Decision ID: fccfd581-f642-4e26-a204-8c41729aa327
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1978, übte ab März 2009 bei der
Y._
eine Vollzeitbeschäftigung als Assistentin im Service Center aus und war durch ihre Arbeitgeberin bei der SWICA Krankenversicherung AG
(
Swica
)
gegen krankheitsbedingten Erwerbsausfall versichert. Vereinbart war ein
Krankentag
geld
von 80
%
des Lohnes, das unter Anrechnung an eine Wartefrist von 60 Ta
gen für eine Leistungsdauer von maximal 730 Tagen geschuldet war (Versiche
rungspolice zur Kollektiv-Tagge
ldversicherung nach VVG vom 14.
Januar 2009,
Urk.
16/1; Allgemeine Versicherungsbedingungen für die kollektive Taggeld
versicherung nach VVG [AVB],
Ausgabe 2006,
Urk.
16/3).
1.2
Ab dem
9.
Juni 2011 war
X._
bis zur Geburt ihrer zweiten Tochter am 1
6.
Januar 2012
wegen Schwangerschaftsproblemen
zu 80
%
bis 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (
Krankmeldung vom 1
9.
August 2011,
Urk.
13/1;
Zeugnisse von
Dr.
med.
Z._
,
Spezialärztin
für Gynäkologie und Geburtshilfe,
Urk.
13/2;
telefonische
Angaben von
Dr.
Z._
vom 21.
September 2011, Urk.
13/6; Bericht des
A._
vom 27.
Januar 2012,
Urk.
13/7), und die
Swica
richtete Krankentaggelder aus (vgl.
die Leistungsübersicht in Urk.
16/2).
Nachdem die
Swica
erfahren hatte, dass die Versicherte ihre Arbeit nach der Beendigung des Mutterschaftsurlaubs am 1
6.
Mai 2012 wegen einer psychi
schen Erkrankung nicht werde aufnehmen können, gab sie am
4.
Mai 2012 eine psychiatrische Begutachtung in Auftrag (
Urk.
13/8)
, die in der Folge
am 2
1.
Mai 2012 von
Dr.
med.
B._
,
Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, d
urchgeführt
wurde
(Gutachten von
Dr.
B._
vom 3
1.
Mai 2012,
Urk.
13/15) und deren Bestandteil ein Bericht der behandelnden Psychiaterin
Dr.
med.
C._
vom 1
8.
Mai 2012 war (
Urk.
32).
1.3
Am
5.
Juni 2012 teilte die
Swica
der Versicherte
n
mit, dass sie gemäss dem Gut
achten von
Dr.
B._
zehn Tage nach dem Begutachtungszeitpunkt wieder zu 100
%
arbeitsfähig sei und die Taggelder deshalb per 1
6.
Juni 2012, zehn Tage nach
der Mitteilung, eingestellt würden
(
Urk.
13/16).
Dr.
C._
wies die Versicherte daraufhin dem Psychiater
Dr.
med.
D._
zu, der am 1
6.
Juli 2012 aufgrund eines Untersuchungsgesprächs
vom
9.
Juli 2012
eine Zweit
-
beurteilung zur Leistungsfähigkeit abgab (
Urk.
13/19). Ausserdem verfasste
Dr.
C._
am 2
7.
Juli 2012
in Ken
ntnis der Beurteilungen von Dr.
B._
und
Dr.
D._
eine eigene Einschätzung
der Leistungsfähigkeit
(Urk.
13/20). Auf
die
Anfrage der
Swica
hin nahm
Dr.
B._
mit Schreiben vom 1
2.
August 2012
zu den beiden n
euen Berichten Stellung (
Urk.
13/21). Am 16.
August 2012
eröffnete die
Swica
der Versicherten, dass es bei der Leistungseinstellung per 1
5.
Juni 2012 bleibe (
Urk.
13/22). Einen Antrag der Versicherten auf Durch
führung weiterer medizinischer Abklärungen lehnte die
Swica
mit Brief vom
2
4.
September 2012 ab (
Urk.
13/23 und
Urk.
13/24).
Mit
den
Schreiben vom
6.
und vom 1
3.
November 2012 gelangte die Versi
cherte, neu vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Markus Krapf, an die
Swica
und beantragte unter Hinweis auf Unterlagen der Schweizerischen
Unfallversiche
rungsanstalt
(Suva) zu zwei Auffahrunfällen der Jahre 2005 und 2008 (
Urk.
13/27-29)
eine Oberbe
gutachtung (
Urk.
13/26 und Urk.
13/30). Die
Swica
blieb mit Schreiben vom 2
0.
November
2012 bei ihrem Standpunkt (Urk.
13/31).
2.
Mit Eingabe vom 2
5.
Januar 2013 (
Urk.
1) liess
X._
durch Rechtsan
walt
Dr.
Markus Krapf gegen die
Swica
Klage erheben mit den Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„1.
Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin wie folgt Taggel
der zu bezahlen:
vom
1.
Juli bis 3
1.
Oktober 2012 100
%
,
vom
1.
November bis 3
1.
Dezember
2012
50
%
,
zuzüglich Verzugszins zu 5
%
seit dem heutigen Tag.
2.
Es sei der Klägerin nach Vorlage des Versicherungsvertrags Gele
genheit zu geben, ihre Forderung zu beziffern.
3.
Unter Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt.
) zu Lasten der Beklag
ten.“
Als neue Beweismittel l
iess
X._
verschiedene
Arbeitsunfähigkeitsbe
scheinigungen
von
Dr.
C._
(
Urk.
2/3-5) und einen aktuellen Bericht von
Dr.
C._
vom 1
3.
Januar 2013 (
Urk.
2/6) einreichen.
Auf die gerichtliche Anfrage hin (Verfügung vom
7.
Februar 2013,
Urk.
6) liess
X._
mit Eingabe vom 1
1.
Februar 2013 richtigstellen, dass entgegen der Bezeichnung in der Klageschrift nicht die
Swica
Versicherungen AG, son
dern die
Swica
Krankenversicherung AG die Beklagte sei (
Urk.
7). Das Gericht nahm daraufhin mit Verfügung vom 1
3.
Februar 2013 die
Berichtigung vor (
Urk.
10).
Die
Swica
erstattete am 2
6.
Febr
uar 2013 die Klageantwort (Urk.
12) und beantragte, die Klage sei abzuweisen (
Urk.
12 S. 2).
In der Replik vom
9.
April 2013 (
Urk.
19) liess
X._
die Klage folgender
massen beziffern (
Urk.
19 S. 2):
„1.
Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von
Fr.
25‘880.10, zuzüglich 5
%
Zins seit d
em 2
5.
Januar 2013 zu bezahlen.
...“
Im Übrigen liess die Versicherte an der Klage festhalten. Die
Swica
blieb in der Duplik vom 1
7.
April 2013 ebenfalls
bei ihrem Standpunkt (
Urk.
22), was der Ve
rsicherten am 1
8.
April 20
13 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
23).
Mit Eingabe vom 3
1.
März 2014 (
Urk.
25) liess die Versicherte über eine neu diagnostizierte Multiple Sklerose informieren u
nd hierzu einen Bericht von Dr.
med.
E._
,
Spezialarzt für Neurologie, vom 1
6.
September 2013 einrei
chen (
Urk.
26). Die
Swica
nahm dazu mit Eingabe vom
3.
April 2014 Stellung (
Urk.
29).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Klägerin gegenüber der Beklagten für den gel
tend gemachten Zeitraum vom
1.
Juli bis zum 3
1.
Dezember 2012 Anspruch auf Krankentaggelder im eingeklagten Betrag von
Fr.
25‘880.10 zuzüglich Verzugs
zins hat.
Die Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts des K
antons Zürich ist nicht bestritten
. Sie ergibt sich in örtlicher Hinsicht aus
Art.
90
der Allgemeinen Ver
sicherungsbedingungen für die kollektive Taggeldversicherung nach VVG (AVB) (Ausgabe 2006;
Urk.
16/3)
und in sachlicher Hinsicht aus der ständigen, vom Bundesgericht bestätigten Gerichtspraxis, wonach Taggeldversicherungen als Zusatzversicherungen im Sinne von
Art.
12
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) zu qualifizieren sind, und aus
Art.
7 der Schweize
rischen Zivilprozessordnung (ZPO) in Verbindung mit
§
2
Abs.
2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
2.
2.1
Rechtsgrundlagen für die Beurteilung des strittigen Taggeldanspruchs sind zum einen das Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) und zum andern
die Police vom 1
4.
Januar 2009 (
Urk.
16/1) mit den zitierten AVB (
Urk.
16/3).
2.2
Ist die versicherte Person nach ärztlicher Feststellung arbeitsunfähig, so wird gemäss
Art.
12 AVB bei voller Arbeitsfähigkeit das im Vertrag aufgeführte Tag
geld bezahlt
.
B
ei teilweiser Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25
%
wird das Taggeld
nach
Art.
13 AVB
entsprechend dem Grad der Arbeitsunfähigkeit aus
gerichtet
. Arbeitsunfähigkeit ist nach
Art.
16 AVB die durch eine Beeinträchti
gung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1), und nach drei Monaten Arbeitsunfähigkeit wird auch die zu
mutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Nach einer Geburt ruht die Leistungspflicht gemäss
Art.
15 AVB wäh
rend sechs Wochen.
Als Grundlage für die Bemessung der prozentualen Taggelder gilt nach
Art.
32 AVB der letzte vor der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit bezogene AHV-Lohn (Satz 1). Vorbehalten bleibt eine Anpassung in Fällen, bei denen dieser Lohn nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen (mutmasslich e
ntgangener Verdienst) entspreche
n
würde
(Satz 2).
2.3
Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im
Privatversicherungs
recht
die anspruchsbegründenden Tatsachen, für die gestützt auf
Art.
8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) der Anspruchsberechtigte beweisbe
lastet ist,
wie im Sozialversicherungsrecht
mit dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkei
t erwiesen sein (BGE 130 III 321 E. 3.5
).
3.
3.1
Der Taggeldanspruch der Klägerin im massgebenden Zeitraum vom
1.
Juli bis zum 3
1.
Dezember 2012 hängt aufgrund der zitierten rechtlichen Grundlagen davon ab,
ob
eine krankheitsbedingte Arbei
tsunfähigkeit von mindestens 25
% mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist.
Die Klägerin beruft sich hierfür auf die Berichte der behandelnden Psychiaterin
Dr.
C._
und auf die Zweitbeurteilung von
Dr.
D._
(
Urk.
1 S. 3 ff.,
Urk.
19 S.
4 ff.). Demgegenüber basiert die Auffassung der Beklagten, die erforderliche Arbeitsunfähigkeit sei nicht erwiesen, auf dem von ihr in Auftrag gegebenen Gutachten von
Dr.
B._
(
Urk.
12 S. 2 f.,
Urk.
22 S. 2).
3.2
3.2.1
Dr.
C._
stellte
in ihrem Bericht zuhanden von
Dr.
B._
vom 1
8.
Mai 2012
(
Urk.
32) die Diagnose einer akuten Belastungsreaktion
(unter Angabe von
Code F
43.1
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltge
sundheitsorganisation, ICD-10
)
und führte dazu
aus, die jüngere, am 16.
Januar 2012 geborene Tochter der Klägerin sei am 2
3.
Februar 2012 an einer Hirnhaut
entzündung erkrankt, habe während zwei Tagen in Lebensgefahr geschwebt und sei insgesamt während drei Wochen hospitalisiert gewesen. Aus diesem Schock habe die Klägerin, die seit dem 1
8.
April 2012 bei ihr in Behandlung sei, nicht mehr herausgefunden; sie habe Angst, dass die
Tochter Folgeschäden habe,
könne sie nicht aus den Augen lassen
und
wache auch nachts immer wieder auf und kontrolliere, ob die Tochter noch atme.
Dr.
C._
stellte ferner fest, die Klägerin wirke bedrückt, sorgenvoll und verzweifelt und gebe Konzentrations
störungen sowie dissoziative Symptome im S
inne von Depersonalisation und F
lashbacks hinsichtlich der Situation im Kinderspital und hinsichtlich sexueller Übergriffe im Jugendalter
an.
Dr.
B._
teilte im Gutachten vom 3
1.
Mai 2012
die Auffassung, dass die
Hospita
lisation
der Tochter bei der Klägerin eine akute Belastungsreaktion aus
gelöst habe
, und hielt weiter fest, diese Reaktion sei später in eine
Anpassungs
störung
mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen übergegangen (ICD-10 Code F43.23). Als Zusatzdiagnose nannte
Dr.
B._
Hinweise auf eine
histri
onische
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Cod
e Z73.1);
d
ie Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung, wie sie dem von
Dr.
C._
genannten
C
ode F43.1
des ICD-10
entspricht,
konnte er demgegenüber nicht stellen
(
Urk.
13/15 S. 8 f.).
Dr.
D._
folgte in seiner Beurteil
ung vom 1
6.
Juli 2012
den Diagnosen von
Dr.
B._
(
Urk.
13/19 S. 4), und
Dr.
C._
folgte dieser Diagnostik im Bericht vom 2
7.
Juli 2012 im Wesentlichen ebenfalls, abgesehen davon, dass sie zu
sätzlich
einen
Verdacht auf eine beginnende posttraumatische Störung
äusserte (
Urk.
13/20 S. 1).
Dr.
B._
wiederum blieb nach Kenntnisnahme dieser neuen Berichte in seiner Stellungnahme vom 1
2.
August 2012 bei seinen Diagnosen und erachtete die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung nach wie vor als nicht erfüllt (
Urk.
13/21 S. 2).
3.2.2
Dass
Dr
.
B._
sich gegen
die Diagnose einer
post
traumatischen
Belastungsstö
rung
aussprach, leuchtet ein.
Zwar
ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, wenn
Dr.
B._
ohne
nähere Begründung
festhielt,
die lebensgefährliche Erkrankung der Tochter der Klägerin
sei k
ein
Ereignis
aussergewöhnlicher Bedrohung
, das
bei fast jeder Person eine tie
fe Verstörung hervorrufen würde
,
wie dies die Definition in der ICD-10-Klassifikation verlangt
(vgl.
Urk.
13/21
S. 2)
.
In dieser Hinsicht ist den Vorbehalten der Klägerin (vgl.
Urk.
1 S. 8 f.) zu folgen.
Hingegen
berichtete die Klägerin wohl von
F
lashbacks,
in der
Behand
lungs
- und Untersuchungssituation
konnte aber
die ebenfalls
zum Bild
gehö
rende Symptomatik eine
s
andauernden
Gefühls von
Betäubtsein
und emotiona
ler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen und Teilnahms
losigkeit der Umgebung
gegenüber
nicht beobachtet
werden. Vielmehr wirkte
die Klägerin gegenüber
Dr.
B._
ausgeglichen und im Umgang mit der Tochter gelassen (
Urk.
13/15 S. 7) und gegenüber
Dr.
D._
zwar affektlabil, aber of
fen im Gespräch (
Urk.
13/19 S. 3), und
Dr.
C._
schilderte sie in allen ihren Berichten vor allem als bedrückt, sorgenvoll und verzweifelt sowie ebenfalls als labil im Affekt (
Urk.
32,
Urk.
13/20 S. 1,
Urk.
2/6 S. 1
und S. 3).
Die letzteren Symptome werden indessen in der ICD-10-Klassifikation nicht mit der post
traumatischen Belastungsstörung in Zusammenhang gebracht, sondern als
ty
pische Merkmale der übereinstimmend diagnostizierten Anpassungsstörung nach Code
F
43.2
, insbesondere einer solchen nach Code F43.23 (mit vorwiegen
der Beeinträchtigung von anderen Gefühlen)
,
aufgeführt.
Und was die erhöhte Wachsamkeit
und die Schlafstörungen b
etrifft, von denen die Klägerin berich
tete, so ist eine solche Symptomatik zwar bei einer posttraumatischen
Belas
tungsstörung
regelmässig zu beobachten, sie wird im Falle der Klägerin
von den medizinischen Fachpersonen
jedoch einleuchtend mit der erhöhten Sorge um die Tochter begründet (vgl.
Urk.
32,
Urk.
13/15 S. 8,
Urk.
13/19
S. 4,
Urk.
13/20,
Urk.
2/6 S.
1).
3.3
3.3.1
Steht damit die Diagnos
e
- eine akute Belastungsreaktion mit späterem Über
gang in eine Anpassungsstörung - fest, so s
tellt sich die Frage nach den Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
3.3.2
Dr.
B._
,
auf den die Beklagte sich beruft,
bezeichnete die Anpassungsstörung als
Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähi
gkeit, hielt jedoch fest, bei Fortsetzung der Psychotherapie sei der Gesundheitszustand innerhalb eines Zeitraumes von zehn Tagen ab Begutachtungsdatum soweit zu be
s
sern, dass im angestammten Beruf wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bei 100%iger Leis
tung bestehe (
Urk.
13/15 S. 9
und S. 10
). Diese Angabe ist für sich allein be
trachtet
nicht ohne
Weiteres
schlüssig, denn es liegt nicht auf der Hand, dass eine (Gesprächs-)Psychotherapie eine ins Gewicht fallende Beeinträchtigung in der Arbeitsfähigkeit innert lediglich zehn Tagen
zu beheben vermöchte. Aller
dings hängt der vorliegend strittige Taggeldanspruch ab dem
1.
Juli 2012 davon ab, dass auch ab diesem Zeitpunkt noch eine massgebende Arbeitsunfähigkeit
von mindestens 25
%
gegeben ist
. Dies
ist
im Kontext der übrigen
fachmedizi
nischen
Beurteilungen
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewie
sen, wie sich aus dem Folgenden ergibt.
3.3.3
Sowohl
Dr.
B._
als auch
Dr.
D._
beobachteten, dass die Klägerin im Um
gang mit ihrem kleinen Kind, das sie zu den Abklärungen mitgenommen hatte, unbeeinträchtigt - kompetent und gelassen beziehungsweise fröhlich und zu
frieden
-
erschien (
Urk.
13/15 S. 7 und
Urk.
13/19 S. 3), und
Dr.
C._
bestä
tigte namentlich in ihrem aktuellsten Bericht vom 1
3.
Januar 2013, die Klägerin sei
im Umgang mit ihrer Tochter
unbestrittenermassen
kompetent und
leis
tungsfähig (
Urk.
2/6 S. 2).
Unter diesen Umständen fragt sich, ob die Einschränkungen für den Beruf
tatsäch
lich durch die
beschriebenen Krankheitssymptome bedingt
sind
und nicht vielmehr auf krankheitsfremde, soziale Gründe zurü
ckzuführen sind
. Für Letzteres spricht,
dass alle drei Fachpersonen der Psychiatrie bei der Klägerin eine Tendenz zur Überprotektion und zur übermässigen Besorgtheit feststellten (
Urk.
13/15 S. 8,
Urk.
13/19 S. 4,
Urk.
13/20 S. 1). Die
Angst
, ein noch nicht halbjähriges Kind,
das eine akut aufgetre
te
ne
schwere Erkrankung durchge
macht hatte, für längere Zeit einer Drittperson ausserhalb der eigenen Familie zu überlassen,
erscheint
indessen als eine Reaktion, die auch bei vollständiger psychischer Gesundheit durchaus verständlich wäre.
Dr.
D._
formulierte denn auch, der Streitpunkt scheine ihm darin zu liegen, inwieweit die
Erkran
kung
des Kindes
verunmöglicht habe
, dass die Klägerin ihre Arbeitsstelle zu 50
%
wieder aufgenommen habe
(
Urk.
13/19 S. 4)
, und sowohl er als auch
Dr.
C._
legten dar, ihre Beurteilung unterscheide sich von derjenigen durch
Dr.
B._
nur darin, dass sie der Klägerin
mehr Zeit für den beruflichen Wie
dereinstieg zugestünden
- nämlich einige Monate -,
damit
sie
schrittweise Ver
trauen gewinnen könne, dass für ihr Kind auch während ihrer Abwesenheit gesorgt sei (
Urk.
13/19 S. 4,
Urk.
13/20,
Urk.
2/6 S.
1 und S. 2).
Dr.
D._
und
Dr.
C._
machten demnach den Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme nicht primär von der Genesung
der Klägerin abhängig, sondern
von der benötigten Zeit für d
ie Gewöhnung und Anpassung an die neue familiäre Situation. Dass dabei krankheitsfremde Faktoren eine wesentliche Rolle spielten, zeigt sich auch in den Aussagen der Klägerin gegenüber
Dr.
B._
,
sie
habe
während der Schwan
gerschaft noch
nicht gewusst
, wie es beruflich mit ihr weitergehen solle, ihr
sei
zwar klar gewesen sei, dass
sie arbeiten gehe, aber nicht wie
, und
sie sei
wegen der Komplikationen mit ihrer Tochter noch nicht
dazu gekommen,
mit dem Lebensgefährten
und Vater der Kinder darüber zu sprechen
(
Urk.
13/15 S.
5
, vgl. auch S. 4
).
3.3.4
Damit ist
es wohl denkbar,
nicht
jedoch überwiegend wahrscheinlich im Sinne der entsprechenden Beweisanforderung, dass der
beeinträchtigte
Gesundheits
zustand der Klägerin
eine zusätzliche Verzögerung der Wiederaufnahme
der berufli
chen Tätigkeit bewirkte. Daran ändert entgegen der Argumentation in der Klageschrift (vgl.
Urk.
1 S. 9) nichts, dass die Klägerin durch die Unfälle in den Jahren 2005 und 2008 und durch die in der Jugend erlebten Übergriffe mög
licherweise vulnerabler war als eine Person ohne solche Erlebnisse. Denn zum einen attestierten sowohl
Dr.
D._
als auch
Dr.
C._
der Klägerin
für die Vergangenheit
ein
e
ausgeprägte Fähigkeit, mit
den erlebten psychisch schwieri
gen
Belastungs
situationen umzugehen (vgl.
Urk.
13/19 S. 3,
Urk.
2/6 S. 2). Und zum andern
macht
es die erhöhte Vulnerabilität und ihr Einfluss auf den Gesundheitszustand nicht wahrscheinlicher, dass die Klägerin ohne
Gesund
heitsschaden
weniger Zeit für den beruflichen Wiedereinstieg
gebraucht
hätte.
Des Weiteren ist die Angabe von
Dr.
C._
,
ein Arbeitsversuch vom
1.
Juli 2012 sei gescheitert, da die Klägerin den Arbeitsplatz nach wenigen Minuten überflutet von Emotionen habe verlasse
n müssen (
Urk.
13/20 S. 2, Urk.
2/6
S. 3), nicht näher
substanziiert
, wie
Dr.
B._
in seiner Stellungnahme vom 1
2.
August 2012 zutreffend dartat (vgl.
Urk.
13/21 S. 4).
Was schliesslich die Diagnose einer Multiplen Sklerose gemäss dem neu eingereichten Bericht
von
Dr.
E._
vom 1
6.
September 2013 betrifft, so hatte die Klägerin dem Arzt zwar von ziehenden Schmerzen in den beiden Unterarmen
seit der Geburt des zwei
ten Kindes
erzählt, der Arzt
qualifizierte
indessen eine Fühlstörung der linken Körperhälfte im Februar 2013 als einziges schubverdächtiges Ereignis und be
zeichnete dementsprechend diesen Monat als Monat der Erstmanifestation (
Urk.
26). Daher ist ein Einfluss dieser Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit im Zeitraum von Juli bis Dezember 2012 ebenfalls nicht erwiesen.
3.4
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Klage, ohne dass auf Ausführun
gen der Parteien zur Arbeitsfähigkeitsbeurteilung des Bundesgerichts
bei
patho
genetisch-ätiologisch
unklaren Beschwerdebildern (vgl.
Urk.
12 S. 4,
Urk.
19
S. 6 f.)
noch einzugehen wäre.
4.
Die Beklagte hat den Antrag auf Zusprechung einer Prozessentschädigung gestellt (
Urk.
12 S. 2).
G
emäss
Art.
1
14
lit
. e ZPO
werden bei Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung keine Gerichtskosten gesprochen. Die
Pro
zessentschädigung
an die Parteien ist
zwar nicht Gegenstand von Art.
114
lit
. e ZPO (vgl. Urteil des Bund
esgerichtes 4A_194/2010 vom 17.
November 2010,
E. 2.2.1, nicht publiziert in: BGE 137 III 47). Hier gilt
aber
nach wie vor die Praxis des Bundesgerichts, dass dem nicht anwaltlich vertretenen Versiche
rungsträger grundsätzlich keine Parteientschädigung zusteht (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts
4A_109/2013 vom 2
7.
August 2013, E. 5).
Da die Beklagte im vorliegenden Verfahren nicht durch einen externen Anwalt vertreten war, ist ihr für ihr Obsiegen keine Prozessentschädigung zuzuspre
chen.