Decision ID: 8f688789-7620-4058-9825-a67ec73b74a2
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die X._ AG mit Sitz in M._ bezweckt im Wesentlichen die Erbringung von
Beratungsdienstleistungen im Bereich der Treuhand- und Steuerberatung, des
Handels- und Wirtschaftsrechts sowie für Opfer und Betroffene staatlicher Gewalt- und
Machtausübung. Einziges Mitglied des Verwaltungsrates ist R._. Für die
Kantonssteuern 2012 wurde die X._ AG ohne steuerbaren Gewinn und mit einem
steuerbaren Kapital von CHF 31'000 veranlagt.
B.
Mit Schreiben vom 22. Februar 2018 leitete das Kantonale Steueramt gegen die
X._ AG ein Untersuchungsverfahren ein. Es warf ihr vor, der Q._ AG Leistungen im
Gegenwert von CHF 20'000 vergütet zu haben, obschon diese geschäftsmässig nicht
begründet gewesen seien. Dabei stützte es sich auf einen Bericht der Abteilung
Strafsachen und Untersuchungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ASU) gegen
R._ vom 21. August 2017 ab. Mit Strafbefehl vom 25. Februar 2019 sprach das
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Kantonale Steueramt die X._ AG der vollendeten Steuerhinterziehung schuldig und
büsste sie mit CHF 1'810.
Gegen den Strafbefehl erhob die X._ AG am 27. März 2019 Einsprache. Das
Kantonale Steueramt überwies die Strafsache am 8. April 2019 der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) zur Beurteilung. Am
25. November 2020 wurden die Parteien zur öffentlichen Verhandlung vorgeladen. Mit
Schreiben vom 4. Dezember 2020 stellte die Angeklagte ein Ausstandsbegehren gegen
die Richter A._ und B._. Der Abteilungspräsident der VRK trat darauf mit
Zwischenverfügung vom 30. Dezember 2020 nicht ein.
C.
Gegen diese Zwischenverfügung erhob die X._ AG mit Eingabe vom 18. Januar 2021
Beschwerde mit dem Antrag, die Verfügung sei aufzuheben und die
Ausstandsbegehren gegen A._ und B._ seien gutzuheissen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. In der Vernehmlassung vom 21. Januar 2021 beantragte die

Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde, wobei sie auf die Erwägungen in der
angefochtenen Verfügung verwies. Die beiden Richter verzichteten auf eine
Vernehmlassung. Auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Verwaltungsgericht erwägt:
1.
Nach Art. 7 Abs. 3 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP)
kann ein Zwischenentscheid über den Ausstand mit dem in der Hauptsache
gegebenen Rechtsmittel angefochten werden. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts (in der Hauptsache) ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert, und die Beschwerdeeingabe vom
18. Januar 2021 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
2.1.
Gemäss Art. 30 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung (SR 101, BV) sowie
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Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) hat der Einzelne Anspruch darauf, dass seine Sache
von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen Richter ohne
Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Liegen bei objektiver
Betrachtungsweise Gegebenheiten vor, die den Anschein der Befangenheit und die
Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen, so ist diese Garantie verletzt
(vgl. statt vieler BGE 131 I 24 E. 1.1 mit Hinweisen). Gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. c VRP
haben Behördenmitglieder dann in den Ausstand zu treten, wenn sie befangen
erscheinen. Die Bestimmung von Art. 7 VRP findet auf Mitglieder von Gerichten
sachgemässe Anwendung (Art. 64 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 VRP). Persönliche
Befangenheit im Sinn von Art. 7 Abs. 1 lit. c VRP ist anzunehmen, wenn Umstände
vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit eines Richters zu
erwecken. Solche Umstände können auch in einem bestimmten persönlichen Verhalten
des Richters begründet sein. Es genügen Umstände, die den Anschein der
Befangenheit zu begründen vermögen. Dabei kann nicht auf das subjektive Befinden
einer Partei abgestellt werden; das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss
vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen (vgl. Entscheide B 2005/213 vom
20. Dezember 2003 und B 2011/71 vom 20. April 2011).
Eine gewisse Besorgnis der Voreingenommenheit und damit Misstrauen in das Gericht
kann bei den Parteien immer dann entstehen, wenn einzelne Gerichtspersonen in
einem früheren Verfahren mit der konkreten Streitsache schon einmal befasst waren. In
einem solchen Fall sogenannter Vorbefassung stellt sich die Frage, ob sich ein Richter
durch seine Mitwirkung an früheren Entscheidungen in einzelnen Punkten bereits in
einem Mass festgelegt hat, die ihn nicht mehr als unvoreingenommen und
dementsprechend das Verfahren als nicht mehr offen erscheinen lassen. Wegen der
früheren Mitwirkung kann "Betriebsblindheit" in dem Sinne befürchtet werden, dass der
Richter im späteren Verfahren seine Erwartungen in seine Fragen projiziert, die
Antworten auf diese Fragen im Sinne seiner Erwartungen interpretiert und vor allem
Fragen nicht sieht, die der unbefangene Richter sehen und stellen würde. Ob eine
unzulässige, den Verfahrensausgang vorwegnehmende Vorbefassung eines Richters
vorliegt, kann nicht generell gesagt werden; es ist vielmehr in jedem Einzelfall – anhand
aller tatsächlichen und verfahrensrechtlichen Umstände – zu untersuchen, ob die
konkret zu entscheidende Rechtsfrage trotz Vorbefassung als noch offen erscheint
(BGE 131 I 113 E. 3.4 mit zahlreichen Hinweisen). Allein die Tatsache, dass ein Richter
in einer anderen Sache derselben Partei bereits früher entschieden oder eine sich
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stellende Rechtsfrage bereits einmal beurteilt hat, begründet für sich allein noch keinen
Anschein der Befangenheit (C. Reiter, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über
die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 25 zu Art. 7–
7 VRP). Keine Voreingenommenheit liegt sodann in der Regel vor, wenn der
Amtsträger schon in einer anderen Sache zuungunsten einer Partei entschieden hat
oder wenn ihm zulasten einer Partei prozessuale Fehler unterlaufen sind oder wenn er
einen möglicherweise falschen materiellen Entscheid gefällt hat; diese sind in dem
dafür vorgesehenen Rechtsmittelverfahren zu korrigieren (Zweifel/Beusch/Casanova/
Hunziker, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, 2. Aufl. 2018, S. 90).
2.2.
2.2.1.
Die Beschwerdeführerin rügt im Wesentlichen, sämtliche fraglichen Verfahren stünden
im Zusammenhang mit R._. Grundlage sei stets der ASU-Bericht gegen diesen vom
21. August 2017 gewesen, der in zwei vorgängige von der VRK beurteilte
Steuerverfahren Eingang gefunden habe. Im Entscheid vom 20. Juni 2017 zur
Veranlagung der Jahre 2010 bis 2012 der Y._ AG (VRK Verfahren I/1-2016/157, 158)
sei A._ Richter gewesen. Die VRK habe es damals unterlassen, eine materielle
Auseinandersetzung mit den vorgetragenen Rügen zur ASU vorzunehmen, sondern
habe einfach pauschal auf die Beweiskraft von deren Erhebungen abgestellt. Im
Entscheid vom 29. August 2019 zur Steuerpflicht von R._ in den Jahren 2006 bis 2011
(VRK Verfahren I/1-2018/110, 111) hätten A._ und B._ als Richter geamtet. Die VRK
sei zum Schluss gekommen, es bestehe keine Veranlassung, die Unabhängigkeit der
ASU in Zweifel zu ziehen. Mit Verweis auf diese beiden Entscheide sei bereits heute
klar erstellt, dass die Beschwerdegegner sich in Bezug auf die EMRK-Verträglichkeit
der Steuerverfahren sowie die Unabhängigkeit der ASU und des Kantonalen
Steueramtes eine abschliessende Meinung gebildet hätten. Ohne den ASU-Bericht
hätte es sowohl die Verfahren Y._ AG und R._ als auch das aktuell hängige
Strafverfahren nicht gegeben. Damit sei die zentrale Verfahrenskontamination der ASU
überdeutlich nachgewiesen. Theoretisch sei zwar denkbar, dass ein Richter diese
Frage im Strafverfahren unterschiedlich beurteile. Dies nehme aber kein Richter gerne
hin. Die Verfahren seien bereits vor Beginn der Verhandlung vom 4. März 2021 zum
Nachteil der Beschwerdeführerin vorgespurt. Die Beschwerdegegner, welche mit zwei
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Dritteln die Mehrheit des Spruchkörpers ausmachten, seien daher objektiv betrachtet
nicht unbefangen. Darüber hinaus gehe es nicht an, dass dieselben Richter im
Verwaltungsverfahren und im Verwaltungsstrafverfahren tätig würden, wo es doch um
dieselben Sachfragen gehe. Art. 56 lit. f StPO sei in krasser Weise verletzt. Eine nicht
vorbefasste objektive Meinungsbildung sei von Vornherein nicht möglich. Gänzlich
unbeachtlich sei der Hinweis der Vorinstanz auf die langjährige Praxis der VRK. Die
VRK müsse sich so organisieren, dass sie die Unabhängigkeit nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK
jederzeit gewährleisten könne. Das Ausstandsbegehren sei sodann nicht zu spät
gestellt worden. Der von der Vorinstanz angeführte Entscheid I/1-2018/110, 111
betreffe nicht die Beschwerdeführerin, sondern R._. Zudem sei jener Entscheid nicht
rechtskräftig. Der Vorwurf, die Beschwerdeführerin hätte die Zusammensetzung des
Spruchkörpers bereits im Zeitpunkt des Eingangs bei der VRK ausfindig machen
können, sei zudem übertrieben spitzfindig. Erst aufgrund der Parteimitteilung vom
25. November 2020 habe sie gesicherte Kenntnis von der Zusammensetzung des
Spruchkörpers erlangt, womit das Ausstandsbegehren vom 4. Dezember 2020
rechtzeitig gestellt worden sei.
2.2.2.
Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung, nach Überweisung der
Einsprache gegen den Strafbefehl sei der Beschwerdeführerin am 12. April 2019
mitgeteilt worden, dass die Steuerstrafsache in das Geschäftsverzeichnis
aufgenommen worden sei. Der online abrufbaren Gerichtsorganisation der VRK könne
entnommen werden, dass A._ und B._ die Steuerstrafverfahren der 1. Kammer der
Abteilung I beurteilen würden. Entsprechend sei ein allfälliger Ausstandsanspruch der
Beschwerdeführerin spätestens seit Erhalt des Entscheids in Sachen R._ (VRK
Verfahren I/1-2018/110, 111) am 29. August 2019 verwirkt, womit auf das
Ausstandsbegehren nicht einzutreten sei. Im Übrigen wäre das Begehren ohnehin
abzuweisen. Die Frage, ob sich die Beschwerdegegner bereits eine Meinung betreffend
die Verwertbarkeit von ASU-Berichten gebildet hätten, sei nicht von Relevanz. Dies
beschlage eine sich stellende Rechtsfrage, die in jedem Verfahren neu aufgeworfen
und auch anders beurteilt werden könne. Dass dieselben Richter im
Steuerverwaltungs- und im Steuerstrafverfahren tätig seien, sei ebenfalls nicht zu
beanstanden und stelle eine langjährige Praxis der VRK dar.
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2.3.
Wie die Vorinstanz in E. 3 (als "obiter dictum") in materieller Hinsicht zutreffend
ausführte, liegt keine Vorbefassung der Beschwerdegegner vor. Im hängigen
Steuerstrafverfahren gegen die Beschwerdeführerin geht es um eine nach Ansicht des
Kantonalen Steueramts geschäftsmässig nicht begründete Aufwendung aus dem Jahr
2012 in der Höhe von CHF 20'000 zugunsten der Q._ AG (vormals P._ & Partner AG,
heute gelöscht). Diese Feststellung teilte die ASU dem Kantonalen Steueramt mit
Bericht vom 21. August 2017 mit. Das deswegen eröffnete Nachsteuerverfahren wurde
bis zum Abschluss des Steuerstrafverfahrens sistiert.
In den von der Beschwerdeführerin als Grund für die Vorbefassung erwähnten VRK-
Verfahren I/1-2016/157, 158 ging es um Mieterträge einer von der P._ & Partner AG
bzw. R._ in den Jahren 2010 bis 2012 gemieteten Wohnung, die der Vermieterin
Y._ AG, deren Verwaltungsratsdelegierter R._ damals war, aufgerechnet wurden. Der
Entscheid der VRK, bei dem A._ als Richter amtete, erging am 20. Juni 2017 und
damit noch vor Fertigstellung des ASU-Berichts, der vom 21. August 2017 datiert. Aus
jenem Entscheid ist nicht ersichtlich, dass die Steuerpflichtige damals Rügen zur ASU
vorgetragen hätte. Sowohl das Verwaltungsgericht als auch das Bundesgericht lehnten
die in der Folge erhobenen Beschwerden ab. In den VRK-Verfahren I/1-2018/110, 111
war die Steuerpflicht von R._ in den Jahren 2006 bis 2011 streitig. Im Entscheid vom
29. August 2019, an welchem die Beschwerdegegner als Richter amteten, nahm die
VRK zur Kritik von R._ an der Untersuchung durch die ASU Stellung. Das Gericht
erwog, das Kantonale Steueramt habe auf den ASU-Bericht und die
Untersuchungsergebnisse abstellen dürfen. Die Unabhängigkeit der ASU sei nicht in
Zweifel zu ziehen und die strafrechtlichen Verfahrensgarantien seien eingehalten
worden. Das Spannungsverhältnis zwischen Veranlagungs- und Strafverfahren lasse
sich dadurch lösen, dass in allfälligen künftigen Strafverfahren nicht auf Informationen
abgestellt werden dürfe, die nur wegen der Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen
vorhanden seien. Insgesamt erweise sich der ASU-Bericht weder als nichtig noch leide
er an einem (unheilbaren) Mangel, der zu einem Beweisverwertungsverbot führen
würde.
An den erwähnten zwei Verfahren war die Beschwerdeführerin nicht beteiligt. Auch die
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damals zu beurteilenden Sachverhalte unterscheiden sich von jenem, der Gegenstand
des hängigen Strafverfahrens gegen die Beschwerdeführerin ist. Weder mit dem
konkreten Sachverhalt noch mit der rechtlichen Beurteilung der umstrittenen
Aufrechnung waren die Beschwerdegegner somit bis anhin befasst. Selbst wenn dem
so wäre, ergäbe sich allein daraus gemäss geltender Rechtsprechung kein Anschein
einer Befangenheit. Dass Teile desselben ASU-Berichts vom 21. August 2017 bereits in
anderen Verfahren als Grundlage dienten, vermag daran nichts zu ändern. Ebenso
ergibt sich aus der Involvierung von R._ sowohl als direkt betroffener Steuerpflichtiger
als auch als Verwaltungsrat und mutmasslicher Aktionär betroffener steuerpflichtiger
juristischer Personen in den verschiedenen Verfahren kein Ausstandsgrund. In
zweidimensionalen abgaberechtlichen Verhältnissen, wie sie im Fall von
Aktiengesellschaft und Aktionär bestehen, ist nicht ohne Weiteres von einem Anschein
der Befangenheit auszugehen (BGer 2C_853/2017 vom 13. Dezember 2017 E. 2.2).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung läge nicht einmal dann eine Vorbefassung
vor, wenn sich die Beschwerdegegner zuvor mit der Veranlagung der
Beschwerdeführerin befasst und nun das damit im Zusammenhang stehende
Steuerhinterziehungsverfahren zu beurteilen hätten. In einem Fall, wo die Mitglieder der
Steuerrekurskommission zuerst im Rechtsmittelverfahren der Veranlagung und später
an den damit zusammenhängenden strafrechtlichen Entscheiden mitgewirkt hatten –
es ging ebenfalls um eine Aufrechnung –, erwog das Bundesgericht, nicht jede im
Veranlagungsverfahren zulasten der steuerpflichtigen Person vorgenommene
Aufrechnung führe zwingend zu einer Busse wegen (versuchter) Steuerhinterziehung,
da auch der subjektive Tatbestand erfüllt sein müsse und keine Rechtfertigungs- oder
Schuldausschlussgründe vorliegen dürften. Überdies müsse der Sachverhalt, auf den
abgestellt werde, unter Beachtung der im Veranlagungsverfahren nicht geltenden
strafprozessualen Grundsätzen festgestellt worden sein. Damit lasse sich nicht mit
Recht behaupten, dass eine "vorgefasste" Meinung über eine Veranlagung für sich
allein den Ausgang des Verfahrens betreffend (versuchte) Steuerhinterziehung nicht
mehr als offen erscheinen lasse. Sofern unzulässigerweise in Missachtung der
Vorschriften von Art. 6 Ziff. 1 EMRK erlangte Beweismittel aus dem
Veranlagungsverfahren Eingang ins Steuerstrafverfahren gefunden hätten, wäre es
Sache des erkennenden Gerichts, über ein allfälliges Beweisverwertungsverbot zu
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entscheiden; ein Anschein der Befangenheit ergebe sich daraus nicht. Von in
strafrechtlichen Angelegenheiten tätigen Richterinnen und Richtern könne erwartet
werden, dass sie unzulässige von zulässigen Beweismitteln zu unterscheiden und sich
bei der Beweiswürdigung ausschliesslich auf Letztere zu stützen vermöchten. Dazu
und zu einer Sachverhaltsfeststellung sowie Beweiswürdigung unter Beachtung der im
Strafverfahren geltenden Grundsätze seien sie prinzipiell auch in der Lage, wenn sie in
Rechtsmittelverfahren betreffend die Veranlagung mitgewirkt hätten (vgl. BGer
2C_298/2020 vom 9. Oktober 2020 E. 2.5 mit Hinweisen). Genau darauf hat die VRK
bereits in ihrem Entscheid I/1-2018/110, 111 vom 29. August 2019 hingewiesen. Sie ist
sich der unterschiedlichen Prozessmaximen im Veranlagungs- und Strafverfahren also
bewusst.
2.4.
Der geltend gemachte Ausstandsgrund der Vorbefassung der Beschwerdegegner ist
somit nicht gegeben. Da sich die Beschwerde, selbst wenn die Vorinstanz auf das
Ausstandsbegehren eingetreten, dieses aber abgelehnt hätte, wie sie in E. 3 in Aussicht
stellte, als offensichtlich unbegründet erweist, braucht vorliegend nicht geprüft zu
werden, ob die Beschwerdeführerin die Einwände gegen die Zusammensetzung des
Gerichts rechtzeitig erhoben hat. Auch bei einer Aufhebung des
Nichteintretensentscheids samt Rückweisung zur Abweisung des Ausstandsbegehrens
würde dem Antrag der Beschwerdeführerin nicht entsprochen. Die Beschwerde ist
somit abzuweisen.
3.
(...).