Decision ID: 6000d2fd-0129-4cb6-8472-e37589081e7c
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2011 (Posteingang: 7. Juli 2011) wegen einer
Depression zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Er
gab an, er habe die Realschule besucht und keinen Beruf erlernt. Dr. med. B._,
Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte am 29. März 2010 (recte:
2011, vgl. Fremdakten-act. 1-15) zuhanden der Krankentaggeldversicherung berichtet,
der Versicherte leide an einer Erschöpfungsdepression bzw. einem Burnout bei ADHS
im Erwachsenenalter. Seit dem 10. Oktober 2010 bis auf weiteres sei er vollständig
arbeitsunfähig (Fremdakten-act. 1-14). Am 19. April 2011 hatte sie die folgenden
Diagnosen angegeben (Fremdakten-act. 1-16): Rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11), ADHS im Erwachsenenalter
(ICD-10 Z73) und problematische soziale Situation wegen Trennung von der Familie
A.a.
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(ICD-10 Z63.0). Am 24. August 2011 wurde der Versicherte im Auftrag der
Krankentaggeldversicherung psychiatrisch begutachtet. Dr. med. C._, Fachärztin
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, teilte am 30. August 2011 mit (Fremdakten-
act. 2), der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
eine schwere Episode (ICD-10 F33.2). Derzeit sei ihm weder die bisherige noch eine
angepasste Tätigkeit zumutbar. Vom 6. Dezember 2011 bis zum 7. Januar 2012 hielt
sich der Versicherte zur psychosomatischen Rehabilitation in der Klinik D._ auf. Die
Fachärzte berichteten am 24. Januar 2012 (Fremdakten-act. 3-28), sie hätten die
Diagnosen einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.0-F32.1)
und die Differentialdiagnosen einer ADHS im Erwachsenenalter, einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit impulsiven und selbstunsicheren Anteilen (ICD-10 F61.0)
und eines affektiven Mischzustands (ICD-10 F31.6) erhoben. Sie attestierten eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 6. Dezember 2011 bis zum 22. Januar 2012.
In einem Arbeitgeberbericht teilte eine Mitarbeiterin der E._ AG am 1. März 2012
unter Beilage von Ausdrucken aus dem Lohnkonto des Versicherten mit (IV-act. 35),
der Versicherte sei vom 26. August 2005 bis zum 28. Februar 2009 als Mitarbeiter in
der Vertriebslogistik und beim Wareneingang angestellt gewesen. Zu seinen Aufgaben
hätten die Warenannahme, das Auspacken und die Kontrolle und das Einlagern der
Waren gezählt. Die Arbeitszeit des Versicherten habe 40 Stunden pro Woche betragen.
Dr. B._ berichtete am 16. März 2012 (Fremdakten-act. 3-14), der Versicherte leide an
einer Erschöpfungsdepression bzw. einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11). Sie attestierte eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit seit dem 10. Oktober 2010. Das W._ erstattete am 3. April 2012
einen Arbeitgeberbericht (IV-act. 43). Eine Mitarbeiterin gab an, der Versicherte sei vom
1. März 2009 bis zum 31. August 2009 in der Logistik tätig gewesen. Er habe die
angelieferten Pakete kontrolliert, die Materialien im SAP verbucht und die Artikel
weitergeleitet. Der AHV-beitragspflichtige Lohn habe für diese Zeitperiode bei einer
Wochenarbeitszeit von 42 Stunden Fr. 28'406.80 betragen. Am 4. April 2012 ging ein
Lebenslauf des Versicherten mit zugehörigen Unterlagen (Arbeitszeugnissen und
Kursbestätigungen) ein (IV-act. 42). In einem weiteren Arbeitgeberbericht teilte ein
Mitarbeiter der F._ AG am 11. April 2012 mit (IV-act. 44), der Versicherte sei vom
1. März 2010 bis zum 28. Februar 2011 als Contact Center Agent angestellt gewesen.
A.b.
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Der AHV-beitragspflichtige Monatslohn habe bei einer Wochenarbeitszeit von
42 Stunden Fr. 3'960.-- betragen. Gemäss einem Arbeitszeugnis der F._ AG vom
10. März 2011 hatte der Versicherte IT-Supportaufgaben ausgeführt (IV-act. 42-21). Am
4. Juli 2012 attestierte Dr. B._ zuhanden des RAV eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab
dem 1. Juli 2012 (IV-act. 49). Am 13. Juli 2012 teilte die IV-Stelle mit (IV-act. 52), sie
gewähre eine Arbeitsvermittlung. Dr. B._ attestierte am 19. Dezember 2012 eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem 7. Dezember 2012 (IV-act. 65). Der Versicherte
hatte ein durch das RAV aufgegleistes Einsatzprogramm aus gesundheitlichen
Gründen abgebrochen (IV-act. 67-4). Die Arbeitsvermittlung wurde mit einer Mitteilung
vom 25. Januar 2013 abgeschlossen (IV-act. 70). Am 20. März 2013 gab Dr. B._ die
Diagnosen einer Erschöpfungsdepression bzw. einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig eine mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11), und einer ADHS im
Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) an (IV-act. 76). Sie hielt fest, seit dem Scheitern des
Arbeitsversuchs sei der Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Fachärzte der
Psychiatrischen Klinik G._ berichteten am 22. März 2013 (IV-act. 78), der Versicherte
sei vom 25. Februar 2013 bis zum 20. März 2013 hospitalisiert gewesen. Sie
diagnostizierten eine mittelgradige depressive Episode ohne ein somatisches Syndrom
(ICD-10 F32.10), einen Verdacht auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sowie
eine ADHS im Erwachsenenalter und attestierten eine im Zeitpunkt des Austritts
bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit. Dr. B._ teilte am 27. Juni 2013 mit (IV-
act. 79), ein komplizierter Augenbefund sei festgestellt worden. Dr. med. H._,
Spezialarzt für Ophthalmologie, spez. Ophthalmochirurgie FMH, hatte am 27. Mai 2013
angegeben (IV-act. 79-6), es bestünden visuelle Störungen (wahrscheinlich im
Zusammenhang mit Psychopharmaka), eine Esotropie rechts und ein hoher
Astigmatismus mixtus beidseits mit einer relativen Amblyopie beidseits. Am
17. Oktober 2013 wurde der Versicherte neurologisch und elektrophysiologisch
untersucht. Dr. med. I._, Neurologie FMH, berichtete gleichentags (IV-act. 85-6), sie
habe ein klinisch sensibles Sulcus ulnaris Syndrom links, ein leichtgradiges
sensomotorisches Karpaltunnelsyndrom links und ein Restless Legs Syndrom
diagnostiziert. Vom 6. November 2013 bis zum 9. Dezember 2013 hielt sich der
Versicherte in der Psychiatrischen Klinik G._ auf. Die Fachärzte teilten am
16. Dezember 2013 die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell
eine mittelgradige Episode ohne ein somatisches Syndrom (ICD-10 F33.10), und die
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Differentialdiagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und
histrionischen sowie ängstlich-vermeidenden Anteilen (ICD-10 F61.0) mit (IV-act. 87).
Sie attestierten eine bei Austritt bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit.
Am 13./22. Mai 2014 und am 17. Juni 2014 wurde der Versicherte durch die
MEDAS Bern polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch, neurologisch und
ophthalmologisch) abgeklärt. Im Gutachten vom 30. Dezember 2014 gaben die
Sachverständigen als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig eine leichte bis mittelschwere
depressive Episode (ICD-10 F33.1), und einen hohen Astigmatismus mixtus (rechts
mehr als links mit einer relativen Amblyopie) an (IV-act. 108-21; zu den Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit siehe die dort aufgeführte Liste; insbesondere
wurden eine Persönlichkeitsakzentuierung [ICD-10 Z73.1] und Probleme mit Bezug auf
Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung [ICD-10 Z72-73] genannt). Die Gutachter
hielten in der interdisziplinären Zusammenfassung fest (IV-act. 108-21 ff.), aufgrund
des Augenleidens seien Bildschirmtätigkeiten eher nicht mehr sinnvoll. Die
Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Contact Center Agent betrage daher 0%. In einer
Verweistätigkeit sei der Versicherte aufgrund der psychiatrischen Gesundheitsstörung
zu 70% arbeitsfähig. Der Versicherte verfüge über gute Ressourcen, welche ihn bislang
befähigt hätten, auch schwierige Lebenssituationen zu bewältigen. Er sei bislang auch
in der Lage gewesen, seine erworbenen Qualifikationen einzusetzen, seine anfängliche
Unterqualifikation durch Fortbildungen zu verbessern und sich zeitweilig beruflich
hochzuarbeiten. Im Rahmen der rezidivierenden depressiven Störung, welche teilweise
mit leichten bis mittelschweren depressiven Episoden einhergehe, so auch
gegenwärtig, seien insbesondere die Durchhaltefähigkeit und die Flexibilität/
Umstellungsfähigkeit relevant eingeschränkt. Gegenwärtig sollte speziell eine
Akkordarbeit vermieden und auf ein wertschätzendes Arbeitsumfeld geachtet werden.
Vermieden werden sollten stundenlange Bildschirmarbeit und Tätigkeiten, die eines
exakten Binokularsehens bedürften, sowie "Tätigkeiten mit erhöht
visusbeanspruchenden feinmotorischen Tätigkeiten". Retrospektiv habe aus
psychiatrischer Sicht zwischen Oktober 2010 bis Ende März 2012 eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Von April 2012 bis Februar 2013 habe die
Arbeitsfähigkeit zwischen 50% und 100% betragen. Von Ende März 2013 bis
A.c.
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Dezember 2013 habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Seit Anfang
2014 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70%. Diese Bewertung gelte auch für
Verweistätigkeiten. Die depressive Symptomatik werde gegenwärtig nicht adäquat
behandelt. Ausreichende Motivation vorausgesetzt, sollte der Versicherte im Stande
sein, mit einer entsprechenden Unterstützung eine Arbeitstätigkeit wiederaufzunehmen.
In der interdisziplinären Beurteilung gaben die Sachverständigen ausserdem an (IV-
act. 108-20), nach einer Aufnahme der beruflichen Tätigkeit werde der Versicherte
voraussichtlich spätestens innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten in der Lage
sein, ein 100%iges Arbeitspensum zu erfüllen (IV-act. 108-20).
Anlässlich eines Assessment-Gesprächs der Eingliederungsverantwortlichen mit
dem Versicherten vom 9. April 2015 teilte dieser mit (IV-act. 118), er fühle sich nicht
arbeitsfähig und wünsche die Rentenprüfung. Am 15. April 2015 teilte die IV-Stelle mit
(IV-act. 120), das Begehren um berufliche Massnahmen werde abgewiesen.
A.d.
Am 23. April 2015 berichteten Fachärzte der Psychiatrischen Klinik G._, der
Versicherte sei vom 4. Februar 2015 bis zum 2. April 2015 hospitalisiert gewesen (IV-
act. 121). Sie diagnostizierten eine mittelgradige depressive Episode ohne ein
somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10) vor dem Hintergrund einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und histrionischen sowie ängstlich-
vermeidenden Anteilen (ICD-10 F61.0). Sie hielten fest, der Versicherte sei beim Austritt
vollständig arbeitsunfähig gewesen. Dr. med. J._, Arzt an der Tagesklinik K._, teilte
am 1. Juli 2015 mit (IV-act. 125), er habe den Versicherten vom 13. April 2015 bis zum
30. Juni 2015 behandelt. Da es dem Versicherten nicht gelungen sei, auch nur
ansatzweise das vereinbarte Setting einzuhalten, sei die geplante tagesklinische
teilstationäre Behandlung nicht zustande gekommen. Als psychiatrische Diagnosen
gab er eine rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig eine mittelgradige Episode
mit einem somatischen Syndrom (ICD-10 F33.11), eine mindestens akzentuierte
Persönlichkeit mit impulsiven, ängstlich-abhängig-vermeidenden und narzisstischen
Zügen, eine anamnestisch bestehende ADHS und einen Verdacht auf eine
Angststörung an. Ob mit einer Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit gerechnet
werden könne, sei derzeit nicht beurteilbar.
A.e.
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Mit einem Vorbescheid vom 7. Juli 2015 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 128). Zur Begründung führte sie
an, die Abklärungen hätten ergeben, dass für die Tätigkeit als Call Center Mitarbeiter
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine
70%ige Arbeitsfähigkeit. Bei einem Valideneinkommen als Call Center Mitarbeiter von
Fr. 47'520.-- und einem zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommen von
Fr. 45'620.-- gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik resultiere
ein Invaliditätsgrad von 4%. Im dagegen erhobenen Einwand vom 11. September 2015
machte der Versicherte im Wesentlichen geltend (IV-act. 137), gestützt auf den
Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik G._ müsse ab Februar 2015 von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Da bei Dr. B._ kein
Verlaufsbericht eingeholt worden sei, könne der aktuelle Gesundheitszustand kaum
beurteilt werden. Am 27. Oktober 2015 teilte Dr. B._ mit (IV-act. 141), der Versicherte
sei seit dem Klinikaustritt im Juli 2015 wieder bei ihr in Behandlung. Es bestehe
weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50%, wahrscheinlich sogar von
100%. Die Prognose sei schlecht, da sich der Versicherte chronisch überfordert fühle
und sich völlig zurückgezogen habe.
A.f.
Vom 8. Dezember 2015 bis zum 12. Februar 2016 hielt sich der Versicherte in der
Psychiatrischen Klinik G._ auf. Die Fachärzte gaben am 2. März 2016 an (IV-
act. 146), der Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode ohne ein
somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10) vor dem Hintergrund einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und narzisstischen Anteilen
(ICD-10 F61.0). Sie führten aus, letztmals sei der Versicherte vom 4. Februar 2015 bis
zum 2. April 2015 mit den Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung und
einem Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit histrionischen,
ängstlich-vermeidenden und narzisstischen Anteilen hospitalisiert gewesen. Die
Arbeitsfähigkeit habe beim Austritt 0% betragen. Dr. J._ berichtete am 30. Mai 2016
(IV-act. 150), der Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär. Der Versicherte
sei am 8. März 2016 zur teilstationären Behandlung aufgenommen worden. Leider
habe sich erneut gezeigt, dass er nicht in der Lage sei, das Setting einzuhalten. Er habe
zunehmend depressiv und überfordert reagiert, sodass der Behandlungsversuch am
5. April 2016 beendet worden sei. Dr. B._ teilte am 5. Juli 2016 mit (IV-act. 152), der
A.g.
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Gesundheitszustand des Versicherten habe sich verschlechtert. Nach der Entlassung
aus der Tagesklinik habe er die Medikamente nicht oder unregelmässig eingenommen
und sei psychotisch geworden, indem er Stimmen gehört habe. Diese psychotische
bzw. paranoide Symptomatik sei bereits im Jahr 1999 festzustellen gewesen, als er zu
ihr in die Behandlung gekommen sei. Er sei vollständig arbeitsunfähig. Dr. med. L._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 1. September 2016 (IV-act. 163),
eine psychiatrische Begutachtung sei angezeigt. In somatischer Hinsicht sei der
Sachverhalt im MEDAS-Gutachten hinreichend erfasst worden.
Am 3. Oktober 2016 teilte die IV-Stelle mit (IV-act. 165), dass eine psychiatrische
Abklärung notwendig sei und Dr. med. M._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, damit beauftragt werde. Der Versicherte reichte am 17. November
2016 Zusatzfragen an den Gutachter ein (IV-act. 172). Am 9. März 2017 und am 19. Mai
2017 wurde der Versicherte durch Dr. M._ psychiatrisch sowie am 5. Mai 2017 und
am 19. Mai 2017 durch Dr. phil. N._ neuropsychologisch untersucht. Im Gutachten
vom 22. Mai 2017 gab Dr. M._ an (IV-act. 178-74), eine eindeutige psychiatrische
Diagnose könne nicht gestellt werden. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei
deshalb nicht eingeschränkt. Im Abschnitt zur Anamnese hielt Dr. M._ insbesondere
fest (IV-act. 178-46 ff.), der Versicherte habe erzählt, es sei lange her, dass er das erste
Mal psychische Probleme gehabt habe. Er habe keine gute Kindheit gehabt. Heute
warte er auf den Tag, an dem es ihm gut gehe, damit er sich wenigstens rasieren
könne. Selten gehe es ihm ein wenig besser. Die Behandlungen und Klinikaufenthalte
hätten keinen grossen Einfluss gehabt. Mit zwölf Jahren sei er traditionell verlobt und
mit vierzehn Jahren verheiratet worden. Eine Lehre habe er nicht machen dürfen. Er
habe drei Kinder und sei geschieden. An der letzten Stelle als Call Center Agent habe
er eine 65 Stunden-Woche gehabt. Da er sehr gute Informatik-Kenntnisse habe, sei er
für spezielle Kunden und auch für Missbräuche zuständig gewesen. Sein Arbeitgeber
habe ihn als "Second Level" haben wollen und er sei Teamleiter von 17 Personen
geworden. Schliesslich sei er zusammengebrochen. Er habe immer mehr als 100%
gegeben. Die Krankheit sei schleichend gekommen. Ein Jahr lang sei er nur im Bett
gelegen. Der Weg mit dem Kollegen zum Untersuchungsort sei eine Weltreise
gewesen. Er wolle wieder gesund werden und kämpfe jeden Tag um Energie. Er gehe
nicht aus dem Haus. Die Angstzustände, die er habe, seien da. Am Morgen stehe er
A.h.
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unterschiedlich früh auf. Am Abend, wenn diese Panik komme, ergreife er die Flucht,
gehe hinaus und mache zwei Runden um den Block. Wenn er am Morgen aufstehe,
nehme er die Medikamente, trinke einen Kaffee und sei zu Hause. Die Briefe bringe er
immer zur sozialen Stelle. Zwei- bis dreimal pro Woche komme ein Sohn zu Besuch.
Dann gingen sie zur Tankstelle einen Kaffee trinken. Am Nachmittag sei er zu Hause
und warte, bis es Abend werde. Das Einkaufen falle ihm sehr schwer. Zu Dr. B._
fahre er mit dem Bus. Er versuche zu lesen, sei aber sehr schnell erschöpft und müde
beim Aufnehmen. Dr. M._ führte in Bezug auf die objektiven Befunde aus (IV-
act. 178-60 ff.), der Versicherte habe einen gepflegten, adäquat gekleideten Eindruck
gemacht. Im Rahmen der Untersuchung hätten sich keine Beeinträchtigungen der
Bewusstseinsklarheit und -helligkeit gezeigt. Die Aufmerksamkeit und die
Konzentration hätten durchgehend aufrechterhalten werden können. Das Gedächtnis
habe beeinträchtigt gewirkt. Die Auffassung sei unauffällig gewesen, obschon der
Versicherte angegeben habe, dass er sich sehr stark anstrengen müsse, um alles zu
verstehen. Es hätten sich ausgeprägte Merkfähigkeitsstörungen gezeigt. Der
Versicherte habe sich nach einigen Minuten an keines der zuvor wiederholten drei
Wörter (Zitrone, Schlüssel, Ball) erinnert. Bei der Subtraktionsreihe (im Kopf von 100
sieben abziehen bis 65) seien ihm zwei Fehler unterlaufen. Hinweise auf
Zwangsgedanken oder zwanghafte Handlungen hätten sich nicht gefunden. Auch seien
keine Hinweise auf eine hypochondrische Erlebnisverarbeitung feststellbar gewesen.
Der Versicherte fühle sich manchmal beobachtet, ansonsten hätten sich keine
inhaltlichen Denkstörungen in der Form von wahnhaften Gedanken,
Wahnwahrnehmungen oder eines systematischen wahnhaften Denkens gezeigt. Ab
und zu höre der Versicherte eine Stimme, die seinen Namen rufe; ansonsten hätten
sich keine Hinweise auf Sinnestäuschungen in der Form von Halluzinationen oder
illusionären Verkennungen gefunden. Ich-Störungen in der Form eines
Fremdbeeinflussungserlebens oder von Derealisations- oder
Depersonalisationsphänomenen seien nicht vorhanden gewesen. Die Grundstimmung
sei deutlich zum depressiven Pol hin verschoben gewesen. In der Beurteilung gab
Dr. M._ an (IV-act. 178-64 ff.), dass bei psychiatrischen Begutachtungen die
subjektiven Angaben des Exploranden für die Diagnostik und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung wesentlich seien. Vorliegend gebe es viele Hinweise darauf,
dass die Angaben des Versicherten nicht zuverlässig seien. Der Versicherte habe
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beispielsweise über sehr starke neuropsychologische Einschränkungen geklagt und
diese bei der Erhebung des Psychostatus teilweise auch demonstriert; es treffe aber
nicht zu, dass er sich – wie er anlässlich des Gesprächs vom 19. Mai 2017 noch einmal
explizit festgehalten habe – nur maximal zwei bis drei Minuten konzentrieren könne.
Des Weiteren habe der Versicherte anlässlich der psychiatrischen Untersuchung
angegeben, dass ihn ein Kollege zum Untersuchungsort gefahren habe, da es ihm mit
dem Zug "zu umständlich und zu viel" gewesen wäre. Offensichtlich sei er aber in der
Lage, dies zu überwinden, da er zum zweiten Termin mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln angereist sei. Sehr auffällig sei auch, dass der Versicherte bei den
psychiatrischen Untersuchungen eine deutliche depressive Symptomatik demonstriert
habe, im Rahmen der neuropsychologischen Abklärung aber nicht. Dort habe er
vielmehr sehr ausgeprägte neuropsychologische Einschränkungen demonstriert.
Dr. N._ habe festgehalten, dass sich mehrere Indizien für eine Antwortverzerrung
hätten feststellen lassen, weshalb aus den testologisch erzielten Daten nicht auf das
tatsächliche Ausmass der neurokognitiven Funktionstüchtigkeit habe geschlossen
werden können. Der Versicherte habe in der neuropsychologischen Abklärung
weitgehend sehr schlechte Resultate erzielt. Beispielsweise habe er einen Gesamt-IQ
von 65 erreicht, was mit den anamnestischen Angaben zur beruflichen Laufbahn und
auch mit dem Verhalten, das der Versicherte in der aktuellen Untersuchung gezeigt
habe, nicht vereinbar sei. In sämtlichen Symptomvalidierungstests habe der
Versicherte durchgehend sehr auffällige Resultate erzielt. In vielen Tests habe der
Versicherte Resultate auf Zufallsniveau erreicht, was sich nicht anders interpretieren
lasse, als dass er bei der Abklärung nicht mitgewirkt habe, sondern nur den Anschein
einer Mitwirkung habe vermitteln wollen. Auch die Vorakten enthielten einige Hinweise
auf Diskrepanzen und Widersprüche. Im Austrittsbericht der Klinik D._ sei
festgehalten worden, die "vage gehaltenen bis teilweise widersprüchlichen Aussagen"
des Versicherten hätten die Anamneseerhebung erschwert. Dies sei wohl auch der
Grund gewesen, weshalb man sich diagnostisch nicht wirklich habe festlegen können.
Im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS vom 13. Mai 2014 habe der Gutachter
festgehalten, neben einer Persönlichkeitsakzentuierung bestehe zeitweise eine
depressive Symptomatik, die wegen der starken Überlagerung durch die
psychosozialen Faktoren diagnostisch schwer einzuordnen sei. Verschiedene
Medikamente seien damals im Blut des Versicherten nicht nachweisbar gewesen. Der
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psychiatrische Gutachter habe darum festgehalten, es sei nicht von einer anhaltenden
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. In den Akten fänden sich auch Hinweise auf eine
eingeschränkte Mitwirkung. Verschiedene Tagesklinikaufenthalte seien aufgrund der
ablehnenden Haltung des Versicherten nicht zustande gekommen oder abgebrochen
worden. Auffallend sei aber vor allem, dass die Diagnostik teilweise sehr weit
auseinandergehe, was bei einer klaren und eindeutig vorhandenen Symptomatik eher
nicht zu erwarten sei. Aufgrund der vielen Hinweise auf eine eingeschränkte
Mitwirkung, Aggravation, Diskrepanzen und Widersprüche könne keine mit einem
psychischen Leiden konsistente Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erklärt werden.
Möglich sei, dass der Versicherte tatsächlich an einer rezidivierenden depressiven
Störung leide. Insgesamt könne aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des
Versicherten, abgesehen von der (vermuteten) rezidivierenden depressiven Störung,
keine psychiatrische Diagnose gestellt werden. Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit gab
Dr. M._ an, es sei gut möglich, dass früher vorübergehend die Kriterien einer
eigentlichen depressiven Episode erfüllt gewesen seien. Allerdings lasse sich damit
keine anhaltende gravierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. In Bezug
auf die Zusatzfragen des Versicherten hielt Dr. M._ fest, dass es sich dabei im
Wesentlichen um eine Ergänzung zur Anamnese und nicht um Fragen an den
Gutachter handle. Dies führe zur etwas eigenartigen Situation, dass der Versicherte
seine eigenen Fragen beantworte, was nicht Teil der Beurteilung sei. Dr. N._ führte in
der neuropsychologischen Beurteilung vom 20. Mai 2017 unter anderem aus (IV-
act. 178-86 ff.), die zwei Untersuchungen hätten je dreieinhalb Stunden gedauert. Aus
den durch den Versicherten erbrachten Testergebnissen liessen sich mehrere
Anzeichen einer Antwortverzerrung feststellen. Es sei davon auszugehen, dass die
erzielten Testergebnisse nicht der tatsächlichen neurokognitiven Funktionstüchtigkeit
des Versicherten entsprächen. Er verzichte daher ausdrücklich auf die
Charakterisierung einer der aktuellen neurokognitiven Funktionstüchtigkeit des
Versicherten angepassten Erwerbsmöglichkeit. Von der Prämisse einer besseren
Beweiseignung einer neuropsychologischen Begutachtung könne nur dann
ausgegangen werden, wenn Gewähr für die Wahrhaftigkeit der Aussagen des
Versicherten und der erzielten Testergebnisse bestehen würde.
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Der RAD-Arzt Dr. L._ notierte am 11. Oktober 2017 (IV-act. 184), das Gutachten
von Dr. M._ entspreche im Wesentlichen den versicherungsmedizinischen Kriterien.
Er gehe davon aus, dass durch das Gutachten kein leistungsbegründender
medizinischer Sachverhalt ausgewiesen sei.
A.i.
Mit einem Vorbescheid vom 18. Oktober 2017 stellte die IV-Stelle die Abweisung
des Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 194). Zur Begründung gab
sie an, gemäss den Unterlagen und den beiden Gutachten (poly- und monodisziplinär)
bestehe kein dauerhafter invalidisierender Gesundheitsschaden. Dem Versicherten sei
es weiterhin möglich, als Call Center Mitarbeiter ein Einkommen von Fr. 47'520.-- zu
erzielen. Der Versicherte erhob am 23. November 2017 einen Einwand (IV-act. 195). Er
machte geltend, sein psychischer Gesundheitszustand sei derzeit sehr schlecht. Dr.
B._ führe wegen einer schweren Depression eine Infusionstherapie durch. Am
9. Februar 2018 reichte er einen Bericht von Dr. B._ ein (IV-act. 200). Diese hatte am
9. Januar 2018 mitgeteilt (IV-act. 199), dem Versicherten sei es in den letzten Monaten
erheblich schlechter gegangen. Falls es ihm im Januar 2018 psychisch weiterhin
schlecht gehen sollte, werde sie, in Absprache mit dem Versicherten, ihn wieder in eine
psychiatrische Klinik einweisen müssen. Vom 19. März 2018 bis zum 25. April 2018 war
der Versicherte in der Psychiatrischen Klinik G._ hospitalisiert. Ein Facharzt gab am
4. Mai 2018 als Hauptdiagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
eine schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), vor dem
Hintergrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und
narzisstischen Anteilen (ICD-10 F61.0), und als psychiatrische Nebendiagnose eine
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) an (IV-act. 204). Er
hielt fest, der Versicherte sei beim Austritt wach, bewusstseinsklar und zu allen vier
Qualitäten durchgehend voll orientiert gewesen. Das Gedächtnis sei unauffällig, die
Auffassung und die Konzentration seien eingeschränkt und das formale Denken sei
eingeengt gewesen. Der Affekt sei zum depressiven Pol hin verschoben gewesen. Der
Antrieb sei leicht reduziert gewesen. Er attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
im Zeitpunkt des Austritts. Der RAD-Arzt Dr. L._ notierte am 14. Mai 2018 im
Wesentlichen (IV-act. 205), im Bericht von Dr. B._ werde keine geänderte Situation
geltend gemacht. Im Bericht der Psychiatrischen Klinik G._ sei keine schwergradige
depressive Episode belegt und eine solche im Zeitpunkt des Austritts nicht mehr
A.j.
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B.
gegeben gewesen. Insgesamt ergäben sich aus den neu vorliegenden Berichten keine,
in den Gutachten nicht bereits diskutierten Erkenntnisse. Insbesondere sei keine
neuerliche, dauerhaft anhaltende Verschlechterung des Gesundheitszustands
ausgewiesen.
Mit einer Verfügung vom 14. Mai 2018 wies die IV-Stelle, entsprechend dem
Vorbescheid, das Begehren um eine Invalidenrente ab (IV-act. 206). Zum Einwand des
Versicherten hielt sie fest, aus den Berichten von Dr. B._ und der Psychiatrischen
Klinik G._ ergäben sich aus der Sicht des RAD keine in den Gutachten nicht bereits
diskutierten Erkenntnisse. Sie legte die RAD-Stellungnahme vom 14. Mai 2018 bei.
A.k.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 12. Juni 2018
(Postaufgabe: 15. Juni 2018) eine Beschwerde (act. G 1). Er beantragte die Aufhebung
der Verfügung vom 14. Mai 2018 und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen;
insbesondere sei rückwirkend seit dem 1. Februar 2012 mindestens eine Teilrente
auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung sowie zur
anschliessenden Neubeurteilung und Entscheidung an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Mit einem obergerichtlichen psychiatrischen
Gutachten sei die Arbeitsfähigkeit in psychiatrischer Hinsicht abzuklären. Zudem sei
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Zur Begründung machte er im
Wesentlichen geltend, das Gutachten von Dr. M._ vom 22. Mai 2017 sei
unvollständig, nicht nachvollziehbar und leuchte in der Schlussfolgerung nicht ein.
Dr. M._ habe die Antworten auf seine Fragen (des Beschwerdeführers) weder in die
Befunde noch in die Diagnostik einfliessen lassen, weshalb das Gutachten
unvollständig sei. Von den Ergebnissen einer Beschwerdevalidierung könne nicht auf
Inkonsistenz und fehlende Mitwirkung geschlossen werden. Die Ergebnisse seien
vielmehr nicht verwertbar und es sei abzuklären, ob sie Ausdruck einer
Persönlichkeitsstörung sein könnten (vgl. Gabriela Riemer-Kafka,
Versicherungsmedizinische Gutachten, 2017, S. 72). Die Akten enthielten deutliche
Hinweise auf eine Persönlichkeitsproblematik. Dr. M._ habe sich damit nicht
auseinandergesetzt. Der Schluss, dass er (der Beschwerdeführer) nicht mitgewirkt
habe und dass deshalb keine eindeutige Diagnose und Leistungsfähigkeitsbeurteilung
B.a.
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vorgenommen werden könne, sei nicht nachvollziehbar. Auch die neuropsychologische
Abklärung vom 20. Mai 2017 sei nicht nachvollziehbar, weil die geklagten Beschwerden
weder in einen Bezug zum Vorzustand noch zur Lebens- und Krankheitsgeschichte
und zur aktuellen Lebenssituation gestellt worden seien und weil auch zahlreiche
durchschnittliche Ergebnisse vorgelegen hätten, was bei der Interpretation des
verzerrten Antwortverhaltens nicht berücksichtigt worden sei. Aus den Arztberichten
der behandelnden Ärzte gehe indessen nachvollziehbar hervor, weshalb seit dem
10. Oktober 2010 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 30. Juli 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, der
medizinische Sachverhalt und damit auch die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
seien rechtsgenüglich abgeklärt worden. Gemäss dem Gutachten von Dr. M._ hätten
keine psychischen Einschränkungen plausibel nachvollziehbar gemacht werden
können. Das Gutachten erfülle insbesondere die Anforderungen an ein strukturiertes
Beweisverfahren. Auf das Gutachten könne abgestellt werden.
B.b.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 20. August 2018
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren
(act. G 7).
B.c.
Der Beschwerdeführer änderte in der Replik vom 16. November 2018 seine
Anträge dahingehend (act. G 14), dass er nur noch am Hauptantrag der Aufhebung der
Verfügung vom 14. Mai 2018 und der Zusprache der gesetzlichen Leistungen,
insbesondere der Ausrichtung einer ganzen Rente seit dem 1. Februar 2012, festhielt.
Er machte im Wesentlichen geltend, er leide an einer Aufmerksamkeitsstörung. Bei
einer ADHS-Störung könnten mittels EEG Hirnleistungsdefizite objektiv bzw. organisch
nachgewiesen werden. Die Testergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung
bei Dr. N._ seien massiv unterdurchschnittlich gewesen. Nicht einleuchtend sei, dass
bei derart schlechten Testergebnissen – insbesondere betreffend die Konzentration
und die Aufmerksamkeit – angesichts der aktenkundigen ADHS-Diagnose keine
organische Abklärung mittels EEG angeordnet worden sei. Dr. B._ habe ihn zur
umfassenden Abklärung an O._ zu med. pract. P._ und Dr. phil. Q._ überwiesen.
B.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
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Der Untersuchungsbericht vom 27. August 2018 zeige nachvollziehbar auf, dass er
funktionell schwer eingeschränkt und psychisch krank sei. Die Analyse der
gemessenen Hirnströme hätten das klare Bild einer Aufmerksamkeits- und
Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen mit einer Wahrscheinlichkeit von 76%
ergeben. Die Interpretation von Dr. M._, dass er bei der neuropsychologischen
Abklärung nicht mitgewirkt habe, sei falsch. Med. pract. P._ und Dr. Q._ hätten am
29. September 2018 nochmals festgehalten, dass er (der Beschwerdeführer) nicht
aggraviere und hätten zur Arbeitsfähigkeit als Call Center Mitarbeiter festgehalten: "Wir
plädieren jedoch dafür, dass der Patient eine minimale Arbeitsleistung erbringen sollte,
welche am Anfang nicht über 2 h Tagesleistung hinausgehen sollte. Danach sollte es
möglich sei, die Tagesleistung auf maximal 4-5 h auszubauen". Der Beschwerdeführer
machte geltend, der Untersuchungsbericht von med. pract. P._ und Dr. Q._ vom
27. August 2018 erfülle die Anforderungen an ein Gutachten, weshalb darauf
abzustellen sei. Weil das MEDAS-Gutachten die ADHS nicht berücksichtigt habe, sei
für die Zeit von April 2012 bis Februar 2013 und ab Januar 2014 von einer 80%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Er reichte den Untersuchungsbericht von med. pract.
P._ und Dr. Q._ vom 27. August 2018 (act. G 14.1.1), den Bericht derselben
Fachpersonen vom 29. September 2018 (act. G 14.1.3) und einen Austrittsbericht der
Psychiatrischen Tagesklinik R._ vom 3. Oktober 2018 (act. G 14.1.2) ein. Letzterer
betraf eine teilstationäre Nachbehandlung vom 25. Juni 2018 bis zum 21. September
2018. Gemäss dem Untersuchungsbericht von med. pract. P._ und Dr. Q._ vom
27. August 2018 lag mit hoher Wahrscheinlichkeit (76%) eine Aufmerksamkeitsstörung
vor. Im Bericht vom 29. September 2018 bestätigten die Fachpersonen diese
Diagnose. Sie hielten zudem fest, gemäss ihren Daten stehe fest, dass die
Schwierigkeiten des Beschwerdeführers nebst den depressiven Episoden zusätzlich
durch Aufmerksamkeitsstörungen gegeben seien. Ausserdem äusserten sie sich zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Die Beschwerdegegnerin machte in der Duplik vom 27. Dezember 2018 im
Wesentlichen geltend (act. G 17), die neu eingereichten Berichte seien dem RAD zur
Stellungnahme unterbreitet worden. Gestützt auf die Ausführungen des RAD-Arztes
handle es sich beim Untersuchungsbericht vom 27. August 2018 um ein reines
Parteigutachten, wobei eine Aussage zur Funktionsfähigkeit im Alltag fehle und
B.e.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/28
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welches die Anforderungen an ein strukturiertes Beweisverfahren nicht erfülle. Die neu
eingereichten medizinischen Unterlagen änderten an der bisherigen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nichts. Der RAD-Arzt Dr. L._ hatte am
10. Dezember 2018 im Wesentlichen notiert (act. G 17.1), im Untersuchungsbericht von
med. pract. P._ und Dr. Q._ vom 27. August 2018 werde versucht, über eine Serie
von Fragebogen und anhand elektrophysiologischer Surrogat-Parameter die Diagnose
einer ADHS herzuleiten. Allerdings finde keine Auseinandersetzung damit statt, wie die
über die Fragebogen erhobenen Befunde einzuordnen seien und welche Bedeutung sie
für den Schweregrad des klinischen Beschwerdebildes und für die Einschränkungen
der persönlichen und beruflichen Alltagsfunktionalität hätten. In Bezug auf die
Diagnosestellung einer ADHS fehle ebenfalls der Abgleich mit der Korrelation zum
Schweregrad von Funktionseinschränkungen, was für die Bestimmung der
Arbeitsfähigkeit allein ausschlaggebend sei. Selbst wenn man der Argumentation von
med. pract. P._ und Dr. Q._ folgen sollte und eine ADHS annehme, sei damit noch
nichts über die konkreten Auswirkungen im Alltag gesagt. Die von den beiden
Fachpersonen verwendeten elektrophysiologischen Untersuchungsansätze hätten
wegen entsprechender Unsicherheiten noch keinen Eingang in die reguläre
Einzelfalldiagnostik gefunden. Eine leitlinienbasierte Diagnostik lasse sich darauf nicht
begründen. Auf eine Auseinandersetzung mit der Aktenlage sei zudem bewusst
verzichtet worden. Der Austrittsbericht der Psychiatrischen Tagesklinik R._ vom
3. Oktober 2018 passe in das Muster der bisherigen Behandlerberichte und bilde
keinen neuen Sachverhalt ab.
Mit einem Schreiben vom 25. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer einen
testpsychologischen Bericht vom 15. Oktober 2019 von lic. phil. S._ und PD Dr. Dr.
Dipl. Psych. T._ von der Psychiatrie U._ und eine Honorarnote des
Rechtsvertreters ein (act. G 21). Er stellte die folgenden Anträge: Die Verfügung vom
14. Mai 2018 sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zu
erbringen, insbesondere sei rückwirkend ab dem 1. Februar 2012 eine ganze Rente
auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Dem unterzeichnenden Rechtsanwalt sei eine
Parteientschädigung in Höhe von Fr. 6'000.--, zuzüglich Mehrwertsteuer,
zuzusprechen. Er machte gestützt auf den Bericht von lic. phil. S._ und PD Dr. Dr.
B.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/28
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Dipl. Psych. T._ geltend, dass er an einer Persönlichkeitsstörung leide. Im Gutachten
sei ihm somit unberechtigt Aggravation und fehlende Mitwirkung unterstellt worden.
Lic. phil. S._ und PD Dr. Dr. Dipl. Psych. T._ hatten am 15. Oktober 2019 über eine
am 7. Oktober 2019 durchgeführte Untersuchung berichtet (act. G 21.1). Sie hatten
festgehalten, die Ergebnisse spiegelten die derzeitige Leistungsfähigkeit wider. Es habe
sich ein auffälliges Bild gezeigt. Die Angaben in der Anamnese und die Ergebnisse des
Interviews (SKID-II) sprächen eher für eine Persönlichkeitsstörung. Die Ja-
Antworttendenz bei den Selbstbeurteilungsfragebogen (IIP-D und IKP) habe sich auch
im Interview gezeigt. Erst durch das Nachfragen hätten einige Items des SKID-II
relativiert werden können. Der Beschwerdeführer wirke stark leidend, aber auch leicht
theatralisch. Insgesamt sprächen die klinische Beobachtung, die Antworten im SKID-II
Interview und die Anamnese für eine Persönlichkeitsstörung am ehesten aus dem
Cluster C nach DSM V. Der Beschwerdeführer zeige in der Gesamtbeurteilung
ängstlich-vermeidende Anteile und nur leichte misstrauische / sonderbare Aspekte. Im
Abschnitt zum SKID-II hatten die Fachpersonen ausserdem angegeben, die Ergebnisse
des Interviews würden auf eine Persönlichkeitsstörung hinweisen. Für eine
abschliessende Aussage wären fremdanamnestische Angaben unverzichtbar.
Die Beschwerdegegnerin machte am 8. Juli 2020 geltend (act. G 23), der Bericht
von lic. phil. S._ und PD Dr. Dr. Dipl. Psych. T._ vom 15. Oktober 2019 sei über ein
Jahr nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 14. Mai 2018 abgefasst
worden und könne damit die gesundheitlichen Einschränkungen im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses nicht abbilden. Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ergebe
sich nach wie vor aus dem Gutachten der MEDAS Bern vom 30. Dezember 2014 und
dem psychiatrischen Gutachten von Dr. M._ vom 22. Mai 2017.
B.g.
Der Beschwerdeführer wandte am 15. Juli 2020 ein (act. G 25), bei einer
Persönlichkeitsstörung handle es sich um eine Erkrankung des Charakters, die
zeitüberdauernd vorhanden sei und deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
während der Begutachtungen durch die MEDAS Bern und durch Dr. M._ vorhanden
gewesen sei. Daher spiele es keine Rolle, dass der Untersuchungsbericht ein Jahr nach
der angefochtenen Verfügung datiere.
B.h.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/28
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 14. Mai 2018
einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 0% verneint.
Streitgegenstand bildet also der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente. Der Beschwerdeführer hat beantragt, es seien die gesetzlichen
Leistungen zu erbringen, insbesondere sei rückwirkend ab dem 1. Februar 2012 eine
ganze Invalidenrente auszurichten. Soweit er über den Rentenanspruch hinaus die
Zusprache von Leistungen der Invalidenversicherung beantragt hat, kann mangels
eines Anfechtungsgegenstandes in der Form einer Verfügung nicht auf die Beschwerde
eingetreten werden.
2.
2.1. Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2. Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
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Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.
Der Beschwerdeführer hat die Realschule besucht und keinen Beruf erlernt. Er hat
zunächst während mehreren Jahren in der Gastronomie als Tellerwäscher und später
als Hilfskoch gearbeitet (IV-act. 42, 178-50; vgl. auch IK-Auszug, IV-act. 72).
Anschliessend hat er unter anderem beim V._ als PC-Supporter gearbeitet (einige
Monate im Jahr 2002, IV-act. 42-8). Von August 2005 bis Februar 2009 ist er als
Mitarbeiter in der Vertriebslogistik und beim Wareneingang bei der E._ AG
erwerbstätig gewesen (IV-act. 35). Zu seinen Aufgaben haben die Warenannahme, das
Auspacken und die Kontrolle sowie das Einlagern der Waren gezählt. Der AHV-
beitragspflichtige Lohn hat im Jahr 2006 Fr. 52'000.--, im Jahr 2007 Fr. 52'910.-- und
im Jahr 2008 Fr. 35'888.-- betragen (IV-act. 35-12 ff.). Von März 2009 bis August 2009,
hat er als Mitarbeiter Logistik beim W._ gearbeitet und Fr. 28'406.-- verdient, was
einem Jahreseinkommen von knapp Fr. 57'000.-- entsprochen hat. Von März 2010 bis
Februar 2011 ist er als Contact Center Agent bei der F._ AG erwerbstätig gewesen
und hat IT-Supportaufgaben ausgeführt. Der AHV-beitragspflichtige Monatslohn hat
Fr. 3'960.-- betragen, was einem Jahreseinkommen von rund Fr. 51'000.-- entsprochen
hat (IV-act. 42-21, 44). Der Beschwerdeführer hat also während vielen Jahren eine
Hilfsarbeitertätigkeit ausgeübt. Erst im Rahmen der Anstellung bei der F._ AG (sowie
während einigen Monaten im Jahr 2002 beim V._) hat er im IT-Support gearbeitet.
Aus den Akten ist nicht ersichtlich, über welche IT-Fachkenntnisse der
Beschwerdeführer verfügt. Es liegen lediglich eine Kursbestätigung vom 11. März 2003
betreffend einen PC-Workshop ECDL, eine Kursbestätigung vom 17. Juni 2005
betreffend einen Excel-Kurs sowie ein ECDL-Zertifikat vom 19. Dezember 2005 vor (IV-
act. 14-15 ff.). Aus dem Arbeitszeugnis der F._ AG (IV-act. 42-21) ist zwar ersichtlich,
welche Aufgaben der Beschwerdeführer erfüllt hat. Über welche IT-Fachkenntnisse der
Beschwerdeführer im massgebenden Zeitraum verfügt hat, ist damit jedoch nicht
belegt. Damit ist nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass die Validenkarriere des Beschwerdeführers in einer qualifizierten, eventuell
sogar eine Führungsposition ermöglichenden Tätigkeit im IT-Supportbereich bestehen
würde. Zur Beantwortung der Frage, über welche IT-Fachkenntnisse der
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Beschwerdeführer verfügt, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Diese wird entscheiden, ob sie ihre eigene Berufsberatung mit dieser Abklärung
betrauen oder ob sie eine externe berufsberaterische Fachperson, allenfalls aus dem
IT-Bereich, beiziehen will.
4.
4.1. Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist
ausschlaggebend, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht
in welchem Umfang noch zugemutet werden können. Die Beschwerdegegnerin hat
dazu im Jahr 2014 die MEDAS Bern mit der Erstellung eines polydisziplinären
Gutachtens (internistisch, psychiatrisch, neurologisch und ophthalmologisch) und im
Jahr 2016 Dr. M._ mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens beauftragt.
Dr. M._ hat im Gutachten vom 22. Mai 2017 keine Diagnose (mit oder ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) stellen können. Er hat erklärt, dass bei
psychiatrischen Begutachtungen die subjektiven Angaben des Exploranden für die
Diagnostik (und die Arbeitsfähigkeitsschätzung) wesentlich seien. Die subjektiven
Angaben des Beschwerdeführers hat er als nicht verlässlich qualifiziert. Er hat mit der
Begründung, dass viele Hinweise auf eine eingeschränkte Mitwirkung, Aggravation,
Diskrepanzen und Widersprüchen bestanden hätten, keine Diagnose stellen können. Er
hat seine Beurteilung mit entsprechenden Ausführungen belegt. Beispielsweise hat er
erklärt, der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er sich nicht länger als zwei bis
drei Minuten konzentrieren könne; dies treffe sicher nicht zu, da nur schon die
Gespräche in den beiden Untersuchungen länger gedauert hätten. Diese Angabe ist
überzeugend, da Dr. M._ die Konzentrationsfähigkeit des Beschwerdeführers durch
eigene Beobachtung hat feststellen können. Hinzu kommt, dass der
neuropsychologische Gutachter Dr. N._ angegeben hat, die Testergebnisse
enthielten mehrere Anzeichen für eine Antwortverzerrung. Es sei davon auszugehen,
dass die erzielten Testergebnisse nicht der tatsächlichen neurokognitiven
Funktionstüchtigkeit des Beschwerdeführers entsprächen. Beispielsweise hat der
Beschwerdeführer im Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene einen Gesamt-IQ von 65
erreicht, was auf eine massiv unterdurchschnittliche Intelligenzleistung hingedeutet hat.
Dr. M._ hat dazu erklärt, dies lasse sich mit den anamnestischen Angaben zur
beruflichen Laufbahn und mit dem in der psychiatrischen Untersuchung gezeigten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
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Verhalten nicht vereinbaren. Dr. M._ hat ausserdem Hinweise auf eine Aggravation
festgestellt, was ebenfalls darauf hindeutet, dass der Beschwerdeführer nicht korrekt
mitgewirkt hat. Ein solcher Hinweis ist etwa im Umstand zu erblicken, dass sich der
Beschwerdeführer anlässlich des ersten Untersuchungstermins von einem Kollegen hat
fahren lassen, da es ihm mit dem Zug "zu umständlich und zuviel" gewesen wäre; zum
zweiten Untersuchungstermin ist er aber mit dem Zug gefahren, da der Kollege
offenbar keine Zeit gehabt hat. Das Zugfahren ist ihm also ohne Weiteres möglich
gewesen. Auch scheinen die Angaben des Beschwerdeführers zur letzten Arbeitsstelle
zumindest in einem Punkt unzutreffend gewesen zu sein. Der Beschwerdeführer hat
nämlich angegeben, dass er der Teamleiter von 17 Personen gewesen sei. Im
Arbeitszeugnis der F._ AG ist aber keine Teamleiterfunktion erwähnt worden. Dies
deutet ebenfalls darauf hin, dass die Angaben des Beschwerdeführers nicht verlässlich
gewesen sind. Dr. M._ und Dr. N._ haben keine Diagnose stellen bzw. keine
Beurteilung abgeben können, weil der Beschwerdeführer seine Pflicht, bei der
Begutachtung mitzuwirken, nicht ausreichend erfüllt hat. Die entsprechenden
Ausführungen der beiden Gutachter sind nachvollziehbar und schlüssig. In Bezug auf
die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. M._ verhält es sich wie folgt: Dr. M._ hat
angegeben, dass er keine psychiatrische Diagnose habe stellen können. Somit sei die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt.
Diese Schlussfolgerung ist beweisrechtlich unzulässig gewesen. Dr. M._ hat nämlich
von der Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung auf eine
vollständige Arbeitsfähigkeit geschlossen. Das mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit festzustellen, ist aufgrund der fehlenden Mitwirkung
des Beschwerdeführers bei der Begutachtung aber gar nicht möglich gewesen. Korrekt
wäre deshalb gewesen, wenn Dr. M._ festgehalten hätte, dass er keine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeben könne. Das Gutachten von Dr. M._ kann also in
Bezug auf die darin enthaltene Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeugen. Es belegt
nur, dass der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung in mehrfacher Hinsicht nicht erfüllt hat.
4.2. Der Beschwerdeführer hat gegen das Gutachten von Dr. M._ im Wesentlichen
vorgebracht, dass er an einer Aufmerksamkeits- (act. G 14) bzw. an einer
Persönlichkeitsstörung (act. G 21) leide. Er habe aus gesundheitlichen Gründen an den
Untersuchungen nicht mitwirken können. Dr. M._ habe ihm also zu Unrecht eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
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fehlende Mitwirkung und eine Aggravation unterstellt. Der Beschwerdeführer hat sich
hierbei auf die Berichte von med. pract. P._ und Dr. Q._ vom 27. August 2018 und
vom 29. September 2018 und von lic. phil. S._ und PD Dr. Dr. Dipl. Psych. T._ vom
15. Oktober 2019 berufen. Med. pract. P._ und Dr. Q._ hatten festgehalten, dass
mit einer 76%igen Wahrscheinlichkeit eine Aufmerksamkeitsstörung vorliege. Der RAD-
Arzt Dr. L._ hat zum Bericht vom 27. August 2018 erklärt, dass die von den beiden
Fachpersonen verwendeten elektrophysiologischen Untersuchungsansätze wegen
entsprechender Unsicherheiten noch keinen Eingang in die reguläre Einzelfalldiagnostik
gefunden hätten; eine leitlinienbasierte Diagnostik lasse sich darauf nicht begründen.
Dies zwingt zur Schlussfolgerung, dass die Diagnosestellung einer
Aufmerksamkeitsstörung nicht lege artis erfolgt ist. Die Berichte von med. pract. P._
und Dr. Q._ vermögen damit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen, dass der Beschwerdeführer an einer
Aufmerksamkeitsstörung leiden würde. Selbst wenn der Beschwerdeführer an einer
Aufmerksamkeitsstörung leiden würde, könnte diese die Mitwirkung in den
Untersuchungen überwiegend wahrscheinlich nicht beeinträchtigt haben. Gemäss
Dr. M._ sind die Aufmerksamkeit und die Konzentration des Beschwerdeführers in
der psychiatrischen Untersuchung nämlich unauffällig gewesen (IV-act. 178-61). Im
Übrigen hat der Beschwerdeführer anlässlich der Begutachtung angegeben, dass es
ihm in Bezug auf die Konzentration viel besser gehe, seit er Ritalin einnehme (IV-act.
178-78). Der Beschwerdeführer hat weiter geltend gemacht, zur Bestimmung der
verbliebenen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei auf die Berichte von
med. pract. P._ und Dr. Q._ vom 27. August 2018 und vom 29. September 2018
abzustellen. Dazu ist festzuhalten, dass – abgesehen davon, dass die Diagnose einer
Aufmerksamkeitsstörung nicht lege artis gestellt worden ist – diese Berichte die
Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten nicht erfüllen (vgl. dazu BGE 125 V
352, E. 3a, und in Bezug auf psychiatrische Gutachten BGE 141 V 281; 143 V 409; 143
V 418). Der Untersuchungsbericht vom 27. August 2018 hat nämlich einzig zum Ziel
gehabt abzuklären, ob der Beschwerdeführer an einer Aufmerksamkeitsstörung leide.
Die durchgeführte Untersuchung ist für die streitigen Belange daher nicht umfassend
gewesen. Med. pract. P._ und Dr. Q._ haben zudem weder die Vorakten gewürdigt
noch haben sie ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung auch nur ansatzweise unter
Berücksichtigung des vom Bundesgericht geschaffenen strukturierten
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Beweisverfahrens abgegeben. Die Berichte stellen damit keine taugliche
Beweisgrundlage dar. Der Bericht von lic. phil. S._ und PD Dr. Dr. Dipl. Psych. T._
vom 15. Oktober 2019 vermag auch keine mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bestehende Persönlichkeitsstörung des Beschwerdeführers zu
belegen. Die beiden Fachpersonen haben nämlich angegeben, die Angaben in der
Anamnese und die Ergebnisse des Interviews (SKID-II) sprächen eher für eine
Persönlichkeitsstörung. Im Abschnitt zum SKID-II haben sie notiert, die Ergebnisse des
Interviews würden auf eine Persönlichkeitsstörung hinweisen; für eine abschliessende
Aussage wären fremdanamnestische Angaben unverzichtbar. Solche wurden jedoch
nicht eingeholt. Dennoch sind die beiden Fachpersonen zum Schluss gekommen, die
klinische Beobachtung, die Antworten im SKID-II Interview und die Anamnese
sprächen für eine Persönlichkeitsstörung am ehesten aus dem Cluster C nach DSM V.
Diese Beurteilung widerspricht den vorhergehenden, zurückhaltenden Aussagen und
überzeugt deshalb nicht. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Berichte vermögen
damit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen,
dass der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen an der Begutachtung nur
eingeschränkt mitgewirkt hätte. Dr. M._ hat – wie der Beschwerdeführer geltend
gemacht hat – im Gutachten vom 22. Mai 2017 zwar nicht explizit ausgeschlossen,
dass die Mitwirkung wegen einer gesundheitsbedingten Beeinträchtigung
eingeschränkt gewesen sein könnte. Er hat aber verschiedene Hinweise auf eine
Persönlichkeitsstörung verneint (vgl. die Ausführungen zum Psychostatus, IV-
act. 187-61 f.). Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass er die Möglichkeit einer
gesundheitsbedingt eingeschränkten Mitwirkung in seine Beurteilung einbezogen und
entsprechend ausgeschlossen hat. Er ist also nicht davon ausgegangen, dass die
Mitwirkung krankheitsbedingt eingeschränkt gewesen sei.
4.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Ausführungen von Dr. M._ und
Dr. N._ in Bezug auf die von ihnen festgestellte eingeschränkte Mitwirkung des
Beschwerdeführers überzeugen. Diese liegt überwiegend wahrscheinlich nicht in einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung begründet, sondern ist vielmehr willensgesteuert
erfolgt. Damit muss es dem Beschwerdeführer willensmässig möglich sein, in einer
erneuten Begutachtung vollständig mitzuwirken. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von
Dr. M._ ist demgegenüber unzutreffend gewesen. Auf diese kann folglich nicht
abgestellt werden.
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4.4. Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung vom 14. Mai 2018
angegeben (IV-act. 206), gemäss den Unterlagen und den beiden Gutachten (poly- und
monodisziplinär) bestehe kein invalidisierender Gesundheitsschaden. Sie ist also von
einer vollständigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen und hat sich
dabei – nebst der Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten der MEDAS Bern vom
30. Dezember 2014 – auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. M._ gestützt. Nach
dem in der E. 4.1 Gesagten hätte die Beschwerdegegnerin aber nicht annehmen
dürfen, dass das Gutachten von Dr. M._ eine vollständige Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers belege. Vielmehr hätte sie davon ausgehen müssen, dass die
verbliebene Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers noch nicht mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehe, dass aber auch noch keine objektive
Beweislosigkeit vorliege.
5.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zur Durchsetzung der
Mitwirkungspflicht das Mahn- und Bedenkzeitverfahren gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG
hätte durchführen müssen.
5.1. Der Versicherungsträger hat die Begehren zu prüfen, die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen (Art. 43
Abs. 1 ATSG). Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung des
Leistungsanspruchs notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person
diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). Kommt sie ihren Auskunfts- oder
Mitwirkungspflichten bei der Sachverhaltsabklärung in unentschuldbarer Weise nicht
nach, kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen
einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss die versicherte Person vorher
schriftlich gemahnt, auf die Rechtsfolgen hingewiesen und ihr eine angemessene
Bedenkzeit eingeräumt haben (Art. 43 Abs. 3 ATSG). Art. 43 Abs. 3 ATSG regelt also
das Mahn- und Bedenkzeitverfahren bei einer Verletzung der Auskunfts- und
Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung. Nun ordnet Art. 7b Abs. 1 IVG aber
an, dass auf eine Verletzung der Mitwirkungspflicht bei einer medizinischen
Untersuchung gemäss Art. 43 Abs. 2 ATSG nicht die in Art. 43 Abs. 3 Satz 1 ATSG
vorgesehenen Sanktionsmöglichkeiten, sondern die in Art. 21 Abs. 4 ATSG (eigentlich
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für die Verletzung der Schadenminderungspflicht) vorgesehene Sanktion der Kürzung
oder Verweigerung der anbegehrten Leistung zur Anwendung kommen muss. Die
Regelung von Art. 7b Abs. 1 IVG bedeutet also für die in Art. 43 Abs. 2 ATSG geregelte
Pflicht zur Mitwirkung bei medizinischen Untersuchungen, dass bei der Anwendung
von Art. 43 Abs. 3 Satz 1 ATSG als Sanktion nur die Kürzung oder die Verweigerung
der anbegehrten Leistung möglich ist. Das ist der einzige Regelungsinhalt von Art. 7b
Abs. 1 IVG in Bezug auf die Pflicht zur Mitwirkung bei medizinischen Untersuchungen.
Das bedeutet, dass Art. 43 Abs. 3 Satz 2 ATSG unverändert anwendbar bleibt. Bei
einer Verletzung der Mitwirkungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 2 ATSG kann die
anbegehrte Leistung also erst nach der erfolglosen Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens gekürzt oder verweigert werden. Art. 7b Abs. 2 IVG, der eine
sanktionsweise Kürzung oder Verweigerung der anbegehrten Leistung ohne ein
vorgängiges Mahn- und Bedenkzeitverfahren zulässt, bezieht sich nicht auf Art. 7b
Abs. 1 IVG und damit auch nicht auf die Verletzung der Mitwirkungspflicht bei einer
medizinischen Untersuchung gemäss Art. 43 Abs. 2 ATSG. Vielmehr listet er andere
Arten von Pflichten auf, die eine Kürzung oder Verweigerung der anbegehrten Leistung
ohne ein vorgängiges Mahn- und Bedenkzeitverfahren zulassen. Dabei bezieht sich nur
Art. 7b Abs. 2 lit. d IVG unmittelbar auf die Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung, nämlich auf die Pflicht, der IV-Stelle jene Auskünfte zu erteilen,
die diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt. Art. 7b Abs. 2 lit. d IVG
wurde von der vorberatenden Kommission des Nationalrats eingefügt und vom
Parlament diskussionslos angenommen (Amtliches Bulletin Nationalrat 2006 N 346,
Sitzung vom 21. März 2006; Amtliches Bulletin Ständerat 2006 N 602, Sitzung vom
22. Juni 2006). Ausführungen zu den Gründen, weshalb diese Regelung in Art. 7b
Abs. 2 IVG aufgenommen wurde, fehlen. Wäre mit diesen Auskünften – über den klaren
Gesetzeswortlaut hinaus – auch die Mitwirkung bei medizinischen Untersuchungen
gemäss Art. 43 Abs. 2 ATSG gemeint, hätte der Gesetzgeber, der in Art. 7b Abs. 1 IVG
den Art. 43 Abs. 2 ATSG angeführt hat, diesen in Art. 7b Abs. 2 lit. d IVG
konsequenterweise ebenfalls ausdrücklich genannt. Der Wortlaut von Art. 7b Abs. 2
lit. d IVG gibt also den Regelungsinhalt abschliessend wieder. Das bedeutet, dass eine
Verletzung der Pflicht, bei medizinischen Untersuchungen umfassend mitzuwirken, erst
nach der erfolglosen Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens durch eine
Kürzung oder Verweigerung der anbegehrten Leistung geahndet werden darf.
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5.2. Die Beschwerdegegnerin hat trotz der von Dr. M._ festgestellten
eingeschränkten Mitwirkung und Aggravation des Beschwerdeführers kein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren durchgeführt, sondern direkt auf eine vollständige Arbeitsfähigkeit
geschlossen (vgl. E. 4.4). Das Mahn- und Bedenkzeitverfahren gemäss Art. 43 Abs. 3
ATSG hat jedoch zum Zweck, auf die versicherte Person Druck auszuüben, damit sie
ihrer Mitwirkungspflicht nachkommt und das Verfahren ordnungsgemäss weitergeführt
werden kann (Tobias Bolt, Folgen einer Mitwirkungspflichtverletzung, in: JaSo 2016,
S. 176). Da mit der Durchführung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens eine
Mitwirkung der versicherten Person bei der Sachverhaltsabklärung bewirkt werden
kann, darf nicht unter Verzicht auf dieses verfahrensrechtliche Instrument auf eine
objektive Beweislosigkeit geschlossen werden. Selbst wenn eine eingeschränkte
Mitwirkung in einer bewusstseinsfernen Aggravation begründet liegt, kann ein Mahn-
und Bedenkzeitverfahren zu einer Mitwirkung führen, indem der versicherten Person
vor Augen geführt wird, dass sie nicht vollständig mitgewirkt hat. Der
Versicherungsträger ist also gesetzlich verpflichtet, zur Erfüllung des
Untersuchungsgrundsatzes gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG sämtliche Mittel zur
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts auszuschöpfen, wozu auch das Mahn-
und Bedenkzeitverfahren zählt. Vorliegend hat der Beschwerdeführer im Rahmen der
medizinischen Begutachtung durch Dr. M._ und Dr. N._, also in einem
Anwendungsfall von Art. 43 Abs. 2 ATSG, nur eingeschränkt mitgewirkt. Er hat damit
seine Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung verletzt. Nach dem in E. 5.1
Gesagten hätte die Beschwerdegegnerin das Mahn- und Bedenkzeitverfahren gemäss
Art. 43 Abs. 3 ATSG durchführen müssen, dies unter der Androhung der Sanktionen
gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG. Weil sie dies unterlassen hat, hat sie Art. 43 Abs. 1 und 3
ATSG und Art. 7b Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 21 Abs. 4 ATSG verletzt.
6.
Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen und die Angelegenheit ist zur
weiteren Abklärung zur Bestimmung der Validenkarriere und zur erneuten
psychiatrischen Begutachtung nach der Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens im Sinne von Art. 43 Abs. 3 ATSG unter der Androhung der
Sanktionen gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegnerin wird dem Beschwerdeführer also androhen, dass sie einen
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Rentenanspruch verneinen werde, wenn er bei der erneuten Begutachtung nicht
vollumfänglich mitwirken werde. Die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur
erneuten psychiatrischen Begutachtung ist ohne weiteres zulässig, da es zur
gesetzlichen Pflicht der den Sachverhalt abklärenden Verwaltung gehört, bei einer
Verletzung der Mitwirkungspflicht der versicherten Person das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren durchzuführen. Das Instrument des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens ist dem für das Versicherungsgericht anwendbaren kantonalen
Verfahrensrecht (Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1) fremd, womit
dem Versicherungsgericht auch kein Mittel zur Verfügung stünde, auf eine versicherte
Person, die ihre Mitwirkungspflicht verletzt, Druck auszuüben, damit sie ihrer Pflicht
nachkommt.
7.
7.1. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Praxisgemäss ist die Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles
Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu betrachten ist. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS
963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat eine Honorarnote von Fr. 8'160.-- eingereicht. Da der
Vertretungsaufwand bis zum Abschluss des zweifachen Schriftenwechsels im Januar
2019 jenem eines durchschnittlich aufwändigen Beschwerdeverfahrens betreffend
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einen Rentenanspruch entsprochen hat, welcher praxisgemäss mit Fr. 3'500.--
entschädigt wird, ist der in der Honorarnote geltend gemachte Arbeitsaufwand deutlich
überhöht gewesen. Am 25. Juni 2020 hat der Beschwerdeführer nochmals eine
Stellungnahme abgegeben und einen testpsychologischen Bericht eingereicht. Dies
rechtfertigt eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.--. Die Mehrwertsteuer
ist darin bereits enthalten. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer deshalb
mit Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.