Decision ID: 5e54f0f6-1402-4118-88b5-d8e62e4ae0a0
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1981,
arbeitete vom
1.
D
ezember 2016 bis zum 3
1.
Mai 2020
für die
Z._
AG als Softwareentwickler Gebäudeautomation in einem 100%-Pensum und war in dieser Eigenschaft bei der
Pensionskasse
Y._ (nachfolgend PK Y._)
berufsvorsorge
versichert (
Urk.
14/6, Kündigung vom 2
6.
Februar 2020,
Urk.
14/89/5
).
Am 2
4.
Juli 2018 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf Schäden am Nervensystem nach operativer Tumorentfernung an der Schä
delbasis mit Schmerzen beim Essen, Trinken, Zähneputzen, beeinträchtigtem Sehvermögen durch Pupillenasymmetrie, Tinnitus und schneller Ermüdung der linken Gesichtshälfte bei der
Sozialversicherungsanstalt Kanton Aargau,
IV-Stelle
,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
14/6).
Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und übernahm im Rahmen von Frühinterventionsmass
nahmen die Hälfte der Kosten für den Lehrgang Digital IT Architecture CAS - die weiteren Kosten übernahm die
Z._
als Arbeitgeber
in
(
Mitteilung
vom 2
0.
September 2018,
Urk.
14/32). Nach weiteren Abklärungen sprach die IV-Stelle dem Versicherten
mit Verfügung
en
vom
2
2.
und
2
5.
Juli 2019 ab dem
1.
Januar 2019 eine halbe Rente zu und konstatierte, dass das Wartejahr im Juni 2018 abgelaufen sei, allerdings aufgrund einer verspäteten Anmeldung erst ab dem
1.
Januar 2019 eine Rente zugesprochen werde. In diesem Zeitpunkt habe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestanden, womit
ein Anspruch auf eine halbe Rente bestehe (
Urk.
14/83-84).
Nach Kündigung des Arbeitsverhältnisses bei der
Z._
AG per 3
1.
Mai 2020 trat der Versi
cherte per
1.
Juni 2020 eine neue Stelle bei
A._
AG an (Arbeitsvertrag vom 20./2
3.
März 2020,
Urk.
14/89).
Im Rahmen der von der IV-Stelle eingeleiteten Revision im Jahr 2020 (Revisions
fragebogen vom 1
3.
Mai 2020,
Urk.
14/91) wurde die halbe Rente unverändert bestätigt (Mitteilung vom 1
4.
Oktober 2020,
Urk.
14/98).
2.
Die
PK Y._
prüfte die IV-Akten und bejahte den Anspruch auf eine berufs
vorsorgerechtliche Invalidenrente (
Urk.
9). Nachdem der Versichert
e die neue Stelle bei
A._
angetreten hatte, nahm die
PK Y._
eine neue Überentschä
digungsberechnung vor, woraus eine Kürzung der Invalidenrente und der zwei Kinderrenten
um
jährlich gerundet
Fr.
18'600.-- hervorging (Neuberechnung Überentschädigung vom 1
7.
Dezember 2020,
Urk.
2/11; vgl. auch Begründung Überentschädigung vom 1
8.
Februar 2021,
Urk.
2/13).
3.
Mit Eingabe vom 1
9.
März 2021 reichte der Versicherte am hiesigen Gericht Klage gegen die
PK Y._
ein und beantragte, dass die Beklagte dem Kläger ab dem
1.
Juni 2020 bei einem mutmasslich entgangenen Verdienst von
Fr.
120'600.-- und einer Überentschädigungsgrenze von
Fr.
108'540.-- die BVG-IV-Rente (inkl. Kinderrenten) um maximal
Fr.
2'688.
-- kürze. Die Beklagte habe ihm ab dem
1.
Juni 2020 eine
Invalidenrente der beruflichen Vorsorge
(inkl. Kinderrenten) von jä
h
r
lich
Fr.
27'876.-- bzw. monatlich
Fr.
2'323.-- zu bezahlen (
Urk.
1).
Mit Klageantwort vom
9.
Juli 2021 (
Urk.
9 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
10/2-3) schloss die Beklagte auf Abweisung der Klage. Nach Beizug der IV-Akten (
Urk.
14/1-107) hielt der Kläger
replicando
an seinen Anträgen fest (
Urk.
17). Mit Duplik vom
1.
Dezember 2021 schloss die Beklagte weiterhin auf Abweisung der Klage (
Urk.
23). Mit
Triplik
vom 1
4.
Dezember 2021 (
Urk.
25) änderte der Kläger
vor dem Hintergrund, dass er per
1.
Oktober 2021 eine neue Stelle bei der
B._
AG angetreten hatte,
seine Rechtsbegehren folgendermassen:
«1.1
Die Beklagte habe dem Kläger ab dem
1.
Juni 2020 bis Ende September 2021 bei einem mutmasslich entgangenen Verdienst von
Fr.
120'600.-- und einer Überentschädigungsgrenze von
Fr.
108'540.-- die BVG-IV-Rente (inklusive Kinderrenten) um maximal
Fr.
2'688.-- zu kürzen.
1.2
Die Beklagte habe dem Kläger ab dem
1.
Oktober 2021 bei einem mutmass
lich entgangenen Verdienst von
Fr.
122'198.-- und einer Überentschädi
gungsgrenze von
Fr.
109'978.20 eine ungekürzte BVG-IV-Rente (inklusive Kinderrenten) zu bezahlen.
2.1
Die Beklagte habe dem Kläger ab dem
1.
Juni 2020 bis Ende September 2021 eine BVG-IV-Rente (inklusive Kinderrenten) von jährlich
Fr.
27'876.-- bzw. monatlich
Fr.
2'
323
.-- zu bezahlen.
2.2
Die Beklagte habe dem Kläger ab dem
1.
Oktober 2021 eine ungekürzte BVG-IV-Rente (inklusive Kinderrenten) von jährlich
Fr.
30'564.-- bzw. monatlich
Fr.
2'547.-- zu bezahlen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen inklusive Mehrwertsteuer zulasten der Beklagten.»
Die Beklagte hielt mit
Quadruplik
an ihren Anträgen fest (
Urk.
29), worüber der Kläger am 1
7.
Januar 2022 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
30).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläger hielt dafür, dass
der mutmasslich entgangene Verdienst weder dem versicherten Verdienst noch dem durch die IV-Stelle festgelegten
Validenein
kommen
entspreche. Bei Teilinvalidität sei der mutmasslich entgangene Verdienst aufgrund völliger Erwerbsunfähigkeit festzusetzen und die bei teilweiser Arbeits
fähigkeit noch erzielten und
zumutbarerweise
noch erzielbaren Erwerbseinkünfte seien
abzuziehen
. Der Kläger hätte in
casu
auch ohne Erkrankung eine neue Arbeitsstelle gesucht und gefunden, so dass der mutmasslich entgangene Verdienst im aktuellen Zeitpunkt demjenigen der aktuellen Arbeitsstelle entspre
che.
Ein Stellenwechsel wäre aufgrund des Verschiebens der Arbeitsstelle durch die
Z._
mit einem erheblich längeren Arbeitsweg ohnehin erfolgt - darüber hinaus habe er bei
Z._
keine Lohnerhöhung erhalten und sei unterdurch
schnittlich bezahlt gewesen. Er hätte entsprechend im
Validitätsfall
die neue Anstellung bei
A._
angenommen - und zwar in einem Pensum von 100
%
, da die Stelle entsprechend ausgeschrieben gewesen sei. Die Kürzung sei auch unzu
lässig unter Berücksichtigung, dass seine Frau mittlerweile die Kinderzulagen beziehe. Erstens würde der Kläger ohne Erkrankung weiterhin Kinderzulagen beziehen, womit sie zum mutmasslich entgangenen Verdienst zu zählen seien. Zweitens dürfte andernfalls die Kinderrente der IV nicht angerech
net
werden und die Überentschädigungsberechnung
müsste
in diesem Umfang ebenfalls erhöht
werden
. Entsprechend s
ei der Lohn bei A._
in ein
em Vollzeitpensum zuzüglich
Kinderzulagen in Höhe von
Fr.
120'600.-- als mutmasslich entgangener Verdienst heranzuziehen. Die Überentschädigungsgrenze von 90
%
liege entsprechend bei
Fr.
108'540.--. Ziehe man davon die Leistungen der IV, der Beklagten sowie den effektiv erzielten Lohn ab, resultiere eine Überversicherung in Höhe
von Fr.
2'688.-- jährlich.
Zu einem gleichen Resultat komme man bei Heranziehen eines durchschnittlichen Lohnes gemäss
Salarium
(
Urk.
1).
1.2
Die Beklagte brachte demgegenüber vor (
Urk.
9),
dass bei der Ermittlung des mut
masslich entgangenen Verdienstes in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Lohn anzu
knüpfen sei, da es empirischer Erfahrung entspreche, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre; Ausnahmen müssten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein. Dies sei in
casu
nicht der Fall, da der Kläger bereits früher trotz schulpflichtigem Kind einen Wohnortswechsel in Kauf genommen habe - es sei nicht anzunehmen, dass er dies kein zweites Mal mehr getan hätte. Darüber hinaus habe der Kläger die neue Stelle lediglich erhal
ten, da er
aufgrund der gesundheitlichen Situation eine Umschulung
gemacht habe in Form eines CAS.
Er habe sich bereits bei der IV-Stelle nach Unterstützung erkundigt, da ihn die neue Stelle überfordere - dies sei massgeblich auf die erhöhten Anforderungen zurückzuführen, denen er möglicherweise auch als Gesunder nicht gewachsen gewesen wäre. Im Gesundheitsfalle hätte er
diese Umschulung nicht absolviert, womit er auch die neue Stelle nicht hätte antreten können. Darüber hinaus würde die Anrechnung der Kinderzulagen in der Über
entschädigungsberechnung zu einer unzulässigen Begünstigung führen, da seine erwerbstätige Eh
efrau diese erhalte
. Die Kinderrente
n, die
ja effektiv fliessen
würden
, seien natürlich zu berücksichtigen.
1.3
Ergänzend machte der Kläger geltend, dass ihm infolge Umstrukturierung gekün
digt worden sei - entsprechend wäre er ohnehin gezwungen gewesen, eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Die Frage des Wohnortwechsels erübrige sich damit grundsätzlich.
Die bei der
Z._
gewonnene Arbeitserfahrung habe ihm gehol
fen
,
eine neue Stelle zu finden
,
und die offenen Informatikstellen hätten in den zwei letzten Quartalen 2019 nie erreichte Höchststände gehabt. Der Kläger hä
tte
den CAS auch ohne gesundheitliche Beeinträchtigung absolviert, da durch die Einschulung der Kinder eine höhere zeitliche Verfügbarkeit vorhanden
sei
. Darüber hinaus sei
der CAS
nicht gefordert gewesen für die Anstellung bei
A._
. Der Lohnanstieg sei einzig auf die ausgebliebene Lohnentwicklung bei
Z._
als auch auf die besseren arbeitsmarktlichen Aussichten zurückzuführen. Die angebliche Überforderung
sei
durch die belastende gesundheitliche Situation zustande gekommen, nicht aufgrund einer Überforderung bei der Arbeit.
Es sei
ihm zwischenzeitlich gelungen, ohne Unterstützung der IV, eine Anstellung zu finden, welche ihm aufgrund der Technologien und Arbeitsmethodik besser entspreche. Ausserdem wiege der CAS das gesundheitsbedingt reduzierte Pensum und die damit einhergehende schwierigere Stellensuche keineswegs auf -
da
in einem Vollzeitpensum auch Führungspositionen möglich
wären
, welche mit einem höheren Verdienst einhergehen würden (
Urk.
17).
1.4
Die Beklagte machte in der Duplik geltend, dass im Arbeitszeugnis - entgegen der Kündigung - festgehalten werde, dass der Kläger die Firma auf eigenen Wunsch verlasse. Die Annahme einer überproportionalen Einkommensentwicklung müsse auf Lebensgeschehnissen gründen, die schon in der Zeit vor Eintritt des versi
cherten Ereignisses ihren Anfang genommen hätten - solche lägen in
casu
aber nicht vor. Der Lohn bei der
A._
sei nicht massgebend, vielmehr sei auf die Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik abzustellen, wobei der so ermittelte Lohn etwas tiefer sei als der, den der Kläger bei der
Z._
erzielt habe (
Urk.
23).
1.5
Mit Schreiben vom 1
4.
Dezember 2021 machte der Kläger geltend, dass
er - nach
dem er die Kündigung erhalten habe - noch selbst gekündigt habe, um im Arbeitszeugnis eine günstigere Formulierung zu erhalten. Seit dem
1.
Oktober 2021 habe der Kläger eine neue Anstellung, in welcher der mutmasslich entgan
gene Verdienst bei
Fr.
114'998.-- liege, wozu noch die Kinderzulagen zu rechnen seien. Entsprechend sei ab
1.
Oktober 2021 eine ungekürzte BVG-IV-Rente zu bezahlen (
Urk.
25).
1.6
Die Beklagte führte hierzu aus, das
s
eine Neuberechnung per
1.
Oktober 2021 nicht durchzuführen sei, da sowohl die Reglements- als auch die Gesetzesbe
stimmungen eine wesentliche Änderung der Verhältnisse verlange. Eine solche liege vor, wenn die daraus resultierende Leistungsanpassung 10
%
oder mehr betrage - in
casu
ändere das effektiv erzielte Einkommen aber um weniger als 2
%
(
Urk.
29).
2.
2.1
Nach Art. 66 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) werden
R
enten und Abfindungen
nach den Bestim
mungen des jeweiligen Einzelgesetzes und in nachstehender Reihenfolge gewährt:
a.
von der Alters- und Hinterlassenenversicherung oder der Invaliden
-
versicherung
;
b.
von der Militärversicherung oder der Unfallversicherung;
c.
von der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge nach
dem Bundesgesetz über die berufliche Alters
, Hinterlassenen- und
Invaliden
vorsorge (BVG).
2
.2
In der seit dem 1. Januar 2017 gültigen Fassung von Art. 34a BVG wird im Gesetz festgehalten, dass d
ie Vorsorgeeinrichtung die Hinterlassenen- und Invaliden
leistungen kürzen
kann
, soweit diese zusammen mit anderen Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung sowie weite
ren anrechenbaren Ein
künften 90 %
des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen.
Gemäss Art. 24 Abs. 1
der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV
2
)
in der seit dem 1. Januar 2017 gültigen Fassung kann die Vorsorgeein
richtung bei der Kürzung von Invalidenleistungen vor Erreichen des ordentlichen Renten
alters und von
Hinterlassenenleistungen
folgende Leistungen und Einkünfte anrechnen:
a.
Hinterlassenen- und Invalidenleistungen, die andere in- und ausländische Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen der leistungsberechtig
ten
Person aufgrund des schädigenden Ereignisses ausrichten; dabei wer
den Kapitalleistungen mit ihrem Rentenumwandlungswert angerechnet;
b.
Taggelder aus obligatorischen Versicherungen;
c.
Taggelder aus freiwilligen Versicherungen, wenn diese mindestens zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert werden;
d.
wenn die versicherte Person Invalidenleistungen bezieht: das weiterhin erzielte oder
zumutbarerweise
noch erzielbare Erwerbs- oder Ersatzein
kom
men.
2
.3
Die Vorsorgeeinrichtung kann die Voraussetzungen und den Umfang einer Kürzung jederzeit überprüfen und ihre Leistungen anpassen, wenn die Verhält
nisse sich wesentlich ändern (
Art.
24
Abs.
5 BVV2). Als wesentliche Änderung der Verhältnisse gilt eine Leistungsanpassung in der Grössenordnung von min
destens 10
%
zugunsten oder zuungunsten der rentenbeziehenden Person. Erfährt ein einzelner Berechnungsfaktor, wie beispielsweise das Hinzutreten eines weiteren Kinderrentenanspruchs, eine wesentliche, das heisst an sich eine Leis
tungsanpassung von mindestens 10
%
bewirkende Änderung, prüft die Vorsor
geeinrichtung allseitig und ohne Bindung an früher ermittelte Faktoren, ob und in welchem Umfange eine Überentschädigung vorliegt (BGE 143 V 91 E. 4).
2.4
Der mutmasslich entgangene Verdienst entspricht dem gesamten Erwerbs- oder Ersatzeinkommen, das die versicherte Person ohne das schädigende Ereignis mut
masslich erz
ielen würde (
Art.
24
Abs.
6 BVV
2) und zwar im Zeitpunkt, in dem sich die Kürzungsfrage stellt (BGE 137 V 20 E. 5.2.3). Nach der gesetzlichen Konzeption der Invalidenleistungen aus Erster und Zweiter Säule sind die Fest
legungen der IV-Stelle bezüglich Entstehung, Höhe und Beginn des Renten
anspruchs grundsätzlich für die Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge massgebend und verbindlich. Das im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgelegte
Valideneinkommen
muss dem Grundsatz nach auch in der berufsvorsorgerechtlichen Überentschädigungsberechnung Berücksichtigung finden. Ausgangspunkt ist daher der Grundsatz der Kongruenz von
Validenein
kommen
und mutmasslich entgangenem Verdienst i
m Sinne von
Art.
34a
Abs.
1 BVG
. Im Sinne einer Vermutung ist davon auszugehen, dass das von der IV-Stelle festgelegte
Valideneinkommen
dem mutmasslich entgangenen Verdienst nach
Art.
34a
Abs.
1 BVG entspricht. Die Annahme einer überproportionalen (das heisst über die
Lohn- und Preisentwicklung hinausgehenden) Einkommens
entwicklung muss auf Lebensgeschehnissen gründen, die schon in der Zeit vor Eintritt des versicherten Ereignisses ihren Anfang genommen haben, es sei denn, die Einkommenserhöhung habe von der Natur des ihr zugrundeliegenden Motivs her überhaupt erst nach dem versicherten Ereignis eintreten können (BGE 143 V 91 E.
3.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2018 vom 2
8.
Mai 2019 E. 2.3.2 mit Hinweisen).
Auch wenn nach dem Gesagten zwar eine Vermutung besteht, dass das invali
denversicherungsrechtlich relevante
Valideneinkommen
dem mutmasslich entgangenen Verdienst im Sinne von
Art.
34a
Abs.
1 BVG entspricht, ist das erstere indessen nicht unmittelbar bindend. Vielmehr ist den spezifischen Gege
benheiten und tatsächlichen Chancen des Versicherten auf dem für ihn in Betracht kommenden Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen. Ausgehend vom zuletzt vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erzielten Verdienst sind alle einkommensrelevanten Verände
rungen (Teuerung, Reallohnerhöhung, Karriereschritte und so weiter) zu berück
sichtigen, welche ohne Invalidität überwiegend wahrscheinlich eingetreten wären. Anders als im Invalidenversicherungsrecht mit der Beurteilungsgrundlage des ausgeglichenen Arbeitsmarkts basiert das
zumutbarerweise
erzielbare Einkommen aber allein auf dem Zumutbarkeitsgrundsatz, welcher die Berück
sichtigung pers
önlicher
und weiterer Umstände verlangt. Im Unterschied zum IV-Verfahren kann die versicherte Person (oder die Vorsorgeeinrichtung) somit alle arbeitsmarktbezogenen und persönlichen Umstände anführen, die ein Abweichen vom
Valideneinkommen
rechtfertigen. Solche Abweichungen hat die versicherte Person nicht nur mit Bezug auf das mit dem Invalideneinkommen äquivalente Resterwerbseinkommen, sondern auch betreffend den mutmasslich entgangenen Verdienst zu substantiieren und in Nachachtung ihrer Mitwirkungspflicht die erforderlichen Beweise zu offerieren (Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2018 vom 2
8.
Mai 2019 E. 4.1 mit Hinweisen).
2.
5
Im Vorsorgereglement der Beklagten, gültig ab
1.
Juli 2017, wird in
Art.
45 geregelt, dass Invaliden- und
Hinterlassenenleistungen
gekürzt werden, sobald sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90
%
des mutmasslich ent
gangenen Einkommens bzw. 90
%
des Betrages, der bei einer Überentschädi
gungsberechnung unmittelbar vor Erreichen des ordentlichen Pensionierungs
alters als mutmasslich entgangenes Einkommen zu betrachten war, übersteigen. Bei der Bestimmung des
zumutbarerweise
erzielten Erwer
b
s- oder Ersatzein
kommens wird grundsätzlich auf das Invalideneinkommen gemäss IV abgestellt (
Art.
45
Abs.
4 VSR). Diese Regelung entspricht im Wesentliche
n den gesetz
lichen Bestimmungen.
3
.
3
.1
Die Beklagte anerkennt ihre grundsätzliche Leistungspflicht. Unbestritten ist der festg
esetzte Invaliditätsgrad von 50
% wie auch die berechnete Höhe der (unge
kürzten) Invalidenleistungen im Betrag von jährlich Fr.
21’828
.-- zuzüglich
zweier
Kinderrenten von
je Fr. 4'368
.-- pro Jahr
(vgl. Neuberechnung Überent
schädigung vom 1
7.
Dezember 2020,
Urk.
2/11)
. Streitig und zu klären ist indes, ob
und wie weit
die Rentenbetreffnisse aus der beruflichen Vorsorge zu kürzen sind. Im Vordergrund steht dabei die Frage, auf welcher Bezugsgrösse die Über
entschädigungsgrenze festzulegen ist
bzw. in welcher Höhe der mutmasslich ent
gangene Verdienst festzusetzen ist.
3
.2
Der Kläger trat die Stelle bei
Z._
AG per
1.
Dezember 2016 an und zog mit seiner Familie damals von
C._
nach
D._
, in die Nähe seines damaligen
Arbeitsortes in
E._
(vgl. hierzu
Urk.
9 und
Urk.
17)
. Im Juni 2017 erkrankte der Kläger, was verschieden hohe Arbeitsunfähigkeiten nach sich zog (vgl.
Urk.
18/36) und schliesslich zu einer Vertragsanpassung der
Z._
im Jahr 2019
auf ein Pensum von 50
%
führte
(
Urk.
2/6)
.
Mit Schreiben vom
7.
Juni 2019 teilte die
Z._
dem Kläger mit, dass sein Arbeitsort ab dem
1.
Oktober 2019
F._
sein werde (
Urk.
2/7).
Am 2
6.
Februar 2020 erhielt der Kläger die Kündigung unter Hinweis darauf, dass im Zusammenhang mit den angekün
digten strukturellen Veränderungen in der Division
G._
das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist von 3 Monaten per 3
1.
Mai 2020 aufgelöst werde (
Urk.
2/8).
Dem Kläger gelang es, per
1.
Juni 2020 - somit nahtlos - bei
A._
eine Stelle als Software-Entwickler in einem Pensum von 50
%
mit einem brutto Jahressalär von
Fr.
56'700.-- anzutreten (
Urk.
2/9).
3
.3
Die Beklagte brachte insbesondere vor, dass in der Regel anzunehmen sei, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Der Kläger habe bereits vorher seinen Wohnort gewechselt, um die Stelle bei
Z._
anzutreten und hätte entweder den veränderten Arbeitsort mit dem wesentlich längeren Arbeitsweg auf sich genommen oder hätte den Wohnort erneut gewech
selt (
Urk.
9,
Urk.
23).
Dem ist entgegen zu halten, dass
Z._
dem Kläger gemäss eigenen Angaben
in der Kündigung vom 2
6.
Februar 2020
aufgrund der strukturellen Verände
rungen in seiner Division gekündigt hat - er
hätte
folglich ohnehin eine neue Arbeitsstelle suchen müssen (
Urk.
2/8).
Dass im Arbeitszeugnis vom 3
1.
Mai 2020 vermerkt wurde, dass der Kläger das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlasse, ist - gestützt auf den Mailverkehr des Klägers mit der ehemaligen Arbeitgeberin - auf d
ie entsprechende Vereinbarung der
Z._
mit dem Kläger
zurückzu
führen
(
Urk.
26/48). Damit erübrigt sich die Frage, ob der Kläger den längeren Arbeitsweg auf sich genommen oder den Wohnort erneut gewechselt hätte, da ihm überwiegend wahrscheinlich aufgrund der Umstrukturierung gekündigt worden ist.
3
.4
3
.4
.1
Die Beklagte brachte
des Weiteren
vor, dass das höhere Einkommen aufgrund des absolvierten CAS
Digital IT Architecture
, welche
r
je hälftig von
Z._
sowie der Invalidenversicherung bezahlt wurde, zustande gekommen sei. D
en CAS
hätte der Kläger im Gesundheitsfalle nicht absolviert - er hätte seine Stelle bei
Z._
überwiegend wahrscheinlich beibehalten und der mutmasslich entgan
gene Verdienst sei entsprechend festzusetzen.
Anlässlich der Besprechung
des Fallführers der Invalidenversicherung zusammen mit dem Kläger und Vertretern der
Z._
vom 1
2.
September 2018 wurde fest
gehalten, dass der Kläger den CAS möglichst schnell machen möchte. Er habe aufgrund eines Jahres Abwesenheit den Anschluss verloren und möchte schnellstmöglich das vorherige Niveau wieder erreichen. Die Vertreter der
Z._
sahen die Stelle mittelfristig als gefährdet an, da der Kläger alle internen Kurse verpasst habe und in diesem Jahr
im IT-Bereich viel gelaufen
und darum eine grössere
Know-How
-Lücke entstanden sei. Die Weiterbildung werde helfen, den Anschluss wieder zu finden (
Urk.
14/30).
Entsprechend wurde der Kurs mit 12.5 Präsenztagen und Kosten von
Fr.
9'900.-- von der Invalidenversicherung sowie der
Z._
h
älftig übernommen (
Urk.
14/32).
Damit sollte der CAS eine Wissenslücke schliessen, welche ohne gesundheitliche Einschränkung überwie
gend wahrscheinlich
gar
nicht entstanden wäre.
3
.4
.2
In der Stellenausschreibung der
A._
als Software Entwickler/in Visual Studio wurde die Freude an technisch anspruchsvollen Knacknüssen, an neuem Wissen aufbauen, an selbständigem Arbeiten, an Arbeiten in einem kleinen Team sowie praktische Erfahrung mit Visual Studio C#, .Net, C++, MFC, Microcontroller, TFS und Datenbanken MS-SQL-Server gefo
r
dert (
Urk.
2/16). Der vom Beschwerde
führer absolvierte CAS war damit nicht
überwiegend wahr
scheinlich zwingende Voraussetzung für die Einstellung bei
A._
.
D
ie Einkom
menssteigerung
bei der angetreten
en
Stelle bei
A._
ist
damit
wahr
scheinlich auf die gewonnene Arbeitserfahrung bei
Z._
als erstem Arbeit
geber nach dem Abschluss der Höheren Fachschule zurückzuführen. Des Weiteren dürfte dem Beschwerdeführer auch entgegengekommen sein, dass im zweiten Halbjahr 2019 viele offene Stellen im Bereich Informationstechnik und Informa
tionsdienst zu besetzen gewesen sind und sich dies auch im ersten Quartal 2020 nur leicht entspannte (vgl. Bundesamt für Statistik, Anzah
l offene Stellen,
Urk.
18/24).
Zusammenfassend ist überwiegend wahrscheinlich, dass sich der Kläger auch im Gesundheitsfalle aufgrund der Kündigung durch die
Z._
neu orientiert und die Stelle bei
A._
als Gesunder in einem 100%-Pensum angetreten hätte - sei es mit oder ohne vorheriges Absolvieren des CAS.
3.4.3
Selbst davon ausgehend, dass der CAS zu der Einkommenssteigerung geführt hätte, ändert dies nichts: Der Beschwerdeführer ist Vater von zwei Kindern, geboren 2010 und 2013, und arbeitete vom
1.
Juni 2013 bis 3
0.
November 2016 in einem 70
%
als Projektleiter für Haussteuerungen und IT Infrastruktur und absolvierte von Januar bis April 2016 nebenberuflich die Höhere Fachschule
A._
, wo er sich zum diplomierten Techniker HF Informatik ausbilden liess und den Studiengang mit einem Notendurchschnitt von 5.2 abschloss (
Urk.
18/38). Dies zeigt eine hohe Einsatzbereitschaft und den Willen, sich trotz familiärer und beruflicher Verpflichtungen weiterzubilden um beruflich fortzukommen. Damit ist überwiegend wahrscheinlich, dass der Kläger sich auch im Gesundheitsfalle weiter fortgebildet hätte, insbesondere da die beiden Kinder während der Ausbil
dungsdauer des CAS vom 1
0.
September 2018 bis zum 2
8.
Februar 2019 bereits den Kindergarten bzw. die Schule besuchten (
Urk.
14/32).
3.5
D
ie Kinderzulagen
sind
nur dann
zum mutmasslich entgangenen Verdienst
hinzuzählen, wenn diese von der versicherten Person ohne das schädigende Ereignis bezogen würden. Die Kinderzulagen für die
beiden Kinder des Klägers
werden unstrittig
von der Mutter
bezogen
, welche im Wohnkanton arbeitet. Der Kläger seinerseits hätte spätestens mit der Verlegung des Arbeitsplatzes nach
F._
bzw.
B._
einen ausserkantonalen Arbeitsort gehabt, womit er auch ohne das schädigende Ereignis nicht mehr der primär Bezugsberechtigte gewesen wäre (vgl.
Art.
7
lit
. d des Bundesgesetzes über die Familienzulagen und Finanzhilfen an Familienorganisationen,
FamZG
).
Ein durch das schädigende Ereignis entga
n
gener Verdienst be
steht damit bezüglich der Kinderzulagen nicht.
Darüber hinaus würde eine Anrechnung der Kinderzulagen trotz effektiven Bezugs durch seine Ehefrau zu einer nicht nachvollziehbaren Begünstigung führen.
4.
4.1
Der mutmasslich entgangene Verdienst ist entsprechend dem Einkommen für ein 100%-Pensum bei
A._
in Höhe von
Fr.
113'400.-- (
Fr.
56'700.--x 2; vgl. Lohn
vereinbarung 2020,
Urk.
2/9) jährlich festzusetzen, womit die Überentschädi
gungsgrenze bei
Fr.
102'060.--
liegt
(
Fr.
113'400.-- x 0.9). Zieht man davon das erzielte Einkommen in Höhe von
Fr.
56'700.-- sowie die Leistungen der eidge
nössischen Invalidenver
sicherung in Höhe von total Fr.
23'964.-- ab
(Verfügung der IV vom 2
2.
Juli 2019,
Urk.
2/4-5)
, verbleibt ein Betrag von
Fr.
21'396.--. Die ungekürzten Rentenleistungen der Beklagten betrügen
Fr.
30'564.--, womit
infolge der vorliegenden Überentschädigung eine
Kürzung der jährlichen Rentenleistungen von
Fr.
9'168.-- vorzunehmen ist
. Damit hat der Kläger Anspruch auf Renten der Beklagten (persönliche Invalidenrente zuzüglich Kinderrenten) in Höhe von
Fr.
21'396.--
(vgl. Berechnung Überentschädigung,
Urk.
10/3).
4.2
Das Bruttoeinkommen bei
B._
AG beträgt
Fr.
57'499.-- (
Fr.
4'423.-- x 13), bzw. aufgerechnet auf 100
%
Fr.
114'998.-- jährlich (Arbeitsvertrag
B._
AG vom 2
9.
Juli 2021,
Urk.
18/46)
und ist damit nur minim höher als das Jahres
einkommen bei
A._
in Höhe von
Fr.
113'400.-- in einem 100%-Pensum. Ent
sprechend liegt keine
wesentliche Änderung zu Gunsten oder zu Ungunsten des Klägers vor (vgl. E. 2.3), womit
der erneute Stellenwechsel und das damit verbundene veränderte Einkommen keine neue Überentschädigungsberechnung
rechtfertigt
.
5
.
Der mutmasslich entgangene Verdienst ist ab dem
1.
Juni 2020 in Höhe von F
r.
113'400.--
festzusetzen, womit die Überentschädigungsgrenze bei F
r. 1
02'060.-- liegt.
Die
Klage ist entsprechend teilweise gutzuheissen und die Beklagte ist zu verpflichten,
dem Kläger mit Wirkung ab dem
1.
Juni 2020
Rentenbetreffnisse von jährlich
Fr.
21'396.--
auszurichten. Von der Beklagten in dieser Zeitspanne bereits
geleistete Zahlungen
sind ihr entsprechend anzu
rechnen. Im Übrigen (vgl.
Urk.
25)
ist die Klage abzuweisen.
6.
6.1
Das Klageverfahren ist kostenlos (
Art.
73
Abs.
2 BVG).
6.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mit Klage vom 1
9.
März 2021 beantragte der Kläger eine Parteientschädigung. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, womit die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist (
§
7
Abs.
2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
). Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses ist für den notwendigen Aufwand eine auf das Mass des Obsiegens redu
zierte
Entschädigung in Höhe von
Fr.
2’8
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.
Der Beklagten steht als mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betraute Organisation keine Parteientschädigung zu (BGE 112 V 356 E. 6 S. 362 mit Hinweise; vgl. auch nicht publizierte E. 5b von BGE 127 V 176, Urteil des Bundesgerichts U 329/99 vom 2
5.
Juni 2001).