Decision ID: c16c672b-9a7e-40ec-9e14-b9fbb6079320
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch lic. iur. Andrea Kaiser, c/o Advokaturbüro Adrian Fiechter,
Poststrasse 6, Postfach 239, 9443 Widnau,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a C._, geboren 1951, stürzte am 23. Januar 2003 und erlitt eine Kontusion des
Beckens und des linken Knies, eine Schulterkontusion mit schwerer
Abduktionshemmung und ebenfalls schmerzbedingter Ante- und Retroversion (act.
G 4.1/15.48). Am 15. Dezember 2004 meldete sich die Versicherte zum Bezug von IV-
Leistungen an (act. G 4.1/1).
A.b Der behandelnde Arzt Dr. med. A._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
diagnostizierte im Arztbericht vom 31. Januar 2005 einen Status nach
Rotatorenmanschettenläsion der linken Schulter sowie einen Status nach
Schulteroperation am 13. Februar 2004 mit Kettentendinose am rechten Arm mit
möglicher rheumatisch entzündlicher Komponente mit positiver ANA. Für die bisherige
im Rahmen eines 50%igen Pensums ausgeführte Tätigkeit als Lingerie-Mitarbeiterin
(act. G 4.1/15.35) attestierte er der Versicherten ab 23. Januar 2003 eine "bis heute"
bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe
höchstens noch eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 20 bis 30% (act. G 4.1/12.1 ff.).
A.c Dr. med. B._, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
stellte im Arztbericht vom 11. März 2005 folgende Diagnosen: Periarthropathia
humeroscapularis beidseits, - links Rotatorenmanschettenläsion traumatisch mit
Ruptur der Supraspinatussehne am 23. Januar 2002 (recte: 2003), - Status nach
Schulteroperation am 13. Februar 2003 (recte: 2004) und - Kettentendinosen des
ganzen rechten Armes mit möglicher rheumatisch entzündlicher Komponente bei
positiven ANA sowie ein lumbospondylogenes Syndrom. Die Versicherte sei wegen der
Schmerzen in den Schultern derart eingeschränkt, dass sie kaum ihren häuslichen
Verpflichtungen nachgehen könne. Eine ausserhäusliche Tätigkeit komme deswegen
gar nicht in Frage (act. G 4.1/14.1 ff.).
A.d Im Auftrag des zuständigen Unfallversicherers wurde die Versicherte am 8. August
2005 rheumatologisch und neurologisch begutachtet. Der rheumatologische Gutachter
diagnostizierte im Gutachten vom 10. August 2005 eine chronische Periarthropathia
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
humeroscapularis links, eine chronische Epikondylopathia humeri radialis rechts sowie
ein Lumbovertebralsyndrom. Dabei handle es sich um ein leichtes
Lumbovertebralsyndrom. Die linke Schulter bleibe nach wie vor vermindert belastbar
vor allem für Arbeiten auf Schulterhöhe und über Kopf. Ferner sei das Heben von
Lasten ungünstig. Für ihre letzte Tätigkeit sei die Versicherte weiterhin zu 100%
arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe jedoch seit längerer Zeit eine
50%ige Arbeitsfähigkeit. Diese könne in absehbarer Zeit sicher noch bis 100%
gesteigert werden. Als Hausfrau sei sie zu 100% arbeitsfähig (act. G 4.1/23.14 ff.). Im
neurologischen Gutachten vom 3. September 2005 kam der Experte zum Schluss,
dass das Unfallereignis vom 23. Januar 2003 einzige Ursache der gesundheitlichen
Störung sei. In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine dauerhafte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit und in einer leichteren angepassten Tätigkeit eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit. Längerfristig könne die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit stufenweise auf 100% gesteigert werden. Den vom Unfallversicherer zu
entschädigenden Integritätsschaden beurteilte er mit 15% ("Heben des Armes bis
Horizontale möglich"; act. G 4.1/23.2 ff.).
A.e Am 8. November 2005 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushaltsbereich
durch. Im Abklärungsbericht vom 28. November 2005 (Eingang SVA) ermittelte die
Abklärungsperson unter Mitberücksichtigung der zumutbaren Mithilfe durch die
Angehörigen eine Einschränkung im Haushaltsbereich von 7% (act. G 4.1/22.1 ff.).
A.f Mit Vorbescheiden vom 3. Oktober 2006 stellte die IV-Stelle gestützt auf den von ihr
ermittelten Invaliditätsgrad von 12% in Aussicht, einen Anspruch auf eine Rente (act.
G 4.1/31) sowie auf berufliche Massnahmen zu verneinen (act. G 4.1/33).
B.
B.a Die Versicherte erhob gegen beide Vorbescheide am 2. November 2006 vorsorglich
Einwand (act. G 4.1/35 und 37). In der Einwandbegründung vom 8. Dezember 2006
beantragte sie die Zusprache einer ganzen Invalidenrente. Eventualiter sei zur
Abklärung der Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sowie zur Abklärung des
Einschränkungsgrades in der Haushaltsführung ein Evaluationsgutachten der
funktionellen Leistungsfähigkeit einzuholen. Die Versicherte rügte, dass die IV-Stelle die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beurteilungen der behandelnden Ärzte nicht berücksichtigt habe. Diese seien von einer
höheren Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen. Den
Gutachten komme – wenn überhaupt – nur geringer Beweiswert zu, da sie nicht den
Anforderungen der Rechtsprechung genügen würden. Gegen den Abklärungsbericht
betreffend den Haushaltsbereich bringt die Versicherte vor, dass dieser die
gesundheitlichen Beschwerden nicht angemessen berücksichtige und von einer zu
hohen Restleistungsfähigkeit ausgehe. Weiter machte sie geltend, dass bei der
Ermittlung des Invalideneinkommens ein Abzug von mindestens 25% gerechtfertigt sei
(act. G 4.1/41).
B.b Am 7. März 2007 verfügte die IV-Stelle im Sinn der Vorbescheide vom 3. Oktober
2006 (act. G 4.1/44 und 45).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 7. März 2007 betreffend Rentenleistungen richtet sich
die vorliegende Beschwerde vom 23. April 2007. Die Beschwerdeführerin beantragt
darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung sowie mit Wirkung ab
23. Januar 2003 die Ausrichtung einer ganzen Rente. Eventualiter beantragt sie die
Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines Evaluationsgutachtens
der funktionellen Leistungsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin rügt, dass die
Wechselwirkungen der Belastungen in der Erwerbstätigkeit einerseits und im
Haushaltsbereich andererseits nicht abgeklärt worden seien. Im Übrigen lautet die
Begründung im Wesentlichen gleich wie diejenige der Einwandbegründung (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 5. Juni 2007
die Beschwerdeabweisung. Sie macht geltend, sowohl das rheumatologische und
neurologische Gutachten als auch der Abklärungsbericht Haushalt seien voll
beweiskräftig. Die anderslautenden Berichte der behandelnden Ärzte seien nicht
geeignet, ernsthafte Zweifel an den Gutachten und dem Abklärungsbericht entstehen
zu lassen. Der ermittelte Invaliditätsgrad und die Verneinung eines Rentenanspruchs
seien zu Recht erfolgt. Es bestehe kein Anlass für weitere Abklärungen. Das
Invalideneinkommen sei unter Berücksichtigung eines 10%igen Abzuges vom
Tabellenlohn korrekt ermittelt worden (act. G 4).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.c Unter Hinweis auf die Beschwerdebegründung hat die Beschwerdeführerin auf die
Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 6).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des IVG in
Kraft getreten. Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 127 V 467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis
zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt
abzustellen ist (BGE 121 V 366 E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007
geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Streitgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet lediglich der Anspruch
der Beschwerdeführerin auf Rentenleistungen. Die Verfügung vom 7. März 2007 über
die Ablehnung eines Anspruches auf berufliche Massnahmen (act. G 4.1/44) blieb
dagegen unangefochten.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
2.2 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die
Invalidität nach Art. 16 ATSG bestimmt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich
tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach aArt. 28a Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20, in der bis
31. Dezember 2007 gültigen Fassung) festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen
(aArt. 28a Abs. 2 Satz 3 IVG).
2.3 Praxisgemäss wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der
Tätigkeit im Aufgabenbereich bestimmt, wobei sich die Frage, in welchem Ausmass die
versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, mit
Rücksicht auf die gesamten Umstände, insbesondere die persönlichen, familiären,
sozialen und erwerblichen Verhältnisse, beurteilt (BGE 125 V 150 E. 2c mit Hinweisen).
Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein
Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird,
wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten
und gewichteten Teilinvaliditäten ergibt (BGE 130 V 393 ff. E. 3.3).
2.4 Die Rentenabstufungen des aArt. 28 Abs. 1 IVG geben bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Diese
Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen
Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Führen die im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden
Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger,
objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 400 E. 4.1) zur
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
360 E. 5b mit Hinweisen) und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem
feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegen im Verzicht auf die Abnahme
weiterer Beweise weder eine Verletzung der Untersuchungsmaxime noch eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 E. 4b mit
Hinweisen).
2.6 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch
den Umstand allein, dass sie von einer Partei eingeholt und in das Verfahren
eingebracht wurden, ohne weiteres minder beweiskräftig sind. Denn auch sie können
nützliche Äusserungen zum medizinischen Sachverhalt enthalten. Daraus folgt
wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder vom
Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten
besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die Auffassungen und
Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in rechtserheblichen Fragen
derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen wäre (BGE 125 V 351 E. 3c).
Was Berichte von Hausärzten angeht, so darf diesen nicht zum Vorneherein jede
Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Indes muss die Erfahrungstatsache
mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2005
i.S. A., 4P.254/2005, E. 4.2).
2.7 Für die Invaliditätsbemessung im Haushalt stellt der nach Massgabe der
Verwaltungsweisungen des BSV (Rz 3084 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Stand 1. Januar 2008) eingeholte
Abklärungsbericht im Haushalt eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dar. Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer
versicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von
Arztberichten (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu
berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person
verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den
aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu
berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht
aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und
angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in
Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft dies alles
zu, ist der Abklärungsbericht beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2). Sofern der
Abklärungsbericht im Sinne der vorstehend genannten Rechtsprechung eine
zuverlässige Entscheidungsgrundlage darstellt, greift das Gericht in das Ermessen der
Abklärungsperson nur ein, wenn – etwa im Lichte der ärztlichen Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit im Haushalt – klar feststellbare Fehleinschätzungen oder
Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsergebnisse (z.B. infolge von
Widersprüchlichkeiten) vorliegen (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 mit Hinweis; Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Oktober 2007 i.S. T., I 246/05, E. 5.2.1 mit Hinweisen).
3.
3.1 Vorab stellt sich die Frage, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin ohne
Gesundheitsbeeinträchtigung einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachginge.
Gestützt auf die Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung
vom 8. November 2005, dass sie ohne Behinderung "weiterhin im bisherigen Ausmass"
eine Erwerbstätigkeit ausüben würde (act. G 4.1/22.2), ging die Beschwerdegegnerin
von einem Erwerbspensum und Pensum im Aufgabenbereich von je 50% aus (act. G
4.1/45.2). Diese Aufteilung wurde von der Beschwerdeführerin nicht gerügt. Die
Beschwerdegegnerin geht deshalb davon aus, dass sich die Beschwerdeführerin
darauf "behaften" lassen müsse (act. G 4, S. 4). Die unterlassene Rüge ist indes –
entgegen der scheinbaren Auffassung der Beschwerdegegnerin – für die gerichtliche
Überprüfung unbeachtlich. Sogar wenn der Streitgegenstand im vorliegenden
Verfahren gegenüber dem Anfechtungsgegenstand eingeschränkt wäre, könnte das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gericht nicht angefochtene Rechtsverhältnisse dennoch überprüfen, wenn sie in
engem Sachzusammenhang mit dem Streitgegenstand stehen. Bei einer Streitigkeit um
eine Invalidität bzw. um die Ausrichtungen von IV-Leistungen kann das Gericht also alle
für die Anspruchsberechtigung als solche massgebenden Gesichtspunkte, wie die
einzelnen Faktoren für die Festsetzung des Invaliditätsgrades, frei überprüfen
(Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Juli 2007, IV
2007/11, E. 1a und vom 1. Juni 2007, IV2006/272, E. 1a mit Hinweisen auf AHI 2002
S. 165 f. und Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Rz 50 zu Art. 61).
3.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung der Frage, was sie bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde (BGE 125 V 150 E. 2c). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen
sind nach der Rechtsprechung die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen
Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber
Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die
persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt
sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117
V 194 f. E. 3b; AHI 1997 S. 288 ff. E. 2b je mit Hinweisen). Nebst dem früheren
Arbeitsverhalten sind im Wesentlichen die Absicht der versicherten Person und ihre
Vorstellungen und Pläne zum Alltag ohne Gesundheitsschaden zu berücksichtigen. Von
Bedeutung sind insbesondere auch die Sicherstellung der Kinderbetreuung und die
Verdienstverhältnisse. Die konkrete Situation und die Vorbringen der Versicherten sind
nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Zu beachten ist
allerdings, dass der Entscheid über die Statusfrage immer ein solcher über eine
Hypothese bleibt, da sie sich immer stellt, wenn in Wirklichkeit eine gesundheitliche
Beeinträchtigung (schon seit längerer oder kürzerer Zeit) eingetreten ist. Die
Arbeitseinteilung in der Vergangenheit kann für die massgebliche Hypothese nur ein
Indiz darstellen; die spätere reale Einteilung ist andererseits meist bereits durch die
Invalidität beeinflusst (nicht veröffentlichter Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 2. Februar 2006, IV 2005/53, E. 2c).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.3 Aus den Akten ergibt sich, dass zwischen der Beschwerdeführerin und der
damaligen Arbeitgeberin der Wille bestand, ab Februar 2003 den Anstellungsgrad auf
60% zu steigern. Wegen des Unfallereignisses wurde jedoch auf diese Erhöhung
verzichtet (act. G 4.1/15.33). Eine entsprechende Angabe der Beschwerdeführerin
findet sich auch im neurologischen Gutachten vom 3. September 2005 (act.
G 4.1/23.7). Vor diesem Hintergrund ist entgegen der anderslautenden – allerdings
vage formulierten – Aussage anlässlich der Abklärung vom 8. November 2005 (act.
G 4.1/22.2) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen im Ausmass von 60%
einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Dies gilt umso mehr, als der 10%igen
Erweiterung der Erwerbstätigkeit keine Erziehungs- und Betreuungspflichten (mehr)
entgegenstehen.
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin ermittelte für den Erwerbsbereich eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (act. G 4.1/45.2). Die
Beschwerdeführerin rügt, dass die von der Beschwerdegegnerin angenommene
Arbeitsfähigkeit von 50% in einer leidensadaptierten Tätigkeit unzutreffend sei.
4.2 Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützte sich die Beschwerdegegnerin auf
das neurologische Gutachten von PD Dr. med. D._, Facharzt FMH für Neurologie,
vom 3. September 2005 (act. G 4.1/23.2 ff.) und das rheumatologische Gutachten von
Dr. med. E._, Facharzt FMH für Rheumatologie, vom 10. August 2005 (act.
G 4.1/23.14 ff.). Die Beschwerdeführerin bestreitet die Beweistauglichkeit dieser von
der Unfallversicherin (SWICA) eingeholten Gutachten.
4.2.1 Was das rheumatologische Gutachten anbelangt, ist festzustellen, dass dem
Experten ausser dem beigelegten Bericht von Dr. B._ (vom 13. Dezember 2004; act.
G 4.1/23.17 f.) die nötigen Unterlagen fehlten (act. G 4.1/23.14). Da damit das
rheumatologische Gutachten in Unkenntnis und ohne Würdigung der – bezüglich der
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit grösstenteils anderslautenden –
Vorakten erstellt wurde, bestehen an dessen Zuverlässigkeit erhebliche Zweifel. Ein
Gutachten, das – wie vorliegend – die medizinischen Vorakten unzureichend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
berücksichtigt, ist unvollständig und vermag daher nicht zu Ergebnissen zu führen, die
auf gesamthafter medizinischer Lage beruhen. Einer solchen Expertise fehlt die
erforderliche Überzeugungs- und Beweiskraft selbst dann, wenn die auf der Grundlage
der vom Experten selbst erhobenen Befunde gezogenen Schlüsse an sich einleuchten
und vom Rechtsanwender prüfend nachvollzogen werden können (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Juni 2008 i.S. G., 9C_51/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). Gegen
die Beweistauglichkeit des rheumatologischen Gutachtens spricht ferner, dass keine
aktuellen bildgebenden Untersuchungen vorgenommen wurden. Die diagnostizierte
chronische Periarthropathia humeroscapularis ist eine Bezeichnung für degenerative
Prozesse im Bereich von Rotatorenmanschette, Gelenkkapsel oder langer Bizepssehne
am Schultergelenk (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 260. Auflage, Berlin
2004, S. 1389). Mit der zusätzlich erhobenen Diagnose der chronischen
Epikondylopathia humeri radialis rechts werden entzündliche oder degenerative
Veränderungen an einem Epikondylus bei funktioneller Überbeanspruchung
umschrieben (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 507). Angesichts dieser – zu Veränderungen
neigenden – Beschwerden ist es nicht nachvollziehbar, weshalb der Experte – dem
nicht einmal die bisher erstellten bildgebenden Befunde vorlagen – auf die Vornahme
aktueller bildgebender Untersuchungen verzichtete. Denn die konventionelle
Röntgenaufnahme gilt als Standarduntersuchung. In der Regel werden
Untersuchungen der zur Diskussion stehenden Regionen wiederholt, falls die zur
Verfügung stehenden Bilder älter als 6 Monate sind. Lediglich bei stabilem
Beschwerdebild und (gemäss Akten) unverändertem klinischem Befund reichen auch
ältere konventionelle Aufnahmen aus (vgl. Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft
für Rheumatologie, in: Schweizerische Ärztezeitung, 2007; 88: 17, S. 738; vgl. zur
vorzunehmenden Röntgenaufnahme Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten,
Leitfaden für die Begutachtung im Rahmen der sozialen und privaten Unfall-, Kranken-
und Rentenversicherung, 3. Auflage, Bern 1994, S. 174). Des Weiteren hat es der
rheumatologische Gutachter unterlassen, Belastungslimiten abzuklären und anzugeben
(vgl. bezüglich dieses Erfordernis insbesondere bei Beschwerden in den
Schultergelenken Swiss Insurance Medicine, Zumutbare Arbeitstätigkeit nach Unfall
und bei Krankheit, 2007, S. 11). Angesichts der dargestellten erheblichen Mängel kann
zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht auf das rheumatologische Gutachten
abgestellt werden. Gleiches gilt auch für die vom Experten vorgenommene
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einschätzung, dass die Beschwerdeführerin in ihrer häuslichen Tätigkeit nicht
eingeschränkt sei.
4.2.2 Das neurologische Gutachten vom 3. September 2005 stützt sich in wesentlichen
Teilen (z.B. bei der Diagnose und der Befunderhebung; act. G 4.1/23.9) auf das
rheumatologische Gutachten. Die Mangelhaftigkeit des rheumatologischen Gutachtens
beschlägt somit auch die Zuverlässigkeit des neurologischen Gutachtens. Die
Beantwortung der massgeblichen Fragen bezüglich der Arbeitsfähigkeit und der
Anforderungen an leidensadaptierte Tätigkeiten durch den neurologischen Experten
fällt sehr kurz aus und wird nicht näher begründet, ist mithin wenig substantiell. Des
Weiteren fehlt eine Auseinandersetzung mit der abweichenden medizinischen
Aktenlage. Dem im UV-Verfahren beigezogenen Gutachter lagen offenbar die im IV-
Verfahren erhobenen medizinischen Berichte nicht vollständig vor. Angesichts der
erheblichen Differenzen bezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit sowie der teilweise unterschiedlichen Diagnosestellung
(Dr. B._ diagnostizierte die Periarthropathia humeroscapularis beidseits [act.
G 4.1/14.3], der rheumatologische Gutachter lediglich links [act. G 4.1/23.15]) ist der
Beschwerdeführerin darin beizupflichten, dass das neurologische Gutachten, das die
medizinischen Vorakten unzureichend berücksichtigt und würdigt, in seinem
Beweiswert beschränkt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Juni 2008 i.S. G.,
9C_51/2008, E. 2.2 mit Hinweisen).
4.2.3 Rechtsprechungsgemäss kommt einem Gutachten oder anderen medizinischen
Beurteilungen schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn – wie im vorliegenden Fall –
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht feststehen, dass die
medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen entsprechen, was nicht mit
medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der Regel nicht beurteilen können.
Aufgrund der vorliegenden Mängel kann auf die Gutachten vom 10. August und
3. September 2005 für die Beurteilung der vorliegenden Frage betreffend die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit nicht abgestellt werden.
4.2.4 Die Stellungnahmen des RAD vom 5. September 2006 (act. G 4.1/24) sowie vom
13. Februar 2007 (act. G 4.1/42) vermögen daran nichts zu ändern, da sie sich mit den
genannten Mängeln (fehlende Auseinandersetzung mit anderslautenden medizinischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beurteilungen, Unkenntnis der Vorakten usw.) nicht befassen und diese Mängel auch
nicht zu beheben vermögen (act. G 5.1/42).
4.2.5 Die übrigen medizinischen Akten bieten für die Beurteilung der Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit ebenfalls keine ausreichende Grundlage. Zum einen ist darauf
hinzuweisen dass die Berichte der behandelnden Ärzte keine einheitliche Schätzung
der verbliebenen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit enthalten und sie mehr
als zwei Jahre zurückliegen (der aktuellste Bericht ist derjenige von Dr. B._ vom
11. März 2005; act. G 4.1/14.1 ff.). Ferner ist die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in
einer leidensangepassten Tätigkeit jeweils kaum begründet worden (act. G 4.1/12.4;
act. G 4.1/14.6). Bei der Verneinung jeglicher Arbeitsfähigkeit scheint sich Dr. B._ im
Übrigen vor allem auf die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin zu stützen (vgl.
act. G 4.1/14.6). Dem Bericht von Dr. med. F._ vom 2. Juni 2004 ist in diesem
Zusammenhang zu entnehmen, dass in einer angepassten Tätigkeit – zumindest eine
teilweise - Arbeitsfähigkeit besteht. Deren Verwertung steht nach seiner Auffassung der
Wille der Beschwerdeführerin entgegen, wieder arbeitsfähig zu werden (act. G 4.1/15).
4.2.6 Nach dem Gesagten bestehen mit anderen Worten ernsthafte Zweifel an der
Richtigkeit der von den Gutachtern gezogenen Schlussfolgerungen und deren
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Mit der Frage der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin wird sich deshalb und weil sich die Berichte der behandelnden
Ärzte nicht rechtsgenüglich zum Grad der Arbeitsunfähigkeit äussern, ein
Obergutachten zu beschäftigen haben (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 20. März 2007, IV 2006/88, E. 4c). Über die Frage der
Durchführung einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) werden die mit
dem Obergutachten betrauten Personen zu befinden haben. Sie werden zu begründen
haben, weshalb sie eine EFL durchgeführt oder weshalb sie darauf verzichtet haben
(vgl. Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie, a.a.O., S. 738).
5.
5.1 Für den Haushaltsbereich ermittelte die Beschwerdegegnerin gestützt auf den
Abklärungsbericht an Ort und Stelle vom 14. Juli 2006 unter Mitberücksichtigung der
zumutbaren Mithilfe durch den Ehegatten einen Teilinvaliditätsgrad von 7% (act. G
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.1/22.7). Die Beschwerdeführerin rügt, dass diese Einschränkung die bestehenden
gesundheitlichen Beschwerden nicht ausreichend berücksichtige und die von der
Abklärungsperson erhobenen behinderungsbedingten Einschränkungen zu tief
angesetzt worden seien.
5.2 Vorab ist in grundsätzlicher Hinsicht festzustellen, dass die Abklärung von dem
dafür zuständigen Mitarbeiter der IV-Stelle vorgenommen wurde, wobei keine Hinweise
ersichtlich sind, die an der Kompetenz dieser Person zweifeln liessen. Ferner entspricht
die im Haushaltsbericht enthaltene Umschreibung der Tätigkeitsfelder den Vorgaben
des KSIH.
5.3 Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend vorbringt, ist die gesundheitlich bedingte
Einschränkung im Haushalt mittels eines Betätigungsvergleichs zu ermitteln (BGE 104
V 136 E. 2a). Die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in diesem Bereich bildet
jedoch eine notwendige Grundlage hierfür und ist demzufolge von der
Abklärungsperson zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Februar 2007
i.S. P., I 373/06, E. 4.3.2 mit Hinweis).
5.4 Da der Sachverhalt medizinisch noch näher abgeklärt werden muss, wird die
Beschwerdegegnerin nach Vorlage dieser Abklärungen darüber zu befinden haben, ob
Anlass besteht, den Abklärungsbericht anzupassen und die Einschränkungen im
Haushaltsbereich anders zu beurteilen.
6.
6.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist daher die angefochtene Verfügung
vom 7. März 2007 aufzuheben und die Sache zur Erstellung eines medizinischen
Obergutachtens und zur neuen Verfügung betreffend den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Da die
Einschränkungen der Beschwerdeführerin in ihrer Leistungsfähigkeit bzw. die Art und
das Ausmass der Behinderung noch nicht rechtsgenüglich feststehen, können die
Fragen betreffend die Ermittlung des Invaliditätsgrades und insbesondere betreffend
die Höhe des sogenannten Leidensabzuges sowie betreffend allfällige
Wechselwirkungen infolge der Teilerwerbstätigkeit neben der Haushaltsführung offen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gelassen werden. Die Beschwerdegegnerin wird sich hierzu in Nachachtung der ihr
diesbezüglich obliegenden Begründungspflicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
22. Mai 2007 i.S. K., I 305/06, E. 4.1) nach Vornahme der ergänzenden Abklärungen
äussern.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 127 V 234 E. 2b/bb in fine). Somit unterliegt die
Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss der Beschwerdeführerin von
Fr. 600.-- wird zurückerstattet.
6.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer
Kostennote. Entsprechend der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG