Decision ID: f0c5e21d-13c2-4cac-b27e-dc9197ef37b1
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
ist gelernte
EDV-Supporterin
und
war zuletzt als
IC-Beraterin
tätig
(
Urk.
9/
1
Ziff.
6.2,
Urk.
9/5
Ziff.
1,
Ziff.
6). Am
1
0.
November 2004
meldete sie sich
unter Hinweis auf
HIV-Langzeitschäden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und sprach der Versicherten mit Verfügung vom
8.
Februar 2005 bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Invalidenrente ab Februar 2005 zu (
Urk.
9/12).
1.2
Am 3
0.
Juli 200
5 stellte die Versicherte ein Revisionsgesuch (
Urk.
9/14). In der Folge holte die IV-Stelle bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am 2
6.
Februar
2006 erstattet wurde (
Urk.
9/25). Mit Verfügung vom
9.
März 2006 wies die IV-Stelle
den Antrag auf
Erhöhung der
Invalidenrente ab (
Urk.
9/27). Auf d
ie
dagegen erhobene Beschwerde der
Versicherten
trat das hiesige
Gericht mit
Beschluss
vom
2.
November 2006
im Verfahren IV.20
06.00697
nicht ein
(
Urk.
9/43
).
1.3
Nach Eingang des von der Versicherten am
7.
April 2010 ausgefüllten Revisions
fragebogens (
Urk.
9/45)
hielt die IV-Stelle
nach medizinische
n
und erwerblichen Abklärungen
mit Mitteilung vom 1
8.
November 2010 (
Urk.
9/57) fest, dass ein unveränderter Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bestehe.
Nachdem die Ver
sicherte a
m
4.
April 2011
erneut
ein
Revisionsgesuch
gestellt
(
Urk.
9/59)
und am 2
1.
Juli 2011 den ausgefüllten Revisionsfragebogen ein
gereicht hatte
(
Urk.
9/68)
, holte die IV-Stelle weitere medizinische Berichte ein und sprach der Versicherten mit Verfügung vom
9.
Mai 2012 eine ganze Invalidenr
ente mit Wirkung ab Juni 2012
(
Urk.
9/89) sowie
mit Verfügung vom 2
1.
Mai 2012 eine
befristete
ganze Rente von April 2011 bis Mai 2012 zu (
Urk.
9/90).
1.4
Nach Eingang
eines am 1
9.
November 2016 ausgefüllten weiteren Revisionsfragebogens (
Urk.
9/91) tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen und
auferlegte
der Versicherten am
9.
Februar 2017 2010 (
Urk.
9/96
)
die Durchführung einer
mindestens 6-monatigen, wöchentlichen ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
im Sinne einer Schadenminderungspflicht
.
Die IV-Stelle holte bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
,
ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, welches am
7.
November 2018 erstattet wurde (
Urk.
9/121).
Nach ergangenem Vorbescheid vom
4.
März 2019 (
Urk.
9/124)
setzte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
6.
Mai 2019 die Invalidenrente
mit Wirkung ab
1.
Juli 2019
von einer ganzen auf eine halbe Rente herab (
Urk.
9/129 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
4.
Juni 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle anzuweisen, die gemäss Revisionsverfügung vom
9.
Mai 2012 geschuldeten IV-Rentenleistungen wieder auszurichten. Eventuell sei ihr in Abänderung der Verfügung vom 1
6.
Mai 2019 ein Anspruch auf eine ganze Rente zuzusprechen
. Der Beschwerde sei zudem die entzogene aufschiebende Wirkung wieder zuzuerkennen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die Beschwerdegegnerin beantragte m
it Beschwerdeantwort vom 2
1.
August 2019 die Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Mit Gerichtsverfügung vom
9.
September 2019
(
Urk.
10)
wurde das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen, die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung
antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2)
bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwe
rdeantwort zugestellt
.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
3.
Juni 2020 (
Urk.
12
) wurde die
VORSORGE
Y._
zum Prozess beigeladen, welche innert angesetzter Frist keine Stellung
nahme einreichte.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des
Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der An
spruchsprüfung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Un
richtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung kann das Gericht eine zunächst auf
Art.
17 ATSG gestützte Rentenaufhebung oder -herabsetzung gegebenenfalls mit der (substituierten) Begründung schützen, dass die ursprüngliche (bzw. die letzte auf einer umfassenden materiellen Prüfung beruhende, vgl. BGE 140 V 514, 133 V 108) Rentenverfügung oder Mitteilung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei (BGE 144 I 103 E. 2.2, 140 V 85 E. 4.2, 125 V 368 E. 2, je mit Hinweisen; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
77 zu Art. 30–31).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2
,
Urk.
9/128
) davon aus, dass
die Rentenerhöhung von einer halben auf eine
ganze Rente mit Verfügung vom
9.
Mai 2012
(vgl.
Urk.
9/
89
) lediglich auf dem Bericht der behandelnden Psychiaterin beruht habe. Sie habe damals die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gestellt
, welche
sie
jedoch
nicht nach den diagnostischen Leitlinien nachvollziehbar begründet
habe. Diese
Diagnose
habe zudem der damaligen Aktenlag
e der IV-Stelle widersprochen. S
o sei im psychiatrischen Gutachten vom Februar 2006 das Vorliegen
einer Persönlich
keitsstörung ausdrücklich ausgeschlossen worden. Insgesamt habe der Bericht der behandelnden Psychiaterin mehrfach der damaligen Aktenlage widersprochen und sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar gewesen
, weshalb er keine verlässliche
medizinische
Grundlage für eine Rentenerhöhung dargestellt habe
. Die Verfügung vom Mai 2012
sei daher in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen und damit zweifellos unrichtig (S. 1 f.). Bezüglich des akt
uellen Gesundheitszustands
bestehe seit zirka 2007 ein weitgehend unveränderter Gesundheitszustand bei einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der bisherigen Tätigkeit als EDV-Supporterin. Auch in einer anderen optimal angepassten Tätigkeit resultiere aufgrund der Erschöpfbarkeit keine höhere Arbeitsfähigkeit. Der Einkommensvergleich habe einen Invaliditätsgrad von 53
%
ergeben und damit bestehe nur noch Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
(S. 2)
. Die beiden Kriterien des fortgeschrittenen Alters oder des langen Rentenbezugs
für Massnahmen zur Eingliederung seien vorliegend zudem nicht erfüllt (S. 3)
.
2.2
Demgegenüber wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (
Urk.
1),
dass die von der behandelnden Psychiaterin gestellte Diagnose einer Persönlichk
eits
störung zwischenzeitlich auch
durch das eingeholte
bidisziplinäre
Gutachten bestätigt worden sei. Die der Rentenrevision vom Mai 2012 zugrundeliegenden
Diagnosen seien daher zweifelsfrei richtig (S. 8
Ziff.
2.1). Ferner sei die IV-Stelle ihren Abklärungspflichten nachgekommen, habe insbesondere diverse Facharzt
berichte eingeholt und diese ihrem RAD-Arzt zur Stellungnahme vorgelegt (S. 8
Ziff.
2.2). Für eine Persönlichkeitsstörung sei es ausserdem geradezu symptomatisch, dass diese mit psychosozialen Belastungsfaktoren einhergehe (S. 9
Ziff.
2.3). Unterschiedliche Schlussfolgerungen aus einem unveränderten Gesundheitszustand würden gemäss einhelliger Lehre und Rechtsprechung keinen Revisionsgrund darstellen und könnten deshalb nicht als Wiedererwägungsgrund gewertet werden (S. 9
Ziff.
2.4).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
die Verfügung vom
9.
Mai 2012 (
Urk.
9/89) zu Recht
wiedererwägungsweise aufhob
und
die Herabsetzung von einer ganz
en auf eine halbe Rente verfügte
.
3.
Im Rahmen des ersten
Revis
ionsverfahrens im Jahr 2005/2006
holte die Beschwerdegegnerin bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am 2
6.
Februar 2006 (
Urk.
9/25) erstattet wurde.
Er führte aus
, dass die Beschwerdeführerin nicht an einer depressiven Störung oder Angststörung leide. Das psychopathologische Kernsyndrom bestehe in der anamne
s
tisch bekannten Suchtproblematik, die au
ch zur HIV-Infektion geführt
und ihre Lebenssituation weitgehend bestimmt habe. Durch die Methadonsubstitution sowie durch die erfolgreiche Etablierung einer konstanten, als sinnvoll erlebten Arbeitstätigkeit als PC-Supporterin habe eine erhebliche Stabilisierung erreicht werden können. Diese sei durch die seit gut einem Jahr ein
geschränkte Leistungs- und
Arbeitsfähigkeit, die als Folge der chronischen Infektion anzusehen sei, nicht in Frage gestellt. Die gewisse emotionale Labilität sei als eine psychologisch nachvollziehbare und grundsätzlich nicht krankhafte Reaktion zu werten. Die extrovertierte, emotional teilweise unstete Persönlichkeit mit leicht theatralischem Verhalten sei als Persönlichkeitstyp und nicht al
s psychische Krankheit anzusehen. Bei der Beschwerdeführerin bestehe also das bekannte Abhängigkeitssyndrom (Drogen
sucht) mit Teilnahme an einem Drogenersatzprogramm (Methadon) und nur noch sporadischem Substanzgebrauch (Sch
n
upfen von Heroin; ICD-10 F19.26), das für sich alleine die Arbeitsfähigkeit nicht einschränke. Abgesehen davon bestehe keine psychische Störung von Krankheitswert, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würde (S. 7 f.). Die Arbeitsfäh
igkeit betrage weiterhin 50
%
. D
ie Halbtagstätigkeit als PC-Supporterin stelle weiterhin eine optimale Beschäftigungsmöglichkeit dar, der in psychologischer Hinsicht auch eine protektive Funktion zukomme. Die von der Beschwerdeführerin geschilderte Stimmungslabilität und ihre Schwierigkeit, die
HIV-Infektion als Folge der Drogenproblematik zu akzeptieren, würden Probleme darstellen, die mittels einer begleitenden psychotherapeutischen Behandlung grundsätzlich
angehbar
seien (S. 9).
4.
4.1
Der Rentenrevision im Jahr
2011/
2012
, welche zu der Heraufsetzung von einer halben auf eine ganze Invalidenrente führte (vgl. Verfügung vom
9.
Mai 2012;
Urk.
9/89)
,
lag
en die
folgende
n
medizinische
n
Bericht
e
zugrunde
:
4.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
, führte in ihrem Schreiben vom
5.
Juli 2011
an die IV-Stelle
(
Urk.
9/65) aus, dass eine Erhöhung des Rentenanspruchs nicht aus internistisch-medizinischen, sondern aus psychiatrischen Gründen dringend nötig sei. Die Beschwerdeführerin habe lange keinen subjektiv geeigneten psychiatrisch-psychotherapeutischen Therapieplatz gefunden. Sie sei nun seit
1.
November 2010 bei ihr in Behandlung. Aufgrund ihrer psychischen Verfassung sei es eher selten zu Besuchen gekommen. Bei der Beschwerdeführerin habe sich infolge einer psychischen Erkrankung in den letzten Jahren eine drastische Verschlechterung ihres psycho
somatischen Allgemeinzustands entwickelt. Es handle sich dabei um eine sich sukzessiv verschlechternde narzisstische Negativsymptomatik mit einem intermittierenden und chronisch aggravierenden Verlauf von Schüben mit schweren depressiven Einbrüchen und radikalem soziophobischen Rückzug, e
in
hergehend mit einer massiven F
atigue und grippalen Symptomatik, bei gleichzeitig schwerer Schlaflosigkeit mit
klinisch
kompletter Deregulierung des Tag-Nacht-Rhythmus sowie gänzlicher Immobilisierung und Aktivitätshemmung.
4.3
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Infektiologie,
Oberärztin an der
Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene, Universitätsspital
E._
,
berichtete am
4.
August 2011 (
Urk.
9/70)
, dass die Beschwerdeführerin seit 1987 in ambulanter Behandlung im
E._
sei (S. 1
Ziff.
1.2), und nannte
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Neurasthenie mit sekundärer Desynchronisation im Alltag
-
reaktive Depression und somatisches Syndrom
-
HIV-Infektion CDC-Stadium B3, Erstdiagnose 1987
-
HIV-
assoziierte Thrombopenie,
Erstdiagnose Mai 1997
-
Lipodystrophie unter antiretroviraler Therapie
Bezüglich
der
HIV
-Infektion
sei grundsätzlich von einer guten Prognose auszugehen. Die weitere Entwicklung werde von der sozialpsychiatrischen Diagnose geprägt (S. 2
Ziff.
1.4). Aus somatischer Sicht sei die Beschwerdeführerin als Büroangestellte (IT-
Supporterin) zu 50
%
arbeitsunfähig. Aus psychiatrischer Sicht sei ihres Erachtens von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, wobei sie aber h
i
erfür nicht die zuständig
e Fach
person sei (S. 2
Ziff.
1.6
). Aus körperlicher Sicht sei die bisherige Tätigkeit zumutbar. Falls sich die Neurastheni
e verbessern lassen würde, könn
e eine Wiederaufnahme der Arbeit vielleicht wieder erreicht werden. Es sei ein
e
verminderte Leistungsfähigkeit von 50
%
vorhanden (S. 2
Ziff.
1.7)
.
4.4
In ihrem Bericht vom
9.
August 2011 (
Urk.
9/71/8-10) nannte
Dr.
C._
die folgenden psychiatrischen Diagnosen (S. 1
Ziff.
1.1):
-
entgleiste narzisstische Störung mit depressiven, soziophobischen und dissoziativen Anteilen sowie einer schweren neurasthenischen Erschöpfungssymptomatik mit Schlafstörungen und einer Störung des Tag-Nacht-Rhythmus sowie Somatisierungen mit variierenden Schmerz
zuständen (ICD-10 F60.9)
-
Methadonsubstitutionsbehandlung bei Status nach Drogenabhängigkeit seit dem 1
6.
Lebensjahr
Bezüglich der Prognose
sei es
denkbar, dass sich der psychische Zustand
der Beschwerdeführerin
unter finanziell
abgesicherteren
Lebensbedingungen na
ch
haltig stabilisieren la
sse
(S. 3
Ziff.
1.4)
. D
ie anamne
s
tische psychiatrische Beurteilung habe ergeben, dass bereits seit der Kündigung an der letzten Arbeits
stelle als EDV-Supporterin
im Jahr
1998 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sei intermittierend gänzlich eingeschränkt, unberechenbar, wechselhaft
und nicht willkürlich lenk
bar. D
ies verunmögliche jegliche Arbeitszuständigkeit und Verantwortung für zu erbringende Leistungen. Die Tätigkeit als EDV-Supporterin sei zu 100
%
nicht mehr zumutbar und ein Wieder
einstieg in die Arbeitswelt
nicht denkbar (S. 3
Ziff.
1.6-1.9).
4.5
Am
2
2.
August 2011 nahm RAD-Ärztin
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Stellung zum medizinischen Sachverhalt (
Urk.
9/74/3-4). Mit den Diagnosen des Status nach Polytoxikomanie bei aktueller Methadonsubstitution sowie der somatischen Diagnose der HIV-Infektion würden sich keine diagnostischen Änderungen ergeben. Hinzukommend seit der letzten Rentenrevision
sei
jedoch nun eine Persönlichkeitsstörung attestiert
worden
, wobei die Verschlechterung des Gesundheitsschadens mit Zunahme der depressiven,
soziophoben
Anteile mit Erschöpfungssymptomatik mit Referenzdatum auf den Behandlungsbeginn bei
Dr.
C._
(vgl. vorstehend E. 4.2 und 4.4
) zu datieren sei. Die Beschwerdeführe
rin sei seit
1.
Oktober 2010 als zu
100
%
arbeitsunfähig in jeglicher Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt zu erachten
(S. 3)
.
5.
5.1
Beim Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
1
6.
Mai 2019
(
Urk.
2) lagen im Wesentlichen die folgenden Berichte vor:
5.2
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.3
) nannte in ihrem Bericht vom 2
3.
Dezember 2016 (
Urk.
9/94) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Neurasthenie mit sekundärer Desynchronisation im Alltag, Erstdiagnose 2010
-
reaktive Depression und somatis
ches Syndrom
-
HIV-Infektion CDC-Stadium B3, Erstdiagnose 1987
-
HIV-assoziierte Thrombopenie, Erstdiagnose Mai 1997
-
Lipodystrophie unter antiretroviraler Therapie
-
Status nach Liposuktion an Abdomen und Brüsten im Oktober 2002
-
Status nach Hepatitis C, Genotyp 3A
-
Behandlung mit PEG-Interferon und
Ribavirin
von 2006-2007
-
Hypothyreose während der PEG-Interferon-Therapie, aktuell euthyreot
-
Hepatitis C-assoziierter Lichen
ruber
im August 2007
-
COPD bei Nikotinabusus
-
positive Hepatitis B Serologie
-
Störung durch Opioide, aktuell Methadonsubstitution
-
Status nach Polytoxikomanie
Die Beschwerdeführerin leide immer noch an einem starken Erschöpfungszustand, welcher aber nicht durch die an sich gut kontrollierte HIV-Erkrankung und die s
eit 2007 behandelte Hepatitis C
Infektion zu erklären sei. Gut erklärbar sei der Erschöpfungszustand durch die komplette Umkehr des Schlaf-/Wachrhythmus, welcher schon längere Zeit bestehe. Die soziale Destabilisierung bestehe weiterhin, hin
zu
gekommen seien finanzielle Engpässe und ausstehende Bussen von Seite der ehemaligen Zeit als Drogenabhängige. Reaktiv sei es zu einer depressiven Entwicklung gekommen. Zudem bestehe bei der Beschwerdeführerin eine gewisse
Somatisierungstendenz
. Zeitweise sei sie in psychiatrischer Betreuung gewesen. Leider hätten schon länger keine
psychiatrischen
Konsultationen mehr stattgefunden
(S. 1
Ziff.
1.3)
.
Die Beschwerdeführerin habe als IT-Supporterin gearbeitet, wobei sie aus somatischer Sicht seit dem 2
7.
Mai 2010 als zu 50
%
arbeitsfähig gelte. Aus psychiatrischer Sicht sei bisher von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden, wobei sie schon seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr mit der behandelnden Psychiaterin gehabt habe. Ihre Tätigkeit am Computer beinhalte keine schwere Arbeit, womit von einer angepassten Tätigkeit keine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit vorstellbar sei (S. 2
Ziff.
2.1).
5.3
Dr.
C._
nannte in ihrem Verlaufsbericht vom
2.
Oktober 2017 (
Urk.
9/104/5-7) die folgenden psychiatrischen Diagnosen (S. 1
Ziff.
1.2):
-
entgleiste narzisstische Persönlichkeitsstörung mit soziophobischen und dissoziativen Anteilen und einer hochgradigen narzisstischen Vulnerabilität mit intermittierenden schweren depressiv-neurasthenischen Einbrüchen mit chronischer Entgleisung des Tag-Nacht-Rhythmus. Einhergehend mit massiver emotionaler Instabilität und Affekt-Inkontinenz, Ich-Überschwemmungen mit psychosomatisch-vegetativen Funktionszusammenbrüchen mit episodischen schweren neurasthenischen mehrtägigen Erschöpfungszuständen sowie Somatisierungen mit episodischen psychosomatischen Entgleisungen (Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen) seit ca. 1998 (ICD-10 F60.9)
-
psychosomatischer Residualzustand nach schwer traumatisierender Drogenkarriere
-
Methadonsubstitutionsbehandlung bei Status nach Drogenabhängigkeit seit dem 1
6.
Lebensjahr
Phasenweise sei es zu massiven Magen-Darm-Symptomen (Durchfall, Krämpfe) oder grippalen Zustände
n
(schwere Fatigue, Kop
fweh, tagelange
Bettlägrigkeit
) und
im Sommer 2017 zu schweren Rückenschmerzen sowie zu einem depressiven Einbruch gekommen. Dies habe dazu geführt, dass sie gewisse Sitzungen habe absagen müssen, dennoch habe sich
Dr.
C._
ein realistisches Bild des Befundes machen können. Emotionale Expositionen, Konfrontationen und Begegnungen, auch stützende Gespräche hätten eine traumatische Wirkung und eine Verschlechterung der gesamten Symptomatik bewirkt. Die behandelnde Psychiaterin habe aus diesem Grund die Gespräche nach der von der IV angesetzten Frist von 6 Monaten sogleich wieder beendet (S. 1 f.
Ziff.
1.3).
Die Ressourcen für eine berufliche Tätigkeit auch in einem geschützten Rahmen seien ganz offensichtlich gleich null. Eine Veränderung ihrer kleinräumigen und instabilen Lebensweise aufgrund von sozialem oder beruflichem Druck würde mit Sicherheit zu einer schweren Dekompensation der Beschwerdeführerin führen und erhebliche zusätzliche Gesundheitskosten generieren. Es bestehe eine Verminderung der Leistungsfähigkeit von 100
%
. Therapeutische Gespräche seien kontraindiziert. Die Prognose sei bestenfalls noch über ein paar Jahre stabil, mittel- bis langfristig sei eine stetige oder rapide Aggravation unvermeidbar (S. 2
Ziff.
2.-3.3).
5.4
5.4.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, erstatteten am
7.
November 2018
ein
bidisziplinäres
Gutachten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
9/121/
3
-21)
.
Sie
stützten sich auf die ihne
n überlassenen Akten (S. 16 ff.
),
die Angaben d
er Beschwerdeführerin (
Urk.
9/121/2
2
-
66
S. 14 ff.,
Urk.
9/121/67-85
Ziff.
3.1
), das psychiatrische Teil
gutachten
(
Urk.
9/121/2
2
-
66
) sowie
das
internistische
Gutachten
(
Urk.
9/121/67-85
)
,
und
nannten die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S.
5
f.
Ziff.
4.2):
-
HIV-Infektion Erstdiagnose 1987, CDC Stadium B3
-
Lipodystrophie unter antiretroviraler Therapie
-
Status nach
Liposuction
-
vorbefundlich
HIV-assoziierte Thrombopenie
-
Status nach Hepatitis C, Genotyp 3a
-
Status nach Therapie mit PEG Interferon und
Ribavirin
2006-2007
-
Anti
Hbc-IgG-alone
Konstellation
-
Asthenie R 53
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und dissozialen Anteilen (ICD-10 F61.0)
-
rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig mittelgradig mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
Störung durch Opioide, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich über
wachten Ersatzdrogenprogramm, kontrollierte Abhängigkeit (ICD-10 F11.22)
5.4.2
Im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
9
/121/2
2
-
66
)
führte
Dr.
A._
aus, dass bei einer sogenannten kombinierten Persönlichkeitsstörung die Kriterien der spezifischen Persönlichkeitsstörung abzuklären seien. Es finde sich eine erhebliche Unausgeglichenheit in Einstellung, Verhalten und Funktionsbereichen. Die Beschwerdeführerin sei affektiv eingeschränkt und der Antrieb sei deutlich vermindert. Spezifisch in der Beziehung zu anderen sei sie erheblich eingeschränkt. Das auffällige Verhaltensmuster finde sich bereits seit ihrer Kind
heit und Jugend. Es sei so tiefgreifend, dass es in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend sei. Einmal im Leben habe sie eine längerfristige, sozial adäquate Interaktion mit Arbeitsfähigkeit und sozialer Interaktionsfähigkeit durchhalten können. Es komme zu erheblichen Einschränkungen bezüglich der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit. Im Vordergrund stünden dissoziale Strukturen. Insgesamt finde sich eine erhebliche Unbeteiligtheit bezüglich der Opfer, die sie hervorgerufen habe. Seit Kindheit und Jugend würden soziale Normen und Regeln ständig missachtet werden. Es wür
den immer wieder ständig vordergründige Rationalisierungen für das eigene Verhalten und Schuld bei a
nderen gesucht. Insgesamt würden
sich somit sowohl Hinweise für
eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, als auch für eine Störung vom emotional instabilen
Persönlichkeitstyp
finden
und daher
bestünden
ausreichend Hinweise, um eine sogenannte kombinierte Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren
(S. 27 f.
Ziff.
6.2)
.
Parallel finde sich jedoch immer wieder eine rezidivierende depressive Störung, auch gemäss Aktenlage. Auffällig sei diesbezüglich nicht die typische schwere Traurigkeit, sondern eine affektive Überforderung. Gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und eine Verminderung des Antriebs seien die typischen Hauptkategorien, die bei der Beschwerdeführerin gegeben seien. Es komme zu verminderten kognitiven Fähigkeiten bezüglich Konzentration, Auf
merksamkeit und Merkfähigkeit und
es
liege eine erhebliche Schlafstörung vor.
Die depressive Symptomatik wäre für die erhebliche Verschlechterung ab einem gewissen Zeitpunkt zwischen 2004 und 2006 eine gute Erklärungsmöglichkeit.
Persönlichkeitsstörungen seien hingegen eher langfristige und dauerhafte Zustände
. Es finde sich daher aktuell eine rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig mittelgradig mit somatischem Syndrom
(S. 28 f.
Ziff.
6.2).
Problematisch sei die langfristig und aktuell fehlende
Psychopharmakatherapie
. Basierend darauf sei es sehr schwierig, eine Prognose zu stellen (S. 32). Eine regelmässige Psychotherapie sei indiziert. Diese sei trotz der Diagnose einer
schwergradigen Persönlichkeitsstörung nicht weitergeführt worden (S. 33).
Inwieweit eine Arbeitsfähigkeit wiederherstellbar sei, sei schwierig vorauszusehen. Es handle sich um eine langjährig bestehende, schwergradig aus
geprägte psychiatrische Erkrankung. Im Gegen
satz hierzu habe die Beschwerdeführerin
vor Auftreten der depressiven Symptomatik trotz Opiat-Ab
hängigkeit und Persönlichkeitsstörung in einer 100%-Stelle arbeiten könne
n
. Zunächst sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angenommen worden. Potenziell bestehe die Möglichkeit der Wiederherstellung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit bei adäquater
Psychopharmakatherapie
und intensiver Psychotherapie
(S. 33).
Basierend auf den kognitiven und interaktionellen Einschränkungen mit teilweise verschobener Realitätsvorstellung einer Persönlichkeitsstörung sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit auszugehen
(S. 36). Es sei ab 2007 eine ausreichende Dokumentation zu sehen, um potenziell eine 50%ige Arbeit
sunfähigkeit nachzuvollziehen. E
ine 100%ige Arbeitsunfähigkeit beim aktuellen Zustandsbild sei nicht nachvollziehbar (S. 37).
In einer
angepassten Tätigkeit be
stehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (S. 37
Ziff.
8.2).
Bezüglich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde führte
Dr.
A._
aus, dass alle anderen Institutionen und beteiligten Parteien vor der behandelnden Psychiaterin von einer mittelgradigen Ausprägung ausgegangen seien. Erst innerhalb der Therapie bei
Dr.
C._
sei es zu einer Dokumentation von
schwergradigen Befunden gekommen, die jedoch nie ICD-10-relevant adäquat dokumentiert worden seien. Aktuell finde sich auch in der Gesamtwertung eine mittelgradige Symptomatik (S. 43
Ziff.
10).
5.4.3
Aus allgemeinmedizinischer Sicht führte
Dr.
B._
aus (
Urk.
9/121/67-85) aus, dass die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit in der früheren
und einer an
gepassten
Tätigkeit erst im Zusammenwirken der infektiologisch-internistischen Diagnose mit der Diagnose Asthenie schwerwiegend und dauerhaft eingeschränkt sei. Gelegentlich könnten Komplikationen der Grunderkrankung HIV zu Arbeits
unfähigkeitszeiten führen. Aufgrund der sedierenden Pharmakotherapie sollten hohe Anforderungen an Konzentration, Aufmerksamkeit und Verantwortung und das Führen v
on Maschinen vermieden werden. D
ie letztlich auch aufgrund unvollständiger Abklärung als Asthenie klassifizierte Störung der Funktionalität und Leistungsfähigkeit erscheine anamnestisch angesichts des Tätigkeitsprofils mittelgradig ausgeprägt. Unter Berücksichtigung von Persönlichkeitsaspekten, langjähriger Dekonditionierung und eingesch
ränkter
Copingfähigkeiten
sei di
e Leistungsfähigkeit beschränkt,
vor allem auch durch eine Erschöpfbarkeit, welche ein Pensum von maximal 50
%
der täglichen Arbeitszei
t erlaube. Dieses Pensum entspre
che quantitativ der wiederholten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
D._
(vgl. vorstehend E. 4.3
), wobei in jeder Tätigkeit die Einhaltung regel
mässiger Pausen sinnvoll wäre. Die subjektive Belastung durch Müdigkeit werde zwar als erheblich eingeschätzt, eine Objektivierung sei hier allerdings nicht möglich (
Ziff.
8.1-8.2).
Seit dem
9.
Mai 2012 hätten sich soweit erkennbar keine wesentlichen Änderungen der Diagnosekonstellation im internistischen Spektrum ergeben. Es finde sich basierend auf dieser Datengrundlage keine dauerhafte Änderung der durch diese Diagnosen bedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit über den genannten Zeitraum (vgl.
Ziff.
8.3).
5.4.4
In der
interdisziplinäre
n
Gesamtbeurteilung
(
Urk.
9/121/
3
-21) wurde festgehalten, dass die behandelnde Psychiaterin eine sehr komplexe und als ungewöhnlich anzusehende Diagnose ange
geben habe (vgl. vorstehend E. 4.4
), die keine Diagnose im Sinne einer ICD-10 Diagnostik sei. Es würden Phobien, affektive Störungen und dissoziative Zustände mit Schmerzstörungen vermischt. Parallel finde sich jedoch
immer wieder eine rezidivierende depressive Störung, auch gemäss Aktenlage. Selbst die behandelnde Psychiaterin habe depressive Anteile diagnostiziert, welche jedoch nicht innerhalb einer entsprechenden ICD-10 Diagnostik eingeordnet worden seien (S. 4
Ziff.
4.1).
Die psychiatrische und internistische Gesamtbeurteilung ergebe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Zentraler Punkt innerhalb der internistischen Problematik sei die sogenannte Asthenie. Diese sei innerhalb der psychiatrischen Erkrankung mitberücksichtigt worden. Es sei daher keine zusätzliche psychiatrisch- oder
internistischbedingte
additive Arbeitsunfähigkeit zu sehen
. Ab 2007 könne auf
grund einer ausreichenden Dokumentation eine potenzielle 50%ige Arbeitsunfähigkei
t nachvollzogen werden. Es würde
n sich anamnestisch nicht ausreichende Hinweise in der gesamten Befundbesprechung
finden
, um diesem Befundbild sicher zu widersprechen. Dies sei in Übereinstimmung mit allen anderen Behandlern, ausser der aktuell behandelnden Psychiaterin. Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im aktuellen Zustandsbild sei nicht nachvollziehbar (S. 9 f.)
. Sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (S. 11).
5
.5
Der Rechtsdienst der IV-Stelle nahm am
1
9.
Dezember 2018 bzw.
1
0.
Januar 2019 Stellung zum Sachverhalt (
Urk.
9/122/2-5) und prüfte,
ob die letzte materielle R
evision
zweifellos unrichtig war. D
ie Rentenerhöhung habe lediglich auf dem Bericht der behandelnden Psychiaterin basiert. Sie habe bei der Beschwerdeführerin die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ge
stellt,
was der damaligen Aktenlage widersprochen habe, und
sie
habe diese weder
nachvollziehbar nach den Kriterien des ICD-10-Katalogs
h
ergeleitet noch
begründet
. So habe
Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E. 3
) das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung ausdrücklich ausgeschlossen. Weiter habe
Dr.
C._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit der Kündigung im Jahr 1998 attestiert, obwohl sie die Beschwerdeführerin erst seit Oktober 2010 behandelt habe und sie nach der Kündigung noch fünf Jahre mit einem regelmässigen, stetig ansteigenden Einkommen gearbeitet habe. Der Bericht der behandelnden Psychiaterin habe so
mit mehrfach der damaligen Aktenlage widersprochen und sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar. Ausserdem hätten die Beschwerden der Beschwerdeführerin offensichtlich in erheblicher Weise auf psychosozialen Belastungsfaktoren beruht. So führte die Psychiaterin insbesondere aus, dass sich der psychische Zustand unter finanziell abgesicherten Lebensbedingu
ngen nachhaltig stabilisieren lie
sse (vgl.
vorstehend E. 4.4
). Psychosozial
e Belastungsfaktoren seien jedoch nicht diskutiert oder ausgeklammert worden. Damit hätte die IV-Stelle die massgebende bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht angewendet, die auch 2011 schon bestanden habe. Es liege ein Wiedererwägungsgrund vor, weil der Untersuchungsgrundsatz klar verletzt und eine Invaliditätsbemessung ohne nach
vollziehbare ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen worden sei
(S. 2 f.).
6.
6.1
Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob die Beschwerdegegnerin die Verfügung
vom
9.
Mai 2012
(
Urk.
9/89)
, mit welcher der Beschwerdeführerin
mit Wirkung ab Juni 2012 neu eine
ganze Invalidenrente
zugesprochen worden war, zu Recht in Wiedererwägung gezogen hat.
6.2
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebende Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Un
richtigkeit der Verfügung - denkbar (Urteil des Bundesgerichts 8C_111/2019 vom 1
4.
Juni 2019 E. 4.2, BGE 138 V 324 E.
3.3; vgl. auch vorstehend E. 1.4
).
6.3
Die Beurteilung der Rentenerhöhung
hat vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der vorliegend streitigen Verfügung vom
9.
Mai 2012 (
Urk.
9/89)
z
u erfolgen (vgl. vorstehend E. 1.4 und 6.2
).
Gemäss der mit BGE 130 V 352 begründeten und seither stetig weiter entwickelten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess un
zumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte «Foerster-Kriterien», vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 49 E. 1.2, je wiedergegeben BGE 139 V 547 E. 5 mit weiteren Hinweisen).
Da Persönlichkeits
störungen aufgrund klinischer psychiatrischer
Untersuchungen als klar diagnostizierbar erachtet wurden,
zähl
t
en
sie
rechtsprechungsgemäss
hingegen
nicht zu den pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nac
hw
eisbare organische Grundlage
(vgl. BGE 139 V 547 E. 7.1.4; vgl. Kreisschreiben über die Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 des IVG, gültig ab
1.
Januar 2012, KSBB,
Rz
. 1003)
.
6.4
Die mit Verfügung v
om
9.
Mai 2012 (
Urk.
9/89)
erfolgte Zusprache einer ganzen Rente
beruhte in medizinischer Hinsicht
massgeblich auf
dem Bericht von
Dr.
C._
vom August 2011 (vgl. vorstehend E. 4.4
) und der Stellungnahme von RAD-Ärztin
Dr.
F._
vom August 2011
(vgl. vorstehend E. 4.5
)
.
In der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
stellte sich die
Beschwerdegegnerin
auf den Standpunkt
, dass die Rentenerhöhung lediglich auf dem aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbaren Bericht der behandelnden Psyc
hiaterin basiert habe
und ihre
Beurteilung der d
amaligen Aktenlage widersprochen habe
. F
erner
sei
die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den psychosozialen Belastungsfaktoren nicht angewan
dt worden
(vgl. vorstehend E. 2.1
)
.
6.5
Dem ist entgegenzuhalten, dass
RAD-Ärztin
Dr.
F._
zum medizinischen Sa
ch
verhalt und insbesondere zu
r Frage, ob eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands eingetreten sei,
auf Ersuchen der Beschwerdegegnerin aus
führlich Stellung nahm
(vgl. vorstehend E. 4.5
)
. I
n Kenntnis der
Vorakten
und insbesondere des Berichts von
Dr.
C._
ging auch sie
vom Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung aus, wobei sie die Verschlechterung des Gesundheitszustands mit Zunahme der depressiven,
soziophoben
Anteile mit Erschöpfungssymptomatik auf den Behandlungsbeginn bei
Dr.
C._
datierte. Sie erachtete die Beschwerdeführerin
seit Oktober 2010
in jeglicher Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt
als
zu
100
%
arbeitsunfähig und
gelangte
zur Konklusion
, dass weitere medizinische Abklärungen aktuell nicht notwendig seien.
Somit gingen sowohl die behandelnde Psychiaterin
Dr.
C._
als auch die RAD-Ärztin
Dr.
F._
aufgrund einer Verschlechterung des Gesundheitszustands in psychiatrischer Hinsicht von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit der Beschwerdeführerin
in der bisherigen und in angepassten Tätigkeiten
aus. Als Fachärztinnen für Psychiatrie und Psych
otherapie verfüg
t
en sie
über die für die Beurteilung der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung erforderlichen Fachkenntnisse, sodass
sich bei Verfügungserlass nicht zwingend weitere Abklärungen hinsichtlich des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin a
ls
unerlässlich
erwiesen.
Die
vorliegenden
medizinischen Akten, welche Grundlage für die Erhöhung der Rente bildeten, mögen aus heutiger Sicht zwar als eher dürftig erscheinen, doch kann angesichts der damaligen Verwaltungs- und Rechtspraxis, nach welcher sich die rückblickende Beurteilung Jahre zurückliegender Rentenverfügungen zu richten hat, nicht gesagt werden, die gesundheitlichen Verhältnisse seien vor Er
lass der Rentenverfügung zweifellos ungenügend abgeklärt worden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_962/2010 vom 2
8.
Juli 2011 E. 3.2 und 8C_265/2016 vom
6.
Juli 2016 E. 4.2).
6.6
Das von der Beschwerdegegnerin erwähnte
Gutachten
von
Dr.
Z._
vom Februar 2006
(vgl. vorstehend E. 3
)
, in welchem er die
berichtete
emotionale Labilität sowie die extrovertierte, emotional teilweise unstete Persönlichkeit mit leicht theatralischem Verhalten als Persönlichkeitstyp und nicht als Persönlich
keitsstörung
auffasste, erging über 5 Jahre vor den Beurteilungen durch
Dr.
C._
und RAD-Ärztin
Dr.
F._
.
A
ufgrund
des beträchtlichen Zeitintervalls
seit der Erstattung des Gutachtens lassen sich daraus demnach
keine
Rückschlüsse über den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin
im Zeitpunkt der Rentenrevision im Jahr 2011/2012
ziehen
.
Somit
ist
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
hinsichtlich
der die Rentenerhöhung begründenden
medizinischen Berichte kein klarer
Widerspruch
zur damaligen Aktenlage festzustellen.
Überdies diagnostizierte
schliesslich auch
Dr.
A._
i
m November 2018 (vor
stehend E. 5.4
) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und dissozialen Anteilen (ICD-10 F61.0) sowie eine rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig mittelgradig mit somatischem Sy
ndrom (ICD-10 F33.11), und führte aus, dass es
sich um eine langjährig bestehende, schwergradig ausgeprägte psychiatrische Erkrankung
handle
. Pers
önlichkeitsstörungen
treten ferner
bekanntermassen meist in der Kindheit oder in der Ado
leszenz in Erscheinung
und
bestehen
während des
Erwachsenenalters weiter
(
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Hrsg.), ICD-10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinie
n, 1
0.
Auflage, S. 274).
Was d
ie von
Dr.
A._
geübte Kritik an der komplexen und als ungewöhnlich beschriebenen Diagnostik und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
C._
anbelangt, so
erweist sich
diese
zwar als nach
vollziehbar, vermag deren Beurteilung jedoch nicht als zweifellos unrichtig zu qualifizieren. So nannte sie eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F60.9 und damit ebenfalls eine im Spektrum der Persönlichkeits
störungen liegende Diagnose, wobei sie diese anhand der Anamnese und ärztlich erhobenen Befunde begründete. Die in der Diagnose genannten depressiven, dissoziativen Anteile, die neurasthenische Erschöpfungssymptomatik, Schlafstörungen mit Störung des Tag-Nacht-Rhythmus
sowie die Somatisierungen wurden im Übrigen auch im Gutachten von
Dr.
A._
er
wähnt (vgl.
Urk.
9/121/2
2
-
66
S. 27-29).
Die durch
die behandelnde Psychiaterin
attestierte 10
0%ige Arbeitsunfähigkeit mag sodann
aus heutiger Sicht
zwar
fraglich
sein,
in Anbetracht des ermessensgeprägten Charakters der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (v
gl. vorstehend E. 1.4
) und der Ausprägung der Befunde
erweist sie sich jedoch
nicht
als
gänzlich unvertretbar.
Was schliesslich die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten psychosozialen Faktoren anbel
angt, so gehen solche
zwar teilweise
aus dem Bericht von
Dr.
C._
hervor
,
die attestierte Arbeitsunfähigkeit
lässt sich
gemäss den Angaben im Bericht jedoch
auf die
durch die psychischen Beschwerden b
edingten E
inschränkung
en
zurück
führen. Jedenfalls kann nicht gesagt werden, dass die erwähn
ten Befunde
gemäss der damals geltenden Rechtsprechung
in psychosozialen und soziokulturellen Umständen ih
re hinreichende Erklärung fan
den
und gleichsam in ihnen aufgingen
, sodass
kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden
vorlag
(
vgl.
BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009 E. 2
).
Des Weiteren blieben
die psychosozialen Faktoren
auch
in der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch RAD-Ärztin
Dr.
F._
gänzlich ausgeklammert.
6.7
Nach dem Gesagten erweist sich
die Verfügung vom
9.
Mai 2012 (
Urk.
9/89)
nicht als zweifellos unrichtig. Demzufolge
sind die Voraussetzungen für eine Wieder
erwägung nicht erfüllt.
7.
7.1
Ergänzend ist
in revisionsrechtlicher Hinsicht
zu prüfen, ob sich der anspruchs
relevante Sachverhalt im Vergleichszeitraum ab Erlass der
Verfügung vom
9.
Mai 2012 (
Urk.
9/89) bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
1
6.
Mai 2019
(
Urk.
2) in einer für den Rentenanspruch massgebenden Weise erheblich verändert hat.
7.2
Das Gutachten
von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
vo
m November 2018 (vorstehend E. 5.4
) erfüllt
grundsätzlich
sämtliche Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Berichte im Sinne der R
echtsprechung (vorstehend E. 1.6
). Es setzt sich mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigung auseinander, berücksichtigt die geklagten Beschwerden sowie sämtliche ärztlichen Untersuchungsberichte
und
leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge sowie in der Beurteilung der medizini
schen Situation
im Wesentlichen
ein
, weshalb
grundsätzlich darauf abgestellt werden
kann
.
In somatischer Hinsi
cht ha
tten sich gemäss
Dr.
B._
keine wesentlichen Änderungen der Diagnosekonstellation im internistischen Spektrum ergeben.
Er hielt fest, dass basierend auf d
er Datengrundlage
sich
zudem seit Mai 2012 keine dauerhafte Änderung der durch diese Diagnosen bedingten Einschränkungen der Arbeit
sfähigkeit
finden lasse
(vgl. vorstehend E. 5.4.3
). Auch
in psychiatrischer Hinsicht lässt sich dem Gutachten keine wesentliche Veränderung des Gesund
heitszustands entnehmen.
So führte
Dr.
A._
aus, dass ab 2007 eine ausreichende Dokumentation zu sehen sei, um potenziell eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit nachzuvollziehen, wobei er die durch
Dr.
C._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
als nicht nachvollziehbar erachtete. Alle anderen behandelnden Ärzte vor der behandelnden Psychiaterin seien von einer mittel
gradigen Ausprägung ausgegangen. Die von ihr erwähnten schwergradigen Befunde, seien jedoch nie ICD-10-relevant adäquat dokumentiert worden. Auch aktuell finde sich in der Gesamtwertung eine mittelgradige Symptomatik
(vgl. vorstehend E. 5.4.2
)
.
Eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes oder veränderte Auswirkungen des gleichgebliebenen Gesundheitszustandes auf die Erwerb
sfähigkeit der Beschwerdeführerin
seit 2012
sind damit nicht dokumentiert, weshalb eine Rentenrevision ausser Betracht fällt.
7.3
Gemäss
Art.
7
Abs.
1 IVG muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unter
nehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6 ATSG) zu verringern und den Eintritt einer Invalidit
ät (
Art.
8 ATSG) zu verhindern. Die versicherte Person muss gemäss
Art.
7
Abs.
2 IVG an allen zumutbaren
Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Ein
gliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teil
nehmen.
Art.
21
Abs.
4 ATSG bestimmt, dass einer versicherten Person die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden können, wenn sie sich einer zu
mutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, entzieht oder widersetzt oder nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu beiträgt. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Die Sanktion bei verletzter Schadenminderungs- oder Mitwirkungspflicht hat sich an das Verhältnismässigkeitsprinzip zu halten und insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_370/2013 vom 2
2.
November 2013 E. 3 mit Hinweisen).
7.4
Dr.
A._
legte nachvollziehbar dar, dass die Therapieoptionen bisher bei Weitem noch nicht ausgeschöpft worden sind
.
Eine
über einen länger andauernden Zeitraum stattfindende engmaschige psychiatrisch-psychotherapeutische Therapie sowie eine
adäquate
Psychopharmakatherapie
wurden
bis anhin
nicht durchgeführt, erscheinen in Anbetracht der Ausprägung der Befunde
und der
Beurteilung durch
Dr.
A._
jedoch als indiziert.
Allen
falls wäre
auch
eine stationäre oder teilstationäre
psychiatrische Behandlung in Betracht zu ziehen
(vgl.
Urk.
9/121/2
2
-
66
S. 40
)
. Dass
hingegen
Dr.
C._
in ihrem Verlaufsbericht v
om Oktober 2017 (vorstehend E. 5.3
)
die Weiterführung der Psychotherapie als kontraindiziert bezeichnete, ist mangels einer diesbezüg
lich plausiblen Begründung und angesichts der von ihr behaupteten schwergradigen Ausprägung der Beschwerden
nicht
nachvollziehbar.
Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass bei Durchführung einer leit
liniengerechten Therapie
durchaus
eine Verbesserung des psychischen Gesund
heitszustands und der Arbeitsfähigkeit erreicht werden kann. Der Leistungsanspruch wird nach Durchführung
der geeigneten Massnahmen durch die IV-Stelle zu gegebener Zeit revisionsweise zu überprüfen sein.
8.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die mit Verfügung vom
9.
Mai 2012 (
Urk.
9/89)
erfolgte Erhöhung von einer halben auf eine ganze Rente
nicht als zweifellos unrichtig
zu qualifizieren ist. Anhaltspunkte für mögliche Revisions
gründe sind nicht vorhanden. Die von der Beschwerdegegnerin am
1
6.
Mai 2019
(
Urk.
2) wiedererwägungsweise verfügte Herabsetzung auf eine halbe Rente erfolgte daher zu Unrecht, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde gutzuheissen ist und
festzustellen ist, dass die Beschwerdeführerin weiterhin An
spruch auf eine ganze Rente hat.
9.
9.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung, IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
9.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen
den Ersatz der Parteikosten.
Nachdem die unentgeltliche Rechtsvertreterin
trotz Aufforderung (vgl.
Urk.
10
) keine Honorarnote eingereicht hat, ist ihr Aufwand nach Ermessen festzulegen. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und des gerichtsüblichen Ansatzes von
Fr.
220.-- zuzüglich Mehrwert
steuer ist die
Parteientschädigung auf
Fr.
2’0
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Bar
auslagen) festzusetzen
und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.