Decision ID: 290598c1-b33b-44f1-b6bb-5a66cbb0e9f4
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 07.06.2013 Art. 43 i.V.m. Art. 28 ATSG. Art. 59 Abs. 5 IVG Würdigung ärztlicher Berichte, Notwendigkeit medizinischer Reevaluation trotz Observationsergebnisse und laufender Strafuntersuchung. Die Ergebnisse einer zulässigen Observation sowie Sachverhaltskenntnisse einer laufenden Strafuntersuchung können geeignet sein, erhebliche Zweifel an vorherigen medizinischen Beurteilungen aufkommen zu lassen, vermögen jedoch in aller Regel eine erneute medizinische Beurteilung nicht zu ersetzen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Juni 2013, IV 2010/449).
Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und
Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Sibylle Betschart
Entscheid vom 7. Juni 2013
in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1978, meldete sich am 11. Juni 2008 für berufliche Integration/
Rente bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Er gab an, unter ADS, Panikanfällen,
Gedächtnisbeeinträchtigung, zwanghaftem Verhalten, Phobien, Paranoia sowie
Problemen mit Zahlen und Buchstaben zu leiden ("stehe stets unter Druck"). Einen
behandelnden Arzt nannte er nicht, wies aber darauf hin, er habe bis jetzt Hemmungen
gehabt, möchte sich aber künftig behandeln lassen. Er sei als Hilfsarbeiter temporär bei
B._, im Einsatz (IV-act. 1-1 ff.).
A.b Im Fragebogen für Arbeitgebende berichtete B._ am 4. Juli 2008, der
Versicherte sei als Hilfsmonteur (Heizungen) vollzeitlich eingesetzt worden. Mit
geistiger Arbeit habe er Mühe gehabt; körperlich sei er sehr trainiert und belastbar
gewesen ("kerngesund", IV-act. 17-1 ff.).
A.c Im Bericht vom 7. Juli 2008 wurde vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD) Ostschweiz ausgeführt, am 30. Juni 2008 habe eine RAD-Untersuchung statt
gefunden. RAD-Arzt Dr. med. C._ diagnostizierte den Verdacht auf Angststörung mit
sozialphobischen und klaustrophobischen Zügen (ICD-10 F41.1), den Verdacht auf
posttraumatische Belastungsstörung bzw. Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F43.1,
F62.0) sowie den Verdacht auf Intelligenzminderung (ICD-10 F70) und attestierte in
einer Hilfsarbeitstätigkeit "in einem wohlwollenden Arbeitsumfeld mit geringerem
zwischenmenschlichem Konfliktpotential" eine 80-100 %ige Arbeitsfähigkeit. Die Be
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einträchtigung könnte durch die Konzentrationsstörung wegen der zu vermutenden
Intelligenzminderung bedingt sein. Aufgrund der psychischen Probleme habe der Ver
sicherte Schwierigkeiten, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden; es sei von ihm zu
fordern, dass er sich in psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung begebe
(IV-act. 12-1 ff.).
A.d Am 25. September 2008 berichtete der Berufsberater der IV-Stelle über die IQ-
Testung vom 18. und 25. September 2008. Beide Teste mussten aufgrund von Enge
gefühl, trockenem Mund, Unwohlsein, totaler Verkrampfung sowie zeitweilig geistiger
Abwesenheit des Versicherten abgebrochen werden. Daher konnten die erhobenen
Testbefunde nicht verwertet werden (IV-act. 21-1 ff.).
A.e Am 9. Februar 2009 erstatteten die Ärzte des D._ zuhanden der IV-Stelle einen
Arztbericht. Sie diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht
auf Intelligenzminderung, einen Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung bzw.
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung sowie einen Verdacht auf
Angststörung mit soziophobischen und klaustrophobischen Zügen. Der Versicherte sei
aktuell einer ambulanten (psychiatrisch/psychotherapeutischen) Behandlung, welche
auch die Diagnostik weiter voranbringen könnte, nicht zuführbar. Es wurde eine seit
27. Juli 2008 bis auf Weiteres bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit im Beruf des
Hilfsarbeiters bescheinigt (IV-act. 27-2 ff.).
A.f Am 20. August 2009 erstattete die E._ AG, einen Arbeitgeberbericht (IV-act.
48-1 ff.). Darin wird ausgeführt, dass der Versicherte vom 1. Juli 1998 bis 5. Mai 2006
als Materialaufbereiter im Unternehmen im Pensum von 30 Stunden pro Woche
(Schichtbetrieb) tätig war. Da der Versicherte den gestiegenen Anforderungen nicht
mehr gewachsen gewesen sei und nicht mehr in Nachtschicht habe arbeiten wollen,
sei das Arbeitsverhältnis von der Arbeitgeberin aufgelöst worden. Seine Einstellung zur
Firma und zur Arbeit habe nicht gestimmt.
A.g Im Schreiben vom 23. November 2009 (IV-act. 49-1) führte die ehemalige
Arbeitgeberin aus, der Versicherte habe gemäss beigelegter Bescheinigung des
Militärkommandos F._ in G._ (IV-act. 49-2) vom 20. Dezember 1996 bis
19. Dezember 1997 den obligatorischen Militärdienst bei der Armee absolviert.
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Während seiner Anstellung ab 1998 habe der Versicherte gesundheitliche Probleme
infolge des Militärdienstes nie erwähnt.
A.h Die IV-Stelle erteilte der H._ GmbH mit Schreiben vom 12. Dezember 2009 den
Auftrag zur Überwachung des Versicherten, da aufgrund des letzten
Arbeitgeberberichts diverse Inkonsistenzen festgestellt und bei der Diagnose aus
schliesslich auf die Angaben des Versicherten abgestellt worden sei (IV-act. 50-1 ff.). In
der Folge wurde der Versicherte vom 28. Dezember 2009 bis zum 7. Februar 2010
observiert. Die Ergebnisse wurden im Observationsbericht festgehalten (IV-act. 70-1
ff.).
A.i Mit Entscheid der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 16. März 2010
(IV-act. 57-1 ff.) wurde den Akteneditionsersuchen der IV-Stelle vom 5. Januar 2010
(IV-act. 51-1) und vom 12. Februar 2010 (IV-act. 56-1 f.) in einer rechtskräftig abge
schlossenen Strafsache gegen den Versicherten entsprochen. Den entsprechenden
Akten ist zu entnehmen, dass der Versicherte mit Entscheid des Einzelrichters des
Kreisgerichts I._ vom 7. Oktober 2009 der groben Verletzung von Verkehrsregeln und
des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerscheins für schuldig erklärt
wurde.
A.j Mit Schreiben vom 5. Mai 2010 (IV-act. 63-1 f.) reichte der Rechtsvertreter des
Versicherten den Bericht von Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychologie
FMH, vom 4. Mai 2010 (IV-act. 64-1 f.) ein. Dr. J._, bei dem der Versicherte seit dem
10. Februar 2010 in psychiatrischer Behandlung stand, diagnostizierte eine paranoide
Schizophrenie (ICD-10 F20.0) und einen Verdacht auf posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und attestierte eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit (IV-
act. 64-1 f.).
A.k Am 19. Mai 2010 gab Dr. C._ vom RAD eine interne medizinische Stellung
nahme betreffend die Observation ab (IV-act. 66-1 ff.). Er führte zusammenfassend aus,
das in der Observation beobachtete Verhalten stehe im Widerspruch zu den Erkennt
nissen, die aufgrund der medizinischen Abklärungen gezogen worden seien, und lasse
sich nicht mit den von dem Versicherten berichteten und präsentierten psychischen
Beeinträchtigungen in Einklang bringen. Insgesamt müsse damit festgestellt werden,
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dass die bis anhin durchgeführten medizinischen Abklärungen nicht aussagekräftig
seien und offensichtlich ein Bild wiedergäben, das nicht dem beobachtbaren
Funktionsniveau ausserhalb einer ärztlichen Abklärungssituation entspreche (IV-act.
66-3).
A.l Am 18. Juni 2010 fand eine Befragung des Versicherten, anlässlich welcher er
auch mit den Observationsergebnissen konfrontiert wurde, statt. Der Inhalt der
Befragung wurde im gleichentags erstellten Gesprächsprotokoll der IV-Stelle schriftlich
festgehalten (IV-act. 69-1 ff.).
A.m Mit Vorbescheid vom 12. Juli 2010 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 75-1 ff.).
A.n Dagegen liess der Versicherte am 8. Oktober 2010 Einwand erheben. Er
beantragte eine Invalidenrente, basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 %,
eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten (IV-act. 78-1
ff.).
A.o Mit Verfügung vom 14. Oktober 2010 lehnte die IV-Stelle den Antrag des Ver
sicherten auf eine Invalidenrente ab. Der Versicherte habe durch sein Verhalten die
medizinischen Abklärungen manipuliert und verfälscht. Es müsse davon ausgegangen
werden, dass dies bei weiteren Abklärungen ebenfalls der Fall wäre. Aufgrund der Ab
klärungsergebnisse sei es dem Versicherten möglich, ein Renten ausschliessendes
Einkommen zu erzielen (IV-act. 81-1 ff.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die am 15. November 2010 erhobene Be
schwerde, in der beantragt wird, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es
sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente, basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 100 %, auszurichten. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten. Zur Begründung wird im
Wesentlichen ausgeführt, dass der Beschwerdeführer in seiner schulischen und
beruflichen Entwicklung bereits lange vor der Anmeldung zum Bezug einer
Invalidenrente Auffälligkeiten aufgewiesen habe. Zu berücksichtigen sei im Weiteren,
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dass der Beschwerdeführer durch sein Militärdienstleisten in seiner Heimat von
Dezember 1996 bis Dezember 1997 das Kriegsgeschehen hautnah habe miterleben
müssen bzw. er in dieses direkt involviert gewesen sei. Angesichts des Umstandes,
dass bis zur durchgeführten Observation immer davon ausgegangen worden sei, beim
Beschwerdeführer würden erheblichste psychische Probleme vorliegen, mute es doch
seltsam an, dass gleich mehrere Ärzte und Stellen vom Verhalten des
Beschwerdeführers sich derart hätten täuschen lassen sollen, dass sie zu einer völlig
falschen Einschätzung gelangt seien. Nachvollziehbar sei vielmehr, dass der
Beschwerdeführer, der bereits als Kind an Auffälligkeiten gelitten habe, durch die
Leistung seines Militärdienstes einer weiteren Verstärkung dieser psychischen
Belastung ausgesetzt gewesen sei und damit eine Verschlechterung seines
Gesundheitszustandes erlitten habe. Der Beschwerdeführer setze im Übrigen alles
daran, ein "normales" Leben zu führen und würde sich selbst zwingen, gewisse Orte
allein aufzusuchen. Allein gestützt auf die Observation könne und dürfe deshalb nicht
davon ausgegangen werden, dass die vom Beschwerdeführer geschilderten
Beschwerden und Einschränkungen in seinem alltäglichen Leben nicht vorliegen
würden. Zudem könne und dürfe bei der Einschätzung des RAD, welcher der IV-Stelle
angegliedert sei bzw. der IV-Stelle sehr nahe stehe, nicht von einer objektiven
Einschätzung ausgegangen werden. Die Beschwerdegegnerin sei gemäss dem Unter
suchungsgrundsatz schliesslich verpflichtet, vor Erlass einer Verfügung alle für einen
Leistungsanspruch erforderlichen Abklärungen von sich aus einzuleiten und durchzu
führen (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 24. Februar 2011 beantragt die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen
aus, die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers sei massiv erschüttert: Wie bereits
in der angefochtenen Verfügung dargelegt, sei es schon von der zeitlichen Abfolge
her kaum möglich, dass der Beschwerdeführer überhaupt in kriegerische Ereignisse
involviert worden sei. Ein erster Polizeieinsatz gegen die K._ sei erst im Februar 1998
erfolgt, also nach dem Ausscheiden des Beschwerdeführers aus dem Militärdienst, und
erst noch durch die Polizei und nicht durch die Armee. Der Beschwerdeführer sei den
Fragen zum Thema der Kriegserlebnisse mit der Begründung ausgewichen, er rede
nicht gerne darüber. Bezeichnend sei, dass der Beschwerdeführer auch in seiner
Eingabe keine plausible Schilderung der Vorkommnisse beibringe. Bezüglich des
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Unfalls seiner Mutter – ein weiteres von ihm genanntes traumatisierendes Ereignis –
ergäben sich aus den Akten keine Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer als
Zeuge anwesend gewesen sei. Am 30. Juni 2008 habe Dr. C._ den
Beschwerdeführer untersucht und wegen der diffusen Beschwerden nur Verdachts
diagnosen erheben können. Er habe in seiner Beurteilung festgehalten, in einem ge
eigneten Umfeld sei der Beschwerdeführer 80-100 % arbeitsfähig. Bei seiner später
attestierten 100 %ige Arbeitsunfähigkeit habe Dr. C._ sich ausschliesslich auf die
Beurteilung von med. pract. M._ des D._ gestützt. Letzterer habe seinerseits
feststellen müssen, dass der Beschwerdeführer keine weiteren Angaben gemacht und
sich regelmässig vorzeitig aus der Therapiesitzung entfernt habe. Diese Situation sei
zweifellos eine unsichere Basis für eine zuverlässige Beurteilung. Entsprechend seien
Beobachtungen aus dem Leben gut geeignet, die medizinische Einschätzung zu
verifizieren bzw. allenfalls zu entkräften. Vor dem Hintergrund des im realen Leben zu
beobachtenden Funktionsniveaus müsse davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer in der Therapie Theater gespielt und dieses mühselige Spiel jeweils
vorzeitig abgebrochen habe. Die Annahme einer Vortäuschung einer psychischen
Erkrankung sei naheliegend. Dadurch würde erklärbar, warum das Beschwerdebild
diagnostisch schwer einzuordnen sei, der Beschwerdeführer die Erhebung der
Fremdanamnese verhindert und keine Therapiecompliance gezeigt habe (act. G 6).
B.c Am 21. März 2011 erstattet der Beschwerdeführer Replik. Er verweist auf den mit
der Replik eingereichten Bericht von Dr. med. M. L._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 21. Februar 2011 über eine konsiliarische Untersuchung des
Beschwerdeführers vom 20. Januar und 10. Februar 2011. Darin wird ein Verdacht auf
eine undifferenzierte schizophrene Störung diagnostiziert mit paranoiden, hebephrenen
zoenästhetischen Anteilen sowie Residualsymptomatik; differentialdiagnostisch gibt Dr.
L._ eine schwere dissoziative Störung an im Sinn eines "Ganser-Syndroms" (ICD 10
F44.80, act. G 8.1). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht bezüglich den
Ausführungen in der Beschwerdeantwort im Wesentlichen geltend, es mute seltsam an,
dass gleich eine ganze Reihe anerkannter Fachärzte nach einer persönlichen Unter
suchung des Beschwerdeführers und nach mit ihm geführten Gesprächen zu einer dia
metral anderen Einschätzung bezüglich des Arbeitsfähigkeitsgrades gelangten als die
Beschwerdegegnerin. Zudem habe der Beschwerdeführer gegenüber Dr. L._ genau
dargelegt, welche Bilder ihn verfolgen würden und wann er mit diesen Bildern zu
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kämpfen habe. Durch die vorliegenden Akten und den Bericht von Dr. L._ sei hin
reichend erstellt, dass der Beschwerdeführer keinesfalls "Theater spiele", sondern
offensichtlich an einer schweren psychischen Störung leide (act. G 8).
B.d Am 11. April 2011 erstattet die Beschwerdegegnerin Duplik. Sie führt aus, dass
sich der Bericht von Dr. L._ vom 21. Februar 2011 nicht auf die Akten stütze und sich
demnach auch nicht mit den Observationsergebnissen sowie der medizinischen Be
urteilung durch den RAD auseinandersetze. Der Bericht belege die diagnostische Hilf
losigkeit, mit der die Ärzte die vermeintliche Krankheit einzuordnen versuchten. Neu
sei, dass der Beschwerdeführer versuche, den behaupteten Traumafolgen ein Gesicht
zu geben; er umschreibe angebliche Schreckbilder, die ihm immer wieder vor Augen
treten würden. Damit bleibe der Beschwerdeführer in einem vagen, nicht überprüfbaren
Bereich. Die widersprüchlichen Ausführungen des Beschwerdeführers würden kritiklos
als formale Denkstörungen interpretiert. Dr. L._ setze sich im Weiteren nicht mit dem
Problem auseinander, dass der angeblich an einer Angststörung leidende und das
Haus kaum verlassende Beschwerdeführer seine Kollegen zu einem Einbruch gefahren
habe. Ein Unterfangen, das zwangsläufig mit Stress verbunden sei und schon für einen
normal konstituierten Menschen etwas Bedrohliches haben müsse. Dass sich ein
Mensch, der an einer Angststörung leide, freiwillig in eine solche Lage bringe, könne
eigentlich ausgeschlossen werden. Aus dem Bericht gehe aber nicht hervor, dass der
Arzt, welcher die Symptome nicht als aggravierend darstelle, versucht hätte, die
geschilderten Beschwerden methodisch zu validieren. Aggravation könne daher gerade
nicht ausgeschlossen werden. Demnach fehle dem Bericht jede Überzeugungskraft
(act. G 10).
B.e Mit Schreiben vom 8. September 2011 ersucht die Beschwerdegegnerin um Ver
fahrenssistierung und um zur gegebener Zeit vorzunehmenden Beizug der Akten beim
Untersuchungsamt N._, da gegen den Beschwerdeführer ein Strafverfahren eröffnet
worden sei (act. G 12).
B.f Mit Schreiben vom 4. Oktober 2011 (act. G 14) verweist der Beschwerdeführer
auf den beigelegten "provisorischen" Bericht der Klinik O._ vom 23. September 2011
(act. G 14.1) und führt im Wesentlichen aus, gestützt auf diesen Bericht sei die
Beschwerde ohne weiteres gutzuheissen, weshalb kein Anlass für eine Sistierung
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bestehe. Der Bericht, welcher von einer unabhängigen Stelle erstellt worden sei, belege
nochmals eindrücklich, dass hier offensichtlich eine paranoide Schizophrenie vorliege,
die zweifelsohne zu einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit führe. Gemäss dem erwähnten
Bericht war der Beschwerdeführer vom 15. August 2011 bis 23. September 2011 in der
psychiatrischen Klinik in stationärer Behandlung. Es wurden die Diagnosen einer
paranoiden Schizophrenie/kontinuierlich (F20.00), einer anamnestisch bekannten nicht
näher bezeichneten Intelligenzminderung/sonstige Verhaltensstörung (F79.8) sowie
einer posttraumatischen Belastungsstörung (F43.1) gestellt und eine weiterhin
bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 14.1, S. 1 f.).
B.g Mit Schreiben vom 4. November 2011 (act. G 18) verweist die
Beschwerdegegnerin auf die beigelegte medizinische Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr. med. P._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin (act. G 18.1), und legt
gleichzeitig Kopien von zwei Einvernahmeprotokollen in einem Strafverfahren wegen
versuchten Betrugs und Widerhandlung gegen Art. 70 IVG in Verbindung mit Art. 87
AHVG ins Recht (act. G 18.2). Dr. P._ führt aus, die Ermittlungen hätten gezeigt, dass
der Beschwerdeführer aufgrund der Einschätzung des RAD-Psychiaters im Mai 2010
an einem angepassten Arbeitsplatz voll arbeitsfähig sei. Es sei in der Zwischenzeit zu
keiner Entwicklung einer Krankheit gekommen. Das "Krankheitsbild" sei bereits zum
damaligen Zeitpunkt genau gleich gewesen wie bei Dr. L._, der es nun einfach einer
Schizophrenie zuordne. Dr. P._ schlug daher eine Ablehnung des Rentengesuchs auf
Basis der Einschätzung des RAD vom 19. Mai 2010 vor (act. G 18.1, S. 3 f.).
B.h Am 5. Dezember 2011 lässt sich der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsver
treter erneut vernehmen (act. G 20). Er macht im Wesentlichen Folgendes geltend: Die
Unterstellung der Beschwerdegegnerin, die Klinikfachärzte in Q._ hätten die durch
Dr. L._ gestellte Diagnose unbesehen übernommen, sei angesichts des Umstandes,
dass der Beschwerdeführer während mehr als eines Monats, nämlich vom 15. August
2011 bis 23. September 2011 stationär behandelt worden sei, keinesfalls nachvoll
ziehbar. Es könne und dürfe angesichts des Umstandes, dass nicht nur der be
handelnde Psychiater, sondern auch Dr. L._ sowie die Ärzte der Klinik die Diagnose
einer (paranoiden) Schizophrenie gestellt hätten, nicht einfach auf die Beurteilung durch
den RAD-Arzt abgestellt werden (act. G 20, S. 3).
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B.i Mit Schreiben vom 26. April 2012 (act. G 22) lässt der Beschwerdeführer den
"Austrittsbericht Tagesklinik" des D._ vom 26. April 2012 (act. G 22.1) ins Recht
legen. Darin wird ausgeführt, dass der Beschwerdeführer vom 24. Januar bis 20. April
2012 in der Tagesklinik stationär in Behandlung gewesen sei. Im "Austrittsbericht
Tagesklinik" werden (bei Entlassung) die Diagnosen einer paranoiden Schizophrenie
(F20.0), einer anamnestisch bekannten, nicht näher bezeichneten Intelligenzminderung,
einer sonstigen Verhaltensstörung (F79.8) sowie einer posttraumatischen
Belastungsstörung (F43.1) gestellt und dem Beschwerdeführer eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 22.1, S. 3).
B.j Mit Eingabe vom 31. Mai 2012 lässt die Beschwerdegegnerin verlauten, das
Beweisergebnis des laufenden Strafverfahrens sei durchaus geeignet, die ver
schiedenen ärztlichen Beurteilungen in Frage zu stellen. Die bei der Staatsanwaltschaft
zur Einsicht beantragten Akten seien noch nicht bei ihr eingetroffen. Daher behalte sie
sich vor, diese zu einem späteren Zeitpunkt nachzureichen und sich nochmals zur
Sache zu äussern (act. G 26).
B.k Mit Schreiben vom 24. September 2012 (act. G 28) verweist die Beschwerde
gegnerin auf die beigelegten Akten des laufenden Strafverfahrens gegen den Be
schwerdeführer (vorgehaltene Straftatbestände: Betrug, Diebstahl, Sachbeschädigung,
Hausfriedensbruch, Pornographie, Vergehen gegen das Waffengesetz, act. G 28.2) so
wie auf den beigelegten Datenträger (act. G 28.3) und hält unter anderem fest, dem
Beschwerdeführer sei es im Abklärungsverfahren nicht gelungen, die behaupteten Er
lebnisse zu konkretisieren. Dies könne aber nur so verstanden werden, dass er diese
Erlebnisse nicht erlebt habe. Damit sei überwiegend wahrscheinlich, dass der Be
schwerdeführer keine Traumatisierung erlebt habe. Seine Schilderungen seien über
wiegend wahrscheinlich Erfindungen mit dem Ziel, Leistungen der IV zu erschwindeln.
Zudem hätten sämtliche befragten Personen den Beschwerdeführer nicht als
psychisch krank wahrgenommen. Auch die Benutzung der "Euro-Mir" im Europapark
werfe Fragen auf. Mit einer Angststörung sei weder der Besuch des notorisch überaus
stark frequentierten Europaparks noch die Benützung einer Achterbahn zu vereinbaren.
Wenn es dem Beschwerdeführer also möglich sei, verschiedene Lokale aufzusuchen
und wöchentlich mehrmals in einem Fitnesscenter zu trainieren, sei es ihm auch
möglich, einer Arbeit nachzugehen (act. G 28, S. 3). Unter den Strafakten befinden sich
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insbesondere Protokolle der Einvernahmen des Beschwerdeführers, von zwei
(ehemaligen) Freundinnen, der Mutter und von Bekannten des Beschwerdeführers (act.
G 28.2).
B.l Mit Stellungnahme zur Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 24. September
2012 lässt der Beschwerdeführer am 5. November 2012 an den mit Beschwerde vom
15. November 2010 gestellten Anträgen und der Begründung festhalten. Der Rechts
vertreter führt im Wesentlichen aus, die einvernommenen ehemaligen Freundinnen des
Beschwerdeführers würden bestätigen, dass dieser ihnen mitgeteilt habe, in Serbien
traumatische Erlebnisse gehabt zu haben und an Albträumen zu leiden. Es bestehe
überhaupt keine Veranlassung dafür, dass der Beschwerdeführer beiden Freundinnen
übereinstimmend von Albträumen und traumatischen Erlebnissen in Serbien erzählt
hätte, wenn er diese nicht erlebt habe. Aus den Schilderungen der Freundinnen sowie
seiner Mutter gehe im Weiteren hervor, dass der Beschwerdeführer über sehr wenige,
oberflächliche Freunde verfüge, keinen "besten Freund" habe, offensichtlich nur selten
in den Ausgang gegangen sei und seinen Freundinnen zudem mitgeteilt habe, dass er
sich in grösseren Menschenmengen nicht wohl fühle. Es könne deshalb keine Rede
davon sein, dass der Beschwerdeführer regelmässig Partys besuche und mit seinen
Freundinnen in den Ausgang gehe. Eine der Frauen habe im Übrigen festgehalten, dass
der Beschwerdeführer manchmal beim Reden langsamer geworden sei. Auch der Um
stand, dass er übermässig eifersüchtig sei, manchmal sehr aggressiv reagiere und alles
kontrollieren wolle, wie von beiden Freundinnen übereinstimmend beschrieben, könne
durchaus als eine psychische Störung oder ein Zeichen für eine psychische Störung
gewertet werden. Allein der Umstand, dass der Beschwerdeführer mehrmals wöchent
lich ins Fitnessstudio gehe, erstelle sodann nicht, dass er auch in der Lage wäre, einer
Arbeitstätigkeit nachzugehen. Dies darum, weil das Training im Fitnesscenter nicht in
einer Gruppe stattfinde bzw. es sich um eine typische Einzelgänger-Tätigkeit handle.
Insgesamt seien auch die Akten des Untersuchungsamtes nicht dazu geeignet, von
einer vollständigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen (act. G 32).

Erwägungen:
1.
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Am 1. Januar 2012 sind die im Zug des ersten Teils der 6. Revision revidierten Be
stimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft
getreten. Der zu beurteilende Sachverhalt beschlägt den Zeitraum vor Inkrafttreten des
ersten Teils der 6. IV-Revision. Da sich die Definition der Invalidität und die damit zu
sammenhängenden Begriffe mit diesen Revisionen nicht geändert haben, werden
nachfolgend die seit dem 1. Januar 2012 gültigen Bestimmungen wiedergegeben.
2.
2.1 Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG ist die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente besteht gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor, wird eine halbe Rente
zugesprochen und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente.
Eine Invalidität von weniger als 40 % wird von der Invalidenversicherung rentenmässig
nicht entschädigt.
2.2 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der ver
sicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
Unter Berücksichtigung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung hat das Gericht
alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen. Hin
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sichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist deshalb allein entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Rechtsprechungsgemäss kommt
einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober
2002, I 779/01, E. 4.2).
2.3 Eine Observation stellt einen Eingriff in die grundrechtlich geschützte
Privatsphäre der betroffenen Person im Sinne von Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) dar. Sie bedarf daher einer
gesetzlichen Grundlage und muss durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und
verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 1–3 BV). Der Kerngehalt des Grundrechts auf
Schutz der Privatsphäre darf durch eine Observation schliesslich keinesfalls angetastet
werden (Art. 36 Abs. 4 BV). Die gesetzliche Grundlage für eine Observation ist in Art. 59
Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zu
erblicken. Eine Observation kann mit Blick auf das Interesse der
Versicherungsgemeinschaft, dass keine nicht geschuldeten Leistungen erbracht
werden, gerechtfertigt sein. Mit Blick auf das Erfordernis der Verhältnismässigkeit ist
insbesondere zu verlangen, dass eine Observation nur auf begründeten Verdacht hin
erfolgt (vgl. den Entscheid IV 2008/451 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 21. Juli 2009, E. 2.2; Stefan Dettwiler, Zulässige Video-Überwachung
von SUVA-Versicherten, HAVE 2003, S. 247), dass keine andere, mildere Massnahme
zur Abklärung des Verdachts zur Verfügung stehen darf (Regina Aebi-Müller/Andreas
Eicker/Michel Verde, Grenzen bei der Verfolgung von Versicherungsmissbrauch mittels
Observation, in: Gabriela Riemer-Kafka, Versicherungsmissbrauch, Zürich 2010,
S. 41 f.) und dass der durch Art. 179 des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(StGB; SR 311.0) vorgegebene Rahmen beachtet wird. Vorliegend ist das öffentliche
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Interesse an einer Observation angesichts der zur Diskussion stehenden erheblichen
Leistungen der Invalidenversicherung (ganze Rente für einen noch eher jungen
Versicherten) ohne Weiteres zu bejahen. Das Bundesgericht hat im Übrigen
verschiedentlich zum Ausdruck gebracht, dass es an die Zulässigkeit einer Observation
im Einzelfall keine hohen Anforderungen stellt (vgl. etwa BGE 137 I 327 mit Hinweisen
auf weitere Urteile). Vorliegend war ein begründeter Verdacht dadurch gegeben, dass
sich aufgrund der Angaben der letzten Arbeitgeberin Inkonsistenzen zeigten im
Vergleich zu den in den medizinischen Akten beschriebenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen (IV-act. 17, 48). Da die medizinischen Beurteilungen alsdann
weitgehend auf den eigenen Angaben des Beschwerdeführers beruhten, dieser die
Erhebung von Fremdanamnesen verweigerte, sich im therapeutischen Umgang aber
schwierig verhielt und seine Compliance fraglich erschien (IV-act. 25), war die
Anordnung einer Observation als geeignete Massnahme zur besseren Abklärung
jedenfalls vertretbar. Nachdem schliesslich der Observationsbericht keine
Feststellungen enthält, die auf eine Verletzung von Art. 179 StGB hinweisen, ist die
Observation als rechtmässig zu qualifizieren; die Ergebnisse sind im vorliegenden
Verfahren demnach verwertbar.
3.
3.1 Anhand der Ergebnisse der Observation und in Kenntnis der relevanten Akten des
laufenden Strafverfahrens verdichtete sich zwar der Verdacht, der Beschwerdeführer
verhalte sich im Alltag anders als gegenüber den Ärzten geschildert. So lassen sich ins
besondere das Treffen mit Bekannten, das wiederholte Aufsuchen öffentlicher Plätze
sowie des Fitnesscenters und der beobachtete Einkauf in Geschäften und Tankstellen-
Shops sowie das Besuchen von Gaststätten und des Europaparks nur schwer mit den
Angaben des Beschwerdeführers über seine Beeinträchtigungen und sein Verhalten in
Einklang bringen. Anlässlich der RAD-Untersuchung vom 30. Juni 2008 hatte der Be
schwerdeführer nämlich angegeben, er habe kaum soziale Kontakte, meide Menschen
ansammlungen, gehe deswegen auch nicht mehr oder nur selten aus dem Haus, er
gehe nie alleine einkaufen, sondern immer in Begleitung und er warte oft vor dem Ein
kaufsladen auf seine Begleitung (IV-act. 12-1). - Indessen lässt diese Widersprüchlich
keit nicht ohne Weiteres ausschliessen, dass der Beschwerdeführer unter einer
psychiatrischen Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
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leiden könnte. Dies insbesondere aus folgendem Grund: Der behandelnde Psychiater
Dr. J._ diagnostizierte in seinem noch vor Verfügungserlass erstellten Bericht vom
4. Mai 2010 erstmals eine paranoide Schizophrenie (IV-act. 64-1). Diese Diagnose
wurde in der Folge in den unabhängig voneinander verfassten Berichten des Psy
chiaters Dr. L._ vom 21. Februar 2011 (act. G 8.1, S. 2), der Klinik O._ vom
23. September 2011 (act. G 14.1, S. 1) sowie des D._ vom 26. April 2012 (act. G
22.1, S. 3) ebenfalls gestellt, auch wenn Dr. L._ nur von einem Verdacht auf eine
undifferenzierte schizophrene Störung mit paranoiden, hebephrenen und
zoenästhetischen Anteilen sowie Residualsymptomatik spricht. Die Diagnose der
paranoide Schizophrenie findet sich nicht bei den aufgeführten Diagnosen in der
angefochtenen Verfügung vom 14. Oktober 2010 (IV-act. 81-2). In seiner
Stellungnahme vom 25. Oktober 2011 führt RAD-Arzt Dr. P._ diesbezüglich aus, dass
der kurze Bericht von Dr. J._ vom 4. Mai 2010 nicht als Beweis für die Diagnose einer
Schizophrenie herhalten könne. Weiter führt Dr. P._ aus, Dr. L._ habe die
(Verdachts-)Diagnose ausschliesslich aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers
gestellt; dem Arzt seien die fremdanamnestischen Elemente wie das
Observationsmaterial, das Gesprächsprotokoll der Beschwerdegegnerin vom Juni 2010
sowie die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. C._ nicht bekannt gewesen. Gerade die
fehlende Fremdanamnese von Dr. L._ mache dessen Schizophrenie-Diagnose un
glaubwürdig; dass der Beschwerdeführer seit Jahren ein Wahnerleben habe, sei nicht
nachgewiesen sondern nur eine Behauptung. Dr. L._ habe seine Diagnose nicht mit
der nötigen Sorgfalt gestellt. Die Klinik-Fachärzte schliesslich hätten die Einschätzung
von Dr. L._ einfach übernommen (act. G 18.1, 3). - Diesen Erwägungen Dr. P._s
kann nicht beigepflichtet werden. Die Ausführungen von Dr. C._ in der Stellung
nahme des RAD vom 19. Mai 2010 mögen zwar durchaus zutreffend gewesen sein.
Allerdings hatte Dr. C._ am 19. Mai 2010 offenbar (noch) keine Kenntnis vom Bericht
von Dr. J._ vom 4. Mai 2010 (vgl. IV-act. 66-2). Da die in diesem Arztbericht genannte
(und in späteren Berichten weiterer psychiatrischer Fachärzte wiederholte) Diagnose
der paranoiden Schizophrenie in der angefochtenen Verfügung, wie bereits erwähnt,
nirgends Erwähnung findet bzw. nirgends darauf Bezug genommen wird (IV-act. 81-1
ff.), ist davon auszugehen, dass der Arztbericht von Dr. J._ von der
Beschwerdegegnerin nicht als Entscheidungsgrundlage beigezogen wurde. Mithin ist
folgendes festzustellen: Angesichts der Zeitspanne von nahezu 1 3⁄4 Jahre zwischen
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dem aktuellsten in der angefochtenen Verfügung erwähnten medizinischen Bericht
des D._ vom 9. Februar 2009 bzw. den darin genannten Diagnosen (IV-act. 27-2) und
dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 14. Oktober 2010 (IV-act. 81-1 ff.) wäre
das Einholen eines Verlaufsberichts vor Verfügungserlass - trotz der Observations- und
Strafuntersuchungsergebnisse - nicht nur aufschlussreich und von Vorteil, sondern
notwendig gewesen. Dann wäre auch der Bericht von Dr. J._ vom 4. Mai 2010
berücksichtigt worden. Im Übrigen ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer
vom 15. August 2011 bis 23. September 2011, mithin mehr als einen Monat, in der
Klinik O._ in stationärer Behandlung befunden und die Oberärztin bei seiner
Entlassung als Diagnose unter anderem ebenfalls eine paranoide Schizophrenie
genannt hat (act. G 14.1, S. 1). Es ist kaum anzunehmen, dass die Ärztin dies nur im
Sinn einer Wiederholung früher gestellter Diagnosen getan hat; vielmehr ist davon
auszugehen, dass aufgrund der während des Klinikaufenthalts erhobenen Befunde die
Diagnose der Schizophrenie für zutreffend erachtet wurde. Schliesslich wurde auch
seitens der psychiatrischen Klinik eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt.
3.2 Vor diesem Hintergrund bedarf es mithin einer medizinischen bzw.
psychiatrischen Reevaluation, also einer neuerlichen psychiatrischen Beurteilung in
Kenntnis der bei den Akten liegenden medizinischen, insbesondere fachärztlichen
Berichte, sowie der Observationsergebnisse und auch der Strafakten. Dabei wird wohl
eine erneute Untersuchung des Beschwerdeführers durchzuführen sein. Ohne eine
solche neuerliche fachärztliche Beurteilung könnte höchstens angenommen werden,
die bisherigen medizinischen Einschätzungen seien durch unwahre Angaben des
Beschwerdeführers verfälscht worden, nicht aber, dass beim Beschwerdeführer ein
psychiatrischer Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auszuschliessen ist. Jedenfalls vermag die Aktenbeurteilung des Allgemeinmediziners
Dr. P._ eine fachärztliche Neubeurteilung, allenfalls nach nochmaliger persönlicher
Untersuchung nicht zu ersetzen. Auf eine solche durfte die Beschwerdegegnerin auch
nicht in antizipierender Beweiswürdigung verzichten, denn es ist nicht überwiegend
wahrscheinlich, dass diese keine neuen, für die Beurteilung relevanten Ergebnisse
liefern wird. - Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
sie einen Psychiater mit einer solchen Neubeurteilung unter Berücksichtigung der
Observationsergebnisse, allfälliger relevanter Straf- und Untersuchungsakten sowie der
Berichte von Dr. J._ vom 4. Mai 2010, Dr. L._ vom 21. Februar 2011, der Klinik
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O._ vom 23. September 2011 sowie des D._ vom 26. April 2012 und nach allfälliger
nochmaliger Untersuchung des Beschwerdeführers beauftrage.
4.
4.1 Damit ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom
14. Oktober 2010 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zu ergänzenden medizinischen
Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer entsprechenden neuen
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer
Sicht in Bezug auf die Kosten ein vollständiges Obsiegen dar (BGE 132 V 215 E. 6.1
S. 235 mit zahlreichen Hinweisen). Angesichts des Unterliegens der Beschwerde
gegnerin sind ihr die Gerichtskosten, die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG auf Fr. 600.--
festzusetzen sind, gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
4.3 Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Vorliegend fiel überdurch
schnittlicher Aufwand an. Angemessen erscheint unter diesen Umständen eine Partei
entschädigung von Fr. 4'500.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP