Decision ID: aa7e7b0f-e09c-40a6-ad9a-53b66dad6606
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Pierre-Henri Gapany, Lausannegasse 38-40,
1701 Fribourg,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte) war seit dem 15. November 2008 als
Verkaufsberaterin bei der B._ AG berufstätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als sie am 19. Mai 2009 beim Verschieben schwerer
Kartonschachteln zu Boden stürzte und sich dabei am rechten Hüftgelenk verletzte
(Suva-act. 1, 2). Bei der Erstkonsultation vom 19. Juni 2009 bei der Klinik C._,
bestand der Verdacht auf einen Riss der Gelenkpfanne rechts und auf einen Muskelriss
der Adduktoren (Suva-act. 8/4). Ab 1. Juli 2009 war die Versicherte zu 100%
arbeitsunfähig (Suva-act. 2, 5b, 8/3). Im Rahmen der radiologischen Untersuchung des
rechten Hüftgelenks vom 4. August 2009 wurde unter Berücksichtigung der Ergebnisse
der Beckenuntersuchung vom 21. Juli 2009 ein Labrumriss diagnostiziert (Suva-
act. 4/2, 4/2). Die Suva erbrachte für den Unfall vom 19. Mai 2009 die gesetzlichen
Leistungen (Suva-act. 9; act. G. 1.2).
A.b Vom 28. Juli bis 19. August 2009 war die Versicherte in der rheumatologischen
Abteilung des Kantonsspitals D._ hospitalisiert (Suva-act. 4, 87). Während eines
stationären Aufenthalts in der Rehabilitationsklinik E._ vom 19. August bis 2. Oktober
2009 wurden die Diagnosen auf beidseitige Hüftschmerzen unbekannten Ursprungs,
Sturz mit Prellung am rechten Hüftgelenk, kleiner Labrumriss am rechten Hüftgelenk
(gemäss Befund des MRI vom 4. August 2009), Mikroverletzungen des äusseren
rechten Hüftlochmuskels sowie eine Diskopathie L4-L5 und L5-S1 gestellt (Suva-
act. 16, 19). Die Arthrographie-MRI Untersuchung des linken Hüftgelenks vom
21. September 2009 ergab eine leichte Abnahme der Knorpeldichte des coxofemoralen
Gelenks in Verbindung mit einer beginnenden Arthrose (Suva-act. 19). Die Versicherte
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nahm am 24. November 2009 ihre angestammte Tätigkeit zu 20% wieder auf (Suva-
act. 27) und per 9. Dezember 2009 bestand bei ihr eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Suva-
act. 24, 26). Mit Rapport vom 26. Februar 2010 (Suva-act. 30) berichtete Dr. med.
F._, Chefarzt der rheumatologischen Abteilung des Spital O._, dass die Versicherte
an einem chronischen Schmerzsyndrom, insbesondere im Bereich der beidseitigen
coxofemoralen Gelenke, leide. Mit Bericht vom 19. März 2010 (Suva-act. 32) hielt
Dr. med. G._, rheumatologische Abteilung des Spital O._, fest, dass als bleibender
Schaden chronische Schmerzen zu befürchten seien. Ab 6. April 2010 wurde die
Arbeitstätigkeit auf 70% erhöht und eine volle Arbeitstätigkeit per Sommer 2010
angestrebt, wobei gemäss Arztbericht vom 26. Mai 2010 von Dr. med. H._,
Chefärztin der rheumatologischen Abteilung des Spitals O._, keine
Kontraindikationen gegen eine progressive Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf 100%
sprachen (Suva-act. 37, 38).
A.c Am 10. Juli 2010 wurde die Versicherte Opfer eines Verkehrsunfalls, welcher eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatte (Suva-act. 42). Mit Verfügung vom
28. September 2010 sprach die Suva der Versicherten ein Taggeld von Fr. 144.35 zu,
wobei der Anspruch zu 70% auf dem Unfall vom 10. Juli 2010 (ab 13. Juli 2010) und zu
30% auf dem Unfall vom 19. Mai 2009 beruhte (Suva-act. 52).
A.d Dr. med. I._, orthopädischer Spezialist, und Dr. H._, empfahlen eine operative
Resektion des Labrums (Suva-act. 49, 50, 67/4, 67/5). Demgegenüber führte Dr. med.
J._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Kreisarzt der Suva, aus, dass er
der Versicherten aufgrund der degenerativen Ursache keinen chirurgischen Eingriff zur
Behebung des kleinen Labrumrisses der rechten Hüfte empfehle. Die Suva sei bei einer
allfälligen Durchführung der Operation nicht leistungspflichtig (Suva-act. 59). Auf
Grundlage einer zweiten Arthrographie-MRI Untersuchung vom 25. November 2010
des rechten Hüftgelenks (Suva-act. 76, 80) ging Dr. med. K._, Facharzt FMH für
orthopädische Chirurgie im Spital O._, davon aus, dass trotz lediglich einer
Erfolgsquote von 60-70% eine partielle Resektion des Labrums indiziert sei (Suva-
act. 80). Am 17. Januar 2011 liess Dr. J._ bei Prof. Dr. med. L._, Chefarzt
Radiologie der Klinik P._, eine Beurteilung des Labrumrisses und seiner Ätiologie
anhand der radiologischen Bildgebung vornehmen (Suva-act. 91, 98). Gestützt auf
diese Beurteilung bestätigte Dr. J._ in der Stellungnahme vom 7. Februar 2011, dass
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das Beschwerdebild des linken Hüftgelenks gemäss Arthrographie-MRI Untersuchung
mit dem des rechten Hüftgelenks übereinstimme, und dieser Umstand auf eine
degenerative Entwicklung schliessen lasse (Suva-act. 102).
A.e Daraufhin stellte die Suva mit Verfügung vom 11. Februar 2011 die Leistungen in
Bezug auf den Unfall vom 19. Mai 2009 per 31. Dezember 2010 ein (Suva-act. 104). Die
gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 14. Februar 2011 (Suva-act. 108)
wurde mit Einspracheentscheid vom 24. Februar 2011 abgewiesen (act. G 1.3).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob die Versicherte mit Eingabe vom 19. März 2011
Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, es seien ihr weiterhin die gesetzlichen
Leistungen gemäss UVG zu erbringen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2011 schloss die Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt P.-H. Gapany, Fribourg, auf Abweisung der Beschwerde
vom 19. März 2011 unter Bestätigung des Einspracheentscheids vom 24. Februar 2011
(act. G 10). Zur Begründung führt sie im Wesentlichen an, dass die Läsion nicht
unfallkausal, sondern degenerativ bedingt sei, weshalb die Beschwerdegegnerin nicht
für die Operation aufzukommen habe.
B.c Mit Replik vom 2. September 2011 (act. G 12) stellte die Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt R. Hochreutener, St. Gallen, den Antrag, der
Einspracheentscheid vom 24. Februar 2011 sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin seien die gesetzlichen Leistungen nach UVG auch für die Zeit
nach dem 31. Dezember 2010 bis auf Weiteres auszurichten. Eventualiter sei der
Einspracheentscheid vom 24. Februar 2011 aufzuheben und die Angelegenheit sei zur
Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung
legte sie unter anderem dar, dass die Beschwerdegegnerin die natürliche Kausalität
des Unfallereignisses vom 19. Mai 2009 anerkannt und gestützt darauf bis zum
31. Dezember 2010 Taggeldleistungen erbracht sowie die Kosten der
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Heilbehandlungen übernommen habe. Für den Wegfall des natürlichen
Kausalzusammenhangs sei die Beschwerdegegnerin beweispflichtig.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 27. September 2011 auf
eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts St. Gallen ergibt sich aus
Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1); die örtliche Zuständigkeit folgt aus Art. 58 Abs. 2 ATSG, zumal sich
der Wohnsitz der Versicherten in Frankreich befindet und die letzte Arbeitgeberin, die
B._ AG, ihren Sitz im Kanton St. Gallen hat.
2.
Vorliegend ist streitig, ob die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin in
einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 19. Mai 2009
stehen und ob die Leistungseinstellung auf den 31. Dezember 2010 zu Recht erfolgte.
Unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Unfalls vom 19. Mai
2009 Leistungen erbracht hat.
3.
3.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt gemäss Art. 6 Abs. 1
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Bei physischen Unfallfolgen spielt indessen
die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle, indem die Unfallversicherung auch für seltenste, schwerwiegendste
Komplikationen haftet, welche nach der unfallmedizinischen Erfahrung im allgemeinen
gerade nicht einzutreten pflegen (BGE 118 V 286, E. 3a; vgl. BGE 117 V 365, E. d/bb,
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2012&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=bge+118+V+289+&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-V-359%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page365
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unten, mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung). Ob ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit;
die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177, E. 3.1 mit Hinweisen). Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es
sich bei der Einstellung um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die
Beweislast nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr.
U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen; BGE 117 V 261 E. 3b). Dieser muss jedoch nicht den
Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen. Ebenso wenig geht es darum, vom
Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden
mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] U 285/00, E. 5a vom 31. August 2001). Welche
Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist unerheblich. Entscheidend ist
allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind. Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers bei einem durch den Unfall verschlimmerten oder überhaupt erst
manifest gewordenen krankhaften Vorzustand entfällt erst, wenn entweder der
(krankhafte) Gesundheitszustand erreicht ist, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (status quo sine; vgl. zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206
S. 328f. E. 3b, mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts U 290/06 vom 11. Juni 2007,
E. 3.3).
3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
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gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens -
abschliessen (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
4.
Dadurch, dass die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Unfalls vom 19. Mai 2009
Leistungen erbrachte, anerkannte sie nicht bereits eine natürliche Kausalität zur
Labrumläsion rechts. Leistungsgrund war zunächst die Verstauchung/Verdrehung des
rechten Hüftgelenks (Suva-act. 1, 2). Der Labrumriss rechts wurde erst mit der radio
logischen Untersuchung vom 4. August 2009 festgestellt (Suva-act. 4/2). Mit ärztlichem
Bericht vom 14. August 2009 wurde neben dem Labrumriss auch eine Kontusion der
rechten Hüfte und Mikroverletzungen des äusseren rechten Hüftlochmuskels rechts
festgestellt (Suva-act. 8/1). Da am 19. August 2009 ein Aufenthalt in der
Rehabilitationsklinik E._ vorgesehen war und die medizinische Dokumentation erst
am 18. August 2009 einging (Suva-act. 4, 87, 9), konnte die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht nicht umfassend überprüfen und lediglich feststellen, dass die
bisherige Dokumentation zumindest für den stationären Eintritt ausreiche (Suva-
act. 8/2). Auch nach dem Rehabilitationsaufenthalt drängte sich eine
Kausalitätsbeurteilung bezüglich des Labrumrisses rechts nicht auf, da die
Beschwerdeführerin im November 2009 ihre Arbeit wieder aufnahm und ihr Pensum in
den folgenden Monaten kontinuierlich steigerte (Suva-act. 24, 26, 27, 37, 38). Dem
Austrittsbericht vom 9. Oktober 2009 sind als Diagnose neben dem kleinen Labrumriss
am rechten Hüftgelenk auch beidseitige Hüftschmerzen unbekannten Ursprungs, Sturz
mit Prellung am rechten Hüftgelenk, Mikroverletzungen des äusseren rechten
Hüftlochmuskels sowie eine Diskopathie L4-L5 und L5-S1 zu entnehmen (Suva-act. 16,
19). Bevor sich der zweite Unfall am 10. Juli 2010 ereignete, bestanden gemäss Bericht
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vom 26. Mai 2010 von Dr. H._ keine Kontraindikationen für eine progressive
Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100% (Suva-act. 38). Erst ab August 2010, als eine
operative Labrumresektion erstmals diskutiert wurde, musste die Beschwerdegegnerin
prüfen, ob der natürliche Kausalzusammenhang und eine darauf gründende
Leistungspflicht mit Bezug auf den Labrumriss rechts gegeben war (Suva-act. 49, 67/4,
67/5, 70, 80; bf.act. 4). Aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin den
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 19. Mai 2009 und dem
Labrumriss rechts bis dahin nie näher geprüft und in der Folge bejaht hatte, bleibt es
auch in diesem Zeitpunkt dabei, dass die Beschwerdeführerin mit dem Beweismass
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen hat, dass die rechte
Labrumläsion auf das Unfallereignis vom 19. Mai 2009 zurückzuführen ist und
gegebenenfalls die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat. Allerdings greift diese
Beweislastverteilung erst dann Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen
des Untersuchungsgrundsatzes und der Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261, E. 3b; unveröffentlichtes Urteil des
Bundesgerichts 8C_396/2011 vom 21. September 2011, E. 4).
5.
5.1 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Nach dem Unfallereignis klagte die Beschwerdeführerin über
persistierende Schmerzen im rechten Hüftgelenk. Nachdem bereits bei der
Erstkonsultation vom 19. Juni 2009 bei der Klinik C._ ein Verdacht auf einen Riss der
Gelenkpfanne rechts und auf einen Muskelriss der Adduktoren bestand (Suva-act. 8/4),
wurde im Arztbericht vom 5. August 2009 ein Labrumriss im anterosuperioren
Quadranten diagnostiziert (Suva-act. 4/2). Die Diagnose beruht auf der Arthrographie-
MRI Untersuchung des rechten Hüftgelenks vom 4. August 2009 und der
Beckenuntersuchung vom 21. Juli 2009 (Suva-act. 4/2). Es handelt sich dabei eindeutig
um ein organisches Substrat, das als Ursache der geklagten Beschwerden im
Hüftbereich in Erwägung zu ziehen ist. Zu prüfen ist daher im Folgenden, inwieweit
dieses organische Substrat durch den Unfall vom 19. Mai 2009 verursacht wurde oder
inwieweit der Unfall darauf eingewirkt hat. In Frage kommt eine durch den Unfall
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verursachte organische Gesundheitsschädigung, eine richtunggebende
Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustands oder ein durch den Unfall lediglich
ausgelöster (nicht verursachter) oder vorübergehend verschlimmerter degenerativer
Vorzustand. Beim Unfall als Auslösefaktor interessiert im Weiteren die Frage, ob der
Beschwerdeschub noch andauert bzw. bis zu welchem Zeitpunkt er angedauert hat
(vgl. dazu RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190, E. 3).
5.2
5.2.1 Eine entscheidende Beurteilungskomponente für die Beantwortung dieser Frage
bildet zunächst der Unfallmechanismus. Bekannt ist, dass die Beschwerdeführerin mit
Schwung schwere Kartons verschieben wollte und dabei stürzte (Suva-act. 8/1).
Während Dr. J._ der Ansicht ist, der Sturz vom 19. Mai 2009 sei nicht als Auslöser
geeignet, um einen traumatischen Labrumriss herbeizuführen, zumal dieser in der
Regel ebenfalls eine Subluxation der Hüfte zur Folge gehabt hätte, vertritt Dr. K._ die
Auffassung, dass eine traumatische Ursache der Beschwerden - mit Blick auf die
Beschwerdefreiheit der Beschwerdeführerin vor dem Unfall, Fehlen einer
konstitutionellen Prädisposition (Pincer, Cam oder Dysplasie) und das Vorliegen einer
Desinsertionszone - sehr wahrscheinlich erscheine. Er wies zudem darauf hin, dass
Labrumläsionen nicht unbedingt eine Luxation oder Subluxation implizieren würden,
sondern ebenso durch ein Zerdrücken bei einer forcierten Flexions- oder
Abduktionsbewegung ausgelöst werden könnten. Laut Unfall-Meldung vom 30. Juni
2009 und Schadens-Meldung vom 29. Juli 2009 zog sich die Beschwerdeführerin eine
Verstauchung/Verdrehung des rechten Hüftgelenks zu (Suva-act. 1, 2). Gestützt auf
diese Angaben erbrachte die Beschwerdegegnerin Leistungen (act. G 1.2), wobei aus
den Akten nicht weiter ersichtlich ist, wie sich der Sturz genau ereignet hat. Insofern
spricht der Unfallmechanismus nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit für oder gegen einen durch das Unfallereignis vom 19. Mai 2009
ausgelösten Labrumriss.
5.2.2 Hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs ist zu bemerken, dass nach dem Unfall vom
19. Mai 2009 eine Erstkonsultation am 19. Juni 2009 erfolgte. Dabei ergab sich der
Verdacht auf einen Riss der Gelenkpfanne rechts und auf einen Muskelriss der
Adduktoren (Suva-act. 8/4). In subjektiver Hinsicht verursacht eine Labrumläsion nur
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Schmerzen, deren Lokalisation meist in der Leiste angegeben wird. Der Schmerz wird
anfänglich nur kurz anhaltend empfunden und kann mit zunehmender Dauer der
Beschwerden auch permanent auftreten. (Frank Diemer/Volmar Sutor, Praxis der
medizinischen Trainingstherapie, Stuttgart 2007, S. 228f.) Unter Berücksichtigung
dieser Symptomatik erscheint nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin zunächst
abwartete, bevor sie einen Arzt konsultierte, zumal sie sich in erster Linie eine baldige
Verbesserung durch Abklingen der Schmerzen erhoffte. Für Letzteres spricht auch der
Umstand, dass die Beschwerdeführerin vom Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 19. Juni
2009 - worin ihr bis zum 28. Juni 2009 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde - keinen
Gebrauch machte und bis zum 1. Juli 2009 weiterhin der bisherigen Arbeit nachging
(Suva-act. 8/4, 2, 8/3). Demgemäss lassen sich aus dem Zuwarten der
Beschwerdeführerin keine überwiegend wahrscheinlichen Rückschlüsse in Bezug auf
die Unfallkausalität ihrer verbleibenden Beschwerden seit der Leistungseinstellung vom
31. Dezember 2010 ziehen.
5.2.3 Nach dem Gesagten ist mit Blick auf den Unfallmechanismus und den zeitlichen
Ablauf als Kausalität des Labrumrisses an der rechten Hüfte ein Trauma in Form des
Unfalls vom 19. Mai 2009 oder ein Degenerationsprozess denkbar.
5.3
5.3.1 Die zweite Arthrographie-MRI Untersuchung des rechten Hüftgelenks und des
Beckens vom 25. November 2010 führte einen superolateralen und -anterioren
Labrumriss im Umfang von 20 bis 25 mm mit moderaten Anzeichen einer beginnenden
Koxarthrose zutage (Suva-act. 76, 80). Mit Arthrographie-MRI Untersuchung vom
20. Januar 2011 (Suva-act. 97) wurde beim linken Hüftgelenk ebenfalls eine
Labrumläsion superolateral und -anterior mit diskreten Anzeichen einer beginnenden
Koxarthrose festgestellt. Hinsichtlich der Ätiologie der Labrumläsion(en) der
Beschwerdeführerin finden sich in den Akten gegenteilige ärztliche Beurteilungen, die
es nachfolgend zu würdigen gilt.
5.3.2 Am 21. Oktober 2010 nahm Dr. J._ eine kreisärztliche Beurteilung vor (Suva-
act. 59). Darin kommt er zum Schluss, dass die Labrumläsion rechts degenerativ
bedingt sei. Der Sturz vom 19. Mai 2009 sei nicht als Auslöser geeignet, um einen
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traumatischen Labrumriss herbeizuführen, zumal dieser in der Regel ebenfalls eine
Subluxation der Hüfte zur Folge gehabt hätte. Daraus folgert er, dass der Unfall vom
19. Mai 2009 höchstens eine bereits vorhandene Pathologie offenbart habe. Auf
Anfrage von Dr. J._ teilte Prof. Dr. L._ mit Stellungnahme vom 25. Januar 2011
(Suva-act. 98) mit, dass der Einriss des Labrums eine Ausdehnung von ca. 14 mm
aufweise und es aufgrund der Morphologie des Befunds alleine nicht möglich sei,
zwischen einer traumatischen bzw. degenerativen Ursache zu unterscheiden. Zudem
sei eine Labrumläsion wahrscheinlich durch eine leichte Pincer-Konfiguration des
Hüftgelenks mit leichter Coxa profunda und aufgrund einer geringen acetabulären
Vorderwand begünstigt worden. In seiner anschliessenden Beurteilung vom 7. Februar
2011 (Suva-act. 102) leitete Dr. J._ aus dem Bericht von Prof. Dr. L._ ab, dass
dieser eine traumatische Ursache der Läsion lediglich als möglich betrachte. Die
zwischenzeitlich erfolgte Arthrographie-MRI Untersuchung der linken Hüfte habe
dieselben Ergebnisse zutage gefördert wie auf der Gegenseite. Die Pathologien auf
beiden Seiten sprächen für eine degenerative Ursache der Labrumrisse. Gemäss dem
von der Beschwerdeführerin beschriebenen Unfallverlauf sei es unvorstellbar, dass sie
an beiden Hüften identische Verletzungen erlitten haben solle.
5.3.3 Auf Grundlage der zweiten Arthrographie-MRI Untersuchung des rechten
Hüftgelenks und des Beckens vom 25. November 2010 (Suva-act. 76, 80) ging
Dr. K._ davon aus, dass eine traumatische Ursache der Beschwerden - mit Blick auf
die Beschwerdefreiheit der Beschwerdeführerin vor dem Unfall, Fehlen einer
konstitutionellen Prädisposition (Pincer, Cam oder Dysplasie) und das Vorliegen einer
Desinsertionszone - sehr wahrscheinlich erscheine. Zudem stellte er mit Nachdruck
fest, dass die Hüfte sehr wenige degenerative Anzeichen und keine anatomische
Prädisposition enthalte. Die moderate Verknorpelung könnte sich gemäss Dr. K._
ohne weiteres sekundär zur Labrumläsion entwickelt haben. Mit Arztbericht vom
3. November 2010 gab Dr. med. M._, Hausarzt der Versicherten seit 1998, an, dass
die Versicherte vor dem Unfall vom 19. Mai 2009 keinerlei Hüftbeschwerden gehabt
hätte (Suva-act. 67/3). Mit Brief vom 5. November 2010 (Suva-act. 70) teilte Dr. N._,
Allgemeinarzt, mit, dass die Versicherte zuvor keine Beckenprobleme gehabt habe,
weshalb diese Pathologie aller Wahrscheinlichkeit nach in Verbindung zum Unfall
stehe. Mit Stellungnahme vom 31. Mai 2011 (bf.act. 3) erläuterte Dr. I._ zudem, dass
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er bei Begutachtung der Röntgenbilder der linken Hüfte vom 21. September 2009 eine
Labrumläsion anterior feststellen könne.
5.3.4 Ursache eines Labrumrisses können schnelle Drehungen, Stürze oder auch
Unfälle sein. Betroffen sind meist jüngere Frauen zwischen 17 und 40 Jahren. Bei
älteren Menschen mit arthrotischen Veränderungen kann das Labrum auch degeneriert
sein (Diemer/Sutor, a.a.O., S. 228). Als unverkennbares Indiz für einen
Degenerationsprozess in Bezug auf das rechte Hüftgelenk führt Dr. J._ den
Labrumriss des linken Hüftgelenks an (Suva-act. 97). Darüber, ob der Labrumriss links
bereits zum Zeitpunkt der ersten Arthrographie-MRI Untersuchung am 21. September
2009 bestand, gehen die ärztlichen Meinungen wiederum auseinander, obwohl die
diesbezüglichen Feststellungen auf derselben radiologischen Bildgebung beruhen
(Suva-act. 19, 98; bf.act. 3). Unabhängig davon spricht das Vorhandensein eines
Labrumrisses auf beiden Seiten in der Tat eher gegen die Unfallkausalität und für eine
primäre Arthrose. Arthrotische Gelenke sind gegen traumatische Schäden recht
empfindlich. Dies hat zur Folge, dass manchmal kleinere Unfälle als Ursache einer
Arthrose erscheinen. Tatsächlich lösen sie lediglich die Beschwerden aus (Alfred
M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, Patientenorientierte Diagnostik
und Therapie des Bewegungsapparates, 4. vollständig neu bearbeitete Auflage 2005,
S. 586). Labrumläsionen werden mitunter eher als Begleiterscheinung denn als Ursache
der progredienten Degeneration bezeichnet (Debrunner, a.a.O., S. 975). Bei der
Beschwerdeführerin wurden zwar lediglich beginnende Anzeichen einer Koxarthrose
festgestellt, die sich gemäss Dr. K._ auch sekundär zur Labrumläsion entwickelt
haben könnten (Suva-act. 19, 76, 80). Zum Zeitpunkt dieses Befunds war Dr. K._
jedoch nicht bekannt, dass beim linken Hüftgelenk ebenfalls eine Labrumläsion mit
lediglich diskreten Anzeichen einer beginnenden Koxarthrose festgestellt werden würde
(Suva-act. 97). Aufgrund des in Erwägung 4.2.1 erörterten Unfallmechanismus und
insbesondere wegen einer fehlenden Einwirkung auf das linke Hüftgelenk (Suva-act. 1,
2) ist eine traumatische Ätiologie der linken Labrumläsion - unabhängig davon, ob die
radiologischen Befunde im Jahr 2009 bereits Hinweise für eine Labrumläsion in der
linken Hüfte ergaben oder nicht (Suva-act. 19, 98; bf.act. 3) - höchst unwahrscheinlich
und wurde von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Soweit die
Beschwerdeführerin zudem - insbesondere mit Verweis auf die Arztberichte von
Dr. M._ und Dr. N._ (Suva-act. 67/3, 70) - anbringt, sie sei bis zum besagten
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Ereignis beschwerdefrei gewesen, ist ohnehin festzuhalten, dass nach der Formel "post
hoc ergo propter hoc" eine gesundheitliche Schädigung nicht schon deshalb als durch
einen Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 335, E. 2b/
bb). In diesem Sinn ist es lediglich möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich,
dass der rechte Labrumriss bei der Beschwerdeführerin durch den Unfall vom 19. Mai
2009 verursacht wurde.
5.4 Das Vorliegen einer richtunggebenden Verschlimmerung einer degenerativen
Erkrankung wird von Seiten der Ärzte nirgends diskutiert. Nachdem es wie oben
festgestellt nicht überwiegend wahrscheinlich ist, dass der kleine Riss im Labrum
rechts durch den Unfall vom 19. Mai 2009 verursacht wurde, ist auch in keiner Weise
anzunehmen, dass deren Verschlimmerung aus ebendiesem Grund erfolgt sein soll.
Gemäss Debrunner erscheinen manchmal kleinere Unfälle als Ursache einer Arthrose.
Tatsächlich lösen sie lediglich die Beschwerden aus (a.a.O., S. 586). Selbst wenn eine
vorübergehende Verschlimmerung zu bejahen wäre, müsste aufgrund der identischen
Diagnosestellung bezüglich des linken Hüftgelenks (Suva-act. 97) davon ausgegangen
werden, dass der status quo sine des rechten Hüftgelenks zum Zeitpunkt der
Leistungseinstellung am 31. Dezember 2010 erreicht war.
5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die natürliche Kausalität zwischen dem
Unfall vom 19. Mai 2009 und den über den 31. Dezember 2010 hinaus geklagten
Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan ist. Die Einstellung
der Leistungen erweist sich damit als gerechtfertigt.
6.
Dem Antrag des Vertreters der Beschwerdeführerin, der Einspracheentscheid sei
aufzuheben und die Angelegenheit sei zur Durchführung weiterer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, ist nicht stattzugeben. Von weiteren
Abklärungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet
werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157, E. 1d).
7.
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Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ein Anspruch auf
Parteientschädigung besteht für die unterliegende Beschwerdeführerin nicht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39