Decision ID: 1da97269-3b0d-4d40-9248-69169aa4c544
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980
und Mutter dreier Kinder (Jahrgang 2010 und
Jahrgänge
2011)
,
war
zuletzt
von
September 2013
bis August 2019
als
diplomierte
Pflege
fachfrau bei der
Y._
AG
in einem Teilzeitpensum
tätig (
vgl.
Urk.
10/28/1
Ziff.
2.1,
Urk.
10/7/1
,
Urk.
10/53/3-4
). Unter Hinweis auf eine De
pression meldete sie sich
am
8.
Oktober 2018 bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an (
Urk.
10/
9
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, klärte
die medizinische und erwerbliche Situation
ab und
zog
die Akten
der Pensionskasse und des
Krankentaggeldversicherers
bei (
Urk.
10/8,
Urk.
10/44
)
.
Mit Mitteilung vom 1
8.
April 2019
hielt die IV-Stelle fest,
dass der Gesund
heits
zustand der Versicherten
mit einer Fortführung der integrativen psychiatrischen-psychotherapeutischen Behandlung wesentlich verbessert
werden könne, und machte
sie
insbesondere im Hinblick auf eine zukünftige IV-Anmeldung
auf ihre Mitwirkungspflicht aufmerksam (
Urk.
10/32).
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
10/33)
verneinte die IV-Stelle mit Verfü
g
ung vom 1
1.
Juni 2019 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
10/37).
Da
das Gutachten der vertrauensärztlichen Untersuchung vom 1
8.
Juni 2019
noch ausstehend war
, beantragte die Versicherte
mit
Schreiben vom
8.
Juli 2019 die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 1
1.
Juni 2019 (
Urk.
10/40)
, welcher die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
3.
Juli 2019 nachkam (
Urk.
10/42). Nach Eingang des im Auftrag der Krankentag
geld
versicherung erstatteten psychiatrischen Fachgutachtens vom 1
9.
Juli
2019 (
Urk.
10/44)
stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom
4.
September 2019 die Abweisung des Leistungsbegehrens ins Aussicht (
Urk.
10/46), woran sie mit Ver
fügung vom 1
4.
November 2019 festhielt (
Urk.
10/50).
1.2
Die Versicherte meldete sich am 1
0.
November 2020 erneut bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/54)
. Nachdem sie aktuelle medizini
sche
Unterlagen eingereicht hatte (
Urk.
10/63 =
Urk.
10/65,
Urk.
10/67,
Urk.
10/
69
), stellte ihr die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2
6.
Februar 2021 das Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht (
Urk.
10/72). Dagegen erhob die Ver
sicherte am 1
2.
April 2021 Ei
nwände
und beantragte, das Verfahren
sei bis zum Eingang der aktuellen Berichte des neuen Beh
andlers sowie der Ergebnisse der Potenzialabklärung durch die
Hochschule Z._
zu sistieren (
Urk.
10/78 S. 2
Ziff.
1-2). Mit Schreiben vom 2
2.
April 2021 verlängerte die IV-Stelle die Frist zur Einreichung der relevanten Unterlagen bis zum 3
1.
Mai 2021 (
Urk.
10/80) beziehungsweise mit Schreiben vom
2.
Juni 2021 bis zum 1
5.
Juli 2021 (
Urk.
10/84)
. Nach Eingang
des Berichts der behandelnden Ärzte (
Urk.
10/85
) erhob die Versicherte am 1
5.
Juli
2021 (
Urk.
8/86) und 3
1.
August 2021 (
Urk.
10/89) erneut Einwände
. Mit Verfü
gung vom 2
7.
September 2021 trat die IV-Stelle auf das Leistungsbegehren der Versicherten nicht ein (
Urk.
10/94 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
6.
Oktober 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
7.
September 2021 (
Urk.
2) und beantragte
eine
Neubeurteilung
sowie
Unter
stützung in Form von Beratung, Begleitung um Umschulung (S. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
Januar 202
2
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9).
Mit Gerichtsverfügung vom 3
1.
Januar 2022
wurde
die unentgeltliche
Prozess
füh
rung bewilligt und der
Beschwerdeführer
in
die Besc
hwerdeantwort zugestellt (
Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vorausset
zungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nicht
eintreten.
1
.3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte Anforderungen
an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss nicht nach dem im Sozial
versicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit (BGE 138 V 218 E. 6) erstellt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.2). Für das Beweismass des Glaubhaftmachens genügt es, dass für das Vorhandensein des behaupteten rechtserheblichen Sachumstands wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschied
liche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt per se, um auf einen veränderten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteile des Bundesgerichts 9C_57/2021 vom 8. Juli 2021 E. 4.2 und 8C_367/2020 vom 4. August 2020 E. 5.2.2, je mit Hinweisen). Je länger die letzte materielle Prüfung zurückliegt, umso weniger strenge Anforde
rungen sind an die Glaubhaftmachung zu stellen (vgl. BGE 109 V 262 E. 3, 109 V 108 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 9C_57/2021 vom 8. Juli 2021 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV
muss
mit einer Neuanmeldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Invaliditätsgrad anspruchsrelevant verändert hat. Der ver
sicherten Person kommt ausnahmsweise eine Beweisführungslast zu (vgl. BGE
130 V 64 E. 5.2.5).
Der Untersuchungsgrundsatz, wonach das Gericht von Amtes
wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sach
verhaltes zu sorgen hat, spielt insoweit nicht.
Es legt
der beschwerdeweisen
Überprüfung viel
mehr den Sachverhalt beziehungsweise die Aktenlage zu Grunde
, wie sie sich der Verwaltung bei Erlass der
Nichteintretensverfügung
boten (vgl. Urteil des
Bun
-
desgerichts
8C_175/2019 vom 3
0.
Juli 2019 E. 1.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) aus,
das
erste Leistungsbegehren sei mit Verfügung vom 1
4.
November 2019 abgewiesen worden. Auf das neue Gesuch werde nicht eingetreten, da gestützt auf die ein
gereichten Berichte keine Veränderung glaubhaft gemacht worden sei
(S. 1).
2.2
Demgegenüber wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (
Urk.
1), die tatsächlichen Verhältnisse
hätten sich
aufgrund der neuen Diagnostik verändert. Sie beantrage eine Neubeurteilung und wünsche sich
Unterstützung in Form von
Beratung, Begleitung und U
mschulung
. Eine berufliche Tätigkeit in einer anderen Branche als «Gesundheit und Soziales»
werde zudem auch von den behandelnden Fachpersonen empfohlen (S. 1). Sie komme
im Kontakt mit Menschen
schnell an ihre Grenzen, weshalb sie in einem helfenden Beruf nicht mehr arbeiten könne.
Ein Arbeitsversuch als Betreuerin für Menschen mit geistiger Behinderung sei gescheitert, da es wieder zu einer depressiven Symptomatik gekommen sei. Zur
zeit arbeite sie symptomfrei in anderen Branchen, als Verkäuferin auf dem Wochenmarkt und als Velokurierin. Beide Tätigkeiten lägen im Niedriglohnsek
tor, sodass eine Loslösung von der Sozialhilfe nicht möglich sei. Eine Um
schulung, beispielsweise eine verkürzte Lehre im Bereich Landwirt
schaft/Ge
müse
gärtner, würde es ihr ermöglichen, wieder vollumfänglich zu arbeiten (S. 2).
2.3
Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Verfügung beziehungs
weise den
Einspracheentscheid
bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den auf
grund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet (BGE 144 I 11 E. 4.3, 125 V 413 E. 1b). Anfechtungs- und Streitgegenstand sind danach identisch, wenn die Verwaltungsverfügung beziehungsweise der
Ein
spracheentscheid
insgesamt angefochten wird (BGE 131 V 164 E. 2.1).
Richtet
sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Gericht, unge
achtet
der Vorbringen
der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Begehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen
verfahrensmässigen
Situation den formellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegenstand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 132 V 74 E. 1.1, 125 V 503 E. 1).
Ins
oweit die Beschwerdeführerin
Unterstützung in Form von Beratung, Beglei
tung um Umschulung
beantragt,
kann
auf diesen
materiell-rechtlichen Antrag wegen fehlendem Anfechtungsgegensta
nd nicht eingetreten werden
. Streitgegen
stand bildet vorliegend einzig die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Neuanmeldung vom
1
0.
November 2020 (
Urk.
10/54
) nicht eingetreten ist.
Pro
zessthema ist
, ob die Beschwerdeführerin im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 IVV glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr gesundheitlicher Zustand erheblich ver
schlechtert hat und zwar verglichen mit dem Zeitpunkt, in welchem der Ren
tenanspruch letztmals materiell geprüft wurde (BGE 133 V 108). Massgeblich ist damit der Sachverhalt, welcher der letzten leistungsabweisenden Verfügung vom
1
4.
November 2019 (
Urk.
10/50
)
zugrunde lag.
3.
3.1
Der
leistungsverneinenden Verfügung vom
1
4.
November 2019 (
Urk.
10/50)
lag
en im Wesentlichen die
nachfolgenden medizinischen Berichte
zugrunde
:
3.2
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 1
7.
August
2018 über die von der
der Pensionskasse
B._
in Auftrag gegebene psychiatrische Begutachtung vom
8.
August 2018 (
Urk.
10/8/1-11)
, und
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 2
lit
. A
Ziff.
1). Im Affekt habe die Versicherte bedrückt gewirkt,
die Stimmung
sei deprimiert, vermindert schwingungsfähig und kaum auslenkbar gewesen (S. 4
lit
. A
Ziff.
3.3).
Die Prognose für die bisherige Tätigkeit sei ungünstig. Die biografischen Belastungen hätten zu einer psychischen Insta
bilität und vermehrten Durchlässigkeit für Reize im zwischenmenschlichen Be
reich geführt, weshalb die Tätigkeit in der Pflege nicht gut passend sei. Die Rück
fallgefahr sei übermässig hoch. Die Prognose für andere Tätigkeiten sei jedoch günstig (S. 5
lit
. A
Ziff.
7.1-7.2). Vorübergehend bis 3-4 Monate liege eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der bisherigen sowie in jeder
andere
n
Tätigkeit vor (S. 9
lit
. B
Ziff.
1-2).
3.3
Med.
pract
.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte im Bericht vom 2
6.
November 2018 (
Urk.
10/19) aus, dass sie die Patientin
von
Mitte Juli bis 1
9.
Oktober 2018 ambulant behandelt habe (
S. 2
Ziff.
1.1), und nannte einen Verdacht auf eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.1;
S. 3
Ziff.
2.5).
Die depressive Symptomatik mit schwerer Ausprägung bestehe seit mehr als einem Jahr. Im September 2018 sei es zu einer zunehmenden Verschlechterung des psychischen Zustandes mit ausgeprägten Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit,
Dünnhäutigkeit
, Schuldgefühlen un
d Affektinkontinenz gekommen. Am
2
5.
Okto
ber 2018
sei eine
Zuweisung in die psychiatrische Klinik
D._
erfolgt
(
S. 3
Ziff.
2.2).
Die Stimmung der Patientin sei be
drückt, die Affektlage
deprimiert bis teilweise
affektinkontinent
und der Antrieb
reduziert (S. 3
Ziff.
2.4). Die Patientin
sei zurzeit und bis auf Weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig. Solange sie sich nicht in einem stabilen psychischen Zustand befinde, könne sie
keiner Arbeit nach
gehen
. Eine genaue Prognose zur Arbeitsfähigkeit könne
jedoch
erst nach dem Klinikaufenthalt gemacht werden (S. 3-4
Ziff.
2.7).
3.4
Vom 2
9.
Oktober bis 2
1.
Dezember 2018 befand sich die Beschwerdeführerin in stationärer
,
vom
3.
bis 1
8.
Januar 2019 in teilstationärer und seit 2
1.
Januar 2019 in ambulanter Behandlung im Sanatorium
D._
, worüber der leitende Arzt sowie die fallführende Psychologin
am 2
4.
Januar 2019 berichteten (
Urk.
10/23
S. 1
Ziff.
1.1).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-1
0 F33.1; S. 4
Ziff.
2.5).
Bei Eintritt in die stationäre B
ehandlung erhoben sie
insbesondere die folgenden
psychopathologischen Befunde: mittelgradige Konzentrationsstörungen, leichte Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen, formalgedanklich gehemmt, leicht ver
l
angsamt sowie mittelgradiges Grübeln. Im Affekt Gefühl der Gefühllosigkeit,
leicht affektarm, Störu
ng der Vitalgefühle, deprimiert,
leicht hoffnungslos, schwer
gereizt, schwere Insuffizienzgefühle, Schuldgefühle, leicht affektstarr, Schamge
fühle, Antriebsarmut, Abendtief, sozialer R
ückzug, passive Todeswünsche sowie
Wechsel von vermindertem und gesteigertem Appetit (S. 4
Ziff.
2.4). I
m Rahmen des stationären Aufenthaltes habe sich der Zustand der Patientin rasch gebessert (mehr Energie, Freude, Interessen,
ausgeglichenere
Stimmung), woraufhin regel
mässige Belastungsurlaube im häuslichen Umfeld durchgeführt worden seien (S. 2
Ziff.
2.1). Infolge der hohen Anforderungen im familiären Umfeld gelinge es der P
atientin seit
Austritt weniger gut, ihre Ressourcen im Alltag zu pflegen, was mittelfristig zu einer Zustandsverschlechterung führen
könnte
(S. 3
Ziff.
2.2).
Vom 2
9.
Oktober 2018 bis 2
0.
Januar 2019
sei der Patientin
eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten attestiert
worden
(S. 2
Ziff.
1.3), wobei
sie
insgesamt
seit Mai 2018 krankgeschrieben sei (S. 5
Ziff.
3.2). Eine Arbeits
fähig
keit könne erst dann wieder erwartet werden, wenn für die Schwierig
keiten mit ihren Kindern und die
Kinderbetreuung eine stabile und funktionierende Lösung gefunden werde, die keine wöchentlichen Kriseninterven
tionen in der Schule und
andere
Betreuungssituationen mehr erfordern würden. Gemeinsam mit dem Kinds
vater, dem Sozialamt, dem Familienbegleiter, der Schule, dem Hort und den in
vol
vierten Kinderpsychiatern suche die Patientin aktuell nach geeigneten Lösun
gen und zeige sich dabei
kooperativ. Wie lange es dauere
bis ein geeignetes Setting gefunden werden könne,
sei
aus jetzi
ger Sicht nicht beurteilbar
. Sobald eine stabile familiäre Situation erreicht werden könne, sei mittelfristig eine volle Arbeits
fähigkeit zu erwarten (S. 4
Ziff.
2.7).
Die Aussichten für eine Wieder
eingli
ederung, gegebenenfalls in eine andere
Berufstätigkeit, würden nach Stabi
li
sierung der familiären Situation als
erfolgsversprechend eingeschätzt
(S. 6
Ziff.
5).
3.5
Dr.
med.
E._
diagnostizierte mit Bericht vom
5.
Februar 2019 (
Urk.
10/27)
eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1), mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3
Ziff.
2.5).
Die medizinische Situation habe sich verbessert (S. 2
Ziff.
2.1). Zurzeit erfolge eine weitere Stabi
lisierung, wobei die Prognose positiv sei (S. 3
Ziff.
2.7).
3.6
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete
am 1
9.
Juli 2019
ein psychiatrisches Fachgutachten über die von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene psychiatrische Untersuchung vom 1
8.
Juni 2019 (
Urk.
10/44/2-16)
. Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig inkomplett remittiert (ICD-10 F33.4
; S. 10
Mitte
, S. 12
Ziff.
4.1
).
Anlässlich der Begutachtung habe die Versicherte von Defiziten in den Bereichen Affektivität,
Hedonie
und Psychomotorik berichtet. Im beobachtbaren Teil des Befundes hätten die
g
eklagten Defizite allerdings nur teilweise eine Entsprechung gefunden, dies bei grundsätzlich authentischem Beschwerdebild. In der momen
tanen psychosozialen Situation erscheine überwiegend wahrscheinlich, dass die
wahrgenommenen Defizite grösstenteils als Reaktion auf die psychosozialen Stres
s
oren und nicht als (Rest-)Symptome der inkomplett remittierten affektiven Stö
rung einzuordnen seien. Die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung sei zu bestätigen, auch wenn die genaue Anzahl der durchgemachten Episoden retrospektiv nicht mit notwendiger Sicherheit bestimmt werden könne. Im Ge
spräch habe die Versicherte vor allem aufgrund von
Antwortlatenzen
auffällig gewirkt. Da sie jedoch keine relevanten Defizite in den Bereichen Kognition und
Mnestik
aufgewiesen habe, sei dies am ehesten
einer
konstitutionelle
n
Veran
lagung zuzuordnen. Erst nach der Geburt der Zwillinge sei die Versicherte in ihrem psychischen Gleichgewicht
dekompensiert
und habe eine depressive Epi
sode entwickelt, welche sich momentan im Zustand einer inkompletten Remission befinde
(S. 10).
Bei der Versicherten sei ein stark auffälliger Entwicklungsverlauf beschrieben. Bereits im frühen
Adoleszenzalter
sei sie nicht gewillt gewesen, reglemen
tie
ren
den Einflüssen ihrer Umgebung zu folgen
. Zugleich habe sie
aber
über
e
rhebliche Ressourcen verfügt
, sodass es ihr bei Persistenz der Verhaltensauffälligkeiten inklusive Delinquenz und der Fortsetzung des Konsums von psychoaktiven Sub
stanzen möglich gewesen sei, eine Fachhochschulreife zu erreichen und einige Semester an einer Hochschule zu studieren. Es könne daher nicht ausgeschlossen werden, dass die Versicherte in ihren jüngeren Jahren mit dazumal ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten die ICD-10-Eingangskriterien einer Persönlichkeitss
tö
rung erfüllt habe. Anfang 20 sei es ihr wahrscheinlich
in Verbindung mit der stattgefundenen Nachreifung der Persönlichkeitsstruktur und der Verbesserung
der Affektregulation möglich geworden, den Konsum von Substanzen ohne fremde
Hilfe zu sistieren, was einiges an positiven Veränderungen in ihrer Lebensführung bewirkt habe. Überwiegend wahrscheinlich erscheine, dass ab diesem Zeitpunkt die Eingangskriterien einer P
ersönlichkeitsstör
ung nach ICD-10 nicht mehr erfüllt gewesen seien
. In der Persönlichkeitsstruktur der Versicherten würden sich derzeit emotional instabile und impulsive Züge bemerkbar machen, dies im Sinne einer Akzentuierung, was
jedoch
keine medizinische Diagnose konstituiert (S. 11 oben).
Die im Berich
t vom Sanatorium
D._
vom 2
4.
Januar 2019 (vgl. vorstehend E. 3.4
) erwähnten Defizite
,
wie
beispielsweise
Merkfähigkeits- und Gedächtnis
störungen, affekti
ve Störungen, Antriebsarmut,
sozialer Rückzug sowie Auffällig
keiten im Essverhalten
,
lägen nicht mehr vor. Demzufolge habe ei
ne erhebliche Verbesserung des
psychischen Zustandsbild
es
stattgefunden. Die bisherige Be
hand
lung sei gut wirksam, sodass aus psychiatrischer Sicht derzeit keine Arbeits
unfähigkeit vorliege
. Diese Beurteilung stimme mit der Selbsteinschätzung der Versicherten überein, welche als Ursache ihrer momentanen Arbeitsunfähigkeit überwiegend bis ausschliesslich psychosoziale Gründe nenne (S. 11 unten). Aus
genommen
von
dieser Beurteilung seien Tätigkeiten, welche nachts und in
frequentem
Schichtbetrieb ausgeführt werden müssten. Für solche Tätigkeiten bestehe dauerhaft keine Arbeitsfähigkeit (S. 12 oben).
4.
4.1
Im Rahmen der Neuanmeldung reichte die Beschwerdeführerin
die folgenden medizinischen Berichte ein:
4.2
Die behandelnden Fachpersonen der Praxis
für Neuropsychologie
G._
GmbH
berichteten am 1
5.
Februar 2021 über die neuropsychologische Untersuchung vom 2
6.
Januar 2021 (
Urk.
10/69).
Sie führten aus, dass aufgrund der schulischen und beruflichen Laufbahn von einem mindestens durchschnittlichen allgemeinen kognitiven Leitungsniveau ausgegangen werden könne. Mit dieser Einschätzung würden sich auch die Ergebnisse aktuell erhobener Leistungsverfahren, die mehrheitlich durchschnittlich ausgefallen seien, decken. Im Vergleich dazu hätten sich punktuelle respektive leichte Einbussen im Bereich
attentionaler
, qualitativ exekutiver und sekundär mnestis
cher Funktionen gezeigt (S. 4-5
).
Basierend auf der testpsychologischen Un
tersuchung, den anamnestischen A
n
gaben, der Verhaltensbeobachtung sowie
den
erhobenen Fragebogenmassen seie
n die Kriterien für die Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksam
keits
störung (ADHS) im Erwachsenenalter nicht erfüllt. Insbesondere hätten sich test
psychologisch keine diagnosetypischen übergreifenden, sondern lediglich punk
tu
elle respektive sehr spezifische
attentionale
und qualitativ exekutive Einbussen gezeigt. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich die erhobenen, sehr spezifi
schen
attentionalen
(e.g. erhöhte Störbarkeit durch irritierende Reize) sowie qua
litativ exekutiven Auffälligkeiten (e.g. im Bereich der Handlungskontrolle), ebenso wie die anamnestisch beschriebenen Schwierigkeiten, sich im Alltag hin
reichend emotional abzugrenzen, Anforderungen zu priorisieren und eine Über
reizung zu erleben, im Rahmen
der
psychiatrischerseits
beschriebenen emotional instabilen und impulsiven P
ersönlichkeitsmerkmale
einordnen liessen. In Bezug auf die diagnostizierte depressive Störung sei angesichts der aktuellen Befunde von keinem relevanten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit auszugehen (S. 6).
Aus neuropsychologischer Sicht sei basierend auf den aktuellen testpsycholo
gischen Befunden keine neuropsychologische Therapie oder entsprechende medi
kamentöse Behandlung indiziert.
Basierend auf den anamnestischen Angaben
respektive dem Alltagserleben biete sich jedoch an, wieder eine stützende psy
cho
therapeutische Begleitung aufzunehmen. Im Hinblick auf die berufliche Wie
dereingliederung werde aus neuropsychologischer Sicht zudem empfohlen, die Berufswahl zu überdenken und aus psychiatrischer Sicht zu prüfen, ob ein länger
fristiger Erhalt der psychischen Gesundheit in einem sozialen Beruf überhaupt möglich sei (S. 7).
4.3
Med.
pract
.
H._
,
Oberärztin, und
Dr.
med.
I._
, Assistenzärztin, des Ambulatoriums
J._
der Psychiatrischen Universi
täts
klinik
K._
, führten im Bericht vom
5.
Juli 2021 (
Urk.
10/85) aus, dass sich die Patientin seit April 2021 in ihrer psychiatrisch-psychothera
peuti
schen Behandlung befinde. Sie stellten die folgenden Diagnosen
mit Einfluss auf die Leistungsfähigkeit (
Ziff.
4):
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen des Clusters B (ICD-10 F61
)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
Sie hielten fest, dass bei der Patientin eine kombinierte Persönlichkeitsstörung des Clusters B bestehe. Dies führe zu Schwierigkeiten in der Beziehungsge
stal
tung, des Selbstwertes sowie im Erkennen und Einhalten eigener Grenzen. All
gemein
sei
bei Persönlichkeitsstörungen zu beachten, dass das Funktionsniveau des jeweiligen
Betroffenen Schwankungen (beispielsweise
Zu- und Abnahme de
pressiver Symptome) je nach Belastungslevel unterliege und somit eine Hetero
genität aufweise (
Ziff.
1). In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
(
Ziff.
2). Eine Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätig
keit sei nicht gegeben und es werde ein Wechsel des Tätigkeitsfeldes empfohlen. Die Symptome der Persönlichkeitsstörung würden sich vor allem in Schwierig
keiten im zwischenmenschlichen Bereich zeigen. Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit, Widerstands- und Durchhaltefähigkeit sowie Selbstbehauptungs- und Gruppenfähigkeit seien hierdurch beeinträchtigt. Die Patientin berichte von Reiz
barkeit, starken Emotionen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie zeitweise man
gelnder
Empathiefähigkeit
, wenn sie sich überfordert fühle. Eine pflegerische Tätigkeit mit hoher Eigenverantwortung und interpersonellen Anforderungen werde aufgrund der psychischen Labilität der Patientin als ungeeignet erachtet (
Ziff.
3).
5.
5.1
Nach der Einschätzung der Beschwerdegegnerin vermochte die Beschwerde
füh
rerin eine
seit der letzten
leistungs
verneinenden Verfügung vom 1
4.
November
201
9
(
Urk.
10/50)
eingetretene Verschlechterung des psychischen Gesundheits
zustandes nicht glaubhaft zu machen
. Sie stellte sich dabei insbesondere auf den Standpunkt, dass der Bericht der
behandelnden Ärzte der
Psychiatrischen Universitätsklinik K._
vom
5.
Juli 2021 (vgl. vorstehend E. 4.3
) keine neuen aussagekräftigen Verände
rungen aufweise (vorstehend E. 2.1
).
5.2
Für die
erstmalige Beurteilung des Leistungsanspruchs der B
eschwerdeführerin stützte sich die Beschwerdegegnerin
im Wesentlichen auf das von der Kranken
taggeldversicherung in Auft
rag gegebene Gutachten von
Dr.
F._
vom 1
9.
Juli 2019 (vorstehend E. 3.6
).
Dieser
erachtete es als überwiegend wahrschein
lich, dass die wahrgenommenen Defizite grösstenteils als Reaktion auf die psy
chosozialen Stressoren und nicht als Symptome der in
komplett remittierten, rezi
divierenden depressiven
Störung einzuordnen seien
.
Die
von den behandelnden Fachpersonen des Sanatoriums
D._
bei Eintritt in die stationäre Behandlung erhobenen Befunde
wie
beispielsweise
Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen, affektive Störungen, Antriebsarmut, sozialer Rückzug sowie Auffälligkeiten im Essverhalten ko
nnte er
sodann
nicht mehr feststellen, weshalb er von einer erheb
lichen Verbesserung des psychischen Zustandsbildes ausging
und die
diesbe
züg
lichen
bisherigen Behandlungsmassnahmen
als gut wirksam erachtete.
Auch den im Rahmen der
erstmaligen Leistungsprüfung
eingegangenen Berichte
n
der
be
han
delnden Fachpersonen liess
sich im Verlauf eine Verbesserung des Gesund
heitszustands der Beschwerdeführerin
entnehmen.
So berichteten die behandeln
den Fachpersonen des Sanatoriums
D._
von einer raschen Besserung des Zustands der Beschwerdeführerin im Rahmen des stationären Aufenthalts (
mehr Energie, Freude, Interessen,
ausgeglichenere
Stimmung;
vgl. vorstehend E. 3.4
)
. Auch
Dr.
E._
ging
im Bericht vom
5.
Februar 2019 (vorstehend E. 3.5
)
von einer verbesserten medizinischen Situation
sowie
einer positiven Prognose zur Arbeits
fähigke
it aus. Im Ergebnis konnte
Dr.
F._
im Zeitpunkt der
Begutachtung
vom Juni 2019
keine Arbeitsunfähigkeit
in psychiatrischer Hinsicht
feststellen
,
was mit
der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin
dahingehend
überein
stimmte
,
als sie
anlässlich der Begutachtung
überwiegend bis ausschliesslich psychosoziale Gründe
als Ursache
für ihre
Arbeitsunfähigkeit
aufführte (vgl.
Urk.
10/44 S. 8 Mitte).
5.3
Demgegenüber
nannten die Ärzte der
Psychiatrischen Universitätsklinik K._
in
dem
im Rahmen der erneuten Anmel
dung eingereichten Bericht vom
5.
Juli 2021 (vorstehend E. 4.3
) neu eine Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F61 als Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
.
B
ereits
Dr.
F._
erachtete es als nicht ausgeschlossen
, dass
die Beschwerdeführerin
in jüngeren Jahren
mit dazumal ausgeprägten Verhal
tens
auffälligkeiten
die Eingangskriterien einer P
ersönlichkeitsstörung erfüllt hatte
.
Im Zeitpunkt der Begutachtung
verneinte er indes ausdrücklich das Vor
liegen einer Persönlichkeitsstörung. Die
von ihm erwähnten
emotional instabilen und impulsiven Züge
im Sinne einer Akzentui
erung (ICD- 10 Z73.1) führte er
letztendlich
nicht als Diagnose
- auch nicht ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit -
auf
(vgl.
Urk.
10/44 S. 13
f.
Ziff.
4.1-
4.2).
In
Bezug auf Persönlich
keits
störungen
im Sinne
der
ICD-10 ist
sodann
festzuhalten, dass diese im All
gemeinen häufig erstmals in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erschei
nung treten und sich im Erwachsenenalter endgültig manifestieren (vgl.
Dilling
/
Mom
bour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel
V, Klinisch-diagnostische Leitlini
en, 1
0.
Aufl., Bern 2015, S. 276
).
Im Hinblick auf die neu gestellte Diagnose einer kombinierten Persönlichkeits
stö
rung erstaunt somit nicht, dass sich
Dr.
F._
bereits im G
utachten vom 1
9.
Juli 2019
mit dem auffälligen Entwicklungsverlauf und den Verhaltensauffälligkeiten der Be
schwerdeführerin auseinandersetzte. Dass er diesen im Zeitpunkt der Begutach
tung keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannte, vermag eine all
fällige Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands indes nicht von vornherein auszuschliessen.
5.4
Veränderunge
n ergeben sich vorliegend
jedoch
nicht
nur in Bezug auf die ge
nannten Diagnosen, sondern auch hinsichtlich der
Befundlage
.
Im
Rahmen der
erstmaligen Leistungsprüfung
wurden
vorwiegend
Defizite im Zusammenhang mit der
affektiven Störung
festgestellt
,
wobei es im Verlauf zu einer erheblichen Verbesserung des psychischen Zu
standsbilds kam (
vgl.
vorstehend E. 5.2
).
Auch die
Ärzte der
Psychiatrischen Universitätsklinik K._
erachte
te
n
die rezidivierende depressive Störung gegen
wärtig als remittiert
,
stellten jedoch aufgrund der Persönlichkeitsstörung eine einge
schränkte Leistungsfähigkeit fest. Sie
führten
aus
, dass die diagnostizierte kombi
nierte Persönlichkeitsstörung des Clusters B zu Schwierigkeiten in der Bezie
hungsgestaltung, des Selbstwertes sowie im Erkennen und Einhalten eigener Grenzen führe. Die Symptome der Persönlichkeitsstörung würden sich vor allem in Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich zeigen, wobei Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Widerstands- und Durchhaltefähigkeit sowie
Selbstbe
hauptungs
- und Gruppenfähigkeit hierdurch beeinträchtigt seien.
Die Beschwer
deführerin
habe
von Reizbarkeit, starken Emotionen, Konzentrations
schwierig
keiten sowie zeitweise mangelnder
Empathiefähigkeit
berichtet
, wenn sie sich überfordert fühle. Aufgrund der psychischen Labilität der Beschwerdeführerin erachteten sie eine pflegerische Tätigkeit mit hoher Eigenverantwortung und interpersonellen Anforderungen für ungeeignet und die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als nicht mehr arbeitsfähig.
Nach dem Gesagten
schein
en
aktuell
nicht mehr die
Symptome einer depressiven Störung, sondern
die Beschwerden im Zusammenhang mit der neu diagnosti
zierten Persönlichkeitsstörung im V
ordergrund zu stehen.
Insgesamt ergeben sich mit der geänderten Befundlage sowie mit der glaubhaft gemachten
und
durch die Beschwerdegegnerin
näher abzuklärenden
Diagnose einer kombinierten
Persön
lich
keitsstörung
somit
gewisse
Anhaltspunkte für eine mögliche Verschlechte
rung des Gesundheit
szustands
der Beschwerdeführerin
, welche insbesondere Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit haben könnte.
Mit
dem Beweismass des Glaubhaftmachens
sind
herabgesetzte Anf
orderung
en
an den Beweis verbunden. Dieses ist als erfüllt zu betrachten, wenn - wie vorliegend -
für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachum
stan
des wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen
(vgl. vorstehend E. 1.3
)
.
5.5
Zusammenfassend
ist gestützt auf
den
Bericht der Ärzte der
Psychiatrischen Universitätsklinik K._
vom
5.
Juli 2021
glaubhaft dargetan, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der letzten Beurteilung der Verhältnisse im Jahre
2019
massgeblich ver
schlechtert hat. Die Beschwerdegegnerin ist damit auf die Neuanmeldung zu Unrecht nicht eingetreten, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur materiellen Beurteilung an die Verwaltung zurückzuweisen ist.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
l
iegend sind die Kosten auf
Fr.
5
00.-- festzulegen und der unterliegenden Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.