Decision ID: e4dc1abd-5f18-5034-a8d6-e107249b944f
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 08.09.2015 Art. 10 f. ELG.Berücksichtigung einer im Eigentum des EL-Bezügers stehenden Liegenschaft bei der EL-Anspruchsberechnung. Eigenmietwert. Frage der Vermietbarkeit einer nicht selbst bewohnten Wohnung. Höhe der Gebäudeunterhaltskostenpauschale (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. September 2015, EL 2014/14).Entscheid vom 8. September 2015BesetzungVizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen KarinHuber-Studerus und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Tobias BoltGeschäftsnr.EL 2014/14ParteienA._,Beschwerdeführer,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,GegenstandErgänzungsleistung zur IVSachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli 2013 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
ganzen Rente der Invalidenversicherung an (EL-act. 16). Er gab an, er sei der
Eigentümer eines Dreifamilienhauses, dessen Wert auf 465’000 Franken geschätzt
worden sei. Er selbst bewohne die oberste Wohnung. Die beiden andern Wohnungen
seien vermietet. Der Eigenmietwert aller drei Wohnungen zusammen sei auf 34’860
Franken geschätzt worden. Das Haus sei mit einer Hypothek von 255’000 Franken
belastet. In einem Begleitschreiben wies er darauf hin (EL-act. 18–1), dass er seit dem
1. März 2013 keinen Mietzins für die unterste Wohnung mehr erhalten habe. Die Mieter
hätten die Wohnung so beschädigt, dass er diese nicht mehr anderweitig vermieten
könne. Gemäss den beigelegten Mietverträgen beliefen sich der Nettomietzins für die
mittlere Wohnung auf 1’080 Franken pro Monat (EL-act. 21–1) und jener für die
unterste Wohnung auf 780 Franken pro Monat (EL-act. 21–3). Der Versicherte hatte die
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Mieter der untersten Wohnung dreimal gemahnt, die seit März 2013 ausstehenden
Mietzinsen zu bezahlen (EL-act. 21–5 ff.). Im August 2013 kündigte der Versicherte das
Mietverhältnis betreffend die unterste Wohnung per Ende September 2013 (EL-act. 14).
Im Oktober 2013 ging der EL-Durchführungsstelle die Liegenschaftsschätzung des
Steueramtes B._ vom 19. Januar 2012 zu (EL-act. 11–8 ff.). Laut dieser betrug der
Eigenmietwert der untersten Wohnung 9’360 Franken, jener der mittleren Wohnung
12’300 Franken und jener der obersten Wohnung 13’200 Franken. Die EL-
Durchführungsstelle forderte den Versicherten am 18. Oktober 2013 auf, seine
Aussage, die unterste Wohnung könne nicht mehr vermietet werden, zu belegen (EL-
act. 10). Der Versicherte antwortete am 31. Oktober 2013 (EL-act. 9), das
Hauptproblem bestehe darin, dass die Wohnung durch das Treppenhaus in zwei
Bereiche geteilt werde. Niemand sei gewillt, diese Wohnung zu mieten. In einer
finanziellen Not sei die Wohnung an ein Ehepaar vermietet worden, das anderswo
keine Wohnung gefunden hätte, weil beide Ehegatten die deutsche Sprache nicht
verstünden, sich nicht an die Hausordnung hielten, keine Sorge trügen und keine
Rücksicht auf die anderen Mieter nähmen. Anders hätten die Instandhaltungskosten für
das Haus nicht gedeckt werden können. Die Mieter hätten die Wohnung derart
beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnbar sei. Die EL-Durchführungsstelle entschied,
ab Oktober 2013 keine fiktiven Mieterträge anzurechnen, weil die durch das
Treppenhaus geteilte Wohnung nicht vermietbar sein dürfte (EL-act. 8).
A.b Mit einer Verfügung vom 10. November 2013 wies die EL-Durchführungsstelle
das Leistungsgesuch des Versicherten ab (EL-act. 5). Zur Begründung führte sie aus,
dass die Gegenüberstellung der anerkannten Ausgaben und der anrechenbaren
Einnahmen einen Einnahmenüberschuss ergeben habe, was die Ausrichtung einer
Ergänzungsleistung ausschliesse. Als Ausgaben hatte sie nebst der Prämienpauschale
für die obligatorische Krankenpflegeversicherung und der Pauschale für den
allgemeinen Lebensbedarf die Beiträge an die AHV/IV/EO für Nichterwerbstätige sowie
die Hypothekarzinsen, eine Nebenkostenpauschale, den Eigenmietwert für die oberste
Wohnung und eine Pauschale für den Gebäudeunterhalt berücksichtigt. Die von ihr
angerechneten Einnahmen setzten sich aus der Rente der Invalidenversicherung, dem
Eigenmietwert für die oberste Wohnung, den Mieteinnahmen für die mittlere Wohnung
und – bis Ende September 2013 – den Mieteinnahmen für die unterste Wohnung
zusammen. Den der Verfügung beigelegten Berechnungsblättern liess sich entnehmen,
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dass zudem ein Vermögensverzehr von 3’966 Franken als Einnahme angerechnet
worden war, der sich aus dem den Hypothekarkredit und die gesetzlichen Freibeträge
übersteigenden Wert des Grundeigentums ergeben hatte (EL-act. 6 ff.). Der Versicherte
erhob am 5. Dezember 2013 eine Einsprache gegen diese Verfügung (act. G 12.1). Er
beantragte eine Neuberechnung und wies darauf hin, dass sich die „Allgemein-Kosten“
für alle drei Wohnungen auf etwa 7’900 Franken beliefen. Wenn er die Kosten für die
selbst bewohnte Wohnung nicht berücksichtige, verbleibe ein Betrag von 5’260
Franken, den er bezahlen müsse. Dieser Betrag müsse zusätzlich zur
Gebäudeunterhaltspauschale berücksichtigt werden. Die EL-Durchführungsstelle wies
die Einsprache mit einem Entscheid vom 21. Februar 2014 ab (EL-act. 2–1 ff.). Zur
Begründung führte sie aus, die vom Versicherten geltend gemachten zusätzlichen
Ausgaben im Zusammenhang mit der Liegenschaft könnten nicht berücksichtigt
werden. Das Gesetz und die Verordnung sähen nur die Anrechnung des
Eigenmietwertes für eine selbst bewohnte Liegenschaft als „Mietzins“, der
Nebenkostenpauschale für die selbst bewohnte Wohnung und der pauschalen
Gebäudeunterhaltskosten als anerkannte Ausgaben vor. Die Berechnung gemäss der
Verfügung vom 10. November 2013 sei korrekt.
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) am
27. März 2014 eine Beschwerde (act. G 1). Er beantragte dringende
Soforthilfemassnahmen, um eine anstehende Verletzung in den persönlichen
Verhältnissen und einen drohenden Verlust von Eigentum abzuwenden, die Aufhebung
der von der EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) seit der
Erbschaft von Grundeigentum im Jahr 1991 verfügten Einstellung der
Ergänzungsleistungen, da die minimalen Lebenskosten sonst nicht gedeckt werden
könnten, sowie die Wiederherstellung der finanziellen Verhältnisse, wie sie bei der
Einstellung des Ergänzungsleistungsanspruchs vorgelegen hätten. Die seither
unterlassenen Leistungen seien mit Zinsen zurückzuerstatten. Zur Begründung führte
er im Wesentlichen aus, die Beschwerdegegnerin sei bei der Anspruchsberechnung
fälschlicherweise von einer einzelnen, selbst bewohnten Wohnung ausgegangen. Sie
habe die konkreten Verhältnisse nicht berücksichtigt. Vorliegend gehe es nämlich um
ein Dreifamilienhaus. Eine der drei Wohnungen bewohne er selbst. Die andern stellten
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persönliches Eigentum dar, das er zu bewahren habe. Mit den Mieteinnahmen müsse
er die notwendigen Investitionen und seinen Lebensunterhalt finanzieren. Die von ihm
selbst bewohnte Wohnung habe er nicht renovieren können, weil ihm die dafür
notwendigen Mittel gefehlt hätten. Da er nun dringend die Zentralheizung erneuern und
eine Wohnung renovieren müsse, ihm dafür aber das Geld fehle, werde er das Haus
wohl verkaufen müssen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. April 2014 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3). Am 13. Juni 2014 führte sie ergänzend aus, dass die Beschwerde wohl
verspätet erhoben worden sei (act. G 6). Am 17. Juni 2014 wies sie darauf hin, dass die
Zustellung des Einspracheentscheides später als vermutet erfolgt sei, weshalb die
Beschwerde wohl doch rechtzeitig erhoben worden sei (act. G 7).
B.c Der Beschwerdeführer wies am 17. Februar 2015 darauf hin, dass er den
Hypothekarkredit habe erhöhen müssen, um dringende Sanierungen tätigen zu können
(act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme (act. G 11).

Erwägungen:
1.
Der angefochtene Einspracheentscheid ist eingeschrieben versandt und dem
Beschwerdeführer gemäss dem Zustellnachweis am 26. Februar 2014 zugestellt
worden. Folglich hat die Beschwerdefrist am 27. Februar 2014 zu laufen begonnen
(Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 38 Abs. 1 ATSG). Der Beschwerdeführer hat seine
Beschwerdeschrift am 27. März 2014 zuhanden des Versicherungsgerichtes der Post
übergeben, womit er die dreissigtägige Beschwerdefrist gewahrt hat (Art. 60 Abs. 1
ATSG und Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 39 Abs. 1 ATSG). Die Beschwerde ist somit
rechtzeitig erhoben worden. Da auch die übrigen Eintretensvoraussetzungen erfüllt
sind, ist sie materiell zu behandeln.
2.
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Der Beschwerdeführer hat in seiner Beschwerdeschrift eine Einstellung der
Ergänzungsleistungen im Zusammenhang mit einer im Jahr 1991 angefallenen
Erbschaft erwähnt und verlangt, dass die damaligen finanziellen Verhältnisse
„wiederhergestellt“ würden. Anhand der Akten lässt sich die Frage, ob sich diese
Ausführungen nur auf die Erbschaft des Grundstückes im Jahr 1991 beziehen oder ob
der Beschwerdeführer damals bereits eine Ergänzungsleistung bezogen hatte, die
infolge der Erbschaft aufgehoben worden war, nicht beantworten. Da sich die
angefochtene Verfügung und damit auch der angefochtene Einspracheentscheid vom
21. Februar 2014 ausschliesslich auf die Anmeldung vom Juli 2013 bezogen haben,
muss sich dieses Beschwerdeverfahren auf die Beantwortung der Frage beschränken,
ob die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers vom Juli
2013 zu Recht abgewiesen hat. Allfällige frühere Entscheide der Beschwerdegegnerin
können nicht Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bilden.
3.
Der Beschwerdeführer ist der Eigentümer eines Dreifamilienhauses. Laut dem Art. 10
Abs. 3 lit. b ELG sind die Gebäudeunterhaltskosten und die Hypothekarzinsen im
Zusammenhang mit diesem Grundstück bis zur Höhe des Bruttoertrages des
Grundstückes bei der Anspruchsberechnung als Ausgaben anzurechnen. Der Art. 10
Abs. 3 lit. b ELG liesse zwar die Berücksichtigung der effektiven
Gebäudeunterhaltskosten zu. Der Verordnungsgeber hat aber gestützt auf den Art. 9
Abs. 5 lit. b ELG im Art. 16 Abs. 1 ELV die ausschliessliche Anrechnung der für die
direkte kantonale Steuer im Wohnsitzkanton anwendbaren Pauschale vorgeschrieben.
Diese beläuft sich im Kanton St. Gallen auf 20 Prozent des Bruttomietertrages ohne
Nebenkosten (Art. 29 Abs. 1 StV; sGS 811.11). Gemäss dem Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG
sind die Einkünfte aus dem Grundstück als Einnahmen anzurechnen. Die
gesetzmässige Berücksichtigung des Dreifamilienhauses bei der
Anspruchsberechnung besteht also darin, die (effektiven) Hypothekarzinsen und 20
Prozent des Bruttoertrages als Ausgaben und den Bruttoertrag als Einnahme
anzurechnen. Da die Beschwerdegegnerin vorliegend von der amtlichen
Liegenschaftsschätzung abgewichen und nur einen tieferen Bruttoertrag, nämlich jenen
der beiden oberen Wohnungen, als Einnahme angerechnet hat, stellt sich die Frage,
von welchem Betrag bei der Ermittlung der Unterhaltskostenpauschale auszugehen ist.
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Der Wortlaut des Art. 29 Abs. 1 StV, auf den das ELG und die ELV verweisen, macht
die Höhe der Pauschale vom Bruttoertrag abhängig. Wenn also nur der Ertrag der
beiden oberen Wohnungen als Einnahme berücksichtigt wird, dürfte gemäss dem
Wortlaut des Art. 29 Abs. 1 StV nur die Pauschale von 20 Prozent dieses Ertrages als
Ausgabe berücksichtigt werden. Damit würde aber ausser Acht gelassen, dass alle drei
Wohnungen Unterhaltskosten verursachen, ob sie nun vermietet werden oder nicht. Die
Abhängigkeit der Unterhaltskostenpauschale vom Bruttoertrag kann nur mit einer
Vereinfachung der Sachverhaltsabklärung erklärt werden, denn die Unterhaltskosten
hängen nicht vom Ertrag ab, weshalb zwischen den beiden Beträgen keine
proportionale Beziehung besteht. Die Reduktion des Abklärungsaufwandes erfordert –
konsequent zu Ende gedacht – ein weitgehendes Ausblenden der tatsächlichen
Verhältnisse. Würde in Fällen wie dem vorliegenden für die Ermittlung der
Unterhaltskostenpauschale vom amtlich geschätzten Bruttoertrag abgewichen, müsste
ein entsprechender Abklärungsaufwand betrieben werden, womit der Sinn und Zweck
des Art. 29 Abs. 1 StV respektive des Art. 9 Abs. 5 lit. b ELG und des Art. 16 Abs. 1
ELV vereitelt würde. Folglich muss die Gebäudeunterhaltspauschale vorliegend
ausgehend vom Bruttoertrag gemäss der amtlichen Schätzung ermittelt werden. Sie
beträgt damit 6’972 Franken, nämlich 20 Prozent des Eigenmietwertes von 34’860
Franken. Damit werden die Tatsachen, dass der Beschwerdeführer die mittlere
Wohnung zu einem leicht über dem Eigenmietwert liegenden Mietzins und die unterste
Wohnung gar nicht vermietet, bei der Berechnung der Unterhaltskostenpauschale
ausgeblendet. Würde man dagegen die effektiven Verhältnisse berücksichtigen,
müsste die Unterhaltskostenpauschale 5’232 Franken betragen (20 Prozent des
Eigenmietwertes der obersten Wohnung plus 20 Prozent der Mietzinseinnahmen für die
mittlere Wohnung). Die Frage, welcher dieser Beträge massgebend ist, kann vorliegend
allerdings offen gelassen werden, da unabhängig von der Höhe der
Unkostenpauschale ein Einnahmenüberschuss resultiert, wie die nachfolgenden
Erwägungen zeigen.
4.
4.1 Mit dem im Art. 29 Abs. 1 StV verwendeten Begriff des Bruttoertrages kann nur
der Nettomietzins und nicht der Bruttomietzins (Nettomietzins plus Nebenkosten)
gemeint sein, denn der Zuschlag für die Nebenkosten stellt keinen Ertrag des
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Vermieters, sondern nur eine Kostenüberwälzung vom Vermieter auf den Mieter dar.
Zieht man von diesem Bruttoertrag die Hypothekarzinsen und die
Gebäudeunterhaltskosten ab, erhält man den Nettoertrag. Zum Bruttoertrag gehören
vorliegend zweifelsfrei die Mieteinnahmen für die mittlere Wohnung im Betrag von
1’080 Franken pro Monat respektive 12’960 Franken pro Jahr.
4.2 Die unterste Wohnung wird momentan nicht vermietet. Der Beschwerdeführer
erzielt also keinen entsprechenden Mietertrag. Da der Eigentümer mit der Vermietung
einer von ihm nicht selbst bewohnten Wohnung aber seine Einnahmen steigern und
den Bedarf nach einer Ergänzungsleistung entsprechend senken könnte, stellt sich die
Frage, ob der Beschwerdeführer mit der „Nicht-Vermietung“ auf Einnahmen verzichtet
und sich deshalb in Anwendung des Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG die Anrechnung hypothetischer Mieteinnahmen gefallen lassen muss. Für die
Beantwortung dieser Frage ist entscheidend, welchen Nettomietzins der
Beschwerdeführer realistischerweise erzielen könnte. Die Wohnung wird durch das
Treppenhaus, das alle im Haus lebenden Parteien benutzen müssen, in zwei Teile
geteilt. Zudem befindet sie sich aktuell aufgrund der vielfältigen Beschädigungen durch
die letzten Mieter in einem nicht vermietbaren Zustand, wie der Beschwerdeführer
geltend gemacht und belegt hat. Sie müsste erst wieder instand gestellt werden, was
mit hohen Kosten verbunden wäre. Der Beschwerdeführer hat überzeugend dargelegt,
dass er nicht über die dafür erforderlichen finanziellen Mittel verfügt. Realistischerweise
kann der Beschwerdeführer die durch das von allen Mietparteien benützte
Treppenhaus unterteilte und zudem in einem sehr schlechten Zustand befindliche
Wohnung nicht vermieten. Vor diesem Hintergrund hat die Beschwerdegegnerin zu
Recht keine hypothetischen Mieteinnahmen für die unterste Wohnung angerechnet.
4.3 Da das letzte Mietverhältnis erst Ende September 2013 geendet hat, müsste an
sich für die Zeit vom Juli 2013 (dem Monat der Anmeldung zum Leistungsbezug und
damit dem frühestmöglichen Leistungsbeginn) bis und mit September 2013 der
vereinbarte Mietzins von monatlich 780 Franken respektive jährlich 9’360 Franken als
tatsächliche Einnahme angerechnet werden. Diesen Mietzins hat der Beschwerdeführer
allerdings, seinen glaubhaften Angaben gemäss, nie erhalten, denn die Mieter haben
ab März 2013 keinen Mietzins mehr gezahlt. Bei einer objektiven Uneinbringlichkeit der
ausstehenden Mietzinszahlungen dürfte dem Beschwerdeführer trotz seines
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vertraglichen Anspruchs auf die Bezahlung des vereinbarten Mietzinses bis und mit
Ende September 2013 bei der Anspruchsberechnung keine entsprechende
Einnahmenposition angerechnet werden. Die drei erfolglosen Mahnungen und die
plausible Darstellung des Beschwerdeführers, er habe die Wohnung nur an Personen
vermieten können, die nirgendwo sonst eine Mietwohnung erhalten hätten, sprechen
zwar dafür, dass der Mietzinsausstand uneinbringlich ist. Nach einer älteren
Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes (zu familienrechtlichen
Unterhaltsbeiträgen) stünde die objektive Uneinbringlichkeit aber erst fest, wenn der
Beschwerdeführer die ehemaligen Mieter erfolglos betrieben hätte. Zwischenzeitlich ist
diese Rechtsprechung dahingehend gelockert worden, dass die objektive
Uneinbringlichkeit auch ohne eine erfolglose Betreibung bewiesen werden kann (vgl.
ZAK 1992, S. 255 ff.); von einer objektiven Uneinbringlichkeit ist nach dieser neueren
Rechtsprechung auch dann auszugehen, wenn eine Betreibung als zum Vornehinein
erfolglos zu betrachten ist. Dies wäre vorliegend beispielsweise der Fall, wenn die
ehemaligen Mieter hoch verschuldet wären oder vom Sozialamt unterstützt würden.
Die Beschwerdegegnerin hat diesbezüglich keine Abklärungen getätigt, sondern ohne
Weiteres angenommen, die ausstehenden Mietzinse könnten noch erhältlich gemacht
werden. Diese Sachverhaltsunterstellung ist bei der fehlenden Abklärung der
Erfolgsaussichten eines Zwangsvollstreckungsverfahrens unzulässig gewesen. Der
Sachverhalt erweist sich diesbezüglich als ungenügend abgeklärt, weshalb die
angefochtene Verfügung respektive der angefochtene Einspracheentscheid in
Verletzung der Untersuchungspflicht der Beschwerdegegnerin (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
ergangen ist und aufgehoben werden müsste. Wie die folgenden Erwägungen zeigen
werden, wirkt sich die Anrechnung respektive Nichtanrechnung des nicht bezahlten
Mietzinses für die Monate Juli, August und September 2013 nicht auf das Ergebnis
aus, weil so oder anders ein Einnahmenüberschuss resultiert, weshalb die Sache trotz
der Verletzung der Untersuchungspflicht nicht an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen ist.
4.4 Da der Beschwerdeführer die oberste Wohnung selbst bewohnt, erzielt er für
diese keine Mieteinnahmen. Im Gegenzug muss er aber auch keinen Mietzins für diese
Wohnung bezahlen. Obwohl der Art. 10 und der Art. 11 ELG dies nicht vorsehen, wird
in der Praxis der amtlich geschätzte Eigenmietwert als fiktive Ausgabe („Mietzins“) und
als fiktive Einnahme („Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen“) angerechnet. Bei der
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Anrechnung dieses fiktiven Mietzinses als Ausgabe ist die Nebenkostenpauschale von
1’680 Franken (Art. 16a ELV) zum Eigenmietwert zu addieren. Allerdings ist auch das
Mietzinsmaximum von 13’200 Franken zu beachten (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG).
Der Eigenmietwert der vom Beschwerdeführer bewohnten Wohnung beträgt 13’200
Franken, womit auf der Ausgabenseite das Maximum von 13’200 Franken und auf der
Einnahmenseite die fiktive Mietzinseinnahme von ebenfalls 13’200 Franken
anzurechnen ist.
5.
5.1 Ergänzungsleistungsbezüger, die über bewegliches oder unbewegliches
Vermögen verfügen, müssen sich nicht nur die Erträge dieses Vermögens (Art. 11
Abs. 1 lit. b ELG), sondern auch einen zumutbaren Verzehr des Vermögens (Art. 11
Abs. 1 lit. c ELG) als Einnahme anrechnen lassen. Der fiktive Vermögensverzehr beläuft
sich für Bezüger einer Rente der Invalidenversicherung auf einen Fünfzehntel des
anrechenbaren Vermögens. Das anrechenbare Vermögen entspricht dem die
massgebenden Freibeträge übersteigenden Nettovermögen. Zur Ermittlung des
anrechenbaren Vermögens muss folglich zuerst das Nettovermögen, das heisst das
allfällige Schulden übersteigende Vermögen, berechnet werden. Dieses entspricht
vorliegend dem Wert des Grundstücks abzüglich der Hypothekarschuld und beläuft
sich im Jahr 2013 auf 209’500 Franken (= 465’000 – 255’500 Franken). Alleinstehenden
Personen wird ein „allgemeiner“ Freibetrag von 37’500 Franken gewährt, was bedeutet,
dass ihnen bloss der Verzehr des 37’500 Franken übersteigenden Nettovermögens
zugemutet wird. Für eine selbstbewohnte Liegenschaft wird ein zusätzlicher Freibetrag
von 112’500 Franken gewährt. Das anrechenbare Vermögen beläuft sich vorliegend
also auf 59’500 Franken (= 209’500 – 37’500 – 112’500 Franken). Ein Fünfzehntel
davon, also 3’966 Franken, ist als zumutbarer jährlicher Vermögensverzehr
anzurechnen.
5.2 Die ergänzungsleistungsrechtlich anerkannten Ausgaben des
Beschwerdeführers setzen sich aus der Prämienpauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung (4’524 Franken), aus den Beiträgen an die AHV/IV/EO (504
Franken), aus den Hypothekarzinsen (5’135 Franken), aus der
Gebäudeunterhaltspauschale (6’972 oder 5’232 Franken; vgl. E. 3), aus dem
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Eigenmietwert für die selbstbewohnte Wohnung (13’200 Franken) und aus der
Pauschale für den Lebensbedarf (19’210 Franken) zusammen. Sie belaufen sich
insgesamt also auf maximal 49’545 Franken. Bei der Berücksichtigung der tieferen
Gebäudeunterhaltspauschale resultiert ein Ausgabentotal von 47’805 Franken. Wenn
der an sich vereinbarte Mietzins für die unterste Wohnung nicht berücksichtigt wird,
stehen diesen Ausgaben Einnahmen im Gesamtbetrag von 49’642 Franken gegenüber,
die sich aus der Rente der Invalidenversicherung (19’512 Franken), einem Sparzins von
vier Franken, den Mietzinseinnahmen von 12’960 Franken für die mittlere Wohnung,
dem Eigenmietwert für die selbstbewohnte Wohnung von 13’200 Franken und einem
anrechenbaren Vermögensverzehr von 3’966 Franken zusammensetzen. Unter
Berücksichtigung des Mietzinses für die unterste Wohnung für die Monate Juli, August
und September 2013 von jährlich 9'360 Franken resultiert ein Einnahmentotal von
59’002 Franken. Die für den Beschwerdeführer vorteilhafteste Berechnung besteht in
der Berücksichtigung des höheren Ausgabentotals von 49’545 Franken und des
niedrigeren Einnahmentotals von 49’642 Franken. Diese Berechnung ergibt einen
Einnahmenüberschuss von 97 Franken. Die drei übrigen in Frage kommenden
Berechnungsvarianten würden jeweils einen höheren Einnahmenüberschuss liefern.
5.3 Nach der vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vertretenen
Auffassung (vgl. die Entscheide EL 2013/23 und EL 2013/14 vom 1. Juli 2014 bzw. vom
28. April 2015) lassen die Art. 10 f. ELG die Berücksichtigung des Eigenmietwertes für
eine selbstbewohnte Liegenschaft als Ausgaben- und Einnahmenposition nicht zu.
Diese Gesetzesinterpretation hätte zur Folge, dass sich die Ausgaben und die
Einnahmen des Beschwerdeführers um je 13’200 Franken reduzieren würden. Auf der
Einnahmenseite wäre dann kein Eigenmietwert mehr anzurechnen. Auf der
Ausgabenseite würde sich der Mietzins auf die Nebenkostenpauschale des Art. 16a
ELV von 1’680 Franken reduzieren, die in der Berechnung der Beschwerdegegnerin
bloss deshalb keine Berücksichtigung gefunden hat, weil der Eigenmietwert genau
dem Maximum der Mietausgaben entsprochen hat. Gesamthaft würde statt eines
Einnahmenüberschusses ein kleiner Ausgabenüberschuss resultieren, womit der
Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung in der Höhe der so
genannten Minimalgarantie gemäss Art. 26 ELV hätte. Diese Minimalgarantie entspricht
der Prämienpauschale und beträgt hier also 4’524 Franken. Das Bundesgericht hat die
Interpretation des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen allerdings als falsch
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verworfen (vgl. die Urteile 9C_551/2014 vom 13. März 2015 und 9C_330/2015 vom
21. Juli 2015). Würde dem Beschwerdeführer eine Ergänzungsleistung von 4’524
Franken zugesprochen, würde die Beschwerdegegnerin den Entscheid
höchstwahrscheinlich mittels einer öffentlich-rechtlichen Beschwerde anfechten, die
vom Bundesgericht sicherlich gutgeheissen würde. Der Beschwerdeführer müsste
dann die Kosten für das bundesgerichtliche Verfahren bezahlen. Um ihm diese Kosten
zu ersparen, wird anstelle der nach Auffassung des Versicherungsgerichtes richtigen
Gesetzesinterpretation die bundesgerichtliche Rechtsprechung angewandt, was
bedeutet, dass das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers abzuweisen ist.
6.
Folglich muss die Beschwerde abgewiesen werden. Gerichtskosten sind gemäss dem
Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.