Decision ID: 4ec24a14-d913-408e-bf1c-e51236e454b7
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 30. März 2020 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum B._ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (act. G 3.1/A1). Am
14. September 2021 ersuchte er um Kostengutsprache für eine Fachausbildung zum
Dellentechniker im Umfang von Fr. 12'700.-- (act. G 3.1/A96). Er führte insbesondere
aus, dass er nicht mehr als Hilfsarbeiter mit wechselnden Engagements arbeiten wolle,
sondern gewillt sei, sich eine nachhaltige berufliche Basis zu schaffen. In seiner
früheren beruflichen Tätigkeit bei der C._ AG sei sein Interesse für den Beruf des
Dellentechnikers geweckt worden. Um sich als Dellentechniker selbständig machen zu
können, seien nur geringe Investitionen nötig und die Auftragslage sei vielversprechend
(act. G 3.1/A95).
A.a.
Mit Verfügung vom 15. September 2021 lehnte das RAV das Kursgesuch ab. Zur
Begründung führte es aus, die Grundausbildung und die allgemeine Förderung der
beruflichen Weiterbildung seien nicht Aufgabe der Arbeitslosenversicherung. Mit dem
beantragten Kurs werde die Vermittlungsfähigkeit im Sinne des Gesetzes nicht
wesentlich verbessert (act. G 3.1/A93).
A.b.
Am 20. September 2021 erhob der Versicherte gegen die Verfügung vom
15. September 2021 Einsprache. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung und die
Gutheissung des Kursgesuchs (Fachausbildung zum Dellentechniker). Er machte
geltend, dass der beabsichtigte Kursbesuch eine Nachholbildung darstelle, welche in
begründeten Fällen durchaus von der Arbeitslosenversicherung gefördert werden
könne. Es gebe keine Berufslehre zum Dellentechniker, aber ein Berufszertifikat. Auch
in Deutschland und Österreich würden Kurse resp. Fachausbildungen analog zu jener
A.c.
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B.
in seinem Gesuch angeboten, welche mit einem Zertifikat abschliessen würden. Zudem
würden Dellentechniker immer selbständig im Rahmen von Auftragsverhältnissen
arbeiten, weshalb das Argument, der Kurs müsse die Vermittlungsfähigkeit im Sinne
einer Anstellung erhöhen, hinfällig werde. Im Rahmen der Fachausbildung gebe es
genügend Zeit, die zur Ausübung einer selbständigen Erwerbstätigkeit notwendigen
Kenntnisse zu erarbeiten. Er traue sich zu, als Einzelunternehmer selbständig
erwerbend zu sein. Mit der Fachausbildung sowie einem danach beabsichtigten
Berufspraktikum erreiche er sein Ziel der nachhaltigen beruflichen Integration
(act. G 3.1/A98).
Mit Entscheid vom 22. September 2021 wies das RAV die Einsprache ab. Es
führte im Wesentlichen aus, dass es sich bei der vom Versicherten beantragten
Ausbildung nicht um eine Nachholbildung im Sinne einer beruflichen Grundausbildung
(Lehre) handle, welche von der Arbeitslosenversicherung mittels
Ausbildungszuschüssen unterstützt werden könne. Bei der früheren Anstellung bei der
C._ AG handle es sich zwar um einen branchenähnlichen Bereich, ein direkter
Zusammenhang zur auszuführenden Tätigkeit als Dellentechniker könne jedoch nicht
hergestellt werden. Ausserdem sei der Anbieter des beantragten Kurses nicht im
Verzeichnis des schweizerischen Carrosserieverbandes registriert. Schliesslich sei es
zwar möglich, dass die beantragte Weiterbildung für das berufliche Fortkommen des
Versicherten vorteilhaft sein könne. Die Arbeitslosenversicherung richte jedoch nur für
unbedingt notwendige, nicht aber für bestmögliche Massnahmen finanzielle
Unterstützung aus. Bei der beantragten Ausbildung handle es sich um eine
Fachausbildung, welche in eine zukünftig geplante Selbständigkeit führen würde. Da es
nicht Aufgabe der Arbeitslosenversicherung sei, die Versicherten für die berufliche
Selbständigkeit zu qualifizieren, würden die Ausbildungskosten nicht übernommen
(act. G 3.1/A104).
A.d.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
28. Oktober 2021. Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) beantragt die Auf
hebung des Einspracheentscheids vom 22. September 2021 und die Gutheissung
seines Kursgesuchs (Fachausbildung zum Dellentechniker). Er macht geltend, dass die
B.a.
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Fachausbildung zum Dellentechniker eine Erweiterung seiner während der
sechsjährigen Anstellung bei der C._ AG erworbenen Fähigkeiten sei und ihm die
Ausübung des Berufs Dellentechnikers erlaube. Mit der Unterstützung seines Umfelds
und dem beantragten Kurs bringe er die Voraussetzungen mit, um erfolgreich
selbständig zu werden. Im Carrosserieverband seien Unternehmen Mitglieder, welche
über einen Carrosserie-Spenglerbetrieb verfügen und teilweise auch Lehrlinge
ausbilden würden. So werde die Qualität sichergestellt. Der Anbieter des beantragten
Kurses habe als selbständiger Dellentechniker keinen Nutzen von einer Mitgliedschaft,
könne jedoch nachweisen, dass er bereits über 25 Jahre in diesem Bereich tätig sei.
Auch seine Personalberaterin unterstütze seinen Ausbildungswunsch und seinen Weg
in die Selbständigkeit, der zu einer nachhaltigen beruflichen Etablierung im
Arbeitsmarkt führe. Schliesslich moniert der Beschwerdeführer, dass der
Einspracheentscheid erst am 11. Oktober 2021 versandt worden sei, obwohl er bereits
auf den 22. September 2021 datiert sei (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 24. November 2021 beantragt das Amt für Wirtschaft
und Arbeit als Vertreter des RAV (nachfolgend: Beschwerdegegner) die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führt es aus, dass aus Sicht der
Arbeitslosenversicherung der Weg der Erstausbildung zur Verhinderung von
wiederkehrender Arbeitslosigkeit weiterzuverfolgen sei. Es stehe dem
Beschwerdeführer frei, das Ziel der Selbständigkeit nebenbei weiterzuverfolgen. Sofern
ein konkretes und nachhaltiges Konzept vorgelegt werde, könne hierfür grundsätzlich
eine Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit geprüft werden. Da für den Weg in
die Selbständigkeit die Ausbildung zum Dellentechniker unabdingbar sei, könne auch
ein solches Gesuch mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht gutgeheissen werden. Es sei
deshalb der eingeschlagene Weg in der Unterstützung bei der Nachholung einer
Grundausbildung weiter zu verfolgen. Diese verbessere die Vermittlungsfähigkeit
massgeblich. Der Beschwerdeführer habe bereits im Vorfeld mit grosser
Wahrscheinlichkeit damit rechnen müssen, dass sein Gesuch um Zustimmung zu
einem Kurs abgelehnt werden würde, nachdem ihm dies von seiner Personalberaterin
bereits mit E-Mail vom 7. Juli 2021 mitgeteilt worden sei (act. G 3).
B.b.
Der Beschwerdeführer hält mit Replik vom 13. Dezember 2021 an seiner
Beschwerde fest. Er bringt vor, dass es für den von ihm angestrebten Beruf als
B.c.
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Erwägungen
1.
Dellentechniker keine Berufslehre gebe, sondern nur die von ihm beantragte
Ausbildung. Er wolle keine Grundausbildung als Automechaniker oder
Carrosseriespengler machen. Nach der von ihm beantragten vierwöchigen Ausbildung
und einem anschliessenden Berufspraktikum könne er sich nachhaltig im Arbeitsmarkt
etablieren. Ausserdem habe sich das E-Mail vom 7. Juli 2021, in welchem auf den
wahrscheinlich abschlägigen Entscheid bezüglich des Gesuchs hingewiesen werde,
nicht auf das Kursgesuch, sondern auf ein damals gestelltes Gesuch bezüglich einer
individuellen Berufsberatung bezogen. Seine Personalberaterin habe ihn hingegen auf
dem Weg zum Dellentechniker immer bestärkt und lediglich darauf hingewiesen, dass
die Ausbildung etwas teuer wäre (act. G 5).
Der Beschwerdegegner verzichtete stillschweigend auf eine Duplik (vgl. act. G 7).B.d.
Der vorliegende Einspracheentscheid, welcher auf den 22. September 2021 datiert
ist, ist mit Beschwerde an das Versicherungsgericht anfechtbar (Art. 42 Abs. 1 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, [VRP; sGS 951.1] in Verbindung mit Art. 56
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]). Die Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung des
Einspracheentscheids einzureichen (vgl. Art. 60 und Art. 38 Abs. 1 und 3 ATSG). Sie
muss spätestens am letzten Tag der Frist dem Versicherungsgericht eingereicht oder
zu dessen Handen der Schweizerischen Post übergeben werden (vgl. Art. 39 Abs. 1
ATSG). Vorliegend wurde der Einspracheentscheid vom 22. September 2021 unstreitig
erst am 11. Oktober 2021 der Post übergeben (vgl. act. G1, S. 5 f. und act. G1.2; vgl.
hierzu auch die Ende September/Anfang Oktober 2021 getroffene Abklärung des
Beschwerdegegners beim Carrosserieverband [act. G3.1/A105], welche im
Einspracheentscheid erwähnt wird). Somit ist mit dem Beschwerdeführer davon
auszugehen, dass der Einspracheentscheid falsch datiert ist. Er ist dem
Beschwerdeführer frühestens am 12. Oktober 2021 zugegangen. Die 30-tägige
Beschwerdefrist wurde mit der Einreichung der Beschwerde am 28. Oktober 2021
somit ohne Weiteres gewahrt. Folglich wurde die Beschwerde rechtzeitig erhoben und
erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen. Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
1.1.
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2.
Die Arbeitslosenversicherung erbringt finanzielle Leistungen für arbeitsmarktliche
Massnahmen zu Gunsten von versicherten Personen und von Personen, die von der
Arbeitslosigkeit bedroht sind (Art. 59 Abs. 1 Bundesgesetz über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Mit den
arbeitsmarktlichen Massnahmen soll die Eingliederung von Versicherten, die aus
Gründen des Arbeitsmarkts erschwert vermittelbar sind, gefördert werden. Sie sollen
insbesondere die Vermittlungsfähigkeit der versicherten Personen verbessern, die
beruflichen Qualifikationen entsprechend den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts fördern,
die Gefahr von Langzeitarbeitslosigkeit vermindern oder die Möglichkeit bieten,
Berufserfahrungen zu sammeln (Art. 59 Abs. 2 AVIG). Gemäss Art. 59 Abs. 3 AVIG
müssen für die Teilnahme an arbeitsmarktlichen Massnahmen nach den Art. 60–71d
AVIG die Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 8, sofern nichts anderes bestimmt ist
(lit. a), und die spezifischen Voraussetzungen für die betreffende Massnahme (lit. b)
erfüllt sein.
2.1.
Grundvoraussetzung für den Anspruch auf Teilnahme an individuellen
arbeitsmarktlichen Massnahmen ist die arbeitsmarktliche Indikation. Leistungen sind
nur zuzusprechen, wenn die (inländische) Arbeitsmarktlage dies unmittelbar gebietet.
Die Anspruchsvoraussetzung der arbeitsmarktlichen Indikation besteht aus einer
objektiven und einer subjektiven Komponente. Das objektive Element bezieht sich auf
den aktuellen Bedarf des Arbeitsmarktes nach Arbeitskräften. Die subjektive
Komponente betrifft die Anpassungsbedürftigkeit der versicherten Person an diese
Nachfrage. Die Frage, ob die arbeitsmarktliche Indikation im Einzelfall gegeben ist,
beurteilt sich aufgrund sämtlicher im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung massgebenden
Umstände. Insbesondere ist mit Hilfe amtlicher und privater Statistiken die Situation auf
dem konkreten, für die versicherte Person in Frage kommenden Arbeitsmarkt
abzuklären (Urteil des Bundesgerichts vom 16. April 2018, 8C_67/2018, E. 4.1 mit
Hinweisen). Dass ein beantragter Kurs die Chancen der versicherten Person innerhalb
ihres bisherigen Tätigkeitsgebiets erhöht und zudem das Bewerbungsfeld erweitert, ist
für sich alleine nicht entscheidend, da praktisch jede berufliche Massnahme wegen der
dadurch vermittelten zusätzlichen Kenntnisse Vorteile auf dem Arbeitsmarkt bringt.
Ausschlaggebend ist vielmehr, ob der Arbeitsmarkt für Personen mit den
Qualifikationen der versicherten Person grundsätzlich Stellen bereithält und ob sie aus
persönlichen Gründen im Wettbewerb um diese Stelle benachteiligt ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Juni 2016, 8C_222/2016, E. 4 mit Hinweisen). Daraus folgt,
dass unter dem Begriff der Vermittlungsfähigkeit im Sinne von Art. 59 Abs. 2 lit. a AVIG
2.2.
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3.
die objektive arbeitsmarktabhängige Vermittelbarkeit zu verstehen ist. Die in Frage
stehende Massnahme muss spezifisch dafür bestimmt, geeignet und notwendig sein,
die Vermittelbarkeit im konkreten Fall erheblich zu fördern (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Rz 667 f. mit
Hinweisen).
Nach Gesetz und Rechtsprechung sind die Grundausbildung und die allgemeine
Förderung der beruflichen Weiterbildung nicht Sache der Arbeitslosenversicherung.
Deren Aufgabe ist es lediglich, in gewissen Fällen durch konkrete Eingliederungs- und
Weiterbildungsmassnahmen die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dabei muss es sich um
Vorkehren handeln, die es der versicherten Person erlauben, sich dem industriellen und
technischen Fortschritt anzupassen, oder die sie in die Lage versetzen, ihre bereits
vorhandene berufliche Fähigkeit ausserhalb der angestammten engen bisherigen
Erwerbstätigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu verwerten. Die Grenze zwischen
Grundausbildung und allgemeiner beruflicher Weiterbildung einerseits sowie
Umschulung und Weiterbildung im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinn
anderseits ist fliessend. Da ein und dieselbe Vorkehr beiderlei Merkmale aufweisen
kann und namentlich praktisch jede Massnahme der allgemeinen Berufsbildung und
der Vermittlungsfähigkeit der versicherten Person auf dem Arbeitsmarkt zugutekommt,
ist entscheidend, welche Aspekte im konkreten Fall unter Würdigung aller Umstände
überwiegen (BGE 111 V 271 f. E. 2b/2c mit Hinweisen).
2.3.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art.
43 sowie Art. 61 lit. c ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige
und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Die
Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine
Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt
sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr
jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mit
Hinweisen).
2.4.
Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Kostenübernahme für den Kurs "Fachausbildung zum Dellentechniker" hat.
3.1.
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Der Beschwerdeführer begründet sein Gesuch um Zustimmung zum beantragten
Kurs damit, dass er dadurch seine bisher nicht absolvierte Erstausbildung nachholen
könne. Der Kurs habe insbesondere die folgenden Vorteile: Es handle sich um eine
anerkannte, fundierte und umfassende Fachausbildung, zudem bestünden die
Möglichkeit eines anschliessenden Berufspraktikums sowie die Aussicht auf Ablösung
der Arbeitslosigkeit innerhalb eines halben Jahres. Ausserdem stelle der Kurs einen
Weg in die berufliche Selbständigkeit dar, welcher finanziell umsetzbar sei (act. G 3.1/
A95). Er plane, sich nach der absolvierten Fachausbildung zum Dellentechniker und
einem anschliessenden Berufspraktikum in einem Carrosseriebetrieb als
Einzelunternehmer selbständig zu machen. So könne er sich langfristig im Arbeitsmarkt
etablieren (act. G 1). Aus Sicht des Beschwerdegegners verbessert dies die
Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers als Arbeitnehmer nicht massgeblich. Der
Beschwerdeführer solle statt des beantragten Kurses mit Unterstützung der
Arbeitslosenversicherung eine Erstausbildung nachholen, welche im Jahr 2022 starten
könne. Bis dahin werde ihm ein Einsatzprogramm zum Sammeln von weiterer
Berufserfahrung ermöglicht (act. G 3). Der Beschwerdeführer gibt an, kein Interesse an
einer Lehre als Automechaniker oder Carrosseriespengler zu haben, die weder seinen
Fähigkeiten noch seinem Berufswunsch entsprächen (act. G 5).
3.2.
Gemäss seinem Lebenslauf absolvierte der Beschwerdeführer die obligatorische
Schulzeit und das 10. Schuljahr. Nach der Schulzeit war er zunächst von Februar 200_
bis Oktober 200_ über ein Temporärbüro als Möbelbauer, Allrounder sowie in der
Metallbearbeitung tätig. Von Juni 200_ bis September 200_ arbeitete er bei der D._
GmbH (Betreiberin von Z._-Tankstellen), wobei die Kassenbewirtschaftung, das
Bestellwesen sowie die Waschanlage/Pflege zu seinen Aufgaben gehörten. Von
September 200_ bis September 20_ arbeitete er bei E._. Anschliessend war er von
Oktober 201_ bis Mai 201_ bei der C._ AG angestellt. Seine letzte Stelle war von
Juni 201_ bis März 202_ bei der F._ GmbH (act. G 3.1/A4). Der Beschwerdeführer
war somit bereits in verschiedenen Bereichen tätig, schloss jedoch keine
Berufsausbildung ab. Die fehlende berufliche Erstausbildung wirkt sich erschwerend
auf die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers aus. So sind Personen, welche
keine über die obligatorische Schulzeit hinausgehende Ausbildung absolvieren, am
häufigsten von Erwerbslosigkeit betroffen (vgl. hierzu Arbeitsmarktstatus nach
Bildungsstand des Bundesamts für Statistik (BFS), <http://www.bfs.admin.ch/bfs/de/
home/ statistiken/bildung-wissenschaft/bildungsindikatoren/indicators/
arbeitsmarktstatus.html>, abgerufen am 2. August 2022). Die Vermittelbarkeit wurde
deshalb vom Personalberater als "mittel" eingeschätzt (vgl. Verlaufsprotokoll
Erstgespräch vom 17. April 2020; act. G 3.1/A101). Ebenfalls bildet der Umstand, dass
3.3.
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er seit Ende März 2020 trotz andauernder Arbeitsbemühungen arbeitslos blieb, ein
Indiz dafür, dass es aktuell wenig Bedarf an Arbeitskräften mit dem Profil des
Beschwerdeführers gibt und bezüglich der fehlenden beruflichen Grundbildung eine
Anpassungsbedürftigkeit besteht. Zu klären bleibt, ob die Vermittelbarkeit des
Beschwerdeführers durch den vorliegend beantragten Kurs massgeblich erhöht wird.
Wie bereits ausgeführt, ist der Beschwerdeführer aufgrund der Tatsache, dass er
über keine abgeschlossene Erstausbildung verfügt, erschwert vermittlungsfähig (vgl.
E. 3.3). Beim vom Beschwerdeführer beantragtem Kurs "Fachausbildung zum
Dellentechniker" handelt es sich um einen vierwöchigen Kurs, welcher mit einem
Zertifikat abgeschlossen werden kann. Eine Berufslehre zum Dellentechniker gibt es
nicht. Damit stellt der Kurs – wie im Einspracheentscheid zu Recht ausgeführt – keine
Nachholbildung im Sinne einer eigentlichen beruflichen Grundbildung dar (vgl. hierzu
Art. 12 ff. Bundesgesetz über die Berufsbildung [BBG; SR 412.10]) und führt somit
nicht dazu, dass das die Vermittlung erschwerende Element ausgeglichen werden
könnte. Der Beschwerdegegner legt dem Beschwerdeführer daher einerseits in der
Beschwerdeantwort (vgl. Ziff. III.5; act. G 3) und andererseits in der E-Mail vom 7. Juli
2021 (Hinweis auf das Merkblatt Ausbildungszuschüsse und Potentialabklärung;
act. G 3.1/A61) zu Recht das Nachholen einer beruflichen Grundbildung nahe, um die
Vermittlungsfähigkeit zu verbessern. Aus objektiver Sicht ist nicht ohne Weiteres
ersichtlich, weshalb dieses Vorgehen nicht in seinem Interesse liegen soll. Seinen
Neigungen könnte insofern entsprochen werden, als dass etwa im Lehrberuf
"Carrosseriereparateur/in EFZ" die Fähigkeit vermittelt wird, Carrosserieteile mit
verschiedenen Arbeitstechniken durch Ausbeulen und Fügen zu reparieren (Art. 1 lit. c
Verordnung des SBFI über die berufliche Grundbildung für Carrosseriespengler/in mit
eidgenössischem Fähigkeitszeugnis [SR 412.101.222.34]). Eine entsprechende
Ausbildung könnte allenfalls mit Ausbildungszuschüssen unterstützt werden (vgl.
Art. 66a AVIG).
3.4.
Erschwerend hinzu kommt, dass der Anbieter des beantragten Kurses gemäss
unbestrittener Feststellung des Beschwerdegegners nicht Mitglied des
schweizerischen Carrosserieverbands ist, welcher im Übrigen auch einen eigenen Kurs
mit Abschluss "DEKRA Standard geprüfter Dellentechniker" anbieten würde (vgl.
<http://www. carrosserie-academy.ch/kurse/smart-repair-dellentechnik/
dellentechniker-1403/>, abgerufen am 2. August 2022). Wie der Beschwerdeführer
selbst ausführt, kontrolliert der Carrosserieverband die Qualität derjenigen Betriebe,
welche Angestellte beschäftigen oder Lehrlinge ausbilden. Die Qualität des beantragten
Kurses wird dagegen von keiner Seite unabhängig kontrolliert. Die alleinige Tatsache,
3.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/10
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