Decision ID: acf21686-eb43-409d-9640-2bec33007837
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 9. November 2015 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (act. G 3.1.23) und
beantragte ab 1. Januar 2016 bei der Unia Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Unia)
Arbeitslosenentschädigung. Der Versicherte hatte sein seit Dezember 2011
bestehendes Arbeitsverhältnis mit der B._ wegen schlechter Arbeitsbedingungen am
23. Oktober 2015 per Ende Dezember 2015 gekündigt (act. G 3.1.17, 11).
A.b Auf Anfrage der Unia zum Kündigungsgrund führte der Versicherte im Schreiben
vom 23. Januar 2016 aus, er habe für seine Arbeitgeberin mehr als vier Jahre immer mit
sehr vielen Überstunden und ohne Pausen gearbeitet. Auch habe er nie einen Sonntag
frei gehabt und ihm seien weder Überstunden noch ein Nachtzuschlag ausbezahlt
worden. Das Arbeitsklima sei kompliziert gewesen, da alle immer unter sehr hohem
Druck gestanden seien. Schliesslich habe die Arbeitgeberin auch die Quellensteuer
nicht korrekt abgezogen und es habe für ein paar Monate keinen Abzug für BVG-
Beiträge gegeben (act. G 3.1.8).
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A.c Mit Schreiben vom 5. Februar 2016 teilte die Arbeitgeberin der Unia mit, dass die
erhobenen Vorwürfe des Versicherten nicht stimmen würden. Überstunden seien
immer ausbezahlt worden und der Versicherte verfüge über eine gesamte
Überstunden- und Ferienabrechnung sowie eine BVG- und Quellensteuerabrechnung
und werde das aus diesen Abrechnungen resultierende Guthaben bis 29. Februar 2016
erhalten. Aus Sicht der Arbeitgeberin habe es keinen Grund für die Kündigung
gegeben. Auch habe der Versicherte nie das Gespräch gesucht oder sich beschwert
(act. G 3.1.7).
A.d Am 16. Februar 2016 forderte die Unia vom Versicherten die Stundenrapporte ein
(act. G 3.1.6 S. 202). Diese gingen bei ihr am 23. Februar 2016 ein (act. G 3.1.6).
A.e Mit Verfügung vom 4. April 2016 stellte die Unia den Versicherten wegen
selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Januar 2016 für 31 Tage in der
Anspruchsberechtigung ein. Da sie das Verbleiben an der ehemaligen Arbeitsstelle bis
zum Finden einer neuen Stelle als zumutbar erachte, gelte die Arbeitslosigkeit als
selbstverschuldet und müsse sanktioniert werden (act. G 3.1.5).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch Rechtsanwältin S. Ruibal, St.
Gallen, am 6. Mai 2016 Einsprache erheben. Die Rechtsvertreterin machte geltend,
dass der Versicherte im Zeitpunkt, als er den Arbeitsvertrag unterschrieben habe, noch
kein Deutsch gesprochen habe und ihm nicht bewusst gewesen sei, dass er mit der
Unterzeichnung auf zusätzliche Entschädigungen verzichtete. Zudem sei dem
Versicherten die Überzeit nicht ausbezahlt worden. Der Versicherte mache seine
Überzeit erst seit Oktober 2015 geltend, da ihm seine Rechte erst auf Grund eines
Gerichtsverfahrens eines Mitarbeiters gegen die Arbeitgeberin bewusst geworden
seien. Weiter habe der Versicherte ebenfalls gegen Oktober 2015 feststellen müssen,
dass von den Stundenaufstellungen zwei Versionen bestanden hätten, eine sei von ihm
erstellt worden und die zweite - mit weniger Stunden - von einer anderen Person.
Dieser Umstand habe ebenfalls dazu geführt, dass er das Arbeitsverhältnis als
unzumutbar erachtet habe. Sodann habe der Versicherte nie eine zeitliche
Kompensation für Nachtarbeit erhalten, wie sie das Gesetz vorschreibe. Der
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Versicherte habe im Oktober 2015 als Zeuge bei einem Gerichtsverfahren eines
ehemaligen Mitarbeiters gegen die Arbeitgeberin aussagen müssen. Dabei habe er
erfahren, dass Überzeitkompensation sowie Kompensation für die Nachtarbeit
geschuldet seien. Die Gratifikationen, welche die Arbeitgeberin zum Teil ausgezahlt
habe, hätten die geschuldeten Kompensationen für die geleistete Überzeit und
Nachtarbeit nicht gedeckt. Zudem hätten nicht einmal Pausen absolviert werden
dürfen. Ebenso habe der Versicherte erfahren, dass die Arbeitgeberin die
Stundenaufstellungsblätter eigenhändig neu aufgestellt und nach unten korrigiert habe.
Diese Umstände hätten dazu geführt, dass er sich im Oktober 2015 gegen die
Arbeitgeberin gewehrt bzw. seine Rechte eingefordert habe. Diese sei darauf aber nicht
eingegangen. Vielmehr habe sie ab Juli 2015, als der Versicherte die Vorladung für den
Gerichtstermin erhalten habe, begonnen, den Versicherten und seine ebenfalls im
Betrieb arbeitende Ehefrau massiv unter Druck zu setzen und schon fast zu bedrohen,
damit er zu ihren Gunsten aussage. Auf Grund seiner wahrheitsgemässen Aussagen
vor Gericht, welche zum Obsiegen des Mitarbeiters geführt hätten, habe die
Arbeitgeberin auf den Versicherten und seine Ehefrau noch mehr Druck ausgeübt.
Daher habe sich der Versicherte gezwungen gesehen, das Arbeitsverhältnis aufzulösen.
Die Arbeitsumstände seien nicht mehr haltbar gewesen. Der Vollständigkeit halber
führte die Rechtsvertreterin aus, dass die Arbeitgeberin dem Versicherten nach
Beendigung des Arbeitsverhältnisses einen Betrag als Entschädigung der Überzeit
überwiesen habe. Zusätzlich habe sie ihm auch erst zu diesem Zeitpunkt die Differenz
zu den vom Lohn abgezogenen Quellensteuern bezahlt. Sie habe systematisch zu viel
vom Lohn abgezogen, wovon der Versicherte erst auf Grund des Prozesses Kenntnis
erhalten habe. Diese Zahlungen der Arbeitgeberin seien sehr wahrscheinlich deshalb
erfolgt, weil sie das eine Gerichtsverfahren verloren und der Versicherte mit einem
weiteren Verfahren gedroht habe (act. G 3.1.4).
B.b Auf Nachfrage der Unia reichte die Rechtsvertreterin des Versicherten mit
Schreiben vom 20. September 2016 Stundenrapporte sowie die Vereinbarungen ein,
welche nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der Arbeitgeberin getroffen
worden waren. Weiter führte sie aus, der Versicherte habe im Oktober 2015, also noch
vor der Kündigung, versucht, seine Rechte geltend zu machen. Darauf sei die
Arbeitgeberin jedoch nicht eingegangen. Vielmehr habe sie den Versicherten auf Grund
seiner Vorladung zur Zeugeneinvernahme im Prozess des ehemaligen Mitarbeiters
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gegen die Arbeitgeberin fast schon bedroht und nach seinen wahrheitsgemässen
Aussagen vor Gericht beinahe gemobbt. Daher sei die Aufrechterhaltung des
Arbeitsverhältnisses - wie auch aus den weiteren Gründen - nicht mehr zumutbar
gewesen (act. G 3.1.3).
B.c Gestützt auf diese Argumente befragte die Unia die ehemalige Arbeitgeberin des
Versicherten. Diese bestritt in der Stellungnahme vom 11. Oktober 2016, dass sich das
Arbeitsverhältnis wegen des Gerichtsprozesses im Oktober 2015 verändert oder
verschlechtert habe. Alles sei ganz normal gelaufen wie immer. Hinsichtlich der
Stundenrapporte hielt sie fest, dass der Versicherte auf diesen den Arbeitsbeginn und
das Arbeitsende aufgeführt habe. In den aufgeschriebenen Stunden sei immer eine
Stunde Pause inbegriffen, wie aus der Schlussabrechnung ersichtlich sei (act. G 3.1.2).
B.d Mit Einspracheentscheid vom 19. Oktober 2016 wies die Unia die Einsprache ab.
Zur Begründung führte sie aus, sie habe den Sachverhalt nochmals eingehend geprüft.
Aus den Stundenrapporten des Versicherten gehe hervor, dass dieser viele
Arbeitsstunden habe leisten müssen. Trotzdem sei es ihm zumutbar gewesen, an der
Stelle zu verbleiben und die nicht bezahlten Überstunden gerichtlich einzufordern. Dies
habe er ja später auch getan. Zudem habe die Arbeitgeberin nicht bestätigt, dass sich
das Arbeitsverhältnis infolge der Zeugenaussage des Versicherten verschlechtert habe.
Aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht sei es dem Versicherten daher
zumutbar gewesen, an der Stelle zu verbleiben bis er eine neue Stelle gefunden hätte
(act. G 3.1.1).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 18.
November 2016 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung und auf angemessene
Reduktion der Einstelltage auf Grund eines leichten Verschuldens; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die Rechtsvertreterin des Versicherten bestreitet die
Zumutbarkeit des Verbleibens an der bisherigen Stelle nicht mehr. Sie beantragt
jedoch, dass die tatsächlichen Umstände bei der Bemessung der Anzahl Einstelltage
zu berücksichtigen seien und nicht von einem schweren Verschulden auszugehen sei.
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Die Begründung hinsichtlich der besonderen Umstände deckt sich im Wesentlichen mit
der Schilderung in der Einsprache (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2016 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeabweisung. Sie begründet dies im Wesentlichen
damit, dass der Beschwerdeführer der Arbeitgeberin nicht genügend Zeit gegeben
habe, sich mit seinen Forderungen auseinanderzusetzen. So sei die
Gerichtsverhandlung betreffend den ehemaligen Mitarbeiter am 19. Oktober 2015
gewesen und bereits vier Tage später am 23. Oktober 2015 habe er die Kündigung
eingereicht. Aus Sicht der Beschwerdegegnerin habe zum damaligen Zeitpunkt kein
Grund bestanden, das Arbeitsverhältnis ohne Zusicherung einer neuen Stelle
aufzulösen. Schliesslich könne der Beschwerdeführer weder beweisen, dass sich am
Arbeitsverhältnis infolge der Gerichtsverhandlung etwas geändert habe, noch könne er
beweisen, dass er - entgegen der Aussage der Arbeitgeberin - keine Pausen habe
absolvieren dürfen. Da er die Kündigung eingereicht habe, sei er in der Beweispflicht
und trage die Folgen der Beweislosigkeit. Dennoch habe die Beschwerdegegnerin
bereits bei der Festlegung der Anzahl Einstelltage berücksichtigt, dass das Arbeitsklima
nach der Zeugenaussage gegen die Arbeitgeberin nicht mehr optimal gewesen sein
dürfte (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 27. Januar 2017 führt die Rechtsvertreterin aus, dass die
besonderen Umstände bei der Festlegung der Anzahl Einstelltage von der
Beschwerdegegnerin nicht hatten berücksichtigt werden können, da ihr diese erst mit
der Einsprache vom 6. Mai 2016 mitgeteilt worden seien. Da sie bereits am 4. April
2016 31 Einstelltage verfügt habe, hätten diese Umstände nicht in die Bemessung
einfliessen können (act. G 5).
C.d In der Duplik vom 3. Februar 2017 hält die Beschwerdegegnerin an ihren Anträgen
fest und bestreitet, dass sie erst mit der Einsprache über die besonderen Verhältnisse
informiert worden sei. Diese seien im Einspracheverfahren lediglich noch ausführlicher
geschildert worden (act. G 7).

Erwägungen
1.
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1.1 Anfechtungsgegenstand bildet der mit der vorliegenden Beschwerde angefochtene
Einspracheentscheid vom 19. Oktober 2016. Der Beschwerdeführer ficht zwar in der
Beschwerde lediglich die Höhe der von der Beschwerdegegnerin verfügten Einstelltage
an und verlangt deren angemessene Senkung. Dabei ist auf Grund der Offizialmaxime
auch zu prüfen, ob die Einstellung als solche zu Recht erfolgt ist.
1.2 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Arbeitslosenversicherung
und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die versicherte Person in der
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos
ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann, wenn die versicherte
Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere
Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht
zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Im
Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe findet demnach das
sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip seine Grenze bei der
Zumutbarkeit.
1.3 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen Nr.
168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend IAO-
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig („volontairement“) ohne triftigen Grund („sans motif légitime“)
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass von Einstellungsverfügungen vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit sind bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV bzw. bei der
Zumutbarkeitsprüfung die gesamten Umstände der versicherten Person zu
berücksichtigen (BORIS RUBIN, Commentaire de la loi sur l’assurance-chômage, Genf/
Zürich/Basel 2014, N 36 f. zu Art. 30; JACQUELINE CHOPARD, Die Einstellung in der
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Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinne des Übereinkommens gesprochen werden, wenn
eine versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die
Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall,
dass die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen
vermag (BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
1.4 Rechtsprechungsgemäss ist der Tatbestand der selbstverschuldeten
Arbeitslosigkeit nicht erfüllt, wenn bei Überstunden in gegen das Gesetz oder die
vertraglichen Abmachungen verstossender Weise weder ein Ausgleich durch Freizeit
noch eine Entlöhnung erfolgt (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 20. August
2002, C 219/00, E. 2.2).
2.
2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer am 23. Oktober 2015 sein
Arbeitsverhältnis mit der Arbeitgeberin ordentlich auf den 31. Dezember 2015
gekündigt hat (vgl. act. G 3.1.11). Im Arbeitsvertrag vom 28. November 2011 hatte er
mit der Arbeitgeberin vereinbart, bei ihr als Bäckerei Mitarbeiter ab 1. Dezember 2011
für Fr. 3‘500.-- brutto pro Monat zu arbeiten. Die Arbeitszeit sollte nach Vereinbarung
erfolgen. Im Weiteren wurde festgehalten, dass keine Zulagen oder Gratifikationen
geschuldet seien. Falls im Vertrag nichts anderes vereinbart sei, würden die
Bestimmungen des Schweizerischen Obligationenrechts gelten (act. G 3.1.12 S. 252).
Mit Vereinbarung vom 29. Februar 2012 wurde eine Lohnveränderung ab 1. März 2012
„von Fr. 3‘500.-- bis Fr. 4‘300.--„ festgelegt. In diesem Gehalt seien Nacht- und
Wochenendarbeit, Überstunden, Feiertage usw. enthalten (act. G 3.1.12 S. 253). Wie
aus den vorliegenden Stundenrapporten der Monate Februar bis Dezember 2015
hervorgeht (vgl. act. G 3.1.6, vgl. auch die Stundenrapporte von Dezember 2013 bis
Januar 2015, act. G 3.1.3 S. 70 ff.), arbeitete der Beschwerdeführer beispielsweise in
der Woche vom 16. März 2015 (Montag) bis 21. März 2015 (Samstag) am 16. März
2015 von 23:00 Uhr bis 9:45 Uhr und damit 10.75 Stunden, am 17. März 2015 von
23:00 Uhr bis 10:00 Uhr und somit 11 Stunden, am 18. März 2015 von 23:00 Uhr bis
9:00 Uhr, also 10 Stunden, am 19. März 2015 von 20:45 Uhr bis 9:00 Uhr und damit
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12.25 Stunden, am 20. März 2015 von 20:30 Uhr bis 8:00 Uhr, also 11.5 Stunden sowie
am 21. März 2015 von 20:30 Uhr bis (wohl) 6:00 Uhr (etwas unleserlich), was 9.5
Stunden ergäbe. Auch in der Folgewoche vom 23. bis 29. März 2015 arbeitete der
Beschwerdeführer während der Nacht jeweils 10.25 Stunden, 10 Stunden, 9.75
Stunden, 13.5 Stunden, 11.25 Stunden und 9.75 Stunden. In der Woche vom 30. März
bis 4. April 2015 kamen schliesslich 10.5 Stunden, 10.75 Stunden, 10 Stunden, 14.5
Stunden, 14.5 Stunden und, was auf Grund der Handnotizen nicht überwiegend klar
ist, wohl 11.75 Stunden zusammen. Nicht viel anders sah es gemäss den
Stundenrapporten während den übrigen Wochen und Monaten aus. Selbst unter Abzug
der vorliegend vom Beschwerdeführer bestrittenen, aber von der Arbeitgeberin
behaupteten (und nach Art. 15 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die Arbeit in
Industrie, Gewerbe und Handel [ArG; SR 822.11] verlangten) täglichen Pause von einer
Stunde, überschritt die tägliche Arbeitszeit des Beschwerdeführers somit oftmals 9
Stunden. Gemäss Art. 17a Abs. 1 ArG darf jedoch die tägliche Arbeitszeit bei
Nachtarbeit für den einzelnen Arbeitnehmer 9 Stunden nicht überschreiten. Sie muss
(zudem), mit Einschluss der Pausen, innerhalb eines Zeitraumes von zehn Stunden
liegen. Damit hatte der Beschwerdeführer offensichtlich über Jahre hinweg Nachtarbeit
von zu langer und vor allem gegen das Arbeitsgesetz verstossender Dauer zu
vollbringen, was klar unzumutbar war. Es kann deshalb offen bleiben, ob die
Arbeitgeberin allenfalls noch gegen weitere zwingende Bestimmungen des
Arbeitsgesetzes wie wöchentliche Höchstarbeitszeiten, gesetzlich geschuldete
Lohnzuschläge etc. verstossen hatte.
2.2 Weiter gilt zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer erst im Rahmen des
Prozesses seines ehemaligen Mitarbeiters gegen die Arbeitgeberin erfahren hat, dass
jene offenbar bei mehreren ihrer ausländischen Arbeitnehmer zu hohe
Quellensteuerabzüge vorgenommen hatte. Dass der aus C._ stammende
Beschwerdeführer, der der deutschen Sprache nur wenig mächtig war, die hiesigen
gesetzlichen Bestimmungen nicht kannte und sich deshalb auch nicht dagegen wehrte,
erscheint nachvollziehbar. Die Tatsache, dass die Arbeitgeberin ihm schliesslich nach
der Beendigung seines Arbeitsverhältnisses Überstundenentschädigungen (act. G
3.1.100) und zuviel abgezogene Quellensteuern nachzahlte (act. G 3.1.92), beweist
jedoch, dass sie während Jahren zwingende arbeitsrechtliche Bestimmungen verletzt
und dem Beschwerdeführer Leistungen vorenthalten hatte. Entgegen der
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Argumentation der Beschwerdegegnerin kann bei so massiven Verletzungen gegen das
Arbeitsrecht von einer versicherten Person nicht erwartet werden, dass sie ihre
gesetzlich gewährten Rechte während des Arbeitsverhältnisses gerichtlich geltend
macht. Vielmehr erscheint es verständlich, dass unter solchen Bedingungen das
Vertrauensverhältnis gegenüber der Arbeitgeberin erschüttert war und die Fortsetzung
des Arbeitsverhältnisses unzumutbar wurde. Schliesslich erscheint auch entgegen den
Angaben der Arbeitgeberin glaubhaft, dass sich das Arbeitsklima bereits negativ
veränderte, als der Beschwerdeführer mit Schreiben des Kreisgerichts D._ vom 6.
Juli 2015 vorgeladen wurde, um als Zeuge in einem Verfahren eines anderen
Arbeitnehmers gegen die Arbeitgeberin betreffend Forderungen aus Arbeitsrecht zur
Einvernahme zu erscheinen, und erst recht, nachdem der Beschwerdeführer in diesem
Prozess durch seine Zeugenaussage die Arbeitgeberin belastete (act. G 1.6).
2.3 Unter diesen Voraussetzungen kann offen bleiben, ob - wie bereits erwähnt -
allenfalls noch weitere Bestimmungen des Arbeitsgesetzes verletzt wurden oder ob die
Arbeitgeberin tatsächlich die Stundenrapporte veränderte, wie es der
Beschwerdeführer behauptet (vgl. act. G 1.4 und 1.5). Die Bedingungen, unter welchen
der Beschwerdeführer arbeiten musste, sind als gesetzeswidrig anzusehen, was ohne
Weiteres zur Annahme der Unzumutbarkeit der Stelle im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. a
AVIG führt (vgl. Erwägung 1.4 vorstehend sowie Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 8. September 2000, C 184/00, E. 1 unten, e contrario). Der
Beschwerdeführer war demnach berechtigt, die Stelle auch ohne Anschlussstelle zu
kündigen, weshalb keine Sanktion erfolgen durfte.
2.4 In Würdigung der gesamten Umstände ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer im Sinne des IAO-Abkommens (vgl. Erwägung 1.3) legitime Gründe
für die Kündigung vorgebracht hat. Es ist daher im Lichte des Übereinkommens von
der Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses auszugehen. Dem
Beschwerdeführer war ein weiterer Verbleib bei der ehemaligen Arbeitgeberin über die
ordentliche Kündigungsfrist hinaus nicht mehr zumutbar, weshalb der Tatbestand der
selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit nicht erfüllt ist. Eine Einstellung nach Art. 30 Abs.
1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV fällt somit ausser Betracht.
3.
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3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene
Einspracheentscheid vom 19. Oktober 2016 ist aufzuheben.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
3.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1‘000.-- bis Fr. 12‘000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
hat keine Kostennote eingereicht. Das Versicherungsgericht gewährt in
arbeitslosenversicherungsrechtlichen Streitigkeiten mit vergleichbarem Aufwand
grundsätzlich eine pauschale Entschädigung von Fr. 3‘000.--. Im vorliegenden Fall, den
die Rechtsvertreterin parallel zum Fall AVI 2016/70 betreffend die Ehefrau des
Beschwerdeführers führte, erscheint auf Grund desselben Sachverhalts und derselben
sich stellenden Rechtsfragen eine pauschale Parteientschädigung von (je) Fr. 2‘250.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.