Decision ID: 3c8e067d-63c0-41c4-9e5f-2c8b7991859f
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. B._ (Jahrgang 2002) wohnte zusammen mit seinem Vater und seiner
Mutter in A._, Kanton Graubünden, welche gemeinsam die elterliche
Sorge ausüben. Mit Entscheid vom 21. Dezember 2015 errichtete die
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) C._ für ihn eine
Erziehungsbeistandschaft mit besonderen Befugnissen in den Bereichen
Beschulung und Berufsausbildung. Am 8. März 2016 wurde er im Rahmen
einer freiwilligen Platzierung in der Schule D._ in E._
untergebracht, bevor er sich vom 8. September 2016 bis zum
15. September 2016 im Kinderspital bzw. der Jugendpsychiatrie in
F._ aufhielt. B._ wurde am 30. September 2016 per ärztliche
fürsorgerische Unterbringung in das Kinder- und Jugendpsychiatrische
Zentrum Klinik G._ in H._, Kanton I._, eingewiesen. Mit
Entscheiden der KESB C._ vom 10. Oktober 2016 und 26. Oktober
2016 wurde den Eltern von B._ das Aufenthaltsbestimmungsrecht für
ihren Sohn entzogen und der weitere Aufenthalt von B._ in der Klinik
G._ behördlich verfügt. Am 29. Januar 2017 wurde er ins Schul- und
Berufsbildungsheim J._ in K._, Kanton L._, umplatziert,
bevor die behördliche Unterbringung abgebrochen wurde.
2. Die Mutter von B._ zog per 31. Mai 2017 nach M._, Kanton
I._, während der Vater in A._ wohnhaft blieb. Der Antrag der
Eheleute im Rahmen der Scheidungsvereinbarung, die elterliche Sorge für
B._ bei den Eltern zu belassen, wurde vom Regionalgericht S._
genehmigt. Zudem wurde subsidiär zum Entzug des
Aufenthaltsbestimmungsrecht die Obhut über B._ dessen Mutter
zugesprochen. Die Mutter von B._ zog per 1. Januar 2019 zurück
nach A._.
3. Bereits zuvor wurde B._ vom 6. Juni 2017 bis zum 10. Dezember
2017 im Jugendheim N._ in O._, Kanton I._, untergebracht.
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Direkt anschliessend befand er sich im Rahmen einer behördlichen
Unterbringung im Jugendheim P._, Kanton Q._, welche bis zum
31. März 2019 dauerte. Seither wohnt er wieder bei seiner Mutter in
A._. Mit Entscheid vom 29. April 2019 hob die KESB C._ den
Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts per 31. Mai 2019 auf und teilte
dieses der Mutter von B._ zu.
4. Die Verbindungsstellen der Kantone I._ und Q._ ersuchten das
kantonale Sozialamt Graubünden als Verbindungsstelle des Kantons
Graubünden am 15. Juni 2017, 30. November 2017, 18. Dezember 2017
und 14. Februar 2019 um Kostenübernahmegarantie für die Aufenthalte
von B._ in den Jugendheimen N._ und P._, wobei sie
dessen zivilrechtlichen Wohnsitz (im Sinne einer Wohnsitzperpetuierung)
im Kanton Graubünden, genauer in der Gemeinde A._, verorteten
und von deren Finanzierungszuständigkeit ausgingen.
5. Mit Schreiben vom 20. Februar 2018 und 18. Juli 2018 teilte das kantonale
Sozialamt Graubünden der Gemeinde A._ mit, dass diese für die
Übernahme der Unterbringungskosten von B._ zuständig sei bzw.
dies aufgrund der im Februar 2018 noch hängigen
Ehescheidungsverfahren zu erwartenden Zuteilung der gemeinsamen
elterlichen Sorge naheliegend sei.
6. Mit Schreiben vom 29. März 2019 verweigerte die Gemeinde A._
nach mehrfacher Korrespondenz schliesslich die Übernahme der
Unterbringungskosten und die Unterzeichnung der
Kostenübernahmegarantie. Auf die dagegen von der KESB C._
erhobene Beschwerde trat das Verwaltungsgericht mit Urteil vom
10. November 2020 mangels Aktivlegitimation nicht ein (Verfahren U 19
52).
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7. Die Regierung des Kantons Graubünden beschloss am 17. Dezember
2019 die Kosten für die Unterbringung von B._ in den Jugendheimen
N._ und P._ vom 6. Juni 2017 bis 31. März 2019 im Umfang von
CHF 361'028.60 zu bevorschussen. Zudem wurde das kantonale
Sozialamt Graubünden bevollmächtigt, Vereinbarungen mit den
Einrichtungen zu verfassen und unterzeichnen, welche die
Bevorschussung bzw. deren Rückzahlung regeln.
8. In der Folge traf das kantonale Sozialamt Graubünden mit dem Amt für
Soziales des Kantons I._ und dem Jugendheim N._ bzw. mit
dem Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons Q._ und
dem Jugendheim P._ je eine Vereinbarung, in welcher sich die
Einrichtungen verpflichteten, den bevorschussten Betrag
zurückzuerstatten, sobald die zuständige Gemeinde die Kosten für die
Aufenthalte begleiche oder ein Gericht die Zuständigkeit einer Bündner
Gemeinde verneine.
9. Mit Verfügung vom 24. Januar 2022 verpflichtete das kantonale Sozialamt
Graubünden die Gemeinde A._, die Unterbringungskosten der
Jugendheime N._ und P._ für B._ im Zeitraum vom 6. Juni
2017 bis 31. März 2019 in der Höhe von insgesamt CHF 361'028.60 zu
übernehmen und diese den zuständigen Stellen in den Kantonen I._
und Q._ innert 30 Tagen ab Rechtskraft der Verfügung zu
überweisen. Dabei ging es davon aus, dass sich der zivilrechtliche
Wohnsitz von B._ für die Dauer der Unterbringung im Jugendheim
N._ und zumindest für einen Teil der Platzierung im Jugendheim
P._ gestützt auf Art. 25 ZGB an seinen Aufenthaltsorten in O._
und P._ befunden hat. In Berücksichtigung des Urteils des
Bundesgerichts 8C_285/2017 vom 21. November 2017 (auszugsweise
publiziert in BGE 143 V 451), wonach es nicht sein dürfe, dass in den
"übrigen Fällen" gemäss Art. 25 ZGB der Standortkanton einer Einrichtung
für die Kosten von Kindesschutzmassnahmen aufzukommen habe, stellte
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es für die Bestimmung der Kostentragung auf den Unterstützungswohnsitz
nach Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG ab. Diesen verortete es an dem Ort, an
welchem das minderjährige Kind unmittelbar vor der dauerhaften bzw. auf
unbestimmte Zeit ausgelegten Fremdplatzierung gemeinsam mit den
Eltern gelebt hat, was bei B._ A._ gewesen sei. Dem Umstand,
dass gewisse Platzierungen hätten abgebrochen werden müssen, mass
es kein entscheidendes Gewicht zu. Es gelangte aufgrund der Sachlage
letztlich zum Schluss, dass die Unterstützungszuständigkeit von B._
beim Kanton Graubünden und innerkantonal bei der Gemeinde A._
liege. Insofern sei diese betreffend die subsidiäre Kostentragung für die
Unterbringung von B._ in den Jugendheimen N._ und P._
zuständig.
10. Dagegen erhob die Gemeinde A._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 17. Februar 2022 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und beantragte die
ersatzlose Aufhebung der Verfügung vom 24. Januar 2022. Eventualiter
sei diese im Sinne der Erwägungen aufzuheben und zur Neubeurteilung
an das kantonale Sozialamt zurückzuweisen. In formeller Hinsicht stellte
sie in Frage, ob der direkte Weiterzug der angefochtenen Verfügung an
das Verwaltungsgericht offenstehe. Falls dies nicht zutreffe, sei die
Beschwerde an das zuständige Departement weiterzuleiten. In materieller
Hinsicht bestritt sie, dass der Unterstützungswohnsitz während der
Unterbringung von B._ in A._ war. Vielmehr habe dieser jeweils
einen neuen Unterstützungswohnsitz insbesondere in den Kantonen
I._ und Q._ begründet. Zudem brachte sie vor, dass ihr
Mitwirkungsrecht bzw. das rechtliche Gehör verletzt worden sei, weil sie
vor den jeweiligen Platzierungen von B._ nicht angehört worden sei.
Es könne kaum im Sinne des Verfassungs- und Gesetzgebers sein, dass
sie weder in Bezug auf die Kosten und den diesen zugrundeliegenden
Massnahmen noch hinsichtlich des Tarifs und der Abrechnung etwas zu
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sagen habe. Hier bestünde eine echte Lücke, welche durch richterliche
Fortbildung zu schliessen sei. Des Weiteren bestritt sie namentlich die
Zuständigkeit des kantonalen Sozialamts zum Erlass der angefochtenen
Verfügung, war der Auffassung, dass das Übergangsrecht falsch
angewendet worden sei, und brachte vor, dass durch die freiwillige
Bevorschussung die Institutionen nicht noch einmal bezahlt werden
müssten.
11. Das kantonale Sozialamt Graubünden (nachfolgend Beschwerdegegner)
schloss in seiner Vernehmlassung vom 24. März 2022 auf Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Den Vorbringen
der Beschwerdeführerin entgegnete er namentlich, dass die
Fremdplatzierung von B._ für den Unterstützungswohnsitz als einzige
Einheit zu betrachten sei und dieser unmittelbar vor der Massnahme in
A._ gewesen sei. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer
finanziellen Interessen nicht legitimiert, Entscheide der KESB in Frage zu
stellen. Sie versuche, die nicht vorhandene Mitsprache im KESB-
Verfahren nachzuholen, was unzulässig sei. Der Beschwerdegegner war
ferner der Ansicht, dass er gestützt auf kantonales Recht zum Erlass der
angefochtenen Verfügung zuständig sei.
12. Mit Eingabe vom 5. Mai 2022 verzichtete die Beschwerdeführerin auf die
Einreichung einer Replik.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Eingaben, die
angefochtene Verfügung vom 24. Januar 2022 sowie die weiteren Akten
wird – sofern erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
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1. Im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht müssen die
Prozessvoraussetzungen – darunter auch die sachliche und funktionelle
Zuständigkeit – erfüllt sein, damit das Gericht auf eine Beschwerde eintritt,
die Sache materiell prüft und einen Sachentscheid fällt. Die angerufene
Behörde prüft von Amtes wegen, ob die Prozessvoraussetzungen
gegeben sind, was die Rechtssuchenden jedoch nicht entbindet, diese zu
substanziieren. Die Prozessvoraussetzungen müssen sowohl im
Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung als auch im Zeitpunkt der
Entscheidfällung noch gegeben sein. Fehlt es an einer dieser
Voraussetzungen, führt dies zu einem Nichteintretensentscheid (vgl.
Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] R 21 54
vom 22. Februar 2022 E.1, R 21 60 vom 24. November 2021 E.1, R 20 77
vom 14. September 2021 E.1.1 und U 19 52 vom 10. November 2020
E.2.1).
2. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung vom
24. Januar 2022 des Beschwerdegegners, womit die Beschwerdeführerin
verpflichtet wurde, die Unterbringungskosten des Jugendheims N._
und des Jugendheims P._ für B._ zu übernehmen. Gemäss
Art. 49 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100) können Entscheide von Dienststellen der kantonalen
Verwaltung mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht weitergezogen
werden, soweit das kantonale Recht den direkten Weiterzug vorsieht.
2.1. Zu prüfen ist, ob das Verwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden,
vom kantonalen Sozialamt Graubünden erlassenen Verfügung betreffend
Kostenübernahme für die Unterbringung von B._ in den
Jugendheimen N._ und P._ durch die Gemeinde A._
sachlich und funktionell zuständig ist. Hierfür muss das kantonale Recht
den direkten Weiterzug an das Verwaltungsgericht vorsehen, andernfalls
vorerst Verwaltungsbeschwerde an das vorgesetzte Departement zu
erheben ist (vgl. Art. 28 Abs. 1 und 2 VRG).
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2.2. Der Beschwerdegegner erwog in der angefochtenen Verfügung vom
24. Januar 2022, dass die interkantonale Vereinbarung für soziale
Einrichtungen (IVSE; BR 546.710) mit Blick auf die Zuständigkeit zur
Kostentragung zur Anwendung gelange, zumal es sich bei den beiden
Jugendheimen um ausserkantonale Einrichtungen handle (Erwägung 1
der besagten Verfügung). In Würdigung der Sachlage kam er letztlich zum
Schluss, dass die Unterstützungszuständigkeit gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung und im Sinne des Bundesgesetzes
über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (ZUG; SR 851.1)
beim Kanton Graubünden und innerkantonal gemäss den kantonalen
Bestimmungen bei der Gemeinde A._ liege (Erwägung 6 der
besagten Verfügung). Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass sich der
(Unterstützungs-)Wohnsitz von B._ während seiner Unterbringungen
in A._ befunden hat. Vielmehr sei jeweils ein neuer
Unterstützungswohnsitz, namentlich in I._ und Q._, begründet
worden. Die Verfahrensbeteiligten sind sich somit in erster Linie
hinsichtlich des Unterstützungswohnsitzes von B._ während seiner
Unterbringung in den Jugendheimen N._ und P._ uneinig.
2.3. Gemäss Art. 115 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) werden Bedürftige von ihrem
Wohnkanton unterstützt; der Bund regelt die Ausnahmen und
Zuständigkeiten. Das ZUG präzisiert in dem durch die Verfassung
vorgegebenen Rahmen, welcher Kanton für die Fürsorge zuständig ist,
und es regelt den Ersatz von Unterstützungskosten unter den Kantonen
(vgl. Art. 1 Abs. 1 und 2 ZUG). Danach obliegt die Unterstützung eines
Schweizer Bürgers grundsätzlich dem Wohnkanton (Art. 12 Abs. 1 ZUG).
Der Wohnkanton unterliegt gegenüber dem Aufenthaltskanton einer
gewissen Ersatzpflicht (vgl. Art. 14 ZUG). Der Bedürftige hat seinen
Wohnsitz nach diesem Gesetz (Unterstützungswohnsitz) in dem Kanton,
in dem er sich mit der Absicht des dauernden Verbleibens aufhält; dieser
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Kanton wird als Wohnkanton bezeichnet (Art. 4 Abs. 1 ZUG). Die im ZUG
für die Bestimmung der interkantonalen Zuständigkeit geregelten Begriffe
des Aufenthalts-, Wohn- und Heimatkantons sind solche des
Bundesrechts (siehe BGE 143 V 451 E.9.2 i.f. und 139 V 433 E.3.1 m.H.).
Mit der Bestimmung des zuständigen Kantons ist noch nichts über die
innerkantonale Zuständigkeit gesagt. Die Kantone sind frei, innerhalb ihres
Gebietes vom ZUG abweichende Zuständigkeiten vorzusehen (siehe
Urteil des Bundesgerichts 8C_591/2021 vom 19. Januar 2022 E.3.1).
Insoweit sieht Art. 12 Abs. 3 ZUG vor, dass der Kanton das
unterstützungspflichtige Gemeinwesen und die zuständige
Fürsorgebehörde bezeichnet.
2.4. Im innerkantonalen Verhältnis kommen im Kanton Graubünden das
Gesetz über die Unterstützung Bedürftiger (Kantonales
Unterstützungsgesetz [UG]; BR 546.250), die weiteren kantonalen
Bestimmungen wie auch grundsätzlich die Richtlinien der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe für die Ausgestaltung und
Bemessung der Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien; vgl. Art. 1
Ausführungsbestimmungen zum UG [ABzUG]; BR 546.270) zur
Anwendung (vgl. BGE 143 V 451 E.8.2; Urteil des Bundesgerichts
8C_701/2013 vom 14. März 2014 E.3.2; Urteil des Verwaltungsgerichts
[VGU] U 20 107 vom 13. April 2021 E.3). Gemäss Art. 5 Abs. 1 UG ist
diejenige politische Gemeinde unterstützungspflichtig, in welcher die
bedürftige Person ihren Wohnsitz hat. Die Begründung und Aufgabe des
Wohnsitzes richten sich Kraft des in Art. 6 Abs. 1 UG normierten
Verweises nach den Grundsätzen, die gemäss ZUG im interkantonalen
Verhältnis gelten (siehe auch Urteil des Bundesgerichts 8C_79/2010 vom
24. September 2010 E.5, nicht publ. in BGE 136 V 346). Diese gelten
damit auch im innerkantonalen Verhältnis, wenn auch als kantonales
Recht (siehe BGE 143 V 451 E.8.2 und 140 I 320 E.3.3). Für minderjährige
Kinder gilt bezüglich des Unterstützungswohnsitzes die folgende
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Spezialregelung gemäss Art. 7 ZUG: Das minderjährige Kind teilt,
unabhängig von seinem Aufenthaltsort, den Unterstützungswohnsitz der
Eltern (Abs. 1). Wenn die Eltern keinen gemeinsamen zivilrechtlichen
Wohnsitz haben, teilt es den Unterstützungswohnsitz jenes Elternteils, bei
dem es überwiegend wohnt (Abs. 2). Es hat demgegenüber einen eigenen
Unterstützungswohnsitz am letzten Unterstützungswohnsitz nach den
Abs. 1 und 2, wenn es dauernd nicht bei den Eltern oder einem Elternteil
wohnt (Abs. 3 lit. c; vgl. BGE 143 V 451 E.8.4.1 und Urteile des
Bundesgerichts 8C_833/2019 vom 17. Juni 2020 E.3.2.3 sowie
8C_701/2013 vom 14. März 2014 E.3.2.2).
2.5. Auch das in den interkantonalen Vereinbarungen, wie vorliegend der
IVSE, geschaffene Recht gilt als kantonales Recht (siehe BGE 143 V 451
E.9.3 m.H.). Gemäss der Botschaft vom 8. Juli 2008 zum Beitritt des
Kantons Graubünden zur interkantonalen Vereinbarung für soziale
Einrichtungen (siehe Botschaft der Regierung an den Grossen Rat vom
8. Juli 2008 zum Beitritt des Kantons Graubünden zur interkantonalen
Vereinbarung für soziale Einrichtungen, Heft Nr. 7/2008-2009 S. 315 ff.
[nachfolgend Botschaft IVSE]) genauso wie dem Erläuternden Bericht vom
22. Januar 2008 (nachfolgend IVSE-Bericht, abrufbar unter:
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/ds/Documents/Verneh
mlassungen/Archiv%20Vernehmlassungen/IVSEbericht_de.pdf, zuletzt
besucht am: 17. Mai 2022) stellte der Umstand, dass es im Kanton
Graubünden keine hochspezialisierte Institutionen im Bereich Kinder- und
Jugendheime gab, eine Erwägung für den Beitritt zum Bereich A der IVSE
dar (vgl. Botschaft IVSE, S. 340 und IVSE-Bericht, S. 21). Der Kanton
Graubünden ist genauso wie die Kantone I._ und Q._ dem hier
massgebenden Bereich A der IVSE beigetreten (vgl. Art. 2 Abs. 1 Ziffer A
IVSE i.V.m. Anhänge 3 und 4). Die IVSE bezweckt, die Aufnahme von
Personen mit besonderen Betreuungs- und Förderungsbedürfnissen in
geeigneten Einrichtungen ausserhalb ihres Wohnkantons ohne
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Erschwernisse zu ermöglichen. Gemäss Art. 19 Abs. 1 IVSE sichert der
Wohnkanton – also der Kanton, in dem die Person, welche die Leistungen
beansprucht, ihren zivilrechtlichen Wohnsitz hat (Art. 4 lit. d IVSE) – der
Einrichtung des Standortkantons – also dem Kanton, in dem die
Einrichtung ihren Standort hat (Art. 4 lit. e IVSE) – mittels einer
Kostenübernahmegarantie die Leistungsabgeltung zu Gunsten der
Person für die zu garantierende Periode zu.
2.6. Die IVSE sieht zwar in Art. 35 einen Streitbeilegungsmechanismus vor.
Dieser beschränkt sich aber gemäss dem Kommentar der Konferenz der
kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK) zur IVSE auf
die Streitbeilegung zwischen den Kantonen und den Organen (siehe S. 16
[nachfolgend Kommentar IVSE], abrufbar unter: https://ch-
sodk.s3.amazonaws.com/media/files/02_15.10.01_Kommentar_zur_IVS
E_dt.pdf, zuletzt besucht am: 17. Mai 2022). Die IVSE regelt denn auch
im Allgemeinen ausschliesslich das Aussenverhältnis zwischen den
Kantonen (Botschaft IVSE, S. 319 und IVSE-Bericht, S. 4,), weshalb es
dem Kanton anheimgestellt ist, wie er sich im Innern organisiert (siehe
VGU U 21 83 vom 11. Januar 2022 E.4.3.1). Gleichermassen normiert das
ZUG zwar in seinen Art. 33 und 34 ein Rechtspflegesystem. Diesem
zugrunde liegen jedoch ebenfalls interkantonale Streitigkeiten, wenn ein
Kanton mit an ihn gerichtete Kostenersatzansprüche oder
Richtigstellungsbegehren vom fordernden Kanton nicht einverstanden ist
(vgl. THOMET, Kommentar zum Bundesgesetz über die Zuständigkeit für
die Unterstützung Bedürftiger, Zürich 1994, Rz. 302 ff.). Ohnehin sieht
auch das ZUG – wie bereits dargelegt – gemäss dessen Zweck und
Geltungsbereich nicht vor, in die interne Zuständigkeitsordnung eines
Kantons einzugreifen (vgl. THOMET, a.a.O., Rz. 55; Urteil des
Bundesgerichts 2A.420/1999 vom 2. Mai 2000 E.3a). Der Kanton ist somit
autonom in der Ausgestaltung der Rechtspflege in Angelegenheiten
betreffend den Unterstützungswohnsitz. Entsprechend regelt Art. 13
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Abs. 2 UG, dass das Verwaltungsgericht über sich aus der Anwendung
des Unterstützungsgesetzes ergebende Streitigkeiten entscheidet. Darauf
wurde denn auch in der Rechtmittelbelehrung der angefochtenen
Verfügung vom 24. Januar 2022 hingewiesen (vgl. Dispositivziffer 3).
Gemäss dieser Bestimmung ist somit die Verfügung einer kantonalen
Amtsstelle nicht zunächst mit verwaltungsinterner Beschwerde an das
hierarchisch übergeordnete Departement anzufechten. Gegenteiliges
lässt sich denn auch genauso wenig den Materialien entnehmen, wie
etwaige Einschränkungen hinsichtlich der Art der Streitigkeit oder der
daran beteiligten Personen (vgl. Botschaft der Regierung an den Grossen
Rat vom 12. Juni 1978 betreffend das Gesetz über die Unterstützung
Bedürftiger, Nr. 3/1978-1979, S. 207). Vielmehr steht der direkte
Beschwerdeweg an das Verwaltungsgericht in sämtlichen, sich aus der
Anwendung des UG ergebenden Streitigkeiten offen. Davon, dass die
vorliegende Streitigkeit an das Verwaltungsgericht angefochten werden
kann, ging denn auch die Beschwerdeführerin selbst in ihrem Schreiben
vom 29. März 2019 aus (Akten des Beschwerdegegners [Bg-act.] C8).
Insofern ist die sachliche und funktionelle Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts zu bejahen.