Decision ID: 5d483802-d778-56f0-8571-26e7d1f1b2eb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 28. Oktober 2020 um die Gewährung von
Asyl in der Schweiz nachsuchte,
dass das SEM die Behandlung seines Asylgesuches im Bundesasylzent-
rum (BAZ) B._ an die Hand nahm,
dass vom SEM am 30. Oktober 2020 aufgrund einer Abfrage der Eurodac-
Datenbank festgestellt wurde, dass sich der Beschwerdeführer vor der
Schweiz in Italien aufgehalten hatte, zumal er in Italien am 23. September
2020 wegen illegaler Einreise registriert worden war,
dass er am 2. November 2020 den Mitarbeitenden der im BAZ B._
tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilte, womit er wäh-
rend des erstinstanzlichen Verfahrens über den Beistand der ihm zugewie-
senen Rechtsvertretung verfügte,
dass er am 3. November 2020 zu seiner Person, zum Verbleib seiner
Reise- und Identitätspapiere und zu seinem Reiseweg befragt wurde,
dass das SEM am 12. November 2020 mit ihm ein Gespräch im Hinblick
auf einen allfälligen Entscheid in Anwendung der Bestimmungen zum Dub-
lin-Verfahren durchführte,
dass er im Rahmen dieses Gesprächs bestätigte, dass er sich vor der
Schweiz in Italien aufgehalten habe, wo er von den Behörden verhaftet und
auch registriert worden sei, wo er aber kein Asylgesuch eingereicht habe,
dass er sich an dieser Stelle gegen eine mögliche Wegweisung nach Italien
aussprach, weil er dort mit seinem Schlepper in Konflikt geraten und von
diesem auch bedroht worden sei,
dass er sich ausserdem gegen eine Rückkehr nach Italien aussprach, weil
die dort herrschende Situation nicht mit jener in der Schweiz vergleichbar
sei, zumal hier das Recht eingehalten werde und er sich auch in voller Si-
cherheit fühle (vgl. zum Ganzen act. [...]-13/4: Protokoll Dublin-Gespräch),
dass das SEM am 12. November 2020 mit einem Ersuchen um Aufnahme
des Beschwerdeführers an Italien gelangte (gemäss Art. 13 Abs. 1 der Ver-
ordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
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vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist [Dublin-III-VO]),
dass sich Italien innert massgeblicher Frist nicht zu diesem Ersuchen äus-
serte, womit es seine Zuständigkeit für den Beschwerdeführenden implizit
anerkannte (vgl. dazu nachfolgende Erwägungen),
dass das SEM im Nachgang dazu – mit Verfügung datierend vom 13. Ja-
nuar 2021 – in Anwendung der Bestimmungen zum Dublin-Verfahren und
gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht eintrat und dessen Wegweisung aus der
Schweiz nach Italien anordnete,
dass es gleichzeitig eine Ausreisefrist auf den Tag nach Ablauf der Be-
schwerdefrist ansetzte, den Kanton C._ mit dem Vollzug der Weg-
weisung beauftragte, dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten
aushändigte und festhielt, einer Beschwerde gegen diesen Entscheid
komme keine aufschiebende Wirkung zu,
dass dem Beschwerdeführer dieser Entscheid am 14. Januar 2021 über
die ihm zugewiesene Rechtsvertretung eröffnet wurde,
dass die zugewiesene Rechtsvertretung am folgenden Tag das Mandats-
verhältnis als beendet erklärte,
dass der Beschwerdeführer am 15. Januar 2021 gegen den Nichteintre-
tens- und Wegweisungsentscheid selbständig Beschwerde erhoben hat,
dass er sich in seiner Eingabe gegen eine Wegeweisung nach Italien aus-
spricht, weil er in diesem Land an Leib und Leben bedroht worden sei,
dass er schon ihm Iran an Leib und Leben bedroht worden sei, er das aber
nicht beweisen könne, weil ihm seine Beweise von der italienischen Mafia
abgenommen worden seien,
dass dem Gericht die vorinstanzlichen Akten seit dem 18. Januar 2021 in
elektronischer Form vorliegen (Art. 109 Abs. 3 AsylG),
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und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG
und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass sich die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen im Asylbe-
reich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass der Beschwerdeführer zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 48 Abs. 1 VwVG), seine Eingabe den formellen Anforderungen an
eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und er seine Beschwerde
auch fristgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 AsylG), womit auf diese
einzutreten ist,
dass zwar die Beschwerdefrist noch nicht abgelaufen ist, sich aus der Be-
schwerde jedoch ergibt, dass diese als abschliessend zu verstehen ist,
weshalb das Urteil gefällt werden kann (vgl. EMARK 1997/13),
dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich
unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin
zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass der Beschwerdeführer gemäss Aktenlage von Italien kommend in die
Schweiz eingereist ist, wo er am 23. September 2020 wegen illegaler Ein-
reise registriert worden ist,
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dass das SEM bei dieser Sachlage zu Recht ein Ersuchen um Aufnahme
seiner Person an die italienische Dublin-Behörde gesandt hat (vgl. dazu
Art. 13 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 1 und 3 Dublin-III-VO),
dass Italien das Aufnahmeersuchen innert massgeblicher Frist nicht beant-
wortet hat, womit dieser Staat seine Zuständigkeit für den Beschwerdefüh-
rer gemäss der Dubliner-Verfahrensregelung implizit – durch sogenannte
Verfristung – akzeptiert hat (vgl. Art. 22 Abs. 1 und 7 Dublin-III-VO),
dass damit die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid in Anwendung
von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG und die Anordnung einer Wegweisung
nach Italien gegeben ist,
dass sich der Beschwerdeführer gegen eine Überstellung nach Italien aus-
spricht, weil er dort in Lebensgefahr sei, wie schon in der Heimat, auch
wenn er seine Gefährdung nicht belegen könne, da ihm seine Beweise von
der italienischen Mafia abgenommen worden seien,
dass allerdings aufgrund der Aktenlage keine Sachverhaltsumstände er-
sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Wegweisung in
den für ihn zuständigen Dublin-Vertragsstaat sprechen würden,
dass in dieser Hinsicht zunächst festzuhalten bleibt, dass Italien Signatar-
staat der EMRK (SR 0.101), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des
Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, wobei
Italien nach Auffassung der Schweiz grundsätzlich seinen diesbezüglichen
völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt,
dass die Schweiz gleichzeitig davon ausgeht, Italien anerkenne und schüt-
ze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Euro-
päischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge-
meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna-
tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) und 2013/33/EU vom 26. Juni
2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die in-
ternationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben,
dass im letztgenannten Zusammenhang zwar nicht von der Hand zu wei-
sen ist, dass die in Italien herrschenden Aufnahmebedingungen schon wie-
derholt zu Klagen Anlass gaben, wozu sich das Bundeverwaltungsgericht
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bereits mehrfach geäussert hat (vgl. BVGE 2015/4 [E. 4], 2016/2 [E. 5],
2017 VI/5 [E. 8.4] und 2017 VI/10 [E. 5] sowie BVGer-Urteil E-962/2019
vom 17. Dezember 2019 [publiziert als Referenzurteil]),
dass sich allerdings auch damit nichts daran geändert hat, dass das Ge-
richt im Falle von Personen, die – wie der Beschwerdeführer – keine be-
sondere Verletzlichkeit erkennen lassen, ohne Einschränkung von der Zu-
lässigkeit der Überstellung nach Italien ausgeht,
dass aufgrund der Aktenlage kein Anlass zur Annahme besteht, der Be-
schwerdeführer wäre in Italien ernsthaft gefährdet, da sich seine diesbe-
züglichen Vorbringen in unsubstanziierten Mutmassungen und Behauptun-
gen erschöpfen,
dass der Beschwerdeführer gehalten ist, sich in Italien bei Konflikten mit
Dritten – insbesondere seinem Schlepper – an die dafür zuständigen Poli-
zei- und Justizorgane zu wenden, sollte er tatsächlich in Sorge um seine
Sicherheit sein, zumal ohne weiteres von deren Schutzfähigkeit und -wil-
ligkeit auszugehen ist,
dass schliesslich im Falle des Beschwerdeführers – gemäss Aktenlage ein
junger und gesunder Mann – davon ausgegangen werden darf, er sei
durchaus in der Lage, in Italien gegenüber den dort zuständigen Behörden
seine Rechte wahrzunehmen und dort auch eine hinreichende Lebens-
grundlage zu finden,
dass demgemäss kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch
respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO ersichtlich ist,
dass in diesem Zusammenhang der Ordnung halber anzumerken bleibt,
dass sich das SEM aufgrund der Aktenlage auf eine summarische Würdi-
gung der vorliegenden Sache unter dem Aspekt von Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) beschrän-
ken durfte, da es sich beim Beschwerdeführer gemäss Aktenlage nicht um
eine besonders verletzliche Person handelt,
dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist,
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dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach Italien der Syste-
matik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Bestim-
mung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht,
dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be-
stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet
abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten des Verfahrens von
Fr. 750.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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