Decision ID: d6ee21c5-9842-4b15-b972-a8e4f882a2e4
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 12. April 2018 (DG180003)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 10. Januar
2018 (Urk. 16/6) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 47 S. 25 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der qualifizierten Widerhandlung gegen das BetmG im Sinne von Art. 19
Abs. 1 lit. c BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das BetmG im Sinne von Art. 19
Abs. 1 lit. c BetmG.
Vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das BetmG gemäss Anklage-
sachverhalt Ziffer II (Handel mit Kokain) wird der Beschuldigte freigesprochen.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit
heute 161 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (18 Monate), abzüglich 161 Tage,
die durch Untersuchungshaft erstanden sind, wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für 7 Jahre des
Landes verwiesen.
5. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird
angeordnet.
6. Die von der Stadtpolizei Winterthur sichergestellte und beim Forensischen Institut
Zürich (FOR-Asservate-Triage) gelagerte Präzisions-Waage (A010'367'972) wird
eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
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7. Die von der Stadtpolizei Winterthur sichergestellten und bei der Kantonspolizei
Zürich, Digitale-Forensik, aufbewahrte Papierware (A010'367'961) wird dem Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieser Dispositivziffer auf erstes Verlangen
herausgegeben.
Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieser Dispositivziffer keine Herausgabe
verlangt, wird die Lagerbehörde berechtigt erklärt, die Papierware (A010'367'961)
innert weiterer 30 Tage zu verwerten oder zu vernichten.
8. Die von der Stadtpolizei Winterthur anlässlich der Verhaftung sichergestellten und
als Barkaution bei der Kasse der Staatsanwaltschaft II verbuchten Fr. 2'400.–
werden eingezogen.
9. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 999.00 Auslagen (Gutachten)
Fr. 1'190.00 Auslagen (Polizei)
Fr. 5'880.00 Telefonkontrolle
Fr. 29'910.25 ehemalige amtliche Verteidigung
Fr. 44'079.25 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten gemäss Disp.-Ziff. 9 werden dem Beschuldigten zu 3/4 auferlegt, mit
Ausnahme der Kosten für die ehemalige amtliche Verteidigung, welche einstweilen
auf die Gerichtskasse genommen werden und wofür gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
im Umfang von 3/4 eine Nachzahlungspflicht vorbehalten bleibt. Die übrigen Kosten
werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
11. (Mitteilungen.)
12. (Rechtsmittel.)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 50 S. 1; Urk. 59 S. 1)
1. Ziff. 2, 3, 4 und 5 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei milder zu bestrafen (mit einer etwas tieferen
teilbedingten Freiheitsstrafe und/oder zumindest sei der unbedingt voll-
ziehbare Teil derart zu senken, dass noch Halbgefangenschaft oder
electronic monitoring möglich ist). Vor allem sei auch auf die Anord-
nung einer Landesverweisung zu verzichten.
3. Alles unter gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 54; Urk. 61 S. 1)
Es sei das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom
12. April 2018 (DG180003) – soweit dieses nicht in Rechtskraft erwachsen
ist – vollumfänglich zu bestätigen.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
1. Prozessgeschichte
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im ange-
fochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 47 S. 3 ff.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 12. April 2018 wurde der Be-
schuldigte A._ der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmit-
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telgesetz (BetmG) im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG in Verbindung mit
Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das
BetmG im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG schuldig gesprochen. Vom Vor-
wurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das BetmG gemäss Anklage-
sachverhalt Ziffer II (Handel mit Kokain) wurde der Beschuldigte demgegenüber
freigesprochen. Das Gericht bestrafte ihn mit 36 Monaten Freiheitsstrafe unter
Anrechnung von 161 Tagen Untersuchungshaft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe
wurde im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre
festgesetzt. Ausserdem wurde der Beschuldigte für 7 Jahre des Landes verwie-
sen (Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB). Weiter wurde die Einziehung und Vernichtung
einer Präzisions-Waage, die Herausgabe von Papierware und die Einziehung des
sichergestellten Bargeldes in der Höhe von Fr. 2'400.– angeordnet (Urk. 47
S. 25 ff.).
1.3. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte durch seine Verteidigung mit
Eingabe vom 14. April 2018 rechtzeitig Berufung an (Urk. 42). Das begründete
Urteil wurde der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung des Beschuldigten am
18. bzw. 19. Juli 2018 zugestellt (Urk. 44-45).
1.4. Am 6. August 2018 liess der Beschuldigte durch Eingabe seines Verteidi-
gers ebenfalls fristgerecht die Berufungserklärung einreichen (Art. 399 Abs. 1
StPO; Urk. 50). Darin beantragte er sinngemäss eine mildere Bestrafung und ei-
nen Verzicht auf Anordnung einer Landesverweisung.
1.5. Mit Präsidialverfügung vom 8. August 2018 wurde der Staatsanwaltschaft
das Doppel der Berufungserklärung zugestellt und Frist angesetzt, um zu erklä-
ren, ob Anschlussberufung erhoben oder ein Nichteintreten auf die Berufung be-
antragt werde (Urk. 52). Mit Eingabe vom 10. August 2018 teilte die Staatsanwalt-
schaft mit, dass auf Anschlussberufung verzichtet werde und die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteil beantragt werde (Urk. 54). Bereits am 30. Juli 2018 war
überdies ein aktueller Strafregisterauszug über den Beschuldigten eingeholt
worden (Urk. 49).
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1.6. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Beglei-
tung seines erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. X._, sowie Staats-
anwalt lic. iur. P. Zanolla (Prot. II S. 3). Beweisanträge wurden im Berufungsver-
fahren nicht gestellt (Urk. 50; Urk. 59; Prot. II S. 5).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung gemäss Berufungserklärung
vom 6. August 2018 (Urk. 50) auf die Strafzumessung (Dispositivziffern 2 und 3)
und die Anordnung der Landesverweisung (Dispositivziffern 4 und 5). Nicht ange-
fochten und damit in Rechtskraft erwachsen sind die genannten Schuldsprüche
betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das BetmG und betreffend mehr-
fache Widerhandlung gegen das BetmG sowie der Freispruch betreffend quali-
fizierte Widerhandlung gegen das BetmG gemäss Anklagesachverhalt Ziffer II
(Dispositivziffer 1), die Einziehung und Vernichtung der Präzisions-Waage (Dis-
positivziffer 6), die Herausgabe der Papierware (Dispositivziffer 7), die Einziehung
der Barkaution von Fr. 2'400.– (Dispositivziffer 8), die Kostenfestsetzung und
-auferlegung (Dispositivziffern 9 und 10).
2.2. Von der Rechtskraft der nicht angefochtenen Ziffern des Urteilsdispositivs
der Vorinstanz ist mittels Vorabbeschluss Vormerk zu nehmen (Art. 404 Abs. 1
StPO i.Vm. Art. 402 StPO).
II. Strafzumessung
1. Strafrahmen
Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt, was auch von der Ver-
teidigung anerkannt wurde (Urk. 59 S. 3). Es ist eine Strafe im Bereich zwischen
einem und zwanzig Jahren festzusetzen (Urk. 47 S. 13, Art. 19 Abs. 2 BetmG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 StGB).
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2. Tatverschulden
Ausgangspunkt beim objektiven Tatverschulden ist die Menge des gehandelten
Heroins von insgesamt 108 Gramm reinem Wirkstoff. Es handelt sich um das
Neunfache der Menge von 12 Gramm, welche nach ständiger Bundesgerichts-
praxis den schweren Fall mit einer Mindeststrafe von einem Jahr begründet
(BGE 109 IV 145). Hinzu kommen 4,4 Gramm reines Kokain. Der Beschuldigte
verkaufte während rund zwei Jahren Heroin und Kokain an diverse Abnehmer.
Zutreffend ist, dass der Beschuldigte im unteren – aber nicht untersten – Bereich
der Drogenhandelshierarchie anzusiedeln ist. Die Verteidigung bringt vor, beim
Beschuldigten handle es sich nicht um einen gewichtigen Drogenhändler, denn er
habe nicht im grossen Stil Drogen in Umlauf gebracht, sondern über einen langen
Zeitraum die relativ geringe Menge von 108g Heroin verkauft, während ein gros-
ser Drogenhändler diese Menge innert weniger Tage abgesetzt hätte (Prot. II
S. 7). Der Beschuldigte handelte wohl tatsächlich nicht besonders intensiv mit
Drogen, doch hielt er seinen deliktischen Willen über eine lange Zeit von rund
zwei Jahren aufrecht. Weiter war der Beschuldigte nicht süchtig und handelte aus
rein finanziellen Motiven. Die gesamten Umstände dokumentieren, dass er kein
Alleintäter war, sondern Teil der organisierten Kriminalität, wenn auch nicht im
Sinne einer Bandenmässigkeit gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG. So hatte der
Beschuldigte die Bereitschaft, gemäss Anweisungen an beliebig viele Abnehmer
zu liefern und nahm dafür Geld entgegen, die Identität der Lieferanten wurde
verdunkelt, der Beschuldigte wechselte mehrfach seine Handynummer und es
konnte bei ihm zuhause eine Präzisionswaage zum Abwägen von Drogen sicher-
gestellt werden (Urk. 11/1-2; Prot. I S. 25). Wenn die Vorinstanz aufgrund der
gesamten Umstände zu einer Einsatzstrafe von 30 Monaten bzw. zweieinhalb
Jahren für das als nicht mehr leicht eingestufte Tatverschulden kam (Urk. 47
S. 15 f.), so erscheint dies eher hoch, aber durchaus angemessen. Entgegen der
Ansicht der Verteidigung berücksichtigte die Vorinstanz die Vorstrafen des Be-
schuldigten bei der Festsetzung der Einsatzstrafe nicht straferhöhend (Urk. 59
S. 4), sondern sie begründete lediglich das beim Beschuldigten vorhandene Be-
wusstsein, dass er mit seinen Handlungen eine schwere Straftat begehe, mit der
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einschlägigen Vorstrafe (vgl. Urk. 47 S. 15). Damit hat die Vorinstanz nicht gegen
das Doppelverwertungsverbot verstossen.
Kein Glauben geschenkt werden kann der Behauptung des Beschuldigten, wo-
nach er von seinem Gläubiger und späteren Drogenlieferanten namens "B._"
wegen einer Darlehensschuld von Fr. 15'000.– unter Androhung von Schlägen
und dem Tod zum Drogenhandel gezwungen worden sei (Prot. I S. 12; Urk. 58
S. 10 f.). Insbesondere der Umstand, dass der Beschuldigte keinerlei Angaben
über seinen angeblichen Darlehensgeber und Drogenlieferanten machen konnte
oder wollte, macht seine Schilderung unglaubhaft. Er blieb auch an der heutigen
Berufungsverhandlung dabei, dass er weder den richtigen Namen, noch den
Wohnsitz oder die Staatsangehörigkeit von "B._" kenne (Urk. 58 S. 11).
Wenn ein Beschuldigter eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne dass er
diese wenigstens in einem Mindestmass glaubhaft machen kann, findet der
Grundsatz in «dubio pro reo» keine Anwendung (Urteile des Bundesgerichts
1P.641/2000 vom 24. April 2001, publ. in: Pra 90/2001 Nr. 110, E. 3 und 4;
6B_562/2010 vom 28. Oktober 2010 E. 2.1; je mit Hinweisen). Es tritt nämlich in-
soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-
behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfeste Beweise wider-
legt werden muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse
Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Rich-
tigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zu Zweifeln Anlass gibt, oder wenn
der Beschuldigte sie sonst wie glaubhaft macht (vgl. OGer ZH, SB160176-O/U
vom 20. September 2016, E. III/3.3; Stefan Trechsel, SJZ 77 [1981] S. 320). An-
dernfalls könnte jede Anklage mit einer abstrusen Schutzbehauptung zu Fall ge-
bracht werden. Es mag sein, dass der Darlehensgläubiger des Beschuldigten ei-
nen gewissen Druck aufsetzte. Die Auffassung des Verteidigers, wonach der Be-
schuldigte wegen der Drohungen in seiner Handlungs- bzw. Entscheidungsfreiheit
in relevantem Masse eingeschränkt gewesen sei (Urk. 37 S. 8; Urk. 59 S. 5), geht
jedoch zu weit. Wer Schulden hat, steht immer unter einem gewissen Druck diese
zu begleichen. Trotzdem lässt dies das Verschulden für den Einstieg in den Dro-
genhandel nicht geringer erscheinen. Der Beschuldigte verfügte (wie auch seine
Ehefrau) über ein Arbeitseinkommen und zeigte sich gegenüber seinem Gläubi-
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ger nach eigenen Angaben nicht generell zahlungsunwillig (Urk. 58 S. 10). Dass
Letzterer seine angeblichen Drohungen wahr gemacht hätte, erscheint deshalb
völlig unwahrscheinlich. Und wenn der Beschuldigte tatsächlich wegen einer
Schuld von Fr. 15'000.– mit dem Tod bedroht worden wäre, hätte er sich an die
Polizei wenden können. Diese hätte denn auch alles Interesse daran gehabt, den
angeblich drohenden unbekannten Drogenlieferanten namens „B._“ zu fas-
sen. Bei einer Güterabwägung wäre eine Anzeige jedenfalls durchaus zumutbar
gewesen. Auch der Umstand, dass er jeweils einen Teil der Einnahmen für sich
selbst behalten konnte (Urk. 2/2 S. 5), spricht gegen die geltend gemachte Be-
drohung durch "B._".
Der Beschuldigte betätigte sich vorsätzlich im Drogenhandel – offenbar einzig, um
einen unrechtmässigen Nebenverdienst zu erwerben.
3. Täterkomponenten
Auch den Ausführungen der Vorinstanz zu den Täterkomponenten kann zuge-
stimmt werden (Urk. 47 S. 14 f.). Die persönlichen Verhältnisse wirken sich nicht
auf die Strafzumessung aus. Der Beschuldigte hatte sowohl im Tatzeitraum als
auch heute eine Arbeitsstelle mit einem regelmässigen Einkommen. Er war nie
drogensüchtig (Urk. 58 S. 2-6, S. 11).
Dem Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister sind folgende Vorstrafen zu
entnehmen (Urk. 49):
- Mit Urteil des Obergerichts Zürich vom 21. August 1995 wurde der Beschuldig-
te wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Hehlerei zu einer
Zuchthausstrafe von fünf Jahren verurteilt. Am 29. Mai 1999 erfolgte die be-
dingte Entlassung des Beschuldigten aus dem Strafvollzug.
- Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat wurde der Beschuldigte
am 9. Dezember 2009 wegen mehrfacher Verfügung über mit Beschlag belegte
Vermögenswerte zu gemeinnütziger Arbeit im Umfang von 240 Stunden ver-
urteilt.
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- Wegen des gleichen Deliktes sowie wegen Beschäftigung von Ausländern
ohne Bewilligung erging am 14. Juli 2010 ein weiterer Strafbefehl und der Be-
schuldigte wurde mit einer Geldstrafe von 45 Tagesätzen zu Fr. 50.– bestraft.
- Am 5. August 2013 sanktionierte ihn die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
erneut mit Strafbefehl wegen versuchten Betrugs mit einer Geldstrafe von
45 Tagessätzen zu Fr. 50.–.
- Die Deliktsserie setzte sich fort und am 27. Februar 2014 erging ein Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Winterthur wegen Vergehen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz. Es wurde eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 50.– aus-
gesprochen.
- Am 18. Februar 2016 verurteilte die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
den Beschuldigten wegen Betrugs und sprach eine Geldstrafe von 60 Tages-
sätzen zu Fr. 50.– aus.
- Schliesslich erging am 11. August 2016 ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland. Wegen fahrlässiger grober Verkehrsregelverletzung bestrafte
sie den Beschuldigten mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 60.–.
Wenn die Vorinstanz wegen diesen zum Teil einschlägigen Vorstrafen lediglich
eine Straferhöhung um einen Drittel vornimmt, ist dies vertretbar, aber sicher
wohlwollend. Ein Fall, in welchem ein Täter zum ersten Mal so delinquiert, wie
vorliegend der Beschuldigte, wäre ganz anders zu beurteilen gewesen. Beim Be-
schuldigten kann man mit Fug nicht mehr von einer zweiten Chance sprechen, die
ihm zu gewähren sei. Auch wenngleich die erste, gravierendste Vorstrafe schon
lange zurückliegt, so ist doch festzustellen, dass sich der Beschuldigte durch die
fünfjährige Freiheitsstrafe wegen Drogenhandels offenbar nicht genügend be-
eindrucken liess. Die dazwischen liegenden weiteren Vorstrafen – in stattlicher
Anzahl – runden dieses Bild ab. Dem Beschuldigten ist die hiesige Rechtsord-
nung weitgehend egal. Die ausgesprochenen Strafen waren für ihn nichts ande-
res als vorübergehende Unannehmlichkeiten. Wer derart regelmässig delinquiert,
offenbart, dass er nicht gewillt ist, sich an die Rechtsordnung zu halten.
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Richtig erscheint es, das teilweise Geständnis ganz leicht strafmindernd zu ver-
anschlagen. Tatsache bleibt aber, dass der Beschuldigte seinen Lieferanten nach
wie vor deckt und mehrheitlich nur das zugegeben hat, was durch andere Be-
weismittel dokumentiert war. Von kooperativem Verhalten in der Untersuchung
oder einem Geständnis, das die Untersuchung erleichtert hat, kann jedenfalls
nicht gesprochen werden. So gab er in der ersten Einvernahme lediglich die un-
entgeltliche Abgabe von 10 Gramm Heroingemisch an einen Abnehmer zu. Erst
später, auf Vorhalt der konkreten Belastungen der weiteren Abnehmer, räumte er
nach und nach mehrere und grössere Verkäufe ein.
Unter Würdigung aller massgebenden Faktoren der Strafzumessung ist eine Stra-
fe von 36 Monaten angemessen, jedenfalls keinesfalls zu hoch. Der Anrechnung
der erstandenen Haft von 161 Tagen steht nichts entgegen.
III. Vollzug
Ein vollständiger Aufschub des Vollzugs einer Strafe ist bei diesem Strafmass
nicht möglich (Art. 42 Abs. 1 StGB). Dass die Vorinstanz im Rahmen des gewähr-
ten teilbedingten Vollzugs vom Fehlen einer ungünstigen Prognose ausging, war
sehr wohlwollend (Urk. 47 S. 19). Es ist fraglich, ob diese Voraussetzung vor-
liegend gegeben ist, jedoch kann der Berufungsentscheid nicht zu Lasten des Be-
schuldigten abgeändert werden (Art. 391 Abs. 2 StPO). Bei Gewährung des teil-
bedingten Strafvollzugs darf der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe
nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Ausserdem muss sowohl der aufgescho-
bene wie auch der zu vollziehende Teil der Freiheitsstrafe mindestens 6 Monate
betragen (Art. 43 Abs. 3 Satz 1 StGB). Das Verhältnis der Strafteile ist so festzu-
setzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einer-
seits und dessen Einzeltatschuld andererseits hinreichend zum Ausdruck kom-
men. Je günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat sind,
desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein (BGE 134
IV 97, E. 6.3.4.3; BGE 134 IV 1, E. 6). Die vorinstanzliche, hälftige Aufteilung
des vollziehbaren bzw. aufgeschobenen Anteils der Strafe ist angemessen. Die
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sieben zum Teil einschlägigen Vorstrafen und das halbherzige Geständnis bzw.
die fehlende Kooperation im Untersuchungsverfahren verbieten es, den vollzieh-
baren Anteil tiefer anzusetzen. Aufgrund des stark getrübten strafrechtlichen
Vorlebens des Beschuldigten ist auch die Dauer der Probezeit für den bedingten
Teil der Strafe von vier Jahren angemessen.
IV. Landesverweisung
Das Gericht kann gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB ausnahmsweise von einer Lan-
desverweisung absehen, wenn diese für den Ausländer einen schweren persön-
lichen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der Landes-
verweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in
der Schweiz nicht überwiegen. Auch zur Landesverweisung ist den Erwägungen
der Vorinstanz zuzustimmen (Urk. 47 S. 19-23). Auch wenn ein Teil der Delikte
vor dem 1. Oktober 2016 begangen wurde, d.h. vor dem Zeitpunkt des Inkraft-
tretens der neuen Bestimmungen über die Landesverweisung gemäss Art. 66a ff.
StGB, so ist auch jener Teil, der danach begangen wurde, in rechtlicher Hinsicht
als qualifizierter Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19
Abs. 2 lit. a BetmG zu bewerten. Insofern spielt der Grundsatz des milderen
Rechts gemäss Art. 2 StGB entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 59 S. 7)
keine Rolle (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 14. August 2018,
6B_1043/2017 E. 3, wo ein Teil der Taten vor, ein Teil nach dem Inkrafttreten der
Landesverweisung begangen worden war). Voraussetzung für die Anwendung
von Art. 66a StGB ist, dass der Täter mindestens eine Katalogtat nach dem
1. Oktober 2016 begangen hat, was vorliegend der Fall ist.
1. Kein schwerer persönlicher Härtefall
Für eine gewisse Härte bei einer Landesverweisung spricht der Umstand, dass
der Beschuldigte seit 32 Jahren in der Schweiz weilt und hier seit 2016 mit einer
Serbin verheiratet ist und lebt, welche ein Kind von ihm erwartet. Beide Ehegatten
haben eine Arbeitsstelle. Weiter beruft sich der Beschuldigte auf den Umstand,
dass ein weiteres neunjähriges Kind von ihm hier in der Schweiz lebt, welches er
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regelmässig an gewissen Wochenenden sowie ab und zu auch kurz unter der
Woche sieht (Urk. 58 S. 2 f., S. 9). Allzu eng kann der Kontakt allerdings nicht
sein, wusste er doch bei der vorinstanzlichen Befragung das Geburtsdatum des
Kindes nicht und er bezahlt auch keine Unterhaltsbeiträge (Prot. I S. 22 und 24;
Urk. 58 S. 3). Auch dass seine serbische Ehefrau, die ihre Aufenthaltsbewilligung
aufgrund der Heirat mit dem Beschuldigten erhalten hat, es möglicherweise vor-
zieht, hier in der Schweiz zu wohnen anstatt nach Istanbul zu ziehen, wird nicht in
Abrede gestellt. Grundsätzlich ist gemäss Strafgesetzbuch im Rahmen der Lan-
desverweisung jedoch nur zu prüfen, ob ein schwerer persönlicher Härtefall in
Bezug auf den Auszuweisenden besteht und nicht, inwieweit eine Ausweisung
hart für Dritte, beispielsweise Familienangehörige, ist. Soweit Staatsvertragsrecht
etwas anderes verlangt, wird nachfolgend noch darauf eingegangen.
Was der Beschuldigte zu seiner Gefährdung in der Türkei wegen seiner angeb-
lichen Nähe zur Gülen-Bewegung ausführte, vermag nicht zu überzeugen. Es gilt
diesbezüglich, was bereits im Rahmen der Strafzumessung zur Mitwirkungspflicht
im Strafverfahren erwogen wurde. Die Angaben des Beschuldigten sind weder
konkret noch glaubhaft (Prot. I S. 23; Urk. 59 S. 8 f., Urk. 60/5-6). Vor rund
11⁄2 Jahren konnte der Beschuldigte noch unbehelligt in die Türkei ein- und aus-
reisen. Auch seine Eltern und eine seiner Schwestern leben heute wieder dort,
nämlich in Istanbul, und werden offenbar von staatlichen Behörden nicht behelligt.
Seine Mutter reist nach Angaben des Beschuldigten regelmässig von der Türkei
in die Schweiz (Urk. 58 S. 6).
Andererseits ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte seine ersten sechzehn
Lebensjahre in seiner Heimat, der Türkei, verbrachte und dort die Schule besucht
hat. Nach seinen Angaben verbrachten seine Eltern einige Jahre in der Schweiz,
sind dann aber aus eigenem Wunsch wieder in die Türkei zurückgekehrt (Prot. I
S. 18). Seine Mutter verfüge noch über die Niederlassungsbewilligung C und
komme regelmässig auf Besuch in die Schweiz. Wenngleich stets die individuel-
len Verhältnisse zu berücksichtigen sind, zeigen doch die Eltern des Beschuldig-
ten in exemplarischer Weise, dass eine Rückkehr in die Türkei nicht derart
schlimm und unzumutbar ist, wie es die Verteidigung geltend macht. Der Be-
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schuldigte hat viele Jahre in der Gastronomie gearbeitet, spricht einigermassen
deutsch aber fliessend seine türkische Muttersprache. Er verfügt über die türki-
sche Staatsbürgerschaft und versuchte im Übrigen nie, sich in der Schweiz ein-
bürgern zu lassen (Urk. 58 S. 6 f.), was zeigt, dass er sich nach wie vor sehr
verbunden fühlt mit der Türkei. Mit seinen 48 Jahren wird es ihm voraussichtlich
möglich sein, in der Türkei auch beruflich wieder Fuss zu fassen. Dass er hier in
der Schweiz Freunde und Bekannte hat, sich sein soziales Netz somit derzeit in
der Schweiz befindet, begründet noch keinen schweren persönlichen Härtefall. So
steht beispielsweise jeder Auswanderer vor der Herausforderung, sich ein neues
soziales Netzwerk aufzubauen. Hält man sich vor Augen, dass gemäss Gesetz-
geber eine schwere persönliche Härte der Ausnahmefall bleiben soll, beispiels-
weise für Personen, welche hierzulande geboren und aufgewachsen sind und
weder die Muttersprache beherrschen noch irgendwelche Beziehungen zum
Heimatland haben, so ist vorliegend eine schwere persönliche Härte für den Be-
schuldigten zu verneinen.
2. Überwiegendes öffentliches Interesse
Darüber hinaus belegen die zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten in den ver-
gangenen Jahren auch ein eminentes Interesse der Öffentlichkeit daran, dass er
nicht weiter hierzulande delinquieren kann. Wie erwähnt, ist insbesondere nicht
nachvollziehbar, wie der Beschuldigte, nachdem er bereits mehrere Jahre wegen
Betäubungsmittelhandel im Gefängnis verbrachte, nun erneut in den illegalen
Drogenhandel einstieg. Dafür, sowie für die weiteren sechs Vorstrafen in den letz-
ten zehn Jahren, gibt es nur eine Erklärung: Der Beschuldigte ist entweder nicht
willens oder nicht fähig, sich unter den gegebenen Umständen an die hiesige
Rechtsordnung zu halten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Oktober 2018,
6B_651/2018, E. 8, wonach bei der Prüfung der überwiegenden Interessen u.a.
auch der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz Rechnung zu tragen ist,
wobei das Gericht diesbezüglich auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB
begangene Straftaten berücksichtigen darf). Das öffentliche Interesse ist gegen-
über seinem privaten überwiegend.
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3. Verstoss gegen EMRK und die KRK
Die Verteidigung bringt vor, dass eine Landesverweisung aufgrund der familiären
Verhältnisse gegen die EMRK verstosse (Urk. 37 S. 10; Urk. 59 S. 9). Gemäss
dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewährt Art. 8 EMRK dem
Ausländer nicht ein Recht, in das Hoheitsgebiet eines Staates einzureisen oder
sich dort aufzuhalten (BGE 142 II 35 Erw. 6). Dasselbe gilt hinsichtlich der Uno-
Kinderrechtskonvention (KRK). Demgegenüber kann die Ausweisung einer Per-
son aus einem Land, in welchem seine nahen Verwandten wohnen, einen Eingriff
in das durch Art. 8 EMRK gewährte Recht auf Achtung des Familienlebens dar-
stellen (Urteil des Bundesgerichts 6B_506/2017 vom 14. Februar 2018 E. 2.2;
Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte Hasanbasic gegen die
Schweiz vom 11. Juni 2013 [requête no 52166/09] § 46). Im Rahmen ihrer Auf-
gabe, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, sind die Vertragsstaaten befugt,
einen wegen Straftaten verurteilten Ausländer des Landes zu verweisen. Sofern
ein solcher Entscheid jedoch einen Eingriff in die durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK ge-
währten Rechte zur Folge hat, muss dieser im geltenden Recht vorgesehen und
in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sein, was voraussetzt, dass der
Eingriff durch ein dringendes soziales Bedürfnis gerechtfertigt und gegenüber
dem verfolgten legitimen Ziel verhältnismässig ist (Urteil des Bundesgerichts
6B_506/2017 vom 14. Februar 2018 E. 2.2; Urteil des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte vom 10. Januar 2017 Salija gegen die Schweiz [requête no
55470/10] § 41; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom
18. Oktober 2006 Üner gegen die Niederlande [requête no 46410/99], Recueil de
la CourEDH 2006-XII p. 177 § 57). Es ist zu prüfen, ob die ins Auge gefasste
Massnahme in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen dem Recht des Be-
troffenen auf Achtung seines Privat- und Familienlebens einerseits und dem
Schutz der öffentlichen Ordnung und der Verhinderung von Straftaten anderer-
seits steht (Urteil des Bundesgerichts 6B_506/2017 vom 14. Februar 2018 E. 2.2;
Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte Hasanbasic gegen die
Schweiz vom 11. Juni 2013 [requête no 52166/09] § 56). Handelt es sich wie
vorliegend um einen betroffenen Ausländer, welcher erst im jugendlichen oder
erwachsenen Alter in die Schweiz kam – der Beschuldigte kam 1986 im Alter von
- 16 -
16 Jahren in die Schweiz – sind zur Beurteilung der Frage, ob der Eingriff in seine
Rechte in einer demokratischen Gesellschaft notwendig und gegenüber dem
verfolgten Ziel verhältnismässig ist, die nachfolgenden Kriterien heranzuziehen
(Urteil des Bundesgerichts 6B_506/2017 vom 14. Februar 2018 E. 2.2; Urteil des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 22. Mai 2008 [requête no
42034/04] § 68; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom
18. Oktober 2006 Üner gegen die Niederlande [requête no 46410/99], Recueil de
la CourEDH 2006-XII p. 177 § 57):
- die Art und Schwere der durch den Beschuldigten begangenen Straftat;
- die Dauer des Aufenthalts des Beschuldigten in dem Land, aus dem er aus-
gewiesen werden soll;
- die seit der Tatzeit verstrichene Zeitspanne und das Verhalten des Beschuldig-
ten in dieser Zeit sowie
- die Festigkeit der sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum Gaststaat
und zum Bestimmungsland.
Auch die Abwägung dieser Kriterien spricht nicht gegen eine Landesverweisung.
Beim Drogenhandel mit qualifizierten Mengen gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG
handelt es sich um eine schwere Straftat. Das Verhalten des Beschuldigten in den
letzten Jahren mit sieben, zum Teil einschlägigen Vorstrafen muss in strafrecht-
licher Hinsicht als gravierend bezeichnet werden. Seine serbische Ehefrau ist zu-
dem weder hier geboren, hat ihre Aufenthaltsbewilligung nur wegen der Heirat mit
dem Beschuldigten und lebt erst seit 2016 mit ihm hier in der Schweiz zusammen.
Es wäre ihr und dem noch ungeborenen Kind auch zumutbar, in der Türkei zu-
sammen mit dem Ehemann und Vater leben. Zum weiteren hierzulande wohnen-
den Kind des Beschuldigten hat dieser wie erwähnt, zwar regelmässigen Kontakt
aber keine besonders enge Beziehung, welche über das normale Verhältnis zu
einem Kind hinausginge, das beim anderen Elternteil lebt. Es ist im Übrigen daran
zu erinnern, dass das Staatsekretariat für Migration bei Landesverweisungen
auch temporäre Einreisebewilligungen zur Wahrung eines Besuchsrechts ge-
währen kann.
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4. Dauer der Landesverweisung
Aufgrund der Schwere des begangenen Deliktes und der fortwährenden Delin-
quenz in den letzten zehn Jahren kann die Dauer der Landesverweisung nicht am
untersten Rahmen von fünf Jahren gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB liegen. Die von
der Vorinstanz erwogene Dauer von sieben Jahren ist keinesfalls zu hoch, kann
wegen Art. 391 Abs. 2 StPO aber auch nicht erhöht werden. Gemäss dieser Be-
stimmung darf ein Rechtsmittelentscheid nicht strenger ausfallen, wenn das
Rechtsmittel nur vom Beschuldigten erhoben wurde.
5. SIS-Ausschreibung
Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 23). Auch die Verteidigung bringt dagegen
über den Eventualfall nichts vor.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Der Beschuldigte unterliegt vollumfänglich mit seiner Berufung. Ausgangsgemäss
hat er die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen (Art. 428 StPO).