Decision ID: a76bffc1-91b4-4e82-82bb-db8e25927d80
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 196
1,
gelernter Buch- und Kleinoffsetdrucker,
arbei
tete zuletz
t seit dem 1. Februar 2017 als Aussendienstmitarbeiter
bei der
Y._
AG in
Z._
, ehe dies
e das Arbeitsverhältnis per 31.
Oktober 2017 kündigte (vgl. Urk. 8/7
-8
; Urk. 8/9 S. 4 Ziff. 5.4;
Urk. 8/32/3
14 S. 2 Ziff. 1
).
A
m 2. August 2018
meldete er sich
unter Hinweis auf ein
psychisches Leiden
bei der Invalidenversicherung zum L
eistun
gsbezug an (Urk. 8/9 S. 5 Ziff.
6.2
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische sowie erwerbliche Situation ab und erachtete
daraufhin
Einglie
derungsmassnahmen als derzeit nicht möglich (vgl. Mitteilung vom 3. Dezember 2018, Urk. 8/23). Nach weiteren Abklärungen stellte die IV-Stelle dem Versicher
ten mit Vorbescheid vom 7. Jun
i 2019 (Urk. 8/39) die A
bweisung
des Leistungs
gesuchs
in Aussicht. Dagegen erhob der Versic
herte Einwände (Urk. 8/46; Urk.
8/50
), woraufhin die IV-Stelle weitere Abklärungen tätigte.
Nach erneut durchgeführtem
Vorbescheidverfahr
en
(Urk. 8/82) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 13. Januar 2021 (Urk. 8/85 = Urk. 2) einen Leistungs
anspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 4. Februar 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 13. Januar 2021 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente
zuzusprechen. Eventuell seien ihm berufliche Massnahmen zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 15. März 2021 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 19. März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
einerseits und von Kompensationspotent
ialen (Ressourcen) andererseits
– erlauben, das tatsächlich erreichbare Leist
ungsvermögen einzuschätzen (BGE
141
V
281 E.
2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_449/2017 vom 7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichk
eitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivi
tätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsana
mnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Leistungsanspruch des Beschwerde
führers im Wesentlichen mit der Begründung
,
gemäss der Beurteilung des Regio
nalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
sei
kein langandauernder invalidisierender G
esundheitsschaden ausgewiesen. Als Auslöser für die Depression
würden aus
schliesslich psychosoziale Belastungsfaktoren aufgeführt. Zudem habe sich die depressive Symptomatik
verbessert, obwohl weder die Therapiefrequenz erhöht noch eine antidepressive Medikation
erfolgt
sei.
Eine adäquate Therapie in Bezug auf das psychische Leiden nehme der Beschwerdeführer nicht wahr. Eine ausge
prägte psychische Störung mit invaliditätsbegründender Wirkung sei
folglich
nicht ausgewiesen
(vgl. Urk. 2 S. 2; Urk. 7 S. 1
f
f.)
.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführ
er
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin
berücksichtige
die Berichte von drei psychiatrischen Fachärzten
nicht, welche
unabhängig voneinander ein
e mittel
schwere bis schwere
Depression mit ein
er vollständigen Arbeitsunfähigk
eit seit November 2017
d
iagnostizieren würden
. In Verletzung des Untersuchungs
grundsatzes habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen, bei Zweifeln weitere medizinische Abklärungen zu tätigen. Für sämtliche psychischen Erkrankungen sei ein ergebnisoffenes, strukturiertes Beweisverfahren anzuwenden. Es liege unabhängig von psychosozialen Faktoren eine depressive Erkrankung vor. Zu erwähnen sei
ausserdem
, dass das Kriterium der Therapierbarkeit einer Depression nur noch
als Indiz
bei der
Indikatorenprüfung
zur Anwendung gelange. Gestützt auf die
vorhandenen
medizinischen Berichte bestehe ein Rentenanspruch, wobei das Wartejahr bereits per 31. Oktober 2018 erfüllt gewesen sei.
Ausserdem
hätte die Beschwerdegegnerin Eingliederungsmassnahmen prüfen müssen (S. 5 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers. Dabei umstritten sind das Vorliegen eines invalidisierenden G
esundheitsschadens
sowie die verbliebene Arbeitsfähigkeit.
3.
3.1
Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 10. Juli 2018 eine psychiatrische Plausibilisierung zuhanden der Krankentaggeld
versicherung vor (Urk. 8/15/2-12). Dabei diagnostizierte er eine gegenwärtig mittel
gradige
bis teils noch schwer
e depressive Episode
mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Aktuell sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
auszugehen (S. 5
f
f.
Ziff. 4,
Ziff. 6.1).
Oberflächlich wirke der Beschwerdeführer uneingeschränkt und ohne Probleme. Erst bei klarer Abfrage zeige sich die vollständige soziale Überforderung mit den aktuellen Anforderun
gen (S. 4 Ziff. 3). Bei genauer Abklärung hätten sich die
schwerstgradigen
Defizite in interaktioneller, affektiver und kognitiver Weise gezeigt (S. 7 Ziff. 6.1.a).
Trotz fehlender adäquater Therapie
sei es zu einer leichten B
esserung gekommen. So habe zu
nächst
eine schwere depressive Erkrankung vorgelegen, wogegen sich aktuell eine mittelgradige bis schwere Symptomatik zeige. Eine adäquate Behand
lung finde nicht statt, weshalb
eine Prognose schwierig sei (S. 7
Ziff. 6.2).
3.2
Am 12. November 2018 beantwortete Dr.
A._
die gestellten Rückfragen zur psychiatrischen Plausibilisierung
und erklärte
, dass der damalige Untersuchungs
b
efund eine erhebliche depressive Symptomatik
gezeigt habe. Es
seien keine Hinweise für
eine über eine Verdeutlichung hinausgehende
Aggravation
oder
Simulation ersichtlich gewesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerde
führer ausschliesslich auf Aggravation und Simulation basierende Symptom
bilder darstelle, sei möglich
,
allerdings als gering anzusehen. Die nun
zur Verfügung gestellte Dokumentation zeige eine erhebliche psychosoziale Belastungs
situation
. Aus einer solchen
Situation
heraus
könne eine depressive Reaktion entstehen. Es könne nicht abschliessend
beurteilt
werden, inwieweit der Beschwerdeführer während der Arbeitsunfähigkeit eine Tätigkeit in einem Schneeballsystem
ausgeübt habe
(
Urk. 8/32/18-21
S. 2
f.
).
3.3
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
wies
mit Schreiben vom 13. Dezember 2018 (Urk. 8/32/17)
auf eine seit Sommer 2018 weitere stetige
Besserung der depressiven Symptomatik
hin
.
Alle vierzehn
Tage
fänden
ambulante verhaltenstherapeutisch orientierte Gespräche statt. Aktuell
liege
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vor
.
3.4
Am 13. März 2019 erstattete Dr.
A._
s
ein psychiatrisches Gutachten zuhan
den der Krankentaggeldversicherung (Urk. 8/32/3-14).
Dabei
nannte
er eine gegenwärtig mittelgradig
e depressive Episode
ohne soma
tisches Syn
drom (ICD
10 F32.11)
als
Diagnose
mit Auswirkunge
n auf die Arbeitsfähigkeit (S.
6
Ziff. 6).
Die zentrale Problematik
bestehe in der
tiefe
n
Passivität mit der Forderung nach Versorgung gegenüber allen anderen. Auch trete eine Reizbarkeit
bei Verwehrung dieses Wunsches auf
(S. 6 Ziff. 8). De
r Beschwerdeführer nehme alle vierzehn
Tage eine ambulante psyc
hotherapeutische Therapie wahr, wobei es
zu einer
leichten
Besserung der Symptomatik
gekommen sei
. Bei fehlender adäquater Behandlung sei
es sehr wahrscheinlich
, dass keine signifikante Besserung
mehr
zu erwarten sei
. Es
bestehe
eine aggressive Grundhaltung gegenübe
r psychiat
rischen Medikamenten und ein
erhebliches
Complianceproblem
.
Eine
Intensi
vierung der Psychotherapie
finde nicht
statt.
Die Motivation zur Rückkehr an eine Arbeitsstelle
sei klein.
Der Leidensdruck mit
dem Durchführen
einer adäquaten Therapie
sei sehr gering.
Bei adäquater Therapie bestehe innerhalb von drei bis sechs Monaten eine etwa 50%ige Wahrscheinlichkeit, dass eine Arbeitsfähigkeit wieder herstellbar sei.
Es sei jedoch problematisch, dass der Beschwerdeführer selbst davon ausgehe, dass er während 24 Monaten ein Tagge
ld von der Ver
sicherung und danach
eine Invaliden- sowie anschliessend eine Altersrente erhalte
(S. 7 f. Ziff. 9).
I
n der bisherigen Tätigkeit
bestehe aktuell eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(S. 8 Ziff. 10). Auch in einer angepassten Tätigkeit sei
derzeit
bei fehlender adäquater Behandlung
prognostisch
mindestens von einer eher langfristigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Per 1. September 2019 sei
dem Beschwerdeführer
eine selbst angeleitete Tätigkeit wie beispielsweise einfache Hauswarttätigkeit als Hilfstätigkeit
zu 50 % zumutbar. In einem
Zeitraum von drei Monaten sollte dann eine entsprechende Tätigkeit
zu 100 %
möglich sein (S. 9 f. Ziff. 13). Die angegebenen Nebenwirkungen bezüglich der Medikamente seien medizinisch nicht nachvollziehbar und nicht wahrscheinlich.
Aktuell
sei von eine
r
Complianceproblematik
, einem
niedrigen Leidensdruck
sowie
von Hin
weisen auf Aggravation und Leistungsbegehren auszugehen (S. 10 f. Ziff. 15).
3.5
Mit Schreiben vom 12. April 2019 (Urk. 8/44)
gab Dr.
B._
an
, dass er den Beschwerdeführer seit Februar 2018 behandle. Die Behandlung erfolge ein- bis zweimal pro Monat. Der Beschwerdeführer sei seit Herbst 2017 vollständig arbeitsunfähig. Damals habe sich eine ausgeprägte depressive Symptomatik gezeigt, welche bis heute anhalte
. Es bestehe eine Unverträglichkeit gegenüber verschiedener Antidepressiva
(S. 1). Es könne eine mittelgradige bis schwere depressive Störung (ICD-10 F32.1) diagnostiziert werden. Aufgrund des bisherigen Verlaufs
sei
keine Prognose
möglich
. Der Beschwerdeführer sei derzeit in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig (S.
2).
Am 28. April 2020 beantwortete Dr.
B._
die von der Bes
chwerdegegnerin gestellten F
ragen in dem Sinne,
dass
die Situation unverändert sei und weiterhin eine depressive Störung (ICD-10 F32.1) sowie eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit in jeglicher Tätigkeit vorlägen. Sei
t April 2019 würden regelmässig
ambulante Gesprächstermine wahrgenommen. Eine medikamentöse anti
depressive Behandlung erfolge nicht.
Aufgrund
von
Nebenwirkungen hätten
die
Versuche mit verschiedensten Wirkstoffen abgebrochen werden müssen. Eine stationäre Behandlung sei bisher aufgrund der schwierigen familiären Verhält
nisse nicht erfolgt (vgl. Schreiben vom 28. April 2020, Urk. 8/63).
3.6
Die Ärzte der Psychiatrie
C._
infor
mierten am 19. Juni 2020 über die erfolgte konsiliarische Abklärung (Urk. 8/65).
Dabei kamen sie zum Schluss, dass
eine schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) vor
liege
.
Die grossen Enttäu
schungen der letzten Jahre
auf fast allen Ebenen des täglichen Erlebens hätten beim Beschwerdeführer negative Spuren hinterlassen.
Der Kampf um seine Existenz
habe
seine persönlichen und finan
ziellen Ressourcen aufgebraucht. Im Vordergrund stehe eine adäquate Existenz
sicherung. Danach wäre nach einer entsprechenden Erholungsphase zumindest eine teilweise Arbeitsfähigkeit wieder denkbar (S. 2).
3.7
Mit RAD-Stellungnahme vom 31
.
August 2020 erkannte Dr. med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
dass in den Akten ausschliesslich psychosoziale Belastungsfaktoren als Auslöser der Depression aufgeführt würden. Im Verlauf habe sich die depressive Symp
tomatik zudem verbessert und dies
ohne
höherfrequente
Psychotherapie
sowie
ohne antidepressive Medikation. Ein dauerhafter Gesundheitsschaden sei aktuell nicht ausgewiesen
(vgl. Urk. 8/80 S. 5
f.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Leistungsanspruch
des Beschwerde
führers
gestützt auf die RAD-
Stellungnahme
von Dr.
D._
(vorstehend E. 3.7)
,
wonach
kein langandauernder
,
invalidisierender Gesundheitsschaden ausge
wiesen sei.
Die
se
RAD-
Beurteilung vermag
indessen
nicht zu überzeugen.
4.2
So ist die Ursache
einer
depressiven Störung für d
eren
Beurteilung
nicht ausschlaggebend. Es ist der Beschwerdegegnerin
(vgl. ihre Ausführ
ungen in Urk.
7 S. 2)
zwar dahingehend beizupflichten, dass sich den medizinischen Akten als Auslöser der Beschwerden
insbesondere
eine Konfliktsituation am Arbeitsplatz
sowie
die damit
einhergehenden
persönlichen und finanziellen Sorgen
ent
nehmen lässt
, mithin
eine erhebliche psychosoziale Belastungssituation
(vgl. Urk. 8/32/18-21 S. 2 f
.; Urk. 8/44 S. 1; Urk. 8/65 S.
1 f.
). Das Bestehen belastender psychosozialer Faktoren schliesst jedoch einen invalidisierenden Gesundheits
schaden gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht per se aus, sondern nur, wenn Beeinträchtigungen einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren. Dies ist dann nicht der Fall, wenn das Beschwerdebild davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde umfasst. Solche von der sozio
kulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität ge
sprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Den vorhandenen
medizinischen
Berichten zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerde
führers kann
indessen
nicht mit hinreichender Klarheit entnommen werden, ob und wie sich die vorhandenen psychosozialen Faktoren auf
das Beschwerdebild auswirken, sowie
ob die beurteilenden Fachpersonen ihre Einschätzung in Kennt
nis der diesbezüglich notwendigen Abgrenzungen abgaben
und diese invaliden
versicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände bei der Einschätzung der Arbeits
- und Erwerbs
fähigkeit ausklammerten (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2
018 vom 7.
Mai 2019 E.
5.2.1).
4.3
Zudem erweist sich die von der
RAD
-Ärztin
erwähnte angebliche Besserung des Gesundheitszustandes als
nicht einschlägig
.
So beschrieb Dr.
A._
(vorste
hend E. 3.1-3.2; E. 3.4
)
zwar eine leichte Besserung der Symptomatik,
indem sich die
zunächst
vorhandene
mittelgradige bis schwere depressive Episode
in eine
solche
nur noch
mittelgradige
r
Ausprägung
abschwächte;
dies allerdings bei gleichbleibender v
ollständiger Arbeitsunfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
.
Auch der behandelnde Psychiater Dr.
B._
(vorstehend E. 3.3; E. 3.5
)
wies auf eine stetige Besserung der depressiven Symptomatik seit Sommer 2018 hin. Allerdings gab
Dr.
B._
auch an, dass damals eine ausgeprägte depressive Sympto
matik vorgelegen habe, welche bis heute anhalte, und auch er erachtete den Beschwerdeführer weiterhin als vol
lständig arbeitsunfähig
in jeglicher Tätigkeit
. Schliesslich wurde von den zuletzt konsultierten Ärzte
n
der
Psychiatrie C._
(vorstehend E.
3.6)
wiederum eine schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2
)
bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit
diagnostiziert
. Eine
erhebliche
Besserung des psychischen Gesundheitszustandes
mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers
lässt sich den Akten demzufolge nicht entnehmen. Viel
mehr
wird
in
sämtlichen vorhandenen
medizinischen
Berichten eine
derzeit
weiterhin
vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit bei Vorhanden
sein einer depressiven
Störung unterschiedlichen Ausmasses
festgehalten.
4.4
Schliesslich ist g
emäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für alle psychischen Erkrankungen
– auch für depressive Störungen -
ein strukturiertes, ergebnis
offenes Beweisverfahren anhand von Standardindikatoren
durchzuführen (vorstehend E. 1.3-1.4
).
Es ist in allen Fällen durch den Versicherungsträger und im Beschwerdefall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der
massgebenden
Indikatoren hinreichend und nachvollziehbar begründet haben (BGE 145 V 361 E. 4.3). Dies kann vorliegend nicht geprüft werden,
fehlt es
d
en
aktenkundigen
medizinischen Berichten
doch
an den
diesbezüglich
erforderlichen Angaben.
D
as psychiatrische Gutachten von Dr.
A._
(vorstehend E. 3.4) und seine weiteren Berichte (vorstehend E. 3.1-3.2)
wurden
im Auftrag der Krankentaggeld
versicherung erstattet
und
orientierten
sich demensprechend nicht an den für das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren massgebenden Standardindikatoren
.
So hat Dr.
A._
beispielsweise nicht dargetan, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde – unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten - die berufliche-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
Hinsichtlich der
Berichte des behandelnden Psychiaters Dr.
B._
(vorstehend E. 3.3, E. 3.5) sowie der Ärzte der
Psychiatrie C._
(vorstehend E. 3.6)
ist auf die ausgesprochene Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag (BGE 137 V 210 E. 1.2.4, 124 I 170 E. 4) hinzuweisen und die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass Haus
ärzte
– beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts
I
551/06 vom 2. April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Eine
umfassende Prüfung der Standard
indikatoren
ist
anhand dieser
-
nicht besonders aussagekräftigen
-
Berichte
eben
falls
nicht möglich.
4.5
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unvollständig, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese
den Gesund
heitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens
unter Ausklammerung der vorhandenen psycho
sozialen Belastungsfaktoren
abkläre und
über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewil
ligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
– oh
ne Rücksicht auf den Streitwert
– nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien ist die Prozess
entschädigung vorliegend auf Fr
. 1'800.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen.