Decision ID: 2a14b98f-449e-4dd7-869c-69fa58f80549
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) ist Bewilligungsinhabe-
rin für das Inverkehrbringen der Pflanzenschutzmittel E._ (P ...),
F._ (P ...) und B._ (P ...).
Bei den genannten Produkten handelt es sich um Acetamiprid-haltige
Pflanzenschutzmittel. Die Beschwerdeführerin lässt eigenen Angaben zu-
folge das Produkt B._ aus einer Verdünnung von E._ in
Wasser und Konservierungsmittel herstellen. Nach der zuletzt am 28. Juni
2017 erneuerten Bewilligung ist B._ (P ...) nur in Hausgärten für
Obst-, Gemüse- und Feldbau sowie für Zierpflanzen zugelassen. Am 3. Au-
gust 2017 erteilte die Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel (bis zum
31. Dezember 2021 das Bundesamt für Landwirtschaft BLW, ab 1. Januar
2021 das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV;
nachfolgend auch Vorinstanz) der Beschwerdeführerin die Erlaubnis,
B._ auch unter dem Handelsnamen C._ (W ...) zu verkau-
fen. Die G._ AG erhielt ebenfalls am 3. August 2017 die Erlaubnis,
das Pflanzenschutzmittel B._ unter eigenem Namen und unter dem
Handelsnamen D._ (W ...) zu verkaufen.
A.b Im Zusammenhang mit dem Verfahren zur Erneuerung der Genehmi-
gung des Wirkstoffs Acetamiprid gemäss der Verordnung (EG)
Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Ok-
tober 2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmittel (ABl. L 309
vom 24. November 2009) verfasste die Europäische Behörde für Lebens-
mittelsicherheit (EFSA) eine Schlussfolgerung zum Peer-Review der Risi-
kobewertung und schlug neue Endpunkte vor (Conclusion on the peer re-
view of the pesticide risk assessment of the active substance acetamiprid,
EFSA Journal 2016; 14(11): 4610). Darüber hinaus liegen weitere Unterla-
gen aus den im EU-Raum durchgeführten Assessments, der EU Peer Re-
view sowie Dokumente der EU Kommission vor (vgl. Kompetenzzentrum
des Bundes für landwirtschaftliche Forschung Agroscope vom 14. Mai
2019, Vorprüfung zur gezielten Überprüfung von Produkten mit dem Wirk-
stoff Acetamiprid bezüglich Rückstände). Zuletzt passte die Kommission
aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Verzehrs von bestimmten Obst-
und Gemüsesorten die bestehenden Werte für den Rückstandshöchstge-
halt (RHG) mit Verordnung 2019/88 vom 18. Januar 2019 an (vgl. Erwä-
gungsgründe 7-9 der Verordnung 2019/88, ABl. L 22/1 vom 24. Januar
2019; zur Anpassung der Werte für Acetamiprid siehe auch EU Pesticides
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Database der Europäischen Kommission, https://ec.europa.eu/food/in-
dex_en > Plants > Pesticides > EU Pesticides database > Search Pesticide
Residues, zuletzt besucht am 16. Mai 2022).
A.c Auf der Grundlage der Ergebnisse der Beurteilung des Wirkstoffs Ace-
tamiprid in der EU liess das BLW von den Beurteilungsstellen eine Vorprü-
fung zur gezielten Überprüfung Acetamiprid-haltiger Pflanzenschutzmittel
vornehmen. Sowohl das BLV als auch Agroscope stellten anhand der ver-
fügbaren Unterlagen bezüglich der Rückstände fest, dass die aktuellen
RHG-Werte beim Verzehr von bestimmten Produkten zu Überschreitungen
der akuten Referenzdosis (ARfD) für Kinder führten. Agroscope nahm eine
Einschätzung der Rückstandssituation beim Obst-, Gemüse- und Feldbau
vor und sah bei einigen Sorten die Notwendigkeit, Rückstandsdaten einzu-
holen bzw. eine Prüfung des Anpassungsbedarfs der Anwendung bzw. der
Bewilligung aufgrund der geänderten RHG-Werte vorzunehmen. Auch
müssten für die Beurteilung des Grundwasserschutzes Stellungnahmen
sowie Originalstudien eingeholt werden. Im Weiteren stellte Agroscope Da-
tenanforderungen in ökotoxikologischer Hinsicht sowie in Bezug auf Bie-
nen, und das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO verlangte Daten be-
treffend den Anwenderschutz.
A.d Mit Schreiben vom 31. Mai 2019 teilte das BLW der Beschwerdeführe-
rin mit, dass alle bewilligten Acetamiprid-haltigen Produkte unter Berück-
sichtigung der in der EU erfolgten Neubeurteilung des Wirkstoffs gezielt
hinsichtlich der Anwender- und Konsumtentinnengefährdung sowie der
Gefährdung von Nichtzielorganismen und Grundwasser überprüft würden.
Die Beschwerdeführerin habe bis am 30. September 2019 Daten zu den
Produkten E._, F._ und B._ einzureichen. Als obliga-
torisch gelte das Dokument dRR Part C (vertraulicher Teil des draft Regist-
ration Reports, mit welchem die Erneuerung der Genehmigung des Wirk-
stoffs in der EU beantragt wurde), das Dokument JII zu jedem Wirkstoff
sowie die Originalstudie der letzten 5 Batch-Analyse zu jeder Wirkstoff-
quelle für Acetamiprid (siehe auch produktchemische Beurteilung von Ag-
roscope vom 18. Dezember 2018). Das Nichteinreichen dieser obligatori-
schen Informationen könne zu einem Widerruf der Pflanzenschutzmittelbe-
willigung führen.
A.e Nachdem aufgrund laufender Studien in der EU die Frist für die Einrei-
chung der Dokumente bis am 30. März 2020 erstreckt worden war, stellte
die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 23. März 2020 in Aussicht, dass
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die Informationen über den Wirkstoff Acetamiprid sowie die Stammformu-
lierung E._ direkt durch die Firma H._ eingereicht würden.
Mit Schreiben vom 24. März 2020 legte die H._ Informationen für
die Produkte E._ und F._ vor bzw. liess sie solche durch die
Firma I._ mit E-Mail vom 30. März 2020 vorlegen. Die Firma
I._ erklärte ausdrücklich, dass die bereitgestellten Informationen
nicht B._ betreffen würden.
A.f Am 7. Mai 2020 beurteilte Agroscope das Dossier zu B._ im
Rahmen der vorhandenen Informationen als vollständig und bewilligungs-
reif, vorbehaltlich der erfolgreichen Erneuerung (der Bewilligung) des Pro-
dukts E._ und sofern die fehlenden Daten zum Stammprodukt
E._ vorgelegt würden.
A.g Mit Schreiben vom 8. Juni 2020 gab das BLW der Beschwerdeführerin
Gelegenheit, die fehlenden obligatorischen Angaben zum Produkt
B._ bis zum 6. Juli 2020 nachzureichen, unter erneutem Hinweis
darauf, dass das Nichteinreichen der nachgeforderten Informationen zum
Widerruf der Pflanzenschutzmittelbewilligung führen könne.
A.h Mit Gesuch vom 22. Juni 2020 beantragte die Beschwerdeführerin auf-
grund der pandemiebedingten Situation für die Einreichung der Nachforde-
rungen eine Fristerstreckung. Das BLW hiess das Gesuch gut und er-
streckte die Frist antragsgemäss bis zum 30. September 2020.
A.i Mit E-Mail vom 24. September 2020 teilte die Beschwerdeführerin mit,
dass sie zwar Daten mit Bezug auf die Formulierungen E._ und
F._ liefern könne, H._ aber Formulierungen für Hausgärten
– wie B._ – nicht mehr unterstütze. Aus diesem Grund habe sie mit
anderen Datenlieferanten Kontakt aufgenommen und beantrage eine er-
neute Fristerstreckung für das Einreichen der erforderlichen Informationen
bis zum 31. Dezember 2020.
Mit E-Mail vom 24. September 2020 erstreckte das BLW letztmalig die Frist
für die Einreichung der obligatorischen Informationen zum Produkt
B._ bis zum 31. Dezember 2020.
A.j Mit E-Mail vom 31. Dezember 2020 gab die Beschwerdeführerin be-
kannt, die neue Wirkstofflieferantin werde J._ sein. Das Produkt
B._ werde neu in «K._» umbenannt.
A.k Am 8. Januar 2021 reichte ein Berater Daten von J._ ein.
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A.l Im chemischen Gutachten vom 19. Januar 2021 stellte Agroscope fest,
dass die Formulierung von L._ nicht gleichwertig zu jener des ur-
sprünglichen Stammprodukts E._ sei, weshalb die Daten zu
B._ aus dem Jahr 2015 nicht übernommen werden könnten. Bei
K._ handle es sich um ein neues Produkt, für das ein A2.1 Gesuch
gestellt werden müsse.
A.m Mit E-Mail vom 3. Februar 2021 teilte das BLW der Beschwerdeführe-
rin mit, dass sich das für die Verdünnung gewählte Stammprodukt
L._ in seiner Zusammensetzung wesentlich von E._ unter-
scheide. Da die obligatorischen Datenanforderungen zu B._ nach
wie vor nicht erfüllt seien, sehe das BLW vor, die Produktbewilligung in
Kürze mit Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist von jeweils 12 Monaten zu wi-
derrufen.
B.
Mit Verfügung vom 17. Februar 2021 hat das BLW die Bewilligung des
Pflanzenschutzmittels B._ (P ...) gestützt auf Art. 29a Abs. 5 Bst. a
der Verordnung vom 12. Mai 2010 über das Inverkehrbringen von Pflan-
zenschutzmitteln (PSMV, SR 916.161) widerrufen, da die Beschwerdefüh-
rerin die Datenanforderung gemäss Art. 29a Abs. 2 PSMV trotz diverser
gewährter Fristerstreckungen nicht erfüllt bzw. die erforderlichen obligato-
rischen Daten nicht eingereicht habe. Für den Ausverkauf der Lagerbe-
stände hat es eine Frist von 12 Monaten gewährt.
Aufgrund des Bewilligungswiderrufs hat das BLW mit Verfügung vom
17. Februar 2021 auch die Verkaufserlaubnis für C._ (W ...) für ver-
fallen erklärt. Im Weiteren hat es gleichentags die Verkaufserlaubnis der
G._ AG für D._ (W ...) für verfallen erklärt. In beiden Fällen
hat es für den Ausverkauf der Lagerbestände eine Frist von 12 Monaten
gewährt.
C.
Mit Beschwerde vom 18. März 2021 ficht die Beschwerdeführerin die Ver-
fügung der Vorinstanz vom 17. Februar 2021, mit welcher die Bewilligung
für das Inverkehrbringen des Pflanzenschutzmittels B._ (P ...) wi-
derrufen wurde, vollumfänglich an. Im Weiteren erhebt sie Beschwerde ge-
gen den gleichentags verfügten Verfall der Verkaufserlaubnis für ihr Pro-
dukt C._ (W ...). Zusätzlich erhebt sie als «Verkaufsbewilligungs-
geberin» Beschwerde gegen den gleichentags verfügten Verfall der Ver-
kaufserlaubnis der G._ AG für das Produkt D._ (W ...). Sie
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begehrt die Aufhebung der drei Verfügungen und die Sistierung des Ver-
fahrens zur gezielten Wirkstoffüberprüfung nach Art. 29a PSMV für das
Produkt B._ (P ...) bis zur Beurteilung bzw. Verfügung über den
Wirkstoff (von) E._ (P ...).
Zur Begründung führt sie im Wesentlichen an, E._ sei gemäss der
dem BLW bekannten Rezeptur der «Wirkstoff» von B._, weshalb
der Ausgang des Verfahrens von E._ abzuwarten sei, bevor die
Formulierung von B._ beurteilt werden könne. Selbst die Experten
des BLW hätten bestätigt, dass bei B._ die Beurteilung von
E._ abgewartet werden müsse. Der Wirkstoff Acetamiprid sei bisher
immer beim Produkt E._ beurteilt worden. Bei B._ würde für
die Verdünnung E._ und nicht «technisches Acetamiprid» verwen-
det. Das «vereinfachte Verfahren» sei bei RTU-Formulierungen, welche ein
bewilligtes Pflanzenschutzmittel als «Wirkstoff» hätten, nicht anzuwenden.
D.
Mit Vernehmlassung vom 2. Juli 2021 beantragt das BLW die Abweisung
der Beschwerde. Agroscope habe zwar die Bewertung des in B._
verwendeten Wirkstoffs Acetamiprid auf der Basis der im Rahmen der ge-
zielten Überprüfung von E._ eingereichten Informationen beurteilt,
jedoch deutlich darauf hingewiesen, dass nicht alle erforderlichen Informa-
tionen zur abschliessenden Beurteilung der Produktchemie vorgelegen
seien. Die Beschwerdeführerin habe trotz wiederholter Aufforderungen die
Informationen zur Identifizierung des im Pflanzenschutzmittel enthaltenen
Wirkstoffs nicht eingereicht. Im Übrigen müssten Pflanzenschutzmittelher-
steller die Zulassungsstelle stets über alle Änderungen der Herkunft oder
Zusammensetzungen eines Wirkstoffs eines Pflanzenschutzmittels infor-
mieren können.
E.
Mit Replik vom 15. September 2021 führt die Beschwerdeführerin aus,
H._ weigere sich, ihr vor Abschluss des Verfahrens von E._
einen Letter of Access (LoA) auf die am 30. März 2020 eingereichten Daten
zu liefern. Sie würde daher die Bewilligung von B._ verlieren und
könne erst nach Abschluss des Verfahrens für das Produkt E._ ein
neues Gesuch um Zulassung von B._ beantragen. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb auf die zeitgleiche Einreichung der Daten oder
des LoA beharrt werde. Alle Daten zum Wirkstoff Acetamiprid seien phy-
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sisch bei der Behörde verfügbar. Sie halte daher am Aufhebungs- und Sis-
tierungsantrag fest und beantrage die Prüfung und Veröffentlichung der
Fristenordnungen und zeitlichen Abläufe im BLW.
F.
Mit Duplik vom 18. November 2021 hält die Vorinstanz an ihren Verfügun-
gen fest. Es sei Aufgabe der Beschwerdeführerin, im Rahmen der gezielten
Überprüfung die aktuellen Nachweise zur Identifizierung ihres Pflanzen-
schutzmittels und zur Identifizierung des darin verwendeten Wirkstoffes zu
liefern. Bei Nichteinreichung der angeforderten aktuellen Nachweise fehl-
ten essentielle Informationen für die gezielte Überprüfung des Pflanzen-
schutzmittels. Es würden starke Hinweise darauf vorliegen, dass die vor-
handenen Informationen nicht mehr aktuell seien. Unabhängig vom Aus-
gang des Verfahrens zu E._ sei die Bewilligung für B._ we-
gen nicht gelieferter Informationen zu widerrufen.
G.
Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel der Parteien wird – soweit
entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), die von den in Art. 33 VGG auf-
geführten Vorinstanzen erlassen wurden. Anfechtbare Verfügungen sind
jene des BLW in Anwendung des Bundesgesetzes vom 29. April 1998 über
die Landwirtschaft (Landwirtschaftsgesetz, LwG; SR 910.1) und dessen
Ausführungsbestimmungen, zu welchen auch die PSMV gehört (Art. 33
Bst. d VGG i.V.m. Art. 166 Abs. 2 LwG). Die Zulassungsstelle lag bis zum
31. Dezember 2021 im BLW (vgl. Art. 71 Abs. 1 aPSMV gemäss Beschluss
des Bundesrates vom 12. Mai 2010, AS 2010 2331), welches auch die an-
gefochtenen Verfügungen erlassen hat. Ab dem 1. Januar 2022 wurde
diese Funktion der Vorinstanz zugewiesen (vgl. Änderung der PSMV mit
Beschluss des Bundesrates vom 17. November 2021, AS 2020 760). Die
Behörden sind zulässige Vorinstanzen des Bundesverwaltungsgerichts im
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Sinne von Art. 33 Bst. d VGG. Eine Ausnahme, was das Sachgebiet an-
geht, ist nicht gegeben (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist
daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Zur Beschwerde berechtigt ist nach Art. 48 VwVG, wer vor der Vorin-
stanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat (Abs. 1 Bst. a), durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt ist (Abs. 1 Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung hat (Abs. 1 Bst. c).
Das Vorliegen der Beschwerdelegitimation wird von Amtes wegen geprüft
(BGE 130 II 65 E. 1; BVGE 2007/6 E. 1), wobei die Beschwerdeführenden
ihre Legitimation eingehend erörtern bzw. belegen müssen, soweit diese
nicht ohne Weiteres ersichtlich ist (BGE 134 II 45 E. 2.2.3, BGE 133 II 400
E. 2, BGE 133 V 239 E. 9.2). Wird sie in Zweifelsfällen nicht substantiiert
dargelegt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten (BGE 134 II 45 E. 2.2.3
mit weiteren Hinweisen; VERA MARANTELLI-SONANINI/SAID HUBER, in: Wald-
mann/Weissenberger, Praxiskommentar zum VwVG, Art. 48 Rz. 7).
Erheben Dritte ein Rechtsmittel zugunsten einer Verfügungsadressatin (so-
genannte Drittbeschwerde pro Adressatin), verlangt die Rechtsprechung,
dass ein selbständiges, eigenes Rechtsschutzinteresse vorliegt (BGE 138
V 292 E. 4, 137 III 67 E. 3.5, 130 V 560 E. 3.5). Zu prüfen ist, ob die Rechte
oder Pflichten von Beschwerdeführenden durch die angefochtene Verfü-
gung unmittelbar berührt sind bzw. ihre Rechtsposition unmittelbar ver-
schlechtert wird. Das erforderliche schutzwürdige Interesse besteht darin,
dass ein wirtschaftlicher, materieller, ideeller oder anderweitiger Nachteil
vermieden werden soll, welchen der angefochtene Entscheid mit sich brin-
gen würde (vgl. Urteile des BVGer B-6721/2018 vom 30. April 2019 E. 2.2;
B-6161/2014 vom 5. Oktober 2015 E. 3.3 m.H.).
1.2.1 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge-
nommen und ist von der Verfügung vom 17. Februar 2021, mit welcher das
BLW ihre Bewilligung zum Inverkehrbringen des Pflanzenschutzmittels
B._ (P ...) widerrufen hat, sowie vom gleichentags verfügten Rück-
zug der Verkaufserlaubnis unter dem Handelsnamen C._ (W ...)
besonders berührt; sie hat ein Interesse an der Aufhebung der beiden Ver-
fügungen (Art. 48 VwVG).
1.2.2 Im Weiteren ficht die Beschwerdeführerin die Verfügung vom 17. Fe-
bruar 2021 an, mit welcher das BLW der G._ AG den Verfall der
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Verkaufserlaubnis für D._ (W ...) eröffnet hat, ohne eine Prozess-
vollmacht vorzulegen. Zur von der Vorinstanz bestrittenen Beschwerdele-
gitimation führt sie in der Replik aus, die Verkaufserlaubnis der G._
AG hänge an der Bewilligung ihres Produkts B._. Diese Verkaufs-
erlaubnis habe sie (die Beschwerdeführerin) beim BLW beantragt. Bei der
G._ AG handle es sich um eine Vertreiberin von B._ unter
anderem Namen. Alle Angelegenheiten betreffend Registrierung würden
von ihr (der Beschwerdeführerin) erledigt.
Die Beschwerdeführerin führt aus, die Verkaufserlaubnis der G._
AG hänge mit der Bewilligung ihres Produktes B._ zusammen. Sie
bringt aber nicht substanziiert vor, worin ihr Rechtsnachteil liegen soll,
wenn die Verkaufserlaubnis der G._ AG verfällt. Die Ursache für
den Widerruf der Bewilligung ihres Produktes B._ liegt in der vo-
rinstanzlichen Überprüfung Acetamiprid-haltiger Pflanzenschutzmittel und
betrifft das Produkt der G._ AG nur insofern, als es sich dabei um
die Verkaufserlaubnis für dieselbe Produktformulierung handelt. Inwiefern
der Ausgang des Verfahrens der G._ AG die Situation der Be-
schwerdeführerin in relevanter Weise beeinflussen könnte, bleibt aufgrund
der knappen, unpräzisen Ausführungen der Beschwerdeführerin hingegen
unklar. Die Beschwerdelegitimation ist daher im Zweifel zu verneinen (vgl.
E. 1.2 hiervor).
Auf die Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Februar 2021, mit wel-
cher der G._ AG der Verfall der Verkaufserlaubnis eröffnet wurde,
ist daher nicht einzutreten.
1.3 Die Beschwerde gegen die Verfügungen betreffend B._ (W ...)
und C._ (W ...) wurde frist- und formgerecht erhoben (Art. 50 und
Art. 52 VwVG) und der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet (Art. 63
Abs. 4 VwVG). Auf die Beschwerde gegen diese beiden Verfügungen vom
17. Februar 2021 ist daher einzutreten.
2.
2.1 Pflanzenschutzmittel sind landwirtschaftliche Produktionsmittel im Sin-
ne von Art. 158 Abs. 1 LwG und müssen als solche gewisse materielle An-
forderungen erfüllen (vgl. Art. 159 LwG), welche in Zulassungsverfahren
überprüft werden (vgl. Art. 160 LwG). Zum Schutz des Lebens und der Ge-
sundheit des Menschen vor schädlichen Einwirkungen hat der Gesetzge-
ber in Art. 6 Bst. b und Art. 11 des Bundesgesetzes vom 15. Dezember
2000 über den Schutz vor gefährlichen Stoffen und Zubereitungen
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(ChemG, SR 813.1) Vorschriften zum Inverkehrbringen und zur Zulassung
von Pflanzenschutzmitteln erlassen. Im Weiteren hat er Vorschriften zum
Schutz der Umwelt im Sinne von Art. 1 des Bundesgesetzes vom 7. Okto-
ber 1983 über den Umweltschutz (USG, SR 814.01) erlassen (Art. 26 ff.
USG). Der Verordnungsgeber hat diese Vorschriften in der PSMV konkre-
tisiert und den Gesetzesvollzug, für welchen den drei Erlassen zufolge ver-
schiedene Behörden zuständig sind (vgl. Art. 11 Abs. 2 ChemG, Art. 41
Abs. 2 und Abs. 3 USG), geregelt.
Die gestützt auf diese gesetzlichen Grundlagen erlassene PSMV enthält
Vorschriften über die Zulassung, die Einfuhr, das Inverkehrbringen und die
Verwendung sowie die Kontrolle von Pflanzenschutzmitteln (Art. 1 Abs. 2
PSMV). Sie soll sicherstellen, dass Pflanzenschutzmittel hinreichend ge-
eignet sind und bei vorschriftsgemässem Umgang keine unannehmbaren
Nebenwirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt haben sowie ein hohes
Schutzniveau für die Gesundheit von Mensch und Tier und für die Umwelt
gewährleisten und die landwirtschaftliche Produktion verbessern (Art. 1
Abs. 1 PSMV). Die Bestimmungen der PSMV beruhen auf dem Vorsorge-
prinzip. Mit diesem soll sichergestellt werden, dass in Verkehr gebrachte
Wirkstoffe oder Produkte die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die
Umwelt nicht beeinträchtigen (vgl. Art. 1 Abs. 4 PSMV; zum Ganzen siehe
auch Urteil des BVGer B-6721/2018 vom 30. April 2019 E. 3.3).
2.2 Die Vorinstanz hat den Widerruf der Bewilligung auf Art. 29a PSMV ge-
stützt. Die Bestimmung ist am 1. Januar 2019 in Kraft getreten (AS 2018
4199) und lautet wie folgt:
Art. 29a Gezielte Überprüfung einer Bewilligung
(1) Die Zulassungsstelle kann im Einvernehmen mit den Beurteilungsstellen Bewilligungen von Pflanzenschutzmitteln, die einen Wirkstoff, einen  oder einen Synergisten enthalten, für den die EU bei der Genehmigung oder der Erneuerung der Genehmigung Bedingungen oder  festgelegt hat, jederzeit einer Überprüfung unterziehen. Sie kann eine gezielte Überprüfung vornehmen, wenn neue Erkenntnisse gegebenenfalls eine Anpassung der Verwendungsvorschriften von Pflanzenschutzmitteln, die einen Wirkstoff, einen Safener oder einen Synergisten enthalten,  machen.
(2) Nach der Erneuerung der Genehmigung eines Wirkstoffs, eines Safeners oder eines Synergisten durch die EU sind die folgenden Informationen :
a. die zur Identifizierung des Pflanzenschutzmittels erforderlichen Daten, einschliesslich seiner vollständigen Zusammensetzung;
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b. die zur Identifizierung des Wirkstoffs, des Safeners oder des  erforderlichen Daten.
(3) Nach Anhörung der Beurteilungsstellen fordert die Zulassungsstelle bei der Bewilligungsinhaberin die Daten ein, die für die Überprüfung der  oder Einschränkungen nach Abs. 1 erforderlich sind, einschliesslich der relevanten Informationen zu den Wirkstoffen, Safenern oder Synergisten, und legt eine Frist für deren Einreichung fest.
(4) Sie ändert eine Bewilligung oder versieht sie mit neuen Auflagen, wenn die Beurteilung der Daten nach Abs. 3 ergibt, dass dies für die Erfüllung der Voraussetzungen nach Art. 17 erforderlich ist. Sie kann eine Bewilligung  auf der Grundlage der verfügbaren Ergebnisse des Verfahrens zur  oder zur Erneuerung der Genehmigung in der EU anpassen oder mit neuen Auflagen versehen.
(5) Die Bewilligung wird widerrufen, wenn:
a. die Informationen nach Abs. 2 nicht geliefert werden;
b. die Überprüfung der verfügbaren Informationen nicht darauf  lässt, dass die Voraussetzungen nach Art. 17 erfüllt sind.
(6) Bevor die Zulassungsstelle eine Bewilligung ändert oder widerruft,  sie die Bewilligungsinhaberin und gibt ihr Gelegenheit, eine Stellung-
nahme oder zusätzliche Informationen vorzulegen.
2.3 Anhang 6 Ziff. 2 der PSMV regelt die Anforderungen an die Unterlagen
zum Gesuch um Bewilligung eines Pflanzenschutzmittels, das chemische
Stoffe oder Mikroorganismen enthält. Bei Pflanzenschutzmitteln, die che-
mische Stoffe enthalten, entsprechen die Anforderungen jenen des An-
hangs der Verordnung (EU) Nr. 284/2013 der Kommission vom 1. März
2013 zur Festlegung der Datenanforderungen für Pflanzenschutzmittel ge-
mäss der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments
und des Rates über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln (in
der Fassung ABl. L 93 vom 3. April 2013, S. 85). Anhang 5 Ziff. 2 PSMV
sieht vor, dass die Anforderungen an die einzureichenden Wirkstoffunter-
lagen zum Gesuch um Bewilligung eines Pflanzenschutzmittels, das che-
mische Stoffe oder Mikroorganismen enthält, ebenfalls jenen des Anhangs
der Verordnung (EU) Nr. 283/2013 entsprechen.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet im Wesentlichen, dass B._
nach Art. 29a PSMV gezielt zu überprüfen sei bzw. dass die Vorinstanz das
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Verfahren korrekt geführt habe. Im Folgenden ist daher auf die Vorausset-
zungen für die gezielte Überprüfung und deren Verfahrensmodalitäten ein-
zugehen.
3.1.1 Nach Art. 29a Abs. 1 PSMV kann die Zulassungsstelle Bewilligungen
von Pflanzenschutzmitteln, die einen Wirkstoff enthalten, für den die EU
bei der Genehmigung oder der Erneuerung der Genehmigung Bedingun-
gen oder Einschränkungen festgelegt hat, jederzeit einer Überprüfung un-
terziehen. Sie kann eine gezielte Überprüfung vornehmen, wenn neue Er-
kenntnisse gegebenenfalls eine Anpassung der Verwendungsvorschriften
von Pflanzenschutzmitteln erforderlich machen.
Nachdem die Erneuerung der Genehmigung für den Wirkstoff Acetamiprid
in der EU Änderungen der Endpunkte auf der Grundlage neuer Erkennt-
nisse zur Folge hatte, hat das BLW gestützt auf diese Erkenntnisse und die
Vorprüfung der Beurteilungsstellen zu Recht die Überprüfung von Aceta-
miprid-haltigen Pflanzenschutzmitteln eingeleitet.
3.1.2 Gemäss Art. 29a Abs. 2 PSMV sind nach der Erneuerung der Geneh-
migung eines Wirkstoffs durch die EU die zur Identifizierung des Pflanzen-
schutzmittels erforderlichen Daten, einschliesslich seiner vollständigen Zu-
sammensetzung, und die zur Identifizierung des Wirkstoffs erforderlichen
Daten einzufordern.
Das BLW informierte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 31. Mai
2019 über die gezielte Überprüfung und verlangte gestützt auf die produkt-
chemische Beurteilung von Agroscope Dokumente, welche für die Identifi-
zierung des Pflanzenschutzmittels bzw. Wirkstoffs erforderlich sind. Es
setzte hierfür eine Frist an und wies ausdrücklich auf die Rechtsfolge des
Bewilligungswiderrufs nach Art. 29a Abs. 5 PSMV hin, sofern die verlang-
ten Informationen nicht geliefert würden.
Dass die im Schreiben vom 31. Mai 2019 als obligatorisch eingestuften
Dokumente erforderlich sind, um ein Acetamiprid-haltiges Pflanzenschutz-
mittel hinsichtlich des Wirkstoffs überprüfen zu können, ist unbestritten. Die
Beschwerdeführerin bringt aber vor, E._ sei der «Wirkstoff» von
B._. B._ sei daher nicht gleichzeitig mit den anderen Aceta-
miprid-haltigen Pflanzenschutzmitteln zu überprüfen, weil es sich bei die-
sem Produkt nur um eine Verdünnung von E._ handle, dessen ge-
zielte Überprüfung abgewartet werden könne.
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Anhang 1 der PSMV bezeichnet die für die Verwendung in Pflanzenschutz-
mittel genehmigten Wirkstoffe. Darin ist Acetamiprid als Wirkstoff aufge-
führt, welcher im Pflanzenschutzmittel der Beschwerdeführerin enthalten
ist. E._ wird hingegen im Anhang 1 der PSMV nicht erwähnt und ist
auch nicht der Wirkstoff von B._. Im Weiteren ist unbestritten, dass
es sich bei B._ im Vergleich zum Stammprodukt E._ um
eine andere Formulierung handelt, welche für andere Anwenderkreise zu-
gelassen wurde (Verwendung in Hausgärten statt durch professionelle An-
wender). Nachdem B._ aufgrund neuer Erkenntnisse zum verwen-
deten Wirkstoff für überprüfungsbedürftig befunden wurde, ist das Einrei-
chen der obligatorischen Daten Voraussetzung, damit eine Prüfung und
Bewertung allfälliger Risiken stattfinden und dem Vorsorgeprinzip entspro-
chen werden kann. Die Vorprüfung zur gezielten Überprüfung betraf land-
wirtschaftliche Erzeugnisse, für deren Produktion Acetamiprid sowohl bei
nicht-beruflicher Anwendung (Hobby) als auch im professionellen Anbau
bewilligt wurde, wobei die Einhaltung der RHG-Werte für einzelne Erzeug-
nisse kritisch beurteilt wurde. Dass es sich beim Produkt B._ bloss
um eine Verdünnung von E._ für den Hausgarten handle, entbindet
die Beschwerdeführerin nicht von ihrer Pflicht, obligatorische Daten für die
gezielte Überprüfung einzureichen. Wie aus dem produktchemischen Gut-
achten von Agroscope vom 7. Mai 2020 hervorgeht, fehlten für eine Über-
prüfung von B._ Daten zur im E._ verwendeten Wirkstoff-
quelle. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin daher zu Recht nach
Art. 29a Abs. 2 PSMV aufgefordert, die notwendigen Daten zur Identifizie-
rung der Wirkstoffe ihres Pflanzenschutzmittels zu liefern.
3.1.3 Im Vorverfahren gelangten fachtechnische Daten zum Produkt
E._ zu den Akten, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass jene nicht
das Produkt B._ betreffen würden. Es ist daher offensichtlich, dass
die für B._ einverlangten obligatorischen Informationen fehlten. Art.
29a Abs. 5 PSMV sieht ausdrücklich vor, dass das Nichteinreichen von In-
formationen, welche zur Identifizierung des Pflanzenschutzmittels bzw. des
Wirkstoffs erforderlich sind, einen Widerrufsgrund darstellt.
Nachdem die Beschwerdeführerin die erforderlichen Informationen für
B._ nicht vorgelegt hatte, gab ihr das BLW mit Schreiben vom
8. Juni 2020 unter Fristansetzung Gelegenheit, die obligatorischen Infor-
mationen nachzureichen (vgl. Art. 29a Abs. 6 PSMV). Es wies erneut da-
rauf hin, dass das Nichteinreichen der Informationen gemäss Art. 29a
Abs. 5 PSMV zum Widerruf der Bewilligung führe. Zwar ist in den Akten
kein Zustellnachweis für die schriftliche Unterrichtung vom 8. Juni 2020
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enthalten, die Beschwerdeführerin nahm aber offensichtlich in ihrem E-Mail
vom 22. Juni 2020 auf dieses Schreiben Bezug und beantragte eine Er-
streckung der angesetzten Frist. Das rechtliche Gehör zum angedrohten
Widerruf wurde damit gewahrt und die Beschwerdeführerin hatte Gelegen-
heit, zusätzliche Informationen vorzulegen. Sie machte denn auch davon
Gebrauch, indem sie – nach erneuter Fristerstreckung bis zum 31. Dezem-
ber 2021 – Daten nachliefern liess.
3.1.4 Die Beschwerdeführerin wendet im Wesentlichen ein, B._ be-
stehe bekanntermassen aus einer Verdünnung von E._, weshalb
das Verfahren für E._ hätte abgewartet werden müssen, bevor
B._ beurteilt werden könne. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die
Behörde auf einer zeitgleichen Einreichung der Daten beharre. Alle erfor-
derlichen Daten für E._ seien der Behörde vorgelegen, nur habe
die Herstellerin H._ deren Verwendung für B._ nicht erlaubt.
In der Replik stellt sie einen Antrag, in ihrem Verfahren seien die «Fristen-
verordnungen der zeitlichen Abläufe im BLW zu prüfen bzw. zu veröffentli-
chen», weil die Verfahrensdauer von nicht einmal zwei Jahren trotz mehr-
maliger Fristerstreckungen in ihrem Fall zu kurz sei. Das BLW würde für
sich selbst in den Zulassungsverfahren viel grosszügigere Fristen in An-
spruch nehmen. Im Weiteren bringt sie vor, dass die Sachbearbeiter des
BLW ihr geraten hätten, die J._-Daten (zu L._), welche
schon in Bern seien, zu verwenden.
Art. 29a Abs. 3 PSMV regelt die Beweisführungslast. Die Zulassungsstelle
fordert nach Anhörung der Beurteilungsstellen bei der Bewilligungsinhabe-
rin die Daten ein, die für die gezielte Überprüfung erforderlich sind, ein-
schliesslich der relevanten Informationen zu den Wirkstoffen. Danach ob-
liegt es der Bewilligungsinhaberin, im Rahmen der gezielten Überprüfung
die angeforderten Daten zur Identifizierung des Wirkstoffes vorzulegen.
Die Behörde hat die Beschwerdeführerin wiederholt und in geeigneter
Weise auf die von ihr zu belegenden Tatsachen hingewiesen. Die Be-
schwerdeführerin scheint aber davon auszugehen, die Behörde sei ihrer
Untersuchungspflicht nicht nachgekommen, weil sie nicht auf vorhandene
Daten in anderen Verfahren zurückgegriffen habe. Aufgrund der vorste-
hend aufgezeigten Modalitäten endet indes die Untersuchungspflicht der
Behörde mit der Aufforderung an die Partei, für den Zugang zu den obliga-
torischen Informationen zu sorgen. Das BLW ist dieser Pflicht nachgekom-
men. Es wäre daher an der Beschwerdeführerin gelegen, die Zustimmung
der Herstellerin für die Verwendung der Daten zu E._ zu erwirken,
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und so für die Beschaffung des Beweismaterials im Verfahren zu ihrem
Pflanzenschutzmittel zu sorgen. Nach dem Gesagten hat die Beschwerde-
führerin auch die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Die Fristerstreckun-
gen, welche ihr über neun Monate Zeit verschafften, die obligatorischen
Informationen nachzuliefern, sind in Bezug auf die Dauer nicht zu bean-
standen. Soweit sie in ihrer Replik eine Verletzung des Beschleunigungs-
gebots in anderen Verfahren behauptet, ist mangels Bezugs zum vorlie-
genden Streitgegenstand nicht weiter darauf einzugehen.
3.1.5 Als Zwischenfazit ist daher festzuhalten, dass die Vorinstanz die vor-
geschriebenen Verfahrensmodalitäten für die gezielte Überprüfung und
den darauf gestützten Bewilligungswiderruf eingehalten hat. Die diesbe-
züglichen Rügen der Beschwerdeführerin sind unbegründet.
3.2 Im Folgenden ist auf die strittige Frage einzugehen, ob die Daten, wel-
che die Beschwerdeführerin im Januar 2021 nachliefern liess, geeignet
sind, den Bewilligungswiderruf abzuwenden.
3.2.1 Am 24. September 2020 brachte die Beschwerdeführerin vor, die
H._ unterstütze keine Formulierungen mehr für Produkte für Haus-
gärten, wovon auch ihr Produkt B._ betroffen sei. Sie könne daher
die obligatorischen Daten (zur Identifizierung des Wirkstoffs) nur liefern,
wenn sie ein anderes Stammprodukt dafür finde. Mit E-Mail vom 31. De-
zember 2020 gab sie eine andere Stammformulierung bekannt, welche
statt dem Stammprodukt E._ neu für ihr Produkt verwendet werden
könne. Mit Nachreichung vom 8. Januar 2021 gelangten die Daten zur
Stammformulierung L._ (P ...) zu den Akten. Im chemischen Gut-
achten vom 19. Januar 2021 stellte Agroscope fest, dass die Formulierun-
gen E._ und L._ nicht gleichwertig seien. Mit Schreiben vom
3. Februar 2021 wies das BLW die Beschwerdeführerin darauf hin, dass es
sich aufgrund der Abweichungen bei B._ (als Verdünnung von
L._) um ein völlig neues Produkt handle. Die angeforderten obliga-
torischen Daten zu B._ seien nicht geliefert worden, weshalb die
Produktbewilligung in Kürze mit einer Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist von
jeweils 12 Monaten widerrufen werde.
3.2.2 Die Beschwerdeführerin trägt als Bewilligungsinhaberin die Verant-
wortung für die Richtigkeit der selbst gemachten Angaben. Das replikweise
Vorbringen, Sachbearbeiter des BLW hätten ihr zur Verwendung der Daten
zu L._ geraten, wird von der Behörde ausdrücklich bestritten. Die
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Beschwerdeführerin legt keine Beweismittel für ihre Behauptung vor und
es finden sich auch keine diesbezüglichen Hinweise in den Akten.
3.2.3 Soweit die Beschwerdeführerin Abweichungen zwischen L._
und dem ursprünglichen Stammprodukt bestreitet, bleibt ein Beleg dafür,
dass L._ ein äquivalentes Produkt darstellen soll, aus. Agroscope
hat im Gutachten vom 19. Januar 2021 die Gleichwertigkeit der Stammfor-
mulierungen L._ und E._ verneint und ausdrücklich er-
wähnt, dass mit Gutachten vom 8. Juli 2019 bei L._ der Gesuchstyp
A2.3 abgelehnt und in A2.1 geändert worden sei. Demnach wurde
L._ bereits vor der Verwendung als Stammformulierung für
B._ als ein neues Produkt mit neuer Wirkstoffmischung oder neuer
Wirkstoffmenge eingestuft (zur Bedeutung der unterschiedlichen Gesuchs-
typen vgl. Weisung für das Einreichen von Gesuchen für das Inverkehrbrin-
gen von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz, abrufbar unter www.blv.ad-
min.ch > Zulassung Pflanzenschutzmittel > Gesuche und Anträge > Gesu-
che, zuletzt besucht am 24. Mai 2022).
3.2.4 Die Feststellung des BLW, dass die Datenlieferungen basierend auf
L._ als Stammformulierung nicht den erforderlichen Angaben zum
bewilligten Pflanzenschutzmittel B._ zu genügen vermögen, ist da-
her nicht zu beanstanden.
3.3 Zusammenfassend ist das BLW zutreffend vom Vorliegen eines Wider-
rufsgrunds ausgegangen, nachdem die Beschwerdeführerin die obligatori-
schen Informationen nicht eingereicht hat. Die Behörde hat nach wieder-
holtem Hinweis auf die Rechtsfolge des Bewilligungswiderrufs die Bewilli-
gung für B._ somit mit Verfügung vom 17. Februar 2021 zu Recht
gestützt auf Art. 29a Abs. 5 PSMV widerrufen. Zur verfügten Frist von 12
Monaten für den Ausverkauf der Lagerbestände äussert sich die Be-
schwerdeführerin nicht. Die Dauer erscheint denn auch als angemessen.
4.
Im Weiteren ist der mit Verfügung vom 17. Februar 2021 eröffnete Verfall
der Verkaufserlaubnis für C._ (W ...) zu prüfen.
4.1 Nach Art. 43 Abs. 1 PSMV kann ein bewilligtes Pflanzenschutzmittel
mit einer Verkaufserlaubnis unter dem Namen der Inhaberin der Verkaufs-
erlaubnis und unter einem anderen Handelsnamen als demjenigen des be-
willigten Pflanzenschutzmittels in Verkehr gebracht werden. Sie verfällt mit
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dem Erlöschen der Bewilligung oder mit dem Rückzug des Einverständnis-
ses der Bewilligungsinhaberin (Art. 43 Abs. 3 PSMV).
4.2 Da die Bewilligung für das Produkt B._ erloschen ist, hat die
Vorinstanz zu Recht den Verfall der Verkaufserlaubnis für das Produkt
C._ festgestellt. Die Beschwerdeführerin äussert sich auch diesbe-
züglich nicht weiter zur verfügten 12-monatigen Frist für den Ausverkauf
des Produkts. Auch diese Dauer erscheint nicht unverhältnismässig, womit
die Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Februar 2021 über den Ver-
fall der Verkaufserlaubnis für C._ ebenfalls als unbegründet abzu-
weisen ist.
5.
Die Beschwerdeführerin begehrt ohne nähere Begründung, «das Verfah-
ren zur gezielten Wirkstoffüberprüfung nach Art. 29a PSMV für das Produkt
B._ zu sistieren und erst zu beurteilen, nachdem der Wirkstoff
E._ beurteilt und verfügt ist». Eine Sistierung kommt unter anderem
dann in Betracht, wenn ein anderes Verfahren hängig ist, dessen Ausgang
von präjudizieller Bedeutung ist, bzw. ein Entscheid in einem anderen Ver-
fahren den Streitgegenstand beeinflussen kann (BGE 123 II 1 E. 2b; BVGE
2009/42 E. 2.2). Vorliegend ist strittig, ob die Vorinstanz die Bewilligung für
B._ zu Recht widerrufen hat, weil die Beschwerdeführerin die obli-
gatorischen Unterlagen nicht eingereicht hat. Wie die Vorinstanz zutreffend
festgehalten hat, ist für diese Frage der Ausgang der gezielten Überprü-
fung von E._ nicht von präjudizieller Bedeutung. Der Sistierungsan-
trag ist daher als unbegründet abzuweisen.
6.
Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen, soweit auf sie einzu-
treten ist. Das Beschwerdebegehren auf Aufhebung der Verfügung, mit
welcher die Bewilligung für B._ am 17. Februar 2021 widerrufen
wurde, ist abzuweisen, ebenso der damit zusammenhängende Sistie-
rungsantrag (E. 5). Da die Bewilligung für B._ erloschen ist, ist auch
das Beschwerdebegehren gegen die Verfügung vom 17. Februar 2021, mit
welcher das BLW den Verfall der Verkaufserlaubnis für C._ eröffnet
hat, abzuweisen. Auf die Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Feb-
ruar 2021, mit welcher der G._ AG der Verfall der Verkaufserlaubnis
eröffnet wurde, ist wie gesehen (E. 1.2) nicht einzutreten.
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7.
7.1 Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten
in der Höhe von Fr. 2'500.– der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzu-
erlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Betrag von Fr. 2'500.– wird nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils dem in gleicher Höhe geleisteten Kos-
tenvorschuss entnommen.
7.2 Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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