Decision ID: 53936b87-0f61-45cc-a256-644930bf30e7
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 11. Dezember
2014 (DG140014)
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Anklage und Zusatzanklage:
Die Anklageschrift und Zusatzanklage der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zü-
rich vom 19. Juni 2014 (Urk. 19) bzw. Staatsanwaltschaft See / Oberland vom
1. September 2014 (Urk. 32/18) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
- des Diebstahls im Sinne Art. 139 Ziff. 1 StGB
- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
92 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 15 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (9 Monate, abzüg-
lich 92 Tage, die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzo-
gen.
4. Es wird vorgemerkt, dass sich der Beschuldigte verpflichtet hat, dem Privat-
kläger 1 Schadenersatz von Fr. 134.80 zu bezahlen.
5. Es wird dem Grundsatze nach festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber
dem Privatkläger 1 aus der Straftat vom 27. Januar 2014 schadenersatz-
pflichtig ist. Im Übrigen wird der Privatkläger 1 auf den Weg des Zivilprozes-
ses verwiesen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 als Genugtuung
Fr. 1'000.– zuzüglich Zins von 5% seit dem 27. Januar 2014 zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
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7. Die Privatklägerin 4 wird mit ihrer Schadenersatzforderung auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
8. Rechtsanwalt lic. iur. X._, ..., ... [Adresse], wird für seine Bemühungen
und Barauslagen als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten aus der Ge-
richtskasse wie folgt entschädigt:
Honorar: Fr. 13'372.50
Barauslagen: Fr. 686.–
MwSt: 8.0%: Fr. 1'124.70
_
Total Fr. 15'183.20
9. Rechtsanwalt lic. iur. Y._, ... [Adresse], wird für seine Bemühungen und
Barauslagen als unentgeltlicher Rechtsbeistand des Privatklägers 1 aus der
Gerichtskasse wie folgt entschädigt:
Honorar: Fr. 4'820.–
Barauslagen: Fr. 300.–
MwSt 8.0%: Fr. 409.60
_ Total: Fr. 5'529.60
10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'000.– die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'345.25 Auslagen Vorverfahren
Fr. 1'104.– Kosten der Kantonspolizei Zürich
Fr. 6'400.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 15'183.20 Kosten amtlicher Verteidiger
Fr.
5'529.60
Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers 1
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der
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unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers 1 werden auf die Gerichtskasse
genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 73 S. 1)
1. Hauptantrag: Der Beschuldigte sei mit 45 Monaten Freiheitsstrafe zu
bestrafen; die Strafe sei zu vollziehen.
2. Eventualantrag: Bei Ausfällung einer Freiheitsstrafe von unter 36 Mo-
naten sei die Freiheitsstrafe dennoch vollumfänglich zu vollziehen.
3. Im Übrigen sie das vorinstanzliche Urteil (Urteil BG Hinwil vom
11.12.2014 / DG140014) zu bestätigen.
b) Des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 74 S. 2)
1. Es sei festzustellen, dass lediglich die Dispositiv-Ziffer 1 al. 1 sowie die
Ziffern 2 und 3 des Urteils des Bezirksgerichts Hinwil vom 11. Dezem-
ber 2014 Gegenstand des Berufungsverfahrens bilden und das Urteil
der Vorinstanz im Übrigen in Rechtskraft erwachsen ist.
2. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 1 al. 1 des vorinstanzlichen Urteils
sei der Beschuldigte wegen versuchter schwerer Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, begangen
in Überschreitung der Grenzen der Notwehr im Sinne von Art. 16
Abs. 2 StGB, schuldig zu sprechen.
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3. In Bestätigung der vorinstanzlichen Dispositiv-Ziffer 2 sei der Beschul-
digte zu bestrafen mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 92 Tage
durch Haft erstanden sind.
4. In Bestätigung der vorinstanzlichen Dispositiv-Ziffer 3 sei der Vollzug
der Freiheitsstrafe im Umfang von 15 Monaten aufzuschieben und die
Probezeit auf 4 Jahre festzusetzen. Im Übrigen (9 Monate, abzüglich
92 Tage, die durch Haft erstanden sind) sei die Freiheitsstrafe zu voll-
ziehen.
_

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts
Hinwil vom 11. Dezember 2014 meldete die Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich mit Eingabe vom 17. Dezember 2014 rechtzeitig Berufung gemäss Art. 399
Abs. 1 StPO an (Urk. 53). Das begründete Urteil der Vorinstanz wurde ihr am
29. Januar 2015 zugestellt (Urk. 57 S. 6), worauf sie noch am selben Tag fristge-
recht ihre Berufungserklärung einreichte (Urk. 61).
Innert der ihm angesetzten Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO liess der Be-
schuldigte mit Eingabe vom 30. März 2015 Anschlussberufung erheben (Urk. 64).
Die Staatsanwaltschaft See/Oberland und die Privatkläger liessen sich innert Frist
nicht vernehmen.
Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung, zu wel-
cher der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt
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lic. iur. X._, und der Vertreter der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,
Staatsanwalt Scherrer, erschienen sind (Prot. II S. 4).
2. Umfang der Berufung
Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Berufung auf die Bemessung der Strafe
und die Regelung des Vollzugs, der Beschuldigte liess mit seiner Anschlussberu-
fung den Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung und damit
zusammenhängend auch den Strafpunkt anfechten (Urk. 61 S. 1; Urk. 64 S. 2;
Urk. 73 S. 1 und Urk. 74 S. 2). Damit wurde die Berufung teilweise beschränkt
(Art. 399 Abs. 4 StPO).
Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des
angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Es ist somit festzu-
stellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 11. Dezember 2014 be-
züglich der Dispositivziffern 1 Punkt 2 und 3 (Schuldspruch wegen Diebstahls und
Sachbeschädigung), 4 bis 7 (Zivilansprüche) sowie 8 bis 11 (Kosten- und Ent-
schädigungsdispositiv) unangefochten blieb und in diesem Umfang in Rechtskraft
erwachsen ist.
3. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
3.1. Der Beschuldigte beanstandet den erstinstanzlichen Schuldspruch wegen
versuchter schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB insofern, als er dieses Delikt in Überschreitung der
Grenzen der Notwehr im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB begangen habe (Urk. 64
S. 2). Gegen die eigentliche Qualifikation des Sachverhalts als versuchte schwere
Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB erhebt er hingegen keine Einwendungen (Urk. 74 S. 5), weshalb sich
weitere Ausführungen diesbezüglich erübrigen. Es ist lediglich auf die zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz betreffend Versuch, objektive und subjektive
Tatbestandselemente der schweren Körperverletzung und Eventualvorsatz zu
verweisen (Urk. 59 S. 12 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
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3.2. Die Vorinstanz erwog im Rahmen der Sachverhaltserstellung, es könne
nach Würdigung der Aussagen – insbesondere nach Würdigung der Darstellun-
gen von C._, auf welche die Staatsanwaltschaft abstelle – nicht als bewiesen
erachtet werden, dass sich dieser schlichtend und trennend zwischen den Be-
schuldigten und den Privatkläger gestellt habe, die Auseinandersetzung vorerst
beendet gewesen sei und der Beschuldigte in diesem Moment an C._ vor-
beigegangen sei und zugestochen habe (Urk. 59 S. 12).
3.3. Neben dem Beschuldigten (Urk. 4/1-5) und dem Privatkläger (Urk. 5/1-2)
konnten zum Streitgeschehen nur noch C._ (Urk. 6/7 und Urk. 6/13) sowie
D._ (Urk. 6/4 und Urk. 6/11) und E._ (Urk. 6/5 und Urk. 6/10) sachdien-
liche Angaben machen. Die vom Beschuldigten geltend gemachte Notwehrsituati-
on ist demgemäss unter Würdigung ihrer Aussagen zu prüfen.
Der Beschuldigte machte zum Geschehenen geltend, es sei zu einer kleinen
Auseinandersetzung gekommen, wobei der Privatkläger ihm und er dem Privat-
kläger eins "gefaustet" habe. Der Privatkläger sei dann weggerannt und er sei
diesem nachgerannt. Der Privatkläger sei auf einmal verschwunden und wieder
hervorgekommen und habe ihn zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen,
worauf er das Messer hervorgenommen und zugestochen habe (Urk. 4/1 S. 2;
Urk. 4/2 S. 3; Prot. II S. 15 f.). Er habe ca. einen Meter Abstand zum Privatkläger
gehabt, der ihm vorgängig zwei "gefaustet" habe. Er habe gedacht, dass der Pri-
vatkläger, als er verschwunden sei, etwas hervorgeholt habe, weshalb er sein
Messer gezogen habe. Er habe ihm Angst machen wollen, damit dieser aufhöre,
ihn zu schlagen bzw. sich schützen wollen (Urk. 4/1 S. 6; Urk. 4/2 S. 4; Urk. 4/3
S. 3).
Der Privatkläger gab an, er habe dem Beschuldigten die Hand geben wollen, als
er zu ihm gekommen sei. Dieser habe irgendetwas gesagt und ihn dann mit dem
Messer gestochen. Er wisse nicht, ob er noch etwas weggerannt oder gleich zu
Boden gefallen sei (Urk. 5/1 S. 6; Urk. 5/2 S. 3 f.). Er sei dann im Schock wegge-
rannt und der Beschuldigte sei hinter ihm hergerannt, dann hätten Sie miteinander
"geschlegelt". Er habe ihn ein paar Mal geschlagen, dann sei eine weitere Person
dazu gekommen, er glaube es sei ein Albaner gewesen. Dieser habe den Be-
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schuldigten gepackt (Urk. 5/2 S. 4).
C._ gab zum Vorfall an, er habe sich mit dem Beschuldigten am besagten
Abend in der Nähe des Schulhauses F._ getroffen. Während sie gemeinsam
unter einer Holzpyramide einen Joint geraucht hätten, sei der Privatkläger ge-
kommen und habe sich zu einem kleinen Fussballfeld in der Nähe begeben
(Urk. 6/7 S. 3). Der Beschuldigte sei dann zum Privatkläger hingegangen. Es sei
nicht lange gegangen und dann hätte die beiden angefangen zu "schlegeln". Der
Privatkläger habe abhauen wollen, der Beschuldigte sei ihm aber nachgerannt,
sie seien auf einen Platz zwischen den Wohnhäusern gerannt. Als er dort ange-
kommen sei, habe er gesehen, wie die beiden "am Schlegeln" waren. Er sei dann
zwischen die beiden gegangen und habe sie getrennt (Urk. 6/7 S. 4; Urk. 6/13
S. 3 f.). Er sei in der Mitte der beiden gestanden. Der Beschuldigte sei an ihm
vorbei gegangen und habe den Privatkläger gestochen. Er selber sei ausgerastet
und habe den Beschuldigten mehrmals geschlagen. Als er von ihm abgelassen
habe, habe der Privatkläger auf den Beschuldigten eingeschlagen, er habe nicht
mehr aufgehört (Urk. 6/7 S. 5; Urk. 6/13 S. 4 f.).
Auf Vorhalt der Aussagen von C._ verneinte der Beschuldigte ein solches
Eingreifen desselben ausdrücklich und machte geltend, C._ sei erst hinzuge-
kommen, nachdem er vom Privatkläger geschlagen worden sei und diesen gesto-
chen habe (Urk. 4/4 S. 2). C._ sei bei der zweiten Auseinandersetzung dabei
gewesen, da sei die ganze Sache aber bereits passiert (Urk. 4/5 S. 5; Prot. II
S. 17). Der Privatkläger machte lediglich geltend, es könne sein, dass es sich so
abgespielt habe (Urk. 5/2 S. 5), wobei er hernach präzisierte, er habe nur ge-
meint, dass es gut möglich sei, dass C._ dem Beschuldigten eins geschmiert
habe (Urk. 5/2 S. 6).
Wenngleich der eigentliche Tathergang von den drei unmittelbar anwesenden
Personen unterschiedlich geschildert wurde, kann aufgrund ihrer Aussagen als
erstellt erachtet werden, dass der Beschuldigte und der Privatkläger eine wech-
selseitige, tätliche Auseinandersetzung hatten, welche durch eine Ortsverschie-
bung aufgrund eines Wegrennens des Privatklägers und eines Hinterherrennens
des Beschuldigten unterbrochen wurde. Fest steht aufgrund der Zugabe des Be-
schuldigten zudem, dass dieser den Privatkläger im Verlauf der Auseinanderset-
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zung mit einem Messer gestochen hatte. In welchem Moment der Auseinander-
setzung der Messerstich durch den Beschuldigten erfolgte, bleibt aber aufgrund
der Aussagen der Beteiligten unklar: Auf die Aussagen des Privatklägers, wonach
der Beschuldigte unvermittelt nach der Begrüssung auf ihn eingestochen haben
soll, kann nicht abgestellt werden. Der Privatkläger hat zugegeben, er sei zum
vereinbarten Treffpunkt gekommen, um den Beschuldigten zu schlagen (Urk. 5/2
S. 6), womit es schlicht nicht glaubhaft erscheint, dass er dem Beschuldigten oh-
ne jegliche Aggressivität gegenübergetreten und ihm wortwörtlich ins offene Mes-
ser gelaufen sein soll. Vielmehr bestätigte auch C._ in diesem Zusammen-
hang lebensnah die Ausführungen des Beschuldigten, wonach dieser und der Pri-
vatkläger kurz miteinander redeten, bevor sie sich gegenseitig zu schlagen anfin-
gen. Somit steht nicht zweifelsfrei fest, dass der Beschuldigte unmittelbar zu Be-
ginn des Aufeinandertreffens auf den Privatkläger einstach. Weiter erwähnten
aber weder der Beschuldigte noch der Privatkläger je von sich aus, es habe sich
eine Drittperson schlichtend zwischen sie gestellt und die Auseinandersetzung
beendet, bevor dann der Beschuldigte zugestochen habe. Insbesondere der Pri-
vatkläger hätte aber eine Interesse daran gehabt, eine vorübergehende Beendi-
gung der Auseinandersetzung zu erwähnen und sich so in ein günstigeres Licht
zu stellen. Dass er darauf verzichtete, um C._ nicht in die Angelegenheit hin-
einzuziehen, scheint wenig plausibel, gab er doch an, er kenne ihn nur vom Hö-
rensagen (Urk. 5/2 S. 5). Nicht einmal nachdem ihm die Aussagen C._s vor-
gehalten wurden, bestätigte er das Dazwischentreten desselben, sondern hielt es
einzig für möglich, dass C._ den Beschuldigten schlug, nachdem er von der
Stichverletzung Notiz genommen hatte. Weiter hat die Vorinstanz zurecht festge-
halten, dass der Zeuge C._ nicht eigens gesehen hat, wann und wie der Be-
schuldigte zustach, sondern erst im Nachhinein auf die Stichverletzung aufmerk-
sam wurde und seine Darlegungen über das konkrete Vorgehen des Beschuldig-
ten eine nachträgliche gedanklich Rekonstruktion der Geschehnisse darstellt, an
deren Zuverlässigkeit Zweifel angebracht erscheinen (Urk. 59 S. 11). Es bestehen
somit insgesamt nicht nur Zweifel daran, dass C._ sich tatsächlich schlich-
tend zwischen den Privatkläger und den Beschuldigten gestellt hat, sondern es
kann schon gar nicht als erwiesen erachtet werden, dass der Beschuldigte genau
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in diesem Moment zugestochen haben soll. Dies ergibt sich insbesondere auch
nicht aus den Aussagen der Zeugen D._ und E._, welche jedenfalls
nichts von einem Einschreiten einer Drittperson gesehen haben, was die Vo-
rinstanz zurecht festhielt (Urk. 59 S. 11 f.).
Insgesamt verbleiben somit erheblich Zweifel an der Version C._s, so dass
ein genauer Hergang der Auseinandersetzung aufgrund der vorhandenen Be-
weismittel nicht erstellt werden kann. Es ist demzufolge auf die Aussagen des Be-
schuldigten abzustellen und zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass der Pri-
vatkläger nachdem er weggerannt war und sich versteckt hatte, unvermittelt her-
vortrat und erneut auf den Beschuldigten einschlug, welcher das Messer während
dieser zweiten tätlichen Auseinandersetzung einsetzte, anstatt sich mit blossen
Händen gegen die Schläge des Privatklägers zu wehren.
3.4. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist vorliegend unter Berücksichtigung
des Grundsatzes in dubio pro reo von einer Notwehrsituation auszugehen, welche
verhältnismässige Abwehrhandlungen des Beschuldigten gerechtfertigt hätten: So
dauerte der vom Privatkläger initiierte Angriff auf den Beschuldigten grundsätzlich
auch nach dem Wechsel der Örtlichkeit fort und wurde nicht durch das zwischen-
zeitliche Wegrennen des Privatklägers und das Nachsetzen des Beschuldigten
unterbrochen, zumal zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen ist, dass
der Privatkläger sich zunächst versteckte und hernach unvermittelt aus seinem
Versteck hervorkam und erneut auf den Beschuldigten einschlug. Der Einsatz des
Messers durch den Beschuldigten war aber offensichtlich und in krasser Weise
unangemessen, weil dem Privatkläger damit weit schwerwiegendere Verletzun-
gen drohten, als diejenigen Verletzungen, welcher der Beschuldigte erlitt, die an-
erkanntermassen nicht einmal eine ärztliche Behandlung notwendig machten
(Prot. II S. 17). Es kann somit festgehalten werden, dass der Beschuldigte die Tat
in Überschreitung der Grenzen der Notwehr im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB
(Notwehrexzess) begangen hat, was im Dispositiv festzuhalten ist.
3.5. Die Staatsanwaltschaft ging nicht von einer Notwehrsituation und damit auch
nicht von einem Notwehrexzess des Beschuldigten aus, weshalb in der Anklage-
schrift vom 19. Juni 2014 entsprechende Ausführungen fehlen (Urk. 19). Dass
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sich in der Anklageschrift keine entsprechenden Ausführungen finden, steht der
Annahme einer Notwehrsituation bzw. eines Notwehrexzesse aber nicht entge-
gen. Das in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebene Anklageprinzip wird durch die
(formellen) Anforderungen an den Inhalt der Anklageschrift in Art. 325 Abs. 1
StPO konkretisiert. Die Aufzählung in Art. 325 Abs. 1 StPO ist abschliessend zu
verstehen, was bedeutet, dass für Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe
relevante tatsächliche Behauptungen nicht zum notwendigen Inhalt der Anklage-
schrift gehören. Daraus folgt, dass das Gericht mit Bezug auf allfällige Rechtferti-
gungsgründe – wie beispielsweise auch für die Strafzumessung – nicht an den
Inhalt der Anklage gebunden ist. Soweit eine vom Beschuldigten behauptete Not-
wehrsituation zu klären ist, ist dafür nicht die in der Anklageschrift enthaltenen
Umschreibungen der Umstände zu verifizieren, sondern abzuklären, ob die be-
hauptete, den Beschuldigten entlastende Situation vorlag. Indem die Vorinstanz
unter Berücksichtigung des Grundsatzes in dubio pro reo zum Schluss kam, der
Beschuldigte habe das Messer während der tätlichen Auseinandersetzung und
damit im Sinne einer Abwehrhandlung gegen einen laufenden Angriff eingesetzt
und dies als Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB würdigte, hat sie
weder das Anklageprinzip missachtet noch eine zulässige rechtliche Würdigung
des erstellten Anklagesachverhalts vorgenommen.
3.6. Der Beschuldigte ist demnach der versuchten schweren Körperverletzung
gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 16
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
4. Strafzumessung und Vollzug
4.1. Betreffend die allgemeinen Regeln der Strafzumessung und die Bildung ei-
ner Gesamtstrafe kann, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 21 f.).
4.2. Die Vorinstanz ist korrekterweise von der versuchten schweren Körperver-
letzung als schwerstem Delikt ausgegangen und hat den Strafrahmen zutreffend
auf eine Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätze oder eine Freiheitsstrafe bis zu
zehn Jahre festgelegt (Urk. 59 S. 22). Es liegen trotz der Deliktsmehrheit keine
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ausserordentlichen Gegebenheiten vor, welche ein Verlassen des ordentlichen
Strafrahmens erfordern würden. Die Strafe ist demnach innerhalb des ordentli-
chen Strafrahmens festzulegen.
4.3. Für die Bestimmung der Einsatzstrafe ist zunächst das objektive Verschul-
den für die vollendete schwere Körperverletzung zu bestimmen und dieses unter
Berücksichtigung des Umstandes, dass die Tat nicht über das Versuchsstadium
hinausging, zu reduzieren. Im Rahmen der subjektiven Tatschwere ist schliesslich
zu würdigen, dass der Beschuldigte lediglich eventualvorsätzlich und in einem
Notwehrexzess handelte. Schliesslich sind die Täterkomponenten zu berücksich-
tigen und eine dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen angemes-
sene Einsatzstrafe festzusetzen.
4.3.1. In objektiver Hinsicht ist das Verschulden des Beschuldigten mit Blick auf
das vollendete Delikt als erheblich zu qualifizieren. Ein Stich mit einem Messer in
die Bauchgegend des Geschädigten erweist sich als schwerwiegende Verletzung,
auch wenn die Klinge des verwendeten Messers nicht besonders lang ist. Das
Verhalten zeugt von einer Hemmungs- und Rücksichtslosigkeit und einer Gleich-
gültigkeit gegenüber der körperlichen Unversehrtheit des Verletzen. Insgesamt
wäre eine Einsatzstrafe von 42 Monaten dem hypothetischen, objektiv erhebli-
chen Verschulden angemessen.
Zu berücksichtigen ist nun, dass der Beschuldigte dem Privatkläger objektiv be-
trachtet nur eine leichte Verletzung, eine 1 cm lange und 2 cm tiefe Stichwunde in
der Bauchgegend, zufügte, ohne dass je eine Organverletzung daraus resultierte
(Urk. 8/3 S. 1 f.) oder eine unmittelbare Lebensgefahr bestand. Dass die Verlet-
zung relativ leicht war, zeigt sich auch im Umstand, dass sich der Privatkläger
nicht unmittelbar nach dem Vorfall in ärztliche Behandlung begab, sondern die
Wunde zunächst einzig mit einem Wundpflaster abdeckte, am Ort der Auseinan-
dersetzung blieb und sogar noch Alkohol konsumierte und sich hernach nach
Hause anstatt ins Spital begab (Urk. 5/1 S. 1 und Urk. 5/2 S. 4) und zudem das
Krankenhaus am 30. Januar 2014 bereits wieder verliess (Urk. 8/3 S. 2). Die Tat
gelangte somit nicht zur Vollendung, sondern blieb im Versuchsstadium. Dass al-
lerdings die Handlung des Beschuldigten nicht zu einer lebensgefährlichen Ver-
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letzung des Privatklägers führte, ist im Wesentlichen dem Zufall zu verdanken und
nicht in erster Linie auf die Einflussmöglichkeit des Beschuldigten zurückzuführen.
Dem Beschuldigten ist in diesem Zusammenhang lediglich zugute zu halten, dass
das Messer eine relativ kurze Klinge aufwies (Urk. 4/1 S. 5) und ihm jedenfalls
nicht nachgewiesen werden kann, dass er besonders heftig zugestochen hatte,
würde in diesem Fall doch auch nach der Durchstechung des Jackensaums und
des T-Shirts des Privatklägers (Urk. 7/2 S. 2-4) eine wesentlich tiefere Stichwunde
resultieren. Hingegen zögerte der Beschuldigte nicht, das von ihm ohne plausib-
len Grund mitgeführte Messer gegenüber seinem unbewaffneten und lediglich mit
Fäusten auf ihn einwirkenden Kontrahenten einzusetzen. Unter Berücksichtigung
des Versuchs rechtfertigt es sich, das Verschulden und damit die hypothetische
Einsatzstrafe um 10 Monate auf 32 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren.
4.3.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschul-
digte lediglich eventualvorsätzlich handelte, was sich verschuldensmindernd aus-
wirkt. Der Beschuldigte wollte den Privatkläger nicht verletzen, was sich auch aus
seiner Reaktion ergibt, wonach er nach der Feststellung der Einstichwunde ver-
suchte, dem Privatkläger zu helfen oder ihn zu überreden, sich in ärztliche Be-
handlung zu begeben. Hingegen nahm der Beschuldigte durch den Einsatz des
Messers gegen den Privatkläger in Kauf, dass er diesen schwer verletzen könnte.
Dass der Beschuldigte nur eventualvorsätzlich handelte, wirkt sich verschuldens-
mindernd aus, eine Reduktion der hypothetisch festgesetzten Freiheitsstrafe um 6
Monate auf 26 Monate ist vorzunehmen.
Ebenso ist mit Blick auf die subjektive Tatschwere festzuhalten, dass – wie bereits
erwogen – aufgrund der tätlichen Auseinandersetzung und des Umstands, dass
der Privatkläger seinerseits massiv auf den Beschuldigten einschlug eine das
Verschulden des Beschuldigten mindernde Notwehrsituation vorlag. Hingegen
begab sich der Beschuldigte im Wissen darum, dass es zu einer Schlägerei
kommen würde (Prot. II S. 14), ausgerüstet mit einem Messer, welches er zwar
nicht eigens im Hinblick auf die Auseinandersetzung mitgenommen, sondern die-
ses zufällig auf sich getragen haben will (Prot. II S. 15), zum vereinbarten Treff-
punkt und trug damit unweigerlich zur Eskalation bei. Der enthemmte Einsatz des
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Messers gegen die körperliche Integrität des einzig mit Faustschlägen agierenden
Privatklägers zur Verteidigung ist aber völlig unverhältnismässig und stellt eine
massive Überschreitung der Grenzen seines Notwehrrechtes dar, die lediglich ei-
ne marginale Reduktion des Verschuldens und damit der Strafe auf 24 Monate
rechtfertigt.
4.3.3. Die Vorinstanz hat sich umfassend zum Lebenslauf und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten geäussert (Urk. 59 S. 26 f.). Es kann darauf
verwiesen werden. Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschul-
digte im Wesentlichen seine Ausführungen und machte ergänzend geltend, er
habe nun eine bis Ende Juli 2015 befristete Anstellung als Haustechniker bei der
Firma G._ in ..., bei welcher er auch beabsichtige eine Lehre als Fachmann
Betriebsunterhalt abzuschliessen, wenngleich er noch keinen Lehrvertrag unter-
zeichnen konnte (Prot. II S. 8 f.). In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist fest-
zuhalten, dass sich aus diesen Umständen im Wesentlichen keine strafzumes-
sungsrelevanten Faktoren ableiten lassen (Urk. 50 S. 19). Keinen Einfluss auf die
Strafe hat insbesondere der Umstand, dass der Beschuldigte bisher keine Be-
rufsausbildung abgeschlossen hat, lediglich ab und zu temporär Arbeiten verrich-
tet und im Übrigen arbeitslos ist und von seiner Mutter finanziert wird. Diese Be-
gebenheit ist auf sein eigenes Verhalten und die fehlende Fähigkeit dafür Verant-
wortung zu übernehmen zurückzuführen.
Im mittleren Masse strafmindernd zu veranschlagen ist das Nachtatverhalten und
das Geständnis des Beschuldigten. Unmittelbar nach dem Vorfall versuchte der
Beschuldigte den Privatkläger zu verarzten und organisierte sogar ein Taxi, um
ihn ins Spital zu fahren. Trotz des Widerspruchs des Privatklägers und im Wissen
darum, dass sich damit für ihn das Risiko des Auffliegens der Tat beträchtlich er-
höht hätte, verblieb der Beschuldigte an der Seite des Privatklägers und versuch-
te ihn zu überreden, sich in ärztliche Behandlung zu begeben (Urk. 4/1 S. 3 und
10; Urk. 4/2 S. 5 und Urk. 5/2 S. 4). Weiter gab er bereits bei der ersten polizeili-
chen Einvernahme vom 28. Januar 2014 zu, den Privatkläger mit dem Messer
verletzt zu haben (Urk. 4/1 S. 2 und 10).
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Demgegenüber fallen erheblich straferhöhend die mehrfachen, teils einschlägigen
Vorstrafen des Beschuldigten ins Gewicht. Der Beschuldigte wies zum Tatzeit-
punkt drei Vorstrafen auf (Urk. 69), wobei lediglich eine Vorstrafe relativ weit zu-
rücklag und insbesondere der jüngsten Vorstrafe teils einschlägige Delikte zu-
grunde lagen. Zudem musste zum Tatzeitpunkt eine weitere Strafuntersuchung
gegen den Beschuldigten pendent gewesen sein, wurde er doch nur gerade
knapp zwei Monate nach der vorliegend zu beurteilenden Tat erneut verurteilt
(Urk. 69 S. 3). Der Beschuldigte liess sich offensichtlich weder von bestehenden
Vorstrafen noch von laufenden Probezeiten oder Strafuntersuchungen davon ab-
halten, weiter zu delinquieren, was von einer ausserordentlichen Unbelehrbarkeit
und Uneinsichtigkeit zeugt.
Insgesamt überwiegen die Straferhöhungsgründe die Strafminderungsgründe,
weshalb im Ergebnis eine Straferhöhung um weitere zwei Monate angezeigt ist.
4.3.4. Unter Berücksichtigung des Verschuldens und der Täterkomponente recht-
fertigt es sich die Einsatzstrafe für die versuchte eventualvorsätzliche schwere
Köperverletzung im Sinne von Art. 122 Ab. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und
Art. 16 Abs. 1 StGB auf 26 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
4.4. In der Folge ist die Einsatzstrafe von 26 Monaten aufgrund der weiteren dem
Beschuldigten zur Last gelegten Delikte angemessen zu erhöhen. Dabei rechtfer-
tigt es sich, die Sachbeschädigung und den Diebstahl als Einheit zu beurteilen,
erfüllte doch der Beschuldigte diese beiden Tatbestände durch ein einheitliches
Handeln, den Einbruchdiebstahl beim Optikergeschäft "H._ GmbH".
4.4.1. Der Beschuldigte verübte gemeinsam mit zwei Mittätern einen Einbruch-
diebstahl bei einem Optikergeschäft in ..., indem sie unter arbeitsteiligem Vorge-
hen eine Fensterscheibe einschlugen und hernach das Fenster mit einem
Schraubenzieher aufwuchteten, um in das Geschäft zu gelangen. Im Rahmen des
Einbruchsdiebstahls behändigten sie eine Geldkassette mit mehreren Hundert
Franken und verursachten einen Sachschaden ebenfalls in dieser Grössenord-
nung, womit sich der Deliktsbetrag als nicht unbeachtlich erweist. Das Vorgehen
des Beschuldigten und der beiden Mittäter zeugt zudem von einer Geringschät-
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zung fremden Eigentums. Indem sie das Fenster des Optikergeschäfts komplett
zerstörten, was vermutlich massivere Folgen für den Geschäftsinhaber hatte, als
der Diebstahl selbst, offenbarten sie überdies eine Rücksichtslosigkeit und
Gleichgültigkeit und damit eine nicht unerhebliche kriminelle Energie. Was den
Beschuldigten betrifft, kann ihm zwar keine Anführerrolle angelastet werden, hin-
gegen hat er immerhin einen wesentlichen Tatbeitrag geleistet, indem er bei der
Zerstörung des Fensters mitwirkte und unzulässigerweise in das Optikergeschäft
einstieg. Zugutezuhalten ist ihm demgegenüber, dass er nicht selber die Geldkas-
sette behändigte und nur im kleinen Umfang am Erlös beteiligt wurde. Insgesamt
ist die objektive Tatschwere in Anbetracht der vorerwähnten Umstände als gerade
noch leicht einzustufen.
4.4.2. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive Schwere der Tat nicht zu
relativieren. Entgegen der Vorinstanz ist durchaus von einem finanziellen Motiv
des Beschuldigten auszugehen, machte er doch geltend, in der Regel kein Geld
gehabt zu haben (Prot. II S. 12). Richtig hat die Vorinstanz erwogen, dass der Ta-
tentschluss im Zusammenhang mit einer erheblichen Alkoholisierung stehen dürf-
te (Urk. 59 S. 25), was aber lediglich zu einer marginalen Reduktion des Ver-
schuldens führen kann. Insgesamt wiegt das Verschulden im Zusammenhang mit
der Sachbeschädigung und dem Diebstahl gerade noch leicht.
4.4.3. Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse ist auf vor-
stehend Ausgeführtes zu verweisen und festzuhalten, dass diese keinen Einfluss
auf die Strafe haben.
Ein strafmindernd zu berücksichtigendes Geständnis liegt hinsichtlich des Ein-
bruchdiebstahls zwar nicht vor, immerhin wurde der diesbezügliche Schuldspruch
vom Beschuldigten im Rahmen des Berufungsverfahrens aber nicht mehr ange-
fochten, was leicht zu seinen Gunsten zu werten ist. Hinsichtlich der Vorstrafen
kann auf das vorstehend Ausgeführte verwiesen werden, anzumerken bleibt
noch, dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt des Einbruchdiebstahls bereits eine
weitere Vorstrafe wegen Drohung aufwies (Urk. 69 S. 3). Hinzukommend bewirkte
nicht einmal der Umstand, dass der Beschuldigte aufgrund des Vorwurfs der
schweren Körperverletzung vom 28. Januar 2014 bis zum 2. April 2014 92 Tage
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in Haft verbrachte (Urk. 15/1 und Urk. 15/10), bei ihm ein Umdenken, verübte er
doch nur gerade wenige Wochen nach erfolgter Haftentlassung den vorliegend zu
beurteilenden Einbruchdiebstahl. Dies zeugt insgesamt von einer massiven Ge-
ringschätzung der Rechtsordnung und einer Gleichgültigkeit sondergleichen. Eine
beträchtliche Straferhöhung ist angezeigt.
Insgesamt überwiegen die Straferhöhungsgründe auch hier die Strafminderungs-
gründe. Eine Straferhöhung ist damit auch hinsichtlich des Einbruchdiebstahls
angezeigt.
4.4.4. Insgesamt ist die Einsatzstrafe von 26 Monaten unter Berücksichtigung der
vorerwähnten Zumessungskriterien und des Asperationsprinzips für die Sachbe-
schädigung und den Diebstahl um insgesamt sechs Monate zu erhöhen. Der Be-
schuldigte ist somit mit einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten zu bestrafen.
4.5. Für Freiheitsstrafen von mehr als einem und höchstens drei Jahren sieht
das Gesetz den teilbedingten Vollzug vor, wenn dies notwendig ist, um dem Ver-
schulden des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 StGB). Vor-
aussetzung für den Teilaufschub ist, dass der Aufschub wenigstens eines Teils
der Strafe aus spezialpräventiver Sicht erfordert, dass der andere Teil unbedingt
ausgesprochen wird (BGE 134 IV 60 E. 7.4 mit Hinweisen). Die Freiheitsstrafe ist
unbedingt auszufällen, wenn eine ungünstige Prognose gestellt werden muss,
weil keinerlei Aussicht besteht, der Verurteilte werde sich durch den - ganz oder
teilweise - gewährten Strafaufschub beeinflussen lassen (BGE 134 IV 60 E. 7.5).
Die Voraussetzungen für die Gewährung des teilbedingten Strafvollzuges sind mit
der Ausfällung einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten in objektiver Hinsicht erfüllt.
In subjektiver Hinsicht liegen verschiedene Umstände vor, welche erhebliche
Zweifel an einer günstigen Prognose hervorrufen. So weist der Beschuldigte wie
erwähnt vier, teilweise einschlägige Vorstrafen auf. Zudem liess er sich weder von
bedingten, noch teilbedingten Geldstrafen, von langen Probezeiten oder vom Wi-
derruf von bedingt ausgesprochenen Geldstrafen beeindrucken. Entgegen der
Vorinstanz scheint auch eine längere Untersuchungshaft keinen intensiven Ein-
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druck beim Beschuldigten hinterlassen zu haben, wurde er doch kurz nach seiner
Entlassung wieder straffällig. Auch der Umstand, dass der Beschuldigte zwar mitt-
lerweile eine befristete Anstellung als Hauswart hat (Urk. 72/1), vermag eine
günstige Prognose nicht zu stützen, da er weder über eine abgeschlossene Be-
rufslehre noch über eine unbefristete Anstellung verfügt. Der Umstand, dass der
Beschuldigte geltend macht, er habe eine Lehrstelle in Aussicht (Prot. II S. 8 f.),
vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, blieb er doch diesbezüglich e-
her unkonkret. Von stabilen Verhältnissen kann auch aufgrund seiner Verlobung
nicht ausgegangen werden.
Aus dem Ausgeführten erhellt, dass die Vermutung der guten Prognose widerlegt
ist. Es erscheint demnach notwendig, die dem Beschuldigten auferlegte Freiheits-
strafe zu vollziehen, um diesen von der Begehung weiterer Verbrechen oder Ver-
gehen abzuhalten. Die Freiheitsstrafe ist daher zu vollziehen.
Anzufügen bleibt, dass die Anordnung des Vollzugs der Freiheitsstrafe dem Ver-
bot der reformatio in peius im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO standhält, zumal
auch die Staatsanwaltschaft den Strafpunkt und den Vollzug angefochten hat und
eine Verschärfung der Vollzugsregelung der Vorinstanz demgemäss zulässig ist.
4.6. Einer Anrechnung der bereits erstandenen Haft von 92 Tagen steht nichts
entgegen.
5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
5.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte obsiegt
einzig mit seinem Antrag auf Anerkennung der Notwehrsituation, nicht hingegen
hinsichtlich des Strafpunkts und des Vollzuges, wohingegen die Staatsanwalt-
schaft diesbezüglich überwiegend obsiegt. Dem Beschuldigten sind daher die
Kosten des Berufungsverfahrens zu drei Vierteln aufzuerlegen und im Übrigen auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
5.2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 6'217.55
(Urk. 75; inkl. MwSt.) sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Das Nachforde-
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rungsrecht bleibt im Umfang von drei Vierteln vorbehalten.