Decision ID: c3304437-3217-48f6-9297-39583539c957
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1936 geborene
Y._
war bei der Suva obligatorisch unfallversichert, als er am 3
0.
Juli 1993 auf einer Bergtour
über Felsen abstürzte
und verstarb
(
Urk.
8/1
,
Urk.
8/9
).
Er hinterliess drei er
wachsene Kin
der -
wobei sich sein
Sohn
Z._
, geboren 1971,
noch in Ausbildung befand -
sowie die von ihm seit
9.
April 1991
geschiedene Ehefrau
X._
(
Urk.
8/3).
Am
1
4.
Oktober
1993
wurde
X._
,
geboren 1941
(
Urk.
8/5)
,
mit Wirkung ab
1.
August 1993
eine ordentliche Witwenrente
der Alters- und Hinterlassenen
versicherung (AHV)
im Betrag von monatlich
Fr.
1'504.-- zu
gesprochen
(
Urk.
3/6).
In der
Verfügung vom
6.
Dezember 1993
wurde für
Z._
von der Suva eine
Hinterlassenenrente
der Unfallversicherung von
Fr.
1'215.— zugesprochen. Gleichzeitig
hielt
die Suva
fest,
X._
habe
grundsätzlich Anspruch auf
eine
Hinterlassenenrente
als Komplementärrente zu ihrer Witwenrente der
AHV
.
Da die AHV-Witwenrente den
mit dem Scheidungsurteil zugesprochenen
Unter
haltsanspruch
von
X._
gegenüber
Y._
übersteige
, könne
indes
sen
keine
Rente
ausgerichtet werden
(
Urk.
8/20; vgl. auch
Urk.
8/5,
Urk.
8/11-18
,
Urk.
8/21).
A
m 2
3.
November 2004
verfügte die
AHV-
Ausgleichskasse, dass
die Witwenrente
von
X._
in
der
Höhe von damals
Fr.
1'688.-- pro Monat wegen Errei
chens des ordentlichen Rentenalters
ab
1.
Oktober 2004
durch die höhere Alters
rente von
Fr.
2'110.-- pro Monat
abgelöst
werde
(
Urk.
3/7)
.
1.2
Mit Schreiben vom 1
1.
Januar 2017 teilte die Suva
X._
mit, die
bisher in die Berechnung
mit
einbezogene
Altersrente der AHV
dürfe
bei der Berechnung der
Witwenrente
der Unfallversicherung
aufgrund eines Gerichtsurteils nicht mehr berücksichtigt werden.
Die Praxisänderung gel
te bei der Suva ab
1.
Januar 200
1
;
sie stellte die Ausrichtung einer Witwenrente ab
1.
Februar 2012 in Aussicht
(
Urk.
8/30)
, die sie in der Folge für die Zeit von
1.
Februar 2012 bis 3
1.
Januar 2017 in der Höhe von
Fr. 77'889.--
auch auszahlte (
Urk.
8/32).
X._
reagierte
im Sc
hreiben vom 1
7.
Februar 2017
und monierte den Rentenbe
ginn
(
Urk.
8/36).
Daraufhin
sprach
ihr die Suva
mit Verfügung vom 2
2.
Februar 2017 rückwirkend ab
1.
Februar 2012
basierend auf einem versicherten Verdienst von
Fr.
97'200.--
eine
Witwenrente von monatlich
Fr.
1'122.
--
und eine Teuerungs
zulage von monatlich
Fr.
176.15
zu
.
Den
Beginn der
A
uszahlung
begründete sie damit
, da
ss
der Anspruch auf die Nachzahlung von Leistungen fünf Jahre nach dem Ende des Monats, für den sie geschuldet seien, erlösche
(
Urk.
8/37; vgl. auch
Urk.
8/36)
.
). Gegen die Verfügung vom 2
2.
Februar 2017
erhob
X._
Einsprache mit
dem Antrag, die Witwenrente sei ihr bereits ab
1.
Oktober 2004 auszurichten (
Urk.
8/38).
Am
1
2.
Mai
2017
kündigte
die Suva an, die angefochtene Verfügung mit dem
zu erlassenden
Einspracheentscheid
zu Ungunsten
von
X._
zu korrigieren, da ihre neusten Abklärungen erge
ben hätten, dass die AHV-Altersrente bei der Berechnung der Witwenrente doch berücksichtigt werden müsse
. Sie gab
X._
Gelegenheit, die Einsprache zurückzuziehen
(
Urk.
8/44). Da
X._
die Einsprache in der Folge nicht zurückzog
und eine vergleichsweise Regelung nicht
zustande kam (
vgl.
Urk.
8/45-52), erliess die Suva den
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Februar 2018, womit sie die Einsprache abwies und die Komplementärrente in Abänderung der Verfügung vom 2
2.
Februar 2017 ab
1.
Oktober 2004 auf
Fr.
0.
--
festsetzte (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
,
vertreten durch
Rechtsanwalt Urs
P.
Keller, mit Ein
gabe vom 1
4.
März 2018 Beschwerde mit dem Antrag, es seien ihr ab
1.
Oktober 2004 die gesetzlichen
Hinterlassenenleistungen
auszurichten (
Urk.
1 S. 2). In der Beschwerdeantwort vom 1
3.
April 2018 beantragte
die Suva die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Im Rahmen von Replik (
Urk.
13) und Duplik (
Urk.
17) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Stirbt
eine versicherte Person
an den Folgen
eines
Unfalles, so haben der überle
bende Ehegatte und die Kinder Anspruch auf
Hinterlassenenrenten
(
Art.
28 des
Bundesgesetz
es über die Unfallversicherung [UVG]).
Artikel 29 UVG regelt den Anspruch des überlebenden Ehegatten.
Nach
Art.
29
Abs.
3
UVG hat die Witwe Anspruch auf eine Rente unter anderem dann, wenn sie
bei der Verwitwung Kinder hat, die nicht mehr rentenberechtigt sind, oder
wenn sie
das 4
5.
Altersjahr zurückgelegt hat
.
Der geschiedene Ehegatte ist der Witwe
oder dem Witwer
gleichgestellt, sofern der Verunfallte ihm gegenüber zu Unterhaltsbeiträgen verpflichtet war (
Abs.
4).
Der Anspruch auf eine Rente
ent
steht mit dem Monat nach dem Tode des Versicherten
(...). Er
e
rlischt mit der Wiederverheiratung, mit dem Tode des Berechtigten oder dem Auskauf der Rente (
Abs.
6).
Nach
Art.
31 UVG entspricht d
ie
Hinterlassenenrente
für den geschiedenen Ehe
gatten 20 Prozent des versicherten Verdienstes, höchstens aber dem geschuldeten Unterhaltsbeitrag
(
Abs.
2)
.
Haben die Hinterlassenen Anspruch auf Renten der AHV oder der IV, so wird ihnen gemeinsam eine Komplementärrente gewährt
.
D
ie Komplementärrente des geschiedenen
Ehegatten entspricht der Differenz zwischen dem geschuldeten Unterhaltsbeitrag und der Rente der AHV, höchstens aber dem in Absatz
2
vorgesehenen Betrag.
Die Komplementärrente wird beim erstmaligen Zusammentreffen der
Renten festgesetzt und lediglich den Änderun
gen im
Bezügerkreis
der AHV- oder der IV-Renten angepasst (
Abs.
4). Nach
Art.
31
Abs.
5
UVG
erlässt der Bundesrat nähere Vorschriften, namentlich über die Berechnung der Komplementärrenten.
1.2
Gestützt auf die Delegationsnorm von
Art.
31
Abs.
5 UVG hat der Bundesrat in
Art.
43
der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
)
in dem bis 3
1.
Dezember 1996 gültig gewesenen Wortlaut
bestimmt, dass bei
der Berech
nung der Komplementärrenten für Hinterlassene die AHV/IV-Renten, einschliess
lich der Kinderrenten, voll berücksichtigt
werden (
Abs.
1)
.
Teuerungszulagen wer
den bei der Bemessung der Komplementärrenten an Hinterlassene nicht berücksichtigt (
Art.
43
Abs.
2 UVV in Verbindung mit
Art.
32
Abs.
5 UVV).
Nach
Art.
43
Abs.
2
UVV in Verbindung mit
Art.
33 UVV
(
in de
r
ebenfalls
bis 3
1.
Dezember 1996 gültig gewesenen Version
)
,
werden
die Komplementärrenten
für Hinterlassene
den veränderten Verhältnissen angepasst,
(a)
wenn für Familienangehörige
bestimmte Teile der AHV/IV-Renten dahinfallen oder neu hinzukommen
, wobei die Umwandlung einer einfachen Rente in eine Ehepaar
rente oder einer Ehepaarrente in eine einfache Rente ausser Betracht bleibt
,
(b) wenn
sich
der Invaliditätsgrad erheblich ändert
, (c) wenn
sich der versicherte Verdienst
nach
Art.
24
Abs.
3
ändert.
1.3
Mit der auf den
1.
Januar 1997 in Kraft getretenen Verordnung
sänderung vom
9.
Dezember 1996
wurde
n
die
se
Bestimmung
en
wie folgt neu gefasst:
Gemäss
Art.
43
Abs.
1 UVV werden bei
der Berechnung der Komplementärrenten
neu nur noch
die Witwen-, Witwer- und Waisenrenten der AHV voll
berücksichtigt.
Damit
soll nach dem Willen des Verordnungsgebers der Grundsatz der sachlichen Kongruenz, wonach nur solche Leistungen in die Berechnung der Überentschädi
gung einzubeziehen sind, die für das gleiche versicherte Ereignis ausgerichtet werden und dem gleichen Zweck dienen, vermehrt berücksichtigt werden (BGE 126 V 506 E. 2b).
Gemäss
Art.
43
Abs.
6 UVV richtet s
ich die Anpassung der Komplementärrenten nach
Art.
33
Abs.
2
UVV, der ebenfalls Änderungen erfuhr.
Gemäss
Art.
33
Abs.
2 UVV sind Komplementärrenten den veränderten
Verhältnissen anzupas
sen, wenn Z
usatz- und Kinderrenten der AHV oder IV dahinfallen oder neu hin
zukommen
(
lit
. a)
, die Rente der AHV oder der IV infolge einer Änderung der Berechnungsgrundlage
erhöht oder herabgesetzt wird (
lit
. b), sich der Invalidi
tätsgrad erheblich ändert (
lit
. c) oder sich der versich
erte Verdienst ändert (
lit
. d).
1.
4
Nach den Schlussbestimmungen
der Verordnungsänderung vom
9.
Dezember 1996 gilt für Komplementärrenten gemäss
Art.
31
Abs.
4 UVG
, die vor Inkraft
treten dieser Änderung festgesetzt wurden, das bisherige Recht
.
2.
2.1
Die Suva begründet die Festsetzung beziehungsweise Beibehaltung einer Kom
plementärrente von
Fr.
0.--
ab
1.
Oktober 2004 im Wesentlichen damit,
dass der Anspruch auf eine UVG-Witwenrente ab
1.
August 1993 bestand und von Beginn an als Komplementärrente zur AHV-Witwenrente festgelegt worden sei. Diese sei
mit der Verfügung vom
1.
August 1993 (richtig wohl:
6.
Dezember 1993)
betrags
mässig auf
Fr.
0.
--
festgesetzt
worden, was nichts daran ändere, dass der grund
sätzliche Komplementärrentenanspruch in der Verfügung festgehalten worden sei
.
Diese
Komplementärrente
hätte in der Folge bei Eintreten der in
Art.
33 UVV genannten Voraussetzungen an veränderte Verhältnisse angepasst werden müssen, wobei
solchenfalls
kein neuer Anspruch auf eine Komple
mentärrente nach UVG entstanden wäre, sondern lediglich die Höhe der bereits festgesetzten Rente angepasst worden wäre.
Da die Komplementärrente vor der Änderung der UVV vom
1.
Januar 1997 festgesetzt worden sei, sei auf sie gemäss den Über
gangsbestimmungen das bisherige, also vor dem
1.
Januar 1997 in Kraft stehende Recht anzuwenden. Gemäss
Art.
33 UVV in der vor dem
1.
Januar 1997 geltenden Fassung bilde die Ablösung der Witwenrente der Beschwerdeführerin durch eine ordentliche Altersrente per
1.
Oktober 2004 keinen Anpassungstatbestand. Selbst wenn aber gestützt auf BGE 126 V 506
doch
von einem Anpassungstatbestand ausgegangen
würde
, sei die Altersrente der AHV in Höhe von
Fr.
1'504.
--
gestützt auf
Art.
43 UVV in
der damaligen Fassung bei der Neub
erechnung der Komple
mentärrente voll zu berücksichtigen. Da die AHV-Rente den Unterhaltsbeitrag der Beschwerdeführerin von
Fr.
1'122.-- übersteige, betrage die Komplementärrente ab
1.
Oktober 2004 auch
solchenfalls
Fr.
0.--
(
Urk.
2 S. 4 f.
,
Urk.
7 S. 6-9,
Urk.
17
)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend,
sie habe ab
1.
Oktober 2004 Anspruch auf
Auszahlung der gesamten
UVG-Witwen
rente,
ohne Anrech
nung der Altersrente
(
Urk.
1 S. 2 und 7 ff.,
Urk.
13 S. 9
und 12
)
. Ihren Standpunkt begründet sie im Wesentlichen damit,
der Komplementärrentenanspruch sei erst
mals am
1.
August 1993 entstanden (
Urk.
13 S. 7).
Die Ablösung der AHV-Witwenrente durch die Altersrente sei per
1.
Oktober 2004
erfolgt. Mit dem Erreichen des AHV-Rentenalters sei ein neuer Versicherungsfall eingetreten
, wie das Bundesgericht in BGE 126 V 506 festgestellt habe
.
Massgebend dafür, ob die vor oder ab dem
1.
Januar 1997 geltenden einschlägigen Bestimmungen der UVV
zur Anwendung gelangten
, s
ei
nicht der Beginn des Anspruchs auf die Komple
mentärrente, sondern die Ablösung der Witwenrente der AHV durch die Alters
rente (
Urk.
13 S. 9)
. Da diese nach dem
1.
Januar 1997
stattgefunden habe
, seien die neuen Bestimmungen
anwendbar
, und
Art.
33 und 43 der UVV in
den
bis 3
1.
Dezember 1996
gültig gewesenen Fassungen
hätten
hier keine Gültigkeit
(
Urk.
1 S. 9 f.,
Urk.
13 S. 6 und 8
f.
)
. Auch die von der Suva herangezogenen Übergangsbestimmungen zu den Änderungen auf den
1.
Januar 1997 seien nicht anwendbar (
Urk.
13 S. 6-8).
Die abweichende Sichtweise der Suva
würde
bei der
Festsetzung
der UVG-Witwenrente
n
zu einer massiv schlechteren Behandlung derjenigen Witwen führen,
der
en
Anspruch auf die später durch eine Altersr
ente abgelöste
AHV-Witwenrente
noch
vor Inkrafttreten der Verordnungsänderung per
1.
Januar 1997 entstanden
sei
. Zudem
sei
es möglich, dass die Suva in ähnlich gelagerten Fällen bei der Ermittlung der UVG-Witwenrente
von einer Anrech
nung der AHV-Altersr
ente abgesehen habe; treffe dies zu, bedeute dies, dass sie im Vergleich zu jenen Versicherten schlechter behandelt worden sei, was aufgrund des Gleichbehandlungsgebots nicht g
e
schützt werden dürfe
(
Urk.
13
S. 10).
Auf die vorliegende Konstellation sei zudem auch die im Bereich der beruf
lichen Vorsorge
ergangene Rechtsprechung, wonach sich die Berechnung der Überentschädigung nach den im jeweiligen Zeitraum gültigen gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen richte, anwendbar (
Urk.
1 S. 10). Zu beachten sei schliesslich
, dass die Verfügung vom
6.
Dezember 1
993 an «Frau
X._
Z._
» a
dressiert sei und
Z._
als rentenbe
rechtigte Person aufführe
(
Urk.
1 S. 4,
Urk.
13 S. 4). Ihr selbst sei erstmals mit Verfügung vom 2
2.
Februar 2017 mitgeteilt
worden, dass sie (ab
1.
Februar 2012) Anspruch auf eine Witwen
rente habe. Vor der Änderung der rechtlichen Grundlagen per
1.
Januar 1997 sei sie lediglich informiert worden, dass ihre Ansprüche abgeklärt würden, ohne dass sie in der Folge über das Ergebnis der Abklärungen orientiert worden sei. Dem
nach sei der Verfügungserlass ebenfalls nach der Rechtsänderung erfolgt (
Urk.
1 S. 10 f.)
.
Gemäss
BGE
126 V 506
E
.
3c
stelle die
Ablösung der Witwenrente der AHV durch die Altersrente eine Änderung in der Berechnungsgrundlage im Sinne von
Art.
33
Abs.
2
lit
. b UVV
dar
mit der Folge, dass die Altersrente
der AHV
ab dann nicht mehr bei der Ermittlung der
UVG-
Komplementärrente berücksichtigt werden dürfe
(
Urk.
1 S. 9 f
.)
.
Von Bedeutung sei auch, dass
die Suva in
Ziff.
2 des ange
fochtenen
Einspracheentscheids
festgehalten
habe
, dass der Anspruch ab
1.
Dezember 2012 auf
Fr.
0.-- festzusetzen sei. Dies könne nicht anders interpre
tiert werden, als dass die Suva ihren Anspruch in der Zeit vom
1.
Oktober 2004 bis 3
1.
Januar 2011 anerkenne (
Urk.
1 S. 10).
3.
Die
Verfügung vom
6.
Dezember 1993
ist
an «Frau
X._
Z._
» adressiert
.
Die Anrede richtet sich an «Frau
X._
»
.
Danach hielt die Suva
in der Verfügung
fest
,
sie richte «ihrem Sohn»
Z._
ab
1.
August 1993
eine Waisenrente von monatlich
Fr.
1'215.
-- aus,
au
f
grund der zugestellten Schulbescheinigung
einst
weilen bis Ende September 199
4.
G
rundsätzlich
bestehe «auch für Sie»
Anspruch auf eine
Hinterlassenenrente
als Komplementärrente zu ihrer
Rente
der AHV.
Diese entspreche für den geschiedenen Ehegatten der Differenz zwischen dem geschuldeten Unterhaltsbeitrag und der Rente der AHV. Wörtlich wurde festge
stellt: «
Da
die Leistungen der AHV
grösser sind als der zugesprochene Unterhalts
beitrag, können wir für Sie keine Rente ausrichten.
Auch die Erhöhung der (richtig: des) Unterhaltsanspruches
ab Eintritt ins AHV-Alter
(Oktober 2003)
ver
mag
daran nichts zu ändern
.
D
ie AHV-Leistungen
sind in jedem Fall grösser als die Alimente.»
(
Urk.
8/20
).
Aus der Adressierung der Verfügung vom
6.
Dezember 1993 geht auf den ersten Blick nicht klar hervor, ob sich diese an
Z._
, an die Beschwerd
efüh
rerin oder an beide richtet
.
Bei
Z._
handelt es sich um den damals noch
im Ausland
studierenden, über die Adresse
der Beschwerdeführerin
korres
pondierenden
gemeinsamen
Sohn (
Urk.
8/2 S. 2,
Urk.
8/4,
Urk.
8/7).
Durch die gleiche Zuschrift war hinreichend sichergestellt, dass beide von der Verfügung Kenntnis nehmen konnten.
Sollte man die etwas unklare Adressierung als
formelle
n
Mangel
ansehen, so ist dieser
nicht schwerwiegend
. Der Sinn der
Ver
fügung
ist klar: Es wurde zum einen ein
Hinterlassenenrentenanspruch
für den Sohn
ab
1.
August 1993 von monatlich
Fr.
1’215.
--
bejaht
.
Zum andern
wurde der Beschwerdeführerin
ein Anspruch auf
eine UVG-
Hinterlassenenrente
auf
grund des
Todes ihre
s geschiedenen Ehemannes,
der ihr gegenüber
gemäss Scheidungskonvention bis September 2003 zu Unterhalt von monatlich
Fr.
100.--
und ab Oktober 2003 von
Fr.
1’000.-- verpflichtet war (
Urk.
8/5)
,
zuer
kannt. Die Rente betrug
jedoch -
weil
sie
als Komplementärrente zu
r
Witwenrente der
AHV
zu berechnen
war
und weil der
Unterhaltsanspruch
der Beschwerde
führerin
gegenüber
Y._
im Verfügungszeitpunkt
geringer
als
die AHV-Rente von
Fr.
1'504.--
(
Urk.
3/6)
war
,
Fr.
0.
--
. Damit regelte die Verfügung vom
6.
Dezember 1993
individuell-konkret
die
Hinterlassenenrenten
ansprüche
der Beschwerdefüh
rerin und von deren Sohn
im Sinne von
Art.
124
lit
. a UVV
, sie wurden darin festgesetzt
.
Der Anspruch auf
eine
UVG-Komplementärrente ist
damit
auch entstanden,
obwohl
bei deren Berechnung ein Betrag von
Fr.
0.
-- resultiert
e
(vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichts
U 283/00
vom 1
5.
März 2002,
Sachverhalt A
in Ver
bindung mit Erwägung 3
)
.
Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerde
führerin mit
der
unangefo
chten in Rechtskraft erwachsenen
Verfügung vom
6.
Dezember 1993
ab
1.
August 1993 eine UVG-Witwenrente als Komplementär
rente zu ihrer AHV-Witwenrente zugesprochen und diese betraglich auf
Fr.
0.-- festgesetzt wurde. Damit trifft es entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht zu, dass über ihren Komplementärrentenanspruch erstmals nach der
Ände
rung der UVV
per
1.
Januar 1997 verfügt wurde. Auch kann angesichts des
damals
laufenden Anspruchs auf die Komplementärrente keine Rede davon sein, bei der
Ablösung der AHV-Witwenrente durch die Altersrente am
1.
Oktober 2004
habe es sich unfallversicherungsrechtlich um einen neuen Versicherungsfall gehandelt. Einzig
AHV
-rechtlich lag ein neuer Versicherungsfall vor.
4.
4.1
Z
u prüfen ist,
ob
die Frage nach einer Anpassung der laufenden Komplementär
rente infolge
der Ablösung der AHV-Witwenrente durch die Altersrente
am
1.
Oktober 2004
nach
den vor dem
1.
Januar 1997 in Kraft stehenden Bestim
mungen der UVV oder den ab dann gültigen Verordnungsbestimmungen zu beurteilen
ist
.
4.2
Nach den Schlussbestimmungen der Verordnungsänderung vom
9.
Dezember 1996 gilt für Komplementärrenten
für Hinterlassene gemäss
Art.
31
Abs.
4 UVG, die vor Inkrafttreten dieser Änderung festgesetzt wurden, das bisherige
Recht. Mit der Formulierung «festgesetzt wurden» ist allein die erstmalige Rentenfestsetzung und nicht auch die spätere Neufestsetzung im Sinne einer Anpassung der Komplementärrenten gemeint (Urteil des Bundesgerichts U 283/00 vom 1
5.
März 2002 E. 2). Grund für diese Regelung ist, dass Renten im Voraus mittels Deckungskapital zu finanzieren sind; angesichts dieser Finanzierungsweise können höhere Renten nicht rückwirkend finanziert werden (vgl. BGE 127 V 448 E. 2c unter Hinweis auf die Erläuterungen des BSV zur Verordnungsänderung vom
9.
Dezember 1996, RKUV 1997 S. 53
).
Da die Komplementärrente der Beschwerdeführerin erstmals mit Verfügung
vom
6.
Dezember 1993
festgesetzt wurde, gilt
für sie
gemäss den Übergangsbestimmungen das vor dem
1.
Januar 1997 i
n Kraft gestandene Recht.
Eine allfällige Anpassung der R
ente nach
der Ablösung
der
AHV
-Witwenrente durch die Altersrente
ist
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
für die Bestimmung des anwendbaren Rechts nicht rele
vant.
Soweit die Beschwerdeführerin
rügt, diese Übergangsregelung könne zu stossenden Ungleichbehandlungen führen, ist sie darauf
hinzuweisen, dass das Bundesgericht sie als
mit Gesetz und Verfassung, insbesondere auch mit dem Rechtsgleichheitsgebot von
Art.
8 der Bundesverfassung, vereinbar
erklärt hat
(BGE 127 V448 E. 3).
A
ngesichts der
klaren Rechtsprechung zu den
anwendbaren
Übergangsbestimmungen besteht entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 10)
kein Raum für
eine analoge Anwendung der zur Berechnung der Überentschädigung im Bereich der beruflichen Vorsorge ergangenen Recht
sprechung.
5
.
5.1
Zu
untersuchen
bleibt, ob die Ablösung der AHV-Witwenrente durch die Alters
rente
ab
1.
Oktober 2004 gestützt auf
Art.
33 und 43 UVV in den bis 3
1.
Dezem
ber 1996 gültig gewesenen Fassungen zu einer Erhöhung der laufenden Komple
mentärrente führt.
5.2
Gemäss
Art.
33
Abs.
2
lit
. b UVV in der
neuen,
ab
1.
Januar 1997 geltenden
Version
werden die Komplementärrenten den veränderten Verhältnissen ange
passt, wenn die Rente der AHV oder der IV infolge einer Änderung der Berech
nungsgrundlagen erhöht oder herabgesetzt wird. Das Bundesgericht hielt fest, auch wenn diese Bestimmung vorab den Sachverhalt einer Änderung in den Berechnungsgrundlagen derselben Rentenart zum Gegenstand habe, sei auch bei Ablösung der Witwenrente durch eine Altersrente
der AHV
mit entsprechender Änderung der Berechnungsgrundlagen der Anspruch auf eine K
omplementär
rente neu zu prüfen
(BGE 126 V 506 E. 3c).
Im vorliegend zur Anwendung gelangenden
altrechtlichen
Art.
33 UVV
wurde die im
neuen,
ab
1.
Januar 1997 geltenden
Art.
33
Abs.
2
lit
. b UVV erwähnte Erhöhung oder Herabsetzung der AHV- oder IV-Rente zufolge Änderung der Berechnungsgrundlagen noch nicht bei den Tatbeständen, die eine Anpassung der Komplementärrenten an die veränderten Verhältnisse zur Folge haben (
Art.
33
Abs.
1
lit
. a-c), genannt. Es fragt sich, ob die unter der Herrschaft des alten Rechts erfolgte Ablösung der Witwenrente der AHV durch die Altersrente dennoch eine Anpassung der laufenden Komplementärrente im Sinne von BGE 136 V 506 E. 3c
nach sich zieht.
Ob
etwa
der altrechtliche
Art.
33
Abs.
1
lit
. a
UVV in diesem Sinne auszulegen ist, kann im hier zu beurteilenden Fall
aber
offen bleiben. Denn selbst wenn die Ablösung der AHV-Witwenrente auch unter der Herrschaft
des vor dem
1.
Januar 1997 geltenden
Art.
33 UVV als Anpas
sungstatbestand betrachtet wird, führt dies nicht zu einer Änderung der Höhe der Komplementärrente der Beschwerdeführerin. Gemäss dem vor dem
1.
Januar 1997 geltenden
Art.
43
Abs.
1 UVV sind die AHV-Renten bei der Berechnung der
altrechtlichen
Komplementärrenten
an Hinterlassene
nämlich voll anzurechnen
(
vgl. Philipp
Geertsen
, das Komplementärrentensystem der
Unfallversicherung zur Koordin
ation von UVG-Invalidenrenten mit Rentenleistungen der
1.
Säule
[
Art.
20
Abs.
2 UVG; St. Gallen 2010 S. 160
]
)
.
Diese Regelung ist gemäss BGE 115 V 266 gesetz- und verfassungsmässig.
Ab
1.
Oktober 2004 wurde die damals laufende Witwenrente der AHV in Höhe von
Fr.
1'688.-- pro Monat durch die höhere Altersrente von
Fr.
2'110.-- pro Monat abgelöst (
Urk.
3/7
; vgl.
Art.
24b des
Bundesgesetz
es
über die Alters- und H
interlassenenversicherung [AHVG]
).
D
iese höhere AHV-Rente
überstieg
den gerichtlich festgesetzten Unterhaltsbeitrag der Beschwerdeführerin von
monatlich
Fr.
1
’000
.-- ab Oktober 2003 (
der in den Folgejahren dem Landesindex der Konsumentenpreise anzupassen war;
Urk.
8/5 S. 2
)
, weshalb ihr gestützt auf
Art.
31
Abs.
4 UVG in Verbindung mit
Art.
43
Abs.
1 UVV auch
bei einem solchen Vorgehen
ab
1.
Oktober 2004 eine Komple
me
ntärrente von
Fr.
0.--
zusteht.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin wirft der Suva
vor, sie habe
in ähnlich gelagerten Fällen bei der Ermittlung der UVG-Witwenrente von einer Anrechnung der AHV-Altersrente abgesehen und sie, die Beschwerdeführerin, damit rechtsungleich b
ehand
elt
(
Urk.
13 S. 10)
.
Hierbei handelt es sich um eine blosse Mutmassung
der Beschwerdeführerin.
K
onkrete Anhaltspunkte für eine rechtsungleiche Praxis der Suva in solchen Konstellationen fehlen. Deshalb vermag diese Rüge die Rechts
mässigkeit des angefochtenen
Einspracheentscheids
nicht in Frage zu stellen.
6.2
Schliesslich macht d
ie Beschwerdeführerin
geltend
,
die Suva habe in
Ziff.
2 des angefochtenen
Einspracheentscheids
festgehalten, dass der Anspruch ab
1.
Dezember 2012 auf
Fr.
0.-- festzusetzen sei, und damit
habe sie einen
Anspruch
auf
Auszahlung der gesamten UVG-Witwenrente ohne Anrechnung der AHV-Rente
für den
Zeit
raum
vom
1.
Oktober 2004 bis 3
1.
Januar 2011 anerkannt (
Urk.
1 S. 10).
Dies trifft nicht zu: In
Dispositivziffer
2 des
Einspracheentscheids
vom
1
2.
Februar 2018
hat die Suva die Komplementärrente der Beschwerdefüh
rerin ab
1.
Oktober 2004, und nicht wie von der Beschwerdeführerin behauptet
,
ab
1.
Dezember 2012 auf
Fr.
0.-- festgesetzt (
Urk.
2 S. 6).
Damit
stellte sie klar
, dass sie die in der
vorangegangenen
Verfügung vom 1
7.
Februar 2017
gemachte
Abänderung des laufenden Rentenanspruchs
für die Zeit
ab
1.
Februar 2012 (
Urk.
8/37)
und
auch für die Zeit
ab Auszahlung der höheren Altersrente ab
1.
Oktober 2004
rückgängig machte
.
Richtig ist allerdings, dass in Erwägung 2.3 des
Einspracheentscheids
die
Beschwerdegegnerin
von einer Festlegung der Komplementärrente ab
1.
Februar 2012 auf
Fr.
0.--
gesprochen hat. Allerdings
ist einzig das Dispositiv
verbindlich un
d kann in Rechtskraft erwachsen
. Damit
kann keine Rede davon sein,
dass
die Suva
einen
Anspruch
auf
Auszahlung der gesamten UVG-Witwenrente ohne Anrechnung der AHV-Rente in der Zeit vom
1.
Oktober 2004 bis 3
1.
Januar 2011 anerkannt
hat
.
7.
Aus dem Gesagten folgt
, dass die Suva die Verfügung vom
2
2.
Februar 2017
mit dem an
gefo
chtenen
Einsp
racheentscheid
in dem Sinne zu U
ngunsten der Beschwerdeführerin abändern durfte, dass sie damit die laufende Komplementär
rente auch ab
1.
Oktober
2004 auf
Fr.
0.-- festsetzte (
R
eformatio
in Peius;
Art.
12
Abs.
1 der
Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts ATSV]
)
. Die
Beschwerde ist abzuweisen.