Decision ID: 1213e8f8-ca72-5ca6-b63f-3704c8da871e
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 29. Januar 2003 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, stellte folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein instabiles Asthma bronchiale mit
Exazerbationen; eine Stimmbanddysfunktion; ein ausgedehntes Narbenhernienrezidiv
nach Billroth II Operation 1986 und Narbenhernie 1988 und 1990 operiert; eine
Adipositas permagna (BMI 41) und ein Adipositas-Hypoventilationssyndrom (Pickwick).
Für die gelernte Tätigkeit als Gipser sei der Versicherte seit 1996 100% arbeitsunfähig.
Bezogen auf die Tätigkeit als Kaufmann im Lebensmittelgeschäft der Tochter (IV-act.
17) sei er seit Mitte 2001 zu 50%, ab Anfang 2002 zu 80% und ab Oktober 2002 zu
100% arbeitsunfähig. Für die Nebentätigkeit als Chauffeur verfüge er noch über eine
ca. 20%ige Arbeitsfähigkeit (Bericht vom 23. März 2003, IV-act. 10). Der RAD gelangte
zur Auffassung, dass der Versicherte über keine relevante Arbeitsfähigkeit mehr
verfüge (Stellungnahme vom 21. November 2003, IV-act. 23). Im Verlaufsbericht vom
23. November 2003 gab Dr. B._ an, der Gesundheitszustand des Versicherten sei
stationär (IV-act. 26). Mit Wirkung ab 1. Juli 2002 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
eine ganze Rente zu (Verfügung vom 25. März 2004, IV-act. 33).
A.b Die IV-Stelle holte im Rahmen einer von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevision
Berichte der behandelnden medizinischen Fachpersonen ein (Verlaufsbericht von Dr.
med. C._, Facharzt für Innere Medizin FMH, vom 1. Juli 2007, IV-act. 42-1 ff.;
Verlaufsbericht von Dr. med. D._, Facharzt für Pneumologie FMH, vom 10. Juli 2007,
IV-act. 43-1 ff.). Gestützt auf deren Würdigung durch RAD-Arzt Dr. med. E._,
Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, vom 6. September 2007 (IV-act. 44) teilte die IV-
Stelle dem Versicherten am 12. September 2007 mit, dass er weiterhin einen Anspruch
auf eine ganze Rente habe (IV-act. 47).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.c Im Rahmen einer neuerlichen von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevision gab
der Versicherte am 17. September 2012 an, sein Gesundheitszustand sei gleich
geblieben. Er habe sich im September 2011 einer (Magen-)Bypass-Operation
unterziehen müssen (IV-act. 50). Die behandelnde Dr. med. F._, Fachärztin für Innere
Medizin, führte im Verlaufsbericht vom 30. September 2012 aus, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich im Vergleich zum Juli 2007 seit der
Magenbypass-Operation verbessert. Es bestünden jedoch begleitende
Mangelzustände und Krankheiten. Die psychische Situation sei leider unverändert mit
sozialem Rückzug, Insuffizienzängsten und ängstlicher Persönlichkeitsstruktur/
Depression (IV-act. 53). Auf Nachfrage der IV-Stelle teilte der Versicherte am 31.
Oktober 2012 (Datum Posteingang IV-Stelle) mit, dass er sich gegenwärtig nicht in
psychiatrischer Behandlung befinde (IV-act. 56). Zur Evaluation der aktuellen Situation
und der psychischen Befindlichkeit des Versicherten kontaktierte RAD-Ärztin Dr. med.
G._, Praktische Ärztin, am 3. Dezember 2012 Dr. F._. Diese habe berichtet, in
psychischer Hinsicht sei der Versicherte seit langem sehr limitiert. Es handle sich um
eine depressive Störung sowie eine Angststörung mit ausgeprägtem sozialem
Rückzug. Es fände eine Therapie mit Remeron und Benzodiazepinen statt. Einer
fachpsychiatrischen Behandlung sei der Versicherte nicht zugänglich. Aufgrund der
Gesamtsituation sei keine Arbeitsfähigkeit vorhanden. RAD-Ärztin Dr. G._ gelangte in
Anbetracht der Gesamtsituation zur Auffassung, es sei von einem stationären
Gesundheitszustand auszugehen. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht nötig
(Stellungnahme vom 4. Dezember 2012, IV-act. 57).
A.d RAD-Ärztin Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
vertrat in Ergänzung zur Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr. G._ die Ansicht, es lägen
keine ausreichend nachvollziehbaren Hinweise für eine manifeste depressive
Erkrankung oder eine Angststörung vor. Aus fachpsychiatrischer Sicht werde eine
polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten empfohlen (RAD-Stellungnahme vom
13. Dezember 2012, IV-act. 61). Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 8.,
10., 16. und 29. April sowie am 6. Mai 2013 in der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (allgemein-internistisch, psychiatrisch,
rheumatologisch, endokrinologisch, gastroenterologisch und pneumologisch)
begutachtet. Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit: ein chronisches lumbo- und thorakospondylogenes Schmerzsyndrom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(ICD-10: M54.4); ein Impingementsyndrom in der rechten Schulter mit klinisch
Tendinopathie der Supraspinatussehne und der langen Bizepssehne (ICD-10: M75.4);
eine Enthesopathie der Plantarfaszie beidseits (gemäss anamnestischer Schilderung
und Aktenlage; ICD-10: M72.2); unklare Kniebeschwerden beidseits (ICD-10: M17.9);
ein Asthma bronchiale (ICD-10: J45.9) und eine chronische Diarrhoe unklarer
Aetiologie). Für eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigten sie dem Versicherten
eine vollschichtig umsetzbare 90%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit (Gutachten vom
26. November 2013, IV-act. 70-2 ff.). RAD-Ärztin Dr. G._ führte in der Stellungnahme
vom 23. Dezember 2013 aus, die gutachterliche Beurteilung sei nachvollziehbar und
widerspruchsfrei. Es könne festgestellt werden, dass der Versicherte von der
Magenbypass-Operation profitiert habe. Er solle bei der Wiederaufnahme einer
Tätigkeit unterstützt werden. Diese sollte schrittweise über 3 bis maximal 6 Monate
erfolgen mit einer Steigerung auf die "festgestellte 80%ige" Arbeitsfähigkeit (IV-act. 71).
A.e Mit Schreiben vom 9. Januar 2014 orientierte die IV-Stelle den Versicherten, bevor
definitiv zur Rente Stellung genommen werden könne, würden berufliche Massnahmen
überprüft (IV-act. 72; zum Gespräch zwischen dem Versicherten und dem
Eingliederungsverantwortlichen siehe das FI-Assessmentprotokoll vom 4./12. Februar
2014, IV-act. 76). Da der Versicherte angegeben habe, er sei lediglich zu 30%
arbeitsfähig, wies die IV-Stelle in der Mitteilung vom 17. Februar 2014 das Gesuch um
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 79).
A.f Ausgehend von einer gesundheitlichen Verbesserung und einer 80%igen
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 25% und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 5. März
2014 die Einstellung der Rentenleistung in Aussicht (IV-act. 84). Dagegen erhob der
Versicherte am 19. März 2014 Einwand (IV-act. 85). Mit der Eingabe vom 27. Juni 2014
reichte er eine Stellungnahme von Dr. F._ zum ABI-Gutachten vom 12. Juni 2014 ein.
Diese äusserte vor allem Zweifel an der vom psychiatrischen Gutachter
vorgenommenen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung (IV-act. 106 f.). RAD-Ärztin Dr. G._
vertrat die Auffassung, aufgrund der Ausführungen von Dr. F._ ergäbe sich keine
Änderung der bisherigen Beurteilung (Stellungnahme vom 11. Juli 2014, IV-act. 108).
Am 21. Juli 2014 verfügte die IV-Stelle die revisionsweise Rentenaufhebung per 31.
August 2014 (IV-act. 109).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 21. Juli 2014 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 9. September 2014. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Feststellung, dass er weiterhin
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Zur Begründung bringt er vor, das ABI-
Gutachten stelle keine beweismässige Grundlage dafür dar, dass eine wesentliche und
dauernde Verbesserung des Gesundheitszustands seit der letzten Revision der
Invalidenrente im Jahr 2007 angenommen werden könne. Des Weiteren bemängelt er
die Höhe des von der Beschwerdegegnerin ermittelten Invalideneinkommens und rügt
in diesem Zusammenhang eine Verletzung der Begründungspflicht (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 13. November
2014 die Abweisung der Beschwerde. Sie macht im Wesentlichen geltend, das ABI-
Gutachten sei beweiskräftig. Die Aufhebung der Rente sei sowohl unter revisions- als
auch wiedererwägungsrechtlichem Gesichtspunkt zulässig (act. G 4).
B.c In der Replik vom 3. Dezember 2014 hält der Beschwerdeführer unverändert an
der Beschwerde fest (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 8).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
der verfügten Rentenaufhebung. Die Beschwerdegegnerin vertritt den Standpunkt, es
liege im Vergleich zur ursprünglichen Rentenzusprache eine Sachverhaltsänderung vor,
welche die Aufhebung der bisherigen Rentenleistung rechtfertige (IV-act. 109).
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.4 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist
somit nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern
auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E.
3.5). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten bleibt die
Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E.
5.4). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit
für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar
(Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/08, E 2.1).
2.
Zu prüfen ist zunächst, ob der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht spruchreif ist. Die
Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das ABI-
Gutachten vom 26. November 2013 (IV-act. 70 und IV-act. 109). Der Beschwerdeführer
hält dieses aus verschiedenen Gründen für nicht beweiskräftig (act. G 1).
2.1 Gegen die Beweiskraft des ABI-Gutachtens führt der Beschwerdeführer die
Stellungnahme von Dr. F._ vom 12. Juni 2014 ins Feld (act. G 1, Rz 13 f.).
2.1.1 In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass ein den
Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V
351 f. E. 3a und b) nicht in Frage gestellt werden kann und nicht Anlass zu weiteren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abklärungen besteht, wenn und sobald die behandelnden medizinischen
Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an
vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich
nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, welche im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer
anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008,
9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Ferner kann eine psychiatrische Exploration von
der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet der begutachtenden
psychiatrischen Fachperson daher praktisch immer einen gewissen Spielraum,
innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich,
zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte oder die Expertin lege artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009, 8C_694/2008, E. 5.1.1).
2.1.2 Den Ausführungen von Dr. F._ lassen sich keine objektiv für die
Arbeitsfähigkeit wesentlichen Gesichtspunkte entnehmen, welche die ABI-Gutachter
ausser Acht gelassen hätten. Grösstenteils bezieht sich ihre Stellungnahme auf eine
eigene Würdigung der psychischen Situation des Beschwerdeführers. Sie hat "vor
allem aus psychiatrischer Sicht" Zweifel an der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
(IV-act. 107-2). Sie benennt indessen weder aus somatischer noch psychischer Sicht
konkrete Mängel an der polydisziplinären gutachterlichen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit. Solche ergeben sich auch nicht aus den Akten, namentlich aus dem
Verlaufsbericht vom 30. September 2012 (IV-act. 53). Ihre - insbesondere nicht auf
fachpsychiatrischer Grundlage beruhende - Stellungnahme stellt daher lediglich eine
andere Würdigung des von den ABI-Experten beurteilten Sachverhalts dar. Dabei lässt
sich den Ausführungen von Dr. F._ nicht entnehmen, ob und inwieweit sie die
Leidensangaben des Beschwerdeführers objektiv unter kritischer Würdigung von
Ressourcen überprüft hat.
2.1.3 Zu beachten ist sodann, dass die ABI-Gutachter Kenntnis vom Verlaufsbericht
von Dr. F._ vom 30. September 2012 (IV-act. 53) und der darin bescheinigten
vollständigen Arbeitsunfähigkeit hatten (vgl. IV-act. 70-5), womit dieser Eingang in die
gutachterliche Beurteilung gefunden hat. Ergänzend kann auf die Ausführungen von
RAD-Ärztin Dr. G._ zum Schreiben von Dr. F._ vom 12. Juni 2014 verwiesen
werden (Stellungnahme vom 11. Juli 2014, IV-act. 108).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Ferner hält der Beschwerdeführer eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) für erforderlich (act. G 1, Rz 17).
2.2.1 Ein EFL-Testverfahren ist nicht in jedem Fall durchzuführen, sondern allenfalls in
Betracht zu ziehen, wenn sich die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine
zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren vorzunehmen, und deshalb
eine konkrete leistungsorientierte berufliche Abklärung als zweckmässigste
Massnahme ausdrücklich empfehlen. Es ist indessen nicht bereits dann erforderlich,
wenn lediglich ärztliche Einschätzungen der gesundheitlich bedingten Einschränkung
voneinander abweichen. Eine beweiskräftige medizinisch-theoretische Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit genügt als Grundlage für die Bemessung der Invalidität (Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Februar 2012, 9C_768/2011, E. 2.4 mit Hinweisen).
2.2.2 Weder aus den diesbezüglich nicht näher substanziierten Ausführungen des
Beschwerdeführers noch aus den Akten gehen Anhaltspunkte hervor, die eine EFL für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im vorliegenden Fall für erforderlich erscheinen
lassen. Damit geht einher, dass keine der mit dem Fall des Beschwerdeführers
befassten medizinischen Fachpersonen - auch nicht Dr. F._ - die Durchführung einer
EFL empfohlen haben. Das Fehlen einer EFL vermag daher keinen Mangel an der
Sachverhaltsabklärung darzustellen.
2.3 Des Weiteren fällt bei der Würdigung des polydisziplinären, von sämtlichen
beteiligten Experten unterzeichneten ABI-Gutachtens ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und die vom Beschwerdeführer geklagten
Beschwerden gewürdigt. Die Bescheinigung einer 90%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Aus den
Akten ergeben sich sodann keine Hinweise für eine seit der ABI-Begutachtung bis zum
Verfügungserlass vom 21. Juli 2014 eingetretene wesentliche Verschlechterung des
Gesundheitszustands. In der angefochtenen Verfügung ging die Beschwerdegegnerin
von einer 80%igen Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten aus (IV-act.
109). Sie stützte sich dabei auf die Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr. G._ vom 23.
Dezember 2013. Diese führte unter Hinweis auf das ABI-Gutachten aus, aufgrund der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vor allem vormittags auftretenden Diarrhoe resultiere eine Leistungsminderung von
20% (IV-act. 71). Dabei hat sie indessen unberücksichtigt gelassen, dass diese
gesundheitliche Problematik hauptsächlich (nur) am Vormittag auftritt und über den
ganzen Tag verteilt die dadurch bedingte Arbeitsunfähigkeit lediglich 10% beträgt (IV-
act. 70-24). Bei richtiger Betrachtungsweise ist gestützt auf das ABI-Gutachten von der
darin ausdrücklich bescheinigten 90%igen Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten (IV-act. 70-25) auszugehen, worauf der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers zutreffend hinweist (act. G 1, Rz 10).
3.
Für die Beurteilung der Frage, ob eine im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG wesentliche
Sachverhaltsänderung eingetreten ist, kann offen bleiben, ob der massgebende
zeitliche Referenzpunkt die ursprüngliche Leistungszusprache vom 25. März 2004 (IV-
act. 33) oder die nach durchgeführten medizinischen Abklärungen erfolgte
Rentenbestätigung vom 12. September 2007 (IV-act. 47) bildet, wie sich aus
nachfolgenden Erwägungen ergibt.
3.1 Von Bedeutung hinsichtlich der Verlaufsbeurteilung ist zunächst, dass sowohl die
Aktenlage vor der ursprünglichen Rentenzusprache vom 25. März 2004 als auch vor
der Bestätigung am 12. September 2007 lediglich knappe Ausführungen zur
Arbeitsunfähigkeit sowie zu deren Begründung enthält. Dies erschwert eine inhaltliche
Auseinandersetzung im Rahmen einer Verlaufsbeurteilung zwangsläufig, worauf die
ABI-Gutachter zu Recht hingewiesen haben (IV-act. 70-24 f.). Ob damals gar der
Untersuchungsgrundsatz verletzt wurde bzw. ein Grund für eine Wiedererwägung
gegeben ist, kann angesichts des vorliegenden Verfahrensausgangs offen bleiben.
3.2 Sowohl bei der ursprünglichen Rentenzusprache (vgl. etwa den Bericht von Dr.
B._ vom 23. März 2003, IV-act. 10) als auch bei der späteren revisionsweisen
Bestätigung (siehe hierzu etwa den Bericht von Dr. C._ vom 1. Juli 2007, IV-act. 42,
und die RAD-Stellungnahme vom 6. September 2007, IV-act. 44) standen das Lungen-
und Adipositas-Leiden im Vordergrund der Arbeitsfähigkeitsbeeinträchtigung. Ein
massgeblich beteiligtes psychisches Leiden lag nicht vor. Bereits vor dem am 15.
September 2011 durchgeführten proximalen Magenbypass (vgl. hierzu IV-act. 53-6 f.)
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ging Dr. med. I._, Facharzt u.a. für Pneumologie, davon aus, es sei zu erwarten, dass
bei einer Gewichtsabnahme im Anschluss an den Magenbypass die Apnoen und
Hypnoen gänzlich verschwinden würden (Bericht vom 7. Juli 2011, IV-act. 53-5). Nach
dem operativen Eingriff berichtete Dr. F._, im Vergleich zum Juli 2007 habe sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert. Er habe sein Gewicht von 148
kg auf 105 kg reduzieren können. Seither habe sich sein somatischer
Gesundheitszustand gebessert (IV-act. 53-1). In damit zu vereinbarender Weise führte
der pneumologische ABI-Gutachter aus, seit der im September 2011 erfolgten
Operation habe das Körpergewicht reduziert werden können verbunden mit
abnehmenden Atembeschwerden und mit einem Rückgang der Symptome des Schlaf
Apnoe-Syndroms (IV-act. 70-21; siehe auch die Ausführungen in IV-act. 70-24). Der
endokrinologische Experte berichtete nachvollziehbar, dass infolge der
Gewichtsreduktion die körperliche Leistungsfähigkeit günstig beeinflusst worden sei
(IV-act. 70-17; zu den günstigen Folgen des Magenbypasses siehe auch die RAD-
Stellungnahme vom 23. Dezember 2013, IV-act. 71-1). Dr. F._ berichtete am 12. Juni
2014 ebenfalls, dass mit der Gewichtsreduktion eine "Verbesserung der
Folgebeschwerden des Übergewichts (Diabetes, Hypertonie, Mobilität)" verbunden
gewesen sei (IV-act. 107). Im Licht dieser Umstände kann mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers seit der Verfügung vom 25. März 2004 und der Mitteilung vom
12. September 2007 erheblich im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG verbessert hat, womit
der Rentenanspruch den veränderten tatsächlichen Verhältnissen, wie sie von den ABI-
Experten ermittelt wurden, anzupassen ist.
4.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gutachterlich bescheinigten
90%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten.
4.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
4.2 In diesem Zusammenhang rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs. "Es sei mangels Kenntnis der versicherungsrechtlichen Parameter
schlechterdings unmöglich, das angenommene Invalideneinkommen von Fr. 49'421.--
einer kritischen Überprüfung zu unterziehen und sachgerecht anzufechten, da im
angefochtenen Entscheid selbst keinerlei Hinweise darauf bestehen, wie diese Zahl
ermittelt worden ist" (act. G 1, Rz 19). Die Gehörsrüge erweist sich insoweit als
unberechtigt, als sich diese Grundlagen für die Bestimmung des Invalideneinkommens
aus dem in den IV-Akten enthaltenen Feststellungsblatt vom 19. Februar 2014 ergeben
(IV-act. 81-2). Daraus lässt sich ebenfalls entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin
bei der Ermittlung des Invalideneinkommens keinen Tabellenlohnabzug gewährt hat.
Daher und weil der Beschwerdeführer im Vorbescheidverfahren keine - auch nicht
formelle - Kritik zum von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen
Einkommensvergleich vorgebracht hat, stellt es keine Verletzung der
Begründungspflicht dar, dass die Beschwerdegegnerin keine weitergehenden
Ausführungen zu den Vergleichseinkommen in der angefochtenen Verfügung
vorgenommen hat, auch wenn solche der unmittelbaren Nachvollziehbarkeit wegen
vorzuziehen wären. Eine sachgerechte Anfechtung der Vergleichseinkommen durch
den mit den IV-Akten vertrauten, rechtskundig vertretenen Beschwerdeführer war
vorliegend gewährleistet (zur Zustellung der IV-Akten an den Rechtsvertreter durch die
Rechtsschutzversicherung siehe IV-act. 100-2; zur Aktenedition vgl. auch IV-act. 92).
4.3 Hinsichtlich des Valideneinkommens besteht kein Anlass, von dem der
ursprünglichen Rentenverfügung zugrunde gelegten Betrag für das Jahr 2003 von Fr.
60'000.-- abzuweichen (IV-act. 27-2 und IV-act. 30-1). Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist der statistische Hilfsarbeiterlohn heranzuziehen. Dieser hat im
Jahr 2003 Fr. 57'745.-- betragen (vgl. Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-
Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2008). Vorliegend kann die
Höhe des Tabellenlohnabzugs offen bleiben, da selbst beim höchstzulässigen
Tabellenlohnabzug von 25% (BGE 126 V 75) bei einer 90%igen Arbeitsfähigkeit ein
Invalideneinkommen von Fr. 38'978.-- (Fr. 57'745.-- x 0,9 x 0,75), eine
Erwerbseinbusse von Fr. 21'022.-- (Fr. 60'000.-- - Fr. 38'978.--) und ein nicht (mehr)
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 35% ([Fr. 21'022.-- / Fr. 60'000.--] x 100)
resultiert.
5.
Vor der verfügten Rentenaufhebung hat die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 9. Januar 2014 die Durchführung von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen angeboten (IV-act. 72). Anlässlich des Gesprächs mit dem
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle teilte der Beschwerdeführer mit, er könne
sich nicht vorstellen, mehr als 30% zu arbeiten (IV-act. 76-3). In der Folge wies die
Beschwerdegegnerin das Gesuch um berufliche Massnahmen ab (Mitteilung vom 17.
Februar 2014, IV-act. 79). Der Beschwerdeführer ersuchte weder um Erlass einer
anfechtbaren Verfügung noch verlangte er im die Rentenaufhebung betreffenden
Vorbescheidverfahren (IV-act. 85 und IV-act. 106) oder dem vorliegenden
Beschwerdeverfahren (act. G 1 und G 6) die Durchführung von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen. Eine ernste Eingliederungsbereitschaft brachte er bislang
nicht zum Ausdruck. Es ist daher nicht zu beanstanden und wird vom rechtskundig
vertretenen Beschwerdeführer denn auch nicht gerügt, dass die Beschwerdegegnerin
ohne weitere Prüfung von Eingliederungsmassnahmen am 21. Juli 2014 revisionsweise
über den Rentenanspruch befunden bzw. die Rente auf 31. August 2014 aufgehoben
hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. September 2015, 9C_231/2015, E. 4.2).
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der von ihm geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.