Decision ID: 6ae167b8-e349-4794-a901-e410c45556a8
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jakob Ackermann, Jonerhof, Postfach 2044,
8645 Jona,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision
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Sachverhalt:
A.
A.a Die 1961 geborene S._ meldete sich am 11./17. Oktober 2000 zum Bezug von
IV-Leistungen an und beantragte namentlich eine Rente. Sie gab an, sie habe eine
Anlehre gemacht. Ihre Rückenprobleme hinderten sie an langem Stehen und Sitzen
sowie am Heben schwerer Sachen. Ihr Knie sei von Arthrose betroffen. Sie habe auch
Beschwerden an Finger-, Hand- und Zehengelenken, Ellbogen, am Genick und
teilweise am "Brustgelenk". Mangels Kraft in den Händen könne sie zeitweise keine
Flasche öffnen, keinen Knopf schliessen und den Haushalt nur teilweise selber
machen. Wegen der Schmerzen leide sie überdies an Schlafproblemen und Müdigkeit
(IV-act. 1).
A.b Dr. med. A._, Allgemeinmedizin FMH, diagnostizierte gemäss seinem Bericht
vom 13. November 2000 Polyarthralgien unklarer Ursache, eine Retropatellararthrose
rechts, ein chronisch rezidivierendes Lumbovertebralsyndrom, eine Tendovaginitis
stenosans Extensor Dig 1 rechts und einen Status nach rezidivierenden Gastritiden.
Der Gesundheitsschaden habe sich seit Juni 1999 progredient entwickelt. Weder dem
vor ihm behandelnden Arzt noch dem rheumatologischen Facharzt sei es gelungen,
objektive Befunde zu erheben, d.h. sinngemäss die beklagten Beschwerden nach ihren
Ursachen zu objektivieren. Unter einer intensiven medizinischen Trainingstherapie habe
sich die Situation verschlechtert, mit einer medikamentösen Therapie leicht verbessert.
Es sei möglich, dass im Verlauf von einem bis zwei Jahren auch bei persistierend
negativem Labor die Knochenszintigraphie einen positiven synovitischen Befund
erbringen könnte. Dann könnten stärkere Medikamente eingesetzt und dadurch könnte
möglicherweise die Arbeitsfähigkeit deutlich gesteigert werden. Im Moment und seit
Oktober 1999 sei die Versicherte als Verkäuferin, Spettfrau und Serviceangestellte zu
100 % arbeitsunfähig. Eine Vermittlung auch ausserhalb des angelernten Berufes sei
gegenwärtig schwer vorstellbar. Ihre ganztägige reduzierte Leistung erbringe sie nun im
Haushalt. Sie sei nur im Stande, den Haushalt unvollständig zu leisten (IV-act. 6-3 ff./
11). Einem beigelegten Bericht der Klinik für Radio-Onkologie und Nuklearmedizin am
Stadtspital Triemli vom 28. Januar 2000 war zu entnehmen, dass dort Szintigramme
erstellt worden waren. In dem ebenfalls beigelegten Austrittsbericht der Klinik Valens
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über den stationären Aufenthalt der Versicherten vom 24. Februar bis 9. März 2000
waren als Diagnosen bekannt gegeben worden: (erstens) eine Polyarthralgie unklarer
Ätiologie mit/bei Finger-, Hand- und Fussgelenksbefall beidseits (DD: 1. Palindromer
Rheumatismus, 2. Hydrops intermittens), (zweitens) eine Tendovaginitis stenosans
Extensor Dig I rechts, (drittens) eine Retropatellararthrose rechts, (viertens) ein
chronisch rezidivierendes Lumbovertebralsyndrom und (fünftens) ein Status nach
rezidvierenden Gastritiden (letztmals ca. 1997). Für leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Arbeit sei die Versicherte zu 100 % arbeitsfähig (IV-act. 6-8 ff./11).
A.c Am 13. Februar 2001 führte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons
St. Gallen eine Abklärung an Ort und Stelle im Haushalt durch und ermittelte dort eine
Einschränkung von 62.23 %. Die Versicherte habe im Verkauf, im Service und im
Industriebereich gearbeitet. Während ihrer ersten Ehe von 1988 bis 1995 habe sie stets
dazuverdienen müssen. Zuletzt sei sie im Jahr 1999 an 12 Stunden pro Woche als
Reinigungsangestellte bei einem Zahnarzt (für Praxis und privat) angestellt gewesen,
habe die Arbeit aber aufgeben müssen, da sie seit Sommer 1999 regelmässig auf die
Hilfe ihrer Mutter angewiesen gewesen sei. Sie wäre sonst weiterhin erwerbstätig, mit
steigender Tendenz. Es wurde eine Aufteilung des Aufgabenbereichs in 30 %
Erwerbstätigkeit und 70 % Haushalt vorgenommen, woraus sich ab Oktober 2000 ein
Invaliditätsgrad von 74 % ergebe (IV-act. 9). Mit Verfügung vom 15. Juni 2001 sprach
die IV-Stelle der Versicherten dementsprechend ab 1. Oktober 2000 bei einem
Invaliditätsgrad von 74 % eine ganze Invalidenrente zu (IV-act. 15). Eine Revision war
auf Juli 2003 vorgesehen (IV-act. 12).
B.
B.a Im August 2004 nahm die Verwaltung ein Revisionsverfahren auf. Die Versicherte
gab im Revisionsfragebogen am 20. September 2004 an, ihr Gesundheitszustand sei
gleich geblieben (IV-act. 19).
B.b In seinem Arztbericht vom 16. Oktober 2004 attestierte Dr. A._ der Versicherten
wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Der Gesundheitszustand sei stationär. Er
habe sie zuletzt am 2. März 2004 untersucht. Trotz entsprechenden Bemühungen habe
nie etwas Objektives als Ursache gefunden werden können. Es beruhe alles auf den
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Angaben der Versicherten. Mit den angegebenen Beschwerden (Gelenksbeschwerden;
Anlaufschwierigkeiten; Mühe, den Haushalt zu erledigen) habe er beim Erscheinen in
der Sprechstunde etwas Mühe. Er frage sich, ob es richtig sei, dass die Versicherte die
Rente beziehe (IV-act. 20).
B.c Auf die Frage, ob weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausgegangen
werden könne oder Abklärungen zu machen seien, hielt der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD) der Invalidenversicherung (Dr. med. B._) am 5. Januar 2005 fest, aus
medizinischer Sicht bestehe kein Revisionsgrund, also auch keine Indikation zur
Abklärung. In der Folge hielt die Fachmitarbeiterin fest, medizinisch gesehen sei die
Sachlage dieselbe wie im Jahr 2001, es sei nämlich das Vorliegen einer Invalidität nicht
ausgewiesen. Es habe eine Abklärung stattzufinden. Der RAD (Dr. med. C._)
befürwortete sie am 26. Januar 2005 angesichts der divergierenden Angaben.
B.d Das Ärztliche Begutachtungsinstitut Basel (ABI) erhob gemäss seinem Gutachten
vom 31. Januar 2006 keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Als
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden bezeichnet (erstens) eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(mit multilokulärem, unspezifischem Schmerzsyndrom, bei Polyarthralgien sowie
lumbal- und zervikalbetontem Panvertebralsyndrom, sowie muskulärer Insuffizienz und
Dekonditionierung, (zweitens) Nikotinkonsum und (drittens) rezidivierende gastrische
Beschwerden unter andauernder Einnahme von NSAID und anamnestisch
Dauertherapie mit PPI. Im Vordergrund stehe eine ausgeprägte muskuläre
Dekonditionierung, weshalb körperlich schwer belastende Tätigkeiten ungeeignet
seien. Körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten seien der
Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Auch aus psychiatrischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. Im Haushalt sei ebenfalls keine nennenswerte
Einschränkung festzustellen, allerhöchstens eine solche - sogar revertierbare - von
10 % wegen der Dekonditionierung. Der Versicherten sei aus psychiatrischer Sicht die
Willensanstrengung zumutbar, trotz subjektiv angegebener Beschwerden einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es bestehe Übereinstimmung mit der Beurteilung durch
die Klinik Valens; weshalb Dr. A._ eine Arbeitsunfähigkeit attestiert habe, sei nicht
nachvollziehbar. Auf die Frage nach dem Beginn der Arbeitsfähigkeit wurde dargelegt,
es sei schwierig, gegenwärtig oder in der Vergangenheit eine medizinisch begründete
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Arbeitsunfähigkeit verstehen zu können; es gebe wenige Hinweise, dass der Zustand
1999 tatsächlich besorgniserregend gewesen sei; mit Sicherheit sei die Arbeitsfähigkeit
ab dem 14. Dezember 2005 nicht eingeschränkt (IV-act. 30).
B.e Der RAD (Dr. C._) gelangte zum Schluss, der Gesundheitszustand der
Versicherten sei seit 1999 unverändert geblieben (IV-act. 31).
B.f Auf Anfrage, zu wieviel Prozent sie gegenwärtig bei voller Gesundheit erwerbstätig
wäre, teilte die Versicherte am 27. Februar 2006 mit, sie hätte dann einen Imbisswagen
haben können, was eine vollzeitliche Arbeit bedeutet hätte.
B.g Mit Verfügung vom 14. März 2006 stellte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen die
Rente der Versicherten auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats (Ende April 2006) ein. Sie sei nun als zu 100 % Erwerbstätige einzustufen, was
einen Revisionsgrund darstelle. Medizinisch gesehen sei sie zu 100 % erwerbsfähig.
Die Rente sei bereits zu Unrecht zugesprochen worden, denn sie (die Versicherte) sei
schon damals in körperlich leichten Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Auf
eine rückwirkende Rentenaufhebung und damit auf die Rückforderung der bereits
ausbezahlten Rentenbeträge werde aber verzichtet. Die Einsprache habe keine
aufschiebende Wirkung (IV-act 39).
B.h Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 10. April 2006 Einsprache und
beantragte die weitere Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente. Seit der Zusprache
habe sich der Gesundheitszustand nicht verbessert, eher verschlechtert (IV-act 42). Ihr
Rechtsvertreter ergänzte am 13. Juni 2006, die Einschätzung des Gutachtens stimme
nicht mit dem tatsächlichen Gesundheitszustand der Versicherten überein. Es sei
unbestritten, dass sie seit 1999 zu 73.56 % behindert sei. Das habe das Gutachten
nicht umstossen können. Andernfalls wäre die Verfügung vom 8. Mai 2001 gänzlich
unglaubwürdig. Auch bei der Revision vom Juli 2003 habe sich am Invaliditätsgrad von
74 % nichts geändert (IV-act. 46).
B.i Mit Entscheid vom 30. Juni 2006 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Einsprache ab und entzog einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Der Gesundheitszustand der Versicherten
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habe sich seit Juni 2001 nicht wesentlich verändert. Hingegen sei bei den
wirtschaftlichen Verhältnissen eine Änderung eingetreten, indem sie neu vollzeitlich
erwerbstätig wäre. Dadurch lasse sich die Renteneinstellung allerdings nicht
rechtfertigen, da bei der Zusprechung von einer vollen Arbeitsunfähigkeit im Erwerb
ausgegangen worden sei. Eine Verfügung, in welcher zu Unrecht die
Anpassungsvoraussetzungen als gegeben betrachtet würden, könne aber
gegebenenfalls mit der substituierten Begründung geschützt werden, dass die
Wiedererwägungsvoraussetzungen erfüllt seien. Dies sei vorliegend der Fall, denn sie
hätte auf die Arbeitsunfähigkeitsschätzung von Dr. A._ nicht abstellen dürfen, habe er
die Arbeitsunfähigkeit doch lediglich anhand der subjektiven Angaben der Versicherten
festgelegt, ohne objektive Befunde gefunden zu haben. Ausserdem sei der Bericht der
Klinik Valens ohne ersichtlichen Grund übergangen worden. Die rentenzusprechende
Verfügung sei zweifellos unrichtig und könne in Wiedererwägung gezogen werden. Auf
das Gutachten könne abgestellt werden (IV-act. 49).
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Jakob
Ackermann für die Betroffene am 1. September 2006 erhobene Beschwerde. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des
Einspracheentscheids, die Bezahlung einer ganzen Rente ab 1. Mai 2006 sowie die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Die Beschwerdeführerin sei mit ihrem
Gesundheitszustand nicht in der Lage, ein Einkommen zu erzielen. Sie befinde sich
wieder in ärztlicher Behandlung; die Diagnose laute auf Fibromyalgie und
"pneumonische Störung". Sie könne demnach keine Tätigkeiten ausüben, welche über
eine ganz leichte Belastung hinausgingen. Das zeige das eingelegte Arztzeugnis von
Dr. med. D._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, vom 31. August 2006. Nach
mündlichen Auskünften des Arztes dürfte sie für körperlich leichte bis mittelschwere
Arbeit nicht voll arbeitsfähig sein. Im Haushalt bestehe noch eine Arbeitsunfähigkeit
von 62.23 %. Die Aufteilung der Bereiche in 70 % Haushalttätigkeit und 30 % Erwerb
dürfte noch immer zutreffen. Das Gutachten stehe im Widerspruch zum gegenwärtigen
gesundheitlichen Zustand der Beschwerdeführerin. Es sei ein Obergutachten
einzuholen. Dieses werde darüber Aufschluss geben, ob die Beschwerdeführerin noch
arbeitsfähig sei; es dürfte sich eine Invalidität von mindestens 70 % ergeben. Dr. D._
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habe sie ab 15. Juli 2006 arbeitsunfähig geschrieben. Dr. D._ hatte erklärt, die
Beschwerdeführerin, die er seit dem 16. August 2006 kenne, sei ab dem 15. Juli 2006
voll arbeitsunfähig. Die gültige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stehe noch aus. Es sei
eine pneumologische Abklärung vorgesehen. Die Beschwerdeführerin könne keine
Tätigkeiten mit schweren Lasten ausüben, sondern nur ganz leichte Tätigkeiten, auch
im Haushalt.
D.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 8. September
2006 die Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:
1.
Mit dem angefochtenen Entscheid vom 30. Juni 2006 hat die Beschwerdegegnerin die
Einsprache gegen die Verfügung vom 14. März 2006 abgewiesen, mit welcher sie die
Invalidenrente der Beschwerdeführerin einstellte. Die Beschwerdegegnerin benennt
zwar mit der Änderung der hypothetischen Validentätigkeit einen Anpassungsgrund,
hat aber in der Verfügung ausdrücklich festgehalten, schon die ursprüngliche
Rentenzusprechung sei zu Unrecht erfolgt. Sie verzichte aber auf die rückwirkende
Aufhebung und auf die Rückforderung der ausbezahlten Rentenbeträge. Im
Einspracheentscheid bekräftigt sie, die ursprüngliche Verfügung sei zweifellos unrichtig
und könne in Wiedererwägung gezogen werden. Mit dem Revisionsgrund lasse sich die
Einstellung nicht rechtfertigen. Strittig ist somit die Rechtmässigkeit der
Wiedererwägung.
2.
2.1 Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese
zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (vgl.
auch BGE 127 V 466 E. 2c). Die für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verfügungen
vorausgesetzte zweifellose Unrichtigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn kein vernünftiger
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Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger
Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - möglich (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S E. vom 16. August 2005, U 127/05; vgl.
BGE 125 V 393; Ueli Kieser, Kommentar zu Art. 53 ATSG, N 20). Diese Zweifellosigkeit
muss von der Partei, welche sich auf die Unrichtigkeit beruft, substantiiert dargelegt
werden (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S H. vom 24. Mai
2005, I 88/04). Liegt der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller
Anspruchsvoraussetzungen (beispielsweise der Invalidität nach Art. 28 IVG), deren
Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Schätzungen,
Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendigerweise Ermessenszüge
aufweist, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus, wenn die Beurteilung
solcher Anspruchsvoraussetzungen vor dem Hintergrund der Rechtslage, wie sie sich
im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot (BGE 125 V 389 f. E. 3),
als vertretbar erscheint (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S L.
vom 28. Juli 2005, I 276/04).
2.2 Bei der ursprünglichen Verfügung war die Beschwerdegegnerin davon
ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin im Erwerbsteil vollständig und im
Haushaltteil zu 62.23 % arbeitsunfähig sei. Sie hatte sich dabei einerseits auf die
Angaben vom 13. November 2000 des behandelnden Arztes Dr. A._ zur
Arbeitsfähigkeit und anderseits auf das Ergebnis der Haushaltabklärung gestützt.
Dr. A._ hatte der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit Oktober
1999 attestiert. Zum andern hatte aber ein Bericht der Klinik Valens vorgelegen.
Danach bestand im Gegenteil eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte bis selbst
mittelschwere, wechselbelastende Arbeit. Diese ärztliche Beurteilung der spezialisierten
Klinik war nach einem stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 24. Februar
bis 9. März 2000 abgegeben worden. Ihr hätte deshalb bei der Beweiswürdigung
zweifellos ein erhebliches Gewicht beigemessen werden müssen. Stattdessen ist sie
offensichtlich gänzlich ausser Acht geblieben. Weshalb die Verwaltung sie nicht
wenigstens zum Anlass genommen hat, einen Abklärungsbedarf anzunehmen, lässt
sich nicht nachvollziehen. Dr. A._ hatte in seinem Arztbericht im Übrigen
festgehalten, es sei bis dahin nicht gelungen, objektive Befunde zu erheben. Aufgrund
seines Berichts vom 16. Oktober 2004 ist darauf zu schliessen, dass damit nicht allein
auf eine noch nicht gefundene Erklärung der Ursachen hingewiesen, sondern die
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Objektivierung der Beschwerdeangaben und damit der Arbeitsfähigkeitsschätzung
relativiert worden war.
2.3 Von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % im Erwerbsbereich auszugehen und die
Angaben der Beschwerdeführerin bei der Abklärung an Ort und Stelle nicht anhand
einer objektivierten medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung zu verifizieren, war
demnach zweifellos unrichtig. Wie sich aus dem Gutachten vom 31. Januar 2006
ergibt, ist davon auszugehen, dass leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten
der Beschwerdeführerin uneingeschränkt zumutbar sind, ohne dass sich ein
Anhaltspunkt für eine mögliche Veränderung im Zeitablauf ergeben hätte. Die
Einschätzung der Klinik Valens hat somit nachträglich eine Bestätigung gefunden. Es
wäre demnach bereits bei der ursprünglichen Verfügung über das Leistungsgesuch von
einer medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich von 100 % für
angepasste Tätigkeiten auszugehen gewesen. Auf das Gutachten kann abgestellt
werden; das Attest von Dr. D._ muss nicht zum Anlass für Zweifel an der
Stichhaltigkeit genommen werden. Dr. D._ hatte seiner Beurteilung keinen
endgültigen Charakter beigemessen und nebst dem Attest voller Arbeitsunfähigkeit
erwähnt, die Beschwerdeführerin könne nur noch ganz leichte Tätigkeiten ausüben.
Weitere Abklärungen (zum Sachverhalt im hier massgeblichen Zeitraum) sind nicht
erforderlich.
2.4 Auch im Haushaltbereich hätte in Anbetracht der vollen Arbeitsfähigkeit für leichte
bis mittelschwere Arbeiten nicht von einer so weitreichenden Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden dürfen, fallen doch in diesem Bereich zwar auch schwerere, aber
doch auch leichte bis mittelschwere Arbeiten an. Nach dem Gutachten liegt im
Haushalt keine nennenswerte, allerhöchstens aber eine 10-prozentige Einschränkung
vor. Unter diesen Umständen waren die Voraussetzungen einer Rentenzusprechung
nicht erfüllt und die ursprüngliche Verfügung vom 15. Juni 2001 erweist sich als
offensichtlich unrichtig. Die Berichtigung ist von erheblicher Bedeutung.
2.5 Nach der Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen erlaubt die
Wiedererwägungsfreiheit der Verwaltung ihr nicht, die Wiedererwägung nur ex nunc et
pro futuro vorzunehmen, da die Wiedererwägung notwendigerweise den Widerruf der
ursprünglichen, zweifellos unrichtigen Verfügung und ihre gänzliche Ersetzung
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beinhaltet (so etwa im nicht veröffentlichten Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S K.H. vom 20. Januar 2004, in welcher Sache das
Eidgenössische Versicherungsgericht eine entsprechende Änderung seiner Praxis mit
Entscheid vom 24. Mai 2005, I 88/04, abgelehnt hat). Vorliegend ist - trotz des
missverständlichen Hinweises auf den Verzicht auf die "rückwirkende
Rentenaufhebung" - davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin ihre Verfügung
vom 15. Juni 2001 durch die im Einspracheverfahren bestätigte Verfügung vom
14. März 2006 korrekt ex tunc in Wiedererwägung gezogen, dass sie aber darauf
verzichtet hat, die daraus sich ergebende Rückforderung zu stellen.
2.6 Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich somit als rechtmässig. Dass
die Beschwerdegegnerin darauf verzichtet, die bis zum Monat, der auf den
Verfügungszeitpunkt folgt, ausgerichteten Leistungen zurückzufordern, bildet nicht
Streitgegenstand im vorliegenden Verfahren.
3.
3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG, Rechtslage vor der
Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005, wie die betreffenden
Übergangsbestimmungen). Es besteht bei diesem Ausgang des Verfahrens kein
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Beschwerdeführerin hat aber ein Gesuch
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung stellen lassen. Aufgrund der eingereichten
Unterlagen rechtfertigt sich die Annahme, die Voraussetzungen seien erfüllt, so dass
die Rechtsverbeiständung rückwirkend für das gesamte Verfahren zu bewilligen ist.
Rechtsanwalt lic. iur. Jakob
Ackermann, Jona, wird zum Beistand bestimmt. Die Höhe der Entschädigung ist vom
Gericht ermessensweise festzusetzen. Eine Entschädigung von Fr. 3'500.-- erscheint
als angemessen. Diese Entschädigung ist in Anwendung von Art. 31 Abs. 3 des st.
gallischen Anwaltsgesetzes um 20 % auf Fr. 2'800.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu kürzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG