Decision ID: 7b3a93d5-1b9d-5753-b49e-1aae1ff0dfa8
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- XY, geboren am 16. Juli 1962, lebt alleine in seiner 3-Zimmerwohnung in A. Von
Beruf ist er Musiker und Komponist. Er erhält eine 100%-ige IV-Rente und unterrichtet
zu 25% an einer Musikschule. XY wurde von 1990 bis 2006 neunzehn Mal in der
Kantonalen Psychiatrischen Klinik (nachfolgend KPK) Wil hospitalisiert, wobei diese
Aufenthalte jeweils zwischen fünf Tagen und fünf Wochen dauerten. Die psychiatrische
Diagnose lautete bis zu seiner letzten Einweisung am 10. November 2006 paranoide
Schizophrenie und wurde im Verlauf dieses Aufenthalts vom 10. bis 30. November
2006 in schizoaffektive Störung umgewandelt.
Der Verlauf nach der letzten Hospitalisation war sehr instabil. XY hielt die Termine bei
seinem langjährigen behandelnden Psychiater nicht ein und setzte die Medikamente
ab. Hinzu kam, dass er viel Geld im Rotlichtmilieu ausgab. Am 22. Dezember 2006
musste die Polizei intervenieren, weil XY ein Taxi nicht habe bezahlen können und
einen völlig verstörten Eindruck gemacht habe. Der Amtsarzt verfügte gleichentags die
Einweisung mit einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung (nachfolgend FFE) in die KPK
Wil, mit welcher XY einverstanden war.
Gegen diese Einweisungsverfügung erhob XY mit Eingabe vom 25. Dezember 2006
Klage bei der Verwaltungsrekurskommission, die er an der mündlichen Verhandlung
vom 5. Januar 2007 zurückzog. Das Verfahren wurde daraufhin als erledigt
abgeschrieben.
B.- Mit Eingabe vom 8. Januar 2007 (Poststempel) stellte XY ein Entlassungsgesuch
bei der Verwaltungsrekurskommission, welches am 9. Januar 2007 zur Behandlung an
die ärztliche Leitung der KPK Wil weitergeleitet wurde. Mit Eingabe vom 18. Januar
2007 stellte XY beim Chefarzt nochmals ein Entlassungsgesuch, welches die Klinik mit
Verfügung vom 19. Januar 2007 ablehnte. Die Begründung lautete, dass XY aufgrund
einer langjährigen chronisch psychotischen Erkrankung per FFE zugewiesen worden
sei. Sein momentaner psychischer Zustand, gekennzeichnet durch fehlende
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Krankheitseinsicht, erlaube es nicht, ihn zu entlassen. In vergangenen ähnlichen
Situationen habe er bei frühzeitiger Entlassung keine ambulante Therapie aufnehmen
können, sei regelmässig in manischem Zustand entgleist und habe somit bewiesen,
dass er aufgrund seiner Geisteserkrankung für seine persönlichen Belange nicht mehr
sorgen könne. Aufgrund der jetzigen Einstellung der Medikamente sei eine
Stabilisierung der Erkrankung erreicht worden. Im nächsten therapeutischen Schritt sei
es notwendig, mit ihm an der Krankheitseinsicht zu arbeiten, damit es ihm ermöglicht
werde, zuverlässig die ambulant-psychiatrische Behandlung bei seinem Psychiater
aufzunehmen. Das Therapieziel der Medikamenten-Compliance sei noch nicht erreicht.
Daraus ergebe sich der Schluss, dass XY eine stationäre Behandlung brauche und
dass diese Behandlung nur in der Klinik erfolgen könne.
C.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 23. Januar 2007 (Faxeingang;
Posteingang 25. Januar 2007) erhob XY bei der Verwaltungsrekurskommission Klage
gegen die Ablehnung des Entlassungsgesuchs mit dem Antrag, er sei unverzüglich aus
der psychiatrischen Klinik Wil zu entlassen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
D.- Aufgrund der bereits im Verfahren V-2006/139 durchgeführten richterlichen
Einvernahme durch die ärztliche Fachrichterin Dr.med. A. Husi Heinzelmann vom 28.
Dezember 2006 sowie ihres gutachtlichen Berichts vom 2. Januar 2007 wurde auf eine
erneute fachrichterliche Einvernahme verzichtet und unverzüglich per Fax zur
mündlichen Verhandlung vorgeladen.
E.- An der mündlichen Verhandlung vom 25. Januar 2007 in der KPK Wil nahmen der
Kläger, sein Rechtsvertreter sowie die Vorinstanz, vertreten durch den behandelnden
Oberarzt, teil. Die ärztliche Fachrichterin teilte am 24. Januar 2007 mit, dass sie nicht
an der Verhandlung teilnehme und an ihrem Bericht vom 2. Januar 2007 festhalte. Sie
schliesse sich dem Behandlungskonzept der Klinik in medizinischer Hinsicht an. Um
eine ambulante Behandlung langfristig sicherzustellen, müsse die Krankheitseinsicht
vorhanden sein.
a) Der zuständige Oberarzt und Vertreter der Vorinstanz äusserte sich wie folgt: Er
wolle anknüpfen an die letzte mündliche Verhandlung vom 5. Januar 2007. Damals
habe er gesagt, dass es noch ca. eine Woche brauche, bis die Medikamente eingestellt
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seien. Nun müsse man sich aber bewusst machen, dass die neue Diagnose, also die
schizoaffektive Störung, eine höhere strukturelle Störung darstelle, als die paranoide
Schizophrenie. Es handle sich um eine manische Affektstörung, weshalb es dringend
notwendig sei, neben dem Neuroleptikum Zyprexa auch das Antiepileptikum Depakine
einzunehmen. Der Patient habe bereits nach seiner letzten Hospitalisation gesagt, er
wolle den Versuch einer ambulanten Therapie mit seinem Psychiater machen. Dies sei
nicht gelungen. Die Entlassung sei damals frühzeitig erfolgt - unter anderem zum
Schutz des Personals der Klinik. Er würde grundsätzlich eine ambulante Behandlung
unterstützen, dies sei aber bisher nicht gelungen. Der Patient sei im Verlauf seiner
Krankheit lediglich zwei Mal zwei Jahre ohne stationäre Aufenthalte gewesen. Es gehe
immer um die Medikamenten-Compliance und die Krankheitseinsicht. Deshalb wolle er
jetzt nicht nur eine abgeschlossene Medikamenten-Einstellung, sondern auch eine
Krankheitseinsicht erreichen. Das brauche Zeit. Der Patient arbeite gut mit in der
Therapie, knicke dann aber immer wieder in seine Eigenlogik, weshalb die Umsetzung
der Planung scheitere. Diesbezüglich sei der Kläger sehr starr, es liege ein
psychotischer Autismus vor.
Das nächste Ziel sei es, aus der Klinik heraus eine ambulante Behandlung mit dem
Psychiater des Klägers zu organisieren. Es sei bereits ein Therapietermin für die Woche
6 festgelegt. Die Hoffnung für XY sei gross - bei einer schizoaffektiven Störung finde
nämlich in der ruhigen Phase keine grosse Beeinflussung des Lebens statt. Er rechne
damit, den Patienten in ca. drei Wochen entlassen zu können. Bis dann müssten
Gespräche über die Krankheitseinsicht und die Medikamenten-Compliance geführt und
die ambulante Behandlung geplant werden. Dies sei wichtig, da der Patient sonst
langfristig entweder in ein Heim eingewiesen oder ein Vormund eingesetzt werden
müsse, weil er dann nämlich stark auffällig werde - auch finanziell. Wenn man den
Patienten jetzt entlassen würde, bestehe die Gefahr, dass von ihm keine ambulante
Therapie aufgenommen werde. Der Psychiater des Klägers folge seiner Diagnose und
Meinung. Die ambulante Therapie bestehe ebenfalls aus Gesprächen und
Psychotherapie. Es liege ein Rapid Cycling vor und die Schübe gingen in Richtung
manisch-angetrieben. Der Kläger müsse damit klarkommen. Der Ort, wo in der letzten
Zeit viel Geld geflossen sei, sei das Rotlichtmilieu. Dies habe beim Patienten einen
suchtartigen Charakter. Das Problem sei einfach, dass man Zeit brauche und die
Hospitalisationsphasen immer sehr kurz seien. Über das erste Entlassungsgesuch, das
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am 9. Januar 2007 überwiesen worden sei, hätten sie gesprochen und sich geeinigt.
Deshalb sei erst das zweite Entlassungsgesuch vom 18. Januar 2007 behandelt
worden.
b) Auf entsprechende Befragung des Gerichts führte der Kläger aus, er habe vor allem
ein Vertrauensverhältnis zu seinem Psychiater, bei welchem er am 30. Januar 2007,
also bereits nächste Woche einen Termin habe. Zyprexa werde er sicher weiterhin
einnehmen. Betreffend das Depakine müsse sein Psychiater entscheiden und er werde
dann befolgen, was dieser anordne. Er wisse noch nicht, ob das Depakine
Nebenwirkungen habe, die sich auf das Gitarrespielen auswirkten - das müsse er
zuerst versuchen. Er müsse nach Hause, damit er üben könne und er wolle im März
wieder als Musiklehrer arbeiten. Ausserdem sei das Gitarrespielen für ihn auch eine Art
Therapie. Sonst habe er im Moment keine Projekte am laufen, bei denen er unter Druck
stehen würde. Angesprochen auf die finanziellen Probleme und das Rotlichtmilieu gab
der Kläger an, er habe in den letzten 16 Jahren nur zwei Mal eine solche Phase gehabt,
dazwischen habe er alles im Griff gehabt. Er habe nur wenig Schulden, insbesondere
seien dies Nachsteuern, welche er in Raten abzahlen werde. Eine Beistandschaft
brauche er nicht, er könne die Rechnungen selbst bezahlen. Er sehe nicht ein, weshalb
er hier in der Klinik bleiben solle. Er sei nicht manisch und weder selbst- noch
fremdgefährdend. Die akute Phase sei vorbei, jetzt müsse er wieder sein Leben führen.
Er wolle mehr Stabilität in seinem Leben erreichen, dies könne er mit seinem
Psychiater. Das Kippen in die psychotischen Zustände passiere immer dann, wenn die
Dosis des Zyprexa zu tief sei. Dann komme er in eine Manie und setze die
Medikamente daraufhin ganz ab. Vielleicht müsse man mit der Dosis etwas höher
fahren. Er sei krankheitseinsichtig und die Finanzen könne er selber regeln. Die
Therapieziele seien auch in einer ambulanten Behandlung bei seinem Psychiater
erreichbar.
c) Auf Ergänzungsfragen gab der Vertreter der Vorinstanz an, dass er bestätigen könne,
dass der Psychiater den Patienten länger kenne. Problematisch sei, dass das Kippen in
einen psychotischen Zustand beim Kläger manchmal so schnell gehe, dass dies durch
ambulante Therapie nicht aufzufangen sei. Das Ziel sei deshalb, dass der Patient selber
Fachmann werde für seine Erkrankung und in solchen Situationen selber reagieren
könne. Er habe ein Schreiben an die Vormundschaftsbehörde gerichtet aufgrund des
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Umgangs des Klägers mit seinem Geld. Dabei sei auch anzumerken, dass dieser seine
Mutter bedroht und verlangt habe, sie solle ihm sein Erbe ausbezahlen. Er wolle
vermeiden, dass XY sich mit seinem Verhalten während den Krankheitsschüben an den
Rand der Gesellschaft bringe, weil er für ihn grosse Chancen sehe, ein stabiles Leben
zu führen.
d) Der Rechtsvertreter des Klägers hielt an dem schriftlich gestellten Antrag fest. Zur
Begründung führte er im Wesentlichen aus, aus juristischer Sicht seien die
Voraussetzungen einer Zurückhaltung gegen den Willen nicht mehr gegeben. Eine
zwangsweise Rückbehaltung stelle einen Eingriff in die Freiheitsrechte dar. Der
Widerstand des Klägers gegen das Eingeschlossensein sei auch etwas Gesundes. Er
sei beseelt davon, Musik zu machen. Die Krankheitseinsicht sei in grossen Teilen
vorhanden. Er sei bereits das 20. Mal hier in der Klinik, dazwischen habe es aber immer
relativ lange Phasen gegeben, wo der Kläger in die ambulante Therapie zu seinem
Psychiater gegangen sei und die Medikamente genommen habe. Natürlich habe er die
Medikamente auch immer wieder abgesetzt. Interessant wäre sicherlich
herauszufinden, ob es möglich wäre, den Kläger so weit zu bringen, dass dieser selbst
merken würde, dass er in eine manische Phase gerate und dann von sich aus die Dosis
der Medikamente erhöhen würde. Der Kläger sei dabei, dies zu üben und das könne er
auch in einer ambulanten Therapie. Sicherlich sei der jetzige Zustand des Klägers
weder selbst- noch fremdgefährdend. Er sei intelligent genug, um zu wissen, dass er
die Medikamente einnehmen müsse und brauche. Es bestehe keine akute Gefährdung.
Sicher sei auch, dass der Kläger den Termin am 30. Januar 2007 bei seinem Psychiater
wahrnehme. Bezüglich des Geldes habe der Kläger in den letzten Jahren lediglich zwei
Mal zu viel ausgegeben. Er habe sich dies jedoch immer vorher erspart. Zur Zeit habe
er ca. Fr. 8'000.-- bis 10'000.-- Schulden, wovon das meiste Steuerschulden seien.
Ansonsten habe er seine Rechnungen immer bezahlt. Bezüglich der Schulden habe er
bereits Abmachungen getroffen, wie er sie abbezahlen könne. Auch sei er nicht aus der
Klinik entflohen, obwohl er das ohne weiteres gekonnt hätte. Dies zeige, dass er die
Regeln achte. Eine Beistandschaft stehe im Moment nicht zur Diskussion.
e) Abschliessend fügte der Oberarzt als Vertreter der Vorinstanz an, dass er den
juristischen Anteil verstehen könne, aber medizinisch eine weitere Behandlung
unbedingt angebracht sei. Die Krankheitseinsicht sei selten vorhanden. Es brauche
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Psychiater, die wüssten, was sie zu tun hätten und konsequent handelten. Wiederholte
zu frühe Entlassungen seien beim Kläger tragisch. Seelische Dinge bräuchten Zeit. Dies
entspreche manchmal eben nicht dem Freiheitswillen der Patienten.
F.- Auf weitere tatsächliche Gegebenheiten und Ausführungen des Klägers und seines
Vertreters sowie des Vertreters der Vorinstanz ist, soweit für den Entscheid relevant, in
den Erwägungen einzugehen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Die Klage vom 23. Januar 2007 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 397d des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [SR 210; abgekürzt:
ZGB], Art. 75f des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch [sGS
911.1; abgekürzt: EG zum ZGB] sowie Art. 71a lit. a, 71 c Abs. 1 und 71d in Verbindung
mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1;
abgekürzt: VRP]). Auf die Klage ist einzutreten.
2.- Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der KPK Wil vom 19. Januar 2007, mit welcher
das Entlassungsgesuch des Klägers vom 18. Januar 2007 abgewiesen wurde. Der
Kläger war am 22. Dezember 2006 mittels Verfügung des zuständigen Amtsarztes vom
selben Tag per FFE in die Klinik eingewiesen worden. Eine dagegen erhobene Klage
hat der Kläger am 5. Januar 2007 zurückgezogen. Damit ist diese Verfügung einer
anderen geeigneten Stelle im Sinn von Art. 397b Abs. 2 ZGB in Rechtskraft erwachsen
und die Klinik Entlassungsbehörde (Art. 397b Abs. 3 Satz 2 ZGB, GVP 2003 Nr. 49). Die
Vorinstanz war daher zum Erlass der angefochtenen Verfügung zuständig.
3.- Gemäss Art. 397a ZGB setzt die fürsorgerische Freiheitsentziehung in materieller
Hinsicht voraus, dass die davon betroffenen mündige oder entmündigte Person -
alternativ - an Geisteskrankheit, Geistesschwäche, Trunksucht, anderen
Suchterkrankungen oder schwerer Verwahrlosung leidet und deswegen der
persönlichen Fürsorge bedarf, die ihr nicht anders als durch die Einweisung in eine
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geeignete Anstalt der tatsächlich gewählten Art erwiesen werden kann (Abs. 1), wobei
auch die Belastung, welche die Person für ihre Umgebung bedeutet, zu
berücksichtigen ist (Abs. 2).
Die Vorinstanz geht beim Kläger von einer schizoaffektiven Störung aus, welche einer
stationären Behandlung bedarf. Zu prüfen ist deshalb, ob eine Geisteskrankheit oder
Geistesschwäche im Sinne des Gesetzes vorliegt und die fürsorgerischen
Freiheitsentziehung verhältnismässig ist.
a) Der Begriff der Geisteskrankheit ist – analog dem im Vormundschaftsrecht geltenden
Terminus – auch im Bereiche der fürsorgerischen Freiheitsentziehung als Rechtsbegriff
zu verstehen und nicht in streng medizinischem Sinn auszulegen. In Lehre und
Rechtsprechung sind mit dem juristischen Begriff der Geisteskrankheit Fälle gemeint,
bei denen psychische Symptome oder Verlaufsweisen hervortreten, die einen stark
auffallenden Charakter haben und die bei einem besonnenen Laien nach hinreichender
Bekanntschaft mit dem Betroffenen den Eindruck völlig uneinfühlbarer, qualitativ
tiefgehend abwegiger, grob befremdender Störungszeichen erwecken. Als
Geisteskrankheit im juristischen Sinne gelten demnach alle psychischen
Störungsformen (im medizinischen Sinn), sofern sie den "juristischen Schwellenwert"
der Uneinfühlbarkeit durch den besonnenen Laien erreichen. Wird dieser juristische
Schwellenwert nicht erreicht, liegt keine Geisteskrankheit, möglicherweise jedoch eine
Geistesschwäche im Sinne des Gesetzes vor. Eine solche wird angenommen, wenn auf
die Dauer psychische Störungen auftreten, die ein besonnener Laie nicht mehr als
Krankheit erachtet, weil sie bei ihm nicht den Eindruck uneinfühlbarer, qualitativ
tiefgehend abwegiger Störung und "Verrücktheit" erwecken, die ihm aber doch als
Störungen (unter Umständen sehr stark) auffallen. Die Störungen erscheinen dabei
irgendwie noch einfühlbar, weil sie nach aussen nur quantitativ vom "Normalen"
abweichen. Dieser Begriffsbestimmung entsprechend sind demnach – über den
allgemeinen Sprachgebrauch hinaus – unter dem juristischen Begriff der
Geistesschwäche nicht bloss intellektuelle Schwächen, sondern auch bloss psychische
Störungen ohne intellektuelle Komponente zu verstehen, wenn diese Störungen
hinreichend ausgeprägt sind (vgl. GVP 1988 Nr. 35 mit Hinweisen).
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Aus dem schlüssigen Bericht der begutachtenden Fachrichterin vom 2. Januar 2007,
welcher sich auf die fachrichterliche Einvernahme des Klägers vom 28. Dezember
2006, ein Gespräch mit der stellvertretenden Abteilungsleiterin, die Akten der KPK Wil
sowie den Bericht von Dr.med. ... (der mit XY am 16. November 2006 im Rahmen der
fachrichterlichen Einvernahme wegen eines FFE gesprochen hatte) stützt, geht hervor,
dass die Anamnese beim Kläger bestens bekannt sei. Er leide seit Jahren an einer
differentialdiagnostisch chronisch, paranoiden Schizophrenie oder an einer
schizoaffektiven Störung, gegenwärtig schizomanisch. Der Behandlungsansatz basiere
vor allem auf einer regelmässigen Medikamenteneinnahme. Dies würde aber eine
Krankheitseinsicht verlangen, die der Kläger leider bisher immer nur über eine
beschränkte Zeit habe aufrechterhalten können. Da sie den Kläger von einigen früheren
Anhörungen kenne, ihn aber seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen habe, sei sie
erschrocken darüber, wie sehr der Kläger dabei sei zu chronifizieren, wie stark er von
der emotional-affektiven Seite her verflache. Damit diese Verflachung nicht weiter
voranschreite, brauche er dringend die Fürsorge der Klinik, wo es hoffentlich möglich
werde, dass er endlich lerne, eine tragfähige Krankheitseinsicht aufzubauen.
Trotz Wechsels der Diagnose von paranoider Schizophrenie zu schizoaffektiver
Störung durch die Klinik ist gemäss den überzeugenden Ausführungen der
begutachtenden Fachrichterin, an welchen sie anlässlich eines Telefongesprächs am
24. Januar 2007 festhielt und welche sich weitgehend mit der Beurteilung durch die
Klinik decken, beim Kläger weiterhin von einer psychischen Krankheit im medizinischen
Sinn auszugehen.
Es ist zu prüfen, ob der Kläger psychische Störungszeichen aufweist, die den
erwähnten Schwellenwert der Uneinfühlbarkeit bzw. die hinreichende Ausgeprägtheit
erreichen, um als Geisteskrankheit oder als Geistesschwäche im juristischen Sinn
gelten zu können.
Der Kläger ist seit 1990 bereits das zwanzigste Mal in der KPK Wil hospitalisiert. Die
Diagnose lautete bis zur 18. Hospitalisierung paranoide Schizophrenie und wurde
anlässlich der neunzehnten Hospitalisierung im November 2006 in schizoaffektive
Störung umgewandelt. Nach Entlassung aus dieser letzten Hospitalisierung am 30.
November 2006 dauerte es lediglich 22 Tage bis zu seiner erneuten Einweisung in die
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KPK Wil. Er hielt die Termine bei seinem Psychiater nicht ein und setzte einmal mehr
die Medikamente ab.
In der Einweisungsverfügung vom 22. Dezember 2006 wird festgehalten, dass der
Kläger einen völlig verstörten Eindruck gemacht habe. Er sei in einem psychotischen
Zustand und erzähle von einer Tiara und von einer Mafia in Wil. Seinem Gedankengang
sei nicht zu folgen. Auch öffne er seiner Mutter, welche zu ihm schaue, die
Wohnungstüre nicht mehr. Die ärztliche Fachrichterin führte in ihrem gutachtlichen
Bericht aus, die fachrichterliche Einvernahme habe nur knapp fünf Minuten gedauert,
da der Kläger nicht eingesehen habe, wieso er die Fragen beantworten sollte. Er habe
hoch angespannt und sehr ambivalent gewirkt. Dem Eintrag in der Krankengeschichte
der KPK Wil habe sie entnommen, dass er unruhig, gespannt, bedrohlich,
unterschwellig und hoch aggressiv gewirkt, sich dem Chefarzt gegenüber sehr
distanzlos und ebenfalls drohend verhalten und die Medikation und den Zimmerplan
verweigert habe sowie am 28. Dezember 2006 zwangsmediziert worden sei.
Realitätsverkennung und Grössenwahn seien noch immer vorhanden. Der Kläger habe
es nicht nötig, bei der Einvernahme zu sprechen, obwohl er die
Verwaltungsrekurskommission angerufen habe.
In der heutigen mündlichen Verhandlung zeigt sich, dass der Kläger zur Zeit sehr stabil
wirkt und man normale Gespräche mit ihm führen kann. Aus den Akten sowie aus dem
Bericht der ärztlichen Fachrichterin vom 2. Januar 2007 geht jedoch hervor, dass sich
dieser Zustand beim Kläger enorm schnell verändern kann. Er befindet sich jetzt seit
etwas mehr als einem Monat in der KPK Wil und bekommt eine hohe Dosis an
Medikamenten (30 mg des Neuroleptikums Zyprexa und 1,5 g des Antiepileptikums
Depakine täglich). Die Besserung ist somit sicherlich zum einen auf die positive
Wirkung der Medikation zurückzuführen, deren Dosierung bereits seit einigen Tagen
eingestellt ist. Mit zu beachten ist auch die in der Klinik mögliche Abschirmung. Der
Kläger arbeitet an seiner Krankheitseinsicht, allerdings erkennt er auch nach
jahrelanger Krankheit immer noch nicht die Signale, welche auf einen erneuten
psychotisch-manischen Schub hindeuten und kann nicht darauf reagieren. Im
Gegenteil, er setzt dann meist die Medikamente ganz ab und handelt somit völlig
unvernünftig. Dieses schnelle Kippen weist deutlich auf die Krankheit des Klägers hin.
Der Umstand, dass der Kläger im heutigen Zeitpunkt die ausgeprägten Grössenideen,
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die er in akuten Phasen hat (vgl. VRKE V-2006/125 vom 21. November 2006, S. 10),
nicht mehr zeigt, ist daher auf die Wirkungen der Klinikbehandlung seit dem 22.
Dezember 2006 zurückzuführen. Ohne diese Behandlung würde er mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit auch im heutigen Zeitpunkt erheblich stärkere
Störungszeichen zeigen. Trotzdem der Kläger momentan relativ stabil wirkt, ist sein
gesamtes Verhalten - unter Einbezug seiner Krankheitsgeschichte - völlig uneinfühlbar.
Der Kläger zeigt damit insgesamt psychische Störungszeichen, welche auch für einen
besonnenen Laien grob befremdend wirken und ein erhebliches Ausmass erreichen.
Diese Störungszeichen erreichen deutlich den juristischen Schwellenwert der
Uneinfühlbarkeit. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Kläger an einer
Geisteskrankheit gemäss Art. 397a Abs. 1 ZGB leidet.
b) Auch bei Vorliegen einer Geisteskrankheit ist die einschneidende
Zwangsmassnahme der fürsorgerischen Freiheitsentziehung nur dann zulässig, wenn
dem Betroffenen die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden kann
(Art. 397a Abs. 1 ZGB). Im Sinne des verfassungsmässigen Grundsatzes der
Verhältnismässigkeit staatlicher Eingriffe in die grundrechtsgeschützte persönliche
Freiheit ist die Anstaltsunterbringung nur zulässig, wenn die vorgesehene
Freiheitsentziehung auch tatsächlich geeignet ist, der eingewiesenen Person zu helfen.
Kann eine Geisteskrankheit als solche dadurch nicht geheilt werden, so muss die
Freiheitsentziehung bzw. die dadurch ermöglichte Behandlung zumindest geeignet
sein, die Auswirkungen auf das Verhalten des Betroffenen nach Möglichkeit zu mildern.
Im Hinblick auf Art. 397a Abs. 2 ZGB, der eine Mitberücksichtigung der für die
Umgebung damit verbundene Belastung vorsieht, erscheint eine Anstaltseinweisung
auch dann gerechtfertigt, wenn der Betroffene infolge seines Zustandes für sich oder
Dritte eine Gefahr bildet, indem er hochwertige Rechtsgüter wie Leben und Gesundheit
gefährdet. Darf die Unterbringung oder Rückbehaltung in einer Anstalt schliesslich aber
nur dann und so lange angeordnet bzw. aufrecht erhalten werden, als dem Betroffenen
die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden kann, so setzt dies bei
der gerichtlichen Beurteilung einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung letztlich voraus,
dass eine Möglichkeit, dem Betroffenen die nötige persönliche Fürsorge ausserhalb der
Anstalt zu gewähren, auch im Zeitpunkt der Urteilsfällung (noch) nicht besteht (vgl. GVP
1988 Nr. 38 mit Hinweisen).
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Der Zustand des Klägers hat sich seit der Einweisung am 22. Dezember 2006, der
Einvernahme am 28. Dezember 2006 und der mündlichen Verhandlung vom 5. Januar
2006 deutlich gebessert. Die Medikamente sind eingestellt und müssen kurzfristig nicht
geändert werden. Auch hat der Kläger bereits für den 30. Januar 2007 einen Termin bei
seinem behandelnden Psychiater. Es ist davon auszugehen, dass er diesen
wahrnehmen wird, da er auch in der Vergangenheit diese Termine mindestens teilweise
wahrgenommen hat. Er wohnt in einer 3-Zimmerwohnung in A. Er ist Musiker und hat
zudem eine Teilzeitstelle als Musiklehrer an einer Musikschule. Der Kläger führt also ein
relativ geregeltes Leben in einem geordneten Rahmen. Er ist trotz seiner schweren
Krankheit in der Lage, teilweise Stabilität in seinem Leben zu schaffen. Er gefährdet
weder sich selbst noch andere. Auch scheint er seine Finanzen – trotz Schulden von Fr.
8'000.-- bis Fr. 10'000.--, welche angeblich vor allem Steuerausstände betreffen –
selbst regeln zu können. Der Kläger ist bereits über einen Monat per FFE in der KPK
Wil. Die Medikamente sind seit mehreren Tagen eingestellt. Die Klinik möchte ihn aus
medizinischen Gründen noch ca. drei Wochen in der Klinik behalten, um seine
Krankheitseinsicht und die Medikamenten-Compliance zu stärken. Die Idee des
zuständigen Klinikarztes, dass der Kläger ein eigenes Frühwarnsystem aufbauen sollte,
um ein Kippen seines Zustandes frühzeitig zu erkennen und diesem entgegen zu
wirken, ist medizinisch durchaus sinnvoll, was auch von der ärztlichen Fachrichterin der
Verwaltungsrekurskommission bestätigt wird. In der Streitsache geht es jedoch nicht
um die Frage, welche Massnahme medizinisch sinnvoll bzw. optimal wäre, sondern
darum, welche Zwangsmassnahmen im Rahmen eines Grundrechtseingriffes noch
erlaubt sind.
Die zwangsweise Fortsetzung des stationären Aufenthaltes des Klägers in der KPK Wil
ist dann verhältnismässig, wenn sie notwendig, geeignet und nicht übermässig ist.
Erstens ist nicht ausgewiesen, dass sie erforderlich ist, um dem Kläger die minimal
notwendige persönliche Fürsorge zukommen zu lassen. Es ist nicht ausgeschlossen,
dass er heute wie früher auch schon bereit ist, sich in ambulante Behandlung zu
begeben und die von seinem Psychiater verordneten Medikamente einzunehmen.
Selbst wenn es möglich ist, dass der Kläger diese Medikamente nicht in der
notwendigen Dosierung einnehmen wird oder in Zukunft auch wieder absetzen wird,
kann nicht gesagt werden, im heutigen Zeitpunkt sei eine Zwangsmassnahme
unbedingt notwendig. Zweitens ist fraglich, ob die Fortsetzung des stationären
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Aufenthaltes für die Dauer von drei Wochen geeignet ist, beim Kläger eine nachhaltige
Krankheitseinsicht und Medikamenten-Compliance herbeizuführen. Vielmehr ist es
auch möglich, dass sich die diesbezügliche Einstellung des Klägers in drei Wochen
noch nicht grundsätzlich verändert haben wird. Zudem ist es auch möglich, dass er im
Rahmen der Fortführung der ambulanten Behandlung zu neuer Einsicht gelangt.
Drittens erscheint die von der Vorinstanz aufrechterhaltene Zwangsmassnahme im
heutigen Zeitpunkt jedenfalls übermässig, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass
das Ziel der Gewährung der minimal notwendigen persönlichen Fürsorge auch im
Rahmen einer ambulanten Betreuung des Klägers erreicht wird. Die Medikamente sind
eingestellt und der erste Termin für die weiterführende ambulante Therapie ist auf den
30. Januar 2007 festgesetzt. Anzumerken ist auch, dass in der Krankengeschichte des
Klägers durchaus längere Phasen ohne Klinikaufenthalte auftreten, in welchen er die
Medikamente zuverlässig eingenommen hat. Im heutigen Zeitpunkt kann ihm die
notwendige persönliche Fürsorge auch ausserhalb der Klinik gewährt werden.
Die fürsorgerische Freiheitsentziehung erweist sich daher im heutigen Zeitpunkt als
Massnahme, die für die Kläger nicht mehr verhältnismässig ist, worauf dessen Vertreter
zu Recht hinweist.
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass ein weiterer stationärer Aufenthalt des Klägers
in der KPK Wil im gegenwärtigen Zeitpunkt in medizinischer Hinsicht zwar noch
sinnvoll wäre, um eine weitere Stabilisierung des Zustandes, insbesondere eine erhöhte
Krankheitseinsicht und Medikamenten-Compliance zu erreichen. Unter dem rechtlichen
Aspekt der Verhältnismässigkeit ist eine zwangsweise Rückbehaltung aber nicht mehr
gerechtfertigt, weil sich der Kläger bereit erklärt, die notwendige Behandlung auch
ambulant vornehmen zu lassen und seine Lebensverhältnisse eine Entlassung im
heutigen Zeitpunkt ermöglichen. Die Klage ist deshalb gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung der Vorinstanz vom 19. Januar 2007 aufzuheben und der Kläger aus der
KPK Wil zu entlassen.
4.- a) Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu
tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der
Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens oder Unterliegens (W.
Hagmann, Die st. gallische Verwaltungsrechtspflege und das Rechtsmittelverfahren vor
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dem Regierungsrat, Diss. Zürich 1979, S. 267 f.). Da der Kläger vollumfänglich obsiegt,
können ihm keine Kosten auferlegt werden. Deshalb hat der Staat die amtlichen Kosten
von Fr. 1'500.-- (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12) zu tragen.
b) Der Kläger hat Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98 VRP). Entschädigungspflichtig ist der Staat, der durch die KPK Wil handelte.
Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote eingereicht. In Verfahren vor der
Verwaltungsrekurskommission wird ein Pauschalhonorar von Fr. 750.-- bis Fr. 7'500.--
entschädigt (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). In der Streitsache ist angesichts der
konkreten Umstände ein Honorar von pauschal Fr. 2'000.-- angemessen (Art. 6 und 19
HonO). Zum Honorar sind die Barauslagen in der Höhe von Fr. 80.-- und die
Mehrwertsteuer von Fr. 158.10 hinzuzurechnen (Art. 28 und 29 HonO). Der Anspruch
des Klägers gegenüber dem Staat (Gesundheitsdepartement) beträgt somit Fr.
2'238.10.--.