Decision ID: 0e4b3937-23c2-40c8-95cc-f81022425670
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1968
,
gelernter kaufmännischer Angestellter
(vgl. Urk. 14/5 Ziff. 5.3), meldete sich am
1
0.
November 2014
u
nter Hinweis auf
eine seit Oktober 1991 bestehende lebenslang deformierte Schulter rechts mit nur noch einer Nervenbahn
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk. 14/5 Ziff. 6.2-3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerblich
e Situation ab und zog Akten der Suva (Urk. 14/15
)
bei. Am 29. April 2015 auferlegte die IV-Stelle dem Ver
sicherte eine Schadenminderungspflicht im Sinne einer mindestens sechsmona
tigen Alkoholabstinenz und forderte ihn auf, ihr bis 10. Juni 2015 mitzuteilen, bei welchem Arzt oder bei welcher Ärztin er die Massnahme durchführen wolle (vgl. Urk. 14/21).
Da sich der Versicherte hierzu auch nach erneuter Auffor
de
rung seitens der IV-Stelle (vgl. 14/22) nicht vernehmen liess, stellte sie mit Vor
bescheid vom 15. März 2016 (Urk. 14/44) die Abweisung des Leistungsbe
geh
rens infolge Verletzung der Mitwirkungspflicht in Aussicht. Nachdem der Ver
sicherte dagegen am 29. März 2016 Einwände (Urk. 14/45) erhoben hatte, ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. Mai 2016 (Urk. 14/47) einen An
spruch auf Leistungen der Invalidenversicherung. Mit Verfügung vom 13. Mai 2016 (Urk. 14/49) hob die IV-Stelle die Verfügung vom 9. Mai 2016 wiederer
wägungsweise auf. Nach
durchgeführt
em Vorbescheidverfahren (Urk. 14/63;
Urk. 14/64, Urk. 14/72) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 7. April 2017
einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 14/77
=
Urk.
2)
2.
Der
Versicherte erhob am 23. Mai 2017
Beschwerde gegen die Verfügung vom
7. April 2017
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en
ihm
die gesetzlichen Leistungen zu erbringen; insbesondere sei ihm ab April 2015 eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen
. Eventuell
sei der Fall für die weitere Sach-verhaltsabklärung und insbesondere für die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens an die Verwaltung zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
4. September 2017
(
Urk. 13
) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am 7. November 2017 zur Kenntnis gebracht (Urk. 15
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psy
chiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der ver
sicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch (wie auch Drogensucht) begründen nach ständiger Rechtsprechung keine Invalidität im Sinne des Gesetzes.
Viel
mehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesund
heitsschaden eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt
(vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a). Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamt
würdigung einzubeziehen, was impliziert, dass
einer allfälligen Wechselwirkung
zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung
zu tragen ist.
Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforder
lich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alkoholsucht darstellt. Mit
dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psy
chi
schen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt.
Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkohol
sucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_906/2013 vom 23. Mai 2014 E. 2.2 und 9C_701/2012 vom 10. April 2013 E. 2 mit Hinweisen sowie 9C_706/2012 vom 1. Juli 2013 E. 3.2
mit Hinweis auf I
169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (Urk. 2) damit, dass aus
v
er
sicherungsmedizinischer Sicht
kein die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschrän
kender Gesundheitsschaden vorliege. D
ie erstmals gestellt Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
sei
unter Berücksichtigung der bisherigen Lebens
geschichte nicht nachvollziehbar
, und d
ie leichte kognitive Störung
auf
den anamnestisch fortgesetzten Alkoholkonsum zurückzuführen. Die Verhal
tens
auffälligkeiten beruhten nicht auf einer dauerhaften gesundheitlichen Ein
schränkung und beträfen somit eine versicherungsfremde Zumutbarkeit des Kunden für den Arbeitgeber (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1) geltend, er sei lediglich noch im geschützten Rahmen arbeitsfähig, wobei auch eine solche Tätigkeit aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung nur stark reduziert möglich sei (S. 5 unten). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin sei ein invali
den
versicherungsrechtlich relevanter Alkoholkonsum zweifelsohne zu bejahen. So habe dieser neben zwei aktenkundigen Unfällen bereits zu weiteren Folge
erkrankungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit geführt. Es sei völlig illusorisch zu glauben, dass ihm krankheitsbedingt ausserhalb des geschützten Rahmens ein abstinentes Leben zumutbar sei. Aufgrund seiner fehlenden Krankheitseinsicht bestehe unmittelbare Lebensgefahr (S. 6 f. Rz 10-11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers und in diesem Zusammenhang, ob die Beschwerdegegnerin den relevanten Sachverhalt genügend abgeklärt hat.
3.
3.1
Die Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsspital Y._, stellten in ihrem Bericht vom 4. Februar 2015 (Urk. 14/18/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
dislozierte Humeruskopffraktur rechts (dominant, four-part nach Neer) vom 22. Juni 2014
-
intermediäre Schenkelhalsfraktur rechts vom 7. April 2014
-
Status nach geschlossener Reposition und Stabilisierung mit dyna
mischer Hüftschraube (DHS) am 7. April 2014 (Operateur Dr. med. Stephan Sager, Leitender Arzt Chirurgie, See Spital Horgen)
-
Status nach Schädel-Hirn-Trauma nach Sturz am 5. Juli 2013
-
initielle CT: traumatische
Subarachnoidalblutung
(SAB), frontobasale Kontusionsblutungen beidseits Subduralhämatom rechts, undislozierte Schädelbasisfraktur rechts mit Frakturausläufern an den Canalis condylaris, das Foramen jugulare und den Canalis hypoglossi, undis
lozierte Kalottenfraktur mit Rissquetschwunde (RQW) occipital
-
cCT vom 5. September 2013: Vollständige Resorption der bilateralen frontobasalen Kontusionsblutungen mit residuellen gliotischen Ver
än
derungen. Aktuell beginnende Konsolidation der bekannten occipi
talen Kalottenfraktur sowie der Schädelbasisfraktur
-
Alkoholintoxikation am 5. Juli 2013
-
initial 3.6 Promille
-
infektassoziiertes intermittierend tachykardes Vorhofflimmern, kurz
zeitige Kammertachykardie am 6. Juli 2013
-
Aspirationspneumonie, 6. Juli 2013
-
Nachweis von vergrünenden Streptokokken, Streptokokkus pneu
moniae, Hämophilus influenzae, am ehesten im Rahmen einer Koloni
sation
-
chronische Schulterschmerzen rechts bei Messerstichverletzung 1991
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte rezidivierende Krampfanfälle seit dem 6. Juli 2013 (zweimalig Grand mal Anfall 6. Juli 2013, nicht-konklusives Krampfereignis am 11. Juli 2013, Differenzial
diagnose Alkohol-Entzug) und einen Status nach Osteophytenfraktur Vorder
kante Halswirbelkörper (HWK) 5 (Ziff. 1.1).
Die Ärzte führten aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 27. Juni 2014 bei ihnen in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 16. Dezember 2014 erfolgt (Ziff. 1.2).
Vom 27. Juni 2014 bis zur Wiedervorstellung am 24. März 2015 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Der Patient gebe noch Schmerzen im Bereich der rechten Schulter an. Derzeit werde eine intensive physio
thera
peu
tische Beübung zur Wiedererlangung der Beweglichkeit und zur Linderung der Schmerzsymptomatik durchgeführt (Ziff. 1.7). Bei weiterhin positivem Heilungs
verlauf sei mit dem Erlangen einer 100%igen Arbeitsfähigkeit zu rechnen (Ziff. 1.9). Der Patient habe sich am 27. Juni 2014 zu Fuss auf ihrer Notfall
station vorgestellt und berichtet, am 22. Juni 2014 während eines Besuches seiner Kinder im Tessin beim Versuch seine Krücke (wegen der Schenkel
hals
fraktur vom 7. April 2014) aus einem Bach zu holen, einen Stolpersturz mit Kopfanprall und Schulterkontusion rechtsseitig gehabt zu haben. Es habe eine initiale Betreuung durch das Spital Bellinzona stattgefunden, der Patient habe aber dann eine operative Versorgung seiner Humerusluxationsfraktur abgelehnt, weil er zu Hause seine Katze betreuen müsse (Ziff. 1.4).
3.2
Die Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsspital Y._, stellten in ihrem Bericht vom 9. Februar 2015 (Urk. 14/19/5-7) folgende Diagnosen (S. 1 f.).
-
mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma am 2. Februar 2015
-
rezidivierende generalisierte Krampfanfälle, Differenzialdiagnose Entzugs-Epilepsie
-
initialer GCS 8
-
temporale und occipitale Kalottenfraktur, Differenzialdiagnose vorbe
stehend
-
Nasenbeinfraktur
-
Kontusionsblutungen fronto-polar beidseits links mehr als rechts
-
subgaleales Hämatom parietal rechts
-
Status nach Schädel-Hirn-Trauma am
5.
Juli 2013
-
traumatische SAB
-
Subduralhämatom rechts
-
frontobasale Kontusionsblutungen beidseits
-
undislozierte Schädelbasisfraktur rechts und Kalottenfraktur rechts
-
Verdacht auf symptomatische Epilepsie, Differenzialdiagnose post
trau
matisch, Differenzialdiagnose Alkohol induziert
-
Status nach fokal komplexem Anfall am 11. Juli 2013
-
antiepileptische Therapie von Patienten nicht toleriert (aktenanam
nes
tisch)
-
frontale Spaltbildung HWK 5 bei alter Osteophytenfraktur
-
am ehesten ohne frische Traumafolgen bei erhaltenem Alignement, Differenzialdiagnose frische Fraktur
-
bekannte Osteophytenfraktur ebendort Juli 2013
-
erhebliche degenerative Veränderungen der HWS
-
multifaktorielles Delir
-
Status nach infektassoziiertem, intermittierend tachykardem Vorhof
flimmern, Juli 2013
-
kurzzeitige Kammertachykardie am 6. Juli 2013
-
verheilte intermediäre Schenkelhalsfraktur rechts vom 7. April 2014
-
Plattenosteosynthese mittels DHS am 7. April 2014 (Seespital Horgen)
-
verheilte Humeruskopffraktur rechts vom 22. Juni 2014
-
Plattenosteosynthese mittels PHILOS am 1. Juli 2014
-
chronische Schulterschmerzen nach Messerstich-Verletzung 1991
-
Cholezystolithiasis, Erstdiagnose 2. Februar 2015
-
chronischer Alkoholgebrauch
-
delirantes Zustandsbild Juli 2013
Die Ärzte führten aus, es sei eine notfallmässige Zuweisung per Sanität erfolgt. Laut Übergabe sei der Patient am Morgen des 2. Februar 2014 beim Bier ein
kaufen zusammengesackt und dabei auf den Hinterkopf geprallt. Fremdanam
nestisch habe zweimalig ein generalisierter Krampfanfall stattgefunden, in Anwe
senheit des Rettungsdienstes dann ein drittes Mal. Aufgrund des epilep
tischen Anfalls sei die initiale Therapie mit nasalem Midazolam erfolgt, worauf der Krampf sistiert habe. Danach sei der primäre GCS von 8 auf 3 gefallen, weshalb prähospital die Schutzintubation erfolgt sei. Computertomographisch habe sich das oben genannte Verletzungsmuster ergeben, und der Patient habe noch im Schockraum extubiert werden können (S. 2 oben).
Die Ärzte führten aus, aufgrund schlechter Führbarkeit des Patienten sei eine Sitzwache eingerichtet worden.
Bei persistierenden hyperaktiven deliranten Zu
ständen und uneinsichtigem sowie urteilsunfähigem Patienten
sei Rücksprache mit den Kollegen der Psychiatrie gehalten und eine Therapie mit Dipiperon begonnen worden. Am 5. Februar 2015 sei die Übernahme durch das Sanato
rium Z._ erfolgt (S. 3 oben).
3.3
Med. pract.
A._
, Oberärztin, und
Dr. med. B._
, Assistenzarzt,
Sana
torium
Z._
, stellten in ihrem Bericht vom 16. März
2015 (Urk. 14/20
/6-8) nach Aufenthalt des Beschwerdeführers vom
5.
bis 2
7.
Februar 2015 zur stationären psychiatrischen Behandlung folgende Diagnose (S. 1):
-
psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol; Abhängigkeits
syn
drom (ICD-10 F10.2)
-
rezidivierende Stürze mit Status nach Schenkelhalsfraktur rechts am
7.
April 2014 und Status nach Humeruskopffraktur rechts am 2
2.
Juni 2014
-
Status nach Schädelhirntrauma am
2.
Februar 2015 und am
5.
Juli 2013
-
rezidivierende epileptische Anfälle (am ehesten entzugsbedingt), aktuell unter Alkoholkarenz und Phenobarbital anfallsfrei
Als Nebendiagnose nannten
die Ärzte
eine psychische und Verhaltensstörung durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2).
Die Ärzte führten aus, d
er Pati
ent sei am 5. Februar 2015 per fürsorgerische
Unterbringung vom
Universitätsspital Y._
(Un
fall
chirurgie) wegen akuter Selbstgefährdung im Rahmen eines Verwirrt
heits
zu
standes nach Alkoholen
t
zugskrampfanfall und Schädel-Hirntrauma zur Weiter
be
handlung ins Sanatorium
Z._
verlegt worden (S. 1 Mitte).
Die vom
Universitätsspital Y._
begonnene Anfallsprophylaxe mit Phenobarbital sei von ihnen weiter
geführt worden
,
bei ansonsten unkompliziertem Alkoholentzug ohne relevante Entzugs
symptome beziehungsweise Rückfall. Die Leberwerte seien unter Alkoholkarenz im Verlauf rückläufig gewesen. Auf der Station habe sich der Patient angepasst und freundlich verhalten. Es sei zu einem einmaligen Alkoholkonsum während des Aufenthaltes am 2
0.
Februar 2015 gekommen (S. 2 unten).
Eine stationäre oder ambulante suchtspezifische Nachbetreuung habe er zu
nächst abgelehnt und angegeben, nie gänzlich auf Alkohol verzichten zu wollen.
A
ufgrund der fehlenden Krank
heits
einsicht und Urteilsfähigkeit im Hinblick auf das gesundheitliche Risiko im Falle eines Weiterkonsums von Alkohol und Medikation (Phenobarbital, Gefahr des Atemstillstandes) beziehungsweise eines Absetzens der Medikation (erneute Krampanfälle mit Gefahr von Stürzen und lebensbedrohlichen Verletzungen, unter anderem intrakranielle Blutungen), hätten sie bei unzureichender Stabilisierung ein hohes bis lebensbedrohliches Risiko für den Patienten bei Austritt in die häusliche Weiterversorgung ohne Sicherung einer ausreichend
en
ambulanten Weiterversorgung und Weiterbe
treu
ung gesehen. Es sei
en
daher eine Gefahrenmeldung an die
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (
KESB
)
sowie ein Antrag auf Beistandschaft gestellt worden (S. 3 oben).
3.4
Dr. med. C._
,
Oberarzt, und med. pract. D._
, Assistenzärztin, Sanatorium
Z._
, stellten in ihrem Bericht vom
8.
Januar
2016 (
Urk.
14/42) nach erneuter stationärer Behandlung des Beschwerdeführers vom 1
0.
November bis 1
4.
Dezember 2015 (vgl.
Ziff.
1.3) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, mnestisches Syndrom (ICD-10 F10.6), bestehend seit unbekanntem Zeitraum
-
Störung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanz
ge
brauch (ICD-10 F10.25)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine Leberzirrhose (
Ziff.
1.1).
Die Ärzte führten aus, der Beschwerdeführer sei per
fürsorgerische Unterbringung am 10. November 2015 über das See Spital Horgen
notfallmässig zur Krisenintervention eingetreten. Laut Fremdanamnese sei es ihm nicht mehr möglich, sich in seiner Wohnung selbständig zu versorgen. Sein Einspruch gegen die fürsorgerische Unterbringung sei im Verlauf am 1
7.
Novem
ber 2015 durch das Gericht abgelehnt worden. Parallel dazu habe die KES
B
eine behördlich
e
fürsorgerische Unterbringung ein
geleitet
(Beschluss vom
25. November 2015) und der Beschwerdeführer habe eine Beiständin zugewie
sen
bekommen.
Dem aktuellen Alkoholentzugssyndrom sei während des stationären Aufent
hal
tes mit diversen Medikamenten erfolgreich entgegengewirkt worden. In den ärztlichen und bezugspflegerischen Gesprächen habe sich deutlich eine kogni
tive Schwäche des Patienten gezeigt, indem es ihm immer wieder schwer gefallen sei, adäquat auf Fragen zu antworten. Auf die Frage, ob er ein Alkoholproblem habe, habe er mit Nein geantwortet. Der Patient sei nur teil
weise bis gar nicht krankheits- und behandlungseinsichtig. Es bestünden keine Hinweise auf Suizidalität oder Fremdgefährdung (
Ziff.
1.4).
3.5
Med. pract. E._
, Leitender Arzt, Pflegezentrum
F._
,
stellte in seinem Bericht vom
2
7.
Juni 2016 (
Urk.
14/53/1-5)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, aber in beschüt
zen
der Umgebung (ICD-10 F10.21)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung (ICD-10 F10.71)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, andere kognitive Beeinträchtigungen (ICD-10
F 10.74)
-
vermutlich seit vielen Jahren bestehendes Alkoholabhängig
keits
syn
drom, welches vom Patienten bagatellisiert werde
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte med. pract. E._ eine dekompensierte Leberzirrhose Child C, grosse Oesophagusvarizen mit red spots, eine Refluxoesophagitis Grad II, Fundusvarizen, eine hypertensive Gastropathie, einen Diabetes mellitus Typ II seit April 2016, eine leichte Niereninsuffizienz, wahrscheinlich prärenal bedingt und eine Läsion des rechten Schultergelenks mit unvollständiger Hebung des rechten Armes (Ziff. 1.1).
Med. pract. E._ führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 14. Dezember 2015 bei ihm in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 15. Juni 2016 erfolgt (Ziff. 1.2). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in leitender Funktion bei der Swisscom bestehe seit dem 14. Dezember 2016 (richtig wohl: 2015) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Es bestehe ein Mangel bei Tätigkeiten, die geplant werden müssten. Dazu habe der
Patient unrealistische Vorstellungen von seiner Arbeitsleistung. Er überschätze sich masslos, sein Sozialverhalten sei enorm gestört
, er gerate immer wieder in Konflikte und werde von den Mit
bewohnern gemieden.
Kognitive Störungen seien zu vermuten, weshalb der Patient zur kognitiven Testung im Psychiatrie-Zentrum
I._ angemeldet worden sei. Gegenwärtig arbeite er nur sechs Stunden in der Woche in einer geschützten Werkstatt. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei für 10 Stunden pro Woche in einer geschützten Werkstatt möglich (Ziff. 1.7).
Med. pract. E._ führte aus,
der Patient bagatellisiere sein Alkoholabhängig
keitssyndrom und verkenne seinen äussert schlechten körperlichen Zustand
. Ausserhalb des
Rahmens
der geschlossenen Abteilung
sei mit der Gefahr lebens
gefährlicher Komplikationen wie Oesophagusblutungen oder mit der Entglei
sung des insulinpflichtigen Diabetes zu rechnen
(Ziff. 1.4).
3.6
Dr. med. G._, Oberärztin, und lic. phil. H._, Fachleiterin Neuropsychologie, Psychiatriezentrum I._,
Clienia
J._
,
nannten in ihrem neuropsychologischen Untersuchungsbericht vom
5.
Septem
ber 2016 (
Urk.
14/58)
nach am 29. Juli 2016 in ihrem Zentrum durchgeführter Untersuchung des Beschwerdeführers als Diagnose eine leichte kognitive Störung mit Aufmerksamkeits- und exekutiven Defiziten, ätiologisch-pathoge
ne
tisch am ehesten im Rahmen des übermässigen Alkoholkonsums (ICD-10 F10), allenfalls verstärkt durch die beiden Schädel-Hirn-Traumata in den Jahren 2013 und 2015 (S. 6 oben). Die Fachpersonen führten aus, im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung hätten sich beim Patienten bei einem grössten
teils unauffälligen kognitiven Leistungsvermögen leichte Defizite in den Bereichen Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen objektivieren lassen. Be
züg
lich der allgemeinen intellektuellen Leistungen hätten sich kursorisch geprüft Hinweise auf ein überdurchschnittliches prämorbides Intelligenzniveau ergeben (S. 5 Mitte).
Zur Funktions- und Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, bei einer leichten kognitiven Störung sei die Funktionsfähigkeit im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen in der Regel nicht eingeschränkt. Schwierigkeiten seien aufgrund der exekutiven Defizite vor allem bei Aufgaben zu erwarten, die von routinierten Handlungen abwichen und ein hohes Mass an Komplexität auf
wiesen.
Die oben dargestellten Befunde bezögen sich jedoch nur auf die kognitive Leistungsfähigkeit, nicht berücksichtigt worden seien dabei die so
wohl fremdanamnestisch beschriebenen als auch beobachteten Verhaltensauf
fälligkeiten.
Zudem habe der Patient ein deutlich ausgeprägtes Bagatellisie
rungs
verhalten (S. 6 Mitte). Die in der Untersuchung objektivierte deutliche Konfabulationstendez scheine auch in den Eigenangaben des Patienten durch
zudringen. Die beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten vermöchten die Funk
tions
fähigkeit in Alltag und Beruf zusätzlich zu beeinträchtigen.
Aus den Äusserungen des Patienten lasse sich erahnen, dass er nicht Willens sei, die im stationären Rahmen erarbeitete Abstinenz aktuell aufrecht zu erhal
ten. Bei Wiederaufnahme des Alkoholkonsums bestehe jedoch die akute Gefahr einer erneuten Verschlechterung der kognitiven Funktionen, was aus neuropsy
chologischer Sicht tunlichst zu vermeiden wäre (S. 6 unten)
3.7
Med. pract.
E._
führte in seinem Bericht vom
2
1.
Februar 2017 (
Urk.
14/74)
aus, der Beschwerdeführer sei am 14. Dezember 2015 auf die geschlossene Abteilung des Pflegezentrums F._ eingetreten, dies im Rahmen einer fürsor
gerischen Unterbringung, die von der KESB des Bezirks K._ ausgesprochen worden sei. Der Beschwerdeführer befinde sich aus heutiger Sicht nach wie vor gegen seinen ausdrücklichen Willen in ihrer Einrichtung. Er sei am 10. Novem
ber 2015 notfallmässig ins Sanatorium Z._ zugewiesen worden, nachdem er während der polizeilichen Wohnungsräumung mit dem Messer im betrun
kenen Zustand Drohungen gegen sich und andere ausgesprochen habe. Er habe seine Miete nicht mehr bezahlt, seine Wohnung sei völlig verwahrlost gewesen, und er habe erhebliche Mengen Alkohol konsumiert (S. 1 Mitte).
In seiner Beurteilung führte med. pract. E._ aus, der Beschwerdeführer leide
neben der Alkoholabhängigkeit unter einer kombinierten Persönlichkeits
störung mit paranoiden, dissozialen und narzisstischen Zügen, was zu einer deutlichen Störung des Sozialverhaltens und immer wieder zu Konflikten im Zusammenleben mit anderen Menschen führe. Dies mache ihn unfähig, sich trotz seiner überdurchschnittlichen Intelligenz (
IQ bei psychologischer Testung auf 136 geschätzt) sozial zu integrieren. Sein Verhalten verunmögliche es ihm, sich erfolgreich um einen geeigneten Arbeitsplatz zu bemühen, und es sei als unrealistisch zu betrachten, dass er auf dem freien Arbeitsmarkt einen geeig
neten Arbeitsplatz erhalte (S. 3 oben). Er glaube, dass die Gründe für die jetzige Situation, mit welcher er sehr unzufrieden sei, ausserhalb seiner eigenen Person lägen. Seine Arbeitslosigkeit (zuletzt etwa 2010 gearbeitet) sei entstanden, weil
eine ausländische Diebesbande das Lager ausgeraubt habe und die Firma da
nach
in Liefer- und in finanzielle Schwierigkeiten geraten sei, weswegen er trotz
guter Leistungen entlassen worden sei. Aufgrund seines Alters (damals 42-jährig
) und trotz vieler Bewerbungen habe er keine Stelle mehr gefunden. Med. pract. E._ führte aus, der Beschwerdeführer arbeite sechs Stunden pro Woche in einer geschützten Werkstatt, lehne jedoch einer Erhöhung des Pensums bis auf
20 Stunden pro Woche wegen der niedrigen Bezahlung vehement ab (S.
1 un
ten
f.).
Sein Verhalten gegenüber Autoritätspersonen wie Ärzten, Juristen und Behördenmitglieder sei durch abwertende Äusserungen und durch in Frage stellen der Kompetenzen gekennzeichnet (S. 2 oben).
Der Beschwerdeführer trage wochenlang die gleiche ungewaschene Kleidung und mische rohen Knoblauch unter sein Essen. Er wasche sich nur äusserst selten, so dass seine Erscheinung verwahrlost wirke. Er sei bereit, die Kleider im Waschbecken zu waschen, was aber den Stations- und Hygieneregeln wider
spreche. Die Waschmaschine sei ihm angeblich nicht hygienisch genug (S. 2 Mitte)
. Der Beschwerdeführer leide unter einem insulinpflichtigen Diabetes melli
tus, habe jedoch irgendwann die vom Arzt verordneten Insulinabgaben
ver
weigert, die ärztlichen Kompetenzen angezweifelt und seine subjektive Wahr
nehmung über seine Lebenserwartung höher eingeschätzt, als das ärztliche Wissen. Seine Blutzuckerwerte hätten lebensgefährlich hohe Werte erreicht, so dass der Beschwerdeführer mehrmals Gefahr gelaufen sei, in ein diabetisches Koma mit letalem Ausgang zu fallen. Weiter leide er unter Oesophagusvarizen Grad II. Infolge dieser Erkrankung bestehe das Risiko, dass sich lebens
ge
fährliche Blutungen entwickelten. Auch diesbezüglich habe der Beschwerde
führer die Medikament zur Prophylaxe verweigert, indem er das medizinische Fachwissen in Frage gestellt und ignoriert habe (S. 2 unten f.).
3.8
Med. pract. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 3. April 2017 (Urk. 14/76/4) aus, die im Arztzeugnis von med. pract. E._ vom 21. Februar 2017 erstmals gestellte Diagnose der kombinierten Persönlichkeits
störung (paranoid, dissozial, narzisstisch)
sei unter Berücksichtigung der bishe
rigen Lebensgeschichte des Kunden nicht nachvollziehbar
. Im neuropsy
cholo
gischen Untersuchungsbericht sei eine leichte kognitive Störung diagnostiziert. Damit sei von der Reversibilität der anamnestisch bekannten, während fort
gesetztem Alkoholkonsum aufgetretenen Einschränkungen auszugehen
. Die im Bericht von med. pract.
E._
dokumentierten Verhaltensauffälligkeiten seien glaubhaft, beruhten aber nicht auf einem dauerhaften Gesundheitsschaden. Die Verhaltensauffälligkeiten würden somit die versicherungsfremde Zumutbarkeit des Kunden für einen Arbeitgeber betreffen. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein die Arbeitsfähigkeit dauer
haft einschränkender Gesundheitsschaden ausgewiesen
.
4.
4.1
Die
Beschwerdegegnerin
stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfügung a
uf die Stellungnahmen ihres RAD-Arztes m
ed. pract.
L._ vom April 2017 (vgl. vorstehend E. 3.8) und
stellte sich auf den Standpunkt,
dass
kein die
Arbeits
fähigkeit dauerhaft einschränkender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei,
indem die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung unter Berück
sich
tigung der bisherigen Lebensg
eschichte nicht nachvollziehbar
und d
ie leichte kognitive Störung
auf den anamnestisch fortgesetzten Alkoholkonsum zurück
zu
führen
sei
.
Weiter seien die
Verhaltensauffälligkeiten
des Beschwerde
führers
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht relevant (vgl. vorsteh
end E.
2.2)
.
4.2
Dieser Einschätzung der Beschwerdegegnerin kann aufgrund
der nach
folgenden Ausführungen nicht
gefolgt werden.
Wie ausgeführt (vgl. vorstehend E. 1.3)
begründet eine Sucht für sich gesehen keinen Anspruch auf Leistungen der Inva
lidenversicherung. Sie wird jedoch
bedeutsam, wenn
sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetre
ten ist,
oder aber wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt
.
Vorliegend sind selbst in dem im Rahmen der fürsorgerischen Unterbringung im Pflegezentrum F._ erreichten alkoholabstinenten Zustand des Beschwerde
füh
rers massive Verhaltensstörungen beschrieben (vgl. vorstehend E. 3.5 und E.
3.7)
, welche in Anbetracht des Ausmasses und der bislang daraus resultieren
den Konsequenzen nicht einfach als „die
versicherungsfremde Zumutbarkeit des
Kunden für einen Arbeitgeber" (vgl. vorstehend E. 3.8) betreffend abgetan werden
können, sondern einer sorgfältigen psychiatrischen und vor dem Hintergrund der im Juli 2013 und im Februar 2015 erlittenen Schädel-Hirn Traumata (vgl. vorstehend E. 3.1-2) auch der erneuten neurologischen Abklärung bedürfen. Med. pract. E._ erachtete den Beschwerdeführer bereits in seinem Bericht vom Juni 2016 (vgl. vorstehend E. 3.5) lediglich noch im geschützten Rahmen für arbeitsfähig und führte weiter aus, dass er seinen äussert schlechten körperlichen Zustand verkenne. Med. pract. E._ hielt weiter fest, dass ausserhalb des schützenden Rahmens infolge der Malcompliance des Beschwer
de
führers mit lebensgefährlichen Komplikationen wie Oesophagusblutungen oder der Entgleisung des insulinpflichtigen Diabetes zu rechnen sei.
Die von med. pract. E._ im Februar 2017 diagnostizierte kombinierte Per
sönlichkeitsstörung mit paranoiden, dissozialen und narzisstischen Zügen darf vorliegend nicht ohne genauere Abklärungen und mit Verweis auf die bisherige Lebensgeschichte verneint werden. So geht nämlich aus dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug; Urk. 14/10) hervor, dass der Beschwerdeführer in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Stellenwechsel hatte und zwischenzeitlich mehrfach arbeitslos war, was auf eine derartige Problematik hindeuten kann. Weiter ist in Anbetracht der Äusserungen des Beschwerdeführers gegenüber med. pract. E._ fraglich, ob hinsichtlich der Stellenverluste ohne Einholen eines Arbeitgeberberichtes ohne Weiteres auf die Angaben des Beschwerde
führers abgestellt werden kann (vgl. vorstehend E. 3.7).
Im Übrigen vermuteten auch die Fachpersonen der Rehaklinik M._ im Rahmen des Aufenthalts des Beschwerdeführers vom 17. bis 26. Juli 2013 in der statio
nären Neurorehabilitation nach der im Juli 2013 erlittenen traumatischen Hirnverletzung die Verhaltensauffälligkeiten als in Zusammenhang mit der Primärpersönlichkeit stehend. Durch die frontale Hirnverletzung hätten die Ver
haltensauffälligkeiten eine weitere Akzentuierung erfahren (vgl. Urk. 14/15/37-40
S. 3 Mitte).
Auch in somatischer Hinsicht erweist sich der medizinische Sachverhalt in Anbetracht der in den Berichten der Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsspital Y._, vom Februar 2015 (vgl. vorstehend E. 3.1-2) dokumentierten verschiedenen massi
ven Unfällen als ungenügend abgeklärt. So wurden unter anderem Diag
nosen betreffend die Halswirbelsäule gestellt, zudem erlitt der Beschwerdeführer im Juli 2013 und im Februar 2015 jeweils ein Schädel-Hirn-Trauma, im April 2014 eine intermediäre Schenkelhalsfraktur sowie im Juni 2014 eine dislozierte mehrfragmentäre Humerusfraktur rechts sowie mehrere epileptische Anfälle, wobei ungeklärt blieb, ob überhaupt und wenn ja in welchem Ausmass allfällige Restfolgen hiervon Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers zeitigen.
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheid
relevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
In Anbetracht der
von med. pract. E._ beschriebenen Situation und der erlittenen zahlreichen schweren Unfälle genügt die vorliegende Aktenbeurtei
lung durch RAD-Arzt med. pract. L._ nicht, um der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers gerecht zu werden.
Die Sache ist demnach an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit sie den psychischen
und somatischen
Gesundheitszustand de
s Beschwerdeführers
im Rahmen eines
polydisziplinären Gutachtens abklärt. Die Gutachter haben in diesem Zusammenhang auch dazu
Stellung zu nehmen, ob das
Alkohol
ab
hängig
keitssyndrom eine Krankheit bewirkt hat, in deren Folge ein die Erwerbs
fähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder ob das
Alkohol
abhängigkeitssyndrom selber Folge eines Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt.
4.4
Zusammenfassend
fehlt es an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beur
teilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers und damit an der Grundlage für einen Entscheid. Zur Beurteilung seiner invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche bedarf es daher zunächst zusätz
licher medizinischer Grundlagen.
Die angefochtene Verfügung vom
7
.
April
2017 (Urk. 2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Entscheid über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
Unter diesen Umstä
nden erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers
um unentgeltliche Prozessführung
(
Urk.
1 S. 2)
als gegenstandslos.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rig
keit des Prozesses und beim massgebenden Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘5
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzulegen.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2) erweist sich damit ebenfalls gegenstandslos.