Decision ID: f0eee6ea-6292-5a29-9a62-d336a25ff1f0
Year: 2021
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1965 geborene A._, ... (Versicherter bzw. Beschwerdeführer), meldete sich im Juli 2006 unter Hinweis auf Depressionen bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV, Antwortbeilage [AB] 1, 65 S. 12). Nach medizinischen und erwerblichen Erhebungen und insbesondere nach Einholung eines Gutachtens von Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 25. Februar 2008 (AB 41) wies die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 5. Februar 2009 (AB 58) bei einem ermittelten Invaliditätsgrad (IV-Grad) von 19% ab. Diese Verfügung blieb unangefochten. Im Januar 2012 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Depression erneut bei der IV zum Leistungsbezug an (AB 62). Daraufhin führte die IVB weitere medizinische und erwerbliche Erhebungen durch. Dabei veranlasste sie eine (Verlaufs-)Begutachtung durch Dr. med. C._ (Expertise vom 23. Juli 2014; AB 99.1). Mit Verfügung vom 1. Oktober 2014 (AB 101) wies die IVB das Rentenbegehren bei einem ermittelten IV-Grad von 19% ab. Diese Verfügung blieb wiederum unangefochten.
Im weiteren Verlauf trat die IVB mit Verfügung vom 3. Februar 2016 (AB 110) auf eine Neuanmeldung von November 2015 (AB 102) bezüglich einer Invalidenrente mangels wesentlicher Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht ein. Dagegen gewährte sie diverse berufliche Massnahmen (Belastbarkeitstraining vom 27. Juni bis 25. September 2016 [AB 119], Aufbautraining vom 26. September bis 25. Dezember 2016 [AB 132], wirtschaftsnahe Integration mit Support am Arbeitsplatz mit Praktikum vom 23. Januar bis 22. April 2017, wobei die Massnahme per 10. März 2017 aufgehoben wurde [AB 150, 157], Arbeitsvermittlung [AB 159, 162]).
Nachdem im April 2018 eine Verschlechterung des (psychischen) Gesundheitszustandes geltend gemacht worden war (AB 167), führte die IVB ein weiteres Mal medizinische und erwerbliche Erhebungen durch. Dabei veranlasste sie auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2021, IV/20/747, Seite 3
(RAD; AB 181 und 190) eine bidisziplinäre Begutachtung durch Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. E._, Facharzt für Neurologie (Expertise vom 27. Dezember 2019 [AB 206.1]; vgl. auch Stellungnahme von Dr. med. D._ vom 20. Mai 2020 [AB 208]). Mit Vorbescheid vom 5. Juni 2020 (AB 209) stellte die IVB mangels einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht (IV-Grad von 19%). Damit zeigte sich der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin B._, nicht einverstanden (AB 225). Am 31. August 2020 verfügte die IVB wie im Vorbescheid angekündigt und wies das Rentenbegehren ab (AB 228).
B.
Hiergegen erhob der Versicherte, weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin B._, am 1. Oktober 2020 Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung vom 31. August 2020 sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. April 2018 eine ganze IV-Rente zuzusprechen.

2. Die Verfügung vom 1. Oktober 2014 sei in Wiedererwägung zu ziehen und es sei dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. Januar 2012 mindestens eine halbe IV-Rente zuzusprechen.
3. Dem Beschwerdeführer sei das Recht auf unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren unter Beiordnung von Rechtsanwältin B._ als amtliche Anwältin.
– unter Kostenfolgen –
Mit Beschwerdeantwort vom 11. November 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2021, IV/20/747, Seite 4
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2021, IV/20/747, Seite 5
Erwägungen:
1.
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 31. August 2020 (AB 228). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
Soweit der Beschwerdeführer um Wiedererwägung der (rechtskräftigen) Verfügung vom 1. Oktober 2014 (AB 101) ersucht (Beschwerde S. 2 Ziff. I 2), ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Denn darüber hat die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht befunden. Damit bildet dies nicht Teil des Anfechtungsobjekts und folglich in diesem Verfahren nicht Streitgegenstand (BGE 131 V 164 E. 2.1 S. 164; SVR 2011 UV Nr. 4 S. 13 E. 2.1). Darüber hinaus kann das Gericht die besagte Verfügung nicht in Wiedererwägung ziehen. Diese Befugnis steht einzig der Verwaltung zu, denn eine Verfügung kann nur von der erlassenden Behörde in Wiedererwägung gezogen werden (BGE 125 V 268 E. 3b S.
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