Decision ID: bb84d061-bcd8-5e77-ad7d-d4267f7f8944
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Der 1987 geborene A._ ist Staatsangehöriger von Sri Lanka. Er reiste am 30. Mai 2011
illegal in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Im Rahmen des
Asylverfahrens wies er sich mit einer sri-lankischen Geburtsurkunde lautend auf den
Namen B._, Jahrgang 1991, aus. Das Asylgesuch wies das Bundesamt für Migration
(heute: Staatssekretariat für Migration, SEM) mit Verfügung vom 27. Januar 2012 ab. Es
anerkannte die Flüchtlingseigenschaften nicht und wies B._ aus der Schweiz aus. Die
Wegweisung wurde aber zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben (act.
Migrationsamt [nachfolgend: MA] 31 ff.).
A.a.
Nach einem erfolglosen Versuch Ende 2015 stellte A._ am 27. Juni 2016 erneut ein
Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus humanitären Gründen (act. MA
116). Da er sämtliche Voraussetzungen dafür erfüllte, erteilte ihm das Migrationsamt
am 26. September 2016 eine Aufenthaltsbewilligung lautend auf den Namen B._. Es
wies ihn darauf hin, dass er spätestens bei der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
im Besitz eines anerkannten heimatlichen Ausweispapiers sein müsse (act. MA 138 f.).
Im Rahmen der erstmaligen Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung forderte das
Migrationsamt A._ mit Schreiben vom 18. August 2017 auf, entweder eine Kopie eines
gültigen heimatlichen Reisepasses oder, falls kein solcher vorhanden wäre, eine
schriftliche Erklärung einzureichen, weshalb er keinen Reisepass besitze und was er bis
anhin unternommen habe, um einen Reisepass zu erhalten (act. MA 144). Daraufhin
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
informierte A._ das Migrationsamt, dass er bisher keinen Reisepass beantragt habe,
da er seine Geburtsurkunde in Sri Lanka verloren habe (act. MA 146).
Mit Schreiben vom 10. Oktober 2017 ersuchte A._ um Bereinigung seiner Personalie.
Er setzte das Migrationsamt unter Beilage seiner Identitätskarte, seines Geburtsscheins
sowie des Ehescheins seiner Eltern davon in Kenntnis, dass er nun seinen echten sri-
lankischen Pass bekommen habe. Sein Name laute A._ und nicht B._ (act. MA 155
ff.). Die Überprüfung durch den kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei vom 12.
Dezember 2017 bestätigte die Echtheit des Passes (act. MA 176). Am 29. März 2018
wurde A._ wegen Täuschung der Behörden polizeilich einvernommen. A._ reichte am
6. August 2018 beim Einwohneramt V._ ein Verlängerungsgesuch für seine
Aufenthaltsbewilligung ein (act. MA 231). Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes
Uznach vom 18. September 2018 wurde A._ wegen Urkundenfälschung schuldig
gesprochen und ihm wurde eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 70
und eine Busse von CHF 700 auferlegt (act. MA 249 ff.). Auf die Strafsache wegen
mehrfacher Täuschung der Behörden wurde nicht eingetreten
(Nichtanhandnahmeverfügung vom 18. September 2018, act. 252 ff.).
A.c.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verlängerte das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von A._ nicht mehr und wies ihn aus der Schweiz weg (Ziff. 1
der Verfügung vom 22. März 2019, act. 276 ff.). A._ habe die Schweiz spätestens 60
Tage nach der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen (Ziff. 2). Den Entscheid
begründete es im Wesentlichen damit, dass A._ wissentlich falsche Angaben gemacht
habe, in der Absicht, eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Die Angabe von
Personalien sei eine wesentliche und entscheidende Tatsache. Die Rückkehr in sein
Heimatland sei ihm zumutbar, da er sich erst knapp acht Jahre in der Schweiz aufhalte
und keine Verwandten in der Schweiz habe. Den gegen diese Verfügung erhobenen
Rekurs hiess das Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 16. Oktober
2019 teilweise gut. Die Verfügung des Migrationsamtes wurde in Bezug auf den
zweiten Halbsatz von Ziff. 1 und Ziff. 2 des Dispositivs aufgehoben und die Streitsache
wurde zur Abklärung des Sachverhaltes und neuer Entscheidung im Sinn der
Erwägungen an das Migrationsamt zurückgewiesen. Es gelangte zum Schluss, dass
der Widerrufsgrund gegeben und die Nichtverlängerung verhältnismässig sei. Aufgrund
der Akten könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass derzeit
Wegweisungsvollzugshindernisse vorliegen könnten. Daher sei der Sachverhalt erneut
zu prüfen und ein Antrag auf vorläufige Aufnahme zu stellen.
A.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
A._ (Beschwerdeführer) reichte durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 4.
November 2019 gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements
(Vorinstanz) vom 16. Oktober 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Er
beantragte, dass der angefochtene Entscheid teilweise aufzuheben und wie folgt
abzuändern sei: der erste Halbsatz von Ziff. 1 sei aufzuheben und die
Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern. Die Entscheidziffern 2 und 3 seien insofern
abzuändern, als dass die Entscheidgebühr vollumfänglich dem Migrationsamt
aufzuerlegen sei und ihm ausseramtliche Kosten zuzusprechen seien; unter Kosten-
und Entschädigungsfolge.
Mit Vernehmlassung vom 9. Dezember 2019 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde gegen den am 17. Oktober 2019 versandten Entscheid der
Vorinstanz wurde mit Eingabe vom 4. November 2019 rechtzeitig erhoben und erfüllt
formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.1. bis
Weiter zu prüfen ist, ob der Entscheid der Vorinstanz selbständig anfechtbar ist und
damit auf die Beschwerde eingetreten werden kann. Die Vorinstanz hob die Verfügung
des Migrationsamtes in Bezug auf den zweiten Halbsatz von Ziff. 1 und Ziff. 2 des
Dispositivs auf und wies die Streitsache zur Abklärung des Sachverhaltes und neuer
Entscheidung im Sinn der Erwägungen an das Migrationsamt zurück.
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige Anpassungen. Art. 126
Abs. 1 AIG bestimmt, dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht
worden sind, das bisherige materielle Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet
sich demgegenüber nach dem neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Der
Beschwerdeführer stellte im Oktober 2017 beim Migrationsamt das Gesuch um
Bereinigung seiner Personalie, woraufhin das Migrationsamt die notwendigen
Sachverhaltsabklärungen einleitete. Folglich ist die Angelegenheit nach dem bis zum
31. Dezember 2018 geltenden Ausländergesetz (AuG) in der Fassung vom 1. Oktober
2015 zu beurteilen.
3.
Bei einem solchen Rückweisungsentscheid stellt sich die Frage nach der
Bindungswirkung. Auf Grund dieser Bindungswirkung wird ein Rückweisungsentscheid
insoweit als Endentscheid betrachtet, als er die im Verfahren aufgeworfenen
Streitfragen entscheidet und verbindliche Weisungen für die Neubeurteilung erlässt. Ein
Rückweisungsentscheid ist aber dann als Zwischenentscheid zu betrachten, wenn die
Angelegenheit zu neuer Entscheidung zurückgewiesen wird, ohne dass bestimmte
Streitfragen abschliessend entschieden werden und der Vorinstanz für ihren Entscheid
eine gewisse Entscheidungsfreiheit bleibt (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit
im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht,
2. Aufl. 2003, Rz. 1036, T. Kamber, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 23 zu Art. 56
VRP).
In Bezug auf die Feststellung der Vorinstanz, dass der Widerrufsgrund gegeben ist und
sich die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung als verhältnismässig erweist,
verbleibt beim neuen Entscheid kein Entscheidungsspielraum mehr. Aufgrund der
materiell-rechtlichen Vorgaben handelt sich demnach um einen anfechtbaren
Endentscheid (vgl. BGE 140 V 282 E. 4.2). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
Nach Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG liegt ein Widerrufsgrund vor, wenn die ausländische
Person im Bewilligungsverfahren falsche Angaben macht oder wesentliche Tatsachen
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verschwiegen hat. Dabei ist erforderlich, dass diese Person wissentlich falsche
Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen verschwiegen hat, in der Absicht,
gestützt darauf den Aufenthalt bewilligt bzw. verlängert zu erhalten (BGer 2C_403/2018
vom 19. Februar 2019 E. 3, 2C_225/2017 vom 22. Mai 2017 E. 2.1, 2C_658/2012 vom
3. Dezember 2012 E. 3.2). Eine solche Täuschungsabsicht ist zu bejahen, wenn die
ausländische Person einen falschen Anschein über Tatsachen erweckt hat oder
aufrechterhält, von denen sie vernünftigerweise wissen musste, dass sie für den
Bewilligungsentscheid von Bedeutung sein könnten (BGE 142 II 265 E. 3.1 in: Pra 106
(2017) Nr. 10, BGer 2C_562/2019 vom 12. November 2019 E. 5.3, 2C_296/2019 vom
31. Juli 2019 E. 3.2).
Der Widerrufsgrund ist im Zusammenhang mit der Mitwirkungspflicht der
ausländischen Person gemäss Art. 90 Ingress und lit. a AuG zu betrachten. Danach ist
diese Person verpflichtet, an der Feststellung des für die Anwendung des Gesetzes
massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. Sie muss insbesondere zutreffende und
vollständige Angaben über die für die Regelung des Aufenthalts wesentlichen
Tatsachen machen. Dabei muss die ausländische Person wahrheitsgetreu auch über
Tatsachen und Umstände informieren, die für den Bewilligungsentscheid massgebend
sein und ihn beeinflussen könnten, wenn die zuständigen Behörden nicht explizit
danach fragen und den Sachverhalt bei der gebotenen Sorgfalt auch selbst hätten
ermitteln können (https://www.sem.admin.ch/sem/de/home.html unter:
Publikationen&Service/Weisungen und Kreisschreiben: I. Ausländerbereich, Stand 1.
November 209, Ziff. 8.3.1.1, vgl. BGer 2C_562/2019 vom 12. November 2019 E. 5.2,
2C_225/2017 vom 22. Mai 2017 E. 2.2). Auch nach Art. 8 Abs. 1 des Asylgesetzes
(SR 142.31, AsylG) ist der Asylsuchende verpflichtet, wahrheitsgetreue und
vollständige Angaben über die für die Regelung des Aufenthalts wesentlichen
Tatsachen zu machen (vgl. BGer 2C_878/2013 vom 13. Februar 2014 E. 1.3.1). Nicht
erforderlich ist, dass die Bewilligung bei richtigen oder vollständigen Angaben mit
Sicherheit verweigert worden wäre. Es genügt, wenn der Anspruch auf eine Bewilligung
bei Offenlegung der Verhältnisse ernsthaft in Frage gestellt gewesen wäre (BGE 142 II
265 E. 3.1 in: Pra 106 Nr. 10, BGer 2C_562/2019 vom 12. November 2019 E. 5.2).
Die Vorinstanz erwog, dass der Beschwerdeführer seine wahre Identität erst nach
sechs Jahren und auf mehrmaliges Ersuchen des Migrationsamtes hin preisgegeben
habe. Es sei nicht ersichtlich, weshalb er sich nicht bereits früher um die Beschaffung
seiner Unterlagen gesorgt habe. Daher könne ihm vorgeworfen werden, dass er sich
bewusst mehrere Jahre nicht um die Offenbarung seiner wahren Identität gekümmert
3.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_706%2F2015+%22falsche+Angaben%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-II-265%3Ade&number_of_ranks=0#page265 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_706%2F2015+%22falsche+Angaben%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-II-265%3Ade&number_of_ranks=0#page265
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
habe. Die falschen Angaben im Asylverfahren seien zwar allenfalls nicht geeignet
gewesen, den Entscheid über die vorläufige Aufnahme im damaligen Zeitpunkt zu
beeinflussen, der Beschwerdeführer habe jedoch nachweislich auch in den
darauffolgenden Bewilligungsverfahren an den falschen Angaben festgehalten.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er im Rahmen des Asylverfahrens eine
gefälschte Geburtsurkunde eingereicht hat und sich unter falschem Namen hat
registrieren lassen. Diese Personalie habe er bis zum 10. Oktober 2017
weiterverwendet. Hingegen vertritt er die Ansicht, dass er seit dem Frühjahr 2017
versucht habe, die notwendigen Beweismittel zu beschaffen. Er habe im Oktober 2017
auch aus eigenem Antrieb das entsprechende Gesuch um Berichtigung eingereicht.
Hervorzuheben gelte, dass die unrichtige Angabe seiner Personalie nicht
entscheidrelevant gewesen sei. Beim Entscheid über sein Asylgesuch sei vielmehr sein
Herkommen und die politische Lage in seinem Heimatland ausschlaggebend gewesen
und nicht seine Personalie. Hätte er noch als vorläufig Aufgenommener beim SEM die
Änderung der Personalie bewirkt, hätte ihm das Migrationsamt hernach die
Aufenthaltsbewilligung ohne Weiteres erteilt. Auch das Strafverfahren gegen ihn wegen
Täuschung der Behörden sei nicht an die Hand genommen worden. Er habe damit das
Migrationsamt nicht aktiv getäuscht, sondern nur passiv die nicht gesicherte Identität
mittels Geburtsurkunde fortgeführt, bis er in der Lage gewesen sei, seine richtige
Identität mittels Pass nachzuweisen. Er werde für seine Aufrichtigkeit bestraft, obschon
er bei Weiterführung seiner ungesicherten Identität voraussichtlich keine solchen
Probleme gehabt hätte.
Der Beschwerdeführer reiste am 30. Mai 2011 illegal in die Schweiz ein und stellte
gleichentags ein Asylgesuch. In diesem Asylverfahren wies er sich mit einer sri-
lankischen Geburtsurkunde lautend auf den Namen B._, geboren am 28. Februar
1991, aus. Im Rahmen der Einvernahme vom 6. Juni 2011 wurde er explizit auf die
Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht hingewiesen (act. MA 8). Im Asylverfahren wird
gestützt auf die angegebene Identität unter anderem die Anwendung des Dublin-
Verfahrens (siehe Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des
zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz
gestellten Asylantrags, SR 0.142.392.68) abgeklärt (act. MA 26). Durch die Angabe des
falschen Namens und des falschen Geburtsdatums verhinderte der Beschwerdeführer
bereits im Rahmen dieses Verfahrens eine korrekte Überprüfung des Asylantrags.
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 21. Dezember 2015 stellte er erstmals ein Gesuch um Erteilung einer humanitären
Aufenthaltsbewilligung, welches jedoch aufgrund der fehlenden zeitlichen
Voraussetzung abgewiesen wurde (act. MA 100). Am 27. Juni 2016 ersuchte er erneut
um Erteilung der Aufenthaltsbewilligung (act. MA 115). In beiden Gesuchen gab er sich
weiterhin als B._ aus. Das Migrationsamt erteilte ihm am 26. September 2016 die
Aufenthaltsbewilligung lautend auf den Namen B._. Das Erschleichen einer
Aufenthaltsbewilligung durch falsche Angaben kann schon darin liegen, dass die
Angaben, auf welche sich die Behörden im Asylverfahren gestützt hatten und die bei
der späteren Erteilung der Aufenthaltsbewilligung mangels anderer Angaben immer
noch als massgebend betrachtet werden konnten, falsch oder unvollständig waren (vgl.
BGer 2A.33/2007 vom 9. Juli 2007 E 4.1).
Mit Erteilung der Aufenthaltsbewilligung wies das Migrationsamt den Beschwerdeführer
bereits im September 2016 darauf hin, dass er spätestens bei der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung im Besitz eines anerkannten heimatlichen Ausweispapiers sein
müsse (act. MA 138 f.). Im Rahmen der erstmaligen Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung forderte das Migrationsamt den Beschwerdeführer mit
Schreiben vom 18. August 2017 erneut auf, eine Kopie eines gültigen heimatlichen
Reisepasses einzureichen (act. MA 144). Erst mit Schreiben vom 10. Oktober 2017 bat
der Beschwerdeführer um Korrektur seiner Personalie (act. MA 171). Der
Beschwerdeführer erhielt seine falsche Identität somit über sechs Jahre aufrecht und
setzte das Migrationsamt erst nach dessen mehrmaligem Ersuchen über seine korrekte
Identität in Kenntnis. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, ist auch nicht
nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer nicht bereits früher die
Ausweispapiere besorgte. Der Beschwerdeführer pflegte gemäss eigenen Angaben seit
seiner Einreise stets regelmässigen Kontakt mit seiner in Sri Lanka lebenden Mutter,
welche sich schliesslich auch um den Passantrag kümmerte. Dazu wurde der Pass
dem Beschwerdeführer innert nützlicher Frist über den Postweg zugestellt (Antrag im
Frühjahr 2017, Ausstellungsdatum Pass 5. Juli 2017). Die Beweggründe des
Beschwerdeführers, womit er sein Verhalten entschuldigen will, sind nicht
ausschlaggebend für die jahrelange Verzögerung der Beschaffung seiner Papiere. Der
Unrechtsgehalt beim Widerrufstatbestand des Erschleichens einer Bewilligung bemisst
sich weniger danach, was die betroffene Person zur Täuschung veranlasst, als danach,
wie klar ihr bewusst sein muss, dass sie bei Aufdecken der wahren Verhältnisse kaum
eine Bewilligung erhältlich machen könnte. So war dem Beschwerdeführer durchaus
bewusst, dass er beim Asylantrag seine Identität mit offiziellen Dokumenten hätte
belegen müssen (siehe act. MA 184, Einvernahme).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Obwohl auf die Strafsache gegen den Beschwerdeführer wegen mehrfacher
Täuschung nicht eingetreten wurde, lässt sich daraus entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die Migrationsbehörde ist im
ausländerrechtlichen Verfahren nicht ohne Weiteres an die Einschätzung im
strafrechtlichen Verfahren gebunden (vgl. BGer 2C_231/2019 vom 23. Mai 2019
E. 2.4.1). Im Strafverfahren wurde der Tatbestand der Täuschung geprüft. Hingegen
reicht im vorliegenden Fall die Angabe einer falschen Tatsache in der Absicht, eine
Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, aus. Laut den Angaben in der Einvernahme vom 23.
März 2018 gab der Beschwerdeführer an, dass er bei der Einreise in die Schweiz keine
Dokumente gehabt habe mit seinem richtigen Namen. Da aber Dokumente verlangt
worden seien, welche seine Identität bestätigen würden, habe er Dokumente von
einem Schlepper erhalten (act. MA 184, Frage 14). Demnach gab er bewusst falsche
Dokumente bei der Einreise an. Auch der Verweis des Beschwerdeführers, dass die
Offenbarung wesentlicher Tatsachen nur dort erforderlich sei, wo die Erteilung der
beantragten Bewilligung durch Offenlegung der Verhältnisse ernsthaft in Frage gestellt
wäre (vgl. M. Spescha., in: Spescha/ Thür/Zünd/Bolzli et al., Kommentar
Migrationsrecht, 5. Aufl., N. 4 zu Art. 62 AuG), gereicht ihm nicht zum Vorteil. Denn
nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist ein Widerruf auch dann zulässig, wenn
die falschen Angaben oder das wissentliche Verschweigen wesentlicher Tatsachen für
die Bewilligungserteilung nicht kausal waren (BGer 2C_47/2010 vom 16. Juni 2010
E. 3.1, 2A.485/2003 vom 20. Februar 2004 E. 2.1). Die Behauptung des
Beschwerdeführers, dass er auch bei Angaben seines korrekten Namens eine
Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte, zielt demnach ins Leere. Im Übrigen würde sich
umgekehrt die Frage stellen, weshalb der Beschwerdeführer anfänglich überhaupt
einen falschen Namen angegeben hat, sofern die Identität einer Person für ein asyl-
und ausländerrechtliches Verfahren nicht massgeblich wäre. Allerdings gehört die
Identität einer Person offensichtlich zu den absolut wesentlichen Tatsachen. Zudem
unterlag der Beschwerdeführer ab Einreichung seines Asylantrags der Pflicht zu
wahrheitsgetreuer bzw. vollständiger Auskunftserteilung.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist der vorliegende Fall durchaus mit
dem von der Vorinstanz zitierten BGer 2C_878/2013 vom 13. Februar 2014
vergleichbar. Der Sachverhalt ist praktisch identisch. Der Beschwerdeführer liess einzig
seine Personalie innert nützlicher Frist nach Erhalt seines Passes anpassen. Jedoch
ändert sich nichts daran, dass der Beschwerdeführer jahrelang nichts unternahm, um
in den Besitz seiner korrekten Ausweispapiere zu gelangen. Zusammengefasst machte
der Beschwerdeführer sowohl im Asyl- als auch im Verfahren betreffend die
Aufenthaltsbewilligung bewusst falsche Angaben zu seiner Person (Name und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Geburtsdatum) und verschleierte seine wahre Identität vor den Behörden über sechs
Jahre, um eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten bzw. sie zu verlängern. Daher
gelangte die Vorinstanz zu Recht zum Schluss, dass der Widerrufsgrund nach Art. 62
Abs. 1 lit. a AuG gegeben ist.
Der Widerruf der Bewilligung rechtfertigt sich allerdings nur, wenn die
Interessenabwägung ergibt, dass diese Massnahme auch als verhältnismässig
erscheint. Dabei haben die zuständigen Behörden gemäss Art. 8 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK),
Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
und Art. 96 Abs. 1 AuG bei der Ausübung ihres Ermessens die öffentlichen Interessen
und die persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Massgebend sind namentlich
das Vorliegen eines Verschuldens und dessen Schwere bei der Unterdrückung einer für
die Bewilligungsbehörden wesentlichen Tatsache, die persönliche Situation der
Ausländerin oder des Ausländers, der Grad der Integration, die Dauer der bisherigen
Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile, falls
die strittige Massnahme umgesetzt würde (BGE 135 II 377 E. 4.3 mit weiteren
Hinweisen).
4.1.
Wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft und war der Aufenthalt im
Land nur von kurzer Dauer, besteht praxisgemäss kein Anspruch auf einen weiteren
Verbleib, auch wenn die betroffene ausländische Person hier nicht straffällig geworden
ist, gearbeitet hat und inzwischen auch Deutsch spricht (BGer 2C_1270/2012 vom 2.
April 2013 E. 2.2, 2C_1010/2012 vom 17. Oktober 2012 E. 3.2, 2C_429/2012 vom 17.
August 2012 E. 2.2.2). Allein der Umstand, dass der Beschwerdeführer einer
Arbeitstätigkeit nachgeht, vermag ihm nicht zum Vorteil gereichen. Sowohl sprachlich
als auch sozial konnte er trotz weitreichender Mitwirkungspflicht keine übermässig gute
Integration darlegen. Er ist ledig und kinderlos. In der Schweiz hat er keine Verwandte.
Bis im Jahr 2011 und damit bis zum 24. Altersjahr lebte er in seiner Heimat und hat
folglich die prägenden Lebensjahre dort verbracht. Das öffentliche Interesse an der
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung, welche durch falsche Angaben erwirkt
wurde, ist erheblich. Denn wenn ein solches Verhalten geduldet würde, wäre eine
Prüfung der Bewilligungsvoraussetzungen entbehrlich und das Migrationsrecht seines
wesentlichen Zweckes entleert. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung
erweist sich damit als verhältnismässig.
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
Die vorinstanzlichen Ausführungen betreffend Wegweisungsvollzughindernisse (Art. 83
Abs. 2 bis 4 AuG) werden nicht bestritten. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat,
erachtete das heutige SEM in seinem Entscheid vom 27. Januar 2012 den Vollzug der
Wegweisung in das Herkunftsland zum damaligen Zeitpunkt nicht als zumutbar und
schob ihn zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Die kantonalen Behörden müssen
die vorläufige Aufnahme beantragen (Art. 83 Abs. 6 AuG), sofern
Wegweisungsvollzugshindernisse (bezüglich Sri Lanka siehe z.B. BVGer E-1866/2015
vom 18. Juli 2016, E-2140/2019 und
E-7200/2017 vom 7. August 2019) nicht klarerweise ausgeschlossen werden können
(P. Bolzli, in: Spescha/ Thür/Zünd/Bolzli et al., a.a.O., Rz. 36 zu Art. 83 AuG). Dies hat
das Migrationsamt gemäss Ziff. 1 lit. b des angefochtenen Entscheides abzuklären.
Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.
6. (...)