Decision ID: 5cf848b2-7765-4239-adc8-f7f83d5fe6cc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
am 28. April
1959
, war
vom 1. Januar
1981 bis
am
30. April 2002 als Gipser bei der
Y._
AG angestellt (
Urk.
7/3). Am 23. Okto
ber 2002 meldete er sich wegen Rückenschmerzen, Schmerzen im linken Bein und Schwindel bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zur Umschulung auf eine neue Tätigkeit an (
Urk.
7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, schrieb dieses Gesuch um berufliche Massnahmen am
11
.
Dezember
2002
als erledigt
ab
(
Urk.
7/9)
und sprach dem Versicherten am 15. Oktober
2004 eine vom
1
. Mai 2003 bis am
29. Februar 2004 befristete ganze Invalidenrente zu
(
Urk.
7/53)
.
1.2
In der Folge
nahm
der Versicherte
im Jahr 2006
mit einem eigenen
Gipserei
-
geschäft
eine selbständige Tätigkeit
auf
und arbeitete vorab im administrativen Bereich. Wegen
im Jahr 2009 beginnender
finanzieller Sc
hwierigkeiten
entliess er seine Söhne und
musste körperlich strenge Arbeiten nun selbst ausführen
(vgl.
Urk.
7/87)
. Am 11.
August 2011 meldete der Versicherte sich
wegen
einer erneuten Arbeitsunfähigkeit infolge von
Wirbelsäulen
beschwerden, Rücken
schmerzen und Schmerzen des linken Beins
bei der Eidgenössischen Invaliden
versicherung
zur beruflichen Integration und zum Rentenbezug
an
(
Urk.
7/64)
. Im Rahmen eines Arbeitsversuchs
war
der Versicherte
vom 23. Januar bis
am
20. Juli 2012
als Gipser in einem Pensum von 50
%
im Betrieb seines Sohnes
tätig
(
Urk.
7/85)
.
Am 6. Dezember 2012 verneinte die IV-Stelle einen Renten
anspruch mit der Begründung, der Versicherte sei in einer leidensangepassten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig und bei einem Invaliditätsgrad von 35
%
bestehe kein Rentenanspruch
(
Urk.
7/114)
. Hiergegen liess der Versicherte am 31. Dezember 2012 Beschwerde erheben
(
Urk.
7/115/3-6)
. Diese Beschwerde wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 31. Mai 2013 in dem Sinne gutge
heissen, dass die Sache aufgrund unklarer und widersprüchlicher ärztlicher
Feststellung
en
an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese d
ie gesund
heitlichen Beschwerden und deren
Bedeutung für
die Arbeitsfähigkeit abkläre und neu entscheide (
Verfahren Nr. IV.2013.00
0
02;
Urk.
7/117).
1.3
In Umsetzung des Urteils vom 31. Mai 2013 (
Urk.
7
/
117) gab die IV-Stelle bei der
Z._
GmbH ein polydisziplinäres (
allge
mein
internistisch
es
, orthopädisch
es
, neurologisch
es
, psychiatrisch
es
) Gutachten in Auftrag, welches am 14. Juli 2014 erstattet wurde (
Urk.
7/140
/1-29
).
Mit dem Vorbescheid vom 2
2.
Juli 2014 stellte die IV-Stelle
,
ausgehend von
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in seinem bisherigen Beruf seit 11. August 2011 und
einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit
sowie
einem Invaliditätsgrad von 36
%
eine Verneinung des
Rentenanspruchs in Aus
sicht (
Urk.
7/144). Hiergegen liess der Versicherte am 28. Juli 2014
einen
Ein
wand erheben (
Urk.
7/145), welchen er am 5. September 2014 begründen liess (
Urk.
7/150). Mit Verfügung vom 24. September 2014 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Urs Keller, am 24. Oktober 2014 Beschwerde erheben. Er beantragte
die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer Invalidenrente (
Urk.
1). In der Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG]
).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle trat auf die Neuanmeldung vom 11. August 2011 ein, prüfte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse und wies das neue Rentengesuch nach Durchführung beruflicher Massnahmen
mit
der
Verfügung vom
6. Dezem
ber 2012
ab
(
Urk.
7/114)
. In der Folge wies das Sozialversicherungsgericht die Sache
mit Urteil vom 31. Mai 2013
zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen zurück
(
Urk.
7/117)
. Nach Vornahme dieser Abklärungen ver
neinte die IV-Stelle den Rentenanspruch
mit der angefochtenen Verfügung vom 24. September 2014
erneut
(
Urk.
2)
. Zu prüfen ist noch immer, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Aufhebung der befristet zugesprochenen Invalidenrente per Ende Februar 2004 in einer Weise verändert hat, die erneut einen Rentenanspruch begründet
(vgl.
Urk.
7/117 E. 2)
.
2.2
Die IV-Stelle begründet
e
ihre
Verneinung
eines Rentenanspruch
s
in der
angefoch
tenen
Verfügung vom 24. September 2014
damit, der Versicherte sei in einer leidensangepassten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig. Unter Berück
sichtigung eines leidensbedingten Abzugs in der Höhe von
10
%
vom
Invali
deneinkommen
resultiere ein Invaliditätsgrad von 36
%
und somit kein Renten
anspruch (
Urk.
2). In der Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2014 begründete die IV-Stelle
vor allem
, weshalb kein leidensbedingter Abzug in der Höhe von 20
%
gerechtfertigt sei (
Urk.
6).
2.3
Der
Beschwerdeführer
liess in der Beschwerde vom 24. Oktober 2014 insbeson
dere vorbringen, das Invalideneinkommen sei anhand de
s
vom Beschwerdefüh
rer seit dem 1. September 2014
erzielten Einkommens als
G
ipser in einem Pen
sum von 50
%
konkret zu bestimmen. Aufgrund der persönlichen und berufli
chen Gegebenheiten finde der 56jährige Beschwerdeführer auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keinen Arbeitgeber, welcher ihn in einer zumutbaren Verweistätigkeit, welche mit einem Berufs
wechsel verbunden wäre, beschäftigen würde. Falls das Invalideneinkommen dennoch anhand von Tabellenlöhnen be
stimmt
w
erde
, so sei von einem Leidensabzug von 20
%
und nicht von
lediglich
10
%
auszugehen (
Urk.
1).
3.
3.1
Nach Rückweisung der Sache mit Urteil vom 31. Mai 2013 (
Urk.
7
/
117) gab die IV-Stelle zur Vornahme der nötigen Abklärungen beim
Z._
ein
polydisziplinä
res
Gutachten in Auftrag.
Für
dieses
polydisziplinäre Gutachten des
Z._
vom 14. Juli 2014
(
Urk.
7
/
140)
wurde der Versicherte
allgemein
internistisch, psychiatrisch, orthopädisch und neurologisch abgeklärt. Die Gutachter hielten als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein
residuelles
radikuläres
Syndrom S1 (ICD-10 G54.4) bei chronischem
lumbovertebralem
Schmerzsyn
drom
(ICD-10 M54.5/Z98.8)
fest
. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit
führten
sie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), ein metabolisches Syndrom (Diabetes mellitus Typ II, arterielle Hypertonie, Übergewicht,
Hyperlipidämie
), eine latente Hypothyreose (ICD-10 E03) und eine anamnestisch psychomotorische Epilepsie (ICD-10 G40.8) mit Anfallsfreiheit seit 2002 unter sehr niedrig dosiertem
Carbamazepin
auf
(
Urk.
7/140/25). In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung führten die Gutachter aus, ohne Einbezug von neurologischen Faktoren könne ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit einer mittelgradigen Bewegungseinschränkung der Lendenwirbelsäule festgestellt werden.
Es bestehe ein
e
Diskushernie LWK5/SWK mit Affektion der
Nervenwurzel S1 links, jedoch
seien
nur mässige degenerative Veränderungen
vorhan
d
en
. Aus neurologischer Sicht könn
e ein
residuelles
radikuläres
S
yndrom S1 nachgewiesen werden, was zu einer qualitativen wie quantitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe. Für die angestammte Tätigkeit als Gipser wie auch für jede andere kör
perlich schwere und dauerhaft mittelschwere Tätigkeit bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50
%
. Aufgrund des früheren Anfallsverdachts sollten zudem Tätigkeiten mit häufig wechselnden Arbeitszeiten und Nachtschichten vermieden werden. Unter Berücksichtigung
dieser
Einschränkungen bestehe für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100
%
. Aus psychiatrischer und
allgemeininternis
tischer
Sicht fänden sich keine Befunde und Diagnosen, welche eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Zusammenfassend könne somit für die angestammte Tätigkeit wie auch für jede andere körperlich schwere und dauer
haft mittelschwere Tätigkeit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50
%
festgestellt werden. Für eine körperlich leichte, adaptierte Tätigkeit unter Wechselbelastung bestehe dagegen eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100
%
. Seit dem Jahr 2011 habe für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Zwischen der gutachterlichen Beurteilung und der Selbsteinschätzung des Ver
sicherten, der sich aufgrund seiner Beschwerden nicht mehr arbeitsfähig fühle, bestehe eine Diskrepanz. Es hätten jedoch keine Befunde und Diagnosen eruiert werden können, welche eine volle Arbeitsunfähigkeit begründen könnten. Aus der Sicht des Bewegungsapparates sei eine erhebliche Diskrepanz zwischen den anamnestischen Schmerzschilderungen und den objektivierba
r
en Befunden festgestellt worden
. Aus
psychiatrischer Sicht sei eine somatisch angepasste Tätigkeit mit voller Leistung zumutbar (
Urk.
7/140/27-28).
Das
Z._
-Gutachten ist schlüssig begründet, weshalb auf die darin festgestellten gesundheitlichen Beschwerden und die darin ermittelte Arbeitsfähigkeit abge
stellt werden kann.
Es
gehen
denn auch
s
owohl die IV-Stelle als auch der Beschwerdeführer von der im
Z._
-Gutachten ermittelten Arbeitsfähigkeit aus (
Urk.
1
,
Urk.
2).
Anzumerken ist, dass der Versicherte im September 2014 eine Teilzeittätigkeit als
Hilfsg
ipser
in einem Pensum von 50
%
aufgenommen hat (
Urk.
7/149), was ebenfalls zeigt, dass keine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit vorliegt
, sondern die objektive Einschätzung der Gutachter zutrifft.
3.2
Durch
Einkommensvergleich
ist
der Invaliditätsgrad zu berechnen und somit abzuklären, ob ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht (vgl. E. 1.3).
D
as
Valideneinkommen
ist grundsätzlich
anhand des vor Eintritt des
Gesund
heitsschadens
zuletzt erzielten Lohns zu bestimmen.
Die IV-Stelle legte das
Valideneinkommen
des Versicherten basierend auf dem Auszug aus dessen
Individuellen Konto
(
Urk.
7/69)
und der Lohnabrechnung 2010
(
Urk.
7/109/28)
fest, wobei sie einen Durchschnitt der Jahreseinkommen aus den Jahren 2008, 2009 und 2010 ermittelte
. Dies ist
angesichts der schwankenden
Einkommen des in diesen Jahren selbstständig erwerbstätig
gewesenen
Versicherten
ange
messen
. D
as
-
wie ausgeführt
-
ermittelte
Valideneinkommen
entspricht einem
Jahresbruttoeinkommen in der Höhe von
Fr.
87‘217.--
(
Urk.
7/141)
,
was
vom
Versicherte
n
in seiner Beschwerde auch nicht in Frage
gestellt
wurde
(
Urk.
1
) und worauf
abzustellen ist
.
3.3
Was die Bestimmung des
Invalideneinkommen
s betrifft, so machte der Versi
cherte geltend, dieses sei nicht anhand von Tabellenwerten zu bestimmen, son
dern es sei auf das von ihm
aktuell
konkret
erzielte Einkommen als Gipser
in
einer 50%igen Erwerbstätigkeit abzustellen, welches
brutto jährlich
Fr.
30‘000.--
betrage
. Die Restarbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit sei auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertbar
, weshalb er seine Arbeitsfähigkeit mit seiner Tätigkeit
als Hilfsgipser
in zumutbarem Umfang ausschöpfe
(
Urk.
1).
3.3.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b/
aa
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 850/05 vom 21.
August 2006 E. 4.2).
3.3.2
Sind die
Voraussetzungen
nicht
gegeben
, so
wird
das
Invalideneinkommen
als
hypothetischer
Wert
ermittelt
,
gestützt
auf
ein
Einkommen
, das auf
dem
allge
meinen
Arbeitsmarkt
erzielt
würde
.
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium aner
kannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegeben
heiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene
Rester
werbsfähigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. Der Einfluss des Lebensal
ters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt ab von den Umständen, die mit Blick auf die Anforderungen der Verweisungstätigkeiten
massgebend
sind (Urteil
des Bun
desgerichts 9C_954/2012 vom 10.
Mai 2013 E.
2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 107 V 17 E.
2c).
Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einar
beitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bun
desgerichts 9C_734/2013 vom 13.
März 2014 E. 2.1 mit Hinwei
sen).
Gemäss BGE 138 V 457 E.
3.4 steht die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit fest, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13.
März 2014 E.
2.2 mit weiteren Hinweisen).
D
er Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist ein theoretischer und abstrak
ter Begriff, welcher einen Arbeitsmarkt
bezeichnet
, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschliessendes Einkom
men zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 321
E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.2). An die Konkreti
sierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur soweit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des Inval
iditätsgrades gewährleistet ist
.
3.4
Der Versicherte war im massgeblichen Zeitpunkt -
am
14. Juli 2014
,
als seine ver
bleibende Restarbeitsfähigkeit
durch das
Z._
-Gutachten festgestellt wurde
(
Urk.
7/140)
- 55 Jahre alt. Es verbl
ie
ben ihm
von diesem Zeitpunkt
bis zum Eintritt ins ordentliche Rentenalter somit noch
nahezu
zehn Arbeitsjahre
.
Hilfs
arbeiten
, wie sie für den Versicherten in Frage kommen,
sind auf dem hypothe
tischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig gefragt (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 20. Juli 2004 in
Sachen D.
, I
39/04 E. 2.4). Zudem ist der Versicherte in einer
behinderungs
an
gepassten
Tätigkeit in einem Vollpensum arbeitsfähig. Die angepasste Tätigkeit wurde im
Z._
-Gutachten als
körperlich leichte
, adaptierte
Tätigkeit unter
Wechselbelas
tung
beschrieben,
wobei zudem Tätigkeiten mit häufig wechseln
den Arbeitszei
ten und Nachtschichten zu vermeiden seien. Damit unterliegen die zumutbaren körperlich leichten Tätigkeiten nicht derart vielen Einschrän
kungen, dass eine Anstellung nicht mehr als realistisch zu bezeichnen wäre (vgl. demgegenüber die Situation eines knapp 64-jährigen Versicherten mit multip
len, die
Arbeitsfä
higkeit einschränkenden Beschwerden und einer 50%igen, durch verschiedenste Auflagen zusätzlich limitierten Arbeitsfähigkeit im Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 4. April 2002 in Sachen W.,
I 401/01)
.
Tätigkeiten mit einem solchen
,
nicht allzu eingeschränkten
Anforderungsprofil
,
sind
zudem
entgegen den Ausfüh
rungen des Versicherten (
Urk.
1)
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
ausrei
chend
vorhanden
, wobei an Tätigkeiten in der Produktion oder
Kontrolltätig
keiten
zu denken ist, welche zum Teil durchaus
wechselbelas
tend
ausgestaltet sind
.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass in Industrie und Gewerbe Arbeiten, welche physische Kraft verlangen, seit vielen Jahren und in ständig zunehmen
dem Ausmass durch Maschinen verrichtet werden, während den Über
-
wachungsfunktionen
wie auch im Dienstleistungsbereich
grosse und wachsende Bedeutung zukommt.
Insgesamt besteht auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt durchaus die entsprechende Nachfrage für
den gesundheitli
chen Einschränkun
gen des Beschwerdeführers angepasste Tätigkeiten
, auch unter Berücksichtigung der bisherigen Arbeitserfahrung des Beschwerdeführers, welche neben seiner langjährigen Tätigkeit als Gipser im Rahmen von dessen selbständiger Tätigkeit immerhin auch gewisse Administrativtätigkeiten um
fasste
(vgl.
Urk.
7/87)
.
Es ist somit festzuhalten, dass der Versicherte seine Arbeitsfähigkeit als Gipser mit einem 50%-Pensum nicht voll ausschöpft, we
shalb nicht auf das mit dieser Tätigkeit erzielte Einkommen abzustellen ist. Anzumerken ist, dass es auch an der besonderen Stabilität d
i
es
es
Arbeitsverhältnisses fehlt, da dieses erst im September 2014 aufgenommen
worden ist
(
Urk.
7/149
). Daran vermag die Tat
sache, dass
sich
das
ihn beschäftigende
Unternehmen
im Eigentum seines Sohnes befindet,
nichts
zu ändern
.
3.
5
Die IV-Stelle hat
zur Ermittlung
d
es
Invalideneinkommen
s
somit zu Recht
auf die Tabelle TA 1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2010 abgestellt
.
Der standardisierte Monatslohn
(
Vollzeit
äquivalent
basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden
)
für
einfache und repetitive Tätigkeiten
(Anforderungsniveau 4)
für Männer
betrug
Fr.
4‘901
.--.
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend.
Da der Versicherte sich am 11. August 2011 bei der Invalidenversicherung anmeldete und somit ein Ren
tenanspruch ab 2012 zur Diskussion steht,
sind
die Tabellenwerte auf das Jahr 2012 aufzurechnen. Der Tabellenlohn
ist
somit
auf die im Jahr
2012 über alle Sektoren durchschnittliche betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.
7
Stunden hochzurechnen (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabtei
-
lungen
,
NOGA 20
08
des BFS, Periode 1990-2013
,
abrufbar im Internet
) sowie an die Nominallohnentwicklung anzupassen (BFS, Schweizerischer Lohnindex nach Branche
[2010 = 100, im Internet abrufbar], Nominallohnindex Männer [T1.1.10], Total; 2012:
101
.7). Daraus
resultiert ein jährliches Bruttoeinkommen von
Fr.
62‘354.-- (
Fr.
4‘901.-- x
12 :
40 x 41.7 x 1.017).
3.
6
Zu
prüfen
b
leibt
,
ob
sich der von der IV-Stelle
vorgenommene
behinderungs
-
be
dingte
Abzug vom Tabellenlohn
im Umfang von 1
0
%
als angemessen erweist oder ob wie vom Versicherten geltend gemacht (
Urk.
1) ein Abzug in der Höhe von 20
%
vorzunehmen ist
.
Wird das Invalideneinkommen
wie hier
auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)
Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der
Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die
gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiter
hin körperlich schwere Arbeit zu verrichten,
gemäss
der Rechtsprechung
nicht automatisch zu einer Verminderung des hypothetischen Invalidenlohnes
führt
, weil der Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.4).
Auch das
fortgeschrittene
Alter führt nicht automatisch zu einem Abzug, zumal sich dieses im Anforderungsniveau 4 so
gar eher lohnerhöhend auswirkt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2)
und in Bezug auf
das Anforderungsniveau 4
vermag
die lange Betriebszugehörigkeit keinen Abzug zu rechtfertigen (Urteil des Bundes
gerichts 9C_455/2013 vom 4. Okto
ber 2013 E. 4.1 mit Hinweisen).
Angesichts des Alters des Versicherten und der vergleichsweise eher geringen Einschränkungen der Einsatzmöglichkeiten erweist sich ein
Leidensa
bzug in der Höhe von 10
%
vom Tabellenwert
als sicherlich
ausreichend. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass der Versicherte die angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 100
%
ausüben kann.
Es resultiert somit ein Invalideneinkommen in der Höhe von
Fr.
56‘119.-- (
Fr.
62‘354.-- x 0.9).
3.
7
Wird das
Valideneinkommen
in der Höhe von
Fr.
87'217.-- dem
Invalidenein
kommen
in der Höhe von
Fr.
5
6
‘
119
.-- entgegengesetzt, so resultiert eine Erwerbseinbusse in der Höhe von
Fr.
3
1
‘
098
.-- und ein Invaliditätsgrad von gerundet 3
6
%
. Es besteht
daher kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Verfügung vom 24. September 2014 (
Urk.
2) erweist sich somit als korrekt und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
4.
Abweichend von
Art.
61
lit
. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilli
gung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Gericht kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1‘000.-- festgelegt (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Die Kosten sind auf
Fr.
600.-- festzusetzen und entsprechend dem Verfahrensausgang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.