Decision ID: 4482da67-0e76-57c2-af9e-7c1daca6d95c
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1986 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich am 2.
Juli 2015 bei den Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden (damals noch:
Ausgleichskasse und IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden, nachfolgend: Vorinstanz) zum
Leistungsbezug an wegen Knorpelschäden im rechten Handgelenk, aufgrund welcher
gemäss Arzt eine frühzeitige Arthrose möglich sei (IV-act. 1).
B. Der Beschwerdeführer hatte Ende Dezember 2014 einen Motorradunfall erlitten, welcher zu
einer distalen, intraartikulären, wenig dislozierten Radiusfraktur und grossen chondralen
Defekten am dorsalen Lunatum und in der Fossa scaphoidea rechts sowie zu einer SL-
Band Zerrung rechts geführt hatte. Im Januar 2015 hatte sich der Beschwerdeführer einer
Operation in der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie im
Kantonsspital St. Gallen (KSSG) unterzogen (IV-act. 11, S. 7 f.). Gemäss Bericht des
Hausarztes Dr. C_ vom 10. August 2015 (IV-act. 11, S. 2 ff.) sei die Prognose günstig,
der Beschwerdeführer befinde sich gegenwärtig nicht mehr in Behandlung, aber es werde
aus ärztlicher Sicht mittelfristig eine Umschulung empfohlen, um das Handgelenk langfristig
nicht zu überlasten.
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C. Zur Vornahme einer beruflichen und medizinischen Standortbestimmung lud die Vorinstanz
den Beschwerdeführer zu einem Gespräch ein, welches am 15. Oktober 2015 stattfand (IV-
act. 24).
Zu seinem beruflichen Lebenslauf führte der Beschwerdeführer aus, er habe seine
Berufsausbildung als Sanitärmonteur im August 2005 abgeschlossen und danach zunächst
im erlernten Beruf gearbeitet. Danach habe er die Firma D_ GmbH gegründet und sei
dort für den gesamten Handel der Miniküchen mit Offerten, Verkauf und Vormontagen tätig
gewesen. Im Januar 2014 habe er die Firma verkauft und sich beruflich neu ausgerichtet.
Vorerst sei ein Auslandaufenthalt in Ägypten als Dive-Guide gefolgt, danach habe er im
September 2014 mit dem Vorkurs für die Zweitweg-Matura begonnen, im Hinblick auf ein
Studium Richtung Medizin oder Jura. Gleichzeitig habe er bei der Firma E_ AG eine
Arbeit als Sanitärinstallateur aufgenommen, welche ihm kurz darauf aus wirtschaftlichen
Gründen wieder gekündigt worden sei. Inzwischen befinde er sich im 2. Semester der ISME
(interstaatliche Maturitätsschule für Erwachsene St. Gallen / Sargans) und arbeite seit Juni
2015 als Verkaufsberater beim F_, im Teilpensum von 8-20 Stunden pro Woche.
In medizinischer Hinsicht berichtete der Beschwerdeführer, nach seinem Motorradunfall
und der Operation sei er mit dem Handgelenk in der Beweglichkeit eingeschränkt und
könne nicht mehr die gleiche Kraft in der rechten Hand aufbringen wie früher. Daher habe
er keine Arbeit im erlernten Beruf mehr gesucht, sondern die Tätigkeit als Verkaufsberater
bei F_ angenommen. Teilzeitlich arbeite er, um genügend Zeit für Schule und Zweitweg-
Matura zur Verfügung zu haben. Er sei mittlerweile nicht mehr sicher, ob er sich anstatt
Absolvierung der Zweitweg-Matura doch wieder einer Berufstätigkeit zuwenden wolle,
wobei er sich beruflich neu orientieren müsste, da es ihm nicht mehr möglich sei, als
Sanitärinstallateur zu arbeiten.
Der Beschwerdeführer erklärte, er erwarte von der Vorinstanz Unterstützung bei seiner
beruflichen Neuorientierung.
D. In der Folge gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit Mitteilung vom 26.
November 2015 Berufsberatung und Unterstützung bei der Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act. 34 und 35).
Beim Erstgespräch mit dem Berufsberater im Dezember 2015 erklärte der
Beschwerdeführer, er habe sich bei der IV auf Anraten seines Arztes angemeldet. Wegen
seinem Handgelenk könne er in seinem erlernten Beruf nicht mehr arbeiten, weshalb es
auch schwierig sei, eine gute Teilzeitarbeit zu finden. Er erhoffe sich von seiner Anmeldung
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eine Unterstützung bei der Stellensuche. Er gab erneut an, er sei unsicher, ob das Ziel
Zweitweg-Matura der richtige Weg sei; er warte das dritte Semester ab und werde die
Ausbildung weiter verfolgen, falls er dieses mit genügenden Noten abschliesse (IV-act. 37).
Im Anschluss an dieses Gespräch wurde dem Beschwerdeführer ein Job-Coaching zur
Verfügung gestellt (IV-act. 38 ff.). Die Stellensuche mit dem Beschwerdeführer gestaltete
sich jedoch aus verschiedenen Gründen schwierig und verlief erfolglos (IV-act. 42). Am
20. Juni 2016 berichtete der Coach, der Beschwerdeführer scheine an einer beruflichen
Veränderung kein grosses Interesse zu haben. Wöchentlich würden ihm Stelleninserate
zugeschickt, die seiner Qualifikation und möglichem Pensum entsprechen würden;
entsprechende Rückmeldungen, sich auf eine Stelle bewerben zu wollen, seien aber
ausgeblieben. Auch habe der Beschwerdeführer kein ernsthaftes Interesse an Alternativen
zur Maturitätsschule für Erwachsene gezeigt (IV-act. 44).
E. Mit Vorbescheid vom 21. Juni 2016 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer daraufhin
mit, dass die beruflichen Massnahmen abgeschlossen würden, nachdem die
zugesprochenen Massnahmen auch aus invaliditätsfremden Gründen ohne den
gewünschten Erfolg geblieben seien. Ein Rentenanspruch bestehe nicht (IV-act. 45). Mit
Einwand vom 23. August 2016 (IV-act. 47) verlangte der Beschwerdeführer die Ausrichtung
eines Taggeldes basierend auf einem Valideneinkommen von mindestens monatlich Fr.
5‘600.-- brutto bzw. eventualiter die Zusprache einer vollen Invalidenrente. Mit Verfügung
vom 5. September 2016 (IV-act. 48) hielt die Vorinstanz am leistungsabweisenden
Vorbescheid fest. Der Beschwerdeführer habe seinen Berufsweg, Absolvierung der ISME,
bereits vor seinem Unfall festgelegt, somit sei dieser Entscheid nicht invaliditätsbedingt.
Entsprechend seien auch keine Taggelder geschuldet. Weitere berufliche Massnahmen
seien unter den gegebenen Umständen nicht angezeigt. Ein Rentenanspruch könne
ausserdem gar nicht entstehen, da er in einer leidensadaptierten Tätigkeit vollumfänglich
arbeitsfähig sei (IV-act. 48).
F. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer am 6. Oktober 2016
erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1), mit welcher der Beschwerdeführer die
Ausrichtung eines vollen Taggeldes, basierend auf einem Valideneinkommen von
mindestens Fr. 5‘600.-- monatlich, eventualiter mindestens eine halbe IV-Rente, verlangt.
Dem formellen Antrag auf Aktenzustellung wurde im Verlauf des Schriftenwechsels
entsprochen. Mit Vernehmlassung vom 3. November 2016 (act. 6) beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Am 29. November 2016 reichte der
Beschwerdeführer eine Replik ein (act. 9) und hielt an seiner Beschwerde fest. Die
Vorinstanz verzichtete auf die Einreichung einer Duplik.
Seite 5
G. Am 25. April 2017 wurde die Sache in der dritten Abteilung des Obergerichts in
Abwesenheit der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden. Die
Beschwerde wurde kostenfällig zu Lasten des mit seinen Anträgen unterliegenden
Beschwerdeführers abgewiesen. Dem Begehren des Beschwerdeführers gemäss
Schreiben vom 29. Mai 2017 (act. 15) entsprechend, wird das Urteil mit schriftlicher
Begründung eröffnet.
H. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Da
eine Verfügung der Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden angefochten ist, ist die
örtliche Zuständigkeit gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des
Beschwerdeführers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die
Beschwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
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2. Materielles
2.1
a. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die
versicherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt
gemäss Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
b. In medizinischer Hinsicht ist im vorliegenden Fall unbestritten, dass der
Beschwerdeführer mittel- bis langfristig in seinem angestammten Beruf als Sanitärmonteur
nicht mehr arbeiten kann, da ansonsten mit der Ausbildung einer traumatischen
Früharthrose zu rechnen ist.
Dr. C_ führte in seinem Arztbericht vom 10. August 2015 diesbezüglich ausdrücklich an,
die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer aktuell noch zumutbar; aufgrund der
Tätigkeit als Sanitärinstallateur sei die rechte Hand aber dauerhaft belastet, was langfristig
zu Arthrose führen könne. Aus diesem Grund werde mittelfristig von der Handchirurgie eine
Umschulung empfohlen (IV-act. 11, S. 2 ff.). Auch gemäss Bericht der Klinik für Hand-,
Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG vom 22. April 2015 (IV-act. 11, S. 7
f.) ergab das Röntgen keine sekundären Arthrosezeichen; der Verlauf wurde als sehr
vielversprechend bezeichnet. Allerdings bestehe ein hohes Risiko einer frühzeitigen
Arthrosebildung, weshalb der Wechsel in eine das Handgelenk weniger belastende
Tätigkeit als die Arbeit als Sanitärmonteur empfohlen sei (IV-act. 11, S. 7 f.). Auch gemäss
späterem Arztbericht vom August 2015 (IV-act. 12) sei dem Beschwerdeführer die
bisherige Tätigkeit zumutbar bzw. seien dem Beschwerdeführer inzwischen alle Tätigkeiten
möglich, allerdings sei die bisherige Tätigkeit längerfristig ungünstig, da zu erwarten sei,
dass bei starker und dauerhafter Belastung des Handgelenks Schmerzen auftreten würden.
Dr. G_ vom RAD erachtete es in seinem Bericht vom 23. November 2015 (IV-act. 32)
arbeitsmedizinisch als nachvollziehbar, dass bei einer weiteren Berufstätigkeit auf dem
erlernten Beruf als Sanitärmonteur mit der Ausbildung einer traumatischen Früharthrose zu
rechnen sei, so dass eine Belastungseinschränkung der rechten Hand zukünftig zu
erwarten sei. In einer leidensadaptierten Tätigkeit (körperlich leicht, vermehrt geistig)
bestehe eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit.
Dieser von den Parteien nicht bestrittene Sachverhalt ist damit in medizinischer Hinsicht
klar und bedarf keiner weiteren Abklärungen. Der Antrag des Beschwerdeführers,
Seite 7
zusätzlich ein unabhängiges medizinisches / orthopädisches Gutachten zu erstellen (vgl.
act. 1, S. 3), ist nicht notwendig und entsprechend abzuweisen.
c. Zwischen den Parteien umstritten ist aber in rechtlicher Hinsicht, ob dem
Beschwerdeführer ein Anspruch auf finanzielle Leistungen der Vorinstanz, sei dies in Form
von Taggeldern oder eventualiter in Form einer Invalidenrente, zukommt. Während der
Beschwerdeführer davon ausgeht, er habe bis zum Abschluss seiner Zweitweg-Matura und
anschliessendem Studium Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch die IV, verneinte
die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung einen Leistungsanspruch des
Beschwerdeführers und hält im vorliegenden Verfahren an dieser Auffassung fest.
2.2
a. Gemäss der Grundsatzbestimmung von Art. 22 Abs. 1 IVG haben Versicherte während
der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 IVG unter
bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf ein Taggeld. Das Taggeld ist somit eine
akzessorische Leistung zu bestimmten Eingliederungsmassnahmen und wird grundsätzlich
nur ausgerichtet, wenn und solange Eingliederungsmassnahmen der IV zur Durchführung
gelangen (MEYER/REICHMUTH, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
N. 10 zu Art. 22 IVG).
b. Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben, vorausgesetzt, die
jeweiligen Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen sind erfüllt,
gegenüber der Invalidenversicherung grundsätzlich Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (vgl. Art. 8 Abs. 1
IVG). Eingliederungsmassnahmen sind nebst medizinischen Massnahmen und der Abgabe
von Hilfsmitteln diverse Massnahmen beruflicher Art (Integrationsmassnahmen zur
Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung, Berufsberatung, erstmalige berufliche
Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; vgl. Art. 8 Abs. 3 IVG). Wie schon
aus der Legaldefinition des grundsätzlichen Eingliederungsanspruchs in Art. 8 Abs. 1 IVG
hervorgeht, handelt es sich beim Eingliederungsanspruch zum vorneherein nicht um
ziffernmässig bestimmte, sondern um inhaltlich offene Leistungsberechtigungen. Ihre
Konkretisierung verlangt immer eine vergleichende Betrachtung des Eingliederungsziels,
des Eingliederungsbedarfs und des zu seiner Befriedigung erforderlichen Mitteleinsatzes
zulasten der Versicherung unter dem Gesichtswinkel der ratio legis (MEYER/REICHMUTH,
a.a.O., N. 15 zu Art. 8 IVG).
Seite 8
c. Dem Beschwerdeführer wurde im Sinn einer Eingliederungsmassnahme nach Art. 8
Abs. 3 IVG und seinem Wunsch nach Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung
entsprechend (IV-act. 24, S. 5 unten) mit Mitteilung vom 26. November 2015 unkompliziert
und rasch Berufsberatung und Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten
durch die Berufsberatung der Vorinstanz gewährt (IV-act. 35). Zudem wurde dem
Beschwerdeführer mit Mitteilung vom 8. Januar 2016 ein Job-Coaching, befristet bis zum
30. Juni 2016, zugesprochen (IV-act. 40). Ziel der gewährten Eingliederungsmassnahmen
war einerseits, mögliche berufliche Perspektiven mit dem Beschwerdeführer zu eruieren
und andererseits den Beschwerdeführer, sollte er am eingeschlagenen Weg der Zweitweg-
Matura festhalten, ihn bei der Suche nach einer passenden Teilzeitstelle zu unterstützen
(IV-act. 41). Insbesondere die Unterstützung durch einen Job-Coach erscheint ohne Zweifel
geeignet, den Beschwerdeführer, der mittel- bis längerfristig nicht mehr in der
angestammten Tätigkeit arbeiten kann, bei der Eingliederung in eine adaptierte Tätigkeit zu
unterstützen. Der Job-Coach musste jedoch feststellen, dass der Beschwerdeführer weder
ernsthaftes Interesse an alternativen Eingliederungsmöglichkeiten anstelle der begonnenen
Zweitweg-Matura bekundete noch bei den Stellenbewerbungen zur Suche einer anderen
Stelle als die aktuelle Teilzeitstelle bei F_ genügend Eigeninitiative zeigte und sich
spärlich sowie zum Teil zeitverzögert rückmeldete, weil er wegen Prüfungen keine Zeit
habe, Bewerbungen abzuschicken (IV-act. 42). Weitere berufliche Massnahmen in Form
von Berufsberatung oder ein weiteres Job-Coaching erschienen vor diesem Hintergrund
wenig erfolgsversprechend. Die Vorinstanz hat die dem Beschwerdeführer gewährten
beruflichen Massnahmen daher zu Recht abgeschlossen (vgl. IV-act. 48).
d. Während der Dauer der dem Beschwerdeführer in Form von Berufsberatung und Job-
Coaching gewährten, inzwischen abgeschlossenen beruflichen Massnahmen wurde dem
Beschwerdeführer kein Taggeld ausgerichtet (vgl. auch IV-act. 39, S. 2: ein
Taggeldanspruch wird ausdrücklich verneint). Weitere Eingliederungsmassnahmen wurden
dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz nicht gewährt. Insbesondere wurde ihm zu
keinem Zeitpunkt eine Umschulung in Form der Absolvierung der ISME und eines
anschliessenden Studiums zugesprochen. Aktuell befindet sich der Beschwerdeführer
somit - zumindest formell gesehen - gar nicht in einer beruflichen
Eingliederungsmassnahme, womit ein dazu akzessorischer Taggeldanspruch grundsätzlich
zum Vornherein entfällt.
e. Der Beschwerdeführer geht allerdings, indem er einen Taggeldanspruch geltend macht,
stillschweigend davon aus, dass die Absolvierung der ISME sowie das anschliessend
einzuschlagende Studium eine taggeldpflichtige berufliche Integration im Sinn einer
Eingliederungsmassnahme gemäss Art. 8 Abs. 3 IVG darstellen. Er führt diesbezüglich an,
Seite 9
er habe seine berufliche Entwicklung mit der Berufsberatung der Vorinstanz abgesprochen
und aufgrund der Unfallfolgen entschieden, an dieser schon vorher eingeschlagenen
Weiterbildung festzuhalten und folgert daraus, Anspruch auf Taggelder „bis zum Abschluss
der beruflichen Integration mittels Matura und anschliessendem Studium“ zu haben (vgl.
act. 1, S. 7). Ob diese Auffassung zutrifft, ist vorweg zu prüfen. Nur, wenn die aktuelle
berufliche Weiterbildung des Beschwerdeführers tatsächlich eine
Eingliederungsmassnahme im Sinn von Art. 8 Abs. 3 IVG - in Frage kommt namentlich eine
Qualifikation als Umschulung - darstellt, kommt ein dazu akzessorischer Taggeldanspruch
überhaupt in Frage.
2.3
a. Der Versicherte hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die
Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit
voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Dem Erfordernis
der Invalidität gleichgestellt ist die unmittelbare Bedrohung durch eine solche (vgl. Art. 8
Abs. 1 IVG). Als invalid im Sinn von Art. 17 IVG gilt somit mit anderen Worten, wer nicht
hinreichend eingegliedert ist, weil der Gesundheitsschaden eine Art und Schwere erreicht
hat, welche die Ausübung der bisherigen Erwerbstätigkeit ganz oder teilweise unzumutbar
macht.
b. Es ist in medizinischer Hinsicht unbestritten, dass davon auszugehen ist, dass der
Beschwerdeführer mittel- bis längerfristig nicht mehr als Sanitärmonteur arbeiten kann und
es empfehlenswert ist, dass er sich künftig in einer das Handgelenk weniger belastenden
Tätigkeit betätigt.
Ist eine Invalidität oder eine drohende Invalidität gegeben, führt dies allerdings nicht per se
zu einem Umschulungsanspruch. Um tatsächlich einen Umschulungsanspruch zu
begründen, muss der Invaliditätsgrad ein bestimmtes erhebliches Mass erreicht haben.
Nach der Rechtsprechung ist dies der Fall, wenn der Versicherte in den ohne zusätzliche
berufliche Ausbildung noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere
Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleidet (vgl. anstelle vieler: Urteil des
Bundesgerichts 8C_716/2016 vom 1. Februar 2017, E. 4.1.3, m.w.H.; BGE 124 V 108, E.
2b).
Für die Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit bzw. der daraus resultierenden
Erwerbseinbusse wird dabei auf die gesundheitlich bedingte Einschränkung nicht nur in der
bisherigen Tätigkeit, sondern auf dem gesamten in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt abgestellt. Die versicherte Person ist aufgrund der Schadenminderungspflicht
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gehalten, im Rahmen des Zumutbaren eine andere als die angestammte Tätigkeit
auszuüben, sofern sich dadurch die verbleibende Arbeitsfähigkeit finanziell besser
verwerten lässt (Urteil des Bundesgerichts 9C_169/2010 vom 19. April 2010, E. 2.1).
c. Der Beschwerdeführer verdiente gemäss Auszug aus dem individuellen Konto der
Ausgleichskasse Appenzell Ausserrhoden (IV-act. 8, S. 2 f.) in den Jahren 2010 bis 2012 je
Fr. 36‘924 pro Jahr; im Jahr 2013 sank das Einkommen auf Fr. 21‘600; im Jahr 2014
verdiente der Beschwerdeführer als Sanitär bei der Firma E_ AG von August bis Oktober
insgesamt Fr. 13‘876. Der Beschwerdeführer erzielte damit in den vergangenen Jahren ein
monatliches Einkommen von maximal rund Fr. 4‘600.--; das Durchschnittseinkommen liegt
sogar wesentlich tiefer. Ein Umschulungsanspruch kommt nur in Frage, wenn davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer nach seinem Unfall ohne zusätzliche
berufliche Ausbildung im Vergleich zu seiner vorherigen Situation eine bleibende
Erwerbseinbusse von rund 20% oder mehr erleiden würde.
d. Es ist in medizinischer Hinsicht klar und auch seitens des Beschwerdeführers
unbestritten, dass er in einer adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig ist. Gemäss der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2012 betrug das Durchschnittseinkommen gemäss
Tabelle TA1 in einfachen Tätigkeiten (Kompetenzniveau 1) rund Fr. 4‘771 pro Monat; in
praktischen Tätigkeiten entsprechend dem Kompetenzniveau 2 betrug der
Durchschnittslohn Fr. 5‘282 pro Monat. Die zahlreichen Stellen, die der Job-Coach dem
Beschwerdeführer zur Bewerbung vorgeschlagen hat (vgl. IV-act. 44, S. 2 ff.), zeigen, dass
für den Beschwerdeführer mit seinem beruflichen Hintergrund und seiner bisherigen
Berufserfahrung diverse Erwerbsmöglichkeiten in Frage kommen. Allein mit Blick auf die
statistischen Lohnzahlen in der Lohnstrukturerhebung kann daher mit der Vorinstanz ohne
weiteres davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in einer adaptierten Tätigkeit mindestens ein mit dem
bisherigen Einkommen vergleichbares Einkommen erzielen könnte. Zusätzliche vertiefte
Abklärungen in beruflicher Hinsicht sind für diese Schlussfolgerung nicht notwendig.
e. Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide
Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die
Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (Urteil des Bundesgerichts 9C_275/2014
vom 21. August 2014, E. 4.3). Selbst bei der aktuellen Tätigkeit bei F_ würde der
Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben in einem Vollzeitpensum Fr. 4‘384.50
monatlich verdienen, was durchaus im Rahmen des von ihm in den Jahren vor dem Unfall
erzielten Durchschnittseinkommens liegt. Ausserdem gibt der Beschwerdeführer an, er
könnte „ohne weiteres“, wie schon in seiner früheren Laufbahn, als er bei der Firma D_
Seite 11
GmbH als Geschäftsführer tätig gewesen sei, als Baustellenführer und damit in mittlerer
Kaderposition arbeiten, was gemäss seinen eigenen Angaben und gestützt auf den von
ihm verwendeten Lohnrechner zu einem Monatslohn von Fr. 7‘250.-- führen würde (act. 9,
S. 5 oben).
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Stelle bei F_ „für [die] aktuelle Lebenssituation
mit Weiterbildung an der Zweitweg-Matura ideal“ ist, wie der Beschwerdeführer bereits
anlässlich des Assessmentgesprächs erklärte. Dass er mit dieser Arbeit aber in einem
zudem sehr geringen Pensum nicht mehr gleich viel verdient, wie er zuletzt bei der Tätigkeit
als Sanitär vor dem Unfall verdient hatte oder wie er seiner Ansicht nach in einer
vollzeitlichen Kaderposition als gelernter Sanitärinstallateur verdienen könnte, ist für die
Beurteilung eines allfälligen Leistungsanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung
entgegen seiner Ansicht nicht entscheidend. Entscheidend ist aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht vielmehr, wieviel der - unbestrittenermassen
adaptiert voll arbeitsfähige - Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
verdienen würde, würde er seine Arbeitsfähigkeit auch tatsächlich voll einsetzen. Dieses
Einkommen ist mit dem Einkommen zu vergleichen, das er vor dem Unfall tatsächlich
erzielt hat. Die Versuche des Job-Coach, den Beschwerdeführer darin zu unterstützen, in
eine andere, möglichst besser bezahlte Stelle zu wechseln, scheiterten wesentlich auch an
der Bereitschaft des Beschwerdeführers, seine berufliche Situation zu verändern. Da davon
auszugehen ist, dass es ihm bei Verwertung der ihm verbleibenden vollen Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit möglich wäre, ein Einkommen in der Grössenordnung des vor
dem Unfall erzielten Einkommens zu erzielen, sind die leistungsbegründenden
Voraussetzungen für eine Umschulung klar nicht erfüllt. Ein Rentenanspruch kommt unter
diesen Umständen ebenfalls klar nicht in Frage.
f. Zusammengefasst bedarf es angesichts der vorliegenden medizinischen Umstände, der
Ausbildung und der bisherigen beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers, die sich über
den erlernten Beruf hinaus erstreckte, nicht der vom Beschwerdeführer angestrebten
Zweitweg-Matura und eines anschliessenden Studiums, um seine verbleibende
Arbeitsfähigkeit im gleichen finanziellen Rahmen wie vor dem Unfall Ende 2014 zu
verwerten. Ein Umschulungsanspruch gegenüber der Vorinstanz ist zu verneinen, d.h. die
derzeitige berufliche Weiterbildung an der ISME kann in materieller Hinsicht nicht als
Eingliederungsmassnahmen im Sinn von Art. 8 Abs. 3 IVG qualifiziert werden. Überdies
hatte sich der Beschwerdeführer nachweislich schon vor seinem Unfall für eine berufliche
Neuorientierung entschieden, entsprechende Vorkurse zur ISME besucht und sich zum
Studium angemeldet. Die Vorinstanz weist in diesem Zusammenhang zu Recht darauf hin,
dass die berufliche Neuorientierung in Form der Absolvierung der ISME zumindest
Seite 12
zunächst völlig unabhängig von der Tatsache erfolgte, dass ihm nach dem Unfall mittel- bis
längerfristig ohnehin eine berufliche Neuausrichtung empfohlen wurde. Für die vom
Beschwerdeführer behauptete angebliche Zusage der Vorinstanz, den Beschwerdeführer
finanziell zu unterstützen (vgl. act. 1, S. 4 unten) finden sich in den vorinstanzlichen Akten
keinerlei Anhaltspunkte, woran auch die beantragte Parteibefragung, auf die verzichtet
werden kann, nichts ändern würde.
2.4
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass selbst dann, wenn sich der Beschwerdeführer in
einer Umschulung im Sinn einer Eingliederungsmassnahme gemäss Art. 8 Abs. 3 IVG
befinden würde, nicht automatisch von dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Taggeldanspruch auszugehen wäre.
a. Anspruch auf ein volles Taggeld während einer Umschulung entsteht nämlich nach der
Grundregel von Art. 22 Abs. 1 IVG nur unter der Voraussetzung, dass eine versicherte
Person an wenigstens drei aufeinanderfolgenden Tagen wegen der Massnahme verhindert
ist, einer Arbeit nachzugehen oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50%
arbeitsunfähig ist. Gemäss Art. 17bis Abs. 1 lit. a der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201), welcher den Anspruch auf Taggelder bei
Eingliederung an nicht zusammenhängenden Tagen regelt, entsteht ein Taggeldanspruch
beschränkt auf die Eingliederungstage ausserdem dann, wenn eine versicherte Person
innerhalb eines Monats an mindestens drei nicht zusammenhängenden Tagen in
Eingliederung steht und wegen der Massnahme ganztags verhindert ist, einer Arbeit
nachzugehen; ein Taggeld für die Eingliederungstage und die dazwischen liegenden Tage
wird nach Art. 17bis Abs. 1 lit. b IVV dann ausgerichtet, wenn die versicherte Person in ihrer
gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50% arbeitsunfähig ist.
b. Der Beschwerdeführer räumt selbst ein, er könne nebst der berufsbegleitenden
Weiterbildung im Umfang von mindestens 50% bis 60% einer Erwerbstätigkeit nachgehen
(act. 1, S. 7 oben). Dies deckt sich mit den Angaben auf dem von ihm eingereichten act.
2/8, wo zur ISME erläutert wird, dass eine gleichzeitige reduzierte Berufstätigkeit möglich
sei nebst Unterricht (der am Standort St. Gallen mittwochs von 13 bis 20.30 Uhr sowie
samstags von 7.30 bis 15.30 Uhr stattfindet) und notwendigem Selbststudium (ca. 10 bis 15
Stunden pro Woche). Der Beschwerdeführer ist somit gar nicht an mindestens drei
aufeinanderfolgenden Tagen wegen der Weiterbildung an der ISME daran verhindert, einer
Arbeitstätigkeit nachzugehen. Zudem ist er am Mittwoch und somit werktags (vgl. dazu
BGE 139 V 399, E. 7.2, wonach Umschulungsmassnahmen ausserhalb der üblichen
Arbeitszeiten ohnehin keinen Taggeldanspruch verschaffen) lediglich halbtags verhindert,
Seite 13
womit auch kein Taggeldanspruch nach Art. 17bis Abs. 1 lit. a IVV in Frage kommt. Da dem
Beschwerdeführer gemäss medizinischer Einschätzung die bisherige Tätigkeit aus
medizinischer Sicht aktuell an sich noch zumutbar ist, aber mittelfristig aus
gesundheitlichen Gründen eine Umschulung empfohlen wird (vgl. IV-act. 11, S. 3; IV-act.
32), kann zudem mit Bezug auf die in Art. 22 Abs. 1 IVG bzw. Art. 17bis Abs. 1 lit. b IVV als
Alternativkriterium für die Begründung eines vollen Taggeldanspruchs angeführte
Arbeitsunfähigkeit zumindest nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass dieses
Kriterium im konkreten Fall als erfüllt zu betrachten wäre.
c. Wie es sich damit verhält, kann jedoch letztlich offengelassen werden. Da der
Beschwerdeführer gar keinen Umschulungsanspruch gegenüber der Vorinstanz hat, kann
ein dazu akzessorischer Taggeldanspruch ohnehin nicht bestehen und es erübrigt sich, die
weiteren Voraussetzungen näher zu prüfen.
2.5
Zusammengefasst ist keine Anspruchsgrundlage ersichtlich, die den Beschwerdeführer
berechtigen würde, von der Vorinstanz finanzielle Leistungen - sei dies in Form von
Taggeldern oder eine Rente - zu verlangen. Die Beschwerde ist abzuweisen und die
angefochtene Verfügung der Vorinstanz vom 5. September 2016 zu bestätigen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Da der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen unterliegt,
sind die Kosten ihm aufzuerlegen. Im vorliegenden Fall erscheint die in vergleichbaren
Fällen übliche Entscheidgebühr von Fr. 800.-- als angemessen, unter Verrechnung mit dem
vom Beschwerdeführer in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss.
3.2
Beim vorliegenden Verfahrensausgang ist dem Beschwerdeführer keine Entschädigung
zuzusprechen. Der Invalidenversicherung werden unabhängig vom Verfahrensausgang
keine Verfahrenskosten auferlegt und keine Parteientschädigungen zugesprochen (Art. 61
lit. g ATSG e contrario; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 58 und 199 f. zu
Art. 61 ATSG).
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