Decision ID: 114f6dc9-5b13-499e-b402-9e2cb521dbfb
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959,
hat
te
letzt
mals
im Jahre 1991
(Urk.
7/9
Ziff.
2,
Urk.
7/88 S. 5,
Urk.
7/114 S. 15
)
beziehungsweise im Jahre 1992 (
Urk.
7/12) eine Erwerbstätigkeit als Bauhilfsarbeiter ausgeübt,
als
er
sich am
1
1.
April 1995
bei der Invali
denversi
cherung zum Leistungsbezug (
Berufs
beratung, Umschulung und Rente;
Urk.
7/1
Ziff.
6.8
)
anmeldete
. Die
So
zialver
si
cherungs
anstalt
des Kan
tons Zürich, IV
Stelle, h
olte bei behandelnden Ärzten des
Versi
cherten Berichte (
Urk
7/9 und
Urk.
7/21
)
ein
, zog einen Auszug aus
dem individuellen Konto
des
Versicherten (Urk.
7/10
) bei und liess
den Vers
i
cher
ten
polydisziplinär begutachten (Gu
tachten vom 1
0.
Juli 1997;
Urk.
7/28/3-18).
Nach Erlass des Vorbescheids (Urk.
7/32
)
sprach die IV-Stelle dem Versi
cherten mit Verfügung vom
6.
Januar 1998 (
Urk.
7/34)
mit Wirkung ab 1.
April 1995 bei einem Invaliditätsgrad von 57
%
eine halbe Rente (zuzüglich Zusatz- und Kinderrenten) zu
.
1.2
Im
September 199
9
leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein
Renten
revi
sions
ver
fahren
ein (Urk.
7/36
), holte
einen Arztbericht
(Urk.
7/37
) ein und teilte dem
Versicherten mit Mitteilung vom
2
3.
November 1999
(Urk.
7/39
) mit, dass
er
weiterhin Anspruch auf
eine Invalidenrente auf Grund des bisheri
gen
Invalidi
tätsgrades
habe.
Im
Rahmen eines im Februar 2003
von Amtes wegen ein
geleiteten
Rentenrevi
sionsverfahren
s
(
Urk.
7/44) holte die
IV-Stelle einen Arztbericht (Urk.
7/46) und einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
7/47)
ein
. Mit Mitteilung vom
9.
Januar 2004 (Urk. 7/49) teilte
sie
dem Versicherten mit, dass er unverändert Anspruch auf die bisher ausgerichtete Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 57
%
habe.
Am 2
4.
August 2004 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an und ersuchte diese um Ausrichtung einer ganzen Rente (Urk. 7/53), worauf die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
7.
Januar 2005 (Urk. 7/60) auf das Leistungsgesuch des Versicherten vom 2
4.
August 2004 nicht eintrat. Die vom Versicherten am 1
7.
Februar 2005 dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
7/66,
Urk.
7/69) wies die
die IV-Stelle mit
Einspracheentscheid
vom 1
3.
April 2005 (
Urk.
7/71) ab.
1.
3
Im Januar 2009 leitete die IV-Stelle erneut von Amtes wegen ein
Rentenrevi
sionsver
fahren
ein (
Urk.
7/75), holte einen Arztbericht (
Urk.
7/77) ein und liess den Versicherten
bidisziplinär
(rheumatologisch und psychiatrisch) begutachten (Gutachten vom 1
0.
und 2
2.
Juli 2010;
Urk.
7/86/1-41, Urk. 7/88/1-11,
Urk.
7/90). Mit Vorbescheid vom
2
8.
Januar 2011 (
Urk.
7/95) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Einstellung der bisher ausgerichteten halben Rente in Aussicht. Dagegen erhob der Versicherte am
4.
Februar 2011 (
Urk.
7/98), am 2
4.
März 2011 (
Urk.
7/103) und am
1
1.
Mai 2011 (
Urk.
7/110) Einwä
nd
e
und beantragte die
Zusprache
einer ganzen Rente und eventuell die Durchführung einer erneuten psychiatrischen Begutachtung. Gleichzeitig reichte der Versi
cher
te den Bericht eines psychiatrischen Facharztes ein (
Urk.
7/109). In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten erneut psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 3
0.
August 2011;
Urk.
7/114/1-25
,
Urk.
7/118
).
Zum Gutachten vom 3
0.
August 2011 nahm der Versicherte am 2
9.
März 2012 Stellung (Urk. 7/121). Mit Verfügung vom
4.
Juli 2012 (
Urk.
7/127 =
Urk.
2) stellte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 16
%
fest und hob die dem Versicherten bisher ausge
rich
tete halbe Rente
auf Ende des der Zustellung der Ver
fügung folgenden Monats auf.
2.
Gegen die Verfügung vom
4.
Juli 2012
(Urk. 2) erhob
der
Versicherte am
5.
September 2012
Beschwerde mit den Anträgen,
diese
sei aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab
1.
Januar 2009 eine ganze Rente zuzusprechen; eventu
ell sei ihm weiterhin eine halbe Rente auszurichten; subeventuell sei die Sache zur Durchführung einer neuropsychologischen Begutachtung und anschliessen
der erneuter Verfügung über seinen Rentenanspruch an die IV-Stelle zurück
zuweisen;
subsubenventuell
sei die Sache zur Durchführung von beruflichen Ein
glie
derungsmassnahmen und anschliessender erneuter Verfügung über seinen Rentenanspruch an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Mit
Beschwer
deantwort
vom
1
1.
Oktober 2012
(Urk.
6
) beantragte die IV
Stelle, die
Abweisung der Beschwerde. Eine Kopie dieser Eingabe wurde dem Be
schwerdeführer am 2
4.
Oktober 2012 (
Urk.
8) zugestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mensvergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 S. 132 f. und 133 V 108 E. 5.4 S. 114 mit Hinweis). Nach der
bundesgerichtli
chen
Rechtsprechung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f IVV) und die bisherige Invali
denrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den
Ver
gleichszeitpunkt
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010, je E. 2.2, mit Hinweisen).
1.6
Gemäss
Art.
88a
Abs.
2 IVV ist bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen oder bei einer Zunahme der Hilflosigkeit oder Erhöhung des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes
oder Hilfebedarfs die anspruchsbeeinflussende Änderung
zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat.
Art.
29
bis
IVV ist sinngemäss anwendbar.
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
4.
Juli 2012
(Urk. 2
S. 2
) davon aus, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh
rers gebessert habe, dass ihm die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als
Bau
hilfsarbeiter
weiterhin nicht zuzumuten, dass ihm indes seit dem 2
3.
Juni 2010 die Ausübung behinderungsangepasster, körperlich leichter bis mittelschwerer Tätigkeiten im Umfang eines vollzeitlichen Arbeitspensum
s
zuzumuten sei, weshalb ein Rentenanspruch nicht mehr ausgewiesen sei.
2.2
Der B
eschwerde
führer
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
, dass
sein
psychischer Gesund
heitszustand
so hohe Anforderungen an die Toleranz von potentiellen Mitarbeitenden und Vorgesetzten stelle, dass ihm die Ausübung einer behinderungsangepassten Tätigkeit wegen seiner unkontrollierten Gewalt- und Wutausbrüche nur unter der Annahme eines bei einem durchschnittlichen potentiellen Arbeitgeber nicht realistischen Entgegenkommens mit ständiger Betreuung und wohlwollender Unterstützung zuzumuten wäre. Da
es ihm auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht möglich sei, eine solche Arbeitsstelle zu finden, sei ein Anspruch auf eine ganze Rente ausgewiesen (
Urk.
1 S. 9).
3.
Nach Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung vom
6.
Januar 1998 (Urk. 7/34)
,
womit
dem
Beschwerdeführer mit Wirkung
ab 1. April 1995 eine halbe Rente
zu
ge
sprochen wurde,
klärte die
Beschwerdegegnerin den Sachver
halt anlässlich de
r
im
September 1999 (Urk. 7/36) und im Februar 2003 (
Urk.
7/44) von Amtes wegen eingeleiteten
Rentenrevi
sionsverfahren
in materi
eller Hinsicht neu ab
und stellte mit Mitteilungen vom 2
3.
November 1999 (Urk. 7/39)
und vom
9.
Januar 2004 (Urk. 7/49) je
einen
unveränderten
An
spruch
auf die
bisher aus
gerichtete
halbe Rente
fest
.
In zeitlicher Hinsicht ist daher die Entwick
lung des
anspruchsrelevanten Sachverhalts im
Vergleichszeit
raum
seit der Mitteilung vom
9.
Januar 2004 (Urk. 7/49)
bis zum Erlass der an
ge
foch
te
nen Verfügung vom
4.
Juli 2012
(Urk. 2) streitig.
4.
4.1
Bei Erlass der
ursprünglichen Rentenverfügung vom
6.
Januar 1998 (
Urk.
7/34) stützte sich die Beschwerdegegnerin zur Hauptsache auf das Gutachten der Ärzte der
Medas
Y._
vom 1
0.
Juli 1997
(
Urk.
7/28/3-18) und zusätz
lich
bei Erlass der Mitteilung vom 2
3.
November 1999 (Urk. 7/39)
auf den Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
7.
November 1999 (
Urk.
7/37)
sowie
bei Erlass der Mitteilung vom
9.
Januar 2004 (Urk. 7/49)
auf
den Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
5.
April 2003 (Urk. 7/46/3).
4.2
Die Ärzte der
Medas
Y._
stellten in ihrem Gutachten vom 1
0.
Juli 1997 (
Urk.
7/28/3-18) die folgenden Diagnosen (S. 14):
chronisches, tiefthorakales und lumbales
Schmerzsyndrom mit
Fehlhaltung mit leichter Skoliose, Brustkyphose und Lendenstreckung
Status nach Morbus Scheuermann der unteren Brustwirbelsäule
angedeuteter
Chondrose
L4/5 und L5/S1
Somatisierungsstörung
histrionisch
anmutende Persönlichkeitsstörung
Auf Grund der rheumatologischen Befunde sei dem Beschwerdeführer die Aus
übung der bisherigen Tätigkeit als Bauhilfsarbeiter sowie die Ausübung von an
deren körperlich schweren Tätigkeiten nicht mehr zuzumuten (S. 13). Während der psychiatrischen Untersuchung
habe der Beschwerdeführer wiederholt
auf
seine
körperlichen Beschwerden
hingewiesen. Er sei
überzeugt
gewesen,
dass er deswegen nicht mehr arbeiten könne
. Insgesamt hab
e
der Beschwerdeführer
einen
ziemlich
aggravatorischen
Eindruck hinterlassen.
Durch die psychische
Gesundheits
beeinträchtigung
werde der Beschwerdeführer im Umfang von 40
%
in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt
(S. 12)
.
Medizinisch-psychiatrische oder berufliche Massnahmen seien nicht angezeigt, da von solchen Massnahmen bei Personen mit den gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers erfahrungsgemäss kein Erfolg zu erwarten sei (S. 13).
Insgesamt sei dem Beschwerdeführer die Ausübung behinderungsangepasster, wechselbelastender körperlich leichter bis mittelschwerer Tätigkeiten im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
zuzumuten (S. 15).
4.3
Dr.
med.
Z._
, Spezialarzt FMH für Innere Medizin,
stellte
in seinem Bericht vom 1
7.
November 1999 (
Urk.
7/37/
1
-4
) einen stationären Gesundheits
zustand fest (
Urk.
7/37/1
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer leide seit dem Jahre 1990
unter zunehmenden, invalidisierenden
lumbospondylogenen
Rücken
schmerzen mit Ausstrahlung in beide Beine. Seit dem Jahre 1997 sei der Gesund
heitszustand stabil geblieben. Auf Grund des Umstandes, dass der Beschwer
deführer an einer Persönlichkeitsstörung mit Tendenz zur
Beschwer
de
fi
xierung
leide, sei es
eher unwahrscheinlich, dass
er
jemals wieder in den Arbeits
prozess eingegliedert werden könn
t
e
(
Urk.
7/37/4)
.
In seinem Bericht vom 1
5.
April 2003 (
Urk.
7/46/3) erwähnte
Dr.
Z._
, dass ihn der Beschwerdeführer letztmals im August 2001 konsultiert habe, weshalb er
dessen
Gesundheitszustand
gegenwärtig
nicht beurteilen könne.
5.
5.1
D
e
r Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom
4.
Juli 2012 (
Urk.
2)
wurde gestützt auf die fol
genden
medizinischen Unterlagen
beurteilt
.
5.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
8.
April 2009 (
Urk.
7/77/1-7) ein seit
dem Jahre
1992 bestehendes chronisches
thorakospondylogenes
Syndrom, persistierende
Thorax
schmerzen
nach beidseitigen Rippenserienfrakturen im Juli 2007 sowie eine abhängige Persönlichkeitsstörung (
Ziff.
1.1) u
nd erwähnte, dass sich das
thork
overtebrale
Syndrom seit einem Sturz
des Beschwerdeführers von einem
Balkon im Juli 2007 verschlechtert habe (Ziff. 1.4). Seit Juli 2007 bestehe noch eine Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten im Umfang von 50
%
(
Ziff.
1.7).
5.3
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Innere Medizin, speziell
Rheuma
er
krankungen
FMH, stellte in ihrem Gutachten vom 1
0.
Juli 2010 (Urk. 7/86/1-41) fest, dass die Folgen des Unfalls vom 1
1.
Juli 2007 (Sturz vom Balkon) ge
heilt seien (S. 40), dass der Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht durch die eingeschränkte Funktion der Wirbelsäule in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträch
tigt sei,
und
dass er seine bisherige Tätigkeit als Bauhilfsarbeiter nicht mehr ausüben könne, dass ihm indes die Ausübung behinderungsangepasster,
wech
selbelastender
, körperlich leichter bis mittelschwerer Tätigkeit im Umfang eines vollzeitlichen Arbeitspensums zuzumuten sei (S. 37).
5.4
Im psychiatrischen Gutachten mit interdisziplinärer Zusammenfassung vom 2
2.
Juli 2010 (
Urk.
7/88/1-11) stell
t
en
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
B._
die folgenden
psychiatri
sche
n
Diagnosen
, welche sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten (S. 5):
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
posttraumatische Sozialphobie
Der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
habe sich seit dem
Unfall vom
2007 gebessert (S. 5). Eine Akzentuierung
histrionischer
Persönlichkeitszüge sei gegenwärtig nicht mehr festzustellen. Die
Somatisierungstendenz
in Form einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung se
i weiterhin
unverändert
vorhan
den (S. 6). Die
im Jahre 1997 von den
Ärzten der
Medas
Y._
attes
tierte
Arbeitsunfähigkeit
von 40
%
könne
gegenwärtig
nicht
mehr
bestätigt werden,
da
die Kriterien
des Bundesgerichts
zur Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
bei einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung nicht erfüllt seien (S. 7).
Die Ausübung behinderungsangepasster, wechselbelastender, körperlich leichter bis mittelschwerer Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer im Umfang eines
voll
zeitlichen
Arbeitspensums zuzumuten (S. 8).
5.5
In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 1
3.
September 2010
zum
psychiatri
schen Gutachten mit interdisziplinärer Zusammenfassung vom 2
2.
Juli 2010 (
Urk.
7/90)
führte
Dr.
C._
aus, dass
beim Beschwerdeführer gegenwärtig
eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
gleichen Ausmasses bestehe, wie
sie
i
m Jahre 1997 durch die Ärzte der
Medas
Y._
festgestellt worden sei.
Da der Beschwerdeführer die Kriterien des Bundesgerichts zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung nicht erfülle, habe er dem Beschwerdeführer trotz der unverändert bestehenden anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung keine Arbeitsunfähigkeit attestieren können. Im Gegensatz zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien zum Zeitpunkt der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
durch die Ärzte der
Medas
Y._
im Jahre 1997 die heute gültigen Kriterien des Bundesgerichts zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung noch nicht bekannt gewesen, weshalb die Ärzte der
Medas
Y._
dem Be
schwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten.
Bei seiner
gegenwärti
gen
Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
handle es sich dah
er
im Vergleich zur Beurteilung
durch die
Ärzte der
Medas
Y._
um eine
abweichende
Beurteilung
eines
unverändert gebliebenen
medizinischen Sachverhalts.
5.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte in seinem Gutachten vom
3.
Mai 2011 (
Urk.
7/109/1-6) eine
Persönlich
keitsstörung
im Sinne einer emotional instabilen
Persönlichkeits
störung
vom impulsiven Typ,
einen Verdacht auf
eine
leichte
Intelligenz
minderung
und eine posttraumatische Belastungsstörung fest (S. 4).
Der Beschwerdeführer habe während seines ganzen bisherigen Lebens ein auffälliges Verhalten gezeigt. We
gen wiederholter, unkontrollierter impulsiver Handlungen sei am ehesten davon auszugehen, dass er an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ leide (S. 5).
Wegen der Persönlichkeitsstörung mit der Neigung
zu Wutausbrüchen und der Intelligenzminderung
bestehe im ersten Arbeits
markt eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Eine Restarbeitsfähigkeit bestehe nur noch für eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstatt (S. 6).
5.7
Die Ärzte der
E._
diagnostizierte
n
in ihrem Gutachten vom 3
0.
August 2011 (Urk.
7/114/1-25) eine leichte depressive Episode und eine instabile Persönlichkeitsstörung (S.
23). Eine
Somatisierungsstörung
bzw. eine anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
könnten sie nicht diagnostizieren, weil
es diesbezüglich an einer
dafür notwendige
n
rheumatologische
n
Untersuchung
fehle. Eine rheuma
tologische Untersuchung sei letztmals im Jahre 2010 durc
hgeführt worden und
e
ine psychiatrische Untersuchung könne eine rheumatologische Beurteilung der Schmerzen
mit
Dolorimetrie
nicht ersetzen.
Es sei indes davon auszugehen, dass eine
erneute psychiatrische Begutachtung nach erfolgter rheumatologischer Untersuchung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
höchst
wahrscheinlich keine Konsequenzen haben
werde
, da ja auch
Dr.
B._
und
Dr.
C._
davon ausgegangen seien, dass durch die von ihnen diagnostizierte anhaltende
soma
toforme
Schmerzstörung die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt werde
(S. 22). In
behinderungs
angepassten Tätigkeiten
ohne Schicht-, Nach
t
- und
Wochen
endarbeit
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 24).
5.8
In ihrer das Gutachten vom 3
0.
August 2011 ergänzenden Stellungnahme vom 1
6.
Dezember 2011 (
Urk.
7/118) führten die Ärzte der
E._
aus, dass dem Beschwerdeführer auf Grund seiner mangelnden Flexibilität die Ausübung von Tätigkeiten mit Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit nicht zu empfehlen sei. Aus diesem Grunde handle es sich bei der Tätigkeit als Gebäudereiniger, welche
auch
Schichtarbeit umfasse, nicht um eine zumutbare behinderungsangepasste Tätig
keit (S. 2).
6.
6.1
Bei Beurteilung der Akten
zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt bei Erlass
der Mitteilung vom
9.
Januar 2004 (Urk. 7/49) gilt es zu berücksichtigen, dass
Dr.
Z._
in seinem Bericht vom 1
7.
November 1999 (
vorstehende E. 4.3
) einen stat
ionären Gesundheitszustand feststellte
und zur Arbeitsfähigkeit keine sicheren Angaben machen konnte, und dass er seinem Bericht vom 1
5.
April 2003 (
vorstehende E. 4.3
) zum
damaligen
Gesundheits
zu
stand des Beschwerdeführers keine Angaben machen konnte. Den Be
urteilun
gen durch
Dr.
Z._
, sofern
überhaupt darauf abgestellt werden könnte
, las
sen sich
indes
keine Hinweise auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführes
seit Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung vom
6.
Januar 1998 (
Urk.
7/34)
entnehmen
, weshalb mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen, ist, dass sich der Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers in der Zeit
vom
Erlass der Verfügung vom
6.
Januar 1998 bis zum Erlass der Mitteilung vom
9.
Januar 2004 jedenfalls nicht verschlechtert hat.
6.2
Das
nachvollziehbare polydisziplinäre
Gutachten der Ärzte
der
Medas
Y._
vom
1
0.
Juli 1997 (
vorstehende E. 4.2
)
erfüllt sämtliche nach der Rechtspre
chung für eine beweiskräftige medizi
nische
Entscheidungs
grundlage
vor
aus
gesetzten Kriterien (vorstehende E.
1.7
), weshalb bei der Beurteilung des somatischen und psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt bei Erlass der Verfügung vom
6.
Januar 1998 beziehungsweise der Mitteilung vom
9.
Januar 2004 darauf abgestellt werden kann.
6.3
Die Beurteilung durch der Ärzte der
Medas
Y._
vermag auch inso
fern zu überzeugen, als sie davon ausgingen, dass der Beschwerdeführer durch die psychische Gesundheitsbeeinträchtigung im Sinne einer
Somatisierungss
t
ö
rung
und einer
histrionisch
anmutenden
Persönlichkeits
störung
im Umfang von 40
%
in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt werde. Denn
die Rechtsprechung, wonach eine
fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somato
forme
Schmerzstörung beziehungsweise eine
Somatisierungsstörung
als solche noch keine Invalidität
zu begründen vermag, und wonach
eine Vermutung
besteht
, dass die
somatoforme
Schmerzstörung
beziehungsweise die
Somatisie
rungsstörung
oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung über
windbar sind
(
nachstehende E.
7.2.1
), war zum Zeitpunkt des Verfassen
s
des Gutachtens vom 1
0.
Juli 1997 durch die Ärzte der
Medas
Y._
noch nicht
bekannt beziehungsweise
gefestigt. Von einer diesbezüglich gefestigten Rechtsprechung
könnte
frühesten bei Erlass de
s Urteils des Bundesgerichts K
11/99 vom
8.
November 1999 (veröffentlicht in: AHI 3/2000 S. 154 ff. und AHI 2/2001 S. 102; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 616/01 vom
3.
Oktober 2002 E. 3.2.3) beziehungsweise
bei Erlass
des Urteils des Bundesgerichts I 683/03 vom 1
2.
März 2004 (auszugsweise
publiziert
als
BGE 130 V 352)
ge
sprochen
werden.
6.4
Gestützt auf die nachvollziehbare Beurteilung durch die Ärzte der
Medas
Y._
vom 1
0.
Juli 1997 ist daher davon auszugehen, dass dem
Beschwer
deführer zum Zeitpunkt bei Erlass der Verfügung vom
6.
Januar 1998 beziehungsweise der Mitteilung vom
9.
Januar 2004
die Ausübung
behinde
rungsangepasster
, wechselbelastender körperlich leichter bis mittelschwerer Tätigkeiten im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
zuzumuten
war.
7.
7.1
Zum Gesundheitszustand bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom
4.
Juli 2012 (
Urk.
2) gilt es
zu beachten, dass das Gutachten von
Dr.
B._
vom 1
0.
Juli 2010 (
vorstehende E. 5.3
) und das psychiatrische Gutachten mit inter
disziplinärer Zusammenfassung von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
vom 2
2.
Juli 2010 (
vorstehende E. 5.4
) sowie dessen Ergänzung vom 1
3.
September 2010 (
vorstehende E. 5.5
) sämtliche der erwähnten Kriterien der Rechtspre
chung für eine beweiskräftige medizi
nische
Entschei
dungs
grundlage
erfüllt (vorstehende E.
1.7
). Denn einerseits verfügen
Dr.
B._
, welche Fachärztin für Innere Medizin
,
speziell Rheumaerkrankungen
,
ist, und
Dr.
C._
, welcher Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist, über die für die Beurteilung der geklag
ten Beschwerden angezeigten fachmedizinische
n
Spezialisierungen. Die Gut
ach
ter setzten sich sodann eingehend mit den me
dizini
schen
Vorakten
ausei
nander und begründeten ihre Schlussfol
gerungen in nachvollziehbarer Weise.
7.2
7.2.1
Der nachvollziehbaren Beurteilung durch Dr.
B._
und
Dr.
C._
ist auch insofern zu folgen, als sie davon ausging
en
, dass
der Beschwerdeführer durch
eine
weiterhin unverändert bestehende
Somatisierungstendenz
im Sinne einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung in seiner Arbeitsunfähigkeit nicht beeinträchtigt werde
. Denn eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerz
störung
oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwind
bar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzu
mutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progre
dienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beein
flussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto
eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willens
anstrengung
zu verneinen (BGE 130 V 352).
7.2.2
Nach der Rechtsprechung hat die rechtsanwendende Behörde bei einer an
hal
ten
den
somatoformen
Schmerzstörung zunächst die
aufgrund der medi
zini
schen Aktenlage zu beantwortende - Frage zu prüfen, ob und inwieweit bei der versicherten Person neben der diagnostizier
ten, allein nicht invalidisieren
den (BGE 130 V 352 E. 2.2.3) anhaltenden
soma
toformen
Schmerz
störung
zu
sätz
liche psychische Beeinträchtigungen im Sinne des
recht
sprechungsge
mässen
Kriterienkatalogs vorliegen, welche einer adäquaten
Schmerz
bewälti
gung
ob
jek
tiv entgegen
stehen. Die entsprechenden Fest
stellungen sind tatsäch
licher Natur.
Des
Weitern gilt es zu prüfen, ob eine allenfalls fest
gestellte psy
chische
Komorbidität
hinreichend erheblich ist und/oder ein
zelne oder mehrere der fest
gestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vor
liegen, um gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumut
barer
Willensan
strengung
überwindbare Schmerzstörung und somit auf eine inva
lidisierende
Gesund
heitsschädigung
zu gestatten. Diese Frage ist rechtlicher Art: Ihre abschliessende Beantwortung obliegt damit nicht den Ärztinnen und Ärz
ten, sondern den rechtsanwendenden Behörden (Urteile des Bundesgerichts 9C_820/2007 vom 2. September 2008 E. 4.1 mit Hinweisen und 9C_636/2007 vom 28. Juli 2008,
E. 3.3.1).
7.2.3
Vorliegend ist auf Grund der Akten keine eigenständige psychische
Komor
bidi
tät
von erheblicher Schwere, Dauer und Intensi
tät ausgewiesen. Um eine solche handelt
es sich jedenfalls nicht bei der
von
den Ärzten der
E._
festgestellten
leichten depres
siven Episode.
Denn dabei handelt es sich nicht um ein eigenständiges depressives Leiden im Sinne einer psychischen
Komorbidität
, sondern um reak
tive Begleiter
scheinungen der
Schmerzverarbei
tungsstörung
.
Praxisgemäss
gilt selbst eine leichte bezie
hungs
weise mittelschwere Depression als Begleiterschei
nung der
soma
to
formen
Schmerzstörung und nicht als selbststän
dige, von der
Schmerzverarbeitungs
störung
losgelöste psychische
Komorbidität
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_945/2009 vom 23. September 2010 E. 10.1 mit Hinwei
sen).
Um eine
eigen
stän
dige
, einer adäquaten
Schmerz
bewälti
gung
ob
jektiv entgegen
stehende
psychische
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Dauer und Intensi
tät
handelt es sich auch nicht bei der von den Ärzten der
E._
festgestellten i
nstabile
n
Persönlichkeitsstörung
(vorstehende E. 5.7)
beziehungsweise bei der von
Dr.
D._
festgestellten emotional instabilen
Persönlichkeits
störung
vom im
pul
siven Typ
(vorstehende E. 5.6)
. Denn die Ärzte der
E._
gingen
davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
behinderungsangepassten Tätigkeiten durch die Persönlichkeitsstörung nicht beeinträchtigt werde.
Sodann
vermag die Beurteilung durch
Dr.
D._
insofern nicht zu überzeugen, als er einerseits davon ausging, dass der Beschwerdeführer schon sein ganzes Leben an der Persönlichkeitsstörung gelitten habe und andererseits aus diesem Grunde dem Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestierte, und damit
den Umstand
nicht beachtete, dass der Beschwerdeführer vor Eintritt des
Ge
sundheitsschadens
im Jahre 1991 durch die schon
zu diesem Zeitpunkt
beste
hende Persönlichkeitsstörung nicht beeinträchtigt wurde.
Eine eigen
stän
dige psychische
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Dauer und Intensi
tät liegt somit nicht vor.
Auch die übrigen erwähnten (
vorstehende E.
7.2.1
) Kriterien, welche gemäss der Rechtsprechung einem adäquaten Um
gang mit den geklagten Schmerzen entgegenstehen können, insbesondere ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, sind vorliegend nicht hinrei
chend gehäuft und ausgeprägt erfüllt, um insge
samt den Schluss auf eine inva
lidisierende
Gesundheits
schädi
gung
zu gestatten.
7.2.4
Unter diesen Umständen vermag
die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch
Dr.
B._
und
Dr.
C._
,
wonach
der
Beschwerde
führer
aus
somatischen und
psychischen Gründen in der Ausübung
b
ehinderungsangepasster
, wechsel
belastender, körperlich leichter bis mittelschwerer Tätigkeit
in seiner
Ar
beits
fähigkeit nicht eingeschränkt sei, zu überzeugen, so dass darauf abgestellt wer
den kann.
7.2.5
Des Weiteren
erscheint
auch die das Gutachten vom 2
2.
Juli 2007
ergänzende Stellungnahme von
Dr.
C._
vom 1
3.
September 2010
als schlüssig
, sodass darauf abgestellt werden kann. Denn darin legte dieser in nachvollziehbarer Weise dar, dass der Beschwerdeführer gegenwärtig an einer anhaltenden
soma
toformen
Schmerzstörung gleichen Ausmasses wie im Jahre 1997 leide, und dass es sich daher bei der gegenwärtigen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Vergleich
zur Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
durch die Ärzte der
Medas
Y._
in deren Gutachten
vom 1
0.
Juli 1997 um eine abweichende Beurteilung eines
unverändert gebliebenen
medizinischen Sach
verhalts handle, wobei die Abweichung in der Beurteilung dadurch zu erklären sei, dass zum Zeitpunkt der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte der
Medas
Y._
die erwähnen Kriterien des Bundesgerichts zur Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit bei einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung noch nicht bekannt gewesen seien
beziehungsweise noch nicht gegolten hätten
.
7.3
Nicht zu überzeugen vermag demgegenüber die Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung d
urch
Dr.
D._
(vorstehende E. 5.6)
. Denn einerseits
fehlt
es dieser an einer
nachvollziehbaren Begründung für die darin postulierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
im ersten Arbeitsmarkt. Andererseits ist dessen Beurteilung, wie bereits erwähnt (vorstehende E.
7.2.3
), insofern nicht frei von Widersprüchen, als er
darin
einerseits davon ausging, dass der Beschwerdeführer schon sein ganzes Leben an einer Persönlichkeitsstörung gelitten habe und andererseits auf Grund dieser Persönlichkeitsstörung dem Beschwerdeführer eine vollständige Arbeits
un
fähigkeit attestierte. Mangels nachvollziehbarer Begründung kann auf die Beurteilung durch
Dr.
D._
vorliegend daher nicht abgestellt werden.
7.4
In Übereinstimmung mit der Beurteilung durch
Dr.
B._
und
Dr.
C._
gingen auch die Ärzte der
E._
(vorstehende E. 5.7)
davon aus, dass
dem Beschwerde
führer die Ausübung einer behinderungsangepassten Tätigkeit im Umfang eines vollzeitlichen Arbeitspensums zuzumuten sei. Demgegenüber nahmen sie zur Frage, ob und in welchem Umfang der Beschwerdeführer an einer
anhaltende
n
somatoforme
n
Schmerzstörung
leide, mangels aktueller rheumatologischer Un
tersuchungs
ergebnissen nicht Stellung,
sodass
aus diesem Grunde
auf ihrer Beurteilung nicht abgestellt werden kann.
8.
Nach Gesagten ist gestützt auf die nachvollziehbare Beurteilung durch
Dr.
B._
und
Dr.
C._
davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer zum Zeitpunkt bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom
4.
Juli 2012 die Ausübung einer behinderungsangepassten Tätigkeit im Umfang eines
vollzeitli
chen
Arbeits
pensums zuzumuten war
. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
im mas
sge
benden Vergleichszeitraum von
Januar 2004 bis Jul
i 2012 tatsächlich gebessert hätte
.
V
ielmehr
ist gemäss der medizinischen
Beurteilung
von einem stationären
und grundsätzlich unveränderten
Gesundheitszustand auszugehen. Denn
Dr.
B._
und
Dr.
C._
, welche in ihrem Gutachten
vom 22. Juli 2010
von einem unverändert gebliebenen Gesundheitszustand ausgingen, begründe
ten ihre im Vergleich zu derjenigen der
Ärzte der
Medas
Y._
vom 1
0.
Juni 1997
unveränderte Arbeitsfähigkeitsbeurteilung mit einer Änderung der Rechtsprechung des Bundesgericht
s
zur Arbeitsfähigkeit bei
somatoforme
n
Schmerzstörung
en
und
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder
n
ohne nachweisbare organische Grundlage
beziehungsweise zur Zumutbarkeit einer willentlichen Überwindung der Folgen dieser Störungen.
Eine im
revisionsrechtlichen Sinne
erhebliche Veränderung des Gesundheitszu
standes des Beschwerdeführers ist daher nicht erstellt.
Der Beschwerdegegnerin ist daher nicht zu folgen, wenn sie in der angefochtenen Verfügung vom
4.
Juli 2012 (
Urk.
2 S. 2) von
einer
Verbesserung des Gesundheitszustandes ausging.
Demzufolge sind die
Voraussetzungen für eine Revision der dem Beschwerde
führer bisher ausgerichteten halben Rente gemäss
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorlie
gend daher nicht erfüllt.
9.
9.1
Gemäss
lit
. a
Abs.
1 der Schlussbestimmung zur Änderung des IVG vom 1
8.
März 2011, gültig seit
1.
Januar 2012 (
SchlB
IVG)
,
werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach
Art.
7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen einer ordentlichen Rentenrevision nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind.
Dabei sollen Renten auch gekürzt oder aufgeho
ben werden, wenn sich der Invaliditätsgrad der versicherten Person nicht er
heblich geändert hat.
9.2
Im Gegensatz zur Rentenrevision gemäss
Art.
17
Abs.
1 ATSG, welche Bestim
mung eine wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, der erwerbli
chen Auswirkungen oder die Anwendung einer anderen Art der Bemessung der Invalidität voraussetzt (BGE 130 V 343 E. 3.5), findet
lit
. a
SchlB
IVG daher bereits dann Anwendung, wenn zum Zeitpunkt bei Erlass der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
syndro
male
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage vorgelegen haben. Ist diese Frage zu bejahen, ist innerhalb von drei Jahren nach Inkraft
treten des ersten
Massnahmepakets
der
6.
IV-Revision neu zu prüfen, ob die Voraussetzungen nach
Art.
7 ATSG zum Zeitpunkt der Überprüfung erfüllt sind.
9.3
Demgeg
enüber sieht
l
it
. a
Abs.
4
SchlB
IVG
vor, dass
Abs.
1 dieser Bestimmung
(vorstehend E. 9.1)
, keine Anwendung findet auf Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Änderung das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen.
Nach der Botschaft des Bundesrates werden mit einer solchen
Besitzstand
garantie
die Gesichtspunkte der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes berücksichtigt, weil eine Wiedereingliederung in diesen Fällen faktisch ausge
schlossen sein dürfte (
BBl
2010 1912).
9.
4
Nach der Rechtsprechung
(BGE 139 V 442 E. 5.1)
sieht
der Gesetzestext von
lit
.
a
Abs.
4
SchlB
IVG einen kategorischen Ausschluss derjenigen Personen
von der Überprüfung von Renten
im Sinne von
Abs.
1 dieser Bestimmung vor
,
die
über 15 Jahre Rentenleistungen bezogen oder das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt haben.
Aus diesem Umstand allein ist zu schliessen, dass allfällige
Wiederein
gliederungs
versuche
faktisch zwecklos sind. Weitere Anforderungen an die Eingliederungsunwirksamkeit, insbesondere ein vollständiges Fernbleiben vom Arbeitsmarkt über den gesamten Zeitraum, werden nicht gestellt. Als
einglie
derungsunwirksam
wird vom Gesetzgeber somit offenbar nicht nur der Versuch gewertet, jemanden nach 15 Jahren vollständigen Ausscheidens aus dem Ar
beitsprozess wieder einzugliedern, sondern auch
jener
, bei teilweiser Absenz das Pensum nach eben dieser Dauer wieder aufzustocken
.
10.
Mit der seit
1.
April 1995 (vgl.
Urk.
7/2) zugesprochenen halben Invalidenrente wird das Erfordernis des Bezugs einer Rente seit mehr als 15 Jahren erfüllt. Diese Rente kann demnach gestützt auf die Schlussbestimmungen nicht aufge
hoben werde
n
(BGE V 442 E. 4.3). Demzufolge hat der Beschwerdeführer weiter
hin Anspruch auf eine halbe Rente.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
11.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kan
tonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichti
gung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 20
0.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 8
00.-- fest
zusetzen
und a
usgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
12.
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Ausgangsgemäss hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Pro
zess
ent
schädi
gung
, welche
in Berücksichti
gung der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses mit Fr.
2
‘
4
00.-- (inklusive
Baraus
lagen
und Mehrwertsteuer) zu bemessen
ist.