Decision ID: 9600c0d5-58c6-566e-bbbe-19353f1fc28f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit schriftlicher Eingabe vom 21. November 2010 ersuchte der Be-
schwerdeführer die Schweizer Botschaft in Colombo um Bewilligung der
Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl. Mit Eingabe vom
17. Dezember 2010 beantwortete er die ihm von der Botschaft mit Schrei-
ben vom 1. Dezember 2010 gestellten Fragen. Am 15. Mai 2014 wurde er
auf der Botschaft zu seinen Asylgründen angehört. Mit Begleitschreiben
vom 23. Mai 2014 übermittelte die Botschaft dem damaligen Bundesamt
für Migration (BFM) die Akten und ihre Einschätzung, wonach eine akute
Gefährdung des Beschwerdeführers nicht ausgeschlossen werden könne.
Mit Schreiben vom 19. November 2014 an die Botschaft bewilligte das
BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz zwecks Durchfüh-
rung des ordentlichen Asylverfahrens. Am (...) 2015 verliess er Sri Lanka
im Besitz eines von der Schweizer Botschaft ausgestellten Visums und ge-
langte am (...) 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nach-
suchte. Am 21. Juli 2015 wurde er zu seiner Person befragt (BzP; Protokoll
in den SEM-Akten B5) und am 6. Juli 2017 zu seinen Asylgründen ange-
hört (B12).
A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer
aus, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie und (...)
Glaubens mit letztem Wohnsitz in B._ (Distrikt B._ / Nord-
provinz). (...) sei er freiwillig den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE)
beigetreten. Er habe eine Kampfausbildung erhalten und sei danach zuerst
einer Kampfeinheit zugeteilt worden. Zwischen (...) und (...) habe er eine
Ausbildung für politische Angelegenheiten der LTTE erhalten. Hochrangige
LTTE-Mitglieder hätten ihm die Situation in Sri Lanka und in der Welt auf-
gezeigt. Das erworbene Wissen habe er anderen Kämpfern der LTTE wei-
tergegeben. Von (...) bis (...) habe er in der (...)abteilung namens (...)
(Wahrheit) innerhalb des politischen Flügels der LTTE gearbeitet. Sein
Deckname sei C._ gewesen. Er sei zum (...) ausgebildet worden.
Zur Abteilung hätten ein Radio- ([...]) und ein Fernsehsender ([...]) gehört.
Er habe zahlreiche Kampfhandlungen der LTTE gefilmt und verbreitet. (...)
sei er dabei am Arm verletzt worden. Ziel der Aufnahmen sei es gewesen,
der tamilischen Bevölkerung und der Welt die Probleme im Vanni-Gebiet
bekannt zu machen. Während dieser Zeit habe er seine Ehefrau kennen-
gelernt, die ebenfalls für die (...)abteilung tätig gewesen sei.
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(...) 2001 hätten er und seine Ehefrau heiraten wollen und die LTTE unter
der Bedingung verlassen dürfen, dass er weiterhin für sie tätig sei. Zuerst
seien sie nach D._ und (...) 2002 nach E._ gegangen. In
E._ habe er für die private Firma (...) gearbeitet, die sich im Besitz
der LTTE befunden habe. (...) habe seine Beiträge an das (...) in
F._ ([...]) weitergeleitet, um Propaganda und Nachrichten der LTTE
an die tamilische Diaspora zu verbreiten. Im (...) 2004 sei er nach
G._ gereist, weil die EPDF (Eelam People's Democratic Party) ihn
bedroht habe. Aufgrund der Tsunami-Katastrophe sei er (...) 2005 nach Sri
Lanka zurückgekehrt. Die LTTE habe ihn kontaktiert und zur Zusammen-
arbeit aufgefordert. Deshalb sei er noch im gleichen Jahr nach H._
gegangen und habe dort bis (...) 2009 gelebt. In dieser Zeit habe er gegen
Entgelt für die Firma (...) gearbeitet, die sich ebenfalls im Besitz der LTTE
befunden habe. Sein Vorgesetzter sei das LTTE-Mitglied I._ und
dessen Vorgesetzter das LTTE-Mitglied J._ gewesen. Die von ihm
im Kriegsgebiet gemachten Videoaufnahmen, die er unter dem Deckna-
men K._ veröffentlicht habe, seien jeweils an (...) weitergeleitet
worden. Er habe auch mehrere Spielfilme unter dem Namen A._
gemacht ([...]), bei denen er das Drehbuch geschrieben und Regie geführt
habe.
In der Endphase des Krieges habe er viel gearbeitet. Die LTTE habe der
Aussenwelt zeigen wollen, was passiert sei. Zahlreiche seiner in der Re-
gion L._ gemachten Aufnahmen seien auf YouTube abrufbar. Diese
Region sei von den sri-lankischen Behörden als sichere Zone bezeichnet,
aber dennoch von der Armee beschossen worden. Er habe gefilmt, wie
Menschen massakriert worden seien. Dieses mit seiner Stimme versehene
Filmmaterial sei auf einen Server hochgeladen und vom (...) Fernsehsen-
der (...) verwendet worden. Die LTTE habe das vorhandene Filmmaterial,
Fotografien und Kontaktdaten grösstenteils vernichtet, ein Container mit
Videokassetten sei jedoch in die Hände der Armee gefallen. Er habe Ge-
spräche zwischen M._ und N._ gefilmt und es seien Fotos
von ihm mit M._ gemacht worden. Er habe Angst, dass die sri-lan-
kische Armee solche Bilder entdecke.
Am (...) 2009 sei er nach O._ gegangen und habe sich mit seiner
Ehefrau und seinem Sohn auf die Seite der sri-lankischen Armee begeben.
Am (...) 2009 seien sie in das Flüchtlingslager (...) gebracht worden. Ge-
heimdienstleute der sri-lankischen Armee hätten im Flüchtlingslager ein
Auge auf ihn geworfen und ihn über seine Vergangenheit befragt. Er habe
nicht zugegeben, bei den LTTE gewesen zu sein. Im (...) 2009 seien er
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und seine Familie aus dem Lager entlassen worden mit der Erlaubnis, nach
B._ zu gehen. Kurze Zeit später seien ihm bekannte Geheimdienst-
leute dort vorbeigekommen und hätten ihn befragt. Er habe zwar zugege-
ben, sich im Vanni-Gebiet aufgehalten zu haben, aber wiederum verneint,
bei den LTTE gewesen zu sein. Im (...) oder (...) 2009 sei er für drei Monate
nach P._ gegangen, weil ihm dieser Besuch Angst gemacht habe.
Einige Wochen nach seiner Rückkehr (...) 2010 habe er Telefonanrufe und
Besuch von Personen erhalten. Sie hätten sich als Geheimdienstleute aus-
gegeben und ihm gesagt, sie würden eine Untersuchung machen. Sie hät-
ten (...) sri-lankische Rupien von ihm verlangt und bei einer Bezahlung zu-
gesichert, dass keine Informationen nach draussen weitergeleitet würden.
Sie hätten ihn bedroht und von ihm ein Geständnis verlangt, dass er bei
den LTTE gewesen sei. Er habe jedoch nicht bezahlt und den Vorfall der
Polizei gemeldet. Zudem sei er ungefähr viermal auf das Büro des Geheim-
dienstes vorgeladen und dort befragt worden. Er sei gefragt worden, ob er
C._ sei, was er verneint habe. Danach habe er zwei oder drei Tele-
fonanrufe erhalten, wo ihm gesagt worden sei, er verheimliche dem Ge-
heimdienst seine frühere Tätigkeit für die LTTE.
Im (...) 2011 habe er aus Angst vor weiteren Nachstellungen versucht, Sri
Lanka mit einem Boot von Q._ aus illegal zu verlassen. Er und un-
gefähr sechzig andere Personen seien jedoch von den sri-lankischen Si-
cherheitskräften festgenommen worden. Danach sei er auf Anordnung des
Gerichts zusammen mit (...) weiteren Personen aufgrund des Prevention
of Terrorism Act in das (...)-Gefängnis verbracht worden. Alle drei Monate
seien Haftverlängerungen, von denen er Kopien beim SEM eingereicht
habe, angeordnet worden. Er habe immer verneint, etwas mit den LTTE zu
tun gehabt zu haben; LTTE-Mitglieder, denen er gegenübergestellt worden
sei, hätten ihn nicht verraten. Im (...) 2012 habe ihn ein Richter gegen Kau-
tion freigelassen. Er sei jedoch wegen versuchter illegaler Ausreise ange-
klagt worden. Nach seiner Freilassung habe er beim Gericht in R._
alle drei Monate seine Unterschrift leisten müssen. In B._ sei er un-
ter Beobachtung des Geheimdienstes gestanden. Er sei mindestens
(...)mal pro Monat zu Hause besucht worden und habe immer Angst vor
den Geheimdienstleuten gehabt. Sie hätten ihn gefragt, ob das Geld, mit
dem er ein (...)studio aufmachen wolle, von den LTTE im Ausland komme.
Er habe wegen den Unterschriften finanzielle Schwierigkeiten gehabt und
sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren können. Ein normales Leben
sei für ihn nicht mehr möglich gewesen. Später habe er erfahren, dass
S._ im März oder April 2014 seinen früheren Vorgesetzten an Sri
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Lanka ausgeliefert habe. Deshalb habe er sich auch vor einer Denunziation
gefürchtet.
Obwohl er durch die Schweizer Botschaft in Colombo eine Einreisebewilli-
gung erhalten habe, habe er Sri Lanka zunächst nicht verlassen dürfen,
weil er gegen Kaution freigelassen und sein Reisepass im Computer ge-
sperrt worden sei. Erst mit Hilfe eines Anwalts habe er seinen Reisepass
entsperren lassen können. Im (...) 2015 habe er dem Gericht eine Busse
von (...) Rupien wegen versuchter illegaler Ausreise nach Cc._ be-
zahlt und dann Sri Lanka legal verlassen können. Nach seiner Ausreise
hätten sich Geheimdienstleute bis (...) 2017 ungefähr (...)mal bei ihm zu-
hause nach seinem Verbleib erkundigt. Ende (...) 2016 sei seine Ehefrau
auf das Geheimdienstbüro vorgeladen worden. Er bekäme bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka auch deshalb Probleme, weil ihm der Richter eine Be-
währungszeit von (...) Jahren auferlegt habe.
B.
Mit am 20. Dezember 2017 eröffneter Verfügung vom 19. Dezember 2017
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Vollzug an.
C.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 19. Januar 2018 gelangte der Beschwerde-
führer durch seinen Rechtsvertreter an das Bundesverwaltungsgericht. In
materieller Hinsicht beantragt er unter Aufhebung der Verfügung die Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz wegen der Verletzung des rechtlichen
Gehörs, eventualiter zur vollständigen und richtigen Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhaltes. Eventualiter sei ihm unter Feststellung
seiner Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter seien die Dis-
positivziffern 4 und 5 der Verfügung aufzuheben und es sei die Unzuläs-
sigkeit oder zumindest Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen.
Der Beschwerdeführer stellte sodann diverse Verfahrens- und Beweisan-
träge. Im Detail ist auf die Akten und die Erwägungen zu verweisen (insbes.
E. 3-5).
Als Beilagen reichte er die auf den Seiten 53 bis 55 der Beschwerde auf-
geführten Dokumente (Beilagen 1 bis 52) ein.
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D.
D.a Am 24. Januar 2018 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang
der Beschwerde und verfügte, der Beschwerdeführer könne den Ausgang
des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.
D.b Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2018 gab die Instruktionsrich-
terin dem Beschwerdeführer unter Feststellung seines Anwesenheitsrechts
in der Schweiz für die Dauer des Verfahrens das Spruchgremium bekannt.
Dieses setze sich – unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Abwesenheiten
– aus der Instruktionsrichterin Esther Marti (Vorsitz), dem Richter Daniele
Cattaneo und der Richterin Gabriela Freihofer sowie dem Gerichtsschrei-
ber Peter Jaggi zusammen. Den Antrag, das SEM sei anzuweisen, sämtli-
che nicht öffentlich zugänglichen Quellen seines Lagebildes vom 16. Au-
gust 2016 zu Sri Lanka offenzulegen, wobei eine angemessene Frist zur
Beschwerdeergänzung anzusetzen sei, wies sie ab. Gleichzeitig forderte
sie den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses von
Fr. 1’200.– auf. Den Entscheid über die weiteren Verfahrensanträge ver-
legte sie gegebenenfalls auf einen späteren Zeitpunkt.
D.c Der Kostenvorschuss wurde am 1. März 2018 fristgerecht bezahlt.
E.
Mit Eingabe vom 1. März 2018 (mit Beilagen 53 bis 80) erneuerte der Be-
schwerdeführer seine Anträge auf Offenlegung der Quellen des Lagebildes
des SEM und auf Information, ob der Spruchkörper in der vorliegenden
Sache zufällig oder mittels Manipulation ausgewählt worden sei. Des Wei-
teren gab er die korrekte Geschäftsnummer des Verfahrens betreffend die
in der Beschwerde genannte Vernehmlassung des SEM vom 8. November
2017 bekannt und machte Ausführungen zur Lageentwicklung in Sri Lanka
sowie zur Vergrösserung des «real risk» nach den Kommunalwahlen vom
10. Februar 2018. Seine Kriegsnarbe am Arm sei auf dem eingereichten
Foto (Beilage 80) gut sichtbar.
F.
Mit Eingabe vom 9. März 2020 (mit Beilagen 81 bis 85) reichte der Rechts-
vertreter eine Zusammenstellung von Länderinformationen zur aktuellen
Lage in Sri Lanka (Stand: 23. Januar 2020, Beilage 85) inklusive Anhang
(CD mit Quellen) und ein Länderupdate zu Sri Lanka (Stand: 26. Februar
2020) ein und verweist auf das Risikoprofil des Beschwerdeführers. Die
bisherige Einschätzung des SEM, dass sich die Sicherheitslage in Sri
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Lanka verbessert habe, sei spätestens seit der Wahl des Kriegsverbre-
chers Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten unhaltbar. Das anhal-
tende behördliche Verfolgungsinteresse an seinem Mandanten zeige sich
auch an den fortschreitenden Behelligungen seiner Familienangehörigen
in Sri Lanka. Als Beilagen 81 bis 84 wurden das Asylgesuch der Ehefrau
des Beschwerdeführers sowie drei ärztliche Berichte ihre Person betref-
fend eingereicht. Aufgrund des Vorfalls mit der schweizerischen Bot-
schaftsangestellten sei abzuklären, ob der Name des Beschwerdeführers
auf ihrem Mobiltelefon zu finden sei und welche Daten darauf abgegriffen
worden seien.
G.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 30. Dezember 2020
mit ergänzenden Erwägungen die Abweisung der Beschwerde. Für die Er-
wägungen im Einzelnen wird dazu auf die Akten und nachfolgend die E.
7.3 verwiesen.
H.
Der Beschwerdeführer hält in seiner Replik vom 8. Juli 2021 (mit Beila-
gen 86 bis 91) an den gestellten Rechtsbegehren fest und unterstreicht ein
weiteres Mal, die Lage in Sri Lanka habe sich weiter massgeblich ver-
schlechtert. Ferner weist er auf seinen desolaten psychischen Gesund-
heitszustand hin. Dazu reichte er einen ärztlichen Bericht der behandeln-
den Oberärztin Dr. med. T._ und der Psychologin U._ vom
29. Juli 2020 zu den Akten (Beilage 86). Dem Beschwerdeführer wird darin
eine schwere psychosoziale Belastungsstörung attestiert.
Bezüglich seiner Verfolgungsvorbringen beantragte er sodann eine Anset-
zung einer angemessenen Frist, um von acht Zeugen (Beilage 87) die Ein-
willigung für den Beizug ihrer Asylakten einzuholen. Gleichzeitig reichte er
ein persönliches Schreiben in englischer Sprache ein, in welcher er insbe-
sondere zu seinen Tätigkeiten in der Schweiz Ausführungen macht. Gleich-
zeitig reichte er eine CD mit regimekritischen Liedern zu den Akten (Beila-
gen 88 und 89).
I.
Mit Eingabe vom 19. August 2021 informierte der Beschwerdeführer, dass
das SEM ihm inzwischen von drei der genannten Zeugen die Asylakten
zugestellt habe. Diese Akten seien für den Entscheid beizuziehen. Sollten
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Zweifel am Risikoprofil des Beschwerdeführers bestehen, seien die Zeu-
gen persönlich einzuvernehmen oder es sei eine Frist zur Einreichung ei-
ner schriftlichen Auskunft anzusetzen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105
AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
Hinsichtlich des AsylG gilt das alte Recht (Abs. 1 der Übergangsbestim-
mungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 14. Februar 2018 den voraussichtlich befassten
Spruchkörper mitgeteilt und für die in der Beschwerde aufgeworfenen Fra-
gen zur Geschäftsverteilung sowie Verfahrensabwicklung auf die betreffen-
den Bestimmungen des Geschäftsreglements für das Bundesverwaltungs-
gericht verwiesen. Soweit in der Eingabe vom 1. März 2018 gerügt wird,
der Antrag auf unverzügliche Mitteilung des Auswahlverfahrens des
Spruchkörpers sei noch nicht behandelt worden, kann ergänzend die Zu-
fälligkeit dieses Spruchkörpers bestätigt werden.
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Des Weiteren ist festzuhalten, dass statt dem Gerichtsschreiber Peter
Jaggi aufgrund seiner Pensionierung die Gerichtsschreiberin Patricia Pe-
termann Loewe eingesetzt wurde.
3.2 Der ebenfalls in der Eingabe vom 1. März 2018 «erneuerte» Antrag auf
Offenlegung der Quellen des Lagebildes des SEM und entsprechend auf
Ansetzung einer Frist zur Ergänzung ist abzuweisen, zumal der vorin-
stanzliche Länderbericht vom 16. August 2016 zu Sri Lanka öffentlich zu-
gänglich ist und darin – neben nicht namentlich genannten Gesprächspart-
nern und anderen nicht offengelegten Referenzen – überwiegend auch öf-
fentlich zugängliche, verlässliche Quellen zitiert werden. Dem Anspruch
des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ist damit trotz teilweise nicht
im Einzelnen offengelegter Referenzen Genüge getan (vgl. statt vieler Ur-
teil BVGer D-109/2018 vom 16. Mai 2018 E. 6.3).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Anspruchs auf rechtli-
ches Gehör, eine Verletzung der Begründungspflicht, eine unvollständige
sowie unrichtige Feststellung des Sachverhaltes und eine Verletzung von
Bundes- sowie Völkerrecht. Diese Rügen sind vorab zu prüfen, da sie al-
lenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu
bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.; BGE 144
IV 302 E. 3.1 m.w.H.).
4.2 Die Rüge, das rechtliche Gehör sei verletzt worden, weil trotz Anregung
der Hilfswerkvertretung auf dem Unterschriftenblatt der gesundheitliche
Zustand des Beschwerdeführers nicht weiter abgeklärt worden sei, erweist
sich als unbegründet. Der Beschwerdeführer hat bei der Anhörung auf die
Frage der Hilfswerkvertretung, ob sie ihn richtig verstanden habe, dass er
keine gesundheitlichen Beschwerden habe, geantwortet, er sei ein biss-
chen depressiv, er lebe so lustlos, aber er müsse das akzeptieren (B12
F140). Vor diesem Hintergrund war das SEM nicht verpflichtet, weiterge-
hende Abklärungen zu seinem Gesundheitszustand zu treffen. Es stand
dem Beschwerdeführer auch jeder Zeit frei, ihm wesentlich scheinende
Elemente zu seinem Gesundheitszustand im Rahmen seiner Mitwirkungs-
pflicht einzubringen. Das hat er mit der Einreichung eines Abschlussbe-
richts der Psychiatrieabteilung des Spitals V._ vom 29. Juli 2020
auch getan (Beilage 86).
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4.3 Der Beschwerdeführer bemängelt eine unvollständige und unrichtige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Die Vorinstanz habe sein
Risikoprofil nicht vollständig abgeklärt. Sie habe lediglich die Schussnarbe
am Bauch erwähnt und sich an veralteter Rechtsprechung und ihrem feh-
lerhaften eigenen Lagebild vom 16. August 2016 orientiert. Sie habe die
aktuelle Situation in Sri Lanka unvollständig und unkorrekt abgeklärt. Er
verweist ausdrücklich auf die von seinem Rechtsvertreter verfassten Stel-
lungnahmen vom 30. Juli 2016 und 18. Oktober 2016 und weiteren Lände-
rinformationen mit Anhang (letzter Stand: 4. April 2021 [Beilage 90]). Es sei
nicht korrekt thematisiert worden, dass die zu erwartende Vorsprache auf
dem sri-lankischen Generalkonsulat zwecks Papierbeschaffung eine Vor-
bereitung für einen Background Check sei.
Das SEM hielt im Sachverhalt die vom Beschwerdeführer geltend gemach-
ten Risikofaktoren fest und thematisierte sie in der Begründung. Es war
nicht verpflichtet, nach möglichen weiteren Risikofaktoren zu forschen. Al-
leine der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka
einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und aus
sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung der Aussagen und
Beweismittel gelangt, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfest-
stellung.
4.4 Es wird weiter gerügt, das SEM habe den Sachverhalt auch insoweit
unvollständig und unrichtig abgeklärt, als es im angefochtenen Entscheid
nicht korrekt thematisiert habe, dass standardmässige behördliche Back-
groundchecks bei Rückkehrern nach Sri Lanka regelmässig zu einer asyl-
relevanten Verfolgung führten. Die Checks würden bereits mit der Papier-
beschaffung in der Schweiz respektive dem Ausfüllen der verschiedenen
Formulare mit Hilfe der kantonalen und eidgenössischen Behörden begin-
nen sowie mit der aus Sicht der sri-lankischen Behörden in der Schweiz
zwingend notwendigen Vorsprache auf dem Konsulat für die Papieraus-
stellung.
Die Rüge ist unbegründet, zumal es sich bei den Backgroundchecks nicht
um bestehende Sachverhaltselemente, sondern um hypothetische Zu-
kunftsszenarien handelt. Nichts Gegenteiliges ergibt sich im Übrigen aus
der angerufenen Vernehmlassung des SEM vom 8. November 2017 im
Verfahren D-4794/2017 (Beilage 54 der Eingabe vom 1. März 2018). Zu-
dem wurde in BVGE 2017 VI/6 ausführlich begründet, weshalb einer Vor-
sprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat für sich alleine keine asyl-
relevante Bedeutung zukommt. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde
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von der Vorinstanz auch in dieser Hinsicht richtig und vollständig festge-
stellt.
4.5 Die Vorinstanz hat sich in der angefochtenen Verfügung mit den Nar-
ben des Beschwerdeführers an seinem Arm auseinandergesetzt und zu-
dem im Hinblick auf seine allfällige Rückkehr nach Sri Lanka aus der
Schweiz ausgeführt, es sei unwahrscheinlich, dass er deswegen Probleme
bekommen könnte, zumal er ausgesagt habe, seit dem Kriegsende jegli-
che Verbindungen zu den LTTE gekappt und in der Schweiz auch keine
nennenswerten exilpolitischen Aktivitäten verfolgt zu haben. Auch in der
Vernehmlassung vom 30. Dezember 2020 nahm es wieder Bezug auf die
Narben. Der Antrag, es sei eine angemessene Frist zur Einreichung von
Fotos seiner Narben und deren Positionierung anzusetzen, ist abzuweisen,
zumal er ein solches bereits am 1. März 2018 zu den Akten gereicht hatte
und nicht ersichtlich ist, weshalb er nicht auch weitere, ihm wesentlich er-
scheinende Fotos, hätte zu den Akten reichen können.
4.6 Unter Bezugnahme auf einen in der NZZ am Sonntag vom 27. Novem-
ber 2016 (Beilage 46) veröffentlichten Bericht führte der Beschwerdeführer
aus, dass unmittelbar nach den durch die Schweizer Behörden organisier-
ten Rückschaffungen vom 16. November 2016 sri-lankische Medienbe-
richte mit den Namen und Herkunftsorten der betroffenen Personen er-
schienen seien. Vermutungsweise seien die Namen von der Schweizer
Vertretung in Colombo preisgegeben worden und die Ausgeschafften be-
fänden sich nun in grosser Gefahr. Dieses Beispiel zeige, dass eine Rück-
schaffung für sich alleine unter den gegebenen Zuständen in Sri Lanka
eine asylrelevante Verfolgungsgefahr und damit auch vorliegend einen
neuen, zwingend zu berücksichtigenden Asylgrund darstelle.
Die Vorinstanz kam zum Schluss, es bestehe kein begründeter Anlass zur
Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevan-
ten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Die Ausführungen zu
den Ereignissen bei den Ausschaffungen vom 16. November 2016 betref-
fen nicht die Erstellung, sondern die materielle Würdigung des rechtser-
heblichen Sachverhalts. Die Vorgehensweise der Vorinstanz ist nicht zu
beanstanden, da sie sich mit den für ihren Entscheid wesentlichen Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt hat und eine sachge-
rechte Anfechtung möglich war.
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4.7 Schliesslich führt der Beschwerdeführer unter dem Titel der falsch ab-
geklärten Länderinformationen im vorliegenden Fall und der falschen
Sachverhaltsabklärung des SEM in Bezug auf neue Fälle (2017) von Ver-
folgung nach Rückschaffung aus der Schweiz aus, es sei aufgrund der ver-
fügbaren Länderberichte und Informationen klar, dass ihm mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit Folter und unmenschliche Verfolgung drohe.
Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die soeben gemachten Ausführun-
gen (E. 4.6) verwiesen werden.
4.8 Die formellen Rügen sowie die Sachverhaltsrüge erweisen sich somit
als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene
Verfügung aus diesen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Das Rechtsbegehren auf Kassation der vorinstanzlichen Verfü-
gung ist folglich abzuweisen.
5.
5.1 Der für den Fall einer materiellen Beurteilung der Beschwerde gestellte
Beweisantrag (vgl. Ziff. 7 der Beschwerdeschrift), der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers sei von Amtes wegen fachärztlich abzuklären, wo-
bei ein Psychologe zu allfälligen Einschränkungen des Aussageverhaltens,
der Prognose und der Behandlungsmöglichkeit des psychologischen
Krankheitsbildes in Sri Lanka Stellung nehmen müsse, und, sollte diesem
Ersuchen nicht entsprochen werden, eine angemessene Frist zur Einrei-
chung dieser fachärztlichen Zeugnisse anzusetzen sei, wird abgewiesen.
Der Sachverhalt ist auch hinsichtlich des Gesundheitszustandes des Be-
schwerdeführers entscheidreif, zumal er mit der Replik vom 8. Juli 2021,
wie bereits erwähnt (vgl. oben E. 4.2), einen aktuellen Arztbericht ein-
reichte. Für den Antrag auf Offenlegung der Quellen des Länderberichts
des SEM (vgl. Ziff. 7 der Beschwerdeschrift) kann auf die Erwägung 3.2
verwiesen werden.
5.2 Es besteht sodann keine Veranlassung, dem Beschwerdeführer durch
eine qualifizierte Fachperson des SEM erneut anzuhören, die sich mit der
aktuellen sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka auskenne. Eine Durch-
sicht der Anhörungsprotokolle ergibt keine Hinweise darauf, der Beschwer-
deführer könnte in gravierender Weise unkorrekt behandelt worden oder
nicht in der Lage gewesen sein, seine Asylgründe vollständig darzulegen.
Auch dieser Beweisantrag ist abzuweisen.
5.3 Ebenfalls abzuweisen sind unter Hinweis auf die Mitwirkungspflicht die
weiteren Beweisanträge, dem Beschwerdeführer sei eine angemessene
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Frist zur Beschaffung von Filmaufnahmen, die er von W._ gemacht
habe, und zur Einholung je einer Bewilligung von acht Zeugen zum Beizug
ihrer Asylakten (vgl. Eingabe vom 8. Juli 2021) anzusetzen. Mit Eingabe
vom 19. August 2021 teilt der Beschwerdeführer mit, er habe zwischenzeit-
lich vom SEM die Akten von drei Zeugen erhalten. Es habe sich gezeigt,
dass er unter anderem zur gleichen Zeit wie die Zeugin X._ [An-
merkung des Gerichts]) bei einem TV-Kanal tätig gewesen sei. Die offen-
sichtlichen Parallelen der beiden würden folglich dasselbe Risikoprofil auf-
zeigen. Die Zeugen Y._ [Anmerkung des Gerichts]) und X._
[Anmerkung des Gerichts]) seien – nebst weiteren Parallelen – wie der Be-
schwerdeführer von N._ persönlich für ihre Verdienste ausgezeich-
net worden, was den sri-lankischen Sicherheitskräften bekannt sein dürfte.
Damit konnte sich der Beschwerdeführer ausführlich zu den Parallelen zwi-
schen den Asylvorbringen der Zeugen und seinen eigenen äussern. Der
weitere Antrag, diese drei Zeugen seien vom Gericht einzuvernehmen oder
es sei mindestens eine angemessene Frist zur Einreichung einer schriftli-
chen Aussage anzusetzen, ist abzuweisen, da der rechtserhebliche Sach-
verhalt als erstellt gilt.
5.4 Für den Antrag auf Beibringung von Fotografien seiner Kriegsnarben-
verletzung kann auf E. 4.5 vorstehend verwiesen werden.
5.5 Auch der Beweisantrag, es seien Abklärungen betreffend den Vorfall
im November 2019 vorzunehmen, als eine Angestellte der Schweizer Bot-
schaft in Sri Lanka entführt wurde, ist abzuweisen. Gemäss dem Gericht
vorliegenden diesbezüglichen Abklärungen befanden sich keine Daten
über sich in der Schweiz aufhaltende, asylsuchende Personen aus Sri
Lanka auf dem beschlagnahmten Mobiltelefon der vom Sicherheitsvorfall
betroffenen lokalen Angestellten der Schweizer Botschaft und es gelangten
auch anderweitig keine personenbezogenen Informationen an Dritte. Wei-
tere Abklärungen drängen sich nicht auf.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-
barer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität be-
fürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive
zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staat-
lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2,
jeweils m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vor-
liegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es
müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhan-
den sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfol-
gung hervorrufen würden. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das
vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in ver-
gleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmass-
nahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub-
jektive) Furcht (vgl. die vom Bundesverwaltungsgericht fortgeführte Recht-
sprechung der [damaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK]
in EMARK 2004/1 E. 6a; BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E. 6;
BVGE 2008/4 E. 5.2, je m.w.H). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlings-
rechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft
ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Her-
kunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12
E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung der angefochtenen Verfügung
aus, zwischen den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfol-
gungshandlungen (Befragungen zuhause durch den Geheimdienst, Geld-
erpressung, Telefonanrufe, Inhaftierung im (...)-Gefängnis zwischen (...)
E-482/2018
Seite 15
2011 und (...) 2012 wegen des Verdachts, Mitglied der LTTE zu sein und
für sie gearbeitet zu haben) und seiner Ausreise im Jahr 2015 bestehe kein
genügend enger zeitlicher Kausalzusammenhang. Seit der Erteilung der
Einreisebewilligung an den Beschwerdeführer im November 2014 habe
sich die Lage in Sri Lanka insgesamt verbessert.
Die sri-lankischen Behörden besässen seit Kriegsende umfangreiches Ma-
terial über die LTTE. Auch sei der Beschwerdeführer von (...) ein Jahr lang
im (...)-Gefängnis inhaftiert gewesen, wo er intensiv überprüft worden sei.
Dass den sri-lankischen Behörden seine Tätigkeiten für die LTTE verbor-
gen geblieben seien, sei praktisch ausgeschlossen. Es sei auch möglich,
dass er dem SEM eine Rehabilitation verschwiegen habe. Sein Profil dürfte
somit den sri-lankischen Behörden bekannt gewesen sein. Seine Freilas-
sung zeige, dass er nicht mehr als Gefahr für den Staat betrachtet worden
sei und auch keine weiteren Verfolgungsmassnahmen erfolgt seien. Hätten
die sri-lankischen Sicherheitskräfte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nichts
von seinen LTTE-Verbindungen gewusst, wäre spätestens nach der Aus-
lieferung seines früheren Vorgesetzten I._ im Frühjahr 2014 und
dessen Befragung eine Reaktion gegen den Beschwerdeführer zu erwar-
ten gewesen.
Die weiteren geheimdienstlichen Überwachungsmassnahmen, die er für
den Zeitraum nach seiner Haftentlassung im (...) 2012 bis zu seiner Aus-
reise geltend mache, erreichten kein asylrelevantes Ausmass. Aufgrund
seiner Haft habe er möglicherweise eine ausgeprägtere subjektive Furcht,
er habe aber als (...) arbeiten können, ohne dass er dabei in wesentlicher
Weise eingeschränkt worden sei. Ein unerträglicher psychischer Druck
habe nicht vorgelegen. Der Beschwerdeführer sei dann mit seinem Reise-
pass legal aus Sri Lanka ausgereist, was ein weiterer Hinweis dafür sei,
dass nichts gegen ihn vorgelegen habe. Mit seinem bis (...) gültigen Rei-
sepass könne er ohne Ersatzreisepapiere wieder nach Sri Lanka·zurück-
reisen. Die nach seiner Ausreise erfolgten mehrmaligen Erkundigungen
des Geheimdienstes nach seinem Verbleib und die Vorladung seiner Ehe-
frau seien als Routinemassnahmen zu werten. Seine Befürchtungen, er
hätte nach seiner Rückkehr mehr Probleme, weil sein Fall neu aufgerollt
würde und er aus der Schweiz zurückkehre, wo sich viele Sympathisanten
der LTTE aufhielten, seien objektiv betrachtet unbegründet. Der Beschwer-
deführer habe seine Verbindungen zu den LTTE nach dem Kriegsende auf-
gelöst und keine nennenswerten exilpolitischen Aktivitäten verfolgt.
Schliesslich sei festzuhalten, dass es sich bei den Narben am Arm lediglich
um schwach risikobegründende Faktoren handle, die durch entsprechende
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Seite 16
Kleidung abgedeckt werden könnten. Übrige Beweismittel beträfen im We-
sentlichen Sachverhalte, die vom SEM nicht bestritten würden.
7.2 Auf Beschwerdestufe macht der Beschwerdeführer ergänzend geltend,
er habe bereits an der Anhörung angegeben, sich in der Schweiz anlässlich
einer Demonstration in Aa._ exilpolitisch betätigt zu haben. Seither
habe er im (...) 2017 in Aa._ und am (...) 2018 in Bb._ an
weiteren Demonstrationen und Veranstaltungen der sri-lankischen Exilta-
milen teilgenommen. Auch kommentiere er zusammen mit einer Künstler-
gruppe regimekritische Lieder zu den Kriegsgeschehnissen; diese seien
auf Internet auffindbar. Sodann habe sich die Lage in entscheidender
Weise verändert. Auf weitere Einzelheiten, wird nachfolgend eingegangen.
7.3 In seiner Vernehmlassung unterstreicht das SEM hinsichtlich allfälliger
Risikofaktoren die Tatsache, dass der Beschwerdeführer – ein früheres
LTTE-Mitglied und Aktivist dieser Bewegung – durch ein Gericht freigelas-
sen worden sei und später sogar seinen Reisepass wieder habe entsper-
ren lassen können. Er habe deshalb künftig keine Verfolgung zu befürch-
ten. Die exilpolitischen Tätigkeiten seien nicht als exponiert zu betrachten.
Auch würden seine Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und seine Lan-
desabwesenheit (seit 2015) nicht ausreichen, um von Verfolgungsmass-
nahmen gegen ihn auszugehen, die zu erwartende Befragung am Flugha-
fen in Colombo sei jedenfalls keine solche. Zwar gebe es mit der Wahl von
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten und ersten Anzeichen der Zunahme
von Überwachungsaktivitäten Befürchtungen von mehr Einschüchterun-
gen von Zugehörigen gewisser Minderheiten oder Personengruppen. Den-
noch prüfe das SEM das Verfolgungsrisiko im Einzelfall. Im Fall des Be-
schwerdeführers sei ein solches nicht gegeben.
7.4 In seiner Replik bekräftigt der Beschwerdeführer, er erfülle ein relevan-
tes Risikoprofil gemäss dem als Referenzurteil publizierten Entscheid des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016. Die ver-
schlechterte Lage in Sri Lanka habe dies noch verschärft. In seinem bei-
gefügten persönlichen Schreiben verweist er darauf, dass er in der
Schweiz mit früheren Kollegen zusammenarbeite. Mindestens acht LTTE-
Mitgliedern aus seinem Team sei Asyl gewährt worden. Sie arbeiteten da-
ran, die Informationen darüber, was während des Krieges in Sri Lanka ge-
schehen sei, für die nächste Generation verfügbar zu halten; sie hätten
auch eine Website (www.[...]), deren Administrator er sei. Die sri-lankischen
Behörden unterstellten ihm mit Sicherheit, dass er Propaganda mache,
selbst wenn es ihm nur um die Geschichte gehe.
E-482/2018
Seite 17
8.
8.1 Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Sachverhalt richtig und
vollständig festgestellt hat. Ob, wie vom SEM vermutet, der Beschwerde-
führer allenfalls eine Rehabilitation verschwiegen habe, ist letztlich nicht
wesentlich. Sie hat die vorgebrachten Asylgründe insgesamt als glaubhaft
erachtet. Auch das Gericht stellt fest, dass die Aussagen des Beschwerde-
führers ein in sich stimmiges Bild ergeben, mit diversen Realkennzeichen
versehen sowie in sich konsistent sind und keine Unstimmigkeiten enthal-
ten. Für den rechtserheblichen Sachverhalt kann folglich vollumfänglich auf
die gesuchsbegründenden Aussagen und die dazu eingereichten Beweis-
mittel verwiesen werden.
8.2 Der Beschwerdeführer hat glaubhaft dargelegt, dass er vom (...) 2011
bis (...) 2012 wegen des Verdachts, Mitglied der LTTE gewesen zu sein
und für sie gearbeitet zu haben, im (...)-Gefängnis inhaftiert war. Im (...)
2012 habe ihn ein Richter gegen Kaution freigelassen. Er sei jedoch wegen
versuchter illegaler Ausreise angeklagt worden. Zwar habe er beim Gericht
in R._ alle drei Monate seine Unterschrift leisten müssen und auch
in B._ sei er unter Beobachtung des Geheimdienstes gestanden.
Auch habe er wegen den Unterschriften finanzielle Schwierigkeiten gehabt
und sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren können. Trotz dieser
fortgesetzten Massnahmen, ist mit der Vorinstanz angesichts der spezifi-
schen Umstände des vorliegenden Einzelfalls nicht davon auszugehen, die
subjektiv verständliche Furcht des Beschwerdeführers sei im Zeitpunkt der
Ausreise auch objektiv begründet gewesen. Diesbezüglich scheint dem
Gericht wesentlich, dass der Beschwerdeführer kurz vor der Ausreise ge-
rade mehrmals offiziell mit den sri-lankischen Behörden in Kontakt war.
Zum einen habe er dem im (...) 2015 die Busse wegen illegalem Ausreise-
versuch nach Cc._ beglichen, zum anderen habe er – wenn auch
erst mit Hilfe eines Anwalts – seinen Reisepass entsperren lassen können,
mit welchem er Sri Lanka schliesslich auch legal verlassen hat. Es ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dies alles wäre ihm nicht
gelungen, hätten ihn die sri-lankischen Behörden damals in asylrechtlich
relevanter Weise im Fokus gehabt. Daran ändert der Umstand, dass sich
Geheimdienstleute bis (...) 2017 ungefähr (...)mal bei ihm zuhause nach
seinem Verbleib erkundigt und Ende (...) 2016 auch seine Ehefrau auf das
Geheimdienstbüro vorgeladen hätten, noch nichts.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM in der angefochtenen
Verfügung zu Recht zum Schluss gelangte, der Beschwerdeführer habe im
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Zeitpunkt der Ausreise keine auch objektiv hinreichend begründete Furcht
vor Verfolgung gehabt.
8.3 Es bleibt zu prüfen, inwiefern der Beschwerdeführer im heutigen Zeit-
punkt bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat.
8.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht nahm in seinem Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von
Rückkehrenden nach Sri Lanka vor und stellte fest, dass aus Europa res-
pektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht gene-
rell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt
seien (vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich deshalb bei der Beur-
teilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofakto-
ren. Stark risikobegründend sind dabei die folgenden Faktoren: tatsächli-
che oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindungen zur LTTE;
die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen sowie das
Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, übli-
cherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Ver-
bindung zur LTTE (vgl. a.a.O. E. 8.4.1–8.4.3). Schwach risikobegründende
Faktoren sind zudem bei Personen auszumachen, die ohne die erforderli-
chen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, zwangsweise zu-
rückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Mig-
ration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren. Schliesslich stellen auch gut
sichtbare Narben einen schwach risikobegründenden Faktor dar (vgl.
a.a.O. E. 8.4.4 und 8.4.5). Es ist im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret
glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine flüchtlingsrechtlich relevante Ge-
fährdung der betreffenden Person darstellen. Dabei ist zu beachten, dass
insbesondere jene Rückkehrerinnen und Rückkehrer eine begründete
Furcht vor einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung haben, denen
von den sri-lankischen Behörden ein Bestreben unterstellt wird, den tami-
lischen Separatismus wiederaufleben lassen zu wollen (vgl. a.a.O.
E. 8.5.1).
8.3.2 Der Beschwerdeführer vereint gleich mehrere stark risikobegrün-
dende Faktoren auf sich. Er war in einem wichtigen Bereich und nahe der
Führungsriege der LTTE für diese tätig. Sodann wurde er dessen auch
konkret verdächtigt seitens der sri-lankischen Behörden. Dies war der
Grund, weshalb er von (...) 2011 bis (...) 2012 im (...)-Gefängnis inhaftiert
war. Des Weiteren kann auch eine Identifizierung des Beschwerdeführers
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durch seinen früheren Vorgesetzten bei den LTTE namens I._ nicht
ausgeschlossen werden. Auch das SEM geht im Übrigen davon aus, den
sri-lankischen Behörden seien die früheren Verbindungen des Beschwer-
deführers zu den LTTE bekannt. Vor diesem Hintergrund ist sodann die
exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers zu würdigen. Zwar gehen
aus den Akten nur vereinzelte Teilnahmen an Kundgebungen hervor. Hinzu
kommt aber in entscheidender Weise seine Tätigkeit als (...)schaffender,
zusammen mit mehreren (ehemaligen oder aktuellen) LTTE-Mitgliedern in
der Schweiz, wobei er als Administrator einer Website zeichnet. Unabhän-
gig davon, ob seinen Beteuerungen, es gehe ihm dabei nur um die Auf-
zeichnung der Kriegsgeschehen für die nachkommende Generation, Glau-
ben geschenkt wird oder nicht, ist mit ihm einig zu gehen, dass – vor dem
einzelfallspezifischen Hintergrund (frühere Tätigkeit in [...]) – die sri-lanki-
schen Behörden in diesen Aktivitäten mit hoher Wahrscheinlichkeit Propa-
ganda für die LTTE erkennen würden. Dass sie ihn bei der Rückkehr nach
Sri Lanka verdächtigen würden, ein Interesse am Wiederaufflammen des
tamilischen Separatismus zu haben, liegt nahe. Vor diesem Hintergrund
kommt seinen Narben als schwach risikobegründendem Faktor keine ei-
genständige, aber immerhin zusätzliche Bedeutung zu. Schliesslich kann
auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer wegen
der ihm auferlegten (...)jährigen Bewährungszeit bei seiner Rückkehr aus
der Schweiz Probleme mit den sri-lankischen Behörden bekommen
könnte. Die Sicherheits- und Menschenrechtslage im hier interessierenden
Kontext hat sich sodann in den vergangenen beiden Jahren nicht zu Guns-
ten des Beschwerdeführers entwickelt (vgl. hierzu Urteil BVGer
D-2035/2020 vom 21. September 2021 E. 7.3).
8.3.3 Zusammenfassend erfüllt der Beschwerdeführer mehrere – stark und
schwach – risikobegründete Faktoren gemäss dem genannten Referenz-
urteil. Er hätte bei einer heutigen Rückkehr nach Sri Lanka mit hoher Wahr-
scheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu be-
fürchten, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Entscheidendes Ge-
wicht kommt dabei seiner exilpolitischen Tätigkeit zu, weshalb er aufgrund
subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) vom Asyl auszuschliessen ist.
Eine Prüfung allfälliger Asylausschlussgründe nach Art. 53 AsylG erübrigt
sich damit.
9.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
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Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen (vgl. Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 [AsylV 1, SR 142.311]; BVGE 2013/37 E. 4.4).
10.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Beschwerdeführer erfüllt die Flüchtlingseigenschaft. Damit erweist sich
der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka wegen drohender Verletzung
des flüchtlingsrechtlichen Gebots des Non-Refoulements (Art. 5 AsylG;
Art. 33 Abs. 1 FK) als unzulässig und das SEM ist anzuweisen, ihn vorläu-
fig in der Schweiz aufzunehmen.
11.
Die Verfügung vom 19. Dezember 2017 verletzt teilweise Bundesrecht. Die
Beschwerde ist gutzuheissen, soweit damit die Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft, der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs sowie die
Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragt wurden. Die entsprechen-
den Dispositivnummern 1, 4 und 5 der angefochtenen Verfügung sind auf-
zuheben und das SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flücht-
ling vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
12.
12.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen
(Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüg-
lich seines Antrags auf Gewährung von Asyl unterlegen. Hinsichtlich jenes
auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und infolgedessen der Anord-
nung der vorläufigen Aufnahme hat er obsiegt. Praxisgemäss bedeutet
dies ein Obsiegen zu zwei Dritteln.
12.2 Nach dem Gesagten sind die Verfahrenskosten von Fr. 1200.– zu ei-
nem Drittel, ausmachend Fr. 400.–, dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser Betrag wird dem am 1. März 2018 geleiste-
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ten Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 1’200.– entnommen. Der Restbe-
trag von Fr. 800.– ist dem Beschwerdeführer demzufolge zurückzuerstat-
ten.
12.3 Der Beschwerdeführer ist im Umfang seines Obsiegens für die ihm
erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG;
Art. 7 Abs.1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Es wurde keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachfor-
derung einer solchen ist indessen zu verzichten, weil der notwendige Ver-
tretungsaufwand zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in
fine VGKE). Als nicht notwendig zu erachten sind insbesondere weit-
schweifige Ausführungen zur allgemeinen Lage in Sri Lanka ohne direkten
Bezug zum Beschwerdeführer, die sich auch in Eingaben in vielen anderen
Beschwerdeverfahren des Rechtsvertreters finden. In Berücksichtigung
der in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist
der Gesamtaufwand für das Obsiegen auf Fr. 1'500.– festzusetzen. Dieser
Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das SEM zu entrichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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