Decision ID: 0bb0df66-ead4-5732-a380-d25ce0f8bc32
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Februar 2018 zum Bezug von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Sie
hatte am 1. August 2017 eine Lehre als Bäckerin-Konditorin-Confiseurin EFZ begonnen
(IV-act. 27), die im Oktober 2017 in eine Ausbildung zur Erlangung des
eidgenössischen Berufsattests (EBA) umgewandelt worden war (IV-act. 3, vgl. auch IV-
act. 2). Nach Einholung der medizinischen Unterlagen notierte der RAD am 22. Mai
2018, dass die Versicherte in somatischer Hinsicht an einem Morbus Crohn mit einem
ausgedehnten Dünndarmschlingen-Abszess bei langstreckiger Ileitis terminalis leide.
Zudem bestünden eine generelle Lernbehinderung und Teilleistungsstörungen im
Bereich des Arbeitsgedächtnisses und der Verarbeitungsgeschwindigkeit (IV-act. 28).
Gestützt darauf sprach die IV-Stelle der Versicherten am 4. Juni 2018
berufsberaterische Massnahmen zu (IV-act. 45). Im Juli 2018 brach die Versicherte die
Ausbildung ab (letzter Ausbildungstag am 23. Juli 2018; vgl. IV-act. 48, 72-2). Am 1.
Oktober 2018 teilte die Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, dass sie keine weitere
Unterstützung mehr in Anspruch nehmen wolle. Sie habe eine Stelle in der
Gastronomie gefunden und werde im selben Bereich im Sommer 2019 eine Ausbildung
zur Hauswirtschaftspraktikerin EBA starten. Sie wünsche keine Hilfe mehr durch die IV
(IV-act. 49). Infolgedessen teilte die IV-Stelle der Versicherten am 9. Oktober 2018 mit,
dass das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen
abgewiesen werde (IV-act. 53).
A.a.
Vom 5. Februar bis 26. März 2019 war die Versicherte in der Psychiatrischen Klinik
C._ hospitalisiert. Die behandelnden Ärzte führten aus, bei der Versicherten
bestünden insbesondere Anpassungsstörungen (F43.2) und eine leichte
A.b.
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Intelligenzminderung (F70.9). Im Zusammenhang mit der Diagnose der leichten
Intelligenzminderung hielten die Ärzte fest, dass der Versicherten eine Tätigkeit im
zweiten Arbeitsmarkt empfohlen werde, damit sie in diesem Rahmen ihr vorhandenes
Potential ausschöpfen könne (Austrittsbericht vom 26. März 2019, IV-act. 60).
Im März 2020 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an; sie
reichte diverse medizinische Berichte ein (IV-act. 54). Die Sozialen Dienste B._, die
die Versicherte seit Juli 2019 unterstützten, hatten in einem Schreiben vom 26. Februar
2020 festgehalten, dass die Versicherte einen Lehrabschluss auf dem EBA-Niveau
erreichen wolle und dazu Unterstützung durch die IV im Rahmen von beruflichen
Massnahmen benötige (IV-act. 56).
A.c.
Der RAD notierte am 21. April 2020 unter Verweis auf die eingereichten Berichte,
dass die kognitiven Defizite, die vormals als generelle Lernbehinderung eingestuft
worden seien, als leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70; Gesamt-IQ 68) zu
beurteilen seien. Dabei bestünden weit unterdurchschnittliche Ergebnisse im Bereich
des Sprachverständnisses, des wahrnehmungsgebundenen logischen Denkens, des
Arbeitsgedächtnisses sowie der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Die Versicherte
benötige bezüglich der beruflichen Integration einen eng begleiteten und geschützten
Rahmen. Auch der Morbus Crohn sei relevant für die Arbeitsfähigkeit. Eine
Arbeitsfähigkeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt sei zumindest teilweise gegeben.
Allerdings sei unklar, ob die Versicherte dauerhaft ein ganztägiges Pensum zu leisten
vermöge. Insgesamt habe sich der Gesundheitszustand seit der Verfügung vom
Oktober 2018 wesentlich und anhaltend geändert. Anzumerken sei, dass die
Versicherte niemals in der Lage gewesen sei, auf dem 1. Arbeitsmarkt eine 100%ige
Leistung zu erbringen. Die berufspraktische Belastbarkeit bei der Versicherten sei
schrittweise zu erproben und aktuell könnten keine definitiven Aussagen zu einem
möglichen erfolgreichen Abschluss gemacht werden (IV-act. 76).
A.d.
Am 28. April 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Kosten für
die Berufsberatung übernehme (IV-act. 78).
A.e.
Vom 15. bis 26. Juni 2020 absolvierte die Versicherte eine Schnupperlehre als
Assistentin Gesundheit und Soziales EBA in einem Alterszentrum. Im Bericht vom 2.
A.f.
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B.
Juli 2020 erachtete die verantwortliche Betreuungsperson eine Ausbildung in dieser
Tätigkeit als möglich (IV-act. 86, 88).
Am 22. Juli 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Mehrkosten
der Vorbereitung auf die erstmalige berufliche Ausbildung im Bereich Assistenz
Gesundheit und Soziales vom 10. August 2020 bis 31. Juli 2021 übernehme (IV-act.
91).
A.g.
Mit Verfügung vom 5. August 2020 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die
Dauer der Eingliederungsmassnahme ein kleines Taggeld von Fr. 40.70 zu. Den
Besitzstand aus dem Lehrlingslohn bezifferte sie mit Fr. 26.30 pro Tag (IV-act. 98).
A.h.
Dagegen liess die Versicherte am 27. August 2020, vertreten durch die Sozialen
Dienste der Stadt B._, Beschwerde erheben und die Erhöhung des Tagesansatzes
auf den höchsten Ansatz des kleinen Taggeldes (Fr. 122.10 pro Tag) beantragen. Sie
liess geltend machen, dass sie sich im Jahr 2018 freiwillig bei der IV abgemeldet habe,
da sie davon ausgegangen sei, dass sie im Sommer 2019 eine Lehre als
Hauswirtschaftspraktikerin anfangen würde. Aufgrund ihrer leichten
Intelligenzminderung sei ihr nicht bewusst gewesen sei, welche Folgen die von ihr im
Jahr 2018 vorgenommene IV-Abmeldung nach sich ziehen würde. Sie habe die Lehre
als Bäckerin-Konditorin-Confiseurin aus gesundheitlichen Gründen und wegen der
fehlenden kognitiven Ressourcen abgebrochen. Sie habe sich nach dem Abbruch
selbst um eine Anschlusslösung bemüht; dass sie es "alleine habe schaffen wollen",
dürfe ihr nicht zum Nachteil ausgelegt werden (act. G 1).
B.a.
Am 24. November 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, dass die Beschwerdeführerin keine
abgeschlossene Ausbildung habe. Die Versicherte falle hinsichtlich des Taggeldes in
die Personengruppe der Versicherten in erstmaliger beruflicher Ausbildung. Deshalb sei
das Taggeld zu Recht auf 10% des Höchstbetrags des grossen Taggeldes festgesetzt
worden. Der Besitzstand bezüglich des damaligen Lehrlingslohns habe lediglich Fr.
29.00 betragen, weshalb eine Berechnung mit Einbezug des Besitzstandes tiefer als
10% des Höchstbetrags des grossen Taggeldes zu liegen käme. Zusammenfassend
B.b.
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 5. August 2020 hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin für die Dauer der Eingliederungsmassnahme ein Taggeld von Fr.
40.70 pro Tag zugesprochen (IV-act. 98). Der grundsätzliche Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Taggelder während der Eingliederungsmassnahme ist zu
Recht unbestritten geblieben. Strittig und zu prüfen ist hingegen die Höhe des
Taggeldes. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe Anspruch auf ein Taggeld
von Fr. 122.10 pro Tag, wogegen die Beschwerdegegnerin vorbringt, dass die
Beschwerdeführerin nur einen Anspruch auf ein Taggeld von Fr. 40.70 pro Tag habe.
2.
sei das Taggeld zu Recht gestützt auf Art. 23 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 22 Abs. 1 IVV
berechnet worden (act. G 7).
bis
Am 27. November 2020 bewilligte das Versicherungsgericht das Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten) für das
Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act. G
10).
B.d.
Gemäss Art. 22 Abs. 1 IVG haben Versicherte während der Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 IVG Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie
an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen verhindert
sind, einer Arbeit nachzugehen, oder wenn sie in ihrer gewohnten Tätigkeit zu
mindestens 50% arbeitsunfähig sind. Das Taggeld besteht aus einer
Grundentschädigung, auf die alle Versicherten Anspruch haben, und aus einem
Kindergeld für Versicherte mit Kindern (Art. 22 Abs. 2 IVG). Die Grundentschädigung
beträgt 80% des letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten
Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr als 80% des Höchstbetrages des Taggeldes
nach Art. 24 Abs. 1 IVG (Art. 23 Abs. 1 IVG; sog. grosses Taggeld).
2.1.
Versicherte in der erstmaligen beruflichen Ausbildung und Versicherte, die das 20.
Altersjahr noch nicht vollendet haben und noch nicht erwerbstätig gewesen sind,
haben Anspruch auf ein sog. kleines Taggeld, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit ganz oder
2.2.
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3.
teilweise einbüssen (Art. 22 Abs. 1 IVG). Für Versicherte, die das 20. Altersjahr
vollendet haben und ohne Invalidität nach abgeschlossener Ausbildung eine
Erwerbstätigkeit aufgenommen hätten, beträgt die Grundentschädigung 30% des
Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (Art. 23 Abs. 2 IVG; sog.
höherer Ansatz des kleinen Taggeldes). Dieser Höchstbetrag beläuft sich auf Fr. 407.--
(gemäss Art. 22 Abs. 1 UVV; der Betrag von Fr. 406.03 wird in der IV im Gegensatz zur
UV aufgerundet); 30% des Höchstbetrages ergibt also Fr. 122.10. Für Versicherte in
der erstmaligen beruflichen Ausbildung und für Versicherte, die das 20. Altersjahr noch
nicht vollendet haben und noch nicht erwerbstätig gewesen sind, beträgt die
Grundentschädigung gemäss Art. 23 Abs. 2 Satz 1 IVG höchstens 30% des
Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (Fr. 122.10). Das Taggeld von
Versicherten in der erstmaligen beruflichen Ausbildung entspricht genau 10% des
Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (10% von Fr. 407.--, also Fr.
40.70; Art. 23 Abs. 2 Satz 2 IVG i.V.m. Art. 22 Abs. 1 IVV; sog. niedrigerer Ansatz des
kleinen Taggeldes).
bis
bis
bis
Nach Art. 22 Abs. 2 IVV erhöht sich das Taggeld bei Versicherten, die wegen ihrer
Invalidität eine erstmalige berufliche Ausbildung abbrechen und eine neue beginnen
mussten, gegebenenfalls auf 1/30 des während der abgebrochenen Ausbildung zuletzt
erzielten Monatseinkommens. Vorbehalten bleibt Art. 6 Abs. 2 IVV: Musste eine
erstmalige berufliche Ausbildung wegen Invalidität abgebrochen werden, so ist eine
neue berufliche Ausbildung der Umschulung gleichgestellt, wenn das während der
Ausbildung zuletzt erzielte Erwerbseinkommen höher war als das Taggeld nach Art. 23
Abs. 2 IVG.
2.3.
Die Beschwerdeführerin hat im Jahr 2017 (und damit vor ihrer Ausbildung im
Bereich Assistenz Gesundheit und Soziales) bereits eine Lehre als Bäckerin-Konditorin-
Confiseurin begonnen, diese allerdings per 1. August 2018 wieder abgebrochen (IV-
act. 3, 27, 48, 72). Das während der abgebrochenen Ausbildung erzielte
Erwerbseinkommen hat lediglich Fr. 867.-- im Monat, also gerundet Fr. 29.-- pro Tag,
betragen (vgl. IV-act. 27) und ist damit sogar unter dem niedrigen Ansatz des kleinen
Taggeldes gemäss Art. 22 Abs. 1 IVV (Fr. 40.70) geblieben. Die Beschwerdegegnerin
hat die im August 2020 begonnene Ausbildung im Bereich Assistenz Gesundheit und
Soziales damit zu Recht als erstmalige berufliche Ausbildung qualifiziert. Der
Beschwerdeführerin steht somit lediglich ein kleines Taggeld zu.
3.1.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf den niedrigeren oder
auf den höheren Ansatz des kleinen Taggeldes hat.
3.2.
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Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf Art. 22 Abs. 1 IVV eine
Grundentschädigung von 10% des Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1
IVG zugesprochen, nämlich Fr. 40.70. Dies hat sie damit begründet, dass die
Beschwerdeführerin als Versicherte in der erstmaligen beruflichen Ausbildung gelte und
ihr deshalb nur der niedrige Ansatz des kleinen Taggeldes zustehe (act. G 7). Diese
Begründung vermag für sich alleine nicht zu überzeugen. Die Beschwerdegegnerin
übersieht, dass die Höhe des Taggeldes nicht ausschliesslich davon abhängt, auf
welcher Ausbildungsstufe die versicherte Person steht, d.h. ob sie sich in der
erstmaligen beruflichen Ausbildung befindet oder eine solche bereits abgeschlossen
hat. Vielmehr gilt grundsätzlich, dass bis zu dem Zeitpunkt, in dem eine versicherte
Person ohne Invalidität eine Ausbildung abgeschlossen (und eine Erwerbstätigkeit
aufgenommen) hätte, der niedrigere Ansatz dieses kleinen Taggeldes ausgerichtet
wird. Ab dem Zeitpunkt des mutmasslichen Abschlusses der beruflichen Ausbildung
ohne Gesundheitsbeeinträchtigung wird der höhere Ansatz ausgerichtet, sofern die
versicherte Person in diesem Zeitpunkt das 20. Altersjahr bereits vollendet hat.
Entscheidend ist also, wann die versicherte Person das 20. Altersjahr vollendet hat und
wann sie ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen hätte, wenn sie gesundheitlich
nicht beeinträchtigt wäre (vgl. Rz 3103 des Kreisschreibens über die Taggelder der
Invalidenversicherung, KSTI; vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 12. März 2018; IV 2016/352 E. 4).
3.3.
Die Beschwerdeführerin ist im Zeitpunkt des Beginns der Ausbildung im Bereich
Assistenz am 10. August 2020 erst 19 Jahre alt gewesen. Für die Monate August und
September 2020 kann sie folglich nur einen Anspruch auf den niedrigen Ansatz des
kleinen Taggeldes, d.h. Fr. 40.70 pro Tag, haben. Erst ab Oktober 2020 und damit mit
dem Erreichen des 20. Altersjahrs würde sie einen Anspruch auf den höheren Ansatz
des kleinen Taggeldes begründen können. Zu prüfen ist, wann sie ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen hätte.
3.4.
Die Beschwerdeführerin hat die Lehre zur Bäckerin-Konditorin-Confiseurin im
August 2017 begonnen. Sie hätte diese bei einem ordnungsgemässen Verlauf am 31.
Juli 2019 auf EBA-Niveau abgeschlossen (IV-act. 72-10). Die Beschwerdeführerin hätte
also ohne Gesundheitsschaden im August 2019 über eine abgeschlossene
Berufsausbildung verfügt und wäre einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Demnach
sollte ab Oktober 2020 (also ab dem 20. Altersjahr) eigentlich Art. 23 Abs. 2 IVG zur
Anwendung kommen, d.h. die Grundentschädigung sollte 30% des Höchstbetrages
des Taggeldes gemäss Art. 24 Abs. 1 IVG, also Fr. 122.10, ausmachen. Allerdings hätte
die Beschwerdeführerin während der Ausbildung zur Bäckerin-Konditorin-Confiseurin
3.5.
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(August 2017 bis Juli 2019) lediglich Anspruch auf den niedrigeren Ansatz des kleinen
Taggeldes gehabt, da sie damals weder das 20. Altersjahr vollendet hatte noch ohne
Invalidität über eine abgeschlossene Ausbildung verfügt hätte. Während die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin also für die zweijährige erstmalige
berufliche Ausbildung zur Bäckerin etc. lediglich den niedrigeren Ansatz des kleinen
Taggeldes hätte bezahlen müssen, hätte die Beschwerdeführerin nun aufgrund der
zeitlichen Verzögerung gemäss Art. 23 Abs. 2 IVG für die ganze Dauer der Ausbildung
im Bereich Assistenz etc. einen Anspruch auf den höheren Ansatz des kleinen
Taggeldes.
Vorliegend ist diese zeitliche Verzögerung der Beschwerdeführerin jedoch nicht
"anzurechnen", denn der Abbruch der Bäckerlehre (und damit die erneute
Lehrstellensuche und verzögerte Ausbildung) ist nach Lage der vorliegenden Akten aus
gesundheitlichen Gründen erfolgt. Die Beschwerdeführerin leidet an Morbus Crohn,
einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, die schubweise auftritt. Zudem
bestehen kognitive Defizite in Form einer leichten Intelligenzminderung (ICD-10 F70;
vgl. IV-act. 60). Beide gesundheitlichen Beeinträchtigungen haben bereits je für sich
alleine und insbesondere auch in Kombination unbestrittenermassen erheblichen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Dass sowohl der somatische
als auch der kognitive Gesundheitsschaden die Ausbildungs- und Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigten, hat auch der RAD wiederholt festgehalten (vgl. IV-act. 28, 76). Zwar
hat der ehemalige Lehrbetrieb der Beschwerdeführerin als Grund für die Auflösung des
Lehrvertrages "persönliche Gründe" aufgeführt (IV-act. 72-2), aber mit Blick auf die
vorliegenden Akten steht fest, dass es sich bei einer Bäckerlehre nicht um eine
adaptierte Tätigkeit gehandelt hat und dass eine solche Ausbildung der
Beschwerdeführerin mit Blick auf ihre Gesundheitsbeeinträchtigungen gar nicht
zumutbar gewesen ist. So hat auch die Eingliederungsverantwortliche in ihrem Bericht
vom 6. Mai 2020 notiert, dass aufgrund des Morbus Crohn nur leichte bis mittlere
körperliche Arbeiten mit flexiblen Arbeitszeiten und Pausen und ohne die
Notwendigkeit einer ständigen Anwesenheit als adaptiert zu erachten seien. Aufgrund
der leichten Intelligenzminderung bestehe lediglich auf dem zweiten Arbeitsmarkt eine
(Teil-)Arbeitsfähigkeit und es sei ein enger, betreuender, wohlwollender, schützender
Rahmen möglich (IV-act. 83). Diese Adaptionskriterien können auf die Tätigkeit in einer
Bäckerei kaum angewendet werden. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Tätigkeit,
die aufgrund der wenig flexiblen Arbeitszeiten in den frühen Morgenstunden eine
besondere Anpassungsfähigkeit und ein grosses Durchhaltevermögen erfordert, was
der Beschwerdeführerin durch ihre Erkrankungen aber eben gerade fehlt (vgl. auch den
Bericht des Arbeitgebers, der das fehlende Durchhaltevermögen der
3.6.
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4.