Decision ID: ae281d95-7de0-5ad9-9801-38a9631a6c3d
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerinnen reichten am 28. September 2015 bei der Gemeinde
Aarwangen ein Baugesuch (datiert vom 23. September 2015) ein für den Neubau von
sieben 2.5 Zimmer-Wohneinheiten mit Nebenbau und Abbruch eines bestehenden Schopfs
auf den Parzellen Aarwangen Grundbuchblatt Nrn. L._, M._ und
N._. Die Parzellen liegen in der Mischzone 2-geschossig (M2) und grenzen an das
Landschaftsschutzgebiet 2. In der Nähe befinden sich zudem das Ortsbildschutzgebiet
sowie das Schloss Aarwangen, welches im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz (ISOS) aufgenommen ist. Die Parzellen Aarwangen Grundbuchblatt
Nrn. M._ und N._ befinden sich schliesslich in der nach ISOS
bezeichneten Umgebungsrichtung U-Ri II. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen
die Beschwerdeführenden Einsprache.
Am 16. Februar 2016 reichten die Beschwerdegegnerinnen eine Projektänderung (datiert
vom 3. Februar 2016) ein. Die Beschwerdeführenden hielten – auch nach Durchführung
einer Einigungsverhandlung – an ihren Einsprachen fest. Mit Gesamtentscheid vom
9. August 2016 bewilligte das Regierungsstatthalteramt Oberaargau das Bauvorhaben.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 9. September 2016 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Gesamtentscheids vom 9. August 2016 und die Erteilung des
Bauabschlags. Sie machen insbesondere geltend, das Bauvorhaben stelle aufgrund seiner
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Grösse und Bauweise einen Fremdkörper in der Umgebung dar, welcher sich nicht in das
Ortsbild einfüge und keine gute Gesamtwirkung ergebe. Weiter rügen die
Beschwerdeführenden, die vorliegende Anwendung der Gestaltungsfreiheit gemäss Art. 75
BauG1 sei unzulässig und diene einzig als Vorwand, um eine bei konventioneller Bauweise
nicht mögliche Nutzung der Bauparzellen zu realisieren. Das Bauvorhaben beeinträchtige
zudem den natürlichen Lauf des Ryserbachs und unterschreite den erforderlichen
Gewässerabstand. Schliesslich rügen die Beschwerdeführenden – zumindest sinngemäss
– die strassenmässige Erschliessung des Bauvorhabens als ungenügend.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und edierte die Vorakten. Es bat zudem das Tiefbauamt des
Kantons Bern, Oberingenieurkreis IV, insbesondere zu der von den Beschwerdeführenden
geltend gemachten Beeinträchtigung des natürlichen Bachlaufs Stellung zu nehmen und
sämtliche Akten betreffend die Abklärungen zum Gewässerverlauf auf den vom
Bauvorhaben betroffenen Parzellen einzureichen. Das Rechtsamt holte sodann einen
Fachbericht der kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK)
ein. Danach führte es im Beisein der Parteien und einer Vertretung der OLK einen
Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich
zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. Die
Beschwerdegegnerinnen beantragen sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. Die
Vorinstanz beantragt, die Beschwerde sei vollumfänglich und unter Kostenfolge
abzuweisen. Die Gemeinde beantragt schliesslich die Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf überhaupt einzutreten sei.
4. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht der OLK sowie auf das Ergebnis des
Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
1 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Sämtliche Beschwerdeführenden haben sich am
vorinstanzlichen Verfahren als Einsprechende beteiligt und sind mit ihren Einsprachen
nicht durchgedrungen. Sie sind daher formell beschwert. Dass die Vorinstanz die
Legitimation anerkannt und die Beschwerdeführenden zum Verfahren zugelassen hat,
genügt jedoch nicht. Sofern sie dies zu Unrecht getan hat, tritt die BVE auf die
Baubeschwerde nicht ein, denn zu dieser ist nur zugelassen, wer sich am vorinstanzlichen
Verfahren zulässigerweise beteiligt hat, wer also auch materiell beschwert ist.4
c) Nach Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche
durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind.
Nach Lehre und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt,
wenn sie durch ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und
zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann
rechtlicher oder auch nur tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber hinreichend sein, das
heisst eine bestimmte Intensität erreichen, so dass von der Abwendung eines materiellen
oder ideellen Nachteils gesprochen werden kann. Der Nachteil muss dabei bei einer
objektivierten Betrachtungsweise als solcher empfunden werden; eine besondere
subjektive Empfindlichkeit der betroffenen Person verdient keinen Rechtsschutz. Diese
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 4 BVR 2008 S. 396 E. 1.2 mit Hinweisen; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40-41 N. 4b mit Hinweisen auf die Rechtsprechung.
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Anforderungen grenzen die Beschwerden betroffener Drittpersonen von der unzulässigen
Popularbeschwerde ab.5
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum
Streitgegenstand bei Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In
einer besonders nahen Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des
Baugrundstücks. Unter Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die
Eigentümer von Nachbargrundstücken sowie Personen, die an solchen Grundstücken
dinglich berechtigt sind; in der Regel wird aber auch die Einsprachebefugnis der Mieter und
Pächter von Nachbarliegenschaften anerkannt. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft
kann nicht allgemein festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten
Verhältnissen bestimmt werden. Die Einsprachebefugnis des Nachbarn ist jedoch in der
Regel zu bejahen, wenn dessen Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt
oder allenfalls nur durch einen Verkehrsträger davon getrennt wird. Darüber hinaus reicht
die Nachbarschaft so weit wie die allfälligen nachteiligen Auswirkungen des Bauvorhabens.
Bei ästhetischen Einwänden muss zumindest aber eine Sichtverbindung vom
Nachbargrundstück auf das Bauvorhaben bestehen. Dementsprechend sind nach
bundesgerichtlicher Praxis Nachbarn bis im Abstand von etwa 100 m regelmässig zu
Beschwerden gegen Bauvorhaben legitimiert.6
d) Die Gemeinde bestreitet in ihrer Stellungnahme vom 17. Oktober 2016 die materielle
Beschwer insbesondere derjenigen Beschwerdeführenden, welche nicht unmittelbar bei
den Bauparzellen wohnen.
Die Liegenschaften der Beschwerdeführer 1 und 4 grenzen unmittelbar an die
Bauparzellen an bzw. sind nur durch die O._strasse davon getrennt;
dementsprechend besteht von diesen Grundstücken aus eine direkte Sichtverbindung auf
das Bauvorhaben. Die Liegenschaft der Beschwerdeführer 2 und 3 befindet sich in einer
Entfernung von etwa 42 m von der Grundstücksgrenze der nächstgelegenen Bauparzelle
entfernt. Die Distanz zwischen ihrem Wohnhaus und dem geplanten nächstgelegenen
Wohngebäude beträgt gut 63 m. Der Beschwerdeführer 6 ist Inhaber eines Wohn- und
Mitbenützungsrechts an einer Liegenschaft, welche knapp 79 m von der
Grundstücksgrenze der nächstgelegenen Bauparzelle entfernt liegt; das nächstgelegene
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 16 f. 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 17 f. mit Hinweisen auf die Rechtsprechung.
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Wohngebäude soll gut 97.5 m von dem von ihm bewohnten Haus zu stehen kommen.
Sowohl vom Grundstück der Beschwerdeführer 2 und 3 als auch von demjenigen, an
welchem der Beschwerdeführer 6 dinglich berechtigt ist, besteht zumindest teilweise eine
Sichtverbindung zum Bauvorhaben. Nach dem Gesagten sind die Beschwerdeführer 1-4
sowie der Beschwerdeführer 6 vom angefochtenen Entscheid auch materiell beschwert
und somit zur Baubeschwerde legitimiert.
Die Liegenschaften der Beschwerdeführenden 7-9 befinden sich in einer Entfernung von
mehr als 100 m vom Bauvorhaben entfernt. Ob die Beschwerdeführenden 7-9 Sichtkontakt
zum Bauvorhaben haben, ist zudem fraglich. Da alle Beschwerdeführenden jedoch
gemeinsam Rechte geltend machen, kann die Frage der Legitimation der
Beschwerdeführenden 7-9 letztlich offen gelassen werden.7 Es ist jedoch darauf
hinzuweisen, dass deren Legitimation in einem allfälligen
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren nachgewiesen werden müsste. Auf die form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten.
2. Ortsbild- und Landschaftsschutz
a) Das Bauvorhaben umfasst insbesondere den Neubau von sieben 2.5 Zimmer-Wohn-
einheiten mit jeweils rechteckigen Grundrissen (6.00 m x 12.00 m). Die einzelnen Bauten
sind zwischen 1.60 m und 2.475 m zueinander gestaffelt und der Abstand zwischen deren
Fassaden beträgt 2.00 m bzw. in einem Fall 2.80 m. Der Zugang zu den einzelnen
Wohneinheiten erfolgt strassenseitig in den Gebäudelücken über Zugangsstege zwischen
den Einheiten. Zur Erschliessungsstrasse im Süden und zum Wies- und Ackerland im
Norden liegen die Gebäude leicht abgedreht in einem Winkel von rund 15 Grad; diese
Schrägstellung ergibt sich aus der parallelen Stellung der Bauten zu den kürzeren
Parzellenseiten im Osten und Westen. Jede Wohneinheit wird von einem asymmetrischen
Satteldach mit unterschiedlichen Dachneigungen (ostseitig 40 Grad und westseitig
28.25 Grad) gedeckt, wobei die Traufen der einzelnen Dächer – bis auf diejenigen
Gebäude, bei denen der Abstand zwischen den Fassaden 2.80 m beträgt – nur etwa 20 cm
voneinander getrennt sind. Zur Erschliessungsstrasse hin ist das Bauvorhaben
eingeschossig und aufgrund der Bauweise auf Stützpfeilern „schweben“ die Wohneinheiten
7 BVR 2007 S. 321 (VGE 22419 vom 10.7.2006) nicht publ. E. 1.7; VGE 2015/167 vom 25.4.2017 (noch nicht rechtskräftig), E. 1.2; VGE 2016/1 vom 16.12.2016 (noch nicht rechtskräftig), E. 1.2.
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rund 30 cm über dem neu aufgefüllten Terrain. Das gewachsene Terrain fällt von der
Erschliessungsstrasse her kontinuierlich bis zu den nordseitigen Parzellengrenzen ab und
überwindet so eine Höhendifferenz von 5.00 bis 5.50 m. Zum Wies- und Ackerland hin sind
die eingeschossigen Bauten auf eine etwa in die halbe Gebäudetiefe zurückversetzte
durchgehende, perforierte und graue Sichtbetonwand sowie eine Stützenreihe gelegt,
welche die Schräge der Betonwand aufnimmt. Das eingeschossige Gebäudekonglomerat
steht nordseitig somit auf einem geschosshohen Leerraum, welcher einzig von den
erwähnten Stützen durchquert wird. Ostseitig wird die Betonwand entlang der Fassade der
darüber liegenden Wohneinheit bis fast zu deren südlichen Ende weitergezogen; westseitig
verläuft die Betonwand entlang der gesamten Fassadenlänge der darüber liegenden Baute
und geht in südlicher Richtung sogar darüber hinaus.
Das Fassadenmaterial der einzelnen Wohneinheiten besteht aus einer grau lasierten
Holzschalung. Die Dächer sind mit einer braunen Ziegeldeckung vorgesehen. Die
zwischen den einzelnen Gebäuden liegenden Hauszugänge sind als Stege in die
Auflagekonstruktion aus Stelzen eingefügt, wobei das Material des Gehbelags in den
Baugesuchsunterlagen nicht weiter definiert ist. Die Geländer am Ende der Zugangsstege
sowie auf deren freiliegenden Westseiten sind in Metall mit Drahtgeflecht gezeichnet.
Zur Erschliessungsstrasse hin wird jeder Wohneinheit ein Sitzplatz mit Kiesbelag sowie
eine Hecke, ein kleiner Baum oder Busch und eine Rasenfläche vorgelagert; vor den
einzelnen Zugangsstegen befinden sich Kieswege, welche jeweils zur
Erschliessungstrasse führen. Der nördliche Teil zum Wies- und Ackerland – mit
bestehender Bepflanzung und diversen Neupflanzungen – wird mit einer Einschränkung
naturbelassen: das gewachsene Terrain wird dergestalt moduliert, dass unter dem
Gebäudeleerraum eine Sickermulde für die Dachentwässerung entlang der gesamten
Gebäudelänge entsteht.
b) Das Baugrundstück befindet sich in der Nähe des Ortsbildschutzgebiets der
Gemeinde Aarwangen (OBS); dessen Perimeter verläuft westlich, lediglich getrennt durch
eine Nachbarparzelle, am Baugrundstück vorbei. Ebenfalls in der näheren Umgebung – in
einer Distanz von rund 280 m – befindet sich das Schloss Aarwangen, welches im ISOS
aufgenommen ist. Die Bauparzellen Aarwangen Grundbuchblatt Nrn. M._ und
N._ befinden sich zudem in der nach ISOS bezeichneten Umgebungsrichtung U-
Ri II, welche insbesondere auch das nördlich vom Baugrundstück gelegene Wies- und
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Ackerland umfasst; dieses gehört gleichzeitig zum Landschaftsschutzgebiet 2 (LSG2).
Entlang der Parzellengrenzen zwischen dem Baugrundstück und dem Wies- und Ackerland
verläuft schliesslich der Ryserbach, welcher von einem Gehölzgürtel aus vorwiegend
einheimischen Sträuchern und Bäumen umgeben ist.
c) Die Beschwerdeführenden machen in ihrer Beschwerde geltend, das Baugrundstück
liege zwar nicht im Perimeter des OBS, es befinde sich aber in einem sensiblen Gebiet
sowie in der Nähe von schützenswerten Kulturobjekten wie dem (ehemaligen) Kornhaus
und dem Schloss Aarwangen. Das Bauvorhaben befinde sich zudem in einem
Einfamilienhausquartier mit architektonisch anspruchsvollen Bauten. Angesichts dieser
Ausgangslage müssten, entgegen der Auffassung der Gemeinde, hohe Ansprüche an die
Baugestaltung gestellt werden. Die geplante Barackensiedlung sei architektonisch jedoch
erschreckend einfallslos. Zudem wirke sie wie ein Fremdkörper und störe die Umgebung.
So seien die unansehnlichen eingeschossigen Bauten insbesondere vom Schloss her gut
sichtbar und wirkten wie eine übergrosse Holzkiste von 60 m Breite. Das Bauvorhaben sei
aber nicht nur ortsfremd, sondern würde aufgrund seiner Gesamtlänge auch das Quartier
dominieren und dieses sowie das nahegelegene OBS abwerten. Folglich füge sich das
Bauvorhaben weder in das Ortsbild ein noch führe es zu einer guten Gesamtwirkung.
d) Die Beschwerdegegnerinnen bringen in ihrer Beschwerdeantwort vom 30. September
2016 dagegen vor, die subjektive Beurteilung der Beschwerdeführenden bezüglich der
architektonischen Gestaltung des Bauvorhabens sowie dessen Umgebung sei nicht
relevant bzw. nicht nachvollziehbar. So liege das Bauvorhaben nicht in einem
Ortsbildschutzgebiet und werde auch nicht von schützenswerten Einzelbauten umgeben.
Die Bebauungsform und der Umgang mit der Hangkante reduziere zudem bewusst die
„Gartenfläche“ und gehe auf die heutigen Bedürfnisse ein. Weiter werde durch die
Befreiung von bebauter Bodenfläche des unteren Parzellenteils der Uferzone mehr Fläche
eingeräumt. Die bepflanzte Uferzone trage mit Hochstammbäumen zudem zur Gliederung
der Fassade zur angrenzenden Landwirtschaftszone bei. So könne ein subtiler Übergang
zwischen Bauzone und Landwirtschaftszone sichergestellt werden. Die Baukörper seien
ferner bewusst gestaffelt und eingeschossig, da dadurch eine grossmassstäbliche
Gebäudewirkung aufgehoben werde. Mit der geplanten Holzfassade, welche sich an die
rurale Umgebung anlehne, werde dies zusätzlich unterstützt. Bei der Projektentwicklung
sei schliesslich bewusst auf eine Ausreizung der Gebäudehöhe verzichtet worden, um die
Hangkante lesbar zu halten. Durch die klare Gestaltung und Gliederung würden die
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geplanten Wohneinheiten in den Hang eingebettet und ruhig wirken, mithin eine sensible
architektonische Gestaltung gewährleisten.
e) Bei der Beurteilung der Ästhetik stützte sich die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid auf den Amtsbericht der Gemeinde vom 15. Januar 2016. Darin kam deren
Baukommission – aufgrund des Umstands, wonach sich das Baugrundstück weder im OBS
befinde noch an dieses angrenze und vom Bauprojekt auch keine Schutzobjekte betroffen
bzw. beeinträchtigt würden – zum Schluss, das Bauvorhaben entspreche in seiner
Erscheinung den anwendbaren kommunalen Gestaltungsvorschriften. Gemäss der von der
Gemeinde langjährig geübten grosszügigen Praxis betreffend die ästhetischen
Anforderungen an Bauten und Anlagen könne der vom GBR8 ermöglichte, relativ grosse
Gestaltungsspielraum im konkreten Einzelfall zudem regelmässig ausgenutzt werden.
Dazu gehöre insbesondere auch die Ausrichtung der Gebäude, welche unter den
gegebenen reglementarischen Grundsätzen nach Beurteilung der Baukommission frei
gewählt werden dürfe. In ihrer Stellungnahme vom 14. Oktober 2016 führte die Vorinstanz
zudem aus, die Gemeinde habe für die Mischzone M2, in welcher sich die betreffenden
Parzellen befänden, keine zusätzlichen Vorschriften über die Beeinträchtigung des
Ortbildes erlassen. Dementsprechend müsse das Bauvorhaben keine besonderen
Anforderungen betreffend den Ortsbildschutz erfüllen. Das Bauvorhaben sei ferner im
oberen Drittel eines Hanges und damit nicht an einer exponierten Lage geplant. Hinzu
komme, dass sich das betreffende Gelände gegen Norden weiter absenke und die
Wohneinheiten an dieser Stelle von einer Baumgruppe teilweise verdeckt würden. Folglich
hätte man nur von den Liegenschaften, welche sich weiter oben am Hang befänden, einen
direkten Blick auf die Wohneinheiten; aus dieser Perspektive sei die von den
Beschwerdeführenden gerügte Bauweise aber gerade nicht ersichtlich.
f) Für die ästhetische Beurteilung des umstrittenen Bauvorhabens sind – unabhängig
davon, ob vorliegend die Gestaltungsfreiheit gemäss Art. 75 BauG anwendbar ist oder
nicht – verschiedene kantonale und kommunale Vorschriften zum Ortsbild- und
Landschaftsschutz relevant. Es sind dies die allgemeinen Ästhetikvorschriften des Kantons
und der Gemeinde Aarwangen (Art. 9 BauG und Art. 411 GBR) sowie die kommunalen
Vorschriften zur Dachgestaltung (Art. 413 Abs. 1 GBR) und den
Landschaftsschutzgebieten (Art. 531 GBR):
8 Baureglement der Einwohnergemeinde Aarwangen vom 24. Oktober 2011 (GBR).
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Gemäss der „ästhetischen Generalklausel“ von Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten
Landschaften, Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Eine Beeinträchtigung liegt
vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung oder
Landschaft schafft, der erheblich stört. Darüber hinaus dürfen die Gemeinden eigene
Ästhetikvorschriften erlassen, die weiter gehen können als die kantonalen Vorschriften
(Art. 9 Abs. 3 BauG). Derartige Vorschriften müssen, um selbständige Bedeutung zu
erlangen, konkreter gefasst sein als die Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen
Letztere nicht bloss allgemein anders formulieren.9 Die Gemeinde Aarwangen hat dies
getan; ihr Baureglement enthält folgende selbständigen Bestimmungen zur Baugestaltung:
Art. 411 Gestaltungsgrundsatz 1 Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. 2 Bei der Beurteilung der guten Gesamtwirkung sind insbesondere zu berücksichtigen: - die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes, - die bestehende und bei Vorliegen einer entsprechenden Planung auch die beabsichtigte Gestaltung der benachbarten Bebauung, - Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der Bauten und Anlagen, - die Fassaden- und Dachgestaltung sowie die Materialisierung und Farbgebung, - die Gestaltung der Aussenräume, insbesondere des Vorlandes und der Begrenzungen gegen den öffentlichen Raum, - die Gestaltung und Einordnung der Erschliessungsanlagen, Abstellplätze und Eingänge. 3 Bauten und Anlagen welche das Ortsbildschutzgebiet beeinträchtigen sind untersagt. Bei Neubauten und wesentlichen Umbauten ist die Kantonale Denkmalpflege beizuziehen. 4 Die Vorschriften über die Ortsbildpflege bleiben vorbehalten.
Art. 413 Dachgestaltung 1 Die Dachgestaltung hat sich nach den ortsüblichen oder vorherrschenden Merkmalen zu richten, welche das Strassen-, Quartier- oder Ortsbild prägen.
[...]
An das Erfordernis der guten Gesamtwirkung gemäss Art. 411 Abs. 1 und 2 GBR dürfen
nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Das bedeutet bei
durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht
gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage an den qualitativ
hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.10 Bei besonderen
örtlichen Gegebenheiten dürfen jedoch überdurchschnittliche Anforderungen an das
9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art.°9/10 N. 4 f. und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen. 10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a zweites Lemma; BVR 2009 S. 328 E. 5.3 und BVR 2006 S. 491 E. 6.3.2.
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Erfordernis der guten Gesamtwirkung bzw. an das jeweilige Bauvorhaben gestellt
werden.11
Zu berücksichtigen ist weiter, dass die Bauparzellen teilweise an das LSG2 grenzen. Das
GBR hält dazu unter dem Titel „Schutz der naturnahen Landschaft“ Folgendes fest:
Art. 531 Landschaftsschutzgebiete 1 und 2 1 Die Landschaftsschutzgebiete 1 und 2 sind Teile des weit offenen Landwirtschaftsgebiets. Sie dienen dem Schutz des Landschaftsbilds und der Erhaltung des damit verbundenen Erholungswerts, insbesondere als Kontrast zu den überbauten Flächen. 2 Es darf nichts unternommen werden, was den Schutzzielen zuwiderläuft. 3 Es dürfen keine neuen oberirdischen Bauten und Anlagen errichtet werden. Vorbehalten bleiben neue landwirtschaftliche Bauten in den Landschaftsschutzgebieten 2 (inkl. die dazu erforderlichen Zufahrten), soweit sie für die Bewirtschaftung erforderlich sind.
Das LSG2 fällt unter die Schutzgebiete nach Art. 86 BauG. In diesen Gebieten sind nur
Bauvorhaben gestattet, die den Schutzzweck nicht beeinträchtigen und den von der
Gemeinde erlassenen Schutzvorschriften entsprechen oder standortgebunden sind (Art. 86
Abs. 3 BauG).
Schliesslich und entgegen den Schlussbemerkungen der Gemeinde ist vorliegend auch
das ISOS zu berücksichtigen, in dem das Schloss Aarwangen als Spezialfall12 von
nationaler Bedeutung verzeichnet ist.13 Zwar sind das ISOS und die damit verbundenen
Schutzziele nicht unmittelbar verbindlich, da das Erteilen einer Baubewilligung für das hier
umstrittene Vorhaben in der Bauzone keine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 NHG ist.14
Das ISOS ist aber im Richtplan des Kantons Bern ausdrücklich als in der Planung
umzusetzende Grundlageninformation bezeichnet. Als „anderes Inventar“ im Sinne von
Art. 13e BauV15 gilt es daher für die Behörden von Kanton und Gemeinden auch im
Baubewilligungsverfahren zumindest als Empfehlung und es ist entsprechend bei der
Beurteilung des hier umstrittenen Projekts zu berücksichtigen.16 In der Bewertung des
ISOS werden dem Schloss Aarwangen sowohl in Bezug auf seine Lage (Situationswert
11 BDE vom 7. Dezember 2016, E. 2d erstes Lemma (RA Nr. 110/2016/86). 12 Wertvolle Anlagen, die den Bedingungen für die Inventarisierung nicht entsprechen, können im ISOS als Spezialfall erfasst werden. 13 Art. 5 des Bundesgesetzes vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) und Anhang zur Verordnung des Bundesrats vom 9. September 1981 über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (VISOS; SR 451.12). 14 BGer 1A.11/2007 vom 16.5.2007, E. 2. 15 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1). 16 BVR 2008 S. 117 E. 2b; VGE 2012/332 vom 11.9.2013, E. 4.4 und VGE 22020U vom 28.9.2005, E. 2.4.1.
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des Orts und Grad der Verbauung) als auch architekturhistorisch besondere Qualitäten
attestiert (höchste bzw. zweithöchste Einstufung). Die Bauparzellen Aarwangen
Grundbuchblatt Nrn. M._ und N._ liegen in einem Gebiet, das im ISOS
als Umgebungsrichtung U-Ri II bezeichnet wird und benannt ist als „Aareufer und von der
Flussebene leicht ansteigende Hänge, Wies- und Ackerland, an der Strasse nach
Aarwangen ehem. Kornhäuser und frühere Amtsschreiberei“. Die Umgebungsrichtung U-
Ri II gehört zur Aufnahmekategorie „ab“, ist von besonderer Bedeutung und mit dem
Erhaltungsziel „a“ belegt. Gemäss den Erläuterungen zum ISOS ist eine
Umgebungsrichtung ein Bereich von ein- oder mehrseitig unbegrenzter Ausdehnung, meist
von Bedeutung für den weiträumigen Bezug zwischen Bebauung und Landschaft, z.B.
Vorder-/Hintergrund, angrenzendes Kulturland, Talhänge, Uferpartien, Flussraum und
Neuquartiere. Mit der Aufnahmekategorie „ab“ wird sodann ausgedrückt, dass die
Umgebungsrichtung ein „unerlässlicher Teil“ des Ortsbildes (d.h. unverbaut oder mit
Bauten, die der ursprünglichen Beschaffenheit der Umgebung entsprechen) bzw. ein
„empfindlicher Teil“ des Ortsbildes (d.h. häufig überbaut) ist. Für das Erhaltungsziel „a“ gilt
schliesslich, dass das betreffende Gebiet als Kulturland oder Freifläche erhalten werden
sollte.
Aus den bisherigen Ausführungen geht bereits hervor, dass sich die Bauparzellen an einer
besonderen Lage befinden. Ein Bauvorhaben an dieser Stelle muss deshalb nicht nur zu
einer guten Gesamtwirkung in der Umgebung führen (Art. 411 GBR), sondern es verlangt
eine sehr sorgfältige Einpassung ins Orts- und vor allem ins Landschaftsbild. Insbesondere
aufgrund der Tatsache, wonach das Baugrundstück grösstenteils in der nach ISOS
bezeichneten Umgebungsrichtung U-Ri II liegt, hat das Vorhaben überdurchschnittlichen
ästhetischen Anforderungen zu genügen. Daran ändert auch der von der Gemeinde in
ihren Schlussbemerkungen vorgebrachte Umstand nichts, wonach bei der Überbauung der
benachbarten Parzellen Aarwangen Grundbuchblatt Nrn. P._, Q._ und
R._ das ISOS keine besondere Erwähnung gefunden habe bzw. den betreffenden
Grundeigentümern resp. Baugesuchstellern keine aus dem ISOS abgeleiteten Auflagen
auferlegt worden seien. Die von der Gemeinde genannten Parzellen befinden sich im
Gegensatz zum vorliegend in Frage stehenden Baugrundstück nämlich nicht in der nach
ISOS bezeichneten Umgebungsrichtung U-Ri II.
g) Das Rechtsamt der BVE hat für die ästhetische Beurteilung des Vorhabens die OLK
beigezogen. Dies wird sowohl von den Beschwerdegegnerinnen als auch der Vorinstanz
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sowie der Gemeinde – zumindest sinngemäss – mit Hinweis auf die fehlende Zugehörigkeit
des Baugrundstücks zu einem Ortsbild- und Landschaftsschutzgebiet und der bereits
erfolgten Beurteilung des Vorhabens durch die Bewilligungsbehörde sowie der
Baukommission der Gemeinde Aarwangen kritisiert.
Als verwaltungsinterne Justizbehörde ist die BVE gehalten, den Sachverhalt im Rahmen
des Verfahrensgegenstands von Amtes wegen festzustellen. Dabei bestimmt sie Art und
Umfang der Ermittlungen der rechtserheblichen Sachumstände, ohne dass sie an die
Beweisanträge der Parteien gebunden ist (Art. 18 Abs. 1 und 2 VRPG17). Ihr steht bei der
Erhebung und Abnahme von Beweisen ein weiter Ermessensspielraum zu.18 Die BVE ist
daher bereits gestützt auf die allgemeinen geltenden Verfahrensgrundsätze des VRPG
befugt, das Bauvorhaben der OLK zur Begutachtung zu unterbreiten. Ob und
gegebenenfalls wann die OLK beizuziehen ist, ergibt sich zudem aus der OLKV19. Am
8. Februar 2017 erfuhr diese einige Änderungen, welche während des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens am 1. April 2017 in Kraft getreten sind. Werden
Verfahrensvorschriften neu gefasst, werden hängige Baubewilligungsverfahren jedoch
nach bisherigem Recht zu Ende geführt (Art. 148 Abs. 2 BauG), weshalb vorliegend aArt. 4
Abs. 1 erster Satz OLKV in der Fassung vom 27. Oktober 2010 anwendbar ist.20 Danach
behandelt die OLK alle Bau- und Planungsgeschäfte, die ihr von Justizbehörden zur
Begutachtung unterbreitet werden. Folglich war die BVE auch gestützt auf die OLKV
befugt, das umstrittene Bauvorhaben von der OLK begutachten zu lassen. Daran ändert
insbesondere der Umstand nichts, wonach das Bauvorhaben bereits von der
Baukommission der Gemeinde Aarwangen beurteilt worden ist. Denn einerseits gilt das in
aArt. 2 Abs. 2 OLKV vorgesehene Verbot der „Doppelbegutachtung“ nicht, wenn
Bauvorhaben im Rechtsmittelverfahren vor Justizbehörden umstritten sind; andererseits
handelt es sich bei der Baukommission der Gemeinde Aarwangen ohnehin nicht um eine
leistungsfähige örtliche Fachstelle im Sinne von aArt. 2 Abs. 2 OLKV. Die von den
Beschwerdegegnerinnen, der Vorinstanz sowie der Gemeinde geübte Kritik am Beizug der
OLK ist somit von Anfang an unbeachtlich.
17 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 18 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 18 N. 8 mit Hinweisen. 19 Verordnung vom 27. Oktober 2010 über die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLKV; BSG 426.221). 20 VGE 2016/242 vom 8.6.2017 (noch nicht rechtskräftig), E. 5.1 mit Hinweisen.
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Vorliegend gaben verschiedene Gründe Anlass zum Beizug der OLK: Zunächst befindet
sich das Baugrundstück aufgrund seiner Nähe zum Schloss Aarwangen, OBS und LSG2
sowie seiner (teilweisen) Zugehörigkeit zu der nach ISOS bezeichneten
Umgebungsrichtung U-Ri II an einer – aus Sicht des Ortsbild- und Landschaftsschutzes –
besonderen Lage. Gleichzeitig fällt das Bauvorhaben durch eine nicht alltägliche
Bautypologie auf; dazu gehören insbesondere die Aufstelzung der Wohnbauten auf einer
langgezogenen, zurückversetzten Betonmauer und Stützpfeilern sowie deren dichte
Aneinanderreihung. Schliesslich bildet die Ästhetik des Vorhabens den Hauptstreitpunkt
zwischen den Parteien. Entgegen den Befürchtungen der Vorinstanz und der Gemeinde
kann aus dem vorliegenden Beizug der OLK somit nicht geschlossen werden, dass nun bei
allen Bauvorhaben ausserhalb einer Schutzzone bzw. bei allen Bauvorhaben, bei welchen
Einsprachen vorliegen, die OLK bzw. eine externe Fachberatung beigezogen werden
muss.
Zusammenfassend sind der Bericht der OLK vom 27. Februar 2017 sowie die
Ausführungen der Vertreter der OLK anlässlich des Augenscheins im Rahmen der
Beweismittelwürdigung zu beachten.
h) Die OLK hat das Ortsbild in der Umgebung des Bauvorhabens in ihrem Bericht vom
27. Februar 2017 charakterisiert. Aufgrund des am Augenschein vom 6. April 2017
gewonnenen Eindrucks erweist sich diese Umschreibung des Umgebungsbildes durch die
Fachbehörde aus Sicht der BVE als korrekt. Sie lautet wie folgt:
„Landschaftsbild
Das Bauvorhaben liegt auf einer Geländekante (Terrassenkante). Diese grenzt grossmassstäblich den unteren Schwemmboden der Aare (Eymatte/Scheurhof) von der höher liegenden Schotterterrasse (Neuacher, Winkelmatte, Chilefeld) ab. Der vorwiegend am Fusse der Geländekante liegende, geschlossene Gehölzgürtel in Begleitung eines kleinen Fliessgewässers akzentuiert die landschaftliche Zäsur der Geländekante und schafft eine klare räumliche Trennung zwischen den beiden landschaftsprägenden Ebenen. In der näheren Umgebung des Bauvorhabens können die beiden Ebenen wie folgt charakterisiert werden: die obere Ebene ist geprägt durch den Friedhof sowie durch die östlich (recte: westlich) angrenzenden grossvolumigen Wohnbauten in unterschiedlichen Dimensionen, Farbgebung und Architekturstilen mit entsprechend dominanter Erscheinung und Fernsichtwirkung. Die untere Ebene zeichnet sich durch das zweireihig bebaute Aareufer aus und charakterisiert sich im weiteren Verlauf gegen Süden durch die landwirtschaftlich genutzte und weitgehend unbebaute Ebene mit Wies- und Ackerland sowie leicht ansteigenden Hänge (Geländekante). Die Geländekante verläuft in Südwest-Nordost-Richtung, wobei deren Ausprägung von Osten (Holzmatte) gegen Westen kontinuierlich abnimmt und anschliessend in das gewachsene Gelände verläuft. Der westliche Abschluss der Hangkante ist geprägt durch zwei bebaute Grundstücke und einer dazwischenliegenden Baulücke (geplantes Bauvorhaben), die als
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brachliegende Grünfläche bezeichnet werden kann. Der Gehölzgürtel weist in diesem bebauten Bereich Lücken auf.
Strassen- und Ortsbild
Entlang der Erschliessungsstrasse zum Baugrundstück sind Einzelbauten verschiedener Bautypologien, Form, Dachgestaltung und Materialisierung vorhanden. Es sind keine Bauten von besonderem Wert. Gemeinsam ist ihnen, dass es punktförmige Einzelbauten mit eher kleinem Grundriss sind und sie mit ein bis zwei Geschossen und Dachvolumen gestaltet sind. Alle Gebäude haben in irgendeiner Form einen Sockel oder ein Sockelgeschoss, damit sie mit dem geneigten Terrain umgehen können. Die meisten Volumen sind parallel zur Strasse ausgerichtet. Einzelne Nebenbauten sind giebelständig zur Strasse gestellt und mit ihren Holzfassaden und dem eingeschossigen Volumen unter Satteldach dem Bauvorhaben verwandt. Prägend sind jedoch die grösseren Einzelvolumen. In der höher gelegenen südlichen Geländeebene sind neue grosse Bauvolumen mit zwei bis drei Geschossen und Flachdach entstanden. Sie fallen im umgebenden Kontext durch ihre Grösse und die hellen Putzfassaden stark auf.“
i) Zur Wirkung des Bauvorhabens in Bezug auf das umliegende Orts- und
Landschaftsbild führt die OLK in ihrem Bericht Folgendes aus:
„Das Bauvorhaben ist in seiner Höhe und seiner zurückhaltenden Materialisierung unauffällig. Aufgrund seiner Repetition der ans sich kleinen Grundfläche und der Gedrängtheit seiner Volumen tritt es als zusammenhängender Baukörper in Erscheinung und gliedert sich auf Grund seiner eigenwilligen Bautypologie nicht in die Struktur der bestehenden Bauten ein. Die ortsfremde Typologie schafft keinen funktionalen und gestalterischen Bezug und es entsteht kein Mehrwert zum bestehenden Quartier. Durch das Abwinkeln der Gebäudestellung und die unruhige Dachform entsteht eine beinahe industriell geprägte Silhouette. Das Baugefüge wirkt als Fremdkörper ohne Ortsbezug und schafft durch die Aufstelzung sowie die Rückversetzung der Mauer urban geprägte Negativräume, ohne Bezug zur unteren, landschaftlich weitgehend intakten Ebene. Der dunkle Raum unter den Gebäuden tritt in seiner Fernwirkung als funktionslose Restfläche in Erscheinung und nicht als Teil des Geländes. Dies alles steht in Spannung/Konflikt mit den landschaftlichen Qualitäten der unteren Ebene.“
j) Ein Hauptkritikpunkt der OLK betrifft die Aufstelzung des Bauvorhabens sowie die
Rückversetzung der Betonwand. Dadurch entstehe unterhalb der geplanten Einzelhäuser
ein Negativraum, welcher fast die Hälfte der gesamten Gebäudehöhe ausmachen würde
und durchwegs im Schatten liege. Dies habe zur Folge, dass sich das Bauvorhaben von
der unteren Ebene aus betrachtet störend auf das Landschaftsbild auswirke.21 Dieser
Einschätzung kann gefolgt werden.
Das Bauvorhaben befindet sich von Norden her betrachtet an einem aufsteigenden Hang
und damit, entgegen der Ansicht der Vorinstanz, an einer exponierten Lage. Die geplante
Baute ist daher insbesondere von der unteren Ebene aus von weit her sichtbar bzw. hat in
diese Richtung eine grosse Fernwirkung. Letztere wird durch den erwähnten Negativraum
21 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 6. April 2017, S. 6, Votum OLK-Vertreter.
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jedoch stark beeinträchtigt. Denn wie die OLK anlässlich des Augenscheins zu Recht
ausführte, dürfte eine Bepflanzung des Raums unterhalb der geplanten Einzelbauten
mangels Sonneneinstrahlung und Regeneinfalls nicht möglich sein.22 Folglich bleibt dieser
Raum ungenutzt bzw. leer und tritt insbesondere in seiner Fernwirkung als dunkle Fläche
in Erscheinung. Dadurch entsteht ein klarer Gegensatz zum restlichen Gelände, welcher
von der unteren Ebene her, deutlich – der Leerraum erstreckt sich über eine Gesamtlänge
von über 56 m – sichtbar ist und so die weitgehend intakte Landschaftsebene erheblich
stört. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass eine Sichtverbindung zwischen dem
Schloss Aarwangen und dem Baugrundstück besteht und Letzteres auch von der vom
Schloss herführenden O._strasse gut einsehbar ist.23 Die (Fern-)Wirkung des
Bauvorhabens wird zudem nicht massgeblich durch den am Fusse des Hangs liegenden
Gehölzgürtel eingeschränkt. Einerseits ist dieser im Bereich des Bauvorhabens lückenhaft;
zwar sind gemäss den Baugesuchsplänen verschiedene Neupflanzungen vorgesehen,
gleichzeitig sollen aber auch zahlreiche bestehende Bäume und Sträucher entfernt bzw.
zurückgeschnitten oder ausgeholzt werden. Andererseits ist davon auszugehen, dass der
Gehölzgürtel nicht ganzjährig dicht belaubt, sondern gerade im Herbst bzw. Winter
blickdurchlässiger sein dürfte; zur Zeit des Augenscheins, welcher im Frühjahr
stattgefunden hat, war die Belaubung jedenfalls nicht blickdicht.24 Soweit die
Beschwerdegegnerinnen in ihren Schlussbemerkungen auf bestehende Bauten in der
Nachbarschaft hinweisen, welche sich (noch) weniger gut in das Gelände einfügen würden,
ist festzuhalten, dass allfällige bereits bestehende Beeinträchtigungen des
Landschaftsbilds kein Grund sind, weitere Beeinträchtigungen zu erlauben.25
k) In nachvollziehbarer Weise kritisiert die OLK weiter, die geplanten Einzelbauten
würden aus verschiedenen Gründen nicht als sieben Einzelhäuser, sondern als Einheit
wahrgenommen werden, welche sich aufgrund ihrer eigenwilligen Bautypologie nicht in die
bestehende Bebauungsstruktur einordne. Das Bauvorhaben wirke daher in Bezug auf die
umliegenden Bauten als Fremdkörper und sei nicht mit dem Ortsbild verträglich.26
22 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 6. April 2017, S. 8, Voten OLK-Vertreter. 23 Die Sichtverbindung zwischen dem Schloss Aarwangen und dem Baugrundstück sowie die Einsehbarkeit des Letzteren von der O._strasse her sind erkennbar in der Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. April 2017, Fotos Nrn. 12 (Sichtverbindung) und 15/16 (Einsehbarkeit). 24 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. April 2017, Fotos Nrn. 21-26. 25 BGer 1A.40/2005 vom 7.9.2005, E. 4.3 und 4.5. 26 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 6. April 2017, S. 6 und 9, Voten OLK-Vertreter.
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Ein Blick auf den Situations- und den Ansichtsplan bestätigt die Ausführungen der
Fachbehörde, wonach die sieben geplanten Wohneinheiten optisch als Einheit
wahrgenommen werden. Wie die OLK richtig feststellte, ergibt sich dieser Eindruck
insbesondere aufgrund der geringen Abstände, der Reihung sowie der einheitlichen
Ausrichtung bzw. Drehung der einzelnen Häuser. Die jeweils asymmetrischen Satteldächer
mit unterschiedlichen Dachneigungen, welche entsprechend den darunterliegenden
Grundrissen ebenfalls dicht gereiht sind und sich repetieren, verstärken nicht nur diese
einheitliche Wirkung, sondern verleihen dem Bauvorhaben – wie die OLK zutreffend
ausführt – eine geradezu industriell geprägte Silhouette. Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdegegnerinnen wird die grossmassstäbliche Gebäudewirkung des Bauvorhabens
also gerade nicht durch dessen konkrete Ausgestaltung aufgehoben.
Anlässlich des Augenscheins konnte sodann festgestellt werden, dass sich das
Bauvorhaben aufgrund seiner Ausgestaltung auch nicht in die bestehende
Bebauungsstruktur eingliedert. Zwar geben die bestehenden Bauten in der näheren
Umgebung des Baugrundstücks ein eher heterogenes Bild ab. So unterscheiden sich diese
nicht nur hinsichtlich ihrer Form und Dachgestaltung, sondern auch in Bezug auf ihre
Fassadengestaltung und Materialisierung voneinander. Einzelne (Neben-)Bauten weisen
etwa reine Holzfassaden auf, während der überwiegende Teil der bestehenden Gebäude
verputzt ist. Die Farbpalette der Fassaden reicht sodann von weiss, grau über mintgrün
und hellgelb bis hin zu rot und braun.27 Entsprechend wird den bestehenden Bauten in der
näheren Umgebung des Bauvorhabens von der OLK richtigerweise auch kein besonderer
Wert attestiert. Nichtsdestotrotz können als Gemeinsamkeiten der bestehenden Bauten
ihre Körnung, das heisst ihr Wesen als Einzelbauten mit verhältnismässig kleinen
Grundrissen, ihre Errichtung auf einem Sockelgeschoss bzw. irgendeiner Form eines
Sockels, ihre mehrgeschossige Ausgestaltung sowie ihre überwiegend einheitliche
Ausrichtung parallel zur Erschliessungstrasse genannt werden. Die Körnung der
bestehenden Bauten bzw. ihr „Fussabdruck“ (Massstab) wurde von der OLK anlässlich des
Augenscheins denn auch als „besondere Qualität dieser Häuser“ bezeichnet.28 Ob bei der
erwähnten Körnung tatsächlich von einer besonderen Qualität gesprochen werden kann,
erscheint fraglich; letztlich kann dies aber offen gelassen werden. Denn sowohl die
Körnung als auch die jeweilige Errichtung der bestehenden Bauten auf einem
Sockelgeschoss bzw. auf irgendeiner Form eines Sockels sowie deren mehrgeschossige
27 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. April 2017, Fotos Nrn. 5-11. 28 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 6. April 2017, S. 7, Votum OLK-Vertreter.
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Ausgestaltung können in jedem Fall als prägende Elemente und Merkmale des
umliegenden Strassen- und Ortsbilds bezeichnet werden. Die Gemeinde führt in ihren
Schlussbemerkungen zwar richtigerweise aus, dass in der näheren Umgebung auch
Gebäude vorkommen, die grösseren Massstabs sind und/oder ebenfalls einen gestaffelten
Grundriss aufweisen. Das Bauvorhaben – welches aufgrund seiner konkreten
Ausgestaltung als ein zusammenhängender Baukörper wahrgenommen wird – weist aber
einen deutlich grösseren Grundriss bzw. „Fussabdruck“ (Massstab) auf als die grössten
umliegenden Gebäude. Zudem befindet sich das von der Gemeinde ins Feld geführte
gestaffelte Gebäude am Ende der Erschliessungsstrasse an einer weniger exponierten
Stelle als das Bauvorhaben; zudem weist der bestehende Bau aufgrund seiner konkreten
Ausgestaltung keine industriell geprägte Silhouette auf.29 Die Gebäude an der
O._strasse 54 und 50 verfügen schliesslich über ein Sockelgeschoss bzw. einen
ansatzweisen Sockel.30 Dies im Gegensatz zum umstrittenen Bauvorhaben, welches ganz
offensichtlich über keinen solchen Sockel verfügt. Auch ansonsten nimmt das
Bauvorhaben keinen Bezug zu den prägenden Elementen und Merkmalen des
umliegenden Strassen- und Ortsbilds. Vielmehr fällt das Bauvorhaben durch ortsfremde
Besonderheiten, wie die dichte Reihung mehrerer eingeschossiger Einzelbauten aus Holz
mit einer einheitlichen industriell geprägten Silhouette auf, welche auf einer
Stelzenkonstruktion stehen. Folglich handelt es sich beim Bauvorhaben um eine
eigenwillige Bautypologie, welche sich von den bereits bestehenden unterschiedlichen
Bautypologien (nochmals) deutlich abhebt; eine Berufung auf das Rechtsgleichheitsgebot
fällt unter diesen Umständen von Anfang an ausser Betracht.
l) Zusammenfassend sieht die BVE keine Veranlassung, von der nachvollziehbaren
und überzeugenden Einschätzung der OLK abzuweichen. Das Bauvorhaben genügt den
hohen ästhetischen Anforderungen nicht, welche aufgrund der besonderen Lage des
Baugrundstücks vorliegend anwendbar sind. Vielmehr wirkt es sich aufgrund des
Negativraums unterhalb der geplanten Einzelbauten, der durch deren Aufstelzung auf einer
zurückversetzten über 56 m langen Betonmauer und Stützpfeilern entsteht, störend auf das
nördlich gelegene, sensible Landschaftsbild aus. Es kann also weder von einer ruhigen
Einbettung in den Hang noch von einem subtilen Übergang zwischen Bauzone und
Landwirtschaftszone bzw. zwischen den beiden landschaftsprägenden Ebenen gesprochen
werden. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die einzelnen Baukörper jeweils
29 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. April 2017, Foto Nr. 6. 30 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. April 2017, Fotos Nrn. 8 und 10.
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eingeschossig, mithin ohne maximale Ausreizung der zulässigen Gebäudehöhe, und mit
einer Holzfassade geplant sind. Diese Eigenschaften ändern nämlich nichts am besagten
Negativraum sowie an der von diesem bewirkten Beeinträchtigung bzw. Störung der
umliegenden Landschaft. Gleichzeitig bewirkt das Bauvorhaben – insbesondere aufgrund
des Umstands, wonach die sieben Einzelbauten als eine grosse Einheit wahrgenommen
werden – einen erheblichen Gegensatz zur bestehenden Bebauungsstruktur, welcher das
umliegende Strassen- und Ortsbild beeinträchtigt. Es orientiert sich also nicht an den
„qualitativ hochwertigeren“ Bauten in der näheren Umgebung, sondern bildet einen
Fremdkörper, der insbesondere von der oberen Ebene aus betrachtet nicht
ortsbildverträglich ist. Folglich führt das Bauvorhaben auch nicht zu einer guten
Gesamtwirkung. Das Bauvorhaben verletzt damit Art. 9 Abs. 1 BauG und Art. 411 Abs. 1
und 2 GBR; ob gleichzeitig ein Verstoss gegen die übrigen anwendbaren kommunalen
Vorschriften vorliegt, kann unter diesen Umständen offen bleiben. Die Beschwerde ist
somit gutzuheissen. Der vorinstanzliche Entscheid ist aufzuheben und dem Vorhaben ist
der Bauabschlag zu erteilen.
Bei diesem Ausgang erübrigt es sich, auf die weiteren Rügen der Beschwerdeführenden
einzugehen. Insbesondere kann vorliegend offen bleiben, ob es sich beim Wasser,
welches gemäss den Beschwerdeführenden diagonal über die Parzellen Aarwangen
Grundbuchblatt Nrn. M._ und N._ fliessen soll, um ein Gewässer im
rechtlichen Sinne handelt. Aufgrund des am Augenschein gewonnenen Eindrucks
erscheint dies zumindest nicht von vornherein ausgeschlossen.31
An dieser Stelle ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass die Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids und die Erteilung des Bauabschlags – entgegen der Ansicht
der Gemeinde – nicht zu einer Verletzung der Gemeindeautonomie führen. Wo eine
Gemeinde eigene, selbständige (Ästhetik-)Normen erlassen hat, steht ihr aufgrund der
Gemeindeautonomie zwar auch bei der Auslegung und Anwendung der Norm ein gewisser
Beurteilungsspielraum zu. Soweit die Gemeinde die Norm rechtlich vertretbar ausgelegt
hat, darf eine Rechtsmittelinstanz sie daher nicht anders auslegen.32 Vorliegend hat die
Gemeinde jedoch nicht als rechtsanwendende Behörde über das umstrittene Bauvorhaben
entschieden, sondern dazu lediglich in Form von zwei Amtsberichten an das
Regierungsstatthalteramt Stellung genommen. Ob sie sich bei dieser Ausgangslage
31 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 6. April 2017, Fotos Nrn. 43-51. 32 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 5 mit Hinweisen.
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überhaupt auf die Gemeindeautonomie berufen kann, ist daher fraglich, kann letztlich aber
offenbleiben.33 Denn wie sich aus den obigen Ausführungen ergibt, erfüllt das umstrittene
Bauvorhaben nicht die Anforderungen an eine gute Gesamtwirkung. Folglich ist die
Haltung der Gemeinde im vorliegenden Fall rechtlich nicht haltbar. Eine Verletzung der
Gemeindeautonomie liegt somit nicht vor.
33 Vgl. diesbezüglich BVR 2012 S. 20 E. 3.2 und BVR 2009 S. 551 E. 3.6.2, in welchen diese Frage ebenfalls offengelassen wurde.
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3. Kosten
a) Die Beschwerde wird gutgeheissen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen
die Beschwerdegegnerinnen. Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1
VRPG). Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer
Pauschalgebühr. Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können
zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird
festgesetzt auf Fr. 2‘000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV34). Für den
Augenschein vom 6. April 2017 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine
zusätzliche Gebühr von Fr. 400.– erhoben. Die Kosten der OLK (Fr. 1‘000.– für den Bericht
vom 27. Februar 2017 gemäss Rechnung vom 9. März 2017 und Fr. 300.– für die
Teilnahme am Augenschein gemäss Rechnung vom 27. April 2017) werden gestützt auf
Art. 11 GebV zusätzlich erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen
somit insgesamt Fr. 3‘700.–. Die Beschwerdegegnerinnen haften solidarisch für den
gesamten Betrag.
b) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren in der Höhe
von Fr. 9‘399.50 haben in jedem Fall die Beschwerdegegnerinnen als
Baugesuchstellerinnen zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD35).
c) Die Beschwerdegegnerinnen haben zudem den Beschwerdeführenden die
Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der
Beschwerdeführenden gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegnerinnen
haben somit den Beschwerdeführenden die Parteikosten von Fr. 5‘854.60 zu ersetzen. Die
Beschwerdegegnerinnen haften solidarisch für den gesamten Betrag.
34 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 35 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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