Decision ID: afe13817-8c19-4eca-b5f2-445f1173ca7e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 2008,
wurde am 15. November 2008 durch seine Mutter unter Hinweis auf eine
Meningomyeloz
ele
(fetale Fehlbildung) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 6/5, vgl. Urk. 6/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem Ver
sicherten mit Mitteilung vom 13. Januar 2009 medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgeb
rechens Ziff. 381 (
Myelomeningoz
ele
gemäss dem Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
-Anhang) sowie ärztlich verordnete Behandlungsgeräte vom 5. November 2008 bis 30. November 2018 zu (Urk. 6/17). Ferner sprach die IV-Stelle dem Versicherten
diverse
Hilfsmittel, eine Hilflosenentschädigung
(
für zunächst leichte, danach mittelschwere und schlie
sslich schwere Hilflosigkeit
)
sowie
einen Assistenzbeitrag zu (vgl. Urk. 6/1-527).
1.2
Am 31. August 2016 gab
die
Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Hilfsmittel
beratung für Behinderte und Betagte (SAHB)
dem Versicherten das
Fahrrad
„Van
Raam
Easy Rider Junior“ ab
(Urk. 6/502/2).
Mit Vorbescheid vom 13. Januar
2017 (Urk. 6/505) stellte die
IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, ihm das
Fahrrad
„Van
Raam
Easy Rider Junior“ leihweise
und ohne Kostenfolge
zur Verfügung zu stellen,
jedoch ohne Übernahme der Kosten des elektrische
n An
triebs sowie diesbezüglicher
Revisions- und Reparaturkosten
. Dagegen erhob de
r Versicherte am 25. Januar 2017,
gesetzlich
vertreten durch seine Mutter, Ein
w
ä
nd
e
(Urk. 6/507). Mit Verfügung vom 6. März 2017 (Urk. 6/521 = Urk. 2) hielt
die IV-Stelle
an ihrem Vorbescheid fest.
2.
Der Versicherte erhob am 15. März 2017, gesetzlich vertreten durch seine Mutter
, Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. März 2017 (Urk. 2) und beantragte
sinngemäss, diese sei aufzuheben und ihm sei das
Velo
„Van
Raam
Easy Rider Junior“ inklusive Übernahme
der Kosten des elektrischen Antriebs sowie
all
fälliger Kosten für Revisionen beziehungsweise Reparaturen am Elektroantrieb und am Akku auszuleihen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2017 (Urk. 5) beantragte die IV-Stell
e die Abweisung der Beschwerde, was dem
Ver
sicherten
am 30. Mai 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
1.2
Gemäss
Art.
21 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste An
spruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der
Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, haben im Rahmen
einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbs
fähig
keit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Abs. 2). Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Aus
füh
rung ab. Ersetzt ein Hilfsmittel Gegenstände, die der Versicherte auch ohne In
va
lidität anschaffen müsste, so hat er sich an den Kosten zu beteiligen (Abs. 3). Der Bundesrat kann vorsehen, dass der Versicherte ein leihweise abge
gebenes Hilfsmittel nach Wegfall der Anspruchsvoraussetzungen weiter verwen
den darf (Abs. 4).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
an das Eidgenössische Depar
te
ment des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufge
führ
ter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut
Art.
2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fort
bewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbst
sorge notwendig sind (
Abs.
1). Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeich
neten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätig
keit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des An
hangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (
Abs.
2; BGE 122 V 212 E. 2a).
1.3
Gemäss Ziff. 9.02 (ohne *) des Anhangs zur HVI besteht für Versicherte, die einen gewöhnlichen Rollstuhl nicht bedienen und sich nur dank elektro
moto
ri
schen Antrieb selbständig fortbewegen können, Anspruch auf Elektroroll
stühle. Die Abgabe erfolgt leihweise.
Das
Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invaliden
ver
sicherung (KHMI) sieht vor, dass darauf zu achten ist, dass nur Elektrorollstühle
und
Scooter
mit einer Geschwindigkeit von maximal 10 km/h abgegeb
en werden
(
Rz
2082).
Reparatur- und Unterhaltskosten (wie Ersatz von Schläuchen und
Pneus, Ersatz von Batterien) werden von der Invalidenversicherung über
nom
men
. Kosten, die Fr. 1‘500.-- übersteigen, bedürfen eines begründeten und nachvoll
ziehbaren Kostengutsprachegesuchs (
Rz
2084).
Wenn die Anspruchsvoraus
setz
ung
en für die Abgabe eines Elektrorollstuhls erfüllt sind, kann auf Wunsch der versicherten Person anstelle eines solchen ein batteriebetriebener Hilfsantrieb für einen gewöhnlichen Rollstuhl abgegeben werden (
Rz
2085).
1.4
Die SAHB unterstützt die Beschwerdegegnerin bei der fachtechnischen Beurtei
lung von Hilfsmittelversorgungen. Die Neutralität der Stellungnahmen dieser Fachstelle wird von der Rechtsprechung anerkannt (Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011,
Rz
494, vgl. auch
Rz
3010 KHMI).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verf
ügung (Urk. 2) aus, dass
gemäss
Rz
2082
KHMI
Elektror
ollstühle und
Scooter
nur mit einer Ge
schwin
di
g
keit von maximal
10 km/h finanziert werden dürften. Diese Be
stim
mung sei
auch auf
Velos
mit einem Elektro-Hilfsantrie
b anwendb
ar
. Aus diesem Grund könnten
die Kosten für den Elekt
ro-Hilfsantrieb nicht übernommen wer
den
(S. 1 unten f.). Zudem verfüge der
Versicherte
bereits über ein elektri
sches
Zuggerät
„Swiss
Trac
“, mit
dem er regelmässig zur Schule fahre. Ein wei
teres Transportmittel mit Elektroantrieb würde eine Doppelversorgung darstellen, wo
für die Invalidenversicherung nicht leistungspflichtig sei (S. 2 Mitte).
Das Drei
radvelo werde zu Therapiezwecken als sogenanntes Behandlungsgerät zum Ge
burtsgebrechen Ziff. 381 abgegeben; für Therapiezwecke sei ein Elektroantrieb, der Geschwindigkeiten über 10 km/h unterstütze, nicht erforderlich.
Aus wel
chen Gründen das Dreiradvelo vorher einem anderen Kind inklusive Reparatur
kostenübernahme des Elektroantriebs abgegeben worden sei, könne nicht beur
teilt
werden. Zudem lasse sich daraus keine übergreifende Wirkung auf das vor
liegende Verfahren ableiten (S. 2 unten).
2.2
Demgegenüber stellte sich der
Versicherte
auf den Standpunkt (Urk. 1), dass das beantragte
Velo
aus den Beständen der Beschwerdegegnerin
stamme
und keine
Neuanschaffung sei. Es sei bereits einem Kind ausgeliehen worden, welches kein
e Reparaturkosten
,
auch nicht für den Elektroantrieb inklusive Motor und Akkus
,
habe übernehmen müssen.
Es sei ihm deshalb das ganze Velo inklusive Repa
raturübernahmen auf die gleiche Art auszuleihen. Die Motorunterstützung des Velos „Van
Raam
Easy Rider Junior“ sei gemäss Gebrauchsanleitung nicht stärker als etwa 5 km/h (S. 1 unten). Zudem sei nirgends festgelegt, dass die KHMI-Bestimmung für Elektrorollstühle und
Scooter
auch für Velos mit einem Elektro-Hilfsantrieb anwendbar sei,
Rz
2082 könne bei Velos nicht ang
e
wendet werden (S. 2 oben).
2.3
Strittig ist vorliegend, ob
die Beschwerdegegnerin
auch die Kosten des elekt
ri
schen Antriebs des Dreirads „Van
Raam
Easy Rider Junior“ sowie diesbezüg
li
chen Revisions- und Reparaturkosten zu übernehmen hat.
3.
3.1
Der
Versicherte
hat infolge der
Myelomeningocele
eine Lähmung an den unte
ren Extremitäten
(Lähmungsniveau
L5/S1,
vgl. Urk. 6/39/5, Urk. 6/52 Ziff. 1.1)
.
3.2
Im Dezember 2010 wurde dem
Versicherten
erstmals Kostengutsprache für die leihweise Abgabe eines Therapiefahrrades erteilt (vgl. Urk. 6/101). In der Folge
sprach
ihm
die Beschwerdegegnerin mehrmals Kostengutsprache für die leih
weise
Abgabe diverser Therapiefahrräder zu (vgl. Urk. 6/144, Urk. 6/186, Urk. 6/220
).
Mit Verfügung vom 15. April 2013
(Urk. 6/237)
erteilte
die Beschwerdegegnerin dem
Versicherten
Kostengutsprache für einen Rollstuhl
und
mit Mitteilung vom 12. Juli 2013
(Urk. 6/262)
Kostengutsprache für ein Therapierad
der
Marke Schuch
mann, Modell Momo
, wobei ihm d
as Therapierad leihweise abgegeben
wurde
.
Mit Mitteilung vom 4. Juni 2014
(Urk. 6/355)
erteilte ihm
die Beschwer
degegnerin
sodann
Kostengutsprache für die leihweise Abgabe eines Elektro-Hilfsantriebes „Swiss
Trac
SWT-2 Kids“ zum beste
henden Rollstuhl
. Der mit Ver
fügung vom 15. April 2013 zugesprochene Rollstuhl wurde nicht ausge
lie
fert, weshalb die Beschwerdegegnerin dem
Versicherten
mit Verfügung vom 23. Juni 2014
(Urk. 6/357) erneut Kostengutsprache für einen Rollstuhl erteilte.
3.3
Am 31. August 2016 gab
die
SAHB dem Versicherten das
Dreirad
„Van
Raam
Easy Rider Junior“
mit Rad
nabenmotor S
ilent
leihweise ab, welches wachstums
bedingt das Therapierad Schuchmann Momo
(vgl. vorstehend E. 3.2)
ersetzte
(Urk. 6/502/2). Der
Versicherte
retournierte sodann
das Therapierad Schuchmann
Momo am 3. November 2016
der
SAHB
(Urk. 6/500).
Die
SAHB führte in
ihrem
Schreiben vom 3. Januar 2017 (Urk. 6/502/1) an die Beschwerdegegnerin aus, dass das an den
Versicherten
abgegebene
Dreirad
„Van
Raam
Easy Rider Junior“ einen Radnabenmotor habe. Der Motor habe eine Anfahrhilfe, der eine Geschwindigkeit von 6 km/h erreiche, reine Motorleistung. In der Bedienungsanleitung stehe, dass
,
wenn schneller als 25 km/h gefahren werde, die elektrische Unterstützung ausgeschaltet werde. Bei der Probefahrt habe sich gezeigt, dass der
Versicherte
den Motor benötige, um selbständig in die Schule fahren zu können. Das Ziel sei, dass er selbständig den ganzen Weg in die Schule bewältigen könne. Der Motor sei ein Zubehör, welches sie für diesen Zweck nachvollziehen könnten und als sinnvoll erachten würden.
D
ie
SAHB legte dar, dass
Rz
2082 der KHMI vorsehe, dass darauf zu achten sei, dass nur Elektrorollstühle und
Scooter
mit einer Geschwindigkeit von max
imal 10 km/h abgegeben würden.
Sie machte weiter geltend
, dass ein Velo mit Motor unter Ziff. 9.02 (El
ektrorollstühle) des Anhangs zur
HVI
falle
und damit die maximale Geschwindigkeit von 10 km/h auch für das Velo gelte. Aus diesem Grund könnten die Kosten des Motors nicht zur Kostenübernahme durch die Be
schwerdegegnerin empfohlen werden. Eine Revision und allfällige Repara
tu
ren des Motors gingen zu Lasten des
Versicherten
. Gemäss
Rz
1215 des Kreis
schrei
bens über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invaliden
ver
siche
rung (KSME) werde empfohlen, dass
Dreirad
aus dem IV-Depot zu ver
fügen und den Motor dem
Versicherten
für den weiteren Gebrauch zu über
lassen ohne Anspruch auf Unterhalt und Reparatur.
3.
4
In
ihrem
Schreiben vom 20. Februar 2017 (Urk. 6
/513) an die Beschwer
de
geg
nerin
führte d
ie
SA
HB aus, dass
Rz
2082 der KHMI ihres Erachtens auf für Hilfs
antriebe an Dreiradvelos oder Vorspanngeräten an einem Rollstuhl
gelte
. Da der Elektromotor beim Dreirad „Easy Rider Junior“ mehr als 10 km/h unter
stütze, könne der Elektromotor nicht unter Ziff. 9.02 der HVI abgegeben werden.
Zudem verfüge der
Versicherte
für die selbständige Mobilität bereits über ein elek
trisches
Zuggerät
„Swiss
Trac
“, mit welchem er gemäss Angaben seiner Mutter regelmässig in die Schule fahre. Es würde sich hier also auch um eine Doppelversorgung handeln. Es werde an
d
er Beurteilung vom 3. Januar 2017 (vgl. vorstehend E. 3.
3
) festgehalten.
3.
5
Aus der Gebrauchsanweisung
des
Dreirads
„Van
Raam
Easy Rider Junior“
geht bezüglich des
Elektromotor
s
Silent
Folgendes hervor
(Urk. 6/506 S. 17 = Urk. 3/2 S. 17)
:
Der Motor hat eine Starthilfe. Hiermit kann der/die Fahrer/in bis zu einer Ge
schwindigkeit von etwa 5 km/h beschleunigen, ohne selbst mitzutreten. Um zu beschleunigen, drücken Sie auf den Knopf und halten Sie ihn eingedrückt. Der Motor wird erst nach 2 Sekunden aktiviert.
Den Rückwärtsgang aktivieren Sie, indem Sie vom Stillstand aus rückwärts tre
ten. Innerhalb einiger Sekunden wird der Motor aktiviert und das Dreirad fährt mit einer Geschwindigkeit von etwa 3 km/h rü
ckwärts, wenn Sie weiter treten.
4.
4.1
In der Hilfsmittelliste gemäss dem Anhang zur HVI werden Dreiräder mit Elektro-Hilfsantrieb nicht explizit als Hilfsmittel genannt.
Den Parteien und der
SAHB folgend
(
vgl. vorstehend E. 2.1-2.2, E. 3.3-3.4
)
sind Dreiräder mit Elektro-Hilfsantrieb
den
Elektrorollstühlen gemäss Ziff. 9.02 des Anhangs zur HVI gleich
zustellen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_674/2007 vom 6. März 2008 E. 8.1.1, wonach der Verwendungszweck eines Therapie-Dreirads mit Elektroan
trieb demjenigen eines manuellen Rollstuhls mit
Elektrohilfsantrieb
entspreche, vgl.
auch
vorstehend
E. 1.3
)
, weshalb das KH
MI grundsätzlich anwendbar ist
.
4.2
Rz
2082 KHMI sieht vor, dass
„
darauf zu achten
“
sei, dass nur Elektrorollstühle
und
Scooter
mit einer Geschwindigkeit von maximal 10 km/h abgegeben wer
de
n
(vorstehend E. 1.
3
).
Dieser Bestimmung ist nicht zu entnehmen, ob es sich dabei um eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 10 km/h handelt oder ob in gewissen Fällen diese
Limite
nicht gilt. Diese Frage kann jedoch vorliegend, wie nachstehend aufzuzeigen sein wird, offen gelassen werden.
Ferner bezieht sich
Rz
2082 KHMI
auf
Elektrorollstühle und
Scooter
, welche nur durch elektromotorischen Antrieb in Bewegung gesetzt werden können (vgl.
Ziff. 9.02 des Anhangs zur HVI,
vgl. vorstehend E. 1.3
). Dreiräder mit Elektro-Hilfsantrieb werden in dieser Bestimmung nicht explizi
t erwähnt
, ebenso wenig findet sich eine Bestimmung zu Dreirädern oder Fahrrädern mit Elektro-Hilfs
antrieb i
m
gesamten KHMI.
Beim vorliegend zu beurteilenden Dreirad mit Elektro-Hilfsantrieb
„Van
Raam
Easy Rider Junior“
handelt es sich um ein Dreirad, das
gemäss Gebrauchsan
weisung
über eine Starthilfe verfügt
, womit
der
Versicherte
bis zu einer Ge
schwindigkeit von
5 km/h beschleunigen kann, ohne selbst mitzutreten (vgl. vor
stehend E.
3.5
).
Bei
höheren Geschwindigkeiten ist der Motor
unterstützend aktiv.
Entgegen der Ansicht der SAHB (vgl. vorstehend
E. 3.3
) enthält die Ge
brauchsanweisung keine dahingehende Information, dass die elektrische Unter
stützung bei einer Geschwindigkeit von mehr als 25 km/h ausgeschaltet w
e
rd
e
.
Ausserdem ist nicht von Relevanz, wie schnell der
Versicherte
unter eigenem Mittreten
mit dem Dreirad
fa
hren kann
, d
enn ausschlaggebend ist
einzig, dass der elektromotorische Antrieb 5 km/h beträgt
und damit unter
der Grenze von
10 km/h liegt.
Nach dem Gesagten kann deshalb
ebenfalls
offen
gelassen
werden, ob
Rz
2082
KHMI
sinngemäss auch auf Dreiräder
mit Elektro-Hilfsantrieb anwendbar ist, da
die Bestimmung
, würde die sinngemässe Anwendung bejaht,
vorliegend
oh
ne
h
in
eingehalten wäre
.
4.3
Aus dem Grundsatz der einfachen und zweckmässigen Eingliederung folgt, dass Hilfsmittel grundsätzlich nur in einem Exemplar abzugeben sind; eine Ver
sorgung mit mehreren Exemplaren ist ausnahmsweise statthaft, wenn dies im Hinblick auf den jeweiligen Eingliederungszweck, wegen des Verschleisses, der Art der Verwendung oder aus ander
e
n Gründen generell geboten ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 792/01 vom 24. Mai 2002 E. 1).
Die SAHB führte in ihrem Schreiben vom Januar 2017 (vorstehend E. 3.
3
) an
die Beschwerdegegnerin aus, dass sich bei der Probefahrt
des Dreirads „Van
Raam
Easy Rider Junior“
gezeigt habe, dass der
Versicherte
den Motor benötige, um selbständig in die Schule zu fahren. Das Ziel sei, dass er selbständig den ganzen Weg in die Schule bewältigen könne. Der Motor sei daher ein Zubehör, der für diesen Zweck nachvollziehbar und sinnvoll sei.
Der
Versicherte
verfügt bereits über einen Elektro-Hilfsantrieb
„
Swiss
Trac
“
zum bestehenden Rollstuhl (vgl. vorstehend E. 3.
2
), mit welchem
er regelmässig zur Schule fährt
(vgl. vorstehend E. 3.4)
. Beim Dreirad mit Elektro-Hilfsantrieb handelt es sich zwar um ein ähnliches Transportmittel, jedoch kann der
Versi
cherte
dort im Gegensatz zum Rollstuhl mit Elektro-Hilfsantrieb selber
mittr
e
t
en
, zeichnet sich doch das Dreirad insbesondere durch die Starthilfe aus. Folg
lich erscheint die Abgabe eines zusätzlichen Hilfsmittels
, insbesondere unter dem Aspekt der
Förderung der selbständigen Fortbewegung des
Versicherten
,
als
geboten. Der diesbezügliche Einwand der Beschwerdegegnerin (vgl. vorsteh
end E. 2.1) erscheint deshalb als nicht stichhaltig.
4.4
Nach dem Gesagten kan
n festgehalten werden, dass der
Versicherte
An
spruch auf die leihweise Abgabe des Dreirads „Van
Raam
Easy Rider Junior“
mit Elektroantrieb hat. Die Kosten des elektrischen Antriebs
(Motor, Akku und s
o weiter)
sowie diesbezügliche Revisions- und Reparaturkosten sind von der Be
schwerdegegnerin zu übernehmen. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
5
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.