Decision ID: 3afb9032-da88-4e6d-8db7-3609267ba198
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
61
,
war
zuletzt
in einem Beschäftigungsprogramm der
Z._
tätig (
Urk.
9/40
)
,
als sie sich am 21
.
August
201
8
unter Hinweis auf
eine Depression,
eine
Angststörung, Asthma, Schlafparalysis und Persönlich
keitsveränderungen durch langanhaltende Belastungen
bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk.
9
/
2
3 Ziff. 6.
1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und
verneinte
n
ach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren (Urk.
9/47
; Urk.
9/48
, Urk.
9/51
)
mit Verfügung vom 1
6.
Juli 2020 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
1
.
September
20
20
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
6.
Juli 2020 (
Urk.
2)
und beantragte, die
se
sei aufzuheben und es sei
die Sache zur Durchführung von weiteren medizinischen Abklärungen, insbesondere einer psychiatrischen Begutachtung
,
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zudem sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
20
.
Oktober
20
20
(Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde. Dies w
urde der Beschwerdeführerin am
11
. November 20
20
zur Kenntnis gebracht (Urk.
10
)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass
gemäss den vorgenommenen Abklärungen bei der Beschwerdeführerin
gesundheitliche Einschränkungen vor
lägen
. Jedoch
begründeten
die Diagnosen aus Sicht der Invalidenversicherung
keine
höhergradige
und langandauernde gesundheitliche Einschränkung. Schlafmedizinisch werde das leichtgradige Schlafapnoesyndrom erfolgreich therapiert. Auch die festgestellte mittelgradige depressive Episode werde mit einer antidepressiven Therapie behandelt. Die Ausübung einer Erwerbstätigkeit sei der Beschwerdeführerin vollumfänglich möglich.
Der Ein
wand beruhe auf einer anderen Beurteilung desselben Sachverhaltes. Neue Unterlagen, welche andere Fakten oder Tatsachen vorwiesen, seien keine dar
gelegt worden.
Da eine Erwerbstätigkeit vollumfänglich möglich sei, sei
die Durchführung
einer Begutachtung nicht zielführend (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass die Stellungnahme des Arztes
des Regional
en
Ärztlichen Dienstes (RAD)
den Beurteilungen der behandelnden Fachärzte widerspreche. So sei nicht nach
vollziehbar, wie der RAD-Arzt zur Annahme gelange, die behandelnden Ärzte der
p
sychiatrischen
K
linik
A._
seien von einer vollen Arbeits
fähigkeit im ersten Arbeitsmarkt ausgegangen (S. 5 f.
Ziff.
6). Im Übrigen hätten die behandelnden Ärzte in ihrem Arztbericht vom 2
0.
September 2018 aus
geführt, dass sie aufgrund der gestellten Diagnosen seit März 2017 bis auf weite
res zu 100
%
arbeitsunfähig sei
. Auch im Verlaufsbericht vom 2
7.
März 2019
sei festgehalten worden, dass sie aufgrund der vorliegenden Diagnosen zu 100
%
arbeitsunfähig sei
(S. 6 f.
Ziff.
7).
Auf die RAD-Stellungnahme vom
2.
April 2020 könne nicht abgestellt werden, weshalb weitere Abklärungen, ins
besondere die Durchführung einer psychiatrischen Begutachtung
,
vorzunehmen seien (S. 7
Ziff.
8-9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung.
3.
3
.
1
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -
psy
-
chotherapie
, stellte in ihrem Bericht vom 2
0.
September 2018 (
Urk.
9/33) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F32.1), seit 2010 diagnostiziert
-
rezidivierende Panikstörung, oft in Zusammenhang mit Asthma (ICD-10 F41.0), seit 2010 diagnost
i
ziert
-
Differenzialdiagnose (DD): Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3), durch
A._
im Jahr 2018 festgehalten
-
Sc
hlafparalyse mit Inkubus-Phänomenen
,
bestehend seit dem 2
0.
Lebens
jahr, diagnostiziert durch Klinik
C._
im August 2018
-
atopische Dermatitis
-
Asthma bronchiale
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
B._
ein Asthma bronchiale,
mindestens bestehend seit 2009 (
Ziff.
2.6).
Dr.
B._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1
0.
Februar 2010 bei ihr in Behandlung und die letzte Kontrolle am 2
5.
September 2018 erfolgt sei (
Ziff.
1.1). Seit Mai 2018 sei es zu einer Wiederaufnahme der Behandlung alle ein bis zwei Wochen gekommen (
Ziff.
1.2). Seit der Rückkehr der Beschwerdeführerin im März 2017 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.3).
Derzeit übe
die Versicherte
Freiwilligenarbeit in der Gassenküc
he/Heilsarmee-Beschäftigung aus. S
ofern sie diese wahrnehmen könne, tue ihr das sehr gut und sie blühe auf. Im letzten halben Jahr sei sie vermutlich nie anwesend gewesen
(
Ziff.
3.1). Früher sei sie
gemäss mündlichen Informationen
im geschützten Rah
men der
Z._
ein
e sehr geschätzte Mitarbeiterin
leider mit wenig Konstanz
und vielen Absenzen gewesen. Wenn sie anwesend gewesen sei, sei sie anpackend und fröhlich gewesen (
Ziff.
3.2
). Sie sei eine im Kontakt sehr gewinnende Frau (
Ziff.
3.5). Die bisherige Tätigkeit sei im Umfang von etwa zwei Stunden zumutbar, wobei keine genauen Angaben
gemacht werden könnten
. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei
der Beschwerdeführerin
im Umfang von etwa zwei bis drei Stunden möglich (
Ziff.
4.2).
Dr.
B._
führte aus, dass sie eine Eingliederung aufgrund des Alters, der Dauer der Erkrankung und der geschei
terten Eingliederungsversuche für wenig erfolgsversprechend halte. Es bestünden eine mangelnde Konstanz, viele somatische Leiden, grosse Zukunftsängste und ein Asthma (
Ziff.
4.4).
Die Beschwerdeführerin leide
seit dem Jahr 2010 an wiederholt auftretenden Angstzuständen, Panikattacken und an rezidivierenden depress
iven Episoden mit
Suizidalkrisen
. Verschiedene psychosoziale Integrationsversuche inklusive die versuchte Rückkehr in die Heimat seien an den wiederholt auftretenden Krisen gescheitert. Zuletzt sei sie zweimal in der
A._
hospitalisiert gewesen. In den Jahren 2013 und 2014 sei sie durch
D._
im Altersbereich sowie in der Kinderkrippe und danach in der
Cafeteria
tätig gewesen (
Ziff.
2.1). Aktuell leide sie an Gedankeneinengung, an erhöhter Besorgt
heit, an Gedankenkreisen und
an G
rübeln. Sie sei zum Teil vorbeiredend, weit
schweifig, habe Albträume und nächtliche Ängste zu sterben, sowie optische und taktile Halluzinationen.
Weiter be
stünden
ein nächtliches Erwachen und ein sozialer Rückzug. Der Antrieb sei vermindert
,
und sie habe rezidivierende
suizi
dale Gedanken und Wünsche
sowie Zukunftsängste (
Ziff.
2.2).
Dr.
B._
führte aus, dass sich ein sehr wechselhaftes Zustandsbild zeige. Etwa jede zweite Sitzung sei ein Gespräch kaum möglich. Die Patientin sei unruhig, vorbeiredend,
logorrhoisch
, eingeengt, fordernd, motorisch unruhig, klagend, wahnhaft anmutend, dissoziativ und könne sich selbst kaum anfassen. Dann zeige sie wiederum kaum Symptome, sei freundlich, zugewandt, vergnügt und aufmerksam (
Ziff.
2.4).
Es werde keine Besserung der Arbeitsfähigkeit erwartet, da sich der Zustand der Beschwerdeführerin in den letzten 10 Jahren kontinuier
lich verschlechtert habe (
Ziff.
2.7). Es finde eine
supportive
Begleitung, eine Medikation und Krisenmanagement statt (
Ziff.
2.8)
.
3.2
Dr.
med.
E._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
F._
, Assistenz
ärztin,
A._
, stellten in ihrem Bericht vom
1.
Oktober 2018 (
Urk.
9/35) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1),
mindestens
bestehend seit Mai 2018
-
Schlafparalyse mit Incubus-Phänomen, gesicherte Diagnose seit Juli 2018 durch die Klinik
C._
-
leichtes obstruktives Schlafapnoesyndrom, Erstdiagnose Juli 2018, Klinik
C._
, unter CPAP Maske
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung, Persönlichkeitszüge vom emotional-instabilen Typ, mindestens bestehend seit Mai 2018
Als ihnen bekannte somatische Diagnosen nannten die Ärzte eine asymptoma
tische
Erythrozyturie
, Erstdiagnose
im
Juni 2018 in
domo
, somatis
ch abklärungs
bedürftig, eine ato
pische Dermatitis, Erstdiagnose Februar 2018 und eine
sonstige infektiöse
Bursitis
im rechten Kniegelenk
nach
einem Unfall
mit einer
Bursek
tomie
am 1
5.
Juli 2018 im Stadtspital
G._
sowie ein Asthma bronchiale (
Ziff.
2.5).
Die Ärzte führten aus, dass
während
de
s
Aufenthalt
es
vom 3
0.
Juli bis 1
4.
August 2018 sowie beim Austritt der Patientin eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit bestanden habe.
Es sei unklar, ob gegenwärtig ebenfalls eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, da die Beschwerdeführerin am 1
4.
August 2018 aus
getreten sei. Dies müsse durch die ambulante
Nachbehandlerin
beurteilt werden (
Ziff.
1.3 und
Ziff.
4.1). Es sollte im Verlauf beurteilt werden, inwieweit eine dem Leiden angepasste Tätigkeit zumutbar sei (
Ziff.
4.2).
Gemäss den Ang
aben durch ihren Sozialarbeiter
sowie
ihrer
eige
nen
Angaben, habe
die Beschwerdeführerin
bis sie 55-jährig gewesen sei, jeweils in Beschäftigungsprogrammen gearbeitet. Se
ither arbeite sie
, wenn möglich
stundenweise in der Freiwilligenarbeit (Brockenhaus;
Ziff.
3.2).
Die Ärzte führte
n
aus, sie interpretierten die Symptomatik sowie die Störungs
bilder der Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund eines äusserst komplexen Zusammenspiels der Lebensumstände, wie unter anderem
der
Kultur und
der
Spiritualität,
der
traumatische
n
Erfahrungen,
der
Erziehung,
der
Migration und
der
finanzielle
n
Sorgen sowie
der resultierenden
Verbitterung über ihr über
wiegend fremdbestimmtes Leben. Ebenso schienen somatische Faktoren wie das leichte Schlafapnoe-Syndrom Einfluss zu nehmen.
Im Verlauf der stationären Behandlung sei insgesamt eine Zustandsstabilisierung mit beinahe Vollremission der Symptomatik bei Abwesenheit von Suizidalität erfolgt.
Die beschriebenen Einschränkungen der Patientin zeigten durchaus, wenn diese nicht remittiert seien, Auswirkungen auf
die Leistungs- und Arbeits
fähigkeit
. In
domo
habe keine arbeitstherapeutische Abklärung stattgefunden, weswegen eine genaue Aussage hierzu nicht gemacht werden könne. Insgesamt erscheine bei der Beschwerdeführerin jedoch aus ärztlich-psychiatrischer Sicht
perspektivisch betrachtet - sofern eine regelmässige psychiatrisch-psycho
therapeutische Behandlung weiterhin gewährleistet werden könne - die Auf
nahme einer (wenn auch nur Teilprozenten) Arbeitsstelle oder Integrations
massnahme auf dem ersten Arbeitsmarkt durchaus realistisch (
Ziff.
2.
7
).
3.
3
H._
, Eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin,
und
Dr.
B._
stellten in ihrem Bericht vom 2
7.
März 2019 (
Urk.
9/36) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3), lebenslänglich bestehend, diagnostiziert im Juni 2018
-
rezidivierende Angst und depressive Störung, bestehend seit dem Jahr 2010
-
Schlafparalyse mit Müdigkeit
-
atopische Dermatitis, bestehend seit dem Jahr 2010
-
Asthma b
ronchiale, bestehend seit dem Jahr 2010
Die Fachpersonen führt
en
aus, dass sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
verschlechtert habe (
Ziff.
1.1
). Es zeige sich ein stark wechselndes Bild. Aktuell sei
sie
emotional
instabil, affektiv
labil und häufig am Weinen. Sie sei ängstlich, desorientiert und
verwahrlost
. Sie habe optische Halluzinationen und sei
vers
t
ärkt
eingeengt, klagend, hoffnungslos sowie an
gespannt und habe von Schlangen an der Wand berichtet (
Ziff.
1.3).
Die Beschwerdeführerin habe seit dem Jahr 2010 alle zwei Wochen einen Behandlungstermin. Die letzte Kontrolle sei am 1
8.
März 2019 erfolgt (
Ziff.
3.1).
Eine angepasste Tätigkeit könne in einer geschützten Werkstatt für maximal 50 Stunden im Monat ausgeübt werden (
Ziff.
2.1).
Im Erwerbsleben bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
2.2).
3.
4
Med. pract.
I._
, Leiter Schlafmedizin, Klinik
C._
, stellte in seinem Bericht vom
2
8.
Januar 2020
(
Urk.
9/45/1-3) folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.2):
-
isolierte Schlafparalyse mit Incubus-Phänomen bei
-
l
e
icht ausgeprägte
r
obstruktive
r
Schlafapnoe, kompensiert unter Behandlung mit
auto
CPAP
-Therapie (seit 2018
)
Med. pract.
I._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 2
5.
Juni 2018 einmal jährlich bei ihm in Behandlung sei. Die letzte Kontrolle sei am 1
8.
Juni 2019 erfolgt (
Ziff.
3.1). Aus schlafmedizinischer Sicht sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsfähig (
Ziff.
2.1). Die Belastbarkeit sei primär durch das Ausmass der depressiven Symptomatik bestimmt (
Ziff.
4.2).
3.
5
PD
Dr.
med. univ.
J._
, Facharzt für Neurologie, Zertifizierter Gutachter SIM, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom
2.
April 2020 (
Urk.
9/46/4-5) aus, dass schlafmedizinisch ein leichtgradiges obstruktives Schlafapnoesyndrom erfolgreich
habe therapiert werden können. Die mittelgradige depressive Episode stehe unter einer
niedriggradigen
antidepressiven Therapie
,
und die affektive Symptomatik werde als intermittierend auftretend mit weiterhin normalen Phasen beschrieben. An der
A._
sei keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert und von einer vollen Arbeitsfähigkeit auf de
m
ersten Arbeitsmarkt ausgegangen worden. Ein Gesundheitsschaden, der eine
höhergradige
und längerdauernde Arbeitsunfähigkeit bedinge, sei nicht nachvollziehbar ausgewiesen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich gestützt auf die Stellungnahme des RAD-Arztes
PD
Dr.
J._
vom
2.
April 2020
(vorstehend E. 3.
5
) auf den Standpunkt, dass kein die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (vorstehend E. 2.1).
Dagegen machte die Beschwerdeführerin geltend, dass auf die Einschätzung von
RAD-Arzt
PD
Dr.
J._
vom
2.
April 2020 nicht abgestellt werden könne (vorstehend E. 2.2).
4.2
Sowe
it RAD-
Arzt PD
Dr.
J._
in seiner Stellungnahme vom
2.
April 2020 (vor
stehend E. 3.5) ausführte, dass aus schlafmedizinischer Sicht
bei der Beschwerde
führerin
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere, kann ihm mi
t
Blick auf die die Ausführungen von
m
ed. pract.
I._
vom
2
8.
Januar 2020
(vor
stehend E. 3.4)
gefolgt werden.
Hingegen ist der Beschwerdeführerin beizupflichten, dass die
Stellungnahme von
RAD-Arzt PD
Dr.
J._
vom
2.
April 2020 (vorstehend E.
3.5)
, was die psychischen Beschwerden anbelangt,
ihrer gesundheitlichen Situation weder in fachärztlicher noch in inhaltlicher Hinsicht gerecht wird. So handelt es sich einerseits bei PD
Dr.
J._
nicht um einen Fach
arzt für Psychiatrie und Psyc
hotherapie, andererseits erweist
sich seine aus dem Bericht der Ärzte der
A._
vom
1.
Oktober 2018 (vorstehend E. 3.2) gezog
ene
Schlussfolgerung, wonach diese von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgegangen seien, als akten
widrig. So attestierten die Ärzte der
A._
der Beschwerdeführerin
nach zwei
wöch
igem stationärem Aufenthalt
vom 3
0.
Juli bis 1
4.
August 2018 für die Dauer des Aufenthaltes eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und verwiesen für die weitere Beurteilung auf die nachbehandelnden Ärzte.
Die Ärzte der
A._
hielten
fest, dass sie keine abschliessende Aussage zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin machen
könnten
. Es kam zwar während des Aufenthaltes
in der
A._
zu einer
Zustandsstabiliserung
,
jedoch
ist dies vor dem Hintergrund zu relativieren, dass
Dr.
B._
in ihrem Bericht vom 2
0.
S
e
ptember 2018 (vorstehend E. 3.
1
) sowie in ihrem mit der behandelnden Psychologin
H._
verfassten Bericht vom 2
7.
März 2019 (vorstehend E. 3.3)
von
ein
em
stark wechselnd
en
Beschwerdebild
sprach
.
Des Weiteren wurde
im Bericht vom 2
7.
März 2019 über eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin
berichtet und auch ausgeführt, dass
sie
sich
verwahrlost
gezeigt habe
und unter
anderem an
Halluzinationen leide
. Eine Tätigkeit
wurde
nur noch im g
eschützten Rahmen für möglich erachtet
. Weiter diagnostizierten
Dr.
B._
und die Psychologin
H._
neben der depressiven Störung auch noch das Vorliegen einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3).
Im Hinblick auf die lange Behandlungsdauer und
die auftragsrechtliche Vertrauensstellung von Dr.
B._
und der
behandelnden
Psychologin
H._
kann vorliegend auch nicht einfach auf ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin abgestellt werden, da bei behandelnden
Fachpersonen
bei der Würdigung ihrer Berichte eine gewisse Zurückhaltung angebracht
ist
(vgl. BGE
125 V 351 E. 3b/cc).
Der Hinweis darauf, dass einer Eingliederung unter anderem das Alter, viele somatische Leiden,
grosse
Zukunftsängste und Asthma
(
Urk.
9/33 S. 6) entgegenstü
nden und die Armut die Krankheit fördere (
Urk.
3/36 S. 3)
zeigt zudem, dass die behandelnden Fachpersonen Faktoren bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigten, die nicht auf den psychischen Gesundheitszustand zurückzuführen sind.
Bei dieser Ausgangslage erweist sich eine zuverlässige Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen auf ihre Arbeitsfähigkeit als nicht möglich.
4.
3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.
4
Aufgrund des Gesagten erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt, indem von Seiten der behandelnden Ärzte keine verläss
liche Beurteilung vorliegt und sich die Stellungnahme
des
RAD-
Arztes
als ungenügend erweis
t
. Es fehlt demnach vorliegend an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in psy
chi
scher
Hinsicht. Zur Beurteilung ihrer invalidenversicherungsrechtlichen An
sprüche bedarf es daher zusätzlicher medizinischer Grundlagen, welche sich zu den offenen Fragen unter Berücksichtigung der Anforderungen
gemäss
der bundesgerichtlichen Rechts
prechung (vgl. vorstehend E. 1.2-3
),
äussern
.
Die angefochtene Verfügung vom
16
. Juli 20
20
(Urk. 2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Entscheid über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Damit erweist sich das Gesuch de
r
Beschwerdeführer
in
um unentgeltliche Prozessführung
(
Urk.
1 S. 2)
bei diesem Verfahrensausgang als gegenstandslos.