Decision ID: 3bbd804f-85d3-52fc-83a6-532b00ed2a9d
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X ist seit 3. März 1989 im Besitz des Führerausweises der Kategorie B. Wegen
eines ungenügenden Sicherheitsabstandes beim Hintereinanderfahren wurde er ihm
mit Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes, Abteilung
Administrativmassnahmen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt), vom 12. Juli 2005 für
einen Monat entzogen. Vom 29. Juni bis 28. Dezember 2008 war der Führerausweis
wegen Führens eines Fahrzeugs in angetrunkenem Zustand für sechs Monate
entzogen (Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,68 Gewichtspromille).
B.- Am Freitag, 8. November 2013, um 14.54 Uhr war X mit seinem in St. Gallen vom
Blumenbergplatz her auf dem Unteren Graben in Richtung Platztor unterwegs. Beim
Lichtsignal vor der Einmündung der Metzgergasse bog er nach links auf die kurze steile
Verbindungsstrasse zur Müller-Friedberg-Strasse ab. Dabei kollidierte er mit einem
entgegenkommenden Personenwagen. Der Beifahrer jenes Fahrzeugs wurde verletzt
und an beiden Fahrzeugen entstand mittlerer Sachschaden. Bei der anschliessenden
polizeilichen Einvernahme gab X an, er sei auf der Suche nach einem freien Parkplatz
gewesen.
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 7. Juli 2014 wurde X der
fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen und mit einer Busse von Fr. 1'500.–
bestraft. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Aufgrund dieses Vorfalls entzog das Strassenverkehrsamt X am 9. Oktober 2014
nach Gewährung des rechtlichen Gehörs den Führerausweis wegen schwerer
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von zwölf
Monaten. Gleichzeitig auferlegte es ihm die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr.
300.–.
Dagegen erhob X am 27. Oktober 2014 durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und ein Führerausweisentzug von maximal drei Monaten auszusprechen,
eventualiter verbunden mit der Anordnung des Besuchs des Verkehrsunterrichts; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt verzichtete auf eine
Vernehmlassung. Der Rechtsvertreter zog den Antrag auf Durchführung einer
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mündlichen Verhandlung am 2. Juli 2015 zurück. Auf die Ausführungen des
Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 27. Oktober 2014 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen
das Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird
dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung liegt vor, wenn durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen wird (Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann
auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle
qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999
S. 4487).
Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das Strafgericht über die strafrechtlichen
Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse) und die Verwaltungsbehörde in einem
separaten Verfahren über Administrativmassnahmen (insbesondere
Führerausweisentzug, Verwarnung). Die Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig,
bis
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kann aber – bei fehlender Koordination – dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu
voneinander abweichenden Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und
Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich
beurteilt werden. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde im
Interesse von Rechtseinheit und Rechtssicherheit gemäss konstanter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrem Entscheid zuzuwarten,
bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das Strafverfahren bietet durch die
verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die umfassenderen persönlichen
und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die weiterreichenden prozessualen
Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis der Sachverhaltsermittlung näher
bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht durchwegs derselben Formstrenge
unterliegenden Verwaltungsverfahren. Massgeblich ist also grundsätzlich der
Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt wurde. Die Verwaltungsbehörde darf
von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur dann abweichen, wenn sie
Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter
unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt,
deren Würdigung zu einem anderen Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch
den Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt hat, namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln
übersehen hat (BGE 124 II 103 E. 1c; VRKE IV-2012/126 vom 21. März 2013, in:
www.gerichte.sg.ch). Die Verwaltungsbehörde hat vor allem dann auf die Tatsachen im
Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren ergangen ist (BGE 119 Ib
158 E. 3c/aa). Die Bindungswirkung an die Sachverhaltsdarstellung besteht aber auch
dann, wenn die Strafsache mit Bussenverfügung erledigt wurde, welche sich
ausschliesslich auf den Polizeirapport stützt, sofern der Betroffene wusste oder
angesichts der Schwere der ihm angelasteten Übertretung voraussehen musste, dass
gegen ihn auch ein Verfahren wegen Führerausweisentzuges eingeleitet wird oder er
darüber informiert worden ist, und er es im Rahmen des summarischen Strafverfahrens
unterlassen hat, seine Verteidigungsrechte wahrzunehmen. Unter diesen Umständen
darf er nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und
Beweisanträge zu stellen (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_476/2014 vom 29. Mai
2015 E. 2.3, BGE 123 II 97 E. 3c/aa).
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2015&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+123+II+97&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-IB-158%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page158 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2015&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+123+II+97&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-IB-158%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page158
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In Bezug auf die rechtliche Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde an
das Strafurteil gebunden, wenn die rechtliche Beurteilung sehr stark von der
Würdigung von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter besser kennt als die
Verwaltung, etwa wenn er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (BGE 119
Ib 158 E. 3c, mit Hinweisen). Folglich besteht für die Verwaltungsbehörde in Fällen, wo
der Strafrichter seine Verfügung lediglich aufgrund eines Polizeirapports und ohne
untersuchungsrichterliche Einvernahme des Betroffenen oder von Zeugen erlassen hat,
in Bezug auf die Rechtsanwendung keine Bindung der
Administrativmassnahmebehörde an die rechtliche Qualifikation des Sachverhalts
durch den Strafrichter.
b) Der Rekurrent macht im Wesentlichen geltend, er sei an jenem Tag auf der Suche
nach einem Parkplatz gewesen. Die Sicherheitslinie ende an der fraglichen Stelle rund
einen halben Meter vor dem Fussgängerstreifen und werde rund einen Meter danach
fortgesetzt. Er habe zunächst einen Blick nach hinten geworfen, den Blinker gestellt
und sich vergewissert, dass die Ampel auf Grün gestanden habe. Zudem habe er
bemerkt, dass in entgegenkommender Richtung an der Haltelinie ein Fahrzeug
stillgestanden sei. Aufgrund dessen sei er davon ausgegangen, dass das Lichtsignal
für den Gegenverkehr auf Rot gestellt gewesen sei. In der Folge sei er langsam durch
die Lücke der Sicherheitslinie gefahren. Eine Sicherheitslinie könne ausschliesslich dort
Geltung beanspruchen, wo sie auch markiert sei. Es gebe zudem keinen Anlass,
Sicherheitslinien im Bereich von Fussgängerstreifen zwingend zu unterbrechen.
Unabhängig davon fehle am fraglichen Ort ein Abbiegeverbots-Signal. Die Lücke in der
Sicherheitslinie lasse nur den einen Schluss zu, dass an dieser Stellte für Fahrzeuge,
welche sich in Richtung Platztor bewegten, das Abbiegen nach links gestattet sei. Ein
entsprechender Richtungspfeil auf der Fahrbahn, woraus sich ein klares Verbot
abzubiegen ergeben würde, sei ebenfalls nicht vorhanden, auf der Gegenfahrbahn
jedoch schon. Auch der grüne Pfeil im Lichtsignal statuiere gemäss
Signalisationsverordnung kein explizites Verbot, in eine andere als die angezeigte
Richtung zu fahren. Im Gegensatz zur Formulierung bei den Einspurpfeilen werde dazu
lediglich festgehalten, dass grüne Pfeile den Verkehr in der angezeigten Richtung
gestatten würden. Der grüne Richtungspfeil beziehe sich sodann erst auf den
Verzweigungsvortritt des Unteren Grabens mit der Metzgergasse. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung würden sich Ampeln und Bodenmarkierungen
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ergänzen. Es müsse auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Ampel
ausfalle. In einem solchen Fall würde aber die entsprechende Markierung auf dem
Boden mittels Sicherheitslinie, Richtungspfeil oder Abbiegeverbots-Signal fehlen. Die
Signalisation bilde daher keine Einheit, sondern sei widersprüchlich. Unter diesen
Umständen stehe fest, dass es dem Rekurrenten nicht verboten gewesen sei, nach
links abzubiegen. Die entsprechenden Ausführungen im Strafbefehl seien klarerweise
falsch. Für die Administrativmassnahmebehörden verbindlich sei aber ohnehin nur das
Dispositiv. Den Rekurrenten treffe somit lediglich der Vorwurf, den Vortritt des
entgegenkommenden Verkehrs missachtet zu haben. Dies sei jedoch darauf
zurückzuführen, dass er aufgrund des vor dem Lichtsignal wartenden Fahrzeugs
fälschlicherweise gemeint habe, das Lichtsignal stehe für den Gegenverkehr auf Rot.
Das Verschulden diesbezüglich sei daher gering. Es könne ihm nur leichte
Fahrlässigkeit vorgeworden werden.
c) aa) Auf Strassen mit Sicherheitslinien ist immer rechts dieser Linien zu fahren (Art. 34
Abs. 2 SVG). Sicherheitslinien (weiss, ununterbrochen) kennzeichnen die Fahrbahnmitte
oder Fahrstreifengrenzen (Art. 73 Abs. 1 der Signalisationsverordnung, SR 741.21,
abgekürzt: SSV). Sicherheitslinien dürfen von Fahrzeugen weder überfahren noch
überquert werden (Art. 73 Abs. 6 lit. a SSV).
Lichtsignale gehen den allgemeinen Vortrittsregeln, den Vortrittssignalen und den
Markierungen vor (Art. 68 Abs. 1 SSV). Grünes Licht gibt den Verkehr frei (Art. 68 Abs.
2 Satz 1 SSV). Grüne Pfeile gestatten den Verkehr in der angezeigten Richtung (Art. 68
Abs. 3 Satz 1 SSV).
bb) Im Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 7. Juli 2014 wurde zum
Sachverhalt festgehalten, dass der Rekurrent vom Unteren Graben nach links auf die
Verbindungsstrasse zur Müller-Friedbergstrasse abgebogen sei. Dabei habe er den
Konturpfeil der Lichtsignalanlage missachtet und anschliessend unter Missachtung der
Sicherheitslinie den Fussgängerstreifen überfahren. Trotz sofortiger Bremsung habe die
entgegenkommende Fahrzeugführerin die Kollision mit dem Fahrzeug des Rekurrenten
nicht verhindern können. Der Beifahrer jenes Fahrzeugs habe sich eine
Halswirbelverletzung zugezogen.
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Die Feststellung des Strafrichters ist eindeutig und klar. Entgegen der Ansicht des
Rekurrenten ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im
Administrativmassnahmeverfahren aus den eingangs genannten Gründen auf den im
Strafverfahren festgestellten Sachverhalt abzustellen. Der Rekurrent, der bereits
mehrere Verkehrsregelverletzungen begangen hat und dem der Führerausweis schon in
den Jahren 2005 und 2008 entzogen worden war, musste aufgrund der Verurteilung
wegen fahrlässiger Körperverletzung als Folge der im Strafbefehl geschilderten
Verkehrsregelverletzungen wissen, dass gegen ihn auch ein
Administrativmassnahmeverfahren eröffnet würde. Zudem wurde er mir Schreiben der
Vorinstanz vom 18. Februar 2014 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nach
Abschluss des Strafverfahrens gestützt auf den darin festgestellten Sachverhalt geprüft
werde, ob eine Administrativmassnahme zu verfügen sei (act. 3/13). Trotzdem focht er
den Strafbefehl, worin ihm die Missachtung einer Sicherheitslinie sowie des grünen
Richtungspfeils vorgeworfen wird, nicht an. Aus dem Strafbefehl geht zudem hervor,
dass dieser nach unbenutzter Rechtsmittelfrist der Vorinstanz zugestellt werden würde.
In Übereinstimmung mit dem Strafbefehl ist deshalb auch im
Administrativmassnahmeverfahren in tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass
der Rekurrent am 8. November 2013 auf dem Unteren Graben in St. Gallen trotz
grünem Geradeaus-Pfeil nach links abbog, eine Sicherheitslinie überfuhr und mit einem
entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte. Auch wenn letztlich wegen der Konsumtion
der Verkehrsregelverletzungen durch den Straftatbestand der fahrlässigen
Körperverletzung keine Verurteilung nach Art. 90 SVG erfolgte, umfasst der vom
Strafrichter festgestellte Sachverhalt auch jene Straftatbestände.
Hinzu kommt, dass auch eine selbständige Sachverhaltsfeststellung durch die
Verwaltungsrekurskommission zum gleichen Ergebnis führen würde. Dass der
Rekurrent an jener Stelle nach links abbiegen wollte und dazu sein Fahrzeug auf die für
den entgegenkommenden Verkehr bestimmte Fahrbahn lenkte, wird von ihm nicht
bestritten. Die Signalisation im fraglichen Bereich am Unteren Graben ist klar und lässt
ein Linksabbiegen auf die Verbindungsstrasse zur Müller-Friedbergstrasse wegen der
dortigen Sicherheitslinie nicht zu. Die Behauptung des Rekurrenten, im fraglichen
Bereich gebe es aufgrund der farblosen Bereiche vor und nach dem
Fussgängerstreifen keine Sicherheitslinie, trifft nicht zu. Die zwei kurzen Auslassungen
sind durch die Signalisation des Fussgängerstreifens bedingt und bewirken keine
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Unterbrechung der Sicherheitslinie. Selbst wenn man davon ausgehen würde, zeigt der
grüne Konturpfeil im Lichtsignal in Richtung geradeaus unmissverständlich an, dass ein
Linksabbiegen an dieser Stelle nicht zulässig ist. Lichtsignale gehen den allgemeinen
Markierungen vor. Nach dem Wortlaut von Art. 68 Abs. 3 SSV ist klar, dass bei einem
grünen Pfeil in der Ampel nur in diese Richtung, vorliegend geradeaus, gefahren
werden darf. Die Formulierung "Grüne Pfeile gestatten den Verkehr in der angezeigten
Richtung" bedeutet gleichzeitig, dass ein Abbiegen in eine andere Richtung nicht
zulässig ist. Dass sich der grüne Richtungspfeil auf der vom Rekurrenten benutzten
linken Fahrspur auf die Verzweigung mit der Metzgergasse beziehen soll, macht keinen
Sinn, nachdem die zwei parallel geführten Fahrspuren in Richtung Platztor mit einer
Sicherheitslinie voneinander abgetrennt sind. Schliesslich gibt es für ein nach links
abbiegendes Fahrzeug nicht genügend Platz. Aufgrund der Haltelinien auf den
entgegenkommenden Fahrbahnen kurz vor dem Fussgängerstreifen müsste
gezwungenermassen der Fussgängerstreifen sowie das Trottoir davor und damit der
Warteraum der Fussgänger befahren werden. Aufgrund der klaren Signalisation mittels
Sicherheitslinie und grünem Richtungspfeil bedarf es demnach weder eines
Abbiegeverbots-Signals noch eines auf der Fahrbahn aufgezeichneten Richtungspfeils.
Eine widersprüchliche Signalisation liegt nicht vor.
d) aa) Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG begeht eine schwere Widerhandlung, wer
durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Art. 90 Abs. 2 SVG ist objektiv erfüllt, wenn der
Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerwiegender Weise missachtet
und die Verkehrssicherheit abstrakt oder konkret gefährdet hat. Subjektiv erfordert der
Tatbestand, dass dem Täter aufgrund seines rücksichtslosen oder sonst wie
schwerwiegend regelwidrigen Verhaltens zumindest eine grobe Fahrlässigkeit
vorzuwerfen ist. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 90
Abs. 2 SVG ist bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Die erhöhte
abstrakte Gefahr setzt die naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung voraus (vgl. BGE 123 II 106 E. 2a und 37 E. 1b). Grobe Fahrlässigkeit ist
immer dann zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner
krass verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Sie kann aber auch vorliegen, wenn er
die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht,
also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen Fällen bedarf die Annahme grober
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Fahrlässigkeit jedoch einer sorgfältigen Prüfung. Sie wird nur zu bejahen sein, wenn
das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ebenfalls auf
Rücksichtslosigkeit beruht und daher besonders vorwerfbar ist (vgl. BGE 118 IV 283
E. 4). Die Annahme einer schweren Widerhandlung bedarf damit nach wie vor sowohl
einer qualifizierten objektiven Gefährdung als auch eines qualifizierten Verschuldens. Ist
das Verschulden gross, die Gefährdung aber gering oder umgekehrt das Verschulden
gering und die Gefährdung gross, so handelt es sich um eine mittelschwere
Widerhandlung (BBl 1999 S. 4489). Es gelten damit bezüglich der Abgrenzung dieser
Widerhandlungen die bisherigen bekannten Massstäbe. Für die Abstufung innerhalb
der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr
abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt,
umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a).
Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich
daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer
Körperverletzung oder gar Tötung bestand. Erst recht ist eine konkrete Gefahr zu
bejahen, wenn es zu einem Unfall gekommen ist, mit anderen Worten sich die
hervorgerufene Gefahr verwirklicht hat (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos
1999, S. 12). Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei
Eintritt der Rechtsgutverletzung mitzuberücksichtigen (vgl. VRKE IV vom 6. Juli 2005 in
Sachen H. L., E. 4b/bb).
bb) Im Strafbefehl vom 7. Juli 2014 fehlen aufgrund der Konsumtion durch den
Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB
Ausführungen zu allfälligen Verkehrsregelverletzungen; darauf ist im Folgenden
einzugehen.
Das in Art. 34 Abs. 2 SVG aufgestellte Verbot des Überquerens der Sicherheitslinie ist
für die Verkehrssicherheit fundamental und hat entsprechend nahezu absolute
Bedeutung. Es ist allgemein bekannt, dass die Missachtung dieser Regel geeignet ist,
eine erhebliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer zu schaffen. Das Überfahren
einer Sicherheitslinie stellt daher aus objektiver Sicht eine schwere
Verkehrsregelverletzung dar (Ph. Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz
und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015, N 18 zu Art. 34 SVG). Gleiches gilt für die
Missachtung des Richtungspfeils des Lichtsignals. Mit der Kollision mit einem
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entgegenfahrenden Fahrzeug hat sich die Gefahr konkretisiert. Aufgrund der
Sicherheitslinie zwischen den beiden Fahrtrichtungen musste die Lenkerin jenes
Fahrzeugs nicht mit einem linksabbiegenden Fahrzeug rechnen. Da die Ampel in ihrer
Richtung auf Grün stand, war sie gemäss eigenen Angaben mit einer Geschwindigkeit
von rund 40 bis 50 km/h unterwegs. Wegen des auf der angrenzenden Fahrspur
stillstehenden Personenwagens konnte sie das Fahrzeug des Rekurrenten auch nicht
vorher erkennen. Es traf sie ohne jede Vorwarnung völlig unvermittelt in die Seite ("Ich
war nicht einmal über dem Fussgängerstreifen, da hat es 'getätscht'. Da habe ich weit
und breit nichts gesehen und plötzlich war dieses Auto da" [act. 3/45].). Der Beifahrer
jenes Fahrzeugs zog sich eine Halswirbelverletzung zu, was zu einer Verurteilung des
Rekurrenten wegen fahrlässiger Körperverletzung führte. Zudem entstand
beträchtlicher Sachschaden an den beteiligten Fahrzeugen. Die vom Rekurrenten
verursachte Gefährdung kann daher weder als leicht noch als mittelschwer eingestuft
werden. Vielmehr ist von einer ernstlichen Gefahr auszugehen.
Auch das Verschulden des Rekurrenten wiegt schwer. Indem er trotz klarer
Signalisation sowohl eine Sicherheitslinie überfuhr als auch entgegen einem grünen
Richtungspfeil, der geradeaus zeigte, nach links abbog, nahm er bewusst eine
Gefährdung der entgegenkommenden Fahrzeuglenker in Kauf. Sein Vorbringen, er sei
von einer Lücke in der Sicherheitslinie ausgegangen und die Signalisation sei
widersprüchlich, müssen als Schutzbehauptungen angesehen werden. Entgegen den
Ausführungen des Rekurrenten, er sei sehr langsam gefahren, berichtete eine
Auskunftsperson, er sei eher zügig unterwegs gewesen (act. 3/58). Es ist daher
zumindest von Grobfahrlässigkeit auszugehen.
cc) Es liegt somit eine schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vor.
3.- a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
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Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Der Führerausweis
wird nach einer schweren Widerhandlung für mindestens zwölf Monate entzogen, wenn
in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis einmal wegen einer schweren
Widerhandlung oder zweimal wegen mittelschweren Widerhandlungen entzogen war
(Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG).
b) Der Führerausweis war dem Rekurrenten wegen einer schweren Widerhandlung für
die Dauer von sechs Monaten bis 28. Dezember 2008 entzogen. Mit dem Überfahren
der Sicherheitslinie am 8. November 2013 beging er noch innerhalb der fünfjährigen
Frist seit dem letzten Entzug erneut eine schwere Widerhandlung. Da – entgegen der
im Rekurs vertretenen Auffassung – nicht von einer mittelschweren Widerhandlung
ausgegangen werden kann, beträgt die Mindestentzugsdauer zwölf Monate (vgl. Art.
16c Abs. 2 lit. c SVG). Diese darf auch bei erhöhter Sanktionsempfindlichkeit nicht
unterschritten werden. Ein Besuch des Verkehrsunterrichts würde ebenfalls nicht zu
einer Reduktion führen. Der Rekurs ist folglich abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen. Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 914.12). Der Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist zu verrechnen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 VRP).