Decision ID: 67de1a58-3545-4e6b-959a-92ef1d4a5b67
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im April 2012 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er hatte eine
Anlehre zum Bau- und Industrie-Spengler absolviert und war zuletzt von September
2010 bis Ende August 2011 im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms der Caritas
angestellt gewesen (vgl. IV-act. 6, 8, 10, 12). Die Ärzte der Psychiatrischen Klinik B._
berichteten am 30. Juli 2012, der Versicherte leide an einer leichten
Intelligenzverminderung (IQ zwischen 62 und 73; ICD-10 F70) mit Verdacht auf eine
daraus resultierende kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0) sowie an einer Störung
durch Cannabinoide, gemäss eigenen Angaben zurzeit abstinent (F12.1). Dem
Versicherten sei eine leidensadaptierten Tätigkeit oder eine Tätigkeit in einem
geschützten Rahmen zumutbar (IV-act. 13).
A.b Am 16. November 2012 informierte die IV-Stelle den Versicherten, dass während
der Durchführung der beruflichen Massnahmen eine Cannabis-Abstinenz notwendig
sei. Im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht sei es ihm zumutbar, abstinent zu
bleiben und diese Abstinenz durch monatliche Urinuntersuchungen nachzuweisen (IV-
act. 18). Daraufhin teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass er die Urinkontrollen bei
seinem Hausarzt, Dr. med. C._, durchführen lassen werde (vgl. IV-act. 21).
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A.c Am 7. Dezember 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er Anspruch
auf Arbeitsvermittlung habe und ihm Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche
gewährt würden (IV-act. 24). Nachdem die ersten Urinkontrollen vom Januar und
Februar 2013 positiv ausgefallen waren (vgl. IV-act. 27), ersuchte der Versicherte durch
eine Sozialarbeiterin der Suchtberatung D._ um eine Verlängerung der Frist zur
Erfüllung der Auflagen (IV-act. 32). Am 4. Juli 2013 notierte der Regionale Ärztliche
Dienst (RAD), dass das Gesuch der Sozialarbeiterin aus medizinischer Sicht nicht
unterstützt werden könne (IV-act. 35). Daraufhin forderte die IV-Stelle den Versicherten
am 12. Juli 2013 auf, den entsprechenden Anordnungen bis zum 9. August 2013
nachzukommen, da ansonsten die Erhebungen eingestellt würden und auf sein Gesuch
nicht eingetreten werde (IV-act. 38).
A.d Da der Versicherte auf dieses Schreiben nicht reagierte, verfügte die IV-Stelle am
23. August 2013 das Nichteintreten auf das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen/Rente (IV-act. 41, vgl. IV-act. 40).
B.
B.a Im März 2015 ersuchte der Versicherte erneut um die Ausrichtung von IV-
Leistungen (IV-act. 43). Dem Gesuch lagen diverse Unterlagen bei: Gemäss einem
Bericht des Spitals E._ war am 20. Juni 2014 eine transthorakale Echokardiografie
durchgeführt worden, welche keine strukturelle Herzerkrankung und keinen Hinweis auf
das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit ergeben hatte (IV-act. 49). Die Ärzte der
Psychiatrischen Klinik B._ hatten am 20. August 2014 berichtet, dass zurzeit kein
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlungsbedarf bestehe, da der Versicherte
durch die Suchtberatung gut eingebunden sei (IV-act. 48). Die zuständige
Sozialarbeiterin hatte am 8. Oktober 2014 angegeben, dass der Versicherte seit Anfang
Juli 2014 wieder einmal pro Woche Cannabis konsumiere (IV-act. 44).
B.b Mit Vorbescheid vom 10. Juni 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten das
Nichteintreten auf das neue Leistungsbegehren in Aussicht. Er habe mit seinem neuen
Gesuch nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der
letzten Verfügung wesentlich verändert hätten (IV-act. 60). Dagegen erhob der
Versicherte Einwand und ersuchte um eine nochmalige Überprüfung seines
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Leistungsbegehrens. Dabei verwies er im Wesentlichen auf eine Stellungnahme von Dr.
C._ vom 17. August 2015. Dieser hatte angegeben, dass beim Versicherten u.a. eine
ängstlich vermeidende Persönlichkeitsakzentuierung mit Soziophobie sowie ein
schädlicher Gebrauch von Cannabis bestünden. Der Versicherte habe trotz seiner
Bemühungen den Cannabiskonsum nicht vollständig sistieren können. Er müsse als zu
100% arbeitsunfähig angesehen werden (IV-act. 62, 65).
B.c Am 7. September 2015 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid mit der
Begründung, dass der medizinische Sachverhalt umfassend abgeklärt worden sei (IV-
act. 69). Nachdem der Versicherte dagegen Beschwerde erhoben hatte, widerrief die
IV-Stelle die Verfügung am 7. Januar 2016 (vgl. IV-act. 74, 78). Gleichentags forderte
sie den Versicherten dazu auf, seine Abstinenz von Cannabis zu belegen (IV-act. 79).
Daraufhin schrieb das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen das
Beschwerdeverfahren IV 2015/325 infolge Gegenstandslosigkeit ab (IV-act. 84).
B.d Am 24. Februar 2016 berichtete Dr. C._ der IV-Stelle, dass beim Versicherten im
Wesentlichen ein depressives Syndrom mit Angstzuständen und einer Soziophobie, ein
Verdacht auf kognitive Defizite mit vermindertem IQ-Wert sowie ein Zustand nach
schädlichem Gebrauch von Cannabis, sekundär als Folge der obgenannten Leiden,
bestünden. Der Versicherte könne aktuell nicht arbeiten. Das Suchtverhalten sei als
Folge der psychischen Defizite und als Selbstheilungsversuch zu betrachten (IV-act.
89). Dr. C._ hatte in den letzten Monaten keine Urinproben durchgeführt (vgl. IV-act.
90).
B.e Daraufhin erliess die IV-Stelle am 5. April 2016 einen neuen Vorbescheid. Sie
stellte dem Versicherten erneut das Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in
Aussicht, da er nicht glaubhaft dargelegt habe, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse
seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten (IV-act. 92). Gegen diesen
Vorbescheid erhob der Versicherte wiederum Einwand. Er machte geltend, dass nie
geklärt worden sei, ob ihm eine Abstinenz aufgrund seiner psychischen Erkrankung
zumutbar sei (IV-act. 95).
B.f Am 9. Mai 2016 notierte der RAD, dass der Cannabiskonsum durch therapeutische
Interventionen massiv habe reduziert werden können und nur mehr aus einem
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gelegentlichen Konsum bestehe. Dieser gelegentliche Konsum sei aus medizinischer
Sicht verzichtbar, ohne dass erhebliche Nachteile für den Versicherten entstünden.
Zudem bestünden weder körperliche noch geistige Gebrechen, welche einen
Cannabiskonsum rechtfertigen und die Unzumutbarkeit der Abstinenz begründen
könnten (IV-act. 97). Gestützt darauf verfügte die IV-Stelle am 24. Mai 2016 erneut das
Nichteintreten auf das Leistungsbegehren des Versicherten (IV-act. 99).
B.g Nachdem der Versicherte gegen die Verfügung vom 24. Mai 2016 Beschwerde
erhoben hatte, widerrief die IV-Stelle am 23. August 2016 auch diese Verfügung (IV-act.
102, 113, vgl. auch IV-act. 112). Daraufhin schrieb das Versicherungsgericht auch
dieses Verfahren infolge Gegenstandslosigkeit ab (IV 2016/184; IV-act. 117).
C.
C.a Mit Schreiben vom 8. September 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass eine medizinische Begutachtung notwendig sei. Sie forderte ihn auf, im Rahmen
seiner gesetzlichen Mitwirkungspflicht während mindestens vier bis sechs Wochen vor
und andauernd bis und mit dem Begutachtungstermin von Cannabis abstinent zu sein
und diese Abstinenz durch Urinproben zu belegen (IV-act. 116).
C.b Nachdem die Urinproben von Oktober und November 2016 wiederum positiv
ausgefallen waren (vgl. IV-act. 122), forderte die IV-Stelle den Versicherten am 13.
Dezember 2016 letztmals auf, die Cannabis-Abstinenz einzuhalten und sie mittels
Urinuntersuchungen zu belegen. Die IV-Stelle wies den Versicherten darauf hin, dass
auf sein Leistungsbegehren nicht eingetreten werde, wenn er dieser Aufforderung nicht
nachkomme (IV-act. 123).
C.c Am 18. Januar und 31. März 2017 berichtete Dr. C._ der IV-Stelle, dass der
Versicherte aufgrund seines psychischen Leidens bzw. der psychiatrischen Diagnosen
nicht in der Lage sei, eine Cannabis-Abstinenz einzuhalten. Die Urinproben seien
durchwegs positiv (IV-act. 125, 135).
C.d Der RAD notierte am 24. April 2017, dass auch weiterhin keine medizinischen
Gründe für die Unzumutbarkeit einer Cannabis-Abstinenz vorlägen (IV-act. 137).
Gestützt auf diese Stellungnahme stellte die IV-Stelle dem Versicherten im Vorbescheid
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vom 27. April 2017 das Nichteintreten auf das Leistungsgesuch infolge der
Verweigerung seiner Mitwirkungspflicht in Aussicht (IV-act. 139). Dagegen wandte der
Versicherte am 23. Mai 2017 ein, dass es ihm aufgrund seiner Erkrankung und seiner
Intelligenzminderung nicht möglich sei, abstinent zu werden (IV-act. 140). Am 9. Juni
2017 verfügte die IV-Stelle wie im Vorbescheid angekündigt. Zum Einwand führte sie
an, dass keine neuen Tatsachen hinsichtlich der Unzumutbarkeit einer
Cannabisabstinenz vorgebracht worden seien (IV-act. 141).
D.
D.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 4. Juli 2017 Beschwerde. Er
beantragte die Zusprache beruflicher Massnahmen und eventualiter von
Rentenleistungen. Subeventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Er machte
im Wesentlichen geltend, dass der Sachverhalt nicht im Ansatz geklärt sei (act. G 1).
D.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. August 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dies begründete sie damit, dass
eine Begutachtung des Beschwerdeführers ohne vorherige Sistierung des
Cannabiskonsums nicht zielführend sei, da nicht sicher bestimmt werden könne, ob die
vom Beschwerdeführer gezeigte Symptomatik auf ein psychisches Leiden oder auf den
Cannabiskonsum zurückzuführen sei (act. G 5).
D.c Am 18. August 2017 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 6).
D.d Mit Replik vom 5. September 2017 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Rechtsbegehren fest und beantragte ergänzend die Anordnung eines
Gerichtsgutachtens (act. G 8).
D.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
10).

Erwägungen
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1.
1.1 Der Beschwerdeführer hat im April 2012 erstmals bei der Beschwerdegegnerin um
IV-Leistungen ersucht. In der Folge sind ihm Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche gewährt worden. In diesem Rahmen hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer mit Verweis auf die ihm obliegende Schadenminderungspflicht
aufgefordert, während der Durchführung der beruflichen Massnahmen eine Cannabis-
Abstinenz einzuhalten und diese mittels Urinproben zu beweisen. Gleichzeitig hat sie
ihm mit Verweis auf Art. 43 Abs. 3 ATSG das Nichteintreten auf sein Leistungsgesuch
angedroht. Da der Beschwerdeführer die geforderten Auflagen trotz mehrmaliger
Aufforderung nicht erfüllt hat, hat die Beschwerdegegnerin am 23. August 2013 wie
angekündigt eine Nichteintretensverfügung erlassen.
1.2 Indem der Beschwerdeführer die verlangte Abstinenz nicht eingehalten hat, hat er
seine Pflicht, die Fortführung des Verfahrens betreffend berufliche Massnahmen zu
ermöglichen, verletzt. Die Verfügung vom 23. August 2013 hat den Beschwerdeführer
im Sinne eines "Druckmittels" zur Erfüllung der geforderten Auflagen bewegen sollen.
Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG eine
verfahrensleitende Massnahme verfügt, deren Wirkung bei Erfüllung ihres Zwecks
naturgemäss vollständig dahinfallen muss (vgl. dazu TOBIAS BOLT, Folgen einer
Mitwirkungspflichtverletzung, in: UELI KIESER/MIRIAM LENDFERS [Hrsg.], Jahrbuch
zum Sozialversicherungsrecht 2016). Trotz des anders lautenden Dispositivs hat es
sich bei der in der Verfügung vom 23. August 2013 angedrohten Sanktion nicht um ein
Nichteintreten gehandelt: Die Beschwerdegegnerin hatte dem Beschwerdeführer
bereits mitgeteilt, dass er Anspruch auf Arbeitsvermittlung habe. Mit anderen Worten
war sie somit bereits früher auf die Anmeldung des Beschwerdeführers eingetreten. Bei
diesem Verfahrensstand hat ein Nichteintreten gar nicht mehr angedroht werden
können (vgl. zum Ganzen auch den Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen
vom 4. November 2016, EL 2015/23; BOLT, a.a.O., Fn 5). Die Beschwerdegegnerin ist
somit entgegen dem Wortlaut nicht auf das Gesuch nicht eingetreten, sondern sie hat
das Verfahren zur Prüfung der Anmeldung vom April 2012 - vergleichbar mit einer
Sistierung - bis zur Mitwirkung des Beschwerdeführers ausgesetzt.
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1.3 Im März 2015 hat der Beschwerdeführer erneut um die Ausrichtung von IV-
Leistungen ersucht. Dabei ist den Akten zu entnehmen, dass er seit Juli 2014 wieder
regelmässig Cannabis konsumiert hatte. Die Mitwirkungspflichtverletzung, die mit der
Verfügung vom 23. August 2013 hatte aus dem Weg geräumt werden sollen, ist damit
noch gar nicht weggefallen. Mit anderen Worten hat der im August 2013 verfügte
„Verfahrensstopp“ bis zur Mitwirkung des Beschwerdeführers im Zeitpunkt des
erneuten Leistungsgesuchs vom März 2015 fortbestanden. Dies scheint die
Beschwerdegegnerin übersehen zu haben. Sie ist nämlich ungeachtet dessen, dass bis
zu einer Mitwirkung des Beschwerdeführers noch immer das erste Verfahren zur
Prüfung der Anmeldung vom April 2012 pendent war, von einer Neuanmeldung
ausgegangen. Sie hat somit rechtswidrigerweise ein neues Verfahren eröffnet und
(nachdem sie am 7. September 2015 bzw. am 24. Mai 2016 wiederum ein
Nichteintreten verfügt und diese Verfügungen in der Folge am 7. Januar 2016 resp. am
23. August 2016 widerrufen hat) dem Beschwerdeführer am 8. September 2016
mitgeteilt, dass weitere Abklärungen angezeigt seien (IV-act. 116). Damit ist die
Beschwerdegegnerin rechtswidrigerweise auf die „Neuanmeldung“ des
Beschwerdeführers vom März 2015 eingetreten. Bei verfahrensrechtlich konsequenter
Betrachtungsweise hat sie sich, da der Beschwerdeführer eine Cannabis-Abstinenz
nach wie vor nicht hat nachweisen können, immer noch im ausgesetzten Verfahren
befunden. Sie hat entsprechend bei Fortbestehen der ersten Verfügung vom 23.
August 2013 keine neue, gleichlautende Verfügung erlassen können. Dies führt zur
Nichtigkeit der zweiten Nichteintretensverfügung vom 9. Juni 2017.
1.4 Zusammenfassend hat sich seit Erlass der ersten Sanktionsverfügung vom 23.
August 2013 keine Änderung ergeben. Das erste Verfahren zur Prüfung der Anmeldung
vom April 2012 ist bis zur Erfüllung der von der Beschwerdegegnerin damals
geforderten Auflagen weiterhin pendent. Deshalb hat die Beschwerdegegnerin
offensichtlich nicht auf die erneute Anmeldung des Beschwerdeführers im März 2015
eintreten dürfen, sondern hätte ihn darauf hinweisen müssen, dass er zur
Wiederaufnahme des ersten Verfahrens der ihm auferlegten Mitwirkungspflicht
nachkommen müsse. Die Verfügung vom 9. Juni 2017 ist damit nichtig.
2.
2.1 Es ist festzustellen, dass die Verfügung vom 9. Juni 2017 nichtig ist.
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2.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 400.-- erscheint
in der vorliegend einzelrichterlich zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
2.3 Zwar dürfte formal betrachtet von einem Obsiegen des Beschwerdeführers
auszugehen sein, unter Berücksichtigung der mit seinen Beschwerdebegehren
verfolgten materiellen Interessen unterliegt er jedoch als Folge der Feststellung der
Nichtigkeit der Verfügung vom 9. Juni 2017. Demzufolge hat er keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung und der Staat bezahlt zufolge der am 18. August 2017
bewilligten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung die Kosten seines Rechtsvertreters.
Der entsprechende Betrag wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit erschiene eine pauschale Parteientschädigung von Fr.
3'000.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG).
Somit entschädigt der Staat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit
Fr. 2'400.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
2.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung
verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).