Decision ID: f4ea408c-e881-50d7-91dd-7a6e04c895b4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
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A. A._, geboren 1980, Staatsangehöriger von Kosovo, reiste am 14. Januar 1989 in
die Schweiz ein und heiratete im Jahr 2000 die Landsfrau K._ (geboren 1978)
(Vorakten Migrationsamt, nachfolgend Dossier, S. 8 ff.). Die Ehe wurde 2012 wieder
geschieden. Für den am 17. Oktober 2001 in der Schweiz geborenen gemeinsamen
Sohn X._ wurde die gemeinsame elterliche Sorge beibehalten. Gleichzeitig wurde die
Vereinbarung genehmigt, dass sich der Hauptwohnsitz des Kindes am Wohnort des
Kindsvaters befinde, der grundsätzlich für die Betreuung verantwortlich sei.
B. A._ war von 2004 bis 2011 mehrmals, vor allem wegen Strassenverkehrsdelikten
und zuletzt wegen Drohung, verurteilt worden. Er hatte als Unternehmer
Konkursverfahren zu durchlaufen, bei denen Forderungen von insgesamt mehreren
hunderttausend Franken zugelassen waren. Am 16. Januar 2012 war er selbst beim
Betreibungsamt Z._ mit 13 offenen Verlustscheinen im Betrag von CHF 70'078.05 und
am 21. Februar 2012 beim Betreibungsamt Q._ mit 21 offenen Verlustscheinen im
Umfang von CHF 82'544.60 verzeichnet. Mit Verfügung vom 20. Juni 2012 drohte das
Migrationsamt A._ den Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung an. Mit Strafbefehl
des Untersuchungsamts Uznach vom 9. April 2013 wurde er wegen Veruntreuung und
Urkundenfälschung schuldig gesprochen.
C. Am 1. März 2013 meldete A._ sich und seinen Sohn in der Gemeinde F._ an und
ersuchte um Bewilligung des Familiennachzugs für seine neue Ehefrau S._ sowie den
gemeinsamen Sohn M._. An derselben Adresse meldeten sich ferner die Eltern und
eine Schwester von A._ an. Aufforderungen zur Akteneinreichung im Zusammenhang
mit dem Gesuch blieben erfolglos. Am 17. Juni 2013 war die Familie weggezogen,
ohne dass die Anwesenheit förmlich geregelt und das Familiennachzugsgesuch geprüft
worden wären. Im Herbst 2013 zog X._ zusammen mit seinem sorgeberechtigten
Vater, der dort einen Grossauftrag erledigte, nach Österreich.
D. Am 2. Dezember 2014 wollte A._ sich und seinen Sohn X._, seine Eltern und seine
Schwester E._ beim Einwohneramt Q._ anmelden. Er wurde darauf hingewiesen,
dass er über keine gültige Bewilligung verfüge. Am 14. Dezember 2014 ersuchte er um
Verlängerung seiner Niederlassungsbewilligung. Mit Schreiben vom 31. März 2015
gewährte das Migrationsamt A._ rechtliches Gehör im Hinblick auf die Feststellung
des Erlöschens der Niederlassungsbewilligungen. Am 15. Juli 2015 reichten A._ und
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X._, vertreten durch Rechtsanwalt Simon Epprecht, eine Stellungnahme ein und
ersuchten eventualiter um Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen. Mit Strafbefehl vom
23. November 2015 wurde A._ wegen SVG-Delikten mit einer Busse von CHF 300
bestraft. Mit Verfügung vom 10. Dezember 2015 stellte das Migrationsamt fest, dass
die Niederlassungsbewilligungen von A._ und X._ erloschen seien, wies das Gesuch
um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ab und forderte die beiden auf, die Schweiz
bis 17. Februar 2016 zu verlassen (act. 9/1.1).
E. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den von A._ und X._ durch ihren
damaligen Rechtsvertreter Simon Epprecht gegen die Verfügung des Migrationsamts
vom 10. Dezember 2015 erhobenen Rekurs am 21. März 2018 ab (act. 2/1).
F. A._ und X._ (Beschwerdeführer oder Vater beziehungsweise Sohn) erhoben gegen
den Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) vom
21. März 2018 durch ihre jetzige Rechtsvertreterin Simone Thöni mit Eingabe vom
5. April 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgerichtgegen. Sie beantragen, der
Rekursentscheid sowie die Ziffern 1-4 der Verfügung des Migrationsamts seien
aufzuheben, es sei festzustellen, dass die Niederlassungsbewilligung von X._ nicht
erloschen sei und A._ sei eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Eventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten des Migrationsamtes
beziehungsweise der Vorinstanz.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 24. Mai 2018 die Abweisung der
Beschwerde. Mit Eingabe vom 31. Mai 2018 nahmen die Beschwerdeführer zur
Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung und ersuchten um Beizug der Akten der
Vorinstanz sowie Fristansetzung zur Stellungnahme zu diesen Akten (act. 11). Mit
Eingabe vom 4. Juni 2018 liessen die Beschwerdeführer dem Verwaltungsgericht den
Lehrvertrag des Sohnes zukommen (act. 13).
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Als Adressaten des
angefochtenen Entscheids sind die im Rekursverfahren unterlegenen
Beschwerdeführer zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 21. März
2018 wurde mit Eingabe vom 5. April 2018 rechtzeitig erhoben und erfüllt formal und
inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb grundsätzlich einzutreten.
2. Nicht einzutreten ist darauf, soweit die Beschwerdeführer beantragen, die Ziffern 1-4
der Verfügung des Migrationsamts seien aufzuheben. Denn die erstinstanzliche
Verfügung ist durch den angefochtenen Entscheid ersetzt worden beziehungsweise gilt
inhaltlich als mitangefochten (Devolutiveffekt, vgl. BGer 2C_249/2014 vom 27. März
2015 E. 1.3 mit Hinweis auf BGE 138 II 169 E. 3.3).
3. Da die Akten des Migrationsamts stets beigezogen werden, wenn das
Verwaltungsgericht über eine Beschwerde gegen die Vorinstanz befindet, welche einen
Rekursentscheid gegen eine Verfügung des Migrationsamts betrifft, und die Akten des
Migrationsamts dem Verwaltungsgericht auch in diesem Fall vor Eingang des
entsprechenden Rechtsbegehrens zur Verfügung standen, erweist sich das Begehren
um Beizug der Akten des Migrationsamts als gegenstandslos.
4. Die Beschwerdeführer rügen, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) sei
durch die Vorinstanz verletzt worden, da sich die Vorinstanz auf die Vorakten der
Mutter des Sohnes berufen würden, in die ihnen keine Einsicht gewährt worden sei
(act. 11). Nicht behauptet wird allerdings, wann von wem Einsicht in diese Akten
verlangt und diese verweigert worden sei, obschon unter Rechtsanwälten bekannt ist,
dass diese Akten im Normalfall beigezogen werden. Aus den Akten geht im Übrigen
hervor, dass Rechtsanwalt Simon Epprecht Einsicht in die Akten des Migrationsamts
genommen hat (Dossier, S. 401 ff.). Es ist somit nicht erwiesen, dass tatsächlich
Einsicht in die geklagten Akten verlangte wurde und trotzdem keine Einsicht erfolgte.
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Nach der Rechtsprechung könnte aber selbst bei Vorliegen einer Gehörsverletzung
eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs geheilt
werden, wenn die betroffene Person nachträglich die Möglichkeit erhält, sich vor einer
Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage
frei überprüfen kann. Selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gehörs ist von
einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz dann abzusehen, wenn und soweit die
Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen
führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen
Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE
133 I 201 E. 2.2; 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis), was vorliegend der Fall ist. Denn die
besagten Akten sind nicht entscheidrelevant und werden vom Verwaltungsgericht für
den Entscheid nicht herangezogen.
5.
5.1. Die Niederlassungsbewilligung wird unbefristet und ohne Bedingungen erteilt (vgl.
Art. 34 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über
die Integration; Ausländer- und Integrationsgesetz, SR 142.20, AIG). Sie kann
erlöschen (Art. 61 AIG) oder widerrufen werden (Art. 63 AIG). Die
Niederlassungsbewilligung erlischt etwa durch Abmeldung (Art. 61 Abs. 1 lit. a AIG)
oder wenn der Ausländer, ohne sich abzumelden, die Schweiz tatsächlich für mehr als
sechs Monate verlässt (Art. 61 Abs. 2 Satz 1 AIG). Einer Abmeldung kommt die
weitreichende Konsequenz, die Bewilligung erlöschen zu lassen, nur zu, wenn sie klar
und eindeutig dahin zu verstehen ist, dass der Aufenthalt in der Schweiz definitiv
aufgegeben werden soll (vgl. VerwGE B 2010/112 vom 30. November 2010,
www.gerichte.sg.ch). Dies trifft nicht zu, wenn die Erklärung, die der Ausländer abgibt,
nicht frei von Willensmängeln dahin verstanden werden muss, dass er die Zelte
abbricht und definitiv in seine Heimat zurückkehrt. Ausländer mit
Niederlassungsbewilligung sind daher praxisgemäss bei der Abmeldung ausdrücklich
auf die weitreichenden Folgen derselben hinzuweisen. Verlässt eine ausländische
Person die Schweiz, ohne sich abzumelden, so erlöschen die Aufenthalts- und die
Niederlassungsbewilligung nach sechs Monaten. Dabei ist es grundsätzlich
unerheblich, auf welchen Gründen der Auslandaufenthalt beruht. Bei Ablauf der Frist
liegt ein zwingender Untergangsgrund vor (BGer 2A.514/2003 vom 5. November 2003
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E. 3.2). Es spielt dabei keine Rolle, ob die rechtzeitige Rückkehr in die Schweiz freiwillig
oder unfreiwillig unterblieben ist, ob der Ausländer seinen Lebensmittelpunkt verlegt
hat beziehungsweise verlegen wollte oder von Beginn an vorgesehen hatte, in die
Schweiz zurückzukehren. Die Niederlassungsbewilligung erlischt selbst dann, wenn
sich der Ausländer aus gesundheitlichen Gründen oder sonst unfreiwillig im Ausland
befindet, weil er etwa inhaftiert wurde (BGer 2A.308/2001 vom 15. November 2001
E. 3a). Auch Kinder, die wegen Schulbesuchs im Ausland weilen und damit den
zivilrechtlichen Wohnsitz der Eltern als Lebensmittelpunkt in der Schweiz beibehalten,
verlieren grundsätzlich die Niederlassungsbewilligung, wenn sie sich länger als sechs
Monate ununterbrochen oder über die bewilligte Aufrechterhaltung der Bewilligung
hinaus im Ausland aufhalten. Eine Erleichterung besteht in solchen Fällen nur insoweit,
als (fristgerechte) periodische kurze Aufenthalte bei den Eltern während der Schulferien
für die Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung in der Regel genügen. Bei
Berufsleuten reichen blosse Kurzbesuche in der Schweiz sowie vorübergehende
Besuchs- und Tourismusaufenthalte in der Schweiz zur Unterbrechung der
Sechsmonatefrist für die Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung nicht aus,
wenn der Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt worden ist (Art. 79 Abs. 1 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201, VZAE; BGer
2A.357/2000 vom 22. Januar 2001 E. 3b).
Der Ausländer hat die Möglichkeit, das Begehren zu stellen, dass seine
Niederlassungsbewilligung trotz Auslandaufenthalts während vier Jahren
aufrechterhalten werden solle (Art. 61 Abs. 2 Satz 2 AIG). Damit soll insbesondere die
internationale berufliche Mobilität und Weiterbildung gefördert werden. Zudem soll der
Versuch einer Eingliederung im Herkunftsland erleichtert werden, ohne dass der Verlust
des Anwesenheitsrechts riskiert werden muss (VerwGE B 2009/163 vom 18. März
2010, www.gerichte.sg.ch). Das Gesuch muss vor Ablauf der sechsmonatigen Frist bei
der kantonalen Ausländerbehörde eingereicht werden (Art. 79 Abs. 2 VZAE). Diese
entscheidet darüber in eigener Kompetenz und nach freiem Ermessen. Die Gesuche
müssen ausreichend begründet sein (BGer 2A.357/2000 vom 22. Januar 2001 E. 3b,
2A.308/2001 vom 15. November 2001 E. 4e). Bei der Auslegung von Art. 61 Abs. 2
Satz 2 AIG ist davon auszugehen, dass im Ausländerrecht ein Aufenthaltsrecht
grundsätzlich nur besteht, wenn und solange es auch durch die persönliche
Anwesenheit ausgeübt wird. Die Niederlassungsbewilligung kann daher im Fall einer
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Auslandabwesenheit von mehr als sechs Monaten nur dann fortbestehen, wenn der
Gesuchsteller tatsächlich die Absicht hat, innerhalb der Frist von vier Jahren wieder in
die Schweiz zurückzukehren. Zu berücksichtigen sind insbesondere
Auslandaufenthalte, die ihrer Natur nach vorübergehend sind (z.B. Absolvierung des
Militärdienstes, Weiterbildung oder Ausübung einer befristeten Tätigkeit im Auftrag des
schweizerischen Arbeitgebers). Jugendliche der zweiten Ausländergeneration oder
Ausländer, die das Rentenalter erreicht haben, können das Gesuch um
Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung für längstens vier Jahre einreichen,
wenn der Auslandaufenthalt zur Abklärung der Integrations-/
Wiedereingliederungsmöglichkeit im Heimatstaat dient.
5.2. Die Beschwerdeführer bringen nun vor, dass der Vater zwischenzeitlich eine
Festanstellung in Y._ angetreten habe (act. 1) und sich mit dem Verkauf des
Grundstückes im Kosovo auf einen Schlag sanieren könnte. Der Sohn werde im August
2018 seine Lehre als Sanitärmonteur EFZ antreten (vgl. auch act. 14). Es werde
akzeptiert, dass die Niederlassungsbewilligung des Vaters erloschen sei. Hinsichtlich
des Sohnes sei es aber so, dass dieser sich bei seiner Ausreise aus der Schweiz im
August/September 2013 nicht abgemeldet habe. Er habe sich nicht ununterbrochen
während sechs Monaten im Ausland aufgehalten, sondern sei jedes Wochenende in die
Schweiz zurückgekehrt, um seine Mutter und die übrigen Verwandten zu besuchen. Die
Beibehaltung des regelmässigen Kontakts zur Mutter sei deren Bedingung für die
Zustimmung zur Ausreise gewesen. Da die Beschwerdeführer nur ins grenznahe
Ausland übersiedelt hätten, sei dies auch ohne weiteres möglich gewesen. Der
Lebensmittelpunkt des Sohnes habe sich nicht nach Österreich verlagert. Denn bei
seinen Aufenthalten in der Schweiz habe es sich nicht um blosse Besuchsaufenthalte
gehandelt. Es sei der Aufenthalt in Österreich und nicht derjenige in der Schweiz
gewesen, der als lediglich vorübergehend geplant gewesen sei. Sein Aufenthalt in
Österreich hätte so lange dauern sollen, wie die Erledigung des Grossauftrages seines
Vaters in Anspruch nehmen würde, nämlich maximal anderthalb Jahre. Dies sei auch
so mit seiner Mutter abgesprochen gewesen. Einer Ausreise ohne baldige Rückkehr in
die Schweiz zwecks Berufsausbildung hätte die Mutter nicht zugestimmt. Jugendliche,
die im Ausland eine Ausbildung absolvieren würden, seien von Art. 79 Abs. 1 VZAE
ausgenommen. Sein Lebensmittelpunkt sei trotz des Schulbesuchs in Österreich
weiterhin in der Schweiz gewesen. Dass der Aufenthalt in Österreich lediglich temporär
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gewollt gewesen sei, sei dadurch belegt, dass die Beschwerdeführer nach rund einem
Jahr wieder in die Schweiz zurückgekehrt seien. Es sei nicht richtig, dass alleine der
Vater obhutsberechtigt sei. Der Sohn habe lediglich seinen Wohnsitz beim Vater
gehabt. Dies sage nichts über die Obhutsberechtigung aus, zumal diese seit dem
1. Januar 2017 Bestandteil der elterlichen Sorge sei. Die Niederlassungsbewilligung sei
deshalb nicht erloschen, denn der Sohn sei nicht bloss zu Besuchszwecken in die
Schweiz gekommen, sondern zu seinem Lebensmittelpunkt, der stets in der Schweiz
gelegen habe. Die Auffassung der Vorinstanz, dass der Sohn in jedem Fall das gleiche
ausländerrechtliche Schicksal wie der Vater teile, überzeuge nicht. Die Kindsmutter sei
Mitinhaberin der elterlichen Sorge und des Aufenthaltsbestimmungsrechts für ihren
Sohn. Es sei in erster Linie an den Eltern, unter sachgerechter Berücksichtigung der
Interessen der Kinder darüber zu befinden, in welchem Familienverband sie
aufwachsen sollen. Den ausländerrechtlichen Bewilligungsbehörden stehe
diesbezüglich nur eine beschränkte Überprüfungsbefugnis zu. Es werde diesbezüglich
auf die einschlägigen Entscheide zum Teilfamiliennachzug von Kindern verwiesen, aus
denen hervorgehe, dass aus familienrechtlichen Gründen der nachziehende Elternteil
immerhin über das Sorgerecht verfügen müsse. Da der Vater damit einverstanden
wäre, dass sein Sohn bei der sorgeberechtigten Mutter bleibe, müsse der Sohn eben
gerade nicht das ausländerrechtliche Schicksal seines Vaters teilen. Die Behörden
dürften den neurechtlichen Familiennachzug nur verweigern, wenn die gewählte
Lösung eindeutig gegen das Kindesinteresse verstosse und in diesem Sinne ein
überwiegendes öffentliches Interesse gegen den Familiennachzug spreche. Der Sohn
könne ja nach der Wegweisung wieder durch die Mutter nachgezogen werden. Es
seien keine Gründe ersichtlich, weshalb sein Verbleib in der Schweiz gegen das
Kindeswohl verstossen sollte. Dieses sei lediglich bei einer Wegweisung in den Kosovo
gefährdet. Eine Wegweisung nach Österreich komme mangels eines
Anknüpfungspunktes nicht in Frage. Die temporäre Übersiedelung zeige nicht, dass
sich der Sohn ohne weiteres in einem anderen Land eingliedern könne. Österreich sei
nicht der Kosovo. Der Sohn kehre regelmässig in seine angestammte Heimat, die
Schweiz, zurück. Zudem spreche man in Österreich Deutsch. Er spreche kein
Albanisch und habe eine Lehrstelle angetreten. Seine Mutter habe zwar lediglich eine
Aufenthaltsbewilligung, aber dennoch ein gefestigtes Anwesenheitsrecht. Ihre
Aufenthaltsbewilligung sei auch nach der Scheidung von ihrem Mann mit
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Niederlassungsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG verlängert worden. Bei
dieser Regelung handle es sich nicht nur um eine "Kann-Vorschrift". Den Betroffenen
stehe ein Anspruch auf Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu.
Die Aufenthaltsbewilligung der Mutter beruhe damit auf einem gefestigten
Rechtsanspruch. Die Mutter-Kind-Beziehung werde intensiv gelebt. Sollte dies vom
Gericht angezweifelt werden, wären von Amtes wegen die entsprechenden
Abklärungen zu tätigen. Den Sachverhalt, wie er von der Vorinstanz beschrieben wird,
bestreiten die Beschwerdeführer im Übrigen nicht.
5.3. Unbestritten ist demnach, dass der Vater im August/September 2013 nach
Österreich zog (Dossier, S. 355) und sein Sohn ihn begleitete. Per 15. November 2014
mieteten der Vater und seine neue Ehefrau eine Wohnung in Q._ (Dossier, S. 353 f.). In
der Folge gelangte der Vater an das Einwohneramt mit der Absicht der Anmeldung.
Abgesehen von den geltend gemachten Wochenendbesuchen bei der Mutter ist
unbestritten, dass der Sohn beim Vater in Österreich wohnte und zwar während mehr
als sechs Monaten. Umstritten ist einzig die rechtliche Würdigung dieser Situation und
vor allem der regelmässigen Besuchsaufenthalte bei der Mutter. Hinsichtlich der
Würdigung ist der Vorinstanz beizupflichten. Denn aufgrund von Art. 25 Abs. 1 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) beziehungsweise Art. 20 Abs. 1 lit. a
des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht (SR 291) ist klar, dass der
Wohnsitz des Sohnes in Österreich lag. Einen anderen Aufenthaltsort kann er nicht
darlegen, da er zumindest wochentags dort bei seinem Vater lebte und dort zur Schule
ging. Wenn der Sohn geltend macht, dass er seinen Wohnsitz in der Schweiz aufgrund
seiner Besuchsaufenthalte bei der Mutter beibehalten habe, so kann dem nicht
beigepflichtet werden. Denn die Wohnsitzfolge ist gesetzlich an die Obhut und nicht an
die elterliche Sorge geknüpft. Der Wohnsitz folgt also dem obhutsberechtigten
Elternteil. Daran hat sich auch am 1. Januar 2017 nichts geändert. Die Obhut wurde
vorliegend im Scheidungsverfahren klar dem Vater zugeteilt, auch wenn dies nicht
explizit so erwähnt ist, da ihm abgesehen von einem gerichtsüblichen Besuchsrecht für
den nicht betreuenden Elternteil (vorliegend die Mutter) alleine die Betreuung
übertragen wurde (Dossier, S. 351). Ob die Mutter der Verlegung des Wohnsitzes ins
Ausland zugestimmt hat oder nicht, ist nicht relevant. Familienrechtlich musste sie dem
Wechsel des Aufenthaltsorts ins Ausland zwar zustimmen (Art. 301 Abs. 1 ZGB), nicht
aber den daraus fliessenden Rechtsfolgen in Bezug auf einen allfälligen Wohnsitz.
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Denn Art. 301 Abs. 1 ZGB will nur sicherstellen, dass die Ausübung des Besuchsrechts
weiterhin möglich ist. Andere Zwecke, v.a. ausländerrechtlicher Natur, verfolgt diese
Norm nicht. Deshalb wären auch allfällige Vorbehalte ihrerseits in Bezug auf den
Wohnsitz irrelevant. Ebenso wenig relevant ist die von den Beschwerdeführern
angeführte Rechtsprechung, die sich auf einen Auslandaufenthalt zum Zwecke der
Ausbildung bezieht. Denn ein derartiger Auslandaufenthalt steht vorliegend nicht zur
Debatte. Anzumerken ist sodann, dass die Beschwerdeführer trotz ihrer weitreichenden
Mitwirkungspflicht keine Belege für die Besuche geliefert haben (z.B. eine schriftliche
Bestätigung der Mutter) und auch keinen Beleg dafür, dass der Arbeitseinsatz in
Österreich von Beginn weg befristet war (und der Vater nicht z.B. in die Schweiz
zurückkehren wollte, weil es in Österreich Probleme mit den Strafverfolgungsbehörden
gab [act. 9/31]). Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Sohn seinen Wohnsitz in
Österreich hatte. Daran würde eine Beweiserhebung im Zusammenhang mit den
Besuchsaufenthalten bei der Mutter nichts ändern.
5.4. Da die Beschwerdeführer die Schweiz somit für mehr als sechs Monate verliessen
und innert Frist kein Gesuch um Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligungen
gestellt wurde, sind diese erloschen.
6. Sind Niederlassungsbewilligungen erloschen, ist zu prüfen, unter welchen
Bedingungen eine Neuerteilung beziehungsweise Wiederzulassung erfolgen kann.
6.1. Laut Art. 44 AIG kann ausländischen Ehegatten und ledigen Kindern unter
18 Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung eine Aufenthaltsbewilligung erteilt
werden, wenn a) sie mit diesen zusammenwohnen, b) eine bedarfsgerechte Wohnung
vorhanden ist, und c) sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind. Aus dieser Bestimmung
kann kein Nachzugsanspruch abgeleitet werden. Die Bewilligung liegt im behördlichen
Ermessen, welches allerdings pflichtgemäss auszuüben ist. Vorliegend lebt keiner der
Beschwerdeführer mit K._ zusammen. Es bestehen auch keinerlei Hinweise darauf,
dass ein solches Zusammenleben geplant ist: dies trotz der weitreichenden
Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführer und der daraus bei Beweislosigkeit
resultierenden Folgen. Aus diesem Grund, vor allem aber weil K._ ihrerseits kein
entsprechendes Gesuch gestellt hat, erübrigt sich im vorliegenden Verfahren eine
Prüfung der weiteren Voraussetzungen des Familiennachzugs.
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6.2. Nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG kann von den Zulassungsvoraussetzungen
abgewichen werden, um schwerwiegenden persönlichen Härtefällen oder gewichtigen
öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen. Bei der Beurteilung sind insbesondere die
Integration des Gesuchstellers, die Respektierung der Rechtsordnung, die
Familienverhältnisse, die finanziellen Verhältnisse, die Dauer der Anwesenheit in der
Schweiz, der Gesundheitszustand und die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung
im Herkunftsstaat zu berücksichtigen (vgl. Art. 31 Abs. 1 VZAE). Diese Bestimmung
räumt keinen Bewilligungsanspruch ein (BGer 2C_154/2013 vom 14. Februar 2013 E. 2
mit Hinweisen; sog. Ermessensbewilligung, BGE 137 II 345 E. 3.2.1). Mit Beschwerde
beim Verwaltungsgericht können laut Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP lediglich
Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Das Verwaltungsgericht kann deshalb
die Ausübung des Ermessens durch das Migrationsamt und die Vorinstanz nur
überprüfen, soweit eine rechtsfehlerhafte Ermessenshandhabung – und nicht lediglich
die Unangemessenheit – in Frage steht. An einen schwerwiegenden persönlichen
Härtefall werden hohe Anforderungen gestellt (BGE 119 Ib 33 ff.; BGE 117 Ib 317f.).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt ein Härtefall vor, wenn sich die
betroffene Person in einer persönlichen Notlage befindet. Ihre Lebens-/
Daseinsbedingungen müssen, am durchschnittlichen Schicksal ausländischer
Personen gemessen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein (BGE 130 II 39 E. 3;
BGE 128 II 200 E. 4). Der Begriff des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls ist
restriktiv auszulegen und an die genannten Härtefallkriterien ist ein strenger Massstab
zu legen (VerwGE B 2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3). Eine gesetzliche Pflicht,
Ermessen in irgendeiner Weise grosszügig zu handhaben, besteht nicht (vgl. VerwGE
B 2010/185 vom 16. Dezember 2010 E. 2.4).
6.3. In Bezug auf den Vater kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern sie ihr Ermessen fehlerhaft ausgeübt haben
sollte. Sie hat die obgenannten Kriterien geprüft und ist nach deren Abwägung
innerhalb ihres Ermessensspielraums nachvollziehbar zum Schluss gekommen, dass
dem Vater keine Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines schwerwiegenden persönlichen
Härtefalls zu erteilen ist. Ihre Ausführungen überzeugen. Ein Härtefall ist in seinem Fall
nicht ersichtlich.
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6.4. In Bezug auf den Sohn verhält es sich in tatsächlicher Hinsicht so, dass er nicht
volljährig ist und damit grundsätzlich das rechtliche Schicksal des obhutsberechtigten
Vaters teilt, sofern sich die Eltern nicht über eine Neuzuteilung der Obhut an die Mutter
einigen, wofür trotz weitreichender Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführer keine
Anhaltspunkte vorliegen. Allerdings räumte die Vorinstanz ein, dass ein Anspruch auf
Familiennachzug von der Mutter nie gestellt und damit auch nicht geprüft worden ist
(act. 8). Vor Verwaltungsgericht kann ein entsprechendes neues Gesuch nicht gestellt
werden (Art. 61 Abs. 3 VRP).
Obschon der Sohn in der Schweiz durchschnittlich gut integriert scheint und
hinsichtlich der Einhaltung der hiesigen Rechtsordnung nicht negativ aufgefallen ist, ist
es ihm zuzumuten, mit dem obhutsberechtigten Vater auszureisen, obschon er aktuell
eine Lehre absolviert und nach seinen unbewiesenen Angaben offenbar kein Albanisch
spricht. Denn er ist nach wie vor in einem Alter, in dem man schnell Sprachen lernt, vor
allem die Familiensprache. Die im Rahmen der Lehrstelle inzwischen erworbenen
Kenntnisse dürften ihm auch im Kosovo dienlich sein. Hinsichtlich seiner kulturellen
Integration kann er auf die Unterstützung seines Vaters sowie der übrigen Familie
zählen. Da die Liegenschaft im Kosovo nach den Angaben der Beschwerdeführer
CHF 800'000 oder mehr wert ist (act. 9/2 S. 11), können die Beschwerdeführer im
Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung im Kosovo, wo man im Durchschnitt rund
EUR 300 monatlich verdient, sehr gut leben, wenn sie die Liegenschaft verkaufen und
zur Miete wohnen, selbst wenn sie dort keine Arbeit mehr finden sollten. Auch
diesbezüglich ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz ihr Ermessen
rechtsfehlerhaft ausgeübt haben sollte. Sie hat jedenfalls die relevanten Kriterien
einlässlich geprüft und ist nach deren Abwägung innerhalb ihres Ermessensspielraums
nachvollziehbar zum Schluss gekommen, dass dem Sohn ebenfalls keine
Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls zu
erteilen ist.
7. Der Entscheid der Vorinstanz erweist sich damit als recht- und verhältnismässig,
weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8. (...).
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