Decision ID: ee6a00a8-586d-545c-80f1-3d9456d4460e
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 07.07.2015 Art. 34a Abs. 1 BVG, Art. 24 Abs. 2 BVV 2: Die Anrechenbarkeit eines zumutbaren Einkommens in der Überentschädigungsberechnung der beruflichen Vorsorge bedarf der Berücksichtigung der persönlichen Umstände und des tatsächlichen Arbeitsmarktes. Wird vom Versicherten ein von der Vorsorgeeinrichtung angerechnetes zumutbares Einkommen bestritten, so trifft diesen hierfür die Behauptungs- und Substantiierungslast. Beim Nachweis, dass keine reellen Chancen auf eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zur Verwertung der Restarbeitsfähigkeit bestehen, stehen dem Anspruchsberechtigten, nebst dem Nachweis von erfolglosen Stellenbewerbung, sämtliche weiteren Beweismittel gemäss Verwaltungsrechtspflegegesetz zur Verfügung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Juli 2015,BV 2013/20).Entscheid vom 7. Juli 2015BesetzungPräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterinnen Miriam Lendfers und Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Markus JakobGeschäftsnr.BV 2013/20ParteienA._,Kläger,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten,gegenASGA Pensionskasse des Gewerbes,Rosenbergstrasse 16, Postfach 146, 9001 St. Gallen,Beklagte,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Marta Mozar, Seestrasse 6,Postfach 1544, 8027 Zürich,GegenstandInvalidenrenteSachverhalt
A.a A._, stammt aus Serbien-Montenegro. Er hat die Grundschulen besucht,
jedoch keinen Beruf erlernt. Er ist verheiratet und hat aus erster Ehe vier erwachsene
Kinder (Jg. 1978, 1982, 1984 und 1987). Seit 1990 arbeitete er als Hilfsarbeiter für die
Baufirma B._ und war in der Folge bei der ASGA Pensionskasse des Gewerbes,
St. Gallen, (nachfolgend Pensionskasse) vorsorgeversichert (act. G 1, G 9 S. 3, G 9.2
und G 9.3 S. 10).
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A.b Der Versicherte verunfallte am 23. August 2004. Er stürzte auf der Baustelle bei
der Arbeit aus 4 Metern Höhe und erlitt dabei diverse ossäre Läsionen im Bereich der
HWS und LWS. Der Versicherte war bis 7. September 2004 im Kantonsspital St. Gallen
hospitalisiert. Anschliessend war er bis 2. Oktober 2004 in stationärer Behandlung in
der Rehaklinik Walenstadt (act. G 1 und G 9.3 S. 2).
A.c Am 28. April 2005 führte Dr. med. C._, Neurochirurgie FMH, beim
Versicherten wegen persistierender Beschwerden eine Dekompression durch. Da sich
nur eine partielle Besserung einstellte, erfolgte eine stationäre Rehabilitation in der
Rheinburgklinik Walzenhausen vom 21. Juni 2005 bis 18. Juli 2005 (act. G 9.3 S. 2). Im
Untersuchungsbericht vom 16. August 2005 hielt Dr. C._ fest, dass es durch die
Operation zu einer Teillinderung der vorbestehenden Schmerzen gekommen sei,
jedoch nach wie vor ein sensomotorisches Ausfallsyndrom mit radikulären
Beschwerden C6 und C7 bestehe (act. G 9.3 S. 5). Am 10. Februar 2006 führte
Dr. C._ beim Versicherten wegen persistierender Symptomatik eine
Revisionsoperation bzw. eine dorsale Foraminotomie HWK5/6 und 6/7 links durch (act.
G 9.3 S. 2).
A.d Am 8. September 2006 wurde der Versicherte im Kantonsspital St. Gallen wegen
Auftretens einer AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (150 Schläge pro Minute) mit einer
Radiofrequenzablation erfolgreich behandelt (act. G 9.3 S. 3).
A.e Am 22. Januar 2007 wurde der Versicherte SUVA-kreisärztlich untersucht (act.
G 9.3 S. 6 f.). Im Untersuchungsbericht wird erwähnt, dass der Versicherte darauf
hingewiesen habe, dass er andauernde Schmerzen habe, so dass er jeweils nur eine
halbe Stunde sitzen, liegen oder gehen könne. Empfohlen wurden leichte Tätigkeiten in
Wechselpositionen. Zu vermeiden sei, dass er Vibrationen und hämmernden Einflüssen
sowie Überkopftätigkeiten und Zwangshaltungen ausgesetzt werde. Die Unfallfolgen
wurden als erheblich und dauernd eingeschätzt.
A.f Bis zum 30. Juni 2007 erhielt der Versicherte Taggeldzahlungen von der SUVA.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2007 sprach die SUVA dem Versicherten eine Rente von
40% ab 1. Juli 2007 zu. Der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt H. Frei,
Altstätten, erhob Einsprache gegen die Verfügung (act. G 9.3 S. 2 f. und 10).
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A.g Im Verlaufsbericht vom 7. Januar 2008 schätzte Dr. med. D._, Allgemeine
Medizin FMH, den Versicherten zu 100% als arbeitsunfähig ein. Dieser habe nach wie
vor starke Schmerzen und sei deswegen regelmässig auf Physiotherapie und
Medikamente angewiesen (act. G 9.10).
A.h Am 9. Dezember 2008 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle im
Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH in Basel (nachfolgend ABI) untersucht und
begutachtet (act. G 9.3). Die fachärztliche internistische und allgemeinmedizinische
Fallführung oblag Dr. med. E._, die psychiatrische Untersuchung Dr. med. F._ und
die neurologische Untersuchung Dr. med. G._. Folgende Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit wurden gestellt (act. G 9.3 S. 17): 1. Zervikoradikuläres Syndrom
(ICD-10: M53.0): Zustand nach schwerem HWS-Trauma am 23. August 2004 mit
Fraktur der Dornfortsätze HWK5 - Th1 bei Spinalkanalstenose HWK3 - 4 mit Zustand
nach ventraler Mikrodisketomie und Dekompression HWK3 - 7 bei radiologisch
beschriebener Myelonkompression auf Höhe HWK5/6 und ventraler Verplattungs
spondylodese 04/05, aktuell klinische Hinweise auf leichte radikuläre Störung C7/8
links und medulläre Läsion rechtes Bein; 2. Persistierendes Lumbovertebralsyndrom
(ICD-10: M54.5): Zustand nach Querfortsatzfraktur LWK1 - 4 links nach Unfall vom
23. August 2004. Folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden
gestellt: 1. Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54), 2. Rezidivierende gastritische
Beschwerden (ICD-10: K29.7): Dauereinnahme von PPI, häufige Einnahme von NSAID;
3. Status nach Radiofrequenzablation am 8. September 2006: vorbestehende typische
AV-Knoten-Reentry-Tachykardie, seither subjektiv und objektiv beschwerdefrei;
4. Verdacht auf arterielle Hypertonie, unbehandelt (ICD-10: I10). Zur Arbeitsfähigkeit
wurde festgehalten, dass dem Versicherten sämtliche körperlich schwer und
mittelschwer belastenden Tätigkeiten aus Sicht des Bewegungsapparates nicht mehr
zumutbar seien. Der Versicherte könne keine Tätigkeiten mehr verrichten in
Zwangshaltung, mit Anforderungen an das Gleichgewichtsvermögen, mit
Überkopftätigkeiten, ohne Wechselbelastung, mit kauernden Tätigkeitsanteilen und mit
Gewichtheben über 5 bis vereinzelt 10 kg. Wegen der persistierenden radikulären
Symptomatik mit konsekutiv auch nachvollziehbarer Schmerzsituation bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch für gut adaptierte, überwiegend sitzende und
wechselbelastende Tätigkeiten im Sinne einer 50%igen Arbeitsfähigkeit (act. G 9.3
S. 18). Die begutachtenden Ärzte fassten ihre Erkenntnisse wie folgt zusammen (act.
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G 9.3 S. 20): "Beim Exploranden besteht eine bleibende, volle Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter. Dem Exploranden sind nur noch leichte,
überwiegend sitzende Tätigkeiten zumutbar, verschiedentlich adaptiert, wie oben
erwähnt, durchführbar über 6 bis 8 Stunden täglich, im Sinne einer 50%igen Arbeits-
und Leistungsfähigkeit. Medizinische Massnahmen im oben erwähnten Sinne sind
angezeigt, ohne dass dadurch eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden
kann. Berufliche Massnahmen können keine vorgeschlagen werden."
A.i Am 16. September 2009 schloss die SUVA mit dem Versicherten einen
Vergleich hinsichtlich des Invaliditätsgrades. Mit Verfügung vom 25. September 2009
sprach die SUVA dem Versicherten eine Invalidenrente ab dem 1. Juli 2007 ausgehend
von einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 61'022.-- und einer Beeinträchtigung
der Erwerbsfähigkeit von 62% zu (act. G 1.5).
A.j Mit Verfügungen vom 4. November 2009 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
eine ganze IV-Rente vom 1. August 2005 bis 30. April 2007 (act. G 1.2 und 1.3) und
eine Dreiviertelsrente ab dem 1. Mai 2007 zu (act. G 1.4). Die Reduktion der Rente per
1. Mai 2007 wurde begründet mit der Erkenntnis aus der SUVA-kreisärztlichen
Untersuchung vom 22. Januar 2007, dass der Versicherte in einer leidangepassten
Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsleistung erbringen könne. Ermittelt wurde im Vergleich zur
bisherigen Tätigkeit eine 62%ige Erwerbseinbusse und damit ein IV-Grad von 62%
(zumutbares Erwerbseinkommen pro Jahr ohne Behinderung Fr. 62'218.--, mit
Behinderung Fr. 23'714.--, Erwerbseinbusse Fr. 38'504.--; act. G 1.4 S. 5 f.).
A.k Mit Schreiben vom 30. November 2009 teilte die Pensionskasse dem
Versicherten mit, dass sie eine Überentschädigungsberechnung per 1. Juli 2007
durchgeführt habe (act. G 1.8 und 1.9). Von folgenden monatlichen Werten wurde
dabei ausgegangen: indexierter Lohn per 1. Januar 2007: Fr. 5'059.--, Invalidenrente
der Invalidenversicherung: Fr. 846.--, Invalidenrente der Unfallversicherung:
Fr. 2'577.75 und erzielbares Erwerbseinkommen: Fr. 1'922.40 (38% des indexierten
Lohnes). Die Überentschädigungsgrenze wurde auf 90% des indexierten Lohnes
festgelegt. Die Berechnungen ergaben eine Überversicherung in der Höhe von
Fr. 793.05 pro Monat. Die Pensionskasse lehnte deshalb eine Leistungspflicht ab.
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A.l Mit Schreiben vom 24. Februar 2011 machte der Anwalt des Versicherten
geltend, dass bei der Festlegung eines allfälligen Erwerbs- bzw. Ersatzeinkommens die
effektiven Chancen, auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt eine geeignete und zumutbare
Arbeitsstelle zu finden, berücksichtigt werden müssten (act. G 1.10). Wegen der
gesundheitlichen Einschränkungen, der Herkunft (Serbien-Montenegro), der fehlenden
Berufsausbildung, der mangelhaften Sprachkenntnisse und des fortgeschrittenen
Alters habe der Versicherte praktisch keine Chancen, die Restarbeitsfähigkeit von rund
40% zu verwerten.
A.m Mit Schreiben vom 8. April 2011 teilte die Pensionskasse mit, dass am
Entscheid, keine Leistungen zu erbringen, festgehalten werde. Begründet wurde dies
insbesondere damit, dass es am Versicherten liege, zu beweisen, dass das
angenommene Einkommen im aktuellen Stellenmarkt nicht erzielbar sei (act. G 9.14).
A.n Im Verlaufsbericht vom 14. April 2011 hielt Dr. D._ z.H. der IV-Stelle fest, dass
auch für adaptierte Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Der
Versicherte habe eine persistierende Schmerzhaftigkeit und neurologische
Funktionsausfälle (act. G 9.11).
A.o Personalberater H._ vom Amt für Arbeit, Regionales
Arbeitsvermittlungszentrum, (nachfolgend RAV) bestätigte mit Schreiben vom
17. August 2011, dass der Versicherte nicht vermittlungsfähig sei, und bemerkte, dass
sich kaum ein Arbeitgeber finden lassen werde, welcher den Versicherten anstelle (act.
G 1.11).
A.p Im ärztlichen Attest vom 24. Oktober 2013 bestätigte Dr. D._, dass der
Versicherte nach wie vor unter konstanten Schmerzen leide und deswegen
Schmerzmedikamente und physikalische Therapien benötige. Der Gesundheitszustand
des Versicherten habe sich über die letzten Jahre nicht verbessert. Es bestehe nach
wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.1).
B.
B.a Mit Klage vom 8. November 2013 stellte Rechtsanwalt H. Frei als Vertreter für
den Ansprecher die folgenden Rechtsbegehren: Die Beklagte habe dem Kläger eine
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Invalidenrente ab dem 1. August 2007 bei einer Erwerbsunfähigkeit von 100%
auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und zur
Neuentscheidung an die Beklagte zurückzuweisen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act. G 1). Das Leistungsbegehren wird begründet mit der
eingeschränkten Arbeitsfähigkeit des Klägers als Folge des Arbeitsunfalles vom
23. August 2004. Verwiesen wird dabei auf die Aussage im Gutachten des ABI vom
6. Januar 2009, dass die vom Versicherten angegebenen Schmerzen bei den schweren
WS-Traumata gut nachvollziehbar und plausibel seien. Hinsichtlich des in der
Überentschädigungsberechnung angerechneten mutmasslichen Einkommens wird
angeführt, dass es nicht zulässig sei, auf das Einkommen abzustellen, welches die IV-
Stellen sowie die SUVA für die Vornahme des Einkommensvergleiches bei der
Berechnung des IV-Grades annähmen, denn diesem Einkommen liege ein
ausgeglichener Arbeitsmarkt zugrunde. In Realität gebe es für den Kläger keinen
Arbeitsmarkt, auf welchem er seine Restarbeitsfähigkeit verwerten und ein
entsprechendes Einkommen erzielen könnte. Trotz diverser Arbeitsbemühungen und
Unterstützung durch das RAV habe der Kläger keine Stelle finden können. Die
Berücksichtigung eines fiktiven Einkommens erfolge daher zu Unrecht.
B.b Mit Klageantwort vom 24. März 2014 beantragte Rechtsanwältin M. Mozar für
die Beklagte die vollumfängliche Abweisung der Klage unter Entschädigungsfolgen zu
Lasten des Klägers (act. G 9). Vorweg macht die Beklagte geltend, dass ein Teil der
eingeklagten Rentenansprüche bereits verjährt sei, weshalb allfällige
Rentennachzahlungen frühestens ab November 2008 in Betracht kämen. Im Weiteren
vertritt die Beklagte den Standpunkt, dass sie für die Bezifferung des zumutbarerweise
erzielbaren Erwerbseinkommens vermutungsweise vom
invalidenversicherungsrechtlich festgelegten Invalideneinkommen ausgehen dürfe. Es
liege dann am Kläger, zu substantiieren und zu beweisen, dass das
Invalideneinkommen der IV mit dem zumutbarerweise erzielbaren Einkommen nicht
übereinstimme. Dem Kläger sei wiederholt die Möglichkeit eingeräumt worden, seine
Stellenbemühungen zu belegen. Die Beklagte ist zudem der Ansicht, dass die
fehlenden beruflichen Qualifikationen und die eingeschränkten sprachlichen
Fähigkeiten den Kläger nicht hindern, einfache repetitive Tätigkeit auszuüben. Auf dem
freien Arbeitsmarkt gebe es für den Kläger noch recht viele verschiedene Tätigkeiten,
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die allesamt keine Berufsausbildung erforderten wie Fliessband-, Montage-, Chauffeur-
oder Überwachungsarbeiten aller Art.
B.c Der Vertreter des Klägers reichte am 10. Juni 2014 eine Replik ein (act. G 15).
Beantragt wird, die Klage gutzuheissen. Eventualiter sei eine arbeitsmarktliche
Expertise einzuholen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
In der Duplik vom 9. Juli 2014 hält die Rechtsvertreterin der Beklagten am bisherigen
Rechtsbegehren fest (act. G 17).

Erwägungen:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts geht aus Art. 73
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) in Verbindung mit Art. 65 Abs. 1 lit. e des
Gesetzes über die Verwaltungspflege (VRP; sGS 951.1) hervor, die örtliche
Zuständigkeit folgt aus Art. 73 Abs. 3 BVG.
2.
Der Rechtsvertreter des Klägers beantragte in der Replik vom 10. Juni 2014 eine
öffentliche Verhandlung, wobei diese offenbar der Parteibefragung dienen sollte
(act. G 15 S. 2 und 7). In Prozessen über zivilrechtliche Ansprüche gewährleistet Art. 6
Ziff. 1 EMRK nicht generell, jedoch dann einen Anspruch auf persönliches Erscheinen
oder persönliche Anhörung vor Gericht, wenn dies für die Entscheidung der Sache von
unmittelbarer Bedeutung ist. Dies betrifft insbesondere Fälle, in welchen der
persönliche Eindruck des Gerichts von der Partei und ihren Lebensumständen für die
zu treffende Entscheidung erheblich sein kann (beispielsweise in familienrechtlichen
Streitigkeiten betreffend Entziehung oder Zuteilung der elterlichen Sorge oder
Regelung des persönlichen Verkehrs oder auch in Haftungsprozessen; Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Februar 2014, 9C_626/2013, E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
vom 18. September 2009, 8C_283/2009, E. 2.2.1). Das Gericht verzichtet in
antizipierter Beweiswürdigung auf eine persönliche Anhörung, da in der Rechtsschrift
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keine Gründe angeführt werden und auch keine solchen Gründe ersichtlich sind, dass
eine solche einen entscheidenden Beitrag bei der Ermittlung des Sachverhalts bzw. zur
Urteilsfindung leisten könnte.
3.
Der Kläger fordert eine Invalidenrente von der Beklagten, denn zum Zeitpunkt des
Arbeitsunfalles sei er bei der Beklagten versichert gewesen (act. G 1 und 15). Die
Beklagte anerkennt grundsätzlich die Leistungszuständigkeit für die Invalidität des
Klägers, lehnt jedoch eine Leistungspflicht wegen Überversicherung ab, da gemäss der
vorgenommenen Überentschädigungsberechnung per 1. Juli 2007 das anrechenbare
Einkommen, welches sich aus der Rente der Invalidenversicherung, der Rente der
SUVA und dem zumutbaren erzielbaren Erwerbseinkommen zusammensetze, grösser
als 90% des indexierten Jahreslohnes (Valideneinkommen) sei (act. G 9 S. 3 und 6 f.).
4.
Materiell umstritten ist zunächst, ob in der Überentschädigungsberechnung ein
zumutbarerweise erzielbares Erwerbseinkommen in der Höhe des
invalidenversicherungsrechtlich festgesetzten Invalideneinkommens zu berücksichtigen
ist.
4.1 Gemäss Art. 34a Abs. 2 BVG i.V.m. Art. 66 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den
allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) werden Renten und
Abfindungen nach den Bestimmungen des jeweiligen Einzelgesetzes in folgender
Reihenfolge gewährt: a. von der Alters- und Hinterlassenenversicherung oder der
Invalidenversicherung; b. von der Militärversicherung oder der Unfallversicherung; c.
von der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge nach dem BVG. Die
Beklagte hat ihre allfälligen Leistungen folglich in Ergänzung zur Rente der
Invalidenversicherung und zur Rente des Unfallversicherers (SUVA) zu erbringen.
4.2 Gemäss Art. 24 Abs. 1 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge (BVV 2; SR 831.441.1), welcher gestützt auf Art. 34a Abs. 1 BVG
erlassen wurde, kann die Vorsorgeeinrichtung die Hinterlassenen- und
Invalidenleistungen kürzen, soweit sie mit den anrechenbaren Einkünften 90% des
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mutmasslichen entgangenen Verdienstes übersteigen. Ziel dieser Regelung ist,
ungerechtfertigte Vorteile zu verhindern. Die versicherte Person soll finanziell nicht
besser-, sondern höchstens so gestellt werden, wie wenn sich das Risiko Invalidität
nicht verwirklicht hätte (BGE 126 V 93 E. 4e). Da der Kläger von der Beklagten eine IV-
Rente ab dem 1. August 2007 fordert, ist das zu diesem Zeitpunkt gültige Reglement
der Vorsorgeeinrichtung zu berücksichtigen (vgl. BGE 134 V 64 E. 2.3.1; 122 V 316
E. 3c). Gemäss Art. 33 Abs. 2 des Reglements der Pensionskasse (gültig ab 1. Januar
2007; act. G 9.1) werden die Leistungen der Pensionskasse im Falle, dass die
Hinterlassenen- und Invalidenrentenleistungen zusammen mit den Leistungen gleicher
Art und Zweckbestimmung ein Einkommen von mehr als 90% des mutmasslichen
entgangenen Lohns ergeben, um den übersteigenden Betrag gekürzt.
Dementsprechend hat der Kläger eine Kürzung bzw. Verweigerung von
Rentenzahlungen der Pensionskasse hinzunehmen, wenn die anrechenbaren Einkünfte
90% des mutmasslichen entgangenen Verdienstes übersteigen.
4.3 Ausgangspunkt für den mutmasslich entgangenen Verdienst im Sinne von Art. 24
Abs. 1 BVV 2 ist wegen der grundsätzlichen Verbindlichkeit der Festlegungen der IV-
Stelle bezüglich Entstehung, Höhe und Beginn des Rentenanspruchs für die
Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge das im
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgelegte Valideneinkommen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_714/2013, E. 2.3; BGE 137 V 20 E. 2.2).
Dem mutmasslichen entgangenen Verdienst entspricht folglich das hypothetische
Einkommen, welches der Versicherte ohne Invalidität erzielen würde. Mutmassliche
Einkommenserhöhungen wie entgangene Reallohnerhöhungen und die Anpassung der
Löhne an die Teuerung in der Zeitspanne zwischen dem invaliditätsbegründenden
Ereignis und dem (erstmaligen) Rentenanspruch sind zu berücksichtigen (vgl. Hans-
Ulrich Stauffer, Berufliche Vorsorge, 2. Aufl., 2012, Rz. 1022 f.). Die IV-Stelle ging in der
Verfügung vom 4. November 2009 bei der Berechnung der Rente ab 1. Mai 2007 von
einem massgeblichen Erwerbseinkommen von Fr. 62'218.-- pro Jahr aus (act. G 1.4
S. 6). Dieses Valideneinkommen entspricht folglich dem in der beruflichen Vorsorge zu
berücksichtigenden mutmasslichen entgangenen Verdienst.
4.4 Die anrechenbaren Einkünfte werden zumindest für den Obligatoriumsbereich in
Art. 24 Abs. 2 BVV 2 abschliessend genannt (Stauffer, a.a.O., Rz. 1034). Dazu gehört
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nebst der Rente der Invalidenversicherung (Fr. 846.-- pro Monat; act. G 1.4) und der
Rente der Unfallversicherung (Fr. 2'577.75 pro Monat; act. G 1.5) gemäss
ausdrücklicher Nennung das weiterhin erzielte oder zumutbarerweise noch erzielbare
Erwerbs- oder Ersatzeinkommen.
4.5 Nach der Rechtsprechung ist im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, dass
das im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren ermittelte Invalideneinkommen
(Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.2)) dem in der Überentschädigungsberechnung der
beruflichen Vorsorge zu berücksichtigenden zumutbarerweise noch erzielbaren
Erwerbseinkommen (Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2) entspricht. Diese Vermutung kann
jedoch widerlegt werden, denn im Unterschied zu dem bezogen auf einen
ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu bestimmenden Invalideneinkommen ist das
überentschädigungsrechtlich relevante hypothetische Erwerbseinkommen in
Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände, auch in
arbeitsmarktlicher Hinsicht, festzulegen. Die Berücksichtigung der „subjektiven“
Umstände bedeutet jedoch nicht, dass die subjektive Wertung der betroffenen Person
und damit die eigene Meinung über das Zumutbare ausschlaggebend ist, sondern dass
auch bei der Würdigung der subjektiven Gegebenheiten und Möglichkeiten einer
bestimmten versicherten Person ein objektiver Massstab anzulegen ist (vgl. BGE
134 V 64 E. 4.2.1; 137 V 20 E. 2.2). Massgebend sind daher die persönlichen
Umstände und die tatsächliche Lage, auf dem im Einzelfall relevanten Arbeitsmarkt
eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zu finden. Diesbezüglich hat die
Vorsorgeeinrichtung der versicherten Person das Gehörsrecht zu gewähren. Diese trifft
im Gegenzug eine verstärkte Mitwirkungspflicht. Dabei hat die versicherte Person die
Umstände, welche in ihrem konkreten Fall der Erzielung eines mit dem
Invalideneinkommen äquivalenten Resterwerbseinkommens entgegenstehen, zu
behaupten, zu substantiieren und hierfür soweit möglich Beweise anzubieten (vgl. BGE
140 I 50 E. 3.2.2 und 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar 2014,
9C_773/2013, E. 4.1; BGE 137 V 20 E. 2.2).
4.6 Zur Beurteilung der Chancen, eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zu
erhalten, sind nachfolgend zuerst die persönlichen Umstände zu analysieren und zu
würdigen. Dazu gehören insbesondere die beruflich nutzbaren Fähigkeiten und
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Erfahrungen, die Leistungsfähigkeit sowie die weiteren vom Kläger vorgebrachten
personenbezogenen Faktoren wie das Alter und die Herkunft bzw. Nationalität.
4.6.1 Hinsichtlich der beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen (Baugewerbe) ist
davon auszugehen, dass der Kläger diese nicht mehr beruflich nutzen kann. Der Kläger
hat lediglich die Primarschule in seinem Heimatland besucht, jedoch nie einen Beruf
erlernt. In der Schweiz hat er stets als Hilfsarbeiter im Baugewerbe gearbeitet (act. G 1
S. 2 f. und 8 und G 9.3 S. 10). Eine weitere gewichtige Einschränkung der
Vermittlungsfähigkeit ergibt sich dadurch, dass dem Kläger weitgehend
Deutschkenntnisse fehlen. So spricht und versteht er sehr schlecht Deutsch. Lesen und
Schreiben kann er auf Deutsch gar nicht (act. G 1 S. 6, G 15 S. 5 und G 9.3 S. 1: Bei
der ärztlichen Begutachtung wurde eine albanischsprachige Übersetzerin beigezogen).
Der Einwand der Beklagten, dass die Deutschkenntnisse bisher auch gereicht hätten,
ist vorliegend nicht von Relevanz; da der Kläger einer neuen Arbeitsstelle bedarf, sind
die Anforderungen der neuen Stelle wesentlich (act. G 9 S. 11). Im Weiteren kann von
Belang sein, dass der Kläger keinen Führerschein für Motorfahrzeuge besitzt (act. G 15
S. 4 f.). Als Fazit ist festzuhalten, dass wegen den genannten persönlichen Umständen
insbesondere Arbeitsstellen nicht in Betracht kommen, welche berufliche
Vorkenntnisse, einen Führerschein, regelmässigen Kundenkontakt oder das Verstehen
von Anweisungen und die (über ein Minimum hinausgehende) Kommunikation auf
Deutsch bedingen.
4.6.2 Wegen des Gesundheitsschadens und der eingeschränkten Leistungsfähigkeit
ergeben sich weitere Einschränkungen hinsichtlich der in Frage kommenden
Arbeitsstellen. Der Kläger kann gemäss Gutachten des ABI (vgl. act. G 9.3 S. 18 und 20
und G 9.3 Zusatzbericht S. 2) nur noch leichte, überwiegend sitzende Tätigkeiten
verrichten. Nicht mehr zumutbar sind Tätigkeiten in Zwangshaltungen, ohne
Wechselbelastungen, mit kauernden Tätigkeitsanteilen, mit Überkopftätigkeiten, mit
Gewichtheben über 5 bis vereinzelt 10 kg und mit Anforderungen an das
Gleichgewichtsvermögen. Die begutachtenden Ärzte gehen von einer Arbeits- und
Leistungsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 50% sowie einem erhöhten
Pausen- und Erholungsbedarf aus. Zur Arbeitszeiteinteilung und -gestaltung findet sich
im Gutachten lediglich ein Hinweis (act. G 9.3 S. 18). Genannt wird beispielhaft ein
tägliches Arbeitspensum von 6 Stunden aufgeteilt in 2 mal 3 Stunden, alles mit
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erhöhtem Pausen- und Erholungsbedarf. Da diese Angaben zur Arbeitszeiteinteilung
und -gestaltung wenig konkret sind, gewinnt die Aussage des Klägers anlässlich der
SUVA-kreisärztlichen Untersuchung vom 22. Januar 2007, dass er jeweils nur eine
halbe Stunde sitzen, liegen oder gehen könne, an Bedeutung (act. G 9.3 S. 7). Wegen
der gesundheitlichen Einschränkungen kommen insbesondere Tätigkeiten in Frage, bei
denen kein Zeit- und Termindruck besteht und der Kläger weitestgehend frei in der
Arbeitszeiteinteilung ist. Hinsichtlich des zumutbaren und geeigneten Arbeitsinhaltes
kann von den Angaben im Gutachten des ABI ausgegangen werden (act. G 9.3 S. 18
und 20).
4.6.3 Der Kläger bringt im Weiteren vor, dass sein Alter in Kombination mit den
gesundheitlichen Einschränkungen eine Anstellung faktisch verunmögliche (act. G 1
S. 6 und 8). Dazu ist anzumerken, dass – wie die Beklagte zutreffend vorbringt – ein
fortgeschrittenes Alter (50 plus) eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit nicht
grundsätzlich ausschliesst (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. November 2013,
9C_1033/2012, E. 5.1 und 5.3; act. G 9 S. 11). Trotzdem gilt auch hinsichtlich der
altersbedingten Auswirkungen, dass die konkrete Arbeitsstelle zu würdigen ist. Sucht
bspw. ein Arbeitgeber eine Person mit einer bestimmten Qualifikation bzw.
Berufserfahrung, so ist ein fortgeschrittenes Alter in der Regel kein
Ausschlusskriterium. Sind die Anforderungen an eine Tätigkeit jedoch gering, so
werden Kriterien wie das Alter, die Leistungsfähigkeit, die zeitliche Verfügbarkeit und
die Flexibilität wichtiger. Gemäss einer Studie werden bei gleichen Qualifikationen in
der Regel die jüngeren den älteren Bewerbenden vorgezogen. Arbeitskräfte über 50
Jahren werden oftmals nur angestellt, wenn diese über spezifische Fähigkeiten als
Spezialisten oder über Erfahrungen als Führungskräfte verfügen (vgl. Werner
Aeberhardt et al., Die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden, Staats
sekretariat für Wirtschaft (SECO), 2005, <http://www.50plusoutinwork.ch/cms/images/
Seco_2005arbeitsmarktfaehigkeit_aean_def_d.pdf>, abgerufen am 30. April 2015,
S. 9 f., 13 und 16). Da der Kläger keine verwertbaren beruflichen Qualifikationen besitzt,
kommen folglich nur unqualifizierte Tätigkeiten in Frage. Insofern wirkt sich das
fortgeschrittene Alter des Klägers (Jahrgang 1956) in Kombination mit der
angeschlagenen Gesundheit und der reduzierten Leistungsfähigkeit klar negativ auf die
Vermittlungsfähigkeit bzw. auf die Chancen auf eine Anstellung aus.
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4.6.4 Der Kläger bringt ausserdem vor, dass er wegen seiner Herkunft bzw.
Nationalität (Serbien-Montenegro) auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sei (act. G 1 S. 6
und 8). Bei gleicher Qualifikation werde einem Schweizer praktisch immer der Vorzug
gegeben (act. G 15 S. 5). Die Beklagte widerspricht dieser Aussage mit dem Argument,
der Kläger besitze die Niederlassungsbewilligung C und sei daher einem Schweizer
Stellensuchenden gleichgestellt (act. G 9 S. 11). Die Argumentation der Beklagten
überzeugt jedoch nicht. Der Einfluss der Herkunft bzw. der Nationalität auf die
Chancen, eine Anstellung zu finden, lässt sich zwar nicht genau quantifizieren, da
einerseits entsprechende Untersuchungen fehlen und andererseits eine Trennung von
anderen Einflussfaktoren wie mangelnde Sprachkenntnisse kaum möglich ist. Dennoch
ist davon auszugehen, dass der aus Serbien-Montenegro stammende Kläger im
Vergleich zu Schweizern deutlich geringere Chancen auf eine Anstellung hat (vgl.
Werner Haug, Migranten und ihre Nachkommen auf dem Arbeitsmarkt: Ein Überblick,
Bundesamt für Statistik (BFS), 2006, <http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/
news/publikationen.Document.86484.pdf>, abgerufen am 30. April 2015, S. 11 f. und
17).
4.7 Hinsichtlich der in Frage kommenden Arbeitsstellen haben sich – soweit aus den
Akten ersichtlich – weder der Kläger, noch das RAV und auch nicht die Ärzte konkret
geäussert. Der Kläger bringt diesbezüglich lediglich vor, dass er seine
Restarbeitsfähigkeit nicht verwerten könne (act. G 1 S. 4 und 9 und G 15 S. 3 f.). Die
begutachtenden Ärzte umschreiben lediglich, welche Tätigkeiten der Kläger noch
ausführen kann (act. G 9.3 S. 7, 18 und 20: sehr leichte Tätigkeiten in
Wechselpositionen; leichte; gut adaptierte, überwiegend sitzende und
wechselbelastende Tätigkeiten im Sinne einer 50%igen Arbeitsfähigkeit; leichte
überwiegend sitzende Tätigkeiten, verschiedentlich adaptiert). Die Beklagte ist der
Ansicht, dass dem Kläger noch recht viele verschiedene Tätigkeiten auf dem freien
Arbeitsmarkt möglich sind, die allesamt keine Berufsausbildung erfordern, und nennt
als Möglichkeiten Fliessband-, Montage-, Chauffeur- und Überwachungsarbeiten aller
Art. Zutreffend ist, dass in den genannten Tätigkeitsgebieten oft ungelernte
Arbeitskräfte beschäftigt werden. Wieso diese Tätigkeiten für den Kläger geeignet sein
sollen, hat die Beklagte jedoch nicht aufgezeigt (act. G 9 S. 4 und G 17 S. 3).
Erforderlich wäre eine hinreichende Auseinandersetzung mit den Anforderungen der
vorgeschlagenen Tätigkeiten und den persönlichen Umständen des Klägers (vgl. dazu
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E. 4.6.1 bis 4.6.4). Zur vorgeschlagenen Fliessbandarbeit ist anzumerken, dass sich
diese Produktionsmethode dadurch auszeichnet, dass die auszuführenden
Arbeitsgänge und der Transport zwischen den Produktionsstellen im festen zeitlichen
Rhythmus erfolgen. Dies bedingt, dass die eingesetzten Personen ihre Leistung stetig
erbringen müssen, ansonsten der ganze Prozess ins Stocken geraten kann. Diese
Anforderung kann der Kläger jedoch wegen des Gesundheitsschadens, der reduzierten
Leistungsfähigkeit und des erhöhten Pausen-/ Erholungsbedarfs kaum erfüllen.
Hinsichtlich des vorgeschlagenen Einsatzes in der Montage ist anzufügen, dass es
verschiedenste Montagearbeitsplätze mit unterschiedlichsten Anforderungen gibt. So
kann es sich bspw. um eine Montagetätigkeit im Rahmen einer Serienfertigung oder
einer Einzelanfertigung handeln. Die Montagetätigkeit kann bspw. in einem
Fertigungsbetrieb oder extern auf einer Baustelle oder beim Kunden erfolgen. Obwohl
die Arbeitsstellenanforderungen sehr unterschiedlich sein können, sind gute
Deutschkenntnisse heutzutage in der Regel unabdingbar, bspw. damit
Arbeitsanweisungen verstanden und korrekt ausgeführt werden können. Viele
Montagetätigkeiten kann der Kläger zudem wegen des Gesundheitszustandes (keine
kauernden Tätigkeiten, keine Überkopfarbeiten, grundsätzlich sitzende Tätigkeit mit
Wechselbelastungen, keine schweren Lasten) nicht ausführen (vgl. act. G 9.3 S. 7 und
18). Hinsichtlich der vorgeschlagenen Chauffeurtätigkeit ist festzustellen, dass der
Kläger nicht über einen Führerausweis für Motorfahrzeuge verfügt und Lasten
grundsätzlich nur bis 5 vereinzelt 10 kg anheben kann (act. G 15 S. 4 und G 9.3 S. 18).
Zu den vorgeschlagenen "Überwachungsarbeiten aller Art" ist anzumerken, dass die
Arbeitsplatzanforderungen sehr unterschiedlich sein können, jedoch von den
Mitarbeitenden heute meist verlangt wird, dass sie nicht nur feststellen, dass Vorgaben
nicht eingehalten sind bzw. Abweichungen vorliegen, sondern dann auch
situationsgerecht handeln und nach (schriftlichen) Anweisungen die nächsten
Arbeitsschritte ausführen. Hinzu kommt, dass die Anforderungen an die Mitarbeitenden
stetig steigen, bspw. als eine Folge, dass immer mehr (Industrie-) Betriebe zertifiziert
sind (bspw. nach der Normenreihe EN ISO-9000). Arbeitgeber setzen daher bei
Neueinstellungen gute Deutschkenntnisse regelmässig voraus. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die von der Beklagten vorgeschlagenen Tätigkeiten insbesondere
wegen der fehlenden Deutschkenntnisse und der gesundheitlichen Einschränkungen
für den Kläger nicht geeignet sind.
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4.8 Im Folgenden ist die tatsächliche Lage auf dem Arbeitsmarkt zu analysieren und zu
würdigen. Relevant ist der Arbeitsmarkt für ungelernte Arbeitskräfte im Kanton St.
Gallen bzw. der Region Ostschweiz, da der Kläger mit seiner Familie im St. Galler
Rheintal wohnt (act. 9.2 und 9.3 S. 10).
4.8.1 Der Kläger hat bis zu seinem Unfall im Baugewerbe gearbeitet. Die
Weiterbeschäftigung in der bisherigen Tätigkeit kommt wegen des
Gesundheitsschadens nicht in Frage (act. G 9.3 S. 20). Zu prüfen ist daher, ob andere
Tätigkeiten im Sekundärsektor oder auch im Tertiärsektor der Wirtschaft in Frage
kommen. Zum Sekundärsektor (auch Industriesektor genannt) gehören nebst dem
Baugewerbe u.a. das verarbeitende Gewerbe/Handwerk, die Industrie und die Energie-
und Wasserversorgung. Der Arbeitsmarkt im industriellen Sektor in der (Ost-) Schweiz
hat in den letzten beiden Jahrzenten tiefgreifende Änderungen erfahren, wobei der
Wandel noch nicht abgeschlossen ist. Folgende Entwicklungen sind für den
vorliegenden Fall wesentlich: Die Internationalisierung der Arbeitsteilung führt dazu,
dass insbesondere einfache, repetitive Tätigkeiten vermehrt ins kostengünstigere
Ausland verlagert werden. Der technische Fortschritt fördert, dass der Arbeitsaufwand
insbesondere für die Herstellung von technischen Produkten abnimmt und die
Nachfrage nach höher qualifizierten Arbeitskräften zu Lasten von Un- und Angelernten
zunimmt. Diese Entwicklungen im Sekundärsektor führen zu einer kontinuierlichen
Verlagerung der Beschäftigung von den gewerblich-industriellen Tätigkeiten hin zu den
Dienstleistungsberufen (Tertiärsektor). Anspruchslose Tätigkeiten im
Dienstleistungsbereich, die mehrheitlich von Ungelernten ausgeübt werden, finden sich
im Strassenverkehr, Transportbereich, Gastgewerbe sowie in der Reinigung und
Entsorgung. Die Entlohnung der niedrigqualifizierten Dienstleistungstätigkeiten ist im
Vergleich zu ähnlich anspruchslosen Tätigkeiten in der Industrie schlechter (vgl. George
Sheldon, Migration, Integration und Wachstum: Die Performance und wirtschaftliche
Auswirkung der Ausländer in der Schweiz, Forschungsstelle für Arbeitsmarkt- und
Industrieökonomik (FAI), Universität Basel, 2007, <https://wwz.unibas.ch/fileadmin/
wwz/redaktion/fai/Publikationen/EKA_Studie.
pdf>, abgerufen am 30. April 2015, S. 3 f. und 33 f.). Der Strukturwandel mit der
Verlagerung vom Sekundär- in den Tertiärsektor spiegelt sich auch in der Anzahl der
offenen (Teilzeit-) Stellen wieder. Die Auswertung der Datenbank der Regionalen
Arbeitsvermittlungszentren (RAV) des Staatssekretariats für Arbeit SECO (<http://
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www.treffpunkt-arbeit.ch> bzw. <https://www.job-room.ch/pages/job/
jobSearch.xhtml>; abgerufen am 30. April 2015) und von Stellenportalen (<http://
www.ostjob.ch>; <http://www.jobs.ch>; <http://jobwinner.ch>; <http://
www.jobscout24.ch>; abgerufen am 30. April 2015) hinsichtlich der offenen
Teilzeitstellen (Pensum bis 50%) im Kanton St. Gallen bzw. in der Ostschweiz hat
ergeben, dass ungelernte Mitarbeitende insbesondere für Stellen in der Logistik, im
Transportgewerbe, in der Hauswirtschaft/Reinigung, in der Sicherheitsbranche und im
Verkauf gesucht werden. Teilzeitstellen im Industriesektor fehlen fast gänzlich. Im
Dienstleistungssektor dagegen gibt es ein ansehnliches Angebot an Teilzeitstellen für
ungelernte Personen, wobei dieses für Frauen grösser ist als für Männer. Die
Auswertung der Anforderungen der ausgeschrieben Teilzeitstellen (Pensum bis 50%)
für ungelernte Personen hat ergeben, dass bei den für den Kläger grundsätzlich in
Frage kommenden Stellen durchwegs gute bis einwandfreie Deutschkenntnisse
verlangt werden.
4.8.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es im Ostschweizer Arbeitsmarkt für
den Kläger insbesondere wegen der fehlenden verwertbaren beruflichen
Qualifikationen, der fehlenden guten Deutschkenntnisse sowie der eingeschränkten
Leistungsfähigkeit und des erhöhten Pausenbedarfs überwiegend wahrscheinlich keine
geeignete und zumutbare Teilzeitstelle gibt, in welcher er seine Restarbeitsfähigkeit
verwerten könnte. Zudem wäre kaum ein Arbeitgeber bereit, den in ärztlicher
Behandlung stehenden, ungelernten Kläger anzustellen und sich damit dem erhöhten
Risiko von gesundheitsbedingten Absenzen auszusetzen. Der Ansicht der Beklagten,
dass dem Kläger noch recht viele Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung
stehen würden, kann daher nicht gefolgt werden. Anzumerken ist, dass selbst mit
beruflichen Massnahmen die Vermittlungsfähigkeit des Klägers kaum verbessert
werden könnte, bzw. solche Massnahmen wohl nicht verhältnismässig wären. So
haben denn auch weder die begutachtenden Ärzte des ABI (act. G 9.3 S. 20), noch die
IV-Stelle und auch nicht das RAV berufliche Massnahmen empfohlen bzw. verfügt.
4.9
4.9.1 Die Beklagte macht im Weiteren geltend, es sei, nachdem der Kläger nicht
durch genügende und ernsthafte Arbeitsbemühungen nachgewiesen habe, dass er kein
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dem Invalideneinkommen entsprechendes Einkommen auf dem tatsächlichen
Arbeitsmarkt erzielen könne, zulässig, wenn sie ihm in der
Überentschädigungsberechnung ein zumutbarerweise erzielbares Erwerbseinkommen
anrechne (act. G 9 S. 14).
4.9.2 Der Kläger führt dazu aus, dass er trotz diverser Arbeitsbemühungen und mit
Hilfe des RAV sowie grosser Unterstützung seiner Tochter während vieler Monate keine
Stelle finden konnte. Die Chancen, auf dem Arbeitsmarkt eine geeignete und
zumutbare Stelle zu finden, seien aufgrund der persönlichen Umstände (Alter, fehlende
berufliche Ausbildung, Nationalität und weitgehend fehlende Deutschkenntnisse) sehr
gering. Als Beweis, dass er keine reellen Chancen auf eine geeignete und zumutbare
Anstellung habe, führt der Kläger das Bestätigungsschreiben des RAV vom 17. August
2011 an (act. G 1 S. 6 und G 1.11).
4.9.3 Die Beklagte ging korrekterweise von der Vermutung aus, dass dem Kläger ein
zumutbares erzielbares Einkommen in der Höhe des im
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgelegten Invalideneinkommens
anzurechnen sei. Nach der Rechtsprechung liegt es am Anspruchsberechtigten, diese
Vermutung zu widerlegen, indem er Umstände geltend macht, welche der Erzielung
eines mit dem Invalideneinkommen äquivalenten Resterwerbseinkommens konkret
entgegenstehen. Der Anspruchsberechtigte trägt
folglich die Behauptungs- und Substantiierungslast, wofür er soweit möglich Beweise
anzubieten hat (vgl. E. 4.5).
4.9.4 Im Folgenden ist daher zu beurteilen, ob der Kläger seine Behauptungs- und
Substantiierungspflicht erfüllt hat. In der Rechtsprechung wird diesbezüglich
regelmässig folgende Formulierung verwendet: "Die versicherte Person hat die im
konkreten Einzelfall massgebenden persönlichen Umstände und tatsächlichen
Arbeitsmarktchancen, welche der Erzielung eines mit dem Invalideneinkommen
äquivalenten Resterwerbseinkommen entgegenstehen, im
Überentschädigungsverfahren zu behaupten, zu substantiieren und hiefür soweit
möglich Beweise anzubieten, namentlich durch den Nachweis erfolglos gebliebener
Stellenbemühungen" (BGE 134 V 64 E. 4.2.2; 140 I 50 E. 3.2.2). Gemäss dieser
Formulierung sollte der Versicherte für seine Einwände nach Möglichkeit Beweise
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anbieten und zwar in der Regel mittels des Nachweises erfolglos gebliebener
Stellenbemühungen. Die Redewendung "soweit möglich" weist darauf hin, dass die
Verpflichtung zum Anbieten von Beweisen nicht uneingeschränkt gilt. Der Kläger hat
zum Beweis, dass er seine Restarbeitsfähigkeit nicht verwerten kann, nebst seinen
Ausführungen in den Rechtsschriften u.a. ein ausgefülltes Formular der
Arbeitslosenversicherung (Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen vom Juni
2011; act. G 15.1) und eine Bestätigung des RAV vom 17. August 2011 bezüglich
seiner Vermittlungsunfähigkeit (act. G 1.11) ins Recht gelegt.
4.9.5 Das Klageverfahren vor dem Versicherungsgericht richtet sich insbesondere
nach dem VRP. Gemäss Art. 12 Abs. 1 i.V.m. Art. 58 Abs. 1 VRP ermittelt das Gericht
den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen durch Befragen von
Beteiligten, Auskunftspersonen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden,
Amtsberichten und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeignete
Weise. Das Gericht kann folglich unabhängig vom Nachweis erfolgloser
Stellenbemühungen gestützt auf weitere bzw. andere Beweise zur Überzeugung
gelangen, dass der Kläger die Behauptungs- und Substantiierungspflicht erfüllt hat und
damit die Vermutung widerlegt ist, dass das im invalidenversicherungsrechtlichen
Verfahren ermittelte Invalideneinkommen dem in der Überentschädigungsberechnung
der beruflichen Vorsorge zu berücksichtigenden zumutbarerweise noch erzielbaren
Erwerbseinkommen entspricht.
4.9.6 Das Gericht hat vorliegend insbesondere die Rechtsschriften der Parteien, die
Akten und die Arbeitsmarktlage gewürdigt und ist dabei zur Überzeugung gelangt,
dass bei Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände (vgl.
E. 4.6.1 bis 4.6.4 und E. 4.7) der Kläger keine reellen Chancen hat, auf dem für ihn
relevanten Arbeitsmarkt (vgl. E. 4.8) eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zu
finden, so dass er seine Restarbeitsfähigkeit verwerten könnte. Hinsichtlich des
Einwands der Beklagten, dass der Kläger den Nachweis genügender
Stellenbemühungen nicht erbracht habe, ist anzumerken, dass der Kläger zwar nur
sehr wenige Stellenbewerbungen belegt hat, dies jedoch vorliegend nicht
ausschlaggebend ist, denn aufgrund der gesamten persönlichen Umstände und der
Arbeitsmarktlage wären weitere Spontanbewerbungen mit grosser Wahrscheinlichkeit
ebenfalls erfolglos geblieben, zumal auch der Mitarbeiter des RAV im Schreiben vom
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17. August 2011 von der Vermittlungsunfähigkeit des Klägers ausgeht (act. G 1.11).
Anzufügen ist, dass selbst die Beklagte die Ansicht vertritt, dass eine grosse Anzahl an
Blind- bzw. Spontanbewerbungen nicht (alleinig) für den Nachweis genügender
Stellenbemühungen ausreicht (act. G 9 S. 13). Der Nachweis weiterer
Spontanbewerbungen hätte daher für die Beurteilung der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit keine neuen Erkenntnisse gebracht.
4.9.7 Die Vermutung, dass das im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
ermittelte Invalideneinkommen dem in der Überentschädigungsberechnung der
beruflichen Vorsorge zu berücksichtigenden zumutbarerweise noch erzielbaren
Erwerbseinkommen im Sinne von Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 entspricht, ist
demzufolge widerlegt. Der Beklagten ist es deshalb verwehrt, in der
Überentschädigungsberechnung dem Kläger ein noch erzielbares Erwerbseinkommen
anzurechnen.
5.
Der Kläger fordert von der Beklagten eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunfähigkeit
von 100%. Zu prüfen ist folglich, von welchem Invaliditätsgrad bei der Festlegung der
Invalidenrente der beruflichen Vorsorge auszugehen ist. Gemäss Rechtsprechung
besteht gestützt auf Art. 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 BVG eine grundsätzliche Bindung
der obligatorischen beruflichen Vorsorge an den Invaliditätsgrad der IV (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Juni 2015, 9C_66/2015, E. 1.3; BGE 133 V 67 E. 4.3.2; Stauffer,
a.a.O., Rz. 871). Die BVG-Regelung entspricht grundsätzlich Art. 26 Abs. 3 letzter Satz
des Reglements der Pensionskasse, wonach sich die Leistungen der Pensionskasse
nach dem von der IV verfügten Invaliditätsgrad richten. Die IV-Stelle legte mit
Verfügung vom 4. November 2009 den Invaliditätsgrad ab 1. Mai 2007 auf 62% fest
(act. G 1.4: Valideneinkommen Fr. 62'218.--, Invalideneinkommen Fr. 23'714.--). Die
Invalidenrente der Pensionskasse ist folglich auf der Basis eines IV-Grads von 62%
auszurichten.
6.
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Der Kläger fordert von der Beklagten Rentenleistungen ab dem 1. August 2007 (act.
G 1 S. 2). Die Beklagte vertritt die Ansicht, dass sie – wenn überhaupt – Leistungen erst
ab November 2008 zu erbringen hätte, da die vorhergehenden Ansprüche verjährt
seien (act. G 9 S. 8). Zu prüfen ist daher, ab wann die Beklagte dem Kläger Leistungen
schuldet. Gemäss Art. 41 Abs. 2 BVG verjähren Forderungen auf periodische
Leistungen nach fünf Jahren. Die Artikel 129 bis 142 des Obligationenrechts sind
anwendbar. Bei der Klageeinreichung nach Art. 73 Abs. 1 BVG ist keine Frist zu
beachten (Sylvie Pétremand in: Jacques-André Schneider/Thomas Geiser/Thomas
Gächter [Hrsg.], Handkommentar zum BVG und FZG, 2010, N 23 zu Art. 41). Die
einzelnen Rentenzahlungen unterliegen jedoch der Verjährung (Pétremand, a.a.O., N 10
zu Art. 41; BGE 117 V 329 E. 4). Da der Kläger weder eine verjährungsunterbrechende
Handlung i.S.v. Art. 135 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht; OR; SR 220)
geltend gemacht hat, noch eine entsprechende Handlung aus den Akten ersichtlich ist,
wurde erst mit der Klageeinleitung am 8. November 2013 die fünfjährige
Verjährungsfrist für die laufenden Rentenleistungen unterbrochen (act. G 1). Der Kläger
hat daher erst ab dem 1. November 2008 Anspruch auf eine Invalidenrente von der
Beklagten.
7.
7.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage dahingehend gutzuheissen,
dass die Beklagte verpflichtet wird, dem Kläger ab 1. November 2008 eine
Invalidenrente auf der Basis eines IV-Grads von 62% auszurichten. Die Angelegenheit
ist zur Berechnung der Leistungen an die Beklagte zu überweisen (vgl. dazu BGE
129 V 450 E. 3.4).
7.2 Im Recht der beruflichen Vorsorge existiert bezüglich einer verspäteten
Ausrichtung von reglementarischen Leistungen keine gesetzliche Grundlage über die
Verzugszinspflicht. Enthält das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine Regelung, ist
gemäss Rechtsprechung ein Verzugszins analog Art. 105 Abs. 1 OR erst mit
Klageeinreichung geschuldet (Stauffer, a.a.O., Rz. 1126; BGE 119 V 133 E. 4c; Urteil
des Bundesgerichts vom 6. September 2011, 9C_35/2011, E. 6.6). Enthält das
Reglement der Pensionskasse eine Bestimmung über die Höhe des Verzugszinses, so
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geht dieser Zinssatz demjenigen nach Art. 104 Abs. 1 OR vor (Urteil des
Bundesgerichts vom 24. Februar 2015, 9C_464/2014, E. 3.5; BGE 119 V 131 E. 4b).
Gemäss Art. 29 Abs. 2 des Reglements der Pensionskasse entspricht der Verzugszins
dem Mindestzins nach BVG. Im vorliegenden Fall hat der Kläger am 8. November 2013
die Klage eingeleitet (act. G 1); somit schuldet ihm die Beklagte ab diesem Zeitpunkt
auf den ausstehenden Leistungen den Mindestzins gemäss BVG.
7.3 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Hingegen hat der
Kläger bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf den Ersatz der ausseramtlichen
Kosten durch die Beklagte (Art. 98 f. VRP). Gemäss Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) beträgt
das Honorar in der Verwaltungsrechtspflege vor Versicherungsgericht Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.--, wobei es innerhalb dieses Rahmens nach den besonderen Umständen,
namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und
den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen wird (Art. 19 HonO). Das
Versicherungsgericht hat für die vor ihm geführten Verfahren aufgrund von
Erfahrungswerten Entschädigungspauschalen festgelegt. Für BVG-Prozesse mit
üblicherweise doppeltem Schriftenwechsel beträgt diese Entschädigung Fr. 2'500.--
bis Fr. 4'500.--, mit einer mittleren Entschädigung von Fr. 3'500.--. Im vorliegenden Fall
sind keine Besonderheiten wie z.B. überdurchschnittlicher Aufwand oder besondere
Schwierigkeiten auszumachen, die ein Abweichen von diesem Entschädigungsrahmen
begründen würden. Es rechtfertigt sich daher, dem bezüglich des Anspruchs auf eine
Dauerleistung obsiegenden Kläger eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
zuzusprechen.