Decision ID: 60aa5782-bc2b-42f7-b404-85a4a28a09d8
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X ist alleinstehend und lebt in A. In den Steuererklärungen für die Jahre 2001 bis
2008 deklarierte er Einkünfte aus seiner unselbständigen Erwerbstätigkeit als Lehrer.
Die Veranlagungen erwuchsen jeweils unangefochten in Rechtskraft.
B.- Am 5. August 2010 und 14. November 2011 ersuchte das Steueramt A die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen um Auszüge aus dem individuellen
Konto von X für die Jahre 2001 bis 2008. Aus den Auszügen ging hervor, dass der
Steuerpflichtige in jenen Jahren nicht sämtliche Einkünfte aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit deklariert hatte. Das kantonale Steueramt, Abteilung Nachsteuern,
eröffnete am 6. Dezember 2011 gegenüber X ein Nachsteuerverfahren für nicht
versteuertes Einkommen. Gleichzeitig wurde auf die Möglichkeit der späteren
Einleitung eines Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung hingewiesen. Im
Nachsteuerverfahren wurden nicht versteuerte Einkünfte von insgesamt Fr. 67'800.--
(in den Jahren 2001 bis 2008) ermittelt. Am 13. Januar 2012 wurde gegenüber X die
Nachsteuer für die Staats- und Gemeindesteuern 2001 bis 2008 im Betrag von Fr.
15'667.10 (inkl. Zinsen) verfügt. Die Veranlagung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
C.- Mit Schreiben vom 2. Mai 2012 leitete das kantonale Steueramt, Rechtsabteilung/
Strafen, aufgrund der nicht deklarierten Einkünfte in den Steuererklärungen der Jahre
2001 bis 2008 gegen X ein Untersuchungsverfahren wegen Steuerhinterziehung ein. Es
wurde eine Erledigung mittels Strafbefehls und eine Busse in der Höhe der einfachen
Nachsteuer in Aussicht gestellt. X liess sich dazu am 16. Mai 2012 (Datum
Poststempel) vernehmen. Mit Schreiben vom 29. Mai 2012 schloss das kantonale
Steueramt das Untersuchungsverfahren ab und gab dem Steuerpflichtigen nochmals
die Möglichkeit zur Stellungnahme. Mit Strafbefehl vom 2. Juli 2012 wurde X wegen
vorsätzlicher Steuerhinterziehung (Staats- und Gemeindesteuern 2001 bis 2008) mit
Fr. 14'700.-- gebüsst; zudem wurden ihm die Verfahrenskosten von Fr. 400.--
auferlegt. Mit Schreiben vom 23. Juli 2012 erhob der Betroffene gegen den Strafbefehl
Einsprache.
D.- Am 3. August 2012 überwies das kantonale Steueramt die Strafsache der
Verwaltungsrekurskommission zur Beurteilung. Am 7. August 2012 gab der
Abteilungspräsident dem Angeklagten Gelegenheit, bis 20. August 2012 Einsicht in die
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Akten zu nehmen und Anträge zur Ergänzung der Untersuchung zu stellen. Der
Angeklagte machte davon keinen Gebrauch.
E.- Am 21. Dezember 2012 wurden die Parteien zur öffentlichen Verhandlung
vorgeladen. Diese fand am 21. Februar 2013 statt (vgl. Verhandlungsprotokoll, act. 12).
Auf die schriftlichen und mündlichen Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
F.- Das Urteil wurde am 21. Februar 2013 mit Kurzbegründung mündlich und
gleichentags schriftlich ohne Begründung eröffnet. Die Anklagebehörde verlangte am
4. März 2013 innert der gesetzlichen Frist von zehn Tagen die ausführliche
Begründung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Zu beurteilen ist
der Strafbefehl des kantonalen Steueramtes vom 2. Juli 2012 wegen
Steuerhinterziehung (Staats- und Gemeindesteuern 2001 bis 2008). Die
Verwaltungsrekurskommission ist zur gerichtlichen Beurteilung zuständig. Der
Angeklagte ist zur Erhebung der Einsprache befugt. Mit der Eingabe vom 23. Juli 2012
ist die Einsprache schriftlich und rechtzeitig erhoben worden. Die Strafsache wurde
dem Gericht am 3. August 2012 zusammen mit den Akten überwiesen. Der Strafbefehl
gilt als Anklage (Art. 264 Abs. 1 und 2 und Art. 265 des Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG; Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Nach Art. 262 Abs. 1 StG bezeichnet der Strafbefehl den Angeschuldigten, die dem
Angeschuldigten zur Last gelegte Handlung, die angewendeten
Gesetzesbestimmungen, die Beweismittel, die Strafe und weist auf die Möglichkeit der
Einsprache sowie die Folgen der Unterlassung hin. Er ist nach Art. 262 Abs. 2 StG
"kurz" zu begründen. Inhaltlich enthält ein Strafbefehl zunächst die gleichen Angaben,
wie eine Anklageschrift, so die Bezeichnung der verfügenden Behörde und der
beschuldigten Person sowie Ort und Datum der Ausstellung. Zu ergänzen ist er mit
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einer möglichst kurzen und genauen Bezeichnung der der beschuldigten Person
vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der
Tatausführung und die dadurch erfüllten Straftatbestände. Hinzu kommen weitere
Angaben, wie sie von einem Urteil verlangt werden, weil beim Verzicht auf eine
Einsprache der Strafbefehl zum Urteil wird, wie namentlich die Festlegung der
Sanktionen, der Kosten- und Entschädigungsfolgen, sowie eine
Rechtsbehelfsbelehrung mit dem Hinweis auf die Folgen der Nichtgeltendmachung
dieses Rechtsbehelfs (vgl. F. Riklin, in: Basler Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, Basel 2011, N 4 zu Art. 353 der Schweizerischen
Strafprozessordnung, SR 312, abgekürzt: StPO).
Der Strafbefehl vom 2. Juli 2012 bezeichnet den Angeklagten sowie dessen Wohnort,
die ihm zur Last gelegte Handlung der Steuerhinterziehung und die massgeblichen
Gesetzesbestimmungen. Er enthält einen Hinweis auf die Möglichkeit der Einsprache
und die Folgen ihrer Nichtergreifung. Die formellen Voraussetzungen von Art. 262
Abs. 1 StG sind somit erfüllt. Zur Begründung wird ausgeführt, der Angeklagte habe
Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit in den Jahren 2001 bis 2008 gemäss
den Feststellungen im Nachsteuerverfahren nicht deklariert und damit den Tatbestand
der vollendeten Steuerhinterziehung im Sinn von Art. 248 Abs. 1 StG erfüllt. Die Busse
wurde gestützt auf Art. 249 StG in Würdigung sämtlicher Umstände und unter
Berücksichtigung der Strafzumessungsregeln auf das Einfache der hinterzogenen
Steuer festgesetzt. Diese Begründungsdichte erlaubte es dem Angeklagten ohne
Weiteres, sich aufgrund des Strafbefehls über den ihm zur Last gelegten Sachverhalt
Rechenschaft zu geben (vgl. dazu SGE 2006 Nr. 3, E. 3b/ff).
3.- Zu prüfen ist, ob der Angeklagte bei den Deklarationen für die Steuerjahre 2001 bis
2008 eine vollendete Steuerhinterziehung im Sinn von Art. 248 Abs. 1 StG begangen
hat.
a) aa) Der Eintritt der Verfolgungsverjährung hindert die Strafverfolgung. Sie stellt ein
Prozesshindernis dar und ist in jedem Verfahrensstadium von Amtes wegen zu
berücksichtigen. Bei vollendeter Steuerhinterziehung verjährt die Strafverfolgung zehn
Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, für die der Steuerpflichtige nicht oder
unvollständig veranlagt wurde (Art. 263 Abs. 1 lit. b StG). Die Verjährung wird durch
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jede Strafverfolgungshandlung gegenüber dem Steuerpflichtigen oder gegenüber einer
der in Art. 250 StG genannten Personen unterbrochen und beginnt neu zu laufen; sie
kann aber insgesamt nicht um mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Dauer verlängert
werden (Art. 263 Abs. 2 StG).
Am 1. Oktober 2002 ist das neue Verjährungsrecht gemäss Art. 70 ff. des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt: StGB) in Kraft getreten. Im
Nebenstrafrecht, zu dem auch das Steuerstrafrecht und damit das Bundesgesetz über
die direkte Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt: DBG) sowie das Bundesgesetz über
die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14,
abgekürzt: StHG) zählen, wurden noch keine Anpassungen vorgenommen. Der
Gesetzgeber hat daher für den Bereich des Nebenstrafrechts mit Art. 333 StGB eine
Norm geschaffen, welche die Anwendung des Allgemeinen Teils auf andere
Bundesgesetze wie das DBG oder StHG regelt. Art. 333 Abs. 6 lit. b StGB sieht vor,
dass die Verfolgungsverjährungsfristen für Übertretungen, die über ein Jahr dauern, um
die ordentliche Dauer verlängert werden. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die
Verjährungsbestimmungen von Art. 333 Abs. 6 StGB seit dem 1. Oktober 2002 auch für
das kantonale Recht gelten (vgl. StB 263 Nr. 1). Wie es sich damit verhält, kann offen
bleiben.
Das neue Verjährungsrecht gelangt, unter Vorbehalt bestimmter Ausnahmen,
grundsätzlich nur zur Anwendung, wenn die Straftat nach seinem Inkrafttreten verübt
wurde. Ist die Tat vor Inkrafttreten des neuen Verjährungsrechts begangen worden, so
bestimmt sich die Verfolgungsverjährung nach dem alten Recht, es sei denn, das neue
Recht sei für den Beschuldigten das mildere. Der Grundsatz des milderen Rechts (Art.
2 Abs. 2 StGB) gilt auch in Bezug auf die Verjährung (vgl. Art. 389 Abs. 1 StGB; BGE
129 IV 49 E. 5.1, 114 IV 1 E. 2a, 105 IV 7 E. 1a; VPB 2006 Nr. 60).
bb) Der Angeklagte unterzeichnete die Steuererklärung 2001b am 28. Februar 2002.
Am 14. März 2002 ging sie beim Steueramt A ein (act. 4/2). Die strafbare Handlung der
Nichtdeklaration eines Teils der Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit wurde
damit vor Inkrafttreten des neuen Verjährungsrechts des StGB am 1. Oktober 2002
begangen, weshalb die Verjährungsbestimmungen des StG anzuwenden sind. Das
Strafverfahren für die Jahre 2001 bis 2008 gegen den Angeklagten wurde mit Einleitung
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des Untersuchungsverfahrens am 2. Mai 2012 (act. 4/11) eröffnet. Die Steuerperiode
2001 endete am 31. Dezember 2001. Aus den Akten geht nicht hervor, dass es vor
Ablauf der Verjährungsfrist von zehn Jahren eine verjährungsunterbrechende
Strafverfolgungshandlung gab; folglich trat die Verjährung der Strafverfolgung für die
Steuerperiode 2001 am 31. Dezember 2011 ein (vgl. Art. 263 Abs. 1 lit. b StG). Bei
diesem Ergebnis erübrigt sich eine Überprüfung, ob sich das neue Recht als milder
erweist und trotzdem zur Anwendung gelangt. Das Strafverfahren wegen vollendeter
Steuerhinterziehung ist daher – soweit die Staats- und Gemeindesteuern 2001
betroffen sind – einzustellen. Für die folgenden Steuerperioden wurde die Verjährung
mit den Strafverfolgungshandlungen im Jahr 2012 unterbrochen.
b) aa) Nach Art. 248 Abs. 1 StG wird mit Busse bestraft, wer als Steuerpflichtiger
vorsätzlich oder fahrlässig bewirkt, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterbleibt oder
dass eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist. Dazu zählt insbesondere die
Nichtdeklaration von steuerbaren Leistungen, aber auch das Verschweigen anderer
steuererheblicher Tatsachen (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st.
gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 425 f.). Letztlich kommt als strafbares Verhalten
jedes Tun oder Unterlassen in Frage, das als Verletzung von Verfahrenspflichten zu
würdigen ist (R. Sieber, in: Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen
Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl. 2008, N 7 zu Art. 175 DBG). Der Steuerpflichtige hat die
Steuererklärung wahrheitsgetreu und vollständig auszufüllen. Insbesondere hat er alle
Tatsachen aufzuführen, die für eine gesetzmässige Veranlagung erforderlich sind. Dies
gilt auch für Tatsachen, über deren steuerrechtliche Relevanz er im Zweifel ist. Die den
Steuerpflichtigen treffenden Verhaltenspflichten beschlagen ausschliesslich die
Sachverhaltsdarstellung. Eine unzutreffende rechtliche Würdigung des
Steuerpflichtigen bewirkt daher keine Verletzung von Verfahrenspflichten, sofern dies
nicht dazu führt, dass der Steuerpflichtige den Sachverhalt unvollständig deklariert
(D. Egloff, in: Klöti-Weber/Siegrist/Weber [Hrsg.], Kommentar zum Aargauer
Steuergesetz, 3. Aufl. 2009, N 16 f. zu § 236).
Weiteres notwendiges Tatbestandsmerkmal der vollendeten Steuerhinterziehung im
engeren Sinn ist sodann der Erfolg; die unvollständige Veranlagung muss in
Rechtskraft erwachsen sein, bzw. eine Veranlagung, die hätte vorgenommen werden
müssen, muss unterblieben sein (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 425 f.). Der
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Steuerausfall muss kausale Folge des Verhaltens des Steuerpflichtigen sein. Ist der
Steuervorteil hingegen nicht auf eine durch den Steuerpflichtigen begangene
Verfahrenspflichtverletzung zurückzuführen, sondern bei behördlicher Kenntnis der
rechtserheblichen Tatsachen aufgrund unzutreffender rechtlicher Würdigung oder
Bewertung entstanden, ist der Tatbestand nicht erfüllt. Hat der Steuerpflichtige die ihm
für das Veranlagungsverfahren auferlegten Deklarations-, Auskunfts- und
Beweispflichten missachtet, so wird der Kausalzusammenhang zur steuerverkürzenden
Veranlagung nicht etwa schon dadurch unterbrochen, dass die Veranlagungsbehörde
einen als rechtserheblich erkennbaren, aber noch unklaren oder unvollständigen
Sachverhalt nicht weiter abgeklärt hat; daran ändert nichts, dass sie die ungenügende
Deklaration durch zusätzliche Abklärungen hätte erkennen können (ASA 66, 377). Die
Veranlagungsbehörde darf darauf vertrauen, dass der Steuerpflichtige zutreffend
deklariert und wahrheitsgemäss Auskünfte erteilt, es sei denn, die Unklarheit oder die
Unvollständigkeit seien augenfällig (Sieber, a.a.O., N 6a f. zu Art. 56 StHG; in diesem
Sinn auch Egloff, a.a.O., N 36 zu § 236).
Beim Verhältnis zwischen Nachsteuer- und Steuerhinterziehungsverfahren gilt, dass
sich die Busse nicht mehr wie früher an der Nachsteuer bemisst, sondern an der
hinterzogenen Steuer. Die Verwaltungsrekurskommission ist überdies nicht an die
Veranlagung einer Nachsteuer gebunden (Art. 267 Abs. 4 StG). Die strafende Instanz
hat das Tatbestandselement "hinterzogene Steuer" selbst zu ermitteln. Das für die
Nachsteuer zwingende Vorliegen einer neuen Tatsache oder eines neuen Beweismittels
ist damit nicht mehr Tatbestandselement der Steuerhinterziehung. Hat die
Steuerbehörde ihre Untersuchungspflicht verletzt, so dass unter Umständen die
Voraussetzungen für eine Nachsteuererhebung nicht gegeben sind, hat dies keinen
Einfluss auf die Würdigung des Verhaltens des Steuerpflichtigen. Mit anderen Worten
vermag das Verhalten der Steuerbehörde – wie bereits erwähnt – den
Kausalzusammenhang zwischen dem pflichtwidrigen Verhalten des Steuerpflichtigen
und der Steuerverkürzung grundsätzlich nicht zu unterbrechen, zumal die
Steuerbehörde auf den vom Steuerpflichtigen dargestellten Sachverhalt abstellen darf
und der Steuerpflichtige hiermit rechnen muss (vgl. Egloff, a.a.O., N 29 ff. zu § 236).
bb) Die Anklagebehörde geht davon aus, dass der Angeklagte in den Jahren 2002 bis
2008 diverse Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit nicht deklariert habe.
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Nach dem Prinzip der Gesamtreineinkommenssteuer werden alle Vermögenswerte, die
dem Steuerpflichtigen während eines bestimmten Zeitabschnitts zufliessen, gesamthaft
als Einkommen besteuert. So unterliegen neben regelmässig wiederkehrenden
Einkünften auch einmalige Zugänge, neben Bareinkünften auch Naturaleinkünfte der
Einkommensbesteuerung. Nach der gesetzlichen Umschreibung gilt grundsätzlich
jeder Wertzufluss unabhängig von Art und Quelle als steuerbares Einkommen, sofern
das Steuergesetz nicht selber eine Ausnahme von der Steuerpflicht vorsieht. Die
Ausnahmen werden in Art. 37 StG abschliessend aufgezählt. Nach Art. 30 StG sind alle
Einkünfte aus privatrechtlichem oder öffentlich-rechtlichem Arbeitsverhältnis mit
Einschluss der Nebeneinkünfte wie Entschädigungen für Sonderleistungen,
Provisionen, Zulagen, Dienstalters- und Jubiläumsgeschenke, Gratifikationen,
Trinkgelder, Tantiemen und andere geldwerte Vorteile steuerbar.
cc) Die Abklärungen der Anklagebehörde haben ergeben, dass der Angeklagte in den
Jahren 2002 bis 2008 Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit erzielt hat, die er
gegenüber den Steuerbehörden nicht deklarierte. Den Auszügen der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen aus dem individuellen Konto des
Angeklagten ist die Höhe (Bruttolohn) der von ihm erzielten nicht deklarierten Einkünfte
aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zu entnehmen. Die AHV/ALV/EO/NBU-Abzüge
betragen rund 8%.
Arbeitgeber 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
31'2116'894
213
3'197 6'071418
4'9758'14425'803
4'499 13'850
Total brutto 31'42410'0916'0715'3938'14430'30213'850
Abzug AHV/ALV/EO/NBU 8,0% bzw.
gemäss Lohnausweis 2'514 807 485 431 651 2'423 838
Total nicht deklarierte Netto-Einkünfte 28'9109'284 5'5864'9627'49327'87913'012
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abzüglich zusätzliche Fahrkosten
öffentlicher Verkehr 0 100 200 200 0 0 200
Im Nachsteuerverfahren erfasste
Einkünfte 196 2'842 5'3864'7627'49327'87912'812
In den Jahren 2002 und 2003 wurden im Nachsteuerverfahren nur die Einkünfte von C
und D erfasst. Die Differenz der gemeldeten Löhne von B (2002 Fr. 97'644.--; 2003 Fr.
87'341.--) zu den deklarierten Löhnen gemäss Lohnausweisen (2002 Fr. 66'433.--;
2003 Fr. 80'447.--) wurde nicht nachbesteuert. Nachdem sich der Strafbefehl auf das
nicht deklarierte Einkommen gemäss den Feststellungen im Nachsteuerverfahren
bezieht, bilden die steuerlich nicht erfassten Einkünfte von B in den Jahren 2002 und
2003 mangels Anklage nicht Gegenstand der gerichtlichen Beurteilung.
In objektiver Hinsicht ist der Tatbestand der vollendeten Steuerhinterziehung mit der
Nichtdeklaration von Einkünften aus unselbständiger Erwerbstätigkeit in der im
Nachsteuerverfahren festgestellten Höhe in den Jahren 2002 bis 2008 erfüllt.
c) aa) In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand von Art. 248 Abs. 1 StG Vorsatz
oder Fahrlässigkeit. Ob ein Verschulden vorliegt, beurteilt sich nach allgemeinen
strafrechtlichen Grundsätzen. Die Begriffe des Vorsatzes und der Fahrlässigkeit richten
sich nach Art. 12 Abs. 2 und 3 des Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt: StGB). Der
Nachweis der subjektiven Tatbestandselemente obliegt der Behörde (vgl. zum
gleichlautenden Recht der direkten Bundessteuer Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 34 f. zu Art. 175 DBG). Vorsätzlich handelt
gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt.
Eventualvorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und
in Kauf nimmt. Steht mit hinreichender Sicherheit fest, dass sich der Steuerpflichtige
der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gegenüber der Steuerbehörde gemachten
Angaben bewusst war, kann der Wille zur Steuerhinterziehung vorausgesetzt werden
(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 49 zu Art. 175 DBG). Fahrlässig handelt
gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger
Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die
Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den
Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist. Fahrlässigkeit
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liegt in der Regel auch dann vor, wenn die steuerpflichtige Person von der Unrichtigkeit
oder Unvollständigkeit ihrer Angaben keine Kenntnis hatte. Die Unkenntnis kann sich
dabei nicht nur auf Tatsachen (Sachverhaltsirrtum), sondern auch auf die gesetzlichen
Vorschriften beziehen (Rechtsirrtum). Ob ein solcher Irrtum angenommen werden kann,
beurteilt sich nach den Verhältnissen des Einzelfalles. Handelt es sich um einen
unvermeidbaren Irrtum, führt dies zu einem Freispruch. War der Irrtum hingegen
vermeidbar, ist die Strafe zu mildern. Die Informationen, welche aus dem
Steuererklärungsformular und der Wegleitung zur Steuererklärung ersichtlich sind,
werden als bekannt vorausgesetzt (Th. Hofer, Strafzumessung bei der Hinterziehung
direkter Steuern, Zürich/St. Gallen 2007, S. 193 f.; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
a.a.O., N 56 zu Art. 175 DBG).
bb) Im Strafbescheid fehlen nähere Angaben zum subjektiven Tatbestand. Die
Anklagebehörde ging von einer vorsätzlichen Tatbegehung aus. Der Angeklagte macht
geltend, an die ersten Jahre, in denen er Einkünfte nicht deklariert habe, könne er sich
nicht erinnern. Später habe er bewusst nicht alles angegeben. Er habe gedacht, er
werde nicht erwischt.
Die Steuererklärungen für die Jahre 2002 bis 2008 wurden jeweils vom Angeklagten
selbst ausgefüllt und mit Ausnahme des Jahres 2002 fristgerecht eingereicht. Die unter
E. 3.b.cc aufgelisteten Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit deklarierte er
dabei nicht. Da der Angeklagte für diese Einkünfte von den Arbeitgebern Lohnausweise
erhielt, einen Teil der Einkünfte stets versteuerte und folglich um die Steuerbarkeit
sämtlicher Einkünfte wusste, handelte er vorsätzlich.
cc) Damit hat sich der Angeklagte bei den Veranlagungen für die Staats- und
Gemeindesteuern 2002 bis 2008 der vorsätzlichen Steuerhinterziehung im Sinn von
Art. 248 Abs. 1 StG schuldig gemacht.
4.- Nach Art. 248 Abs. 3 StG beträgt die Busse in Regel das Einfache der
hinterzogenen Steuer. Sie kann bei leichtem Verschulden bis auf einen Drittel
ermässigt, bei schwerem Verschulden bis auf das Dreifache erhöht werden. Bei
Selbstanzeige wird die Busse auf einen Fünftel der hinterzogenen Steuer ermässigt
(Art. 248 Abs. 4 StG).
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a) Die Strafzumessung richtet sich – unter Vorbehalt abweichender Normen im
Steuergesetz – nach den allgemeinen strafrechtlichen Grundsätzen (Egloff, a.a.O., N 38
zu § 236; Hofer, a.a.O., S. 18 f.). Nach Art. 106 Abs. 3 StGB bemisst das Gericht die
Busse je nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die
seinem Verschulden angemessen ist. Die Regelstrafmasse sind nicht schematisch
anzuwenden. Vielmehr sind sie als blosser Ausgangspunkt für die Strafzumessung
nach dem Verschuldensprinzip zu betrachten (BGE 134 III 59 E. 2.3.1). Die Schwere
des Verschuldens bildet den Strafzumessungsgrund mit dem grössten Gewicht. Die Art
und der Grad des Verschuldens sind zu berücksichtigen. Daneben spielen die
wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse wie auch dessen Beweggründe eine
Rolle (Hofer, a.a.O., S. 83; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 99 ff. zu Art. 175
DBG). Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Solange jedoch
das Bussenverfahren mit der hinterzogenen Steuer verknüpft bleibt, wird die
Straferhöhung mit der höheren Gesamtbusse über alle Steuerperioden kompensiert.
Eine mehrfache Steuerhinterziehung über mehrere Steuerperioden wirkt sich somit
höchstens marginal straferhöhend aus; marginal immerhin deshalb, weil einerseits die
mehrfache Tatbegehung für eine höhere kriminelle Energie spricht und andrerseits die
Verteilung von hinterzogenen Steuerfaktoren auf mehrere Jahre unter Umständen einen
Progressionsvorteil haben kann (Hofer, a.a.O., S. 124 f.; SGE 2010 Nr. 33).
b) Die Vorinstanz machte keine näheren Ausführungen zur Strafzumessung. Mit einer
Busse von Fr. 14'700.-- ging sie von der einfachen hinterzogenen Steuer aus. Der
Angeklagte macht sinngemäss geltend, es lägen mildernde Umstände vor. Aufgrund
der schwierigen familiären Situation habe er für sein Studium Ausbildungskredite und -
darlehen in der Höhe von Fr. 76'000.-- aufnehmen müssen. Bis auf einen Rest von
Fr. 6'000.-- habe er diese zurückbezahlt. Dafür habe er enorme Anstrengungen
unternehmen müssen. Wegen der hohen Schuldrückzahlungsverpflichtungen habe er
nicht sämtliche Einkünfte deklariert. Aus diesen Gründen empfinde er die Bussenhöhe
als willkürlich und zu hoch. Er müsste sich deswegen erneut überdurchschnittlich
verschulden.
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c) Ausgangspunkt bei der Strafzumessung für die Steuerhinterziehung ist der einfache
Betrag der hinterzogenen Steuer. Als grobe Regel gilt, dass das Regelmass der
einfachen hinterzogenen Steuer greift, wenn Vorsatz vorliegt und es gleichzeitig an
Strafminderungs- und Straferhöhungsregeln fehlt (Hofer, a.a.O., S. 45, mit Hinweisen;
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 91 zur Art. 175 DBG, mit Hinweisen). Die
hinterzogene Steuer für die nicht deklarierten Einkünfte berechnet sich
folgendermassen (ohne Zinsen, Tarif für Alleinstehende):
Jahr hinterzogene
Einkünfte netto
Einkommen
alt
Einkommen
neu Steuerfuss
hinterzogene
Steuer
2002 196 44'673 44'869 269% 43.00
2003 2'842 60'077 62'919 270% 704.70
2004 5'386 60'937 66'323 268% 1'302.50
2005 4'762 35'589 40'351 268% 1'029.10
2006 7'493 47'073 54'566 266% 1'697.10
2007 27'879 26'670 54'549 268% 5'866.55
2008 12'812 35'865 48'677 253% 2'590.75
Total
hinterzogene
Steuer
13'2333.70
d) Beim Verschulden ist von Vorsatzauszugehen. Die mehrfache Tatbegehung ist nur
marginal straferhöhend zu berücksichtigen. Der Angeklagte ist alleinstehend. Sein
aktuelles Einkommen beträgt rund Fr. 3'000.-- pro Monat. Wenn der Pflichtige aus
einer unverschuldeten wirtschaftlichen Notlage heraus gehandelt hat, kann sich dies
strafmindernd auswirken (Hofer, a.a.O., S. 84). Aufgrund der Schilderungen des
Angeklagten ist davon auszugehen, dass sich dieser in den fraglichen Jahren mit der
Rückzahlung der Ausbildungskredite tatsächlich in schwierigen finanziellen
Verhältnissen befand. Betrachtet man hingegen die in den Jahren 2002 bis 2008
erzielten Brutto-Einkünfte, so können diese für eine alleinstehende Person mit
durchschnittlich Fr. 77'500.-- pro Jahr nicht als gering bezeichnet werden (vgl.
act. 4/10). Daraus ist zu schliessen, dass der Angeklagte in der fraglichen Zeit seine
Lebensführung nicht entsprechend einschränkte. Schon seit 2002 lebt er zum Beispiel
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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allein in einer teuren Wohnung mit einem monatlichen Mietzins von Fr. 1'600.--. Zudem
wandte er sich in den massgebenden Jahren 2002 bis 2008 nicht mit einem
Stundungs- oder Erlassgesuch an die Steuerbehörden, was das korrekte Vorgehen
gewesen wäre. Eine Strafminderung ist daher nicht angezeigt.
In Anbetracht der mehrfachen vorsätzlichen Tatbegehung, der Beweggründe, der
persönlichen Umstände und der wirtschaftlichen Verhältnisse erscheint eine Busse in
der Höhe der hinterzogenen Steuer und damit von Fr. 13'200.-- als angemessen.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des
Untersuchungsverfahrens von Fr. 400.-- und des Gerichtsverfahrens dem Angeklagten
zu neun Zehnteln aufzuerlegen; einen Zehntel der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).