Decision ID: b03cb55e-bb7f-58d8-8887-4908b546d402
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Pfändler, Postfach 126, 8024 Zürich,
gegen
Suva Militärversicherung, Laupenstrasse 11, Postfach 8715, 3001 Bern,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a Z._, Jahrgang 1972, erlitt am 20. April 1993 in der Rekrutenschule (RS) eine
Gehörschädigung, als ein langes Aluminiumblech unmittelbar neben ihm scheppernd
zu Boden fiel. Am Abend trat ein Pfeifton im Ohr auf. Im Juni 1993 meldete ihn Dr. med.
A._, Fachärztin FMH für Oto-Rhino-Laryngologie, wegen eines Hochtontinnitus
beidseits bei der Militärversicherung (MV) an (MV-act. 2). Die MV anerkannte den
Versicherten am 12. Juli 1993 als ihren Patienten (MV-act. 3).
A.b Mit Verfügung vom 30. März 2001 anerkannte die MV eine Haftung von 100% und
sprach dem Versicherten vom 1. Mai 1999 bis 30. April 2001 eine Invalidenrente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 40% zu. Die Invaliditätsbemessung beruhte
auf einem Einkommensvergleich, wobei als Invalideneinkommen das am damaligen
Arbeitsplatz des Versicherten bei der B._ tatsächlich erzielte Einkommen von
Fr. 39'000.- berücksichtigt wurde. Bis 30. April 2001, dem Datum des Ablaufs der
befristeten Rente, müsse eine Umschulung mit dem Ziel eingeleitet sein, dass der
Versicherte nach deren Abschluss ein Einkommen von mindestens Fr. 53'000.- erzielen
könne. Für die zurückliegende Zeit verzichte man auf eine Leistungskürzug wegen
Teilhaftung (MV-act. 78; 79.1).
A.c Im Vorbescheid vom 17. April 2001 hielt die MV fest, dem Versicherten sollte es
möglich sein, die Ausübung des erlernten Berufs des Elektromonteurs in einer ruhigen
und nicht lärmintensiven Umgebung auszuführen. Man erwarte deshalb von ihm, dass
er sich nochmals mit der IV-Berufsberatung in Verbindung setze und weitere
Alternativen zur aktuellen vorübergehenden Tätigkeit prüfe. Man spreche ihm bis
längstens 30. April 2002 erneut eine Rente bei 40% Invalidität zu. Die Leistungspflicht
werde insbesondere aufgrund der fachärztlichen Beurteilung von Prof. Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, auf 50% festgelegt (MV-
act. 81). Am 17. Oktober 2001 verfügte die MV mit Wirkung ab 1. Mai 2001 die
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angekündigte Teilrente mit einer Haftungsquote von 50%, allerdings anders als im
Vorbescheid vom 17. April 2001 vorgesehen für unbestimmte Zeit (MV-act. 97).
A.d Die IV-Stelle des Kantons Zürich sprach dem Versicherten mit Verfügung vom
11. Januar 2002 bei einem Invaliditätsgrad von 40% rückwirkend ab 1. September
1999 eine Viertelsrente zu (MV-act. 106).
B.
B.a Ein an die MV gestelltes Rentenrevisionsbegehren des Versicherten vom
11. Oktober 2002 (MV-act. 118) wies diese mit Vorbescheid vom 4. November 2002
(MV-act. 150) bzw. Verfügung vom 1. Dezember 2004 mangels relevanter
medizinischer Veränderung ab (MV-act. 152).
B.b In Vertretung des Versicherten erhob Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Pfändler dagegen
am 14. Januar 2005 Einsprache und beantragte die Zusprache einer Invalidenrente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100% bei einer Teilhaftung von 50% (MV-
act. 153).
B.c Die IV-Stelle erhöhte die Viertelsrente mit Verfügung vom 20. Oktober 2005
rückwirkend ab 1. April 2004 auf eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von
67% (MV-act. 165). Eine Einsprache des Versicherten vom 11. November 2005 (MV-
act. 170) gegen diese Verfügung wies die IV-Stelle mit Entscheid vom 19. Dezember
2005 ab (MV-act. 171). Am 23. Januar 2006 liess der Versicherte dagegen beim
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde erheben und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% beantragen (MV-act. 174). Nachdem das Gericht dem Versicherten
mit Beschluss vom 8. September 2006 eine reformatio in peius angedroht hatte
(act. G 1.3), liess dieser die Beschwerde am 4. Oktober 2006 zurückziehen (act. G 1.4),
woraufhin das Gericht das Verfahren am 10. Oktober 2006 abschrieb (MV-act. 176).
B.d Mit Entscheid vom 4. Februar 2009 behandelte die MV die Einsprache vom
14. Januar 2005 gegen die Verfügung vom 1. Dezember 2004. Seit Erlass der
Verfügung von 2001 seien weitere negative Einflüsse hinzugekommen, die den Tinnitus
nochmals qualitativ und quantitativ verschlimmert hätten. Der Versicherte habe seinen
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Arbeitsplatz verloren, eine Ohrenentzündung gehabt und im Januar 2004 ein erneutes
Ohrtrauma erlitten. Für diese Verschlimmerungen des Tinnitus bzw. der
Gesundheitsschädigung hafte die MV nicht. Bezogen auf den vorliegenden stärkeren
Tinnitus müsste die anteilsmässige Haftung der MV bei der Zusprechung weiterer
Leistungen neu festgelegt werden. Der Haftungsanteil der MV in Relation zum
Gesamtschaden würde aktuell deutlich unter 50% liegen. Der genaue Anteil könne aber
zurzeit offen bleiben. Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von
höchstens 40%. Die Einsprache werde daher abgewiesen und die Revision der
Invalidenrente vom Oktober 2001 abgelehnt (MV-act. 186).
B.e Mit einem weiteren Einspracheentscheid vom 6. März 2009 hob die MV den
Entscheid vom 4. Februar 2009 auf, wies die Einsprache ab und lehnte die Revision der
Invalidenrente vom Oktober 2001 ab. In der Begründung stellte sie sich neu auf den
Standpunkt, dass nur noch eine Haftungsquote von 25% bestehe. Unterdessen sei von
einer Arbeitsunfähigkeit von 40% auszugehen. Bei Berücksichtigung eines
leidensbedingten Abzugs von 10% ergebe der Einkommensvergleich einen
Invaliditätsgrad von 56.80%, was bei einer Haftung von 25% einer Monatsrente von
Fr. 754.- entspreche. Selbst wenn man von einer Haftung von 50% ausginge und einen
Leidensabzug von 25% anerkennen würde, ergäbe sich bei einem Invaliditätsgrad von
70% eine Monatsrente von Fr. 1'115.-, was nicht wesentlich mehr sei als die im Jahr
2004 effektiv ausbezahlte Rente von Fr. 1'061.70 monatlich. Dieses Ergebnis stehe in
Übereinstimmung mit der medizinischen Beurteilung des Kreisarztes, der dafürgehalten
habe, dass sich der militärversicherte Anteil der Gesundheitsschädigung seit 2001
nicht erheblich verschlechtert habe (act. G 1.1).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des Versicherten
vom 6. April 2009. Der Rechtsvertreter beantragt die Aufhebung des Entscheids vom
6. März 2009 sowie jenes vom 4. Februar 2009. Dem Beschwerdeführer sei basierend
auf einem Invaliditätsgrad von 69% bei einer Teilhaftung von 50% eine Invalidenrente
zuzusprechen. Ihm sei eine angemessene Prozessentschädigung zu gewähren. Mit der
Festsetzung der Haftung auf 25% verletze die Beschwerdegegnerin den
Untersuchungsgrundsatz. Ob der Tinnitus im Lauf der Zeit immer schlechter habe
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kompensiert werden können und sich die Folgen und Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit verstärkt hätten, oder ob neue Hörschäden zu neuen andersartigen
Verletzungen geführt hätten, sei eine medizinische Frage. Es sei kein neues äusseres
Ereignis notwendig, das einen körperlichen Schaden verursache. Die Dekompensation
sei eine Folge der Dauerbelastung und allfälliger weiterer hinzutretender belastender
Faktoren. Nicht nachgewiesen sei, dass eines der späteren Ereignisse einen direkten
körperlichen Schaden verursacht habe. Die Haftungsquote der MV belaufe sich nach
wie vor auf 50%. Die Arbeitsunfähigkeit sei primär durch die massive Schlaflosigkeit
und damit die schlechte Planbarkeit des Alltags bedingt, eine verwertbare
Arbeitsleistung sei seit Jahren nicht mehr möglich. Wenn vom Universitätsspital Zürich
eine verwertbare Arbeitsleistung von 40-50% aus rein somatischer Sicht attestiert
werde und Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
zusätzlich eine psychische Arbeitsunfähigkeit feststelle in dem Sinn, dass keine
verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr bestehe, dann könne nicht ohne weitere
medizinische Abklärungen einfach eine 60%-ige Arbeitsfähigkeit angenommen werden.
Wie die IV müsse auch die MV von einem Invaliditätsgrad von 69% ausgehen
(act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 21. April 2009
die Abweisung der Beschwerde. Die Verfügung vom Oktober 2001 habe bei der
Festlegung der MV-Haftung auch noch nachdienstliche Einflüsse auf die
Gesundheitsschädigung berücksichtigt, so eine Zunahme des Tinnitus nach
Musikhören und vor allem die Einwirkungen der Streetparade 1998, die den Tinnitus
nachweislich verstärkt und die Arbeitsfähigkeit stärker eingeschränkt hätten. Im
Zeitpunkt der Verfügung vom Dezember 2004 sei offensichtlich ein stärkerer Tinnitus
vorgelegen. Aufgrund der offenbar veränderten Situation im Referenzjahr 2004 sei im
angefochtenen Wiedererwägungs-Einspracheentscheid die Haftung der MV neu
festgesetzt worden. Zu beachten sei die gesamte invalidisierende aktuelle
Gesundheitsschädigung gewesen. Dabei seien weitere dienstfremde negative Einflüsse
berücksichtigt worden, die seit dem Erlass der rechtskräftigen Verfügung von 2001 den
Tinnitus verstärkt hätten. Bei der Neufestsetzung der Haftungsquote sei der
qualitativen Veränderung und der quantitativen Verstärkung des Tinnitus durch die (seit
Oktober 2001) nachträglichen Einflüsse Rechnung getragen worden. Die
nachdienstlichen Einflüsse hätten nachweislich dazu geführt, dass dem
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Beschwerdeführer das Coping nicht mehr gelungen sei. Ein unveränderter Anteil der
Schädigung, für den die MV einzustehen habe, könne nicht zu einer höheren Rente
führen. Im Licht all der nicht dienstlichen Einwirkungen sei die MV-Haftung an einem
inzwischen (offenbar) merklich stärkeren Tinnitus zu Recht mit 25% veranschlagt
worden. Wie im Einspracheentscheid aufgezeigt, belaufe sich der Invaliditätsgrad auf
56.8% und die Rente daher bei einem versicherten Verdienst von Fr. 67'056.- auf
Fr. 754.-. Damit resultiere keine höhere Rente (act. G 3).
C.c Der Beschwerdeführer lässt in der Replik vom 30. April 2009 an den Anträgen
gemäss Beschwerde festhalten. Die Teilhaftung von 50% sei nicht nur wegen
vordienstlichen Ohrensausens, sondern auch wegen des nachdienstlichen Anlasses an
der Streetparade 1998, der zu einer Verschlimmerung geführt habe, verfügt worden.
Dieses Ereignis sei also bereits mitberücksichtigt worden. Tinnitus-Beschwerden
hätten sehr häufig auf Dauer immer schwerere Auswirkungen, obwohl das Grundleiden
nicht stark verändert sei und kein neues Trauma hinzutrete. Zudem habe die dienstlich
verursachte Gesundheitsschädigung zu einer stark erhöhten Vulnerabilität des
Beschwerdeführers geführt, er sei also auch bei harmlosen Lärmbelastungen verstärkt
der Gefahr ausgesetzt, dass sich sein Tinnitus verschlimmere. Eine solche
Verschlimmerung falle ebenfalls unter die Haftung der MV, es handle sich um eine
Haftung für Spätfolgen. Die generelle Vulnerabilität des Beschwerdeführers könne nicht
zu einer reduzierten Haftung führen. Ausserdem sei sie insbesondere durch das
dienstliche Ereignis aus dem Jahr 1993 verursacht worden. Die Ansicht der
Beschwerdegegnerin, ein unveränderter Anteil der Schädigung, für den die MV
einzustehen habe, könne nicht zu einer höheren Rente führen, sei klar falsch. Auch bei
einer gleichbleibenden Haftungsquote könne die Invalidität im Lauf der Zeit zunehmen
und zu höheren Leistungen führen (act. G 5).
C.d In der Duplik vom 12. Mai 2009 hält auch die Beschwerdegegnerin an ihrem
Abweisungsantrag fest. Die Vulnerabilität des Beschwerdeführers habe sich bereits
vordienstlich manifestiert. Der Beschwerdeführer habe nach Androhung der reformatio
in peius durch das Zürcher Sozialversicherungsgericht im IV-Verfahren die Beschwerde
zurückgezogen. Damit habe er aber die vom Gericht angeführten Ausführungen zur
medizinisch geschätzten Arbeitsunfähigkeit anerkannt. Die geschätzte medizinisch-
theoretische Arbeitsunfähigkeit könne somit nicht wegleitend sein. Zudem habe der
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Beschwerdeführer gezeigt, dass er in einer angepassten Tätigkeit eine grosse
Arbeitsfähigkeit aufweise (act. G 7).
C.e Auf weitere Vorbringen der Parteien wird, sofern entscheidwesentlich, im Rahmen
der Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Bei Versicherten mit Wohnsitz im Ausland können die Parteien gemäss Art. 105 des
Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG; SR 833.1) neben dem Heimat-
oder letzten Wohnsitzkanton der versicherten Person die Zuständigkeit des
Versicherungsgerichts eines anderen Kantons vereinbaren. Die Parteien haben sich
vorliegend mit Vereinbarung vom 3./4. März 2009 rechtsgenüglich geeinigt, die Sache
vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen entscheiden zu lassen (MV-
act. 190a). Weil auch die übrigen Prozessvoraussetzungen gegeben sind, ist auf die
Beschwerde einzutreten.
2.
Auf unangefochtene formelle Verfügungen darf die Verwaltung während der
Rechtsmittelfrist zurückkommen, ohne dass die nach Eintritt der Rechtskraft
erforderlichen Voraussetzungen der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision
erfüllt sein müssen (m.w.H. BGE 129 V 110 Erw. 1.2.1). Die Beschwerdegegnerin hat
den Einspracheentscheid vom 4. Februar 2009 noch während der 30-tägigen
Rechtsmittelfrist widerrufen und durch den vorliegend angefochtenen Entscheid vom
6. März 2009 ersetzt. Dies war zulässig, wobei sich am Dispositiv des Entscheids –
abgesehen von der neuen Ziff. 1 betreffend Widerruf und Ersatz des alten Entscheids –
ohnehin nichts geändert hat.
3.
3.1 Die MV erstreckt sich auf jede Gesundheitsschädigung, die während des
Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie festgestellt wird (Art. 5
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Abs. 1 MVG). Sie haftet gemäss Art. 5 Abs. 2 MVG nicht, wenn sie den Beweis erbringt,
dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des
Dienstes verursacht werden konnte (lit. a); und dass diese Gesundheitsschädigung
sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt
worden ist (lit. b). Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes
durch einen Arzt, Zahnarzt oder Chiropraktor festgestellt und bei der MV angemeldet
oder werden Spätfolgen oder Rückfälle geltend gemacht, so haftet die MV nur, wenn
die Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des
Dienstes verursacht oder verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheitsschädigung handelt (Art. 6 MVG). Der Unterschied zwischen den
Haftungsvoraussetzungen nach Art. 5 und Art. 6 MVG besteht namentlich darin, dass
im ersten Fall der Kausalzusammenhang zwischen der Gesundheitsschädigung und
den Einwirkungen während des Dienstes vermutet wird und diese Vermutung nur durch
den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausgeschlossen werden kann, während im
zweiten Fall das Vorliegen kausaler Folgen von dienstlicher Gesundheitsschädigung mit
dem im Sozialversicherungsrecht allgemein erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein muss (BGE 123 V 138 Erw. 3a, 111 V
372 Erw. 1b; vgl. auch Jürg Maeschi, Kommentar zum MVG, Bern 2000, N 32 der
Vorbemerkungen zu Art. 5 - 7 MVG).
3.2 Hat die MV ihre Haftung für eine dienstlich festgestellte Gesundheitsschädigung
gemäss Art. 5 MVG anerkannt, so besteht so lange eine Deckungspflicht, als es sich
um einen laufenden Fall handelt. Entwicklungen im Symptomkreis der initialen
Gesundheitsschädigung werden ohne weiteres miterfasst, solange es sich um den
gleichen Versicherungsfall handelt. Ein Dienstschaden ist behoben, sobald der Status
quo ante wieder erlangt ist oder – wo dies aus der Natur der Sache unmöglich ist –
doch immerhin der Status quo sine erreicht worden ist. Ist eine Haftung nach Art. 5
MVG gegeben, so hat die MV sowohl für die Höhe als auch die Dauer des Schadens
den Sicherheitsbeweis gemäss Art. 5 Abs. 2 MVG zu erbringen, wenn sie aus der
Haftung aussteigen will (Franz Schlauri, Militärversicherung, in: SBVR XIV, Soziale
Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, S. 1081 f.).
4.
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4.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Anlass zur Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG
massgeblichen Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. Erw. 3.5). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen praxisgemäss
keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 Erw. 2b). Ob eine
revisionsbegründende Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten (der versicherten Person eröffneten)
rechtskräftigen Verfügung bestand, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in
den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108),
mit dem Sachverhalt zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 Erw. 2).
4.2 Im vorliegenden Fall wurde am 30. März 2001 erstmals über den Rentenanspruch
des Beschwerdeführers verfügt. Jene Verfügung betraf den Zeitraum 1. Mai 1999 bis
30. April 2001. Eine zweite Verfügung betreffend die Zeit ab 1. Mai 2001 erging am
17. Oktober 2001. Seither wurde über die Rente nicht mehr rechtskräftig verfügt. Zu
vergleichen ist folglich der Sachverhalt, wie er sich im Oktober 2001 zugetragen hat,
mit jenem im Zeitpunkt des strittigen Einspracheentscheids vom 6. März 2009 (vgl.
BGE 129 V 167 Erw. 1).
5.
5.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
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Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
5.2 Der Rentenverfügung vom 17. Oktober 2001 lagen folgende medizinischen
Beurteilungen zugrunde:
5.2.1 In seiner Beurteilung vom 10. März 2000 hatte Prof. Dr. C._
anamnestisch festgehalten, dass beim Beschwerdeführer vor der RS bei (seltenen)
Disco- oder Konzertbesuchen für einige Stunden Ohrenpfeifen bestanden habe. Auch
ein Schlag aufs Ohr 1992 habe vorübergehend ein Ohrenpfeifen ausgelöst. Das
Knallereignis vom 20. April 1993 habe ein dauerndes beidseitiges Ohrgeräusch
ausgelöst. Wegen des Tinnitus sei der Beschwerdeführer noch 1993 schiessuntauglich
und 1996 dienstuntauglich erklärt worden. Der Tinnitus sei in den vergangenen Jahren
stetig lauter geworden, seit zwei Jahren seien Migräne und Magenprobleme
hinzugekommen. 1998 habe er an der Streetparade teilgenommen, er könne sich aber
nicht mehr erinnern, ob dies eine wesentliche Steigerung des Tinnitus verursacht habe.
Aufgrund des Tinnitus sei der Schlaf schwer gestört, der Beschwerdeführer benötige
eine Einschlafzeit von fünf bis sechs Stunden und könne dann ebenso lange schlafen.
Er hole Schlaf über Mittag nach. Die Konzentrationsfähigkeit sei stark vermindert, lesen
erfordere eine enorme Anstrengung, der Musikgenuss sei wegen des Tinnitus stark
eingeschränkt. Es bestehe eine erhöhte Lärmempfindlichkeit auf Auto-Hupen,
Kindergeschrei, Kratzen auf Glas, Tellerklappern etc. Prof. Dr. C._ stellte die
Diagnose sehr schwerer, hochgradig dekompensierter Hochtontinnitus beidseits bei
kleinen Hochtonsenken beidseits und Hochtonabfall rechts bei 12 kHz. Der
vordienstliche Zustand sei audiometrisch dokumentiert und zeige rechts eine kleinste
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Senke von 15 dB bei 4 kHz und links einen normalen Kurvenverlauf. Die Schwelle bei 6
und 12 kHz sei nicht gemessen worden. Das nach der RS aufgenommene Audiogramm
zeige keine Senken, doch sei wiederum die Schwelle bei 6 bis 12 kHz nicht gemessen
worden, was den Vergleich erschwere. Es lasse sich nur schliessen, dass der
Beschwerdeführer in der RS keinen schweren Gehörschaden erlitten habe. Es dürfe
aber nicht geschlossen werden, er habe keinen Gehörschaden erlitten.
Bekanntermassen könnten auch sehr kleine Senken oder Hochtonabfälle einen Tinnitus
auslösen, der Schweregrad eines Tinnitus korreliere nicht im Geringsten mit dem
Schweregrad des ursächlichen Hörschadens. Aus den Tinnitus-Messungen könne
geschlossen werden, dass der Tinnitus beim Beschwerdeführer die
Plausibilitätskriterien erfülle. An dessen realer Existenz dürfe deshalb nicht gezweifelt
werden. Ein "psychogener Tinnitus", wie in einem Aktenstück erwähnt, sei eine
unhaltbare Diagnose. Ein Tinnitus könne immer auf eine (manchmal allerdings sehr
unbedeutende) organische Schädigung zurückgeführt werden. Die Psyche komme erst
ins Spiel bei den Auswirkungen des Tinnitus, deren Schweregrad von der Psyche stark
bestimmt werde. Es spielten aber auch verstärkende Faktoren eine Rolle, die kaum
direkt mit psychischen Problemen zu tun hätten (Müdigkeit, Alltagslärm, Schmerzen,
Verspannungen im Nacken/Kauapparat, Erkältungen und soziale Probleme wie der
Verlust der Arbeitsstelle führten regelmässig zu einer Zunahme der
Lautheitsempfindung, nicht aber der tinnitometrisch gemessenen Lautheit). Durch
mannigfache Teufelskreise könne es wie im Fall des Beschwerdeführers zur
vollständigen Dekompensation kommen. Inwieweit der Beschwerdeführer ohne
Tinnitus eine "normale" berufliche Karriere gemacht hätte, sei schwer abzuschätzen.
Seit der RS 1993 habe die Tinnitus-Problematik offensichtlich stetig zugenommen,
sodass kaum von einem Rückfall gesprochen werden könne. Die Entwicklung
entspreche deshalb eher einer graduell sich steigernden Spätfolge (MV-act. 33).
5.2.2 Auf Anfrage der MV äusserte sich Prof. Dr. C._ am 16. Dezember 2000
zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. In ungünstig verlaufenden Fällen könne
Tinnitus zu einer vollständigen Invalidisierung führen, dies in seltenen Fällen sogar ohne
dass vorbestehende psychische Probleme geltend gemacht werden könnten. Beim
Beschwerdeführer spielten die schwere Schlafstörung, die Lärmempfindlichkeit und die
Konzentrationsschwierigkeiten als Ursache der massiv reduzierten Belastbarkeit etwa
eine gleichwertige Rolle. Die gegenwärtige theoretische Arbeitsfähigkeit dürfte 20%
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nicht übersteigen. Von der so geschätzten Arbeitsunfähigkeit von 80% gehe sicher ein
wesentlicher Teil zulasten des Tinnitus. Unter der Voraussetzung, dass die
psychiatrische und neuropsychologische Beurteilung keine grundlegend neuen
Aspekte ergebe, kam Prof. Dr. C._ zur Schätzung, dass die tinnitusbedingte
Arbeitsunfähigkeit beim Beschwerdeführer mehr als 66% betragen dürfte. Da nur
wenige Begutachter so viele Tinnitus-Patienten überblickten wie er, werde eine
Begutachtung durch irgendeine Instanz möglicherweise zu einer stark abweichenden
Schätzung kommen, so Prof. Dr. C._. Er könne nur betonen, dass die echte Not der
Tinnitus-Betroffenen nicht bagatellisiert werden dürfe, nur weil sie für Nicht-Betroffene
so schlecht nachfühlbar bleibe (MV-act. 59).
5.2.3 Der Psychiater Dr. D._ hielt am 16. März 2001 fest, dass keinesfalls von
einer primär psychogenen Störung ausgegangen werden könne. Natürlicherweise
provozierten solche Leiden aber psychische Reaktionen. Diese könnten sich auf die
Intensität des Leidens positiv, aber auch negativ auswirken. Eine eigentliche
psychiatrische Diagnose lasse sich nicht stellen. Ebenso würden die vorhandenen
Daten keine Hinweise auf eine problematische prätraumatische Persönlichkeit ergeben.
Weiter konnte Dr. D._ erhebliche Probleme des Beschwerdeführers im Coping
(Umgang) mit seinem Leiden feststellen. Dieses könne sehr wohl
symptomverstärkenden Charakter haben. Das aktuelle Einkommen erziele der
Beschwerdeführer unter sozusagen geschützten Bedingungen. Er könne seine
Arbeitszeit frei einteilen. Unter normalen Bedingungen und in der freien Wirtschaft wäre
wohl eine viel höhere Einbusse zu verzeichnen und mindestens von der Beurteilung von
Prof. Dr. C._ (Arbeitsunfähigkeit 2/3) auszugehen (MV-act. 77).
5.3 Nach Oktober 2001 gingen im Wesentlichen folgende weitere ärztliche
Stellungnahmen ein:
5.3.1 Dr. med. E._ und Dr. med. F._ von der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals-
und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Zürich diagnostizierten am 13. Januar
2003 einen chronischen, hochfrequenten, dekompensierten Tinnitus beidseits sowie
eine beidseitige, linksbetonte, sensorineurale Hochtonschwerhörigkeit. Anamnestisch
hielten die Ärzte fest, der Tinnitus sei seit der RS stetig lauter geworden. Vor allem seit
ca. Juni 2002 habe er zusätzlich an Stärke zugenommen, zudem sei er zeitweise auch
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vielfrequent, sodass der Beschwerdeführer tagsüber bei der Arbeit (60% arbeitsfähig)
an stärkeren Konzentrationsstörungen leide. Seit der Untersuchung durch Prof. Dr.
C._ am 7. März 2000 habe sich die Angabe des Tinnitus sowohl in der Tonhöhe als
auch in der subjektiven Lautheit verändert: von 12'000 Hz und 5 dB auf 5'500 Hz und
65 dB Sinuston. Das Gehör habe sich in den hohen Tönen ebenfalls verschlechtert.
Beim Beschwerdeführer bestehe ein sehr schwerer, dekompensierter Tinnitus (MV-
act. 125).
5.3.2 Am 8. Juli 2004 wurde seitens des Unispitals Zürich auf ein weiteres
Lärmtrauma im Januar 2004 verwiesen. Eine Person habe dem Beschwerdeführer in
die Ohren geschrien. Im Vergleich zur Voruntersuchung vom Januar 2003 bestehe eine
Hörschwellenverschlechterung vor allem bei 3'000 Hz beidseits sowie bei 4'000 Hz
rechts. Nach dem Lärmtrauma vom Januar 2004 habe sich der Tinnitus qualitativ
verändert und quantitativ verstärkt. Das Gehör habe sich in den höheren Frequenzen
ebenfalls verschlechtert. Es scheine eine akustische Vulnerabilität vorzuliegen, sodass
es durch laute Geräusche sehr rasch zu einer Gehörsschädigung komme. Subjektiv
bestehe eine Lärmempfindlichkeit. Die Unbehaglichkeitsschwellen lägen aber im
Normbereich und würden nicht auf eine Hyperakusis hinweisen (MV-act. 143).
5.3.3 Psychiater Dr. D._ beurteilte den Beschwerdeführer am 31. August 2004
erneut. Die Kombination von Angst und Vermeidung von bestimmten Situationen und
Orten erinnere grundsätzlich an ein phobisches Modell. Beim Beschwerdeführer könne
aber nicht von einer eigentlichen psychischen Störung im Sinn einer krankhaften
Reaktion gesprochen werden, da die Angst vor Lärm und einer weiteren
Verschlimmerung der Beschwerden einer Realangst entspreche. Der Umgang mit dem
Tinnitus, der mittlerweile einen grossen Teil des Lebens des Beschwerdeführers
bestimme, sei auffällig, aber krankheitsadäquat. Das Leben mit einem Tinnitus sei sehr
energieaufwändig. Der Hinweis des Beschwerdeführers, dass er es kaum mehr
schaffen werde, wenn dieser noch lauter würde, sei ernst zu nehmen. In einem solchen
Fall sei eine psychische Dekompensation bis hin zum Suizidversuch nicht
auszuschliessen. Die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der Schädigung des Innenohrs und
dem Modus des Umgangs mit dieser Schädigung und ihren Folgen zu beurteilen. Vor
diesem Hintergrund bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr (MV-act. 147.1).
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5.3.4 Gegenüber Dr. F._ vom Unispital gab der Beschwerdeführer am 3. Juni
2005 an, er sei auf Stellensuche, mache sich aber wenig realistische Gedanken über
einen raschen Erfolg, da er die Anwesenheit vieler Menschen nicht ertrage und auf
unvorhersehbare Geräusche wie Kindergeschrei, Händeklatschen oder Knallen von
Türen und fallenden Gegenständen sehr ängstlich, ja panikartig reagiere. Diese
Erwartungsangst vor plötzlichen Geräuschen habe ihn schon zu einem beträchtlichen
Rückzug in die Isolation geführt, was er durchaus als negative Entwicklung betrachte,
der er jedoch hilflos gegenüber stehe. Dr. F._ bezeichnete die Arbeitsfähigkeit in
Tätigkeiten, die mit einem gewissen Geräuschpegel verbunden seien, als nicht mehr
gegeben. Der Beschwerdeführer fühle sich körperlich fit, sehe sich aber wegen seines
unregelmässigen Schlafes und der damit verbundenen Konzentrationsstörungen
höchstens noch zu 50% arbeitsfähig. Entsprechend schätzte Dr. F._ die
Restarbeitsfähigkeit auf 40-50% (MV-act. 159.1).
6.
6.1 In den medizinischen Akten wird zwar von einer Verstärkung des Tinnitus, einer
sich ebenfalls verstärkenden Hochtonschwerhörigkeit und erhöhter Vulnerabilität des
Beschwerdeführers berichtet. Der Psychiater Dr. D._ erwähnte im Bericht vom
5. September 2004 ein zunehmendes Angstverhalten des Beschwerdeführers (MV-
act. 147.1), von dem am 4. Juni 2005 auch seitens des Unispitals berichtet wurde. Der
Verlust des Arbeitsplatzes Mitte 2002 wurde ebenfalls als negativer Einflussfaktor auf
die Gesamtsituation gewertet. Prof. Dr. C._ war bereits 2000 von einer
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 66% ausgegangen, was auch Dr. D._ für plausibel
gehalten hatte. Am 5. September 2004 hatte der Psychiater die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit zwar verneint. Andererseits hatte er darauf hingewiesen, dass der
Beschwerdeführer vor allem ein ruhiges Umfeld brauche, nicht in einen festen Ablauf
hineingezwängt werden sollte und ihm das Einhalten von Terminen ihm Schwierigkeiten
bereite (MV-act. 147.1). Vor diesem Hintergrund ist anzunehmen, dass der
Beschwerdeführer sich unter optimalen Bedingungen, also in einem ruhigen Umfeld
und ohne das Risiko plötzlicher lauter Geräusche sowie ohne Stressbelastung und mit
freier Einteilbarkeit der Arbeit je nach vorhandener Energie, ein gewisses Mass an
Restarbeitsfähigkeit erhalten hat. Obwohl sich eine Phonophobie entwickelt und die
Vulnerabilität des Beschwerdeführers sich glaubhaft erhöht hat, ist doch nicht
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ersichtlich, weshalb er die von Prof. Dr. C._ festgestellte Arbeitsfähigkeit von etwa
einem Drittel eines Normalpensums nicht weiterhin verwerten können sollte. Auch
wenn der Ausschnitt der in Frage kommenden Arbeitsmöglichkeiten sich durch die
Verstärkung des Tinnitus weiter verkleinert haben sollte, ist weiterhin davon
auszugehen, dass es ihm möglich wäre, bei der ihm zumutbaren Willensanstrengung
auf dem massgeblichen in Frage kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine
geeignete Stelle zu finden.
6.2 Dr. F._ attestierte dem Beschwerdeführer am 4. Juni 2005 in einer optimal
adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit 50-60%. Diese Schätzung ist als andere
Beurteilung eines in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen unveränderten
Sachverhalts zu betrachten (vgl. auch die Einschätzung von Dr. med. Andreas Wüthrich
vom Ärztlichen Dienst MV-Sektion 5 in MV-act. 145). Da nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit dargetan ist, dass der Beschwerdeführer nicht mehr zu 66%,
sondern nur noch zu 50-60% arbeitsunfähig ist, ist kein medizinischer
Rentenrevisionsgrund gegeben. Entsprechend ist weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit
von 66% auszugehen.
6.3 Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen Einspracheentscheid aus,
angesichts der Arztberichte zur medizinisch-theoretisch geschätzten
Arbeitsunfähigkeit, der konkreten Tätigkeiten, die der Beschwerdeführer tatsächlich in
der Lage gewesen sei zu erbringen, und der Überlegungen des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich im Verfahren gegen die IV-Stelle im
Beschluss vom 8. September 2006 zur ärztlichen Einschätzung der
Restarbeitsunfähigkeit (richtig: Restarbeitsfähigkeit) werde die Arbeitsunfähigkeit auf
40% festgesetzt (act. G 1.1, S. 9, Ziff. 6). Dies ist willkürlich. Die Tätigkeit in der GmbH
des Bruders, für die der Beschwerdeführer ein recht gutes Einkommen erzielen konnte,
kommt eher einem einmaligen Glücksfall gleich und lässt den Rückschluss nicht zu,
dass der Beschwerdeführer auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch
heute ein Einkommen in der Höhe des damaligen erzielen könnte. Die von der
Beschwerdegegnerin erwähnten übrigen Tätigkeiten, die der Beschwerdeführer
ausführen konnte, sind wohl die Gleitschirmfliegerausbildung von 2002 und der
Massagekurs von 2003. Diese Ausbildungen allein lassen jedoch nicht auf eine über
einem Drittel eines Normalpensums liegende Arbeitsfähigkeit schliessen. Der
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Massagekurs wurde in 14 x 2.5 Stunden absolviert, für den Gleitschirmkurs waren 40
Flüge in zwei Jahren notwendig (MV-act.140.2). Es ist davon auszugehen, dass die
Kurse weder zeitlichen Druck noch Lärmbelastung aufwiesen und der
Beschwerdeführer sich die Absolvierung weitgehend frei einteilen konnte. Aus
juristischer Perspektive ergeben sich daraus jedenfalls keine relevanten Rückschlüsse.
6.4 Die letzte aktenkundige wesentliche medizinische Einschätzung stammt vom Juni
2005. Aufgrund der langen Zeitdauer bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids stellt sich die Frage, ob sich für einen zuverlässigen materiellen
Entscheid weitere medizinische Abklärungen aufdrängen. Die mit dem stärker
gewordenen Tinnitus in Zusammenhang stehenden Beschwerden haben sich seit der
RS während vieler Jahre stets verschlechtert. Bereits bis 2005 hatte der
Beschwerdeführer verschiedenste Therapien ausprobiert, die keine nachhaltige
Besserung gebracht hatten. Eine Gewöhnung an den Tinnitus und damit verbunden
eine bessere Bewältigung der Problematik hatte sich nicht eingestellt; im Gegenteil
gelang es dem Beschwerdeführer nicht, adäquate Coping-Strategien zu entwickeln,
sodass es zu einer Dekompensation kam. Vor diesem Hintergrund und mangels
Anhaltspunkten in den Parteivorbringen sind von weiteren medizinischen Abklärungen
keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, sodass im Rahmen der antizipierten
Beweiswürdigung (Bundesgerichtsentscheid 8C_77/2008 vom 5. Juni 2008, Erw. 3.2.1)
darauf verzichtet werden kann.
7.
7.1 Hingegen haben sich die erwerblichen Auswirkungen der Gesundheitsschädigung
seit 2001 erheblich verändert. Damals hatte der Beschwerdeführer in der von seinem
Bruder geleiteten GmbH gearbeitet und ein Monatseinkommen von Fr. 3'250.- erzielt.
Prof. Dr. C._ und Dr. D._ waren bereits damals davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer in der freien Wirtschaft keinen derartigen Lohn mehr erzielen könne
(vgl. MV-act. 59; 77). Die MV ging in Bezug auf das tatsächlich erzielte Einkommen
nicht von einem eigentlichen Soziallohn aus; anzunehmen ist aber, dass es sich bei
dieser Tätigkeit um einen Glücksfall für den Beschwerdeführer handelte und nicht
unterstellt werden kann, dass er auf dem allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt
mit der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit von ca. 34% einen solchen Lohn erzielen
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könnte. Nach Verlust dieser Arbeitsstelle gelang es dem Beschwerdeführer denn auch
nicht mehr, einen Verdienst in vergleichbarer Grössenordnung zu erreichen. Daher
erscheint es als angezeigt, für das Invalideneinkommen neu die Tabellenlöhne der vom
Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) beizuziehen. Hier ist auf das tiefste Anforderungsniveau abzustellen, zumal dem
Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit als Elektromonteur
unbestrittenermassen nicht mehr zumutbar ist. Die veränderte erwerbliche Situation
stellt einen Revisionsgrund gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG dar.
7.2 Im Jahr 2004 (Erlass MV-Verfügung) erzielten Männer im Anforderungsniveau 4
bei einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden ein
durchschnittliches Einkommen von Fr. 57'258.-. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 66%
und dem von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten Leidensabzug von 10% ergibt
sich ein Invalideneinkommen von Fr. 17'520.95. Mit dem anerkannten Abzug von 10%
bewegt sich die Beschwerdegegnerin sicherlich am unteren Rand ihres Ermessens,
sind die Möglichkeiten des Beschwerdeführers, einen adäquaten Arbeitsplatz zu
finden, doch aufgrund der Auswirkungen seiner Beeinträchtigung deutlich reduziert und
ist er gegenüber einem gesunden Konkurrenten bei der Stellensuche klarerweise
benachteiligt. Ein eigentlicher Ermessensmissbrauch ist im tiefen Abzug jedoch nicht
zu erblicken, weshalb hier nicht einzugreifen ist.
7.3 Beim von der Beschwerdegegnerin zutreffend beigezogenen Valideneinkommen
von Fr. 71'591.- und einem Invalideneinkommen von Fr. 17'520.95 ergibt sich ein
Invaliditätsgrad von 75.53%.
8.
Die MV legte die Haftungsquote in der Verfügung vom 17. Oktober 2001 auf 50% fest.
Sie berücksichtigte den Schlag auf das linke Ohr vom 22. März 1992 als
Vorschädigung. Diese Haftungsquote hat sie nun auf 25% reduziert mit dem Argument,
nach Erlass der Verfügung vom Oktober 2001 hätten nachdienstliche Einflüsse den
Tinnitus verstärkt. Ein unveränderter Anteil der MV-relevanten Schädigung könne nicht
zu einer höheren Rente führen. Dieser Ansicht ist nicht beizupflichten. Wie erläutert ist
eine Veränderung der Arbeitsfähigkeit seit 2001 nicht mit überwiegender
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Wahrscheinlichkeit belegt. Ein allfälliger Einfluss der Streetparade von 1998 kann
revisionsrechtlich von vornherein nicht relevant sein, floss dieses Ereignis doch bereits
in die Beurteilung vom Oktober 2001 mit ein. Die weiteren nachdienstlichen
Vorkommnisse (Ohrenentzündung 2002, Ohrtrauma 2004) mögen den Tinnitus zwar
verstärkt haben, hatten aber keinen relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Entsprechend kann es nicht zu einer Veränderung der Haftungsquote kommen. Prof.
Dr. C._ hatte bereits im Jahr 2000 vom Teufelskreis berichtet, der beim
Beschwerdeführer zu einer vollständigen Dekompensation geführt habe. Der Experte
hatte schon damals einschneidende Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit attestiert
(MV-act. 33). Zwar gingen die Ärzte des Unispitals Zürich 2003 und 2004 von einer
Verstärkung des Tinnitus aus; wesentliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind
jedoch wie erläutert nicht mit der nötigen Wahrscheinlichkeit dargetan. Für eine
Halbierung der Haftungsquote bleibt entsprechend kein Raum.
9.
Grundsätzlich hat die Revision auf den Zeitpunkt hin zu erfolgen, in dem die relevante
Sachverhaltsveränderung eingetreten ist. Dem Beschwerdeführer wurde seine
Arbeitsstelle in der GmbH des Bruders per 30. Juni 2002 gekündigt (MV-act. 122.2);
offenbar wurde ihm in den darauffolgenden Monaten mindestens bis August 2002
weiterhin ein reduzierter Lohn bezahlt (vgl. MV-act. 131.1; 122.1 S. 2). Weil das
Revisionsbegehren der MV erst am 14. Oktober 2002 zuging (MV-act. 118), hat in
analoger Anwendung von Art. 88 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) die Rentenheraufsetzung per 1. Oktober 2002
zu erfolgen (vgl. dazu Maeschi, a.a.O., N 29 zu Art. 44 MVG, welcher auf 1. Januar
2003 durch den inhaltlich identischen Art. 17 Abs. 1 ATSG ersetzt wurde).
10.
10.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen hat der Beschwerdeführer
rückwirkend ab 1. Oktober 2002 bei einem Invaliditätsgrad von 76% und einer
Haftungsquote von 50% Anspruch auf eine Invalidenrente der MV. Die Beschwerde ist
entsprechend unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 6. März 2009
gutzuheissen und die Sache zur Vornahme der Rentenberechnung und zur Ausrichtung
bis
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der Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Da das
Versicherungsgericht nicht an die Anträge der Parteien gebunden ist (Art. 61 lit. d
ATSG), ist nicht beachtlich, dass dem Beschwerdeführer eine höhere Rente
zugesprochen wird, als er beantragen liess.
10.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
10.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG