Decision ID: 40c03771-a2ba-4e85-98ff-d812a7d259bf
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse, Sektion St. Gallen, Teufenerstrasse 8, Postfach 2163,
9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Selbstkündigung)
Sachverhalt:
A.
B._ meldete sich am 13. Juli 2009 zum Bezug von Leistungen der
Arbeitslosenversicherung an (act. G 3.1). Er hatte sein letztes Arbeitsverhältnis als
Chauffeur bei der A._ per 31. März 2009 aufgelöst (act. G 3.2). In der
Verschuldensabklärung gab er an, nachdem seine frühere Arbeitgeberin, die Firma
C._, mit der A._ fusioniert habe, sei er von den neuen Vorgesetzten der Disposition
und Plattformleitung schikaniert und gemobbt worden. Unter anderem habe man ihm
den Lastwagen weggenommen und ihn auf eine "alte Krücke" versetzt. Er habe
während dieser Zeit unter Schlafstörungen gelitten (act. G 3.3). Mit Verfügung vom 4.
September 2009 stellte die Unia Arbeitslosenkasse den Versicherten ab 1. April 2009
für 18 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Es seien keine Beweise ersichtlich, die
ein Verbleiben an der Stelle als unzumutbar hätten erscheinen lassen können (act. G
3.3). Die Einsprache, mit welcher der Versicherte wiederum geltend machte, man habe
ihn schikanieren wollen, wies die Unia mit Entscheid vom 21. September 2009 ab (act.
G 3.4 - 5).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 28.
September 2009 (Datum Postaufgabe) mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung
des angefochtenen Einspracheentscheids. Wiederum macht der Beschwerdeführer
geltend, er sei von der Disposition und der Plattformleitung schikaniert und gemobbt
worden. Im Wesentlichen führt er dazu aus, er sei nicht rechtzeitig über die Einsatzorte
informiert oder an "unmögliche" Ladeorte geschickt worden. Ausserdem sei ihm
hinterher telefoniert und sein Lastwagen so eingeteilt worden, dass dieser rund um die
Uhr im Einsatz gewesen sei, wodurch er zusätzlich unter Zeitdruck geraten sei.
Schliesslich sei er zu Unrecht von der Plattformleitung verwarnt worden (act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2009 beantragt die Verwaltung unter
Verweis auf die Begründung im Einspracheentscheid Abweisung der Beschwerde (act.
G 3).
B.c Mit Replik vom 20. November 2009 (Datum Postaufgabe) führt der
Beschwerdeführer aus, dass es für ihn schwierig sei, Beweise für das Mobbing
vorzulegen. Er habe zwar deswegen unter Unwohlsein und Schlafstörungen gelitten,
habe aber keinen Arzt aufgesucht. Als Möglichkeit, den Sachverhalt weiter zu erhellen,
sehe er noch eine gerichtliche Nachfrage bei seinen ehemaligen Vorgesetzten und bei
der Geschäftsleitung (act. G 5). Am 10. Dezember 2009 reicht der Beschwerdeführer
ein Arztzeugnis von Dr. med. D._, Allgemeine Medizin FMH, vom 7. Dezember 2009
ein. Darin führt Dr. D._ aus, der Beschwerdeführer habe sich am 5. Dezember 2009
wegen Einschlaf- und Durchschlafstörungen, die vor etwa einem Jahr aufgetreten
seien, bei ihm gemeldet. Dieser präsentiere einen extrem angespannten Eindruck (act.
G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 9).
B.e Mit Schreiben vom 28. April 2010 nahm das Versicherungsgericht weitere
Abklärungen bei der A._ betreffend die Mobbingvorwürfe vor (act. G 10). Mit Antwort
vom 5. Mai 2010 führt die ehemalige Arbeitgeberin im Wesentlichen aus, die einzelnen
Vorwürfe könnten nach so langer Zeit nicht mehr nachvollzogen werden, zumal der
damalige Disponent nicht mehr im Unternehmen arbeite. Ausserdem sei der
Beschwerdeführer nicht anders behandelt worden als die anderen Fahrer. Mit
Stellungnahme vom 20. Mai 2010 betont der Beschwerdeführer nochmals, dass die
von ihm erhobenen Vorwürfe der Wahrheit entsprächen. Der Disponent sei ja gerade
wegen diverser "krummer Sachen" entlassen worden. Ausserdem kenne ihn der
Geschäftsführer und wisse, warum er bei A._ habe kündigen müssen (act. G 13). Die
Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen:
1.
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1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne
dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der
Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe findet demnach das
sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip seine Grenze bei der
Zumutbarkeit. So kann es der versicherten Person nicht zugemutet werden, eine Stelle,
die im Sinn von Art. 16 Abs. 2 AVIG unzumutbar und damit von der Annahmepflicht
ausgenommen ist, beizubehalten.
1.2 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit dürfen bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten
Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden;
insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der
versicherten Person zu berücksichtigen (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen werden, wenn eine
versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die
Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall, da
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die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag
(BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
2.
2.1 Vorliegend kündigte der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis bei der A._
unbestrittenermassen selber auf den 31. März 2009 (act. G 3.2). Eine andere Stelle war
ihm zu diesem Zeitpunkt nicht zugesichert, sodass der Tatbestand der
selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG grundsätzlich
erfüllt ist. Der Beschwerdeführer macht jedoch geltend, der weitere Verbleib an der
innegehabten Arbeitsstelle sei nicht mehr zumutbar gewesen, da er von der Disposition
(Vorgesetzter) und von der Plattformleitung schikaniert und gemobbt worden sei. So sei
er einmal von der Disposition nicht rechtzeitig über den Einsatzort informiert worden.
Obwohl er sich bereits am Freitagabend über den Einsatz am Montag erkundigt habe,
sei ihm nicht mitgeteilt worden, dass er sich am Montagmorgen in Rorschach
einzufinden habe. Er sei dann am Montagmorgen überraschend nach Rorschach
beordert worden und sei danach den ganzen Tag mit seiner Tour im Rückstand
gewesen. Zudem sei "sein" Lastwagen jeweils so eingeteilt gewesen, dass dieser
praktisch rund um die Uhr im Einsatz gewesen sei. Auch so sei er unter Druck gesetzt
worden, zu einer bestimmten Zeit zurück zu sein, obwohl er für allfällige Verzögerungen
bei Kunden nichts dafür könne. Ausserdem sei er mit seinem Sattelschlepper an
Ladeorte geschickt worden, die zu eng für dieses Fahrzeug gewesen seien. Im
Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, er sei vom Disponent gedrängt
worden, weitere 10 Tonnen auf seinen Sattelschlepper zu laden, obwohl dieser das
zulässige Höchstgewicht bereits überschritten habe. Schliesslich macht der
Beschwerdeführer geltend, man habe ihm den ganzen Tag hinterher telefoniert, an die
Kunden, ob sie mit seiner Arbeit zufrieden seien, und an den Ort, an dem er beim
Mittagessen gewesen sei, wie lange er sich dort aufgehalten habe.
2.2 Zwar erscheinen diese Ausführungen des Beschwerdeführers durchaus
glaubwürdig. Indessen kann nicht bereits gestützt darauf von Mobbing und damit von
der Unzumutbarkeit der Stelle ausgegangen werden. So ist etwa der Wunsch des
Disponenten, weiteres Gewicht auf den LKW zu laden, nicht als Mobbing zu
qualifizieren. Wie der Beschwerdeführer selber ausführt, konnte er sich dem Drängen
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des Disponenten erfolgreich widersetzen, ohne dass er deswegen irgendwelche
Nachteile oder Sanktionen (insbesondere keine Kündigung) in Kauf nehmen musste.
Vielmehr hat sein Vorgesetzter die Weigerung des Beschwerdeführers - offenbar unter
Beachtung der firmeninternen Gepflogenheit, sich an die Gesetze zu halten (vgl. act. G
11) - akzeptiert. Auch die nicht rechtzeitige Information über den Einsatzort kann nicht
nur durch Mobbing erklärt werden. Denkbar wäre etwa auch, dass sich am
Montagmorgen tatsächlich eine kurzfristige Änderung der Einsatzpläne ergeben hat
oder schlicht ein Fehler der Disposition vorlag. Trotz Abklärung des Gerichts bei der
ehemaligen Arbeitgeberin konnte sodann auch nicht erhärtet werden, dass der
Beschwerdeführer schlechter behandelt worden wäre als die anderen Chauffeure,
indem er etwa an schwierigere Ladeorte mit höherem Schadenpotential entsandt
worden wäre oder dass "sein" Fahrzeug länger im Einsatz gewesen wäre als andere.
Letzteres erscheint ohnehin unwahrscheinlich, verdient doch ein
Transportunternehmen nur Geld, wenn die Fahrzeuge im Einsatz sind. Weshalb also
nur das Fahrzeug des Beschwerdeführers möglichst lange im Einsatz sein sollte, die
anderen dagegen nicht, erscheint diesbezüglich nicht plausibel. Vielmehr dürfte es
wohl zum Arbeitsalltag der meisten Lastwagenchauffeure gehören, stets am zeitlichen
Limit zu fahren und durch Verzögerungen, etwa bei Kunden oder durch
verkehrsbedingte Staus, in einen Rückstand zu geraten, der sich unter Umständen
während des ganzen Tages nicht mehr aufholen lässt. Von weiteren Abklärungen
dieser Vorkommnisse ist abzusehen. Insbesondere erscheint die in der Stellungnahme
vom 20. Mai 2010 vorgeschlagene Befragung des (ehemaligen) Disponenten und der
Plattformleitung, denen der Beschwerdeführer ja Mobbing vorwirft, nicht geeignet,
seinen Standpunkt zu stützen. Schliesslich konnte der Beschwerdeführer auch die
geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden nicht belegen. Zwar legte er
nachträglich ein Arztzeugnis vom 7. Dezember 2009 vor (act. G 7). Indessen erfolgte
dieser Arztbesuch erst rund zehn Monate nach Beendigung des fraglichen
Arbeitsverhältnisses. Dr. D._ gibt denn auch lediglich die Situation wieder, wie sie
ihm vom Beschwerdeführer geschildert wurde. Selbst wenn Dr. D._ nach wie vor
einen extrem angespannten Eindruck des Beschwerdeführers sowie offenbar weiterhin
bestehende Schlafstörungen konstatierte, kann daraus nicht abgeleitet werden, dass
dieser Zustand immer noch auf die bereits einige Zeit zurückliegende unbefriedigende
Situation am ehemaligen Arbeitsplatz zurückzuführen ist.
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2.3 Zusammengefasst ergibt sich damit, dass die geltend gemachte Unzumutbarkeit
des selbst gekündigten Arbeitsverhältnisses nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann. Der Beschwerdeführer trägt demnach die
Folgen der Beweislosigkeit, so dass von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit
auszugehen ist. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgte damit zu Recht.
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrer Einstellung im
unteren Bereich des mittelschweren Verschuldens geblieben ist und keine Einstelldauer
im Bereich des schweren Verschuldens (mindestens 31 Tage) verfügt hat. Damit sind
die subjektiven Kündigungsgründe des Beschwerdeführers im Sinn des IAO-
Abkommens (verschlechterte Arbeitssituation nach der Fusion; vgl. vorstehende E. 1.2)
genügend berücksichtigt. Eine weitere Reduktion ist nicht angezeigt.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53