Decision ID: e7770d7b-ad4e-5a7c-b7d3-eff7953bc825
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorien B und BE sowie die
Unterkategorien A1, D1 und D1E seit dem 24. Dezember 1985. Am 15. Juli 2010 wurde
er am Hauptbahnhof St. Gallen von der Stadtpolizei St. Gallen angehalten, nachdem er
zusammen mit einer weiteren Person in der Unterführung ein Kügelchen Kokain gekauft
hatte. In seinem Auto fand die Polizei zudem sechs Gassenbriefchen Heroin. Anlässlich
der polizeilichen Einvernahme gab X zu, sporadisch Betäubungsmittel zu konsumieren.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen ordnete deshalb mit
Verfügung vom 16. September 2010 eine verkehrsmedizinische Untersuchung an.
Diese fand am 2. November 2010 im Institut für Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital
St. Gallen statt. In ihrem Bericht vom 7. Dezember 2010 kamen die Verkehrsmediziner
zum Schluss, dass die Fahreignung von X befürwortet werden könne. Aufgrund eines
seit rund einem Jahr dauernden Drogensubstitutionsprogramms mit Buprenorphin
empfahlen sie, den Führerausweis mit Auflagen zu versehen. Gestützt auf dieses
Gutachten auferlegte das Strassenverkehrsamt X am 21. Dezember 2010 die Pflicht,
eine vollständige, kontrollierte Drogenabstinenz bei weiterhin stabiler Substitutions-
Therapie einzuhalten, Motorfahrzeuge nur in absolut alkoholfreiem Zustand (0,0 ‰) zu
lenken und alle sechs Monate (Anfang März und September) Berichte der betreuenden
Stellen einzureichen. Es wurde festgehalten, dass die Auflagen auf unbestimmte Zeit
Gültigkeit haben, eine Lockerung der Auflagen frühestens in zwei Jahren und die
Aufhebung der Auflagen frühestens in vier Jahren geprüft werden könne. Für den Fall
der Missachtung der Auflagen wurde der Entzug des Führerausweises – allenfalls auf
unbestimmte Zeit – angedroht.
B.- Mit Verfügung vom 28. Januar 2011 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis für die Dauer eines Monats (Vollzug vom 25. Februar bis 24. März 2011),
nachdem er am 30. November 2010 einen Personenwagen mit einer ungenügend vom
Eis befreiten Windschutzscheibe gelenkt hatte.
C.- In der Haarprobe vom 3. Oktober 2013 wurden Kokain und dessen Metaboliten
Benzoylecgonin und Cocaethylen festgestellt. Das auf einen Kokainkonsum
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hinweisende Norcocain wurde jedoch nicht nachgewiesen, weshalb die
Verkehrsmediziner in der Beurteilung eher von einer Kontamination der Haare von
aussen als von einem Konsum ausgingen. In der Urinprobe vom 18. Dezember 2013
wurden Opiate nachgewiesen. X gab zu, einmalig Heroin konsumiert zu haben. Die
restlichen Abstinenzkontrollen waren unauffällig.
D.- Am 21. Oktober 2014 stellte X ein Gesuch um Aufhebung der Auflagen. Das
Strassenverkehrsamt teilte ihm am 11. November 2014 mit, dass wegen des
Drogensubstitutionsprogramms die Auflagen nicht aufgehoben werden könnten.
Aufgrund der positiv lautenden Verlaufsberichte seien die Auflagen jedoch
dahingehend zu lockern, dass nur noch alle zwölf Monate eine Haaranalyse zur
Kontrolle der Drogenabstinenz zu erfolgen habe.
E.- In der Haarprobe vom 26. Oktober 2016 wurde der Konsum von Heroin und Kokain
nachgewiesen. Die Verkehrsmediziner verneinten in der Beurteilung vom 2. Dezember
2016 in Anbetracht des fortgesetzten Konsums eine stabil überwundene
Drogenproblematik und befürworteten die Fahreignung von X nicht. In der Folge verbot
das Strassenverkehrsamt X mit Verfügung vom 5. Dezember 2016 das Führen von
Motorfahrzeugen aller Kategorien sowie aller Unter- und Spezialkategorien (inkl. Mofa)
vorsorglich ab sofort. Mit Verfügung vom 12. Januar 2017 entzog es ihm den
Führerausweis auf unbestimmte Zeit. Als Bedingungen für die Aufhebung des
Führerausweisentzuges wurden eine kontrollierte und fachlich betreute
Drogenabstinenz von mindestens sechs Monaten sowie eine positiv verlaufene
verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung vorgeschrieben.
Am 11. Dezember 2017 liess sich X im IRM St. Gallen verkehrsmedizinisch
untersuchen. Die Verkehrsmediziner führten im Gutachten vom 21. Februar 2018 aus,
dass die forensisch-toxikologische Haaranalyse auf Drogen und etliche psychotrope
Medikamente, abgesehen vom Nachweis von Buprenorphin sowie dessen
Stoffwechselprodukt Norbuprenorphin aufgrund der Drogensubstitution, unauffällig
gewesen sei. Allerdings habe die Haaranalyse auf Ethylglucuronid (EtG,
Alkoholabbauprodukt) einen Wert von über 100 pg/mg ergeben, weshalb von einem
erheblichen Alkoholmissbrauch auszugehen sei und die Fahreignung nicht befürwortet
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werden könne. Gestützt auf das Gutachten wies das Strassenverkehrsamt das Gesuch
von X um Wiedererteilung des Führerausweises mit Verfügung vom 27. März 2018 ab.
F.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 27. März 2018 erhob X mit
Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. April 2018 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und der Führerausweis sei wiederzuerteilen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 25. April 2018 auf eine
Vernehmlassung. Mit Schreiben vom 3. Mai 2018 teilte der Rechtsvertreter mit, dass
die Akten unvollständig seien. Am 28. Juni 2013 habe X beim Strassenverkehrsamt um
Lockerung der Auflagen ersucht. Dieses habe die Auflagen am 4. Juli 2013
dahingehend gelockert, dass die Pflicht zum Lenken eines Motorfahrzeuges in absolut
alkoholfreiem Zustand (0,0 ‰) aufgehoben worden sei. Am 3. September 2018
übermittelte das Strassenverkehrsamt das verkehrsmedizinische Gutachten des IRM
St. Gallen vom 28. August 2018. Die Verkehrsmediziner halten darin fest, dass zwar
von einem deutlich reduzierten, jedoch immer noch übermässigen Alkoholkonsum
beziehungsweise Alkoholmissbrauch bei gleichzeitiger Drogen-Substitutionstherapie
mit Subutex auszugehen sei, und deshalb die Fahreignung nicht befürwortet werden
könne. Die Untersuchung der Haare hatten EtG-Werte von 35 pg/mg (Segment 0-2 cm
ab Kopfhaut) und 47 pg/mg (Segment 2 cm ab Kopfhaut bis Spitzen) ergeben. Dazu
nahm der Rekurrent mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 21. September 2018
Stellung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 10. April 2018 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
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Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Dem Rekurrenten wurde der Führerausweis mit Verfügung vom 12. Januar 2017
gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) aufgrund des Nichteinhaltens der Drogenabstinenzauflage gemäss Verfügung
vom 12. Januar 2017 auf unbestimmte Zeit entzogen. Dieser Massnahme kommt die
Bedeutung eines Sicherungsentzugs zu. Der Betroffene muss für die Wiedererteilung
des Führerausweises Art. 17 Abs. 3 SVG entsprechend nachweisen, dass der
Eignungsmangel behoben ist. Die Entzugsbehörde, die auch Wiedererteilungsbehörde
ist, hat ihrerseits zu entscheiden, was sie für den Nachweis der Behebung des
Eignungsmangels verlangt. Die Vorinstanz machte die Wiedererteilung in der Verfügung
vom 12. Januar 2017 von einer kontrollierten und fachlich betreuten Drogenabstinenz
von mindestens sechs Monaten sowie einer verkehrsmedizinischen
Kontrolluntersuchung abhängig. Der Rekurrent liess sich am 11. Dezember 2017
verkehrsmedizinisch untersuchen, wobei weder der Drogen- noch der Konsum
psychotroper Medikamente nachgewiesen wurde. Hingegen wurde mittels Haaranalyse
ein EtG-Wert von über 100 pg/mg festgestellt, weshalb die Verkehrsmediziner im
Gutachten vom 21. Februar 2018 von einem problematischen Alkoholüberkonsum
(zumindest im Sinne eines erheblichen Alkoholmissbrauchs) ausgingen; deswegen und
aufgrund der gleichzeitigen Drogen-Substitutionstherapie verneinten sie die
Fahreignung des Rekurrenten.
b) Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz gestützt auf das verkehrsmedizinische
Gutachten vom 21. Februar 2018 die Fahreignung des Rekurrenten zu Recht verneint
und das Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises abgewiesen hat. Der
Rekurrent macht geltend, das Gutachten sei unschlüssig. Die Ansicht, wonach ein
deutlich problematischer Alkoholüberkonsum vorliege und deshalb die Fahreignung
nicht zu befürworten sei, könne nicht geteilt werden. Auf fehlende Fahreignung dürfe
geschlossen werden, wenn eine Person nicht mehr in der Lage sei, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die naheliegende Gefahr bestehe,
dass diese im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnehme.
Eine solche Gefahr sei aber weder dem Gutachten zu entnehmen, noch habe der
Rekurrent mit seinem Verhalten (beispielsweise einer konkreten Trunkenheitsfahrt) den
bis
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Beweis erbracht, dass er Alkoholkonsum und Strassenverkehr nicht ausreichend
trennen könne. Es liege weder eine Alkoholabhängigkeit noch ein verkehrsrelevanter
Alkoholmissbrauch vor, weswegen die Fahreignung ohne entsprechende Auflagen zu
bejahen sei.
3.- Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist die
Fahreignung. Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die
Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Unter
anderem verfügt über die Fahreignung, wer frei von einer Sucht ist, die das sichere
Führen von Motorfahrzeugen beeinträchtigt (Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG). Wird
nachträglich festgestellt, dass die gesetzlichen Anforderungen zur Erteilung nicht oder
nicht mehr bestehen, ist der Führerausweis zu entziehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Gemäss
Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG wird der Führerausweis einer Person auf unbestimmte Zeit
entzogen, wenn sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst. Der
Suchtbegriff des Verkehrsrechts stimmt mit jenem der Medizin nicht überein. Das
verkehrsrechtliche Verständnis der Sucht erlaubt, auch bloss suchtgefährdete
Personen, bei denen aber jedenfalls ein die Verkehrssicherheit beeinträchtigender
regelmässiger Alkohol- oder Drogenmissbrauch vorliegt, vom Führen eines
Motorfahrzeugs fernzuhalten. Gegenüber dem medizinischen ist beim
verkehrsrechtlichen Suchtbegriff der Bezug zum Strassenverkehr von entscheidender
Bedeutung. Eine Sucht oder Suchtgefährdung ist strassenverkehrsrechtlich dann
relevant, wenn sie so beschaffen ist, dass die inhärente Gefahr besteht, dass sich die
betroffene Person in nicht fahrfähigem Zustand ans Lenkrad setzen wird. Das
Bundesgericht bejaht das Vorliegen einer Alkoholsucht, wenn die betroffene Person
regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie
diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu
überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt.
Ähnliches gilt für die Drogensucht. Eine solche nimmt das Bundesgericht an, wenn die
Abhängigkeit von der Droge derart ist, dass der Betroffene mehr als jede andere
Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich ans Steuer eines Fahrzeugs in einem –
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dauernden oder zeitweiligen – Zustand zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr
gewährleistet (BGE 129 II 82 E. 4.1 und 127 II 122 E. 3; Weissenberger, Kommentar
SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16d N 44 und 47).
4.- Ärztlichen Gutachten kommt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
Beweiswert zu, sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in
sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen
(BGE 123 V 331 E. 1c). Das verkehrsmedizinische Gutachten unterliegt der freien
richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 und Art. 58 Abs. 1 VRP). In Sachfragen
weicht der Richter nur aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab. Er
prüft, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien
ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen
Punkten aufdrängen. In diesem Fall hat er nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung
der Zweifel zu erheben (BGE 133 II 384 E. 4.2.3 mit weiteren Hinweisen). Das
verkehrsmedizinische Gutachten soll in der Gesamtbeurteilung die erhobenen Befunde
hinsichtlich der Fragestellung würdigen und so gewichten, dass die
Schlussfolgerungen und die Beantwortung der Fragestellung auch für einen Laien
nachvollziehbar sind (J. Bächli-Biétry, Inhalt des Gutachtens, Würdigung, Folgefragen
aus verkehrspsychologischer Sicht, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009,
St. Gallen 2009, S. 58).
Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 21. Februar 2018 stützt sich auf die
dokumentierte Vorgeschichte des Rekurrenten gemäss den Akten, die
verkehrsmedizinische Untersuchung vom 11. Dezember 2017, Fremdauskünfte und die
Resultate der Laboruntersuchungen. Im Gutachten wird ausgeführt, dass der Anlass
der verkehrsmedizinischen Untersuchung das Beurteilen des Einhaltens einer
Drogenabstinenz gewesen sei. Mittels Urinprobenkontrolle und forensisch-
toxikologischer Haaranalyse auf Drogen und psychotrope Medikamente habe
Buprenorphin sowie dessen Stoffwechselprodukt Norbuprenorphin nachgewiesen
werden können, was mit der ärztlich verordneten Drogensubstitution übereinstimme.
Die Einnahme von Drogen oder Medikamenten habe nicht festgestellt werden können.
Allerdings habe die Überprüfung der Haarprobe auf EtG ergeben, dass der
durchschnittliche Alkoholkonsum während der letzten rund sechs Monate vor der
Untersuchung mit einem Wert von über 100 pg/mg in einem Bereich liege, welcher den
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tolerierten oberen Grenzwert für soziales Trinkverhalten (30 pg/mg) deutlich
überschreite. Aufgrund dieses Ergebnisses müsse von einem deutlich problematischen
Alkoholüberkonsum (zumindest im Sinne eines erheblichen Alkoholmissbrauchs)
ausgegangen werden, welcher vor dem Hintergrund einer bekannten, langjährigen
Suchtmittel- und Drogenproblematik (Opiat-Abhängigkeit mit Substitutionstherapie) als
äusserst kritisch zu beurteilen sei. Wegen des erheblichen Alkoholmissbrauchs bei
einer Drogensubstitutionstherapie sei die Fahreignung des Rekurrenten abzulehnen.
5.- Anders als bei der Laboranalytik anhand der aus dem Blut ermittelten Parameter
CDT, GGT, GOT, GPT und MCV (vgl. BGE 129 II 82 E. 6.2.1), mit welcher
Alkoholkonsum nicht direkt nachgewiesen werden kann, handelt es sich bei der
forensisch-toxikologischen Haaranalyse auf EtG um eine direkte, beweiskräftige
Analysemethode, deren Resultate objektive Rückschlüsse zum Alkoholkonsum eines
Probanden während einer bestimmten Zeit erlauben (vgl. zum Ganzen Schweizerische
Gesellschaft für Rechtsmedizin, Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von
Ethylglucuronid [EtG] in Haarproben, Version 2014, Ziff. 3.1). Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung anerkennt die Haaranalyse als geeignetes Mittel zum Nachweis
sowohl eines übermässigen Alkoholkonsums als auch der Einhaltung einer
Abstinenzverpflichtung. Die Haaranalyse gibt direkten Aufschluss über den
Alkoholkonsum. Nach dem Alkoholkonsum wird das Abbauprodukt EtG im Haar
eingelagert. Weil EtG ein Abbauprodukt von Alkohol ist, korreliert die festgestellte EtG-
Konzentration mit der aufgenommenen Menge an Trinkalkohol. Aufgrund des
Kopfhaar-Längenwachstums von rund einem Zentimeter pro Monat lassen sich
Aussagen über den Alkoholkonsum während der entsprechenden Zeit vor der
Haarentnahme machen (vgl. Urteile des Bundesgerichts [BGer] 1C_491/2017 vom
9. Mai 2018 E. 3.2, 1C_615/2014 vom 11. Mai 2015 E. 2.3.1; BGE 140 II 334 E. 3 mit
Hinweisen).
6.- a) Die dem Rekurrenten anlässlich der verkehrsmedizinischen Untersuchung vom
11. Dezember 2017 abgenommene Kopfhaarprobe wies einen EtG-Gehalt von über
100 pg/mg auf. Wie im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 21. Februar 2018 dazu
korrekt ausgeführt wird, weist diese hohe Konzentration auf einen regelmässigen und
übermässigen Alkoholkonsum in den rund sechs Monaten vor der Probeentnahme hin.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist dies bereits bei EtG-Werten von 45
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und 66 pg/mg der Fall (vgl. BGer 1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.3). Ein
EtG-Wert von 94 pg/mg begründet nach der Praxis des Bundesgerichts ein
schwerwiegendes Indiz für einen verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch mit
Suchtgefährdung im Sinne von Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG (vgl. BGer 1C_243/2010 vom
10. Dezember 2010 E. 2.7). Der vorliegend festgestellte EtG-Wert entspricht einem
Mehrfachen des Wertes von 30 pg/mg, wo die Mediziner die Grenze zum
übermässigen Alkoholkonsum lokalisieren (vgl. Schweizerische Gesellschaft für
Rechtsmedizin, a.a.O., Ziff. 6.2; vgl. BGE 140 II 334 E. 7). Bereits eine Konzentration
von 30 pg/mg EtG deutet auf einen massiven täglichen Alkoholkonsum von über
60 Gramm Ethanol hin (vgl. Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin, a.a.O.,
Ziff. 6.1 und 6.2; Consensus of the Society of Hair Testing on Hair Testing for Chronic
Excessive Alcohol Consumption 2009, in: Toxichem Krimtech 76/2009 S. 252,
www.gtfch.org). Der im Gutachten ausgewiesene EtG-Wert von über 100 pg/mg belegt
damit einen durchschnittlichen Alkoholkonsum von weit mehr als 60 Gramm Ethanol
pro Tag, was einem massiven täglichen Alkoholüberkonsum in den rund sechs
Monaten vor der Entnahme der Haarprobe vom 11. Dezember 2017 entspricht. Die
Gutachter gingen damit zu Recht von einem erheblichen Alkoholmissbrauch aus.
b) Der Rekurrent machte gegenüber den Gutachtern geltend, dass er Alkohol massvoll
und unregelmässig trinke. An den Wochenenden trinke er ein Glas Wein, sporadisch
auch einmal unter der Woche. Am liebsten trinke er Rotwein. Bier oder Spirituosen
trinke er eher weniger. Bekannte und Freunde hätten sich noch nie kritisch zu seinem
Alkoholkonsum geäussert. Er selbst habe auch noch nie ein schlechtes Gewissen
gehabt oder sich gedacht, dass er zu viel Alkohol konsumiere. Angesichts des hohen
EtG-Wertes der Haarprobe von über 100 pg/mg ist jedoch erstellt, dass die
tatsächliche Trinkmenge im Zeitraum von rund sechs Monaten vor der Untersuchung
am 11. Dezember 2017 wesentlich höher als 60 Gramm Ethanol pro Tag gewesen sein
muss. Es besteht damit ein klarer Widerspruch zwischen den Angaben des
Rekurrenten und dem Messwert, was ein Hinweis auf eine Bagatellisierung der
Alkoholproblematik ist. Der Rekurrent scheint nicht fähig oder willens, sich kritisch mit
seinem Trinkverhalten auseinanderzusetzen. Es fehlt ihm offensichtlich am
entsprechenden Problembewusstsein. Daran vermag auch der Umstand, dass die
Ergebnisse der am 6. Dezember 2017 durchgeführten Analyse der alkoholrelevanten
Blutparameter innerhalb der Referenzwerte lagen, nichts zu ändern. Die Haaranalyse
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erlaubt über ein grösseres Zeitfenster Aussagen über den erfolgten Alkoholkonsum als
die Blutuntersuchung (BGer 1C_491/2017 vom 9. Mai 2018 E. 3.2). Wenn jemand
regelmässig so viel Alkohol trinkt, dass er die genannten Grenzwerte überschreitet,
wird der betroffenen Person die Fahreignung abgesprochen werden müssen, weil dann
die naheliegende Gefahr besteht, dass sie in fahrunfähigem Zustand ein Fahrzeug
lenkt. Bei einem regelmässigen, nach den gesetzlichen Grenzwerten als übermässig
geltenden Alkoholkonsum stellt ein Sicherungsentzug die Regel dar. Ein solches
Konsumverhalten erlaubt es kaum je, ausreichend zwischen dem Suchtmittelkonsum
und dem Strassenverkehr zu trennen (Weissenberger, a.a.O., Art. 16d N 30). Belastend
kommt beim Rekurrenten hinzu, dass er sich nach wie vor in einem
Drogensubstitutionsprogramm mit Buprenorphin befindet und damit die
Drogenmissbrauchsproblematik noch nicht überwunden hat. Im Jahr 2013 konsumierte
er trotz Drogenabstinenzauflage Heroin und im Jahr 2016 Heroin und Kokain. Dieses
Verhalten zeigt eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber behördlichen Anweisungen
und Auflagen, was das Stellen einer günstigen Prognose zusätzlich erschwert. Beim
Untersuch vom 11. Dezember 2017 wurden zwar keine Drogen oder psychotrope
Medikamente nachgewiesen. Der festgestellte EtG-Wert von über 100 pg/mg spricht
jedoch dafür, dass eine Suchtverlagerung hin zum Alkohol stattgefunden hat. Dass die
Gutachter vor diesem Hintergrund – bei einer nach wie vor andauernden
Drogensubstitutionstherapie und gleichzeitig erheblichem Alkoholmissbrauch – die
Fahreignung des Rekurrenten verneinten, erscheint widerspruchsfrei, nachvollziehbar
und schlüssig.
c) Auch im verkehrsmedizinischen Gutachten des IRM St. Gallen vom 28. August 2018
wurde die Fahreignung des Rekurrenten verneint. Die Haaranalyse ergab im kopfnahen
Segment einen EtG-Wert von 35 pg/mg und im kopffernen Segment einen EtG-Wert
von 47 pg/mg. Aufgrund der Werte von über 30 pg/mg sind die Verkehrsmediziner zu
Recht von einem im Vergleich zur Untersuchung vom 11. Dezember 2017 zwar
reduzierten, aber immer noch übermässigen Alkoholkonsum ausgegangen.
Unerheblich ist, wie die Verkehrsmediziner die Fahreignung des Rekurrenten beurteilt
hätten, wenn die Werte unter 30 pg/mg gelegen hätten. Tatsache ist, dass die Werte
sowohl im kopfnahen als auch im kopffernen Segment über 30 pg/mg lagen. Die
Beantwortung der Frage, was wäre, wenn die Werte unter 30 pg/mg gelegen hätten,
würde am Ergebnis der verkehrsmedizinischen Untersuchung nichts ändern, weshalb
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die vom Rekurrenten gestellte Ergänzungsfrage zum Gutachten nicht zuzulassen ist.
Dass die Verkehrsmediziner im Gutachten festhielten, von einem übermässigen
Alkoholkonsum beziehungsweise einem Alkoholmissbrauch bei einer Drogen-
Substitutionstherapie mit Subutex sei auszugehen, "obwohl mittels Verfügung vom
Strassenverkehrsamt St. Gallen vom 27.03.2018 nebst der Drogenabstinenz auch die
Einhaltung einer Alkohol-Totalabstinenz gefordert worden war", vermag die
gutachterlichen Feststellungen nicht in Frage zu stellen. Es trifft zu, dass die Verfügung
vom 27. März 2018 angefochten und der Rekurrent deshalb nicht zur Einhaltung einer
Alkoholtotalabstinenz verpflichtet war. Die aus juristischer Sicht ungenaue Ausführung
der Gutachterin ändert aufgrund der objektiven Befunde – insbesondere des
Ergebnisses der Haaranalyse – nichts daran, dass nach wie vor ein Alkoholmissbrauch
vorliegt und die Fahreignung deshalb nicht gegeben ist.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das Gutachten vom
21. Februar 2018 abstellte und dem Rekurrenten die Wiedererteilung des
Führerausweises verweigerte. Daran vermag weder das während des Rekursverfahrens
eingegangene verkehrsmedizinische Gutachten vom 28. August 2018 etwas zu ändern,
noch die Tatsache, dass die Vorinstanz am 4. Juli 2013 die Pflicht zum Lenken von
Motorfahrzeugen in absolut alkoholfreiem Zustand aufgehoben hatte, denn damals
lagen – anders als im heutigen Zeitpunkt – keine Anzeichen eines übermässigen
Alkoholkonsums vor. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
7.- Art. 31 der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt: VZV) sieht vor,
dass im Fall von Sicherungsentzügen die Entzugsbehörde die betroffene Person über
die Bedingungen zum Wiedererwerb des Führerausweises informieren muss (BSK
SVG-Rütsche/Weber, Basel 2014, Art. 17 N 24). Als die Vorinstanz mit Verfügung vom
12. Januar 2017 den Sicherungsentzug anordnete, verfügte sie ebenfalls die
Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs (kontrollierte Drogenabstinenz und eine
verkehrsmedizinische Untersuchung). Da beim Rekurrenten zur
Drogenmissbrauchsproblematik eine Alkoholmissbrauchsproblematik hinzugekommen
ist, muss er über die neuen Bedingungen für die Wiedererteilung des Führerausweises
informiert werden. Dazu reicht es nicht, dass die Vor-instanz in der angefochtenen
Verfügung vom 27. März 2018 lediglich in den Erwägungen die von den
Verkehrsmedizinern empfohlenen Forderungen vor einer erneuten
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verkehrsmedizinischen Fahreignungsabklärung wiedergab. Wird eine Fahrbewilligung
nur unter Auflagen erteilt, so müssen diese im Dispositiv der entsprechenden
Verfügung enthalten sein (BGE 104 Ib 179 E. 4). Genauso müssen auch die
Bedingungen für die Wiedererteilung des Führerausweises bei einem Sicherungsentzug
im Dispositiv der entsprechenden Verfügung aufgeführt werden. Der Betroffene soll
genau wissen, unter welchen Bedingungen ihm der Führerausweis wiedererteilt wird.
Die Vorinstanz hätte demnach die Bedingungen für die Wiedererteilung des
Führerausweises in der angefochtenen Verfügung vom 27. März 2018 im Dispositiv
festhalten müssen. Da sie dies nicht getan hat, ist die Angelegenheit zur
entsprechenden Ergänzung der Verfügung zurückzuweisen.
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
zu drei Vierteln und dem Staat zu einem Viertel aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Der
Rekurrent unterliegt mit seinem Rekurs und die vorinstanzliche Verfügung ist
unvollständig, weshalb sie zu ergänzen ist. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist mit dem Kostenanteil des Rekurrenten von
Fr. 900.– zu verrechnen und im Restbetrag von Fr. 300.– zurückzuerstatten. Ein
Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung gemäss Art. 98 VRP besteht nicht.