Decision ID: ff82a009-d222-4268-b5df-5e82a35c8ec6
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit März 2003. Wegen ungenügenden
Sicherheitsabstandes und Verursachens einer Auffahrkollision war er ihm vom
13. September bis 12. Oktober 2005 für die Dauer eines Monates und wegen
Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 46 km/h vom
17. Oktober 2006 bis 16. Juni 2007 für die Dauer von acht Monaten entzogen.
Nachdem X am 15. April 2007 trotz Entzugs ein Motorfahrzeug lenkte und dabei ohne
Freisprechanlage telefonierte, wurde ihm der Führerausweis – noch vor Ablauf des
achtmonatigen Warnungsentzugs – am 11. Mai 2007 vorsorglich und – nach einer am
13. Februar 2009 durchgeführten verkehrspsychologischen Begutachtung – am
23. April 2009 mangels charakterlicher Eignung auf unbestimmte Zeit entzogen. Die
Sperrfrist wurde unter Berücksichtigung des Fahrens trotz Entzugs auf 12 Monate
festgelegt. Nachdem bekannt worden war, dass X auch am 10. Januar 2009 ein
Motorfahrzeug gelenkt und dabei die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h
um 43 km/h überschritten hatte, wurde am 16. Juli 2009 eine weitere Sperrfrist von
12 Monaten verfügt. X absolvierte eine Verkehrstherapie, und der Führerausweis wurde
ihm am 13. Juli 2010 wiedererteilt.
B.- Am Sonntag, 26. Dezember 2010, lenkte X um ca. 3.25 Uhr seinen Personenwagen
mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000 auf der schnee- und eisglatten B-Strasse von
B/ZH in Richtung R. In einer weit gezogenen Rechtskurve kam das Fahrzeug ins
Rutschen. Das Auto drehte sich um die eigene Achse, geriet über den rechten
Fahrbahnrand hinaus, schlitterte auf dem angrenzenden Wiesland rund 43 Meter –
teilweise entlang eines Maschendrahtzaunes – weiter und prallte schliesslich in einen
Baum. Am Fahrzeug entstand Totalschaden. X erlitt Nieren-, Leber- und
Lungenprellungen sowie vier Rippenbrüche. Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog X am 7. März 2011 den Führerausweis
vorsorglich. Am 24. Juni 2011 büsste das Statthalteramt des Bezirkes D X wegen
Nichtanpassens der Geschwindigkeit an die Strassen- und Witterungsverhältnisse mit
Fr. 520.--. Das Strassenverkehrsamt entzog X am 15. August 2011 den Führerausweis
auf unbestimmte Zeit, mindestens für zwei Jahre.
C.- Gegen die Verfügung vom 15. August 2011 erhob X durch seinen damaligen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 17. August 2011 und Ergänzung vom 10. September
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2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, nach mündlicher
Verhandlung, mindestens aber persönlicher Befragung des Rekurrenten, sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge die angefochtene Verfügung aufzuheben und ein
Warnungsentzug für die Dauer von vier Monaten, eventuell für eine Dauer nach
richterlichem Ermessen, auszusprechen. Die Vorinstanz verzichtete am 28. September
2011 auf eine Vernehmlassung. Im Rekursverfahren wurden die Strafakten beim
Statthalteramt D beigezogen. Die Verfahrensbeteiligten verzichteten auf eine
Einsichtnahme in die Strafakten. Am 8. Februar 2012 wurde die in den Strafakten
liegende Fotodokumentation dem Leiter Unfallanalysen des Strassenverkehrsamtes
vorgelegt (vgl. act. 19). Zur öffentlichen Verhandlung, zu der auf 29. März 2012, 8.30
Uhr, vorgeladen wurde, erschien der Rekurrent unentschuldigt nicht. Auf die
Ausführungen des Rekurrenten und seines früheren Rechtsvertreters wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 17. August 2011 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 10. September 2011
in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
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schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- In tatsächlicher Hinsicht ist entsprechend den Feststellungen im Strafverfahren
davon auszugehen, dass der Rekurrent als Lenker seines Personenwagens mit dem
amtlichen Kennzeichen SG 000 am Sonntag, 26. Dezember 2010, um ca. 3.25 Uhr auf
der teilweise schnee- und eisbedeckten B-Strasse in R in Richtung S in einer
weitgezogenen Rechtskurve die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor. Nach Auffassung
des Leiters Unfallanalysen der Vorinstanz lassen die Deformationen am Fahrzeug auf
eine Kollisionsgeschwindigkeit in der Grössenordnung von 40 km/h schliessen. Da der
Geschwindigkeitsabbau während des Schleuderns mangels Kenntnis des genauen
Ablaufs des Unfalls nur schwierig zu schätzen ist, ist eine Ausgangsgeschwindigkeit
von 50 km/h als Untergrenze nicht auszuschliessen (vgl. act. 19). Damit ist in
Übereinstimmung mit dem Strafrichter davon auszugehen, dass der Rekurrent Art. 32
Abs. 1 SVG, wonach die Geschwindigkeit stets den Umständen anzupassen ist, in
Verbindung mit Art. 4 Abs. 2 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt:
VRV), wonach der Fahrzeugführer insbesondere dort langsam zu fahren hat, wo die
Strasse verschneit oder vereist ist, verletzt hat.
4.- Die Vorinstanz hat die Verkehrsregelverletzung des Rekurrenten vom 26. Dezember
2010 als mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG
behandelt. Der Rekurrent geht von einer leichten Widerhandlung im Sinn von Art. 16a
Abs. 1 lit. a SVG aus.
a) Gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt die Annahme einer leichten Widerhandlung
voraus, dass der Lenker durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen hat und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft. Nach der Rechtsprechung müssen eine geringe Gefahr (vgl. dazu nachfolgend
E. 4b) und ein leichtes Verschulden (vgl. dazu nachfolgend E. 4c) kumulativ gegeben
sein (BGE 135 II 138 E. 2.2.3 mit Hinweisen).
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b) aa) Die Anwendung von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt zunächst voraus, dass die
Verkehrsregelverletzung lediglich eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorgerufen hat. Eine Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 16a-16c SVG
ist bei einer konkreten oder auch bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung zu bejahen.
Eine erhöhte abstrakte Gefahr besteht, wenn die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung nahe liegt. Ob eine solche Gefährdung vorliegt, hängt von
den jeweiligen Verhältnissen des Einzelfalls ab (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_184/2011 vom 31. Oktober 2011 E. 2.4.2 mit Hinweisen auf 1C_3/2008 vom 18. Juli
2008 E. 5.2, 1C_156/2010 vom 26. Juni 2010 E. 4 und BGE 131 IV 133 E. 3.2).
Wesentliches Kriterium für die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe
der Verwirklichung (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2 mit Hinweisen). Die Feststellung, dass
der Lenker die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat und ins Schleudern geraten
ist, erlaubt ohne Würdigung der Umstände im Einzelfall noch keine Aussage darüber,
ob eine schwere, eine mittelschwere oder eine leichte Widerhandlung gegeben ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts Urteil 1C_235/2007 vom 29. November 2007 E. 2.2). Ein
Kontrollverlust kann nicht als Indiz für das Vorliegen einer mindestens mittelschweren
Widerhandlung eingestuft werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_3/2008 vom
18. Juli 2008 E. 5.2).
Vor diesem Hintergrund hat das Bundesgericht eine geringe Gefahr angenommen,
wenn die Verkehrsregelverletzung letztlich als Folge eines Zusammenspiels
unglücklicher Umstände erscheint, wenn bei angepasster Geschwindigkeit die mit
Schneematsch bedeckte Strasse falsch eingeschätzt wird und die Herrschaft über das
Fahrzeug verloren geht oder wenn die Schleudergefahr bei Regen nur geringfügig
unterschätzt worden ist (vgl. die Hinweise im Urteil des Bundesgerichts 1C_3/2008
vom 18. Juli 2008 E. 5.3, wobei die vom Bundesgericht genannten Kriterien eher für die
Beurteilung des Verschuldens massgebend sind). Eine mittelschwere Widerhandlung
ist bejaht worden, wenn das Fahrzeug innerorts bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h
auf schneebedeckter Fahrbahn ins Schleudern gerät, wenn der Lenker ausserorts auf
einer kurvenreichen, abfallenden Strasse bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h beim
Abbremsen ins Schleudern gerät, wenn ein Lenker bei nicht angepasster
Geschwindigkeit zu nahe an der Mittellinie fährt und, aufgeschreckt durch ein
entgegenkommendes Fahrzeug, eine überzogene Lenkkorrektur vornimmt oder wenn
eine Kombination von Fahrfehlern bei erhöhter Geschwindigkeit eine erhöhte abstrakte
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Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer bewirkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_3/2008 vom 18. Juli 2008 E. 5.3 und 5.4). Eine mittelschwere Widerhandlung wurde
ferner bejaht bei einem Auffahrunfall mit Sachschaden auf einer Autostrasse (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 1C_156/2010 vom 26. Juli 2010), bei einem Selbstunfall mit
Sachschaden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_83/2010 vom 12. Juli 2010) und
schliesslich bei einem Lastwagenfahrer, der mangels genügender Aufmerksamkeit in
einen vor ihm fahrenden Personenwagen geprallt ist (BGE 135 II 138).
bb) Der Rekurrent beruft sich zur Begründung der Qualifikation der
Verkehrsregelverletzung als leichte Widerhandlung auf zwei Urteile des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen. Im ersten Fall war das Verhalten eines
Lenkers zu beurteilen, dessen Personenwagen auf der teilweise mit gefrorenem
Schneematsch bedeckten Kantonsstrasse von Pfäfers nach Bad Ragaz mit einer
Geschwindigkeit von höchstens 30 km/h in einer Kolonne talwärts fahrend ins
Rutschen geriet und mit einem entgegen kommenden Fahrzeug, das bereits still stand,
kollidierte. Das Verwaltungsgericht stellte zur Beurteilung der Gefährdung nicht auf die
allgemeine abstrakte Gefährdung bei zu schnellem Fahren, sondern auf die konkrete
Situation ab. Die Beschädigungen liessen auf einen vergleichsweise geringfügigen
Aufprall schliessen. Dass die Lenkerin verletzt worden sei, sei nicht ersichtlich
(vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts B 2010/94 vom 16. Dezember 2010 E. 5.5.2,
publiziert auf www.gerichte.sg.ch, Rechtsprechung/Verwaltungsgericht).
Im zweiten Fall war das Verhalten eines Lenkers zu beurteilen, der seinen Lieferwagen
an einem Dienstagvormittag um 10.30 Uhr auf einer abfallenden, vortrittsbelasteten
und schneebedeckten Strasse nicht rechtzeitig anhalten konnte und mit einem auf der
vortrittsberechtigten Strasse von links kommenden Personenwagen frontal-seitlich
kollidierte. Das Verwaltungsgericht ging davon aus, der Lenker des Lieferwagens sei
mit Schritttempo gefahren. Die Unfallgegnerin und ihr im Fahrzeug befindlicher Hund
seien unverletzt geblieben. Es habe sich kein Airbag geöffnet. Der Aufprall sei dadurch
gemildert worden, dass das Fahrzeug der Unfallgegnerin auf der schneebedeckten
Fahrbahn weggerutscht sei. Gravierende Beschädigungen der Karosserie seien nicht
ersichtlich. Die konkrete Gefahr, in der sich die Unfallgegnerin befunden habe, könne
noch als leicht qualifiziert werden. Soweit zusätzlich von einer erhöhten abstrakten
Gefährdung gesprochen werden könne, müsse diese ebenfalls als gering eingestuft
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werden. Die Strasse sei mit täglich durchschnittlich 4'300 bzw. 1'900 Fahrzeugen eher
schwach befahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass neben der Unfallgegnerin ein weiteres
Fahrzeug die fragliche Stelle befuhr, sei als vergleichsweise gering einzustufen. Ein
Fussgänger auf dem Trottoir hätte die Möglichkeit gehabt, aus dem Gefahrenbereich
zu fliehen (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts B 2011/31 vom 12. April 2011 E. 2.3,
publiziert auf www.gerichte.sg.ch, Rechtsprechung/Verwaltungsgericht).
cc) Der Rekurrent hat den Selbstunfall um ca. 3.25 Uhr in der Nacht vom Samstag,
25. Dezember 2010 (Weihnachtstag), auf Sonntag, 26. Dezember 2010 (Stephanstag),
verursacht. Im Unfallaufnahme-Protokoll stehen als Angabe zu den
Verkehrsverhältnissen die Möglichkeiten "schwach", "rege", "stark", "stockende
Kolonne" und "stehende Kolonne" sowie eine Leerzeile zur Auswahl. Die
Polizeibeamten sind von schwachem Verkehr ausgegangen. Im Polizeirapport ist von
"sehr geringem Verkehrsaufkommen" die Rede. Der Rekurrent gab der Polizei
gegenüber an, soweit er sich erinnere, sei weder ein Fahrzeug vor ihm gefahren noch
ihm eines entgegen gekommen. Ebensowenig ist ersichtlich, dass Fussgänger
unterwegs waren. Der Rekurrent hat damit jedenfalls keine konkrete Gefährdung
verursacht.
Mit dem Verlust der Herrschaft über das Fahrzeug hat der Rekurrent aber jedenfalls
eine abstrakte Gefahr geschaffen. Zu beurteilen bleibt deshalb unter Berücksichtigung
der im Unfallzeitpunkt gegebenen Umstände die Wahrscheinlichkeit der
Konkretisierung und Verwirklichung dieser abstrakten Gefahr. Im Rekurs wird dazu
ausgeführt, es sei absolut niemand unterwegs gewesen, weder andere Fahrzeuge
geschweige denn Fussgänger seien involviert gewesen. Es habe gar kein anderer
Verkehr geherrscht. Der Unfall hat sich in einer winterlichen Nacht von Samstag auf
Sonntag um 3.25 Uhr auf einer Ausserortsstrecke in Richtung des Ortszentrums von R
in Fahrtrichtung Ortszentrum ereignet. Im Bereich der Unfallstelle ist die Strasse nicht
mit Trottoirs versehen. Im Zeitpunkt des Unfalls war nur mit sehr geringem
Verkehrsaufkommen zu rechnen. Mangels Trottoirs war es zudem sehr
unwahrscheinlich, dass auf dem fraglichen Streckenabschnitt Fussgänger unterwegs
waren. Die Möglichkeit, dass durch das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs durch den
Rekurrenten wegen nicht angepasster Geschwindigkeit andere Verkehrsteilnehmer wie
Autolenker oder Fussgänger gefährdet werden konnten, war unter den gegebenen
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tatsächlichen Umständen sehr gering. Es kann deshalb lediglich von einer leicht
erhöhten abstrakten Gefährdung ausgegangen werden.
c) aa) Die Anwendung von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt sodann voraus, dass den
Lenker nur ein leichtes Verschulden trifft. Auf schnee- und eisbedeckten Strassen kann
die Lenk- und Bremsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt sein. Das Wissen darum, dass
die Schleudergefahr und damit die Unfallgefahr auf verschneiten Strassen gross ist,
kann allgemein vorausgesetzt werden. Ebenso bekannt ist der Umstand, dass sich
diese Gefahr mit zunehmender Geschwindigkeit erhöht (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_38/2011 vom 5. Mai 2011 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 126 II 192 E. 2a).
Ein schweres Verschulden nahm das Bundesgericht bei einem Fahrzeuglenker an, der
auf dem Überholstreifen einer Autobahn bei leicht verschneiter Fahrbahn und nicht
besonders geringem Verkehrsaufkommen mit einem Lieferwagen bei einer
Geschwindigkeit von 100-110 km/h ins Schleudern geriet und mit der Böschung am
rechten Fahrbahnrand kollidierte, was dazu führte, dass sich das Fahrzeug überschlug
und auf dem Pannenstreifen zum Stillstand kam (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_38/2011 vom 5. Mai 2011 E. 5.4).
Von einem nicht mehr leichten Verschulden ging das Bundesgericht bei einer Lenkerin
aus, die innerorts in einer leichten Kurve auf einer mit Schneematsch bedeckten
Strasse mit 50 km/h fuhr und ins Schleudern geriet (vgl. BGE 126 II 192 E. 2a). Kein
leichtes Verschulden traf auch den Lenker, der ausserorts auf einer kurvenreichen,
abfallenden Strasse bei starkem Regen die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h
ausgefahren hatte, beim Abbremsen ins Schleudern geraten und aus der Kurve
getragen worden war (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.24/2004 vom 18. Juni 2004
E. 3). Gleiches galt auch für einen Fahrzeuglenker, der auf der Autobahn in der Nacht
bei schlechten meteorologischen Bedingungen und zeitweisem Schneefall mit einer
Geschwindigkeit von 110 km/h ins Schleudern geraten war (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.46/2005 vom 12. Oktober 2005 E. 3.3).
Von einem mindestens leichten Verschulden des Fahrzeuglenkers ging das
Bundesgericht bei einem bei winterlichen Strassenverhältnissen mit Nässe und
stellenweise Schnee bzw. Eisglätte am Unfallort verursachten Selbstunfall auf einer
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Autostrasse aus, wobei es offen liess, ob der Selbstunfall letztlich durch ungenügende
Aufmerksamkeit, mangelhafte Fahrtechnik, unangepasste Geschwindigkeit oder durch
eine Kombination dieser Faktoren ausgelöst worden war (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_83/2010 vom 12. Juli 2010 E. 5.1 f.).
Von einem höchstens leichten Verschulden ging das Bundesgericht bei einem
Fahrzeuglenker aus, der auf einer Stadtautobahn bei Schneematsch lediglich mit 60-70
km/h anstatt der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h fuhr. Dass er sein
Fahrzeug nach einem brüsk eingeleiteten Bremsmanöver nicht mehr beherrschte, war
den misslichen Strassenverhältnisse zuzuschreiben und nicht beeinflussbare Folge
eines im Ansatz grundsätzlich richtigen Fahrverhaltens (vgl. BGE 127 II 302 E. 3d).
bb) Der Rekurrent beruft sich auch zur Begründung, es treffe ihn lediglich ein leichtes
Verschulden, auf die bereits dargestellte Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts
(vgl. dazu oben E. 4b/bb).
cc) Im Strafbefehl des Statthalteramtes des Bezirkes D vom 24. Juni 2011 wird das
Verschulden des Rekurrenten nicht ausdrücklich gewürdigt. Auch daraus, dass der
Strafrichter die Busse auf Art. 90 Ziff. 1 SVG gestützt hat und nicht von einer groben
Verkehrsregelverletzung ausgegangen ist, lässt sich zur Würdigung des Verschuldens
nichts ableiten. Wie die schwere Widerhandlung im Administrativmassnahmerecht setzt
auch die grobe Verkehrsregelverletzung sowohl ein schweres Verschulden als auch
eine schwere Verkehrsgefährdung voraus. Einer – einfachen – Verkehrsregelverletzung
im Sinn von Art. 90 Ziff. 1 SVG, die nicht zu einer schweren Verkehrsgefährdung
geführt hat, kann deshalb – wie auch einer mittelschweren Widerhandlung – ein
schweres Verschulden zugrunde liegen. Da Art. 90 Ziff. 1 SVG auch die leichte
Widerhandlung im Sinn von Art. 16a SVG umfasst, schliesst anderseits die Annahme
einer einfachen Verkehrsregelverletzung durch den Strafrichter selbst bei Bindung der
Administrativbehörde an dessen Beurteilung die Anwendung von Art. 16a SVG im
Administrativverfahren nicht aus.
Im Polizeirapport wird festgehalten, "aufgrund der 43 Meter langen Rutschspur im
Schnee neben der Fahrbahn, von der Stelle an gemessen, wo das Fahrzeug über den
Fahrbahnrand hinaus in das angrenzende Wiesland geriet, bis zur Endlage des
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Fahrzeuges, sowie der sehr starken Deformierung des Personenwagens" könne
angenommen werden, der Rekurrent sei schneller als die von ihm angegebenen 45-50
km/h gefahren. Das Fahrzeug des Rekurrenten drehte sich zunächst auf der teilweise
verschneiten und vereisten Fahrbahn wohl um 180° und rutschte anschliessend quer
über eine schneebedeckte Wiese und entlang eines Maschendrahtzaunes. Beim
seitlichen Aufprall auf einen Baum wurde die Fahrerseite des Personenwagens massiv
beschädigt und das Fahrzeug in der Längsachse geknickt. Dach und Karosserieboden
wurden bis gegen die Längsachse gedrückt. Die Deformationen am Fahrzeug lassen
auf eine Kollisionsgeschwindigkeit in der Grössenordnung von 40 km/h schliessen (vgl.
Crashtests 2001: Ein schleudernder Personenwagen stösst seitlich gegen einen Baum,
Video hochgeladen auf YouTube von AXASchweiz am 5. September 2011). Da der
Geschwindigkeitsabbau während des Schleuderns mangels Kenntnis des genauen
Ablaufs des Unfalls nur schwierig zu schätzen ist, ist eine Ausgangsgeschwindigkeit
von 50 km/h als Untergrenze nicht auszuschliessen (vgl. dazu act. 19). Aufgrund des
Unfallverlaufs und des Schadensbildes ist nicht nachzuweisen, dass der Rekurrent mit
einer Geschwindigkeit von mehr als 50 km/h unterwegs war.
Aus welchen Gründen das Fahrzeug des Rekurrenten ins Schleudern geraten ist, ist
nicht bekannt. Der Rekurrent konnte dazu keine Angaben machen. Die
Geschwindigkeit von 50 km/h war – wie die Folgen zeigten – den Strassenverhältnissen
nicht ausreichend angepasst. Indessen hat der Rekurrent den winterlichen
Verhältnissen Rechnung getragen und die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der
Ausserortsstrecke nicht ausgeschöpft. Dem Rekurrenten ist vorzuwerfen, dass er die
Geschwindigkeit nicht weiter herabgesetzt hat. Sein Verschulden erscheint indessen
angesichts des Ausbaus der Strasse – sie ist breit und beidseits nicht mit Trottoirs
versehen – und ihres Verlaufs – sie verläuft im Unfallbereich in einer langgezogenen
Kurve – sowie der Strassenverhältnisse – die Fahrbahn war lediglich teilweise mit
Schnee bedeckt – insgesamt noch als leicht.
5.- Da der Rekurrent am 26. Dezember 2010 eine leichte Widerhandlung im Sinn von
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begangen hat, bemisst sich die Dauer des
Führerausweisentzugs nicht nach den für mittelschwere Widerhandlungen geltenden
Regeln gemäss Art. 16b Abs. 2 SVG. Damit steht auch die Anwendung von Art. 16b
Abs. 2 lit. e SVG nicht in Frage. Nach einer leichten Widerhandlung ist der
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Führerausweis für mindestens einen Monat zu entziehen, wenn in den
vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (vgl. Art. 16a Abs. 2 und 3 SVG). Der Wortlaut
von Art. 16a Abs. 2 und 3 SVG ist – soweit er an einem früheren Entzug des
Führerausweises anknüpft – klar und eindeutig. Es genügt, dass dem Lenker der
Ausweis entzogen war. Anders als bei den Rückfallbestimmungen der Art. 16b und 16c
SVG setzt die Formulierung nicht voraus, dass der Führerausweis wegen einer
Widerhandlung entzogen war. Eine Verwarnung ist dementsprechend auch dann
ausgeschlossen, wenn der Führerausweis wegen eines Eignungsmangels auf
unbestimmte Zeit entzogen war.
Zwar endete der letzte Warnungsentzug am 16. Juni 2007, liegt mithin mehr als zwei
Jahre vor der erneuten Widerhandlung zurück. Der Führerausweis wurde dem
Rekurrenten jedoch nach einem am 23. April 2009 verfügten Sicherungsentzug
mangels charakterlicher Eignung auf unbestimmte Zeit am 13. Juli 2010 wieder erteilt.
Der Führerausweis war dem Rekurrenten damit in den vorangegangenen zwei Jahren
entzogen, so dass die Voraussetzungen gemäss Art. 16a Abs. 3 SVG für eine
Verwarnung nicht erfüllt sind. Der Führerausweis ist dem Rekurrenten
dementsprechend mindestens für die Dauer eines Monates zu entziehen. Dieser
Entzug hat im Übrigen zur Folge, dass der Rekurrent selbst bei einer erneuten leichten
Widerhandlung, begangen innerhalb von zwei Jahren nach der Wiederaushändigung
des Ausweises, mit einem erneuten Entzug rechnen muss (vgl. Art. 16a Abs. 2 SVG).
6.- Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG sind bei der Festsetzung der Entzugsdauer die
Umstände des Einzelfalls, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das
Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufliche
Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, zu berücksichtigen; die
Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden.
Die vom Rekurrenten am 26. Dezember 2010 durch das Nichtbeherrschen des
Fahrzeugs verursachte Gefährdung und sein Verschulden wurden als gerade noch
leicht beurteilt (vgl. dazu oben E. 4b und c). Hingegen ist sein Leumund als
Motorfahrzeugführer mit zwei Warnungsentzügen in den Jahren 2005 und 2006 für die
Dauer von einem Monat wegen Nichteinhaltens eines ausreichenden
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Sicherheitsabstandes mit Auffahrkollision und von acht Monaten wegen Überschreitens
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 46 km/h getrübt. Wegen einer
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um 43 km/h
wurde zudem der am 23. April 2009 angeordnete Sicherungsentzug wegen mangelnder
charakterlicher Eignung mit einer zwölfmonatigen Sperrfrist versehen. Auch wenn die
früheren Verkehrsregelverletzungen auf einen charakterlichen Eignungsmangel
zurückzuführen waren, der nach einer erfolgreichen verkehrspsychologischen Therapie
– der Führerausweis wurde dem Rekurrenten am 13. Juli 2010 wiedererteilt –
überwunden sein sollte, rechtfertigt die automobilistische Vorgeschichte des
Rekurrenten eine massvolle Erhöhung der Entzugsdauer. Zur beruflichen
Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, wird im Rekurs ausgeführt, der Besitz des
Führerausweises wäre für die Berufstätigkeit des Rekurrenten, die sich zum Teil im
Raum Zürich abspiele, äusserst nützlich. Worin die Tätigkeit besteht, ergibt sich nicht
aus den Akten und konnte wegen Ausbleibens des Rekurrenten auch nicht an einer
mündlichen Verhandlung geklärt werden. Deshalb ist eine erhöhte
Sanktionsempfindlichkeit des Rekurrenten nicht dargetan.
Unter Berücksichtigung der Gefährdung und des Verschuldens sowie des
automobilistischen Vorlebens des Rekurrenten und seiner Sanktionsempfindlichkeit
erscheint eine Entzugsdauer von vier Monaten angemessen. Diese Dauer erschien im
Übrigen auch dem früheren Rechtsvertreter des Rekurrenten als angemessen. Der
Rekurrent ist seit dem 7. März 2011 nicht mehr im Besitz des Führerausweises. Ab
diesem Zeitpunkt war ihm der Führerausweis vorsorglich entzogen. An die Stelle dieser
vorsorglichen Massnahme trat am 15. August 2011 der von der Vorinstanz gestützt auf
Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG angeordnete Sicherungsentzug. Dem dagegen erhobenen
Rekurs kam keine aufschiebende Wirkung zu. Unter diesen Umständen ist der
viermonatige Warnungsentzug bereits vollzogen.
7.- Der Rekurs ist dementsprechend gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung der
Vorinstanz vom 15. August 2011 ist mit Ausnahme des Kostenspruches aufzuheben.
Der Führerausweis ist dem Rekurrenten für die Dauer von vier Monaten zu entziehen.
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- erscheint
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angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die
Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem Rekurrent den Kostenvorschuss von Fr. 1'500.--
zurückzuerstatten.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Rekurrent gemäss Art. 98 Abs. 2 und
Art. 98 VRP Anspruch auf die vollständige Entschädigung seiner ausseramtlichen
Kosten, soweit sie als notwendig und angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war
der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als
Pauschale ausgerichtet, und zwar liegt der Rahmen zwischen Fr. 1'000.-- und
Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Zu prüfen waren bei üblichem Aktenumfang
neben der Qualifikation der Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften die
Fragen des Rückfalls und der Bestimmung der Massnahmeart, wobei sich die
Ausführungen des Rechtsvertreters im Wesentlichen auf die Frage der Qualifikation der
Widerhandlung beschränkten. Der Rechtsvertreter hat für den Rekurrenten die
Rekurseingabe vom 17. August 2011 und die Ergänzung vom 10. September 2011
verfasst und eingereicht. Am 11. November 2011 teilte der Vertreter mit, das
Mandatsverhältnis mit dem Rekurrenten sei beendet. Unter Berücksichtigung des
Aufwandes für die Eingaben und des Umstandes, dass der Rekurrent nicht während
des gesamten Verfahrens und insbesondere auch nicht an der heutigen mündlichen
Verhandlung vertreten war, erscheint ein Honorar von Fr. 1'800.-- (Barauslagen und
Mehrwertsteuer inbegriffen, Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als angemessen.
Entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).