Decision ID: 1a23ce19-2b92-5ff9-8357-4192ec4620dd
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2018 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
Altersrente der AHV an (EL-act. 32), die ihm mit einer Verfügung vom 16. August 2018
per 1. Oktober 2018 zugesprochen worden war (EL-act. 33–6 ff.). Er gab unter anderem
an (EL-act. 32–14), seine Ehefrau arbeite seit dem Jahr 1998 in einem Hotel. Sie
verdiene etwa 600–700 Franken pro Monat (vgl. EL-act. 36). Die EL-
Durchführungsstelle wies den EL-Ansprecher am 27. November 2018 darauf hin (EL-
act. 23), dass seine Ehefrau verpflichtet sei, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, das
einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des finanziellen Bedarfs leiste. Der aktuell
erzielte Lohn sei sehr tief, weshalb die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens geprüft werden müsse. Der EL-Ansprecher habe in diesem
Zusammenhang verschiedene Fragen zur Berufskarriere seiner Ehefrau zu
beantworten. In Beantwortung der von der EL-Durchführungsstelle gestellten Fragen
gab die Ehefrau des EL-Ansprechers am 29. November 2018 an (EL-act. 21), sie habe
eine Ausbildung zur Verkäuferin absolviert. Bis zum Jahr 1987 habe sie vollzeitig in der
Gastronomie gearbeitet. Anschliessend sei sie als Hausfrau und Mutter tätig gewesen.
Seit dem Jahr 1998 arbeite sie im Umfang von 10–30 Prozent als Serviceaushilfe. Sie
habe sich nicht um eine Arbeitsstelle mit einem höheren Pensum beworben, weil sie 60
Jahre alt sei und an Rheuma leide. Ein Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle
notierte im Dezember 2018 (EL-act. 20), die Ehefrau des EL-Ansprechers habe sich
nicht aktiv um eine weitere Arbeitsstelle bemüht, obwohl das Ehepaar seit Jahren nur
ein tiefes Einkommen gehabt habe. Den Ehegatten hätte seit längerem bewusst sein
müssen, dass die Einnahmen beim Erreichen des ordentlichen Rentenalters des
Ehemannes nicht mehr zur Deckung des Lebensbedarfs ausreichten. Die Ehefrau habe
zwar angegeben, dass sie an Rheuma leide, sie habe sich aber nie zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet. Da sie bereits 60 Jahre alt sei und
seit Jahren nur in einem tiefen Pensum arbeite, werde sie auf dem Arbeitsmarkt keinen
A.a.
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durchschnittlichen Lohn erzielen können. Folglich sei der Tabellenlohn um 30 Prozent
zu kürzen. Ausgehend vom statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne im
Jahr 2016 von 54’517 Franken ergebe sich unter Berücksichtigung eines Abzugs von
zehn Prozent („Grossregion Ostschweiz“), der hypothetischen
Sozialversicherungsbeiträge von 6,225 Prozent und des erwähnten Abzugs von 30
Prozent ein hypothetisches Erwerbseinkommen von 32’207 Franken.
Die EL-Durchführungsstelle berücksichtigte bei der Anspruchsberechnung (EL-act.
18) die kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung des EL-Ansprechers und der Ehefrau von zusammen
10’032 Franken, den Wohnungsmietzins respektive den gesetzlichen Maximalbetrag
von 15’000 Franken, die Lebensbedarfspauschale für ein Ehepaar von 28’935 Franken
sowie eine Gebäudeunterhaltspauschale für ein Ferienhaus im Tessin von 722 Franken
(20 Prozent des amtlichen Eigenmietwertes von 3’606 Franken) als Ausgaben. Das
Ausgabentotal belief sich auf 54’689 Franken. Als massgebendes Vermögen rechnete
sie ein Sparguthaben von insgesamt 98’112 Franken, drei Fahrzeuge im Gesamtwert
von 29’311 Franken und den amtlichen Schätzwert des Ferienhauses im Tessin von
78’238 Franken (unter Berücksichtigung der kantonalen Repartitionswerte in den
Kantonen Tessin und St. Gallen; EL-act. 19) an. Das ergab ein Total von 205’661
Franken und damit unter Berücksichtigung des gesetzlichen Freibetrages von 60’000
Franken ein anrechenbares Vermögen von 145’661 Franken. Von diesem
berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle einen Zehntel (14’566 Franken) als
hypothetischen Vermögensverzehr. Als weitere Einnahmen rechnete sie zwei Drittel des
1’500 Franken übersteigenden hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau, also
20’471 Franken, die AHV-Altersrente von 19’284 und eine AHV-Altersrente des
Fürstentums Liechtenstein von 2’808 Franken sowie den Eigenmietwert des
Ferienhauses im Tessin von 3’606 Franken an. Das ergab ein Einnahmentotal von
60’735 Franken und damit einen Einnahmenüberschuss von 6’046 Franken. Mit einer
Verfügung vom 14. Dezember 2018 wies sie das Leistungsbegehrens mangels eines
anspruchsbegründenden Ausgabenüberschusses ab (EL-act. 17).
A.b.
Der EL-Ansprecher reichte am 17. Januar 2019 bei der AHV/IV-Zweigstelle ein
Arztzeugnis von Dr. med. B._ ein (EL-act. 15). Darin war festgehalten worden, dass
die Ehefrau aus medizinischen Gründen nicht in der Lage sei, ein Einkommen von
A.c.
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B.
30’000 Franken pro Jahr zu erzielen; das mögliche Maximaleinkommen liege weit unter
diesem Betrag (EL-act. 16). Die EL-Durchführungsstelle nahm die Mitteilung der AHV/
IV-Zweigstelle und das Arztzeugnis als eine Einsprache gegen die Verfügung vom 14.
Dezember 2018 entgegen (elektronische Notiz zu EL-act. 15). Am 18. Januar 2019
reichte der EL-Ansprecher direkt bei der EL-Durchführungsstelle weitere Unterlagen zu
seinen laufenden Ausgaben und eine Kopie des Arztzeugnisses von Dr. B._ ein (EL-
act. 13). Mit einem Entscheid vom 20. März 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 6). Zur Begründung führte sie an, da die Ehefrau des EL-
Ansprechers keine Rente der Invalidenversicherung beziehe, sei von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Ehefrau habe nicht nachgewiesen,
dass es ihr nicht möglich sei, auf dem massgebenden Arbeitsmarkt eine Vollzeitstelle
zu finden. Diesen Nachweis hätte sie nur mit ausreichend ernsthaften, aber erfolglosen
Stellenbemühungen führen können. Folglich sei es korrekt gewesen, ihr ein
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Die Abweisung des
Leistungsbegehrens erweise sich damit als rechtmässig.
Am 17. April 2019 erhob der EL-Ansprecher (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 20. März 2019 (act. G 1). Er
wies darauf hin, dass er die Beschwerde erhoben habe, um die Rechtsmittelfrist nicht
zu verpassen. Sobald der Arzt seiner Ehefrau aus den Ferien zurück sei, werde er ein
Arztzeugnis einreichen. Das Versicherungsgericht wies den Beschwerdeführer am 26.
April 2019 darauf hin (act. G 2), dass die Eingabe vom 17. April 2019 nicht den
gesetzlichen Minimalanforderungen an eine Beschwerde genüge. Ausnahmsweise
werde dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine nicht erstreckbare
Nachfrist für die Verbesserung der Beschwerde bis zum 6. Mai 2019 gewährt. Am 4.
Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer kommentarlos ein Arztzeugnis von Dr. B._
vom 1. Mai 2019 ein (act. G 3). Dieser hatte ausgeführt, dass die Ehefrau des
Beschwerdeführers an multiplen Erkrankungen leide, nämlich an einem
Reizdarmsyndrom, an einer Sigmadivertikulose und Sigmaverwachsungen, an einer
Hiatushernie, an einer Steatohepatitis, an einer Adipositas, an einer arteriellen
Hypertonie, an einem Diabetes mellitus Typ 2, an einem intermittierenden lumbalen
Schmerzsyndrom, an einer leichtgradigen Coxarthrose beidseits, an einem restless
B.a.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides auf seine Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des Einspracheverfahrens entsprechen muss. Auch beim Einspracheverfahren hat es
sich um ein („echtes“) Rechtsmittelverfahren gehandelt, das heisst sein Zweck hat
allein darin bestanden, die Verfügung vom 14. Dezember 2018 auf ihre
Rechtmässigkeit zu überprüfen. Folglich hat der Gegenstand des Einspracheverfahrens
jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprochen. Weil das
Verwaltungsverfahren die erstmalige Prüfung einer Anmeldung zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zum Inhalt gehabt hat und weil jene Anmeldung umfassend
bezüglich sämtlicher Anspruchsvoraussetzungen und Berechnungspositionen hat
geprüft werden müssen, ist auch in diesem Beschwerdeverfahren umfassend zu
prüfen, ob der Beschwerdeführer in der Zeit nach der Anmeldung zum
Ergänzungsleistungsbezug im August 2018 einen Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung gehabt hat, auch wenn er nur die Anrechnung eines zu hohen
hypothetischen Erwerbseinkommens seiner Ehefrau gerügt hat.
2.
Der Anspruch auf eine Ergänzungsleistung setzt den Wohnsitz und den gewöhnlichen
Aufenthalt in der Schweiz sowie (abgesehen von weiteren, hier nicht interessierenden
Fallkonstellationen) den Anspruch auf eine Rente der AHV oder der
legs syndrome, an einer Epicondylitis humeri radialis rechts, an einer Periarthropathia
humero-scapularis rechts, an einem cervicalen Schmerzsyndrom sowie an einem
passageren Reizhusten; zudem bestehe der Verdacht auf eine paroxysmale
Tachykardie (vgl. act. G 3.1). Aus medizinischer Sicht sei der Ehefrau des
Beschwerdeführers maximal ein Pensum von 25–30 Prozent zumutbar. Das im
Einspracheentscheid vom 20. März 2019 erwähnte Erwerbseinkommen von 32’207
Franken sei aus medizinischer Sicht bei weitem nicht zu erreichen, weshalb das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers neu beurteilt werden sollte.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 20. Mai 2019 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 6).
B.b.
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Invalidenversicherung voraus (Art. 4 Abs. 1 ELG). Der Beschwerdeführer hat keine
Rente der Invalidenversicherung bezogen. Einen Anspruch auf eine Altersrente der AHV
hat er erst ab dem 1. Oktober 2018 gehabt, weshalb er frühestens ab dem 1. Oktober
2018 einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung haben kann. Die Voraussetzungen
des Wohnsitzes und des gewöhnlichen Aufenthaltes in der Schweiz sind im hier
massgebenden Zeitraum bis zum Erlass der abweisenden Verfügung vom 14.
Dezember 2015 durchgehend erfüllt gewesen.
3.
Die Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die gemäss dem Art. 10
ELG anerkannten Ausgaben die nach dem Art. 11 ELG anrechenbaren Einnahmen
übersteigen. Weil die Ergänzungsleistung die Deckung des jeweils aktuellen,
tatsächlichen Fehlbetrages bezweckt, müssen grundsätzlich die tatsächlich
anfallenden Ausgaben den tatsächlich erzielten Einnahmen gegenüber gestellt werden.
Als typische Versicherungsleistung darf die Ergänzungsleistung aber nur dem zufällig
eingetretenen „Schaden“ Rechnung tragen, was bedeutet, dass jener Teil eines
allfälligen Fehlbetrages, den der EL-Bezüger oder eine in die Anspruchsberechnung mit
einbezogene (und damit direkt von einer allfälligen Ergänzungsleistung profitierende)
Person mit eigenen Mitteln hätte decken können, wenn er alle möglichen und
zumutbaren Einnahmenquellen ausgeschöpft hätte, nicht mit einer Ergänzungsleistung
abgedeckt werden darf. Bei einer schuldhaften Herbeiführung des befürchteten
Ereignisses (z.B. bei einem Vermögensverzicht) oder bei einer Verletzung der
ergänzungsleistungsspezifischen Schadenminderungspflicht (z.B. bei einem Verzicht
auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens) sieht der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG vor,
dass bei der Anspruchsberechnung anstelle der tatsächlich zufliessenden (zu tiefen)
Einnahmen jene hypothetischen Einnahmen berücksichtigt werden, die dem EL-
Bezüger zufliessen würden, wenn er das ihm Mögliche und Zumutbare zur Vermeidung
eines Fehlbetrages (also des versicherten „Schadens“) unternommen hätte, also seine
Schadenminderungspflicht vollumfänglich erfüllen würde.
3.1.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers ist im hier massgebenden Zeitraum ab dem 1.
Oktober 2018 zwar ausserhäuslich erwerbstätig gewesen, aber sie hat nur in einem
verhältnismässig tiefen Pensum von 10–30 Prozent gearbeitet, weshalb sie auch nur
einen deutlich unter dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne
liegenden Lohn erzielt hat. Die Beschwerdegegnerin hat sich sinngemäss auf den
Standpunkt gestellt, dass sich die Ehefrau des Beschwerdeführers bereits lange vor
dem 1. Oktober 2018 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
angemeldet hätte, wenn sie tatsächlich an einer krankheitsbedingten teilweisen
3.2.
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Erwerbsunfähigkeit gelitten hätte, wie sie behauptet habe. Dieser Ansicht kann nicht
gefolgt werden, denn solange der Beschwerdeführer noch erwerbstätig gewesen ist, ist
das Ehepaar offensichtlich in der Lage gewesen, den Existenzbedarf aus eigenen
Mitteln zu decken, weshalb es nicht aus finanziellen Gründen gezwungen gewesen ist,
sich zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung anzumelden. Entgegen der
offenbar von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung kann nicht generell
davon ausgegangen werden, dass sich jede in ihrer Erwerbsfähigkeit beeinträchtigte
Person zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung anmelde. Die
unterbliebene Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung hat
also keinerlei Beweiswert für die behauptete uneingeschränkte Validität der Ehefrau.
Folglich hätte die Beschwerdegegnerin zur Erfüllung ihrer Untersuchungspflicht (Art. 43
Abs. 1 ATSG) umfassend prüfen müssen, ob und in welchem Umfang die Ehefrau des
Beschwerdeführers im hier massgebenden Zeitraum überhaupt arbeitsfähig gewesen
ist. Die Arztzeugnisse von Dr. B._ deuten auf eine wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit hin, vermögen eine solche aber nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen, weil Dr. B._ (der als
behandelnder Arzt aufgrund des Auftragsverhältnisses zumindest den objektiven
Anschein erwecken muss, zugunsten der Ehefrau des Beschwerdeführer, und damit
indirekt zugunsten des Beschwerdeführers, befangen zu sein) seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeugend begründet hat. Damit erweist sich der
massgebende Sachverhalt in diesem Punkt als unzureichend abgeklärt, weshalb der
angefochtene Einspracheentscheid in Verletzung der Untersuchungspflicht ergangen
ist und als rechtswidrig aufgehoben werden muss. Die Sache ist zur Vervollständigung
der Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird die
IV-Stelle gestützt auf den Art. 41 lit. k IVV zu einer umfassenden Abklärung des
Gesundheitszustandes der Ehefrau des Beschwerdeführers (wohl in der Form einer
polydisziplinären Begutachtung) anhalten. Gestützt auf das Ergebnis dieser Abklärung
wird sie die Frage nach der Möglichkeit und Zumutbarkeit einer Ausdehnung des
Erwerbspensums neu beantworten. Sollten die weiteren Abklärungen ergeben, dass es
der Ehefrau des Beschwerdeführers zumutbar wäre, ihr Erwerbspensum auszudehnen,
wird die Beschwerdegegnerin bei der Festsetzung des Betrages des hypothetischen
Erwerbseinkommens berücksichtigen, dass das fortgeschrittene Alter und der seit
langen Jahren tiefe Beschäftigungsgrad der Ehefrau des Beschwerdeführers entgegen
der Ansicht der Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen
können. Diese Umstände haben nämlich nicht zur Folge, dass ein
betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender Arbeitgeber der Ehefrau des
Beschwerdeführers nur einen unterdurchschnittlichen Lohn ausrichten würde, sondern
sie erschweren nur die Stellensuche, indem sie die Chancen auf eine Anstellung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
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reduzieren. Den Anstellungschancen wird aber im Bereich des
Ergänzungsleistungsrechtes nicht mit einem Lohnabzug, sondern bei der Würdigung
der Nachweise über effektiv getätigte Stellenbemühungen Rechnung getragen. Der
Tabellenlohnabzug ist deshalb im Bereich des Ergänzungsleistungsrechtes nach
denselben Grundsätzen wie in der Invalidenversicherung zu bemessen (vgl. dazu etwa
das Urteil IV 2018/337 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 23. Oktober 2020, E.
2.4). Die von der Beschwerdegegnerin angerechneten hypothetischen
Sozialversicherungsbeiträge von 6,225 Prozent berücksichtigen weder die
obligatorischen Beiträge an die Unfallversicherung noch die obligatorischen Prämien an
die berufliche Vorsorge. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
berücksichtigt (entgegen der nicht nachvollziehbar begründeten Auffassung des
Bundesgerichtes) gestützt auf die ihm bekannten Vergleichswerte jeweils einen
hypothetischen Gesamtabzug von neun Prozent, der auch die Beiträge an die
obligatorische Nichtberufsunfallversicherung und an die berufliche Vorsorge enthält
(vgl. etwa das Urteil EL 2019/10 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 16. Oktober
2020, E. 4.2.4). Die Beschwerdegegnerin wird deshalb bei der Festsetzung des
Betrages eines allfälligen hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des
Beschwerdeführers hypothetische Sozialversicherungsbeiträge von insgesamt neun
Prozent berücksichtigen.
Der massgebende Sachverhalt erweist sich auch in anderen Punkten als
unzureichend abgeklärt. Die Beschwerdegegnerin hat als Vermögenswert unter
anderem drei Fahrzeuge angerechnet. Für zwei Fahrzeuge liegen detaillierte Angaben
zum Modell, zur Ausstattung und zur Preiskalkulation bei den Akten, aber für das dritte
– mit Abstand teuerste – Fahrzeug fehlen konkrete Angaben. In den Akten findet sich
nur die folgende handschriftliche Notiz einer unbekannten Person: „Porsche ca. 25’000
Franken“
(EL-act. 33–5). Bei diesem Fahrzeug könnte es sich um ein Sammlerstück mit einem
deutlich höheren Wert handeln. Die Beschwerdegegnerin wird folglich bezüglich des
Marktwertes des Porsche weitere Abklärungen tätigen und allenfalls – auf ihre Kosten
(vgl. Art. 45 Abs. 1 ATSG) – eine Marktwertschätzung durch einen Sachverständigen in
Auftrag geben müssen. Auch bezüglich des nicht selbst bewohnten (Art. 17 Abs. 4 ELV)
Ferienhauses im Tessin fehlen Angaben zum Marktwert. Der amtliche Schätzwert liegt
erfahrungsgemäss oft deutlich unter dem Marktwert, weshalb nicht auf die
Steuerschätzung abgestellt werden kann. Das gilt natürlich nicht nur bezüglich des
Marktwertes, sondern auch betreffend den Marktmietzins, der bei einer ganzjährigen
Vermietung des Ferienhauses erzielt werden könnte. Die Beschwerdegegnerin wird
deshalb – auf ihre Kosten (vgl. Art. 45 Abs. 1 ATSG) – einen Sachverständigen damit
3.3.
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4.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).