Decision ID: 24944f75-57b4-49d8-8df4-3c32ee3862fa
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die britische Financial Conduct Authority (bis 1. April 2013 die Financial
Services Authority; nachfolgend "FCA" oder "ersuchende Behörde") führt
ein Strafverfahren wegen Insiderhandels (Ausnützen der Kenntnis vertrau-
licher Tatsachen) gegen B., C. und D. Die FINMA leistete dabei der FCA
am 16. April 2012, 13. Juni 2012 und 2. August 2012 Amtshilfe (Urk. 3
S. 1).
Die FCA ersuchte die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend
"Staatsanwaltschaft") am 13. März 2013 (soweit hier wesentlich) um die
Herausgabe von Bankunterlagen sowie von Kopien beschlagnahmter Do-
kumente und nötigenfalls um Befragung von Personen (Urk. 3 S. 1, 6–8).
Das Ersuchen wurde am 10. April (Einvernahme von B.) und
20./22. Mai 2013 (bezüglich E. SA) ergänzt (Urk. 16, 25 und 26). Ein weite-
res Folgeersuchen wurde am 29. August 2013 gestellt (Urk. 54). Da die
weiteren Ersuchen allesamt nicht direkt das vorliegende Verfahren von
A. SA (Panama) betreffen, wird auf sie hier nicht näher eingegangen.
B. Die Rechtshilfeersuchen enthalten im Wesentlichen folgende Sachver-
haltsdarstellung, gegen die A. SA keine Einwände geltend machte:
C. (Fondsmanager bei F. London), habe von Kollegen bei F. kursrelevante
nicht öffentlich bekannte Insider-Informationen über börsenkotierte Unter-
nehmungen erhalten und sie mittels Telefonaten ab seinem Mobiltelefon an
G. (Zug) weitergegeben. G. hätten den Auftrag zum Handel mit Wertpapie-
ren von H. plc, I. plc, J. und K. erteilt, sowie von einer Kaufoption für Wert-
papiere von L. Der insgesamt dabei erzielte Gewinn und vermiedene Ver-
lust habe rund GBP 99'271.25 betragen.
Die Wertpapiergeschäfte seien in London von M. Limited ausgeführt wor-
den und zwar von und für ein Handelskonto der Bank N. SA in Genf. Die
Bank hätte dieses Konto für anonyme Kunden eröffnet; die Handelsaufträ-
ge seien von den dafür bevollmächtigten G. (Zug) erteilt worden.
Die eigentliche Kundin der Bank N. SA sei A. SA gewesen. A. SA sei von
G. kontrolliert und von ihnen im November 2010 gegründet worden; wirt-
schaftliche Eigentümerin der A. SA sei D. (Ehefrau von C.).
G. hätten der FINMA mitgeteilt, dass B. die Handelsentscheide selbständig
und ohne Kontakt mit D. durchgeführt habe. Es bestehe aber der begrün-
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dete Verdacht, dass zumindest ein Kontakt mit C. bestanden habe, da Te-
lefonate vor und nach den Auftragserteilungen festgestellt worden seien.
Aufgrund von Informationen der FINMA sowie einer Bank in Guernsey sei
sodann anzunehmen, dass C. und D. je ein Konto bei der Bank O. AG in
Zürich unterhielten (alles Urk. 3 S. 2–5).
C. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") bestimmte den Kanton Zug
als Leitkanton (Urk. 1). Die Staatsanwaltschaft trat am 28. März 2013 mit
zwei Verfügungen auf das Rechtshilfeersuchen ein.
Die Verfügung Nr. 1 (erlassen mit Mitteilungsverbot bis 30. April 2013
[Urk. 18, 19]) ordnete die Herausgabe von Unterlagen zu Kontobeziehun-
gen unter anderem der A. SA bei der Bank O. AG und der Bank N. SA an
(Urk. 5). Die Unterlagen wurden von der Bank O. AG am 15. April 2013 und
10. Juli 2013 übermittelt, von der Bank N. SA am 12. April 2013 (act. 1.2
S. 4 Ziff. 6).
Die Verfügung Nr. 2 ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Sie
betraf hauptsächlich Hausdurchsuchungen in den Wohnräumen von B. in
Luzern und den Geschäftsräumen von G. in Zug (Urk. 7, 4). Für die dabei
beschlagnahmten Unterlagen wurde die Siegelung verlangt und das Ent-
siegelungsverfahren eingeleitet (Urk. 20.3, 20.4, 20.7, 23).
D. Die Staatsanwaltschaft erliess betreffend A. SA am 22. Juli 2013 die
Schlussverfügung (act. 1.2). Diese entsprach dem Rechtshilfeersuchen
vom 13. März 2013 und ordnete an, Bankunterlagen der A. SA bei der
Bank O. AG (Kontobeziehung Nr. 1, Konten in EUR [...], USD [...],
CAD [...], GBP [...] und AUD [...]) zwischen dem 24. November 2010 und
9. April 2013 und Bankunterlagen der Bank N. SA (Kontobeziehung Nr. 2,
Konten in CHF [...], EUR [...], USD [...], GBP [...], CAD [...], AUD [...] so-
wie ein Depot [...]) zwischen dem 8. November 2010 und 3. April 2013 he-
rauszugeben (act. 1.2 S. 4–8).
E. Die dagegen mit Schreiben vom 19. August 2013 (act. 1) eingereichte und
am 21. August 2013 noch innerhalb der Beschwerdefrist neu gefasste Be-
schwerde (act. 4.1) beantragt:
"1. Ziff. 2.1 der Schlussverfügung sei teilweise aufzuheben und es seien folgende
Bankunterlagen betreffend A. SA von der Bank O. AG, heute Bank P. AG nicht an
die ersuchende Behörde heraus zu geben: 58, 59, 60, 61, 63, 65, 66 und 67.
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2. Ziff. 2.2 der Schlussverfügung sei teilweise aufzuheben und es seien folgende
Bankunterlagen betreffend A. SA von der Bank N. SA nicht an die ersuchende Be-
hörde heraus zu geben: 53, 54, 77, 78, 80, 81, 82, 83, 84, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93,
94, 95, 96, 97, 98, 99, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107, 108, 109, 110, 111, 112,
113, 114, 115, 116 [act. 4.1], 117, 118, 119 und 120.
Eventuell seien folgende Dokumente teilweise unkenntlich zu machen, soweit ent-
weder die Transaktion oder der Transaktionszeitraum vom Rechtshilfeersuchen
nicht erfasst wird, d.h. nur die Suchbegriffe offen zu legen: 81, 82 und 83.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Kantons Zug."
In ihrer Stellungnahme vom 16. September 2013 beantragt die Staatsan-
waltschaft, die Beschwerde sei abzuweisen (act. 7). Das BJ beantragt am
17. September 2013 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde und verzich-
tete im Übrigen auf eine Vernehmlassung (act. 8). Die Replik vom
18. Oktober 2013 (act. 12) hielt an den gestellten Anträgen fest. Sie wurde
den Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis zugestellt (act. 13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge-
nommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen Grossbritannien und der Schweiz sind in ers-
ter Linie das Europäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die
Rechtshilfe in Strafsachen (EUeR, SR 0.351.1), das zu diesem Überein-
kommen am 8. November 2001 ergangene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP;
SR 0.351.12), sowie die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkom-
mens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von
Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen,
SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19–62) massgebend. Die
Bestimmungen der Schengener Abkommen zur Rechtshilfe sind für Gross-
britannien seit 1. Januar 2005 in Kraft (Art. 1(a)(i) des Beschlusses des Ra-
tes 2000/365/EG vom 29. Mai 2000, ABL. L. 131 vom 1. Juni 2000, S. 43
bis 47 i.V.m. Art. 1 des Beschlusses des Rates 2004/926/EG vom
22. Dezember 2004, ABL. L. 395 vom 31. Dezember 2004, S. 70 bis 78).
Diese Abkommen werden ergänzt mit dem Übereinkommen vom
8. November 1990 über Geldwäscherei sowie Ermittlung, Beschlagnahme
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und Einziehung von Erträgen aus Straftaten (GwUe; SR 0.311.53;
BGE 133 IV 215 E. 2.1; 123 II 134 E. 5b). Günstigere Bestimmungen bilate-
raler oder multilateraler Übereinkünfte zwischen den Vertragsparteien blei-
ben von diesen multilateralen Abkommen unberührt (Art. 48 Abs. 2 SDÜ;
Art. 26 Absätze 2 und 3 EUeR; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire in-
ternationale en matière pénale, 3. Aufl., Brüssel/Bern 2009, N. 18–21, 28
bis 44, 79 ff., 112).
1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen weder ausdrücklich noch
stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landesrecht geringere An-
forderungen an die Rechtshilfe stellt (sog. Günstigkeitsprinzip; BGE 137 IV
33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3; 129 II 462 E. 1.1; ZIMMER-
MANN, a.a.O., N. 229), ist das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über inter-
nationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die dazugehöri-
ge Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11) anwendbar
(Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 136 IV 82 E. 3.1; 130 II 337 E. 1). Vorbehalten
bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595
E. 7c; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 680 ff.).
Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten
sind darüber hinaus die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfah-
rensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b des Bun-
desgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden
des Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71];
Art. 12 Abs. 1 IRSG; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 275).
2.
2.1 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer Rechts-
hilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG). Personen, gegen die
sich das ausländische Strafverfahren richtet, sind unter denselben Bedin-
gungen beschwerdelegitimiert (Art. 21 Abs. 3 IRSG). Ein schutzwürdiges
Interesse liegt nicht schon dann vor, wenn jemand irgendeine Beziehung
zum Streitobjekt zu haben behauptet. Vielmehr muss eine vom einschlägi-
gen Bundesrecht erfasste "spezifische Beziehungsnähe" dargetan
sein. Eine bloss mittelbare Betroffenheit genügt hingegen nicht (BGE 137
IV 134 E. 5 mit Übersicht über die Rechtsprechung). Nach Art. 9a
lit. b IRSV ist bei der Erhebung von Kontoinformationen der Kontoinhaber
zur Beschwerde legitimiert (zum Ganzen die Urteile des Bundesge-
richts 2C_269/2013 vom 5. Juli 2013, E. 2.1.1; 1A.114/2002 vom
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4. Juli 2002, E. 2.2–2.5; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2013.33
vom 29. Juli 2013, E. 2.1; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 524–535).
2.2 Als Inhaberin der auf sie lautenden Konten ist die Legitimation der Be-
schwerdeführerin gegeben. Auf die auch fristgerecht eingereichte Be-
schwerde ist somit einzutreten.
3.
3.1 Gerügt ist die Verhältnismässigkeit der Rechtshilfe. Zunächst sei nur der
Zeitraum von 1. Oktober 2011 bis 31. März 2012 betroffen, eine Herausga-
be von Dokumenten ausserhalb dieses Zeitraums daher übermässig
(act. 4.1 S. 6; act. 12 S. 3–5). Dies betreffe die Dokumente Nr. 58–61, 63,
65–67 (Bank O. AG) und Nr. 53, 54, 77, 78, 80, 82, 83, 84, 87–96, 101–120
(Bank N. SA).
Die Dokumente 77, 78, 81–84, 97–99 (Bank N. SA) seien teilweise inner-
halb dieses Zeitraumes, entsprächen aber insoweit nicht den Suchbegriffen
im Rechtshilfeverfahren (act. 4.1 S. 10, 7–9; gemeint ist wohl, dass sie
nicht den Suchbegriffen im Entsiegelungsverfahren entsprächen, vgl. obige
Erwägung D, Urk. 35 und act. 12 S. 5). Andere Gesellschaften als H. plc, I.
plc, J., K. und L. hätten nichts mit dem Strafverfahren zu tun. Vor einer
Übermittlung müssten andere Firmen daher unkenntlich gemacht werden
(act. 4.1 S. 6 f.). Insoweit habe Grossbritannien keine Rechtshilfe verlangt,
weshalb das Geheimhaltungsinteresse der Beschwerdeführerin an ihrer
Beteiligungsstruktur überwiege (act. 4.1 S. 6 f.; act. 12 S. 3–5).
Beantragt wird auch, auf eine Zusammenstellung der einzelnen Belege zu
verzichten (act. 4.1 S. 10).
3.2 Rechtshilfemassnahmen müssen verhältnismässig sein, d.h. für ihren
Zweck tauglich, erforderlich und massvoll sein, mit anderen Worten nicht
über das hinausgehen, was zu dessen Erreichung notwendig ist (Art. 5
Abs. 2 BV/Art. 36 Abs. 3 BV, Art. 3 Abs. 1 EUeR, Art. 63 Abs. 1 IRSG; Ur-
teil des Bundesgerichts 2C_269/2013 vom 5. Juli 2013, E. 7.2.2; ZIMMER-
MANN, a.a.O., N. 716–725). Das Rechtshilfeersuchen hat den Gegenstand
und den Grund des Begehrens zu spezifizieren (Art. 14 Abs. 2 EUeR).
Grundsätzlich muss die ersuchte Behörde in ihrer (Schluss-)Verfügung auf-
zeigen, dass zwischen dem Gegenstand der Strafuntersuchung und den
von der Rechtshilfe betroffenen Unterlagen eine ausreichende inhaltliche
Konnexität besteht, also ein ausreichender Sachzusammenhang
(sog. potentielle Erheblichkeit; BGE 122 II 367 E. 2c; Urteil des Bundesge-
richts 1A.223/2006 vom 2. April 2007, E. 4.1; TPF 2008 44 E. 3.6). Sie
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kann dies nicht dem ersuchenden Staat überlassen, indem sie ihm die Ge-
samtheit der beschlagnahmten Dokumente übermittelt. Ein solches Vorge-
hen wäre unverhältnismässig (BGE 130 II 14 E. 4.3/4.4; 115 Ib 186 E. 4).
Zielt das Rechtshilfeersuchen auf die Ermittlung ab, auf welchem Weg
Geldmittel möglicherweise strafbarer Herkunft verschoben wurden, so sind
die Behörden des ersuchenden Staates grundsätzlich über alle Transaktio-
nen zu informieren, die von Gesellschaften und über Konten getätigt wur-
den, welche in die Angelegenheit verwickelt sind. Nach der Praxis des
Bundesgerichts sind grundsätzlich alle sachlich und zeitlich konnexen si-
chergestellten Aktenstücke zu übermitteln (BGE 136 IV 83 E. 4.4; 129 II
462 E. 5.3–5.5; 121 II 241 E. 3c; Urteile des Bundesgerichts 1C_625/2012
vom 17. Dezember 2012, E. 2.2; 1A.7/2007 vom 3. Juli 2007, E. 7.2;
1A.79/2005 vom 27. April 2005, E. 4.1; TPF 2011 97 E. 5.1; TPF 2009 161
E. 5; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2013.33 vom 29. Juli 2013,
E. 4.3; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 722).
Soweit sie keiner vereinfachten Übermittlung zustimmen und um ihr Recht
nicht zu verwirken, nehmen die Berechtigten an der Ausscheidung (Triage)
teil, indem sie innerhalb angesetzter Frist konkret darlegen, Dokument für
Dokument, welche einzelnen Aktenstücke (bzw. welche Passagen daraus)
für die Strafuntersuchung offensichtlich entbehrlich seien, und diese Auf-
fassung auch begründen. Es ist mit dem guten Glauben unvereinbar, die
Behörde tatenlos gewähren zu lassen, um ihr im Nachhinein vorzuwerfen,
das Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt zu haben (BGE 130 II 14
E. 4.3/4.4; 126 II 258 E. 9b/aa; Urteil des Bundesgerichts 1A.234/2005 vom
31. Januar 2006, E. 3.2). Dies gilt besonders bei einer komplexen Untersu-
chung mit zahlreichen Akten. Die Beschwerdeinstanz forscht nicht von sich
aus nach Aktenstücken, die im ausländischen Verfahren (mit Sicherheit)
nicht erheblich sein könnten (BGE 122 II 367 E. 2c; Urteil des Bundesge-
richts 1A.223/2006 vom 2. April 2007, E. 4.1).
3.3 Es blieb im Beschwerdeverfahren unbestritten, dass Gelder aus den unter-
suchten Geschäften die Konten der Beschwerdeführerin erreichten (auch
nicht bestritten in act. 12 S. 3 f.).
Ziel der Ersuchen ist, mögliche Insider-Geschäfte aufzuklären (vgl. obige
Erwägung B). Die FCA möchte namentlich mit den Unterlagen der Bank O.
AG die Herkunft der Gelder für die Gründung der Beschwerdeführerin er-
mitteln und die Gewinne aus den Geschäften verfolgen. Unterlagen der
Bank N. SA sind insbesondere deshalb von Interesse, weil die ersuchende
Behörde aufgrund der von der FINMA erhaltenen Unterlagen weitere In-
sidergeschäfte vermutet und daher die Handelshistorie der Beschwerdefüh-
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rerin kennen muss. In zeitlicher Hinsicht wird ersucht um Informationen zur
Kontoeröffnung und um Kontoauszüge, die die Herkunft von Guthaben und
den Bestimmungsort von Lastschriften von September 2010 (zwei Monate
vor der Gründung der Beschwerdeführerin) und ab Kontoeröffnung bis heu-
te betreffen, eingeschlossen des aktuellen Saldos resp. Endsaldos (Urk. 3
S. 6–8).
Die Verfahrensakten geben weiteren Aufschluss über das britische Ermitt-
lungsinteresse: Die Ermittlungen sind fortgeschritten, aber noch im Gange
(Urk. 3 S. 3: laufende Ermittlungen; momentan untersuchen wir Gesell-
schaften...). Neuere Erkenntnisse deuten auf einen weitergehenden Han-
del im Jahre 2010 hin, der untersucht wird (Urk. 54 S. 4).
3.4 Dass das Rechtshilfeersuchen das Konto der Beschwerdeführerin bei der
Bank O. AG nicht zu kennen schien, macht es unter sachlichen oder zeitli-
chen Gesichtspunkten keinesfalls irrelevant.
Zwar plädiert die Beschwerdeführerin weiter dafür, auf die angeführten
Suchbegriffe (obige Erwägung 3.1) und den Zeitrahmen des Entsiege-
lungsverfahrens abzustellen, doch bleibt unklar, wie dies im vorliegenden
Verfahren sachgerecht sein soll. Vorliegend geht es nicht um eine (automa-
tisierte) Triage von Datenbergen. Ginge es hier doch um die Auseinander-
setzung mit der Relevanz jedes einzelnen Dokumentes, hilft der Beschwer-
deführerin ein vager Verweis auf ein Entsiegelungsverfahren anderer Par-
teien nicht weiter.
3.5 Es trifft sodann nicht zu, dass sich das Rechtshilfeersuchen nur für den
Zeitraum von 1. Oktober 2011 bis 31. März 2012 interessiert (in dieser
Zeitspanne fanden Handelsaktivitäten statt [Urk. 3 S. 3]; vgl. zum Sachver-
halt vorstehende Erwägung B). Ganz im Gegenteil zeigen die Akten ein gu-
tes Bild eines breiteren, nicht auf die behauptete Zeitspanne beschränkten
Ermittlungsinteresses. Anderes zu behaupten hiesse, einen streng forma-
listischen Blickwinkel einzunehmen, den es zu vermeiden gilt (dazu ZIM-
MERMANN, a.a.O., N. 301). Nur mit diesem Verständnis kann auch eine an-
dernfalls notwendige Ergänzung der Rechtshilfeersuchen vermieden wer-
den (BGE 136 IV 82 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 1C_322/2013 vom
27. März 2013, E. 1.4). Da demnach Dokumente ab 8. November 2010 po-
tentiell erheblich sind, ist ihre Herausgabe in zeitlicher Hinsicht verhältnis-
mässig.
3.6 In sachlicher Hinsicht a priori die Namen anderer denn der in vorstehender
Erwägung 3.1 erwähnten Gesellschaften als unwesentlich auszuschlies-
sen, liefe dem Rechtshilfeersuchen zuwider, das den Geldfluss zu und aus
den untersuchten Geschäften ermitteln möchte. Der Weiterverbleib der
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Gelder kann nur in Kenntnis sämtlicher Transaktionen (innerhalb des Zeit-
raumes gemäss vorstehender Erwägung 3.5) verstanden werden. Etwas
anderes zeigt die Beschwerdeführerin nicht auf.
Die Beschwerdeführerin hätte zu den Unterlagen der Bank N. SA vielmehr
u.a. Folgendes beantworten müssen (zum Standard das Urteil des Bun-
desgerichts 1A.79/2005 vom 27. April 2005, E. 4.1 f.): Warum sollen Devi-
sengeschäfte, zumal sie eventuell auf einem anderen Währungskonto der
Beschwerdeführerin gutgeschrieben wurden, nicht wesentlich sein
(Nr. 77/78/81/82/83/84)? Weshalb sollen die vorgenommenen Überweisun-
gen und Anlagen der Gelder (Nr. 78/81/82/83/84/97–99) ohne Belang für
das Verständnis des Zahlungsflusses sein? Warum die Management Fees
an G. (Nr. 81/82) von der Übermittlung ausnehmen? Ungenügend darge-
stellt ist schliesslich auch, welche Geschäftsgeheimnisse von welchem
Gewicht eine unterlassene Übermittlung denn schützen soll. Die Durchsicht
der herauszugebenden Unterlagen bestätigt so im Gegenteil ihre Relevanz
im Lichte des Ermittlungsinteresses.
Angesichts dessen, dass Gelder aus den untersuchten Geschäften nach-
gewiesenermassen auf die Konten der Beschwerdeführerin gelangten, sind
die Rügen der Beschwerdeführerin inhaltlich nicht zielführend. Erwiesen ist
vielmehr die sachliche Konnexität der folglich für das britische Verfahren
potentiell erheblichen Dokumente. Somit ist ihre Herausgabe auch in sach-
licher Hinsicht verhältnismässig.
3.7 Zusammenfassend ist die Herausgabe von Unterlagen in zeitlicher und
sachlicher Hinsicht verhältnismässig. Die erhobenen Rügen sind unbe-
gründet, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten-
pflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 IRSG, Art. 39 Abs. 2
lit. b StBOG und Art. 37 Abs. 2 lit. a StBOG). Für die Berechnung der Ge-
richtsgebühren gelangt das Reglement des Bundesstrafgerichts vom
31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-
desstrafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) zur Anwendung (Art. 65
Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 53 Abs. 2 lit. a StBOG, Art. 73 Abs. 1
lit. a und b StBOG). Es rechtfertigt sich vorliegend, in Anwendung von
Art. 73 Abs. 2 StBOG sowie der Art. 5 und 8 Abs. 3 BStKR, die Gebühr auf
Fr. 5'000.-- festzusetzen, unter Anrechnung des geleisteten Kostenvor-
schusses (act. 5) von Fr. 5'000.--.
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