Decision ID: 20c08ed9-f152-439c-b9a7-4a1ec427a5c2
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
grobe Verletzung der Verkehrsregeln
(Rückweisung der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts)
Berufung gegen ein Urteil des Einzelrichters in Strafsachen des Bezirkes Horgen vom 15. Dezember 2009 (GG090063)
Urteil der I. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 15. Februar 2011 (SB100151)
Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts vom 18. Juli 2011 (6B_234/2011)
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Anklage
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 15. September
2009 (Urk. 7) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz vom 15. Dezember 2009
(Urk. 34)
Der Einzelrichter erkennt:
1. Der Angeklagte ist schuldig
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG
i.V.m. Art. 34 Abs. 3 SVG und i.V.m. Art. 44 Abs. 1 SVG.
2. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 50.–
sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Bezahlt der Angeklagte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'800.–. Über die weiteren Kosten
wird die Gerichtskasse Rechnung stellen.
6. Die Kosten werden dem Angeklagten auferlegt.
Berufungsanträge
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 74 S. 2)
1. Die Anklage sei vollumfänglich und in allen Punkten abzuweisen. Herr
A._ sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.
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b) Der Staatsanwaltschaft:
(sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv zitierten Urteil vom 15. Dezember 2009 wurde A._ vom Einzelrichter in Strafsachen des Bezirkes Horgen der groben Ver-
letzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen und mit einer bedingten Geld-
strafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 50.– sowie einer Busse von Fr. 500.–
(unter Ansetzung von 10 Tagen Ersatzfreiheitsstrafe) bestraft (Urk. 34 S. 17). Das
Urteil wurde im Anschluss an die Hauptverhandlung mündlich eröffnet und im
Dispositiv dem damals durch Rechtsanwalt Dr. Y._ verteidigten Beschuldig-
ten übergeben (Prot. I S. 3 und S. 11). Dagegen meldete der Beschuldigte am
20. Dezember 2009 persönlich fristgerecht Berufung an (Urk. 23). Nach Zu-
stellung des begründeten Urteils an die Verteidigung am 5. Februar 2010
(Urk. 25/2) nannte der Beschuldigte mit Eingabe vom 14. Februar 2010 wiederum
persönlich seine Beanstandungen (Urk. 26). Mit Schreiben vom 24. Februar 2010
teilte Rechtsanwalt lic. iur. X._ mit, dass er den Beschuldigten neu vertrete,
und reichte seine Vollmacht ein (Urk. 27-29). Die Staatsanwaltschaft schliesslich
beantragte mit Eingabe vom 4. März 2010 Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils (Urk. 32).
1.2. Nach Eingang der Akten am Obergericht am 11. März 2010 (Urk. 34 S. 1)
wurde dem Beschuldigten mit Präsidialverfügung vom 23. März 2010 Frist ange-
setzt, um allfällige Beweisanträge zu stellen und um Unterlagen zu seinen finan-
ziellen Verhältnissen einzureichen. Letztere wurden vom Beschuldigten persön-
lich fristgerecht eingereicht (Urk. 42 und Urk. 43/1-5). Mit Eingabe vom 1. April
2010 stellte die Verteidigung schliesslich Beweisanträge (Urk. 41), auf welche im
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Beschluss vom 12. Mai 2010, worauf vollumfänglich verwiesen sei, näher einge-
gangen wurde (Urk. 44A S. 7). Die erste Berufungsverhandlung (im Verfahren
SB100151) fand am 12. Mai 2010 in Anwesenheit des Beschuldigten sowie sei-
nes Verteidigers statt (Urk. 53 S. 3 ff. = Protokoll der ersten Berufungsverhand-
lung). Im Anschluss daran beschloss die erkennende Kammer, die Akten zur Be-
weisergänzung an die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis zurückzuweisen. Diese
wurde ersucht, die drei Belastungszeugen nochmals einzuvernehmen, um die
Möglichkeit einer Verwechslung des Täters ausschliessen zu können (Urk. 44A).
Die neu erhobenen Beweismittel gingen am 1. September 2010 beim Obergericht
ein (Urk. 46; Urk. 47/1-8). Im Einverständnis mit den Parteien wurde das Verfah-
ren schriftlich fortgesetzt (Urk. 48; Urk. 50; Urk. 51; Urk. 53 S. 10) und am
15. Februar 2011 das Urteil gefällt, mit welchem der Beschuldigte vollumfänglich
freigesprochen wurde (Urk. 54).
1.3. Eine von der Oberstaatsanwaltschaft gegen das Urteil vom 15. Februar 2011
erhobene Beschwerde in Strafsachen führte am 18. Juni 2011 zur Aufhebung des
obergerichtlichen Urteils durch das Bundesgericht und zur Rückweisung der
Sache an die erkennende Kammer (Urk. 64). Das Bundesgericht kam in seinem
Urteil zum Schluss, die Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" sei im
vorliegenden Fall willkürlich, da keine erheblichen und unüberwindlichen Zweifel
daran bestünden, dass der Beschuldigte der fehlbare Lenker sei (Urk. 64 S 6 f.).
Im Falle eines bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheids hat die mit der Neu-
beurteilung befasste kantonale Instanz die rechtliche Beurteilung, mit der die Zu-
rückweisung begründet wird, ihrer Entscheidung zugrunde zu legen. (Diese Beur-
teilung bindet auch das Bundesgericht, falls ihm die Sache erneut unterbreitet
wird.) Aufgrund dieser Bindungswirkung ist es den nochmals mit der Sache be-
fassten Gerichten wie den Parteien verwehrt, der Überprüfung einen anderen als
den bisherigen Sachverhalt zu unterstellen oder die Sache unter rechtlichen Ge-
sichtspunkten zu prüfen, die im Rückweisungsentscheid ausdrücklich abgelehnt
oder überhaupt nicht in Erwägung gezogen worden sind (BGE 135 III 334 E. 2
und E. 2.1 mit Hinweisen; vgl. hierzu auch Urteile des Bundesgerichtes
6B_1013/2010 vom 17. Mai 2011, E. 2.1, und 6B_754/2010 vom 4. April 2011
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E. 2.2.1). Die Bindungswirkung bundesgerichtlicher Rückweisungsentscheide
ergibt sich nicht aus dem kantonalen Recht, sondern ausschliesslich aus dem
Bundesrecht. Früher wurde sie für Zivil- und Strafsachen in Art. 66 Abs. 1 OG
bzw. Art. 277ter BStP ausdrücklich statuiert, heute ergibt sie sich (unverändert)
aus dem ungeschriebenen Bundesrecht, da diese Bestimmung wegen ihrer
Selbstverständlichkeit nicht ins neue Bundesgerichtsgesetz überführt wurde (BGE
135 III 334 E. 2.1; Urteile des Bundesgerichtes 1B_183/2010 vom 14. Juli 2010,
E. 2, und 6B_372/2011 vom 12. Juli 2011, E. 1.1; vgl. auch Botschaft vom 28.
Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4346
Ziff. 4.1.4.5).
1.4. Nachdem das erstinstanzliche Urteil vor dem 1. Januar 2011 gefällt worden
war, richtete sich das Rechtsmittelverfahren, das zum Urteil vom 15. Februar
2011 führte (SB100151), noch nach dem alten Zürcher Strafprozessrecht und
dem GVG (Art. 453 Abs. 1 der eidgenössischen StPO; vgl. Urk. 54 S. 4). Wird ein
Verfahren jedoch vom Bundesgericht nach dem 1. Januar 2011 zur neuen Be-
urteilung zurückgewiesen, so ist neues Recht anwendbar (Art. 453 Abs. 2 StPO).
Demgemäss ist das vorliegende (zweite) Rechtsmittelverfahren (SB110483) nach
den Bestimmungen der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen eidgenössischen
Strafprozessordnung und dem seither geltenden kantonalen Gerichtsorganisa-
tionsgesetz (GOG) durchzuführen. Nachdem der Beschuldigte von Anfang an
einen vollumfänglichen Freispruch, unter entsprechender Kosten- und Entschädi-
gungsfolge, beantragt hat (Urk. 26; Urk. 44 S. 2; Urk. 74 S. 2), liegt keine Teil-
rechtskraft im Sinne von Art. 399 Abs. 4 StPO (resp. § 413 StPO/ZH) vor.
1.5. Auf Antrag der Verteidigung (Urk. 69) wird das vorliegende zweite Berufungs-
verfahren wiederum mündlich durchgeführt (vgl. Urk. 65), weshalb die Parteien
zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen wurden. Anlässlich der heutigen
Berufungsverhandlung hielt die Verteidigung an ihren bisherigen Beweisanträgen
fest und beantragte zudem, es seien Verkehrsstatistiken betreffend den durch-
schnittlichen Verkehr morgens um 07.20 Uhr auf der A3 beizuziehen (Prot. II S. 4,
S. 5). Auf die Beweisanträge wird nachfolgend – soweit erforderlich – zurückzu-
kommen sein.
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2. Schuldpunkt
2.1. Der Beschuldigte hat von Anfang an bis heute bestritten, die eingeklagten
Handlungen, d.h. das Rechtsüberholen des Fahrzeugs von B._ und den da-
rauffolgenden brüsken, knappen Fahrspurwechsel vor dessen Fahrzeug hin, be-
gangen zu haben (Urk. 4/1-3; Urk. 26; Prot. I S. 6 ff.; Urk. 53 S. 7 ff.; Urk. 73 S. 2).
Somit ist im Folgenden zu prüfen, ob der eingeklagte Sachverhalt aufgrund der
vorliegenden Beweismittel rechtsgenügend nachgewiesen werden kann. Dabei
gebietet es der Anspruch auf rechtliches Gehör, dass die Überlegungen genannt
werden, von denen sich das Gericht leiten lässt und auf welche sich sein Ent-
scheid stützt. Das bedeutet indessen nicht, dass es sich ausdrücklich mit jeder
tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander
setzen muss; vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6P.62/2006 vom
14. November 2006, E. 4.2.2, mit Hinweis auf BGE 126 I 97 E. 2b; BGE 125 II
369 E. 2c und BGE 112 Ia 107 E. 2b).
Bei bestrittenen Sachverhalten ist gemäss der aus Art. 8 und Art. 32 Abs. 1 BV
fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis
zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer
strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Urteile des Bundesgerichtes
1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2 ,und 1P.437/2004 vom 1. Dezember
2004, E. 4.2 f.; Pra 91 [2002] Nr. 2 E. 2 und Nr. 180 E. 3.4; BGE 127 I 38 E. 2a;
BGE 120 Ia 31 E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich
der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen
Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel
bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Überzeugung des Rich-
ters muss auf einem verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für
den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann,
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2005, § 54 Rz 11 ff.). Die Be-
weiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Be-
schuldigten hätte zweifeln müssen (BGE 127 I 38 E. 2b, BGE 124 IV 86 E. 2a).
Wenn erhebliche oder nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der
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Sachverhalt so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, so ist der Beschuldigte nach
dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio
pro reo", in ZBJV 129 [1993] S. 419 f.). Dabei kann anderseits auch nicht verlangt
werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen
Aspekten unwiderlegbar feststehen muss (vgl. Schmid, Strafprozessrecht, 4. A.,
Zürich 2004, Rz 288). Aufgabe des Richters ist es, seinem Gewissen verpflichtet,
in objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses, zu prüfen, ob er von
einem bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an
dessen Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 StPO; ZR 72 [1973] Nr. 80;
Guldener, Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 93 [2004] Nr. 51 Ziff. 1.4;
BGE 124 IV 86 E. 2a, BGE 120 Ia 31 E. 2c).
2.2. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der vier beteiligten Personen zu-
treffend kurz zusammengefasst, worauf vorab verwiesen werden kann (Urk. 34
S. 4 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Auf ihre weiteren Aussagen wird, wo nötig, bei de-
ren Würdigung eingegangen. Zu Recht hat die Vorinstanz auch darauf hingewie-
sen, dass die drei Zeugen mit dem Beschuldigten nicht bekannt sind und kein er-
kennbares persönliches Interesse an seiner Strafverfolgung haben (Urk. 34 S. 5
und S. 7). Ein Grund, weshalb sie ihn bewusst falsch anschuldigen und sich
dadurch selbst strafbar machen sollten, ist nicht auszumachen. Davon geht auch
der Beschuldigte selbst nicht aus (Urk. 53 S. 8 f.). Insbesondere wurden auch
keine finanziellen Forderungen geltend gemacht. Die Tatsache, dass die beiden
Zeuginnen in einem persönlichen und arbeitsrechtlichen Verhältnis zum Zeugen
B._ stehen, lässt – entgegen der Ansicht des Beschuldigten (Urk. 26 S. 6
und S. 8) – nicht darauf schliessen, dass sie deshalb nicht neutral aussagen und
den Beschuldigten zu Unrecht belasten könnten. Es ist nicht einzusehen, welchen
Vorteil sie oder der Zeuge B._ aus solchen Falschaussagen ziehen sollten,
denn B._ wird nichts vorgeworfen, derentwegen er sich entlasten müsste. Im
Übrigen wirken die Aussagen der drei Zeugen zum Vorwurf des Spurwechsels mit
zu geringem Abstand durchaus selbsterlebt und überzeugend. Alle drei beschrei-
ben, wie gefährlich ihnen das Manöver des anderen Fahrzeugs erschien. B._ sprach von "lebensbedrohlich" und "kriminell" (Urk. 3/1 S. 1). Seine Tochter C._
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erzählte, sie sei "geschockt" gewesen und das Herz sei ihr ein wenig in die Hosen
gerutscht, man sei sehr erschrocken (Urk. 3/3 S. 1 und S. 3). Und auch D._
berichtete davon, dass sie sehr erschrocken sei und ihr Herz schneller geschla-
gen habe. Folgerichtig führte sie aber auch an, sie habe es sicher weniger inten-
siv wahrgenommen wie die Leute auf den Vordersitzen (Urk. 3/5 S. 3). Aus den
Aussagen der drei Personen wird klar, dass es nicht das ebenfalls eingeklagte
vorgängige Rechtsüberholen des Täters war, das sie zu einer Strafanzeige be-
wog, sondern die massive Gefährdung beim Wiedereinbiegen auf die Überhol-
spur, was – aus ihrer Sicht – zu einer Kollision geführt hätte, wenn B._ nicht
sofort gebremst hätte und ausgewichen wäre. Die Tatsache, dass jemand auf-
grund einer erlebten Verkehrssituation die Mühen auf sich nimmt, eine schriftliche
Strafanzeige zu verfassen und an verschiedenen Einvernahmeterminen zu er-
scheinen, ohne dass er einen persönlichen Vorteil daraus gewinnen kann, spricht
bereits für das Vorliegen eines relativ massiven Vorfalls. Der Umstand, dass
B._ zwei Wochen – und damit nicht ca. einen Monat, wie die Verteidigung
geltend machte (Urk. 44 S. 3; Urk. 51 S. 5) – zuwartete, bevor er seine schriftliche
Anzeige verfasste (Urk. 2), erscheint unverdächtig. Er hat dies plausibel damit
begründet, dass er damals geschäftlich stark absorbiert war und keine Zeit hatte
(Urk. 3/1 S. 1). Ausserdem bestand aus seiner Sicht keine besondere Eile, da
keine dringlichen Beweise (wie z.B. Spuren) zu sichern waren. Nachdem die Dar-
stellung von B._ auch noch von weiteren Zeugen bestätigt wird, die auch ihr
eigenes Erleben des Vorfalls überzeugend schildern, besteht kein Zweifel daran,
dass etwas Aussergewöhnliches vorgefallen sein musste. Ob aber der Sachver-
halt wie eingeklagt erstellt und die Täterschaft des Beschuldigten nachgewiesen
ist, ist damit noch nicht gesagt.
2.3. Der Beschuldigte hat zwar in der gesamten Untersuchung bestritten, die ein-
geklagten Fahrmanöver vorgenommen zu haben, aber bereits zu Beginn einge-
räumt, etwa zur fraglichen Zeit am geltend gemachten Tatort mit seinem Fahr-
zeug Ford ..., Kennzeichen ..., unterwegs gewesen zu sein. Dass an jenem Tag
jemand anders sein Fahrzeug gelenkt habe, hat er nie behauptet (Urk. 4/1 S. 1;
Urk. 4/2 S. 2; Prot. I S. 6; Urk. 53 S. 6). Am Ende der Untersuchung hielt er fest,
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wenn das drei Leute sagen würden, müsse etwas passiert sein; aber er könne
sich nicht an einen solchen Vorfall erinnern und sei nicht so gefahren (Urk. 4/3
S. 1). Noch vor Vorinstanz hielt er fest, es sei möglich, dass er den Zeugen
B._ geschnitten habe, er sei sich dessen aber nicht bewusst (Prot. I S. 9). Im
ersten Berufungsverfahren machte der Beschuldigte umfassend geltend, seine
Identifikation als Täter stehe nicht fest. Es sei möglich, dass gar nicht er der fehl-
bare Lenker gewesen sei, sondern ein ähnlicher PW; dunkle SUVs gebe es Hun-
derte (Urk. 26 S. 2 und S. 7; Urk. 44; Urk. 74 S. 6).
2.4. Zur Identifizierung des Beschuldigte kam es wie folgt: B._ erstattete
schriftlich Anzeige und hielt darin fest, beim gesuchten Fahrzeug handle es sich
um einen anthrazitfarbenen Ford ... mit dem Kontrollschild ... (Urk. 2). Man habe
sich nach dem Vorfall das Auto gemerkt und danach das Kennzeichen notiert
resp. ein Foto vom Wagen gemacht (vgl. Urk. 3/4 S. 4; Urk. 3/2 S. 4). Die Abklä-
rungen der Polizei zum genannten Kennzeichen führten denn auch tatsächlich zu
einem grauen Ford ... – demjenigen des Beschuldigten (Urk. 1 S. 2), der zur Tat-
zeit die fragliche Stelle tatsächlich passiert hatte. Insoweit ist festzuhalten, dass
die Zeugen weder bei der Beschreibung des Fahrzeugstyps noch des Kennzei-
chens einem Irrtum unterlagen. Dass B._ in seiner Zeugeneinvernahme vom
26. August 2010 nun von einem "silbergrauen" statt anthrazitfarbenen Fahrzeug
sprach (Urk. 47/4 S. 2) und die beiden Zeuginnen die Farbe als dunkelgrau resp.
grau bezeichneten, lässt – entgegen der Ansicht der Verteidigung im ersten Beru-
fungsverfahren (Urk. 51 S. 1 f.) – nicht auf eine Verwechslung schliessen. Alle
drei Zeugen beschrieben den fehlbaren Lenker sodann übereinstimmend wie
folgt: Er sei männlichen Geschlechts, mittleren Alters, mit kurzen, dunklen resp.
grau-melierten Haaren, einem Schnauz und eher rundlichem Gesicht (Urk. 2;
Urk. 3/1 S. 6; Urk. 3/3 S. 4; Urk. 3/5 S. 4). Diese Beschreibung hielten sie im We-
sentlichen auch anlässlich ihrer erneuten Zeugeneinvernahmen vom 26. August
2010 aufrecht (Urk. 47/4 S. 3; Urk. 47/5 S. 3; Urk. 47/6 S. 3), wobei die Zeugin
D._ ergänzte, das Haar des Täters sei leicht gekraust gewesen. Diese Be-
schreibungen trafen auf den Halter des genannten Ford ..., den Beschuldigten, in
der Untersuchung denn auch zu (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/2 S. 3). Auch an den Beru-
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fungsverhandlungen vom 12. Mai 2010 sowie vom 31. Oktober 2011 konnte sich
das Gericht davon überzeugen, dass das Signalement jedenfalls nicht wesentlich
vom Beschuldigten abwich (vgl. Urk. 53 S. 7 und S. 9). Dass die Zeugen den Tä-
ter – wie sie geltend machten – während einiger Sekunden anschauen konnten,
als er rechts an ihnen vorbeifuhr, ist weder unmöglich noch abwegig, sondern
entspricht vielmehr einer alltäglichen Situation auf der Autobahn, wenn die Ge-
schwindigkeitsdifferenz zwischen den Fahrzeugen nicht allzu gross ist (vgl.
Urk. 3/1 S. 3; Urk. 47/4-6 je S. 3). Entgegen der Verteidigung ist dies weder selt-
sam noch unglaubhaft (Urk. 74 S. 3 f.). Vielmehr erscheint es logisch, dass die
drei Zeugen den Fahrer mehr als nur flüchtig anschauten, da er rechts an ihnen
vorbeifuhr. Dies ist ungewohnt und wird – auch bei Kolonnenverkehr – als unzu-
lässig empfunden. Deshalb bestand sehr wohl ein Grund, den Fahrer anzuschau-
en. Von der Verteidigung wurde in der heutigen Berufungsverhandlung erneut  gemacht, es sei für die Zeugen "im flachen Kombi" nicht möglich gewesen, den
Beschuldigten als Fahrer des SUV zu sehen, und beantragt, dies durch eine
"Nachstellung" zu prüfen (Urk. 74 S. 4). Eine solche Nachstellung erübrigt sich,
weil alle drei Zeugen eine zutreffende Beschreibung des Beschuldigten abgaben.
Hätten sie ihn beim Vorbeifahren nicht sehen können bzw. wäre er lediglich in ei-
nem späteren Zeitpunkt vor ihnen gefahren und an einer Lichtsignalanlage stehen
geblieben, hätten sie den Beschuldigten nicht beschreiben können. Zwar ist der
Verteidigung zuzustimmen, dass der Zeuge B._ als Fahrer sich primär auf
den Verkehr konzentrieren musste und deshalb den fraglichen Fahrer weniger
genau bzw. lang betrachten konnte. Hingegen konnten die beiden Zeuginnen als
Beifahrerinnen problemlos eine gewisse Zeit hinüberschauen. Eine Rekonstrukti-
on würde somit keine neuen Erkenntnisse bringen und insbesondere auch an der
Beweiswürdigung des Bundesgerichtes, dass der Beschuldigte der fragliche Fah-
rer war, nichts ändern. Schliesslich wollten sie den Beschuldigten anlässlich der
Konfrontationseinvernahmen als den gesuchten Lenker erkannt haben. Nicht zu-
treffend ist der Einwand des Beschuldigten, die Untersuchungsbeamtin habe die
Zeugen damals suggestiv gefragt, ob sie ihn als Lenker des fraglichen Fahrzeugs
erkennen würden (Urk. 26 S. 2; Urk. 74 S. 4). Vielmehr wurden die Zeugen offen
gefragt, ob sie den anwesenden Herrn kennen (Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/4 S. 2;
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Urk. 3/6 S. 1). Allerdings ist der Verteidigung zuzustimmen (Urk. 44 S. 4), dass
die Zeugen in dieser Situation wohl davon ausgehen konnten, dass der anwesen-
de Beschuldigte für die Staatsanwaltschaft als Täter in Frage kam resp. deshalb
vorgeladen worden war. Eine Zeugin erwähnte dann auch vorsichtig, sie könne
nur zu 70% sicher sein, zumal sie den Beschuldigten nur kurz gesehen habe
(Urk. 26 S. 7). Fest steht jedenfalls, dass die Zeugen einen Täter sahen und be-
schrieben, der das Signalement des Beschuldigten aufweist, der einen anthrazit-
farbenen Ford ... mit dem Kennzeichen ... fuhr und der etwa zur Tatzeit – alleine
im Fahrzeug – am Tatort anwesend war.
2.5. Das Bundesgericht geht in seinem Urteil vom 18. Juli 2011 davon aus, dass die Zeugen den Beschuldigten "mit einer derartigen Sicherheit" identifiziert hätten, dass
kein Grund für Zweifel an dessen Täterschaft bestehe. Das Bundesgericht hielt
fest: "Zu gross wäre der Zufall, dass sich zum selben Zeitpunkt auf derselben Strecke zwei sich im Aussehen gleichende Lenker eines anthrazitfarbenen Geländewagens befanden" (Urk. 64
S. 6 f.). An diese Einschätzung des Bundesgerichtes ist die erkennende Kammer
– wie eingangs unter Ziff. 1.3 erwähnt – zwingend gebunden; es kann nicht davon
abgewichen werden. Entgegen den sinngemässen Ausführungen der Verteidi-
gung (Urk. 74 S. 6) ging das Bundesgericht nicht davon aus, es habe im Tatzeit-
punkt wenig Verkehr gehabt. Verkehrsstatistiken würden demzufolge zu keiner
anderen Einschätzung des Bundesgerichtes führen. Deshalb erübrigt sich der be-
antragte Beizug einer Verkehrsstatistik. Nachdem das Bundesgericht aber auch
festhielt, die Aussagen der Zeugen stünden schliesslich nicht alleine, sondern
würden durch weitere Indizien gestützt (Urk. 64 S. 6), ist auch auf die weiteren
Umstände im Folgenden einzugehen.
2.6. Zuzustimmen ist dem Beschuldigten zunächst darin, dass die Aussagen der drei Zeugen gewisse Widersprüche bezüglich der Frage aufweisen, wann er
ihnen das erste Mal aufgefallen sein soll. Der Zeuge B._, welcher in seiner
schriftlichen Anzeige und seiner polizeilichen Befragung unmissverständlich schil-
derte, wie der Beschuldigte von hinten auf sein Fahrzeug aufschloss, auf die rech-
te Spur wechselte, ihn überholte und vor ihm wieder auf die Überholspur wechsel-
te (Urk. 2; Urk. 3/1 S. 1 f.), führte später als Zeuge aus, er habe schon einmal in
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den Rückspiegel geschaut, aber nichts Ungewöhnliches festgestellt; er habe den
anderen Fahrzeuglenker erst richtig wahrgenommen, als er rechts neben ihm ge-
fahren sei (Urk. 3/2 S. 3). Aber auch an dieser Einvernahme erklärte der Zeuge zu
Beginn immerhin, der hinter ihm fahrende Fahrzeuglenker habe ihn rechts über-
holt (a.a.O. S. 2). Aus den Aussagen des Zeugen geht aber klar hervor, dass das
Rechtsüberholen für ihn eine untergeordnete Rolle spielte, dass er es nicht als
Bedrängen empfand (Urk. 3/1 S. 2) und dass er deshalb keine Strafanzeige ge-
macht hätte. Angesichts der tatzeitnächsten Aussagen erscheint es jedenfalls als
wahrscheinlich, dass sich der Beschuldigte von hinten näherte und dann auf die
rechte Spur wechselte. Dies deuten auch die Aussagen von C._ an. Sie führ-
te aus, auf der rechten Seite habe sich ein Auto genähert und zum Überholen an-
gesetzt. Dieses hätten sie zuvor nicht überholt gehabt (Urk. 3/3 S. 1). Sie habe
ihn erst bemerkt, als er von rechts hinten aufgeschlossen habe (a.a.O. S. 2). An
der Zeugeneinvernahme berichtete sie hingegen davon, dass sie den Beschuldig-
ten bereits vorher bemerkt hatte, als er hinter ihnen von hinten zunächst sehr na-
he aufgefahren und später von rechts nach vorne gekommen sei (Urk. 3/4 S. 2 f.).
Hier mag die Ansicht des Beschuldigten, dass Zeugen versucht sein können, un-
klare Lücken im Ablauf selbst zu füllen (Urk. 26 S. 2), zutreffen. Die Zeugin wuss-
te, dass man das rechts aufschliessende Fahrzeug vorher nicht überholt hatte, al-
so musste es vorher logischerweise auf ihrer Spur von hinten aufgefahren sein.
Ob sie dies selbst so wahrgenommen hat, lässt sich mit diesen Aussagen nicht
mehr feststellen. Allerdings betonte auch C._, dass sie wegen des Rechts-
überholens allein nichts gesagt hätten, sondern wegen der nachfolgenden Ereig-
nisse Anzeige erstatteten (Urk. 3/3 S. 3). Zudem beschrieb sie das Überholmanö-
ver des Beschuldigten nicht als eine Fahrbewegung und entlastete ihn damit auch
ein Stück weit (Urk. 3/4 S. 3). D._ schliesslich, welche auf der Rückbank hin-
ter dem Lenker sass, beschrieb bei der Polizei ein sehr nahes Aufschliessen des
Beschuldigten von hinten, ein rasches Wechseln auf die rechte Spur und ein an-
schliessendes Rechtsüberholen (Urk. 3/5 S. 1). Sie konnte indes nicht mehr sa-
gen, weshalb sie überhaupt bemerkt hatte, dass das Auto zuerst nahe aufge-
schlossen hatte. Sie wisse einfach noch, dass das Fahrzeug auf die rechte Spur
gewechselt habe und an ihnen vorbeigefahren sei (a.a.O. S. 2). Auch als Zeugin
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schilderte sie, wie der Beschuldigte schnell und nahe von hinten aufgefahren sei,
rasch auf die rechte Spur gewechselt und sie dann rechts überholt habe (Urk. 3/6
S. 2). D._ ist somit die einzige, die den Beschuldigten bezüglich des Rechts-
überholens konstant belastet. Zwar ist es nicht abwegig, dass sie als hinten sit-
zende Person das sehr nahe Aufschliessen eines hinteren Fahrzeugs besonders
gut beobachten konnte; indes fällt auf, dass sie genau dies nicht erwähnte. Sie
wusste vielmehr nicht mehr, ob sie sich umgedreht hatte oder ob jemand im Fahr-
zeug etwas deswegen gesagt hatte (Urk. 3/5 S. 2).
Insgesamt ist aufgrund sämtlicher Aussagen festzuhalten, dass der Beschuldigte
zwar durchaus von hinten auf das Fahrzeug B._ aufgeschlossen haben
mochte. Richtig wahrgenommen wurde er von den Beteiligten offenbar aber erst,
als er sich von rechts hinten näherte und an ihnen vorbeifuhr. Das für die Zeugen
wesentliche Ereignis folgte erst danach, nämlich der geltend gemachte äusserst
knappe Spurwechsel zurück auf die Überholspur. Ob der gesuchte Lenker das
Fahrzeug B._ somit – wie eingeklagt – in einem Zug rechts überholte, oder
ob er zuvor möglicherweise während einer gewissen Zeit auf der rechten Spur
fuhr und B._ erst im Rahmen des Kolonnenverkehrs oder aufgrund des Ver-
langsamens von B._ zu passieren begann (vgl. Urk. 4/2 S. 2; Urk. 26 S. 5),
lässt sich aufgrund der vorliegenden Beweismittel nicht zweifelsfrei nachweisen.
Davon gingen auch bereits die Vorinstanz (Urk. 34 S. 9 f.) wie auch das Bundes-
gericht (Urk. 64 S. 5) aus. Weitere Bemerkungen dazu erübrigen sich daher. Im
Übrigen handelt es sich dabei auch um rechtliche Fragen, weshalb ein Freispruch
vom Vorwurf des Rechtsüberholens nicht auch einen Freispruch wegen des brüs-
ken Einbiegens vor das Fahrzeug des Zeugen B._ zur Folge hat. Entgegen
den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 74 S. 3 f., S. 8 f.) besteht zwischen die-
sen beiden Vorgängen kein derartiger Kausalzusammenhang, dass das eine nicht
ohne das andere hätte stattfinden können.
2.7. Die Aussagen der drei Zeugen sind indes nicht nur in diesem Punkt wenig
kongruent: Besonders auffällig ist der Widerspruch betreffend das Verhalten des
Täters nach dem eingeklagten Vorfall. Während B._ bei der Polizei ausführ-
te, der fehlbare Lenker habe sich danach normal im Verkehr weiterbewegt, und er
- 14 -
(B._) sei ihm in einem normalen Abstand gefolgt (Urk. 3/1 S. 5), werfen die
beiden Zeuginnen dem Täter vor, nach dem Vorfall weiterhin sehr aggressiv ge-
fahren zu sein (Urk. 3/3 S. 1; Urk. 3/4 S. 3; Urk. 3/5 S. 1). Auch anlässlich der
Zeugeneinvernahme im Rahmen der Beweisergänzung hielt B._ fest, die
Fahrweise des fraglichen Lenkers nach dem Überholmanöver sei unauffällig ge-
wesen. Auf Vorhalt der Aussagen der beiden Zeuginnen meinte er, er könne das
nicht ausschliessen, er habe einfach sein eigenes Fahrzeug geführt und den Tä-
ter "nicht speziell beobachtet" (Urk. 47/4 S. 6). Demgegenüber führten die beiden
Zeuginnen auch am 26. August 2010 aus, der Lenker sei auch nach dem Vorfall
mit einem aggressiven Fahrstil weitergefahren und immer wieder anderen dicht
aufgefahren (Urk. 47/5 S. 4; Urk. 47/6 S. 5). Diese Widersprüche in den Aussagen
der drei Zeugen sind nicht leicht nachzuvollziehen, selbst wenn dabei berücksich-
tigt wird, dass bei dynamischen Abläufen wie im Strassenverkehr keine in jedem
Detail übereinstimmenden Aussagen zu erwarten sind. Immerhin ist festzuhalten,
dass die Beurteilung eines Fahrstils als normal oder aggressiv immer auch sub-
jektiv ist. Angesichts dieser Aussagenkonstellation kam der Frage, in welchem
Zeitpunkt und auf welche Weise die Identifizierung des Fahrzeugs des Beschul-
digten durch die Zeugen zustanden kam, erhebliche Bedeutung zu, weshalb eine
diesbezügliche Beweisergänzung angeordnet wurde (Urk. 44).
2.8. Die zur Frage einer möglichen Verwechslung erhobenen  vom 26. August 2010 (Urk. 47/4-6) brachten keine Klärung der offenen Fra-
gen. Die drei Zeugen konnten nicht mehr schlüssig beantworten, in welchem Zeit-
punkt und an welchem Ort das Nummernschild des fehlbaren Lenkers notiert
wurde und ob man das fragliche Fahrzeug bis zu diesem Zeitpunkt ständig im
Blickfeld hatte, sondern widersprachen sich entweder gegenseitig oder ihren ei-
genen früheren Aussagen. Auf diese Erwägungen im Urteil vom 15. Februar 2011
kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 54 S. 9 ff.). Darauf ging das  jedoch mit keinem Wort ein, sondern hielt vielmehr fest: "Die Zeugen waren
sich ebenfalls sicher, dass sie das Tatfahrzeug (...) nicht aus den Augen verloren hatten" (Urk. 64
S. 6). Dies obwohl der Zeuge B._ auf die Frage, ob er das Fahrzeug aus den Augen verloren habe, antwortete, "Ich würde sagen, nein. [...] Aber auch wenn ich das
- 15 -
Fahrzeug aus den Augen verloren habe, ist für mich der Fall aufgrund des Nummernschild klar"
(Urk. 47/4 S. 6 f.); dies, obwohl die Zeugin C._ auf die gleiche Frage hin aus-
führte, sie wisse es wirklich nicht mehr genau (Urk. 47/5 S. 4); und dies, obwohl
die Zeugin D._ angab, sie erinnere sich nicht; aber es könne gut sein, dass
man das Fahrzeug aus den Augen verloren und erst an der Ausfahrt Z._ "wiedererkannt" habe (Urk. 47/6 S. 5). Entgegen den Ausführungen des Bundesge-
richtes wurde diesen – wenig sicher anmutenden – Zeugenaussagen im Urteil
vom 15. Februar 2011 durchaus Bedeutung zugemessen. Wenn das Bundesge-
richt festhält, es sei kein Grund zur Annahme ersichtlich, dass der Sichtkontakt
der Zeugen zum fehlbaren Lenker nicht durchgehend bestanden habe (Urk. 64
S. 6 f.), so ist dies aufgrund der eben zitierten Aussagen nicht nachvollziehbar.
Indes ist die erkennende Kammer – wie bereits erwähnt – an die Würdigung
durch das Bundesgericht gebunden. Dieses hält klar fest, dass es aufgrund der
vorliegenden Beweislage willkürlich wäre, den Schluss zu ziehen, es würden er-
hebliche und unüberwindbare Zweifel daran bestehen, dass der Beschuldigte mit
der Person des fehlbaren Lenkers identisch sei (Urk. 64 S. 7). Damit ist der An-
sicht der Verteidigung, das Obergericht könne aufgrund einer neuen, anderen
Beweiswürdigung dennoch davon ausgehen, der Beschuldigte sei nicht der fehl-
bare Lenker gewesen (Urk. 69; Urk. 74), jeder Boden entzogen.
2.9. Es ist somit davon auszugehen, dass es der Beschuldigte war, der zum  Zeitpunkt am Tatort mit seinem Fahrzeug von der rechten Spur brüsk
auf die Überholspur wechselte und dabei einen Abstand von nur gerade ca. ein
Meter zur Front des Fahrzeugs B._ einhielt. Ohne ein massives Abbremsen,
jedoch nicht bis zum Stillstand, und ein Ausweichen nach links durch B._ wä-
re es zu einer Kollision zwischen den beiden Fahrzeugen gekommen (Urk. 2;
Urk. 3/1; Urk. 3/2). Dass B._ bei der Zeugeneinvernahme davon sprach, zwei
bis zweieinhalb Meter nach links ausgewichen zu sein (Urk. 3/2 S. 4), erscheint
zwar leicht übertrieben. Immerhin hatte er tatzeitnäher bei der Polizei noch von
einem bis anderthalb Metern gesprochen (Urk. 3/1 S. 4), was auch von seiner
Tochter so geschildert wurde (Urk. 3/3 S. 3). Selbst wenn deshalb – wie der Be-
schuldigte dartat (Urk. 26 S. 5) – die Distanzschätzungen von B._ mit Vor-
- 16 -
sicht zu geniessen wären und der vom Beschuldigten beim Wiedereinbiegen ein-
gehaltene Abstand damit rund 2 Meter anstatt 1 Meter betragen hätte, so wäre
dies noch immer nicht einmal ansatzweise ausreichend. Insgesamt ist damit fest-
zuhalten, dass der eingeklagte Sachverhalt betreffend brüsker Spurwechsel des
Beschuldigten aufgrund der Aussagen von B._, welche durch die beiden
Zeuginnen im Wesentlichen gestützt werden, als rechtsgenügend erstellt zu er-
achten ist.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Die Vorinstanz ging davon aus, dass ein Rechtsüberholen des Beschuldigten
nicht erstellt ist und sah von einem diesbezüglichen Schuldspruch ab. Selbst
wenn, wie oben gezeigt, davon ausgegangen würde, dass sich der Beschuldigte
zunächst von hinten näherte, in der Folge auf die rechte Spur wechselte, an den
Zeugen rechts vorbeifuhr und sein Fahrzeug schliesslich wieder auf die Überhol-
spur zog, so kann aufgrund der vorliegenden, diesbezüglich unsicheren Zeugen-
aussagen nicht von einem in einem Zug durchgeführten, unzulässigen Überhol-
manöver durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen ausgegangen werden. Ein
Verstoss gegen Art. 35 Abs. 1 SVG und Art. 8 Abs. 3 VRV lässt sich somit nicht
nachweisen. Der in der Anklage ebenfalls aufgeführte Art. 43 Abs. 3 SVG dürfte
versehentlich (vgl. Urk. 1 S. 1) erwähnt worden sein und weist keinen Zu-
sammenhang zum Vorfall auf.
Nachdem die Staatsanwaltschaft das eingeklagte Verhalten des Beschuldigten
als einheitliches Geschehen und somit insgesamt als grobe Verletzung der Ver-
kehrsregelverletzungen gewürdigt hat, hat bezüglich des Rechtsüberholens kein
eigentlicher Freispruch zu ergehen, wovon auch die Vorinstanz absah. Die
erwähnten Bestimmungen fallen vielmehr bei der Prüfung, ob eine grobe Ver-
kehrsregelverletzung vorliegt, einfach ausser Betracht.
3.2. Die Vorinstanz hat den objektiven Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG in  mit Art. 34 Abs. 3 SVG und Art. 44 Abs. 1 SVG zu Recht bejaht. Ihre zu-
treffenden Erwägungen bedürfen keiner Ergänzung (Urk. 34 S. 10 f.; Art. 82
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Abs. 4 StPO). Insbesondere bringt auch die Verteidigung nichts Substanzielles
dagegen vor (Urk. 44; Urk. 74).
Was hingegen den subjektiven Tatbestand betrifft, so ist zu ergänzen, dass dieser
nur erfüllt ist, wenn dem Täter aufgrund eines rücksichtslosen oder sonstwie
schwerwiegend regelwidrigen Verhaltens zumindest eine grobe Fahrlässigkeit
vorzuwerfen ist (BGE 118 IV 87). Sowohl Anklage als auch Vorinstanz gehen da-
von aus, dass der Beschuldigte die grobe Verkehrsregelverletzung zumindest
eventualvorsätzlich begangen hat (Urk. 7 S. 2; Urk. 34 S. 11). Dem ist zuzustim-
men. Aufgrund der Zeugenaussagen ist davon auszugehen, dass der Beschuldig-
te vor dem gefährlichen Manöver das Fahrzeug von B._ auf der rechten Spur
passierte und – gemäss Aussage der Beifahrerin C._ (Urk. 3/3 S. 1; Urk. 3/4
S. 3) – sogar zu ihnen herüber schaute. Damit ist klar, dass der Beschuldigte das
in der Nähe befindliche Fahrzeug wahrgenommen hatte. Es lag also nicht der (re-
lativ häufige) Fall vor, wo ein auf der rechten Fahrspur fahrendes Fahrzeug auf
die Überholspur ausschert, ohne genügend auf den nachfolgenden Verkehr zu
achten. Obwohl der Beschuldigte den Wagen von B._ somit gesehen haben
muss, entschied er sich, mit einem viel zu geringen Abstand vor diesen auf die
Überholspur einzuschwenken. Ob er dies nun – wie die Zeugen zum Teil vermu-
teten – absichtlich getan hat, um sie zu schikanieren, oder ob es ihm einfach nur
darum ging, möglichst "sportlich" fahrend vorwärts zu kommen, lässt sich nicht
eruieren. Jedenfalls nimmt ein sich derart verantwortungslos gebärdender Auto-
lenker die Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer zumindest in Kauf, selbst
wenn ihm eine solche unerwünscht gewesen sein mochte.
3.3. Der Beschuldigte ist somit auch zweitinstanzlich der groben Verletzung der
Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 3
SVG und Art. 44 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.
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4. Strafpunkt
4.1. Die Vorinstanz hat den massgeblichen Strafrahmen korrekt abgesteckt und
die theoretischen Grundsätze der Strafzumessung richtig wiedergegeben, worauf
vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 34 S. 12; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.1.1. Tatkomponenten
Bezüglich des objektiven Verschuldens hat die Vorinstanz festgehalten, der Be-
schuldigte habe durch sein Fahrmanöver eine "deutlich erhöhte abstrakte Unfallgefahr"
geschaffen (Urk. 34 S. 13). Dem ist entgegen zu halten, dass der Beschuldigte
vielmehr eine konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer bewirkte, indem
er derart knapp vor B._ die Fahrspur wechselte, dass nur durch dessen
schnelle Reaktion Schlimmeres verhindert werden konnte. Dass sich das Ganze
auf der Autobahn bei relativ hohen Geschwindigkeiten abspielte, lässt das Verhal-
ten des Beschuldigten als noch gefährlicher erscheinen.
Auch in subjektiver Hinsicht sind keine Umstände erkennbar, die das Manöver
des Beschuldigten auch nur einigermassen nachvollziehbar erscheinen liessen.
Er war weder in Eile noch durch den Beteiligten B._ provoziert worden. Zwar
ist einerseits nicht davon auszugehen, dass er diesen und seine Beifahrerinnen
geradezu gefährden wollte; anderseits lag auch keine unbewusste (grobe) Fahr-
lässigkeit vor, sondern ist von Eventualvorsatz auszugehen.
Insgesamt wiegt das Verschulden des Beschuldigten somit – entgegen der Vor-
instanz – bereits beträchtlich und müsste an sich eine höhere Strafe als die erst-
instanzliche nach sich ziehen. Dies ist aufgrund des Verschlechterungsverbots je-
doch nicht möglich (Art. 391 Abs. 2 StPO).
4.1.2. Täterkomponenten
Die Vorinstanz hat die persönlichen und finanziellen Verhältnisse sowie das Vor-
leben des Beschuldigten richtig zusammengefasst. Es kann zwecks Vermeidung
von Wiederholungen vorab darauf verwiesen werden (Urk. 34 S. 13 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO). Aus den vom Beschuldigten seither eingereichten Unterlagen und
- 19 -
seiner Befragung vom 12. Mai 2011 geht hervor, dass sich diese Verhältnisse mit
Ausnahme des Einkommens nicht wesentlich verändert haben (Urk. 42 und
Urk. 43/1-5; Urk. 53 S. 4). Neu hat sich anlässlich der heutigen Berufungsver-
handlung ergeben, dass der Beschuldigte inzwischen von seiner Ehefrau getrennt
lebt. Sein Erwerbseinkommen reduzierte sich im Vergleich zum Zeitpunkt der
ersten Berufungsverhandlung stark, weil sein Geschäft schlecht läuft, weshalb er
sich überlegt, seine selbständige Tätigkeit aufzugeben. So erzielte er in den
letzten Monaten ein Einkommen von rund Fr. 1'000.– pro Monat und wird von
seiner Lebenspartnerin finanziell unterstützt (Urk. 73 S. 1 f.).
Daraus lässt sich weder etwas zugunsten noch zulasten des Beschuldigten ablei-
ten. Dasselbe gilt für die Tatsache, dass sich der Beschuldigte nicht geständig
zeigt. Wenn die Vorinstanz die Vorstrafenlosigkeit bzw. den ungetrübten auto-
mobilistischen Leumund des Beschuldigten leicht strafmindernd berücksichtigt hat
(Urk. 34 S. 14), so ist dies angesichts der neueren Bundesgerichtspraxis
(BGE 136 IV 1 E. 2.6.4) zwar als wohlwollend zu bezeichnen, aber angesichts
des Alters des Beschuldigten und seiner offenbar beträchtlichen Fahrpraxis
(Prot. I S. 10) auch nicht absolut unangebracht. Schliesslich hat sich auch erge-
ben, dass der Beschuldigte auch in Deutschland keinerlei Vorfälle zu verzeichnen
hat (Urk. 47/1-3). Straferhöhungsgründe sind hingegen keine ersichtlich.
4.2. Fazit
4.2.1. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände erscheint die von der Vor-
instanz ausgefällte Geldstrafe von 50 Tagessätzen jedenfalls nicht als überhöht
und ist damit zu bestätigen.
4.2.2. Erstinstanzlich wurde der Tagessatz auf Fr. 50.– festgelegt. Wie erwähnt
haben sich die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten seither deutlich ver-
schlechtert (Urk. 73 S. 1 f.). Er erzielt heute mit seinem Geschäft ein monatliches
Nettoeinkommen von durchschnittlich ca. Fr. 1'000.– und wird von seiner Lebens-
partnerin finanziell unterstützt. Seine berufliche Zukunft ist ungewiss (Urk. 73
S. 2). Davon sind Steuern, Krankenkassenprämien und allfällige Unterstützungs-
pflichten abzuziehen, Mietkosten und vorbestehende Zahlungsverpflichtungen wie
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etwa Leasingraten hingegen nicht (BGE 134 IV 60 E. 6.4.; Urk. 42; Urk. 43/2-3).
Entsprechend ist die Tagessatzhöhe gegenüber dem vorinstanzlichen Urteil zu
reduzieren.
4.2.3. Somit erweist sich die Bestrafung des Beschuldigten mit 50 Tagessätzen
Geldstrafe zu Fr. 30.– als angemessen, wobei zu beachten ist, dass es insgesamt
verschuldensangemessen ist, dem Beschuldigten auch noch eine sog. "Verbin-
dungsbusse" aufzuerlegen, worauf sogleich zurückzukommen ist.
4.3. Strafvollzug
Der von der Vorinstanz angeordnete bedingte Strafvollzug unter Ansetzung der
minimalen Probezeit von 2 Jahren ist bereits aufgrund des Verschlechterungs-
verbots gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zu bestätigen (Urk. 34 S. 14 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO).
4.4. Busse
Gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte Strafe mit einer unbedingten
Geldstrafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden. Die Be-
stimmung dient in erster Linie dazu, die Schnittstellenproblematik zwischen der
Busse (für Übertretungen) und der bedingten Geldstrafe (für Vergehen) zu ent-
schärfen. Auf Massendelikte, die im untersten Bereich bloss mit Bussen geahndet
werden, soll auch mit einer unbedingten Sanktion reagiert werden können, wenn
sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten. Die Strafenkombination nach
Art. 42 Abs. 4 StGB kommt in Betracht, wenn man dem Täter den bedingten Voll-
zug der Freiheitsstrafe gewähren möchte, ihm aber dennoch in gewissen Fällen
mit der Auferlegung einer zu bezahlenden Geldstrafe oder Busse einen spürbaren
Denkzettel verabreichen möchte (Urteil des Bundesgerichtes 6B_1042/2008 vom
30. April 2009 E. 2.2; BGE 134 IV 82 E. 8; BGE 134 IV 60 E. 7.3.1, BGE 134 IV 1
E. 4.5).
Die vorinstanzlich ausgefällte Busse von Fr. 500.— liegt noch unter dem Even-
tualantrag der Verteidigung vor Vorinstanz (Prot. I S. 10) und erscheint als sämtli-
chen Umständen angemessen; sie ist daher zu bestätigen. Auf die diesbezügli-
- 21 -
chen Erwägungen der Vorinstanz kann wiederum verwiesen werden (Urk. 34
S. 15 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zutreffend hat die Vorinstanz auch festgehalten,
dass für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse eine Ersatzfreiheits-
strafe auszufällen ist, die sich an der Tagessatzhöhe als Umrechnungsschlüssel
zu orientieren hat (vgl. BGE 134 IV 60 E. 7.3.3; Urk. 34 S. 16). Bei einem
– gegenüber der Vorinstanz reduzierten – massgeblichen Tagessatz von Fr. 30.–
wäre die Ersatzfreiheitsstrafe grundsätzlich höher festzusetzen, als die vor-
instanzlichen 10 Tage. Aufgrund des Verbotes der reformatio in peius (Art. 391
Abs. 2 StPO) ist sie vorliegend jedoch für die Busse von Fr. 500.– auf 10 Tage
festzusetzen.
5. Kosten und Entschädigungen
5.1. Die Vorinstanz hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'800.– angesetzt und dem
Beschuldigten die Kosten ausgangsgemäss auferlegt (Urk. 34 S. 16 f.; Dispositiv-
ziffern 5 und 6). Dies ist ohne Weiteres zu bestätigen.
5.2. Der Beschuldigte unterliegt mit seinem Antrag auf Freispruch im vorliegenden Berufungsverfahren vollumfänglich, weshalb ihm auch diese Kosten aufzuerlegen
sind (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Reduktion der Tagessatzhöhe ändert daran
nichts.
5.2.1. Es verbleibt die Frage, was mit den Kosten des ersten Berufungsverfahrens
(SB100151) zu geschehen hat, in welchem der Beschuldigte freigesprochen wur-
de. Nachdem das Bundesgericht zur Auffassung gelangte, das obergerichtliche
Urteil vom 15. Februar 2011 sei mit einem Mangel behaftet, kommt Art. 426
Abs. 3 lit. a StPO zur Anwendung, welcher die Kosten, die durch (...) fehlerhafte
Verfahrenshandlungen des Kantons verursacht wurden, diesem auferlegt. Dem-
gemäss sind die Kosten des ersten Berufungsverfahrens auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
5.2.2. Konsequenterweise ist der Beschuldigte somit auch für die Aufwendungen seines erbetenen Verteidigers im ersten Berufungsverfahren zu entschädigen
(Art. 436 Abs. 2 StPO), wobei zu berücksichtigen ist, dass ein eingehendes
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Aktenstudium auch wegen des vorliegenden Verfahrens notwendig gewesen wäre
und somit nicht zu entschädigen ist. Auch die Aufwendungen in Bezug auf die
Beweisergänzungen – mithin die Teilnahme an den Zeugeneinvernahmen und
entsprechende Vorbereitungshandlungen – sind vom Beschuldigten selbst zu tra-
gen, da es sich dabei nicht um fehlerhafte Verfahrenshandlungen handelt. Die
Beweisergänzungen waren notwendig zur Klärung des Sachverhalts; auch das
Bundesgericht stützt sich für seine Annahme der Täterschaft des Beschuldigten in
wesentlichen Teilen auf jene neuen Zeugenaussagen (Urk. 64 S. 6 f.), weshalb
diese nicht von Anfang an überflüssig waren. Somit sind von der durch Rechts-
anwalt lic. iur. X._ damals eingereichten Honorarnote (Urk. 52) lediglich rund
11 Stunden Aufwand (à Fr. 250.– plus MwSt) sowie ein Teil der geltend gemach-
ten Barauslagen im Sinne von Art. 436 Abs. 2 StPO zu entschädigen.
Dem Beschuldigten ist daher für seine anwaltlichen Kosten im Verfahren
SB100151 insgesamt eine Prozessentschädigung von Fr. 3'000.– (inkl. MwSt und
Barauslagen) aus der Gerichtskasse zu bezahlen. Das Verrechnungsrecht des
Staates bleibt vorbehalten.