Decision ID: 0e7a3efb-54d3-58d7-ae0b-0501abaa4eb3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (im Folgenden: Versicherter) meldete sich am 11. Dezember 2000 wegen
Folgen eines Verkehrsunfalls bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an
(IV-act. 1).
A.a.
Beim erwähnten Unfall vom 16./17. November 1999 hatte der Versicherte am
linken Bein eine laterale Schenkelhalsfraktur, eine offene Femurschaftfraktur, eine
Tibiakopffraktur lateral sowie eine Weber A-Fraktur erlitten. Diese waren am 17., 22.
und 24. November 1999 (nach Auftreten eines Logensyndroms am Unterschenkel)
operativ und mit einem Unterschenkelgips versorgt worden (Bericht Regionalspital
B._ vom 20. Dezember 1999, IV-act. 10-77 f.; Unfallmeldung UVG vom
20. November 1999, IV-act. 10-79; Operationsberichte vom 3. Februar 2000, IV-
act. 10-62 ff.).
A.b.
Auf Empfehlung des Kreisarztes der SUVA (Bericht vom 26. Juli 2000, IV-
act. 10-54 f.) war der Versicherte vom 9. August bis 13. September 2000 in der
Rehaklinik Bellikon therapiert worden. Dort war berichtet worden, er zeige ein deutlich
depressives Zustandsbild und beklage starke belastungsabhängige Schmerzen an den
Frakturstellen. Das angestrebte stockfreie Gehen sei zu keinem Zeitpunkt realistisch
gewesen (Austrittsbericht vom 30. Oktober 2000, IV-act. 10-45 ff.).
A.c.
Vom 28. Februar bis 21. März 2001 war der Versicherte erneut stationär in der
Rehaklinik Bellikon. Es wurde festgehalten, die depressive Verstimmung habe sich
deutlich gebessert und entspreche nicht mehr dem Grad einer Major Depression. Es
sei nicht gelungen, mit dem Versicherten einen physiotherapeutischen Zugang zu
erarbeiten bzw. ihn zur Belastung des linken Beins zu bringen. Der Versicherte habe
erstmals eine Art Flashbacks angegeben. Es bestünden ein maladaptiver Umgang mit
den beklagten Schmerzen und eindrucksmässig eine Symptomausweitung
(Austrittsbericht vom 25. April 2001, IV-act. 10-14 ff.).
A.d.
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Im Auftrag der IV wurde der Versicherte durch die MEDAS Kantonsspital Basel
interdisziplinär begutachtet (Gutachten vom 28. Januar 2002; Dr. med. C._, Innere
Medizin, Dr. med. D._, Rheumatologie; Dr. med. E._, Psychiatrie; IV-act. 27). Die
Gutachter diagnostizierten eine Periarthropia coxae links, eine Periarthropia genu links,
ein thorakovertebrales bis intermittierend thorakospondylogenes Syndrom bei
chronischer Fehlhaltung und Dekonditionierung sowie eine depressive Störung,
gegenwärtig leichten Grades mit somatischem Syndrom und erhoben den Verdacht auf
eine Symptomausweitung (IV-act. 27-11). Sie attestierten interdisziplinär im
angestammten Beruf als Heizungsmonteur keine Arbeitsfähigkeit und in einer
angepassten Tätigkeit eine solche von 70 % (IV-act. 27-12 f.).
A.e.
Im Auftrag der SUVA wurde der Versicherte an der Klinik F._ orthopädisch
(Gutachten Dr. med. G._, Dr. med. H._, vom 27. August 2002; IV-act. 36-2 ff.) und
neurologisch (Teilgutachten Dr. med. I._ und Dr. med. J._ vom 23. Dezember 2002,
IV-act. 36-16 ff.) abgeklärt. Die orthopädischen Gutachter äusserten den Verdacht auf
eine partielle Insuffizienz des ventralen Anteils des Glutaeus medius und auf eine
reaktive Schmerzverarbeitungsstörung (IV-act. 36-12). Das klinische Bild korreliere mit
dem Röntgenbefund. Insgesamt stimmten aber die Schmerzmanifestationen und vor
allem die Entlastung der gesamten unteren Extremität nicht mit der Schwere der
Restbeschwerden überein. Für Tätigkeiten in sitzender Position sei der Versicherte zu
60 % bis 70 % arbeitsfähig (IV-act. 36-13, 24). Die neurologischen Gutachter fanden
keine Anhaltspunkte für eine post-traumatische neurologische Läsion (IV-act. 36-22).
Die Unfähigkeit, das linke Bein zu belasten, sei nicht nachvollziehbar (IV-act. 36-23). Es
sei eine psychiatrische Begutachtung notwendig (IV-act. 36-24). Diese wurde im
Auftrag der SUVA durch Dr. med. K._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH
(Gutachten vom 19. März 2003, IV-act. 34), durchgeführt. Der Gutachter diagnostizierte
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Dies sei die primäre
Störung, welche das depressive Zustandsbild ausgelöst habe (IV-act. 34-11). Für
einfache Montagearbeiten oder Ähnliches sei der Versicherte zunächst grundsätzlich zu
50 % einsetzbar. Vermutlich könne diese Arbeitsfähigkeit noch gesteigert werden (IV-
act. 34-13).
A.f.
Dr. med. L._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
17. Juni 2003 zuhanden der SUVA, der Versicherte stehe seit 5. Mai 2001 in seiner
A.g.
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Behandlung, nachdem in der Klinik Bellikon ein deutlich depressives Zustandsbild
diagnostiziert worden sei. Er diagnostiziere eine depressive Störung mit
Angstsymptomen nach einer Körperverletzung (Autounfall vom 16. November 1999) auf
dem Boden einer ängstlich-depressiven Persönlichkeit. Der Zustand habe sich
chronifiziert, einen invalidisierenden Verlauf genommen. Aktuell sei der Versicherte
nicht im Stande, seine frühere oder eine andere Tätigkeit auszuüben (IV-act. 38).
Die Berufsberatung hielt am 9. Oktober 2003 fest, berufliche Massnahmen
erübrigten sich zur Zeit (IV-act. 47). In der Folge sprach die IV-Stelle dem Versicherten
ab 1. November 2000 eine ganze Rente zu (Mitteilung vom 11. Dezember 2003, IV-
act. 52; Verfügung vom 27. April 2004, IV-act. 60).
A.h.
In einem am 12. Januar 2006 eingeleiteten Revisionsverfahren gab der
Beschwerdeführer an, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert, das Bein
schmerze stärker (IV-act. 64). Gestützt auf Berichte von Dr. med. J._, Allgemeine
Medizin FMH, vom 1. März 2006 (IV-act. 68) und von Dr. L._ vom 6. Juni 2006 (IV-
act. 73), welche einen stationären Gesundheitszustand bei fehlender erwerblich
verwertbarer Arbeitsfähigkeit bescheinigten, schloss die IV-Stelle das Verfahren am
10. November 2006 mit der Mitteilung ab, es bestehe weiterhin Anspruch auf die
bisherige Invalidenrente (IV-act. 78).
A.i.
Anlässlich der nächsten Revision gab der Versicherte am 3. Mai 2013 an, er mache
kürzere Spaziergänge, habe "normalen" Kontakt zu Freunden und Verwandten, sei in
keinem Verein oder Club Mitglied, benutze den öffentlichen Verkehr und fahre Auto.
Den Einkauf mache die Ehefrau. In den letzten drei Jahren habe er sich ca. sechsmal
für eine bis zwei Wochen im Ausland aufgehalten. Er könnte sich vorstellen und wäre
motiviert, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, wisse aber nicht, welche (IV-act. 87).
Dr. J._ attestierte im Verlaufsbericht vom 18. Juni 2013 in einer Tätigkeit in einem
warmen, trockenen, geschützten Raum und ohne Kraftanstrengung eine
Arbeitsfähigkeit von ca. 20 % (IV-act. 92). Dr. L._ hielt im Verlaufsbericht vom
22. August 2013 als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10: F33.11), einen Zustand nach einem schweren
Autounfall am 16. November 1999 mit intensiven körperlichen Beschwerden sowie eine
ängstliche Persönlichkeitsstörung fest. Seit 28. Januar 2012 seien zehn Konsultationen
A.j.
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erfolgt (Daten aufgezählt). Die rezidivierende, zum Teil chronifizierte depressive Störung
werde von intensiven, therapieresistenten körperlichen Beschwerden begleitet. Daher
sei der Versicherte nicht im Stande, seine bisherige oder eine andere Tätigkeit
auszuüben (IV-act. 95). RAD-Arzt Dr. med. M._, Facharzt für Innere Medizin,
Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, nahm am 10. September
2013 Stellung: Eine relevante Änderung im Vergleich zum massgeblichen Vorzustand
sei nicht eingetreten. Ein medizinischer Revisionsgrund liege nicht vor (IV-act. 96-3).
Der IV-Stelle ging am 18. September 2013 ein anonymer Hinweis zu. Der
Hinweisgeber kenne den Versicherten schon seit Jahren und habe ihn noch nie an
Krücken oder einem Stock gehen sehen. Eine Gehbehinderung sei nie aufgefallen. Der
Versicherte halte sich oft im Deutschen Raum oder in N._ auf und lege die Reisen
dorthin im PW zurück. Auch sei er oft in einer bestimmten Autogarage und einem
N._-ischen Vereinslokal anzutreffen (IV-act. 97 f.). Nach Einholung einer
Stellungnahme von IV-Ärztin Dr. med. O._, Fachärztin für Neurologie, vom 8. Januar
2014 (IV-act. 100) erteilte die IV-Stelle am 13. Januar 2014 den Auftrag zur Observation
des Versicherten (IV-act. 103). Dieser und der auf ihn eingelöste PW konnten am 27.
und 28. Januar 2014 nicht festgestellt werden. Am 29. Januar 2014 konnte er
vormittags bei einer kurzen Autofahrt beobachtet und nachmittags gesehen werden,
wie er sich leicht hinkend ohne Gehhilfe zur ca. 400 m von seiner Wohnung entfernt
gelegenen Bäckerei begab. Am 4. Februar 2014 fuhr der Versicherte mit dem PW zum
Bahnhof, wo er einen Kollegen abholte und sich mit diesem während ca. 20 Minuten in
einer Bar aufhielt. Zurückgekehrt unterhielt er sich mit einem weiteren Bekannten und
begab sich danach nach Hause. Am 14. Februar 2014 konnte der Versicherte
observiert werden, wie er sich durch eine Drittperson ins P._ zum Geldabheben
chauffieren liess. Am 19. Februar 2014 und am 21. März 2014 konnte der Versicherte
nicht direkt wahrgenommen werden (Ermittlungsbericht vom 25. April 2014, IV-
act. 104-4 ff.). Am 16. Juni 2014 wurde er zum Kaffeetrinken abgeholt und liess sich
auf dem Heimweg bei einer Bäckerei absetzen. Am 17. Juni 2014 kehrte er um ca.
10:40 zu Fuss und sichtbar hinkend nach Hause zurück. Am Mittag fuhr er als Beifahrer
seiner Ehefrau weg (wohl zum Termin bei der SVA, vgl. IV-act. 111; Ermittlungsbericht
vom 15. August 2014, IV-act. 113-2 ff.). Der Versicherte beantwortete am 26. Mai 2014
Fragen der IV-Stelle zu seinem Gesundheitszustand (IV-act. 108). Im
A.k.
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"Standortgespräch" vom 17. Juni 2014 schilderte er im Wesentlichen, er könne sich
ausserhalb der Wohnung nur ganz langsam fortbewegen und in der Nähe seiner
Wohnung einen Kaffee trinken oder ein Gipfeli kaufen gehen. Manchmal treffe er seinen
Bruder, viele Kontakte habe er nicht. Dass er am 26. Mai 2014 angegeben habe,
"normale" Kontakte zu haben, beruhe auf einem Missverständnis der Frage. Er könne
sein linkes Bein nur sehr langsam biegen und strecken, es schmerze stark und sei
geschwollen. Die Gehhilfe brauche er jeden Tag. Manchmal versuche er, einige Schritte
ohne Krücken zu gehen (IV-act. 111-3 ff.). Nach Eröffnung der Observation führte er auf
entsprechende Fragen aus, die Q._ kenne er, habe aber dort nie gearbeitet. Er fahre
nicht alleine nach Deutschland oder R._. Im Lokal des N._-ischen Vereins sei er
nicht oft, lediglich wenn er "etwas brauche". Er leide effektiv an den beklagten
Schmerzen. Diese seien aber nicht sichtbar und würden nicht ausschliessen, dass er
bei Gelegenheit auch einmal B._ könne und versuche, etwas positiv zu denken (IV-
act. 111-36 ff.).
Dr. O._ nahm am 3. Oktober 2014 - anknüpfend an eine frühere Einschätzung
vom 7. Mai 2014 (IV-act. 107) - Stellung, nach wie vor stünden die Erkenntnisse aus
dem Observationsmaterial mit den früheren gutachterlichen Einschätzungen im
Einklang und liessen sich gut mit einer leichtgradig ausgeprägten Depression
vereinbaren. Aus medizinischer Sicht sei eine bidisziplinäre Begutachtung zur
Beurteilung des aktuellen gesundheitlichen Zustandes indiziert (IV-act. 115).
A.l.
Dr. L._ berichtete am 27. Januar 2015, der Versicherte leide nach wie vor unter
einer rezidivierenden depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere
Episode (ICD-10: F33.11/33.2), einer Panikstörung (ICD-10: F41.0) und einer
ängstlichen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6). Es handle sich um eine schwere
psychische Störung. Durch die bisherige Therapie sei es zu keiner Besserung des
Zustandes gekommen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit
(IV-act. 137-14 f.).
A.m.
Die Gutachter des S._ (Dr. med. T._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
FMH; Dr. med. U._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; Gutachten vom
18. August 2015, IV-act. 126; orthopädisches Teilgutachten vom 11. März 2015, IV-
act. 127; Untersuchungen 3. und 19. Februar 2015) stellten aus psychiatrischer Sicht
A.n.
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keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 126-18). Der orthopädische
Gutachter stellte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Zustand
nach Schenkelhals- und Femurschaftfraktur und nach lateraler Tibiakopfabscherfraktur
mit proximaler Fibulafraktur links (IV-act. 127-16). Aufgrund der gut ausgebildeten
Muskulatur und der guten Ausheilung der Frakturen bestehe bei einer leichten
Präarthrose am linken Hüftgelenk in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit
von 50 % (IV-act. 127-18 f.). Andere dem Funktionsdefizit angepasste Tätigkeiten ohne
längeres Laufen und ohne schweres Heben könne der Versicherte mit einer Arbeits-
und Leistungsfähigkeit von 100 % ausüben (IV-act. 127-23). Dr. O._ nahm am
16. Oktober 2015 Stellung: Auf das Gutachten könne vollumfänglich abgestellt werden
(IV-act. 128).
Mit Vorbescheid vom 9. November 2015 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Einstellung seiner Rente. Es sei davon
auszugehen, dass seit der Rentenzusprache (Verfügung vom 27. April 2004) spätestens
bis zum Beginn der Observation im Januar 2014 eine Verbesserung des
Gesundheitszustands eingetreten sei (IV-act. 130).
A.o.
Der Versicherte erhob am 9. Dezember 2015 dagegen Einwand (IV-act. 137-1 ff.)
und reichte einen Bericht von Dr. med. V._, Facharzt FMH für Neurologie, vom
2. Dezember 2015 ein. Darin wurde festgehalten, der Versicherte beklage seit dem
Unfall bestehende ständige Schmerzen am ganzen linken Bein sowie Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen. Diese seien mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Folge der
erlittenen Commotio cerebri. Eine neuropsychologische Untersuchung sollte möglichst
bald durchgeführt werden. Die Beschwerden im linken Bein seien Folge der erlittenen
Frakturen, mit teilweiser Defektheilung. Nach seiner Ansicht sei dem Versicherten eine
Erwerbstätigkeit in keiner Form zumutbar (IV-act. 137-11 f.). Sodann bestätigten W._
und X._, am 6. bzw. 7. Dezember 2015, dass der Versicherte unter den Folgen des
Unfalles leide, äussere, sein Leben sei nicht mehr lebenswert, und dass sie ihn ab und
zu zu einem Spaziergang oder um etwas zu trinken abholten (IV-act. 147 f.).
A.p.
Am 18. Dezember 2015 wurden verschiedene bildgebende Untersuchungen
durchgeführt. Diese ergaben im Wesentlichen unauffällige Befunde hinsichtlich der
Gelenke und knöchernen Strukturen bei Befunden an Sehnen und Bändern (Bericht MR
A.q.
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Rückfuss links vom 18. Dezember 2015, IV-act. 167-4 f.; Bericht Skelettszintigraphie /
CT Knie und Fuss links vom 22. Dezember 2015, IV-act. 146). Dr. med. Y._, Innere
Medizin/Rheumatologie FMH, hielt in seinem Bericht vom 29. Dezember 2015 fest,
beim Versicherten bestünden weiterhin starke Beschwerden und Einschränkungen der
linken Unterextremität. Trotz heimischen Trainings sei er weiterhin nicht in der Lage,
eine Strecke von mehr als 100 m ohne Stock zu gehen. Die Beschwerden liessen sich
radiologisch durch posttraumatische Läsionen im Bereich des Fusses (MRI vom
18. Dezember 2015) und des Knies (CT vom 18. Dezember 2015) erklären. Unklar
bleibe die Einschränkung der Hüftgelenk-Beweglichkeit (Blockierung) mit
Begleitschmerzen. Angesichts dieser Beschwerden bestehe eine deutliche
Verminderung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit (IV-act. 139). Dr. med. Z._,
Spezialarzt FMH für orthopädische Chirurgie, führte am 11. Januar 2016 aus, die im
SPECT vom 18. Dezember 2015 noch sichtbaren Knochenveränderungen erklärten
teilweise die angegebenen Beschwerden, aber nicht hinreichend, warum an einem
Stock entlastet werden müsse. Eine angepasste, wahlweise sitzend oder stehend zu
verrichtende Arbeit sei aus orthopädischer Sicht mindestens halbtags zuzumuten (IV-
act. 141).
Dr. O._ nahm am 15. und 26. Januar 2016 ausführlich Stellung. Sie legte
insbesondere dar, dass die Beurteilungen der behandelnden Ärzte ohne Kenntnis der
vollständigen Akten (bzw. des Observationsmaterials) erfolgt seien und wesentlich auf
subjektiven Aussagen des Versicherten beruhten. Dadurch seien die Abweichungen
von den gutachterlichen Einschätzungen bedingt (IV-act. 142).
A.r.
Gestützt auf diese Aktenlage verfügte die IV-Stelle am 27. Januar 2016 die
Einstellung der IV-Rente des Versicherten (IV-act. 143). Mit Beschwerde vom
26. Februar 2016 (IV-act. 151-2 ff.) reichte der Versicherte unter anderem einen
Überweisungsbericht von Dr. L._ an die psychiatrische Klinik Ba._ vom 3. Februar
2016 (IV-act. 154-3 f.) sowie einen weiteren Bericht von Dr. med. Y._, Innere Medizin/
Rheumatologie FMH, vom 7. Februar 2016 (IV-act. 154-8 ff.) ein, wonach gemäss
Arthro-MRI vom 22. Januar 2016 am linken Hüftgelenk unter anderem eine
Offsetstörung und ein Einriss in der Basis des anterioren Labrums zu sehen seien.
Seine Beschwerden seien damit nicht nur klinisch, sondern auch bildgebend
objektivierbar. Dr. O._ nahm am 24. Mai 2016 erneut ausführlich Stellung und
A.s.
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B.
empfahl, die Resultate der durchgeführten Zusatzuntersuchungen dem orthopädischen
Gutachter zur Stellungnahme vorzulegen (IV-act. 156). Daraufhin widerrief die IV-Stelle
am 25. Mai 2016 die Verfügung vom 27. Januar 2016 (IV-act. 158) und das
Versicherungsgericht schrieb das hängige Verfahren (IV 2016/68) am 2. Juni 2016 ab
(IV-act. 159). Die Rente wurde dem Versicherten wieder ausgerichtet (IV-act. 161 f.).
Die IV-Stelle liess der Gutachterstelle am 17. Januar 2017 die aktuellen Akten samt
ergänzenden Fragen zukommen (IV-act. 172). Der orthopädische Gutachter Dr. T._
nahm am 18. April 2017 zusammenfassend Stellung, aus den neuen Untersuchungen
ergebe sich kein Hinweis auf eine Verschlimmerung hinsichtlich des linken Beins. In
Bezug auf Diagnose und Arbeitsfähigkeitsschätzung seien gegenüber dem Gutachten
keine Änderungen anzubringen (IV-act. 175-2 ff.). Daraufhin kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten mit Vorbescheid vom 8. Februar 2018 erneut die Einstellung seiner Rente
an (IV-act. 181), wogegen dieser am 9. März 2018 wiederum Einwand erhob. Er legte
insbesondere dar, dass Dr. T._ als befangen anzusehen sei und dass bzw. weshalb
auf seine Stellungnahme nicht abzustellen sei (IV-act. 189-1 ff.).
A.t.
Mit Verfügung vom 22. März 2018 stellte die IV-Stelle die Rente des Versicherten
auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats ein und entzog einer Beschwerde
die aufschiebende Wirkung. Sowohl Dr. O._ als auch der Gutachter Dr. T._ hätten
sich zu den eingereichten Berichten geäussert und sähen keinen Anlass, von der
bisherigen Beurteilung abzuweichen. Der Einwand setze sich mit diesen
Stellungnahmen nicht substantiiert auseinander. Es bestehe kein Anhalt für eine
wesentliche Änderung (des Gesundheitszustandes) seit der Begutachtung. Im Einwand
würden keine neuen Fakten geltend gemacht, welche an der bisherigen Begutachtung
etwas zu ändern vermöchten. Eine erneute Begutachtung sei nicht notwendig (IV-
act. 191).
A.u.
Mit Beschwerde vom 23. April 2018 beantragt der Versicherte (im Folgenden:
Beschwerdeführer), die Verfügung vom 22. März 2018 sei aufzuheben und es sei
festzustellen, dass er weiterhin Anspruch auf eine ganze IV-Rente habe. Die Sache sei
zu weiterer Abklärung an die IV-Stelle (im Folgenden: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Die im
B.a.
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Jahr 2013 erfolgte anonyme Anzeige sei offenbar ein Racheakt einer Person, welcher er
kein Geld habe leihen wollen. Die Observation sei gemäss Rechtsprechung des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nicht zulässig. Sie habe in keiner
Weise bewiesen, dass er arbeitsfähig sei. Das Gutachten von Dr. U._ und Dr. T._
sei versicherungsfreundlich. Der behandelnde Psychiater und die behandelnden Ärzte
der psychiatrischen Klinik Ba._ hätten vollumfänglich widerlegt, dass seine
psychischen Beschwerden gänzlich remittiert seien. Die Beschwerdegegnerin habe ihre
Verfügung vom 27. Januar 2016 widerrufen, woraus sich ergebe, dass auf das
Gutachten nicht abgestellt werden könne. Seit der Begutachtung vor zwei Jahren habe
sich sein Gesundheitszustand insbesondere in psychischer Hinsicht erheblich
verschlechtert. Gemäss Berichten seiner behandelnden Ärztin leide er an stark
einschränkenden Folgen des Unfalls und sei nicht arbeitsfähig. Aufgrund der
Verschlechterung seines psychischen Zustandes habe er während zwei Monaten
stationär behandelt werden müssen. Dabei sei festgestellt worden, dass er an einer
posttraumatischen Belastungsstörung und einer mittelgradigen depressiven Episode
leide. Dies beweise, dass die Beurteilung durch Dr. U._ unzutreffend sei. Statt auf die
kurze Stellungnahme des orthopädischen Gutachters vom 18. April 2017 abzustellen,
hätte die Beschwerdegegnerin seinen Gesundheitszustand auch neurologisch und
rheumatologisch abklären müssen. Die Beschwerdegegnerin habe die
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit 2014 und seine neurologischen
und rheumatologischen Beschwerden ignoriert, vorbefangene Gutachter engagiert und
einen Entscheid erlassen, der offensichtlich unrichtig sei und seine Existenz bedrohe
(act. G 1).
Am 16. August 2018 reicht der Beschwerdeführer den Austrittsbericht der
psychiatrischen Klinik Ba._ vom 9. Juli 2018 über eine weitere stationäre Therapie
vom 15. Mai bis 11. Juni 2018 ein (act. G 6; act. G 6.1).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 16. August 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Für die Observation habe ein hinreichender
Anfangsverdacht bestanden. Der Eingriff in die privaten Verhältnisse sei relativ
bescheiden gewesen. Daher seien die Observationsergebnisse verwertbar. Dass die
Gutachter keine weitere Untersuchung durchgeführt hätten, schade nicht, zumal es
sich nicht um eine Verlaufsbegutachtung handle. Die meisten der eingereichten
B.c.
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Berichte seien bei Erlass der angefochtenen Verfügung bekannt gewesen und
sorgfältig geprüft worden. Dr. Z._ hätten bei seiner Stellungnahme vom 16. März
2018 weder das Gutachten noch die IV-Akten vorgelegen. Dr. U._ habe einlässlich
begründet, warum nicht auf die Beurteilungen von Dr. L._ abgestellt werden könne.
Aus formeller Sicht sei bei Dr. L._ überdies in einem hohen Masse von einer
Befangenheit auszugehen. Die Darstellung einer (psychischen) Verschlechterung sei in
erster Linie als Reaktion auf die Verfügungen vom 27. Januar 2016 bzw. vom 22. März
2018 zu sehen. Die vermehrte Inanspruchnahme von Therapien sei auch Ausdruck des
Bemühens, das behauptete Leiden zu belegen (act. G 7).
Mit Replik vom 6. September 2018 bringt der Beschwerdeführer vor, die
Beschwerdegegnerin habe die Verfügung vom 27. Januar 2016 widerrufen, weil sie das
Gutachten für ungenügend und weitere Abklärungen für notwendig erachtet habe.
Diese habe sie nicht vorgenommen, sondern lediglich eine Stellungnahme von
Dr. T._ eingeholt. Dessen Behauptung, dass er an keinen somatischen Unfallfolgen
leide, sei unbegründet. Sodann habe er sich nicht zum Bericht von Dr. V._ vom
2. Dezember 2015 geäussert, wonach er in Folge des Unfalls zu 100 % arbeitsunfähig
sei. Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass er an keinen psychischen
Beschwerden leide und die geltend gemachte Verschlechterung der Rentenaufhebung
zuzuschreiben sei, sei zynisch und unbegründet. Seit dem Unfall stehe er in
psychiatrischer Behandlung bei Dr. L._. Diese habe ihm geholfen, psychisch nicht
total zu verfallen oder einen Suizid zu begehen. Die Berichte der psychiatrischen Klinik
Ba._ bestätigten, dass er permanent an einer mittel- bis schwergradigen depressiven
Episode mit psychotischem Syndrom und einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren leide und nicht arbeitsfähig sei. Eine erhebliche
Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes, wie sie für eine Rentenaufhebung
ausreichend bewiesen sein müsse, liege nicht vor (act. G 9).
B.d.
Mit Duplik vom 10. Oktober 2018 macht die Beschwerdegegnerin geltend,
Dr. O._ habe sich am 24. Mai 2016 einlässlich zu den vom Beschwerdeführer als von
Dr. T._ nicht berücksichtigt gerügten Berichten geäussert. Darauf habe Dr. T._ in
seiner Stellungnahme vom 18. April 2017 einleitend Bezug genommen und
ausdrücklich verwiesen. Dass er auf Wiederholungen verzichtet habe, sei nicht zu
bemängeln. In der Klinik Ba._ seien wenige objektive Befunde erhoben worden,
B.e.
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Erwägungen
1.
wobei Widersprüche erkennbar seien. Es sei wenig plausibel, dass bei einem
affektarmen Patienten der affektive Rapport gut herstellbar sei. Perspektiven- und
Hoffnungslosigkeit sowie Klagsamkeit seien primär subjektive Befunde, die überdies
als Teil einer zwar nachvollziehbaren, IV-rechtlich aber irrelevanten Reaktion auf die
Renteneinstellung zu sehen seien. Schliesslich seien die wenig dramatischen Befunde
mit der Diagnose einer schweren Depression nicht vereinbar, zumal typische
Symptome wie beispielsweise eine Antriebsstörung nicht beschrieben würden. Der
Beschwerdeführer könne deshalb aus diesem Bericht nichts zu seinen Gunsten
ableiten (act. G 11).
Mit Entscheid vom 22. Oktober 2018 weist das Versicherungsgericht das
beschwerdeführerische Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab
(act. G 12).
B.f.
Der Beschwerdeführer reicht am 16. November 2018 einen Bericht von Dr. L._
vom 6. November 2018 (act. G 14; act. G 14.1), am 26. September 2019 einen Bericht
von Dr. V._ vom 18. September 2019 (act. G 16; act. G 16.1) und am 9. Oktober 2019
einen Bericht von Dr. Z._ vom 7. Oktober 2019 (act. G 18; act. G 18.1) zu den Akten.
B.g.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1] i.V.m. Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR
831.20] und Art. 2 ATSG). Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche
Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Anspruchs
(ein Viertel, ein Zweitel, drei Viertel, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2 IVG) auswirkt (BGE 134
V 132 E. 3). Ein Revisionsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den
persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 548 E. 7.1). Dazu
gehört namentlich der Gesundheitszustand (vgl. Urteil 9C_896/2011 vom 31. Januar
2012 E. 3.1, in: SVR 2012 IV Nr. 36 S. 140; Urteil 9C_410/2015 vom 13. November
2015 E. 2). Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern es kommt auf die
Auswirkungen der Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit an, wobei in diesem
1.1.
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Zusammenhang in erster Linie dem Befund und dem Schweregrad der Symptomatik
besondere Bedeutung zukommt (vgl. Urteil 9C_634/2015 vom 15. März 2016 E. 6.1 mit
Hinweisen; BGE 136 V 281 E. 3.2.1). Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu berücksichtigen, sobald sie
ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich
weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]). Bei gegebenem Revisionsgrund ist der Rentenanspruch gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3
und E. 6.1; Urteil vom 5. Dezember 2012, 9C_427/2012, E. 3.4).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.2.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
1.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/25
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2.
Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung bildet das Gutachten des S._
vom 2. Oktober 2015 (IV-act. 126 f.) samt Ergänzung des orthopädischen Gutachters
vom 18. April 2017 (IV-act. 175-2 ff.). Der psychiatrische Gutachter hob die
Inkonsistenz zwischen den präsentierten und den observierten Defiziten ausdrücklich
hervor (IV-act. 126-17, 21), so dass vorab die Verwertbarkeit der
Observationsergebnisse zu prüfen ist.
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
Zur Verwertbarkeit von ohne genügend bestimmte gesetzliche Grundlage
erhobenem Observationsmaterial hielt das Bundesgericht in einem Leitentscheid vom
14. Juli 2017 mit Blick auf das Urteil 61838/10 des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) vom 18. Oktober 2016 (endgültig am 18. Januar 2017) fest,
diese sei in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren grundsätzlich zulässig, es sei
denn, bei einer Abwägung der tangierten öffentlichen und privaten Interessen
überwögen letztere. Videoaufnahmen, die im Rahmen einer unrechtmässigen
Observation erhoben worden seien, seien verwertbar, solange Handlungen der
versicherten Person aufgezeichnet würden, die sie aus eigenem Antrieb und ohne
äussere Beeinflussung gemacht habe, und ihr keine Falle gestellt worden sei. Ein
Verwertungsverbot gelte betreffend Handlungen im nicht öffentlich frei einsehbaren
Raum (BGE 143 I 385 ff. E. 5; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Mai 2019,
8C_837/2018, E. 5.1, vom 22. Oktober 2018, 9C_908/2017/ 9C_3/2018, E. 5.2, und
vom 20. Oktober 2017, 8C_305/2017, E. 4.2).
2.1.
Das hiesige Versicherungsgericht hat mit Entscheid vom 17. Februar 2020, IV
2017/312, E. 2.3 festgehalten, dass das Bundesgericht im Urteil vom 16. Dezember
2019, 9C_308/2019, E. 2.2 zwar unabhängig von der objektiven Gebotenheit der
Observation von einer Verwertbarkeit von deren Ergebnissen ausgegangen sei. Das
Bundesgericht beziehe sich auf das Urteil 8C_244/2019 vom 4. Juli 2019, E. 4, welches
wiederum auf das Urteil vom 8. Februar 2019, vereinigte Verfahren 9C_561/2018 und
9C_631/2018, verweise. In letzterem sei jedoch die Frage des Anfangsverdachts nicht
entscheidend gewesen, da die IV-Stelle dort Unterlagen der Vorsorgeeinrichtung
beigezogen hätte, welche die Überwachung ihrerseits mit der "unklaren medizinischen
und sozialen Situation" begründet hätte. Sei ein genügender Anfangsverdacht nicht
durch einen anderen Versicherungszweig ausgewiesen, sei das Vorliegen eines
2.2.
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Anfangsverdachts betreffend die Frage der Verwertbarkeit der unbestritten rechtswidrig
erlangten Observationsergebnisse zu prüfen.
Eine Observation ist objektiv geboten, wenn konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die
Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend
gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte können
beispielsweise gegeben sein bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person
oder wenn Zweifel an der Redlichkeit derselben bestehen (eventuell durch Angaben
und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung und Ähnlichem (Urteil
des Bundesgerichts vom 30. November 2018, 8C_634/2018, E. 5.2, mit weiteren
Verweisen).
2.3.
Bezüglich Anfangsverdachts fällt auf, dass der Beschwerdeführer am 3. Mai 2013
Angaben machte, welche die von Dr. L._ attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit in
Frage stellten, so etwa bezüglich Autofahren, Benutzung des öffentlichen Verkehrs, der
Pflege üblicher Kontakte und des Scheiterns der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
lediglich weil er nicht wisse, welche (IV-act. 87). Ob bzw. dass er die Frage nach den
Kontakten falsch verstanden haben soll (vgl. IV-act. 111-7), ist, da er dies erst nach
Durchführung der Observation vorbrachte, für deren objektive Gebotenheit nicht
massgebend. Zudem erscheint eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der von
Dr. L._ im Verlaufsbericht vom 22. August 2013 festgehaltenen Diagnosen einer
mittelgradigen depressiven Episode und einer ängstlichen Persönlichkeitsstörung nicht
ohne weiteres nachvollziehbar (vgl. IV-act. 95). Hinzu kommt der am 18. September
2013 entgegengenommene anonyme Hinweis (IV-act. 97 f.). Auch wenn eine
vorgängige Überprüfung vor allem hinsichtlich allfälliger sachfremder Motive des
Hinweisgebers nicht möglich war und der Inhalt des Hinweises fraglich erscheinen
lässt, ob sämtliche Aussagen des Hinweisgebers unmittelbar auf eigenen
Wahrnehmungen beruhten, kommt ihm ein gewisses Gewicht zu. Dass Reisen ins
Ausland oder eine Arbeitstätigkeit in besagter Garage während der Observation nicht
beobachtet wurden und das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Rachemotiv
des Hinweisgebers (act. G 1-3) vermögen daran nichts zu ändern, da es sich auch
hierbei erst um nachträglich hinzugekommene Aspekte handelt. Damit war die
Observation objektiv geboten. Sie fand ausschliesslich an öffentlich zugänglichen bzw.
von dort einsehbaren Orten statt und war auch in zeitlicher Hinsicht verhältnismässig
(vgl. als Richtlinie den seit 1. Oktober 2019 geltenden Art. 43a Abs. 5 Satz 1 ATSG,
wonach die Observation an höchstens 30 Tagen innerhalb von sechs Monaten ab dem
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/25
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3.
Zu prüfen ist somit, ob das Gutachten beweistauglich ist bzw. ob auf die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit der Gutachter abgestellt werden kann.
ersten Observationstag erfolgen darf). Mithin ist das Observationsmaterial vorliegend
verwertbar.
Der Beschwerdeführer beklagte aktuell und seit dem Unfall massive Schmerzen im
linken Bein und Fuss, auch am ganzen Körper. Auf der visuellen Analogskala (VAS)
betrage die Schmerzintensität 8 bis 10/10 (IV-act. 127-9 f.). Zu Fuss könne er nicht
einmal die Strecke von 100 m zurücklegen, das Bein "blockiere" (IV-act. 126-10). Des
weiteren leide er unter massiven Konzentrations- und Gedächtnisstörungen (IV-
act. 127-12). Er sei durch den Unfall traumatisiert, reagiere schreckhaft, wenn er eine
Blaulichtsirene höre. Er kenne Zustände, als ob er im Wachzustand mit jemandem
rede, dabei gingen ihm bestimmte Gedanken durch den Kopf. Der Antrieb sei
vermindert, er habe wenig Energie, könne gar nichts mehr geniessen. Er spüre eine
innere Leere und Schwere, sei bisweilen auch unruhig (IV-act. 126-10). Er sei einsam,
es fehlten soziale Kontakte. Zu Freizeitbeschäftigungen oder Hobbys könne er keine
Angaben machen. Nach dem Frühstück gehe er alleine spazieren und treffe manchmal
Bekannte zum Kaffee (IV-act. 126-10 f.; IV-act. 127-11).
3.1.
3.2.
Das MR des Rückfusses links vom 18. Dezember 2015 ergab einen unauffälligen
Gelenksbefund von OSG und USG ohne Hinweis auf eine posttraumatische,
osteochondrale Läsion, leichte narbige Veränderungen des fibulokalkanearen und
posterioren fibulotalaren Ligamentes sowie eine intramurale Partialläsion der
Peronaeus brevis Sehne (IV-act. 167-4 f.). Die Skelettszintigraphie bzw. das CT vom
gleichen Tag zeigte einen unauffälligen Befund bei Status nach Femurfraktur links ohne
Hinweise auf Pseudoarthrose, eine fokale Mehraktivität im Gleitlager der Patella, leichte
Überlastungszeichen im medialen, femorotibialen Kompartiment links ohne fassbare
Pathologie, eine leichtgradig aktivierte Degeneration im medialen Abschnitt des OSG
links, eine nicht aktive, stiftförmige Verknöcherung im Bereich des lateralen
Kapselbandapparates im Rückfuss (Korrelat zum Röntgenbild) sowie eine leicht
aktivierte Degeneration der Lisfranc Gelenke 4 und 5 links (Bericht vom 22. Dezember
2015, IV-act. 146). Sodann verwies der Rheumatologe Dr. Y._ im Bericht vom
7. Februar 2016 auf ein Arthro-MRI des linken Hüftgelenkes vom 22. Januar 2016,
wonach nebst einer beginnenden Coxarthrose eine Offsetstörung und ein Einriss in der
3.2.1.
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Basis des anterioren Labrums vorliegen würden (IV-act. 154-10). Er führte dazu aus,
dieser Befund stimme sehr gut mit den beklagten linksseitigen Hüftbeschwerden sowie
den klinischen Beschwerden überein. Die Beschwerden seien nicht nur klinisch
objektivierbar, sie korrelierten (auch) mit (früheren) radiologischen Befunden (IV-
act. 154-10). Der Orthopäde Dr. Z._ äusserte sich am 11. Januar 2016 zu den
Befunden vom 18. Dezember 2015, es bestünden bei gut geheilten Frakturen von Tibia
und Femur immer noch etwas Knochenumbau sowie ein Überdruck im Patellagleitlager
(Trochlea) und im medialen Kompartiment. Diese Befunde erklärten die angegebenen
Beschwerden teilweise, nicht aber die Notwendigkeit der Benutzung eines Stockes.
Eine angepasste, wahlweise stehend oder sitzend auszuführende Arbeit sei mindestens
halbtags zuzumuten (IV-act. 141). Im Bericht vom 7. Oktober 2019 führte er aus, im
Röntgenbefund vom 21. September 2019 finde sich hinsichtlich des linken Fusses kein
relevanter pathologischer Befund und im linken Knie keine Zeichen einer schweren
Degeneration. Aufgrund aller Befunde könne in leichter Arbeit ohne häufiges Gehen
und Stehen noch eine Leistung von 50 % zugemutet werden (act. G 18.1). Der
Neurologe Dr. V._ erklärte in seinem Bericht vom 2. Dezember 2015, die
Beschwerden im linken Bein seien Folge der erlittenen Frakturen, mit teilweiser
Defektheilung. Gemäss früheren Berichten bestehe eine Deformierung des
Schenkelhalses links. Eine Defektheilung dürfte aufgrund der eingeschränkten Fuss-
und Zehenheberfunktion links auch am linken Fussgelenk bestehen. Durch die
veränderte Gehstatik sei es zu einer Überlastung des rechten Beines gekommen, mit
der Folge von Knieschmerzen rechts. Unter weiterer Berücksichtigung eines cervico-
cephalen Schmerzsyndroms mit schmerzbedingter Bewegungseinschränkung der
HWS mit palpatorisch verdickter und druckdolenter Nacken- und Schultermuskulatur
und von berichteten Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten als
wahrscheinliche Folge einer beim Unfall erlittenen Commotio cerebri erachtete er dem
Versicherten keine Erwerbstätigkeit zumutbar (IV-act. 137-11 ff.). Am 18. September
2019 hielt er fest, Beweglichkeit und Palpationsbefund der Halswirbelsäule hätten sich
verschlechtert. Die Hypästhesien im linken Bein und die mässig ausgeprägte Fuss- und
Zehenheberschwäche links seien direkte Folgen des Logensyndroms. Eine
Arbeitsfähigkeit sei aufgrund des Beschwerdebildes nicht gegeben und dürfte auch in
einer angepassten Tätigkeit 30 % nicht überschreiten (act. G 16.1).
Der orthopädische Gutachter hielt fest, gemäss Röntgenbefunden vom
3. Februar 2015 (vgl. IV-act. 127-15 f.) liege bezüglich der Schenkelhals- und
Oberschenkelfraktur ein hervorragendes operatives Ergebnis vor. Bis auf eine leicht
vermehrte Sklerosierung am Pfannenrand sei die Fraktur vollkommen folgenlos
3.2.2.
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ausgeheilt (IV-act. 127-15). Die Schenkelhals- und Tibiakopfabscherfraktur seien
knöchern hervorragend ausgeheilt. Sowohl an der Hüfte als auch am Kniegelenk sei
derzeit keine Arthrose nachweisbar. Es bestünden im Vergleich zur Gegenseite keine
massiv vermehrten degenerativen Veränderungen (IV-act. 127-17). Bei der
Innenrotation der linken Hüfte gebe der Versicherte einen Endphasenschmerz an.
Weiter bestünden Schmerzen und Druckschmerzen am Adduktorenansatz links. Es
zeigten sich leichte Instabilitäten am linken Kniegelenk (IV-act. 127-14). Gemäss der
körperlichen und radiologischen Untersuchung bestehe eine sehr geringe
Funktionseinschränkung (IV-act. 127-17). In Kenntnis der neuen bildgebenden Befunde
vom 18. Dezember 2015 und des Berichts von Dr. Y._ vom 7. Februar 2016 mit
Wiedergabe des Arthro-MRI-Befundes vom 22. Januar 2016 (dem Gutachter wurde
das aktuelle IV-Dossier zugestellt, vgl. IV-act. 172) nahm der Gutachter am 18. April
2017 Stellung. Er bezog sich zunächst zustimmend auf die Beurteilung von Dr. O._
vom 24. Mai 2016. Die IV-Ärztin hatte sich zum Bericht von Dr. Y._ vom 7. Februar
2016 wie folgt geäussert: Die Diagnose eines femoroacetabulären Impingements sei
nun durch das Arthro-MRI bestätigt. Sie liefere eine schlüssige und radiologisch
belegte Erklärung für die bereits im Januar 2015 vom Rheumatologen festgehaltenen
und im Gutachten diskutierten Einschränkungen im Bereich der linken Hüfte. Diese sei
schlüssig und nachvollziehbar. Das Ausmass der funktionellen Einschränkungen durch
diese Diagnose beruhe (indes) einzig auf den subjektiven Angaben des Versicherten. Im
Gegensatz dazu stütze der orthopädische Gutachter seine Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit weniger auf das subjektiv vorgetragene Ausmass der Beschwerden,
welches nicht im Einklang mit gewissen objektiven Befunden stehe, ab. Die Diskrepanz
der Einschätzungen sei durch den unterschiedlichen Informationsstand und die
unterschiedliche Funktion der beiden Ärzte begründet (IV-act. 156-4 f., 7). Der
Gutachter fuhr fort, rein radiologisch seien alle Frakturen vollständig ausgeheilt. Die
vorhandenen Verletzungen seien rein klinisch nicht mehr festzustellen gewesen. Die im
CT dargestellten Mehranreicherungen deuteten auf eine beginnende Arthrose am linken
Femur, am Kniegelenk und auf Höhe des Fibulaköpfchens. Rein radiologisch hätten sie
jedoch nur am linken Hüftgelenk dargestellt werden können. Im SPECT-CT und in der
Skelettszintigraphie ergebe sich kein Hinweis, das es sich um eine aktivierte Arthrose
oder um massiv degenerative Veränderungen handle. Es seien auch keine
Pseudoarthrosen-Hinweiszeichen gefunden worden. Wie aus dem Gutachten
hervorgehe, habe er bis auf endphasige Bewegungseinschränkungen am Hüftgelenk
keinerlei funktionelle Einschränkungen gefunden. Die Beweglichkeit der Hüfte habe
sich im Zeitpunkt der Untersuchung von Dr. Z._ eher verbessert gezeigt (IV-
act. 175-2 f.).
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Der orthopädische Gutachter hob sodann verschiedene Inkonsistenzen hervor:
Der Beschwerdeführer habe zur Art und zum Verlauf der Schmerzen keine Angaben
machen können (IV-act. 127-9). Beim An- und Auskleiden hätten das linke Hüft- und
Kniegelenk keine Bewegungseinschränkungen gezeigt (IV-act. 127-12). Die vom
Versicherten berichteten, nicht direkt beobachteten Beschwerden und präsentierten
Symptome seien in sich nicht konsistent. Aufgrund der klinischen und radiologischen
Untersuchungen bestünden massive Widersprüche zwischen den Beschwerden, die
der Beschwerdeführer angebe, und den erhobenen subjektiven und objektiven
Befunden (IV-act. 127-16 f.). Auffallend sei eine sehr gut ausgebildete Muskulatur am
gesamten linken Bein und an der gesamten Wirbelsäule. Aufgrund derer sei nicht
nachzuvollziehen, inwieweit der Versicherte das linke Bein in letzter Zeit geschont
habe. Es sei eher anzunehmen, dass hier eine volle Belastung stattgefunden habe (IV-
act. 127-18). In Anbetracht dieser Unstimmigkeiten leuchtet ein, dass Dr. O._ die
unterschiedliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die behandelnden bzw. den
Beschwerdeführer konsiliarisch untersuchenden Ärzte einerseits und durch den
orthopädischen Gutachter andererseits darauf zurückführt, dass erstere nicht über die
gesamte Aktenkenntnis verfügten und eine andere Aufgabe und damit Optik
einnehmen als der Gutachter (Stellungnahmen Dr. O._ vom 21. Januar 2016, IV-
act. 142-6, und vom 24. Mai 2016, IV-act. 156-7 f.). Auf das orthopädische
Teilgutachten kann daher abgestellt werden.
3.2.3.
Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, er hätte auch neurologisch und
rheumatologisch begutachtet werden müssen. Dr. V._ geht anamnestisch von einer
beim Unfall 1999 erlittenen Commotio cerebri mit einer mindestens halbstündigen
Bewusstlosigkeit aus (IV-act. 137-11) und erklärt damit zumindest die beklagten
Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten des Beschwerdeführers (IV-
act. 137-13). Demgegenüber ist im echtzeitlichen Bericht des Regionalspitals B._
vom 20. Dezember 1999 vermerkt, dass der Beschwerdeführer allzeit ansprechbar
gewesen sei und adäquat reagiert habe (IV-act. 10-77). Auch die Austrittsberichte der
Rehaklinik Bellikon vom 30. Oktober 2000 (IV-act. 10-45 ff.) und vom 25. April 2001 (IV-
act. 10-14 ff.) erwähnten keine kognitive, sondern eine affektive Problematik. Anlässlich
der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. E._ beklagte der Beschwerdeführer eine
leichte Abnahme der Konzentration "in letzter Zeit", ohne dass ein entsprechender
Befund erhoben wurde (psychiatrisches Teilgutachten vom 11. Dezember 2001, IV-
act. 27-21, 23). Gemäss neurologischem Teilgutachten zuhanden der SUVA vom
23. Dezember 2002 wurden ebenfalls keine kognitiven Beschwerden angegeben oder
erhoben und es fanden sich keine Anhaltspunkte für eine post-traumatische
3.2.4.
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neurologische Läsion (IV-act. 36-19 f., 22 f.). Auch im psychiatrischen Gutachten von
Dr. K._ vom 19. März 2003 waren kognitive Beeinträchtigungen nicht Thema (IV-
act. 34-8 ff.). Dr. L._ berichtete am 4. Mai 2005 und am 22. August 2013 über
Beeinträchtigungen der Auffassung und Konzentration (IV-act. 75-9 ff.; IV-act. 95). Im
Aufnahmegespräch in der psychiatrischen Klinik Ba._ waren Aufmerksamkeit,
Konzentration und Kurzzeitgedächtnis leichtgradig beeinträchtigt (Austrittsbericht vom
26. Juli 2016, act. G 1.9-2 f.). Schliesslich ist im Bericht von Dr. L._ vom 6. November
2018 ebenfalls nicht mehr von erheblichen kognitiven Einschränkungen die Rede
(act. G 14.1). Die von Dr. V._ als dringend bezeichnete neuropsychologische
Untersuchung (Bericht vom 2. Dezember 2015, IV-act. 137-11 ff.) wurde offenbar nicht
durchgeführt. Der psychiatrische Gutachter hielt hierzu fest, kognitiv-mnestisch
erscheine der Beschwerdeführer subjektiv (zwar) stark defizitär, (jedoch) sei die
Mitwirkung als vermindert zu betrachten. Er habe angegeben, die Fragen nicht zu
verstehen oder beantworten zu können (IV-act. 126-13 f.). Somit hatte auch der
psychiatrische Gutachter keinen Anlass für weitere neuropsychologische Abklärungen.
Dr. V._ führt die Schmerzen am linken Bein auf keine dem neurologischen Fachgebiet
zuzuordnende Ursache zurück. Als Grund für die Beinschmerzen nennt er
Defektheilungen, welche wohl dem orthopädischen Fachgebiet zuzuordnen wären und
aus dessen Sicht aber gerade verneint werden (vgl. IV-act. 137). Der Rheumatologe
Dr. Y._ beschäftigt sich mit den bildgebenden Befunden. Eine entzündliche bzw.
rheumatische Ursache der Beschwerden erwähnt er nicht. Somit kann aufgrund der
vorliegenden Akten davon ausgegangen werden, dass eine rheumatologische,
neurologische oder neuropsychologische Beurteilung für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung keine weiteren Erkenntnisse gebracht hätte. Die Berichte
von Dr. Y._ und Dr. V._ vermögen das orthopädische Gutachten nicht in Frage zu
stellen.
3.3.
Dr. L._ stufte in seinem Bericht vom 27. Januar 2015 die vordiagnostizierte
depressive Episode als mittelgradig bis schwer ein (ICD-10: F33.11/33.2), erwähnte
zusätzlich die Diagnose einer Panikstörung (ICD-10: F41.0) und bestätigte die früheren
Diagnosen einer ängstlichen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6) und eines
Zustands nach einem schweren Autounfall mit intensiven körperlichen Beschwerden
am 16. November 1999. Er führte an, der Beschwerdeführer leide unter
Minderwertigkeits-, Versagens- und Schuldgefühlen gegenüber seiner Familie und
habe sich deswegen zunehmend zurückgezogen. Trotz der schon lange andauernden
Behandlung habe sich das Krankheitsbild nicht verändert. Nach wie vor sei der
3.3.1.
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Versicherte sehr niedergeschlagen, innerlich angespannt, ängstlich und selbstunsicher,
im Antrieb vermindert und habe in letzter Zeit häufig Panikattacken. Er bestätigte eine
volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 137-14 f.).
Zu den Diagnosen von Dr. L._ äusserte sich der psychiatrische Gutachter wie
folgt: Der Beschwerdeführer habe sich in der Untersuchung (am 19. Februar 2015)
nicht deprimiert, sondern punktuell allenfalls leichtgradig gereizt, dysphorisch und
psychomotorisch intakt präsentiert. Im Gespräch sei er sogar aktiver geworden, wobei
bei einer relevanten depressiven Symptomatik eine umgekehrte Dynamik zu erwarten
gewesen wäre. Die vom behandelnden Psychiater erwähnte sehr labile Stimmung sei in
der Untersuchung nicht zum Vorschein gekommen. Der Beschwerdeführer habe
angegeben, im Selbstwertgefühl nicht beeinträchtigt zu sein, während der behandelnde
Psychiater Minderwertigkeits-, Versagens- und Schuldgefühle gegenüber der Familie
beschrieben habe (IV-act. 126-14). Weder in der Untersuchung noch in den
Videoabschnitten habe er niedergeschlagen, ängstlich oder selbstunsicher gewirkt.
Eine Verminderung des Antriebs habe sich nicht feststellen lassen. Zu Schlafproblemen
habe er in der Untersuchung nichts Konklusives angegeben. Eine intensive depressive
Verstimmung, wie im Bericht des behandelnden Psychiaters geschildert, sei in der
aktuellen Untersuchung nicht zum Vorschein gekommen, was bei Vorliegen einer
persistierenden mittelgradigen bis schweren depressiven Episode unweigerlich der Fall
gewesen wäre. Der Gutachter diagnostizierte folglich gestützt auf seinen
Untersuchungsbefund und die Observationsakten die depressive Episode als remittiert
(ICD-10: F32.4; IV-act. 126-14 f.). Weiter hielt er fest, Symptome einer Panikstörung
seien weder spontan noch auf Befragung hin geschildert worden (IV-act. 126-15). Die
Diagnose einer ängstlichen Persönlichkeitsstörung könne nicht bestätigt werden, da
die Eingangskriterien einer Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 nicht gegeben
seien. Dr. L._ begründe diese Diagnose nicht (IV-act. 126-15 f.). Der Gutachter
konnte somit die vom Beschwerdeführer geklagten Symptome nicht den von Dr. L._
gestellten Diagnosen zuordnen.
3.3.2.
Sodann wurden auch im psychiatrischen Gutachten verschiedene
Unstimmigkeiten aufgezeigt: Eine Schmerzmimik habe der Beschwerdeführer
ausschliesslich bei bewusst konfrontativ gestalteten Abschnitten des Gesprächs
gezeigt (IV-act. 126-14). Die Angaben über die soziale Isoliertheit deckten sich nicht mit
Ergebnissen der Observation. Dass sich das Krankheitsbild trotz langer Behandlung
nicht verändert habe, lasse sich nicht nachvollziehen. Auffällig sei, dass die Angaben in
der aktuellen Untersuchung um einiges weniger differenziert gewesen seien als
diejenigen im Bericht des behandelnden Psychiaters. Der Beschwerdeführer habe
3.3.3.
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(jedoch) nach Observation und Intervention der IV nur noch die Möglichkeit gehabt,
Symptome, die nach seiner eigenen Vorstellung eine schwer psychisch kranke Person
zu beklagen habe, anzugeben. Diese Hypothese erkläre das vorliegende Bild mühelos
(IV-act. 126-15). Das observierte Verhalten stehe in erheblichem Widerspruch zu den
durch den behandelnden Psychiater während Jahren uniform attestierten Defiziten. Die
von Dr. L._ erwähnten zehn Termine innerhalb von eineinhalb Jahren (vgl. IV-act. 95)
entsprächen nicht einer intensiven Behandlung eines therapieresistenten depressiven
Syndroms. Das Kriterium der Diskrepanz zwischen der Schwere der beklagten
Symptomatik und der Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe sei eindeutig erfüllt (IV-
act. 126-16). Der Gutachter kam zum Schluss, dass direkte Anhaltspunkte für
Malingering zwar fehlten (IV-act. 126-15), der Beschwerdeführer jedoch die meisten
Kriterien für Malingering nach Foerster und Weig erfülle (IV-act. 126-17, 21).
Hinsichtlich der Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen lägen starke Widersprüche zwischen dem aufgezeichneten Verhalten
des Beschwerdeführers und seinen eigenen Angaben vor (IV-act. 16-18). Der
Beschwerdeführer selber habe sich in den Beschwerden sowie in seinem Verhalten
während der ärztlichen Untersuchungen, aber auch während des Standortgesprächs in
der IV-Stelle mit wesentlich mehr Defiziten präsentiert als in den Observationen, wo er
sich unbeobachtet geglaubt habe. Insbesondere habe er aktuell (auch) nicht das ihm
vom behandelnden Psychiater attestierte Bild präsentiert. Nehme man an, dass sich
der Beschwerdeführer während jeweiligen ärztlichen Konsultationen entsprechend
seinem subjektiven Krankheitskonzept verhalten habe, so könne das unter
Berücksichtigung sämtlicher Quellen entstandene Bild mühelos erklärt werden. Habe
bei der versicherungspsychiatrischen Begutachtung im Jahre 2003 noch ein
psychopathologischer Befund erhoben werden können ohne relevanten Diskrepanzen
zwischen den objektivierbaren Teilen der subjektiven Beschwerden, sei dies aktuell
nicht mehr der Fall. Insofern sei eine relevante, in der Zwischenzeit stattgefundene
Verbesserung anzunehmen. Funktionelle Einschränkungen liessen sich nicht mehr
feststellen und es könne auf psychiatrischem Gebiet keine Diagnose mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit mehr gestellt werden (IV-act. 126-17 f.). Aus psychiatrischer Sicht
sei der Beschwerdeführer spätestens ab Beginn der Observation im Februar 2014 zu
100 % arbeitsfähig (IV-act. 126-19 f.). Ergänzend hierzu fällt auf, dass der
Beschwerdeführer am 3. Mai 2013 angab, sein Gesundheitszustand sei gleich
geblieben. Den Haushalt und die Einkäufe besorge die Ehefrau. Er habe normalen
Kontakt zu Freunden und Verwandten, sei in keinem Verein oder Club Mitglied und
benutze den öffentlichen Verkehr und fahre Auto. Er könnte sich vorstellen und wäre
motiviert, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, wisse aber nicht, was (IV-act. 87).
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Dennoch berichtete Dr. L._ am 22. August 2013, der Beschwerdeführer sei nicht
imstande, eine Erwerbstätigkeit auszuüben (IV-act. 95). Zwar korrigierte der
Beschwerdeführer seine Aussage betreffend Kontakte später, wobei er gleichzeitig
festhielt, seine Tochter habe den Fragebogen ausgefüllt (IV-act. 111-7). Dennoch fällt
auf, dass die Einschätzung von Dr. L._ pessimistischer ist als jene des
Beschwerdeführers selbst, und dass sich der Beschwerdeführer trotz der beklagten
Angst-, Panik- bzw. Flashbackattacken in gewissem Ausmass im Strassenverkehr
bewegen kann und sogar weiterhin Auto fährt.
Dr. L._ überwies den Beschwerdeführer am 3. Februar 2016 erstmals in die
psychiatrische Klinik Ba._ und nannte im Überweisungsbericht die bisherigen
Diagnosen (mittel- bis schwergradige depressive Episode, Panikstörung, ängstliche
Persönlichkeitsstörung; IV-act. 154-3 ff.). Die behandelnden Ärzte der Klinik
diagnostizierten eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) sowie eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) und bescheinigten eine
Arbeitsunfähigkeit für die Dauer des Klinikaufenthaltes. Es wurde unter anderem
festgehalten, der Beschwerdeführer berichte, vor ca. 30 Jahren gesehen zu haben, wie
eine Familie in einem brennenden Auto eingeschlossen gewesen sei. Dies würde ihn
stärker beschäftigen als sein eigener Unfall (act. G 1.9). Bereits im Bericht über das
psychosomatische Konsilium in der Rehaklinik Bellikon vom 8. März 2001 war zu dieser
Thematik Folgendes vermerkt worden: Der Beschwerdeführer habe während rund 10
Minuten das Gespräch mit dem Referierenden stehend ohne Stock führen können,
ohne dabei vegetativ geängstigt zu wirken. Aufgrund der gesamten Befundlage
bezüglich Flashbacks bei der Beschäftigung mit dem verletzten Körperteil sei wenig
wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer aufgrund einer posttraumatischen
Belastungsstörung die Belastung des linken Beins meide. Die Diagnosekriterien einer
posttraumatischen Belastungsstörung seien nicht in genügendem Ausmass erfüllt (IV-
act. 10-20 ff.). Weder die Gutachter Dr. E._ noch Dr. K._ noch der behandelnde
Dr. L._ diagnostizierten im weiteren Verlauf eine posttraumatische Belastungsstörung
oder zogen diese überhaupt in Betracht. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass die
geschilderten Albträume und Flashbacks - auch bezüglich eines früheren miterlebten
Unfallereignisses - die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers massgeblich
beeinträchtigen. Zudem erwähnte Dr. L._ im Überweisungsbericht vom 3. Februar
2016 an die Klinik, Angst und depressive Stimmung hätten sich nicht zuletzt wegen der
Schwierigkeiten mit der IV verstärkt (IV-act. 154-3 ff.). Es ist deshalb auch von einer
vorübergehenden und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten
Verschlechterung auszugehen. Die Ausführungen der Klinik Ba._ vom 26. Juli 2016
3.3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/25
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4.
Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf berufliche Massnahmen hat.
vermögen daher das Gutachten nicht zu entkräften. Dies gilt auch hinsichtlich des
Berichts vom 16. August 2018 über den erneuten Klinikaufenthalt vom 15. Mai bis
11. Juni 2018, zumal die angefochtene Verfügung am 22. März 2018 erlassen wurde
und verständlicherweise erneut zu einer Verschlechterung des psychischen Zustands
geführt haben wird. Gegen das Vorliegen eines insgesamt schwerwiegenden Befundes
spricht auch, dass die stationäre Behandlung nach dem Tod der Mutter des
Beschwerdeführers offenbar abgebrochen und nicht mehr fortgesetzt wurde (vgl.
act. G 6.1).
Zwar ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, dass das Observationsmaterial
nicht auf ein einer vollen Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit entsprechendes
Aktivitätsniveau schliessen lässt. In zusätzlicher Berücksichtigung der beschriebenen
Diskrepanzen zwischen den geklagten Beschwerden einerseits und den klinischen und
bildgebenden Befunden andererseits erscheint aus somatischer Sicht jedoch
nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer eine angepasste leichte Tätigkeit,
insbesondere ohne häufiges Gehen, vollzeitlich ausüben könnte. In Anbetracht der
Intensität der psychiatrischen Behandlung und des Fehlens ausgeprägterer
psychopathologischer Befunde anlässlich der psychiatrischen Begutachtung ist auch
die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters nachvollziehbar. Folglich ist sowohl in
somatischer als auch in psychischer Hinsicht von einer wesentlichen Verbesserung des
Gesundheitszustandes und der Erwerbsfähigkeit spätestens im Zeitpunkt der
Observation auszugehen. Da der Beschwerdeführer in adaptierter Tätigkeit vollständig
arbeitsfähig ist, hat die Beschwerdegegnerin seine Rente zu Recht eingestellt.
3.4.
Nach ständiger Rechtsprechung ist im Regelfall eine medizinisch attestierte
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten.
Bei Versicherten, die bei Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente das 55.
Altersjahr vollendet haben oder die eine Rentenbezugsdauer von mindestens 15 Jahren
aufweisen, ist - von Ausnahmen abgesehen - eine Selbsteingliederung nicht mehr
zumutbar. Ausnahmen im Sinne dieser Rechtsprechung liegen namentlich vor, wenn
die langjährige Abstinenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe
zurückzuführen ist, die versicherte Person besonders agil, gewandt und im
gesellschaftlichen Leben integriert ist oder über besonders breite Ausbildungen und
Berufserfahrungen verfügt (SVR 2015 IV Nr. 41 S. 139, Urteil 9C_183/2015 vom 19.
August 2015 E. 5 mit Hinweisen).
4.1.
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5.