Decision ID: 9586e1a0-771e-49b0-970d-08e70a0938e1
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
62
,
meldete sich am
22. Oktober 2010
unter Hin
weis auf
Rücken
beschwerden
, Schmerzen an den Ellbogen und im rechten Schultergelenk sowie chronischer Müdigkeit
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
10/6
). Die Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, wies den Rentenanspruch
mit Verfügung vom
16. Oktober 2012 mangels Erfüllung des Wartejahres
ab (Urk.
10/41
).
1.2
Am 4. September 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 10/44).
Nachdem die
IV-Stelle
die Versicherte mit Schreiben vom
12. September 2014 (Urk. 10/48)
aufgefordert hatte
, die Veränderung der tat
sächlichen Verhältnisse glaubhaft zu machen,
diese innert angesetzter Frist je
doch keine entsprechenden Unterlagen eingereicht hatte,
stellte ihr
die IV-Stelle
mit Vorbescheid vom 15. Oktober 2014 ein Nichteintreten auf
das
erneute
Leis
tungsgesuch
in Aussicht (Urk. 10/53). Daraufhin erhob die Versicherte Einwand (Urk. 10/55) und reichte diverse Arztberichte ein (Urk. 10/54, Urk. 10/57-58).
Nach
erneut
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
10/60
; Urk.
10/61, Urk. 10/64
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
29. Juni 2015 einen Rentenanspruch (Urk. 10/74
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
12. August 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
29. Juni 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2 oben
).
Mit Eingabe vom 21. August 2015 (Urk. 5) reichte die Versicherte weitere medizinische Berichte ein (Urk. 6-7/1-3), welche der IV-Stelle zur Stellung
nahme zugestellt wurden (Verfügung vom 25. August 2015, Urk. 8).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
27. August 2015
(Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerde
und verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (Urk. 11)
.
Dies wurde
der Beschwerdeführerin am
3. November 2015
zur Kennt
nis gebracht (Urk.
12
).
Mit Eingaben vom 18. November 2015 (Urk. 13) und 7. Dezember 2015 (Urk. 15) reichte die Beschwerdeführerin weitere medizinische Unterlagen ein (Urk. 14/1-9; Urk. 16/1-2).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren
überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
ab November 2014
leicht verschlechtert habe und eine verminderte Arbeitsfähigkeit von 40 % in ihrer bisherigen Tätigkeit als Reinigerin ausgewiesen sei. Das Wartejahr sei damit frühestens im November 2015
abgelaufen.
In einer angepassten Tätigkeit sei von
einer Arbeitsfähigkeit von 100
% auszugehen (S. 2 oben). Die Abklä
rungen im Jahr 2012 hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin im
Gesund
heitsfalle
eine Erwerbstätigkeit im Rahmen eines 50 %-Pensums ausüben würde. Die restlichen 50 % würden in den Haushaltsbereich fallen (S. 2 Mitte). Es re
sultiere ein Invaliditätsgrad von 11 %. Weitere Abklärungen in medizinischer oder erwerblicher Hinsicht würden sich nicht aufdrängen (S. 3).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1), die Sache sei zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen. Einerseits seien weitere medizinische Abklärungen angezeigt: Es würden Arztberichte vorliegen, welche eine Verschlechterung seit dem Jahr 2012 bele
gen
würden
und aus welchen eine Restarbeitsfähigkeit von 30 bis 50 % hervor
gehen würde. Sie leide unter anderem an einer Fibromyalgie. Aufgrund der
neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts seien daher weitergehende Abklä
rungen durchzuführen, da nun nicht mehr die bisherige Vermutung gelte, eine solche Erkrankung sei in der Regel überwindbar. Sie müsse sodann auch in psy
chiatrischer Hinsicht abgeklärt werden (S. 3
Ziff.
2.2 f.).
Weiter machte die Beschwerdeführerin geltend, die Statusfrage sei falsch entschie
den worden. Sie wäre im Gesundheitsfall
e zu 100 % erwerbstätig (S. 4 Ziff.
3.1). Sofern trotzdem von der gemischten Methode auszugehen sei, sei auf
grund der gesundheitlichen Verschlechterung eine neue Haushaltsabklärung durchzuführen (
Ziff.
3.2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Im Rahmen der Erstanmeldung vom 22. Oktober 2010 stellte sich der
Gesund
-
heits
zustand
der Beschwerdeführerin folgendermassen dar:
3.2
Dr.
med. Y._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilita
tion,
attestierte der Beschwerdeführerin aufgrund von Schmerzen im Rücken vom 28. Septembe
r 2011 bis 17. Januar 2012 eine
–
nach
seinen
eigenen Anga
ben „eher grosszügig“ bemessen
e -
50%ige Arbeitsunfähigkeit
(Berichte vom 15. Dezember 2011, Urk. 10/24-25; vgl. auch Urk. 10/26).
3.3
Vom
6.
bis 2
1.
März 2012 war die Beschwerdeführerin in der Rheumaklinik des
Z._
hospitalisiert (Austrittsbericht vom 21. März 2012, Urk. 10/32/6-12).
Es wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1 f.):
chronisches
Panvertebralsyndrom
Periarthropathie
humeroscapularis
tendinopathica
rechts
Gonarthrose rechts
anamnestisch Osteoporose
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
Im Rahmen des stationären Aufenthaltes habe sich unter der durchgeführten Therapie eine tendenzielle Ausdehnung und Verstärkung der
Schmerzproblema
tik
manifestiert. Eine begleitende psychiatrisch-psychotherapeutische Ge
sprächstherapie oder eine Optimierung der antidepressiven Medikation habe die Beschwerdeführerin abgelehnt (S. 2 unten).
Für eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 3 unten).
3.4
Im Bericht vom 12. Juli 2012 (Urk. 10/32/2-5) nannte
Dr.
med. A._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie,
Institute für Rheumatologie und Schmerztherapie,
dieselben Diagnosen, wie sie bereits im Austrittsbericht des
Z._
(vorstehend E. 3.3) aufgeführt
worden waren
(Ziff. 1.1).
Eine Arbeitsunfähigkeit sei seinerseits nicht attestiert worden (Ziff. 1.6).
4.
4.1
Seit der rentenablehnenden Verfügung vom 16. Oktober 2012 (vgl. Urk. 10/41) kamen
im Wesentlichen
folgende Arztberichte neu zu den Akten:
4.2
Im Bericht vom
1. Februar 2013 (Urk. 10/57/36-37)
hielt
Dr.
med. B._
, Facharzt für Rheumatologie, Institute für Rheumatologie und Schmerztherapie, dieselben Diagnosen
fest
, wie sie im Jahr
zuvor seitens der Ärzte des
Z._
ge
stellt
und auch bereits damals von seinem Praxiskollegen
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.4) übernommen w
o
rden
waren
(S. 1).
Dr.
B._
führte aus, d
ie Beschwerdeführerin habe über eine diffuse
Schmerz
problematik
des gesamten Bewegungsapparates mit insbesondere Beteiligung des lumbalen und zervikalen Achsenskeletts berichtet. In Zusammenschau der bisherigen Diagnostik und der aktuell klinischen Befunde bestehe eine multifak
torielle Schmerzproblematik. Für einen Teil der belastungsabhängigen Schmer
zen würden sich degenerative Veränderungen der Wirbelsäule und der periphe
ren Gelenke finden (S. 1 unten). Hinweise für eine zugrundeliegende Erkran
kung aus dem entzündlich-rheumatischen Formenkreis lägen nicht vor (S. 2 oben).
Bei einem auffälligen Schon- und Schmerzverhalten
der Beschwerdeführerin mit zum Teil auch inkonsistentem Verhalten anlässlich der Erstkonsultation, sei möglicherweise auch eine psychische Störung von Krankheitswert im Vorder
grund, welche erklären könne, dass es bisher noch zu keiner Besserung gekom
men sei. Im
Z._
sei bereits im März 2012 eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion festgestellt worden. Auch aktuell fänden sich anamnes
tisch Hinweise für eine fehlende Motivation, Antriebslosigkeit und fehlen
de
Perspektiven. Es
werde
daher eine Vorstellung bei einem Psychiater empfohlen (S. 2 Mitte).
4.3
Am
2
1.
Oktober 2013
stellte sich die Beschwerdeführerin im Schmerzzentrum des
C._
vor (
Urk. 10/57/43-44)
. Es wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
Lumbago mit
pseudoradikulärer
Schmerzausstrahlung beidseits bei
Dis
kushernie
LWK
3/4 medial sowie
Bulging
disc
Phänomene
n
LWK
4/5 und LWK
5/SWK
1
leichte
Recessus
-Stenose LWK
3/4 und LWK
4/5
oberes und unteres
Cervicalsyndrom
mit
Cervicocephalgien
und
Cer
vicobrachialgien
rechts diffus ohne eindeutige
Dermatomzuordnung
Aufgrund des klinischen Beschwerdebildes sowie auf Grundlage der
bildgeben
den
Diagnostik seien bei der Beschwerdeführerin zunächst
Facettengelenksblo
ckaden
in den Segmenten LWK
4/5 und LWK
5/SWK
1 durchgeführt worden. Die Infiltrationsbehandlung sei zunächst diagnostischer Natur. Sollte sie von diesen Behandlungsmassnahmen nicht ausreichend profitieren, könne im Be
reich der
Lendenwirbelsäule
(
LWS
)
eine lumbale
Periduralanästhesie
ange
schlossen werden. Bezüglich der Schulter-Nacken-Schmerzen sowie der
Cer
vicocephalgien
werde eine Infiltrationsbehandlung empfohlen. Gegebenenfalls müsse eine MRI-Untersuchung der
Halswirbelsäule (HWS)
zur Beurteilung der intraspinalen Situation und zum Ausschluss einer Nervenwurzelkompression durchgeführt werden (S. 2).
4.4
Ein MRI der HWS vom 25. Oktober 2013 (Urk. 10/57/45-46) ergab gering
-
bis
mässiggradige
Osteochondrosen
mit einer fokalen diskreten Aktivierun
g zwi
schen
Halswirbelkörper (
HWK
)
3 und HWK 7,
ger
inggradige
,
ossär
bedingte
neuroforaminale
Engen beidseits mit allenfalls minimen Irritationen beidseitiger zervikaler Nervenwurzeln rechtsbetont. Ebenfalls zeigte
n
sich eine diskrete Ein
engung des Spinalkanales in Höhe HWK
3/4 und HWK
6/7,
Bandscheibenher
nien
und
Retrospondylophyten
mit relevanter Einengung des Spinalkanals in Höhe HWK
4/5 und HWK
5/
6.
Hier bestehe ein Verdacht auf Irritation des ventralen
Myelons
in Höhe beider ZWR
(vermutlich Zwischenwirbelräume;
S. 2).
4.5
Eine bildgebende Abklärung des rechten Kniegelenks ergab gemäss Bericht
vom
8. April 2014 (Urk. 10/57/49)
einen Reizzustand, differenti
a
ldiagnostisch (DD) eine Partialruptur am
femoralen
Ansatz des Ligamentum
collaterale
mediale mit angrenzend wenig Knochenmarks- und Weichteilödem
,
w
enig Erguss, kleine
r
Bakerzyste
, subkutane
r
Weichteilschwellung prä- und
infrapatellär
sowie eine
r
mässige
n
Chondropathie
im medialen Kompartiment.
4.6
Die Beurteilung des am
26. August 2014
durchgeführten MRI des linken Ellbo
gens ergab ein
synoviales
Fringe
-Syndrom bei verdickter
synovialer
Plica
/
ra
-
diohumoralem
Meniskus im
Humeroradialgelenk
(Urk. 10/57/50
)
.
4.
7
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
sowie Arbeitsmedizin
, gab im Bericht vom
3. November 2014
(Urk. 10/54)
an, der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin habe sich in den letzten Jahren verschlechtert. Objektiv hätten sich seit dem Jahr 2011 folgende Verschlechterungen ergeben:
chronische
Tendinopathie
der
Supraspinatussehne
der rechten Schulter, chronische Bursitis
subacromialis
/
subdeltoide
a
sowie
Acromio-Clavicu
lar-Arthrose
chronische Knieschmerzen beidseits bei beginnender Arthrose mit
Knor
pelschaden
Panvertebralsyndrom
der LWS
oberes und unteres
Cervicalsyndrom
mit
Cervicocephalgien
und
Cer
vicobrachialgien
rechts
Schmerzen mit Bewegungseinschränkung des rechten Ellbogengelenks und der umgebenden Muskulatur
Aufgrund diverser Bewegungseinschränkungen und Schmerzen bestehe für die Beschwerdeführerin eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit.
4.8
Im November 2014 wurde die Beschwerdeführerin zwei Mal von
Dr.
med. E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Rheumatologie, Insti
tute für Rheumatologie und Schmerztherapie, untersucht (Bericht vom
17. November 2014
,
Urk. 10/57/1-3)
.
Dr.
E._
stellte folgende Diagnosen (S. 1):
chronisches
Panvertebralsyndrom
Ellbogenschmerzen links
beginnende mediane Gonarthrose rechts
Periarthropathia
humeroscapularis
tendinopathica
rechts
anamnestisch Osteoporose
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei Verdacht auf
Somatisierungs
- und Schmerzstörung
subklinische Hypothyreose
Sprachlich sei die Kommunikation sehr erschwert
gewesen
und insgesamt habe keine adäquate Anamnese erhoben werden können. Auch die Untersuchung habe ohne Übersetzung nur mangelhaft durchgeführt werden können.
Es
habe sich gezeigt, dass im Vordergrund ein diffuses
mya
ligformes
Schmerzsyndrom bestünde
, da einerseits sämtliche
Fibromyalgiepunkte
positiv angegeben worden seien, andererseits aber auch alle Kontrollpunkte
druckdolent
gewesen seien
. Insgesamt bestehe ein diffuses
fibromyalgiformes
Beschwerdebild (S. 2 „Beur
teilung“).
Eine leichte wechselbelastende Tätigkeit sei aus rein rheumatologischer Sicht uneingeschränkt durchführbar. In einer mittelschweren körperlichen Tätigkeit
sei sie zu 50 bis 70 % und in einer schweren körperlichen Tätigkeit zu 30 bis 50 % arbeitsfähig
. Zur Würdigung der Gesamtarbeitsfähigkeit sollte jedoch eine ergänzende psychiatrische Beurteilung stattfinden. Aufgrund der Komplexität des Falles würde er eine Beurteilung im Rahmen eines Gutachtens empfehlen
(S. 3 „Arbeitsunfähigkeit“).
4.9
Im Bericht vom
3. Februar 2015 (Urk. 10/65)
fasste
Dr.
D._
nochmals die seit 2012
bei der Beschwerdeführerin
eingetretene Verschlechterung des Gesundheit
szustandes
zusammen (S. 1). Weiter führte er aus, dass der „vom Be
wegungsapparat ausgehende Invaliditätsgrad“ durch psychische Faktoren noch zusätzlich erhöht sein dürfte. Bisher habe die Beschwerdeführerin jedoch keinen Psychiater gefunden, mit dem sie in ihrer Muttersprache sprechen könne (S. 2).
4.10
Wie dem Bericht vom 17. August 2015 (Urk. 6) von
Dr.
med. F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, zu entnehmen ist, begibt sich die Beschwerdeführerin seit Ende März 2015 zwei bis drei Mal monatlich in psychi
atrisch-psychotherapeutische Behandlung bei ihr. Die
Therapie
werde zusätzlich durch eine medikamentöse Behandlung mittels zweier Antidepressiva unter
stützt. Dadurch habe sich bereits eine leichte Verbesserung der depressiven Symptomatik gezeigt (S. 1 Ziff. 3).
Dr.
F._
diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode mit somati
schem Syndrom (ICD-10 F32.11; Ziff. 1) und attestierte eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (Ziff. 2).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, die Beschwerdeführerin wäre im
Ge
sundheitsfalle
lediglich zu 50 % erwerbstätig. Die restlichen 50 % würden auf den Haushaltsbereich entfallen. Aufgrund der Aktenlage sei ihr in ihrer bisheri
gen Tätigkeit als Reinigerin eine 40%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar, in einer an
gepassten Tätigkeit sei von einer 100%ige
n
Arbeitsfähigkeit auszugehen (vor
stehend E. 2.1).
Gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten erscheint die Frage der zumut
baren Arbeitsfähigkeit jedoch ungenügend abgeklärt.
5.2
In den Akten finden sich über die vergangenen Jahre immer wieder Bemerkun
gen von verschiedenen Ärzten, die auf psychische
Leiden
der Beschwerdeführe
rin hinw
e
isen. Diese könnten
allenfalls auch eine Rolle spielen
hinsichtlich der Behandlung und Therapierbarkeit der Schmerzbeschwerden. Sowohl
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.2),
als auch
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.8
)
und
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.9
)
wiesen darauf hin, dass aus ihrer Sicht eine psychiatrische
Abklärung notwendig sei
. I
nsbesondere
Dr.
E._
empfahl die Durchführung ei
ner Begutachtung, um das
gesamte Beschwerdebild interdisziplinär abklären zu können. Bereits die Ärzte des
Z._
wiesen auf die psychische Problematik hin (vgl. vorstehend E.
3.3
).
Seit März 2015 befindet sich die Beschwerdeführerin nun in psychiatrischer Behandlung
(vorstehend E. 4.
10
)
.
Verlässliche Schlüsse auf den psychischen Gesundheitszustand lässt aber auch der Bericht der behandelnden Psychiaterin nicht zu:
Im genannten Bericht fehlt es an einer Befunderhebung sowie einer Begründung ihrer
Diagnosestellung.
5.3
Der
Regionale Ärztliche Dienst (
RAD
)
ging in seiner Beurteilung vom 1. De
-
zember
2014 auf
die
diversen ärztlichen Empfehlungen zur Durchführung eine Begutachtung und insbesondere auf das mögliche Vorliegen psychischer Einschränkungen nicht ein, sondern hielt lediglich fest, den Akten sei nicht zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin in fachpsychiatrischer Behand
lung befinde (Urk. 10/67/3 Mitte).
Jedoch wäre
n
der RAD und
die Beschwerdegegn
erin
bei der gegeben Aktenlage mit insbesondere sich häufenden Hinweisen zum
Bestehen von
psychischen Problemen
und dementsprechend
ungenügenden
medizinischen
Abklärungen
verpflichtet gewesen,
weitere medizinische Abklärungen insbesondere in psy
chiatrischer Hinsicht durchzuführen. Zur
gesamtheitlichen
Beurteilung
ist
eine interdisziplinäre
Begutachtung der Beschwerdeführerin
durchzuführen
.
Dies ei
nerseits aufgrund der genannten ärztlichen Hinweise (vgl. vorstehend E.
5.2) zur Beurteilung der Schmerzproblematik
. Andererseits aber auch da keine
Fibromy
algie im eigentlichen Sinne diagnostiziert wurde und zumindest ein Teil der Beschwerden mit den objektivierbaren Befunden erklärbar ist
, was weder durch den RAD noch die Beschwerdegegnerin bestritten wurde.
Indem
die Beschwerdegegnerin auf eine Begutachtung
verzichtete und stattdes
sen lediglich auf die - wie festgestellt -
ungenügende
medizinische Aktenlage
abstellte, hat sie den medizinischen Sachverhalt nicht vollständig ermittelt.
In derartig gelagerten Fällen
ist nach wie vor eine Rückweisung an die Verwal
tung a
ngezeigt (BGE 137 V 210 E. 4.4),
zumal hier noch gar kein Gutachten er
stellt worden ist und die IV-Stelle mithin die Abklärungspflicht verletzt hat.
5.4
Zusammenfassend fehlt es vorliegend an verlässlichen medizinischen Grundla
gen zur Beurteilung der gesundheitlichen Situation und damit an der Grundlage für einen Entscheid. Zur Beurteilung der invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche de
r
Beschwerdeführer
in
bedarf es
daher zusätzlicher medizinischer Abklärungen im Sinne eines interdisziplinären
Gutachtens.
Nach Vorliegen des Gutachtens hat die Beschwerdegegnerin im Sinne des Grund
satzes „Eingliederung vor Rente“ zuerst den Anspruch auf berufliche
Massnahmen
und erst danach den Rentenanspruch zu prüfen. Gegebenenfalls ist eine aktuelle Haushaltsabklärung durchzuführen.
Dementsprechend ist die Beschwerde
gutzuheissen
,
so
dass die angefochtene Verfügung vom 29. Juni 2015 aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklä
rung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
Im Rahmen der
Neubeur
teilung
hat die Beschwerdegegnerin auch die im Gerichtsverfahren eingereich
ten ärztlichen Berichte
zu berücksichtigen
, welche nach Verfügungserlass da
tieren
und sich auf eine medizinische Behandlung nach Verfügungserlass bezie
hen
(vgl.
Urk.
7/3, Urk. 14/1-9
)
.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind
sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien ist die
Parteient
schädigung
vorliegen
d
auf Fr.
2‘000.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.