Decision ID: 27157636-dd1b-5596-872a-6412f1cd2d62
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein irani-
scher Staatsangehöriger persischer Ethnie, im November oder Dezember
2016 sein Heimatland. Die Beschwerdeführerin und das gemeinsame
Kind, beide ebenfalls iranische Staatsangehörige persischer Ethnie, ver-
liessen am 21. Dezember 2016 ihr Heimatland. Am 15. Juni 2019 reisten
die Beschwerdeführenden gemeinsam in die Schweiz ein und stellten glei-
chentags ein Asylgesuch.
A.b Am 24. Juni 2019 fand die Personalienaufnahme (PA) beider Be-
schwerdeführenden im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region D._
statt.
A.c Am 10. Juli 2019 wurde der Beschwerdeführer zu den Asylgründen be-
fragt. Gleichentags verzichteten die Beschwerdeführenden mittels schriftli-
cher Erklärung auf die amtliche Rechtsverbeiständung. Die Anhörung zu
den Asylgründen der Beschwerdeführerin fand am 11. Juli 2019 statt.
A.d Mit Verfügung vom 18. Juli 2019 wurden die Beschwerdeführenden ins
erweiterte Verfahren aufgenommen und dem Kanton E._ zugewie-
sen.
A.e Eine ergänzende Anhörung in Rahmen des erweiterten Verfahrens
des Beschwerdeführers fand am 6. August 2019 statt. Die Beschwerdefüh-
rerin wurde am 8. Oktober 2019 ergänzend angehört.
B.
B.a Die Beschwerdeführerin erklärte, sie stamme aus F._ und sei
verheiratet. Als sie noch im Iran gelebt habe, sei sie Atheistin gewesen.
Ihre Familie sei nicht streng gläubig gewesen und sei über ihre Einstellung
zum Islam informiert gewesen. Es habe deshalb keine Probleme gegeben.
Hinsichtlich ihrer Fluchtgründe legte die Beschwerdeführerin im Wesentli-
chen dar, dass während eines Aufenthalts ihres Ehemannes (der Be-
schwerdeführer) zwecks einer geistlichen Weiterbildung in G._ drei
Personen zu ihr nach Hause gekommen seien und eine Hausdurchsu-
chung durchgeführt hätten. Dabei hätten sie einige Bücher und Artikel, wel-
che ihrem Mann gehört hätten, gefunden und beschlagnahmt. Nachdem
sie sich mehrmals nach dem Grund der Hausdurchsuchung habe erkundi-
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gen wollen, hätten die Personen gedroht, ihren Mann zu verhaften und da-
nach zu hängen. Nachdem die Beamten gegangen seien, habe sie ihren
Vater und den Schwiegervater um Hilfe gebeten. Diese hätten aufgrund
ihrer Schilderungen vermutet, der Ettelaat (iranisches Ministerium für
Nachrichtenwesen) suche den Beschwerdeführer, und in der Folge be-
schlossen, sie und ihren Sohn zu ihrem Ehemann nach G._ zu brin-
gen. Während der drei oder vier Tage, während welchen sie sich nach dem
Vorfall noch im Iran aufgehalten habe, sei nichts mehr vorgefallen. Sie
habe auch problemlos ausreisen können. In G._ habe sie sich mit
verschiedenen Religionen auseinandergesetzt und in H._ den Ent-
schluss gefasst, den christlichen Glauben anzunehmen. Obwohl sie offizi-
ell noch nicht konvertiert sei, habe sie vor, sich in der Schweiz taufen las-
sen.
B.b Der Beschwerdeführer legte dar, er stamme aus F._, wo er auf-
gewachsen und mit seiner Ehefrau sowie dem gemeinsamen Sohn bis zur
Ausreise aus dem Iran gelebt habe. Während elf Jahren habe er sich als
Freiwilliger beim roten Halbmond engagiert und bei Bedarf bei Katastro-
phen ausgeholfen. Im Rahmen seiner Berufstätigkeit als (...) sei er auf-
grund der Klientenbesuche häufig unterwegs gewesen. 2015 habe er wäh-
rend seiner Arbeit einen Pfarrer namens I._ kennengelernt, welcher
ihm vom christlichen Glauben erzählt habe. Daraufhin habe er sich einer
Gruppe von Gläubigen angeschlossen und sich mit ihnen ein- bis zweimal
wöchentlich in einer Hauskirche in J._ getroffen. Ungefähr zwei
oder drei Monate nachdem er den Pfarrer kennengelernt habe, sei er –
jedoch inoffiziell – konvertiert und habe angefangen zu missionieren, in-
dem er während seiner beruflichen Kundenbesuche mit Leuten über das
Christentum gesprochen und Artikel mit christlichen Inhalten verteilt habe.
Zudem habe er Werbung für Israel gemacht, sich selber als Zionist gese-
hen und den Islam als eine Religion des Teufels bezeichnet. Im November
oder Dezember 2016 (Monat Azar 1395) sei er für einige Tage nach
G._ gereist, wo er bereits zuvor einmal gewesen sei, um sich in
einer internationalen Kirche über den christlichen Glauben weiterzubilden.
Während dieses Auslandaufenthalts hätten unbekannte Personen, mut-
masslich Revolutionswächter, seine Wohnung durchsucht und dabei ver-
schiedene christliche Schriften, wie zwei Evangelien sowie einige Auszüge
aus den «satanischen Versen» von Salman Rushdie gefunden und diese
beschlagnahmt. Seine Ehefrau und sein Sohn seien anwesend gewesen
und man habe ihr gesagt, dass er (der Beschwerdeführer) wegen diesen
Taten verhaftet und danach hingerichtet werden würde. Nach diesem Vor-
fall hätten ihm sein Vater sowie auch sein Schwiegervater geraten, nicht
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mehr in den Iran zurückzukehren. Einige Tage später seien ihm seine Ehe-
frau und sein Sohn nach G._ gefolgt. Dort habe er sich weiterhin
mit dem christlichen Glauben beschäftigt, sei offiziell konvertiert und habe
angefangen, in den sozialen Medien, wie etwa Facebook und Instagram
aktiv zu werden sowie Beiträge mit religiösen Inhalten zu teilen. Nachdem
das Visum für G._ nicht mehr verlängert worden sei, hätten sich die
Beschwerdeführenden zuerst in H._ aufgehalten, um später in die
Schweiz einzureisen.
Den Akten liegen eine Kopie der Nationalitätenkarte des Beschwerdefüh-
rers, eine Kopie der Identitätskarte und der Geburtsurkunde der Beschwer-
deführerin sowie eine Taufurkunde des Beschwerdeführers der Internatio-
nal Church (...) (G._) bei.
Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführenden wird, soweit
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
C.
Mit Verfügung vom 14. Oktober 2019 – eröffnet am 18. Oktober 2019 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingsei-
genschaft nicht und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig wurde die
Wegweisung aus der Schweiz angeordnet und der Vollzug der Wegwei-
sung verfügt.
D.
Die Beschwerdeführenden fochten mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
18. November 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsge-
richt an und beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben, sie
seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewähren. Als
Eventualbegehren stellten sie den Antrag, es sei die vorläufige Aufnahme
anzuordnen. Sub-eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Abklä-
rung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuch-
ten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Ver-
zicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter beantragten sie die
Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbei-
stand.
Sodann wurde beantragt, die der Beschwerde beigelegten Beweismittel 3
bis 7 durch das Bundesverwaltungsgericht übersetzen zu lassen. Dabei
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handle es sich um Kopien eines Haftbefehls, dreier Vorladungen sowie ei-
nes Gerichtsurteils. Der Beschwerde wurde weiter eine aktuelle Fürsorge-
bestätigung beigelegt.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 20. November 2019 hiess die Instruktionsrich-
terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und erhob keinen Kostenvorschuss.
Rechtsanwalt Urs Ebnöther wurde antragsgemäss als amtlicher Rechts-
beistand beigeordnet. Gleichzeitig wurde das SEM eingeladen, eine Ver-
nehmlassung einzureichen.
F.
Die Vorinstanz nahm in ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2019
Stellung zu den neuen Beweismitteln.
G.
Mit Eingabe vom 13. Januar 2020 replizierten die Beschwerdeführenden
und legten folgende Beweismittel zu den Akten: eine Generalvollmacht an
den Vater des Beschwerdeführers vom 19. Mai 2010, eine Vollmacht vom
21. Oktober 2019, verschiedene Fotos und ein pfarramtliches Zeugnis vom
23. Dezember 2019.
H.
Mit Eingabe vom 20. Januar 2020 reichten die Beschwerdeführenden Be-
weismittel in Kopie sowie eine Kostennote ein und verwiesen darauf, dass
die Beweismittel im Original vom Schweizerischen Zoll zuhanden des SEM
sichergestellt worden und beizuziehen seien.
I.
Die sichergestellten Beweismittel wurden inklusive Übersetzungen mittels
des SEM zu den Akten genommen.
J.
Am 9. Juni 2021 wurde die Schweizerische Vertretung in J._ um
Abklärungen ersucht.
K.
Mit Abklärungsbericht vom 11. Juli 2021 teilte der Vertrauensanwalt der
Schweizerischen Vertretung in J._ mit, bei den eingereichten Ko-
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pien der Gerichtsdokumente handle es sich um offensichtliche Fälschun-
gen und es gebe keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer im
Iran gesucht werde.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Juli 2021 respektive 20. August 2021
wurde den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör zu der Botschafts-
abklärung gewährt.
M.
Die Beschwerdeführenden nahmen in ihrer Eingabe vom 20. September
2021 Stellung zu den Ergebnissen der Abklärungen der Schweizerischen
Botschaft in J._.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts Anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26, E.5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1
4.1.1 Die Vorinstanz begründete ihre ablehnende Verfügung im Wesentli-
chen damit, dass den Fluchtgründen des Beschwerdeführers, er sei wegen
seiner Konversion sowie der Verbreitung des Christentums von den irani-
schen Behörden verfolgt worden, nicht geglaubt werden könne. Des Wei-
teren sei die nach der Flucht ins Ausland erfolgte Konversion der Be-
schwerdeführerin nicht asylrelevant.
4.1.2 Der Beschwerdeführerin sei es nicht gelungen, glaubhaft darzulegen,
dass der Beschwerdeführer behördlich gesucht worden sei. In stereotyper
Weise habe sie auf die ihr gestellte offene Frage, weshalb sie ihr Heimat-
land Iran verlassen habe, erklärt, dass eine Gruppe von Männern gekom-
men sei und diese ihr Haus durchsucht hätten, als sich ihr Ehemann (der
Beschwerdeführer) in G._ aufgehalten habe. Auch auf Nachfrage
hin seien ihre Antworten zur Hausdurchsuchung detaillos geblieben. Eben-
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falls habe der Beschwerdeführer die Umstände, weshalb er gesucht wor-
den sei, nicht überzeugend erklären können. Seine diesbezüglichen Aus-
führungen hätten sich darauf beschränkt, dass die Behörden irgendwie er-
fahren haben mussten, dass er gepredigt, schlecht über den Islam gespro-
chen und sich dem Christentum zugewandt habe, weshalb er nun gesucht
werde. Auf die Frage, wie die iranischen Behörden davon erfahren hätten,
habe er lediglich dargelegt, dass mutmasslich ein Kunde, mit welchem er
während seiner Arbeit über Religion gesprochen habe, ihn verraten haben
müsse. Einen konkreten Verdacht, um welche Person es sich dabei handle,
habe er hingegen nicht angeben können. Weiter verbleibe es unklar, wes-
halb die Hausdurchsuchung gerade zum Zeitpunkt, als er in G._
gewesen sei, stattgefunden habe. Zudem würde die Tatsache, dass bei ihm
Auszüge aus den «satanischen Versen» von Salman Rushdie sowie die
Evangelien gefunden worden seien, nicht bereits auf eine Missionierung
hindeuten. Weiter habe er widersprüchliche Angaben zur Identität der Per-
sonen, welche sein Haus durchsucht hätten, gemacht. Einerseits habe er
erläutert, dass er nicht dabei gewesen sei und ihm seine Ehefrau erzählt
habe, von Personen in ziviler Kleidung bedroht worden zu sein und er mit
dem Tod durch Erhängen rechnen müsse. Anderseits habe er erklärt, dass
es sich bei den Leuten um «Wächter der islamischen Revolution» handeln
würde, wohingegen die Beschwerdeführerin angegeben habe, es habe
sich dabei um Personen des Ettelaat gehandelt. Es sei zudem nicht ver-
ständlich, weshalb sie selber nicht gewusst habe, um welche Leute es sich
handelte, jedoch ihr Vater respektive der Schwiegervater und deren
Freunde gewusst haben sollen, dass es Mitarbeitende des Ettelaat gewe-
sen seien, obwohl beide nicht anwesend gewesen seien und somit nicht
hätten wissen können, wer die Hausdurchsuchung durchgeführt habe.
Weiter habe sich der Beschwerdeführer widersprüchlich dazu geäussert,
wie er den Pfarrer kennengelernt habe.
4.1.3 Hinsichtlich der geltend gemachten Aktivitäten auf den sozialen Me-
dien sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht habe belegen kön-
nen, dass die iranischen Behörden auch tatsächlich Kenntnis von seinen
Beiträgen hätten. Seine diesbezüglichen Antworten seien nicht überzeu-
gend. Zudem wäre es auch bei Wahrunterstellung für die iranischen Be-
hörden nicht möglich, ihn zu identifizieren, zumal er mit anderem Namen
auf Facebook auftrete, weshalb es insgesamt nicht vorstellbar sei, dass ihn
die iranischen Behörden hätten als Konvertiten identifizieren können. So-
dann sei festzustellen, dass, wenn er tatsächlich von den iranischen Be-
hörden beobachtet worden wäre, nicht legal mit seinem eigenen Pass das
Land hätte verlassen können.
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4.1.4 Zudem gebe es keine konkreten Hinweise darauf, dass die Be-
schwerdeführerin im Heimatland als Konvertitin identifiziert worden sei. Die
Vermutung, der iranische Geheimdienst habe Gespräche mit ihren Fami-
lienangehörigen belauscht und ihr Ehemann sei mutmasslich als Konvertit
identifiziert worden, würde nicht genügen, um ein tatsächliches objektives
Verfolgungsinteresse an ihr auszulösen. Überdies seien keine Probleme
von ihren Familienangehörigen wegen des Glaubenswechsels zu erwar-
ten, zumal diese sich für das Christentum interessieren und Fragen stellen
würden. Auch sei zwischenzeitlich eine Schwester konvertiert.
4.2
4.2.1 Die Beschwerdeführenden führten aus, dass sich seit dem Ergehen
des negativen Asylentscheids neue Tatsachen ergeben hätten. Sie hätten
im Iran überprüfen lassen, ob ein Verfahren hängig oder ein Urteil gegen
sie ergangen sei. Die vom Vater des Beschwerdeführers beauftragte An-
wältin habe einem Angestellten des Gerichts Geld bezahlt, damit dieser
das gerichtsinterne System durchsuche. Dabei habe sich herausgesellt,
dass ein rechtskräftiges Urteil gegen den Beschwerdeführer vorliege. Den
entsprechenden Akten könne entnommen werden, dass bereits am 14. De-
zember 2016 (24. Azar 1395) ein Hausdurchsuchungs- respektive Haftbe-
fehl ergangen sei, weshalb es in der Folge zur von der Beschwerdeführerin
beschriebenen Hausdurchsuchung gekommen sei. Aus den weiteren Un-
terlagen sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer zwei Mal – ein ers-
tes Mal am 31. Dezember 2016 (11. Dey 1395) und ein weiteres Mal am
7. Januar 2017 (18. Dey 1396) – vorgeladen worden sei. Sodann liege eine
weitere Vorladung vom 4. Juli 2017 (13. Tir 1396) für eine den Beschwer-
deführer betreffende Gerichtsverhandlung vom 13. September 2017
(22. Schahriwar 1396) und das daraufhin ergangene Gerichtsurteil vom
13. September 2017 vor. Diese Dokumente würden ihre Verfolgung stüt-
zen.
4.2.2 Des Weiteren seien die Schilderungen der Beschwerdeführerin be-
treffend die Hausdurchsuchung durchaus glaubhaft. Sie habe die Männer
detailliert beschrieben und den Hergang geschildert. Ausserdem habe sie
sich im Moment des Ereignisses in einer ausserordentlichen Stresssitua-
tion befunden, was auch aus den eingeflochtenen Details ihrer Ausführun-
gen hervorgehe. So habe sie etwa ausgeführt, dass sich der Schock der
Hausdurchsuchung später auch körperlich bemerkbar gemacht habe, in-
dem sie ihren Sohn seit dem Vorfall nicht mehr habe stillen können. Zudem
habe sie die Hausdurchsuchung in der darauffolgenden, drei Monate spä-
ter angesetzten Anhörung übereinstimmend erzählt.
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Seite 10
4.2.3 Dem Vorhalt der mangelnden Glaubhaftigkeit, dass der Beschwerde-
führer weder die Gründe der Hausdurchsuchung, noch die behördliche Su-
che nach ihm habe darlegen können, könne nicht gefolgt werden. Einer-
seits sei er nicht anwesend gewesen und habe offen zugegeben, nicht
mehr zu wissen, weshalb er nicht detaillierter über den Vorfall habe spre-
chen können. Anderseits habe es zuvor keine Anzeichen dafür gegeben,
dass er verfolgt werde. Ausserdem sei es naheliegend, dass die iranischen
Behörden sein Tun bemerkt hätten, da er sich über ein Jahr in missionari-
scher und exponierter Weise im Iran betätigt habe und zahlreiche Perso-
nen seine religiöse Einstellung gekannt hätten. Dieser Gefahr sei er sich
bewusst gewesen und sei bei seinen Gesprächen mit den Kunden vorsich-
tig gewesen.
4.2.4 Die in der vorinstanzlichen Verfügung aufgeführten Widersprüche
seien minim und leicht aufzulösen. So sei zum Widerspruch der Identität
der Personen, welche die Hausdurchsuchung durchgeführt hätten, klarzu-
stellen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Vorfalls nicht ge-
wusst habe, wer diese Leute seien. Deshalb habe sie bei ihrem Vater sowie
ihren Schwiegervater um Rat gefragt. Da diese das iranische System bes-
ser kennen würden und über mehr Lebenserfahrung verfügten, seien sie
schliesslich zum Schluss gekommen, dass es sich um den Ettelaat handeln
müsse. Zudem gehe aus den Ausführungen beider Beschwerdeführenden
insgesamt hervor, dass es sich im Zusammenhang mit der Identität der
Personen, welche die Hausdurchsuchung durchgeführt hätten, um Mut-
massungen handeln würde. Auch die Ungereimtheit bezüglich dem Ken-
nenlernen des Pfarrers sei minim. Ausserdem habe der Beschwerdeführer
keine Möglichkeit erhalten, sich zu diesem Widerspruch zu äussern, womit
ihm das rechtliche Gehör verletzt worden sei. Zusammenfassend sei fest-
zuhalten, dass die Glaubensänderung der Beschwerdeführenden als sol-
che von der Vorinstanz nicht bezweifelt worden sei, die ihnen nicht ge-
glaubte Verfolgung sei hingegen durch die Eingabe der Gerichtsdoku-
mente nun nachweislich belegt. Ausserdem würden weitere Details der An-
hörungen darauf hinweisen, dass die Konversion des Beschwerdeführers
sowie seine missionarischen Aktivitäten den iranischen Behörden bekannt
sein müssten. Zudem habe er die Aufmerksamkeit durch die Aufenthalte in
G._ auf sich gelenkt. Es treffe zwar zu, dass die iranischen Behör-
den nicht über die atheistische Einstellung der Beschwerdeführerin infor-
miert gewesen seien, jedoch sei zwischenzeitlich auch die Schwester kon-
vertiert. Ausserdem seien zahlreiche Verwandte und Bekannte über ihre
Konversion informiert. Dies würde die Gefahr, entdeckt zu werden, erheb-
lich erhöhen.
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Seite 11
4.3 Sodann treffe es zwar zu, dass der Beschwerdeführer nicht mit seinem
vollen Namen auf Facebook auftrete, jedoch bedürfe es nicht besonderer
Kenntnisse und Zeit, sein Profil ausfindig zu machen, zumal lediglich sein
Vorname zu «K._» geändert worden sei. Obwohl er in seinem Ins-
tagram-Profil mit einem fiktiven Namen auftrete, habe er dort zahlreiche
Follower, was das Auffinden seines Profils auch für die iranischen Behör-
den sehr erleichtere. Zudem gehe aus den Beiträgen beider Profile sein
regelmässiges, religiöses Engagement hervor. Verschiedenen Berichten
zufolge würden die iranischen Behörden nicht davor zurückschrecken,
konvertierte Personen auch im Ausland aufzuspüren, wobei die Überwa-
chung bereits in der Kontrolle der sozialen Medien beginne. Gemäss einem
Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) exis-
tiere eine iranische «Cyber Unit», welche sämtliche regimekritischen
Äusserungen auf dem Internet aufspüren könne. Da insbesondere der Be-
schwerdeführer im Heimatland verfolgt worden sei und sich bereits expo-
niert habe, sei die Gefahr einer Überwachung im Ausland erheblich gestei-
gert. Zahlreichen Berichten sowie der Rechtsprechung zufolge sei die Men-
schenrechtslage im Iran im Allgemeinen und im Besonderen für Christen
und Christinnen äusserst schwierig. Schliesslich sei darauf hinzuweisen,
dass der Beschwerdeführer unter Anderem zu 74 Peitschenhieben verur-
teilt worden sei. Gemäss einem Urteil des EGMR sei eine gerichtlich ver-
hängte Strafe vom 70 Peitschenhieben als Folter im Sinne von Art. 3 Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) qualifiziert worden.
4.4 Des Weiteren sei der Beschwerdeführer seit seiner Ausreise aus dem
Iran in starkem Mass in den sozialen Medien aktiv und es müsse davon
ausgegangen werden, dass er deshalb von den iranischen Behörden über-
wacht werde. Bei einer Rückkehr würde eine reelle Gefahr einer persönli-
chen Notlage bestehen, da für beide Beschwerdeführenden der Glaube
zentral sei und der Ausübung eine hohe Bedeutung beigemessen werde,
jedoch im Heimatland nicht möglich sei. Sodann sei abschliessend auf das
Urteil des EGMR AA. c. Suisse hinzuweisen, wonach der Gerichtshof es
als wesentlich betrachtet habe, im Falle einer Rückführung die Glau-
bensausübung ex nunc und die Absichten im Falle einer Rückkehr einge-
hend zu prüfen. In diesem Zusammenhang sei insbesondere zu beachten,
dass die Beschwerdeführenden in der Schweiz regelmässig die Kirche be-
suchten sowie in regem Austausch mit dem Pfarrer ihrer Wohngemeinde
und deren Gläubigen seien. Schliesslich stelle die Missionierung einen fun-
damentalen Bestandteil ihres christlichen Glaubens dar.
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Seite 12
4.5 Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung zu den neu ein-
gereichten Beweismitteln und kam zum Schluss, dass sich der Inhalt der
Gerichtsdokumente zwar mit den Aussagen der Beschwerdeführenden de-
cke, die Dokumente jedoch Widersprüche aufweisen würden. Es sei sehr
unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer in den Besitz des Haft- res-
pektive des Durchsuchungsbefehls gelangt sein könne, da dieses Doku-
ment im Iran dem einzelnen Bürger üblicherweise nicht zugänglich ge-
macht würde und nur von Justizbeamten eingesehen werden könne, wobei
die beauftragte Person nicht in diese Kategorie falle. Bei den drei vorge-
legten Vorladungen fehle die Unterschrift des Gerichtsvollziehers, welcher
die Vorladungen hätte übergeben sollen. Selbst bei nicht erfolgter Zustel-
lung der Vorladungen, hätte der Gerichtsvollzieher, wie es üblich sei, seine
Unterschrift auf der Kopie der Vorladungen anbringen müssen. Zudem
werde ein Haftbefehl in der Regel erst nach einer Vorladung ausgestellt.
Auch die Schilderungen der Beschwerdeführerin zur Hausdurchsuchung
seien aufgrund offensichtlicher Widersprüche und unzureichend begründe-
ter Aussagen nicht plausibel gemacht worden. Daran würde ihre geltend
gemachte psychisch schlechte Verfassung aufgrund der Hausdurchsu-
chung nichts ändern.
4.6 Die Beschwerdeführenden nahmen Stellung zu den von der Vorinstanz
als nicht authentisch qualifizierten Gerichtsdokumenten. Hinsichtlich des
Durchsuchungsbefehls sei anzumerken, dass dieser zeitlich vor den drei
nachfolgenden Vorladungen ergangen sei. Es sei im Iran üblich, dass die
zuständige Behörde die Kompetenz erhalte, eine Person festzunehmen,
falls die erfolgte Hausdurchsuchung dazu einen Anlass biete. Weiter könn-
ten zwei neue Beweismittel (in Kopie) eingereicht werden, wobei es sich
beim ersteren um eine Generalvollmacht des Beschwerdeführers zuhan-
den seines Vaters vom 19. Mai 2010 (29. 2. 1389) handle und beim zweiten
um eine Vollmacht vom 21. Oktober 2019 (29.7.1398) der registrierten An-
wältin L._. Letztere habe alle Gerichtsdokumente notariell beglau-
bigen lassen, was sich aus den Stempeln auf den Dokumenten ergebe.
Dem Vorhalt, die drei Vorladungen müssten über eine Unterschrift des Ge-
richtsboten verfügen, ansonsten es sich dabei nicht um Originaldokumente
handeln könne, sei entgegenzusetzen, dass es fraglich sei, ob auch die
Vorladungen in den behördlichen Dossiers unterschrieben sein müssten.
Da es sich vorliegend um solche handle, dürfe davon ausgegangen wer-
den, dass sowohl Unterschrift, als auch Stempel fehlen würden. Dies
würde die Dokumente nicht zu gefälschten machen. Die Originale der bei-
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Seite 13
den Vollmachten seien noch nicht eingetroffen, würden aber bei Erhalt um-
gehend zu den Akten gereicht. Überdies sei darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerdeführerin gesundheitliche Probleme habe, ein entsprechender
Arztbericht werde bei Erhalt eingereicht.
4.7 Zu den Abklärungen der Botschaftsanfrage verwiesen die Beschwer-
deführenden eingangs auf den grundsätzlich eingeschränkten Beweiswert
von Botschaftsabklärungen, insbesondere derer aus dem Iran. Es lasse
sich nicht überprüfen, ob die für die Abklärungen beauftragte Person unab-
hängig und neutral sei, wenn deren Identität nicht bekannt gegeben werde.
Vorliegend werde mit den Standards des iranischen Justizsystems argu-
mentiert, obwohl das Bundesverwaltungsgericht in seinem Grundsatzurteil
BVGE 2009/28 das dortigen Justizsystem als grundsätzlich miserabel und
mangelhaft bezeichnet habe. Dass sich die Lage nicht verbessert habe,
gehe aus neueren Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts und verschie-
denen aktuellen Berichten hervor. Die Ergebnisse der Botschaftsanfrage
überzeugten insbesondere vor dem Hintergrund nicht, dass Abweichungen
der gängigen juristischen Terminologie und angeblich fehlerhafte Bezeich-
nung des Gerichts sowie das Fehlen eines Gesetzesartikels im Urteil als
Beweise für die Fälschung der betreffenden Dokumente herangezogen
worden seien. Zu der Anwältin, welche verbotenerweise die Gerichtsunter-
lagen beschafft habe, sei festzuhalten, dass diese nachvollziehbarerweise
aus Angst bestreite, den Beschwerdeführer anwaltschaftlich vertreten zu
haben. Zudem sei es seitens der Beschwerdeführenden unbestritten, dass
sie den Iran auf legale Weise verlassen hätten.
5.
5.1 In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden die
vorgebrachten Verfolgungshandlungen kurz nach der Ausreise des Be-
schwerdeführers nach G._ aufgrund dessen Hinwendung zum
Christentum glaubhaft darzulegen vermochten.
5.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
D-6093/2019
Seite 14
Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz
zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.3 Einleitend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass
die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte Konversion respek-
tive die Abwendung vom Islam und die Zuwendung zum Christentum nicht
grundsätzlich in Frage gestellt werden. Der Beschwerdeführer legte aus-
führlich dar, wie er sich für das Christentum zu interessieren begann. Seine
Überlegungen und Gründe für den neuen Glauben, überzeugen ebenso
wie sein vielfältiges diesbezügliches Wissen (vgl. SEM-Akte 42/25, F62-
66, F73, F74-76, F85-91). Zudem liess er sich am 9. Oktober 2018 wäh-
rend seines Aufenthalts in G._ taufen. Jedoch geht aus seinen
Schilderungen nicht explizit hervor, inwiefern er sich sein Wissen in dem
von ihm geschilderten Mass tatsächlich bereits im Heimatland aneignete.
Dasselbe trifft auch auf die Beschwerdeführerin zu, welche angab, sich
erstmals im Iran mit dem christlichen Glauben auseinandergesetzt zu ha-
ben. Aufgrund ihrer Ausführungen ist jedoch davon auszugehen, dass sich
beide Beschwerdeführenden erst im Ausland in intensiver Weise mit dem
Christentum beschäftigten. So sie erklärte, im Iran nur wenig mit ihrem
Ehemann (dem Beschwerdeführer) über Glaubensfragen gesprochen zu
haben. Er habe lediglich wenig Konkretes über den neuen Glauben erzählt,
und nur manchmal mit ihr und ihrer Familie über religiöse Fragen gespro-
chen (vgl. SEM-Akte 44/18 F102-106; SEM-Akte 60/13, F6-9).
5.4 Hingegen wirken die Schilderungen des Beschwerdeführers, unter wel-
chen Umständen er den Pfarrer kennengelernt haben soll, wenig schlüssig.
Angesichts der gebotenen Vorsicht hinsichtlich der Glaubenspraktizierung
D-6093/2019
Seite 15
des Christentums im Iran kann ihm nicht geglaubt werden, dass er anläss-
lich eines Kundenbesuchs in einem ihm fremden Haushalt eine christliche
und private Zusammenkunft mitgehört und beobachtet, und ihm der Haus-
besitzer im Anschluss bedenkenlos von Jesus erzählt haben soll. Obwohl
er erklärte, dass er ein gewisses Vertrauen unter seinen Klienten genoss,
weshalb der Pfarrer ihm bedenkenlos vertraut habe, zielen seine Erklärun-
gen hinsichtlich des Vertrauens lediglich auf seine Arbeitsleistung denn auf
seine Vertrauenswürdigkeit respektive Verschwiegenheit als Person hin.
Daran vermag auch nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer dem
Kunden über Bekannte oder Verwandte vorgestellt worden sei, zumal die
entsprechenden Ausführungen verwirrend und unklar geblieben sind (vgl.
SEM-Akte 42/25, F52-54, 60-61, SEM-Akte 56/15, F22-26). Der Vorhalt,
die Vorinstanz habe in diesem Zusammenhang das rechtliche Gehör ver-
letzt, ist zurückzuweisen, zumal Asylsuchende mit Unklarheiten in den ei-
genen Aussagen nicht zwingend konfrontiert werden müssen und sich dies
auch vorliegend nicht aufgedrängt hat.
5.5 Des Weiteren ergeben sich Zweifel an den Schilderungen des Be-
schwerdeführers hinsichtlich seiner geltend gemachten Missionierung im
Iran. Trotz mehrmaliger Nachfragen war er nicht in der Lage, konkrete Bei-
spiele hierfür anzugeben. Seine Erklärungen zur Missionierung erschöpf-
ten sich vorwiegend in Erklärungen über seine persönliche Glaubensan-
sicht. Ferner erstaunt die von ihm geschilderte Sorglosigkeit seiner Missi-
onierungsversuche. Seine Erklärung, er habe sich auf sein Gefühl und das
gegenseitige Vertrauen während seiner Kundenbesuche verlassen, über-
zeugt angesichts des erheblichen Risikos, verraten zu werden, in keiner
Weise. Ausserdem ist zu bezweifeln, dass er im Wissen darum, als Kon-
vertit im Iran Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt werden zu können, le-
diglich anhand des Aussehens eines Menschen die religiöse Einstellung
erkannt und als vertrauenswürdig für das christliche Gespräch beurteilt ha-
ben soll. Die fehlende Diskretion und das ledigliche Vertrauen in Gott er-
scheint angesichts der nicht ungefährlichen Situation der Missionierung
nicht nachvollziehbar (vgl. SEM-Akte 42/25, F106-118, F128; SEM-Akte
56/15, F22). Ebenso lässt sich aus seiner Erklärung, er rede sehr viel, nicht
bereits eine Missionierungstätigkeit begründen.
5.6 Ferner überzeugen die Schilderungen der Beschwerdeführerin nicht,
dass der Beschwerdeführer wegen seines christlichen Glaubens behörd-
lich gesucht worden sein soll. Ihren Ausführungen zum gesamtem Hergang
der Hausdurchsuchung fehlt es insgesamt an Substanz und Realkennzei-
chen. Sie beschrieb zwar die drei Herren, welche das Haus durchsucht
D-6093/2019
Seite 16
hätten und die von ihnen gefundene Tasche mit den christlichen respektive
antiislamischen Schriften, ohne jedoch die weiteren Umstände der Haus-
durchsuchung zu konkretisieren oder Details oder Nebensächliches anzu-
fügen (vgl. SEM-Akte 44/18, F20-21, F28-36; SEM-Akte 60/13, F12). Auch
die Ausführungen des Beschwerdeführers zu der von ihr erlebten Haus-
durchsuchung sind wenig hilfreich und verbleiben vage und ungenau. Im
Übrigen ist – um Wiederholungen zu vermeiden – auf die überzeugende
und ausführlich begründete Verfügung der Vorinstanz zu verweisen.
5.7 Der Bericht der Schweizer Botschaft in J._ bestätigt schliesslich
die Zweifel am Wahrheitsgehalt der behördlichen Suche nach dem Be-
schwerdeführer. Zufolge der Botschaftsabklärung vom 11. Juli 2021 han-
delt es sich bei den beglaubigten Kopien der drei Vorladungen, des Haft-
respektive Durchsuchungsbefehls sowie des Gerichtsurteils aufgrund ver-
schiedener inhaltlicher und formeller Mängel um Fälschungen. Den in der
Stellungnahme vom 20. September 2021 vorgebrachten Vorhalten zur Bot-
schaftsabklärung kann nicht gefolgt werden. Der Abklärungsbericht er-
scheint detailliert und nachvollziehbar. Das Gericht sieht auch keinen An-
lass, an der Neutralität oder Unbefangenheit des beauftragten Vertrauens-
anwalts zu zweifeln, zumal seine Analysen zu den Gerichtsdokumenten
überzeugend sind und sie sich mit den öffentlich zugänglichen Informatio-
nen über gefälschte iranische Gerichtsdokumente sowie deren Verbreitung
und Beschaffung decken. Die Abweichungen lassen sich angesichts ihres
Umfangs nicht – wie in der Stellungnahme vorgebracht – mit einem man-
gelhaften iranischen Justizsystem erklären. Auch hat das Gericht mehr-
mals bestätigt, dass Botschaftsabklärungen der Schweizer Botschaft in
J._ als zuverlässig und diskret gelten (vgl. etwa D-982/2021 vom
31. Mai 2021; E-6502/2019 E. 6.1.4 vom 19. März 2020 E. 6.5).
5.8 Nach dem Gesagten qualifiziert das Bundesverwaltungsgericht die
Hinwendung der Beschwerdeführenden zum Christentum als glaubhaft.
Hingegen halten die Schilderungen der Suche nach dem Beschwerdefüh-
rer in diesem Zusammenhang den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht
stand. Die geltend gemachte Verfolgung durch die iranischen Behörden
respektive die Verurteilung des Beschwerdeführers kann nicht geglaubt
werden.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, bei einer Rückkehr ins Heimat-
land aufgrund seiner Konversion, verbunden mit seinem regelmässigen
missionarischen Engagement in den sozialen Medien seit seiner Ausreise
D-6093/2019
Seite 17
aus dem Iran – insbesondere in der Schweiz – bei einer allfälligen Rück-
kehr ins Heimatland asylrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen
ausgesetzt zu sein. Die Missionierung stelle ein zentrales Element seiner
Glaubensausübung dar. Dieser könne er im Iran nicht ungefährdet nach-
gehen.
6.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54
AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuch-
lich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Das vom Gesetzgeber vor-
gesehene Konzept, wonach das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgrün-
den die Gewährung von Asyl ausschliesst, verbietet auch ein Addieren sol-
cher Gründe mit Fluchtgründen, welche vor der Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat entstanden sind und die für sich allein nicht zur Beja-
hung der Flüchtlingseigenschaft und zur Asylgewährung ausreichen (vgl.
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 ff.; EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a
S. 141 f., m.w.H.).
6.3 Die allgemeine Menschenrechtslage im Iran wird als grundsätzlich pre-
kär angesehen. Nicht-Muslime werden auf gesetzlicher und wirtschaftlicher
Ebene diskriminiert. Weiter besteht im Speziellen für christlich gläubige
Personen das Verbot der Missionstätigkeit, dessen Zuwiderhandlung
rechtlich verfolgt wird (vgl. BVGE 2009/28 E.7.3). Zudem ist bekannt, dass
die iranischen Behörden nicht vor der Überwachung ihrer Staatsbürgerin-
nen und Staatsbürger im Ausland zurückschrecken. Dies kann insbeson-
dere bei politisch aktiven Iranerinnen und Iranern relevant sein (vgl. dazu
Urteile des BVGer D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2 sowie E-5292/2014
und E-5296/2014 vom 25. Februar 2016 E. 7.4 m.w.H.). Es gibt auch Hin-
weise darauf, dass konvertierte Iranerinnen und Iraner im Ausland von ih-
rem Heimatstaat überwacht werden, wobei daraus nicht hervorgeht, ob
dies auch für die Schweiz gilt (vgl. Danish Immigration Service [DIS] /
Danish Refugee Council [DRC], Iran: House Churches and Converts, Feb-
ruar 2018; Al Jazeera, UK: Families opening doors to refugees, 18. Juli
2016).
Der EGMR ist der Auffassung, dass die allgemeine Menschenrechtslage
im Iran per se die Abschiebung eines iranischen Staatsangehörigen nicht
D-6093/2019
Seite 18
verhindert. Daher muss im Einzelfall beurteilt werden, ob die persönlichen
Umstände, insbesondere die Konversion vom Islam zum Christentum in
der Schweiz, mit einer tatsächlichen Verfolgungsgefahr durch die irani-
schen Behörden einhergeht (vgl. EGMR, A. vs. Switzerland, vom 19. De-
zember 2017, Nr. 60342-16).
Bei einer christlichen Glaubensausübung von iranischen Asylsuchenden
im Ausland ist gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die christli-
che Überzeugung der betreffenden Personen im Einzelfall, soweit möglich,
einer näheren Überprüfung zu unterziehen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.4 f.;
Urteil des BVGer D-7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5, m.w.H.). Al-
lein der Übertritt vom muslimischen Glauben zum Christentum führt jedoch
grundsätzlich zu keiner individuellen staatlichen Verfolgung im Iran. Eine
christliche Glaubensausübung vermag gegebenenfalls dann asylrechtlich
relevante Massnahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und
sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon ausgegangen
werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, al-
lenfalls gar missionierende Züge annehmenden Glaubensausübung er-
fährt. Eine Verfolgung durch den iranischen Staat kommt erst dann zum
Tragen, wenn der Glaubenswechsel aufgrund aktiver oder missionierender
Tätigkeiten bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorlie-
gen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei
Konversionen im Ausland muss daher bei der Prüfung im Einzelfall neben
der Glaubhaftigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentlichen Be-
kanntheit für die betroffene Person in Betracht gezogen werden (vgl. Urteil
des BVGer D-2496/2018 vom 22. Mai 2018 E. 5.5).
6.4 Vorliegend wird die Glaubhaftigkeit der Konversion des Beschwerde-
führers nicht bezweifelt (vgl. E. 5.3), weshalb sich die Frage stellt, inwiefern
er bei einer allfälligen Rückkehr ins Heimatland aufgrund einer aktiven und
nach aussen hin sichtbaren Glaubensüberzeugung respektive wegen Mis-
sionierungsaktivitäten einer Verfolgung durch die iranischen Behörden
ausgesetzt wäre. Aus dem pfarramtlichen Zeugnis vom 23. Dezember
2019 geht hervor, dass er innerhalb der evangelisch-reformierten Kirchge-
meinde M._ regelmässig in den hinteren Bänken an Gottesdiensten
teilnehme, sich ansonsten eher im Hintergrund halte. Die Beschwerdefüh-
rerin nehme seltener an den Gottesdiensten teil, wolle sich jedoch taufen
lassen. Alleine aus diesen Aktivitäten kann nicht auf ein exponiertes Profil
geschlossen werden und weitere Dokumente, welche ein solches bezeu-
gen würden, liegen dem Gericht nicht vor. Demensprechend ist nicht davon
D-6093/2019
Seite 19
auszugehen, dass sie mit ihrer Glaubensausübung den iranischen Behör-
den auffallen würden. Die behauptete Missionierungstätigkeit auf dem Fa-
cebook-Profil des Beschwerdeführers respektive auf Instagram wurde
nicht belegt, obwohl er während den Anhörungen zu Protokoll gab, regel-
mässig Beiträge in den sozialen Medien zu posten, kritische Beiträge zu
teilen und auf Instagram rund 820 Follower zu haben. Auch seine Erklä-
rung, dass sein leicht geänderter Facebook-Name problemlos mit seinem
richtigen Namen in Verbindung gebracht werden könnte und er somit leicht
identifizierbar sei, überzeugt nicht (vgl. SEM-Akte 42/25, F185-187; SEM-
Akte 56/15, F64-73). Insgesamt ist angesichts der Aktenlage nicht davon
auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund seines Glaubens
in der Schweiz exponiert und dadurch den iranischen Behörden aufgefallen
wäre. Schliesslich konnte er nicht überzeugend darlegen, in missionari-
scher Weise seinen Glauben auszuüben, obwohl in der Beschwerde be-
hauptet wird, die Missionierung stelle ein zentrales Element seiner Glau-
bensausübung dar.
6.5 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass dem Beschwerdeführer weder zum Zeitpunkt seiner Aus-
reise noch zum heutigen Zeitpunkt oder in absehbarer Zeit in begründeter
Weise droht, aufgrund seiner Konversion in asylrechtlich relevanter Weise
in seinem Heimatland verfolgt zu werden. Auch die Beschwerdeführerin
konnte nicht glaubhaft darlegen, dass sie bei ihrer Ausreise aus dem Iran
gefährdet war oder es zum heutigen Zeitpunkt zu sein. Die Vorinstanz hat
zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und ihre Asylgesuche abge-
lehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
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Seite 20
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.3.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be-
schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den
Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-
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Seite 21
Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge-
fahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall
einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse
Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihnen nicht gelungen.
Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete
Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die
vorläufige Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation
allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar
wäre (vgl. beispielsweise Urteile des BVGer D-5353/2017 vom 10. Januar
2019 E. 9.2.1, m.w.H.; E-6697/2018 vom 10. Dezember 2018).
8.4.2 Schliesslich sind keine individuellen Gründe ersichtlich, die gegen ei-
nen Wegweisungsvollzug sprechen. Beide Beschwerdeführenden sind
jung, gesund und verfügen über einen soliden schulischen und beruflichen
Hintergrund, wobei die Beschwerdeführerin während sechs Jahren als (...)
sowie drei Jahren als (...) und der Beschwerdeführer zuletzt als (...) arbei-
tete. Unter anderem leben die Eltern respektive die Schwiegereltern res-
pektive die Grosseltern der Beschwerdeführenden im Iran, womit ein fami-
liäres Netzwerk vorhanden ist. Aus den Akten geht nicht hervor, dass die
Beschwerdeführenden in medizinischer Behandlung wären. Dank der er-
wähnten Umstände wird es den Beschwerdeführenden möglich sein, sich
in ihrem Heimatland zu reintegrieren. Der gemeinsame Sohn ist zum Zeit-
punkt des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts fünf Jahre alt und lebt
seit rund zwei Jahren in der Schweiz. Die Hauptbezugspersonen sind nach
wie vor die Eltern. Eine Verwurzelung in der Schweiz ist nicht anzunehmen,
womit auch unter Beachtung des Kindswohls einer Rückkehr in den Iran
nichts entgegensteht.
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Seite 22
8.4.3 Ergänzend ist festzuhalten, dass die aktuelle Lage im Zusammen-
hang mit der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) grundsätzlich nicht ge-
eignet ist, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stel-
len. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Voll-
zugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich
eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen
bleibt. Andernfalls ist dem temporären Hindernis im Rahmen der Vollzugs-
modalitäten Rechnung zu tragen. Soweit derzeit feststellbar, handelt es
sich bei der Coronavirus-Pandemie allenfalls um ein temporäres Vollzugs-
hindernis. Es obliegt somit den kantonalen Behörden, der Entwicklung der
Situation bei der Wahl des Zeitpunkts des Vollzugs in angemessener Weise
Rechnung zu tragen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom
19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit Zwischen-
verfügung 20. November 2019 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt
wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.2 Mit Eingabe vom 20. Januar 2020 reichte der Rechtsbeistand eine
Kostennote in der Höhe von Fr. 3'124.80 ein. Dabei ging er von einem
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Seite 23
Stundenansatz von Fr. 300.– aus. Mit Zwischenverfügung vom 20. Novem-
ber 2019 war darauf aufmerksam gemacht worden, dass bei einer amtli-
chen Rechtsvertretung in der Regel von einem Stundenansatz von
Fr. 200.– bis Fr. 220.– ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10
Abs. 2 VGKE). Der geltend gemachte zeitliche Aufwand erscheint ange-
messen, wobei die Eingabe vom 20. September 2021 nicht in die Kosten-
note einkalkuliert wurde. Das Honorar ist entsprechend anzupassen, der
Stundenansatz herabzusetzen und dem amtlichen Rechtsbeistand ein Ho-
norar von Fr. 2’662.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurich-
ten.
(Dispositiv nächste Seite)
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