Decision ID: 3757b1f1-3df3-572d-a5d3-1c6dfa5c3e37
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 15.03.2012 Art. 43bis Abs. 1 AHVG und Art. 37 Abs. 1 IVV: Hilflosigkeit mittleren Grades bejaht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. März 2012, AHV-H 2011/3).Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug,a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; a.o. Gerichtsschreiberin Annina BaltisserEntscheid vom 15. März 2012in SachenA._Beschwerdeführerin,vertreten durch B._,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendHilflosenentschädigung zur AHVSachverhalt:
A.
A.a A._, wurde am 11. Mai 2011 durch ihren Schwiegersohn, B._, zum Bezug
einer Hilflosenentschädigung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV)
angemeldet. Dieser gab an, die Versicherte sei in allen massgebenden
Lebensverrichtungen auf Hilfe Dritter angewiesen. Sie müsse seit ca. 2005 zunehmend
und seit mindestens Januar 2009 tagsüber gänzlich überwacht werden (act. G 3.1.43).
Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. C._, Facharzt FMH für Chirurgie, stellte im
Wesentlichen folgende Diagnosen: Koronare Herzkrankheit, Hypertonie, biventrikuläre
Herzinsuffizienz, Status nach Myokardinfarkt ca. 1975, chronische Niereninsuffizienz,
Demenz gemischter Aetiologie, Schwindel, Hypothyreose, Urininkontinenz, S-Skoliose
BWS/LWS, Astigmatismus, Presbyopie und Status nach gamma Nagel wegen
pertrochantärer Femurfraktur rechts am 26. Dezember 2010. Die Angaben zur
Hilflosigkeit in der Anmeldung würden sich mit seinen erhobenen Befunden decken
(act. G 1.47 und 48).
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A.b Im Beiblatt zum Anmeldeformular wiederholte Dr. C._ am 23. Mai 2011 im
Wesentlichen die gestellten Diagnosen und gab als weitere Diagnosen einen Status
nach Linksherzdekompensation 2008 sowie Schwindel an. Die Versicherte sei seit dem
17. November 2008 bei ihm in Behandlung. Die kardialen Probleme könnten durch die
Einnahme der Medikamente verbessert werden, bezüglich der Demenz und der
chronischen Niereninsuffizienz sei eine Verbesserung durch medizinische Massnahmen
nicht anzunehmen. Er habe der Versicherten den Eintritt in ein Pflegeheim empfohlen
(act. G 3.1.48).
A.c Anlässlich der telefonischen Abklärung vom 20. Juni 2011 gab die Tochter der
Versicherten an, die Versicherte sei in den Bereichen Ankleiden/Auskleiden,
Körperpflege sowie Fortbewegung auf Hilfe angewiesen. Der entsprechende Bericht
wurde von der Tochter am 29. Juni 2011 unterschrieben. Dabei nahm sie Änderungen
vor und bejahte die regelmässige Hilfsbedürftigkeit in den Bereichen Essen und
Verrichten der Notdurft sowie den Bedarf der ständigen persönlichen Überwachung
tagsüber und nachts (act. G 1.8; 3.1.52). Auf telefonische Nachfrage vom 1. Juli 2011
hin gab die Tochter weiter an, die Versicherte benötige beim Essen ab und zu
Unterstützung, weshalb sie die Hilfsbedürftigkeit beim Essen bejaht habe. Im
Zusammenhang mit der Überwachung habe sie deren Bedarf bejaht, da die meiste Zeit
jemand bei der Versicherten sei. Sie könne jedoch zwei bis drei Stunden alleine
gelassen werden (act. G 1.7; 3.1.50).
A.d Mit Verfügung vom 6. Juli 2011 sprach die Ausgleichskasse der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) eine Hilflosenentschädigung
entsprechend einer Hilflosigkeit leichten Grades mit Wirkung ab 1. Januar 2011 zu
(act. G 1.6: 3.1.55, 53).
A.e Gegen diese Verfügung vom 6. Juli 2011 liess die Versicherte durch ihren
Vertreter am 12. August 2011 Einsprache erheben und die Aufhebung der Verfügung
und die Zusprache einer Hilflosenentschädigung mindestens mittleren Grades
beantragen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, die Versicherte sei in
allen sechs Lebensbereichen auf regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen. Die
Versicherte wäre zudem auf 24-stündige Überwachung angewiesen, da sie
Schwindelanfälle habe. Sie werde tagsüber nur selten für kurze Zeit alleine im Haus
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gelassen. Nachts werde sie nicht überwacht, sie sei jedoch im Dezember 2010 in der
Nacht gestürzt und habe wegen eines Hüftbruchs hospitalisiert werden müssen
(act. G 1.5; 3.1.62).
A.f In der Folge ersetzte die SVA am 6. September 2011 die Verfügung vom 6. Juli
2011 und sprach der Versicherten mit Wirkung ab 1. Januar 2011 eine
Hilflosenentschädigung entsprechend einer Hilflosigkeit leichten Grades und ab 1. April
2011 eine Hilflosenentschädigung entsprechend einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu
(act. 3.1.70). Zur Begründung führte sie an, die Versicherte benötige seit Oktober 2010
in drei der sechs massgebenden Lebensverrichtungen regelmässige und erhebliche
Hilfe. Gemäss neueren Angaben sei ab Januar 2011 die Hilfsbedürftigkeit in einer
weiteren Lebensverrichtung ausgewiesen (act. G 1.4; 3.1.68-2/3).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 6. September 2011 erhob der Vertreter der
Versicherten am 22. September 2011 erneut Einsprache und beantragte die Aufhebung
der Verfügung und die Zusprache einer Hilflosenentschädigung entsprechend einer
Hilflosigkeit mindestens mittelschweren Grades mit Wirkung ab Anfang 2009. Dabei
wurde im Wesentlichen auf die Begründung in Rahmen der Einsprache vom 12. August
2011 verwiesen. Die Versicherte sei seit mindestens Anfang 2009 und nicht erst seit
Oktober 2010 in vier der sechs Lebensverrichtungen auf erhebliche Hilfe angewiesen.
Zudem bedürfe sie auch im Lebensbereich Essen seit Jahren der regelmässigen Hilfe
und müsse, entgegen den unklaren Angaben der Tochter, seit mindestens 2009
tagsüber ständig überwacht werden (act. G 1.2; 3.2.12).
B.b Am 24. Oktober 2011 teilte der Vertreter mit, die Versicherte habe infolge ihrer
Demenz und nun vollständiger Hilflosigkeit am 14. Oktober 2011 ins Alters- und
Pflegeheim eingewiesen werden müssen (nicht num. Aktenstück zwischen
act. G 3.2.13 und act. G 3.2.14).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 10. November 2011 wies die SVA die Einsprache
ab. Da gestützt auf die Gesetzesänderung erst ab dem Januar 2011 eine
Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades ausgerichtet werde, sei
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der Beginn auf den 1. Januar 2011 angesetzt worden. Die Verschlechterung in der
Lebensverrichtung Notdurft sei unter Berücksichtigung der Revisionsbestimmungen
nach drei Monaten anerkannt worden. In der Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/
Abliegen sei die Versicherte gemäss eigenen Angaben erst seit dem Sturz im
September 2011 völlig hilflos, davor habe sie lediglich in den ersten Monaten nach dem
Hüftbruch Hilfe benötigt. Da die Verfügung Anfang September erlassen worden sei, sei
eine Verschlechterung infolge des Sturzes im September als Revisionsgesuch
entgegenzunehmen. Bezüglich der Lebensverrichtung Essen könne keine regelmässige
und dauernde Hilfe Dritter angenommen werden, da es der Versicherten noch möglich
sei, selbst zu essen und ihr nur ab und zu geholfen werden müsse. Schliesslich könne
eine Überwachungsbedürftigkeit nicht angenommen werden, da davon ausgegangen
werden könne, dass die Versicherte tagsüber nicht permanent überwacht werden
müsse (act. G 1.1).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid vom 10. November 2011 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 22. November 2011. Der Vertreter der
Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheides und die
Zusprache einer Hilflosenentschädigung entsprechend einer Hilflosigkeit mittleren oder
schweren Grades mit Wirkung ab 1. Januar 2010. Zur Begründung wird im
Wesentlichen auf die Einsprachen vom 12. August 2011 (act. G 1.5) und 22. September
2011 (act. G 1.2) verwiesen. Der Einspracheentscheid berücksichtige die Aussagen des
Vertreters in keiner Weise, sondern stütze sich lediglich auf die unklaren und
widersprüchlichen Angaben der Tochter der Beschwerdeführerin, welche den Eintritt in
ein Pflegeheim verhindern wolle, da sie fürchte, die Mutter werde dort ungenügend
betreut. Die Beschwerdeführerin sei im Lebensbereich Verrichten der Notdurft seit
mindestens Anfang 2010 eingeschränkt. In der Lebensverrichtung Essen müsse man
ihr seit langer Zeit schon massiv und zeitaufwendig täglich helfen. Die
Beschwerdeführerin sei zwar körperlich in der Lage, alleine abzusitzen, aufzustehen
und sich hinzulegen, aufgrund von Schwindelanfällen und Orientierungslosigkeit
benötige sie dabei aber Hilfe. Diese Schwindelfälle und Orientierungslosigkeit hätten
zusammen mit Wahnvorstellungen dazu geführt, dass die Beschwerdeführerin seit
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mehreren Jahren stark überwachungsbedürftig sei. Nur so könne verhindert werden,
dass sie sich nicht selbst gefährde (act. G 1).
C.b Mit Schreiben vom 15. Dezember 2011 verzichtet die Beschwerdegegnerin
sinngemäss auf eine Beschwerdeantwort (act. G 3).
D.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2012 teilt die Beschwerdegegnerin – unter Beilage der
Verfügung vom 20. Januar 2012 – mit, dass der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab
1. Januar 2012 eine Entschädigung bei schwerer Hilflosigkeit ausgerichtet werde (act.
G 5). Der Vertreter der Beschwerdeführerin hat auf Einsicht in die zusätzlich
beigezogenen Akten (act. G 7, 8) verzichtet.

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung haben Bezüger von Altersrenten oder
Ergänzungsleistungen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die
in schwerem, mittlerem oder leichtem Grad hilflos sind (Art. 43 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10] in
der seit Januar 2011 gültigen Fassung). Bis zum 31. Dezember 2010 wurde an Bezüger
und Bezügerinnen einer Altersrente eine Hilflosenentschädigung erst bei Vorliegen einer
Hilflosigkeit mittleren Grades ausgerichtet, wobei die Hilflosigkeit ununterbrochen
während mindestens eines Jahres bestanden haben musste (Art. 43 Abs. 1 und 2
AHVG, in der bis 31. Dezember 2010 gültig gewesenen Fassung). Als hilflos gilt nach
Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) eine Person, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für
alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Über
wachung bedarf.
2.
bis
bis
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2.1 Mit Entscheid vom 10. November 2011 hatte die Beschwerdegegnerin die
Einsprache der Beschwerdeführerin gegen die Verfügung vom 6. September 2011
abgewiesen. Streitig ist vorliegend insbesondere der Grad der Hilflosigkeit sowie der
Beginn des Anspruchs der Hilflosenentschädigung. Die Beschwerdegegnerin hatte
einen Anspruch auf Entschädigung für leichte ab 1. Januar 2011 und für mittlere
Hilflosigkeit ab 1. April 2011 anerkannt.
2.2 Für die Bemessung der Hilflosigkeit sind nach Art. 43 Abs. 5 AHVG die
Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; 831.20)
sinngemäss anwendbar. Gemäss Art. 37 Abs. 1 der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV; SR 831.201) gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte
Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen
ist und überdies der dauernden Pflege oder persönlichen Überwachung bedarf. Als
mittelschwer ist die Hilflosigkeit nach Art. 37 Abs. 2 IVV zu betrachten, wenn die
versicherte Person trotz Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen
ist (lit. a) oder wenn sie in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer
dauernden persönlichen Überwachung bedarf (lit. b). Die Hilflosigkeit gilt nach Art. 37
Abs. 3 IVV als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a), einer dauernden persönlichen Überwachung
bedarf (lit. b), einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders
aufwendigen Pflege bedarf (lit. c) oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder
eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher
Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (lit. d).
2.3 Praxisgemäss betreffen die massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen
folgende sechs Bereiche: An- und Auskleiden, Auf-stehen/Absitzen/Abliegen, Essen,
Körperpflege, Verrichten der Notdurft und Fortbewegung (BGE 121 V 90 E. 3a; Rz 8010
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Kreisschreibens über
Invalidität und Hilflosigkeit [KSIH]). Eine dauernde persönliche Überwachung liegt vor,
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wenn eine Drittperson mit kleineren Unterbrüchen bei der versicherten Person
anwesend sein muss, weil diese nicht allein gelassen werden kann (vgl. Rz 8035 KSIH).
3.
3.1. Die Beschwerdegegnerin hat anerkannt, dass die Beschwerdeführerin beim An-
und Auskleiden, bei der Körperpflege und bei der Fortbewegung der Hilfe bedarf, was
nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei seit Anfang
2009 auch in den Bereichen Essen und Verrichten der Notdurft auf erhebliche und
regelmässige Hilfe angewiesen und damit in mindestens vier Lebensverrichtungen
hilflos.
3.2. Hilflos in einer dieser Lebensverrichtungen ist eine versicherte Person bereits
dann, wenn sie für eine Teilfunktion regelmässig in erheblicher Weise auf Dritthilfe
angewiesen ist (Rz 8011 KSIH). Erheblich ist die Hilfe gemäss Rz 8026 KSIH, wenn die
versicherte Person mindestens eine Teilfunktion einer einzelnen Lebensverrichtung
nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise (ZAK
1981 S. 387) selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne
besondere Aufforderung nicht vornehmen würde. Indirekte Hilfe von Drittpersonen ist
gegeben, wenn die versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar
funktionsmässig selbst ausführen kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu
Unzeiten tun würde, wenn sie sich selbst überlassen wäre (ZAK 1984 S. 354, ZAK 1980
S. 60; Rz 8029 KSIH). Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich
benötigt oder eventuell täglich nötig hat. Dies ist z.B. auch gegeben bei Anfällen, die
zuweilen nur alle zwei bis drei Tage, jedoch unvermittelt und oft auch täglich oder
täglich mehrmals erfolgen (ZAK 1986 S. 484; Rz 8025 KSIH).
3.3. In der Anmeldung zur Hilflosenentschädigung wurde vermerkt, die
Beschwerdeführerin sei in allen sechs massgeblichen Lebensverrichtungen als hilflos
zu betrachten. Im Rahmen der telefonischen Abklärung (act. G 1.8) wurde in den
Bereichen Essen und Verrichten der Notdurft keine Hilflosigkeit verzeichnet. Der
entsprechende Abklärungsbericht wurde von der Tochter in der Folge jedoch
dahingehend abgeändert, als sie die Hilfsbedürftigkeit in diesen beiden
Lebensverrichtungen sowie die dauernde Überwachung tagsüber und nachts bejahte
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4.
4.1 Bei der Lebensverrichtung Essen wurde bei der Anmeldung angegeben, die
Nahrung müsse zerkleinert respektive das Fleisch kleingeschnitten werden. Im
Telefongespräch vom 1. Juli 2011 (act. G 1.7) führte die Tochter aus, die
Beschwerdeführerin benötige beim Essen ab und zu Unterstützung, könne aber übliche
Speisen selbständig zu sich nehmen und Messer und Gabel noch weitgehend selbst
bedienen. Der Aktenage ist darüber hinaus nicht zu entnehmen, dass ihr die Mahlzeiten
ans Bett gebracht werden müssten. Als in der Lebensverrichtung Essen als hilflos zu
betrachten ist mithin jedoch auch, wer zwar funktionsmässig ohne Weiteres selber
essen kann, sich aber, wäre er sich selbst überlassen, aus Gründen eines
beeinträchtigten Gesundheitszustands nicht oder nicht genügend ernähren würde
("indirekte Hilfe"). Der Vertreter der Beschwerdeführerin machte in seinen Einsprachen
vom 12. August 2011 (act. G 1.5) und 22. September 2011 (act. G 1.2) geltend, die
Beschwerdeführerin wäre ohne Hilfe schon längst verhungert oder verdurstet. Sie habe
bereits einmal wegen Dehydrierung hospitalisiert werden müssen. Man müsse ihr seit
mehreren Jahren die Mahlzeiten herrichten, sie zum Essen auffordern, anleiten und sie
währenddessen überwachen. Sie könne zwar selbständig Essen zum Mund führen,
harte Speisen müssten aber zugeschnitten werden. Gemäss Einsprache vom
12. August 2011 werden die Mahlzeiten der Beschwerdeführerin zum Teil von der
Spitex geliefert und zum Teil von der betreuenden Person hergerichtet. Vor diesem
Hintergrund und der von Dr. C._ gestellten Diagnose der Demenz ist somit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
unter dem Aspekt der indirekten Hilfe in der Lebensverrichtung Essen als hilflos zu
betrachten ist.
4.2 Was das Verrichten der Notdurft betrifft, hat die Beschwerdegegnerin eine
Hilflosigkeit seit Benützung des Notdurft-Stuhls und damit ab Januar 2011 anerkannt.
Die Beschwerdeführerin macht eine Hilflosigkeit mindestens seit Anfang 2010 geltend.
4.2.1 In der Anmeldung wurde die Hilfsbedürftigkeit beim Ordnen der Kleider
nach Verrichten der Notdurft, bei der Körperreinigung/Überprüfen der Reinlichkeit
sowie die unübliche Art der Verrichtung der Notdurft bejaht. Es wurde angegeben, die
Beschwerdeführerin müsse seit 2005 zur Körperreinigung aufgefordert und diese
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überprüft werden, seit ca. 2009 müsse die Reinigung vorgenommen und die Windeln,
die sie zur Sicherheit trage, gewechselt werden. Seit Januar 2011 werde ein Notdurft-
Stuhl neben das Bett gestellt, welchen die Beschwerdeführerin auch benutze. Im
Rahmen der telefonischen Abklärung und der Einsprachen wurde angegeben, dass die
Beschwerdeführerin selbständig zur Toilette gehen könne, sie zur Sicherheit jedoch
Einlagen/ Windeln trage, welche periodisch gewechselt würden, da die Notdurft
manchmal unkontrolliert erfolge. In der Beschwerde wurde ergänzt, dass die Windeln
mehrmals wöchentlich nass und verschmutzt seien
4.2.2 Grundsätzlich dürfen Teilfunktionen einer Lebensverrichtung, für welche die
versicherte Person unter Umständen bei mehreren Verrichtungen die Hilfe Dritter
benötigt, nur einmal berücksichtigt werden (ZAK 1983 S. 72). Eine Ausnahme davon
macht die Rechtsprechung hinsichtlich Notdurftverrichtung. Danach gehört zu den
Teilfunktionen dieser Lebensverrichtung auch das Ordnen der Kleider (AHI-Praxis 1996
S. 170). Vorliegend ist somit die geltend gemachte Hilfsbedürftigkeit beim Ordnen der
Kleider nach Verrichten der Notdurft zu berücksichtigen. Vor dem Hintergrund der in
der Anmeldung gestellten Diagnose Dr. C._s, die Beschwerdeführerin leide an einer
Urininkontinenz, überzeugen zudem die Angaben betreffend die Vornahme der
Reinigung nach Verrichten der Notdurft und Wechseln der Windeln seit 2009. Aufgrund
der Aktenlage kann somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als ausgewiesen
betrachtet werden, dass dieser Bedarf an Dritthilfe die Voraussetzungen für die
Anerkennung der Hilflosigkeit in dieser Lebensverrichtung bereits, wie geltend
gemacht, seit mindestens Anfang 2010 und nicht erst im Zeitpunkt des Aufstellens des
Notdurft-Stuhls im Januar 2011 besteht.
4.3 Bezüglich des Aufstehens/Absitzens/Abliegens wurde in der Anmeldung
geschildert, die Beschwerdeführerin müsse bei Schwindel gestützt und ihr müsse beim
Zubettgehen geholfen werden. Im Abklärungsbericht wurde festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin in dieser Lebensverrichtung selbständig und nicht auf Dritthilfe
angewiesen sei. In der Einsprache vom 12. August 2011 und in der Beschwerde wurde
vorgebracht, die Beschwerdeführerin benötige aufgrund ihrer Orientierungslosigkeit
und der Schwindelanfälle Hilfe und man müsse ihr sagen, wohin sie sich setzen und
wann sie abliegen solle. Gemäss Rz 8015 KSIH liegt eine Hilflosigkeit in dieser
Lebensverrichtung vor, wenn die versicherte Person ohne Hilfe Dritter nicht aufstehen,
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absitzen oder abliegen kann. Da die Beschwerdeführerin – jedenfalls bis zum Sturz im
September 2011, der in der Folge Anlass zu einer Revision gegeben hat - körperlich in
der Lage war, alleine abzusitzen, sich hinzulegen und aufzustehen, hat die
Beschwerdegegnerin die Hilflosigkeit in dieser Lebensverrichtung im
Einspracheentscheid zu Recht verneint.
4.4 Der Vertreter der Beschwerdeführerin macht zudem geltend, die Beschwerde
führerin müsse dauernd überwacht werden. In den Einsprachen vom 12. August 2011
und 22. September 2011 führte er an, die Beschwerdeführerin sei eigentlich auf
tägliche, 24-stündige Überwachung angewiesen, da aufgrund von Schwindelanfällen
und Orientierungslosigkeit Sturzgefahr bestehe. Sie sei bereits einmal beim nächtlichen
Verlassen des Bettes gestürzt. Zudem müsse die Medikamenteneinnahme, das
Einsetzen des Hörgerätes und die Körperpflege überwacht und es müsse verhindert
werden, dass sie nicht orientierungslos herumirre. Gemäss Rz 8035 KSIH bezieht sich
der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung nicht auf die alltäglichen
Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte Hilfe in
einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden haben,
können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins Gewicht
fallen. Um als anspruchsrelevant gelten zu können, muss die persönliche Überwachung
eine gewisse Intensität erreichen (Entscheid des Bundesgerichtes vom 31. Januar
2008, 9C_608/07). Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin einen unabhängig von den
Lebensverrichtungen bestehenden Überwachungsbedarf zu Recht verneint, zumal die
Beschwerdeführerin nach der im Zeitpunkt des Entscheids gegebenen Aktenlage
tagsüber einige Stunden alleine gelassen werden könne und auch nachts nicht
überwacht werde.
4.5 Da die Beschwerdeführerin in fünf der sechs alltäglichen Lebensverrichtungen als
hilflos zu betrachten ist, besteht ein Anspruch auf eine Entschädigung für eine mittlere
Hilflosigkeit.
5.
5.1 Es bleibt zu prüfen, seit wann der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
entsprechend einer Hilflosigkeit mittleren Grades besteht.
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5.2 Gemäss Art. 43 Abs. 2 AHVG entsteht der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung am ersten Tag des Monats, in dem sämtliche Voraussetzungen
erfüllt sind und die Hilflosigkeit schweren, mittleren oder leichten Grades
ununterbrochen während mindestens eines Jahres bestanden hat. Für den Fall, dass
eine versicherte Person den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mehr als zwölf
Monate nach dessen Entstehung geltend macht, schreibt Art. 46 Abs. 2 AHVG vor,
dass die Hilflosenentschädigung in Abweichung von Art. 24 Abs. 1 ATSG lediglich für
die zwölf Monate ausgerichtet wird, die der Geltendmachung des Anspruchs
vorausgehen.
5.3 Die Beschwerdeführerin hat sich am 11. Mai 2011 zum Leistungsbezug
angemeldet. In Anwendung des Art. 46 Abs. 2 AHVG kann der Auszahlungstermin
somit frühestens auf den 1. Mai 2010 festgelegt werden. Demnach musste das
Wartejahr nach Art. 43 Abs. 2 AHVG spätestens im Mai 2009 zu laufen begonnen
haben, die Hilflosigkeit musste dann also bestanden haben. Der Vertreter der
Beschwerdeführerin machte geltend, es bestünde seit Anfang 2009 eine Hilfslosigkeit
mindestens mittelschweren Grades aufgrund einer Hilflosigkeit in den vier
Lebensverrichtungen An- und Ausziehen, Körperpflege, Fortbewegung und Essen. Seit
Anfang 2010 sei sie auch in der Lebensverrichtung Notdurft und damit in fünf der sechs
massgeblichen Lebensverrichtungen hilflos. Das Vorliegen einer mittelschweren
Hilflosigkeit im Mai 2009 und damit der Beginn des Wartejahres kann gemäss der
Aktenlage und im Sinne der vorstehenden Erwägungen bejaht werden.
6.
Gemäss Schreiben vom 24. Oktober 2011 (nicht num. Aktenstück zwischen
act. G 3.2.13 und act. G 3.2.14) ist die Beschwerdeführerin am 14. Oktober 2011 in ein
Alters- und Pflegeheim eingewiesen worden. Aufgrund der durchgeführten Revision hat
die Beschwerdegegnerin am 20. Januar 2012 mit Wirkung ab 1. Januar 2012 die Aus
richtung einer Hilflosenentschädigung bei schwerer Hilflosigkeit verfügt (act. G 5). Dies
ist nach der Aktenlage nicht zu beanstanden.
7.
bis
bis
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Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Versicherte mit Wirkung ab 1. Mai 2010
Anspruch hat auf eine Hilflosenentschädigung entsprechend einer Hilflosigkeit mittleren
Grades. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 10. November 2011 ist
demzufolge aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit sie deren Leistungshöhe festsetze.
7.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP