Decision ID: e1fbd485-e59c-4416-ae00-f6f16a487a5a
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhaltsermittlungen vor Ort am 29. März, 19. Juni und 7. Juli 2017.
10. Am 18. Mai 2017 beauftragte die IV-Stelle Dr. phil. T._ mit der
neuropsychologischen Abklärung von A._. Die Untersuchungen
wurden am 16. und 30. Juni 2017 durchgeführt und das
neuropsychologische Gutachten am 1. Juli 2017 erstattet. Ebenfalls am
18. Mai 2017 wurde das IME – Interdisziplinäre Medizinische Expertisen
(nachfolgend IME) mit einer bidisziplinären Begutachtung in den
Fachbereichen Neurologie und Orthopädie beauftragt. Das neurologische
Gutachten vom 10. Juli 2017 wurde von Prof. Dr. med. U._ verfasst,
das orthopädische Gutachten vom 2. August 2017 von Dr. med. V._.
Die bidisziplinäre (konsensuale) Zusammenfassung des orthopädischen
und neurologischen Gutachters datiert auf den 11. August 2017 und weist
für eine adaptierte Tätigkeit eine (vollzeitliche bzw. quantitative)
Arbeitsfähigkeit von 100 % spätestens ab dem 7. Juli 2017 aus. Als
adaptierte Tätigkeit wiesen die Gutachter eine leichte bis mittelschwere
körperliche Tätigkeit mit intermittierender stehender, gehender jedoch
überwiegend sitzender Körperposition unter Berücksichtigung
verschiedener qualitativer Schonkriterien aus. Das bidisziplinäre IME-
Gutachten ging bei der IV-Stelle am 14. August 2017 ein. Am
11. September 2017 nahm RAD-Arzt W._ zur Frage Stellung, ob
insbesondere gestützt auf das bidisziplinäre IME-Gutachten vom
11. August 2017 von einem veränderten Gesundheitszustand auszugehen
sei. Dabei gelangte er zum Schluss, dass auf das IME-Gutachten
abzustellen sei und in der angestammten Tätigkeit seit Oktober 2001 eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. In einer adaptierten Tätigkeit
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bestehe hingegen ab dem Begutachtungsdatum (Juli 2017) eine 100%
Arbeitsfähigkeit. Zudem gab er den aufgrund des Verhaltens des
Beschwerdeführers sowie den fehlenden objektivierbaren
Fähigkeitsstörungen anlässlich der neurologischen und
neuropsychologischen Untersuchungen entstandenen dringenden
Verdacht auf Aggravation wieder.
Gleichentags beurteilte RAD-Arzt W._ die von der S._ GmbH
erhobenen Observationsergebnisse. Dazu hielt er fest, dass die im Umfeld
der Begutachtung am 7. Juli 2017 präsentierte Unterstützungsbedürftigkeit
bei der Fortbewegung sich an anderen Tagen nicht nachweisen lasse.
Ebenso wenig wie das Gehvermögen dürfte das Stehvermögen
eingeschränkt sein. Die im Rahmen der orthopädischen Abklärung
präsentierten Einschränkungen der Beweglichkeit, namentlich das
Hochheben der Arme, lasse sich in unbeobachtet geglaubten Momenten
nicht nachweisen. Gemäss den gutachterlichen Feststellungen liege keine
neurologische Problematik vor, womit das Bewegungsbild von knöchernen
Problemen des Bewegungsapparates bestimmt werde. Zur psychischen
Problematik könne festgehalten werden, dass gutachterlicherseits keine
(objektiv vorhandene) Symptomatik bemerkt worden sei. Der Habitus bzw.
die verdeutlichende, teils ausladende Gestik von A._ könne, müsse
aber nicht, ein Hinweis auf eine organische Komponente sein, was der
Beurteilung durch den neurologischen Gutachter obliege. Im Ergebnis
erscheine A._ als aktiv und selbstbestimmt. Hinweise auf
höhergradige Probleme lägen nicht vor, womit auf das IME-Gutachten
abgestellt werden könne.
11. Am 18. Oktober 2017 erfolgte eine Befragung von A._ durch die IV-
Stelle bzw. die Fachstelle BVM, worin ihm das rechtliche Gehör zu den
bisherigen Abklärungsergebnissen gewährt wurde. Zudem wurde er
namentlich mit den im bidisziplinäre IME-Gutachten vom 11. August 2017
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festgehaltenen Inkonsistenzen sowie den Observationsergebnissen
konfrontiert.
12. Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2017 stellte die IV-Stelle die
Invalidenrente per sofort vorsorglich ein. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, dass die bisherigen Abklärungen der Fachstelle BVM
ergeben hätten, dass der Anspruch auf die ausgerichteten
Rentenleistungen ernsthaft in Frage stehe.
13. Am 26. Oktober 2017 beauftragte die IV-Stelle Dr. phil. T._ mit einer
Gutachtensergänzung unter Würdigung der Abklärungsergebnisse der
Fachstelle BVM. Dr. phil. T._ erstattete seine Gutachtenergänzung
am 27. März 2018. Darin gelangte er in der Hauptsache zum Schluss, dass
die Observationsergebnisse eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen der
anlässlich der neuropsychologischen Testung(en) vom Juni 2017
gezeigten bzw. geklagten neuropsychologischen Funktionstüchtigkeit und
den auf den Observationsaufnahmen gezeigten neurokognitiven
Fähigkeiten belegten. Diese Differenz sei aus neuropsychologischer Sicht
in keiner Weise erklärbar und es sei von nichtmedizinischen Gründen als
Erklärung dafür auszugehen. Die Plausibilisierung der Testresultate vom
Juni 2017 anhand der Slick-Kriterien führe zum Ergebnis, dass von einer
Antwortverzerrung auszugehen sei. Mangels objektivierbarer Probleme sei
von einer Nichtbeurteilbarkeit auszugehen. Die IV-Stelle forderte am
12. April 2018 ausserdem auch das IME zu einer Gutachtensergänzung
unter Würdigung der Observationsergebnisse der Fachstelle BVM auf. In
seinem Ergänzungsgutachten vom 17. November 2018 gelangte Prof.
Dr. med. U._ zum Schluss, dass die im Gutachten getroffene
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mit bewusstseinsnaher Aggravation
durch die Observationsergebnisse ausdrücklich belegt sei.
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14. Mit Verfügung vom 26. November 2018 reduzierte die SUVA die ihrerseits
zugesprochene Invalidenrente ab dem 18. August 2017 auf 11%.
15. In seiner Abschlussbeurteilung vom 15. Januar 2019 befand RAD-Arzt
W._, dass gemäss dem neurologischen Gutachter keine Erkrankung
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehe; vielmehr liege eine
Aggravation in nennenswertem Umfang vor. Ein neurologischer
Gesundheitsschaden bestehe nicht (mehr). Mit Blick auf den
orthopädischen Gesundheitsschaden sei auf die vom orthopädischen
Gutachter (für eine adaptierte Tätigkeit) festgehaltenen Limiten
abzustellen. Von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes sei
mindestens seit Juli 2017 auszugehen. Aufgrund der
Observationsergebnisse könne aber auch von einer Verbesserung ab
Februar 2017 ausgegangen werden.
16. Mit Vorbescheid vom 29. Januar 2019 stellte die IV-Stelle A._ die
rückwirkende Aufhebung der Invalidenrente per 28. Februar 2017 in
Aussicht. Am 4. März 2019 erhob A._ dagegen Einwand und
beantragte in der Hauptsache die Weiterausrichtung der bisherigen
Rentenleistungen. Dabei beanstandete er im Wesentlichen die Zulässigkeit
der Observation bzw. die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse und
verneinte das überwiegend wahrscheinliche Vorliegen eines
Revisionsgrundes. Zudem stellte er die Verwertbarkeit der
(Rest-)Arbeitsfähigkeit infolge des eingeschränkten Zumutbarkeitsprofils in
Abrede.
17. Mit Verfügung vom 25. März 2019 hob die IV-Stelle die (ganze)
Invalidenrente per 28. Februar 2017 auf. Für den Zeitraum vom 1. März
2017 bis zum 31. Oktober 2017 stellte sie eine Verletzung der Meldepflicht
fest, weshalb die für diesen Zeitraum zu Unrecht bezogenen Leistungen
zurückzuerstatten seien, worüber separat verfügt werde. Einer allfälligen
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Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung und gewährte für den
Zeitraum ab dem 29. Januar 2019 bis zum Erhalt der Verfügung die
unentgeltliche Verbeiständung. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen
aus, die Observation sei zu Recht vorgenommen worden; die Ergebnisse
seien verwertbar. Ein Revisionsgrund sei infolge klarer Aggravation bzw.
Simulation gegeben. Zudem sei eine revisionsrechtlich relevante
erhebliche Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes ausgewiesen,
wobei auch von einer zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen
Rentenzusprache ausgegangen werden könnte. Ausserdem stellte sich die
IV-Stelle auch auf den Standpunkt, aus der Beschreibung des zumutbaren
Tätigkeitsprofils gemäss IME-Gutachten gehe klar hervor, dass A._
auf dem abstrakten, ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend zumutbare
Tätigkeiten offen stünden.
Mit Verfügung vom gleichen Tag verfügte die IV-Stelle die Rückforderung
über den Betrag von Fr. 20'360.--.
18. Mit Beschwerde vom 13. Mai 2019 beantragte A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) die Aufhebung der Verfügungen betreffend Einstellung
der Invalidenrente bzw. Rückforderung. Ihm sei rückwirkend ab dem
31. Oktober 2017 weiterhin eine Invalidenrente der Invalidenversicherung
zuzusprechen. Auf die Rückforderung in der Höhe von Fr. 20'360.-- sei zu
verzichten. Die IV-Stelle sei zu verpflichten, sämtliches
Observationsmaterial aus den Akten zu entfernen. Eventualiter ein
Gerichtsgutachten einzuholen bzw. subeventualiter sie die Sache Zwecks
Neubegutachtung und neuem Entscheid an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Zur Begründung brachte er insbesondere vor, dass die Observation zu
Unrecht erfolgt sei und das Vorliegen eines Revisionsgrundes unter
Ausschluss des entsprechenden Beweismaterials geprüft werden müsse.
Es fehle nicht nur an einer genügenden gesetzlichen Grundlage für die
Observation, sondern auch an einem hinreichenden Anfangsverdacht für
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die Anordnung einer solchen; sie erweise sich zudem als
unverhältnismässiger Eingriff in seine Grundrechte. Die eingeholten
Gutachten von Dr. phil. T._, Prof. Dr. med. U._ und Dr. med.
V._ erfüllten die Anforderungen an ein beweiskräftiges
Revisionsgutachten nicht. Ebenso wenig sei eine revisionsrechtlich
bedeutsame Veränderung des Gesundheitszustandes ausgewiesen.
Dementsprechend bestehe weiterhin ein Anspruch auf die zu Unrecht
vorsorglich eingestellte Invalidenrente. Der Beschwerdeführer stellte sich
ausserdem auf den Standpunkt, dass infolge des massiv eingeschränkten
Belastungsprofils ohnehin die (bestrittene) Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit nicht gegeben sei. Mangels Vorliegens eines
unrechtmässigen Leistungsbezuges im Sinne von Art. 25 ATSG entfalle
auch die Berechtigung der IV-Stelle zur Rückforderung von ausbezahlten
Rentenleistungen.
19. Am 29. Mai 2019 liess sich die IV-Stelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) vernehmen und beantragte die kostenpflichtige
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die
angefochtenen Verfügungen vom 25. März 2019 und verzichtete auf
weitere Ausführungen.
20. Am 21. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer auf Aufforderung des
Gerichts hin Unterlagen zur beantragten unentgeltlichen Rechtspflege und
Verbeiständung ein. Am 26. Juni 2019 legte die Rechtsvertreterin eine
Leistungsaufstellung über ihren bisherigen Aufwand im vorliegenden
Verfahren ins Recht.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtenen Verfügungen vom 25. März 2019 sowie die weiteren Akten
wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügungen der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 25. März 2019. Solche Anordnungen,
die laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort
der verfügenden IV-Stelle unterliegen, können beim Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden als das örtlich und sachlich zuständige
Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m.
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formeller und
materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer von den
angefochtenen Verfügungen unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit
zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG
sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.
2. Vorliegend ist streitig, ob die Beschwerdegegnerin die dem
Beschwerdeführer seit dem 1. Oktober 2002 ausgerichtete ganze
Invalidenrente zu Recht infolge Aggravation/Simulation bzw. eines
wesentlich verbesserten Gesundheitszustandes rückwirkend per
28. Februar 2017 revisionsweise aufgehoben hat. Ausserdem ist zu prüfen,
ob sie berechtigterweise für den Zeitraum vom 1. März 2017 bis zum
31. Oktober 2017 eine Verletzung der Meldepflicht annahm, welche sie zur
Rückforderung von Fr. 20'360.-- berechtigte. Dabei ist namentlich
umstritten, ob das von der Beschwerdegegnerin erhobene
Observationsmaterial im Revisionsverfahren verwertet werden darf (siehe
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nachfolgende Erwägung 3 ff.), ein Revisionsgrund mit hinreichender
Sicherheit nachgewiesen ist (siehe nachfolgende Erwägungen 4 ff.) und die
(bestrittene) Restarbeitsfähigkeit verwertbar ist (siehe nachfolgende
Erwägungen 5 ff.). Schliesslich bestreitet der Beschwerdeführer die
Rechtmässigkeit der verfügten Rückforderung im Betrag von Fr. 20'360.--
(siehe Erwägungen 6 ff.).
3. In beweisrechtlicher Hinsicht ist vorgängig zu prüfen, ob die im Rahmen
der Observationsmassnahmen seitens der Beschwerdegegnerin erlangten
Beweismittel, wie namentlich die Videoaufzeichnungen, im vorliegenden
Verfahren verwendet werden dürfen.
3.1. Der Beschwerdeführer bemerkt zwar zu Recht, dass es bis zum
Inkrafttreten von Art. 43a und 43b ATSG am 1. Oktober 2019 in der Unfall-
und der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss an einer
genügenden gesetzlichen Grundlage für Observationen (durch
Privatdetekteien im Auftrag der Versicherungsträger) fehlte, welche die
verdeckte Überwachung umfassend klar und detailliert regelte (siehe Urteil
des Bundesgerichts 9C_806/2016 vom 14. Juli 2017 E.4, publiziert in BGE
143 I 377 E.4). Gemäss der ab November 2011 gültigen, früheren
bundesgerichtlichen Rechtsprechung stellte hingegen insbesondere
Art. 59 Abs. 5 IVG eine hinreichende gesetzliche Grundlage im Bereich der
Invalidenversicherung für objektiv gebotene privatdetektivliche
Observationen von alltäglichen Verrichtungen im öffentlich einsehbaren
Raum dar (siehe BGE 137 I 327 E.5.2 ff.). Gemäss Ermittlungs- und
Observationsbericht der S._ GmbH vom 17. Juli 2017 erfolgten die
(halb-)tageweise Observation des Beschwerdeführers im Zeitraum vom
2. Mai 2017 bis zum 13. Juli 2017. Im Nachgang zum später amtlich
publizierten Urteil des Bundesgerichts 9C_806/2016 vom 14. Juli 2017
erfolgten somit keine weiteren Observationen seitens der S._ GmbH
mehr. Nach der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung verletzte eine
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unter bisherigem Recht durchgeführte Observation Art. 8 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) bzw. Art. 13 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
und war rechtswidrig. Ob die Ergebnisse von solchen Observationen trotz
festgestellter Rechtswidrigkeit dennoch in einem konkreten Verfahren
beweismässig verwertbar sind, beurteilt sich nach einer Abwägung
zwischen den privaten Interessen des Betroffenen und dem öffentlichen
Interesse an der Verhinderung von Versicherungsmissbrauch (siehe
BGE 143 I 377 E.5.1.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_2/2018 vom
15. Februar 2018 E.4.2, 9C_328/2017 vom 9. November 2017 E.4.2). Im
Sozialversicherungsrecht ist (wohl) von einem absoluten
Verwertungsverbot für Beweismaterial auszugehen, welches im nicht frei
einsehbaren öffentlichen Raum zusammengetragen wurde (siehe
BGE 143 I 377 E.5.1.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_830/2011 vom
9. März 2012 E.6.4 und 8C_829/2011 vom 9. März 2012 E.8.4; vgl. auch
Art. 43a Abs. 4 ATSG). Wurde die versicherte Person dagegen im
öffentlichen, frei einsehbaren Raum – ohne äussere Beeinflussung und
ohne dass ihr eine Falle gestellt wurde – überwacht, ist grundsätzlich von
der Verwertbarkeit des Observationsmaterials auszugehen. Dabei darf die
versicherte Person weder einer systematischen noch dauernden
Überwachung ausgesetzt gewesen sein. Ferner musste die Observation
objektiv geboten sein, weil namentlich ausgewiesene Zweifel an der
Leistungs(un)fähigkeit des Versicherten bzw. konkrete Anhaltspunkte für
entsprechende Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen
Beschwerden bestanden (siehe BGE 143 I 377 E.5.1.2, 137 I 327
E.5.4.2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_2/2018 vom 15. Februar 2018
E.4.3 und 9C_328/2017 vom 9. November 2017 E.5.2 f.).
Solche Hinweise können beispielsweise gegeben sein bei
widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person oder wenn Zweifel
an der Redlichkeit derselben bestehen (eventuell durch Angaben und
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Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung und
Ähnlichem (siehe BGE 137 I 327 E. 5.4.2.1; Urteil des Bundesgerichts
8C_195/2011 vom 15. Dezember 2011 E. 3.2, nicht publ. in: BGE 138 V
63, aber in: SVR 2012 IV Nr. 31).
3.2. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers, wonach es für die
Anordnung einer Observation bereits am erforderlichen Anfangsverdacht
gefehlt habe, ergeben sich aus der medizinischen Sachlage sowohl in
somatischer wie auch in neuropsychologischer Hinsicht verschiedene
ausgeprägte Inkonsistenzen. So klagte der Beschwerdeführer
nachweislich wiederholt über Schmerzen am ganzen Körper, vor allem im
Bereich des Kopfes, des Nackens, des linken Arms bzw. Beins und des
Abdomens. Deren Charakterisierung blieb aber vage, was auch von
Dr. med. R._ in seinem Verlaufsbericht vom 9. Dezember 2015
insoweit bestätigt wurde, als sich bei der Palpation des Abdomens keine
Auffälligkeiten ergeben hätten (siehe IV-act. 143 S. 3, IV-act. 132 S. 2, IV-
act. 100 S. 1, IV-act. 54 und IV-act. 51). Angesichts des geklagten
Beschwerdebildes, insbesondere auch der von Dr. med. R._ am
Achsenskelett beschriebenen Myogelosen, erscheint es wenig
nachvollziehbar, dass physiotherapeutische Behandlungen vollkommen
erfolglos geblieben sein sollen, weshalb der behandelnde Hausarzt auf
deren weitere Verschreibung verzichtet hat. Ebenso wenig ist aktenkundig,
dass der Beschwerdeführer in den letzten Jahren eine psychiatrische oder
psychotherapeutische Behandlung in Anspruch genommen hätte, obwohl
Dr. med. R._ die psychopathologischen Veränderungen, namentlich
eine Logorrhoe und allgemeine Unruhe, hinsichtlich der Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit als im Vordergrund stehend beschrieb. Gemäss den
Angaben von Dr. med. R._ befand sich der Beschwerdeführer im
Dezember 2015 in keiner speziellen Behandlung, was auch durch die im
Mai 2016 seitens der Beschwerdegegnerin angeforderten
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Leistungsabrechnung der damaligen Krankenversicherung bestätigt wurde
(siehe IV-act. 132 S. 2 und IV-act. 139). Schliesslich äusserten Dr. phil.
J._ und Dr. rer. nat. P._ bereits im neuropsychologischen
Untersuchungsbericht vom 4. März 2004 Zweifel daran, ob das in den
Testungen erzielte mittelstark bis stark beeinträchtigte kognitive Ergebnis
tatsächlich auf eine entsprechende hirnorganische Beeinträchtigung
zurückzuführen sei oder nicht vielmehr andere Faktoren zu dem sehr tiefen
Leistungsprofil geführt hätten (siehe IV-act. 55). Zusätzlich wurden auch im
Austrittsbericht vom 18. Februar 2003 zum stationären Aufenthalt in der
Klinik K._ vom 29. Januar bis zum 6. Februar 2003 bzw. im
Austrittsbericht Physiotherapie vom 6. März 2003 eine fehlende Einsicht in
die Behandlungsindiktion, ein fehlendes Interesse an diagnostischen und
therapeutischen Massnahmen sowie eine sehr geringe
Belastungsbereitschaft und Inkonsistenz festgehalten (siehe IV-act. 37 S. 2
und 6 f.). Insofern ist nicht zu beanstanden, wenn RAD-Ärztin Dr. med.
Q._, Fachärztin für Neurologie, in ihrer Beurteilung vom 23. August
2016 aufgrund der, bis ins Jahr 2001 zurückreichenden, dokumentierten
medizinischen Sachlage und unter Würdigung der vom Beschwerdeführer
beklagten Beschwerden bzw. Funktionseinschränkungen im Ergebnis
festhielt, dass die geklagten und die von den (behandelnden) Ärzten
geschilderten Beeinträchtigungen die erwartungsgemässen
Einschränkungen deutlich überstiegen, weshalb (gewichtige) Hinweise auf
Aggravation, wenn nicht sogar Simulation vorlägen. Dr. med. Q._
gelangte zu diesem Schluss, auch wenn ihrer Ansicht nach aufgrund der
bildgebend nachgewiesenen Hirnblutung sowie den dokumentierten
Frakturen mit der Notwendigkeit einer operativen Versorgung sowohl aus
neuropsychologsicher als auch körperlicher Sicht durchaus mit qualitativen
Einschränkungen der Leistungsfähigkeit zu rechnen sei. Dass es sich
dabei um eine reine Aktenbeurteilung handelt, vermag an deren
Tauglichkeit, die objektive Gebotenheit einer Observation zu begründen,
nichts zu ändern. Auf Basis der medizinischen Aktenlage und den eigenen
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(früheren) Angaben des Beschwerdeführers formulierte Dr. med. Q._
– wie gesehen – ein Leistungsprofil und folgerte daraus, dass im Rahmen
des Revisionsverfahrens bzw. einer allfälligen Observation darauf zu
achten sei, ob der Beschwerdeführer ein extrem hinkendes Gangbild links
aufweise, den linken Arm einsetze, ein Auto lenke und ob er sich von
Dritten helfen bzw. unterstützen lasse. Denn nach eigenen Angaben
benötige er Hilfe beim An- und Auskleiden sowie bei der Fortbewegung, sei
tagsüber auf dauernde Pflege und am Tag sowie in der Nacht auf eine
persönliche Überwachung angewiesen (siehe IV-act. 143).
Die vom Beschwerdeführer angeführten Berichte des behandelnden
Hausarztes vom 9. Dezember 2015 und 16. Januar 2015, seine Angaben
im Revisionsfragebogen vom 17. November 2015 oder der Umstand, dass
bereits Berichte aus den Jahren 2003 und 2004 auf angebliche
Inkonsistenzen hingewiesen hätten, vermögen am vorstehend Dargelegten
nichts zu ändern. Denn der Beschwerdegegnerin stand nicht nur die
Revisionsmöglichkeit gemäss Art. 17 ATSG offen, sondern sie hätte, bei
gegebenen Voraussetzungen, auch eine Wiedererwägung infolge
(zweifelloser) ursprünglicher Unrichtigkeit nach Massgabe von Art. 53
Abs. 2 ATSG in Betracht ziehen können. Ausserdem traf die Fachstelle
BVM Vorermittlungen und konnte dabei insbesondere am 9. Februar 2017
über eine Zeitspanne von ca. 1.5 Stunden wahrnehmen, wie der
Beschwerdeführer Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten an seinem
Geländewagen in teilweise hockender, kniender, sitzender, seitlich
liegender oder gebückter Haltung und unter Benützung beider Hände
durchführte. Zusätzlich konnte festgestellt werden, dass der
Beschwerdeführer in der Lage gewesen war, mit dem Geländewagen von
seinem Wohnort nach O.1._ und wieder zurückzufahren. Dabei wies
er nach dem Aussteigen aus dem Fahrzeug ein zügiges Gangbild mit
leichtem Schonhinken auf und konnte einen Kinderschlitten einhändig
tragen (siehe Akten der Fachstelle BVM [BVM-act.] Register 1 S. 9 und
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Register 7). Die am 10. Februar 2017 fortgesetzten Vorermittlungen
zeigten den Beschwerdeführer wiederum bei Instandhaltungs- und
Wartungsarbeiten am Geländewagen sowie beim Lenken des Fahrzeugs.
Das Gangbild wurde erneut als zügig mit leichtem Schonhinken links
beschrieben. Bereits am 23. August 2016 hatte die Fachstelle BVM, infolge
der von Dr. med. Q._ erwähnten, auf einer eigenen Aussage des
Beschwerdeführers aus dem Jahre 2004 basierenden Unfähigkeit zum
Führen eines Motorfahrzeuges, Erkundigungen bei der zuständigen
Verkehrszulassungsbehörde eingeholt. Daraus ergab sich, dass zwei
Motorfahrzeuge auf den Beschwerdeführer eingelöst waren, er über einen
Führerausweis verfügte und es im Jahr 2010 zu einer Verwahrung infolge
einer Übertretung der Strassenverkehrsvorschriften gekommen war (siehe
BVM-act. 13).
Die Ergebnisse der Vorermittlungen wurden am 20. Februar 2017 RAD-
Arzt W._ zur Beurteilung vorgelegt. Dieser kam in seiner
Stellungnahme vom 24. Februar 2017 zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer bei all diesen Verrichtungen keinesfalls ziellos oder
apathisch, sondern zielgerichtet und engagiert gewirkt habe. Den
ausgeführten Tätigkeiten habe er von aussen betrachtet unbeeinträchtigt
sowohl im Stehen als auch im Kauern/Hocken bzw. sogar auf der Seite
liegend nachgehen können. Hinweise für höhergradige motorische
Störungen lägen nicht vor. Allerdings sei das Geh- und Stehverhalten
möglicherweise auffällig, ohne jedoch stark beeinträchtigt zu sein.
Hinweise für eine bis anhin immer wieder attestierte Unruhe seien nicht
feststellbar. Der Beschwerdeführer fahre zudem selbstständig und ohne
Begleitung einen Personenwagen. Gestützt darauf äusserte RAD-Arzt
W._ erhebliche Zweifel am Ausmass des Gesundheitsschadens, wie
er vom behandelnden Hausarzt (weiterhin) attestiert werde. Der
Gesundheitszustand müsse sich erheblich gebessert haben, wobei sich die
neuropsychologischen sowie körperlichen Defizite aktuell nicht mehr in
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wesentlichem Ausmass funktionell auswirkten. Es erscheine nicht mit der
Lebenserfahrung vereinbar, dass ein Mensch, der unter einem
mittelschweren bis schweren neuropsychologischen Defizit leide, noch
selbstständig ein Auto reparieren oder Autofahren könne (siehe IV-act. 145
ff. und BVM-act. 7 f.). Zu einem vergleichbaren Schluss kam RAD-Arzt
W._ im Rahmen seiner Beurteilung der anlässlich des
Evaluationsgespräches vom 29. März 2017 (siehe dazu IV-act. 150 und
BVM-act. 4) aufforderungsgemäss vom Beschwerdeführer vorgeführten
und auf Video aufgezeichneten Bewegungsabläufe. RAD-Arzt W._
zeigte sich in seinem Bericht vom 18. April 2017 im Ergebnis davon
überzeugt, dass der beschwerdeführerische Leidensvortrag bzw. die
Demonstration der Einschränkungen rein situativ für das
Versicherungsgespräch "produziert" worden sei und nicht mit den
tatsächlichen Einschränkungen im realen Leben übereinstimme.
Infolgedessen ging er mit Blick auf die Gehfähigkeit von Aggravation bzw.
bei den anderen Bewegungsabläufen sogar Simulation aus (siehe IV-
act. 154 und BVM-act. 6).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers lagen somit im Zeitpunkt der
Auftragsvergabe für eine Personenobservation an die S._ GmbH am
18. April 2017 (siehe dazu IV-act. 153 und BVM-act. 3) hinreichende
objektive Anhaltspunkte vor, welche eine Observation zu rechtfertigen
vermochten.
3.3. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, der Beschwerdegegnerin wären im
Vergleich zur Observation mildere Mittel, namentlich die Anordnung einer
Begutachtung, zur Verfügung gestanden, vermag er nicht durchzudringen.
Er übersieht, dass die unmittelbare Wahrnehmung im Vergleich zur
(medizinischen) Begutachtung einen anderen Erkenntnisgewinn bezüglich
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bringen kann, was dem Ziel einer
wirksamen Missbrauchsbekämpfung zuträglich sein kann. Im vorliegenden
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Fall gilt das Erfordernis eines direkten Erkenntnisgewinns der
(unbeeinflussten) funktionellen Leistungsfähigkeit umso mehr, als Zweifel
ob des Ausmasses der beklagten Beschwerden bestanden und – in
neuropsychologischer Hinsicht – eine auffällige Symptomvalidierung bzw.
weitere Inkonsistenzen bei einer inexistenten fachärztlichen Behandlung
bereits aktenkundig ausgewiesen waren. Bezüglich der Möglichkeit
medizinischer Abklärungen als Ersatz für die Observation ist überdies zu
beachten, dass auch solche – soweit sie überhaupt geeignet wären, einen
gleichwertigen Erkenntnisgewinn zu erbringen – ebenfalls einen Eingriff in
die grundrechtlichen Positionen der versicherten Person von einer
gewissen Schwere voraussetzen würden (siehe dazu BGE 135 I 169
E.5.6).
3.4. Hinsichtlich der Rahmenbedingungen der Observation durch die S._
GmbH ist zu bemerken, dass sich deren Observation auf den Zeitraum vom
2. Mai 2017 bis zum 13. Juli 2017 beschränkte, wobei der
Beschwerdeführer am 2. Mai und 13. Juli 2017 nicht gesichtet werden
konnte. Die Observation vom 19. Juni 2017 betraf den Nachmittag bis in
die Nacht hinein und diejenige vom 7. Juli 2017 vom späteren Vormittag
bis am Abend. Vorgängig und überschneidend damit führte auch die
Fachstelle BVM ab Februar 2017 an vereinzelten Tagen Vor- bzw.
Sachverhaltsermittlungen vor Ort durch. Insgesamt betrachtet, kann bei
dieser relativ kurzen Zeitspanne mit sporadischen Überwachungseinsätzen
nicht von einer systematischen oder ständigen Überwachung des
Beschwerdeführers gesprochen werden. Zudem erfolgte die Beobachtung
gemäss den vorliegenden Akten einzig im öffentlichen, frei einsehbaren
Raum, namentlich auf der Strasse, vor dem Gebäude der
Begutachtungsstelle, auf dem Balkon, im Freien anlässlich eines
Spazierganges oder bei Gesprächen mit Drittenpersonen. Zur Sichtung
von öffentlich zugänglichen Aktivitäten und Fotografien auf dem Social-
Media-Profil des Beschwerdeführers durch die Fachstelle BVM ist zu
- 25 -
bemerken, dass dies rechtsprechungsgemäss nicht als Verletzung der
Privatsphäre oder Observation zu qualifizieren ist und die entsprechenden
Erkenntnisse berücksichtigt werden dürfen (siehe Urteile des
Bundesgerichts 8C_292/2019 vom 27. August 2019 E.3.2.3 und
8C_909/2017 vom 26. Juni 2018 E.6.2). Ebenso wenig bestehen in einer
Gesamtwürdigung des Observationsmaterials Anhaltspunkte dafür, dass
die im Rahmen der Observationen festgehaltenen Aktivitäten durch eine
unzulässige Beeinflussung des Beschwerdeführers erreicht oder ihm gar
hierzu eine eigentliche Falle gestellt worden wäre.
3.5. Im Ergebnis kann somit festgehalten werden, dass von einem eher leichten
Eingriff in die grundrechtlich geschützte Privatsphäre des
Beschwerdeführers auszugehen ist, welche keine Nichtverwertbarkeit der
erlangten Beweismittel zu rechtfertigen vermag (vgl. dazu etwa Urteile des
Bundesgerichts 9C_561/2018 vom 8. Februar 2019 E.5.2.3, 8C_689/2018
vom 15. Januar 2019 E.4.2, 9C_218/2018 vom 22. Juni 2018 E.4.2.2 f.).
Die privaten Interessen des Beschwerdeführers vermögen somit gegen
das gewichtige öffentliche Interesse der Beschwerdegegnerin an der
Abwendung eines unrechtmässigen Leistungsbezugs nicht aufzukommen,
womit die Observationsergebnisse entgegen der beschwerdeführerischen
Ansicht verwertet werden dürfen. Insofern sind sie auch zu Recht im
Rahmen der ergänzenden Stellungnahme durch die Gutachter Dr. phil.
T._ und Prof. Dr. med. U._ mitberücksichtigt worden (siehe dazu
IV-act. 234 und 241).
4. Nachfolgend ist zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden Akten eine
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen im Vergleich zum
massgebenden Referenzzeitpunkt eingetreten ist, welche geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ändert
sich nämlich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
- 26 -
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 1 IVG i.V.m.
Art. 17 Abs. 1 ATSG, Art. 87, 88a und Art. 88bis der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Anlass zur (materiellen)
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen seit Zusprechung resp. Bestätigung der Rente, die geeignet
ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich
gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den
Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung. Hingegen ist die lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (siehe BGE 141
V 9 E.2.3, 134 V 131 E.3, 133 V 545 E.6.1, 130 V 343 E.3.5 sowie Urteile
des Bundesgerichts 8C_220/2019 vom 26. Juni 2019 E.3.2, 8C_192/2017
vom 25. August 2017 E.7.1 und 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.1).
Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich
attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische
Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf
einen verbesserten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist
vielmehr eine veränderte Befundlage (siehe Urteile des Bundesgerichts
9C_59/2019 vom 29. Mai 2019 E.4.3.2, 9C_561/2018 vom 8. Februar 2019
E.5.3.2.1, 8C_419/2018 vom 11. Dezember 2018 E.4.3 und 9C_418/2010
vom 29. August 2011 E.4.1 ff.).
Ein früher nicht gezeigtes Verhalten der versicherten Person kann unter
Umständen eine im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG relevante
Tatsachenänderung darstellen, wenn es sich auf den Invaliditätsgrad und
damit auf den Umfang des Rentenanspruchs auszuwirken vermag. Dies
trifft etwa zu, wenn ein Ausschlussgrund vorliegt, d.h. die
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen
Konstellation beruht, die eindeutig über die blosse (unbewusste) Tendenz
- 27 -
zur Beschwerdenausweitung und -verdeutlichung hinausgeht (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_380/2019 vom 11. Oktober 2019 E.4.1,
8C_825/2018 vom 6. März 2019 E.6.1 und 9C_659/2017 vom
20. September 2018 E.3.1). Nach der Rechtsprechung liegt regelmässig
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung
beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären
Krankheitsgewinns (vgl. dazu BGE 140 V 193 E.3.3) ergeben sich
namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten
Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht;
intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch
vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch
genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den
Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im
Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend
intakt ist (siehe BGE 131 V 49 E.1.2). Besteht im Einzelfall Klarheit darüber,
dass solche Ausschlussgründe die Annahme einer
Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vornherein keine
Grundlage für eine Invalidenrente (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG;
Urteile des Bundesgerichts 8C_155/2019 vom 11. Juli 2019 E.5.1.1,
9C_104/2019 vom 27. Juni 2019 E.3.2.1 und 4.1 sowie 8C_52/2019 vom
30. April 2019 E.2.2). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer
ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung (siehe
BGE 127 V 294 E.5a) auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im
Umfang der Aggravation zu bereinigen (siehe BGE 141 V 281 E. 2.2 ff. und
Urteil des Bundesgerichts 9C_462/2019 vom 18. Dezember 2019 E.4.2.3).
4.1. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss
des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung
des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient der letzte rechtskräftige
Entscheid, welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
- 28 -
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht. Dabei braucht es sich
nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln (siehe
BGE 133 V 108 E.5.4; Urteile des Bundesgerichts 9C_346/2019 vom
6. September 2019 E.2.1.1, 9C_23/2019 vom 10. Mai 2019 E.4.2.2 und
9C_800/2016 vom 9. Mai 2017 E.4.2.2). Vorliegend ist für den
Vergleichszeitpunkt die ursprüngliche Verfügung vom 17. Februar 2006
massgebend, mit welcher dem Beschwerdeführer eine ganze
Invalidenrente zugesprochen worden war. Denn anlässlich der Mitteilung
vom 17. November 2010 fand keine – den vorerwähnten Voraussetzungen
entsprechende – materielle Überprüfung des Rentenanspruchs statt (siehe
IV-act. 96 ff.).
4.2. Zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, wie er sich bis zum
Erlass der ursprünglichen Verfügung vom 17. Februar 2006 präsentierte,
geht aus den Akten im Wesentlichen Folgendes hervor: Der
Beschwerdeführer erlitt anlässlich eines Verkehrsunfalles am 30. Oktober
2001 ein Hochgeschwindigkeitstrauma mit/bei unter anderem einem
Schädelhirntrauma mit Kontusionsblutung, einem Fremdkörper corneal
zentral rechts (operativ Mitte November 2001 entfernt), einer offenen
Olecranofraktur (osteosynthetisch mittels Zuggurten versorgt), einer
Halswirbelsäulendistorsion und Verletzungen der Fusswurzelknochen
(siehe IV-act. 2, 7 und 10). Infolge der traumatischen Hirnverletzungen mit
einer contusio cerebri frontal wurde eine mittelmittelschwere bis schwere
Störung der kognitiven Funktionen mit Schwerpunkt bei den Exekutiv- und
Aufmerksamkeitsfunktionen diagnostiziert. Festgestellt wurde ein stark
auffälliges Verhalten, eine erhöhte motorische Unruhe bzw. vegetative
Übererregtheit, eine euphorische Stimmung wechselnd mit grosser
Unsicherheit sowie ein erhöhter Redefluss (siehe IV-act. 3 und 7). Die
behandelnde Psychologin Dr. phil. C._ bzw. der behandelnde
Neurologe Dr. med. D._ der Klinik B._ schlossen mit Bericht vom
- 29 -
26. November 2001 – im Wesentlichen bestätigt durch Oberärztin X._
und Dr. med. Y._ in ihrem psychosomatische Konsilium vom
17. Dezember 2001 sowie von Dr. med. E._ und Dr. med. F._ in
ihrem Austrittsbericht vom 5. März 2002 – auf eine erhebliche
hirnorganische Grundlage der Störung, die sehr wahrscheinlich eine
Persönlichkeits- und Verhaltensstörung verursacht habe, wobei daneben
eine reaktive Problematik mit Merkmalen einer posttraumatischen
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) bzw. Anpassungsstörung (ICD-10
F43.2) bestanden habe (siehe IV-act. 3, 4 und 7). Im weiteren Verlauf
schloss Prof. Dr. med. N._ mit Bericht vom 24. Februar 2004 auf eine
(typische) posttraumatische somatoforme Schmerzstörung, da der
Beschwerdeführer praktisch immer Schmerzen in verschiedenen
Körperbereichen v.a. im Kopf, im Nackenbereich und in den Extremitäten
habe und das Trauma, das seinen ganzen Lebensentwurf
durcheinandergebracht habe, nicht verarbeiten könne (siehe IV-act. 54). In
orthopädisch-chirurgischer Hinsicht wurden seitens der behandelnden
Ärzte verschiedentlich, namentlich auch während der stationären
Aufenthalte in der Kliniken B._ (19. November 2001 bis am
20. Februar 2002) und K._ (29. Januar und 6. Februar 2003),
deutliche Bewegungseinschränkung und Schmerzen am linken Ellbogen
mit einem Streckdefizit und einem ausgeprägten immobilisierenden
Schmerzsyndrom des gesamten linken Fusses bei extremer Schonhaltung
und Entlastung desselben festgestellt (siehe IV-act. 7, 10, 37). Im
Vordergrund standen aber gemäss kreisärztlicher Untersuchung am
18. Juli 2002 durch Dr. med. I._, Facharzt für orthopädische Chirurgie,
die Befunde mit Störung der kognitiven Funktionen und einer beträchtlichen
hirnorganischen Störung, welche den Persönlichkeits- und
Verhaltensbereich betroffen hätten, und aufgrund welcher eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen wurde (siehe IV-act. 31). In der
kreisärztlichen Untersuchung vom 15. Oktober 2002 wurden zwar gewisse
Fortschritte im kognitiven Bereich erwähnt. Bei teilweiser Reizbarkeit und
- 30 -
möglicherweise erhöhter Affektlabilität bei ungenügender Verarbeitung der
gesamten Unfallsituation und ambulant ungenügend beeinflussbarem
Schmerzmanagement wurde eine erneute stationäre, gesamtheitliche
Rehabilitation empfohlen (siehe IV-act. 34). Diesbezüglich kamen im
Verlauf zwar namentlich aus neuropsychologischer Sicht Zweifel ob der
Symptomvalidierung auf und es wurde im Rahmen des stationären
Aufenthalts in der Klinik K._ seitens der Fachpersonen die Vermutung
geäussert, dass andere Faktoren als eine hirnorganische Beeinträchtigung
zu dem sehr tiefen Leistungsprofil des Beschwerdeführers geführt hätten
(vgl. dazu neuropsychologischer Untersuchungsbericht vom 4. März 2004
von Dr. phil. J._ und Dr. rer. nat. P._ [IV-act. 55]). Dennoch war
letztlich gemäss der RAD-Abschlussbeurteilung von Dr. med. Q._ vom
4. November 2005 in erster Linie die hirnorganische kognitive
Leistungsminderung bei erlittener Frontalhirnläsion massgeblich dafür,
dass dem Beschwerdeführer ab dem 1. Oktober 2002 eine ganze
Invalidenrente ausgerichtet wurde (vgl. IV-act. 63 S. 4 f.). Dies stellt der
Beschwerdeführer nicht in Abrede, ging er doch mit Blick auf die
seinerzeitigen Leistungszusprachen durch die SUVA selbst von einer
massgeblichen mittelschweren bis schweren neuropsychologischen
Störung als Folge einer organischen Hirnverletzung und einer
posttraumatischen Schmerzstörung aus (siehe Rz. 42 der Beschwerde
vom 13. Mai 2019).
4.3. Abgesehen von dem vom Hausarzt Dr. med. R._ in seinem
Verlaufsbericht vom 9. Dezember 2015 attestierten stationären
Gesundheitszustand bei unveränderten Diagnosen (siehe IV-act. 132), bot
sich im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Einstellungs- und
Rückforderungsverfügungen vom 25. März 2019 insbesondere in
neurokognitiver Hinsicht eine massgeblich veränderte (medizinische)
Sachlage.
- 31 -
4.3.1. RAD-Ärztin Dr. med. Q._ hielt in ihrem Leistungsprofil vom 23. August
2016 namentlich fest, dass sich ihr gemäss den Akten ein in allen
Bereichen klagsamer Versicherter präsentiere, der seine Beschwerden
aber nur schlecht präzisieren könne. Neuropsychologische Defizite hätten
(gemäss den Akten) in wechselndem Ausmass bestanden, zuletzt seien
sie im Jahr 2004 bei auffälliger Symptomvalidierung hinterfragt worden.
Aufgrund der bildgebend nachgewiesenen Hirnblutungen sowie der
dokumentierten Frakturen mit Notwendigkeit operativer Versorgung sei
zwar mit qualitativen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit sowohl aus
körperlicher wie auch aus neuropsychologischer Sicht zu rechnen. Indes
überstiegen die geklagten und von den Ärzten geschilderten
Einschränkungen die erwarteten Einschränkungen deutlich, weshalb
Hinweise auf Aggravation, wenn nicht gar Simulation vorlägen (siehe IV-
act.143 S. 3 f.).
4.3.2. Der neuropsychologische Gutachter Dr. phil. T._, Fachpsychologe
FSP und Neuropsychologe SVNP, gelangte in seinem Gutachten vom
1. Juli 2017 (siehe IV-act. 163), welches von Dr. med. Z._, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH sowie zertifizierte medizinische
Gutachterin SIM, mitunterzeichnet wurde, zum Ergebnis, dass sämtliche
Testergebnisse der am 16. bzw. 30. Juli 2017 durchgeführten
neuropsychologischen Testungen betreffend das B-Kriterium nach Slick,
Sherman und Iverson (Hinweise auf Antwortverzerrungen aus der
neuropsychologischen Testung) als auffällig zu beurteilen seien.
Namentlich habe der Beschwerdeführer beim Vergleich eines äusserst
einfachen zu einem schwierigeren Testverfahren entgegen der Erwartung
gerade umgekehrte Testergebnisse erreicht, woraus sich entsprechende
Hinweise auf eine Antwortverzerrung ergäben. Zudem sei auch das A-
Kriterium (Identifizierung eines bedeutsamen externen Störungsgewinns)
als erfüllt zu betrachten, weil der Beschwerdeführer sich für die
Beibehaltung der bisherigen ganzen Invalidenrente ausspreche. Dr. phil.
- 32 -
T._ erachtete auch das C-Kriterium (Hinweise auf
Antwortverzerrungen, die aus den gelieferten Angaben des Exploranden
und der Selbstbeurteilung stammen) als erfüllt. So fragte sich Dr. phil.
T._, wie der Beschwerdeführer trotz der von ihm geltend gemachten,
deutlichen Einschränkung der Konzentrationsleistungs- und
Gedächtnisfähigkeit seit dem Unfall im Jahr 2001 und dem geltend
gemachten Angewiesensein auf Dritthilfe in jeglicher Hinsicht mit dem
Umstand vereinbar sei, dass er sich im Jahre 2006 habe einbürgern lassen
(siehe dazu IV-act. 79) und dafür ein Wissenstest über die Schweiz habe
ablegen müssen, der ein gewisses Ausmass an Gedächtnisfähigkeit
voraussetze. Zudem gebe der Beschwerdeführer selbst an, drei bis vier
Mal pro Monat für kurze Strecken ein Motorfahrzeug zu lenken. Dabei habe
er noch keinen Unfall erlitten. Dr. phil. T._ erachtete dies als
erstaunlich, da einer Person mit einem derartig eingeschränkten
neurokognitiven Funktionsprofil (wie anlässlich der Testungen festgestellt)
die Fahrtüchtigkeit entschieden abgesprochen werden müsste. Ausserdem
falle eine Diskrepanz hinsichtlich der Fähigkeit zur Ausübung der
Kulturtechniken Lesen und Schreiben auf. Während der Beschwerdeführer
im Rahmen des ersten Termins am 16. Juni 2017 erklärt habe, nicht mehr
lesen und schreiben zu können, habe er anlässlich des zweiten Termins
am 30. Juni 2017 angegeben, dass er zwar lesen und schreibe könne, dazu
aber keine Lust habe bzw. diese Kulturfähigkeit nur sehr selten brauche.
Betreffend das D-Kriterium hielt Dr. phil. T._ fest, dass er die
vorerwähnten Indizien, welche für eine eingeschränkte
Abklärungsmotivation sprächen, als klinisch tätiger Neuropsychologe in
einer psychiatrischen Klinik und in Kenntnis der klinischen Diagnosen nicht
nachvollziehen könne. Die weitere Beurteilung aus psychiatrischer,
neurologischer und entwicklungsbedingter Sicht zur Rechtfertigung des
festgestellten Verhaltens behielt er den entsprechenden Fachpersonen
vor. Insgesamt gelangte Dr. phil. T._ zum Schluss, dass aus
neuropsychologischer Sicht von einer Antwortverzerrung auszugehen sei,
- 33 -
weshalb aufgrund der testologisch erzielten Daten nicht auf das
tatsächliche Ausmass der neurokognitiven Funktionstüchtigkeit
geschlossen werden könne. Vorliegend seien die Kriterien für eine
wahrscheinliche Aggravation entsprechend den Slick-Kriterien erfüllt.
4.3.3. Im neurologischen Gutachten vom 10. Juli 2017 von Prof. Dr. med.
U._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie
zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, hielt dieser fest, dass aus
neurologisch-gutachterlicher Sicht erhebliche Auffälligkeiten in der
Konsistenz bestünden. So hätten sich sowohl in der (eigenen)
neurologischen Untersuchung, der neuropsychologischen
Zusatzuntersuchung durch Dr. phil. T._ wie auch anlässlich der
orthopädischen Untersuchung durch Dr. med. V._ deutliche Hinweise
auf den Verdacht einer Aggravation in den Untersuchungssettings
ergeben. Anlässlich der neurologischen Untersuchung vom 7. Juli 2017 sei
der Beschwerdeführer durch massives Grimassieren, das Einnehmen
grotesker Körperpositionen sowie eine unzureichende und stark
verdeutlichende Mitarbeit anlässlich der neurologischen Exploration
aufgefallen, während diese Verhaltensabnormitäten in scheinbar
unbeobachteten Momenten sistiert worden seien. So habe namentlich das
Hinken anlässlich der Explorationen vom rechten auf das linke Bein
gewechselt, wobei dieses danach auf der Strasse, als der Berichterstatter
dem Versicherten ein vergessenes Dokument überbracht habe, gar nicht
mehr habe festgestellt werden können. Auch sei das Grimassieren sowie
die grotesken Sitz- und Stehpositionen im Wartebereich nicht feststellbar
gewesen. Diese Beobachtungen liessen eine Aggravation des
Beschwerdeführers als sehr wahrscheinlich erscheinen. Das inkonsistente
Bild werde dadurch abgerundet, dass sich bei der Bestimmung der
Medikamentenspiegel anlässlich der Explorationen am 7. Juli 2017 die
Werte für Amitriptylin (Antidepressivum, Migränemittel,
Neuropathiepräparat) und Lorazepam (Benzodiazepin) weit vom
- 34 -
therapeutischen Bereich entfernt gewesen seien (siehe IV-act. 166 S. 48
f., 56 f. und 112 f.). Bei der neurologisch-psychiatrischen Untersuchung mit
externer neuropsychologischen Zusatzuntersuchung sei ein auffälliges
Verhalten des Beschwerdeführers mit Verdacht auf Aggravation im
Vordergrund gestanden. Im neurologischen Untersuch hätten sich keine
sicheren neurologischen Defizite eruieren lassen. Für keinen hohen
Leidensdruck spreche, dass der Beschwerdeführer seit längerem keine
neurologische oder neuropsychologische Behandlung mehr wahrnehme,
wobei auch eine mangelhafte Medikamentencompliance vorliege. Insofern
hätten keine neurologischen oder neuropsychologischen
Funktionsstörungen objektiviert werden können. Die Einschränkungen der
linken oberen Extremität seien orthopädischer und nicht neurologischer
Natur. Das Verhalten des Beschwerdeführers anlässlich der
neurologischen, der orthopädischen und der neuropsychologischen
Untersuchungen sei auffällig gewesen und lasse den Verdacht von
Aggravation aufkommen. Daher sei keine detaillierte Diagnostik zu den
neuropsychologischen Fähigkeitsstörungen möglich; das Vorliegen solcher
könne aber auch nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Das Verhalten
in der Exploration sei nicht als krankheitsimmanent einzustufen, sondern
als bewusstseinsnah zu interpretieren. Unstrittig seien die bildgebend
ausgewiesenen frontalhirnigen Verletzungen als strukturelle Schäden,
womit damit zusammenhängende Veränderungen grundsätzlich möglich
wären. Das gezeigte Verhalten des Beschwerdeführers sei aber mit
Störungen nach einer Frontalhirnverletzung nicht kompatibel, sondern eher
als bewusstseinsnahe Verhaltensveränderung einzustufen. Es könne somit
– aufgrund der vorgenannten Verhaltensauffälligkeiten – kein
Gesundheitsschaden mit invalidisierenden Fähigkeitseinschränkungen als
Folge einer neurologischen Erkrankung mit Einfluss auf die mittel- und
langfristige Arbeitsfähigkeit beschrieben werden (siehe IV-act. 166 S. 58
ff.).
- 35 -
4.3.4. Ergänzend zum neurologischen Gutachten vom 10. Juli 2017 von Prof.
Dr. med. U._ erfolgte am 2. August 2017 eine fachärztliche
Beurteilung aus orthopädischer-chirurgischer Sicht durch Dr. med.
V._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Orthopädie und Unfallchirurgie sowie zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM, (siehe IV-act. 166 S. 63 ff.). Er gelangte
dabei zum Ergebnis, dass er die von Dr. med. R._ attestierte,
anhaltende Einschränkung der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit nicht nachvollziehen könne. Dessen Einschätzung sei
auch nicht mit den einschlägigen versicherungsmedizinischen
Empfehlungen kompatibel. Anlässlich der Exploration des
Beschwerdeführers am 7. Juli 2017 seien mehrfach Inkonsistenzen
aufgefallen. Namentlich beim Waddell'schen Stauchungstest seien vom
Beschwerdeführer deutliche Schmerzen geschilderten worden. Gemäss
Dr. med. V._ habe sich aber keine vermehrte Bewegungslimitierung
feststellen lassen und auch das Testresultat sei physiologisch nicht
erklärbar. Ferner stellte Dr. med. V._ in seinem Gutachten ein
positives Ergebnis des Waddell'schen Rumpfdrehungstest fest. Weitere
Inkonsistenzen hätten sich bei der Schmerzangabe während der
(wiederholten) Palpation der Wirbelsäule ergeben sowie hinsichtlich des
nur in der Untersuchungssituation gezeigten Grimassierens. Schliessich
erblickte Dr. med. V._ auch darin eine Inkonsistenz, dass der
Beschwerdeführer in unbeobachtet geglaubten Momenten ein zügiges,
hinkfreies Gehbild aufwies sowie während der Untersuchung von einem
linksbetonten in ein rechts hinkendes Gangbild wechselte. Aufgrund dieser
Inkonsistenzen schloss Dr. med. V._, dass er sich des Eindrucks
eines bewusstseinsnahen Malingering nicht erwehren könne. Aufgrund der
klinischen und bildgebend am 7. Juli 2017 ausgewiesenen Befunde sei der
Beschwerdeführer hingegen in der biomechanischen Funktion seines
linken Schulter- und Ellbogengelenkes sowie bezogen auf die unteren
Extremitäten in der Funktion seines linken Fusses limitiert, woraus
- 36 -
unweigerlich eine Einschränkung der Geh- und Stehfähigkeit resultiere.
Bezüglich des Schultergelenkes könne eine eingeschränkte Mobilität
infolge eines Outletimpigements objektiviert werden und beim linken
Ellbogengelenk bestehe ein Streckdefizit von 20° bei einer regelrechten
Stellung der ausgeheilten Olecranofraktur aus dem Jahre 2001. Dr. med.
V._ formulierte schliesslich ein detailliertes medizinisch-theoretisches
(qualitatives) Zumutbarkeitsprofil, wobei er den Beschwerdeführer in einer
solchen leichten bis mittelschweren körperlichen Tätigkeit mit
intermittierender stehender, gehender, jedoch überwiegend sitzender
Körperposition aus orthopädischer Sicht bezogen auf ein volles Pensum zu
100 % arbeitsfähig erachtete. Dies gelte sicher seit dem Zeitpunkt der
aktuellen Untersuchung (7. Juli 2017).
4.3.5. In der bidisziplinären Zusammenfassung hielten der orthopädisch-
chirurgische Gutachter Dr. med. V._ und der neurologisch-
psychiatrische Gutachter Prof. Dr. med. U._ als Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine endgradig eingeschränkte
aktive Mobilität des linken Schultergelenks bei knöchernem
Outletimpingement und Acromion Typ Bigliani II (ICD-10 M57.4), eine
moderate posttraumatische Fusswurzelarthrose im Bereich der
linksseitigen lisfrancschen Gelenklinie nach konservativ versorgter Fraktur
des Os cuboideum sowie des Os cuneiforme laterale aus dem Jahr 2001
(ICD-10 M19.17) sowie ein Streckdefizit im Bereich des linken
Ellbogengelenkes von 20° bei knöchern in regelrechter Stellung
ausgeheilter Olecranofraktur aus dem Jahre 2001 (ICD-10 S52.01) fest.
Anderen Diagnosen würden keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
haben; entsprechende Fähigkeitsstörungen seien nicht objektivierbar,
namentlich aus neuropsychologischer Sicht. Aus orthopädischer Sicht
bestünden beim Beschwerdeführer in der biomechanischen Funktion des
linken Schulter- und Ellbogengelenks sowie bezogen auf die unteren
Extremitäten in der Funktion des linken Fusses Limiten mit einer hieraus
- 37 -
unweigerlich resultierenden Einschränkung der Geh- und Stehfähigkeit.
Dementsprechend stimmte Prof. Dr. med. U._ dem von Dr. med.
V._ formulierten Zumutbarkeitsprofil mit 100%iger Arbeitsfähigkeit bei
einem vollen Pensum in einer optimal adaptierten Tätigkeit zu (siehe IV-
act.166 S. 129 ff.).
4.3.6. Wie bereits in der vorstehenden Erwägung 3.2 erwähnt, wurden sowohl die
Ergebnisse der Vorermittlungen seitens der Fachstelle BVM bzw. die
anlässlich des Evaluationsgespräches vom 29. März 2017 auf Video
aufgezeichneten Bewegungsabläufe des Beschwerdeführers als auch die
Observationsergebnisse der S._ GmbH dem RAD zur Beurteilung
vorgelegt. RAD-Arzt W._ äusserte sich dazu in seinen Berichten vom
24. Februar 2017, 18. April 2017 und 11. September 2017. In letzterem
gelangte er zum Schluss, dass beim Gehvermögen des
Beschwerdeführers bis zu einer Gehstrecke von ca. einer Stunde keine
Einschränkungen bestünden. Trotz leichtem Hinken könne der Weg
fortgesetzt werden und es sei keine Hilfestellung durch eine zweite Person
erforderlich. Die im Umfeld der Begutachtung am 7. Juli 2017 präsentierte
Unterstützungsbedürftigkeit bei der Fortbewegung (Abstützung mit der
Hand auf der Schulter der Ehefrau) liesse sich an anderen Tagen nicht
nachweisen. Das Stehvermögen dürfte genauso wenig eingeschränkt sein
wie das Gehvermögen. Auch die im Rahmen der orthopädischen
Abklärung präsentierte Einschränkung der Beweglichkeit, namentlich das
Hochheben der Arme, lasse sich in unbeobachtet geglaubten Momenten
nicht nachweisen. Da gemäss dem neurologischen Gutachter keine
entsprechende Problematik vorliege, werde das Bewegungsbild von den
knöchernen Problemen des Bewegungsapparates bestimmt. Bezüglich der
psychischen Problematik bleibe darauf hinzuweisen, dass gemäss dem
(Fach-)Gutachter keine (objektiv vorhandene) psychische Symptomatik zu
bemerken sei. Der Habitus bzw. die vom Beschwerdeführer gezeigte
verdeutlichende, teils ausladende Gestik könne – müsse aber nicht – ein
- 38 -
Hinweis auf eine organische Komponente sein. Dazu bemerkte Prof.
Dr. med. U._, dass die entsprechenden, auch von ihm festgestellten
Inkonsistenzen nicht als krankheitsimmanent einzustufen seien, sondern
als bewusstseinsnah zu interpretieren seien (siehe IV-act. 166 S. 58 ff.).
RAD-Arzt W._ gelangte letztlich zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer aktiv und selbstbestimmt erscheine und keine Hinweise
auf höhergradige Probleme vorlägen. Auf das eingeholte (bidiziplinäre)
Gutachten könne abgestellt werden (siehe BVM-act. 10).
4.3.7. In der Beurteilung vom 11. September 2017 (siehe IV-act. 255 S. 15 f.)
setzte sich RAD-Arzt W._ namentlich mit dem bidisziplinären IME-
Gutachten vom 11. August 2017 auseinander und gab den aufgrund des
Verhaltens des Beschwerdeführers sowie den fehlenden objektivierbaren
Fähigkeitsstörungen anlässlich der neurologischen und
neuropsychologischen Untersuchungen entstandenen dringenden
Verdacht bezüglich Aggravation wieder. Das Verhalten des
Beschwerdeführers sei nicht als krankheitsimmanent einzustufen und mit
Störungen nach einer Frontalhirnverletzung nicht kompatibel, sondern
vielmehr als bewusstseinsnahe Verhaltensveränderung einzustufen.
Zudem wies er auf weitere, gutachterlich festgestellte Inkonsistenzen hin
und befand, dass auf das vorliegende (bi-)
disziplinäre Gutachten vom 11. August 2017 vollumfänglich abgestellt
werden könne. Gestützt auf das vom orthopädisch-chirurgischen Gutachter
Dr. med. V._ formulierte Leistungsprofil und die darin als zumutbar
erachtete uneingeschränkte (zeitliche) Arbeitsfähigkeit gelangte RAD-Arzt
W._ ebenfalls zum Schluss, dass im angestammten Beruf seit Oktober
2001 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Ab dem Zeitpunkt der
Begutachtung (7. Juli 2017) liege hingegen eine Arbeitsfähigkeit von 100%
in adaptierter Tätigkeit vor. Zur Thematik eines revisionsrechtlich
bedeutsam veränderten Gesundheitszustandes hielt RAD-W._ fest,
dass im Zeitpunkt des letzten materiellen Entscheides im Wesentlichen
- 39 -
neuropsychologische Auffälligkeiten im Vordergrund gestanden und zur
Berentung geführt hätten. Orthopädische bzw. traumatologische Schäden
hätten nicht wesentlich dazu beigetragen. Im Rahmen der aktuellen
bidisziplinären Begutachtung seien keine neurologischen Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt worden. Dies weil infolge
erheblicher Aggravation bzw. einer Vielzahl von Inkonsistenzen keine
entsprechenden Diagnosen bzw. Fähigkeitseinschränkungen objektiviert
werden könnten. Der orthopädische Gutachter stelle hingegen nunmehr
Diagnosen mit (qualitativen) Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Im
Ergebnis stellte RAD-Arzt W._ fest, dass sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers seit dem letzten materiellen Rentenentscheid
verändert habe, womit die versicherungsmedizinischen Voraussetzungen
für eine Rentenrevision vorlägen.
4.3.8. Am 26. Oktober 2017 beauftragte die Beschwerdegegnerin Dr. phil.
T._ mit einer Gutachtensergänzung, wobei um die Beantwortung von
Zusatzfragen auf Basis der vorgelegten Ermittlungsakten der Fachstelle
BVM gebeten wurde (siehe IV-act. 195). In der am 27. März 2018
erstatteten Gutachtensergänzung (siehe IV-act. 234) gab er die
Testergebnisse gemäss neuropsychologischem Gutachten vom 1. Juli
2017 wieder, welche bei fast allen neuropsychologischen Funktionen
schwergradige Einschränkungen auswiesen. Die Resultate zur Beurteilung
der Antwortmotivation und des Testverhaltens ergaben hingegen
durchgehend Hinweise auf Antwortverzerrungen. Zudem merkte Dr. phil.
T._ zum damaligen Testverhalten an, dass ein massives Klagen bzw.
Jammern feststellbar gewesen sei und der Beschwerdeführer seinen
Unmut gegenüber der Sozialversicherung laut und deutlich hörbar
Ausdruck verschafft habe. Neben der bereits im Gutachten vom 1. Juli
2017 abgegebenen Bewertung der Slick-Kriterien beantwortete Dr. phil.
T._ die ihm unterbreiteten Fragen. Dabei wies er bei der Sichtung der
Abklärungsergebnisse der Fachstelle BVM auf Inkonsistenzen zwischen
- 40 -
den Testergebnissen der neuropsychologischen Abklärung und der
Videodokumentation bzw. den Ermittlungsergebnissen hin. So bestehe
insbesondere eine Diskrepanz zwischen den Testergebnissen mit
durchgängig schwergradig eingeschränkten neurokognitiven
Einzelfähigkeiten einerseits und der selbständigen Ausübung einer
Fahrzeugreparatur, dem Lenken eines Motorfahrzeuges, der Fähigkeit zur
sprachlichen Verständigung in deutscher Sprache sowie der selbständigen
Selbstversorgung und -pflege andererseits. Diese Differenzen seien
neuropsychologisch in keiner Weise erklärbar, womit als Ursache dafür von
nichtmedizinischen Gründen auszugehen sei. Aufgrund dieser Umstände
(hinreichender Verdacht auf Antwortverzerrung bzw. auf eine deutliche
Selbstlimitierung) erweise sich, wie bereits im Gutachten vom 1. Juli 2017
aufgezeigt, eine quantitative und qualitative Bestimmung der
Arbeitsfähigkeit infolge der neurokognitiven Funktionstüchtigkeit (auf Basis
der Testergebnisse) nicht als möglich.
4.3.9. Am 12. April 2018 forderte die Beschwerdegegnerin auch das IME zu einer
Gutachtensergänzung auf, wobei wiederum um die Beantwortung von
Zusatzfragen auf Basis der vorgelegten Ermittlungsakten der Fachstelle
BVM gebeten wurde (siehe IV-act. 235). Die entsprechende
Gutachtensergänzung wurde vom neurologisch-psychiatrischen Gutachter
Prof. Dr. med. U._ am 17. November 2018 erstattet (siehe IV-
act. 241). Darin gelangte er insbesondere zum Ergebnis, dass aus den
Aufnahmen kein Leidensdruck mit Blick auf die anlässlich der Anamnese
in der neurologischen Begutachtung verstärkt thematisierten
Kopfschmerzen sowie die weiteren körperlichen Befindlichkeitsstörungen
erkennbar sei und bis auf ein leichtes Humpeln mit schwankendem
Gangbild auch keine signifikanten Einschränkungen der Beweglichkeit
ersichtlich seien. Aufgrund der Bewegungsabläufe sei keine
Handicapierung oder schmerzbedingte Behinderung ausgewiesen. Der
Versicherte habe ganz offensichtlich bewusstseinsnahe Falschangaben zu
- 41 -
seinem Beschwerdebild gemacht, wenn er behauptet habe, er sei (in
grossem Ausmass) auf die Hilfe seiner Frau angewiesen. Die
Abklärungsergebnisse der Fachstelle BVM deckten sich mit der
neurologischen Feststellung, dass keine handicapierenden
Fähigkeitsstörungen vorlägen. Der Versicherte habe ganz offensichtlich
bewusstseinsnahe Bewegungseinschränkungen in der Untersuchung
aggraviert, was sich eindrücklich in den Videoaufnahmen zeige, die keine
wesentlichen handicapierenden Fähigkeitseinschränkungen erkennen
liessen. Damit sei die gutachterliche Einschätzung mit Angabe eines
aggravierenden Verhaltens und fehlender handicapierender
Einschränkung eindrücklich bestätigt. Die im Gutachten getroffene
Einschätzung der (vollen) Arbeitsfähigkeit mit bewusstseinsnaher
Aggravation werde durch die Observation belegt.
4.4. Aus den vorstehend dargelegten (versicherungs-)medizinischen
Abklärungsergebnissen erhellt, dass die anlässlich der ursprünglichen
Verfügung im Vordergrund gestanden neurokognitiven
Funktionseinschränkungen im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügungen
nicht mehr bzw. nicht mehr in demselben Ausmass bestanden haben
können. Die neurologisch-psychiatrischen, neuropsychologischen und
orthopädisch-chirurgische Begutachtungen samt Ergänzungen zeigen
anhand einer Vielzahl von festgestellten Inkonsistenzen eindeutig auf, dass
augenfällig erhebliche Diskrepanzen zwischen den vom Beschwerdeführer
geltend gemachten funktionellen Beeinträchtigungen und der von ihm
anlässlich der Begutachtungen bzw. während der Ermittlungen seitens der
Fachstelle BVM und der Observation durch die S._ GmbH gezeigten
Verhalten bestehen, was für die Annahme eines Ausschlussgrundes im
Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sprechen würde (siehe
dazu bereits vorstehende Erwägung 4). In nachvollziehbarer Weise sind für
die medizinischen Gutachter diese Widersprüche nicht medizinisch
erklärbar. Vielmehr seien die Diskrepanzen so ausgeprägt, dass keine
- 42 -
Störungen auf neurologischem bzw. neuropsychologischem Gebiet
objektivierbar seien. Auch wenn aufgrund der bildgebend nachgewiesenen
hirnstrukturellen Veränderungen qualitative Einschränkungen der
neurokognitiven Leistungsfähigkeit zu erwarten wären, lasse sich das
Ausmass der funktionellen Beeinträchtigungen wegen des Verhaltens des
Beschwerdeführers nicht (objektiviert) quantifizieren (vgl. etwa IV-act. 163
S. 23 ff., IV-act. 166 S. 56 ff., IV-act. 234 S. 5 ff., IV-act. 241 und IV-
act. 255 S. 15 ff.). Die Kritik des Beschwerdeführers daran, vermag nicht
zu überzeugen, erachtete doch der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie
und Psychotherapie, Prof. Dr. med. U._, neurologische und/oder
psychiatrische Krankheitsgründe als Ursache für (gewisse) Inkonsistenzen
nicht als (objektiv) ausgewiesen (siehe IV-act. 166 S. 57 ff. und IV-act. 241
S. 9). Dies ist auch in Anbetracht der Abklärungsergebnisse der Fachstelle
BVM nicht zu beanstanden. Dem entgegenstehende fachärztliche
Einschätzungen, namentlich aus den Bereichen Neurologie und/oder
Psychiatrie, liegen nicht vor. Dies erstaunt nicht, finden sich in den Akten
doch in jüngerer Zeit keine Angaben über eine psychiatrische oder
psychotherapeutische Behandlung, obwohl Hausarzt Dr. med. R._
selbst bereits im Verlaufsbericht vom 9. Dezember 2015 von einem im
Vordergrund stehenden psychopathologischen Beschwerdebild ausging
(siehe IV-act. 132 S. 2). Zudem wird im neurologischen Gutachten vom
10. Juli 2017 namentlich auf eine mangelhafte Medikamentencompliance
hinsichtlich Amitriptylin (Antidepressivum, Migränemittel,
Neuropathiepräparat) hingewiesen (siehe IV-act. 166 S. 49 und 58). Der
Beschwerdeführer berichtete gegenüber dem orthopädischen Gutachter
von beinahe täglichen Albträumen, in denen er das Unfallereignis wieder
erlebe und in der Nacht nassgeschwitzt aufwache (siehe IV-act. 166 S. 77).
Diese Umstände wären im Rahmen des bei psychischen Erkrankungen
durchzuführenden strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V
281 unter dem Gesichtspunkt der Indikatoren "Behandlungs- und
Eingliederungserfolg oder -resistenz" aus dem Komplex
- 43 -
"Gesundheitsschädigung" der Kategorie "Funktioneller Schweregrad"
sowie "Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck" aus der Kategorie "Konsistenz" zumindest als sehr
auffallend zu bewerten. Gegenüber dem orthopädischen Gutachter gab der
Beschwerdeführer zudem an, dass er lediglich bei seinem Hausarzt
Dr. med. R._ in Behandlung sei und die letzte Konsultation von
Spezialisten schon viele Jahre zurückliege. Namentlich hat gemäss
Dr. med. V._ die letzte fachärztliche orthopädisch-chirurgische
Untersuchung letztmals vor 13.5 Jahren stattgefunden (siehe IV-act. 166
S. 83 und 124). Die fehlende fachärztliche Behandlung wird auch von
Dr. med. R._ in seinem Verlaufsbericht 9. Dezember 2015 bestätigt,
wonach zur Zeit keine spezielle therapeutische Behandlung erfolge (siehe
IV-act. 132 S. 2).
Auch wenn eine leistungsausschliessende Aggravation nicht leicht leichthin
bzw. bei blossen Verdeutlichungstendenzen erst bei zweifellosem
Überschreiten einer nicht immer leicht zu bestimmenden Grenze
anzunehmen ist (siehe dazu BGE 141 V 281 E.2.2.1 f.; Urteile des
Bundesgerichts 8C_378/2018 vom 30. November 2018 E.6.1
f.8C_380/2019 vom 11. Oktober 2019 E.4.3.2.3 f. und 9C_218/2018 vom
22. Juni 2018 E.1.3.3 und 9C_154/2016 vom 19. Oktober 2016 E.4.4),
finden sich in der medizinischen Aktenlage – wie in den vorstehenden
Erwägungen 4.3.1 ff. bereits ausführlich dargelegt – eine Vielzahl von
konkreten und nicht anderweitig erklärbaren Hinweisen auf ausgeprägte
Inkonsistenzen bzw. Aggravation beim Beschwerdeführer. Dabei ist
insbesondere hervorzuheben, dass sich aus der gesamten Aktenlage
erhebliche Diskrepanzen zwischen den subjektiv beklagten
neurokognitiven Einschränkungen, den Ergebnissen der
neuropsychologischen Testungen, der Anamnese und dem tatsächlichen
Verhalten im ausserberuflichen Bereich ergeben. So wies Dr. phil. T._
in seiner Gutachtensergänzung vom 27. März 2018 etwa auf die
- 44 -
Diskrepanz zwischen den neuropsychologischen Testergebnissen mit
durchgängig schwergradig eingeschränkten neurokognitiven Fähigkeiten
und der selbstständigen Vornahme einer Fahrzeugreparatur, dem Lenken
eines Motorfahrzeuges, der Fähigkeit zur sprachlichen Verständigung in
deutscher Sprache sowie der selbständigen Selbstversorgung und -pflege
hin. Diese Differenzen seien neuropsychologisch in keiner Weise erklärbar,
womit als Ursache dafür von nichtmedizinischen Gründen auszugehen sei.
Wenn der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang eine erfolglose
Reparatur geltend macht, welche mehr Schaden als Nutzen verursacht
habe, vermag dies die fachliche Beurteilung von Dr. phil. T._ nicht in
Frage zu stellen. Denn bereits für die blosse Planung und Ausführung der
Reparatur bedarf es neurokognitiver Fähigkeiten, welche gemäss den
Testergebnissen fast vollständig schwergradig eingeschränkt gewesen
sein sollen (so etwa Planungsfähigkeit, Gedächtnisfähigkeiten, das Finden
von Lösungsstrategien, räumliche Vorstellungsfähigkeit; siehe dazu IV-
act. 234 S. 2 f. und 7 ff.). Insofern bestand für die Beschwerdegegnerin
auch kein Anlass, weitere Abklärungen zum Reparaturerfolg vorzunehmen.
Des Weiteren wurden sowohl im Rahmen der gutachterlichen Abklärungen
als auch im Rahmen der Abklärungen seitens der Fachstelle BVM
gravierende Diskrepanzen zwischen den gezeigten somatischen
Beschwerden in beobachtet oder unbeobachtet geglaubten Momenten
beim Beschwerdeführer festgestellt (siehe etwa IV-act. 166 S. 46 ff., 57,
84, 90 ff., 112 ff. und IV-act. 241 S. 4 ff.). Ausserdem traten nicht
nachvollziehbar erklärbare Inkonsistenzen bei den somatischen
Beschwerden auf, wie etwa der Wechsel des Hinkens anlässlich der
orthopädischen bzw. neurologisch-psychiatrischen Untersuchung, die
auffälligen Waddel-Tests, die Diskrepanzen bei der wiederholten Palpation
und den Bewegungsabläufen sowie die Angabe einer unglaubwürdig
hohen Schmerzintensität auf einer visuellen Analogskala (siehe etwa IV-
act. IV-act. 166 S. 57, 75 f., 87, 113 ff. sowie IV-act. 241 S. 9). Diese
schlüssigen gutachterlichen Beurteilungen werden durch die gegenteiligen
- 45 -
Ausführungen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau im Rahmen des
ihnen am 18. Oktober 2017 gewährten rechtlichen Gehörs (siehe IV-
act. 184 und BVM-act. 14) in keiner Weise erschüttert.
4.5. Im Übrigen verfängt auch die an den verschiedenen Gutachten geäusserte
Kritik des Beschwerdeführers nicht. Denn die Gutachter haben sich jeweils
in Kenntnis der medizinischen Vorakten mit den gesundheitlichen
Einschränkungen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und ihre
Schlussfolgerungen gestützt auf die eigenen Untersuchungen,
Befunderhebungen, radiologischen Bildgebungsverfahren und
Laborauswertungen getroffen. Auch berücksichtigten und würdigten sie die
vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden (siehe IV-act. 163 S. 2 ff.,
IV-act. 166 S. 4 ff., 49 ff. und 71 ff.). Die Ausführungen zur Beurteilung der
medizinischen Situation sind nach Ansicht des streitberufenen Gerichts
einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen zum
Gesundheitszustand sowie zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nachvollziehbar begründet (siehe BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a;
Urteile des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 16. Januar 2020 E.3.2 und
8C_610/2018 vom 22. März 2019 E.2.2.1).
4.5.1. Soweit der Beschwerdeführer den (Teil-)Gutachten ihre Beweiskraft
abspricht, weil sie nicht aufzeigten, inwiefern sich der Gesundheitszustand
seit der letzten materiellen Beurteilung verbessert haben solle, übersieht
er, dass die Gutachter dazu ausdrücklich Stellung genommen haben (siehe
IV-act. 166 S. 61 und 124). Dabei hielt der orthopädische Gutachter
Dr. med. V._ fest, dass aufgrund der orthopädisch-chirurgischen
Aktenlage (wobei der letzte entsprechende Bericht aus dem Jahr 2003
datiere) eine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit – auch
angesichts der damaligen Berentung bei einem Invaliditätsgrad von 100%
infolge der hirnorganischen kognitiven Leistungsminderungen bei
Frontalhirnsyndrom mit Gereiztheit und Affektlabilität – nicht möglich sei.
- 46 -
Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht sei der Beschwerdeführer hingegen
spätestens ab dem Zeitpunkt der Untersuchung am 7. Juli 2017 in der
umschriebenen, adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Prof. Dr. med.
U._ hielt zu dieser Thematik fest, dass bereits in der
neuropsychologischen Untersuchung im Jahr 2004 auf eine auffällige
Symptomvalidierung hingewiesen worden sei, die Beschwerdegegnerin
aber seinerzeit nicht darauf reagiert habe. Werde das Verhalten des
Beschwerdeführers im Jahr 2004 mit dem aktuellen verglichen, sei es
unverändert. Weiter hielt der neurologisch-psychiatrische Gutachter fest,
dass aufgrund des auffälligen Verhaltens und der unzureichenden Mitarbeit
des Versicherten im Untersuch aktuell im neurologischen Fachgebiet keine
handicapierenden Fähigkeitsstörungen objektiviert werden könnten.
Bildgebend seien zwar frontalhirnige Verletzungen als struktureller
Schaden unstreitig. Das gezeigte Verhalten sei jedoch mit Störungen nach
Frontalhirnverletzungen nicht kompatibel, sondern sei eher als
bewusstseinsnahe Verhaltensveränderung einzustufen. Soweit Prof.
Dr. med. U._ bereits die im neuropsychologischen
Untersuchungsbericht vom 4. März 2004 von Dr. phil. J._ und
Dr. rer. nat. P._ erwähnte auffällige Symptomvalidierung gemäss
DMT-Test anspricht, ist zu bedenken, dass diese zwar gewisse Zweifel an
einem neurologischen Korrelat für die mittelstark bis stark beeinträchtigten
kognitiven Ergebnissen hätte wecken können, solche (fach-)ärztlicherseits
aber schliesslich nicht gewürdigt wurden und auch nicht in die Verfügung
vom 17. Februar 2016 eingeflossen sind (siehe dazu IV-act. 5 f., IV-act. 63
S. 5 sowie IV-act. 64 und 72). In jedem Fall erreichten die damaligen
neuropsychologischen Inkonsistenzen nicht dasjenige (bewusstseinsnahe)
Ausmass, wie es von Dr. phil. T._, Prof. Dr. med. U._ und
Dr. med. V._ nun festgestellt wurde und eine objektivierte Beurteilung
der neurokognitiven Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
verunmöglichte (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_380/2019 vom
11. Oktober 2019 E.4.3.1 und E.4.4).
- 47 -
4.5.2. Ebenso wenig vermag der Einwand zu überzeugen, dass im
neurologischen Gutachten nur der Verdacht auf Aggravation geäussert
werde, hält Prof. Dr. med. U._ in seiner Gutachtensergänzung vom
17. November 2018 doch eindeutig fest, dass die im Gutachten getroffene
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mit bewusstseinsnaher Aggravation
durch die Observation ausdrücklich belegt worden sei. Der
Beschwerdeführer habe anlässlich der Anamnese und Untersuchung am
7. Juli 2017 bewusstseinsnahe Falschangaben gemacht sowie
bewusstseinsnahe Bewegungseinschränkungen aggraviert und es seien
bei ihm keine wesentlichen, handicapierenden (neurologischen)
Fähigkeitseinschränkungen feststellbar gewesen (siehe IV-act. 241). Auch
Dr. phil. T._ sah in seiner Gutachtensergänzung vom 27. März 2018
aufgrund der ihm vorgelegten Ermittlungsergebnisse der Fachstelle BVM
den hinreichenden Verdacht auf Aggravation bzw. deutliche
Selbstlimitierung seitens des Beschwerdeführers im Rahmen der
neuropsychologischen Testungen bestätigt (siehe IV-act. 234).
4.5.3. Soweit im Weiteren moniert wird, der neurologische Gutachter nehme
lediglich immer wieder Bezug auf Inkonsistenzen, ohne diese vor dem
Hintergrund der bleibenden hirnorganischen Schädigung zu diskutieren,
übersieht der Beschwerdeführer, dass Prof. Dr. med. U._
grundsätzlich anerkennt, dass neurologische Fähigkeitsstörungen trotz
auffälliger Symptomvalidierung nicht vollständig ausgeschlossen werden
könnten, es aber aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers nicht
möglich sei, diese einer detaillierten, objektivierten Diagnostik zuzuführen.
Überdies erscheint es nachvollziehbar, wenn die gezeigten, situativ
angepassten und inkonsistenten Einschränkungen des
Beschwerdeführers, welche Prof. Dr. med. U._ auch in seinem
Gutachten aufführt, in neurologisch-psychiatrischer Hinsicht als nicht mit
dem bei hirnorganischen Störungen zu erwartenden Verhalten
- 48 -
übereinstimmend eingestuft werden. Inwiefern die beobachteten
Inkonsistenzen auch aus orthopädischer Sicht einer ausführlichen
Diskussion bedurft hätten, erschliesst sich dem streitberufenen Gericht
nicht. Hinsichtlich des Vorwurfs, es sei nicht abgeklärt worden, ob eine
verselbstständigte, krankheitswerte psychische Störung die
Antwortverzerrung erklären könnte, ist zwar anzumerken, dass sich in den
älteren medizinischen Akten durchaus psychische (Verdachts-)Diagnosen
finden, wie etwa eine Persönlichkeits- und Verhaltensstörung, eine
posttraumatische Belastungsstörung bzw. eine Anpassungsstörung (siehe
IV-act. 3 S. 3, IV-act. 4 S. 3, IV-act. IV-act.7 S. 1, IV-act. 54, IV-act. 63
S. 4, IV-act. 143 S. 2). Diesen wurde aber – soweit aktenkundig – aus
psychiatrischer Sicht damals nicht weiter nachgegangen, wurden doch die
hirnstrukturellen Veränderungen nachvollziehbar als im Vordergrund
stehend betrachtet. Demnach liegen auch keine zeitnahen fachärztlichen
Berichte zu den genannten psychischen Krankheitsbildern vor. Zudem hat
der Beschwerdeführer über die vergangenen letzten Jahre nachweislich
weder eine neuropsychologische noch eine psychiatrische oder
psychotherapeutische Therapie bzw. Behandlung in Anspruch genommen,
was im Rahmen einer Standardindikatorenprüfung betreffend die
funktionellen Auswirkungen nicht zu vernachlässigende Auswirkungen
hätte. Ausserdem handelt es sich beim neurologisch-psychiatrischen
Gutachter Prof. Dr. med. U._, welcher den Beschwerdeführer
persönlich untersucht hat, nicht nur um einen Facharzt für Neurologie,
sondern auch für Psychiatrie und Psychotherapie.
Schliesslich vermag auch die Kritik, wonach den Observationsmaterialien,
namentlich infolge der erfolglosen Fahrzeugreparatur, keine Hinweise auf
eine kognitive Leistungsfähigkeit entnommen werden könnten, nicht zu
überzeugen. Wie bereits dargelegt, ist bereits der anlässlich der Vor- bzw.
Sachverhaltsermittlungen durch die Fachstelle BVM festgestellte Umstand,
dass der Beschwerdeführer sicher ein Fahrzeug lenken bzw. gezielte
- 49 -
Arbeiten daran verrichten kann, nicht mit den von ihm geltend gemachten
neurokognitiven Funktionseinschränkungen vereinbar (siehe dazu bereits
vorstehende Erwägung 4.4).
4.6. Insgesamt hat die Beschwerdegegnerin somit zu Recht das Vorliegen
eines Revisionsgrundes bejaht. Aufgrund der beweiswertigen Gutachten
von Dr. phil. T._, Prof. Dr. med. U._ und Dr. med. V._ kann
auf die beantragte (Rückweisung zur) Einholung eines neuen Gutachtens
verzichtet werden, zumal das streitberufene Gericht aufgrund der bereits
abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und annehmen
kann, dass diese Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht
geändert würde (vgl. BGE 136 I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3).
5. Der Beschwerdeführer stellt des Weiteren die Verwertbarkeit der
gutachterlich attestierten (Rest-)Arbeitsfähigkeit in einer optimal
adaptierten Tätigkeit in Abrede. Er sei infolge des gutachterlichen
Belastungsprofils in jeglicher körperlichen Tätigkeit erheblich
eingeschränkt. Die Beschwerdegegnerin könne nicht aufzeigen, welche
(konkreten) Tätigkeiten überhaupt noch zumutbar seien. Zudem blieben die
kognitiven Einschränkungen beim Belastungsprofil zu Unrecht vollkommen
unberücksichtigt.
Der Beschwerdeführer erhob diese Rüge bereits im Einwand vom 4. März
2019 (siehe IV-act. 252 S. 16 f.), woraufhin die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung vom 25. März 2019 betreffend die Einstellung
der Invalidenrente entgegnete, dass dem Beschwerdeführer auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt trotz der Beschränkung auf eine leichte bis
mittelschwere körperliche Tätigkeit mit intermittierender stehender,
gehender, jedoch überwiegend sitzender Tätigkeit genügend zumutbare
Tätigkeiten offen stünden und somit das Invalideneinkommen ohne weitere
Abklärungen auf Basis der Tabellenlöhne gemäss Lohnstrukturerhebung
- 50 -
des Bundesamtes für Statistik (LSE) ermittelt werden könne (siehe Akten
des Beschwerdeführers [Bf-act.] 2a S. 7).
5.1. Die Beschwerdegegnerin stellt sich zu Recht auf den Standpunkt, dass der
Referenzpunkt für die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
der hypothetische, ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 und Art. 16
ATSG) ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts handelt es sich
dabei um einen theoretischen, abstrakten Begriff, der dazu dient, den
Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der
Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits
ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der
Nachfrage nach Stellen. Anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der
von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält
und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob
die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu
verwerten (siehe BGE 134 V 64 E.4.2.1, 110 V 273 E.4b; Urteile des
Bundesgerichts 8C_710/2018 vom 30. Januar 2019 E.7.1 und
8C_458/2018 vom 23. Oktober 2018 E.4.2; ZAK 1991 S. 320 f.). Daraus
folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob
eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene
Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren
Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (vgl.
AHI-Praxis 6/1998 S. 291). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch
sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Arbeitsangebote, bei welchen
invalide Personen mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des
Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt
- 51 -
praktisch nicht kennt, oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und
das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein
ausgeschlossen erscheint (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_143/2019
vom 21. August 2019 E.5.2, 9C_183/2017 vom 30. Oktober 2017 E.4.2 und
9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1 m.H.). Art und Mass dessen, was
einem Versicherten an Erwerbstätigkeit noch zugemutet werden kann,
richtet sich nach seinen besonderen persönlichen Verhältnissen einerseits
und nach den allgemein herrschenden Auffassungen andererseits. Für die
Beurteilung der Zumutbarkeit ist letztlich insofern eine objektive
Betrachtungsweise massgebend, als es nicht auf eine bloss subjektiv
ablehnende Bewertung der infrage stehenden Erwerbstätigkeit durch den
Versicherten ankommt (MEYER/REICHMUTH, in: STAUFFER/CARDINAUX
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
[IVG], 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a Rz. 28).
5.2. Im vorliegenden Fall hat einzig der orthopädisch-chirurgische Teilgutachter
Diagnosen mit (objektivierbaren) Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
stellen können und ein entsprechendes negatives Belastungsprofil
definiert. Danach werden als ungeeignet erachtet: Schwerst- und
Schwerarbeiten; ständige mittelschwere Arbeiten; beidhändiges Heben
und Tragen von Lasten körperfern über 10 kg ohne technische Hilfsmittel;
beidhändiges Heben und Tragen von Lasten körpernah über 15 kg ohne
technische Hilfsmittel; repetitive stereotype Bewegungsabläufe; Tätigkeiten
mit repetitivem Bücken, Kauern und Hocken; mehr als gelegentliches
Arbeiten in Zwangshaltungen; Gehen auf unebenem Gelände; Besteigen
von Leitern, Gerüsten und schrägen Ebenen; mehr als gelegentliches
Treppensteigen; Tätigkeiten mit länger währender Einnahme nur einer
Körperposition; jedwede Akkordarbeit unter Einschluss des linken
Ellbogen- und Schultergelenkes; jedwede repetitive kräftigen
- 52 -
Haltetätigkeiten der linken Hand; links keine länger währende Tätigkeit
über Schulterniveau; Tätigkeit mit mehr als gelegentlichem, kraftvollem
Stossen, Zug- und Drehbewegungen, axialem Abstützen, Vibrationen,
Schlägen sowie repetitivem, kräftigem Zupacken im Bereich des linken
Armes/Schultergelenkes; Tätigkeiten im Freien ohne Schutz vor Kälte,
Zugluft, Nässe sowie Tätigkeiten auf regen- und eisglattem Untergrund.
Dafür bestehe eine (quantitativ unlimitierte) Arbeitsfähigkeit von 100%
bezogen auf ein volles Pensum. Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
wurde im bidisziplinären Konsens durch Prof. Dr. med. U._ bestätigt
(siehe IV-act. 166 S. 119 ff. und 132 f.).
Auch wenn die Liste der Schonkriterien lange anmutet, geht daraus im
Wesentlichen hervor, dass dem Beschwerdeführer leichte bis
mittelschwere körperliche Tätigkeiten mit intermittierender stehender,
gehender und überwiegend sitzender Körperposition, insbesondere unter
Rücksichtnahme auf die linke Schulter und des linken Armes, ganztags
zumutbar sind. Insofern ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten,
dass dem Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
genügend Einsatzmöglichkeiten in einer leidensadaptierten Tätigkeit
offenstehen. Dem Umstand, dass im kognitiven Bereich Einschränkungen
der Leistungsfähigkeit (unbekannten Ausmasses) bestehen könnten, wird
im Übrigen bereits dadurch Rechnung getragen, dass zur Ermittlung des
Invalideneinkommens auf das Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art) abgestellt und unter gesamthafter
Würdigung der Umstände ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn
von 10 % berücksichtigt wurde (siehe Bf-act. 2a S. 3 und IV-act. 255 S. 21).
6. Der Beschwerdeführer wendet sich schliesslich gegen die ebenfalls am
25. März 2019 verfügte Rückforderung von ausbezahlten
Rentenleistungen im Betrag von Fr. 20'360.-- (siehe Bf-act. 2b). Dazu führt
er aus, dass kein Tatbestand von Art. 25 ATSG vorliege und er, wie in der
- 53 -
Beschwerde aufgezeigt, keine Leistungen zu Unrecht bezogen habe.
Vielmehr habe die Beschwerdegegnerin die ihm zustehenden
Rentenleistungen mit der vorsorglichen Renteneinstellung per 31. Oktober
2017 vorenthalten.
6.1. Unrechtmässig bezogene Leistungen sind grundsätzlich zurückzuerstatten
(Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG). Wer Leistungen in gutem Glauben
empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte
vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG). Der gute Glaube als
Erlassvoraussetzung ist nicht schon mit der Unkenntnis des
Rechtsmangels gegeben. Der Leistungsempfänger darf sich aber nicht nur
keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit
schuldig gemacht haben. Der gute Glaube entfällt somit von vornherein,
wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige oder
grobfahrlässige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist.
Anderseits schliesst eine nur leichte Fahrlässigkeit der
rückerstattungspflichtigen Person die Berufung auf den guten Glauben
nicht zwingend aus. Wie in anderen Bereichen beurteilt sich das Mass der
erforderlichen Sorgfalt nach einem objektiven Massstab, wobei aber das
den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare
(Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht
ausgeblendet werden darf (siehe BGE 138 V 218 E.4, 112 V 97 E.2c, 110
V 176 E.3c; Urteile des Bundesgerichts 8C_458/2019 vom 24. September
2019 E.4.1 und 8C_213/2019 vom 13. Juni 2019 E.2.1).
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten erfolgt gemäss Art. 88bis
Abs. 2 lit. a IVV frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats an. Sie erfolgt rückwirkend ab Eintritt der für
den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu
Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht
nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der
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Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die
Weiterausrichtung der Leistung war (Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV). Gemäss
Art. 77 IVV haben der Berechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie
Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt, jede für den
Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des
Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit, des Zustands
der Hilflosigkeit, des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes oder
Hilfebedarfs, des für den Ansatz der Hilflosenentschädigung und des
Assistenzbeitrages massgebenden Aufenthaltsortes sowie der
persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des
Versicherten unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (vgl. auch Art. 31
Abs. 1 ATSG). Für den Tatbestand der Meldepflichtverletzung ist ein
schuldhaftes Fehlverhalten erforderlich, wobei nach ständiger
Rechtsprechung bereits eine leichte Fahrlässigkeit genügt (vgl. zum
Ganzen BGE 118 V 214 E. 2a; Urteile des Bundesgerichts 9C_221/2018
vom 16. Oktober 2018 E.6.1, 9C_658/2015 vom 9. Mai 2016 E.4.1,
9C_338/2015 vom 12. November 2015 E.2).
6.2. Aus den angefochtenen Verfügungen geht hervor, dass die
Beschwerdegegnerin Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV angewendet hat. Dies ist
nicht zu beanstanden. Wie im Rahmen der ab August 2016 durchgeführten
Ermittlungsmassnahmen seitens der Fachstelle BVM festgestellt werden
konnte, war der Beschwerdeführer in der Lage, zahlreiche Aktivitäten ohne
wesentliche sichtbare Einschränkungen vorzunehmen. Gegenüber der
Fachstelle BVM (am 29. März 2017 und 18. Oktober 2017 [siehe BVM-
act. 4 und 14]), den medizinischen Gutachtern (am 16. bzw. 30 Juni sowie
7. Juli 2017 [siehe IV-act. 163 und 166) und im Revisionsfragebogen vom
17. November 2015 (siehe IV-act. 125) gab er hingegen zahlreiche und
massive Beschwerden und Einschränkungen an. Obschon der
Beschwerdeführer gestützt auf Art. 28 und 43 ATSG zu wahrheitsgetreuen
Angaben gegenüber dem Sozialversicherer verpflichtet war (siehe dazu
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Urteile des Bundesgerichts 9C_338/2015 vom 12. November 2015 E.4.2,
9C_680/2014 vom 15. Mai 2015 E.7.2, je mit Hinweis auf 9C_258/2014
vom 3. September 2014 E.4.4), hat er wiederholt (objektiv) unzutreffende
Angaben zu seinem Gesundheitszustand gemacht und sich als schwer
eingeschränkt in nahezu allen Lebensbereichen präsentiert. Dieses
Verhalten lässt auch in Anbetracht der gutachterlichen Würdigung der
Diskrepanzen als bewusstseinsnah einzig den Schluss zu, dass der
Beschwerdeführer sehr wohl um die Erheblichkeit der eingetretenen
Gesundheitsverbesserung wusste (vgl. auch Urteile des Bundesgerichts
9C_338/2015 vom 12. November 2015 E.4.2 und 8C_349/2015 vom
2. November 2015 E.5). In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass
der Beschwerdeführer namentlich in der Verfügung vom 17. Februar 2006
(siehe IV-act. 72) und der Mitteilung vom 17. November 2010 (siehe IV-
act. 101) auf die Meldepflicht hinsichtlich Veränderungen des
Gesundheitszustandes bzw. der Arbeitsfähigkeit hingewiesen wurde.
Zudem war ihm der Bestand von Meldepflichten und das System der
Rückforderung von zu Unrecht bezogenen Leistungen bereits aus einem
SUVA-Verfahren bekannt (siehe IV-act. 130 f.). Mithin ist eine schuldhafte
Meldepflichtverletzung zu bejahen, womit die Invalidenrente zu Recht
rückwirkend per 28. Februar 2017 aufgehoben wurde. Ebenso wenig zu
beanstanden ist infolgedessen die angeordnete Rückerstattung, welche in
masslicher Hinsicht unbestritten geblieben ist.
7. Die angefochtenen Verfügungen vom 25. März 2019 erweisen sich somit
als rechtens, womit die Beschwerde abzuweisen ist. Gemäss Art. 69
Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von Art. 61
lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von
Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr. 1ꞌ000.-- festgelegt. Aufgrund des Ausgangs des vorliegenden
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Verfahrens sind die Gerichtskosten von Fr. 700.-- grundsätzlich durch den
unterliegenden Beschwerdeführer zu tragen. Er hat allerdings um
unentgeltlich Prozessführung und Verbeiständung ersucht.
7.1. Nach Art. 29 Abs. 3 BV hat jede Person, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr
Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (vgl. auch Art. 76 Abs. 1
VRG). Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie
ausserdem Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand. Art. 61
lit. f ATSG wiederholt das Recht auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung
explizit (siehe BGE 135 I 1 E.7.1; vgl. auch Art. 76 Abs. 3 VRG).
7.2. Aufgrund der vom Beschwerdeführer gemachten Angaben über seine
finanzielle Situation, ist seine Bedürftigkeit als ausgewiesen zu betrachten.
Namentlich resultiert aus der Gegenüberstellung der monatlichen
Ausgaben gemäss erweitertem betreibungsrechtlichen Existenzminimum
sowie dem angegebenen Erwerbseinkommen eindeutig ein monatliches
Manko zwischen Einnahmen und Aufwendungen. Zudem liegt eine
Bestätigung der Wohnsitzgemeinde vom 13. Juni 2019 über den Bezug
von wirtschaftlicher Sozialhilfe seit Dezember 2018 vor. Ferner gewährte
bereits die Vorinstanz dem Beschwerdeführer in der angefochtenen
rentenaufhebenden Verfügung vom 25. März 2019, gestützt auf einen
Leistungsentscheid der Wohngemeinde zur Gewährung von
wirtschaftlicher Sozialhilfe, die unentgeltliche Rechtsvertretung und ging
damals ebenfalls von einer Bedürftigkeit aus (siehe Bf-act. 2a S. 8).
Massgebende Veränderungen in der finanziellen Situation des
Beschwerdeführers, welche eine Prozessarmut ausschliessen würden,
sind keine ersichtlich. Schliesslich ist vorliegend auch die Notwendigkeit
einer fachkundigen Rechtsvertretung zu bejahen und die Sache erschien,
in Übereinstimmung mit der Beurteilung der Beschwerdegegnerin für das
vorinstanzliche Verfahren, gerade noch nicht aussichtslos.
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Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers machte in ihrer
Leistungsaufstellung vom 26. Juni 2019 ein Vertretungsaufwand von 14
Stunden und eine Auslagenpauschale von Fr. 126.-- geltend. Die
Bemessung der Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertreterin
richtet sich nach kantonalem Recht (siehe BGE 131 V 153 E.6.1; Urteile
des Bundesgerichts 9C_433/2019 vom 25. März 2020 E.4.1, 9C_378/2016
vom 28. Juni 2016 E.3.1 und 8C_48/2016, 8C_49/2016 vom 15. März 2016
E.4.1.1; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020,
Art. 61 Rz. 194). Gemäss Art. 76 Abs. 3 VRG bemisst sich die
Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung nach der
Anwaltsgesetzgebung. Gemäss Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die
Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (HV,
BR 310.250) beträgt der Honoraransatz für den berechtigten Aufwand im
Rahmen der bewilligten unentgeltlichen Vertretung Fr. 200.-- pro Stunde.
Die in der Leistungsaufstellung vom 26. Juni 2019 geltend gemachten
14 Stunden umfassen namentlich 11.3 Stunden für das Aktenstudium und
die Erstellung der Beschwerdeschrift sowie weitere 1.5 Stunden für den
zukünftigen Aufwand für das Urteilsstudium und die Besprechung des
Urteils mit dem Klienten. Für solche zukünftigen Aufwendungen wird
praxisgemäss lediglich eine Stunde gewährt (siehe u.a. Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 18 81 vom
18. Februar 2020 E.7.1). Angesichts des bereits sehr ausführlichen
Einwandes vom 4. März 2019 (siehe IV-act. 252), in welchem im
Wesentlichen dieselben Rügen wie in der der Beschwerde vom 13. Mai
2019 erhoben wurden, erweist sich der geltend gemachte zeitliche
Aufwand zzgl. Spesenpauschale im Betrag von Fr. 126.-- als nicht mehr
angemessen und ist zu kürzen. Dementsprechend ist die Entschädigung
für die unentgeltliche Rechtsvertreterin pauschal auf Fr. 2'200.-- (inkl.
Spesen und MWST) festzusetzten.
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7.3. Damit gehen die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 700.-- sowie die
Entschädigung im Betrag von Fr. 2'200.-- für Rechtsanwältin MLaw
Stephanie C. Elms, in Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsvertretung, (vorläufig) zu Lasten der Gerichtskasse.
7.4. Hinzuweisen bleibt auf den Vorbehalt in Art. 77 VRG, wonach die
erlassenen Gerichtskosten und die Kosten für die unentgeltliche
Rechtsvertretung zu erstatten sind, wenn sich die Einkommens- oder
Vermögensverhältnisse des Beschwerdeführers dereinst verbessern
sollten.