Decision ID: 8b2a870c-fb4a-4c92-be0a-079c4b20c995
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
Das Migrationsamt des Kantons Zürich stellte mit Verfügung vom 5. März 2012 fest, dass die Niederlassungsbewilligung von A erloschen sei und setzte ihm zur Ausreise eine Frist bis 5. Juni 2012.
Den dagegen erhobenen Rekurs wies die Sicherheitsdirektion am 23. November 2012 ab und setzte dem Beschwerdeführer zum Verlassen der Schweiz eine neue Frist bis 28. Februar 2013. Dagegen gelangte A erfolglos zunächst ans Verwaltungsgericht und hernach ans Bundesgericht, das die Beschwerde am 17. Februar 2014 abwies.
Unter Hinweis auf das bundesgerichtliche Urteil setzte das Migrationsamt A mit Schreiben vom 19. Februar 2014 eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz bis 20. März 2014.
II.
Gegen diese neue Fristansetzung durch das Migrationsamt rekurrierte A an die Sicherheitsdirektion mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur neuen Entscheidung ans Migrationsamt zurückzuweisen, eventualiter eine neue Ausreisefrist bis mindestens 30. Juni 2014 anzusetzen. Mit Entscheid vom 8. Mai 2014 wurde der Rekurs abgewiesen. Infolge Zeitablaufs ordnete die Rekursinstanz eine neue Ausreisefrist bis 15. Juni 2014 an.
III.
Mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht vom 11. Juni 2014 beantragte A die Aufhebung des Rekursentscheids und die Ansetzung einer neuen Ausreisefrist vom mindestens 60 Tagen seit Eintritt der Rechtskraft, eventualiter sei die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Kosten des Rekursverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen und es sei ihm für das Rekursverfahren eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zur Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfolge an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
Die dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 12. Juni 2014 auferlegte Kaution von Fr. 2'000.- wurde innert erstreckter Frist bezahlt.
Das Migrationsamt hat sich innerhalb der bis 18. August 2014 laufenden Frist zur Beschwerdeantwort nicht geäussert; die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion verzichtete ausdrücklich auf eine Vernehmlassung.
Die Kammer

erwägt:
1.
Der angefochtene Rekursentscheid betrifft eine Vollstreckungsverfügung. Auch eine solche Anordnung ist jedenfalls unter Berufung auf verfahrensrechtliche Garantien anfechtbar. Dabei kann etwa geltend gemacht werden, die Vollstreckungsverfügung sei unverhältnismässig (vgl. Tobias Jaag in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], Zürich etc. 2014
[Kommentar VRG]
, §
30 N. 82; VGr, 1.
März 2012, VB.2011.00455, E.
1.3).
Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht wurde und der Beschwerdeführer die auferlegte Kaution rechtzeitig bezahlt hat, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Der Beschwerdeführer wirft der Rekursbehörde eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.
2.1
Mit
seiner
Stellungnahme zum Rekurs vom 22.
April 2014 hatte d
er
Beschwerdegegner ein Schreiben des Bundesamts für Migration eingereicht; darin wird die Festsetzung der Ausreisefrist als nicht beschwerdefähige Verfügung qualifiziert. Nach Zustellung dieser Vernehmlassung an den Beschwerdeführer verlangte dieser mit Eingabe vom 5. Mai 2014 die Ansetzung einer mindestens 20-tägigen Frist, um zur Eingabe Stellung nehmen zu können. Die Vorinstanz entsprach diesem Gesuch nicht und fällte am 8.
Mai 2014 den Rekursentscheid. In der Nicht
berücksichtigung seiner Eingabe vom 5. Mai 2014 erblickt der Beschwerdeführer eine Verletzung des Gehörsanspruchs.
2.2
Der
Anspruch auf rechtliches Gehör
ist
verfassungsmässige
r Natur (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV]). Der Anspruch beinhaltet unter anderem ein verfahrensrechtliches Äusserungsrecht
; im Rechtsmittelverfahren darf sich
eine Partei
zu Eingaben von Vorinstanz und Gegenpartei äussern, soweit diese Eingaben neue erhebliche Vorbringen enthalten, die geeignet sind, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 138 I 154 E.
2.3.2, 114 Ia 307 E.
4b; Griffel, §
26b N.
37).
2.3
In der st
rei
tbetroffenen Vernehmlassung vom 22.
April 2014 stellte sich das Migrationsamt sinngemäss auf den Standpunkt, die in
f
rage stehende Festsetzung der Ausreisefrist sei nicht anfechtbar. Hätte sich die Rekursbehörde dieser Auffassung angeschlossen
beziehungsweise eine solche in Betracht gezogen
, so wäre dem Beschwe
r
deführer zur Wahrung des rechtlichen Gehörs Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen gewesen. Dies war indessen nicht der Fall. Die Rekursbehörde vertrat vielmehr die gegen
teilige Auffassung, nämlich dass es sich bei der Anordnung des Migrationsamts um eine rekursfähige Verfügung handelt; dementsprechend trat sie auf den Rekurs ein. Damit erwies sich die Vernehmlassung des Migrationsamts als irrelevant für den Ver
fahrensausgang.
Soweit das Migrationsamt in der Eingabe überdies – ohne relevante ergänzende Begründung – an ihrem Entscheid festhielt, liegen keine Noven vor. Es ist deshalb ohne Belang, dass die Rekursabteilung unter Hinweis auf die Vernehmlassung ausführte, das Migrationsamt halte an seinem Entscheid fest. Dementsprechend war die Rekursabteilung befugt, den Entscheid ohne Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels zu treffen.
2.4
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass nur im Gerichtsverf
ah
ren der Anspruch besteht, sich zu jeder Eingabe von Vorinstanz oder Gegenpartei zu äussern, unabhängig davon, ob diese neue und erhebliche Gesichtspunkte enthält (BGE 138 I 154 E.
2.5; Griffel, §
26b N.
38). Bei der Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion handelt es sich nicht um eine Gerichtsbehörde.
3.
3.1
I
n
seiner
ursprünglichen Verfügung vom 5.
März 2012
hatte d
er
Beschwerdegegner
eine
weitere Aufenthaltsberechtigung
des Beschwerdeführers
in der Schweiz verneint
und ihm in
Anwendung von Art.
64d Abs.
1
des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 (
AuG
)
eine Ausreisefrist bis 5.
Juni 2012 angesetzt.
Während des Weiterzugs der Aufenthaltsverweigerung bis vor Bundesgericht ist diese Ausreisefrist abgelaufen.
3.2
Verfällt eine angesetzte Ausreisefrist während eines Rechtsmittelverfahrens mittels Zeitablaufs, hat das Migrationsamt nach Abschluss des
Rechtsmittelverfahrens mittels einer beschwerdefähigen Vollstreckungsverfügung eine neue Frist anzusetzen (
VGr, 2. Oktober 2013, 2013.00349, E. 3;
Andrea Binder Oser, in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar SHK, Kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 66 N. 3
).
Nach Abweisung der Beschwerde durch das Bundesgericht hat das Migrationsamt somit kompetenzgemäss eine neue Ausreisefrist angesetzt.
3.3
Nach Auffassung des Beschwerdeführers hätte er vor Ansetzung einer neuen Wegweisungsfrist
allerdings
angehört werden müssen. Zudem sei die Anordnung nicht begründet worden. Dieser Auffassung schloss sich die Rekursinstanz zumindest sinngemäss an, erachtete es aber als gerechtfertigt, die Korrektur der Gehörsverletzung im Rekursverfahren zuzulassen. Nach Auffassung des Beschwerdeführers war eine Heilung der Gehörsverletzungen nicht zulässig; vielmehr hätte die Rekursbehörde die Sache zu neuem Entscheid ans Migrationsamt zurückweisen müssen.
Zu prüfen ist demnach, inwieweit das Migrationsamt tatsächlich eine Gehörsverletzung begangen hat und gegebenenfalls, ob es der Rekursbehörde verwehrt war, den Mangel zu heilen und in der Sache selbst zu entscheiden.
3.4
F
ür
einen
Betroffenen
besteht grundsätzlich
Anspruch, vor Erlass einer belastenden Verfügung angehört zu werden (vgl. etwa Griffel, Kommentar VRG, §
8 N.
30).
3.4.1
Wie gesehen hat das Migrationsamt allerdings bereits einmal über die Dauer der Wegweisungsfrist entschieden und war diese lediglich aufgrund ihres Ablaufs neu festzusetzen. Insofern ist die Sachlage mit derjenigen einer Rückweisung durch die Rechtsmittelbehörde vergleichbar. Steht wie hier ein Ermessensentscheid im Raum, so kann die Rechtsmittelbehörde – anstatt selbst einen Entscheid in der Sache zu fällen – diesen Entscheid der erstinstanzlichen Behörde überlassen. Genauso verhält es sich hier: Die Rechtsmittelinstanz, welche über die Anwesenheitsberechtigung des Ausländers negativ entschieden hat, kann eine neue Wegweisungsfrist selbst ansetzen oder diesen Entscheid dem Migrationsamt überlassen.
3.4.2
Setzt das Verwaltungsgericht bei Abweisung einer Beschwerde betreffend Aufenthalt selbst eine neue Frist zur Ausreise, so erfolgt jeweils keine Aufforderung an die Parteien, sich zur Länge dieser Frist zu äussern. Eine betroffene Partei hatte bereits im Rahmen der Rechtsmittelverfahren ausreichend Gelegenheit, sich auch zur Frage der Ausreisefrist zu äussern. Der Entscheid über die neue Ausreisefrist erfolgt deshalb aufgrund der bisherigen Akten samt Berücksichtigung der Vorbringen im bisherigen Verfahrensverlauf. Wird der Entscheid dem Migrationsamt überlassen, so setzt dieses das Verfahren lediglich wieder erstinstanzlich fort, ohne dass wegen der faktischen Rückweisung eine Aufforderung an den Betroffenen zur Stellungnahme ergehen müsste. Es handelt sich um die Fortsetzung des bisherigen Verfahrens, weshalb das Migrationsamt die neue Ausreisefrist aufgrund der bisherigen Akten und Vorbringen festlegen kann.
Dass der Beschwerdeführer vor Anordnung der neuen Ausreisefrist durch das Migrationsamt nicht nochmals angehört wurde, bedeutet demnach keine Rechtsverletzung.
3.5