Decision ID: 23a8dcf0-48ba-457b-8aff-6ba321fbb362
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1941, meldete sich am 17. April 2020 bei der AHV-
Ausgleichskasse des Kantons Graubünden (nachfolgend
Ausgleichskasse) als Selbständigerwerbender mit einem geschätzten
Jahreseinkommen von CHF 40'000.-- an. Am 27. April 2020 beantragte er
bei der Ausgleichskasse gestützt auf die Verordnung über Massnahmen
bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall) eine Erwerbsersatzentschädigung. In der
Folge richtete die Ausgleichskasse eine Corona-
Erwerbsersatzentschädigung für die Monate März und April 2020 gestützt
auf einen Tagessatz von CHF 55.20 aus.
2. Mit E-Mail vom 5. Mai 2020 teilte A._ der Ausgleichkasse mit, dass
sein Erwerbseinkommen im Jahr 2020 höher sei als von ihm in der
Anmeldung als Selbständigerwerbender angegeben und dieses
CHF 85'000.-- betrage. Die provisorische Verfügung betreffend
Akontobeiträge für das Jahr 2020 wurde daraufhin von der
Ausgleichskasse gleichentags angepasst.
3. Mit E-Mail vom 11. Mai 2020 bat A._ um Anpassung des Tagessatzes
der Corona-Erwerbsersatzentschädigung gestützt auf die
Beitragszahlungen für das Jahr 2020. Mit Verfügung vom 18. Mai 2020
teilte die Ausgleichkasse A._ mit, dass die Entschädigung von CHF
55.20 pro Tag bestehen bleibe und nicht angepasst werden könne.
Begründend hielt sie fest, sie habe die Entschädigung gestützt auf das
Einkommen von CHF 40'000.--, welches A._ bei der Anmeldung als
Selbständigerwerbender angegeben habe, sowie unter Berücksichtigung
des Freibetrages für Personen im AHV-Alter, berechnet und ausbezahlt.
Anpassungen des Erwerbseinkommens, welche nach dem 17. März 2020
gemeldet worden seien, hätten keinen Einfluss auf die Höhe der Corona-
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Erwerbsersatzentschädigung. Die Anpassung auf CHF 85'000.-- sei nach
ihren Abrechnungen erfolgt und könne nicht berücksichtigt werden. Weiter
hielt die Ausgleichkasse fest, gestützt auf das am 13. Mai 2020
angepasste Kreisschreiben über den Corona-Erwerbsersatz dürfe der
Corona-Erwerbsersatz anhand des letzten definitiven Einkommens
berechnet werden. Gemäss Mitteilung der Sozialversicherungsanstalt
Zürich (nachfolgend SVA Zürich), wo A._ bis zum 31. Dezember
2019 angeschlossen gewesen sei, betrage sein letztes definitives
Einkommen CHF 0.-- im Jahr 2016. Ebenfalls betrage das provisorische
Einkommen 2019 bei der SVA Zürich CHF 0.--.
4. Dagegen erhob A._ am 25. Mai 2020 Einsprache, welche die
Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom 10. Juli 2020 abwies.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) am 12. August 2020 (Datum Poststempel)
Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit
dem (sinngemässen) Begehren um Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 10. Juli 2020 und Ausrichtung einer Corona-
Erwerbsersatzentschädigung auf der Basis eines Jahreseinkommens von
CHF 85'000.--. Zur Begründung brachte er vor, er werde seit dem
1. Januar 2020 als Selbständigerwerbender im Kanton Graubünden
erfasst. Die Ausgleichkasse stelle ihm Akontobeiträge gestützt auf ein
Jahreseinkommen von CHF 85'000.--, unter Berücksichtigung des
Abzuges für Personen im AHV-Alter, in Rechnung. Die Corona-
Erwerbsersatzentschädigung werde ihm hingegen basierend auf einem
Jahreseinkommen von CHF 40'000.-- ausbezahlt. Irrtümlicherweise sei
bei der erstmaligen Anmeldung in Graubünden ein prognostiziertes
Einkommen von CHF 40'000.-- kommuniziert worden. Dieser Fehler sei
daraufhin auf CHF 85'000.-- korrigiert worden. Die Schätzung für dieses
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mutmassliche Einkommen beruhe auf zwei Verträgen, welche er der
Beschwerde beilege.
5. Mit Nachtrag vom 18. August 2020 (Datum Poststempel) zu seiner
Beschwerdeschrift führte der Beschwerdeführer aus, nachdem er die
provisorische Verfügung vom 20. April 2020 erhalten habe, habe er die
Abweichung des Einkommens am 5. Mai 2020 sogleich per E-Mail der
Ausgleichkasse gemeldet und den Betrag von CHF 85'000.-- angegeben.
Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb wegen 14 Tagen Differenz der
Betrag von CHF 85'000.-- nicht anerkannt werde.
6. Mit Vernehmlassung vom 26. August 2020 (Datum Eingang) beantragte
die Ausgleichskasse (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung
der Beschwerde sowie die Androhung einer reformatio in peius im dem
Sinne, dass dem Beschwerdeführer in Abänderung der Verfügung vom
18. Mai 2020 und des Einspracheentscheids vom 10. Juli 2020 keine
Corona-Erwerbsersatzentschädigung zuzusprechen und dem
Beschwerdeführer Gelegenheit zu geben sei, die Beschwerde
zurückzuziehen und die Verfügung vom 18. Mai 2020 sowie den
Einspracheentscheid vom 10. Juli 2020 in Kraft treten zu lassen. Die
Beschwerdegegnerin verwies auf die eingereichten Akten und auf den
angefochtenen Einspracheentscheid vom 10. Juli 2020. Zusätzlich
brachte die Beschwerdegegnerin vor, der Beschwerdeführer werde seit
dem 1. Januar 2020 nicht mehr als Selbständigerwerbender von der SVA
Zürich anerkannt. Von der Beschwerdegegnerin sei er erst am 20. April
2020 als Selbständigerwerbender anerkannt worden. Im Zeitpunkt der
Unterbrechung der Erwerbstätigkeit im März 2020 sei der
Beschwerdeführer damit nicht Selbständigerwerbender im Sinne der
COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall gewesen, weshalb er folglich
keinen Anspruch auf die Corona-Erwerbsersatzentschädigung für
Selbständigewerbende habe. Gelange das Gericht zur anderen
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Auffassung, sei darauf hinzuweisen, dass für die Bemessung der
Entschädigung für Selbständigerwerbende nur die Beitragsrechnungen für
das Jahr 2019, die letzte definitive Beitragsverfügung oder die definitive
Steuerveranlagung für das Jahr 2019 in Frage komme. Die beiden
erstgenannten Grundlagen würden ein beitragspflichtiges Einkommen von
CHF 0.-- ausweisen. Die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019
liege sodann noch nicht vor. Damit betrage das für die Berechnung der
Corona-Erwerbsersatzentschädigung massgebende Einkommen CHF 0.-
-. Folglich habe der Beschwerdeführer (entgegen der Verfügung vom 18.
Mai 2020 und des Einspracheentscheids vom 10. Juli 2020) keinen
Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung für
Selbständigerwerbende.
7. In seiner Replik vom 7. September 2020 hielt der Beschwerdeführer an
seinem bisherigen Rechtsbegehren fest und beantragte zusätzlich, dass
die Beschwerdegegnerin anzuweisen sei, ihm unverzüglich die
geschuldeten Beiträge für die Zeit vom 16. März 2020 bis 16. September
2020 auszuzahlen. Begründend führte er aus, am 1. Januar 2020 habe er
seine selbständige Erwerbstätigkeit im Kanton Graubünden erstmals
aufgenommen, nachdem er praktisch seit seiner Pensionierung im Jahr
2006 keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Dass er bei der SVA
Zürich bei einer uralten Büroadresse registriert geblieben sei, sei ihm
unbekannt. Aus diesem Grund würden sich die Einschätzungen der letzten
Jahre auf
CHF 0.-- belaufen, da er nicht mehr berufstätig gewesen sei. Der Grund
für seine Aufnahme der Erwerbstätigkeit im Jahr 2020 sei auf die
Trennung/Scheidung zurückzuführen. Seine Ex-Frau habe sämtliches ihm
gehörendes Vermögen ins Ausland geschafft. Er habe bis heute keinen
Zugriff, weshalb er gezwungen sei, Geld zu verdienen. Im Übrigen
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wiederholte und bekräftigte der Beschwerdeführer nochmals seine Kritik
am angefochtenen Entscheid.
8. Mit Duplik vom 15. September 2021 führte die Beschwerdegegnerin aus,
es dränge sich der Verdacht auf, dass die Anmeldung des
Beschwerdeführers vom 17. April 2020 mit einem geschätzten
Jahreseinkommen von CHF 40'000.-- wegen der bereits in Kraft
stehenden COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall erfolgt sei. Komme das
Gericht zum Schluss, dass auf die aktuelle Beitragsrechnung des Jahres
2020 abzustellen sei, sei die Corona-Erwerbsausfallentschädigung auf der
Grundlage der provisorischen Beitragsverfügung vom 20. April 2020 zu
berechnen und nicht auf der Grundlage der provisorischen
Beitragsverfügung vom 5. Mai 2020. Aus dem Fallverlauf ergebe sich,
dass der Beschwerdeführer mit der Nachricht ans Team Beiträge vom 5.
Mai 2020 nicht auf die provisorische Beitragsverfügung vom 20. April 2020
reagiert habe, sondern auf die Abrechnungen der Corona-
Erwerbsersatzentschädigung vom 29. und 30. April 2020. Insofern würden
die Nachricht ans Team Beiträge vom 5. Mai 2020 und die damit erwirkte
Anpassung der provisorischen Beitragsverfügung für das Jahr 2020 von
Überlegungen im Zusammenhang mit der Corona-
Erwerbsersatzentschädigung beeinflusst scheinen.
9. In seiner Triplik vom 30. November 2020 bestritt der Beschwerdeführer die
Anschuldigungen seitens der Beschwerdegegnerin und brachte neu vor,
dass er eine neue Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin eingereicht
habe, nachdem der Bundesrat die Erwerbsersatzordnung für die Zeit ab
dem 16. September 2020 erneuert habe. Die Beschwerdegegnerin habe
ihm darauf mitgeteilt, dass sie die Anmeldung nicht behandeln werde,
solange das gegenständliche Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. In
diesem Zusammenhang legte der Beschwerdeführer Dokumente über den
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E-Mail-Verkehr mit der Beschwerdegegnerin zwischen dem 12. und 23.
November 2020 ins Recht.
10. Mit Schreiben vom 16. September 2021 teilte die Instruktionsrichterin dem
Beschwerdeführer mit, dass das streitberufene Gericht nach vorläufiger
Prüfung der Sach- und Rechtslage eine reformatio in peius ins Auge fasse
und legte dem Beschwerdeführer die entsprechenden Überlegungen dar.
Dem Beschwerdeführer wurde infolge der in Aussicht genommenen
Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids und einer damit
einhergehenden möglichen Schlechterstellung in Anwendung von Art. 61
lit. d ATSG die Möglichkeit zur Stellungnahme und zum Rückzug der
Beschwerde gegeben.
11. Mit Eingabe vom 28. September 2021 (Datum Poststempel) hielt der
Beschwerdeführer sinngemäss an seiner Beschwerde fest und nahm
dahingehend Stellung, dass unter Hinweis auf das beiliegende Dokument
des Bundesamtes für Sozialversicherung auf die Beitragsabrechnung
2020 abzustellen sei, sofern die Tätigkeit – wie im vorliegenden Fall – nach
2019 aufgenommen worden sei.
12. Die Beschwerdegegnerin verwies in ihrer Stellungnahme vom 7. Oktober
2021 auf ihre bisherigen Rechtsschriften und wies darauf hin, dass der
Beschwerdeführer bis zum 31. Dezember 2019 in Zürich als
Selbständigerwerbender erfasst und beitragspflichtig gewesen sei.
Folglich habe der Beschwerdeführer die selbständige Erwerbstätigkeit
nicht nach 2019 aufgenommen und es könne von vornherein nicht auf die
Beitragsabrechnung 2020 abgestellt werden.
13. Mit unaufgeforderter Stellungnahme vom 29. Oktober 2021 wiederholte
der Beschwerdeführer im Wesentlichen seine bisherigen Vorbringen.
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Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid
vom 10. Juli 2020 und in den Rechtsschriften sowie auf die im Recht
liegenden Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Nach dem kürzlich ergangenen Urteil des Bundesgerichts 9C_738/2020
vom 7. Juni 2021 E.3 bestimmt sich nach der in Art. 24 des
Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei
Mutterschaft (EOG; SR 834.1 [Gesetzesbezeichnung gemäss der bis 31.
Dezember 2020 geltenden Fassung]) statuierten Ordnung, welches
kantonale Versicherungsgericht für die Beurteilung der Beschwerde
betreffend die Erwerbsausfallentschädigung aufgrund der Verordnung
vom 20. März 2020 über Massnahmen bei Erwerbsausfall im
Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall; SR 830.31) örtlich zuständig ist. Demnach entscheidet, in
Abweichung von Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), das
Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse über Beschwerden
gegen Verfügungen und Einspracheentscheide kantonaler
Ausgleichskassen (vgl. Art. 24 Abs. 1 EOG). Der vorliegend angefochtene
Einspracheentscheid vom 10. Juli 2020 (Beschwerdegegnerische Akten
[Bg-act.] 38) der Ausgleichskasse des Kantons Graubünden stellt
demnach ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts zur Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde ergibt sich aus Art. 57 ATSG in Verbindung mit Art. 49 Abs.
2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
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370.100), wonach das Verwaltungsgericht als kantonales
Versicherungsgericht Beschwerden gegen Einspracheentscheide und
Verfügungen in Sozialversicherungssachen beurteilt. Die
Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers ergibt sich aus dessen
Stellung als Adressat des Einspracheentscheids (Art. 1 EOG i.V.m. Art. 59
ATSG). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 60 und 61 ATSG) ist daher - unter Vorbehalt von
Erwägung 5.2 hiernach - einzutreten.
1.2. Nach Art. 61 lit. d ATSG ist das Versicherungsgericht an die Begehren der
Parteien nicht gebunden. Es kann eine Verfügung oder einen
Einspracheentscheid zu Ungunsten der Beschwerde führenden Person
ändern (reformatio in peius) oder dieser mehr zusprechen, als sie verlangt
hat (reformatio in melius). In formell-rechtlicher Hinsicht ist den Parteien
vorher zur Wahrung des Gehörsanspruchs Gelegenheit zur
Stellungnahme sowie zum Rückzug der Beschwerde zu geben.
Vorliegend wurde der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 16.
September 2021 auf die Möglichkeit einer reformatio in peius aufmerksam
gemacht. Er machte jedoch von der Rückzugsmöglichkeit keinen
Gebrauch, sondern hielt an seiner Beschwerde fest. Die formellen
Voraussetzungen für eine reformatio in peius sind demnach erfüllt (Urteil
des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E.4.1).
2. Strittig und zu klären ist, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf
Ausrichtung einer Corona-Erwerbsersatzentschädigung hat und
bejahendenfalls, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht eine höhere
Corona-Erwerbsersatzentschädigung auf der Basis eines
Jahreseinkommens von CHF 85'000.-- abgelehnt hat.
3.1. Der Bundesrat hat am 20. März 2020 die COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall (rückwirkend in Kraft getreten auf den 17. März 2020)
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erlassen und in der Folge mehrmals rückwirkend angepasst. Zur
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist die zum Zeitpunkt der
erstmaligen Verfügung (vorliegend 18. Mai 2020 [Bg-act. 27]) über den
Leistungsanspruch in Kraft stehende Fassung massgeblich, da sich die
Rechtmässigkeit eines Verwaltungsaktes grundsätzlich nach der
Rechtslage zur Zeit seines Erlasses beurteilt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_53/2021 vom 30. Juni 2021 E.2.1). Gemäss Art. 2
Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall (in der vom 17. März 2020
bis 16. September 2020 geltenden Fassung; AS 2020 1257) haben
Selbständigerwerbende im Sinne von Art. 12 ATSG Anspruch auf eine
Entschädigung, wenn sie aufgrund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1
und 2 der Verordnung 2 vom 13. März 2020 über die Massnahmen zur
Bekämpfung des Coronavirus (COVID19-Verordnung 2; SR 818.101.24)
einen Erwerbsausfall erleiden. Selbständigerwerbende im Sinne von
Art. 12 ATSG, die nicht unter Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall fallen, sind anspruchsberechtigt, wenn sie aufgrund der
bundesrätlichen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus einen
Erwerbsausfall erleiden und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV
massgebendes Einkommen für das Jahr 2019 zwischen CHF 10'000.--
und CHF 90'000.-- liegt. Dabei gilt für die Berechnung des massgebenden
Einkommens für das Jahr 2019 Art. 5 Abs. 2 zweiter Satz sinngemäss (Art.
2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall in der vom 17. März
2020 bis 16. September 2020 geltenden Fassung, AS 2020 1257, wobei
die Fassung vom 23. April 2020 den letzten Satz nicht enthält). Art. 5 Abs.
2 derselben Verordnung verweist für die Ermittlung des massgebenden
Einkommens auf die sinngemässe Anwendbarkeit von Art. 11 Abs. 1 EOG.
Demnach bildet Grundlage für die Ermittlung des Einkommens das
Einkommen, von dem die Beiträge nach dem Bundesgesetz über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) erhoben
werden.
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3.2. Das Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV)
über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus – Corona-Erwerbsersatz (KS CE, Stand 3. Juli 2020,
rückwirkend gültig ab 17. März 2020 bis 16. September 2020) sieht in Rz.
1041.3 vor, dass für die Ermittlung der Einkommensgrenzen von
CHF 10'000.-- und CHF 90'000.-- gemäss Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall grundsätzlich auf das Erwerbseinkommen
abgestellt wird, welches als Grundlage für die Beitragsrechnungen des
Jahres 2019 (Akontorechnungen) herangezogen wurde. Die in Rz. 1065
bis 1068 enthaltenen Bestimmungen betreffend die Ermittlung des
Einkommens Selbständigerwerbender vor Beginn des ersten
Entschädigungsanspruchs als Basis der Bemessung derer Entschädigung
sind sinngemäss anwendbar. KS CE Rz. 1065 bestimmt, dass Grundlage
für die Bemessung der Entschädigung für Selbständigerwerbende
grundsätzlich das Erwerbseinkommen ist, welches im Jahr 2019 erzielt
wurde. Als Basis ist das Einkommen zu verwenden, welches für die
Festsetzung der Beitragsrechnungen für das Jahr 2019
(Akontorechnungen) herangezogen wurde. Liegt im Zeitpunkt der
Festsetzung der Entschädigung die definitive Steuerveranlagung für das
Jahr 2019 bereits vor, ist auf diese abzustellen. Basierte die festgesetzte
Entschädigung auf dem Einkommen, welches für die Akontorechnungen
für das Jahr 2019 herangezogen wurde und wurde dieses seit der letzten
definitiven Beitragsverfügung nicht angepasst, so ist auf Antrag auf das
Einkommen der letzten definitiven Beitragsverfügung abzustellen. Liegt im
Zeitpunkt des Antrages die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019
bereits vor, so ist diese zu berücksichtigen (KS CE Rz. 1065.1).
4.1.1. Vorliegend beantragte der Beschwerdeführer am 27. April 2020 bei der
Beschwerdegegnerin eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung (Bg-
act. 10). In der entsprechenden Anmeldung gab er als Grund des
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Erwerbsunterbruchs die Schliessung des Betriebs aufgrund der
Bundesratsmassnahmen an (Bg-act. 10 S. 2).
4.1.2. Nach Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall haben
Selbständigerwerbende einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz, die
einen Erwerbsausfall aufgrund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2
COVID-19-Verordnung 2 erleiden, das heisst wegen angeordneter
Betriebsschliessungen oder Veranstaltungsverboten ihre Erwerbstätigkeit
unterbrechen müssen (direkt betroffene Selbständigerwerbende).
Demgegenüber haben Selbständigerwerbende, die nicht unter diese
Bestimmung (Abs. 3) fallen, einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz
nur, wenn sie einen zahlenmässig nicht weiter spezifizierten
Einkommensausfall erleiden und im Jahr 2019 ein AHV-pflichtiges
Erwerbseinkommen zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.-- erzielt haben
(Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall; indirekt betroffene
Selbständigerwerbende). Die Verordnung unterscheidet somit zwischen
direkt und indirekt betroffenen Selbständigerwerbenden, wobei Art. 2 Abs.
3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall als Auffangtatbestand
konzipiert ist.
Gemäss seiner Anmeldung für Selbständigerwerbende vom 17. April 2020
ist der Beschwerdeführer in der Beratung und Executive Search tätig (Bg-
act. 4 S. 3). In dieser Tätigkeit war der Beschwerdeführer allerdings nicht
von einer behördlich angeordneten Betriebsschliessung betroffen,
weshalb Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall vorliegend
nicht zur Anwendung gelangt. Allerdings war der Beschwerdeführer bis
zum 31. Dezember 2019 als Selbständigerwerbender bei der SVA Zürich
erfasst und beitragspflichtig (Abrechnungsnummer J67496;
Mutationsmeldung vom 1. April 2020 [Bg-act. 2]) und wurde alsdann
gemäss Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 20. April 2020 per 1.
Januar 2020 als Selbständigerwerbender bei dieser angeschlossen (Bg-
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act. 7). Soweit die Beschwerdegegnerin in diesem Zusammenhang
vorbringt, der Beschwerdeführer sei von ihr erst am 20. April 2020 als
Selbständigerwerbender anerkannt worden, weshalb er im Zeitpunkt der
Unterbrechung der Erwerbstätigkeit im März 2020 nicht
Selbständigerwerbender im Sinne der COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall gewesen sei, kann dieser Auffassung nicht beigepflichtet
werden. So hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer selbst mit
Schreiben vom 20. April 2020 rückwirkend ab 1. Januar 2020 als
Selbständigerwerbenden anerkannt (Bg-act. 7). Der Beschwerdeführer ist
demnach als indirekt betroffener Selbständigerwerbender im Sinne von
Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall zu qualifizieren.
Gemäss dieser Bestimmung sind für einen Anspruch auf eine
Erwerbsausfallentschädigung kumulativ ein Erwerbsausfall aufgrund der
bundesrätlichen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und ein
für die Bemessung der Beiträge der AHV massgebendes Einkommen für
das Jahr 2019 zwischen CHF 10'000.-- und CHF 90'000.-- vorausgesetzt. Sind diese beiden Voraussetzungen nicht erfüllt, besteht kein Anspruch (vgl.
Urteils des Bundesgerichts 9C_132/2021 vom 15. September 2021
E.5.3.4). Beide Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Einerseits
macht der Beschwerdeführer in keiner Weise einen Erwerbsausfall
geltend und führt nicht aus, inwiefern er im Zusammenhang mit dem
Coronavirus weniger oder keine Arbeit mehr gehabt habe. Einen
Erwerbsausfall hätte er aber darlegen müssen, zumal seine Tätigkeit eben
gerade nicht von einer behördlich angeordneten Betriebsschliessung
betroffen war und er diese damit grundsätzlich ab 17. März 2020
weiterführen konnte. Andererseits fehlt es an einem Einkommen in der
Grössenordnung der massgebenden Bestimmung. Die provisorische
Beitragsverfügung für Selbständigerwerbende für das Jahr 2019 basierte
auf einem beitragspflichtigen Einkommen von CHF 0.-- (Bg-act. 26).
Ebenso stellt die letzte definitive Beitragsverfügung für das Jahr 2016 auf
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ein beitragspflichtiges Einkommen von CHF 0.-- ab (Bg-act. 25). Eine
definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 liegt sodann nicht vor.
Demgemäss ist für die Corona-Erwerbsersatzentschädigung auf ein
Einkommen von CHF 0.-- abzustellen.
4.2.1. Selbst wenn dem Vorbringen des Beschwerdeführers gefolgt werden
würde, wonach er praktisch seit seiner Pensionierung im Jahr 2006 keiner
Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen und es ihm unbekannt sei, dass er
bei der SVA Zürich noch als Selbständigerwerbender registriert gewesen
sei, ändert dies am Ergebnis gestützt auf nachfolgende Erwägungen
nichts.
Die Corona-Erwerbsersatzentschädigung ist eine der Massnahmen des
Bundesrates zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung
des Coronavirus. Der Bundesrat sah, um Beschäftigung zu erhalten,
Löhne zu sichern, Selbständigerwerbende aufzufangen und Insolvenzen
aufgrund von Liquiditätsengpässen zu verhindern, am 20. März 2020
zunächst einzig eine Entschädigung der direkt betroffenen
Selbständigerwerbenden vor (Medienmitteilung des Bundesrates vom 20.
März 2020; Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall; AS 2020
871). In der Folge liess er durch das BSV in Zusammenarbeit mit anderen
Bundesämtern prüfen, ob auch Selbständigerwerbende, die sich durch
den weitgehenden Stillstand der Wirtschaft mit Erwerbseinbussen
konfrontiert sehen, deren Erwerbstätigkeit aber nicht verboten ist, in
Härtefällen eine Unterstützung erhalten sollen (vgl. Medienmitteilung des
Bundesrates vom 1. April 2020). Um Härtefälle zu vermeiden, fügte der
Bundesrat am 16. April 2020 den rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft
getretenen Art. 2 Abs. 3 bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall (AS
2020 1257) ein. Ihm war dabei bewusst, dass auch nicht direkt betroffene
Selbständigerwerbende durch die Corona-Pandemie wirtschaftlich schwer
tangiert sein können, indem sie unter Umständen weniger oder keine
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Arbeit mehr haben (vgl. Medienmitteilung des Bundesrates vom 16. April
2020). Gleichwohl statuierte er für sie keinen umfassenden Anspruch auf
Corona-Erwerbsersatz, sondern entschied sich für eine Härtefallregelung
und machte den Anspruch von einem AHV-pflichtigen Einkommen im Jahr
2019 zwischen CHF 10'000.-- und CHF 90'000.-- abhängig (vgl. zum
Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_132/2021 vom 15. September
2021 E.4.3.2.1). Die Bestimmung Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall bezieht sich einzig auf im Jahr 2019 erzielte Einkommen.
Fehlt es folglich an einem 2019 aus selbständiger Erwerbstätigkeit
erzielten Einkommen, fällt ein Anspruch auf eine Entschädigung ausser
Betracht. Zu keinem anderen Ergebnis führt die Anwendung der
Bestimmungen in den Rz. 1065 bis 1068 KS CE. Zwar sieht Rz. 1067 KS
CE vor, dass bei in weniger als einem Jahr erwirtschafteten Einkommen
eine pro rata Umrechnung auf ein ganzes Jahr zu erfolgen hat. Rz. 1067
KS CE bezieht sich hierbei aber einzig auf im Jahr 2019 erzieltes
Einkommen. Eine Ausweitung dieser Bestimmung in dem Sinne, dass
Grundlage der Bemessung der Entschädigung auch erst im Jahr 2020
erwirtschaftetes, auf ein ganzes Jahr hochgerechnetes Einkommen sein
könnte – wie dies der Beschwerdeführer verlangt – wäre lediglich möglich,
wenn von einer (vom Gericht so zu füllenden) Verordnungslücke
auszugehen wäre. Eine echte, vom Gericht zu füllende Verordnungslücke
ist anzunehmen, wenn der Verordnungsgeber versehentlich eine
unvermeidlicherweise sich stellende Rechtsfrage nicht normiert hat oder
das Fehlen einer besonderen Regelung zu Ergebnissen führt, die sich
insbesondere mit den Verfassungsgrundsätzen des Willkürverbots und
der Rechtsgleichheit schlechthin nicht vereinbaren lassen. Hat der
Verordnungsgeber eine Rechtsfrage nicht übersehen, sondern
stillschweigend – im negativen Sinn – mitentschieden (qualifiziertes
Schweigen), bleibt kein Raum für richterliche Lückenfüllung (vgl. BGE 145
V 75 E.3.4, 146 V 121 E.2.5 und 143 I 187 E.3.2). Im Folgenden ist daher
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durch Auslegung zu ermitteln, ob eine echte Lücke vorliegt (vgl. BGE 143
III 385 E.4.3).
4.2.2. Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall in der vom 17. März
2020 bis zum 16. September 2020 gültig gewesenen Fassung lautete wie
folgt:
"Selbstständigerwerbende im Sinne von Artikel 12 ATSG, die nicht unter
Absatz 3 fallen, sind anspruchsberechtigt, wenn sie aufgrund der
bundesrätlichen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus einen
Erwerbsausfall erleiden und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV
massgebendes Einkommen für das Jahr 2019 zwischen 10 000 und 90
000 Franken liegt; [...]."
Mit der Formulierung "anspruchsberechtigt, wenn [...] ihr Einkommen für
das Jahr 2019 zwischen 10 000 und 90 000 Franken liegt" wird nach dem
Wortlaut der Bestimmung ein Einkommen im Jahr 2019 vorausgesetzt.
Systematisch nimmt Art. 2 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall eine
Unterscheidung zwischen von den bundesrätlichen Massnahmen zur
Bekämpfung des Coronavirus aufgrund verordneter
Betriebsschliessungen direkt Betroffenen (Abs. 3) und indirekt Betroffenen
wie dem Beschwerdeführer (Abs. 3bis) vor, was angesichts der
unterschiedlichen Schwere des staatlichen Eingriffs vom Bundesgericht
als zulässig erachtet wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_132/2021
vom 15. September 2021 E.5.3). Bei den direkt Betroffenen nach Abs. 3
verzichtete der Bundesrat, anders als bei den indirekt Betroffenen nach
Abs. 3bis, auf das Erfordernis eines im Jahr 2019 erzielten Einkommens,
sondern beschränkte das Anspruchserfordernis auf das Erleiden eines
Erwerbsausfalls ("Anspruchsberechtigt sind Selbstständigerwerbende
[...], die aufgrund einer Massnahme nach Artikel 6 Absätze 1 und 2 der
COVID-19-Verordnung 2 einen Erwerbsausfall erleiden"; Art. 2 Abs. 3
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COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall). Diese gewollte und zulässige
Unterscheidung und damit die systematische Auslegung von Art. 2 Abs.
3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall spricht ebenfalls für eine
Beschränkung der Anspruchsberechtigung auf diejenigen Personen,
welche im Jahr 2019 ein Einkommen zwischen CHF 10'000.-- und
CHF 90'000.-- erzielt haben. Das historische Auslegungselement lässt
aufgrund der aussergewöhnlichen Umstände der Entstehung der zu
beurteilenden Verordnungsbestimmungen keinen Schluss zu Gunsten
oder zu Lasten einer Beschränkung auf Personen zu, welche im Jahr 2019
ein Einkommen zwischen CHF 10'000.-- und CHF 90'000.-- erzielt haben.
Werden hingegen die seit dem Einspracheentscheid vom 10. Juli 2020
aufgrund der fortdauernden raschen Entwicklung der Corona-Pandemie in
Kraft getretenen Änderungen der COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall
berücksichtigt, so ergibt sich aus Art. 2 Abs. 3bis Covid-19-Verordnung
Erwerbsausfall der mit Änderungen vom 8. Oktober 2020 rückwirkend per
17. September 2020 in Kraft getretenen Fassung (vgl. AS 2020 4571),
dass gemäss dessen lit. c neu auch ein Anspruch bestehen kann, "wenn
die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde". Auch daraus ist
zu schliessen, dass der Bundesrat für die Zeit vor dem 17. September
2020 Personen von der Anspruchsberechtigung ausschliessen wollte,
welche im Jahr 2019 kein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
erzielt hatten. Bei der Frage nach dem Sinn und Zweck der Bestimmungen
ist schliesslich augenscheinlich, dass mit der Beschränkung der
Anspruchsberechtigung auf Personen, die im Jahr 2019 ein Einkommen
aus selbständiger Erwerbstätigkeit erzielt hatten, bei der Einführung der
Massnahmen im März 2020 einem möglichen Missbrauch vorgebeugt
werden sollte. Hierbei wären aufgrund der sehr kurzen Dauer einer
Geschäftstätigkeit im Jahr 2020 bis zum Zeitpunkt des frühestmöglichen
Bezugsbeginns am 17. März 2020 insbesondere Höhe und Bestand der
von den potentiellen Gesuchstellern behaupteten Einkommen schwierig
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zu überprüfen gewesen. Auch die teleologische Auslegung spricht
demnach gegen eine Ausdehnung des Kreises der Anspruchsberechtigten
auf Personen, welche erstmals 2020 ein Einkommen aus selbständiger
Erwerbstätigkeit erzielten (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons Aargau VBE.2020.384 vom 20. November 2020 E.3).
4.2.3. Nach dem Dargelegten ist die Regelung in Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall in der vom 17. März 2020 bis zum 16.
September 2020 gültigen Fassung abschliessend und es ist
dementsprechend eine Verordnungslücke zu verneinen. Aufgrund der
Schwierigkeiten einer verlässlichen Berechnung der Einkommen sowie
des damit zusammenhängenden erhöhten Missbrauchspotentials
rechtfertigt sich zudem eine Ungleichbehandlung zwischen Personen,
welche bereits 2019 selbständig erwerbstätig waren und solchen, die erst
2020 erstmals einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachgegangen sind.
Die Regelung in Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall
führt somit nicht zu Ergebnissen, die sich insbesondere mit den
Verfassungsgrundsätzen des Willkürverbots und der Rechtsgleichheit
schlechthin nicht vereinbaren liessen.
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mangels
eines Erwerbsausfalls sowie mangels eines im Jahr 2019 für die
Bemessung der Beiträge der AHV massgebenden erzielten Einkommens
für das Jahr 2019 zwischen CHF 10'000.-- und CHF 90'000.-- für den
Zeitraum vom 17. März 2020 bis zum 16.September 2020 keinen
Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung hat. Somit ist die
unbegründete Beschwerde vom 11. August 2020 (Poststempel 12. August
2020) abzuweisen und der angefochtene Einspracheentscheid vom
10. Juli 2020 (Bg-act. 38) ist – androhungsgemäss zum Nachteil des
Beschwerdeführers – mit der Feststellung aufzuheben, dass der
Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin keine
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Leistungsansprüche aus Corona-Erwerbsersatz für die Zeit vom 17. März
2020 bis zum 16. September 2020 hat. Ob dem Beschwerdeführer
allenfalls ein Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung ab
17. September 2020 gestützt auf die neuen Bestimmungen von Art. 2 Abs.
3bis und 3ter Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (AS 2020 4571)
zukommt, ist von der Beschwerdegegnerin aufgrund einer neuen,
separaten Anmeldung zu prüfen.
6.1. Nach aArt. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 82a ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – ausser bei
leichtsinniger oder mutwilliger Prozessführung – für die Parteien
kostenlos. Demnach werden für das vorliegende Beschwerdeverfahren
keine Kosten erhoben.
6.2. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht überdies kein Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).