Decision ID: e69409d0-9a2b-579e-a959-2602d85261cd
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden, eritreische Staatsangehörige (...) Volks-
zugehörigkeit mit letztem Wohnsitz in D._, verliessen ihren Hei-
matstaat eigenen Angaben zufolge am 5. Februar 2007 auf dem Landweg
in den Sudan und reisten nach einem Aufenthalt von sechs Monaten mit
dem Flugzeug über Ägypten nach Frankreich, von wo sie mithilfe eines
Schleppers in einem Personenwagen am 4. August 2007 illegal in die
Schweiz gelangten und gleichentags um Asyl nachsuchten. Am
8. August 2007 wurde die volljährige A._ (nachfolgend: Beschwer-
deführerin) (...) summarisch befragt, und am 26. Mai 2008 erfolgte die
Anhörung zu den Asylgründen durch das BFM.
Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin dabei geltend, ihr Ehe-
mann, mit dem sie seit (...) zusammengelebt habe, sei als Angehöriger
der eritreischen Armee in E._ stationiert gewesen. Nachdem sie
seit Ende November respektive Ende Dezember 2006 keine Nachricht
von ihm erhalten habe, seien Anfang Januar mehrmals Militärangehörige
an ihrer Wohnadresse aufgetaucht und hätten nach seinem Verbleib ge-
fragt, die Beschwerdeführerin bedroht und ihr mit Gefängnis gedroht. Sie
wiederum habe jeweils wahrheitsgemäss angegeben, nicht zu wissen, wo
sich ihr Partner aufhalte. Mitte Januar habe sie eine Vorladung der Ver-
waltung erhalten. Aus Furcht vor weitergehenden Schikanen und drohen-
den Sanktionen habe sie sich deshalb entschlossen, gemeinsam mit ih-
rem Sohn das Land zu verlassen.
Zu Ende der Anhörung vom 26. Mai 2008 erklärte die Beschwerdeführe-
rin, in der Schweiz Mitglied einer regimekritischen Bewegung der eritrei-
schen Diaspora geworden zu sein. Via Internet sei sie mit anderen Lands-
leuten in Kontakt, um sich der eritreischen Regierungsordnung zu wider-
setzen.
A.b Mit Schreiben vom 15. Dezember 2009 forderte das BFM die Be-
schwerdeführerin auf, ihre exilpolitischen Aktivitäten mit Beweismitteln zu
untermauern.
A.c Mit Schreiben vom 27. Dezember 2009 führte die Beschwerdeführe-
rin ihr politisches Engagement in der Schweiz näher aus und reichte ein
an ihren (...) gerichtetes Schreiben der Staatsanwaltschaft von
F._ (Zone G._) vom (...) 2007 zu den Akten. Diesem zufol-
ge seien am früheren Arbeitsplatz der Beschwerdeführerin, der NGO
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H._, in ihrem Schreibtisch regierungsfeindliche Schriftstücke ge-
funden worden. Deshalb werde I._ aufgefordert, seine (...) herbei-
zuschaffen und den Behörden zu übergeben, andernfalls er die Konse-
quenzen alleine zu tragen habe.
B.
Mit Verfügung vom 25. Januar 2010 stellte das BFM fest, die Beschwer-
deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylge-
suche vom 4. August 2007 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
und schob deren Vollzug infolge Unzulässigkeit zugunsten einer vorläufi-
gen Aufnahme auf.
C.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 25. Februar 2010 liessen die Be-
schwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhe-
ben und dabei in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege beantragen. In materieller Hinsicht wurde be-
antragt, die Verfügung des BFM vom 25. Januar 2010 sei vollumfänglich
aufzuheben, die Sache sei zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen, eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-
deführenden festzustellen und ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren.
Zur Untermauerung ihrer Vorbringen liessen die Beschwerdeführenden
verschiedene Beweismittel (Schreiben des Netzwerks J._, Schrei-
ben von Radio K._ [nachstehend: Beschwerdebeilagen 3 und 4],
Zeitschrift) zu den Akten reichen).
D.
D.a Mit prozessleitender Verfügung vom 4. März 2010 forderte die stell-
vertretende Instruktionsrichterin die Beschwerdeführenden auf, die Be-
schwerdebeilagen 3 und 4 im Original mit Unterschrift des Verfassers
samt Zustellcouverts nachzureichen und dem Gericht zudem zur Kennt-
nis zu bringen, ob die Gewährung auch der unentgeltlichen Rechtsver-
beiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes
vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) beantragt werde, wesfalls
ein patentierter Rechtsanwalt zu bezeichnen sei.
D.b Mit Eingabe vom 15. März 2010 liessen die Beschwerdeführenden
mitteilen, sie zögen den Antrag um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
zurück.
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D.c Mit Eingabe vom 24. März 2010 wurden zwei als Originale der Be-
weismittel 3 und 4 bezeichnete Dokumente (vgl. Bst. C) zu den Akten ge-
reicht.
E.
E.a Mit Verfügung vom 30. April 2010 zog das BFM im Rahmen der Ver-
nehmlassung seinen Entscheid vom 25. Januar 2010 teilweise in Wieder-
erwägung. Zur Begründung führte es aus, aufgrund einer erneuten Über-
prüfung gelange es zum Schluss, die Beschwerdeführenden erfüllten die
Flüchtlingseigenschaft. Gemäss Art. 54 des Asylgesetzes vom 26. Juni
1998 (AsylG, SR 142.31) sprächen jedoch Ausschlussgründe gegen die
Gewährung von Asyl. Die Asylgesuche blieben somit abgelehnt, die Be-
schwerdeführenden würden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-
men. Das BFM hob deshalb die Ziffer 1 des Verfügungsdispositivs vom
25. Januar 2010 auf und stellte fest, dass die Beschwerdeführenden die
Flüchtlingseigenschaft erfüllten.
E.b Mit Verfügung vom 4. Mai 2010 stellte die Instruktionsrichterin fest,
dass mit Erteilung der vorläufigen Aufnahme als Flüchtling der Anfech-
tungsgegenstand der Beschwerde, soweit die Flüchtlingseigenschaft
betreffend (Ziffer 1 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung) als da-
hingefallen zu bezeichnen und die Beschwerde diesbezüglich als gegen-
standslos geworden abzuschreiben sei. Aufgrund dieser Sachlage wur-
den die Beschwerdeführenden gleichzeitig angefragt, ob sie die Be-
schwerde – soweit nicht gegenstandslos geworden – zurückziehen woll-
ten, wobei bei ungenutzter Frist davon ausgegangen werde, dass sie an
ihren Rechtsbegehren festhielten.
E.c Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 19. Mai 2010 liessen die Be-
schwerdeführenden mitteilen, dass sie an ihrer Beschwerde festhielten.
E.d Mit prozessleitender Verfügung vom 26. Juli 2010 ordnete die Instruk-
tionsrichterin – unter dem Hinweis, das BFM habe sich bislang einlässlich
zu den Vorfluchtgrunden, nicht aber zur Gefahr einer allenfalls drohenden
Reflexverfolgung geäussert – einen zweiten Schriftenwechsel an.
E.e Mit Verfügung vom 5. August 2010 hielt das BFM an seinen bisheri-
gen Erwägungen fest und beantragte mit ergänzender Begründung die
Abweisung der Beschwerde.
E.f Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 24. August 2010 liessen die
Beschwerdeführenden replizieren.
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E.g Mit Eingabe vom 13. Mai 2011 wurde ein Schreiben der J._ in
Kopie betreffend die Flucht des (...) der Beschwerdeführerin in den Su-
dan zu den Akten gereicht.
E.h Mit Mitteilung des Zivilstandsamtes L._ vom (...) 2012 wurde
dem BFM – und durch dieses dem Bundesverwaltungsgericht – mitgeteilt,
dass die Beschwerdeführerin am (...) 2011 das Kind C._ geboren
hat.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden
nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Die Beschwerdeführenden sind daher zur Einreichung der Be-
schwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
Der am (...) 2011 geborene Sohn der Beschwerdeführerin, C._, ist
in das Beschwerdeverfahren seiner Mutter einzubeziehen.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
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oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Mit Verfügung vom 30. April 2010 zog das BFM seine Verfügung vom
25. Januar 2010 teilweise in Wiedererwägung, sprach den Beschwerde-
führenden die Flüchtlingseigenschaft zu und nahm sie wegen Unzuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf. Da die Beschwerdefüh-
renden zufolge subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtlinge vorläufig
aufgenommen wurden, beschränkt sich das vorliegende Beschwerdever-
fahren nur noch auf die Frage ihrer Anerkennung als Flüchtlinge aufgrund
der geltend gemachten Reflexverfolgung vor der Ausreise (Vorfluchtgrün-
de; vgl. Ziff. 4) respektive der ihr künftig drohenden Reflexverfolgung (ob-
jektive Nachfluchtgründe; vgl. Ziff. 5), mithin auf die Frage der Asylgewäh-
rung und auf die Wegweisung.
4.
4.1 Zunächst ist zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall die von den
Beschwerdeführenden geltend gemachten Vorfluchtgründe zu Recht als
unglaubhaft beurteilt und demzufolge ihre Asylgesuche zu Recht abge-
wiesen hat.
4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des
Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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4.4 Das BFM lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab, da
die Vorbringen der Beschwerdeführerin widersprüchlich ausgefallen sei-
en, weshalb sie den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7
AsylG nicht zu genügen vermöchten (vgl. Ziff. 4.4.1). Die eingereichten
Beweismittel vermöchten die festgestellten Unstimmigkeiten nicht zu ent-
kräften, zumal sie beweisuntauglich seien (vgl. Ziff. 4.4.2).
4.4.1 Als zentrales Begründungselement habe die Beschwerdeführerin
angegeben, sie sei, nachdem der Kontakt zu ihrem Lebenspartner ab-
gebrochen sei, sowohl von Armeeangehörigen als auch von den Staats-
behörden aufgesucht, befragt und behelligt worden, weshalb sie von
D._ nach M._ und von dort ausser Landes geflüchtet sei.
Dabei habe sie bei der Erstbefragung dargelegt, zwei Militärangehörige
hätten sie dreimal aufgesucht, wohingegen sie anlässlich der Anhörung
behauptet habe, an zwei verschiedenen Tagen seien jeweils drei Militärs
an ihrer Wohnadresse erschienen. Auch habe sie einerseits angegeben,
sie sei von der Verwaltung für den (...) Januar 2007 vorgeladen worden
und andererseits den nämlichen Vorgang auf den (...) Januar 2007 da-
tiert. Weiter habe sie sich widersprüchlich geäussert, was den Zeitpunkt
der letzten Kontaktaufnahme mit ihrem Lebenspartner anbelange, indem
sie bei der Erstbefragung ausgeführt habe, gleich nach Weihnachten
2006 nichts mehr von ihm gehört zu haben, und im Rahmen der direkten
Anhörung angegeben habe, die letzte Nachricht Ende November 2006
erhalten zu haben. Schliesslich habe sie ihre Reise von D._ nach
M._ einerseits dem 7. Februar 2007 und andererseits dem
25. oder 26. Januar 2007 zugeschrieben.
4.4.2 Zum eingereichten Schreiben der Staatsanwaltschaft vom (...) 2007
(vgl. Bst. A.c) merkte das BFM an, dass eritreischen Dokumenten nur ei-
ne reduzierte Beweiskraft beizumessen sei, da sie sehr häufig aus Gefäl-
ligkeit oder gegen Bestechung ausgestellt würden. Überdies sei festzu-
stellen, dass die Beschwerdeführerin bisher nicht erwähnt habe, schon in
Eritrea gegen das Regime gearbeitet zu haben. Es sei auch zu erwarten,
dass sie mit der Einreichung des an ihren (...) gerichteten Schreibens
nicht mehr als drei Jahre zugewartet hätte. Schliesslich sei nicht plausi-
bel, dass die Behörden erst im Jahr 2007 gegen die Beschwerdeführerin
Untersuchungen eingeleitet haben sollten, habe sie doch angegeben, bis
Herbst 2003 am erwähnten Arbeitsplatz tätig gewesen zu sein.
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4.5 Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von
Bundesrecht, indem zu Unrecht auf Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ge-
schlossen worden sei.
4.5.1 Was die vom BFM festgestellten Ungereimtheiten in Bezug auf die
angeblich fluchtauslösenden Ereignisse anbelangt, so ist zunächst fest-
zustellen, dass die Behauptung der Vorinstanz, wonach sich die Be-
schwerdeführerin hinsichtlich der Anzahl der Hausbesuche und jener der
daran teilnehmenden Militärs widersprochen habe, keine Entsprechung in
den Akten findet. So gab die Beschwerdeführerin bei der Erstbefragung
zu Protokoll, dreimal von zwei Militärangehörigen aufgesucht worden zu
sein (A1 S. 6). Im Rahmen der direkten Anhörung führte sie aus, an drei
verschiedenen Tagen sei eine Gruppe aus der Einheit ihres Mannes –
bestehend mal aus zwei, mal aus drei Militärangehörigen – zu ihr nach
Hause gekommen (A15 S. 4 und 6). Somit hat sie eine übereinstimmende
Anzahl an Hausbesuchen genannt und hinsichtlich der teilnehmenden Mi-
litärs eine geringfügige Präzisierung vorgenommen, deren Auslegung als
Widerspruch überspitzt formalistisch anmutet. Mit Blick auf die unter-
schiedlichen Angaben zum Zeitpunkt des Erhalts der Vorladung ([...] Ja-
nuar respektive [...] Januar 2007) ist zu berücksichtigen, dass die Be-
schwerdeführerin zwar ohne Not konkrete Daten nannte, ihre Aussagen
aber jeweils als eine ungefähre Zeitangabe bezeichnete (A1 S. 6; A15 S.
6 [F42]).
Hinsichtlich der übrigen Unstimmigkeiten kann zur Vermeidung von Wie-
derholungen auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden. So will die Beschwerdeführerin einerseits
letztmals Ende November 2006 (A15 S. 8 [F63]) und andererseits gleich
nach Weihnachten 2006 (A1 S. 5) zuletzt eine Nachricht vom ihrem Le-
benspartner erhalten haben. Die Erklärung in der Rechtsmitteleingabe,
wonach der Kontakt Ende November 2006 abgebrochen sei und sie auch
nach Weihnachten 2006 nichts von ihrem Mann gehört habe, erscheint
als wenig überzeugender Versuch, widersprüchliche Zeitangaben in Ein-
klang zu bringen. Auch der Entkräftungsversuch, wonach an dieser Pro-
tokollstelle wohl ein Übersetzungsfehler vorliege, vermag nicht zu über-
zeugen. Die Beschwerdeführerin wollte keineswegs zum Ausdruck brin-
gen, dass sie im ganzen Monat Dezember nichts von ihrem Mann gehört
habe, antwortete sie doch auf die klar formulierte Frage nach der letzten
Kontaktaufnahme ("Quand avez-vous eu les dernières nouvelles de votre
ami?") ebenso unzweideutig mit "juste après Noël" (A1 S. 5).
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In Ergänzung der vorinstanzlichen Erwägungen sind in der Schilderung
der Beschwerdeführerin zudem weitere Unstimmigkeiten auszumachen.
So gab die Beschwerdeführerin einerseits an, sie habe um den
(...) Januar 2007 herum eine Vorladung zur Verwaltung zugeschickt er-
halten (A15 S. 6 [F43]), um gleich darauf eine persönliche Übergabe der-
selben Vorladung zu schildern (ebenda [F44]). Mit Blick auf ihre Vorspra-
che bei der Verwaltung führte sie aus, sie habe an der Loge die Vorla-
dung abgegeben und sei dann direkt zum Präsidenten der Verwaltung
weitergeleitet worden, welcher sie alleine in seinem Büro erwartet habe
(A15 S. 7 [F52]). Darauf angesprochen, dass sie zuvor von einer Mehr-
zahl von Befragungspersonen gesprochen habe, fügte an, sie sei zuerst
in der ersten Abteilung von zwei Personen empfangen worden (ebenda
[F54]).
Vor diesem Hintergrund ist dem BFM insoweit beizupflichten, als die
Schilderungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich persönlich erlittener
Behelligungen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genü-
gen vermögen.
4.5.2 Nach zutreffender Auffassung des BFM vermag auch das im erstin-
stanzlichen Verfahren eingereichte Schreiben der Staatsanwaltschaft vom
20. Oktober 2007 die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der
Beschwerdeführerin nicht auszuräumen.
Dem genannten Dokument ist zu entnehmen, dass am früheren Arbeits-
platz der Beschwerdeführerin, der NGO H._, im Schreibtisch der
Beschwerdeführerin regierungsfeindliche Schriftstücke gefunden worden
seien. Dieser Sachverhalt korrespondiert in keiner Weise mit den Vorbrin-
gen der Beschwerdeführerin, welche im Rahmen der Befragungen mit
keinem Wort erwähnte, schon in Eritrea gegen das Regime gearbeitet zu
haben.
Ausserdem widerspricht die Darstellung in verschiedener Hinsicht der all-
gemeinen Logik des Handelns. Es kann nämlich davon ausgegangen
werden, dass eine regimefeindliche Person Dokumente, welche sie na-
mentlich kompromittieren, vernichten oder an einem sicheren Ort aufbe-
wahren, mit Sicherheit aber nicht einfach in der Schublade ihres alten Ar-
beitsplatzes zurücklassen würde. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die
H._ im Sommer 2002 von der eritreischen Regierung des Landes
verwiesen wurde ([...]). Es kann ausgeschlossen werden, dass die
H._ – eine internationale NGO mit Zweigstellen auf der ganzen
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Welt – Eritrea für immer verlassen hätte, ohne die Büroräumlichkeiten, in
denen zweifelsohne sensible Dokumente aufbewahrt wurden, zu räumen.
Umso unwahrscheinlicher erscheint im eritreischen Kontext, dass die dor-
tigen Behörden ein geräumtes Gebäude erst während fünf Jahren leer
stehen lassen würden, bevor sie es durchsuchen.
Angesicht dieser Häufung an logischen Lücken ist dem Beweisdokument
mit dem BFM die Beweiskraft abzusprechen.
5.
Aus dem Gesagten ist zu folgern, dass ein Anspruch auf Asylgewährung
zugunsten der Beschwerdeführenden einzig noch auf der Grundlage ob-
jektiver Nachfluchtgründe in Frage käme.
5.1 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG ist
nicht die Situation im Zeitpunkt der Ausreise, sondern die Situation im
Zeitpunkt des Asylentscheides massgeblich. Nebst – vom BFM wiederer-
wägungsweise berücksichtigten – subjektiven Nachfluchtgründen sind
Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausrei-
se und Asylentscheid zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Per-
son zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 und BVGE 2008/12 E.
5.2 je mit weiteren Hinweisen). Solchermassen objektive Nachfluchtgrün-
de liegen vor, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende
Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung füh-
ren; der von einer Verfolgung bedrohten Person ist in solchen Fällen die
Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und – im Gegensatz zu Personen
mit subjektiven Nachfluchtgründen – Asyl zu gewähren. In casu stellt sich
die Frage, ob seit der Ausreise der Beschwerdeführerin aus Eritrea im
Jahr 2007 objektive, von ihr nicht beeinflussbare Umstände und Ereignis-
se eingetreten sind, welche ihre erklärte Furcht vor Verfolgung heute als
begründet und mithin flüchtlingsrechtlich erheblich erscheinen lassen.
5.2 Als objektive Nachfluchtgründe macht die Beschwerdeführerin auf
Beschwerdeebene geltend, sie befürchte zum heutigen Zeitpunkt bei ei-
ner allfälligen Rückkehr nach Eritrea eine Reflexverfolgung infolge der po-
litischen, gegen das eritreische Regime gerichteten Tätigkeiten ihres
ehemaligen Ehemannes. Erst kürzlich habe sie erfahren, dass dieser
zeitgleich mit seiner militärischen Tätigkeit Spion des J._ gewesen
sei. Dabei handle es sich auch um den Hintergrund der gegen die Be-
schwerdeführerin gerichteten Behelligungen, wenngleich sie diesen sei-
nerzeit nicht gekannt habe.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12
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Als Informant habe ihr Ehemann von seiner Stellung im Verteidigungsmi-
nisterium aus das Netzwerk mit Informationen über das Regime beliefert
und insbesondere Menschenrechtsverletzungen durch das Militär offen-
gelegt. Gemäss Auskunft des J._ hätten die heimatlichen Behör-
den das Netzwerk der Informanten enttarnt und dieselben verfolgt. Der
Ehemann sei zusammen mit anderen Informanten verhaftet worden. Zwar
habe man ihm zur Flucht aus der Haft verhelfen können, indessen sei er
auf dem Weg in den Sudan erneut festgenommen und in ein Hochsicher-
heitsgefängnis verbracht worden. Zusammen mit seinen Kameraden sei
er zum Tode verurteilt und am (...) 2009 (...) hingerichtet worden.
Die Gefahr einer künftigen Reflexverfolgung konkretisiere sich in der Tat-
sache, dass (...) I._ bereits am (...) Oktober 2007, mithin kurz
nach ihrer Ausreise, von der nationalen Sicherheit aufgefordert worden
sei, seine Schwester den Behörden auszuliefern. Aus Angst vor einer
Verhaftung sei er zwischenzeitlich in den Sudan geflüchtet, wo er sich bis
heute aufhalte.
5.2.1 Die geschilderten Umstände werden untermauert mit folgenden Do-
kumenten:
 An I._ gerichtetes Schreiben der Staatsanwaltschaft von
F._ vom (...) 2007 (vgl. hierzu Ziff. 5.2.1.1),
 Schreiben des J._ vom 8. Februar 2010 (vgl. hierzu Ziff.
5.2.1.2),
 Schreiben des J._ vom 27. April 2011 (vgl. hierzu Ziff. 5.2.1.3).
5.2.1.1 Wie bereits zuvor festgestellt, ist dem Schreiben der Staatsan-
waltschaft vom (...) 2007 die Beweiskraft abzusprechen, wobei zur Ver-
meidung von Wiederholungen auf Ziffer 4.5.2 verwiesen werden kann.
5.2.1.2 Mit Referenzschreiben vom 8. Februar 2010 bestätigte das
J._ unter anderem die Hinrichtung von N._, dem Ehemann
der Beschwerdeführerin. Auch mit Blick auf dieses Dokument hielt das
BFM in der angefochtenen Verfügung fest, eritreischen Beweisdokumen-
ten würde lediglich ein reduzierter Beweiswert zukommen. Dieser Ein-
schätzung halten die Beschwerdeführenden entgegen, beim J._
handle es sich um ein sehr bekanntes und vertrauenswürdiges Institut,
welches sich nicht zu Gefälligkeitsschreiben hinreissen lassen würde.
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Hierzu ist festzuhalten, dass die Einschätzung des BFM zum Beweiswert
eritreischer Dokumente angesichts der weit verbreiteten Korruption in
Eritrea dem Grundsatz nach zu teilen ist. Auch ist nicht ersichtlich, worauf
die Entgegnung der Beschwerdeführenden gründet. Namentlich das Vor-
bringen, wonach die Informationen des J._ regelmässig in den
Country of Origin Reports des UK Home Departments zitiert würden (Ein-
gabe vom 13. Mai 2011, S. 2), erweist sich als unzutreffend. Bei der zitier-
ten Quelle ([...]) handelt es sich um einen Bericht des britischen Innenmi-
nisteriums, in dessen Rahmen wiedergegeben wird, was das J._
rapportiert habe ([...]). Über den Beweiswert dieser Angabe oder die Ver-
trauenswürdigkeit der Quelle äussert sich der Bericht mit keinem Wort.
Auch dürfte die Behauptung, das J._ würde an dieser Stelle re-
gelmässig zitiert, nicht zutreffen. Weder wurde diese seitens der Be-
schwerdeführenden mit Beispielen untermauert, noch ergab eine ent-
sprechende Recherche seitens des Bundesverwaltungsgerichts weitere
Treffer.
Abklärungen des Bundesverwaltungsgerichts haben ergeben, dass es
sich beim J._ um eine in O._ ansässige exilpolitische Or-
ganisation handelt. Deren Gründer und Generalsekretär P._, (...),
wurde im Zuge des eritreischen Crackdown im Jahr 2001 verhaftet, konn-
te im folgenden Jahr aber [nach] O._ flüchten, von wo aus er in
der Folge sein Netzwerk aufbaute. Damit ist erhellt, dass der Genannte
als Verfasser der eingereichten Referenzschreiben angesichts (...)
grundsätzlich über die geschilderten Insiderinformationen verfügen könn-
te.
Die Tatsache, dass derselbe das Schreiben vom 8. Februar 2010 unter-
zeichnet hat, ist als Indiz für dessen Authentizität zu werten. Auch ent-
spricht das angebrachte Logo der J._ einem dem Bundesverwal-
tungsgericht vorliegenden Musterdokument ([...]).
Indessen unterliegt das Dokument erheblichen formalen und inhaltlichen
Mängeln. In formaler Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass es sich da-
bei entgegen der Behauptung im Schreiben vom 24. März 2010 keines-
wegs um das Original der in Kopie eingereichte Beschwerdebeilage 3
handelt, wie sich bereits aus der abweichenden Strukturierung ergibt.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass in den beiden, an-
geblich vom selben Aussteller stammenden Dokumenten eine unter-
schiedliche Schreibweise der Telefonnummer gewählt wurde. Weiter er-
staunt, dass in der – bei Dokumenten anerkannter NGO's in aller Regel
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normierten – Fusszeile die Adresse jeweils ohne eine Ortsbezeichnung,
mithin unvollständig angegeben wurde.
Mit Blick auf den Inhalt des Schreibens erscheint der Eindruck, dasselbe
sei – basierend auf den Angaben der Beschwerdeführerin – aus Gefällig-
keit ausgestellt worden. So wird darin etwa behauptet, die Beschwerde-
führerin habe bei Radio K._ als Radiosprecherin gearbeitet ("[...]
she has been a great asset to Radio K._ is reading [...]"). Dem
Referenzschreiben der genannten Radiostation hingegen ist – im Ein-
klang mit den Angaben der Beschwerdeführerin selbst – zu entnehmen,
die Beschwerdeführerin habe sie übers Internet mit Informationen ver-
sorgt ("Since it is difficult to get information from inside Eritrea, we usually
get them from many people who are privileged to use internet. A._
is being one of our informants concerning the mines [...]").
5.2.1.3 Das in Kopie eingereichte Schreiben des J._ vom 27. Ap-
ril 2011 weist in seinem äusseren Erscheinungsbild derart offensichtliche
Fälschungsmerkmale auf, dass bereits aufgrund derselben erhebliche
Zweifel an seiner Authentizität entstehen. Zunächst fällt auf, dass das am
oberen linken Bildrand abgebildete Logo des Netzwerks – im Vergleich
mit dem zuvor behandelten Schreiben sowie dem genannten Musterdo-
kument – falsch positioniert ist und unzutreffende Proportionen aufweist.
Anders als die zuvor eingereichten Dokumente der J._ enthält das
Schreiben keinerlei Kontaktangaben. Auch wurde das Datum hier in einer
abweichenden Schreibweise angebracht, was für ein und denselben Aus-
steller doch sehr untypisch wäre.
Weiter weist das Dokument erhebliche inhaltliche Unstimmigkeiten auf.
So wird das Schreiben der Staatsanwaltschaft von F._ vom
(...) 2007 angeblich auszugsweise wortgetreu wiedergegeben ("Part of
the warning letter which was sent to him reads as follows"). Der nachfol-
gende Absatz besteht aus einer weitreichenden Umschreibung der Ver-
fehlungen, welche der Beschwerdeführerin zur Last gelegt werden sowie
einer Begründung, weshalb die Regierung auf die Mithilfe des Adressaten
zähle. Eine solchermassen differenziertes Schreiben von der Art einer
Anklageschrift passt schon für sich betrachtet in keiner Weise in den erit-
reischen Kontext, in welchem willkürliche Verhaftungen ohne Angabe von
Gründen an der Tagesordnung sind. Zudem handelt es sich bei der Re-
produktion der J._ keineswegs um eine wörtliche Wiedergabe des
– bereits im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten – Schreibens der
Staatsanwaltschaft. Vielmehr geht die "auszugsweise Wiedergabe" in In-
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tensität und Umfang gar über das Original hinaus. Dass die Beschwerde-
führerin bei der H._ eine Kaderposition ("high profile position") ge-
habt habe, dass (...) aufgrund seiner militärischen Vergangenheit ("As
you are a fighter veteran [...]") für sie verantwortlich sei sowie weitere De-
tails scheinen schlicht hinzugedichtet worden zu sein. Dieser letzte Um-
stand vermindert nicht nur den Beweiswert des vorliegenden Dokuments,
vielmehr stellt er die Glaubwürdigkeit der J._ – respektive im Falle
einer Fälschung der Beschwerdeführerin – grundsätzlich in Frage.
5.3 Im Ergebnis ist festzustellen, dass die eingereichten Beweismittel
nicht geeignet sind, das gegenüber dem Ehemann der Beschwerdeführe-
rin vollstreckte Todesurteil und die gegen (...) gerichtete Reflexverfolgung
zu belegen.
Vor dem Hintergrund des Gesagten ist dem BFM insoweit zu folgen, als
die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr nicht zu befürchten haben,
sie würden wegen der oppositionellen Tätigkeiten ihres Ehemannes / Va-
ters asylrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt. So
konnte die Beschwerdeführerin – wie oben dargelegt – nicht glaubhaft
machen, dass ihr deswegen vor ihrer Ausreise asylrelevante Nachteile
erwachsen sind. Die eingereichten Beweismittel vermögen zudem ihre al-
lenfalls empfundene subjektive Furcht vor zukünftiger Verfolgung – unter
dem Blickwinkel objektiver Nachfluchtgründe – anhand von objektiven
Kriterien nicht nachvollziehbar erscheinen zu lassen.
6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44
Abs. 1 AsylG). Gemäss Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) wird die
Wegweisung nicht verfügt, wenn die asylsuchende Person im Besitz einer
gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist.
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen bis zum jetzigen Zeitpunkt weder
über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An-
spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde daher zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510; EMARK 2001
Nr. 21).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
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den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Gemäss ständiger
Rechtsprechung sind die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht
auf den Vollzug der Wegweisung alternativer Natur. Sobald eine davon
erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere
Anwesenheit der betroffenen Person gemäss den Bestimmungen über
die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748;
EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).
7.2 Nachdem das BFM im Rahmen des Schriftenwechsels mit Verfügung
vom 30. April 2010 die angefochtene Verfügung vom 25. Januar 2010
teilweise – nämlich die Flüchtlingseigenschaft und den Wegweisungsvoll-
zug betreffend – in Wiedererwägung gezogen und die vorläufige Aufnah-
me der Beschwerdeführenden angeordnet hat, ist das vorliegende Ver-
fahren gegenstandslos geworden, soweit in der Beschwerde die Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft beantragt wird. Die Beschwerde ist mithin
insoweit zufolge Wegfalls des Streitgegenstandes als gegenstandslos
geworden abzuschreiben. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zur
Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
7.3 Mit Blick auf den am (...) 2011 geborenen Sohn der Beschwerdefüh-
rerin, C._, ist festzustellen, dass der Säugling nicht Gefahr laufen
dürfte, von der seiner Mutter drohenden Verfolgung im Sinne einer Re-
flexverfolgung mitumfasst zu werden. Da er die Flüchtlingseigenschaft
nach Art. 3 AsylG nicht selbstständig erfüllt, ist er durch Einbezug in die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin auf Grundlage von Art. 51
Abs. 1 bzw. Art. 51 Abs. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen, zumal kei-
ne gegen einen Einbezug sprechende Umstände ersichtlich sind.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführenden
bezüglich der Frage der Gewährung von Asyl nicht gelungen ist, darzu-
tun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig feststellt und
unangemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit sie
nicht als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist.
9.
9.1 Die Beschwerdeführenden sind im vorliegenden Verfahren unterle-
gen, soweit sie beantragen, es sei die Verfügung des BFM vom
25. Januar 2010 aufzuheben und ihnen Asyl zu gewähren, weshalb sie
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grundsätzlich in reduziertem Umfang kostenpflichtig würden (vgl. Art. 63
Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde vom 25. Februar 2010 indessen nicht
als aussichtslos zu erachten war und von ihrer Bedürftigkeit auszugehen
ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG – soweit nicht gegenstandslos geworden
– gutzuheissen und von der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen.
9.2 Bezüglich Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft sind die Be-
schwerdeführenden zufolge der teilweisen Wiedererwägung der ange-
fochtenen Verfügung mit ihrem Rechtsanspruch durchgedrungen. Es sind
deshalb keine Verfahrenskosten zu erheben.
10.
Den Beschwerdeführenden ist – soweit die Gegenstandslosigkeit des
Verfahrens durch das BFM bewirkt wurde – für die ihnen erwachsenen
notwendigen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 15
i.V.m. Art. 5 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Mit Eingabe vom 19. Juni 2012 ist eine Kostennote einge-
reicht worden, in welcher der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden
einen zeitlichen Vertretungsaufwand von insgesamt 17.25 Stunden (bei
einem Stundenansatz von Fr. 200.–) und Auslagen von insgesamt
Fr. 51.– ausweist. Der geltend gemachte Zeitaufwand erscheint ange-
messen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren
(Art. 8-13 VGKE) ist den Beschwerdeführenden deshalb zu Lasten der
Vorinstanz eine um einen Drittel reduzierte Parteientschädigung von
Fr. 2512.60 (inkl. Auslagen und MwSt) zuzusprechen.
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