Decision ID: dc4989f0-f6d7-408c-9f6f-15e763d24279
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung / vorsorgliche Massnahmen
Beschwerde gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Winterthur vom 5. März 2014; Proz. FE100426
Rechtsbegehren (act. 5/300 S. 2):
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, bis spätestens 31. März 2014 die Forderungen, inklusive Zins und Kosten, der Betreibungen Nr. ... und Nr. ... des Betreibungsamtes Seuzach in der Höhe von CHF 7'053.40 zu bezahlen.
2. Die Beklagte sei zu verpflichten, die Gerichtskosten des  Massnahmebegehrens zu bezahlen.
3. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger eine angemessene Parteientschädigung, zuzügl. 8% MwSt, zu bezahlen."
Urteil des Einzelgerichts des Bezirksgerichtes Winterthur vom 5. März 2014:
1. Das Begehren des Klägers vom 25. Februar 2014 um Erlass vorsorglicher
Massnahmen wird abgewiesen.
2./3. Mitteilung/Rechtsmittel
(act. 6 = act. 5/302)
Beschwerdeanträge:
des Beschwerdeführers (act. 2 S. 2 f.):
"1. Dispositiv Ziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur,  o.V., vom 5. März 2014 (Geschäfts-Nr. /Z31, Beleg B S. 5) sei in Gutheissung des vor Vorinstanz  Begehrens um Erlass vorsorglicher Massnahmen vom 25. Februar 2014 (Beleg C) aufzuheben.
2. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Die Gerichtskosten des vorliegenden Berufungsverfahrens seien vollumfänglich der Berufungsbeklagten aufzuerlegen.
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4. Die Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, dem Berufungskläger eine Parteientschädigung (zuzüglich 8% Mehrwertsteuer zu ."

Erwägungen:
I.
1.a) Die Parteien stehen seit November 2010 in einem Scheidungsverfah-
ren vor dem Bezirksgericht Winterthur. Im Rahmen dieses Verfahrens stellte der
Kläger und Beschwerdeführer (nachfolgend Kläger) gegen Ende Februar 2014
ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen mit dem Antrag, die Beklagte und
Beschwerdegegnerin (nachfolgend Beklagte) sei zu verpflichten, bis spätestens
31. März 2014 die Forderungen, inklusive Zins und Kosten, der Betreibungen
Nr. ... und Nr. ... des Betreibungsamtes Seuzach in der Höhe von CHF 7'053.40
zu bezahlen (act. 5/300 S. 2).
b) Hintergrund des Gesuchs bildet das Einfamilienhaus an der ...-Strasse
... in E._, welches die Beklagte während der Ehe allein erworben hatte und
welches den Parteien als letzte gemeinsame Familienwohnung diente. Heute wird
es – gemäss Teilvereinbarung der Parteien betreffend vorsorgliche Massnahmen
vom 18. März 2011 – vom Kläger und dem gemeinsamen Sohn C._ be-
wohnt. Der Kläger nutzt zudem Räume im Haus als Werkstatt zur Ausübung sei-
ner selbständigen Erwerbstätigkeit (act. 5/59, Prot. I S. 43). In der genannten
Teilvereinbarung regelten die Parteien nebst der Zuweisung der Liegenschaft das
Getrenntleben, den Auszug der Beklagten, die Herausgabe diverser Gegenstän-
de, die Obhutszuteilung über F._ und C._ an den Kläger und die ge-
meinsame Obhut der Parteien über D._ und verpflichteten sich zum Beizug
eines Familiencoachs. Mit Verfügung vom 30. September 2011 wurden gestützt
auf die Teilvereinbarung vorsorgliche Massnahmen erlassen und die Beklagte zur
Leistung von Kinderunterhaltsbeiträgen an den Kläger verpflichtet (act. 5/140).
Mit Urteil der Kammer vom 7. Mai 2012 wurden die von der Beklagten zu zahlen-
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den Unterhaltsbeiträge angepasst (act. 5/185). Nach Einholung eines familien-
rechtlichen Gutachtens (act. 5/188) vereinbarten die Parteien am 18. September
2013 eine teilweise Abänderung der vorsorglichen Massnahmen betreffend
das Besuchsrecht der Beklagten für C._ und dasjenige des Klägers für
D._ (act. 5/271). Mit Eingabe vom 12. Dezember 2013 beantragte die Be-
klagte die Abänderung der vorsorglichen Massnahmen. Inhalt des Abänderungs-
begehrens sind die Feststellung des Hauptwohnsitzes von D._ bei der Be-
klagten, die Zuweisung der Liegenschaft an die Beklagte, die Verpflichtung des
Klägers zum Auszug innert zwei Monaten und die Neuregelung der Unterhaltsbei-
träge (act. 5/285).
c) Mit Urteil vom 5. März 2014 wies die Vorinstanz das Begehren des
Klägers ab mit der Begründung, Leistungsmassnahmen auf Geldzahlung seien
nur in den vom Gesetz bestimmten Fällen zulässig. Die beantragte positive Leis-
tungsmassnahme falle unter keinen der gesetzlich geregelten Ausnahmefälle und
sei deshalb unzulässig (act. 6).
2.a) Hiergegen erhob der Kläger rechtzeitig Berufung und beantragt die
Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Gutheissung seines vor Vor-
instanz gestellten Begehrens. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 2). Der mit Verfügung vom 25. März 2014
verlangte Vorschuss von Fr. 850.-- wurde innert Frist geleistet (act. 7 und 11). Am
15. Mai 2014 reichte der Kläger eine Kopie des Amtsblattes des Kantons Zürich
vom 2. Mai 2014 (Nr. 18 S. 14) mit der Steigerungsanzeige für die eingangs ge-
nannte Liegenschaft auf den 11. Juli 2014 nach (act. 12-13).
b) Das Scheidungsverfahren wurde 2010 angehoben und unterliegt damit
den bisherigen Verfahrensbestimmungen (Art. 404 Abs. 1 ZPO). Das angefochte-
ne Urteil wurde indes am 5. März 2014 und damit nach Inkrafttreten der Schwei-
zerischen Zivilprozessordnung eröffnet, weshalb sich das Rechtsmittelverfahren
nach neuem Recht richtet (Art. 405 Abs. 1 ZPO). Dass das Scheidungsverfahren
nach altem Recht zu Ende zu führen ist, ändert daran nichts. Gleichwohl hat die
Rechtsmittelinstanz zu überprüfen, ob die Vorinstanz das auf ihr Verfahren an-
wendbare (alte) Recht, namentlich auch die nunmehr in die Schweizerische Zivil-
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prozessordnung überführten prozessualen Regelungen des ZGB (Art. 135 ff.
aZGB) richtig angewendet hat. Solange das eidgenössische Verfahrensrecht
noch nicht zur Anwendung kommt, gilt dies auch für deren kantonales Ausfüh-
rungsgesetz (GOG). Diesbezüglich gelten demnach weiterhin die Bestimmungen
des Gerichtsverfassungsgesetzes des Kantons Zürich (GVG).
c) Für die Bemessung des Kostenvorschusses wurde dem Rechtsmittel-
verfahren ein Streitwert von Fr. 7'053.40 zugrunde gelegt (act. 7), entsprechend
dem klägerischen Rechtsbegehren bzw. Berufungsantrag. Bei diesem Streitwert
wird die in Art. 308 Abs. 2 ZPO für die Berufung geforderte Streitwertgrenze von
Fr. 10'000.-- nicht erreicht. Gemäss Praxis der Kammer zur neuen Zivilprozess-
ordnung schadet die unrichtige Bezeichnung des Rechtsmittels nicht. Die Eingabe
ist somit als Beschwerde entgegenzunehmen und zu behandeln (Art. 319 ff.
ZPO).
II.
1. Der Kläger erachtet die beantragte Massnahme als zulässig. Gemäss
§ 110 Abs. 1 ZPO/ZH treffe das Gericht die "geeigneten vorsorglichen Massnah-
men", wenn die übrigen Voraussetzungen (Glaubhaftmachung eines nicht leicht
wiedergutzumachenden Nachteils) gegeben seien. Dies könnten auch Leistungs-
massnahmen sein, da diesbezüglich weder § 110 ZPO/ZH noch die Spezialnorm
von Art. 137 aZGB (neu Art. 276 ZPO), wonach das Gericht im Bedarfsfall die
"nötigen vorsorglichen Massnahmen" trifft und die Eheschutzmassnahmen nach
Art. 172 ff. ZGB sinngemäss anwendbar sind, eine Einschränkungen vorsähen.
Die von der Vorinstanz angeführte Beschränkung von Leistungen auf Geldzah-
lungen "in den vom Gesetz bestimmten Fällen" entspreche dem Gesetzeswortlaut
von Art. 262 lit. e ZPO, welcher vorliegend keine Anwendung finde. Die Mass-
nahme habe ihre materiell-rechtliche Grundlage in Art. 163 ZGB sowie Art. 137
aZGB i.V.m. Art. 176 ZGB: Es gehe um die Abwendung der Zwangsvollstreckung
betreffend die von ihm und C._ bewohnte eheliche Liegenschaft durch von
der Beklagten an das Betreibungsamt zu leistende Zahlungen. Der Betrag von
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rund Fr. 7'000.-- stelle einen ihr zumutbaren Beitrag nach Art. 163 ZGB an den
Unterhalt der Familie dar, um die Familienwohnung samt Werkstatt zu erhalten. In
der Vereinbarung vom 18. März 2011 sei das Haus gestützt auf Art. 176 Abs. 1
Ziff. 2 ZGB ihm zugewiesen worden. Zu dieser Regelung gehöre selbstredend,
dass derjenige Ehegatte, dem die eheliche Wohnung zugeteilt worden sei, vor
willkürlichen Handlungen des anderen Ehegatten, welche die Nutzung verunmög-
lichten, zu schützen sei. So wäre etwa auch ein Ehegatte zur Bezahlung seiner
Hypothekarschulden zu verpflichten, um die drohende Zwangsverwertung zu ver-
hindern, ansonsten die gerichtliche Zuweisung der Liegenschaft durch sein säu-
miges Verhalten ausgehöhlt würde. Zu Recht habe die Vorinstanz bei Erlass ihrer
Massnahmeverfügung vom 30. September 2011 denn auch sinngemäss geprüft
und bejaht, dass er zur Übernahme der das Haus betreffenden Kosten in der La-
ge sei, da er das Grundeigentum der Beklagten nicht durch Säumnis solle gefähr-
den dürfen. Gemäss dem von der Vorinstanz zitierten Bundesgerichtsentscheid
schliesse das Bundesrecht die einstweilige Vollstreckung von Leistungsansprü-
chen nicht von Vornherein aus. Durch Nichtbezahlung könnte die Beklagte die ge-
richtliche Zuweisung der Liegenschaft aushebeln. Die Zwangsverwertung könnte
im Verlaufe des Verfahrens nicht mehr rückgängig gemacht werden, womit der
Streitgegenstand untergehen und der gerichtlichen Beurteilung der Zuteilung der
ehelichen Wohnung im Abänderungs- sowie im Hauptverfahren vorgegriffen wür-
de.
In materieller Hinsicht hält der Kläger fest, dass die eheliche Liegenschaft
seit dem Auszug der Beklagten im Jahr 2011 sowohl für ihn als auch für die Kin-
der stets das vertraute Zuhause gewesen sei. Am 4. Februar 2014 habe das Be-
treibungsamt Seuzach die Sistierung der Grundstücksverwertung aufgehoben und
der Beklagten eine letzte Frist zur Bezahlung der Forderungen von Fr. 7'053.40
angesetzt, ansonsten die Verwertungshandlungen fortgesetzt würden. Die Be-
klagte habe in ihrem Abänderungsbegehren vom 12. Dezember 2013 anerkannt,
dass die Zwangsversteigerung wegen Nichtbezahlung des geringfügigen Betrags
unverhältnismässig sei. Dass sie offenbar dennoch bereit sei, ihr Zuhause ver-
steigern zu lassen und dabei selbst einen finanziellen Verlust zu erleiden, schade
dem Kindeswohl und sei überdies in Anbetracht der anerkannten Unverhältnis-
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mässigkeit rechtsmissbräuchlich. Zwischen dem Betreibungsamt und der Beklag-
ten seien Abschlagszahlungen von monatlich Fr. 100.-- vereinbart worden, wovon
die Beklagte erst eine Rate bezahlt habe. Die übrigen Abschlagszahlungen habe
sie schuldhaft nicht erbracht, was nicht zu schützen sei. Sollte sie vorbringen, sie
könne aufgrund ihrer Finanzen die Forderung nicht begleichen, werde dies bestrit-
ten. Selbst wenn sie sich – wie im Abänderungsbegehren geltend gemacht – in
einer misslichen finanziellen Situation befinden sollte, sei sie in der Lage,
Fr. 7'053.40 zu bezahlen. Falls es um ihre wirtschaftlichen Verhältnisse so
schlecht stehe wie sie behaupte, so sei sie gehalten, Prioritäten in ihrem Ausga-
beverhalten oder der Rückzahlung von Verbindlichkeiten zu setzen. Ferner sei ihr
zuzumuten, von ihren vermögenden Eltern ein Darlehen aufzunehmen. Im Zu-
sammenhang mit ihrem Begehren um Umteilung der Liegenschaft stelle sich be-
reits jetzt die Frage, wie die Beklagte die damit verbundenen Aufwendungen be-
gleichen wolle, wenn sie nicht imstande sei, eine Forderung von Fr. 7'000.-- zu
bezahlen. Dieses Vorgehen sei krass widersprüchlich. Er selbst sei weder in der
Lage noch verpflichtet noch sei es ihm zumutbar, die persönlichen Schulden der
Beklagten zu bezahlen. Mit der Zwangsversteigerung drohe sowohl ihm als auch
C._ und D._ ein im Sinne von § 110 ZPO/ZH nicht leicht wiedergutzu-
machender Nachteil. Da nicht mit Einsicht und freiwilliger Bezahlung seitens der
Beklagten zu rechnen sei, seien die beantragten Massnahmen geeignet im Sinne
von § 110 Abs. 1 ZPO/ZH bzw. nötig nach Art. 137 aZGB dar (act. 2).
2. Zunächst stellt sich die Frage nach der Zulässigkeit der beantragten
Massnahme. Gemäss § 110 ZPO/ZH kann das Gericht die "geeigneten" Mass-
nahmen anordnen, wobei es den Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren
hat. Es trifft zu, dass Leistungsmassnahmen auf Geldzahlungen nur ausnahms-
weise zulässig sind. Einerseits würde mit einer solchen Anordnung der materielle
Entscheid in der Sache vorweggenommen, andererseits widerspräche die Ver-
pflichtung zur Zahlung aufgrund eines nur glaubhaft gemachten Anspruchs dem
materiellen Recht. Die auf Sicherung des Einzugs einer Geldforderung abzielende
vorsorgliche Massnahme betrifft sodann das Vollstreckungsverfahren und unter-
steht den Vorschriften des SchKG. Soweit aber das Bundesrecht – wie für das
Scheidungsverfahren – Bestimmungen über vorsorgliche Massnahmen enthält
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(Art. 137 aZGB, neu Art. 276 ZPO), gehen sie dem kantonalen Recht vor (zum
Ganzen Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessord-
nung. 3. Aufl., § 110 N 4, N 8 ff, N 30 ff.). Nach Art. 137 aZGB trifft das Gericht
die "nötigen" Massnahmen. Die Bestimmungen über die Massnahmen zum
Schutz der ehelichen Gemeinschaft werden für sinngemäss anwendbar erklärt.
Dieser Verweis bedeutet jedoch keine Einschränkung der möglichen Massnah-
men, es gilt kein numerus clausus (FamKomm Scheidung-Leuenberger, Bern
2005, Art. 137 N 13; BSK ZGB I-Gloor, 3. Aufl., Art. 137 N 5). Das Gericht kann
mit anderen Worten alle zum Schutz einer Partei und der Kinder gebotenen und
geeigneten Massnahmen erlassen, ohne dass darüber hinaus eine Nachteils-
prognose erforderlich ist. Von grosser Bedeutung in der Praxis ist namentlich die
in Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB ausdrücklich vorgesehene Zusprechung von Unter-
halt, mithin einer Geldleistung. Vor diesem Hintergrund ist die beantragte Ver-
pflichtung der Beklagten zur Zahlung zweier Betreibungen im Rahmen vorsorgli-
cher Massnahmen nicht von vornherein ausgeschlossen; dies umso mehr, als die
Massnahme nicht in erster Linie auf die Geldleistung, sondern auf die Erhaltung
der ehelichen Liegenschaft abzielt.
3.a) Die Kläger verlangt, die Beklagte sei zur Bezahlung von zwei Betrei-
bungen zu verpflichten, um die Verwertung der in ihrem Eigentum stehenden ehe-
lichen Liegenschaft abzuwenden. Vorab ist festzuhalten, dass diese Verpflichtung
der Beklagten längst besteht, ansonsten die Zwangsvollstreckung nicht eingeleitet
bzw. bis zur Steigerungsankündigung fortgesetzt worden wäre. Die Beklagte ist
aber nicht dem Kläger, sondern Dritten – der Gerichtskasse und dem Steueramt –
gegenüber verpflichtet. Aus einer (erneuten) Verpflichtung der Beklagten kann der
Kläger somit kein Forderungsrecht für sich ableiten. Dieses lässt sich auch nicht
durch eine vorsorgliche Massnahme begründen. Art. 276 ZPO entspricht, abge-
sehen von kleinen, hier nicht massgeblichen Änderungen, dem Inhalt von Art. 137
aZGB, der seinerseits auf der früheren Regelung von Art. 145 aZGB beruht, so
dass bei Auslegungsfragen gegebenenfalls die Literatur und Rechtsprechung zu
jener Bestimmung beizuziehen sind (BK ZPO II-Spycher, Art. 276 N 1 f.). Dies
rechtfertigt sich umso mehr, als sich die Voraussetzungen der einschlägigen Vor-
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schriften ebenso wenig verändert haben wie deren Normzweck, nämlich die
Schaffung einer vorläufigen Friedensordnung.
Vorsorgliche Massnahmen in der Scheidung bezwecken, die Verhältnisse
innerhalb der Familie während der Dauer des Verfahrens, wo nötig, zu regeln.
Wie dargelegt kann das Gericht im Rahmen des materiellen Rechts alles vorkeh-
ren, was zur Interessenwahrung der Beteiligten erforderlich, angemessen und ge-
eignet erscheint. Eine Schranke des Ermessens bilden indes die allgemeinen
Werte der Rechtsordnung. Eine dem Gesetz nach Wortlaut oder Auslegung un-
bekannte oder widersprechende Rechtsvorkehr ist unzulässig. Ein Ehepartner
kann somit nicht zu Leistungen verpflichtet werden, die über den Familienunter-
halt hinausgehen. So ist – unter dem Vorbehalt begründeter Sicherungsmass-
nahmen – eine Vorschrift, Vermögen oder Einkommen in einer bestimmten Art
und Weise, z.B. zur Schuldentilgung, zu verwenden, nicht statthaft (FamKomm
Scheidung-Vetterli, 2. Aufl., Vorbem. zu Art. 175-179 N 7; BK Ehescheidung-
Bühler/Spühler, Art. 145 N 16 und 23 m.w.H., ZR 83 (1984) Nr. 112). Genau eine
solche Anordnung strebt der Kläger aber an, wenn er der Beklagten diktieren will,
vorab die beiden eingangs genannten Betreibungen zu begleichen und hierfür,
falls nötig, gar bei Dritten ein Darlehen aufzunehmen. Daran ändert nichts, dass
er damit lediglich seinen Anspruch auf Erhalt der Familienwohnung konkretisieren
will. Mit der Zuweisung der Liegenschaft wurde dem Kläger zwar das (einstweili-
ge) Nutzungsrecht eingeräumt. Diese Zuteilung ist indes naturgemäss bloss vo-
rübergehend und bedeutet nicht ohne weiteres ein Recht auf Verbleib in der
Wohnung bis zu einem allfälligen Abänderungsentscheid oder bis zum Schei-
dungsurteil. So liesse sich ein Verlust der Liegenschaft etwa auch nicht abwen-
den, wenn die Zwangsverwertung durch Konkurseröffnung über die Beklagte her-
beigeführt worden wäre. Somit ist festzuhalten, dass die vom Kläger angerufene
Beistandspflicht von Art. 163 ZGB die (vermögensrechtlichen) Pflichten aus der
ehelichen Gemeinschaft betrifft. Es lässt sich daraus – so bedauerlich die Situati-
on für den Kläger auch sein mag – keine Verpflichtung eines Ehepartners zu einer
bestimmten Vermögensverwendung, konkret zur Schuldentilgung gegenüber Drit-
ten ableiten; dies ungeachtet dessen, dass seine Zahlungssäumnis gegebenen-
falls zum Verlust der Familienwohnung führen kann. Bei den Hypothekarschulden
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verhält es sich insofern anders, als diese die Familienwohnung und damit direkt
die eheliche Gemeinschaft betreffen und bei der Bemessung des Notbedarfs bzw.
der Unterhaltsbeiträge berücksichtigt werden. Letztlich lässt sich aber auch hier
bei Nichtbezahlung die Zwangsverwertung kaum verhindern. Dem Kläger bleibt
es jedoch, obwohl er hierzu selbstredend nicht verpflichtet ist, unbenommen, die
Betreibungsforderungen selbst zu zahlen und das Geleistete gestützt auf Güter-
recht zurückzufordern.
b) Im Lichte obiger Erwägungen erweist sich die beantragte Massnahme
auch als zwecklos. Gestützt auf die eheliche Beistandspflicht kann der Kläger we-
der verlangen, dass die Beklagte ihre Schulden bei Dritten tilgt noch kann er sich
– mangels gesetzlicher Grundlage – den in Frage stehenden Betrag zusprechen
lassen, um ihn dann dem Betreibungsamt abzuliefern. Damit liesse sich die bean-
tragte Massnahme nicht vollstrecken. Dass die Beklagte eine solche Verpflichtung
freiwillig erfüllen würde, ist angesichts der Vorgeschichte nicht anzunehmen. Der
Kläger wäre somit am gleichen Punkt wie heute. Eine Zwangsvollstreckung würde
ihm nichts nützen. Eine nicht durchsetzbare Anordnung darf indes nicht erlassen
werden.
c) Der Kläger wendet sodann ein, es sei der Beklagten ohne weiteres
möglich, den geforderten Betrag aufzubringen. Zu diesem Vorwurf des treuwidri-
gen Verhaltens ist ihm Folgendes entgegen zu halten: Gemäss Art. 95 Abs. 1 und
2 SchKG wird in erster Linie das bewegliche Vermögen einschliesslich der Forde-
rungen und der beschränkt pfändbaren Ansprüche gepfändet. Das unbewegliche
Vermögen wird nur gepfändet, soweit das bewegliche zur Deckung der Forderung
nicht ausreicht. Die Tatsache, dass vorliegend die Liegenschaft verwertet werden
soll, lässt somit darauf schliessen, dass die Beklagte entgegen der Ansicht des
Klägers kein oder nicht genügend bewegliches Vermögen hat, um die Forderung
von rund Fr. 7'000.-- zu bezahlen. Offenbar hält auch das Betreibungsamt die
Versteigerung der Liegenschaft für die vergleichsweise tiefe Forderung für unsin-
nig, weshalb es das Verfahren sistierte und mit der Beklagten Abschlagszahlun-
gen vereinbarte. Dies weist ebenfalls darauf hin, dass keine anderen Mittel zur
Befriedigung der Gläubiger vorhanden sind, ansonsten die Verwertungshandlun-
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gen wohl längst fortgeführt worden wären (act. 4/1, act. 5/246 und 5/248). Wie
erwogen, ist sodann weder die Beklagte verpflichtet, für diese Zahlungen ein Dar-
lehen bei Dritten aufzunehmen noch haben Dritte die Schulden der Beklagten di-
rekt zu begleichen.
d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die beantragte Verpflichtung
der Beklagten zur Befriedigung ihrer (Dritt-)Gläubiger mittels vorsorglicher Mass-
nahme nicht zulässig ist. Obwohl dies für den Kläger zweifellos sehr unangenehm
ist, da seine vitalen Interessen tangiert sind, besteht keine Handhabe, die
Zwangsverwertung der Liegenschaft durch eine solche Anordnung abzuwenden.
Auf die Frage, wie die Beklagte im Falle einer Umteilung der Liegenschaft für die
anfallenden Kosten aufkommen wird, ist an dieser Stelle nicht näher einzugehen.
Damit erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
III.
Es rechtfertigt sich, über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Be-
schwerdeverfahrens bereits im vorliegenden Entscheid zu befinden und nicht bis
zum Endentscheid zuzuwarten (Art. 104 Abs. 3 ZPO). Ausgangsgemäss wird der
Kläger für das Beschwerdeverfahren kostenpflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Man-
gels erheblicher Umtriebe ist der Beklagten keine Entschädigung zuzusprechen.