Decision ID: 5efe9da2-49c7-509f-97b8-dff12ab59f85
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
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St.Galler Gerichte
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
Die 1964 geborene S._, kaufmännische Angestellte, meldete sich am 20. September
2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie gab an, sie habe drei Kinder (1993, 1995
und 1997), sei seit dem 30. August 2006 geschieden und arbeite seit 1993
hauptsächlich als Hausfrau. Die Versicherte beantragte im Anmeldeformular berufliche
und medizinische Massnahmen sowie die Ausrichtung einer IV-Rente (IV-act. 1). Sie
wurde daraufhin von der Verwaltung telefonisch informiert, dass die
Invalidenversicherung die beanspruchten Physiotherapien nicht übernehmen und daher
ausschliesslich die beruflichen Massnahmen und die Rente prüfen könne (IV-act. 4).
B.
B.a Nach ihren eigenen Angaben leidet die Versicherte seit 1997 an einem
Weichteilrheuma sowie seit der Kindheit an Asthma (IV-act. 1). In einem Arztbericht
zuhanden der IV-Stelle vom 3. Oktober 2006 stellte Dr. med. A._, Innere Medizin/
Rheumatologie FMH, primär die Diagnosen Fibromyalgie und depressive Verstimmung
bei psychosozialer Belastungssituation im Zusammenhang mit der Scheidung, der
Alleinerziehung von drei Kindern und der finanziellen Lage. Es stehe unter
Berücksichtigung der gesundheitlichen Störungen keine verminderte Leistungsfähigkeit
bei der bisherigen sowie bei einer anderen zumutbaren Arbeitstätigkeit fest (IV-act. 11).
Der Hausarzt Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, berichtete der IV-Stelle am
12. November 2006, dass die anteilmässige Arbeitsfähigkeit der Versicherten als
Hausfrau und KV-Angestellte nicht festlegbar sei. Sie habe aufgrund ihrer schwierigen
psychosozialen Situation, ihrer chronischen Schmerzsymptomatik, ihrer depressiven
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Erschöpfungs- und Überforderungssituation und ihrer persönlichen Ressourcen zurzeit
keine Möglichkeiten zur beruflichen Eingliederung. Infolgedessen attestierte der
Hausarzt eine um 100% verminderte Leistungsfähigkeit als KV-Angestellte (IV-act. 12).
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz empfahl am 28. Februar 2007 eine
polydisziplinäre Abklärung, weil aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen
keine valide Aussage zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden könne. Es liege ein
chronisches Schmerzleiden mit einer begleitenden psychischen Symptomatik vor,
deren Stellenwert bisher fachärztlich nicht abgeklärt worden sei. Überdies sei ein
allfälliger Einfluss des Asthmas bronchiale auf die Arbeitsfähigkeit unklar. Falls
anlässlich der psychiatrischen Begutachtung eine anhaltend somatoforme
Schmerzstörung festgestellt würde, sei zur Problematik der zumutbaren
Schmerzüberwindung zur Erbringung einer Arbeitsleistung Stellung zu nehmen (IV-act.
16). In einem Arztbericht zuhanden der IV-Stelle vom 31. August 2007 attestierte Dr.
med. C._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, aufgrund einer
psychosozialen Belastungssituation mit längerer depressiver Reaktion eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% ab 15. Mai 2007 bis auf weiteres (IV-act. 24). Trotz
Vorliegens dieses fachärztlichen psychiatrischen IV-Arztberichtes hielt der RAD
Ostschweiz in seiner Stellungnahme vom 17. September 2007 an der polydisziplinären
Abklärung fest (IV-act. 25). Damit beauftragte die IV-Stelle am 29. Oktober 2007 das
ABI, Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (IV-act. 30).
B.b Am 26. April 2007 fand eine Haushaltsabklärung an Ort und Stelle statt. Die
Abklärungsperson hielt im entsprechenden Bericht fest, die Versicherte ginge als
Gesunde aus finanziellen Gründen einer Erwerbstätigkeit von mindestens 50% nach.
Sie sei infolgedessen zu 50% als Erwerbstätige und zu 50% als Hausfrau zu
qualifizieren. Im Haushalt resultiere unter Einbezug der Schadenminderungspflicht
keine Einschränkung bzw. kein Behinderungsgrad (IV-act. 23).
B.c Die interdisziplinäre Untersuchung und Begutachtung durch das ABI erfolgten am
2. April 2008. Aus der psychiatrischen Evaluation gehen die Diagnosen mittelgradige
depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICH-10 F45.4) hervor. Dadurch ergebe sich eine Einschränkung für jegliche berufliche
Tätigkeit in der freien Wirtschaft von 50%. Insbesondere aufgrund der depressiven
Störung sei die Versicherte vermindert in der Lage, mit ihren körperlichen Beschwerden
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umzugehen. Gestützt auf die Diagnose eines chronischen Schulter-Impingement
syndroms bilateral links betont (ICD-10 M75.0) und die entsprechenden
objektivierbaren Befunde am Bewegungsapparat sei aus rheumatologischer Sicht die
vorübergehend ausgeführte Tätigkeit als Zeitungsverträgerin nicht mehr zumutbar.
Hingegen liege eine 100%ige Leistungsfähigkeit in der ursprünglich angestammten
Tätigkeit als kaufmännische Angestellte unter den Voraussetzungen vor, dass die
Versicherte die Arbeitsposition am Arbeitsplatz regelmässig nach eigenem Gutdünken
wechseln könne, dass eine optimale Arbeitsplatzergonomie vorherrsche und dass
insbesondere das repetitive Arbeiten über 90° Abduktion oder Elevation der
Schultergelenke vermieden würde. Aus interdisziplinärer Sicht bestehe eine 50%ige,
ganztägig verwertbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit im angestammten Beruf als
kaufmännische Angestellte oder für andere körperlich leichte bis intermittierend
mittelschwere, wechselbelastende berufliche Tätigkeiten. Eine psychiatrische
Reevaluation sei spätestens in zwei Jahren durchzuführen (IV-act. 36).
C.
C.a Mit Vorbescheid vom 22. September 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, das Rentenbegehren abzuweisen (IV-act. 48). Die Versicherte
wandte am 7. Oktober 2008 ein, sie habe vom 7. März 2007 bis zum 31. August 2007
im Rahmen eines RAV-Einsatzprograms nur reduzierte Leistungen erbringen können
und sei seit dem 4. Dezember 2007 ununterbrochen zu 100% arbeitsunfähig
geschrieben. Mit dem Einwand reichte sie Zeugnisse von behandelnden Ärzten ein, die
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im Zeitraum vom 4. Dezember 2007 bis zum 30.
September 2008 bescheinigen (IV-act. 49).
C.b Gestützt auf die Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht wies die
IV-Stelle mit einer Verfügung vom 14. Oktober 2008 das Leistungsbegehren der
Versicherten ab. In Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung
und bei einer Aufteilung von Haushalt und Erwerb in je 50% ermittelte sie einen
Invaliditätsgrad von 0%. Es bestehe gemäss den vorliegenden Unterlagen und
umfangreichen medizinischen Abklärungen eine Arbeitsfähigkeit von 50% in einer der
Behinderung angepassten Erwerbstätigkeit. Im Haushalt liege nach Feststellungen der
IV-Stelle vor Ort keine Einschränkung vor. Da die Versicherte sich gemäss ihren
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Aussagen subjektiv zu 100% arbeitsunfähig fühle, seien die
Eingliederungsbemühungen erfolglos abgeschlossen worden. Im Einwand vom 7.
Oktober 2008 bringe sie keine neuen medizinischen Fakten vor, welche beim Entscheid
nicht bekannt gewesen bzw. in die Beurteilung nicht miteinbezogen worden seien (IV-
act. 50).
D.
D.a Gegen die rentenverweigernde Verfügung richtet sich die Beschwerde vom
6. November 2008. Die Beschwerdeführerin beantragt darin die Ausrichtung einer
Rente. Sie bringt vor, ihr Zustand habe sich trotz regelmässiger Behandlung sowie
Physiotherapien seit der letzten Abklärung verschlechtert. Sie sei wegen Depression
ganztags sehr müde und leide unter chronischen Schmerzen am ganzen Körper. Seit
dem 7. Dezember 2007 sei sie zu 100% krank geschrieben. Der Annahme einer
Erwerbstätigkeit von 50% im Gesundheitsfall widerspreche sie. Aufgrund des Alters
der Kinder, des Wohnsitzes ihrer Mutter im selben Ort und des Mittagstischangebots
sei nicht notwendig, dass sie tagsüber zu Hause bleibe. Als Alleinerziehende würde sie
im Gesundheitsfall nach Möglichkeit eine 100%ige Arbeitsstelle annehmen (act. G. 1).
D.b Mit Schreiben vom 26. November 2008 ersuchte Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter
im Namen der Beschwerdeführerin um Eröffnung einer Frist zur Beschwerdeergänzung
und Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (act. G. 3). Letzteres wurde am 6.
März 2009 bewilligt (act. G. 11).
D.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt am 12. Januar 2009 innert
angesetzter Nachfrist - unter Kosten- und Entschädigungsfolgen - die Aufhebung der
Verfügung vom 14. Oktober 2008 sowie zumindest die Zusprache einer halben IV-
Rente oder subsidiär die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin
zu weiteren Abklärungen. Zur Begründung führt er aus, die Ermittlung des
Invaliditätsgrads beruhe fälschlicherweise auf der gemischten Methode. Gemäss Lehre
und Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen sei zu prüfen, ob es der
Beschwerdeführerin zumutbar wäre, einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen
oder zumindest den Beschäftigungsgrad zu erhöhen. Die Beschwerdeführerin habe
weniger Kinderbetreuungsaufgaben und organisiere sich mit Kinderhort, so dass der
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Betreuungsaufwand auch bei voller Erwerbstätigkeit bewältigt werden könne. Aus
ihrem Werdegang und der Tatsache, dass sie keine Unterstützung von ihrem Ex-Mann
erhalte, ergebe sich, dass sie im Gesundheitsfall einer 100%igen Erwerbstätigkeit
nachginge. In Bezug auf ihre tatsächliche Erwerbsfähigkeit habe sie sich auf eine
Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustands berufen. Es sei aktenkundig, dass
sie nun von den behandelnden Ärzten zu 100% erwerbsunfähig geschrieben werde.
Der Rechtsvertreter behielt sich vor, je nach Beschwerdeantwort das MEDAS-
Gutachten im Rahmen der Replik in Frage zu stellen (act. G. 7).
D.d Die Beschwerdegegnerin schliesst in ihrer Beschwerdeantwort vom 5. März 2009
auf Abweisung der Beschwerde. Sie argumentiert, es sei gestützt auf das ABI-
Gutachten keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin anzunehmen. Die These, es sei bei der Qualifikation auf das
höchstzumutbare Arbeitspensum abzustellen, habe das Bundesgericht verworfen,
womit sich die Diskussion diesbezüglich erübrige. Aktengemäss sei die
Beschwerdeführerin davon überzeugt gewesen, sie würde auch im Gesundheitsfall
nicht mehr als 50% arbeiten. Die anderslautende Behauptung bezwecke nur, die
gemischte Methode zu umgehen. Schliesslich könnte auch ein halbes Pensum
zusammen mit den Alimenten ein leidlich existenzsicherndes Einkommen
gewährleisten. Andererseits sei die angefochtene Verfügung in der Begründung zu
korrigieren. Gemäss der Einschätzung der Experten sei die Restarbeitsfähigkeit
ganztags verwertbar. Das bedeute, dass sich die Einschränkung auch in einem
Teilpensum auswirken würde, womit sich im Erwerbsbereich ein IV-Grad von 25%
ergebe. Dieser sei jedenfalls nicht rentenbegründend.
D.e Mit der Replik vom 24. März 2009 stellt sich der Rechtvertreter der
Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt, von einer psychisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit von 50% ausgehend hätte die gutachterlich geschätzte
Gesamtarbeitsunfähigkeit aufgrund der zusätzlichen somatisch bedingten
Einschränkungen höher ausfallen müssen. Aus der prekären finanziellen Situation und
dem Angebot ihrer Mutter bezüglich Kinderbetreuung ergebe sich - ohne
Umgehungshintergedanken - die feste Absicht der Beschwerdeführerin, als Gesunde
eine volle Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Zudem habe die Beschwerdegegnerin in
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Verletzung ihrer Pflichten weder das Validen- noch das Invalideneinkommen
ziffermässig berechnet (act. G. 12).
D.f In der Duplik vom 23. April 2009 erklärt die Beschwerdegegnerin, weshalb die
somatische Befunde ihrer Ansicht nach einerseits zu keiner Einschränkung im erlernten
Beruf führten und weshalb der Einkommensvergleich andererseits als reiner
Arbeitsfähigkeitsvergleich durchgeführt werden könne. Ihre Behauptung, dass die
Beschwerdeführerin mit einem 50%igen Arbeitspensum eine existenzsichernde
Einkommenssituation hätte schaffen können, untermauert sie mit einer Berechnung
(act. G. 14).

Erwägungen:
1.
Das vorliegende Beschwerdeverfahren befasst sich mit dem Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente. Umstritten sind dabei insbesondere die
Frage, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, die sich daraus ergebende Methode für die
Bemessung des Invaliditätsgrads, die Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss ABI-
Gutachten und eine behauptete Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach der
interdisziplinären ABI-Untersuchung. Das Versicherungsgericht beurteilt alle Tatsachen
und Rechtsfragen, die für die Klärung der Rechtslage notwendig sind, und beschränkt
sich dabei nicht auf die von den Parteien debattierten Punkte. Ergäbe sich somit, dass
die Voraussetzungen für eine Rente erfüllt wären, gehörte zum Streitgegenstand
notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" beachtet bzw. die zumutbaren Eingliederungsmöglichkeiten ausgeschöpft hat.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens
zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf
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eine Viertelsrente. Eine Invalidität von weniger als 40% wird von der
Invalidenversicherung rentenmässig nicht entschädigt.
2.2 Unter Invalidität versteht Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Der Invaliditätsgrad einer Person, die einer Erwerbstätigkeit
nachgeht und danach erkrankt, wird daher nach Art. 16 ATSG durch einen Vergleich
möglicher Einkommen mit bzw. ohne Gesundheitsbeeinträchtigungen ermittelt
(allgemeine Methode des Einkommensvergleichs).
2.3 Anspruch auf eine Rente hat gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG allerdings nicht nur
die versicherte Person, bei welcher Einschränkungen in der Erwerbstätigkeit bestehen,
sondern auch in anderen Aufgabenbereichen wie etwa in der Haushaltsführung. Zum
Aufgabenbereich der Haushaltsführung gehören gemäss Art. 27 der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) die übliche Tätigkeit im Haushalt, die
Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische Tätigkeiten. Die
Erledigung des eigenen Haushalts wird nicht entlöhnt. Im diesen Fall können keine
Einkommen verglichen werden. Deshalb ist nach Art. 28a Abs. 2 IVG in Verbindung mit
Art. 8 Abs. 3 ATSG bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads darauf abzustellen, in
welchem Masse die betreffende Person unfähig ist, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen (Betätigungsvergleich), sofern ihr nicht zugemutet werden kann, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen.
2.4 Für Personen, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben in einem
Aufgabenbereich tätig sind, sieht Art. 28a Abs. 3 IVG zunächst vor, dass der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen sind.
Danach sind der Invaliditätsgrad im Erwerbsteil gestützt auf einen
Einkommensvergleich und derjenige im Haushaltteil durch einen Betätigungsvergleich
zu bemessen. Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte
Methode bezeichnet. Ist allerdings bei einer Person, die nur zum Teil erwerbstätig
gewesen ist, anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs
ohne den Gesundheitsschaden vollzeitlich erwerbstätig wäre, so ist die
Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige
durchzuführen (Art. 27 IVV).bis
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3.
Die Beschwerdegegnerin hat die Invalidität der Beschwerdeführerin anhand der
gemischten Methode mit einer Aufteilung in 50 % Erwerbstätigkeit und 50 %
Haushalttätigkeit ermittelt (IV-act. 50). Dem entgegnet die Beschwerdeführerin im
Beschwerdeverfahren, dass sie im Gesundheitsfall einer 100%igen Erwerbstätigkeit
nachgehen würde (act. G 1). Da die Invalidität im Erwerbsbereich und im Haushalt
unterschiedlich ermittelt wird, ist vorab zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs als ganztägig oder zeitweilig
Erwerbstätige einzustufen ist.
3.1 Die Tätigkeit der versicherten Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens kann
zur Beurteilung der Statusfrage oftmals nur unzureichende Anhaltspunkte bieten.
Vielmehr ist darauf abzustellen, was diese Person heute tatsächlich täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 117 V 195 E. 3b; BGE 125 V 150 E.
2c). Die frühere Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen, die - gestützt
auf den Wortlaut von Art. 5 Abs. 1 IVG und Art. 8 Abs. 3 ATSG - auf eine objektive
Zumutbarkeit im fiktiven "Gesundheitsfall" abstellte, wurde von der höchstrichterlichen
Rechtsprechung nicht aufgenommen (vgl. Franz Schlauri, Das Rechnen mit der
Arbeitsunfähigkeit in Beruf und Haushalt in der gemischten Methode der
Invaliditätsbemessung, in: Schaffhauser/Schlauri, Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St.
Gallen 2003, S. 343 f.). Das Bundesgericht geht von der hypothetischen Annahme einer
im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit bei abgesehen von der
eingetretenen Invalidität unveränderten Verhältnissen aus (BGE 133 V 508 E. 3.3; BGE
131 V 53 E. 5.1.2). Es handelt sich zwangsläufig um eine hypothetische Beurteilung, die
auch hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person berücksichtigen
muss, die indessen als innere Tatsachen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich
sind und in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden müssen. Dabei sind
die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie die
finanzielle Notwendigkeit, eine Erwerbstätigkeit wieder aufzunehmen oder
auszudehnen, allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das
Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen
Neigungen und Begabungen in einer Gesamtwürdigung zu berücksichtigen (BGE 125 V
150 E. 2c, BGE 117 V 195 E. 3b).
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3.2 Im Rahmen der Haushaltsabklärungen stellt die Abklärungsperson meistens die
Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person heute ohne Behinderung eine
Erwerbstätigkeit ausüben würde. Nach der höchstrichterlichen Praxis sind die
sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und
zuverlässiger als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von
nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst
sein können (BGE 121 V 47 E. 2a). Da die Beweismittel nach Art. 61 lit. c ATSG frei und
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen sind (BGE 125 V 352 E. 3a), wird diese Praxis relativiert und nur als
Hilfskriterium bei der Auswertung der Beweismittel verstanden (Urteil des
Bundesgerichtes U 430/00 vom 18. Juli 2001, E. 3b). Vorliegend ist zunächst
festzustellen, ob die Beschwerdeführerin eine deutliche spontane Aussage über ihren
Status im hypothetischen Gesundheitsfall gemacht hat.
3.2.1 Im Fragebogen zur Haushaltabklärung vom 25. April 2007 gab die
Beschwerdeführerin zwar an, ohne Behinderung ginge sie einer Erwerbstätigkeit nach,
liess aber die Frage nach dem Ausmass dieser hypothetischen Beschäftigung
unbeantwortet. Dies weist darauf hin, dass sie von Anfang an Mühe damit hatte, sich in
die Situation bei fiktiv vollständig erhaltener Gesundheit zu versetzen. Bei der
elektronischen Angabe von 50% handelt es sich offenbar um einen von der Verwaltung
im Fragebogen angebrachten Nachtrag (vgl. IV-act. 21/2). Die Abklärungsperson führte
im Abklärungsbericht vom 8. Juni 2007 an, im Gesundheitsfall sei aus finanziellen
Gründen eine Erwerbstätigkeit von mindestens 50% zwingend. Ein höheres
Arbeitspensum sehe die Versicherte aufgrund der Kinder und der Hausarbeit als nicht
vorstellbar. Der Abklärungsperson erschien eine Teilerwerbstätigkeit von 50% als
glaubhaft und machbar. Denn die Mutter der Versicherten wohne im selben Ort und die
Kinder seien schon sehr selbständig (IV-act. 23). Da weder die entsprechende Frage
noch eine Antwort protokolliert worden sind, bestehen schwerwiegende Zweifel, ob die
Ausführungen der Vorstellung der Beschwerdeführerin entsprechen. In einer
Stellungnahme des Fachbereichs vom 22. Januar 2009 hält die zuständige
Sachbearbeiterin fest, der Status sei mit der Versicherten vor Ort ausführlich
besprochen worden. Diese habe mehrmals bestätigt, dass sie aufgrund der
betreuungsbedürftigen Kinder nicht mehr als 50% arbeiten wolle (IV-act. 59). Der
Bericht und die Stellungnahme erwecken jedoch den Eindruck, dass die
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Beschwerdeführerin mangels des nötigen abstrakten Vorstellungsvermögens dazu
geführt worden ist, sich im Gesundheitsfall als teilerwerbstätig zu betrachten.
3.2.2 Es steht zudem fest, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren an einer
psychosozialen Belastungssituation mit längerer depressiver Reaktion leidet, welche
auf das schwierige Zusammenleben mit ihrem Ehemann, die Trennung im Jahr 2003,
die nachträgliche Feststellung von Missständen im familiären Umfeld und die finanzielle
Situation zurückzuführen sind (IV-act. 36). Angesichts dieser Tatsachen erscheint
nachvollziehbar, dass sie sich nicht mehr in einen fiktiv unbeeinträchtigten
Gesundheitszustand und, unter dieser Annahme, in eine vollständige Erwerbstätigkeit
hineinzuversetzen vermochte. Beweisgegenstand ist allerdings nicht ihr
Vorstellungsvermögen, sondern ihr hypothetisches Verhalten, wenn sie gesund wäre.
Daher liegt hier keine beweiswürdige, überzeugende "Aussage der ersten Stunde" vor,
die spätere, abweichende Aussagen der Beschwerdeführerin entkräften könnte.
Vielmehr scheint es so, als hätte die Abklärungsperson ihre persönliche
Schlussfolgerung protokolliert.
3.3 Wenn die Antwort auf die Frage, was die versicherte Person im Gesundheitsfall
effektiv täte, als hypothetischer Sachverhalt unvermeidlich subjektiv ausfallen muss,
erscheint wesentlich, dass die entsprechende Annahme im Licht objektiver Faktoren
plausibilisiert und gewürdigt wird (Hansjörg Seiler, Anforderungen an die
Beweisführung zu Status und Invalidität in der IV-Haushaltabklärung, in: René
Schaffhauser/Franz Schlauri (Hrsg.), Sozialversicherungsrechtstagung 2009, St. Gallen
2010, S. 33). Das Beschwerdevorbringen, wonach die Beschwerdeführerin gerne eine
vollzeitige Stelle angenommen hätte (act. G. 1), ist für sich allein betrachtet wenig
aufschlussreich, weil sie zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich von den nachteiligen
Folgen der Qualifikation zu 50% als Hausfrau wusste. Immerhin war sie damals noch
nicht anwaltlich vertreten. Da die Beschwerdeführerin sich zum massgeblichen
Zeitpunkt (Haushaltabklärung) nicht in der Situation befunden hat, bei vollumfänglich
erhaltener Gesundheit über die Zukunft entscheiden zu können, sind die äusseren
Umstände als Anhaltspunkte für das plausibelste Verhalten heranzuziehen.
3.3.1 Die Beschwerdeführerin hatte von 1986 bis 1992 als Sachbearbeiterin in
verschiedenen Firmen gearbeitet, 1993 geheiratet und sich bis 1996 ausschliesslich um
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den Haushalt und die Kinder gekümmert. Bis zur Trennung im Jahr 2003 hatte sie die
Administration der Firma ihres Ehemannes geführt. Danach hatte sie einzig von August
2005 bis August 2006 als Zeitungsverträgerin gearbeitet (vgl. IV-act. 36/10 und IV-act.
10). Krankheitsbedingt hatte sie diese letzte Stelle gekündigt (IV-act. 14). Das
gemeinsame Haus war nach der Trennung 2003 zur Tilgung von Schulden verkauft
worden. Die Beschwerdeführerin hatte mit ihren drei Kindern eine Wohnung bezogen
und sich erfolglos auf Stellensuche befunden (IV-act. 36/11). Es war eine finanzielle
Notsituation entstanden. Am 28. September 2005 hatte das Betreibungsamt bei ihr
kein pfändbares Vermögen feststellen bzw. keinen künftigen Verdienst pfänden können
(act. G 6.8). Das Ehescheidungsurteil war am 30. August 2006 in Rechtskraft
erwachsen (IV-act. 36/7). 2007 hatte die Beschwerdeführerin nicht über steuerbares
Einkommen oder Vermögen verfügt (act. G 6.5). Gemäss der psychiatrischen ABI-
Begutachtung war die Beschwerdeführerin nach den belastenden Jahren seit der
Trennung bis zum Sommer 2007 mit der Organisation ihrer Familie, mit den
Schwierigkeiten ihrer Kinder und der schwierigen wirtschaftlichen Situation sehr
beschäftigt gewesen. Als die äusseren Belastungen einigermassen nachgelassen
hatten, traten die Erschöpfung und die depressiven Verstimmungen vermehrt in den
Vordergrund (IV-act. 36/11). Es steht somit fest, dass das Verhalten der
Beschwerdeführerin bezüglich der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in diesen Jahren
schon massgebend von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und äusseren
Belastungen bestimmt gewesen war.
3.3.2 Es fällt für die hier relevante Periode bis Oktober 2008 ins Gewicht, dass sich die
Beschwerdeführerin bei fiktiv vollständig erhaltener Gesundheit überwiegend
wahrscheinlich von der dringenden finanziellen Notwendigkeit einer Erwerbstätigkeit
hätte leiten lassen. Sie und ihre Kinder haben seit dem 1. April 2006 Sozialhilfe
bezogen. Die Kinderalimente wurden vom Sozialamt bevorschusst (act. G 3.1). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht in seiner Replik vom 24. März 2009
geltend, das Kantonsgericht D._ habe in seinem Urteil vom 1. Mai 2006 festgehalten,
dass der Ehemann aufgrund der Unterhaltsverpflichtung für die Kinder für die
Bezahlung eines Frauenunterhaltsbeitrags nicht leistungsfähig sei und dass der
Beschwerdeführerin deswegen zur Erreichung des Existenzminimums monatlich ein
Betrag von Fr. 3'200.-- fehle (act. G 12). Tatsächlich hat das Sozialamt der
Beschwerdeführerin Kinderalimente in der Höhe von etwa Fr. 1'600.-- bevorschusst
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und sie mit dem restlichen minimalen Lebensunterhalt in der Höhe von etwa Fr.
1'500.-- unterstützt (IV-act. 23 und 36). Der Beschwerdegegnerin kann nicht gefolgt
werden, soweit sie in der Duplik vom 23. April 2009 annimmt, da die
Beschwerdeführerin mit ihrer kaufmännischen Ausbildung in einem 50%-Pensum
monatlich rund Fr. 3'100.-- erzielen könnte, würde sie sich auch als Gesunde damit
begnügen. Selbst wenn die Unterhaltsbeiträge für die Kinder fehlten, könnte sie mit der
Alimentenbevorschussung rechnen (act. G. 14). Die Beschwerdeführerin hat mehrmals
ihre Unzufriedenheit wegen der knappen finanziellen Mittel geäussert. Dass eine 42-
jährige, alleinerziehende Mutter von drei bereits mittel- oder oberstufenschulpflichtigen
Kindern für ein geringes, kaum existenzsicherndes Einkommen nur halbtags arbeiten
würde, erscheint realitätsfremd. Wenn die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort vom 5. März 2009 ein volles Arbeitspensum für die
Beschwerdeführerin, die in eine invalidisierende Überforderungssituation geraten sei,
als unwahrscheinlich betrachtet (act. G. 9), verkennt sie, dass von einem
hypothetischen Sachverhalt ohne krankheitswerte Überforderung auszugehen ist. Die
vorgebrachte Feststellung, dass die drei Kinder täglich zu Hause das Mittagsessen
eingenommen haben (act. G. 9), entspricht zwar dem tatsächlichen Ablauf unter
Berücksichtigung der Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin, darf
jedoch nicht als Massstab im Gesundheitsfall dienen. Zudem spricht die mit dem Alter
wachsende Selbständigkeit für einen reduzierten persönlichen Betreuungsbedarf der
Kinder. Die Beschwerdeführerin weist nachvollziehbar darauf hin, dass die Betreuung
der Kinder durch die im selben Ort wohnende Mutter unterstützt werden könnte und
weitere Entlastung durch einen vorhandenen Mittagstisch erreicht würde (act. G 1). Es
ist nicht einzusehen, weshalb Betreuungsmöglichkeiten nicht in Anspruch genommen
werden könnten. Der Einwand der Beschwerdegegnerin, dass die Kinder psychisch
angeschlagen seien, was die Entscheidung für eine Fremdbetreuung erschweren
würde (act. G. 9), lässt sich nicht hinreichend belegen. Nichts spricht dafür, dass die
Kinder auf eine Anwesenheit der Mutter angewiesen wären, welche keine volle
Erwerbstätigkeit zuliesse.
3.4 Der Richter hat jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die er von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 121 V 47 E. 2a). Es gibt
Tatsachen, mit deren Vorhandensein nach den Erfahrungen des Lebens so sehr zu
rechnen ist, dass ihr Vorhandensein so lange vorausgesetzt werden darf, als nicht
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Umstände nachgewiesen sind, welche es unwahrscheinlich machen, dass sie sich
verwirklicht haben. Sie dürfen dem Urteil zugrunde gelegt werden, auch wenn sie nicht
durch ein Beweismittel nachgewiesen sind (GULDENER, Schweizerisches
Zivilprozessrecht, S. 322; vgl. auch KUMMER, Zivilprozessrecht, 4. Aufl., S. 141 f.;
WALDER-BOHNER, Zivilprozessrecht, S. 336, N 36; zitiert in BGE 117 V 195 f. E. 3b).
Vorliegend lässt sich unter den gegebenen Umständen die Hypothese aufstellen, dass
sich die Beschwerdeführerin als Gesunde überwiegend wahrscheinlich aus finanzieller
Notwendigkeit für ein volles Arbeitspensum entschieden hätte. Es ist deshalb ein
Status als Vollerwerbstätige anzunehmen. Mithin ist der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln.
4.
Steht somit hypothetisch fest, was die Beschwerdeführerin als Gesunde täte, so ist im
Folgenden auf ihre tatsächlich krankheitsbedingten Resterwerbsmöglichkeiten
einzugehen. Für die Invaliditätsbemessung, welche das Mass der Zurücksetzung der
erwerblichen Leistungsfähigkeit infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung ergeben soll,
sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen von Bedeutung. Aufgabe des Arztes
oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage
für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; ZAK 1982 S. 34; Rz 3047 f. des vom
Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH). Deshalb ist zu klären, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf das interdisziplinäre ABI-Gutachten vom 28. April
2008 (IV-act. 36) abgestellt hat.
4.1 Für den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens ist ausschlaggebend, ob es
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a; BGE 122 V 160 E. 1c). Das vorliegende
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ABI-Gutachten beruht auf den umfassenden Erkenntnissen allgemeinmedizinischer,
psychiatrischer und rheumatologischer Fachrichtungen sowie auf einer
multidisziplinären Konsensdiskussion. Die Gutachter haben die Vorakten und die
Angaben der Beschwerdeführerin angemessen berücksichtigt und klar gezeigt,
inwiefern ihre Einschätzungen und diejenigen der behandelnden Ärzte im Einklang
stehen. Die Gutachter haben nachvollziehbar die Gedankengänge dargelegt, aufgrund
derer sie zur Schlussfolgerung gekommen sind, dass die erhobenen Befunde nur
teilweise invalidisierend wirken. Die Fragen nach der zumutbaren Schmerzüberwindung
bzw. der zumutbaren Willensanstrengung im Hinblick auf die Erbringung einer
Arbeitsleistung trotz Schmerzen haben die Experten zwar etwas knapp beantwortet.
Aufgrund der gesamten Ausführungen sind die Antworten aber genug überzeugend.
Damit sind die formellen rechtsprechungsmässigen Anforderungen an die
Beweistauglichkeit des Gutachtens erfüllt.
4.2 Zu prüfen bleibt, ob die Feststellungen der Gesundheitsschäden und die
Stellungnahmen zur Arbeitsunfähigkeit durch die Gutachter zutreffend sind.
4.2.1 Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art.
4 Abs. 1 IVG). Erfasst wird mit dem Begriff Krankheit jede Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist
und die medizinische Untersuchung und Behandlung erfordert oder eine
Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (Art. 3 Abs. 1 ATSG). Dem ABI-Gutachten zufolge
leidet die Beschwerdeführerin an psychischen Störungen und somatischen
Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats. Über die medizinisch erhobenen
Befunde darf sich das Gericht in seiner freien Beweiswürdigung nicht hinwegsetzen
(BGE 130 V 356 E. 2.2.5), es sei denn, andere ärztliche Berichte liefern eine
hinreichende Beweisgrundlage, um davon abzuweichen. Letzteres ist vorliegend nicht
der Fall.
4.2.2 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität bewirken. Das Vorliegen eines
fachärztlich ausgewiesenen psychischen Leidens mit Krankheitswert ist somit aus
rechtlicher Sicht wohl Voraussetzung, aber nicht hinreichende Basis für die Annahme
einer invalidisierenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Vielmehr besteht eine
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Vermutung dafür, dass das psychische Leiden oder seine Folgen mit einer zumutbaren
Willensanstrengung überwindbar seien. Damit eine psychische Störung als
invalidisierend gilt, muss sie eine derartige Schwere aufweisen, dass der versicherten
Person die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei
objektiver Betrachtung und unter Ausschluss von Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit, die auf aggravatorisches Verhalten zurückzuführen sind, sozial-
praktisch nicht mehr zumutbar ist oder dies für die Gesellschaft gar untragbar ist (BGE
131 V 50 E. 1.2; BGE 130 V 353ff E. 2.2.1, 2.2.2 und 2.2.3). Im zu beurteilenden Fall
führten die Gutachter aus, die Beschwerdeführerin leide an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung und an einer mittelgradigen Depression. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Auf Grund der
depressiven Störung, die sich weitgehend wegen der schwierigen psychosozialen
Belastungssituation der vergangenen Jahre eingestellt habe, sei die
Beschwerdeführerin vermindert in der Lage, mit ihren körperlichen Beschwerden
umzugehen. Sie sei jedoch, wenn auch mit Mühe, fähig, ihren Haushalt zu führen und
sich um die Kinder zu kümmern. Die Beschwerdeführerin selbst fühle sich ausser
Stande, einer ausserhäuslichen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Da aber keine
schwere depressive Störung vorliege, sei ihr eine 50%ige Erwerbstätigkeit zuzumuten
(IV-act. 36/12, 20). Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit überzeugt und stimmt im
Ergebnis auch mit der Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin vom 31. August
2007 überein (IV-act. 24)
4.2.3 Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der somatischen Befunde
nur körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere, wechselbelastende berufliche
Tätigkeiten ausüben kann, stellt versicherungsrechtlich keine verminderte
Leistungsfähigkeit dar. Es handelt sich vielmehr um die qualitativen Anforderungen an
eine Tätigkeit, um die Gesundheit zu erhalten bzw. zu verbessern. Zutreffend
argumentiert die Beschwerdegegnerin, dass sich die umschriebene adaptierte Tätigkeit
sehr gut mit dem erlernten Beruf vereinbaren lasse (act. G. 14). Das vorgebrachte
Argument des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, wonach sich die festgestellten
somatischen Einschränkungen invalidisierend auswirkten, hält demnach einer Prüfung
nicht stand.
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Bei materieller Überprüfung des ABI-Gutachtens erweist sich dieses als
nachvollziehbar, schlüssig und plausibel. Es erfüllt die Anforderungen der
Rechtsprechung an den Beweiswert von Gutachten, weshalb darauf abgestellt werden
kann.
4.3 Die Beschwerdeführerin und ihr Rechtsvertreter wenden ein, nach der ABI-
Untersuchung sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten. Sie
stützen sich dabei, soweit ersichtlich, auf die Arztzeugnisse betreffend den Zeitraum
vom 4. Dezember 2007 bis zum 30. September 2008 (IV-act. 49). Unbehelflich sind
diese Atteste deshalb, weil sie sich mit dem ABI-Gutachten nicht auseinandersetzen,
keine nachträglichen Befunde erheben, nichts zu den noch vorhandenen Ressourcen
sagen und sich darauf beschränken, eine volle Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen.
Behandelnde Ärzte schätzen erfahrungsgemäss die Arbeitsfähigkeit ihrer Patienten
pessimistischer ein als medizinische Sachverständige. Das beruht unter anderem auf
dem Therapieverhältnis, das den Arzt dazu neigen lässt, die Beschwerdeschilderungen
ihrer Patienten hoch zu gewichten und deren subjektive Selbsteinschätzung zu
übernehmen. Es ist in antizipierender Beweiswürdigung festzustellen, dass von
weiteren medizinischen Abklärungen abzusehen ist, weil davon keine weiteren
versicherungsrechtlich relevanten Erkenntnisse zu erwarten sind.
5.
Auf der Basis einer ganztägig verwertbaren Arbeitsfähigkeit von 50% ist des Weiteren
der Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG im Hinblick auf die Bemessung des
Invaliditätsgrads durchzuführen. Bei dieser Methode ermittelt die Verwaltung zuerst das
sogenannte Valideneinkommen. Erfasst wird damit das Erwerbseinkommen, das ohne
den Gesundheitsschaden erzielt werden könnte. Davon zieht sie das
Invalideneinkommen ab. Darunter ist das Erwerbseinkommen zu verstehen, das nach
dem Gesundheitsschaden und nach Durchführung von Eingliederungsmassnahmen auf
zumutbare Weise erreicht werden könnte. Aus der Differenz zwischen dem
Valideneinkommen und dem Invalideneinkommen resultiert eine Einkommenseinbusse.
Dieser Fehlbetrag wird in Prozenten des Valideneinkommens ausgedrückt, welche dem
Invaliditätsgrad entsprechen.
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5.1 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin äussert sinngemäss die Ansicht, die
Beschwerdegegnerin hätte bei der Invaliditätsbemessung ungenügende Abklärungen
durchgeführt, indem sie keine konkreten Einkommen für den Vergleich herangezogen
habe (act. G. 12). Dem hält die Beschwerdegegnerin zu Recht entgegen, dass sich der
erlernte Beruf und die Verweistätigkeit decken und daher die Referenzlöhne für
Validen- und Invalideneinkommen auf der gleichen Basis liegen. Infolgedessen sei es
zulässig, den Einkommensvergleich als reinen "Arbeitsfähigkeitsvergleich" abzubilden
(act. G 14). Es handelt sich beim Einkommensvergleich nicht um die konkrete
Berechnung der IV-Rente, sondern um die Ermittlung des Invaliditätsgrads, welcher
sich unter den erwähnten Umständen ausnahmsweise auf einen Prozentvergleich
reduzieren lässt. Zu vergleichen sind deshalb die Validenkarriere und die
Invalidenkarriere.
5.2 Die Praxis geht bei der Validenkarriere in der Regel von der gegenwärtigen oder
von der letzten ausgeübten Tätigkeit aus. Damit geht sie mit dem Wortlaut von Art. 16
ATSG nicht genau um, welcher eine hypothetische Ermittlung des Erwerbseinkommens
im fiktiven Gesundheitsfall vorschreibt. Erfahrungsgemäss besteht die Validenkarriere
in der hypothetischen Entwicklung im erlernten Beruf. Die Beschwerdeführerin besitzt
eine kaufmännische Ausbildung (IV-act. 9). Eine angemessene Vermehrung der
erworbenen Qualifikationen gehört auch zu einer hypothetischen Validenkarriere.
Angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin früher das Gymnasium und
eine Handelsschule wegen ungenügender Leistungen hat abbrechen müssen und eine
Lehre als Tiefbauzeichnerin ebenfalls vorzeitig aufgegeben hat (IV-act. 36), ist hier nicht
damit zu rechnen, dass sie als Alleinerziehende den Weg einer Weiterbildung
eingeschlagen hätte. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass sie bei voller Gesundheit
eine Tätigkeit als kaufmännische Angestellte vollzeitlich ausgeübt hätte.
5.3 Die Invalidenkarriere bezieht sich im Sinne von Art. 16 ATSG auf die zumutbare
Tätigkeit, welche die versicherte Person auch mit ihrer gesundheitlichen Einschränkung
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage ausüben könnte. Der Arbeitsmarkt ist
ausgeglichen, wenn ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage
besteht, so dass ein Fächer verschiedenartiger Stellen vorhanden ist (Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 2. Aufl., 2009, Art. 16 Rz. 24; BGE 110 V 276 E. 4b). Die
ausgeführte Tätigkeit als Zeitungsverträgerin ist der Beschwerdeführerin nach den
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gutachterlichen Feststellungen aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar (IV-act.
36/18). Diese letzte Tätigkeit entspricht auch nicht der vollen Ausnützung ihrer
erworbenen Qualifikationen. Ihre
vorübergehende Ausübung ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf die
psychisch bedingt verminderte Leistungsfähigkeit, sondern auf den konjunkturellen,
nicht ausgeglichenen Arbeitsmarkt zurückzuführen. Massgebend ist der gutachterliche
Verweis auf den erlernten Beruf als eine der Behinderung angepasste, zumutbare
Erwerbstätigkeit für die Beschwerdeführerin. Mithin bestimmt der erlernte Beruf als
kaufmännische Angestellte auch die Invalidenkarriere mit einer Arbeitsunfähigkeit von
50%.
5.4 Von einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit als kaufmännische Angestellte ausgehend
ist ein der Arbeitsunfähigkeit entsprechender Abzug von 50% vorzunehmen, so dass
sich ein Invaliditätsgrad von 50% ergibt. Zu beachten ist allerdings, dass die
verbliebene Arbeitsfähigkeit ganztägig verwertbar ist. Dies bedeutet, dass die
Beschwerdeführerin ihre 50%ige Leistung in einer ganztägigen Anstellung erbringen
würde, womit ihr Arbeitsplatz nicht voll ausgelastet wäre (vgl. Bundesgerichtsurteil T.
vom 8. Januar 2008, 9C_603/07). Sie hätte gegenüber einem gesunden Konkurrenten
ein höheres Krankheitsrisiko und wäre für Überstundentätigkeit wohl nur erschwert
verfügbar. Insgesamt ist sie auf erhöhte Flexibilität des Arbeitgebers angewiesen. Da
dieser die potenzielle Erhöhung der Gesamtlohnkosten des Betriebs im Auge behält,
senken diese Umstände den "Wert" der Beschwerdeführerin als Arbeitnehmerin. Um
dies zu kompensieren und konkurrenzfähig zu bleiben, müsste diese mit einem
entsprechend tieferen Lohn rechnen. (vgl. den Entscheid IV 2008/158 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. November 2009, Erw. 5.2).
Beim Prozentvergleich ist diese Benachteiligung mit einem zusätzlichen Abzug
auszugleichen. Der oftmals als "Leidensabzug" bezeichnete Abzug hat nichts mit dem
Leiden zu tun, sondern mit der Tatsache, dass die behinderte Person ihre
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg verwerten kann. Ein daraus resultierender Abzug ist auf höchstens
25% zu begrenzen. Aufgrund der gesamten Umstände und insbesondere der
erheblichen Verlangsamung des Arbeitstempos, so dass die Pausen die Hälfte der
gesamten ordentlichen Arbeitszeit darstellen, erscheint vorliegend ein zusätzlicher
Abzug von 10% als angemessen. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50% macht dieser
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Abzug 5% aus, womit die Leistungsfähigkeit auf 45% reduziert bleibt bzw. der
Invaliditätsgrad 55% beträgt. Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG resultiert aus einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% und weniger als 60% eine halbe Rente.
6.
Anspruch auf eine IV-Rente hat gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG allerdings nur die
versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG; Art. 1a lit. a
IVG; Art. 16 ATSG). Soweit die Beschwerdegegnerin die Arbeitsvermittlung
abgeschlossen hat, weil die Beschwerdeführerin sich nicht imstande fühlte, einer Arbeit
nachzugehen (IV-act. 46), stimmt dieser Entscheid mit Art. 18 Abs. 1 IVG überein,
welcher den Eingliederungswillen voraussetzt. Andere allfällige geeignete und
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wurden allerdings, jedenfalls explizit, nicht
geprüft. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin keine geeigneten
Eingliederungsmassnahmen gesehen hat. Im Ergebnis erscheint diese Annahme als
zutreffend, weil sich die Verweistätigkeit mit der früheren Berufswahl bzw. mit der
erlernten Beruf deckt, so dass sich eine Umschulung erübrigt (vgl. Art. 17 IVG).
7.
Es bleibt zu prüfen, ab wann die Beschwerdeführerin einen Rentenanspruch hat.
7.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des IVG, der IVV und des ATSG in Kraft getreten. Angefochten ist eine Verfügung, die
nach dem Inkrafttreten 5. IV-Revision ergangen ist. Mit dieser Revision haben sich
allerdings der Begriff der Invalidität und die Methoden für ihre Bemessung nicht
geändert. Diesbezüglich sind deshalb die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen
des ATSG und IVG in diesem Urteil wiedergegeben worden.
7.2 Anders verhält es sich mit dem Beginn des Rentenanspruchs. Gemäss dem
früheren Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG entstand der Rentenanspruch frühestens in dem
Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen war. Die
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Rente konnte zudem für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate nachbezahlt
werden (aArt. 48 Abs. 2 IVG). Nach revidiertem Recht besteht ebenfalls eine einjährige
Wartezeit (Art. 28 Abs. 1 lit. b), der Anspruch entsteht jedoch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten seit Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1).
Vorliegend ist die IV-Anmeldung am 20. September 2006 erfolgt (IV-act. 1). Nach altem
Recht könnte eine Rente ab September 2005 bezahlt werden, vorausgesetzt dass eine
Arbeitsunfähigkeit von zumindest 40% im Vorjahr des Rentenbeginnes vorläge. Bei
Anwendung des neuen Rechts ergäbe sich der Rentenbeginn frühestens ab April 2007
unter Erfüllung der jährigen Wartezeit. Ein Antragsteller richtet vertrauensgemäss sein
Verhalten bzw. nimmt eine Rechtshandlung vor nach dem zum Zeitpunkt der Handlung
geltenden Recht. Deshalb sind - im Sinne des Gleichbehandlungsgebots und des
Handelns nach Treu und Glauben - in Bezug auf die IV-Anmeldung und den allfälligen
Rentenbeginn die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen hier
anzuwenden.
7.3 Die Arbeitsunfähigkeit bezeichnet - jedenfalls im Rahmen des aArt. 29 Abs. 1 IVG-
lediglich die durch Gesundheitsschäden bedingte Einbusse an funktionellem
Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich (BGE 105 V 159 neues
Fenster E. 2a, BGE 97 V 231 neues Fenster E. 2; vgl. Art. 6 ATSG). Folgerichtig ist es
während dieser Wartezeit nicht zumutbar - im Hinblick auf eine bessere finanzielle
Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit -, eine andere Tätigkeit auszuüben (BGE
97 V 231 neues Fenster E. 2; BGE 113 V 28 neues Fenster E. 4a mit Hinweisen).
Deshalb bildet einzig der bisherige Beruf den Bezugspunkt der für den Rentenbeginn
relevanten Arbeitsunfähigkeit (BGE 121 V 274 neues Fenster E. 6b/cc; BGE 130 V 99
E. 3.2). Vorliegend hat die Beschwerdeführerin zuletzt als Zeitungsverträgerin
gearbeitet. Das ABI-Gutachten vom 28. April 2008 hat eine volle Arbeitsunfähigkeit in
dieser Tätigkeit seit Oktober 2006 festgestellt (IV-act. 36/18). Damit war die Wartezeit
im September 2007 abgelaufen und der Anspruch auf eine Rente ab 1. Oktober 2007
entstanden, zumal zu diesem Zeitpunkt in jeglichen Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit
von 50% ausgewiesen ist.
8.
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8.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 14. Oktober 2008 gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ist ab 1. Oktober 2007 eine halbe Rente zuzusprechen.
8.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen.
8.3 Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Der Bedeutung der Streitsache und dem
Aufwand angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer). Das bereits bewilligte Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung wird bei diesem
Verfahrensausgang gegenstandlos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG