Decision ID: ecf00ff8-d24e-4e2e-9c79-6e411c6e8f91
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, war im Haupterwerb bei der
Y._
als Sicherheitsbeauftragter
(Urk. 7/16)
und im Nebenerwerb als Raumpfleger bei der
Z._
angestellt
(Urk. 7/
11), als er sich a
m 13. April 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
meldete (Urk. 7/3)
. Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen
sowie nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
verneinte die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
mit Verfügung vom 6. Juni 2017 einen Rentenanspruch (Urk. 7/71). Die hiergegen erhobene Beschwerde vom 4. Juli 2017 (Urk. 7/75/3-12) hiess das Sozialversicherungsgericht
mit Urteil vom 24. November 2017
im
Prozess
Nr. IV.2017.00757 in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und über den Leistungsanspruch des Versicherten neu verfüge (Urk. 7/78 Dispositiv-Ziff. 1).
1.2
In der Folge ergänzte die IV-Stelle die medizinischen Abklärungen, indem sie insbesondere ein psychiatrisch
es Gutachten mit neuropsychologischem
Teilg
ut
achten vom 15. Mai 2019 (Urk. 7/111) einholte.
A
m 18. Juli 2019 forderte sie den Versicherten sinngemäss auf, sich einer
regelmässigen
Psychotherapie zu unter
ziehen und
kontrolliert
Antidepr
essiva einzunehmen (Urk. 7/115)
,
und m
it Vorbescheid desselben Datums stellte sie in Aussicht, den Anspruch auf eine Invalidenr
ente zu verneinen (Urk. 7/116), woran sie nach dagegen erhobenen Einwänden vom 12. September (Urk. 7/118) und 30. Oktober 2019 (Urk. 7/123) mit Verfügung vom 14. Februar 2020 festhielt (Urk. 7/130 = Urk. 2).
2.
Am 16. März 2020 erhob der Versicherte gegen die Verfügung vom 14. Februar 2020 (Urk. 2) Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, namentlich Rentenleistungen basierend auf einem Invaliditätsgrad von 60 % ab November 2015 zuzüglich Verzugszinsen, zuzusprechen (S. 2 Ziff. 2) und die auferlegte Mitwirkungspflicht vom 18. Juli 2019
(Urk. 7/115)
sei zu widerrufen (S. 2 Ziff. 3). Mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2020, welche dem Beschwerdeführer am 22. Mai 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8), schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.
3
.1
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das
gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.
3
.2
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
1.3
.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (Urk. 2) damit,
dass
aus neu
ropsychologischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bestehe
. In psychiatrischer Hinsicht bestehe in der ursprünglichen Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, in einer angepassten Tätigkeit
sei der Beschwerde
führer zu 65 % arbeitsfähig (S. 1 unten f.). Für die Bestimmung des
Validenein
kommens
seien die Eintragungen im individuellen Konto herangezogen
und
das Invalideneinkommen sei aufgrund der Tabellenlöhne bestimmt worden.
Unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von 10 % betrage der
so ermittelte Invaliditätsgrad 26 % (S. 2 oben). Da sich der Beschwerdeführer freiwillig auf Therapien einlasse, wirke sich die auferlegte Schadenminderungspflicht nicht negativ auf seine Gesundheit aus (S. 2 unten f.)
.
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
ein
(Urk. 1)
, die für den Einkommensvergleich verwendeten Zahlen seien nicht korrekt (S. 5 Ziff. 11). Für die Bestimmung des
Valideneinkommens
sei
auch von den Tabellenlöhnen aus
zugehen (S. 7 Ziff. 14) und bei der Bestimmung des Invalideneinkommens sei ein Abzug vom Tabellenlohn von 25 % zu gewähren (S. 7 Ziff. 16). In medizinischer Hinsicht sei das
bidisziplinäre
psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten nicht verwertbar (S. 12 Ziff. 28). Die auf dem Boden des Gutachtens angeordnete Mitwirkungspflicht sei ersatzlos zu streichen, alle medizinischen und therapeuti
schen Empfehlungen fänden längstens statt (S. 13 Ziff. 32).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invaliden
rente hat.
3.
3.1
Im Urteil vom 24. November 2017, mit welchem
das hiesige Gericht
die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen hatte,
stützte sich
das Gericht
im Wesentlichen auf das für den Krankentaggeldversi
cherer erstellte Gutachten von
Dr.
med. A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
26. November 2015 (Urk.
7
/33/2-19), worin als Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 13 f. Ziff. 6.1-6.2) eine gemischte dissoziative Störung mit dissoziativen Krampfanfällen, dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, dissoziativen Bewegungsstörungen und möglichem Ganser-Syndrom (Pseudodemenz; F44.7)
ge
nannt
wurd
e. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
A._
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leichtgradige Episode (F33.0).
Im psychopathologischen Befund führte
Dr.
A._
unter anderem aus, dass der psychomotorisch nervöse, deutlich angespannt und zu Beginn stark schwitzende Versicherte ein stark auffälliges Verhalten zeige, indem er mit den Schultern zucke, wiederholt den Kopf und das Kinn weit vorstrecke, wobei der Mund sich zu einem bizarren, breiten Grinsen öffne und beide Augen weit aufgerissen wür
den. Der Blick sei dabei starr, einige Male verdrehe er die Augen; er richte sich häufig im Stuhl auf und bewege den Kopf leicht hin und her. Mehrere Male beginne er, mit den Beinen zu schlottern, woraufhin er mit den Händen die Knie zusammenhalte. Der Gedankengang sei formal massiv verlangsamt, die Antwor
ten nach deutlicher Verzögerung jedoch inhaltlich adäquat. Es ergäben sich wäh
rend der Untersuchung keine Hinweise auf tatsächliche kognitive Defizite, er ver
liere kein einziges Mal den Gesprächsfaden, es fänden sich keine Perseverationen, und die Umstellungsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt. Inhaltlich seien die Gedan
ken deutlich eingeengt auf die Anfälle und eine subjektive Krankheitsüberzeu
gung. Es ergäben sich keine Anhaltspunkte für psychotisches Erleben mit Wahn
inhalten, Wahrnehmungs- oder Ich-Störungen. Der Antrieb sei unauffällig, Suizidalität werde verneint, und ein deutlicher Leidensdruck sei spürbar. Ange
sichts der vermeintlichen Begriffsstutzigkeit des Beschwerdeführers werde eine grob orientierende Prüfung der kognitiven Fähigkeit durchgeführt, wobei das Ergebnis des Mini Mental State (MMS) einer mä
ssigen Demenz entspreche (S. 12
f.
Ziff.
5.1).
Dr.
A._
vermerkte unter anderem, dass der Befund einer mittelgradigen Demenz im Gegensatz zu den ansonsten chronologisch geordneten und gut struk
turierten Angaben des Beschwerdeführers stehe. Weitere Diskrepanzen seien darin zu erblicken, dass laut subjektiven Schilderungen die Anfälle sehr plötzlich aufträten und er deswegen grosse Angst habe, Treppen zu gehen und dabei zu stürzen. Trotzdem fahre er weiterhin Velo und Auto. Auch die geschilderten häu
figen Reklamationen des Arbeitgebers seien von diesem nicht bestätigt worden. Allerdings sei nicht auszuschliessen, dass eventuelle Fehler oder Abwesenheiten vom Bruder des
Beschwerdeführers aufgefangen worden seien. Bei den Diskre
panzen handle es sich nicht um Simulation,
das
Kerngeschehen der dissoziativen Störung sei unbewusst. Die vom Beschwerdeführer angegebene Häufigkeit der Anfälle, das Ausmass der daraus resultierenden Einschränkungen, das Ausmass der angegebenen kognitiven Defizite und das Ausmass der gezeigten Bewegungs
störungen seien jedoch durch ein Verdeutlichungsverhalten nicht mehr erklärbar u
nd wirkten vielmehr
aggraviert
(S.
1
5
).
D
er Beschwerdeführer
sei
als Security-Mitarbeiter mit Einsatz in einer Bank aus psychiatrischer Sicht vollständig arbeitsunfähig. Für eine Tätigkeit als Hauswart bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Für nicht-angstauslösende, alternative Tätigkeiten bestehe aus psychiatrischer Sicht gegenwärtig eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 60
%
(S. 17
Ziff.
7.6-7.7).
3.
2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin, stellte im Bericht vom 2. Mai 2018 (Urk. 7/89) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3 Ziff. 2.5):
-
gemischte-dissoziativ-somatoforme Störung mit Sensibilitäts-, Empfindungs- und anfallsartigen Störungen (F44.7)
-
Verdacht auf dissoziative Krampfanfälle
-
Verdacht auf dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
-
depressive Störung, gegenwärtig unter
thymoleptischer
Therapie
-
Tagesmüdigkeit, unkontrolliertes Einschlafen bei unauffälligen
somnologi
schen
Befunden
-
Status nach schwerer depressiver Episode mit Suizidalität (2010/2011)
-
Status nach mittelschwerer Episode (Mai/Juni 2014; wohl:
nach
mittelschwe
rer depressiver Episode)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Status nach Unterlappenresektion links bei
Bronchiektasen
mit rezidivierenden antibio
tikapflichtigen Infekten der unteren Luftwege (S. 3 Ziff. 2.6).
Der Zustand des Beschwerdeführers sei weiterhin instabil. Ein Arbeitsversuch mit einem Pensum von 20 % habe Mitte Februar
2018
nach einigen Wochen Tätigkeit abgebrochen werden müssen (S. 3 Ziff. 2.2). Die Prognose sei ungünstig (S. 3 Ziff. 2.
7
).
3.
3
Dr.
med. C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
D._
, stellte im Bericht vom 26. Juni 2018 (Urk. 7/97) folgende seit dem letzten Bericht von
September 2016 verän
derte Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5 oben):
-
gemischte dissoziative Störung mit dissoziativen Krampfanfällen (Pseudoan
fälle), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
und
möglichen dissoziativen Bewegungsstörungen (F44.7)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F33.4)
-
Verdacht auf
Restless
-
Legs
-Syndrom
-
Verdacht auf eine komplexe psychotraumatische Belastungsstörung
(
kPTBS
; wobei diese Diagnose
einer längeren diagnostischen Abklärung
bedürfe)
Seit September 2016 hätten die somatischen Erkrankungen d
eut
lich zugenom
men
,
und die deutliche Verschlechterung der somatischen Befindlichkeit sowie des Immunsystems hätten zu einer Zunahme von existentiellen Befürchtungen, Sorgen und Verunsicherung betreffend den weiteren Verlauf seiner Erkr
ankung
und
Retraumatisierun
gserlebnisse
n
geführt. Die Anzahl und Schwere der «
A
nfälle» sei unverändert. Die Krankheitssymptomatik sei äusserst schwerwie
gend. Während der «Anfälle» sowie bis zu 48 Stunden danach befinde sich der Beschwerdeführer in einem pflegebedürftigen Zustand. Die «Anfälle» kämen ohne erkennbare Ausl
ö
ser in unterschiedlichem Schweregrad. Therapiesitzungen hätten häufig infolge Erkrankungen abgesagt werden müssen
, weshalb es zu
wochenlangen Pausen
gekommen sei
. Die depressive Erkrankung habe erfreuli
cherweise psychotherapeutisch erfolgreich behandelt und behoben werden kön
nen. Der Beschwerdeführer könne wieder Freude und Interesse empfinden. Er zeige
eine
bewundernswe
r
te Krankheitseinst
e
llung und
einen bewundernswerten
Umgang mit der schweren Erkrankung. So zeige er sich äusserst kooperativ und dankbar, könne Ruhe bewahren, verfüge über eine enorme Geduld und gebe nie auf. Er zeige sich nie verzweifelt oder resignativ. So setze er, wenn es seine Befindlichkeit erlaube, psychotherape
u
tische «Hausaufgaben» wie tägliche Spa
ziergänge und Übungen um. In der psychotherapeutischen Behandlung sei bisher eine
Traumabehandlung
nicht möglich
gewesen
, weil die psychische Stabilität dafür nicht ausreichend gewesen sei. Seit Mai 2018 seien jedo
c
h erfreulicherweise Stabilisierungs- und Ressourcenübungen und aktive Imaginationsübungen der Traumatherapie zur Stabilisierung und Ressourcenaktivierung möglich, ebenso könnten jetzt endli
ch Dissoziationsstopptechniken, Distanzierungstechniken
und
Reorientierungstechniken
erfolgreich eingeübt werd
e
n. Nach solchen Übungen zeige
s
ich
der Beschwerdeführer
je
d
och deutlich erschö
pf
t. Er sei seit Monaten während den Therapiesitzungen nicht
mehr dissoziiert und habe eine deutliche Zunahme an Freude
,
Interesse und Genussf
ä
higkeit entwickelt. Eine
Traumaver
arbeitung
nach
EMDR-Ansatz
werde von ihm und der Therapeutin nach wie vor anvisiert
. Das hohe Dissoziationsrisiko und die schnelle Ermüdbarkeit müssten dabei aber speziell berücksichtigt werden. Zusätzlich zu den vorhanden
en
Diag
nosen zeigten sich Hinweise auf eine komplexe psychotraumatische Belastungs
störung (
kPTBS
). Während der psychiatrischen Kontrolltermine trete nach wie vor eine dissoziative Symptomatik mit deutlichen Gesichtszuckungen, grosser moto
rischer Unruhe und psychischer Instabilität
auf
(S. 3
Ziff.
2.1)
.
Weder die bisherige noch eine angepasste Tätigkeit seien zumutbar und eine Ein
gliederung nicht möglich. Der Versuch einer stark angepassten Tätigkeit von maximal 20 % mit viel Goodwill des Arbeitgebers habe abgebrochen werden müssen (S. 7 Ziff. 4.1-4).
3.
4
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete
am 15. Mai 2019
unter Berücksichtigung der Erkenntnisse im neuropsy
chologischen Teilgutachten von
Dr.
sc. hum. Dipl. Psych. F._
vom
7. März 2019 (Urk. 7/111/71-86
; nachfolgend E. 3.5
)
ihr Gutachten
(Urk. 7/11/1-
70)
.
Darin stellte sie folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 57 Ziff. 6.1):
-
gemischte dissoziative Störung mit dissoziativen
Krampfanfällen, dissoziati
ven Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, dissoziativen Bewegungsstö
rungen und möglichem Ganser-Syndrom (Pseudodemenz; F44.7, F44.8)
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell leichte depressive Episode (F33.0)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie akzentuierte
histrionisch
ängstliche Persönlichkeitszüge (Z73; S. 57 Ziff. 6.2).
Aus der bisherigen Anamnese werde eine dissoziative somatoforme Störung mit Sensibilitäts-, Empfindungs- und anfallsartigen Störungen postuliert, wobei eine ausführliche neurologische Abklärung diesbezüglich kein somatisches Korrelat ergeben habe, so dass dissoziative Krampfanfälle postuliert worden seien. Anam
nestisch
seien
auch depressive Episoden beschrieben
worden
, aktuell imponiere der Beschwerdeführer jedoch weitge
hend als affektiv ausgeglichen
(S. 60 unten).
Der Beschwerdeführer präsentiere sich aktuell mit weiteren dissoziativ anmuten
den Anfällen, dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen sowie auch mit einer deutlichen kognitiven Beeinträchtigung. Dies
e
habe jedoch im Rahmen der
neuropsychologischen und auch anhand der aktuellen psychiatrischen Unter
suchungen nicht nachgewiesen werden können, so dass vor allem von einem
aggravierenden
Verhalten ausgegangen werde (S. 61 oben).
D
er Beschwerdeführer befinde sich in einer niederschwelligen Behandlung, die medikamentöse Therapie werde von ihm vermutlich nicht regelmässig eingenom
men. Aufgrund des Verdachts auf Aggravation sei somit nicht von einem entsprechenden Leidensdruck auszugehen (S. 61 Ziff. 7.3.1).
Die Konsistenzprü
fung habe
Hinweise auf näher dargelegte nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsein
s
chränkungen
ergeben
.
Der Beschwerdeführer wirke
appellativ
, er zeige ein demonstratives, übertriebenes, dramatisches und theatralisches Verhal
ten. Die Symptombeschreibung sei global, mit stereotyper Symptomdarstellung und geringer Behandlungsaktivität. Bei der neuropsychologischen Untersuchung hätten sich Hinweise auf eine mangelnde Leistungsbereitschaft und eine Selbst
limitierung gegeben (S. 62 Ziff. 7.3.2).
In Würdigung vorhandener Arztberichte aus psychiatrischer Sicht erwog
Dr.
E._
, dass in sämtlichen vorliegenden Berichten von einer gemisch
ten dissoziativen Störung mit Sensibilitäts-, Empfindungs- und anfallsartigen Störungen sowie von einer rezidivierenden depressiven Störung ausgegangen werde. Es sei durchaus davon auszugehen, dass tatsächlich wiederholte depressive Episoden vorhanden gewesen seien. Eine gemischte dissoziative Störung liege aufgrund der Symptomatik ebenfalls vor. Ebenfalls liege auch der Verdacht auf ein Ganser-Syndrom vor. Somit habe sich vor allem seit der Begutachtung durch
Dr.
A._
keine wesentliche Änderung ergeben.
Dr.
A._
sei ebenfalls von einem
aggravierenden
Verhalten ausgegangen und habe angegeben, dass erheb
liche Diskrepanzen vorlägen, was nach wie vor der Fall zu s
e
in scheine. Dies
e
Tatsachen würden zusätzlich durch die neuropsychologische Abklärung bekräf
tigt.
Sowohl die beschriebene rezidivierende depressive Störung als auch die dissoziative Störung stellten ein psychiatrisches Leiden mit Krankheitswert dar
(S. 63 Ziff. 7.3.3)
.
Betreffend Ressourcen führte
Dr.
E._
aus, der Beschwerdeführer fühle sich in allen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig. Dem könne aufgrund der medizinischen Beurteilung und des vermutlich
aggravierenden
Verhaltens nicht gefolgt werden. Als eine Ressource erweise sich ein relativ stabiles psychosoziales Umfeld mit Einbettung in eine familiäre Struktur (S. 63 f. Ziff. 7.4).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sicherheitsangestellter sei aus psychiatri
scher Sicht von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, wobei diese seit 2015
bestehe (S. 64 Ziff. 8.1). In einer optimal angepassten Tätigkeit, ohne Ansprüche auf kognitive oder kreative Fähigkeiten, in einem konfliktarmen Umfeld und mit einer klaren Strukturierung sowie mit einfach auszuführenden Arbeiten ohne potentielle Gefährdung bestehe medizinisch-theoretisch eine 70%ige Arbeitsfähigkeit, bei einer medizinisch-theoretischen Präsenz von maxi
mal 8 Stunden täglich
, wobei auch die Leistungsfähigkeit 70 % betrage (S.
64 Ziff. 8.2). Durch medizinische Massnahmen
könne die Arbeitsfähigkeit medizi
nisch-theoretisch verbessert werden (S. 65 Ziff. 8.3).
3.5
Im neuropsychologischen Teilgutachten vom 7. März 2019 (Urk. 7/111/71-86) konnte
Dr.
F._
wegen Aggravation keine Diagnosen stellen (S. 11
Ziff.
6.1-2). Die Zusammenstellung der Befunde der Leistungstests lasse auf ein Aggrava
tionsverhalten schliessen. Daher könnten die Ergebnisse der Leistungstests inhalt
lich nicht ausgewertet werden und lieferten wegen mangelnder Mitarbeit keine verwertbaren neuropsychologischen Befunde, da sie wahrscheinlich nicht das effektiv vorhandene kognitive Leistungsniveau abbildeten. Unter diesen Umstän
den bestehe das Risiko, dass tatsächliche und spezifische kognitive Defizite differenzialdiagnostisch nicht festgestellt werden könnten (S. 12 Ziff. 6.3).
Zur Konsistenz führte
Dr.
F._
aus, die Zusammenschau der Befunde (Tester
gebnisse) liessen auf ein Aggravationsverhalten schliessen. Die Diagnose eines Ganser-Syndroms sei mit einem Aggravationsverhalten vereinbar (S. 15 oben). Als positive Ressource sei
die
Beziehung zu
r
Familie zu sehen. Belastungsfaktoren seien
die
dissoziativen Anfälle und
die
Überzeugung, nichts mehr machen zu können (S. 15 Ziff. 7.4).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
F._
aus, das zumutbare Arbeitspensum einer Tätigkeit als Sicherheitsbeauftragter, aber auch einer angepassten Tätigkeit
,
könne aus neuropsychologischer Sicht aufgrund des Aggravationsverhaltens nicht beurteilt werden (S. 15 Ziff. 8.1-2). Medizinische Massnahmen seien aus neuropsychologischer Sicht nicht indiziert (S. 15 Ziff. 8.3).
3.6
Med.
pract
. G._
, Facharzt für Neurologie, RAD, kam in seiner Stellung
nahme vom 2. Juli 2019 (Feststellungsblatt vom 18. Juli 2019, Urk. 7/114) zum Schluss, dass im Gutachten von
Dr.
E._
(E. 3.
4
) in Übereinstimmung mit dem Gutachten von
Dr.
A._
vom 26. November 2015 von einer angepass
ten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde, wobei diese im Vergleich zu 2015 aktu
ell um 10 Prozentpunkte höher veranschlagt werde und bereits seit 2015 gelte. Das Belastungsprofil sei unverändert (leichte körperliche Tätigkeiten), wobei Gefahrenmomente im Anfall
(Besteigen von Leitern etc.) auszuschliessen seien. Die Angaben seien plausibel, es ergebe sich aufgrund der Diagnosen mit spora
dischen Ereignissen beziehungsweise ohne
höhergradige
Depressivität keine mehr als 30-40%ige Arbeitsunfähigkeit. Mit Bezug auf den Verlauf der Arbeitsfähigkeit ergäben sich zwischen 2015 bis dato keine Sc
hwankungen der Arbeitsfähigkeit
(S.
5 unten f.
)
.
3.7
Am 27. Oktober 2019 nahm
H._
,
Eidg
. anerkannte Psychotherapeutin, zu den Gutachten von
Dr.
E._
(E. 3.4) und
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.
5
) Stellung (Urk. 7/133/22-24 = Urk. 3).
3.8
Am 12. Februar 2020 hielt med.
pract
.
G._
fest (Feststellungsblatt vom 14. Februar 2020 (Urk. 7/124), wie auch immer sich die Aggravation oder ein allfälliges Ganser-Syndrom darstelle, sei dies bereits in die Diagnosestellung ein
geflossen, sodass nicht davon ausgegangen werden könne, dass die sich daraus ergebende gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu Ungunsten des Beschwerdeführers ausgefallen sei. Trotz eines allfälligen Ganser-Syndroms respektive einer Aggravation habe die Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar heraus
gearbeitet werden können. Aus medizinischer Sicht ergebe sich daher kein weiterer Abklärungsbedarf (S. 4 oben).
4.
4.1
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkun
gen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141
V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E.
1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9
C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E.
4.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche
ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzufüh
ren wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2
; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 8
C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29.
Juni 2015 E. 4.2).
4.
2
In Übereinstimmung mit den gerichtlichen Feststellungen im Urteil vom 24. No
vember 2017 ging
Dr.
E._
(E. 3.4)
davon aus, dass beim Beschwerde
führer eine gemischte dissoziative Störung mit dissoziativen Krampfanfällen, dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, dissoziativen Bewe
gungsstörungen und möglichem Ganser-Syndrom
vorliege. Daneben diagnosti
zierte sie
eine aktuell leichte depressive Störung
. Die Gutachterin kam zum Schluss, dass analog der Parameter der funktionellen Leistungsfähigkeit in Anlehnung an das Mini-ICF-APP grundsätzlich Störungen der Aktivität und Partizipation in Bezug auf fast jegliche Funktionen bestünden, das Problem jedoch sei, dass ein
aggravierendes
Verhalten vermutet werde (
Urk.
7/111/1-70
S. 58 unten).
Diskrepanzen beobachtete schon
Dr.
A._
(E. 3.1)
und
sie
führte dazu aus, dass es sich nicht um Simulation (d.h. nicht um eine bewusste Vortäuschung von gar nicht vorhandenen Symptomen)
handle
. Die vom Beschwerdeführer angegebene Häufigkeit der Anfälle, das Ausmass der daraus resultierenden Einschränkungen, das Ausmass der angegebenen kognitiven Defizite und das Ausmass der gezeigten Bewegungsstörungen seien jedoch durch ein Verdeutlichungsverhalten nicht mehr erklärbar und wirkten vielmehr
aggraviert
(
Urk.
7/33/2-19
S. 15 unten).
4.
3
Das diskrepante Verhalten zeigt sich
anschaulich
aus de
m
gegenüber den Ärzten geschilderten
Ablauf eines Anfalls. So
gab
der Beschwerdeführer g
egenüber
Dr.
A._
(E.
3.1
)
an
,
dass
die Anfälle ganz plötzlich
kämen, aber sich auch lang
sam ankündigten.
E
in Anfall beginne damit, dass er nicht gut sehe, dann nicht mehr reden
und
nicht mehr gehen und sich nicht mehr bewegen
könne
.
Er schwitze stark und zittere am ganzen Körper. Er sei halb wach, höre weiterhin die Stimmen der Personen um sich herum und erkenne die Personen auch, er sei aber zu 70-80 % wie weggetreten. Manchmal schlafe er auch ein, manchmal bekomme sein Körper wie einen Schlag, dann springe der Körper auf.
Er sei wie blockiert und
müsse sich hinsetzen oder hinlegen.
Nach dem Anfall sei sein Gesicht noch lange sehr blass. Er gehe unsicher und langsam und müsse sich fes
thalten. Anfangs wisse er nicht,
wo er sei und welcher Tag sei
(
Urk.
7/33/2-19
S. 5)
.
Laut der behandelnden
Dr.
C._
(E. 3.3)
gab der Beschwerdeführer an, ein
gros
ser/schwerer Anfall
beginne
mit Augenflimmern, Müdigkeit, Schlappheit, Schweissausbrüchen, schwindender Kraft, Zittern, Hitze und Explosionsgefühl sowie Schmerz im Kopf, sehr bleicher bis gelblicher Gesichtsfarbe mit deutlich roten Striemen auf der Stirne. Dann müsse er bewegungslos im Bett liegen, könne sich kaum mehr bewegen
. Er leide unter
Orientierungslosigkeit,
Depersonalisati
ons
- und
Derealisationserleben
.
Nach einem Anfall sei er sehr erschöpft, habe keine Kraft mehr, könne weder essen noch trinken, der Geschmackssinn sei weg, die Sprache deutlich
eingeschränkt (unklar, lallend),
die Orientierung
sei
einge
schränkt
und
die Motorik unsicher mit Gangproblemen.
E
r habe Schüttelfrostan
fälle ohne Körpertemperaturschwankungen (
Urk.
7/97
S. 4 unten).
Gegenüber
Dr.
E._
(E. 3.4) gab der Beschwerdeführer an, bei grossen Anfällen falle er um und müsse schlafen.
Davor
sei er erschöpft und müde und sehe nicht gut, er müsse abliegen und dürfe nicht dagegen ankämpfen.
Nach einem Anfall werde es schlimmer, er könne weder essen noch trinken und müsse erbrechen. Es komme auch zu Urin- und teilweise Stuhlabgang (
Urk.
7/111/1-70
S. 46).
Zur Dauer eines Anfalls kann dem Gutachten von
Dr.
A._
(E. 3.1)
entnommen werden, ein solcher dauere
bis zu 2 Stunden und träte 1-3 mal pro Woche auf
(
Urk.
7/33/2-19
S. 5)
,
laut Bericht von
Dr.
C._
(E. 3.3)
sei die Anzahl der Anfälle unverändert
(im Bericht vom 5. Oktober 2016 des
D._
wurde von mehr
mals wöchentlich auftretenden Anfällen gesprochen, vgl. Urk. 7/47 S. 3 Mitte)
und
ein Anfall
dauere
zirka 1.5 Stunden
, wobei sich der Beschwerdeführer bis zu 48 Stunden danach in einem pf
legebedürftigen Zustand befinde
(
Urk.
7/97
S. 3 oben)
.
L
aut Gutachten von
Dr.
E._
dauer
ten
die Anfälle bis zu 4 Tag
e
und träten
1 mal
pro Woche auf
(
Urk.
7/111/1-70
S. 46)
.
Auffallend ist, dass der Beschwerdeführer
in den einzelnen Schilderungen der Anfälle inkonsistent ist (er falle um, aber auch er lege sich hin), aber auch zwischen den
gegenüber den Ärzten angegebenen Abläufen der Anfälle
Inkon
si
s
tenzen
bestehen (einmal dauern die Anfälle bis zu 2 Stunden, ein andermal bis zu 4 Tage). G
egenüber
Dr.
E._
(E. 3.4) waren die Angaben
nur vage
, dafür
aber
wurden die Anfälle
in weit schwererer
Art
- mit
Urin- und teilweise Stuhlabgang, einer Dauer von bis zu 4 Tagen -
beschrieb
en
als gegenüber
der Vorgutachterin oder
der behandelnden Psychiaterin
.
Ausserdem schloss auch die Neuropsychologin (E.
3.5)
aufgrund der
Symptom
validierungstests
auf ein Aggravationsverhalten
und in
den durchgeführten Tests
zeigten sich,
ausser beim MMS-Test
,
weit unterdurchschnittliche Ergebnisse
, so dass
diese
inhaltlich nicht ausgewertet werden konnten
(
Urk.
7/111/71-86
S. 13)
.
4.
4
Soweit der Beschwerdeführer das Gutachten von
Dr.
E._
(E. 3.4)
un
d
Dr.
F._
(E. 3.5)
in Zweifel zu ziehen versucht
(Urk. 1)
, kann ihm nicht gefolgt werden.
D
ie neuropsychologische Untersuchung wurde von
Dr.
E._
nach ihrer ersten
Untersuchung zur Beantwortung der kognitiven Funktionen beantragt. Diese Funktionen
wurde
von
Dr.
F._
geprüft. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 S. 8 Ziff. 1
9
) empfehlen die Leitlinien de
r
Schweizerischen Vereinigung der Neuropsychologinnen und Neuropsychologen
(
SVNP
)
für neuropsychologische Gutachten
nicht die Durchführung
von Tests in
sämtliche
n
Funktionsbereiche
n
und ihre Teilfunktionen, sondern es wird emp
fohlen, die neuropsychologisch relevanten Funktionsbereiche zu prüfen (S. 5 Ziff. 7.2.3.2). Dass das neuropsychologische Gutachten weder eine Diagnose noch eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit liefert, liegt nicht daran, dass nicht alle Funktionsbereiche getestet w
orden sind,
sondern daran, dass der Beschwerdefüh
rer bei den Tests ein
aggravatorisches
Verhalten an den Tag gelegt hat.
Dass allenfalls vorhandene kognitive Defizite aufgrund der nicht verwertbaren Tests nicht eruiert werden konnten, liegt in der Natur der Sache. Der Hinweis der Neu
ropsychologin, es bestehe das Risiko, dass spezifische kognitive Defizite differen
zialdiagnostisch nicht festgestellt werden können, steht daher nicht
im Wider
spruch zu ihrer Aussage
, dass sie aufgrund der Aggravation nicht habe beurteilen können, ob kognitive Einbussen bestünden (
Urk.
7/111/71-86
S. 13 oben).
Der Einwand schliesslich,
d
er
Beschwerdeführer
habe den MMS-Test schon mehrmals
durchgespielt und
Fragestellung und Antworten
seien ihm
bestens
bekannt gewesen
, weshalb er dabei durchschnittlich abgeschnitten habe
(
Urk.
1
S. 9 Ziff. 22)
, lässt zumindest darauf schliessen, dass sein Gedächtnis doch nicht so schlecht ist wie behauptet (vgl.
Urk.
7/111/71-86
S. 6).
4.
5
Nach einleuchtenden fachärztlichen Beurteilungen ist von einer Aggravation
aus
zugehen
,
und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens sind klar über
schritten, ohne dass die Aggravation auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre.
Damit ist nicht beurteilbar, wie sich
die
diagnostizierten psychischen Erkrankungen auf die Arbeitsfähigkeit auswir
k
en
, und der Beweis einer invalidisierenden Gesundheitsschädigung kann vom Beschwerdeführer nicht erbracht werden. Dies führt dazu, dass der Leistungsan
spruch zu verneinen ist (E. 1.3.3). Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
5.1
Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den
Einspracheentscheid
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren bezie
hungsweise dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59 ATSG). Entsprechend dem Grundsatz der Einheit des Verfahrens dürfen an die Beschwerdebefugnis auf kantonaler Ebene nicht strengere Anforderungen gestellt werden, als sie Art. 89 Abs. 1
des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (
BGG
)
für die Legitimation im Verfahren vor dem Bundesgericht vorsieht. Wer im
letztinstanzlichen
Verfahren beschwerdebefugt ist, muss mithin im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren ebenfalls zum Weiterzug berechtigt sein. Daher sind die mit dieser Bestimmung gesetzten bundesrechtlichen Massstäbe sowie die hierzu ergangene Praxis auch für das kantonale Rechtsmittelverfahren richtungweisend (BGE 131 V 298 E. 2; 130 V 560 E. 3.2). Namentlich ist der Begriff des schutzwürdigen Interesses gemäss Art. 59 ATSG gleich auszulegen wie derjenige nach Art. 89 Abs. 1
lit
. c BGG für das bundesrechtliche Beschwerdeverfahren (BGE 133 V 188 E. 4.1 mit Hinweis).
Die Rechtsprechung betrachtet als schutzwürdiges Interesse im Sinne von
Art.
89
Abs.
1
lit
. c BGG jedes praktische oder rechtliche Interesse, welches eine von einem Entscheid betroffene Person an dessen Änderung oder Aufhebung geltend machen kann. Das schutzwürdige Interesse besteht somit im praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde dem
Entscheidadressaten
verschaffen würde, oder – anders ausgedrückt – im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen der angefochtene Entscheid mit sich bringen würde. Das rechtliche oder auch bloss tatsächliche Interesse braucht somit mit dem Interesse, das durch die von der
beschwerdefüh
renden
Person als verletzt bezeichnete Norm geschützt wird, nicht übereinzustim
men. Immerhin wird verlangt, dass die Person durch den angefochtenen Entscheid stärker als jedermann betroffen sei und in einer besonderen, beach
tenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache stehe (BGE 133 V 188 E. 4.3.1, 239 E. 6.2; 131 II 361 E. 1.2; 131 V 298 E. 3; 130 V 560 E. 3.3).
5.2
Die Beschwerdegegnerin erinnerte den Beschwerdeführer am 18. Juli 2019 (Urk. 7/115) an seine
Schadenminderungspflicht
und wies ihn darauf hin, dass die Verletzung derselben dazu führen könne, dass auf ein zukünftiges Leistungs
begehren nicht eingetreten werde. Im Besonderen wies sie den Beschwerdeführer an,
sich einer Psychotherapie (
1-2
mal
pro Monat) zu unterziehen sowie ein Antidepressivum
einzunehmen und dessen Einnahme mit regelmässigen Serum
spiegelkontrollen zu belegen.
5.
3
Im Zeitpunkt des Hinweises auf die Folgen einer allfälligen Verletzung seiner Schadenminderungspflicht fehlte es dem Beschwerdeführer an einem aktuellen Rechtsschutzinteresse
, denn die Aussicht, dass diese dazu führen könnte, dass auf ein zukünftiges Leistungsgesuch nicht eingetreten werden könnte, war höchsten
s
theoretischer
Art.
Ob die dem Beschwerdeführer auferlegte Pflicht zulässig war, kann erst überprüft werden, wenn ihm ein Anspruch auf Invalidenleistungen auf
grund der Verletzung seiner Mitwirkungspflichten tatsächlich verweigert wird.
Auf seinen Antrag, die auferlegte Mitwirkungspflicht zu widerrufen, ist daher nicht einzutreten.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
800.
anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.