Decision ID: 05ed14c4-2f9e-5490-a2db-1544eb8d32f9
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Am 1. April 2001 verursachte X einen Motorradunfall unter Alkoholeinfluss und ohne
entsprechenden Führerausweis der Kategorie A. Er erlitt ein schweres
Schädelhirntraum und wurde im bewusstlosen Zustand ins Kantonsspital St. Gallen
überführt. Im Anschluss verbrachte er sieben Monate in einer Reha-Klinik. Am 21. Mai
2001 gab X den Führerausweis freiwillig ab. Gestützt auf ein verkehrspsychologisches
Gutachten vom 17. Juni 2004 sowie eine ärztlich begleitete Kontrollfahrt vom
23. August 2004 wurde X der Führerausweis der Spezialkategorie F (Motorfahrzeuge,
ausgenommen Motorräder, mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h) am 25.
August 2004 wiedererteilt. Eine weitere Kontrollfahrt für die Kategorie G (schwere
Motorwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h) absolvierte X am 20. Juni
2005 ebenfalls erfolgreich.
B.- Am 18. August 2006 verursachte X mit seinem Lastwagen (plombiert auf maximal
45 km/h) wegen Missachtens des Stoppsignals bzw. Unterlassung des obligatorischen
Sicherheitshalts einen Verkehrsunfall. Das Strassenverkehrsamt entzog ihm daraufhin
mit Verfügung vom 4. Oktober 2006 den Führerausweis für die Dauer von einem
Monat. Am 13. Dezember 2007 war er in A als Lenker seines Lastwagens zufolge
Nichtgewährung des Rechtsvortritts für einen weiteren Verkehrsunfall verantwortlich.
Das Strassenverkehrsamt ordnete daraufhin am 19. März 2008 einen
Führerausweisentzug für die Dauer von vier Monaten an. Am 2. Juni 2008 kam es beim
Überholen seines Lastwagens durch eine Personenwagen-Lenkerin im Innerortsbereich
zu einer Streifkollision, weil X die Lenkerin von der Strasse abdrängen wollte. Vor der
Polizei erklärte er, er habe nicht gewollt, dass der Personenwagen ihn überhole. Er rege
sich immer auf, wenn ihn innerorts jemand überholen wolle. Er habe den
Personenwagen deshalb bewusst abgedrängt. Gestützt auf das in der Folge vom
Strassenverkehrsamt in Auftrag gegebene verkehrspsychologische Gutachten vom 30.
November 2008 wurde X der Führerausweis für Motorfahrzeuge aller Kategorien mit
Verfügung vom 19. Dezember 2008 auf unbestimmte Zeit entzogen. Einzig der
Führerausweis der Kategorie M (Mofa) wurde ihm belassen.
C.- Vom 17. Mai bis 10. Juni 2010 wurde X in der Rehaklinik B und vom 21. September
bis 31. Oktober 2012 in der Klinik C behandelt. In den Monaten August/September
2011 war er zwecks Rehabilitation und medikamentöser Behandlung drei Wochen in
der Klinik D.
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D.- Mit Schreiben vom 13. Dezember 2012 beantragte X die Wiedererteilung des
Führerausweises der Kategorie F. Daraufhin wurde er zu einer
verkehrspsychologischen Begutachtung aufgeboten. Diese fand am 5. April 2013 bei
Dr.phil. Jacqueline Bächli-Biétry in Zürich statt. Aufgrund der negativen Beurteilung der
Fahreignung im Gutachten vom 10. April 2013 stellte das Strassenverkehrsamt X die
voraussichtliche Abweisung des Gesuchs um Wiedererteilung in Aussicht, worauf
dieser auf eine anfechtbare Verfügung verzichtete. In der Folge absolvierte X vom 12.
Juni bis 7. November 2013 zwölf Sitzungen bei einer Verkehrstherapeutin, wobei auch
die Familie involviert war. Mit Schreiben vom 18. November 2013 ersuchte er daraufhin
um verkehrspsychologische Neubeurteilung. Im Gutachten vom 17. Februar 2014 kam
die Verkehrspsychologin Dr.phil. Jacqueline Bächli-Biétry zum Schluss, dass die
charakterliche Fahreignung von X zum aktuellen Zeitpunkt klar negativ zu beurteilen
sei. Sowohl auf der Ebene der Persönlichkeits- wie auch der Einstellungsmuster
würden sich erhebliche Risikofaktoren für auffälliges bzw. impulsives und kränkbares
Verhalten im Verkehr ergeben. In seiner Stellungnahme vom 20. März 2014 beantragte
der Rechtsvertreter von X, diesem sei der Führerausweis der Kategorie F
wiederzuerteilen. Mit Verfügung vom 21. März 2014 wies das Strassenverkehrsamt das
Gesuch um Wiedererteilung des Fahrausweises der zweiten medizinischen Gruppe
gestützt auf das verkehrspsychologische Gutachten ab.
E.- Gegen die Abweisung des Gesuchs um Wiedererteilung reichte X mit Eingabe
seines Vertreters vom 4. April 2014 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission ein
mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Angelegenheit
zum Erlass einer korrekt begründeten Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen;
eventualiter sei dem Rekurrenten der Führerausweis der Kategorie F für
Personenwagen wiederzuerteilen; subeventualiter sei dem Rekurrenten der
Führerausweis der Kategorie G bzw. für einen Personenwagen mit gedrosselter
Geschwindigkeit auf 30 km/h bzw. für einen Roller mit 50 cm zu erteilen und es seien
die Kosten der angefochtenen Verfügung auf Fr. 100.– zu reduzieren; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete auf eine
Vernehmlassung.
Am 12. September 2014 reichte der Rechtsvertreter auf entsprechende Aufforderung
hin die Begründung zu den materiellen Anträgen nach. Die Vorinstanz nahm dazu mit
3
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Schreiben vom 23. September 2014 Stellung. Mit Schreiben vom 28. November 2014
nahm die Verkehrspsychologin zu den Eventualanträgen Stellung. Der Rekurrent liess
sich dazu mit Eingabe vom 11. Dezember 2014 vernehmen. Auf die Ausführungen zur
Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 4. April 2014 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent rügt in formeller Hinsicht, die Verfügung vom 21. März 2014 verletze
den Anspruch auf rechtliches Gehör.
a) Im Rekurs wird im Wesentlichen vorgebracht, im vorinstanzlichen Verfahren habe der
Rechtsvertreter des Rekurrenten eine ausführliche Stellungnahme mit verschiedenen
Anträgen eingereicht. Die Vorinstanz habe es unterlassen, auf die eingehende
Argumentation einzugehen. Sie habe sich die erforderliche Zeit dazu nicht genommen.
Allein die Tatsache, dass die verkehrspsychologische Untersuchung die Fahreignung
nicht befürworte, rechtfertige es nicht, kommentarlos über die Argumente des
Rekurrenten hinwegzugehen, zumal diverse Eventualanträge gestellt worden seien, die
zuvor nicht zur Diskussion gestanden hätten. Es wäre die Pflicht der Vorinstanz
gewesen, dem Rekurrenten aufzuzeigen, warum sie glaube, dass auch all die
Eventualvorschläge nicht in Frage kämen. Ein Verweis auf das Gutachten genüge unter
diesen Umständen nicht. Es liege ein krasser Verstoss gegen Art. 29 Abs. 2 BV vor. Die
Angelegenheit sei daher an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese sei zu verpflichten,
sich mit den Argumenten des Rekurrenten auseinanderzusetzen. Danach habe der
Rekurrent die Chance, sich seinerseits mit den Überlegungen der Vorinstanz
auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, ob er den Entscheid anfechten wolle.
Hinzu komme die überhöhte Gebühr für den Entscheid von Fr. 325.–.
bis
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b) Art. 29 Abs. 2 BV gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus
leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 133 I 270
E. 3.1; BGE 129 I 236 E. 3.2; BGE 126 I 102 E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörde die Vorbringen des vom
Entscheid oder der Verfügung in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich
hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl.
G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2008, N 27 zu Art.
29 BV). Der von einem Entscheid oder einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum
die Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss deshalb
so abgefasst sein, dass er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch
Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz. 1706). Dies
ist nur möglich, wenn sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über
die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten
liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich
die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/
Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1706). Umfang und Dichte der Begründung richten sich
generell nach den Umständen (Steinmann, a.a.O., N 27 zu Art. 29 BV). Ist die Sachlage
klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese
Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von
Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht
fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia
110 E. 2b; BGE 104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 27 zu Art. 29 BV; Tschannen/
Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, § 29 N 13). Die
Begründungspflicht, welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art.
29 Abs. 2 BV fliesst, hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1
lit. a VRP ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter
anderem die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen VerwGE B
2009/211 vom 18. März 2010 E. 2.1).
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c) Die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 21. März 2014 war wie folgt
begründet: "Die verkehrspsychologische Untersuchung bei Frau Dr.phil. Jacqueline
Bächli-Biétry fand am 12.02.2014 statt, wobei die Fahreignung leider erneut nicht
befürwortet werden konnte. Aufgrund dieser Tatsache sehen wir uns veranlasst, Ihr
Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises in Anwendung von Art. 14 Abs. 2 lit.
c und Art.17 Abs. 3 SVG abzuweisen. Die Stellungnahmen Ihres Rechtsanwalts vom
20.03.2014 haben wir erhalten. Aufgrund des schlüssigen Gutachtens können wir
weder dem Hauptantrag noch den Eventualanträgen stattgeben. Die Fahreignung kann
für Motorfahrzeuge der 2. medizinischen Gruppe aus verkehrspsychologischer Sicht
nicht befürwortet werden, dazu gehört auch ein Fahrzeug mit 30 km/h oder ein
Roller" (act. 2/1).
Der Rekurrent hatte in seiner Stellungnahme vom 20. März 2014 vorgebracht, er sei mit
der Einschätzung der Verkehrspsychologin nicht einverstanden. Dabei werde ausser
Acht gelassen, dass er lediglich die Wiedererteilung des Führerausweises für die
Kategorie F bzw. eventuell der Kategorie G bzw. Drosselung auf 30 km/h, subeventuell
einen Roller mit 50 cm beantrage. Zudem sei unberücksichtigt geblieben, dass der
Rekurrent am 20. Juni 2006 die Kontollfahrt der Kategorie F für schwere Motorwagen
bestanden habe und anschliessend bis 11. Juli 2008 als Berufslastwagenchauffeur
tätig gewesen sei. Ferner wurde die Einholung eines Leumundberichts beantragt.
Entgegen der Schlussfolgerung im Gutachten habe er aus dem Vorfall im Jahr 2008 viel
gelernt. Jener Vorfall sei zudem mit einem Lastwagen geschehen. Die
Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Ereignis sich mit einem Personenwagen
wiederhole, sei äusserst gering. Er habe nun auch eine Arbeitsstelle ausserhalb des
Familienbetriebs in Aussicht, was positiv für ihn sei. Zusätzlich wurde vorgeschlagen,
der Rekurrent könne seine charakterlichen Fähigkeiten im Strassenverkehr durch zehn
Fahrstunden mit anschliessender Kontrollfahrt unter Beweis stellen (act. 2/3). Unter
diesen Umständen genügt die Begründung der angefochtenen Verfügung, wonach das
Gutachten schlüssig sei und man weder dem Hauptantrag noch den Eventualanträgen
folgen könne, den Anforderungen an das rechtliche Gehör nicht. Die Vorinstanz muss
das Gutachten in der Entzugsverfügung würdigen, indem sie sich ihre eigenen
Überlegungen dazu macht und auf allfällige wesentliche Einwände des Betroffenen
zumindest kurz eingeht. Ein blosser Verweis auf das Gutachten genügt nicht. Der
Betroffene muss sich sicher sein können, dass seine Anträge und Einwände von der
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Behörde zur Kenntnis genommen und gewürdigt wurden, um danach über eine
allfällige Rekurserhebung entscheiden zu können. Mit der vorliegenden
Standardbegründung ist dies nicht möglich.
d) Mit dem Rekurs können alle Mängel der angefochtenen Verfügung geltend gemacht
werden, besonders die Unzuständigkeit der erlassenden Behörde, der Verstoss gegen
wesentliche Form- und Verfahrensvorschriften, die unrichtige oder unvollständige
Feststellung des Sachverhalts sowie die Rechtswidrigkeit und die Unangemessenheit
des Verfügungsinhalts (Art. 46 Abs. 1 VRP). Aufgrund dieser umfassenden
Überprüfungsbefugnis (sog. volle Kognition) der Verwaltungsrekurskommission, kann
die Gehörsverletzung durch die Vorinstanz im Rekursverfahren insbesondere aus
verfahrensökonomischen Gründen geheilt werden (vgl. statt vieler BGE 126 I 72). Die
nicht hinreichende Begründung der angefochtenen Verfügung ist indessen bei der
Kostenverlegung zugunsten des Rekurrenten zu berücksichtigen. Im Gegenzug bleibt
die Höhe der vorinstanzlichen Verfahrenskosten unverändert.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz die Wiedererteilung des
Führerausweises gestützt auf das verkehrspsychologische Gutachten zu Recht
verweigerte.
a) Dem Rekurrenten wurde der Führerausweis mit Verfügung vom 19. Dezember 2008
wegen charakterlicher Nichteignung auf unbestimmte Zeit, mindestens aber für vier
Monate entzogen (Art. 16d Abs. 1 lit. c des Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01,
abgekürzt: SVG). Dieser Massnahme kommt die Bedeutung eines Sicherungsentzugs
zu. Der Betroffene muss für die Wiedererteilung des Führerausweises entsprechend
Art. 17 Abs. 3 SVG nachweisen, dass der Eignungsmangel behoben ist. Die
Entzugsbehörde, die auch Wiederzulassungsbehörde ist, hat ihrerseits zu entscheiden,
was sie für den Nachweis der Behebung des Eignungsmangels verlangt. Die Vorinstanz
machte die Wiedererteilung in der Verfügung vom 19. Dezember 2008 von einem
klaglosen Verhalten, vom Absolvieren einer Verkehrstherapie von mindestens
20 Sitzungen sowie von einer die Fahreignung des Rekurrenten bestätigenden
verkehrspsychologischen Kontrolluntersuchung abhängig. Das ist nicht zu
beanstanden, und es wurde dagegen auch kein Rechtsmittel ergriffen.
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b) Der Rekurrent bringt zur Hauptsache vor, ihm sei im Jahr 2004 nach einer
Kontrollfahrt mit einem Verkehrsmediziner und einem Fahrlehrer der Führerausweis der
Kategorie F erteilt worden. Die Experten seien damals zum Schluss gekommen, dass
er trotz seines Schädelhirntraumas den Anforderungen des Strassenverkehrs unter
Limitierung der Höchstgeschwindigkeit genüge. Ein Jahr später sei gar eine
Ausdehnung auf schwere Motorwagen erfolgt. Bis zum Vorfall vom 11. Juli 2008 habe
er als Chauffeur mit dem plombierten Lastwagen über 70'000 km und mit seinem
plombierten Personenwagen rund 30'000 km absolviert. In dieser Zeit habe er
bewiesen, dass er in der Lage sei, schwere Lastwagen zu fahren. Die
Verkehrspsychologin stelle die kognitive Fahreignung für die Kategorie F in ihrem
aktuellen Gutachten nicht in Frage. Sie spreche dem Rekurrenten aber die
charakterliche Fahreignung ab mit der Begründung, es sei ihm nicht gelungen, den
geforderten Einsichtsprozess zu vollziehen und zu lernen, sich mit seinen körperlichen
und geistigen Einschränkungen zu versöhnen. Er sei ausschliesslich auf den
Wiedererhalt des Führerausweises fixiert und dadurch in der Auseinandersetzung mit
seiner Behinderung blockiert. Deshalb ergäben sich erhebliche Risikofaktoren für
auffälliges bzw. impulsives und kränkbares Verhalten im Verkehr. Diese Einschätzung
treffe nicht zu. Der Rekurrent lebe seit 14 Jahren mit seiner Behinderung und meistere
sein Leben erstaunlich gut. Vor diesem Hintergrund sei es ungerechtfertigt zu
behaupten, er habe sich mit den körperlichen und geistigen Einschränkungen nicht
versöhnt. Er sei sowohl in der Familie als auch im Freundeskreis bestens integriert. Er
mache im Männerchor mit und sei begeisterter Schütze. Während des nunmehr
sechsjährigen Entzugs habe er sich nichts zuschulden kommen lassen, auch nicht als
Mofafahrer. Dazu sei ein Leumundsbericht einzuholen. Er habe sich sämtlichen
verlangten Untersuchungen gestellt. Man könne daher nicht sagen, es sei ihm nicht
gelungen, den geforderten Einsichtsprozess zu vollziehen. In seinem Alltag bewahre er
Anstand gegenüber seinen Mitmenschen und nehme Rücksicht auf sie. Es gebe daher
keine Anzeichen, dass er sich selbst überschätze und eine geringe Frustrationstoleranz
habe. Es könne nicht sein, dass aufgrund der Tatsache, dass der Rekurrent
standardisierte Tests ungeschickt angehe und dort ehrlich zu Protokoll gebe, es sei
sein grösster Wunsch, wieder Auto zu fahren, der Schluss gezogen werde, er könne
seine Situation nicht richtig einschätzen. Im Alltagsleben lasse sich solches nicht
feststellen. Die Einschätzung der Verkehrspsychologin stehe denn auch im
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Widerspruch zum Bericht von lic.phil. Y, bei welcher der Rekurrent zwölf
Therapiestunden besucht habe. Gemäss deren Angaben orientiere sich der Rekurrent
trotz der Unfallfolgen an seinen gesunden Seiten. Er sei sich bewusst, dass er
eingeschränkt sei. Das Autofahren bringe ihm positive Energie. Falls das Autofahren
ihm helfe, Ressourcen zu erschliessen, solle er nach Ansicht der Therapeutin sein Ziel
ausdauernd verfolgen.
c) Aus charakterlichen Gründen sind jene Personen zum Führen von Motorfahrzeugen
nicht geeignet, die nicht über ein Minimum an Verantwortungsbewusstsein,
Beständigkeit und Selbstbeherrschung verfügen, die gleichzeitig ungeschickt,
unbeholfen und ohne Entscheidungssinn sind, die übertrieben optimistisch und ganz
ohne Bewusstsein für Gefahren sind oder die dazu neigen, sich immer im Recht zu
glauben und völlig hemmungslos sind (vgl. M. Perrin, Délivrance et retrait du permis de
conduire, Fribourg 1982, S. 49). Bezugspunkt der Beurteilung ist einzig die
Verkehrssicherheit. Diejenigen Personen sollen nicht zugelassen werden, von denen
anzunehmen ist, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur eine besondere Gefahr
für die anderen Verkehrsteilnehmer darstellen. Eine solche Gefahr liegt etwa nahe bei
sehr starker emotionaler Unausgeglichenheit, unbeherrschter Impulsivität oder
dauernder affektiver Gespanntheit. Positiv wird eine einigermassen angepasste
charakterliche Reife vorausgesetzt. Nicht jede Person mit ungünstigen
Charakteranlagen ist zum Führen von Motorfahrzeugen nicht geeignet (vgl.
R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I:
Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl. 2002, Rz. 332 ff.).
Fahrzeuglenker müssen über eine Reihe von charakterlichen Eigenschaften verfügen,
die mindestens minimal vorliegen: Risikobewusstsein, Tendenz zu Vermeidung hoher
Risiken, geringe Impulsivität, geringe Aggressionsneigung, reife Konfliktbearbeitung,
Stressresistenz, soziales Verantwortungsbewusstsein, soziale Anpassungsbereitschaft,
Flexibilität im Denken und psychische Ausgeglichenheit (vgl. Leitfaden der
Expertengruppe Verkehrssicherheit, Verdachtsgründe fehlender Fahreignung,
Massnahmen, Wiederherstellung der Fahreignung, 26. April 2000, nachfolgend:
Leitfaden, S. 6, in: Arbeitsgruppe Verkehrsmedizin der Schweizerischen Gesellschaft
für Rechtsmedizin [Hrsg.], Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern
2005, S. 113 ff.).
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Der Untersuchungsgrundsatz verlangt von der Verwaltung und vom Gericht die richtige
und vollständige Abklärung des massgebenden Sachverhalts, d.h. die Ermittlung der
materiellen Wahrheit. Je tiefer in den Persönlichkeitsbereich eingegriffen wird, desto
sorgfältiger ist diesem Grundsatz nachzuleben (vgl. R. Schaffhauser, Zur Entwicklung
von Recht und Praxis des Sicherungsentzugs von Führerausweisen, in: AJP 1/1992 S.
17 ff., insbesondere S. 33, N 58). Da ein Sicherungsentzug stark in den
Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue Abklärung der persönlichen
Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes wegen vorzunehmen. Das
Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen richtet sich nach den
Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde
(vgl. BGE 129 II82 E. 2.2).
Das verkehrspsychologische Gutachten unterliegt der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). In Sachfragen
weicht das Gericht nur aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab. Es
prüft, ob sich auf Grund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien
ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen
aufdrängen. Erscheint die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten
zweifelhaft, hat es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu
erheben (vgl. BGE 133 III 385 mit weiteren Hinweisen). Das verkehrspsychologische
Gutachten soll in der Gesamtbeurteilung die erhobenen Befunde hinsichtlich der
Fragestellung würdigen und so gewichten, dass die Schlussfolgerungen und die
Beantwortung der Fragestellung auch für einen psychologischen Laien nachvollziehbar
sind (vgl. J. Bächli-Biétry, Inhalt des Gutachtens, Würdigung, Folgefragen aus
verkehrspsychologischer Sicht, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009, St.
Gallen 2009, S. 58).
d) Das verkehrspsychologische Gutachten vom 17. Februar 2014 (act. 9/18 ff.) stützt
sich auf die Akten der Vorinstanz, das Interview mit dem Rekurrenten und die
Ergebnisse der durchgeführten verkehrspsychologischen Tests. Leistungstests wurden
aufgrund der konstanten für die Kategorie F ausreichenden Resultate in früheren
Untersuchungen nicht mehr durchgeführt.
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Die Gutachterin führt aus, der Proband habe sich in der Untersuchungssituation
unauffällig, kooperativ und durchwegs der Situation angemessen verhalten. Die
Aussagen zum Vorfall im Jahr 2008 bzw. den von ihm daraus abgeleiteten
Konsequenzen stünden in hoher Übereinstimmung mit seinen Aussagen anlässlich der
verkehrspsychologischen Untersuchung im Jahr 2013. Bereits damals habe er rein
kognitiv begriffen, was sein Fehler gewesen sei und wie er diesen in Zukunft vermeiden
könne. Das Problem sei jedoch primär auf der emotionalen Ebene zu suchen. Es falle
ihm ausgeprägt schwer, die unfallbedingten Einschränkungen, was seine Fahreignung
und seine sozialen Kompetenzen betreffe, zu akzeptieren. Noch deutlicher als in der
letzten Untersuchung zeige sich seine persönliche Kränkung durch die Behinderung
und seine Kränkbarkeit durch sein Umfeld. Nach wie vor sei es für ihn die einzige
Lösung, dass er den Führerausweis wiedererhalte und sich im Verkehr mit einem
Motorfahrzeug frei bewegen könne. Die massive Fixierung auf den Wiedererhalt des
Führerausweises sei vergleichbar mit derjenigen in der Voruntersuchung und scheine
ihn in seiner wirklichen Auseinandersetzung mit seiner persönlichen Problematik zu
behindern. Erschwerend komme hinzu, dass er sich absolut ungerecht behandelt fühle.
Sehr offen stehe er auch zu seiner ausschliesslich extrinsischen Therapiemotivation.
Dies bestätige einerseits den Mangel an echtem Problembewusstsein und deute auf
eine gewisse Distanzlosigkeit hin, die den Verdacht auf Vorliegen einer Schädigung der
frontalen Hirnfunktion wecke. Auch andere Aussagen im Rahmen der Exploration
zeigten auf, dass er dazu neige, impulsiv zu reagieren. Aufgrund seiner extrinsischen
Therapiemotivation habe er nur wenig von der Therapie profitieren können. Er sehe die
Lösung seines Problems einzig darin, wieder auf der Strasse fahren zu dürfen. Dass
sich kaum etwas verändert habe, widerspiegle sich auch in seinen mittels
standardisierter Fragebogen erhobenen Profilen. Sie seien absolut vergleichbar
ausgefallen mit jenen aus der letzten Untersuchung und bestätigten den Eindruck einer
erheblichen allgemeinen und auch verkehrsspezifischen Selbstüberschätzungstendenz,
einer geringen Frustrationstoleranz und einer stark beeinträchtigten Fähigkeit zu
willentlicher Verhaltenskontrolle. Erschwerend komme die bereits erwähnte extreme
Fixierung auf das Motorfahrzeug bzw. auf den Führerausweis hinzu. Er definiere seinen
Selbstwert ausschliesslich über das Motorfahrzeug bzw. über die Fahrerlaubnis.
Sowohl privat als auch beruflich könne von einer zufriedenstellenden Situation und
einer guten familiären Bindung ausgegangen werden. Die Gutachterin kommt zum
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Schluss, es sei dem Probanden nicht gelungen, den geforderten Einsichtsprozess zu
vollziehen und zu lernen, sich mit seinen körperlichen und geistigen Einschränkungen
zu versöhnen und deren Relevanz für seine Fahreignung adäquat zu beurteilen. Sowohl
auf der Ebene der Persönlichkeitseigenschaften als auch der Einstellungsmuster
würden sich erhebliche Risikofaktoren für auffälliges bzw. impulsives und kränkbares
Verhalten ergeben. Die charakterliche Fahreignung sei daher aus
verkehrspsychologischer Sicht zum aktuellen Zeitpunkt klar negativ zu beurteilen.
Möglichkeiten zur Wiederherstellung ergäben sich keine, da der Rekurrent
offensichtlich nicht in der Lage sei, eine stabile intrinsische (aus eigenem Antrieb
erfolgte) Änderungsmotivation zu entwickeln. Zudem erhärte sich der Verdacht, dass
sich seine unfallbedingte Hirnschädigung auf die frontalen Funktionen auswirke bzw.
dass bei ihm von einer persistierenden Impulskontrollproblematik ausgegangen werden
müsse.
Zu den einzelnen vom Rekurrenten beantragten Führerausweiskategorien äusserte sich
die Verkehrspsychologin in ihrer Stellungnahme vom 28. November 2014 (act. 23). Sie
erklärte, dass – basierend auf den Erkenntnissen aus der verkehrspsychologischen
Untersuchung vom 12. Februar 2014 – die Erteilung eines Ausweises für die
Spezialkategorien F und G (landwirtschaftliche Motorfahrzeuge, Arbeitskarren,
Motorkarren und Traktoren mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 30 km/h) abzulehnen
sei. Nach wie vor bestehe beim Rekurrenten ein massiv erhöhter emotionaler Bezug zu
Motorfahrzeugen. Die Selbstdefinition erfolge primär über das Motorfahrzeug. Zudem
bestehe ein Verdacht auf Vorliegen einer Impulskontrollproblematik. Schliesslich sei
das Persönlichkeitsprofil des Rekurrenten unverändert stark akzentuiert, was eine
geringe Frustrationstoleranz und Kränkbarkeit zur Folge habe. Diese Faktoren würden
unabhängig von der Drosselung der Geschwindigkeit auf 45 km/h oder 30 km/h einen
erheblichen Risikofaktor für unangemessenes und nicht regelkonformes Verhalten im
Verkehr darstellen. Demgegenüber könne bei der Erteilung eines Führerausweises für
einen Roller mit 50 cm (Kategorie A1, beschränkt auf 45 km/h) von einer eher geringen
Fremdgefährdung ausgegangen werden, zumal ein Roller einen anderen
Aufforderungscharakter habe als ein vierräderiges Fahrzeug.
e) Die zur Abklärung der verkehrsrelevanten Persönlichkeitsmerkmale eingesetzten
Fragebogentests entsprechen unbestrittenermassen dem aktuellen Stand der
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verkehrspsychologischen Diagnostik (J. Bächli-Biétry, Was kann die
Verkehrspsychologie im Bereich Fahreignungsdiagnostik leisten?, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 74 ff.). Der verkehrsspezifische
Itempool-Test VIP ist ein objektiv mehrdimensionales Fragebogenverfahren, das der
Erfassung des Verkehrsverhaltens dient. Er besteht aus emotionalen bzw. normativen
Wertungen oder aus Beschreibungen eigener Verhaltensweisen als Autofahrer im
Strassenverkehr. Sowohl bei der Orientierung an der sozialen Erwünschtheit als auch
bei der aggressiven Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern fallen die Resultate
beim Rekurrenten unauffällig aus. Bei der unkritischen Selbstwahrnehmung erreicht er
jedoch einen Prozentrang von 99. Er hält sich als Autofahrer für besonders geschickt,
reaktionsschnell und unfallsicher. Daraus ergibt sich eine erhöhte Neigung zur
Überschätzung der eigenen Verhaltensmöglichkeiten im Strassenverkehr. Der Wert
beim emotionalen Autofahren ist mit 98 ebenfalls ausserordentlich hoch. Der Rekurrent
schildert sich als Person, die gerne Auto fährt und dabei auch gerne sportlich und
schnell unterwegs ist. Daraus ergibt sich eine hohe Neigung zu impulsiven und
unüberlegten Verhaltensweisen im Strassenverkehr sowie zu überhöhten
Geschwindigkeiten. Der verkehrsbezogene Persönlichkeitstest VPT.2 ist ein objektiv
mehrdimensionales Fragebogenverfahren, das fahrverhaltensrelevante
Persönlichkeitsmerkmale erfasst. Er klärt mittels Fragen die
Expressivität(Emotionsausdruck)-Selbstsicherheit, die soziale Anpassung, die
emotionale Ansprechbarkeit, die Selbstkontrolle und die Selbstreflexion ab. Als
Kontrollskala für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Angaben in den übrigen
Bereichen dient die Offenheit der Selbstbeschreibung. In dieser Skala erzielte der
Rekurrent einen durchschnittlichen Prozentrang von 67 (Normbereich 25-75), was
heisst, dass die Aussagen von ihm verwertbar sind. In den Bereichen Soziale
Anpassung (55) und Selbstreflexion (50) bewegen sich die Ergebnisse innerhalb des
Normbereichs. Mit einem Prozentrang von 97 liegt das Ergebnis für die soziale
Expressivität-Selbstkontrolle aber ausserhalb des Normbereichs, woraus sich eine
erhöhte soziale Risikobereitschaft und eine Neigung zur Unbekümmertheit ergeben.
Spontane und impulsive Verhaltensweisen sind beim Rekurrenten daher
wahrscheinlich. Ebenso ist der Prozentrang für die emotionale Ansprechbarkeit mit 95
sehr hoch. Der Rekurrent neigt zu Ungeduld und Gespanntheit. Bei der Selbstkontrolle
ergab sich mit 11 ein sehr niedriger Wert, was auf ein verringertes Normbewusstsein
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und eine Neigung zu Regelverstössen hindeutet. Im Gespräch mit der
Verkehrspsychologin erklärte der Rekurrent, er habe in der Therapie gelernt, dass das
Autofahren nicht das Wichtigste im Leben sei. Trotzdem beharrt er darauf, er benötige
aber ein Auto bzw. sei abhängig davon, da er auf dem Land wohne. Die Therapeutin
habe ihn nicht verstanden, da sie in der Stadt wohne. Er habe eine Frau kennen
gelernt, aber er habe sie ohne Auto nicht abholen können. Er sei nicht gerne in die
Therapie gegangen. Er sei nur gegangen, um seinen Ausweis wieder zu erhalten. Im
Dorf werde über ihn gelacht, er sei der "Töfflibueb". Wenn er nicht fahren dürfe, gehe er
in den Himmel. Er verstehe nicht, dass er nicht fahren dürfe. Man wolle ihn bestrafen.
Es sei verdammt hart, sechs Jahre ohne Ausweis zu sein.
Die im Gutachten für die Beurteilung der Fahreignung des Rekurrenten festgestellten
negativen Punkte wie inadäquates Problembewusstsein, primär extrinsische (aufgrund
äusserer Antriebe erfolgte) Änderungsmotivation, stark akzentuiertes
Persönlichkeitsprofil, unkritische Selbstwahrnehmung und massiv erhöhter emotionaler
Bezug zu Motorfahrzeugen bzw. Fixierung auf den Wiedererhalt des Ausweises gehen
aus den Testergebnissen und dem Interview schlüssig und widerspruchsfrei hervor.
Obschon der Rekurrent eine Verkehrstherapie besuchte, fallen die Testresultate und
Aussagen sehr ähnlich wie im letzten verkehrspsychologischen Gutachten vom 10.
April 2013 aus. Eine Einsicht in die unfallbedingten Einschränkungen im
Strassenverkehr ist kaum vorhanden; dieser Schluss ist nachvollziehbar. Die
Beurteilung im Gutachten deckt sich weitgehend mit der Einschätzung der Therapeutin
lic.phil. Y, die angibt, dass der Prozess zur Änderung des problematischen
Persönlichkeitsprofils in zwölf Sitzungen erst habe angestossen werden können. Von
der Impulskontrolle her sei schwer vorhersehbar, ob der Rekurrent die Vorsätze, die er
gefasst habe, im Strassenverkehr umsetzen könne. Dafür müsse an den
Kompensationsstrategien weitergearbeitet werden. Der emotionale Bezug zum
Autofahren sei nach wie vor gegeben und müsse weiter entflochten werden (vgl.
act. 9/28 f.). Die im Vordergrund stehende unfallbedingte Problematik der Regulation
von Affekten und Impulsen gab auch bei der Beurteilung durch die Ärzte der Kliniken
Schmieder den Ausschlag dafür, dass dem Rekurrenten die charakterliche Fahreignung
damals abgesprochen wurde (act. 9/101 f.).
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Die Vorbringen im Rekurs, dass der Rekurrent im Alltag gut integriert sei, sich
gegenüber den Mitmenschen korrekt verhalte etc., vermögen daran nichts zu ändern.
Diese positiven Gesichtspunkte waren auch der Verkehrspsychologin bekannt.
Trotzdem kam sie zum negativen Ergebnis. Die Einholung eines Leumundsberichts
erübrigt sich daher. Angesichts des klar negativen Ergebnisses der
Fahreignungsbeurteilung ist auch keine ärztlich begleitete Probefahrt anzuordnen. Es
ist unbestritten, dass der Rekurrent vom Leistungsverhalten das rein technische Führen
eines Motorfahrzeugs der Kategorie F beherrscht. Die anhand der Testresultate in
Bezug auf die Fahreignung festgestellten negativen Punkte, wie beispielsweise die
mangelhafte Impulskontrolle, sind unabhängig von einer erfolgreichen Probefahrt
vorhanden. Genau jene Situationen, bei denen der Rekurrent sich von anderen
Verkehrsteilnehmern provoziert fühlt und aufgrund der mangelhaften Impulskontrolle
nicht adäquat reagiert, können bei einer Probefahrt oder im Verkehrsunterricht nicht
simuliert werden. Aus dem Umstand, dass er in den Jahren 2004 und 2005
Kontrollfahrten bestand, kann er demnach nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dasselbe
gilt für die geltend gemachten Fahrleistungen von 70'000 km (plombierter Lastwagen)
und 30'000 km (plombierter Personenwagen) bis zum 11. Juli 2008, als sich die
charakterliche Nichteignung zum Fahrzeugführen im Abdrängen einer anderen
Fahrzeuglenkerin manifestierte.
f) Das Gutachten wie auch die ergänzenden Ausführungen der Verkehrspsychologin zu
den Eventual- bzw. Subeventualanträgen erscheinen unter diesen Umständen
nachvollziehbar, widerspruchsfrei und schlüssig. Beim Rekurrenten liegt eine
mangelnde Fahreignung aus charakterlichen Gründen vor, weshalb ihm der
Führerausweis für die Spezialkategorien F und G nicht erteilt werden kann. Der mit dem
Sicherungsentzug verbundene Eingriff in die Persönlichkeitssphäre des Rekurrenten ist
angesichts der auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interessen der Sicherheit von
Passagieren und anderen Verkehrsteilnehmern erforderlich und angemessen und liegt
nicht zuletzt auch in seinem eigenen, wohlverstandenen Interesse (vgl. dazu BGer 6A.
15/2000 vom 28. Juni 2000 E. 4). Gutzuheissen ist indessen gestützt auf die
Ausführungen der Verkehrspsychologin der Subeventualantrag auf Erteilung des
Führerausweises der Kategorie A1, beschränkt auf 45 km/h. Voraussetzung dafür ist
allerdings, dass der Rekurrent die medizinischen Mindestanforderungen der dritten
Gruppe, zu welcher die Unterkategorie A1 zählt, erfüllt (vgl. Anhang 1 zur VZV). Dazu ist
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eine vertrauensärztliche Untersuchung nötig. Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung vom
21. März 2014 ist somit aufzuheben und die Streitsache zur Vornahme der
entsprechenden Abklärung in Anwendung von Art. 56 Abs. 2 VRP an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Dies entspricht einer teilweisen Gutheissung des Rekurses.
4.- a) Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu
tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der
Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens (W.
Hagmann, Die st. gallische Verwaltungsrechtspflege und das Rechtsmittelverfahren vor
dem Regierungsrat, Zürich 1979, S. 267 f.). Kosten, die ein Beteiligter durch Trölerei
oder anderes ungehöriges Verhalten oder durch Verletzung wesentlicher
Verfahrensvorschriften veranlasst, gehen jedoch zu seinen Lasten (Art. 95 Abs. 2 VRP).
In formeller Hinsicht liegt eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch
die Vorinstanz vor, in materieller Hinsicht ist der Rekurrent mehrheitlich unterlegen. Es
rechtfertigt sich daher, die amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu einem Drittel und
dem Staat zu zwei Dritteln aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Dem Rekurrenten ist der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– nach Verrechnung mit
seinem Kostenanteil im Restbetrag von Fr. 800.– zurückzuerstatten.
b) Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Der Beizug eines Rechtsbeistandes war geboten. In der
Kostennote vom 16. Oktober 2014 macht der Rechtsvertreter ein pauschales Honorar
von Fr. 4'000.– zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer geltend (act. 21).
Angesichts der nicht allzu komplexen Rechtsfragen sowie des angefallenen Aufwands
erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'000.– als angemessen (Art. 19 und 22 Abs. 1
lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75,
abgekürzt: HonO). Hinzu kommen die Barauslagen von pauschal Fr. 120.– (Art. 28
HonO) und die Mehrwertsteuer von Fr. 249.60 (Art. 29 HonO). Entsprechend dem
Verfahrensausgang sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten zu einem Drittel
entschädigen (Art. 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 183). Kostenpflichtig ist der
Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).
bis
ter
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