Decision ID: bb9044c3-0f8e-468a-a9c4-4b8960f80994
Year: 2014
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

unrichtige Sachverhaltsfeststellung oder Rechtsanwendung noch ein
Ermessensmissbrauch festgestellt worden, weshalb der
Führerausweisentzug gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG i.V.m. Art. 33
Abs. 4 VZV bestätigt worden sei, ebenso wie die Bedingungen und
Auflagen zur Wiedererteilung des Führerausweises nach Art. 17 Abs. 3
SVG.
Das Gesuch um URP wurde infolge Aussichtslosigkeit abgelehnt.
9. Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 20. März 2013 beantragte der
Beschwerdeführer beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden die
Aufhebung der Verfügung des DJSG u. diejenige der SVAGR; und es sei
die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
superprovisorisch und vorsorglich anzuordnen. Zudem sei ihm die
Möglichkeit zur Ergänzung der Beschwerde nach Zustellung der Akten
der Vor- instanzen, ein zweiter Schriftenwechsel sowie eine öffentliche
mündliche Verhandlung samt URP zu gewähren.
Die Begründung für den Führerausweisentzug durch die Vorinstanzen sei
angesichts der Schwere des Eingriffs zu kurz. Das Gutachten des PDGR
sei nicht unabhängig, weshalb es nicht verwertbar sei; er habe keine
Einwilligung zur Verwendung medizinischer Daten gegeben. Der sofortige
Sicherungsentzug ohne Überprüfung durch ein unabhängiges Gericht sei
nicht rechtmässig. Seine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
reichten aus, ein Motorfahrzeug zu führen. Selbst bei Zutreffen der
- 5 -
psychiatrischen Diagnosen – welche bestritten würden – sei zu
berücksichtigen, dass sich diese niemals negativ auf sein Verhalten im
Verkehr ausgewirkt hätten, er sei nämlich seit 38 Jahren unfallfrei
gefahren. Die verfügten Auflagen (Medikation) seien unverhältnismässig.
Er werde gegenüber Rasern und Fahrern unter Alkoholeinfluss
diskriminiert.
10. In der Vernehmlassung vom 10. April 2013 verweigerte das DJSG
(nachfolgend Beschwerdegegner) die Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde sei
kostenfällig zu Lasten des Beschwerdeführers abzuweisen.
Bei Sicherungsentzügen werde die aufschiebende Wirkung infolge
Interessenabwägung grundsätzlich verweigert (BGE 122 II 359 E.3a
m.w.H.). Das Gutachten des PDGR und die ganze Vorgeschichte liessen
auf das Vorliegen der Voraussetzungen für einen Sicherungsentzug
schliessen. (Kurzüberblick zur Vorgeschichte: Eine ähnliche Situation hat sich
im Zeitraum 2005-2008 schon einmal ergeben: Psychiatrisches Gutachten
erstellt, Fahrausweisentzug mit Bedingungen und Auflagen angeordnet,
Beschwerden dagegen alle abgewiesen [vgl. Urteil Ausschuss Kantonsgericht
Graubünden [Akten Vorinstanz: VI-act.42/2005]; Urteil Bundesgericht [VI-
act.52/2005 52]; anschliessend Nachweis betreffend Erfüllung Auflagen und
Testfahrt absolviert -> Führerausweis 2009 zurückerhalten mittels
Aufhebungsverfügung SVAGR mit Auflagen vom 25. März 2009 [VI-act.73/2005].
Zuvor gab es überdies weitere Vorfälle mit Führerausweisentzug aufgrund
psychischer Leiden). Der Beschwerdeführer bringe in der Beschwerde
nichts wesentliches Neues hervor, weshalb auf den angefochtenen
Entscheid verwiesen werden könne. Hervorzuheben sei noch, dass das
Gutachten des PDGR vom 5. Januar 2012 eine rechtlich korrekte
Grundlage zur Beurteilung der Fahreignung darstelle. Der
Beschwerdeführer halte die Einhaltung der Auflagen offenbar nicht für
- 6 -
notwendig, weshalb an eine Aufhebung der Massnahme nicht zu denken
sei. Der vom SVAGR angeordnete Sicherungsentzug samt Massnahmen
bezüglich dessen Wiedererlangung sei daher weiter aufrecht zu erhalten.
11. Mit vorsorglicher Verfügung vom 11. April 2013 erteilte der zuständige
Instruktionsrichter des streitberufenen Verwaltungsgerichts der
Beschwerde keine aufschiebende Wirkung.
12. Nach fünf Fristverlängerungen ging die Replik des Beschwerdeführers am
10. Februar 2014 beim Gericht ein. Darin brachte der Beschwerdeführer
vor, er erfülle die Auflagen seit Jahren. Er legte dazu den Bericht von Dr.
med. C._ vom 18. Oktober 2013 bei, der aufzeige, dass er seit dem
14. März 2013 die Auflagen im Rahmen der ambulanten Behandlung bei
Dr. med. C._ seit über 6 Monaten erfülle. Eine Einweisung in die
Klinik wäre gar nicht notwendig gewesen. Das SVAGR hätte nach
Eingang des Berichts von Dr. med. C._ den Führerausweis wieder
erteilen können. Dieser habe auf eine Studie aus den 60er-Jahren
hingewiesen, welche belege, dass Schizophrene deutlich weniger
„polizeilich registrierte schuldhafte Unfälle und verkehrsgefährdende
Übertretungen“ begehen würden als Gesunde. Der Führerausweisentzug
stelle deshalb eine klare Diskriminierung des Beschwerdeführers dar.
13. Mit Duplik vom 21. Februar 2014 teilte der Beschwerdegegner dem
Gericht mit, dass keine neuen sach- und rechtsrelevanten Aspekte in der
Replik enthalten seien, weshalb er auf weitere Ausführungen verzichte.

Das Gericht zieht in Erwägung:
- 7 -
1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid vom 14./15. Februar
2013, worin der Beschwerdegegner den Führerausweisentzug der
Vorinstanz vom 27. Juni 2012 gegen den Beschwerdeführer bestätigte
und die in diesem Zusammenhang angeordneten Massnahmen als
korrekt und verhältnismässig einstufte. Strittig und zu klären ist, ob der
Beschwerdegegner gestützt auf die einschlägigen Vorschriften des
eidgenössischen Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) und der
zugehörigen Verordnung über die Zulassung von Personen und
Fahrzeugen (Verkehrszulassungsverordnung [VZV]; SR 741.51) sowie
der dazu entwickelten Rechtsprechung auf Bundes- und kantonaler
Ebene rechtmässig und vertretbar handelte. In formeller Hinsicht gilt es
zunächst noch zu klären, wie es sich genau mit dem Anspruch auf
Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung gestützt auf die in
Europa geltende Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (Menschenrechtskonvention [EMRK]; SR 0.101) verhält.
2. a) Nach Art. 50 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtpflege (VRG; BR
370.100) ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch den angefochtenen
Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner
Aufhebung oder Änderung hat oder wer durch besondere Vorschrift dazu
ermächtigt ist. Laut Art. 52 Abs. 1 VRG ist die Beschwerde schriftlich
innert 30 Tagen seit Mitteilung des angefochtenen Entscheids beim
Verwaltungsgericht einzureichen. Vorliegend ist erstellt, dass der
Beschwerdeführer durch den Sicherungsentzug seines Führerausweises
nicht mehr Auto fahren darf und damit in seiner uneingeschränkten
Mobilitätsfreiheit auf dem Strassenverkehrsnetz eingeschränkt wird.
Folglich erleidet er durch den angefochtenen Entscheid einen rechtlichen
wie faktischen Nachteil, weshalb er zur Erhebung der Beschwerde auch
berechtigt ist. Der angefochtene Entscheid datiert vom 14./15. Februar
2013, erhalten vom Beschwerdeführer am 18. Februar 2013, und die
- 8 -
Beschwerde vom 20. März 2013, womit die 30-tägige Anfechtungsfrist
gerade noch eingehalten wurde. Auf die Beschwerde kann deshalb
eingetreten werden.
b) Gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK hat jedermann Anspruch darauf, dass seine
Sache in billiger Weise öffentlich (...) gehört wird, und zwar von einem
unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht, das
(...) über die Stichhaltigkeit der gegen ihn erhobenen strafrechtlichen
Anklage zu entscheiden hat (Satz 1). Das Urteil muss öffentlich verkündet
werden (Satz 2). Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts ist
der Entzug des Führerausweises zu Warnzwecken ein Entscheid über die
Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen Anklage im Sinne von Art. 6 Ziff. 1
EMRK mit der Folge, dass der Betroffene Anspruch auf eine öffentliche
mündliche Verhandlung hat (BGE 133 II 331 E.4.2, 121 II 22 und 219
E.2a; Urteil des Bundesgerichts 6A.48/2002 vom 9. Oktober 2002
E.7.4.2). Auf die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung kann zwar
ausdrücklich oder stillschweigend verzichtet werden, doch muss ein
Verzicht eindeutig und unmissverständlich erfolgen. Ein Verzicht wird
insbesondere angenommen, wenn in einem gerichtlichen Verfahren, das
in der Regel schriftlich geführt wird, kein Antrag auf Durchführung einer
öffentlichen Verhandlung gestellt wird (BGE 134 I 229 E.4.3, 127 I 44
E.2e/aa; Urteil des Bundesgerichts 1C_457/2009 vom 23. Juni 2006 E.3.1
in: ZBl 112/2011 S. 333; insbesondere Urteil des Bundesgerichts
1C_324/2012 vom 26. September 2012 E.2.2; abgedruckt mit
Urteilsbesprechung durch YVO HANGARTNER in: AJP 2013 S. 136). Wie
das Verwaltungsgericht in einem früheren Urteil indessen bereits
ausführte, gilt es jeweils klar zwischen dem Warn- und Sicherungsentzug
eines Führerausweises zu unterscheiden. Nach Art. 16 Abs. 1 SVG muss
ein Sicherungsentzug zwingend angeordnet werden, wenn die
Fahreignung nicht mehr gegeben ist. Der Entzug des Führerausweises
- 9 -
wegen fehlender Fahreignung ist also eine Wegnahme zu
Sicherungszwecken; mit ihm wird die Absicht verfolgt, weitere
Verkehrsteilnehmer wie auch den (fahruntauglichen) Fahrzeuglenker
selbst zu schützen; wobei die Fahruntauglichkeit grundsätzlich ohne
Verschulden des Lenkers eintritt (z.B. aus medizinischen oder
charakterlichen Gründen, wegen Trunksucht oder anderer Süchte
[Tabletten-/Drogenkonsum] oder wegen anderer Unfähigkeiten zum
Führen eines Motorfahrzeuges). Der Entzug zu Warnzwecken erfolgt
indessen aufgrund einer konkreten (schweren) Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften und ist demnach verschuldensabhängig. Er
hat daher Strafcharakter. Aus den in Art. 16d Abs. 1 SVG aufgezählten
Entzugstatbeständen ergibt sich, dass der – hier allein interessierende -
Sicherungsentzug demgegenüber (präventiv) bezweckt, die zu
befürchtende Gefährdung der Verkehrssicherheit in der Schweiz durch
ungeeignete Fahrzeugführer in der Zukunft zu verhindern. Er hat daher
Administrativ- bzw. Vorsorgecharakter (vgl. dazu FROWEIN/PEUKERT,
Europäische Menschenrechtskonvention [EMRK-Kommentar], 3. Aufl.,
Kehl am Rhein 2009, Rz. 40 S. 164: Führerausweisentzug als
verkehrsrechtliche Präventivmassnahme und folglich keine strafrechtliche
Sanktion). Dementsprechend setzt der Sicherungsentzug – im Gegensatz
zum Warnentzug – gerade keine schuldhafte Widerhandlung gegen das
Strassenverkehrsrecht voraus (Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden [VGU] U 12 78 vom 25. September 2012 E.2a; PVG
2011 Nr. 7 E.2a mit zahlreichen Hinweisen auf die einschlägige Literatur
und Rechtsprechung; sowie im Besonderen: BERNHARD RÜTSCHE/DENISE
WEBER in: Theorie und Praxis des Führerausweisentzugs
[Strassenverkehrsrechts-Tagung 14.-15. Juni 2012, Bern 2012]; Ziff. IV.
Der Führerausweisentzug zu Sicherungszwecken, S. 170 ff. mit
zahlreichen Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur; sowie
insbesondere BGE 131 II 248 E.4.1). Aus dem Gesagten ergibt sich, dass
- 10 -
die Konventions-, Verfassungs- und Verfahrensgarantien gemäss Art. 6
Ziff. 1 EMRK einzig und ausschliesslich auf den Warnentzug (mit
Strafcharakter) anwendbar sind; hingegen sind sie auf den hier zur
Diskussion stehenden Sicherungsentzug (mit Administrativ-/Vorsorge-
charakter; aber eben ohne Straf-/Pönalcharakter) nicht übertragbar.
Entsprechend sind die zentralen Grundsätze des Strafrechts und
Strafprozessrechtes – wie im Besonderen hier der Anspruch auf die
Durchführung einer öffentlichen Hauptverhandlung – gemäss Art. 6 Ziff. 1
EMRK gerade nicht anwendbar, zumal der entzogene Führerausweis
auch im zivilrechtlichen Sinne (civil rights) nicht unbedingt zur
Berufsausübung des Beschwerdeführers notwendig war, da dieser weder
als Berufschauffeur noch als Taxifahrer seinen beruflichen
Lebensunterhalt bestreitet. Nach eigenen Angaben verwendete der
Beschwerdeführer sein Auto in der Vergangenheit nämlich einzig zur
Besorgung und Erledigung privater Verrichtungen, wie für Arztbesuche,
Wareneinkäufe und dgl. (vgl. Gutachten PDGR; Vorinstanz [VI] act.2012
16 S. 7). Vorliegend konnte daher auch ohne Rechtsnachteil für alle
Beteiligten auf einen mündlichen Parteivortritt laut Begehren des
Beschwerdeführers verzichtet werden.
3. a) Zum Sicherungsentzug des Führerausweises wird in Art. 16d Abs. 1 lit. a
SVG unter dem Titel „Führerausweisentzug wegen fehlender
Fahreignung“ was folgt bestimmt:
"Der Lernfahr- oder Führerausweis wird einer Person auf unbestimmte
Zeit entzogen, wenn ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht
oder nicht mehr ausreicht, ein Motorfahrzeug sicher zu führen“. - Zur
Wiedererteilung des Führerausweises wird in Art. 17 Abs. 3 SVG sodann
weiter stipuliert: „Der auf unbestimmte Zeit entzogene Lernfahr- oder
Führerausweis kann bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden,
wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und
- 11 -
die betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der die
Fahreignung ausgeschlossen hat.“ In Art. 33 Abs. 4 VZV wird zum
Umfang des Entzugs noch präzisiert:
"Die Entzugsbehörde kann mit dem Lernfahr- oder dem Führerausweis
einer Kategorie oder Unterkategorie auch den Führerausweis der
Spezialkategorien G und M entziehen“ (lit. a) und umgekehrt bei der
Wegnahme „einer Spezialkategorie auch den Lernfahr- oder
Führerausweis der Kategorien und Unterkategorien entziehen“(lit. b). Auf
der Basis dieser gesetzlichen Vorgaben wird auch der angefochtene
Entscheid betreffend Führerausweisentzug samt verfügter Massnahmen
(Auflagen/Bedingung-en) zu dessen Wiedererlangung materiell zu
beurteilen sein.
b) Der Beschwerdeführer rügt zunächst aber noch, dass die Begründung im
angefochtenen Entscheid angesichts der Schwere des Eingriffs und der
weitreichenden Konsequenzen für ihn zu kurz ausgefallen sei. Zum Inhalt
eines Behördenentscheids hält Art. 22 Abs. 1 VRG fest: Entscheide sind
zu begründen und müssen ein Dispositiv mit Rechtspruch und
Kostenregelung sowie mit der Belehrung über die Möglichkeit und die
Frist des ordentlichen Weiterzugs enthalten. – Im konkreten Fall ist dazu
aktenkundig, dass sowohl die dem angefochtenen Entscheid zugrunde
liegende Führerausweisentzugsverfügung vom 27. Juni 2012 der
Vorinstanz als auch der angefochtene Entscheid vom 14./15. Februar
2013 des Beschwerdegegners eine kurze Sachverhaltsschilderung und
eine rechtliche Würdigung der massgeblichen Fakten enthalten, aus
denen die wesentlichen Überlegungen der beiden Vorinstanzen bis hin
zum Verfügungs- bzw. Entscheidungsdispositiv ersichtlich und
nachvollziehbar sind. Die Anforderungen an eine hinreichende – da
sachlich gezielt anfechtbare – Begründung in den zwei missliebigen
Behördenmitteilungen sind deshalb erfüllt worden. Im Übrigen sei bloss
- 12 -
noch erwähnt, dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen und
Argumente im Kern eine Wiederholung der früher bereits mit Entscheiden
vom Kantonsgerichtsausschuss Graubünden (VI-act.42/2005; vormals
zuständig für diese Rechts-materie) und dem Bundesgericht (VI-act.
52/2005) schon einmal behandelten und beurteilten Grundproblematik
darstellen, weshalb der Beschwerdeführer über die möglichen Gründe für
den Entzug des Führer-ausweises durchaus im Bilde war.
c) Der Beschwerdeführer machte weiter geltend, es seien ohne sein
ausdrückliches Einverständnis medizinische Daten für das Gutachten
verwendet worden und der beauftragte Gutachter sei bei seiner
Beurteilung nicht unabhängig gewesen. Erstere Sachdarstellung ist
indessen aktenwidrig. Aus dem Gutachten PDGR vom 5. Januar 2012
geht nämlich hervor, dass der Beschwerdeführer anlässlich jener
Untersuchung auf sein Schweigerecht (als Explorand) sowie auf die
fehlende Schweigepflicht des Gutachters hingewiesen wurde (vgl. VI-
act.16/2012 S.6). Was die Verwendung bzw. Weiterleitung früherer
medizinischer Daten betrifft, so hat dies der Explorand im Zuge einer
psychiatrischen Begutachten zu dulden. In Bezug auf die behauptete
fehlende Unabhängigkeit gilt es klarzustellen, dass der eingesetzte
Gutachter zwar tatsächlich derselben Klinik angehört, jedoch einer
anderen, spezialisierten Abteilung (Forensik; nicht Psychiatrische
Dienste). Damit wurde die institutionelle und personelle Unabhängigkeit
der mit der Abklärung des Beschwerdeführers beauftragten
Gutachterklinik ausreichend gewahrt, zumal der konkret zur Beurteilung
beigezogene Facharzt; Leitender Arzt forensischer Dienst; (vgl. VI-
act.16/2012 S.9-12) den Beschwerdeführer zuvor noch nie beurteilt hatte.
Im Übrigen handelt es sich auch bei diesen Rügen des
Beschwerdeführers um Wiederholungen aus früheren Gerichtsverfahren,
- 13 -
weshalb analog auf das oben Gesagte (E.3b in fine) verwiesen werden
kann.
d) Zur sofortigen Vollziehbarkeit der getroffenen Massnahmen/Anordnung-
en, mit denen der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
verbessert und das latente Gefährdungspotential für andere
Verkehrsteilnehmer und Drittpersonen gesenkt, wenn nicht sogar gänzlich
eliminiert werden sollte, konnte sich der Beschwerdeführer ebenfalls nicht
einverstanden erklären. Er rügt in diesem Zusammenhang vor allem
einen unzulässigen Eingriff in seine persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR
101]) und die Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV). Vor dem Entzug des
Führerausweises auf unbestimmte Zeit müsse jeweils zwingend ein
unabhängiges Gericht darüber geurteilt haben. Nur bei einer
unmittelbaren, akuten und konkreten Verkehrsgefährdung dürfe der
Führerausweis für die Dauer einer (in der Regel) kurzen Zeit entzogen
werden und sei dann bei Wegfall dieser Hindernisse unverzüglich wieder
zurückzugeben. - Das streitberufene Gericht ist nach Prüfung dieser
Argumente zur Überzeugung gelangt, dass die sofortige Vollziehbarkeit
eines Führerausweises jeweils das Ergebnis einer sorgfältigen und
umfassenden Güterabwägung sein muss. Diese Interessensabwägung
fällt bei Vorliegen entsprechender medizinischer Gründe und Prognosen
regelmässig zu Gunsten der Verkehrssicherheit und damit zu Gunsten
von Leib und Leben (Art. 10 Abs. 1 BV; Art. 2 EMRK) der anderen
Verkehrsteilnehmer aus. Jede gegenteilige Rechtsauffassung wäre wohl
unverantwortlich und respektlos gegenüber den anderen Menschen.
Falsch ist zudem die Behauptung des Beschwerdeführers, sein
Gesundheitszustand sei gut genug, um ein Motorfahrzeug sicher lenken
zu können. Diese (Wunsch-) Vorstellung bzw. Fehleinschätzung wird
durch den eingesetzten Verkehrsgutachter schlüssig und fundiert
- 14 -
widerlegt, indem dieser zum Ergebnis kam, dass dem Beschwerdeführer
die Fahreignung aus verkehrspsychiatrischer Sicht grundsätzlich nicht mit
der notwendigen Sicherheit attestiert werden könne und er zugleich
aufzeigte, was der Beschwerdeführer vorkehren müsste, um dereinst
wieder in den Besitz des Führerausweises zu gelangen (vgl. Gutachten
PDGR S. 11 f. [VI-act.16/2012]). Die verfügende Vorinstanz (SVAGR) wie
der die Entzugsverfügung bestätigende Beschwerdegegner (DJSG)
haben diese gutachterlichen und fachmännischen Schlussfolgerungen
richtig und inhaltlich nachvollziehbar ihren eigenen Entscheiden zu
Grunde gelegt. Daran gibt es aus medizinischer Sicht nichts auszusetzen
oder zu ergänzen. Zur Vervollständigung der bereits bekannten Sach-
und Rechtslage sei aber noch auf die weiteren Begründungselemente im
Entscheid des Kantonsgerichtsausschusses vom 18. April, mitgeteilt am
6. Juli 2007 [VB 07 2] hingewiesen (VI-act.42/2012 E.4 S. 12 ff.).
e) Der Beschwerdeführer brachte für seinen Standpunkt weiter noch eine
Verletzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (Art. 36 Abs. 3 BV) vor, in
dem er meinte, die Verordnung einer ambulanten
Medikamenteneinnahme wäre ebenso zielführend wie die effektiv
getroffene Administrativmassnahme gewesen. Seines
Führerausweisentzugs hätte es hier daher gar nicht bedurft, weil eben
mildere und geeigneter Vorkehrungen für die Erreichung des
angestrebten Zieles (Erhöhung Verkehrssicherheit) zur Verfügung
gestanden hätten. Diese Darstellung und Würdigung der aktuellen
Verhältnisse unterstrich der Beschwerdeführer noch mit der Einreichung
eines neueren Berichts vom 18. Oktober 2013 des Dr. med. C._,
worin ihm die Einhaltung der Auflagen und Bedingungen (laut der
vorinstanzlichen Verfügung vom 27. Juni 2012) seit dem 14. März 2013
attestiert wurde. Hinzu komme, dass die anrechenbare Zeitdauer des
Führerausweisentzugs inzwischen exorbitant (aussergewöhnlich) lange
- 15 -
sei. – Es trifft zu, dass sich der hier zur Diskussion stehende
Führerausweisentzug – mit bald drei Jahren - tatsächlich bereits relativ
lange hinzieht, doch hat sich dies der Beschwerdeführer grösstenteils
selber zuzuschreiben mit seinen insgesamt fünf beantragten
Fristverlängerungen, welche zum Teil bereits in den vorinstanzlichen
Verfahren gestellt und dann auch antragsgemäss gewährt wurden. Was
den Vorwurf der (nicht genügend wirksam verschriebenen) ambulanten
Medikamenteneinnahme angeht, so verkennt der Beschwerdeführer, dass
er in der Vergangenheit mehrfach selbst eigenmächtig die verordnete
Medikamentendosierungen reduzierte und somit aus eigenem
Verschulden die optimale Wirkung derselben in der richtigen Dosierung
verhinderte. Insofern bestand in der Vergangenheit eben gerade keine
Gewähr dafür, dass die mildere Massnahme tatsächlich dieselbe Wirkung
bzw. den gleichen Erfolg (Risikominimierung im Alltagsverkehr) gebracht
hätte. Was schliesslich noch das Einreichen des Berichts von Dr. med.
C._ betrifft, so vermag dieser inhaltlich nichts daran zu ändern, dass
der angefochtene Entscheid mitsamt den darin enthaltenden Auflagen
und Bedingung für eine möglichst rasche Wiedererlangung des
entzogenen Führerausweises korrekt und sachlich angemessen war. Die
Konsequenz aus diesem Bericht ist einzig, dass sich der
Beschwerdeführer allenfalls zur ärztlich begleiteten Kontrollfahrt hätte
anmelden können.
f) Unter dem Titel einer ungerechtfertigten Diskriminierung gegenüber
anderen Autofahrern legte der Beschwerdeführer zudem noch einen
Aufsatz über Schizophrenie und Fahrfähigkeit aus dem Jahre 1966 ein,
woraus (wissenschaftlich erstellt) hervorgehe, dass schizophrene
Autofahrer deutlich weniger polizeilich registrierte schuldhafte Unfälle und
verkehrsgefährdende Übertretungen verursachen würden als Gesunde.
Diese veraltete „Studie“ (aus einem Zeitungsartikel von 1966) wird durch
- 16 -
das rund 46 Jahre später erstellte, fundiert begründete und über die
aktuelle Fahruntauglichkeit des Beschwerdeführers umfassend Auskunft
erteilende Gutachten PDGR von 2012 nicht im Geringsten erschüttert,
geschweige denn fachärztlich widerlegt. Zum besagten Zeitungsartikel
(1966) sei nur noch ergänzt, dass die vom Beschwerdeführer verwendete
Aussage im Text selbst gerade wieder relativiert wurde; in welche
Richtung diese Relativierung gehen sollte, kann dem beigelegten
Textausschnitt indes nicht mehr entnommen werden, da die Textpassage
erst auf der Folgeseite der betreffenden Zeitung zu lesen gewesen wäre
(vgl. Bf-act.2 S. 2-3).
g) Der angefochtene Entscheid vom 14./15. Februar 2013 ist damit in jeder
Beziehung rechtens und verhältnismässig, was zu seiner Bestätigung und
zur Abweisung der Beschwerde vom 20. März 2013 führt.
4. a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Eine aussergerichtliche Entschädigung steht dem Beschwerdegegner
gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG nicht zu, da er lediglich in seinem amtlichen
Wirkungskreis obsiegte.
b) Die Rechtswohltat der unentgeltlichen Rechtspflege gestützt auf Art. 76
VRG wird vorliegend (infolge offensichtlicher Aussichtslosigkeit der
gestellten Rechtsbegehren) nicht gewährt. Kommt hinzu, dass es sich
beim vorliegenden Verfahren weitgehend um eine Wiederholung der
früheren Verfahren (im Zeitraum 2005-2008) handelt und der
Rechtsvertreter überwiegend dieselben pauschalen Argumente vorbringt
wie in den früheren Prozessschriften, welche damals allesamt (bis und mit
Bundesgericht) abschlägig beurteilt worden waren. Die erneute
Beschwerde kann daher im Resultat bzw. in der Sache gar nicht anders
- 17 -
als zum vornherein „aussichtslos“ taxiert werden. Dem Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege (Prozessführung inkl. Rechtsvertretung) kann
aus den erwähnten Überlegungen folgerichtig nicht stattgegeben werden.