Decision ID: 98418534-996c-413e-ab7f-922bda97effc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1956 geborene
X._
, welcher in seinem Heimatland eine Kochlehre absolviert hatte, reiste am 1. März 1981 in die Schweiz ein und war ab dem 1. Februar 1995 als Linienbus-Chauffeur angestellt. Am 19. Dezember 2012 (Eingangsdatum) meldete er sich unter Hinweis auf die Folgen eines am 17. April 2012 erlittenen Autounfalls (Schmerzen, psychische Probleme und schleppender Heilungsverlauf) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistun
gen der Invalidenversicherung an (Urk. 9/4). Am 9. Januar 2013 führte die IV-Stelle ein Standortgespräch mit dem Versicherten durch (Urk. 9/8)
und holte
in der Folge
einen Auszug aus dem individuellen Konto vom 9. Januar 2013 (Urk. 9/9
) ein
. Sodann
zog
sie
die
Akten der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
bei
(Urk. 9
/11/1
139
;
Urk. 9/17,
Urk. 9/34 ff.)
, klärte die berufliche Situation bei der Arbeitgeberin des Versicherten
ab
(Fragebogen vom 16. Januar 2013 [Urk. 9/12]
)
und tätigte weitere medizinische
Abklärungen
(
Bericht vom 15.
Januar 2013 von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
mit
Beilage des Berichts von
med. prakt.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 19.
November 2012
[
Urk. 9/13/5
ff.
]
;
Bericht vom 15. Juli 2013 von
Dr.
Y._
[
Urk. 9/24
]). Nachdem der Versicherte vom 20. August bis am 14. September 2013 in der Klinik
A._
hospitalisiert war, holte die IV-Stelle deren
Austrittsb
ericht vom 2.
Oktober 2013 (Urk. 9/37) sowie den Bericht von med. prakt.
Z._
vom 28. November 2013 (
Urk. 9/33
) ein
.
Die IV-Stelle zog sodann
das psychiatrische Gutachten
von Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Februar 2014
, welches zuhanden des Krankentaggeldversicherer
s
erstellt
worden war (Urk. 9/39), bei
.
Im Weiteren
veranlasste die IV-Stelle eine Begut
achtung des Versicherten (Urk. 9/41 und Urk. 9/53).
Die MEDAS
(Medizinische Abklärungsstelle) erstattete das polydisziplinäre Gutachten am 15. Oktober 2014 (Urk. 9/55).
Am 21
. Januar 2015 fand
ein Gespräch zur
Ein
gliederungsberatung
statt (vgl. Verlaufsprotokoll vom 22. Januar 2015; Urk. 9/64). Nachdem der Versicherte
der IV-Stelle
mitgeteilt hatte, er fühle sich nicht in der Lage, einer Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nachzugehen, wurde die Eingliederungsberatung mit Mitteilung vom
2
2.
Januar 2015
wieder beendet
(Urk. 9/63).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 5. März 2015 [Urk. 9/70]; Einwand vom 19. März 2015 [Urk. 9/73];
ergänzende
Akteneinsicht durch Nachreichen des Feststellungsblatts
an den Versicherten am 7. März 2015
[Urk. 9/76]; Festhalten am Einwand vom 11. Mai 2015 [Urk. 9/77]) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Juni 2015 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 [=
Urk. 9/79]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte
mit Eingabe vom
1. Juli 2015 Beschwerde und beantragte
, es sei die angefochtene
Verfügung
aufzuheben, und es sei ihm eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventuell sei die Sache zur Einholung eines neuen psychiatrischen Gutachtens sowie zum neuen Ent
scheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwer
deantwort vom 6. August 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer am 10. August 2015 ange
zeigt wurde (Urk. 10).
3.
Die SUVA stellte mit Verfügung vom
3.
Dezember 2012 die wegen des Unfalls vom 1
7.
April 2012 ausgerichteten Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) per sofort ein. Die von
X._
am 2
1.
Januar 2013 erhobene Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 2
7.
November 2013 ab, wogegen er am 1
3.
Januar 2014 beim hiesigen Gericht Beschwerde einlegte. Diese wurde mit heutigem Urteil abgewiesen (vgl. Prozess Nr. UV.2014.0007).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts [
ATSG
]
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren
oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
der Beschwerde
führer sei seit dem 17. April 2012 (Unfalldatum) in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Linienbus-Chauffeur zu 50 % arbeitsunfähig. Aus medizinischer, somatischer Sicht sei ihm eine behinderungsangepasste Tätigkeit (leichte
wech
selbelastende
Tätigkeit mit Pausen, ohne ständiges Stehen und Gehen)
vollzeit
lich
zumutbar. Im Gutachten vom 15. Oktober 2014 sei festgestellt worden, der Beschwerdeführer habe einen geregelten Tagesablauf, nehme alle
Ar
zt- und Therapietermine wahr und spiele mit den Enkelkindern. Er habe viele Freunde und Kollegen, die er treffe. Gedächtnisstörungen
seien nicht feststellbar, Freu
d
losigkeit und Interesselosigkeit lägen nicht vor. Er könne sich an seinen Kindern und Enkelkindern freuen und sei weiterhin vor allem privat sozial gut integriert. Bei genügenden Ressourcen bestehe somit keine Komorbidität zur posttrauma
tischen Belastungsstörung und die Förster-Kriterien seien nicht genügend erfüllt. Die psychischen Einschränkungen seien somit überwindbar. Aus dem Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 35 % (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend,
er sei von den Gutachtern zu lediglich 50 % in angepasster Tätigkeit für arbeitsfähig erklärt worden. Stelle man auf die heutigen Beurteilungen der behandelnden Ärzte ab, liege die Arbeitsfähigkeit mittlerweile bei 0 % (Urk. 1 S. 8). Die Beschwerdegegnerin stufe ihn zudem mit einem falschen Kompetenzniveau
(Kompetenzniveau 2)
ein, da er während 20 Jahren bei der
C._
AG als Chauffeur angestellt gewesen sei. Auf diese Tätigkeit komme es indessen nicht mehr an (Urk. 1 S. 9).
Er sei im Kompetenzniveau 1 einzustufen (Urk. 1 S. 10). Das Jobprofil sei zudem sehr eingeschränkt. Würden das Alter (59), das fehlende einwandfreie Deutsch, der Migrationshintergrund, die schon mehrjährige Absenz vom Arbeitsmarkt und eine fehlende Flexibilität, sich nach 20-jähriger Tätigkeit als Buschauffeur auf eine andere Tätigkeit einzustellen, mitberücksichtigt, sei ein leidensbedingter Abzug von insgesamt 20 % gerechtfertigt (Urk. 1 S. 10). Nach seiner Berech
nung resultiere bei einem Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von 70 %, weshalb ihm eine ganze Invalidenrente auszurichten sei (Urk. 1 S. 11).
3.
3.1
Die bis zur polydisziplinären Begutachtung auf
liegenden Arztberichte wurden
im
MEDAS-Gutachten vom 15. Oktober 2014
zusammengefasst
(Urk. 9/55/3
28
), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden.
3.2
Das
Gutachten vom 15. Oktober 2014 (E. 3.1)
beruht auf internistischen, orthopä
di
schen, neuropsychologischen und psychiatrischen Untersuchungen (Urk. 9/54/1 und Urk. 9/55). In der polydisziplinären Zusammenfassung wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf
geführt (Urk. 9/55/56 f.):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
Posttraum
a
tische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Mittelgradige, aktivierte
Varusgonarthrose
links mehr als rechts mit
Retro
patellararthrose
,
Impingementsymptomatik
des
Kreuzbandtrans
plantates
, Instabilitätszeichen, Ansatzverkalkungen
Quadrizepssehnen
beidseits rechts>links, Oberschenkelmuskelatrophie li. -2 cm
Status nach Kniekontusion im Rahmen eines Polytraumas am 17.04.2012
Status nach
arthroskopischer
Revisionsoperation mit
Débridement
des linken Kniegelenks 2008
Status nach vorderer Kreuzbandersatzplastik links 1990
Chronisches
Cervikalsyndrom
bei Facettenarthrose C4 bis C7,
Osteo
chon
d
rose
HWK 5/6
Funktionelle Instabilität bei geringer
Retrolisthesis
HWK 3/4
Status nach HWS-Distorsionstrauma QTF II am 17.04.2012
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden die folgenden genannt (Urk. 9/55/57):
Status nach Polytrauma nach PW-Frontalkollision am 17. April 2012 mit
t
raumatischer Hirnverletzung
s
tumpfem Bauchtrauma
Thoraxkontusion
links
Narbenbeschwerden nach Schnittverletzung Unterarmstreckseite links
Knieprellung beidseits mit Weichteilkontusion Unterschenkel, Hämato
men
Hypertonie
Adipositas I (BMI 32 kg/m2)
Von den Gutachtern wurde dem Beschwerdeführer aus gesamtmedizinischer Sicht für die bisherige Tätigkeit als Buschauffeur eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit und für eine adaptierte Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert (Urk. 9/55/60).
3.3
Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 15. Oktober 2014 basiert auf fach
ärztli
chen Untersuchungen, wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den Vorakten sowie insbesondere auch unter Berücksichtigung der geklag
ten Beschwerden erstattet. Die Gutachter haben die
medi
zinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvoll
ziehbar begründet. Das Gutachten erfüllt demnach alle
recht
spre
chungsgemäs
sen
Kriterien für eine beweistaugliche medizinische
Entschei
dungsgrundlage
, weshalb ihm grundsätzlich voller Beweiswert zukommt (vgl. E. 1.5). Auf die Schlussfolgerung der Gutachter, wonach beim Beschwerdeführer aus psy
chiatri
schen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % für eine
Verweistätig
keit
bestehe, kann indessen aus den nachfolgenden Gründen nicht abgestellt werden.
3.4
Vorauszuschicken ist, dass nach der Rechtsprechung die Aufgaben von
Rechts
an
wender
und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt ver
teilt sind: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesund
heitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersu
chung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt der Arztperson hinge
gen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die
Arzt
person
zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
Weil die Arbeitsfähigkeit somit keine medizinische, sondern eine rein juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizi
nischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre (Urteil des Bundesgerichtes 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
3.5
Zunächst ist auf die im Gutachten aus somatischer Sicht attestierte Arbeitsfä
higkeit von
50% in der bisherigen Tätigkeit als Buschauffeur und von
100 %
in einer angepassten Tätigkeit
einzugehen.
3.5
.1
Im Gutachten wurde aus orthopädischer Sicht
festgehalten
, der Beschwerde
führer leide unter chronischen Knieschmerzen beidseits bei
Varusgonarthrose
links stärker als rechts
sowie Status nach Kreuzbandplastik links 1990 und
arthroskopischer
Operation des linken Kniegelenks 200
8.
Aktuell bestehe ein Flexionsdefizit beider Kniegelenke, das durch konsequente Physiotherapie zu behandeln sei.
Eine Unfallkausalität nach Kniekontusion beidseits bestehe nicht. Die vorliegenden degenerativen Schädigungen könnten durch die Traumati
sierung aktiviert und zusätzlich durch eine Schonfehlhaltung verstärkt worden sein. Der Beschwerdeführer sei somatisch in seiner Leistungsfähigkeit einge
schränkt für Tätigkeiten, die einen regelhaften Einsatz der Beine beim Pedale-Treten erforderten, aber auch für Tätigkeiten mit überwiegendem Gehen und Stehen, auch auf unebenem Gelände, sowie mit Klettern, Treppengehen und Leitersteigen. Auch die vorhandenen Funktionsbeeinträchtigungen der
Halswir
belsäule
(HWS) beim Drehen schränkten den Beschwerdeführer in der ange
stammten Tätigkeit ein. Er könne nicht ständige
re
- beziehungsweise inkli
nierende, rotierende Bewegungen der HWS durchführen aufgrund der vorliegenden Schädigungen bei fortgeschrittenen Facettenarthrosen HWK 4-7 und
Osteochondrose
HWK 5/6 und bei vorliegender funktioneller Instabilität sowie Funktionsdefizit bei Rotation.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Bus
chauffeur
sei der Beschwerdeführer aufgrund der genannten Fähigkeits
störungen erheblich eingeschränkt, sodass von einer 50%igen
Leistungsminde
rung
(bezogen auf ein Vollpensum) seit dem Unfallzeitpunkt am 17. April 2012 ausgegangen werde.
Eine voll adaptierte Tätigkeit könnte zu 100 % ab sofort unter Berücksichtigung der genannten qualitativen Einschränkungen begonnen werden (Urk. 9/55/54). Bei der volladaptierten Tätigkeit handle es sich um eine leichte wechselbelastende Tätigkeit, nicht überwiegend im Sitzen und nicht ständig im Stehen und Gehen, mit Pausen. Eingeschränkt seien Tätigkeiten, welche Klettern, Leitersteigen, regelhaftes Treppengehen und das Heben und Tragen von Lasten über 20 kg erforderten. Auch Tätigkeiten über dem Kopf und mit regelhaftem Rotieren,
Reklinieren
der Halswirbelsäule seien nicht möglich (Urk. 9/55/55).
3.5
.2
Die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erscheint
angesichts der objektiven Befunde (Urk. 9/55/48 f.)
aus somatischer Sicht
nachvollziehbar.
Die orthopädische Gutachterin setzte sich
eingehe
nd
mit früheren Berichten und Befunden
auseinander
(Urk. 9/55/49
ff.) und begründete i
n schlüssiger Weise
,
weshalb
ihre
Einschätzung
der
Arbeitsfähigkeit
von der
Selbsteinschätzung
des
Beschwerdeführers und
der Beurteilung durch den
Hausarzt
abw
eiche;
sie
habe
keine
psychischen Faktoren bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
mit
berück
sichtigt
.
Sie empfahl
zudem
n
ebst einer Gewichtsreduktion ein intensives Mus
kelaufbautraining zur Kräftigung der Bein- und Rumpfmuskulatur und auch de
r Schultergürtelmuskulatur (Urk. 9/55/55)
.
3.5.3
An der Schlüssigkeit dieser Einschätzung vermag auch der im
Beschwerdever
fahren
ins Recht gelegte Bericht des Hausarztes
Dr.
med.
D._
, Fach
arzt FMH für Allgemeine Medizin, vom 18. Juni 2015 nichts zu ändern.
Dr.
D._
attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 3/2). Soweit er dabei auf die Schmerzen des Beschwerdeführers
Bezug nahm
, ist darauf hinzuweisen, dass diese bereits in die gutachterliche Beurtei
lung eingeflossen sind. Soweit sich
Dr.
D._
auf die psychische Verfassung des Beschwerdeführers
berief, ist seine fachfremde Einschätzung unbeachtlich.
3.6
A
us psychiatrischer Sicht
wurde dem Beschwerdeführer
im psychiatrischen
Teil
gutachten
vom 2
7.
August 2014 (
Urk.
9/55/34-45)
eine
Arbeitsunfä
higkeit von 100% in der bisherigen Tä
tigkeit als Buschauffeur und eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit
attestiert
(Urk. 9/55/41-42)
.
3.6
.1
Der Beschwerdeführer schilderte gegenüber dem internistischen Hauptgutachter, er sei seit 1976 mit seiner Frau verheiratet und habe gemeinsam mit ihr zwei erwachsene Söhne und eine erwachsene Tochter. Auch diese seien verheiratet und hätten ihn zum vierfachen Grossvater gemacht. Seine Frau beziehe seit circa sieben Jahren aufgrund chronischer Schmerzen eine Invalidenrente von 60 %. Er habe sich seit seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1981 gut inte
griert und 1995 das Schweizer Bürgerrecht erlangt. Er habe viele Freunde und sei in der Gemeinde gut integriert. Bis vor kurzem habe er im lokalen Fussball
verein eine Trainerfunktion ausgeübt. Seine Stelle als Buschauffeur sei ihm wegen seiner lang dauernden Krankheit auf den 31. Juli 2013 gekündigt wor
den. Er habe bis zum 3. Dezember 2012 ein Taggeld der SUVA und ab dem 4. Dezember 2012 ein Taggeld der Helsana Versicherung bezogen. Zurzeit sei er beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) ange
gliedert
. Sein Tages
ablauf sei häufig durch Arztbesuche oder durch Therapien bestimmt. In der Regel stehe er zwischen 08.00 und 08.30 Uhr auf und frühstücke. Je nach Befinden begebe er sich wieder ins Bett oder stehe auf und spiele mit den Enkelkindern. Um 12.00 Uhr nehme er das Mittagessen zu sich. Nachmittags müsse er häufig Termine wahrnehmen. Um 18.00 Uhr werde das Abendessen eingenommen. In der Regel lege er sich um 22.00 Uhr schlafen. Er habe viele Freunde und Kollegen, die er treffe
(Urk. 9/55/29).
Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter gab der Beschwerdeführer an, er könne aktuell nicht arbeiten, weil er Schmerzen habe, immer wieder an den Unfall denken müsse und depressiv sei.
All dies sei
Folge des Unfalls. Bis
dahin
sei er körperlich und psychisch gesund gewesen und habe auch seine Arbeit als Buschauffeur gerne gemacht. Seit dem Unfall habe er aber diverse Schmerzen, welche nicht
durch seine psychische
Verfassung
beeinflusst würden. Er habe bereits verschiedene Behandlungen in Anspruch genommen. Er sei auch traurig geworden seit dem Unfall. Seine Stimmung sei schlecht
;
seine Lebensenergie sei auch schlechter geworden. Er könne sich nicht mehr auf vieles freuen. Er freue sich aber noch auf seine Kinder und Enkelkinder. Zweimal habe er sich umbringen wollen. Durch den Unfall habe er alles verloren; er habe keine Arbeit mehr, weniger Kollegen, weniger Geld und auch keine Zukunft mehr. Wegen der psychischen Probleme sei er beim Psychiater
Dr.
Z._
in Behand
lung, aktuell circa alle zwei Wochen einmal. Er könne aber auch wöchentlich zu ihm gehen, wenn er ein Problem habe. Nach dem Unfall sei er in der Klinik
E._
gewesen und später während circa vier Wochen in der Klinik
A._
. Diese Behandlung sei gut gewesen, er habe dort vor allem eine gute Distanz zu seinen Problemen gehabt. Die körperlichen und psychischen Probleme hätten sich aber leider durch die verschiedenen Behandlungen nicht wesentlich ver
bessert (Urk. 9/55/35).
Zum Psychostatus hielt der psychiatrische Gutachter fest, der 58-jährige Beschwerdeführer sehe altersentsprechend aus und sei normal gekleidet. Die Mimik und Gestik seien nur wenig ausgeprägt. Die Lautstärke der Sprache und die Modulation seien aber normal. Der Beschwerdeführer sei wach und allseits orientiert. Die Konzentration und Aufmerksamkeit nähmen im Laufe des Gespräches aber etwas ab. Das Gedächtnis sei grobkursorisch unauffällig. Das formale und das inhaltliche Denken seien normal. Es bestünden keine Hinweise für Zwänge, Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Ich-Störungen. Die Grundstimmung sei betrübt. Der affektive Rapport sei aber weitgehend herstell
bar. Der Antrieb sei eingeschränkt, und die Psychomotorik sei weniger
stark ausgeprägt als normal. Wenn
der Beschwerdeführer vom Unfall berichte, reagiere er aber stark emotional und sei dann innerlich angespannt und unruhig, während er ansonsten eher ruhig wirke. Zum Zeitpunkt des Gesprächs
hätten
keine Hinweise für eine Selbstgefährdung oder auch für eine Fremdgefährdung
bestanden
(Urk. 9/55/36)
.
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde sodann auf die neuropsychologische Untersuchung, welche am 28. August 2014 durchgeführt
wurde
, hingewiesen. Die Symptomvalidierung sei auffällig
gewesen
. Sie basiere auf den Angaben des Beschwerdeführers in der Anamnese, der klinischen Verhaltensbeobachtung des
Testverhaltens und der Testergebnisse verschiedener psychometrischer Tests sowie auf zwei spezifischen
Symptomvalidisierungsverfahren
. Der Beschwerde
führer zeige sich in der Anamnese und bei der Testbearbeitung überwiegend sehr
klagsam
, das häufige Seufzen während der Testbearbeitung wirke
appella
tiv
. Bei der Testung erreiche der Beschwerdeführer in der überwiegenden Mehr
zahl der Befunde die Altersnormwerte nicht, obwohl die Testinstruktionen mehrfach auf Deutsch wiederh
olt und auch demonstriert worden seien
. Auch bei einfachen Anforderungen falle auf, dass der Beschwerdeführer häufig nicht genügen könne.
Auch in
zwei
Symptomvalidisierungsverfahren
ergebe sich ein deutlich auffälliges Fehlerverhalten. Bei der Testbearbeitung fänden sich insge
samt Hinweise auf mangelnde Anstrengung. Eine bewusste Minderleistung des Beschwerdeführers könne ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Aus neu
ropsychologischer Sicht werde deshalb davon ausgegangen, dass die vorliegen
den Testbefunde die eigentliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht wiedergäben
(Urk. 9/55/36 f.)
.
Der psychiatrische Gutachter verwies auf die festgestellten depressiven Symp
tome und dabei vor allem auf einen eingeschränkten Antrieb und eine Kon
zentration und Aufmerksamkeit, welche im Laufe des Gesprächs abnähmen. Ausserdem habe er emotional stark reagiert, als er vom Unfall berichtet habe. Der Beschwerdeführer verfüge aber auch über einige Ressourcen. So sei er von
der Persönlichkeit her stabil und ausgeglichen und habe wenige langjährige Arbeitsstellen gehabt und zuletzt während vielen Jahren in der geistig und psy
chisch anspruchsvollen Tätigkeit als Busfahrer gearbeitet. Er führe ausserdem eine langjährige, gute Ehe und habe auch eine gute Beziehung zu seinen Kin
dern und Enkelkindern. Er gehe ausserdem in eine ambulante psychiatrische Behandlung, erhalte psychiatrische Medikamente verordnet und sei in der psy
chosomatischen Abteilung der Rehabilitationsklinik in
A._
hospitalisiert gewesen. Er
absolviere
ausserdem eine regelmässige Behandlung seiner ver
schiedenen körperlichen Beschwerden (Urk. 9/55/40 f.).
Der psychiatrische Gutachter hielt dafür, der Beschwerdeführer sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Busfahrer aus psychiatrischer Sicht
seit dem Umfall von 17. April 2012
zu 100 % eingeschränkt. Die Gründe dafür seien die depressiven Symptome und dabei vor allem der eingeschränkte Antrieb, aber vor allem auch die rasch abnehmende Konzentration und Aufmerksamkeit, wel
che dazu führten, dass der Beschwerdeführer einen Fehler machen könnte, was in seiner Tätigkeit erhebliche Auswirkungen haben könnte. Durch die posttrau
matische Belastungsstörung habe der Beschwerdeführer auch dauerhaft Angst, in einem Auto und damit auch in einem Bus zu sitzen. Durch diese Angst
wür
den Konzentration und Aufmerksamkeit zusätzlich eingeschränkt
(Urk. 9/55/41). In einer adaptierten Tätigkeit betrage die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 50 % und zwar alleine wegen der mittelgradigen depressiven Episode. Die Arbeitsfähigkeit sei in einer solchen Tätigkeit durch den einge
schränkten Antrieb und die rasch abnehmende Konzentration, welche Folge dieser Erkrankung sei, eingeschränkt. Die rasch abnehmende Konzen
tration und Aufmerksamkeit seien
in einer solchen Tätigkeit aber nicht so gefährlich wie in der Tätigkeit als Busfahrer, weshalb die Einschränkung lediglich 50 % betrage. Die Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe sei
t
dem Eintritt in die Klinik
A._
am 20. August 2013, spätestens aber seit Durchführung der Untersuchung zu diesem Gutachten am 27. August 201
4.
Adaptiert sei eine Tätigkeit, bei welcher der Beschwerdeführer keine Verkehrsmittel lenken müsse und bei welcher es nicht gefährlich werde, wenn er an das Trauma denke und sich deshalb nicht mehr auf die eigene Arbeit konzentrieren könne. Er sollte deshalb auch keine anderen Arbeiten durchführen, bei denen er sich selber oder andere Menschen gefährden könn
te, wenn er einen Fehler begehe
(Urk. 9/55/42).
3.6
.2
Die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters, wonach im Zeitpunkt der Begut
achtung (August 2014) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär
tig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1) und eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD 10 F43.1) bestanden hätten, erscheint aufgrund der von ihm erho
benen Befunde
überzeugend
.
Nachvollziehbar ist
grundsätzlich
auch der von ihm hergestellte Konnex zwischen der posttraumatischen
Belastungs
störung
aufgrund des Autounfalls und der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in Bezug auf eine Tätigkeit als Chauffeur. In Bezug auf eine angepasste Tätig
keit erachtete der psychiatrische Gutachter
die posttraumatische
Belastungsstö
rung
hingegen nicht
als
wesentlich
e
Einschränkung
. Er ging davon aus
,
in einer angepassten Tätigkeit betrage die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 50 % und zwar alleine wegen der mittelgradigen depressiven Episode.
3.6
.
3
Dass die mittelgradige depressive Episode durch die posttraumatische
Belastungs
störung
ausgelöst wurde, wie der psychiatrische Gutachter festhielt (Urk. 9/55/40),
mag
zwar
zutreffen
. Dennoch entsteht der Eindruck, dass die depressive Symptomatik
mittlerweile
vorwiegend durch psychosoziale
Belas
tungsfaktoren
un
terhalten wird
.
Nicht nur im Gutachten, sondern auch in früheren Arztberichten finden sich klare Hinweise auf
invaliditätsfremde psy
chosoziale Faktoren
(
vgl. E. 1.2
). Im Austrittsbericht der Klinik
A._
vom 2. Oktober 2013 wurde
beispielsweise
festgehalten, der Beschwerdeführer fühle sich aufgrund der Arbeitsunfähigkeit nutzlos. Er habe per Juli 2013 die Kündi
gung erhalten und Uniform, Schlüssel etc. abgeben müssen; dabei sei die Arbeitsstelle doch wie ein zweites Zuhause gewesen.
Erschwerend hinzu kämen die Nähe zum (bisherigen) Arbeitsort und der Kontakt mit den Kollegen,
wodurch er immer wieder mit der veränderten Lebenssituation konfrontiert werde. Als w
eiter
er
belastender Faktor
wurde
die über lange Zeit offene Schuldfrage im Ermittlungs
- beziehungsweise
Strafverfahren
erwähnt
. Erst vor einem Monat
habe
das Obergericht
den Beschwerdeführer
von der Schuld frei
gesprochen
(Urk. 9/37/2 f.)
.
Auch
im Rahmen
der psychiatrischen Begutachtung
vom 29. Januar 2014
im Auftrag der Krankentaggeldversicherung durch
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie
(vgl. Gutachten vom 5. Februar 2014; Urk. 9/39)
,
zeigte sich
eine deutliche Belastung durch die ge
nannten psychosozialen Faktoren
.
Er führte selbst aus, er sehe seine Erkrankung im Zusammenhang mit dem Unfall. Dafür sei aber nicht das
Unfall
ereignis
an sich massgebend. Er sei verletzt durch die Ungerechtigkeit, die ihm nach dem Unfall widerfahren sei. Im Spital sei er durch einen Polizisten ver
dächtigt worden, Verursacher des Unfalls zu sein. Erst ein Gerichtsverfahren habe seine Unschuld bewiesen. In der Folge sei seine Schädigung nicht ernst genommen worden. Er habe durch den Unfall alles, was er in seinem Leben erreicht habe, verloren (Urk. 9/39/12).
Auch gegenüber
dem psychiatrischen Gutachter
der MEDAS beschrieb der Beschwerdeführer
, durch den Unfall alles verloren zu haben; er habe keine Arbeit mehr, weniger Kollegen, weniger Geld und auch keine Zukunft mehr (Urk. 9/55/35).
Darauf, dass die Symptombewältigung massgeblich durch invaliditätsfremde Faktoren behindert wird, lässt auch der Hinweis des Beschwerdeführers, die Behandlung in der Klinik
A._
sei gut gewesen, und er habe dort vor allem eine gute Distanz zu seinen Problemen gehabt (Urk. 9/55/35), schliessen.
3.6
.
4
Hinzu kommt, dass
es sich bei einer
depressive
n
Episode
d
efinitionsgemäss
um ein vorüberg
ehendes Leiden
handelt
(
Dilling
/
Mombour
/Schmidt
[Hrsg.], Inter
nationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V(F): Klin
isch diagnostische Leitlinien,
9.
Aufl. 2014, S. 176
ff
.)
.
Daran ändert nichts, dass die Episode
gemäss psychiatrischem Teilgutachten
der MEDAS
vor dem Hinter
grund einer rezidivierenden depres
siven Störung diagnostiziert wurde
. Dabei handelt sich wohl um einen Befund, der seinerseits durch wiederholte depres
sive Episoden charakterisiert ist. Die Besserung zwischen den Episoden ist jedoch im Allgemeinen vollständig (Urteil des Bundesgerichtes 9C_176/2011 vom 2
9.
August 2011 E. 4.3). In den Akten sind denn auch keine Anhaltspunkte für einen anhaltenden depressiven Zustand aktenkundig.
So hielt der psychi
atrische Gutachter fest, die Weiterführung der bisherigen Behandlungen sei sinnvoll, weil die zum Zeitpunkt der
Hospitalisation
in der Klinik
A._
vorhan
dene mittelgradige depressive Episode zum Zeitpunkt des Gutachtens von
Dr.
B._
nicht mehr bestanden habe. Die letzte mittelgradige depressive Epi
sode sei relativ rasch wieder verschwunden.
3.6.5
Das Bundesgericht hat sodann wiederholt erkannt, dass leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähig
keit führen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_836/2014 vom 2
3.
März 2015 E.
3.1 mit Hinweisen). Der Gutachter wies denn auch ausdrücklich darauf hin,
die depressive Symptomatik sei behandelbar (Urk. 9/55/41) und
die Arbeits
fähigkeit könne durch die Weiterführung der von ihm genannten thera
peuti
schen Mass
nahmen verbessert werden (Urk. 9/55/42
; vgl. auch Urk. 9/55/44
)
.
Mit diesen Feststellungen relativierte der psychiatrische Gutachter seine eigene
,
allgemein gehaltene Aussage,
die Behandlung der mittelgradigen depressiven Episode als Folge einer posttraumatischen Belastungsstörung könne
lange dauern (Urk. 9/55/42), im
konkreten
Fall deutlich
.
3.6
.
6
Schliesslich
ist d
er Hinweis des psychiatrischen Gutachters auf
die vorhandenen Ressourcen aufzugreifen
(E.
3.6
.1; Urk. 9/44/40)
.
Das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers im privaten Bereich scheint kaum eingeschränkt zu sein, hat er doch viele Freunde und Kollegen, die er trifft. Auch ist er in der Gemeinde gut integriert und hat einen regen und guten Kontakt innerhalb der Familie.
Bereits anlässlich des Standortgesprächs vom 9. Januar 2013 hatte der Beschwerdeführer geschildert, er habe sehr viele Termine, und da er nicht Auto fahre, sei er meistens den ganzen Tag unterwegs. Wenn er zu Hause sei, mache er
et
was mit den Grosskindern (Urk. 9/8/3).
Das hohe Aktivitätsniveau erweist sich mit Blick auf eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit als inkonsist
ent.
Auch in Bezug auf die neuropsychologische Untersuchung zur Objektivierung der kognitiven Leistungsfähigkeit (Urk. 9/55/66) hatte der Beschwerdeführer offensichtlich mit Motivationsproblemen zu kämpfen. So wurde in der zusammenfassenden Bewertung der Resultate unter anderem festgehalten, aus der Zusammenschau der vorliegenden Befunde werde von einer verminderten Anstrengungsbereitschaft, eventuell auch von einer Verdeutlichung der Beschwerden ausgegangen (Urk. 9/55/70).
Hinzu kommt, dass sich d
er Beschwerde
führer nicht imstande
fühlte
, an Eingliederungsmassnahmen teilzu
nehmen (Urk. 9/64/2), obwohl ihm aus gutachterlicher Sicht immerhin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert worden war.
Eine krankheitsbedingte Einschränkung der Leistungsfähigkeit scheint
folg
lich
nicht im Vordergrund zu stehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_173/2015 vom 29. Juni 2015 E. 4.2.5).
3.6.
7
In Bezug auf die
rezidivierende
depressive Störung
, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
, welche als Grund für eine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit angeführt wurde, ist na
ch dem Gesagten
nicht von einem andauernden, von psychosozialen Belastungsfaktoren losge
lösten sowie
therapieresistenten Leiden auszugehen. Auch aufgrund des
Aktivi
tätsniveaus
sowie gewisser Inkonsistenzen ist dem depressiven Leiden des Beschwerdeführers
keine invalidisierende Wirkung beizu
messen.
3.6.8
Zur vom Gutachter gestellten Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstö
rung
(ICD-10 F43.1) ist vorab festzuhalten, dass der Verlauf einer solchen Stö
rung wechselhaft ist, in der Mehrzahl der Fälle jedoch eine Heilung erwartet werden darf. Bei wenigen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine dauernde Persönlichkeitsänderung (vgl. ICD-10 F62.0) über (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F
], 9. Auflage, Bern 2014, S. 208
)
.
Der psychiatrische Gutachter geht, wie erwähnt, davon aus, dass sich die post
traumatische Belastungsstörung nur in der bisherigen Tätigkeit, nicht jedoch in einer angepassten Tätigkeit auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkt.
Rechtsprechungsgemäss ist die
Frage der invalidisierenden Wirkung
einer post
traumatischen Belastungsstörung
nach den rechtlichen Kriterien zu beurteilen, die für somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche Leiden gelten (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_822/2013 vom 4. Juni 2014 E. 4.4 mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 352 zur bisherigen und BGE 141 V 281 zur unlängst geänderten Rechtsprechung zu den
somatoformen
Schmerzstörungen und ähnlichen Lei
den)
.
Mit Blick auf die neue Rechtsprechung zu den
somatoformen
Schmerz
störungen (BGE 141 V 281; zur Anwendbarkeit der geänderten Rechtsprechung auf laufende Verfahren vgl. E. 8) ist unter dem Aspekt „funktioneller
Schwere
grad
“ in Betracht zu ziehen, dass die diagnoserelevanten Befunde und Symp
tome gemäss ICD-10 F43.1 (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Interna
tionale Klassifikation psychischer Störungen
, a.a.O., S. 207 und 208
)
– entgegen der vom behandelnden Psychiater med.
pract
.
Z._
vertretenen Auffassung (
Urk.
9/13/6-8,
Urk.
9/33) - nicht besonders ausgeprägt erscheinen. Eine Behandlungsresistenz ist aufgrund der gutachterlichen Feststellungen nicht anzunehmen. Was den Indikator „Komorbiditäten“ betrifft, so ist der beim Beschwerdeführer bestehenden depressiven Symptomatik nach dem Gesagten keine invalidisierende Wirkung zuzuerkennen; sie ist demnach keine Komorbi
dität (Urteil des Bundesgerichtes 9C_492/2014 E. 4.3.1.3 mit Hinweisen). Eine körperliche Komorbidität ist zwar gegeben; diese steht aber der vollzeitlichen Ausübung einer angepassten Tätigkeit nicht entgegen. Hinsichtlich des „Sozia
len Komplexes“ kann auf die vorstehenden Ausführungen zu den vorhandenen
psychosozialen Belastungen und Ressourcen verwiesen werden, ebenso hin
sichtlich des - beweisrechtlich entscheidenden - Aspektes der Konsistenz (Indi
kator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen; BGE 141 V 281 E. 4.4). Hinzuzufügen ist, dass der Beschwerdeführer zwar Therapien in Anspruch nimmt. Namentlich steht er in regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung bei med.
pract
.
Z._
. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der psychiatrischen Begutach
tung in der MEDAS (August 2014) suchte er ihn in diesem Zeitpunkt aber nur ca. alle zwei Wochen auf (Urk.
9/55/35), was nicht auf einen besonders ausge
prägten psychischen Leidensdruck schliessen lässt. Am Rande ist zu bemerken, dass die Ergebnisse der von Dr.
B._
anlässlich der Begutachtung im Januar 2014 durchgeführten Laboruntersuchungen (Urk. 9/39/15) Zweifel an der Compliance des Beschwerdeführers erwecken (anlässlich der Begutachtung in der MEDAS wurde kein Medikamentenspiegel erhoben).
Insgesamt ergeben sich zumindest in einer angepassten Tätigkeit gemäss gut
achterlichem Belastungsprofil keine erheblichen funktionellen Auswirkungen der posttraumatischen Belastungsstörung.
3.6.9
Aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ist demnach – abweichend vom Gut
achten – davon auszugehen, dass in einer angepassten Tätigkeit keine psy
chisch bedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit besteht.
3.6.10
Diese Schlussfolgerung wird durch die weiteren in den Akten liegenden psy
chiatrischen Berichte nicht in Frage gestellt.
Dr.
B._
hat in ihrem psychiatrischen Gutachten vom
5.
Februar 2014 eben
falls bemerkt, dass sich in einer angepassten Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit bestätigen lasse (
Urk.
9/39/18).
Die Ärzte der Klinik
A._
, in welcher sich der Beschwerdeführer vom 2
0.
August bis 1
4.
September 2013 aufhielt, haben ihm - bei im Wesentlichen gleichen Diagnosen wie im MEDAS-Gutachten – lediglich bis 2
1.
September 2013 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
9/37).
Bei der Würdigung der Berichte des behandelnden Psychiaters
pract
. med.
Z._
vom 19. November 2012 (
Urk.
9/13/6-8), 2
8.
November 2013 (
Urk.
9/33) und 1
7.
Juni 2015 (
Urk.
3/3)
ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte und Ärz
tinnen mitunter im Hin
blick auf ihre
auftragsrechtli
che
Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Es entsteht denn auch der Ein
druck, dass
pract
. med.
Z._
bei seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mass
geblich auf die Angaben des Beschwerdeführers abgestellt hat, ohne diese
kritisch zu hinterfragen. Auf seine Beurteilung kann daher nicht abgestellt wer
den.
Selbst wenn, wie von med.
pract
.
Z._
im Bericht vom 17. Juni 2015
postu
liert, nunmehr
von einer
andauernden
Persönlichkeits
änderung auszugehen wäre, stellte diese Diagnose
für sich allein
e
praxisgemäss
keinen
invalidisieren
den Gesundheitsschaden im Rechtssinne dar. Vielmehr ist bei dieser gesund
heitlichen Beeinträchtigung
- wie bei der posttraumatischen
Belastungs
störung
die Frage der invalidisierenden Wirkung nach den rechtlichen Kriterien zu beurteilen, die für somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche Leiden gelten
.
Diesbezüglich kann auf die vorstehenden Ausführungen verwiesen werden (vgl. E. 3.6.8), zumal keine objektiven Anhaltpunkte dafür bestehen, dass seit der MEDAS-Begutachtung im August/September 2014 bis zum mass
geblichen Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
5.
Juni 2015 (
Urk.
2) hinsichtlich der massgeblichen Aspekte (vgl. E. 3.6.8) eine erhebliche Verände
rung einge
treten sein könnte.
3.7
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
dem Beschwerdeführer
aus rechtlicher Sicht zumindest
in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitstätigkeit zumutbar
ist
.
Bei der volladaptierten Tätigkeit handelt es sich
gemäss Gutachten
um eine leichte wechselbelastende Tätigkeit, nicht überwiegend im Sitzen und nicht ständig im Stehen und Gehen, mit Pausen. Eingeschränkt sind Tätigkeiten, welche Klettern, Leitersteigen, regelhaftes Treppengehen und das Heben und Tragen von Lasten über 20 kg erfordern. Auch Tätigkeiten über dem Kopf und mit regelhaftem Rotieren,
Reklinieren
der Halswirbelsäule sind nicht möglich (E. 3.5.1). Überdies sind aus psychiatrischer Sicht keine Arbeiten auszuführen, bei denen der Beschwerdeführer Auto fahren oder andere Verkehrsmittel lenken muss. Auch darf keine Tätigkeit ausgeübt werden, bei der es gefährlich wird, wenn der Beschwerdeführer an das Trauma denkt und sich deshalb nicht mehr auf die eigentliche Arbeit konzentrieren kann, da bei
einem Fehler
eine Selbst- oder Fremdgefährdung
entstehen kann
(Urk. 9/55/60 f.).
4.
4.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
4.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mens
ent
wicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt wor
den wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausge
gli
chenen Arbeitsmarktlage (Art.
16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Fest
setzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstruk
tur
erhebung
(LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E.
3.2 mit Hinweisen).
4.3
Die Parteien gingen übereinstimmend von einem
Valideneinkommen
von Fr. 87‘775.-- im Jahre 2013 (frühester Rentenbeginn aufgrund der IV-Anmel
dung im Dezember 2012 [Urk.
9/4]; vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) au
s (Urk. 2 S. 2 und Urk. 1 S. 8). Dieses
Valideneinkommen
erweist sich als
eher
grosszügig bemes
sen. Gemäss
Auszug aus dem individuellen Konto vom 9. Januar 2013 (Urk. 9/9/1)
erzielte der Beschwerdeführer einzig im Jahr 2011 ein Einkommen
über
Fr.
80‘000.-- (
Fr. 86‘387.--
)
, während sein Einkommen in den davorliegen
den Jahren stets
darunter
lag (mit Ausnahme des Jahres 2005, als er ein Jahres
einkommen von Fr. 82‘095.-- erzielt
hatte
).
Aus den Lohnjournalen der Arbeit
geberin, welche dem ausgefüllten Fragebogen vom 16. Januar 2013 b
eigelegt
wurden
, ergibt sich, dass der höhere Lohn im Jahr 2011
mit der Vergütung von
Überstunden
im Gesamtbetrag von Fr.
9
‘
6
32
.-- begründet war (Urk. 9/12/9).
Das Einkommen im Jahr 2011 erweist sich nicht als
repräsentativ, da nicht von der fortgeset
zten Leistung von Überstunden in diesem Umfang ausgegangen werden kann. Die Vergütung von Überstunden ist zwar auch im Jahr 2010 belegt, jedoch lediglich im Umfang von Fr.
2
‘0
16
.--
(Urk. 9/12/8).
Die Arbeitgeberin
des
Beschwerdeführer
s gab im Fragebogen vom 16. Januar
2013 an,
aktuell
würde der Beschwerdeführer
Fr. 75‘761.-- verdienen
(Urk. 9/12/3).
Dieser Betrag erscheint angesichts der effektiv erzielten Löhne gemäss IK-Auszug
hingegen
als zu niedrig.
Da
aber
letztlich beim Einkommensvergleich auch unter der Annahme eines
Valideneinkommens
von Fr. 87‘775.-- kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert (vgl. E. 4.5),
erübrigen sich weitere Berechnungen.
4.4
4.4.1
Zur Bemessung des Invalideneinkommens stellte die Beschwerdegegnerin auf die Tabellenlöhne
der Schweizerische
n
Lohnstrukturerhebung (LSE)
2012
ab. Sie zog
gemäss ihren Angaben
den Lohn der Tabelle 1, Kompetenzniveau 2, Total Männer
,
heran und ermittelte ein Einkommen im Jahr 2013 von Fr. 60‘
0
20.-- unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
. Nach Vornahme eines leidensbedingten Abzuges von 10%
ermittelte sie ein Invalideneinkommen von Fr. 56‘718.--
(Urk. 2 S. 2
; vgl.
Urk.
9/69
).
Dagegen wandte der Beschwerde
führer ein, es sei auf das Kompetenzniveau 1
der Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2012
abzustellen. Auf seine langjährige Erfahrung als Chauffeur komme es nicht an, da er diese Tätigkeit nicht mehr ausüben könne. Es bestün
den weitere Gründe, ihn im Kompetenzniveau 1 einzuteilen (Urk. 1 S. 9).
Aus
serdem sei ein leidensbedingter Abzug von 20 % gerechtfertigt (Urk. 1 S. 10).
4.4.2
Abgesehen davon, dass die Berechnung der Beschwerdegeg
nerin nicht nach
voll
ziehbar ist
, ist dem Beschwerdeführer insofern zuzustimmen, als nicht auf das Kompetenzniveau 2 abzustellen ist. Der Beschwerdeführer verfügt zwar über eine langjährige Arbeitserfahrung als Chauffeur, exakt diese Tätigkeit ist ihm aber nicht mehr zumutbar, weshalb die Arbeitserfahrung in diesem Bereich
nicht massgebend sein kann (anders präsentierte sich der
Sachverhalt beispiels
weise im
Urteil des Bundesgerichts
8C_439/2010 vom 13.
Dezember 2010 E.
3.3.3
).
Gemäss LSE 2010 wäre der Beschwerdeführer im Anforderungsniveau 4
(= ein
fache und repetitive Tätigkeiten) einzustufen gewesen (insbesondere
für
leichte Arbeiten an Maschinen
[in
casu
ohne Gefährdungspotential]
, Kontroll- und Überwachungstätigkeiten). Das Anforderungsniveau 4
der
LSE 2010 ent
spricht dem Kompetenzniveau 1 in der LSE 2012
(vgl. das IV-Rundschreiben
Nr. 328 des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] vom 22. Oktober 2014)
. Es
ist nicht ersichtlich
,
weshalb der Beschwerdeführer, welcher
über keine Aus
bildung oder Erfahrung in einer anderen Tätigkeit verfüg
t
, in einem höheren
Kompe
tenz
niveau
eingestuft werden
sollte
.
Dem Beschwerdeführer ist daher zuzu
stimmen, dass auf das Kompetenzniveau 1
der Tabelle TA1
abzustellen ist.
4.4.3
Es
ist
demnach
von einem monatlichen
Bruttolohn
von Fr. 5‘210.-- (LSE 2012, S. 35
, Tabelle TA1
, Total Männer, Kompetenzniveau 1
)
auszugehen. Unter Berück
sichtigung der durch
schnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2013 von 41,7
Stun
den pro Woche
(Die Vol
kswirtschaft, 3/4-2015
,
S. 88,
Tabelle B 9.2
, A-S
)
sowie der Nominallohnentwicklung
für Männer
bis ins Jahr 2013
(
Index
stand
2188 [2012] auf 2204 [2013], vgl. die Volkswirtschaft
3/4-2015,
S.
89, Tabelle B 10.3)
ergibt sich ein Jahreseinkommen von
Fr.
65
‘
65
4
.
--
(Fr.
5‘210.-- : 40 x 41,7 x 12 : 2188 x 2204
).
4.4.4
Die Beschwerdegegnerin
gewährte einen leidensbedingten Abzug von 10 %
mit Blick auf die
Einschränkung des Arbeitsprofils, das Alter sowie die
la
ngjährige Betriebszugehörigkeit (Urk. 2 S. 2).
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, es se
i aufgrund des eingeschränkten Zumutbarkeitsprofil
s,
des
fortge
schrittenen Alters,
der fehlenden einwandfreien Sprachkenntnisse, des
Migra
tionshintergrundes
, der mehrjährigen Absenz vom Arbeitsmarkt und der fehlenden Flexibilität aufgrund der langjährigen Betriebszugehörigkeit
e
in
leidensbe
dingter
Abzug von 20
%
vorzunehmen (
Urk.
1 S. 10
).
Ein Abzug wegen des Migrationshintergrundes des Besc
hwerdeführers, welcher seit 1981
in der Schweiz woh
nhaft ist und seit dem Jahr 1995
das Schweize
r Bürgerrecht besitzt (Urk. 9/4
), ist vorliegend nicht angebracht
.
Einwandfreie Sprachkenntnisse werden für eine Tätigkeit im Kompetenzniveau 1
zudem
nicht vorausgesetzt.
Entgegen
der Annahme
der
Parteien
rechtfertigt sich sodann auch kein Abzug infolge der langen Betriebszugehörigkeit, da die Bedeutung der Dienstjahre im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das
Anforderungspro
fil
ist, und beim
Kompetenzniveau 1 - wie beim
Anforderungsniveau 4
-
der langen Betriebszugehörigkeit keine relevante Bedeutung zukommt
.
Gleiches gilt für das Alter des 1956 geborenen Beschwerdeführers (vgl. Urteil des Bundesge
richtes 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.1). Zu berücksichtigen ist hinge
gen, dass auch bei grundsätzlich zumutbaren körperlich leichten, wechselbe
lasteten Tätigkeiten mit Wechselbelastung qualitative Einschränkungen bestehen (vgl. E. 3.7). Im Hinblick darauf könnte ihm ein Abzug von höchstens
15
%
gewährt werden (vgl. beispielsweise Urteil des Bundesgerichts 9C_
455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4).
Bei einem leidensbedingten Abzug von 15
%
resultiert ein Inval
ideneinkommen von Fr. 55‘806.--
(
Fr.
65
‘
65
4
.
--
x 85
%).
4.5
Wird das
Valideneinkommen
von
Fr. 87‘775.--
dem Invalideneinkommen gemäss LSE von
Fr. 55‘806.--
gegenübergestellt, resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr.
31
‘
969
.-
-,
was einem
rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von
36.42
%, gerundet
36
%, entspricht.
5.
Damit ist die angefochtene Verfügung im Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
600.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (
Art.
69
Abs.
1bis IVG).