Decision ID: 66ca14bb-70ff-564d-b9d7-3dd1aeca4a4c
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Dienstag, 25. Dezember 2012, weilte X bis in die frühen Morgenstunden in
einem Restaurant in der Nähe des Bahnhofs A. Dabei konsumierte er diverse
alkoholische Getränke. Zwischen 6.45 Uhr und 7.10 Uhr wurde das auf die Mutter von
X eingelöste Motorfahrzeug, das für gewöhnlich von X benutzt wurde, in die
Fussgängerunterführung des Bahnhofs A gefahren. Nach mehrmaligen Kollisionen mit
dem Handlauf, der Betonwand und dem Ticketentwerter stellte der Lenker das
Fahrzeug auf dem Perron zwischen den Geleisen 2 und 3 ab. Bei Ankunft der Polizei
auf dem Bahnhof A war das Motorfahrzeug abgeschlossen. X befand sich an seiner
Wohnadresse. Die durch das Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen
durchgeführte Blutalkoholbestimmung ergab für die am 25. Dezember 2012 um
10.30 Uhr vorgenommene Blutentnahme einen Wert von 1,19 bis 1,32
Gewichtspromillen, wobei eine Rückrechnung nicht möglich war. Amphetamine
konnten nach einem positiven Ergebnis im Urin im Blut nicht nachgewiesen werden,
weshalb der Befund als negativ zu bewerten sei. Die weiteren Tests auf
Betäubungsmittel fielen negativ aus.
B.- Am 14. März 2013 ordnete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt eine
verkehrsmedizinische Untersuchung an. Gegen diese Zwischenverfügung erhob X mit
Eingabe seines Rechtsvertreters vom 28. März 2013 Rekurs mit den Anträgen, es sei
von einer Fahreignungsprüfung mittels verkehrsmedizinischer Untersuchung so lange
abzusehen, bis das Strafverfahren, welches Anlass für die Anordnung der
Untersuchung gegeben habe, rechtskräftig abgeschlossen sei; das
Strassenverkehrsamt sei anzuweisen, nach Abschluss des Strafverfahrens den
Sachverhalt neu zu überprüfen und neu zu entscheiden, ob die Voraussetzungen für
eine verkehrsmedizinische Untersuchung noch gegeben seien; dem Rekurs sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
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Mit Schreiben vom 3. April 2013 orientierte der Abteilungspräsident den Rekurrenten
darüber, dass bei der Anfechtung einer Zwischenverfügung mit der Untersuchung
praxisgemäss bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens zugewartet werde.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge sowie die
Begründung der Vorinstanz wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 28. März 2013 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent bringt vor, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt. Er habe vor der Vorinstanz beantragt, ihm sei das rechtliche Gehör zu
gewähren, wenn zur Sache selbst Stellung genommen werden solle.
a) Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) gewährt den Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Aus diesem Anspruch leitet das Bundesgericht die
Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (z.B. BGE 133
III 439 E. 3.3). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser
Grundsatz, dass die Behörden die Vorbringen des vom Entscheid oder der Verfügung
in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft
und in der Entscheidfindung berücksichtigt (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2008, N 27 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder
einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass der Betroffene
den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE
133 III 439 E. 3.3). Dies ist nur möglich, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die
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Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids oder der Verfügung ein Bild
machen können; in diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid
stützt. Auf der anderen Seite bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid oder die
Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Ist die
Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese
Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von
Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht
fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010, E. 2.1 mit
Hinweisen zur Lehre und Rechtsprechung; VRKE IV-2010/93 vom 27. Januar 2011, im
Internet unter: www.gerichte.sg.ch). Eine Heilung des Mangels im
Rechtsmittelverfahren ist möglich, wenn der Rechtsmittelinstanz die gleiche Kognition
wie der Vorinstanz zukommt und dem Rekurrenten dadurch kein Nachteil erwächst (U.
P. Cavelti/T. Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an
den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, Rz. 4.81).
b) Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Vorinstanz den Rekurrenten mit Schreiben
vom 14. Februar 2013 darüber informiert hatte, dass beabsichtigt sei, ihn zu einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung aufzubieten. Es wurde ihm eine 10-tägige Frist
zur Stellungnahme angesetzt. Am 19. Februar 2013 teilte die
Rechtsschutzversicherung der Vorinstanz mit, dass sie mit der Interessenvertretung
des Rekurrenten beauftragt sei. Sie bat um Akteneinsicht und Fristverlängerung zur
Einreichung der Stellungnahme. Die Vorinstanz stellte die Akten mit Schreiben vom 20.
Februar 2013 der Rechtsschutzversicherung zur Einsichtnahme zu und erstreckte die
Frist zur Stellungnahme bis am 13. März 2013. Am 26. Februar 2013 retournierte diese
die Akten und informierte die Vorinstanz darüber, dass Rechtsanwalt Bruno A. Hubatka
die Interessenwahrung des Rekurrenten übernommen habe. Mit Eingabe vom 13. März
2013 nahm der Rechtsvertreter zur beabsichtigten Massnahme Stellung. Er stellte
dabei hauptsächlich in Frage, ob der Rekurrent am frühen Morgen des 25. Dezember
2012 tatsächlich Lenker des Motorfahrzeugs gewesen sei, und beantragte, dass das
Administrativverfahren bis auf weiteres sistiert werde, nämlich solange, bis sich im
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Strafverfahren abschliessend geklärt habe, ob der Rekurrent überhaupt ein
Motorfahrzeug geführt habe oder nicht. Sollte dem Antrag nicht zugestimmt werden, so
ersuche er um Nachfristansetzung für eine materielle Stellungnahme zu dem
vorgesehenen verkehrsmedizinischen Gutachten. Daraufhin ordnete die Vorinstanz am
14. März 2013 eine verkehrsmedizinische Untersuchung an.
Die Vorinstanz hatte dem Rekurrenten also ordnungsgemäss Frist zur Stellungnahme
zur geplanten verkehrsmedizinischen Untersuchung angesetzt und diese auf
entsprechendes Ersuchen auch erstreckt. In der Verfügung vom 14. März 2013 ging die
Vorinstanz kurz und knapp darauf ein, weshalb sie auf den Sistierungsantrag nicht
eingehen könne. Da Zweifel an der Fahreignung bestünden, könne dem Antrag um
Aufschiebung der Fahreignungsprüfung bis zum Abschluss des Strafverfahrens nicht
entsprochen werden. Auf den für den Fall der Abweisung des Sistierungsantrages
gestellten Antrag um Nachfristansetzung hingegen ging die Vorinstanz mit keinem Wort
ein. Implizit ist aus dem sofortigen Erlass der Verfügung die Abweisung des oder gar
ein Nichteintreten auf den entsprechenden Antrag zu folgern. Es ist jedoch für den
Rekurrenten nicht ersichtlich, aus welchem Grund dies geschah. Wie voranstehend
dargelegt, beinhaltet der Grundsatz des rechtlichen Gehörs auch ein Recht auf
Begründung. Der Rekurrent muss eine Verfügung sachgerecht anfechten können. Da
eine Begründung gänzlich fehlt, ist das rechtliche Gehör des Rekurrenten verletzt. Mit
dem sofortigen Erlass der Verfügung war es ihm nicht mehr möglich, materiell zur
Sache Stellung zu nehmen. Der Einwand der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist
daher begründet. Von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuer
Entscheidung ist jedoch abzusehen, denn das Gericht verfügt über volle Kognition (Art.
46 Abs. 1 VRP); mithin können alle Mängel gerügt werden. Mit Eingabe der
Rekursschrift konnte der Rekurrent denn auch materiell zur Sache Stellung nehmen,
weshalb die Verletzung des rechtlichen Gehörs geheilt ist. Die Heilung der
Gehörsverletzung im Rekursverfahren darf für den Betroffenen indessen keinen
Nachteil zur Folge haben, was unabhängig vom Verfahrensausgang im Rahmen der
Kostenverlegung zu berücksichtigen ist.
3.- Strittig ist vorliegend, ob die Voraussetzungen für eine verkehrsmedizinische
Untersuchung gegeben sind.
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a) Der Vertreter des Rekurrenten macht in seiner Eingabe vom 28. März 2013 zur
Hauptsache geltend, dass die Grundlagen, auf die sich die Vorinstanz abstütze,
ungeklärt seien und nur auf Vermutungen basieren würden. Eine kritische Überprüfung
der Daten habe nicht stattgefunden. Die Vorinstanz sei am 7. Februar 2013 bei Eingang
der Akten davon ausgegangen, dass keine Veranlassung für einen sofortigen
Sicherungsentzug gegeben sei. Es hätten sich in der Zwischenzeit keine neuen
Erkenntnisse ergeben, sodass nicht nachvollziehbar sei, weshalb zwei Monate später
eine Dringlichkeit gegeben sein sollte. Art. 15d Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes
(SR 741.01, abgekürzt: SVG), auf den sich die Vorinstanz stütze, sei keine geeignete
Grundlage für die Anordnung einer Untersuchung, da die Voraussetzungen gemäss
Katalog nicht gegeben seien. Konkret sei weder nachgewiesen, dass der Rekurrent das
Motorfahrzeug gelenkt habe, noch, dass er eine Verkehrsregelverletzung, die eine
Rücksichtslosigkeit als Grundlage habe, begangen habe. Es liege keine Meldung einer
IV-Stelle vor. Es sei keine Meldung eines Arztes ergangen, wonach die Eignung nicht
mehr gegeben sei. Es finde also auch Art. 7 der Verkehrszulassungsverordnung (SR
741.51, abgekürzt: VZV) keine Anwendung. Der Rekurrent sei – in der klaren Meinung,
dass eine entsprechende Untersuchung ohnehin das Resultat "unauffällig" haben
werde – jedoch grundsätzlich bereit, sich einer verkehrsmedizinischen Untersuchung
zu unterziehen. Dies aber nur unter der Bedingung, dass man nicht darauf abstelle, er
habe Anlass dazu geboten, und ihm unabhängig vom Resultat die gesamten Kosten
auferlegt würden. Aufgrund vager Umstände dürften ihm keine Kosten auferlegt
werden.
Die Vorinstanz begründet ihre Zwischenverfügung vom 14. März 2013 damit, dass der
Rekurrent gemäss Rapport der Kantonspolizei St. Gallen in nicht fahrfähigem Zustand
beim verbotenen Befahren einer Bahnhofunterführung am 25. Dezember 2012 einen
Unfall verursacht habe. Indem er anschliessend die Unfallstelle ohne Benachrichtigung
des Geschädigten verlassen habe, habe er die Massnahme zur Feststellung der
Fahrunfähigkeit vereitelt. Der Unfall sei möglicherweise aufgrund eines
Schwächezustands (Black-Out) entstanden. Aufgrund der gesamten Umstände sei eine
Abklärung der Fahreignung notwendig. Die Stellungnahme des Rechtsvertreters des
Rekurrenten vom 13. März 2013 sei geprüft worden. Viele Indizien würden auf eine
hohe Wahrscheinlichkeit hinweisen, dass der Rekurrent das Motorfahrzeug tatsächlich
auf den Perron gelenkt habe. Infolge seines "Filmrisses" könne er selbst keine
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Ursachen für das Fehlverhalten anlässlich des Vorfalles dokumentieren. Aufgrund der
Aktenlage würden Zweifel an der Fahreignung bestehen. Daher könne dem Antrag um
Aufschiebung der Fahreignungsprüfung bis zum Abschluss des Strafverfahrens nicht
entsprochen werden. Aus diesem Grund werde nach Art. 15d Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 7 und Art. 11b Abs. 1 lit. a VZV eine verkehrsmedizinische
Untersuchung angeordnet.
b) Art. 15d SVG ist seit dem 1. Januar 2013 in Kraft. Er hält fest, dass eine Person einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen wird, wenn Zweifel an deren Fahreignung
bestehen. Im Unterschied zum Warnungsentzug ist für die Anordnung einer solchen
Untersuchung nicht erforderlich, dass ein rechtskräftiger Strafentscheid vorliegt; es
muss nicht direkt auf nachgewiesene Tatsachen abgestellt werden. Materiell, d.h.
hinsichtlich eines allfälligen Führerausweisentzugs, wird mit einer Untersuchung im
Übrigen auch noch nichts entschieden. Die Aufzählung in Art. 15d SVG hält fest, dass
die Voraussetzung für eine verkehrsmedizinische Untersuchung beispielsweise bei
Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder bei Mitführen von
Betäubungsmitteln, die die Fahrfähigkeit stark beeinträchtigen oder ein hohes
Abhängigkeitspotenzial aufweisen, gegeben ist (Art. 15d Abs. 1 lit. b SVG). Sodann ist
dies bei Verkehrsregelverletzungen, die auf Rücksichtslosigkeit schliessen lassen (Art.
15d Abs. 1 lit. c SVG), sowie bei Meldung einer kantonalen IV-Stelle nach Art. 66c des
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (Art. 15d Abs. 1 lit.
d SVG) oder bei Meldung eines Arztes, dass eine Person wegen einer körperlichen
oder psychischen Krankheit, wegen eines Gebrechens oder wegen einer Sucht
Motorfahrzeuge nicht sicher führen kann (Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG), der Fall. Unter
Betäubungsmitteln werden abhängigkeitserzeugende Stoffe und Präparate der
Wirkungstypen Morphin, Kokain oder Cannabis, sowie Stoffe und Präparate, die auf
deren Grundlage hergestellt werden oder eine ähnliche Wirkung wie diese haben,
verstanden (Art. 2 lit. a des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel und die
psychotropen Stoffe, SR 812.121, abgekürzt: BetmG).
Die Aufzählung in Art. 15d Abs. 1 SVG ist nicht abschliessend. Die Rechtsprechung
des Bundesgerichts lehnt sich an den Leitfaden "Verdachtsgründe fehlender
Fahreignung; Massnahmen; Wiederherstellung der Fahreignung" der Expertengruppe
Verkehrssicherheit vom 26. April 2000 zur Beurteilung, ob die Voraussetzungen für eine
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entsprechende Massnahme gegeben sind, an (Jurius, Verdachtsgründe fehlender
Fahreignung – Ein Leitfaden für die Administrativ-, Justiz- und Polizeibehörden, in:
Jusletter 11. September 2000; vgl. beispielsweise BGE 6A.38/2003 vom 12. August
2003). Darin (Ziffer II.1 des Leitfadens) wird festgehalten, dass nicht jedes Fahren in
angetrunkenem Zustand auf eine Alkoholabhängigkeit hinweist. Eine
Fahreignungsuntersuchung sei bei Personen anzuordnen, die während der letzten fünf
Jahre vor der aktuellen Trunkenheitsfahrt keine einschlägige Widerhandlung begangen
haben, wenn die Blutalkohol-Konzentration (BAK) 2,5 und mehr Promille betrage. Wenn
eine Person im Verkehr auffällig geworden ist, ohne dass Anzeichen von Alkohol oder
Betäubungs- oder Arzneimitteln vorliegen, z.B. bei einer kurzen Bewusstseinsstörung,
ist ebenfalls ein Abklärungsbedarf gegeben (vgl. Ziff. II.3 des Leitfadens). Sodann sind
Abklärungen dann notwendig, wenn ein Fahrzeuglenker beispielsweise nach dem
Konsum von Cannabis in fahrunfähigem Zustand im Strassenverkehr angetroffen wird
(vgl. Ziff. II.4.2 des Leitfadens).
In seiner Einvernahme vom 25. Dezember 2012 erzählte der Rekurrent selbst, dass er
am 24. Dezember 2012 Cannabis geraucht habe. Zudem erklärte er, nicht mehr zu
wissen, ob er das Fahrzeug auf den Perron gelenkt habe. Das entsprechende Fahrzeug
werde jedoch ausschliesslich von ihm gefahren; er habe die Autoschlüssel am Morgen
auch bei sich gehabt. Er nehme an, dass er gefahren sei. Ferner erklärte Y bei ihrer
Einvernahme vom 26. Dezember 2012, dass der Rekurrent schon öfters gefahren sei,
wenn er nicht mehr hätte fahren dürfen. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb sie ihn
bewusst falsch belasten hätte wollen. Am 25. Dezember 2012, um 10.30 Uhr, d.h. rund
drei bis vier Stunden nach dem Vorfall, war beim Rekurrenten eine Blutentnahme
durchgeführt und ein Wert im Zeitpunkt der Entnahme von 1.19 – 1.32
Gewichtspromillen festgestellt worden. Eine Rückrechnung auf den Zeitpunkt des
Vorfalls war nicht möglich.
Es ist weder die Aufgabe der Verwaltungsrekurskommission noch der Vorinstanz, zu
überprüfen, ob der Rekurrent zum Zeitpunkt des Vorfalls tatsächlich Lenker des
Fahrzeugs gewesen war. Auch für die Rechtsmedizin gilt die Unschuldsvermutung. Der
Rekurrent war in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 2012 jedenfalls stark
betrunken und hatte zudem Cannabis konsumiert. Er selbst schliesst nicht aus, das
Fahrzeug tatsächlich gefahren zu haben. Aus den der Verwaltungsrekurskommission
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vorliegenden Akten ergeben sich verschiedene Indizien, die auf eine tatsächliche
Lenkereigenschaft des Rekurrenten hindeuten. So hatte er den Autoschlüssel sowohl
abends vor dem Vorfall als auch am Morgen danach auf sich. Zudem gab er die
Fahrzeugschlüssel in der Regel keinen Drittpersonen. Weiter gibt es Hinweise, die
darauf schliessen lassen, dass er die Unterführung mit der Tiefgarageneinfahrt bei sich
zu Hause verwechselt haben könnte. Zusätzlich hatte er gemäss eigenen Angaben ein
Black-Out und konnte sich nicht mehr daran erinnern, was in jener Nacht geschehen
war. Er sprach von einem Filmriss, den er bereits früher einmal gehabt habe. Was es
mit diesem Filmriss auf sich hat, ist unklar und bedarf im Hinblick auf die Frage der
Fahreignung weiterer medizinischer Abklärungen. Aufgrund dieser Umstände bestehen
insgesamt ernsthafte Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten. Ins Gewicht fällt
zudem, dass es sich bei der Fahrt durch die Fussgängerunterführung eines Bahnhofes
auf das Perron um einen sehr auffälligen, aussergewöhnlichen Unfall handelt.
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung verhältnismässig und gerechtfertigt ist. Der Rekurs ist dementsprechend
abzuweisen.
5.- Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Infolge der Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör durch die Vorinstanz ist eine hälftige Aufteilung der Kosten auf den
Staat und den Rekurrenten sachgerecht. Dem Rekurrenten ist der Kostenvorschuss
von Fr. 1'200.-- im hälftigen Betrag von Fr. 600.-- zurückzuerstatten. Bei diesem
Verfahrensausgang hat der Rekurrent keinen Anspruch auf Entschädigung der
Anwaltskosten (Art. 98 VRP).