Decision ID: 6b100997-2a11-42ff-8168-542bf001817f
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 30. Dezember 2009 (Posteingang) bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug (Rente) an. Sie gab dabei an, in einem
60 %-Pensum in einem Tankstellenshop zu arbeiten. Als gesundheitliche
Beeinträchtigungen nannte sie seit mehreren Jahren bestehende Depressionen,
Angstzustände, Gefühlsschwankungen und eine eingeschränkte Konzentration (IV-act.
1).
A.b Dr.med. C._, Spezialärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeit (ICD-10:
F61.0), psychische Einbrüche (ICD-10: F23) sowie depressive Episoden (ICD-10: F32),
alle bestehend seit 1998. Sie behandle die Versicherte seit 23. November 2000 mit
grossen Unterbrüchen. Als Verkäuferin sei sie seit 1. November 2009 und bis auf
weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (Arztbericht vom 30. April 2010, IV-act. 18).
A.c Vom 17. - 29. Juni 2010 wurde die Versicherte in der psychiatrischen Klinik D._
stationär behandelt. Dr. med. E._, Oberarzt, berichtete, die Einweisung sei bei
fremdaggressivem Verhalten zwischen den Ehepartnern und den Kindern erfolgt. Die
Situation sei eskaliert, weil die Versicherte gemeint habe, dass ihr Partner eine Geliebte
habe. Er diagnostizierte einen Verdacht auf eine schizoaffektive Störung gemischt
(ICD-10: F25.2). Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Konzentration,
Auffassung, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit seien deutlich eingeschränkt
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(Arztbericht vom 9. Juli 2010, IV-act. 23; Austrittsbericht vom 29. Juni 2010, IV-act.
108-1 ff.). Vom 29. Juni bis 19. August 2010 war die Versicherte in der Privatklinik F._
hospitalisiert. Dabei wurden die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
mit paranoiden, emotional instabilen, impulsiven Zügen (ICD-10: F61.0) und die
Differenzialdiagnose einer schizoaffektiven Störung gemischt (ICD-10: F25.2) gestellt.
Die Belastbarkeit der Versicherten sei stark eingeschränkt. Es bestehe ausserdem eine
sehr schwache Krankheitseinsicht und daher eine nur mittelgradige Compliance
(Verlaufsbericht vom 2. Februar 2011, IV-act. 32; Austrittsbericht vom 10. September
2010, IV-act. 90-58 ff.).
A.d Ab dem 5. April 2011 wurde die Versicherte am Psychiatrischen Zentrum G._
behandelt. Im Bericht vom 20. Juli 2011 wurde ein Verdacht auf eine schizoaffektive
Störung, gemischt, ICD-10: F25.2) diagnostiziert. Aktuell bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % als Coiffeuse (Arztbericht vom 20. Juli 2011, IV-act. 47).
A.e Vom 11. bis 14. September 2011 und vom 21. bis 24. Februar 2012 war die
Versicherte in der Krisenstation des Psychiatrischen Zentrums G._ hospitalisiert.
Dabei wurde die Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional-
instabilen und impulsiven Anteilen (ICD-10: F61) festgehalten und zusätzlich die
Diagnose von Anpassungsstörungen: kurze depressive Reaktion (ICD-10: F43.20),
gestellt (Austrittsberichte vom 14. September 2011, IV-act. 52, und vom 24. Februar
2012, IV-act. 90-62 f.).
A.f Im Auftrag der IV-Stelle begutachtete Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, die Versicherte (Gutachten vom 16. November 2012, Untersuchungen
am 13. Juli 2012 und am 2. November 2012). Er kam zum Schluss, die in den Akten
gestellten psychiatrischen Diagnosen beruhten auf einer Parteinahme gegen die
Versicherte in einem sehr heftig geführten ehelichen Konflikt. Die entsprechenden
Diagnosekriterien seien nicht erfüllt bzw. nicht klar abgrenzbar. Die Arbeitsfähigkeit sei
aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt (IV-act. 90).
A.g Auf Anfrage der IV-Stelle (IV-act. 94) wies Dr. C._ am 31. Dezember 2012 die
Beurteilung durch Dr. H._ zurück. Ihre Diagnose einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, emotional instabilen und impulsiven Zügen
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gründe auf jahrelanger Beobachtung. Spätestens seit der Anstellung bei ihrem
Ehemann habe die Krankheit einen dauernden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act.
98).
A.h Der RAD hielt am 12. März 2013 fest, aus versicherungsmedizinischer Sicht seien
die unterschiedlichen medizinischen Beurteilungen zur Diagnose und zur funktionellen
Leistungsfähigkeit nicht aufzuklären; die Arbeitsfähigkeit lasse sich aus versicherungs-
medizinischer Sicht nicht festlegen (IV-act. 112).
A.i Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (Vorbescheid vom 22. März 2013,
IV-act. 116) wies die IV-Stelle das Rentengesuch mit Verfügung vom 21. Mai 2013 ab
(Invaliditätsgrad 0 %). Es würden keine psychiatrischen Diagnosen gestellt, welche eine
Arbeitsunfähigkeit begründeten (IV-act. 117).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 21. Juni 2013 beantragt die Beschwerdeführerin, vertreten
durch Fürsprecher lic.iur. Heinz Stadelmann, die Verfügung der IV-Stelle sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Es sei ihr eine „volle“ Invalidenrente seit
1. Januar 2007 zuzusprechen. Das Gutachten von Dr. H._ sei unvollständig und
beruhe auf nicht überzeugenden Schlussfolgerungen. Insbesondere werde nicht auf die
von der heute behandelnden Ärztin gestellten Diagnosen eingegangen (act. G 1).
B.b Mit Eingabe vom 19. August 2013 lässt die Beschwerdeführerin Emails zwischen
ihrem Rechtsvertreter und ihrer behandelnden Ärztin, Dr. med. I._, vom 29. Mai und
vom 10. August 2013 vorlegen (act. G 3.1 und 3.3). Danach leide sie an einer
schizodepressiven Störung (ICD-10: F25.2) sowie einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit sensitiv-paranoiden, emotional instabilen sowie impulsiven
Anteilen (ICD-10: F61.0; act. G 3.1). In den Entscheidgrundlagen der Vorinstanz fehle
diese Diagnose vollständig. Ebenso wenig sei die Erkrankung im Gutachten von Dr.
H._ thematisiert worden (act. G 3).
B.c In ihrer Beschwerdeantwort vom 21. Januar 2014 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Dr. H._ stelle zu Recht fest,
dass das Hauptproblem der Beschwerdeführerin die Konfliktsituation mit ihrem Ex-
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Ehegatten sei, den sie unreflektiert für alle Widrigkeiten im Leben verantwortlich
mache. Es handle sich hierbei um einen psychosozialen Faktor, der für sich alleine
keine Invalidität begründe. Eine davon abgrenzbare ausgeprägte psychische Störung
liege gemäss den überzeugenden Ausführungen des Gutachters nicht vor (act. G 13).
B.d Mit Entscheid vom 28. Januar 2014 bewilligt die Präsidentin die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung; act. G 15).
B.e Die Beschwerdeführerin verzichtet auf eine Replik (act. G 17).
C.
C.a Auf Ersuchen des Versicherungsgerichts reicht die Beschwerdegegnerin am 14.
August 2015 zur Vervollständigung der Akten unter anderem Polizeirapporte vom 7., 9.
und 27. Januar und vom 18. April 2012 betreffend eines Einbruchdiebstahls zu
Ungunsten der Beschwerdeführerin, einen Strafbefehl vom 2. Mai 2012, wonach die
Beschwerdeführerin der Irreführung der Rechtspflege für schuldig befunden wurde,
sowie einen Bericht des Kreisgerichts J._ zuhanden der Amtsvormundschaft K._
vom 2. Juli 2012 ein (act. G 19 und 19.1-6). Die Beschwerdeführerin verzichtet auf eine
Stellungnahme (act. G 20).
C.b Ebenfalls auf Ersuchen des Versicherungsgerichts reicht die Beschwerdeführerin
am 14. November 2015 das Scheidungsurteil des Kreisgerichts J._, die
Berufungsschrift der Beschwerdeführerin, das Urteil des Kantonsgerichts L._ sowie
einen Arztbericht und eine Bestätigung der Behandlung von Dr. I._ vom 2./9.
November 2015 zu den Akten (act. G 24 und 24.1-6). Die Beschwerdegegnerin
verzichtet auf eine Stellungnahme (act. G 25).
C.c Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien (act. G 28) und
Stellungnahme der Beschwerdeführerin (act. G 29) hat das Versicherungsgericht am
12. April 2016 die asim Begutachtung, Universitätsspital Basel, med.prakt. M._,
Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Erstellung eines psychiatrischen
Obergutachtens beauftragt (act. G 30). Die Gutachterin diagnostizierte im
monodisziplinären psychiatrischen Fachgutachten vom 3. Februar 2017 gestützt unter
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anderem auf eine Untersuchung vom 28. Oktober 2016 mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine gemischte schizoaffektive Störung (ICD-10: F25.2) sowie eine
emotional-instabile, insbesondere impulsive und paranoide Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F61; act. G 45-11). Seit spätestens 1. November 2009 bestehe keine
Arbeitsfähigkeit (act. G 45-20). Eine angepasste Tätigkeit sei nur in einem geschützten
Rahmen möglich (act. G 45-21).
C.d Die Beschwerdeführerin nimmt am 13. März 2017 Stellung, vor dem Hintergrund
des Gutachtens sei erstellt, dass mindestens seit 1. November 2009 eine vollständige
rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit vorliege (act. G 49). Die Beschwerdegegnerin
hat sich nicht vernehmen lassen.

Erwägungen
1.
Streitgegenstand bildet ein allfälliger Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Dieser
wurde mit Verfügung vom 21. Mai 2013 abgelehnt, da keine Diagnose gestellt werden
könne, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (IV-act. 117).
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
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mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen¬hänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1).
2.
2.1 Zu prüfen ist vorab, ob das Gerichtsgutachten vom 3. Februar 2017 eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
Bezüglich Gerichtsgutachten hat die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht weiche
"nicht ohne zwingende Gründe" von den Einschätzungen der medizinischen Experten
ab. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen,
der Meinung eines von einem Gericht ernannten Experten komme bei der
Beweiswürdigung ver¬mutungsweise hohes Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit
Hinweisen).
2.2 Die Gutachterin diagnostiziert eine gemischte schizoaffektive Störung (ICD-10:
F25.2) und eine emotional-instabile, insbesondere impulsive und paranoide
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Persönlichkeitsstörung (ICD-10:F61; act. G 45-11). Sie stellte formale und inhaltliche
Denkstörungen fest und führt zum psychopathologischen Befund aus, die
Beschwerdeführerin sei unkonzentriert, die Auffassung sei erkennbar erschwert, die
Beschwerdeführerin sei ablenkbar. Die Gedankengänge seien ungeordnet, assoziativ
gelockert gewesen, teilweise seien wahnhafte Überzeugungen geäussert worden. Die
Gedanken seien während der ganzen viereinhalbstündigen Untersuchung um den
Ehekonflikt, ihre wirtschaftlichen Forderungen und erfahrenes Unrecht gekreist. Eine
fehlende Fähigkeit zur Distanzierung und ein teilweiser Verlust des Realitätsbezugs
seien deutlich geworden. Die psychischen Grundfunktionen, der Antrieb, die Emotionen
und das Denken seien erkennbar beeinträchtigt. Ausdauer und Durchhaltevermögen
seien gemindert, die Beschwerdeführerin tendiere dazu, bedürfnisorientiert und
unüberlegt zu handeln. Sie könne Frustrationen nur schlecht tolerieren und sei
hinsichtlich einer angemessenen Selbsteinschätzung unkritisch. Dies wirke sich auf ihr
Krankheitsgefühl und ihre Krankheitseinsicht aus. Im emotionalen Ausdruck bestünden
erkennbare Schwierigkeiten. Die Gedanken seien beschleunigt und wahnhaft
eingeengt, alle Ereignisse und Fragen würden in pathologische Beziehung zum
Ehekonflikt gesetzt (act. G 45-10). Bei den psychometrischen Testungen, bei denen die
Beschwerdeführerin wegen ihren Auffassungsstörungen Unterstützung benötigt habe,
habe sich eine Borderline-Struktur mit erheblicher narzisstischer als auch histrionischer
Komponente abgebildet (act. G 45-11). Aufgrund ihrer Beobachtungen und Befunde
einschliesslich der anamnestischen Angaben (act. G 45-12) und nach ausführlicher
Schilderung des Krankheitsverlaufs mit Diskussion der unterschiedlichen ärztlichen
Beurteilungen (act. G 45-13-17) kommt die Gutachterin zusammenfassend zum
Schluss, anhand der vorliegenden Akten könne eine spätestens 2010 manifeste
psychische Störung nachvollzogen werden, die sich deutlich in Einschränkungen der
Alltagsfunktionen zeige. Dabei seien aufgrund der dokumentierten Befunde die
Differentialdiagnosen einer schweren emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom
impulsiven Typ, einer schizoiden Persönlichkeitsstörung, psychotischer Episoden
sowie einer schizoaffektiven Störung diskutiert worden. Der Verlauf mit einer
depressiven Symptomatik bei Krankheitsbeginn 2003, einem fluktuierenden Bild sich
entwickelnder Affektlabilität mit wahnhaften Denkinhalten, die in Fremdaggressivität,
wahrscheinlich im Rahmen einer schizomanen Episode 2010, gemündet hätten und
seither kontinuierlich in unterschiedlicher Ausprägung erkennbar und dokumentiert
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seien, erhärte die Diagnose einer gemischten schizoaffektiven Störung. Trotz deutlich
affektiver Symptomatik könne eine Schizophrenie aufgrund der formalen
Denkstörungen (ungeordnet, Schwierigkeiten, den Sinn zu erfassen) nicht vollständig
ausgeschlossen werden. Eine anhaltend wahnhafte Störung komme aufgrund teilweise
bizarr anmutender Wahninhalte nicht in Betracht. Medikamentöse Einflüsse oder
psychotrope Substanzen hätten laut aktueller Laboruntersuchung keinen Einfluss. Es
handle sich um ein chronisch verlaufendes Krankheitsbild, bei dem Prognosen kaum
möglich seien (act. G 45-17 f.). Zur Konsistenz hält die Gutachterin fest, die
Beschwerdeführerin habe im Verlauf der 4,5 stündigen Untersuchung nach anfänglich
sehr misstrauischer Haltung zunehmend kooperativ mitgearbeitet. Die in ihren Angaben
imponierenden Inkonsistenzen und Diskrepanzen seien im Wesentlichen Ausdruck der
zugrundeliegenden Denkstörungen. Teilweise werde eine Externalisierung mit
Schuldzuweisung an andere und Schutzbehauptungen (Lügen) deutlich, die Teil der
beschleunigten Gedanken und wahnhaften Interpretation der Umstände und damit
krankheitsbedingt seien. Auch beim unterstützenden Ausfüllen der Fragebögen sei
weder der Eindruck von Verdeutlichung, Aggravation noch von Simulation entstanden
(act. G 45-19 und 9).
2.3 Die umfassende Diagnoseherleitung und ausführliche Begründung erscheint
nachvollziehbar. So hatte Dr. C._ bereits am 8. Januar 2010 ausgeführt, es bestehe
nebst einer rezidivierenden depressiven Störung der Verdacht auf eine
Persönlichkeitsstörung mit schizoiden Zügen. Die Beschwerdeführerin sei mit der
Familienorganisation überfordert, gerate schnell in Konflikte, fühle sich rasch ungerecht
behandelt und sei nicht krankheitseinsichtig und stimmungslabil (IV-act. 14). Am 30.
April 2010 diagnostizierte sie unter anderem eine emotional instabile Persönlichkeit,
F61.0 (IV-act. 18) und bestätigte am 31. Dezember 2012 die Diagnose einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, emotional instabilen und
impulsiven Zügen aufgrund jahrelanger Beobachtung (IV-act. 98-2). Auch in den
Kliniken D._ (IV-act. 108-1 ff., 29. Juni 2010; IV-act. 23, 9. Juli 2010), F._ (IV-act.
24, 21. Juli 2010; IV-act. 108-5 ff., 10. September 2010; IV-act. 32, 2. Februar 2011)
und anfänglich am Psychiatrischen Zentrum G._ (IV-act. 47, 20. Juli 2011) wurde der
Verdacht auf eine schizoaffektive Störung gemischt festgehalten. Weiter
diagnostizierten die Ärzte der Klinik F._ (IV-act. 108-5 ff., 10. September 2010; IV-act.
32, 2. Februar 2011) und des Psychiatrischen Zentrums G._ (IV-act. 47, 20. Juli 2011;
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IV-act. 52, 14. September 2011) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit (gemäss
der Klinik F._) paranoiden und übereinstimmend emotional-instabilen und impulsiven
Anteilen. Sodann diagnostizierte Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, bei der die Beschwerdeführerin seit 25. Februar 2013 in
Behandlung steht, eine (gemischte) schizodepressive Störung (ICD-10: F25.2) sowie
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit (sensitiv-)paranoiden, emotional instabilen
sowie impulsiven Anteilen (ICD-10: F61, act. G 3.1; Bericht vom 2. November 2015,
act. G 24.4).
2.4 Zusammenfassend begründet die Gutachterin sowohl ihre Diagnosen als auch die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit schlüssig mit umfassend erhobenen Befunden und in
Übereinstimmung mit den Beurteilungen der behandelnden Ärzte und Ärztinnen. Sie
nimmt auch (evt: zurückhaltend) Stellung zur abweichenden Einschätzung durch Dr.
H._: Dieser hatte im Gutachten vom 16. November 2011 festgehalten, die
Verdachtsdiagnose einer gemischten schizoaffektiven Störung gründe letztlich auf
einer Parteinahme in einem sehr heftig geführten ehelichen Konflikt (IV-act. 90-49 f.), es
könne - ausser der Z-Diagnose (ICD-10: Z63.5 Famiienzerrüttung durch Trennung oder
Scheidung) - keine die Arbeitsfähigkeit einschränkende psychiatrische Diagnose
gestellt werden (IV-act. 90-50 f.). Die Gutachterin beurteilt dies vor dem Hintergrund
insbesondere des Berichts der Zentralen Notaufnahme des KSSG vom 4. Oktober
2012 (IV-act. 90-67 f.), der nachträglich vom Gericht beigezogenen Akten (dazu
sogleich) und der Häufungen der Unterstellungen der Beschwerdeführerin gegen ihren
Ehemann bis hin zu konstruiert anmutenden Erklärungen sowie des durch die
vorbehandelnden Ärzte und Ärztinnen diagnostizierten psychotischen Erlebens als
"diskussionswürdig". Dem Ausschluss einer Persönlichkeitsstörung mit dem Hinweis,
dass die Symptomatik im jungen Erwachsenenalter beginnend, anhaltend und von der
Belastung durch die Eheproblematik unabhängig sein müsste (IV-act. 90-51), hält die
Gutachterin entgegen, dass für die Entwicklung psychischer Krankheitsbilder häufig
zugrunde liegende Störungen identifiziert werden könnten, die erst durch hinzutretende
gravierende Belastungen symptomatisch und krankheitsrelevant würden (act. G 45-16
f.). Dr. H._ begründete seine Beurteilung letztlich unbesehen der Beurteilungen der
behandelnden Ärzte und Ärztinnen mit dem Fehlen aktuell nachweisbarer
psychopathologischer Befunde (IV-act. 90-49). Wie die Gutachterin festhält, folgte er
der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin, die sich nicht für psychisch krank
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hält. Dabei hat er ihre Aussagen, im Rahmen eines eskalierenden Ehekonfliktes
betrogen worden zu sein, nicht fremdanamnestisch validiert. Die Gutachterin hält dies
für nachvollziehbar, weil ihm das Gerichtsurteil offenbar nicht zur Verfügung gestanden
sei (act. G 45-16). Er verfügte auch nicht über die nachträglich vom Gericht
eingeforderten Akten: Mit Strafbefehl wurde die Beschwerdeführerin der Irreführung der
Rechtspflege für schuldig befunden (act. G 19.5). Sie hatte eingestandenermassen
einen Einbruch erfunden und irreführend zur Anzeige gebracht (act. G 19.4). Das
Kreisgericht J._ führte sodann im Scheidungsurteil aus, nach den Schilderungen des
Beistands und des Vaters sei die Beschwerdeführerin angesichts ihrer derzeitigen
psychischen Verfassung nicht in der Lage, die geforderte Stabilität in den
Besuchskontakten zu ihren Söhnen garantieren zu können. Davon habe sich auch das
Gericht anlässlich des von der Beschwerdeführerin gezeigten Verhaltens an der
Hauptverhandlung persönlich überzeugen können (act. G 24.1, Erw. III/5). In diesem
Zusammenhang ist schliesslich anzumerken, dass Dr. C._ ausführte, die
Beschwerdeführerin verstehe es, vordergründig ein adäquates Verhalten zu zeigen, da
sie sehr gut manipulieren könne und auch eine gewinnende Seite habe (Bericht vom
31. Dezember 2012, IV-act. 98). Eine Rücksprache mit der behandelnden Psychiaterin
hielt der Gutachter offenbar nicht für nötig, obwohl er eine ganz andere Beurteilung
vornahm. Es ist somit plausibel, dass Dr. H._ den psychischen Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin in der Untersuchung nicht vollständig erfasste und mangels
ausreichender Aktenkenntnis auch nicht erfassen konnte. Dem Gerichtsgutachten ist
somit auch hinsichtlich der begründeten Abweichung von der Beurteilung von Dr. H._
zu folgen.
2.5 Es ist demnach der gutachterlichen Beurteilung gesamthaft und im Detail zu
folgen. Die Beschwerdeführerin leidet danach an einem Störungsbild mit gravierenden
funktionellen Beeinträchtigungen der Alltagsfunktionen. Insbesondere schliessen die
Einschränkungen in der Kontaktfähigkeit zu dritten Personen beziehungsweise in
Gruppen eine Tätigkeit als Mitarbeiterin im Verkauf aus. Wie die Gutachterin in der
Beantwortung der gestellten Fragen ausführt, reagiere die Beschwerdeführerin rasch
gespannt, gereizt, aggressiv. Sie sei in ihrer Durchhaltefähigkeit eingeschränkt und es
gelinge ihr nicht, sich an Regeln zu halten und in Strukturen einzufügen. So halte sie
vereinbarte Termine nicht ein, erscheine zu spät oder breche diese unabgesprochen
ab. Als optimal angepasste Tätigkeit könne nur eine Tätigkeit in einem geschützten
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Rahmen für psychisch Erkrankte angesehen werden. Selbst da sei eine regelmässige
Teilnahme fraglich, wenn auch strukturgebend notwendig. In Übereinstimmung mit den
Einschätzungen der vorbehandelnden Ärzte bestehe seit spätestens 1. November 2009
keine Arbeitsfähigkeit (act. G 45-20 ff.). Davon ist im vorliegenden Verfahren
auszugehen.
3.
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1
IVG). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der
Rentenanspruch entsteht (Art. 29 Abs. 3 IVG). Vorausgesetzt ist zudem die Erfüllung
des Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Die Beschwerdeführerin ist spätestens seit
dem 1. November 2009 arbeitsunfähig und meldete sich am 30. Dezember 2009 bei
der IV an. Ein Rentenanspruch besteht damit nicht bereits ab 1. Januar 2007, wie die
Beschwerdeführerin in der Beschwerde geltend machte, sondern erst nach Ablauf des
Wartejahres am 1. November 2010.
3.2 Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die
Beschwerdeführerin am 22. Oktober 2010 an, ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
würde sie zu 100 % eine Erwerbstätigkeit als Coiffeuse oder an der Kasse einer
Tankstelle ausüben (IV-act. 27-2). Dies ist in Anbetracht der Tatsache, dass die Kinder
damals bereits in der Obhut des Vaters standen (Urteil des Kreisgerichts J._, act. G
24.1, Erw. III/2) ohne weiteres plausibel. Nachdem die Kinder im Scheidungsverfahren
in der Obhut des Vaters blieben, ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall als Vollerwerbstätige zu betrachten ist (vgl. IV-act. 46-4). Da für
sämtliche Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % gegeben ist, ergibt sich
unabhängig vom Valideneinkommen ein Invaliditätsgrad von 100 %. Damit hat die
Beschwerdeführerin ab 1. November 2010 Anspruch auf eine ganze Rente.
4.
4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 21. Mai 2013
aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. November 2010 eine ganze
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Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Aufgrund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zeitaufwands erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr 1'000.-- zu bezahlen.
4.3 Die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 6'267.70 (act. G 52) hat die
Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
4.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall
erscheint unter Berücksichtigung des durch die Einholung eines Gerichtsgutachtens
entstandenen Mehraufwands eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4‘500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die Festlegung einer
Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung erübrigt sich bei diesem
Prozessausgang.