Decision ID: 4f048d07-28d3-4735-81be-aecc4b9b972f
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die 1969 geborene Beschwerdeführerin, zuletzt in einem Vollzeitpensum
als Betriebsmitarbeiterin tätig, meldete sich am 12. Mai 2020 wegen Schul-
terbeschwerden bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen
(berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung
(IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin verschiedene Abklärun-
gen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht; insbesondere holte sie Be-
richte der behandelnden Ärzte ein und legte die Akten dem Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vor. Mit Verfügung vom 26. Ja-
nuar 2022 verneinte sie – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren –
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
2.
2.1.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 1. März 2022
fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge:
"1. Die angefochtene Verfügung vom 26.01.2022 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien die gesetzlich geschuldeten Leistungen,  eine Rente sowie berufliche Massnahmen, zuzusprechen.
2. Eventualiter sei die Sache zur ordnungsgemässen Abklärung des Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der .
Prozessuales Begehren:
Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu  und der Unterzeichnete sei zu ihrem unentgeltlichen  zu ernennen."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 9. März 2022 beantragte die Beschwerdegegne-
rin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit Verfügung vom 14. März 2022 bewilligte die Instruktionsrichterin der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und ernannte lic. iur.
Markus Zimmermann, Rechtsanwalt, Baden, zu ihrem unentgeltlichen Ver-
treter.
- 3 -

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur
Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die zustän-
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwer-
deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an
einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvorausset-
zung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164
E. 2.1 S. 164 f.; vgl. auch BGE 135 V 148 E. 5.2 S. 150; 135 V 141 E. 1.4
S. 144 ff.).
Die Beschwerdegegnerin prüfte in ihrer Verfügung vom 26. Januar 2022
lediglich den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente
(vgl. Vernehmlassungsbeilage [VB] 47). Über einen allfälligen Anspruch
der Beschwerdeführerin auf berufliche Eingliederungsmassnahmen (vgl.
Beschwerde, S. 2) wurde jedoch seitens der Beschwerdegegnerin nicht be-
funden. Dieser bildet somit nicht Anfechtungsgegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens, weshalb in dieser Hinsicht auf die Beschwerde
nicht einzutreten ist.
1.2.
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Verfügung vom 26. Januar 2022
zusammenfassend aus, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
habe sich aus versicherungsmedizinischer Sicht soweit verbessert, dass
ihr seit dem 18. März 2020 die Ausübung einer angepassten Tätigkeit im
Rahmen eines 100%-Pensums zumutbar sei. Eine Gegenüberstellung von
Validen- und Invalideneinkommen ergebe einen Invaliditätsgrad von 0 %,
so dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (vgl. VB 47 S. 1 ff.).
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber im Wesentlichen auf den
Standpunkt, die Beschwerdegegnerin habe den für die Beurteilung ihres
Rentenanspruchs massgebenden medizinischen Sachverhalt unzu-
reichend abgeklärt und sei bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades von
einem zu hohen Invalideneinkommen ausgegangen.
Strittig und zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
mit Verfügung vom 26. Januar 2022 einen Anspruch der Beschwerdefüh-
rerin auf eine Invalidenrente verneinte.
2.
2.1.
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
- 4 -
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (Art. 28 Abs. 1 IVG).
2.2.
Invalidität gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 7 f. ATSG bedeutet im All-
gemeinen den durch die Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
[IVG], 3. Aufl. 2014, N. 102 zu Art. 4 IVG mit Hinweis auf BGE 130 V 343
E. 3.2.1 S. 346).
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in
medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Beurteilung des RAD-Arz-
tes Dr. med. B., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, welche auf den Akten, namentlich der Einschät-
zung des behandelnden Facharztes für Orthopädische Chirurgie, basiert.
3.1.
Dem Abschlussbericht von Dr. med. C., Facharzt für Orthopädische Chirur-
gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Klinik für Orthopädie,
Kantonsspital D., vom 26. März 2020 sind im Wesentlichen folgende
(Haupt-) Diagnosen zu entnehmen (vgl. VB 9 S. 2):
"St. n. Anker-assoziiertem low-grade Infekt Schulter rechts mit Nachweis von Cutibacterium acnes, ED 23.09.19 mit/bei:
 12/18 Rotatorenmanschettenrekonstruktion mittels Schulter-: Anterolaterale Acromioplastik, arthroskopische  (SCP, SSP, ISP 8 Anker), Bizepstenotomie  rechts, (...)
 23.09.19 Diagnostische Re-Arthroskopie, Débridement, Sampling Schulter rechts, (...)
 Histologie: Kein Nachweis von chronischen oder entzündlichen Veränderungen, histologisch kein Hinweis für einen low-grade 
 Re-Reschulterarthroskopie mit erneuter Probeentnahme und  Fadenmaterial, Ankerentfernung am 19.12.2019"
3.2.
Ausgehend von diesen gesundheitlichen Beeinträchtigungen bzw. den
dadurch bedingten Beschwerden hielt Dr. med. B. in seiner Stellungnahme
vom 18. Januar 2021 fest, mit Eintritt des Gesundheitsschadens am
13. Dezember 2018 (Schulterarthroskopie rechts mit anterolateraler Acro-
mioplastik, Naht der Rotatorenmanschette sowie Bizepstenotomie) habe in
der angestammten Tätigkeit bis am 23. Januar 2019 eine vollständige Ar-
beitsunfähigkeit bestanden. Danach sei bereits am 13. März 2019 eine gute
Beweglichkeit der Schulter erreicht worden, so dass selbst in der bisherigen
- 5 -
Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin die "seit 24.01.2019 bestehende
100%ige Arbeitsfähigkeit ohne Gebrauch der rechten oberen Extremität"
auf eine Belastbarkeit mit 5 kg habe gesteigert werden können. Nach der
Schulter-Re-Arthroskopie rechts vom 23. September 2019 (mit Débride-
ment, in der Histologie regelrecht aufgebautem leicht fibrosiertem Faser-
bindegewebe mit unauffälliger überkleidender Synovialis) sei medizinisch-
theoretisch von einer bis Mitte November 2019 dauernden sechswöchigen
(vollständigen) Arbeitsunfähigkeit und nach der Re-Re-Schulterarthrosko-
pie rechts vom 9. Dezember 2019 (mit Entfernung von Fadenmaterial und
Anker sowie Débridement mit Synovektomie) von einer bis am 22. Januar
2020 dauernden (vollständigen) Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätig-
keit auszugehen (vgl. VB 22 S. 3).
In einer leidensangepassten Tätigkeit (wechselbelastend, ohne Heben und
Tragen von mittelschweren und schweren Lasten sowie ohne Handeinsatz
über Schulterhöhe) sei die Beschwerdeführerin – so Dr. med. B. – nach
Ablauf des Wartejahres (Dezember 2019) vom 9. Dezember 2019 bis am
22. Januar 2020 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Seither bestehe eine
100%ige Arbeitsfähigkeit. Der postoperative Verlauf habe sich insgesamt
komplikationslos gestaltet, so dass die Behandlung am 18. März 2020 habe
abgeschlossen werden können (vgl. VB 22 S. 4).
4.
4.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerung des Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.2.
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im
Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-
nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c
S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut-
achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge An-
forderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-
lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel-
lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465
E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.).
4.3.
Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im
Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen
- 6 -
Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-
besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-
licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-
nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-
verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen
ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesgerichts
8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember
2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
5.
Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass in der RAD-Beurteilung die Di-
agnose eines chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms,
rechtsbetont, fehle. Ihre Hausärztin – welche sie im Gegensatz zum RAD-
Arzt wiederholt persönlich untersucht habe – erachte sie in einer leidens-
angepassten Tätigkeit zu höchstens 50 % arbeitsfähig. Die Beurteilung von
Dr. med. B. sei in sich nicht schlüssig und insofern inkohärent, als dieser
sie zwar in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig, in der
angestammten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin jedoch – trotz seiner Auf-
fassung nach fehlenden objektivierbaren Funktionsdefiziten – zu 100 % ar-
beitsunfähig einstufe (vgl. Beschwerde, S. 13 ff.).
5.1.
RAD-Arzt Dr. med. B. nahm in einer weiteren Aktenbeurteilung vom 13. Ja-
nuar 2022 sehr wohl Stellung zu der verschiedentlich gestellten Diagnose
eines chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms rechtsbetont.
Er führte – überzeugend und in Einklang mit den vorhandenen medizini-
schen Unterlagen (vgl. VB 9 S. 2, S. 4, S. 6, S. 8 f., S. 11, S. 14, S. 17,
S. 19, S. 21, S. 24, S. 26, S. 28, S. 36, S. 38; VB 10.12 S. 1; VB 10.2 S. 1)
– aus, dass diese Diagnose in den verschiedenen Arztberichten durchgän-
gig unter "Nebendiagnosen" aufgelistet bzw. als "im Hintergrund" stehend
bezeichnet worden sei und die Beschwerdeführerin im gesamten Verlauf
seit dem Austritt aus dem Kantonsspital D., Klinik für Rheumatologie, am
5. September 2018 nie über Beschwerden an der LWS geklagt habe (vgl.
VB 44 S. 2). Es ist somit nachvollziehbar, dass er dem ebenfalls diagnosti-
zierten lumbospondylogenen Schmerzsyndrom keine Bedeutung für die
funktionelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zumass. Seine
Aussage, dem "fraktionierten adynamischen Bilderzyklus" liessen sich
keine "objektivierbare[n] Funktionsdefizite" entnehmen (vgl. VB 44 S. 3),
bezog sich im Weiteren ausschliesslich auf die Beschwerden an der LWS
und nicht auf die (im Vordergrund stehenden) Schulterbeschwerden. Ent-
gegen der Auffassung der Beschwerdeführerin lässt sich damit durchaus
vereinbaren, dass er diese in der angestammten Tätigkeit als Betriebsmit-
arbeiterin, bei welcher sie in einem Lager "Kisten aufheben, etc[.]" (vgl.
VB 10.2 S. 2) bzw. "täglich schwer heben und tragen" musste (vgl. VB 9
S. 39), aufgrund der Schulterbeschwerden zu 100 % arbeitsunfähig, jedoch
in einer diesem Leiden angepassten Tätigkeit (vgl. VB 22 S. 4; E. 3.2. hier-
vor) zu 100 % arbeitsfähig erachtete.
- 7 -
5.2.
Auch die Stellungnahme der Hausärztin Dr. med. E., Fachärztin für Allge-
meine Innere Medizin, vom 1. Dezember 2021 (vgl. VB 41 S. 13 f.) sowie
deren im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichte E-Mail vom
24. Februar 2022 (vgl. Beschwerdebeilage [BB] 3) vermögen an der Voll-
ständigkeit und Schlüssigkeit der Aktenbeurteilung von RAD-Arzt Dr. med.
B. keine auch nur geringen Zweifel zu begründen: Soweit die genannte
Ärztin die Beschwerdeführerin in einer Tätigkeit ohne Heben und Tragen
jeglicher Gewichte, ohne Arbeiten über Schulterhöhe und ohne dauernde
repetitive Bewegungen in den Schultern lediglich noch zu max. 50 % ar-
beitsfähig erachtete und den andauernden Ruheschmerz "als solches [...]
schon [als] ermüdend" bezeichnete (vgl. VB 41 S. 13 f.), gilt es einerseits
zu beachten, dass die Einschätzung der Allgemeininternistin Dr. med. E.
die in den Fachbereich des Facharztes für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates Dr. med. B. fallende Beurteilung
der Schulterbeschwerden bzw. deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin schon aus fachlichen Gründen nicht zu entkräften
vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_458/2021 vom 15. November
2021 E. 3.3 mit Hinweisen). Andererseits geht die Praxis in Anbetracht der
sich mit Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden Beweisschwierig-
keiten davon aus, dass die subjektiven Schmerzangaben der versicherten
Person für die Begründung einer (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit allein nicht
genügen; vielmehr muss im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen
Leistungsprüfung verlangt werden, dass die Schmerzangaben durch damit
korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend er-
klärbar sind. Dabei müssen die Schmerzangaben zuverlässiger medizini-
scher Feststellung und Überprüfung zugänglich sein (BGE 143 V 124
E. 2.2.2, mit Hinweis auf BGE 130 V 396 E. 5.3.2 S. 398; vgl. auch BGE
139 V 547 E. 5.4 S. 556). Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr. med. E. beruht auf keinerlei objektiven Befunden (vgl. VB 41 S. 14).
Darüber hinaus hielt die Hausärztin selber fest, dass die Beschwerdefüh-
rerin den Schmerz "im Zustand ohne Belastung" als "erträglich" bezeichne
(vgl. BB 3), gab indes – in sich widersprüchlich – im Zusammenhang mit
der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung an, dass der Ruheschmerz per se schon
ermüdend sei (vgl. VB 41 S. 14). Schliesslich ging auch Dr. med. F., Fach-
arzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa-
rates, bei welchem die Beschwerdeführerin eine Zweitmeinung betreffend
den ihr damals vorgeschlagenen operativen Eingriff einholte, (lediglich) von
"Restschmerzen vor allem bei Belastungssituationen" (vgl. Bericht vom
3. Juli 2020; VB 19 S. 3) bzw. von (erträglichen) "Restschmerzen, die sie
über Schulterhöhe spür[e]" (vgl. Bericht vom 31. August 2020; VB 19 S. 1)
aus. Diesen (verbleibenden) Einschränkungen trug Dr. med. B. mit dem
von ihm definierten Zumutbarkeitsprofil einer leidensangepassten Tätigkeit
(vgl. VB 22 S. 4; E. 3.2. hiervor) durchaus Rechnung.
5.3.
Es sprechen somit keine konkreten Anhaltspunkte dagegen, dass die Be-
schwerdeführerin ab dem Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
- 8 -
am 1. November 2020 (Anmeldung vom 12. Mai 2020 [vgl. VB 1]; Art. 29
Abs. 1 und Abs. 3 IVG) zumindest in einer dem von Dr. med. B. definierten
Belastungsprofil entsprechenden angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeits-
fähig ist. Demnach lag der Beurteilung des RAD-Arztes ein feststehender
medizinischer Sachverhalt zugrunde (vgl. E. 4.3. hiervor), weshalb nicht zu
beanstanden ist, dass dieser keine eigenen zusätzlichen Untersuchungen
vorgenommen hat. Es ist mithin von einer uneingeschränkten Arbeitsfähig-
keit der Beschwerdeführerin in einer Verweistätigkeit auszugehen. Der me-
dizinische Sachverhalt erweist sich als rechtsgenüglich erstellt, so dass auf
weitere Abklärungen zu verzichten ist (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f.).
6.
6.1.
Die Beschwerdegegnerin ermittelte in der angefochtenen Verfügung mittels
Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) einen Invaliditätsgrad von 0 %, wo-
bei sie zur Bestimmung sowohl des Validen- als auch des Invalideneinkom-
mens auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) des Bundesamtes für Statistik (BfS) abstellte (vgl. VB 47 S. 1 f.).
6.2.
Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich vor, es sei, sofern bei der Er-
mittlung des Invalideneinkommens auf den Medianlohn gemäss LSE abge-
stellt werde, gestützt auf das Gutachten «Grundprobleme der Invaliditäts-
bemessung in der Invalidenversicherung» von GÄCHTER/EGLI/MEIER/FI-
LIPPO vom 22. Januar 2021, die Studie des Büro BASS vom 8. Januar 2021
sowie das Gutachten «Der Weg zu einem invaliditätskonformeren Tabel-
lenlohn» von RIEMER-KAFKA/SCHWEGLER, SZS 6/2021, darauf "ein generel-
ler Abschlag von 15 % vorzunehmen" (vgl. Beschwerde, S. 16 ff.).
6.3.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person kon-
kret steht. Hat sie nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden-
falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, kön-
nen nach der Rechtsprechung die LSE-Tabellenlöhne herangezogen wer-
den (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts
8C_545/2020 vom 4. November 2020 E. 5.1 mit Hinweis). Das von der Be-
schwerdeführerin gerügte Abstellen auf die Medianlöhne der LSE in ihrem
vollen Umfang entspricht der auch nach Veröffentlichung der Ergebnisse
der Gutachten und Studien, auf welche sich die Beschwerdeführerin in die-
sem Zusammenhang beruft, weitergeführten ständigen bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_256/2021 vom
9. März 2022 [publiziert in: BGE 148 V 174]). Vorliegend besteht kein An-
lass, von dieser gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichts abzuwei-
chen. Zudem würde auch bei einer Reduktion des sich gestützt auf die LSE
ergebenden Invalideneinkommens um – wie von der Beschwerdeführerin
gefordert – 15 % kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren, wo-
mit sich diesbezügliche Weiterungen jedenfalls erübrigen.
- 9 -
6.4.
Im Übrigen wird die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invalidi-
tätsgradberechnung von der rechtskundig vertretenen Beschwerdeführerin
nicht gerügt (BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f.; 110 V 48 E. 4a S. 52 f.) und
es lassen sich den Akten keine Anhaltspunkte entnehmen, wonach diese
im Ergebnis nicht korrekt wäre. Somit besteht bei einem ermittelten Invali-
ditätsgrad von 0 % kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
7.
Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
26. Januar 2022 zu Recht einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
verneint. Die dagegen erhobene Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist (vgl. E. 1.1. hiervor).
8.
8.1.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00 und sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Da dieser die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-
merken.
8.2.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter
wird das angemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versiche-
rungsgerichtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein
(Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG).
8.3.
Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der
die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-
gemerkten Gerichtskosten sowie der dem Rechtsvertreter ausgerichteten
Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
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