Decision ID: ba2dc64f-8d46-5260-b8c0-bd854c54f92d
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen (Rückfall)
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch
gegen Unfälle versichert, als er am 17. August 1990 auf dem Heimweg von der Arbeit
ausglitt und ca. 20-30 Meter einen Abhang hinunterrutschte (UV-act. 2, 3). Dabei zog er
sich eine Riss-Quetschwunde okzipital sowie Prellungen beider Oberarme und des
Sakralbereichs zu (UV-act. 3). Die Suva erbrachte die entsprechenden Leistungen und
stellte diese mit Verfügung vom 2. November 1990 aufgrund der Ergebnisse der
kreisärztlichen Untersuchung ein (UV-act. 18). Nach Ablauf der Einsprachefrist liess der
Versicherte mehrere Gesuche um ein Zurückkommen auf die Verfügung vom 2.
November 1990 stellen, welche von der Suva abgelehnt wurden (vgl. UV-act. 26-28,
31, 35, 45, 47, 48). Mit Verfügung vom 15. Februar 1995 trat die Suva nach Rück
sprache mit dem Kreisarzt auf ein Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung vom
2. November 1990 (Geltendmachung einer Verschlimmerung des gesundheitlichen
Zustands) nicht ein (UV-act. 55, 57).
A.b Auf die Verfügung vom 15. Februar 1995 folgte keine Einsprache. Jedoch gingen
später weitere Wiedererwägungsgesuche des Versicherten ein, die von der Suva
abgelehnt wurden (vgl. UV-act. 58, 60, 61, 63, 66-79). Mit Verfügung vom 4. Januar
2011 trat die Suva auf das erneute Wiedererwägungsgesuch vom 22. Dezember 2010
nicht ein (UV-act. 80, 81). Gegen die Verfügung vom 4. Januar 2011 erhob der
Versicherte mit Eingabe vom 15. Januar 2011 Einsprache (UV-act. 82). Darauf trat die
Suva mit Einspracheentscheid vom 28. Januar 2011 nicht ein (UV-act. 83). Hiergegen
liess der Versicherte Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Glarus
erheben (UV-act. 90), welche zuständigkeitshalber dem Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen überwiesen wurde (UV-act. 95). Mit Präsidialentscheid vom 5.
August 2011 (UV 2011/24) trat das Versicherungsgericht auf die Beschwerde nicht ein
(UV-act. 103). Auf Verwaltungsgerichtsbeschwerde hin (UV-act. 104) trat das
Bundesgericht mit Urteil vom 12. Oktober 2011 darauf nicht ein (UV-act. 106).
A.c Nachdem der Versicherte am 23. Februar 2012 einen Rückfall hatte melden lassen
(UV-act. 108), verneinte die Suva mit Verfügung vom 19. März 2012 einen Anspruch auf
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Versicherungsleistungen, da kein wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall vom 17. August 1990 und den gemeldeten Rückenbeschwerden bestehe
(UV-act. 111). Die hiergegen erhobene Einsprache (UV-act. 112) wies sie nach
Einholung einer Beurteilung von Suva-Arzt Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie (UV-act. 115), mit Einspracheentscheid vom 4. Mai 2012 ab.
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte am 16. Mai 2012
Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid sei aufzuheben, und es sei ihm für die
Folgen des Unfalls vom 17. August 1990 eine Rente zuzusprechen. Zur Begründung
legte er unter anderem dar, er sei von der Beschwerdegegnerin nicht persönlich
begutachtet worden. Die Beurteilung von Dr. B._ betreffend fehlende Rückfall-
Kausalität sei unzutreffend. Aus der von ihm eingereichten ärztlichen Beurteilung vom
13. Februar 2012 (UV-act. 108) gehe klar hervor, dass es um einen unfallbedingten
Rückfall gehe. Es sei eine Begutachtung mit persönlicher Untersuchung anzuordnen.
Erst nach der Begutachtung durch eine Medas könne zu den Unfallfolgen Stellung
genommen werden. Er sei auch mit einer Abklärung durch das Gericht einverstanden.
Auch sei eine Begutachtung in Mazedonien möglich (act. G 1). In einer weiteren, mit
der Beschwerde im Wesentlichen identischen Eingabe vom 13. Juni 2012 reichte der
Beschwerdeführer einen Arztbericht in mazedonischer Sprache mit lateinischer
Diagnose vom 11. Juni 2012 nach (act. G 3).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 19. Juni 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen Entscheids. Zur
Begründung verwies sie auf die Darlegungen im angefochtenen Entscheid und führte
unter anderem aus, die kreisärztlichen Ausführungen seien schlüssig und
nachvollziehbar begründet. Indizien, welche gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen
würden, lägen nicht vor. Beweismässige Weiterungen würden sich erübrigen. Aus dem
radiologischen Bericht vom 13. Februar 2012 könne der Beschwerdeführer nichts zu
seinen Gunsten ableiten, sei doch dort zur Rückenproblematik mit keinem Wort eine
Kausalitätsbeurteilung abgegeben worden.

Erwägungen:
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1.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall vom 17. August 1990 und den vom Beschwerdeführer im Januar
2011 (vgl. UV-act. 90) bzw. Februar 2012 (UV-act. 108) als Rückfall gemeldeten
Beschwerden verneinte oder nicht. Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen
Einspracheentscheid (E. 1 und 2) die rechtlichen Voraussetzungen des Vorliegens eines
natürlichen und adäquaten Unfallkausalzusammenhangs, die
Leistungsvoraussetzungen bei Rückfallen und Spätfolgen sowie die
Beweisanforderungen zutreffend dar; darauf ist zu verweisen.
2.
2.1 Der erstbehandelnde Arzt Dr. med. C._, bestätigte im Bericht vom 13.
September 1990 das Vorliegen einer Rissquetschwunde am Kopf sowie eine Prellung
beider Oberarme und des Sakralbereichs. Er verneinte einen Anhalt für ossäre
Läsionen oder Frakturen (UV-act. 3). Internistische Untersuchungen einschliesslich
neurologischer Abklärungen im Kantonalen Spital H._ vom September 1990 ergaben
keine pathologischen Befunde (UV-act. 4, 5, 22/1). Die Neurologin Dr. med. D._ ging
im Bericht vom 18. Oktober 1990 von einem Status nach Commotio cerebri aus, wobei
sie neurologische Ausfälle verneinte (UV-act. 10). Dr. med. E._ bescheinigte am 24.
Oktober 1990, dass ihn der Beschwerdeführer wegen persistierenden Beschwerden im
HWS- und Kopfbereich aufgesucht habe (UV-act. 12). Der Kreisarzt Dr. med. F._
berichtete am 25. Oktober 1990, eine eigentliche Amnesie oder Bewusstlosigkeit
ergebe sich aus den Akten nicht, weshalb keine sichere Aussage über eine allfällig
durchgemachte Commotio cerebri gemacht werden könne. Eine Röntgenkontrolle der
HWS habe keine Unfallfolgen gezeigt. Ab 29. Oktober 1990 sei wieder von einer vollen
Arbeitsfähigkeit auszugehen (UV-act. 13). In einem Bericht des Medizinischen
Zentrums in G._ vom 25. November 1991 wurde eine Wirbelsäulenverletzung auf
Höhe C7 (Querfraktur) sowie eine Diskontinuität der Halslinie bestätigt. Das
Röntgenbild zeige eine thorakale Kyphosis, welche Beschwerden hervorrufe. Ebenfalls
grosse Schmerzen würden im Lumbalbereich auftreten mit manifester Lumbago (UV-
act. 42). In einer ärztlichen Beurteilung vom 5. März 1992 legte Dr. F._ dar, aufgrund
der Röntgenaufnahmen der HWS würden sich keine posttraumatischen Veränderungen
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nachweisen lassen. Ein wesentliches Schädel-Hirntrauma habe der Beschwerdeführer
offensichtlich nicht durchgemacht. Leichte Kopfprellungen könnten erfahrungsgemäss
über längere Zeit Kopfschmerzen zurücklassen. Die angegebenen
Nackenbeschwerden seien in ihrer Ursache nicht geklärt. Eine Verletzung durch das
Ereignis vom August 1990 sei nicht nachgewiesen. Die Nackenbeschwerden würden
nicht auf einer unfallbedingten Schädigung beruhen (UV-act. 43). Ein Bericht des
Medizinischen Zentrums in G._ bestätigte am 25. August 1993, dass der
Beschwerdeführer über ständige Kopfschmerzen, Schmerzen im Hals und
Schwindelanfälle klage. Es sei deshalb eine Analgetikatherapie verordnet worden (UV-
act. 49). Spätere ärztliche Berichte aus den Jahren 1994 hielten jeweils dieselben
Befunde fest (UV-act. 50, 51, 52). Kreisarzt Dr. F._ bestätigte am 13. Februar 1995
seine bisherige Beurteilung mit dem Hinweis, dass entgegen den ärztlichen Berichten
aus Mazedonien keine Frakturen im HWS-Bereich vorliegen würden. Aus den
eingereichten Unterlagen ergäben sich keine neuen medizinischen Erkenntnisse (UV-
act. 56).
2.2 Eine in G._ durchgeführte radiologische Abklärung vom 13. Februar 2012 (UV-
act. 108/3) ergab gemäss Berichtsübersetzung vom 12. März 2012 einen "Zustand
nach Fraktur der Nackenscheiben C4, C5, C6 und C7". Auf den Bandscheiben seien
posttraumatische spondylose Veränderungen der Bandscheibenkörperchen
festzustellen. Eine spondylose Veränderung zeige sich auch auf der thorakalen und
lumbalen Wirbelsäule (Diskopathie lumbalis L4-L5). Eine Computertomographie des
Gehirns habe eine ordentliche Darstellung desselben ergeben (UV-act. 109). Suva-Arzt
Dr. med. B._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, kam im Bericht vom 23.
April 2012 zum Schluss, offenbar gehe es aktuell um Nackenbeschwerden, die auf eine
alte Halswirbelsäulenverletzung zurückgeführt würden. Anlässlich der Erstbehandlung
habe der Beschwerdeführer keine Probleme im Bereich des Nackens beklagt. Die
neurologischen Untersuchungen hätten nie pathologische Befunde gezeigt. Sowohl im
Jahr 1990 wie auch 1991 sei die HWS radiologisch abgeklärt und durch verschiedene
Ärzte beurteilt worden. Posttraumatische Veränderungen hätten sich nicht nachweisen
lassen. Allfällige jetzt nachgewiesene degenerative Veränderungen im Bereich der HWS
könnten somit nicht auf das Unfallereignis vom 17. August 1990 zurückgeführt werden.
Die Rückfallkausalität sei demzufolge nicht gegeben (UV-act. 115).
3.
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3.1
Den nach dem Unfall vom 18. August 1990 erstellten Akten lassen sich keine
Beschwerdeangaben bezogen auf die Halswirbelsäule entnehmen (vgl. UV-act. 3-7,
10). Erst Anfang Oktober 1990 gab der Beschwerdeführer gegenüber Dr. E._ HWS-
Beschwerden an (UV-act. 12). In einem Bericht vom 25. November 1991 wurde sodann
eine Wirbelsäulenverletzung auf Höhe C7 (Querfraktur) sowie eine Diskontinuität der
Halslinie vermerkt (UV-act. 42), und im Bericht vom 13. Februar 2012 bzw. der
Übersetzung vom 12. März 2012 sowie in demjenigen vom 11. Juni 2012 ein "Zustand
nach Fraktur der Nackenscheiben C4, C5, C6 und C7" bestätigt (UV-act. 109; act. G 3
Beilage). Die erwähnten HWS-Beschwerden und Frakturen - soweit überhaupt vom
Vorliegen der letzteren auszugehen ist - können zum vornherein nicht Folge des
Ereignisses vom 18. August 1990 sein, zumal der Beschwerdeführer nach dem Unfall
umfassend untersucht wurde und Frakturen im Schädel-, Becken- und
Wirbelsäulenbereich sowie traumatische Komplikationen verneint wurden (UV-act. 5, 9,
13, 43). Eine Rückfallprüfung kann sich bei diesem Sachverhalt nicht auf allfällige
Folgen solcher Frakturen und auf HWS-Beschwerden beziehen. Aber selbst wenn
diese umfassend in die Rückfallprüfung einbezogen würden, wäre die Beschwerde -
wie nachstehend zu zeigen ist - mangels Unfallkausalität abzuweisen.
3.2
3.2.1 Eine Unfallkausalität von HWS-Beschwerden erscheint schon aufgrund des um
gut einen Monat verzögerten Auftretens derselben nicht (überwiegend) wahrscheinlich.
Dieselbe Schlussfolgerung ergibt sich auch aus der Würdigung des weiteren
Sachverhalts: Nachdem wie dargelegt in einem Bericht vom 25. November 1991 noch
eine Wirbelsäulenverletzung auf Höhe C7 (Querfraktur) sowie eine Diskontinuität der
Halslinie vermerkt worden war (UV-act. 42), findet sich im Bericht vom 13. Februar
2012 bzw. der Übersetzung vom 12. März 2012 sowie in demjenigen vom 11. Juni
2012 bereits ein "Zustand nach Fraktur der Nackenscheiben C4, C5, C6 und C7"
bestätigt, wobei zur Ursache (Kausalität) keine Stellung genommen wurde (UV-act.
109; act. G 3 Beilage). Diese Frakturen wären als Folge des Ereignisses vom 18.
August 1990 nicht erklärbar, zumal die nach dem Unfall vorgenommenen
Untersuchungen wie erwähnt keinerlei Frakturen zeigten (UV-act. 5, 9, 13, 43). Zu
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beachten ist auch, dass der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall, d.h. vom
18. August bis 4. September 1990, offenbar in der Lage war, ins damalige Jugoslawien
zu reisen (UV-act. 5), was eine durch jenes Ereignis bedingte Fraktur im
Wirbelsäulenbereich als unwahrscheinlich erscheinen lässt.
3.2.2 Angesichts dieses Hergangs und gestützt auf den Bericht von Dr. B._, welcher
mit Verweis auf die echtzeitlichen, nach dem Unfall erstellten medizinischen Akten
posttraumatische Veränderungen mit nachvollziehbarer Begründung verneinte, können
organisch-strukturelle (orthopädische und neurologische) Folgen des Unfalls vom
17. August 1990 nicht überwiegend wahrscheinlich als belegt gelten. Eine
morphologisch fassbare Schädigung des Gehirns ergibt sich weder aus den Akten
noch wird eine solche geltend gemacht. Dr. B._ stand sodann auch der radiologische
Bericht vom 13. Februar 2012 (UV-act. 108, 109) zur Verfügung. Dieser fand Eingang in
die Suva-ärztliche Beurteilung (vgl. UV-act. 115 S. 2 und 3). Da die Akten ein
vollständiges Bild über Anamnese und Verlauf ergeben und Dr. B._ aufgrund der
vorhandenen Unterlagen sich ein lückenloses Bild verschaffen konnte, kommt seinem
Aktenbericht Beweistauglichkeit zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2008,
8C_210/2007, E. 8.4). Weitere medizinische Abklärungen vermöchten am erwähnten
Ergebnis überwiegend wahrscheinlich nichts zu ändern. Es besteht im Übrigen auch
kein formeller Anspruch auf Einholung eines versicherungsexternen medizinischen
Gutachtens (BGE 122 V 157). Wenn der Beschwerdeführer unter Verweis auf den von
ihm eingereichten Arztbericht vom 11. Juni 2012 geltend macht, dass er eine Schanz-
Kravatte (bzw. Halskragen) tragen müsse (act. G 3), so kann dies nicht mit dem 22
Jahre zurückliegenden Unfall im Zusammenhang stehen, zumal von einem zu langen
(mehrmonatigen) Tragen von Halskragen nach Unfällen mit HWS-Beteiligung aus
medizinischer Sicht in aller Regel abgeraten wird. Im Übrigen kommen Schanz'sche
Kravatten insbesondere auch als Therapie bei degenerativen (d.h. abnützungs- bzw.
krankheitsbedingten) Halswirbelsäulenleiden (Spondylosen, Diskushernien) zum Einsatz
(vgl. A.M. Debrunner, Orthopädische Chirurgie, 4. A., 802).
3.3
3.3.1 In den nach dem Unfall erstellten ärztlichen Berichten wurde ein Status nach
Commotio cerebri von Seiten des Kantonalen Spitals H._ sowohl als
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Verdachtsdiagnose (UV-act. 4) als auch als eigentliche Diagnose vermerkt (UV-act. 5).
Das Vorliegen eines Schädel-Hirntraumas, worunter sämtliche Hirnfunktionsstörungen
mit oder ohne morphologisch fassbare Schädigung des Gehirns subsumiert werden,
rechtfertigt die analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis nur, wenn die erlittene
Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen Commotio und Contusio
cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen hingegen reichen hierfür nicht aus (vgl.
Urteile des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches
Versicherungsgericht, EVG] vom 6. Mai 2003, U 6/03, und vom 13. Juni 2005, U
276/04, E. 2.2.1). Als Kriterien für das Vorliegen einer leichten traumatischen
Hirnverletzung (MTBI) werden das Bestehen eines Bewusstseinsverlusts von maximal
30 Minuten Dauer, eines Glasgow Coma Score (GCS) von nicht unter 13 bei
Einlieferung ins Krankenhaus und eines Gedächtnisverlusts von maximal 60 Minuten
(sog. posttraumatische Amnesie) bzw. einer Gedächtnisstörung von maximal 30
Minuten genannt. Seltene, aber typische Komplikationen nach MTBI sind z.B.
intrakranielle Blutungen; hierbei kann es sich um intrazerebrale Blutungen oder um
subdurale oder epidurale Blutungen handeln. Die Kombination von Beschwerden,
welche nach einer MTBI auftreten können (Kopfschmerz, Benommenheit, Schwindel,
Erbrechen, Koordinationsstörung der Beine, kognitive Beeinträchtigungen,
Schlafstörungen), kann als "organisches Psychosyndrom nach
Schädelhirntrauma" (F07.2) bezeichnet werden. Kopfschmerzen werden dabei als
posttraumatisch angesehen, wenn sie innerhalb von sieben Tagen nach einer MTBI
erstmalig aufgetreten sind. Hierbei entwickeln Patienten nicht selten im Rahmen einer
Analgetikatherapie der ursprünglich posttraumatischen Kopfschmerzen zusätzlich
einen Kopfschmerz, der auf Analgetika-Übergebrauch zurückzuführen ist (vgl. S.
Johannes/R. Schaumann-von Stosch, Grundlegende Aspekte der leichten
traumatischen Hirnverletzung, Medizinische Mitteilungen der SUVA Nr. 78 [2007],
74-77).
3.3.2 Im Bericht des erstbehandelnden Arztes nach dem Unfall vom 17. August 1990,
(Unfallzeitpunkt 17 Uhr; Erstbehandlung um 18 Uhr) findet sich kein Hinweis auf einen
Bewusstseinsverlust bzw. eine Bewusstseinsbeeinträchtigung. Vielmehr vermerkte der
Arzt als Befund eine örtlich und zeitlich gute Orientierung des Beschwerdeführers,
wobei er auf ein theatralisches und unangemessenes Verhalten hinwies, das sich nach
einiger Zeit habe beruhigen lassen (UV-act. 3). Von Seiten des Kantonalen Spitals
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H._ wurde am 21. September 1990 ein Spitaleintritt am 15. September 1990
bestätigt und ein anlässlich der Behandlung aufgetretener hysteriformer Anfall im Bett
bei besonders ängstlicher und problembeladener Persönlichkeit sowie ein Verdacht auf
Commotio cerebri vermerkt (UV-act. 4). Im späteren Spitalbericht vom 25. September
1990 wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer vom 18. August bis 4.
September 1990 krank geschrieben gewesen sei und während dieser Zeit ins damalige
Jugoslawien gereist sei. Sodann führten die Ärzte lediglich einen im Nachhinein, d.h.
nach dem 14. September 1990 aufgetretenen angeblichen Bewusstseinsverlust auf, in
dessen Folge der Beschwerdeführer am 15. September 1990 notfallmässig ins Spital
eingewiesen wurde (UV-act. 5). Ein Bewusstseinsverlust als Folge des Unfalls vom 17.
August 1990 lässt sich jedoch dem Bericht des erstbehandelnden Arztes wie erwähnt
nicht entnehmen. Eine Bewusstlosigkeit als Unfallfolge gab der Beschwerdeführer
erstmals Mitte Oktober 1990 gegenüber Dr. D._ an (UV-act. 10). Eine unfallbedingte
Bewusstseinsbeeinträchtigung kann bei dieser Aktenlage nicht als überwiegend
wahrscheinlich gelten.
3.3.3 Ein durch das Ereignis vom 18. August 1990 bewirktes leichtes
Schädelhirntrauma (MTBI) erscheint damit nicht überwiegend wahrscheinlich und die
analoge Anwendung der Schleudertrauma-Rechtsprechung dementsprechend nicht
gerechtfertigt. Aber selbst wenn von einer MTBI auszugehen wäre, könnten - bei
Annahme eines mittelschweren Unfalls im eigentlichen Sinn - die Adäquanzkriterien
nicht in der erforderlichen Häufigkeit als erfüllt gelten (nachfolgende E. 3.2.4).
Anhaltspunkte dafür, dass der mittelschwere Unfall im Grenzbereich zu den schweren
Ereignissen anzusiedeln wäre (vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts vom 15. März
2005, U 214/04, E. 2.2 mit Hinweisen), sind nicht ersichtlich.
3.3.4 Eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls oder dramatische Begleitumstände
sind nicht belegt, zumal das objektive Unfallgeschehen und nicht das subjektive
Erleben massgebend ist. Bei den erlittenen Verletzungen (Rissquetschwunde am
Hinterkopf sowie Prellungen beider Oberarme und des Sakralbereichs) handelt es sich
nicht um eine solche, die durch ihre Schwere oder besondere Art charakterisiert sind
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 17. August 2007, 8C_101/2007, E. 5.2 und 5.3,
und vom 21. Dezember 2007, U 558/06, E. 4.2.2, sowie Urteil des EVG vom 9. August
2004, U 116/04). Was die Kriterien der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen
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Behandlung (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.3) und der erheblichen Arbeitsunfähigkeit
betrifft (BGE 134 V 109 E. 10.2.7), ist festzuhalten, dass belastende ärztliche
Behandlungen oder erhebliche Arbeitsunfähigkeiten für die Zeit nach Erlass der
Verfügung vom 2. November 1990 (UV-act. 18) nicht aktenkundig sind; solche werden
auch nicht behauptet. Auch wenn das weitere Kriterium der ohne wesentlichen
Unterbruch bestehenden erhebliche Beschwerden als erfüllt erachtet würde, käme dem
Unfall keine adäquanzrechtlich massgebende Bedeutung für die rückfallweise
gemeldeten gesundheitlichen Beschwerden zu. Im Übrigen ist festzuhalten, dass die
vom Beschwerdeführer geklagten gesundheitlichen Beschwerden bereits Gegenstand
der unangefochten in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 15. Februar 1995
bildeten. Bei fehlendem adäquatem Unfallkausalzusammenhang ist auch der Anspruch
auf eine Rente nicht weiter zu prüfen.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 4. Mai 2012 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 22.01.2013 Art. 6 UVG. Art. 11 UVV. Prüfung der Unfallkausalität von gesundheitlichen Beschwerden aufgrund eines Rückfalls. Die Rückfallmeldung war erfolgt, nachdem eine ursprüngliche Leistungseinstellung in Rechtskraft erwachsen war und diverse Wiedererwägungsgesuche von der Suva abschlägig beantwortet worden waren (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Januar 2013, UV 2012/49).
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