Decision ID: b669442c-7f3d-5e09-ad33-50a9d2dcc380
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 1959 geborene
X._
besuchte in
Y._
die Grund
schule und war in den Jahren 1975/1976 als auszubildender
Juwelenfasser
er
werbstätig, wobei er in der Folge kein Fähigkeitszeugnis erwarb. Ab 1977 war der Versicherte als selbständiger
Juwelenfasser
tätig (Urk. 6/4 S. 1 und 4). Wegen seit 2011 bestehender gesundheitlicher Probleme (Diabetes mellitus, Diskushernie, Spinalkanalverengung, entzündliche Erkrankung am Handgelenk) meldete er sich am
4.
Februar 2014 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/4 S. 4-6). Nach erfolgte
n Abklärungen und durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/18) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 2
4.
September 2014 die Abweisung des Leistungsbegehrens mit (
Urk.
6/20).
Im Zusammenhang mit der Diabetes-Erkrankung beantragte der Versicherte am
5.
Februar 2015 orthopädische Serienschuhe (
Urk.
6/22); das entsprechende Leistungsbegehren wurde mit Mitteilung vom 1
5.
Mai 2015 gutgeheissen (
Urk.
6/30).
Aufgrund einer Verschlechterung der gesundheitlichen Situation meldete sich der Versicherte am
1.
Februar 2017 erneut bei
der
IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/33 S. 6-8). Nach erfolgten Abklärungen stellte diese mit Vorbescheid vom
3.
Mai 2017 das Nichteintreten auf das neue Leistungsbegehren in Aussicht (
Urk.
6/42). Mit Schreiben vom 1
5.
Mai 2017 legitimierte sich Rechtsanwalt
D.
Chopard
, Zürich, als Vertreter des Versicherten (
Urk.
6/43). Mit Verfügung vom 1
5.
Juni 2017 hielt die IV-Stelle am getroffenen Vorbescheid fest (
Urk.
6/51). Am 3
0.
Juni 2017 wurde die Verfügung vom 1
5.
Juni 2017 wiedererwägungs
weise aufgehoben, nachdem ein Fristerstreckungsgesuch versehentlich unbeach
tet geblieben war (
Urk.
6/54). Mit Einwand vom 3
1.
Juli 2017 beantragte
der Vertreter des Versicherten, es sei auf das Leistungsbegehren einzutreten; weiter sei seinem Mandanten in seiner Person ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (
Urk.
6/55 S. 2). Mit Verfügung vom 2
9.
November 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung ab (
Urk.
6/59 =
Urk.
2).
Nach erneuter Prüfung der medizinischen Aktenlage sowie des Einwandes des Vertreters des Versicherten hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom
1.
Dezember 2017 am Nichteintreten auf das Leistungsb
egehren fest (
Urk.
7/61
).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
9.
November 2017 erhob der Vertreter des Ver
sicherten am 1
6.
Januar 2018 Beschwerde und beantragte, es sei dem Be
schwerdeführer
im
Vorbescheidverfahren
ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be
schwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2). Weiter sei dem Beschwerdeführer im vorliegen
den Verfahren die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ihm in der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (
Urk.
1 S. 3).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Februar 2018 beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), wovon der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
5.
Februar 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
7).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf unent
geltlichen Rechtsbeistand ein. Die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Besonderen ist auch Voraussetzung des Anspruchs auf unentgeltliche
Rechts
verbeiständung
im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren nach Art. 37 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG; Urteil des Bundesgerichts 9C_908/2012 vom 22. Februar 2013 E. 2.1-2).
Die hinsichtlich der im Rahmen von Art. 4
altBV
(vgl. Art. 29 Abs. 3 BV) zu den Voraussetzungen der unentgeltl
ichen
Verbeiständung
im
Einsprache
verfahren
ergangene Rechtsprechung (Bedürftigkeit der Partei, feh
lende Aus
sichtslosigkeit der Rechtsbegehren, sachliche Gebotenheit im konkreten Fall
)
bleibt weiterhin anwendbar (
BGE 132 V 200 E. 4.1
).
1.3
Ob die anwaltliche
Verbeiständung
notwendig oder doch geboten ist, beurteilt sich nach den konkreten objekti
ven und subjektiven Umständen. Praktisch ist im Ein
zelfall zu fragen, ob eine nicht bedürftige Partei unter sonst glei
chen Um
ständen
vernünftigerweise eine Rechts
anwältin oder einen Rechtsanwalt
bei
zie
hen würde, weil sie selber zu wenig rechtskun
dig ist und das Interesse am Prozessausgang den Aufwand rechtfertigt (BGE 103 V 46, 98 V 115; vgl. auch BGE 130 I 180 E. 2.2, 128 I 225 E. 2.5.2 mit Hinweisen).
Beim Erfordernis der Not
wendigkeit einer unentgeltlichen
Verbe
iständung
im Verwaltungsverfah
ren
ist
ein strenger Massstab
anzulegen, dies
namentlich mit Blick darauf, dass der Untersuchungsgrundsatz gilt, die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen also den rechtserheb
lichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und Gesetzesgebundenheit (BGE 136
V 376) zu
ermitteln haben (
Art.
43 ATSG)
.
Im Verwaltungsverfahren besteht nur in Ausnahmefällen ein Anspruch auf anwaltliche
Verbeiständung
; e
s müssen sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und eine
Interessen
wahrung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen (zur Publikation bestimmtes Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom
7.
Juli 2016 E. 7.1; BGE 132 V 200 E. 4.1 in
fine
). Zu
berücksichtigen sind die Um
stände des Einzelfalles, die Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschrif
ten sowie die Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Dabei fallen neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts auch in der Person des Betroffenen liegende Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden (
Urteil des Bundesgerichts 8C_557/2014 vom 1
8.
November 2014 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen
).
1.4
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechtsvor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begeh
ren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Mass
gebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE
133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
sich vorliegend keine schwierigen rechtlichen oder tatsächlichen Fragen gestellt
hätten, so dass keine Gründe bestehen würden, den strengen Massstab im Zu
sammenhang mit der Notwendigkeit der anwaltlichen
Verbeiständung
im vor
l
iegenden Neuanmeldeverfahren auf
zuweichen. Zudem sei das Leistungs
begehren aussichtslos (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass
aufgrund des unrichtigen und aktenwidrigen Standpunktes der Beschwerdegegnerin im Vorbescheid im Einzelnen habe aufgezeigt werden müssen, dass sich der Gesundheitszustand seit dem Vergleichszeitpunkt ver
schlechtert habe. Weiter treffe es nicht zu, dass der Standpunkt des Beschwerde
führers aussichtslos sei (
Urk.
1 S. 4 f.).
3.
3.1
Mit Vorbescheid vom
3.
Mai 2017 stellte die Beschwerdegegnerin das Nichtein
treten auf das Leistungsbegehren in Aussicht, da sie keine wesentliche Verände
rung in beruflicher oder medizinischer Hinsicht hätten feststellen können (
Urk.
6/42).
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsver
we
igerung immer wieder mit gleich
lautenden und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Ände
rung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sach
verhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachen
spektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstver
ständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte Anforderun
gen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrschein
lich
keit (BGE 126 V 353 E. 5b
) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vor
han
den
sein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigs
tens gewisse
Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Mög
lichkeit zu rech
nen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsän
derung, wenn angenom
men werden kann, der Anspruch auf eine Invaliden
rente (oder deren Erhöhung) sei
begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten
(
Urteil des Bundesgerichts
9C_523/2014
vom 19. November 2014 E. 2 mit wei
teren Hinweisen
).
3.2
In rechtlicher Hinsicht ist von einem Neuanmeldeverfahren auszugehen, wel
ches die Beschwerdegegnerin durch Nichteintreten erledigte. Dabei stellten sich keine
rechtlichen
Besonderheiten, wobei darauf hinzuweisen ist, dass die wie
dererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 1
5.
Juni 2017
erst durch das Fristerstreckungsgesuch des Vertreters des Beschwerdeführers nötig wurde (
Urk.
6/54).
In tatsächlicher Hinsicht galt es im vorliegenden Verfahren zu prüfen, ob ge
stützt auf die vorliegenden ärztlichen Berichte eine Veränderung des Gesund
heitszustandes glaubhaft dargetan ist. Entsprechend den Ausführungen des hiesigen Gerichts
im Urteil zum
Verfahren IV.2018.00072
ist dabei davon auszugehen, dass bereits aufgrund der vor dem Vorbescheid vorliegenden ärztli
chen Berichte
klare
Anhaltspunkte für eine Verschlechterung der gesundheitli
chen Situation gegeben waren. Auch dabei stellten sich keine besonders schwie
rigen Fragen
. Auch wenn dem Vertreter des Beschwerdeführers zuzustimmen ist, dass die Würdigung der medizinischen Akten im Rahmen des Vorbescheids als auch der Verfügung qualifiziert mangelhaft ist, kann daraus nicht auf eine Notwendigkeit der
anwaltschaftlichen
Vertretung geschlossen werden. Dies um
so
weniger als eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation nur glaub
haft gemacht werden muss. Anzumerken ist dabei, dass das Bundesgericht selbst bei
weniger klaren medizinischen Sachverhalten die Notwenigkeit einer
anwaltschaftlichen
Vertretung verneinte. So führte es etwa aus, dass
in einem Verwaltungsverfahren
bei der Beurteilung
gewisse
r
Schwachstellen ärztlicher Beurteilungen in der Regel medizinische Kenntnisse und juristischer Sachver
stand erforderlich
seien, worüber die
versicherten Personen gemeinhin nicht
verfügen würden. Trotzdem könne
allein
deswegen nicht von einer komplexen Fragestellung gesprochen werden, die eine anwaltliche Vertretung gebieten würde. Die gegenteilige Auffassung liefe darauf hinaus, dass der Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
in praktisch allen Verwaltungsverfahren bejaht werden müsste, in denen ein medizinisches Gutachten zur Diskussion steht, was der Konzeption von
Art.
37
Abs.
4 ATSG als ein
er Ausnahmeregelung widersprechen würde
. Es
bedürfe
mithin weiterer Umstände, welche die Sache als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche Vertretung als notwendig bzw. sachlich geboten erscheinen lassen
würden (Urteil 9C_878/2014 des Bundes
gerichts vom
6.
Juli 2015 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
Zusammenfassend kann somit weder den Akten noch den Ausführungen des Vertreters des Beschwerdeführers entnommen werden, inwiefern sich vorliegend im
Vorbescheidverfahren
besonders schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen gestellt hätten, so dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Verwaltungsverfahren mangels Notwendigkeit abzuweisen ist.
4.
4.1
Was das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung im vor
liegenden Verfahren betrifft ist anzumerken, dass die Gewinnaussichten bei Beachtung der einfachen rechtlichen und tatsächlichen Fragestellung sowie der dazu ergangenen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (strenger Massstab) be
trächtlich geringer sind als die Verlustgefahren. Auch den Ausführungen in der Beschwerde kann dabei zum Thema der Notwendigkeit der
anwaltschaftlichen
Vertretung kaum etwas entnommen werden, eine Auseinandersetzung
mit
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung fehlt dabei ganz.
Insgesamt kann die Be
schwerde
kaum als ernst
haft bezeichnet, so dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung im vorliegenden Verfahren infolge Aussichts
losigkeit abzuweisen ist.
4.2
Bezüglich des Gesuchs um
Bewilligung
der unentgeltlichen Prozessführung ist anzumerken, dass es vorliegend nicht um die Gewährung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, so dass das Verfahren nicht kostenpflichtig ist (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).