Decision ID: 41f04895-b8cb-4fed-bcf0-8d29e46c7e89
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973,
meldete sich am 1
9.
Januar 2009 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte unter anderem ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, das am 1
6.
Februar 2010 erstattet wurde (
Urk.
9/23)
.
Am 2
2.
Juli 2010 sprach sie dem Versicherten eine - taggeldbegleitete (vgl.
Urk.
9/37) - berufliche Massnahme (Handelsschule
von
August 2010 bis Juli 2012 mit Abschluss Handelsdiplom) zu (
Urk.
9/30). Diese wurde am
6.
Januar 2011 abgebrochen, weil sich der Versicherte gesundheitsbedingt nicht in der Lage sah, sie zu absolvieren (
Urk.
9/51).
Am 2
4.
Januar 2011 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für orthopädische Spezialschuhe (
Urk.
9/53)
, am 2
5.
Januar 2011 für Schuhzurichtungen (
Urk.
9/54) und am 2
6.
Januar 2011 für Fussorthesen (
Urk.
9/55).
Mit Vorbescheid vom
7.
November 2011 stellte sie in Aussicht, einen Rentenan
spruch zu verneinen (
Urk.
9/62). Dagegen erhob der Versicherte am
6.
Dezember 2011
(
Urk.
9/70) und
6.
Januar 2012 (
Urk.
9/74) Einwände. Daraufhin holte die IV-Stelle ein
Medas
-Gutachten ein, das am 2
5.
Juni 2012 erstattetet wurde (
Urk.
9/94).
Am
7.
Februar 2013 erteilte die IV-Stelle für eine Umschulung (Handelsschule
von
Februar 2013 bis Januar 2015 mit Abschluss Handelsdiplom) erneut Kosten
gutsprache (
Urk.
9/106 =
Urk.
9/107). Am 1
7.
Oktober 2013 wurde die Umschu
lung abgebrochen, weil der Versicherte im ersten Semester einen Notendurch
schnitt von 3.9 erzielt hatte (
Urk.
9/119), und es wurde eine berufliche Abklärung veranlasst (vgl.
Urk.
9/120), die laut Abschlussbericht vom
8.
Januar 2014 vom
2
5.
November bis 2
0.
Dezember 2013 stattfand (
Urk.
9/132).
Sodann erteilte
d
ie
IV-Stelle
Kostengutsprache für eine Umschulung von Februar 2014 bis Februar 2015 (
Urk.
9/134). Am
6.
August 2014 wurde diese abgebrochen, weil die Schul
leistungen des Versicherten ungenügend waren und sich die Erlangung des Bü
rofachdiploms als nicht realistisch erwies (
Urk.
9/147), und am 1
8.
September 2014 wurden die beruflichen Massnahmen als abgeschlossen erklärt (
Urk.
9/151).
Am 1
5.
Januar 2015 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für orthopädische Serienschuhe (
Urk.
9/158).
Mit Vorbescheid vom 1
7.
März 2015 stellte sie in Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen (
Urk.
9/162). Dagegen erhob der Versicherte am 1
6.
April 2015 (
Urk.
9/163)
und
5.
Mai 2015 (
Urk.
9/165) Einwände. Daraufhin holte die IV-Stelle ein
Medas
-Verlaufsgutachten ein, das am 1
0.
August 2016 erstattet (
Urk.
9/193) und - nach Stellungnahme durch den Versicherten (
Urk.
9/207) - am
3.
Dezember 2016 ergänzt (
Urk.
9/211)
wurde
.
Mit Verfügung vom 2
1.
August 2017 verneinte die IV-Stelle einen Rentenan
spruch (
Urk.
9/228 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
1.
September 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
1.
August 2017 (
Urk.
2) mit den Anträgen (
Urk.
1 S. 2 oben), diese aufzu
heben und ihm näher umschriebene Rentenansprüche zuzusprechen (
Ziff.
1), eventuell die Sache zur erneuten Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen (S. 2).
Am
3.
Oktober 2017 beantragte er zudem die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung in reduziertem Umfang (
Urk.
6).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Oktober 2017 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
5.
Januar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Am 1
8.
Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht vom 1
5.
Februar 2019 (
Urk.
15) ein (
Urk.
14), was der Beschwerdegegnerin am 2
0.
Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Ar
beitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen zif
fernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
1.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden
(BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statisti
schen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens
auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2;
vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
1.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) al
lenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass per
sönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Le
bensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schät
zen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbeding
ten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichts
punkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hin
weisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
dem Beschwerdeführer sei eine behinderungsangepasste Tätigkeit mit einer Arbeitsleistung von 80
%
zumutbar, und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 13 % (S. 2 oben), der seit dem Gutachten vom Juni 2012 gelte (S. 2 unten). Ge
mäss dem Gutachten vom August 2016 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (S. 3 unten). Seit Ablauf der Wartezeit (November 2009) sei der Beschwerdeführer mindestens 50
%
arbeitsfähig und damit eingliederungsfähig gewesen, somit könne vor den beruflichen Massnahmen keine Rente zugesprochen werden (S. 2 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
aus näher dargelegten Gründen hab
e
er ab November 2009 Anspruch auf eine Rente
(S. 7 ff.
Ziff.
3)
,
dies bei einem Invaliditätsgrad von 66.45
%
ab
1.
November 2009
(S. 9
Ziff.
3.3) und von 43.3
%
ab August 2014 (S. 9
Ziff.
4). Die im Gutachten von 2016 attestierte volle Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit vermöge aus näher dargelegten Gründen nicht zu überzeugen (S. 10 ff.
Ziff.
5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit, der Invaliditätsbe
messung und einem allfälligen Rentenanspruch verhält.
3.
3.1
Im orthopädisch-psychiatrischen Gutachten, das am 1
6.
Februar 2010 erstattet wurde (
Urk.
9/23/1-24), wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit eine
Ischiadicusparese
links nach Liegetrauma
genannt (S. 21
Ziff.
8.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden ein Verdacht auf
Ansatztendinose
der
Glutealmuskulatur
links nach
Rhabdomyolyse
, eine Adi
positas, Senk-/Spreizfüsse, ein Nikotinabusus, anamnestisch eine Hepatitis C, ein Vitamin D Mangel und ein Tinnitus links, sowie psychische Störungen durch multiplen Substanzgebrauch (
Polytoxikomanie
) mit Kokain, Heroin, Alkohol, Cannabis, gegenwärtig nahezu abstinent bestehend seit etwa 1993 (ICD-10 F19.20) und ein Zustand nach Anpassungsstörungen nach längerer depressiver Reaktion bestehend
von
November 2008 bis Oktober 2009 (ICD-10 F43.21) genannt (S. 21
Ziff.
8.2).
Die
Arbeitsfähigkeit in
der
bisherige
n
Tätigkeit als Koch
betrage
bei
voller Stun
denpräsenz spätestens seit Ende Dezember 2008 60
%
(Arbeitsunfähigkeit 40
%
), da
aufg
rund der
Ischiadicusparese
links
vorwiegend stehende und gehende Tä
tigkeiten nicht mehr vollumfänglich zumutbar
seien (S. 21
Ziff.
9.1).
Körperlich leichte Tätigkeiten, die abwechslungsweise sitzend und stehend aus
geübt werden könnten, ohne dass dabei häufig gegangen werden müsse
,
und die nicht mit häufigem Laufen auf Treppen und Leitern verbunden seien, sowie Ar
beiten ohne erhöhte emotionale Belastung und ohne Stressbelastung sowie über
durchschnit
t
liche Dauerbelastung zwischen November 2008 und Oktober 2009, könnten gesamthaft bei voller Stundenpräsenz seit November 2008 zu 90
%
(Ar
beitsunfähigkeit 10
%
) zugemutet werden (S. 21
Ziff.
9.2).
3.2
Gemäss Bericht vom 1
3.
Juli 2011 (
Urk.
9/59) wurde der Beschwerdeführer seit 3
0.
März 2011 in der
Y._
,
ambulant behandelt (
Ziff.
1.2). Betreffend Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit wurde auf den Bericht des Hausarztes verwiesen, als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden Störungen durch multiplen Substanzgebrauch (Heroin, Kokain), seit November 2008 absti
nent (ICD-10 F19.20), Störungen durch Alkohol, seit April 2011 abstinent (ICD-10 F10.20) und Störungen durch
Cannabinoide
, schädlicher Gebrauch, seit Mitte Juni 2011 abstinent (ICD-10 F12.1/20) genannt (
Ziff.
1.1). Als Koch bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6). Geistige und psychische Einschränkun
gen bestünden nicht (
Ziff.
1.7).
3.3
Am 2
5.
Juni 2012 erstatteten die Ärzte des
Z._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
9/94).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein c
hroni
sches neuropathisches Schmerzsyndrom im Verlauf des
N.
ischiadicus
links
(S. 47
Ziff.
6.1).
Ferner nannten sie die folgenden, hier leicht verkürzt angeführten Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 47
Ziff.
6.2):
-
diskretes und intermittierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäue (LWS) und mus
kulärer
Dysbalance
-
Status nach
anurischem
Nierenversagen nach
Rhabdomyolyse
mit aktuell normaler Nierenfunktion
-
psychische Störungen durch multiplen Substanz
gebrauch, gegenwärtig abstinent
(ICD-10 F19.20)
mit/bei
-
Status nach Her
o
in- und Kokainkonsum bis November 2008
-
Status nach Alkoholabhängigkeit mit Kreuztoleranz zu Benzodiazepi
nen
-
Opiatabhängigkeit
-
Status nach Hepatitis C, Erstdiagnose 1999
-
Status nach Hörsturz links im Juni 2009 mit persistierendem Tinnitus links
-
Adipositas Grad 1
-
Status nach
gastroösophagealem
Reflux mit
Refluxösophagitis
2007
Die zuletzt ausgeübte, fast ausschliesslich stehende und gehende Tätigkeit als Di
ätkoch sei dem Versicherten aufgrund seiner
Ischiadicus
-Parese nicht mehr zu
mutbar. Für diese Arbeit
sei
er seit
1.
November 2008 dauerhaft zu 100
%
ar
beitsunfähig (S. 56
Ziff.
7.6).
In einer behinderungsangepassten, vorwiegend sitzenden und wechselbelasten
den Tätigkeit, unter Berücksichtigung seines chronischen neuropathischen Schmerzsyndroms und seiner Fussparese, bestehe aktuell eine medizinisch zu
mutbare Restarbeitsfähigkeit von 80
%
bei voller Präsenzzeit und vermehrten Pausen. Auch ergäben sich aus interdisziplinärer Sicht keine Hinweise für eine verminderte Lernfähigkeit im Rahmen einer Umschulung (S. 56
Ziff.
7.7).
Betreffend berufliche Massnahmen wurde ausgeführt, im Rahmen der im August 2010 zugesprochenen beruflichen Umschulung in
einer Handelsschule sei
es
zu einer massiven Zunahme der Schmerzen wegen des Sitzens auf Holz
bänken (laut Versichertem) gekommen und die Umschulung sei auf Ende Dezem
ber 2010 abgebrochen
worden
(S. 56
Ziff.
7.9). Der Versicherte berichte selber, dass er seither durch intensive Therapie die Schmerzen positiv habe beeinflussen können, so
dass mittlerweile eher ein starker Muskelkater als richtige Schmerzen im Bereich des linken Gesässes und des linken Oberschenkels vorhanden seien
(S. 56 f.). Er fühle sich so durchaus in der Lage, eine Umschulung durchzuführen, was aus versicherungsmedizinischer Sicht unterstützt werde (S. 57 oben).
3.4
Im Schlussbericht vom
8.
Januar 2014 über die vom 2
5.
November
bis 2
0.
De
zember 2013 erfolgte BEFAS-
Abklärung (
Urk.
9/132
/1-12
) wurde aus medizini
scher Sicht unter anderem ausgeführt, der jahrelange Abusus von Alkohol, He
roin, Kokain und Cannabis habe in Übereinstimmung mit der psychiatrischen Be
urteilung im Gutachten von 2012 vordergründig kaum Wesensveränderungen bewirkt. Einzig die verminderte Frustrationstoleranz, zusammen mit dem man
gelnden Distanzgefühl, könnten als
polytoxikomane
Residuen betrachtet werden. Die aktuellen Störungen mit Brennen über dem
Vorfuss
, Stechen in der Sohle mit Ausstrahlung
in den
linken Unterschenkel sowie das tendenzielle Kältegefühl und die Kälteempfindlichkeit im linken Bein, reduzierten die Belastbarkeit und Geh
strecke auf 30 Minuten. Die Gehfähigkeit auf
unebenem Gelände insbesondere bergauf sei wegen der
Peronäus
-Lähmung und Schienenbehandlung einge
schränkt. Bei leidensadaptiertem Arbeitsplatz vorzugsweise in wechselbelastender mehrheitlich sitzender Bürotätigkeit könne bei vollem Arbeitspensum ein Ren
de
ment von 80
%
erwartet werden
, dies unter der Voraussetzung, dass die Drogen
abstinenz weiter Bestand habe (S. 9
Ziff.
3.1).
Die
- bei
Dr.
A._
(nachstehend E. 5.1) -
absolvierte Schmerztherapie sei so erfolgreich gewesen, dass der Klient heute in der Lage sei, eine Handelsschule im Vollzeitpensum zu absolvieren (S. 11 oben).
3.5
Im Bericht vom
7.
Dezember 2015 (
Urk.
9/169) über eine ambulante Behandlung in der
B._
seit 1
2.
Mai 2015
(
Ziff.
1.2) wurden als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
r
heumatoide Arthritis (Erstdiagnose Mai 2015) und ein Status nach posttrauma
tischer
Nervus
ischiadicus
-Läsion (November 2018) genannt (
Ziff.
1.1).
Bezüglich der Beschwerden der rheumatoiden Arthritis sei keine Arbeitsunfähigkeit attes
tiert worden (
Ziff.
1.6).
4.
4.1
Nach am 12./13./1
5.
und 2
0.
April 2016 erfolgten Untersuchungen erstatteten die Ärzte des
Z._
(vorstehend E. 3.3) am 1
0.
August 2016 ein Verlaufsgutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
9/193). Sie stützten sich auf ihnen überlassene (S. 2 ff.) und vom Versicherten mitgebrachte (S. 10 ff.) Akten, die Angaben des Versicherten (S.
19 ff.) und von ihnen erhobene
Befunde (S. 25 ff.).
4.2
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 50
Ziff.
6.1):
-
chronisches, neuropathisches Schmerzsyndrom im Verlaufe des
Nervus
ischiadicus
links mit/bei:
-
Status nach Liegetrauma mit
Ischiadicus
-Läsion links im Rahmen einer Drogen-Intoxikation am
1.
November 2008 links
-
residualer Fussheber- und Fusssenker-Parese links mit
Steppergang
Sie nannten die folgenden, hier verkürzt angeführten Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 50
Ziff.
6.2):
-
Status nach Syndrom der inadäquaten Sekretion des Antidiuretischen Hormons (SIADH) am 2
4.
April 2016
-
Status nach
gastroösophagealem
Reflux mit
Refluxösophagitis
2007
-
Status nach
anurischem
Nierenversagen nach
Rhabdomyolyse
mit aktuell normaler Nierenfunktion
-
Status nach Hepatitis C
-
Status nach Hörsturz links im Juni 2009
-
degenerative Veränderungen der LWS mit Diskushernie L4/5 und L5/S1, aktuell asymptomatisch
-
Benzodiazepinabhängigkeit
(ICD-10 F13.24)
-
Opiatabhängigkeit (ICD-10 F11.24
)
4.3
Die allgemein- internistische Untersuchung ergebe das Bild eines 42-jährigen, altersentsprechend aussehenden, übergewichtigen Versicherten in gutem Allge
meinzustand. Der internistische Status sei unauffällig und auch abdominal fän
den sich keine pathologischen Befunde, welche die Gewichtsabnahme und das vom Versicherten berichtete rezidivierende Hämatin-Erbrechen erklärten (S. 55). In Zusammenschau aller Befunde könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus rein allgemein-internistischer Sicht keine Diagnose gestellt werden, welche die Ar
beitsfähigkeit länger andauernd einschränke (S. 56 oben).
Bei der rheumatologischen Untersuchung teile der Versicherte eingangs mit, dass seine Beschwerden weniger ausgeprägt seien als noch vor 4 Jahren. Die bekannte chronische Neuropathie im Bereiche des
Nervus
ischiadicus
links habe sich sub
jektiv und objektiv gebessert. Ebenfalls seien die Schmerzen im Gesäss und im Oberschenkel total verschwunden und es brenne, steche und schmerze nur noch im Bereiche des Unterschenkels und des Fusses. Auch objektiv könnten verbes
serte Umf
ä
nge festgestellt werden, sowohl im Bereiche des Oberschenkels als auch des Unterschenkels. Von Seiten der rheumatoiden Arthritis seien im momentanen Zeitpunkt keinerlei pathologische Befunde zu erheben. Es könnten keine
Synovi
tiden
festgestellt werden. Ebenfalls fehlten
Tenosynovitiden
im Bereiche der Hände und Füsse, und das
Gaenslen
-Zeichen sei negativ, der Faustschluss kräftig, die Morgensteifigkeit nur von kurzer Dauer. Es seien keine erhöhten Entzün
dungsparameter im Blut zu finden. Im aktuellen Zeitpunkt könne die Diagnose einer
seronegativen
rheumatoiden Arthritis nicht gestellt werden. Die im Gutach
ten von 2012 erwähnten Kreuzschmerzen, welche mit degenerativen Verände
rungen der LWS mit Diskushernie L4/L5 und L5/S1 erklärt worden seien, seien momentan anamnestisch und klinisch asymptomatisch. Dementsprechend sei der Versicherte aus rein rheumatologischer Sicht in seiner zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Koch, wo er nur stehend und gehend gearbeitet habe sowie schwerere Gewichte habe heben
müssen, nicht mehr arbeitsfähig. In einer den Leiden ange
passten Tätigkeit, vorwiegend sitzend, wenig stehend und gehend, ohne Heben schwererer Lasten repetitiv über 7 kg, sei jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben (S. 56).
Bei der neurologischen Untersuchung sei residual ein neuropathisches Schmerz
-
syndrom mit Schmerzen, vor allem im Bereich des Unterschenkels und Fusses, zu konstatieren. Auch die Kälteempfindlichkeit erscheine hierdurch be
dingt. Ferner habe sich auch eine Krallenzehenstellung an der Grosszehe einge
stellt und die Fusshebung sei ganz erheblich, aber auch die Fusssenkung relevant beeinträchtigt (S. 57 oben). Die Leistungsfähigkeit des Versicherten sei durch die neurologischen Ausfälle motorischer und sensibler Art und durch das neuropa
thische Schmerz
-
syndrom eingeschränkt. Tätigkeiten, die hohe Ansprüche an die Motorik stellten oder eine gute Gehfähigkeit des Versicherten voraussetzten, könne der Versicherte nicht leisten. Auch Tätigkeit
en
, die das Klettern auf Ge
rüste, das Arbeiten in der Kälte beziehungsweise in Zwangshaltungen erforderten, könnten nicht durchgeführt werden. Tätigkeiten leichterer bis mittelschwerer Art, überwiegend in sitzender Haltung, könnten aus neurologischer Sicht vollschich
tig durchgeführt werden (S. 57 unten).
Leichte kognitive Leistungseinbussen (isolierte Leistungseinbussen im Arbeitsge
dächtnis und in Unterbereichen der Exekutiv-Funktionen) könnten als leichte neuropsychologische Störung umschrieben werden. Die Funktionalität sei im All
tag und unter den meisten beruflichen Anforderungen durch diese leichte neu
ropsychologische Störung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eingeschränkt. Bei Aufgaben und Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Kognition könne die Funktionalität möglicherweise eingeschränkt sein. Die unspezifischen Leistungs
einbussen liessen sich möglicherweise multifaktoriell begründen bei dem Versi
cherten mit bekannten somatischen Diagnosen und einer anhaltenden Schmerzsymptomatik, bei der Einnahme zentralnervös wirksamer Med
ikamente, bei einer langjährigen
Polytoxikomanie
und möglichen psychopathologischen Symptomen (S. 58 oben).
Im Rahmen der aktuellen psychiatrischen Exploration könne eine anhaltende so
matoforme Schmerzstörung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlos
sen werden, die Schmerzen
seien
somatisch erklärbar. Es lasse sich auch keine andere psychiatrische Erkrankung erkennen, insbesondere könnten eine Depres
sion beziehungsweise Angststörungen ausgeschlossen werden (S. 58 Mitte). Der klinische Eindruck, dass keine depressive Symptomatik von Krankheitswert vor
liege, decke sich auch mit dem durchgeführten Testverfahren: In der Hamilton Depressionsskala, einer
Fremdbeurteilungs-Skala, habe der Versicherte 8 Punkte erreicht, dies entspreche keiner depressiven Symptomatik. Bezüglich der Suchtanamnese bleibe festzuhalten, dass der Versicherte angebe, seit etwa 1 1⁄2 Jahren kaum noch Alkohol zu trinken. Seit er
im Januar
Blut erbrochen habe
,
trinke er überhaupt keinen Alkohol mehr. Er verneine auch den Konsum von
Cannabinoiden
, obwohl diese positiv auf seine Schmerzen wirken würden. Kokain und Heroin nehme er seit 2008 nicht mehr. Bezüglich der Äusserung über das Suchtverhalten wirke der Versicherte glaubhaft. Aufgrund des Untersuchungsge
spräches, der Aktenlage und der anamnestischen Schilderung des Versicherten gebe es auch keine Hinweise für das Vorliegen einer pathologischen Persönlich
keitsstruktur. Aus rein versicheru
ngspsychiatrischer Sicht bestehe
keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 59 oben).
4.4
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Versicherte aus allgemein-internistischer Sicht zum gegenwärtigen Zeit
punkt in seiner Arbeitsfähigkeit nicht länger andauernd eingeschränkt. Aus rein rheumatologischer Sicht sei er in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Koch, wo er nur stehend und gehend gearbeitet habe sowie schwerere Gewichte habe heben müssen, aufgrund des chronischen neuropathischen Schmerzsyndroms im Ver
lauf des linken
Nervus
ischiadicus
nicht mehr arbeitsfähig. In einer den Leiden angepassten Tätigkeit, vorwiegend sitzend, wenig stehend und gehend, ohne He
ben schwererer Lasten repetitiv über 7 kg, sei jedoch eine 100%ige Arbeitsfähig
keit gegeben. Aus rein neurologischer Sicht sei die Leistungsfähigkeit des Versi
cherten durch die neurologischen Ausfälle motorischer und sensibler Art und durch das neuropathische Schmerzsyndrom eingeschränkt. Tätigkeiten, die hohe Ansprüche an die Motorik stellten oder eine gute Gehfähigkeit des Versicherten voraussetz
t
en, könne er nicht leisten (S. 59
Ziff.
7.4). Auch Tätigkeit
en
, die das Klettern auf Gerüste, das Arbeiten in der Kälte oder das Arbeiten in Zwangshal
tungen erforder
te
n, könnten nicht durchgeführt werden. Tätigkeiten leichterer bis mittelschwerer Art, überwiegend in sitzender Haltung, könnten aus neurologi
scher Sicht vollschichtig durchgeführt werden (S. 59 f.). Aus neuropsychologi
scher Sicht sei die Funktionalität im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen, bei isolierten und von ihrer Ausprägung her leichten kognitiven Leistungseinbussen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eingeschränkt. Bei Auf
gaben und Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Kognition könne die Funktionalität möglicherweise eingeschränkt sein. Aus rein versicherungspsychi
atrischer Sicht sei keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus
gewiesen (S. 60 oben).
4.5
Zu
m Verlauf der Arbeitsunfähigkeit und der Würdigung
frühere
r
Beurteilungen führten die Gutachter unter anderem aus,
retrospektiv könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit Februar 2014 hinsichtlich der neuropathischen Schmerzen des linken Beines leicht gebessert habe (S. 60
Ziff.
7.5.). V
on Seiten der rheumatoiden Arthritis seien zum momentanen Zeitpunkt keinerlei klinisch pathologische Be
funde zu erheben, sodass die Arbeitsfähigkeitseinschätzung im Arztbericht vom
7.
Dezember 2015 (vgl. vorstehend E. 3.5) für sie nachvollziehbar sei. Die Attes
tierung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit seit Januar 2010 seitens des Hausarztes am 1
2.
Februar 2016 (vgl. S. 12 Mitte) sei für sie nicht nachvollziehbar, da sie bereits ausführlich im Gutachten von 2012 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit festgestellt hätten. Auch im Rahmen der BEFAS-Abklärung (vgl. vorstehend E. 3.4) sei der Versicherte in einer ange
stammten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig beurteilt worden (S. 60
Ziff.
7.5).
Eine nach der psychiatrischen Exploration aufgetretene akute Belastungssituation sei nicht rentenrelevant. Der Klinikaufenthalt vom 2
6.
April bis
2.
Mai 2016 sei als Krisenintervention erfolgt und es sei lediglich die Verdachtsdiagnose einer paranoiden Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.0) gestellt worden (S. 61).
4.6
In der zuletzt ausgeübten, fast ausschliesslich stehenden und gehenden Tätigkeit als Diätkoch sei der Versicherte aus interdisziplinärer Sicht nach wie vor zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 61
Ziff.
7.6).
In einer dem körperlichen Leiden optimal angepassten Verweistätigkeit vorwie
gend sitzend, wenig stehend, ohne repetitives Heben von Lasten über 7 kg, ohne Klettern auf Gerüsten, ohne Arbeiten in der Kälte, ohne Arbeiten in Zwangshal
tungen sowie Tätigkeiten ohne hohe Anforderungen an die Kognition sei der Ver
sicherte aktuell aus interdisziplinärer Sicht zu 100
%
arbeitsfähig (S. 61
Ziff.
7.7).
Berufliche Wiedereingliederungsmassnahmen wären prinzipiell aus versiche
rungsmedizinischer Sicht indiziert. Aufgrund des bisherigen Verlaufs und des (in
validitätsfremden)
konstellativen
Faktors (langjährige Arbeitskarenz) seien aber die Erfolgsaussichten solcher Massnahmen sehr gering. In der BEFAS-Abklärung sei 2013 eine Umschulung in einer kleinen Handelsschule als einzige, stimmigste und eingliederungswirksamste Lösung eruiert worden. Diese Umschulung habe jedoch aufgrund eines schlechten Notendurchschnittes abgebrochen werden müs
sen. Aus neuropsychologischer Sicht sei die Funktionalität im Alltag und unter den meisten
beruflichen Anforderungen, bei isolierten und von ihrer Ausprägung her leichten kognitiven Leistungseinbussen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eingeschränkt. Bei Aufgaben und Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Kognition könne die Funktionalität möglicherweise eingeschränkt sein, deshalb kämen Tätigkeiten mit zu hohen kognitiven Voraussetzungen eher nicht in Frage (S. 62
Ziff.
7.9).
5.
5.1
Dr. A._
, Facharzt für Anästhesiologie, berichtete am
2
5.
März 2016 (
Urk.
9/195
=
Urk.
3/8
)
, am
1.
Juni 2016 (
Urk.
9/202
=
Urk.
3/10
) und am 1
3.
Juli 2016 (
Urk.
9/204
=
Urk.
9/217
=
Urk.
3/12
) über seine Behandlung des Beschwer
deführers.
Am
1
4.
April 2016
erfolgte eine Gastroskopie
(
Urk.
9/196
=
Urk.
3/9
)
.
5.2
Im Rahmen einer am 2
4.
April 2016
erfolgten Notfallkonsultation
(
Urk.
9/198
=
Urk.
3/15
)
wurde unter anderem eine akute Suizidalität erwähnt (S. 1 Mitte) und eine stationäre Unterbringung veranlasst (S. 1 unten).
Der Beschwerdeführer weilte sodann vom 2
4.
bis 2
6.
April 2016 im
C._
, wo laut Austrittsbericht vom
1
8.
Mai 2016 (
Urk.
9/199
=
Urk.
3/16
)
unter anderem eine
Hyponatriämie
diagnostiziert (S. 1
Ziff.
1) und eine psychiatrische Hospitalisierung veranlasst (S. 3 oben) wurde.
5.3
Laut Austrittsbericht vom 1
4.
Juli 2016 (
Urk.
9/200
=
Urk.
3/17
) weilte der Be
schwerdeführer vom 2
6.
April bis
2.
Mai 2016
stationär in
der
psychiatrischen Klinik
D._
, dies aufgrund einer Zuweisung per Fürsorgerische Unterbringung zur stationären Krisenintervention (S. 2 oben). Als Hauptdiagnose wurde eine paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.0) genannt (S. 1 Mitte). Als Nebendiagnosen genannt wurden eine Störung durch Opioide, Abhängig
keitssyndrom, derzeit in ärztlicher überwachter Behandlung (ICD-10 F11.22), eine schwere
Hyponatriämie
, ein Status nach Hepatitis C, ein neuropathisches Schmerzsyndrom der linken unteren Extremität, ein intermittierendes
lumbos
pondylogenes
Schmerzsyndrom, ein
gastroösophagealer
Reflux und ein Status nach Hörsturz links Juni 2009 mit persistierendem Tinnitus (S. 1).
Über die Behandlung wurde wie folgt berichtet:
Auf
Station wirkte der Patient im formalen Denken geordnet, in seinen Aktionen wirkte
er jedoch sehr bizarr. Er war insbesondere zu Beginn der unverrückbaren
Ü
berzeugung,
dass man seinen Computer gehackt habe, und war darüber sehr
verzweifelt.
Auffällig war eine äusserst paranoide Grundhaltung. Sonstig liessen sich jedoch keine
psychotischen Symptome eruieren, sodass wir diagnostisch am ehesten von einer paranoiden
Persönlichkeitsproblematik ausgingen, jedoch keine testpsychologische Bestätigung
durchf
ü
hrten.
Am
2.
Mai 2016 habe der Patient
bei fehlender akuter Selbst- und Fremdgefähr
dung auf seinen Wunsch hin entlassen werden können (S. 2 Mitte).
5.4
Laut Bericht vom 1
5.
Mai 2016 (
Urk.
9/201) stellte sich der Beschwerdeführer am 1
2.
Mai 2016 auf der
E._
des
F._
vor, wo eine Distorsion des linken Oberen Sprunggelenks diagnostiziert wurde (S. 1).
5.5
Laut Bericht
vom
1
7.
Juni 2016 (
Urk.
9/203
=
Urk.
3/11
) weilte der Beschwerde
führer vom 1
3.
bis 1
5.
Juni 2016 in der
G._
des
F._
(S. 1), dies zur stationären Abklärung eines Gewichtsverlustes und einer
Hyponatriämie
(S. 2 oben).
Laut Bericht vom 2
8.
Juli 2016 (
Urk.
9/205
=
Urk.
3/13
) erfolgte am Vortag eine Konsultation wegen eines Ulcus der distalen
Grosszehe
links (S. 1 Mitte).
5.6
Laut Bericht vom 2
1.
September 2016 (
Urk.
9/206
=
Urk.
3/14
) weilte der Be
schwerdeführer vom
6.
bis 2
1.
September 2016 im
H._
(S. 1 Mitte), dies bei akuter Osteomyelitis und gleichzeitig vorliegender Mischinfektion der Grosszehe links (S. 2 Mitte).
5.7
Am
3.
Dezember 2016 nahm der federführende Gutachter des
Z._
zu nach der Begutachtung vom April 2016 erstellten Arztberichten Stellung (
Urk.
9/211)
. Er führte unter anderem aus, die im Austrittsbericht des
D._
(vgl. vorstehend E. 5.3) gestellte Diagnose einer paranoiden Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0) stehe auf wackligen Füssen. Eine solche sei anlässlich der psy
chiatrischen Begutachtung des Versicherten nicht festgestellt worden. Alleine ein bizarres Verhalten und die Überzeugung, dass jemand seinen Computer gehackt habe, reichten nicht, um die Diagnosen einer paranoiden Persönlichkeitsstörung zu stellen. Nachdem anlässlich des stationären Aufenthaltes im
D._
keine testpsychologischen Untersuchungen durchgeführt
worden
seien, welche die Verdachtsdiagnose hätten bestätigen können, müsse diese Diagnose in Frage gestellt werden (S. 1
Ziff.
1).
Durch eine in den Berichten von
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 5.1) erwähnte allfällige Ganglion-Stimulation
würde
höchstens das Schmerzempfinden des Ver
sicherten positiv beeinflusst, was mit einer Besserung seines Allgemeinbefindens einhergehen würde. An
der
Arbeitsfähigkeit würde dies aber nichts ändern (S. 2
Ziff.
2).
Eine gemäss Bericht des
H._
(vgl. vorstehend E. 5.6) geplante chi
rurgische Grosszehen-Intervention bliebe ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte sei so oder so in seiner Gehfähigkeit einge
schränkt. Eine chirurgische Intervention an der Grosszehe würde lediglich eine vorübergehende Verschlechterung seiner Gehfähigkeit bedingen (S. 2 Ziff.
3).
Dass sich gemäss Bericht des
F._
vom Juni 2016 (vgl.
vorstehend E. 5.5
) kein somatisches Korrelat für einen Gewichtsverlust finde, ändere nichts an der Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit
.
Wie im Bericht selber erwähnt werde, werde als Ursache für die Gewichtsabnahme die (invaliditätsfremde) psychosoziale Belas
tungssituation des Versicherten angegeben. Eine internistische Ursache, welche einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten haben könnte, habe nicht nachgewiesen werden können (S. 2
Ziff.
4).
5.8
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
erstattete am
1
5.
Februar 2019
einen Bericht
(
Urk.
15)
. Sie führte aus, dass sich der Patient seit
3.
Februar 2017 in Behandlung befinde und das Erstgespräch bei ihr am
6.
Feb
ruar 2017 stattgefunden
habe
(S. 1
Ziff.
1).
E
ine regelmässige Behandlung
erfolge
durch den Psychotherapeuten
, sie selber sehe den Patienten nur in sehr grossen Abständen (S. 2
Ziff.
4).
Sie nannte - nebst externen Diagnosen zu körperlichen Problemen - folgende Diagnosen (S. 1
Ziff.
2):
-
psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen (Opioide, Alkohol,
Can
nabinoide
), seit 2008 abstinent und unter Substitution (ICD-10 F19.23)
-
Abhängigkeit von Benzodiazepinen, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F13.24)
-
paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.0)
Zur Arbeitsfähigkeit f
ührte sie unter anderem aus,
aufgrund der täglich hochdo
sierten Einnahme von
Seresta
, einem Abhängigkeits-erzeugenden Benzodiazepin, sowie auch, aber möglicherweise in geringerem Ausmass, durch die Einnahme von
Subutex
(einem Substitutionspräparat bei Opiat-Abhängigkeit)
,
sei der Pati
ent sediert und in der Reaktionsfähigkeit reduziert. Beide Medikamente reduzier
ten die kognitive Leistungsfähigkeit. Eine kognitiv hoch anspruchsvolle Tätigkeit sei unter einer solchen Medikation kaum bis nicht mehr möglich (S. 1
Ziff.
3). Ebenso dürfe der Patient keine Fahrzeuge oder gefährlichen Geräte bedienen. Eine Arbeitstätigkeit, bei welcher der Patient viel Verantwortung tragen müsste, wäre aus ärztlicher Sicht unter dieser
Medikation nicht vertretbar, da der Patient durch die Wirkung beziehungsweise unter dem sedierenden Einfluss der Medikamente in der Entscheidungsfähigkeit wie auch in der Beurteilung von Situationen ein
geschränkt sei und in solchen Momenten die Konsequenzen seines Handelns viel
leicht nicht vollumfänglich abschätzen könnte (S. 1 f.). Wenn der Patient die Medikamente nicht regelmässig einnehme, komme es zu Entzugserscheinungen, die lebensgefährliche Folgen haben könnten, auch dies schränke die Arbeitsfä
higkeit ein. Viele Arbeitsstellen kämen rein aufgrund dieser Konstellation nicht in Frage (S. 2 oben).
Sie gehe, trotz
am geschützten Arbeitsplatz nach
kurzer Zeit aufgetretener Prob
leme, davon aus, dass der Patient auf dem zweiten Arbeitsmarkt im geschützten Rahmen zumindest teilarbeitsfähig sei. Auf dem ersten Arbeitsmarkt erachte sie ihn aufgrund der Medikation wie auch aufgrund der Persönlichkeitsstruktur als nicht arbeitsfähig (S. 2).
6.
6.1
Vorab ist auf den Einwand des Beschwerdeführers einzugehen, das Gutachten von 2016 sei mangelhaft, weil aus psychiatrischer Sicht keine Persönlichkeitsstö
rung diagnostiziert worden sei (
Urk.
1 S. 12 oben).
Tatsächlich wurde im Bericht über eine Krisenintervention in Form eines einwö
chigen Klinikaufenthalts als Diagnose eine paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.0) genannt (vorstehend E. 5.3). Allerdings
hatte die Klinikeinweisung nicht zum Zweck, mehr Klarheit in diagnostischer Hinsicht zu erlangen, sondern die akute psychische Krise zu meistern. Dass dies gelang, zeigt die nach lediglich einer Woche bereits erfolgte Entlassung. Die in diesem Kontext gestellte
Diagnose
wurde
weder testpsychologisch verifiziert (oder falsifiziert)
,
noch mehr als rudi
mentär («sehr bizarr wirkende Aktionen», «unverrückbare Überzeugung, man habe seinen Computer geknackt») begründet.
Sie wäre
wohl korrekterweise als blosse
Verdachtsdiagnose zu bezeichnen gewesen.
Der Begründungsmangel fällt umso mehr ins Gewicht, als sich in der über Jahre zurückreichenden Krankengeschichte keine einzige Beurteilung findet, in welcher diese oder eine verwandte Diagnose auch nur in Erwägung gezogen worden wäre, weder im 2010 erstatteten Gutachten (vorstehend E. 3.1), noch im
Y._
-Bericht von
2011 (vorstehend E. 3.2), noch im Gutachten von 2012 (vorstehend E. 3.3), noch im medizinischen Teil des BEFAS-Schlussberichts (vorstehend E. 3.4).
Gemäss ICD-10
Kapitel V (F) müssen im Bereich der Persönlichkeitsstörungen (F60) unter anderem folgende Kriterien erfüllt sein (1
0.
Auflage, S. 276 f.,
Ziff.
2-4):
-
Das auffällige Verhaltensmuster ist andauernd und gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt.
-
Das auffällige Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend.
-
Die Störungen beginnen immer in der Kindheit oder Jugend und manifes
tieren sich auf Dauer im Erwachsenenalter.
Vor diesem Hintergrund büsst die im Juni 2016 gestellte (Verdachts-) Diagnose entscheidend an Nachvollziehbarkeit ein, denn weder wurde im Rahmen der Di
agnosestellung auf die genannten Kriterien Bezug genommen, noch sind Anhalts
punkte dafür ersichtlich, dass sie erfüllt sein könnten.
Es mangelt mithin nicht an einer - bei dieser Sachlage gar nicht erforderlichen -
zusätzlichen vertieften Begründung für das Verneinen dieser Diagnose im Gut
achten, sondern an einer solchen für das Stellen der Diagnose.
Mithin ist (auch) die psychiatrische Beurteilung im Gutachten von 2016 nicht zu beanstanden.
Dass die gleiche Diagnose im Bericht vom
Februar 2019 (vorstehend E. 5.8) noch einmal genannt wurde, ändert daran nichts, denn in diesem Bericht wurde sie nicht nur bloss rudimentär, sondern überhaupt nicht begründet.
6.2
Andere Vorbehalte gegenüber den gutachterlichen Beurteilungen sind nicht er
sichtlich, was mit der Feststellung übereinstimmt, dass sie alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.6) vollumfänglich erfüllen.
Es kann auf sie abgestellt werden; der Sachverhalt erweist sich als hinreichend abgeklärt.
6.3
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als (Diät-) Koch wurde 2010 noch mit 60
%
seit Ende Dezember 2008 beziffert (vorstehend E. 3.1). In allen späteren Beurteilungen, so schon 2011 (vorstehend E. 3.2), wurde sodann aber eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
angenommen (E. 3.3-4, E. 4.6).
6.4
Die Arbeitsfähigkeit in näher umschriebenen körper
lich leichten Tätigkeiten wurde
2010 mit 90
%
ab November 2008 (vorstehend E. 3.2), im Gutachten von 2012 (vorstehend E. 3.3) und im BEFAS-Schlussbericht von 2013 (vorstehend
E. 3.4) mit 80
%
(volle Präsenzzeit, reduzierte Rendement) beziffert.
Im Gutachten von 2016 wurde ausgeführt, dass
sich der Gesundheitszustand
- namentlich
aus rheumatologischer Sicht
(vorstehend E. 4.3) - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ab Februar leicht gebessert habe (vorstehend E. 4.4), und es wurde in der Folge für eine
dem körperlichen Leiden optimal angepasste Ver
weistätigkeit
(
vorwiegend sitzend, wenig stehend, ohne repetitives Heben von Lasten über 7 kg, ohne Klettern auf Gerüsten, ohne Arbeiten in der Kälte, ohne Arbeiten in Zwangshaltungen sowie ohne hohe Anforderungen an die Kognition
) eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
attestiert (vorstehend E. 4.6).
Die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ist somit von November 2009 bis zum Gutachten von Juni 2012 mit 90
%
, ab dann bis zum Gutachten vom August 2016 mit 80
%
, und ab dann mit 100
%
zu veranschlagen.
6.5
In diesem Sinn steht der Sachverhalt fest.
In der Beschwerde (
Urk.
1) angeführte andere Zahlen zur Arbeitsfähigkeit - 50
%
bis und mit Juni 2012 (S. 6 unten),
50
% bis Ende Juli 2014 (S. 9
Ziff.
3.2) - finden in den Akten keine Stütze, womit die auf ihnen fussend
e Argumentation hinfällig wird.
Soweit
im
2019 erstatteten Bericht (vorstehend E. 5.8) andere Angaben zur Ar
beitsunfähigkeit gemacht wurden, ist darauf hinzuweisen, dass diese
hauptsäch
lich,
wenn nicht ausschliesslich mit einer
Benzodiazepinabhängigkeit
begründet wurden, nach Verfügungserlass datieren und im Rahmen der bereits erfolgten erneuten Anmeldung (vgl.
Urk.
12) zu prüfen sein werden.
7.
7.1
Die Beschwerdegegnerin hat zur Bestimmung des
Valideneinkommens
(
Urk.
9/160 S. 1)
auf LSE-Daten abgestellt,
nämlich den Lohn
in Berufen im Be
reich personenbezogener Dienstleistungen (T17
Ziff.
51)
, sie hat den in LSE 2012 angegeben Wert auf das Jahr 2014 hochgerechnet
,
und
hat
das
Valideneinkom
men
schliesslich mit
Fr.
61'038.-- im Jahr 2014 beziffert
Dies ist a
uf
Fr.
61'699.--
zu korrigieren
, weil der Ausgangswert beim Tabellen
lohn
Fr.
4'854.-- beträgt und nicht wie im Einkommensvergleich angeführt
Fr.
4'802.
(
Fr.
61'038.
-- :
4'802 x 4'854)
.
7.2
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, dass mit
Ziff.
51 von T17 der LSE auf einen ausgesprochenen Niedriglohnbereich abgestellt werde (
Urk.
1 S. 8 unten).
Gehe man von dem von ihm 2008 zuletzt erzielten Lohn aus, so betrage das
Valideneinkommen
im Jahr 2009
Fr.
76'159.--, was ungefähr dem gesamtarbeits
vertraglichen Mindestlohn eines Koches entspreche, wenn Mitarbeiter geführt würden und/oder eine höhere Fachschule absolviert worden sei, nämlich
(
Fr.
5'740.-- x 13 =
)
Fr.
74'620.-- (
Urk.
1 S. 8 Mitte).
Auch diese Rechnung ist korrekturbedürftig. Gemäss den von ihm eingereichten Unterlagen hat der Beschwerdeführer 1993 das Fähigkeitszeugnis als Koch und 1998 als Diätkoch erworben (
Urk.
3/2), zusätzliche berufliche Qualifikationen sind nicht ersichtlich. Im eingereichten Arbeitsvertrag (
Urk.
3/3) findet sich auch kein Führen von Mitarbeitern. Damit
wäre
auf den
von ihm verwendete
n Min
destlohn
gemäss
Ziff.
I
V
a
von jenem gemäss
Ziff.
IIIb
(
Fr.
4'597.--)
abzustellen
, was
Fr.
59'761.-- im Jahr ergäbe (
Fr.
4'597.-- x 13).
7.3
Zum Vergleich sind schliesslich die Tabellenlöhne gemäss TA1_tirage_skill_level
im Wirtschaftszweig Gastgewerbe/
Beherbergung und Gastronomie (
Ziff.
55-56) beizuziehen. Sie betrugen 2012 für Männer auf Kompetenzniveau 3 (komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet
voraus
setzen)
Fr.
5'350.--, was umgerechnet auf ein Jahr
Fr.
66’052.--
ergibt (
Fr.
5'350.-- x 12 : 40.0 x 42.4)
.
In Würdigung aller Aspekte (vgl. vorstehend E. 1.3) ist als überwiegend wahr
scheinlich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2012 weiterhin beziehungsweise wiederum als Koch in der Gastronomie tätig gewesen wäre, was ein Abstellen auf den betreffenden Tabellenlohn (Kompetenzniveau 3) als ge
rechtfertigt erscheinen lässt.
Damit
ist
von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
66'052.-- im Jahr 2012 auszu
gehen.
7.4
Zur Ermittlung des Invalideneinkommens ist mit den Parteien (
Urk.
9/160 S. 1;
Urk.
1 S. 9
Ziff.
3.2) ebenfalls auf Tabellenlöhne abzustellen. Das Einkommen für Männer auf Kompetenzniveau 1 belief sich im Jahr 2012 auf
Fr.
5'210.-- (LSE 2012 a.a.O.), was rund
Fr.
65'177.-- im Jahr ergibt (
Fr.
5'210.-- x 40.0 x 41.7).
Bei der 2012 gegebenen Arbeitsfähigkeit von 80
%
(vorstehend E. 6.5) und mit dem beschwerdeweise beantragten
Abzug (vorstehend E. 1.5
) von 15
%
(
Urk.
1
S. 9
Ziff.
3.2) würde ein Invalideneinkommen von rund
Fr.
44
'
320
.-- resultieren (
Fr.
65'177.-- x 0.8 x 0.85), mithin beim
Valideneinkommen
von
Fr.
66'052.-- eine Einbusse von
Fr.
2
1
'
732
.-- und damit ein Invaliditätsgrad von rund
33
%
.
Ob
ein Abzug in der genannten Höhe überhaupt gerechtfertigt wäre, kann bei diesem Ausgang
offen gelassen
werden.
7.5
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass bei einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
kein anspruchsbegründender Invaliditätsgrad resultiert, was folglich umso mehr bei einer solchen von 90
%
und 100
%
gilt.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens, und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung im Umfang von 40
%
(
Urk.
6) ist zu bewilligen (vgl.
Urk.
7/
1-3).
8.2
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
900.-- festzusetzen, ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung im Umfang von 40
%
(
Fr.
360.--) einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
.
8.3
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin hat mit Honorarnote vom 2
5.
April 2019 ei
nen Aufwand von 11.6 Stunden und Barauslagen von
Fr.
209.90 geltend gemacht (
Urk.
19). Beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehr
wertsteuer), nicht
Fr.
250.-- wie fakturiert, ist sie mit rund
Fr.
3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) und damit mit
Fr.
1'200.-- (40
%
) aus der Ge
richtskasse zu entschädigen.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900
.-- werden
zu 60
%
dem Beschwerdeführer
auferlegt
und zu 40
%
einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Rechnung und Einzahlungs
schein werden
den
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hinge
wiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Petra Oehmke, Affoltern am Albis,
wird mit
Fr.
1’200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht ge
mäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Petra
Oehmke
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.