Decision ID: a293f870-2794-4cf0-8bc9-1d7896d97d05
Year: 2006
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X.Z. wohnt in C. und betreibt dort seit Jahren ein Geschäft für Boden- und
Wandbeläge in Form einer Einzelfirma. Seit 31. August 2001 ist er mit Y.Z. verheiratet.
In der Steuererklärung 2001a, die X.Z. am 23. November 2001 einreichte, deklarierte er
keine ausserordentlichen Einkünfte. Die Veranlagungsbehörde stellte aufgrund der
eingereichten Gewinn- und Verlustrechnungen für die Geschäftsjahre 1999 und 2000
fest, dass X.Z. in diesen beiden Ausfalljahren aus seiner Einzelfirma ungewöhnlich hohe
Gewinne erzielt hatte. Gestützt auf Vorjahresvergleiche (als Produktions- und
Handelsbetrieb) stellte sie verschiedene Berechnungen an und besprach diese offenbar
mit der Treuhänderin des Steuerpflichtigen. Bei einer Vorsprache am 27. Mai 2004 soll
nach Angaben der Vertreterin eine Vereinbarung über die Besteuerung von je Fr.
100'000.-- als ausserordentliche Einkünfte für die Jahre 1999 und 2000 getroffen
worden sein. Mit Verfügung vom 18. Juni 2004 wurden X. und Y.Z. mit einer separaten
Jahressteuer auf ausserordentlichen Einkünften von je Fr. 100'000.-- zum Satz von Fr.
15'000.-- (Tarif A) veranlagt.
B.- Gegen die Veranlagungen der separaten Jahressteuern für 1999 und 2000 erhob
X.Z. in Vertretung der ehelichen Gemeinschaft am 14. Juli 2004 Einsprache beim
kantonalen Steueramt, wobei er ausführte, dass die entsprechenden Begründungen
wegen eines Wechsels des Steuerberaters und der Ferienzeit bis Ende September
2004 nachgereicht würden.
Mit Schreiben vom 26. August 2004 gewährte das kantonale Steueramt den
Einsprechern eine Frist bis 30. September 2004 zwecks Begründung der Einsprache.
Dabei führte es aus, dass eine Nachkontrolle ergeben habe, dass aufgrund der
eingereichten Unterlagen die ausserordentlichen Einkünfte in den Jahren 1999 und
2000 bei rund Fr. 110'000.-- bzw. Fr. 190'000.-- liegen würden, weshalb die
Veranlagungen zu Ungunsten der Steuerpflichtigen zu korrigieren seien. Es werde
ihnen daher eine Frist bis 30. September 2004 gewährt, um Stellung dazu zu nehmen.
Andernfalls würden die Veranlagungen zu ihren Ungunsten korrigiert.
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Mit Schreiben vom 30. September 2004 zog X.Z. die Einsprache gegen die
Veranlagungen der separaten Jahressteuern für 1999 und 2000 ohne Begründung
zurück. In einer E-Mail vom 27. Januar 2005 teilte der Steuerkommissär X.Z., der ihn
vorgängig per E-Mail wegen verschiedener Steuerprobleme angefragt hatte, mit, dass
dem Rückzug der Einsprache vom 14. Juli 2004 betreffend die Jahressteuern 1999 und
2000 nicht stattgegeben werden könne, da die zugrunde liegende Veranlagung
mutmasslich falsch sei. Sofern die Einsprecher der Ansicht seien, dass es Gründe
gebe, die für ausserordentliche Einkünfte von Fr. 100'000.-- statt Fr. 190'000.--
sprechen würden, seien sie gebeten, eine kurze Stellungnahme hinsichtlich dieser
Gründe einzureichen; andernfalls wäre die Einsprache in diesen Punkten abzuweisen.
X.Z. liess sich nicht vernehmen.
Das kantonale Steueramt wies mit Entscheid vom 19./27. April 2005 die Einsprache
vom 14. Juli 2004 ab und veranlagte X. und Y.Z. neu für 1999 und 2000 mit
ausserordentlichen Einkünften von Fr. 110'000.-- (1999) und Fr. 190'000.-- (2000) zu
eben diesem Satz (Tarif A) mit separaten Jahressteuern. Sie wies darauf hin, dass
einem Rückzug der Einsprache keine Folge geleistet werden müsse, wenn nach den
Umständen anzunehmen sei, dass die Veranlagung unrichtig gewesen sei. Da der
Einsprecher weder seine Einsprache begründet noch sich zur angedrohten
Schlechterstellung geäussert habe, seien die ausserordentlichen Einkünfte für 1999 mit
Fr. 110'000.-- und für 2000 mit Fr. 190'000.-- zu bemessen.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob X.Z. mit Eingabe vom 19. Mai 2005
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Am 30. Juni 2005 reichte der Vertreter
im Namen von X. und Y.Z. die Ergänzung ein. Sie beantragen, der Einsprache-
Entscheid des kantonalen Steueramtes vom 19./27. April 2005 sei aufzuheben und es
sei festzustellen, dass die Veranlagungsverfügungen/Schlussrechnungen vom 18. Juni
2004 betreffend ausserordentliche Einkünfte pro 1999 und 2000 zufolge Einsprache-
Rückzuges in Rechtskraft erwachsen seien. Eventualiter sei festzustellen, dass in den
Jahren 1999 und 2000 keine ausserordentlichen Einkünfte angefallen seien bzw. -
subeventualiter - maximal Fr. 39'500.-- im Jahre 2000; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
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In ihrer Vernehmlassung vom 28. September 2005 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung des Rekurses. Sie hält ihr Vorgehen im Einspracheverfahren für formell
richtig und weist darauf hin, dass bei der Einsprachebearbeitung festgestellt worden
sei, dass aufgrund eines Eingabefehlers die Besteuerung der ausserordentlichen
Einkünfte lediglich zum Satz von Fr. 15'000.-- erfolgt sei, was eine Berichtigung zur
Folge gehabt hätte.
Die Rekurrenten liessen sich am 14. November 2005 vernehmen. Ihr Vertreter reichte
am 21. November 2005 seine Kostennote von Fr. 12'589.20 ein. Die Vorinstanz nahm
am 29. November 2005 Stellung dazu. Der Vertreter der Rekurrenten liess sich
daraufhin mit Eingabe vom 4. Januar 2006 und unter Einreichung von Beweismitteln
zur Kostennote erneut vernehmen.
Auf die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten

Ausführungen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. Mai 2005 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 30. Juni 2005 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Rekurrenten machen im Hauptantrag geltend, der angefochtene Einsprache-
Entscheid sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Veranlagungsverfügungen/
Schlussrechnungen der Staats- und Gemeindesteuern betreffend die
ausserordentlichen Einkünfte 1999 und 2000 je vom 18. Juni 2004 zufolge Einsprache-
Rückzuges in Rechtskraft erwachsen seien. Die Gutheissung dieses Antrages hätte zur
Folge, dass X. und Y.Z. für 1999 und 2000 mit ausserordentlichen Einkünften von je Fr.
100'000.-- zum Satz von Fr. 15'000.-- (Tarif A) veranlagt blieben.
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a) Die Rekurrenten machen im Wesentlichen geltend, dass die reformatio in peius für
Sachverhalte vorgesehen sei, bei denen die unrichtige Steuerfestsetzung auf
unvollständigen oder allenfalls nicht eindeutigen Grundlagen beruhe. Letzteres sei
vorliegend gerade nicht gegeben. Der Sachverhalt sei vor Erlass der Veranlagungen
vom Steuerkommissär und ihrem Treuhänder einlässlich und detailliert besprochen
worden. Ferner hätten sämtliche Bilanz- und Erfolgsrechnungen vorgelegen. Gestützt
darauf habe der Steuerkommissär die ausserordentlichen Einkünfte festgesetzt. Dabei
habe er sein Ermessen offensichtlich nicht überschritten und es sei ihm auch kein
offensichtlicher Fehler unterlaufen, so dass er sich dabei behaften lassen müsse. Die
Schlechterstellung der Rekurrenten basiere nicht auf neuen Tatsachen oder
Erkenntnissen, sondern auf einer blossen (nachträglichen) Meinungsänderung des
Steuerkommissärs. Die Vornahme einer reformatio in peius sei deshalb unzulässig
gewesen. Vor diesem Hintergrund hätte auch dem Einsprache-Rückzug Folge geleistet
werden müssen, zumal es keine Anhaltspunkte dafür gegeben habe, dass die
Veranlagungen unrichtig gewesen seien. Vielmehr seien die Rekurrenten in ihrem
berechtigten Vertrauen in deren Richtigkeit zu schützen. Hinzu komme, dass die
Vorinstanz selber durch ihre Meldung der ausserordentlichen Einkünfte gemäss
Veranlagungsverfügungen vom 18. Juni 2004 an die Ausgleichskasse des
Schweizerischen Gewerbes im Oktober 2004, d.h. nach Kenntnis des Einsprache-
Rückzuges vom 30. September 2004, kundgetan habe, dass der Rückzug der
Einsprache gültig und die Steuerveranlagungen rechtskräftig seien. Durch die
Nichtanerkennung des Einsprache-Rückzuges habe sie sich widersprüchlich verhalten
und den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt.
Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass ihr in Bezug auf die vorgenommene
reformatio in peius kein fehlerhaftes formelles Vorgehen angelastet werden könne. Da
eine Nachkontrolle der ausserordentlichen Einkünfte im Einspracheverfahren ergeben
habe, dass diese höher ausfallen würden, habe dem Einsprache-Rückzug gestützt auf
Art. 181 StG keine Folge geleistet werden können.
b) Einem Rückzug der Einsprache wird nach Art. 181 Abs. 3 StG keine Folge geleistet,
wenn nach den Umständen anzunehmen ist, dass die Veranlagung unrichtig war. Damit
wird die Verfügungsfreiheit über den Streitgegenstand durchbrochen zugunsten der
Offizialmaxime (M. Zweifel in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/2b, Basel
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2000, N 22 zu Art. 134 DBG). Unrichtig ist eine Veranlagung immer dann, wenn ein
offensichtlicher Fehler vorliegt. Liegt der Veranlagung eine Rechtsverletzung inklusive
Ermessensmissbrauch oder Ermessensüberschreitung zugrunde, so ist einem Rückzug
keine Folge zu geben. Unklar ist hingegen die Rechtslage bei rein quantitativen
Korrekturen, sei das auf der Einkunfts- wie auf der Abzugsseite. Sind neue Tatsachen
oder Beweismittel zu Tage getreten, die im Sinne von Art. 199 StG zu einer Nachsteuer
führen würden, so liegt sicher eine unrichtige Veranlagung vor. Wird jedoch lediglich
die Beweiswürdigung oder die Ermessensbetätigung geändert, so erscheint die
ursprüngliche Veranlagung noch nicht als unrichtig. Jedenfalls liegt die Beweislast für
die Unrichtigkeit der Veranlagung bei der Steuerbehörde, wenn sie einem Einsprache-
Rückzug keine Folge leistet. Dabei ist zu beachten, dass die Veranlagungsbehörde
gestützt auf die Untersuchung über die Einsprache entscheidet und die Veranlagung
nur nach Anhörung des Steuerpflichtigen auch zu dessen Nachteil abändern kann (Art.
182 Abs. 1 StG). Unter diesen Grundsätzen sind die Veranlagungsverfügungen vom 18.
Juni 2004 und der Einsprache-Rückzug zu beurteilen.
c) Die Veranlagungsverfügungen erweisen sich in zwei wesentlichen Punkten als
offensichtlich unrichtig.
aa) Eine gemeinsame Steuerpflicht setzt voraus, dass die Eheleute Z. in den Jahren
1999 und 2000, in denen die umstrittenen ausserordentlichen Einkünfte aus dem
Einzelunternehmen des Rekurrenten angefallen und für welche die Jahressteuern
geschuldet sind, verheiratet waren (Art. 20 Abs. 1 StG). Da die Rekurrenten jedoch erst
am 31. August 2001 geheiratet haben, besteht erst ab diesem Zeitpunkt eine
gemeinsame Steuerpflicht. Demnach ist die Rekurrentin in Bezug auf die in den Jahren
1999 und 2000 zugeflossenen ausserordentlichen Einkünfte aus dem
Einzelunternehmen des Rekurrenten nicht steuerpflichtig. Steuerpflichtig ist
ausschliesslich der Rekurrent. Der Einsprache-Entscheid ist daher aufzuheben, soweit
die Rekurrentin veranlagt wurde. Der Rekurs ist deshalb gutzuheissen, soweit die
Rekurrentin betroffen ist.
bb) Nach Art. 314 Abs. 1 StG unterliegen ausserordentliche Einkünfte, die in den
Jahren 1999 und 2000 oder in einem Geschäftsjahr erzielt werden, das in diesen
Jahren abgeschlossen wird, für die Steuerperiode, in der sie zugeflossen sind, einer
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gesondert berechneten Jahressteuer gemäss Art. 292 oder 293 und 295 Abs. 1 und 4
dieses Gesetzes, soweit sie nicht nach Art. 294 dieses Gesetzes besteuert werden. Die
Jahressteuer wird in Anwendung Art. 292 (Tarif für Alleinstehende) und 293 StG (Tarif
für Ehegatten, Alleinstehende mit Kindern) zum Satz berechnet, der sich für diese
Einkünfte allein ergibt, wenigstens zum Satz eines steuerbaren Einkommens von Fr.
15'000.-- (Art. 295 Abs. 1 StG). Die Jahressteuer auf Einkünften gemäss Art. 52 StG
wird zum Satz einer entsprechenden wiederkehrenden Leistung, wenigstens zum Satz
eines steuerbaren Einkommens von Fr. 15'000.-- berechnet (Art. 295 Abs. 3 StG).
Die Veranlagungen der ausserordentlichen Einkünfte der Jahre 1999 und 2000 von je
Fr. 100'000.-- hat weder zum Mindest- noch zum Rentensatz zu erfolgen, sondern zum
Satz, der sich für diese Einkünfte allein ergibt. Es war daher offensichtlich falsch, die
Besteuerung zum Satz von Fr. 15'000.-- vorzunehmen. Damit erweisen sich die beiden
Veranlagungen vom 18. Juni 2004 als offensichtlich fehlerhaft. Die Vorinstanz hat dies
allerdings bei der Nichtanerkennung des Rückzuges nicht mitgeteilt. Sie macht
diesbezüglich erst in ihrer Vernehmlassung vom 28. September 2005 geltend, dass es
sich hierbei um einen Eingabefehler handle, der erst anlässlich der
Einsprachebearbeitung festgestellt worden sei und gestützt auf Art. 198 StG zu
berichtigen sei. Die Rekurrenten bestreiten zwar den Fehler in den Veranlagungen
nicht, stellen sich aber auf den Standpunkt, dass eine Berichtigung unzulässig sei. Da
die Veranlagungen offensichtlich unrichtig waren, hat die Vorinstanz dem Rückzug der
Einsprache zu Recht keine Folge geleistet. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage
der Berichtigung nach Art. 198 StG nicht mehr.
d) Zu beurteilen ist, ob auch in der Höhe der Veranlagungen von je Fr. 100'000.-- eine
unrichtige Veranlagung im Sinn von Art. 181 Abs. 3 StG liegt.
aa) Zunächst ist festzuhalten, dass es sich bei den angefochtenen Veranlagungen um
Ermessensveranlagungen handelt.
Gemäss Art. 177 Satz 1 StG nimmt die Veranlagungsbehörde die Veranlagung nach
pflichtgemässem Ermessen vor, wenn Steuerfaktoren oder Steuersubstrat mangels
zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden können oder der
Steuerpflichtige seine Verfahrenspflichten trotz Mahnung nicht erfüllt hat. Der
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Steuerpflichtige darf somit nicht ohne vorgängige Untersuchung und bei Verletzung
von Mitwirkungspflichten nicht ohne vorherige Androhung ermessensweise veranlagt
werden (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische
Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 194; GVP 1972 Nr. 68). Die Vorinstanz kann bei der
Ermessensveranlagung Erfahrungszahlen, Vermögensentwicklung und Lebensaufwand
des Steuerpflichtigen berücksichtigen (Art. 177 Satz 2 StG). Fehlt es an
entsprechenden Erfahrungszahlen und ist auch kein aussagekräftiger
Vermögensvergleich möglich, ist die Veranlagungsbehörde nicht an eine bestimmte
Methode gebunden, sondern kann die Sachverhaltslücke in freier Würdigung der
Verhältnisse schliessen (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 196).
Gestützt auf die Steuererklärung 2001a stellte die Vorinstanz fest, dass der Rekurrent
in der Übergangsperiode ungewöhnlich hohe Bruttogewinne aus seiner Einzelfirma
erzielt hatte, weshalb sie zum Schluss kam, dass er ausserordentliche Einkünfte erzielt
haben müsse. Da deren Ausmass trotz der eingereichten Rechnungsabschlüsse 1999
und 2000 nicht exakt feststellbar war, hat sie praxisgemäss als Behelf die
Bruttogewinnvergleichsmethode angewendet, welche eine Schätzung darstellt (VRKE I/
1 vom 18. August 2004 in Sachen M.W., S. 5 f.). Hierzu stellte sie auf die
Rechnungsabschlüsse der Jahre 1995-1998 und 2001-2002 ab und nahm
verschiedene Berechnungen zur Feststellung der Auflösung stiller Reserven auf
Debitoren und/oder angefangenen Arbeiten (Produktions-, Handelsbetrieb) vor, die zu
unterschiedlichen Ergebnissen führten. Nach einer Besprechung mit dem Vertreter der
Rekurrenten vom 27. Mai 2004 veranlagte sie diese vor dem Hintergrund dieser
Berechnungen für 1999 und 2000 mit separaten Jahressteuern auf ausserordentlichen
Einkünfte von je Fr. 100'000.-- (Handnotiz). In dieser schätzungsweisen Festlegung der
ausserordentlichen Einkünfte ist eine Ermessensveranlagung (Art. 177 StG) zu
erblicken. Daran vermag auch der Einwand der Vorinstanz nichts zu ändern, dass die in
Rechnung gestellten ausserordentlichen Einkünfte - im Sinne eines äussersten
Entgegenkommens der Steuerbehörde - das Ergebnis einer Vereinbarung seien,
welche anlässlich der Besprechung mit dem Vertreter der Rekurrenten zustande
gekommen sei, und nicht auf schlüssigen Berechnungen basieren würden, wie dies
von den Rekurrenten geltend gemacht werde. Massgebend ist allein, dass sie auf einer
Schätzung beruhen.
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bb) In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist bei der Ermessensveranlagung von Bedeutung,
dass der Steuerpflichtige bei einer zu Recht erfolgten Ermessensveranlagung in
Umkehrung der Beweisführungspflicht die offensichtliche Unrichtigkeit der Veranlagung
nachzuweisen hat. Die Einsprache ist zu begründen und muss allfällige Beweismittel
nennen (Art. 180 Abs. 2 StG). Damit verbunden ist indessen die Pflicht der
Veranlagungsbehörde, die Berechnung, auf die sich die Ermessensveranlagung
abstützt, dem Pflichtigen mitzuteilen (Art. 178 Abs. 2 StG). Nach Art. 181 Abs. 1 StG
werden die Bestimmungen des Veranlagungsverfahrens im Einspracheverfahren
sachgemäss angewendet. Gemäss Art. 182 Abs. 1 StG entscheidet die
Veranlagungsbehörde gestützt auf die Untersuchung über die Einsprache. Sie kann alle
Steuerfaktoren oder das Steuersubstrat neu festsetzen und die Veranlagung nach
Anhören des Steuerpflichtigen auch zu dessen Nachteil ändern.
Zwar lässt Art. 182 Abs. 1 Satz 2 StG im Einsprache-Entscheid ausdrücklich auch eine
Abänderung der Veranlagung zum Nachteil der Steuerpflichtigen zu. Die Zulässigkeit
der Verschlechterung beruht darauf, dass das Einspracheverfahren eine Fortsetzung
des Veranlagungsverfahrens darstellt (vgl. M. Zweifel, Verfahrensgrundsätze und
Veranlagungsverfahren, in: ASA 61 S. 436) und die Einsprachebehörde, die mit der
Veranlagungsbehörde identisch ist (vgl. Art. 182 Abs. 1 Satz 1 StG), zu einer
umfassenden Überprüfung der vorangegangenen Veranlagungsverfügung verpflichtet
ist (vgl. T. Meister, Rechtsmittelsystem der Steuerharmonisierung, Diss. Zürich 1995, S.
95). Indessen bleibt dem Steuerpflichtigen im Einsprache- und in den anschliessenden
Rechtsmittelverfahren gegen eine Ermessensveranlagung lediglich der Nachweis der
offensichtlichen Unrichtigkeit der Veranlagung offen, so dass es unzulässig erscheint,
im Einspracheverfahren die Ermessensveranlagung zuungunsten des Betroffenen auf
eine neue Basis zu stellen (VRKE I/1 vom 15. November 2005 in Sachen D.P., S. 7).
Erweist sich der Sachverhalt auch nach Abschluss der Untersuchung im
Einspracheverfahren als ungewiss, so hat es bei der Ermessensveranlagung sein
Bewenden. Die in diesem Verfahren gewonnenen neuen Erkenntnisse sind indessen bei
der Überprüfung der angefochtenen Schätzung zu berücksichtigen. Dementsprechend
wird in der Literatur die Auffassung vertreten, die Einsprache sei abzuweisen, wenn der
Steuerpflichtige bei einer Einsprache gegen eine zulässige Ermessensveranlagung den
Unrichtigkeitsnachweis nicht erbringe und die Veranlagungsbehörde im Rahmen der
Angemessenheitsprüfung nicht zum Schluss gelange, die getroffene Schätzung sei zu
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hoch ausgefallen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann, Handkommentar zum DBG, Zürich
2003, N 7 zu Art. 135 DBG; Zweifel, a.a.O., S. 437; vgl. auch Meister, a.a.O., S. 144 f.).
Die Rekurrenten zogen ihre Einsprache gegen die Veranlagung der ausserordentlichen
Einkünfte für 1999 und 2000 von je Fr. 100'000.-- ohne Begründung zurück, d.h. sie
haben dadurch den Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit nicht erbracht bzw. auf
diesen verzichtet. Damit blieb die Ungewissheit über den wirklichen Sachverhalt im
Einspracheverfahren weiterhin bestehen. Die Vorinstanz hat die Einsprache zum Anlass
genommen, um - ohne dass sich in diesem Verfahren neue Tatsachen ergeben hätten -
die Ermessensveranlagung gestützt auf den identischen Aktenstand bzw. die
identischen Berechnungsgrundlagen im Veranlagungsverfahren nochmals einer
Überprüfung zu unterziehen. Dabei ist sie von den im Veranlagungsverfahren
angestellten identischen Berechnungen der ausserordentlichen Einkünfte im Rahmen
der Bruttogewinnvergleichsmethode ausgegangen und hat deren Ergebnisse lediglich
neu gewertet. Der Grund für die neue bzw. höhere Ermessensveranlagung bildete
somit einzig der Umstand, dass die Vorinstanz zum Schluss gekommen war, dass ihre
eigene frühere Schätzung trotz gleich bleibender Entscheidungsgrundlagen nicht
richtig war. Damit hat sie jedoch den Nachweis, dass die ursprüngliche
Ermessensveranlagung auf einer Rechtsverletzung beruhte oder qualifiziert unrichtig
war, nicht erbracht. Sie hätte daher in diesem Punkt den Einsprache-Rückzug
akzeptieren müssen. Es ist unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben auch nicht
einzusehen, warum die getroffene Vereinbarung keine Gültigkeit haben soll, wenn sich
der Steuerpflichtige mit dem Einsprache-Rückzug daran hält. Die Vornahme einer
reformatio in peius bzw. die Erhöhung der ausserordentlichen Einkünfte der Jahre 1999
und 2000 von je Fr. 100'000.-- auf Fr. 110'000.-- (1999) und Fr. 190'000.-- (2000)
erscheint unter diesen Umständen als unzulässig.
cc) Die Vorinstanz ist der Auffassung, sie sei formell richtig vorgegangen. Dem kann
nicht gefolgt werden. Sie hat den Rekurrenten im Einspracheverfahren Gelegenheit
gegeben, zu wesentlich höheren ausserordentlichen Einkünften von rund Fr. 110'000.--
für 1999 und Fr. 190'000.-- für 2000 Stellung zu nehmen. Welche Berechnung diesen
Zahlen zugrunde liegt, hat sie ihnen jedoch nicht mitgeteilt. Sie hatten daher auch nicht
die Möglichkeit, deren Unrichtigkeit nachzuweisen.
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dd) Aus dem Dargelegten folgt, dass die Vorinstanz im Einspracheverfahren zu Unrecht
eine reformatio in peius vorgenommen hat. Es bleibt für 1999 und 2000, da die
Unrichtigkeit der Veranlagung im Einspracheverfahren nicht nachgewiesen ist, bei der
Veranlagung von ausserordentlichen Einkünften von je Fr. 100'000.--.
ee) Die Einholung einer Expertise, wie von den Rekurrenten beantragt, erübrigt sich vor
diesem Hintergrund.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs insgesamt teilweise gutzuheissen
ist. Der Einsprache-Entscheid vom 19./27. April 2005 ist aufzuheben und der Rekurrent
ist für 1999 und 2000 mit ausserordentlichen Einkünften von je Fr. 100'000.-- zum Tarif
für Alleinstehende mit separaten Jahressteuern zu veranlagen.
3.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zu einem
Fünftel den Rekurrenten aufzuerlegen; vier Fünftel der Kosten trägt der Staat (Art. 95
Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- ist angemessen (vgl. Ziff. 362
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist
bis zum Betrag von Fr. 500.-- zu verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, den
Rekurrenten Fr. 500.-- zurückzuerstatten.
b) Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im vorliegenden Fall war angesichts der nicht leicht
festzustellenden Rechts- und Sachlage und der Bedeutung der Streitsache für die
Rekurrenten der Beizug eines Rechtsvertreters im Rekursverfahren gerechtfertigt. Die
Rekurrenten haben daher dem Ausgang des Verfahrens entsprechend Anspruch auf
eine reduzierte Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art. 98bis VRP und 98ter
VRP in Verbindung mit Art. 264 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2; vgl. GVP 1983
Nr. 56; VerwGE vom 20. August 1999 in Sachen E.M., S. 7). Der Vertreter hat eine
Kostennote von Fr. 12'589.20 (Honorar Fr. 7'500.--, Zuschlag Fr. 3'750.--, Barauslagen
Fr. 450.--, Mehrwertsteuer Fr. 889.20) eingereicht. Die maximale Honorarnote hat er mit
dem Beizug eines Betriebs- und Finanzspezialisten begründet, der für Fr. 5'918.--
Rechnung stellte. Im Rekursverfahren vor der Verwaltungsrekurskommission kommt
ausschliesslich eine Honorarpauschale zur Anwendung, welche die Besonderheit des
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konkreten Falles zu berücksichtigen hat. Der Rechtsvertreter musste sich sowohl mit
den rechtlichen Aspekten des verweigerten Einsprache-Rückzuges als auch mit der
Höhe der ausserordentlichen Einkünfte auseinandersetzen, was als aufwendig
bezeichnet werden kann. Er kann jedoch in seiner Honorarnote nicht die
Aufwendungen Dritter geltend machen, zumal er in den entscheidenden Punkten eine
Expertise beantragte. Ein Pauschalhonorar von Fr. 6'000.-- zuzüglich Barauslagen und
Mehrwertsteuer erscheint angemessen (Art. 19, 22 Abs. 1 lit. b, 28 und 29bis Abs. 1
der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75). Da die
Rekurrenten zu vier Fünfteln obsiegt haben, sind ihnen drei Fünftel der Aufwendungen
als ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen (R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischer Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 183 f.). Der Staat
(kantonales Steueramt) hat die Rekurrenten somit ausseramtlich mit Fr. 3'744.--
(Honorar Fr. 3'600.--; Barauslagen Fr. 144.--) zuzüglich 7,6 % Mehrwertsteuer von Fr.
284.55 zu entschädigen.