Decision ID: 6bc162df-1db4-453d-8e8d-dcee13697863
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Am
4.
Oktober 2013 (Ein
gangs
datum) meldete sich
X._
, geboren 1988, bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als Musike
rin im
Z._
Quartett zur Anerkennung und Registrierung als
Selb
stän
dig
er
werbende
im
Nebenerwerb
(25 %)
mit Erwerbsaufnahme am
1. Januar
201
3
an
(Urk.
7/1
)
.
Gestützt auf die Angaben in der Anmeldung erhob die Ausgleichs
kasse
in den Jahren 2013 bis 2017
die
Akontobeiträge
für
Selbständigerwerbende
für das jeweilige Beitragsjahr
(Urk. 7/3,
Urk.
7/4,
Urk.
7/6,
Urk.
7/13,
Urk.
7/16).
Mangels steuerlich aus
ge
wie
se
ne
n
Einkommen
s
aus selbständiger Erwerbstätig
keit in den Jahren 2013/2014 entliess die Ausgleichskasse
X._
m
it Schreiben vom 6. Juli 2017
rück
wirkend per
1.
Januar 2013 als
Selbständig
erwerbende
aus der Kassen
mit
glied
schaft (
Urk.
7/19).
Am
2
9.
März
2020 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
bei der Aus
gleichskasse zum Bezug einer Erwerbs
ausfall
ent
schädigung (
Betriebsein
stel
lung
) gestützt auf die Ver
ordnung über Mass
nahmen bei Erwerbs
aus
fall im Zu
sammen
hang mit dem
Corona
virus
(Covid-19-Ver
ord
nung Erwerbs
aus
fall) an (
Urk. 7/34
). Mit
Ver
fü
gung vom 1
7.
April
2020 verneinte die Aus
gleichs
kasse ei
nen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfall
entschä
di
gung
mangels An
schluss
es
als
selbständigerwerbende
Person
(
Urk. 7/35)
.
Am
7.
September 2020 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
erneut bei der Ausgleichskasse zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung infolge eines Veranstaltungsverbots gestützt auf die
Covid-19-Ver
ord
nung Erwerbs
aus
fall
an (
Urk.
7/
38f.
).
Am 1
0.
September 2020 (Eingangsdatum)
reichte sie die An
mel
dung als Musikerin zur Anerkennung und Registrierung als
Selbständig
er
wer
bende
im Nebenerwerb mit Erwerbsaufanahme am
1.
Januar 2015 zu den Ak
ten (
Urk.
7/40).
Mit
Ver
fü
gung vom 1
0.
Dezember
2020 verneinte die Aus
gleichs
kasse ei
nen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfall
entschä
di
gung
(
Urk. 7/101)
.
Die dagegen von
X._
am
21. Januar 2021
erhobene Einsprache (
Urk.
7/104
) wies die Aus
gleichs
kasse mit Entscheid vom
2
3
.
Juli
202
1
ab
(
Urk.
7/113
= Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1. September 2021 Beschwerde und bean
tragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die
Zusprache
einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung gestützt a
uf das Veranstaltungsverbot
für den Zeitraum vom 1
7.
März bis 1
6.
September 2020
(Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
September 2021 schloss die Beschwerde
gegne
rin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage der Kassenakten [Urk. 7/1-115]), was der Beschwerdeführerin mit Ver
fügung vom 30. September 2021 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
for
der
lich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat
Ver
ordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen
(und zwar auf maximal sechs Monate; vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Ver
wal
tungs
organisationsgesetzes [RVOG])
.
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise auch auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
[
EpG
]) stütze
n - am 20. März 2020 die Co
vid-
19
-
Ver
ordnung Erwerbsausfall. Die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall wurde rück
wirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum 16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Danach wurde
der Gel
tungs
zeitraum zunächst bis am 3
1.
Dezember 2021 verlängert (
Art.
11
Abs.
4) und in der Folge auf den 3
0.
Juni 2021 befristet (
Art.
11
Abs.
5).
Die Verordnung erfuhr mehrere Änderungen, unter anderem am 6. Juli, 17. September und 8. Okt
ober 202
0.
Mit dem Covid-19-Gesetz vom 25. September 2020 wurde rück
wirkend per 17. September 2020 eine ge
setz
liche Grundlage für die Co
vid-19-Verordnung Erwerbsausfall geschaffen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 des Covid-19-Gesetzes).
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall in der bis am 16. Sep
tember 2020 gültig gewesenen Fassung hatten
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
siche
rungsrechts (ATSG), die aufgrund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 der
Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19; Covid-19-Verordnung 2) einen Erwerbsausfall erlitten, Anspruch auf eine Erwerbsausfallentschädigung.
Gemäss Art. 6 Abs. 1 Covid-19-Verordnung 2 in der vom 17. März bis 5. Juni 2020 gültig gewesenen Fassung, war es verboten, öffentliche oder private Veran
staltungen, einschliesslich Sportveranstaltungen und Vereinsaktivitäten durchzu
führen. Gemäss Abs. 2 von Art. 6 der Covid-19-Verordnung 2 in der vom 17. März
bis 5. Juni 2020 gültig gewesenen Fassung waren öffentlich zugängliche Ein
rich
tungen für das Publikum geschlossen
,
namentlich Unterhaltungs- und Freizeit
betriebe (
lit
. d) wie Konzerthäuser und Theater
.
1.2.2
Nach Art. 2 Abs. 3
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (in der bis
16. Sep
tember 2020
gültig
gewesen
en Fassung) sind
Selbständig
erwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG
, die nicht unter Absatz 3 fallen,
anspruchsberechtigt, wenn sie aufgrund der
bundesrätlichen
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Co
rona
virus
einen Er
werbs
ausfall erleiden und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV
mass
gebendes
Ein
kommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10‘000.-- und Fr. 90‘000.-
- liegt (so
ge
nannte Härtefallre
gelung)
.
Laut
Art.
2
Abs.
3
ter
Covid-19-Verordnung Er
werbsausfall in der bis am 16.
Sep
tember 2020 gültig gewesenen Fassung w
aren Personen nach
Art.
31 Abs.
3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
ver
si
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG), die im Veranstaltungsbereich tätig sind, anspruchsberechtigt, sofern sie die Einkommensvoraussetzungen ge
mäss Absatz 3
bis
erfüllten und in der AHV obligatorisch versichert waren.
1.3
Gemäss
Rz
. 1024
des Kreisschreibens über die Entschädigung bei
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (Stand:
1
7
. September 2020
,
KS CE)
gelten Personen als
Selbständigerwerbende
, die Einkommen erzie
len, welches nicht Entgelt für eine als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer ge
leis
tete Arbeit darstellt.
Bei
Selbständiger
werbenden
ist entscheidend, ob sie von der Aus
gleichskasse als solche anerkannt sind. Die Tatsache, dass die ver
sic
herte Per
son bei der Ausgleichskasse als
selbständige
rwerbend
ange
schlo
ssen ist, ist dafür ausreichend (
Rz
. 1025).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsaus
fall
entschädigung mit der Begründung, dass die Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt der Unterbrechung
[der Erwerbstätigkeit]
nicht als
selb
ständigerwerbende
Person
registriert
gewesen
sei und daher die Anspruchsvoraus
set
zun
gen für einen Leistungsbezug nicht erfülle
. Die Anmeldung als
selbständigerwerbende
Person sei nach der Anmeldung für eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung bei der Ausgleichskasse eingegangen
. Bei einer späteren Einreichung entfalle der An
spruch auf einen Leistungsbezug
(Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass sie im Nebenberuf eine selbständige Erwerbstätigkeit als Musikerin ausübe
. Mit Schreiben vom 22. Ok
tober 2020 sei die
se
selbständige Erwerbstätigkeit seitens der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, rückwirkend per 1. Ja
nuar 2015 anerkannt und eine sozialversicherungsrechtliche Unterstellung in der AHV bestätigt worden. Mit Verfügung vom 2
5.
November 2020 seien die ent
sprechenden AHV-Beiträge erhoben worden. Aufgrund des Veranstaltungs
ver
bots seien diverse Konzerte in der Periode vom 1
7.
März bis 1
6.
September 2020 abgesagt worden, weshalb sie einen Erwerbsausfall erlitten habe
und mithin An
spruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung habe (
Urk.
1).
3.
3.1
Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin
als Musikerin des
Z._
Quartetts bei der Beschwerdegegnerin grundsätzlich ab
1.
Januar 2013 als
Selbständig
er
wer
ben
de
registriert war (
Urk.
7/2)
und die Beschwerdegegnerin die
Akonto
beiträge
für
Selbständigerwerbende
für die Jahre 2013 bis 2017 gestützt auf die von der Beschwerdeführerin im Rahmen der Anmeldung gemachten Angaben zum Jahreseinkommen
verfügte (vgl.
Urk.
7/3,
Urk.
7/4,
Urk.
7/6,
Urk.
7/13, Urk. 7/16).
Am
6.
Juli 2017 teilte die Beschwerdegegnerin der Beschwerde
führerin mit, aufgrund dessen, dass sie dem kantonalen Steueramt für die Jahre 2013 und 2014 kein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit gemeldet habe, werde sie - ohne Gegenbericht innert 30 Tagen - rückwirkend per
1.
Januar 2013 als
Selbständigerwerbende
aus der Kassenmitgliedschaft entlassen (
Urk.
7/19). Dieses Schreiben blieb unbeantwortet. Mit Schreiben vom 1
7.
No
vember 2017
vergütete die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin Zinsen für
zuviel
bezahlte Beiträge für die Jahre 2014 bis 2016 (
Urk.
7/25). Am
2.
No
vember 2018 verfügte die Beschwerdegegnerin die definitiven Beiträge für
Selb
ständigerwerbende
für das Jahr 2013 (
Urk.
7/29) und teilte der Beschwerde
führerin mit Schreiben vom 13. Februar 2019 schliesslich mit, dass ihr Ab
rechnungskonto per 3
1.
Dezember 2013 aufgehoben
worden sei
(
Urk.
7/33). Den
am 2
9.
März 2020
geltend gemachten Anspruch auf eine Corona-Erwerbs
ersatzentschädigung infolge Betriebseinstellung (vgl.
Urk.
7/34) verneinte die Be
schwerdegegnerin mit Verfügung vom 1
7.
April 2020 mangels selbständiger Er
werbstätigkeit (
Urk.
7/35).
Am
7.
September 2020 stellte
die Beschwerdeführerin
ein Gesuch um Corona-Erwerbsausfall
ent
schä
di
gung für die Periode vom 1
7.
März bis 1
6.
September 2020 (
Urk.
7/38f.). Kurz darauf meldete
sie
sich am 10. September 2020 bei
der Be
schwer
degegnerin per 1. Januar 2015 als
Selbständigerwerbende
an (Urk. 7/40). Mit Schreiben vom 22. Oktober 2020 bestätigte die Beschwerde
gegnerin, dass die Beschwerdeführerin bei ihr (rückwirkend) seit dem 1. Januar 2015 als
selbstän
dig
erwerbende
Person angeschlossen sei (Urk. 7/4
8
).
4.
4.1.
Vorab ist festzuhalten, dass mit Verfügung vom 1
7.
April 2020 der Anspruch auf Erwerbsersatzentschädigung mangels Nachweises einer selbständigen Erwerbs
tätigkeit verneint wurde. Diese Verfügung erwuchs in formelle Rechtskraft. Der angefochtene
Entspracheentscheid
vom 2
3.
Juli 2021 (
Urk.
2) und die damit ein
hergehende erneute Ablehnung des Gesuchs im Erwerbsersatzentschädigung ist daher (einzig) unter den seit Erlass der Verfügung vom 1
7.
April 2020 einge
tre
tenen neuen Tatsachen zu prüfen.
4
.2
Die Beschwerdeführerin
unterliess
es, der Beschwerdegegnerin zeitnah zu melden, dass sie seit 2015 wieder
einkommensrelevant
als
selbständigerwerbende
Musike
rin tätig ist und
ge
mäss
Erfolgsrechnung in den Jahren 2015 bis 2020 ein Ein
kommen von Fr. 10‘288.-- (2015), Fr. 13‘256.-- (2016), Fr. 10‘978.-- (2017) und je Fr. 17‘259.-
- (2018-2020) erzielte (Urk. 7/40/
18-22
). Dementsprechend be
zahl
te sie
pflicht
widriger
weise
(vgl. Art. 3 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 8 des Bun
des
gesetzes über die Alters-
und
Hinterlassenenversicherung
[
AHVG
]
) auf diesen Einkommen auch (noch) keine Beiträge.
Erst mit der Anmeldung zum Be
zug einer Erwerbs
au
s
fallentschädigung vom
7.
September 2020 (
Urk.
7/
3
9
) setzte
sie
die Beschwer
de
gegnerin über die
Aufnahme
bzw.
Fortführung
der selbständigen Erwerbstätigkeit in Kenntnis und reichte die betreffende
An
meldung und Erfolgs
rechnung
ein.
Daher war
sie
am 1
7.
März 2020
, das heisst i
m Zeitpunkt,
ab
dem
sie
einen Erwerbsausfall geltend machte,
von der Beschwerdegegnerin noch
nicht als
Selbständiger
wer
ben
de
anerkannt
,
weshalb
sie
(mindestens bis am
2
2.
Ok
tober 2020
)
nicht als
Selbständigerwerbende
im Sinne von
Art.
12 ATSG einen Erwerbsausfall erleiden konnte
.
Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfallentschä
digung gestützt auf Art. 2 Abs. 3 und
3
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall haben
jedoch
nur Per
sonen, die im Zeit
punkt der Unterbrechung der Erwerbstätigkeit im März 2020 von der Aus
gleichs
kasse
denn auch
als
Selbständige
rwerbende
anerkannt waren (vgl. vorstehend E. 1.2 und
Rz
. 1025 KS CE
; ferner: Urteil des hiesigen Gerichts EE.2020.00066 vom 14. April 2021 E. 3.2
). Diese Voraussetzung ist bei
der
Be
schwerdeführer
in
zweifel
los nicht erfüllt, weshalb
ein Anspruch
auf Corona-Erwerbsausfallentschädigung vom 1
7.
März bis 1
6.
September 2020
sowohl nach
Abs.
3
als auch
nach der Härtefallregelung resp. Abs.
3
bis
von
Art.
2 der Covid-19-Verordnung Erwerbs
aus
fall
zu verneinen ist.
Daran vermag auch der am 2
2.
Oktober 2020 erfolgte rückwirkende Anschluss nichts zu ändern.
5
.
Die Beschwerde erweist sich dem
zu
folge als un
be
gründet und ist abzuweisen.