Decision ID: 2c4d8f76-15f0-47b4-bedb-ab1a0886ab72
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch X._, ehemaliger Beistand der Beschwerdeführerin,
und
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Y._, heute zuständigeBeiständin der Beschwerdeführerin,
Beigeladene,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rückerstattung von Ergänzungsleistung zur IV/Erlass (Nichteintreten)
Sachverhalt:
A.
A.a K._, Jahrgang 1967, bezieht seit längerem Ergänzungsleitungen (EL) zur IV-
Rente. Am 16. August 2005 ernannte die Vormundschaftsbehörde A._ X._ zum
Beistand der Versicherten (EL-act. 84-1/11). Mit Beschluss der
Vormundschaftsbehörde B._ vom 11. März 2009 wurde die Beistandschaft zur
Weiterführung an die Vormundschaftsbehörde der Stadt C._ übertragen (EL-act.
55-1/2). Mit Urkunde vom 23. April 2009 ernannte diese Y._ zur Beiständin der
Versicherten (EL-act. 25-1/2). Im Mai 2009 stellte die Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen als kantonale EL-Durchführungsstelle fest, dass die Versicherte per 15. August
2008 aus der D._ der Heimstätten C._ ausgetreten und in eine eigene Wohnung in
C._ umgezogen war. In der Folge berechnete die EL-Durchführungsstelle den EL-
Anspruch der Versicherten unter Anrechnung der Mietkosten für die Wohnung anstelle
der bisher berücksichtigten Heimtaxe rückwirkend per 1. September 2008 neu und
forderte mit Verfügung vom 28. Juli 2009 die in der Periode vom 1. September 2008 bis
31. Juli 2009 zu viel ausbezahlten EL in der Höhe von Fr. 16'298.- zurück (EL-act.
42-1/2).
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A.b Am 31. August 2009 stellte die Beiständin der Versicherten ein Gesuch um
Teilerlass der Rückforderung in der Höhe von Fr. 6'298.-. Gegen die
Rückforderungsverfügung vom 28. Juli 2009 wurde keine Einsprache erhoben (EL-act.
9-3/8). Mit Verfügung vom 10. September 2009 wies die EL-Durchführungsstelle das
Erlassgesuch ab (EL-act. 9-1/8).
A.c Mit Schreiben vom 8. Oktober 2009 gelangte die Beiständin an die
Vormundschaftsbehörde B._ und ersuchte um Prüfung einer Kostenübernahme von
Fr. 3'617.-. Der ehemalige Beistand der Versicherten habe es unterlassen, den
Heimaustritt der SVA zu melden. Dem Schreiben wurden die Rückforderungsverfügung
vom 28. Juli 2009 sowie die Verfügung betreffend Erlassgesuch vom 10. September
2009 beigelegt (EL-act. 8-8/9 f.).
A.d Mit Schreiben vom 28. Oktober 2009 teilte die Präsidentin der
Vormundschaftsbehörde B._ der Beiständin mit, dass der ehemalige Beistand
angewiesen werde, den entstandenen Schaden von Fr. 3'617.- der Versicherung zu
melden. Das Schreiben wurde dem ehemaligen Beistand in Kopie zugestellt (EL-act.
8-7/9).
A.e Am 11. November 2009 erhob der ehemalige Beistand Einsprache gegen die
Rückerstattungsverfügung vom 28. Juli 2009 und die Verfügung vom 10. September
2009 (EL-act. 7-1/3). Mit Einspracheentscheid vom 9. Februar 2010 trat der
Rechtsdienst der SVA in Vertretung der EL-Durchführungsstelle nicht auf die
Einsprache ein (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 18. Februar
2010. In Vertretung der Beschwerdeführerin beantragt der ehemalige Beistand die
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 9. Februar 2010. Die Beschwerdegegnerin
sei anzuweisen, auf ihren Entscheid zurückzukommen und der Beschwerdeführerin die
EL-Rückerstattung zu erlassen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. Februar 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
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B.c Auf eine Replik wurde sinngemäss verzichtet (act. G 6).
B.d Mit Schreiben vom 18. August 2010 teilte die Gerichtsleitung dem ehemaligen
Beistand mit, dass er die Beschwerdeführerin ohne gültige Prozessvollmacht nicht
vertreten könne (act. G 6). Am 31. August 2010 reichte dieser eine Vollmacht der
Beschwerdeführerin nach (act. G 7.1).

Erwägungen:
1.
1.1. Die Beschwerde richtet sich gegen den vorinstanzlichen Nichteintretensentscheid.
Das Versicherungsgericht hat daher zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
auf die bei ihr erhobene Einsprache nicht eingetreten ist. Dagegen kann nicht geprüft
werden, ob die Voraussetzungen für die Rückforderung an sich und für den Erlass der
Rückforderung gegeben sind (vgl. sinngemäss BGE 132 V 74, Erw. 1.1; Urteil
9C_432/2007 des Bundesgerichts vom 6. November 2007, Erw. 1).
1.2. Die Beschwerdegegnerin begründet den Nichteintretensentscheid damit, dass die
Einsprache vom 9. November 2009 verspätet erfolgt sei. Sie geht offensichtlich davon
aus, dass der ehemalige Beistand die Einsprache als Vertreter der Versicherten
erhoben hat (vgl. auch das Rubrum des Einspracheentscheids, act. G 1.1.1). Dies,
obwohl er im Zeitpunkt der Einsprache nicht mehr als Beistand der Versicherten amtete
und eine Vollmacht zur Vertretung der Versicherten im Einspracheverfahren nicht vorlag
(EL-act. 7). Im Beschwerdeverfahren ist der ehemalige Beistand explizit als Vertreter
der Versicherten aufgetreten und hat die entsprechende Prozessvollmacht
nachgereicht (act. G 1, 7.1). Geht man mit der Beschwerdegegnerin davon aus, dass
die Einsprache vom 9. November 2009 in Vertretung der Versicherten erhoben wurde,
muss sie als deutlich verspätetet betrachtet werden. Die Rückforderungsverfügung
vom 28. Juli 2009 (erhalten am 31. Juli 2009) und die Verfügung betreffend Erlass der
EL-Rückforderung vom 10. September 2009 (erhalten am 15. September 2009) wurden
beide korrekt der zuständigen Beiständin eröffnet (EL act. 9-1/8, 9-4/8). Es ist nicht
ersichtlich, weshalb die Verfügungen ebenfalls dem ehemaligen Beistand hätten
eröffnet werden müssen. Es liegt kein Drittbezug zu einem anderen leistungspflichten
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Versicherungsträger i.S.v. Art. 49 Abs. 4 ATSG vor, und der ehemalige Bestand ist
nicht als Dritter mit Parteiqualität i.S.v. Art. 34 Abs. 1 VwVG zu betrachten (Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Rz. 34 zu Art. 49 ATSG). Die 30-tägige
Rechtsmittelfrist zur Anfechtung der Verfügungen nach Art. 52 Abs. 1 ATSG begann
somit am 16. August 2009 bzw. am 16. September 2009 zu laufen. Die Einsprache vom
9. November 2009 erweist sich somit als verspätet. Ein Fristwiederherstellungsgesuch
ist nicht gestellt worden.
2.
2.1 Es stellt sich jedoch die Frage, ob der ehemalige Beistand die Einsprache in
eigenem Namen erhoben hat. Bereits die Formulierung der Einsprache ("Hiermit erhebe
ich als ehemaliger Beistand [....] Einsprache gegen [....]") sowie der Umstand, dass
keine Prozessvollmacht eingereicht wurde, erweckt den Eindruck, dass der ehemalige
Beistand in eigenem Namen handelte. Sodann wird die Einsprache im Wesentlichen
damit begründet, dass die nunmehr zuständige Beiständin die Vormundschaftbehörde
B._ um Prüfung der Kostenübernahme von Fr. 3'617.- für einen angeblichen
Schaden, der durch eine Unterlassung seinerseits entstanden sein soll, ersuche. Die
EL-Durchführungsstelle habe ihn von der Rückforderung nicht in Kenntnis gesetzt,
obwohl sie den Zeitraum September 2008 bis und mit Juli 2009 betreffe und somit
teilweise in seinen Verantwortungsbereich als Beistand falle. Entgegen der Auffassung
der Beschwerdegegnerin habe er seine Verantwortung als Beistand vollumfänglich
wahrgenommen. Den Umzug von der Heimstätte C._ in die eigene Wohnung habe er
der AHV-Zweigstelle A._ bereits am 12. August 2008 schriftlich mitgeteilt. Als
betroffener ehemaliger Beistand habe er erst am 29. Oktober 2009 von der
Rückforderung Kenntnis erhalten. Die Rechtsmittelfrist sei daher gewahrt (EL-act. 7).
Geht man davon aus, dass der ehemalige Beistand die Einsprache in eigenem Namen
erhoben hat, wäre im Einspracheentscheid zunächst seine Legitimation zur
Einspracheerhebung zu prüfen gewesen. Wäre diese bejaht worden, hätte in einem
zweiten Schritt geprüft werden müssen, ob die Rechtsmittelfrist für die Einsprache erst
mit Kenntnis der beiden Verfügungen, also am 30. Oktober 2009, zu laufen begann.
2.2 Die Legitimation, eine Verfügung mit Einsprache anzufechten, ergibt sich nicht aus
Art. 52 ATSG, sondern aus der sinngemässen Anwendung von Art. 59 ATSG. Die
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Legitimation im Einspracheverfahren ist also weder weiter noch enger als diejenige im
anschliessenden Beschwerdeverfahren (Ueli Kieser, a.a.O., Rz. 45 zu Art. 52 ATSG
m.H.a. BGE 131 V 299 f.). Nach Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch
die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Einspracheentscheid berührt ist
und ein schutzwürdiges Interesse an deren oder dessen Aufhebung oder Änderung hat.
Besondere Bedeutung kommt dem Legitimationserfordernis zu, wenn nicht der
Verfügungsadressat im materiellen Sinn, sondern ein Dritter (Drittbeschwerdeführer)
den Entscheid anficht (BGE 127 V 80 Erw. 3a/aa m.H.). Hier haben die
Legitimationsanforderungen die Funktion, die Popularbeschwerde auszuschliessen,
weshalb bei der Bejahung der Beschwerdelegitimation von Drittbeschwerdeführern
Zurückhaltung geboten ist. Erforderlich ist ein spezifisches Rechtsschutzinteresse,
welches nur bejaht wird, wenn der Dritte ein unmittelbares und konkretes Interesse an
der Aufhebung oder Änderung der Verfügung hat oder eine spezifische, besonders
nahe Beziehung zur Streitsache für sich in Anspruch nehmen kann. Das allgemeine
Interesse an der richtigen Auslegung und Durchsetzung des Bundesrechts genügt nicht
(BGE 133 V 188, Erw. 4.3.3 m. H.).
2.3 Ein spezifisches Rechtsschutzinteresse könnte vorliegend etwa dann bejaht
werden, wenn der ehemalige Beistand für von der Versicherten zu viel bezogene EL
persönlich rückerstattungspflichtig wäre. Eine persönliche Rückerstattungspflicht ist
jedoch sowohl für den Vormund als auch für den Beistand als gesetzlicher Vertreter
des Mündels zu verneinen. Vielmehr hat die Rückerstattung allfällig zu Unrecht
bezogener Leistungen – und dies selbst bei Auszahlung an den gesetzlichen Vertreter –
aus dem Mündelvermögen zu erfolgen (BGE 112 V 102). Ein finanzielles Interesse des
Beistands an der Aufhebung der Verfügungen aufgrund einer persönlichen
Rückerstattungspflicht besteht somit nicht. Man könnte sich indessen fragen, ob der
ehemalige Beistand aufgrund eines drohenden Verantwortlichkeits- bzw.
Haftpflichtverfahrens zur Einsprache legitimiert gewesen sein könnte. Auch dies muss
verneint werden, denn es würde sich dabei wiederum um ein finanzielles Interesse des
Beistands handeln, das nicht unmittelbar aus der Entscheidung des
Versicherungsträgers hervorginge, sondern sich indirekt aus dem Ergebnis eines
allfälligen Verantwortlichkeitsprozesses ergeben würde. Die Konsequenzen aus einem
etwaigen Fehlverhalten des Beistands im Verhältnis zu seinem Mündel können jedoch
nicht Gegenstand des Sozialversicherungsprozesses sein (BGE 112 V 104). Ohne
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Gewissheit darüber zu haben, ob vorliegend die Voraussetzungen einer Haftung des
ehemaligen Beistands überhaupt gegeben sind bzw. sein können, bestünde das
Interesse an der Aufhebung der Verfügungen von vornherein höchstens indirekt oder
bloss theoretisch und wäre somit weder unmittelbar noch konkret. Ein spezifisches
Rechtsschutzinteresse des ehemaligen Beistands an der Aufhebung der beiden
Verfügungen wäre dementsprechend zu verneinen.
2.4 Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die Einsprache im Namen der
Vormundschaftsbehörde B._ erfolgte, wäre die Legitimation zur Einsprache zu
verneinen. Die Vormundschaftsbehörde B._ war im massgebenden Zeitpunkt nicht
mehr für die Beschwerdeführerin zuständig. Dementsprechend war sie auch nicht
Adressatin der angefochtenen Verfügungen. Sodann ist den Akten nicht zu entnehmen,
dass sie während ihrer Zuständigkeit Leistungen als Drittempfängerin zur Verwaltung
bzw. mit dem Auftrag, sie für die Versicherte zu verwenden, erhalten hat. Die
Vormundschaftsbehörde B._ ist weder leistungspflichtige Versicherungsträgerin i.S.v.
Art. 49 Abs. 4 ATSG, noch trifft sie eine Rückerstattungspflicht (vgl. Urteil des EVGE
vom 31. Januar 2003, [P 27/1], Erw. 2.2; BGE 133 V 188, Erw. 4.4.1; Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL 2001/41 vom 20. Juni 2002, Erw. 1
b).
2.5 Somit ist festzuhalten, dass der ehemalige Beistand nicht legitimiert gewesen wäre,
in eigenem Namen gegen die Verfügungen vom 28. Juli 2009 und 10. September 2009
Einsprache zu erheben.
3.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Einsprache vom 9. November 2009 –
betrachtet als Einsprache in Vertretung der Versicherten – verspätet erfolgte. Der
Nicheintretensentscheid vom 9. Februar 2010 ist somit nicht zu beanstanden. Selbst
wenn man davon ausginge, dass der ehemalige Beistand die Einsprache vom 9.
November 2009 im eigenen Namen erhoben hat, wäre mangels Legitimation nicht auf
die Einsprache einzutreten gewesen. Der Nichteintretensentscheid vom 9. Februar
2010 wäre im Ergebnis auch in diesem Fall korrekt.
4.
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4.1 Aufgrund dieser Erwägungen ist die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid
vom 9. Februar 2010 abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53