Decision ID: 1cb0b9ec-f6ef-5785-aad9-2350a596ea14
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Das kantonale Untersuchungsrichteramt des Kantons St. Gallen (nachfol-
gend: Untersuchungsrichteramt) ordnete am 22. Mai 2014 in einem Straf-
verfahren gegen die «A._ AG» wegen Verantwortlichkeit des Unter-
nehmens (Art. 102 StGB) die definitive Einziehung von Vermögenswerten
in der Höhe von Fr. 2'627’814.19 an. Diese Einziehungsverfügung, welche
Bestandteil des Strafbefehls gleichen Datums bildete, erwuchs durch
Rechtsmittelverzicht in Rechtskraft (vgl. BVGer act. 1, Beilage 2).
B.
Am 28. Mai 2014 orientierte das Untersuchungsrichteramt die Vorinstanz
gestützt auf Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2004 über die
Teilung dieser eingezogenen Vermögenswerte (TEVG; SR 312.4). Das
Schreiben enthielt auch einen Hinweis auf eine gleichentags ergangene
Einstellungsverfügung. Unter derselben Prozessnummer war ein Strafver-
fahren gegen «B._» wegen gewerbsmässigen Betrugs, Geldwä-
scherei und mehrfacher Widerhandlung gegen das Bundesgesetz gegen
den unlauteren Wettbewerb (UWG; SR 241) eingestellt sowie die Be-
schlagnahmung entsprechender Vermögenswerte aufgehoben worden
(Akten des BJ [BJ act.] 1).
C.
Am 2. September 2014 eröffnete das BJ ein innerstaatliches Teilungsver-
fahren zwischen dem Kanton St. Gallen und dem Bund und bat das Unter-
suchungsrichteramt, ihm gemäss Art. 6 Abs. 2 TEVG die für den Teilungs-
entscheid notwendigen Unterlagen einzureichen (BJ act. 2).
D.
Mit Eingabe vom 25. September 2014 teilte der Kanton St. Gallen mit, dass
in der Angelegenheit «A._AG» Vermögenswerte von
Fr. 2'627'814.19 beschlagnahmt worden seien. Unter Verweis auf mehrere
Beschuldigte betreffende gerichtliche Entscheidungen machte er – worun-
ter den Strafbefehl vom 22. Mai 2014 i.S. «A._ AG» und die Einstel-
lungsverfügung vom 22. Mai 2014 i.S. «B._» – abziehbare Kosten
für den Teilungsentscheid von total Fr. 1'604'059.10 (umfassend Verfah-
renskosten von Fr. 82'560.35, Verteidigungskosten von Fr. 1'519'716.75
und «Kosten Seco» von Fr. 1'782.–) geltend (BJ act. 3).
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E.
Am 3. Dezember 2014 führte die Vorinstanz gegenüber dem Untersu-
chungsrichteramt mit Blick auf die abziehbaren Kosten aus, das TEVG
biete keine gesetzliche Grundlage dafür, Verfahrenskosten aus anderen
Strafverfahren im Teilungsverfahren gegen die «A._ AG» zu be-
rücksichtigen. Es könnten nur die Kosten desjenigen Verfahrens abgezo-
gen werden, in welchem das Vermögen eingezogen worden sei. Darüber
hinaus handle es sich bei den geltend gemachten Entschädigungen und
Genugtuungen, die der Kanton St. Gallen diversen Beschuldigten aufgrund
von Einstellungen bzw. Freisprüchen habe leisten müssen, nicht um ab-
zugsfähige Verfahrenskosten im Sinne von Art. 4 Abs. 1 TEVG (BJ act. 4).
Das Untersuchungsrichteramt hielt am 17. Dezember 2014 daran fest,
dass Kosten von Fr. 1'604'059.10 abziehbar seien. Die am 25. September
2014 unterbreitete Aufstellung beinhalte keine Kosten aus «anderen Ver-
fahren». Die Verfahren hingen vielmehr zusammen. Es habe sich um eine
Strafuntersuchung gegen eine Vielzahl von Personen gehandelt, welche
zahlreiche Straftaten begangen hätten. Dass es letztlich nur in Bezug auf
die «A._AG» zu einer Verurteilung gekommen sei, könne nicht be-
deuten, dass die in der umfangreichen und sehr komplexen Strafuntersu-
chung angefallenen Kosten grossmehrheitlich keine Berücksichtigung fin-
den sollten. Dasselbe gelte hinsichtlich der angefallenen Kosten für Ent-
schädigungen und Genugtuungen. Die in der tabellarischen Auflistung fi-
gurierenden Verfahrenskosten der «A._ AG» von Fr. 18'770.– seien
nach Rechtskraft des Strafbefehls beglichen worden. Zur Erläuterung legte
das Untersuchungsrichteramt eine Anklageschrift vom 15. Dezember 2009
ins Recht (BJ act. 5 mit Beilage) und reichte am 26. Februar 2015 weitere
seitens der Vorinstanz verlangte Unterlagen ein (BJ act. 6).
F.
Mit Schreiben vom 5. April 2016 hielt das BJ am Standpunkt fest, wonach
vorliegend einzig die Kosten bezüglich des Verfahrens i.S. «A._ AG»
vom Bruttobertrag abziehbar seien. Es gab dem Untersuchungsrichteramt
deshalb Gelegenheit, die in diesem Zusammenhang angefallenen Kosten
auf einem entsprechenden Formular anzugeben (BJ act. 7). Das Untersu-
chungsrichteramt seinerseits vertrat am 6. Mai 2016 nach wie vor die Auf-
fassung, dass in dieser Sache zwar mehrere Prozedurnummern eröffnet
worden seien, es sich jedoch um eine Strafuntersuchung gehandelt habe.
Dass letztlich nur die «A._ AG» habe verurteilt werden können, sei
das Resultat ermittlungstaktischer Überlegungen. Die im Kanton eingezo-
genen Vermögenswerte bezifferte das Untersuchungsrichteramt auf dem
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Formular mit Fr. 2'627'814.19 und die nach Art. 4 TEVG abziehbaren Kos-
ten nunmehr auf Fr. 1'577’483.35 (BJ act. 8).
G.
Am 4. November 2016 unterbreitete die Vorinstanz dem Kanton St. Gallen
gestützt auf Art. 6 Abs. 4 TEVG den Entwurf einer Teilungsverfügung zur
Stellungnahme. Der Entwurf basierte auf der bisherigen Auffassung des
Bundesamtes zu den vorliegend abziehbaren Kosten (BJ act. 9).
Von der Äusserungsmöglichkeit machte das Untersuchungsrichteramt am
2. Dezember 2016 Gebrauch. Es verwies ebenfalls auf seine früheren Ein-
gaben und ersuchte darum, den Entwurf im dargelegten Sinne zu berichti-
gen (BJ act. 10).
H.
Mit Schreiben vom 10. September 2018 hielt das BJ an seinen Ausführun-
gen fest und teilte dem Kanton St. Gallen mit, dass es beabsichtige, die
definitive Teilungsverfügung zu erlassen. Zugleich wurde das Untersu-
chungsrichteramt gebeten, den aktuellen Kontostand der eingezogenen
Vermögenswerte bekannt zu geben (BJ act. 11).
Das Untersuchungsrichteramt erklärte am 11. September 2018, der Ge-
samtbetrag der Vermögenswerte belaufe sich in Berücksichtigung der
Zinserträge auf Fr. 2'628'260.09 (BJ act. 12).
I.
Mit Verfügung vom 6. November 2018 legte das BJ die Teilung dieser Ver-
mögenswerte zwischen dem Bund und dem Kanton St. Gallen fest. Hierbei
wurde die Summe der beschlagnahmten Vermögenswerte (Bruttobetrag)
auf Fr. 2'628'260.09 festgelegt. Die vom Kanton St. Gallen geltend ge-
machten Aufwendungen wurden nicht als abzugsfähige Kosten anerkannt.
Den daraus resultierenden Nettobetrag gleicher Höhe wies das Bundesamt
entsprechend dem Teilungsschlüssel von Art. 5 Abs. 1 TEVG zu sieben
Zehnteln (Fr. 1'839'782.06) dem Kanton St. Gallen und zu drei Zehnteln
(Fr. 788'478.03) dem Bund zu und bestimmte, der Kanton St. Gallen habe
den dem Bund zustehenden Anteil nach Rechtskraft der Verfügung an die
Eidgenössische Finanzverwaltung zu überweisen.
J.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 20. November 2018 an das Bundesverwal-
tungsgericht ersucht der Kanton St. Gallen, handelnd durch das Untersu-
chungsrichteramt, um Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Ferner
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Seite 5
stellt er die Begehren, hinsichtlich der im Verfahren i.S. «A._AG»
beschlagnahmten Vermögenswerte in der Höhe von Fr. 2'628.260.09 sei
der zu teilende Nettobetrag auf Fr. 1'185'097.60 festzusetzen und zu sie-
ben Zehnteln (Fr. 829'568.30) dem Kanton St. Gallen und zu drei Zehnteln
(Fr. 355'529.30) dem Bund zuzuweisen. Nach Eintritt der Rechtskraft des
Entscheids des Bundesverwaltungsgerichts sei der Kanton St. Gallen zu
verpflichten, den Bundesanteil an die Eidgenössische Finanzverwaltung zu
überweisen. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen,
mit der verbindlichen Weisung, eine neue Teilungsverfügung im Sinne sei-
ner Ausführungen zu erlassen (BVGer act. 1).
K.
In ihrer Vernehmlassung vom 4. Februar 2019 spricht sich die Vorinstanz
unter Erläuterung der bisher genannten Gründe für die Abweisung der Be-
schwerde aus (BVGer act. 3).
L.
Replikweise hält das Untersuchungsrichteramt am 27. Februar 2019 am
eingereichten Rechtsmittel, den Rechtsbegehren und deren Begründung
fest (BVGer act. 5).
M.
Auf den weiteren Akteninhalt – einschliesslich der beigezogenen Akten der
Vorinstanz (IRH2015000789 / B 56 873) – wird, soweit rechtserheblich, in
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des BJ über die Teilung eingezogener Vermögenswerte
unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 7 Abs.
1, Art. 15 Abs. 4 TEVG, Art. 2 Abs. 4 VwVG, Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG, Art. 2
Abs. 4 VwVG).
1.3 Der Kanton St. Gallen ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 7 Abs. 2 und Art. 15 Abs. 4 TEVG, Art. 48 Abs. 2 VwVG). Auf
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die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten
(Art. 49 ff. VwVG).
2.
Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die Ver-
letzung von Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch
des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden
(vgl. Art. 49 VwVG). Das BVGer wendet das Bundesrecht von Amtes we-
gen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der
Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE
2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Das TEVG regelt die Teilung eingezogener Gegenstände und Vermö-
genswerte, einschliesslich Ersatzforderungen unter Kantonen, Bund und
ausländischen Staaten (Art. 1 TEVG). Es unterscheidet zwischen der in-
nerstaatlichen Teilung (nationales Sharing), die zwischen Bund und den
Kantonen erfolgt und ihre Ausgestaltung im 2. Kapitel findet, und der inter-
nationalen Teilung zwischen Staaten (internationales Sharing), der das
3. Kapitel gewidmet ist.
3.2 Die Bestimmungen des 2. Kapitels über das vorliegend zur Anwendung
gelangende nationale Sharing erfassen nach Massgabe ihres sachlichen
Geltungsbereichs, wie er in Art. 2 Abs. 1 TEVG geregelt wird, reine Binnen-
sachverhalte ohne relevanten Auslandsbezug. Ein Teilungsverfahren wird
nach den Artikeln 4 – 10 TEV dann eingeleitet, wenn die eingezogenen
Vermögenswerte brutto mindestens Fr. 100'000.– betragen (Art. 3 TEVG).
3.3 Die Teilung der eingezogenen Vermögenswerte erfolgt ausschliesslich
zwischen Kantonen und Bund, wobei im Regelfall die Teilungsregeln des
Art. 5 Abs. 1 – 3 TEVG zur Anwendung gelangen, die einen fixen Teilungs-
schlüssel vorsehen (5/10 für das einziehende Gemeinwesen, 2/10 für den
Kanton am Ort der eingezogenen Vermögenswerte, 3/10 für den Bund).
Die Teilung selbst erfolgt auf dem Nettobetrag, d.h. nach Abzug voraus-
sichtlich nicht einbringlicher, in Art. 4 Abs. 1 TEVG umschriebener Kosten
sowie Verwendungen zu Gunsten von Geschädigten gestützt auf Art. 73
Abs. 1 Bst. b und c StGB (Art. 4 Abs. 2 TEVG). Die beteiligten Kantone und
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der Bund können über ihre Anteile abweichende Vereinbarungen treffen
(Art. 5 Abs. 4 TEVG).
4.
4.1 Die Vorinstanz entschied mit der angefochtenen Verfügung, dass der
vom Untersuchungsrichteramt am 22. Mai 2014 in der Strafsache
«A._ AG» eingezogene Betrag von netto Fr. 2'628'260.09 zwischen
dem Kanton St. Gallen und dem Bund im Verhältnis sieben Zehntel zu drei
Zehntel aufgeteilt werde. Dem Kanton St. Gallen stehe daher der Betrag
von Fr. 1'839'782.06 und dem Bund ein solcher von Fr. 788'478.03 zu. Das
Bundesamt begründete die vorgenommene Verteilung damit, dass es sich
bei den vom Untersuchungsrichteramt aufgeführten Aufwendungen um
Kosten aus anderen Verfahren handle. Sowohl im Strafbefehl vom 22. Mai
2014 i.S. «A._ AG» als auch in der Einstellungsverfügung gleichen
Datums i.S. «B._» werde klar festgehalten, dass die Staatsanwalt-
schaft des Kantons St. Gallen im Jahre 2006 mehrere Strafuntersuchun-
gen angehoben habe und gegen verschiedene natürliche Personen jeweils
ein eigenes, separates Verfahren eröffnet worden sei. Die erwähnten Ver-
fahren seien somit getrennt geführt worden. Als Konsequenz einer Verfah-
renstrennung nach Art. 30 der Schweizerischen Strafprozessordnung
(StPO; SR 312.0) könnten Kosten aus abgetrennten Verfahren nur in den-
jenigen Strafverfahren geltend gemacht werden, in denen sie entstanden
seien. Was den Strafbefehl vom 22. Mai 2014 anbelange, so habe die ver-
urteilte «A._ AG» sämtliche ihr auferlegte Auslagen beglichen. Im
Übrigen stellten die vom Kanton St. Gallen in den anderen Verfahren an
die Beschuldigten ausgerichteten Entschädigungen und Genugtuungen
ohnehin keine abzugsfähigen Verfahrenskosten im Sinne von Art. 4 Abs. 1
TEVG i.V.m. Art. 422 StPO dar. Das Untersuchungsrichteramt vermöge
folglich keine gemäss Art. 4 TEVG abziehbaren Kosten, die nicht einzubrin-
gen seien, geltend zu machen.
4.2 Der Kanton St. Gallen vertritt derweil die Auffassung, vorliegend handle
es sich um eine einzige Strafuntersuchung unter dem Aktenzeichen
«X._», welche sich gegen mehrere Beschuldigte gerichtet habe. Im
Verlaufe der Untersuchung seien lediglich mehrere Prozedurnummern er-
öffnet worden, aber auch sie seien Teil des Verfahrens mit der erwähnten
Aktennummer gewesen. Die dem Kanton mit der Einstellungsverfügung
vom 22. Mai 2014 auferlegten Kosten von Fr. 1'400'000.- (Pauschalent-
schädigung für private Verteidigungen, Haft und Genugtuungen) sowie die
externen Auslagen von Fr. 43'162.50 (Verfahrenskosten), mithin total
Fr. 1'443'162.50, müssten folglich gestützt auf Art. 4 Abs. 1 Bst. a und b
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TEVG vom Bruttobetrag in Abzug gebracht werden. Wie die ursprüngliche
Anklageschrift vom 15. Dezember 2009 zeige, handle es sich beim Verfah-
ren, welches der Einstellungsverfügung i.S. «B._» zu Grunde lag,
um dasselbe, das schliesslich zum Strafbefehl gegen die «A._ AG»
geführt habe. Es gehe nicht an, dass das BJ an dem aus dem Verfahren
gegen die «A._ AG» resultierenden Ertrag teilhaben wolle, dem
Kanton die in der Untersuchung i.S. «B._» angefallenen Kosten
und Entschädigungen jedoch alleine aufbürden möchte. Die geltend ge-
machten Verteidigungskosten wiederum charakterisierten sich als Kosten
aus notwendiger Verteidigung. Dass das TEVG nur die Kosten aus amtli-
cher Verteidigung berücksichtigt wissen wolle, sei als gesetzgeberischer
Missgriff anzusehen. Ebenfalls keinen Grund für eine einseitige Überbin-
dung tatsächlich entstandener Kosten könne darin erblickt werden, dass
sich die Staatsanwaltschaft mit den Parteien auf eine Pauschalentschädi-
gung geeinigt habe und dass die Einziehung und Verteilung der Kosten in
zwei verschiedenen Verfügungen (Strafbefehl und Einstellungsverfügung)
aufschienen. Schliesslich widersprächen die vom Bundesamt gemachten
Einschränkungen bei der Abzugsfähigkeit den Zielen dieses Gesetzes, wo-
nach die am Strafverfahren beteiligten Gemeinwesen in gerechter Weise
für ihre Aufwendungen in den Strafverfahren und in der Strafvollstreckung
entschädigt werden sollen.
5.
5.1 Aufgrund einer Anzeige des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO)
vom 23. März 2006 leitete das Untersuchungsrichteramt wegen des Ver-
dachts von Verstössen gegen das UWG eine Strafuntersuchung ein, in de-
ren Verlauf eine Reihe natürlicher und juristischer Personen miteinbezogen
wurden. Die umfangreichen Ermittlungen zogen sich über Jahre hinweg.
Die Strafuntersuchung lief anfänglich unter der Aktennummer «X._
mit B._ als alleinigem Angeschuldigtem (BVGer act. 1, Beilage 4);
später wurden weitere Verfahren mit teilweise separaten Verfahrensnum-
mern eröffnet. Den involvierten Parteien warf die Anklagebehörde vor, ge-
werbsmässig mit unlauteren Geschäftspraktiken beim Versand von Wer-
bemailings in Europa und den USA Millionen verdient und tausende Kun-
den geschädigt zu haben. Die Strafverfahren endeten, mit einer Aus-
nahme, mit Einstellungsverfügungen oder Freisprüchen. In einem Fall er-
folgte eine Verurteilung. Bezogen auf das vorliegende Teilungsverfahren
listete das Untersuchungsrichteramt in der ersten Zusammenstellung ab-
ziehbarer Kosten vom 25. September 2014 unter zehn Positionen (be-
zeichnet als «Beschuldigte») die jeweils entstandenen Aufwendungen
(Verfahrenskosten, Verteidigungskosten St. Gallen, Kosten Seco) auf
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(siehe BJ act. 3). In neun dieser Positionen wurden die Strafverfahren in
der Zeitspanne von Dezember 2009 bis Mai 2014 entweder eingestellt oder
es gab einen Freispruch. In einem Fall – dem Strafverfahren gegen die
«A._ AG» – kam es am 22. Mai 2014 mittels Strafbefehls zu einer
Verurteilung. Das Untersuchungsrichteramt erachtete den Tatbestand von
Art. 102 StGB (Verantwortlichkeit des Unternehmens) als erfüllt und verur-
teilte die Firma zu einer Busse von Fr. 100'000.–. Zugleich wurden Vermö-
genswerte von Fr. 2'627'814.19 eingezogen (BVGer act. 1, Beilage 2), eine
Einziehung erfolgte mithin nur in diesem einen Verfahren. Im dargelegten
Kontext sind die Ausführungen der Parteien einer Würdigung zu unterzie-
hen.
5.2 Die vorliegend zu teilenden Vermögenswerte belaufen sich in Berück-
sichtigung der Zinserträge auf brutto Fr. 2'628'260.09. Der Aufteilung zwi-
schen den Kantonen und dem Bund unterliegt jedoch nicht der Bruttobe-
trag der eingezogenen Vermögenswerte, sondern ein sogenannter Netto-
betrag (Art. 5 Abs. 1 TEVG). Die Differenz zwischen dem Brutto- und dem
Nettobetrag setzt sich aus zwei Kategorien von abziehbaren Beträgen zu-
sammen, die in Art. 4 TEVG umschrieben werden (siehe hierzu E. 3.3 hier-
vor). Was die «A._ AG» anbelangt, wies das Untersuchungsrichter-
amt Verfahrenskosten von Fr. 18'770.– aus. Da sämtliche der mit Strafbe-
fehl vom 22. Mai 2014 auferlegten Kosten am 2. Juni 2014 beglichen wur-
den und somit einbringlich waren (BJ act. 5), können in diesem Zusam-
menhang keine Kosten in Abzug gebracht werden, weshalb sich der Brut-
tobetrag hier mit dem Nettobetrag deckt. Darüber besteht zwischen den
Parteien Einigkeit. Der Kanton St. Gallen macht indes abziehbare Kosten
geltend, welche bei anderen Beschuldigten anfielen. Anfänglich bezifferte
er den Gesamtbetrag besagter Kosten mit Fr. 1'604'059.10 (BJ act. 3); im
vorliegenden Rechtsmittelverfahren veranschlagt er sie noch auf
Fr. 1'443'162.49. Die Reduktion erklärt sich aus dem Umstand, dass die
«A._ AG» die Verfahrenskosten bezahlt hat und das Untersuchungs-
richteramt bei einem Teil der einst angeklagten Personen befand, deren
Kosten seien bei der Berechnung des Nettobetrages gemäss Art. 4 TEVG
doch nicht zu berücksichtigen (Ziff. II.2 der Beschwerde). Folglich geht es
nunmehr darum, ob die Aufwendungen, die der Einstellungsverfügung vom
22. Mai 2014 i.S. «B._» zu Grunde liegen und wie eben erwähnt
Fr. 1'443'162.49 betragen, abzugsfähige Kosten darstellen. Bei Bejahung
dieser Frage würde sich der mit dem Bund zu teilende Nettobetrag zu
Gunsten des Kantons St. Gallen auf Fr. 1'185'097.60 reduzieren, womit
ihm Fr. 432'948.75 mehr zustünde.
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5.3 Das TEVG bietet keine gesetzliche Grundlage dafür, Verfahrenskosten
aus einem anderen Strafverfahren als demjenigen, auf welchem das Tei-
lungsverfahren basiert, miteinzubeziehen. Das Untersuchungsrichteramt
bringt als Hauptargument dagegen vor, bei der Einstellungsverfügung vom
22. Mai 2014 i.S. «B._» handle es sich um dasselbe Verfahren wie
jenes, mit welchem mit Strafbefehl gleichen Datums die Einziehung i.S.
«A._ AG» ergangen sei. Dieser Auffassung kann sich das Bundes-
verwaltungsgericht nicht anschliessen. Dagegen spricht vorweg, dass so-
wohl der Strafbefehl vom 22. Mai 2014 als auch die Einstellungsverfügung
vom 22. Mai 2014 klar festhalten, die Staatsanwaltschaft St. Gallen habe
im Jahr 2006 wegen des Verdachts auf Widerhandlungen gegen das UWG
mehrere Strafuntersuchungen erhoben. Konkret ist darin davon die Rede,
dass gegen B._, C._, D._, E._, F._,
G._, H._, I._, J._ und K._ je ein Verfah-
ren eröffnet worden sei (BVGer act. 1, Beilagen 2 und 3). Es bestand sei-
tens der Strafverfolgungsbehörde mithin von Anfang an die Absicht, meh-
rere Verfahren zu führen.
5.4 Das Untersuchungsrichteramt wendet in diesem Zusammenhang ein,
die Verfahren i.S. «A._Ag» und «B._» seien beide unter
dem Aktenzeichen «X._» erledigt worden. Wie angetönt, liefen all die
Strafuntersuchungen gegen natürliche Personen anfänglich unter einem
Aktenzeichen, später wurden weitere Prozedurnummern eröffnet und auch
Firmen miteinbezogen. Die jeweiligen Strafuntersuchungen hingen zwar
zusammen, wurden aber getrennt geführt und fanden zu unterschiedlichen
Zeitpunkten ihren Abschluss. Einzig die beiden eingangs erwähnten Ver-
fahren wurden am selben Datum erledigt. Die «A._ AG» als solche
erschien allerdings lange Zeit gar nicht als Beschuldigte; vielmehr gehörte
sie zu denjenigen Gesellschaften, über welche die beschuldigten Personen
die ihnen vorgeworfenen unlauteren Machenschaften abwickelten. Abge-
sehen davon gab es selbst Untersuchungshandlungen, welche Vermö-
genswerte der «A._ AG» betrafen, die unter verschiedenen Verfah-
rensnummern vorgenommen wurden. Es genügt an dieser Stelle der Ver-
weis auf die Beschlagnahmeverfügung vom 3. Mai 2010, worauf drei Pro-
zessnummern figurieren (siehe BVGer act. 1, Beilage 21). Eine getrennte
Beurteilung rechtfertigt sich im vorliegenden Teilungsverfahren nicht zu-
letzt, weil die eine Strafuntersuchung sich gegen natürliche Personen rich-
tete und die andere eine juristische Person betraf. Nicht auf Aktennummer
und Erledigungsdatum abgestellt werden kann hier aber nur schon wegen
der unterschiedlichen Erledigungsart. Die Teilung nach TEVG kann näm-
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Seite 11
lich nur zum Zug kommen, wenn in Anwendung von Bundesstrafrecht Ver-
mögenswerte eingezogen werden, was bei Einstellungsverfügungen nor-
malerweise nicht der Fall ist.
5.5 Zu keinem anderen Ergebnis führt der Hinweis auf die Anklageschrift
vom 15. Dezember 2009. Wie schon dargetan, lag der Fokus der Strafver-
fahren anfänglich auf der Verfolgung natürlicher Personen. Mit der fragli-
chen Anklageschrift – auch auf ihr sind drei Verfahrensnummern vermerkt
– sollten neun Personen wegen UWG-Verstössen zur Rechenschaft gezo-
gen werden. Wohl wurde in diesem Rahmen damals versucht, Konten der
«A._ AG» sowie siebzehn weiteren Firmen auf den Namen der be-
rechtigen Personen in deren Verfahren zu sperren bzw. zu beschlagnah-
men (vgl. BVGer act. 1, Beilagen 4 und 5). Diesem Vorgehen war kein Er-
folg beschieden, da die Anklageschrift vom Kreisgericht Werdenberg-
Sargans am 7. Juni 2012 zurückgewiesen wurde (BVGer act. 1, Beilage 8).
Nachdem eine Verurteilung der involvierten natürlichen Personen aus der
Sicht des Untersuchungsrichteramtes, u.a. wegen der Gefahr der Verjäh-
rung, in der Folge nicht mehr sehr realistisch erschien, wählte es – eigener
Darstellung zufolge als «Notnagel» – ein Verfahren gegen die juristische
Person der «A._ AG», um doch noch eine Verurteilung erwirken
und Gelder einziehen zu können (zum Ganzen siehe ebenfalls «Lagebeur-
teilung nach Zurückweisung der AKS» unter BJ act. 8, Beilage 23). Dem-
entsprechend wurden keine Vermögenswerte der «A._ AG» im Straf-
verfahren i.S. «B._» eingezogen. Die Kosten von Letzterem, auf-
grund des Gesagten aus sachlichen Gründen getrennt geführten Verfah-
rens sind dem Teilungsverfahren somit nicht zugänglich.
5.6 Als nicht zielführend erweist sich ferner der Einwand des Kantons St.
Gallen, dass die Angelegenheit im Falle einer Beurteilung der Strafsache
durch eine richterliche Instanz anders ausgefallen wäre. Zum einen ist die
separate Erledigung der Verfahren, wie sie das Untersuchungsrichteramt
praktizierte, strafprozessual so vorgesehen, zum andern handelt es sich
bei der Annahme, eine Gerichtsinstanz hätte über diese Strafsache wohl in
einem Entscheid befunden, um eine blosse Mutmassung. Der Vollständig-
keit halber anzumerken ist, dass das Untersuchungsrichteramt nun auf Be-
schwerdeebene anerkennt, dass die Verfahrens- und Verteidigungskosten
aus den übrigen Verfahrensteilen (siehe Liste der Beschuldigten unter BJ
act. 3), die vor dem 22. Mai 2014 eingestellt oder mittels gerichtlicher Be-
urteilung rechtskräftig abgeschlossen wurden, im vorliegenden Teilungs-
verfahren nicht berücksichtigt werden können (vgl. Ziff. II.2 der Beschwer-
deschrift).
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Seite 12
5.7 Schliesslich erachtet es das Untersuchungsrichteramt als stossend,
dass der Bund zwar an den im Strafverfahren gegen die «A._ AG»
resultierenden Ertrag teilhaben, ihm die Kosten der Einstellungsverfügung
i.S. «B._» jedoch alleine aufbürden wolle. In dieser Hinsicht gilt es
nochmals hervorzuheben, dass Art. 4 TEVG keine Handhabe dafür bietet,
den gesamten Strafverfolgungsaufwand als abziehbare Kosten aufzuneh-
men. Die zuständigen Strafverfolgungsbehörden haben sich bei der Ver-
fahrensführung im Rahmen der jeweiligen Strafprozessordnungen zu be-
wegen. Prozessökonomische Gründe wie auch ermittlungstaktische Über-
legungen erlauben es, Strafverfahren fallweise getrennt oder vereinigt zu
führen oder gestaffelt voranzutreiben. Der Kanton St. Gallen hat sich im
bereits erwähnten Strategiepapier unter dem Titel «Gedanken zum wie
weiter nach der Rückweisung durch das Gericht» eingehend mit prozessu-
alen Fragen auseinandergesetzt und sich bezüglich der fraglichen Straf-
verfahren eine Taktik für deren Weiterführung zurechtgelegt (vgl. BJ act. 8,
Beilage 23). Die Erledigung auf dem Weg zweier getrennter Verfahren bil-
dete Gegenstand der damals angestrebten und am 22. Mai 2014 umge-
setzten Einigungslösung. Als Konsequenz dieses Vorgehens sind die mit
Strafbefehl vom 22. Mai 2014 i.S. «A._ AG» eingezogenen Werte den
Teilungsregeln des TEVG unterworfen und Aufwendungen im Zusammen-
hang mit dem Verfahren gegen «B._» können im vorliegenden Tei-
lungsverfahren nicht mitberücksichtigt werden. Den ergänzend aufgeführ-
ten Billigkeitsgründen wird im Übrigen mittels der in Art. 5 Abs. 1 TEVG
festgelegten Anteile (der Kanton St. Gallen erhält vorliegend sieben Zehn-
tel) Rechnung getragen. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die Ab-
zugsfähigkeit einzelner, im Verfahren i. S. «B._» geltend gemachter
Positionen näher einzugehen.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte
von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist demzu-
folge abzuweisen.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind grundsätzlich der unterliegenden Partei
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 4 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Diese Regelung gilt auch
für einen am Verfahren als Partei beteiligten Kanton, soweit es sich beim
Streit – wie vorliegend – um eine vermögensrechtliche Angelegenheit han-
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delt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Der Kanton St. Gallen hat als beschwerdefüh-
rende und unterliegende Partei die Kosten des Verfahrens zu tragen. Die
Höhe der Verfahrenskosten ist auf der Grundlage des Streitwerts von rund
8 Millionen Franken und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bemes-
sungsfaktoren auf Fr. 2'000.– festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 4 VGKE).
8.
Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die
ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art.
64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VGKE), was für Bundesbehörden ge-
mäss Art. 7 Abs. 3 VGKE allerdings nicht gilt. Es ist demzufolge keine Par-
teientschädigung auszurichten.
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