Decision ID: f81a3014-def6-5889-8105-1bd30627420a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer), geb.
(...), deutscher Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Deutschland, ist diplo-
mierter Krankenpfleger und arbeitete bis 1998 mehrheitlich in seinem er-
lernten Beruf respektive als Psychiatriekrankenpfleger und war danach als
Sachbearbeiter bei den B._ Versicherungen (bis 2001) und der
C._ (bis 2003) tätig.
A.b Wegen der Folgen einer psychischen Erkrankung meldete der Versi-
cherte sich im April 2004 bei der IV-Stelle des Kantons Zürich (nachfolgend:
IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 12. November 2004
sprach ihm die IV-Stelle ab 1. März 2004 eine ganze Invalidenrente zu (Ak-
ten der Invalidenversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland gemäss
Aktenverzeichnis vom 18. Oktober 2019 [act.] 26). Gestützt auf eine Revi-
sionsprüfung verfügte die IV-Stelle ab 1. März 2007 die Herabsetzung des
Leistungsanspruchs auf eine halbe Invalidenrente (Verfügung vom 25. Ja-
nuar 2007; act. 48).
A.c Mit Verfügung vom 20. Juni 2013 hob die Invalidenversicherung-Stelle
für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) die Inva-
lidenrente des Versicherten mit Wirkung ab 1. September 2013 auf
(act. 153). Die vom Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Be-
schwerde hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil C-4699/2013
vom 14. März 2017 unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung teil-
weise gut, indem sie ihm mit Wirkung ab August 2010 eine ganze Rente
zusprach und die Streitsache zur Durchführung weiterer Abklärungen im
Hinblick auf die Durchführung von befähigenden Eingliederungsmassnah-
men sowie anschliessender Verfügung über den Rentenanspruch an die
Vorinstanz zurückwies (act. 192).
B.
B.a Am 31. März 2019 teilte die Vorinstanz dem Versicherten mit, dass sie
bei ihm – in Nachachtung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts –
eine Potenzialabklärung als notwendig einstufe und diese Eingliederungs-
massnahme vom 20. Mai 2019 bis 19. Juni 2019 in der Abklärungsstelle
D._ AG durchzuführen sei (act. 263).
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B.b Mit Verfügung vom 15. August 2019 sprach die Vorinstanz dem Versi-
cherten nach Abschluss der Potenzialabklärung (vgl. dazu Bericht vom
24. Juni 2019; act. 285) für die Zeit vom 19. Mai 2019 bis 20. Juni 2019 ein
Taggeld in der Höhe von Fr. 185.40 zu (act. 300).
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsan-
wältin Regula Aeschlimann Wirz, mit Eingabe vom 18. September 2019
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, die Verfü-
gung vom 15. August 2019 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin
sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere ein Tag-
geld in der Höhe von Fr. 307.20, auszurichten (Akten im Beschwerdever-
fahren [BVGer act.] 1).
D.
Der mit Zwischenverfügung vom 20. September 2019 beim Beschwerde-
führer eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- ging am
27. September 2019 bei der Gerichtskasse ein (BVGer act. 2 und 4).
E.
Mit Vernehmlassung vom 19. November 2019 stellte die Vorinstanz den
Antrag, die Beschwerde sei in dem Sinne teilweise gutzuheissen, als das
Taggeld anstelle von Fr. 185.40 neu auf Fr. 202.50 festzusetzen sei (BVGer
act. 6).
F.
In seiner Replik vom 4. Februar 2020 hielt der Beschwerdeführer an den
gestellten Anträgen und seiner Begründung fest (BVGer act. 12).
G.
Die Vorinstanz hielt ihrerseits mit Duplik vom 12. Februar 2020 an ihrer in
der Beschwerdevernehmlassung vorgebrachten Begründung und an ihrem
Antrag auf teilweise Gutheissung der Beschwerde fest (BVGer act. 15).
H.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2020 übermittelte der Instrukti-
onsrichter dem Beschwerdeführer ein Doppel der Duplik und teilte den Par-
teien mit, dass der Schriftenwechsel – vorbehältlich weiterer Instruktions-
massnahmen – am 24. Februar 2020 abgeschlossen werde (BVGer
act. 16).
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Seite 4
I.
Mit unaufgeforderter Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 26. Mai 2020
liess der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht ein ergänzen-
des Beweismittel zukommen (BVGer act. 17 samt Beilage). Das Doppel
dieser unaufgefordert eingereichten Eingabe wurde der Vorinstanz zur
Kenntnisnahme zugestellt (Zwischenverfügung vom 29. Mai 2020; BVGer
act. 18).
J.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Eintretensvorausset-
zungen ergibt, dass das Bundesverwaltungsgericht zur Behandlung der
vorliegenden Beschwerde zuständig (Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG; SR 831.20];
Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; SR 173.32]) und der Beschwerdeführer als
Adressat der angefochtenen Verfügung beschwerdelegitimiert ist (Art. 59
ATSG; SR 830.1). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
ist daher einzutreten (Art. 60 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz vom 15. August 2019,
mit welcher dem Beschwerdeführer für die Zeit vom 19. Mai bis 20. Juni
2019 ein Taggeld in der Höhe von Fr. 185.40 zugesprochen worden ist.
Dabei sind sich die Parteien zu Recht einig, dass der Beschwerdeführer
während der Abklärungsmassnahme zum Bezug eines Taggeldes berech-
tigt ist; unbestritten geblieben ist überdies die Dauer der Bezugsberechti-
gung vom 19. Mai bis 20. Juni 2019. Umstritten und nachfolgend zu prüfen
ist ausschliesslich die Höhe des IV-Taggeldanspruchs.
2.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 15. August 2019) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich be-
sonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen ma-
teriellen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des rechtlich zu
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Seite 5
ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung hatten
(BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
2.2 Der Leistungsanspruch beurteilt sich auch im Anwendungsbereich des
FZA (SR 0.142.112.681) und der Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinie-
rung der Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.1; bzw. bis
31. März 2012 Verordnung [EWG] Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni
1971) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durch-
führung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der
Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.11) nach schweizeri-
schem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012
vom 16. Januar 2013 E. 4 mit Hinweisen; BASILE CARDINAUX, § 7 Beweis-
erhebung im Ausland, in: Recht der Sozialen Sicherheit, 2014, S. 281
Rz. 7.23; Urteile des BVGer C-2816/2014 vom 12. Februar 2016 E. 2.1 und
C-5263/2014 vom 6. Juli 2016 E. 2, je mit Hinweisen).
2.3 Der anspruchsbegründende Sachverhalt hat sich im Mai/Juni 2019 zu-
getragen, weshalb vorliegend auf die materiellen Bestimmungen des IVG
und der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung
(IVV, SR 831.201; AS 2018 3533) in der Fassung gemäss den am 1. Ja-
nuar 2019 in Kraft getretenen Änderungen abzustellen ist.
3.
Der Beschwerdeführer rügt vorab in formeller Hinsicht, die IVSTA habe ihm
das rechtliche Gehör verweigert, indem sie mit Verfügung vom 15. August
2019 über den Taggeldanspruch entschieden habe, ohne einen Vorbe-
scheid zu erlassen und ihm in diesem Verfahren Gelegenheit zur Stellung-
nahme zu gewähren.
3.1 Die IV-Stelle teilt der versicherten Person den vorgesehenen Endent-
scheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabset-
zung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versi-
cherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 57a Abs. 1 IVG).
Gemäss Art. 73bis IVV sind Gegenstand des Vorbescheids nach Artikel 57a
IVG Fragen, die in den Aufgabenbereich der IV-Stellen nach Artikel 57 Ab-
satz 1 Buchstaben c-f IVG fallen. Nicht erfasst vom Gegenstand des Vor-
bescheidverfahrens sind e contrario Fragen, die nicht in den Aufgabenbe-
reich gemäss Art. 57 Abs. 1 Bst. c-f IVG fallen. Rechtsprechungsgemäss
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gilt das Vorbescheidverfahren (BGE 134 V 97 E. 2) nur für diejenigen Auf-
gaben, die in die Zuständigkeit der IV-Stellen fallen, nicht aber für solche,
die zum Zuständigkeitsbereich der Ausgleichskassen gehören, wie insbe-
sondere die Berechnung der Renten und Taggelder (vgl. dazu Art. 60 Abs.
1 Bst. b IVG). So handelt es sich beispielsweise bei einer Rückerstattungs-
verfügung infolge Neuberechnung einer zugesprochenen Invalidenrente
um AHV-analoge Leistungselemente, für welche, im Unterschied zu IV-
spezifischen Aspekten, kein Vorbescheidverfahren angezeigt ist (Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts C-4606/2016 vom 3. Dezember 2019 E. 6.3 f.
mit Hinweisen). Das Vorbescheidverfahren findet demnach keine Anwen-
dung auf die Berechnung der Renten, der Taggelder und der Hilflosenent-
schädigungen (MICHEL VALTERIO, Commentaire de la loi fédérale sur l’as-
surance invalidité [LAI], 2018, N 2 ad art. 57a LAI; URS MÜLLER, Das Ver-
waltungsverfahren in der Invalidenversicherung, 2010, S. 410 Rz. 2074 f.).
3.2 Bei der Berechnung des IV-Taggeldanspruchs handelt es sich um AHV-
analoge Leistungselemente, für welche das Vorbescheidverfahren nicht
vorgesehen ist. Daran vermag der Hinweis des Beschwerdeführers auf die
Leistungszusprache ohne Verfügung (Art. 58 IVG i.V.m. Art. 74ter IVV)
nichts zu ändern, da die (abschliessende) Liste von Verfahren ohne Erlass
einer Verfügung die IV-spezifischen Leistungen zum Gegenstand hat.
Demgegenüber fällt die Berechnung der Taggelder in den Kompetenzbe-
reich der AHV-Ausgleichskassen, so dass diesbezüglich eine AHV-analo-
ges Leistungselement besteht. Dementsprechend ist im Verzicht auf das
Vorbescheidverfahren keine Gehörsverletzung zu erblicken.
3.3 Nach der Rechtsprechung ist das rechtliche Gehör grundsätzlich auch
dann zu gewähren, wenn kein Vorbescheidverfahren durchgeführt werden
muss (BGE 134 V 107 E. 2.8.2). Hierfür sind angemessene Formen zu
suchen, welche einerseits dem Gehörsanspruch, anderseits aber auch
dem verfassungsmässigen Anliegen nach Erledigung innert angemesse-
ner Frist und demjenigen der Verwaltungsökonomie Rechnung tragen. So
kann in der Regel die Rentenberechnung ohne vorgängige Gehörsgewäh-
rung erfolgen. Von diesem Grundsatz ist indes abzuweichen, wenn aus be-
sonderen Gründen zu erwarten ist, dass die Berechnung umstritten sein
könnte (MÜLLER, a.a.O., S. 410 Rz. 2076). Wie bei der Berechnung der
Rentenhöhe handelt es sich bei der Taggeldberechnung um einen im Kom-
petenzbereich der Ausgleichskassen stehenden Vorgang, der in der Regel
unbestritten ist. Besondere Gründe, welche eine vorgängige Stellung-
nahme im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs gebieten wür-
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den, sind nicht ersichtlich. Dementsprechend ist im Erlass der Taggeldver-
fügung vom 15. August 2019 ohne Gewährung der Gelegenheit zu einer
Stellungnahme keine Gehörsverletzung zu erblicken.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer lässt zur Begründung seines Antrags insbeson-
dere vorbringen, dass die Vorinstanz der Berechnung des Taggeldes ledig-
lich einen fixen Monatslohn von Fr. 7‘250.- zugrunde gelegt habe, obwohl
im Arbeitgeberfragebogen weitergehende Zahlungen aufgeführt seien. Ge-
stützt auf die Angaben im Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) betrage
das massgebliche Einkommen im Jahr 2002 Fr. 101‘156.-. Dieser AHV-
Lohn des Jahres 2002 sei Ausgangsbasis für die Berechnung des Taggel-
des. Zu Unrecht habe sich die Vorinstanz auch darauf beschränkt, lediglich
die Nominallohnentwicklung über einen Zeitraum von 17 Jahren zu berück-
sichtigen. Er sei diplomierter Psychiatriepfleger und habe im Zeitpunkt sei-
ner Erkrankung als Sachbearbeiter Leistungsprüfung bei einer grossen
Versicherung im Raum (...) gearbeitet. Es sei deshalb davon auszugehen,
dass er heute dem unteren Kader in der Berufsgruppe «nicht akademische
betriebswirtschaftliche und kaufmännische Fachkräfte» angehören würde.
Laut statistischem Lohnrechner 2016 resultiere für männliche Niedergelas-
sene (Kat. C) in dieser Kategorie ein Monatseinkommen von Fr. 11‘677.-
respektive ein Jahreseinkommen von Fr. 140‘124.-.
4.2 Dagegen wendet die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 19. No-
vember 2019 im Wesentlichen ein, wenn die letzte Tätigkeit ohne gesund-
heitliche Einschränkung – wie hier – mehr als zwei Jahre zurückliege, sei
gemäss Art. 21 Abs. 3 I VV eine Indexierung vorzunehmen und auf dasje-
nige Einkommen abzustellen, dass die versicherte Person durch die glei-
che Tätigkeit unmittelbar vor der Eingliederung erzielt hätte. Dabei dürften
nur für die zuletzt voll ausgeübte Tätigkeit allgemein geltende Lohnerhö-
hungen (ordentliche Lohnerhöhungen, Anpassung an die Teuerung) be-
rücksichtigt werden. Nicht zu berücksichtigen seien dagegen theoretische
Aufstiegsmöglichkeiten, welche der versicherten Person ohne Eintritt der
Invalidität allenfalls offen gestanden wären. Beim beschwerdeweise gel-
tend gemachten beruflichen Aufstieg handle sich um eine solche rein the-
oretische Aufstiegsmöglichkeit. Aus den Akten (act. 133) gehe hervor, dass
das IV-Taggeld im Jahre 2012 gestützt auf die Angaben im Arbeitgeberfra-
gebogen auf der Basis eines Jahreseinkommens von Fr. 92‘940.- (Stand
2012) berechnet worden sei, was damals zu keinen Einwänden Anlass ge-
geben habe. Demgegenüber gehe aus dem IK-Auszug hervor, dass im
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Seite 8
Jahr 2002 ein Jahreseinkommen von Fr. 101‘156.- abgerechnet worden
sei, weshalb nach erneuter Prüfung auf diesen Betrag abzustellen sei. Un-
ter Berücksichtigung der Nominallohnindexierung resultiere ein Betrag von
Fr. 116‘758.- (2018) bzw. umgerechnet auf den Tag ein solcher von
Fr. 320.-. Gestützt auf die massgeblichen Tabellen ergebe sich daraus
eine tägliche Grundentschädigung von Fr. 256.-; gekürzt um einen Dreis-
sigstel der Rente ergebe dies einen Taggeldanspruch von Fr. 202.20
(BVGer act. 6).
4.3 Replicando wendet der Beschwerdeführer ein, die von der Vorinstanz
vorgenommene Indexierung sei lediglich ein Behelf, wenn die Bestimmung
des Lohnes nicht auf eine andere Weise möglich sei. Aus der beigefügten
Bescheinigung über seine Teilnahme am Fachkurs „Fachmann/-frau für
BU-Leistungsregulierung (...)“ gehe hervor, dass er bei Eintritt seiner Ar-
beitsunfähigkeit in einer beruflichen Weiterbildung gestanden sei. Nach Ab-
schluss dieser Ausbildung wäre er in eine höhere Lohnkategorie aufgestie-
gen. Er hätte der Berufsgruppe «nicht akademische betriebswirtschaftliche
und kaufmännische Fachkräfte» angehört. Es bestünden demnach kon-
krete Anhaltspunkte für seinen beruflichen Aufstieg und für die geltend ge-
machte Lohnentwicklung (BVGer act. 12).
4.4 In ihrer Duplik vom 12. Februar 2020 führt die Vorinstanz ergänzend
aus, laut Kündigungsschreiben sei das letzte Beschäftigungsverhältnis in
der Schweiz aus gesundheitsfremden Gründen gekündigt worden. Der Be-
schwerdeführer wäre folglich auch im Gesundheitsfall nicht mehr bei der
C._ weiterbeschäftigt worden. Ob er bei einem neuen schweizeri-
schen Arbeitgeber aufgrund eines in Deutschland absolvierten Weiterbil-
dungskurses eine höhere Position erhalten hätte und dadurch ein höheres
Einkommen hätte erzielen können, bleibe rein spekulativ (BVGer act. 15).
4.5 Mit unaufgeforderter Eingabe vom 26. Mai 2020 macht der Beschwer-
deführer unter Hinweis auf ein beigefügtes Bestätigungsschreiben geltend,
dass die frühere Arbeitgeberin die Weiterbildungskosten beglichen und es
sich daher um eine in der Schweiz anerkannte Ausbildung gehandelt habe
(BVGer act. 17 samt Beilagen).
5.
5.1 Versicherte haben während der Durchführung von Eingliederungs-
massnahmen nach Art. 8 Abs. 3 IVG Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie
an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen
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verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätig-
keit zu mindestens 50 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) sind (Art. 22 Abs. 1
IVG). Das Taggeld besteht aus einer Grundentschädigung, auf die alle Ver-
sicherten Anspruch haben, und einem Kindergeld für Versicherte mit Kin-
dern (Art. 22 Abs. 2 IVG). Die Grundentschädigung beträgt 80 % des letz-
ten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbseinkommens,
jedoch nicht mehr als 80 % des Höchstbetrages des Taggeldes nach
Art. 24 Abs. 1 IVG (Art. 23 Abs. 1 IVG). Grundlage für die Ermittlung des
Erwerbseinkommens nach Art. 23 Abs. 1 IVG bildet das durchschnittliche
Einkommen, von dem Beiträge nach dem AHVG erhoben werden (mass-
gebendes Erwerbseinkommen; Art. 23 Abs. 3 IVG). Als erwerbstätig gelten
unter anderem Versicherte, die unmittelbar vor Beginn ihrer Arbeitsunfä-
higkeit eine Erwerbstätigkeit ausgeübt haben (Art. 20sexies Abs. 1 Bst. a
IVV). Liegt die von der versicherten Person zuletzt voll ausgeübte Tätigkeit
mehr als zwei Jahre zurück, so ist auf das Erwerbseinkommen abzustellen,
das die versicherte Person durch die gleiche Tätigkeit unmittelbar vor der
Eingliederung erzielt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 21
Abs. 3 IVV). Macht eine versicherte Person glaubhaft, dass sie während
der Eingliederung ohne Eintritt der Invalidität eine andere als die zuletzt
ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgeübte Tätigkeit aufgenommen
hätte, bemisst sich das Taggeld nach dem Verdienst, der mit dieser neuen
Tätigkeit erzielt worden wäre (Art. 21bis Abs. 5 IVV [in der seit 1. Januar
2012 geltenden Version; AS 2011 5679]). Anders als bei der Ermittlung des
Valideneinkommens ist der Nachweis der Ausübung einer anderen Tätig-
keit als der angestammten im Zusammenhang mit der Taggeldbemessung
nach Art. 21bis Abs. 5 IVV nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu erbringen, sondern es genügt die Glaubhaftma-
chung (Urteil des BGer 9C_942/2009 vom 15. März 2010 E. 3.3 und 4.3).
5.2 Gemäss Kreisschreiben über die Taggelder der Invalidenversicherung
(KSTI, gültig ab 1. Januar 2018) dürfen sowohl für die erstmalige Festset-
zung des massgebenden Erwerbseinkommens als auch für die Anpassung
während der Eingliederung nur für die zuletzt voll ausgeübte Tätigkeit all-
gemein geltende Lohnerhöhungen, die ordentliche Lohnerhöhung im Rah-
men einer Besoldungsklasse oder Anpassungen an die Teuerung berück-
sichtigt werden. Sie müssen durch Angaben des früheren Arbeitgebers
ausgewiesen sein. Sofern der frühere Arbeitgeber nicht mehr existiert res-
pektive keine Angaben macht, kann die Anpassung der Lohnverhältnisse
in vergleichbaren Betrieben oder anhand von Lohnstatistiken vorgenom-
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Seite 10
men werden (Rz. 3049). Nicht zu berücksichtigen sind dagegen theoreti-
sche Aufstiegsmöglichkeiten, die der versicherten Person ohne Eintritt der
Invalidität allenfalls offen gestanden wären (Rz. 3050).
5.3 Personen, die in einem auf Dauer angelegten Arbeitsverhältnis stehen
und deren Einkommen keinen starken Schwankungen ausgesetzt ist, gel-
ten als Versicherte mit regelmässigem Einkommen, auch wenn sie ihre Ar-
beit infolge Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, Dienst oder aus anderen,
von ihnen nicht verschuldeten Gründen unterbrochen haben
(Art. 21bis Abs. 1 IVV). Ein auf Dauer angelegtes Arbeitsverhältnis liegt vor,
wenn es unbefristet ist oder für mindestens ein Jahr eingegangen wurde
(Art. 21bis Abs. 2 IVV). Das massgebende Einkommen wird auf den Tag
ausgerechnet. Für Versicherte mit Monatslöhnen wird der letzte ohne ge-
sundheitliche Einschränkungen erzielte Monatslohn mit zwölf vervielfacht.
Dem ermittelten Jahreslohn wird ein allfälliger 13. Monatslohn hinzuge-
rechnet. Der so ermittelte Jahresverdienst wird durch 365 geteilt
(Art. 21bis Abs. 3 Bst. a IVV). Gemäss Art. 47 Abs. 1 IVG können Renten
während der Durchführung von Abklärungs- und Eingliederungsmassnah-
men sowie von Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a IVG
weiter gewährt werden. Das Taggeld wird dabei zusätzlich zur Rente aus-
gerichtet; dieses wird jedoch während der Dauer der Abklärungs- oder Ein-
gliederungsmassnahmen um einen Dreissigstel des Rentenbetrags ge-
kürzt (Art. 47 Abs. 1ter IVG).
6.
Vorliegend steht aufgrund der Akten fest, dass der Beschwerdeführer aus-
gebildeter Psychiatriepfleger ist und laut Arbeitgeberfragebogen und Kün-
digungsschreiben seit dem 1. Mai 2001 als Sachbearbeiter Leistungsprü-
fung bei der C._ in einem festen Arbeitsvertrag auf unbestimmte
Dauer angestellt war, als ihm das Arbeitsverhältnis aus gesundheitsfrem-
den Gründen (Vertrauensbruch im Zusammenhang mit Spesenabrechnun-
gen) von der Arbeitgeberin per 30. September 2003 gekündigt wurde
(act. 2/13-16). Dass er im Jahr 2002 ein AHV-Einkommen von Fr. 101‘156.-
erzielt hat, geht aus dem Arbeitgeberfragebogen (act. 2/13 f.) und dem IK-
Auszug (act. 18) hervor und ist unbestritten. Von der Vorinstanz anerkannt
wird ferner, dass das der angefochtenen Verfügung zugrunde gelegte Ein-
kommen zu tief angesetzt worden ist. Streitig und nachfolgend zu prüfen
ist, ob entsprechend der Argumentation des Beschwerdeführers glaubhaft
ist, dass er im Jahr 2019 dem unteren Kader der Berufsgruppe «nicht aka-
C-4801/2019
Seite 11
demische betriebswirtschaftliche und kaufmännische Fachkräfte» angehö-
ren und ein deutlich höheres Einkommen von monatlich Fr. 11‘677.- res-
pektive Fr. 140‘124.- jährlich erzielen würde.
6.1 Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seines Standpunktes
geltend, dass er im Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit am Fach-
kurs «Fachmann/-frau für BU-Leistungsregulierung (...)» teilgenommen
habe. Laut seinen Angaben umfasst die Ausbildung vier einwöchige Mo-
dule (vgl. BVGer act. 12 samt Beilage). Daraus schliesst er, dass er nach
Abschluss dieser Ausbildung in eine höhere Lohnkategorie aufgestiegen
und im Jahr 2019 ein Einkommen der Berufsgruppe des unteren Kaders
für «nicht akademische betriebswirtschaftliche und kaufmännische Fach-
kräfte» erzielen würde.
6.2 Die Würdigung der vorliegenden Akten ergibt demgegenüber, dass der
Beschwerdeführer mit den eingereichten Beweismitteln zwar glaubhaft
darzulegen vermag, dass er ohne Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
den genannten Kurs mutmasslich ordentlich abgeschlossen hätte. Dass er
aufgrund dieser verhältnismässig kurzen Weiterbildung in das Kader einer
Versicherungsgesellschaft aufgestiegen wäre, ist damit allerdings nicht
rechtsgenüglich dargetan. Insbesondere steht fest, dass der Beschwerde-
führer nicht über eine berufsspezifische Ausbildung in der Versicherungs-
branche verfügt. Die Durchführung eines vierwöchigen Weiterbildungskur-
ses bildet keinen gleichwertigen Ersatz für die ordentliche Berufsausbil-
dung. Für seine Behauptung, dass die erfolgreiche Absolvierung des ge-
nannten Kurses zu einer beträchtlichen Erhöhung seines Einkommens ge-
führt hätte, hat der Beschwerdeführer keine tauglichen Beweismittel einge-
reicht. Nicht unbeachtet bleiben kann überdies, dass das letzte Arbeitsver-
hältnis des Beschwerdeführers aus gesundheitsfremden Gründen (Spe-
senmissbrauch; act. 2/13-16) gekündigt worden ist.
6.3 Dementsprechend erweist es sich als sachgerecht, das der Taggeldbe-
rechnung zugrunde zu legende AHV-Einkommen gestützt auf den bei der
letzten Arbeitgeberin im Jahr 2002 erzielten Lohn von Fr. 101‘156.- nach
Massgabe des Nominallohnindexes anzupassen. Massgeblich ist dabei
nicht das Jahr 2018, sondern das Erwerbseinkommen, das der Beschwer-
deführer unmittelbar vor der Eingliederung, d.h. im Jahr 2019, erzielt hätte
(vgl. dazu Art. 21 Abs. 3 IVV). Abzustellen ist dabei auf den Nominallohn-
index für Männer (BGE 129 V 408). Laut BfS-Tabelle T1.93 betrug der
Lohnindex für Männer (Totalwert) im Jahr 2002 110.9, währenddem er sich
im Jahr 2018 auf 129.6 belief. Im Jahr 2019 betrug die Indexsteigerung
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-408%3Ade&number_of_ranks=0#page408
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Seite 12
gemäss BfS-Tabelle T.1.1.15 für Männer noch 0.9 Prozentpunkte, womit
sich für 2019 ein Index von 130.77 (= 129.6 x 1.009) ergibt. Ausgehend
vom AHV-Einkommen von Fr. 101‘156.- resultiert demnach unter Berück-
sichtigung der nominalen Lohnsteigerung entsprechend den genannten
Tabellen ein angepasstes AHV-Einkommen von Fr. 119‘280.- (=
Fr. 101‘156.- : 110.9 x 130.77). Die Grundentschädigung beträgt damit
Fr. 261.45 (= Fr. 119‘280.- : 365 x 0.80). Unter Berücksichtigung der Kür-
zung gemäss Art. 47 Abs. 1ter IVG in der Höhe von Fr. 53.85 (= Fr. 1‘616.-
[act. 299] : 30) resultiert ein Taggeldbetrag von Fr. 207.60 (= Fr. 261.45 -
Fr. 53.85).
7.
7.1 Zusammengefasst ergibt sich aus dem Gesagten, dass die Erzielung
des vom Beschwerdeführer geltend gemachten Kaderlohnes in der Höhe
von Fr. 140‘124.- nicht glaubhaft dargetan ist. Das Taggeld ist demnach
ausgehend vom AHV-Einkommen von Fr. 101‘156.- (2002) nach Mass-
gabe des Nominallohnindexes für Männer auf das Jahr 2019 zu indexieren
und damit auf Fr. 119‘280.- festzusetzen, womit ein Taggeldbetrag von
Fr. 207.60 resultiert. Die Dauer der Taggeldberechtigung von 33 Tagen und
die Abzüge für die AHV-/IV-Beiträge in der Höhe von 6.225 % und die Quel-
lensteuer von 4.5 % (act. 300, S. 2) sind unbestritten geblieben, so dass
diese der Neuberechnung zugrunde zu legen sind. Demnach ist die Vor-
instanz zu verpflichten, dem Beschwerdeführer für 33 Tage ein Taggeld von
Fr. 207.60, abzüglich der AHV-/IV-Beiträge von 6.225 % und der Quellen-
steuer von 4.5 %, total mithin Fr. 6'116.05 (= Fr. 6'850.80 - Fr. 426.45 -
Fr. 308.30), auszurichten.
7.2 Der Beschwerdeführer dringt mit seinem Antrag teilweise durch. Die
Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung vom 15. August 2019 ist aufzuheben und die Vorinstanz ist zu ver-
pflichten, dem Beschwerdeführer für 33 Tage ein Taggeld von Fr. 207.60,
abzüglich der AHV-/IV-Beiträge von 6.225 % und der Quellensteuer von
4.5 %, auszurichten.
8.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
8.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten in der Regel
der unterliegenden Partei aufzuerlegen. Unterliegt diese nur teilweise, so
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werden die Verfahrenskosten ermässigt. Den Vorinstanzen werden keine
Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer werden Verfahrenskosten
von Fr. 400.- auferlegt. Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 800.- entnommen. Der Restbetrag von Fr. 400.- wird ihm nach Ein-
tritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet.
8.2 Der Beschwerdeführer hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung
mit Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR
173.320.2) Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung zu Lasten
der Verwaltung. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädi-
gung aufgrund der Akten festzusetzen (14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Die Mehr-
wertsteuer ist dabei nur für Dienstleistungen geschuldet, die im Inland ge-
gen Entgelt erbracht werden, nicht jedoch im vorliegenden Fall, in dem die
Dienstleistung für den Beschwerdeführer mit Wohnsitz im Ausland erbracht
worden ist (vgl. Urteil des BVGer C-6983/2009 vom 12. April 2010 E. 3.2).
Unter Berücksichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwandes
wird die Parteientschädigung (inkl. Auslagenersatz, exkl. MWSt) auf
Fr. 1'400.- festgelegt (Art. 10 VGKE). Die Vorinstanz hat gemäss Art. 7
Abs. 3 VGKE keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
8.3 Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung auf-
grund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berück-
sichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Ver-
fahrens sowie in Anbetracht der in vergleichbaren Fällen gesprochenen
Entschädigungen ist eine Parteientschädigung von Fr. 1’400.- (inkl. Ausla-
gen) angemessen.
(Für das Urteilsdispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen).
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