Decision ID: 8ba6eb87-a6ac-5f46-9ce3-f47687df2264
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Januar 2014 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe eine Berufslehre als B._
absolviert. Seit dem Jahr 2001 sei sie als Hausfrau und Mutter tätig gewesen. Der
Allgemeinmediziner Dr. med. C._ berichtete am 31. März 2014 (IV-act. 22), die
Versicherte habe im Februar 2013 an einem Schwindel gelitten. Die Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen habe einen unspezifischen Schwindel
diagnostiziert. Seither habe die Versicherte immer wieder an Schwindelbeschwerden
gelitten. Im Juni 2013 sei bei der Arbeit gegen Mittag plötzlich wieder ein starker
Schwindel aufgetreten. Noch im Juni 2013 sei die Versicherte drei Tage stationär in der
HNO-Klinik des Kantonsspitals St. Gallen behandelt worden. Die Ärzte hätten keine
Ursache für den Schwindel gefunden. Sie hätten eine starke Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit der Versicherten aufgrund des Schwindels attestiert. Die Versicherte
selbst habe angegeben, dass die Schwindelbeschwerden trotz der Therapie nie
verschwunden seien. Sie sei deswegen seit Ende Mai 2013 zu 100 Prozent
arbeitsunfähig. Die Arbeit als Hausfrau und Mutter könne sie nur dank der Mithilfe der
Kinder und des Ehemannes verrichten. Diagnostisch bestehe der Verdacht auf eine
menièreforme Störung links. Am 13. November 2014 notierte Dr. med. D._ vom IV-
internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 35), die HNO-Klinik des
Kantonsspitals St. Gallen habe im Juni 2013 eine linksseitige menièreforme Störung
objektivieren können. Folglich sei medizinisch nachvollziehbar, dass die Versicherte
zumindest zeitweilig an einem objektiv schweren Schwindel leide, der koordinierte
Tätigkeiten (auch im Haushalt) während der Attacke weitgehend verhindere. Aus den
vorliegenden Berichten gehe aber nicht hervor, wie häufig die Attacken aufträten und
wie lange sie dauerten. Bereits am 14. August 2014 hatte die Klinik für Neurologie des
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Kantonsspitals St. Gallen berichtet (IV-act. 37), es bestehe ein dringender Verdacht auf
einen Morbus Menière. Zusätzlich leide die Versicherte an einem phobischen
Schwindel. Gemäss den anamnestischen Angaben träten pro Monat eine oder zwei
Schwindelattacken auf. Das Auftreten einer phobischen Komponente sei bei einem
lang dauernden Morbus Menière nicht untypisch. Die Versicherte sollte deshalb sowohl
die somatische als auch die bereits etwa ein Jahr dauernde psychiatrische Behandlung
fortführen. In einer „Kurzbeurteilung“ zuhanden der Krankenversicherung gab Dr. med.
E._ am 23. Februar 2015 an (IV-act. 40), die Versicherte leide an menièreformen
Schwindelanfällen (einmalig dokumentiert mit Spontannystagmus und
Schallempfindungsstörung links; Differenzialdiagnose vestibuläre Migräne) und
verdachtsweise an einem phobischen Begleitschwindel, bei dem es sich um eine oft
angetroffene, wohl psychische Begleiterscheinung von menièreformen Schwindelarten
handle. Da die Versicherte nur noch selten an menièreformen Attacken leide, wirke sich
vor allem der phobische Dauerschwindel auf ihre Arbeitsfähigkeit aus. Die Belastung
der Versicherten durch die Symptomatik sei enorm hoch. Sie sei glaubhaft stark in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Für ihre Tätigkeit als Hausfrau und Mutter sei sie
vollständig absorbiert, da sie deutlich mehr Pausen benötige. Das Pensum von 20
Prozent als B._ könne sie aktuell sicher nicht erfüllen. Für sämtliche Tätigkeiten
ausser Haus sei dementsprechend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren.
A.b Am 11. März 2015 fand eine Abklärung im Haushalt der Versicherten statt. Die
Abklärungsbeauftragte hielt in ihrem Bericht fest (IV-act. 42), die Versicherte habe seit
Mai 2011 in einem Pensum von 20 Prozent als B._ und seit Januar 2008 während
drei Stunden pro Woche als Hauswartin gearbeitet. Sie habe angegeben, dass sie
aufgrund des Schwindels nicht mehr als B._ tätig sein könne. Bezüglich der
Hauswarttätigkeit sei sie auf die Mithilfe ihres Ehemannes angewiesen. Ohne die
gesundheitliche Beeinträchtigung würde sie im bisherigen Umfang von 20 Prozent als
B._ und zusätzlich als Hauswart arbeiten. Die beiden älteren Kinder besuchten die
Schule (Ober- und Mittelstufe), das jüngste werde im Sommer vom Kindergarten in die
erste Klasse übertreten. Sie erledige die Haushaltsarbeiten etappenweise. Sie benötige
etwa doppelt so lange wie früher, könne aber etwa 50–60 Prozent der Arbeiten selbst
erledigen. Die Kinder bewältigten etwa 15 Prozent, der Ehemann etwa 25 Prozent. Eine
Freundin helfe ihr regelmässig und übernehme insgesamt etwa zehn Prozent der
Arbeiten. Am 20. Juli 2015 berichtete Dr. C._ über einen im Wesentlichen
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unveränderten Gesundheitszustand der Versicherten (IV-act. 46). Am 25. August 2015
notierte der RAD-Arzt Dr. D._ (IV-act. 47), die von der Versicherten angegebene
Einschränkung im Haushalt von etwa 45 Prozent sei mit Blick auf den ausführlichen
Bericht von Dr. E._ plausibel. Auch in einer adaptierten ausserhäuslichen Tätigkeit
bestehe eine Einschränkung von etwa 45 Prozent. Mit einem Vorbescheid vom 27.
August 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 49), dass sie die
Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung führte sie aus, die
Versicherte sei als zu 30 Prozent erwerbstätig und zu 70 Prozent im Haushalt tätig zu
qualifizieren. Unter Berücksichtigung einer Arbeitsunfähigkeit von 45 Prozent sei die
Versicherte nach wie vor in der Lage, das bisherige Erwerbseinkommen von 10'090
Franken zu erzielen, weshalb für den Erwerbsbereich ein Invaliditätsgrad von null
Prozent resultiere. Die Einschränkung im Haushalt betrage unter Berücksichtigung der
zumutbaren Schadenminderungspflicht des Ehemannes 23,2 Prozent. Diese
Einschränkung sei mit 70 Prozent zu gewichten. Der Gesamtinvaliditätsgrad betrage
folglich 16 Prozent. Dagegen liess die Versicherte am 28. Oktober 2015 einwenden (IV-
act. 55), die IV-Stelle habe den massgebenden Sachverhalt nicht ausreichend
abgeklärt. Die Dres. C._ und E._ hätten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert; die abweichende RAD-Stellungnahme überzeuge nicht. Die Festlegung der
Einschränkung im Haushalt könne nicht nachvollzogen werden. Der RAD-Arzt Dr. D._
notierte am 17. Dezember 2015 (IV-act. 56), er habe sich entgegen der Ansicht der
Versicherten den Schlussfolgerungen von Dr. E._ angeschlossen. Nur die
Anwendung der „gemischten Methode“ führe zu einem tiefen Invaliditätsgrad, aber
dazu könne er sich als Mediziner nicht äussern. Mit einer Verfügung vom 4. Januar
2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 57).
B.
B.a Dagegen liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) am 3.
Februar 2016 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Gewährung der „zustehenden Leistungen nach IVG“ und eventualiter die Durchführung
von weiteren Abklärungen. Zur Begründung führte er an, die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) habe ihre Untersuchungspflicht verletzt, denn sie habe keinen
Bericht des behandelnden Psychiaters eingeholt. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei
nicht nachvollziehbar. Bezüglich der Hauswarttätigkeit dürfe keine Mitwirkungspflicht
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des Ehemannes berücksichtigt werden. Die Einschränkung im Haushalt sei falsch
ermittelt worden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. März 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, Dr. E._ habe keine
„invalidisierenden“ otologischen Befunde erhoben. Er habe folglich der
Beschwerdeführerin zu Unrecht eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Beim
phobischen Begleitschwindel handle es sich um eine psychiatrische Diagnose. Nur ein
Psychiater hätte der Beschwerdeführerin folglich eine Arbeitsunfähigkeit attestieren
dürfen. Der Verdacht auf einen Morbus Menière sei nicht bestätigt worden; die
Beschwerdeführerin befinde sich nicht in psychiatrischer Behandlung. Sie sei also
uneingeschränkt arbeitsfähig.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 17. Mai 2016 an ihren Anträgen festhalten (act. G
8). Ihr Rechtsvertreter machte geltend, die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ sei
vom RAD-Arzt Dr. D._ als überzeugend qualifiziert worden. Ausserdem befinde sich
die Beschwerdeführerin entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin in einer
psychiatrischen Behandlung.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 9 f.).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin hat die Zusprache der „ihr zustehenden Leistungen nach IVG“
beantragt. Dieses unspezifische Begehren umfasst grundsätzlich sämtliche
Versicherungsleistungen der Invalidenversicherung. Mit der angefochtenen Verfügung
vom 4. Januar 2016 hat die Beschwerdegegnerin allerdings lediglich ein
Rentenbegehren abgewiesen. Da der Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens nicht
weiter als jener des Verwaltungsverfahrens sein kann, das mit der angefochtenen
Verfügung abgeschlossen worden ist, muss sich das vorliegende Beschwerdeverfahren
notwendigerweise auf die Frage beschränken, ob die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
2.
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2.1 Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann,
wenn sie während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
2.2 Die Aktenlage erweist sich vorliegend bereits bezüglich der Frage, ob die
medizinische Eingliederung im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung
abgeschlossen gewesen ist, als ungenügend. Die Beschwerdegegnerin hat sich
nämlich bei der Abklärung des medizinischen Sachverhaltes damit begnügt, einige
wenige Berichte des behandelnden Hausarztes einzuholen und sich mit einer Kopie
des Berichtes zu einer vertrauensärztlichen Untersuchung der Krankenversicherung
bedienen zu lassen. Die Frage, ob die vom Vertrauensarzt vorgeschlagene Therapie
durchgeführt worden ist, lässt sich anhand der Akten nicht beantworten. Ebenfalls
nicht bekannt ist, ob die Verdachtsdiag¬nosen bestätigt oder verworfen worden sind
beziehungsweise woran genau die Beschwerdeführerin denn nun gelitten hat. Die vom
Vertrauensarzt attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin für
sämtliche ausserhäuslichen Tätigkeiten ist zwar von einem RAD-Arzt als überzeugend
qualifiziert worden. Aber aus der Sicht eines medizinischen Laien ist nicht
nachvollziehbar, weshalb die gemäss den subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin ein-, zweimal pro Monat auftretenden (menièreformen)
Schwindelattacken und der bislang offenbar nicht nachgewiesene Dauerschwindel jede
Erwerbstätigkeit gänzlich verunmöglichen sollten. Auch in den (spärlichen) Berichten
der behandelnden Ärzte finden sich keine Hinweise, die eine gänzliche oder auch nur
erhebliche Erwerbsunfähigkeit überzeugend erklären könnten. Hinzu kommt, dass die
Beschwerdegegnerin keinen Bericht beim behandelnden Psychiater eingeholt hat,
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obwohl in den Akten auf eine länger dauernde psychiatrische oder
psychotherapeutische Behandlung hingewiesen worden war und obwohl die
behandelnden Fachärzte auf eine phobische Schwindelkomponente hingewiesen
hatten, die dem psychiatrischen Fachgebiet zuzuordnen sein dürfte. In ihrer
Beschwerdeantwort hat die Beschwerdegegnerin dann sogar aktenwidrig behauptet,
dass sich die Beschwerdeführerin gar nicht in einer psychiatrischen oder
psychotherapeutischen Behandlung befinde. Jedenfalls erweist sich der
mass¬gebende medizinische Sachverhalt auch in psychiatrischer Hinsicht als
ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung vom 4. Januar 2016 ist folglich in
Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen und deshalb als
rechtswidrig aufzuheben. Die Sache ist zur Durchführung der versäumten Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Angesichts des Umstandes, dass die
Gesundheitsbeeinträchtigung der Beschwerdeführerin sowohl das
otorhinolaryngologische als auch das psychiatrische Fachgebiet beschlägt, bietet sich
die Einholung eines bidisziplinären Gutachtens an, wobei der otorhinolaryngologische
Sachverständige idealerweise über eine Zusatzausbildung oder über eine
Berufserfahrung im Bereich von Schwindelbeschwerden verfügen sollte. Die
Sachverständigen werden sich nicht nur zur Diagnose und zur Arbeits¬fähigkeit,
sondern auch zu allenfalls in Frage kommenden medizinischen
Eingliederungsmassnahmen zu äussern haben. Gegebenenfalls wird die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin (nötigenfalls in Anwendung des Art. 21
Abs. 4 ATSG) anzuhalten haben, sich entsprechend behandeln zu lassen. Erst nach
dem Abschluss der medizinischen Eingliederung wird die Beschwerdegegnerin das
Vorliegen einer rentenbegründenden Invalidität prüfen können.
3.
3.1 Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass bei der Berechnung des
Invaliditätsgrades die folgenden Grundsätze zu berücksichtigen sein werden:
3.2 Die Beschwerdeführerin ist vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung im
Früh¬jahr 2013 hauptsächlich im Aufgabenbereich tätig gewesen. Zusätzlich ist sie
aber auch erwerbstätig gewesen: Sie hat in einem Pensum von 20 Prozent in ihrem
erlernten Beruf als B._ und in einem Pensum von etwa zehn Prozent als Hauswartin
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gearbeitet. Ihr Erwerbspensum hat sich also auf 30 Prozent belaufen. Die
Beschwerdegegnerin hat in der Annahme, dass die Beschwerdeführerin ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin zu 30 Prozent ausserhäuslich und zu 70
Prozent im Haushalt tätig geblieben wäre, den Invaliditätsgrad anhand der
sogenannten gemischten Methode (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG) berechnet. Dieses
Vorgehen ist rechtswidrig, denn es steht im Widerspruch zum Wortlaut des Art. 5 Abs.
1 IVG und des Art. 8 Abs. 3 ATSG, im Widerspruch zum Sinn und Zweck der
Invalidenrente, im Widerspruch zum Rentensystem der Invalidenversicherung und im
Widerspruch zum Willen des historischen Gesetzgebers. Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen hat in seinem Entscheid IV 2014/125 vom 24. Mai 2016 mit einer
ausführlichen Begründung aufgezeigt, dass sich der durch eine Rente der
Invalidenversicherung gedeckte Schaden sowohl für Erwerbstätige als auch für
Nichterwerbstätige anhand der Erwerbsunfähigkeit der versicherten Person bemisst
und dass das Gesetz nur für jene Fälle eine Ausnahme von diesem Grundsatz vorseht,
in denen die versicherte Person bereits vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung (überhaupt) nicht erwerbstätig gewesen ist und in denen
ihr die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aufgrund der Bedeutung des Familienlebens
nicht zugemutet werden kann. Mit diesem Entscheid hat das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen seine frühere Praxis zur Invaliditätsbemessung wieder
aufgenommen. Weil die vorübergehende Aufgabe jener Praxis nur auf Druck des
Bundesgerichtes hin erfolgt war, ändert sie nichts daran, dass es sich dabei um eine
ständige Rechtsprechung des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen handelt.
Zusammengefasst begründet sich diese Praxis wie folgt: Die Invalidenversicherung ist
eine Volksversicherung, deren Rentenleistungen einen Schaden des versicherten Gutes
„Erwerbsfähigkeit“ abdecken. Als eine Erwerbsunfähigkeit gilt der Verlust an
Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Der Frage, ob eine
versicherte Person diese Möglichkeiten vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung genutzt hat, kommt dabei keine Bedeutung zu. Der
Gesetzgeber hat aus diesem Grund bei der Schaffung des IVG explizit festgehalten,
dass sich die Invalidität auch für Haustöchter, Privatiers und Hausfrauen, die teilweise
erwerbstätig gewesen sind, anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu bemessen
habe. Nur jenen Hausfrauen, die nie erwerbstätig gewesen waren, wollte der
Gesetzgeber die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zumuten (vgl. BBl 1958 II 1162
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und den Bericht der Expertenkommission vom 30. November 1956, S. 27 und 166 ff.
und zum Ganzen auch den Entscheid IV 2014/125 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 24. Mai 2016, E. 2.2, mit zahlreichen Hinweisen). Dem zur
Publikation vorgesehenen Urteil des Bundesgerichtes 8C_429/2017 vom 20. Dezember
2017 lassen sich keine überzeugenden Argumente entnehmen, die diese Interpretation
der massgebenden Gesetzesbestimmungen als falsch erscheinen lassen würden. Die
Beschwerdeführerin ist vor und beim Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
erwerbstätig gewesen. Sie kann folglich nicht als eine Hausfrau qualifiziert werden,
deren Invalidität in Abweichung vom allgemeinen Grundsatz nicht anhand eines reinen
Einkommensvergleichs zu bemessen wäre. Ihr Invaliditätsgrad ist also nach der
Methode des Art. 16 ATSG zu bestimmen.
3.3 Das Valideneinkommen entspricht nicht dem zuletzt erzielten Verdienst, da dieser
durch die Zwänge des invalidenversicherungsrechtlich nicht massgebenden
tatsächlichen Arbeitsmarktes beeinflusst gewesen sein könnte. Massgebend ist
vielmehr, welchen objektiven Wert die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf
dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt gehabt hat. Da die
Beschwerdeführerin eine Ausbildung zur B._ abgeschlossen hat und da keinerlei
Hinweise auf eine deutlich über- oder unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit vor
dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung vorliegen, entspricht das
Valideneinkommen dem durchschnittlichen Lohn einer B._ in der Schweiz. Für die
Ermittlung des entsprechenden Betrages könnte auf den Gesamtarbeitsvertrag für das
schweizerische B._gewerbe abgestellt werden. Dieser sieht aber nur Basislöhne vor
und er äussert sich auch nicht zur Frage, ob jährlich zwölf oder dreizehn Monatslöhne
ausgerichtet werden. Der Betrag des Valideneinkommens kann des¬halb nicht vom
Gericht beziffert werden. Da die Sache ohnehin an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen ist, wird diese auch Abklärungen bezüglich des massgebenden
Valideneinkommens tätigen. Sie wird einen Berufsberater mit der Ermittlung des
durchschnittlichen Lohnes einer B._ mit der Ausbildung und der Berufserfahrung der
Beschwerdeführerin beauftragen.
4.
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Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen gilt eine Rückweisung zur weiteren
Abklärung rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind deshalb der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Angesichts des geringen
Aktenumfangs ist von einem deutlich unterdurchschnittlichen erforderlichen
Vertretungsaufwand auszugehen. Die Parteientschädigung wird deshalb auf 2'000
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.