Decision ID: 174b43f3-2acd-435d-91ce-d2da5eec92cb
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 31.05.2018 Art. 17 ATSG. Art. 43 Abs. 3 ATSG. Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung in einem Revisionsverfahren. Umkehr der materiellen Beweislast. Vorläufiger Leistungsstop (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 31. Mai 2018, IV 2016/128).
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-
Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt
Geschäftsnr.
IV 2016/128
Parteien
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter,
Haus Eden, Paradiesweg 2, Postfach, 9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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Gegenstand
Rentenrevision (Einstellung)
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Oktober 1998 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland eine
Tourismusschule besucht respektive eine entsprechende Berufsausbildung
abgeschlossen. Seit der Einreise in die Schweiz habe er im Gleisbau als
Sicherheitswärter gearbeitet. Der Jahreslohn betrage aktuell 13 × 4’220 Franken pro
Monat. Der Internist Dr. med. B._ berichtete im Januar 1999 (IV-act. 9), der
Versicherte leide unter zahlreichen „rheumatischen Beschwerden“, die immer wieder
zum Aussetzen der Arbeitstätigkeit geführt hätten. Das Hauptproblem sei die rechte
Schulter, an der der Versicherte operiert worden sei. Die Suva richte für den
Schulterschaden eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 25 Prozent aus. Der
Versicherte beklage aber auch Knieschmerzen und Rückenschmerzen. Die
Rheumatologin Dr. med. C._ habe ein Fibromyalgiesyndrom diagnostiziert und den
Versicherten zur Wiederaufnahme der Arbeit motiviert. Die leichte Tätigkeit als
Sicherheitswärter sei dem Versicherten zumutbar, jene als Gleismonteur sei dagegen
als zu belastend zu qualifizieren. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische
Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz im Juli 2000 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-
act. 32). Die Sachverständigen führten aus, der Versicherte leide an einem lumbalen
und polyarthralgischen chronischen Schmerzsyndrom, an einem Status nach einer
Acromioplastik am rechten Schultergelenk, an einer beginnenden medialen
Gonarthrose links sowie an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung mit
Anzeichen einer betonten neurovegetativen Reaktionsbereitschaft. Die frühere
Schwerarbeit als Gleisbauer sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Als
Sicherheitswärter sei der Versicherte aber zu 80 Prozent arbeitsfähig. Im November/
Dezember 2001 fand eine berufliche Abklärung durch die berufliche Abklärungsstelle
(BEFAS) Appisberg statt. Diese berichtete im Februar 2002 (IV-act. 66), die Tätigkeit als
Sicherheitswärter sei nicht als ideal leidensadaptiert zu qualifizieren, da der Versicherte
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während des Winters nicht der eigentlichen Tätigkeit eines Sicherheitswärters
nachgehen könne, sondern andere Arbeiten verrichten müsse, die seinen körperlichen
Einschränkungen nicht angemessen seien. Für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit
könne allerdings eine Arbeitsfähigkeit von 85 Prozent attestiert werden. Mit einer
Verfügung vom 10. April 2002 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten von März bis
November 2002 berufliche Massnahmen zur „Umschulung“ zum Mitarbeiter im
administrativen Bereich bei der bisherigen Arbeitgeberin (IV-act. 70). Im August 2002
kündigte die Arbeitgeberin allerdings das Arbeitsverhältnis per Ende November 2002
(IV-act. 72). Zur Begründung führte sie gegenüber dem Berufsberater der IV-Stelle an,
dass die Motivation des Versicherten stark abgenommen habe (IV-act. 73). Im Oktober
2002 berichtete Dr. med. D._ von der sozialpsychiatrischen Beratungsstelle Z._,
der Versicherte sei momentan wegen einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 75). Mit einer Verfügung vom 27.
Februar 2003 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. September
2002 eine Viertels-, mit Wirkung ab dem 1. November 2002 eine halbe und mit Wirkung
ab dem 1. Januar 2003 eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent zu
(IV-act. 90).
A.b Im September 2012 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, einen Fragebogen
zur Überprüfung des Rentenanspruchs auszufüllen. Der Versicherte gab im
entsprechenden Formular an (IV-act. 152), sein Gesundheitszustand habe sich
verschlechtert. Er habe neu Schwierigkeiten mit der Atmung. Das interdisziplinäre
Zentrum für Schlafmedizin des Kantonsspitals St. Gallen berichtete im Oktober 2012
(IV-act. 159), der Versicherte leide an einem schweren obstruktiven Schlafapnoe-
Syndrom ohne eine wesentliche Tagesschläfrigkeit beziehungsweise Vigilanzstörung
am Tag. Der Hausarzt Dr. med. E._ gab im Oktober 2012 an (IV-act. 160), das
Beschwerdebild des Versicherten sei seit der Begutachtung im Wesentlichen
unverändert geblieben. Dieser beklage insbesondere intermittierend stark auftretende
Kopfschmerzen, einen Tinnitus und weitere Ganzkörperschmerzen. Der Versicherte sei
nicht eingliederungsfähig. Im November 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung notwendig sei (IV-act. 161). Am
25. April 2013 erstattete die MEDAS Ostschweiz im Auftrag der IV-Stelle ein
entsprechendes Gutachten (IV-act. 169). Die Sachverständigen hielten fest, der
Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Störung mit einem somatischen
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Syndrom sowie – ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit – an einer
chronischen Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren, an einem
lumbovertebralen Schmerzsyndrom ohne eine radiculäre Symptomatik, an einem
polyarthralgischen chronischen Schmerzsyndrom, an belastungsabhängigen
Schmerzen in den Schultern, in den Kniegelenken und in den Sprunggelenken, an
einem Tinnitus rechts bei einer Innenohrschwerhörigkeit rechts mehr als links, an einem
Schlafapnoesyndrom, an einer arteriellen Hypertonie, an einer Adipositas und an einer
Laktoseintoleranz. Aus internistischer und aus neurologischer Sicht bestehe keine
relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus orthopädischer Sicht sei eine
leidensadaptierte Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht könne
dem im Vorgutachten als somatoforme Schmerzstörung diagnostizierten
Schmerzsyndrom unter Berücksichtigung der aktuellen bundesgerichtlichen
Rechtsprechung keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen werden.
Allerdings habe sich zwischenzeitlich – nicht als Reaktion auf das Schmerzsyndrom –
eine depressive Störung entwickelt, die die Arbeitsfähigkeit des Versicherten um 50
Prozent einschränke. Am 25. Juli 2013 notierte Dr. med. F._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 171), das Gutachten weise „einige
Unklarheiten“ auf: Der internistische Sachverständige habe wegen Gedächtnis- und
Aufmerksamkeitsstörungen eine neuropsychologische Testung empfohlen, aber weder
der neurologische noch der psychiatrische Sachverständige hätten auf Gedächtnis-
oder Aufmerksamkeitsdefizite hingewiesen; dem Gutachten lasse sich nicht eindeutig
entnehmen, ob die Auswirkungen der schlafbezogenen Atemstörung auf die
Arbeitsfähigkeit nun abschliessend beurteilt seien; trotz eines aktenmässig
dokumentierten erheblichen Hörschadens seien keinerlei klinischen oder apparativen
Befunde bezüglich des Hörvermögens erhoben worden; aus arbeitsmedizinischer Sicht
scheine fraglich, dass der Versicherte für Sicherungstätigkeiten im Gleisbereich
eingesetzt werden könne. Auf entsprechende Rückfragen der IV-Stelle hin führten die
Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz am 22. August 2013 aus (IV-act. 174), dass
es tatsächlich sinnvoll sei, eine polysomnographische Untersuchung und
anschliessend eine Reevaluation unter Einschluss einer neuropsychologischen Testung
durchzuführen; bezüglich der Hörschädigung seien dagegen keine weiteren
Abklärungen notwendig, da gemäss den Beobachtungen bei der Untersuchung und
den Angaben des Versicherten diesbezüglich im Alltag keine nennens¬werten
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Einschränkungen bestünden. Der RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 15. Oktober 2013 (IV-
act. 181), die Sachverständigen hätten keine Stellung zur Frage genommen, ob dem
Versicherten die frühere Tätigkeit trotz der Hörbeeinträchtigung zugemutet werden
könne. Allerdings stünden nun ohnehin weitere medizinische Abklärungen im
Vordergrund. Eine erneute schlafmedizinische Untersuchung sei zwar nicht notwendig,
da bereits im August 2012 eine solche durchgeführt worden sei. Aber eine
neuropsychologische Begutachtung sei angezeigt.
A.c Am 13. Januar 2014 teilte Dr. phil. G._ vom Kantonsspital St. Gallen mit, der Ver-
sicherte habe sich bei der neuropsychologischen Begutachtung dermassen quer
gestellt, dass sie diese habe abbrechen müssen (IV-act. 186). Gleichentags bat die IV-
Stelle Dr. G._, den Versicherten zu einer weiteren Untersuchung aufzubieten (IV-act.
189). Am 20. Januar 2014 erstattete Dr. G._ das neuropsychologische Gutachten (IV-
act. 190). Sie hielt fest, sie habe mit dem RAD-Arzt Dr. F._ vereinbart, dass sie den
Versicherten doch nicht zu einer weiteren Untersuchung aufbiete, sondern versuche,
die Sachlage so weit als möglich aus neuropsychologischer Sicht zu beschreiben. Vor
diesem Hintergrund sei es ihr allerdings nicht möglich, die Fragen nach der Diagnose
und nach der Arbeitsfähigkeit zu beantworten. Das Anamnesegespräch habe etwa 40
Minuten gedauert. Der Versicherte habe oft unklare und ausweichende Antworten
gegeben. Auf Rückfragen hin sei es zu psychischen und Verhaltensauffälligkeiten
gekommen. Erst nach dem Abbruch der Untersuchung habe sich der sehr leidend
wirkende Versicherte wieder etwas beruhigt. Die in der Untersuchung festgestellten
Diskrepanzen fänden sich auch in den Akten wieder. Im aktuellen psychiatrischen
Teilgutachten seien sie nicht aufgegriffen worden und folglich auch nicht in die
Beurteilung eingeflossen. Am 4. März 2014 notierte der RAD-Arzt Dr. F._, für die
Beurteilung sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent für leidensadaptierte
Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 191). Mit einem Vorbescheid vom 2. April 2014 teilte
die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Aufhebung der laufenden Rente
gestützt auf die Schlussbestimmungen zum ersten Massnahmenpaket der sechsten
IVG-Revision („IVG-Revision 6a“) vorsehe, da der Versicherte nur an einem
pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebild ohne eine
nachweisbare organische Genese („Päusbonog“) leide, das nicht zum Weiterbezug der
bisherigen Rente berechtige (IV-act. 195). Dagegen liess der Versicherte am 19. Mai
2014 einwenden (IV-act. 199), er habe bei der ursprünglichen Rentenzusprache nicht
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ausschliesslich an einem „Päusbonog“ gelitten. Gemäss dem aktuellen MEDAS-
Gutachten leide er an einer eigenständigen depressiven Störung. Die Voraussetzungen
für eine Rentenaufhebung gestützt auf die Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
seien folglich nicht erfüllt. Mangels einer wesentlichen Verbesserung seines
Gesundheitszustandes seien auch die Voraussetzungen für eine Rentenrevision nicht
erfüllt. Mit einer Verfügung vom 2. Juni 2014 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf
das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 200).
Dagegen liess der Versicherte eine Beschwerde erheben (IV-act.213). Gleichzeitig liess
er unter Bezugnahme auf ein Schreiben der IV-Stelle, wonach diese eine Unterstützung
bei Eingliederungsbemühungen leiste, um eine Kontaktaufnahme durch einen
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle beantragen (IV-act. 216). Am 9.
September 2014 fand ein Erstgespräch betreffend berufliche
Eingliederungsmassnahmen statt (IV-act. 221), bei dem eine verbindliche Vereinbarung
betreffend Arbeitsvermittlungsmassnahmen geschlossen wurde (IV-act. 224). Am 15.
September 2014 verfügte die IV-Stelle, dass die Rente gestützt auf die
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a ab dem 1. September 2014 bis längstens
am 31. August 2016 weiter ausgerichtet werde (IV-act. 226); am 25. September 2014
erging eine weitere (offenbar von der Ausgleichskasse im Auftrag der IV-Stelle erstellte)
Verfügung, mit der die IV-Stelle dem Versicherten (nochmals) für die Zeit ab dem 1.
September 2014 eine ganze Rente zusprach (IV-act. 232). Bereits am 18. September
2014 hatte eine Mitarbeiterin des Rechtsdienstes der IV-Stelle notiert (IV-act. 229), die
Rentenaufhebungsverfügung beruhe auf einem ungenügend abgeklärten Sachverhalt,
weshalb sie widerrufen werden müsse. Anschliessend seien weitere medizinische
Abklärungen durchzuführen. Der Versicherte müsse zur Mitwirkung bei der
Sachverhaltsabklärung gemahnt werden. Mit einer Verfügung vom 29. September 2014
widerrief die IV-Stelle die beschwerdeweise angefochtene Verfügung vom 2. Juni 2014
(IV-act. 231). In der Folge wurde das Beschwerdeverfahren als gegenstandslos
abgeschrieben (IV-act. 240).
A.d Am 14. November 2014 wies die IV-Stelle den Versicherten darauf hin (IV-act.
239), dass eine Verletzung der Mitwirkungspflicht gemäss dem Art. 43 Abs. 3 ATSG
einen Entscheid aufgrund der Akten oder ein Nichteintreten zufolge habe. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung führe eine Verletzung der Mitwirkungspflicht
zudem zu einer Umkehr der Beweislast. Der Versicherte sei verpflichtet, sich einer
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weiteren medizinischen Begutachtung zu unterziehen und dabei adäquat mitzuwirken.
Falls er dieser Pflicht nicht nachkomme, werde die IV-Stelle den Rentenanspruch
gestützt auf die vorliegenden Akten prüfen und die Rente „allenfalls einstellen“. Am 20.
November 2014 teilte sie dem Versicherten mit, dass sie den Psychiater Dr. med. H._
mit der Durchführung einer psychiatrischen Begutachtung beauftragen werde (IV-act.
244). Am 25. November 2014 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, seine
Arbeitsbemühungen einzureichen (IV-act. 247). Dieser antwortete am 27. November
2014, da die Verfügung vom 2. Juni 2014 widerrufen worden sei und da die bisherige
Rente weiter ausgerichtet werde, ohne dass damit eine Verpflichtung zur
Wiedereingliederung verbunden wäre, gehe er davon aus, dass der Nachweis von
Arbeitsbemühungen hinfällig sei (IV-act. 248). Mit einer Mitteilung vom 7. Januar 2015
wies die IV-Stelle „das Leistungsbegehren um weitere berufliche Massnahmen“ ab (IV-
act. 252).
A.e Am 6. Februar 2015 erstattete Dr. H._ im Auftrag der IV-Stelle ein
psychiatrisches Gutachten (IV-act. 254). Er hielt fest, gesamthaft könnte eine
chronische Depression leichten Grades vorliegen, die diagnostisch als eine Dysthymie
zu qualifizieren wäre. Allerdings würde diese Diagnose weitgehend auf den subjektiven
Angaben des Versicherten beruhen. In der Untersuchung hätten nämlich kaum
objektive klinische Befunde für eine depressive Störung erhoben werden können. Im
Vordergrund hätten neuropsychologische Probleme gestanden, aber der consiliarisch
beigezogene Neuropsychologe habe keine verwertbaren Resultate erheben können,
weil eindeutige Hinweise auf eine negative Antwortverzerrung vorgelegen hätten.
Wegen des auch in der psychiatrischen Untersuchung nicht authentischen Verhaltens
des Versicherten könnten weder eine psychiatrische Diagnose gestellt noch eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben werden. Mit anderen Worten sei aus
psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nachweisbar. Im Auftrag
der IV-Stelle führte das Zentrum für Schlafmedizin des Kantonsspitals St. Gallen im
Juni 2015 eine schlafmedizinische Abklärung durch. Es berichtete am 24. Juni 2015
(IV-act. 261), der Verdacht auf ein schwergradiges Schlaf-Apnoe-Syndrom habe sich
bestätigt. Eine Behandlung mit einer CPAP-Maske habe einen guten Erfolg gezeitigt. In
vier Wochen werde eine Verlaufskontrolle durchgeführt. Am 25. August 2015 teilte das
Zentrum für Schlafmedizin des Kantonsspitals St. Gallen mit (IV-act. 263), technisch
habe sich ein positives Ergebnis gezeigt. Der Versicherte habe sich von der Therapie
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aber gestört gefühlt, weshalb dieser (insgesamt der dritte) CPAP-Versuch abgebrochen
worden sei. Nun sei eine psychosomatische Beurteilung geplant. Am 4. September
2015 berichtete das Zentrum für Schlafmedizin des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act.
271), aktuell bestehe eine mittelgradige bis schwere depressive Episode,
wahrscheinlich im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung.
Aktenanamnestisch sei eine somatoforme Schmerzstörung mit einer Fibromyalgie
vorbeschrieben. Man habe dem Versicherten die Fortführung der ambulanten
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung empfohlen. Der RAD-Arzt Dr. F._
notierte im November 2015 (IV-act. 274), der Gesundheitszustand des Versicherten sei
stabil. Dieser könne nicht mehr als Sicherheitswärter im Gleisbau eingesetzt werden.
Eine adaptierte Tätigkeit ohne Nachtarbeit, ohne besondere Anforderungen an die
Daueraufmerksamkeit und ohne Fahr-, Steuer- und Regelungstätigkeiten sei ihm zu
etwa 50 Prozent zumutbar. Die depressive Symptomatik scheine im Sinne einer
rezidivierenden depressiven Störung zu schwanken. Die schlafbezogene
Atmungsstörung wirke sich nicht nennenswert auf die Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 275).
A.f Mit einem Vorbescheid vom 6. Januar 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 279), dass sie die Aufhebung der Rente vorsehe. Zur Begründung führte sie an,
der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit der ursprünglichen
Rentenzusprache massgebend verändert, weshalb ein Rentenrevisionsgrund vorliege.
Zudem seien auch die Voraussetzungen für eine Rentenaufhebung gestützt auf die
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a erfüllt. Bei der aktuellen Begutachtung
habe keine Einschränkung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr festgestellt
werden können, weshalb keine Invalidität mehr vorliege. Dagegen liess der Versicherte
am 11. Februar 2016 einwenden, das Gutachten von Dr. H._ sei nicht überzeugend,
weshalb nicht darauf abgestellt werden könne (IV-act. 282). Mit einer Verfügung vom
21. März 2016 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf das Ende des der Zustellung
der Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 286).
B.
B.a Am 21. April 2016 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 21. März 2016 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
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Weiterausrichtung der bisherigen Rente sowie eventualiter die Rückweisung der Sache
an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur weiteren Abklärung. Zur
Begründung führte er an, die Schlussfolgerung von Dr. H._, dass der
Beschwerdeführer an keiner psychischen Erkrankung mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit leide, stehe in einem erheblichen Widerspruch zu sämtlichen Berichten
der behandelnden Ärzte. Der Sachverständige Dr. H._ habe nicht überzeugend
begründet, weshalb die Angaben der behandelnden Ärzte falsch sein sollten. Offenbar
habe er nur darauf abgezielt, dem Beschwerdeführer ein unkooperatives Verhalten zu
unterstellen, was auf eine Befangenheit des Sachverständigen hindeute. Selbst wenn
sich der Beschwerdeführer unkooperativ verhalten hätte, hätte Dr. H._ als erfahrener
Facharzt in der Lage sein müssen, eine Diagnose zu stellen und eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben. Falls tatsächlich sämtliche Berichte der
behandelnden Ärzte so falsch sein sollten, läge kein Revisions-, sondern ein
Wiedererwägungsgrund vor.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. Juni 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, gestützt auf das Gutachten der
MEDAS Ostschweiz und jenes von Dr. H._ stehe fest, dass der Beschwerdeführer
weder in somatischer noch in psychischer Hinsicht an einer
Gesundheitsbeeinträchtigung leide, die seine Arbeitsfähigkeit in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit einschränken würde. Damit liege ein medizinischer
Revisionsgrund vor, weshalb die Rente zu Recht aufgehoben worden sei. Die
Verletzung der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers bei der
Sachverhaltsabklärung habe zudem gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
eine Umkehr der Beweislast zur Folge, das heisst die Beweislosigkeit hinsichtlich des
Weiterbestehens einer Invalidität wirke sich zulasten des Beschwerdeführers aus. Auch
die Voraussetzungen für eine Rentenaufhebung gestützt auf die Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a seien erfüllt. „Schlussendlich“ könne auch eine Wiedererwägung
geprüft werden. Der Sachverhalt sei nämlich bei der ursprünglichen Rentenzusprache
nicht hinreichend abgeklärt worden, weshalb die ursprüngliche rentenzusprechende
Verfügung als zweifellos unrichtig zu qualifizieren sei.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 27. Juli 2016 an seinen Anträgen festhalten (act. G
8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
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Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat die ganze Rente, die sie dem Beschwerdeführer mit
der Verfügung vom 27. Februar 2003 zugesprochen hatte, mit einer Verfügung vom 2.
Juni 2014 per Ende Juli 2014 aufgehoben. Mit einer Verfügung vom 15. September
2014 hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer dann gestützt auf den Abs.
3 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a eine „Übergangsrente“
zugesprochen. Mit einer dritten Verfügung vom 29. September 2014 hat die
Beschwerdegegnerin ihre – mittlerweile beschwerdeweise angefochtene –
rentenaufhebende Verfügung vom 2. Juni 2014 widerrufen. Sie hat damit also
offensichtlich (zumindest bis zum Abschluss der Sachverhaltsabklärung) den
bisherigen Rechtszustand wiederherstellen, das heisst dem Beschwerdeführer
weiterhin die mit der Verfügung vom 27. Februar 2003 zugesprochene reguläre ganze
Rente ausrichten wollen. Selbstverständlich hat der Beschwerdeführer aber keinen
Anspruch auf die reguläre Rente und zusätzlich auch noch einen Anspruch auf die
„Übergangsrente“ haben können, weshalb die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung
vom 29. September 2014 auch ihre Verfügung vom 15. September 2014 hätte
widerrufen müssen. Das hat sie aber nicht getan. Stattdessen hat sie im November
2014 den Beschwerdeführer aufgefordert, die Nachweise seiner Arbeitsbemühungen
einzureichen. Diese Nachweise sind für den Weiterbezug der „Übergangsrente“
notwendig gewesen. Erst nachdem der Beschwerdeführer auf den Widerruf der
rentenaufhebenden Verfügung vom 2. Juni 2014 hingewiesen hatte, hat die
Beschwerdegegnerin offenbar bemerkt, dass dieser gar keinen Anspruch mehr auf eine
„Übergangsrente“ hätte haben dürfen. Trotzdem hat sie ihre Verfügung vom 15.
September 2014 nicht widerrufen, sondern lediglich eine Mitteilung erlassen, mit der
sie „das Leistungsbegehren um weitere berufliche Massnahmen“ abgewiesen hat,
allerdings ohne Bezug auf den „Übergangsrentenanspruch“ zu nehmen. Damit steht
fest, dass die Beschwerdegegnerin ihre Verfügung vom 15. September 2014 nicht
innert der laufenden Rechtsmittelfrist widerrufen hat. Da der Beschwerdeführer jene
Verfügung nicht angefochten hat, ist sie unangefochten formell rechtskräftig und damit
verbindlich geworden. Der Beschwerdeführer hat folglich gemäss den verbindlichen
Verfügungen vom 27. Februar 2003 und vom 15. September 2014 einen Anspruch auf
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eine reguläre ganze Rente und zusätzlich einen Anspruch auf eine ganze
„Übergangsrente“ gehabt. Mit der nun angefochtenen Verfügung vom 21. März 2016
hat die Beschwerdegegnerin lediglich die reguläre Rente (erneut) aufgehoben. Der
Anspruch auf die „Übergangsrente“ gehört folglich nicht zum Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Rentenaufhebung gemäss der
Verfügung vom 21. März 2016 in ihrer Beschwerdeantwort mit einem bunten Strauss
von alternativen Begründungen – Rentenrevision, Sanktion einer
Mitwirkungspflichtverletzung, Rentenaufhebung gemäss der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a und Wiedererwägung – verteidigt. Der
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens wird aber ausschliesslich durch die
angefochtene Verfügung vom 21. März 2016 definiert. Auf die Argumentation der
Beschwerdegegnerin kann deshalb nur insoweit eingegangen werden, als diese dem
Gegenstand der angefochtenen Verfügung respektive dem Gegenstand des mit jener
Verfügung abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens entspricht. Da die Verfügung vom
21. März 2016 offensichtlich keine Wiedererwägungsverfügung ist, ist auf die
entsprechende Argumentation der Beschwerdegegnerin nicht weiter einzugehen.
Obwohl die Verfügung einen Hinweis auf eine Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung enthält, ist sie auch keine Sanktionsverfügung im Sinne des Art.
43 Abs. 3 ATSG, denn die Beschwerdegegnerin hat keine der im Art. 43 Abs. 3 ATSG
aufgelisteten „Sanktionsmöglichkeiten“ verfügen, sondern die formell rechtskräftig
zugesprochene Rente definitiv aufheben wollen. Den Art. 43 Abs. 3 ATSG hat sie – in
Verbindung mit einer bundesgerichtlichen Rechtsprechung, laut der eine
Mitwirkungspflichtverletzung eine Umkehr der Beweislast zur Folge habe – nur als ein
zusätzliches Begründungselement für die definitive Rentenaufhebung angeführt. Das
Dispositiv der angefochtenen Verfügung kann also nur so interpretiert werden, dass die
Beschwerdegegnerin mit dieser Verfügung die ursprünglich mit der Verfügung vom 27.
Februar 2003 zugesprochenen ganzen Rente gestützt auf die Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a hat aufheben wollen. In diesem Beschwerdeverfahren ist folglich
nur zu prüfen, ob diese definitive Rentenaufhebung rechtmässig ist.
1.3 Der Gesetzgeber hat für Überprüfungsverfahren im Sinne der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a das folgende Standardvorgehen
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vorgesehen (BBl 2010 1843 ff.): Zuerst hat die IV-Stelle zu prüfen, ob ein
Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliege. Ist dies der Fall, hat sie die
Rente zu revidieren, womit das Verfahren in der Regel abgeschlossen wird. Nur wenn
kein Revisionsgrund vorliegt, hat sie eine Anwendung des Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a zu prüfen. Ergibt diese Prüfung einen
Korrekturbedarf, ist die formell rechtskräftige Rentenverfügung entsprechend zu
modifizieren und das Verfahren abzuschliessen. Ergibt sich, dass kein Anwendungsfall
des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a vorliegt, hat die IV-
Stelle zu prüfen, ob mittels geeigneter Massnahmen die Erwerbsfähigkeit der
versicherten Person verbessert werden kann. Nach dem Willen des Gesetzgebers
beinhaltet ein Verfahren zur Überprüfung einer formell rechtskräftig zugesprochenen
Rente gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
also immer zwingend ein Rentenrevisionsverfahren im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG.
Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die Beschwerdegegnerin die laufende
Rente nicht gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a hat aufheben können, ohne zuvor zu prüfen, ob die Voraussetzungen des
Art. 17 Abs. 1 ATSG erfüllt gewesen sind. Daraus folgt, dass die Kombination eines
Rentenrevisionsverfahrens im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG und eines Verfahrens
betreffend eine Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung gestützt auf den Abs. 1
der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a zulässig gewesen ist. Der
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens umfasst also sowohl die Rentenrevision als
auch die Aufhebung der Rente gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a (vgl. zum Ganzen den Entscheid IV 2015/58
des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 18. September 2017, E. 1).
2.
2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
oder aufgehoben. Die Beantwortung der Frage nach der erheblichen
Sachverhaltsveränderung erfordert einen Vergleich zwischen dem Sachverhalt im
Zeitpunkt der Rentenzusprache und jenem im Zeitpunkt des Abschlusses eines
Rentenrevisionsverfahrens. Idealerweise steht der reale Sachverhalt für beide
Vergleichszeitpunkte mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
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Wahrscheinlichkeit fest. In der Praxis treten aber immer wieder Fälle auf, die nicht
diesem Idealfall entsprechen, weil der im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache massgebende Sachverhalt damals nicht hinreichend abgeklärt
worden ist und weil er sich im Rentenrevisionsverfahren retrospektiv nicht mehr mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermitteln lässt.
In einem solchen Fall liegt eine objektive Beweislosigkeit hinsichtlich des tatsächlichen
Sachverhaltes im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache vor. Dies würde an
sich den Vergleich jenes Sachverhaltes mit dem aktuellen Sachverhalt im Zeitpunkt des
Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens verunmöglichen. Dadurch würde eine auf
einem ungenügend ermittelten Sachverhalt basierende Rente aber „revisionsresistent“,
denn jede Rentenrevision müsste zufolge der Unmöglichkeit des
Sachverhaltsvergleichs scheitern. Dies liefe offenkundig dem Sinn und Zweck des Art.
17 Abs. 1 ATSG zuwider. Folglich muss die Revision einer Rente auch dann zulässig
sein, wenn der Sachverhalt zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache nicht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. In
einem solchen Fall muss der (überwiegend wahrscheinliche) Sachverhalt im Zeitpunkt
des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens mit jenem Sachverhalt verglichen
werden, der der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde gelegt worden ist. Ein
Revisionsgrund liegt in einem solchen Fall also dann vor, wenn der aktuelle Sachverhalt
nicht mehr jenem Sachverhalt entspricht, auf den bei der ursprünglichen
Rentenzusprache abgestellt worden ist (vgl. zum Ganzen den Entscheid IV 2015/58 des
St. Galler Versicherungsgerichtes vom 18. September 2017, E. 2.1).
2.2 Die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 27. Februar 2003 hat in
medizinischer Hinsicht auf der Angabe von Dr. D._ gefusst, wonach der
Beschwerdeführer damals wegen einer somatoformen Schmerzstörung vollständig
arbeitsunfähig gewesen sein soll. Retrospektiv kann diese Arbeitsfähigkeitsschätzung
nicht als überwiegend wahrscheinlich richtig qualifiziert werden, denn Dr. D._ hat
keinen Hinweis darauf liefern können, dass sich der relevante Sachverhalt seit der
ersten Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz wesentlich verändert hätte oder
dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen der
MEDAS Ostschweiz, der dem Beschwerdeführer trotz der somatoformen
Schmerzstörung eine praktisch uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert hatte,
falsch gewesen wäre. Heute, rund 15 Jahre später, kann von weiteren Abklärungen
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zum damaligen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers respektive zu dessen
Arbeitsfähigkeit im damaligen Zeitpunkt, in antizipierender Beweiswürdigung kein
Erkenntnisgewinn mehr erwartet werden. Der Arbeitsfähigkeitsgrad des
Beschwerdeführers im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache lässt sich also
objektiv nicht mehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ermitteln, weshalb diesbezüglich eine objektive Beweislosigkeit
vorliegt. Die Frage, ob sich der Gesundheitszustand respektive die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers seit der ursprünglichen Rentenzusprache massgebend verändert
hat, ist folglich unter Berücksichtigung jenes Sachverhaltes zu beantworten, der der
ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung vom 27. Februar 2003 zugrunde
gelegt worden ist, das heisst es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
damals wegen einer somatoformen Schmerzstörung vollständig arbeitsunfähig
gewesen ist.
2.3 Laut dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 25. April 2013 soll der
Beschwerdeführer rund zehn Jahre nach der ursprünglichen Rentenzusprache neu an
einer eigenständigen depressiven Störung mittleren Grades gelitten haben, die seine
Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten zu 50 Prozent eingeschränkt haben soll. Der
RAD-Arzt Dr. F._ hat im Juli 2013 allerdings überzeugend dargelegt, dass das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz insbesondere hinsichtlich der auch für die Diagnose
einer depressiven Störung massgebenden Befunde einer Gedächtnis- und
Aufmerksamkeitsstörung Ungereimtheiten aufweist. Die Beschwerdegegnerin hat
deshalb (zu Recht) versucht, die fraglichen neurokognitiven Defizite mittels einer
neuropsychologischen Untersuchung zu objektivieren beziehungsweise deren
Vorhandensein mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu ermitteln. Das ist allerdings wegen des Verhaltens des
Beschwerdeführers nicht möglich gewesen: Die Neuropsychologin Dr. G._ hat ihre
Untersuchung abbrechen müssen, weil sich der Beschwerdeführer derart unkooperativ
verhalten hatte, dass von der Fortsetzung der Untersuchung keinerlei Erkenntnisgewinn
hatte erwartet werden können. Auch der später vom psychiatrischen Sachverständigen
Dr. H._ consiliarisch beigezogene Neuropsychologe I._ hat keine verwertbaren
objektiven Ergebnisse erzielen können. Der psychiatrische Sachverständige Dr. H._
hat selbst keine objektiven klinischen Befunde für eine relevante neuropsychologische
oder für eine wesentliche psychische Gesundheitsbeeinträchtigung feststellen können,
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denn auch hier hat der Beschwerdeführer nicht hinreichend kooperiert: Seine
subjektiven Angaben und sein Verhalten während der Untersuchung sind gemäss der
überzeugenden Darstellung von Dr. H._ nicht authentisch gewesen. Der
massgebende medizinische Sachverhalt hat folglich trotz der erneuten
neuropsychologischen und psychiatrischen Begutachtung nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad nachgewiesen werden können. Daran ändert der Umstand, dass der RAD-
Arzt Dr. F._ die Arbeitsfähigkeit später insgesamt auf 50 Prozent geschätzt hat,
nichts, denn Dr. F._ hat dafür weder auf neue objektive Erkenntnisse zurückgreifen
noch eine überzeugende Begründung liefern können. An sich hätte also ein weiterer
Versuch gestartet werden müssen, den massgebenden medizinischen Sachverhalt
abzuklären. Da sich der Beschwerdeführer aber wiederholt unkooperativ verhalten
hatte, ist die Beschwerdegegnerin zu Recht in antizipierender Beweiswürdigung davon
ausgegangen, dass weitere neuropsychologischen oder psychiatrischen
Untersuchungen keinen relevanten Erkenntnisgewinn verschafft hätten, weil der
Beschwerdeführer sich wieder verweigert hätte. Damit liegt auch hinsichtlich des im
Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung aktuellen Sachverhaltes eine
objektive Beweislosigkeit vor, die ihren Grund allerdings nur im nicht authentischen,
unkooperativen Verhalten, das heisst in der Mitwirkungsverweigerung des
Beschwerdeführers findet.
2.4 Zur Frage, wie angesichts dieser objektiven Beweislosigkeit zu verfahren ist,
existiert keine spezifische gesetzliche Regelung. An sich müsste der Art. 43 ATSG eine
solche Regelung enthalten, denn das Problem einer objektiven Beweislosigkeit ist
jedem Verwaltungsverfahren, in dem der Untersuchungsgrundsatz gilt, immanent. Der
Art. 43 ATSG erweist sich folglich als lückenhaft. Diese (echte) Gesetzeslücke muss
richterrechtlich gefüllt werden. Dafür bietet sich eine analoge Anwendung des Art. 8
ZGB an, der eine Lösung zum selben Problem – allerdings für das Zivilverfahren –
enthält: Gemäss dem Art. 8 ZGB trägt jene Partei den Nachteil einer objektiven
Beweislosigkeit, die aus dem unmöglichen Nachweis einen Vorteil für sich hätte
ableiten können. Diese lückenfüllende Regelung führt in einem Verfahren, in dem eine
Rentenzusprache zu prüfen ist und in der eine Verletzung der Mitwirkungspflicht der
versicherten Person bei der Sachverhaltsabklärung der Grund für eine objektive
Beweislosigkeit ist, zu einem befriedigenden Ergebnis. In einem solchen Fall wirkt sich
die Beweislosigkeit nämlich zulasten der (ihre Mitwirkungspflicht verweigernden)
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versicherten Person aus: Ihr Rentengesuch wird abgewiesen. Dasselbe gilt auch für
den Fall, dass eine revisionsweise Rentenerhöhung zu prüfen ist, denn in einem
solchen Fall bleibt es beim bisherigen Rentenanspruch, das heisst das
Erhöhungsgesuch wird abgewiesen. Zu einem völlig unbefriedigenden Ergebnis führt
diese lückenfüllende Regelung aber in einem Verwaltungsverfahren, das eine mögliche
Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung zum Gegenstand hat. Auch in einem
solchen Verfahren hat eine objektive Beweislosigkeit nämlich zur Folge, dass es beim
bisherigen Rentenanspruch bleibt, weil ja (wie bei einer fraglichen Rentenerhöhung)
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachweisbar ist, dass sich der relevante Sachverhalt massgebend verändert hat.
Dieses Ergebnis ist deshalb stossend, weil die versicherte Person selbst durch eine
Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung dafür sorgen kann,
dass eine objektive Beweislosigkeit vorliegt, was ja bedeuten würde, dass die
Verletzung der Mitwirkungspflicht im Ergebnis „belohnt“ würde. Das Bundesgericht
vertritt deshalb die Auffassung, dass eine Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung in einem Revisionsverfahren „nach unten“ eine Umkehr der
objektiven Beweislast zur Folge haben müsse (vgl. etwa die nicht amtlich publizierte E.
3.3 des BGE 139 V 585 = Urteil 8C_481/2013 vom 7. November 2013, mit Hinweisen).
Für eine solche Umkehr der objektiven Beweislast besteht aber im Art. 43 ATSG keine
gesetzliche Grundlage. Hinter der Argumentation des Bundesgerichtes kann wohl nur
die Überlegung stehen, dass die Berufung auf die materielle Beweislastverteilung durch
eine versicherte Person, die ihre Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung
verweigert, rechtsmissbräuchlich wäre und dass ein solcher Rechtsmissbrauch durch
eine Umkehr der objektiven Beweislastverteilung verhindert werden müsste. Das
Bundesgericht betont allerdings konstant, dass im Falle einer Verletzung der
Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung stets die verhältnismässigste, also
die am wenigsten einschneidende Sanktion verfügt werden müsse (statt vieler: BGE
108 V 229 E. 2 S. 232).
2.5 Tatsächlich existiert eine verhältnismässigere Lösung für die Lösung des oben
dargestellten Problems: Der Art. 43 Abs. 3 ATSG erlaubt es nämlich bei einer
lückenfüllenden Interpretation (vgl. BGE 139 V 585 und TOBIAS BOLT, Folgen einer
Mitwirkungspflichtverletzung, in: JaSo 2016, S. 176), die Auszahlung einer laufenden
Dauerleistung bei einer Weigerung der versicherten Person, ihrer Mitwirkungspflicht bei
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der Sachverhaltsabklärung nachzukommen, per sofort vorläufig zu stoppen. Ein
solcher Leistungsstop verhindert bis auf weiteres die Auszahlung einer allenfalls nicht
mehr im bisherigen Umfang geschuldeten Dauerleistung und beseitigt damit die Gefahr
eines rechtsmissbräuchlichen Leistungsbezuges. Gleichzeitig ist er aber doch das
stärkste und folglich auch das wirksamste Druckmittel, um die versicherte Person dazu
zu bringen, ihrer Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung nachzukommen. Im
Unterschied zu einer definitiven Leistungsaufhebung mittels einer Umkehr der
Beweislast erlaubt es der vorläufige Leistungsstop aber, das Revisionsverfahren später
doch noch ordentlich abzuschliessen. Wenn die versicherte Person nämlich ihren
Widerstand aufgibt und ihre Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung erfüllt,
kann das Revisionsverfahren fortgesetzt werden (vgl. BGE 139 V 585). Das erlaubt es
dann dem Sozialversicherungsträger, seiner gesetzlichen Pflicht, der Anwendung des
objektiven Rechts, vollumfänglich nachzukommen. Der versicherten Person steht im
Gegenzug die Möglichkeit offen, die ihr gesetzlich zustehenden Leistungen nach der
Aufgabe ihres Widerstandes beziehen zu können, wenn die Abklärung nach der
Aufgabe des Widerstandes zeigt, dass nach wie vor ein Anspruch auf die bisherige
Leistung besteht, ohne dass ein verfrühter materieller Entscheid im Wege stünde.
Deshalb erweist sich ein vorläufiger Leistungsstop gestützt auf den Art. 43 Abs. 3
ATSG als ebenso wirksam wie eine definitive Leistungsaufhebung mittels einer Umkehr
der Beweislast, er ist aber ein deutlich weniger einschneidender Eingriff und trägt dem
Verhältnismässigkeitsprinzip deshalb besser Rechnung. Diese Lösung muss also jener
des definitiven Verfahrensabschlusses mittels einer Umkehr der Beweislast vorgezogen
werden.
3.
3.1 Die angefochtene Verfügung, mit der die Beschwerdegegnerin (trotz ihres
Verweises auf den Art. 43 Abs. 3 ATSG) keine Sanktion, sondern eine materielle
revisionsweise Rentenaufhebung vorgenommen hat, verstösst folglich gegen das
Verhältnismässigkeitsprinzip und damit gegen den lückenfüllend um die
Sanktionsmöglichkeit der vorläufigen Leistungseinstellung ergänzten Art. 43 Abs. 3
ATSG, weshalb sie als verfassungs- und gesetzeswidrig qualifiziert werden muss. Sie
ist aufzuheben und die Sache ist zur Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens betreffend
die Anwendung des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a,
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das heisst zunächst zu einem erneuten Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 1 ATSG,
nötigenfalls unter Anwendung des Art. 43 Abs. 3 ATSG (vorläufiger Rentenstop), an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Dieser Verfahrensausgang entspricht praxisgemäss hinsichtlich der Kosten- und
Entschädigungsfolgen einem vollständigen Obsiegen des Beschwerdeführers. Die
Gerichtskosten von 600 Franken sind folglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung auszurichten. Angesichts des durchschnittlichen erforderlichen
Vertretungsaufwandes ist diese praxisgemäss auf 3’500 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.