Decision ID: 84aaa222-5d73-548e-92d9-d2be72393e92
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Sozialamt A. _,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen für B._
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Sachverhalt:
A.
A.a Der 1971 geborene B._ beantragte am 28./29. Juni 2006 Leistungen der
Invalidenversicherung, namentlich Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit und
eine Rente. Er gab an, er habe in K._ sieben Jahre in Italienisch die Schulen besucht,
sei 1984 in die Schweiz eingereist und habe hier die 5. Primarklasse wiederholt und
zwei Jahre die Realschule besucht. Er habe eine zweijährige Lehre als Druckausrüster
abgeschlossen und zuletzt in einer Druckerei gearbeitet, bis er am 30. Mai 2003
arbeitslos geworden sei. Er sei seit 1989 suchtkrank und leide an Depressionen und
Hepatitis C. Nächstens werde er eine Interferonbehandlung beginnen (IV-act. 1).
A.b Dr. med. C._, Facharzt Innere Medizin FMH, bei dem der Versicherte seit 1994 in
Behandlung stand, erklärte im Arztbericht vom 18. und 19. Juli 2006, der Versicherte
sei als Druckvorbereiter seit über zwei Jahren zu 100 % arbeitsunfähig. Es lägen (nebst
diversen Nebendiagnosen) als Hauptdiagnosen vor (erstens) eine psychische und
Verhaltensstörung mit multiplem Substanzgebrauch (Methadon, Heroin, gelegentlich
Kokain, Aethyl und Benzodiazepine), (zweitens) eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden und abhängigen Zügen und
(drittens) chronische Hepatitis C (Erstdiagnose 1998, Genotyp 1a, Histologie im
Februar 04 mit porto-portaler Fibrose [3/6] sowie mässiggradiger entzündlicher Aktivität
[3/18]). Medizinische Massnahmen brächten keine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit.
Es bestehe eine zehnjährige Drogenanamnese und es hätten schon mindestens sechs
bis sieben stationäre Entzugstherapien stattgefunden, die teilweise eine gewisse
Stabilisierung des Drogenkonsums über einen kürzeren Zeitraum gebracht hätten. Es
habe auch eine Drogenlangzeittherapie in einem Rehabilitationszentrum stattgefunden.
Es sei immer wieder in kurzer Zeit zu massiven Rückfällen gekommen. Aktuell werde
der Versicherte in einem Methadonprogramm betreut. Als Folge des jahrelangen i.v.
Drogenabusus bestehe eine chronisch aktive Hepatitis C. Aufgrund der jahrelangen
schweren Suchtanamnese bestünden psychische und körperliche Störungen. Unter
Bedingungen in der freien Wirtschaft sei der Versicherte zufolge der körperlich und
insbesondere psychisch reduzierten Belastbarkeit und Stresstoleranz aktuell
andauernd zumindest zu 50 bis 60 % arbeitsunfähig. In einer geschützten Umgebung
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wäre wahrscheinlich eine körperlich leichtere Arbeit bis zu 50 % zumutbar. Schwere bis
mittelschwere körperliche Arbeiten seien aufgrund einer Dekonditionierung und von
Rückenschmerzen kaum möglich. Die effektive Arbeitsfähigkeit dürfte kaum über 40 %
liegen. Der Versicherte lebe zurzeit gesundheitlich in einem relativ stabilen Zustand in
einer eigenen Wohnung, finanziert vom Sozialamt. Er erhalte täglich eine
Methadonsubstitution (IV-act. 11).
A.c Am 20. August 2006 (Eingangsdatum, IV-act. 14) beantragte der Versicherte eine
Drittauszahlung der zu erwartenden IV- (und EL-) Nachzahlungen, Taggelder und
laufenden Leistungen bis zum Widerruf an das Sozialamt, das ihn dauernd unterstütze
und auf diese Nachzahlungen hin bevorschusse. Ab 1. Dezember 2004 bezog der
Versicherte wirtschaftliche Hilfe als Bevorschussung allfälliger IV-Leistungen vom
Sozialamt (IV-act. 15).
A.d Der Versicherte hatte gemäss der Arbeitgeberbescheinigung zuletzt vom 16.
September 2002 bis 31. Mai 2004 in einem Arbeitsverhältnis gestanden. Letzter
Arbeitstag sei der 28. Dezember 2004 (recte: 2003) gewesen. Die Kündigung wurde
vom Arbeitgeber am 18. März 2004 wegen wiederholten Fernbleibens von der
Arbeitsstelle ausgesprochen (IV-act. 13).
A.e Die vorläufige Beurteilung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung ergab am 19. Oktober 2006, es sei anhand der vorliegenden
medizinischen Unterlagen eher unwahrscheinlich, dass ausser der Suchterkrankung
gravierende psychische Beeinträchtigungen vorlägen. Die Hepatitiden A und B sowie
die Spritzenabszesse spielten keine Rolle mehr; die Hepatitis C habe bei adäquater
Therapie in der Regel keinen gravierenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die
Rückenprobleme könnten radiologisch nicht erklärt werden. Die erwähnte
Persönlichkeitsstörung werde nicht beschrieben oder durch Befunde oder Berichte
belegt. Eine aktuelle psychopharmakologische Therapie werde nicht erwähnt. Die vom
Hausarzt bezeichnete Arbeitsfähigkeit von 50 % könne nicht plausibel nachvollzogen
werden. Aktuell sei wahrscheinlich anzunehmen, dass keine IV-relevante
Arbeitsunfähigkeit vorliege. Es seien weitere Berichte (betreffend Interferontherapie und
von der Suchtberatungsstelle) einzuholen (IV-act. 16).
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A.f Am 15. November 2006 ging der Bericht der Suchtberatungsstelle bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen ein. Der ärztliche Dienst
diagnostizierte gemäss dem Bericht (IV-act. 18) als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine seit dem 17. Lebensjahr bestehende psychische
Verhaltensstörung durch psychotrope Substanzen/Opioide (gegenwärtig Teilnahme an
ärztlich überwachtem Substitutionsprogramm), eine seit ca. zehn Jahren bestehende
gemischte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend narzisstischen, depressiven Anteilen.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien chronische LWS-Beschwerden, ein seit
ca. drei Jahren bestehender Status nach Hepatitis A und B, sowie eine Hepatitis C
(demnächst Interferontherapie geplant). Ziel der Behandlung sei die psychosoziale und
gesundheitliche Stabilisierung. Seit 1. Januar 2006 (Therapiebeginn) sei der Versicherte
bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig; die bisherige Tätigkeit sei ihm nicht mehr
zumutbar. Nicht rückenbelastende Tätigkeiten ohne Hebebelastung, ohne dauerhaftes
Arbeiten im Sitzen und ohne Fahren im öffentlichen Verkehr seien drei bis vier Stunden
täglich zumutbar, entsprechend eventuell einer Teilzeitanstellung von 30 %. Im
genannten zeitlichen Rahmen bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit zufolge
eines sedierenden Medikamenteneinflusses mit vermindertem Reaktionsvermögen,
fehlender Vigilanz und verminderter Ausdauer, die für eine regelmässige
Tagesstruktureinhaltung unbedingt erforderlich seien. Ausser der Suchterkrankung
liege gemäss einem Bericht der Klinik Wil vom 13. September 2006 eine gemischte
Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend narzisstischen und depressiven Anteilen vor.
Bis ca. Juni 2006 sei der Versicherte deswegen bei Dr. med. D._, Psychiatrie und
Psychotherapie, in Behandlung (Gesprächstherapie) gewesen. Der ärztliche Dienst
überwache während der Substitutionstherapie somatische Beschwerden und den
allgemeinen Gesundheitszustand und regle die medizinischen Angelegenheiten. Vom 8.
bis 11. September 2006 sei der Versicherte stationär zur Entzugstherapie in der Klinik
Wil gewesen (IV-act. 18).
A.g Dr. D._ erklärte am 27. Februar 2007, der Versicherte habe die psychiatrische
Behandlung nach wenigen Konsultationen vor ca. zwei Jahren abgebrochen. Vom
Krankheitsverlauf seit April 2005 habe er keine Kenntnis. Der Versicherte teilte der IV-
Stelle am 2. Juli 2007 mit, seit 26. Juni 2007 stehe er bei Dr. med. E._, Psychiatrie
und Psychotherapie, in psychiatrischer Behandlung. In den nächsten Wochen werde er
in die Klinik Wil eintreten. Eine Interferontherpaie werde nicht erfolgen (IV-
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act. 27). Gleichentags ging ein Bericht des Departements Innere Medizin, Infektiologie,
vom 20. April 2007 an Dr. C._ ein (IV-act. 28).
A.h Die Klinik Wil hielt in ihrem Arztbericht vom 21. und 25. September 2007 fest, von
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien beim Versicherten seit seiner Jugend zum einen
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und narzisstischen
Zügen vor dem Hintergrund biographischer Brüche und einer belastend erlebten
Migrationserfahrung, sowie Anpassungsprobleme bei Veränderungen der
Lebensumstände und ein persönliches angsterregendes Erlebnis in der Kindheit, zum
andern die Polytoxikomanie mit vorwiegendem Gebrauch von Opiaten und
Benzodiazepinen sowie gelegentlichem Gebrauch von Kokain, gegenwärtig Teilnahme
an einem ärztlich verordneten Ersatzdrogenprogramm, und ein
Nikotinabhängigkeitssyndrom. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleibe eine
Hepatitis C Seropositivität (ED 1988). Der Versicherte sei seit 2004 krankheitsbedingt
arbeitsunfähig. Seit Februar 2004 habe er sich sechs Mal in der Klinik in stationärer
Behandlung befunden, im laufenden Jahr vom 6. Juli bis 10. August 2007 und vom 3.
bis 10. September 2007. Nach einer ersten suchtspezifischen Behandlung in einer
Klinik im Jahr 1998 habe der Versicherte eine 20 Monate dauernde stationäre
Entwöhnungstherapie gemacht und dort die Lehre abgeschlossen. Danach habe er in
einer Druckerei gearbeitet, sei aber trotzdem weiterhin sozial isoliert und beziehungslos
gewesen und habe den Suchtmittelkonsum wieder aufgenommen. Der Versicherte
wirke verunsichert und vereinsamt, zeige eine deutliche emotionale Instabilität
(Stimmungsschwankungen) und eine zwanghafte Symptomatik, die zeitweise zu
Konflikten mit Mitpatienten führe, ausserdem Antriebslosigkeit, Resignation und grosse
Schwierigkeiten beim Entwickeln von Lebensperspektiven. Er sei wortkarg und
verstumme beim Schildern der Kindheit und der Migration, was als restriktiver
Bewältigungsversuch massiver psychischer Belastung verstanden werden müsse. Es
sei aufgrund des langjährigen chronifizierten Verlaufs der Suchtmittelabhängigkeit vor
dem Hintergrund der kombinierten Persönlichkeitsstörung nach Abschluss einer
Teilentzugsbehandlung eine Platzierung in einem beschützenden Rahmen indiziert. Es
sei davon auszugehen, dass die der Drogenabhängigkeit vorausgehende und ihr
zugrunde liegende psychische Störung (Persönlichkeitsstörung mit emotionaler
Instabilität, häufige Behandlungs- und Beziehungsabbrüche, Suchtmittelkonsum) zum
Verlust der Arbeitsstelle im Jahr 2004 geführt habe und weiterhin eine Beeinträchtigung
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der Arbeitsfähigkeit verursache. Trotz mehrerer Entzugsbehandlungen und trotz der
stationären Entwöhnungstherapie von 20 Monaten Dauer in einem
Rehabilitationszentrum sei der Versicherte bis anhin nicht in der Lage, dauerhaft auf die
affektregulierende Wirkung psychotroper
Substanzen zu verzichten. Da der Behandlungsverlauf von vielen Therapieversuchen
und -abbrüchen gekennzeichnet sei, sei nicht davon auszugehen, dass es mittelfristig
zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit kommen werde. Voraussetzung für eine
solche Verbesserung wäre eine psychische Stabilisierung in beschützendem Rahmen,
wo der Versicherte eine andere Bewältigungsstrategie für innere Spannungszustände
als den Suchtmittelkonsum entwickeln könnte. Allerdings erscheine eine Prognose
über den tatsächlichen Erfolg einer solchen Therapie zurzeit ungünstig, da der
Versicherte im Zusammenhang mit der emotionalen Instabilität immer wieder überstürzt
Behandlungen abbreche und wahrscheinlich auch in Zukunft diese Gefahr der
Behandlungsabbrüche infolge emotionaler Regulationsstörungen bestehe (IV-act. 33).
A.i In der weiteren Stellungnahme vom 30. Oktober 2007 hielt der RAD (Dr. med. F._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) dafür, die diagnostische Beurteilung und
die Einschätzungen, dass eine Arbeitsfähigkeit nur im beschützenden Rahmen möglich
sein solle, sei insofern kritisch zu hinterfragen, als die Ausführungen zur behaupteten
Persönlichkeitsstörung eher dürftig seien und auf relativ kurzen klinischen
Beobachtungszeiten beruhten. Es sei nicht auszuschliessen, dass das klinische Bild im
Wesentlichen durch die Folgen des Entzugs von den Suchtmitteln geprägt gewesen sei
und die Symptome lediglich ein ähnliches Bild wie eine psychische Erkrankung gezeigt
hätten oder eine zugrunde liegende psychische Störung überdeckt hätten. Die
dokumentierte Arbeitsunfähigkeit sei wahrscheinlich unter Einbezug der durch
Suchtmittelabusus bedingten Einschränkungen beurteilt worden, was
versicherungsmedizinisch nicht sein dürfe. Ob der Versicherte tatsächlich eine schwere
Persönlichkeitsstörung habe, lasse sich gegebenenfalls nachvollziehen, wenn sie im
Rahmen der Justizverfahren gutachterlich objektiviert worden sei, was abzuklären sei
(IV-act. 34). Das Amt für Justizvollzug verneinte am 9. Januar 2008 das Vorliegen eines
psychiatrisch-forensischen Gutachtens (IV-act. 37).
A.j Der RAD (Dr. med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) hielt am
15. Januar 2008 zufolge der unklaren medizinischen Situation, insbesondere in
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psychiatrischer Hinsicht, eine psychiatrisch/internistische Begutachtung für
empfehlenswert. Vor der Begutachtung sei eine kontrollierte Abstinenz nötig, um ein
aussagekräftiges Resultat zu erhalten. Der Versicherte sei daher im Rahmen seiner
allgemeinen Schadenminderungspflicht zu verpflichten, eine mindestens sechs Monate
lang dauernde Abstinenz von Drogen und Alkohol nachzuweisen. Der Nachweis könne
als erbracht angesehen werden, wenn in monatlich durchgeführten
Blutuntersuchungen die Werte für GGT, GOT, GPT und CDT durchgehend im Norm-
bzw. Toleranzbereich lägen und wenn sich in alle zwei Wochen durchgeführten
Urinuntersuchungen durchgehend kein Nachweis von Kokain, Opiaten, Amphetaminen
und Benzodiazepinen finden lasse. Wenn der Versicherte drei aufeinander folgende
Laborwert- und gleichzeitig sechs aufeinander folgende
Drogenurinuntersuchungsberichte beibringe, welche die genannten Kriterien erfüllten,
könne die beabsichtigte medizinische Abklärung durch den RAD organisiert werden
(IV-act. 38).
A.k Auf die Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht zum Erbringen dieses
Nachweises wurde der Versicherte am 19. Februar 2008 schriftlich hingewiesen.
Gleichzeitig wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass aufgrund der Akten
entschieden werde, wenn er dieser Auflage nicht Folge leiste; er hätte dann mit der
Abweisung des Leistungsgesuchs zu rechnen. Bis 5. März 2008 habe er mitzuteilen,
bei welchem Arzt er die Untersuchungen durchführen lassen werde. Die Kosten der
Laborkontrollen gingen im Übrigen nicht zu Lasten der Invalidenversicherung (IV-
act. 39).
A.l Dr. C._ wandte am 15. April 2008 ein, die Erfüllung der Auflagen sei für den
Versicherten momentan nicht realistisch und diese machten daher keinen Sinn. Der
Versicherte sei seit 1994 in regelmässiger hausärztlicher Kontrolle, daneben zurzeit in
suchtspezifischer Betreuung mit Methadonsubstitution und aktuell in psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. med. H._, Psychiatrie und
Psychotherapie. Er erhalte verschiedene Medikamente. Leider finde sich auch immer
wieder sporadisch ein Beikonsum von Heroin. Aufgrund seiner eigenen bald 15 Jahre
dauernden Beobachtung des Versicherten nach schwerer Polytoxikomanie,
mindestens sechs teils mehrmonatigen stationären Behandlungen in der
Psychiatrischen Klinik und einer langen Rehabilitationstherapie mit beruflicher
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Ausbildung und anschliessend ca. zweijähriger Arbeitstätigkeit könne festgestellt
werden, dass fachspezifisch psychiatrisch nach jeweils längeren suchtfreien
Aufenthalten in der Klinik (gemäss Bericht vom 12. September 2007) folgende
Diagnoseliste erstellt worden sei: psychische Verhaltensstörung durch multiplen
Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen:
Abhängigkeitssyndrom; Störung durch Opioide: Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm; Störungen durch
Sedativa und Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, aber in
beschützender Umgebung; und vor allem eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
emotionell instabilen und narzisstischen Anteilen vor dem Hintergrund biographischer
Brüche und einer als traumatisierend erlebten Migrationserfahrung. Aus somatischer
Sicht bestünden ausserdem ein Status nach chronischer Hepatitis C mit Erstdiagnose
1998, wobei aktuell kein HCV-RNA nachzuweisen sei, ein Status nach Hepatitis A und
B, abgeheilt, chronische Müdigkeit und Schlafstörung, thoraco-lumbale
Rückenschmerzen bei starken Myogelosen und allgemeiner körperlicher
Dekonditionierung sowie ein Status nach septischer tiefer Beinvenenthrombose am
rechten Oberschenkel. Auch aus somatischer Sicht sei der Versicherte in seinem
angestammten Beruf als Druckausrüster zurzeit theoretisch zu maximal 50 %
arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht müsste durch ein
Gutachten, zum Beispiel der Klinik Wil oder des derzeit behandelnden Psychiaters Dr.
H._ festgestellt werden (IV-act. 44).
A.m Der RAD (Dr. G._) hielt dazu am 14. Mai 2008 fest, der Hausarzt mache keine
neuen medizinischen Fakten geltend. Eine psychiatrische Begutachtung zur Klärung
der Arbeitsfähigkeit mit vorherigem Nachweis einer kontrollierten Abstinenz von sechs
Monaten sei weiterhin empfehlenswert. In Bezug auf die ärztlich verschriebenen
Benzodiazepine sei nach Massgabe der behandelnden Ärzte eine schrittweise
Reduktion empfehlenswert; die Auflage könne als erfüllt angesehen werden, wenn die
Benzodiazepine in den Kontrollen quantitativ kontinuierlich abnähmen (IV-act. 45).
A.n Eine dergestalt geänderte Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht wurde dem
Versicherten mit Schreiben vom 14. Mai 2008 auferlegt. Am 18. August 2008 ermahnte
die IV-Stelle den Versicherten, die verlangten erforderlichen monatlichen Laborwerte
spätestens bis 1. September 2008 zuzusenden. Sollte dieser Aufforderung nicht Folge
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geleistet werden, werde aufgrund der vorhandenen Akten entschieden, wobei er mit
der Abweisung des Leistungsgesuchs rechnen müsse (IV-act. 48).
A.o Dr. C._ meldete der IV-Stelle am 29. August 2008, er habe in den letzten drei
Monaten lediglich einmal - am 17. Juni 2008 - einen Urindrogentest durchführen
können; dieser sei Heroin-positiv ausgefallen. Die Leberwerte und das Blutbild
(letzteres vom 5. Mai 2008) seien normal gewesen. Ob weitere Kontrollen im Rahmen
der Methadonbehandlung erfolgt seien, sei ihm nicht bekannt. Seit der letzten
Konsultation vom 30. Juni 2008 habe er mit dem Versicherten keinen Kontakt mehr
gehabt; die Behandlung in seiner Praxis sei abgeschlossen (IV-act. 49-1/4).
A.p Am 9. September 2008 sandte die IV-Stelle erneut eine Aufforderung an den
Versicherten, seiner Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht bis spätestens 18.
September 2008 nachzukommen (IV-act. 50).
A.q Mit Verfügung vom 1. Oktober 2008 verweigerte die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen eine Kostengutsprache für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen. Da der Versicherte die geforderten Unterlagen nicht eingereicht
habe, werde aufgrund der vorliegenden Akten entschieden. Das Leistungsgesuch
werde abgewiesen (IV-act. 53).
A.r Der Versicherte erklärte mit Schreiben vom 21. Oktober 2008, er habe die
Urinproben aus Angst nicht abgeben können. Er sei bereit für Kontrollen ohne Prüfung
auf Methadon und Benzodiazepin. Er bitte um nochmalige Prüfung des Entscheids
(IV-act. 54). - Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle wies den Versicherten am
27. Oktober 2008 auf die Möglichkeit einer Beschwerde beim Versicherungsgericht hin
(IV-act. 55).
B.
Gegen die Verfügung vom 1. Oktober 2008 richtet sich die vom Sozialamt A._,
vertreten durch Rechtsanwältin I._, für den Versicherten am 31. Oktober 2008
erhobene Beschwerde. Die Rechtsvertreterin des Versicherten beantragt, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die unter dem Begriff der
Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht verfügten Auflagen seien ebenfalls
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aufzuheben, ausserdem sei ein medizinisches Gutachten zu erstellen und gestützt
darauf eine Rente zuzusprechen. Dem Versicherten sei zudem die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin. Der Versicherte sei seit vielen Jahren drogensüchtig. Schon
1999 sei der Vollzug einer Strafe zugunsten einer stationären Drogentherapie
aufgeschoben worden. Im Oktober 2000 sei er aus dem stationären
Massnahmenvollzug bedingt entlassen worden. Im Herbst 2001 habe er wieder Drogen
konsumiert und habe im Dezember 2001 eine Entzugsbehandlung absolvieren müssen,
dann habe er die Stelle verloren. Im März 2002 sei er in den Massnahmenvollzug
zurückversetzt worden. Im Mai 2003 habe er erneut Kokain konsumiert und im Juni
2003 sei er in das Nachbetreuungsprogramm übergetreten. Nach diversen
Drogenabstürzen sei er im Februar 2004 in die Entzugsstation der Klinik Wil ein- und im
März 2004 entgegen den Empfehlungen wieder ausgetreten. Im Juni 2004 sei er bereits
wieder in der Klinik gewesen und seither wiederholt. Das zeige, dass der Versicherte
nicht fähig sei, sich von den Drogen auf Dauer zu lösen, und zwar auch nicht mit
fachlicher Unterstützung. Die Drogensucht des Versicherten habe einerseits einen
Gesundheitsschaden zur Folge gehabt, er sei nämlich HIV-positiv und habe sich mit
Hepatitis C angesteckt. Zudem leide er an einer Stauballergie sowie seit einigen Jahren
an gravierenden Rückenproblemen. Andererseits beruhe seine Drogensucht auf einer
gemischten Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und depressiven Anteilen. Die
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten aufgrund gesundheitlicher Beschwerden sei somit
klar gegeben. Der Versicherte habe im Schreiben vom 21. Oktober 2008 selber
dargelegt, dass er nicht im Stande sei, ganz ohne Methadon und Benzodiazepine
auszukommen. Es sei hierzu der Bericht der Klinik Wil vom 13. September 2006 zu
edieren und ein ärztliches Gutachten einzuholen. Die verlangte Drogenabstinenz sei
aufgrund der bestehenden gesundheitlichen Probleme für die Gewährung einer IV-
Rente nicht notwendig. Von der Auflage sei aber nicht nur wegen der klaren
gesundheitlichen Situation, sondern auch deshalb abzusehen, weil sie grundsätzlich
nicht geeignet sei, einen sozial schwachen Sozialhilfebezüger ins Berufsleben zu
integrieren. Wäre die Einhaltung der geforderten Auflagen für einen süchtigen
Menschen ohne weiteres möglich, hätte er zumindest das Suchtproblem weitgehend
im Griff und seine Situation würde wohl grundsätzlich anders aussehen. Der
Versicherte sei überdies nicht in der Lage, die massiven Kosten der Erfüllung der
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Auflagen zu tragen; sein Schuldenberg würde dadurch weiter anwachsen. Das könne
nicht Ziel und dürfe nicht Folge einer Auflage der Beschwerdegegnerin sein (act. G 1). -
Ergänzend reicht der Versicherte am 7. November 2008 eine kurz gefasste
Lebensgeschichte nach und legt dar, er kämpfe zurzeit gegen seine Albträume und
verarbeite mit Hilfe von Dr. H._ die Ereignisse in seiner Kindheit (act. G 4).
C.
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Januar 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Dass der Versicherte HIV-positiv sei, sei nicht
nachvollziehbar, und die Hepatitis C sei gegenwärtig nicht symptomatisch und
beeinflusse die Arbeitsfähigkeit nicht. Nach Auffassung des RAD sei die von der Klinik
Wil gestellte Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung so wenig
überzeugend wie die Einschätzung, eine Arbeitsfähigkeit sei nur im beschützenden
Rahmen möglich. Ein Abklärungsbedarf sei daher ausgewiesen. Solange der
Versicherte aber harte Drogen konsumiere, sei eine Abklärung im Sinne einer
Begutachtung sinnvollerweise nicht durchführbar, da ein solches Gutachten keine
verwertbaren Aussagen zur Arbeitsfähigkeit unter Drogenabstinenz erbringen könnte.
Gegen eine Begutachtung unter Auflage von Abstinenz könnte weiter vorgebracht
werden, der Polytoxikomanie liege eine schwere psychische Störung zugrunde, so
dass die Begutachtung während einer Suchtphase erfolge müsse. Das Vorliegen einer
solchen Störung sei aber gerade fraglich und zu untersuchen. Beweisthema sei
daneben auch die Frage der Kausalität zwischen dem psychischen Leiden und der
Drogensucht, welche zumindest fraglich sei und worüber bei den behandelnden Ärzten
keineswegs Einigkeit bestehe (wie IV-act. 11 vs. 33 zeige). Aufgrund der Akten sei nicht
einzusehen, warum es dem Versicherten nicht wenigstens während eines halben
Jahres möglich sein sollte, die verlangten Auflagen zu erfüllen. Die Auflage sei rechtens
gewesen, ebenso die entsprechende Sanktion eines Entscheids aufgrund der Akten.
Da die in den Akten liegenden Arztberichte keine genügende Beweisbasis für die
Annahme einer invalidisierenden Krankheit bilden würden, führe die Beweislosigkeit zu
einem Entscheid zum Nachteil des Versicherten. Werde die Auffassung vertreten, ein
Aktenentscheid sei unverhältnismässig und ein Verfahrensabschluss durch einen
Nichteintretensentscheid wäre als mildere und dennoch ausreichende Sanktion zu
sehen, dürfte sich eine solche im Vergleich zum Hauptantrag marginale Korrektur im
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Kostenpunkt nicht zugunsten des Versicherten auswirken. Durch das Sozialamt
vertretene Sozialhilfeempfänger hätten keinen Anspruch auf Parteientschädigung,
zumal das Sozialamt ganz wesentlich auch eigene Interessen vertrete (act. G 8).
D.
Am 15. Januar 2009 entsprach die Gerichtsleitung dem Gesuch des Versicherten um
unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgesicht.
E.
Mit Replik vom 3. Februar 2009 hält die Rechtsvertreterin des Versicherten an ihren
Anträgen fest. Beim Versicherten lägen "psychische Verhaltensstörungen" vor, die
durch psychotrope Substanzen ausgelöst worden seien. Anderseits sei der Versicherte
in der Kindheit durch Erlebnisse im Krieg traumatisiert worden und es sei eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden. Zwischen der
Polytoxikomanie und den psychischen Leiden sei in jedem Fall – sei es in einer
Richtung oder in beiden Richtungen – ein Kausalzusammenhang ausgewiesen. Das
von der Sucht zu unterscheidende psychiatrische Leiden sei unbestreitbar von
Krankheitswert und wirke sich dauerhaft auf die Arbeitsfähigkeit aus. Strittig könne
allenfalls sein, in welchem Ausmass dies der Fall sei. Eine Begutachtung müsse daher
während einer Suchtphase erfolgen. Es erscheine unmöglich, einen aufgrund von
psychischen Leiden von Drogen Abhängigen zu zwingen, abstinent zu werden, um
danach feststellen zu können, ob er aufgrund einer psychischen Störung süchtig
geworden sei. Das sei ein Widerspruch in sich. Die gemachten Auflagen seien deshalb
keinesfalls geeignet, zur Abklärung des tatsächlichen Gesundheitszustandes
beizutragen. Dass der Versicherte HIV-positiv sei, sei in einem Urteil des Kreisgerichts
vom 29. November 2005 festgehalten worden. Die Infektion wirke sich gravierend auf
den gesundheitlichen Zustand des Versicherten aus und müsse berücksichtigt werden.
Dem Versicherten stehe bei Obsiegen eine angemessene Parteientschädigung zu
(act. G 11).
F.
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In ihrer Duplik vom 11./12. Februar 2009 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
fest. Eine HIV-Infektion für sich allein bleibe oft jahrelang asymptomatisch. Vorliegend
sei einzig im Kreisgerichtsurteil von einer solchen Infektion die Rede, während sich in
den medizinischen Akten keine Bestätigung hierfür und erst recht nicht für eine AIDS-
Erkrankung finde. Es könne aber als sicher gelten, dass die behandelnden Ärzte auf
eine solche Erkrankung hingewiesen hätten. Es sei kein Widerspruch in sich, einen
aufgrund von psychischen Leiden von Drogen Abhängigen zur Abstinenz zu zwingen,
um danach feststellen zu können, ob er aufgrund einer psychischen Störung süchtig
geworden sei. Allenfalls handle es sich dabei um ein Dilemma, das einen Versicherten
in Beweisnot bringen könne, wobei er die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hätte.
Hier lägen die Verhältnisse aber anders. Wie dem Urteil des Kreisgerichts zu
entnehmen sei, habe der Versicherte bereits mindestens zwei überjährige abstinente
Phasen bestanden (Rückfälle im Oktober 2001 und im Dezember 2003). Ziel müsse es
sein, den Versicherten wieder in die Drogenfreiheit zurückzuführen. Darauf habe er eine
reelle Chance (act. G 13).
G.
G.a Mit Schreiben vom 29. Mai 2009 teilte das Sozialamt mit, der Versicherte sei am ...
2009 verstorben. Das Verfahren werde deshalb aber nicht gegenstandslos. An den
gestellten Anträgen werde festgehalten. Dem Versicherten sei posthum eine
Invalidenrente zuzusprechen, damit seine Lebenshaltungskosten der vergangenen
Jahre beglichen werden könnten, welche das Amt für ihn übernommen habe (über
Fr. 100'000.--). Auf Anfrage erklärte das Sozialamt am 2. Juli 2009, die Alleinerbin des
Versicherten habe das Erbe ausgeschlagen. Der Verstorbene habe am 21. August 2006
zugunsten des Sozialamtes eine Schuldanerkennung und Rückerstattungsverpflichtung
bei Bevorschussung von Sozialversicherungsleistungen unterzeichnet, ein Gesuch um
Drittauszahlung ausgefüllt und die zu erwartenden IV- und EL-Nachzahlungen und
Leistungen an das Sozialamt abgetreten. Es sei davon auszugehen, dass das Amt die
Streitsache anstelle des Versicherten im eigenen Namen weiterführen könne
(act. G 17).
G.b Die Gerichtsleitung erkundigte sich am 23. Juli 2009 beim Konkursamt des
Kantons St. Gallen, ob von seiner Seite ein Interesse an der Prozessnachfolge bestehe
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bzw. ein Abtretungsgläubiger für die Rechtsnachfolge installiert werde. Das
Konkursamt teilte am 19. Januar 2010 mit, der Konkurs über den Nachlass sei mangels
Aktiven eingestellt worden. Forderungsabtretungen gebe es keine. Das Konkursamt
wolle nicht in den Prozess eintreten. Am 20. Januar 2010 gab die Gerichtsleitung
bekannt, dass das Verfahren mit dem Sozialamt als Beschwerdeführer weitergeführt
werde (act. G 20).

Erwägungen:
1.
1.1 Die vorliegende Beschwerde gegen die Verfügung der Beschwerdegegnerin hat
der Versicherte erheben lassen. Er ist im Lauf des Verfahrens verstorben. An die Stelle
eines im Verlauf des Verfahrens verstorbenen Leistungsansprechers treten (zufolge
Universalsukzession), sofern es nicht um eine Streitigkeit um höchstpersönliche Rechte
geht, grundsätzlich die Erben, welche die Erbschaft nicht ausgeschlagen haben (vgl.
Frank/Sträuli/Messmer, ZPO, 3. A., Zürich 1997, N 10 und 24 zu § 49; Urs Peter
Cavelti/Thomas Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen
2003, S. 185; Werner E. Hagmann, Die st. gallische Verwaltungsrechtspflege und das
Rechtsmittelverfahren vor dem Regierungsrat, S. 142). Die einzige Erbin des
Versicherten hat die Erbschaft ausgeschlagen. Der Konkurs über den Nachlass ist am
... 2009 eröffnet worden. Das Konkursamt hat nach einer Konkurseröffnung sofort ein
Inventar der vorhandenen Aktiven aufzunehmen. Am ... 2009 wurde vorliegend die
Einstellung mangels Aktiven verfügt. Das Konkursamt hat diesfalls die Einstellung
öffentlich bekannt zu machen und darauf hinzuweisen, dass das Verfahren endgültig
geschlossen bleibt, wenn nicht binnen zehn Tagen ein Gläubiger die Durchführung
verlangt und für den nicht gedeckten Teil der mutmasslichen Kosten Sicherheit leistet
(Art. 230 Abs. 2 SchKG), was es am ... 2009 tat. Eine Durchführung des
Konkursverfahrens wurde nicht verlangt. Auch zu einer Konkurspublikation (Art. 232
Abs. 1 SchKG) und einem Schuldenruf (Art. 232 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG) ist es demnach
nicht gekommen. Nach der st. gallischen Sozialhilfegesetzgebung besteht eine
Rückerstattungspflicht des Bezügers, wenn sich seine finanzielle Lage verbessert hat
und die Rückerstattung zumutbar ist (Art. 18 Abs. 1 des Sozialhilfegesetzes, SHG, sGS
381.1), und hat die politische Gemeinde die Rückerstattung zu verfügen (vgl. Art. 21
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Abs. 1 SHG). Eine Rückforderungsverfügung gegen den Unterstützten hat das
Sozialamt nicht erlassen. Hingegen war es im Besitz einer Erklärung des Versicherten,
dass er eine Drittauszahlung seiner zu erwartenden Ansprüche gegen die
Invalidenversicherung (namentlich der Nachzahlungen) an das Sozialamt beantrage,
weil dieses ihn - entsprechende IV-Leistungen bevorschussend - unterstütze. Ob und
gegebenenfalls wann das Sozialamt damit im konkursrechtlichen Sinn zum Gläubiger
geworden ist, kann dahingestellt bleiben. Das Konkursamt selbst hat gemäss seiner
Auskunft vom 19. Januar 2010 darauf verzichtet, in den vorliegenden Prozess
einzutreten.
1.2 Indessen hat das Sozialamt nach dem Tod des Versicherten erklärt, das Verfahren
in eigenem Namen weiterführen zu wollen. Ihm kommt zwar keine eigene
Rechtspersönlichkeit zu, doch kann es zwanglos als Vertreter der Politischen
Gemeinde betrachtet werden. Gemäss Art. 59 ATSG ist jede Person
beschwerdelegitimiert, die durch den Einspracheentscheid berührt ist und die ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat. Das Sozialamt,
das den Versicherten unterstützt hat, ist beschwerdeberechtigt. Die Partei- und
Beschwerdeführerrolle der Sozialhilfebehörde sollte im Sozialversicherungsverfahren
aller Zweige in analoger Anwendung der Wertungen von Art. 49 Abs. 4 ATSG beurteilt
werden. Es besteht ein gleichartiger Koordinationsbedarf zwecks
Überentschädigungsvermeidung wie unter den Sozialversicherungszweigen. Soweit
eine koordinationsrechtliche Berührung dieses Ausgleichssystems vorliegt, es also um
einen eigentlichen Koordinationsstreit geht, ist die Sozialhilfebehörde ebenfalls
einsprache- und beschwerdelegitimiert. Das gilt ohne jeden Zweifel im Rahmen von
Streitigkeiten über Drittauszahlungsansprüche aus Bevorschussung nach Art. 22 ATSG
(vgl. Franz Schlauri, Koordinationsfragen in der Unfallversicherung - de lege lata und
ferenda, in: SZS 2008, 232). Die Sozialhilfebehörde kann punkto Legitimation im
Koordinationsstreit nicht mit guten Gründen schlechter gestellt werden als die
eigentlichen Sozialversicherungsträger (nicht veröffentlichter Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S I. vom 15. Juni 2004, EL 2004/2).
1.3 Gestützt auf Art. 22 Abs. 2 ATSG können unter anderem öffentliche
Fürsorgeinstitutionen, welche einen IV-Versicherten bevorschusst haben, bei der IV-
Stelle verlangen, dass Rentennachzahlungen durch Verrechnung zu Gunsten ihrer
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Rückforderungen aus Überentschädigung verwendet werden. Dieses Institut der
"Nachzahlung an bevorschussende Dritte" ist auf der Verordnungsstufe in Art. 85 IVV
spezifiziert worden. Zweck dieses Vorgehens ist es, vorleistenden Dritten einen
direkten Rückzahlungsweg zu eröffnen. Die verrechnungsbelastete IV-Stelle hat ihre
Nachzahlungsschuld mit den "Vorschüssen" des Dritten zu verrechnen und den
entsprechenden Betrag an den Dritten zu überweisen. Diese Vorgehensweise bedarf
entgegen dem Wortlaut des Art. 22 Abs. 2 ATSG keiner Abtretung, sondern lediglich
eines Verrechnungsbegehrens des Dritten. Es geht nur darum, Nichtsozialversicherern,
die eine Art Vorleistung für zu erwartende Sozialversicherungsleistungen erbringen und
damit in das Schadens- und Bedürfnisausgleichssystem der Gesamtrechtsordnung
sehr stark eingebunden sind, mit einer einfachen Lösung zur Leistungsrückerstattung
im direkten Zahlungsverkehr zu verhelfen. Der Vorgang verschafft den vorleistenden
Nichtsozialversicherern eine systemübergreifende Verrechnungsmöglichkeit in Analogie
zur sozialversicherungsinternen, zweigübergreifenden Verrechnungsmöglichkeit (z.B.
nach Art. 20 Abs. 2 AHVG). Es wird allerdings eine zeitliche Kongruenz zwischen
Nachzahlungsperiode und Vorschussperiode verlangt. Hingegen ist [im Unterschied zu
einem allfälligen Kollozierungsanspruch] nicht Voraussetzung, dass die Rückforderung
von Vorschussleistungen rechtskräftig feststeht, wenn die IV-Stelle die Verrechnung
verfügt. Das Instrument der Drittauszahlung an bevorschussende Dritte ist eine
Vollstreckungserleichterung zur Vermeidung nur umständlich korrigierbarer
Doppelbezüge des Versicherten, was verbietet, die Drittauszahlung vom Belieben und
dem Willen des Versicherten abhängig zu machen. Vorausgesetzt ist einzig, dass sich
der Anspruch des Dritten auf die Rückerstattung der Vorschussleistungen aus Vertrag
oder Gesetz direkt ergibt. Anders als die Rechtsprechung anzunehmen scheint (vgl.
etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 18. April 2006, I 428/05), kann es auch nicht
darauf ankommen, dass ein bevorschussender Dritter gegenüber der
Invalidenversicherung einen direkten Rückerstattungsanspruch hat. Dieser
Rückerstattungsanspruch muss nur im Rechtsverhältnis des bevorschussenden Dritten
mit dem bevorschussten Versicherten vorhanden sein. Nach Art. 18 SHG ist eine
Rückerstattungspflicht des bevorschussten Sozialhilfebezügers
- beispielsweise als Folge einer Invalidenrentennachzahlung - wie erwähnt gesetzlich
vorgesehen (vgl. zum Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen i/S S. vom 27. Februar 2008, IV 2007/205, und das diesen aus anderen
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Gründen aufhebende Bundesgerichtsurteil 9C_300/08 vom 28. Oktober 2008, sowie
Franz Schlauri, Die zweigübergreifende Verrechnung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 194 f.; vgl. auch den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. August 2007, IV 2006/178). -
Das Sozialamt hat somit grundsätzlich einen eigenen Anspruch auf eine solche
"Drittauszahlung" einer allfälligen Nachzahlung und ist legitimiert.
1.4 Gemäss Art. 53 Abs. 1 ZPO/SG ist ein Parteiwechsel im Einvernehmen der
Parteien zulässig. Die Beschwerdegegnerin hat dem Wechsel (Eintritt des Sozialamtes)
vorliegend stillschweigend zugestimmt. Auf die Streitsache ist daher einzutreten.
2.
2.1 Gemäss dem Dispositiv der angefochtenen Verfügung hat die
Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch (den Anspruch auf berufliche Massnahmen
und Rentenleistungen) des Versicherten abgewiesen. Sie hat in der Begründung auf Art
43 Abs. 3 ATSG und Art. 7b Abs. 2 lit. d IVG verwiesen.
2.2 Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen
beanspruchen, den Auskunfts- oder
Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der
Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und
Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf
die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art.
43 Abs. 3 ATSG). Wann ein Nichteintretensentscheid und wann ein materieller
Entscheid aufgrund der vorhandenen Akten zu fällen ist, hängt nach der
Rechtsprechung von den Umständen des Einzelfalles ab. Lässt sich beispielsweise der
Sachverhalt ohne Schwierigkeiten und ohne besonderen Aufwand abklären, auch wenn
der Gesuchsteller die Mitwirkung verweigert oder unterlässt, so wird die Verwaltung die
betreffenden Erhebungen zu tätigen und anschliessend materiell zu entscheiden
haben. In Grenz- und Zweifelsfällen ist die für den Gesuchsteller günstigere Variante zu
wählen (BGE 108 V 229 = ZAK 1983, 543). Ist die versicherte Person den Pflichten
nach Art. 7 IVG (Schadenminderungspflicht und Pflicht zur Mitwirkung an zumutbaren
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Massnahmen) oder nach Art. 43 Abs. 2 ATSG (Pflicht, sich ärztlichen oder fachlichen
Untersuchungen zu unterziehen, soweit sie notwendig und zumutbar sind) nicht
nachgekommen, können die Leistungen nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder
verweigert werden, und zwar gemäss Art. 7b Abs. 2 IVG in Abweichung von Art. 21
Abs. 4 ATSG ohne Mahn- und Bedenkzeitverfahren, wenn (unter anderem) die Person
der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen
Aufgaben benötigt.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat somit eine Sanktion verfügt. Sie hat diese damit
begründet, dass der Versicherte die angeforderten Unterlagen (monatlicher Nachweis
einer mindestens sechs Monate dauernden Drogen- und Alkoholabstinenz bzw. einer
kontinuierlichen Abnahme der Benzodiazepine) nicht eingereicht hat, was zutrifft. Sein
Hausarzt berichtete lediglich von einem Urindrogentest. Die verlangte Abstinenz sollte,
wie der RAD-Stellungnahme vom 15. Januar 2008 zu entnehmen ist, zur Ermöglichung
einer gutachterlichen (psychiatrischen/internistischen) Abklärung der Arbeitsfähigkeit
des Versicherten unter Ausschluss einer suchtmittelinduzierten Arbeitsunfähigkeit
erfolgen. Betroffen ist somit nicht eine Schadenminderungs-, sondern die
Mitwirkungspflicht bei der Abklärung.
2.4 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht, indem Verwaltung und Sozialversicherungsgericht von sich aus und ohne
Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen haben. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht
uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE
125 V 193 E. 2 mit Hinweisen; vgl. BGE 130 I 183 E. 3.2; BGE 122 V 157 E. 1a).
2.5 Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung festgehalten, sie treffe einen
Entscheid aufgrund der vorhandenen Akten. Einen solchen hatte sie dem Versicherten
auch bereits als Rechtsfolge für das Unterlassen der Erfüllung der ihm auferlegten
Obliegenheit angedroht. Ob es sich tatsächlich um einen Entscheid aufgrund der Akten
oder aber um ein Einstellen der Erhebungen und Nichteintreten (im Sinne des
Einstellens des bereits aufgenommenen Verfahrens) handelte und welches die im
Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung für den Versicherten günstigere
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Entscheidvariante war, kann vorliegend offen bleiben, da die angefochtene Verfügung
jedenfalls aufzuheben ist, wie sich aus dem Folgenden ergibt.
3.
3.1 Die Begutachtung sollte wie erwähnt im Hinblick auf die Feststellung der
Arbeitsfähigkeit des Versicherten erfolgen. Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG gilt als Invalidität
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Diese wird gemäss Art. 7 Abs. 1 ATSG verstanden als der durch
die Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung oder Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1 IVG Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Drogensucht als solche begründet noch
keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Denn die Diagnose einer Drogensucht oder -
abhängigkeit lässt nicht schon darauf schliessen, dass der versicherten Person eine
Drogenabstinenz nicht mehr möglich wäre; ebenso wenig ist Drogenabhängigkeit
notwendigerweise mit Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit verbunden (vgl. Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S G. vom 22. Juni 2001, I 454/99; SVR 2001
IV Nr. 3 S. 7 E. 4b). Hat sie allerdings eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt, in deren
Folge ein körperlicher oder geistiger Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber ist
sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens, welchem
Krankheitswert zukommt (BGE 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 29 f. E. 1 und 2, AHI 2001 S.
228 f. E. 2 und S. 229 f. E. 4), so wird eine solche Sucht im Rahmen der
Invalidenversicherung bedeutsam (vgl. etwa den Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen i/S H. vom 8. September 2008, IV 2007/76 E. 2.1). Ob die Sucht
ursächlich für eine andere Gesundheitsschädigung war oder erst in Folge einer solchen
auftrat, ist demnach nicht von Belang. Erforderlich ist stets lediglich, dass auch ein
anderer Gesundheitsschaden vorliegt, der mit der Sucht in Zusammenhang steht. Ist
dies erfüllt, so geht es nicht etwa darum, den auf die Sucht entfallenden Anteil der
Arbeitsunfähigkeit abzuspalten und als nicht invalidisierend zu bezeichnen. Vielmehr ist
bei Bejahung eines solchen Zusammenhangs mit einer anderen Erkrankung auch die
Sucht vollumfänglich zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S W. vom 25. Juni 2009, IV 2008/307 E. 2.1). Diesfalls ist auf den
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gesamten, unter Mitberücksichtigung der Folgen der Suchtmittelabhängigkeit
bestehenden Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeitsgrad abzustellen (vgl. etwa die
Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S E. vom 9. Juli 2002,
I 257/01, und i/S O. vom 8. August 2006, I 169/06).
4.
4.1 Zunächst ist vorfrageweise zu prüfen, ob dem Versicherten eine rechtmässige
Mitwirkungspflicht abverlangt worden ist (vgl. SVR 1998 UV Nr. 1). Vorausgesetzt ist
hierfür, dass die geplante Begutachtung angezeigt war, dass sie eine vorgängige
sechsmonatige Abstinenz erforderte und dass diese dem Versicherten zumutbar war.
Nach Art. 43 Abs. 3 ATSG liegt eine Verletzung der Mitwirkungspflicht ausserdem nur
dann vor, wenn sie in unentschuldbarer Weise erfolgt ist. Dies ist dann der Fall, wenn
kein Rechtfertigungsgrund erkennbar ist oder sich das Verhalten der versicherten
Person als völlig unverständlich erweist (Bundesgerichtsentscheid vom 3. November
2009, 8C_528/09; vgl. Urteil vom 30. Januar 2007, I 166/06 E. 5.1) bzw. wenn ein
Rechtfertigungsgrund nicht einmal ansatzweise erkennbar ist oder das Verhalten
schlechthin unverständlich ist (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A. 2009, Rz. 51 zu
Art. 43).
4.2 Aufgrund der Akten ist davon auszugehen, dass beim Versicherten eine seit dem
17. Altersjahr bestehende, also langjährige, chronifizierte Suchtmittelabhängigkeit
vorlag, welche wiederholt durch (stationäre) Entzugsbemühungen angegangen worden
ist. Der Versicherte war ab Januar 2006 in suchtspezifischer Betreuung mit
Methadonsubstitution und erhielt verschiedene Medikamente verordnet. Er konnte sich
auch während dieser Zeit nicht drogenfrei halten. Dr. C._ hielt die Auflagen daher im
April 2008 für nicht realistisch, was wohl auch noch für die modifizerten Auflagen
anzunehmen ist. Denn das Suchtmittelverhalten des Versicherten wurde von der Klinik
Wil als dysfunktionale Bewältigungsstrategie bezeichnet, die er ausserhalb eines
beschützenden Rahmens nicht aufzugeben in der Lage sei. Zwar trifft zu, dass der
Versicherte unter Betreuung in der Vergangenheit (ab Rehabilitation im April 1999 und
im März 2002) längere Zeit Drogenfreiheit hatte erreichen können, doch muss für den
hier massgebenden Zeitraum - weitere sechs Jahre der Abhängigkeit später - davon
ausgegangen werden, dass der Versicherte jedenfalls ohne solche Betreuung und
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Begleitung nicht in der Lage war, die verlangten Auflagen zu erfüllen. Bei den
gegebenen Umständen genügte dies jedenfalls zumindest als Rechtfertigung einer
Verletzung der Mitwirkungspflicht (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S W. vom 25. Juni 2009, IV 2008/307), selbst wenn von einer
rechtmässig auferlegten Obliegenheit auszugehen wäre.
4.3 Letzteres ist vorliegend aber nicht der Fall. Nach den vorhandenen ärztlichen
Berichten lag neben der Sucht auch eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende
psychische Störung vor. Die Klinik Wil berichtete, es sei davon auszugehen, dass die
der Drogenabhängigkeit vorausgehende und ihr zugrunde liegende psychische Störung
(Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Instabilität, häufige Behandlungs- und
Beziehungsabbrüche, Suchtmittelkonsum) zum Verlust der Arbeitsstelle im Jahr 2004
geführt habe und weiterhin eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit verursache. Der
Kausalzusammenhang von psychischer Störung und Sucht erscheint vorliegend
überwiegend wahrscheinlich. Da unter dieser Voraussetzung auch die Sucht eine
relevante Arbeitsunfähigkeit mitbegründen kann, ist das Abverlangen eines
Abstinenznachweises bereits im Abklärungsverfahren unter dem Titel der
Mitwirkungspflicht im Hinblick auf die Prüfung der materiellen Leistungsansprüche und
ausserhalb der eigentlichen Schadenminderung nicht zielführend (vgl. IV 2008/307). Es
wäre somit vorliegend auch als nicht zumutbar, als nicht verhältnismässig und damit
als nicht zulässig zu betrachten, unter Umständen wie den vorliegenden eine
Begutachtung von einer vorgängig nachgewiesenen Drogenabstinenz abhängig zu
machen.
4.4 Die verfügte Sanktionierung war demnach in jedem Fall unzulässig und die
angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben.
4.5 Die angefochtene Verfügung ist im Übrigen auch infolge Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör unrechtmässig. Wie sich aus diesem Anspruch (Art. 29 Abs. 2
BV) und Art. 49 Abs. 3 ATSG ergibt, sind Verfügungen zu begründen. Die Begründung
eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person diesen in voller
Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann; in diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (Bundesgerichtsentscheid i/S S. vom
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4. Mai 2009, 8C_541/2008; BGE 134 I 83 E. 4.1). Zwar hat die Beschwerdegegnerin in
der angefochtenen Verfügung angegeben, sie habe einen Entscheid aufgrund der
Akten gefällt. Sie hat indessen keinerlei Ausführungen darüber gemacht, wie sie die
Akten gewürdigt hat, dass nämlich für diesen Fall anzunehmen ist, sie habe die ärztlich
(teils unterschiedlich) attestierten Arbeitsunfähigkeiten als suchtbedingt für sie als nicht
relevant betrachtet. Der Versicherte ist nicht auf die rechtlichen Grundlagen zur
Beurteilung von Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer Sucht hingewiesen worden, auch
nicht etwa beim Abverlangen der Auflage. Ob die Verletzung der Begründungspflicht
für sich allein schon aus formellem Grund zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung
hätte führen müssen, weil die Verletzung nicht heilbar wäre, kann offen bleiben.
5.
Ist der als Sanktion verfügte Entscheid nicht zulässig, hat die Beschwerdegegnerin das
Verfahren ohne die Erfüllung der Obliegenheit weiterzuführen. Sie wird über die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten unter Berücksichtigung aller Gesundheitsschäden
(einschliesslich der Sucht) zu befinden haben, was sie bis anhin nicht getan hat.
Hierüber liegen verschiedene ärztliche Beurteilungen bei den Akten. Da der Versicherte
verstorben ist, kommt als Abklärungsmassnahme keine eigentliche Begutachtung,
sondern lediglich noch ein Aktengutachten (unter Beizug der gesamten
Krankengeschichte und Berücksichtigung des Verlaufs) in Frage. Es wird an der
Beschwerdegegnerin sein, darüber zu entscheiden, ob sie ein solches zu veranlassen
habe oder ob eine antizipierende Beweiswürdigung vorzunehmen sei.
6.
6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 1. Oktober 2008 teilweise zu schützen. Die Sache ist
zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens im Sinne der Erwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Dieser Verfahrensausgang stellt aus prozessualer Sicht in Bezug auf die Kosten ein
vollständiges Obsiegen dar. Die Bewilligung des Gesuchs um unentgeltliche
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Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) ist damit obsolet.
6.3 Angesichts des vollen Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich,
ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl.
Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen.
6.4 Bis zum Abschluss des Schriftenwechsels hat das Sozialamt als Vertreter des
Versicherten agiert. Nach dessen Ableben hat es den Prozess als Partei übernommen
und wie erwähnt vollständig obsiegt. Da nach dem Parteiwechsel kein relevanter
Aufwand mehr entstanden ist, hat der Beschwerdeführer keinen eigenen Anspruch auf
Parteientschädigung. Bei der Vertretung des Versicherten hat das Sozialamt durch eine
Rechtsanwältin gehandelt. In dem von der Beschwerdegegnerin erwähnten
BGE 126 V 11 (AHI 2000 S. 288) wurde angenommen, bei einer Vertretung durch eine
öffentliche Fürsorgeeinrichtung entstünden dem obsiegenden Sozialhilfeempfänger
keine Kosten für die Vertretung seiner Interessen, denn eine allfällige Rechtsvertretung
sei ihm unentgeltlich nach der Gesetzgebung über die öffentliche Fürsorge zu
finanzieren, auch wenn Anwälte mit der Rechtsvertretung beauftragt würden. Diese
Annahme ist indessen sachlich nicht gerechtfertigt. Bereits im BGE 117 IA 296 E. 3 hat
das Bundesgericht festgestellt, dass der obsiegenden Partei ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand bewilligt worden sei, befreie die Gegenpartei nicht von der Leistung
einer Prozessentschädigung. Ebenso wenig wirke der Umstand entlastend, dass eine
Person ihr Kostenrisiko durch eine Rechtsschutzversicherung abdecken lasse oder ihr
dieses durch eine Haftpflichtversicherung, eine Gewerkschaft, eine andere Vereinigung
oder eine Drittperson abgenommen werde. In BGE 122 V 278 lehnte es das
Eidgenössische Versicherungsgericht ab, dass die unterliegende Gegenpartei davon
sollte profitieren können, dass ihr Prozessgegner zufälligerweise von einem nicht als
entschädigungsberechtigt geltenden Vertreter vertreten war. Wer einen Prozess
verliere, habe grundsätzlich nach Massgabe seines Unterliegens die Gegenpartei zu
entschädigen, und zwar unabhängig davon, ob dieser aufgrund externer
Vereinbarungen mit Dritten an sich keine eigenen Kosten erwachsen wären. Diese
Lösung entspricht auch den Grundsätzen der "Vorteilsanrechnungslehre" des
Haftpflichtrechts, wonach unentgeltliche Zuwendungen Dritter nicht anzurechnen sind,
bis
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wenn der Geschädigte und nicht der Haftpflichtige begünstigt werden soll (BGE 122 V
278). Diese Ordnung muss gelten, gleichgültig, ob es eine öffentliche Sozialhilfe oder
eine private Einrichtung (die Pro Infirmis, eine Gewerkschaft, das Patronato INCA, die
Caritas, eine Arbeitsgemeinschaft, eine Rechtsschutzversicherung usw.) ist, welche
dafür verantwortlich ist, dass keine Auslagen für die Vertretung entstehen.
Vertretungsaufwand stellt eben eine Ausgaben- (bzw. Schadens-)position dar, auch
wenn ein Dritter sie unterstützungs- oder fürsorgerechtlich oder aus sonstigen Gründen
übernimmt. Aus der Sicht der Sozialhilfe (oder auch der ihr vergleichbaren
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung auf Staatskosten) sind geschuldete
Parteientschädigungen Einnahmenpositionen des Bedürftigen, auf welche dieser nicht
verzichten darf. Dabei ist kein Unterschied danach zu machen, ob die Sozialhilfe eigene
oder fremde Anwälte einsetzt. Es darf nicht argumentiert werden, dem
Sozialhilfeempfänger entstehe bei Obsiegen kein Schadenersatzanspruch für
Vertretungsaufwand (so zum Ganzen die Entscheide des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S A. vom 24. Juni 2009, IV 2008/53, i/S S. vom 11. Dezember
2007, IV 2006/147, und i/S K. vom 23. Mai 2008, IV 2008/11). Ein Unterstützter ist
aufgrund des auch für die sogenannte betreuende Sozialhilfe geltenden
Subsidiaritätsprinzips (vgl. Art. 7 des st. gallischen Sozialhilfegesetzes, sGS 381.1)
verpflichtet, eine Parteientschädigung zu beanspruchen und diese dann dem Sozialamt
zur Deckung des Vertretungsaufwandes zu überlassen (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S B. vom 11. März 2008, EL 2007/37).
Das Argument, das Sozialamt verfolge mit der Vertretung des Versicherten eigene
Interessen, vermag an dieser Rechtsprechung nichts zu ändern. Der Bedeutung der
Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von pauschal
Fr. 3'200.-- angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht