Decision ID: 2ee3244b-2fd5-4619-94f3-24fdf710095a
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 15.05.2017 Art. 13 IVG. Art. 45 ATSG. Art. 78 IVV. Geburtsgebrechen. Behandlungskosten. Abklärungskosten. Art. 13 IVG sieht eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung betreffend die Kosten einer Behandlung eines Geburtsgebrechens vor. Davon sind die Kosten für Abklärungen abzugrenzen, die der Ermittlung des massgebenden Sachverhaltes dienen. Diese fallen unter Art. 45 ATSG und Art. 78 IVV (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Mai 2017, IV 2015/416).
Entscheid Versicherungsgericht, 15.05.2017
Entscheid vom 15. Mai 2017
Besetzung
Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug (Vorsitz), Versicherungs-richter Ralph Jöhl,
Versicherungsrichterin Marie Löhrer; Gerichts-schreiber Tobias Bolt
Geschäftsnr.
IV 2015/416
Parteien
Avanex Versicherungen AG, Recht & Compliance, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdeführerin,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
medizinische Massnahmen (für A._)
Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde im Juni 2010 unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen gemäss Ziff.
178 Anh. GgV zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-
act. 2). Am 23. Juli 2010 berichtete Dr. med. B._ vom C._ (IV-act. 9), der
Versicherte leide an einer Coxa antetorta beidseits. Die tibiale Aussentorsion sei
beidseits erhöht. In der Vergangenheit sei es immer wieder zu Patellaluxationen mit
Gelenksergüssen gekommen. Am 27. Mai 2010 sei eine Derotationsosteotomie mittels
eines monolateralen Fixateurs externe durchgeführt worden. Bislang sei der
postoperative Verlauf regelrecht. Allenfalls werde später noch die erhöhte femorale
Antetorsion links operativ behoben werden müssen. Am 5. August 2010 notierte Dr.
med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 11), die
Voraussetzungen für die Anerkennung eines Geburtsgebrechens gemäss Ziff. 178 Anh.
GgV seien erfüllt. Das Vorliegen des von Dr. B._ erwähnten Geburtsgebrechens Ziff.
170 Anh. GgV sei dagegen nicht nachgewiesen. Falls tatsächlich eine Operation
notwendig sein sollte, müsste das Vorliegen eines Geburtsgebrechens gemäss Ziff.
171 Anh. GgV geprüft werden. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 10. August
2010 mit, dass sie im Zeitraum vom 27. Mai 2010 bis zum 31. Mai 2015 die Kosten für
die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 178 Anh. GgV und für die ärztlich
verordneten Behandlungsgeräte in einfacher und zweckmässiger Ausführung
übernehmen werde (IV-act. 13).
A.b Am 21. April 2011 gingen der IV-Stelle drei Physiotherapieverordnungen des
C._s zu (IV-act. 17), laut denen Dr. B._ am 2. November 2010 eine Physiotherapie
im Zusammenhang mit der Derotationsosteotomie der Tibia und Dr. med. E._ am 9.
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Dezember 2010 sowie ein dritter Arzt am 17. Februar 2011 je eine Physiotherapie im
Zusammenhang mit den rezidivierenden Patellaluxationen links verordnet hatten. Der
Physiotherapeut berichtete am 7. Juni 2011 (IV-act. 18), in der Therapie habe eine
Stabilisierung der Hüftmuskulatur erzielt werden können. Die Beschwerden und die
Kraft im Bereich des linken Knies hätten gebessert. Im Februar habe der Versicherte
aber wieder eine Patellaluxation erlitten, die ihn funktionell etwas zurückgeworfen habe.
Zuletzt habe er nur noch über gelegentliche Schmerzen im Knie geklagt. Er spiele
regelmässig Fussball. Am 14. Juli 2011 gab Dr. med. F._ vom C._ an, die
Physiotherapie habe sich auf die rezidivierenden Patellaluxationen links und nicht auf
das Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh. GgV bezogen (IV-act. 19). Am 20. Juli 2011 teilte
die IV-Stelle dem Physiotherapeuten mit, dass sie die Kosten für die Physiotherapie
nicht übernehme (IV-act. 20). Der Versicherte liess am 23. September 2011 um eine
Kostengutsprache für einen arthroskopischen Eingriff am linken Knie zur (zweiten)
Rezentrierung der Patella durch die Klinik G._(IV-act. 25) und am 13. Februar 2012
um eine Kostengutsprache für eine orthopädische Kniestütze ersuchen (IV-act. 29). Der
RAD-Arzt med. pract. H._ notierte am 1. März 2012, er könne nicht beurteilen, ob ein
Zusammenhang zwischen den rezidivierenden Patellaluxationen und dem Zustand
nach der Derotationsosteotomie bestehe (IV-act. 30). Auf eine entsprechende
Nachfrage der IV-Stelle hin führte der Orthopäde Dr. med. I._ am 12. März 2012 aus
(IV-act. 33), es bestehe kein direkter Zusammenhang zwischen der
Derotationsosteotomie und den rezidivierenden Patellaluxationen. Der Versicherte leide
an einer angeborenen Patelladysplasie und an einer angeborenen Trochleadysplasie.
Beides seien prädisponierende Faktoren für die Patellaluxationen. Am 29. März 2012
notierte der RAD-Arzt H._ (IV-act. 34), wie bereits Dr. F._ und Dr. I._ sehe er
keinen Zusammenhang zwischen der Derotationsosteotomie und den rezidivierenden
Patellaluxationen. Für die Kniestütze könne deshalb keine Kostengutsprache erteilt
werden. In der Vergangenheit seien wohl auch Kosten vergütet worden, die gar nicht
mit dem Geburtsgebrechen im Zusammenhang gestanden hätten. Dies müsse anhand
der entsprechenden medizinischen Berichte nochmals im Detail überprüft werden.
A.c Am 17. April 2012 gingen der IV-Stelle diverse Berichte des C._s zu (IV-act. 37):
Am 14. Dezember 2010 hatte Dr. F._ berichtet, der Versicherte sei in Bezug auf das
linke Kniegelenk völlig schmerzfrei, doch müsse berücksichtigt werden, dass die
Trochlea-Hypoplasie und die Patella alta als stark prädisponierende Faktoren für die
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Patellaluxationen zu qualifizieren seien. Aktuell sei keine Intervention geplant. Im April
2011 – „ein Jahr postoperativ“ – werde eine Ganglaboranalyse durchgeführt werden.
Am 17. April 2011 hatte Dr. F._ berichtet, der Versicherte habe während des
Skifahrens eine erneute Patellaluxation erlitten. Nach einer ausführlichen Analyse der
Ganglabordaten und nach einer Besprechung im Team habe man beschlossen, sich
erneut mit dem Versicherten im Rahmen der Schmerzsprechstunde
auseinanderzusetzen. Allenfalls müsse angesichts der ausgeprägten Krepitationen im
Bereich des linken Kniegelenks und der erneuten Luxation ein weiterer operativer
Eingriff diskutiert werden. Am 26. Juli 2011 hatte Dr. F._ berichtet, in der
Ganganalyse vom 12. April 2011 hätten sich die Knierotation im Vergleich zum
präoperativen Befund als normalisiert und der Fussöffnungswinkel als am Rande des
Normbereichs gezeigt. Insgesamt habe sich die Belastungssituation des Kniegelenks
im Vergleich zum präoperativen Zustand gebessert. Bei einer weiter persistierenden
Subluxationsneigung sei dem sportlich aktiven Versicherten eine Rezentrierung im
Rahmen eines weichteiligen Eingriffs empfohlen worden. In der erneuten Durchsicht
der CT-Bilder vom April 2011 habe sich ein kleines freies Knochenfragment im femoro-
patellaren Gleitlager gezeigt. Dieses sei in den Voraufnahmen noch nicht ersichtlich
gewesen. Um die Knorpelverhältnisse in diesem Bereich besser eruieren zu können
und um eine gewisse Voraussagefähigkeit für eine operative Indikation zu haben,
werde noch eine MRI-Untersuchung des linken Kniegelenks durchgeführt. Am 19.
August 2011 hatte Dr. F._ berichtet, das zwischenzeitlich erstellte MRI zeige einen
relevanten osteochondralen Defekt der Trochlea femoris. Sie habe dem Versicherten
empfohlen, im Zusammenhang mit der bereits angedachten weichteiligen
Rezentrierung der Patella eine Arthroskopie durchzuführen, um den freien
Gelenkkörper aufzusuchen und gegebenenfalls arthroskopisch mittels resorbierbarer
Pins zu refixieren. Am 18. März 2013 notierte der RAD-Arzt H._ (IV-act. 50), die
Konsultationen vom 9. Dezember 2010 und vom 12. April 2011 sowie die Behandlung
durch das C._ im Zeitraum vom 1. April 2011 bis zum 21. Juli 2011 hingen nicht mit
der Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 178 Anh. GgV zusammen. Es komme
auch kein anderes Geburtsgebrechen in Frage, dessen Behandlung jene Massnahmen
gedient haben könnten. Aus medizinischer Sicht seien allerdings die Voraussetzungen
für die Anerkennung des Geburtsgebrechens Ziff. 195 Anh. GgV erfüllt, weshalb die
Kosten für das MRI vom 5. August 2011, für die Konsultationen vom 12. August 2011
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und vom 5. September 2011, für die Operation vom 2. Februar 2012 sowie für die
postoperative Konsultation vom 23. Februar 2012 von der IV-Stelle zu vergüten seien.
Am 16. Mai 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Kosten für die
Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 195 Anh. GgV und für die ärztlich
verordneten Behandlungsgeräte in einfacher und zweckmässiger Ausführung für den
Zeitraum vom 2. Februar 2013 (recte: 2. Februar 2012; vgl. IV-act.51) bis zum 31. Juli
2016 übernehmen werde (IV-act. 52).
A.d Ebenfalls am 16. Mai 2013 forderte die IV-Stelle vom C._ die Vergütungen für die
Behandlungen vom 9. Dezember 2010 und vom 12. April 2011 sowie für im Zeitraum
vom 1. April 2011 bis zum 21. Juli 2011 erfolgte Behandlungen zurück (IV-act. 53). Am
11. März 2014 hielt Dr. F._ fest (IV-act. 57), die Konsultation vom 9. Dezember 2010
sei sechs Monate nach der Derotationsosteotomie erfolgt und habe der Beurteilung
des postoperativen Verlaufs gedient. Sie stehe folglich in einem direkten
Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh. GgV. Auch die am 12. April
2011 durchgeführte Ganganalyse stehe in einem direkten Zusammenhang mit jenem
Geburtsgebrechen. Nur das Physiotherapierezept weise keinen Zusammenhang mit
dem Geburtsgebrechen auf. Am 8. Januar 2015 hielt die IV-Stelle an ihrer Auffassung
fest, bei den fraglichen Massnahmen handle es sich nicht um die Behandlung des
Geburtsgebrechens Ziff. 178 Anh. GgV (IV-act. 58). Am 16. März 2015 wandte die
obligatorische Krankenpflegeversicherung des Versicherten ein (IV-act. 62), sowohl ihr
vertrauensärztlicher Dienst als auch die Rechtsabteilung seien der Ansicht, dass die
fraglichen Massnahmen in einem Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 178
Anh. GgV stünden. Sie ersuche deshalb um die Zustellung eines Vorbescheides. Der
RAD-Arzt H._ notierte am 22. Mai 2015 (IV-act. 65), die Untersuchung vom 9.
Dezember 2010 und die Analyse im Ganglabor vom 12. April 2011 könnten allenfalls als
Nachkontrollen nach der Derotationsosteotomie qualifiziert werden. Allerdings sei
schon im Arztbericht vom 14. Dezember 2010 überwiegend auf die Befunde und auf
das Procedere bezüglich des linken Knies eingegangen worden. Zudem stelle sich die
Frage, ob eine Ganglaboranalyse im Anschluss an eine problemlos verlaufene
Derotationsosteotomie eine einfache und zweckmässige Untersuchung sei. Die CT-
Untersuchungen vom 1. April 2011 hätten nicht den Unterschenkel, sondern das
Kniegelenk betroffen, wie aus dem Bericht zur Konsultation vom 21. Juli 2011
zweifelsfrei hervorgehe.
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A.e Mit einem Vorbescheid vom 31. Juli 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 67), dass sie vorsehe, die Kosten für die Konsultation vom 9. Dezember 2010
zu vergüten. Für die Konsultationen vom 12. April 2011 sowie vom 1. April 2011 und
vom 21. Juli 2011 sehe sie eine Abweisung des Gesuchs um Kostenvergütung vor.
Dagegen liess die Krankenpflegeversicherung am 14. September 2015 einwenden (IV-
act. 70), im Bericht des C._s vom 14. Dezember 2010 sei festgehalten worden, dass
im April 2011 eine Ganganalyse durchgeführt werde. Die am 12. April 2011
durchgeführte Ganganalyse stehe also eindeutig in einem Zusammenhang mit dem
Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh. GgV. Am 21. Juli 2011 seien unter anderem die
Ergebnisse der ganganalytischen Untersuchung besprochen worden, weshalb auch
diese Konsultation im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen stehe. Die CT-
Untersuchung habe sich entgegen der Ansicht des RAD-Arztes nicht nur auf das Knie
beschränkt, sondern auch die Hüfte, die Oberschenkel, die Unterschenkel und die
Füsse betroffen. Am 30. Oktober 2015 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem
Vorbescheid vom 31. Juli 2015 (IV-act. 71).
B.
B.a Am 7. Dezember 2015 erhob die Krankenpflegeversicherung (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. Oktober 2015
(act. G 1). Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, die Kosten der CT-
Untersuchung vom 1. April 2011 sowie die Kosten der Konsultationen vom 21. Juli
2011 und vom 12. April 2011 zu übernehmen. Zur Begründung führte sie an, die
Ganganalyse vom 12. April 2011 sei im Bericht des C._s vom 14. Dezember 2010 als
eine weitere postoperative Verlaufskontrolle erwähnt worden, weshalb sie im
Zusammenhang mit der Derotationsosteotomie stehe. Die CT-Untersuchung habe sich
nicht nur auf das Knie beschränkt und sei ebenfalls im Zusammenhang mit dem
Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh. GgV erfolgt. In der Konsultation vom 21. Juli 2011
seien die Ergebnisse der Ganganalyse besprochen worden. Auch jene Konsultation
stehe folglich im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh. GgV.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. März 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, sie habe nachträglich den
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Bericht des C._s vom 26. April 2011 betreffend die Ganganalyse (vgl. act. G 6.4)
sowie den CT-Bericht vom 1. April 2011 (vgl. act. G 6.3) eingeholt und den RAD-Arzt
H._ um eine erneute Stellungnahme gebeten. Dieser habe ausgeführt (vgl. act. G
6.2), aus medizinischer Sicht wäre es nur sinnvoll, nach einer Derotationsosteotomie
eine aufwendige Ganganalyse durchzuführen, wenn immer noch ein
behandlungsbedürftiges Gesundheitsproblem vorliege. Das sei beim Versicherten der
Fall gewesen, denn dieser habe an rezidivierenden Patellaluxationen gelitten. Bereits
der Fragestellung für die Ganganalyse lasse sich entnehmen, dass es nur um eine
Abklärung bezüglich die Patellaluxationen gegangen sei. Der CT-Bericht vom 1. April
2011 sei nicht aussagekräftig, denn es würden nur Rotationen, aber keine Torsionen
beschrieben. Der Bericht vom 26. Juli 2011 befasse sich nur mit der Patellaluxation.
Vor diesem Hintergrund habe der RAD-Arzt H._ an seiner ursprünglichen Beurteilung
festgehalten. Da seine Ausführungen überzeugend seien, erweise sich die
angefochtene Verfügung als rechtmässig.
B.c Die Beschwerdeführerin hielt am 17. Mai 2016 an ihren Beschwerdeanträgen fest
(act. G 10) und reichte eine Kurzstellungnahme ihres Vertrauensarztes ein, der einen
Zusammenhang zwischen den fraglichen Behandlungsmassnahmen und dem
Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh. GgV als nicht ausgeschlossen qualifiziert hatte (act. G
10.1). Zudem reichte sie eine ausführlichere Stellungnahme des Vertrauensarztes Dr.
med. J._ vom 2. Mai 2016 ein, der festgehalten hatte (act. G 10.2), die
Kinderorthopädin Dr. F._ habe einen Zusammenhang zwischen dem
Geburtsgebrechen und den fraglichen Behandlungsmassnahmen explizit bejaht. Die
Argumentation des RAD-Arztes übergehe diesen Umstand, mute formalistisch an und
wirke „auch etwas willkürlich“. Die Torsions- beziehungsweise Rotationsstörung sei
eine komplexe Störung, die aufwendige Untersuchungen vor und nach der Operation
durchaus rechtfertige. Das Geburtsgebrechen sei durchaus geeignet, eine
Luxationstendenz der Patella zu verursachen. Der Beschwerdegegnerin wäre es
zumutbar gewesen, den Sachverhalt durch einen kinderorthopädischen
Sachverständigen abklären zu lassen. Zudem scheine es ihm, dass es für einen
„Nichtarzt“, wozu auch ein Richter zähle, fast unmöglich sei, die sachliche
Argumentation der Beschwerdegegnerin in diesem komplexen Fall nachzuvollziehen.
Auch das Gericht wäre wohl auf eine neutrale gutachterliche Beurteilung angewiesen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).
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B.e Der Versicherte liess sich nicht vernehmen (vgl. act. G 14).

Erwägungen
1.
Da der Versicherte am Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh. GgV leidet, für das die
Beschwerdegegnerin früher eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung anerkannt
hat, ist zunächst die Frage zu beantworten, ob die fraglichen Untersuchungen zur
Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 178 Anh. GgV notwendige medizinische
Massnahmen im Sinne des Art. 13 Abs. 1 IVG gewesen sind. Der Beschwerdeführer
war am 27. Mai 2010 operiert worden. Sechs Wochen nach der Operation war sein
Zustand „sehr gut“ gewesen (vgl. IV-act. 9–4). Er hatte keine Schmerzen verspürt. Das
Gangbild war – auch unter Vollbelastung – zufriedenstellend gewesen. Er hatte die
Füsse gut in Progressionsrichtung aufgesetzt. Die Prognose war, abgesehen von den
damals bereits bekannten Patellaluxationen, als gut bezeichnet worden. Am 9.
Dezember 2010 hat dann eine weitere Verlaufskontrolle stattgefunden, die wiederum
ein zufriedenstellendes Ergebnis in Bezug auf die operativ korrigierte tibiale
Aussentorsion gezeigt hat. Dem entsprechenden Bericht vom 14. Dezember 2010 lässt
sich entnehmen, dass sich bereits die damalige Untersuchung mehrheitlich auf die
(damals schon längst bekannten) Patellaluxationen konzentriert hat. Zwar ist die
Ganganalyse, die dann am 12. April 2011 durchgeführt worden ist, in einen
Zusammenhang mit der Operation vom 27. Mai 2010 gesetzt worden, denn im Bericht
vom 14. Dezember 2010 heisst es: „Wir werden [...] zu einer Ganglaboranalyse ein Jahr
postoperativ aufbieten“ (IV-act. 37–2). Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, dass
die Ganganalyse der Verlaufskontrolle nach der Operation vom 27. Mai 2010 gedient
hätte. Die Fragestellung zur Ganganalyse zeigt eindeutig, dass diese gar nicht der
Kontrolle der korrigierten tibialen Aussenrotation, sondern der Abklärung in Bezug auf
die Patellaluxation gedient hat (vgl. act. G 6.4). Der Umstand, dass knapp acht Monate
nach der Operation vom 27. Mai 2010 trotz des von Beginn weg sehr guten
postoperativen Verlaufs noch eine (aufwendige und teure) Ganganalyse und eine
Computertomographie durchgeführt worden sind, lässt sich nur damit erklären, dass
der Versicherte nach der Operation weiterhin an Beschwerden gelitten hat, die aber
von den rezidivierenden Patellaluxationen und nicht von der korrigierten tibialen
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Aussenrotation hergerührt haben. Der Vertrauensarzt der Beschwerdeführerin hat zwar
die Auffassung vertreten, dass ein medizinischer Laie die komplexen Zusammenhänge
zwischen den einzelnen Geburtsgebrechen nicht ohne eine Erklärung durch einen
Sachverständigen verstehen könne, den Berichten des C._s lässt sich aber eindeutig
entnehmen, dass schon ab Juli 2010 (vgl. IV-act. 9) primär die rezidivierenden
Patellaluxationen im Fokus der Behandlung gestanden hatten und dass die
Behandlung der korrigierten tibialen Aussenrotation spätestens im Dezember 2010
abgeschlossen worden war. Daran ändert die nachträgliche Angabe von Dr. F._, alle
Behandlungsmassnahmen ausser die Physiotherapie hätten sich auf das
Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh. GgV bezogen, nichts, denn diese Angabe steht im
Widerspruch zu den konkreten Ausführungen in den einzelnen Behandlungsberichten
und zum Umstand, dass keine andere Erklärung für die aufwendigen Untersuchungen
im April 2011 als die rezidivierenden Patellaluxationen in Frage kommt. Gesamthaft
steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest,
dass die fraglichen Behandlungsmassnahmen vom 1. April 2011 (CT-Untersuchung),
vom 12. April 2011 (Ganglaboranalyse) und vom 21. Juli 2011 (Besprechung der
Ergebnisse der Ganglaboranalyse) nicht mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 178 Anh.
GgV, sondern mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 195 Anh. GgV im Zusammenhang
gestanden haben. Gestützt auf den Art. 13 IVG i.V.m. der Ziff. 178 Anh. GgV besteht
folglich keine Leistungspflicht der Invalidenversicherung.
2.
Laut der Ziff. 195 Anh. GgV vergütet die Invalidenversicherung die Kosten für die
notwendigen medizinischen Massnahmen zur Behandlung einer angeborenen
Patellaluxation, „sofern Operation notwendig ist“. Die einschränkende Voraussetzung
einer Operationsnotwendigkeit zielt offenkundig auf eine Abgrenzung der Gebrechen
„von geringfügiger Bedeutung“, für die auf dem Verordnungsweg eine Leistungspflicht
der Invalidenversicherung ausgeschlossen werden kann (Art. 13 Abs. 2 IVG), von jenen
mit einer erheblicheren Bedeutung ab. Mit anderen Worten trifft die
Invalidenversicherung keine Leistungspflicht für Patellaluxationen, die zwar angeboren
sind, aber aus medizinischer Sicht keine Operation als notwendig erscheinen lassen.
Der RAD-Arzt H._ hat diese einschränkende Voraussetzung falsch interpretiert und
deshalb irrtümlich die Auffassung vertreten, es handle sich um eine zeitliche
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Einschränkung der Leistungspflicht der Invalidenversicherung. Diese müsse also nur
jene Behandlungskosten übernehmen, die ab der Operation einer angeborenen
Patellaluxation anfielen. Die Beschwerdegegnerin hat diesen Fehler nicht erkannt und
deshalb nur für die Zeit ab der Operation (2. Februar 2012) eine Leistungspflicht der
Invalidenversicherung anerkannt (dem offenkundigen Schreibfehler – 2013 statt 2012 –
kommt keine relevante Bedeutung zu). Weder die Beschwerdeführerin noch der
Versicherte haben aber in der Folge eine anfechtbare Verfügung verlangt, weshalb die
entsprechende Mitteilung vom 16. Mai 2013 spätestens nach dem Ablauf eines Jahres
(vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 51 N 18 ff. und N 26 f., mit
Hinweisen) verbindlich geworden ist. Jede Vergütung von vor dem 2. Februar 2012
entstandenen Kosten für medizinische Massnahmen gestützt auf den Art. 13 IVG i.V.m.
der Ziff. 195 Anh. GgV würde der – auch für das Gericht – verbindlichen Mitteilung vom
16. Mai 2013 zuwider laufen und wäre folglich rechtswidrig. Gestützt auf den Art. 13
IVG i.V.m. der Ziff. 195 Anh. GgV besteht also ebenfalls kein Anspruch des
Versicherten auf eine Vergütung der streitigen Kosten.
3.
3.1 Die verbindliche Mitteilung vom 16. Mai 2013 bezieht sich allerdings nur auf die
Behandlungskosten im Sinne des Art. 13 IVG, das heisst auf jene Kosten, die durch die
notwendige Behandlung des anerkannten Geburtsgebrechens Ziff. 195 Anh. GgV
verursacht werden. Nun haben die CT-Untersuchung vom 1. April 2011, die
Ganglaboranalyse vom 12. April 2011 und die Besprechung der Ergebnisse dieser
Abklärungen am 21. Juli 2011 aber gar nicht der Behandlung eines anerkannten
Geburtsgebrechens gedient. Wie oben dargelegt worden ist, besteht nämlich kein
Zusammenhang zwischen diesen Abklärungen und dem Geburtsgebrechen Ziff. 178
Anh. GgV; die Untersuchung vom 14. Dezember 2010 ist die letzte Untersuchung
gewesen, die einen doppelten Zweck – nämlich die Beurteilung des Erfolgs der
Derotationsosteotomie und die Beantwortung der Fragen nach der Ursache der
Patellaluxation und nach der Notwendigkeit einer operativen Rezentrierung der Patella
– verfolgt hat (und deren Kosten deshalb zu Recht noch gestützt auf den Art. 13 IVG
i.V.m. der Ziff. 178 Anh. GgV von der Beschwerdegegnerin vergütet worden sind).
Dagegen besteht zwar ein enger Zusammenhang zwischen diesen Abklärungen und
dem Geburtsgebrechen Ziff. 195 Anh. GgV, aber das bedeutet nicht, dass es sich
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deshalb bei den entsprechenden Abklärungskosten um Behandlungskosten im Sinne
des Art. 13 IVG handeln müsste. Die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 195
Anh. GgV hat nämlich erst mit der operativen Rezentrierung der Patella im Februar
2012 begonnen. Die CT-Untersuchung vom 1. April 2011, die Ganglaboranalyse vom
12. April 2011 und die Besprechung der Ergebnisse dieser Abklärungen am 21. Juli
2011 sind keine Behandlungsmassnahmen gewesen, weil sie nicht auf eine
Behandlung des Geburtsgebrechens abgezielt haben. Ihr Sinn und Zweck hat sich
vielmehr auf die Beantwortung der Fragen nach der Ursache der Patellaluxation und
nach der Operationsindikation beschränkt. Mit anderen Worten hat es sich dabei um
reine Sachverhaltsabklärungsmassnahmen gehandelt. Folglich stellt sich gar nicht die
Frage, ob die Invalidenversicherung die entsprechenden Kosten gestützt auf den Art.
13 IVG zu vergüten habe. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, wer diese
Abklärungskosten zu tragen hat. Diese Frage wird durch den Art. 45 Abs. 1 ATSG
beantwortet und kann folglich von der verbindlichen Mitteilung vom 16. Mai 2013, die
sich nur zu den Behandlungskosten gestützt auf den Art. 13 IVG i.V.m. der Ziff. 195
Anh. GgV äussert, nicht erfasst sein.
3.2 Laut dem Art. 45 Abs. 1 Satz 2 ATSG hat ein Versicherungsträger
Abklärungskosten auch dann zu übernehmen, wenn er die entsprechende
Abklärungsmassnahme zwar nicht selbst angeordnet hat, wenn diese Massnahme aber
für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich gewesen ist oder wenn sie einen
Bestandteil von nachträglich zugesprochenen Leistungen bildet. Für die
Beschwerdegegnerin sieht der Art. 78 Abs. 3 IVV spezifisch nochmals exakt dieselbe
Regelung vor. Die CT-Untersuchung vom 1. April 2011, die Ganglaboranalyse vom 12.
April 2011 und die Besprechung der Abklärungsergebnisse am 21. Juli 2011 sind nicht
von der Beschwerdegegnerin angeordnet worden. Ohne diese Abklärungen hätte aber
die Frage nach der Operationsindikation nicht beantwortet werden können. Hätte das
C._ diese Untersuchungen nicht durchgeführt, hätte die Klinik K._ solche
Untersuchungen durchführen müssen, denn ohne solche vorgängigen Untersuchungen
wäre ein operativer Eingriff nicht möglich gewesen. Auch wenn die
Beschwerdegegnerin also gestützt auf den Art. 13 IVG keine Leistungspflicht für die
umstrittenen Massnahmen trifft, hat sie deren Kosten doch zu vergüten, und zwar
gestützt auf den Art. 45 Abs. 1 ATSG beziehungsweise den Art. 78 Abs. 3 IVV. Das
Bundesgericht hat in einem ähnlich gelagerten Fall eine entsprechende Leistungspflicht
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der Invalidenversicherung mit derselben Begründung bejaht (Urteil 9C_921/2013 vom
24. Februar 2014). Folglich spricht nichts dagegen, die Abklärungskosten der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.
Zusammenfassend ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin – gestützt auf den Art. 45 Abs. 1 ATSG und
den Art. 78 Abs. 3 IVV – zu verpflichten, die streitigen Kosten zu vergüten. Die
angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Die Beschwerdeführerin hat als eine in ihrem Aufgabenbereich als
Bundesrecht vollziehendes Organ tätig gewesene Verwaltungseinheit keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung.