Decision ID: 2e78fb89-d704-5283-8dcc-bc18bc16bb83
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführer,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
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St.Galler Gerichte
A.
Der 1968 geborene R._ war bei der A._ angestellt und dadurch bei der AXA
Winterthur gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 6.
August 2009 (act. G 5.1/1) biss R._ am 23. Juli 2009 während des Frühstücks in
einem Hotel auf einen Stein im Brötchen, woraufhin ein Stück Zahn abbrach. Der
Versicherte begab sich am gleichen Tag zu einer Zahnklinik um den Zahn provisorisch
versorgen zu lassen (act. G 1.5). Am 19. und 26. August 2009 wurde der Zahn durch
B._, eidg. dipl. Zahnarzt, welcher eine Kronenfraktur ohne Pulpabeteiligung
diagnostizierte (act. G 5.1/M1), definitiv versorgt (act. G 1.4). Mit Schreiben vom 26.
August 2009 teilte die AXA Winterthur dem Versicherten mit, es sei kein Unfall im
Rechtssinn nachgewiesen. Da der Versicherte das Steinchen nicht gesehen habe, sei
von Beweislosigkeit auszugehen und daher werde ein Leistungsanspruch abgelehnt
(act. G 5.1/3). Nachdem die Rechtsschutz Versicherung mit der Vertretung des
Versicherten betraut wurde (act. G 5.1/6), forderte sie mit Schreiben vom 22. Dezember
2009 eine einsprachefähige Verfügung an (act. G 5.1/5), woraufhin die AXA Winterthur
am 8. Januar 2010 ihre Leistungspflicht verfügungsweise verneinte (act. G 5.1/7).
B.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 30. Januar 2010 Einsprache (act.
G 5.1/8). Mit Entscheid vom 17. Februar 2010 wies die AXA Winterthur die Einsprache
des Versicherten ab (act. G 5.1/10).
C.
C.a Mit Eingabe vom 19. März 2010 erhob R._ Beschwerde mit den Anträgen, die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, den Einspracheentscheid vom 17. Februar
2010 als nichtig zu erklären, es sei anzuerkennen, dass ein Unfall vorliege und es seien
die entsprechenden Leistungen zu erbringen. Bei einem Steinchen in einem Stück Brot
handle es sich um einen unüblichen Gegenstand und somit seien die Voraussetzungen
des Unfallbegriffs erfüllt. Verschiedene Umstände würden darauf hindeuten, dass es
sich um einen Unfall gehandelt habe. Die Beschwerdegegnerin habe aber nicht alle
diese Umstände gewürdigt. Ungeachtet des Verfahrensausgangs sei die
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Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Kosten für das UVG-Arztzeugnis zu vergüten
(act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort beantragte die Beschwerdegegnerin, die Beschwerde
sei abzuweisen und der angefochtene Entscheid vom 17. Februar 2010 sei zu
bestätigen. Sie führte aus, dass der Beschwerdeführer das "corpus delicti" nicht
gesehen habe und nur aufgrund des Geräusches und des Gefühls der Überzeugung
sei, auf ein Steinchen gebissen zu haben. Daher handle es sich bei der Behauptung,
auf einen Stein gebissen zu haben, um eine unbewiesene Annahme. Es liege somit
Beweislosigkeit vor, deren Folgen der Beschwerdeführer zu tragen habe, da er aus
einem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wolle. Die Übernahme der
Kosten für das Arztzeugnis werde ebenfalls abgelehnt, da dieses nicht von ihr
veranlasst worden und es auch nicht entscheidrelevant sei (act. G 5).
C.c Der Beschwerdeführer liess die Frist zur Einreichung einer Replik unbenützt
verstreichen.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob ein Unfall im Sinn von Art. 4 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vorliegt
und ob daher die Beschwerdegegnerin als UVG-Versichererin für die Folgen des
Vorfalls vom 23. Juli 2009 gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V. m. Art. 10 Abs. 1 UVG leistungspflichtig ist.
Während der Beschwerdeführer geltend macht, beim fraglichen Vorfall handle es sich
um einen Unfall, vertritt die Beschwerdegegnerin die Ansicht, ein Unfallereignis sei
nicht nachgewiesen.
2.
2.1 Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge
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hat (Art. 4 ATSG). Damit ein Unfall im Rechtssinn vorliegt, müssen all diese
Tatbestandsmerkmale kumulativ erfüllt sein.
2.2 Wenn beim Abbeissen oder Kauen von Nahrung ein Zahn abbricht, kann
möglicherweise ein Unfallereignis gegeben sein. Die Begriffsmerkmale der plötzlichen,
nicht beabsichtigten schädigenden Einwirkung sind unbestrittenermassen erfüllt. Zu
prüfen bleibt, ob das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors nachgewiesen
werden kann.
2.3 Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen. Das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bezieht sich nicht auf die Wirkung des äusseren
Faktors, sondern auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit
ist, ob der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog
(BGE 134 V 72 E. 4.3.1; SVR 2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a; BGE 122 V 230 E.1 = Pra
1997 Nr. 82 S. 415 f. E. 1). Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts wurde die
Ungewöhnlichkeit verneint bei Dekorationsperlen auf einem Kuchen, bei der
Königsfigur in einem Dreikönigskuchen und beim Zwetschgenstein in einer gedörrten
Zwetschge im "Tuttifrutti". Bejaht wurde sie hingegen bei einer Nussschale in einem
Nussbrot, bei einem Knochensplitter in einer Wurst sowie bei einem Steinchen in einem
Reisgericht (vgl. zum ganzen: Alexandra Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Murer/Stauffer (Hrsg.), Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl., Zürich 2003 S.35 f. und 30 f.). Der
Beschwerdeführer gab an, er habe auf ein Steinchen gebissen, welches sich in einem
Stück Brot befunden habe. Mit einem Steinchen im Brot muss nicht gerechnet werden.
Im Sinn der oben genannten Rechtsprechung ist ein solches daher als ungewöhnlicher
äusserer Faktor nach Art. 4 ATSG zu qualifizieren. Zu prüfen bleibt aber, ob der
behauptete Sachverhalt nachgewiesen werden kann.
3.
3.1 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
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eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht (Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Rz. 71 zu Art. 61 ATSG). Dem
Untersuchungsgrundsatz entsprechend hat das Gericht von Amtes wegen für die
richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen
(Art. 61 lit. c ATSG). Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es
abhängt, ob über die Rechte und Pflichten so oder anders zu entscheiden ist. Die
Parteien tragen nur insofern eine Beweislast, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel kommt jedoch erst zur
Anwendung, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen).
3.2 Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt die blosse
Vermutung, der Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper verursacht worden, für die
Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht (Urteil des Bundesgerichts
vom 28. Juli 2010, 8C_1034/2009, E. 4.3 mit Hinweisen). Wenn ungeklärt bleibt, um
was für einen Gegenstand es sich gehandelt hat, kann die Frage, ob ein Unfall im
Rechtssinn vorliegt, nicht beantwortet werden. Demzufolge kann auch nicht zuverlässig
beurteilt werden, ob dieser als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu qualifizieren ist. Eine
blosse Vermutung, dass der Schaden durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor
eingetreten sei, liegt nach der Rechtsprechung auch dann vor, wenn das "corpus
delicti" zwar als Steinchen benannt wird, dieses aber verschluckt wurde (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Juli 2001, U 211/00; Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Juli 2010, 8C_1034/2009).
3.3 In dem am 21. August 2009 ausgefüllten Fragebogen der Beschwerdegegnerin
gab der Beschwerdeführer an, dass er das "corpus delicti" nicht selber gesehen habe,
da er lediglich den abgebrochenen Zahn nicht verschluckt habe (act. G 5.1/2). Es ist
daher nach der oben dargelegten Rechtsprechung des Bundesgerichts im
vorliegenden Fall von Beweislosigkeit auszugehen. Der Beschwerdeführer hat zudem
darauf hingewiesen, dass er verschiedene Zeugen für den Hergang beim Frühstück
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benennen könne. Wenn der fragliche Gegenstand aber verschluckt wurde, können die
angegebenen Zeugen ebenso wenig wie der Beschwerdeführer selbst nähere
Auskünfte über das "corpus delicti" geben. Es bleibt daher ungeklärt, um was für einen
"Fremdkörper" es sich effektiv gehandelt hat.
3.4 In Würdigung der gesamten Umstände ist es zwar möglich, dass die
Zahnschädigung auf einen Unfall im Rechtssinn zurückzuführen ist, doch fehlt es dabei
am erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Die Folgen
dieser Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer zu tragen, da er aus dem unbewiesen
gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juli
2010, 8C_1034/2009, E 4.2 ff.; EVG-Urteil vom 17. Juli 2001, U 211/00, E. 3.c). Die
Versicherung hat für den Zahnschaden nicht aufzukommen, der angefochtene
Entscheid ist in der Hauptsache nicht zu beanstanden.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer verlangt weiter, dass die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten sei, die Kosten für das Arztzeugnis zurückzuerstatten. Die
Beschwerdegegnerin lehnte die Vergütung dieser Kosten mit der Begründung ab, dass
sie selber dieses Formular nicht angefordert habe und es auch nicht entscheidrelevant
sei.
4.2 Der Versicherungsträger übernimmt die Kosten der Abklärung, soweit er die
Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so übernimmt er
deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs
unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden
(Art. 45 Abs. 1 ATSG).
4.3 Gemäss den Ausführungen der Beschwerdegegnerin wurde von ihr kein
zahnärztliches Zeugnis in Auftrag gegeben (act. G 5). Eine solche Aufforderung ergibt
sich auch nicht aus den vorliegenden Unterlagen. Während sich der Beschwerdeführer
in der Einsprache noch auf den Standpunkt gestellt hatte, die Versicherung hätte das
Arztzeugnis in Auftrag gegeben, wiederholte er diese Aussage in der Beschwerde nicht
und weist auch nicht mehr auf ein derartiges Schreiben hin. Es ist daher davon
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auszugehen, dass das Formular auf Initiative des Beschwerdeführers oder des
Zahnarztes ausgefüllt und zur Anmeldung für die Zusatzversicherung verwendet wurde
(act. G 5.1/4). Die Beschwerdegegnerin hätte dessen Kosten dennoch zu übernehmen,
wenn die Massnahme für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich gewesen wäre
oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen gebildet hätte (Art. 45 Abs. 1
Satz 2 ATSG). Angesichts der eindeutigen und strengen bundesgerichtlichen Praxis bei
einem nicht vorhandenen "corpus delicti" war das zahnärztliche Zeugnis für die
Beurteilung dieses Anspruchs nicht unerlässlich. Vielmehr war die Beschwerdegegnerin
bereits aufgrund des vom Beschwerdeführer ausgefüllten Fragebogens, in welchem er
angab, das "corpus delicti" verschluckt zu haben, in der Lage, den Anspruch
abzuweisen. Sie ist daher nicht verpflichtet, die Kosten für das zahnärztliche Zeugnis
zu übernehmen.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen und der
angefochtene Entscheid zu bestätigen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG