Decision ID: 2217a8f3-9f37-55e9-9dd3-dd569a9bb6f5
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 25. Dezember 2017 in der Schweiz um
Asyl nach und wurde am 16. Januar 2018 zu ihrer Person befragt (BzP).
Nachdem das SEM ein Übernahmeersuchen der griechischen Behörden
gutgeheissen hatte, reiste der Beschwerdeführer am (...) September 2018
in die Schweiz ein und suchte am selben Tag um Asyl nach. Seine BzP
fand am 8. Oktober 2018 statt.
B.
Mit Verfügung vom 3. Dezember 2019 schrieb das SEM wegen grober Ver-
letzung der Mitwirkungspflicht seitens der Beschwerdeführenden (unent-
schuldigtes Nichterscheinen an der Anhörung sowie Nichtwahrnehmung
des rechtlichen Gehörs diesbezüglich) ihre Asylgesuche als gegenstands-
los geworden ab.
C.
Mit Schreiben vom 10. und 13. Dezember 2019 gelangten die Beschwer-
deführenden mit Hilfe ihres Rechtsvertreters an das SEM und ersuchten
um Wiederaufnahme des Asylverfahrens. Mit Verfügung vom 20. Dezem-
ber 2019 wurde das Asylverfahren wiederaufgenommen.
D.
D.a Der Beschwerdeführer machte an seiner Anhörung vom 14. Mai 2020
im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er habe mit seiner Familie zusammen in D._ gewohnt, wo er als
(...) tätig gewesen sei. Bereits sein Vater habe sich für die Rechte der Kur-
den engagiert. Er selber sei Mitglied der PDK (Partiya Demokrata Kur-
distanê, Demokratische Partei Kurdistan) gewesen und habe bis zur Aus-
reise an Demonstrationen teilgenommen, welche er auch mitorganisiert
habe. Zudem habe er Theateraufführungen sowie gemeinnützige Arbeiten
mitorganisiert. Er sei damals bei der «Tevgera Ciwanen Kurd» (TCK, Be-
wegung der kurdischen Jugend) tätig gewesen. Im Jahr (...) habe nach ei-
ner Konferenz der Partei eine Razzia stattgefunden. Er sei geflüchtet und
während 27 Tagen nicht mehr zu Hause gewesen. Einige seiner Freunde
seien verhaftet worden. Zwei von ihnen seien im Jahr 2012 getötet worden.
Die syrischen Behörden hätten vermutlich von seinem Namen und seinen
Tätigkeiten Kenntnis gehabt, hätten ihn aber im kurdischen Gebiet nicht
verfolgen können. Die YPG (Yekîneyên Parastina Gel, kurdische Volksver-
teidigungseinheiten) habe ihm eine Zusammenarbeit angeboten. Er habe
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sich aber für keine Seite entscheiden und Syrien verlassen wollen. Der
ausschlaggebende Grund für die Ausreise sei die Festnahme von zwei
Freunden – E._ und F._ – gewesen. E._ und
F._ seien im (...) 2013 an einem Kontrollposten verhaftet und für
einige Tage von den syrischen Behörden festgehalten worden. Er vermute,
dass die beiden seinen Namen und denjenigen seiner Ehefrau den Behör-
den preisgegeben hätten. Im (...) 2014 habe er D._ verlassen und
sich in sichere kurdische Gebiete begeben, wo er bis zur Ausreise geblie-
ben sei. Zu diesem Zeitpunkt seien gemäss Aussagen seiner Nachbarn die
Behörden zweimal bei ihm zuhause erschienen. Nach seiner Ausreise sei
sein Neffe angeschossen worden und seine Brüder würden ständig beo-
bachtet. Jemand gehe nun für sie einkaufen, da sie sich nicht mehr wagten,
auf den Markt zu gehen. In Syrien gebe es sodann keine Zukunft für ihn
und seinen Sohn. Strom, Wasser, Medizin und Ärzte seien nicht vorhan-
den.
D.b Die Beschwerdeführerin machte an ihrer Anhörung vom 12. Juni 2020
im Wesentlichen Folgendes geltend:
Sie sei kurdischer Ethnie und habe mit der Familie zusammen in
D._ gewohnt, wo sie ebenfalls ehrenamtlich für die kurdische Ju-
gend- respektive Hilfsorganisation TCK tätig gewesen sei. Einmal seien
zwei Jugendliche namens E._ und F._, welche ebenfalls für
die TCK tätig gewesen seien, von den syrischen Behörden mitgenommen
und geschlagen worden. In der Folge seien die beiden von deren Angehö-
rigen freigekauft worden. Sie vermute, dass die Regierung durch diese
Freunde auch ihre Namen erfahren habe. Überdies habe sie zwischen
2012 und 2013 in D._ und G._ an Demonstrationen teilge-
nommen. Weiter herrsche in Syrien Krieg und es gebe keinen Strom mehr.
D.c Bezüglich der Ausreise gaben die Beschwerdeführenden an, im (...)
oder (...) 2014 Syrien Richtung Türkei verlassen zu haben. Nach einem
viermonatigen Aufenthalt in der Türkei hätten sie ihre Reise in den Nordirak
fortgesetzt, wo sie sich bis (...) 2015 aufgehalten hätten. Daraufhin seien
sie in die Türkei zurückgekehrt, wo sie bis (...) 2017 in Istanbul wohnhaft
gewesen seien. In der Folge seien sie nach Griechenland gereist. Die Be-
schwerdeführerin sei am (...) 2017 mit dem Sohn nach Zürich geflogen. Für
die Reise hätten sie gefälschte bulgarische Identitätskarten verwendet. Der
Beschwerdeführer sei am (...)2018 von Athen nach Zürich gereist.
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D.d Die Beschwerdeführenden reichten ihre syrischen Reisepässe, Identi-
tätskarten, ihr Familienbüchlein, verschiedene Fotos, Aufnahmen des Be-
schwerdeführers anlässlich kurdischer Demonstrationen in der Schweiz,
ein Beitrittsformular und eine Mitgliedschaftsbestätigung der PDK-
Schweiz, einen Auszug aus dem syrischen Strafregister vom (...) 2018 (wo-
nach der Beschwerdeführer am (...) 2014 wegen Teilnahme an Demonst-
rationen und Beleidigung des Präsidenten und der nationalen Symbole zu
(...) Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden sei) sowie Arztbe-
richte den Beschwerdeführer betreffend zu den Akten.
E.
Mit Verfügung vom 23. Juli 2020 – eröffnet am 28. Juli 2020 – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden und lehnte
ihre Asylgesuche ab (Dispositivziffern 1-2). Gleichzeitig verfügte es ihre
Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3), deren Vollzug es zuguns-
ten einer vorläufigen Aufnahme jedoch aufschob (Dispositivziffern 4-6).
F.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 26. August 2020
(Datum Poststempel) beantragten die Beschwerdeführenden die Aufhe-
bung der Ziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Zudem seien der
mandatierten Rechtsvertreterin Kopien aller im Beweismittelindex (Nr. 1-
15) eingereichten persönlichen Beweismittel zuzustellen. In prozessualer
Hinsicht beantragten sie (eventualiter) die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtli-
che Rechtsbeiständin.
Der Beschwerde lag eine Länderrecherche der Schweizerischen Flücht-
lingshilfe vom 26. Februar 2016 bei.
G.
Mit Schreiben vom 28. August 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Beschwerdeführenden den Eingang ihrer Beschwerde.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 1. September 2020 wies der Instruktionsrich-
ter das SEM an, den Beschwerdeführenden Akteneinsicht zu gewähren.
Gleichzeitig räumte er ihnen die Möglichkeit ein, ihre Beschwerdebegrün-
dung nach gewährter Akteneinsicht zu ergänzen, andernfalls auf Grund der
Akten entschieden werde.
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I.
Mit Eingabe vom 23. September 2020 reichten die Beschwerdeführenden
eine Beschwerdeergänzung ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 In der angefochtenen Verfügung stellte die Vorinstanz fest, dass die
Vorbringen der Beschwerdeführenden weder den Anforderungen von Art. 3
AsylG an die Flüchtlingseigenschaft noch denjenigen von Art. 7 AsylG an
das Glaubhaftmachen genügten.
4.1.1 Die Beschwerdeführenden hätten geltend gemacht, in Syrien gebe
es keine Zukunft mehr und es herrsche Krieg; Strom, Wasser und medizi-
nische Versorgung seien nicht vorhanden. Dabei handle es sich aber nicht
um gezielte flüchtlingsrelevante Verfolgungsmassnahmen. Auch die von
ihnen geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten (Beitritt des Beschwer-
deführers zur schweizerischen Sektion der PDK sowie Teilnahme an kur-
dischen Demonstrationen) seien nicht geeignet, eine Furcht vor flüchtlings-
rechtlich relevanter Verfolgung zu begründen.
4.1.2 Hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen hielt das SEM fest, es
sei nicht auszuschliessen, dass sich die Beschwerdeführenden für die kur-
dische Sache eingesetzt und an Demonstrationen teilgenommen hätten.
Sie hätten jedoch die Umstände ihrer vermuteten Identifizierung durch die
syrischen Behörden nicht glaubhaft erläutern können. Die diesbezüglichen
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Äusserungen des Beschwerdeführers seien weder konkret noch substan-
ziiert. Seine Vermutungen basierten einzig auf angeblichen Aussagen von
Drittpersonen beziehungsweise der Angehörigen seiner beiden Freunde
oder der Nachbarn, deren Glaubwürdigkeit nicht geprüft werden könne.
Konkrete Hinweise auf eine Identifizierung durch die syrischen Behörden
seien seinen Aussagen jedenfalls nicht zu entnehmen. Es handle sich um
Behauptungen, die er mit keinen stichhaltigen Hinweisen habe untermau-
ern können. Die Tatsache, dass einige Videos von Demonstrationen auf
YouTube hochgeladen worden seien sowie das Einreichen eines angebli-
chen Strafregisterauszugs vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu
ändern. Der Beweiswert syrischer Dokumente sei aufgrund derer leichten
Käuflichkeit äussert gering. Im vorliegenden Fall erstaune zum einen, dass
das Urteil angeblich noch während seiner Anwesenheit in Syrien gefällt
worden sei, er aber davon nichts erfahren haben wolle. Zum anderen über-
rasche, dass er seine Angehörigen dem grossen Risiko ausgesetzt habe,
indem diese seinen Strafregisterauszug persönlich bei den Behörden be-
schafft hätten.
In den Aussagen der Beschwerdeführerin seien ebenfalls keine flüchtlings-
rechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen erkennbar. Sie habe zwar im
Wesentlichen die Angaben des Beschwerdeführers bestätigt, jedoch aus-
gesagt, dass es keinen konkreten Hinweis gebe, dass sie in den Fokus der
Behörden geraten sei. Es erstaune überdies, dass sie nicht wisse, wann
ihre Freunde E._ und F._ festgenommen worden seien, da
dieses Ereignis der ausschlaggebende Grund für die Flucht gewesen sei.
Weiter könne auch eine Reflexverfolgung aufgrund der angeblichen politi-
schen Aktivitäten des Vaters des Beschwerdeführers ausgeschlossen wer-
den. Zum einen sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen,
diese Tätigkeiten konkret zu schildern. Zum anderen habe er bezüglich ei-
ner Reflexverfolgung lediglich pauschal erklärt, dass seine Familie gelitten
habe. Stichhaltige Hinweise seien seinen Angaben nicht zu entnehmen.
4.2 In ihrer Beschwerdeeingabe hielten die Beschwerdeführenden den vor-
instanzlichen Argumenten Folgendes entgegen:
4.2.1 Sie hätten ihr politisches und humanitäres Engagement in den Anhö-
rungen detailliert sowie nachvollziehbar geschildert und mittels zahlreicher
Beweismittel belegt. Der Beschwerdeführer habe glaubhaft dargelegt, dass
bereits sein Vater die kurdische politische Bewegung in Syrien mitgeprägt
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und deshalb früher jahrelang inhaftiert gewesen sei. Er habe weiter glaub-
haft darlegen können, seit dem Jahr 2002 beziehungsweise 2003 bis zu
seiner Ausreise im Jahr 2014 offizielles Mitglied der PDK gewesen zu sein.
Seine Ausführungen zur Organisation und Teilnahme an Demonstrationen
vermittelten den Eindruck von persönlich Erlebtem. Dass er an der Beerdi-
gung von H._ – seinem Mentor – dessen Sarg mitgetragen habe,
sei ein Zeichen dafür, dass er zu dessen engeren Kreis gehört habe. Dass
er trotz seinem Augenleiden sein politisches Engagement in der Schweiz
weiterführe, sei ein Indiz dafür, dass er dies bereits in seinem Heimatland
getan habe.
4.2.2 Hinsichtlich der Identifizierung durch die Behörden führten die Be-
schwerdeführenden aus, der Beschwerdeführer weise aufgrund seines En-
gagements ein Profil auf. Seine Familie dürfte aufgrund der früheren Tätig-
keiten seines Vaters bei den Behörden als regimefeindlich bekannt sein,
was dem Beschwerdeführer bei einer allfälligen Verhaftung negativ ange-
lastet worden wäre. Er habe in verschiedenen Städten Demonstrationen
gegen die Regierung mitorganisiert und daran teilgenommen. Dabei habe
er manchmal sogar mit einem Mikrofon Parolen gesprochen. Es sei nicht
auszuschliessen, dass er dabei von den Behörden beobachtet oder gefilmt
worden sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass er aufgrund des existierenden
Bildmaterials im Internet habe identifiziert werden können respektive wer-
den könnte, sei hoch. Das gleiche gelte für die Videoaufnahmen betreffend
die humanitären Hilfestellungen sowie die Theateraufführungen. Dass er
letztlich nie festgenommen worden sei, sei wohl darauf zurückzuführen,
dass es für die syrischen Sicherheitskräfte nicht in jedem Fall möglich ge-
wesen sei, auf gesuchte Personen zuzugreifen, zumal gewisse Stadtteile
von kurdischen Sicherheitskräften kontrolliert worden seien. Das SEM
lasse sodann die damalige Situation in der Provinz I._ (andere
Schreibweise für «D._») völlig ausser Acht. Da sich das Wohnquar-
tier des Beschwerdeführers in einem von Kurden kontrollierten Gebiet be-
funden habe, sei durchaus nachvollziehbar, dass er dort nicht aufgesucht
worden sei. Ebenso sei seine Vermutung nachvollziehbar, wonach die Re-
gierungskräfte in diesem Gebiet aufgrund der dort angespannten Situation
mit einem gewaltsamen Einmarschieren in die von Kurden dominierten
Stadtteile keinen Flächenbrand hätten auslösen wollen, plausibel und
nachvollziehbar.
Von F._, welcher heute als anerkannter Flüchtling in J._
lebe, habe der Beschwerdeführer erfahren, dass es gegen jenen und
E._ ein Urteil gebe und ein solches auch gegen ihn bestehen dürfte.
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Da er I._ im (...) 2014 verlassen habe, sei nicht erstaunlich, dass er
deshalb damals keine Ahnung von einer Verurteilung gehabt haben konnte.
Aussagen von Drittpersonen grundsätzlich jeglichen Wahrheitsgehalt ab-
zusprechen, nur weil diese nicht persönlich angehört werden könnten, sei
nicht statthaft, zumal im Verwaltungsverfahren Auskünfte von Drittperso-
nen gemäss Art. 12 VwVG explizit zugelassen seien.
4.2.3 Der Beschwerdeführer habe im Rahmen seines Asylverfahrens einen
Strafregisterauszug eingereicht. Diesem sei zu entnehmen, dass er wegen
Demonstrationsteilnahme, Beleidigung des Präsidenten und Nationaler
Symbole sowie der öffentlichen Erniedrigung der Staatsmacht mit Datum
vom (...) 2014 in einem einzelrichterlichen Verfahren zu einer Freiheits-
strafe von (...) Jahren sowie einer Geldstrafe verurteilt worden sei. Er habe
bereits vorher vermutet, dass ein Strafverfahren gegen ihn hängig sei. Als
er dann von seinem Freund F._ von dessen Verurteilung erfahren
habe, habe er mit seinem älteren Bruder Kontakt aufgenommen und die-
sen gebeten, sich entsprechend zu informieren. Mit Hilfe eines Anwaltes
habe dieser den Strafregisterauszug erhalten. Die vom SEM zitierte Quelle
betreffend die käufliche Erhältlichkeit von Beweismitteln spreche sodann
hauptsächlich von gekauften Identitätspapieren und es sei nicht klar, ob
dies auch auf Gerichtsdokumente, Urteile und beispielsweise Strafregister-
auszüge zutreffe. Ohnehin könne vorliegend nicht einfach behauptet wer-
den, dass der Beweiswert eines Strafregisterauszugs äusserst gering und
somit untauglich sei. Dem Asylentscheid lasse sich ferner nicht entneh-
men, ob das SEM das Dokument überhaupt einer Echtheitsprüfung unter-
zogen habe. Zudem gehe aus den Akten nicht hervor, ob eine Übersetzung
angefertigt worden sei. Sodann habe das SEM übersehen, dass der ältere
Bruder und dessen Sohn den Strafregisterauszug mithilfe eines Anwalts
erlangt hätten – dadurch sei klar, dass sie den Auszug nicht persönlich ab-
geholt, sondern hierfür einen Anwalt beauftragt hätten, was als Vorsichts-
massnahme zu verstehen sei. Das SEM habe keinerlei Argumente ange-
führt, weshalb es dem Bruder des Beschwerdeführers nicht hätte möglich
sein sollen, mit Hilfe eines Anwaltes den Strafregisterauszug zu besorgen.
Sodann bestehe ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Festnahme
der Freunde E._ und F._ sowie seiner Verurteilung.
4.2.4 Auch die Aussagen der Beschwerdeführerin liessen den Schluss zu,
dass sie aktiv den von ihr geschilderten Tätigkeiten nachgegangen sei und
sich für die Rechte der kurdischen Bevölkerung aber auch anderer Minder-
heiten eingesetzt habe. Ihre Aussagen in Bezug auf ihre persönliche Situ-
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ation seien detailliert sowie plausibel ausgefallen und stimmten im Wesent-
lichen mit denjenigen des Beschwerdeführers überein. So habe sie über-
einstimmend geschildert, dass auch nach ihrem Wegzug unbekannte Per-
sonen bei ihnen zuhause vorbeigekommen seien und offenbar nach ihnen
gesucht hätten. Ebenso übereinstimmend hätten sie das Auffinden des Lei-
chentuchs mit einem Stück Seife geschildert – eine symbolische Todesdro-
hung.
4.2.5 Insgesamt seien ihre Aussagen aufgrund des Gesagten glaubhaft
und eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG sei zu bejahen.
5.
5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, nicht der inneren Logik entbehren oder den Tatsa-
chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind sub-
stanziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderun-
gen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer An-
hörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-
che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in
die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung
für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die
gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-
sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt
oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-
wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-
kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die
Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht.
Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5
E. 2.2; 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der vor-
maligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E.
6.1 S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprü-
fung im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bun-
desverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015 S. 5).
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Seite 11
5.2 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung des SEM zu stützen ist. Die Vorinstanz hat
mit überzeugender Begründung und unter Hinweis auf zahlreiche Proto-
kollstellen sowie die Rechtsprechung und andere Quellen dargelegt, wes-
halb sie die Vorbringen der Beschwerdeführenden für unglaubhaft respek-
tive nicht asylrelevant befunden hat. Die Beschwerdeführenden vermögen
mit ihrer Beschwerdeeingabe nichts vorzubringen, was im Resultat zu ei-
ner anderen Einschätzung führen könnte. Mit den nachfolgenden Erwä-
gungen kann daher zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz gemäss angefochtener Verfügung (dort
E. II) und obiger Zusammenfassung (vgl. E. 4.1) verwiesen werden, denen
sich das Gericht anschliesst.
5.3 Eingangs sind gewichtige Zweifel am Umfang des geltend gemachten
politischen Profils der Beschwerdeführenden anzubringen. Hierzu Folgen-
des:
Hinsichtlich der Familiengeschichte ist vorab festzustellen, dass der Be-
schwerdeführer eigenen Angaben zufolge zum Zeitpunkt der Verhaftung
seines angeblich politisch sehr engagierten Vaters noch nicht einmal ge-
boren war. Nach der Verhaftung des Vaters gefragt, antwortetet der heute
(...)-jährige Beschwerdeführer, dass er damals noch «im Bauch seiner Mut-
ter» gewesen sei (vgl. vorinstanzliche Akten A45, F39). Der entsprechende
Vorfall liegt somit bereits mehrere Jahrzehnte zurück. Dass die Familie seit-
her weitere Nachteile erlitten hätte, geht aus den Akten nicht hervor. Aus
der Bezugnahme des Beschwerdeführers auf die Aktivitäten des Vaters
vermag er somit nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Ferner konnte er
zwar den allgemeinen Grund für die damalige angebliche Verhaftung des
Vaters benennen, war aber selbst nach mehrmaliger Nachfrage nicht in der
Lage, konkret über die politischen Tätigkeiten des Vaters zu berichten –
dies, obwohl er angab, «in die Fusstapfen seines Vaters» getreten zu sein
(vgl. A45, F41-44). Dies weckt Zweifel an der Intensität der politischen Ein-
stellung und dem Umfang der politischen Aktivitäten des Beschwerdefüh-
rers.
Weiter waren die Beschwerdeführenden beide nicht in der Lage, die eige-
nen politischen Aktivitäten substanziiert und detailliert darzustellen. Viel-
mehr erschöpfen sie sich hierbei in Allgemeinplätzen. Die Qualität ihrer
Aussagen vermögen nicht den Eindruck zu erwecken, als würden diese
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Seite 12
von Personen geschildert, welche die beschriebenen Tätigkeiten tatsäch-
lich selber ausgeführt hätten (vgl. A45, F45, F48-F61, F78-80; A46, F40-
42, F66 f.).
Die geschilderten Aktivitäten lassen ferner nicht auf eine bedeutende oder
gar exponierte Rolle schliessen. So schilderte die Beschwerdeführerin le-
diglich allgemein, sie habe einfach das kurdische Alphabet denjenigen bei-
gebracht, die es noch nicht gekonnt hätten, habe Essen und Milch an arme
Familien verteilt oder das Newroz-Fest im Freien gefeiert (vgl. A46, F40).
Auf die konkrete Frage hin, inwiefern solche Aktivitäten überhaupt aus
Sicht ihres Heimatlandes problematisch sein könnten, räumte die Be-
schwerdeführerin selber ein, dass dies (am Anfang) eigentlich gar nicht
problematisch gewesen sei. Erst nachdem «Frauen mehr in Gefahr» gera-
ten seien, sei es für sie problematisch geworden (vgl. A46, F45). Ob sie
überhaupt in den Fokus der Behörden geraten sei, sei sie sich aber selber
gar nicht sicher (vgl. A46, F42). Kontakt zu Behörden habe sie jedenfalls
nie gehabt (vgl. A46, F43). Auch die Ausführungen des Beschwerdeführers
weisen keine Qualität auf, die eine exponierte Tätigkeit oder gar eine be-
sondere Rolle innerhalb einer Gruppierung erkennen lassen könnten (vgl.
A45, F45). Danach gefragt, weshalb er trotz seiner angeblich exponierten
Stellung innerhalb der Partei nicht schon früher verhaftet worden sei, rela-
tivierte der Beschwerdeführer umgehend seine Stellung innerhalb der Par-
tei. Hierbei brachte er nunmehr vor, dass er «in all seinen Aktivitäten nie
versucht habe, exponiert zu sein» oder «sich zu zeigen» (vgl. A45, F63).
Wie das SEM zweifelt auch das Gericht aufgrund der eingereichten Be-
weismittel und den diesbezüglichen Ausführungen nicht grundsätzlich da-
ran, dass sich die Beschwerdeführenden in ihrer Heimat vermutlich sozial
und in einem geringen Umfang politisch – insbesondere im Rahmen von
Theaterstücken und der Verteilung von Hilfsgütern – engagiert haben. So
werden die geltend gemachten Teilnahmen an Theaterstücken sowie die
Verteilung von Nahrungsmittel an Bedürftige durch die eingereichten Be-
weismittel untermauert. Daraus kann insgesamt aber kein relevantes poli-
tisches Profil respektive eine Verfolgungsgefahr abgeleitet werden.
Die Frage nach der Glaubhaftigkeit des geltend gemachten politischen
Profils muss vorliegend aber nicht abschliessend beurteilt werden, zumal
– wie nachfolgend ausgeführt – ohnehin nicht von einer Identifizierung
durch die syrischen Behörden auszugehen ist.
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Seite 13
5.4
5.4.1 Die Beschwerdeführenden machten verschiedene Gründe geltend,
welche möglicherweise zu ihrer behördlichen Identifizierung geführt haben
könnten. Der Beschwerdeführer führte unter anderem an, bei seinen De-
monstrationsteilnahmen im Jahr 2013 vom Regime sehr wahrscheinlich
gefilmt worden zu sein. Auf die Frage, weshalb er dann nicht bereits früher
verhaftet worden sei, gab er an, dass die Aufnahmen erst später im Internet
hochgeladen worden seien. Wie vom SEM in der Anhörung zu Recht an-
gemerkt wurde, wäre das Regime nicht auf Beweismittel aus dem Internet
angewiesen gewesen, wenn sie die Aufnahmen selbst angefertigt hätten.
Die diesbezügliche Erklärung des Beschwerdeführers, die Behörden hät-
ten nicht ihre richtigen Namen, sondern lediglich ihren Decknamen gekannt
und erst nach der Aufführung des Theaterstücks einen Beweis gegen ihn
in der Hand gehabt, ist weder überzeugend noch nachvollziehbar (vgl. A45,
F81-84). Dies, zumal er zuvor an der Anhörung zu Protokoll gegeben hat,
an Demonstrationen mehrmals von den Behörden angegriffen worden zu
sein und dass diese ganz genau gewusst hätten, wer sie seien, wer ihre
Väter seien respektive dass sie seinen Namen bereits gekannt hätten (vgl.
A45, a.a.O. sowie F62). Zudem führte der Beschwerdeführer an, bereits ab
dem Jahr 2008 regelmässig Probleme mit den syrischen Behörden gehabt
zu haben, so dass er immer wieder für kurze Zeit habe untertauchen müs-
sen, bis sein Vater und seine Vorgesetzten die Lage «mit Geld und Be-
kanntschaften» in Ordnung gebracht hätten (vgl. A45, F46). Diesfalls wäre
den Behörden sein Name wohl längst bekannt gewesen. Die Beschwerde-
führerin gab in offensichtlichem Widerspruch hierzu an, der Beschwerde-
führer sei den Behörden nur unter seinem Decknamen bekannt gewesen
und dass sich seine Familie die Bestechung im Falle einer Festnahme nicht
hätte leisten können, weshalb sie sich zur Flucht entschieden hätten
(vgl. A46, F36). Als weiteren Grund gaben die Beschwerdeführenden an,
dass im (...) 2013 ihre Kollegen E._ und F._ verhaftet wor-
den seien und die Behörden von ihnen hätten wissen wollen, wer ebenfalls
in der kurdischen Jugendgruppe sowie an Demonstrationen beteiligt gewe-
sen sei. Jemand aus der Familie von F._ habe sie damals infor-
miert, dass ihre Namen bekanntgeworden seien (vgl. A45, F35; A46, F36).
Zu diesem Sachverhaltsaspekt kam es zwischen den Aussagen der Be-
schwerdeführenden zu einem gewichtigen Widerspruch: Der Beschwerde-
führer gab diesbezüglich an, dass E._ und F._ bereits nach
sechs oder sieben Tagen hätten freigekauft werden können (vgl. A45, F35).
Die Beschwerdeführerin wusste nicht mehr, wann E._ und
F._ verhaftet worden seien, gab aber an, dass diese erst nach vier
bis fünf Monaten gegen Bestechung freigekommen seien (vgl. A46, F36).
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Zudem ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer eigenen
Angaben zufolge nach der circa im (...) 2013 erfolgten Verhaftung seiner
Freunde E._ und F._ die Region I._ erst im (...) 2014
verlassen habe, zumal die Beschwerdeführenden dieses Ereignis als zent-
rales Fluchtmotiv anführten (vgl. A45, F72 f.). Ebenfalls nicht nachvollzieh-
bar ist, weshalb sich die Beschwerdeführenden im (...) 2013 Pässe aus-
stellen liessen, obwohl sie befürchtet hätten, E._ und F._
hätten sie an die Behörden verraten. Auch wenn sie die Pässe – wie sie
geltend machten – mittels Bestechung erhalten haben, wären sie damit ein
erhebliches Risiko eingegangen (vgl. A46, F55-59).
Die Beschwerdeführenden berichteten zwar übereinstimmend, dass in der
Zeit, in der sich der Beschwerdeführer versteckt habe, die Beschwerdefüh-
rerin beim Haus eine symbolische Todesdrohung in Form eines Leichen-
tuchs und eines Stücks Seife aufgefunden habe (vgl. A45, F75). Die Urhe-
berschaft dieser Drohung blieb jedoch unklar – Nachbarn hätten gesagt,
dass «die Vermummten» respektive «unbekannten Personen» respektive
Leute der «Nationalen Abwehr» zwei Mal bei ihnen zuhause an die Tür
geklopft und nach ihnen gefragt hätten (vgl. A45, F35, F75; A46, F36, F45).
Hierbei ist ohnehin fraglich, ob zwischen der angeblichen symbolischen To-
desdrohung und den Hausbesuchen ein Konnex besteht und ob Letzteren
überhaupt eine asylrelevante Verfolgungsmotivation zugrunde liegt.
Hinsichtlich des Neffen des Beschwerdeführers kam es zu einem weiteren
Widerspruch. Nachdem sein Bruder den Strafregisterauszug für ihn abge-
holt habe, seien in der Nacht Leute zu diesem nach Hause gekommen und
hätten nach ihm – dem Beschwerdeführer – gefragt. Im Rahmen der dies-
bezüglichen Eskalation sei der Neffe angeschossen worden (vgl. A45, F65-
67; A6, Beweismittel Nr. 12). Zum einen ist fraglich, weshalb der Beschwer-
deführer dieses schwerwiegende Ereignis erst spät an der Anhörung er-
wähnte, obwohl er bereits vorher den Druck auf seine beiden in der Heimat
verbliebenen Brüder ansprach (vgl. A45, F36-38). Zum anderen erwähnte
die Beschwerdeführerin nicht, dass der Neffe angeschossen, sondern le-
diglich einmal «behelligt» worden sei (vgl. A46, F48). Aus den hierzu ein-
gereichten Foto- und Videoaufnahmen kann zudem nicht geschlossen wer-
den, dass es sich bei dem verletzten Mann tatsächlich um den Neffen han-
delt und dieser unter den angegebenen Umständen verletzt worden sein
soll.
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5.4.2 Hinsichtlich der geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten der
Beschwerdeführenden kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägun-
gen des SEM in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (dort E. II
Ziff. 1 Bst. b), denen sich das Gericht anschliesst. Dass ihre exilpolitischen
Tätigkeiten niederschwellig sind, wurde von den Beschwerdeführenden
denn auch selbst erkannt (vgl. Beschwerdeeingabe Ziff. 5.3). Es erübrigen
sich daher weitere Ausführungen hierzu.
5.4.3 Die von den Beschwerdeführenden eingereichten Beweismittel un-
termauern in der Hauptsache ihr geltend gemachtes Engagement im Rah-
men von Theateraufführungen, gemeinnützigen Aktivitäten sowie De-
monstrationsteilnahmen, was vom SEM ebenfalls erkannt wurde. Eine aus-
führlichere Prüfung dieser Beweismittel – wie von den Beschwerdeführen-
den verlangt – war daher nicht angezeigt, zumal diese Beweismittel eine
Identifizierung durch die Behörden ohnehin nicht zu belegen vermögen.
Hinsichtlich des Strafregisterauszugs ist folgendes festzuhalten: Gemäss
der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung kann im Syrien-Kon-
text nahezu jedes amtliche Dokument gegen Bezahlung erhältlich gemacht
werden. Daher ist selbst einem formell echten amtlichen Dokument nur
dann eine relevante Beweiskraft beizumessen, wenn dieses im Kontext ei-
nes hinreichend schlüssigen Sachverhaltsvortrages eingereicht wird
(vgl. u.a. Urteile des BVGer D-5750/2017 vom 13. Mai 2019 E. 4.3 und
E‐1695/2017 vom 14. Juni 2017 E. 7.3.1). Wie oben aufgeführt, ist dies
vorliegend nicht der Fall. Ergänzend ist anzumerken, dass nicht nachvoll-
ziehbar erscheint, weshalb der von den Beschwerdeführenden respektive
des Bruders des Beschwerdeführers beauftragte Anwalt nicht auch das im
Strafregisterauszug erwähnte Urteil vom (...) 2014 bei den syrischen Be-
hörden hätte erhältlich machen können, sollte ein solches tatsächlich exis-
tieren. Die dargelegte Verurteilung des Beschwerdeführers ist daher insge-
samt als unglaubhaft zu erachten. Im Übrigen liegt entgegen den Ausfüh-
rungen der Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerdeergänzung eine
Übersetzung des Strafregisterauszugs vor. Diese wurde anlässlich der An-
hörung mit Hilfe der anwesenden Dolmetschperson mündlich erstellt (vgl.
A45, S. 12).
5.5 Nach dem Ausgeführten ist es den Beschwerdeführenden nicht gelun-
gen, eine Identifizierung ihrer Person als Regimegegner durch die syri-
schen Behörden und eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG glaubhaft darzutun. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass
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sie im Falle einer (hypothetischen) Rückkehr nach Syrien eine solche zu
befürchten hätten.
5.6 Demzufolge hat das SEM zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint
und die Asylgesuche abgelehnt.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der anerkannten konkreten
Gefährdung aufgrund des in Syrien herrschenden Bürgerkrieges mit der
Anordnung der vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden in der
Schweiz aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rech-
nung getragen worden ist. Praxisgemäss erübrigen sich damit weitere Aus-
führungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten den mit ih-
ren Begehren unterlegenen Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63
Abs. 1 und 5 VwVG). Da jedoch von ihrer Bedürftigkeit auszugehen ist und
sich die Beschwerde zum Zeitpunkt der Einreichung nicht als aussichtslos
präsentierte, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und auf die Erhebung
von Verfahrenskosten zu verzichten.
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10.
Nachdem der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung gutgeheissen
wurde und das Bundesverwaltungsgericht nach aArt. 110a Abs. 1 Bst. a
AsylG der asylsuchenden Person, welche von der Bezahlung der Verfah-
renskosten befreit wurde, auf Antrag eine amtliche Rechtsbeiständin oder
einen amtlichen Rechtsbeistand bestellt, ist auch das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutzuheissen und antrags-
gemäss lic. iur. Isabelle Müller als amtliche Rechtsbeiständin der Be-
schwerdeführenden einzusetzen. Ihr ist ein amtliches Honorar zu entrich-
ten.
Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwaltungsgericht in der Regel
von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche
Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE).
Mit der Beschwerdeergänzung vom 23. September 2020 wurde eine Kos-
tennote eingereicht. Der darin ausgewiesene Aufwand von insgesamt neun
Stunden erscheint angemessen. Der Rechtsvertreterin ist somit ein amtli-
ches Honorar von insgesamt Fr. 1'454.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag)
auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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