Decision ID: 3ce56cef-0d53-497d-a321-d10082b97bb4
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968, ist gelernter Maler mit
Fähigkeits
aus
weis
(
Urk.
8/4/5,
Urk.
8/3/2)
. Nach dem Abschluss seiner Lehre war
er
unter anderem als Maler, Verkäufer, Chauffeur, Badangestellter und Hauswart tätig
(
Urk.
8/
37/1-2
). Am 21. Dezember 2009 meldete er sich unter Hinweis auf eine Depression
, welche seit 2003 psychotherapeutisch behandelt werde,
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/4
). Die IV-Stelle tätigte Ab
klärungen in beruflich-erwerblicher (Urk.
8/9-11
,
Urk.
8/37
,
Urk.
8/41
) und medizinischer (
Urk.
8/12,
Urk.
8/16
,
Urk.
8/29
) Hinsicht
. Am 8. April 2010 auf
erlegte sie dem Versicherten mit Hin
weis auf die Schadenminderungspflicht eine fachärztlich
kontrollierte
Alkohol
abstinenz
(Urk.
8/17) und teilte ihm am 20. April 2010 überdies mit, dass zur Zeit keine be
ruflichen Eingliederungsm
assnahmen
möglich seien (
Urk.
8/19).
Nachdem der Versicherte während sechs Monaten eine Alkoholabstinenz einge
halten hatte (vgl. Urk. 8/29), gab die IV-Stelle
bei
Dr.
med.
Y._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
das
p
sychiatrische
Gutachten
vom 20. Juni 2011 (
Urk.
8/33)
in Auftrag
.
Am 8.
August 2011 erging die Mit
te
i
lung
der IV-Stelle
, wonach eine Arbeitsver
mittlung mit Job Coaching zur Zeit nicht möglich sei (
Urk.
8/40).
Sodann h
o
lt
e
sie
die Stellungnahme des Gutach
ters
Dr.
Y._
zur Kontrollkarte für Arbeitsun
fähigkeit der Krankentaggeld
versicherung
Visana
(
Urk.
8/38)
vom 19.
Septem
ber 2011 (
Urk.
8/44) ein.
Mit Vorbescheid vom 2
2.
November 2011 stellte die IV-Stelle
X._
die Abweisung seines
Renten
begehrens
in Aussicht (
Urk.
8/50).
Dagegen erhob der Versicherte am 17.
Dezember 2011 Einwand (
Urk.
8/51).
Nach Prü
fung des Einwandes von
X._
verfügte die IV-Stelle am 15.
Februar 2012 wie vorbeschieden die Abweisung des
Renten
begehrens (
Urk.
2).
2.
Hiergegen führte
X._
am 18. April 2012 durch den
Rechts
dienst
Integration Handicap Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 15. Februar 2012 sei ihm eine ganze, even
tuali
ter eine
Viertelsrente
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). Mit
Beschwerde
antwort
vom 24. Mai 2012
beantragte
die Beschwerdegegnerin Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
7, unter Be
ilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-56), was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom 30. Mai 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Mit Eingabe vom 30. Juli 2012 (
Urk.
14)
liess
der Beschwerdeführer
eine
Stellung
nahme von
lic
. phil.
Z._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, und
Dr.
med.
A._
, FMH Psychiatrie, Psycho
therapie, vom 5. Juli 2012 (
Urk.
15) ein
reichen
. Am 28. August 2012 erklärte die
Beschwerdegegne
rin
, sie
verzichte
auf eine Stellungnahme
da
zu (
Urk.
18).
Der Beschwerdeführer erhielt eine Kopie
dieser Eingabe
(
Urk.
19).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Inva
li
den
rente.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzu
stellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen
werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.3
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersu
chten Person auseinander setzt –
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
–
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusam
menhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3.
3.1
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt:
3.2
Der behandelnde Psychiater,
Dr.
A._
, führte
in seinem Arztbericht
zu
Handen
der Beschwerdegegnerin
vom 17. Januar 2010
aus, er behandle den Beschwer
deführer seit 8. September 2007 und stellte
die Diagnosen mittelgradige depres
sive Episode
(ICD-10: F32.1)
, erstmals manifest
im Jahr 2007, seit
her mit
Unter
brüchen
, und
Alkohlabhängigkeit
(ICD-10: F10.21)
, Pegeltrinken, seit dem statio
nären Aufenthalt in
B._
im Juli 2008 kontrolliertes Trinken (
Urk.
8/12/1).
Vom 15.
Dezember 2009 bis 3
1.
Januar 2010 sei der Beschwer
deführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Chauffeur
(Kategorie B) zu 100
%
arbeitsunfähig.
Dr.
A._
hielt weiter fest, dass der Beschwerdeführer im „geschützten Rahmen“ zu 50
%
arbeitsfähig sein sollte (Urk.
8/12/2).
3.3
Nach einem Alkoholentzug im
C._
vom
6.
bis 2
6.
No
vember 2007
, welcher
komplikationslos
verlaufen sei
(Urk.
8/16/1
7-19
)
, war der Beschwerdeführer vom 2
6.
November 2007 bis 8.
Feb
ruar 2008 in der
D._
, Fachklinik für Alkohol-
,
Medikamenten- und
Tabaka
b
hängige
, hospitali
siert (
Urk.
8/16/9). Die Psycho
therapeutin FSP/SPV
E._
und
Dr.
med.
F._
, Oberarzt, von der
D._
stellten
–
mit
den psy
chiatrischen Diagnosen des
C._
über
ein
stimmend (
Urk.
8/16/17) – in ihrem Austrittsbericht (Resümee)
die Diag
nosen (1)
Alkohol
abhängig
keitssyndrom
vom Typ des
Pegel
trinkens
, in be
schützender
Umgebung abstinent (ICD-10: F10.21), (2) mittel
gradige depressive Episode, mit somati
schem Syndrom (ICD-10: F32.11) sowie (3) ana
mnestisch bekannte
Gastropathie
und
(4) differential
diagnostisch (DD): soma
tische Störung (
Urk.
8/16/9
)
.
3.4
Der Beschwerdeführer wurde vom 1
4.
Juli bis 1
3.
August 2010
in der
G._
stationär behandelt.
Nach einem kurzen Aufenthalt im
H._
wurde er auf der Depressions- und Angststation des
G._
aufgenommen (Urk.
8/29/6-7).
Dem Austrittsbericht
vom 2
0.
August 2010
sind die Diagnosen kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0) und Status nach Störung durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10: F10.1)
zu entnehmen (
Urk.
8/29/6)
.
3.
5
3.
5
.1
Gestützt auf das ausführliche Explorationsgespräch vom 2
0.
April 2011, die von der Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestellten Akten, die vom Beschwerde
führer mitgebrachten
Unterlagen
, insbesondere den Kurzaustrittsbericht
des
G._
,
H._
, vom 2
3.
Juli
2010 und den
Aus
tritts
bericht
des
G._
, Depressions- und Angststation, vom 2
0.
August 2010 sowie den von ihm angeforderten Bericht von
lic
. phil.
Z._
zuhanden des Instituts für Rechtsmedizin
vom 10.
November 2010 (
Urk.
8/33/1) stellte
Dr.
Y._
als
Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit: Leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.11) sowie kombinierte
Persön
lichkeitsstörung
mit ängstlich-ver
meidenden, narziss
tischen und abhängigen Zügen (ICD-10: F61.0). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezeichnete er ein
Alkoholab
hängig
keitssyndrom
, gegenwärtig abstinent (ICD
10: F10.20)
(
Urk.
8/33/15)
.
3.
5
.
2
Bezüglich des Grads der Arbeitsfähigkeit im bisherigen Arbeitsverhältnis als Chauffeur oder Angestellter im Gebäudeunterhalt hielt
Dr.
Y._
fest, auf
grund der depressiven Symptomatik verbunden mit den Einschränkungen bedingt durch die bestehende kombinierte Persönlichkeitsstörung müsse aus fach
ärztlich psychiatrischer Sicht von einer Verminderung der Arbeitsfähigkeit aus
gegangen werden. Diese betrage medizinisch-theoretisch 50
%
. Für ange
passte Tätig
keiten ohne Zeit- und Leistungsdruck
mit hohem Grad an selbstän
digem Arbeiten könne von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen wer
den. Aktu
ell erledige der Beschwerdeführer die Hau
s
arbeit in ca. diesem Umfang (
Urk.
8/33/18). Entgegen der Einschätzung des Hausarztes
Dr.
I._
vo
m März 2010 bestehe keine
Notwendigkeit einer vollständig ange
passten Tätigkeit im geschützten und b
etreuten Rahmen (
Urk.
8/33/19).
3.
6
Gemäss der Stellungnahme des behandeln
den Psychotherapeuten
lic
. phil.
Z._
ist der Beschwerdeführer mit seiner introvertierten, zurückgezogen-pas
siven
Art wenig
kritik- und kontaktfähig, psychisch nur sehr begrenzt be
lastbar, selbstunsicher und emotional höchst instabil. In seiner angestammten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig. In einer
behinderungs
ange
passten
Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
%
. Die diversen Arbeitsversuche des Beschwerdeführers in den letzten Jahren – u. a.
J._
,
K._
– auch im geschützten Rahmen und mit re
duzierten
Pensen
, seien aus gesundheitlichen Gründen allesamt gescheitert. Die vom Beschwerdeführer seit einigen Monaten übernommenen Arbeiten im
Familien
haushalt
würden sich nach Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau in einem Umfang von höchstens 30
%
bewegen. Arbeiten in einem Call Center als Bürohilfe und/oder Hauswart seien realitätsfremd. Entweder habe der Beschwerdeführer in diesen Tätigkeiten bereits negative Erfahrungen gesammelt oder der Druck wäre für ihn momentan eine zu grosse Belastung
(
Urk.
3 S. 2)
.
Am
5.
Juni 2012 erklärten
lic
. phil.
Z._
und
Dr.
A._
, dass sie grund
sätz
lich di
e diagnostische Einschätzung des Gutachters
Dr.
Y._
teilen wür
den. Beim Beschwerdeführer zeige sich
(indes)
momentan nicht das Bild einer leich
ten bis mittel
gradigen depressiven Erkrankung, sondern das Bild einer mittel
gradigen
bis zeitweisen schwer
en depressiven Erkrankung (ICD-10: F32.2). Die Länge und Dauerhaftigkeit der depressiven Symptomatik rechtfertige auch die Dia
gnose
einer rezidivierenden depressiven Störung gegenwärtig mittel
gradig de
pressive Episode (ICD-10: F33.1). Bezüglich der
Persönlichkeits
störung
des Be
schwerde
führers, sei der passiv-aggressive Anteil (ICD-10: F60.81) nach wie vor als wesentlich
zu betrachten
(
Urk.
15 S. 2).
4.
4.1
Dr.
Y._
erstattete seine Expertise
vom 20. Juni 2011 (Urk. 8/33)
in Kenntnis der
Vorakten
und der vom Beschwerdeführer anlässlich der Begutachtung auf
ge
legten und von ihm beigezogenen
Unterlagen
(
Urk.
8/33/1,
Urk.
8/33/3-8) sowie unter Berück
sichtigung der geklagten Beschwerden (
Urk.
8/33/11-12) und in Auseinan
der
setzung mit d
em
Verhalten
des Beschwerdeführers
(insbes. Urk.
8/33/13-14)
.
Seine Ausführungen sind schlüssig und nachvollziehbar.
4.2
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass der Gutachter
Dr.
Y._
seine
Persön
lichkeit nicht vollständig erfasst habe (
Urk.
14 S. 4), wo
bei er sich ins
besondere auf den Bericht des
G._
vom 2
0.
August 2010 bezieht.
Er
weist darauf hin, dass sich im Rahmen der von den Ärzten des
G._
diagnosti
zierten kombinierten Persönlichkeitsstörung nar
zisstische, passiv-aggressive und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsanteile ausgesprochen deutlich mani
festiert
hätten
(
Urk.
14 S. 3). In seiner Beurteilung geht der Gutachter
Dr.
Y._
auch
auf den Austrittsbericht des
G._
vom
2
0.
August 2010
ein (
Urk.
8
/33/17). Dif
ferenzen zwischen der Einschätzung von Dr.
Y._
und der Beur
teilung des
G._
vermögen keine Zweifel am Gutachten von Dr.
Y._
vom 2
0.
Juni 2011
(
Urk.
8/33)
zu begründen, sondern erklären sich vielmehr mit dem Unterschied zwischen Behandlungs- und
Begutachungs
auftrag
(statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_107/2013 vom 2
3.
April 2013, E. 3).
4.
3
Bezüglich der depressiven Erkrankung
des Beschwerdeführers erklärten
lic
. phil.
Z._
und
Dr.
A._
a
m
5.
Juni 2012, dass sie grund
sätzlich die diagnostische Einschätzung von
Dr.
Y._
teilen würden. Beim Beschwerdeführer zeige sich momentan
aber
das Bild einer mittelgradigen bis zeitweise schweren depressi
ven Er
krankung (ICD-10: F32.2).
D
ie
Aussage
der behandelnden Psycho
thera
peuten vom
5
.
Juni 2012, wo
nach
momentan – also im Juni 2012 –
gar
eine mittelgradige bis zeitweise schwere depressive Er
kran
kung
bestehe, vermag
die
Ein
schätzung von Dr.
Y._
vom 2
0.
Juni 2011, welche Grundlage für die ange
fochtene Ver
fügung vom 1
5.
Februar 2012 (
Urk.
2) bildete (insbes.
Urk.
8/48/4-5),
nicht in Zweifel zu ziehen
,
denn
nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozial
versicherungsgericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des
Verwaltungs
verfahrens
gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen
Verwaltungs
verfügung
sein (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243; 121 V 362 E. 1b S. 366).
A
uf der Kontrollkarte für Arbeitsunfähigkeit der
Visana
hatte Hausarzt
Dr.
I._
zwar am
6.
Juni 2011 und 1
1.
Juli 2011 jeweils eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit ein
getragen (
Urk.
8/
38/1)
. Für
Dr.
I._
gilt diese Einschätzung indes bereits ab 1
5.
Dezember 2009 (
Urk.
8/38/1,
vgl. auch den
B
ericht dieses Arztes vom 2
5.
März 2010,
Urk.
8/16/
2). Ferner nennt er keine neuen Befunde. In Kenntnis dieser Einträge von
Dr.
I._
erklärte der Gutachter
Dr.
Y._
am 1
9.
September 2011, dass er an seiner Beurteilung vom
2
0.
Juni 2011 festhalte
(
Urk.
8/44).
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E.
3b/cc).
Das gilt auch für den therapeutisch tätigen Psychiater mit seinem beson
deren Vertrauensverhältnis zum Patienten (Urteil des Bundesgerichts 9C_864/2009 vom
2.
Dezember 2009
,
E. 3, mit Hinweis auf das Urteil I 655/05 vom 2
0.
März 2006
,
E. 5.4).
Die Stellungnahmen der behandelnden Ärzte ver
mögen den Beweiswert des Gutachtens von
Dr.
Y._
vom 2
0.
Juni 2010 (
Urk.
8/33) somit nicht zu schmälern.
4.
4
Der Beschwerdeführer kritisiert, dass
die Beschwerdegegnerin keinen Bericht der geschützten Werkstatt
K._
eingeholt habe. Gemäss dem Bericht der be
han
delnden Ärzte habe der dortige Arbeitsversuch mit behinderungsangepassten Anforderungen zunächst
als Chauffeur und hernach in der Werkstatt bereits schon nach kurzer Zeit wieder abgebrochen werden müssen. De
r
Umstand, dass der Besc
hwerdeführer nicht einmal fähig
gewesen sei
, über längere Zeit in einer ge
schützten Werkstatt arbeitstätig zu sein, sei weder vom Gutachter noch vom
L._
in di
e Beurteilung einbezogen worden
.
Auf
die Einschätzung des Gutach
ters
Dr.
Y._
kön
ne nicht abgestellt werden, weil sie auf einer nicht voll
stän
digen Grundlage beruhe
.
Der Beschwerdeführer beruft sich auf das Urteil des Bundesgerichts 9C_833/2007 vom
4.
Juli 2008
(
Urk.
14 S. 4)
. Anders als dort
handelte
es sich beim Einsatz des Beschwerde
führers in der
Werkstatt
K._
indes
nicht um eine
leistungs
orientierte berufliche Abklärung
der
Eidg
. Invalidenversicherung
.
Vom
1.
April bis 11. August 2010 sollte in der Werkstatt
K._
ein Arbe
itstraining durchgeführt werden
(
Urk.
8/41/6). Diese Information
stand
dem Gutachter
Dr.
Y._
aufgrund der Akten und der Begutachtung
des Beschwerdeführers
zur Verfügung, so hatte er namentlich durch das Explorationsgespräch v
om Umstand, dass der Beschwer
deführer das Arbeitstraining
abgebrochen hat
te
,
Kenntnis
(
Urk.
8/33/
10
)
und es stand
ihm
ins
besonde
re auch der
Bericht des
G._
vom 2
0.
August 2010 über die dortige
sta
tionäre Behandlung des Be
schwerdeführer wegen
der problemati
schen Situation am geschützten Arbeitsplatz in der Werkstatt
K._
(
Urk.
8/33/4-5) zur Ver
fügung.
4.5
In seiner
Beurteilung nimmt
Dr.
Y._
namentlich auch auf die
Sucht
er
kran
kung
des Beschwerdeführers (Alkohol) und dessen stationäre Be
han
dlung im
G._
vom 1
4.
Juli bis 1
3.
August 2010 Bezug. Einlässlich würdigt er den von ihm erhobenen Psychostatus (
Urk.
8/33/17) und setzt sich bei seiner Ein
schätzung zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers namentlich auch mit der ab
weichen
den Auffassung des Hausarztes
Dr.
I._
auseinander (
Urk.
8/33/19). Die Beurteilung von
Dr.
Y._
wie auch dessen Einschätzung zur Arbeits
fä
higkeit des Beschwerdeführers sind nachvollziehbar begründet und schlüssig. Nachdem die Expertise von
Dr.
Y._
auch den formellen Anforderung gemäss der Rechtsprechung vollauf genügt (E.
4.1), kommt seinem psychiatrischen
Gut
achten vom
2
0.
Juni 2011
(
Urk.
8/33)
voller
Beweiswert zu.
Mit
Dr.
Y._
ist
folglich
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für angepasste Tätigkei
ten ohne Zeit- und Leistungs
druck
mit hohem Grad an selbstän
digem Arbeiten
zu 70
%
arbeitsfähig ist (E. 3.
5
.2).
5.
5.1
Zu prüfen bleibt
, wie sich dies
i
n erwerblicher Hinsicht
auswirkt.
5.2
B
ezüglich des
Valideneinkommes
gilt es
zu be
rück
sichtige
n, dass der Beschwer
deführ
er
zwar vom
2
4.
April 1984 bis 23.
April 1987
erfolgreich
eine Lehre zum Maler absolvierte (
Urk.
8/37/13), in diesem Beruf indes nur in den Jahr
en
1987 bis 1989 temporär arbeitete (
Urk.
8/33/9). Daneben war
er vom August 1987 bis Juli 1988
als Verkäufer für die
M._
AG tätig. In der Folge versah der Beschwer
deführer eine Vielzahl von verschiedenen Tätigkeiten
,
wozu nament
lich die Arbeit als Chauffeur, Mitarbeiter Unterhalt/Technik,
Badange
stellter
und Haus
wart gehörte. Die einzelnen
Arbeitsstellen
hatte er – mit Ausnahme der wäh
rend rund neun Jahren ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiter Unter
halt/Technik im
N._
– zumeist nur für einige Monaten oder wenige Jahre inne (Lebenslauf des Beschwerdeführers, Urk.
8/37
/1-2, IK
Auszug vom 5.
Januar 2010,
Urk.
8/10
).
Mit Eingabe vom 30.
Juli 2012 lässt er vorbringen
, dass sein Lohn seit 1999 kontinuierlich gesunken sei (Urk.
14 S.
5). Entgegen
der
Auffassung
des Beschwerdeführers
kann daraus aber nicht geschlossen werden, dass der
Gesundheitsscha
den
im Jahr 1999 ei
ngetreten
wäre
, und es ist für die Ermittlung des
Validenein
kommens
ebenso wenig vom
im Jahr 1999 erzielten Verdienst
auszugehen
. Vielmehr erscheint die Vor
gehensweise der Beschwerdegegnerin als sachgerecht, welche auch bezüglich des
Valideneinkommens
auf die Tabellenlöhne
gemäss Lohnstrukturerhebung
(LSE)
des Bund
esamtes für Statistik abstellte
.
Wird das
Valideneinkommen
auf ta
bel
larischer Grundlage ermittelt
, so sind
für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls relevante persönliche und berufliche
Faktoren
mitzuberücksich
tigen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_215/2007 vom 2.
Juli 2007, E. 6.3.1, mit weiteren Hinweisen). Aufgrund der Erwerbsbiographie
des Beschwerde
führers und der zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Chauf
feur/
Maga
ziner
für die
O._
(
Urk.
8/11) und Hauswart für die
P._
(
Urk.
8/9)
sowie
die
Q._
(
Urk.
8/37/1) rechtfertig
t
es sich auf den Durch
schnitt der
Tabellenlöhne gemäss
LSE 2008
TA7
Ziff.
31 (Transport von Personen, Waren und Nachrichten) und
LSE 2008
TA7 2008
Ziff.
35 (Reinigung und öffentliche Hygiene) von
Fr.
4‘708.-- (
Fr.
5‘093.-- +
Fr.
4‘323.-- : 2) abzustellen.
Unter Berücksichtigung der im Jahr 2008
im Sektor 3 (Dienstleistungen) geltenden
betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Die Volkswirt
schaft 6/2013, S. 90, Tabelle B. 9.2) und der
Nominallohnentwick
lung
für Männerlöhne (2009: 2,1; 2010: 0,7 [Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne der
Kon
sumentenpreise
und der Reallöhne, 1976-2011])
resultiert ein hypothetisches
Vali
deneinkommen
2010 von
Fr.
60‘554.85.
5.
3
Hinsichtlich des Invalideneinkommens
kritisiert der Beschwerdeführer
, e
s sei nicht einsichtig, inwiefern sich die von der Berufsberatung angeführten mög
li
chen leidensbedingten Tätig
keiten wie Call-Center-Mitarbeiter, Bürohilfe oder Hauswart
(vgl.
Urk.
8/47)
von denjenigen unterscheiden, die
er
vor Beginn der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübt habe (
Urk.
14 S. 5).
Z
ur Ermittlung des hypothetischen
Invalideneinkom
men
s
stellte die Beschwerdegegnerin
indes
nicht nur auf den Verdienst in diesen Berufen, sondern auf den Tabe
llenlohn gemäss LSE 2008 TA 1
Ziff.
1 bis 93 (Zentralwert) ab,
wobei
sich
im dem
Beschwer
deführer noch zumutbaren 70%-Pensum ein
Einkommen 2010 von
Fr.
43‘166.95 ergab (
Urk.
8/47).
Damit muss
nicht geprüft
werden
, ob dem Beschwerdeführer eine Tätigkeit in einem 70%-Pensum in den drei angeführten
Berufen
noch zumutbar
ist
.
Zu keinen Beanstandungen Anlass gibt ferner, dass die Beschwerdegegnerin einen behinderungsbedingten Abzug vom Tabellenlohn
von 10 %
gewährte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_99/2013 vom
5.
April 2013, E 4.1.3) und damit ein
hypothetische
s
Invalideneinkommen von
Fr.
38‘850.25
errechnete
.
5.
4
Beim Einkommensvergleich
(
Valideneinkommen
:
Fr.
60‘554.85
und
Invaliden
einkommen
:
Fr.
38‘850.25)
resultiert ein
e Erwerbseinbusse von
Fr.
21‘
704
.
60
bzw. ein Invaliditätsgrad von aufgerundet
3
6
%
(35,
84
%
)
,
womit
kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht (E. 2.
3
). Die Beschwerdegegnerin hat
den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
somit
zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.