Decision ID: 2a760a27-1f62-568f-9e05-de023ec0090d
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ verletzte sich am 3. Oktober 2006 bei einem Arbeitsunfall am Hinterkopf.
Weil eine Schutzvorrichtung abmontiert worden war, konnte eine Arbeitskollegin den
Pressenhub auslösen, obwohl die Versicherte noch am Hantieren beim Pressentisch
war. Das sich absenkende Oberwerkzeug traf die Versicherte am Hinterkopf; der
Pressenhub wurde unmittelbar danach gestoppt (IV-act. Fremdakten; Unfallrapport der
Suva vom 5. März 2007). Die Versicherte wurde in das Spital Grabs überführt, wo sie
bis zum 5. Oktober 2006 überwacht wurde. Sie klagte über anhaltende Kopf- und
Rückenschmerzen. Dr. B._, Orthopädische Chirurgie, stellte am 7. Dezember 2006
die Diagnose einer MTBI. Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Mit
Verfügung vom 19. April 2007 stellte die Suva ihre Leistungen per 30. April 2007 ein;
diese Verfügung bestätigte sie mit Einspracheentscheid vom 6. August 2008 (IV-act.
unnummerierte Fremdakten).
A.b Im November 2007 meldete sich die Versicherte zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an und beantragte die Ausrichtung einer Rente. Seit dem
Unfallereignis leide sie an Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen sowie an
psychischen Beschwerden (IV-act. 1).
A.c Im Bericht vom 28. März 2007 hielt Dr. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, eine posttraumatische Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) fest und attestierte der Versicherten eine volle
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 57/6-7). Dr. D._, FMH Innere Medizin, diagnostizierte im
Bericht vom 10. Dezember 2007 ein panvertebrales, vorwiegend rechts betontes
Syndrom und eine Anpassungsstörung. Die Arbeitsfähigkeit sei von der Arbeit und vom
Arbeitsplatz abhängig (IV-act. 13). Im Arztbericht des Psychiatrie-Zentrums
Werdenberg-Sarganserland (nachfolgend: Psychiatrie-Zentrum) vom 16. April 2008
wurden die Diagnosen organisches Psychosyndrom nach Schädeltrauma (ICD-10:
F07.2) und mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) gestellt. Bis auf weiteres
bestehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit könne erst nach der Durchführung eines
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Arbeitstrainings und eines Arbeitsversuchs beurteilt werden (IV-act. 26). Im
Verlaufsbericht vom 6. Oktober 2008 stellte das Psychiatrie-Zentrum einen
verbesserten Gesundheitszustand fest. Es sei noch kein Arbeitsversuch durchgeführt
worden, sodass die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit noch nicht beurteilt
werden könne. Die Versicherte sei derzeit jedoch sicher zu 20% arbeitsfähig. Unter
berufsbegleitenden Massnahmen könne innerhalb der nächsten drei bis vier Monate
eine Arbeitsfähigkeit von 50% erwartet werden (IV-act. 30). Am 25. März 2009 erfolgte
eine Abklärung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung. Dr. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte im Bericht vom 27. März 2009 einen Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Die Versicherte sei in einer geeigneten
Tätigkeit, die ihren mentalen und geistigen Ressourcen entspreche, vollschichtig
arbeitsfähig (IV-act. 37).
A.d Im Schreiben vom 29. Dezember 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten den
Abschluss der Arbeitsvermittlung mit. Die Versicherte nehme noch bis April 2010 an
einem Einsatzprogramm des RAV teil. Im Rahmen der Stellensuche werde sie
anschliessend ebenfalls vom RAV betreut. Weitere berufliche
Eingliederungsmassnahmen seien nicht notwendig (IV-act. 55).
A.e Im Arztbericht vom 8. Januar 2010 hielt das Psychiatrie-Zentrum an den bereits
gestellten Diagnosen fest und stellte insgesamt einen leicht verbesserten
Gesundheitszustand fest. Die Leistungsfähigkeit unterliege aktuell noch starken
Schwankungen (IV-act. 58).
A.f Im Vorbescheid vom 3. März 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass sie keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung habe (IV-
act. 64). Mit Schreiben vom 16. April 2010 erhob die Versicherte Einwand gegen den
Vorbescheid und beantragte mindestens die Ausrichtung einer halben Invalidenrente
(IV-act. 65). Am 19. April 2010 legte die Beschwerdeführerin einen Bericht des
Psychiatrie-Zentrums vom 15. April 2010 ins Recht (IV-act. 67). Im Verlaufsbericht des
Psychiatrie-Zentrums vom 2. Juni 2010 wurde zusätzlich eine posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) diagnostiziert. Der Gesundheitszustand der
Versicherten habe sich verbessert. Aufgrund der abweichenden Beurteilungen der
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Arbeitsfähigkeit werde eine erneute gutachterliche Beurteilung durch einen
Rheumatologen und einen neutralen Psychiater empfohlen (IV-act. 70/5-8).
A.g Mit Verfügung vom 20. Juli 2010 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten wie
angekündigt, dass sie keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (IV-act. 74).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Daniel
Ehrenzeller, Teufen, eingereichte Beschwerde vom 10. September 2010 mit den
Anträgen, die Verfügung vom 20. Juli 2010 sei aufzuheben, der Beschwerdeführerin sei
spätestens ab Oktober 2007 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen und eventualiter
sei die Angelegenheit im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdeführerin führt im Wesentlichen aus, dass bei der
vorliegenden Aktenlage eine neutrale Begutachtung unumgänglich sei, sofern nicht auf
die fachtherapeutische Einschätzung des Psychiatrie-Zentrums abgestellt werde. Bei
einer Arbeitsfähigkeit von 50% und einem Leidensabzug von 15% werde ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% erreicht (act. G 1). Am 14. September 2010 legte
die Beschwerdeführerin zusätzlich ein Schreiben des Psychiatrie-Zentrums vom 9.
September 2010 ins Recht (act. G 2 und 2.1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 10. November 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sei auf die schlüssigen Ausführungen des RAD abzustellen (act. G 6).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 16. November 2010 wurde der Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht
bewilligt (act. G 7).
B.d Mit Replik vom 16. Dezember 2010 hält die Beschwerdeführerin an den gestellten
Anträgen fest (act. G 9).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).
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B.f Auf weitere Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den folgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 20.
Juli 2010 eröffnet worden, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die
5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
gebracht hat. Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des
ATSG und IVG wiedergegeben.
2.
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2.1 Zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente zu Recht abgelehnt hat.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.3 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 Abs. 2 IVG geben bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
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Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt
einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des EVG vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).
2.5 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Wenn der
entscheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde, kann das Gericht die
Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen (vgl. U. Kieser,
ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, N 62 zu Art. 61).
3.
3.1 Vorab ist zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf den ärztlichen
Bericht von Dr. E._ vom 27. März 2009 und die darin festgelegte 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin ist hingegen der
Ansicht, dass eine neutrale Begutachtung durchzuführen sei, sofern nicht auf die
Einschätzung des Psychiatrie-Zentrums abgestellt werde.
3.2 Der Bericht von Dr. E._ vom 27. März 2009 beruht auf einer psychiatrischen
Untersuchung und berücksichtigt die relevanten Vorakten sowie die geklagten
Beschwerden der Beschwerdeführerin. Während Dr. E._ als Diagnose nur einen
Verdacht auf eine somatofome Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) festhält, diagnostizierte
das Psychiatrie-Zentrum ein organisches Psychosyndrom nach Schädeltrauma
(ICD-10: F07.2) und eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
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(ICD-10: F32.1) sowie schliesslich eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:
F43.1). Dr. E._ setzt sich im Bericht einzig mit der abweichenden Diagnose eines
organischen Psychosyndroms nach Schädeltrauma auseinander. Diesbezüglich führte
er aus, dass sich in der durchgeführten Untersuchung kein Hinweis auf ein organisches
Psychosyndrom ergeben habe. Es würden weder grobe Orientierungsstörungen noch
andere stark eingeschränkte kognitive Beeinträchtigungen bestehen, die auf ein
hirnorganisches Psychosyndrom hinweisen würden. Es sei daher zu vermuten, dass
diese Diagnose von älteren Berichten, die eine temporäre Amnesie berichten und
deswegen ein organisches Psychosyndrom dokumentieren würden, übernommen
worden sei. Diese Begründung vermag nicht vollends zu überzeugen. Gemäss ICD-10
Klassifikation stellen die von Dr. E._ genannten Kriterien "grobe
Orientierungsstörungen und stark eingeschränkte kognitive Beeinträchtigungen" keine
Voraussetzung für die Diagnose eines organischen Psychosyndroms nach
Schädelhirntrauma (F07.2) dar. Vielmehr werden dort Symptome wie Kopfschmerzen,
Schwindel, Erschöpfung, Reizbarkeit, Schwierigkeiten bei Konzentration und geistigen
Leistungen, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen und verminderter
Belastungsfähigkeit für Stress, emotionale Reize oder Alkohol benannt. Solche
Beschwerden werden von der Beschwerdeführerin bei den jeweiligen Untersuchungen,
auch gegenüber Dr. E._ (vgl. IV-act. 37 E. 1.1), regelmässig geltend gemacht und
bilden gemäss Verlaufsbericht des Psychiatrie-Zentrums vom 2. Juni 2010 auch
Bestandteil der psychiatrischen Behandlung. Auf Nachfrage des RAD (IV-act. 69)
begründete das Psychiatrie-Zentrum seine abweichende Beurteilung ausführlich und
legte dar, weshalb die Beurteilung durch Dr. E._ für falsch erachtet wird (IV-act. 72).
In der Folge hielt RAD-Ärztin Dr. F._ fest, weshalb sie die Beurteilung durch das
Psychiatrie-Zentrum nicht teilt und auf die Beurteilung durch Dr. E._ abzustellen sei
(IV-act. 73). In dieser Situation kann nicht ohne weiteres auf die interne Beurteilung des
RAD abgestellt werden. Vielmehr lässt die medizinische Aktenlage keine schlüssige
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer dem Leiden
angepassten Tätigkeit zu. Die Beurteilungen des RAD und des Psychiatrie-Zentrum
gehen sowohl bezüglich der gestellten Diagnosen als auch in der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit derart weit auseinander, dass sich daraus keine plausible Beurteilung
ableiten lässt. Auch die übrige medizinische Aktenlage vermag diesbezüglich keine
Klarheit zu schaffen, zumal die psychiatrische Behandlung bei Dr. C._ nicht mehr
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weitergeführt wurde, nachdem dieser im März 2007 noch eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestierte. Sodann kann aus dem Umstand, dass die Suva ihre
Leistungen per 30. April 2007 eingestellt hat (IV-Fremdakten; Einspracheentscheid der
Suva vom 6. August 2008), nichts für das vorliegende Verfahren abgeleitet werden, da
der Unfallversicherer die Leistungseinstellung hauptsächlich mit dem fehlenden
adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den geklagten
Beschwerden begründete.
3.3 Die obigen Ausführungen legen dar, dass Zweifel an der Zuverlässigkeit der RAD-
Beurteilung nicht verneint werden können. Da bei einem Fallabschluss ohne Einholung
eines externen Gutachtens strengere Anforderungen an die Beweiswürdigung zu
stellen sind und bereits bei geringen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen
vorzunehmen sind (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4), ist die Sache zur Durchführung einer
externen psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit diese anschliessend neu über die Sache verfügen kann.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 20. Juli 2010 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur weiteren
Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
bis
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insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht