Decision ID: 9505d7d4-c265-5974-80fc-b733d01282b8
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die aus B._ (Provinz [...]) stammende Beschwerdeführerin kur-
discher Volkszugehörigkeit suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
A.b Am 9. Mai 2018 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Dabei gab
die Beschwerdeführerin an, sie habe durch eine Kollegin das Christentum
kennen- und schätzen gelernt, weshalb sie sich etwa (Nennung Zeitpunkt)
vor ihrer Ausreise zu dieser Religion bekannt habe. Eines Tages bezie-
hungsweise zirka am (...) habe sie sich eine Halskette mit einem Kreuz als
Anhänger gekauft. Sie sei etwa (...) Tage später von ihrer Mutter darauf
angesprochen worden, welche die Bedeutung des Kreuzes nicht gekannt
habe. Nachdem sie ihre Mutter darüber informiert habe, habe ihr diese die
Kette vom Hals gerissen und erklärt, dass ihr Vater und ihre Brüder sie
umbringen würden, wenn sie jene Halskette an ihr entdeckten. Sie sei be-
leidigt gewesen und habe sich kurz darauf an einem (Nennung Wochentag)
– das genaue Datum wisse sie nicht mehr – am (Nennung Körperteil) und
am (Nennung Körperteil) tätowieren lassen. In der Folge habe sie die Tä-
towierungen jeweils mit einem Schal bedeckt. Eines Tages respektive am
(...) sei der Schal zu Boden gefallen, worauf ihr Vater die Tätowierungen
entdeckt, sie geschlagen und dabei ihre (Nennung Körperteil) gebrochen
habe. Ihre Mutter sei herbeigeeilt, habe geschimpft und ihrem Vater von
ihrer Zuwendung zum Christentum erzählt. Ihr Vater habe sie darauf in den
Keller geführt, dort geschlagen und anschliessend zusammen mit ihrem
(Nennung Verwandter) im Auto an einen unbekannten Ort gebracht. Dort
sei sie von ihrem (Nennung Verwandter) vergewaltigt worden. Anschlies-
send habe ihr (Nennung Verwandter) sie mit (Nennung Waffe) erschiessen
wollen, auf ihr Flehen jedoch Abstand davon genommen und sie wegge-
jagt. In der Folge habe sie sich zu einer (Nennung Geschäft) begeben, von
wo sie ihren damaligen Freund C._ angerufen habe. C._
habe sie abgeholt und zu sich nach Hause gebracht. Tags darauf sei sie
durch Vermittlung eines Freundes von C._ zu einem Schlepper ge-
gangen, der sie am folgenden Tag in die (...) Stadt D._ gebracht
habe. Dort sei sie mittel- und obdachlos gewesen. In D._ habe sie
E._ kennengelernt und ihn (Nennung Zeitpunkt) nach ihrer Ankunft
in der F._ (...) nach Brauch geheiratet. E._ habe sie jedoch
schlecht behandelt, beschimpft und ihr auch (Nennung Verletzung) zuge-
fügt. Als sie E._ bei der Polizei habe anzeigen wollen, habe ihr
diese mit der Ausschaffung in den Iran gedroht. Sie habe sich auch wegen
eines Transfers in eine andere Stadt vergeblich an die Ausländerbehörde
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gewendet. Später sei auch C._ in die F._ gereist, der ihre
Telefonnummer herausgefunden habe. Die vielen Telefonate mit
C._ seien ihrem Mann E._ nicht verborgen geblieben, wes-
halb E._ ihr gedroht habe, ihre Eltern über diese Beziehung zu in-
formieren. Sie habe sich in der Folge von E._ getrennt und sei am
(...) zusammen mit C._ im Bus nach G._ gereist, wo sie sich
bis zum (...) aufgehalten hätten. Anschliessend sei sie alleine und auf ihr
unbekannter Route bis in die Schweiz gebracht worden.
A.c Am 19. September 2019 sowie am 25. Februar 2020 wurde die Be-
schwerdeführerin vom SEM einlässlich zu ihren Asylgründen angehört. Da-
bei führte sie aus, sie habe von einer langjährigen Freundin ein Video über
das Christentum erhalten. Nachdem sie das Video angesehen und reali-
siert habe, dass – im Gegensatz zum Islam – das Christentum gewaltfrei
sei und ihr auch andere Sachen an dieser Religion gefallen hätten, habe
sie sich zu einem Beitritt entschieden. Dies auch deshalb, weil sie bereits
vor ihrem Beitritt Probleme mit ihrer Familie gehabt habe. So hätten ihre
Eltern nicht zugelassen, dass sie mit Freunden ausgehe und so lebe, wie
sie es sich gewünscht habe. Nach ihrer Konversion habe ihr ihre Kollegin,
welche selber Christin gewesen sei, eine Halskette mit einem Kreuzanhän-
ger geschenkt. Ihre Mutter habe die Kette an ihr gesehen und sei – nach-
dem sie ihre Mutter über die Bedeutung des Kreuzanhängers informiert
habe – darüber ungehalten gewesen, habe sie geohrfeigt, beschimpft und
ihr in der Folge den Anhänger weggenommen. Da sie sich darüber aufge-
regt habe, habe sie sich am nächsten Tag ihren (Nennung Körperteil) von
(Nennung Person), welche in B._ einen (Nennung Geschäft) führe
und auch (Nennung Behandlungen) mache, tätowieren lassen. Sie sei
dann aber von ihrem Vater wiederholt geschlagen worden, als dieser die
Tätowierungen entdeckt habe. Auch ihre Mutter habe sie deswegen ge-
schlagen. Wegen der Schläge sei ihre (Nennung Körperteil) gebrochen. Ihr
Vater habe ihren ältesten (Nennung Verwandter) angerufen, der sie dann
zu einem abgelegenen Ort ausserhalb der Stadt gebracht, dort vergewal-
tigt habe und anschliessend habe töten wollen. Sie habe ihn jedoch um-
stimmen können, weshalb ihr (Nennung Verwandter) sie weggeschickt
habe, worauf sie bei einer (Nennung Geschäft) mit dem Handy eines Un-
bekannten C._ angerufen habe. Sie habe C._ über alles
Vorgefallene informiert. Obwohl sie (Nennung Verletzungen) gehabt habe,
habe sie keinen Arzt aufsuchen können. Zudem habe sie ihren (Nennung
Verwandter) nicht bei der Polizei angezeigt, da sie befürchtet habe, noch
grössere Probleme zu bekommen. Ferner sei C._ von ihrer Familie
unter Druck gesetzt, bedroht und beschuldigt worden, für ihr Verschwinden
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verantwortlich zu sein. Ihre Familie sei wohl deshalb auf C._ ge-
kommen, weil sie ihr Handy zuhause zurückgelassen habe. Darin sei die
einzige gespeicherte Nummer eines Mannes diejenige von C._ ge-
wesen. Zudem habe die Polizei C._ einige Male bei seinen Ange-
hörigen erfolglos gesucht. Aufgrund dieser Probleme habe sie (Nennung
Zeitpunkt) nach diesen Vorfällen den Iran verlassen. Ferner habe lediglich
C._ und ihre Freundin von ihrer Konversion gewusst, wobei
C._ ihren Entscheid respektiert habe. Da es keine christliche Kirche
gegeben habe, in die sie hätte gehen können, habe sie sich mittels eines
Buches und einer CD mit dem Christentum beschäftigt. Vor ihrer Ausreise
habe sie mit C._ ihre Zukunft besprochen. Sie hätten dann ent-
schieden, dass sie in die F._ gehe, um dort alleine zu leben, wobei
sie C._ finanziell unterstützen werde, bis sie eine Arbeit gefunden
hätte. C._ habe sich noch um sein Studium an der Universität und
auch um seine Familie kümmern müssen, da er nach dem Tod seines Va-
ters das Familienoberhaupt gewesen sei, weshalb er erst später in die
F._ habe nachreisen wollen. Nach ihrer Ankunft in der F._
habe sie zunächst in einem Hotel gewohnt. Nach einigen Tagen sei ihr das
Geld ausgegangen und sie habe aufgrund der fehlenden Sprachkennt-
nisse und weil das Handy von C._ ausgeschaltet gewesen sei – da
die türkischen Behörden C._ nach seiner illegalen Einreise wäh-
rend (Nennung Dauer) inhaftiert hätten – habe sie nach (Nennung Dauer)
E._ geheiratet und nach einiger Zeit begonnen zu arbeiten. Sie sei
von E._ schlecht behandelt und sogar geschlagen worden, worauf
sie ihr ungeborenes Kind verloren habe. Sie habe sich jede Woche einmal
in H._, wo sie sich registriert habe, melden müssen, ansonsten sie
in den Iran ausgeschafft worden wäre. Dort habe sie ein Mädchen kennen-
gelernt, der sie ihre SIM-Karte überlassen habe, falls C._ sie anru-
fen sollte. Nach der Haftentlassung von C._ sei so der Kontakt mit
ihm wieder zustande gekommen. E._ habe sie eines Tages wäh-
rend eines Telefongesprächs mit C._ erwischt, sie massiv geschla-
gen und angedroht, ihre Familie über ihren Aufenthaltsort zu informieren.
Obwohl sie von E._ in einem Zimmer eingeschlossen worden sei,
habe sie dank eines zweiten Schlüssels fliehen können. Sie habe sich erst
zu C._ und ohne sich in H._ abzumelden mit dem Bus nach
G._ begeben. Dort seien sie mit der Hilfe eines Schleppers nach
I._ weitergereist. Seit ihrer Ausreise habe sie weder mit ihren Fami-
lienangehörigen noch mit E._ jemals wieder Kontakt gehabt. In der
Schweiz besuche sie eine (Nennung Kirche), habe sich aber bislang noch
nicht taufen lassen respektive ihre Taufe sei für (Nennung Zeitpunkt) ge-
plant. Ihre Beziehung zu C._ sei kurz nach ihrer Ankunft in der
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Schweiz auseinandergegangen und sie habe heute kaum noch Kontakt zu
ihm.
Die Beschwerdeführerin reichte (Nennung Beweismittel) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 27. Mai 2020 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh-
rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihr Asylgesuch ab.
Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 29. Juni 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei die angefoch-
tene Verfügung des SEM vom 27. Mai 2020 vollumfänglich aufzuheben,
ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Even-
tualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die
Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung des rubrizier-
ten Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand.
Der Beschwerde lagen mehrere Beweismittel in Kopie (Aufzählung Be-
weismittel) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Juli 2020 hiess die Instruktionsrichterin die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtli-
chen Rechtsverbeiständung unter Vorbehalt des Nachreichens einer Für-
sorgebestätigung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses und ordnete der Beschwerdeführerin ihren Rechtsvertreter als amtli-
cher Rechtsbeistand bei. Ferner teilte sie mit, dass das vorliegende Ver-
fahren mit dem Beschwerdeverfahren von C._ (D-2400/2020) inso-
weit koordiniert werde, als beide Verfahren durch den gleichen Spruchkör-
per behandelt würden. Weiter lud die Instruktionsrichterin das SEM zur Ver-
nehmlassung ein.
E.
Mit Eingabe vom 20. Juli 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Fürsor-
gebestätigung gleichen Datums zu den Akten.
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F.
Das SEM hielt – nach einmalig gewährter Fristerstreckung – in seiner Ver-
nehmlassung vom 31. Juli 2020 zunächst fest, die Beschwerdeschrift ent-
halte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine
Änderung seines Standpunktes zu rechtfertigen vermöchten. Ferner ver-
wies es nach einigen ergänzenden Bemerkungen auf seine Erwägungen
in der angefochtenen Verfügung und hielt an diesen vollumfänglich fest.
G.
Die Beschwerdeführerin replizierte – nach einmalig gewährter Fristerstre-
ckung – am 11. September 2020.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
Es kann daher im Vorgehen der Vorinstanz, dem angefochtenen Entscheid
die – aus heutiger Sicht altrechtlichen – Gesetzesbestimmungen auf dem
Stand vom 1. Oktober 2015 beizulegen, kein formeller Fehler erblickt wer-
den. Die entsprechende Rüge in der Beschwerdeschrift (S. 7, Ziff. 11) er-
weist sich als unbegründet. Im Übrigen hält die Beschwerdeführerin selber
fest, es seien vorliegend keine relevanten Bestimmungen betroffen.
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die formellen Rügen (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör,
so insbesondere Verletzung der Begründungspflicht, unvollständige und
unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts) sind vorab zu
beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanz-
lichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.2.1 Die Beschwerdeführerin sieht das rechtliche Gehör dadurch verletzt,
dass das SEM ihre Aussagen teilweise falsch wiedergegeben, falsch ge-
würdigt, einseitig und kontextlos interpretiert und undifferenzierte sowie un-
zutreffende Schlüsse bezüglich der flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gungsmotivation gezogen habe. Namentlich seien kleinere Ungereimthei-
ten, so insbesondere bezüglich nebensächlicher Geschehnisse vorge-
schoben worden, um ihre asylrelevanten und konsistenten Vorbringen als
unglaubwürdig zu qualifizieren. Dadurch sei der Sachverhalt mangelhaft
festgestellt und die Begründungspflicht verletzt worden. Eine Verletzung
der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs – welche es
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aufgrund der Ausgestaltung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen
soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn
sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Trag-
weite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. BVGE 2011/37 E.
5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2) – liegt aber hier nicht vor. Das SEM hat nach-
vollziehbar und hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überle-
gungen es sich vorliegend leiten liess und sich auch mit sämtlichen zent-
ralen Vorbringen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Dabei
musste sich das SEM nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be-
hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern
durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Der blosse
Umstand, dass die Beschwerdeführerin die Auffassung und Schlussfolge-
rungen des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht
sondern eine materielle Frage. Dies gilt ebenso für die Rüge der unrichti-
gen und unvollständigen Sachverhaltsfeststellung hinsichtlich der von der
Vorinstanz in Zweifel gestellten Glaubhaftigkeit der individuellen Asyl-
gründe (Beschwerdeschrift S. 8-14). Diese richten sich im Wesentlichen
nicht gegen die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz, sondern gegen
die entsprechende Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung der
Vorbringen. Sodann zeigt die ausführliche Beschwerdeeingabe auf, dass
eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war.
3.2.2 Soweit die Beschwerdeführerin rügt, es seien ihr im Rahmen der An-
hörung(en) nicht alle Widersprüche vorgehalten worden, vermag sie dar-
aus nichts zu ihren Gunsten herzuleiten: aus Art. 30 Abs. 1 VwVG ergibt
sich kein Anspruch einer Asylgesuchstellerin, zu ihren eigenen, im Verlauf
des Asylverfahrens deponierten Aussagen vor Erlass einer entsprechen-
den Verfügung Stellung zu nehmen. Wohl kann es im Rahmen des Unter-
suchungsgrundsatzes aufgrund der Pflicht zur vollständigen und richtigen
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes geboten erscheinen, eine
Asylgesuchstellerin – namentlich zur allfälligen Klärung aufgetretener Un-
gereimtheiten oder Widersprüche – mit ihren eigenen früheren Aussagen
zu konfrontieren und ihr diesbezüglich die Möglichkeit einer Stellungnahme
einzuräumen (vgl. Urteil des BVGer D-1065/2009 vom 22. Januar 2010
E. 4.1 mit Verweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 1994, Nr. 13). Der Anspruch auf
vorgängige Anhörung, wie Art. 30 Abs. 1 VwVG den Anspruch auf rechtli-
ches Gehör konkretisiert, wird indessen im Rahmen der Anhörung zu den
Asylgründen selber wahrgenommen. Ein weiterer Anspruch zur Stellung-
nahme zum Beweisergebnis der Anhörung besteht nicht.
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3.2.3 Schliesslich erblickt die Beschwerdeführerin darin eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs, dass sie nicht beurteilen könne, ob ihre Aussagen
im Zusammenhang mit der Bedrohung von C._ durch ihre Familie
– wie von der Vorinstanz vorgebracht – im Widerspruch zu jenen von
C._ stünden, da ihr die entsprechenden Protokolle nicht zur Ein-
sicht offenstehen würden. Diesbezüglich hat die Vorinstanz in der Ver-
nehmlassung entgegnet, dass die Beschwerdeführerin die Stossrichtung
der vorinstanzlichen Argumentation zu verkennen scheine. So seien im an-
gefochtenen Asylentscheid in erster Linie jene Darlegungen bemängelt
worden, gemäss welchen sich die Beschwerdeführerin bei C._
nicht vertieft über dessen angeführte Bedrohung durch ihre Familie infor-
miert haben soll. In der Replik vom 11. September 2020 äusserte sich die
Beschwerdeführerin auch zu diesem Punkt (vgl. Replik, S. 3, Ziff. 5). Aus
der Stellungnahme des SEM ist überdies ersichtlich, dass dieses den von
der Beschwerdeführerin angeführten Widerspruch zu einer Aussage von
C._, der ihr nicht offengelegt worden sei, lediglich als nebensächli-
chen Punkt in der diesbezüglichen Argumentationskette erachtete (vgl.
Vernehmlassung SEM S. 3, 1. Abschnitt i.V.m. act. A43 S. 7, 3. Absatz).
Insoweit eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch das
SEM zu erkennen ist, erweist sich der Verfahrensfehler unter diesen Um-
ständen als geheilt, zumal dem Bundesverwaltungsgericht für die konkrete
Streitfrage die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und
Rechtsanwendung zukommt und sich die Gehörsverletzung vorliegend
auch nicht auf einen Aspekt der Angemessenheit bezieht. Eine Kassation
und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz käme dagegen einem pro-
zessökonomischen Leerlauf gleich. Der Verfahrensmangel wird indessen
im Entschädigungspunkt zu berücksichtigen sein (vgl. nachfolgend
E. 13.2).
3.3 Die formellen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet, weshalb
keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben
und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der eventualiter gestellte Rückwei-
sungsantrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Die Vorinstanz wies das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, da
deren Vorbringen weder den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaub-
haftmachung noch denjenigen von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigen-
schaft genügten.
Zur Begründung führte es an, es sei der Beschwerdeführerin nicht gelun-
gen, die zentralen Sachverhaltselemente im zu erwartenden Mass zu sub-
stanziieren, obwohl ihr mehrfach die Gelegenheit dazu eingeräumt worden
sei. So seien beispielsweise die Ausführungen zu den Ereignissen nach
der Entdeckung der Tätowierung durch ihren Vater ausgesprochen ober-
flächlich, substanzlos und geradezu schemenhaft ausgefallen. Vertiefungs-
fragen sei sie ausgewichen und habe lediglich sehr allgemein geantwortet,
so insbesondere auch hinsichtlich der Autofahrt mit ihrem (Nennung Ver-
wandter). Ebenso vage seien die Angaben dazu ausgefallen, wie diese Be-
gegnung geendet habe. Eine erlebnisgeprägte Nacherzählung, die von ihr
im Zusammenhang mit der dargestellten Ausnahmesituation zu erwarten
gewesen wäre, sei – wie auch bei den zentralen Ereignissen im Elternhaus
– an dieser Stelle gänzlich ausgeblieben. Zudem seien ihre Ausführungen
teilweise widersprüchlich ausgefallen, so bezüglich der zeitlichen Abfolge
der zentralen Ereignisse (Wegnahme der Halskette durch Mutter und Tä-
towierung), den Umständen des Erhalts der Halskette und wie sie zum
Christentum gefunden haben wolle. Die Glaubhaftigkeit einer noch im Hei-
matland geschehenen Konversion erscheine daher zweifelhaft. Dieser Ein-
druck werde durch die stereotypen und jeden persönlichen Bezug vermis-
senden Schilderungen zum angeblichen Glaubenswechsel im Iran bestä-
tigt. Im Weiteren seien die pauschalen und wenig nachvollziehbaren Anga-
ben zum Unwissen der Beschwerdeführerin über die weiteren Entwicklun-
gen und die aktuelle Bedrohungslage in ihrer Heimat als Schutzbehaup-
tungen zu werten. Es sei deshalb nicht glaubhaft, dass sie aufgrund eines
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Glaubenswechsels im Iran mit Ehrenmord oder anderen Massnahmen sei-
tens ihrer Familienangehörigen bedroht sei. Sodann werde dem Teilvor-
bringen, dass es im Zuge der dargestellten Ereignisse zur Vergewaltigung
durch ihren (Nennung Verwandter) gekommen sei, angesichts der darge-
legten Unglaubhaftigkeit die Grundlage entzogen. Diesbezüglich habe die
Beschwerdeführerin erklärt, dies sei ein einmaliger Vorfall gewesen, der
ihren Angaben zufolge einen untrennbar mit dem als unglaubhaft qualifi-
zierten Hauptvorbringen zusammengehangen habe. Der eingereichte
(Nennung Beweismittel) vermöge nicht zu einer anderen Einschätzung der
Glaubhaftigkeit zu führen. Ferner bestünden Zweifel an den gegenüber
C._ ausgesprochenen Drohungen seitens der Familie der Be-
schwerdeführerin und den gegen C._ eingeleiteten polizeilichen
Massnahmen (Anzeige gegen C._, Suche und Vorladung), da sie
diese angeblichen Probleme in der BzP noch mit keinem Wort erwähnt
habe. Diese Zweifel würden durch ihre vagen und inkonsistenten Aussa-
gen zu den Umständen, wie ihre Familie von ihrer Bekanntschaft zu
C._ erfahren habe und dass dieser etwas mit ihrem Verschwinden
zu tun haben könnte sowie zur angeblichen Bedrohungslage von
C._ bestärkt. Zu allfällig relevanten Entwicklungen nach dem Weg-
gang aus dem Iran habe sich die Beschwerdeführerin sodann sehr undif-
ferenziert und zudem teilweise widersprüchlich zu den Angaben von
C._ in dessen Asylverfahren in der Schweiz geäussert. Auf Vorhalt
habe sie keine plausiblen Erklärungen für die abweichenden Darstellungen
geben können. Auch die Angaben zur Beziehung mit C._ und den
allfälligen Zukunftsplänen würden wenig gesichert erscheinen und seien
insgesamt oberflächlich, wenig nachvollziehbar und substanzlos geblie-
ben. Sodann könnten die geltend gemachten Schwierigkeiten in der
F._ bezüglich der von Gewalt geprägten Ehe mit E._ asyl-
rechtlich nicht in Betracht gezogen werden, da eine asylrechtliche Verfol-
gungssituation allein bezüglich des Heimatstaats, hier Iran, bestehen
könne. Die Beschwerdeführerin habe in diesem Zusammenhang keine
konkreten, sondern lediglich hypothetische Befürchtungen geltend ge-
macht. Obwohl E._ ihr gedroht habe, ihre Eltern über ihr Verhalten
zu informieren, lägen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass
E._ diese Drohung wahrgemacht hätte. Dass die Eltern der Be-
schwerdeführerin nichts von der Heirat mit E._ gewusst haben soll-
ten, geschweige denn einer solchen zugestimmt hätten, erscheine im län-
derspezifisch-kulturellen Kontext zweifelhaft, zumal der Bruch mit ihrer Fa-
milie nicht geglaubt werden könne.
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Bezüglich der Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben seit der
Ankunft in der Schweiz (inkl. Vorbereitung auf ihre Taufe) sei festzuhalten,
dass eine Konversion zum Christentum für sich alleine keine asylrelevan-
ten Massnahmen des Staates auslöse. So sei gemäss Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts (mit Verweis auf BVGE 2009/28) eine dis-
krete und private Glaubensausübung im Iran auch ausserhalb des Islams
grundsätzlich möglich. Ihre Ausführungen enthielten keine Anhaltspunkte
dafür, dass sie ihren Glauben hierzulande besonders aktiv und deutlich
sichtbar gegen aussen praktiziere. Entsprechend sei nicht davon auszuge-
hen, dass die heimatlichen Behörden von ihrer Glaubensausübung Kennt-
nis erlangt hätten. In Bezug auf allfällige Reaktionen im privaten Umfeld im
Iran sei in erster Linie auf die vorangehend dargelegte Unglaubhaftigkeit
zu den geltend gemachten Problemen zu verweisen. In Anbetracht der ge-
samten Angaben zum Konversionsprozess der Beschwerdeführerin sei
ausserdem zweifelhaft, wie nachhaltig sein Interesse am christlichen Glau-
ben sei. So falle auf, dass sie sich im Zeitpunkt der Bundesanhörung über
ein Jahr nach ihrer Ankunft in der Schweiz noch kaum mit Fragen zum
christlichen Glauben auseinandergesetzt habe. Es bestehe somit kein
Grund zur Annahme, dass sie nach durchgeführter Taufe aufgrund ihrer
Glaubensausübung bei einer Rückkehr in den Iran eine Verfolgung zu be-
fürchten habe.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe wendete die Beschwerdeführerin in materi-
eller Hinsicht ein, die Vorinstanz setze sich in der Verfügung mit den zent-
ralen Elementen der Flüchtlingseigenschaft nicht auseinander und hin-
sichtlich der bemängelten Qualität der Aussagen finde keinerlei Differen-
zierung statt. Aufgrund von angeblichen Abweichungen in kleinen Details
würden sämtliche Vorbringen als zweifelhaft eingestuft. Ihre Aussagen
seien jedoch über alle drei Befragungen hinweg konsistent, in sich schlüs-
sig und auch nicht widersprüchlich ausgefallen und würden eine signifi-
kante Dichte an Realkennzeichen aufweisen. Das alleinige Abstellen auf
den Detailreichtum einzelner Erzählungen greife zu kurz. Bei der Würdi-
gung der Aussagen sei zu berücksichtigen, dass sie aufgrund der trauma-
tisierenden Erlebnisse in ihrer Heimat aus Selbstschutz bei gewissen
Punkten eher oberflächlich geblieben oder sogar gewissen Vertiefungsfra-
gen ausgewichen sei. Die Befragung sei durch ihr unbekannte Personen
durchgeführt worden, zu denen sie entsprechend kein Vertrauensverhält-
nis habe aufbauen können. Es könne deshalb von ihr nicht erwartet wer-
den, dass sie heftige Gewaltausübungen oder eine Vergewaltigung durch
den eigenen (Nennung Verwandter) wieder und wieder in allen Einzelhei-
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ten erzähle. Die Vorinstanz habe das in diesem Zusammenhang beste-
hende Schamgefühl wie auch den Umstand, dass von einer posttraumati-
schen Belastungsstörung betroffene Personen ein Vermeidungsverhalten
an den Tag legten, komplett ausser Acht gelassen. Ausserdem werde im
(Nennung Beweismittel) darauf verwiesen, dass sie besonders zu Beginn
Mühe gehabt habe, das Erlebte in Worte zu fassen und dies erst im weite-
ren Verlauf der Therapie möglich gewesen sei. Im Gegensatz zu den Be-
fragungen sei es ihr denn auch möglich gewesen, ein Vertrauensverhältnis
aufzubauen und ihre Darstellung sei von den (Nennung Fachpersonen) als
glaubhaft eingestuft worden. Zudem stelle die Glaubhaftmachung lediglich
ein reduziertes Beweismass dar und die für die Richtigkeit ihrer Schilde-
rungen sprechenden Gründe würden überwiegen. Zum Vorhalt wider-
sprüchlicher Aussagen beziehe sich das SEM auf die Reihenfolge der re-
levanten Geschehnisse (Tätowierung und Kauf der Halskette), welche sie
zeitlich nicht korrekt habe einordnen können. Die gesamten Zweifel würden
ausschliesslich auf einer Aussage in der BzP basieren, deren korrekte Pro-
tokollierung äusserst zweifelhaft erscheine, zumal ein Übersetzungsfehler
oder ein sprachliches Missverständnis vorliegen müsse, da der Übersetzer
einen deutlich anderen Dialekt spreche wie sie. Zudem sei sie in der BzP
angehalten worden, nur kurze Antworten zu geben, weshalb sie sich in ei-
ner besonderen Stresssituation und Verunsicherung wiedergefunden
habe. Zudem habe sie anlässlich der BzP in Ermangelung von Deutsch-
kenntnissen bei Missverständnissen in der Übersetzung noch nicht ein-
schreiten können, wie sie dies bei den weiteren Befragungen getan habe.
Sodann würden sich ihre Schilderungen zum Erhalt der Halskette nicht wi-
dersprechen. Sie habe den Anhänger zusammen mit ihrer Freundin
J._ auf dem Bazar gekauft, wobei sie ihn ausgesucht und ihre
Freundin bezahlt habe. Sie sei also beim Kauf dabei gewesen und dennoch
sei es ein Geschenk von J._ gewesen. Auf Nachfrage habe sie den
vermeintlichen Widerspruch nachvollziehbar präzisieren respektive auflö-
sen können. Ferner sei zum Vorhalt widersprüchlicher Angaben dazu, wie
sie zum Christentum gefunden habe, zu entgegnen, dass sie nie davon
gesprochen habe, bei einer Freundin mehrere CD's über den Umgang von
Jesus mit seinen Leuten angesehen zu haben. Vielmehr habe sie ein ein-
ziges Video angesehen, das verschiedene Geschichten aus dem Leben
Jesu enthalten habe. Es müsse sich auch hierbei um eine unpräzise Über-
setzung handeln. Da ihr die Bedeutung der Rückübersetzung nicht be-
wusst gewesen sei und sie Kopfschmerzen gehabt habe, habe sie die feh-
lerhafte Darstellung bei der Rückübersetzung wohl nicht bemerkt. Da es
ihr nicht erlaubt gewesen sei, zu Freunden zu gehen, sei es abwegig, dass
sie das Video bei J._ zuhause angeschaut hätte. Weiter würden
D-3319/2020
Seite 14
ihre Ausführungen auch vor dem Hintergrund der sozio-kulturellen Bege-
benheiten im Iran und aufgrund ihrer Herkunft aus einer strenggläubigen
muslimischen Familie als realistisch und glaubhaft erscheinen. Sodann
habe sie sich bereits im Iran mit den zentralen Werten des Christentums
auseinandergesetzt und sich aus innerer Überzeugung dazu entschlossen,
diesen Glauben anzunehmen und schliesslich nach aussen kundzutun. Je-
denfalls deute die Tatsache, dass sie anlässlich der ersten Befragungen
noch kein grosses theoretisches Wissen betreffend den christlichen Glau-
ben verfügt habe, keinesfalls darauf hin, dass ihr Interesse daran nicht
nachhaltig sei. Ferner sei bezüglich der vorgehaltenen Abweichungen zu
Aussagen von C._ festzuhalten, dass ihre diesbezüglichen Anga-
ben nicht auf eigener Wahrnehmung beruhten, sondern lediglich Wieder-
gaben dessen seien, was sie von C._ erfahren habe.
Nachdem ihre Ausführungen zu den Ereignissen um ihre Konversion als
glaubhaft gemacht zu erachten seien, sei sie bereits in ihrer Heimat asyl-
relevanten Nachteilen in Form von massiver Gewalt und Todesdrohungen
seitens ihrer Familie ausgesetzt gewesen. Sie habe daher auch begrün-
dete Furcht, bei einer Rückkehr massiven Sanktionen bis hin zur Hinrich-
tung durch die eigene Familie (Ehrenmord) ausgesetzt zu sein. So werde
eine offen gelebte Abkehr vom islamischen Glauben als grosse Schande
für die Familie angesehen und die verletzte Familienehre könne im traditi-
onellen Verständnis nur durch einen sogenannten Ehrenmord wiederher-
gestellt werden. Der iranische Staat sei weder gewillt noch imstande,
Schutz vor solchen innerfamiliären Gewaltexzessen zu bieten. Ferner sei
die Ansicht des SEM, eine diskrete und private Ausübung des christlichen
Glaubens im Iran sei möglich, unzutreffend. Bereits der Abfall vom Islam
(Apostasie) werde nach dem Recht der Scharia mit dem Tode bestraft. Be-
sonders prekär sei die Situation für gebürtige Moslems, welche zum Chris-
tentum konvertiert seien, was bei ihr der Fall sei. Zudem würden missiona-
rische Tätigkeiten verfolgt, weshalb viele konvertierte Muslime gezwungen
seien, ihren Glauben geheim zu halten. Ferner unterlägen Angehörige der
christlichen Minderheit im Iran in sämtlichen Lebensbereichen massiver
Repression, Schikane und Diskriminierung ausgesetzt, so beispielsweise
bei der Stellensuche. Zudem sei sie durch ihre Tätowierung, welches bei
der Rückkehr in den Iran im Rahmen einer Kontrolle vermutungsweise ent-
deckt würde, einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt. Überdies hinter-
lasse ein Glaubenswechsel aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung
leicht erkennbare Spuren, da sie hierzulande an kirchlichen Veranstaltun-
gen teilnehme. Sie erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft.
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Seite 15
5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, eine Sachverhaltsdar-
stellung sei dann glaubhaft, wenn die positiven Elemente überwiegen wür-
den, weshalb es nicht genüge, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar mög-
lich sei, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und über-
wiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung
sprechen würden. Der eingeforderte (Nennung Beweismittel), worin der
Beschwerdeführerin eine (Nennung Diagnose) attestiert werde, sei zum
Zeitpunkt der Entscheidfindung vorgelegen und entsprechend berücksich-
tigt worden. Zwar vermöchten traumatisierende Erlebnisse und eine (Nen-
nung Diagnose) eine gewisse Ungenauigkeit in der Erinnerung oder deren
Wiedergabe zu erklären oder diese zumindest zu relativieren. Dies erkläre
jedoch nicht, weshalb die Ausführungen der Beschwerdeführerin praktisch
durchgehend substanzlos und ohne Erlebnisbezug geblieben seien. Der
Beschwerdeführerin werde nicht zum Vorwurf gemacht, dass sie nicht im
Detail über die vorgebrachte Vergewaltigung oder die Gewaltausübung
durch die Eltern berichtet habe. Dass ihre Darstellung der Bedrohungslage
im Heimatstaat im erwähnten (Nennung Beweismittel) als glaubhaft einge-
schätzt werde, vermöge ebenfalls nicht zu einer anderen Einschätzung zu
führen. Aus dem Bericht gehe in keiner Weise hervor, wie diese beiläufig
erwähnte Glaubhaftigkeitsbeurteilung zustande gekommen sei. Es werde
nicht grundsätzlich ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin tatsäch-
lich Traumatisches erlebt habe. Da jedoch ihre Angaben zur vorgebrachten
Bedrohungssituation im Heimatstaat unglaubhaft ausgefallen seien, sei zu
schliessen, dass sich solche Erlebnisse nicht in einem asylrelevanten Kon-
text, sondern in einem anderen Zusammenhang abgespielt hätten. Auch
die in der Beschwerdeschrift aufgeführten Passagen aus den Anhörungs-
protokollen, welche nach Ansicht der Beschwerdeführerin für die Glaubhaf-
tigkeit ihrer Vorbringen sprechen würden, würden nicht zu einer anderen
Glaubhaftigkeitseinschätzung führen. So könne beispielsweise nicht jede
Wiedergabe von Geschehnissen in direkter Rede als Dialog gewertet wer-
den. Bei den in der Beschwerdeschrift in diesem Zusammenhang beispiel-
haft aufgeführten Stellen fehle es insbesondere an der Wechselseitigkeit,
durch die sich ein Gespräch auszeichne, und an längeren Gesprächsket-
ten. Es werde nicht verkannt, dass es sich bei der BzP um eine summari-
sche Befragung handle, der deshalb in gewissen Belangen eingeschränk-
ter Beweiswert zukomme. Die in der Beschwerdeschrift angesprochenen
Stellen aus der BzP zur zeitlichen Einordnung der Vorfälle mit der Halskette
und dem Tattoo liessen aber selbst unter Berücksichtigung dessen keine
andere Würdigung zu, zumal der Beschwerdeführerin nochmals die Gele-
genheit gegeben worden sei, die Geschehnisse neu einzuordnen. Der Ein-
wand, dass eine unrichtige Protokollierung oder falsche Übersetzung der
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Grund für diese Ungereimtheiten sein müsse, sei angesichts des BzP-Pro-
tokolls nicht nachvollziehbar. Zur angeblichen Gefährdung der Beschwer-
deführerin infolge ihrer Tätowierung sei zu bemerken, dass dem einge-
reichten Foto kaum Beweiswert zukomme. Weder sei ersichtlich, ob es sich
bei der abgebildeten Person tatsächlich um die Beschwerdeführerin
handle, noch könne die Echtheit und Dauerhaftigkeit des Tattoos oder der
Zeitpunkt dessen Entstehung beurteilt werden. Ausserdem seien allfällige
daraus resultierende Verfolgungsszenarien rein hypothetisch, zumal die in
diesem Zusammenhang geltend gemachten Vorfluchtgründe, wie in der
angefochtenen Verfügung dargelegt, als unglaubhaft zu erachten seien.
5.4 In ihrer Replik verwies die Beschwerdeführerin zunächst auf ihre Aus-
führungen in der Beschwerdeschrift, an denen vollumfänglich festgehalten
werde. Sodann brachte sie vor, die Vorinstanz negiere in pauschaler Weise
die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, ohne sich damit auseinanderzusetzen
beziehungsweise darzulegen, wie sich die Ereignisse aus ihrer Sicht tat-
sächlich zugetragen haben sollen. Zudem seien die für die Glaubhaftigkeit
ihrer Vorbringen sprechenden Indizien konsequent ignoriert worden. Wei-
ter entspreche ihr Erzählstil bei der Schilderung der Fluchtgründe demjeni-
gen ihrer restlichen Lebensgeschichte, was als Indiz für die Glaubhaftigkeit
ihrer Aussagen zu werten sei. Trotz der in der Vernehmlassung geäusser-
ten Behauptung, bei der Würdigung ihrer Aussagen ihre Traumatisierung
berücksichtigt zu haben, fehle im angefochtenen Entscheid eine entspre-
chende Auseinandersetzung gänzlich, ansonsten das SEM zu einer ande-
ren Beurteilung gelangt wäre. Das weitere Vorbringen, wonach ihr nicht
zum Vorwurf gemacht werde, dass sie nicht im Detail über die vorgebrachte
Vergewaltigung oder die Gewaltausübung durch die Eltern berichtet habe,
stehe im Widerspruch zu den Ausführungen im Asylentscheid, in welchem
gerade dieser Vorwurf erhoben werde. Die Einschätzung der Glaubhaf-
tigkeit durch die Vorinstanz beruhe offenbar sehr wohl auf der Schilderung
dieser Extremsituation. Ferner würden Gedanken an die erlebte Gewalt
starke Angstzustände hervorrufen, weshalb sie aus Selbstschutz einen
Verdrängungsmechanismus entwickelt habe. Sie habe sich bei C._
nicht vertieft über die Geschehnisse informiert, um nicht darüber nachden-
ken zu müssen, was nachvollziehbar sei. Die beigelegten Unterlagen (Auf-
zählung Beweismittel) würden die Zuordnung des Tattoos zu ihrer Person,
die Echtheit und den ungefähren Zeitpunkt der Tätowierung bestätigen. Da
die Existenz des Tattoos dadurch belegt sei, müsse sie mit Verfolgung
rechnen.
D-3319/2020
Seite 17
6.
6.1 Die Ausführungen auf Beschwerdeebene und die zu deren Stützung
eingereichten Dokumente sind insgesamt nicht geeignet, die dargelegte
Asylbegründung in ihrer Gesamtheit als glaubhaft gemacht respektive als
asylrelevant erscheinen zu lassen und dadurch zu einer anderen Beurtei-
lung als die Vorinstanz zu gelangen.
6.1.1 Die Schilderungen der Beschwerdeführerin erweisen sich in den we-
sentlichen Punkten als stereotyp, unsubstanziiert und teilweise wider-
sprüchlich sowie hinsichtlich ihrer persönlichen Gefühlslage als kaum Re-
alkennzeichen (so insbesondere Detailreichtum der Schilderung, freies as-
soziatives Erzählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonder-
heiten) enthaltend. So sei sie – nachdem ihre Eltern und ihr älterer (Nen-
nung Verwandter) von ihrer Hinwendung zum Christentum erfahren hätten
– wiederholt geschlagen, mit dem Tod bedroht und schliesslich vergewal-
tigt worden, was zu ihrer Flucht geführt habe. Trotz wiederholter Nachfra-
gen zu den genauen Umständen des Handlungsablaufs, zur Reaktion ihrer
Angehörigen sowie zu gesprochenen Dialogen sowie zum Erhalt der Kette
mit dem Kreuzanhänger, entsteht aufgrund der Schilderungen der Be-
schwerdeführerin nicht der Eindruck, dass sie über einen tatsächlich erleb-
ten Sachverhalt berichtet. Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich
vor, aufgrund der traumatisierenden Erlebnisse in ihrer Heimat seien ihre
Aussagen aus Selbstschutz punktuell oberflächlich oder ausweichend aus-
gefallen. Zudem seien die Befragungen durch ihr unbekannte Personen
durchgeführt worden, zu denen sie kein Vertrauensverhältnis habe auf-
bauen können. Diese Einwände sind als nicht stichhaltig zu erachten. Zu
Beginn der BzP wurde der Beschwerdeführerin einleitend erklärt, dass eine
Zusammenfassung der wichtigsten Fakten, die sie zum Verlassen der Hei-
mat veranlasst hätten, erstellt werde und ihre Argumente in einer späteren
Anhörung weiter vertieft werden könnten. Bezüglich des Dolmetschers
wurde festgehalten, dass dieser die Fragen des Befragers und die Antwor-
ten der Beschwerdeführerin Wort für Wort übersetzen werde. Der Dolmet-
scher sei neutral und unparteiisch, stelle aus eigenem Antrieb keine Fragen
und habe keinen Einfluss auf den Asylentscheid (vgl. act. A6, S. 1). Weiter
wurde sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass alle bei der Befragung betei-
ligten Personen bezüglich ihrer Aussagen an die Schweigepflicht gebun-
den seien. Es wurde ihr zudem versichert, dass die Behörden in ihrem
Land von ihren Aussagen nicht erfahren würden und sie ohne Angst spre-
chen könne. Sodann unterstehe sie einer Mitwirkungs- und Wahrheits-
pflicht und sei verpflichtet, die ihr gestellten Fragen nach bestem Wissen
und Gewissen zu beantworten. Widersprüche, unsubstantiierte Aussagen
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Seite 18
und gefälschte Dokumente würden sich negativ auf ihren Asylentscheid
auswirken. Auf Nachfrage erklärte die Beschwerdeführerin denn auch ex-
plizit, alle einleitenden Punkte respektive Erklärungen verstanden zu ha-
ben (vgl. act. A6, S. 2), weshalb sie sich darauf behaften lassen muss. So-
dann sind aus dem Protokoll keinerlei Hinweise ersichtlich, welche die
Zweifel der Beschwerdeführerin an einer korrekten Protokollierung im Rah-
men der BzP, welche auf einen Übersetzungsfehler oder ein sprachliches
Missverständnis zurückzuführen seien, erhärten könnten. Dem Protokoll ist
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zunächst in freiem Vortrag
Ausführungen machte, welche anschliessend durch weitere Nachfragen
vertieft wurden. Am Ende der BzP bestätigte die Beschwerdeführerin nach
Rückübersetzung in ihrer Muttersprache die Korrektheit und Wahrheit ihrer
Aussagen mit ihrer Unterschrift (vgl. act. A6, S. 8-11). Auf explizite Frage
zu Beginn dieser Befragung erklärte sie, den Dolmetscher gut zu verstehen
(vgl. act. A6, S. 2). Zudem sind die Dolmetscher angehalten, ihre Arbeit
objektiv zu verrichten und es ist ihnen insbesondere verwehrt, Aussagen
zusammenzufassen oder zu interpretieren wie auch in eigener Regie Fra-
gen zu stellen. Insgesamt vermag die Kritik an der Arbeit des im Rahmen
der BzP eingesetzten Übersetzers nicht zu überzeugen. Diese entbehrt in
Ermangelung irgendwelcher konkreter gegenteiliger Anhaltspunkte vorlie-
gend einer sicheren Grundlage und stellt sich daher als blosse Schutzbe-
hauptung dar. Ebenso wenig überzeugt der Einwand, die Beschwerdefüh-
rerin habe aus Gründen des Selbstschutzes nur oberflächlich und auswei-
chend ausgesagt. Nachdem sich die Beschwerdeführerin in die Schweiz
begeben hat, um sich unter den Schutz der hiesigen Behörden zu stellen
und ihr ihre Rechte und Pflichten jeweils zu Beginn der Befragungen erklärt
wurden, erscheint es nicht nachvollziehbar, dass sie sich während der BzP
oder der ersten Anhörung zu einem derartigen Aussageverhalten hätte ver-
anlasst sehen sollen. Bezüglich der angeführten Traumatisierung liefert
eine Durchsicht der Befragungsprotokolle (BzP und Anhörung) keine An-
haltspunkte, welche an der Verwertbarkeit derselben ernsthafte Zweifel
aufkommen lassen. Die Beschwerdeführerin machte weder in der BzP
noch während den Anhörungen geltend, ihre gesundheitliche Situation
hätte sie daran gehindert, ihre Asylgründe vollständig, detailliert und kor-
rekt darzulegen. Aus ihren Anhörungsprotokollen sind denn auch keine sol-
chen Probleme erkennbar. Aus den Anhörungen, welche ebenfalls in ihrer
Muttersprache durchgeführt wurden, ergibt sich, dass die in freier Erzähl-
form vorgetragenen Asylgründe jeweils durch eine Vielzahl von Nachfra-
gen vertieft wurden. Die Beschwerdeführerin führte am Schluss der Anhö-
rungen selber an, alles gesagt zu haben, führte im Rahmen der Rücküber-
setzung teilweise Korrekturen zum Protokoll an und bestätigte schliesslich
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die Vollständigkeit ihre Angaben mit ihrer Unterschrift (vgl. act. A18, S. 1
und S. 12-28; A27, S. 1 und S. 4 ff.). Sodann vermögen diese Entgegnun-
gen den über weite Strecken spärlichen Gehalt ihrer Darlegungen und die
fehlenden Ausführungen zu ihren Gefühlen und Empfindungen hinsichtlich
der fluchtauslösenden Sachverhaltselemente nicht aufzuwiegen. Zwar ver-
mochte sie zu verschiedenen Punkten einzelne Details und einige Sätze,
welche zwischen ihr und ihren Eltern sowie zwischen ihrem (Nennung Ver-
wandter) geführt worden seien, anzuführen. Dies alleine reicht jedoch
nicht, um glaubhaft darzulegen, dass ihren diesbezüglichen Asylvorbringen
eine genügende inhaltliche Dichte und Erlebnisrelevanz zukommt, die auf
einen tatsächlich erlebten Sachverhalt hindeuten würden. Diese könnten
in ihrer Einfachheit auch von einem am Geschehen unbeteiligten Dritten
problemlos nacherzählt werden (vgl. act. A18, F186 ff.; A27, F23, F75 ff.,
F86 ff.). Zudem weisen ihre Ausführungen kaum Realkennzeichen auf, so
insbesondere zu Interaktionen sowie inhaltlichen Besonderheiten bezüg-
lich der emotionalen Aspekte, zumal sie sich ihren Angaben zufolge in einer
ausserordentlichen Situation befunden habe und gravierende familiäre
Konsequenzen respektive den Tod habe befürchten müssen (vgl. act. A18,
F23; A27; F124 ff.). Eine entsprechend gehaltvolle Schilderung wäre je-
doch unter den gegebenen Umständen ohne Weiteres zu erwarten gewe-
sen, handelte es sich doch um angeblich von der Beschwerdeführerin er-
lebte Ereignisse mit einer derartigen Aussenwirkung. Die Beschwerdefüh-
rerin vermochte indes ausser dem Vorbringen, dass es ihr – nach dem Vor-
fall mit ihrem (Nennung Verwandter) – sehr schlecht gegangen sei (vgl.
act. A18, F205) respektive ihr Herz sehr geschlagen und sie Angst gehabt
habe und habe weinen müssen (vgl. act. A27, F94, F101, F111) keine wei-
teren Gefühle zu artikulieren. Zu keiner anderen Einschätzung vermag der
Umstand zu führen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörun-
gen bei der Darlegung einzelner Punkte der fluchtauslösenden Gründe
weinte, zumal die erst bei einer Befragung gezeigten Gefühlsregungen
nicht zwangsläufig auf die Glaubhaftigkeit der geschilderten Sachverhalts-
elemente schliessen lassen (vgl. act. A18, F198; A27, F79-80, F93).
6.1.2 Gemäss ständiger Rechtsprechung ist es sodann zulässig, Wider-
sprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare
Aussagen in der BzP in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den
späteren Aussagen in der Anhörung bei der Vorinstanz diametral abwei-
chen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später
als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits im Empfangszent-
rum zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des
BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H; EMARK 1993 Nr. 3).
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In der angefochtenen Verfügung hat sich das SEM nicht in unzulässiger
Weise auf das Protokoll der BzP abgestützt. Zu Recht führte es zunächst
an, dass sich die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen der BzP zur zeit-
lichen Abfolge zentraler Ereignisse in unstimmiger Weise äusserte, soll sie
sich zunächst erst nach dem Vorfall mit der Halskette tätowiert haben las-
sen, um später anzugeben, dies sei vor diesem Zwischenfall gewesen (vgl.
act. A6, S. 9). Auf Vorhalt führte sie danach aus, sie könne sich nicht mehr
daran erinnern, wann sie die Tätowierung habe machen lassen, da dies
einige Zeit her sei (vgl. act. A6, S. 9 unten und S. 10). Demgegenüber gab
sie in den Anhörungen jeweils an, sie habe sich am folgenden Tag, nach-
dem ihr ihre Mutter die Halskette weggenommen habe, tätowieren lassen
(vgl. act. A18, F126; A27, F23). Der Umstand, dass es der Beschwerdefüh-
rer nicht gelungen ist, diesen zentralen Vorfall wiederholt zeitlich genau
einzuordnen, zumal er den Angaben nach kurz vor ihrer Ausreise gesche-
hen und als ein Auslöser für ihre spätere Flucht aus dem Iran zu bezeich-
nen ist, lässt erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens
entstehen. Sodann hat sich die Beschwerdeführerin bezüglich der Ge-
schehnisse im Anschluss an die Entdeckung des Tattoos in weitere Wider-
sprüche verstrickt. Gemäss Aussagen in der BzP sei sie von ihrem Vater
aus dem Keller nach draussen zum Auto geführt worden, wobei ihr (Nen-
nung Verwandter) mitgekommen sei und sie ihren Vater gefragt habe, wo-
hin er sie bringen wolle (vgl. act. A6, S. 9 Mitte). Aus diesen Schilderungen
ergibt sich, dass ihr Vater bei der Autofahrt dabei gewesen sein muss.
Demgegenüber machte sie in den Anhörungen jeweils geltend, lediglich ihr
(Nennung Verwandter) habe sie mit dem Auto an einen unbekannten, wüs-
tenähnlichen Ort gebracht (vgl. act. A18, F186, F200 f.; A27, F23). Ausser-
dem brachte sie abweichend zur BzP vor, sie sei vom (Nennung Verwand-
ter) schlagend ins Auto gebracht worden (vgl. act. A27, F23, 4. Abschnitt).
Ferner widersprach sich die Beschwerdeführerin auch bezüglich der Art
der Waffe, mit welcher sie durch ihren (Nennung Verwandter) bedroht wor-
den sein soll. Sie soll es gemäss BzP eine (Nennung Waffe) gewesen sein,
um anlässlich der ergänzenden Anhörung in Abweichung dazu anzugeben,
ihr (Nennung Verwandter) habe sein (Nennung Waffe) herausgenommen
(vgl. act. A6, S. 9; A27, F88). Überdies erkannte das SEM in den Umstän-
den, wie die Beschwerdeführerin zur Halskette mit dem Kreuzanhänger
gekommen sei, mit zutreffender Begründung einen Widerspruch. Während
die Beschwerdeführerin in der BzP angab, sich den Anhänger "eines Ta-
ges" selber gekauft zu haben, führte sie in der ersten Anhörung aus, den
Anhänger von ihrer Freundin als Geschenk erhalten zu haben (vgl. act. A6,
S. 9; A18, F164). Auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht erwiderte
die Beschwerdeführerin, sie habe die Kette mit dem Anhänger zusammen
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mit ihrer Freundin gekauft, wobei die Freundin letztlich bezahlt habe. So-
wohl diese Erklärung als auch der in der Rechtsmitteleingabe gemachte
Hinweis, dass beide Aussagen dem allgemeinen Sprachgebrauch entsprä-
chen und sie in der Anhörung ihre Aussage umgehend und nachvollziehbar
präzisiert habe, vermögen angesichts des klaren Protokollwortlauts in der
BzP nicht zu überzeugen. Zudem erwähnte die Beschwerdeführerin im
Rahmen der freien Sachverhaltsschilderung in der BzP ihre Kolle-
gin/Freundin bereits kurz vor der Aussage, sich eine Halskette gekauft zu
haben, weshalb zu erwarten gewesen wäre, dass sie sie auch im Zusam-
menhang mit dem Kauf der Halskette erwähnt hätte, wäre ihr diese effektiv
von der Freundin geschenkt respektive gekauft worden.
6.1.3 Zum Vorhalt widersprüchlicher Angaben dazu, wie sie zum Christen-
tum gefunden habe, bestreitet die Beschwerdeführerin bei einer Freundin
mehrere CD's über den Umgang von Jesus mit seinen Leuten angesehen
zu haben. So handle es sich dabei um ein einziges Video mit verschiede-
nen Geschichten aus dem Leben Jesu. Diese angebliche Unstimmigkeit
sei auf eine unpräzise Übersetzung in der BzP zurückzuführen. Diesbe-
züglich ist auf die obige E. 6.1.1 zu verweisen: Darin wurde erkannt, dass
weder die Arbeit des bei der BzP eingesetzten Dolmetschers noch die Pro-
tokollierung als solche zu beanstanden ist. Die Beschwerdeführerin hat
sich daher ihre Aussage, welche bezüglich der Art des Datenträgers und
des Ortes, wo sie das Filmmaterial angesehen habe, offensichtlich im Wi-
derspruch zu ihrer Angabe in der ersten Anhörung steht, entgegen zu hal-
ten lassen.
6.1.4 Angesichts der vorstehenden Erwägungen ist demnach zu bezwei-
feln, dass die Beschwerdeführerin bereits im Iran zum Christentum konver-
tierte. Diese Einschätzung wird dadurch bestärkt, dass sie sich zu den
Gründen, weshalb sie sich letztlich für das Christentum entschieden habe,
lediglich in stereotyper Weise äusserte (vgl. act. A18, F125 f., F129). Diese
Aussagen lassen – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht –
nicht den Schluss zu, sie habe sich bereits vor ihrer Ausreise dem christli-
chen Glauben ernsthaft und mit innerer Überzeugung zugewandt.
6.1.5 Im Weiteren erschliesst sich dem Gericht nicht, weshalb die Familie
der Beschwerdeführerin nach ihrem Verschwinden Druck auf die Familie
von C._ hätte ausüben und ihn suchen sollen, weil angeblich ihre
Familie C._ verdächtigt habe, mit diesem Verschwinden etwas zu
tun zu haben. So erklärte die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zu-
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Seite 22
folge, sie sei von ihrem (Nennung Verwandter) nach der geltend gemach-
ten Vergewaltigung aufgefordert worden zu verschwinden, ansonsten er
sie umbringen werde (vgl. act. A18, F204, F217; A27, F23 S. 5 unten). Ge-
mäss der Sachverhaltsschilderung der Beschwerdeführerin ist davon aus-
zugehen, dass ihre Eltern das Vorgehen des (Nennung Verwandter) gebil-
ligt haben, zumal ihr Vater ihr gesagt habe, dass sie ungläubig sei, die Fa-
milienehre beschmutzt habe und deswegen sterben müsse (vgl. act. A27,
F81 sowie A18, F138, F242). Nachdem davon auszugehen ist, dass der
(Nennung Verwandter) seine Eltern und weitere Familienangehörige über
seinen Entschluss informierte, die Beschwerdeführerin nicht zu töten, son-
dern diese unter Androhung des Todes dazu aufgefordert habe, zu ver-
schwinden, bestand logischerweise für die Familie keine Veranlassung
mehr, sich über das effektive Verschwinden der Beschwerdeführerin ir-
gendwelche Gedanken zu machen oder gar ihren Aufenthaltsort herausfin-
den zu wollen. Auf Vorhalt vermochte die Beschwerdeführerin diese Dis-
krepanz nicht einleuchtend zu erklären. Ihre Mutmassung, dass "die Leute"
nach ihr oder ihrem Aufenthaltsort hätten fragen können, bleibt unbehelf-
lich, zumal ihre Familie – falls ihr (Nennung Verwandter) sie tatsächlich ge-
tötet hätte – mit den gleichen Fragen konfrontiert gewesen wäre. Bezeich-
nenderweise fielen denn auch ihre Angaben dazu, wie der Verdacht auf
C._ gefallen sei, etwas mit ihrem Verschwinden zu tun zu haben,
oder wie sich die Gefährdungslage für C._ in der Folge dargestellt
habe, zumal dieser von der Polizei gesucht worden sei und ein Dossier am
Gericht über ihn bestehe, substanzlos und vage aus (vgl. act. A18, F93:
A27, F72 ff.). Den vorinstanzlichen Erwägungen vermag die Beschwerde-
führerin in diesem Punkt nichts Konkretes entgegenzusetzen. Jedenfalls
erscheint der Hinweis, ihre diesbezüglichen Ausführungen seien lediglich
die Wiedergabe dessen, was sie von C._ darüber erfahren habe,
als nicht stichhaltig. Zu Recht hat die Vorinstanz in diesem Zusammenhang
darauf verwiesen, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Ausreise mit
C._ weiterhin Kontakt hatte und nach ihrer Einreise in die Schweiz
sogar noch (Nennung Dauer) mit ihm zusammen gewesen sei (vgl. act.
A18/F88), weshalb wesentlich einlässlichere und inhaltlich fundierte Anga-
ben von ihr hätten erwartet werden dürfen. So ist aufgrund der Interessen-
lage der Beschwerdeführerin ohne Weiteres davon auszugehen, dass sie
sich eingehend bei ihrem damaligen Partner C._ über dessen
Schicksal erkundigt und allfällige, im Zusammenhang mit ihrer beiden Aus-
reisen aus dem Iran stehende neue Informationen eingeholt hätte.
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6.1.6 Der eingereichte (Nennung Beweismittel) vermag zu keiner anderen
Einschätzung der Glaubhaftigkeit zu führen. Dieser vermag keine verläss-
lichen Aussagen betreffend den Grund der Beeinträchtigung des psychi-
schen Zustands respektive der festgestellten Traumatisierung der Be-
schwerdeführerin abzugeben und beruht vielmehr auf einer Anamnese. Die
von der Beschwerdeführerin angegebene Version über den Ursprung ihrer
psychischen Beschwerden erweist sich im Kontext mit ihren bisherigen An-
gaben und angesichts der vorgängigen Erwägungen nicht als glaubhaft. Es
kann deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass die die Traumatisierung auslösenden Ereignisse nicht aus
Gründen, welche im asylrechtlichen Bereich liegen, geschehen sind, son-
dern im Zusammenhang mit anderen Geschehnissen stehen.
6.1.7 In Bezug auf die christliche Tätowierung auf dem (Nennung Körper-
teil) (...) der Beschwerdeführerin und der diesbezüglich eingereichten Be-
weismittel (Aufzählung Beweismittel) ist Folgendes festzuhalten: Zwar las-
sen sich die vom SEM geäusserten Zweifel an der Echtheit und Dauerhaf-
tigkeit des Tattoos aufgrund der erwähnten Bestätigungen nicht aufrecht-
erhalten. Die Beschwerdeführerin vermag damit aber nicht darzutun, dass
sie das in Frage stehende (Nennung Form des Tattoos) bereits im Iran zu
dem von ihr angeführten Zeitpunkt, nämlich im (...) stechen liess. Aus der
(Nennung Zeitraum) später datierenden Bestätigung des Tätowierers ist zu
ersehen, dass dieser das Tattoo aufgrund des Farbtons respektive des
Blaustichs der schwarzen Farbe älter als (...) Jahre schätzt. Nachdem sich
die Beschwerdeführerin auch in der F._ hat tätowieren lassen (vgl.
act. A18, F246 f.), besteht jedenfalls die reelle Möglichkeit, dass auch das
(Nennung Form)-Tattoo während ihres Aufenthalts in der F._ und
nicht bereits im Iran entstanden ist. Im Weiteren gehört ein Tattoo zumin-
dest im christlichen Kontext nicht zum unverzichtbaren Bestand der per-
sönlichen Glaubensausübung. Sollte die Beschwerdeführerin infolge der
Tätowierung Probleme mit den iranischen Behörden befürchten, wäre es
ihr durchaus zuzumuten, das Tattoo insgesamt oder die religionstypische
Form der Tätowierung – (Nennung Form) – wieder zu entfernen oder ent-
sprechend zu verändern.
6.1.8 Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Schwierigkeiten und
die erlebte Gewalt im Zusammenhang mit der in der F._ geschlos-
senen Ehe mit E._ erweisen sich als asylirrelevant. Das SEM hat
die diesbezüglich relevante Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts korrekt wiedergegeben und angewendet. In Ermangelung einer Ent-
gegnung auf Beschwerdeebene ist auf die zutreffenden Erwägungen im
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angefochtenen Entscheid zu verweisen, welche zu bestätigen sind (vgl.
act. A43, S. 8, Ziff. 3).
6.2 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass
das SEM insgesamt zu Recht das Vorliegen von Vorfluchtgründen verneint
hat, da die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise die Flüchtlings-
eigenschaft nicht erfüllte. Weder die Ausführungen auf Beschwerdeebene
noch die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung et-
was zu ändern.
6.3 Asylsuchende sind auch dann als Flüchtlinge anzuerkennen, wenn sie
erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer Rückkehr
in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich relevanter
Weise verfolgt würden. Zu unterscheiden ist dabei zwischen objektiven und
subjektiven Nachfluchtgründen. Objektive Nachfluchtgründe liegen vor,
wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Ein-
fluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von einer Ver-
folgung bedrohten Person ist in solchen Fällen die Flüchtlingseigenschaft
zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. Subjektive Nachfluchtgründe liegen
vor, wenn eine asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach
der Ausreise eine Verfolgung zu befürchten hat; in diesen Fällen wird kein
Asyl gewährt (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.).
6.3.1 Die Beschwerdeführerin bringt subjektive Nachfluchtgründe vor, in-
dem sie vorbringt, sie sei bei einer Rückkehr ins Heimatland aufgrund ihrer
Konversion (Taufe in der Schweiz, Aktivitäten in christlichen Kirchen) flücht-
lingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt.
6.3.2 Hinsichtlich der Menschenrechtssituation im Iran ist festzuhalten,
dass diese schon seit geraumer Zeit in genereller Hinsicht als schlecht be-
zeichnet werden muss. Jegliche Kritik am System der Islamischen Repub-
lik und an deren Würdenträgern ist tabu. Auch die vorliegend interessie-
rende Religionsfreiheit ist nicht gewährleistet. Das Judentum, das Chris-
tentum und der Zoroastrismus geniessen innerhalb des gesetzlichen Rah-
mens das Recht auf freie Ausübung ihrer religiösen Riten und Zeremonien
und ihre Anhängerinnen und Anhänger dürfen sich in persönlichen und
glaubensspezifischen Belangen gemäss ihren religiösen Vorschriften ver-
halten. Die diskrete und private Glaubensausübung ist im Iran damit grund-
sätzlich möglich, auch wenn dieser Grundsatz nicht nur im alltäglichen Le-
ben, sondern auch durch verschiedene Paragraphen des iranischen
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Seite 25
Rechts durchbrochen wird. Christen werden im Iran insbesondere in wirt-
schaftlicher, beruflicher und sozialer Hinsicht diskriminiert, was auch deren
Schlechterstellung in ehe-, erb- und strafrechtlichen Angelegenheiten zur
Folge hat. Die offiziellen christlichen Kirchen im Iran werden geduldet,
Hauskirchen sind hingegen nicht erlaubt (vgl. UN HUMAN RIGHTS COUNCIL,
Report of the Special Rapporteur on the situation of human rights in the
Islamic Republic of Iran [A/HRC/31/69], 26.05.2016, < http://www.oh-
chr.org/EN/HRBodies/HRC/RegularSessions/Session31/Documents/A-
HRC-31-69_en.doc >, S. 19, abgerufen am 26.03.2021).
6.3.3 Allein der Übertritt vom muslimischen Glauben zum Christentum führt
grundsätzlich noch zu keiner individuellen staatlichen Verfolgung im Iran.
Eine christliche Glaubensausübung vermag gegebenenfalls dann flücht-
lingsrechtlich relevante Massnahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz
aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon aus-
gegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen
aktiven, allenfalls gar missionierende Züge annehmenden Glaubensaus-
übung erfährt. Missionierende Tätigkeit wird als Verstoss gegen allgemein
geltende religiöse Grundprinzipien angesehen und als solche verfolgt. Da-
bei richtet sich das Vorgehen der Sicherheitskräfte im Besonderen gegen
Kirchenführer und gegen in der Öffentlichkeit besonders aktive Christen.
Mit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung durch den iranischen
Staat ist mithin dann zu rechnen, wenn sich eine Person durch eine missi-
onierende Tätigkeit exponiert und Aktivitäten vorliegen, die vom Regime
als Angriff auf den Staat angesehen werden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.1 ff.
sowie statt vieler zuletzt Urteil des BVGer E-4001/2020 vom 2. März 2021
E. 6.3.2 m.w.H.).
6.3.4 Den eingereichten Bestätigungen (vgl. Beschwerdebeilagen 7-14)
zufolge nimmt die Beschwerdeführerin an religiösen Veranstaltungen – so
zur Hauptsache an Gottesdiensten – teil, hat sich am (Nennung Zeitpunkt)
in H._ taufen lassen und pflegt Kontakte zu Mitgliedern der Kirch-
gemeinde respektive der Jugendgruppe der Kirchgemeinde H._.
Wie in E. 6.3.3 erwähnt, führt der Übertritt zum christlichen Glauben für
sich alleine jedoch noch nicht zu einer staatlichen Verfolgung im Iran (vgl.
dazu bspw. auch: DFAT Country Information Report – Iran – 14 April 2020
< https://www.ecoi.net/en/file/local/2029778/country-information-report-
iran.pdf >; Ziff. 3.56 ff., abgerufen am 15.07.2021). Die eingereichten Un-
terlagen zeigen zwar, dass sich die Beschwerdeführerin in christlichen
Kreisen bewegt und an deren Aktivitäten teilnimmt. Eine besondere Expo-
nierung oder missionierende Tätigkeit, welche das Interesse der iranischen
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Behörden wecken könnte, da sie als Angriff auf das Regime verstanden
werden könnten, ergibt sich daraus aber nicht. Die Beschwerdeführerin hat
sich weder vor noch nach ihrer Ausreise je aktiv gegen das iranische Re-
gime geäussert. Insgesamt ist nach dem Gesagten nicht davon auszuge-
hen, dass sie bei einer Rückkehr in den Iran mit flüchtlingsrechtlich rele-
vanter Verfolgung durch den iranischen Staat zu rechnen hätte. Die von ihr
geltend gemachte Gefährdung durch ihre religiösen Familienangehörigen
erweist sich angesichts vorstehender Erörterungen und Schlussfolgerun-
gen (E. 7.1 und E. 7.2) als unglaubhaft beziehungsweise als flüchtlings-
rechtlich nicht relevant. Im Übrigen befinden sich die Tätowierungen der
Beschwerdeführerin an Körperstellen, wo sie sich – so insbesondere das
(Nennung Form)-Tattoo – durch geeignete Kleiderwahl problemlos abde-
cken lassen. Es ist deshalb auch in dieser Hinsicht das Vorliegen subjekti-
ver Nachfluchtgründe zu verneinen.
6.4 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass der Be-
schwerdeführerin weder zum Zeitpunkt ihrer Ausreise noch zum heutigen
Zeitpunkt oder in absehbarer Zukunft in begründeter Weise droht, aufgrund
der Konversion und ihrer in diesem Zusammenhang ausgeübten Aktivitä-
ten im Rahmen christlicher Gemeinschaften in flüchtlingsrechtlich relevan-
ter Weise in ihrem Heimatland verfolgt zu werden. Die Vorinstanz hat zu
Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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Seite 27
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3
8.3.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der
Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist
demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
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Seite 28
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen.
8.3.2 Was die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin betrifft,
besteht bei ihr gemäss (Nennung Beweismittel) eine (Nennung Leiden und
Therapie). Gesundheitliche Probleme stellen unter dem Blickwinkel von
Art. 3 EMRK im Übrigen nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen
ein völkerrechtliches Wegweisungsvollzugshindernis dar (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kam-
mer, 41738/10, § 183). Solche Umstände liegen nicht nur in Fällen vor, in
denen sich die von einer Ausschaffung betroffene Person in unmittelbarer
Gefahr befindet zu sterben, sondern auch dann, wenn Personen darunter-
fallen, die angesichts fehlender Behandlungsmöglichkeiten im Zielstaat der
Ausschaffung einem realen Risiko einer schwerwiegenden, raschen und
irreversiblen Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgesetzt wer-
den, die zu heftigen Leiden oder einer erheblichen Reduktion der Lebens-
erwartung führen. Solche aussergewöhnlichen Umstände können aber hier
hinlänglich ausgeschlossen werden (vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f.,
BVGE 2009/2 E. 9.1.3). Der Vollzug erweist sich damit als zulässig.
8.3.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 Die allgemeine Situation im Heimatstaat der Beschwerdeführerin ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-
bar wäre (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-383/2021 vom 15. März 2021
E. 10.3.2).
8.4.2 Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche
die Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. Bei der Beschwerde-
führerin handelt es sich um eine junge Frau, die über eine (...)-jährige (Nen-
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Seite 29
nung Schulbildung), die im Iran – angesichts der als unglaubhaft zu quali-
fizierenden Verfolgung oder Gefährdung durch Familienangehörige – mit
ihren Eltern und Geschwistern auf ein tragfähiges Beziehungsnetz und
eine gesicherte Wohnsituation zurückgreifen kann (vgl. A6 Ziff. 3.01; A18,
F30 ff.). Sodann ist darauf hinzuweisen, dass die Familie der Beschwerde-
führerin – und mithin auch sie – gemäss Aktenlage vor der Ausreise keine
finanziellen Probleme hatte (vgl. A18, F39).
8.4.3 Auch die belegten gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführe-
rin (vgl. oben E. 9.3.2) lassen den Wegweisungsvollzug nicht als unzumut-
bar erscheinen. Bei medizinischen Problemen kann nur dann auf Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs erkannt werden, wenn eine notwen-
dige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht
und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchti-
gung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen würde. Da-
bei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Be-
handlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen
Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann noch
nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizeri-
schen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl.
etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je m.w.H.).
Nach dem Gesagten ist bezüglich der gesundheitlichen Probleme der Be-
schwerdeführerin nicht von einer medizinischen Notlage im Sinne der vor-
stehend dargelegten Rechtsprechung auszugehen. Das Gesundheitssys-
tem im Iran weist ein relativ hohes Niveau auf. Es kann deshalb davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin im Iran medizinische
und psychotherapeutische Behandlung erhalten kann (vgl. Urteil des
BVGer E-3799/2020 vom 11. März 2021 E. 14.4.2 m.w.H.). Zudem ist auf
die Möglichkeit der medizinischen Rückkehrhilfe hinzuweisen (vgl. Art. 93
Abs. 1 Bst. d AsylG).
8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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Seite 30
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten
grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Mit Verfügung der Instruktionsrichterin vom 10. Juli 2020 wurde jedoch das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen
und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. An dieser Ein-
schätzung ist auch im Urteilszeitpunkt festzuhalten, weshalb keine Kosten
zu erheben sind.
10.2 In der Beschwerde wurde zu Recht eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs durch das SEM gerügt. Dieser Verfahrensmangel wurde jedoch auf
Beschwerdeebene geheilt (vgl. E. 3.2.3). Der Beschwerdeführerin ist des-
halb trotz des Umstandes, dass sie im vorliegenden Beschwerdeverfahren
mit ihren Rechtsbegehren letztlich nicht durchgedrungen ist, eine ange-
messene (reduzierte) Parteientschädigung für die ihr aus der Beschwerde-
führung erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen, da ihr, insoweit
sie zu Recht einen Verfahrensmangel gerügt hat, kein finanzieller Nachteil
erwachsen soll (vgl. BVGE 2008/47 E. 5.1 S. 680 f.). Diese ist auf Grund
der Akten (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und unter Berücksichtigung der Bemes-
sungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) auf insgesamt Fr. 200.– (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, der
Beschwerdeführerin diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten.
10.3 Mit Verfügung vom 10. Juli 2020 wurde ausserdem das Gesuch um
amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 102m Abs. 1 AsylG) und der
Beschwerdeführerin ihr Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Dem-
nach ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendun-
gen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der Rechtsvertreter hat keine
Kostennote zu den Akten gereicht. Auf die Nachforderung einer solchen
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Seite 31
kann jedoch verzichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren der Auf-
wand zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und (ergänzend
zum Aufwand gemäss E. 10.2 hievor) auf insgesamt zehn Stunden zu be-
ziffern ist. Nach Praxis des Bundesverwaltungsgerichts werden anwaltliche
Vertreterinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis 220.–
entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Dem amtlichen
Rechtsvertreter ist daher zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts eine
Entschädigung von gesamthaft Fr. 2’400.– (inkl. Auslagen und MWSt) aus-
zurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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