Decision ID: 7669bb55-0798-51a9-abea-ab52dc9eddf3
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1953 geborene, verheiratete, in seinem Heimatstaat wohn-
hafte, deutsche Staatsangehörige X._ (nachfolgend Versicherter),
welcher nach Abschluss des Aufbaugymnasiums A._ mit Reife-
zeugnis (1967 bis 1973) und Teilabschluss eines Pädagogikstudiums am
4. Januar 1984 erfolgreich die Prüfung zum Pharmareferenten bestanden
hat, war während 20 Jahren für die Firma B._ tätig. Danach arbei-
tete er vom 1. Oktober 2006 bis zum 31. Mai 2008 als Grenzgänger bei
der C._ GmbH in D._ im Aussendienst. Nachdem im Jahr
2001 während eines Schwindelanfalles erstmals ein Hörsturz auftrat (IV-
act. 11 – 8/9, 37.10 und 37.6 - 23/31), erlitt der Versicherte nach einer un-
erwarteten Kündigung der Arbeitgeberin per 28. Februar 2008 einen Zu-
sammenbruch mit einem weiteren akuten Hörsturz links, begleitet von ei-
ner vestibulären Beteiligung und gefolgt von einer reaktiven Depression.
Seit dem Hörsturz liegt eine Innenohrschwerhörigkeit mit Tinnitus links
vor. Zudem besteht eine durchgehende protrahierte depressive Verstim-
mung mit Zwangsgrübeln, schweren Schlafstörungen, innerer Unruhe,
Antriebsverlust und Anhedonie (IV-act. 7 – 17/32, 23, 37.6 und 37.14).
B.
Der Versicherte steht seit 1998 in Behandlung bei seinem Hausarzt,
Dr. med. E._ (Facharzt Allgemeine Medizin) in F._ DE. Seit
dem 12. März 2008 erfolgt zusätzlich eine ambulante psychiatrische The-
rapie bei Dr. med. G._ (Facharzt für Psychiatrie) in H._ DE
(IV-act. 19). Von seinem Hausarzt wurde der Versicherte sodann an
Dr. med. I._ (Fachärztin HNO und Allergologie) in J._ DE
überwiesen, von welcher er seit dem 17. März 2008 behandelt wird (IV-
act. 11). Weiter finden seit dem 3. Juli 2009 weitere Behandlungen durch
Dr. med. K._ (Facharzt für Neurologie) in F._ DE statt (IV-
act. 37.6 – 15/31). Vom 3. November 2009 bis zum 15. Dezember 2009
erfolgte zudem eine stationäre Rehabilitation in der verhaltenstherapeuti-
schen Klinik L._ in M._ DE (IV-act. 23 und 37.20 – 12/12).
C.
Am 4. Dezember 2008 wurde der Versicherte durch die N._ Versi-
cherungs-Gesellschaft bei der IV-Stelle des Kantons D._ (nachfol-
gend IV-Stelle D) zur Früherfassung angemeldet (IV-act. 1). Nach ersten
Abklärungen teilte die IV-Stelle D dem Versicherten mit, dass sie eine IV-
Anmeldung als notwendig erachte (IV-act. 3). Diese reichte er in der Fol-
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ge am 5. Januar 2009 ein (IV-act. 4, Eingang IV-Stelle D: 9. Januar 2009).
Ebenfalls stellte er am 21. April 2009 bei der Deutschen Rentenversiche-
rung einen Rentenantrag (IV-act. 37.16), worauf diese für den Versicher-
ten am 27. Mai 2010 eine weitere IV-Anmeldung an die IV-Stelle für Ver-
sicherte im Ausland (nachfolgend IVSTA oder Vorinstanz) einreichte. Die
jeweiligen Durchführungsstellen trafen daraufhin Abklärungen zur Erhe-
bung des medizinischen Sachverhaltes.
D.
Die Deutsche Rentenversicherung beauftragte Dr. med. O._
(Fachärztin für Psychiatrie) in P._ DE zur Erstellung eines psychi-
atrischen Fachgutachtens. Aus dem entsprechenden Gutachten vom
16. April 2010 (IV-act. 37.6, Seiten 20 - 29) ergeben sich folgende Diag-
nosen: rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi-
sode (ICD-10: F33.1), sonstige phobische Störung (ICD-10: F40.8) und
Tinnitus aurium (ICD-10: H93.1). Als Nebendiagnosen werden eine Hör-
minderung links (ICD-10: H91.9), Z. n. mehrfachen Hörstürzen (ICD-10:
H91.2) sowie Verdacht auf Polyneuropathie (ICD-10: G62.9) genannt. Die
Gutachterin hielt fest, es bestehe insbesondere bezüglich der Depressi-
on, des Tinnitus und der Angststörung eine deutliche Chronifizierungsten-
denz und eine erheblich eingeschränkte berufliche Leistungsfähigkeit. Die
Hörminderung wirke sich zudem leistungsbeeinträchtigend aus. In seinem
Beruf als Pharmareferent sei der Versicherte nicht mehr einsetzbar, je-
doch könne er - unter Beachtung des negativen Leistungsbildes (u.a. kein
Erfordernis eines erhöhten Konzentrations-, Reaktions-, Umstellungs-
und Anpassungsvermögens) - leichte bis mittelschwere Arbeiten während
6 Stunden und mehr ausüben.
D.a Mit Rentenbescheid vom 28. Juni 2010 sprach die Deutsche Renten-
versicherung dem Versicherten eine Rente wegen teilweiser Erwerbsmin-
derung mit Wirkung ab 1. April 2009 zu (IV-act. 37.16), wogegen dieser
Widerspruch erhob (IV-act. 37.2).
D.b Am 17. Januar 2011 erfolgte im Auftrag der Deutschen Rentenversi-
cherung eine erneute psychiatrische Begutachtung durch Dr. med.
Q._ (Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie). Im
Gutachten vom 18. Januar 2011 (IV-act. 37.6 – Seiten 1-13/31) hielt die-
ser fest, es bestehe in der angestammten Tätigkeit nach wie vor keine
Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der Konzentrationsstörungen, des verminder-
ten Energieniveaus und der Antriebsstörung sei der Versicherte nicht ge-
nügend belastbar, um eine Tätigkeit von 6 Stunden oder mehr auszu-
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üben. Ab 1. Februar 2008 bestehe aus seiner Sicht eine Reduktion des
Leistungsvermögens auf 3 bis unter 6 Stunden für leichte Tätigkeiten oh-
ne Verantwortungsübernahme, ohne Zeitstress und Wechselschicht. Er
nannte folgende Diagnosen: anhaltende mittelschwer ausgeprägte De-
pression bei rezidivierender depressiver Störung (ICD-10: F33.1), Ago-
raphobie (ICD-10: F40.0), Hörminderung links (ICD-10: H90.4) sowie Tin-
nitus aurium links (ICD-10: H93.1).
E.
Der Regionale Ärztliche Dienst Rhone (RAD), Dr. med. R._
(Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie), nahm am 28. Januar 2011
eine medizinische Beurteilung vor (IV-act. 37.6 – Seiten 17-19/31), wobei
er sich in erster Linie auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
O._ abstützte (vgl. vorne Sachverhalt D.). Seiner Stellungnahme
zufolge ist dem Versicherten die angestammte Tätigkeit als Pharmarefe-
rent im Aussendienst ab dem 28. Februar 2008 nicht mehr zumutbar,
während in angepassten Tätigkeiten (leicht, kein erhöhter Publikumsver-
kehr, kein erhöhter Lärmpegel) ab demselben Datum eine Arbeitsunfähig-
keit von 30 % besteht.
E.a Die IVSTA ermittelte daraufhin unter Berücksichtigung eines leidens-
bedingten Abzugs von 20 % einen Invaliditätsgrad von 70,54 % und stell-
te dem Versicherten mit Vorbescheid vom 4. März 2011 (IV-act. 33 - Seite
2) die Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. Oktober 2009 in Aussicht.
Nachdem der Versicherte den Vorbescheid der IV-Stelle D zukommen
liess, setzte diese die IVSTA mit Schreiben vom 4. Februar 2011 (IV-act.
34) darüber in Kenntnis, dass bei ihr ebenfalls ein IV-Anmeldeverfahren
pendent sei. Die IVSTA erkannte daraufhin, dass die IV-Stelle D zur Vor-
nahme der Abklärungen zuständig gewesen wäre, da der Versicherte
Grenzgänger war. Mit Schreiben vom 14. April 2011 teilte sie ihr dies mit
und übermittelte ihr das Dossier zur weiteren Bearbeitung (IV-act. 36).
F.
Die IV-Stelle D erliess am 17. Juni 2011 einen neuen Vorbescheid (IV-act.
39), welcher denjenigen der IVSTA vom 4. März 2011 ersetzte. Sie legte
im neuen Vorbescheid die Einschätzung der Auswirkungen der gesund-
heitlichen Einschränkungen auf die Leistungsfähigkeit dar, wonach der
Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei,
in einer adaptierten Tätigkeit jedoch eine Arbeitsfähigkeit von 70 % be-
stehe. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 116'383.- und einem Invali-
deneinkommen von Fr. 42'867.- pro Jahr resultiere ein Invaliditätsgrad
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von 63 %, womit Anspruch auf eine Dreiviertelsrente bestehe. Ein lei-
densbedingter Abzug sei nicht gerechtfertigt, da mit der Reduktion des
Arbeitspensums und dem beim Invalideneinkommen berücksichtigten
tiefstmöglichen Durchschnitt von Hilfsarbeiterlöhnen die leidensbedingten
Einschränkungen sowie die verminderte Belastbarkeit und Leistungsfä-
higkeit bereits berücksichtigt seien. Der Anspruchsbeginn sei auf den
1. Juli 2009 festzusetzen (6 Monate nach der Anmeldung vom 9. Januar
2009).
F.a Dagegen erhob der Versicherte am 4. Juli 2011 Einwand (IV-act. 40)
und machte geltend, mit Vorbescheid vom 4. März 2011 sei ihm eine gan-
ze Rente in Aussicht gestellt worden. Gemäss einem persönlichen Ge-
spräch bei der IV-Stelle D ergebe die Invaliditätsgradberechnung nun vor
allem deshalb einen tieferen Wert, da kein leidensbedingter Abzug mehr
berücksichtigt worden sei. In seinem Fall sprächen aber mehrere Gründe
für einen Abzug, denn er habe während der letzten 30 Jahren aus-
schliesslich zu 100 % im Aussendienst gearbeitet und er verfüge über
keine Ausbildung und Erfahrung, die ihn zu einer administrativen oder
sonstigen Tätigkeit befähigten. Erschwerend kämen die aus spezialärztli-
cher Sicht massiv einschränkenden Gesundheitsbeeinträchtigungen hin-
zu, welche die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit erheblich ein-
schränkten oder sogar ganz verhinderten. Ebenfalls würden die Er-
folgsaussichten durch sein Alter von 58 Jahren vermindert. Er beantrage
daher die Zusprache einer ganzen Rente gemäss dem ursprünglichen
Vorbescheid der IVSTA.
G.
Am 21. Oktober 2011 erliess die IVSTA eine dem Vorbescheid der IV-
Stelle D vom 17. Juni 2011 entsprechende Verfügung (IV-act. 43) und
sprach dem Versicherten bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 63 %
mit Wirkung ab 1. Juli 2009 eine Dreiviertelsrente zu. In der Verfügung
wurde dargelegt, die Voraussetzungen für einen leidensbedingten Abzug
seien nicht erfüllt, da dem Invalideneinkommen der Tabellenlohn für ein-
fache und repetitive Arbeiten (Anforderungsniveau 4) zugrunde gelegt
worden sei, obwohl er über hohe berufliche Qualifikationen verfüge. Die
gesundheitlichen Einschränkungen seien bereits mit der Reduktion der
Arbeitsfähigkeit und Verwendung des tiefsten Anforderungsniveaus be-
rücksichtigt worden. Es sei ihm zumutbar, seine Restarbeitsfähigkeit von
70 % trotz einer Einschränkung in der Auswahl der Tätigkeit zu verwerten,
wobei die durch das Alter erschwerte Stellensuche keinen lohnsenkenden
Faktor darstelle.
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Seite 6
H.
Hiergegen erhob der Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer) mit
Eingabe vom 19. November 2011 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde (act. 1) und beantragte die Zusprache einer ganzen Invaliden-
rente ab 1. Juli 2009. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, bei
einer strengen Auslegung des von den Ärzten beschriebenen negativen
Leistungsbildes falle nahezu jede Ersatztätigkeit weg. Es sei ihm deshalb
- entsprechend dem ersten Vorbescheid der IVSTA - ein leidensbedingter
Abzug von 20 % zu gewähren.
I.
Die Vorinstanz verzichtete in ihrer Vernehmlassung vom 10. Januar 2012
(act. 3) sowohl auf einen Antrag als auch auf eine Stellungnahme. Sie
reichte indessen eine Stellungnahme der IV-Stelle D vom 6. Januar 2012
ein, in welcher diese ausführt, es sei kein leidensbedingter Abzug vom
Tabellenlohn vorzunehmen, da es unwahrscheinlich sei, dass der Be-
schwerdeführer weniger als der Durchschnitt des Anforderungsniveaus 4
erzielen würde. Dem Beschwerdeführer würden sodann auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt aufgrund der hohen beruflichen Qualifikationen
auch mit seinen Einschränkungen nicht nur einfache und repetitive Tätig-
keiten offen stehen. Mit Abstellen auf den Tabellenlohn des Anforde-
rungsniveaus 4 sei den leidensbedingten Einschränkungen deshalb be-
reits ausreichend Rechnung getragen worden. Auch das Alter rechtfertige
keinen Abzug, da Tätigkeiten des Anforderungsniveaus 4 altersunabhän-
gig nachgefragt würden. Es seien auch keine weiteren Gründe ersichtlich,
welche einen leidensbedingten Abzug rechtfertigen würden, weshalb sie
die Abweisung der Beschwerde beantrage.
J.
Der mit Zwischenverfügung vom 17. Januar 2012 (act. 4) einverlangte
Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 500.- ist am 27. Januar 2012 beim
Bundesverwaltungsgericht eingegangen (act. 5).
K.
Mit Replik vom 10. Februar 2012 (act. 6), hielt der Beschwerdeführer an
seinem Antrag fest und machte im Wesentlichen geltend, sein Gesund-
heitszustand habe sich verschlechtert, weshalb am 18. Januar 2011
durch Dr. med. Q._ ein neues Gutachten erstellt worden sei, wel-
ches dasjenige von Dr. med. O._ ersetze und daher alleiniger
Massstab für die Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit sei. Dem neuen Gut-
achten zufolge bestehe noch lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 3 bis 6
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Stunden. Werde nun seine mittlere Arbeitsfähigkeit von 4,5 Stunden ins
Verhältnis zu einem normalen Arbeitstag von 8 Stunden gesetzt, so erge-
be sich eine Arbeitsfähigkeit von lediglich ca. 56 % und nicht wie vom
RAD berechnet 70 %. Die beruflichen Qualifikationen aus der vor 30 Jah-
ren abgeschlossenen Ausbildung seien zudem längst überholt und wür-
den bei keiner Bewerbung positiv bewertet werden. Im administrativen
Bereich könne er keine Fähigkeiten oder Erfahrungen nachweisen. Unter
diesen Umständen und den erheblichen Einschränkungen sei es unmög-
lich, eine geeignete Arbeit zu finden, weshalb ein leidensbedingter Abzug
angezeigt sei. Die IV-Stelle D gehe sodann mit keinem Wort auf den Vor-
bescheid der IVSTA vom 4. März 2011 ein. Es könne nicht sein, dass
zwei gleichwertige Dienststellen zu so unterschiedlichen Bewertungen
kämen und daraus für den Antragsteller gravierende Nachteile entstün-
den.
L.
Die IVSTA verzichtete mit Duplik vom 22. März 2012 (act. 8) erneut auf
einen Antrag und eine Stellungnahme und reichte stattdessen die Stel-
lungnahme der IV-Stelle D zur Replik vom 20. März 2012 ein. Darin führte
die IV-Stelle D im Wesentlichen aus, dass sich die Zeiträume, auf welche
sich die Gutachten von Dr. med. O._ und Dr. med. Q._ be-
ziehen, überschneiden würden. Der Ansicht des Beschwerdeführers, das
zweite Gutachten würde das erste ersetzen, könne daher nicht gefolgt
werden. Der RAD liege mit seiner Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von
70 % in adaptierten Tätigkeiten im Durchschnitt der beiden Gutachten.
Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei sodann nicht aus-
gewiesen. Bezüglich des leidensbedingten Abzugs führte die IV-Stelle D
ergänzend aus, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt würden dem Be-
schwerdeführer ausreichend Stellen mit einfachen und repetitiven Tätig-
keiten offenstehen, welche keine Vorkenntnisse voraussetzen würden.
Seine gute allgemeine Ausbildung wiege seine leidensbedingten Ein-
schränkungen auf und er habe dadurch gegenüber weniger gut ausgebil-
deten Personen einen Lohnvorteil. Ein Abzug könne lediglich in Anbet-
racht des noch zumutbaren Teilzeitpensums gerechtfertigt sein, jedoch
maximal in der Höhe von 10 %. Dadurch resultiere ein Invaliditätsgrad
von 67 %, welcher ebenfalls nicht zum Bezug einer ganzen Rente, son-
dern lediglich einer Dreiviertelsrente berechtige. Der Entscheid der IV-
Stelle D sei daher im Ergebnis korrekt.
C-6346/2011
Seite 8
M.
Mit Verfügung vom 29. März 2012 (act. 9) wurde der Schriftenwechsel
geschlossen.
N.
Mit Zwischenverfügung vom 12. September 2013 (act. 14) gab der In-
struktionsrichter dem Beschwerdeführer Gelegenheit zum Rückzug der
Beschwerde, da er beabsichtige, die angefochtene Verfügung aufzuhe-
ben und die Sache an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung des Sach-
verhalts zurückzuweisen. Nachdem der Beschwerdeführer innert der vor-
gegebenen Frist keine Stellungnahme eingereicht hat, gilt die Beschwer-
de als aufrecht erhalten.
O.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten ist
– soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Zu beurteilen ist die Beschwerde vom 19. November 2011, mit wel-
cher die Verfügung der Vorinstanz vom 21. Oktober 2011 angefochten
wird.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier
Kognition, ob die Prozessvoraussetzungen vorliegen und auf die Be-
schwerde einzutreten ist (BVGE 2007/6 E.1 mit Hinweisen).
1.3 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
von Personen im Ausland gegen Verfügungen der IVSTA. Eine Ausnahme
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht
ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.4 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich im We-
sentlichen nach den Vorschriften des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005
über das Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundes-
gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
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Seite 9
(VwVG, SR 172.021 [vgl. auch Art. 37 VGG]) sowie des Bundesgesetzes
vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1 [vgl. auch Art. 3 Bst. dbis VwVG]). Gemäss Art. 2
ATSG sind die Bestimmungen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich
geregelten Sozialversicherungen anwendbar, wenn und soweit die ein-
zelnen Sozialversicherungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1 des Bun-
desgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG,
SR 831.20) sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversiche-
rung anwendbar (Art. 1a-26bis und 28-70 IVG), soweit das IVG nicht
ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Dabei finden nach
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln diejenigen Verfahrens-
regeln Anwendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung in
Kraft stehen (BGE 130 V 1 E. 3.2; vgl. auch Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.5 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung bzw. Änderung. Er ist da-
her zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG und Art. 59
ATSG).
1.6 Nachdem die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht einge-
reicht (vgl. Art. 60 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und auch der einver-
langte Kostenvorschuss bezahlt wurde, sind sämtliche Prozessvoraus-
setzungen erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
Nachfolgend ist zu prüfen, welche Rechtsnormen im vorliegenden Verfah-
ren zur Anwendung gelangen.
2.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Miss-
brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie Un-
angemessenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
2.2 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsge-
richtsbeschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
und die Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter haben von
sich aus und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen
(Art. 43 Abs. 1 ATSG).
C-6346/2011
Seite 10
2.3 Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger eines Mitgliedstaates
der Europäischen Gemeinschaft (EU), weshalb vorliegend das Abkom-
men vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitglied-
staaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681), ins-
besondere dessen Anhang II betreffend Koordinierung der Systeme der
sozialen Sicherheit, anzuwenden ist (Art. 80a IVG). Anhang II des FZA
betreffend die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit wurde
per 1. April 2012 geändert (Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Aus-
schusses vom 31. März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II dieses Ab-
kommens über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit;
AS 2012 2345). Vorliegend ist jedoch auf die bis 31. März 2012 gültig
gewesene Fassung (vgl. AS 2002 1527, AS 2006 979 und 995, AS 2006
5851, AS 2009 2411 und 2421) abzustellen, wonach die Vertragsparteien
untereinander insbesondere folgende Rechtsakte (oder gleichwertige
Vorschriften) anwenden (Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Abschnitt A An-
hang II des FZA): die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom
14. Juni 1971 (SR 0.831.109.268.1) zur Anwendung der Systeme der so-
zialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Famili-
enangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern
(AS 2004 121 [vgl. auch AS 2008 4219, AS 2009 4831]; nachfolgend:
Verordnung Nr. 1408/71) sowie die Verordnung (EWG) Nr. 574/72 des
Rates vom 21. März 1972 über die Durchführung der Verordnung (EWG)
Nr. 1408/71 über die Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf
Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die in-
nerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (AS 2005 3909 [vgl. auch
AS 2009 621, AS 2009 4845] nachfolgend: Verordnung Nr. 574/72). Im
Rahmen des FZA ist auch die Schweiz als Mitgliedstaat im Sinne dieser
Koordinierungsverordnungen zu betrachten (Art. 1 Abs. 2 Anhang II des
FZA).
Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 haben die unter
den persönlichen Anwendungsbereich der Verordnung fallenden, in ei-
nem Mitgliedstaat wohnenden Personen aufgrund der Rechtsvorschriften
eines Mitgliedstaats grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten wie
die Staatsangehörigen dieses Staates.
2.4 Gemäss Art. 40 Abs. 4 der Verordnung Nr. 1408/71 ist die vom Träger
eines Mitgliedstaates getroffene Entscheidung über die Invalidität eines
Antragstellers für den Träger eines anderen betroffenen Staates nur dann
verbindlich, wenn die in den Rechtsvorschriften dieser Staaten fest-
C-6346/2011
Seite 11
gelegten Tatbestandsmerkmale der Invalidität in Anhang V dieser Verord-
nung als übereinstimmend anerkannt sind, was für das Verhältnis zwi-
schen Deutschland und der Schweiz nicht der Fall ist. Gemäss Art. 40 der
Verordnung Nr. 574/72 (SR 831.109.268.11) hat der Träger eines Mit-
gliedstaates aber bei der Bemessung des Invaliditätsgrades die von den
Trägern der anderen Staaten erhaltenen ärztlichen Unterlagen und Be-
richte sowie Auskünfte der Verwaltung zu berücksichtigen, soweit sie
rechtsgenüglich ins Verfahren eingebracht werden (vgl. Art. 32 VwVG).
Jeder Träger behält jedoch die Möglichkeit, die antragstellende Person
durch einen Arzt oder eine Ärztin seiner Wahl untersuchen zu lassen. Ei-
ne Pflicht zur Durchführung einer solchen Untersuchung besteht aller-
dings nicht.
2.5 Soweit das FZA bzw. die auf dieser Grundlage anwendbaren gemein-
schaftsrechtlichen Rechtsakte keine abweichenden Bestimmungen vor-
sehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens – unter Vorbehalt
der beiden Grundsätze der Gleichwertigkeit und der Effektivität – sowie
die Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen einer schweizerischen Invali-
denrente grundsätzlich nach der innerstaatlichen Rechtsordnung
(BGE 130 V 253 E. 2.4). Entsprechend bestimmt sich vorliegend der An-
spruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung
aus-schliesslich nach dem innerstaatlichen schweizerischen Recht, ins-
besondere nach dem IVG sowie der Verordnung vom 17. Januar 1961
über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201), dem ATSG sowie der
Verordnung vom 11. September 2002 über den Allgemeinen Teil des So-
zialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11).
2.5.1 Am 1. Januar 2008 sind im Rahmen der 5. IV-Revision Änderungen
des IVG und anderer Erlasse wie des ATSG in Kraft getreten. Weil in zeit-
licher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelun-
gen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die bei der
Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 131 V 11 E. 1), ist
der Leistungsanspruch für die Zeit bis zum 31. Dezember 2007 aufgrund
der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prü-
fen (pro rata temporis; BGE 130 V 445).
2.5.2 Im vorliegenden Verfahren finden demnach grundsätzlich jene Vor-
schriften Anwendung, die bei Eintritt des Versicherungsfalles, spätestens
jedoch bei Erlass der Verfügung vom 21. Oktober 2011 in Kraft standen;
weiter aber auch solche Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits aus-
C-6346/2011
Seite 12
ser Kraft getreten waren, die aber für die Beurteilung eines allenfalls frü-
her entstandenen Rentenanspruchs von Belang sind (das IVG ab dem
1. Januar 2004 in der Fassung vom 21. März 2003 [AS 2003 3837; 4. IV-
Revision] und ab dem 1. Januar 2008 in der Fassung vom 6. Oktober
2006 [AS 2007 5129; 5. IV-Revision]; die IVV in den entsprechenden
Fassungen der 4. und 5. IV-Revision [AS 2003 3859 und 2007 5155]). Im
Folgenden wird – ohne anderslautende Hinweise – jeweils auf diese Fas-
sung Bezug genommen.
Noch keine Anwendung findet vorliegend das am 1. Januar 2012 in Kraft
getretene erste Massnahmepaket der 6. IV-Revision (IVG in der Fassung
vom 18. März 2011 [AS 2011 5659]).
2.5.3 Die 5. IV-Revision brachte für die Invaliditätsbemessung keine sub-
stanziellen Änderungen gegenüber der bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Rechtslage, sodass die zur altrechtlichen Regelung ergange-
ne Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 8C_373/2008 vom 28. August 2008 E. 2.1). Neu normiert wurde
dagegen der Zeitpunkt des Rentenbeginns, der – sofern die entspre-
chenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind – gemäss Art. 29
Abs. 1 IVG (in der Fassung der 5. IV-Revision) frühestens sechs Monate
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG
entsteht.
3.
Anfechtungsobjekt ist die Verfügung vom 21. Oktober 2011 (IV-act. 43),
mit welcher die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine Dreiviertelrente
der schweizerischen Invalidenversicherung ab 1. Juli 2009 zugesprochen
hat.
3.1 Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Ein-
tritt der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet ha-
ben (Art. 36 Abs. 1 IVG).
Der Beschwerdeführer hat Beiträge während insgesamt 27 Monaten
(d.h. mehr als einem Jahr) geleistet (IV-act. 37.16 – 4/14). Ausserdem ist
den Akten im Zeitraum von Juni 1970 bis April 2009 eine geleistete Bei-
tragszeit von 358 Monaten in Deutschland zu entnehmen (IV-act. 37.23).
Der Beschwerdeführer erfüllt demnach die Voraussetzung von drei Bei-
tragsjahren gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG i.V.m. Rz. 2023 Abs. 1 Satz 2
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KSVI (Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung),
da ihm die deutschen Beitragszeiten anzurechnen sind.
3.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), die Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1
IVG). Invalidität ist somit der durch einen Gesundheitsschaden verursach-
te und nach zumutbarer Behandlung oder Eingliederung verbleibende
länger dauernde (volle oder teilweise) Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt resp. der
Möglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Der Invali-
ditätsbegriff enthält damit zwei Elemente: ein medizinisches (Gesund-
heitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) und ein wirt-
schaftliches im weiteren Sinn (dauerhafte oder länger dauernde Ein-
schränkung der Erwerbsfähigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich;
vgl. zum Ganzen UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009,
Art. 8 Rz. 7).
3.3 Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperli-
chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teil-
weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare
Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in
einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geis-
tigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche-
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
3.4 Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen ge-
ben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % Anspruch
auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 %
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70 % Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 aIVG,
Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.5 Die IV-Stelle prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43
Abs. 1 ATSG, Art. 57 Abs. 3 IVG). Um den Invaliditätsgrad bemessen zu
können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Un-
C-6346/2011
Seite 14
terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die ver-
sicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aus-
künfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Ar-
beitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4, BGE 115 V 133 E. 2; AHI-Praxis 2002 S. 62
E. 4b/cc).
3.6 Die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht haben die medizi-
nischen Unterlagen nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung –
wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Be-
weisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Gleichwohl
erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweis-
würdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Bezug
auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzustel-
len (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil des
BGer I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). So ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte,
welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so-
wie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung
der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdi-
gung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353
E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen). Berichte der behandelnden Ärzte
schliesslich sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung
zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies
gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für den behan-
delnden Spezialarzt (Urteil des BGer I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4
mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008
E. 2.3.2).
3.7 Auch die Stellungnahmen des RAD müssen den allgemeinen beweis-
rechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügen. Nimmt
der RAD selber keine Untersuchung vor, hat er zunächst zu überprüfen,
ob die medizinischen Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf
und gegenwärtigen Status ergeben (vgl. zu den Anforderungen an einen
Aktenbericht Urteil BGer 8C_653/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 5.2, Ur-
teil BGer I 1094/06 vom 14. November 2007 E. 3.1.1) bzw. ob ein von ihm
angefordertes Gutachten den Anforderungen der Rechtsprechung ent-
C-6346/2011
Seite 15
spricht und die im konkreten Fall erforderlichen Untersuchungen vorge-
nommen und dokumentiert wurden.
4.
4.1 Gemäss Art. 40 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung
vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.201) ist bei Grenzgängern die IV-
Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit
ausübt, zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldung zuständig. Dies
gilt auch für ehemalige Grenzgänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren
ordentlichen Wohnsitz noch in der benachbarten Grenzzone haben und
der Gesundheitsschaden auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zu-
rückgeht. Die Verfügungen werden von der IVSTA erlassen.
4.2 Der Beschwerdeführer war zuletzt als Grenzgänger im Kanton
D._ erwerbstätig und lebte, namentlich auch im Zeitpunkt der An-
meldung, in Denzlingen in Deutschland, wo er heute noch lebt. Er macht
einen Gesundheitsschaden geltend, der auf den Zeitpunkt seiner Tätigkeit
als Grenzgänger zurückgeht. Unter diesen Umständen war die IV-Stelle D
für die Entgegennahme und Prüfung der Anmeldung zuständig und wurde
die angefochtene Verfügung vom 21. Oktober 2011 zu Recht von der
IVSTA erlassen.
4.3 Der Beschwerdeführer rügt zwar, er habe seitens der IVSTA und der
IV-Stelle D zwei unterschiedliche Vorbescheide erhalten. Dies ist wohl
darauf zurückzuführen, dass anfänglich beide IV-Stellen unabhängig von-
einander eine Anmeldung entgegen nahmen und diese prüften (vgl. vorne
Sachverhalt E). Da aber wie erwähnt die IV-Stelle D zur Entgegennahme
und Prüfung der Anmeldung zuständig war, hat diese korrekterweise am
17. Juni 2011 einen Vorbescheid erlassen, welcher denjenigen der IVSTA
vom 4. März 2011 ersetzte. Diesem hat die IVSTA, nachdem sie in
Kenntnis von der Abklärung der IV-Stelle D gesetzt wurde, denn auch
entsprochen. Insoweit lässt sich das Vorbescheidverfahren somit nicht
beanstanden.
5.
Der Beschwerdeführer beanstandet mit Replik vom 10. Februar 2012
(act. 6), nebst den mit der Beschwerde erhobenen Einwänden gegen die
Invaliditätsgradberechnung, auch die medizinische Beurteilung der Leis-
tungsfähigkeit, welche vorab zu prüfen ist.
C-6346/2011
Seite 16
5.1 Die Vorinstanz stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfügung
in erster Linie auf eine Stellungnahme ihres ärztlichen Dienstes, Dr. med.
R._, vom 28. Januar 2011, dessen Einschätzung auf dem psychi-
atrischen Gutachten von Dr. med. O._ vom 16. April 2010 (IV-act.
37.6 – Seiten 21-29/31) beruht.
5.1.1 Aus der RAD-Stellungnahme sowie dem genannten Gutachten,
welches von der Deutschen Rentenversicherung in Auftrag gegeben wur-
de, ergibt sich, dass in der angestammten Tätigkeit als Pharmareferent im
Aussendienst seit dem 28. Februar 2008 keine Arbeitsfähigkeit mehr be-
steht. Dieser Auffassung ist auch Dr. med. Q._ gemäss seinem
psychiatrischen Gutachten vom 18. Januar 2011 (IV-act. 37.6 – Seiten 1-
13/31).
5.1.2 Während die Ausübung von Tätigkeiten, welche den gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen angepasst sind, im Gutachten von Dr. med.
O._ für 6 Stunden und mehr als zumutbar erachtet wird, be-
schränkt sich diese gemäss Dr. med. Q._ auf lediglich 3 bis unter
6 Stunden. Der RAD-Arzt kam in seiner Stellungnahme vom 28. Januar
2011 (IV-act. 37.6 – Seiten 17-19/31) zum Schluss, es bestehe seit dem
28. Februar 2008 für angepasste Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von
30 %.
5.2 Die IVSTA erachtete den Beschwerdeführer in der Folge als zu 70 %
arbeitsfähig in adaptierten Tätigkeiten. Dem schloss sich auch die IV-
Stelle D an und verzichtete auf weitere medizinische Abklärungen (Ein-
trag vom 26. Mai 2011 im Protokoll der IV-Stelle D, S. 6). Der Beschwer-
deführer macht demgegenüber geltend, sein Gesundheitszustand habe
sich seit der ersten Begutachtung verschlechtert, weshalb einzig auf das
Gutachten von Dr. med. Q._ abzustellen sei. Dieses sei neueren
Datums und ersetze demzufolge dasjenige von Dr. med. O._. Ent-
sprechend sei lediglich von einer Arbeitsfähigkeit von 56 % auszugehen
(vgl. Sachverhalt K. hiervon). Auf die replicando vorgebrachten Einwände
des Beschwerdeführers äusserte sich die IV-Stelle D dahingehend, dass
der RAD Rhone mit seiner Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 70 %
in adaptierten Tätigkeiten im Durchschnitt der beiden Gutachten liege.
Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, richtete der RAD seine Beurtei-
lung jedoch ausschliesslich nach den Gutachtensergebnissen von
Dr. med. O._, ohne Kenntnis von dem zweiten Gutachten von
Dr. med. Q._ zu haben.
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Seite 17
5.3 Auf RAD-Stellungnahmen kann dann abgestellt werden, wenn sie den
allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an ein ärztliches Gutach-
ten genügen (vgl. E. 3.7 hiervon). Im Hinblick auf den Abschluss eines
Versicherungsfalles ist ein RAD-Arzt beauftragt, eine auf den gesamten
medizinischen Akten beruhende zusammenfassende Stellungnahme zu
erstatten (vgl. URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfahren in der Invaliden-
versicherung, Bern 2010, S. 337). Aus den vorinstanzlichen Akten ergeht,
dass das psychiatrische Gutachten von Dr. med. Q._ in der Stel-
lungnahme des RAD Rhone unberücksichtigt blieb, während in Bezug auf
das Gutachten von Dr. med. O._ eine detaillierte Auseinanderset-
zung erfolgte. Es ist damit erstellt, dass das Gutachten von Dr. med.
Q._ vom 18. Januar 2011 dem RAD beim Verfassen der Stellung-
nahme vom 28. Januar 2011, welche als Schlussbericht des RAD Rhone
bezeichnet wird, nicht vorgelegen hat. Auch eine spätere Würdigung
durch den ärztlichen Dienst wurde offenkundig nicht vorgenommen, denn
abgesehen von einem Eintrag vom 28. April 2011 der IV-Stelle D im Fall-
protokoll mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse wurde auf das Gut-
achten in den vorliegenden Akten keinerlei Bezug genommen.
5.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass sich sowohl die IVSTA als
verfügende Behörde als auch die für die Abklärungen zuständige IV-Stelle
D vollumfänglich auf den Schlussbericht des RAD Rhone vom 28. Januar
2011 gestützt haben, obschon in diesem ein sich in den Akten befinden-
des fachärztliches Gutachten unberücksichtigt blieb und die RAD-
Stellungnahme demzufolge nicht auf den gesamten medizinischen Akten
beruht. Der RAD-Stellungnahme mangelt es somit an Beweiskraft, wes-
halb ohne die Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen nicht auf sie
abgestellt werden kann. Das Dossier wäre dem RAD nach Eingang des
Gutachtens von Dr. med. Q._ erneut vorzulegen gewesen, sodass
eine abschliessende Stellungnahme beruhend auf der gesamten medizi-
nischen Aktenlage hätte erstellt werden können. Dies wäre auch deshalb
erforderlich gewesen, da sich divergierende gutachterliche Einschätzun-
gen der Arbeitsfähigkeit gegenüberstehen. Um darlegen zu können, wes-
halb ein Gutachten dem anderen vorzuziehen ist respektive eine Ein-
schätzung im Vergleich zu einer anderen als nachvollziehbarer scheint,
sind die Gründe für die unterschiedliche Beurteilung abzuklären und ge-
geneinander abzuwägen, wozu sich allenfalls Ergänzungsfragen an die
Gutachter aufdrängen. Nachdem diese Abklärungen unterblieben sind,
liegt eine Verletzung der Abklärungspflicht und damit des Untersuchungs-
grundsatzes vor.
C-6346/2011
Seite 18
6.
6.1 Zusammenfassend erweisen sich die medizinischen Abklärungen, auf
welche die Vorinstanz die angefochtene Verfügung stützt, in Anbetracht
der fehlenden Würdigung des Gutachtens von Dr. med. Q._ sowie
aufgrund des ungeklärten Widerspruchs zwischen den gutachterlichen
Beurteilungen als unvollständig. Gestützt auf die im Verwaltungsverfahren
getroffenen Abklärungen ist die Beurteilung der erwerblichen Auswirkun-
gen der gesundheitlichen Einschränkungen und somit des Leistungsan-
spruchs des Beschwerdeführers daher nicht möglich.
6.2 Die Rechtsmittelinstanz kann die Sache an die IV-Stelle zurückwei-
sen, sofern dies allein in der notwendigen Erhebung einer bisher voll-
ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstel-
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen er-
forderlich ist (BGE 137 V 210, E. 4.4.1.4). Vorliegend hat die Vorinstanz
bzw. die IV-Stelle D es unterlassen, eine neue RAD-Stellungnahme in Be-
rücksichtigung des Gutachtens von Dr. med. Q._ einzuholen. Wei-
ter erfolgten keine Abklärungen bezüglich der divergierenden gutachterli-
chen Beurteilungen. Bei diesem Ausgang können die vom Beschwerde-
führer gegen den von der Vorinstanz vorgenommenen Einkommensver-
gleich erhobenen Rügen vorerst offen gelassen werden. Die IV-Stelle D
wird diese Aspekte daher noch abzuklären und die Vorinstanz hernach
neu zu verfügen haben. Die Sache ist entsprechend unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
7.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen. Die Rückweisung der Sache an die Verwal-
tung zu weiterer Abklärung und neuer Verfügung gilt im Sozialversiche-
rungsrecht praxisgemäss als volles Obsiegen der Beschwerde führenden
Partei (BGE 132 V 215 E. 6; BGE 137 V 210 E. 7.1; KIESER, a.a.O.,
Art. 61 N 117). Der unterliegenden Vorinstanz werden keine Verfahrens-
kosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
7.2 Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 500.- (act. 5) ist dem Be-
schwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils auf
ein von ihm bekannt zu gebendes Konto zurückzuerstatten.
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Seite 19
7.3 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr
erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Parteientschädigung umfasst die Kosten der
Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8
VGKE). Da dem obsiegenden Beschwerdeführer, welcher nicht anwaltlich
vertreten ist, keine verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, ist
ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG
in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]).
(Es folgt das Urteilsdispositiv)
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