Decision ID: 993f49da-a54c-5977-adf1-0362c8bec381
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse, Auerstrasse 25, 9435 Heerbrugg,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Meldepflicht)
Sachverhalt:
A.
A.a K._ bezog seit 2. Juli 2007 Arbeitslosenentschädigung. Ihre Eltern führen ein
Restaurantbetrieb (vgl. act. G 15.28). In den Formularen "Angaben der versicherten
Person" für die Monate Juli, September und Oktober 2007 verneinte die Versicherte die
Frage, ob sie in den fraglichen Monaten für einen oder mehrere Arbeitgeber gearbeitet
habe (act. G 15.32 ff.).
A.b Aufgrund der von einer Mitarbeiterin der UNIA mitgeteilten Beobachtung, dass die
Versicherte am 15. Oktober 2007 im elterlichen Restaurantbetrieb Servicetätigkeiten
erbracht habe, kontaktierte die UNIA die Versicherte am 26. Oktober 2007 telefonisch.
Anlässlich dieses Telefongesprächs habe die Versicherte angegeben, sie arbeite für
den elterlichen Restaurantbetrieb. Von der UNIA wurde sie daher mit Schreiben vom
26. Oktober 2007 ersucht, Zwischenverdienstbescheinigungen einzureichen (act.
G 15.31). Die Mutter der Versicherten reichte am 8. November 2007 Bescheinigungen
über den Zwischenverdienst betreffend die Monate Juli, September und Oktober 2007
ein. Sie berichtete darin, dass die Versicherte bei einem Stundenlohn von Fr. 18.10 im
Juli 2007 21,5 Stunden, im September 2007 29,5 Stunden und im Oktober 2007
11 Stunden für den Restaurantbetrieb gearbeitet habe (act. G 15.32 ff.).
A.c Mit Verfügung vom 13. November 2007 stellte die UNIA die Versicherte wegen
unwahrer Angaben für 50 Tage in der Anspruchsberechtigung ein (act. G 15.30). Am
3. Dezember 2007 forderte sie die Versicherte auf, für die Monate Juli, September und
Oktober 2007 zu viel bezahlte Arbeitslosenentschädigung im Umfang von Fr. 763.15
zurückzuzahlen (act. G 15.29).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 13. November 2007 erhob die Versicherte am 10.
Dezember 2007 Einsprache und beantragte darin deren Aufhebung (act. G 15.27).
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B.b Die UNIA reichte am 14. Dezember 2007 eine Strafanzeige gegen die Versicherte
wegen zu Unrecht erwirkter Versicherungsleistungen und wegen nicht
wahrheitsgemässen Ausfüllens von Formularen ein (act. G 15.26).
B.c In der Eingabe vom 23. Januar 2008 (Datum Posteingang) ergänzte die Versicherte
die Einsprachebegründung. Bei der angeblichen Arbeit habe es sich lediglich um
familiäre Gefälligkeitsdienste für Tätigkeiten gehandelt, die normalerweise von ihrem
Vater ausgeführt würden. Die erbrachte Leistung sei weder für die
Anspruchsberechtigung noch für die Leistungsbemessung relevant gewesen, weshalb
keine Meldepflicht bestanden habe. Aufgrund der Androhung von Einstelltagen sei sie
genötigt worden, eine Bescheinigung über Zwischenverdienst auszufüllen. Sie habe
aber immer mündlich erklärt, dass diese Bescheinigungen insoweit nicht korrekt seien,
als dass effektiv kein Lohn ausbezahlt worden sei. Dass es sich bei der fraglichen
Arbeit um eine reine Familienunterstützungsarbeit gehandelt habe, zeige auch der
Umstand, dass in drei Monaten - mehrheitlich am Wochenende - gerade mal rund
60 Stunden Arbeit geleistet worden seien. Das Vorgehen der UNIA (quasi
erpresserische Aufforderung zur Bescheinigung über den angeblichen
Zwischenverdienst, die 50-tägige Einstelldauer, die Strafanzeige und Rückforderung
von angeblich zu viel bezahlter Arbeitslosenentschädigung) bezeichnete sie als
unverhältnismässig (act. G 5.28).
B.d Mit Entscheid vom 25. Januar 2008 wies die UNIA die Einsprache der Versicherten
ab. Zur Begründung führte sie an, dass die Versicherte nicht zu Lasten der
Arbeitslosenkasse auf Gelder verzichten dürfe. Entweder müsse die Arbeitslosenkasse
einen fiktiven Lohn aufrechnen oder die Versicherte hätte ihre verminderte
Vermittlungsfähigkeit deklarieren müssen, damit nicht für Arbeitszeiten im elterlichen
Restaurantbetrieb Arbeitslosentaggelder entrichtet worden wären. Die
Arbeitslosenkasse habe die Versicherte aufgefordert, bei der Kasse persönlich zu
erscheinen, um den Umfang der geleisteten Arbeit abschätzen zu können. Dieser
Aufforderung sei sie nicht nachgekommen, weshalb Zwischenverdienstformulare
einverlangt worden seien. Die Arbeitslosenkasse müsse sich auf die eingereichten
Zwischenverdienstformulare stützen. Angesichts des schweren Verschuldens der
Versicherten sei eine Einstelldauer von 50 Tagen gerechtfertigt (act. G 15.24).
C.
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C.a Dagegen richtet sich die am 26. Februar 2008 erhobene Beschwerde. Die
Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge die
Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Es sei auf eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung zu verzichten. Weiter stellt sie das Begehren, das
Beschwerdeverfahren bis zur rechtskräftigen Erledigung des eingeleiteten
Strafverfahrens zu sistieren (act. G 1). Antragsgemäss hat die Verfahrensleitung des
Versicherungsgerichts das Beschwerdeverfahren sistiert (act. G 2).
C.b Am 8. Juli 2008 reicht die Beschwerdeführerin die rechtskräftige
Aufhebungsverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten vom 20. Mai 2008 ein (act.
G 3). Die Aufhebung des Strafverfahrens betreffend mehrfacher Widerhandlung gegen
das Arbeitslosenversicherungsgesetz durch zu Unrecht erwirkte
Versicherungsleistungen und durch nicht wahrheitsgemässes Ausfüllen von Formularen
erfolgte mangels Beweise für ein tatbestandsmässiges Verhalten (act. G 3.1).
C.c Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts hebt die Sistierung des
Beschwerdeverfahrens am 10. Juli 2008 auf (act. G 4).
C.d Mit Einspracheentscheid vom 18. September 2008 zieht die Beschwerdegegnerin
den angefochtenen Einspracheentscheid vom 25. Januar 2008 in Wiedererwägung. Die
Aufhebungsverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten habe sie veranlasst, die
Höhe der Einstelldauer zu überprüfen. Der Beschwerdeführerin sei vorzuwerfen, dass
sie ihre für den elterlichen Restaurantbetrieb erbrachten Arbeiten nicht mitgeteilt habe.
Dieses Verhalten stelle unter Berücksichtigung aller Umstände ein leichtes Verschulden
dar, das mit einer Einstelldauer von 10 Tagen zu sanktionieren sei (act. G 11.1).
C.e Die Beschwerdeführerin reicht am 27. November 2008 eine Beschwerdeergänzung
ein. Sie sei mit dem Wiedererwägungsentscheid vom 18. September 2008 nicht
einverstanden. Von einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei abzusehen. Aus
den Strafakten gehe hervor, dass sie nie im elterlichen Restaurant angestellt oder als
Aushilfe gearbeitet habe. Sie habe lediglich am 15. und 16. Oktober 2007, als
ausgerechnet eine UNIA-Mitarbeiterin im elterlichen Restaurant zu Mittag gegessen
habe, gefälligkeitshalber im elterlichen Restaurantbetrieb ausgeholfen, weil ihre Mutter
den kranken Vater zu einer Untersuchung im IV-Verfahren habe begleiten müssen.
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Ferner bestätige der als Zeuge im Strafverfahren einvernommene Treuhänder, dass
trotz der von ihm ausgefüllten Lohnabrechnung und den Zwischenverdienstformularen
weder ein Lohn verbucht noch an sie (die Beschwerdeführerin) ausbezahlt worden sei.
Es stehe damit fest, dass sie keinen Verdienst erzielt habe und ohne den nötigenden
Druck seitens der Beschwerdegegnerin keine entsprechenden Angaben in den
Zwischenverdienstformularen gemacht hätte, da es sich dabei gar nicht um Arbeitszeit
gehandelt habe. Die darin deklarierten Stunden gäben bestenfalls Auskunft darüber,
wann sie im elterlichen Restaurant zu Mittag gegessen habe. Der somit zu Unrecht zur
Verrechnung gebrachte Rückforderungsbetrag von insgesamt Fr. 763.15 sei ihr daher
zurückzuerstatten (act. G 19).
C.f In der Beschwerdeantwort vom 10. Februar 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeabweisung. Die 10-tägige Einstellung in der
Anspruchsberechtigung wegen unwahrer oder unvollständiger Angaben sei zu Recht
erfolgt. Was die mit offenen Taggeldern verrechnete Rückforderung im Betrag von
Fr. 763.15 anbelange, so sei darauf hinzuweisen, dass bezüglich der entsprechenden
Taggeldabrechnung keine anfechtbare Verfügung verlangt worden, diese mithin in
Rechtskraft erwachsen sei (act. G 23).
C.g Die Beschwerdeführerin hält in der Replik vom 21. April 2009 daran fest, dass eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung nicht zulässig sei. Demzufolge entfalle auch
die Rechtsgrundlage für den mit offenen Taggeldern im Dezember 2007 verrechneten
Rückforderungsbetrag. Dieser sei ihr daher zurückzuerstatten (act. G 27).
C.h Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 29).
C.i Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts hat mit Schreiben vom 6.
November 2009 die Strafakten des Untersuchungsamts Altstätten beigezogen (act.
G 31). Während die Beschwerdeführerin auf eine Akteneinsichtnahme verzichtet, hat
die Beschwerdegegnerin die Strafakten eingesehen (act. G 33, 34 und 37).

Erwägungen:
1.
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Gemäss Art. 53 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann der Versicherungsträger
Verfügungen oder Einspracheentscheide, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so
lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Zieht
der Versicherungsträger eine angefochtene Verfügung oder einen angefochtenen
Einspracheentscheid pendente lite in Wiedererwägung, so beendet der
Wiedererwägungsentscheid den Streit vor Gericht nur insoweit, als er dem Begehren
der beschwerdeführenden Partei entspricht. Insoweit, als den Beschwerdeanträgen
nicht stattgegeben wird, besteht der Rechtsstreit vor Gericht jedoch weiter (vgl.
Maurer/Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, 3. Auflage, Basel 2009,
S. 585 Rz 42). Die Beschwerdegegnerin zog den angefochtenen Einspracheentscheid
vom 25. Januar 2008, worin eine Einstelldauer von 50 Tagen angeordnet wurde (act.
G 15.24), am 18. September 2008 vor der Einreichung einer Beschwerdeantwort in
Wiedererwägung. Sie änderte den ursprünglichen Einspracheentscheid
wiedererwägungsweise dahingehend ab, als sie die Einstelldauer um 40 Tage
reduzierte und betreffend die Meldepflichtverletzung nicht mehr von einem schweren,
sondern lediglich noch von einem leichten Verschulden der Beschwerdeführerin
ausging (act. G 11.1). Damit hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeantrag
(vollständiger Verzicht auf Einstellung in der Anspruchsberechtigung, act. G 1) teilweise
entsprochen. Streitig ist weiterhin die (reduzierte) Sanktion von zehn Einstelltagen,
weshalb der Rechtsstreit in diesem Umfang im Beschwerdeverfahren fortbesteht.
2.
Die Beschwerdeführerin rügt neben der Einstellung in der Anspruchsberechtigung auch
die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Verrechnung des
Rückforderungsbetrages mit offenen Taggeldleistungen (vgl. zur infolge der
Anrechnung eines Zwischenverdienstes resultierenden Rückforderung act. G 15.29).
Diese Rückforderung bildete indessen Gegenstand der Taggeldabrechnungen vom
3. Dezember 2007 (act. G 15.29) und ist nicht Gegenstand der angefochtenen
Verfügung vom 13. November 2007 (act. G 15.30) und der Einspracheentscheide vom
25. Januar 2008 (act. G 15.24) bzw. vom 18. September 2008 (act. G 11.1). Sie bildet
damit nicht Streitgegenstand in diesem Beschwerdeverfahren. Auf das Begehren der
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Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin sei zur Rückerstattung des verrechneten
Rückforderungsbetrags zu verpflichten (act. G 27), ist daher nicht einzutreten.
3.
Streitig und zu prüfen bleibt damit, ob die Beschwerdeführerin die Auskunfts- und
Meldepflicht verletzt hat und daher in der Anspruchsberechtigung zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung einzustellen ist.
3.1 Art. 30 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) bestimmt,
dass Versicherte in der Anspruchsberechtigung einzustellen sind, wenn sie unwahre
oder unvollständige Angaben gemacht oder in anderer Weise die Auskunfts- oder
Meldepflicht verletzt haben. Dieser Einstellungstatbestand ist stets erfüllt, wenn die
versicherte Person die der Kasse, dem Arbeitsamt oder der kantonalen Behörde
einzureichenden Formulare nicht wahrheitsgemäss oder unvollständig ausfüllt. Eine
Melde- und Auskunftspflichtverletzung ist darüber hinaus aber auch schon gegeben,
wenn die versicherte Person ihre Pflichten gemäss Art. 28 Abs. 2 und Art. 31 Abs. 1
ATSG verletzt. Laut Art. 28 Abs. 2 ATSG müssen Personen, die
Versicherungsleistungen beanspruchen, unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur
Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen
erforderlich sind. Solange die versicherte Person Leistungen bezieht, muss sie
aufgrund von Art. 31 Abs. 1 ATSG überdies unaufgefordert jede wesentliche Änderung
in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen dem Versicherungsträger oder
dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan melden. Der Einstellungsgrund von
Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG umfasst somit jede Verletzung der Pflicht zu
wahrheitsgemässer und vollständiger Auskunft sowie zur Meldung aller
leistungsrelevanten Tatsachen (vgl. Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in:
Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale
Sicherheit, 2. Auflage, Basel 2007, Rz 849). Unerheblich ist, ob die falschen oder
unvollständigen Angaben für die Ausrichtung der Versicherungsleistungen oder deren
Bemessung kausal sind (BGE 123 V 151 E. 1b mit Hinweis).
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3.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV).
3.3 In beweisrechtlicher Hinsicht müssen die dem Einstellungstatbestand zu Grunde
liegenden Tatsachen mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfüllt sein (BGE 126 V 360 E. 5b, Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts], C 20/06, E. 1.3, je mit Hinweisen). Im Strafverfahren
gilt der Beweis einer für die angeschuldigte Person nachteiligen Tatsache
demgegenüber nur als erbracht, wenn sie zur vollen Überzeugung der Strafbehörde
dargetan ist, so dass ihre Annahme als eine nach den Gesetzen der Vernunft sich
ergebende, unabweisbare Notwendigkeit erscheint (Art. 217 Abs. 2 des
Strafprozessgesetzes des Kantons St. Gallen [StP; sGS 962.1]; vgl. Niklaus Oberholzer,
Grundzüge des Strafprozessrechts, 2. Auflage, Bern 2005, S. 344 Rz 791). Die
Aufhebungsverfügung des Untersuchungsamts Altstätten vom 20. Mai 2008 wurde
damit begründet, dass die der Beschwerdeführerin vorgeworfenen Verfehlungen
(mehrfache Widerhandlung gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz durch zu
Unrecht erwirkte Versicherungsleistungen und durch nicht wahrheitsgemässes
Ausfüllen von Formularen) nicht mit dem massgebenden Beweisgrad nachgewiesen
seien (act. G 3.1). Schon aufgrund des im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren
geltenden - im Vergleich zum Strafverfahren geringeren - Beweismasses der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist die Aufhebungsverfügung vom 20. Mai 2008 für
das vorliegende Beschwerdeverfahren nicht bindend. Hinzu kommt, dass im
Strafverfahren der Fokus auf die Frage ausgerichtet blieb, ob die Beschwerdeführerin
entgeltlich Arbeit geleistet und nicht gemeldet hat, was sich nicht erhärten liess.
4.
Die Beschwerdeführerin erachtet die von der Beschwerdegegnerin verhängte Sanktion
für unzulässig. Zur Begründung führt sie an, sie habe lediglich am 15. und 16. Oktober
2007 ausnahmsweise unentgeltlich im elterlichen Restaurantbetrieb ausgeholfen, da
ihre Mutter den Vater zu einer medizinischen Untersuchung habe begleiten müssen.
Ansonsten habe sie nie im elterlichen Restaurantbetrieb gearbeitet (act. G 19).
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4.1 Vorab ist anzumerken, dass diese Darstellung mit derjenigen in der ergänzenden
Einsprachebegründung vom 23. Januar 2008 (Datum Posteingang) kontrastiert. Denn
darin gab der damalige Vertreter der Beschwerdeführerin noch an, dass diese im
Umfang von 60 Stunden im Rahmen einer reinen Familienunterstützung gearbeitet
habe und dies mehrheitlich am Wochenende erfolgt sei (act. G 15.28). Unter diesen
Umständen und mit Blick darauf, dass der 15. und 16. Oktober 2007 auf einen Montag
bzw. Dienstag gefallen sind, bestehen Zweifel an der im Beschwerdeverfahren
gemachten Äusserung, die Beschwerdeführerin habe mit Ausnahme der am 15. und
16. Oktober 2007 erbrachten Leistung nie für den elterlichen Restaurantbetrieb
gearbeitet. Diese werden dadurch verstärkt, dass die Beschwerdeführerin am
26. Oktober 2007 das Telefon des Restaurantbetriebs bedient zu haben scheint (act.
G 15.31) und sie in den Formularen "Bescheinigung über Zwischenverdienst" für Juli,
September und Oktober 2007 angab, an weiteren Tagen Arbeit geleistet zu haben (act.
G 15.32 ff.). Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 14. Januar 2008 bestritt die
Beschwerdeführerin denn auch nicht, Dienstleistungen im Restaurantbetrieb erbracht
zu haben ("Es kam aber sicher vor, dass ich mal einem Gast ein Getränk oder ein
Essen serviert habe."; act. G 32.4). Damit decken sich die anlässlich der Einvernahme
vom 6. März 2008 gemachten Aussagen des Treuhänders des Restaurantbetriebs,
worin dieser ausführte, dass die Beschwerdeführerin ab und zu im Restaurant aushelfe
und dies schon immer getan habe. Es sei schliesslich ein Familienbetrieb, wo man in
der Not einander aushelfe (act. G 32.8). Vor diesem Hintergrund ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht bloss am
15. und 16. Oktober 2007, sondern auch an anderen Tagen der Monate Juli,
September und Oktober 2007 Leistungen für den Restaurantbetrieb erbracht hat, wie
sie denn auch ihren Niederschlag in den Zwischenverdienstbescheinigungen (act.
G 15.32 ff.) fanden. Die davon abweichenden später gemachten Aussagen der
Beschwerdeführerin und ihrer Schwester vom 25. April 2008 (act. G 32.13 f.) sind mit
den früher gemachten Angaben der Beschwerdeführerin nicht zu vereinbaren und
erscheinen als Schutzbehauptungen, zumal sie auch nicht mit den genannten
Ausführungen des früheren Rechtsvertreters und des Treuhänders zu vereinbaren sind.
4.2 Die Beschwerdeführerin hat in den Formularen "Angaben der versicherten Person"
der Monate Juli, September und Oktober 2007 die Frage, ob sie in den genannten
Monaten für einen oder mehrere Arbeitgeber gearbeitet habe, verneint (act. G 15.32 ff.).
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Mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit steht fest, dass die
Beschwerdeführerin während der Monate Juli, September und Oktober 2007 im
elterlichen Restaurantbetrieb im Umfang von etwa 60 Stunden - wenn auch nach dem
Beweisergebnis im Strafverfahren unentgeltlich - gearbeitet hat (vgl. vorstehende
E. 4.1). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin hätte sie den Einsatz ihrer
Arbeitskraft der Arbeitslosenkasse melden müssen. Bei ihrer gegenteiligen
Argumentation verkennt sie, dass der Zweck der Auskunfts- und Meldepflicht darin
besteht, der Gefahr missbräuchlicher Inanspruchnahme von
Arbeitslosenentschädigung vorzubeugen (ARV 1993/1994 Nr. 3 S. 22). Die
Arbeitslosenkasse muss beurteilen können, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang
einer versicherten Person Anspruch auf Leistungen zusteht. So hat das damalige EVG
etwa entschieden, dass auch ein allfälliger Nebenverdienst, der nicht versichert ist und
bei der Berechnung des Zwischenverdienstes unberücksichtigt bleibt, zu melden ist, da
die diesbezügliche rechtliche Qualifikation der Verwaltung obliegt (nicht veröffentlichtes
Urteil des EVG vom 19. Mai 2008, C 49/87, zitiert in Urteil des EVG vom 14. April 2005,
C 90/02, E. 3.3). Die Meldepflicht für den Einsatz der eigenen Arbeitskraft besteht
gemäss deren Zweck selbst dann, wenn die versicherte Person freiwillig, aus reiner
Gefälligkeit oder anderen Motiven, unentgeltlich Arbeit leistet, zumal auch hier die
Verwaltung beurteilen können muss, welche Auswirkungen ein unentgeltlicher Einsatz
auf die Leistungen der Arbeitslosenversicherung hat (vgl. Urteil des EVG vom 14. April
2005, C 90/02, E. 3.3).
4.3 Nach dem Gesagten hat die Beschwerdeführerin die ihr obliegende Meldepflicht
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit verletzt. Es bleibt damit zu
prüfen, ob die von der Kasse gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG verfügte Dauer der
Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 10 Tagen, die im mittleren Bereich des
leichten Verschuldens liegt (1 bis 15 Tage), angemessen ist. Angesichts dessen, dass
die Beschwerdeführerin die von der Beschwerdegegnerin verlangte Auskunft bezüglich
des Einsatzes ihrer Arbeitskraft für einen Zeitraum von mehreren Monaten und in
mehreren Formularen "Angaben der versicherten Person" falsch beantwortet hat,
besteht keine Veranlassung, die von der Beschwerdegegnerin verfügte - einem leichten
Verschulden entsprechende und als angemessen zu bezeichnende - 10-tägige
Einstelldauer zu reduzieren. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
5.
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5.1 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3
5.3.1 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Ob ein Obsiegen anzunehmen ist, beurteilt sich in einer materiellen
Betrachtungsweise, wobei auf die im Beschwerdeverfahren gestellten Anträge Bezug
zu nehmen ist (Ueli Kieser, Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG], in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band
XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel 2007, S. 279 Rz 133).
5.3.2 Vorliegend gilt es zu berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin nach
der Beschwerdeerhebung vom 26. Februar 2008 den damals angefochtenen - und aus
ihrer Sicht unrichtigen - Einspracheentscheid vom 25. Januar 2008 am 18. September
2008 wiedererwägungsweise aufhob und neu eine Einstellung für die Dauer von zehn
Tagen anordnete. Im Umfang der Reduktion der Einstelldauer ist die
Beschwerdeführerin bezüglich Parteikosten als obsiegende Partei zu betrachten.
Entsprechend hat sie Anspruch auf teilweisen Ersatz der Parteikosten. Dabei
rechtfertigt es sich, die Parteientschädigung entsprechend den bis zur
Wiedererwägung aufgelaufenen Anwaltskosten festzusetzen. Gemäss eingereichter
Honorarnote vom 6. Juli 2009 hat der Rechtsvertreter diesbezüglich gerundet sieben
Stunden aufgewandt (act. G 30). Beim geltend gemachten Stundenansatz von
Fr. 250.-- resultiert unter Berücksichtigung von Barauslagen und Mehrwertsteuer ein
Honorar von Fr. 1'958.30 ([Fr. 1'750.-- x 1.04] x 1.076). Dieses Honorar erscheint
angemessen. Somit hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung von Fr. 1'958.30 zu bezahlen.
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG