Decision ID: cd463c43-fec4-5206-85e7-0b6d154e9195
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die H. AG hat ihren Sitz in S. Ihre Zweigniederlassung "M." betrieb in O. vom 1. Juli
2007 bis im April 2009 eine Fischzucht. Der Gemeinderat O. sicherte der H. AG am 18.
Juni 2007 zu, für das der Abwasserreinigungsanlage zugeführte Abwasser, sog.
Prozesswasser, in Abweichung vom geltenden Tarif eine Gebühr von Fr. -.70 pro m in
Rechnung zu stellen. Nach Aufnahme des Normalbetriebs sollte einzig das Abwasser
aus den sanitären Einrichtungen sowie aus der betrieblichen Küche der öffentlichen
Kanalisation zufliessen. Das Abwasser aus der Fischzuchtanlage sollte in einer internen
Reinigungsanlage aufbereitet werden.
Mit Rechnung vom 12. Januar 2009 erhob die Gemeindeverwaltung O. bei der H. AG
für die Zeit vom 1. August bis 31. Dezember 2008 Abwassergebühren von Fr.
31'695.30 (45'279 m à Fr. -.70) zuzüglich Mehrwertsteuer von Fr. 2'408.85 (7,6 %).
Eine von der H. AG erhobene Einsprache wurde vom Gemeinderat O. mit Entscheid
vom 16. März 2009 abgewiesen.
B./ Gegen den Einspracheentscheid erhob die H. AG durch ihren Rechtsvertreter mit
Eingaben vom 1. April und 25. Mai 2009 Rekurs, der von der
Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 10. Dezember 2009 abgewiesen
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wurde. Die Verwaltungsrekurskommission erwog, die Reglemente der Politischen
Gemeinde O. erfüllten die formellen Anforderungen für die Erhebung öffentlicher
Abgaben. Die der Abwasserreinigungsanlage in der Zeit vom 1. August bis 31.
Dezember 2008 zugeleitete Abwassermenge von 45'279 m werde nicht angefochten.
Zu Recht sei die H. AG als Abgabesubjekt ins Recht gefasst worden. Dass die
Zweigniederlassung mittlerweile durch Konkurs mit Wirkung ab 13. Juli 2009 aufgelöst
worden sei, wirke sich deshalb auf die Veranlagung der H. AG nicht aus. Die
Reglemente würden Abweichungen vom festgelegten Ansatz zulassen. Der Ansatz von
Fr. -.70 pro m Abwasser beruhe auf einer Zusage des Gemeinderates gegenüber dem
einzelzeichnungsberechtigten Präsidenten und Geschäftsführer der H. AG. Mit dem
Gemeinderat habe die zur Festsetzung des Tarifs zuständige Behörde eine Zusage für
eine beschränkte Zeitdauer gemacht und die Rekurrentin habe gestützt darauf den
Probebetrieb aufgenommen. Stelle die Rekurrentin diese Zusage in Frage, wäre die
Gebühr nach dem allgemeinen Tarif zu bemessen. Dies hätte eine höhere Abgabe und
damit eine Verschlechterung der Rechtsstellung der Rekurrentin zur Folge.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 18. Januar 2010 erhob die H. AG
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 10. Dezember 2009 und die Gebührenrechnung für
die Periode vom 1. August bis 31. Dezember 2008 seien aufzuheben, eventuell sei die
Gebührenrechnung unter Berücksichtigung der durch die Beschwerdegegnerin
erhobenen Anschlusstaxen angemessen zu reduzieren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse. Die Beschwerdeführerin macht im
wesentlichen eine Verletzung der in Art. 27 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt
BV) statuierten Wirtschaftsfreiheit geltend. Auf die einzelnen Vorbringen wird, soweit
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 11. Februar 2010 unter Hinweis
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht vernehmen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 18. Januar 2010
wurde rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Die Vorinstanz legte im Rekursentscheid zutreffend dar, dass die von der
Beschwerdegegnerin veranlagte Abwassergebühr für die Zeit vom 31. August bis
31. Dezember 2008 auf der Grundlage der Reglemente der Politischen Gemeinde O.
vom 8. Januar 1974 und vom 24. September 2007 erhoben wurde und dass die
Reglemente dem fakultativen Referendum unterstellt und vom Baudepartement des
Kantons St. Gallen genehmigt worden waren, womit sie die Anforderungen für die
Erhebung öffentlicher Abgaben, namentlich von Abwassergebühren, erfüllen. Weiter
hielt die Vorinstanz fest, dass die Reglemente Abweichungen von den im Gebührentarif
festgelegten Gebührenansätzen vorsehen (Art. 9 Abs. 4 [recte Art. 9 Abs. 3] des
Abwasserreglements 1974 bzw. Art. 31 Abs. 1 [recte Art. 32 Abs. 1] des
Abwasserreglements vom 24. September 2007. Der Ansatz von Fr. -.70 pro m beruht
auf einer Zusage des Gemeinderates gegenüber der Beschwerdeführerin, welche von
der Vorinstanz zu Recht als verbindliche Zusicherung der zur Festsetzung des Tarifs
zuständigen Behörde qualifiziert wurde.
2.1. Die Beschwerdeführerin stellt die Rechtmässigkeit der Reglemente und die
Zulässigkeit der abweichenden Festlegung der Abwassergebühr durch den
Gemeinderat nicht in Frage, ebensowenig hat sie die Ermittlung der Abwassermenge
angefochten. Sie rügt ausschliesslich eine Verletzung von Art. 27 BV und hält fest, sie
habe bereits zu einem früheren Zeitpunkt des Verfahrens angemerkt, dass die
Abwassergebühr von Fr. -.70/m nicht akzeptiert werden könne, da sich gezeigt habe,
dass ein einziger Fisch bis zur Schlachtreife für die Aufzucht und Hälterung ca. 12 bis
14 m Wasser benötige. Hochgerechnet würden somit auf einen Fisch bereits Fr. 10.--
einzig an Abwassergebühren anfallen. Für die Berechnung der Gesamtkosten eines
einzelnen Fisches seien nebst den Abwassergebühren auch die Wasser- und
Stromgebühren sowie die einmaligen Anschlusstaxen in den Bereichen Abwasser,
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Wasser und Strom zu berücksichtigen. Anhand der Abwassergebühren werde
ersichtlich, dass die gesamten Unkosten der Aufzucht, Schlachtung und Verarbeitung
aufgrund des hohen Verbrauchs von Wasser ein Ausmass annehmen würden, welches
als unverhältnismässig zum tatsächlichen Ertrag aus der Geschäftstätigkeit erscheine.
Der Beschwerdeführerin werde mit der Festlegung der Tarife durch die verschiedenen
kommunalen Reglemente und aufgrund ihres spezifischen Tätigkeitsbereichs ein
wirtschaftliches und profitables Handeln praktisch verunmöglicht, mit Sicherheit jedoch
besonders und unverhältnismässig erschwert.
2.2. Art. 27 Abs. 1 BV bestimmt, dass die Wirtschaftsfreiheit gewährleistet ist. In der
Wirtschaftsfreiheit liegt die verfassungsrechtliche Grundentscheidung für eine
marktwirtschaftlich organisierte Wirtschaft bzw. eine Wirtschaftsordnung des freien
Wettbewerbs, die grundsätzlich eine Lenkung der Wirtschaft durch den Staat
ausschliesst (vgl. statt vieler Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern
2008, S. 1045). Bei allgemeinen Steuern und bei Lenkungsabgaben nimmt das
Bundesgericht grundsätzlich keinen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit an. Trotzdem
kommen verschiedene Teilgehalte dieses Grundrechts auch bei den Abgaben zum
Tragen. Eine Abgabe berührt die Wirtschaftsfreiheit, wenn sie so hoch ist, dass sich die
fragliche Tätigkeit nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt (Müller/Schefer, a.a.O., S.
1061 mit Hinweis auf BGE 128 I 102).
Die Zuleitung des Prozesswassers in die Abwasserreinigungsanlage erfolgte im
vorliegenden Fall lediglich während einer begrenzten Zeit bzw. bis zur Installation einer
eigenen Abwasserreinigungsanlage im Fischzuchtbetrieb. Daher handelt es sich nicht
um eine dauerhafte Belastung mit einer Abgabe während der gesamten ordentlichen
Betriebszeit. Sodann ist die Behauptung, ein einzelner Fisch benötige für die Aufzucht
bis zur Schlachtreife ca. 12 bis 14 m Wasser, nicht näher belegt. Weiter ist zu
berücksichtigen, dass die Abwassergebühr grundsätzlich dem Kostendeckungsprinzip
unterliegt. Gegenüber dem ordentlichen Ansatz von Fr. 2.50 bzw. Fr. 3.50 pro m
wurde die Gebühr für den Betrieb der Beschwerdeführerin erheblich reduziert, dies
ausdrücklich im Sinn eines Entgegenkommens der Gemeinde, wie in der Zusicherung
schriftlich festgehalten ist. Es handelt sich somit bei der Abwassergebühr nicht um eine
Steuer oder Lenkungsabgabe, welche in erster Linie der Erzielung von öffentlichen
Geldern bzw. der Veranlassung eines bestimmten Verhaltens des Betroffenen dient.
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Falls es zuträfe, dass sich die Fischzucht der Beschwerdeführerin trotz der ermässigten
Abwassergebühr nicht wirtschaftlich betreiben liess, so wäre dies jedenfalls nicht auf
die Höhe der Abwassergebühr zurückzuführen, sondern auf den Umstand, dass die Art
der Produktion auf allzu kostspieligen Grundlagen beruht hätte. Im übrigen werden in
der Schweiz verschiedene Fischzuchten betrieben (www.fischzuechter.ch), was belegt,
dass solche wirtschaftlich geführt werden können. Von einer übermässigen
Erschwerung der wirtschaftlichen Tätigkeit der Beschwerdeführerin durch übersetzte
Abwassergebühren und einer Verletzung der Wirtschaftsfreiheit kann daher nicht
gesprochen werden. Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten der Beschwerdeführerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 4'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht