Decision ID: a19a8e15-da5f-5aa4-9bef-ff25616bfc15
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Registrierung der internationalen Wortmarke IR 1'352'215 STELLAR
mit Schutzausdehnung auf die Schweiz wurde von der Organisation Inter-
nationale de la Propriété Intellectuelle (OMPI) gestützt auf eine singapuri-
sche Basiseintragung am 14. März 2017 vollzogen und der Vorinstanz am
29. Juni 2017 notifiziert. Das Zeichen wurde für Waren der Klasse 10, na-
mentlich "Prothèses auditives à usage médical et leurs parties" bean-
sprucht.
B.
Die Vorinstanz erliess am 17. Mai 2018 eine provisorische Schutzverwei-
gerung ("Notification de refus provisoire total [sur motifs absolus]") mit der
Begründung, das Zeichen gehöre für die beanspruchten Waren zum Ge-
meingut, da es von den Verkehrskreisen als beschreibend für herausra-
gende Produkte verstanden werde und somit anpreisend im Sinne einer
Qualitätsangabe sei.
C.
Mit Stellungnahme vom 3. Oktober 2018 stellte die Beschwerdeführerin ei-
nen Antrag auf Weiterbehandlung. Das deutsche Wort "stellar" habe eine
astronomische Bedeutung und weise einzig auf das Verhältnis zwischen
zwei Körpern im Raum hin, habe darüber hinaus keine relevante Bedeu-
tung im hiesigen Sprachgebrauch und werde ausserdem vom italienisch-
respektive französischsprachigen Teil der massgeblichen Verkehrskreise
als deutsches Wort erkannt. Daher sei dem Zeichen für sämtliche Waren
Schutz zu gewähren.
D.
In ihrem Schreiben vom 14. Mai 2019 ergänzte die Vorinstanz, die astro-
nomische Verwendung des Zeichens in Bezug auf die strittigen Waren er-
gebe in casu keinen Sinn. Die massgeblichen Abnehmerkreise würden da-
her, nach einem ihnen bekannten Bedeutungsinhalt suchend, in dem Zei-
chen eine Qualitätsangabe im Sinne einer herausragenden, führenden
Ware erkennen. Diese Bedeutungsvariante des Begriffs gehöre einerseits
zum englischen Grundwortschatz und lehne sich andererseits sprachlich
sehr eng an das Wort in allen Prüfsprachen (stellar, stellaire, stellare) an.
E.
Mit Stellungnahme vom 29. August 2019 argumentiert die Beschwerdefüh-
rerin das Wort Stellar gehöre weder zum englischen Grundwortschatz,
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noch sei es dem betreffenden Fachgebiet zugehörig. Folglich verstünden
die massgeblichen Verkehrskreise, bestehend aus Durchschnittsabneh-
mern und Hörakustikern, es nicht als beschreibend, sondern lediglich im
astronomischen Sinne. Wenigstens handle es sich vorliegend aber um ei-
nen einzutragenden Grenzfall.
F.
Mit Datum vom 22. Juni 2020 verfügte die Vorinstanz, an ihrer bisherigen
Begründung festhaltend, die endgültige Schutzverweigerung. Die Abneh-
merkreise bestünden aus Durchschnittskonsumenten, Ärzten und Höra-
kustikern, wobei aufgrund ihres vorgegebenen Bildungsweges immerhin
letztere beide erweiterte Englischkenntnisse beherrschten, womit sie "stel-
lar" verstünden. Ein Zeichen müsse mangels Unterscheidungskraft bereits
dann zurückgewiesen werden, wenn nur einer von mehreren Abnehmer-
kreisen es als gemeinfrei wahrnehme.
G.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom
23. Juli 2020 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und diese anzuwei-
sen, dem hinterlegten Zeichen für alle angemeldeten Waren Schutz in der
Schweiz zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Der auch
auf Deutsch existente und verständliche Begriff "stellar" gehöre nicht zum
englischen Grundwortschatz, sei nicht anpreisend und somit nicht dem Ge-
meingut zugehörig. Unter Aufzählung von Anwendungsbeispielen argu-
mentiert sie, im Englischen werde "stellar" nicht als Attribut zum Warenbe-
schrieb verwendet, sondern habe höchstens im vorliegend nicht streitge-
genständlichen Business- und Marketingbereich eine Bedeutung im Sinne
von "führend" bzw. "herausragend" erlangt. Die in casu relevanten Ver-
kehrskreise, zu denen im Übrigen keine Ärzte zählten, kämen ohne beson-
dere Denkarbeit keinesfalls zur Annahme, es handle sich bei "stellar" um
eine Qualitätsangabe für Hörgeräte.
H.
Mit Vernehmlassung vom 16. November 2020 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten der Be-
schwerdeführerin und hielt an ihren Ausführungen im vorinstanzlichen Ver-
fahren fest. Sie ergänzt, auch in der Prüfsprache Italienisch erhalte "stellar"
eine anpreisende Bedeutung, werde doch das übersetzte "stellare" mitun-
ter als "straordinario" definiert. Unter Aufzählung deutscher, französischer
und italienischer Verwendungsbeispiele argumentiert sie, der anpreisende
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Sinngehalt des Begriffs "stellar" sei den massgeblichen Verkehrkreisen
auch ungeachtet ihrer Englischkenntnisse bekannt.
I.
Auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung haben beide Seiten
stillschweigend verzichtet.
J.
Auf weitere Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, im Rahmen der folgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Beschwerden
gegen Eintragungsverfügungen der Vorinstanz in Markensachen zuständig
(Art. 31 und 33 Bst. e VGG). Als Verfügungsadressatin ist die Beschwer-
deführerin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 2 VwVG). Die
Beschwerde wurde frist- und formgerecht erhoben (Art. 50 Abs. 1, Art. 52
Abs. 1 VwVG) und auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet (Art. 63
Abs. 4 VwVG). Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 44
ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat ihren Sitz in Singapur. Zwischen Singapur
und der Schweiz gelten das Protokoll vom 27. Juni 1989 zum Madrider Ab-
kommen über die internationale Registrierung von Marken (MMP,
SR 0.232.112.4) sowie die Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des
gewerblichen Eigentums (PVÜ, SR 0.232.04, in der in Stockholm am
14. Juli 1967 revidierten Fassung).
2.2 Die Schweiz hat der OMPI eine Schutzverweigerung vor Ablauf eines
Jahres nach dem Zeitpunkt, zu dem die Mitteilung der Ausdehnung dieser
Behörde vom Internationalen Büro übersandt worden ist, mitzuteilen. Diese
Frist hat die Vorinstanz mit der provisorischen Schutzverweigerung vom
17. Mai 2018 eingehalten.
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2.3 Ein Verbandsland darf einer international registrierten Marke den
Schutz nur verweigern, wenn nach den in der PVÜ genannten Bedingun-
gen ihre Eintragung in das nationale Register verweigert werden kann
(Art. 5 Abs. 1 MMP). Das trifft zu, wenn die Marke jeder Unterscheidungs-
kraft entbehrt oder ausschliesslich aus Zeichen oder Angaben zusammen-
gesetzt ist, die im Verkehr zu Bezeichnung der Art, der Beschaffenheit, der
Menge, der Bestimmung, des Wertes, des Ursprungsortes der Erzeugnisse
oder der Zeit der Erzeugung dienen können oder im allgemeinen Sprach-
gebrauch oder in redlichen und ständigen Verkehrsgepflogenheiten in der
Schweiz üblich sind (Art. 6quinquies Bst. B Ziff. 2 PVÜ). Art. 2 Bst. a des Mar-
kenschutzgesetzes vom 28. August 1992 (MSchG, SR 232.11) entspricht
dieser zwischenstaatlichen Regelung. Rechtsprechung und Lehre legen
diese Normen insoweit übereinstimmend aus (BGE 128 III 454 E. 2 "Yu-
kon"; 114 II 371 E. 1 "alta tensione").
3.
3.1 Zeichen des Gemeinguts sind vom Markenschutz ausgeschlossen, so-
fern sie sich nicht im Verkehr als Marke für bestimmte Waren oder Dienst-
leistungen durchgesetzt haben (Art. 2 Bst. a MSchG). Einerseits gelten Zei-
chen als Gemeingut, die für den Wirtschaftsverkehr freizuhalten sind, und
andererseits Zeichen, denen die für die Individualisierung der Waren oder
Dienstleistungen des Markeninhabers erforderliche Unterscheidungskraft
fehlt (BGE 143 III 127 E. 3.3.2 "rote Schuhsohle"; 139 III 176 E. 2 "You";
Urteile des BVGer B-684/2016 vom 13. Dezember 2018 E. 2.1 "Postauto";
B-2791/2016 vom 16. April 2018 E. 3.1 "Wing Tsun").
3.2 Sachbezeichnungen und beschreibenden Zeichen fehlt jede Unter-
scheidungskraft. Beschreibende Zeichen sind Angaben, die sich in einem
direkten Bezug zum gekennzeichneten Gegenstand erschöpfen, also von
den massgeblichen Verkehrskreisen unmittelbar oder ausschliesslich als
Aussage über bestimmte Eigenschaften der zu kennzeichnenden Waren
oder Dienstleistungen verstanden werden. Namentlich fallen hierunter
Wörter, die geeignet sind, im Verkehr als Hinweis auf die Art, Zusammen-
setzung, Qualität, Quantität, Bestimmung, Verwendungszweck, Wert, Wir-
kungsweise, Inhalt, Form, Verpackung oder Ausstattung der beanspruch-
ten Ware oder Dienstleistungen aufgefasst zu werden (BGE 128 III 447 E.
1.5 "Première"; MATTHIAS STÄDELI/SIMONE BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, in:
Lucas David/Markus Frick [Hrsg.], Markenschutzgesetz, Basler Kommen-
tar, 3. Aufl. 2017, Art. 2 N. 84).
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3.3 Sofern eine Marke Gedankenassoziationen weckt oder Anspielungen
enthält, die nur entfernt auf die Waren oder Dienstleistungen hinweisen,
macht dies ein Zeichen noch nicht zum Gemeingut. Der gedankliche Zu-
sammenhang mit den Waren oder Dienstleistungen muss vielmehr derart
sein, dass der beschreibende Charakter der Marke für einen erheblichen
Teil der schweizerischen Markenadressaten ohne besondere Denkarbeit
und ohne besonderen Aufwand an Fantasie zu erkennen ist (BGE 128 III
447 E. 1.5 "Première"; 127 III 160 E. 2b/aa "Securitas"; Urteil des BVGer
B-4697/2014 vom 16. Dezember 2016 E. 4.2 "Apotheken Cockpit").
3.4 Zum Gemeingut zählen ferner Zeichen, die sich in allgemeinen Quali-
tätshinweisen oder reklamehaften Anpreisungen erschöpfen (BGE 128 III
447 E. 1.6 "Première; 129 III 225 E. 5.2 "Masterpiece"; 103 II 339 E. 4
"More"; Urteile des BVGer B-2999/2011 vom 22. Februar 2013 E. 3.1 "Die
Post"; B-600/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3 "hype. [fig.]"). Die Mehrdeu-
tigkeit eines Zeichens kann zur Schutzfähigkeit einer Marke führen, wenn
nicht auszumachen ist, welche von mehreren Bedeutungen in Zusammen-
hang mit den gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen überwiegt
und dies zu einer Unbestimmtheit des Aussagegehalts führt. Dominiert ein
beschreibender Sinngehalt, vermag die Möglichkeit weiterer, weniger na-
heliegender Deutungen den Gemeingutcharakter jedoch nicht aufzuheben
(Urteil des BVGer B-2999/2011 vom 22. Februar 2013 E. 3.3 "Die Post";
B-6246/2010 vom 28. Juli 2011 E. 4.5 "JumboLine"; B-4710/2014 vom
15. März 2016 E. 3.2 "Shmesse [fig.]").
3.5 Die Markenprüfung erfolgt in Bezug auf alle vier Landessprachen, wo-
bei jeder Sprache der gleiche Stellenwert beizumessen ist. Ist die Marke
aus Sicht der massgeblichen Verkehrskreise auch nur in einem Sprachge-
biet der Schweiz schutzunfähig, so ist die Eintragung zu verweigern (BGE
131 III 495 E.5 "Felsenkeller"; 128 III 477 E. 1.5 "Première"; 127 III 160 E.
2b.aa "Securitas"). Im Rahmen der schweizerischen Markenprüfung wer-
den auch englischsprachige Ausdrücke berücksichtigt, sofern sie für einen
erheblichen Teil der massgeblichen Verkehrskreise verständlich sind
(BGE 129 III 225 E. 5.1 "Masterpiece").
4.
4.1 Zunächst sind die massgeblichen Verkehrskreise zu bestimmen, wobei
Waren und Dienstleistungen, die an Fachleute und Endkonsumenten zu-
gleich vertrieben werden, stärker aus der Sicht der weniger markterfahre-
nen und grösseren Gruppe der Letztabnehmer zu beurteilen sind (Urteile
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des BVGer B-2609/2012 vom 28. August 2013 E. 4.1 "Schweizer Fernse-
hen"; B-3541/2011 vom 17. Februar 2012 E. 4.2 "Luminous").
4.2 Die Vorinstanz führt aus, Abnehmer der betreffenden Waren seien
Durchschnittsabnehmer und Fachkreise, wobei zu letzteren Ärzte (als ver-
schreibende Instanz) und Hörakustiker (als vertreibende Instanz) zählen
würden. Nach Ansicht der Beschwerdeführerin und in Einklang mit der
Vorinstanz besteht der grösste Teil der schweizerischen Abnehmerschaft
aus Menschen mit reduzierter Hörfähigkeit – zumeist gehobenen Alters –
sowie Hörakustikern. Nicht zu den Abnehmern seien aber Ärzte zu zählen,
würden diese doch lediglich das Hörvermögen nach medizinischen Ge-
sichtspunkten beurteilen und allenfalls gehörverbessernde Massnahmen
verschreiben, nicht aber selbst Hörgeräte nachfragen.
4.3 Hörgeräte werden in der Regel von Ärzten verschrieben, die sich auf
das Gebiet der Otorhinolaryngologie (ORL) spezialisiert haben (vgl.
< https://www.amplifon.com/de-ch/amplifon-blog/hno-arzt >, abgerufen am
29. Juli 2021). Dieses facettenreiche medizinische Fachgebiet umfasst be-
treffend das menschliche Ohr die Ohrmuschel, Ohrläppchen, den Gehör-
gang, das Mittelohr, das Innenohr sowie die zentralen Hörbahnen und Hör-
zentren (< https://www.amplifon.com/de-ch/amplifon-blog/hno-arzt >, ab-
gerufen am 29. Juli 2021). Grundsätzlich besteht ein Zusammenhang zu
den Waren der Klasse 10 insofern, als dass ein ORL-Arzt eine Beeinträch-
tigung des menschlichen Gehörs feststellen kann und ein Hörgerät ver-
schreibt. Zur Auswahl und Anpassung eines solchen wird der Hörbeein-
trächtigte sodann einen Hörakustiker aufsuchen, um sich von diesem be-
raten und entsprechend ausstatten zu lassen. Somit besteht zwar unter
Umständen ein Kausalzusammenhang zwischen einer ORL-ärztlichen Un-
tersuchung bei der ein Hörfehler festgestellt wird und dem Kauf eines Hör-
gerätes. Da es sich bei Hörgeräten um eher hochpreisige medizinische Hil-
fen handelt, wird ein ORL-Arzt in der Regel keine Proben in seiner Praxis
anbieten oder dem Patienten etwa Hörgeräte zum Test zur Verfügung stel-
len. Der ORL-Arzt selbst fragt somit eher keine Hörgeräte nach.
4.4 Die fraglichen Waren der Klasse 10 richten sich an das allgemeine Pub-
likum als potentielle Abnehmer der benannten Waren, aber auch an die
entsprechenden Fachkreise der Hörakustikbranche, wobei die Sicht des
allgemeinen Publikums als Endabnehmer im Vordergrund steht (E. 4.1).
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5.
5.1 Die Vorinstanz hat dem Zeichen die Schutzausdehnung verweigert, da
der Begriff als anpreisender Hinweis auf die Qualität der Waren verstanden
werde. Sie argumentiert, der Begriff "stellar" werde in allen Prüfsprachen
sowie auf Englisch als Qualitätsangabe im Sinne einer führenden, heraus-
ragenden Ware verstanden. Daher, erwog sie, habe das Zeichen keinerlei
Unterscheidungskraft. Sowohl Sprachgebrauch als auch Zeichenverständ-
nis des Wortes "stellar" im relevanten Sprachraum und auch auf Englisch
liessen sich durch Einträge aus Lexika, Duden und ausländischen Internet-
seiten und Nachschlagewerken belegen. Schliesslich liege auch kein
Grenzfall vor.
5.2 Nach Ansicht der Beschwerdeführerin ist ihr Zeichen unterscheidungs-
kräftig. Sie bestreitet die Verwendung von "stellar" als anpreisendes Adjek-
tiv in der Schweiz. Die Beweisführung der Vorinstanz sei insofern ungenü-
gend, als sie sich auf Internetrecherchen in Onlinewörterbüchern für Mut-
tersprachlern gestützt habe. Der Begriff "stellar" habe in casu keinen un-
mittelbar beschreibenden Sinngehalt, da die Verkehrskreise "stellar" ledig-
lich in seiner astronomischen Bedeutung und nicht in einem anpreisenden
Sinne verstünden. Die Tatsache, dass "stellar" in gewissen Bereichen des
Marketings als Synonym für "führend" oder "herausragend" gebraucht
würde, ändere daran nichts, da es sich um ein anderes Fachgebiet handle,
das den Abnehmern der beanspruchten Waren in den meisten Fällen un-
bekannt sein dürfte.
6.
6.1 Das Zeichen ist eine Wortmarke bestehend aus dem Wortelement
STELLAR. Das Wort stammt vom lateinischen Wort "stella" ab, das "Stern"
bedeutet (Wahrig, Deutsches Wörterbuch, 9. Auflage 2011) und auch als
weiblicher Vorname geläufig ist. Gemäss Duden leitet sich das deutsche
Adjektiv "stellar" vom spätlateinischen "stellaris" ab, ist ein astronomischer
Begriff und als "die Fixsterne und Sternsysteme betreffend" zu verstehen
(< www.duden.de/rechtschreibung/stellar >, abgerufen am 29. Juli 2020;
Fremdwörterbuch Duden, 11. Auflage 2015). Sowohl im Französischen als
auch im Italienischen existieren Begriffe, die aus demselben Wortstamm
"stell-" gebildet werden, namentlich die Adjektive "stellaire" (französisch)
und "stellare" (italienisch), deren primäre Bedeutung identisch zum Deut-
schen ist (vgl. < https://www.larousse.fr/dictionnaires/francais/stellaire/
74575 >, abgerufen am 29. Juli 2021; Le petit Robert de la langue
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française, Paris, Auflage 2016; Lo Zingarelli, Vocabolario della lingua itali-
ana, 12. Auflage 2004). Auf "-ar" endende Begriffe leiten sich zumeist von
der lateinischen Endung "-arius" ab, die auf eine gewisse Zugehörigkeit
hinweist (vgl. < https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Die-
Endungen-aire-%C3%A4r-ar-und-arius > abgerufen am 29. Juli 2021). Auf
Deutsch enden vor allem Substantive häufig auf "-ar" (z.B. Justiziar, Kom-
missar), aber es gibt auch Adjektive (z.B. elementar). Die fast identische
Endung "-bar" ist auf Deutsch geläufiger für Adjektive als das Suffix "-ar".
6.2 Das englische Wort "stellar" bedeutet auf Deutsch übersetzt einerseits
ebenfalls "die Fixsterne und Sternsysteme betreffend" (vgl. E. 6.1;
< www.de.pons.com/übersetzung/englisch-deutsch/stellar >, abgerufen
am 29. Juli 2021). Andererseits wird "stellar" auch umgangssprachlich für
"grandios" oder "phänomenal" verwendet (vgl. < https://www.collinsdictio-
nary.com/de/worterbuch/englisch/stellar >, abgerufen am 29. Juli 2021).
Die primäre Bedeutung bezieht sich allerdings auch beim englischen Wort
auf das räumliche Verhältnis von Sternen (< https://www.merriam-webs-
ter.com/dictionary/stellar#note-1 >, abgerufen am 29. Juli 2021).
6.3 Aufgrund der semantischen Bezüge zum Weltraum und zur Astronomie
ist es nicht abwegig anzunehmen, dass die Abnehmer mit "stellar" bei-
spielsweise auch Begriffe wie "astronomisch" oder "galaktisch" assoziieren
und sie damit anpreisend verstanden werden. Gleiches gilt zum Bespiel
auch für die Begriffe "solar" oder "lunar", die sich auf die Sonne respektiv
den Mond beziehen und auf eine Qualität der Ware hinweisen können,
wenn sich, z.B. bei Obst oder Wein, eine sonnige Umgebung oder Mond-
schein positiv auf diese auswirkt. Auf Deutsch deutet "stellar" allerdings auf
einen ausschliesslich astronomischen Sinngehalt hin. Im Unterschied zu
z.B. "galaktisch" ist deswegen ein höherer Gedankenaufwand erforderlich,
um eine anpreisende Aussage zu assoziieren.
7.
7.1 Die massgeblichen Verkehrskreise bestehen vorliegend vor allem aus
dem allgemeinen, hörbeeinträchtigten Publikum (vgl. E. 4.4). "Stellar" hat
keine ersichtliche fachspezifische Bedeutung für Hörgeräte. Für die Abneh-
mer liegt daher in Verbindung mit den beanspruchten "Prothèses auditives
à usage médical et leurs parties" keine anpreisende Bedeutung auf der
Hand und es ist mindestens ein gedanklicher Zwischenschritt nötig um ei-
nen solchen Zusammenhang zwischen dem Wort und den Hörhilfen und
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ihren Teilen herzustellen. Aufgrund seiner für ein Adjektiv unüblichen Wort-
bildung ist es ausserdem zweifelhaft, ob "stellar" hierzulande überhaupt als
Eigenschaftswort erkannt wird, oder man darin eher ein Fremdwort bzw.
Substantiv sieht (vgl. E. 6.1).
7.2 Nach der Rechtsprechung genügt es, wenn der anpreisende Charakter
in Bezug auf eine der drei Landessprachen erstellt ist (vgl. E. 3.5). Die von
der Vorinstanz in der Vernehmlassung angeführten Beispiele illustrieren
zwar einen anpreisenden sporadischen Gebrauch von "stellar", "stellare"
bzw. "stellaire" in den Prüfsprachen und auf Englisch, aber kein unmittel-
bares solches Sprachverständnis im technischen Zusammenhang der an-
gemeldeten Waren. Bei Hörgeräten und Hörgerätzubehör wirkt der kosmi-
sche Bezug im Zusammenhang mit Hörleistung und Schallwellen fantasie-
voll und unbestimmt und steht der anpreisende Wortsinn darum höchstens
im Hintergrund. Da das Wort auf Deutsch existiert und auf Französisch und
Italienisch verstanden wird, erscheint zweifelhaft, ob die Abnehmer das
Zeichen auch auf Englisch übersetzen und ob hiesigen Verkehrskreise die
umgangssprachliche anpreisende Bedeutung des englischen Wortes "stel-
lar" geläufig ist, so dass es in Kombination mit Hörgeräten und mit entspre-
chendem Gedankenaufwand überhaupt als anpreisende Andeutung er-
kannt würde.
7.3 Im Englischen hat "stellar" auch eine, allerdings lediglich in Astrono-
miefachkreisen bekannte, weitere Bedeutung. Durch die Beobachtung so-
genannter "stellar sound waves" (stellarer Klangwellen) können Astrono-
men Rückschlüsse auf das Material, Alter, die Grösse und den Beitrag von
Sternen zur Milchstrasse als Gesamtkomposition ziehen (vgl. ELIZABETH
LANDAU, Symphony of stars: The science of stellar sound wave, NASA's
Exoplanet Exploration Program, < https://exoplanets.nasa.gov/news/1516/
symphony-of-stars-the-science-of-stellar-sound-waves/ >, abgerufen am
29. Juli 2021). Von grösseren Sternen gehen dabei tiefe Töne aus und von
kleinen Sternen hohe (LANDAU, a.a.O.). Für den vorliegenden Fall hat diese
Bedeutung allerdings keine Aussagekraft, denn auch in diesem Kontext ist
"stellar" nicht deskriptiv.
7.4 Im Ergebnis erweist sich STELLAR als nicht anpreisend und somit nicht
beschreibend für die beanspruchten Waren. Die Marke der Beschwerde-
führerin fällt somit nicht unter den Ausschlussgrund von Art. 2 Abs. 1 Bst. a
MSchG und die Vorinstanz hat ihr die Schutzausdehnung in der Schweiz
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zu Unrecht verweigert. Die Beschwerde ist gutzuheissen und die Vorin-
stanz anzuweisen, die Registrierung für alle beanspruchten Waren zum
Schutz zuzulassen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 2 VwVG). Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss
nach Rechtskraft des Urteils zurückzuerstatten.
9.
Der obsiegenden Beschwerdeführerin ist eine angemessene Parteient-
schädigung zuzusprechen (Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar
2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gericht setzt die Parteientschädigung
aufgrund der Kostennote oder, wenn wie vorliegend keine Kostennote ein-
gereicht wurde, aufgrund der Akten fest (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). In
Würdigung des aktenkundigen Aufwands und des eher geringen Schwie-
rigkeitsgrades der Materie erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 2'500.– für das Beschwerdeverfahren angemessen. Die Parteientschä-
digung ist der Vorinstanz aufzuerlegen (Art. 64 Abs. 2 VwVG).
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