Decision ID: df602372-05e2-44b4-9f02-5da87d3e56f2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 23. Dezember 2014 (EE140079-D)
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Rechtsbegehren:
A. Der Gesuchstellerin (act. 10):
" 1. Es sei der Gesuchstellerin gestützt auf Art. 175 ZGB das  zu bewilligen.
2. Es sei festzustellen, dass die Parteien seit dem tt. August 2014 getrennt leben.
3. Die eheliche Wohnung an der C._-strasse ..., ... ZH, sei samt Hausrat und Mobiliar dem Gesuchsgegner zuzuteilen.
4. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin , monatlich im Voraus zahlbare, monatliche  rückwirkend seit dem 01.08.2014 zu bezahlen.
5. Es sei die Gütertrennung anzuordnen. 6. Dem Gesuchsgegner sei unter Anordnung der Bestrafung nach
Art. 292 StGB (Busse bis CHF 10'000.00) zu verbieten, sich der Gesuchstellerin im Umkreis von 50 Meter anzunähern sowie mit der Gesuchstellerin Kontakt aufzunehmen, namentlich auf , schriftlichem oder elektronischem Wege oder sie in  anderen Weise zu belästigen.
7. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen angemessenen Prozesskostenbeitrag zu bezahlen.
8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt) zu Lasten des Gesuchsgegners."
B. Des Gesuchsgegners (act. 12):
" 1. Es sei festzustellen, dass die Parteien seit tt. August 2014  leben und zum Getrenntleben berechtigt sind;
2. Es sei die eheliche Wohnung an der C._-strasse ..., ... ZH samt Inventar und Mobiliar dem Gesuchsgegner zur alleinigen Benutzung zuzuweisen;
3. Es sei festzustellen, dass sich die Parteien gegenseitig keine  schulden;
4. Es sei die Gütertrennung anzuordnen; 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt) gemäss
dem Ausgang des Verfahrens."
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Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 23. Dezember 2014:
(Urk. 16 = 21)
1. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Parteien das Getrenntleben
auf unbestimmte Zeit vereinbart haben und seit dem tt. August 2014 ge-
trennt leben.
2. Zwischen den Parteien wird mit Wirkung ab tt. August 2014 die Gütertren-
nung angeordnet.
3. Dem Gesuchsgegner wird unter Androhung der Bestrafung nach Art. 292
StGB im Widerhandlungsfall verboten, sich der Gesuchstellerin im Umkreis
von 50 Meter anzunähern sowie mit der Gesuchstellerin telefonisch, schrift-
lich oder elektronisch Kontakt aufzunehmen.
4. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für die Dauer des
Getrenntlebens monatlich ab 1. Dezember 2014 im Voraus jeweils auf den
Ersten eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge von Fr. 825.– zu be-
zahlen.
5. Im Übrigen wird das Verfahren als durch Vergleich erledigt abgeschrieben.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 375.– Auslagen Dolmetscher
Fr. 2'875.00.– Total
7. Die Kosten des Verfahrens werden der Gesuchstellerin im Umfang von 3/5
(Fr. 1'725.–) und dem Gesuchsgegner im Umfang von 2/5 (Fr. 1'150.–) auf-
erlegt, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einst-
weilen je auf die Gerichtskasse genommen.
Die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.
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8. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsgegner für das Ehe-
schutzverfahren eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 540.– zu be-
zahlen. Diese Entschädigung wird dem Rechtsvertreter des Gesuchsgeg-
ners, Rechtsanwalt lic. iur. X._, direkt aus der Gerichtskasse ausgerich-
tet. Der Anspruch auf die unerhältliche Parteientschädigung geht im Umfang
von Fr. 540.– auf die Gerichtskasse über.
9. (Mitteilungssatz)
10. (Rechtsmittelbelehrung)
Berufungsanträge:
des Gesuchsgegners und Berufungsklägers (Urk. 20):
Anträge:
"1. Es seien die Ziffern 4, 7 und 8 des Entscheids des Bezirksgerichts Zürich
[recte: Bezirksgericht Dielsdorf] vom 23. Dezember 2014 aufzuheben und es sei unter neuer, ausgangsgemässer Festlegung der erstinstanzlichen - und Entschädigungsfolgen zu erkennen, dass der Berufungskläger an den persönlichen Unterhalt der Berufungsbeklagten keine Unterhaltsbeiträge zu leisten hat;
2. Eventualiter seien die Ziffern 4, 7 und 8 des Entscheids des Bezirksgerichts
Zürich vom 23. Dezember 2014 [recte: Bezirksgericht Dielsdorf] aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur neuen Beurteilung sowie , ausgangsgemässer Festlegung der erstinstanzlichen Kosten- und  an die Vorinstanz zurückzuweisen;
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) gemäss dem Aus-
gang des Berufungsverfahrens."
Prozessualer Antrag:
"4. Es sei dem Berufungskläger im Berufungsverfahren die unentgeltliche
Rechtspflege zu bewilligen und der Unterzeichnete als unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben."
der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (Urk. 26):
"1. Die Anträge des Berufungsklägers seien abzuweisen.
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2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten des Beru-
fungsklägers."
Prozessualer Antrag:
"Es sei der Berufungsbeklagten für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und ihr in der Person der Unterzeichneten eine  Rechtsbeiständin zu gewähren."

Erwägungen:
I.
1. Die Parteien sind seit dem 5. April 2014 verheiratet und haben keine ge-
meinsamen Kinder. Mit Eingabe vom 2. September 2014 gelangte die Gesuch-
stellerin und Berufungsbeklagte (fortan: Gesuchstellerin) an das Bezirksgericht
Dielsdorf (Urk. 1) und stellte in der Folge die eingangs wiedergegebenen Rechts-
begehren. Betreffend den Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens kann auf die
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 16 = 21 S. 3 f.). Die Vor-
instanz fällte am 23. Dezember 2014 das einleitend wiedergegebene Urteil (Urk.
16 = 21).
2. Gegen dieses Urteil erhob der Gesuchsgegner und Berufungskläger (fortan:
Gesuchsgegner) am 15. Januar 2015 innert Frist Berufung, wobei er die oben an-
geführten Anträge stellte (Urk. 20 S. 2). Die Berufungsantwort datiert vom 9. Feb-
ruar 2015; die Gesuchstellerin schliesst darin auf Abweisung der Berufung (Urk.
26 S. 2). Gleichzeitig ersucht sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfle-
ge. Die Berufungsantwort wurde dem Gesuchsgegner mit Verfügung vom
17. Februar 2015 (Urk. 29) zugestellt. Nachdem dieser mit Eingabe vom 5. März
2015 (Urk. 30) um Fristansetzung ersucht hatte, wurde ihm mit Verfügung vom
11. März 2015 (Urk. 31) eine Frist zur Stellungnahme zur Berufungsantwortschrift
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angesetzt. Nach einmaliger Fristerstreckung (Urk. 32) erfolgte die Stellungnahme
mit Eingabe vom 7. April 2015 (Urk. 33). Diese wurde der Gesuchstellerin am
24. April 2015 zur Kenntnisnahme zugesandt (Urk. 33).
II.
1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind die Unterhaltsbeiträge an die
Gesuchstellerin persönlich und die erstinstanzlichen Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen. Die Dispositiv-Ziffern 1 bis 3 sowie 5 und 6 des vorinstanzlichen
Eheschutzentscheides blieben unangefochten, weshalb diese in Rechtskraft er-
wachsen sind (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Dies ist vorzumerken.
2. Neue Tatsachen und Beweismittel sind im Berufungsverfahren nur noch zu
berücksichtigen, wenn sie - kumulativ - ohne Verzug vorgebracht werden (Art. 317
Abs. 1 lit. a ZPO) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz
vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO). Der im vorliegenden Ver-
fahren geltende Untersuchungsgrundsatz (Art. 272 und 296 Abs. 1 ZPO) ändert
daran nichts (BGE 138 III 625, insbesondere E. 2.2. [für vereinfachtes Verfah-
ren]).
3. Der Gesuchsgegner verlangt im Eventualantrag, die Ziffern 4, 7 und 8 des
vorinstanzlichen Entscheids seien aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwä-
gungen zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Antrag 2, Urk.
20 S. 2). Wird der erstinstanzliche Entscheid nicht tel quel bestätigt (Art. 318
Abs. 1 lit. a ZPO), so wirkt die Berufung entweder reformatorisch (Art. 318 Abs. 1
lit. b ZPO) oder kassatorisch (Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO). Die Rückweisung an die
erste Instanz hat dabei aus prozessökonomischen Gründen und in Berücksichti-
gung des verfassungsrechtlichen Beschleunigungsgebotes (Art. 29 Abs. 1 BV) die
Ausnahme zu bleiben (Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger,
ZPO Komm., Art. 318 N 29). Sie kommt gemäss Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO nur in
Betracht, wenn ein wesentlicher Teil der Klage nicht beurteilt wurde oder der
Sachverhalt in wesentlichen Teilen zu vervollständigen ist. Dies ist vorliegend
nicht der Fall. Die vom Gesuchsgegner im Rahmen der Berufung geltend ge-
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machten Mängel des vorinstanzlichen Entscheides (Anrechnung eines hypotheti-
schen Einkommens beim Gesuchsgegner, unterlassene Anrechnung eines hypo-
thetischen Einkommens bei der Gesuchstellerin) liegen in der umfassenden Prü-
fungsbefugnis der Berufungsinstanz im Sinne von Art. 310 ZPO und sind - sofern
nötig - von ihr selbst zu korrigieren. Von einer Rückweisung ist abzusehen.
III.
A) Ausgangslage
1. Die Vorinstanz hat den Gesuchsgegner verpflichtet, der Gesuchstellerin ab
1. Dezember 2014 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 825.– zu bezahlen
(Urk. 21 Dispositivziffer 4). Der Unterhaltsberechnung legte sie einen Gesamtbe-
darf der Parteien von Fr. 7'375.– respektive ab 1. April 2015 von Fr. 6'920.– zu-
grunde. Diesen stellte sie einem monatlichen Nettoeinkommen des Gesuchsgeg-
ners von Fr. 4'504.60 gegenüber. Auf Seiten der Gesuchstellerin ging die Vor-
instanz davon aus, dass diese zurzeit kein Erwerbseinkommen erziele. Die An-
rechnung eines hypothetischen Einkommens bei der Gesuchstellerin schloss die
Vorinstanz sodann für die Dauer des Getrenntlebens aus (Urk. 21 S. 9 ff.).
2. Neben der Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners sowie dem Einkommen
der Gesuchstellerin ist im Berufungsverfahren insbesondere umstritten, ob den
Gesuchsgegner überhaupt eine Unterhaltspflicht trifft.
B) Unterhaltspflicht des Gesuchsgegners im Allgemeinen
1. Rechtsmissbrauch
1.1. Die Vorinstanz gelangte zum Ergebnis, die Geltendmachung eines Unter-
haltsanspruches durch die Gesuchstellerin sei nicht rechtsmissbräuchlich. Sie er-
wog, es könne nicht von einer Scheinehe ausgegangen werden, da die Gesuch-
stellerin die Ehe mit dem Gesuchsgegner nicht nur eingegangen sei, um eine
Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Im Rahmen des Eheschutzverfahrens könne
nicht abschliessend geklärt werden, ob die Ehe der Parteien arrangiert wurde
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oder ob es sich um eine Zwangsheirat handle. Bis die (allenfalls) unter Druck ge-
schlossene Ehe in einem rechtskräftigen Urteil durch ein Gericht ungültig erklärt
werde, sei sie jedoch gültig. Es könne sodann auch nicht gesagt werden, dass die
Parteien mit der Eheschliessung keine Schicksals- und Lebensgemeinschaft an-
gestrebt hätten. Die Gesuchstellerin habe den Gesuchsgegner nach langer Verlo-
bungszeit geheiratet und infolgedessen ihre Heimat und ihr soziales Umfeld ver-
lassen, um mit ihm zusammenzuleben. Die Parteien hätten insofern ihr Leben auf
einander eingestellt und die Gemeinschaft sei - wenn auch nur für kurze Zeit - tat-
sächlich gelebt worden (Urk. 21 S. 7 f.).
1.2.1. Der Gesuchsgegner stellt sich, wie bereits vor Vorinstanz, auf den Stand-
punkt, die Geltendmachung von Unterhaltsbeiträgen sei rechtsmissbräuchlich,
wenn die Ehe, wie vorliegend, von Anfang an nicht gewollt gewesen sei. Die Ge-
suchstellerin habe in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 1. Oktober
2014 selbst ausgeführt, dass sie von ihrer Familie zur Heirat gezwungen worden
sei. Der Gesuchsgegner hingegen habe die Ehe mit der Gesuchstellerin gewollt.
Der wahre Grund für die Zwangsausübung durch die Familie der Gesuchstellerin
sei ihr Liebhaber gewesen. Eine Schicksals- und Lebensgemeinschaft mit dem
Gesuchsgegner sei von der Gesuchstellerin im Übrigen nie angestrebt und auch
nicht begründet worden, zumal die Gesuchstellerin auch bereits nach nur einein-
halb Monaten des Zusammenlebens für einen knappen Monat in die Heimat ge-
reist sei (Urk. 20 S. 4 f.; Urk. 33 S. 3 ff.).
1.2.2. Die Gesuchstellerin entgegnet, die von den Parteien gelebte Ehe stelle
nicht weniger eine Ehe dar, weil sie arrangiert worden sei, was der Gesuchsgeg-
ner im Übrigen auch sehr wohl gewusst habe. Die Ehe der Parteien sei gewollt
gewesen, daran ändere auch das vom Gesuchsgegner neu und daher im Beru-
fungsverfahren nicht zu beachtende Einvernahmeprotokoll vom 1. Oktober 2014
nichts. Es treffe nicht zu, dass die Gesuchstellerin einen Liebhaber habe und die-
ser den Grund für die Probleme zwischen den Parteien darstelle. Vielmehr sei die
Gesuchstellerin dem Gesuchsgegner in die Schweiz gefolgt, um hier fortan als
seine Ehefrau zu leben. Sie habe sich um den Haushalt gekümmert, während er
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gearbeitet habe. Die Parteien hätten somit eine Schicksals- und Lebensgemein-
schaft gegründet (Urk. 26 S. 3 ff.).
1.3.1. Während bestehender Ehe hat jeder Ehegatte gemäss Art. 163 ZGB nach
seinen Kräften für den gebührenden Unterhalt der Familie zu sorgen. Gemäss
Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB setzt das Gericht im Falle des Getrenntlebens auf Be-
gehren eines Ehegatten die Geldbeträge fest, die der eine Ehegatte dem anderen
schuldet.
Der Anspruch auf persönliche Unterhaltsbeiträge als Ausfluss der gegenseitigen
Beistands- und Unterhaltspflicht besteht während der Ehe unabhängig vom Ver-
schulden des entsprechenden Gatten an den Umständen, die zum Eheschutzver-
fahren führten (Vetterli, in: Schwenzer, Scheidung, 2. Aufl. 2011, Art. 176 N 26).
Betreffend die Unterhaltsbeiträge zwischen Ehegatten findet sich im Gesetz keine
Bestimmung, welche Unterhaltsbeiträge ausnahmsweise als unbillig ausschliesst,
wie es gemäss Art. 125 Abs. 3 ZGB für nacheheliche Unterhaltsbeiträge gilt.
Art. 125 Abs. 3 ZGB steht vor dem Hintergrund des Rechtsmissbrauchsverbots,
mit der Folge, dass die Geltendmachung des Unterhaltsanspruchs in ungeschmä-
lerter Höhe als stossend (venire contra factum proprium) oder offensichtlich unbil-
lig erscheinen muss (BGer 5C.232/2004 vom 10. Februar 2005 E. 2.3.; Hausheer/
Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Aufl. 2010, S. 298). Auch während
der Ehe kann die Geltendmachung des Unterhaltsanspruches aber als rechts-
missbräuchlich erscheinen und damit ausgeschlossen sein. Wie jeder andere An-
spruch steht nämlich auch dieser unter dem Vorbehalt des offenbaren Rechts-
missbrauchs gemäss Art. 2 Abs. 2 ZGB (ZK-Bräm, Art. 163 N 8 f.; BGer
5P.522/2006 vom 5. April 2007 E. 3). Ein Ehegatte kann, soweit eine gültige Ehe
besteht, unter den gesetzlichen Voraussetzungen grundsätzlich Unterhaltsleis-
tungen beanspruchen, zumal es auf die Motive, aus denen er die Ehe geschlos-
sen hat, nicht ankommt. Selbst eine Scheinehe, welche nur aus aufenthaltsrecht-
lichen Gründen eingegangen wurde, ist so lange gültig, bis sie in einem rechts-
kräftigen Urteil durch ein Gericht für ungültig erklärt oder geschieden oder durch
Tod eines Ehegatten aufgelöst wird. Indes darf die Berufung auf diese Wirkungen,
mithin auch die Geltendmachung von Unterhaltsbeiträgen, nicht rechtsmiss-
bräuchlich erscheinen, etwa indem sich eine Partei auf Vorteile aus der Ehe be-
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ruft, obwohl sie diese als echte Lebens- und Schicksalsgemeinschaft gar nie ge-
wollt hat und auch nicht will oder geradezu ablehnt (BGer 5P.142/2003 vom 9. Juli
2003 E. 2.2).
1.3.2. Aus welchen Beweggründen die Gesuchstellerin die Ehe mit dem Ge-
suchsgegner einging, ist aufgrund der Akten schwierig abzuschätzen, handelt es
sich doch dabei um innere psychische Vorgänge. Dass die Gesuchstellerin ihn
nur geheiratet habe, um in der Schweiz einen Aufenthaltstitel zu erhalten, oder
dass wirtschaftliche Überlegungen für den Eheschluss entscheidend gewesen
sein sollen, wurde vom Gesuchsgegner nicht geltend gemacht. Aus den Ausfüh-
rungen beider Parteien im Rahmen der polizeilichen Einvernahmen vom 10. Au-
gust 2014 (Urk. 11/2 S. 1, Urk. 11/9 S. 1 f.) geht hingegen hervor, dass die Ehe
der Parteien - den Usanzen des gemeinsamen Heimatlandes entsprechend - un-
ter Mitwirkung der beteiligten Familien eingefädelt wurde und diese auch einen
erheblichen Druck auf die Parteien, insbesondere auf die Gesuchstellerin, ausge-
übt haben. Nicht selten wird es äussere Umstände geben, welche die Brautleute
zur Heirat drängen. Es kann sich um wirtschaftliche Notwendigkeiten, administra-
tive Zwänge oder auch Druck durch die eine oder andere Familie handeln. Dieser
Druck kann unterschiedlich stark sein und es gilt in diesem Zusammenhang auch
die kulturellen Eigenheiten zu berücksichtigen. Die Grenze zwischen sanftem
Druck, gesellschaftlichen Zwängen und gesteuerter Partnerwahl zu eigentlichen
Zwangsehen ist aber fliessend und daher schwierig zu ziehen (Büchler, Zwangs-
ehen in zivilrechtlicher und internationalprivat-rechtlicher Sicht, FamPra 2007,
S. 726; BGE 134 II 1 E. 4.3). Das Bundesgericht hat denn auch als fraglich erach-
tet, ob das Bestehen des Ehewillens in einem Massnahmeverfahren, in dem nur
die rasch greifbaren Beweismittel abgenommen werden, überhaupt geklärt wer-
den könne (BGer vom 9. Juli 2003, 5P.142/2003 E. 2.3.2.). Von einer Zwangsehe
ist in jedem Fall dann zu sprechen, wenn der Druck, der ausgeübt wird, eine straf-
rechtliche Nötigung darstellt, beziehungsweise mit strafbaren Handlungen für den
Fall gedroht wird, dass die Ehe nicht eingegangen wird. Wie die Scheinehe ist
auch die Zwangsehe grundsätzlich gültig. Zwar ist der freie Willen der Parteien für
die Heirat zwingende Voraussetzung. Der Formalakt der Trauung durch den Zivil-
standsbeamten lässt aber eine grundsätzlich gültige Ehe entstehen, auch wenn
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es am Willen fehlt. Der fehlende Wille setzt indessen einen Grund, um die
Zwangsehe nachträglich mit einer Ungültigkeitsklage gestützt auf Art. 105 Ziff. 5
ZGB für ungültig erklären zu lassen. Bis zur gerichtlichen Entscheidung über die
Ungültigkeit entfaltet die unter Druck geschlossene Ehe gemäss Art. 109 Abs. 1
ZGB jedoch alle Wirkungen einer gültigen Ehe und zieht damit ebenfalls die zwi-
schen den Ehegatten bestehende gegenseitige Unterhaltspflicht nach sich (Gei-
ser, Scheinehe, Zwangsehe und Zwangsscheidung aus zivilrechtlicher Sicht,
ZBJV 2008, S. 839 f.; Geiser, Zwischen Schutz und Selbstbestimmung, Fest-
schrift für Professor Christoph Häfeli, 2013, S. 265 ff.)
1.3.3. Selbst wenn die umstrittene Behauptung des Gesuchsgegners, die Ge-
suchstellerin habe die Ehe gar nicht wirklich gewollt, sondern sei diese nur auf
Drängen ihrer Familie eingegangen, zutreffen würde, würde dies demnach nichts
daran ändern, dass die Ehe der Parteien Bestand hat, bis sie durch ein rechts-
kräftiges Urteil für ungültig erklärt wird. Die Gesuchstellerin kann somit (unter dem
Vorbehalt der Rechtsmissbräuchlichkeit) grundsätzlich auch die Rechte aus der
Ehe beanspruchen. Wie bereits die Vorinstanz festgehalten hat, ist die Frage, ob
die Gesuchstellerin die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat, im Rahmen
eines Eheungültigkeitsverfahrens zu klären. Insofern kann auch offen bleiben, ob
das vom Gesuchsgegner im Berufungsverfahren eingereichte Einvernahmeproto-
koll vom 1. Oktober 2014 (Urk. 24/2) und die daraus abgeleitete Behauptung
(Urk. 20 S. 4), die Gesuchstellerin habe die Ehe mit dem Gesuchsgegner nie ge-
wollt, zu berücksichtigen sind, oder ob diese Vorbringen - wie von der Gesuchstel-
lerin ausgeführt (vgl. Urk. 26 S. 4) - als verspätet zu gelten haben.
1.3.4. Die Last der Glaubhaftmachung trägt diejenige Partei, welche für sich et-
was aus ihren Behauptungen ableitet. Grundsätzlich besteht vorliegend eine gül-
tige Ehe, weshalb es dem Gesuchsgegner, der eine rechtsmissbräuchliche Beru-
fung auf die Wirkungen der Ehe durch die Gesuchstellerin behauptet, obliegt, die-
sen Umstand glaubhaft zu machen. Aus dem im Recht liegenden polizeilichen
Einvernahmeprotokoll geht zwar hervor, dass die Gesuchstellerin ausführte, unter
Druck und gegen ihren Willen verheiratet worden zu sein (Urk. 11/9 S. 1 f.). Allein
aus dem Umstand, dass die beteiligten Familien vorliegend einen - nach den hie-
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sigen gesellschaftlichen Werten allenfalls übertriebenen - Einfluss auf die Ehe-
schliessung der Parteien genommen haben, kann nicht abgeleitet werden, dass
seitens der sich nun auf die Ehe berufenden Gesuchstellerin keine Bereitschaft
zur Führung einer wirklichen Lebensgemeinschaft mit dem Gesuchsgegner vor-
handen war. Die Gesuchstellerin hat ihre gesamten Lebensumstände verändert,
um das eheliche Zusammenleben mit dem Gesuchsgegner aufzunehmen. Sie ist
nach der Heirat aus dem Irak zum Gesuchsgegner in die Schweiz gezogen. Die
Parteien haben denn auch nach der Ankunft der Gesuchstellerin in der Schweiz
eine Wohngemeinschaft aufgenommen und - wenn auch nicht für lange Zeit - ei-
nen gemeinsamen Haushalt geführt. Mangels Ausbildung und Sprachkenntnissen
fehlten der Gesuchstellerin in der Schweiz von Anfang an (insbesondere auch be-
rufliche) Perspektiven. Insofern hat sie sich gerade auch in finanzieller Hinsicht
komplett in die Abhängigkeit des Gesuchsgegners begeben, welcher den Unter-
halt der Parteien mit seinem Erwerbseinkommen alleine bestritten hat. Die finan-
zielle Abhängigkeit vom Gesuchsgegner sowie die fehlenden Sprachkenntnisse
und die mangelnde Integration der Gesuchstellerin in der Schweiz sprechen ein-
deutig dafür, dass die Gesuchstellerin sich damit arrangiert hatte, eine Lebens-
und Schicksalsgemeinschaft mit dem Gesuchsgegner einzugehen und fortzufüh-
ren. Dementsprechend ist auch die Verpflichtung des Gesuchsgegners zur Leis-
tung von Unterhaltsbeiträgen als Wirkung dieser Ehe nicht unangemessen. Nichts
ist für den Gesuchsgegner des Weiteren zu gewinnen mit seiner (bestrittenen)
Behauptung, die Gesuchstellerin pflege eine aussereheliche Beziehung. Zunächst
ist diese Behauptung unsubstantiiert. Ehewidriges Verhalten, wie etwa sexuelle
Untreue, rechtfertigt aber im Übrigen ohnehin keine Kürzung oder Streichung von
ehelichen Unterhaltsbeiträgen (Vetterli, in: Schwenzer, a.a.O., Art. 176 N 26; so-
wie im Zusammenhang mit Art. 125 ZGB: BGE 127 III 65 E. 2b).
1.3.5. Insgesamt sind die Voraussetzungen für eine rechtsmissbräuchliche Gel-
tendmachung von Unterhaltsbeiträgen durch die Gesuchstellerin nicht genügend
glaubhaft dargetan. Ein Unterhaltsanspruch der Gesuchstellerin ist somit nicht im
Grundsatz zu verneinen.
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2. Kurze Ehedauer
2.1. Die Vorinstanz stellte fest, der Gesuchstellerin sei, gerade da sie infolge der
Heirat ihre Heimat und ihr soziales Umfeld verlassen habe, auch nach wenigen
Monaten des Zusammenlebens ein schutzwürdiges Vertrauen zu attestieren. Die-
ses berechtige sie zur Geltendmachung von Unterhaltsbeiträgen (Urk. 21 S. 8).
2.2.1. Der Gesuchsgegner führt dagegen ins Feld, die Ehe der Parteien habe
nur gerade drei Monate bestanden, wovon die Gesuchstellerin über einen Monat
im Irak verbracht habe. Eine eheliche Gemeinschaft beziehungsweise ein ge-
meinsamer Standard habe aufgrund der sehr kurzen Dauer des Zusammenlebens
nicht erreicht werden können und die Gesuchstellerin habe kein Vertrauen in die
ehelichen Banden aufbauen dürfen. Bei Kurzehen seien für die Beurteilung des
Unterhalts im Eheschutzverfahren die für den nachehelichen Unterhalt geltenden
Kriterien (Art. 125 ZGB) mit einzubeziehen. Der kurze Aufenthalt in der Schweiz
habe für die Gesuchstellerin keine nennenswerte oder gar lebensprägende Ver-
änderung mit sich gebracht und es seien keinerlei ehebedingte Nachteile entstan-
den. Somit müsse an die vorehelichen Lebensverhältnisse angeknüpft werden,
wo die Gesuchstellerin selbst für ihren Unterhalt aufgekommen sei. Eine Rück-
kehr in die Heimat könne der Gesuchstellerin ohne Weiteres zugemutet werden,
zumal sie ja bereits während der Ehe in den Irak zurückgekehrt sei. Auch die
langjährige Verlobungszeit vermöge nichts daran zu ändern, dass die Gesuchstel-
lerin keinen Anspruch auf Unterhalt habe. Schliesslich hätten die Parteien in die-
ser Zeit weder zusammengelebt, noch sich in einer Eheleuten ähnlichen Art und
Weise unterstützt (Urk. 20 S. 5 f.; Urk. 33 S. 3 ff.).
2.2.2. Die Gesuchstellerin erwidert, sie habe - auch aufgrund der langen Verlo-
bungszeit - darauf vertrauen dürfen, mit dem Gesuchsgegner in der Schweiz ein
gemeinsames Leben aufzubauen. Daran ändere auch ihr Ferienaufenthalt in der
Heimat nichts. Die Heirat und die Übersiedlung in die Schweiz habe für sie durch-
aus nennenswerte und lebensprägende Veränderungen mit sich gebracht. Die
kurze Ehedauer habe des Weiteren nicht in ihrer Macht gelegen, sondern sei
vielmehr auf die massive häusliche Gewalt des Gesuchsgegners ihr gegenüber
zurückzuführen. Die Dauer der Ehe spiele somit vorliegend für die Zusprechung
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der Unterhaltsbeiträge keine Rolle. Überdies könne ihr nicht zugemutet werden, in
die Heimat zurückzukehren. Der Ehefrau sei es nämlich aus kulturellen Gründen
nicht gestattet, ihren Ehemann zu verlassen. Dafür würde sie geächtet. Auch eine
ernsthafte Gefährdung ihres Lebens könne bei der Rückkehr in die Heimat nicht
ausgeschlossen werden (Urk. 26 S. 3 ff.).
2.3.1. Der Unterhaltsanspruch eines Ehegatten während der ganzen Dauer der
Ehe hat seine Grundlage ausschliesslich in Art. 163-165 ZGB. Daran vermag
auch der Umstand nichts zu ändern, dass das Ende der Ehe zufolge tiefer Zerrüt-
tung absehbar ist. Die geltenden Kriterien gemäss Art. 125 ZGB sind bei der
Festsetzung von Unterhaltsbeiträgen im Eheschutzverfahren miteinzubeziehen,
wenn eine Wiedervereinigung der Eheleute unwahrscheinlich ist. Die gesetzliche
Grundlage zur Unterhaltsberechnung bildet aber weiterhin Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1
ZGB und nicht Art. 125 ZGB (vgl. Urk. 21 S. 5 m.H.). Zwar kann sich mit der Auf-
hebung des gemeinsamen Haushalts ungeachtet der noch formellen Weiterdauer
der Ehe schon eine Pflicht zur Wiederaufnahme oder Aufstockung der Erwerbstä-
tigkeit des an sich unterhaltsberechtigten Ehegatten ergeben, was zur entspre-
chenden Aufrechnung eines hypothetischen Einkommens bei diesem Ehegatten
führen kann. Daraus darf aber nicht der Schluss gezogen werden, die bisherige
Lebenshaltung könne nach Aufhebung des gemeinsamen Haushalts zum Vornhe-
rein dort nicht mehr bis zur rechtskräftigen Scheidung beibehalten werden, wo ei-
ne vorgezogene Pflicht zur verbesserten Ausschöpfung der Eigenversorgungska-
pazität in Frage stehen kann (Hausheer, ZBJV 2007, S. 597). Die Parteien sind
nach wie vor miteinander verheiratet und schulden einander gemäss Art. 159
Abs. 1 ZGB Treue und Beistand und haben gemeinsam für den gebührenden Un-
terhalt der Familie zu sorgen. Dies hat zur Folge, dass - im Gegensatz zum nach-
ehelichen Unterhalt - der Grundsatz des Anspruchs auf Teilhabe an der Lebens-
haltung massgebend ist, auf die sich die Ehegatten verständigt haben und die sie
tatsächlich gelebt haben. Eine Anknüpfung an die vorehelichen Verhältnisse, wie
sie beim nachehelichen Unterhalt bei nicht lebensprägenden Ehen erfolgt, ist
während bestehender Ehe nicht angezeigt, sondern steht frühestens nach der
Teilrechtskraft des Scheidungspunktes in Frage. Während mit Bezug auf den
nachehelichen Unterhalt die Ehedauer von Bedeutung ist, ist dieses Kriterium für
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den Unterhalt während der Ehe unbeachtlich, da die Ehe während des Ehe-
schutzverfahrens eben gerade noch besteht. Es geht in diesem Sinne nicht um
eine nacheheliche Solidarität, sondern um den während der Ehe von Gesetzes
wegen bestehenden Unterhaltsanspruch. Dieser beginnt aber in vollem Umfang
mit der Heirat und entsteht nicht erst allmählich im Laufe der Ehe (Hausheer/
Spycher, a.a.O., S. 174 f.; BGE 119 II 314 E. 4b/aa).
2.3.2. Die Ehe der Parteien dauert - ungeachtet des vorliegenden Eheschutzver-
fahrens - nach wie vor an. Eine Anknüpfung an die vorehelichen Lebensverhält-
nisse fällt ausser Betracht und die Gesuchstellerin hat grundsätzlich Anspruch auf
Teilhabe an der gemeinsamen Lebenshaltung.
2.3.3. Von diesem Grundsatz ist lediglich dann abzuweichen, wenn eine ge-
meinsame Lebenshaltung gar nicht begründet wurde. Dies ist namentlich der Fall,
wenn die Ehegatten nie einen gemeinsamen Haushalt und stets getrennte Kas-
sen geführt haben oder der gemeinsame Haushalt nur sehr kurz geführt wurde.
Wenn die Ehegatten nämlich nur vorübergehend, während einigen Wochen oder
Monaten zusammengelebt haben, können ihre vorehelichen Biographien meis-
tens ungehindert fortgesetzt werden. Ihre Lebensverhältnisse wurden durch die
Ehe noch in keinster Weise geprägt und ein gemeinsamer Lebensstandard wurde
nie erreicht. Damit fehlt es an der Bemessungsgrundlage für einen gebührenden
Unterhalt (Hausheer/Spycher, a.a.O., S. 176 mit Hinweis auf ZBJV 2002, S. 70).
2.3.4. Eine solche Ausnahme liegt hier aus nachfolgenden Erwägungen nicht
vor. Der Gesuchsgegner ging seit der Heirat der Parteien einer Erwerbstätigkeit
nach, während die Gesuchstellerin unbestrittenermassen kein Einkommen erziel-
te und ausschliesslich im innerhäuslichen Bereich tätig war. Die Parteien führten
demnach keineswegs getrennte Kassen, sondern der Gesuchsgegner sorgte mit
seinen Einkünften alleine für den ehelichen Unterhalt. Damit unterscheidet sich
der vorliegende Fall grundlegend von dem vom Gesuchsgegner angeführten Ent-
scheid des Obergerichts Luzern vom 23. Oktober 2006 (SJZ 2007, S. 477), worin
von der Zusprechung eines Unterhaltsbeitrages nach rund halbjährigem Zusam-
menleben der Parteien mit der Begründung abgesehen wurde, dass die Ehefrau
in der Lage sei, mit ihrem Erwerbseinkommen ihren Lebensbedarf vollständig zu
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decken. Die Ausgangslage präsentiert sich vorliegend auch anders als in dem
ebenfalls vom Gesuchsgegner angeführten Entscheid des Kantonsgericht St. Gal-
len vom 8. März 2001 (ZBJV 2002, S. 67 ff.). Diesem lag eine nach kurzer Be-
kanntschaft geschlossene Ehe zu Grunde, welche nie über eine lose Beziehung
hinausging und nach sechs Wochen des Zusammenlebens wieder aufgehoben
wurde. Die Parteien haben vorliegend - wenn auch nur für kurze Dauer - einen
gemeinsamen Haushalt geführt. Selbst wenn die - von der Gesuchstellerin bestrit-
tene - Darstellung des Gesuchsgegners zutreffen sollte, dass die Parteien in ge-
trennten Zimmern geschlafen haben, kann der Gesuchsgegner daraus nichts zu
seinen Gunsten ableiten. Ehegatten steht nämlich frei, welches Ehemodell sie
wählen möchten und die eheliche Unterhaltspflicht setzt gerade keine häusliche
Gemeinschaft voraus (Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar, Art. 163 N
59; ZK-Bräm, Art. 163 N 2 und 6). Die Parteien haben nach der Heirat und der
Übersiedlung der Gesuchstellerin in die Schweiz einen gemeinsamen Haushalt
begründet und in klassischer Rollenverteilung zusammengelebt. Es kann daher
nicht gesagt werden, dass sie erst gar keinen gemeinsamen Lebensstandard be-
gründet hätten.
2.3.5. Zwischen den Parteien besteht Einigkeit darüber, dass ihr Zusammenle-
ben nur einige wenige Monate, nämlich von der Einreise der Gesuchstellerin im
April 2014 bis zur Inhaftierung des Gesuchsgegners am 10. August 2014, dauerte
und die Gesuchstellerin im Juli 2014 einige Wochen im Irak weilte.
Weshalb aus dem Umstand, dass die Gesuchstellerin kurze Zeit nach der Ankunft
in der Schweiz einige Wochen im Irak verbracht hat, der Schluss gezogen werden
muss, die Ehe der Parteien sei nie gelebt worden, wie dies vom Gesuchsgegner
geltend gemacht wird, leuchtet nicht ein. Es kann sich hierbei auch um einen Fe-
rienaufenthalt in der Heimat gehandelt haben, zumal die Gesuchstellerin das Zu-
sammenleben mit dem Gesuchsgegner anschliessend unverändert wieder auf-
nahm. So wurde vom Gesuchsgegner auch nicht geltend gemacht, die Gesuch-
stellerin habe die Beziehung zu ihm damals beendet. Aufgrund der gesamten
Umstände ist vielmehr davon auszugehen, dass die Wohn- und Wirtschaftsge-
meinschaft der Parteien grundsätzlich auf Dauer angelegt war, dann aber durch
die Vorfälle in der Nacht vom 9./10. August 2014 ein abruptes Ende fand. In An-
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betracht dessen, dass der Gesuchsgegner eingeräumt hat, dass es zu häuslicher
Gewalt gegenüber der Gesuchstellerin gekommen ist (vgl. Urk. 11/2 S. 3), er-
scheint es als besonders stossend, wenn er sich gleichzeitig auf die kurze Dauer
des ehelichen Haushaltes beruft, um der Gesuchstellerin einen Unterhaltsan-
spruch abzusprechen.
2.3.6. Je mehr die Ehe sein Dasein prägte, umso eher darf ein Ehegatte auf ei-
ne Fortführung der bisherigen Lebensweise vertrauen (Vetterli, in Schwenzer,
a.a.O., Art. 176 N 24). Von einer Lebensprägung ist inbesondere dann auszuge-
hen, wenn ein unterhaltsbedürftiger Ehegatte aus seinem bisherigen Kulturkreis
entwurzelt worden ist (vgl. im Zusammenhang mit dem nachehelichen Unterhalt:
Hausheer/Spycher, a.a.O., S. 239; BGer 5C.149/2004 vom 6. Oktober 2004
E. 4.3).
Die Gesuchstellerin hat ihren Kulturkreis verlassen, um mit dem Gesuchsgegner
in der Schweiz zusammenzuleben und ein neues Leben anzufangen. Sie verfügt
weder über eine Ausbildung noch über Arbeitserfahrung, besitzt in der Schweiz
kein funktionierendes soziales Netzwerk und ist der deutschen Sprache nicht
mächtig. Es ist demnach eindeutig, dass sie sich durch den Umzug in die Schweiz
in eine komplette Abhängigkeit zum Gesuchsgegner begab. Gründe, weshalb die
Gesuchstellerin nach Aufnahme des Zusammenlebens mit dem Gesuchsgegner
in der Schweiz nicht hätte auf den Bestand der Ehe und die gelebte (finanzielle)
Aufgabenteilung vertrauen dürfen, sind nicht ersichtlich.
Die Darstellung der Gesuchstellerin (Urk. 10 S. 3), dass sie im Falle der Rückkehr
Ächtungen ausgesetzt wäre und eine Rückkehr zu den vorehelichen Verhältnis-
sen nicht realistisch sei, erscheint im Übrigen aufgrund der nach Darstellung bei-
der Parteien bereits in der Vergangenheit erfolgten Druckausübungen der beteilig-
ten Familien durchaus plausibel. Das Argument des Gesuchsgegners (Prot. I.
S. 3, Urk. 33 S. 6), dass die Gesuchstellerin durch die Flucht in ihr Heimatland
und ihr dortiges Verweilen unter Beweis gestellt habe, dass ihr ein Leben in ihrer
Heimat zumutbar sei und die Ehe mit ihm in keiner Weise Einwirkungen genom-
men habe, verfängt nicht. Zum damaligen Zeitpunkt lebte die Gesuchstellerin
noch in ungetrenntem Verhältnis zum Gesuchsgegner. Es lag somit eine völlig
andere Ausgangslage vor. Ausserdem berief sich der Gesuchsgegner in der poli-
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zeilichen Einvernahme vom 10. August 2014 (Urk. 11/2) selbst mehrfach auf die
erheblichen Druckausübungen und Drohungen seitens der Familie der Gesuch-
stellerin, welche ihn sogar zu erheblichen Gewalthandlungen gegenüber der Ge-
suchstellerin (vgl. Urk. 11/2 S. 1 ff.) bewegt haben sollen. Dies steht im diametra-
len Widerspruch zu seiner Behauptung, die Gesuchstellerin könne ohne Weiteres
in ihrem Herkunftsland ihr voreheliches Leben weiterführen, und lässt diese nicht
glaubhaft erscheinen.
Eine Entwurzelung der Gesuchstellerin kann demnach vorliegend nicht in Abrede
gestellt werden. Trotz der kurzen Dauer des Zusammenlebens ist somit davon
auszugehen, dass die Heirat mit dem Gesuchsgegner und die anschliessende
Übersiedlung in die Schweiz zu einer nachhaltigen Prägung der Lebensverhält-
nisse der Gesuchstellerin geführt haben. Insofern erübrigen sich Ausführungen
dazu, ob die langjährige Verlobungszeit der Parteien mitzuberücksichtigen ist. Die
Parteien haben einen gemeinsamen Lebensstandard begründet. Ein Anspruch
der Gesuchstellerin auf Fortführung der ehelichen Lebenshaltung ist daher zu be-
jahen.
C) Unterhaltsberechnung
1. Einkommen des Gesuchsgegners
1.1. Die Vorinstanz bezifferte das monatliche Nettoeinkommen des Gesuchs-
gegners ab 1. Dezember 2014 auf Fr. 4'504.60. Sie argumentierte, sämtliche im
Recht liegenden Lohnabrechnungen der Monate März bis Juli 2014 würden einen
Nettolohn von Fr. 4'504.60 ausweisen. Zufolge seiner Inhaftierung habe der Ge-
suchsgegner vom 1. August 2014 bis 31. Oktober 2014 kein Einkommen erzielt.
Seine Darstellung, wonach er seit seiner Haftentlassung eine Pensumsreduktion
und damit eine Lohneinbusse - im Vergleich zu seinem Einkommen von März bis
Juli 2014 von fast 20% - habe hinnehmen müssen, sei nicht glaubhaft. So komme
dem zum Beleg eingereichten Aushängeschild keinerlei Beweiswert in Bezug auf
die geltend gemachten veränderten Öffnungszeiten zu. Es sei nämlich nicht er-
sichtlich, wo und wann der Zettel von wem in welchem Zusammenhang benützt
worden sei. Ausserdem weise das Schild auf die verkürzten Arbeitszeiten ab
10. Juni 2014 hin, wohingegen der Gesuchsgegner ausgewiesenermassen im Ju-
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ni und Juli 2014 noch den ungekürzten Lohn von Fr. 4'500.– netto erhalten habe.
Das Novembergehalt von Fr. 3'623.75 habe nicht ausgereicht, um den Bedarf des
Gesuchsgegners zu decken. Ab dem 1. Dezember 2014 sei aber auf das letztbe-
kannte, regelmässig ausbezahlte Einkommen des Gesuchsgegners von
Fr. 4'504.60 abzustellen (Urk. 21 S. 10 f.).
1.2.1. Der Gesuchsgegner macht geltend, die Vorinstanz habe verkannt, dass
sein Pensum vom Arbeitgeber einseitig gekürzt worden sei. Seit seiner Haftent-
lassung könne er nur noch Fr. 3'600.– netto verdienen, was sich im Übrigen aus
der Lohnabrechnung des Monats November 2014 ergebe. Auch die Lohnabrech-
nung für den Monat Dezember 2014 weise einen Nettolohn von Fr. 3'591.75 aus.
Die mit der Berufungsschrift eingereichte Bestätigung für die Pensumsreduktion
habe bis anhin - trotz mehrmaliger Nachfrage beim Arbeitgeber - nicht erhältlich
gemacht werden können. Ungeachtet der Tatsache, dass nunmehr für die Pen-
sumsreduktion kein betrieblicher Grund, sondern der Gesuchsgegner bezie-
hungsweise dessen Inhaftierung geltend gemacht werde, sei der Gesuchsgegner
mangels Leistungsfähigkeit nicht in der Lage, Unterhaltsbeiträge an die Gesuch-
stellerin zu bezahlen. Im Übrigen sei selbst im Falle einer Anmeldung beim RAV
nicht von einem hypothetischen Einkommen des Gesuchsgegners von
Fr. 4'504.60 auszugehen, da Arbeitslosengeld nicht in voller Höhe erstattet werde.
Ein hypothetisches Einkommen könne dem Gesuchsgegner sodann, wenn über-
haupt, erst nach einer gewissen Übergangsfrist angerechnet werden (Urk. 20
S. 7 f.; Urk. 33 S. 7 f.).
1.2.2. Die Gesuchstellerin hält dem entgegen, die Pensumsreduktion aufgrund
der neuen Öffnungszeiten sei nicht glaubhaft gemacht worden. Somit sei von ei-
nem Nettoeinkommen des Gesuchsgegners von Fr. 4'504.60 auszugehen. Ge-
setzt den Fall, dass die Pensumsreduktion als glaubhaft erachtet werde, sei eine
verschuldete Arbeitspensumsreduktion anzunehmen. Das Einreichen der Lohnab-
rechnung des Monats Dezember 2014 ändere nichts daran, dass der Gesuchs-
gegner sich weder um Arbeitslosentaggeld noch um eine zusätzliche Teilzeitstelle
bemüht habe. Der Gesuchsgegner sei ein gesunder junger Mann, welchem zu-
zumuten sei, ab 1. Dezember 2014 zu 100 % zu arbeiten. Die vom Gesuchsgeg-
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ner mit der Berufungsschrift eingereichte Bestätigung des Arbeitgebers betreffend
die Pensumsreduktion sei im Übrigen aufgrund von Art. 317 Abs. 1 ZPO aus dem
Recht zu weisen. Für die Unterhaltsberechnung sei somit auf ein hypothetisches
Einkommen des Gesuchsgegners von Fr. 4504.60 abzustellen (Urk. 26 S. 8 f.).
1.3.1. Zur Untermauerung seiner Darstellung, wonach es aufgrund veränderter
Geschäftszeiten seiner Arbeitgeberin zu einer Lohneinbusse gekommen sei, hat
der Gesuchsgegner eine Anzeige eingereicht, welche auf neue Öffnungszeiten ab
10. Juni 2014 hinweist (Urk. 13/6). In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist
festzuhalten, dass dieser Anzeige kein Beweiswert zukommt, führt sie doch noch
nicht einmal eine Geschäftsbezeichnung auf, sodass keinerlei Verbindung zur
D._ GmbH, bei der der Gesuchsgegner angestellt ist, hergestellt werden
kann. Wie bereits die Vorinstanz festgehalten hat, bestehen auch Unstimmigkei-
ten in Bezug auf die in diesem Zusammenhang relevanten Zeiträume. So weist
die eingereichte Anzeige auf die verkürzten Arbeitszeiten ab 10. Juni 2014 (Urk.
13/6) hin. Die im Recht liegenden Lohnabrechnungen der Monate Juni und Juli
2014 weisen jedoch einen ungekürzten Lohn des Gesuchsgegners von netto Fr.
4'504.60 aus (Urk. 13/5 S. 4-5).
Im Berufungsverfahren hat der Gesuchsgegner neu eine "Arbeitsbescheinigung"
vom 15. Januar 2015 (Urk. 24/3) eingereicht. Beweismittel, welche bereits bei En-
de der Hauptverhandlung des erstinstanzlichen Verfahrens entstanden waren
(sog. unechte Noven) sind im Berufungsverfahren nur noch unter den Vorausset-
zungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig. Der Gesuchsgegner war im Hinblick
auf die Ausstellung der Bescheinigung vollkommen vom Verhalten einer Drittper-
son, nämlich seiner Arbeitgeberin, abhängig. Der Umstand, dass dem Gesuchs-
gegner trotz Pensumsreduktion von der Arbeitgeberin auch unbestrittenermassen
kein neuer Arbeitsvertrag (vgl. Prot. I S. 14 und 18 f.) unterbreitet wurde, lässt da-
rauf schliessen, dass Formelles bei der Arbeitgeberin des Gesuchsgegners nicht
oberste Priorität hat. Gerade da deren Einreichung in seinem eigenen Interesse
lag, erscheint die Darstellung des Gesuchsgegners, wonach er die Bescheinigung
aufgrund des Verhaltens seiner Arbeitgeberin und somit schuldlos nicht bereits
vor erster Instanz in den Prozess einbringen konnte, glaubhaft. Die Arbeitsbe-
scheinigung ist demzufolge im Berufungsverfahren zu beachten. Darin wird sei-
- 21 -
tens der Arbeitgeberin bestätigt, man habe infolge des längeren Arbeitsausfalls
des Gesuchsgegners Ersatzpersonal eingestellt. Daher könne man den Ge-
suchsgegner nur noch mit einem 60-70%-Pensum beschäftigen, was eine Lohn-
reduktion zur Folge habe. Es mutet selbstredend etwas seltsam an, dass seitens
der Arbeitgeberin des Gesuchsgegners für die Pensumsreduktion nicht die geän-
derten Öffnungszeiten geltend gemacht werden, sondern eine andere Begrün-
dung vorgebracht wird. Dass die längere Abwesenheit des Gesuchsgegners be-
triebliche Massnahmen erforderte, welche im Ermessen der Arbeitgeberin stan-
den und vom Arbeitnehmer im Anschluss zu akzeptieren waren, erscheint hinge-
gen plausibel.
Es fällt auf, dass die Lohnreduktion - unter Berücksichtigung des Umstandes,
dass der Gesuchsgegner infolge seiner Inhaftierung vom 1. August 2014 bis
31. Oktober 2014 gar kein Einkommen erzielte - zeitlich unmittelbar mit dem
Trennungsdatum der Parteien (tt. August 2014) zusammenfällt. Aus dem zeitli-
chen Zusammenfallen zweier Ereignisse allein kann aber nicht geschlossen wer-
den, dass diese einander ursächlich bedingen und die Lohnreduktion als un-
glaubhaft erachtet werden muss. Es ist denn auch weder behauptet noch ersicht-
lich, dass der Gesuchsgegner neben seinem Lohn verdeckte Zuwendungen von
seiner Arbeitgeberin als Ausgleich für die Lohneinbusse erhielt oder anderweitig
indirekt von der Einkommenssenkung profitiert hat. Schliesslich ist er auch nicht
Gesellschafter seiner Arbeitgeberin (vgl. Online Handelsregisterauszug der
D._ GmbH, www.zefix.ch, besucht am 14. Juli 2015). Vielmehr konnte der
Gesuchsgegner mit dem ihm im November 2014 ausbezahlten Nettolohn nicht
einmal mehr sein betreibungsrechtliches Existenzminimum (exklusive Steuern)
decken. In Anbetracht dieser Tatsache erscheint eine vom Gesuchsgegner ange-
regte Lohnkürzung nahezu ausgeschlossen, sondern ist vielmehr davon auszu-
gehen, dass diese - unabhängig von der dafür angegebenen Begründung -von
der Arbeitgeberin initiiert und vollzogen wurde.
Die Arbeitsbescheinigung (Urk. 24/3) beziffert das Einkommen des Gesuchsgeg-
ners nicht, sondern erwähnt bloss eine Pensumsreduktion auf 60-70%. Im No-
vember 2014 hat der Gesuchsgegner gemäss der entsprechenden Lohnabrech-
nung einen Nettolohn von Fr. 3'623.75 erzielt (Urk. 13/5 S. 6). Bei der vom Ge-
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suchsgegner mit der Berufungsschrift neu eingereichten Lohnabrechnung des
Monats Dezember 2014 (Urk. 24/4) handelt es sich um ein Beweismittel, welches
erst nach Abschluss der erstinstanzlichen Hauptverhandlung entstanden ist (sog.
echtes Novum) und somit im Rechtsmittelverfahren zu berücksichtigen ist. Für
den Monat Dezember 2014 wird darin ein Nettolohn von Fr. 3'591.75 ausgewie-
sen. Die Pensumsreduktion und die dadurch vom Gesuchsgegner erlittene Lohn-
einbusse erscheinen als glaubhaft, zumal keine Anhaltspunkte bestehen, um an
der Glaubwürdigkeit dieser Urkunden zu zweifeln. Bei der Arbeitgeberin des Ge-
suchsgegners handelt es sich um eine vom Gesuchsgegner unabhängige, im
Handelsregister eingetragene juristische Person, welcher ansonsten im Zusam-
menhang mit der Ausstellung dieser Dokumente - zumindest implizit - auch straf-
rechtlich relevantes Verhalten unterstellt würde. Es ist davon auszugehen, dass
das Nettoeinkommen des Gesuchsgegners ab 1. November 2014 auf (gerundet)
Fr. 3'600.– reduziert wurde.
1.3.2. Bei der Festsetzung von Unterhaltsbeiträgen darf vom tatsächlichen Leis-
tungsvermögen des Pflichtigen, das Voraussetzung und Bemessungsgrundlage
der Beitragspflicht bildet, abgewichen und stattdessen von einem hypothetischen
Einkommen ausgegangen werden, falls und soweit der Pflichtige bei gutem Willen
bzw. bei ihm zuzumutender Anstrengung mehr zu verdienen vermöchte, als er ef-
fektiv verdient. Wo die reale Möglichkeit einer Einkommenssteigerung fehlt, muss
eine solche ausser Betracht bleiben. Diesen Grundsatz hat das Bundesgericht für
sämtliche Matrimonialsachen festgehalten (so in BGE 117 II 16 E. 1b für den
Eheschutz). In diesem Zusammenhang ist Rechtsfrage, welche Tätigkeit aufzu-
nehmen zumutbar ist; Tatfrage bildet hingegen, ob die als zumutbar erkannte Tä-
tigkeit möglich und das angenommene Einkommen effektiv erzielbar ist (BGE 137
III 118 E. 2.3; BGE 128 III 4 E. 4c bb). Der - von den Parteien nicht zum Thema
der Berufung gemachte - Gesamtbedarf der Parteien von Fr. 7'375.– respektive
ab 1. April 2015 von Fr. 6'920.– kann mit dem Einkommen des Gesuchsgegners
offensichtlich nicht gedeckt werden. Es ist daher auf Seiten des Gesuchsgegners
(wie auch bei der Gesuchstellerin, vgl. unten E. III. C. 2) die Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens zu prüfen.
Der Gesuchsgegner arbeitet seit 1. März 2013 als Verkäufer/Lagermitarbeiter bei
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der D._ GmbH (vgl. Urk. 13/2). Er weist somit in diesem Bereich mehrjährige
Berufserfahrung auf. Derzeit bestreitet er ein Pensum von 60-70% (vgl. Urk.
24/3). Aufgrund seiner familienrechtlichen Leistungspflicht gegenüber der Ge-
suchstellerin ist er aber verpflichtet, seine volle Leistungsfähigkeit auszuschöpfen
und 100% zu arbeiten, was ihm gerade aufgrund der Tatsache, dass er bereits in
der Vergangenheit ein solches Pensum bestritten hat, auch zumutbar ist. Der Ge-
suchsgegner ist zweiunddreissig Jahre alt, bei bester Gesundheit und hat keine
Betreuungspflichten wahrzunehmen. Andere Umstände, welche die Chancen des
Gesuchsgegners auf dem Arbeitsmarkt als nicht intakt erscheinen lassen würden,
sind nicht ersichtlich und wurden auch nicht vorgebracht. Wie aus dem Arbeitsver-
trag (Urk. 13/2) und dem Lohnausweis (Urk. 13/1) hervorgeht, hat der Gesuchs-
gegner im Jahr 2013 ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 3'800.– erzielt. Die
Lohnabrechnungen der Monate März bis Juli 2014 (Urk. 13/5 S. 1-5) weisen alle-
samt einen Lohn von Fr. 4'504.60 netto aus. In Anbetracht dieses zuletzt mit ei-
nem 100%-Pensum erzielten und für die entsprechende Tätigkeit üblichen Ein-
kommens sollte es für den Gesuchsgegner somit möglich sein, sei es, indem er
sich darum bemüht, sein Arbeitspensum bei der aktuellen Arbeitgeberin wieder
auszudehnen, oder sei es, dass er eine andere Stelle als Lagerist antritt, monatli-
che Einkünfte in derselben Grössenordnung zu erwirtschaften.
1.3.3. Bei der Frage nach dem Zeitpunkt, ab wann dem Gesuchsgegner ein hy-
pothetisches Einkommen angerechnet werden kann, gilt es zu berücksichtigen,
dass dem Verpflichteten eine angemessene Übergangsfrist einzuräumen ist, um
die rechtlichen Vorgaben in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Übergangsfrist muss
nach ihrem Zweck und den Umständen angemessen sein (BGE 129 III 417 E.
2.2; BGE 114 II 13 E. 5). Ein von dem gezeigten Grundsatz abweichender Ent-
scheid, mit dem ein hypothetisches Einkommen ohne Umstellungsfrist sofort oder
gar rückwirkend angerechnet wird, rechtfertigt sich bloss bei Vorliegen von be-
sonderen Umständen des Einzelfalles, so wenn der betroffenen Partei ein unred-
liches Verhalten vorgeworfen werden muss oder wenn die geforderte Umstellung
in ihren Lebensverhältnissen und das Erfordernis eines vermehrten beruflichen
Einsatzes für sie vorhersehbar gewesen sind (BGer 5P.388/2003 vom 7. Januar
2004 Erw. 1.2; BGer 5P.79/2004 vom 10. Juni 2004 E. 4.3).
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Wie bereits ausgeführt (vgl. vorstehend unter E. III. C. 1.3.1.) ist unter Berücksich-
tigung der gesamten Umstände nicht davon auszugehen, der Gesuchsgegner ha-
be seinen Lohn per 1. November 2014 böswillig senken lassen. Die Inhaftierung
des Gesuchsgegners und damit die Trennung der Parteien kam unvermittelt und
fiel zeitlich mit der Lohnreduktion zusammen. Es kann somit auch nicht gesagt
werden, das Erfordernis eines vermehrten beruflichen Einsatzes sei für den Ge-
suchsgegner im Zeitpunkt der Einreichung des Eheschutzbegehrens durch die
Gesuchstellerin vorhersehbar gewesen. Dem Gesuchsgegner ist eine Übergangs-
frist zu gewähren.
Die aktuelle Arbeitgeberin des Gesuchsgegners scheint - in Anbetracht der Aus-
führungen des Gesuchsgegners im Rahmen der persönlichen Befragung - bezüg-
lich seines Arbeitspensums über eine gewisse Flexibilität zu verfügen (Prot. I
S. 15 und 18 f.). Aufgrund des ihm im Januar 2015 zugestellten erstinstanzlichen
Urteils musste der Gesuchsgegner überdies damit rechnen, dass ihm gestützt auf
die aktuelle Rechtsprechung ein hypothetisches Einkommen angerechnet wird.
Daher erscheint die Ansetzung einer eher kurzen Übergangsfrist von drei Mona-
ten, somit bis Ende November 2015, als angemessen. Dem Gesuchsgegner ist
ab dem 1. Dezember 2015 ein Einkommen von Fr. 4'500.– netto pro Monat anzu-
rechnen.
2. Einkommen der Gesuchstellerin
2.1. Die Vorinstanz nahm an, die Gesuchstellerin erziele seit ihrer Einreise in die
Schweiz im April 2014 kein Einkommen, und verzichtete zugleich darauf, ihr für
die Dauer des Getrenntlebens ein hypothetisches Einkommen anzurechnen. Zur
Begründung führte die Vorinstanz aus, die Gesuchstellerin verfüge weder über ei-
ne Ausbildung noch über Arbeitserfahrung, beherrsche die deutsche Sprache
nicht und besitze in der Schweiz kein funktionierendes soziales Netzwerk. In An-
betracht dieser Umstände sei es ihr nicht zumutbar, eine Erwerbstätigkeit aufzu-
nehmen (Urk. 21 S. 9 f.).
2.2. Der Gesuchsgegner beharrt im Berufungsverfahren auf seinem Standpunkt,
der Gesuchstellerin sei nach einer gewissen Übergangszeit die Aufnahme einer
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Erwerbstätigkeit zuzumuten. Gerechtfertigt erscheine jedenfalls ein Einkommen
von mindestens Fr. 3'000.– (Urk. 33 S. 8).
2.3. Wo die reale Möglichkeit einer Einkommenssteigerung fehlt, muss eine sol-
che - wie bereits oben ausgeführt (vgl. E. III. C. 1.3.2) - ausser Betracht bleiben
(BGE 117 II 16 E. 1b; BGE 128 III 4 E. 4a). Die Gesuchstellerin ist noch jung und
hat keine Betreuungspflichten gegenüber unmündigen Kindern wahrzunehmen.
Abgesehen von der (aktuellen) psychischen Belastung wurden auch keine ge-
sundheitliche Beschwerden geltend gemacht, welche sie in ihrem beruflichen
Fortkommen behindern würden (vgl. Prot. I S. 8). Wie von der Vorinstanz bereits
festgehalten, kann sie aber weder eine Ausbildung vorweisen, noch verfügt sie
über Arbeitserfahrung. Der Gesuchsgegner liess ausführen, er habe die Gesuch-
stellerin in die Schule schicken wollen (Prot. I S. 10), hat aber nicht dargelegt,
dass die Gesuchstellerin tatsächlich eine Ausbildung absolviert hat. Nach eigenen
Angaben hat die Gesuchstellerin zwar einen Deutschkurs aufgenommen, ist aber
der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig (Urk. 10 S. 5). Es kann als gerichts-
notorisch erachtet werden, dass ohne minimale Deutschkenntnisse eine Integrati-
on in den Arbeitsmarkt der Schweiz mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden
ist, insbesondere wenn jemand auch kein soziales Netzwerk besitzt. Zu berück-
sichtigen bleibt auch, dass die Gesuchstellerin aus einem Kulturkreis stammt, in-
dem die Ausübung einer Berufstätigkeit durch die Ehefrau keine Selbstverständ-
lichkeit darstellt. Seit der Einreise der Gesuchstellerin in die Schweiz haben die
Parteien denn auch eine klassische Rollenverteilung gelebt und die Gesuchstelle-
rin war Hausfrau. In Anbetracht des Gesagten ist in Übereinstimmung mit den vo-
rinstanzlichen Erwägungen auszuschliessen, dass es der Gesuchstellerin im für
den Eheschutz relevanten Zeithorizont möglich sein wird, ein eigenes Einkommen
zu erzielen, welches über dem von ihr zu tragenden Manko (dazu unten E. III. C.
3.) liegt. Von der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens der Gesuchstel-
lerin ist im Eheschutzverfahren abzusehen.
3. Zusammenfassung
Die Gesuchstellerin erzielt kein eigenes Einkommen. Der Gesuchgegner hat auf-
grund seiner Inhaftierung ab Aufnahme des Getrenntlebens bis November 2014
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ebenfalls kein Einkommen generiert. Ab 1. Dezember 2014 bis 30. November
2015 ist von einem Nettoeinkommen des Gesuchsgegners von rund Fr. 3'600.–
auszugehen. Dieses Einkommen ist dem Gesamtbedarf der Ehegatten von
Fr. 7'375.– respektive ab 1. April 2015 von Fr. 6'920.– gegenüberzustellen. Ist der
Gesamtbedarf der Ehegatten wie vorliegend grösser als das gemeinsame Ein-
kommen, liegt ein Mankofall vor. Der geschuldete Ehegattenunterhalt ergibt sich
dann aus der Differenz zwischen dem Einkommen des unterhaltspflichtigen Ehe-
gatten und seinem familienrechtlichen Existenzminimum. Der unterhaltsberechtig-
te Ehegatte hat dementsprechend ein allfälliges Manko alleine zu tragen (BGE
123 III 1; BGE 133 III 57). In Anbetracht seines Bedarfs von Fr. 3'677.– ist der
Gesuchsgegner somit in einer ersten Phase als nicht leistungsfähig zu erachten.
Ab 1. Dezember 2015 ist dem Gesuchsgegner, wie dargetan, ein hypothetisches
Einkommen von Fr. 4'500.– anzurechnen. Hiervon ist der Bedarf des Gesuchs-
gegners von Fr. 3'677.– in Abzug zu bringen. Das Manko von rund Fr. 2'400.– ist
von der Gesuchstellerin zu tragen. Der Gesuchsgegner ist zu verpflichten, der
Gesuchstellerin für sie persönlich ab 1. Dezember 2015 einen Unterhaltsbeitrag
von Fr. 820.– pro Monat zu bezahlen. Dieser ist zahlbar monatlich im Voraus, je-
weils auf den Ersten eines jeden Monats.
D) Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie
auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3
ZPO). Die Vorinstanz hat die Gerichtsgebühr auf Fr. 2'500.– zuzüglich Fr. 375.–
Dolmetscherkosten festgelegt (Urk. 21 Dispositivziffer 6). Diese Regelung blieb
unangefochten und ist in Rechtskraft erwachsen.
2. In Bezug auf die im erstinstanzlichen Verfahren nicht mehr strittigen Punkte
(Getrenntleben, Zuteilung der ehelichen Wohnung, Gütertrennung und Kontakt-
verbot) haben die Parteien sich im Rahmen der (Teil-)Vereinbarung vom 16. De-
zember 2014 (Urk. 15) auf eine hälftige Kostenverteilung geeinigt. Die umstrittene
Unterhaltsfrage ist bei den Kosten mit 2/3 zu berücksichtigen. Die Gesuchstellerin
verlangte vor Vorinstanz monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 2'200.– ab 1. Au-
gust 2014 (Prot. I. S. 5), während der Gesuchsgegner den Antrag stellte, es sei
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von Unterhaltsbeiträgen an die Gesuchstellerin abzusehen (Urk. 12 S. 2). Im Er-
gebnis unterliegt die Gesuchstellerin, welcher berufungsweise ab 1. Dezember
2015 monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 820.– zugesprochen werden, somit
mit Bezug auf die Unterhaltsfrage zu rund 85%. Insgesamt betrachtet rechtfertigt
es sich somit, die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens zu 3/4 der Gesuchstel-
lerin und zu 1/4 dem Gesuchsgegner aufzuerlegen, wobei die Kosten zufolge der
ihnen gewährten unentgeltlichen Rechtspflege und vorbehältlich des Nachforde-
rungsrechtes des Staates (Art. 123 ZPO) einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen sind. Überdies ist die Gesuchstellerin zu verpflichten, dem Gesuchsgeg-
ner eine auf 1/2 reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1'250.– zuzüglich 8%
MwSt zu bezahlen. Da die Parteientschädigung bei der Gesuchstellerin voraus-
sichtlich nicht einbringlich sein wird, ist diese Rechtsanwalt lic. iur. X._ in
Anwendung von Art. 122 Abs. 2 ZPO direkt aus der Gerichtskasse auszurichten,
wobei der Anspruch mit der Ausrichtung auf den Kanton übergeht.
IV.
A) Unentgeltliche Rechtspflege
1. Sowohl der Gesuchsgegner (Urk. 20 S. 2) als auch die Gesuchstellerin (Urk.
26 S. 2) haben für das Berufungsverfahren ein Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege gestellt.
2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie mittel-
los und ihr Prozessstandpunkt nicht aussichtslos ist (Art. 117 lit. a und b ZPO)
und sie zur Wahrung ihrer Interessen auf eine rechtskundige Vertretung angewie-
sen ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO). Mittellosigkeit bzw. Bedürftigkeit ist dann zu
bejahen, wenn die gesuchstellende Partei trotz Ausschöpfung sämtlicher eigener
Hilfsmittel nicht in der Lage ist, neben dem Lebensunterhalt für sich und ihre Fa-
milie auch den Prozess zu finanzieren. Sie beurteilt sich nach der gesamten wirt-
schaftlichen Situation des Rechtsuchenden im Zeitpunkt der Einreichung des Ge-
suchs (Emmel, in Sutter-Somm, Hasenböhler, Leuenberger, a.a.O., Art. 117 N 4).
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3. Aus den vorangehenden Erwägungen (siehe E. III. C. 1.) geht hervor, dass
der Gesuchsgegner im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs um unentgeltliche
Rechtspflege vom 15. Januar 2015 (Urk. 20 S. 2) mit seinen Einkünften von rund
Fr. 3'600.– netto noch nicht einmal sein betreibungsrechtliches Existenzminimum
(exklusive Steuern) von Fr. 3'677.– decken kann. Alsdann verfügt der Gesuchs-
gegner nicht über nennenswerte Vermögenswerte, welche zur Prozessfinanzie-
rung herangezogen werden könnten, vielmehr hat er nicht unerhebliche Schulden
bei seiner Arbeitgeberin (Urk. 13/14). Damit ist die Mittellosigkeit des Gesuchs-
gegners zu bejahen. Die Gewinnaussichten des Gesuchsgegners waren sodann
nicht beträchtlich geringer als dessen Verlustgefahren, was sich daran zeigt, dass
der Gesuchsgegner mit seinem Begehren für die Zeit vom 1. Dezember 2014 bis
zum 30. November 2015 obsiegt. Als rechtsunkundige Partei war er sodann zur
gehörigen Führung des Prozesses auf eine Rechtsverbeiständung angewiesen.
Da damit die Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege im Fall des Ge-
suchsgegners erfüllt sind, ist ihm für das Berufungsverfahren die unentgeltliche
Rechtspflege zu bewilligen und die von ihm beantragte Rechtsvertretung beizu-
geben.
4. Mit Bezug auf ihr Armenrechtsgesuch vom 9. Februar 2015 macht die Ge-
suchstellerin geltend, dass sie vollumfänglich auf Unterstützungsleistungen der
Fürsorgebehörde angewiesen sei (Urk. 26 S. 10). Ein entsprechendes Bestäti-
gungsschreiben der Gemeinde E._ liegt im Recht (Urk. 28/1). Die Mittellosig-
keit der Gesuchstellerin ist somit glaubhaft. Nachdem nicht von vornherein gesagt
werden konnte, dass die Gewinnaussichten der Gesuchstellerin beträchtlich ge-
ringer waren als die Verlustgefahren, und die Gesuchstellerin ausserdem auf eine
Rechtsbeiständin zur Wahrung ihrer Interessen angewiesen war, ist der Gesuch-
stellerin auch im Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilli-
gen und ihr in der Person ihrer Rechtsvertreterin eine unentgeltliche Rechtsbei-
ständin zu bestellen.
B) Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Für das zweitinstanzliche Verfahren rechtfertigt sich in Anwendung von § 2
lit. a, c und d sowie § 12 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 und § 5 Abs. 1, § 6
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Abs. 2 lit. b und § 8 Abs. 1 der Gebührenverordnung des Obergerichtes (GebV
OG) eine pauschale Entscheidgebühr von Fr. 3'000.–.
1.2. Die Prozesskosten werden grundsätzlich der unterliegenden Partei aufer-
legt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem
Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO).
1.3. Der Gesuchsgegner beantragt mit der Berufung, von einer Verpflichtung zur
Leistung von Ehegattenunterhaltsbeiträgen sei abzusehen (Urk. 20 S. 2). Die Ge-
suchstellerin hingegen verlangt die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids
(Urk. 26 S. 9). Ausgehend von einer Gültigkeitsdauer der vorliegenden Ehe-
schutzmassnahmen von zwei Jahren ab Aufnahme des Getrenntlebens verlangt
die Gesuchstellerin somit Unterhaltsbeiträge von insgesamt Fr. 16'912.50. Im Er-
gebnis wird die Unterhaltspflicht des Gesuchsgegners ab 1. Dezember 2015 für
die Dauer des Getrenntlebens auf Fr. 820.– festgesetzt, was über eine mutmass-
liche Trennungsdauer von zwei Jahren insgesamt Fr. 6'970.– ergibt. Der Ge-
suchsgegner obsiegt somit zu rund 3/5. Dementsprechend sind ihm die Kosten
des Berufungsverfahrens zu 2/5 und der Gesuchstellerin zu 3/5 aufzuerlegen. In-
folge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sind die Gerichtskosten einst-
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt des Nachforderungs-
rechts des Staates (Art. 123 ZPO).
2.1. Die Parteientschädigung wird gemäss Art. 105 Abs. 2 ZPO vom Gericht
nach den Tarifen gemäss Art. 96 ZPO zugesprochen und den Parteien in Anwen-
dung von Art. 106 Abs. 2 ZPO auferlegt. Die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege befreit die entschädigungspflichtige Partei nicht von der Bezahlung
der Parteientschädigung an die Gegenpartei (Art. 122 Abs. 1 lit. d ZPO), weshalb
die Gesuchstellerin entsprechend der Kostenverteilung zu verpflichten ist, dem
Gesuchsgegner eine auf 1/5 reduzierte Parteientschädigung zu bezahlen.
2.2. Die für die Festsetzung der Parteientschädigung massgeblichen Bestim-
mungen finden sich in der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. Sep-
tember 2010 (AnwGebV). Die volle Parteientschädigung ist in Anwendung von § 5
Abs. 1, § 6 Abs. 3, § 9, § 11 und § 13 der AnwGebV auf Fr. 2'000.– festzusetzen.
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Für die Eingabe vom 7. April 2015 (Urk. 33) ist kein Zuschlag geschuldet (§ 11
Abs. 1 und 2 AnwGebV). Ausgangsgemäss ist die Gesuchstellerin zu verpflichten,
dem Gesuchsgegner eine (auf 1/5) reduzierte Parteientschädigung von Fr. 400.–
zu bezahlen. Antragsgemäss ist ein Mehrwertsteuerzuschlag von 8 % zuzuspre-
chen. Da die zuzusprechende Parteientschädigung von Fr. 432.– bei der Gesuch-
stellerin voraussichtlich nicht einbringlich sein wird, ist diese Rechtsanwalt lic. iur.
X._ direkt aus der Gerichtskasse auszurichten, wobei der Anspruch mit der
Ausrichtung auf den Kanton übergeht (Art. 122 Abs. 2 ZPO).