Decision ID: edb19173-de9c-5b84-ba54-5b22e77c4857
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die aus Eritrea stammende Beschwerdeführerin wurde vom UNHCR
Ende 2017 von Libyen nach C._ evakuiert. Anfangs 2018 wurde sie
vom UNHCR als Flüchtling anerkannt und für ein Resettlement in die
Schweiz vorgeschlagen. Im Rahmen des besagten Resettlement-Ersu-
chens wurde sie am 27. Januar 2018 in D._ (C._) vom SEM
angehört. Am 8. März 2018 erteilte ihr das SEM eine Einreisebewilligung,
worauf sie am 4. April 2018 in die Schweiz einreiste und gleichentags ein
Asylgesuch stellte. Am 18. April 2018 wurde sie vom SEM zu ihrer Person
und summarisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person
[BzP]). Mit Verfügung vom 18. Mai 2018 gewährte ihr das SEM in Anwen-
dung von Art. 56 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) in der Schweiz Asyl.
A.b Laut den vom UNHCR am 3. Januar 2018 von der Beschwerdeführerin
erhobenen Angaben sei diese mit B._, der ungefähr (...) Jahre alt
sei, verlobt; sie hätten sich im Jahr 2012 während des Militärdiensts in
E._ kennengelernt, im gleichen Jahr verlobt und sich im März 2014
letztmals gesehen. Die Beschwerdeführerin habe vor ihrer Ausreise aus
Eritrea, welche Ende 2015 erfolgt sei, mit ihren Eltern und Geschwistern in
F._ gelebt. Beziehungsweise seit März 2014 habe sie sich bei ihrer
in G._ wohnhaften Schwester H._ aufgehalten (vgl. vo-
rinstanzliche Akten A3).
Im Rahmen der Resettlement-Anhörung vom 27. Januar 2018 (vgl. A6) und
der BzP vom 18. April 2018 (vgl. A18) gab die Beschwerdeführerin an, sie
stamme aus F._. Von 2006 bis 2014 habe sie Militärdienst geleistet.
Sie sei in E._ stationiert gewesen. Sie sei ledig. Seit (...) 2012 sei
sie mit B._ verlobt. Dessen genaues Alter kenne sie nicht, er sei
etwa (...) oder (...) Jahre alt. Sie hätten sich 2011 im Militärdienst in
E._ kennengelernt. Nach der Verlobung hätten sie ein Jahr zusam-
mengelebt. Im Jahr 2013 hätten sie gemeinsam ausreisen wollen, seien
aber erwischt worden. Ihr Verlobter sei nach I._ gebracht worden.
Sie sei zwei Monate in J._ inhaftiert worden, danach einen Monat
in K._ und schliesslich zu ihrem Stützpunkt in E._ zurück-
geschickt worden. An den Wochenenden habe sie jeweils frei gehabt und
diese Tage zuhause in F._ verbracht. Als sie im März 2014 frei ge-
habt und einen Passierschein bis L._ erhalten habe, sei sie ohne
Erlaubnis zu ihrer Schwester nach G._ gefahren. Dort habe sie sich
bis zur Ausreise aufgehalten und gearbeitet. Im Juni 2016 sei sie illegal aus
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Eritrea ausgereist. Ihren Verlobten habe sie seit dem Fluchtversuch 2013
nicht mehr gesehen und sie wisse nichts über dessen Verbleib. Bezie-
hungsweise sie habe von Militärangehörigen erfahren, dass er zwei Jahre
inhaftiert gewesen sei.
B.
Mit Schreiben vom 3. September 2019 reichte die Beschwerdeführerin
beim SEM für B._ ein Familienzusammenführungsgesuch im Sinne
von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG ein.
Unter Verweis auf die Kopie einer Heiratsurkunde und Fotos brachte sie im
Wesentlichen vor, sie und B._ hätten am (...) 2012 standesamtlich
geheiratet. Das Original der Heiratsurkunde befinde sich bei ihrem Mann
in Khartum. Das kirchliche Hochzeitsfest habe wegen der Umstände
(Flucht respektive Gefangenschaft) nicht stattfinden können. Da man ge-
mäss eritreischer Kultur erst nach dem kirchlichen Hochzeitsfest als ver-
heiratet gelte, sei sowohl bei ihrer Resettlement-Anhörung in D._
als auch bei der BzP hierzulande von ihrem Verlobten gesprochen worden,
obwohl sie schon verheiratet seien. Mangels kirchlicher Hochzeit könne sie
keine Hochzeitsfotos einreichen. Der Eingabe lägen aber zwei Fotos von
ihnen als Paar und zwei Passbilder ihres Mannes bei. Sie hätten sich im
Militär kennengelernt und nach der zivilen Trauung in M._ in einer
kleinen Wohnung zusammengelebt. Von dort aus seien sie jeweils am Mor-
gen mit dem Bus nach E._ gefahren, wo sie beide stationiert gewe-
sen seien, und abends wieder heim. Nach dem gescheiterten Fluchtver-
such im Jahr 2013 seien sie verhaftet worden. Ihr Mann sei die nächsten
fünf Jahre in Haft geblieben. Während dieser Zeit hätten sie keinen Kontakt
gehabt. Von ihrer Schwester, die in Eritrea als (...) arbeite, habe sie von
der Haftentlassung ihres Mannes erfahren. Im Mai 2019 sei er in den Su-
dan geflohen. Seither hätten sie fast täglich Kontakt, sofern die Internetver-
bindung in Khartum dies zulasse.
C.
Mit Schreiben vom 18. September 2019 forderte das SEM die Beschwer-
deführerin auf, zu diversen Fragen und Ungereimtheiten Stellung zu neh-
men und Dokumente (Heiratsurkunde im Original, Kopien von Identitätspa-
pieren von B._) einzureichen.
D.
In ihrer Stellungnahme vom 3. Oktober 2019 antwortete die Beschwerde-
führerin, ihr Mann sei im Dezember 2018 nach fünf Jahren aus der Haft
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entlassen und in den Militärdienst rückversetzt worden. Von dort aus sei
ihm die Flucht gelungen. Seit Mai 2019 halte er sich im Sudan auf. Von der
Haftentlassung habe sie durch ihre als (...) arbeitende Schwester erfahren.
Von dieser habe ihr Mann auch ihre Telefonnummer erhalten. Da er nach
der Haftentlassung weiter überwacht worden sei, habe er erst nach der
Flucht aus Eritrea Kontakt mit ihr aufgenommen. Sie seien seit (...) 2012
verlobt. Bei der Anhörung vom 27. Januar 2018 habe sie versucht zu er-
klären, dass sie seit dem (...) 2012 standesamtlich verheiratet sei. Der da-
malige Übersetzer habe sie aber nach dem offiziellen Hochzeitsfest gefragt
und wissen wollen, ob sie in Weiss geheiratet habe. Als sie dies verneint
habe, habe er gesagt, dass es dann auch nicht als Heirat gelten würde.
Daher habe sie die standesamtliche Heirat bei der BzP nicht erwähnt. Erst
als sie von der für sie zuständigen Sozialarbeiterin erfahren habe, dass
eine standesamtliche Trauung in der Schweiz als Heirat gelte, sei ihr be-
wusstgeworden, dass sie hierzulande als verheiratet gelte. Die von ihr an-
gegebene letzte Adresse sei die Adresse ihrer Eltern. Ihr Mann verfüge
über keine eritreischen Identitätspapiere. Diese seien ihm bei der Verhaf-
tung nach dem Fluchtversuch im Jahr 2013 weggenommen worden, wes-
halb davon keine Kopien eingereicht werden könnten. Der Eingabe lag die
Kopie eines sudanesischen Ausweises von B._ bei.
E.
Mit Schreiben vom 9. Oktober 2019 forderte das SEM die Beschwerdefüh-
rerin auf, die Originale der in Kopie vorgelegten Dokumente einzureichen.
F.
Mit Schreiben vom 31. Oktober 2019 reichte die Beschwerdeführerin das
Original der Heiratsurkunde vom (...) 2012 (und eine Kopie des DHL-
Frachtbriefs) zu den Akten.
G.
Mit Schreiben vom 28. November 2019 teilte das SEM der Beschwerde-
führerin mit, die Heiratsurkunde sei amtsintern überprüft worden. Die Do-
kumentenanalyse habe ergeben, dass die Heiratsurkunde in diversen Be-
reichen wie Druckqualität, Aussehen und Inhalt von authentischem Ver-
gleichsmaterial abweiche; beispielsweise stimme die Seriennummer nicht
mit dem Ausstellungsdatum überein. Das SEM erachte das Dokument des-
halb als gefälscht. Es räumte der Beschwerdeführerin Gelegenheit ein, sich
dazu bis zum 11. Dezember 2019 zu äussern.
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H.
In ihrer Stellungnahme vom 12. Dezember 2019 brachte die Beschwerde-
führerin vor, weil sie nur standesamtlich geheiratet habe, fehle auf dem
Eheschein die Angabe der die Ehezeremonie vollziehenden Kirche. Wie
bereits ausgeführt, habe sie bei der Anhörung vom 27. Januar 2018 ver-
sucht zu erklären, dass sie standesamtlich verheiratet sei. Nachdem der
Übersetzer gesagt habe, dass sie ohne Hochzeitsfest nicht als verheiratet
gelten würde, habe sie die standesamtliche Heirat bei der BzP auch nicht
erwähnt. Erst durch ein Gespräch mit der Sozialarbeiterin sei ihr bewusst-
geworden, dass sie hierzulande als verheiratet gelte. Ihr Mann habe bei
der Ausreise aus Eritrea über keine Dokumente verfügt. Den Eheschein
habe er sich von ihren Eltern in den Sudan schicken lassen. Diese hätten
bestätigt, dass sie das Dokument im dafür zuständigen "Head of Public
Registration Office" besorgt hätten. Sollte es sich um eine Fälschung han-
deln, heisse dies nicht, dass sie nicht verheiratet seien.
I.
Mit Verfügung vom 12. März 2020 – eröffnet am 16. März 2020 – bewilligte
das SEM die Einreise von B._ nicht. Es lehnte das Gesuch um Fa-
milienzusammenführung ab und zog die als Fälschung erkannte Heiratsur-
kunde vom (...) 2012 ein.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, das Familienasyl diene
der Bewahrung vorbestandener Familiengemeinschaften beziehungs-
weise der Wiederherstellung, sofern die Gemeinschaft allein durch die
Flucht getrennt worden sei. Die vorgelegte Heiratsurkunde vom (...) 2012
sei als Fälschung erkannt worden. Sie weiche in Bereichen wie Druckqua-
lität, Aussehen und Inhalt von authentischem Vergleichsmaterial ab. Die
Erklärung der Beschwerdeführerin, die Eltern hätten bestätigt, dass sie das
Dokument von den eritreischen Behörden erhalten hätten, vermöge die
Fälschung nicht zu erklären. Es bestünden daher gewichtige Zweifel an der
geltend gemachten Heirat. Zudem würden die Angaben der Beschwerde-
führerin im Resettlement- und Asylverfahren sowie in der Eingabe vom
3. September 2019 etliche Unstimmigkeiten in Bezug auf die behauptete
Beziehung aufweisen. Laut den UNHCR-Unterlagen habe sie B._
im Jahr 2012 getroffen und sie hätten sich im selben Jahr verlobt. Gemäss
den Angaben bei der BzP hätten sie sich bereits 2011 kennengelernt und
im (...) 2012 verlobt, wohingegen sie laut der Eingabe vom 3. September
2019 seit dem (...) 2012 standesamtlich verheiratet seien. Die Schilderung
der Zeitabläufe des Kennenlernens und der Verlobung seien widersprüch-
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lich und es sei nicht nachvollziehbar, weshalb im Familienzusammenfüh-
rungsgesuch erstmals von einer standesamtlichen Trauung die Rede sei.
Dem Erklärungsversuch der Beschwerdeführerin, im Asylverfahren von
Verlobung gesprochen zu haben, weil sie bei der Resettlement-Anhörung
vom 27. Januar 2018 erfolglos versucht habe, auf die standesamtliche Hei-
rat hinzuweisen, könne nicht gefolgt werden, zumal daraus folgen würde,
dass ihr sehr wohl bewusst gewesen sein müsste, dass eine standesamt-
liche Trauung mehr Gewicht habe. Auch zum Wohnsitz habe sie unstim-
mige Angaben gemacht. So habe sie erst angegeben, vor der Flucht bei
den Eltern und Geschwistern in F._ gelebt und ihren Mann letztmals
im März 2014 in E._ gesehen zu haben. Bei der Anhörung vom
27. Januar 2018 habe sie hingegen gesagt, eineinhalb Jahre mit dem
Mann zusammengewohnt und dann ohne ihn weggegangen zu sein; er sei
nicht mit ihr geflüchtet, da er im Militär sei beziehungsweise für zwei Jahre
inhaftiert worden sei respektive immer noch inhaftiert sei, letztmals hätten
sie sich beim Fluchtversuch 2013 gesehen. Bei der BzP vom 18. April 2018
habe sie wiederum angegeben, ihre letzte Adresse sei in F._ gewe-
sen. Dort habe sie regelmässig die Wochenenden verbracht; ihren Mann
habe sie letztmals beim Fluchtversuch 2013 gesehen und sie habe keine
Kenntnis von dessen Verbleib. Laut ihrer Eingabe vom 3. September 2019
hätten sie hingegen nach der zivilen Trauung in einer Wohnung in
M._ zusammengelebt. Es bleibe ungeklärt, weshalb die Beschwer-
deführerin den gemeinsamen Wohnsitz in M._ erstmals im Famili-
enzusammenführungsgesuch erwähnt habe. Angesichts der gefälschten
Heiratsurkunde und der aufgezeigten Unstimmigkeiten sei der angebliche
Familienverband weder belegt noch glaubhaft gemacht. Die Absicht, die-
sen wiederaufzunehmen, sei nicht gegeben. An dieser Einschätzung ver-
möchten die Fotos und die Kopie eines sudanesischen Ausweises des
Mannes nichts zu ändern. Diese Dokumente könnten die angeblich vor der
Flucht der Beschwerdeführerin aus Eritrea bestehende Beziehung nicht
belegen.
J.
Mit Eingabe vom 15. April 2020 erhob die Beschwerdeführerin durch den
rubrizierten Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Sie ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 12. März
2020 und um Anweisung an das SEM, B._ in ihre Flüchtlingseigen-
schaft einzubeziehen, ihm Asyl zu gewähren und als Folge davon die Ein-
reise in die Schweiz zu bewilligen. Eventualiter sei die Sache zur hinrei-
chenden Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um
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Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-
dung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, sie habe gegenüber dem
UNHCR und dem SEM übereinstimmend gesagt, dass sie seit 2012 verlobt
sei. Die unterschiedliche Datierung des Kennenlernens (2011/2012) sei
kein Indiz für die Unwahrheit, zumal bereits sechs Jahre vergangen seien,
als sie danach gefragt worden sei, und sie zudem Folter erlitten habe, was
kleinere Erinnerungslücken hinreichend erkläre. Aus den UNHCR-Akten
gehe nicht hervor, ob und wie sie den damaligen Übersetzer verstanden
habe. Es liege nur eine Zusammenfassung ihrer gegenüber dem UNHCR
gemachten Angaben vor. Die Nennung der Schwester H._ in der
Aufzählung der Angehörigen, mit denen sie in F._ gewohnt habe,
zeige, dass dem UNHCR bei der Informationserhebung ein Fehler unter-
laufen sei, sei doch im besagten Dokument weiter unten vermerkt worden,
dass sie angegeben habe, vor der Flucht bei ihrer Schwester H._
gewohnt zu haben, die eben nicht mit den Eltern, sondern in G._
gewohnt habe. Weitere Ungenauigkeiten oder gar Fehler bei der UNHCR-
Befragung, die sie nicht Seite für Seite unterzeichnet habe, könnten nicht
ausgeschlossen werden. Das SEM hätte dieses Dokument daher nicht als
vollwertiges Beweismittel beiziehen sollen. Auch an der Qualität der Anhö-
rung in D._ vom 27. Januar 2018 bestünden Zweifel. Zwar seien
damals alle Antworten in Französisch protokolliert worden, die Fragen hin-
gegen teils auf Deutsch. Zudem sei auch dieses Dokument nicht Seite für
Seite von ihr unterzeichnet worden, und ein Unterschriftenblatt fehle. Die
protokollierte Antwort "Je suis fiancée oui, mais pas devant l'église" zeige
zudem die Einflussnahme des damaligen Dolmetschers. Indem das SEM
dem Vorwurf der ungenügenden Übersetzungstätigkeit nicht nachgegan-
gen sei, habe es seine Begründungspflicht verletzt. Auch bezüglich der ihr
vorgehaltenen Unstimmigkeiten in Bezug auf den Wohnsitz verweise sie
auf die Qualitätsmängel der Befragungen. Es sei zudem nicht ersichtlich,
weshalb ihre Wohnsituation vor der Flucht in Widerspruch zur Tatsache
stehen sollte, dass sie 2012 während eines Jahres mit ihrem Mann zusam-
mengelebt habe. Eritreische Heiratsdokumente seien von ihrem Aussehen
her uneinheitlich. Sie verweise hierzu auf einen Bericht der Schweizeri-
schen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 19. August 2015. Im Übrigen sei die Fäl-
schung irrelevant, da das Führen eines Konkubinats für das Familienasyl
genüge. Sie habe ihren Partner bei allen Befragungen erwähnt. In Fällen,
in denen es Hinweise für das Bestehen einer Familiengemeinschaft gebe,
sei die gesuchstellende Person laut Rechtsprechung aufzufordern, die
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Identität des Partners nachzuweisen, auch wenn zuvor eingereichte Unter-
lagen als Fälschungen erkannt worden seien. Das SEM habe sie zwar auf-
gefordert, Identitätspapiere ihres Mannes einzureichen, sie habe aber am
3. Oktober 2019 mitgeteilt, dass ihr Mann keine solche habe, da ihm diese
bei der Verhaftung abgenommen worden seien. Gemäss Rechtsprechung
würden aber auch andere Dokumente wie Geburtsurkunden oder Schul-
zeugnisse als Indizien in Frage kommen, oder es könnten über eine
Schweizer Auslandsvertretung Abklärungen vorgenommen werden. Indem
das SEM nur auf die Dokumentenfälschung verwiesen habe, ohne weitere
Abklärungen zur Identität ihres Mannes vorzunehmen, habe es den Unter-
suchungsgrundsatz verletzt. Auch habe es ausser Acht gelassen, dass ihr
Partner im UNHCR-Bericht als "Common Law Husband" vermerkt worden
sei, was zeige, dass das UNHCR von einer gefestigten Beziehung ausge-
gangen sei.
K.
Am 16. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Juni 2020 stellte die Instruktionsrichterin
fest, dass die behauptete Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin nicht be-
legt sei und es ihr obliege, den Nachweis der Mittellosigkeit zu erbringen.
Über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses werde einstweilen verzichtet. Das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wies sie ab. Gleichzeitig
lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
M.
In seiner Vernehmlassung vom 10. Juni 2020 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde. Bei den Dolmetschern in D._ handle es
sich ausschliesslich um vom UNHCR angestellte und somit entsprechend
geprüfte Übersetzer. Aus dem Protokoll seien auch keine Hinweise auf eine
Einflussnahme oder Befangenheit der dolmetschenden Person ersichtlich.
Solches sei im Verlauf des Verfahrens auch nie geltend gemacht worden,
sondern erst nach Erhalt der negativen Verfügung. Die im angefochtenen
Entscheid aufgezeigten Unstimmigkeiten in den Angaben der Beschwer-
deführerin bestünden weiterhin. Beim Protokoll "UNHCR-Resettlement-Er-
suchen Protokoll Anhörung D._" handle es sich um eine Vorlage mit
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Standard-Einleitungen und -Fragen in Deutsch. Die Antworten und Zusatz-
fragen würden in der Sprache der befragenden Person erfasst. Auf die
Qualität der Befragung habe dieses Vorgehen keinen Einfluss. Dem Ein-
wand, das SEM hätte Abklärungen zur Identität des geltend gemachten
Ehemannes der Beschwerdeführerin vornehmen müssen, könne nicht ge-
folgt werden. Es werde nicht grundsätzlich die Identität von B._
nicht geglaubt, sondern der geltend gemachte Familienverband zwischen
diesem und der Beschwerdeführerin.
N.
Am 18. Juni 2020 liess die Instruktionsrichterin der Beschwerdeführerin die
Vernehmlassung zukommen und räumte ihr Gelegenheit ein, bis zum
3. Juli 2020 eine Replik einzureichen.
O.
Innert erstreckter Frist entgegnete die Beschwerdeführerin in ihrer Replik
vom 16. Juli 2020 im Wesentlichen, aus den Ausführungen des SEM er-
gebe sich nicht, inwiefern die Dolmetscher des UNHCR geschult seien und
welche Standards diese zu erfüllen hätten. Das SEM habe auch nicht er-
klärt, weshalb nicht jede Protokollseite unterzeichnet worden sei und das
Unterschriftenblatt fehle. Ihr Einschub "..., mais pas devant l'église" sei als
Indiz für eine Einflussnahme des Dolmetschers zu werten, zumal sie nicht
nach einer kirchlichen Trauung gefragt worden sei. Zudem würden in Erit-
rea Eheschliessungen nach Gewohnheitsrecht, religiösem und zivilem
Recht gleichberechtigt koexistieren; alle drei Formen seien rechtsgültig, so
dass eine Person aus Eritrea eine Unterscheidung zwischen diesen wohl
nicht vornehmen würde. Auf die vorgebrachten Zweifel an der Qualität der
UNHCR-Anhörung vom 3. Januar 2018, von der nur eine nicht vollständig
unterschriebene Zusammenfassung erstellt und bei der der Wohnsitz ihrer
Schwester H._ fehlerhaft protokolliert worden sei, sei das SEM
nicht eingegangen. Auch halte sie daran fest, dass das SEM weitere Ab-
klärungen zu ihrem Ehemann hätte tätigen müssen. Es sei nicht logisch,
dass das SEM die familiäre Einheit in Frage stelle, wenn es an der Identität
ihres Mannes keine Zweifel hege. Es sei nicht ersichtlich, warum sie eine
Person mittels Familiennachzugs in die Schweiz holen sollte, zu der sie
keine partnerschaftliche Einheit aufweisen würde. Hinsichtlich der ihr vor-
gehaltenen Widersprüche in Bezug auf das Kennenlernen, die Heirat und
den Wohnort verweise sie auf ihre Ausführungen in der Beschwerde.
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Seite 10

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Vorab ist die formelle Rüge der Beschwerdeführerin betreffend Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs durch ungenügende respektive unvollstän-
dige Sachverhaltsfeststellung seitens der Vorinstanz zu prüfen.
3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör
(Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse
umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen,
sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und Ein-
sicht in die Akten zu nehmen. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht
der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und
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Seite 11
in ihrer Entscheidung angemessen zu berücksichtigen. Unvollständig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrele-
vanten Sachumstände berücksichtigt wurden, unrichtig, wenn der Verfü-
gung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder
Beweise falsch gewürdigt wurden. Die Begründung der Verfügung muss so
abgefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
3.3 Für die von der Beschwerdeführerin geäusserten Zweifel an der Quali-
tät der Anhörung in D._ vom 27. Januar 2018 finden sich in den
Akten keine konkreten Anhaltspunkte. Die Beschwerdeführerin bestätigte
eingangs der Anhörung, dass sie den Dolmetscher verstehe (vgl. A6 S. 1
F1), und aus der protokollierten Antwort auf die Frage, ob sie verlobt sei
oder beabsichtige, zu heiraten (vgl. A6 S. 9 F84: "Je suis fiancée oui, mais
pas devant l'église"), lässt sich keine ungenügende Übersetzungstätigkeit
respektive eine ungebührliche Einflussnahme des damaligen Dolmet-
schers erkennen. Laut den vom UNHCR am 3. Januar 2018 erhobenen
Informationen ist die Beschwerdeführerin verlobt (vgl. A3: "engaged"). Kon-
krete Hinweise, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhörung in
D._ vom 27. Januar 2018 nicht in der Lage oder gar gehindert wor-
den wäre, ihren Zivilstand darzulegen, liegen nicht vor. Im Anschluss an die
Anhörung bestätigte sie unterschriftlich, befragt und dabei über die rechtli-
chen Voraussetzungen für eine Familienzusammenführung sowie die Le-
bensbedingungen in der Schweiz und das hiesige Integrationsprogramm
informiert worden zu sein (vgl. A18). Auch der Einwand der Beschwerde-
führerin, das SEM hätte weitere Abklärungen zur Identität von B._
vornehmen müssen, vermag nicht zu greifen. Wie das SEM in seiner Ver-
nehmlassung vom 10. Juni 2020 dargelegt hat, erachtete es nicht die Iden-
tität von B._, sondern die geltend gemachte Familiengemeinschaft
zwischen diesem und der Beschwerdeführerin als unglaubhaft. Von einer
Verletzung der Untersuchungspflicht respektive einer unvollständigen
Feststellung des Sachverhalts seitens des SEM kann somit nicht gespro-
chen werden. Ob der Einschätzung des SEM zu folgen ist, ist nunmehr
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
3.4 Es besteht somit keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus
formellen Gründen aufzuheben. Das entsprechende (Eventual-)Begehren
um Rückweisung der Sache an das SEM ist abzuweisen.
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Seite 12
4.
4.1 Ehegatten von asylberechtigten Flüchtlingen und deren minderjährige
Kinder werden gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ihrerseits als Flüchtlinge aner-
kannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegenspre-
chen. Anspruchsberechtigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG haben ge-
mäss Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebe-
willigung, sofern sie sich noch im Heimatstaat oder im Ausland aufhalten
und durch die Flucht des in der Schweiz asylberechtigten Flüchtlings ge-
trennt wurden. Die Erteilung einer Einreisebewilligung setzt eine vorbe-
standene Familiengemeinschaft sowie die fest beabsichtigte Familienver-
einigung in der Schweiz voraus. Zweck der Bestimmung von Art. 51 Abs. 4
AsylG ist einzig die Wiedervereinigung von im Zeitpunkt der Flucht aus
dem Heimatstaat vorbestandenen Familiengemeinschaften. Als «Zeitpunkt
der Flucht» gilt dabei die asylrechtlich relevante Ausreise aus dem Heimat-
land (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5, 2017 VI/4 E. 3.1 und E. 4.4.2, BVGE
2012/32 E. 5.1). Die in dauernder eheähnlicher Gemeinschaft zusammen-
lebenden Personen (Konkubinatspaare) sind den Ehegatten gleichgestellt
(vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.2 ff.; Art. 1a Bst. e Asylverordnung 1 [AsylV 1]).
4.2 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl
ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa-
miliengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Familien-
gemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die fest beab-
sichtigte Familienvereinigung aller Anspruchsberechtigten nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen.
5.
5.1 Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der
Akten in Übereinstimmung mit dem SEM zum Schluss, dass die Voraus-
setzungen für die asylrechtliche Familienzusammenführung gemäss
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt sind. Die Ausführungen in der
Rechtsmitteleingabe und der Replik sind nicht geeignet, ein von der ange-
fochtenen Verfügung abweichendes Ergebnis herbeizuführen.
5.2 Die im Gesuch um Familienzusammenführung vom 3. September 2019
erstmals vorgebrachte Eheschliessung mit B._ in Eritrea am (...)
2012 vermochte die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft zu machen. In ih-
rem Resettlement- und Asylverfahren hat sie sich als ledig respektive ver-
lobt – mithin nicht verheiratet – bezeichnet. Der Einwand, aufgrund einer
Einflussnahme des Dolmetschers bei der Anhörung in D._ vom
27. Januar 2018 die am (...) 2012 erfolgte standesamtliche Trauung nicht
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früher – auch nicht bei der BzP am 18. April 2018 – erwähnt zu haben,
vermag nicht zu überzeugen. Die von der Beschwerdeführerin in diesem
Zusammenhang angeführte Protokollstelle – Antwort auf die Frage, ob sie
verlobt sei oder beabsichtige, zu heiraten: "Je suis fiancée oui, mais pas
devant l'église" (vgl. A6 S. 9 F84) – lässt nicht darauf schliessen, dass die
Beschwerdeführerin versucht hätte und vom Dolmetscher gehindert wor-
den wäre, eine bereits erfolgte (standesamtliche) Heirat zu erwähnen. Zu-
dem hat die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitteleingabe vom 16. Juli
2020 selbst darauf hingewiesen, dass in Eritrea zivile Eheschliessungen
ebenso rechtsgültig seien wie solche nach religiösem Recht, weshalb zu
erwarten gewesen wäre, dass sie ihren Zivilstand dementsprechend von
Beginn weg als "verheiratet" angegeben hätte, wenn tatsächlich bereits
eine standesamtliche Trauung erfolgt wäre. Die eingereichte Heiratsur-
kunde vom (...) 2012 vermag eine solche Heirat nicht zu belegen. Das Do-
kument hat sich als Fälschung erwiesen. Es steht zudem auch in inhaltli-
chem Widerspruch zu den Angaben der Beschwerdeführerin, wird darin
doch der (...) 2012, und nicht wie von der Beschwerdeführerin geltend ge-
macht der (...) 2012 als Heiratsdatum genannt. Der Auffassung der Be-
schwerdeführerin, dass es irrelevant sei, ob es sich bei dem besagten Do-
kument um eine Fälschung handle, kann nicht gefolgt werden. Durch die
Einreichung dieses gefälschten Beweismittels stellte die Beschwerdefüh-
rerin vielmehr ihre eigene Glaubwürdigkeit in Frage. Zwar trifft es zu, dass
sich auch Konkubinatspaare grundsätzlich auf Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG
berufen können. Die Beschwerdeführerin vermochte aber weder zu bele-
gen noch glaubhaft darzulegen, dass sie vor der Flucht aus Eritrea mit
B._ in einer dauernden eheähnlichen Gemeinschaft zusammenge-
lebt habe. Von einem gefestigten Konkubinat ist gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung auszugehen, wenn eine auf längere Zeit, wenn nicht
auf Dauer angelegte umfassende Lebensgemeinschaft zweier Personen
mit Ausschliesslichkeitscharakter vorliegt, welche sowohl eine geistig-see-
lische als auch eine wirtschaftliche Komponente aufweist (vgl. BGE 138 III
97 E. 2.3.3). Im Rahmen seiner Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK hielt das
Bundesgericht fest, ein Konkubinatspaar könne aus dieser Bestimmung ei-
nen Anspruch auf Erteilung einer Bewilligung ableiten, wenn die Beziehung
bezüglich Art und Stabilität in ihrer Substanz einer Ehe gleichkomme. Da-
bei sei wesentlich, ob die Partner in einem gemeinsamen Haushalt lebten;
zudem sei der Natur und Dauer ihrer Beziehung sowie ihrem Interesse und
ihrer Bindung aneinander, etwa durch Kinder oder andere Umstände wie
Übernahme gegenseitiger Verantwortung Rechnung zu tragen (vgl. Urteil
des BGer 2C_880/2017 vom 3. Mai 2018 E. 3.1 m.w.H.). Das Bundesge-
richt erachtete namentlich ein Zusammenleben von drei respektive vier
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Jahren für sich allein noch nicht als ausreichend, um einen entsprechen-
den Anspruch zu begründen (vgl. Urteile des BGer 2C_1194/2012 vom
31. Mai 2013 E. 4 m.w.H.; 2C_1035/2012 vom 21. Dezember 2012 E. 5.2).
Dass die Beschwerdeführerin und B._ schon vor ihrer Ausreise aus
Eritrea befreundet und auch verlobt waren, ist nicht grundsätzlich zu be-
zweifeln. Indes ist der erstmals im Familienzusammenführungsgesuch
vom 3. September 2019 vorgebrachte gemeinsame Wohnsitz des Paares
in einer Wohnung in M._ seit (...) 2012 als widersprüchlicher Sach-
vortrag zu werten und damit als unglaubhaft zu erachten, hatte die Be-
schwerdeführerin bei der BzP vom 18. April 2018 doch F._ als Woh-
nort bezeichnet und angegeben, dort bis im März 2014 jeweils die dienst-
freien Tage (namentlich die Wochenenden) verbracht zu haben (vgl. A18
S. 4 f.). Im Übrigen würde das neu behauptete Zusammenwohnen unter
der Woche nach Dienstschluss noch keinem gefestigten Konkubinat im
Sinne einer effektiven, dauerhaft gelebten familiären Beziehung gleich-
kommen. Laut ihren Ausführungen hat die Beschwerdeführerin B._
seit 2013 nicht mehr gesehen und bis Mitte 2019 keinen Kontakt mehr zu
ihm gehabt. Widersprüchlich sind wiederum ihre Angaben zur Haft des Ver-
lobten. So sagte sie bei der Anhörung in D._ vom 27. Januar 2018,
sie habe von Militärangehörigen gehört, dass B._ zwei Jahr inhaf-
tiert gewesen sei (vgl. A6 S. 9 F89/92/94), wohingegen sie in ihrem Fami-
lienzusammenführungsgesuch vom 3. September 2019 vorbrachte,
B._ sei fünf Jahre in Haft gewesen und sie habe von ihrer Schwes-
ter von dessen Haftentlassung erfahren. Mit der Angabe, seit Mitte 2019
nun in regelmässigem Kontakt mit dem sich im Sudan aufhaltenden
B._ zu stehen, und den eingereichten Fotos vermag die Beschwer-
deführerin weder eine Ehe noch eine bereits in Eritrea vor der Ausreise
bestandene eheähnliche Familiengemeinschaft zu belegen.
5.3 Nach dem Gesagten vermochte die Beschwerdeführerin nicht nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, dass vor ihrer Flucht aus Eritrea eine
Ehe bestanden habe oder sie in einer eheähnlichen Gemeinschaft gelebt
habe, die durch die Flucht getrennt worden sei.
5.4 Abschliessend bleibt anzumerken, dass weder Art. 8 EMRK noch die
Bestimmungen des UNO-Pakts II über bürgerliche und politische Rechte
(Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte vom 16. De-
zember 1966; SR 0.103.2) ergänzend angewendet werden können, wenn
die Voraussetzungen des Familienasyls gemäss Art. 51 AsylG nicht erfüllt
sind (vgl. bspw. Urteile des BVGer D-5237/2019 vom 6. Januar 2020
E. 3.3, D-5588/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 3.2 und D-150/2016 vom
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25. Oktober 2017 E. 5.3). Der Beschwerdeführerin bleibt es jedoch unbe-
nommen, gegebenenfalls bei den dafür zuständigen kantonalen Migrati-
onsbehörden ein Gesuch um Familiennachzug gestützt auf Art. 44 AIG
(SR 142.20) einzureichen (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 3.1 m.w.H.).
5.5 Zusammenfassend hat das SEM das Gesuch der Beschwerdeführerin
vom 3. September 2019 um Familienzusammenführung im Sinne von
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG zu Recht abgelehnt und B._ die Einreise
in die Schweiz folgerichtig verweigert. Es erübrigt sich, auf die weiteren
Ausführungen in ihren Eingaben näher einzugehen, da sie an der vorge-
nommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
7.
7.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen, da die Beschwerdeführerin die be-
hauptete Mittellosigkeit nicht nachgewiesen hat, womit es an einer gesetz-
lichen Voraussetzung zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
fehlt.
7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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