Decision ID: 7ec5fcba-5bda-4926-9f64-331fdb532a79
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) A._ ist Eigentümer des 37'150 m2 grossen Grundstücks
Nr. 67, Grundbuch Z._, Regionales Grundbuchamt Y._. Dieses
ist mit dem Wohnhaus, den freistehenden Scheunen und den beiden
Geflügelmastställen überbaut. Im Norden und Osten grenzt das
Grundstück an das Gebiet des Kantons Thurgau an. Nach dem kanto-
nalen Richtplan liegt es im Landschaftsschutzgebiet, nach der Schutz-
verordnung der Politischen Gemeinde Z._ in der Landschafts-
schutzzone bzw. zum Teil im Ortsbildschutzgebiet OS A sowie nach
dem geltenden Zonenplan der Politischen Gemeinde Z._ in der
Landwirtschaftszone und somit ausserhalb der Bauzonen. Das Grund-
stück ist bis auf den Hofbereich als Fruchtfolgefläche ausgeschieden
(gelbe Fläche). Der Hof von A._ ist Teil eines Weilers, der aus vier
Wohnhäusern und neun landwirtschaftlich genutzten Gebäuden be-
steht.
b) Das Grundstück Nr. 001 wird über die 3 m breite ZY._strasse,
eine Gemeindestrasse 3. Klasse, erschlossen. Diese führt in die 5 m
breit ausparzellierte, aber wesentlich schmaler ausgebaute
ZZ._strasse, ebenfalls eine Gemeindestrasse 3. Klasse. Auf der
ZZ._strasse gilt auf St.Galler Gebiet eine Geschwindigkeitsbegren-
zung von 80 km/h, auf der Thurgauer Seite eine solche von 50 km/h.
Zudem ist ein Verbot für Motorwagen und Motorräder mit dem Zusatz
"Zubringerdienst sowie land- und forstwirtschaftlicher Verkehr" signa-
lisiert. Entlang dieser Strasse führt ein offizieller Schul-, Wander- und
Veloweg (lokale Wanderroute 1.041 St.Gallen-Arbon; kantonale Velo-
routen Bischofszell-Arbon 291 und Obstgarten-Route Nesslau-Arbon
75). Auf der Thurgauer Seite führt die Strasse unter den Geleisen der
Südostbahn SOB durch, wobei die Höhe der Fahrzeuge auf 3,1 m be-
grenzt ist.
c) A._ führen den Landwirtschaftsbetrieb im Weiler ZZ._ in ei-
ner Betriebsgemeinschaft mit B._. Die Betriebsgemeinschaft um-
fasst eine landwirtschaftliche Nutzfläche von rund 40 ha und einen
Nutztierbestand von rund 121 Grossvieheinheiten (BVE). Zum Stamm-
betrieb in ZZ._ gehören rund 24 ha (18 ha Eigenland).
B.
a) In den Jahren 2012 bis 2015 reichten A._ drei aufeinanderfol-
gende Gesuche für den Bau einer Biogasanlage ein, die östlich an-
grenzend an ihren Betrieb auf der Kantonsgrenze und damit sowohl
im Kanton St.Gallen wie auch im Thurgau erstellt werden sollte. Dage-
gen gingen jeweils zahlreiche Einsprachen ein. Die Gesuche wurden
in der Folge jeweils wieder zurückgezogen und überarbeitet.
b) Mit dem vierten Baugesuch vom 16. April 2016 (Eingang bei der
Baubehörde am 20. April 2016) beantragten A._ bei den Baubehör-
den der beiden Standortgemeinden Z._ und X._ die Baubewilli-
gung für die Erstellung einer landwirtschaftlichen Biogasanlage sowie
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 5/43
den Bau einer Zufahrtsstrasse auf den Grundstücken Nrn. 67 (Kanton
St.Gallen) und 153 (Kanton Thurgau, ebenfalls im Eigentum der Ge-
suchsteller), wobei die Zufahrt ausschliesslich auf der Thurgauer Seite
verlaufen soll. Das Bauvolumen beträgt rund Fr. 2,4 Mio.
aa) Konkret handelt es sich um eine Nassvergärungsanlage, die ne-
ben landwirtschaftlichen Substarten wie Mist und Gülle auch Co-Sub-
strate aus der landwirtschaftlichen und lebensmittelverarbeitenden In-
dustrie verarbeiten soll. Dabei ist geplant, das anfallende Biogas mit-
tels Blockheizkraftwerken (BHKW) in elektrische Energie umzuwan-
deln und ins Stromnetz einzuspeisen. Die anfallende Wärme aus den
BHKW soll einerseits für den Betrieb der Biogasanlage selbst verwen-
det und andererseits für die Beheizung des Pouletmastbetriebs und
des Wohnhauses auf dem Standortbetrieb genutzt werden. Die anfal-
lenden Gärreste enthalten Nährstoffe, die in Form von Gülle in den
natürlichen Kreislauf eingebracht werden sollen. Vom benachbarten,
in östlicher Richtung 300 m entfernt liegenden Schweinemastbetrieb
soll auf der Thurgauer Seite über eine jeweils temporär verlegte Lei-
tung (Güllenschläuche, Verlegung vier bis sechs Mal pro Jahr)
Schweinegülle zugeführt werden.
bb) Die geplante Biogasanlage besteht aus einem Fermenter
(ᴓ 16 m) mit Annahmetank, einem Nachgärer (ᴓ 16 m), zwei Fahrsilos
(12,75 m x 35,25 m) sowie einem Betriebsgebäude (14,75 m x
23,5 m), in dem die Substrathalle mit Separatorbox, der Trocknungs-
raum und der Maschinenunterstand untergebracht werden sollen. Zum
Abschliessen der Substrathalle und der Separatorbox ist ein Rolltor
vorgesehen. Die Beschickung mit Co-Substraten in den Fermenter er-
folgt über den oberirdischen Dosierbunker in den unterirdischen An-
nahmetank. Neben dem Betriebsgebäude soll ein Standort für einen
Biofilter freigehalten werden, der im Bedarfsfall erstellt werden könnte.
Die BHKW sollen an den Schnitzelbunker beim Hühnerstall angebaut
werden. Die Wände des Betriebsgebäudes sollen in Sichtbeton erstellt
und mit brauner Holzverschalung verkleidet werden. Die Rundbehälter
sind mit einer Verkleidung aus braunen Profilblechen und Eternit ge-
plant und die Gasspeichermembrane sollen grün abgedeckt werden.
Das anfallende Aushubmaterial soll teils im Bereich der geplanten Bi-
ogasanlage für die Geländeanpassung verwertet werden.
c) Die Biogasanlage ist auf die Verarbeitung von rund 5‘510 Jt.
(Tonnen pro Jahr) ausgelegt: 1‘000 Jt. Rindergülle, 1‘400 Jt. Schwei-
negülle, 340 Jt. Kälbermist, 400 Jt. Hühnermist, 1‘000 Jt. Wasser,
770 Jt. Co-Substrate aus der Landwirtschaft und 600 Jt. Co-Substrat
betriebsfremder Herkunft. Von der Gesamtmenge stammen gemäss
Baugesuch rund 52 Prozent aus dem Betrieb des Gesuchstellers, 37
Prozent von benachbarten Landwirtschaftsbetrieben und elf Prozent
sind betriebsfremder Herkunft. In der Biogasanlage sollen keine Kü-
chen- und Speiseabfälle verarbeitet werden. Da die Vergärungsanlage
auf eine Behandlungskapazität von mehr als 5'000 t Frischsubstrat
ausgelegt ist, unterliegt sie der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP;
Art. 10a ff. des Bundesgesetzes über den Umweltschutz [SR 814.01;
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 6/43
abgekürzt USG] in Verbindung mit Art. 1 und Nr. 21.2a des Anhangs
der Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung [SR 814.011;
abgekürzt UVPV]). Der Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) der
Schweizer AG, Schwarzenbach, vom 30. März 2016 ist Teil des Bau-
gesuchs. Er besteht aus Projektbeschrieb, Systemgrenzen und Rele-
vanzmatrix, einer Beurteilung des Vorhabens bezüglich vorgesehener
Massnahmen zum Schutz der Umwelt und der Auswirkungen durch
den Betrieb der Anlage. In der Gesamtbeurteilung kommt der Bericht
zum Schluss, dass in sämtlichen Umweltberichten die Anforderungen
der Umweltgesetzgebung eingehalten und sich weder auf Grund des
Baus noch durch den Betrieb der Biogasanlage Konflikte abzeichnen
würden.
d) Innert zeitgleicher Auflagefrist vom 17. bis 30. Mai 2016 in Z._
und X._ gingen 58 öffentlich- und privatrechtliche Einsprachen ge-
gen das Bauvorhaben ein. Im Wesentlichen führten die Einsprecher
aus, die Biogasanlage sei nicht zonenkonform. Die Anlage löse so-
dann einen unzulässigen Mehrverkehr aus und die Verkehrssicherheit
könne nicht gewährleistet werden. Auch sonst verfüge das Vorhaben
über keine genügende Erschliessung. Weiter seien die Vorschriften
über den Geruch und Lärm verletzt, die temporäre Güllenleitung werde
unzulässigerweise über eine Gewässerschutzzone geführt und durch
die Anlage entstehe ein Kaltluftsee.
e) Das dafür zuständige Amt für Umwelt des Kantons St.Gallen
(AFU) beurteilte am 31. Januar 2018 die Einsprachen hinsichtlich Luft-
reinhaltung und Gewässerschutz. Die raumplanungsrechtliche Teil-
verfügung des Amtes für Raumentwicklung und Geoinformation
(AREG) datiert vom 12. Februar 2018, die Verfügung des Amtes für
Umwelt und Energie des Kantons St.Gallen (AFUE, heute Amtes für
Wasser und Energie, AWE) vom 15. Juni 2017. Mit Beschluss vom
24. April 2018 erliess der Gemeinderat Z._ den Gesamtentscheid,
wobei er die öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Einsprachen
nach Art. 684 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210; abge-
kürzt ZGB) kostenpflichtig abwies, soweit er darauf eintrat, die restli-
chen privatrechtlichen Einsprachen auf den Zivilrechtsweg verwies,
die Verfügungen des AFU, AWE und die Einspracheentscheide des
AFU eröffnete und die Baubewilligung unter Bedingungen und Aufla-
gen erteilte. Die Auflagen lauteten insbesondere wie folgt:
4.45 Anlieferung oder Abtransport von Biomasse
Die Anlieferung oder der Abtransport von Biomasse darf nur während den folgenden Blockzeiten erfolgen: von Montag bis Freitag, morgens von 09.00 Uhr bis 11.00 Uhr und nachmittags von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr. Ausserhalb dieser Blockzeiten ist die Anlieferung oder der Abtransport von Biomasse für die  untersagt.
4.46 Fahrten-Rapport
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 7/43
Die Gesuchsteller sind verpflichtet, der Gemeinde Z._ jeweils innert fünf Tagen nach Monatsende  einen Fahrten-Rapport einzureichen. Im Fahrten-Rapport sind die Anzahl Fahrten pro Monat auszuweisen, an denen Biomasse transportiert wird. Zudem ist im Fahrten-Rapport aufzuzeigen, welche Mengen ab welchen Betrieb innerhalb der Fahrdistanz von in der Regel 15 km stammen, und welche Mengen (von in der Regel nichtlandwirtschaftlichen Co-) ab welchen Betrieben stammen, welche in der Regel eine Fahrdistanz von 50 km nicht überschreiten.
Auf die Einsprache trat der Gemeinderat Z._ insofern nicht ein, als
die Einsprecher Gewässerverschmutzungen auf dem Hoheitsgebiet
des Kantons Thurgau geltend machten. Die Baubewilligung begrün-
dete er damit, dass die Biogasanlage dem landwirtschaftlichen Betrieb
untergeordnet sei und die Fahrdistanzen der landwirtschaftlichen Sub-
strate aus den anderen Landwirtschaftsbetrieben und der betriebs-
fremden Co-Substrate innerhalb der zulässigen Fahrdistanzen lägen.
Damit sei die Anlage in der Landwirtschaftszone zonenkonform. Zur
Sicherung der Zweckbestimmung der Anlage und zur Sicherung des
Widerrufsvorbehalts seien öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschrän-
kungen anzuordnen. Die Einwände hinsichtlich der hinreichenden Er-
schliessung seien unbegründet. Die ZZ._strasse sei verkehrssicher,
zumal sie bereits teilweise abklassiert und beschränkt worden sei
(Fahrverbot für Motorwagen und Motorräder mit der Ausnahme vom
Zubringerdienst und land- und forstwirtschaftlichen Verkehr). Das ent-
sprechende Fahrverbot werde auch regelmässig von der Polizei kon-
trolliert. Der zusätzliche Verkehr von rund 5,2 Fahrten pro Woche sei
gering. Da die ZZ._strasse auch Schulweg sei, müsse die Baube-
willigung mit der Auflage verbunden werden, dass die rund sechs zu-
sätzlichen Fahrten pro Woche ausserhalb der üblichen Schulwegzei-
ten durchgeführt würden. Alsdann verursache die Anlage auch keinen
wahrnehmbaren Lärm oder sonstige Immissionen. Dass die Biogas-
anlage übermässige Immissionen im Sinn von Art. 684 ZGB verursa-
chen soll, sei weder ersichtlich noch dargetan.
C.
a) Gegen diesen Beschluss erhoben A._ (im Folgenden Rekur-
renten 1), vertreten durch lic.iur. Werner Rechsteiner, Rechtsanwalt,
St.Gallen, mit Schreiben vom 9. Mai 2018 Rekurs beim Baudeparte-
ment des Kantons St.Gallen (im Folgenden Rekurs 1). Dabei werden
folgende Anträge gestellt:
1. Die Auflage gemäss Ziff. 4.45 der Baubewilligung vom
24. April sei aufzuheben und wie folgt neu zu :
Anlieferung oder Abtransport von Biomasse Für die Anlieferung oder den Abtransport von  von wöchentlich durchschnittlich 5,2  Fahrten gelten folgende Sperrzeiten, während
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 8/43
derer die Anlieferung oder der Abtransport von  für die Biogasanlage "Löpfe" untersagt ist: Montag bis Freitag jeweils von 7.00 Uhr bis 8.00 Uhr, von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr und von 16.15 bis 17.15 Uhr.
Während den offiziellen Schulferien gelten keine Sperrzeiten.
2. Soweit die Auflage gemäss Ziff. 4.45 der  vom 24. April 2018 auch in das Dispositiv der Baubewilligungs- und Einspracheentscheide der  Z._ vom 24. April 2018 aufgenommen wurde, gelten die entsprechenden Ziffern als .
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Zur Begründung wird geltend gemacht, dass der Betrieb mit den ein-
geschränkten Anlieferungs- und Transportzeiten unmöglich sei, da je
nach Witterung kurzfristig grössere Mengen an- bzw. abtransportiert
werden können müssten. Insbesondere die Gärreste würden gröss-
tenteils als Düngergülle verwendet, die auf Grund der gewässer-
schutzrechtlichen Vorgaben nur zu eingeschränkten Zeiten und witte-
rungsabhängig ausgebracht werden könnten. Transporte während le-
diglich 3,5 Stunden pro Tag möge für einen Grossteil des Jahres aus-
reichend sein, nicht aber während Spitzenzeiten. Darüber hinaus sei
die Auflage auch nicht verhältnismässig.
b) In der Folge teilten zahlreiche Einsprecher mit, dass sie sich am
Rechtsmittelverfahren nicht beteiligen würden und von der Liste der
Verfahrensbeteiligten zu streichen seien.
c) Mit Vernehmlassungen vom 28. Juni 2018 lassen C._, beide
W._, (im Folgenden Rekursgegner 2) sowie E._ (im Folgenden
Rekursgegner 3), alle vertreten durch Dr. Markus Neff, Rechtsanwalt,
St.Gallen, die kostenpflichtige Abweisung des Rekurses 1 beantragen.
Die Forderung der Rekurrenten 1 nach ausgedehnteren Lieferzeiten
bestätige ihre Befürchtungen, dass die im UVB ausgewiesenen Fahr-
ten nicht stimmen könnten. Wäre tatsächlich von nur durchschnittlich
5,2 Fahrten pro Woche auszugehen, würden 3,5 Stunden pro Tag
mehr als genügen. Im Bericht seien zudem insbesondere Leerfahrten
nicht miteinberechnet und auch Teillieferungen sowie zusätzliche Ab-
transporte ausgeklammert worden. Die Rekurrenten 1 bezweckten mit
ihrem Antrag, dass sie von vier Sperrstunden abgesehen zu jeder Ta-
ges- und Nachtzeit und auch an den Wochenenden anliefern dürften.
Jedoch gingen bereits jetzt spätabends und an den Wochenenden er-
hebliche Lärmimmissionen vom Landwirtschaftsbetrieb der Rekurren-
ten 1 aus, was sich mit dem Betrieb der Biogasanlage noch akzentu-
ieren würde. Die ZZ._strasse werde zudem nicht bloss von Schul-
kindern, sondern auch von Radfahrern und Wanderern begangen und
sei damit gerade am Wochenende bei schwächeren Verkehrsteilneh-
mern sehr beliebt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 9/43
d) F._, beide W._, (im Folgenden Rekursgegner 4) vertreten
durch die Rechtsanwälte Dr. Kurt Steiner und Dr. Ursula Schmid,
beide St.Gallen, lassen mit Eingabe vom 2. Juli 2018 ebenfalls die kos-
tenpflichtige Abweisung des Rekurses 1 beantragen. Bei der Forde-
rung, dass statt der erlaubten Blockzeiten von 9.00 Uhr bis 11.00 Uhr
und 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr lediglich Verbotszeiten von 7.00 Uhr bis
8.00 Uhr, 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr und 16.15 Uhr bis 17.15 Uhr verfügt
würden, werde übersehen, dass je nach Stundenplan nicht alle Schü-
ler nur zu diesen Verbotszeiten auf dem Schulweg seien. Für diese
wäre es aber eine unverhältnismässige Einschränkung, wenn sie sich
bezüglich eines möglichst sicheren Schulwegs nach den Wünschen
eines einzelnen Landwirtschaftsbetriebs richten müssten.
c) Der Gemeinderat V._ gibt mit Eingabe vom 2. Juli 2018 zu
bedenken, dass die ZZ._strasse nicht durchgehend 5 m breit sei,
wovon in der Baubewilligung ausgegangen werde. Zudem werde das
Fahrverbot auf ihrem Gemeindegebiet wenig beachtet, was von der
Kantonspolizei auch kaum kontrolliert werde. Das Bedürfnis für die be-
antragte Ausweitung des Anlieferungs- und Transportzeitfensters sei
nicht ausgewiesen. Ohnehin sei es zweifelhaft, ob die Biogasanlage
mit der vorgesehenen Leistung überhaupt wirtschaftlich sein könne.
Wie ein allfälliger Leistungsausbau insbesondere bezüglich der Zu-
und Weglieferung gehandhabt würde, sei ebenfalls unklar.
d) G._, (im Folgenden Rekursgegner 5), vertreten durch Dr. Bet-
tina Deillon, Rechtsanwältin, St.Gallen, beantragt mit Eingabe vom
23. August 2018 die kostenpflichtige Abweisung des Rekurses 1 und
die Bestätigung der angefochtenen Auflage in Ziffer 4.45 der Baube-
willigung vom 24. April 2018. Mit der Auflage, dass die Zulieferungen
und Abtransporte von Biomasse nur werktags und nur innerhalb der
beschränkten Blockzeiten erfolgen dürften, habe er sich mit der Bau-
bewilligung abfinden können. Würden die Zulieferzeiten stattdessen
ausgedehnt, sei aus seiner Sicht die strassenmässige Erschliessung
wiederum nicht mehr gegeben. Auch verhielten sich die Rekurrenten
1 widersprüchlich, wenn sie sich im Einspracheverfahren noch mit ei-
ner zeitlich beschränkten Zulieferung einverstanden erklärt hätten, nun
aber eine solche forderten, die dem Verkehrssicherheitsbedürfnis auf
der ZZ._strasse in keiner Weise mehr Rechnung trage. Die verfüg-
ten Zeitfenster seien absolut ausreichend, um die mit dem UVB bean-
tragten Fahrten durchführen zu können. Die verlangte Ausdehnung
wecke vielmehr die begründete Befürchtung, dass die Rekurrenten 1
die Zulieferung von Biomasse über das im UVB enthaltene Maximal-
mass von 2'640 t hinaus ausdehnen wollten. Auch könnten die verfüg-
ten Blockzeiten ohne Aufwand kontrolliert werden, während dies mit
der im Rekurs vorgeschlagenen Lösung absolut unmöglich sei.
D.
a) C._ (im Folgenden Rekurrenten 2) erhoben am 9. Mai 2018
durch ihren Rechtsvertreter Rekurs gegen den Beschluss betreffend
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 10/43
Baubewilligung und Einsprache vom 24. April 2018 (im Folgenden Re-
kurs 2). Mit Rekursergänzung vom 31. Mai 2018 beantragen sie:
1. Es sei der angefochtene Baubewilligungs- und Ein-
spracheentscheid vom 24. April 2018 der Gemeinde Z._ SG samt der mit diesem Entscheid eröffneten Verfügungen des Amtes für Umwelt vom 31. Januar 2018, des Amts für Raumentwicklung und  vom 12. Februar 2018 und des Amtes für  und Energie vom 15. Juni 2017 vollumfänglich aufzuheben und die anbegehrte Baubewilligung nicht zu erteilen bzw. zu verweigern.
2. [...]
3. [...]
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Rekursgegner.
Zur Begründung wird vorgebracht, mit dem vorliegenden vierten Bau-
gesuch werde wiederum praktisch um das Gleiche nachgesucht wie
schon mit den vorausgegangenen drei Gesuchen. Neu werde lediglich
auf die fix installierten Güllenleitungen verzichtet. Mithin sei unklar, wo
die 400 m lange, temporär verlegte Leitung genau durchgehen soll.
Bekannt seien einzig ihr Anfang und Ende. Sodann habe die
Vorinstanz ihr rechtliches Gehör verletzt, weil sie die Akten der voran-
gegangenen Bewilligungsverfahren nicht beigezogen und keinen wei-
teren Augenschein durchgeführt habe. Die geplante Anlage sei zonen-
fremd, weil sie den Anforderungen gemäss Art. 16a Abs. 1bis des eid-
genössischen Raumplanungsgesetzes (SR 700; abgekürzt RPG) nicht
entspreche. Namentlich sei unklar, woher genau die Co-Substrate
stammten. Sodann sei nicht sichergestellt, dass mehr als die Hälfte
des Substrats von Landwirtschaftsbetrieben bezogen werde, die inner-
halb eines Fahrradius von 15 km lägen. Die entsprechenden Voraus-
setzungen müssten aber bereits im Zeitpunkt der Bewilligung vorlie-
gen und könnten nicht nachträglich mittels Auflage herbeigeführt wer-
den. Die Anforderung, dass den Politischen Gemeinden Z._ und
X._ Fahrtenrapporte zuzustellen seien, sei nicht justiziabel. Weder
für das Überschreiten der zulässigen Fahrtendistanzen noch für das
Fehlen der Rapporte seien Sanktionen vorgesehen. Auch die verfüg-
ten Auflagen die beschränkten Anlieferungszeiten betreffend seien
nicht umsetz- und kontrollierbar. Für die Zonenkonformität wäre so-
dann erforderlich, dass der Betrieb längerfristig bestehen könnte. Dies
werde vorliegend aber genauso bestritten wie die Annahme, dass die
Biogasanlage dem bestehenden Betrieb untergeordnet sei. Ferner
stünden dem Projekt überwiegende Interessen entgegen. So befinde
sich das Bauvorhaben im Gewässerschutzbereich, tangiere Grund-
wasser, verursache erhebliche Immissionen und sei strassenmässig
nicht hinreichend erschlossen. Ungeprüft geblieben sei insbesondere
die bereits eigenmächtig errichtete unterirdische Güllenleitung, die von
den Rekurrenten 1 nach wie vor benutzt werde. Es sei davon auszu-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 11/43
gehen, dass diese Leitung auch für den Betrieb der Biogasanlage be-
nutzt werde. Die strassenmässige Erschliessung sei deshalb nicht ge-
geben, weil die im UVB angenommenen Fahrtenanzahl zu tief und die
in der Baubewilligung angenommene Strassenbreite zu breit ange-
setzt seien. Leerfahrten seien gar nicht berücksichtigt worden und die
Strasse sei nicht wie vom AREG angenommen 5 m, sondern lediglich
3,1 m bis 4,2 m breit.
b) E._ (im Folgenden Rekurrenten 3) erhoben durch ihren
Rechtsvertreter als D._ wie auch jeder für sich je einzeln am 9. Mai
2018 Rekurs beim Baudepartement (im Folgenden Rekurs 3). Mit Ein-
gabe vom 31. Mai 2018 führen bloss noch E._ den Rekurs fort. Ihre
Anträge und deren Begründung sind mit denjenigen der Rekurrenten
2 identisch (vgl. Bst. D. a).
c) F._ (im Folgenden Rekurrenten 4) erhoben am 15. Mai 2018
durch ihre Rechtsvertreter Rekurs gegen die Baubewilligung und den
Einspracheentscheid den Neubau der landwirtschaftlichen Biogasan-
lage und deren Zufahrt betreffend (im Folgenden Rekurs 4). Mit Re-
kursergänzung vom 7. Juni 2018 beantragen sie:
Der Baubewilligungs- und Einspracheentscheid vom 24. April 2018 samt den damit eröffneten kantonalen Verfügungen (namentlich Raumplanungsrechtliche Teilverfügung AREG, 12.2.2018; Verfügung über - und Umweltschutzmassnahmen AFU, 15.6.2017; Entscheid Amt für Umwelt AFU, 31.1.2018) sei vollumfänglich aufzuheben und es sei die  aufzuheben bzw. nicht zu erteilen; unter - und Entschädigungsfolge zu Lasten der .
Zur Begründung wird vorgebracht, dass die geplante Anlage übermäs-
sige Geruchsimmissionen auslöse. Namentlich in Bezug auf ihre Lie-
genschaft sei die Immissionssituation unzureichend abgeklärt. Dazu
komme, dass im UVB der bestehende Hühnermastbetrieb nicht mitbe-
rücksichtigt werde. Sodann sei die Vorinstanz auf die Rügen im Zu-
sammenhang mit der geplanten temporären Güllenleitung und der da-
mit verbundenen gewässerschutzrechtlichen Problematik zu Unrecht
nicht eingetreten. Diese Leitung stelle ein Gefährdungspotential für
Grundwasser und Gewässer dar und dürfe nicht bewilligt werden. Un-
klar sei zudem, wie bei einem konkreten, für Mensch und Umwelt ge-
fährlichen Störfall vorzugehen sei. Soweit die Erschliessung über
Thurgauer Hoheitsgebiet führe, habe die Vorinstanz nichts abgeklärt.
Die Zufahrts- und ZZ._strassen seien aber zu schmal und letztere
werde von Schülern, Wanderern stark begangen sowie von Radfah-
rern häufig befahren. Die im UVB angenommenen Fahrten seien
falsch, da die Leerfahrten unberücksichtigt geblieben seien. Da die
temporäre Güllenleitung nicht bewilligt werden dürfe, kämen zusätzli-
che Fahrten für den Güllentransport dazu. Schliesslich seien auch
sonst die Voraussetzungen von Art. 34a der eidgenössischen Raum-
planungsverordnung (SR 700.1; abgekürzt RPV) nicht erfüllt und die
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 12/43
Biogasanlage damit nicht zonenkonform. Die verfügten Auflagen zur
Sicherung der Voraussetzungen seien unzureichend.
d) Die Rekursgegner 1 nehmen am 12. Juli 2018 Stellung zu den
Rekursen 2, 3 und 4, wobei sie deren kostenpflichtige Abweisung be-
antragen, soweit darauf überhaupt eingetreten werden könne. Vorab
machen sie geltend, dass die temporäre Güllenleitung nicht über die
Grundstücke der Rekurrenten 2, 3, und 4 führe und diese von der Lei-
tung somit gar nicht tangiert seien. Temporär verlegte Güllenleitungen
seien aber ohnehin nicht bewilligungspflichtig und im Übrigen sei klar,
dass solche Leitungen auf dem möglichst direkten Verbindungsweg
verlegt würden. Die verkehrsmässige Erschliessung sei gewährleistet
und bei einem leicht höheren Verkehrsaufkommen sei die Zunahme
immer noch als bescheiden und ohne wahrnehmbare Immissionen zu
beurteilen. Mit der beantragten Beschränkung der Anlieferungs- und
Abtransportzeiten werde der Verkehrssicherheit genügend Rechnung
getragen. Die Lärmschutzgrenzwerte seien eingehalten und die Ge-
ruchsimmissionen lägen im zulässigen Bereich. Davon abgesehen,
dass Liegenschaften in der Landwirtschaftszone eine höhere Ge-
ruchsbelastung zugemutet werden könne, werde mit der Bewilligung
auch geregelt, wie vorzugehen sei, falls wider Erwarten doch über-
mässige Gärgerüche auftreten würden. Die verfügte Auswechslung ei-
nes Transformators und Installation einer zusätzlichen Verteilerkabine
sei nicht baubewilligungspflichtig, weshalb sie auch nicht Gegenstand
des Baugesuchs hätten sein müssen.
E.
Mit Eingabe vom 5. Juli 2018 verzichtet die Vorinstanz auf eine Ver-
nehmlassung zu den Rekursen.
F.
a) Der Verfahrensleiter fordert das AREG am 31. August 2018 zur
Einreichung einer koordinierten Vernehmlassung auf. Dieses verzich-
tet mit Schreiben vom 21. Dezember 2018 darauf und reicht stattdes-
sen einzig die zu ihren Handen erstellten Mitberichte des kantonalen
Tiefbauamtes (TBA) und die Vernehmlassung des AFU ein.
b) Das TBA führt in seinem Mitbericht vom 26. Oktober 2018 aus, dass die Geometrie der Anbindung der geplanten Grundstückszufahrt an die ZZ._strasse normgemäss und reglementskonform sei. Die Sichtweiten bei der geplanten Grundstückszufahrt seien auf  anzupassen. Für den Beobachtungspunkt gelte ein Abstand von 5 m. Unter der Annahme, dass von Westen her eine  von 70 km/h gefahren werden könne, sei eine Sichtweite von 90 m einzuhalten. Von Osten her sei eine Sichtweite von 50 m einzuhalten (V = 50 km/h). Die Sichtbermen seien grundsätzlich ab einer Höhe von 60 cm sicherzustellen und auch auf den  rechtlich zu sichern. Die ZZ._strasse müsse auf der gesamten Länge eine Mindestbreite von 3,5 m aufweisen. Die  (3,1 m bzw. 3,3 m) auf dem Gemeindegebiet V._ müssten behoben werden. Der Grenzverlauf entlang der ZZ._strasse ent-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 13/43
spreche im Bereich der geplanten Zufahrt nicht den vor Ort  Fahrbahnrändern (Differenz ungefähr 1 m). Der effektive  sei in den Plänen darzustellen und die geplante  darauf auszurichten. Mit der geplanten Zufahrt verfüge das Grundstück Nr. 67 zukünftig über zwei Erschliessungen. Sogenannte Doppelerschliessungen seien aber zu vermeiden. Empfehlenswert sei, den Betriebs- und den lndividualverkehr zu trennen.
c) Das AFU beantragt mit seiner Vernehmlassung vom 11. De-
zember 2018 die Abweisung der Rekurse 2, 3 und 4. Den Antrag be-
gründet es unter anderem damit, dass wegen der schlechten Durch-
lässigkeit der Deckschicht und deren Mächtigkeit mit einer Gefährdung
des Grundwassers durch allfällig oberflächlich auslaufende Gülle
kaum zu rechnen sei. Die Lärmemissionen der Transportfahrten seien
deshalb gering, weil täglich rund 150 Lastwagenfahrten notwendig wä-
ren, damit die geltenden Planungswerte in der Lärmempfindlichkeits-
stufe III von 60 dB(A) erreicht würden. In Anbetracht der vorliegend
äusserst geringen Anzahl Transportfahrten sei es somit unnötig,
weitere Ausführungen zum Verkehrslärm anzustellen. Die rügenden
Anwohner würden übersehen, dass sie in Bezug auf Geruchsimmis-
sionen für ihre ausserhalb der Bauzone liegenden Wohnliegenschaf-
ten nicht denselben Schutz in Anspruch nehmen könnten wie für
Liegenschaften in den Bauzonen. Im Bereich der Lufthygiene (wie
auch im Lärmschutz) werde hinsichtlich Schutzniveau auf die pla-
nungsrechtliche Zone abgestellt. Bei jeglicher Art von Gülle handle es
sich um ein Produkt, das einen für die Landwirtschaft typischen Ge-
ruch verströme und in der Landwirtschaftszone somit grundsätzlich zu
dulden sei.
d) Das AFU des Kantons Thurgau beantragte bereits am 25. Juni
2018 die Abweisung der Rekurse. In seiner Stellungnahme verweist
es auf den grundsätzlichen Koordinationsbedarf mit dem Kanton
St.Gallen, sowie darauf, dass für den Fall, dass das Bauvorhaben in
das Grundwasser reichen und deshalb eine temporäre Grundwasser-
absenkung und eine entsprechende Bewilligung nötig würde. Im Zu-
sammenhang mit der temporären Güllenleitung erinnert es an die all-
gemeinen Sorgfaltspflichten. Für den eingedolten Teil des Haselbachs
könne auf die Ausscheidung eines Gewässerraums verzichtet werden.
Am 25. September 2018 nimmt das Thurgauer AFU nochmals Stel-
lung und führt aus, dass bei ordnungsgemässem Betrieb mit keinen
übermässigen Geruchsimmissionen zu rechnen sei. Die Anlage unter-
liege einer periodischen Kontrolle und somit sei es mitnichten an den
Anwohnern, die Einhaltung der Vorschriften zu kontrollieren. Diese
könnten jedoch eine Geruchsbeschwerde einreichen, worauf Ge-
ruchsmessungen durchgeführt und allenfalls weitere Massnahmen an-
geordnet würden. Eine Öffnung des Haselbachs sei nicht geplant.
Aber selbst für den Fall, dass dies dereinst der Fall sein sollte, spreche
nichts gegen die geplante Zufahrt.
G.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 14/43
a) Das Baudepartement des Kantons St.Gallen und das Departe-
ment für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau führten am 25. März
2019 in Anwesenheit der Verfahrensbeteiligten sowie der Vertreter der
involvierten kantonalen Stellen gemeinsam einen Augenschein durch.
aa) Gemäss Protokoll der Rechtsabteilung des Baudepartementes
St.Gallen vom 1. April 2019 hielt der Vertreter des St.Galler Stras-
seninspektorats vor Ort fest, dass die heute bestehende etwa 3 m
breite Hofzufahrt auf Grund der verwinkelt angeordneten Gebäude,
unübersichtlichen Stellen und verschiedenen Abzweigungen zu
schmal sei. Es sei daher richtig, dass die Erschliessung der neuen An-
lage über eine neue Zufahrt auf dem Gebiet des Kantons Thurgau ge-
führt werde. Die neue Grundstückszufahrt sei zwar ebenfalls nur 3 m
breit, auf Grund der konkreten Verhältnisse sei dies aber akzeptabel.
Bezüglich der ZZ._strasse sei unter dem Verhältnismässigkeitsas-
pekt vom Strassentyp "Verbindungsweg" auszugehen. Als solcher
diene sie der Erschliessung von Weilern und einzelnen Gebäuden
ausserhalb geschlossener Ortschaften (Ausbaugeschwindigkeit: Aus-
legung nur nach Fahrgeometrie; Anzahl Fahrstreifen: 1; Ausbaugrös-
sen der Fahrstreifen: reduziert; Bankette: nicht befestigt; Abstellbuch-
ten: als Ausweichstellen; seitliche Hindernisfreiheit: in der Regel keine,
Fahrbahnmarkierung: keine, Grundbegegnungsfall: Personenwagen/
Zweirad bei reduzierter Geschwindigkeit). Mithin müsse man hier in
Kauf nehmen, dass ein Lastwagen mit einem Velofahrer bzw. mit ei-
nem Personenwagen nicht kreuzen könne bzw. dass dafür die Ge-
schwindigkeit massiv reduziert werden und allenfalls das Umland in
Anspruch genommen werden müsse. Konkret sei die Erschliessung
der Biogasanlage auf Grund der einseitigen Ausrichtung der geplanten
Grundstücksausfahrt vorrangig nach Westen über das St.Galler Ho-
heitsgebiet ausgerichtet. Tatsächlich könnten wegen der Höhenbe-
schränkung bei der SOB-Unterführung auf der Thurgauer Seite auf gut
3 m grössere Fahrzeuge nur von V._ her zufahren. Auf dieser Seite
sei die Strasse aber selbst für den Grundbegegnungsfall Personenwa-
gen/Zweirad bei reduzierter Geschwindigkeit zu schmal und nötige
Ausweichstellen fehlten.
bb) Der Rechtsdienst des Departementes für Bau und Umwelt des
Kantons Thurgau protokollierte am 3. April 2019, dass der Vertreter
des thurgauischen Tiefbauamtes seinem St.Galler Kollegen grund-
sätzlich zustimme. Auf der Thurgauer Seite seien die Strassenbreiten
zwar nicht vermessen, auf Grund einer visuellen Prüfung im ThurGis
beständen aber ebenfalls Anhaltspunkte, dass die ZZ._strasse auch
in Richtung W._ teilweise zu schmal sei. Bei der Beurteilung des
Baugesuchs sei man aber ohnehin davon ausgegangen, dass die
neue Anlage von Westen her, also von V._ aus, erschlossen werde,
weil der Einlenker der geplanten Hofzufahrt in die ZZ._strasse west-
seitig auf die St.Galler Seite hin ausgebildet und weil auf der Thur-
gauer Seite die Höhe bei der Bahnunterführung höhenmässig be-
schränkt sei.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 15/43
b) Die Rekurrenten 4 monieren mit Eingabe vom 26. April 2019,
dass das Votum ihrer Rechtsvertreterin im Zusammenhang mit der Er-
schliessung nicht vollständig wiedergegeben worden sei. Mit Bezug
auf den Mitbericht des Tiefbauamtes vom 26. Oktober 2018 hätten sie
vor Ort festgehalten, dass die Erschliessung ausschliesslich von und
nach Westen auf der ZZ._strasse erfolgen müsse, dass die ZZ._-
strasse nach dem Mitbericht des TBA in tatsächlicher Hinsicht aber
nicht hinreichend sei. Der Vertreter des Strasseninspektorats habe da-
rauf bestätigt, dass die ZZ._strasse weder von Westen noch von
Osten her eine hinreichende Erschliessung für das Bauvorhaben dar-
stelle. Somit dürfe das Vorhaben nicht nur wegen des Ungenügens
der geplanten Hofzufahrt, sondern insbesondere wegen des Ungenü-
gens der ZZ._strasse nicht bewilligt werden.
c) Die Rekursgegner 1 nehmen mit Eingabe vom 8. Mai 2019 zum
Augenscheinprotokoll vom 1. April 2019 Stellung und weisen darauf
hin, dass die ZZ._strasse auf 5 m ausparzelliert sei. Wenn diese
Breite auch tatsächlich für den Verkehr freigehalten würde, wäre sogar
das Kreuzen eines Personenwagens mit einem landwirtschaftlichen
Fahrzeug möglich. Motorfahrzeuge dürften ohnehin nur 2,55 m breit
sein und von den angenommenen 222 Fahrten pro Jahr seien unge-
fähr 188 Transporte mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen, die maximal
30 bis 40 km/h fahren würden. Eine allfällige Gefährdung durch die
verbleibenden 34 Transporte mit Lastkraftwagen sei somit gering. Oh-
nehin bestünden zahlreiche Ausweichstellen und damit genügend
Kreuzungsmöglichkeiten.
d) Die Rekurrenten 2 und 3 machen mit Eingabe vom 16. Mai 2019
geltend, dass die am Augenschein geäusserte Annahme, dass in der
geplanten Anlage keine Fleischsuppe oder Geschmackverstärker ver-
gärt würden, eine reine Mutmassung sei. Sodann müsse die vorhan-
dene unterirdische Güllenleitung ebenfalls berücksichtigt werden, zu-
mal die Rekurrenten 1 am Augenschein nicht ausgeschlossen habe,
dass diese Leitung ebenfalls für die Biogasanlage mitbenutzt werde.
Diese Nutzung verstosse aber gegen umweltschutzrechtliche Bestim-
mungen. Sodann habe sich vor Ort bestätigt, dass die ZZ._strasse
viel zu schmal sei und in absehbarer Zeit auch nicht ausgebaut werde.
e) II._ (im Folgenden Rekursgegnerin 28), nimmt mit Schreiben
vom 4. Juni 2019 Stellung zum Augenscheinprotokoll. Sie macht gel-
tend, dass der UVB geschönt sei, was sich schon darin zeige, dass
eine zeitlich beschränkte Zulieferung von 3,5 Stunden pro Tag nicht
genügen sollte. Nebstdem die ZZ._strasse von zahlreichen Fuss-
gängern, Wanderern und Zweiradfahrern benutzt werde, werde sie
durchaus auch legal häufig befahren, zumal das Verbot nicht für die
zahlreichen Anstösser gelte. Falsch sei auch, dass Fahrzeugbreiten
von mehr als 2,55 m eine Ausnahmebewilligung erforderten. Nach
Art. 27 der eidgenössischen Verordnung über die technischen Anfor-
derungen an Strassenfahrzeuge (SR 741.41) benötigten landwirt-
schaftliche Fahrzeuge bis zu einer Breite von 3,5 m keine Bewilligung.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 16/43
Die ZZ._strasse sei aber auch vor allem Schulweg für die Oberstu-
fenschüler aus Z._. Nur gerade zwei Oberstufenschüler würden den
öffentlichen Verkehr benutzen, alle anderen würden mit dem Zweirad
über die ZZ._strasse ins Oberstufenzentrum Grünau fahren. Dazu
kämen zahlreiche andere Bewohner aus W._ und Z._, die man-
gels Läden, einer Bank oder einer Post in diesen Orten, sämtliche Be-
sorgungen in V._ erledigten. Dorthin gelange man ohne Auto einzig
über die ZZ._strasse. Zwischen den weitauseinanderliegenden
Weilern gebe es entgegen der Behauptung der Rekursgegner 1 keine
einzige Ausweichstelle. Sollten die Zäune und Hecken entlang der
Strasse entfernt werden, wie diese forderten, würde vermehrt über die
unbefestigten Strassenränder hinausgefahren, womit diese noch mehr
abbröckeln und beschädigt würden, so dass die Fahrbahn immer noch
schmäler werde.
f) Die Rekursgegner 1 weisen mit Schreiben vom 7. Juni 2019 auf
die nachträgliche Vermessung des Departementes Bau und Umwelt
des Kantons Thurgau hin, wonach die ZZ._strasse auf dem Thur-
gauer Gebiet in einer Breite von mindestens 5 m ausparzelliert und auf
3,63 m befahrbar sei. Weiter rügen sie, dass der Mitbericht des St.Gal-
ler Strasseninspektorats vom 26. Oktober 2018 von falschen Annah-
men und Grundlagen ausgehe. So werde die Strasse nicht vor allem,
sondern ausschliesslich von Oberstufenschülern begangen und die
Strasse sei auf der St.Galler Seite auch nicht bloss 3,1 m bis 3,3 m
breit. Die asphaltierte Strassenfläche sei lediglich an den Rändern ein-
gewachsen, wie eigene Messungen ergeben hätten. Die entsprechen-
den Angaben wie auch sämtliche Ausweichstellen seien dokumentiert.
Sodann hätten sie anhand von Fotos mit einem abgestellten Traktor
und einem abgestellten Personenwagen aufgezeigt, dass diese durch-
aus kreuzen könnten. Zu nahe an der Strasse stehende Hecken und
Bäume müssten gefällt und weggeboten werden. Weiter könnte die
erlaubte Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt werden.
g) In der Folge überprüfte das Strasseninspektorat des Kantons
St.Gallen die neuen Vorbringen der Rekursgegner 1 am 4. Juli 2019
vor Ort, verfasste dazu eine umfassende Fotodokumentation, zeich-
nete die aufgenommenen Stellen in einem Plan ein und setzte sich
Punkt für Punkt mit den einzelnen Behauptungen auseinander. Mit
Schreiben vom 9. Juli 2019 kommt es dabei zum Schluss, dass die
Eingabe vom 7. Juni 2019 der Rekursgegner 1 keinen Nachweis für
eine ausreichende Strassenbreite zum Kreuzen von Motorfahrzeugen
bzw. Lastwagen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen liefere. Es wür-
den im Gegenteil verschiedene weitere Defizite aufgezeigt. Die von
den Rekursgegner 1 ermittelten Breiten würden in keiner Form wieder-
gegeben oder dokumentiert. Davon abgesehen, dass für die gestellte
Begegnungssituation ein kleinerer Traktor genommen worden sei, als
auf der ZZ._strasse üblicherweise verkehrten, zeige die gestellte Si-
tuation mit den zwei stehenden Fahrzeugen aber auch klar auf, dass
das Kreuzen im regulären Fahrbetrieb auch bei niedriger Geschwin-
digkeit eben gerade nicht möglich sei. Konkret könne ein Personen-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 17/43
wagen mit einem anderen Personenwagen nicht kreuzen. Die Begeg-
nung von Personenwagen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen bzw.
Lastwagen sei definitiv nicht ohne Ausweichstellen möglich. Die er-
neute Begehung vor Ort habe aber auch gezeigt, dass die Strasse
trotz Fahrverbot rege genutzt werde und dass massiv grössere land-
wirtschaftliche Fahrzeuge verkehrten. Die ZZ._strasse weise meh-
rere Kurven, Kuppen und Wannen auf. An diesen Stellen sei ein Aus-
weichen gänzlich unmöglich, womit eine hinreichende Erschliessung
für die vorliegende Neuanlage nicht gegeben sei.
h) Das kantonale Tiefbauamt Thurgau hält am 31. Juli 2019 gegen-
über dem Rechtsdienst des Departementes Bau und Umwelt fest,
dass die ZZ._strasse auf der Thurgauer Seite auf der gesamten
Länge breiter als 3,5 m ausgebaut sei und damit die Anforderungen
an eine gehörige Erschliessung erfülle.
i) Die Rekursgegner 1 nehmen am 20. September 2019 zum er-
neuten Bericht des St.Galler Strasseninspektorats Stellung und wei-
sen darauf hin, dass lediglich eine Stelle mit nur 3 m dokumentiert sei.
Sie würden deshalb eine nochmalige exakte, beweisrelevante
Vermessung verlangen. Massgebend sei ohnehin die durchwegs aus-
parzellierte Strassenbreite von 5 m und nicht die tatsächliche. Soweit
nicht die ganze Strassenbreite befahren werden könne, sei es an den
betroffenen Gemeinden, diese befahrbar zu machen. Gemäss Bau-
plan sei die ZZ._strasse dereinst auf 4,25 m ausgebaut worden und
verfüge über ein zusätzliches Bankett von 0,5 m. Es gehe nicht an,
dass ein mangelnder Unterhalt dazu führe, dass die Erschliessung zu-
lasten eines Einwohners als ungenügend betrachtet werde.
j) Die Rekurrenten 2 und 3 lassen sich am 23. September 2019
zum nachmaligen Amtsbericht vernehmen und machen geltend, dass
dieser deutlich aufzeige, dass die als Ausweichstellen bezeichneten
Stellen weder als solche taugen noch als solche gedacht seien. Ein für
das vorliegende Bauvorhaben notwendige Ausbauprojekt sei nicht ge-
plant und müsste kantonsübergreifend koordiniert werden, wozu ins-
besondere die Gemeinde V._ aber keine Bereitschaft zeige.
k) Gegenüber dem Departement für Bau und Umwelt halten die
Rekurrenten 2 und 3 am 16. Oktober 2019 fest, dass die kurze Stel-
lungnahme des kantonalen Tiefbauamtes Thurgau vom 31. Juli 2019
sowohl den Tatsachen, dem bisher Gesagten als auch den vorliegen-
den Amtsberichten widerspreche. Zudem habe es noch am Rekursau-
genschein verneint, dass eine hinreichende Erschliessung vorliege,
und zwar auf der St.Galler wie auf der Thurgauer Seite.
H.
Die Rekurrenten 1 bzw. Rekursgegner 1 lassen am 7. Januar 2020 die
Honorarnote ihres Rechtsvertreters für alle vier Verfahren einreichen.
I.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 18/43
a) Mit Schreiben vom 23. Januar 2020 verweist das kantonale Tief-
bauamt Thurgau auf den Situationsplan vom 8. April 2019 der Stras-
senparzelle Nr. 107, wonach die ganze ZZ._strasse in diesem Be-
reich mindestens 3,5 m breit ausgebaut sei. Damit sei der Grundbe-
gegnungsfall Personenwagen/Fahrrad bzw. Lastkraftwagen/Fahrrad
bei stark reduzierter Geschwindigkeit von ca. 20 km/h innerhalb der
Fahrbahn möglich. Alle anderen Begegnungsfälle müssten auf dem
Strassenbankett bzw. auf der Wiese stattfinden. Ausweichstellen
seien nach telefonischer Rückfrage bei der Gemeinde X._ keine
vorhanden. Wegen der Grössenbeschränkung bei der SOB-
Unterführung könnten auf der Thurgauer Seite keine Fahrzeuge fah-
ren, die höher als 3,1 m seien.
b) Die Rekurrenten 2 und 3 entgegnen am 13. Februar 2020, dass
sich das Tiefbauamt des Kantons Thurgau offenbar wiederum nicht
vertieft mit der Erschliessungsproblematik auseinandergesetzt habe.
Insbesondere sei es mit keinem Wort auf die mit Schreiben vom
16. Oktober 2019 aufgezeigten offensichtlichen Widersprüche und
Fragen eingegangen. Davon abgesehen, dass die behauptete Stras-
senbreite überall 3,5 m betrage, werde bestritten, dass diese für den
massgeblichen Begegnungsfall ausreiche.
J.
Die Rekurrenten 1 bzw. Rekursgegner 1 erklären am 29. April 2020
auf entsprechende Nachfrage des Verfahrensleiters, dass sie auf die
verlangte Akteneinsicht verzichten würden.
K.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Rekursverfahren Nrn. 18-2976, 18-2977, 18-2979 und 18-
3068 betreffen den gleichen Streitgegenstand, wobei sie die gleichen
Tatbestands- und zum Teil die gleichen Rechtsfragen aufwerfen. Es
rechtfertigt sich daher, die vier Rekurse in einem einzigen Entscheid
zu behandeln und verfahrensrechtlich zu vereinigen (GVP 1972
Nr. 30).
1.2 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.3 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Als Adressaten der Beschlüsse sind die Rekurrenten
berechtigt, Rekurs zu erheben (Art. 45 Abs. 1 VRP). Rechtsanwalt
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 19/43
Dr. Markus Neff hat am 9. Mai 2018 für die D._ wie auch für die
einzelnen Miterben Rekurs erhoben. Mit Rekursergänzung vom
31. Mai 2018 hat er diesen ausdrücklich einzig noch für E._
weitergeführt. Dies ist zulässig (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
1C_278/2011 vom 17. April 2011 Erw. 1.2 mit Hinweisen und
9C_158/2019 vom 17. Mai 2019 Erw. 3.3.2). Mithin ist der Rekurs in
Bezug auf die ausgeschiedenen Mitrekurrenten zufolge Rückzugs ab-
zuschreiben (Art. 57 Abs. 1 VRP).
1.4 Somit liegen sämtliche Sachurteilvoraussetzungen vor, weshalb
auf die Rekurse einzutreten ist.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1;
abgekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Der erstinstanzliche Einsprache- und Baubewilligungsent-
scheid erging am 24. April 2018. Mithin sind vorliegend grundsätzlich
die Bestimmungen des PBG anwendbar, sofern sie gemäss Anhang
zum Kreisschreiben "Übergangsrechtliche Bestimmungen im PBG"
vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen
2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärt werden. Im Übrigen gelan-
gen weiterhin das BauG und das entsprechende Baureglement zur
Anwendung.
3.
Die Rekurrenten 2 rügen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, weil
die Vorinstanz die Akten der vorangegangen Baugesuchsverfahren
nicht beigezogen und nicht nochmals einen Augenschein durchgeführt
habe, weil das Baugesuch nicht vollständig sei und sie sich deshalb
nicht zu allen Teilen hätten einbringen können.
3.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sach-
aufklärung und stellt anderseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-
kungsrecht der Parteien dar. Sein Umfang richtet sich primär nach
kantonalem Recht und subsidiär nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesver-
fassung (SR 101; abgekürzt BV). Zu den wesentlichen Inhalten gehö-
ren die Orientierung und die Möglichkeit zur Äusserung vor Erlass ei-
ner Verfügung, das Recht auf Akteneinsicht, das Recht auf Teilnahme
am Beweisverfahren und der Anspruch auf Prüfung und auf begrün-
deten Entscheid (WIEDERKEHR/PLÜSS, Praxis des öffentlichen Verfah-
rensrechts, Bern 2020, N 269 ff.).
3.2 Nach Art. 24 Abs. 1 VRP soll ein Entscheid unter anderem die
Tatsachen, die Vorschriften und die Gründe enthalten, auf die er sich
stützt (Bst. a), sowie den Rechtsspruch der Behörde (Bst. b). Die Be-
stimmung konkretisiert zwar die Begründungspflicht als Ausfluss des
Anspruchs auf rechtliches Gehör (GVP 1998 Nr. 45 Erw. 2b, S. 118),
enthält aber keine Regelung hinsichtlich der inhaltlichen Anforderun-
gen an die Begründung. Es ist daher auf Grund des bundesrechtlichen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 20/43
Minimalanspruchs zu prüfen, ob eine Verletzung der Begründungs-
pflicht vorliegt.
3.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt unter anderem,
dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechts-
stellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft
prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die
grundsätzliche Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Der
Bürger soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag ent-
schieden hat. Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst
sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten
kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittel-
instanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen kön-
nen. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen ge-
nannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche
sich ihr Entscheid stützt. Das bedeutet indessen nicht, dass sich diese
ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf
die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken
(BGE 134 I 83 Erw. 4.1 mit Hinweisen). Die Begründung muss jedoch
auf jeden Fall angemessen und hinreichend, d.h. nachvollziehbar und
verständlich, sein. Dabei sind die Anforderungen an die Begründung
umso höher, je grösser der Entscheidungsspielraum der Behörde ist
und je stärker ein Entscheid in die individuellen Rechte eingreift (BGE
112 IA 107 Erw. 2b mit Hinweisen).
3.4 Die Vorinstanz und die kantonalen Stellen haben die betroffenen
Örtlichkeiten und das Bauvorhaben in ihren Verfügungen und Be-
schlüssen beschrieben und dokumentiert. Somit war es unnötig, auch
noch die Unterlagen der drei vorausgegangenen Baugesuche beizu-
ziehen. Sodann war die Vorinstanz auch nicht verpflichtet, erneut ei-
nen Augenschein durchzuführen. Die Behörde hat ein weites Ermes-
sen, ob über eine Tatsache Beweis erhoben werden soll, ab wann sie
als bewiesen gilt oder ob zusätzliche Beweismittel notwendig sind. Un-
nötig und daher nicht erforderlich ist die Beweisführung in Bezug auf
Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, der Behörde bereits bekannt
oder bereits rechtsgenüglich erwiesen sind (B. MÄRKLI in: Rizvi/Schind-
ler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommentar zum Gesetz über die Verwal-
tungsrechtspflege, Zürich/St.Gallen 2020, Art. 12-13 N 20; K. PLÜSS
in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar VRG, Zürich/Basel/Genf 2014, 3. Auf-
lage, N 18 zu § 7 VRG). Die Rekurrenten 2 und 3 machen denn auch
nicht geltend, die Vorinstanz bezöge sich auf konkrete Feststellungen
anlässlich eines Augenscheins während eines anderen Verfahrens,
dessen Protokoll nicht beigezogen worden sei.
3.5 Soweit die Rekurrenten 2 und 3 geltend machen, die illegale un-
terirdisch verlegte Güllenleitung müsse mitbeurteilt werden, da nicht
ausgeschlossen werden könne, dass diese auch für die Biogasanlage
verwendet werde, muss ihnen entgegengehalten werden, dass Ver-
fahrensgegenstand nur sein kann, was Gegenstand des Baugesuchs
ist (VerwGE B 2016/82 vom 7. April 2017 Erw. 2; Baudepartement SG,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 21/43
Juristische Mitteilungen 2012/IV/6). Die erdverlegte Leitung ist nicht
Teil des Baugesuchs und wird demzufolge auch im UVB nicht abge-
handelt, weshalb vorliegend nicht darüber zu befinden ist. Sofern es
sich dabei um eine unbewilligte, aber bewilligungspflichtige Anlage
handeln sollte, hätten die Rekurrenten 2, 3 und 4 die Möglichkeit, dies-
bezüglich bei der Baubehörde ein nachträgliches Baubewilligungsver-
fahren bzw. die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu
verlangen. Die vier bis sechs Mal pro Jahr temporär oberirdisch ver-
legte Güllenleitung dagegen wird im UVB, der Teil des Baugesuchs
ist, mehrfach beschrieben. Sie kommt im Kanton Thurgau zu liegen
und das St.Galler AFU schliesst aus, dass im Kanton St.Gallen
dadurch ein Gewässer betroffen sein könnte. Mit dem Baugesuch ist
ihr Anfang und Ende klar bestimmt, und nachdem die Baubehörde des
Kantons Thurgau mit der Auflage 4.4 der Baubewilligung vom 20. April
2018 sichergestellt hat, dass diese nach jedem Umpumpvorgang wie-
der abgebaut wird, ist die Leitung auch nicht bezogen auf ein fixes
Trassee, sondern einzig als solche bewilligungspflichtig.
3.6 Nach dem Gesagten liegt keine Gehörsverletzung vor, insbe-
sondere haben sich die Vorinstanz und die zuständigen kantonalen
Ämter mit allen Teilen des Bauvorhabens und sämtlichen Einsprache-
punkten auseinandergesetzt. Auch muss die Wilenstrasse nicht noch
einmal vermessen werden, wie die Rekursgegner 1 verlangen. Na-
mentlich im umfassenden und detailreichen Fachbericht des St.Galler
Strasseninspektorats vom 9. Juli 2019 sind alle massgebenden Weg-
strecken vermessen und sowohl fotographisch als auch planerisch
festgehalten.
4.
Die Rekurrenten 2, 3 und 4 bestreiten, dass das Bauvorhaben zonen-
konform sei.
4.1 Die Erteilung einer ordentlichen Baubewilligung setzt zunächst
voraus, dass der geplante Bau dem Zweck der jeweiligen Nutzungs-
zone entspricht (Art. 22 Abs. 2 Bst. a RPG), d.h. das Bauvorhaben
muss zonenkonform sein. Die Landwirtschaftszone dient der langfris-
tigen Sicherung der Ernährungsbasis des Landes, der Erhaltung der
Landschaft und des Erholungsraums oder dem ökologischen Aus-
gleich; sie soll ihren verschiedenen Funktionen entsprechend von
Überbauungen weitgehend freigehalten werden (Art. 16 Abs. 1 RPG).
Zonenkonform sind Bauten und Anlagen, die zur landwirtschaftlichen
Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind
(Art. 16a Abs. 1 RPG). Seit dem 1. September 2007 können in der
Landwirtschaftszone Bauten und Anlagen auf einem Landwirtschafts-
betrieb auch als zonenkonform bewilligt werden, die zur Gewinnung
von Energie aus Biomasse oder für damit im Zusammenhang stehen-
de Kompostanlagen nötig sind, wenn die verarbeitete Biomasse einen
engen Bezug zur Landwirtschaft sowie zum Standortbetrieb hat. Die
Bewilligungen sind mit der Bedingung zu verbinden, dass die Bauten
und Anlagen nur zum bewilligten Zweck verwendet werden dürfen. Der
Bundesrat regelt die Einzelheiten (Art. 16a Abs. 1bis RPG). Dieser hat
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 22/43
in Art. 34a RPV bestimmt, dass Bauten und Anlagen zulässig sind, die
für die Gewinnung von Brenn- oder Treibstoffen nötig sind. Weiter als
zonenkonform gelten Bauten und Anlagen für die wärmegekoppelte
Produktion von Strom aus den gewonnenen Brenn- oder Treibstoffen,
für Leitungen für den Transport der Energie zu geeigneten Abnehmern
sowie für die Zuführung der Biomasse und den Abtransport der nach
der Energiegewinnung anfallenden Stoffe sowie für die Aufbereitung
der zugeführten Biomasse und der nach der Energiegewinnung anfal-
lenden Stoffe. Die verarbeiteten Substrate müssen zu mehr als der
Hälfte ihrer Masse vom Standortbetrieb oder aus Landwirtschaftsbe-
trieben stammen, die innerhalb einer Fahrdistanz von in der Regel
15 km liegen. Dieser Teil muss mindestens zehn Prozent des Energie-
inhalts der gesamten verarbeiteten Substrate ausmachen. Die Quellen
der restlichen Substrate müssen innerhalb einer Fahrdistanz von in
der Regel 50 km liegen. Ausnahmsweise können längere Fahrdistan-
zen bewilligt werden (Art. 34a Abs. 2 RPV). Sodann muss sich die
ganze Anlage dem Landwirtschaftsbetrieb unterordnen und einen Bei-
trag dazu leisten, dass die erneuerbaren Energien effizient genutzt
werden (Art. 34a Abs. 3 RPV). Die Bewilligung darf schliesslich nur er-
teilt werden, wenn die Baute oder Anlage für die in Frage stehende
Bewirtschaftung nötig ist, diesen am vorgesehenen Standort keine
überwiegenden Interessen entgegenstehen und der Betrieb voraus-
sichtlich längerfristig bestehen kann (Art. 34a Abs. 4 RPV i.V.m.
Art. 34 Abs. 4 RPV).
4.2 Rügen sind substantiiert vorzubringen bzw. haben eine Begrün-
dung zu enthalten (Art. 48 Abs. 1 VRP). Eine Begründung ist ausrei-
chend, wenn in der Begründung selbst Argumente vorgebracht wer-
den, nach denen der angefochtene Entscheid auf einer fehlerhaften
Sachverhaltsfeststellung oder Rechtsanwendung beruht. Darüberhin-
aus gilt das Rügeprinzip. Rekurrenten haben demnach im Rekurs
selbst konkret darzutun, in welchen Punkten die Baubewilligung un-
haltbar sein soll. Dies fehlt insbesondere dann, wenn Angaben im Bau-
gesuch lediglich pauschal bestritten werden oder im Rekurs einzig auf
die Eingaben im Einspracheverfahren verwiesen wird. Ohne konkrete
Indizien ist vielmehr davon auszugehen, dass Angaben im Bauge-
suchsformular und in den Plänen stimmen. Dies gilt vorliegend na-
mentlich auch für den UVB, der – wie gesagt – Teil des Baugesuchs
ist und von den Fachstellen AREG und AFU überprüft und für nach-
vollziehbar und plausibel beurteilt worden ist. Gemäss UVB vom
30. März 2016 stammen in der vorliegenden Biogasanlage 89 Prozent
der Biomasse vom eigenen Betrieb oder von Landwirtschaftsbetrieben
aus einer Fahrdistanz von maximal 15 km. Die restlichen biogenen
Stoffe werden von Betrieben zugeführt, die innerhalb einer Fahrdis-
tanz von durchschnittlich 50 km liegen. Die Akquisition wird über die
Biomassebörse unter Berücksichtigung der maximalen Fahrdistanz
von 50 km erfolgen. Im Vordergrund stehen Fruchtsirup der Bischofs-
zell Nahrungsmittel AG und der Traubentrester der Rutishauser Wein-
kellerei AG aus Scherzingen. Der Energieanteil der landwirtschaftli-
chen Substrate macht 59 Prozent der gesamten verarbeiteten Bio-
masse aus. Damit ist den Herkunftsvorschriften gemäss Art. 34a
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 23/43
Abs. 2 RPV genüge getan, auch wenn noch nicht alle Lieferanten der
Co-Substrate verbindlich feststehen. Sodann sind die Verfahrensbe-
teiligten gemäss Auflage Ziffer 4.46 der Baubewilligung vom 20. April
2018 verpflichtet, Fahrtenrapporte einzureichen, die aufzeigen, welche
Substratmengen von welchen Betrieben innerhalb einer Fahrdistanz
von maximal 15 km bzw. 50 km stammen. Die Fahrtenrapporte sind
der Vorinstanz jeweils innert fünf Tagen nach Monatsende unaufge-
fordert einzureichen. Inwiefern die Anforderung der Fahrtenrapporte
nicht justiziabel sein soll, wird weder substantiiert noch ist dies sonst
erkennbar. Damit ist entgegen der Auffassung der Rekurrenten 2, 3
und 4 gewährleistet, dass die Einhaltung der Vorgaben von der Bau-
behörde gemäss Art. 34a Abs. 2 RPV auch überprüft und durchgesetzt
wird. Bei Missachtung dieser Auflage stehen der Vorinstanz Verwal-
tungszwangsmassnahmen nach Art. 159 PBG zur Verfügung und zu-
dem kann fehlbares Verhalten auch strafrechtlich geahndet werden
(Art. 162 Bst. b PBG). Überdies wurden mit der Baubewilligung ge-
mäss Auflage Ziffer 4.2 zur Sicherstellung der Zweckbestimmung der
Biogasanlage und zur Sicherung des Widerrufsvorbehalts die im
Grundbuch anzumerkenden öffentlichen Eigentumsbeschränkungen
"Zweckänderungsverbot betreffend Biogasanlage nach RPV" und der
"Abbruch der Biogasanlage" angeordnet.
4.3 Mit Blick auf die bestehende Betriebsstruktur (40 ha landwirt-
schaftliche Nutzfläche, 76,6 GVE Pouletmast, 40 GVE Milchvieh,
10 GVE Kälbermast) ist die Anlage korrekt dimensioniert, fallen ge-
mäss UVB auf dem Standortbetrieb doch jährlich 2'870 t hofeigene Bi-
omasse an, die einer Gesamtsubstratmenge von 5'510 Jt. gegenüber-
stehen. Die Anlage ist in den Landwirtschaftsbetrieb integriert und zu-
sätzlicher Personaleinsatz ist nach der ergänzenden Dokumentation
zum Baugesuch nicht nötig. Damit entsteht bei einer Gesamtbetrach-
tung auch nicht der Eindruck, dass mit der Biogasanlage ein eigestän-
diger, nichtlandwirtschaftlicher Betriebsteil entstehe. Gemäss Finanz-
planung vermag der Betrieb mit einer jährlichen Gasproduktion von
rund 495'000 m3 Überschüsse zu erwirtschaften, weshalb auch das
Erfordernis eines voraussichtlich längerfristigen Bestehens des Be-
triebs erfüllt ist, was die Rekurrenten 2, 3 und 4 nicht substantiiert be-
streiten. Ein weiteres Indiz für die Rentabilität der Anlage ist, dass die
Landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft am 12. Mai 2017 für deren
Bau einen Investitionskredit in Aussicht gestellt hat, was sie nicht ohne
vorgängige Rentabilitätsprüfung macht. Aus den Unterlagen ergibt
sich aber auch, dass die geplante Biogasanlage dem Landwirtschafts-
betrieb wirtschaftlich bzw. renditemässig untergeordnet bleibt (vgl.
zum Ganzen VLP-ASPAN [heute EspaceSuisse], Raum & Umwelt, Juli
Nr. 4/10, Energiegewinnung aus Biomasse, Ziff. 3). Die Interessenab-
wägung des AREG hat weiter aufgezeigt, dass sich die Neuanlage
auch räumlich unterordnet: Die Bauten und Anlagen sind kompakt bei-
einander hinter dem Geflügelmaststall angeordnet. Ein Büro und das
Holzschnitzellager werden innerhalb der bestehenden Gebäude unter-
gebracht. Fermenter, Nachgärer und die Fahrsilos sind teilweise erd-
berührt und erscheinen nur bis auf eine Höhe von rund 2,5 m über dem
Boden. Weil die Fruchtfolgefläche bis unmittelbar an die bestehenden
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 24/43
Hofgebäude reicht, muss diese überbaut werden, mit Blick auf die vor-
genommene Interessenabwägung ist dies im vorliegenden Umfang
aber vertretbar (vgl. dazu Richtplan des Kantons St.Gallen vom 24.
April 2001, Natur und Landschaft, V 11, S. 3). Auch sieht die kantonale
Denkmalpflege keine Beeinträchtigung der vorliegenden Kulturland-
schaft, zumal die Biogasanlage (knapp) ausserhalb des Ortsbild-
schutzgebiets OS A zu liegen kommt. Die entsprechenden Empfeh-
lungen zur Materialisierung, Farbgebung und Detailgestaltung hat die
Baubehörde in der Auflage Ziffer 4.3 aufgenommen. Insgesamt er-
weist sich die geplante Anlage daher als zonenkonform. Somit besteht
auch kein Anspruch darauf, dass Alternativstandorte geprüft werden.
5.
Die Rekurrenten 2, 3 und 4 machen sodann geltend, die Biogasanlage
verstosse gegen gewässerschutz- und umweltschutzrechtliche Best-
immungen. Weiter wird geltend gemacht, dass der UVB keine konkre-
ten Massnahmen bei Störfällen und Betriebsunterbrüchen vorsehe.
5.1 Nach Art. 24 des Vollzugsgesetzes zur eidgenössischen Ge-
wässerschutzgesetzgebung (sGS 752.2) vollzieht die zuständige
Stelle des Kantons die Vorschriften über Betriebe mit Nutztierhaltung.
Diese Vorschriften finden sich insbesondere im Art. 14 des eidgenös-
sischen Gewässerschutzgesetzes (SR 814.20; abgekürzt GSchG) so-
wie in den Art. 22 bis 25 und 28 der eidgenössischen Gewässerschutz-
verordnung (SR 814.201; abgekürzt GSchV). Gemäss Art. 15 Abs. 1
GSchG haben die Inhaber von Lagereinrichtungen und technischen
Aufbereitungsanlagen für Hofdünger und flüssigem Gärgut sowie von
Raufuttersilos dafür zu sorgen, dass diese sachgemäss erstellt wer-
den. Wesentliche Voraussetzung für ein zuverlässiges Funktionieren
der Anlagen ist ihre mängelfreie Erstellung. Materialwahl und Kon-
struktion müssen den anerkannten Regeln der Technik entsprechen.
Mit Bezug auf die Bautechnik ist auf die anerkannten Regeln der Bau-
kunde abzustellen.
5.1.1 Das nicht verschmutzte Abwasser der Asphaltplätze und Zufahr-
ten sowie das Dachwasser wird einer neuen Versickerungsanlage zu-
geführt oder über die belebte Bodenschicht versickert. Das ver-
schmutzte Abwasser aus dem überdachten Substratlager und das ver-
schmutzte Abwasser beim Betriebsgebäude wird dem erdverlegten
Endlager zugeführt. Diese Anforderungen werden damit vorliegend
gemäss Verfügung über Gewässer- und Umweltschutzmassnahmen
des AFU vom 15. Juni 2017 erfüllt.
5.1.2 Das Bauvorhaben liegt im Gewässerschutzbereich Au. Der Ge-
wässerschutzbereich Au umfasst die nutzbaren unterirdischen Gewäs-
ser und die zu ihrem Schutz notwendigen Randgebiete. Nutzbar
heisst, dass das Grundwasser in einer erheblichen Menge gefördert
werden könnte und dass die Anforderungen an Trinkwasserqualität –
gegebenenfalls nach einem einfachen Aufbereitungsverfahren – erfüllt
sind. Im Gewässerschutzbereich Au bedürfen sämtliche Anlagen, Bau-
ten und Tätigkeiten (Erdbewegungen, Grabungen), welche Gewässer
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 25/43
gefährden können, einer kantonalen Bewilligung (Art. 32 GSchV, Weg-
leitung des BAFU, 2004).
5.1.3 Der Grundwasserspiegel des nutzbaren Grundwasserleiters
liegt im betroffenen Gebiet etwa 15 m unter der Terrainoberfläche (vgl.
Hydrogeologisches Gutachten der Büchi und Müller AG vom 9. März
1989, erstellt im Auftrag des Kantons Thurgau). Die hydrogeologi-
schen Untersuchungen (Bericht Rüegger + Flum AG, St.Gallen, vom
14. April 2016) bestätigen, dass das Bauvorhaben innerhalb der
schlecht durchlässigen Deckschicht (gemäss Baggerschlitz Schwem-
mablagerungen und Moräne) zu liegen kommt, die jedoch zu einem
grossen Teil wassergesättigt sein kann (gemäss drei Wasserstand-
messungen Anfang April 2016 bis 0,9 m UKT). Die Fliessrichtung des
Wassers in der Deckschicht ist nicht bekannt (nur eine Messstelle). Es
muss angenommen werden, dass das Wasser in der Deckschicht dem
Gefälle der Terrainoberfläche folgt oder entlang von Schichtgrenzen.
Aus diesem Grund hat das AFU verfügt, dass die Umströmung des
Baukörpers durch eine geeignete Materialwahl bei der Hinterfüllung
der Baugrube sichergestellt wird und der Baukörper bis OK Terrain
dicht ausgeführt wird. Gemäss bautechnischer Beurteilung durch das
zuständige AFU entsprechen die gewässerschutzrelevanten Anlagen
den Vorschriften, womit eine Gefährdung der Trinkwassernutzung
ausgeschlossen werde. Dementsprechend erteilte es am 15. Juni
2017 die entsprechende Bewilligung für Bauten und Anlagen in beson-
ders gefährdeten Bereichen (Ziff. 6). Demgegenüber fehlt die entspre-
chende gewässerschutzrechtliche Bewilligung in Bezug auf das Bau-
gebiet im Kanton Thurgau, weshalb das Departement für Bau und Um-
welt die dort parallel zu diesem Verfahren hängigen Rekurse unter an-
derem gutheisst. Auf eine Rückweisung an die Vorinstanzen zur Ein-
holung der fehlenden Bewilligung verzichtet es deshalb, weil die Bau-
bewilligung für das Bauprojekt wegen mangelhafter Erschliessung oh-
nehin aufgehoben werden muss, wie nachfolgend zu zeigen sein wird.
5.1.4 Was die temporäre Gülleleitung auf dem Hoheitsgebiet des Kan-
tons Thurgau betrifft, ist festzuhalten, dass eine solche im Gewässer-
schutzbereich Au nicht per se verboten ist. Zudem darf davon ausge-
gangen werden, dass bei der Verlegung, beim Gebrauch und Abbau
der Schläuche mit der gebotenen Sorgfalt (Art. 3 GSchG) vorgegan-
gen wird. Da die temporäre Gülleleitung somit keine Gefahr für das
Grundwasser darstellt, ist sie nicht bewilligungspflichtig im Sinn von
Art. 19 Abs. 2 GSchG, weshalb die Thurgauer Behörden zum Schluss
gekommen sind, dass der oberirdischen Leitung, die nach Gebrauch
wieder entfernt wird, keine gewässerschutzrechtlichen Hindernisse
entgegenstehen. Dem ist beizupflichten.
5.1.5 Ebenfalls von den Thurgauer Behörden zu beurteilen ist die
neue Hofzufahrt auf ihrem Hoheitsgebiet, soweit diese gewässer-
schutzrechtlich relevant ist. Gemäss § 34 Abs. 2 des Gesetzes über
den Wasserbau und den Schutz vor gravitativen Naturgefahren
(RB 721.1; abgekürzt WBSNG) wird bei eingedolten Gewässern auf
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 26/43
die Festlegung eines Gewässerraums verzichtet, soweit keine über-
wiegenden Interessen entgegenstehen. Das Thurgauer Amt für Um-
welt erkennt vorliegend keine überwiegenden Interessen für die Fest-
legung eines Gewässerraums für den von der geplanten Hofzufahrt
betroffenen eingedolten Bachabschnitt. Demzufolge ist davon auszu-
gehen, dass für den Haselbach in diesem Abschnitt auch kein Gewäs-
serraum auszuscheiden ist, weshalb die gewässerraumrechtlichen
Bestimmungen nicht zum Tragen kommen. Auch ist nicht erkennbar,
inwiefern die Zufahrtsstrasse eine künftige Bachöffnung und Naturali-
sierung beeinträchtigen könnte, wie geltend gemacht wird, zumal die
Eindolung lediglich an einer Stelle von der 3 m breiten Strasse gequert
wird. Das Gleiche gilt für den bewilligten Eingriff ins Hochwasserprofil.
Nachdem das Thurgauer AFU festgestellt hat, dass von der geplanten
Strasse keine nachteiligen Auswirkungen auf die Bachdole zu erwar-
ten seien, wäre es vielmehr an den Rekurrenten gewesen, sich konk-
ret damit auseinanderzusetzen, warum die entsprechende Bewilligung
in diesem Punkt falsch sein soll. Im Weiteren darf davon ausgegangen
werden, dass die Strasse nach der Regel der Baukunde erstellt, d.h.
die Querung der Eindolung so ausgeführt wird, dass die Bachleitung
durch den Bau und die Benützung der Strasse nicht beschädigt wird.
Weiter ergibt sich infolge der geplanten Querung der Eindolung keine
Hochwasserproblematik. Demzufolge erkennt das Departement für
Bau und Umwelt zu Recht keine wasserpolizeilichen Interessen, die
gegen die Erteilung des Eingriffs ins Hochwasserprofil sprechen wür-
den.
5.2 Nach Art. 3 und 7 der eidgenössischen Luftreinhalte-Verord-
nung (SR 814.318.142.1; abgekürzt LRV) müssen neue und beste-
hende stationäre Anlagen so ausgerüstet und betrieben werden, dass
sie die im Anhang der LRV festgelegten vorsorglichen Emissionsbe-
grenzungen einhalten. Emissionen, für die diese Verordnung keine
Emissionsbegrenzung festlegt oder eine bestimmte Begrenzung als
nicht anwendbar erklärt, sind von der Behörde vorsorglich so weit zu
begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaft-
lich tragbar ist. Technisch und betrieblich möglich sind Massnahmen
zur Emissionsbegrenzung, die bei vergleichbaren Anlagen im In- oder
Ausland erfolgreich erprobt sind oder bei Versuchen erfolgreich einge-
setzt wurden und nach den Regeln der Technik auf andere Anlagen
übertragen werden können (Art. 4 LRV).
5.2.1 Für Geruchsemissionen legt die LRV keine Emissionsbegren-
zungen fest. Aus diesem Grund hat das BUWAL (heute: Bundesamt
für Umwelt BAFU) im Jahr 1989 einen Expertenbericht „Grundlagen
zur Beurteilung von Geruchsproblemen“ herausgegeben. Darin sind
Empfehlungen für vorsorgliche Emissionsbegrenzungen enthalten,
insbesondere Angaben zu Mindestabständen. In Weiterentwicklung
dieser Empfehlung stellt das BAFU den Vollzugsbehörden den Ent-
wurf einer Empfehlung zur Beurteilung von Gerüchen zur Verfügung
(nachfolgend BAFU-Geruchsempfehlung 2015). Dieser Entwurf bildet
die bisherigen Erkenntnisse hinsichtlich Geruchsbeurteilung ab. Die im
Entwurf vorliegende BAFU-Geruchsempfehlung 2015 zeigt auf, wie
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 27/43
mit standardisierten Verfahren methodisch erfasst werden kann, ob
die von einer Anlage verursachten Geruchsimmissionen übermässig
im Sinn der LRV sind. Sie ist für die Beurteilung von Geruchsemissio-
nen und Geruchsimmissionen bei neuen und bestehenden stationären
Anlagen anwendbar und richtet sich in erster Linie an kantonale und
kommunale Vollzugsbehörden.
5.2.2 Bei der vorliegend zu beurteilenden Biogasanlage handelt es
sich um eine Nassvergärungsanlage. Darin sollen landwirtschaftliche
Substrate wie Mist von Legehennen, Mastpoulets und Kälbern, Rin-
der- und Schweinegülle sowie landwirtschaftliche Nebenprodukte wie
Weideputz, Stroh und Zwischenfrucht vergärt werden. Zusätzlich sol-
len je nach Erhältlichkeit Co-Substrate wie Fruchtsirup, Traubentres-
ter, Permeat, Flotatschlamm, Getreideabgang und Glycerin zugeführt
und vergärt werden. Im Allgemeinen werden Gärprozesse geruchlich
als unangenehm empfunden. Dementsprechend ist bei der Beurtei-
lung von Biogasanlagen der Bereich Luftreinhaltung bei allen Behand-
lungsschritten bzw. Anlageteilen zu berücksichtigen. Vorliegend kön-
nen Geruchsemissionen insbesondere bei der Anlieferung auftreten,
falls das Substrat nicht mehr ganz frisch ist, sondern bereits zu gären
begonnen hat. Dementsprechend hat das AFU am 15. Juni 2017 ver-
fügt, dass die Anlieferung ohne Wartezeiten entweder direkt in den
Annahmetank oder in die geschlossene Substratlagerhalle, deren Ab-
luft über Dach geführt wird, oder in den Fahrsilo zu erfolgen hat. Die
Gülle wird durch Leitungen direkt zugeführt. Der Gärprozess (Vor-
grube, Fermenter und Nachgärer) muss deshalb vollständig geschlos-
sen und abgedichtet erfolgen.
5.2.3 Für Biogasanlagen bestehen in der Schweiz weder rechtsver-
bindliche Emissionsgrenzwerte noch Abstandsvorschriften. In der
oben erwähnten BAFU-Geruchsempfehlung 2015 sind Beurteilungs-
kriterien, Modellrechnungen und Messstrategien enthalten. Inhaltlich
orientiert sich die Geruchsempfehlung an anderen europäischen
Richtlinien. Insbesondere sind darin die einschlägigen VDI-Richtlinien
und DIN-Normen berücksichtigt. Im Rahmen der Bewertung von Ge-
ruchsemissionen äussert sich die Geruchsempfehlung auch zu Min-
destabständen: Im Bereich von Geruchsstoffkonzentrationen bis zu
300 GE/m3 werden keine übermässigen Geruchsimmissionen erwar-
tet, wenn die Geruchsstoffe entweder gefasst und über Kamin abge-
leitet werden oder die Distanz zu Wohngebieten mehr als 300 m be-
trägt oder das Belästigungspotenzial klein ist. Bei Geruchsstoffkon-
zentrationen zwischen 300 und 1'000 GE/m3 wird ein höherer Kamin
oder eine Distanz zu Wohngebieten von mehr als 600 m empfohlen
(vgl. BAFU-Geruchsempfehlung 2015, Anh. A4.6).
5.2.4 Zur nächstgelegenen Bauzone auf dem Gebiet der Gemeinde
X._ (Wohn-Arbeitszone in W._) wird ein Abstand von rund 380 m
eingehalten. Die Grundstücke in der Wohnzone liegen mehr als 400 m
von der geplanten Anlage entfernt. Aufgrund dieser Entfernung ist ge-
stützt auf die Geruchsempfehlung davon auszugehen, dass bei Ge-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 28/43
ruchsstoffkonzentrationen bis zu 300 GE/m3 keine übermässigen Ge-
ruchsimmissionen auftreten werden. Der Weiler Wilen selbst liegt in
der Landwirtschaftszone. Der Abstand des Wohnhauses der Rekur-
renten 2 und 3 zur geplanten Anlage beträgt rund 200 Meter. Die
Durchsatzleistung der geplanten Anlage beträgt 15 t pro Tag. Es han-
delt sich mithin um eine vergleichsweise kleine Anlage, in der gemäss
Baugesuch keine hinsichtlich Geruch hochproblematischen Co-Sub-
strate wie Gastroabfälle oder Metzgereiabfälle vergärt werden (dür-
fen). Sollte dies ändern, wäre ein entsprechendes Änderungsgesuch
zu prüfen. Somit ist es vertretbar, dass bei der Beurteilung des prog-
nostizierten Geruchs derjenige des rechtskräftig bewilligten benach-
barten Hühnermaststalls ausser Acht gelassen wurde, zumal die ge-
ruchsrelevante Schweinegülle mittels temporärer Gülleleitungen vom
östlichen Nachbarhof in W._ zugeführt und via Güllegrube direkt in
den Fermenter geleitet wird. Durch diese Art der Zuführung werden
Geruchsemissionen bereits derart minimiert, dass keine weiteren Mas-
snahmen verfügt werden können. Die Abluft der Substratlagerhalle
wird gefasst und über Dach geführt, wo die Abluft erfahrungsgemäss
verwirbelt und verdünnt und schliesslich in höheren Luftschichten ab-
transportiert wird.
5.2.5 Das Umweltschutzgesetz ist kein Verhinderungs-, sondern ein
Massnahmengesetz. Seinem Konzept nach stellt es die Quellen der
Umweltbelastung nicht als solche in Frage. Die Nachfrage soll nicht
untersagt, sondern vielmehr befriedigt werden, wobei aber gleichzeitig
die den Umweltschutzanforderungen entsprechenden Vorkehren ge-
troffen werden sollen (vgl. BGE 116 Ib 159 Erw. 6b). Dementspre-
chend hat das AFU am 15. Juni 2017 nebst betrieblichen Massnahmen
eine maximale Geruchsstoffkonzentration von 300 GE/m3 sowie eine
Ableitung über Dach angeordnet. Damit sind nach dem Gesagten im
Wohngebiet von W._ keine übermässigen Geruchsimmissionen zu
erwarten. Im Weiler Wilen selbst sowie in den Wohnhäusern entlang
der ZZ._strasse gelten hinsichtlich Gerüchen weniger strenge An-
forderungen, da diese Wohnbauten selbst in der Landwirtschaftszone
liegen. Praxisgemäss werden hier die Vorschriften zu den Mindestab-
ständen bei Tierhaltungsanlagen gemäss FAT-Richtlinie hinzugezo-
gen, zumal bei der vorliegend geplanten Biogasanlage die massgebli-
chen Substrate landwirtschaftlichen Ursprungs sind und Landwirt-
schaftszonen nicht als bewohnte Zonen gelten (Urteil des Bundesge-
richtes 1C_260/2016 vom 6. Juni 2017 Erw. 2.3). Gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung zur FAT-Richtlinie gelten in der Landwirt-
schaftszone um die Hälfte geringere Abstände als zu Wohnzonen (vgl.
Urteil des Bundesgerichtes 1A.58/2001 vom 11. November 2001
Erw. 2.b sowie BGE 126 II 34 Erw. 4 mit Hinweisen). Innerhalb der
Landwirtschaftszone wird somit klar eine höhere Belastung zugemu-
tet. Wer sich in der Landwirtschaftszone niederlässt, muss mithin mit
solchen landwirtschaftstypischen Gerüchen rechnen. Indessen sind
auch seitens Landwirtschaft die möglichen vorsorglichen Massnah-
men zur Minderung von Emissionen zu treffen. Dementsprechend
wurden in der Verfügung des AFU vom 15. Juni 2017 nebst betriebli-
cher Vorschriften eine maximale Geruchsstoffkonzentration von
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 29/43
300 GE/m3 sowie eine Fassung der Abluft der Substratlagerhalle und
deren Ableitung über Dach vorgeschrieben.
5.2.6 Trotz Nachachtung des Vorsorgeprinzips kann nicht ausge-
schlossen werden, dass im Bereich des Weilers ZZ._ zeitweise Ge-
ruchsimmissionen auftreten können. Nach dem Gesagten sind diese
aber in der Landwirtschaftszone zu dulden. Der in der Verfügung über
Umweltschutzmassnahmen verfügte Wert von 300 GE/m3 ist einhalt-
bar, wenn das Rohgas höchstens 3'000 GE/m3 aufweist. Wird dieser
Wert nicht eingehalten, muss je nach Mass der Überschreitung eine
Reinigungsstufe wie z.B. ein Biofilter oder ein Biowäscher nachge-
schaltet oder das Abluftkamin erhöht werden. Zudem können die
Emissionen durch den Verzicht auf bestimmte Substrate verringert
werden. Erfahrungsgemäss würde sich eine allfällige Geruchsproble-
matik im Wesentlichen auf die Substratlagerhalle beschränken. Des-
halb ist in Ziffer 19 der Verfügung über Umweltschutzmassnahmen
festgehalten, dass die Halle in einem solchen Fall mit geeigneten Mas-
snahmen abzudichten und die Abluft einer Reinigung zu unterziehen
sei.
5.2.7 Um den speziellen Gegebenheiten vor Ort (Gelände) Rechnung
zu tragen, wurde zusätzlich der Kaltluftabfluss untersucht. Dieser kann
vorwiegend in milden Monaten bei bestimmten Wetterlagen morgens
und abends auftreten. Das Büro iMA, Richter & Röckle, kam gemäss
Gutachten vom 5. April 2016 zum Schluss, dass der Kaltluftabfluss
südlich des benachbarten Landwirtschaftsbetriebs im Osten vorbei
und in Richtung Südwestrand von W._ ströme, worauf die Kaltluft
bei geringen Mächtigkeiten gegen Osten hinabfliesse. Mit zunehmen-
der Kaltlufthöhe werde W._ überströmt und kaum mehr umströmt.
Dies bedeutet, dass am südwestlichsten Rand von W._ im Rahmen
des Kaltluftabflusses vereinzelt Gerüche wahrgenommen werden
könnten. Der Mittelwert liegt gemäss Gutachten indessen klar unter
der Wahrnehmbarkeitsschwelle von 1 GE/m3. Die Wahrscheinlichkeit
einer Geruchswahrnehmung in W._ ist somit sehr gering. Zudem
wurde im Gutachten die Bepflanzung mit Niederstammobstbäumen
nicht berücksichtigt, die den Geruch noch weiter mindern. Weil aber
die aufgrund des Betriebs einer Biogasanlage zu erwartenden Immis-
sionen sich nicht mit absoluter Sicherheit beurteilen lassen, wurde ver-
fügt, dass bei für die Behörden nachvollziehbaren Klagen aus der Be-
völkerung eine Begehung gemäss Anhang A3 der BAFU-Geruchs-
empfehlung 2015 durchzuführen wäre (vgl. Ziff. 30 der Verfügung über
Umweltschutzmassnahmen). Insgesamt ergibt sich, dass die Emissio-
nen der geplanten Biogasanlage bei konsequenter Einhaltung der ver-
fügten technischen und betrieblichen Massnahmen derart beschränkt
werden können, dass in der Umgebung nicht mit übermässigen Ge-
ruchsimmissionen zu rechnen ist. Daran ändert nichts, dass der be-
nachbarte Hühnermaststall ebenfalls geruchsrelevant und allenfalls
seinerseits massnahmebedürftig ist. Allein aus dem Hinweis des AFU,
dass für den Fall, dass wider Erwarten doch lästige Gerüche auftreten
sollten, eine Begehung stattzufinden habe, können die Rekurrenten 2,
3 und 4 nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 30/43
5.3 Die Rekurrenten 2, 3 und 4 zweifeln den UVB insofern an, als
dieser von lediglich vier bzw. fünf Anlieferungen/Abtransporten pro
Woche ausgeht. Ihren Befürchtungen zufolge werde es wesentlich
mehr Mehrverkehr und damit mehr Strassenlärm geben.
5.3.1 Vorab ist daran zu erinnern, dass der Bauherr mit seinem Bau-
gesuch bestimmt, ob und in welchem Umfang ein baubewilligungs-
pflichtiger Sachverhalt bewilligt werden soll. Sollte er die Anlage so-
dann anders als bewilligt nutzen wollen, hätte er dafür ein neues Bau-
gesuch einzureichen. Käme er der entsprechenden Aufforderung nicht
nach, für eine bauliche Änderung oder vorgenommene bewilligungs-
pflichtige Nutzungsänderung ein Baugesuch nachzureichen, wäre von
Amtes wegen ein Nutzungsverbot zu prüfen sowie ein Wiederherstel-
lungsverfahren einzuleiten (VerwGE B 2012/143 vom 24. Januar 2013
Erw. 4.1.1). Wie bereits ausgeführt, bildet der UVB Teil des Bauge-
suchs. Dieses wurde von den zuständigen Fachstellen AREG und
AFU überprüft und für nachvollziehbar und plausibel beurteilt. Sollte
die Kapazität erhöht oder sonst von der bewilligten Nutzung der An-
lage abgewichen werden, wäre dafür vorgängig ein weiteres Bauge-
such nötig. Mit der angefochtenen Bewilligung ist sodann auflage-
weise sichergestellt, dass die Anlage nicht zweckentfremdet genutzt
und bei Aufgabe der zonenkonformen Nutzung wieder abgebrochen
wird.
5.3.2 Die Landwirtschaftszone weist die Lärmempfindlichkeitsstufe III
auf (Art. 43 Abs. 1 Bst. c der eidgenössischen Lärmschutz-Verord-
nung [SR 814.41; abgekürzt LSV] in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 des
Einführungsgesetzes zum eidgenössischen Umweltschutzgesetz
[sGS 672.1]). Hier gelten für den Strassenverkehrslärm die massge-
blichen Planungsgrenzwerte von 60 dB(A) während des Tages und
50 dB(A) während der Nacht (Ziff. 2 des Anhangs 3 zur LSV). Die An-
lieferung und der Abtransport von Biomasse ist mit der Baubewilligung
auflageweise auf den Vor- und Nachmittag beschränkt. Da rund
150 Lastwagenfahrten pro Tag notwendig wären, damit die geltenden
Planungsgrenzwerte während des Tages erreicht würden, erübrigen
sich weitere Ausführungen zum Verkehrslärm, zumal es sich vorlie-
gend um eine schmale Strasse mit allgemeinem Fahrverbot handelt.
In den relevanten Grössenbereich kommt man hier somit nicht annä-
hernd, selbst wenn der UVB die Leerfahrten unberücksichtigt gelassen
hat.
5.4 Art. 10 Abs. 1 USG bestimmt, dass bei Anlagen, die bei ausser-
ordentlichen Ereignissen den Menschen oder seine Umwelt schwer
schädigen können, die zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt
notwendigen Massnahmen zu treffen sind. Insbesondere sind die ge-
eigneten Standorte zu wählen, die erforderlichen Sicherheitsabstände
einzuhalten, technische Sicherheitsvorkehren zu treffen sowie die
Überwachung des Betriebs und die Alarmorganisation zu gewährleis-
ten. Der Bundesrat hat den Katastrophenschutz nach Art. 10 USG in
der eidgenössischen Störfallverordnung (SR 814.012; abgekürzt
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 31/43
StFV) konkretisiert. Inhaber einer Anlage, die der Störfallverordnung
unterstellt ist, sind gemäss Art. 3 StFV verpflichtet, die geeigneten
Massnahmen zur Verhinderung von Störfällen vorzukehren.
5.4.1 Unter die Störfallverordnung fallen nach Art. 1 Abs. 2 Bst. a StFV
Betriebe, in denen die Mengenschwellen für Stoffe, Zubereitungen o-
der Sonderabfälle nach Anhang 1.1 überschritten werden. Die Men-
genschwellen für Stoffe und Zubereitungen werden auf Grund ihrer Ei-
genschaften gemäss den Kriterien zur Ermittlung der Mengenschwel-
len (Anh. 1.1 Ziff. 4 StFV) bestimmt, die auf den Vorgaben der EU-
CLP-Verordnung Nr. 1272/2008 basieren. Biogas enthält u.a. das
brennbare Methan (CH4) und den toxischen Schwefelwasserstoff
(H2S). Gemäss Richtlinie „Mengenschwellen gemäss Störfallverord-
nung“ (2. aktualisierte Ausgabe, Mai 2015) des BAFU liegt die Men-
genschwelle für CH4 bei 20‘000 kg und für H2S bei 200 kg.
5.4.2 Laut UVB hat eine landwirtschaftliche Biogasanlage grundsätz-
lich kein genügend grosses Gefahrenpotential für eine schwere Schä-
digung der Bevölkerung oder der Umwelt. Konkret weist der Nachgä-
rertank, worin sich der Gasspeicher befindet, ein Nettovolumen von
1'400 m3 auf. Damit steht bereits fest, dass die massgebliche Mengen-
schwelle für Methan und Schwefelwasserstoff bei Weitem nicht er-
reicht wird, zumal der Anteil an H2S im Biogas maximal 0.03 kg/m3
beträgt. Die Anlage birgt somit kein Gefahrenpotential im Sinn von
Art. 10 Abs. 1 USG in sich, weshalb der UVB die Störfallvorsorge nicht
abhandeln bzw. diesbezüglich keine Massnahmen aufzeigen muss.
6.
Die Rekurrenten 2, 3 und 4 bestreiten sodann, dass die geplante Bio-
gasanlage über eine hinreichende strassenmässige Erschliessung
verfüge.
6.1 Nach Art. 22 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 Bst. b RPG setzt
die Erteilung einer Baubewilligung für das Errichten oder Ändern von
Bauten und Anlagen voraus, dass das Land erschlossen ist. Nach
Art. 19 Abs. 1 RPG muss die für die betreffende Nutzung hinreichende
Zufahrt bestehen. Da das Bundesrecht nur allgemeine Grundsätze
enthält, ergeben sich die Anforderungen an die Erschliessung im De-
tail aus dem kantonalen Recht (B. HEER, St.Gallisches Bau- und Pla-
nungsrecht, Bern 2003, N 508). Nach Art. 67 Abs. 1 Bst. a PBG ist
Land erschlossen, wenn es unter anderem über hinreichende Zu- und
Wegfahrten verfügt. Eine Zufahrt ist dann als hinreichend zu betrach-
ten, wenn sie tatsächlich so beschaffen ist, dass sie bau- und ver-
kehrstechnisch der bestehenden und der geplanten Überbauung ge-
nügt, den zu erwartenden Fahrzeugen und Fussgängern sicheren
Weg bietet und von den öffentlichen Diensten (namentlich Feuerwehr,
Sanität, Kehrichtabfuhr und Schneeräumung) ungehindert benützt
werden kann und – wenn sie über fremdes Grundeigentum führt –
rechtlich gesichert ist (vgl. HEER, a.a.O., N 513). Weitergehende Kon-
kretisierungen insbesondere hinsichtlich der Dimensionierung der
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 32/43
Strassen hat das st.gallische Recht nicht getroffen. Soweit dem kan-
tonalen Recht keine besonderen Regeln zu entnehmen sind, darf für
die Auslegung und Anwendung von Art. 67 Abs. 1 Bst. a PBG auf den
Gehalt von Art. 19 Abs. 1 RPG abgestellt werden (VerwGE B 2012/216
vom 22. Mai 2013 Erw. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
6.2 Im Baugebiet gilt eine Zufahrt in der Regel dann als hinreichend,
wenn sie auf die Baumöglichkeiten abgestimmt ist, die nach der Zo-
nenordnung in dem über diese Zufahrt zu erschliessenden Gebiet be-
stehen. Strassen, die der Erschliessung von Wohngebieten dienen,
müssen ein gefahrloses Kreuzen von Fahrzeugen ermöglichen und
genügend Raum für Fussgänger und Radfahrer freilassen. Nicht un-
bedingt erforderlich ist jedoch, dass Kreuzungsmanöver zwischen Mo-
torfahrzeugen auf der ganzen Strecke möglich sind. Unter Umständen
genügen zweckmässig angeordnete Kreuzungsstellen (GVP 1988
Nr. 97; HEER, a.a.O., N 508 ff.; Baudepartement SG, Juristische Mit-
teilungen 2010/II/2 und 2005/II/19). Bei der strassenmässigen Er-
schliessung ausserhalb der Bauzone ist ein Ausbau der Zufahrten
dann zu vermeiden, wenn diese vorwiegend nichtlandwirtschaftlichen
Bauten dienen und diese zu Fuss hinreichend erschlossen sind. Ein
nach Art. 16a RPG nötiger Zugang kann aber mehr als nur hinreichend
im Sinn von Art. 19 Abs. 1 RPG sein. Mit dieser Überlegung soll eine
Modernisierung der Erschliessung in der Landwirtschaftszone (z.B.
Asphaltierung) nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden (E. JEAN-
NERAT in: Aemissegger/Moor/Ruch/Tschannen [Hrsg.], Praxiskom-
mentar RPG: Nutzungsplanung, Zürich/Basel/Genf 2016, N 23 zu
Art. 19 RPG).
6.3 Ob eine Zufahrt die technischen Anforderungen im konkreten
Fall erfüllt, hängt somit von zahlreichen Faktoren ab, die je nach Ort
unterschiedlich sein können. Dazu gehören nicht nur die Besonderheit
des Geländes und der Verlauf der Zufahrt (wie Breite, Länge, Belag,
Gefälle), sondern auch deren Frequentierung. Die zuständigen Behör-
den verfügen in diesem Sinn über einen grossen Ermessensspiel-
raum. Mit Blick darauf ergeben sich die konkreten Anforderungen an
die Zufahrt häufig aus technischen Normen, namentlich der Vereini-
gung Schweizerischer Strassen- und Verkehrsfachleute (sogenannte
VSS-Normen). Soweit das Gesetz nicht ausdrücklich auf VSS-Normen
verweist, sind diese nicht direkt anwendbar, sondern im Sinn einer Ori-
entierungshilfe zu berücksichtigen. Namentlich sind sie nicht schema-
tisch und starr, sondern verhältnismässig und unter Berücksichtigung
der örtlichen Verhältnisse anzuwenden, wobei den zuständigen Be-
hörden auch insoweit ein erheblicher Spielraum zusteht (zum Ganzen:
BGE 136 III 130 Erw. 3.3.2). Eine Zufahrt darf auch nicht bloss auf das
letzte Wegstück geprüft werden, die Erschliessung muss vielmehr in
ihrer Gesamtheit gegeben sein (JEANNERAT, a.a.O., N 26 ff. zu Art. 19
RPG).
6.4 Das kantonale Strasseninspektorat des Tiefbauamtes hat vorlie-
gend mehrmals dazu Stellung genommen, ob die Zufahrt zur geplan-
ten Anlage den technischen Anforderungen genüge oder nicht:
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 33/43
6.4.1 In seinem ersten ausführlichen Mitbericht vom 26. Oktober 2018
hielt es zunächst fest, dass der massgebliche Strassenabschnitt von
V._ her auf einer Länge von rund 1,3 km ein durchschnittliches Ge-
fälle von etwa zwei Prozent aufweise (maximal etwa fünf Prozent auf
rund 120 m) und etwa 3,1 m bis 3,3 m (Gemeinde V._) bzw. 4 m
(Gemeinden Z._ und X._) breit sei. An diversen Stellen (Seiten-
strassen, Hofzufahrten, Bahnunterführung) werde die Fahrbahn lokal
aufgeweitet. Bei der ZZ._strasse handle es sich gemäss VSS-Norm
SN 640 040b "Projektierung Grundlagen" um eine Verbindungs- und
Erschliessungsstrasse in einem untergeordneten Netz ausserhalb des
Siedlungsgebiets. Diese Strassen dienten auf Gemeindeebene der
land- und forstwirtschaftlichen Erschliessung sowie der Verbindung
von Weilern. Zu diesen Netzen gehörten Erschliessungsstrassen so-
wie Flur- und Waldwege. Diese engmaschigen Netze sollten auch die
ortsverbindenden und regionalen Radrouten aufnehmen und der Nah-
erholung dienen. Die ZZ._strasse erschliesse Weiler und einzelne
Gebäude ausserhalb geschlossener Ortschaften. Damit sei sie ge-
mäss VSS-Norm SN 640 043 "Verbindungsstrassen" dem Typ Verbin-
dungsweg zuzuordnen. Verbindungswege hätten eine geschlossene
Belagsdecke, seien zum Befahren mit Motorfahrzeugen vorgesehen
und würden nur nach Fahrgeometrie trassiert. Typischerweise würden
Strassen in untergeordneten Netzen ausserhalb des Siedlungsgebiets
nur einen Fahrstreifen aufweisen. Als Grundbegegnungsfall werde das
Kreuzen von Personenwagen mit Fahrrad bei reduzierter Geschwin-
digkeit vorausgesetzt. Entlang der ZZ._strasse führe zudem der of-
fizielle Schulweg von Z._ nach V._, der durch einige Warntafeln
signalisiert und vor allem von den Obenstufenschülern aus Z._ be-
nutzt werde. Die Berücksichtigung des Grundbegegnungsfalls Perso-
nenwagen/Fahrrad mit reduzierter Geschwindigkeit decke sich mit der
Überlagerung der Funktionen dieser Strasse (land- und forstwirtschaft-
licher Verkehr, Erschliessung des Weilers ZZ._, Schulweg, Freizeit-
route für Fahrradfahrer und Wanderer).
Gemäss VSS-Norm SN 640 201 "Geometrisches Normalprofil: Grund-
abmessungen und Lichtraumprofil der Verkehrsteilnehmer" könne bei
einer Breite von 3,5 m ein sicheres Kreuzen von Personenwagen mit
Fahrrädern mit 30 km/h gewährleistet werden. Allerdings müsse auch
berücksichtigt werden, dass moderne Landwirtschaftsfahrzeuge
(Traktor mit Mähwerk/Mähdrescher) allein schon Breiten von bis zu
3,5 m aufwiesen. Kreuzungsmanöver seien daher einzig in Einmün-
dungsbereichen oder mit Ausweichen auf angrenzende Landwirt-
schaftsflächen möglich. Die Geometrie der Anbindung der geplanten
Grundstückszufahrt an die ZZ._strasse sei normgemäss und ent-
spreche dem Baureglement der Gemeinde. Demzufolge sollte die
ZZ._strasse auf der gesamten Länge eine Mindestbreite von 3,5 m
aufweisen, was zur Folge habe, dass die Engstellen von 3,1 m bis
3,3 m auf dem Gemeindegebiet V._ auszubauen und genügend
Ausweichstellen zu erstellen seien.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 34/43
6.4.2 Am Rekursaugenschein vom 25. März 2019 hielt das Stras-
seninspektorat ergänzend fest, dass die neue Grundstückszufahrt
zwar ebenfalls nur 3 m breit sei. Zusammen mit dem aufgeweiteten
Knotenbereich ab der ZZ._strasse sei sie mit Blick auf die be-
schränkte Länge von knapp 100 m und der Tatsache, dass die ge-
samte Strecke übersichtlich sei und dass dadurch lediglich ein Grund-
stück erschlossen werde, aber in Ordnung, so dass der gesamte Hof-
verkehr nun über diese neue Grundstückszufahrt abgewickelt werden
könne. Auf Grund der einseitigen Ausrichtung der geplanten Grund-
stücksausfahrt nach Westen sei diese ganz offensichtlich darauf aus-
gelegt, dass die Erschliessung in der Regel Richtung V._ über das
St.Galler Hoheitsgebiet führen werde. Tatsächlich könnten wegen der
Höhenbeschränkung bei der SOB-Unterführung auf der Thurgauer
Seite auf 3,1 m grössere Fahrzeuge auch nur von V._ herzufahren.
Hier sei die Strasse statt der erforderlichen 3,5 m aber teilweise nur
3,1 m bis 3,3 m breit und damit selbst für den Grundbegegnungsfall
Personenwagen/Zweirad bei reduzierter Geschwindigkeit (VSS-Norm:
SN 640 201 "geometrisches Normalprofil") zu schmal. Darüber hinaus
fehlten die nötigen Ausweichstellen. Die Strasse sei im Gegenteil auf
weiten Strecken beidseitig bis auf die befestigte Fahrbahn eingezäunt
bzw. wo eine solche fehle, seien Fahrspuren im Feld erkennbar, was
belege, dass die Fahrbahn für Kreuzungsmanöver zu schmal sei. Zu-
dem handle es sich auch um einen Schulweg, der ein sicheres Kreu-
zen der Verkehrsteilnehmer zwingend voraussetze. Durch das Befah-
ren der Strasse mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Fahrzeugen
mit offener Ladung, die – wie gesagt – eine Breite von bis zu 3,5 m
erreichen könnten, seien die technischen Anforderungen an die
Strasse und die Verkehrssicherheit nicht erfüllt bzw. nicht gegeben
und damit sei die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet.
6.4.3 Auf Intervention der Rekurgsgegner 1 prüfte das Strassenin-
spektorat am 4. Juli 2019 die ZZ._strasse auf der St.Galler Seite
noch einmal und kam dabei zum Schluss, dass diese wie auch die
fortführende YY._erstrasse mit der angesprochenen Ausnahme
grundsätzlich genügend breit sei, um den Begegnungsfall Personen-
wagen/leichtes Zweirad abzudecken. Der Begegnungsfall Personen-
wagen/Personenwagen sei aber schwer bis gar nicht, derjenige zwi-
schen einem Personenwagen und einem landwirtschaftlichen Fahr-
zeug bzw. Lastwagen gänzlich unmöglich. Die erneute Begehung vor
Ort habe sodann gezeigt, dass die Strasse trotz Fahrverbot rege ge-
nutzt werde und dass hier tatsächlich auch massiv grössere landwirt-
schaftliche Fahrzeuge verkehrten. Da die ZZ._strasse mehrere Kur-
ven sowie Kuppen und Wannen aufweise, sei es an zahlreichen Stel-
len unmöglich zu kreuzen oder aneinander vorbeizukommen. Es
werde nochmals daran erinnert, dass selbst für den Begegnungsfall
Personenwagen/leichtes Zweirad am absoluten Minimum der mass-
geblichen Norm gemessen worden sei.
6.4.4 Nach dem Gesagten wäre die neu zu bauende Hofzufahrt mit
einer Breite von lediglich 3 m als knapp genügend zu betrachten. Nach
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 35/43
Art. 44 der Brandschutznorm der Vereinigung Kantonaler Feuerversi-
cherungen VKS, die vom Interkantonalen Organ Technische Handels-
hemmnisse IVTH als verbindlich erklärt worden ist, müssen Bauten
und Anlagen für den raschen und zweckmässigen Einsatz der Feuer-
wehr aber jederzeit zugänglich sein. Die diesbezüglichen Anforderun-
gen werden in der Richtlinie für Feuerwehrzufahrten, Bewegungs- und
Stellflächen der Feuerwehr Koordination Schweiz FKS vom 4. Februar
2015 konkretisiert, die als Stand der Technik im Sinne von Art. 7
Abs. 1 der VKS-Norm gilt. Gemäss Ziff. 5.1 der FKS-Richtlinie haben
Feuerwehrzufahrten demnach eine Breite von mindestens 3,5 m, Kur-
venradien von mindestens 10,5 m und einen vertikalen Freiraum von
mindestens 4 m aufzuweisen. Das Thurgauer Departement für Bau
und Umwelt stützt seine Überprüfung der Hofzufahrt auf diese Richtli-
nie ab und stuft somit die Hofzufahrt mit einer Breite von lediglich 3 m
als zu schmal ein. Da die neu zu erstellende Zufahrt auf dem Hoheits-
gebiet des Kantons Thurgau liegt, ist diese Einschätzung zu akzeptie-
ren. Somit ist davon auszugehen, dass die auf den Grundstücken
Nrn. 151 und 153, Grundbuch X._, projektierte Zufahrtstrasse die
Anforderungen an eine hinreichende Erschliessung nicht erfüllt. Nach-
dem die bestehende Zufahrt zum Hof über die YZ._strasse aner-
kanntermassen zu schmal, zu verwinkelt und unübersichtlich ist, muss
als Zwischenfazit festgehalten werden, dass die strassenmässige Er-
schliessung bereits wegen der zu schmal geplanten Hofzufahrt nicht
gegeben ist.
6.5 Das Tiefbauamt des Kantons Thurgau erachtet die Breite der
ZZ._strasse auf dem Gemeindegebiet von X._ für den Begeg-
nungsfall Personenwagen/Fahrrad und Lastwagen/Fahrrad bei stark
reduzierter Geschwindigkeit (20 km/h) als knapp genügend, wobei bei
allen anderen Begegnungsfällen – sofern möglich – auf das Wiesland
ausgewichen werden muss. Allerdings äussert es sich nicht zum Ein-
wand des St.Galler Tiefbauamtes, dass der vorgelagerte Knoten in
W._ wegen der eingeschränkten Sicht nicht verkehrssicher sei. Es
räumt indes auch ein, dass auf der Thurgauer Seite eine Höhenbe-
schränkung gilt und die Grundstückszu- und -wegfahrt auf Grund ihrer
Aussrichtung nach Westen ohnehin auf die St.Galler Seite hin ausge-
richtet ist. Da der UVB davon ausgeht, dass die Zulieferung etwa hälf-
tig, mehrheitlich von der Thurgauer Seite her erfolgt, muss davon aus-
gegangen werden, dass zumindest die grösseren Lastwagen über das
St.Galler Gebiet fahren sollen. Für alle anderen Begegnungsfälle aus-
ser einem Personenwagen/Fahrrad ist die ZZ._strasse auf der
St.Galler Seite tatsächlich aber zu schmal, zumal auch nicht überall
aufs Wiesland ausgewichen werden kann. Die gegenteilige Behaup-
tung der Rekursgegner 1 hat das Strasseninspektorat mit seiner aus-
führlichen und bebilderten Stellungnahme vom 9. Juli 2019 überzeu-
gend widerlegt. Es erübrigt sich somit, die ganze Strecke nochmals
aufzunehmen, wie die Rekursgegner 1 verlangen. Ebenso unbehelf-
lich sind ihre Einwände, dass die ZZ._strasse auf 5 m ausparzelliert,
wenn auch nicht entsprechend ausgebaut sei, und dass die am Stras-
senrand stehenden Hecken, Bäume und Zäune halt weggeboten wer-
den müssten. Massgebend für eine hinreichende Erschliessung ist
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 36/43
nicht, was auf Grund weiterer rechtlicher Schritte allenfalls möglich
wäre, sondern einzig, was in rechtlicher und technischer Hinsicht tat-
sächlich rechtskräftig sichergestellt ist (vgl. JEANNERAT, a.a.O., N 8 zu
Art. 19 RPG). Damit vorliegend die Lastwagen, welche die Biogasan-
lage beliefern werden, mit entgegenkommenden Personen- und Last-
wagen, die trotz allgemeinem Fahrverbot zahlreich zirkulieren, auch
effektiv kreuzen können, müssen zumindest genügend Ausweichstel-
len vorhanden sein.
6.6 Nach dem Gesagten fehlt es vorliegend an einer hinreichenden
strassenmässigen Erschliessung des Bauprojekts. Gemäss Bauge-
such soll rund die Hälfte der Zulieferung von W._ her erfolgen. An-
gesichts der relativ geraden und überschaubaren Wegstrecke mag
diese Strecke noch knapp genügen, wobei allerdings bereits der Kno-
ten in W._ mangels Übersichtlichkeit nicht verkehrssicher ist. Auf
der St.Galler Seite ist die ZZ._strasse über eine lange Strecke zum
Kreuzen zu schmal, unübersichtlich und wegen fehlender Ausweich-
stellen insbesondere mit Blick auf die konkrete Nutzung als häufig be-
gangener Schul-, Wander- und Fahrradweg zu gefährlich für eine Be-
lieferung einer Biogasanlage weit ausserhalb des Siedlungsgebiets.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass auch diejenigen Transport-
fahrzeuge, welche die Bahnlinienunterführung in W._ aufgrund ihrer
Höhe nicht passieren können, ebenfalls zwingend über die St.Galler
Route an- bzw. abfahren müssen.
6.7 Nachdem feststeht, dass das Bauvorhaben wegen fehlender
hinreichender Erschliessung nicht bewilligt werden kann, ist der Re-
kurs 1 bereits aus diesem Grund abzuweisen. Die angefochtene Auf-
lage erweist sich aber auch als rechtmässig und angemessen:
6.7.1 Eine Baubewilligung wird nach Art. 147 Abs. 1 PBG mit Aufla-
gen und Bedingungen versehen, soweit diese zur Sicherung der Über-
einstimmung des Bauvorhabens mit den massgebenden Vorschriften
und Plänen erforderlich sind. Wie jede staatliche Anordnung müssen
auch Nebenbestimmungen zu einer Bewilligung verhältnismässig
sein. Verhältnismässig ist eine Verwaltungsmassnahme dann, wenn
sie zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels
geeignet und notwendig ist. Ausserdem muss die Massnahme zumut-
bar sein, d.h. sie muss durch ein das private Interesse überwiegendes
öffentliches Interesse gerechtfertigt erscheinen (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/
UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St.Gallen
2016, N 514 ff. mit weiteren Hinweisen).
6.7.2 Die Vorinstanz hat die Anlieferungs- und Abtransportzeiten von
Biomasse zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer be-
schränkt, und zwar von Montag bis Freitag auf den Vormittag zwischen
9.00 Uhr und 11.00 Uhr sowie nachmittags zwischen 14.00 Uhr und
15.30 Uhr. Diese einschränkende Auflage begründet sie damit, dass
die ZZ._strasse auch als häufig begangener Schulweg für die Schü-
ler aus Z._ zum Oberstufenzentrum in V._ und als Wander- und
Radweg diene. Insbesondere aus diesem Grund seien die Transporte
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 37/43
für die Biogasanlage werktags auf die Zeiten ausserhalb dieser Schul-
wegzeiten zu beschränken.
6.7.3 Die angeordnete Beschränkung der Transportzeiten ist offen-
sichtlich geeignet, Konfrontationen zwischen den Transportfahrzeu-
gen und dem auf der ZZ._strasse zirkulierenden Langsamverkehr
auf ein Minimum zu begrenzen. So kann davon ausgegangen werden,
dass sich die Schüler des Oberstufenzentrums Grünau während den
verfügten Zeitfenstern bereits oder noch in der Schule aufhalten. Auch
handelt es sich dabei um Zeiten, wo mit weniger Freizeitradfahrern,
Spaziergängern oder Wanderern zu rechnen ist als etwa während des
Wochenendes. Entgegen der Auffassung der Rekurrenten 1 erweist
sich die verfügte Fahrzeitenbeschränkung denn auch als notwendig,
da ausgedehntere Fahrzeiten das Risiko von Begegnungsfällen zwi-
schen Transportfahrzeugen und den schwächeren Verkehrsteilneh-
mern auf der ZZ._strasse erhöhen würden. So wäre ausserhalb der
von den Rekurrenten 1 beantragten Sperrzeiten (werktags jeweils von
7.00-8.00 Uhr, 11.30-13.30 Uhr und 16.15-17.15 Uhr) durchaus mit
Schülern, aber vor allem auch mit zahlreichen Spaziergängern, Wan-
derern und anderen Velofahrern auf der ZZ._strasse zu rechnen,
zumal es sich dabei um den kürzesten Weg von W._ und Z._
nach V._, der nächsten Ortschaft mit Läden, einer Post, einer Bank
usw., handelt. Dazu kommt, dass die ZZ._strasse, die nicht nur zu
schmal ist, sondern auch über zu wenig Ausweichstellen verfügt, Teil
des offiziellen Wanderwegnetzes ist und bei Wanderern und Fahrrad-
fahrern insbesondere am Wochenende tatsächlich auch sehr beliebt
ist. Die Rekurrenten 1 substantiieren sodann ihre Behauptung nicht
weiter, dass die zur Verfügung stehenden Fahrzeiten von 3,5 Stunden
pro Tag für den Transport von Spitzenmengen unzureichend sein sol-
len. Ihr Wunsch nach einer grösstmöglichen Flexibilisierung hinsicht-
lich der wieder abzuführenden Biomasse ist zwar verständlich, bei ei-
nem Lagervolumen von insgesamt 2'200 m3, welches gemäss
Ziff. 2.5.4 des Umweltverträglichkeitsberichts vom 30. März 2016 für
die anfallende Dünngülle bereitsteht und für eine Dauer von 240 Ta-
gen bzw. rund 8 Monaten ausreichen soll, stellt aber offensichtlich kein
logistisches Problem dar. Eine solche Lagerkapazität erlaubt es im
Gegenteil ohne weiteres, die Abtransporte vorausschauend zu planen.
Damit erweist sich die angefochtene Auflage insgesamt als verhältnis-
mässig, weshalb sie nicht zu beanstanden ist.
7.
Die Rekurrenten 2 und 3 rügen die Auflage Ziffer 4.53 der Baubewilli-
gung vom 24. April 2018, womit die Baubehörde auf die Anschlussbe-
dingungen die Biogasanlage ans Stromnetz regelt. Diese Auflage stellt
aber keine eigentliche Auflage im Sinn von Art. 147 Abs. 1 PBG dar,
womit untergeordnete Bauhindernisse aus dem Weg geräumt und das
Bauvorhaben mit den massgeblichen Bauvorschriften und Plänen in
Übereinstimmung gebracht werden soll. Somit kann sie auch nicht von
an sich einspracheberechtigten Dritten angefochten werden. Zif-
fer 4.53 beinhaltet vielmehr Hinweise für die Bauherrschaft, welche
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2020), Seite 38/43
Voraussetzungen für den Anschluss an das Stromnetz nach der bun-
desrechtlichen Gesetzgebung (SR 734.0 ff.) erfüllt sein müssen.
8.
Die Rekursgegner 2, 3 und 4 machen keine konkreten immissions-
rechtlichen Einwände nach Art. 684 ZGB mehr geltend. Nachdem vor-
liegend die Überprüfung der Baubewilligung ergeben hat, dass dem
Bauvorhaben aus öffentlich-rechtlicher Sicht einzig die mangelnde Vo-
raussetzung der hinreichenden Erschliessung entgegensteht, ist auch
sonst nicht erkennbar, inwiefern Art. 684 ZGB verletzt sein sollte. Zwar
stehen privatrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Immissionsschutz
grundsätzlich selbstständig nebeneinander, doch ist nicht zu verken-
nen, dass die Ausweitung insbesondere des öffentlichen Bau- und Pla-
nungsrechts tendenziell auf Kosten des privatrechtlichen Immissions-
schutzes geht. Dies ist insoweit sachlich gerechtfertigt und hinzuneh-
men, als man es mit detaillierten Zonenordnungen und Baureglemen-
ten zu tun hat, weshalb eine durch rechtskräftigen Beschluss einer
Verwaltungsbehörde bewilligte Baute oder Anlage in der Regel keine
übermässigen Immissionen im Sinn von Art. 684 ZGB verursacht (Ur-
teil des Bundesgerichtes 5A_47/2016 vom 26. September 2016
Erw. 2.2 mit Verweis auf BGE 138 III 49 Erw. 4.4.3 ff.).
9.
Die Rekurrenten 2 verlangen schliesslich, dass ihnen für das Ein-
spracheverfahren bezüglich des vorangegangenen, am 18. März 2016
zurückgezogenen Baugesuchs vom 16. Februar 2015 eine Entschädi-
gung von Fr. 6'000.– inkl. Mehrwertsteuer zugesprochen werde.
9.1 Die Vorinstanz hat im vorliegend zu überprüfenden Baubewilli-