Decision ID: cc5284fb-f6d2-4c64-9b33-cf5cc227ad24
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X (geb. 1983) ist ledig und lebt in Z. Er ist seit längerer Zeit arbeitslos und
ausgesteuert. Aus diesem Grunde wird er seit dem 21. März 2011 vollumfänglich durch
die sozialen Dienste der Stadt Z. unterstützt. Aus gesundheitlichen Gründen konnte X
von September bis Dezember 2011 nicht arbeiten. Seit dem 9. Dezember 2011 ist er
wieder zu 50 Prozent arbeitsfähig.
B.- Auf der Grundlage des für die direkte Bundessteuer gültigen steuerbaren
Einkommens von Fr. 30'600.-- wurde X für das Jahr 2010 eine
Wehrpflichtersatzabgabe in der Höhe von Fr. 918.-- in Rechnung gestellt. Mit
Schreiben vom 8. September 2011 beantragten die sozialen Dienste der Stadt Z. im
Namen von X den Erlass der Wehrpflichtersatzabgabe 2010 im Betrage von Fr. 918.--
sowie der Verzugszinsen von Fr. 8.10. Mit Verfügung des Amts für Militär und
Zivilschutz vom 7. Dezember 2011 wurde das Begehren teilweise gutgeheissen und der
Abgabebetrag auf das gesetzliche Minimum von Fr. 400.-- gesenkt.
C.- Am 28. Dezember 2011 erhob X, wiederum vertreten durch die sozialen Dienste der
Stadt Z, Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, der
Entscheid des Amts für Militär und Zivilschutz vom 7. Dezember 2011 zum teilweisen
Erlass der Ersatzabgabe 2010 sei aufzuheben; die Ersatzabgabe 2010 sei
vollumfänglich zu erlassen; es sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und
auf allfällige Kostenvorschüsse zu verzichten, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschwerdegegners.
Die Vorinstanz liess sich am 17. Januar 2012 zur Beschwerde vernehmen und
beantragte deren Abweisung. Mit Schreiben vom 24. Januar 2012 teilte die
eidgenössische Steuerverwaltung mit, sie nehme aufgrund einer seit dem 1. Januar
2010 gültigen Gesetzesänderung nicht mehr am Verfahren über den Erlass der
Wehrpflichtersatzabgabe teil.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig (Art. 41 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1, abgekürzt: VRP]; Art. 52 Abs. 2 der
Verordnung über die Wehrpflichtersatzabgabe [SR 661.1, abgekürzt: WPEV] i.V.m. Art.
17 der Verordnung zur Bundesgesetzgebung über die Wehrpflichtersatzabgabe
[sGS 411.5]). Die Befugnis zur Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom
28. Dezember 2011 (Poststempel: 6. Januar 2012) ist rechtzeitig eingereicht worden.
Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
Die eidgenössische Steuerverwaltung ist nicht am Beschwerdeverfahren beteiligt (Art.
37 Abs. 3 WPEV).
2.- a) Alle Schweizer Bürger, die ihre Wehrpflicht nicht oder nur teilweise durch
persönliche Dienstleistung (Militär- oder Zivildienst) erfüllen, haben einen Ersatz in Geld
zu leisten (Art. 1 des Bundesgesetzes über die Wehrpflichtersatzabgabe, SR 661,
abgekürzt: WPEG). Ersatzabgaben und Kosten können auf schriftliches Gesuch hin
ganz oder teilweise erlassen werden, wenn sich ihr Bezug als stossende Härte
auswirken würde, insbesondere wenn der Zahlungspflichtige sich in einer Notlage
befindet oder durch die Zahlung in eine solche geriete (Art. 37 Abs. 2 WPEG). Der
Ersatzabgabeerlass stellt einen Verzicht des Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden
ersatzabgaberechtlichen Anspruch dar. Er hat zur Folge, dass die
Ersatzabgabeforderung ohne Befriedigung des Ersatzabgabegläubigers untergeht. Der
Ersatzabgabeerlass ist aber kein Gnadenakt des forderungsberechtigten
Gemeinwesens, sondern ein Verwaltungsrechtsinstitut mit rechtsstaatlicher Funktion.
Liegen die Erlassgründe vor, so muss die zuständige Behörde den Erlass gewähren
(Peter R. Walti, Der schweizerische Militärpflichtersatz, Diss. Zürich 1979, S. 271, N.
529; Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl. 2002, S.
348). Art. 37 Abs. 2 WPEG räumt jedoch keinen festen Rechtsanspruch auf Erlass der
Wehrpflichtersatzabgabe ein (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2D_71/2010 vom 7.
Dezember 2010, E. 2.2.2 und 2C_36/2008 vom 15. Januar 2008, E. 2).
Weder das Gesetz (WPEG) noch die dazugehörige Verordnung über die
Wehrpflichtersatzabgabe (WPEV) umschreiben den Begriff der "Notlage" näher. Es ist
bis
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davon auszugehen, dass der Gesetzgeber die Sozialhilfeabhängigkeit als Notlage im
Sinne des Gesetzes qualifizieren wollte. Bereits in der Botschaft des Bundesrats über
die Neuordnung des Militärpflichtersatzes vom 11. Juli 1958 wurde dazu ausgeführt,
das geltende Gesetz räume in seinem Artikel 2, Buchstabe a, den "öffentlich
unterstützten Armen" Abgabefreiheit ein. Andererseits gebe es der Verwaltung keine
Befugnis, allgemein in Härtefällen auf den Bezug der Ersatzabgabe zu verzichten.
Angesichts der grossen Ungleichheit im Fürsorgewesen des Landes sei die öffentliche
Unterstützung kein gutes Kriterium für die Beurteilung der Erlasswürdigkeit. Eine
allgemeine Erlassbestimmung sei geschmeidiger und werde erlauben, der Vielfalt der
möglichen Tatbestände besser Rechnung zu tragen (BBl 1958 II 333, 373). Mit der
damals eingeführten und in den wesentlichen Punkten heute noch gültigen
Formulierung des Art. 37 Abs. 2 WPEG wollte der Gesetzgeber demnach die
Abgabebefreiungskompetenz der Verwaltung flexibler gestalten, indem er ihr
ermöglichte, auch Personen ohne öffentliche Unterstützung von der
Militärpflichtersatzabgabe zu befreien. In die neue Regelung wurden deshalb sowohl
die stossende Härte als auch die Notlage des Zahlungspflichtigen als Erlassgründe
aufgenommen (vgl. BBl 1958 II 333, 392).
Dieselben Erlassgründe kennt auch das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
(SR 642.11, abgekürzt: DBG). Gemäss Art. 167 DBG können dem Steuerpflichtigen, für
den infolge einer Notlage die Bezahlung der Steuer, eines Zinses oder einer Busse
wegen Übertretung eine grosse Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz
oder teilweise erlassen werden. In der am 1. Januar 1995 in Kraft getretenen
Verordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) über die Behandlung von
Erlassgesuchen für die direkte Bundessteuer (SR 642.121, abgekürzt:
Steuererlassverordnung) wurde der Begriff der Notlage als Grund für einen Steuererlass
sodann näher umschrieben. Eine Notlage liegt danach in jedem Fall dann vor, wenn die
öffentliche Hand für die Lebenshaltungskosten der steuerpflichtigen Person und deren
Familie aufkommen muss (vgl. Art. 9 Abs. 2 Steuererlassverordnung). Auch wenn der
Militärpflichtersatz nicht als Steuer bezeichnet wird, sondern als eine auf der
allgemeinen Wehrpflicht beruhende Ersatzabgabe zu qualifizieren ist (vgl. BGE 113 Ib
206, E. 3a), gibt es keinen sachlichen Grund, den verschiedenen Abgabebereichen
unterschiedliche bundesrechtliche Auffassungen über eine Notlage zu Grunde zu legen
bzw. unterschiedliche Wertungen vorzunehmen. Im Zentrum steht das in der
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Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV)
verankerte Recht auf Hilfe in Notlagen, welches die Befriedigung elementarer
menschlicher Bedürfnisse sichert. Auf die Gründe der Notlage kommt es nicht an (vgl.
Markus Reich, Steuerrecht, Genf 2009, S. 77, N. 77; M. Bigler-Eggenberger, in:
Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/ Vallender, Kommentar zur Schweizerischen
Bundesverfassung, 2. Aufl. 2008, N. 19 zu Art. 12 BV).
Die Verwaltungsrekurskommission ging in ihrer bisherigen Praxis zur direkten
Bundessteuer immer dann von einer Notlage aus, wenn der Zahlungspflichtige trotz
Einschränkung der Lebenskosten auf das Existenzminimum (vgl. Kreisschreiben der
Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs über die Berechnung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums [Notbedarf], abgekürzt: KS AB SG) nicht in
der Lage war, eine bestehende Steuerschuld mit dem verfügbaren Einkommen in
absehbarer Zeit vollumfänglich zu tilgen (vgl. VRKE I/2-2010/73 vom 20. Oktober 2011,
E. 3c, publiziert in: www.gerichte.sg.ch).
b) Der Beschwerdeführer macht geltend, Voraussetzung für den Bezug von Sozialhilfe
sei die wirtschaftliche Notlage. Gemäss Art. 12 BV hätten alle Menschen, die in der
Schweiz leben, ein Recht auf Existenzsicherung, d.h. das zum Überleben absolut
notwendige Minimum. Wirtschaftliche Hilfe erhielten Personen, die nicht in der Lage
seien, die Mittel für den Lebensbedarf hinreichend oder rechtzeitig zu beschaffen. Darin
seien keine Zahlungen an den Staat enthalten. Er befinde sich in einer Notlage und
beziehe deshalb Nothilfe. Durch die Bezahlung der Ersatzabgabe werde seine Notlage
weiter verschärft. Zu diesem Schluss sei auch das Steueramt Z gelangt und habe
deshalb seinen Antrag auf Steuererlass für das Jahr 2010 gutgeheissen. Er sei derzeit
wirtschaftlich nicht leistungsfähig. Von September bis am 9. Dezember 2011 sei er
vollständig arbeitsunfähig gewesen, seit dem 9. Dezember 2011 sei er wieder zu 50
Prozent arbeitsfähig.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, einerseits könne die Tatsache, dass ein
Ersatzpflichtiger auf finanzielle Sozialhilfe angewiesen sei für sich alleine keinen Erlass
bewirken. Andererseits bedeute der Steuererlass nicht, dass auch für die
Ersatzabgaben gleich zu entscheiden sei. Die Wehrpflichtabgabe sei keine Steuer,
sondern die Ersatzleistung, die der Schweizer Bürger zu bezahlen habe, der seine
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Wehrpflicht nicht oder nicht vollständig durch persönliche Dienstleistung erfüllen
könne. Die Wehrpflichtabgabe finde nur dann ihre sachgemässe Ordnung, wenn sie für
alle Wehrpflichtigen, die nicht die volle gesetzliche Dienstpflicht erfüllten, das
zusätzliche Opfer darstelle, welches den Lasten, Mühen und Risiken der Dienstleistung
entspreche. Aus dieser Zwecksetzung der Abgabe, nämlich der Herstellung des
Pflichtenausgleiches im Wehrwesen, ergebe sich, dass bei der Beurteilung des
Erlassgesuches weitgehende Zurückhaltung geboten sei. Gestützt auf diese
Grundsätze sei die Ersatzabgabe auf den Mindestbetrag reduziert worden. Dabei habe
man auch berücksichtigt, dass dem Beschwerdeführer keine Unterstützungspflichten
obliegen und seine Sozialhilfeabhängigkeit nicht mehr als ein Jahr andauere.
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer von den sozialen Diensten der Stadt Z
gestützt auf Art. 9 des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1, abgekürzt: SHG) mit monatlich
Fr. 748.-- unterstützt wird. Davon muss er seinen gesamten Lebensunterhalt bestreiten
(act. 6/5). Dieser Ansatz entspricht dem in den Richtlinien der Schweizerischen
Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien, publiziert in: www.skos.ch) festgehaltenen
Grundbedarf für eine in einem Zweipersonenhaushalt lebende Person. Er liegt damit
deutlich tiefer als der im Kanton St. Gallen für einen Steuererlass massgebende
Grundbedarf von Fr. 1'050. (vgl. Ziff. 3.1.3 KS AB SG), in welchem die Wohn- und
Heizkosten, Sozialbeiträge sowie weitere für die Existenzsicherung notwendige
Auslagen nicht berücksichtigt sind. Solche über die Grundbedarfspauschalen
hinausgehenden Kosten sehen auch die SKOS-Richtlinien vor. Dem Beschwerdeführer
werden diesbezüglich monatlich Fr. 515.-- bzw. ca. Fr. 290.-- zur Begleichung der
Wohn- und Gesundheitskosten entrichtet (act. 10). Es steht ihm folglich ein
Monatsbudget von rund Fr. 1'550.-- zur Verfügung. Angesichts dieser Umstände steht
auch ohne detaillierte Quotenberechnung fest, dass keine freie Quote zur Begleichung
von Schulden zur Verfügung steht, denn der Grundbedarf stellt das Mindestmass einer
auf die Dauer ausgelegten menschenwürdigen Existenz dar (vgl. SKOS-Richtlinien, B.
2-3). Das Recht auf Existenzsicherung darf sodann durch staatliche
Abgabeforderungen nicht beeinträchtigt werden (BGE 126 III 353, E. 1a/aa mit weiteren
Hinweisen). Im Weiteren wäre es widersprüchlich, einerseits den Staat zu verpflichten,
einem Bedürftigen die zur Existenzsicherung notwendigen Mittel zu gewähren und ihm
andererseits die Möglichkeit zu geben, in die gleichen Mittel wieder abgaberechtlich
einzugreifen (vgl. BGE 122 I 101 E. 2b/cc).
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c) Die Vorinstanz räumt ein, die finanzielle Situation des Beschwerdeführers sei
unbestrittenermassen angespannt. Die Ersatzabgabe in der Höhe der Mindestabgabe
sei jedoch grundsätzlich von jedem Ersatzpflichtigen zu bezahlen, selbst wenn das
betreibungsrechtliche Existenzminimum nicht erreicht werde. Auch Studenten ohne
eigenes Einkommen seien von der Pflicht zur Leistung der Mindestabgabe nicht
ausgenommen.
Im Zusammenhang mit der Änderung der Bundesgesetze über den zivilen Ersatzdienst
(SR 824.0) und die Wehrpflichtersatzabgabe (WPEG) wurde die Mindestabgabe von
Fr. 200.-- auf Fr. 400.-- erhöht (Botschaft vom 27. Februar 2008, BBl 2008 2707, 2749).
Der Bundesrat hielt dazu fest, die Ökonomiegruppe der eidgenössischen
Steuerverwaltung sei im Zusammenhang mit den Untersuchungen zur Gleichwertigkeit
von Militärdienst und Wehrpflichtersatzabgabe zum Schluss gekommen, dass
insbesondere aus der Perspektive angehender Studenten die Gleichwertigkeit verletzt
sei, weil die persönliche Dienstleistung hohe Opportunitätskosten nach sich ziehe und
sich heute als wesentlich kostspieliger erweise als die Bezahlung der
Wehrpflichtersatzabgabe. Als Opportunitätskosten seien in diesem Zusammenhang
entgangene Erträge zu verstehen, die der Student während der Militärzeit hätte
erwirtschaften können. Die im Rahmen des Berichtes der Ökonomiegruppe
durchgeführten Berechnungen liessen den Schluss zu, dass die Attraktivität des
"blauen Weges" für Studenten reduziert werden könne, wenn die Mindestabgabe
gemäss WPEG markant (d.h. um ein Vielfaches) erhöht oder wenn die Dienstleistung
durch Anhebung des Mindestansatzes der Erwerbsausfallentschädigung (EO)
profitabler gemacht werde. Eine markante Erhöhung der Mindestabgabe hätte zur
Folge, dass nicht nur diejenigen Dienstuntauglichen, die bewusst den "blauen Weg"
suchten, stärker belastet würden, sondern auch solche, die Militärdienst oder
Zivildienst leisten wollten, einen solchen Dienst aber aus objektiven medizinischen
Gründen nicht leisten könnten. Auch sei eine markante Erhöhung der Mindestabgabe
nicht mit dem Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
vereinbar. Die Mindestabgabe könne als Personaltaxe (Kopfsteuer) angesehen werden.
Die Höhe dieser Abgabe werde folglich ohne Rücksicht auf die Steuerkraft des
Pflichtigen festgelegt; nach der Lehre sei dies problematisch, wenn der Pflichtige
weder über Einkommen noch über Vermögen verfüge. Daraus lasse sich ableiten, dass
die Mindestabgabe Pflichtige ohne Einkommen oder mit tiefem Einkommen nicht
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unverhältnismässig mehr belasten dürfe. Aufgrund dieser Tatsache erscheine eine
Erhöhung der Mindestabgabe auf 400 Franken noch als angemessen; damit werde
dem Vorwurf Rechnung getragen, dass sich vor allem Studenten zu billig loskaufen
könnten. Auf eine weitergehende Erhöhung solle verzichtet werden (vgl. Botschaft,
a.a.O., 2719 f., 2727).
Es trifft demnach zu, dass auch Studenten eine Ersatzabgabe zu leisten haben,
insbesondere auch dann, wenn sie weder über Einkommen noch Vermögen verfügen.
Den Ausführungen in der Botschaft lässt sich jedoch nicht entnehmen, dass eine
allfällige Notsituation des abgabepflichtigen Studenten gänzlich ohne Relevanz und der
Mindestbetrag ohne Berücksichtigung der Notlage zu entrichten ist. Eine solche
Sichtweise würde im Übrigen dem Sinn von Art. 37 Abs. 2 WPEG zuwiderlaufen. Auch
Studenten dürfen durch die Abgabelast nicht in eine existenzielle Notlage gedrängt
werden. In aller Regel sind sie aber infolge der elterlichen Unterstützungspflicht (Art.
277 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, abgekürzt: ZGB) und einer
allfälligen beschränkten Erwerbstätigkeit in der Lage, die Ersatzabgabe trotz geringem
oder überhaupt keinem Erwerbseinkommen zu entrichten. Im Übrigen besteht ein
Rückerstattungsanspruch, wenn der Militär- oder Zivildienst zu einem späteren
Zeitpunkt nachgeholt wird (Art. 39 Abs. 1 WPEG). Ähnlich stellt sich die Situation bei
Lehrlingen dar. Auch sie erzielen während der Lehrjahre noch kein existenzsicherndes
Einkommen und sind zumindest teilweise auf die Unterstützung ihrer Eltern
angewiesen. Die Vorinstanz berücksichtigt die unterschiedlichen Lebenssituationen der
Betroffenen zu wenig, wenn sie vorbringt, die Ersatzabgabe sei grundsätzlich auch
dann zu entrichten, wenn das betreibungsrechtliche Existenzminimum nicht erreicht
werde.
d) Der Beschwerdeführer verfügt pro Monat über Einnahmen von Fr. 1'550.--. Dieser
Betrag liegt lediglich rund Fr. 300.-- über dem durchschnittlich im dritten und vierten
Lehrjahr erzielbaren Lehrlingslohn (vgl. www.bfs.admin.ch/Themen/03-Arbeit und
Erwerb/Löhne, Erwerbseinkommen). Die Perspektiven des Beschwerdeführers auf dem
Arbeitsmarkt sind nicht gut; seine berufliche Integration wird gemäss Angaben der
sozialen Dienste Z noch einige Zeit in Anspruch nehmen (act. 6/5). Die
Sozialhilfeabhängigkeit des Beschwerdeführers dauert in der Zwischenzeit schon mehr
als ein Jahr an und ist deshalb nicht mehr nur vorübergehend. Bei mindestens
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einjähriger Arbeitslosigkeit hält auch die eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) einen
Erlass für angebracht, weil sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in solchen Situationen
wesentlich verschlimmern und in der Regel von einem Härtefall gesprochen werden
muss (vgl. ESTV, Wegleitung Nr. 14 betreffend Stundung und Behandlung von
Erlassgesuchen, abgekürzt: WL 14-01/2011 und zugehöriges Merkblatt WL
14-01/2011). Zu berücksichtigen ist weiter, dass der Beschwerdeführer offensichtlich
keinen Militär- oder Zivildienst leisten kann. Er hat somit keine Möglichkeit, sich durch
die Leistung des Dienstes von der Ersatzabgabe zu befreien. Der Hinweis der
Vorinstanz, auch ein diensttauglicher Bezüger von Unterstützungsleistungen würde
zum Militärdienst aufgeboten, hilft deshalb nicht weiter. Des Weiteren geht weder aus
den Akten noch den Darlegungen der Vorinstanz hervor, dass sich der
Beschwerdeführer geweigert hätte, seinen Militär- oder Zivildienst zu absolvieren.
Den Akten sind im Weiteren keine Hinweise auf Forderungen von Drittgläubigern zu
entnehmen. Angesichts derartiger Schulden hätte das Steueramt Z nach gängiger
Praxis einem Steuererlass für das Jahr 2010 auch gar nicht zugestimmt (vgl. act. 1). Ein
Steuererlass ist im Übrigen auch im Rahmen der Prüfung von Gesuchen um Erlass der
Wehrpflichtersatzabgabe zu berücksichtigen (vgl. WL 14-01/2011, Ziff. 19 f.).
Unter diesen Umständen sind die Voraussetzungen für einen ganzen Erlass der
Wehrpflichtersatzabgabe für das Jahr 2010 im Sinne von Art. 37 Abs. 2 WPEG erfüllt.
Der Beschwerdeführer befindet sich in einer finanziellen Notlage, die es ihm
verunmöglicht, hinreichend für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Aus diesem
Grund hat er auch Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe (Art. 9 SHG). In der aktuellen
Situation würde die Begleichung der bestehenden Abgabeschuld eine stossende Härte
bedeuten.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und der angefochtene Entscheid der
Vorinstanz vom 17. Januar 2012 aufzuheben. Sodann ist dem Beschwerdeführer die
Wehrpflichtersatzabgabe 2010 vollumfänglich zu erlassen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP); ein Entscheid über den Antrag auf unentgeltliche
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Rechtspflege erübrigt sich damit. Angemessen ist eine Gebühr von Fr. 500.-- (Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).