Decision ID: 8d28db01-a3cb-5655-94ee-c4e672ffa5a4
Year: 2020
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Die am XX.XX1959 geborene A. (nachfolgend: Versicherte oder Beschwerdeführerin)
meldete sich im November 2016 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an
(act. 8.2/1). Die IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend: IV-Stelle oder
Vorinstanz) tätigte die erwerblichen und medizinischen Abklärungen. Im März 2017 veran-
lasste sie eine polydisziplinäre medizinische Abklärung durch die SMAB AG, Bern (act.
8.2/32). Das betreffende Gutachten vom 9. August 2017, basierend auf den Fachgebieten
Psychiatrie, Rheumatologie, Neuropsychologie, Innere Medizin und Neurologie, gelangte
zum Ergebnis, dass bei der Beschwerdeführerin sowohl angestammt als auch adaptiert von
einer 70%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (act. 8.2/46). In der Folge nahm der Regio-
nale Ärztliche Dienst (RAD) am 11. August 2017 zum Gutachten Stellung. Dabei erachtete
er die gutachterlichen Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten in ihrer an-
gestammten Tätigkeit in der Pflege nicht für nachvollziehbar und betrachtete die Arbeitsfä-
higkeit stattdessen als aufgehoben; die Arbeitsfähigkeit adaptiert stützte er im Ergebnis
(act. 8.2/47).
B. Am 30. August 2017 erlitt die Beschwerdeführerin einen Unfall, als sie sich bei einem Sturz
über eine Senke an beiden Fussgelenken verletzte. Das Gesundheitszentrum B., in dem
die Versicherte vom 30. August bis 18. September 2017 hospitalisiert war, diagnostizierte in
seinem Austrittsbericht vom 29. September 2017 in dieser Hinsicht eine trimalleoläre Luxa-
tionsfraktur des oberen Sprunggelenks links, eine Talus-Fraktur mit Fusswurzelluxation im
Lisfranc Gelenk rechts und Spannungsblasen über frontolateralem OSG mit nekrotischen
Anteilen (act. 8.2/57, S. 5 ff.). Die IV-Stelle tätigte neuerliche Abklärungen. Am 10. Juli 2018
erfolgte bei der Beschwerdeführerin vor Ort eine Haushaltsabklärung (vgl. Bericht vom 3.
Seite 3
August 2018; act. 8.2/67). Am 5. September 2018 nahm der RAD zum Verlauf seit der Be-
gutachtung Stellung und gelangte dabei zum Schluss, dass die Versicherte ab sofort mit
der im Gutachten attestierten Arbeitsfähigkeit wiedereingliederbar sei (act. 8.2/69). Am 26.
September 2018 führte die IV-Stelle mit der Versicherten ein Vorgespräch Eingliederung,
wobei diese angab, sich weder physisch noch psychisch in der Lage zu fühlen, sich mit der
Integration in den Arbeitsmarkt auseinanderzusetzen (act. 8.2/72). Darauf basierend erliess
die IV-Stelle am 2. Oktober 2018 die Mitteilung, dass aktuell keine Eingliederungsmass-
nahmen angezeigt seien (act. 8.2/73). Nach weiteren medizinischen Abklärungen der IV-
Stelle hielt der RAD schliesslich in seiner Beurteilung vom 10. Mai 2019 – in Abweichung
der vorerwähnten Stellungnahme vom 11. August 2017 – fest, dass der Versicherten bei
adäquater medikamentöser Einstellung die angestammte Tätigkeit zum gutachterlich attes-
tierten Pensum zumutbar sei. Am 27. Mai 2019 erliess die IV-Stelle ihren Vorbescheid, wo-
rin sie die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht stellte (act. 8.2/84). Nachdem die
Versicherte am 24. Juni 2019, vertreten durch RA AAA., Einwand erhoben hatte (act.
8.2/87), hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. Juli 2019 an der Rentenablehnung fest
(act. 2.2).
C. Mit Eingabe vom 16. September 2019 liess die Versicherte durch RA AAA. Beschwerde
beim Obergericht erheben und stellte dabei das eingangs zitierte Rechtsbegehren (act. 1).
Die Vernehmlassung der Vorinstanz mit dem Antrag auf Beschwerdeabweisung folgte am
21. November 2019 (act. 7). Mit Replik vom 9. Dezember 2019 hielt die Beschwerdeführe-
rin an ihrem Rechtsbegehren fest (act. 10). Die IV-Stelle verzichtete auf ihr Duplikrecht.
D. Die Parteien verzichteten auf eine mündliche Verhandlung.
E. Mit Schreiben vom 12. Mai 2020 zeigte RA AA. der Verfahrensleitung an, dass sie im
vorliegenden Beschwerdeverfahren die Vertretung der Versicherten übernommen habe
(act. 12).

Erwägungen
1. 1.1
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht in seiner Funktion als
kantonales Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen.
Seite 4
Die örtliche Zuständigkeit ist gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni
1959 über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
1.2
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
letztere sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form-
und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 und Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG, Art. 28 lit. b JG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom
9. September 2002 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. 2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit
oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög-
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs. 2 ATSG).
2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche
Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit
Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu
prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die
versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenaus-
schliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl. BGE 139 V 547 E. 5, 131 V 49 E. 1.2,
130 V 352 E. 2.2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015
E. 5.4). Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorga-
ben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143
V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem
Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und
Seite 5
Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie
ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit-
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu-
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invalidi-
tätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbin-
dung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnah-
men durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Ein-
kommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypotheti-
schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen-
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestim-
men lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
mit Hinweisen).
2.5
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des
Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16
ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität
für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehe-
gattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG;
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung). Ist bei Versicherten, die nur zum Teil er-
werbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitar-
beiten, anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruches ohne Ge-
sundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus-
Seite 6
schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27bis Abs. 1 der
Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung; IVV, SR 831.201).
2.6
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdi-
gen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streiti-
gen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist ent-
scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation ein-
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweis-
wert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung
der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten
(BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
durch die Behörden eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien ge-
gen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351).
3. Im Folgenden ist zunächst die Statusfrage zu klären.
3.1
Ob und gegebenenfalls in welchem zeitlichen Umfang eine in einem Aufgabenbereich täti-
ge versicherte Person (Art. 5 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG) ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung erwerbstätig wäre (Statusfrage), ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei
im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde (BGE 141 V 15 E. 3.1). Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Er-
werbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, son-
dern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 504 E. 3.3). Bei
im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen,
Seite 7
familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die
Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil
des Bundesgerichts 9C_90/2017 vom 4. Juli 2017 E. 5.1 mit Hinweisen).
3.2
Vorliegend hatte die IV-Stelle bei der Versicherten am 10. Juli 2018 eine Haushaltsabklä-
rung durchgeführt. Gemäss dem hierauf erstellten Bericht vom 3. August 2018 (act. 8.2/67)
habe die Versicherte damals zum Ausdruck gebracht, dass sie heute wohl 100 % arbeiten
würde, wären nicht schon seit Ewigkeiten ihre Einschränkungen dafür verantwortlich, dass
sie die Pensen immer nach den noch vorhandenen Ressourcen habe reduzieren müssen.
Sie habe ja in jüngeren Jahren trotz der Kinder teilweise in einem 100 %-Pensum gearbei-
tet, so würde sie dies bei voller Gesundheit ohne Betreuungspflichten sicherlich auch tun
(Bericht, S. 4). Die IV-Stelle ging in der Folge – namentlich in der angefochtenen Verfügung
– davon aus, die Versicherte sei aus IV-rechtlicher Sicht als Vollerwerbstätige zu qualifizie-
ren. Diese Schlussfolgerung ist aufgrund der Akten nicht zu beanstanden. Sie ist von be-
schwerdeführerischer Seite in diesem Beschwerdeverfahren auch ausdrücklich gestützt
worden.
4. 4.1
In einem nächsten Schritt ist die medizinische Aktenlage darzustellen und zu würdigen. Die
in der angefochtenen Verfügung erfolgte Leistungsablehnung basiert letztlich auf dem Gut-
achten der SMAB AG vom 9. August 2017, basierend auf den Fachgebieten Psychiatrie,
Rheumatologie, Neuropsychologie, Innere Medizin und Neurologie.
4.2
Das Gutachten nennt als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
eine chronische Depression (ICD-10 F32.8).
Unter den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) sind aufge-
führt:
1. ADHS (ICD-10: F90.0)
2. Generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom (myofasziales Schmerzsyndrom, fibromyal-
gieformes Schmerzsyndrom)
3. Cannabisabusus (ICD-10: F12.1)
Seite 8
4. Status nach arthroskopischer subacromialer Dekompression und Defilée-Erweiterung
wegen Impingementsyndrom links 2000
5. Anamnestisch subacromiales Impingementsyndrom rechts
6. Oligosymptomatische Fazettenirritationssymptomatik L3 bis S1
7. Adipositas (BMI 31.6 kg/m2)
8. Arterielle Hypertonie
9. Dyslipidämie
10. Reizdarmsyndrom
11. Obstruktives Schlafapnoesyndrom (ED 03/2017)
12. Asthma bronchiale, wahrscheinlich allergischer Genese
13. Restless Legs-Syndrom
14. Verdacht auf Trigeminus-Neuralgie links
4.3
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung (Gutachten, S. 15) wird erörtert, bei der
Versicherten stehe die Depression im Vordergrund. Diese habe offenbar jahrelang medi-
kamentös gut behandelt werden können. Unter einer kombinierten antidepressiven Medika-
tion habe die Explorandin auch jahrelang in ihrem beruflichen Alltag funktioniert. Retro-
spektiv betrachtet sei sie grenzkompensiert gewesen. Aufgrund ihrer Primärpersönlichkeit
mit perfektionistischen Zügen sei sie letztlich lange den Anforderungen im beruflichen Alltag
gerecht worden, was aber im Verlauf zu einer Überstrapazierung ihrer Kompensationsmög-
lichkeiten und psychomentalen Ressourcen geführt habe. Im Vordergrund stünden Stim-
mungslabilität, Grübelneigung, anhaltende latente Ängste und Sorgen, sozialer Rückzug,
verminderte Stress- und Frustrationstoleranz und eingeschränkte psychomentale Ausdauer
und Belastbarkeit. Das Zusammenspiel dieser Beeinträchtigungen lasse eine Einschrän-
kung der Leistungsfähigkeit im persönlichen und beruflichen Alltag durchaus ableiten. Unter
Berücksichtigung der noch vorhandenen Funktionsfähigkeit in den sonstigen Bereichen und
der Tagesgestaltung sei hier von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % auszugehen.
In der neuropsychologischen Testung zeigten sich (unter Ritalin-Medikation) keine Anhalts-
punkte für eine eingeschränkte Aufmerksamkeitsleistung. Unter Berücksichtigung rein kog-
nitiver Aspekte bestehe also keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Internistisch sei v.a. ein generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom, vereinbar mit einem Fib-
romyalgie-Syndrom, festzustellen, das nicht mit alltagsrelevanten Funktionseinbussen ein-
hergehe.
Seite 9
Seitens des Rheumatologen ergebe sich lediglich eine leichtgradige Einschränkung der
zumutbaren Leistungsfähigkeit, dies infolge des chronischen und weitgehend therapiere-
sistenten Schmerzsyndroms und des dadurch verursachten Trainingsdefizites. Die Ein-
schränkung der Leistungsfähigkeit dürfte bei maximal 15 % liegen, sei aber medizinisch-
theoretisch durch ein gezieltes kardiovaskuläres Training grösstenteils korrigierbar.
Neurologisch bestünden weiterhin RLS-Symptome. Eine Tagesmüdigkeit werde nicht ange-
geben, sei auch aufgrund der beschriebenen zuverlässigen Wirkung der RLS-Medikation
nicht wahrscheinlich. Die bisher nicht aktenkundige, aber anamnestisch seit vielen Jahren
bestehende, rezidivierende Trigeminusalgie habe ebenso keine Relevanz für die Arbeitsfä-
higkeit.
Quintessenz aus dem Fachgutachten: Einzig die psychiatrische Haupterkrankung sei für
die Frage der Arbeitsfähigkeit relevant. Das rheumatologische Leiden falle dabei nicht ins
Gewicht, auf den anderen Fachgebieten sei keine für die Arbeitsfähigkeit relevante Erkran-
kung feststellbar. Folgende psychischen Symptome stünden dabei im Vordergrund und
definierten die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit im privaten und beruflichen Alltag:
Stimmungslabilität, anhaltende latente Ängste und Sorgen, verminderte Stress- und Frust-
rationstoleranz, eingeschränkte psychomentale Ausdauer und Belastbarkeit, subjektives In-
suffizienzgefühl. Dadurch seien die pro Zeiteinheit mögliche Leistungsfähigkeit und das
Rendement krankheitsbedingt reduziert.
Zusammenfassend ergebe sich somit eine Arbeitsfähigkeit von 70 %.
4.4
Im Folgenden ist zu prüfen, inwieweit auf die gutachterlichen Einschätzungen abgestellt
werden kann. Die Beschwerdeführerin erachtet es als nicht vertretbar, dass die IV-Stelle
dem Gutachten für das vorliegende Rentenprüfungsverfahren vollen Beweiswert zuer-
kannte.
4.4.1 Betrachtet man vorliegend zunächst die vom Gutachten gestellten Diagnosen, so
wurde darin eine Aufteilung in Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorgenommen. Dabei hatten die Gutachter aus interdisziplinärer Sicht nur bezüglich der
chronischen Depression eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit anerkannt; sämtliche üb-
rigen 14 Diagnosen sind als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eingestuft. Im
Sinne der Kritik der Beschwerdeführerin sowie dem Bericht der RAD-Ärztin Dr. C. vom
11. August 2017 (act. 8.2/47) erscheint dies jedoch fragwürdig. Es steht dies namentlich im
Widerspruch zum adaptierten Arbeitsprofil, welches die Gutachter für die Versicherte fest-
Seite 10
gelegt hatten. Demnach müssten aus rheumatologischer Sicht Tätigkeiten rückenkonform
durchgeführt werden können und der Versicherten die Möglichkeit zur Einnahme von
Wechselpositionen erlauben. Zu vermeiden seien das wiederholte Bücken und Aufrichten,
das Anheben und Tragen von Gewichten über 10 kg, Arbeitstätigkeiten in der chronischen
Vorneigehaltung des Rumpfes, in kniender und kauernder Position sowie mit repetitiven
Einsätzen der oberen Extremitäten über der Horizontalen. Aufgrund des RLS sollten
Schichtarbeiten oder Arbeiten zur Nacht vermieden werden (Gutachten, S. 16). Im Sinne
dieser Anforderungen wirkt es nicht überzeugend, wenn das Gutachten insbesondere das
generalisierte Weichteilschmerzsyndrom oder eben das Restless Legs-Syndrom im Ergeb-
nis bei den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einordnen. Nach der Sys-
tematik des Gutachtens wird auf einer Ebene eine Auswirkung fraglicher Diagnosen auf die
Arbeitsfähigkeit verneint und auf einer anderen Ebene wieder bejaht. Ein weiterer Wider-
spruch in diesem Zusammenhang ist ausserdem innerhalb der versicherungsmedizinischen
Beurteilung (Gutachten, S. 15) zu erkennen. Die „Quintessenz“ (sic!) des Fachgutachtens
sei, dass sich einzig die psychiatrische Haupterkrankung für die Frage der Arbeitsfähigkeit
als relevant darstelle. Das rheumatologische Leiden falle dabei nicht ins Gewicht. Weiter
oben findet sich hingegen die bereits erwähnte Angabe, dass infolge des chronischen und
weitgehend therapieresistenten Schmerzsyndroms und des dadurch verursachten Trai-
ningsdefizites eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von rund 15 % bestehe, wobei
diese Einbusse medizinisch-theoretisch durch ein gezieltes kardiovaskuläres Training
grösstenteils korrigierbar sei. Daraus ist abzuleiten, dass im Zeitpunkt der Begutachtung
anscheinend eben doch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht be-
standen hat. Soweit die betreffende Leistungseinbusse durch das vorgeschlagene Training
korrigierbar sein soll, erscheint dies im Sinne der beschwerdeführerischen Kritik als unzu-
reichend plausibilisiert, gerade etwa weil laut psychiatrischem Teilgutachten eine Wechsel-
wirkung zwischen Depression und dem Fibromyalgiesyndrom bestehe (Gutachten, S. 37).
Davon abgesehen muss man sich auch fragen, ob die Versicherte überhaupt in der Lage
gewesen wäre, ein solches Training – gegebenenfalls im Rahmen einer seitens der IV-
Stelle auferlegten Schadenminderungspflicht – zu absolvieren, da sie ja am 30. August
2017, also nur drei Wochen nach Erstattung des Gutachtens, einen Unfall mit den damit
verbundenen langwierigen gesundheitlichen Folgen erlitten hatte. In der Tat wurde die
Frage nach der Erforderlichkeit eines kardiovaskulären Trainings von der IV-Stelle vor
Verfügungserlass gar nicht mehr geprüft; die nunmehr zuständige RAD-Ärztin D. hatte sich
damit nicht mehr auseinandergesetzt, obschon die RAD-Ärztin C. am 11. August 2017 noch
ausdrücklich auf diesen Faktor hingewiesen hatte.
4.4.2 Weitere Ungereimtheiten ergeben sich vor allem auch mit Blick auf die gutachterlich
letztlich bescheinigte Arbeitsfähigkeit. Die SMAB AG war zum Schluss gelangt, dass für die
Seite 11
erlernte und zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Pflegefachfrau eine Arbeitsfähigkeit von 70 %
bestehe. Eine Differenzierung zwischen der angestammten letzten Tätigkeit und einer lei-
densangepassten Tätigkeit sei nicht sinnvoll, da die hier beschriebenen krankheitsbeding-
ten (psychiatrischen) Beeinträchtigungen und Funktionseinschränkungen für jede Art von
Tätigkeit relevant und behindernd gewesen wäre. Was das Arbeitsprofil betrifft, hatten die
Gutachter nebst den bereits zitierten rheumatologischen Kriterien aus psychiatrischer Sicht
festgehalten, es müssten Tätigkeiten mit hohem Stresspegel vermieden werden. Die Aus-
dauer und Fähigkeit unter Zeitdruck zu arbeiten, wären ebenfalls reduziert. Der Leistungs-
und Zeitdruck sollte angemessen sein. Es bestehe ein erhöhter Regenerationsbedarf. Mul-
titasking wäre nicht zumutbar (Gutachten, S. 16 f.). Soweit vorliegend namentlich hinsicht-
lich des von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübten Pflegeberufs angeblich bloss eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % bestehen soll, erscheint dies schwer nach-
vollziehbar. Es kann an dieser Stelle auf die Einschätzung der RAD-Ärztin C. vom 11. Au-
gust 2017 verwiesen werden. Demnach verlange eine Tätigkeit in der Pflege mehr als an-
dere Tätigkeiten Verantwortungsübernahme, Stressresistenz, Ausdauer etc., besonders in
leitender Funktion. Der Pflegeberuf gehe mit körperlich schweren Arbeitsanteilen einher;
die meiste Berufszeit habe die Versicherte in leitender Positionen gearbeitet, sie sei erst
aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung ins Team zurückgetreten (act. 8.2/47).
Diese Einschätzungen werden gestützt durch den Fragebogen für Arbeitgebende der letz-
ten Arbeitgeberin der Versicherten (act. 8.2/13, S. 6 ff), worin detailliert beschrieben ist,
dass die damalige Tätigkeit der Beschwerdeführerin mit hohen körperlichen und geistigen
Anforderungen verbunden war. Anzumerken ist, dass die Beschwerdeführerin – entgegen
der RAD-Ärztin C. – bei dieser Anstellung offenbar durchaus eine leitende Funktion inne-
hatte, da sie als Pflegefachfrau mit Tagesverantwortung angestellt war, wie dies in der Be-
schwerdeschrift eingehend erläutert wurde und des Weiteren bereits im Assessment-Proto-
koll vom 13. Februar 2017 (act. 8.2/19) sowie im auf den 30. April 2016 datierten Lebens-
lauf der Beschwerdeführerin (act. 8.2/21) dokumentiert ist. In der Beschwerdeschrift wurde
etwa beschrieben, dass die Versicherte damals Medikamente gerichtet, ärztliche Verord-
nungen ausgeführt und die ärztlichen Visiten begleitet, bei Notfällen die Situation beurteilt
und gegebenenfalls einen Arzt aufgeboten oder Angestellte in Ausbildung geleitet habe. Ist
im Ergebnis also festzustellen, dass der von der Versicherten im Rahmen ihrer letzten Ar-
beit wahrgenommene Aufgabenbereich hohe körperliche und geistige Voraussetzungen
bedingte, bleibt nur die Schlussfolgerung, dass diesem Umstand im SMAB-Gutachten
schlicht nicht genügend Rechnung getragen wurde. Wohl konnten die Darlegungen zum
Belastungs-/Ressourcenprofil plausibel machen, welche Art von Tätigkeiten vermieden
werden müssten (vgl. oben E. 4.4.1). Dass aber trotz dieser Erkenntnisse immer noch eine
Arbeitsfähigkeit von 70 % in der bisherigen Tätigkeit angenommen wurde, erscheint nicht
haltbar. Darauf kann für die vorliegenden Belange nicht abgestellt werden. Was im Übrigen
Seite 12
noch die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit betrifft, wurde diese im
Gutachten wie erwähnt ebenfalls auf 70 % beziffert. Die eindeutig mangelhafte Einschät-
zung der Arbeitsfähigkeit angestammt begründet indes auch konkrete Indizien am Fehlen
der Zuverlässigkeit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden angepassten
Tätigkeit. Vor allem sei an dieser Stelle erneut auf den oben dargelegten Widerspruch zwi-
schen Adaptionsprofil und Diagnoseliste hingewiesen (vgl. E. 4.4.1 a. A.). An der fehlenden
Nachvollziehbarkeit einer Arbeitsfähigkeit adaptiert von 30 % ändert nichts, dass die be-
treffende Einschätzung zunächst von der RAD-Ärztin C. und später auch von der RAD-Ärz-
tin D. gestützt worden war. Erstere hatte augenscheinlich einfach 1:1 ausgeführt, was
schon im Gutachten stand. Die Beurteilung der RAD-Ärztin D. ist insofern mangelhaft, als
jene – bezogen auf die im Einwand vom 24. Juni 2019 geäusserte Kritik an der „Diskrepanz
zwischen den RAD-Ärzten“ – festhielt, es kämen beide Ärztinnen nach sorgfältiger Prüfung
zum Ergebnis einer 70%igen Arbeitsfähigkeit (act. 8.2/90, S. 47 ff.). Eine Übereinstimmung
ist hier offensichtlich nur hinsichtlich der betreffenden Annahme einer 30%igen Arbeitsun-
fähigkeit adaptiert gegeben. Hingegen hatte die RAD-Ärztin D. am 10. Mai 2019 argumen-
tiert, dass bei adäquater medikamentöser Einstellung die im Gutachten attestierte Arbeits-
fähigkeit bezüglich der bisherigen Pflegetätigkeit zumutbar sei, wenn das gutachterlich be-
schriebene Anforderungsprofil beachtet werde (act. 8.2/82). So wenig schlüssig diese
Kurzbeurteilung gemäss vorherigen Ausführungen erscheint, so widersprüchlich präsentiert
sie sich auch im Vergleich zu jener von Dr. C..
4.5
Zusammenfassend weist das Gutachten der SMAB AG aus versicherungsmedizinischer
Sicht erhebliche Mängel auf, welche es in Bezug auf das vorliegende Verfahren als unver-
wertbar erscheinen lassen. Es ist eine neue medizinische Abklärung bzw. Begutachtung
angezeigt.
4.6
4.6.1 Die Beschwerdeinstanz hat gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung in der Regel
ein Gerichtsgutachten einzuholen, wenn sie im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss
kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesent-
lichen Teilen) noch gutachterlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in ei-
nem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt
hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein
Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurück-
zuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen
Ausführungen erforderlich ist (BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264;
Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2017 vom 9. Februar 2018 E. 3.1).
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4.6.2 Vorliegend ist festzustellen, dass bei der Beschwerdeführerin kurz nach Erstattung
des Gutachtens neue medizinische Probleme auftraten. Konkret erlitt sie am 30. August
2017 einen Unfall, indem sie sich bei einem Sturz über eine Senke an beiden Fussgelen-
ken verletzte. Das Gesundheitszentrum B., in dem die Versicherte operiert wurde bzw. vom
30. August bis 18. September 2017 hospitalisiert war, diagnostizierte in seinem Austrittsbe-
richt vom 29. September 2017 in dieser Hinsicht eine trimalleoläre Luxationsfraktur des
oberen Sprunggelenks links (...), eine Talus-Fraktur mit Fusswurzelluxation im Lisfranc
Gelenk rechts (...) und Spannungsblasen über frontolateralem OSG mit nekrotischen An-
teilen, als Folge von Diagnose 2 (act. 8.2/57, S. 5 ff.). Nach diesem Aufenthalt hatte die Be-
schwerdeführerin sodann offenbar noch während einer bestimmten Zeit ambulante Phy-
siotherapie in Anspruch genommen; letztmalig wurde vom Hausarzt Dr. E. anscheinend am
23. April 2018 eine entsprechende Verordnung über eine Anzahl von 9 Behandlungen aus-
gestellt (act. 8.2/75, S. 9). Am 23. Oktober 2018 war im Gesundheitszentrum B. schliesslich
die Metallentfernung erfolgt (act. 8.2/75, S. 16). Im Übrigen wurden auch Arbeitsunfähig-
keiten dokumentiert. So hatte das Gesundheitszentrum B. am 23. Februar 2018 ein ärztli-
ches Zeugnis ausgestellt, gemäss welchem bei der Beschwerdeführerin ab dem Datum des
Unfalls vom 30. August 2017 bis 22. November 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit be-
standen habe (act. 8.2/60, S. 4). Sodann hatte Dr. E. am 5. März 2018 eine seit dem
20. September 2017 bis auf weiteres bestehende Arbeitsunfähigkeit von 100 % bescheinigt
(act. 8.2/60, S. 2). Darüber hinaus hatte auch die behandelnde Psychiaterin am 23. Februar
2018 bzw. 13. Juli 2018 eine bis auf weiteres bestehende Arbeitsunfähigkeit von 100 %
angegeben (act. 8.2/60, S. 3; act. 8.2/68). Die IV-Stelle hatte die vom Unfallversicherer zu-
gestellten Akten schliesslich der RAD-Ärztin D. zur Stellungnahme vorgelegt. Diese hatte
gestützt auf einen Arztbericht von Dr. E. vom 28. November 2018 die Einholung eines ak-
tuellen Berichts des Fussorthopäden Dr. F. angeregt. Nachdem Dr. F. folglich am
21. Januar 2019 angab, die Beschwerdeführerin lediglich zweimal – letztmals am 5. April
2018 – gesehen zu haben, schloss die RAD-Ärztin Dr. D. schliesslich im oberwähnten Be-
richt vom 10. Mai 2019 auf eine 70%ige Arbeitsfähigkeit angestammt, was dann zu der
verfügungsweise erfolgten Ablehnung des Rentengesuchs der Beschwerdeführerin führte.
4.6.3 Das Vorgehen der IV-Stelle erscheint in verschiedener Hinsicht fragwürdig. Zunächst
ist es nicht haltbar, dass jene schlussendlich auf eine RAD-Kurzbeurteilung abstellte, wel-
che ein schon in sich widersprüchliches Gutachten schützte und darüber hinaus auch in
klarem Widerspruch zu einer wesentlich fundierteren früheren RAD-Stellungnahme stand.
Davon abgesehen wurde dem tatsächlichen Verlauf ab dem Zeitpunkt der Gutachtener-
stattung bis zum Verfügungszeitpunkt unzureichend Rechnung getragen. Die gutachterli-
chen Untersuchungen durch die SMAB AG fanden im Juni/Juli 2017 statt, derweil der ange-
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fochtene Entscheid erst zwei Jahre später erfolgte. In der fraglichen Zeitspanne war der
Gesundheitszustand der Versicherten wesentlich durch die Folgen des Unfalls vom
30. August 2017 mitgeprägt. Wohl ist zutreffend, dass die erlittenen Frakturen schlussend-
lich grundsätzlich gut verheilt waren. Ebenso, dass nach April 2018 keine fachärztlichen
orthopädischen Behandlungen mehr dokumentiert sind. Gleichwohl liefern die Akten Hin-
weise für auch noch danach bestehende unfallbedingte gesundheitliche Beeinträchtigun-
gen. So hatte die behandelnde Psychiaterin in ihrem Bericht vom 13. Juli 2018 festgehal-
ten, dass als Folge der Fussverletzungen massive Einschränkungen in Bezug auf die Be-
weglichkeit bestünden und die Versicherte „nicht gut auf den Füssen“ sei (act. 8.2/66, S. 3).
Sodann liegt ein Bericht des Hausarztes Dr. E. vom 28. November 2018 zuhanden des
Unfallversicherers bei den Akten, worin immer noch vorliegende Schmerzen und Schwel-
lungen in beiden Unterschenkeln und beiden Fusssohlen angegeben sind. Auch von der
Möglichkeit des Beginns eines Morbus Sudeck ist die Rede (act. 8.2/75, S. 21). Daneben
bestehen aufgrund des Berichts der behandelnden Psychiaterin vom 20. März 2018 (act.
8.2/87, S. 9) Hinweise, dass das Unfallereignis auch aus psychiatrischer Sicht relevant
(gewesen) sein könnte, wurde darin doch beschrieben, dass die Versicherte auf jede ne-
gative Veränderung wieder mit vermehrten depressiven Symptomen reagiere.
4.6.4 Gesamthaft ist somit festzustellen, dass in den zwei Jahren nach der Begutachtung
bis zum Verfügungszeitpunkt wesentliche neue medizinische Tatsachen eingetreten sind
bzw. Anhaltspunkte für eine gesundheitliche Verschlechterung bestehen. Es wäre die
Pflicht der IV-Stelle gewesen, den komplexen Verlauf einer neuerlichen externen Abklärung
zu unterziehen; die versicherungsinterne Beurteilung der RAD-Ärztin D. erwies sich für eine
zuverlässige Beurteilung wie gesehen als klar ungenügend. Da letztlich gar keine hinrei-
chende Erfüllung der Abklärungspflicht im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG durch die IV-
Stelle vorliegt, kann auch nicht davon gesprochen werden, dass man es nur mit einem be-
reits erhobenen medizinischen Sachverhalt zu tun hat, der insgesamt oder in wesentlichen
Teilen noch gutachterlich geklärt werden muss. Aus diesem Grund ist in diesem Verfahren
kein Gerichtsgutachten einzuholen, sondern die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen,
damit sie eine neue Begutachtung veranlasse.
4.7
Zusammenfassend ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache zur Einholung eines neuen Gutachtens und anschliessen-
der neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen.
5. 5.1
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Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Dem Verfah-
rensausgang entsprechend sind vorliegend keine Kosten zu erheben, da die Rückweisung
der Sache zu erneuter Abklärung für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten als voll-
ständiges Obsiegen gilt (vgl. z.B. BGE 141 V 281 E. 11.1) und der IV-Stelle in Anwendung
von Art. 22 Abs. 1 VRPG keine Gerichtskosten auferlegt werden.
5.2
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten. Wird eine Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurück-
gewiesen, stellt dies für die versicherte Person ein vollständiges Obsiegen dar (BGE 132 V
215 E. 6.1 S. 235). In diesem Sinne hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung auszurichten. Letztere ist vom Versicherungsgericht festzusetzen,
wobei die Bemessung ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsa-
che sowie nach der Schwierigkeit des Prozesses erfolgt (Art. 61 lit. g ATSG). Im Übrigen ist
die Bemessung der Parteientschädigung dem kantonalen Recht überlassen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016 E. 3.1). In Sozialversicherungsverfah-
ren vor Obergericht ist das anwaltliche Honorar pauschal zu bemessen (Art. 13 Abs. 1 lit. c
der Verordnung über den Anwaltstarif vom 14. März 1995 [AT; bGS 145.53]). Vorliegend
handelt es sich um einen durchschnittlich leichten Fall. Unter diesen Umständen ist das
Honorar der beschwerdeführerischen Rechtsvertreterin AA. als Grundlage der Parteient-
schädigung auf Fr. 2‘500.--, zuzüglich Barauslagen von 4 % und Mehrwertsteuer von 7.7
%, total Fr. 2‘800.20 festzulegen.
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