Decision ID: 08d24303-9a43-48ef-a023-263e81cd92a8
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ C.D. ist Eigentümerin der unbebauten Parzelle Nr. 0000, Grundbuch Wartau, in
Azmoos. Die 613,35 m grosse Parzelle liegt gemäss Zonenplan der Politischen
Gemeinde Wartau vom 26. März 2010 in der Wohnzone W3. Das Baugrundstück wird
auf zwei Seiten durch die Q.-strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse [bis zur südlichen
Parzellenecke] und 3. Klasse [Südost- und Nordostseite]) erschlossen. An der
südwestlichen Grenze verläuft der Q.-Z.-fussweg (Weg 1. Klasse). Die umliegenden
Grundstücke sind mit Einfamilienhäusern überbaut.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B./ a) Am 18. August 2011 ersuchte X.Y. um Baubewilligung für ein Einfamilienhauses
mit Garage und gedecktem Sitzplatz auf dem Grundstück Nr. 0000. Innert der
Auflagefrist vom 25. August bis 7. September 2011 liessen die beiden Eigentümer des
südöstlichen Nachbargrundstücks Nr. 0001 A.B. und E.K. am 5. September 2011
öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Einsprache erheben. Dabei verwiesen sie vor
allem auf den schwierigen Baugrund und machten geltend, während der Bauphase
würden übermässige Immissionen entstehen.
b) An der ersten Einigungsverhandlung vom 18. Oktober 2011 verpflichtete sich die
Bauherrin zu einer Probepfählung mit Erschütterungsmessungen. Diese fand am
28. Oktober 2011 statt. Gleichentags fand die zweite Einigungsverhandlung statt.
Dabei verpflichtete sich die Bauherrin, für die Q.-strasse ein Zustandsprotokoll, für die
Liegenschaft der Einsprecher ein Rissprotokoll und zur sicheren Fundation des
geplanten Einfamilienhauses einen geologischen Bericht zu erstellen. Des Weiteren
sagte die Bauherrin zu, eine Versicherung abzuschliessen sowie aufzuzeigen, wie
erschütterungsarm gerammt werden könne. Die Nachbarn sprachen der
durchgeführten Messung mit Schreiben vom 3. November 2011 jeglichen Beweiswert
ab. Die Zustands- und Rissprotokolle und der Bericht datieren vom 15. und
21. November 2011. Zu den von den Einsprechern gestellten Fragen nahm der von der
Baubehörde beauftragte Geologe am 4. Januar 2012 Stellung. Für eine generelle
Beurteilung erachtete dieser weitere Detailpläne als unnötig, da seiner Meinung nach
auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden könne. Relevant seien einzig die aus dem
Einbringen der Pfahlfundation resultierenden Erschütterungen, welche die Grenzwerte
gemäss Schweizer Norm für Erschütterungen SN 640 312a einhalten müssten. Wie tief
die Pfähle dabei eingebracht werden müssten, sei hinsichtlich der Auswirkungen auf
den Nachbarliegenschaften nicht entscheidend.
c) Da die Einsprache der Nachbarn gleichwohl nicht gütlich erledigt werden konnte,
wies der Gemeinderat am 10. Januar 2012 (versandt am 20. Januar 2012) die
privatrechtliche Einsprache ab und hiess die öffentlich-rechtliche insofern gut, als er die
Bauherrin verpflichtete, für sämtliche umliegenden Liegenschaften Rissprotokolle zu
erstellen, bei den Nachbargebäuden mit Flach-Fundation vor Baubeginn je zwei
Nivellier-Kontrollpunkte in unterschiedlicher Entfernung zum Bauprojekt zu setzen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
während der ganzen Pfählungsarbeiten Erschütterungsmessungen durchzuführen.
Gleichzeitig bewilligte er das Gesuch mit entsprechenden Auflagen.
C./ a) Gegen diesen Beschluss liessen beide Parteien am 2. bzw. 6. Februar 2012 beim
Baudepartement des Kantons St. Gallen Rekurs erheben. Die Bauherrin verlangte die
kostenpflichtige Aufhebung der Auflagen und dass die Kosten des
Einspracheverfahrens vollumfänglich von den Einsprechern zu bezahlen seien. Die
Einsprecher verlangten die kostenpflichtige Aufhebung der Bewilligung und dass die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an die Baubehörde
zurückgewiesen werde. Eventuell sei die Baubewilligung unter den Auflagen zu
bewilligen, dass für die Fundation eine Pfählung mit Rammen unzulässig bzw. dass
eine allfällige Fundation mit Bohrpfählen vorzunehmen sei. Weiter forderten sie vor
Baubeginn einen entsprechenden Plan, der von der Baubehörde genehmigt und ihnen
vorgängig zur Stellungnahme zugestellt werde.
b) Die Rekursinstanz entschied am 18. Juni 2012 über die Streitsache und hiess dabei
den Rekurs der Einsprecher teilweise, den Rekurs der Bauherrin im Sinn der

Erwägungen gut. Dabei befand sie, dass Zustandserhebungen bzw. Rissprotokolle als
auch die Setzung von Nivellierkontrollpunkten und Erschütterungsmessungen während
der Pfählungsarbeiten einzig der vorsorglichen Beweissicherung im Hinblick auf
allfällige spätere Schadenersatzansprüche dienen würden. Zuständig für solche
vorsorgliche Beweissicherungen seien ausschliesslich die Zivilgerichte, nicht aber die
Baubewilligungsbehörden. Dementsprechend seien die entsprechenden Auflagen
aufzuheben und der Rekurs der Bauherrin gutzuheissen. Ein nach Art. 34 des
Einführungsgesetzes zur eidgenössischen Umweltschutzgesetzgebung (sGS 672.1,
abgekürzt EG-USG) verlangter Mitbericht des Amtes für Umwelt hinsichtlich der
befürchteten Erschütterungen sei schon deshalb unnötig, weil das EG-USG vom
19. April 2011, in Kraft seit 1. Januar 2012, gemäss Art. 65 EG-USG auf das am
18. August 2011 eingeleitete Verfahren nicht anwendbar sei. Die Probepfählung vom
28. Oktober 2011 mittels Holzpfahl mit Betonaufsatz habe ergeben, dass der zulässige
Maximalwert gemäss Schweizer Norm SN-640 312a weit unterschritten würde. Auf
Grund der Messung des Ingenieurbüros R. GmbH sei damit stichhaltig nachgewiesen,
dass die Fundierung mittels vibrationsarmer Pfählung durch die Schnellschlagramme
ohne Schäden an den umliegenden Bauten und Anlagen möglich sei.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dementsprechend habe die Dr. T. AG in ihrem Bericht vom 21. November 2011 eine
erschütterungsarme Pfählungsmethode empfohlen, um Schäden an den benachbarten
Bauten und Anlagen mit teilweise sehr unterschiedlicher Empfindlichkeit möglichst zu
vermeiden. In Frage kämen Bohrpfähle, Verdrängungsbohrpfähle oder
erschütterungsarm eingebrachte Pfähle/Gusspfähle. Immerhin liege der Baugrund in
einem Bachschuttkegel, der aus inhomogenen Wechselablagerungen aufgebaut sei.
Zudem könnten Hinterwasserablagerungen vorhanden sein. Konkret sei die Pfählung
möglichst setzungsarm auszuführen. Mit Blick darauf sei nicht nachvollziehbar,
weshalb die Baubehörde die empfohlene setzungsarme Pfählung nicht als Auflage in
die Baubewilligung aufgenommen habe, zumal sie selber ausgeführt habe, dass sie
keine Veranlassung habe, sich über die Feststellungen und Empfehlungen des
Fachmanns hinwegzusetzen. Der Rekurs der Einsprecher sei deshalb teilweise
gutzuheissen und die Baubewilligung mit der entsprechenden Auflage zu ergänzen.
D./ a) Gegen den Rekursentscheid liess die Bauherrin am 4. Juli 2012 beim
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde erheben. Mit
Beschwerdeergänzung vom 6. August 2012 beantragt sie, dass der Rekursentscheid
kostenpflichtig aufgehoben werde, soweit damit der Rekurs ihrer Nachbarn teilweise
gutgeheissen worden sei. Zudem sei ihr für die beiden Rekursverfahren nicht bloss eine
Umtriebsentschädigung, sondern eine vollumfängliche Entschädigung nach Ermessen
zuzusprechen. Alsdann habe die Vorinstanz ihren Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt, da sie ihren Antrag auf Nichteintreten zufolge offenbaren Rechtsmissbrauchs
nicht behandelt habe.
E./ Die vormaligen Einsprecher erhoben ihrerseits am 4. Juli 2012 Beschwerde. Mit
Beschwerdebegründung vom 23. August 2012 beantragen sie die kostenpflichtige
Aufhebung des Rekursentscheids und der Baubewilligung. Die Angelegenheit sei an
die Baubehörde bzw. das Baudepartement zur ergänzenden Abklärung des
Sachverhalts und neuen Entscheidung zurückzuweisen. Schliesslich sei ihnen eine
volle Parteientschädigung zuzusprechen. Konkret fordern sie einen Plan bzw. Angaben
dazu, wo, wie und wie tief und mit welcher Anzahl an Pfählen die Fundation ausgeführt
werde. Alsdann verlangen sie Baugrunduntersuchungen, so dass man entscheiden
könne, ob eine Fundation überhaupt nötig sei bzw. ob die Baute auch anders
stabilisiert werden könnte, zum Beispiel mit einer Unterkellerung. Die Vorinstanz habe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
insofern eine Rechtsverweigerung begangen, als sie nicht all ihre Einwände
abgehandelt habe. Alsdann sei die verfügte Auflage, dass die Pfählungsmethode
erschütterungsarm durchgeführt werde, zu wenig präzis.
F./ Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 3. September 2012 die
Abweisung der beiden Beschwerden. Die Beschwerdebeteiligte liess sich nicht
vernehmen.
G./ Die Beschwerdegegnerin 2 beantragt mit Eingabe vom 21. September 2012 die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde der Gegenpartei, soweit darauf
einzutreten sei. Am 16. Oktober 2012 beantragen die Beschwerdegegner 1 die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde der Beschwerdeführerin 1. Gleichentags
nahmen sie, dieses Mal in der Rolle der Beschwerdeführer 2, Stellung zur
Vernehmlassung der Vorinstanz und zur Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin
2. Am 5. Februar 2013 machten die verfahrensbeteiligten Nachbarn geltend, dass die
Bauherrin an den beiden Beschwerdeverfahren gar kein Rechtsschutzinteresse mehr
habe, da sie ihr Bauvorhaben mittlerweile auf einem anderen Grundstück realisiere. Die
Bauherrin nahm dazu am 18. Februar 2013 Stellung.
H./ Auf die von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen werden von Amtes wegen geprüft:
1.1. Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt VRP) sachlich zur Behandlung der
gegen einen Entscheid des Baudepartementes erhobenen Beschwerde zuständig. Die
Beschwerdeverfahren B 2012/142 und B 2012/147 betreffen den gleichen
Streitgegenstand, wobei sie die gleichen Tatbestands- und zum Teil die gleichen
Rechtsfragen aufwerfen. Es rechtfertigt sich daher, die zwei Beschwerden in einem
einzigen Entscheid zu behandeln und die beiden Beschwerdeverfahren zu vereinigen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.2. Als Adressaten des Rekursentscheids sind die Beschwerdeführer zur Ergreifung
des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingaben entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und
Abs. 2 VRP).
1.3. Die Nachbarn machen geltend, der Bauherrin bzw. Baugesuchstellerin fehle das
schutzwürdige bzw. aktuelle Interesse an den beiden vorliegenden
Beschwerdeverfahren, weil sie das geplante Einfamilienhaus wohl nie realisieren werde.
Die Bauherrin verlangt gleichwohl einen Entscheid.
Die Baubewilligung ist die behördliche Feststellung, dass der Verwirklichung des
Bauvorhabens keine öffentlich-rechtlichen Hindernisse im Weg stehen (Art. 87 Abs. 1
des Baugesetzes, sGS 731.1, abgekürzt BauG). Damit wird lediglich festgestellt, dass
gegen die beabsichtigte Tätigkeit keine polizeilichen Hindernisse vorliegen (B. Heer, St.
Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, N 847). Sie erlischt, wenn die
Bauarbeiten nicht innert Jahresfrist nach Eintritt der Rechtskraft begonnen werden,
wobei sie zweimal um ein Jahr verlängert werden kann (Art. 88 Abs. 1 und 3 BauG). Die
Bewilligung ist projektbezogen und muss nicht vom ursprünglichen Gesuchsteller
selbst realisiert werden. Für das gleiche Grundstück können gleichzeitig auch mehrere
Gesuche gestellt werden, wobei es dem Bauherrn freisteht, welches der bewilligten
Projekte er allenfalls realisieren will. Allein die Tatsache, dass die Bauherrin
zwischenzeitlich anderswo ein Einfamilienhaus realisiert, schmälert ihr Interesse daran,
dass ihr Bauprojekt gerichtlich überprüft und schliesslich rechtskräftig bewilligt wird,
somit nicht. Solange sie ihr Baugesuch nicht zurückzieht, ist darüber zu befinden.
1.4. Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerden einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin 1 macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs geltend, weil die Vorinstanz über ihren Nichteintretensantrag nicht
befunden hat. Diesen hatte sie damit begründet, dass die Beschwerdegegner 1
zweckwidrig Einsprache erhoben und sich sodann rechtsmissbräuchlich verhalten
hätten. Auch die Beschwerdeführer 2 rügen, dass sich die Vorinstanz nicht mit all ihren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einwänden auseinandergesetzt und so den Grundsatz des rechtlichen Gehörs verletzt
habe.
2.1. Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101) haben die Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Der Betroffene hat das Recht, sich vor Erlass eines in
seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern. Dazu gehört
insbesondere das Recht, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen
Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise
entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern.
Wesentlicher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist die
Begründungspflicht. Die Begründung soll verhindern, dass sich die Behörde von
unsachlichen Motiven leiten lässt, und dem Betroffenen ermöglichen, die Verfügung
gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie
auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen
können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden,
von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt.
Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann
sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133
I 270 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.2. Der Gehörsanspruch ist formeller Natur. Wird eine Verletzung des Anspruchs
festgestellt, muss der angefochtene Hoheitsakt grundsätzlich aufgehoben werden ohne
Rücksicht darauf, ob die Anhörung für den Ausgang des Verfahrens relevant ist, das
heisst die Behörde zu einer Änderung des Entscheids veranlassen wird oder nicht
(Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2006, Rz.
1709; BGE 137 I 195 E. 2.2 mit Hinweis).
2.2.1. Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung kann jedoch geheilt werden,
wenn der Betroffene die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu
äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage mit mindestens gleicher
Kognition wie die Vorinstanz prüfen kann (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar, 2.
Auflage, Zürich/St. Gallen 2008, N 32 f. zu Art. 29 BV). So ist die Verweigerung des
rechtlichen Gehörs oder die Verletzung der Begründungspflicht durch die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erstentscheidende Behörde regelmässig im Rekursverfahren heilbar, da die
Rekursbehörden mit umfassender Kognition entscheiden (Art. 46 VRP). Demgegenüber
ist das Verwaltungsgericht grundsätzlich nur zur Rechtskontrolle befugt (Art. 61 VRP;
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz.
731 f.).
2.2.2. Die Heilung soll gleichwohl die Ausnahme bleiben, weil dem Betroffenen damit
eine Instanz verloren gehen kann. Die Gehörsverletzung kann aber selbst bei einer
schwerwiegenden Verletzung geheilt werden, wenn und soweit die Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der
betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren
wären. Auch in diesem Fall muss die Rechtsmittelinstanz aber über die gleiche
Kognition wie die Vorinstanz verfügen (Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches
Verfahrensrecht, Zürich/St. Gallen 2012, N 266, BGE 133 I 201 E. 2.2, BGE 132 V 387
E. 5.1 mit Hinweis).
2.3. Die Rekursbehörde ist auf die Rekurse eingetreten, weil diese frist- und
formgerecht erfolgt seien. Zum Einwand des Rechtsmissbrauchs hat sie nichts
ausgeführt. Gemäss ihrer Vernehmlassung war dies deshalb unnötig, weil sie auf den
Rekurs der Einsprecher eingetreten sei und diesen in der Folge teilweise geschützt
habe. Nachdem die Vorinstanz den Nichteintretensantrag und die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin 2 zum behaupteten Rechtsmissbrauch zumindest in den
tatsächlichen Ausführungen aufgenommen hat (vgl. lit. D c des angefochtenen
Entscheids), steht fest, dass sie vom entsprechenden Einwand des Rechtsmissbrauchs
Kenntnis genommen hat. Alsdann hat sie die Beanstandung als offensichtlich nicht
gegeben erachtet, zumal sie - wie bereits vorher die Baubehörde die Einsprache - den
Rekurs der Nachbarn zumindest teilweise geschützt hat.
2.4. Darüber hinaus könnte die Unterlassung als nicht besonders schwere Verletzung
auch ohne Weiteres geheilt werden. Das Rechtsmissbrauchsverbot ist Teil des
Grundsatzes von Treu und Glauben und stellt damit eine Rechtsverletzung dar, die vom
Gericht überprüft werden kann (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 715).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.4.1. Die Einspracheberechtigung von Nachbarn richtet sich nach Art. 45 VRP (Heer,
a.a.O., N 933) und Art. 83 Abs. 2 BauG. Zur Erhebung ist demnach berechtigt, wer an
der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheids ein schutzwürdiges
Interesse dartut. Schutzwürdig ist das Interesse dann, wenn der Betroffene rechtlich
geschützte Interessen geltend macht oder wenn eine Verfügung oder ein Entscheid
seine tatsächliche Interessenlage mehr berührt als diejenige irgendeines Dritten oder
der Allgemeinheit. Das schutzwürdige Interesse besteht im "praktischen Nutzen", den
ein erfolgreich geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in seiner rechtlichen oder
tatsächlichen Situation einträgt, bzw. in der Abwendung materieller, ideeller oder
sonstiger Nachteile, die ein Bestand der angefochtenen Verfügung oder des
Entscheids mit sich bringen würde (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 39). Das
Anfechtungsinteresse muss dabei nicht mit dem Interesse übereinstimmen, das durch
die von der beschwerdeführenden Person als verletzt bezeichneten Normen geschützt
wird, wenn eine besondere Beziehungsnähe in räumlicher Hinsicht vorliegt. Demnach
können Nachbarn verlangen, dass ein Bauvorhaben im Lichte all jener Rechtssätze
überprüft werde, die sich rechtlich oder tatsächlich in dem Sinne auf ihre Stellung
auswirken, als dass ihnen im Fall ihres Obsiegens ein praktischer Nutzen entsteht (BGE
1C_236/2010 vom 16. Juli 2010 E. 1.4). Der konkrete praktische Nutzen des Nachbarn
besteht darin, dass das Bauvorhaben nicht wie geplant verwirklicht werden kann, wenn
er mit seiner Rüge durchdringt (VerwGE B 2010/233 vom 15. Dezember 2011 E. 3.1. f.
mit Hinweisen, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch; BGE 1C_37/2011 vom 14. April
2011 E. 2.3.3 mit Hinweisen). Rechtsmissbrauch läge insbesondere dann vor, wenn die
Einsprache zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses
Rechtsinstitut nicht schützen will (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 716).
2.4.2. Die verfahrensbeteiligten Nachbarn haben Einsprache erhoben, weil sie während
der Bauphase übermässige Beeinträchtigungen ihres Grundstücks durch das nötige
Pfählen auf dem Baugrundstück befürchten. Art. 52 BauG regelt, dass Bauten und
Anlagen unter anderem bereits während ihrer Erstellung gemäss den Regeln der
Baukunde den notwendigen Erfordernissen der Sicherheit zu entsprechen haben. Die
grundsätzlich einspracheberechtigten Nachbarn hatten somit das Recht, im Rahmen
des Einspracheverfahrens zu verlangen, dass die geplante Fundierung des
projektierten Gebäudes nach dieser sicherheitspolizeilichen Vorschrift erfolgen werde,
damit ihr Grundeigentum nicht geschädigt wird. Dass sich die Behörden und die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bauherrin dabei auf zahlreiche und langwierige Einigungsverhandlungen eingelassen
haben, die schliesslich nicht zielführend waren, lassen die Ausübung ihres
grundsätzlichen Rechts, Einsprache zu erheben, nicht rechtsmissbräuchlich
erscheinen. Allein die Tatsache, dass über Monate verhandelt wurde und sowohl die
Baubehörde als auch die Rekursinstanz die Baubewilligung schliesslich nur unter
Auflagen zu Gunsten der Einsprecher erlassen bzw. bestätigt haben, spricht ebenfalls
gegen die Behauptung, dass die Nachbarn ihre Einsprache zweckwidrig bzw. trölerisch
erhoben hätten. Das Gleiche gilt für ihr Verhalten während der
Einigungsverhandlungen. Nachdem sich bereits anlässlich der ersten
Einigungsverhandlung abgezeichnet hatte, dass man sich wohl nicht finden werde, weil
die Einsprecher Garantien verlangten, welche die Bauherrin nicht erfüllen wollte oder
konnte, wäre es vielmehr an dieser bzw. der Baubehörde gewesen, die Verhandlungen
abzubrechen und einen Entscheid zu erwirken bzw. zu fällen. Damit erweist sich der
Einwand, die Beschwerdeführer 2 hätten ihre Einsprache rechtsmissbräuchlich
erhoben und sich bei den Einigungsverhandlungen trölerisch verhalten, als nicht
stichhaltig, weshalb die Vorinstanzen zu Recht auf die Einsprache bzw. den Rekurs
gegen den Einspracheentscheid eingetreten sind.
2.4.3. Die Beschwerdeführer 2 bemängeln, dass sich dem angefochtenen Entscheid
keine Begründung entnehmen lasse, weshalb kein Plan verlangt werden könne, der die
als zulässig erachtete und bewilligte Fundation enthalte. Die Begründungspflicht
gebietet es wie gesagt nicht, dass sich ein Entscheid mit jedem einzelnen Argument,
das im Prozess vorgetragen wird, auseinandersetzt, besonders dann nicht, wenn
dieses offensichtlich unbegründet ist (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1057). Die Vorinstanz
hat zum Einwand, dass die Fundation mittels Bohrpfählen zu erfolgen habe,
Ausführungen getroffen, dass nicht mehr als die ergänzte Auflage verlangt werden
könne. Damit waren auch sämtliche, noch weitergehenden Forderungen an das
angefochtene Baugesuch mit abgehandelt, womit auch diesbezüglich keine
Gehörsverletzung bzw. "Rechtsverweigerung" vorliegt.
3.
3.1. Das Baugesuch muss die für die baupolizeiliche Beurteilung notwendigen
Unterlagen wie Situation, Grundriss, Ansichten, Schnitte und Kanalisationspläne,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
enthalten. Die Gemeinden können ergänzende Unterlagen verlangen (Art. 80 Abs. 2
und 3 BauG). Ein Fundationsplan wird nicht generell verlangt (Art. 15 des
Baureglements der Politischen Gemeinde Wartau vom 22. Juni 2009). Die
Bauverwaltung hat einen solchen auch nicht nachverlangt. Bauten und Anlagen
müssen nach Art. 52 BauG aber gleichwohl, das heisst unabhängig von den formellen
Voraussetzungen, den sicherheitspolizeilichen Vorschriften entsprechen, ansonsten sie
nicht bewilligt werden dürfen. In Baubewilligungen wird in diesem Zusammenhang in
der Regel auf SIA-Normen verwiesen (Heer, a.a.O., N 589). Für
Erschütterungseinwirkungen auf Bauwerke ist die SN-Norm 620 312a massgebend.
Die Normen entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Dies ist massgebend,
solange das Gesetz selber keine konkreten Werte vorschreibt (BGer 1C_216/2010 vom
28. September 2010 E. 3.2).
3.2. Die Bauherrin hat ihr Baugesuch mit einer privaten fachmännischen
Erschütterungsmessung vom 28. Oktober 2011 ergänzt. Gemäss dieser liegen die
Erschütterungen bei einer "erschütterungsarmen Pfählung" weit unter dem zulässigen
Maximum. Auch ein weiterer Experte empfiehlt in seiner geologischen Stellungnahme
vom 21. November 2011 betreffend das vorliegende Bauprojekt zu Handen der
Baubehörde eine "erschütterungsarme Pfählungsmethode", weil der Baugrund in
einem Bachschuttkegel aus inhomogenen Wechsellagerungen von tonigem Silt und
Feinsand mit Kieslagen liegt. Auf Grund des vorliegenden Baugrunds rechtfertigt es
sich daher, die Baubewilligung im Sinn von Art. 87 Abs. 2 BauG unter der Auflage zu
erteilen, dass die Fundation des Baugrunds mittels einer "erschütterungsarmen"
Pfählmethode vorzunehmen ist. Somit spielt es keine Rolle, dass die Nachbarn den
Beweiswert der vorgenommenen Probepfählung in Frage stellen. Jedenfalls bringen sie
nichts vor und auch sonst ist nicht ersichtlich, dass "erschütterungsarmes Pfählen"
Schäden an ihrer benachbarten Liegenschaft verursachen würde. Allein ihre
gegenteiligen Befürchtungen rechtfertigen die Verweigerung der öffentlich-rechtlichen
Baubewilligung bzw. den Erlass von weitergehenden Auflagen zur Bewilligung nicht.
3.3. Solange die gewählte Methode zur Fundation "erschütterungsarm" ist und damit
die normierten Maximalwerte eingehalten werden können, ist es allein Sache der
Bauherrin, die Methode dafür zu wählen (Art. 87 Abs. 1 BauG). Insofern ist die ergänzte
Auflage im vorinstanzlichen Rekursverfahren genügend präzis.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4. Die Beschwerdeführer 2 rügen sodann, dass dem Vorsorgeprinzip nach Art. 11
Abs. 2 des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01, abgekürzt USG) keine Nachachtung
geschenkt worden und insbesondere auch keine Alternativen, eine Unterkellerung zum
Beispiel, geprüft worden seien.
4.1. Nach dem in Art. 1 Abs. 2 USG verankerten Vorsorgeprinzip sind Einwirkungen, die
schädlich oder lästig werden könnten, frühzeitig zu begrenzen. Art. 11 Abs. 2 USG
konkretisiert diesen Grundsatz mit der Vorschrift, dass Emissionen im Rahmen der
Vorsorge und unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung soweit zu begrenzen
sind, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Die
Bestimmung von Art. 11 Abs. 2 USG will dem Fehlschluss entgegentreten, eine heute
noch geringe Gesamtbelastung dürfe durch zusätzliche Emissionen bedenkenlos bis
zur kritischen Grenze erhöht werden. Ein Vorhaben vermag mit anderen Worten vor
dem USG nicht schon dann zu bestehen, wenn die Belastungsgrenzwerte eingehalten
werden. Das Prinzip der vorsorglichen Emissionsbegrenzung, wonach jede unnötige
Emmission wie Lärm, Erschütterungen und Strahlen zu vermeiden ist, muss stets
beachtet werden. Aus dem Vorsorgeprinzip lässt sich jedoch nicht ableiten, von einer
Anlage Betroffene hätten überhaupt keine Belastung hinzunehmen. Das
Vorsorgeprinzip hat also hinsichtlich der Einwirkungen nicht zwingend eliminierenden
Charakter, leistet aber einen Beitrag zu deren Begrenzung. Das Kriterium der
wirtschaftlichen Tragbarkeit einer Massnahme schliesslich ist auf Unternehmungen
zugeschnitten, die nach marktwirtschaftlichen Prinzipien funktionieren. Gehen die zu
bekämpfenden Emissionen von anderen Quellen aus, fällt die wirtschaftliche
Tragbarkeit als Beurteilungskriterium dahin. Allfällige wirtschaftliche Gesichtspunkte
sind diesfalls im Rahmen der allgemeinen Verhältnismässigkeitsprüfung zu beachten.
Nach Ansicht des Bundesgerichtes lassen sich in Bezug auf Lärm in Fällen, wo die
massgebenden Planungswerte eingehalten werden, weitergehende
Emissionsbegrenzungen nur rechtfertigen, wenn mit relativ geringem Aufwand eine
wesentliche zusätzliche Reduktion der Emissionen erreicht wird (Baudepartement,
Juristische Mitteilungen, 2005/III Nr. 23 mit Hinweisen, abrufbar unter:
www.jumi.sg.ch). Analoges gilt für Erschütterungen: Werden die Grenzwerte wie
vorliegend bei weitem eingehalten, können zusätzliche Vorkehrungen zur Vermeidung
von Erdbewegungen nur verlangt werden, wenn diese ohne wesentliche zusätzliche
Kosten durchgeführt werden können.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2. Die vorliegende Baubewilligung wurde mit der Auflage ergänzt, dass die Fundation
"erschütterungsarm" erfolgen muss. Damit soll verhindert werden, dass auf den
Nachbargrundstücken Schäden, insbesondere Risse in den Gebäuden, entstehen. Die
dafür zulässigen Grenzwerte werden dabei voraussichtlich bei weitem unterschritten.
Die allenfalls gewählte Pfählung wird aber gleichwohl Erschütterungen auslösen. Die
entsprechenden lästigen Einwirkungen für die Menschen, Tiere und Pflanzen bzw. ihren
Lebensraum und ihre Lebensräume (Art. 1 Abs. 1 USG) werden dabei aber nur kurze
Zeit dauern. Mit Blick auf das oben Gesagte wäre es deshalb unverhältnismässig, statt
der erschütterungsarmen Pfählung eine kostenintensivere Fundation bzw. gar
Unterkellerung des geplanten Einfamilienhauses zu verlangen, bloss damit die
unmittelbaren Nachbarn während der relativ kurzen Bauphase keinerlei
Erschütterungen spüren würden. Somit besteht im Rahmen des öffentlich-rechtlichen
Baubewilligungsverfahrens konkret keine Notwendigkeit für irgendwelche
Vorsorgemassnahmen.
5. Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz die erlassenen Auflagen, die einzig der
vorsorglichen Beweissicherung im Hinblick auf allfällige spätere
Schadenersatzansprüche dienen, zu Recht aufgehoben hat. Demgegenüber dient die
stattdessen im Rekursverfahren verfügte Auflage, dass die Fundation des
Baugrundstücks mittels "erschütterungsarmer" Pfählmethode vorzunehmen ist, der
sicherheitspolizeilichen Vorschrift gemäss Art. 52 BauG, womit diese nach Art. 87
Abs. 2 BauG zulässig und nicht zu beanstanden ist. Die offen formulierte Auflage ist
dabei genügend bestimmt und lässt der Bauherrin dennoch hinreichend Freiraum, den
bewilligten Bau nach ihren eigenen Vorstellungen zu erstellen, solange damit die
massgebenden Grenzwerte eingehalten werden können. Die Auflage ist deshalb nicht
nur nötig, sondern auch zumutbar.
6. Die Beschwerdeführerin 1 lässt schliesslich rügen, dass ihrem Rechtsvertreter keine
Entschädigung nach der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (sGS
963.75, abgekürzt HonO), sondern bloss eine Umtriebsentschädigung zugesprochen
wurde. Sie lässt eine angemessene Entschädigung nach Ermessen geltend machen.
6.1. Ihr Rechtsvertreter war während des Rekursverfahrens (noch) nicht Rechtsanwalt.
Dies spielte insofern keine Rolle, als der Kanton St. Gallen keinen Anwaltszwang kennt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und die berufsmässige Vertretung somit nicht Anwälten vorbehalten ist, jedenfalls nicht
in Verfahren vor Verwaltungsbehörden. Den Vertretern ohne Zulassung als Anwalt wird
dabei praxisgemäss aber nur eine reduzierte Umtriebsentschädigung zugesprochen (R.
Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Diss., St. Gallen/Lachen 2004, S. 198 f.).
6.2. Der Vertreter der Beschwerdeführerin 1 bezeichnete sich im Rekursverfahren
selbst ausdrücklich als "Rechtskonsulent" und war als solcher abgesetzt von den
anderen patentierten Anwälten auf dem Briefpapier aufgeführt. Nochmals abgesetzt
davon war eine juristische Mitarbeiterin aufgeführt, die offensichtlich nochmals in einer
anderen Kategorie fungierte, sei es, dass sie als angestellte Anwältin oder
Anwaltspraktikantin arbeitete. Dass der "Rechtskonsulent" über eine
Anwaltspraktikantenbewilligung verfügte und somit unter der Verantwortung eines
patentierten Anwalts tätig war, womit er eine Entschädigung nach HonO hätte geltend
machen können, machte dieser weder geltend noch transparent. Auch musste die
Vorinstanz dies unter den gegebenen Umständen nicht abklären, da es im
Rekursverfahren eben gerade jeder handlungsfähigen Person möglich ist, jemanden
entgeltlich zu vertreten. Die Rekursinstanz hat der Beschwerdeführerin 1 somit
grundsätzlich zu Recht bloss eine reduzierte Umtriebsentschädigung ohne Bezug auf
die HonO zugesprochen.
6.3. Die Beschwerdeführerin 1 hat im Beschwerdeverfahren erstmals die
Praktikantenbewilligung ihres Rechtsvertreters vom 2. November 2011 nachreichen
lassen. Mit dieser Bewilligung gewährte der Präsident der Anwaltskammer des Kantons
St. Gallen dem Rechtsvertreter, längstens für drei Jahre unter der Verantwortung des
Fürsprechers Christoph Bernet die einem Anwalt vorbehaltene Tätigkeit auszuüben.
Diese Eingabe stellt ein unechtes Novum dar, die im Beschwerdeverfahren zu
berücksichtigen ist (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 643). Damit steht (nachträglich) fest,
dass dem Rechtsvertreter statt einer Umtriebsentschädigung eine Entschädigung nach
Tarif zuzusprechen ist. Der Umstand, dass der Rechtsvertreter diese neue Tatsache
erst im Beschwerdeverfahren geltend gemacht und belegt hat, ist jedoch bei der
Kostenregelung zu berücksichtigen (VerwGE B 2012/128,137 vom 22. März 2013 E.
1.5.1., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Die Beschwerdeführerin 1 hat im
vorinstanzlichen Verfahren obsiegt (Rekursentscheid Nr. 21/2012 vom 18. Juni 2012 E.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
9.4). Angemessen erscheint für das Rekursverfahren eine Entschädigung von Fr.
2'500.-- (inklusiv Barauslagen, zuzüglich Mehrwertsteuer, Art. 6, Art. 19, Art. 22 Abs. 1
lit. a, Art. 28bis Abs. 1 und Art. 29 HonO). Demnach ist Ziffer 5 lit. a des
Rekursentscheids Nr. 21/2012 vom 18. Juni 2012 aufzuheben bzw. entsprechend
anzupassen.
7. Zusammengefasst erweist sich die Beschwerde der Beschwerdeführerin 1 teilweise
als begründet, jene der Beschwerdeführer 2 als unbegründet. Die Beschwerde der
Beschwerdeführerin 1 ist deshalb im Sinn der Erwägungen teilweise gutzuheissen und
im Übrigen abzuweisen. Jene der Beschwerdeführer 2 ist abzuweisen.
8. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Kosten, die ein Beteiligter
durch Trölerei oder anderes ungehöriges Verhalten oder durch Verletzung wesentlicher
Verfahrensvorschriften veranlasst, gehen zu seinen Lasten. Ferner hat jeder Beteiligte
die Kosten zu übernehmen, die durch nachträgliches Vorbringen von Begehren,
Tatsachen oder Beweismitteln entstehen, deren rechtzeitige Geltendmachung ihm
möglich und zumutbar gewesen wäre (Art. 95 Abs. 2 VRP).
8.1. In der Sache selbst unterliegen sowohl die Beschwerdeführerin 1 als auch die
Beschwerdeführer 2. Die Beschwerdeführerin 1 obsiegt bezüglich ihrer Rüge betreffend
die ausseramtliche Entschädigung für das Rekursverfahren. Im Rekursverfahren hat
sich aber ihr Rechtsvertreter wie gesagt selber ausdrücklich als Rechtskonsulent ohne
Anwaltsbewilligung ausgegeben, weshalb die Vorinstanz ihm grundsätzlich zu Recht
bloss eine Umtriebsentschädigung zugesprochen hat. Unter den gegeben
Verhältnissen war sie dabei - wie bereits erwähnt - auch nicht gehalten, von Amtes
wegen weitere Abklärungen zu treffen, ob dieser entgegen seiner Selbstbezeichnung
allenfalls eine Praktikantenbewilligung besitzen sollte. Nachdem dieser diese Tatsache
erst im Beschwerdeverfahren geltend gemacht hat, hat die Beschwerdeführerin 1 die
Kosten des Beschwerdeverfahrens in Anwendung von Art. 95 Abs. 2 VRP trotz
teilweisem Obsiegen im Kostenpunkt selber zu tragen.
8.2. Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von insgesamt Fr. 3'000.-- (Art. 13
Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12), welche die Beschwerdeführerin 1
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und die Beschwerdeführer 2 je zu Hälfte zu bezahlen haben. Die geleisteten
Kostenvorschüsse von je Fr. 2'000.-- sind anzurechnen, womit noch je Fr. 500.--
zurückzuerstatten sind.
9. Die Parteientschädigungen werden entsprechend nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 98bis VRP). Ausgangsgemäss haben die Beschwerdeführer ihre
Parteikosten selbst zu tragen. Dies gilt nach dem oben Gesagten auch für die
Beschwerdeführerin 1, obgleich sie im Kostenpunkt teilweise obsiegt hat.
Demnach hat das Verwaltungsgericht