Decision ID: 915f952f-cc98-54c9-b2c0-ee11ce0ef0be
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die papierlos eingereisten und ohne Aufenthaltsrecht in der Schweiz aus-
gestatteten Beschwerdeführenden wurden am 3. November 2015 in
E._ von schweizerischen Grenzwachtbehörden angehalten, kon-
trolliert und – aufgrund ihrer mutmasslichen Absicht, in der Schweiz ein
Asylgesuch zu stellen – an das damalige Empfangs- und Verfahrenszent-
rum (EVZ) F._ verwiesen, wo sie noch gleichentags Asylgesuche
stellten. Anlässlich der dort mit den beiden Eltern durchgeführten Befra-
gungen zur Person (BzP) vom 23. November 2015, der Erstanhörungen zu
den Asylgründen vom 25. Oktober 2016 (erstrubrizierter Beschwerdefüh-
rer, im Folgenden der Beschwerdeführer), vom 9. Januar 2017 (zweitrubri-
zierter Beschwerdeführerin, im Folgenden die Beschwerdeführerin) sowie
der ergänzenden Anhörungen vom 8. März 2018 (Beschwerdeführerin und
Kind C._) und vom 19. April 2018 (Beschwerdeführer) machten sie
im Wesentlichen Folgendes geltend:
Sie seien Kurden und stammten aus G._ (Provinz West Aserbaid-
schan), wo noch mehrere Familienangehörige und Verwandte lebten. Der
Beschwerdeführer, ein (...), habe nach einer in die Brüche gegangenen
ersten Ehe im Jahre 2003 die Beschwerdeführerin geheiratet. Um
2004/2005 hätten sie knapp zwei Jahre im Irak gelebt, nachdem der Be-
schwerdeführer im Zusammenhang mit Protesten der Bevölkerung nach
dem gewaltsamen Tod seines (...) zwei Monate inhaftiert gewesen und
nach Bezeugung seiner Reue freigelassen worden sei. Er selber ent-
stamme einer politischen Familie. Kurden seien im Iran Bürger zweiter
Klasse und würden als Revolutionsgegner betrachtet. Um 2008 sei er Mit-
glied der KDPI (Kurdisch-Demokratische Partei Iran) geworden. In einer
kleinen geheimen Zelle habe er zeitweise Propaganda für die KDPI ge-
macht und Spitzeldienste geleistet; hierfür habe er auch im Irak agiert.
Nachdem sein (...) und politischer Mitaktivist H._ im März 2014
festgenommen und dabei Propagandamaterial beschlagnahmt worden sei,
habe er den Iran tags darauf in Begleitung seines (...) vorsichtshalber und
legal mit seinem im Jahre (...) ausgestellten Pass in Richtung Türkei ver-
lassen. Kurz darauf sei ihr Haus im Iran – und ebenso jenes seines (...) –
durchsucht und bei ihm ebenfalls belastendes Propagandamaterial be-
schlagnahmt worden. Geheimdienstleute hätten in der Folge seinen Vater
mehrmals vorgeladen und nach dem Verbleib des Sohnes befragt.
H._ sei später zu (...) Jahren Haft verurteilt worden. Nach einem
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längeren Aufenthalt in der Türkei, während dem er auch telefonische Dro-
hungen von Unbekannten erhalten habe, sei er über verschieden Länder
in die Schweiz weitergereist. Hier sei er weiterhin politisch für die KDPI
aktiv gewesen, insbesondere als Mitglied des (...) der Partei, Sitzungsteil-
nehmer und -organisator sowie als Kundgebungsteilnehmer. Die Be-
schwerdeführerin machte geltend, ihr (...) sei um (...) von der iranischen
Regierung getötet worden und das Ereignis habe ihr psychische Probleme
bereitet. Von den politischen Aktivitäten ihres Mannes habe sie nichts ge-
wusst. Sie selber habe im Iran ein schönes Leben und keine Probleme
gehabt, bis ihr Mann eines Tages Ende März 2014 überstürzt abgereist sei,
wenige Tage später ihr Haus von Polizeibeamten in zivil intensiv durch-
sucht und Material ihres Mannes sowie der Laptop beschlagnahmt worden
seien. Sie habe dabei einen Schlag ins Gesicht erhalten und sie und ihre
Kinder seien in Angst und Schrecken versetzt worden. Anfang April 2014
sei sie auf telefonische Aufforderung ihres Mannes und eher widerwillig mit
den Kindern ebenfalls legal mit ihrem ungefähr im Jahre (...) ausgestellten
Pass zu ihrem Mann in die Türkei nachgereist, wo dieser sie ansatzweise
über seine politischen Aktivitäten informiert habe. Zwei Jahre später sei die
Familie in die Schweiz gelangt. Hier habe sie an wenigen Kundgebungen
und Versammlungen der KDPI teilgenommen. Sie verstehe aber nichts von
Politik, sei entsprechend politisch nicht aktiv und auch nicht Mitglied der
Partei. Ihre politisch nie aktiv gewesene Familie habe keine Probleme im
Iran und ihre Schwiegereltern ebenso wenig, abgesehen von einigen be-
hördlichen Erkundigungen nach dem Verbleib des Beschwerdeführers.
Das Kind C._ machte einzig die Hausdurchsuchung, an die es sich
aber nicht mehr recht erinnern könne, und im Übrigen keine Verfolgungs-
handlungen geltend.
Die Beschwerdeführenden gaben aus eigener Initiative oder auf Aufforde-
rung des SEM insbesondere folgende Beweismittel zu den Akten: Je ihre
Reisepässe und ihre Shenasnameh, Unterlagen betreffend Kundgebungs-
teilnahmen in der Schweiz, drei Schreiben der KDPI ([...]) und einen Inter-
netartikel über H._. Betreffend den Letzteren reichten sie zudem
mit Eingabe vom 21. März 2018 gewisse Erklärungen, jedoch trotz Auffor-
derung des SEM keine genauen Angaben und Beweismittel zu dessen
Strafverfahren und Verurteilung ein.
B.
Mit Verfügung vom 24. April 2018 – eröffnet am 26. April 2018 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
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nicht, und lehnte deren Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es ihre Weg-
weisung aus der Schweiz und den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 28. Mai 2018 erhoben die Beschwerdeführenden gegen
diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin be-
antragen sie deren Aufhebung, die Gewährung von Asyl unter Feststellung
ihrer Flüchtlingseigenschaft. Eventualiter beantragten sie die Gewährung
der vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten
sie ferner die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Beiordnung
des rubrizierten Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand;
hierzu reichten sie am 6. Juni 2018 einen Bedürftigkeitsnachweis nach.
D.
Mit Verfügung vom 30. Mai 2018 stellte die damalige Instruktionsrichterin
den einstweilen rechtmässigen Aufenthalt der Beschwerdeführenden in der
Schweiz während des Beschwerdeverfahrens fest.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2018 bestätigte sie diese Feststel-
lung. Zudem hiess sie die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
unentgeltlichen Rechtsbeistand gut.
E.
Mit Eingaben vom 25. Juli 2018 sowie vom 14. Februar 2020 und vom
3. März 2020 reichten die Beschwerdeführenden weitere Beschwerdeer-
gänzungen ein.
F.
Mit Schreiben des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Februar 2020 wur-
den die Beschwerdeführenden über den zwischenzeitlich erfolgten Wech-
sel von der bisherigen Instruktionsrichterin zum neu zuständigen Instrukti-
onsrichter Lorenz Noli orientiert.
G.
Mit Instruktionsverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. März
2020 wurde das SEM zur Vernehmlassung bis zum 25. März 2020 einge-
laden.
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H.
Mit Verfügung vom 19. März 2020 zog das SEM die angefochtene Verfü-
gung vom 24. April 2018 insoweit teilweise in Wiedererwägung, als es den
Beschwerdeführenden infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzu-
ges und unter Aufhebung der betreffenden Dispositivziffern die vorläufige
Aufnahme gewährte.
I.
Mit Instruktionsverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. März
2020 wurde das SEM zur ergänzenden Vernehmlassung bis zum 14. April
2020 betreffend den zur materiellen Beurteilung verbleibenden Prozessge-
genstand eingeladen.
J.
Mit ergänzender Vernehmlassung vom 2. April 2020 beantragt das SEM
diesbezüglich unter Verweisung auf seine bisherigen Standpunkte und Er-
wägungen sinngemäss die Abweisung der Beschwerde.
K.
Mit Instruktionsverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. April
2020 wurde die ergänzende Vernehmlassung den Beschwerdeführenden
zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurden sie um Mitteilung bis zum
28. April 2020 ersucht, ob sie angesichts der veränderten Sachlage an der
Beschwerde weiter festzuhalten gedächten.
Mit Eingabe vom 28. April 2020 teilten die Beschwerdeführenden mit, dass
sie im Asylpunkt an der Beschwerde festhalten möchten. Gleichzeit er-
gänzten sie ihre Beschwerdeakten.
L.
Gemäss Mitteilung des zuständigen kantonalen Migrationsamtes vom
24. Juli 2020 ist der Beschwerdeführer am 21. Juli 2020 verstorben.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
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von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Verfügung vom 19. März 2020 zog das SEM die angefochtene Ver-
fügung vom 24. April 2018 im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens
insoweit teilweise in Wiedererwägung, als es den Beschwerdeführenden
infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges und unter Aufhebung
der betreffenden Dispositivziffern die vorläufige Aufnahme gewährte. Dem-
zufolge ist der Anfechtungsgegenstand der Beschwerde, soweit den Voll-
zug der Wegweisung betreffend, weggefallen und die Beschwerde diesbe-
züglich als gegenstandslos geworden abzuschreiben, wogegen der ver-
bleibende Anfechtungsgegenstand (Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft und Gewährung des Asyls) weiterhin einer materiellen Beurteilung
bedarf (Art. 58 VwVG), zumal die Beschwerdeführenden mit Schreiben
vom 28. April 2020 ausdrücklich das diesbezügliche Festhalten an der Be-
schwerde erklärten.
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2.2 Betreffend den Beschwerdeführer ist festzustellen, dass dieser am (...)
2020 verstorben und somit seither nicht mehr Partei des vorliegenden Be-
schwerdeverfahrens ist. Die Beschwerde ist betreffend ihn daher vollum-
fänglich als gegenstandslos geworden abzuschreiben.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder
wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be-
gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls
Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl
(vgl. Art. 54 AsylG). Keine Flüchtlinge sind jedoch Personen, die Gründe
geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden
sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder
Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei
die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge dennoch vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). Es blei-
ben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht
massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus,
die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen
von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit und jenen von Art. 3 AsylG an die
flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen. Zwar gehe die Verfol-
gung eines H._ aus dem vorgelegten Internetbericht hervor. Es
seien aber weder das Verwandtschaftsverhältnis des Beschwerdeführers
zu diesem noch seine geltend gemachte eigene behördliche Verfolgung in
irgendeiner Weise belegt, obwohl die Beibringung entsprechender Beweis-
mittel nach den Erkenntnissen des SEM möglich wäre. Sodann erscheine
das Aufbewahren von belastendem Propagandamaterial zu Hause und das
unterlassene Verschwindenlassen dieses Materials vor der Abreise nicht
nachvollziehbar. Die vom Beschwerdeführer geschilderte jahrelange politi-
sche Tätigkeit sei weiter vage, unsubstanziiert, wenig erlebnisecht und all-
gemein geblieben. Sodann seien betreffend die Hausdurchsuchung und
die nachfolgenden Ereignisse bis zu den Ausreisen in die Türkei (insb. Ver-
halten des Beschwerdeführers, der Beschwerdeführerin und der Behör-
den) Widersprüche zwischen dem Beschwerdeführer und der Beschwer-
deführerin vor allem im chronologischen Ereignisablauf aufgetreten. Die
Schilderungen der Hausdurchsuchung selber erschienen zudem sonder-
bar (nur partielle Durchsuchung des Hauses und dies von Seiten der Eltern
des Beschwerdeführers gänzlich unbemerkt) und hinsichtlich der geschil-
derten Wohnsituation unstimmig. Die legale und kontrollierte Ausreise der
Beschwerdeführenden mit ihren eigenen Reisepässen lasse weiter weder
auf ein von ihnen empfundenes Festnahmerisiko noch auf ein ernsthaftes
behördliches Verfolgungsinteresse schliessen, zumal die Beschwerdefüh-
rerin vor der Ausreise beobachtet worden sein wolle. Auch erstaune, dass
die Behörden bei tatsächlichen Verdachtsmomenten und angesichts des
beschlagnahmten Belastungsmaterials nicht weitere Familienangehörige
in die Ermittlungen einbezogen hätten. Aufgrund der oberflächlichen, reali-
tätsfremden und widersprüchlichen Schilderungen zum Kerngeschehen
sei auf eine weitgehend konstruierte Verfolgungs- und Gefährdungssitua-
tion zu schliessen. Unter dem Aspekt von Art. 3 AsylG seien sodann die
vom Beschwerdeführer erwähnte Diskriminierung als Kurde und die gel-
tend gemachte frühere Inhaftierung während zwei Monaten als nicht hin-
reichend intensiv beziehungsweise nicht mehr aktuell und mithin nicht asyl-
relevant zu bezeichnen. Die Beschwerdeführerin und das Kind C._
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hätten zudem erklärt, keine nennenswerten Probleme im Iran gehabt zu
haben. Auch die geltend gemachten exilpolitischen Funktionen und Aktivi-
täten seien vorliegend nicht flüchtlingsrechtlich beachtlich, da sie mangels
Exponierung der Beschwerdeführenden sowie Erkennbarkeit einer Unter-
grabung des politischen Systems des Irans und einer potenziellen Bedro-
hung des iranischen Regimes keine Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevan-
ter Verfolgung im Falle einer Rückkehr in den Iran zu begründen vermöch-
ten. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die
Wegweisung aus der Schweiz.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe wendet sich der Beschwerdeführer zu-
nächst gegen die ihn betreffende Unglaubhaftigkeitsbeurteilung durch das
SEM. Für die diesbezüglichen Ausführungen ist aufgrund des zwischen-
zeitlichen Versterbens des Beschwerdeführers auf die Beschwerdeschrift
zu verweisen (vgl. dazu oben E. 2.2 und unten E. 6.1). Die Beschwerde-
führenden bezeichnen sodann die vom SEM festgestellten Diskrepanzen
zwischen ihren Aussagen betreffend den Zeitraum von der Abreise des Be-
schwerdeführers über die Hausdurchsuchung bis zur Abreise der Restfa-
milie in die Türkei zum einen als minim und nicht entscheidrelevant; zum
andern erklären sie die Widersprüche mit den grossen Zeitabständen zwi-
schen den Anhörungen. Dass ihre im gleichen Haus wohnhaften Schwie-
gereltern nichts von der Hausdurchsuchung mitbekommen hätten, habe
die Beschwerdeführerin ferner bereits in der Anhörung mit deren hohen Al-
ter sowie dem Umstand der räumlich getrennten Wohnungen erklärt. Ihre
legale und kontrollierte Ausreise mit dem eigenen Reisepass erklärt die
Beschwerdeführerin ferner damit, dass jene durchaus risikobehaftet gewe-
sen und ihr keine andere Wahl geblieben sei. Unter dem Aspekt der Asyl-
relevanz halten die Beschwerdeführenden fest, dass sie beide aus politi-
schen Familien stammten und einzelne Mitglieder politischer Verfolgung
ausgesetzt (gewesen) seien. Aufgrund dessen und vor allem aufgrund der
politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers seien nicht nur dieser, son-
dern auch die Beschwerdeführerin und die Kinder einer im Iran drohenden
(Reflex-)Verfolgung ausgesetzt. Personen, die mit oppositionellen Grup-
pierungen wie beispielsweise der KDPI in Verbindung gebracht würden,
hätten Berichten zufolge unter Umständen sehr schwere Bestrafungen und
ethnisch wie politisch motivierte Verfolgung zu gewärtigen. Soweit sich der
Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Erkenntnis des Nichtbeste-
hens rechtsgenüglicher subjektiver Nachfluchtgründe in seiner Person
wendet, ist aufgrund dessen Versterbens wiederum auf die Beschwerde-
schrift sowie auf die Beschwerdeergänzungen vom 25. Juli 2018 und vom
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28. April 2020 zu verweisen (vgl. dazu oben E. 2.2 und unten E. 6.1). So-
weit sich die Beschwerde mit der Frage der Zulässigkeit und Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges befasst, ist angesichts der den Beschwerde-
führenden wiedererwägungsweise gewährten vorläufigen Aufnahme und
des Versterbens des Beschwerdeführers ebenfalls auf die Beschwerde-
schrift und zudem auf die Ergänzungseingaben vom 14. Februar und vom
3. März 2020 zu verweisen (vgl. dazu oben E. 2.1 und 2.2 sowie unten
E. 6.1).
Betreffend die auf Beschwerdestufe vorgelegten Beweismittel – die meis-
ten betreffen exilpolitische Aktivitäten des Beschwerdeführers oder solche
betreffend die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges (vgl. dazu wie-
derum oben E. 2.1 und 2.2 sowie unten E. 6.1) – wird auf die Akten verwie-
sen, soweit darauf nicht in den nachfolgenden Erwägungen spezifisch Be-
zug zu nehmen ist.
5.3 In seiner Vernehmlassung vom 2. April 2020 verweist das SEM auf
seine bisherigen Standpunkte und Erwägungen, ohne substanziell zur Be-
schwerde und den Ergänzungseingaben Stellung zu beziehen.
6.
6.1 Massgeblich für die Beurteilung der Asylgesuche der Beschwerdefüh-
renden ist der (heutige) Urteilszeitpunkt. Zentrale Figur betreffend die gel-
tend gemachten Verfolgungslagen der Beschwerdeführenden ist der Be-
schwerdeführer, und zwar mit seinen deponierten Vor- und (subjektiven)
Nachfluchtgründen. Seit seinem Tod vom (...) 2020 figuriert er nicht mehr
als Partei des Beschwerdeverfahrens. Seine persönlichen Asylgründe sind
damit nicht mehr Gegenstand der Prüfung und selbst eine vorfrageweise
festzustellende, hypothetische Flüchtlingseigenschaft in seiner Person
könnte daher nicht zur abgeleiteten Flüchtlingseigenschaft und zum (Fami-
lien-)Asyl nach Art. 51 Abs. 1 AsylG der Beschwerdeführerin und der Kinder
führen. Für das Bundesverwaltungsgericht bedeutet dies, dass es die Ge-
setzes- und Praxiskonformität der vom SEM verweigerten Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers und der Ablehnung seines Asylgesuchs
nicht mehr überprüft. Die betreffenden Ausführungen des SEM in der an-
gefochtenen Verfügung und jene des Beschwerdeführers in der vorliegen-
den Beschwerde (mitsamt ihren Ergänzungen) gelangen damit, abgese-
hen von den Erwägungen zur Partei- beziehungsweise Honorarentschädi-
gung (vgl. insb. E. 8.2.2 unten, letzter Satz), nicht mehr zur Würdigung.
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6.2 Das SEM ist nach korrekter und insbesondere vollständiger Sachver-
haltsfeststellung in seinen hinlänglich auf die Akten und die Gerichtspraxis
abgestützten Erwägungen mit zutreffender Begründung zur Erkenntnis ge-
langt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdefüh-
rerin und ihrer Kinder würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die
Glaubhaftmachung eines asylbegründenden Sachverhalts und jenen von
Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen. Zur
Vermeidung von Wiederholungen ist auf die betreffenden Erwägungen ge-
mäss angefochtener Verfügung und die Zusammenfassung oben (E. 5.1)
zu verweisen, so insbesondere auf die Unglaubhaftigkeitserwägungen be-
treffend die Hausdurchsuchung und die nachfolgenden Ereignisse bis zu
den Ausreisen in die Türkei sowie betreffend die legale und kontrollierte
Ausreise der Beschwerdeführenden mit ihren eigenen Reisepässen. Die
Erwägungen geben zu keinen Beanstandungen von Amtes wegen Anlass,
wenngleich sie bezüglich der Hausdurchsuchung als solche allzu katego-
risch und wenig ausgewogen erscheinen, denn die Beschwerdeführerin
vermochte ihren diesbezüglichen Schilderungen in der ununterbrochenen
freien Erzählung durchaus auch Substanz zu verleihen (vgl. vorinstanzli-
che Akte A37 F29). Das SEM ist dennoch den praxisgemässen Leitlinien
der Glaubhaftigkeitsprüfung (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1
und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.) nachgekommen. Die Ausführungen auf Be-
schwerdestufe führen diesbezüglich zu keiner anderen Betrachtung: Die
Hinweise auf bloss minime, nicht entscheidrelevante Unstimmigkeiten so-
wie die Erklärungsversuche mit den grossen Zeitabständen zwischen den
Anhörungen, mit der eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit der betag-
ten Schwiegereltern im gleichen Haus und mit der risikobehafteten legalen
und kontrollierten Ausreise mit den eigenen Reisepässen sind weder stich-
haltig noch nachvollziehbar. Unbesehen dessen lassen die Schilderungen
der Beschwerdeführerin und die weiteren Akten offensichtlich nicht auf die
Annahme schliessen, das behördliche Verfolgungsinteresse hätte der Be-
schwerdeführerin oder ihren Kindern selber gegolten.
In letzterem Zusammenhang ist das SEM insbesondere in seiner Erkennt-
nis zu stützen, wonach die Beschwerdeführerin und das Kind C._
keine nennenswerten Probleme im Iran geltend gemacht und solche gar
ausdrücklich verneint hätten. Mithin sind bei ihnen keine unter Art. 3 AsylG
subsumierbare, flüchtlingsrechtlich beachtliche Benachteiligungen oder
Befürchtungen ernsthafter Natur zu erkennen, zumal nach dem Versterben
des Ehemannes beziehungsweise Vaters auch die Annahme einer Re-
flexverfolgung ausgeschlossen werden kann. Der Vollständigkeit halber ist
festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin zwar einige wenige Male ihren
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Mann an politische Kundgebungen in der Schweiz begleitet haben mag,
sich dabei aber offensichtlich in keiner Weise exponiert hat. Sie selber
räumt denn auch ein, im Iran und in der Schweiz politisch weitgehend in-
aktiv und gar desinteressiert (gewesen) zu sein, zumal sie von Politik nichts
verstehe. Die Annahme einer für die iranischen Behörden erkennbaren Un-
tergrabung des politischen Systems, einer potenziellen Bedrohung des Re-
gimes und mithin einer Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung
im Falle einer Rückkehr in den Iran liegt bei ihr klar fern. Solches wird in
der Beschwerde auch nicht geltend gemacht. Die Beschwerdeführerin und
ihre Kinder vermögen gesamthaft weder aus subjektiver Perspektive noch
aus objektiv nachvollziehbaren Gründen eine Furcht darzutun, mit gewis-
ser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft Opfer von Verfolgung zu
werden (vgl. die hierzu massgebliche Praxis in BVGE 2013/11 E. 5.1,
2011/50 E. 3.1.1, 2011/51 E. 6 und 2008/4 E. 5.2 [je m.w.H.]).
6.3 Das SEM hat somit das Bestehen einer asylrelevanten Verfolgungssi-
tuation der Beschwerdeführerin und ihrer beiden Kinder und mithin ihre be-
hauptungsgemässen Ansprüche auf Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft und Gewährung des Asyls nach korrekter Sachverhaltsfeststellung
und zutreffender Würdigung der vorgelegten Beweismittel zu Recht ver-
neint.
6.4 Der Vollständigkeit halber bleibt festzuhalten, dass das SEM, da die
Beschwerdeführerin und ihre Kinder insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen verfügen, auch ihre Wegweisung zu Recht angeord-
net hat (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in
der Beschwerde substanziell auch nicht bestritten.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung, so-
weit sie einer materiellen Überprüfung noch zugänglich ist, Bundesrecht
nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig
feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar –
angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit sie nicht als ge-
genstandslos geworden abzuschreiben ist. Es erübrigt sich, auf den Inhalt
der Beschwerde, ihrer Ergänzungen und der vorgelegten Beweismittel wei-
ter einzugehen.
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8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind den Beschwerdeführenden
keine Kosten aufzuerlegen, da sie zum einen – betreffend die vom SEM
wiedererwägungsweise gewährte vorläufige Aufnahme – als faktisch ob-
siegend zu betrachten sind (vgl. Art. 63 Abs. 3 VwVG) und ihnen zum an-
dern mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. Juni
2018 die unentgeltliche Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG bewilligt
wurde.
8.2
8.2.1 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres fakti-
schen Obsiegens im Eventualantrag betreffend den Vollzug der Wegwei-
sung (wiedererwägungsweise Gewährung der vorläufigen Aufnahme durch
das SEM) in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädi-
gung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-
chen. Unter Berücksichtigung der entsprechenden Ausführungen in der
Beschwerdebegründung, der als Beschwerdebeilage vorgelegten und ei-
nen Totalbetrag von Fr. 2'900.70 ausweisenden Honorarnote – diese er-
scheint sowohl hinsichtlich der ausgewiesenen Aufwendungen als auch
des Stundenansatzes von Fr. 300.– als angemessen – sowie einer anteils-
mässigen Aufrechnung der seither erbrachten, aber nicht mittels Kosten-
note ausgewiesenen Aufwendungen (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE) ist
den Beschwerdeführenden gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Be-
messungsfaktoren (Art. 9 ff. VGKE) eine durch das SEM zu vergütende
Parteientschädigung von gesamthaft Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen und Mehr-
wertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.
8.2.2 Für die restlichen Aufwendungen im vorliegenden Beschwerdever-
fahren ist dem mittels Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts
vom 14. Juni 2018 beigeordneten Rechtsvertreter ein amtliches Honorar
auszurichten. Unter Berücksichtigung der oben erwähnten Honorarnote,
der entsprechenden Ausführungen in der Beschwerdebegründung, einer
anteilsmässigen Aufrechnung der nicht mittels Kostennote ausgewiesenen
Aufwendungen in den Beschwerdeergänzungen und des anwendbaren re-
duzierten Stundenansatzes (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE sowie
die erwähnte Zwischenverfügung) ist in Anwendung der massgeblichen
Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) das durch das Bundesverwal-
tungsgericht auszurichtende Honorar auf insgesamt Fr. 1'600.– (inkl. Aus-
lagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE)
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festzusetzen. Darin enthalten sind insbesondere auch jene Aufwendungen
die zur Anfechtung des Asylentscheids betreffend den Beschwerdeführer
investiert wurden, denn dessen Asylgründe hätten nach einer Prüfung der
Akten auch aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts voraussichtlich nicht
zur Gewährung der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls geführt (vgl.
Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE), wenngleich an den diesbezüglichen Erwägun-
gen der Vorinstanz gewisse Abstriche vorzunehmen gewesen wären.
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