Decision ID: 0b96548b-2bef-554f-ac04-e883023cec24
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer (geb. 1962) ist rumänischer Herkunft. Er ist seit
März 2019 im Besitz einer ausländerrechtlichen Härtefallbewilligung des
Kantons St. Gallen und seit 17. Januar 2000 mit der Schweizer Bürgerin
D._, seiner vormaligen Lebenspartnerin, verheiratet. Zusammen
mit ihr lebt er im Kanton St. Gallen.
B.
Seinen eigenen Angaben zufolge hielt sich der Beschwerdeführer in den
Jahren 1982 bis 1993 als anerkannter Flüchtling in Kanada auf. Im Sep-
tember 1988 habe er beim rumänischen Konsulat in Ottawa ein Gesuch
um Entlassung aus der Staatsbürgerschaft eingereicht. Diesem Gesuch
sei am 26. März 1990 entsprochen worden. Bereits im April 1990 habe er
versucht, die rumänische Staatsangehörigkeit wiederzuerlangen. Die Wie-
dereinbürgerung sei ihm jedoch im November 1993 verweigert worden. Zu
diesem Zeitpunkt habe er sich wieder in Rumänien aufgehalten, wohin er
im Oktober 1993 nach einer Verurteilung in Kanada zu einer Freiheitsstrafe
von 7 Jahren und 4 Monaten und Verbüssung von 4 Jahren zurückgeführt
worden sei.
C.
Nach Aufenthalten in Deutschland, Rumänien, Frankreich und zuletzt in
Italien gelangte der Beschwerdeführer am 22. Januar 2006 in die Schweiz
und ersuchte am Folgetag um Asyl. Das Asylgesuch wurde mit Verfügung
vom 2. März 2006 des damaligen Bundesamts für Migration (BFM; seit
dem 1. Januar 2015 SEM) unter gleichzeitiger Anordnung einer vollziehba-
ren Wegweisung abgelehnt (Akten des SEM, Unterdossier A [SEM-act. A]
21).
Im Rahmen dieses Verfahrens reichte der Beschwerdeführer die Kopie ei-
nes am 27. Juni 2001 in Rumänien ausgestellten und bis zum 26. Juni 2003
gültigen rumänischen «PAŞAPORT PENTRU PERSOANE FĂRĂ
CETĂȚENIE / PASSPORT NON CITIZEN PERSON / PASSPORT POUR
PERSONNES SANS CITOYENNETE» (Pass für Personen ohne Staats-
angehörigkeit) zu den Akten.
D.
Am 1. Oktober 2006 scheiterte der Vollzug der Wegweisung nach Rumä-
nien, weil die rumänischen Behörden dem Beschwerdeführer die Einreise
verweigerten. Der Beschwerdeführer kehrte am 2. Oktober 2006 in die
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Schweiz zurück und reichte am 6. Oktober 2006 ein zweites Asylgesuch
ein, welches das damalige BFM nicht entgegennahm. Zwischen dem
2. Oktober 2006 und dem Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung im März 2019
hielt sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen in der Schweiz auf, ohne
über einen rechtlichen Status zu verfügen, der ihn dazu berechtigt hätte.
E.
Am 7. März 2008 stellte der Beschwerdeführer ein erstes Gesuch um An-
erkennung der Staatenlosigkeit (Akten des SEM, Unterdossier B
[SEM-act. B] 1). Abklärungen des damaligen BFM ergaben jedoch, dass
der Beschwerdeführer entgegen seinen Angaben bei der rumänischen Bot-
schaft in Bern keinen Antrag auf Wiedererlangung des rumänischen
Staatsbürgerrechts gestellt hatte. Er hatte sich lediglich über die entspre-
chenden Voraussetzungen erkundigt. Das BFM lehnte daher das Gesuch
des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 17. Oktober 2008 ab (SEM-act.
B12). Die Verfügung blieb unangefochten und erwuchs in Rechtskraft.
F.
Mit Eingabe vom 11. September 2010 ersuchte der Beschwerdeführer das
BFM, seine ablehnende Verfügung betreffend Anerkennung der Staatenlo-
sigkeit vom 17. Oktober 2008 in Wiedererwägung zu ziehen (Akten des
SEM, Unterdossier C [SEM-act. C] 1). Mit Schreiben vom 12. April 2011
teilte das BFM dem Beschwerdeführer mit, er habe keine neuen erhebli-
chen Tatsachen oder Beweismittel vorgebracht, die eine Änderung der Ver-
fügung vom 17. Oktober 2008 rechtfertigen würden. Zwischenzeitlich habe
er sich lediglich weiter erkundigt, welche Schritte für die Wiedererlangung
der rumänischen Staatsangehörigkeit erforderlich seien (SEM-act. C2).
G.
Mit Eingabe vom 9. November 2016 ersuchte der Beschwerdeführer durch
seinen mittlerweile beigezogenen Rechtsvertreter ein weiteres Mal um An-
erkennung der Staatenlosigkeit (Akten des SEM, Unterdossier D
[SEM-act. D] 1). Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der
Beschwerdeführer habe alles Zumutbare unternommen, um die im Jahr
1988 aufgegebene rumänische Staatangehörigkeit wiederzuerlangen.
Nach längerer Korrespondenz, in deren Rahmen ein vom 18. April 2017
datiertes handschriftliches Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederer-
langung des rumänischen Staatsbürgerrechts zu den Akten gereicht
wurde, das dieser gleichentags persönlich bei der rumänischen Botschaft
in Bern eingereicht hatte (Beilage 4 zu SEM-act. D8, Beilage zu
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SEM-act. D12), lehnte die Vorinstanz mit Verfügung vom 29. Januar 2018
die Anerkennung der Staatenlosigkeit ab (SEM-act. D29).
Zur Begründung wirft die Vorinstanz die Frage auf, ob sich der Beschwer-
deführer überhaupt auf das Übereinkommen vom 28. September 1954
über die Rechtsstellung von Staatenlosen (Staatenlosen-Übereinkommen,
StÜ, SR 0.142.40) berufen könne, denn er habe das rumänische Staats-
bürgerrecht freiwillig abgelegt. Die Frage lässt sie jedoch offen, da der Be-
schwerdeführer erst am 18. April 2017 förmlich um eine Wiederaufnahme
in das rumänische Staatbürgerrecht nachgesucht habe und nicht hinrei-
chend nachgewiesen werde, dass eine Wiedereinbürgerung ausgeschlos-
sen sei. Das Gesuch sei daher abzuweisen.
H.
Gegen die vorgenannte Verfügung legte der Beschwerdeführer am
27. Februar 2018 durch seinen Rechtsvertreter Rechtsmittel beim Bundes-
verwaltungsgericht ein (Akten des BVGer [Rek-act.] 1). Er beantragte de-
ren Aufhebung und seine Anerkennung als Staatenloser. Im Übrigen er-
suchte er um Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege in Gestalt der Be-
freiung von den Verfahrenskosten und unentgeltlicher Rechtsverbeistän-
dung.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 29. März 2018 lehnte das Bundesverwal-
tungsgericht die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab
(Rek-act. 7).
J.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 8. Mai 2018 die Ab-
weisung der Beschwerde (Rek-act. 12).
K.
Mit Replik vom 13. Juli 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinem Rechts-
mittel fest. Gleichzeitig ersuchte er erneut um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege (Rek-act. 16).
L.
Mit Eingabe vom 19. Dezember 2018 orientierte der Beschwerdeführer das
Bundesverwaltungsgericht über weitere Bemühungen, das rumänische
Staatsbürgerrecht wiederzuerlangen (Rek-act. 18).
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M.
Mit Instruktionsverfügung vom 1. Februar 2019 gelangte das Bundesver-
waltungsgericht an den Beschwerdeführer und verlangte von ihm nähere
Aufschlüsse zum Sachverhalt (Rek-act. 19). Dieser Aufforderung kam der
Beschwerdeführer am 20. Februar 2019 nach (Rek-act. 20).
N.
Mit einer weiteren Eingabe vom 9. Mai 2019 setzte der Beschwerdeführer
das Bundesverwaltungsgericht über den weiteren Fortgang des Verfahrens
auf Wiedererlangung des rumänischen Staatsbürgerrechts in Kenntnis, zu
dessen Handen er der rumänischen Botschaft eine Kopie der frisch erteil-
ten Aufenthaltsbewilligung übergeben hatte (Rek-act. 21).
O.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM betreffend Anerkennung der Staatenlosigkeit
unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31 ff.
VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Recht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4
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VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Art. 1 Abs. 1 StÜ hält fest, dass im Sinne des Übereinkommens eine
Person dann staatenlos ist, wenn kein Staat sie auf Grund seiner Gesetz-
gebung (im englischen bzw. französischen Originaltext: "under the opera-
tion of its law", "par application de sa législation") als seinen Angehörigen
betrachtet. Staatenlosigkeit bedeutet nach dieser Begriffsumschreibung
das Fehlen der rechtlichen Zugehörigkeit zu einem Staat (sog. "de iure"-
Staatenlose). Das Abkommen bezieht sich dagegen nicht auf Personen,
die zwar formell noch eine Staatsangehörigkeit besitzen, deren Heimat-
staat ihnen aber keinen Schutz mehr gewährt (sog. "de facto"-Staatenlose;
vgl. YVONNE BURCKHARDT-ERNE, Die Rechtsstellung der Staatenlosen im
Völkerrecht und Schweizerischen Landesrecht, 1977, S. 1 ff. m.H.; BGE
115 V 4 E. 2b; Urteil des BGer 2C_661/2015 vom 12. November 2015
E. 3.1 m.H.; BVGE 2014/5 E. 4.1 m.H.).
3.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine Person nur
dann als staatenlos angesehen werden, wenn sie sich das Fehlen der
Staatsangehörigkeit nicht zurechnen lassen muss. Dies ist der Fall, wenn
sie noch nie über eine Staatsangehörigkeit verfügt beziehungsweise eine
frühere ohne ihr Zutun verloren hat und es ihr nicht möglich ist, eine Staats-
angehörigkeit zu erwerben beziehungsweise wiederzuerwerben. Wird eine
Staatsangehörigkeit freiwillig abgelegt oder unterlässt es die betreffende
Person ohne triftigen Grund, sie zu erwerben oder wieder zu erwerben,
verdient dieses Verhalten keinen Schutz (vgl. statt vieler: Urteile des BGer
2C_1012/2018 vom 29. Januar 2019 E. 3.4; 2C_661/2015 vom 12. Novem-
ber 2015 E. 3.1; 2C_621/2011 vom 6. Dezember 2011 E. 4.2; 2C_1/2008
vom 28. Februar 2008 E. 3.2; je m.H.). Damit wird verhindert, dass der
Status der Staatenlosigkeit den ihm im Übereinkommen zugedachten Auf-
fang- und Schutzcharakter verliert und zu einer Sache der persönlichen
Präferenz wird. Es kann nicht Sinn und Zweck des Staatenlosen-Überein-
kommens sein, die Staatenlosen gegenüber den Flüchtlingen, deren Sta-
tus sich nicht nach dem Willen der Betroffenen richtet, besser zu stellen,
zumal die Völkergemeinschaft seit langem versucht, die Zahl der Staaten-
losen zu reduzieren. Das Staatenlosen-Übereinkommen ist nicht geschaf-
fen worden, damit Einzelne nach Belieben eine privilegierte Rechtsstellung
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erwirken können. Es soll ausschliesslich Menschen helfen, die ohne ihr Zu-
tun in eine Notlage geraten (Urteile des BGer 2C_36/2012 E. 3.2; 2C_763/
2008 vom 26. März 2009 E. 3.2; je m.H.; vgl. zum Ganzen BVGE 2014/5).
3.3 Das Verfahren zur Anerkennung der Staatenlosigkeit ist im schweizeri-
schen Recht nicht spezialgesetzlich geregelt und daher nach den allgemei-
nen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen zu führen. Es gilt demzufolge die
Untersuchungsmaxime, wonach die Behörde den rechtserheblichen Sach-
verhalt von Amtes wegen festzustellen und sich nötigenfalls der gesetzlich
vorgesehenen Beweismittel zu bedienen hat (Art. 12 VwVG). Diese Ma-
xime wird relativiert durch die Mitwirkungspflicht der Parteien. Zum Tragen
kommt die Mitwirkungspflicht namentlich in Verfahren, welche die Parteien
selbst einleiten beziehungsweise in welchen sie selbständige Begehren
stellen (Art. 13 Abs. 1 Bst. a und Bst. b VwVG). Sie erstreckt sich insbe-
sondere auf Tatsachen, die eine Partei besser kennt als die Behörden und
die diese ohne deren Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Auf-
wand erheben können (vgl. BGE 143 II 425 E. 5.1 m.H.).
4.
Die Anerkennung des Beschwerdeführers als Staatenloser scheitert be-
reits daran, dass er sein rumänisches Staatsbürgerrecht freiwillig abgab
und sich nach Massgabe der obenstehenden Erwägungen (Ziff. 3.2) schon
deshalb nicht auf das Staatenlosen-Übereinkommen berufen kann. Den
Akten kann nämlich entnommen werden, dass der Beschwerdeführer im
September 1988 ein Gesuch um Entlassung aus dem Staatsbürgerrecht
stellte. Diesem Ersuchen wurde von Seiten Rumäniens mit Dekret Nr. 180
vom 26. März 1990 entsprochen (Beilagen 1 und 2 zu SEM-act. D8,
SEM-act. B9). Dass der Beschwerdeführer sein Gesuch um Entlassung
aus der rumänischen Staatsangehörigkeit angeblich wegen seiner Ableh-
nung des kommunistischen Regimes und des Personenkults um den da-
maligen Machthaber Nicolae Ceaușescu stellte, vermag an diesem Ergeb-
nis nichts zu ändern.
5.
Unbeschadet der vorstehenden Erwägungen muss dem Beschwerdeführer
die Anerkennung als Staatenloser auch deshalb verweigert werden, weil
ihm möglich und zumutbar ist, sich um Wiederaufnahme in das rumänische
Staatsbürgerecht zu bemühen und den Ausgang des entsprechenden Ver-
fahrens abzuwarten.
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Seite 8
5.1 Nach eigener Darstellung ist das primäre Ziel des Beschwerdeführers
die Wiedererlangung der rumänischen Staatsangehörigkeit, die ihm alle
Rechte eines freizügigkeitsberechtigten Unionsbürgers verleihen würde.
Indessen seien seit langen Jahren alle seine Bemühungen um Wiederein-
bürgerung erfolglos geblieben. Als Ausweg aus dieser Situation biete sich
die Anerkennung als Staatenloser an. Das damit einhergehende Ausweis-
dokument würde den Weg zur Wiedererlangung des rumänischen Staats-
bürgerrechts deblockieren. Denn die rumänische Vertretung in Bern habe
ihm und seinem Rechtsvertreter unmissverständlich zu verstehen gege-
ben, dass ohne Vorlage gültiger Identitätspapiere, über die er nicht verfüge,
die Wiedererlangung der rumänischen Staatsangehörigkeit ausgeschlos-
sen sei. Die Vorlage einer Kopie seines alten rumänischen «Passport of
Non-Citizen Person» sei dabei von der rumänischen Vertretung als unge-
nügend bewertet worden. Dafür habe sie explizit einen von der Schweiz
ausgestellten «Passport of Non-Citizen Person» als ein Identitätspapier
bezeichnet, das ihm den Weg zur Wiedererlangung des rumänischen
Staatsbürgerrechts öffnen würde (Schreiben der rumänischen Vertretung
an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vom 08.11.2017 [Beilage
27 zu Rek-act. 1] und vom 13.02.2018 [Beilage 29 zu Rek-act. 1]). Das-
selbe Erfordernis gültiger Identitätspapiere gelte auch für die Erlangung ei-
ner rumänischen Geburtsurkunde, einer weiteren Voraussetzung für die
Wiedererlangung der rumänischen Staatsangehörigkeit. Die Anerkennung
als Staatenloser würde ihm somit zu einem solchen Ausweisdokument ver-
helfen und ihm zugleich nach Jahren des rechtlosen Zustands einen Status
vermitteln, der ihm gestatten würde, seine Lebenspartnerin zu heiraten und
einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz nachzugehen.
5.2 Dem ist mit der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass sich der Beschwer-
deführer – wenn überhaupt – jahrelang nur unverbindlich über die Voraus-
setzungen zur Erlangung des rumänischen Staatsbürgerrechts erkundigt
hat. Anderslautende Vorbringen sind unbelegte Behauptungen oder nach-
weislich falsch, wie der Beschwerdeführer mit Hinweis auf Irrtum bezie-
hungsweise Verständnisprobleme auch schon selbst einräumte (vgl. Ak-
tennotiz der Migrationsbehörde des Kantons Zürich vom 26.09.2007
[ZH-act. 53/134], Schreiben der Migrationsbehörde des Kantons Zürich an
das BFM vom 30.01.2008 [57/139], Schreiben der rumänischen Vertretung
an das BFM vom 08.08.2008 [SEM-act. B9], Stellungnahme des Be-
schwerdeführers vom 19.09.2008 [SEM-act. B11], handschriftlicher Ver-
merk der rumänischen Vertretung vom 13.04.2010 [Beilage 1 zum Wieder-
erwägungsgesuch des Beschwerdeführers vom 20.08.2010 [SEM-act. C1],
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Email der rumänischen Behörden an das BFM vom 28.07.2014 [unpagi-
niert im Unterdossier «Rückübernahmegesuch an Rumänien» der vor-
instanzlichen Akten]). Der polizeilichen Zuführung zu einem von der Migra-
tionsbehörde des Kantons Zürich organisierten, unter seiner Mitwirkung
auf den 20. Oktober 2014 angesetzten Vorsprachetermin bei der rumäni-
schen Vertretung in Bern konnte er sich durch zeitweiliges Untertauchen
entziehen (vgl. ZH-act. 125/333, 126/335, 128/338 und 133/346). Erst am
18. April 2017, anlässlich einer persönlichen Vorsprache bei der rumäni-
schen Vertretung in Bern, stellte er in der von der Vertretung verlangten
Form ein Gesuch um Wiedererlangung der rumänischen Staatsangehörig-
keit. Das Verfahren ist nach wie vor hängig, wie dem Gesuch des Be-
schwerdeführers um Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung vom
28. Februar 2020 entnommen werden kann (Akten der Migrationsbehörde
des Kantons St. Gallen [SG-act.] 171). Es kann im Übrigen auch nicht ohne
Weiteres angenommen werden, dass der Beschwerdeführer vor seiner
Einreise in die Schweiz jemals um Wiedereinbürgerung ersucht hatte. Die
entsprechenden Behauptungen blieben ohne jeden Beleg.
5.3 Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen, das rumänische
Staatsbürgerrecht wiederzuerlangen, werden durch ein weiteres Element
gestützt: Der Beschwerdeführer machte wiederholt darauf aufmerksam,
dass die rumänische Vertretung die Kopie seines abgelaufenen rumäni-
schen Reisepasses für Personen ohne Staatsangehörigkeit nicht als Iden-
titätsnachweis im Wiedereinbürgerungsverfahren gelten lasse. Es stellt
sich die Frage nach dem Verbleib des Originals dieses Dokuments, das ein
Wiedereinbürgerungsverfahren durchaus hätte erleichtern können. Die
Aussagen des Beschwerdeführers sind in diesem Punkt höchst wider-
sprüchlich und ein klarer Anhaltspunkt dafür, dass er das Dokument den
schweizerischen Behörden in grober Verletzung seiner Mitwirkungspflich-
ten vorenthielt bzw. nach wie vor vorenthält. Anfänglich machte er nämlich
geltend, dass er das Original des Reisepasses aus Angst vor Diebstahl bei
seiner Mutter/Stiefmutter in Rumänien zurückgelassen habe. Er könne den
Ausweis nicht selbst holen und mangels Zeit und Geld könne er ihn sich
auch nicht in die Schweiz nachschicken lassen (Aussagen des Beschwer-
deführers anlässlich der Einvernahme im Empfangs- und Verfahrenszent-
rum Chiasso vom 06.02.2006, Protokoll Ziff. 13.1 [SEM-act. A1] und der
Einvernahme durch den Bund vom 24.02.2006, Antwort auf Frage 2
[SEM-act. A18]). Später behauptete er, dass seine Mutter/Stiefmutter im
März 2006 verstorben sei und er nicht wisse, wohin seine Sachen ver-
bracht worden seien (Eingabe des Beschwerdeführers vom 06.06.2008 im
ersten Verfahren auf Anerkennung der Staatenlosigkeit [SEM-act. B7]). In
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einem an die rumänische Vertretung in Bern adressiertem Gesuch um Aus-
stellung eines zeitlich befristeten Reisedokuments vom 10. April 2006
machte er jedoch geltend, dass er den Reisepass im November 2002 in
Italien verloren habe (ZH-act. 24/72). In die gleiche Richtung geht die Aus-
sage anlässlich der Einvernahme im Empfangs- und Verfahrenszentrum
Basel vom 16.10.2006. Auch bei dieser Gelegenheit behauptete der Be-
schwerdeführer, er habe den Reisepass verloren (Ziff. 13.1 des Befra-
gungsprotokolls, unpaginiert im Unterdossier des nicht entgegengenom-
menen 2. Asylgesuchs der vorinstanzlichen Akten).
5.4 Sodann hat das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer be-
reits mit Zwischenverfügung vom 29. März 2018 mitgeteilt, es sei nicht
nachvollziehbar, dass die Anerkennung der Staatenlosigkeit durch die
Schweiz und die Ausstellung eines entsprechenden Reisepapiers unab-
dingbare Voraussetzung für die Wiedererlangung des rumänischen Staats-
bürgerrechts seien (Rek-act. 7). Die rumänische Vertretung verlange, so-
weit ersichtlich, nur einen Identitätsausweis, der durchaus auch in Form
eines schweizerischen Reiseersatzdokumentes nach Art. 6 Abs. 1 der Ver-
ordnung vom 14. November 2012 über die Ausstellung von Reisedoku-
menten für ausländische Personen (RDV, SR 143.5) bestehen könnte.
Diese Annahme wurde im Übrigen durch ein späteres Schreiben der rumä-
nischen Vertretung an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vom
26. Oktober 2018 (Beilage 4 zu Rek-act. 18) bestätigt. Das Bundesverwal-
tungsgericht erinnerte in der genannten Zwischenverfügung daran, dass
gegen den Beschwerdeführer eine rechtskräftige asylrechtliche Wegwei-
sung bestehe, die wegen des aufgegebenen rumänischen Staatsbürger-
rechts bis anhin nicht habe vollzogen werden können. Der Beschwerdefüh-
rer wandte sich in der Folge tatsächlich mit einem entsprechenden Gesuch
an die Vorinstanz und verband es mit einem Gesuch um vorläufige Auf-
nahme (Beilagen 1 bis 3 zu Rek-act. 18), liess das Ganze aber bei einer
abschlägigen Rechtsauskunft des SEM bewenden, die ihm mit Schreiben
vom 12. Dezember 2018 erteilt wurde (Beilage 5 zu Rek-act. 18). Er ver-
zichtete insbesondere darauf, eine anfechtbare Verfügung zu verlangen.
Auf Anfrage des Bundesverwaltungsgerichts teilte sein Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 20. Februar 2019 mit, die Ausführungen des SEM seien der-
massen «einleuchtend», dass er sich nicht vorstellen könne, wie er eine
entsprechend begründete Verfügung hätte anfechten sollen. Nach Rück-
sprache mit dem Beschwerdeführer sei daher auf weitere Schritte verzich-
tet worden. Das Bestehen auf einer Verfügung und die Einreichung eines
Rechtsmittels hätten geradezu querulatorischen Charakter gehabt und zu
einer unnötigen Mehrbelastung der ohnehin notorisch überlasteten, mit der
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Sache befassten Stellen geführt. Diese Vorgehensweise und die kritiklose
Übernahme eines durchaus diskutablen behördlichen Rechtsstandspunkts
ist angesichts des vom Bundesverwaltungsgericht selbst ausgegangenen
Lösungsvorschlags erstaunlich und deutet ebenfalls darauf hin, dass es
dem Beschwerdeführer, jedenfalls zum damaligen Zeitpunkt, mit der De-
blockierung des rumänischen Wiedereinbürgerungsverfahrens nicht be-
sonders ernst war.
5.5 Abschliessend ist festzustellen, dass der vom Beschwerdeführer be-
klagte «rechtlose» Zustand in der Schweiz, dem er mit der Anerkennung
als Staatenloser begegnen wollte, bald nach der Einleitung des vorliegen-
den Rechtsmittelverfahrens eine radikale Wendung zu seinen Gunsten er-
fuhr und zwar ohne dass er zuvor als Staatenloser anerkannt worden wäre.
Im März 2019 erhielt er mit Zustimmung des SEM vom Kanton St. Gallen
eine Aufenthaltsbewilligung wegen eines schwerwiegenden persönlichen
Härtefalls. Damit ist er grundsätzlich zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit
berechtigt. Eine Kopie der Aufenthaltsbewilligung nahm die rumänische
Vertretung in Bern als Identitätsnachweis zuhanden des hängigen rumäni-
schen Wiedereinbürgerungsverfahrens entgegen (Eingabe des Rechtsver-
treters vom 09.05.2019, Rek-act. 21). Am 17. Januar 2020 heiratete der
Beschwerdeführer seine langjährige Lebenspartnerin, die Schweizer Bür-
gerin D._. Seit diesem Zeitpunkt verfügt er gestützt auf Art. 42 Abs.
1 AIG (SR 142.20) über einen Anspruch auf Erteilung und Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung. In diesem Zusammenhang ist nebenbei zu er-
wähnen, dass es dem Beschwerdeführer im ausländerrechtlichen Bewilli-
gungsverfahren möglich war, innert knapp vier Monaten eine rumänische
Geburtsurkunde erhältlich zu machen, obschon er solches im Verfahren
auf Anerkennung der Staatenlosigkeit mangels Identitätsausweises als un-
möglich dargestellt hatte (Eingabe des Beschwerdeführers vom
20.07.2018 und deren Beilage 9 an die Migrationsbehörde des Kantons
St. Gallen [SG-act. 118/388] und seine Beschwerdeeingabe an das Sicher-
heits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen vom 10.09.2018). So-
weit dem Bundesverwaltungsgericht bekannt ist, verfügt der Beschwerde-
führer zwar nach wie vor nicht über ein Reisedokument. Er hat jedoch die
Möglichkeit, einen Pass für eine ausländische Person zu beantragen. Dies
zwar nicht gestützt auf Art. 4 Abs. 1 RDV in Verbindung mit Art. 59 Abs. 2
Bst. b AIG als Staatenloser, wie er es erfolglos versucht hat (Gesuch des
Beschwerdeführers vom 02.06.2020 und abschlägige Auskunft des SEM
vom 10.06.20, beides unpaginiert im Unterdossier «Schweizerische Reise-
dokumente» der vorinstanzlichen Akten]), sondern gestützt auf Art. 4
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Seite 12
Abs. 2 Bst. a RDV in seiner Eigenschaft als womöglich schriftenlose aus-
ländische Person mit Aufenthaltsbewilligung. Es ist nichts ersichtlich, was
es rechtfertigen würde, dem Entscheid der zuständigen rumänischen Be-
hörde über die Wiedereinbürgerung des Beschwerdeführers vorzugreifen.
6.
Die Verfügung der Vorinstanz ist somit im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu
beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
Der Beschwerdeführer hat bereits mit seiner Rechtsmitteleingabe vom
27. Februar 2018 ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mit Kosten-
befreiung und unentgeltlicher Rechtsverbeiständung nach Art. 65 Abs. 1
und 2 VwVG gestellt. Dieses wurde mit Zwischenverfügung des Bundes-
verwaltungsgerichts vom 29. März 2018 wegen Aussichtslosigkeit des
Rechtsmittels abgewiesen. Mit Replik vom 13. Juli 2018 erneuerte der Be-
schwerdeführer sein Ersuchen. Für eine andere Bewertung besteht indes-
sen kein Anlass. Wie den vorstehenden Erwägungen entnommen werden
kann, ist die Beschwerde nach wie vor als aussichtslos zu beurteilen. Das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist demzufolge
erneut abzuweisen, und die Kosten sind entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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