Decision ID: 57674a66-5891-471f-9506-89188dd89b0b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2015 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
Rente der Invalidenversicherung an (EL-act. 50). Den dem Anmeldeformular
beigelegten Unterlagen liess sich entnehmen, dass die EL-Ansprecherin vom 21. Juli
2015 bis zum 30. September 2015 zusammen mit ihren vier Kindern in der
Wohngemeinschaft B._ und ab dem 1. Oktober 2015 mit den beiden jüngeren
Kindern in einer Wohnung lebte. Gemäss einem Entscheid des Kreisgerichtes Wil vom
21. Juli 2015 betreffend Eheschutzmassnahmen war der Ehemann verpflichtet, je 100
Franken sowie die jeweiligen Kinderzulagen an den Unterhalt der Kinder zu bezahlen
(EL-act. 57). Am 30. September 2015 vereinbarten die Ehegatten (IV-act. 45–3 f.), dass
die beiden älteren Kinder unter die Obhut des Vaters gestellt würden, dass die
Kinderzulagen und die Kinderrenten zur IV-Rente der EL-Ansprecherin jenem Elternteil
zustünden, bei dem das jeweilige Kind lebe, und dass die Ehegatten mangels einer
finanziellen Leistungsfähigkeit einander keine Kindesunterhaltszahlungen mehr
ausrichten würden. Laut einer Bestätigung der Wohngemeinschaft B._ vom 16.
November 2015 war die EL-Ansprecherin am 15. Oktober 2015 aus der
Wohngemeinschaft ausgetreten (IV-act. 45–2). Mit einer Verfügung vom 21. Januar
2016 sprach die EL-Durchführungsstelle der EL-Ansprecherin mit Wirkung ab dem 1.
Juli 2015 eine Ergänzungsleistung zu (EL-act. 28). Den Berechnungsblättern zur
Verfügung liess sich entnehmen (EL-act. 29 ff.), dass die EL-Durchführungsstelle für die
Monate Juli bis und mit Oktober 2015 eine sogenannte Heimberechnung
vorgenommen hatte, die bei einer Heimtaxe von 73’000 Franken pro Jahr, einer
A.a.
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Pauschale für persönliche Auslagen von 6’432 Franken pro Jahr und einem
Rentenanspruch von 16’416 Franken pro Jahr einen EL-Anspruch von 5’252 Franken
pro Monat ergeben hatte. Für die Zeit ab November 2015 hatte die EL-
Durchführungsstelle den EL-Anspruch anhand einer für zuhause lebende Personen
durchgeführten Berechnung festgesetzt: Sie hatte den maximalen Mietzins von 15’000
Franken und eine Lebensbedarfspauschale von 39’450 Franken (sowie die direkt an die
obligatorische Krankenpflegeversicherung ausbezahlte kantonale Durchschnittsprämie)
als anerkannte Ausgaben berücksichtigt; als Einnahmen hatte sie Kinderzulagen von
4’800 Franken pro Jahr, die Invalidenrente der EL-Ansprecherin und zwei Kinderrenten
von total 26’016 Franken pro Jahr sowie Unterhaltsbeiträge von insgesamt 2’400
Franken pro Jahr als Einnahmen angerechnet. Das hatte einen EL-Anspruch von 1’770
Franken pro Monat ergeben. Die Verfügung vom 21. Januar 2016 erwuchs
unangefochten in formelle Rechtskraft.
Mit einer Verfügung vom 19. Dezember 2016 erhöhte die EL-Durchführungsstelle
die direkt der obligatorischen Krankenpflegeversicherung ausbezahlte
Prämienpauschale per 1. Januar 2017; die der EL-Bezügerin ausbezahlte
Ergänzungsleistung blieb unverändert und betrug weiterhin 1’770 Franken pro Monat
(EL-act. 25). Auch diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.b.
Mit einer Verfügung vom 18. Dezember 2017 passte die EL-Durchführungsstelle
den direkt der obligatorischen Krankenpflegeversicherung ausbezahlten Teil der
laufenden Ergänzungsleistung per 1. Januar 2018 an eine Erhöhung der kantonalen
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung an; die der EL-
Bezügerin ausbezahlte Ergänzungsleistung betrug weiterhin unverändert 1’770 Franken
pro Monat (EL-act. 17). Am 17. Januar 2018 liess die nun anwaltlich vertretene EL-
Bezügerin eine Einsprache gegen die Verfügung vom 18. Dezember 2017 erheben (EL-
act. 9). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und
die Korrektur der Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung rückwirkend per
30. September 2015. Zur Begründung führte er aus, die zuständige Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde habe mit einem Beschluss vom 19. Oktober 2015 eine
Vereinbarung der EL-Bezügerin und des Ehemannes genehmigt, laut der die Ehegatten
keine Kinderunterhaltszahlungen mehr ausrichteten. Die Anrechnung von
Unterhaltszahlungen im Betrag von 2’400 Franken als Einnahmen sei seit dem
A.c.
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B.
Zeitpunkt, auf den hin die Vereinbarung in Kraft getreten sei, also seit dem 30.
September 2015 rechtsfehlerhaft. Der Einsprache lag der erwähnte Beschluss der
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde vom 19. Oktober 2015 bei (EL-act. 12), mit
dem diese unter anderem die von den Ehegatten abgeschlossene Vereinbarung vom
30. September 2015 „zur Kenntnis genommen“ hatte. Mit einem Entscheid vom 7. Mai
2018 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab, soweit sie überhaupt darauf
eingetreten war (EL-act. 3). Zur Begründung führte sie an, das Einspracheverfahren
müsse sich auf die Überprüfung der angefochtenen Verfügung vom 18. Dezember 2017
beschränken. Auf das sinngemäss gestellte Begehren, aufgrund des Beschlusses der
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde vom 19. Oktober 2015 müsse auf die formell
rechtskräftigen Verfügungen vom 21. Januar 2016 und vom 19. Dezember 2016
zurückgekommen werden, könne folglich nicht eingetreten werden. Der EL-Bezügerin
stehe es frei, ein Wiedererwägungsgesuch zu stellen. Die EL-Durchführungsstelle sei
allerdings nicht verpflichtet, auf ein solches Gesuch einzutreten. Zudem sei nicht
ersichtlich, inwiefern die rechtskräftigen Verfügungen vom 21. Januar 2016 und vom
19. Dezember 2016 unrichtig sein sollten. Der Ehemann sei vom Kreisgericht Wil
verpflichtet worden, einen monatlichen Unterhalt von 100 Franken pro Kind zu
bezahlen. Der Entscheid des Kreisgerichtes Wil sei für die EL-Durchführungsstelle
verbindlich. Daran ändere die von den Ehegatten nachträglich getroffene Vereinbarung
nichts. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde habe diese nur zur Kenntnis
genommen und nicht „behördlich genehmigt“. Zudem fehle jeder Hinweis auf eine
Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Ehemannes, die eine Abänderung der
Unterhaltspflicht gerechtfertigt hätte.
Am 4. Juni 2018 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 7. Mai 2018 erheben (act. G 1).
Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides und – sinngemäss – die Zusprache einer höheren
Ergänzungsleistung „für das laufende Jahr“. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
beantragte er die Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zum Vorliegen eines
Entscheides des zuständigen Kreisgerichtes betreffend die Scheidung der Ehe der
Beschwerdeführerin. Zur Begründung führte er aus, die Anrechnung von
B.a.
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Kinderunterhaltsbeiträgen bei der Berechnung der Ergänzungsleistung sei rechtswidrig,
da die Beschwerdeführerin gar keine solchen Beiträge erhalte. Die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe auf einen veralteten
Entscheid abgestellt, denn aktuell sei ein Ehescheidungsverfahren hängig, in dem die
Unterhaltspflicht eine wesentliche Rolle spiele.
Mit einer Verfügung vom 12. Juni 2018 sistierte das Versicherungsgericht das
Beschwerdeverfahren bis zum rechtskräftigen Abschluss des
Ehescheidungsverfahrens (act. G 2). Am 5. Dezember 2018 reichte der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin einen formell rechtskräftigen Entscheid des Kreisgerichtes
Toggenburg vom 10. September 2018 ein (act. G 4.1). Mit diesem waren die Ehe der
Beschwerdeführerin geschieden und eine Scheidungskonvention genehmigt worden,
die unter anderem vorgesehen hatte, dass die Ehegatten weder einander noch für die
jeweils beim andern Elternteil lebenden Kinder Unterhaltszahlungen leisten würden.
B.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. Januar 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie aus, sie habe im angefochtenen
Einspracheentscheid dargelegt, dass sie an den Entscheid des Kreisgerichtes Wil vom
21. Juli 2015 gebunden sei. Da die Beschwerdeführerin sich damit abgefunden habe,
dass ihr Ehemann entgegen der gerichtlichen Verpflichtung keine Unterhaltsbeiträge
mehr bezahlt habe, habe sie auf die entsprechenden Einnahmen im Sinne des Art. 11
Abs. 1 lit. g ELG verzichtet. Die neue Regelung gelte erst ab dem Zeitpunkt des
Eintrittes der formellen Rechtskraft des Ehescheidungsurteils, also ab dem 10.
September 2018. Das betreffe nicht den in diesem Beschwerdeverfahren zeitlich
massgebenden Sachverhalt.
B.c.
Am 22. Januar 2019 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 9).
B.d.
Die Beschwerdeführerin liess am 19. Februar 2019 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 13).
B.e.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides vom 7. Mai 2018 auf dessen Rechtmässigkeit. Folglich muss
der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens jenem des Einspracheverfahrens
entsprechen, das mit dem angefochtenen Entscheid abgeschlossen worden ist. Das
Einspracheverfahren hat die Überprüfung der Verfügung vom 18. Dezember 2017 auf
deren Rechtmässigkeit bezweckt, was bedeutet, dass sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprochen haben muss. Den Gegenstand
des Verwaltungsverfahrens hat die Revision der laufenden jährlichen
Ergänzungsleistung im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG gebildet, das heisst die
Anpassung der formell rechtskräftig zugesprochenen, laufenden Ergänzungsleistung an
die per 1. Januar 2018 eingetretenen Sachverhaltsveränderungen. Da die
Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistung nur an eine Erhöhung der kantonalen
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung angepasst hat,
hat sich das anschliessende Einspracheverfahren nur um die Frage drehen können, ob
die revisionsweise Erhöhung der Ergänzungsleistung infolge jener Erhöhung der
kantonalen Durchschnittsprämie rechtmässig gewesen ist beziehungsweise ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht keine weiteren revisionsweisen Anpassungen
vorgenommen hat. Folglich kann auch im Beschwerdeverfahren nur diese Frage
geprüft werden.
1.1.
Daran ändert die Auffassung des Bundesgerichtes nichts, wonach eine EL-
Verfügung immer nur für ein Kalenderjahr verbindlich sei, weshalb im Rahmen einer
Anpassung der Ergänzungsleistung auf den Beginn eines neuen Kalenderjahrs hin
sämtliche Anspruchspositionen frei geprüft werden könnten (sog. „Kalenderjahr-
Praxis“). Diese Auffassung beruht nämlich auf einem falschen Verständnis des
Wortlautes der materiellen Bestimmungen des ELG. Diese verwenden zwar den
Ausdruck „jährliche Ergänzungsleistung“, aber das bezieht sich nur auf die
Anspruchsberechnung. Gemeint ist, dass bei der Anspruchsberechnung mit
Jahreswerten zu rechnen sei, wie die Materialien zum ELG eindeutig belegen (vgl.
Ralph Jöhl/Patricia Usinger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in:
Bundessozialversicherungsrecht, Band XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz 5, mit
Hinweisen). Eine verfahrensrechtliche Bedeutung ist damit nicht verbunden. Die
Interpretation des Bundesgerichtes lässt sich auch in systematischer Hinsicht nicht
halten, denn eine derart weitreichende Abweichung vom allgemeinen
1.2.
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Sozialversicherungsverfahrensrecht, laut dem Dauerleistungen in aller Regel unbefristet
zugesprochen werden und der Revision (Art. 17 ATSG) unterstehen, hätte explizit in
einer der (wenigen) Verfahrensnormen des ELG statuiert werden müssen. Zudem wäre
es nicht nachvollziehbar, wenn die „Grundleistung“ (eine Rente der ersten Säule)
unbefristet, die ergänzende Leistung aber nur jeweils zeitlich auf ein Kalenderjahr
befristet zugesprochen würde, zumal sich die Versicherten in ihrer Lebensplanung
darauf verlassen können müssen, die einmal zugesprochenen Leistungen ausgerichtet
zu erhalten, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht wesentlich verändern (vgl.
Jöhl/Usinger, a.a.O., Rz 16). Da angesichts der jederzeitigen Revisionsmöglichkeit
offensichtlich keine verfahrensrechtliche Notwendigkeit für die Beschränkung der
Rechtsbeständigkeit der EL-Verfügungen auf ein Kalenderjahr besteht (vgl. Jöhl/
Usinger, a.a.O., Rz 17), hält die Auffassung des Bundesgerichtes auch einer
teleologischen Interpretation nicht stand. Schliesslich hat das Bundesgericht selbst
schon verschiedentlich festgehalten, dass ein EL-Ansprecher nicht mehrfach dieselben
Berechnungsgrundlagen beanstanden könne, ohne sich dem Vorwurf einer mutwilligen
Prozessführung auszusetzen (z.B. Urteil 8C_94/2007 vom 15. April 2008; Urteil
9C_52/2015 vom 3. Juli 2015), was nichts anderes bedeuten kann, als dass die
Verfügungen eben doch eine Rechtsbeständigkeit über den Ablauf eines
Kalenderjahres hinaus entfalten (vgl. Jöhl/Usinger, a.a.O., Rz 18). Auch in der Lehre
wird selbst von Autoren, die für die „Kalenderjahr-Praxis“ plädieren, die Auffassung
vertreten, dass EL-Verfügungen teilweise über einen Kalenderjahreswechsel hinaus
rechtsbeständig blieben: „Wo es aber nicht zu solchen erheblichen Änderungen
kommt, geht die Verwaltungspraxis zu Recht davon aus, dass eine Verfügung über eine
jährliche Ergänzungsleistung gilt, bis sich die für den Anspruch massgebenden
Verhältnisse rechtserheblich ändern“ (Ulrich Meyer-Blaser, Die Anpassung von
Ergänzungsleistungen wegen Sachverhaltsveränderungen, in: René Schaffhauser/Franz
Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, 1999, S.
34). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in seinem Entscheid EL
2017/17 vom 29. Mai 2018 (E. 2.2) zudem explizit darauf hingewiesen, dass die
Anwendung der „Kalenderjahr-Praxis“, die nichts anderes als eine „Neuzusprache“
einer Ergänzungsleistung auf den Beginn eines Kalenderjahres ohne jede Bindung an
frühere Verfügungen, Einspracheentscheide oder Gerichtsurteile sein kann, auf jeden
Fall unzulässig sein muss, wenn der entsprechenden neuen Verfügung keine
umfassende Abklärung des gesamten massgebenden Sachverhaltes (Art. 43 Abs. 1
ATSG) vorangegangen ist. In einer willkürlichen Verletzung seiner Begründungspflicht
hat sich das Bundesgericht in seinem Urteil 9C_541/2019 vom 7. Oktober 2019 mit
keinem Wort zu dieser Problematik geäussert, obwohl sich dieser Punkt in fast allen
Fällen, in denen die „Kalenderjahr-Praxis“ angewendet worden ist, als entscheidend
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2.
erweisen dürfte, weil einer „Kalenderjahr-Verfügung“ kaum je eine umfassende
Sachverhaltsabklärung vorangeht und weil deshalb wohl die weit überwiegende
Mehrheit der „Kalenderjahr-Verfügungen“ wegen einer Verletzung der
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) als rechtswidrig aufgehoben werden
müsste. Jedenfalls kann der vom angefochtenen Einspracheentscheid vom 7. Mai 2018
erfasste Streitgegenstand (die revisionsweise Anpassung der laufenden
Ergänzungsleistung infolge einer Erhöhung der kantonalen Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung) nicht mit der sogenannten „Kalenderjahr-
Praxis“ auf weitere Anspruchspositionen ausgedehnt werden.
In den Akten deutet nichts darauf hin, dass per 1. Januar 2018 – ausser der
kantonalen Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung –
eine relevante Sachverhaltsveränderung eingetreten wäre. Insbesondere hat sich
bezüglich der streitigen Unterhaltszahlungen für die beiden bei der Beschwerdeführerin
lebenden Kinder per 1. Januar 2018 nichts geändert: Der Ehemann der
Beschwerdeführer war gestützt auf den Entscheid des Kreisgerichtes Wil vom 21. Juli
2015 verpflichtet gewesen, je 100 Franken pro Kind und Monat an die
Beschwerdeführerin zu bezahlen. Mit einer Vereinbarung vom 30. September 2015, die
von der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde mit einem Beschluss
vom 19. Oktober 2015 genehmigt respektive bezüglich der Unterhaltsregelung „zur
Kenntnis genommen“ worden war, hatte die Beschwerdeführerin auf jene
Unterhaltszahlungen verzichtet. Ob es sich dabei um einen Verzicht im Sinne des Art.
11 Abs. 1 lit. g ELG gehandelt hat, ist für dieses Beschwerdeverfahren irrelevant, denn
an jener Situation hat sich per 1. Januar 2018 jedenfalls nichts geändert. Erst am 10.
September 2018 ist betreffend die Unterhaltsverpflichtung der (nun geschiedenen)
Ehegatten eine relevante Veränderung eingetreten, nämlich die Scheidung der Ehe und
die gerichtliche Neufestsetzung der Unterhaltspflichten. Bezüglich der Anrechnung
eines Einnahmenverzichtes in der Höhe der ab dem 1. Oktober 2015 nicht mehr
geleisteten Unterhaltsbeiträge für die beiden Kinder muss sich die Beschwerdeführerin
die formelle Rechtskraft und damit die Verbindlichkeit der ursprünglichen
leistungszusprechenden Verfügung vom 21. Januar 2016 entgegen halten lassen. Wie
die Beschwerdegegnerin zu Recht festgehalten hat, könnte eine Korrektur bezüglich
der Anrechnung dieses Verzichtseinkommens nur im Rahmen einer Wiedererwägung
(Art. 53 Abs. 2 ATSG) erfolgen, wofür die Beschwerdeführerin ein entsprechendes
Gesuch an die Beschwerdegegnerin zu richten hätte. Eine allfällige Wiedererwägung
der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung vom 21. Januar 2016 gehört
2.1.
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jedenfalls nicht zum Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens. Auch eine allfällige
revisionsweise Anpassung der Ergänzungsleistung infolge der Ehescheidung per 10.
September 2018 gehört nicht zum Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens. Die
Erhöhung der laufenden Ergänzungsleistung per 1. Januar 2018 infolge einer Erhöhung
der kantonalen Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung
erweist sich zusammenfassend als rechtmässig.
Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerde bei der
Anwendung der „Kalenderjahr-Praxis“ aus den folgenden Gründen gutgeheissen
werden müsste: Der Entscheid des Kreisgerichtes Wil vom 21. Juli 2015 betreffend
Eheschutzmassnahmen hat vorgesehen, dass die Beschwerdeführerin alle vier Kinder
bei sich habe und dass sie dafür die Kinderzulagen plus einen Unterhaltsbeitrag von
100 Franken pro Kind erhalte. Von diesem Entscheid sind die (damals noch
verheirateten) Ehegatten in zwei Punkten abgewichen, denn sie haben nicht nur von
weiteren Unterhaltsbeiträgen abgesehen, sondern zusätzlich auch vereinbart, dass neu
der Vater für die beiden älteren Kinder sorgen werde. Bei der Rechtsanwendung muss
entweder die reale Situation berücksichtigt, das heisst die Vereinbarung konsequent
ernst genommen werden, was bedeutet, dass bei der Anspruchsberechnung nur noch
die Ausgaben für zwei Kinder berücksichtigt und dafür aber keine Unterhaltsbeiträge
mehr angerechnet werden, oder aber die Vereinbarung muss – fiktiv – ignoriert werden,
was bedeutet, dass der Entscheid des Kreisgerichtes Wil vom 21. Juli 2015
konsequent ernst genommen wird und dass folglich bei der Anspruchsberechnung die
Ausgaben für vier Kinder berücksichtigt und Unterhaltsbeiträge von 400 Franken pro
Monat als Einnahmen angerechnet werden. Unzulässig ist es dagegen, einfach einer
der beiden wesentlichen Bestandteile der Vereinbarung zwischen den Ehegatten zu
ignorieren respektive nur das für die Beschwerdegegnerin Vorteilhafteste
herauszupicken und nur die Ausgaben für zwei Kinder anzurechnen, aber gleichzeitig
zu fingieren, der Kindsvater bezahle für diese beiden Kinder weiterhin
Unterhaltsbeiträge, obwohl er sich infolge der Betreuung der anderen beiden Kinder
mit wesentlich höheren Ausgaben konfrontiert sehe. Denn es ist offensichtlich, dass
der vom Kindsvater infolge der Vereinbarung erbrachte Naturalunterhalt wesentlich
mehr als 100 Franken pro Kind und Monat beträgt. Gesamthaft betrachtet hat die
Vereinbarung zwischen den Ehegatten also gar nicht zu einer Erhöhung, sondern im
Gegenteil zu einer Reduktion des ergänzungsleistungsrechtlich massgebenden
Ausgabenüberschusses geführt. Die daraus insgesamt resultierende Einsparung an
Ergänzungsleistungen hat aber nur mit dem „Verzicht“ auf den Unterhaltsbeitrag von
200 Franken pro Monat für die beiden jüngeren Kinder „erkauft“ werden können. In
dieser aussergewöhnlichen Konstellation hat ein „Verzicht“ auf eine anrechenbare
2.2.
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3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a
ATSG). Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung hat der Staat ihrem Rechtsvertreter eine Entschädigung
auszurichten, die 80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (vgl.
Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der erforderliche Vertretungsaufwand ist vorliegend als
unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weil nur vergleichsweise wenige Akten zu
studieren gewesen sind und weil sich das Verfahren auf eine isolierte Rechtsfrage
beschränkt hat. Die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist
deshalb auf 80 Prozent von 2’000 Franken, also auf 1’600 Franken festzusetzen.
Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird die
Beschwerdeführerin zur Rückerstattung dieser Entschädigung verpflichtet werden
können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).