Decision ID: 5eef331f-aedb-4be1-b8f7-9932f5d7e73c
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a S._, geboren 1967, meldete sich am 28. Juni 1995 erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (Berufsberatung, Umschulung und
Arbeitsvermittlung) an. Dabei gab er an, an einer Lungenentzündung und an
Rückenbeschwerden zu leiden (IV-act. 1-6/6). Von Juli 1984 bis zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses durch die Arbeitgeberin per 30. Juni 1995 arbeitete er als
Schichtarbeiter bei der A._ AG (IV-act. 6-1/4 und 7-2/2). Nach beruflichen und
medizinischen Abklärungen wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung
vom 22. Januar 1996 ab (IV-act. 12). Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft
erwachsen.
A.b Mit Gesuch vom 21. Dezember 1998 meldete sich der Versicherte erneut bei der
IV-Stelle an (IV-act. 13). Da eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht
glaubhaft gemacht wurde, trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 31. Mai 1999 nicht auf
dieses Gesuch ein (IV-act. 20). Auch diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft
erwachsen.
B.
B.a Am 24. März 2005 stellte der Versicherte wiederum ein Gesuch um Leistungen der
Invalidenversicherung. Er habe am 5. Februar 2002 einen Verkehrsunfall erlitten. Seither
bestehe die Behinderung (IV-act. 25-5/7). Der Versicherte war seit dem 1. November
2000 arbeitslos. Am 5. Juni 2002 teilte die SUVA dem Versicherten mit, dass sie die
Taggeldleistungen auf den 31. Mai 2002 einstelle. Mit Verfügung vom 23. September
2002 stellte die SUVA sämtliche Versicherungsleistungen per sofort ein, da die
persistierenden Leiden ausschliesslich unfallfremder Natur seien. Daran hielt sie auch
im Einspracheentscheid vom 9. Januar 2003 fest. Eine dagegen erhobene Beschwerde
wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 17.
September 2003 ab. Schliesslich verneinte auch das Eidgenössische
Versicherungsgericht mit Urteil vom 2. März 2005 einen Kausalzusammenhang
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zwischen dem Unfall vom 5. Februar 2002 und den geklagten Beschwerden (vgl.
SUVA-Fremdakten).
B.b Im Arztbericht von Dr. med. B._ vom 17. April 2005 werden ein
posttraumatisches Cervicalsyndrom sowie Knieschmerzen bei Status nach
Kreuzbandplastik rechts diagnostiziert (IV-act. 30-1/8). Der Versicherte sei seit dem 5.
November (gemeint ist wohl Februar) 2002 arbeitsunfähig. Er habe sich in der
jahrelangen Arbeitsunfähigkeit so auf seine Schmerzen fixiert, dass eine
Arbeitsaufnahme nicht vorstellbar sei (IV-act. 30-4/8). Dr. med. C._, Klinik für
Orthopädie, Spital Altstätten, diagnostizierte im Arztbericht vom 31. Mai 2005 einen
Status nach Verkehrsunfall am 5. Februar 2002 mit leichtem vertebro-spinalem
Syndrom (chronifiziert) sowie einen Status nach Kontusion des rechten Kniegelenks bei
Zustand nach vorderer Kreuzbandplastik (Kreuzbandplastik intakt; IV-act. 36-1/6). Die
Beweglichkeit der HWS sei flüssig und ohne Schmerzangabe. Die angegeben
Rückenbeschwerden könnten nicht verifiziert werden. Das Knie sei ebenfalls klinisch
stabil und habe keinen Erguss. Die Aufnahme der HWS zeige eine leichte
Streckfehlhaltung mit sonst normalen Befunden. Auch die MRI-Untersuchung des
rechten Knies zeige ausser dem Status nach Kreuzbandplastik keine pathologischen
Befunde. Zur Arbeitsfähigkeit wurde keine Stellung genommen. Dr. C._ empfahl eine
umfassende medizinische Begutachtung (IV-act. 36-3/6).
B.c Am 12. Juli 2006 erstattete die von der IV-Stelle beauftragte Medizinische
Abklärungsstelle der Universitätskliniken Basel (MEDAS) ein polydisziplinäres
Gutachten. Die Gutachter stellten folgende Diagnosen (mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit): chronisches zervikovertebrales bis zervikokephales Schmerzsyndrom
(bei St.n. Verkehrsunfall vom 5.2.2002, geringem organischem Korrelat und V.a.
Symptomausweitung); Knieschmerz rechts (bei St.n. vorderer Kreuzbandplastik,
radiologisch fehlenden Zeichen namhafter Abnützungserscheinungen und derzeit ohne
Anhaltspunkte auf Reizsymptomatik oder Instabilität). Als weitere Diagnosen (ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) wurden u.a. eine leichte depressive Episode sowie
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung angegeben (IV-act. 58-11/32). Aufgrund
einer Gesamtbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass jede körperlich bis
mittelschwer belastende Tätigkeit (Hebebelastungen nicht über 15 – 20 kg) in vollem
Umfang zumutbar sei. Eine Einschränkung von 10% bis 20% ergebe sich aus
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psychiatrischer Sicht bei allen Tätigkeitsbereichen aufgrund der eingeschränkten
Schmerz- und Frustrationstoleranz sowie der erhöhten emotionalen Irritabilität.
Dadurch sei die qualitative Leistungsfähigkeit reduziert, so dass zwar ein volles
zeitliches Pensum möglich sei, bei aber erhöhtem und regelmässigem Pausenbedarf
(IV-act. 58-13/32 und 31/32).
B.d Mit Vorbescheid vom 30. November 2006 wurde dem Versicherten die Abweisung
des Rentengesuches in Aussicht gestellt (IV-act. 65). Mit Eingabe vom 15. Januar und
Ergänzung vom 26. Februar 2007 liess der Versicherte Einwände erheben und
beantragte die Zusprache einer ganzen IV-Rente, eventualiter die Einholung eines
Obergutachtens. Es wurde insbesondere geltend gemacht, dass dem Versicherten
gemäss einem Gutachten von Dr. med. D._ höchstens eine körperlich
wechselbelastende Tätigkeit, eher manueller als geistiger Natur, maximal halbtags
zumutbar sei. Dem MEDAS-Gutachten komme keine Beweiskraft zu, da keine
körperliche Untersuchung stattgefunden habe; der Versicherte habe dort kein einziges
Kleidungsstück ausziehen müssen. Es sei auf die Beurteilung von Dr. D._ und Dr.
B._ abzustellen. Mit Verfügung vom 7. Juni 2007 wurde der Anspruch auf eine Rente
bei einem IV-Grad von 15% abgewiesen. Die subjektive Invaliditätsüberzeugung mit
konsekutiver Selbstlimitierung sei weder organisch am Bewegungsapparat mit zu
erhebenden Befunden noch mit psychiatrischen Beeinträchtigungen zu begründen. Die
psychosozialen Belastungssituationen dürften vom Gutachter nicht einbezogen werden
(IV-act. 83).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 7. Juni 2007 lässt der Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 9. Juli 2007 Beschwerde erheben mit dem Antrag, die Verfügung sei aufzuheben
und es sei dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 5. Februar 2002 eine ganze IV-Rente
bei einem IV-Grad von mindestens 70% zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache
zwecks weiterer Abklärungen im Sinne der Erstellung eines neuen rheumatologisch-
orthopädischen Gutachtens und eines psychiatrischen Obergutachtens sowie zur
Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Zudem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung zu gewähren (act. G 1). Der Beschwerdeführer macht
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insbesondere geltend, dass bezüglich der Ermittlung der Invalidität nicht auf das
MEDAS-Gutachten abzustellen sei. Vielmehr sei die Beurteilung von Dr. D._ und Dr.
B._ massgebend. Der IV-Grad betrage somit mindestens 70%. Daneben sei noch ein
weiteres psychiatrisches sowie rheumatologisches Gutachten in Auftrag zu geben, falls
dem Beschwerdeführer nicht eine ganze IV-Rente zugesprochen werde. Zudem macht
der Beschwerdeführer auch noch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, da
die Verfügung vom 7. Juni 2007 den hohen Anforderungen an die Begründungspflicht
nicht genüge (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. September 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dabei macht sie insbesondere
geltend, dass nicht ersichtlich sei, weshalb nicht auf das MEDAS-Gutachten abgestellt
werden sollte. Auch Dr. D._ beurteile das MEDAS-Gutachten als gut dokumentiert,
fundiert und aus medizinischer Sicht gut nachvollziehbar. Gemäss Dr. D._ sei das
Dekonditionierungssyndrom alleinige Ursache der Beschwerden. Die Experten der
MEDAS und Dr. D._ würden den Gesundheitszustand im Wesentlichen gleich
beurteilen, jedoch unterschiedliche Schlüsse für die zumutbare Arbeitsfähigkeit daraus
ziehen. Im Übrigen habe die MEDAS bestätigt, dass eine körperliche Untersuchung
stattgefunden habe. Weitere Untersuchungen würden sich nicht aufdrängen. Gemäss
dem MEDAS-Gutachten dürfe von einer Einschränkung von 10% bis 20%
ausgegangen werden. Der Versicherte könne bei Aufbringen des zumutbaren Willens
nach wie vor als Hilfsarbeiter erwerbstätig sein und würde dabei, wenn überhaupt, nur
eine minimale Erwerbseinbusse von rund 15% erleiden. Der Einkommensvergleich sei
zu Recht nicht gerügt worden. Der IV-Grad liege offensichtlich unter 40%, sodass der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine IV-Rente habe.
C.c Auf weitere Vorbringen der Parteien wird, sofern wesentlich, im Rahmen der

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
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Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, da
die Beschwerdegegnerin ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen sei.
2.2 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Die grundsätzliche Pflicht einer Behörde, ihren
Entscheid zu begründen, folgt aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör. Dabei sind die
Anforderungen an die Begründungsdichte unter Berücksichtigung aller Umstände des
Einzelfalls sowie der Interessen der Betroffenen festzulegen. Die Begründung muss so
abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht
anfechten kann. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid
stützt. Je grösser der Spielraum der Behörde (unter anderem infolge Ermessen) und je
stärker der Entscheid in die individuellen Rechte eingreift, desto höhere Anforderungen
sind an dessen Begründung zu stellen (BGE 112 Ia 107 Erw. 2b mit Hinweisen; BGE
118 V 58). Die Verwaltung darf sich nicht damit begnügen, die von der betroffenen
Person vorgebrachten Einwendungen zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen; sie hat
ihre Überlegungen der betroffenen Person gegenüber auch namhaft zu machen und
sich dabei ausdrücklich mit den Einwendungen auseinander zu setzen oder zumindest
die Gründe anzugeben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen
kann (BGE 124 V 180 Erw. 2b). Ein Mangel in der Verfügungsbegründung kann unter
bestimmten Voraussetzungen im Beschwerdeverfahren geheilt werden (LVGE 1994,
219 Erw. 2b; ZAK 1990, 396 Erw. 2). Eine - nicht besonders schwerwiegende -
Verletzung des rechtlichen Gehörs kann dann als geheilt gelten, wenn der Betroffene
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die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den
Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Diese Voraussetzung ist im Fall
des Versicherungsgerichts erfüllt (vgl. Art. 46 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, VRP [sGS 951.1] sowie Art. 61 ATSG).
2.3 Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (IV-act. 83) im
Wesentlichen mit dem Hinweis auf die rechtlichen Grundlagen der Zusprechung einer
Rente und das Gutachten der MEDAS Basel. Letzteres sowie die übrigen bis dahin
erstellten Akten wurden dem Rechtsvertreter im Vorbescheidverfahren zur
Einsichtnahme zugestellt (IV-act. 68). In der rentenabweisenden Verfügung nahm die
Beschwerdegegnerin Bezug auf das Ergebnis der interdisziplinären medizinischen
Abklärung und führte aus, dass dem Beschwerdeführer ein Arbeitseinsatz von 80% bis
90% zuzumuten sei. Dabei sei nach der aufgeführten Berechnung des IV-Grades (15%)
ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Im Weitern hält sie wiederum
gestützt auf das MEDAS-Gutachten fest, dass die subjektive Invaliditätsüberzeugung
mit Selbstlimitierung weder durch die organischen noch psychischen Befunde zu
begründen sei. Zudem nimmt sie auch Stellung zum Einwand, der Beschwerdeführer
sei anlässlich der Begutachtung durch die MEDAS körperlich nicht untersucht worden.
Die Beschwerdeführerin kommt schliesslich zum Schluss, dass bei einem
Invaliditätsgrad unter 40% kein Rentenanspruch bestehe. Sie zeigte damit die
Überlegungen, von denen sie sich leiten liess, in zureichender Weise auf und setzte
sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten auseinander. Eine Verpflichtung, sich mit
jeder tatbeständlichen Behauptung oder jedem rechtlichen Einwand zu befassen,
besteht nicht (vgl. BGE 124 V 180 Erw. 1a). Ein Begründungsmangel ist somit nicht
ersichtlich. Aber selbst wenn - wie der Beschwerdeführer rügen lässt - von einer
Verletzung der Begründungspflicht auszugehen wäre, müsste der Mangel im
vorliegenden Verfahren als geheilt gelten.
3.
3.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte
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und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (bzw. Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis Ende
2007 gültigen Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn der
Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn er
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente.
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
3.3 Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu
prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Was
Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche
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Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht
Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 Erw. 2a in fine, BGE 122 V 161 Erw. 1c).
Daraus folgt indessen nicht, dass eine solche Expertise den gleichen Rang besitzt wie
ein vom Gericht oder von der IV-Stelle nach Massgabe des anwendbaren
Verfahrensrechts eingeholtes Gutachten. Trotz dieser beschränkten Bedeutung
verpflichtet es indessen, wie jede substantiiert vorgetragene Einwendung gegen eine
solche Expertise, das Gericht, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien für
die Beweiswürdigung folgend, zu prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die
Auffassungen und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder von der IV-Stelle förmlich
bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (AHI
2001 S. 112, 115).
In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125
V 351 Erw. 3b.cc; SVR 2001 IV Nr. 8 Erw. 3b.cc).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin stellte in der Beurteilung des Leistungsanspruchs auf die
Einschätzungen im MEDAS-Gutachten vom 12. Juli 2006 ab. Der Beschwerdeführer ist
hingegen der Ansicht, dieses Gutachten sei nicht beweistauglich. Vielmehr sei auf die
Berichte des Hausarztes Dr. B._ sowie Dr. D._ abzustellen. Nachfolgend ist daher
zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin zu Recht der Einschätzung der MEDAS gefolgt
ist.
4.2 Der Beschwerdeführer hielt sich am 28. und 29. März 2006 in der MEDAS Basel
auf und wurde dort einer interdisziplinären medizinischen Begutachtung unterzogen.
Gemäss dem rheumatologischen Fachgutachten leidet der Beschwerdeführer an einem
chronischen zervikovertebralen bis zervikozephalen Schmerzsyndrom, an
Knieschmerzen rechts sowie an einem chronischen kostalen bis
thorakospondylogenen Schmerzsyndrom rechts (IV-58-21/32). Aus
arbeitsmedizinischer Sicht liege die Belastbarkeit im Rahmen einer körperlich leicht bis
mittelschwer belastenden Tätigkeit, idealerweise in wirbelsäulenadaptierten
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Wechselpositionen, ohne Notwendigkeit zu langdauerndem Verharren in vorgeneigten
Körperhaltungen, ohne repetitive rumpfrotierende Stereotypien oder langdauerndes
Sitzen. Primäres Reintegrationshindernis stelle die erhebliche subjektive
Invaliditätsüberzeugung und konsekutive Selbstlimitierung dar, welche jedoch nicht
durch organisch am Bewegungsapparat zu erhebende Befunde begründbar seien. Die
eingetretene Dekonditionierung und Haltungsinsuffizienz begünstige
Beschwerderezidive. Durch eine Rekonditionierung, Anleitung zu und Beachtung von
Rückenhygiene könne den Funktionsstörungen im Bereich des Achsenorgans
erfolgreich vorgebeugt werden. Dabei sei in therapeutischen Bemühungen eher auf
einen aktiven Therapieansatz mit selbständigen Trainingsmassnahmen (wie
beispielsweise regelmässiges Schwimmen) zu setzen. Rein passive Massnahmen wie
Infiltrationstherapien und Massagen seien eher geeignet, die bestehende
Krankheitsüberzeugung zu bestärken. Aus rein rheumatologischer Sicht erscheine jede
körperlich bis zu mittelschwer belastende Tätigkeit (Hebebelastungen nicht grösser als
15 – 20 kg) in vollem Umfang zumutbar, unter Beachtung der Rückenhygiene und der
Möglichkeit von Wechselpositionen. Der Psychiater stellte eine leichte depressive
Episode (ICD-10 F32.0) sowie – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) fest (IV-act. 58-30/32). Die rigiden
Krankheitsüberzeugungen, die anhaltende Schmerzproblematik, welche durch die
somatischen Befunde nicht ausreichend erklärt sei, sowie die
Aufmerksamkeitsfokussierung auf die Schmerzen und der Zusammenhang mit
psychosozialen Belastungen spreche für eine somatoforme Schmerzstörung. Die
psychosozialen Stressoren hätten im Verlauf zugenommen (zunehmende
Verschuldung, schwindende Chancen auf dem Arbeitsmarkt bei lang anhaltender
Arbeitslosigkeit, familiäre Konflikte, zunehmende soziale Isolation). Dies führe auch zu
einer depressiven Entwicklung mit deprimierter Stimmung, erhöhter Reizbarkeit,
Hoffnungslosigkeit und Verlust der Vitalgefühle, wodurch die ICD-10-Kriterien einer
leichten depressiven Episode erfüllt seien. Der Explorand sei fixiert auf die körperlichen
Symptome und auf kompensatorische Versicherungsleistungen. Er habe ein
Verbitterungssyndrom entwickelt und externalisiere die Ursachen für seine
Lebenssituation. Damit schwinde die Motivation zur Übernahme von
Eigenverantwortung und Einleitung konstruktiver Veränderungsschritte. Schliesslich
wird im psychiatrischen Gutachten auch auf die erheblichen
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Verdeutlichungsbestrebungen in der Symptompräsentation hingewiesen. Diese
schienen auch Ausdruck der schwierigen sozialen und persönlichen Situation des
Exploranden zu sein. Aus psychiatrischer Sicht sei er für eine den körperlichen
Beschwerden angepasste Tätigkeit zu 80% bis 90% arbeitsfähig. Aufgrund der
eingeschränkten Schmerz- und Frustrationstoleranz sowie der erhöhten emotionalen
Irritabilität sei die qualitative Leistungsfähigkeit reduziert, so dass zwar ein volles
zeitliches Pensum möglich sei, bei aber erhöhtem und regelmässigem Pausenbedarf
(IV-act. 58-31/32). In der Gesamtbeurteilung der MEDAS wurde eine aus
psychiatrischer Sicht bestehende Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 10% bis
20% für alle Tätigkeitsbereiche angenommen (IV-act. 58-13/32).
4.3 Das MEDAS-Gutachten stützt seine Beurteilung auf die Vorakten, auf die eigene
persönliche Befragung des Beschwerdeführers und die eigenen internistischen,
rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen am 28. und 29. März 2006.
Der Einwand des Beschwerdeführers, er sei anlässlich des Aufenthaltes bei der
MEDAS in Basel nie körperlich untersucht, sondern bloss mündlich befragt worden
(act. G 1S. 8 lit. f.), ist nicht glaubhaft und wurde von der MEDAS in der Stellungnahme
vom 21. Mai 2006 auch in Abrede gestellt (IV-act. 81-2/3). Die Berichte über die
internistische Untersuchung (IV-act. 85-8/32) sowie über die rheumatologischen
Befunde (IV-act. 58-19/32), worin beispielsweise Druckdolenzen am Beckenkamm, bei
den Dornfortsätzen der unteren BWS und über den Rippenbögen rechts oder auch
ergussfreie Kniegelenke beschrieben werden, sind wohl kaum erstellt worden, ohne
dass der Beschwerdeführer auch nur "ein einziges Kleidungsstück ausziehen" musste,
wie geltend gemacht wird. Jedenfalls bestehen keinerlei Anhaltspunkte für eine
unzureichende körperliche Untersuchung des Beschwerdeführers. Das polydisziplinäre
Gutachten erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemässen Kriterien der Beweistauglichkeit.
Es ist für die strittigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen,
berücksichtigt die beklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden. Zudem sind die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhalten
begründete Schlussfolgungen. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb nicht auf
dieses Gutachten abgestellt werden sollte.
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4.4 Daran vermögen auch die vom Beschwerdeführer eingereichten Berichte des
Hausarztes Dr. B._ vom 15. Januar 2007 (IV-act. 91) und von Dr. D._ vom
Wirbelsäulenzentrum am Rosenberg in St. Gallen vom 15. Februar 2007 (IV-act. 93)
nichts zu ändern. Dr. B._ hält in seinem Kurzbericht an seiner Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit fest und begründet dies einzig mit den starken posttraumatischen
cervikalen Schmerzen des Patienten, auch wenn objektiv keine groben pathologischen
Befunde bestünden. Durch die lange Schmerzanamnese habe sich auch eine
Depression entwickelt, welche die Arbeitsunfähigkeit zusätzlich beeinträchtige. Das
MEDAS-Gutachten erachtet er nicht zutreffend, weil die starken Schmerzen zu wenig
berücksichtigt worden seien. Vom MEDAS-Gutachten abweichende Diagnosen werden
nicht gestellt. Auch werden im Bericht keine objektiv feststellbaren Gesichtpunkte
genannt, welche im MEDAS-Gutachten unberücksichtigt geblieben wären, sondern es
wird auf die subjektiven Schmerzangaben des Patienten abgestellt. Zudem ist zu
beachten, dass Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund deren auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 353 Erw.
3b/cc). Im Übrigen verweist Dr. B._ auf den psychischen Zustand des
Beschwerdeführers. Im Zusammenhang mit der Bestimmung der Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit durch psychische Faktoren ist jedoch ohnehin auf die Beurteilung
durch den Facharzt abzustellen, wie sie im MEDAS-Gutachten erfolgt ist. Auch mit dem
Bericht von Dr. D._ lässt sich die Beweistauglichkeit des MEDAS-Gutachtens nicht
entkräften. Dr. D._ erwähnt als Diagnose lediglich eine chronische Zervikozephalgie
bei muskulärer Dysbalance und Dekonditionierungssyndrom (IV-act. 93-2/3 Ziff. 3). Das
Dekonditionierungssyndrom sei heute alleinige Ursache der Beschwerden (Ziff. 6b). Die
Beschwerden durch die muskuläre Dysbalance dürften solange dauerhaft bleiben, bis
es dem Patienten gelinge, sich selbst wieder zu aktivieren (Ziff. 8). Das MEDAS-
Gutachten sei gut dokumentiert und fundiert und aus medizinischer Sicht – soweit von
ihm beurteilbar – nachvollziehbar (Ziff. 11). Wenn Dr. D._ dennoch zum Schluss
kommt, dass dem Patienten eine körperlich wechselbelastenden Tätigkeit lediglich
halbtags zumutbar sei, muss unter den vorliegenden Umständen bei dieser
Einschätzung von einer unterschiedlichen Beurteilung des gleichen Sachverhalts
ausgegangen werden. Denn auch Dr. D._ nennt keine objektiven Gesichtspunkte,
welche nicht bereits im MEDAS-Gutachten berücksichtigt worden wären. Im Übrigen
waren der MEDAS diese abweichenden Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit bekannt. Sie
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hat dazu auch ausdrücklich Stellung genommen (IV-act. 81). Und schliesslich drängt es
sich beim Vorliegen von somatischen und psychischen Beschwerden auf, die
Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer interdisziplinären Gesamtbeurteilung zu bestimmen,
wie dies vorliegend geschehen ist.
4.5 Zusammenfassend ist in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin und
aufgrund des polydisziplinären MEDAS-Gutachtens vom 12. Juli 2006 von einer
Arbeitsfähigkeit im Umfang von rund 15% (Mittelwert der Einschränkung von 10% bis
20%) in einer leidensangepassten Tätigkeit, wie sie in der Gesamtbeurteilung im
Gutachten beschrieben wird (vgl. IV-act. 58-13/32), auszugehen.
5.
5.1 Der Einkommensvergleich der angefochtenen Verfügung wurde zu Recht nicht
beanstandet. Bei einem IV-Grad von unter 40% besteht kein Rentenanspruch. Die
Verfügung vom 7. Juni 2007 ist somit nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde
abzuweisen ist.
5.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung am 13. November 2007 bewilligt (act. G 12). Wenn die
wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers es gestatten, kann er jedoch zur
Nachzahlung der Gerichtskosten, der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat
entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99
Abs. 2 VRP/SG).
5.3 Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung
zu befreien.
5.4 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass dem unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20%
reduziertes Honorar zusteht (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte mit Kostennote vom 12. Dezember
2007 ein Honorar von Fr. 2'350.00 geltend (act. G 13.1). Dieses ist um 20% zu kürzen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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was Fr. 1'880.00 ergibt. Unter Berücksichtigung der Barauslagen von pauschal 4%
(Fr. 75.20) und der Mehrwertsteuer (Fr. 148.60) beläuft sich der Honoraranspruch auf
insgesamt Fr. 2'103.80.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG