Decision ID: 7b006bda-e58c-4825-a87f-a567514e845a
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957,
meldete sich erstmals
am
8.
November 2011
bei der Invalidenversicherung
zur Früherfassung an (
Urk.
9/1)
, wobei e
ine IV-An
meldung als nicht angezeigt erachtet
wurde
(vgl. Mi
tteilung vom 2
3.
Dezem
ber 2011,
Urk.
9/3). Am
1.
September 2016 meldete er sich erneut zur Früher
fassung (
Urk.
9/8) und am
1
2.
Oktober 2016 sodann unter Hinweis auf eine bipo
lare Störung sowie eine Schilddrüsenüberfunktion zum L
eistungsbezug an (
Urk.
9/17
S. 6
Ziff.
6.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische sowie erwerbliche Situation ab und gewährte dem Versicherten Frühinterventions
- und Integrations
massnahmen in Form einer Potenzialabklä
rung s
owie anschliessend eines Aufbau
trainings (vgl. Mitteilungen vom 2
0.
Febru
ar 2017 und
7.
Juni 2017;
Urk.
9/25,
Urk.
9/37).
Die vom Versicherten gegen die Verf
ügung vom 3
0.
Juni 2017 betreffend Taggeld (
Urk.
9/47
) erhobene
Beschwer
de wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 1
6.
März 2018 (Prozess
Nr.
IV.2017.00804,
Urk.
9/71/2-9) abgewiesen.
Die gewährte Arbeitsvermittlung (vgl. Mitteilung vom
3.
Oktober 2017,
Urk.
9/58) wurde am
4.
Juli
2018 abgeschlossen (
Urk.
9/80).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/96;
Urk.
9/102) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
9/105 =
Urk.
2) einen Ren
ten
anspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 1
2.
Februar 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss deren Aufhebung und die
Zusprache
einer Invalidenrente. In prozessualer Hinsicht beantragte er die unent
geltliche Prozessführung (
Urk.
1). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeant
wort vom 1
9.
März 2019 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Be
schwerdeführer am 2
5.
März 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Der Einkommensvergleich hat auch bei
Selbständigerwerbenden
in der Regel in
der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schät
zen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Lasse
n sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichter
werbs
tätige ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Mass
gabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen
(ausserordentliches Bemessungs
verfahren; BGE 128 V 29 E. 1; AHI 1998 S. 120 E. 1a und S. 252 E. 2b je mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung kann die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbs
tätig
keit als zumutbar erscheinen, wenn davon eine bessere erwerbliche Ver
wer
tung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbil
dung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hin
weisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01
vom 12. September 2001 E. 2b).
1.4
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
von selbständig erwerbstätig gewe
senen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Indi
vi
duellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden. Weist das bis Ein
tritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer län
g
eren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
Bei selbständig Erwerbenden wird namentlich dann nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall seine nich
t einträgliche selbständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
entlöhnte
andere
Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der Gesundheits
beein
träch
tigung
ausgeübte selbständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen Dauer kei
ne genü
gende Grundlage für die Bestimmung des
Valideneinkommens
darstellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit üblicher
weise aus verschiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote auf Neuin
vestiti
o
nen usw.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Ver
sicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beeinträchtigt war, über meh
rere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selbständiger Erwer
bs
tätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des
Valideneinkommens
mass
gebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmöglichkeiten bestanden hätten. Das Bun
des
gericht hat denn auch eine Parallelisierung der Einkommen bei selb
ständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2011 vom 2
9.
März
2012 E. 4.4 mit Hinweisen auf
BGE 135 V 58
E. 3.4.6-7).
1.5
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch reali
sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalide
nlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3;
135 V 297 E.
5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
ge
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statis
ti
schen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) einen Rentenanspruch mit der Begründung, dass dem Beschwerdeführer die bis
herige
Tätigkeit als Grafiker seit dem
1.
Mai 2016 noch zu 20
%
zumutbar sei.
Eine angepasste Tätigkeit sei ihm hingegen in einem Pensum von 50
%
zumutbar. Der Einkommensvergleich zeige, dass keine Erwerbseinbusse resultiere und somit kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Der Beschwerdeführer habe be
reits zu Beginn seiner Selbständigkeit ein geringes Einkommen erzielt. Er habe diese Tätigkeit aus freien Stücken gewählt und über viele Jahre so ausgeübt. Ein Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der gesundheitlichen Einschrän
kung sei nicht ersichtlich (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
vor, die Beschwer
de
gegnerin blende die Tatsache
aus
, dass er schon seit mehreren Jahrzehnten mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hab
e
. Die Diagnosestellung sei viel zu spät erfolgt. Das geringe Einkommen sei keineswegs selbstgewollt, sondern
resul
tiere aus der
gesundheitlichen Einschränkung.
A
ls gesunde Person
hätte er
weit
aus mehr verdient. Die Rentenprüfung sei daher nicht korrekt (
vgl.
Urk.
1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch de
s Beschwerdeführers.
Umstritten ist dabei insbesondere die Höhe des
Valideneinkommens
.
3.
3.1
Dr.
med. Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnos
tizierte mit
ärztlichem Zeugnis
vom
7.
Oktober 2016 (
Urk.
9/21
/1-2
)
eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig
leichte oder
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F31.31), als mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (S. 1
Ziff.
5). D
ie Erstbehandlung
sei
am 3
1.
August 2016
erfolgt
(S. 1
Ziff.
1). Das Leiden habe sich subklinis
ch schon vor
dem Jahr
2010 manifestiert. Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er seit Frühjahr 2016 an depressiver Verstimmung, Interesseverlust, Schlafstörung und Passivität leide (S. 1
Ziff.
3). Seit dem
1.
Mai 2016 sei er zu 80
%
arbeitsunfähig (S. 2
Ziff.
8).
3.2
Mit Schreiben vom 2
2.
September 2017 (
Urk.
9/57) erklärte
Dr.
Y._
, dass dem Beschwerdeführer das Einhalten von Vereinbarungen und Präsenzzeiten bei einem Arbeitspensum von 50
%
uneingeschränkt möglich sei. Er könne eventuell auch bis zu 80
%
Präsenz und Leistung erbringen. Bei Lärm oder Unruhe in der nahen Umgebung sei die Konzentrationsfähigkeit geringfügig eingeschränkt. In solchen Fällen seien kurze Pausen hi
lfreich. Die Ermüdung ermögliche
derzeit kein höheres Pensum als 50
%
.
3.3
Dr.
med
. Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte mit Bericht vom 2
4.
April 2018 (
Urk.
9/68) die folgenden, hier gekürzt aufge
führten Diagnosen auf (S. 1):
-
substituierte Hypothyreose, Status nach zweimaliger ambulanter Radio
jod
therapie bei Morbus Basedow seit 1985
-
bipolare Störung II (ICD-10 F31.3)
-
substituierter Vitamin B12- und D-Mangel
-
Normaldruckglaukom beidseits
Er könne seit dem Jahr 1999 belegen, dass der Beschwerdeführer krankheits
bedingt immer wieder vermindert leistungsfähig gewesen sei. Über die Jahre hin
weg hätten immer wieder Phasen von guter Leistungsfähigkeit bestanden
,
gefolgt von depressiven Episoden (S. 1).
3.4
Dem durch
Dr.
Z._
am
9.
Juli 2018 erstellten Bericht (
Urk.
9/84) ist zu entnehmen, dass er den Beschwerdeführer seit Januar 1992 behandle (S.
2
Ziff.
1.1). Es lägen ein verminderter Antrieb und eine verminderte Leistungs
fähig
keit vor (S. 3
Ziff.
2.7). Eine Arbeitsunfähigkeit habe er nicht attestiert. Eine solche sei durch
Dr.
Y._
attestiert worden (S. 2
Ziff.
1.3).
3.5
Mit Bericht vom 2
2.
August 2018 (
Urk.
9/86) erklärte
Dr.
Y._
, dass eine Leistungseinbusse beim chronisch kranken Beschwerdeführer schon seit vielen Jahre bestehe beziehungsweise schon vor Behandlungsbeginn
(2010)
bei ihm.
Er habe dem Beschwerdeführer vom
1.
Mai 2016 bis 3
0.
Juni 2018 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Seit dem
1.
Juli 2018 bestehe eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.3).
Der Beschwerdeführer habe eine Anstellung in einem Pensum von 50
%
als Rezeptionist gefunden. Ein höheres Pensum sei ihm nicht zu
mutbar. Eine selbstständige Erwerbstätigkeit sei ebenfalls unrealistisch (S. 4 f.
Ziff.
3.1-3.2,
Ziff.
4.1-4.3). Da
dem Beschwerdeführer
Arbeitsunfähigkeits
zeug
nisse als
Selbständigerwerbender
nichts genützt hätten, verfüge er über keine.
Dr.
Y._
erklärte weiter, er beantrage die Korrektur des rentenrelevanten Ein
kommens und die
Zusprache
einer IV-Rente von 50
%
(S. 5
Ziff.
5).
3.6
Mit Stellungnahme vom 2
9.
September 2018 erachtete
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
appa
rates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), die Angaben des behandelnden Psy
chia
ters
Dr.
Y._
als schlüssig und nachvollziehbar. Der Verlauf der Ein
glie
de
rung stütze seine Angaben. Auf den Bericht von
Dr.
Y._
vom 2
2.
August 2018 könne abgestellt werden. Als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege eine bipolare Störung (ICD-10 F31.30) vor. In der bisherigen Tätigkeit als Grafiker bestehe seit dem
1.
Mai 2016 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit liege seit dem
1.
Juli 2016
(richtig wohl: 2018)
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Eine Verbesserung sei nicht wahrscheinlich. Hinweise auf Inkonsistenzen ergäben sich nicht. Die hohe Arbeitsunfähigkeit sei vor allem
mit dem
zunehmenden
Verlust der persönlichen Ressourcen bei jahrzehntelangem Krankheitsverlauf zu begründen (vgl.
Urk.
9/95 S. 4 f.).
3.7
Dr.
Z._
berichtete mit Schreiben vom
4.
Februar 2019 (
Urk.
3/1), dass er den Beschwerdeführer hausärztlich seit Janua
r 1992 betreue. Dieser
sei erst
mals im Jahr 1999 psychisch krank gewesen im Rahmen der Schilddrüsen
hor
mon-Schwankungen. Danach habe er immer Stimmungsschwankungen ge
habt, wobei die depressiven Symptome zeitlich und vom Leidensdruck her über
wogen hätten. Die
s
habe sicher zu einem verminderten ökonomischen Erfolg geführt. Die Diagnose einer bipolaren Störung sei erst im Jahr 2010 gestellt worden. Er habe die Diagnose im Jahr 2007 selbst erwogen, diese sei jedoch vom damaligen Psychologen abgelehnt worden (S. 1).
4.
4.1
In medizinischer Hinsicht steht aufgrund der Akten unbestrittenermassen fest, dass der Beschwerdeführer
aufgrund einer bipolaren Störung (ICD-10 F31.30)
in der bisherigen selbständigen Tätigkeit als Grafiker
zu 80
%
arbeitsunfähig
und ihm eine angepasste Tätigkeit noch zu 50
%
zumutbar ist (vorstehend E. 3
)
.
Wie bereits mit
rechtskräftigem
Urteil vom 1
6.
März 2018 (Prozess Nr. IV.2017.00804,
Urk.
9/71/2-9) festgehalten, ist aus medizinischer Sicht
eine
Arbeitsunfähigkeit
erst ab dem
1.
Mai 2016 ausgewiesen, finden sich für die Jahre zuvor doch keine medizinischen Berichte und insbesondere keine Arbeitsunfähigkeits
bescheini
gungen
(vgl. Erwägung 3.2 des genannten Urteils)
.
Soweit
Dr.
Z._
und
Dr.
Y._
von früheren Arbeitsunfähigkeit
en
berichteten (vgl.
Urk.
3/1 S. 1
;
Urk.
9/68 S. 1;
Urk.
9/86 S. 2
Ziff.
1.3,
Ziff.
2.1, S. 5
Ziff.
5
), handelt es sich dabei um nicht echtzeitliche
und ungenaue
Angaben. Es ist
durchaus möglich
, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem
1.
Mai 2016 temporär an gesundheitlichen Einschränkungen gelitten hat, doch sind deren Aus
wirkungen auf die Erwerbs
fähigkeit nicht
rechtsgenüglich
belegt.
4.2
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen. An
hand der medizinischen Akten ist seit dem
1.
Mai 2016 ununterbrochen eine min
destens
40%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (
vorstehend E. 4.1;
vgl
. auch
Urk.
9/85/27-37;
Urk.
9/85/40-42;
Urk.
9/85/46-50
), womit das Wartejahr im
Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG (vorstehend E. 1.2) am
1.
Mai 2017 erfüllt war
. In diesem Zeitpunkt war angesichts der am
1
3.
Oktober 2016 bei der Beschwerde
gegnerin eingegangenen Anmeldung (vgl.
Urk.
9/17
,
Aktenverzeichnis zu
Urk.
9 S.
1) auch die sechsmonatige Frist gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG abgelaufen. Ein Rentenanspruch würde somit frühestens ab Mai 2017 bestehen. Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns, mithin auf das Jahr 2017, abzustellen (BGE 129 V 222).
4.3
Hinsichtlich der strittigen Höhe des hypothetischen
Valideneinkommens
ist fest
zuhalten, dass der gelernte Schriftenmaler und Grafiker
bereits
seit dem Jahr 1987/1988 als selbständiger Designer im Bereich Grafik/Design/Illustration tätig ist
(
vgl.
Urk.
9/2 S. 2;
Urk.
9/6;
Urk.
9/13-15
;
Urk.
9/83
)
.
Es bestehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass er ohne die gesundheitliche Beeinträchtigung seine
langjährige
Selbständigkeit aufgegeben hätte,
weshalb das
Valideneinkommen
anhand des zuletzt in dieser Tätigkeit erzielten Einkommens zu bestimmen ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei Einkommensschwankungen auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst ab
zu
stellen
, wobei die auf dem IK-Auszug ersichtlichen Löhne heranzuziehen sind
(
vgl. vorstehend E. 1.4
).
Es ist demnach nicht zu beanstanden, dass die Beschwer
degegnerin hierfür die letzten fünf Jahre vor Eintritt des Gesundheitsschadens
im Jahr 2016
herangezogen hat
(vgl.
Urk.
9/94)
. Allerdings
sind diese Löhne noch
der Nominallohnentwicklung
anzupassen.
Dem IK-Auszug lässt sich
Folgendes entnehmen (vgl.
Urk.
9/83
): Im Jahr 2011 erzielte der Beschwerdeführer ein Ein
kommen
von
Fr.
12'300.--
, was unter Berücksichtigung der Nominallohnent
wicklung bei den Männern von 2011 (Index: 2'171) bis 2017 (Index: 2'249) ein Einkommen von rund
Fr.
12'742.-- im Jahr 2017 ergibt (
Fr.
12'300.--
: 2'171 x 2'249). Im Jahr 2012 erzielte e
r sodann ein Einkommen von
Fr.
15'200.--
, was wiederum unter Berücksichtigung der massgebenden Nominallohnentwicklung von 2012 (Index: 2'188) bis 2017 (Index: 2'249)
ein Einkommen von rund
Fr.
15'624.--
für das Jahr 2017 er
gibt (
Fr.
15'200.--
: 2'188 x 2'249). Im Jahr
2013 betrug das Einkommen
Fr.
12'700.--
, womit angepasst an die Nominal
lohn
entwicklung von 2013 (Index: 2'204) bis 2017 (Index: 2'249) ein Einkommen im Jahr 2017
von rund
Fr.
12'959.-- resultiert (
Fr.
12'700.--
: 2'204 x 2'249). Im Jahr 2014 erz
ielte er ein Einkommen von
Fr.
9'333.--
, was bei Berücksichtigung der Nominallo
hnentwicklung von 2014 (Index: 2’220
) bis 2017
(Index: 2'249) ein Einkommen im Jahr 2
017 von rund
Fr.
9'455.--
ergibt (
Fr.
9'333.--
: 2’220
x 2'249). Schliesslich verdiente er im Jahr
2015
Fr.
9'333.--
, was bei Beachtung der Nominallo
hnentwicklung von 2015 (Index: 2’226
) bis 2017 (Index: 2'249) einem
Einkommen von rund
Fr.
9'429.--
im
Jahr 2017 entspricht (
Fr.
9'333.--
: 2’226
x 2'249).
Das Durchschnittseinkommen der letzten fünf Jahre vor Eintritt des Gesund
heitsschadens – angepasst an die Nominallohnentwicklung – und folglich das hypothetische
Valideneinkommen
für das Jahr 20
17 beträgt demzufolge rund
Fr.
12'042.--
.
Soweit der Beschwerdeführer
geltend macht
, das geringe Einkommen resultiere aus der gesundheitlichen Einschränkung (vgl.
Urk.
1),
ist er damit nicht zu hören
.
Eine Parallelisierung der Vergleichseinkommen fällt ausser Betracht, wenn und soweit sich die versicherte Person aus freien Stücken etwa mangels wirtschaft
licher Notwendigkeit mit einem verglichen mit ihrem Erwerbspotential tiefen Einkommen begnügte und Anhaltspunkte fehlen, dass sie ohne gesundheitliche Be
einträchtigung die betreffende Tätigkeit zugunsten einer besser
entlöhnten
Arbeit
aufgegeben hätte (
vgl. BGE 135 V 58 E.
3.4.6; Urteil
des Bundesgerichts 8C_196
/2013 vom 2
1.
August 2013 E. 3.3). Anhand der Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bereits seit
Beginn seiner Selbständigkeit im Jahr
1987/1988 und damit lange vor Eintritt der ges
undheitlichen Beeinträchtigung
im
Jahr 2016 (vgl. hierzu vorstehend E. 4.1)
mehrheitlich ein Jahreseinkommen in
der Grössenordnung von lediglich rund
Fr.
25'000.-- generiert
hat
(vgl.
Urk.
9
/83). Die Steuererklärung für das Jahr 2017 zeigt
auch
, dass der Beschwerdeführer und seine Ehefrau über ein steuerbares Vermögen von
Fr.
1'651'132.-- verfügen (vgl.
Urk.
7/9 S. 4).
Es ist deshalb
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszu
gehen, dass er sich aus freien Stücken mit einem geringen Einkommen begnügte.
Ein Zusammenhang zwischen
diesem
und der gesundheitlichen Einschränkung ist
jedenfalls
nicht
ausgewiesen
.
4.4
Gegenwärtig ist der Beschwerdeführer seit dem
7.
Juni 2018 als
Nebenberuflicher Sicherheitsagent
für die
B._
ohne
vertraglich zugesichertes
Arbeits
pen
sum tätig und erzielt dabei einen Stundenlohn von
Fr.
25.13 brutto (vgl. Arbeits
ver
trag vom
6.
Juni 2018,
Urk.
9/77). Daneben arbeitet er noch für die
C._
als Mitarbeiter der Dienstleistung «Begleitetes Wohnen», wobei die Einsätze
ebenfalls
variabel sind
und mit
Fr.
30.-- pro Stunde
entlöhnt
werden
(vgl. Arbeits
vertrag vom
9.
Juni 2018,
Urk.
9/76).
Nach Angab
en des Beschwerde
führers betreut
er für die
C._
nur einen Klienten alle 14 Tage (
vgl.
Urk.
9/90
/1
). Da
nicht von stabilen Arbeitsverhältnis
sen
ausgegangen werden kann,
insbesondere
kein fixes Arbeitspensum zugesichert ist und
nicht beurteilt werden kann, ob er dadurch die ihm aus medizinischer Sicht zumutbare A
rbeits
leistung voll ausschöpft
, ist nicht der tatsächlich
erzielte Verdienst als hypo
the
ti
sches Invalideneinkommen heranzuzi
ehen
.
Es ist folglich nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin – in Beachtung der Rechtsprechung (
vorstehend E.
1.5
) – für die Bestimmung des Invalideneinkommens auf die
LSE-
Tabellen
löhne und dabei auf den Zentralwert für mit einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art beschäftigte Männer in sämtlichen Wirtschaftszweigen
des privaten Sektors abgestellt hat
(
Urk.
9/94 S. 2)
, was vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird
.
Dieser betrug im Jahr 2014
Fr.
5'312.-- (LSE 2014, TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1). Der durchschnittlichen wöch
ent
lichen Arbeitszeit im Jahr 2017 von 41.7 Stunden sowie der Nominal
lohn
entwicklung bei den Männern von 2014 (Index: 2'220) bis 2017 (Index: 2'249) angepasst, ergibt dies ein hypothetisches Invalideneinkommen von rund
Fr.
33'661.-- bei der verbliebenen Arbeitsfähigkei
t von 50
%
(
Fr.
5'312.
-- :
40 x
41.7 x 12 : 2'220 x 2'249 x 0.5). Ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75) ist nicht gerechtfertigt.
4.5
Wir
d das
Valideneinkommen
von
Fr.
12'042.--
dem Invalideneinkommen von
Fr.
33'661.--
gegenübergestellt, resultiert keine Erwerbseinbusse. Die Beschwer
de
gegnerin verneinte einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers
somit
zu Recht.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
5
.2
Der Beschwerdeführer ersuchte um unentgeltliche Prozessführung (
vgl.
Urk.
1).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig
und die anwaltliche
Verbeistän
dung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Bedürftig im Sin
ne von
Art.
64
des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG)
ist eine Per
son, wenn sie ohne Beeinträc
htigung des für sie und ihre Fa
milie nötigen Lebens
unterhaltes nicht in der
Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt, in dem das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (§ 28
lit
. a
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht,
GSVGer
,
i.V.m
. Art. 119
der Schweizer
ischen Zivil
prozessordnung, ZPO
) eingereicht wird (BGE 120
Ia
179 E. 3a), oder – bei seither eingetretenen Veränderungen – auch in demjenigen der
Entscheidfindung
(BGE 108 V 265 E. 4). Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit ist das Einkommen beider Ehegatten zu berücksichtigen (BGE 115
Ia
193 E. 3a, 108
Ia
9 E. 3).
Dazu gehören einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Soweit das Vermögen einen angemessenen «Not
groschen» übersteigt, ist der das
Gesuch stellenden Person unbesehen der Art der Vermögensanlage zumutbar, dieses zur Finanzierung des Prozesses zu verwen
den, bevor
dafür öffentliche Mittel bereit
zustellen sind. Die Höhe des «Notgro
schen»-Grenzbetrages kann nicht generell, sondern nur individuell-konkret fest
gelegt werden, und zwar namentlich unter Berücksichtigung von Erwerbsaus
sich
ten,
A
lter, Gesundheitszustand sowie familiären Verpflichtungen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_377/2016 vom
8.
August 2016 E. 2.2).
Der 1957 geborene Beschwerdeführer ist verheiratet, Vater zweier volljähriger Kinder (geboren 1992 und 1995) und lebt seit dem
1.
Dezember 2018
getrennt von seiner Ehefrau
alleine in einer 1.5-Zimmerwohnung (vgl.
Urk.
1).
Den von ihm eingereichten Unterlagen ist ein
monatliches E
inkommen von
Fr.
2'560.-- zu entnehmen. Als Auslagen werden Mietkosten von
Fr.
1'710.-- sowie ein monat
liche
r
Steuerbeitrag von
Fr.
210.-- deklariert
. Den
angegebenen
Einkünften seiner Ehefrau von
Fr.
4'950.-- stehen deklarierte Auslagen von 1'587.50 gegenüber
(vgl.
Urk.
6 S. 3 f.). Weiter geht aus den Unterlagen hervor, dass er
über ein Vermögen
aus Bankguthaben von
Fr.
84'566.--
(
Fr.
77'000.-- +
Fr.
7'566.--), aus Depotguthaben von
Fr.
188'000.--
sowie Stockwerkeigentum von
Fr.
285'000.-- verfügt. Abzüglich der Hypothekarschuld von
Fr.
115'000.-- beträgt
sein
eigenes
V
ermögen demnach
Fr.
442'566.--
(vgl.
Urk.
6 S. 5). Es ist ihm daher
bereits
ohne Berücksichtigung des
erwähnten
Vermögens seiner Ehefrau von
Fr.
1'146'416.-- (vgl.
Urk.
6 S. 5)
ohne Weiteres
zuzumuten, die Gerichtskos
t
en aus seinem doch beträchtlichen Vermögen zu bestreiten
, womit das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
abzuweisen ist.