Decision ID: c6eadf30-48cc-4df4-8c3e-7fb13580d363
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Verletzung der Verkehrsregeln etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht in Strafsachen, vom 28. Januar 2014 (GC130024)
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Strafverfügung:
Der Strafbefehl des Stadtrichteramts Winterthur vom 2. April 2013 ist diesem Ur-
teil beigeheftet (Urk. 2).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig:
− der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG (ungenügender Ab-
stand beim Linksvorbeifahren) sowie
− des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1
aSVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 480.00 Gebühr Strafbefehlsverfahren
Fr. 450.00 nachträgl. Kosten und Auslagen Einspracheverfahren
Fr. 2'730.00 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf die Begründung dieses Urteils verzichtet, so ermässigt sich die
Entscheidgebühr auf 2/3.
5. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Strafbefehlsverfahren, nachträgliche
Kosten und Auslagen Einspracheverfahren) sowie des gerichtlichen Verfah-
rens werden dem Beschuldigten auferlegt.
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Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten:
(Urk. 43 S. 2)
"1. Das Urteil des Einzelgerichtes in Strafsachen des Bezirks Winterthur
vom 28. Januar 2014 sei aufzuheben und der Beschuldigte und Beru-
fungskläger vom Vorwurf der Verletzung der Verkehrsregeln und des
pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Verkehrsunfall freizusprechen.
2. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse
zu nehmen und es sei dem Beschuldigten und Berufungskläger für das
vorinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von CHF 4'528.60 (in-
klusive 8% Mehrwertsteuer und inkl. Barauslagen) zuzusprechen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen und es sei der Beschuldigte und Berufungskläger angemes-
sen (zuzüglich MWSt) zu entschädigen."
b) Des Stadtrichteramts Winterthur:
(sinngemäss, Urk. 48)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
Mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht in Strafsachen, vom
28. Januar 2014 wurde der Beschuldigte wegen ungenügenden Abstands beim
Linksvorbeifahren sowie pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall mit einer Busse von
Fr. 500.– bestraft (Urk. 41). Dagegen meldete der Beschuldigte mit Eingabe vom
3. Februar 2014 Berufung an (Urk. 36). Nach Erhalt des begründeten Urteils ging
fristgerecht auch die Berufungserklärung ein (Urk. 43). Dem Stadtrichteramt Win-
terthur wurde die Berufungserklärung mittels Präsidialverfügung vom 21. Mai
2014 zugestellt (Urk. 44). Auf Anschlussberufung verzichtete das Stadtrichteramt
(Urk. 48).
Mit Beschluss vom 14. August 2014 wurde das schriftliche Verfahren ange-
ordnet und dem Beschuldigten Frist zur Einreichung einer Berufungsbegründung
angesetzt (Urk. 49). Mit Schreiben vom 20. August 2014 verwies der Beschuldigte
hinsichtlich der Berufungsanträge und deren Begründung vollumfänglich auf seine
Eingabe vom 19. Mai 2014 (Urk. 51). Anschliessend wurde mit Präsidialverfügung
vom 28. August 2014 dem Stadtrichteramt Frist zur Einreichung der Berufungs-
antwort angesetzt und der Vorinstanz Gelegenheit zur freigestellten Vernehmlas-
sung eingeräumt (Urk. 52). Die Vorinstanz verzichtete auf Vernehmlassung
(Urk. 54) und das Stadtrichteramt auf die Einreichung einer Berufungsantwort
(Urk. 55). Damit erweist sich das Berufungsverfahren als spruchreif.
II. Prozessuales
Bildeten ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen
Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Ur-
teil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhalts sei offensichtlich
unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Be-
weise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO). Mit der Berufung
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bei Übertretungen können Fehler bei der Anwendung des anwendbaren materiel-
len oder formellen Rechts geltend gemacht werden, insbesondere des StGB und
der StPO. Gerügt werden können sodann Überschreitungen und Missbrauch des
Ermessens sowie Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, nicht aber blosse
Unangemessenheit (Schmid, Handbuch StPO, N 1538). Soweit die Beweiswürdi-
gung bzw. die Feststellung des (rechtmässig erhobenen) Sachverhalts gerügt
wird, beschränkt sich die Überprüfung auf offensichtliche Unrichtigkeit, also auf
Willkür (Hug in: Donatsch, Hansjakob, Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-
schen Strafprozessordnung, Art. 398 N 23). Gerügt werden können damit nur kla-
re Fehler bei der Sachverhaltsermittlung, wobei zunächst an Versehen und Irrtü-
mer, ferner an Diskrepanzen zwischen der sich aus den Akten sowie der Haupt-
verhandlung ergebenden Beweislage und den Feststellungen im Urteil zu denken
ist. In Betracht fallen sodann Fälle, in denen die gerügte Sachverhaltsfeststellung
auf einer Verletzung von Bundesrecht, vorab der StPO selbst beruht. Zu denken
ist weiter an Fälle, in denen die an sich zur Verfügung stehenden Beweismittel of-
fensichtlich ungenügend ausgeschöpft wurden, also der Sachverhalt unvollständig
festgestellt und damit der Grundsatz der Wahrheitsforschung vom Amtes wegen
missachtet wurde (Schmid, a.a.O., N 1538).
III. Anklageprinzip
Im Strafbefehl des Stadtrichteramts Winterthur vom 2. April 2013 wird dem
Beschuldigten vorgeworfen, er sei am 31. Oktober 2012 um 15.05 Uhr als Lenker
eines Reisecars in Winterthur auf der ...strasse, Höhe ....strasse, mit ungenü-
gendem Abstand an einem Sattelschlepper, der sich auf der rechten Fahrspur be-
funden habe, links vorbeigefahren. Durch das nicht sofortige Anhalten trotz Wahr-
nehmung von Kollisionsgeräuschen beim Seitenspiegel, habe er sich zudem nach
einem Verkehrsunfall pflichtwidrig verhalten (Urk. 2).
Die Verteidigung moniert eine Verletzung des Anklageprinzips. Im Strafbe-
fehl vom 2. April 2013 werde dem Beschuldigten vorgeworfen, mit ungenügendem
Abstand links am Lastwagen vorbeigefahren zu sein, wobei der Vorwurf in keinem
direkten Zusammenhang mit der Berührung der Seitenspiegel stehe. Hinzu kom-
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me, dass die Ursache für die Berührung der Aussenspiegel der beiden Fahrzeuge
unklar sei. Es würde sich deshalb als notwendig erweisen, dass im Strafbefehl
Angaben zum konkret vorhandenen Abstand und zum Abstand, den der Beschul-
digte nach Auffassung der Anklägerin hätte einhalten müssen, gemacht worden
wären. Gleiches gelte auch für die Geschwindigkeit, mit der der Beschuldigte un-
terwegs gewesen sein soll. Der erforderliche Abstand beim Vorbeifahren sei in
Relation zur gefahrenen Geschwindigkeit zu setzen (Urk. 43 S. 7).
Der Anklagegrundsatz dient dem Schutz der Verteidigungsrechte der ange-
klagten Person und konkretisiert insofern das Prinzip der Gehörsgewährung
(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 EMRK; BGE 120 IV 348 E. 2b). Nach diesem
Grundsatz bestimmt die Anklage das Prozessthema. Gegenstand des gerichtli-
chen Verfahrens können mithin nur Sachverhalte sein, die der beschuldigten Per-
son in der Anklageschrift vorgeworfen werden. Diese muss die Person des Be-
schuldigten sowie die ihm zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzi-
se umschreiben, dass die Vorwürfe im objektiven und subjektiven Bereich genü-
gend konkretisiert sind (Umgrenzungsfunktion). An diese Anklage ist das Gericht
gebunden. Die Anklage fixiert somit das Verfahrens- und Urteilsthema (Immutabi-
litätsprinzip). Zum anderen vermittelt sie der beschuldigten Person die für die
Durchführung des Verfahrens und die Verteidigung notwendigen Informationen
(Informationsfunktion). Sie dient insofern dem Schutz der Verteidigungsrechte des
Beschuldigten (Niggli/Heimgartner in: BSK Strafprozessordnung, 2. Auflage 2014,
N 32 ff. zu Art. 9 StPO). Allgemein gilt, je gravierender die Vorwürfe, desto höher
die Anforderungen an das Akkusationsprinzip (Urteil des Bundesgerichts
6B_333/2007 vom 7. Februar 2008, E. 2.1.4).
Der Strafbefehl des Stadtrichteramts, welcher als Anklage gilt, enthält nur
eine sehr knappe Umschreibung des Sachverhalts. Sodann sind die übertretenen
Bestimmungen aufgeführt. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, gegen folgende
Bestimmungen verstossen zu haben: Art. 90 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 4 SVG,
Art. 92 Abs. 1 SVG und Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG. Ausgehend vom Grundsatz,
dass das Anklageprinzip es dem Beschuldigten ermöglichen soll, sich gegen die
gegen ihn erhobenen Vorwürfe verteidigen zu können, zeigen die ausführlichen
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Rechtsschriften des Verteidigers des Beschuldigten, dass der Anklagevorwurf klar
ist und dass sich der Beschuldigte entsprechend verteidigen konnte. Da vorlie-
gend nur Übertretungen Gegenstand des Verfahrens bilden, sind keine allzu ho-
hen Anforderungen an das Anklageprinzip zu stellen. Die Anklageschrift des
Stadtrichteramts vermag diesen Anforderungen nachzukommen. Es liegt keine
Verletzung des Anklageprinzips vor.
IV. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Wie bereits erwähnt, beschränkt sich die Kognition der Berufungs-
instanz in Sachverhaltsfragen auf eine Willkürkontrolle. Willkür bei der Beweis-
würdigung liegt vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist
oder mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht. Dass eine ande-
re Lösung oder Würdigung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen
wäre, genügt nicht (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.4 mit Hinweisen). Das Berufungsge-
richt hat daher keine erneute Beweiswürdigung vorzunehmen (vgl. Urteil
6B_696/2011 vom 6. März 2012 E. 4.1).
2. Die Vorinstanz hielt fest, es sei unbestritten, dass es zwischen den
Fahrzeugen des Beschuldigten und dem Unfallgegner B._ zu einer Streifkol-
lision gekommen sei, als der Beschuldigte links am Sattelschlepper des Unfall-
gegners vorbeifuhr. Sie kam zum Schluss, dass der Seitenspiegel des Sattel-
schleppers infolge dieser Kollision zerbrach und der Beschuldigte es pflichtwidrig
unterlassen habe anzuhalten, obwohl er die Kollision bemerkt habe. Hinsichtlich
der Örtlichkeit der Kollision stützte sie sich auf die glaubhaften Aussagen des Un-
fallgegners und kam zu Gunsten des Beschuldigten zum Schluss, dass sich diese
auf Höhe der Kreuzung ...strasse / ...strasse ereignet habe; dieser Strassenab-
schnitt sei breiter als der Strassenabschnitt vor der Verzweigung ...strasse /
...strasse (Urk. 41 S. 13 f.).
3. Der Beschuldigte ficht das Urteil vollumfänglich an und beantragt einen
Freispruch (Urk. 43 S. 2).
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a) Die Verteidigung macht hinsichtlich der Örtlichkeit der Streifkollision ei-
ne willkürliche Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz geltend. Sie
führt in ihrer Berufungsbegründung diesbezüglich aus, der Beschuldigte habe an-
lässlich der Befragung durch den Polizeibeamten, welche nicht am Ort des Vor-
falls stattgefunden habe, keinen Grund zur Annahme gehabt, dass eine falsche
Örtlichkeit zur Diskussion stehen würde, weshalb er sich auch nicht veranlasst
gesehen habe, korrigierende Angaben zu machen. Die Vorinstanz stütze sich be-
züglich der Erstellung der Örtlichkeit des Vorfalls im Weiteren auf eine Aktennotiz
der Anklägerin über ein Telefongespräch mit dem Polizeibeamten C._. Der
Polizeibeamte C._ sei jedoch nicht als Zeuge befragt worden und die Teil-
nahme- und Verteidigungsrechte des Beschuldigten seien somit nicht gewahrt
worden, weshalb die Aktennotiz nicht zum Nachteil des Beschuldigten verwertet
werden könne. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz handle es sich beim Polizei-
beamten C._ weder um den protokollführenden noch um den befragenden
Polizeibeamten, weshalb sich die Feststellungen der Vorinstanz auch in diesem
Punkt als willkürlich und aktenwidrig erweisen würden. Sodann sei bereits anläss-
lich der vor-instanzlichen Hauptverhandlung dargelegt worden, dass sich der Vor-
fall aufgrund der Distanz und der Geschwindigkeit der Beteiligten nicht an der
Kreuzung ...strasse / ...strasse ereignet haben könne. Die Vorinstanz habe sich
mit diesen Vorbringen jedoch nicht auseinandergesetzt, weshalb sie in diesem
Punkt ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen sei und damit den Grund-
satz des rechtlichen Gehörs verletzt habe (Urk. 43 S. 3–5).
Nach Würdigung aller Beweise und der Gegenüberstellung der verschiede-
nen Aussagen des Beschuldigten kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass die
Aussagen des Beschuldigten aufgrund gewisser Widersprüche insgesamt nicht zu
überzeugen vermögen. Hingegen habe der Unfallgegner den Vorfall detailliert und
anschaulich beschrieben und auch in den Einzelheiten würden sich seine Schilde-
rungen als widerspruchsfrei erweisen, weshalb seine Aussagen inhaltlich vollum-
fänglich überzeugten. Die Vorinstanz stützt sich deshalb für die Erstellung des
Sachverhalts auf die glaubhaften Aussagen des Unfallgegners, was im Ergebnis
nicht zu beanstanden ist.
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Gestützt auf die Vermessung der Strassenabschnitte und der Fahrzeuge
(Urk. 20) geht die Vorinstanz vom für den Beschuldigten günstigeren, da breiteren
Strassenabschnitt aus. Ergänzend verweist die Vorinstanz auf eine Aktennotiz
bezüglich eines Telefonats des Stadtrichters mit dem Polizeibeamten C._,
welcher bestätigt, dass sich die Parteien über die Unfallörtlichkeit einig gewesen
seien. Wie sich dem Polizeirapport entnehmen lässt, war der Polizeibeamte
C._ zwar nicht der Protokollführer, jedoch ebenfalls vor Ort anwesend (Urk. 1
S. 6). Das Gespräch zwischen dem Stadtrichter und dem Polizeibeamten
C._ wurde dokumentiert und als Aktennotiz zu den Akten genommen; der
Beschuldigte hatte sodann Gelegenheit, die Akten einzusehen. Die Aktennotiz ist
als sachlicher Beweisgegenstand (Urkunde) frei nach Art. 10 Abs. 2 StPO zu
würdigen, da die telefonische Auskunft des Polizeibeamten C._ weder als
formelle Zeugenaussage noch als Aussage einer Auskunftsperson zu werten ist,
wurde er doch nicht formell als Zeuge oder Auskunftsperson (unter Strafandro-
hung) einvernommen. Die Vorinstanz stützt sich bei der Würdigung der vorhan-
denen Beweismittel lediglich ergänzend auf die genannte Aktennotiz; für das Be-
weisergebnis ist sie letztlich nicht von Belang.
Bezüglich der von der Verteidigung geltend gemachten Verletzung der Be-
gründungspflicht und somit des rechtlichen Gehörs ist festzuhalten, dass sich das
Gericht nicht ausdrücklich mit jeder (zulässigen) tatsächlichen Behauptung und
jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann es sich auf
die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 138
I 232 E. 5.1 und BGE 133 I 270 E. 3.1, jeweils mit Hinweisen; Urteil 6B_678/2009
vom 3. November 2009 E. 5.2).
Eine willkürliche Feststellung des Sachverhalts liegt hinsichtlich der Örtlich-
keit der Streifkollision nicht vor.
b) Weiter macht die Verteidigung eine willkürliche Feststellung des Sach-
verhalts hinsichtlich der Beschädigung am Spiegel des Sattelschleppers geltend.
Die Vorinstanz stelle sich auf den Standpunkt, dass der Beschuldigte mit seinem
Einwand, wonach die Schäden am Seitenspiegel des Sattelschleppers nicht von
der behaupteten Kollision stammen könnten, nicht zu hören sei. Bei ihrer Argu-
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mentation stütze sie sich auf eine Aktennotiz der Anklägerin über ein Telefonge-
spräch mit einem Mitarbeiter der D._ AG in ..., wonach das beim Sattel-
schlepper angetroffene Schadensbild für eine Anprallkollision von hinten gerade-
zu typisch sei (Urk. 16). Auch der Mitarbeiter der D._ AG sei nicht als Zeuge
befragt worden und die Teilnahme- und Verteidigungsrechte des Beschuldigten
seien nicht gewahrt worden, weshalb seine Aussagen nicht zum Nachteil des Be-
schuldigten verwertet werden könnten. Die Vorinstanz habe weiter die Ausführun-
gen des Beschuldigten negiert, wonach die Kratzer an seinem Seitenspiegel auch
von Berührungen mit dem Garagentor stammen würden. Die Feststellung der Vo-
rinstanz, wonach der Beschuldigte die Kratzer mit Astberührungen erklärt habe
und dies unglaubhaft sein soll, erweise sich vor diesem Hintergrund als willkürlich
und aktenwidrig. Die Vorinstanz habe sich sodann nicht mit der Argumentation
des Beschuldigten bezüglich der fehlenden Scherben auseinander gesetzt, womit
sie erneut ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen sei und den Grundsatz
des rechtlichen Gehörs verletzt habe (Urk. 43 S. 6 f.).
Auch bezüglich des entstandenen Schadens am Spiegel stuft die Vorinstanz
die Aussagen des Unfallgegners als glaubhafter als diejenigen des Beschuldigten
ein. Sie befindet es als reichlich lebensfremd, anzunehmen, dass der Unfallgeg-
ner mit einem völlig beschädigten Seitenspiegel unterwegs gewesen sein soll, nur
um während der Fahrt am Rande einer dicht befahrenen Strecke anzuhalten, die
Polizei zu alarmieren und den Beschuldigten diesbezüglich zu Unrecht beschuldi-
gen zu wollen (Urk. 41 S. 13). Die von der Vorinstanz vorgenommene Sachver-
haltsfeststellung erweist sich als im Ergebnis vertretbar. Lediglich ergänzend
stützt sie sich auf die Aktennotiz über ein Telefonat des Stadtrichters mit einem
Mitarbeiter der D._ AG. Auch diese Aktennotiz stellt ein sachliches Beweis-
mittel dar, welches gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei zu würdigen ist; für das Be-
weisergebnis ist sie letztlich ebenfalls nicht von Belang.
Wie bereits erwähnt, muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder (zu-
lässigen) tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander-
setzen. Die Vorinstanz ist ihrer Begründungspflicht genügend nachgekommen
und hat das rechtliche Gehör des Beschuldigten nicht verletzt, auch wenn sie sich
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mit der Argumentation des Beschuldigten bezüglich der Scherben nicht auseinan-
dergesetzt hat.
Auch hinsichtlich der Beschädigung des Spiegels des Sattelschleppers liegt
somit keine willkürliche Feststellung des Sachverhalts vor.
4. Die rechtliche Würdigung wurde vom Beschuldigten nicht bemängelt.
Die Vorinstanz hat das Verhalten des Beschuldigten zutreffend als einfache Ver-
letzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit
Art. 34 Abs. 4 SVG (ungenügender Abstand beim Linksvorbeifahren) sowie des
pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 aSVG in Verbin-
dung mit Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG gewürdigt.
5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz weder eine offensichtlich unrich-
tige Sachverhaltsfeststellung noch eine unrichtige rechtliche Würdigung vorge-
nommen.
Am 1. Januar 2013 ist eine systematisch neue Fassung von Art. 90 Ziff. 1
aSVG und Art. 92 Abs. 1 aSVG in Kraft getreten (neu: Art. 90 Abs. 1 SVG und
Art. 92 Abs. 1 SVG). Diese entspricht inhaltlich der alten Fassung, weshalb das
alte Recht anzuwenden ist, da das neue Recht im konkreten Fall nicht milder ist
(Art. 102 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 und 2 StGB). Der Schuldspruch der
Vorinstanz ist somit zu bestätigen und der Beschuldigte ist der Verletzung der
Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit 34 Abs. 4
SVG (ungenügender Abstand beim Linksvorbeifahren) sowie des pflichtwidrigen
Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 51
Abs. 1 und 3 SVG schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
Der Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch und stellt kei-
nen Eventualantrag bezüglich der Strafzumessung.
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Die Vorinstanz hat den Strafrahmen und die Grundsätze der Strafzumes-
sung korrekt dargelegt, worauf verwiesen werden kann (Urk. 43 S. 15). Der Be-
schuldigte fuhr mit ungenügendem Abstand am Sattelschlepper vorbei, so dass
infolge der Streifkollision mit dem Seitenspiegel des Sattelschleppers ein geringer
Sachschaden entstand. Über den Sachschaden hinaus erfolgte keine weitere Ge-
fährdung. Der Beschuldigte hielt nach der von ihm bemerkten Streifkollision nicht
ordnungsgemäss an und benachrichtigte nicht sofort den Fahrer des Sattel-
schleppers, wodurch er seine Meldepflicht verletzte. Nachdem er auf seinem
Rückweg von Neftenbach sah, dass der Sattelschlepper mit einem Polizeiwagen
am Strassenrand stand, hielt er von sich aus an und gab sich als Chauffeur des
Reisecars zu erkennen. Insgesamt ist von einem noch leichten Verschulden aus-
zugehen.
Was die Berechnung der Bussenhöhe anbelangt, kann auf die vorinstanzli-
chen Erwägungen (Urk. 43 S. 16) sowie die eingereichten Unterlagen zu den fi-
nanziellen Verhältnissen des Beschuldigten verwiesen werden. Gemäss eigenen
Angaben erzielt er ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 3'895.– (Urk. 47/1).
Angesichts der finanziellen Verhältnisse sowie unter Berücksichtigung des Ver-
schuldens erweist sich eine Busse in der Höhe von Fr. 500.– als angemessen.
Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfrei-
heitsstrafe von 5 Tagen auszufällen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
VI. Kosten
Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 4 und 5) zu
bestätigen.
Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
mit seiner Berufung vollständig. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind ihm
daher aufzuerlegen.
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