Decision ID: b85c65de-362a-5f1d-b174-8869b644f7b0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1984 geborene, in Brasilien wohnhafte brasilianische Staats-
angehörige A._ (nachfolgend: Versicherte oder Beschwerdeführe-
rin) hat zwei Kinder, B._, geboren am (...) 2003, und C._,
geboren am (...) 2008, und war seit dem (...) 2016 mit D._, gebo-
ren am (...) 1962, deutscher Staatsangehöriger, verheiratet (Akten der Vo-
rinstanz [nachfolgend: act.] 2, S. 2-6; act. 7). Der am (...) Juli 2017 infolge
Krankheit verstorbene D._ hatte von Mai 2002 bis Juli 2017 Bei-
träge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversi-
cherung geleistet (act. 2; act. 3; act. 44, S. 2). Zuletzt war er bei der
E._ AG, (...)/CH, tätig gewesen (act. 3, S. 1) und hatte seit 15. Ja-
nuar 2017 eine gemeldete (alleinige) Wohnung in (...)/DE (act. 2, S. 3).
B.
B.a Am 2. August 2017 meldete sich die Versicherte infolge des Todes ih-
res Ehemannes bei der Schweizerischen Ausgleichskasse (nachfolgend:
SAK oder Vorinstanz) zum Bezug einer Hinterlassenenrente (Witwenrente)
an (act. 1).
B.b Nachdem die SAK das Gesuch der Versicherten mit Verfügung vom
14. Mai 2018 abgewiesen hatte (act. 6), erhob die Versicherte Einsprache
und teilte unter Beilage der entsprechenden Geburtsurkunden mit, sie
habe zwei Kinder und die Verfügung sei daher nochmals zu prüfen (act. 7).
Die SAK nahm in der Folge die Prüfung der Voraussetzungen für einen
allfälligen Anspruch auf Witwenrente wieder auf (act. 14).
B.c Am 29. Januar 2019 beantragte die ab diesem Zeitpunkt durch Rechts-
anwalt F._ vertretene Versicherte zusätzlich zur Witwenrente auch
Waisenrenten für ihre beiden Kinder, welche sie zusammen mit ihrem ver-
storbenen Ehemann während der gemeinsamen Ehezeit gemeinsam be-
treut habe. Für B._ habe der Verstorbene die Vaterschaft aner-
kannt. C._ habe gemäss Geburtsurkunde einen anderen Vater
(G._; act. 19).
B.d Mit Schreiben vom 15. März 2019 teilte die SAK mit, dass vorerst im
Einspracheverfahren nur der Leistungsanspruch der Witwe geprüft werde
(act. 20).
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B.e Nach Einholung und Prüfung weiterer Unterlagen hob die SAK am
15. Januar 2020 die Verfügung vom 14. Mai 2018 wiedererwägungsweise
auf (act. 48) und stellte der Versicherten eine neue Verfügung vom 8. Ja-
nuar 2020 zu, mit welcher dieser eine Witwenrente sowie eine Waisenrente
für B._ ab 1. August 2017 zugesprochen wurde (act. 46).
B.f Betreffend eine allfällige Waisenrente für C._ wurde seitens des
Rechtsdienstes der SAK in einem internen Schreiben vom 15. Januar 2020
festgehalten, es sei zu prüfen, ob ein mögliches Pflegekindverhältnis ge-
geben sei (act. 49).
B.g Mit Verfügung vom 30. Januar 2020 wurde das Gesuch auf Waisen-
rente für C._ abgewiesen mit der Begründung, der verstorbene
Stiefvater sei bis zu seinem Tod mit alleiniger Wohnung in Deutschland ge-
meldet gewesen, womit die Stieftochter C._ nicht in die Hausge-
meinschaft des Stiefvaters aufgenommen gewesen sei (act. 55).
B.h Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 25. Februar 2020 Ein-
sprache erheben und geltend machen, dass C._ sehr wohl in den
gemeinsamen Haushalt des Verstorbenen mit der Versicherten aufgenom-
men gewesen sei. Der Verstorbene habe jahrelang einen gemeinsamen
Haushalt mit der Versicherten in (...)/Brasilien geführt und habe jahrelang
in Brasilien seinen Arbeitsplatz gehabt. Aufgrund struktureller Veränderun-
gen beim schweizerischen Arbeitgeber habe der Verstorbene seinen
Wohnsitz nach Europa verlegt. Er habe vorübergehend einen Wohnsitz in
der Schweiz und die letzten Monate seines Lebens einen Wohnsitz in
Deutschland gehabt. Auch während seines Aufenthaltes in der Schweiz
und in Deutschland habe der Verstorbene nachweislich ständig grössere
Geldbeträge an seine Familie in Brasilien geleistet und diese bei jeder sich
bietenden Möglichkeit, insbesondere während seinen Urlaubszeiten, in
Brasilien besucht. Zudem habe der Verstorbene geplant, die gesamte Fa-
milie von Brasilien nach Deutschland zu übersiedeln (act. 64).
B.i Mit Einspracheentscheid vom 12. Mai 2020 wies die SAK die Einspra-
che der Versicherten vom 25. Februar 2020 ab und bestätigte die Verfü-
gung vom 30. Januar 2020. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest,
dass der Verstorbene bis zu seinem Tod mit alleiniger Wohnung in
Deutschland gemeldet gewesen sei, womit folglich nicht von einem ge-
meinsamen Haushalt mit C._ ausgegangen werden könne (act.
68).
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C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Versicherte, nunmehr
vertreten durch Rechtsanwalt Walter Wagner, am 15. Juni 2020 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben mit dem Antrag, der
Einspracheentscheid vom 12. Mai 2020 sei aufzuheben und ihr sei für ihre
Tochter C._ ab 1. August 2017 eine ordentliche Waisenrente aus-
zurichten. Eventualiter sei das Verfahren zur Ergänzung des Sachverhalts
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung wurde hauptsächlich
festgehalten, dass der verstorbene Stiefvater Wohnsitz bzw. Aufenthalt an
der Adresse in Brasilien gehabt habe. Er habe während den Jahren 2007
bis mindestens 2013 für die schweizerische Arbeitgeberin H._ in
Brasilien gearbeitet. Für seine Arbeitgeberin habe der Verstorbene jedoch
nicht nur in Brasilien, sondern auch in Europa arbeiten müssen. Aufgrund
seiner Auslandtätigkeit habe er sich daher gar nicht dauernd in Brasilien
aufhalten können. Es gebe auch bei Elternpaaren mit eigenen Kindern di-
verse Konstellationen, bei denen ein Elternteil regelmässig berufsbedingte
Auslandaufenthalte auf sich nehmen müsse. Tatsache sei aber, dass der
verstorbene Stiefvater regelmässig und auch zu Ferienzwecken bei seiner
Familie in Brasilien geweilt habe. Im Jahr 2017 habe der Verstorbene be-
absichtigt, zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern nach
Deutschland zu ziehen. Zwar sei der Verstorbene in Deutschland gemeldet
gewesen, jedoch existiere in Brasilien ein entsprechendes Meldewesen
auch gar nicht. Der Verstorbene habe aber über einen brasilianischen Aus-
länderausweis verfügt. Zudem habe er der Beschwerdeführerin seine Ma-
estro-Karte überlassen, mit welcher diese in Brasilien regelmässig Bar-
geldbezüge zur Bestreitung des Lebensunterhaltes für sich und die beiden
Kinder getätigt habe (Akten im Beschwerdeverfahren [nachfolgend:
BVGer-act.] 1 und 2).
C.b Mit Vernehmlassung vom 26. August 2020 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheent-
scheids vom 12. Mai 2020. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen
aus, dass – wie der Beschwerde entnommen werden könne – der Verstor-
bene nach Deutschland gezogen sei und seine Familie in näherer Zukunft
per Familiennachzug nach Deutschland habe holen wollen. Es handle sich
nicht um einen vorübergehenden Aufenthalt im Ausland. Der Verstorbene
habe Brasilien verlassen mit der Absicht, sich dauerhaft in Deutschland
niederzulassen. Entsprechend sei er bei der Einwohnerkontrolle in
Deutschland auch alleine gemeldet gewesen. Er habe seinen Lebensmit-
telpunkt nach Deutschland verlegt, auch wenn seine Familie noch nicht
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nachgezogen gewesen sei. Massgebend sei nicht, ob der Verstorbene in
den vergangenen Jahren beruflich nach Europa gereist sei, sondern dass
zum Zeitpunkt seines Todes der Wohnsitz definitiv nach Deutschland ver-
legt gewesen sei. Der Verstorbene sei im Übrigen nur bis 2013 für seinen
schweizerischen Arbeitgeber tätig gewesen, für welchen er beruflich nach
Europa habe reisen müssen. In Anbetracht der Umstände sei von einer
Wohnsitzbegründung in Deutschland im Rechtssinne auszugehen, so dass
der für einen Waisenrentenanspruch zwingend erforderliche gemeinsame
Haushalt mit C._ ausgeschlossen werden könne (BVGer-act. 8).
C.c Mit Replik vom 2. Oktober 2020 liess die Beschwerdeführerin an ihren
Rechtsbegehren festhalten und zur Begründung hauptsächlich ausführen,
die von der Vorinstanz vorgenommene Gleichstellung der im Hinblick der
Voraussetzungen für einen Rentenanspruch des Stiefkindes massgebli-
chen Hausgemeinschaft mit dem gesetzlichen Wohnsitz gemäss Art. 23
ZGB sei falsch. C._ sei gleich wie ihr Halbbruder seit Geburt im
Haushalt der Beschwerdeführerin aufgewachsen, in welchem sich auf-
grund seines Arbeitsverhältnisses jedenfalls bis ins Jahr 2013, aber auch
später der verstorbene Stiefvater aufgehalten habe. Der gemeinsame
Haushalt sei also unabhängig von einem gesetzlichen Wohnsitz (im Sinne
von Art. 23 ZGB) oder einer Meldung gegeben. Wenn die Beschwerdefüh-
rerin ihren eigenen Wohnsitz nach Deutschland habe verlegen wollen,
zeuge dies eben davon, dass die Familie einen Zusammenhalt gehabt
habe und beide Kinder im Sinne gemeinsamer Kinder zum Vater hätten
nachziehen wollen. Daran ändere auch nichts, dass der teilweise gemein-
same Haushalt während weniger Jahre weniger intensiv "gelebt" worden
sei. Massgebend sei nicht ein gesetzlicher Wohnsitz im Sinne von Art. 23
ZGB, sondern die Gleichbehandlung von leiblichen und Pflege- bzw. Stief-
kindern (BVGer-act. 12).
C.d Mit Eingabe vom 11. November 2020 verzichtete die Vorinstanz auf die
Einreichung einer Duplik und hielt an ihrer Vernehmlassung vom 26. Au-
gust 2020 fest (BVGer-act. 14).
D.
Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel der Parteien wird – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG
und Art. 85bis Abs. 1 des AHVG (SR 831.10) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen
bzw. Einspracheentscheide (vgl. Art. 5 Abs. 2 VwVG [SR 172.021]) der
SAK. Es liegt keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor. Das Bundes-
verwaltungsgericht ist somit zur Beurteilung der Beschwerden zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG findet das VwVG keine Anwendung auf
das Verfahren in Sozialversicherungsrechtssachen, soweit das ATSG an-
wendbar ist.
1.3 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men. Sie hat als gesetzliche Vertreterin ihrer minderjährigen Tochter
C._ sowie als Inhaberin der elterlichen Sorge Anspruch auf Auszah-
lung einer allfällig geschuldeten Waisenrente (vgl. BGE 140 V 136 E. 5.1).
Somit ist sie durch den Einspracheentscheid berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an dessen Anfechtung (Art. 59 ATSG). Da die Be-
schwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht worden ist (Art. 60
ATSG, Art. 52 VwVG), ist auf sie einzutreten.
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstands des vor-
liegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet der
Einspracheentscheid vom 12. Mai 2020, mit welchem die Vorinstanz die
Einsprache der Beschwerdeführerin vom 25. Februar 2020 abgewiesen
und die Verfügung vom 30. Januar 2020 betreffend die Abweisung des Ge-
suchs um Waisenrente für C._ bestätigt hat. Streitig und zu prüfen
ist die Rechtmässigkeit dieses Einspracheentscheids. Nicht Gegenstand
des vorliegenden Verfahrens sind die der Beschwerdeführerin mit der un-
angefochten in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 8. Januar 2020
zugesprochene Witwenrente und Waisenrente für B._.
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3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
unter Einschluss des Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermes-
sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
3.2 Das Sozialversicherungsverfahren ist, wie auch der Sozialversiche-
rungsprozess, vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat die
verfügende Behörde, wie auch das Gericht, von Amtes wegen aus eigener
Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Par-
teien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). Der Untersuchungsgrund-
satz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwir-
kungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2 mit Hinweis). Zum ande-
ren umfasst die behördliche und richterliche Abklärungspflicht nicht unbe-
sehen alles, was von einer Partei behauptet oder verlangt wird. Vielmehr
bezieht sie sich nur auf den im Rahmen des streitigen Rechtsverhältnisses
(Streitgegenstand) rechtserheblichen Sachverhalt. Rechtserheblich sind
alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen An-
spruch so oder anders zu entscheiden ist (FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs-
rechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 43 und 273). In diesem Rahmen haben Ver-
waltungsbehörden und Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärun-
gen stets vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhalts-
punkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a mit Hinweis;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: sozialver-
sicherungsrechtliche Abteilung des Bundesgerichts] I 520/ 99 vom 20. Juli
2000).
3.3 Im Sozialversicherungsrecht und somit auch im Bereich der AHV gilt,
sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, das Beweismass
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Die blosse Möglichkeit eines be-
stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge-
richt hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt
(BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). Die Beweise
sind – dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung entsprechend – frei,
das heisst ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge-
mäss zu würdigen (BGE 125 V 351 E. 3a). Führen die von Amtes wegen
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vorzunehmenden Abklärungen die Verwaltung oder das Gericht bei pflicht-
gemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt
sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und weitere Beweis-
massnahmen könnten an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr än-
dern, so ist auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten (antizipierte
Beweiswürdigung; UELI KIESER, Das Verwaltungsverfahren in der Sozial-
versicherung, Zürich 1999, S. 212, Rz. 450; vgl. auch BGE 122 II 469 E. 4a,
BGE 120 1b 229 E. 2b, BGE 119 V 344 E. 3c mit Hinweisen).
3.4 Gelangt das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung nicht zum
Ergebnis, dass sich ein rechtserheblicher Sachumstand verwirklicht hat,
kommen die Beweislastregeln zur Anwendung. Gemäss der allgemeinen
Beweislastregel hat, wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, dieje-
nige Person das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu bewei-
sen, die aus ihr Rechte ableitet (Art. 8 ZGB). Bei Beweislosigkeit ist folglich
zu Ungunsten derjenigen Person zu entscheiden, welche die Beweislast
trägt (vgl. Urteile des BVGer A-1746/2016 vom 17. Januar 2017 E. 1.5.2
und A-3119/2014 vom 27. Oktober 2014 E. 2.5; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
Rz. 3.149 ff.). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich
als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf-
grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumin-
dest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen
(BGE 144 V 427 E. 3.2).
4.
4.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: Einspracheentscheid vom 12. Mai 2020) ein-
getretenen Sachverhalt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
4.2 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes – vorliegend der Tod des Ehemannes der Beschwerdeführe-
rin am (...) Juli 2017 – Geltung hatten (BGE 130 V 445 E. 1.2.1). Somit
kommen im Folgenden die in diesem Zeitpunkt geltenden materiellen Best-
immungen zur Anwendung.
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4.3 Die Beschwerdeführerin und ihre Tochter C._ sind brasiliani-
sche Staatsangehörige mit Wohnsitz in Brasilien. Ein Sozialversicherungs-
abkommen zwischen der Schweiz und Brasilien gab es im vorliegend mas-
sgeblichen Zeitpunkt (Juli 2017) nicht. Ein solches trat erst per 1. Oktober
2019 in Kraft ("Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft und der Föderativen Republik Brasilien über soziale Sicherheit"
[nachfolgend: Sozialversicherungsabkommen], SR 0.831.109.198.1), wo-
bei es keine Leistungsansprüche für den Zeitraum vor seinem Inkrafttreten
begründet (Art. 34 Abs. 1 des Sozialversicherungsabkommens). Der Um-
stand, dass es für die Zeit von Juli 2017 bis Ende September 2019 an ei-
nem zwischenstaatlichen Abkommen fehlte und die Beschwerdeführerin
und ihre Tochter keinen Wohnsitz in der Schweiz hatten, steht einem allfäl-
ligen Anspruch auf eine AHV-Waisenrente jedoch nicht entgegen. Wenn
die verstorbene versicherte Person die schweizerische Nationalität besass
oder Staatsbürger eines Landes war, mit welchem die Schweiz ein Sozial-
versicherungsabkommen abgeschlossen hat, dann haben seine Hinterlas-
senen auch im Ausland Anspruch auf die ihnen zustehenden Rentenleis-
tungen (UELI KIESER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialver-
sicherungsrecht, Alters- und Hinterlassenenversicherung, 4. Aufl. 2020,
Art. 18 N. 10 mit Hinweis auf EVGE 1969 S. 208 ff.; Urteil des BGer
9C_984/2012 vom 12. Juli 2013 E. 5). Denn die Hinterlassenenrenten exis-
tieren aufgrund der Beiträge der verstorbenen Versorger und nicht auf-
grund der Beiträge der Hinterlassenen (EVGE 1969 E. 5 S. 211; vgl. auch
Urteil des BVGer C-6919/2016 vom 14. Juni 2017 E. 4.1). Da vorliegend
der Verstorbene ein bei der schweizerischen AHV versicherter deutscher
Staatsangehöriger war und zwischen der Schweiz und Deutschland mit
dem Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681)
sowie den Regelwerken der Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme
der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA ein zwischenstaatliches
Sozialversicherungsabkommen vorliegt, hätte die Beschwerdeführerin
auch für den Zeitraum, in dem zwischen der Schweiz und Brasilien noch
kein Sozialversicherungsabkommen bestand, einen AHV-Waisenrentenan-
spruch. Die Beurteilung des Anspruchs auf eine AHV-Waisenrente richtet
sich sowohl vor als auch nach Inkrafttreten des Sozialversicherungsab-
kommens mit Brasilien (zum vorliegend geltenden Grundsatz der Gleich-
stellung vgl. Art. 4 des Sozialversicherungsabkommens) ausschliesslich
nach schweizerischem Recht.
5.
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Waisenrente für ihre Tochter C._. Im Nachfolgenden sind die für die
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Beurteilung des Anspruchs massgebenden gesetzlichen Grundlagen und
die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze darzustellen.
5.1 Kinder, deren Vater oder Mutter gestorben ist, haben Anspruch auf eine
Waisenrente (Art. 25 Abs. 1 AHVG). Gemäss Art. 25 Abs. 3 AHVG in Ver-
bindung mit Art. 49 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und Hinterlas-
senenversicherung (AHVV, SR 831.101) haben Pflegekinder beim Tod der
Pflegeeltern Anspruch auf Waisenrente nach Art. 25 AHVG, wenn sie un-
entgeltlich zu dauernder Pflege und Erziehung aufgenommen worden sind.
5.2 Pflegekindschaft im weiten Sinne liegt vor, wenn eine unmündige Per-
son in der Obhut von Personen lebt, die nicht seine Eltern sind. Sie ist kein
selbstständiges Rechtsinstitut, sondern ein faktisches Familienverhältnis,
dem das Recht einzelne Wirkungen des Kindesverhältnisses beilegt (Urteil
EVG H 123/02 vom 24. Februar 2003 E. 2; Urteil des BVGer C-5523/2009
vom 9. Mai 2012 E. 3.3.1, je mit Hinweisen).
5.3 Nach der Rechtsprechung zu Art. 49 AHVV gilt als Pflegekind im Sinne
dieser Bestimmung ein Kind, das sich in der Pflegefamilie tatsächlich der
Lage eines ehelichen Kindes erfreut und dessen Pflegeeltern die Verant-
wortung für Unterhalt und Erziehung wie gegenüber einem eigenen Kind
wahrnehmen. Das sozialversicherungsrechtlich wesentliche Element des
Pflegekindverhältnisses liegt in der tatsächlichen Übertragung der Lasten
und Aufgaben auf die Pflegeeltern, die gewöhnlich den leiblichen Eltern
zufallen; auf den Grund dieser Übertragung kommt es nicht an (BGE 140
V 458 E. 3.2; Urteil des BGer 9C_603/2016 vom 30. März 2017 E. 3.2 mit
Hinweisen).
5.4 Im Entscheid H 123/02 vom 24. Februar 2003 erwog das Eidgenössi-
sche Versicherungsgericht, dass das Stiefkind, welches im Haushalt des
Stiefvaters oder der Stiefmutter lebt, einem Pflegekind gleichgestellt sei,
wenn der Stiefelternteil unentgeltlich für seinen Unterhalt aufgekommen sei
(E. 1 mit weiteren Hinweisen). Stiefeltern, die ein Stiefkind in die Hausge-
meinschaft aufgenommen haben, gelten zusammen mit dem Elternteil als
Pflegeeltern (Rz. 3308 der Wegleitung über die Renten in der Eidgenössi-
schen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [nachfolgend:
RWL], Stand 1. Januar 2017). Zwischen Pflege- bzw. Stiefkind und Pflege-
bzw. Stiefeltern oder dem Pflege- bzw. Stiefelternteil muss ein eigentliches
Pflegeverhältnis bestanden haben. Das Kind muss zur Pflege und Erzie-
hung und nicht zur Arbeitsleistung oder beruflichen Ausbildung in die Haus-
gemeinschaft der Pflegeeltern aufgenommen worden sein und dort faktisch
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die Stellung eines eigenen Kindes innegehabt haben. Das Pflegeverhältnis
muss auf Dauer begründet worden sein. Das Kind darf von den Stief- bzw.
Pflegeeltern nicht bloss für bestimmte Zeit aufgenommen worden sein (Rz.
3315 RWL).
5.5 Ausschlaggebend für ein auf Dauer begründetes Pflegeverhältnis ist
somit, dass die Pflege- bzw. Stiefeltern im gemeinsamen Haushalt mit dem
Pflege- bzw. Stiefkind leben (Urteile des BGer 9C_603/2016 vom 30. März
2017 E. 3.2 f.; 8C_336/2014 vom 20. August 2014 E. 2.1 und 2.5; vgl. auch
Urteile des BVGer C-5877/2018 vom 2. September 2019 E. 3.7; C-
4405/2017 vom 20. Februar 2019 E. 6.3.1 und C-6920/2016 vom 8. Okto-
ber 2018 E. 4.6). Zudem müssen die Pflege- bzw. Stiefkinder unentgeltlich
zur dauernden Pflege und Erziehung aufgenommen sein. Die Unentgelt-
lichkeit des Pflegekindverhältnisses wird bejaht, wenn die von Dritten ge-
leisteten Unterhaltsbeiträge nicht mehr als einen Viertel der tatsächlichen
Unterhaltskosten ausmachen (UELI KIESER, Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zum AHVG, a.a.O., Art. 22ter N. 7 mit Hinweis auf BGE 125 V 143
E. 2b). Die Voraussetzungen des gemeinsamen Haushalts sowie der Un-
entgeltlichkeit müssen kumulativ erfüllt sein (Urteile des BVGer
C-1273/2019 vom 30. März 2021 E. 3.2.8; C-651/2019 vom 16. November
2020 E. 5).
5.6 Für die Frage, ob die Voraussetzungen der Ausrichtung einer Rente für
ein Pflege- bzw. Stiefkind erfüllt sind, ist auf den Zeitpunkt abzustellen, in
dem sich das versicherte Risiko – vorliegend der Tod des Stiefvaters – ver-
wirklicht (UELI KIESER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AHVG,
a.a.O., Art. 22ter N. 8 mit Hinweis auf BGE 103 V 58 E. 1c).
6.
Vorliegend ist strittig und zu prüfen, ob vor dem Tod des Verstorbenen ein
gemeinsamer Haushalt zwischen ihm und seiner Stieftochter C._
bestanden hat.
6.1 Der Begriff des gemeinsamen Haushaltes bedeutet grundsätzlich, dass
Lebenspartner (und ihre Kinder) einen gemeinsamen Haushalt führen und
eine Hausgemeinschaft oder eine Lebensgemeinschaft in der Regel in
Form einer gemeinsamen Wohnung bilden. Allerdings hielt das Bundesge-
richt fest, dass für die Annahme eines gemeinsamen Haushaltes nicht eine
ständige ungeteilte Wohngemeinschaft an einem festen Wohnort verlangt
werden kann. Ein solches Verständnis trüge den gewandelten gesellschaft-
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Seite 12
lichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht Rechnung. Oft können Le-
benspartner aus beruflichen, gesundheitlichen oder anderen schützens-
werten Gründen nicht die ganze Zeit, beispielsweise nur während eines
Teils der Woche, zusammenwohnen. Massgebend muss sein, dass die Le-
benspartner den manifesten Willen haben, ihre Lebensgemeinschaft so-
weit es die Umstände ermöglichen, als ungeteilte Wohngemeinschaft im
selben Haushalt zu leben (BGE 137 V 383 E. 3.3; BGE 134 V 369 E. 7.1).
Wenn sachliche und nicht nur praktische Gründe vorliegen, welche einen
gemeinsamen Wohnsitz erschweren oder verunmöglichen, darf das Beste-
hen eines gemeinsamen Haushaltes trotz fehlenden gemeinsamen Wohn-
sitzes nicht von vornherein verneint werden (vgl. Urteil des Sozialversiche-
rungsgerichts des Kantons Zürich BV.2018.00024 vom 7. September 2018
E. 5.4, vgl. auch BGE 138 V 86 E. 5.1.2).
6.2 Gemäss Art. 23 Abs. 1 ZGB (SR 210; in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1
ATSG und Art. 1 Abs. 1 AHVG) befindet sich der massgebende zivilrechtli-
che Wohnsitz einer Person am Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält. Für die Begründung des Wohnsitzes müssen dem-
nach zwei Merkmale (kumulativ) erfüllt sein: Ein objektives äusseres, der
Aufenthalt, sowie ein subjektives inneres, die Absicht dauernden Verblei-
bens. Nach der Rechtsprechung kommt es nicht auf den inneren Willen,
sondern darauf an, auf welche Absicht die erkennbaren Umstände objektiv
schliessen lassen. Massgebend ist somit der Ort, wo sich der Mittelpunkt
der Lebensbeziehungen befindet. Es handelt sich dabei im Normalfall um
den Wohnort, d. h. wo die betreffende Person schläft, die Freizeit verbringt,
ihre persönlichen Effekten aufbewahrt und sie üblicherweise über einen
Telefonanschluss sowie eine Postadresse verfügt (Urteil des BGer
9C_600/2017 vom 9. August 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Niemand kann
an mehreren Orten zugleich seinen Wohnsitz haben (Art. 23 Abs. 2 ZGB).
Gemäss Art. 25 Abs. 1 ZGB befindet sich der Wohnsitz eines minderjähri-
gen Kindes am Wohnsitz der Eltern oder, wenn die Eltern keinen gemein-
samen Wohnsitz haben, am Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Obhut
das Kind steht. Ist das Kind bevormundet, so befindet sich sein Wohnsitz
am Sitz der Vormundschaftsbehörde (Art. 25 Abs. 2 ZGB), in den übrigen
Fällen (zum Beispiel bei einem Pflegekind) gilt sein Aufenthaltsort als
Wohnsitz (Art. 25 Abs. 1 ZGB; Rz. 2025 RWL).
6.3 Vorliegend ergibt sich aus den Akten und ist unbestritten, dass die Be-
schwerdeführerin und ihre beiden Kinder vor dem Tod des Verstorbenen
Wohnsitz in Brasilien gehabt haben. Gemäss Erklärung vom 15. Februar
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2019 wohnen die Beschwerdeführerin seit 2002 und ihre beiden Kinder je-
weils seit der Geburt an der gleichen Adresse in (...)/Brasilien (vgl. BVGer-
act. 1, Beilage 1). Der Verstorbene war gemäss den Akten seit dem 15.
Januar 2017 mit einer alleinigen Wohnung in (...)/DE gemeldet (vgl. act. 2,
S. 3) und hat gemäss Aussage der Beschwerdeführerin in der Einsprache
vom 25. Februar 2020 auch dort gewohnt (act. 64, S. 2). Dafür spricht auch,
dass der Verstorbene in dieser Zeit bei der E._ AG in (...)/CH er-
werbstätig war (act. 3, S. 1). Zudem hielt er in seiner Anfrage bei der Aus-
landsvertretung vom 1. Februar 2017 fest, dass seine Frau mit den zwei in
die Ehe eingebrachten Kindern nach Deutschland kommen wolle, um dort
mit ihm gemeinsam in (...) zu wohnen (BVGer-act. 1, Beilage 6). Daraus
ist zu schliessen, dass der Verstorbene zu diesem Zeitpunkt bereits Wohn-
sitz in (...)/DE hatte mit der Absicht des dauernden Verbleibens. Somit ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer seit Januar 2017 seinen Wohnsitz im Sinne von Art. 23
ZGB in (...)/DE hatte, was die Beschwerdeführerin auch nicht bestreitet
(vgl. BVGer-act. 12, S. 3 Rz. 3 f.). Somit ist erstellt, dass C._ und
der Verstorbene vor dessen Tod keinen gemeinsamen Wohnsitz im
Rechtssinne hatten.
6.4 Allerdings ist gemäss der dargestellten Rechtsprechung und wie die
Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt, ein gemeinsamer Wohnsitz für das
Bestehen eines gemeinsamen Haushalts nicht unbedingt vorausgesetzt.
Es mag zwar sein, dass mit dem gemeinsamen Wohnsitz ein gemeinsamer
Haushalt nachgewiesen werden kann, der Umkehrschluss ist allerdings
nicht ohne Weiteres zulässig (vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts
des Kantons Zürich BV.2018.00024 vom 7. September 2018 E. 5.4). Frag-
lich und zu prüfen ist deshalb, ob vorliegend trotz des fehlenden gemein-
samen Wohnsitzes von einem gemeinsamen Haushalt auszugehen ist. Da-
für sind rechtsprechungsgemäss sachliche und nicht bloss praktische
Gründe erforderlich, die den gemeinsamen Wohnsitz erschweren oder ver-
unmöglichen (vgl. E. 6.1 hiervor).
6.4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dem Verstorbenen sei es aus
beruflichen Gründen nicht möglich gewesen, sich dauernd in Brasilien auf-
zuhalten, da er für seinen Arbeitgeber H._ nicht nur in Brasilien,
sondern auch in Europa habe arbeiten müssen (BVGer-act. 1, S. 4 Rz. 3
f.). Jedoch ergibt sich aus den Akten und auch die Beschwerdeführerin
selbst hält fest, dass der Verstorbene nur bis ins Jahr 2013 bei der
H._ LDT in (...)/Brasilien tätig war (vgl. den Sozialversicherungs-
auszug der zuständigen brasilianischen Behörde ["Institutio Nacional Do
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Seguro Social"] und die Lohnabrechnungen der H._ LDT für den
Zeitraum von 2007 bis 2013, BVGer-act. 1, Beilagen 4 und 5). Entschei-
dend ist vorliegend, dass der Verstorbene am 2. April 2013 seine Stelle bei
der H._ LDT, welche er seit Oktober 2007 innehatte, per 14. April
2013 gekündigt hat mit der Begründung, er wolle seinen privaten Interes-
sen besser gerecht werden ("para melhor atender aos meus interesses
particulares", BVGer-act. 1, Beilage 3). Der brasilianische Ausländeraus-
weis des Verstorbenen, welcher am 27. Oktober 2007 ausgestellt worden
war, lief per 17. Oktober 2013 aus (BVGer-act. 1, Beilage 7). In den Akten
findet sich kein Hinweis darauf und es wird von der Beschwerdeführerin
auch nicht geltend gemacht, dass der Verstorbene den Ausweis verlängert
oder zu irgendeinem späteren Zeitpunkt einen neuen Ausweis beantragt
hätte. Daraus ist zu schliessen, dass der Verstorbene, nachdem er aus
freien Stücken seine Stelle bei der H._ LDT gekündigt hatte, Brasi-
lien verliess. Wie sich aus den IK-Eintragungen ergibt, trat er direkt im April
2013 eine neue Stelle bei einem anderen Schweizer Arbeitgeber an (vgl.
act. 43, S. 2). Die Beschwerdeführerin behauptet nicht, dass der Verstor-
bene nach April 2013 nochmals in Brasilien gearbeitet hätte, womit davon
ausgegangen werden kann, dass der Arbeits- und Wohnort des Verstorbe-
nen ab April 2013 bis zu seinem Tod im Juli 2017 in der Schweiz bzw. in
Deutschland lag. Dafür spricht auch die Aussage der Beschwerdeführerin
in der Einsprache vom 25. Februar 2020, wonach der Verstorbene "vo-
rübergehend" einen Wohnsitz in der Schweiz und die letzten Monate sei-
nes Lebens in Deutschland gehabt habe (act. 64, S. 2). Die diesbezüglich
unbelegte Behauptung der Beschwerdeführerin, der Verstorbenen habe
"aufgrund struktureller Änderungen beim schweizerischen Arbeitgeber"
seinen Wohnsitz nach Europa verlegen müssen (act. 64, S. 2), erweist sich
als aktenwidrig, denn wie sich aus dem Kündigungsschreiben vom 2. April
2013 ergibt, erfolgte die Wohnsitzverlegung vielmehr aufgrund eines Stel-
lenwechsels aus freiem Willen und einzig aus Eigeninteresse des Verstor-
benen. Vor diesem Hintergrund lagen keine sachlichen beruflichen Gründe
vor, die ab April 2013 bis Juli 2017 einen gemeinsamen Wohnsitz des Ver-
storbenen mit der Beschwerdeführerin und ihren Kindern erschwert oder
verunmöglicht hätten. Andere sachliche Gründe, die einen gemeinsamen
Wohnsitz erschwert oder verunmöglicht hätten, werden von der Beschwer-
deführerin nicht geltend gemacht und sind aus den Akten auch nicht er-
sichtlich. Die Beschwerdeführerin gesteht sogar selbst ein, der "gemein-
same Haushalt" sei während "weniger Jahre weniger intensiv gelebt" wor-
den (BVGer-act. 12, S. 3 Rz. 3). Angesichts der Tatsache, dass der Ver-
storbene während über vier Jahren (von April 2013 bis Juli 2017) und damit
für eine sehr lange Zeit ohne sachliche Gründe keinen gemeinsamen
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Wohnsitz mit der Beschwerdeführerin und ihren beiden Kindern hatte,
muss das Bestehen eines gemeinsamen Haushalts im Sinne der Recht-
sprechung zwischen C._ und dem Verstorbenen vor dessen Tod
verneint werden.
6.4.2 Daran ändern auch die übrigen Vorbringen der Beschwerdeführerin
nichts. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, der Verstorbene habe
sich auch nach 2013 regelmässig und zu Ferienzwecken bei ihr und den
Kindern in Brasilien aufgehalten (BVGer-act. 1, S. 4 Rz. 4 und S. 5 Rz. 7),
ist in keiner Weise belegt. Jedoch würden selbst regelmässige Aufenthalte
des Verstorbenen in Brasilien nichts daran ändern, dass keine sachlichen
Gründe für den fehlenden gemeinsamen Wohnsitz vorliegen, weshalb sich
diesbezüglich allfällige weitere Abklärungen erübrigen. Dass der Verstor-
bene die Beschwerdeführerin und ihre Kinder finanziell unterstützt hat,
mag mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin mit der Maestro-Karte
des Verstorbenen im April bis Juli 2017 regelmässig getätigten Bargeldbe-
züge (BVGer-act 1, Beilage 7 und 8) zwar zutreffen, jedoch führt allein die
finanzielle Unterstützung, welche die neben dem gemeinsamen Haushalt
erforderliche Voraussetzung der Unentgeltlichkeit beschlägt, nicht zur An-
nahme eines Pflegekindverhältnisses (vgl. Urteil des BVGer C-5523/2009
vom 9. Mai 2012 E. 3.3.2). Die Beschwerdeführerin verweist im Weiteren
darauf, sie und ihre Kinder hätten die Absicht gehabt, ihren Wohnsitz von
Brasilien nach Deutschland zum Verstorbenen zu verlegen, was den vor-
handenen Familienzusammenhang aufzeige (BVGer-act. 12, S. 4 Rz. 4).
Tatsächlich ergibt sich aus der Anfrage des Verstorbenen bei der Auslands-
vertretung vom 1. Februar 2017 (BVGer-act. 1, Beilage 6), dass der Ver-
storbene einen Familiennachzug der Beschwerdeführerin und der beiden
Kinder nach Deutschland geplant hatte. Der Plan, in Zukunft einen gemein-
samen Wohnsitz zu haben und einen gemeinsamen Haushalt zu führen,
ändert jedoch nichts daran, dass im vorliegend massgeblichen Zeitpunkt
des Todes des Verstorbenen eben noch kein gemeinsamer Haushalt gelebt
wurde. Insofern fehlt es bis zum Tod des Verstorbenen an einer Manifesta-
tion des Willens, einen gemeinsamen Haushalt zu führen. Schliesslich ist
der gemeinsame Haushalt zwischen Stiefelternteil und Stiefkind für einen
Waisenrentenanspruch gemäss ständiger Rechtsprechung zwingend vo-
rausgesetzt, sodass entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin statt-
dessen nicht einzig die Gleichbehandlung von leiblichen und Pflege- bzw.
Stiefkindern massgebend sein kann (vgl. BVGer-act. 12, S. 3 Rz. 5).
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7.
7.1 Zusammengefasst bestand zwischen C._ und dem Verstorbe-
nen zum Zeitpunkt von dessen Tod kein gemeinsamer Haushalt und folg-
lich auch kein Pflegekindverhältnis. Dabei erübrigt es sich, die weitere Vo-
raussetzung der Unentgeltlichkeit eines Pflegekindverhältnisses zu prüfen.
Es besteht kein Anspruch auf Waisenrente für C._.
7.2 Im Ergebnis ist die Beschwerde somit als unbegründet abzuweisen und
der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 12. Mai 2020 zu bestätigen.
8.
Es bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteientschädigung
zu befinden.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist für die Parteien kostenlos (Art. 85bis
Abs. 2 AHVG), sodass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
8.2 Weder die obsiegende Vorinstanz noch die unterliegende Beschwer-
deführerin haben einen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 1
und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]
und Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
(Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.)
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