ziehe eine
problematische Schädlingsbekämpfung nach sich. Da sein Garten in der
Gewässerschutzzone A liege, sollte kein Schädlingsmittel verwendet werden. Eine
Mastleuchte von maximal 6.00 m Höhe dulde er vor seiner Liegenschaft erst, wenn die
Beschwerdegegnerin und der Kanton Bern die chemische Schädlingsbekämpfung
akzeptieren, die Mastleuchte neben den linken Garteneinfahrtstorpfeiler verschoben und
9 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
9
mit Warmlicht und Blendschutz ausgerüstet werde, mindestens dem historisierenden
Modell entspreche und die viel weiter auseinander stehenden Mastleuchten im Bereich des
"Bierkönigs" gleichzeitig ersetzt würden. Es sei unanständig, die Aufhebung seiner neun
Parkplätze und die Wiederherstellung der bestehenden Gartenanlage zu verlangen, um ihn
dort später mit einer Mastleuchte zu ärgern.
e) Bezüglich Lichtverschmutzung gibt es nur sehr wenige Vorschriften, die sich direkt
mit der Vermeidung von Lichtverschmutzung befassen. Nach Art. 11 USG10 werden
Strahlen durch Massnahmen bei der Quelle begrenzt. Unabhängig von der bestehenden
Umweltbelastung sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies
technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Da es für Licht keine
Verordnung gibt, können Verfügungen direkt auf das Gesetz abgestützt werden (Art. 12
USG). Die Energiegesetzgebung schreibt den sparsamen Umgang mit Energie vor. Nach
Art. 51 Abs. 1 KEnG11 sind Beleuchtungen, wozu auch Strassenbeleuchtungen zählen
(Art. 1 Abs. 7 KEnV12), energieeffizient und umweltschonend zu betreiben. Die Lichtstärke
und die Dauer der Beleuchtung sind auf das Mass zu beschränken, das aus
Sicherheitsgründen erforderlich und für den Verwendungszweck geboten ist. Diese
Vorschrift trägt gleichzeitig dazu bei, Lichtverschmutzung zu vermeiden. Das Amt für
Berner Wirtschaft (beco) hat zudem Empfehlungen verfasst, die aufzeigen, wie die
Gemeinden die Umwelt von unnötigem Licht entlasten und sparsam einsetzen können. Die
Beschwerdegegnerin verfügt somit bei der Ausgestaltung der Strassenbeleuchtung über
einen relativ grossen Ermessensspielraum.13 Seit 1. März 2013 gilt ausserdem die SIA-
Norm 491 zur Vermeidung von unnötigen Lichtemissionen im Aussenraum. Diese
verzichtet bewusst auf die Festlegung von Richtwerten und zielt darauf ab, unnötige
Lichtemissionen an der Quelle zu vermeiden, in Anwendung des Vorsorgeprinzips und
entsprechend dem Stand der Technik.
f) Die Scheibenstrasse, wozu auch die beidseitigen Gehwege gehören, dient als
Erschliessung des Quartiers. Sie dient dem motorisierten Verkehr, Radfahrern und
Fussgängern. Zurzeit ist die Y._strasse mit Tempo 40 signalisiert. Der Gehweg
vor der Liegenschaft des Beschwerdeführers ist zusätzlich Bestandteil des Uferwegs nach
10 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01). 11 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1). 12 Kantonale Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111) 13 http://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/lichtverschmutzung.html
10
SFG14 (Art. 25 der Überbauungsvorschriften UeO b Areal Scheibenstrasse). Der Uferweg
in diesem Bereich soll die städtische Promenade im Abschnitt A, Z._platz bis zur
alten Rosstränke, wo neu viel Platz für den Langsamverkehr und Erholungsraum am
Wasser geschaffen wird, weiterführen. Im fraglichen Quartier bestehen unterschiedliche
Angebote, wie beispielsweise öffentliche Verwaltungen, Wohnen, Kindergarten,
Parkanlage mit Uferweg, Kunst- und Kulturbetriebe, die mit entsprechendem
Publikumsverkehr verbunden sind. In diesem städtebaulichen Umfeld gehört eine
zweckmässige Strassenbeleuchtung zweifellos zum üblichen Standard einer Strasse. Die
Beleuchtung bezweckt eine Verbesserung der Sichtverhältnisse auf der Fahrbahn und den
Gehwegen und trägt der sozialen Sicherheit Rechnung. Im Übrigen schreibt auch Art. 23
Abs. 2 der Überbauungsvorschriften der UeO b Areal Y._strasse vor, dass die
wichtigsten Fusswege und der Aufenthaltsbereich so zu gestalten und zu beleuchten sind,
dass sie möglichst durchgehend das Gefühl der Sicherheit vermitteln. Dass die
Lichtplanungsfirma Wiederkehr und Partner die Y._strasse gestützt auf die
geltenden Strassenbeleuchtungsnormen (SN TR 13201-1 Strassenbeleuchtung – Teil 1:
Auswahl der Beleuchtungsklassen und SN EN 13201-2 Strassenbeleuchtung – Teil 2:
Gütemerkmale) der Beleuchtungsklasse S4 mit der Beleuchtungssituation D4 zuteilte, ist
nachvollziehbar und nicht zu beanstanden.15
g) Vorliegend erklärte die Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 12. Dezember 2014,
der Beleuchtungsmast vor der C._ könne um 2.50 m verschoben und die
Leuchtpunkthöhe von 7.00 m auf 6.00 m reduziert werden. Ein weiteres Herabsetzen auf
5.00 m würde jedoch zu einer unzureichenden Ausleuchtung führen. Die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin sind nachvollziehbar: Vorliegend ist eine durchgehende
Strassenbeleuchtung mittels LED-Technologie geplant. Damit kann eine gleichmässige
Leuchtdichte auf der Strassenoberfläche erreicht werden. Die Leuchtdichte auf der
Fahrbahnoberfläche ist die massgebende lichttechnische Grösse für den
Helligkeitseindruck und für die Sehleistung.16 Dies ist für das Wahrnehmen von
Fahrzeugen, Personen und Gegenständen auf der Fahrbahn wichtig. Wird auf die Leuchte
vor der Liegenschaft des Beschwerdeführers verzichtet oder deren Lichtpunkthöhe unter
6.00 m reduziert, entsteht eine ungenügende Leuchtdichtegleichmässigkeit. Aufgrund zu
geringer Kontraste können Personen oder Hindernisse bei Dunkelheit nicht rechtzeitig
14 Gesetz vom 6. Juni 1982 über See- und Flussufer (See- und Flussufergesetz, SFG; BSG 704.1) 15 Vgl. Beilage in der Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2013 der Beschwerdegegnerin 16 Vgl. zum Begriff Ziff. 1.6 der SIA-Norm 491
11
wahrgenommen werden. Dies stellt eine Gefahrenquelle für Motorfahrzeuglenker und
Fussgänger dar und erhöht das Verkehrsrisiko. Die umstrittene Leuchte vor der
Liegenschaft des Beschwerdeführers ist somit aus Gründen der Verkehrssicherheit auf
einer Lichtpunkthöhe von 6.00 m erforderlich.
h) Störende oder lästige Lichtimmissionen, die von der umstrittenen Leuchte ausgehen,
sind – entgegen den Befürchtungen des Beschwerdeführers – nicht zu erwarten.
Vorgesehen ist eine LED-Leuchte des Typs Alam 5102 24LED. Die Distanz zwischen der
Liegenschaft des Beschwerdeführers und der umstrittenen Strassenleuchte beträgt ca.
10.00 m. Durch die LED-Technologie kann das Licht energieeffizient und optimal auf die zu
beleuchtende Strassenfläche gelenkt werden. Das Licht wird wenig gestreut, womit sich
unnötige Lichtimmissionen vermeiden lassen. Für die fragliche Strassenbeleuchtung ist
zudem eine Nachtabsenkung zwischen 00.30 bis 05.30 Uhr um 30 % vorgesehen.17 Durch
die Herabsetzung der Lichtpunkthöhe von 7.00 m auf 6.00 m und die Verschiebung der
LED-Leuchte weg von der Liegenschaft in Richtung Z._platz lassen sich die
Lichtimmissionen zusätzlich reduzieren. Massgeblich für den Standort der Leuchte ist die
Plankopie gemäss der Aktennotiz des Rechtsamts vom 18. November 2014. Die
Herabsetzung der Lichtpunkthöhe und die Verschiebung der LED-Leuchte werden der
Vollständigkeit halber als Auflage im Entscheiddispositiv aufgenommen. Für weitere
Massnahmen zur Reduktion der Lichtverschmutzung, wie das Anbringen eines
Blendschutzes oder die Verwendung von Warmlicht, besteht kein Raum. Solche
Massnahmen können auch gestützt auf das Vorsorgeprinzip nicht verlangt werden. Zu
diesem Schluss gelangte auch der Vertreter des Tiefbauamts am Augenschein. Er hielt
fest, mit der LED-Technologie könne die Lichtstreuung viel besser kontrolliert werden. Die
Installation von sogenannten Kragen sei heute nicht mehr nötig, weil man die LED-Lampen
genau ausrichten könne.18
Auch ist ein Risiko, dass durch das künstliche Licht der Strassenbeleuchtung naheliegende
Gartenanlagen vermehrt durch Schädlinge befallen werden, nicht nachgewiesen.19
Wissenschaftlich belegt ist hingegen die Tatsache, dass viele nachtaktive Insekten (vor
allem nachtaktive Falter, wozu auch der Buchsbaumzünsler gehört) von künstlichen
17 Vgl. Angaben der Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 17. Juli 2013 18 Vgl. Votum H., S. 8 des Augenscheinprotokolls vom 10. Juli 2013 19 Vgl. zum Thema Lichtemissionen, Auswirkungen auf die Artenvielfalt abrufbar auf der Webseite des BAFU: http://www.bafu.admin.ch/licht/12838/12842/index.html?lang=de
http://www.bafu.admin.ch/licht/12838/12842/index.html?lang=de
12
Lichtquellen angezogen werden. Dieser Umstand stellt für diese Insekten eine erhebliche
Gefahrenquelle dar: Sie können an der Lichtquelle gefangen bleiben, an Übermüdung
sterben, in oder an der Lichtquelle verbrennen oder leichte Beute ihrer Feinde (vor allem
Fledermäuse, Spinnen und räuberische Insekten) werden.20 Nicht gehört werden kann
schliesslich der Verweis auf die Beleuchtungssituation beim "Bierkönig". Diese
Strassensituationen kann mit der Fahrbahn und dem Gehweg entlang der Liegenschaft
Schützenvilla nicht verglichen werden. Der Gehweg entlang der Villa C._ ist Teil
des Uferwegs bzw. der städtischen Promenade. Die Befürchtungen und Forderungen des
Beschwerdeführers sind somit, soweit diesen nicht mit der Projektänderung und den
Auflagen Rechnung getragen wurden, unbegründet.
i) Anzumerken ist letztendlich, dass die geplante Mastleuchte vor der Liegenschaft des
Beschwerdeführers die Einheit des Strassenraums im Abschnitt der Altbauten stärkt. Sie ist
demzufolge auch unter dem Gesichtspunkt des Ortsbild- und Denkmalschutzes vertretbar.
Nach dem Gesagten ist die fragliche Leuchte des Typs Alma gemäss der zweiten
Projektänderung unter Auflagen (Herabsetzung der Lichtpunkthöhe von 7.00 m auf 6.00 m
und die Verschiebung der Leuchte um ca. 2.50 m nach rechts) bewilligungsfähig.
Insgesamt ist damit durch die Projektänderung und den Auflagen den Anliegen des
Beschwerdeführers in seiner Beschwerde und Einsprache teilweise entsprochen worden.
5. Oberirdische Parkplätze
a) Weiter sind die zehn oberirdischen Parkplätze entlang des Gebäudes
Y._strasse Nr. 11 umstritten.
Der Beschwerdeführer befürchtet, die Parkplätze würden lästigen Suchverkehr in der
Nacht verursachen. Zudem würden diese dem städtischen Parkhauskonzept und den
damit verbundenen flankierenden Massnahmen im innerstädtischen Bereich
widersprechen. Der Beschwerdeführer verlangt, dass die Beschwerdegegnerin generelle
Parkzeitbeschränkungen für die Parkierung verfügt. Der Beschwerdeführer legt ausserdem
eine Besprechungsnotiz vom 7. Dezember 2006 zwischen ihm und Vertretern der Stadt
Thun zu den Akten. Der Aktennotiz vom 7. Dezember 2006 ist zu entnehmen, dass die
20 Vgl. Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen vom 2005 des Bundesamts für Umwelt (BAFU), S. 19 (abrufbar unter: http://www.bafu.admin.ch/licht/12845/index.html?lang=de)
13
Stadt Thun das Anliegen des Beschwerdeführers, keine Längsparkierung entlang der
Y._strasse zu realisieren, im Zuge der Realisierung des Uferwegs und der
Anpassung der Y._strasse umsetzen werde. Zudem bringt er vor, in der
Einstellhalle vor dem Gebäude Y._strasse 11 seien 30 Besucherparkplätze
festgelegt worden. Diesen Sachverhalt habe das Regierungsstatthalteramt nicht
berücksichtigt.
b) Die Beschwerdegegnerin erklärte in ihrer Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2013, die
öffentlichen Parkplätze entsprächen der Überbauungsordnung. Diese würden
bewirtschaftet und stünden allen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung.
c) Die Überbauungsordnung UeO b Areal Y._strasse vom 25. Juni 1995 wurde
im Laufe der Jahre mehrmals geändert (Änderungen vom 2. Juni 2002, 5. Juli 2007 und
16. März 2012). Im Zuge der letzten Anpassung im Jahre 2012 wurde entlang des
Gebäudes Y._strasse Nr. 11 unter anderem eine ca. 61.00 m lange und 2.00 m
breite Fläche für oberirdische Autoabstellplätze bewilligt.21 Der Parkplatzbedarf wurde
damit begründetet, dass bei der kantonalen Verwaltung (Y._strasse Nr. 3 und Nr.
11) öffentliche Kurzparkplätze fehlten und dadurch unnötiger Suchverkehr entstehe. Der
Beschwerdeführer wehrte sich bereits im Plangenehmigungsverfahren mit Einsprache
gegen die oberirdischen Parkplätze. Das AGR erwog in der Plangenehmigungsverfügung
vom 24. Juni 2012, der Bedarf nach Kurzparkplätzen der kantonalen Verwaltung sei
nachvollziehbar und verständlich. Es wies deshalb die Einsprache als unbegründet ab.22
Heute gestattet die Überbauungsordnung entlang des Gebäudes Y._strasse Nr.
11 die Erstellung von Parkplätzen. Die Umsetzung dieser Parkplatzfestlegung im hier
umstrittenen Projekt ist demzufolge nicht zu beanstanden. Da das AGR bereits im
Plangenehmigungsverfahren im Jahre 2012 über die Rügepunkte bzw. die
Rechtmässigkeit der oberirdischen Parkplätze befand, steht die gleiche Sache einer
nachträglichen Überprüfung im Baubewilligungsverfahren nicht mehr offen. Auf die Rüge
betreffend die oberirdischen Parkplätze kann nicht eingetreten werden.
d) Selbst wenn auf die Rüge des Beschwerdeführers eingetreten würde, wäre sie
unbegründet. Zur Diskussion stehen hier öffentliche Parkplätze, die Bestandteil der Strasse
sind und dem ruhenden Verkehr gewidmet werden. Das Gemeinwesen, das Strassen für
21 Vgl. Überbauungsplan UeO b Areal Scheibenstrasse, genehmigt durch das AGR am 24. Juli 2012 22 Vgl. Plangenehmigungsverfügung des AGR vom 24. Juli 2012
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den öffentlichen Verkehr baut, ist – unabhängig von der Parkplatzerstellungspflicht nach
den Vorschriften des Baugesetzes23 – in einem gewissen Umfang befugt, Parkflächen auf
öffentlichem Grund zur Verfügung zu stellen.24 Es liegt demnach im Ermessen der
Beschwerdegegnerin als Strasseneigentümerin, ob sie das kurzfristige Parkieren auf
öffentlichem Grund ermöglichen will.
Anhaltspunkte, dass hier die zehn oberirdischen Parkplätze zu schädlichen oder lästigen
Immissionen im Sinn des Umweltschutzgesetzes führen, wie dies der Beschwerdeführer
befürchtet, bestehen nicht. Bei der Y._strasse handelt es sich um eine bestehende
ortsfeste Anlage nach Art. 8 Abs. 1 LSV25. Wird sie geändert, so müssen die
Lärmemissionen der geänderten Anlageteile nach den Anordnungen der Vollzugsbehörde
so weit begrenzt werden, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich
tragbar ist. Wird die Anlage nach Art. 8 Abs. 2 LSV wesentlich geändert, so müssen die
Lärmemissionen der Gesamtanlage mindestens so weit begrenzt werden, dass die
Immissionsgrenzwerte nicht überschritten werden. Als wesentliche Änderungen ortsfester
Anlagen gelten unter anderem vom Inhaber der Anlage verursachte Änderungen des
Betriebs, wenn zu erwarten ist, dass die Anlage selbst oder die Mehrbeanspruchung
bestehender Verkehrsanlagen wahrnehmbar stärkere Lärmimmissionen erzeugen (Art. 8
Abs. 3 LSV). Als "wahrnehmbar" gilt in der Regel eine Lärmzunahme von 1 dB und mehr;
deutlich wahrnehmbar ist eine Zunahme ab 3 dB, was einer Verdoppelung des Verkehrs
entspricht.26 Die Y._strasse ist gemäss dem technischen Bericht der Theiler
Ingenieure AG vom 22. Oktober 201227 nicht als Durchgangs-, sondern als
Erschliessungsstrasse für den Quartierverkehr konzipiert (vgl. auch Art. 24 Bst. a der
Überbauungsvorschriften UeO b "Areal Scheibenstrasse"). Die Y._strasse ist
zudem in keinem Lärmbelastungskataster aufgeführt. Die Parkierungsanlage müsste im
vorliegenden Fall eine Verkehrszunahme von 30 % erzeugen, damit sich der Lärm auf der
Y._strasse um 1 dB erhöht. Davon ist hier nicht auszugehen. Das zusätzliche
Parkangebot soll vielmehr das Gegenteil bewirken: Unnötiger Suchverkehr im Quartier soll
vermieden werden. Auf der umgestalteten Teilstrecke der Y._strasse ist somit
messtechnisch mit keinem nachweisbaren Lärm zu rechnen. Weitere Lärmabklärungen
23 Vgl. Art. 16 und 17 BauG 24 Vgl. René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsreicht, Band I:, 2. Aufl., N. 73 25 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41). 26 Vgl. Robert Wolf, Auswirkungen des Lärmschutzrechts auf Nutzungsplanung und Baubewilligung, AJP 9/99, S. 1055 ff., 1067, mit weiteren Hinweisen. 27 Vgl. Beilagen im Kurzbrief vom 11. Juni 2013 der Beschwerdegegnerin
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erübrigen sich damit und werden vom Beschwerdeführer auch nicht beantragt. Die
Bestimmungen der LSV sind eingehalten.
Unbehelflich ist schliesslich der Verweis des Beschwerdeführers auf die Aktennotiz vom
7. Dezember 2006. Die Erklärung der Beschwerdegegnerin bzgl. der Parkplätze stand im
Zusammenhang mit den Anpassungen der Zonenplanänderung ZPP W "Areal
Scheibenstrasse", der UeO "ZPP W Areal Scheibenstrasse" sowie der UeO b "Areal
Scheibenstrasse" im Jahr 2006. Seit dieser Erklärung im Jahr 2006 hat sich die
tatsächliche und rechtliche Situation – das AGR genehmigte die Parkplätze im
Plangenehmigungsverfahren im Jahre 2012 – massgeblich verändert.
6. Anschluss des Areals an den Wärmeverbund der KVA
a) Der Beschwerdeführer wendet ferner ein, die Erweiterung des Wärmeverbunds KVA
sei, wie die restlichen Werkleitungen, Bestandteil des Bauvorhabens. Die Werkleitungen
seien in die Strasse zu integrieren. In diesem Zusammenhang verweist er auf Art. 29 der
der Überbauungsvorschriften UeO b Areal Y._strasse vom 25. Juni 1995 und die
Aktennotiz zwischen ihm und dem Planungsamt der Stadt Thun vom 12. Dezember 2006.
Darin äusserte der Beschwerdeführer das Anliegen, dass das ganze Areal bis 2007 für die
Versorgung mit Fernwärme vorbereitet werden solle. Gemäss der Aktennotiz wurde dieses
Anliegen begrüsst und sollte im Jahr 2007 in den Vorschriften zur Änderung Sektor A im
Bereich Halle 6 (Überbauungsordnung UeO b "Areal Scheibenstrasse") berücksichtigt
werden.
b) Die Beschwerdegegnerin entgegnet, der Wärmeverbund bzw. der Anschluss der
Liegenschaft an den Wärmeverbund sei nicht Bestandteil des vorliegenden Projekts. Falls
sich der Beschwerdeführer für den Bezug von Fernwärme entscheide, habe er mit dem
entsprechenden Lieferanten einen Vertrag abzuschliessen. Der Leitungsbau sei durch den
entsprechenden Energielieferanten oder durch den Beschwerdeführer zu veranlassen und
zu finanzieren.
c) Die Beschwerdegegnerin und die Gemeinden Steffisburg, Heimberg und Uetendorf
haben gemeinsam einen Richtplan Energie erarbeitet, der am 1. März 2014 in Kraft trat. Er
sieht im Perimeter, in dem die Gesamtsanierung der Strasse geplant ist, als vorrangige
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Energieversorgung einen Wärmeverbund mit hochwertiger Abwärme aus der
Abfallverbrennung der KVA Thun vor.
d) Das Energiegesetz des Kantons Bern legt im Abschnitt leitungsgebundene Energie in
Art. 18 Abs. 3 KEnG fest, dass soweit möglich und verhältnismässig, neue Leitungen in
den Boden zu verlegen sind. Bei Leitungen, die in Strassen verlegt werden sollen oder
bereits in solchen verlegt sind, stimmen die Energieversorgungsunternehmen ihre Arbeiten
an den Leitungen mit den von den Strasseneigentümerinnen und -eigentümern
vorgesehenen Arbeiten an den Strassen ab. Damit soll vermieden werden, dass dort, wo
Leitungen in einer Strasse geführt werden, frisch sanierte Strassen gleich wieder
aufgerissen werden, um die Leitung zu verlegen oder zu ersetzen. Bei Art. 18 Abs. 3 KEnG
handelt es sich um eine Koordinationsvorschrift zwischen Strasseneigentümer und
Energieversorgungsunternehmen, woraus Private für sich keine Rechte, wie namentlich
eine Anschlusspflicht, ableiten können.28 Entsprechend kann die Integration der
Werkleitungen in die Strasse nicht verlangt werden. Die Beschwerde wird deshalb in
diesem Punkt abgewiesen.
e) Gemäss dem Energierichtplan ist im Bereich der Y._strasse ein
Wärmeverbund mit hochwertiger Abwärme als vorrangige Energieversorgung vorgesehen.
Die Umsetzung dieser planerischen Zielsetzung bedingt zweifellos das Verlegen von
Werkleitungen in die Scheibenstrasse. Die Anwendbarkeit des Koordinationsgebots
gemäss Art. 18 Abs. 3 KEnG ist deshalb klar zu bejahen. Das Koordinationsgebot verlangt
hier einen Informationsaustausch und eine Koordination der Tätigkeiten zwischen der
Beschwerdegegnerin als Strasseneigentümerin und den für das Fernwärmenetz
zuständigen Energieversorgungsunternehmen. Die Beschwerdegegnerin wird im Dispositiv
dieses Entscheids deshalb explizit auf Art. 18 Abs. 3 KEnG hingewiesen. Die Vorschrift
gebietet, dass die Beschwerdegegnerin die zuständigen Energieversorgungsunternehmen
für das Fernwärmenetz umgehend über die geplante Strassensanierung unterrichtet und
gegebenenfalls die Tätigkeiten an der Y._strasse mit jenen der betroffenen
Energieversorgungsunternehmen koordiniert. Hier sprechen dann auch rein praktische
Gründe dafür, Leerrohre für die Erweiterung des Fernwärmenetzes schon jetzt in die
Y._strasse zu verlegen. Damit kann die planerische Absicht im Richtplan bekräftigt
28 Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat zum Kantonalen Energiegesetz, in Tagblatt des Grossen Rates des Kantons Bern Novembersession 2009, Beilage 33, Erläuterungen zu Artikel 17 Abs. 3, S. 13: abrufbar unter http://www.gr.be.ch/gr/de/index/sessionen/sessionen//tagblaetter_2009.html
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und es können Kosten und Unannehmlichkeiten für die Strassenbenutzer vermeiden
werden.
7. Kosten
a) Die Kosten des Beschwerdeverfahrens bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV29). Für den
Augenschein vom 10. Juli 2013 wird gestützt auf Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche
Gebühr von Fr. 300.00 erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen
somit Fr. 1'900.00. Im Zusammenhang mit der Projektänderung ist zudem eine Gebühr für
den Amtsbericht der KDP von Fr. 500.00 angefallen. Dazu kommen Publikationskosten von
Fr. 141.45, die direkt beim Regierungsstatthalteramt Thun in Rechnung gestellt worden
sind (Rechnung vom 24. September 2014 der W. Gassmann AG30).
b) Die Beschwerdegegnerin hat mit der Projektänderung vom 8. September 2014 den
Rügen des Beschwerdeführers teilweise Rechnung getragen (Gestaltung der Grünanlage
und Gestaltung der Beleuchtung). Zudem ist die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer in weiteren Punkten entgegengekommen (Verzicht auf Wandlampe
zwischen der Halle 6 und der Villa C._, Reduktion der Lichtpunkthöhe und
Verschiebung der Mastleuchte vor der Villa C._). In diesen Punkten gilt der
Beschwerdeführer als obsiegend. Bei den übrigen Rügepunkten (Wärmeverbund und
Verzicht auf die Mastleuchte vor der Villa C._) ist der Beschwerdeführer hingegen
unterlegen. Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich, einen Fünftel der Verfahrenskosten,
ausmachend Fr. 380.00, dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
Beschwerdegegnerin ist eine Behörde im Sinn von Art. 2 Abs. 2 Bst. b VRPG. Sie ist nicht
wie eine Privatperson betroffen (vgl. dazu E. 7d). Die restlichen Verfahrenskosten von Fr.
1'520.00 werden deshalb nicht erhoben.
29 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 30 Vgl. Lasche Rechnungen in den Vorakten des Regierungsstatthalteramts Thun
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c) Die Gebühr für den Amtsbericht der KDP in der Höhe von Fr. 500.00 und die
Publikationskosten von Fr. 141.45 im Zusammenhang mit der Projektänderung werden
gesondert ausgeschieden. Diese werden der Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 52
BewD auferlegt. Für das Inkasso der Publikationskosten von Fr. 141.45 ist das
Regierungsstatthalteramt Thun zuständig.
d) Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts ist die Gemeinde bei der Durchführung
eines Strassenbauvorhabens nicht wie eine Privatperson betroffen.31 Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb als Behörde im Sinn von Art. 2 Abs. 2 Bst. b VRPG
keinen Anspruch auf Parteikostenersatz. Da sich der Beschwerdeführer im
Beschwerdeverfahren durch keinen Anwalt vertreten liess, sind keine Parteikosten zu
sprechen.