Decision ID: 7f10bd96-aa0f-5851-839d-a8ae590812ff
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 18. August 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Gleichentags wurde ihr mitgeteilt, dass sie per Zufallsprinzip der
Testphase des Verfahrenszentrums B._ zugewiesen worden sei.
Dort fand am 21. August 2015 die Personalienaufnahme, am 31. August
2015 das beratende Vorgespräch und am 16. Oktober 2015 die Anhörung
statt. Am 20. Oktober 2015 wurde das Verfahren zwecks abschliessender
Sachverhaltserstellung dem erweiterten Verfahren zugewiesen. Am 13.
Dezember 2017 fand die ergänzende Anhörung der Beschwerdeführerin
statt.
Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei chinesische Staatsange-
hörige tibetischer Ethnie und Muttersprache aus dem Dorf C._, Ge-
meinde D._, Kreis E._, Provinzbezirk F._, wo sie von
Geburt bis zur Ausreise gelebt habe. Sie habe im (...) im Vorfeld eines Fes-
tes einen Verwandten gebeten, sie zu einem Kloster zu fahren, wo sie meh-
rere Plakate angebracht und Flyer verteilt habe. Nach der Aktion habe sie
ihre Tat ihrem Vater berichtet, der sie beschimpft und zu ihrer Sicherheit in
das Nomadengebiet geschickt habe. In ihrer Abwesenheit sei sie zuhause
von Polizisten gesucht worden. Da sie um ihre Sicherheit besorgt gewesen
sei, habe sie schliesslich Tibet im Jahr (...) verlassen und sei über Nepal
in die Schweiz gereist.
Die damals zusammen mit dem Asylgesuch eingereichte Identitätskarte
übermittelte das SEM der Dokumentenprüfstelle zur Analyse, die mit Un-
tersuchungsbericht vom 20. August 2015 zum Schluss kam, es handle sich
hierbei um eine Totalfälschung.
B.
Am 15. Dezember 2016 wurde für die Fachstelle LINGUA ein Telefonge-
spräch mit der Beschwerdeführerin durchgeführt. Die darauf gestützte LIN-
GUA-Evaluation der LINGUA-Expertin vom 29. Mai 2017 kommt zum
Schluss, aufgrund der landeskundlich-kulturellen Evaluation sowie der lin-
guistischen Analyse sei die Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich in Ti-
bet aufgewachsen. Die Wissenslücken und die exiltibetischen Merkmale
würden jedoch darauf hindeuten, dass sie Tibet früher verlassen habe als
behauptet.
C.
Mit Schreiben vom 28. August 2017 wurde der Beschwerdeführerin das
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rechtliche Gehör zum Resultat der LINGUA-Evaluation gewährt. Mit
Schreiben vom 13. Oktober 2017 nahm die Beschwerdeführerin unter Bei-
lage einer Identitätskarte, der ersten Seite des Untersuchungsberichts zur
früher eingereichten Identitätskarte vom 20. August 2015 sowie von Aus-
zügen aus Google-Earth hierzu Stellung.
D.
Die neu eingereichte Identitätskarte übermittelte das SEM der Dokumen-
tenprüfstelle zur Analyse, die mit Kurzuntersuchungsbericht vom 4. De-
zember 2017 zum Schluss kam, es handle sich hierbei um ein echtes Do-
kument ohne objektive Fälschungsmerkmale.
E.
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2017 reichte die Beschwerdeführerin un-
ter Beilage eines Schreibens beim SEM eine Stellungnahme zu der Anhö-
rung vom 13. Dezember 2017 ein.
F.
Mit Verfügung vom 27. Dezember 2017 stellte das SEM fest, die Beschwer-
deführerin erfülle aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus China die Flücht-
lingseigenschaft (Dispositivziffer 1), lehnte das Asylgesuch ab (Dispositiv-
ziffer 2), verfügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3), ord-
nete aufgrund der Unzulässigkeit, der Unzumutbarkeit sowie der Unmög-
lichkeit die vorläufige Aufnahme an (Dispositivziffern 4 und 5) und beauf-
tragte den zuständigen Kanton mit der Umsetzung der vorläufigen Auf-
nahme (Dispositivziffer 6).
G.
Mit Eingabe vom 30. Januar 2018 reichte die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei die Ver-
fügung des SEM in den Dispositivziffern 1 bis 3 aufzuheben und Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhalts-
abklärung sowie zur neuen Entscheidung an das SEM zurückzuweisen. In
prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen,
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die Unter-
zeichnende als unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Februar 2018 hiess der Instruktionsrichter
das Gesuch um Erlass der Prozesskosten gut und setzte Frau MLaw An-
gela Stettler als amtliche Rechtsbeiständin ein. Gleichzeitig lud er das SEM
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zur Vernehmlassung ein, das der Aufforderung mit Eingabe vom 15. Feb-
ruar 2018 nachkam. Mit Eingabe vom 9. März 2018 replizierte die Be-
schwerdeführerin unter Beilage einer Kostennote.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 14. März 2019 entband der Instruktionsrichter
MLaw Angela Stettler antragsgemäss von ihrem Mandat und setzte
Rechtsanwalt Roman Schuler als neuen amtlichen Rechtsbeistand ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG, Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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4.
Die Beschwerdeführerin macht mehrere formelle Rügen geltend, die vorab
zu prüfen sind, da sie zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung
führen können.
5.
Der in Art. 32 VwVG konkretisierte Teilgehalt des mit Grundrechtsqualität
ausgestatteten Grundsatzes des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV)
verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, sich zu
äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG), son-
dern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfin-
dung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Be-
hörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich
die Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien be-
fasst und auseinandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung
erkennen. Insgesamt muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn der
Betroffene gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur möglich
ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über
die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Dabei kann sich
die Behörde in ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesent-
lichen Gesichtspunkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argu-
mente stillschweigend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise
unbehelflich sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegun-
gen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21
E. 10.2 m.w.H.; PATRICK SUTTER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER (Hrsg.),
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl.
2019, Art. 32 Abs. 1 VwVG, Rz. 2).
6.
6.1 Zunächst führt die Beschwerdeführerin eine Vielzahl fundierter Erklä-
rungen betreffend die LINGUA-Analyse auf, die sie grösstenteils bereits in
ihrer Stellungnahme vom 13. Oktober 2017 der Vorinstanz ausführlich dar-
legte und rügt hierbei, auf letztere sei die Vorinstanz in der angefochtenen
Verfügung mit keinem Wort eingegangen. Indem sie sich in der angefoch-
tenen Verfügung trotzdem auf das LINGUA-Gutachten gestützt habe, habe
sie die Begründungspflicht verletzt. Zudem sei unberücksichtigt geblieben,
dass die Beschwerdeführerin über Kenntnisse in chinesischer Sprache
verfüge, was ein weiterer Beleg dafür sei, dass sie sich bis zu ihrer Aus-
reise im Jahr (...) in Tibet und nicht in einer Exilgemeinschaft aufgehalten
habe, wo bekanntlich kein Chinesisch gesprochen werde.
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Es trifft zu, dass die Stellungnahme der Beschwerdeführerin zur LINGUA-
Evaluation in der angefochtenen Verfügung nicht ausreichend gewürdigt
wurde. Die Vorinstanz hat sich in der angefochtenen Verfügung bezie-
hungsweise bei der Feststellung, wonach die Beschwerdeführerin bereits
vor der Plakatierung Tibet verlassen haben soll, auf das Ergebnis der LIN-
GUA-Evaluation gestützt, was sie in der Vernehmlassung bestätigt (vgl.
angefochtene Verfügung S. 4 und Vernehmlassung vom 15. Februar 2018
S. 2). Die ausführliche Stellungnahme der Beschwerdeführerin zur LIN-
GUA-Evaluation einschliesslich der Kritik am Umfang der Auskunftsertei-
lung durch das SEM hat sie in den Erwägungen indessen nicht ansatz-
weise gewürdigt. Somit wurden auch die teilweise durchaus plausiblen Er-
klärungen der Beschwerdeführerin sowie die vorgebrachten Verständi-
gungsschwierigkeiten anlässlich des Telefoninterviews nicht erörtert (vgl.
Stellungnahme vom 13. Oktober 2017 im Rahmen des rechtlichen Gehörs
zur LINGUA-Analyse, SEM-Akten A41/22). Die Vorinstanz hat damit die ihr
obliegende Begründungspflicht offensichtlich verletzt. Es ist anzumerken,
dass das LINGUA-Gutachten unter anderem tatsächlich zum Schluss
kommt, dass die Chinesischkenntnisse der Beschwerdeführerin die Erwar-
tungen übertroffen hätten und es sehr wahrscheinlich sei, dass sie in Tibet
gelebt habe.
6.2 Die Beschwerdeführerin moniert weiter, es sei insbesondere in der er-
gänzenden Anhörung zu erheblichen Verständigungsproblemen gekom-
men, da der Dolmetscher viele Begriffe ihres lokalen Dialekts nicht verstan-
den habe, was sowohl in den Protokollen vermerkt als auch seitens der
anwesenden Rechtsvertretung sowie der Hilfswerksvertretung festgehal-
ten worden sei. Weil sie aufgrund dieser Verständigungsprobleme ihre Be-
weggründe in den Anhörungen nicht hinreichend habe geltend machen
können, habe sie hierzu am 14. Dezember 2017 (recte: 15. Dezember
2017) eine Stellungname bei der Vorinstanz eingereicht. Diese Stellung-
nahme sei in der angefochtenen Verfügung jedoch mit keinem Wort be-
rücksichtigt worden, womit die Vorinstanz auch hier ihrer Begründungs-
pflicht nicht nachgekommen sei.
Es ist dem Protokoll der ergänzenden Anhörung zu entnehmen, dass es
während der Anhörung zu einer Vielzahl von Verständigungsproblemen
zwischen der Beschwerdeführerin und dem Dolmetscher gekommen ist,
was auch der anwesenden Rechtsvertreterin und der Hilfswerksvertretung
aufgefallen ist, wie ausführlich festgehalten wurde (vgl. Unterschriftenblatt
der Hilfswerksvertretung SEM-Akten A44 S. 20). Dem Protokoll der ergän-
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zenden Anhörung ist namentlich zu entnehmen, dass der Dolmetscher so-
wohl inhaltlich als auch akustisch nicht alles verstanden hat und somit nicht
alle Aussagen der Beschwerdeführerin protokolliert werden konnten (z. B.
SEM-Akten A44 F24, F38, F44, F49, F58, F65, F78, F91, F94, F97 ff., F99,
F102). Erst gegen Ende der Anhörung wurde diskutiert, ob die Anhörung
aufgrund der Verständigungsprobleme allenfalls abgebrochen werden
müsse, was schlussendlich nicht geschehen ist (insb. SEM-Akten A44
F107). Auch die zahlreichen Korrekturen anlässlich der Rückübersetzung
untermauern die offenkundigen Verständigungsprobleme (SEM-Akten A44
S. 17). Vor diesem Hintergrund greifen die Argumente der Vorinstanz in der
Vernehmlassung nicht. So geht die Erklärung ins Leere, die Beschwerde-
führerin habe bestätigt, den Dolmetscher gut verstanden zu haben, hat sie
dies doch insbesondere auf die Frage getan, ob sie den Dolmetscher «so-
weit» verstanden habe und handelte es sich hierbei um die erste von ins-
gesamt 122 Fragen (SEM-Akten A44 F1). Zudem wies die Beschwerdefüh-
rerin im Verlauf der Anhörung darauf hin, dass der Dolmetscher sie teil-
weise nicht verstanden habe (SEM-Akten A44 F105). Auch greift die Argu-
mentation der Vorinstanz zu kurz, die erste Anhörung sei mit demselben
Dolmetscher problemlos vonstattengegangen, zeugen die dort gemachten
Hinweise des Dolmetschers doch – wenn auch weniger offenkundig –
ebenfalls von Verständigungsproblemen (z. B. SEM-Akten A20 F32 f.,
F123). Vor diesem Hintergrund wäre die Vorinstanz mindestens gehalten
gewesen, sorgfältig auf die Einwände zu den Verständigungsproblemen in
der eingereichten Stellungnahme vom 15. Dezember 2017 einzugehen
oder eine weitere Anhörung durchzuführen. Indem sie die Stellungnahme
vom 15. Dezember 2017 in der angefochtenen Verfügung indessen nicht
ansatzweise gewürdigt hat, hat sie – insbesondere vor dem Hintergrund
der massiven Verständigungsprobleme – die Begründungspflicht abermals
verletzt.
7.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt hat.
8.
8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück.
8.2 Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere
angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein
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umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh-
lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-
schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus
prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber
nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.). Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör führt – angesichts des formellen Charakters des Gehörs-
anspruchs unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei korrek-
ter Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre – grundsätz-
lich ebenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz.
Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen
ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt
wird, die Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen können und der Be-
schwerdeinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefug-
nis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt sowie die
festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende
Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand
hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.).
8.3 Vorliegend ist eine Kassation angezeigt. Nach dem Gesagten wurde
die Begründungspflicht und damit das rechtliche Gehör in schwerwiegen-
der Weise verletzt. Angesichts der Rückweisung der Sache erübrigt sich
eine Auseinandersetzung mit den weiteren Vorbringen auf Beschwerde-
ebene, weil das Beschwerdedossier ebenfalls Gegenstand des wiederauf-
zunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens sein und die Vorinstanz sich
damit zu befassen haben wird. Die Vorinstanz ist im Rahmen des wieder-
aufzunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens gehalten, ihrer Begrün-
dungspflicht rechtsgenüglich nachzukommen und die Stellungnahmen der
Beschwerdeführerin zur LINGUA-Evaluation sowie zum Verlauf der ergän-
zenden Anhörung ausreichend zu würdigen und gegebenenfalls eine wei-
tere Anhörung durchzuführen.
9.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die an-
gefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Behebung des fest-
gestellten Mangels sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen ist. Hiermit werden die übrigen Beschwerdebegehren gegen-
standslos.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Die mit Zwischenverfügung vom 8. Februar
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2018 gewährte unentgeltliche Prozessführung wird damit nachträglich ge-
genstandslos.
10.2 Angesichts der Gutheissung der Beschwerde ist der Beschwerdefüh-
rerin eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). In der Kostennote von Frau Angela Stettler vom 9. März
2018 wurde ein Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 3’743.20 geltend
gemacht, ausgehend von einem zeitlichen Aufwand von 13.80 Stunden zu
einem Stundenansatz von Fr. 250.– sowie Spesen in Höhe von Fr. 25.60,
was in Anbetracht des Obsiegens nicht zu beanstanden ist. Da der aktuelle
Rechtsvertreter im vorliegenden Verfahren nicht aktiv wurde, hat diese
Kostennote weiterhin Gültigkeit. Die von der Vorinstanz auszurichtende
Parteientschädigung beträgt somit insgesamt Fr. 3’743.20 (inklusive Aus-
lagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c
VGKE). Der Anspruch auf amtliches Honorar des als amtlicher Rechtsbei-
stand eingesetzten Rechtsvertreters wird damit gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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