Decision ID: a4cd3ed3-48aa-4925-97e1-eff5c857e9d2
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1959 geborene X._ meldete sich
n
achdem sowohl das hiesige Gericht mit Urteil vom 13. Mai 2011 (
Proz
. Nr. IV.2009.00634; Urk. 7/99) als auch das Bundesgericht mit Urteil 8C_526/2011 vom 28. Juli 2011 (Urk. 7/101) die rentenablehnende Verfügung der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
vom 26. Mai 2009 (Urk. 7/96) geschützt hatten
am 3. September 2012 erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/105).
Mit Verfügung vom 19. Februar 2013 sprach ihr die IV-Stelle eine ganze Rente ab 1. März 2013 zu (Urk. 7/126 ff.).
Ein Jahr später leitete die IV-Stelle eine Rentenrevision ein (Urk. 7/135). Sie zog aktuelle Auskünfte der behandelnden Ärzte bei und liess die Versicherte in der über
SuisseMED@P
zugeteilten MEDAS Z._ AG polydis
ziplinär begutachten (MEDAS-Gutachten vom 11. Januar 2016, Urk. 7/160). Gestützt darauf teilte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 2. März 2016 die beabsichtigte wiedererwägungsweise Aufhebung der Rente mit (Urk. 7/164). Nach Eingang von deren Stellungnahme vom 2. April 2016 (Urk. 7/170), ver
fügte sie am 24. Juni 2016 im angekündigten Sinne (Urk. 2).
2
.
Gegen die Wiedererwägungsverfügung
vom 24. Juni 2016
erhob
X._
am
18. August 2016
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um
weitere
Aus
richtung
der
ganzen
Rente, eventualiter um Rückweisung der Sache an die IV
Stelle zwecks weiterer Abklärung. Daneben ersuchte sie um Erteilung der auf
schiebenden Wirkung der Beschwerde sowie um Bewilligung der unentgeltli
chen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
20. September 2016 schloss
die Verwaltung
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6
).
Mit Ein
gaben vom 25. September und 6. Oktober 2016 legte die Beschwerdeführerin ihre finanzielle
Situation dar (Urk. 8 ff.). Mit Verfügung vom 7. November 2016 wies das hiesige Gericht das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ab; ferner gewährte sie der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und stellte ihr ein Doppel der Beschwerdeantwort zu (Urk. 13).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Gemäss einem allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts kann die Ve
rwaltung auf formell rechtskräf
tige Verfügungen oder
Einspracheent
scheide
, die nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zu
rückkommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53 Abs. 2
ATSG
; BGE 133 V 50 E. 4.1).
Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsan
wendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Wür
digung des Sachverhalts. Das Erfordernis der zweifellosen Un
richtigkeit ist in der Regel er
füllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzu
treffen
d ver
stan
dener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche Best
immungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders ver
hält es sich, wenn der Wiederer
wägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraus
setzungen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge
auf
weist. Erscheint die Beurtei
lung einzelner Schritte bei der Feststellung
solcher Anspruchsvoraussetzungen
(Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeits
schätzung, Beweiswürdigung, Zu
mut
barkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leis
tungszusprechung darbot, als vertret
bar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit
aus. Zweifellos ist die Unrich
tigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfü
gung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss
derjenige auf die Unrich
tigkeit der Verfügung
denkbar (Bundesgerichtsurteil
9C_135/2014 vom 14. Mai 2014
E. 3 mit Hinweisen).
Damit genügt e
i
ne voraussetzungslose Neubeurteilung der
invaliditätsmässi
gen
Voraussetzungen nach ständiger Rechtsprechung nicht, um eine Invali
denrente auf dem Wege der Wiedererwägung herabzusetzen oder gar aufzu
heben.
Denn e
ine Reduktion der Rente unter dem Titel "Wiedererwägung" kann
wie darge
legt
nur bei Unvertretbarkeit der ursprünglichen
Renten
zusprache
erfolgen, drohte die Wiedererwägung in einer Vielzahl
(
langjähri
ger
)
Rentenbezugsver
hältnisse ansonsten doch zum Instrument einer solchen voraussetzungslosen Neuprüfung zu werden, was sich mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit for
mell zugesprochener Dauerleistungen nicht vertrüge
(Bundesgerichtsurteil
8C_678/2012 vom 1. Februar 2013 E. 2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet
e
die wiedererwägungsweise Rentenauf
hebung im Wesentlichen damit, dass
die Annahme einer 100 %
igen
Erwerbs
unfähigkeit einzig gestützt auf den Bericht des Medizinischen Zentrums A._ vom 2. November 2012 und insbesondere ohne weitere Prüfung der Rechtsfrage der Überwindbarkeit erfolgt sei. Es wäre auch deshalb nicht auf den besagten Bericht abzustellen gewesen, weil er
keine psychiatrische Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem enthalten habe. Damit habe sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt (Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber stellt sich
die
Beschwerdeführer
in
im Wesentlichen
auf dem Stand
punkt, dass
sie die Invalidenrente nach ausführlicher und genügender Abklärung zu Recht erhalten habe (Urk. 1 S. 2).
3.
3.1
Nachdem der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversi
cherung letztinstanzlich verneint worden war (Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 26. Mai 2009 [Urk. 7/96
]
, bestätigt durch
das
Urteil des hie
sigen Gerichts vom 13. Mai 2011
[
Proz
. Nr. IV.2009.00634, Urk. 7/99]
sowie
durch das Bundesgerichtsurteil 8C_526/2011
vom 28. Juli 2011 [Urk. 7/101]), meldete sich die Beschwerdeführerin am 3. September 2012 erneut
zum Leistungsbezug
an und machte eine Verschlechterung ihres gesund
heitlichen Zustandes geltend (Urk. 7/105). Zu
r
Untermauerung legte sie den Bericht des Medizinischen Zentrums
B._
vom 14. August 2012 (Urk. 7/104) ins Recht.
Danach wurde die Beschwerdeführerin zwecks Bestimmung der Arbeitsunfähig
keit aus somatischer und psychosomatischer Sicht interdisziplinär untersucht. Es wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
1.
Cervikospondylogenes
Syndrom li. (
C._
12.03.02) m/b
-
Hyperpyhose
der BWS mit Übergang in Hyperlordose der HWS
-
Beginnende
Osteochondrosen
und bilaterale Spondylosen BWS
-
Möglicher
St.n
. M. Scheuermann (19.11.01
Rx
HWS
as
.
C._
12.03.02)
-
Persistierender
Apophysenkern
ventral der Bodenplatte C5 (19.02.02
Rx
HWS
as
.
C._
12.03.02)
2.
Thorakovertebrales
Syndrom (
C._
12.03.02)
3.
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom (
Dr. D._
29.11.02)
4.
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
5.
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
6.
Adipositas per magna (ICD-10 E66.0, BMI=42)
Weiter gaben die berichtenden Ärzte an, aus orthopädisch-chirurgischer Sicht bestünden
seit zehn Jahren
Schmerzen im linken Bein. Im Laufe der letzten bei
den Jahre habe die Gefühllosigkeit vor allem im linken Arm zugenommen. Aus psychiatrischer Sicht sei eine deutliche Verstärkung der Ängste (auf der Strasse)
sowie der Depression eingetreten. Die Schmerzen hätten sich dagegen nicht ver
ändert (S. 5).
Aus Sicht der Anästhesiologie sei die Beschwerdeführerin bei Schwindelzustän
den und vorausgegangener Hirntumorbehandlung bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht sei eine leichte wechselbe
lastende Arbeit mit wahlweise Sitzen oder Stehen und insbesondere ohne Heben von Lasten über 5 kg kurzfristig und 2 kg langfristig, ohne Überkopfarbeit, ohne Arbeit in vornüber geneigter Körperhaltung zu 50 % zumutbar. Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht könnte die schwere Haltungsinsuffizienz mit vermehrter Brustkyphose, grossem Abdomen und
Kopfprotraktion
die Ausdauer für verschiedene Tätigkeiten einschränken, besonders bei vornübergebeugter Arbeit. Aus Sicht des rheumatologischen Fachgebiets sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsfähig. Psychiatrisch bestünden kognitive Defizite und eine neuropsychologisch bestimmte Depression (S. 6).
In der Konsens-Beurteilung hielten die berichtenden Fachleute fest, die Beschwer
deführerin sei als Wäschereimitarbeiterin und auch für angepasste Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig (S. 6).
3.2
Namens des Regionalen Ärztlichen Dienstes der IV-Stelle (RAD) nahm Dr. med.
und Dr.
rer.pol
. E._
, Facharzt für Innere Medizin, am
29. September 2012 zu diesem
Bericht
Stellung
(Urk. 7/109 S. 2) und kam zum Schluss, dass darin die schon bekannten und in den früheren Einschätzungen des RAD berücksich
tigten Diagnosen wiederholt worden seien. Neue medizinische Befunde seien nicht vorgelegt worden. Sonstige medizinisch plausible Gründe für eine Ände
rung des Arbeitsprofils seien nicht ersichtlich; deshalb könne weiterhin auf die bisherige Konklusion des RAD abgestellt werden.
Gestützt darauf teilte die Beschwerdegegnerin mit Vorbescheid vom 3. Oktober 2012 ihre Absicht mit, auf das neue Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin mangels Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht einzutreten (Urk. 7/111).
3.3
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
legte die Beschwerdeführerin ein Schrei
ben der Psychotherapeuten des Medizinischen Zentrums A._ vom 2. November 2012 auf (Urk. 7/116). Vom Rechtsvertreter der Beschwerdefüh
rerin zur Stellungnahme über die Verschlechterung von deren psychischem Zustand aufgefordert (vgl. Urk. 7/114), gaben die behandelnden Psychothera
peuten an, die Situation sei
nicht mehr
dieselbe
wie
am 28. Juli
2011
(Urteil des Bundesgerichts 8C_526/2011; Urk. 7/101).
Zuletzt
sei
eine remittierte Depres
sion diagnostiziert
worden
. Dies
sei nun im Jahre
2012 nicht mehr richtig
.
Es hand
l
e
sich heute mit Sicherheit um eine mittel
gradige Depression. Es seien Schlafs
törungen vorhanden
. Die Patientin könne
heute nur noch mit Medika
menten schlafen
. Sie
habe keinen Appetit
und esse unregelmässig. Sie habe sich zurückgezogen. Es bestünden
noch Kontakte zur Familie und
zu den
Nachbarn
. Die Beschwerdeführerin gehe
nur noch mit
dem
Sohn und
der Schwiegert
ochter
e
inkaufen
.
Sie spaziere
nur noch um die Wohnung
und ziehe sich
immer wieder ins Bett
zurück. Ü
ber den ganzen Tag
bestünden Gedankenkreisen, Antriebslo
sigkeit
, Müdigkeit, Energielosigkeit, Verlust von Selbstvertrauen, Sinnlosigkeits
gedanken, sehr deutliche Suizidgedanken, Orientierungsstörungen
, Schuldge
fühle und
Freudunfähigkeit
, selbst
mit
den
Enkelkindern
. Diese Symptome ent
spräche
n heute gemäss ICD-10 klar
einer mittelgradigen Depression.
V
on einer Remission gemäss
dem Gutachten von Dr. F._, Facharzt für Psych
iatrie und Psychotherapie,
vom 15.
Dezember 20
08
(Urk. 7/84/5-22) könne
keine Rede sein. Damit ha
be
sich der Zustand deutlich verschlechtert.
Im Jahre
2010
sei
die Depression
,
neuropsychologisch bestimmt
,
bereits auf einem mit
telgradig
en
bis schweren Niveau
gewesen. Sie sei zunehmend stabil,
aber seit 2011 auf einem i
nsgesamt mittelgradigen Niveau.
Die Depression
sei
spätestens seit 2011 eine komorbide Störung mit
Verselbständigung von der Schmerzver
arbeitungsstörung bei einem langen Krankheitsverlauf ohne genügende Verän
derung
bei
sowohl stationär
er
, teils
tationärer wie auch ambul
ant-medikamen
tös
er Behandlung (S. 2).
Weiter wiederholten die Therapeuten die bereits im Bericht des Medizinischen Zentrums B._ vom 14. August 2012 (E. 3.1) gemachten Angaben sowie die dort attestierte
100
%
ige
A
rbeitsunfähig
keit
selbst
für angepasste Tätigkeiten
(S. 2).
3.4
In seiner Stellungnahme vom 11. Dezember 2012 kam RAD-Arzt Dr. E._ zum Schluss (
Urk. 7/122 S. 2)
, dass es sich gemäss ausführlicher Begründung des Medizinischen Zentrums A._ im Schreiben vom 2. November 2012 seit dem 28. Juli 2011 um eine mittelgradige Depression handle. Zudem sei sie eine komorbide Störung mit Verselbständigung bei einem langen Krankheits
verlauf. Es sei e
ine Veränderung des Gesundheitsschadens zu objektivieren
. Der
Gesundheits
zustand habe sich
verschlechtert
. Die
Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeführte Tätigkeit und
die
Arbeitsfähigkei
t für eine adaptierte Tätigkeit betrage
seit dem 28.
Juli 2011
0
%.
Gestützt darauf schloss die Verwaltung auf eine 100%ige Arbeits- und Erwerbs
unfähigkeit ab 28. Juli 2011, was zur Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab Juli 2012 führte (Urk. 7/122 S. 2 f.).
3.5
Dem im Rahmen der Rentenrevision in Auftrag gegebenen MEDAS-Gutachten vom 11. Januar 2016 (Urk. 7/160) lassen sich folgende Diagnosen entnehmen (S. 50):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Rezidivierende depressive Störung, (ICD-10
F33)
-
Zervikospondylogenes
Syndrom und
thorakovertebrales
Syndrom bei Wirbelsäu
lenfehlhaltung mit muskulärer
Imbalance
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
St.n
.
s
omatoformer Schmerzstörung (ICD-10
F45.4)
-
Senkspreizfusse
-
Arterielle Hypertonie
-
Adipositas
-
Dekonditionierung
Weiter führten die Gutachter aus,
die 56-jährige Versichert
e weis
e
aus allgemein
medizinischer und orthopädischer Sicht ein somatisch nur teilweise abstützbares
zerviko
-
thorakales und muskuläres Schmerzsyndrom auf. Dieses
lasse
bei anhaltendem Schmerzerleben eine die Schulte
r-N
acken
-A
rmregion stark belastende und monotone Tätigkeit wie diejenige als
Glätterin
heute nicht mehr zumutbar erscheinen
;
eine angepasste leichte bis mittelgradige Tätigkeit mit Wechselhaltungen
sei
jedoch in vollem Pensum und ohne Einschränkungen
möglich (S. 51).
Aus psychiatrischer Sicht leide
die Versicherte an einer
rezidivierenden depressi
ven Störu
ng (ICD 10 F33
)
mit im Verlaufe der vergangenen Zeit variie
rendem, gemäss Aussagen der behandelnd
en und der im Rahmen der Einspra
che beigezogenen Psychiater höchstens mittelschweren, allerdings gutachterlich wiederholt als leicht klassi
ertem Schweregrad. Aktuell liege
gemäss
dem begut
achtenden
Psychiater eine schwere Ausprägung des depressiven Syndroms mit (sekun
därer) Pseudodemenz (ICD 10 F3
3.2) vor. Eine aktuelle versicherungsme
diz
inische Beurteilung des Schwereg
rades
sei jedoch aus psychiatri
scher Sicht wegen der auch hier beobachteten A
g
gravation und der Inkonsistenzen
nicht
möglich. Eine in den bisherigen
Berichten erwähnte
anhaltend
e
somatoforme Störung
könne
aus psychiatrischer Sicht nicht bestätigt we
rden, da die Kriterien nach ICD-
10 nicht erfüllt
seien; e
s
hätten
in diesem Zusammenhang aus ätiolo
gischer Sicht keine nachvollziehbare
psychosoziale Belastung und kein exzessi
ver Selbstkonsum medizinischer Dienstleistungen vor
gelegen
. Die Versicherte
habe
nur über intensive, durch
die
Untersucher jedoch nicht als quälend nach
vollziehbare (
d.h.
mimisch/verhaltensmässig nicht sichtbare) sondern nur verbal stereotyp
und
emotional unbeteiligt vorgetragene Schmerzen
geklagt, weshalb
hier lediglich in
formaler Anlehnung an frühere Gutachter von einem „Status nach" anhaltender somatoformer Schmerzstörung
gesprochen werde (S. 51).
Es lägen Inkonsistenzen vor. Die Versicherte sei im Alltag aktiv und zeige hier ein vollkommen normales Bewegungsmuster, was in deutlichem Gegensatz zu den von ihr verbal monierten allgemeinen Schmerzen stehe. Hingegen liege ein sekundärer Krankheitsgewinn vor, indem sich die Versicherte von
ihren Nach
barn sogar in Bereich
der basalen Lebensvorrichtungen Hilfe zukommen lasse. Damit erhalte sie Zuwendung und ein Minimum an Sozialkontakten, die sie durch die Aufgabe der Erwerbstätigkeit vor 15 Jahren und zuletzt durch den Wegzug des Ehemannes sonst nicht mehr hätte. Sie habe laut Akten in den letzten 15 Jahren nur in geringem Mass aus eigenem Antrieb Therapien in Anspruch genommen. Im Jahre 2008 sei sie freiwillig und erstmalig für mehrere Wochen in eine psychiatrische Klinik eingetreten. Beim Austritt habe man eine wache, allseits orientierte, deprimierte Patientin
gefunden. S
onst
sei
ein blander Psychostatus erhoben worden. Es könne in den letzten 15 Jahren im Hinblick auf eine Wiedereingliederung weder eine Kooperation noch eine Therapietreue der Versicherten festgestellt werden. Die Situation sei schon zum Zeitpunkt des ersten Rentenantrages als „therapierefraktär" eingeschätzt worden. Es bleibe seither bei der monotonen und mit wortwörtlich identischen Klagen untermau
erten Behauptung des Nichtmehrkönnens (S. 52).
Infolge der
negativistischen
und defizitorientierten Selbstdarstellung
seien
die aktuellen persönlichen Ressourcen der Versicherten auch anlässlich dieser Untersuchung unklar
geblieben.
Die Versicherte
sei
Analphabetin. Dies hindere sie weder an der Ausübung ei
ner Hilfstätigkeit in bisherigem
Rahmen noch daran, einen Arbeit
splatz zu erreichen. Es schränke
aber die Möglichkeiten auf dem heutigen Arbeitsmarkt ein.
In der bisherigen Tätigkeit als
Glätterin
sei
die Versicherte mindestens seit dem Datum des Gutachtens nicht mehr arbeitsfähig
.
Eine Beurteilung der Restar
beitsf
ä
higkeit
sei wegen Aggravation und Inkonsistenzen nicht möglich (S. 53).
4.
4.1
Das für
ein wiedererwägungsweises Zurückkommen auf den Rentenentscheid
unter anderem notwendige Erfordernis der erheblichen Bedeutung der Berichti
gung der seinerzeitigen Verfügung wäre angesichts der zur Diskussion stehen
den Dauerleistung ohne weiteres gegeben (BGE 119 V 480; ferner Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, N 58 zu Art. 53 ATSG; vgl. auch Urk. 1 S. 7). In Frage steht die zwei
fellose Unrichtigkeit.
4.2
4.2.1
Bei der
Rentenzusprache
(Verfügung vom 19. Februar 2013) ging die Beschwerde
gegnerin gestützt auf die Beurteilungen der Medizinischen Zentren B._ (vom 14. August 2012; E. 3.1) und insbesondere A._ (vom 2. November 2012; E. 3.3) sowie des RAD-Arztes Dr. E._ vom 11. Dezember 2012 (E. 3.4) von einer nicht mehr verwertbaren Restarbeitsfähig
keit aus.
Der Verlauf der von der Beschwerdeführerin geklagten Beeinträchtigungen, die gestellten Diagnosen und die Stellungnahmen der involvierten Ärzte zum Leis
tungsvermögen zeigen, dass die Beschwerdeführerin seit
2002 zwar an Beschwerden im Bereich der gesamten Wirbelsäule leidet, diesen in der Vergan
genheit jedoch nie eine relevante bzw. invalidisierende Wirkung zuerkannt wurde (vgl. dazu das Urteil des hiesigen Gerichts vom
25. Septembe
r 2007 [
Proz
. Nr. IV.2006.00469;
Urk.
7/65]
mit Verweis auf das Gutachten der MEDAS G._
GmbH
,
vom 30. Oktober 2003
[
Urk. 7/17/2-17
], bestätigt durch das Bundesgericht mit
Urteil 8C_725/2007
vom 16. Januar 2008
[
Urk. 7/67
] sowie durch das
Urteil des hiesigen Gerichts vom 13. Mai 2011
[
Proz
. Nr. IV.2009.00634
;
Urk. 7/99]
mit Verweis auf die Stellungnahmen der behandelnden Ärzte, bestätigt durch das
Bundes
gericht
mit
Urteil 8C_526/2011 vom 28. Juli 2011 [Urk. 7/101]
). Dem Bericht des Medi
zinischen Zentrums B._ vom 14. August 2012 (E. 3.1) lässt sich keine relevante Verschlechterung des Rückenleidens entnehmen.
Mit Bezug auf die im Medizinischen Zentrum B._ aus anästhesiologi
scher Sicht attestierte Arbeitsunfähigkeit ist zu bemerken, dass diese mit Schwindelzuständen und einer vorgängigen Hirntumorbehandlung begründet wurde (Urk. 7/104 S. 6). Allerdings wird eine solche Behandlung in den Akten ansonsten nirgends erwähnt. Dass der offenbar bereits seit 1999 bestehende Schwindel (Urk. 7/104 S. 2) für sich alleine neu eine derart hohe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zeitigen soll, ist nicht nachvollziehbar, zumal er im Rah
men der interdisziplinären Beurteilung diagnostisch keinen Niederschlag gefun
den hat.
4.2.2
Hingegen schien
die depressive Symptomatik
klar
im Vordergrund zu
stehen. Während Dr. F._ im psychiatrischen Gutachten vom 15. Dezember 2008 noch eine remittierte depressive Symptomatik erhoben hatte (Urk. 7/84/5-22 S. 12), gingen die Psychotherapeuten des Medizinischen Zent
rums A._
in dem für die
Rentenzusprache
massgebend
en Schreiben vom 2. November 2012 (E. 3.3) von einer Verschlechterung des affektiven
Leidens aus; dem schloss sich der RAD-Arzt Dr. E._ an (E. 3.4).
Diesbezüglich fällt zunächst auf, dass der RAD-Arzt in der Stellungnahme vom 11. Dezember 2012 (E. 3.4) die Beurteilung und Arbeitsfähigkeitseinschätzung der behandelnden Psychotherapeuten übernahm, ohne sie vorab einer kritischen Würdigung unter Einbezug der
Vorakten
unterzogen zu haben. Ein Blick in die früheren Stellungnahmen zeigt, dass die Psychotherapeuten des Medizinischen Zentrums A._ bereits am 11. Juli 2008 (somit gut fünf Monate vor der Begutachtung durch Dr. F._) von einem chronifizierten Zustandsbild mit mittelgradiger depressiver Episode und anhaltender somato
former Schmerzstörung ausgegangen waren (Urk. 7/90/12-13). Im Schreiben vom 29. April 2009 übten sie sodann starke Kritik an den gutachterlichen Schlussfolgerungen (Urk. 7/95). Dass sie 2008/2009 trotz der fundierten Beur
teilung durch Dr. F._ (remittierte depressive Symptomatik) wei
terhin von einer mittelgradigen depressiven Episode ausgingen und den Zustand als chronifiziert bezeichneten, schwächt die Beweiskraft der – schliesslich zur
Rentenzusprache
führenden
Angabe einer Verschlechterung im Schreiben vom 2. November 2012 (E. 3.3). Hinzu kommt, dass diese Stellungnahme zwecks Verwendung im
Vorbescheidverfahren
verfasst wurde. Sodann hätte der Erfah
rungstatsache Rechnung getragen werden sollen, dass behandelnde Ärzte mitun
ter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen, weshalb
eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte im Streitfall
kaum
je
in Frage kommt
(BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.2.3
Darüber hinaus
hätte
die
o
hne persönliche Untersuchung der Beschwerde
führe
rin abgegebene
Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. E._ (E. 3.4) auch
nach
damaliger
Rechtspraxis nicht zur Annahme einer
(vollständi
gen) Arbeits- bzw.
Erwerbsunfähigkeit
genügt.
Insbesondere unterliess es
der Internist Dr. E._, dass seiner Auffassung nach aufgehobene
Leistungsver
mögen
mit psychiatrischen
Befunden zu unterlegen und zu begründen
bzw. einen
über eine fachliche Qualifikation im Fachgebiet der Psychiatrie
verfügen
den Arzt
bei
zuziehen.
Auf eine fundierte Auseinandersetzung mit den erhobenen Befunden, den gestell
ten Diagnosen und der attestierten Arbeitsunfähigkeit durfte vorliegend nicht verzichtet werden.
L
aut bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar und führen invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteile des Bun
desge
richts 9C_836/2014 vom 23. März
2015 E.
3.1; 9C_667/2013 vom 29. April
2013 E. 4.
3.2; 9C_917/2012 vom 14. August
2012 E. 3.2 und 9C_
736/2011 vom 7. Februar 2012 E.
4.2.2.1; vgl. auch
Rahel
Sager
, Die bun
desgerichtliche Rechtsprechung betreffen
d Depressionen, in: SZS 2015 S.
308 ff., 317 f. Ziff. 5.2
; zu den Ausnahmen vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 8C_35/2017 vom 4. August 2017 E.3.2 und 3.3
).
Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung ist aller
dings nicht schlechthin auszuschliessen; deren Annahme bedingt nach den höchstrichterlichen Vorgaben jedoch, dass es sich nicht bloss um die Begleiter
scheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psycho
genen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt (Urteile des Bun
desgerichts 9C_917/2012 vom 14. August 2013 E. 3.2 und 9C_210/2012 vom 9. Juli 2012 E. 3.1). Im Weiteren ist vorausgesetzt, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent aus
weist. Fehlt es daran, ist nach der Rechtsprechung in der Regel keine invalidi
sierende Wirkung des Gesundheitszustandes anzunehmen (Urteil des
Bundesge
richts 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1). Dabei stellt das Bundesge
richt sowohl an die
Langjährigkeit
als auch an die Intensität der Therapiebemü
hungen (vgl. etwa das vorgenannte Urteil 9C_454/2013 E. 4.1) hohe Anforde
rungen.
4.2.4
Weder dem Bericht des Medizinischen Zentrums
B._
vom 14. August 2012 (E. 3.1) noch
der Stellungnahme des Medizinischen Zentrums A._ vom 2. November 2012 (E. 3.3) lassen sich Angaben zum therapeutischen Set
ting entnehmen. Eine am 7. Dezember 2011 durchgeführte Bestimmung des Medikamentenspiegels ergab, dass die Wirkstoffe von
Truxal
und
Cymbalta
sowie
Trazodon
weit unter dem Referenzwert lagen (Urk. 7/104 S. 3), was auf eine fragliche Compliance hinweist; dazu äusserten sich die berichtenden Fach
personen des Medizinischen Zentrums B._ jedoch nicht weiter. Unter diesen Umständen ist nicht erstellt, dass die Beschwerdeführerin 2012/2013 eine konsequente Depressionstherapie befolgt hätte; dies aber schloss auch gemäss damaliger Rechtpraxis die Annahme einer
invalidisierende
n
Wirkung
der depressiven Störung aus.
4.2.5
Nach dem Gesagten fehlte es bezogen auf den
Zeitpunkt der
Rentenzusprache
an hinreichend sorgfältigen
einschlägigen
fachärztlichen Abklärungen. Da die Beschwerdegegnerin damit ihrer Abklärungspflicht nur ungenügend nachge
kommen
war
, beruhte die
Leistungszuspra
che
auf einer rechtsfehlerhaft ermit
telten Invalidität
und muss daher als zweifellos unrichtig im wiedererwägungs
rech
tlichen Sinn
bezeichnet werden.
4.
2.6
Sind die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung erfüllt,
kann offen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin
, wie sie geltend macht,
durch die Unterlassung der Prüfung der Überwindbarkeit bei der
Rentenzusprache
den Untersuchungs
grundsatz verletzt ha
tt
e
. Festgehalten sei nur
soviel
, dass
die
Verwaltung
g
rundsätzlich
gehalten
war, bei Vorliegen eines
so die damalige Terminolo
gie
„pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage“ die vormalige Rechtspraxis gemäss BGE 130 V 352 zu berücksic
htigen (zur bei Nichtbeachtung
gerechtfertigten Annahme zweifelloser Unrichtigkeit vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 9C_727/2016 vom 10. März 2017 E. 3.4 mit Hinweis auf Urteil 8C_68/2013 vom 14. Mai 2013 E. 3.4).
Hier jedoch
wirkte sich die fragliche Störung gemäss den wiedergegebenen ärztlichen Stellungnahmen bereits 2012 nicht mehr relevant auf die Arbeitsfähigkeit aus. So nannten die Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
B._
im Bericht vom 14. August 2012 (E. 3.1) nebst der Wir
belsäulenproblematik hauptsächlich die Schwindelzustände, die kognitiven Defizite sowie die Depression als Gründe für die attestierte Arbeitsunfähigkeit. Die Therapeuten des Medizinischen Zentrums
A._
begründeten im Bericht vom 2. November 2012 (E. 3.3) die bescheinigte Verschlechterung der Arbeits
fähigkeit mit der als selbständig zu qualifizierenden Depression. RAD-Arzt Dr.
E._
wies im Rahmen der von ihm bestätigten 100%igen Arbeitsunfä
higkeit auf die verschlechterte, nunmehr verselbständigte Depression und den langen Krankheitsverlauf hin (E. 3.4). In die gleiche Richtung weist das MEDAS-Gutachten vom 11. Januar 2016 (E. 3.5), worin nur ein „Status nach“ somato
former Schmerzstörung unter den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgelistet wird.
5.
5.1
Bei Bejahung
zweifelloser
Unrichtigkeit der ursprünglichen Leistungsverfügung hat rechtsprechungsgemäss eine
freie
Beurteilung der Rentenanspruchsvoraus
setzungen nach den Verhältnissen im Zeitraum bis zum Erlass der die Rente ex
nunc
aufhebenden Wiede
rwägungsverfügung stattzufinden
.
Zu prüfen
ist
die Anspruchsberechtigung und allenfalls der
Umfang des Anspruchs pro
futuro
unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung (
vgl. etwa
Urteil des Bun
desgerichts
9C_868/2015 vom 22. Dezember 2015
E.
2.2 mit Hinweisen).
5.2
Hinsichtlich der somatischen Beschwerden lässt sich dem MEDAS-Gutachten vom 11. Januar 2016 (E. 3.5) entnehmen, dass eine angepasste leichte bis mit
telschwere, wechselbelastende Tätigkeit vollzeitlich zumutbar ist.
Mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht äusserten sich die Gutachter hin
gegen nicht
abschliessend. Während der psychiatrische Gutachter aufgrund einer schweren depressiven Symptomatik von einer 100%igen Arbeitsunfähig
keit
ausging (Urk. 7/160 S. 49), blieb die Frage nach dem Schweregrad des affektiven Leidens und der
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
aus psychiatri
scher Sicht
in der Konsensdiskussion unter Hinweis auf Aggravation und Inkonsistenzen unbeantwortet
(Urk. 7/160 S. 51 und S. 53)
.
5.3
Die medizinischen Experten, denen
insoweit
eine entscheidende Rolle zukommt, haben im Einzelnen zu begründen und mittels ihrer Feststellungen und Ein
schätzungen
, etwa
zu
Leidensdruck, psychischen Ressourcen oder funktionellen Defiziten
,
darzulegen, in welchem Ausmass die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, oder aber festzuhalten, dass
die Beantwortung dieser Frage
trotz Aus
schöpfung aller Möglichkeiten fachgerechter Exploration
nicht oder nicht sicher genug möglich ist. Bleiben die Auswirkungen eines objektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Arbeitsfähigkeit
-
trotz in Nachachtung des Untersuchungsgrunds
atzes sorgfältig durchgeführter -
Abklärungen vage und unbestimmt, ist der der versicherten Person obliegende Beweis für die Anspruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen und besteht kein Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass
sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend aus
wirkt (Urteil des Bundesgerichts 9C_519/2014 vom 14. Oktober 2015 E. 2.4 mit Hinweis auf
BGE 140 V 290
E. 4.1 und
139 V 547
E. 8.1).
5.4
Wie bereits erwähnt, ist d
ie vom psychiatrischen Konsiliararzt der MEDAS vorge
nommene Einstufung des affektiven Leidens als
schwergra
dig
„Rezidivierende depressive Störung, derzeit
schwergradige
Episode ohne psychotische Symptome mit Residualsyndrom (ICD-10: 33.2)“
(Urk. 7/160 S. 43 f.) im Rahmen der Konsensdiskussion unter Hinweis auf die Unmöglich
keit einer aktuellen versicherungsmedizinischen Beurteilung des Schweregrades wegen Aggravation und Inkonsistenzen zwar relativiert worden (Urk. 7/160 S. 51). Dieser Umstand genügt jedoch nicht, um
von vornherein
ohne weitere Abklärungsmassnahmen
eine
fehlende invalidisierende Wirkung der depressi
ven Symptomatik
anzunehmen. Vielmehr verlangt die Rechtsprechung die
Ausschöpfung aller Möglichkeiten fachgerechter Exploration
, bevor der Gut
achter die Beantwortung der Frage nach einer allfälligen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als nicht möglich deklarieren darf (E. 5.3).
Hinzu kommt, dass im Zusammenhang mit bereits früher beobachteten
Aggravati
ons
- und Verdeutlichungstendenzen
psychiatrischerseits
festgestellt worden war, es sei von einer sehr schlicht organisierten Persönlichkeit mit erheblichem Bildungsdefizit, ungünstiger Sozialisation und vermutlich niedri
gem oder gar grenzwertigem Intelligenzquotient auszugehen. In Verbindung mit dieser Persönlichkeitsstruktur komme es zu einer sehr vereinfachten Rezeption und Verarbeitung der
inneren und äusseren Realitäten;
die anzunehmenden Aggravations
tendenzen und Inkonsistenzen gehörten dazu (vgl. Urk. 7/160 S.
48).
5.5
Zusammenfassend ist die rentenaufhebende Verfügung vom 24. Juni 2016 aufzu
heben und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
die bestehenden Unklarheiten
namentlich
mit Bezug auf den Schweregrad der depressiven Erkrankung und deren
allfällige
Auswirkungen auf die Arbeits-
bzw.
Erwerbsfähigkeit durch zusätzliche Abklärungen auszuräumen
versuche und hernach neu verfüge.
Sollte dies trotz sorgfältige
r
, fachärztliche
r
Abklärungsmassnahmen nicht mög
lich sein, wird die Beschwerdeführerin die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen haben (vgl.
etwa
Urteil des Bundesgerichts 9C_519/2014 vom 14. Oktober 2015 E. 6.2
i.f
.).
6.
6.1
Art.
1a
lit
. a und
Art.
28
Abs.
2 IVG in Verbindung mit
Art.
16 ATSG sowie
Art.
7 ATSG statuieren den Grundsatz "Eingliederung vor Rente". Demnach gehen Eingliederungsmassnahmen den Rentenleistungen vor. Diese werden nur erbracht, wenn die versicherte Person nicht oder bloss in ungenügendem Masse eingegliedert werden kann. Für die Abklärungspflicht der IV-Stelle bedeutet dies, dass sie zuerst prüfen muss, ob Eingliederungsmassnahmen angezeigt sind, bevor der R
entenanspruch untersucht wird (Bundesgerichtsu
rteil 9C_163/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.1 mit Hinweisen, in: SVR 2011 IV Nr. 30 S. 86;
Müller
, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, 2010, S. 193
Rz
. 1033). Dies gilt nicht nur bei der erstmaligen Prüfung eines Leistungs
gesuchs, sondern auch im Revisionsfall (
BGE 108 V 210
E. 1d; Bundes
gerichtsurteile
9C_283/2016 vom
5.
Dezember 2016 E. 4.2.1; 9C_228/2010 vom 1
6.
April 2011 E. 3.1, 3.3 und 3.4 mit Hinweisen, in: SVR 2011 IV Nr. 73 S.
220).
Zwar ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grund
sätz
lich auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Wenn die ver
sicherte Person das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt oder die Rente
mehr als 15
Jahre bezogen hat, muss sich die Verwaltung aber vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente in jedem Fall vergewissern, ob sich ein medizi
nisch-theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür aus
nahmsweise im Einzelfall eine erwerbsbezogene Abklärung und/oder die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im
Rechtssinn vorausgesetzt ist (Bundesgerichtsu
rteile 9C_752/2013 vom 2
7.
Juni 2014 E. 4.1; 9C_363/2011 vom 3
1.
Oktober 2011 E. 3.1 mit Hinweisen, in
: SVR 2012 IV Nr. 25 S. 104; s.
auch
Fleischanderl
, Behandlung der Eingliederungsfrage im Falle der Revision einer langjährig ausgerichteten Invalidenrente, in: SZS 2012 S. 360 ff.). Aus den beiden Kriterien können die Betroffenen im Kontext einer Revision oder Wiedererwägung jedoch nicht ohne Weiteres einen Besitzstandsanspruch ableiten, sondern es wird ihnen lediglich zugestanden, dass infolge des fort
geschrittenen Alters oder der langen Rentendauer die Selbsteingliederung grundsätzlich als nicht mehr zumutbar einzustufen ist (
Bundesgerichtsurteile
8C_324/2013 vom 2
9.
Aug
ust 2013 E. 5.2, nicht
publ
. in
BGE 139 V 442
, aber in: SVR 2013 IV Nr. 46 S. 140; 9C_228/2010 vom 2
6.
April 2011
E. 3.5, in: SVR 2011 IV Nr. 73
S. 220). Ent
zieht oder widersetzt sich die versicherte Person Eingliederungsmassnahmen, können ihr die Leistungen gekürzt oder verweigert werden. Vorausgesetzt ist immerhin, dass die IV-Stelle zuvor ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durch
geführt hat (
Art.
21
Abs. 4 ATSG
i.V.m
. Art. 7b IVG; zum Ganzen Bundesge
richtsurteil 8C_842/2016 vom 18. Mai 2017 E. 5.3.1).
6.2
Die Beschwerdeführerin, geboren am 8. Mai 1959, war im Zeitpunkt der Renten
aufhebung vom 24. Juni 2016 57-jährig. Damit fällt sie unter den vom Bundes
gericht besonders geschützten
Bezügerkreis
und die Beschwerdegegnerin wird vor einer allfälligen
Rentenaufhebung Eingliederungs
mass
nahmen prüfen beziehungsweise durchführen.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Zudem ist der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung von Fr. 1‘400.
(inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).