Decision ID: 50eb90bb-7ecb-421f-a084-4e1c1e3ed4fa
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1973, durchlief die Schulen im Kosovo und absolvierte dort anschliessend eine Lehre als Automechaniker. Im Jahr 2000 übersiedelte er in die Schweiz (Ausweiskopien in
Urk.
11/10) und war hier als Hilfsarbeiter auf dem Bau (2001-2003), kurzzeitig als Aushilfe bei
Y._
(2003)
und ab April 2005 im
Z._
tätig (Lebenslauf und
Arbeitszeugnisse in
Urk.
11/9; Angaben im Frage
bogen für
Arbeitgebende
vom 26.
Oktober 2010,
Urk.
11/19).
Er ist verheiratet und Vater dreier Söhne, geboren 2006, 2007 und
2016.
Ende Juni/Anfang Juli 2010 war
X._
wegen eines akuten
lumbo
spondylogenen
Schmerzsyndroms während zwei Wochen im
A._
hospitalisiert (
Kurzaustrittsbericht
vom
8.
Juli 2010,
Urk.
11/7
; Austrittsbericht vom
1
9.
Juli 2010,
Urk.
11/95/92-96
), und anschliessend hielt er sich von Mitte Juli bis Mitte August 2010 im Rahmen des sogenannten
B._
in der
C._
auf (Kurzaustrittsbericht
und Austrittsbericht je
vom 1
6.
August 2010,
Urk.
11/8
und
Urk.
11/
95/
84-91
). Während dieses Aufen
t
halts wurde er von der Klinik bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung angemeldet (
Urk.
11/3), und am 2
2.
September 2010 reichte er die ordentliche Anmeldung ein (
Urk.
11/12).
Seit dem 2
1.
Juni 2010 war er zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (Arztzeugnisse des
A._
und des Hausarztes
Dr.
med. D._
vom 2
3.
Juli
und vom
4.
September 2010 an den Kollektiv-Taggeldversicherer
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
[
«Allianz
»]
,
Urk.
11/17/6+8).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle,
holte neben den Angaben des Arbeitgebers
(
Urk.
11/19)
den Bericht von
Dr.
D._
vom
4.
November 2010 ein (
Urk.
11/20
), zog von der «Allianz» den Bericht von
Dr.
med. E._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
3.
Dezember 2010 über ein versicherungsmedizinisches psychiatrisches Konsilium bei (
Urk.
11/28)
und führte mit dem Versicherten unter Einbezug des Arbeitgebers Gespräche zur beruflichen Wiedereingli
ederung (Protokolle
inträge von
November
2010
bis Januar 2011
,
Urk.
11/24)
.
Nachdem sich abgezeichnet hatte, dass im angestammten Betrieb keine
Umplatzierungsmöglichkeiten
gefunden würden, und der Arbeitgeber über die bevorstehende Kündigung d
e
s Arbeitsverhältnisses auf Ende Februar 2011 informiert hatte (
Urk.
11/24/4), sprach die IV-Stelle dem Versicherten am 2
5.
Januar
und am 2
1.
Februar 2011
Eingliederungsmassnahmen in Form von Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche einschliesslich eines sechsmonatigen
Arbeitstrainings zu (
Urk.
11/22
-26
und
Urk.
11/45
)
.
Mit der Durchführung des Arbeitstrainings wurde das
F._
betraut, und als Einsatzbetrieb war das
G._
vorgesehen, wo der Versicherte Hilfsarbeiten im technischen Dienst übernehmen sollte (E-Mail des
F._
-Beraters vom 1
6.
Februar 2011,
Urk.
11/46/1-2; Vereinbarung zwischen dem Versicherten und dem
F._
vom
2.
März 2011,
Urk.
11/29).
Im Laufe der
ersten Trainingstage klagte der Versicherte über eine Zunahme der lumbalen Schmerzen
und stellte das Training daher ein (Protokolleinträge
der IV-Stelle
von Februar/März 2011, Urk.
11/46/2-4).
Im Juni 2011 fanden daraufhin ambulante Abklärungen in der
H._
des
I._
statt (Bericht vom 2
4.
Juni 2011,
Urk.
11/39), und der Versicherte
wurde
von dort an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
I._
überwiesen
, wo er ab Mitte Juni 2011 ambu
lant behandelt wurde (vgl. Urk.
11/43/5)
.
Im September/Oktober 2011 brach der Versicherte das Arbeitstraining und damit die Massnahme der beruflichen Wiedereingliederung definitiv ab (Protokolleinträge der IV-Stelle in
Urk.
11/46/1+10; Mitteilung der IV-Stelle
vom
9.
November 2011,
Urk.
11/44).
Anschliessend war er
auf Veranlassung des
I._
von Ende Oktober bis vor Weihnachten 201
1
im
J._
hospitalisiert und durchlief ein interdisziplinäres multimodales Therapieprogramm (Austrittsbericht vom 2
1.
Dezember 2011,
Urk.
11/95/81-83).
Die IV-Stelle nahm die Rentenprüfung in Aussich
t, h
olte hierzu bei
Dr.
D._
den Verlaufsbericht vom 1
7.
September 2011
(
Urk.
11/41)
und bei der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
I._
den Bericht vom 2
4
.
Oktober 20
11 e
in (
Urk.
11/43
; unrichtig mit 2
4.
1
1.
2011 datiert, vgl.
Aktenverzeichnis der IV-Stelle
) und unterbreitete die Akten dem RAD-Arzt
Dr.
med.
K._
(Stellungnahme vom 2
8.
Oktober 2011,
Urk.
11/48/6). Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
11/49-60) sprach sie
dem Versicherten
mit Verfügung vom 1
5.
Februar 2012
für die Zeit
ab de
m
1.
Juni 2011 eine ganze Rente
aufgrund eines Invaliditäts
grades von 100
%
zu (
Urk.
11/61
74
; Einkommensvergleich und Fest
st
ellungsblatt vom 1
0.
November 2011,
Urk.
11/47 und
Urk.
11/48
).
1.3
Im Juni 2012 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren in die Wege
,
holte hierzu die Angabe
n
des Versicherten und sein
es Hausarztes
Dr.
D._
vom 15.
Juni 2012 ein (
Urk.
11/
81) und liess durch das
L._
, wo der Versicherte seit
dem 2
2.
Februar 2012 in ambulanter psychiatrischer Behandlung stand (
Urk.
11/90/2)
,
den Bericht vom 2
8.
September 2012 verfassen (
Urk.
11/90). Anschliessend liess sie den Versicherten
bidisziplinär
psychiatrisch und rheumatologisch begutachten (psychiatrisches Gutacht
en von PD
Dr.
med. M._
, Spezialarzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
9.
März 2013
[Explorationsgespräch vom 1
8.
März 2013]
, Urk.
11/94; rheumatologisches Gutachten von
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH N._
, Spezialärztin für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, vom 2
8.
März 2013
[Untersuchungen vom 1
1.
Mär
z 2013]
,
Urk.
11/95
;
bidisziplinäre
Zusammenfassung vom
28.
März 2013,
Urk.
11/98
).
Nach Einholen der Stellungnahme ihres RAD-Arztes
Dr.
med. O._
, Facharzt für Arbeitsm
edizin, vom
9.
April 2013 (Urk.
11/100
/9-10
) eröffnete sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
9.
April 2013, dass sie die bisherige ganze Rente auf
grund eines neu ermittelten In
validitätsgrades von 52
% auf
eine halbe Rente herabzusetzen gedenke (
Urk.
11/102; Einkommensvergleich und Feststellungsblatt in
Urk.
11/99 und
Urk.
11/100).
Der Versicherte erhob am 1
3.
Mai 2013 Einwendungen (
Urk.
11/103).
Am
5.
März 2014
erteilte die IV-Stelle
der
P._
den Auftrag zur Überwachung des Versicherten (
Urk.
11/121 und
Urk.
11/122). Die Ermittlungen fanden vom 2
4.
März bis zum
8.
Mai 2014 (
1.
Phase) und vom 27.
April bis zum
3.
Juni 20
15 (
2.
Phase) statt, und die
P._
erstattete am 15.
Mai 2014 und am 2
9.
Juni 2015 ihre Berichte (
Urk.
11/123 einschliesslich des Filmmaterials in
Urk.
12/1-2). Am 3
1.
März 2016 befragte die IV-Stelle den Versicherten im
Beisein
seiner Ehefrau zum Sachverhalt
und konfrontierte ihn unmittelbar daran
anschliessend mit den Angaben in den
Überwachungsberich
t
en
(
Wahrnehmungsbericht und
Besprechungsprotokolle in
Urk.
11/118 und Urk.
11/119).
Sodann
sah
die IV-Stelle
eine Verlaufsbegutachtung durch PD
Dr.
M._
vor (Mitteilung vom 1
9.
Mai 2016,
Urk.
11/125),
die indessen nicht zustande kam, nachdem PD
Dr.
M._
Bedenken zur Eignung seiner Person geäussert hatte (vgl. die Korrespondenz in
Urk.
11/133-137). In der Folge
vergab die
IV-Stelle den Begutachtungsauftrag an
Dr.
med. Q._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, und dieser legte das Gutachten am 2
6.
Januar 2017 vor (
Urk.
11/143
;
Explorationsgespräch
vom 2
4.
August 2016
, vgl. Urk. 11/143/3
). Der RAD-Arzt
Dr.
med. R._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 1
0.
Februar 2017 zum Gutachten Stellung (Urk.
11/144/7-8),
w
orauf die IV-Stelle mit
einem neuen Vorbescheid vom 22.
Juni 2017 die
vollumfängliche Aufhebung d
er Rente in Aussicht nahm (Urk.
11/145; F
eststellungsblatt in
Urk.
11/144
).
Nac
h telefonischer Kontaktaufnahme
mit der IV-Stelle (
Urk.
11/146 und
Urk.
11/147) liess d
er Versicherte
durch seinen Hausarzt
Dr.
D._
mit Eingabe vom 3
0.
Juni 2017 Einwe
ndungen vorbringen (
Urk.
11/148 und
Urk.
11/151). Mit Verfügung vom
9.
Oktober 2017 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids und hob die ganze Rente des Versicherten auf Ende des der Zustellung folg
enden Monats auf (
Urk.
2 = Urk.
11/156)
.
2.
Der Versicherte beschwerte sich wiederum z
unächst telefonisch (
Urk.
11/157 und
Urk.
11/158
) und liess anschliessend
durch
Dr.
D._
mit Eingabe vom
8.
November 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom
9.
Oktober 2017 erheben und den Antrag auf Weiterausrichtung der Rente stellen (
Urk.
1).
Als neuen Beleg liess er einen Bericht von
Dr.
med. S._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
7.
November 2017 einreichen (
Urk.
3/2).
Ausserdem gelangte mit Eingabe vom
1.
Dezember 2017 die Gemeindeverwaltung
T._
an das Sozialversiche
rungsgericht und wandte sich ebenfalls gegen die Rentenaufhebung (
Urk.
9). Die IV-Stelle erstattete am
5.
Januar 2018 die Beschwerdeantwort und schloss auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10).
In der Replik vom
9.
Februar 2018 (
Urk.
15) liess der Versicherte, nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler, an seinem materiellen Antrag festhalten und in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche Prozessführung und die Bestellung seines Anwaltes zum unentgeltlichen Rechtsvertreter beantragen (
Urk.
15 S. 2)
. Als neue medizinische Unterlagen brachte er
die Berichte der
U._
vom
2.
Dezember 2013 und vom 1
0.
Januar 2014 über Abklärun
gen im Hinblick auf ein Schlafa
pnoe-Syndrom bei (
Urk.
16/4 und
Urk.
16/5) sowie einen Bericht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
I._
vom 1
8.
Juni 2015 über eine Konsultation in der Sprechstunde für Belastungsreaktionen (
Urk.
16/2), ein
en Bericht des
A._
vom 1
1.
Dezember
201
5
über
pneumologische
Abklärungen von September bis Dezember 2015 (
Urk.
16/6) und einen weit
e
ren Bericht von
Dr.
S._
vom
8.
Februar 2018 (
Urk.
16/3).
Mit Verfügung vom 1
6.
Februar 2018 bewilligte das Gericht das Gesuch um die unentg
e
ltliche Rechtspflege (
Urk.
17). Die IV-Stelle
verzichtete mit Eingabe vom 9.
März 2018 auf die Erstattung einer Duplik (
Urk.
18), wovon der Versicherte am 1
2.
März 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
19).
Mit Verfügung vom
7.
August 2019 wurde die
Swisscanto
Sammelstiftung der Kantonalbanken als mitbetroffene Einrichtung der beruflichen Vorsorge zum Prozess beigeladen (
Urk.
23). Sie retournierte am 2
7.
September 2019 die Akten, ohne eine Stellungnahme abzugeben (
Urk.
26).
Auf die Ausführungen der Parteien und die
aufliegenden
Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität
ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerb
sunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arb
eitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
nach
Art.
7 Abs. 2 ATSG
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(Satz 1)
. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Satz 2).
1.2
1.2.1
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG hatte das Bundes
gericht die Arbeitsunfähigkeit bei bestimmten Leiden seit dem Jahr 2004 nach besonderen Grundsätzen beurteilt. Es hatte diese Leiden unter dem Begriff der p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder ohne nach
weisbare organische Grundlage
zusammengefasst und festgestellt, es seien dies Störungen,
die sich hinsichtlich ihrer invalidisierenden Wirkung einer objektiven Beurteilung weit
gehend entzögen
, weil sie
in erster Linie
auf den Angaben der Patienten basier
t
en
(BGE 139 V 547 E. 5.9 mit Hinweis auf BGE 130 V 352). Das Bundesgericht war weiter zum Schluss gelangt, dass solche Störungen keinen
direkten Nachweis einer anspruchsbegründen
den Arbeitsunfähigkeit erlaubten und der Nachweis daher indirekt, gestützt auf Indizien, zu erbringen sei, wobei bei Beweislosigkeit vermutet werde, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirke (
BGE 139 V 547 E. 7.2 und E. 8.1).
Für diesen Nachweis hatte das Bundesgericht in Anlehnung
an eine bestimmte medizinisch
e Lehrmeinung
(vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 mit Hinweis auf Klaus Foerster, Begutachtung und Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit psychogenen Störungen, SZS 1996 S. 486 ff.) besondere Kriterien aufgestellt, die in gewisser Ausprägung und Zahl erfüllt sein mussten (BGE 137 V 64 E.
4.1). Als
Haupt
krite
rium hatte das Bundesgericht eine psychische Komorbidität genannt, also die
Diagnose einer weiteren, von der
pathogenetisch
-ätiologisch
unklaren Störung
zu unterscheidenden psychischen Krankheit von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dau
er. Für den Fall des Fehlens einer
psychischen Komorbidität
hatte das Bundesgericht
weitere Faktoren
bezeichnet
, die bei entsprechender Intensität auf eine Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit hinweisen können
, nämlich chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein
en mehrjährigen
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung, ein
en ausgewiesenen sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein
en verfestigten
, the
rapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung (sogenann
ter primärer Krankheitsgewinn, «
Flucht in die Krank
heit»
) sowie unbefriedigende Ergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter oder stationärer Behandlungs- oder Rehabilitationsbemühungen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versic
herten Person (BGE 139 V 547 E. 9.1.1, 137 V 64 E.
4.1, 131 V
49 E. 1.2, 130 V 352 E.
2.2.3).
Ursprünglich hatte das Bundesgericht diese Kriterien für die Diagnose der
an
haltenden so
matoformen Schmerzstörung (Code
F45.4 der Internationalen Klassi
fikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
entwickelt, später hatte es sie auf alle p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
Beschwerdebilder im dargelegten Sinne ausgedehnt (vgl. die Kasuistik in BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 139 V 547 E. 2.2). Das
Bundesgericht hatte den Kriterien normativen Charakter zugeschrieben und dazu festgehalten, der ursprüngliche Katalog fachpsychologischer Prognosekriterien habe sich zu einem rechtlichen Anforderungsprofil verselbständigt (vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 und E. 7.2).
1.2.2
Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat das Bundesgericht entschieden, an der bisherigen Rechtsprechung zu den
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage nicht länger festzuhalten und die sogenannte Überwindbarkeitsver
mutung aufzugeben. Stattdessen hat das Bundesgericht unter Aufstellung von Standardindikatoren ein neues Prüfungsraster entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen solcher Beschwerdebilder zu ermitteln sind. Es präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie «f
u
nktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex
«Persönlichkeit»
(Persönlichkeitsdiagnostik, p
ersönliche Ressourcen
)
-
Kompl
ex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie
«Konsistenz»
(Gesich
tspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener Lei
densdruck.
Dieses
Raster verzichtet insbesondere auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und auf die Bedeutung der psychia
trischen Komorbidität als Haupt
kriterium (vgl. BGE 141 V 281 E. 6). Hingegen schreibt das Bundesgericht dem neuen Raster wiederum normativen Charakter zu, weist jedoch darauf hin, dass es die Aufgabe der medizinischen Fach
personen sei, innerhalb der ein
schlägigen Indikatoren das Leistungsvermögen einzuschätzen (v
gl. BGE 141 V 281 E. 5.1 und E.
5.2). Des Weiteren müssen die funktionellen Einschränkungen nach wie vor mit überwiegender Wahrscheinl
ichkeit nachgewiesen sein - nun
mehr anhand der neuen Standardindikatoren -, und es ist die versicherte Person, welche die Beweislast dafür trägt (vgl. BGE 141 V 281 E. 6).
1.2.3
In einem weiteren Schritt hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen vom 3
0.
November 2017 die Anwendbarkeit der neu entwickelten Standardindikatoren auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, indem es für alle diese Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren als massgebend erklärt hat (BGE 143 V 41
8 E. 7,
143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5). Damit hat das Bundesgericht insbesondere seine bisherige Rechtsprechung zu den depressiven Störungen geändert und hält nicht länger daran fest, dass rezidivierende oder episodische Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (vgl. die Zusammenfassung der bisherigen Rec
htsprechung in BGE 143 V 409 E.
4.1).
1.2.4
Von vornherein nicht als invalidenversicherungsrechtlich relevant gelten geklagte
Beschwerden insoweit, als sie
aggraviert
werden, also als stärker beein
trächtigend dargestellt werden, als sie tatsächlich sind beziehungsweise empfunden werden. Hinweise für eine Aggravation erblickt das Bundesgericht etwa darin, dass
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeig
ten Verhalten oder der Anamnese besteht, dass
intensive
Schmerzen angegeben werden, die jedoch nur vage charakterisiert werden, dass
Klagen
in einer Weise demonstrativ vorgetragen werden, die unglaubwürdig wirkt, dass keine
medizinische
n
Behandlung
en in Anspruch genommen werden und dass
schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfe
ld jedoch weitgehend intakt ist
(BGE 141 V 281 E. 2.2.1 und E. 3.7.1, 131 V 49). Ein lediglich verdeutlichendes Verhalten stellt demgegenüber noch keine Aggravation im dargelegten Sinne dar
(BGE 141 V 281 E. 2.2.1; vgl. die detaillierte Abgrenzung zwischen anspruchsausschliessender
Aggravation und blosse
r
Verdeutlichungstendenz
im
Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.2).
Verbietet das Vorliegen einer Aggravation die Annahme einer Gesundheitsschädigung überhaupt, so besteht nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente
. Soweit hingegen die Anzeichen einer Aggravation neben einer ausgewiesenen selbständigen Gesundheitsschädigung auftreten, so sind die (rentenrelevanten) Auswirkungen rechtsprechungsgemäss im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141
V
281
E.
2.2.2).
Aggravatorisches
Verhalten stellt somit nur dann a priori einen Rentenausschlussgrund dar, wenn dieses Verhalten dermassen im Vordergrund steht, dass es nicht möglich ist
, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einen krankheitsbedingten Anteil abzugrenzen, der di
e Arbeitsfähigkeit einschränkt.
Des Weiteren
ist
das
aggravatorische
Verhalten
dort kein Rentenausschlussgrund, wo es auf e
ine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen
ist
(vgl. B
GE 143 V 418 E. 8.2 mit Hinweis).
1.3
1.3.1
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind. Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
1.3.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Erheblich ist rechtsprechungsgemäss
jede Änderung
in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person, die zu einer Über- oder Unterschreitung eines Schwellenwertes der Rentenabstufung führt (vgl. BGE 133 V 545 E. 6.3 und E. 7, unter anderem mit Hinweis auf BGE 130 V 343). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, so besteht nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung keine Bindung mehr an das Mass der übrigen, unverändert gebliebenen Parameter, die dem vorangegangenen rechtskräftigen Entscheid
zugrundegelegt
worden sind. Vielmehr ist der Rentenanspruch
diesfalls
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei und umfassend zu prüfen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3,
117 V 198 E. 4b, je mit Hinwei
sen)
.
Unerheblich unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten ist dagegen nach der Rechtsprechung die untersc
hiedliche Beurteilung eines im W
esentlichen unverändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Der Grundsatz, wonach eine Sachverhaltsänderung nachgewiesen sein muss, damit eine formell rechtskräftig zugesprochene Rente erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben werden kann, gilt dann nicht, wenn die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision oder für eine Wiedererwägung erfüllt sind.
Nach Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Ein
spracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen ent
deckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (sogenannte prozessuale Revision im Gegensatz zur Revision aufgrund verän
derter Verhältnisse). Ferner bestimmt Art. 53 Abs. 2 ATSG, dass der Versiche
rungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
zurückkommen kann, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (sogenannte Wiedererwägung).
Was das Invalidenversicherungsrecht im Besonderen betrifft, so kann das Gericht dort, wo es bei der Überprüfung einer Revisionsverfügung feststellt, dass zwar die Voraussetzungen für eine Revision zu verneinen sind, dass hingegen die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung gegeben sind, die rentenherabsetzende oder -aufhebende Verfügung mit dieser substituierten Begründung schützen (vgl. BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Zweifellose Unrichtigkeit im Sinne der Wiedererwägungsvoraussetzung verlangt, dass
kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit
der Verfügung besteht; massgebend ist die
Rechts
lage
, einschliesslich der Rechtspraxis,
im Zeitpunkt des Verfügungserlasses (BGE 140 V 77
E. 3.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_566/2016 vom 1
9.
April 2017 E. 2.2). Kein vernünftiger Zweifel kann in der Regel dann bestehen,
wenn eine
Leistungszusprache
aufgrun
d falscher Rechtsregeln erfolgt ist
oder
wenn massgebende
Bestimmungen
nicht oder unricht
ig angewandt worden sind. Eine unrichtige Anwendung einer Gesetzesbestimmung liegt auch dort vor, wo der Sachverhalt in klarer
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
im Sinne von
Art.
43
Abs.
1 ATSG unvollständig abgeklärt worden ist
(BGE 140 V 77
E. 3.1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_280/2017 vom 2
8.
Juli 2017 E. 2.3 und 9C_566/2016 vom 1
9.
April 2017 E. 2.2). Dort wo hingegen Anspruchsvoraussetzungen zur Diskussion stehen, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus, soweit bei der Beurteilung der einzelnen Schritte das Ermessen vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der damaligen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise ausgeübt worden ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_381/2017 vom
7.
August 2017 E. 2 und 8C_280/2017 vom 2
8.
Juli 2017 E. 2.3).
2.
Strittig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin die ganze Rente, die sie dem Beschwerdeführer mit der Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 für die Zeit ab dem
1.
Juni 2011 zugesprochen hatte (
Urk.
11/61-74), mit der angefochtenen Verfügung vom
9.
Oktober 2017 (
Urk.
2) zu Recht aufgehoben hat.
Vorab hat die Beschwerdegegnerin eine voraussetzungslose Überprüfbarkeit des Rentenanspruchs in Anwendung
von
lit
. a
Abs.
1
der
Schlussbestimmungen
zur Änderung des IVG vom 1
8.
März 2011
(
6.
IV-Revision, erstes
Massnahmepaket
)
zu Recht verneint (vgl. die rechtliche Stellungnahme vom 2
4.
Januar/
6.
Februar 2014,
Urk.
11/117/1
-3
). Denn die ursprüngliche, rentenzusprechende Verfügung erging am 1
5.
Februar 2012, also in einem Zeitpunkt, als die
neuen, per
1.
Januar 2012 erlassenen Bestimmungen der
6.
IV-Revision und die zugehörige Regelung in den
Schlussbestimmungen
schon
in Kraft waren. Die auf drei Jahre begrenzte voraussetzungslose Überprüfbarkeit bezieht sich indessen auf Renten,
die am 1.
Januar 2012
bereits liefen
. Diese Überprüfbarkeit stellt ein Korrektiv
für Renten dar, bei deren Zusprechung die spezifische, auf B
eschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage
zugeschnittene Praxis noch nicht beach
t
et worden war
(vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.2). Mit dem Inkraf
ttreten der Bestimmungen der 6.
IV-Revision
hatte
diese Praxis jedoch
einen
vereinheitlichten,
gefestigten Charakter erlangt und war von den Organen der Invalidenversicherung
systematisch anzuwenden. Eine Korrektur von Renten, die erst nach dem Inkrafttreten dieser Bestimmungen festgesetzt worden sind, über
lit
. a
Abs.
1
der
Schlussbestimmungen
fällt daher
ausser
Betracht.
Damit hängt die Zulässigkeit der strittigen Rentenaufhebung davon ab, dass entweder im Sinne von
Art.
17 ATSG eine Änderung im Sachverhalt eingetreten ist oder dass
im Sinne von
Art.
53 ATSG
die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision oder für eine Wiedererwägung der
ursprünglichen, rentenzusprechenden Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 erfüllt sind.
Da die
Beschwerdegegnerin eine
ordentliche Rentenrevision
durchgeführt hat,
ist zunächst die Frage nach einer
potentiell
rentenrelevanten Veränderung
, also einer Besserung des Gesundheitszustands,
zu prüfen.
3
.
3
.1
3
.1.1
Zur Zeit der Verfügung vom 1
5.
Februar 2012
(
Urk.
11/61-74)
waren von Seiten des
körperlichen
Zustands
zunächst
die Befunde bekannt, die das
A._
während der
Hospitalisation
von Ende Juni/
Anfang Juli 2010 erhoben hatte und im Austrittsbericht vom 1
9.
Juli 2010
erläuterte
(
Urk.
11/95/92-96
).
Was den Bewegungsapparat betrifft, so zeigten
Röntgenaufnahmen des Beckens, der Lendenwirbelsäule und des Thorax vom 2
4.
Juni 2010
nichts Auffälliges (Urk.
11/95/80
), und am Folgetag ergab eine Magnetresonanztomographie der Lendenwirbelsäule als leicht bezeichnete degenerative Veränder
ungen (
Chondrose
, Spondylose, Fa
cettengelenksarthrose) sowie (Diskus-)
Protrusionen
auf verschiedenen Etagen, jedoch keine Einengungen und keine Nervenwurzel
kompressionen (
Urk.
11/95/74-75
und
Urk.
11/95/95
).
K
linisch war eine deutliche muskuläre
Dekonditionierung
zu erkennen, laborchemische Abklärungen im Hinblick auf ein entzündliches rheumatologisches Leiden fielen hingegen negativ aus (
Urk.
11/95/93). Aufgrund dieser Befunde stellte das
A._
die
Diagnose
eines immobilisierenden akuten
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms (
Urk.
11/95/92+93).
Ferner
wurde
im Rahmen
eines
gastroenterologischen
Konsils
am
5.
Juli 2010 eine
Sonographie des Abdomens
durchgeführt, und es wurden
eine geringfügige
Steatosis
hepatis
(Fettleber) und eine
Splenomegalie
(
Vergrösser
ung der Milz) festgestellt
(
Urk.
11/95/76-77 und
Urk.
11/95/97)
; erhöhte Leberwerte erwiesen sich jedoch als medikamentös bedingt und damit als vorläufig nicht weiter abklärungsbedürftig (
Urk.
11/95/93+95+96).
D
as
A._
ging im Weiteren auf die anamnestische
Diagnose
einer Stuhlinkontinenz bei Status nach Analfissur und im Übrigen unauffälligen Abklärungsergebnissen ein
(Urk.
11/95/92+95+96)
, erwähnte ausserdem die wiederholt aufgetretenen sternalen
Thoraxschmerzen
mit wiederholt unauffälliger Herzabklärung und führte schliesslich die Hinweise auf ein leichtes obstruktives Schlafapnoesyndrom
auf
(
Urk.
11/95/92).
3
.1.2
Während des Aufenthalts in der
C._
kamen keine neuen körperlichen Befunde hinzu; diagnostisch ist im Austrittsbericht vom 1
6.
August 2010 von einem chronischen
Panvertebralsyndrom
im Sinne einer muskulären
Dysbalance
und einer
weitgehend schmerzbedingten
mus
c
olo
-koordinativen und kardiovaskulären
Dekonditionierung
die Rede (
Urk.
11/95/85).
Im weiteren Verlauf zeigte eine Röntgenaufnahme des Thorax vom
2.
September 2010 einen im Wesentlichen alters- und
habitusentsprechenden
Herz-/L
ungenbefund (
Urk.
11/95/73),
und
ein Röntgenbild der Brustwirbelsäule
vom 1
1.
Oktober 2010
mit der Fragestellung nach
ossären
Läsionen
führte zum Ausschluss einer frischen Fraktur (
Urk.
11/95/72). Ferner machte
eine weitere Magnetresonanztomographie der Lendenwirbelsäule vom 1
4.
Februar 2011 wiederum als leicht beziehungsweise
geringgradig
bezeichnete degenerative Veränderungen sichtbar, und neu wurden deg
e
nerative
foraminale
Stenosen auf der Höhe L4/5 beschrieben, die jedoch ebenfal
ls als leicht eingestuft wurden. Demen
t
sprechend wurde im
Radiologiebericht
keine signifikante Befundänderung gegenüber der Voruntersuchung vom 2
5.
Juni 2010 konstatiert (
Urk.
11/95/70-71).
Schliesslich brachten auch die Abklärungen in der
H._
des
I._
vom Juni 2011 keine neuen körperlichen Befunde zu Tage; Befunde, die
eine
verminderte
skelettale
Belastbarkeit bewirken könnten, wurden verneint
,
und wiederum fanden sich keine Hinweise auf eine entzündlic
h-rheumatische Erkrankung (Urk.
11/39/6).
3
.2
3
.2.1
Schon im
A._
hatte ein psychologisches
Konsil
Anhaltspunkte dafür ergeben, dass das geklagte Beschwerdebild mit ins Bein ausstrahlenden Rückenschmerzen,
Thoraxschmerzen
, Schwindel, (zu) häufigen Stuhlabgängen sowie vermehrter Unruhe und Schlafstörungen (
Urk.
11/95/93
+95) von einer psychiatrisch definierten Somatisierungsstörung mit dysfunktionaler Schmerzverarbeitung und fehlenden Bewältigungsstrategien mitbestimmt
sein könnte (Urk.
11/95/92+95).
Dieser Eindruck bestätigte sich während des Aufenthaltes
des Beschwerdeführers
in der
C._
. Dort kamen
dessen
Sorgen und Befürchtungen in Bezug auf seine Familie zur Sprache, es fiel
eine gedrückte
, traurige Stimmung auf und es wurde eine deutlich spürbare Angst und Belastung wahrgenommen (
Urk.
11/95/88+89). Des Weiteren
beschrieben die Fachpersonen
eine auffallende Zentrierung des Beschw
erdeführers auf seinen Schmerz (
Urk.
11/95/85) und berichteten, dass der Beschwerdeführer in der Physiotherapie nur mit Kontrolle und Druck selbständig aktiv gewesen sei, mit therapeutischer Begleitung jedoch gut mitgearbeitet habe, wenn er sich auch vom Schmerz nicht habe ablenken lassen (
Urk.
11/95/88). Dennoch
gab der Beschwerdeführer zu Ende des Rehabilitationsaufenthaltes eine Abnahme der Schmer
zintensität an (
Urk.
11/95/89).
3
.2.2
Im Rahmen der Abklärungen in der
H._
des
I._
vom Juni 2011 schilderte der Beschwerdeführer
dann
jedoch eine zwischenzeitliche Ausweitung
der Schmerzen auf den gesamten Körper (
Urk.
11/39/6+7). Es wurde nunmehr die Diagnose einer chronischen und gener
alisi
erten Schmerzkrankheit mit psychischen und somatischen Faktoren gestellt, und als weitere psychiatrische Diagnosen wurden eine Agoraphobie mit Panikstörung, eine leichte bis mittelgradige depressive Episode und
die Verdachtsdiagnose
eine
r
hypochond
r
ische
n
Störung
aufgeführt (Urk.
11/39/5).
Aufgrund dieser Diagnostik erfolgte
im Juni 2011
die Zuweisung an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
I._
, die den Beschwerdeführer im Bericht vom 2
4.
Oktober
2011
als deutlich bedrückt und verzweifelt sowie immer wieder weinend beschrieb (
Urk.
11/43/6) und im Wesentlichen dieselben Diagnosen wie die Rheumaklinik stellte, wobei sie die Depression neu als mittelschwer bis s
chwer einstufte (
Urk.
11/43/5).
Während des
zweimonatige
n
, vom
I._
veranlassten
Aufenthalt
es
im
J._
von Oktober bis Dezember 2011 entstand ein vergleichbarer Eindruck der psychischen Verfassung des Beschwerdeführers (
Urk.
11/95/81-82). In Bezug auf die Schmerzen fiel eine Zunahme bei Belastungen (Operation des Sohnes) auf,
bei Spitalaustritt wurde aber immerhin
eine moderate Besserung des gesamten Z
ustandsbildes registriert (Urk.
11/95/82).
3
.3
Die Zusprechung der ganzen Rente ab Juni 2011 basierte im Wesentlichen auf dem Bericht der Klinik für Psyc
h
iatrie und Psychotherapie des
I._
vom 2
4.
Oktober
201
1, worin dem Beschwerdeführer für jegliche Tätigkeit eine 100%ige Einschränkung in der Leistungsfähigkeit attestiert und dies damit begründet wurde, dass es dem Beschwerdeführer aufgrund der ausgeprägten depressiven Symptomatik und der Angst- und Panikstörung momentan gar nicht möglich sei, allein und selbständig
an den
Arbeitsplatz zu
gelangen (Urk.
11/43/7). Der
RAD-Arzt
Dr.
K._
(
Urk.
11/48/6) gab dieser Einschätzung
in seiner Stellungnahme vom 2
8.
No
v
ember
2011
den Vorrang gegenüber der lediglich prognostischen Einschätzung im Bericht von
Dr.
E._
vom 1
3.
Dezember 2010
an die «Allianz»
, dass der Beschwerdeführer
im Februar 2011 wieder eine 50%ige und im März 2011 eine volle Arbeitsfähigkeit erlangt haben
werde
(vgl. Urk.
11/28/5).
4
.
4
.1
Dr.
K._
hatte empfohlen, im Januar 2012 einen psychiatrischen Verlaufsber
icht anzufordern (
Urk.
11/48/6). D
ie Beschwerdegegnerin
sah
jedoch davon ab und
erliess
am 1
5.
Februar 2012
sogleich
die Rentenverfügung (
Urk.
11/61
-74), nahm jedoch dafür bereits
im
darauffolgenden Juni 2012 das Rentenrevisionsverfahren
mit der Frage nach gesundheitlichen Veränderungen
auf.
4
.2
4
.2.1
In Bezug auf die körperliche gesundheitliche Entwicklung liegt das rheumatologische
Fachg
utachten von
Dr.
N._
vom 2
8.
März 2013 vor (
Urk.
11/95).
Dr.
N._
analysierte die Resultate einer Computertomographie der Lendenwirbelsäule vom 2
4.
Februar 2012
, die wiederum leichtgradige degenerative Veränderungen zeigte
;
ausserdem
wurden im
Radiologiebericht
neu leichte
foraminale
Stenosen auf der Höhe L4/5 erwähnt
(
Urk.
11/95/68-69)
. Die Rheumatologin stufte den Befund jedoch als stationär gegenüber den Vorbefunden ein (
Urk.
11/95/48). Des Weiteren gab die Rheumatologin eine Magnetresonanztomographie der Halswirbelsäule in Auftrag
. Im Bericht vom 1
4.
März 2013 wurde als Hauptbefund eine deutliche
Diskusprotrusion
auf der Höhe C4/5 mit
neuroforaminaler
Stenose und Kontakt zur Wurzel C5
links
aufgeführt (
Urk.
11/95/54-55);
Dr.
N._
nahm jedoch
eine
fehlende klinische Relevanz dieses Befundes an, da geklagte Gefühlsstörungen im
Ulnarbereich
der rechten Hand nicht von diesem
Dermatom
herrühren würden (
Urk.
11/95/48
+52
). Diese Störungen waren im Februar 2013 Gegenstand einer Abklärung bei
Dr.
med.
V._
, Spezialarzt für Neurologie, gewesen, und der Neurologe hatte eine
zerviko-radikulare
Symptomatik des Segmentes C8 vermutet, hatte jedoch keine spezifischen neurologischen Befunde erheben können (
Urk.
11/95/64-65).
Schli
esslich lag der Gutachterin Dr.
N._
eine Computertomographie des
Neurokraniums
vor, die im August 2012 wegen starker Kopfschmerzen angefertigt worden war (
Urk.
11/95/
66); diese hatte jedoch gemäss dem Hinweis der Gutachterin n
ichts Auffälliges ergeben (Urk.
11/95/48).
Aufgrund der diskutierten
Vorakten
und der selber in Auftrag gegebenen und durchgeführten aktuellen Abklärungen gelangte
Dr.
N._
zu den
Haupt
diagnosen
eines
Panvertebralsyndroms
und e
ines
Fibromyalgiesyndroms
(Urk.
11/95/47) und hielt weiter fest, aus rheumatologischer Sicht sei seit der Rentenzusprechung keine Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten, sondern der Beschwerdeführer sei aus rheumatologischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit nie langfristig arbeitsunfähig gewesen (
Urk.
11/95/52).
4
.2.2
In der Folgezeit bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
9.
O
kto
ber 2017
sind keine auf den Bewegungsapparat bezogenen
Untersuchungen mehr dokumentiert. In Bezug auf die radiologisch festgestellten degenerativen Erscheinungen ist jedoch eine
Verbessserung
naturgemäss unwahrscheinlich.
Des Weiteren führten die
pneumologischen
Abklärungen von Ende 2013 und von Ende 2015 zur Diagnose eines mittelschweren Sch
lafapnoe-Sy
ndroms (Urk. 16/4
6). Die einschlägigen Symptome wurden jedoch im August 2010 bereits von der
C._
beschrieben (vgl.
Urk.
11/95/84); sie zeugen demnach nicht von einer gesundheitlichen Veränderung ab dem Jahr 2013.
4
.2.3
Damit ist in rein körperlicher Hinsicht keine
potentiell
rentenrelevante B
esserung des Gesundheitszustandes nachgewiesen.
Dies ist grundsätzlich unumstritten.
4
.3
4
.3.1
Was die Entwicklung der psychischen Seite des Beschwerdebildes anbelangt, so
sprach das
L._
, wo der Beschwerdeführer
ab
Ende Februar 2012 ambulant behandelt wurde, im Bericht vom 2
8.
September 2012 wiederum von einem deutlich ausgeprägten depressiven Zustandsbild und deutlichen
Somatisierungstendenzen
und hielt fest, die
bisherigen Behandlun
gen hätten zu keiner entscheidenden Verbesserung geführt
, es sei anzunehmen, dass sich sowohl die depressive als auch die Schmerzproblematik zu
chronifizieren
zu begännen, und eine Arbeitsfähigkeit, auch im kleinen Rahmen, schein
e
in nächster Zeit sicher nicht herstellbar zu sein (
Urk.
11/90/2+3).
Der Psychiater PD
Dr.
M._
teilte im Fachg
utachten vom 1
9.
März 2013 die Annahme, dass prinzipiell keine Veränderung des Gesundheitszustandes vorliege (
Urk.
11/94/
23
). Er beschrieb jedoch ein auffälliges, die Schmerzen sehr stark betonendes, zuweilen theatralisches und in verbale Aggressivität umschlagendes Verhalten des Beschwerdeführers in der Untersuchungssituation (
Urk.
11/94/8-10,
Urk.
11/94/12-13 und
Urk.
11/94/17) und wies auf Inkonsistenzen wie die mangelnde Nachweisbarkeit der verordneten Medikamente im Blutspiegel hin
(Urk.
11/94/17)
. PD
Dr.
M._
bestätigte demgemäss zwar die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode sowie einer psychiatrischen Schmerzkrankheit - in Form einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (
Urk.
11/94/22) - schrieb diesen Diagnosen jedoch wegen selbstlimitierenden Verhaltens des Beschwerdeführers eine
n
gering
er
gradigen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu
- nämlich e
ine Einschränkung von nur 30
40
% -
als die behandelnden medizinischen Fachpersonen (
Urk.
11/94/21-24). Ausserdem empfahl er,
den Inkonsistenzen «mit geeigneten Mitteln» nachzugehen (
Urk.
11/94/17+21).
Für die Zeit bis
zur
bidisziplinären
Begutachtung vom März 2013
ist damit auch in psychischer Hinsicht keine relevante gesundheitliche Veränderung nachgewiesen angesichts dessen, dass
PD
Dr.
M._
erklärtermassen denselben Zustand lediglich anders beurteilte als die bis anhin mit dem Beschwerdeführer befasst gewesenen Fachpersonen
der Psychiatrie
.
Zu diesem Schluss gelangte auch der RAD-Arzt
Dr.
O._
in seiner Stellu
ngnahme vom 2
8.
März 2013 (Urk.
11/100/10).
Ungeachtet dessen nahm die Beschwerdegegnerin aufgrund der psychiatrischen Neubeurteilung die Rentenherabsetzung in Aussicht
, hielt jedoch im
Rahmen der Prüfung der Einwendungen zum
Vorbescheid die Frage nach einer rentenrelevanten Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes
und nach den daraus resultierenden Einschränkungen
für weiter abklärungsbedürftig (
vgl.
Urk.
11/117/2-3).
Hierzu erfolgten die Überwachungen in der ersten Hälfte der Jahre 2014 und 2015 und die Begutachtung durch
Dr.
Q._
mit dem Explorationsgespräch vom August 2016.
4
.3.2
Auch
Dr.
Q._
erlebte im Gespräch mit dem Beschwerdeführer
das Umschlagen der Stimmung in Gereiztheit bis zur Aggressivität (
Urk.
11/143/17+20
+23).
Zum Vergleich wies er auf den Bericht der
C._
vom August 2010 hin, worin der Beschwerdeführer unter anderem als freundlich, anpassungsfähig, hilfsbereit, kommunikativ und kontaktfreudig be
schrieben worden war (vgl. Urk.
11/95/88+89)
,
und
konstatierte
einen erheblichen Kontrast zum aktuellen gutachterlichen Befund (
Urk.
11/143/24-25). Im Übrigen bestätigte
Dr.
Q._
jedoch
trotz eingeschränkter
Kooperativität
des Beschwerdeführers
die psychiatrischen
Feststellungen
der bis 2013 mit
diesem
befasst gewesenen
Fachpersonen
und
stellte die vergleichbaren Diagnosen einer somatoformen Schmer
z
störung, einer rezidivierenden depressiven Störung mit aktuell mittelgradiger Episode und einer hypochondrischen Störung (
Urk.
11/143/31
+36
)
. Dabei
gelangte
er
in Abweichung von der Annahme der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10 S. 3)
zur Beurteilung, dass die Resultate der Überw
achung - die Filmaufnahmen zeig
en den Beschwerdeführer
zu Fuss
bei kleineren Einkäufen und auf einem Spaziergang, stets in Begleitung seiner Ehefrau oder seiner beiden Söhne,
in
jeweils
langsamem Fortbewegungstempo u
nd gelegentlich leidend wirkend; ausserdem sind kurze Autofahrten dokumentiert, an denen der Beschwerdeführer meistens
als Beifahrer
der
lenkenden
Ehefrau teilnahm
(vgl.
Urk.
11/123 und
Urk.
12/1-2) - wohl gegen die frühere Diagnose einer Agoraphobie
höherer Ausprägung
(vgl. für das Jahr 2011 Urk.
11/39/5 und
Urk.
11/43/5) sprächen, mit den
Krankheitsbildern einer Depression und einer somatoformen Schmerzstöru
ng jedoch vereinbar seien (Urk.
11/143/30+44
+45
).
Demgemäss interpretierte
Dr.
Q._
das
Benehmen
des Beschwerdeführers während der Begutachtung durch ihn und bereits durch PD
Dr.
M._
in erster Linie als Reaktion auf die Begutachtungssituation und in diesem Rahmen auf bestimmte Themen (
Urk.
11/143/32-33) und weniger
als Zeichen einer Veränderung
. Dazu passt, dass der Hausarzt
Dr.
D._
,
der den Beschwerdeführer über die gesamte Zeit der Erkrankung hinweg behandelte, seinen Patienten in einem Telefongespräch mit
Dr.
Q._
als stets höflich und freundlich beschrieb
en hatte
und nie ein gereiztes oder aggressives Verhalten
hatte feststellen können (Urk.
11/143/22) und dass der Beschwerdeführer sich umgekehrt schon im Jahr 2011 in Telefonaten mit der
damaligen
Eingliederungsber
aterin als sehr aufgebracht gezeigt hatte (vgl.
Urk.
11/46/6-7).
Und soweit
Dr.
Q._
in der Zunahme dieses Verhaltens auch einen Hinweis auf ein
e gewisse Veränderung erblickte
, so ging er tendenz
iell von einer gesundheitlichen Verschlechterung mit zunehmender
Chronif
i
zierung
aus (
Urk.
11/143/28 und
Urk.
11/143/42-43), ungeachtet dessen, dass er das Verhalten als zumindest teilweise willentlich gesteuert einstufte und einer Aggravation zuordn
ete (
Urk.
11/143/32-33 und Urk.
11/143/39).
Es fehlen somit Anhaltspunkte dafür, dass das effektive, psychiatrisch begründete Schmerzbild zurückgegangen wäre und durch eine
in den
Vordergrund
getretene
Aggravation
gleichsam abgelöst worden wäre.
Entgegen der Sichtweise
der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10 S. 2) ist auch im Umstand, dass
Dr.
Q._
eine Agoraphobie schwereren Grades nicht bestätigen konnte, kein eindeutiges Zeichen einer gesundheitlichen Besserung zu erblicken.
Denn die Kliniken für Rheumatologie und für Psychiatrie und Psychotherapie des
I._
, welche diese Diagnose
schon im J
ahr 2011
gestellt hatten (
Urk.
11/39/5 und Urk.
11/43/5),
hatten
sich in ihren Berichten vom 2
4.
Juni und vom 2
4.
Oktober 2011 nicht näher zum Schweregrad
geäussert
, sondern
im psychiatrischen Bericht ist nur in allgemeiner Form vom ausgeprägten Vermeidungsverhalten die Rede (
Urk.
11/43/6).
Wenn
Dr.
Q._
daher
wie PD
Dr.
M._
nur eine reduzierte - 50%ige - Arbeitsfähigkeit und nicht wie die behandelnden Ärzte eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit
annahm (
Urk.
11/
143/42), so muss es sich hierbei
wiederum um eine lediglich andere Beurteilung desselben Zustands handeln.
Den Ausführungen des Beschwerdeführers hierzu (
Urk.
15 S. 11) ist zuzustimmen.
An dieser Beurteilung ändert auch der Umstand nichts, dass
Dr.
Q._
entsprechend dem zutreffenden Hinweis in der Replik (
Urk.
15 S. 10)
unvollständig dokumentiert war; der Beschwerdeführer erwähnte ihm gegenüber zwar eine Behandlung seines psychischen Leidens (
Urk.
11/143/19), der Gutachter ging diesem Hinweis jedoch nicht nach
, sondern nahm
unrichtiger
weise an, bei der behandelnden Fachperson handle es sich um einen Psychologen und eine psychiatrische Behandlung habe bis anhin nicht stattgefunden (
Urk.
11/143/28).
Demen
t
sprechend fehlt
im Gutachten
eine Rücksprache mit
Dr.
S._
, der den Beschwerdeführer gemäss seinem Bericht vom
7.
November 2017
seit einer akuten Krise im Jahr 2015
im Zusammenhang mit Todesfällen in der Verwandtschaft (vgl. den Bericht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
I._
vom 1
8.
Juni 2015,
Urk.
16/2)
behandelte (
Urk.
3/2 S. 1).
Dr.
S._
ging
indessen
in diesem Bericht ebenfalls von einem
chronifizierten
und seit der Behandlungsaufnahme
grundsätzlich
unveränderten Zustand aus (
Urk.
3/2 S. 3) und konstatierte in seinem weiteren Bericht vom
8.
Februar 2018 wohl eine
gewisse Stabilisierung, jedoch keine eigentliche Besserung des Zustands (
Urk.
16/3 S. 1 und S. 3)
.
Es ist deshalb nicht anzunehmen, dass
Dr.
Q._
die Entwicklung des Gesundheitszustandes in Kenntnis der Einschätzung von Dr.
S._
anders beurteilen würde.
4
.3.3
In psychischer Hinsicht ist damit ebenfalls keine
potentiell
rentenrelevante Verbesserung überwiegend wahrscheinlich.
5.
5.1
Fällt demnach eine Aufhebung oder Herabsetzung der bisherigen ganzen Rente aufgrund einer Sachverhaltsänderung im Sinne von 17 ATSG ausser Betracht, so bleibt zu prüfen, ob einer der
Rückkommenstitel
nach
Art.
53 ATSG die strittige Rentenaufhebung zu rechtfertigen vermag.
5.2
Was den
Rückkommenstitel
der erheblichen neuen Tatsache
nach
Art.
53
Abs.
1 ATSG
anbelangt
,
so steht der Nachweis einer solchen Tatsache durch die Überwachungen in den Jahren 2014 und 2015 zur Diskussion.
Wie bereits dargelegt,
haben diese Vorkehren jedoch nichts zu Tage gebracht, was nicht vereinbar gewesen wäre mit den Feststellungen in den bis dahin gesammelten medizinischen und administrativen Dokumenten.
Die
Rückkommensvoraussetzung
der erheblichen neuen Tatsache ist somit nicht erfüllt.
Die in der Replik aufgeworfene Frage,
ob
die Überwachung
sergebnisse ungeachtet der fehlenden gesetz
lichen
Grundlage
für Observationen
überhaupt verwertbar seien
(
Urk.
15 S.
15;
zur vorzunehmenden Interessenab
wägung vgl. BGE 143 I 377)
,
kann daher
offen bleiben
.
5.3
Des Weiteren ist die
rentenzusprechende Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 auch nicht als zweifellos unrichtig im Sinne der
Rückkommensvoraussetzung
der Wiedererwägung
nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG zu beurteilen
.
Eine zweifellose Unrichtigkeit aufgrund einer Verletzung der Abklärungspfl
icht ist zu verneinen.
Der Bericht
vom 2
4.
Oktober 2011
, den die Beschwerdegegnerin bei der
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
I._
eingeholt hatte und
auf den
sie für die
Rentenzusprechung massgeblich abstellte,
stellte die psychische Problematik eingehend dar (
Urk.
11/43). Des Weiteren lag der Beschwerdegegnerin zum damaligen Zeitpunkt der vorangegangene Bericht vom 2
4.
Juni 2011 über die Abklärungen in der Schmerzsprechstunde des
I._
vor, der zwar keine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung enthielt (vgl. Eingangsbemerkung in
Urk.
11/39/5), die gesundheitliche Situation jedoch ebenfalls umfassend und unter Berücksichtigung der Aspekte verschiedener Fachrichtungen beleuchtete (
Urk.
11/39)
, so dass der RAD-Arzt in Würdigung der Aktenlage zum Schluss gelangte, es liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor (Urk. 11/48/6; Art. 49 Abs. 1 IVV)
.
Dass die Beschwerdegegnerin vor der Rentenzusprechung keinen weiteren Verlaufsbericht mehr einholte, wie dies wohl die Intention der Empfehlung von
Dr.
K._
gewesen war (vgl.
Urk.
11/48/6), kann bei dieser Aktenlage nicht als Verletzung der Abklärungspflicht
gewertet werden.
Auch inhaltlich erscheint
die rentenzusprechende Verfügung vom 1
5.
Februar 2012
nicht als
zweifellos unrichtig, ungeachtet dessen, dass PD
Dr.
M._
und
Dr.
Q._
dem Beschwerdeführer - von Beginn an - eine teilweise Arbeitsfähigkeit
für körperliche angepasste Tätigkeiten
attestierten.
Zwar
stand hinter de
m
abweichenden
Attest
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
für jegliche Tätigkeiten
im Bericht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
I._
vom 2
4.
Oktober 2011 unter anderem
die
auf den Moment bezogene
Überlegung, dass der
Beschwerdeführer aufgrund des Störungsbildes nicht in der Lage sei, selbständig zu einem Arbeitsp
latz zu gelangen (
Urk.
11/43/7). D
ies mag r
ückblickend
zu relativieren sein
, nachdem
Dr.
Q._
die Diagnose einer Agoraphobie e
rheblichen Ausmasses nicht hat
bestätigen können. Indessen
wurde dem Beschwerdeführer von
den behandelnden Ärzten auch in der Zeit danach
immer wieder eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
selbst für angepasste Tätigkeiten
attestiert, so
namentlich
im Bericht des
L._
vom 2
8.
September 2012 (
Urk.
11/90/5)
und im Bericht von
Dr.
S._
vom
8.
Februar 2018 (Urk. 16/3 S. 3
). Diese Beurteilungen mögen zwar vom besonderen, der Objektivität zuweilen abträglichen Vertrauensverhältnis in der Behandlungssituation mitgeprägt sein, dies macht sie jedoch
nicht
von vornherein un
brauch
bar,
zumal sie
mit ausführlicher Begründung hergeleitet werden. Zur zweifellosen Unrichtigkeit der Zusprechung einer ganzen Rente führen
sodann
entgegen der Argumentation der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10 S. 3)
auch die von den Gutachtern festgestellten Phänomene der Aggravation und der mangelnden Compliance bei der Medikamenteneinnahme (vgl.
Urk.
11/94/17,
Urk.
11/95/46+49, Urk.
11/143/28-29) nicht.
Es wurde bereits dargelegt
, dass das
aggravatorische
Verhalten von
Dr.
Q._
nicht als Indiz gewertet wurde, das gegen das Bestehen der psychiatrisch
en Befunde und Diagnosen spricht
. Und was die Medikamente betrifft, so erklärte
Dr.
Q._
die Nichteinnahme zum einen teilweise damit, dass der Beschwerdeführer eine psychische Genese der S
chmerzen nicht anerkennen könne
, und zum anderen zog er
, wie der Beschwerdeführer zu Recht bemerken liess (
Urk.
15 S. 14),
in Zweifel, dass die verordnete Medikamentenkombination sinnvoll und indiziert sei (
Urk.
11/143/29).
Schliesslich
macht auch der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin bei der Rentenfestsetzung nicht explizit auf die dam
aligen
Kriterien der Rechtsprechung
zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Falle einer psychisch bedingten Schmerzstörung
eingegangen war, die Verfügung vom 1
5.
Februar 2015
nicht zweifellos unrichtig angesichts dessen, dass in den beiden Berichten des
I._
vom 2
4.
Juni und vom 2
4.
Oktober 2011
von einem deutlich spürbaren
Leidensdruck des Beschwerdeführers
die Rede gewesen war
(
Urk.
11/39/5 und
Urk.
11/43/6).
6.
Zusammengefasst li
egt
da
mit weder eine Sachverhaltsänderung vor, welche
im Sinne der Rechtsprechung
zu
r Rentenrevision
zu
einer Unterschreitung
des Schwellenwertes für eine ganze Rente führen könnte und somit potentiell rentenrelevant ist, noch sind die Voraussetzungen für eine prozessuale
Revi
-
sion
- neue Tatsache oder neues Beweismittel - oder für eine Wiedererwägung
d
er rentenzusprechenden Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 erfüllt.
Die angefochtene Verfügung vom
9.
Oktober 2017 ist daher
in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben, und es bleibt
bis auf Weiteres
bei der zug
e
sprochenen ganzen Rente.
7.
Damit steht aber für die Zukunft immer noch der Weg für die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
(
Art.
8 ff. IVG)
offen. Denn wie das Bundesgericht in einem neuen Grundsatzentscheid dargetan hat,
kann
auch eine rentenbeziehende Person
dazu verpflichtet werden,
an s
olchen Massnahmen teilzunehmen
,
und zwar
gerade auch dann, wenn
sich der Sachverhalt während des Rentenbezugs
nicht
verändert hat und somit
kein Rentenr
evisionsgrund
gegeben ist; e
rforderlich ist einzig ein entsprechendes Eingliederungspotential (BGE 145 V 2).
Ein solches wurde im Falle des Beschwerdeführers trotz des Scheiterns de
r
Eingliederungsbemühungen im Jahr 2011 nicht generell verneint. In medizinischer Hinsicht wäre
aufgrund der Überlegungen von
Dr.
Q._
(
Urk.
11/143/38)
zu prüfen, ob die gegenwärtige psychiatrische Behandlungsfrequenz in Monatsabständen trotz einiger Bedenken von
Dr.
S._
(
vgl.
Urk.
3/2 S. 3) intensiviert werden müsste. Des Weiteren drängt sich angesichts der Feststellungen
der Gutachter bei der Erhebung des Medikamentenspiegels
eine nochmalige Etablierung einer geeigneten medikamentösen Behandlung mit entsprechender Kontrolle der Medikamenteneinnahme auf.
Schliesslich
erachtete
Dr.
Q._
auch
berufliche Wiedereingliederungsmassnahmen als grundsätzlich
zumutbar. Er erwartete
bei
deren Durchführung
zwar
etwelche
Probleme
(
Urk.
11/143/39), s
oweit diese Probleme indessen
in einer
willentlich gesteuerte
n
Ablehnung bestehen (Urk.
11/143/39), sind sie für die Zumutbarkeit unbeachtlich.
8.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'
000.--) ermessensweise auf Fr. 9
00.--
festzusetzen.
9.
9.1
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 8 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
9.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht in der Kostennote vom 1
1.
Dezember 2018 (
Urk.
22) zeitliche Aufwendungen von 27 Stunden geltend.
Nach der Rechtsprechung sind nur jene Aufwendungen entschädigungspflichtig, die in einem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im Prozess stehen und zudem notwendig und verhältnismässig sind, da es sich nur in diesem Umfang rechtfertigen lässt, die Kosten der Staatskasse oder gegebenenfalls dem Prozessgegner aufzuerlegen (Urteil des Bundesgerichts 9C_857/2012 vom 4. Dezember 2012 E. 3.1).
Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler
schaltete sich erst auf die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels hin ins Verfahren
ein, nachdem
Dr.
D._
mit der Eingabe vom
8.
November 2017 (
Urk.
1) eine zwar knappe, den gesetzlichen Anforderungen jedoch durchaus
genügende
Beschwerdeschrift eingereicht hatte. Der Anwalt beschränkte sich indessen nicht darauf, auf die Beschwerdeantwort vom
5.
Januar 2018 zu replizieren, sondern er rollte den Fall
in der Eingabe vom
9.
Februar 2018
(
Urk.
15)
nochmals ganz neu auf. Dies übersteigt das rechtlich Notwendige und den Verhältnissen Angemessene, ungeachtet dessen, dass die Mandatsübernahme während eines laufenden Verfahrens ein ebenso eingehendes und sorgfältiges Aktenstudium erfordert wie die Übernahme eines Mandates vor der Beschwerdeerhebung.
In Anbetracht der 40-minütigen Instruktion - wobei ein weiterer Verkehr mit dem vom Prozess nicht direkt betroffenen Sozialamt nicht im Rahmen dieses Gerichtsverfahrens zu entschädigen ist - und a
ngesichts der zu studierenden gut
160
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der
-
notwendigen -
etwa
15
-
seitigen Re
plik
, de
m Auflegen der Unterstützungsbestätigung des Sozialamtes
T._
zur Substantiierung des
Gesuch
s
um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
, der Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Studium dieses Urteils
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Dr. Peter Stadler
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
und unter Berücksichtigung der Auslagenpauschale von 3 %
auf
Fr. 3'900.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.