Decision ID: acc7c0e2-0580-4458-b0a6-086cedd508a8
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974 und Mutter eines 2002 geborenen
Sohnes
, meldete sich am 13. Dezember 2011 unter Hinweis auf psychische Beschwerden und ein
Geburtsgebrechen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/13).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ver
neinte nach durchgeführten Abklärungen
, namentlich einer psychiatrischen Be
gut
achtung durch
lic
. phil.
Y._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, und Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie FMH (vgl. Expertise vom 25. Juni 2012),
mit Verfügung vom 2.
Oktob
er 2012 (Urk. 10/34) einen Rentenanspruch.
1.2
Am 21. November 2016 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/40).
Die IV-Stelle tätigte medi
zinische und erwerbliche Erhebungen (Urk. 10/45-46, Urk. 10/51, Urk. 10/53/3) und stellte mit
Vorbescheid vom 15. Juni 2017 in Aussicht
, das Leistungsgesuch
abzuweisen (Urk. 10/53). Nachdem die Versicherte hiergegen am 16. August 2017
Einwände erhoben hatte (Urk. 10/57;
Einwandergänzung
vom 13. September 2017, Urk. 10/64), bestätigte die IV-Stelle mit Verfügung vom 7. November 2017, dass kein Anspruch auf IV-Leistungen bestehe (Urk. 10/68 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 6. Dezember 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 7. November 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen zuzusprechen. Eventuell sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Vorname medizinischer
Ab
klärungen (psychiatrische und neuropsychologische Untersuchung)
zurückzu
weisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2018 (Urk. 9) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 12. Februar 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte
psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der
Diag
-
nose
und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
ti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychoso
matische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tat
sächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
1.3
Wurde eine Rente,
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
,
verwei
gert, so wird nach
Art.
87 Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neu
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte
Verän
de
-
rung
des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzu
gehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren
hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
-
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kö
nnen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsanspruchsverneinende
Verfü
-
gung
(Urk. 2) damit, die Abklärungen gestützt auf die bei den behandelnden Ärzten eingeholten Berichte hätten ergeben, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Hingegen würden die vorliegenden Diagnosen keine langandauernde gesundheitliche Einschränkung begründen. Die (angestammte) Tätigkeit als Reinigungsfrau sei weiterhin zumutbar (S. 1
f.
).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (Urk. 1) geltend,
schon anlässlich der Erstanmeldung seien ihre kognitiven Beeinträch
tigungen nicht erkannt worden. Da es ihr nie gelungen sei, sich im Arbeitsmarkt zu integrieren und sie dadurch nur Tätigkeiten in kleinen Pensen bis maximal 40 % ausgeführt habe, seien ihre kognitiven Beeinträchtigungen nicht offen
kun
dig geworden. Sie sei regelmässig nicht in der Lage, den jährlichen Frage
bogen zum Sozialhilfebezug ohne fremde Hilfe auszufüllen beziehungsweise Unterlagen einzureichen. Allgemein sei sie
i
m Umgang mit Behörden überfor
dert (S. 5 f.). Ferner leide sie an einer komorbiden psychischen Störung, welche schwierig zu behandeln sei und einen invalidisierenden Charakter au
f
weise (S. 7
f.). Die Beschwerdegegnerin habe sich
nur auf die Einschätzung ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), welche nicht zu überzeugen verm
ö
g
e
, abgestellt und kein Gutachten anfertigen lassen
(S. 10 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Leistungen der Invalidenversicherung und in diesem Zusammenhang, ob die Beschwerde
gegnerin den Sachverhalt in genügender Weise abgeklärt hat.
3.
3.1
Der erstmaligen Leistungsverweigerung lagen die folgenden medizinischen Be
-
richte zugrunde:
3.2
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in ihrem Bericht vom 24. Februar 2012 (Urk. 10/15) die Diagnose einer
rezidivie
renden depressiven Störung, aktuell leichte Episode (ICD-10 F34.0)
,
und einen Verdacht auf
eine
Intelligenzminderung (ICD-10 F79) bei Trägerin einer Voll
mutation im FMR1-Gen (Ziff. 1.1).
Sie
führte aus, die Beschwerdeführerin habe unter Angstzuständen gelitten, als sie zu ihr in Behandlung gekommen sei.
Sie zeige keine Anhaltspunkte für formale und inhaltliche Denkstörungen. Ihre Intelligenz sei sehr wahrscheinlich unterdurchschnittlich (eine psychologische Testung in der Muttersprache sei nicht
möglich gewesen
). Die Prognose sei sehr von der Krankheitsentwicklung ihres (behinderten) Sohnes und ihrer Überfor
derung im Alltag und als alleinerziehende Mutter abhängig (Ziff. 1.4). Aktuell bestehe mindestens eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
. Die Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit solle abgeklärt werden
(Ziff. 1.6 f.).
3.3
Am 25. Juni 2012 erstatteten Dr.
Z._
und
Fachpsychologe
Y._
ein psy
chiatrisches Gutachten (Urk. 10/26). Die Gutachter nannten die folgenden Diag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8 oben):
-
anamnestisch Depression und Angst gemischt, gegenwärtig in Remission (ICD-10 F41.2)
-
Hinweise auf eine kognitive Störung, Ausmass nicht spezifizierbar (frag
lich ICD-10 F79)
-
Hinweise auf eine akzentuierte Persönlichkeit
Die Gutachter führten aus, aufgrund ihrer psychiatrischen und
testpsycholo
gi
-
schen
Abklärungen sei die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in
ihrer angestammten Tätigkeit als Putzfrau oder als Mitarbeiterin für einfache Hilfs
-
arbeiten zu über 80 % arbeitsfähig. Eine allfällige Verminderung der Möglich
-
keit
, eine Arbeit aufnehmen zu können, bestehe in den psychosozialen Belastungen aufgrund des kranken Sohnes. Wegen der Depression und den Ängsten habe wahrscheinlich früher eine gewisse Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die depressive Störung und die Ängste hätten sich stark vermindert. Die möglichen kognitiven Beeinträchtigungen, die aufgrund des Verhaltens der Beschwerde
-
führerin in der Testsituation nicht hätten spezifiziert werden können, würden sie wahrscheinlich nur wenig behindern. Die Beschwerdeführerin sei vor der psy
chischen Erkrankung voll arbeitsfähig gewesen, allfällige kognitive Beein
träch
tigungen hätten schon damals bestanden haben müssen und hätten offen
bar die Arbeitsfähigkeit für einfache Hilfsarbeiten nicht tangiert. Im Haushalt bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit (S. 8 Mitte).
3.4
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in medizinischer Hinsicht auf das psychia
trische Gutachten (vorstehende E. 3.3), qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu 5 % Erwerbstätige und zu 95 % im Haushalt Tätige und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 0 % (Urk. 10/34).
4.
4.1
Im vorliegenden
Revisionsverfahren sind die folgenden medizinischen Berichte aktenkundig:
4.2
Während des Zeitraumes vom
21. April bis 11. Juli 2016 suchte die Beschwer
deführerin mehrmals wegen Panikattacken ambulant die Notfallklinik des Stad
t
spitals
B._
(Urk. 10/46/6-7; Urk. 10/51/17-19) und die Klinik für Psy
chiatrie und Psychotherapie des
C._
(Urk. 10/46/8-10;
Urk. 10/46/14-19; Urk. 10/51/8-13) sowie die Notfallstation des
C._
(Urk. 10
/46/11-12) auf.
4.3
Aufgrund einer Fürsorgerischen Unterbringung (FU) wurde d
ie Beschwerde
führerin vom 14. bis 21. Juli 2017 stationär in der
D._
hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 17. August 2017 (Urk. 10/51/
23-26) diagnostizierten die Ärzte eine generalisierte
Angststörung (ICD-10 F41.1) und entliessen die Beschwerdeführerin in stabilem Zustand in die ambulante Betreuung der behandelnden Ärztin (S. 1, 3).
4.
4
Dr. med.
E._
, Facharzt für Innere Medizin,
berichtete
mit Verweis auf diverse Spitalberichte
(vgl. vorstehend E. 4.2 f.)
am 19. Dezember 2016 der Be
schwerdegegnerin (Urk.
10/46/1-5)
. Er nannte als Diagnose eine Panikstörung sowie eine vorbe
schrieben
e rezidivierende depressive Störung
bei Status nach mittelgradiger Episode
sowie einen Verdacht auf kognitive Einschränkung
(Ziff. 1.1). Eine Arbeitstätigkeit sei
nur mit reduzierter Belastbarkeit und Kon
zen
trationsfähigkeit aufgrund der Panikstörung und der Depression möglich (Ziff. 1.7).
4.5
Die behandelnde
Dr. med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, stellte in ihrem Bericht vom 3. Mai 2017 (Urk. 10/51/1-7) die folgen
den Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Panikstörung, bekannte rezidivierende Panikattacken seit 2009 (ICD-10 F41.0)
-
spezifische (isolierte) Phobien (Zugfahrten, Tunnelfahrten, Flüge, Lift)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1; Erstdiagnose 2009)
-
akzentuierte zwanghafte Persönlichkeitszüge (ICD-10
Z
7
3.1
) bei Trägerin einer Vollmutation im FMR1-Gen anhand Akten
-
Verdacht auf Intelligenzminderung (ICD-10 F79)
Sie führte aus, aktuell werde
die Beschwerdeführerin
durch das Sozialamt unterstützt und arbeite
s
tundenweise
und maximal bis zu einem Pensum von
20 %. Im April 2016 sei aufgrund einer Falschinformation betreffend ihren Sohn
eine Panikattacke erfolgt. Diese
habe
sich mit Herzklopfen, Atembe
schwerden, Zittern, Schweissausbrüchen
, Todesängsten
mehrmals wiederholt und sei
im Spital behandelt worden.
Seit Anfang Juni 2016 stehe die Beschwerdeführerin in wöchentlichen Abständen bei ihr in Behandlung.
Aktuell zeige sich die Be
schwerdeführerin bewusstseinsklar und allseits orientiert. Die kognitiv-mnesti
schen Funktionen (Konzentration, Auffassung, Merkfähigkeit und Gedächtnis) würden im Gespräch deutlich beeinträchtigt erscheinen. Die Beschwerdeführerin wirke unkonzentriert. Eindeutige Anhaltspunkte für
ein
psychotisches Erleben
habe
nicht eruiert werden können.
Die Beschwerdeführerin
habe stets eine präsente, anhaltende Angst, welche nicht auf eine bestimmte Sache beschränkt
sei, besonders aber bezogen auf ihren Sohn, dass diesem etwas zustossen könnte
(Ziff. 1.4).
Aktuell bestehe bei schlechter Prognose
seit 3. Juni 2016
sowohl als Reinigungsmitarbeiterin (Ziff. 1.6) als auch in einer Verweistätigkeit eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.7).
4.6
RAD-Arzt med.
pract
.
G._
, Facharzt für Neurologie, erachtete in seiner Stellungnahme vom 14. Juni 2017
– unter Verweis auf das Gutachten
Y._
/
Z._
(vorstehende E.
3.3) -
gestützt auf die aktenkundigen Informa
tionen eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % in der Tätigkeit als Reini
gungsfrau in Privathaushalten als erwiesen. Die neu postulierte Panikstörung sei weder in ihrer Erscheinungsform noch in ihrer Frequenz geeignet, Ein
schrän
kungen im Alltag zu bringen
,
und weise keinen invalidisierenden Cha
rak
ter aus (Urk. 10/52/3).
4.7
Mit Bericht vom 9. September 2017 (Urk. 10/61) führte Dr.
F._
bei bekannter Diagnose (vgl. vorstehend E. 4.5) aus, die Beschwerdeführerin sei hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Reinigungsfrau in ihrer
Arbeitsfähigkeit
einge
-
schränkt. Diese Einschränkung datiere seit 2009
,
als sie nach der Geburt ihres Sohnes und Misshandlung durch ihren Ex-Ehemann eine Depression und
eine
Angst entwickelt habe. Die Arbeit als Reinigungsfrau über die soziale Vermit
tlung bei Privatkunden sollte als eine angepasste Tätigkeit betrachtet werden. Die Einschränkung betrage mindestens 60
%
(Ziff. 3).
Zumutbar seien
Tätig
kei
-
ten
ohne Stress, Lärm und Druckausübung. Geschlossene Räume ohne Fenster ertrage sie nicht. Wegen eingeschränkter Durchhaltefähigkeit benötige sie ver
mehrt Pausen (Ziff. 4).
Um den Leidensdruck der Beschwerdeführerin zu verstehen, müsse diagnostisch von einer komorbiden Störung ausgegangen werden. Es handle sich – entgegen der Ansicht des RAD - nicht nur um eine Panikstörung. Die Beschwerdeführerin leide zusätzlich – und näher ausgeführt - unter einer generalisierten Angst
störung,
einer
phobischen Störung und
einer
Depression (Ziff. 5).
Diese kom
plexe Störung, welche
schwierig zu behandeln sei und einen invalidisierenden Charakter aufweise, zeige einen chronischen Verlauf. Um den psychischen Zu
stand einigermassen stabil zu erhalten, benötige die Beschwerdeführerin konti
nu
ierlich eine psychotherapeutische Begleitung. Anhaltspunkte für eine Ver
deutlichung, Symptomausweitung oder Aggravation sei
en
nicht beobachtet worden (Ziff. 8).
4.8
RAD-Arzt med.
pract
.
G._
(vgl. vorstehend E. 4.6)
führte in seiner Stellungnahme vom 16. Oktober 2017 aus, anhand der neuen Berichte
seien
wieder
-
holte, aber sehr kurze Vorstellungen auf dem Notfall aufgrund von Palpita
tio
nen/Angstattacken erkennbar
,
aber
es liege
keine tiefgreifende psychische Störung
vor
, die eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit rechtfertige.
Darüber hinaus
sei keine leitliniengerechte medikamentöse Behandlung der Angstat
tacken respektive Anpassung der Therapie erkennbar. Die Angstattacken seien daher als
relativ seltene Ereignisse vor dem Hintergrund einer suboptimalen Therapie zu werten, wobei die Prognose als günstig anzusehen sei, sodass sich kein Gesundheitsschaden ergebe (Urk. 10/66/2).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte das Vorliegen eines invalidisierenden Gesund
heitsschadens unter Hinweis darauf, dass die Therapieoptionen noch nicht aus
geschöpft seien. Gestützt auf die Einschätzung des RAD-Arztes med.
pract
.
G._
(vgl. vorstehend E.
4.6, E. 4.8
) ging die Beschwerdegegnerin von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in angepasster Tätigkeit aus.
5.2
Dieser Einschätzung der Beschwerdegegnerin kann nicht gefolgt werden. So genügen in Anbetracht des von der behandelnden Psychiaterin
Dr.
F._
detail
liert dargelegten Krankheitsbildes
(vgl. vorstehend E. 4.
5 und E. 4.7
)
die sehr
kurz gehaltene
n
Aktenbeurteilung
en
des RAD-Arztes med.
pract
.
G._
(vgl. vorstehend E. 4.6 und E. 4.8)
nicht
, der medizinischen Situation der Beschwer
deführerin gerecht zu werden.
Im Rahmen
der Neuanmeldung
(vgl. vorstehend E. 1.3)
, auf welche die Be
schwerde
gegnerin eingetreten ist
, wurde
n
von den behandelnden Ärzten
wiede
rum eine depressive Störung sowie
neu
eine Panik
- beziehungsweise Angst
störung als Diagnosen genannt
(vorstehende E. 4.3 und E. 4.5)
. Ohne nähere Begründung gelangte RAD-Arzt med.
pract
.
G._
jedoch
zum Ergebnis, dass die neu postulierte Panikstörung
in Bezug auf einen invalidisierenden Charakter
weder in ihrer Erscheinungsform noch in ihrer Frequenz nachvollziehbar sei (vgl. vorstehend E. 4.6)
. In Anbetracht dieser neuen Diagnosen kann nicht aus
geschlossen werden, dass sich das psychiatrische Beschwerdebild verschlechtert haben könnte. Die behandelnde Dr.
F._
wies in diesem Zusammenhang auf ein Vorkommnis mit dem Sohn im April 2016 hin (vorstehende E. 4.5; vgl. dazu auch Urk. 10/51/24), welches eine umgehende und in der Folge weitere Not
fallbehandlungen im Spital nach sich zog (vorstehende E. 4.2). Dies wie auch den Umstand, dass die Beschwerdeführerin seither in wöchentlicher psycho
therapeutischer Behandlung steht, liess RAD
Arzt med.
pract
.
G._
unbe
rücksichtigt. Seine Einschätzung, die Arbeitsfähigkeit sei gestützt auf das im Jahr 2012 eingeholte Gutachten zu beurteilen, erweist sich daher nicht als nachvollziehbar. Zudem schloss er im Widerspruch zur behandelnden Dr.
F._
in Bezug auf die Panik- und Angststörung eine tiefgreifende psychische Störung aus, obwohl er die Beschwerdeführerin selbst nicht untersucht hat und als Neurologe auch nicht in der
Lage ist, das psychische Leiden fachgerecht zu beurteilen. Dem RAD-Arzt kann daher nicht gefolgt werden, weshalb eine psychiatrische Begutachtung angezeigt erscheint.
Sollte sich im Rahmen der ergänzenden psychiatrischen Erhebung in psychia
trischer Hinsicht eine Verschlechterung ergeben, wäre der Leistungsanspruch umfassend neu abzuklären. Unter diesen Umständen
kann wohl auf eine neu
rologische Begutachtung nicht verzichtet werden, um die auf einem Gendefekt gründende Verdachtsdiagnose einer Intelligenzminderung in die Beurteilung miteinzubeziehen. D
ie anfangs
erwähnten
kognitiven Einschränkungen
der Beschwerdeführerin
wurden
fachärztlich noch
nicht abgeklärt, da
sich
die Beschwerdegegnerin auf das frühere
psychiatrische
Gutachten aus dem Jahr 2012 stützte, in welchem
die
Gutachter die möglichen kognitiven Beeinträch
tigungen als nicht spezifizierbar ausgewiesen
h
atten
(vgl. vorstehend E. 3.3-4
)
, obwohl im Neuanmeldungsverfahren
erneut
ein entsprechender Verdacht geäusse
rt wurde (vgl. vorstehend E. 4.
5
).
Im Übrigen hat das Bundesgericht am 30. November 2017 seine Praxis zur Beurteilung des Anspruchs auf eine Invalidenrente bei psychischen Leid
en geän
dert (vgl. vorstehend E.
1.2). Die für somatoforme Schmerzstörungen ent
wickelte Rechtsprechung, wonach in einem strukturierten Beweisverfahren anha
nd von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der betroffenen Person zu ermitteln ist, findet künftig auf sämtliche psychischen Erkrankungen Anwendung. Für leichte bis mittelschwere Depressionen im Spe
ziellen bedeutet dies,
dass es Aufgabe der medizinischen Sachverständigen ist, nachvollziehbar aufzuzeigen, weshalb trotz lediglich mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung eine Leistungseinschränkung resultiert. Auf der anderen Seite kann nicht ohne strukturiertes Beweisverfahren
geschlossen werden, dass eine mittelschwere Störung aus dem depressiven Form
kreis in der Regel therapierbar sei und zu keiner Einschränkung der Arbeitsf
ähigkeit führe
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_841/2016 und 8C_130/2017 vom 30. November 2017 sowie Medienmitteilung des Bundesge
richts vom 14. Dezember 2017).
5.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
-
geh
ren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bun
des
gerichts U 209/02
vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.4
Damit
liegt
lediglich eine ausführliche Beurteilung der behande
lnden Ärztin Dr.
F._
vor
, deren Ausführungen aber, da ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung zumindest als hausarztähnlich bezeichnet werden muss, mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen sin
d (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
D
ie Einschätzung des RAD-Arztes med.
pract
.
G._
erweist
sich auch vor dem Hintergrund der geänderten Rechtsprechung in Bezug auf die ausschlaggeben
den Standardindikatoren (vgl. vorstehend E. 1.2) als ungenügend
,
weshalb
es
an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
der
Beschwerdeführer
in
in psychiatrischer Hinsicht
fehlt
. Zur Beurteilung
ihrer
invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche bedarf es
daher zusätzlicher medi
zinischer Grundlagen im Sinne eines psychiatrischen Gutachtens
, gegebenen
falls unter
Beizug
eines neurologischen Sachverständigen
, welches sich zu den offenen Fragen unter Berücksichtigung der Anforderungen
gemäss
den bundes
gerichtlichen Urteilen vom 30. November 2017 (8C_841/2016, 8C_130/2017)
äussert
.
Die angefochtene Verfügung vom
7. November 201
7 (Urk. 2) ist folglich aufzu
heben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwä
gungen und zu erneutem Entscheid über den
Leistungsanspruch der Beschwer
de
führerin
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollstän
diges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim
massgebenden
Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘3
00.-- (inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
6.3
Entsprechend erweist sich das Gesuch
der Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgel
tlichen Rechtspflege (Urk. 1 S.
2) als gegenstandslos.