Decision ID: c9db8a1d-cf5c-46ce-b1c4-bb00a0612b22
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Am 11. März 2020 erhob die Kantonale Staatsanwaltschaft Anklage gegen
den Beschuldigten wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das
Sportförderungsgesetz, qualifizierter Widerhandlung gegen das
Heilmittelgesetz und qualifizierter Geldwäscherei.
2.
2.1.
Die erstinstanzliche Hauptverhandlung mit Befragung des Beschuldigten
fand am 12. November 2020 vor dem Bezirksgericht Bremgarten statt.
2.2.
Gleichentags erliess das Bezirksgericht Bremgarten den nachfolgenden
Beschluss:
Das Verfahren wird infolge Verjährung eingestellt betreffend die Anklage der gewerbsmässigen
Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz gemäss Art. 87 Abs. 2 i.V.m. 87 Abs. 1 lit. f und
Art. 86 Abs. 1 lit. b und c aHMG (Anklageziffer 2) für den Zeitraum vor dem 12.11.2013.
2.3.
Sodann erkannte das Bezirksgericht Bremgarten auf nachfolgendes Urteil,
welches es den Parteien mündlich eröffnete.
1.
Der Beschuldigte wird freigesprochen von der Anklage der Geldwäscherei (schwerer Fall)
gemäss Art. 305bis Ziff. 1 und 2 lit. c StGB (Anklageziffer 3, 3.-6. Punkt).
2.
Der Beschuldigte wird schuldig gesprochen
- der mehrfachen Geldwäscherei (schwerer Fall) gemäss Art. 305bis Ziff. 1 und 2 lit. c
StGB (Anklageziffer 3, 1. und 2. Punkt)
- der gewerbsmässigen Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz gemäss Art. 87
Abs. 2 i.V.m. 87 Abs. 1 lit. f und Art. 86 Abs. 1 lit. b und c aHMG (Anklageziffer 2.)
- der gewerbsmässigen Widerhandlung gegen das Sportförderungsgesetz gemäss
Art. 22 Abs. 2 und 3 lit. d i.V.m. Art. 22 Abs. 1 SpoFöG (Anklageziffer 1.)
3.
3.1.
Der Beschuldigte wird als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom
12.02.2020 gestützt auf Art. 40, 47 und 49 Abs. 2 StGB zu 3 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
3.2.
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 und 43 StGB für 18 Monate Freiheitsstrafe der
bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre
festgesetzt.
- 3 -
4.
4.1.
Der Beschuldigte wird als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom
12.02.2020 gestützt auf Art. 34, 47 und 49 Abs. 2 StGB zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen
zu je Fr. 30.00 verurteilt. Die Geldstrafe beläuft sich folglich auf Fr. 1'200.00.
4.2.
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der bedingte Strafvollzug
gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre festgesetzt.
5.
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 71 StGB verpflichtet, dem Kanton Aargau eine
Ersatzforderung von Fr. 90'000.00 zu bezahlen.
6.
Gestützt auf Art. 70 StGB wird folgender Vermögenswert eingezogen:
- Bargeld in der Höhe von Fr. 50'000.00 (Depotkonto)
7.
7.1.
Gestützt auf Art. 267 Abs. 3 i.V.m. 268 und 263 lit. b StPO werden folgende Vermögenswerte
eingezogen:
- Bargeld in der Höhe von Fr. 5'258.50
- Bankguthaben in der Höhe von Fr. 42'606.34 [...]
- Erlös der vorzeitigen Verwertung der beschlagnahmten Goldbestände (Beschluss vom
30.04.2020) in der Höhe von Fr. 322'734.15
- Grundstück in [...] Q., Grundstück [...], Liegenschaft R.
- Grundstück in [...] S., Grundstücke [...]
7.2.
Die eingezogenen Vermögenswerte gemäss vorstehender Ziffer 7.1. werden in nachfolgender
Priorisierung an die Deckung der nachfolgenden Positionen herangezogen:
- sämtliche Verfahrenskosten des vorliegenden Verfahrens (STA-ST.2014.42 inkl.
nachfolgender Gerichtsinstanzen)
- sämtliche Kosten der amtlichen Verteidigung des vorliegenden Verfahrens (STA-
ST.2014.42 inkl. nachfolgender Gerichtsinstanzen)
- sämtliche Verfahrenskosten des abgetrennten Verfahrens (STA-ST.2016.8 inkl.
nachfolgender Gerichtsinstanzen)
- sämtliche Kosten der amtlichen Verteidigung des abgetrennten Verfahrens (STA-
ST.2016.8 inkl. nachfolgender Gerichtsinstanzen)
7.3.
Für die nach Deckung der Positionen gemäss vorstehender Ziffer. 7.2. verbleibenden
Vermögenswerte gemäss Ziffer 7.1. wird die Beschlagnahme gemäss Art. 71 Abs. 3 StGB zur
Deckung der folgenden Forderungen aufrechterhalten:
- Ersatzforderung gemäss vorstehender Ziffer 5.
- 4 -
- Ersatzforderung gemäss Ziffer 4.1. des Urteils SST.2019.97 des Obergerichts des
Kantons Aargau vom 12.02.2020
Sofern die Beschlagnahme nicht durch betreibungsrechtliche Massnahmen ersetzt werden
sollte, ist die Staatsanwaltschaft gehalten, die sachgemässen Verfügungen zu treffen.
8.
8.1.
Folgende Gegenstände werden dem Beschuldigten zurückgegeben und sind innert 30 Tagen
seit Rechtskraft dieses Urteils bei der Gerichtskanzlei abzuholen, andernfalls diese vernichtet
werden:
- Aus 1. HD in S.: Pos. 2 und 31
- Aus HD in Q.: Pos. 3 und 12
- Aus HD in T.: Pos. 2, 3, 19, 23, 24, 26 - 33, 37 - 40, 42, 43
8.2.
Die folgenden Gegenstände bleiben als Beweismittel gestützt auf Art. 263 Abs. 1 lit. 1 StPO
bei den Akten:
- 1 Paket Hard Disk Spiegelung von 2 PC's
- 1 Paket Hard Disk / WD Elements
8.3.
Im Übrigen werden folgende Gegenstände gestützt auf Art. 69 Abs. 1 und 2 StGB eingezogen
und die Kantonspolizei Aargau mit der Vernichtung beauftragt:
- Aus 1. HDin S.:
HD Pos. 3 - 9, 20, 23 - 25, 28, 34, 37, 39 - 73, 75 - 79, 81 - 84
- Aus 2. HD in S.:
HD Pos. 1 - 28, 30 - 59
- Aus HD in Q.:
HD Pos. 5, 8, 11, 14 - 15, 17 - 18, 22, 24 - 25
- Gemäss Beschlagnahmebefehl vom 09.02.2016:
Etikettendrucker LX8000, 1 Laminarfloor, diverse leere Etiketten, Tablettier Stand zu
Tablettier Maschine, Waage grün
9.
Die Verfahrenskosten bestehen aus:
Anklagegebühr Fr. 8'150.00
Gerichtsgebühr Fr. 12'000.00
Kosten für die amtliche Verteidigung Fr. 16'990.05
(zzgl. separat festzusetzender Entschädigung
von RA A.)
Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 98'076.45
andere Auslagen Fr. 78.00
Total Fr. 135'294.50
Dem Beschuldigten werden die Verfahrenskosten auferlegt, somit insgesamt Fr. 135'294.50
(zzgl. Kosten für die amtliche Verteidigung durch RA A., welche separat festgesetzt werden).
- 5 -
10.
10.1.
Dem Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung zu Lasten der Staatskasse
zugesprochen. Die Festlegung der Höhe der Entschädigung erfolgt separat.
10.2.
Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber.
3.
3.1.
Mit Eingabe vom 19. November 2020 meldete der Beschuldigte Berufung
gegen das mündlich eröffnete Urteil beim Bezirksgericht Bremgarten an.
Das begründete Urteil wurde ihm am 13. April 2021 zugestellt.
3.2.
Mit Eingabe vom 24. November 2020 meldete die Kantonale
Staatsanwaltschaft Berufung gegen das ihr am 24. November 2020 im
Dispositiv zugestellte Urteil an. Das begründete Urteil wurde ihr am
13. April 2021 zugestellt.
4.
4.1.
Mit Berufungserklärung vom 16. April 2021 beantragte die Kantonale
Staatsanwaltschaft, der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositiv-
Ziffer 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils zu einer unbedingten
Freiheitsstrafe von 4.5 Jahren sowie einer unbedingten Geldstrafe nach
richterlichem Ermessen unter Kostenfolgen zu verurteilen.
4.2.
Mit Berufungserklärung vom 28. April 2021 liess der Beschuldigte die
folgenden Anträge stellen:
I. Es sei festzustellen, dass Ziff. 1 des Urteils vom 12.11.2020 des Bezirksgerichts Bremgarten (ST.2020.7) insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als dass C. von der Anschuldigung der Geldwäscherei (schwerer Fall) gemäss Ziff. 3, 3.-6. Punkt der Anklageschrift vom 11.3.2020 freigesprochen wurde.
- 6 -
II.
Es sei unter Aufhebung des Urteils vom 12.11.2020 des Bezirksgerichts Bremgarten (ST.2020.7) Ziff. 2 wie folgt abzuändern:
C., geb. [tt.mm.1959], sei
freizusprechen
von den Vorwürfen:
1. der mehrfachen Geldwäscherei (schwerer Fall), angeblich begangen gemäss
Ziff. 3., 1. und 2. Punkt der Anklageschrift vom 11.3.2020;
2. der gewerbsmässigen Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz, angeblich
begangen gemäss Ziff. 2 der Anklageschrift vom 11.3.2020;
3. der gewerbsmässigen Widerhandlung gegen das Sportförderungsgesetz,
angeblich begangen gemäss Ziff. 1 der Anklageschrift vom 11.3.2020.
III. Unter Aufhebung des Urteils vom 12.11.2020 des Bezirksgerichts Bremgarten (ST.2020.7) wird weiter Folgendes begehrt:
1. Die Verfahrenskosten seien dem Kanton Aargau aufzuerlegen.
2. C. sei eine angemessene Entschädigung i.S.v. Art. 429 Abs. 1 Bst. A i.V.m. Art. 436
Abs. 1 StPO für die entstandenen Verteidigungskosten vor erster Instanz gemäss eingereichter Kostennote vom 11.11.2020 und vor zweiter Instanz gemäss noch einzureichender Kostennote zuzusprechen.
3. C. sei eine Entschädigung i.S.v. Art. 429 Abs. 1 Bst. b StPO in der Höhe von
CHF 2'800.00 (zzgl. allfälliger weiterer Kosten, insb. Reisekosten, sofern seine persönliche Teilnahme erforderlich sein wird) für die ihm entstandenen wirtschaftlichen Einbussen, die ihm auf der notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind, zuzusprechen.
4. C. sei eine Genugtuung in der Höhe von CHF 101'200.00 für die rechtswidrigen
geheimen Zwangsmassnahmen während insgesamt 295 Tagen sowie für die ungerechtfertigte Schriftensperre während 635 Tagen auszurichten.
5. Sämtliche beschlagnahmten Vermögenswerte und Gegenstände seien C.
auszuhändigen.
6. Es seien die weiteren nötigen Verfügungen zu treffen.
4.3.
Sodann liess er den folgenden Verfahrensantrag stellen:
Es seien die Anzeige vom 23.5.2014 sowie sämtliche von der Berufungsgegnerin ins Recht gelegten Beweismittel aus den Akten zu verweisen.
Eventualiter beantragte er die Entfernung folgender Aktenstücke:
- Strafanzeige der eidgenössischen Zollverwaltung vom 23.05.2014
- Beigezogene Akten aus anderen Verfahren
- 7 -
- Medienberichte im Zusammenhang mit Doping
- Erkenntnisse aus den Hausdurchsuchungen vom 31.03.2015 in Q. und S. sowie vom
19.08.2015 in S.
- Einvernahmen von C.
- Folgeerkenntnisse
Subeventualiter stellte er folgende Beweisergänzungsanträge:
1. Es seien der Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl für die Hausdurchsuchung vom 19.08.2015 in S. zu edieren.
2. Es sei für die Empfangsbestätigung für die beiden Durchsuchungs- und
Beschlagnahmebefehle vom 16.03.2015 für die Hausdurchsuchungen am 31.03.2015 in S. und in Q. (act. 3.3.1/12 und act. 3.3.2/11) ein graphologisches Gutachten anzuordnen.
3. Es sei sämtliche E-Mail-Korrespondenz zwischen der Staatsanwaltschaft und
Rechtsanwalt Martin Leiser, [...], zu edieren.
4. Es sei sämtliche Korrespondenz (schriftlich oder elektronisch) zwischen der
Staatsanwaltschaft und der Oberstaatsanwaltschaft im vorliegenden Verfahren zu edieren.
5. Es sei sämtliche Korrespondenz (schriftlich oder elektronisch) zwischen der
Staatsanwaltschaft und der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zu edieren. Ebenso seien sämtliche Telefonnotizen und Sitzungsprotokolle, welche von der Staatsanwaltschaft oder der EZV in Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren bzw. der Anzeige der EZV vom 23.05.2014 erstellt worden sind, zu edieren.
6. Es seien sämtliche Akten der EZV im Zusammenhang mit der Aktion «Pump» und
der Aktion «Rage» zu edieren.
7. Es sei Herr C., Leiter Zentralstelle Zollfahndung (ZEFA), vom Bezirksgericht
Bremgarten als Zeuge einzuvernehmen.
8. Es seien sämtliche GPS-Daten zu edieren, die im Rahmen der Aktion «Pump»
erhoben wurden.
4.4.
Mit Eingabe vom 18. Mai 2021 verzichtete die Kantonale
Staatsanwaltschaft auf die Erhebung einer Anschlussberufung. Mit
separater Eingabe desselben Datums erstattete sie die schriftliche
Berufungsbegründung, mit welcher sie an den mit Berufungserklärung
gestellten Anträgen festhielt.
4.5.
Am 7. Juni 2021 reichte der Beschuldigte seine schriftliche
Berufungsbegründung ein und hielt an den mit Berufungserklärung
gestellten Anträgen fest.
- 8 -
4.6.
Mit Berufungsantwort vom 5. Juli 2021 liess der Beschuldigte sinngemäss
die Abweisung der Berufung der Kantonalen Staatsanwaltschaft für den
Fall beantragen, dass entgegen seiner Berufungsanträge kein Freispruch
erfolgten sollte.
4.7.
Mit Berufungsantwort vom 13. Juli 2021 beantragte die Kantonale
Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufung. Gleichentags beantragte
sie mit separater Eingabe, sämtliche vom Beschuldigten mit
Berufungsantwort eingereichten Beilagen aus dem Recht zu weisen.
4.8.
Am 27. Juli 2021 reichte der Beschuldigte eine Stellungnahme ein und hielt
an den von ihm gestellten Anträgen fest.
4.9.
Mit Eingabe vom 3. und 24. August 2021 sowie vom 27. September 2021
reichte die Kantonale Staatsanwaltschaft je weitere Unterlagen zur
Kenntnisnahme ein.
4.10.
Am 27. Oktober 2021 beantragte der Beschuldigte in Ergänzung zu den mit
Berufungserklärung gestellten Beweisanträgen, folgende Dokumente zu
den Akten zu nehmen:
1.1. Bundesrätliche Botschaft zum Sportförderungsgesetz und zum Bundesgesetz über die Informationssysteme des Bundes im Bereich Sport (abrufbar unter: www.admin.ch/ch/d/ff/2009/8189.pdf; besucht am 26.10.2021);
1.2. Erläuternder Bericht zur Totalrevision des Bundesgesetzes vom 17. März 1972
über die Förderung von Turnen und Sport (abrufbar unter: http://biblio.parlament.ch/e-docs/149309.pdf; besucht am 16.10.2021);
1.3 Erläuterungen des Bundes zur Verordnung über die Förderung von Sport und
Bewegung (abrufbar unter:http://www.baspo.admin.ch/de/home/meta/suche.detail.document.html/basp /de/documents/dossier/sportf%C3%B6rderungsgesetz/de/spof%C3%B6v/ voerlauterungende.pdf.html, besucht am 26.10.2021);
1.4 Postulat von Nationalrat Marcel Dobler vom 27.9.2019 bzgl. der strafrechtlichen
Verfolgung des Dopingkonsums (abrufbar unter: http://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-/geschaeft?Affairld=20194366, besucht am 26.10.2021);
1.5 Fachbeitrag «Doping im Fitnessstudio» von Dr. Walter O. Frey in der Zeitschrift
«ARS MEDICI24» aus dem Jahr 2016;
1.6 Die Strafbarkeit von Doping nach dem Bundesgesetz über die Förderung von
Turnen und Sport, Dissertation von Dr. Werner Jörger, Bern, 2006;
- 9 -
1.7 Merkblatt des Förderprogramms Jugend und Sport des BASPO: «Präventives
Handeln: Engagiert gegen Doping», Ausgabe 2014;
1.8 E-Mail-Verlauf zwischen dem BASPO, Stiftung Antidoping Schweiz und C. vom
6.9.2019-18.9.2019;
1.9 Jahresrückblick 2013 der Stiftung Antidoping Schweiz;
1.10 Breitensportkonzept des Bundes vom 26.10.2016 (abrufbar unter:
http://newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/45808.pdf, besucht am 26.10.2021);
1.11 Schreiben von Antidoping Schweiz an das BASPO vom 18.9.2015;
1.12 Leistungssportkonzept des Bundes vom 26.10.2016 (abrufbar unter:
www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/45808.pdf, besucht am 26.10.2021);
1.13 Beilagen 2 und 3 des Schreibens von Antidoping Schweiz vom 19.8.2021;
1.14 Beilagen des Schreibens vom Bundesamt für Sport von 19.8.2021;
1.15 Gesuch um Akteneinsicht an die Eidgenössische Zollverwaltung vom 20.8.2021;
1.16 Auszug D. aus dem Informationssystem Antidoping Schweiz vom 13.9.2021;
1.17 Dopingstatut von Swiss-Olympic (abrufbar unter:
www.swissolympic.ch/dam/jcr:7a1d6e43-cfe8-4671-/10.1_Doping-Statut_2021.pdf, besucht am 26.10.2021);
1.18 Schreiben der Verteidigung an das BASPO vom 16.9.2021;
1.19 Klarstellung von Antidoping Schweiz bezüglich ihrer Zuständigkeit.
Darüber hinaus stellte er folgende Anträge:
2. Die Staatsanwaltschaft sei anzuweisen, sämtliche Korrespondenz (E-Mail oder Postverkehr, oder auch Telefonnotizen usw.), welche sie im Zusammenhang mit den drei eingeholten Fachmeinungen mit den jeweiligen Behörden und Stellen geführt hat, den Akten zuzuführen unter Angabe einer Vollständigkeitserklärung;
3. Die Staatsanwaltschaft sei anzuweisen, eine Erklärung darüber abzugeben,
weshalb sie der Pflicht gemäss Art. 78 SpoFöV nicht nachgekommen ist und weshalb die entsprechenden Informationen nirgends in den Verfahrensakten zu finden sind.
4. Es sei von Antidoping Schweiz eine schriftliche Stellungnahme einzuholen,
weshalb diese, als vom Bund beauftragte Agentur in der Dopingbekämpfung, der gesetzlichen Pflicht gemäss Art. 32 lit. h IBSG in Bezug auf das laufende Verfahren nicht nachgekommen ist. Insbesondere hat sich die Erklärung dazu zu äussern, weshalb die wesentlichen Informationen gemäss Art. 78 SpoFöV aus dem SpoFöG-Verfahren nicht von den kantonalen Behörden in Erfahrung gebracht wurden.
- 10 -
5. Es sei von Antidoping Schweiz eine schriftliche Stellungnahme darüber einzuholen, für welche Personen welche ihr von der Staatsanwaltschaft Aargau im laufenden Verfahren als Endkonsumenten und Abnehmer mitgeteilt wurden, eine Zuständigkeit von Antidoping Schweiz besteht.
6. Es sei durch das Gericht eine ergänzende, schriftliche Stellungnahme sowohl von
Antidoping Schweiz als auch vom BASPO zu den jeweils eingereichten Fachmeinungen einzuholen, wobei die Verteidigung vorgängig zur Formulierung von Fragen einzuladen sei.
4.11.
Mit Eingabe vom 8. November 2021 bzw. 26. November reichten die
Kantonale Staatsanwaltschaft resp. der Beschuldigte erneut eine
freigestellte Stellungnahme ein.
4.12.
Mit Eingabe vom 11. März 2022 reichte der Beschuldigte eine vorgängige
Stellungnahme zur Berufungsverhandlung ein.
4.13.
Mit Eingabe vom 25. März 2022 reichte die Kantonale Staatsanwaltschaft
die GPS-Daten der beiden überwachten Fahrzeuge des Beschuldigten ein.
4.14.
Am 6. April 2022 fand die Berufungsverhandlung mit Befragung des
Beschuldigten statt, anlässlich derer er folgende Beweisanträge stellte.
1. Die Staatsanwaltschaft sei zu verpflichten, sämtliche Originaldaten der , d.h. in elektronischer Form, für das Fahrzeug Volvo XC90, blau, aaa im Zeitraum vom 18.6.2014 bis zum 28.7.2014 und für das Fahrzeug Volvo XC90 grau, bbb im Zeitraum vom 26.8.2014 bis zum 31.3.2015 den Verfahrensakten zuzuführen.
2. Es seien die elektronischen Daten der Verteidigung zur Einsichtnahme zuzustellen
unter Ansetzung einer angemessenen Frist, um sich zu den Originaldaten der GPS-Überwachung zu äussern.
- 11 -

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Der Beschuldigte beantragt mit seiner Berufung, er sei von Schuld und
Strafe vollumfänglich freizusprechen. Ihm sei eine Genugtuung in Höhe von
Fr. 101'200.00 für rechtswidrige geheime Zwangsmassnahmen sowie für
die ungerechtfertigte Schriftensperre auszurichten und es seien ihm die
beschlagnahmten Vermögenswerte und Gegenstände auszuhändigen.
Die Berufung der Kantonalen Staatsanwaltschaft richtet sich einzig gegen
die vorinstanzliche Strafzumessung. Sie beantragt eine unbedingte
Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren sowie eine unbedingte Geldstrafe nach
richterlichem Ermessen.
Unangefochten geblieben sind damit die infolge Verjährungseintritt erfolgte
Einstellung des Verfahrens wegen gewerbsmässiger Widerhandlung
gegen das Heilmittelgesetz gemäss Anklageziffer 2, insoweit der Vorwurf
sich auf den Zeitraum vor dem 12. November 2013 bezieht, sowie der
Freispruch vom Vorwurf der Geldwäscherei gemäss Anklageziffer 3,
Punkte 3-6. Eine Überprüfung dieser Punkte findet damit nicht statt
(Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.
2.1.
Der Beschuldigte hat mit Berufungserklärung diverse Verfahrens- und
Beweisanträge gestellt. In seinem Hauptstandpunkt macht er geltend,
sämtliche der von der Kantonalen Staatsanwaltschaft im vorliegenden
Verfahren erhobenen Beweise seien unverwertbar und verlangt gestützt
darauf, diese aus den Akten zu weisen (Berufungserklärung des
Beschuldigten S. 3 [unten]).
Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, dass die Anzeige der
Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) an die Kantonale Staatsanwalt-
schaft vom 23. Mai 2014 aus einer Überwachung des Beschuldigten
hervorgegangen sei, für welche keine gesetzliche Grundlage bestanden
habe. Da der erforderliche Tatverdacht einzig auf dieser Anzeige beruhe,
aus welcher sich darüber hinaus mangels Bezug zu Sporttreibenden kein
Verdacht auf eine Widerhandlung gegen Art. 22 SpoFöG herleiten lasse,
sei die Eröffnung des Strafverfahrens gegen den Beschuldigten
rechtswidrig erfolgt. Entgegen der vorinstanzlichen Rechtsauffassung
seien die Straftatbestände des Sportförderungsgesetzes nicht als schwere
Straftat i.S.v. Art. 141 Abs. 2 StPO zu werten. Zudem würden die privaten
Interessen des Beschuldigten die öffentlichen Interessen an der
Wahrheitsfindung überwiegen, zumal es sich bei der engmaschigen
Überwachung durch die EZV um einen schweren Eingriff in die
Privatsphäre gehandelt habe. In der Konsequenz seien die Anzeige sowie
- 12 -
sämtliche darauf aufbauenden Ermittlungserkenntnisse unverwertbar (vgl.
Berufungserklärung des Beschuldigten S. 3 [unten]; Berufungsbegründung
des Beschuldigten Rz. 70 ff.; Eingabe des Beschuldigten vom 11. März
2022 E. 5 ff. und 9 f.).
2.2.
2.2.1.
Das vorliegende Strafverfahren wurde am 3. Juni 2014 unter der
Verfahrensnummer StA.2014.42 eröffnet (UA act. 1.1.1/53). Der
Verfahrenseröffnung gegen den Beschuldigten war eine Anzeige der EZV,
datierend vom 23. Mai 2014, vorangegangen, welche u.a. auf
Erkenntnissen einer GPS-unterstützten Observation des Beschuldigten
beruhte (UA act. 1.1.1/1 ff.).
Mit Verfügung vom 29. Januar 2016 wurde wegen drohender Verjährung
der Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über die Förderung von
Turnen und Sport vom 17. März 1972 (aSpoFöG; SR 415.0) der
Verfahrenskomplex betreffend den Zeitraum vom Januar 2009 bis zum
30. September 2012 abgetrennt und in das Verfahren StA.2016.8 überführt
(nachfolgend «abgetrenntes Verfahren»; UA act. 1.1.1/106). Gleichentags
wurde der Beizug sämtlicher Akten des Verfahrens StA.2014.42 zum
abgetrennten Verfahren ST.2016.8 verfügt.
Im abgetrennten Verfahren wurde der Beschuldigte erst- und
zweitinstanzlich wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das
Heilmittelgesetz gemäss Art. 87 Abs. 2 aHMG i.V.m. Art. 87 Abs. 1 lit. f und
Art. 86 Abs. 1 lit. b aHMG schuldig gesprochen (Urteil des Bezirksgerichts
Bremgarten ST.2016.99 vom 4. Juli 2017 in UA act. 1.1.4/63 ff.; Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau SST.2017.264 vom 5. März 2018 in UA
act. 1.1.4/108 ff.). Auf Beschwerde des Beschuldigten hin wies das
Bundesgericht das Obergericht an, die Gesetzmässigkeit des
Strafverfahrens ausführlicher zu untersuchen und zu begründen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_417/2018 vom 18. April 2019 in UA
act. 1.1.4/230 ff.). In der Zwischenzeit hat das Obergericht seinen
Entscheid bestätigt (Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau
SST.2019.97 vom 12. Februar 2020 in UA act. 1.1.4/245 ff.). Die wiederum
dagegen erhobene Beschwerde des Beschuldigten hat das Bundesgericht
mit Urteil 6B_335/2020 vom 7. September 2020 abgewiesen, womit das
abgetrennte Verfahren rechtskräftig abgeschlossen wurde.
2.2.2.
Die vom Beschuldigten geäusserten Bestreitungen des Tatverdachts, der
Rechtmässigkeit der Eröffnung des Strafverfahrens und der Verwertbarkeit
der erhobenen Beweismittel überzeugen nicht.
- 13 -
2.2.2.1.
Die Gesetzmässigkeit des gegen den Beschuldigten geführten
Strafverfahrens wurde infolge des im abgetrennten Verfahren ergangenen
Rückweisungsentscheids des Bundesgerichts durch das Obergericht und
anschliessend auf Beschwerde des Beschuldigten hin wiederum durch das
Bundesgericht eingehend geprüft (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_417/2018 vom 18. April 2019 E. 2.6 in UA act. 1.1.4/230 ff.; Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau SST.2019.97 vom 12. Februar 2020
E. 2-4 in UA act. 1.1.4/245 ff.; Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom
7. September 2020 E. 3.3 ff.).
Wie vorstehend aufgezeigt (vgl. Ziffer 2.1 hiervor), hat das abgetrennte
Verfahren StA.2016.8 seinen Ursprung im vorliegenden, am 3. Juni 2014
eröffneten Verfahren StA.2014.42. Nach der Abtrennung wurden die Akten
des vorliegenden Verfahrens zum abgetrennten Verfahren beigezogen.
Beide Verfahren, die bis zur Abtrennung per 29. Januar 2016 gemeinsam
geführt worden waren, haben somit ihren Ursprung im vorliegenden
Verfahren, weshalb sich in Bezug auf die Rechtmässigkeit der
Verfahrenseröffnung und der Verwertbarkeit der Beweismittel keine
wesentlichen Unterschiede ergeben. Diese Fragen haben das Obergericht
im Rückweisungsentscheid sowie das Bundesgericht nicht nur für das
abgetrennte, sondern explizit auch für das vorliegende, ungetrennte
Verfahren eingehend geprüft (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau SST.2019.97 vom 12. Februar 2020 E. 2-5 in UA act. 1.1.4/245 ff.;
Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom 7. September 2020 E. 3.3).
Was der Beschuldigte indessen im vorliegenden Berufungsverfahren
diesbezüglich vorbringt, erschöpft sich weitgehend in der Wiederholung
derselben Rügen, mit denen er bereits im abgetrennten Verfahren vor
Obergericht als auch vor Bundesgericht unterlegen ist. Vor diesem
Hintergrund sind – wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. II.2.4.2) – keine sachlichen Gründe ersichtlich,
weshalb die einschlägigen Erwägungen zum abgetrennten Verfahren nicht
auch für das vorliegende Verfahren Geltung beanspruchen sollten, sodass
an dieser Stelle grundsätzlich darauf verwiesen werden kann.
In den fraglichen Urteilen haben das Obergericht und mit ihm einhergehend
das Bundesgericht zusammengefasst erwogen, dass die von der EZV
angeordnete, GPS-unterstützte Observation des Beschuldigten zwar einer
gesetzlichen Grundlage entbehrte, die Frage nach der Verwertbarkeit der
Observationsergebnisse für die Begründung des Tatverdachts jedoch
ausgehend von Art. 140 f. StPO zu beurteilen sei. Im Kontext der
Interessenabwägung i.S.v. Art. 141 Abs. 2 StPO erwog das Bundesgericht
weiter, dass – entgegen der auch im vorliegenden Verfahren vertretenen
Auffassung des Beschuldigten – das öffentliche Interesse an der
Unterbindung des Schmuggels von Substanzen zur Herstellung illegaler
- 14 -
Produkte mit pharmakologischer Wirkung erheblich sei. Angesichts der
konkreten Grössenordnungen, wie sie sich im vorliegenden Verfahren
präsentiere, sei im Hinblick auf die Widerhandlung gegen das
Heilmittelgesetz eine schwere Straftat anzunehmen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_335/2020 vom 7. September 2020 E. 3.3.2). Insofern
das Bundesgericht somit bereits für die als Vergehen ausgestaltete
qualifizierte Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz eine schwere
Straftat angenommen hat, trifft dies umso mehr auch für die qualifizierte
Widerhandlung gegen das Sportförderungsgesetz zu, zumal es sich dabei
erstens um ein Verbrechen handelt und zweitens das konkrete Ausmass
des illegalen Handels mit Dopingmitteln im vorliegenden Fall dasjenige des
Handels mit Arzneimitteln um ein Vielfaches übersteigt (vgl. dazu Ziffer 4.7
hernach). Entgegen der Auffassung des Beschuldigten (vgl. Eingabe des
Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 9 f.; Berufungsbegründung des
Beschuldigten Rz. 71) haben sich sowohl das Obergericht als auch das
Bundesgericht hinlänglich mit der gestützt auf Art. 140 f. StPO
vorzunehmenden Güterabwägung befasst und darin in Bezug auf den
Verstoss gegen Art. 22 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 SpoFöG eine schwere
Straftat i.S.v. Art. 141 Abs. 2 StPO angenommen. Nichts Anderes ist
schliesslich in Anbetracht des zwischenzeitlich ergangenen Leitentscheids
BGE 147 IV 9 zu folgern, wonach für die Beurteilung der Schwere einer
Straftat im Rahmen der Interessenabwägung gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO
nicht das abstrakte Strafmass, sondern die konkrete Tat massgeblich ist
(BGE 147 IV 9 E. 1.4.2).
Weiter qualifizierte das Bundesgericht die mit der Observation
einhergehenden Eingriffe in die Freiheitsrechte des Beschuldigten als
bescheiden, so dass im Ergebnis die öffentlichen Interessen an der
Verwertung der Ergebnisse aus der Observation überwiegen würden.
Entsprechend hätten diese zu Recht insbesondere auch zur Prüfung des
Anfangsverdachts herangezogen werden dürfen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_335/2020 vom 7. September 2020 E. 3.3.2 mit Hinweis
auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_14/2018 vom 8. März 2019 E. 2.6.4).
Da die Observationsergebnisse somit unter dem Gesichtspunkt von
Art. 141 Abs. 2 StPO verwertbar seien, sei bezüglich der nachfolgend
erhobenen Beweismittel auch nicht von einer unzulässigen Fernwirkung
i.S.v. Art. 141 Abs. 4 StPO auszugehen, wie sie der Beschuldigte auch
vorliegend wieder geltend macht (vgl. Berufungserklärung des
Beschuldigten S. 3 [unten]; Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom
7. September 2020 E. 3.3.2). Damit trifft es entgegen der Auffassung des
Beschuldigten nach wie vor nicht zu und ergibt sich schon gar nicht aus
dem vom Beschuldigten angeführten Rückweisungsentscheid, dass die
Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft «fruit of the poisonous tree»
darstellen würden (vgl. Berufungserklärung des Beschuldigten S. 3 [unten];
Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 12).
- 15 -
Schliesslich ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass selbst im Falle
einer Unverwertbarkeit der von der EZV gewonnenen Observations-
ergebnisse sowohl in Bezug auf die Widerhandlungen gegen das
Sportförderungsgesetz, als auch gegen das Heilmittelgesetz (welche das
Bundesgericht im abgetrennten Verfahren ebenfalls als schwere Straftat
i.S.v. Art. 141 Abs. 1 StPO qualifizierte) aufgrund von Erkenntnissen, über
die die EZV als auch die Staatsanwaltschaft bereits vor der Observation
verfügt hatten, ein hinreichender Tatverdacht gegen den Beschuldigten
bestand. Im Einzelnen kann dazu auf die zusammenfassenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. vorinstanzliches
Urteil E. II.2.4.3; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist hinzuzufügen, dass
aufgrund des generellen Verbots der Substanzen im Anhang der SpoFöV
ein hinreichender Tatverdacht entgegen den wiederholten Vorbringen des
Beschuldigten bereits mit dem Verdacht der Herstellung oder Lagerung
entsprechender Substanzen vorliegt. Dass darüber hinaus der
Endkonsument namentlich bekannt ist, ist dazu nicht erforderlich (vgl. Ziffer
4.4.2.3 und 4.10.3 hernach; Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022
Rz. 5 ff.). Damit wäre auch in diesem Fall die Verfahrenseröffnung
hinsichtlich beider Delikte rechtmässig erfolgt, der Tatbestand der
Geldwäscherei ist ohnehin erst später hinzugekommen (vgl. UA
act. 1.1.1/54).
Da sich auch im vorliegenden Verfahren die Frage der Verwertbarkeit der
von der EZV erhobenen Erkenntnisse somit primär nach Art. 140 f. StPO
richtet, vermögen auch die Erhebung weiterer Unterlagen aus dem
Verfahren der EZV bzw. deren Korrespondenz mit der Staatsanwaltschaft
die Rechtmässigkeit der Eröffnung des vorliegenden Strafverfahrens bzw.
die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse nicht in Frage zu stellen.
Entsprechend sind die vom Beschuldigten erneut gestellten Beweisanträge
betreffend die Edition weiterer Unterlagen über die Korrespondenz
zwischen der EZV und der Staatsanwaltschaft, die Edition der Akten
betreffend die Aktionen «Pump» und «RAGE» sowie die Zeugenbefragung
von Herrn Gasser, Verantwortlicher und Unterzeichneter der Strafanzeige
vom 23. Mai 2014, nach wie vor abzuweisen (vgl. Berufungserklärung des
Beschuldigten S. 10; Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau
SST.2019.97 vom 12. Februar 2020 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts
6B_335/2020 vom 7. September 2020 E. 3.3.1).
2.2.2.2.
Auch die Rechtsmässigkeit der anschliessend durch die
Staatsanwaltschaft angeordneten Überwachungsmassnahmen, d.h. der
Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs des Beschuldigten sowie
die Überwachung mit technischen Überwachungsgeräten, konkret der
Standortidentifikation mittels GPS und IMSI-Catcher, sowie der
Verwertbarkeit der daraus gewonnenen Erkenntnisse wurde in den
besagten Entscheiden bereits bestätigt (Urteil des Obergerichts des
- 16 -
Kantons Aargau SST.2019.97 vom 12. Februar 2020 E. 2.2.2 in UA
act. 1.1.4/245 ff.; Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom
7. September 2020 E. 3.3.1 ff.). Insofern der Beschuldigte im vorliegenden
Berufungsverfahren im Zusammenhang mit dem Einsatz des IMSI
Catchers wiederum eine Grundrechtsverletzung rügt und die Edition
sämtlicher im Rahmen der Aktion «Pump» erhobenen GSP-Daten in
elektronischer Form verlangt, kann einerseits auf die einschlägigen
Erwägungen verwiesen werden (Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau SST.2019.97 vom 12. Februar 2020 E. 4.1 in UA act. 1.1.4/245 ff.;
Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom 7. September 2020 E. 3.4.4).
Andererseits hat die Staatsanwaltschaft die GPS-Daten der beiden
überwachten Fahrzeuge des Beschuldigten im Vorfeld der
Berufungsverhandlung eingereicht, worauf sie dem Beschuldigten
zugestellt wurden. Anhaltspunkte, dass die Staatsanwaltschaft diese
entgegen ihrer ausdrücklichen Erklärung nicht vom Laufwerk der
Kantonspolizei ediert hätte, wie der Beschuldigte suggeriert, bestehen
angesichts der in den Akten verfügbaren Anordnungs- und
Genehmigungsverfügung sowie des Vollzugsrapports nicht, noch werden
solche vom Beschuldigten geltend gemacht. Eine Grundrechts- oder
Konventionsverletzung liegt gestützt darauf entgegen dem erneuten
Vorbringen des Beschuldigten nicht vor und der entsprechende
Beweisantrag ist abzuweisen.
2.3.
Im Ergebnis kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die
fehlende gesetzliche Grundlage für die Observation durch die EZV weder
die Unverwertbarkeit der Anzeige der EZV vom 23. Mai 2015 noch der
anschliessend erhobenen Beweismittel zur Folge hat. Zu keinem anderen
Resultat führen auch die zu diesem Aspekt vom Beschuldigten
angerufenen Konventionsbestimmungen der EMKR (Art. 6, Art. 8 und
Art. 13 EMRK), zumal sich das Ober- sowie das Bundesgericht auch mit
diesen Rügen im abgetrennten Verfahren eingehend auseinandergesetzt
hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom 7. September 2020
E. 3.4.8; Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau SST.2019.97 vom
12. Februar 2020 E. 9.2 bis 9.4 in UA act. 1.1.4/245 ff.). Der mit
Berufungserklärung des Beschuldigten gestellte Verfahrensantrag ist somit
abzuweisen. Insofern der Beschuldigte eventualiter die Unverwertbarkeit
einzelner Beweismittel geltend macht bzw. weitere Beweisanträge stellt, ist
darauf – sofern nicht bereits an dieser Stelle behandelt – im Rahmen der
Beweiswürdigung zurückzukommen (vgl. Ziffer 4.5 ff. hernach).
3.
3.1.
Der Beschuldigte beanstandet den Beizug der Akten aus den
Strafverfahren gegen D., E., F. und G. Zur Begründung führt er im
Wesentlichen aus, dass ein Beizug der Erkenntnisse aus diesen Verfahren
- 17 -
einer Verfahrensvereinigung bedurft hätte, andernfalls seine
Verteidigungsrechte und damit sein Anspruch auf ein faires Verfahren
gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO bzw. Art. 6 EMRK verletzt sei (vgl.
Berufungserklärung des Beschuldigten S. 4 [unten]).
3.2.
Der Beschuldigte rügt damit primär den Grundsatz der Verfahrenseinheit
(Art. 29 StPO) als verletzt und damit einhergehend, dass es ihm verwehrt
worden sei, die von Mitbeschuldigten gemachten Angaben zu hinterfragen.
3.3.
Nach dem Grundsatz der Verfahrenseinheit werden Straftaten gemeinsam
verfolgt und beurteilt, wenn Mittäterschaft oder Teilnahme vorliegt (Art. 29
Abs. 1 lit. b StPO). Er bezweckt die Verhinderung sich widersprechender
Urteile, gewährleistet insofern das Gleichbehandlungs- und Fairnessgebot
(Art. 8 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO) und dient darüber hinaus der
Prozessökonomie (Art. 5 Abs. 1 StPO). Eine Verfahrenstrennung ist
gemäss Art. 30 StPO nur bei Vorliegen sachlicher Gründe zulässig und
muss die Ausnahme bleiben. Dies insbesondere, weil den Beschuldigten
in getrennt geführten Verfahren im jeweils anderen Verfahren keine
Parteistellung und somit auch kein gesetzlicher Anspruch auf Teilnahme an
den Beweiserhebungen und Einvernahmen der jeweils anderen
Beschuldigten zukommt (Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario; Urteil des
Bundesgerichts 1B_124/2016 vom 12. August 2016 E. 4.4 ff. mit Hinweis
auf BGE 141 IV 220 E. 4.5).
3.4.
Entgegen den Ausführungen des Beschuldigten trifft es nicht zu, dass der
Grundsatz der Verfahrenseinheit und damit einhergehend das
Gleichbehandlungs- und Fairnessgebot durch die getrennt geführten
Strafverfahren verletzt worden wären.
Einerseits ist weder ersichtlich, noch wird vom Beschuldigten geltend
gemacht, dass die genannten Personen einen gemeinschaftlichen
Tatentschluss in Bezug auf die ihm zur Last gelegten Straftaten gefasst,
seinen Tatentschluss erweckt oder ihm bei der Tatbegehung Beihilfe
geleistet hätten. Vielmehr ist aufgrund der Aussagen des Beschuldigten
erstellt, dass er unabhängig von diesen Personen bereits im Jahr 2005, als
er noch als Heilpraktiker tätig war, mit der Herstellung erster
Dopingsubstanzen begonnen hat (UA act. 4.1/4). Eine Mittäterschaft bzw.
Teilnahmeform i.S.v. Art. 24 f. StGB ist auch nicht bereits deshalb
anzunehmen, weil der Beschuldigte und die weiteren Beschuldigten als
Hersteller bzw. Abnehmer und Endverbraucher auf unterschiedlichen
Stufen derselben Wertschöpfungskette, d.h. des verbotenen Doping- bzw.
Arzneimittelhandels agierten. Eine Vereinigung der Strafverfahren drängt
sich unter dem Gesichtspunkt von Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO daher nicht auf.
- 18 -
Andererseits hat bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt, dass der
Beschuldigte dennoch im Rahmen von Konfrontationseinvernahmen
Gelegenheit erhalten hat, sich zu den Aussagen von E. und D. zu äussern
und Fragen zu stellen (vgl. U-act. 4.2/118ff. und 150 ff.; vorinstanzliches
Urteil E. II.2.6.3.3). Abgesehen davon wurden jedoch keine weiteren
Dokumente aus anderen Strafverfahren beigezogen. Eine Verletzung der
Teilnahmerechte des Beschuldigten liegt damit nicht vor.
Schliesslich sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte
mit Berufung zuweilen gegensätzliche Verfahrensanträge gestellt hat. Dem
vorstehenden Antrag, die beigezogenen Akten aus dem Verfahren gegen
D. zu entfernen, steht der Antrag auf deren vollumfängliche Edition
gegenüber (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 79).
Wie im Rahmen der Beweiswürdigung zu zeigen sein wird (vgl.
Ziffer 4.5 ff.), kann der Beschuldigte weder aus dem einen noch dem
anderen etwas zu seinen Gunsten ableiten, weshalb beide Anträge
abzuweisen sind.
4.
4.1.
Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten der gewerbsmässigen
Widerhandlung gegen das Sportförderungsgesetz und das Heilmittelgesetz
schuldig (vorinstanzliches Urteil E. III.4.7). Der Beschuldigte beantragt mit
Berufung für beide Delikte einen Freispruch von Schuld und Strafe.
4.2.
4.2.1.
Die dem Beschuldigten in der Anklageschrift vom 11. März 2020 zur Last
gelegten Sachverhalte betreffen den Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis
zum 31. März 2015. Die Beurteilung der Strafbarkeit des umschriebenen
Verhaltens richtet sich folglich nach dem am 1. Oktober 2012 in Kraft
getretenen Bundesgesetz über die Förderung von Sport und Bewegung
vom 17. Juli 2011 (Sportförderungsgesetz (SpoFöG) [SR 415.0]) bzw. der
gleichzeitig in Kraft getretenen Verordnung über die Förderung von Sport
und Bewegung (VSpoFöV [SR 415.01]).
Das Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte vom
15. Dezember 2000 (Heilmittelgesetz (HMG [SR 812.21])) wurde per
1. Januar 2019 revidiert und in diesem Zusammenhang die
Strafbestimmung in Art. 86 HMG verschärft (vgl. BBl 2013, S. 47 [Botschaft
zur Revision des Heilmittelgesetzes]). Wie die Vorinstanz zutreffend
festgestellt hat, erweist sich das neue Recht für den Beschuldigten nicht
als milder (vgl. vorinstanzliches Urteil E. III.4.3.1), weshalb gestützt auf
Art. 2 Abs. 2 StGB das zur Tatbegehung geltende Heilmittelgesetz
anzuwenden ist.
- 19 -
4.2.2.
Gestützt auf das Vorstehende ergibt sich, dass eine Verletzung des
Doppelbestrafungsverbotes i.S.v. Art. 329 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 11 StPO
und Art. 4 zum 7. Zusatzprotokoll zur EMRK (SR 0.101.07) entgegen den
Vorbringen des Beschuldigten nicht vorliegt (vgl. Berufungsbegründung
des Beschuldigten Rz. 88 f.).
Der Beschuldigte wurde im abgetrennten Verfahren für den Zeitraum bis
und mit dem 30. September 2012 rechtskräftig wegen qualifizierter
Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz verurteilt (vgl. Ziffer 2.2.1
hiervor). Diesem Schuldspruch lagen dieselben Substanzen wie dem
vorliegenden Verfahren zugrunde, die Beurteilung erfolgte indessen
ausschliesslich nach dem Heilmittelgesetz, weil das Sportförderungsgesetz
in der aktuell geltenden Fassung im fraglichen Zeitraum noch nicht
anwendbar war. Ab dem 1. Oktober 2012 ist die Herstellung und der
Verkauf dieser Substanzen jedoch gesondert nach den dargelegten
Grundsätzen (vgl. Ziffer 4.2.1) sowohl unter den Gesichtspunkten des
Sportförderungsgesetzes als auch des Heilmittelgesetzes zu würdigen.
Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat (vgl. vorinstanzliches
Urteil E. II.1), ist unter dem Aspekt des Doppelbestrafungsverbots einzig
die Aufteilung der Mengen hergestellter und verkaufter Substanzen auf das
abgetrennte und das vorliegende Verfahren, nicht jedoch deren
Subsumption unter das eine oder andere Gesetz von Relevanz. Mit
anderen Worten darf eine Verurteilung im vorliegenden Verfahren nur für
Quantitäten erfolgen, welche nicht bereits in die Beurteilung des
abgetrennten Verfahrens eingeflossen sind. Da sich das exakte
Herstelldatum der einzelnen Substanzen nicht mehr genau ermitteln lässt,
nimmt die Anklage die Abgrenzung sowohl im abgetrennten als auch im
vorliegenden Verfahren anhand der nachgewiesenen Verkäufe vor (vgl.
U-act. 1.1.4/21, 27 - 31, 65 - 68, 80 - 82, 245/30 f. und 33 u.v.a.). Indem
also das Lager zugunsten des Beschuldigten unberücksichtigt bleibt, ist
sichergestellt, dass vorliegend keine Verurteilung für Substanzen erfolgt,
welche bereits ins abgetrennte Verfahren eingeflossen sind. Ein Verstoss
gegen das Doppelbestrafungsverbot liegt somit nicht vor.
4.3.
4.3.1.
Gemäss Art. 22 Abs. 1 SpoFöG macht sich strafbar, wer zu Doping-
zwecken Mittel nach Art. 19 Abs. 3 SpoFöG u.a. erwirbt, vertreibt, in
Verkehr bringt, abgibt oder besitzt, wobei unter Doping der Missbrauch von
Mitteln oder Methoden zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit
im Sport zu verstehen ist (Art. 19 Abs. 1 SpoFöG). Als schlichtes
Tätigkeitsdelikt ist der Tatbestand von Art. 22 Abs. 1 SpoFöG mit der
Begehung einer der aufgeführten Handlungsvarianten vollendet. Ein
darüberhinausgehender Erfolg ist nicht erforderlich (Urteil des
- 20 -
Bundesgerichts 6B_734/2020 vom 7. September 2020 E. 4.2.3). Straflos
bleibt hingegen der Konsum und die damit verbundenen
Beschaffungstätigkeiten sowie der Besitz von Dopingsubstanzen durch
den Sportler selbst (Art. 22 Abs. 4 SpoFöG). Die von Art. 19 Abs. 3
SpoFöG erfassten Mittel und Methoden sind in Art. 74 Abs. 1 und 2
SpoFöV bzw. im dazugehörigen Anhang im Einzelnen aufgeführt. In
subjektiver Hinsicht ist Vorsatz, d.h. Wissen und Willen hinsichtlich
sämtlicher objektiver Tatbestandsmerkmale erforderlich (Urteil des
Bundesgerichts 6B_734/2020 vom 7. September 2020 E. 4.3.5).
4.3.2.
Gemäss Art. 86 Abs. 1 lit. b aHMG wird u.a. bestraft, wer Arzneimittel ohne
Zulassung, ohne Bewilligung oder entgegen anderen Bestimmungen des
Heilmittelgesetzes in Verkehr bringt. Gemäss lit. c der genannten
Bestimmung wird bestraft, wer Heilmittel (u.a. für die Verwendung durch
die erwerbende Person) abgibt, ohne dazu berechtigt zu sein. Der Begriff
des Inverkehrbringens umfasst gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. d HMG den
Vertrieb und die Abgabe von Heilmitteln, wobei unter den Vertrieb bereits
vor Inkrafttreten der Legaldefinition in Art. 4 Abs. 1 lit. e HMG per 1. Januar
2019 jede entgeltliche oder unentgeltliche Übertragung oder Überlassung
eines Heilmittels fiel. Als Abgabe gilt schliesslich jede entgeltliche oder
unentgeltliche Übertragung oder Überlassung eines verwendungsfertigen
Heilmittels für die Verwendung durch den Erwerber sowie für die
Anwendung an Drittpersonen (Art. 4 Abs. 1 lit. f HMG). Erfüllt der Täter die
Straftatbestände nach Art. 86 Abs. 1 aHMG, ohne eine Gefährdung der
Gesundheit von Menschen zu bewirken, ist er nach Art. 87 Abs. 1 lit. f
aHMG zu bestrafen.
4.4.
4.4.1.
Der Beschuldigte hat die Lagerung und den Verkauf der in Anklageziffer 1.2
und 2.2 aufgeführten Substanzen im fraglichen Zeitraum anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung im Grundsatz eingestanden, was im
Übrigen auch seinen glaubhaften Aussagen zu Beginn des
Ermittlungsverfahrens sowie im abgetrennten Verfahren entspricht und
auch mit Berufung unangefochten geblieben ist (GA act. 218 ff.; UA
act. 3.4/68 ff.; 4.1/1 ff., 14 ff. und 43 ff., 54 ff. und 77 ff.; Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau SST.2017.264 vom 5. März 2018 E. 4;
vgl. dazu auch Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 42 und
45; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 2 f.). Umstritten und vorab zu
prüfen ist, ob die fraglichen Handlungen bzw. Substanzen vom
Anwendungsbereich des Sportförderungs- und/oder des
Heilmittelgesetzes erfasst sind.
- 21 -
4.4.2.
4.4.2.1.
Der Beschuldigte wendet gegen den vorinstanzlichen Schuldspruch ein,
dass der Anwendungsbereich von Art. 22 SpoFöG vorliegend nicht eröffnet
sei. Entgegen der Vorinstanz sei dem Sportförderungsgesetz kein
generelles Verbot von Dopingsubstanzen, sondern lediglich ein
Verwendungsverbot zur Leistungssteigerung im Sport zu entnehmen.
Entsprechend bezwecke das Gesetz bzw. die darin enthaltenen
Strafbestimmungen weder den Schutz der Gesamtbevölkerung, noch
denjenigen der Volksgesundheit, sondern die Fairness und
Chancengleichheit im Sport (vgl. Berufungsbegründung des Beschuldigten
Rz. 4 ff.). Daran würde auch die in Art. 20 Abs. 4 SpoFöG vorgesehene
Verfügbarkeitsbeschränkung für Dopingmittel und -methoden nichts
ändern (vgl. Berufungsbegründung des Beschuldigten Rz. 15 ff.). Die
Anwendbarkeit von Art. 22 SpoFöG setze somit stets einen Bezug zum
Sport voraus und beziehe sich auf das Umfeld eines Sportlers, nicht jedoch
generell auf Hersteller solcher Produkte. Darüber hinaus umfasse der
Sportbegriff im Sinne des Gesetzes nicht jede körperliche Betätigung,
sondern allein solche, die von einem Regelwerk umfasst würden, welches
sportartspezifische Dinge regeln und Doping verbieten würde. Da jedoch
weder die Staatsanwaltschaft noch die Vorinstanz konkrete Abnehmer der
vom Beschuldigten hergestellten Substanzen hätten benennen können, sei
deren Verwendung im Sport nicht erstellt und somit der
Anwendungsbereich der Strafbestimmungen des SpoFöG nicht eröffnet
(vgl. Berufungsbegründung des Beschuldigten Rz. 33 ff.; Eingabe des
Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 43; Plädoyer des Verteidigers
anlässlich der Berufungsverhandlung S. 2 ff.).
4.4.2.2.
Was der Beschuldigte zum Anwendungsbereich des SpoFöG vorbringt,
überzeugt nicht. Auszugehen ist von der allgemein unbestrittenen
Tatsache, dass der Gesetzgeber mit der Revision der Strafbestimmungen
des SpoFöG deren vormalige Beschränkung auf den reglementierten
Wettkampfsport bewusst aufgegeben und damit das Dopingverbot auf den
nicht-wettkampforientierten Breiten- und Freizeitsport ausgedehnt hat
(BGE 145 IV 329 E. 2.4.2; CONTAT/STEINER, Erfolgreiche
Dopingbekämpfung mittels Sportförderungsgesetz? – Versuch einer Bilanz
nach acht Jahren, Causa Sport [CaS] 2020 S. 358-372, S. 365; Bericht des
Bundesrats in Erfüllung des Postulats 19.4366 vom 27. September 2019
S. 30; Berufungsbegründung des Beschuldigten Rz. 23). Seit Inkrafttreten
der revidierten Bestimmungen hat sich das Bundesgericht – entgegen der
Auffassung des Beschuldigten und mit der Vorinstanz (vgl.
Berufungsbegründung des Beschuldigten Rz. 23 und 32; Stellungnahme
des Beschuldigten vom 26. November 2021 S. 1 f.; vorinstanzliches Urteil
E. III.4.4.1) – bereits mehrfach mit dem Anwendungsbereich von Art. 22
SpoFöG und damit auch dem dieser Bestimmung zugrundeliegenden
- 22 -
Sportbegriff auseinandergesetzt (Urteil des Bundesgerichts 6B_734/2020
vom 7. September 2020; BGE 145 IV 329). Das Bundesgericht erwog
zusammengefasst, dass die revidierten Dopingstrafnormen des SpoFöG
nebst weiteren Zielsetzungen gerade auch den Schutz der «Gesundheit
der Bevölkerung» an sich und damit auch des Breitensports im Sinne des
allgemeinen Sprachgebrauchs bezwecken. Adressat von Art. 22 SpoFöG
sei somit die gesamte sporttreibende Bevölkerung, wobei der Begriff des
Sports aufgrund des allgemeinen Sprachgebrauchs hinlänglich bestimmt
sei (vgl. BGE 145 IV 329 E. 2.3.2 und 2.4.1). Ferner ziele das SpoFöG
darauf ab, die Verfügbarkeit von Dopingmitteln und -methoden (überhaupt,
bedingungslos) [Hervorhebung hinzugefügt]) einzuschränken (Art. 20
SpoFöG; Urteil des Bundesgerichts 6B_734/2020 vom 7. September 2020
E. 4.2.2; so auch bereits das Bundesverwaltungsgericht im Urteil
C6302/2013 vom 14. September 2015 E. 3.4.3). Damit ergibt sich für das
Bundesgericht – wie bereits für das Obergericht in seinem dem
Beschuldigten bekannten Entscheid SST.2019.182 (GA act. 36 ff.) – aus
Art. 20 SpoFöG ein selbstständiges, hinreichend bestimmtes
Dopingverbot. Dass die in dieser Bestimmung statuierte Verfügbarkeits-
beschränkung von Dopingmitteln für die Frage der Anwendbarkeit der
Strafbestimmung in Art. 22 SpoFöG nicht von Relevanz sei, ist damit
widerlegt (vgl. Berufungsbegründung des Beschuldigten Rz. 15 ff.).
Falsch, weil vom Bundesgericht explizit verworfen, ist auch die vom
Beschuldigten vertretene Rechtsauffassung, wonach die Strafbarkeit nach
SpoFöG eine zusätzliche Unterwerfung der betroffenen Person unter ein
Anti-Doping-Reglement erfordere und daher nur regelgebundene
Aktivitäten als Sport gelten würden (vgl. Berufungsbegründung des
Beschuldigten Rz. 23; Plädoyer der Verteidigung anlässlich der
Berufungsverhandlung S. 4 ff.). Eine derart vorausgesetzte
Verbandszugehörigkeit taxierte das Bundesgericht als mit der
Zwecksetzung des SpoFöG unvereinbar, weil sie zur Folge habe, dass der
Breitensport durch das SpoFöG nicht gegen illegalen Dopinghandel
geschützt wäre, obwohl dies gerade im Breitensport ein bekanntes, «die
Gesundheit der Bevölkerung» schädigendes Phänomen darstelle (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 6B_734/2020 vom 7. September 2020 E. 4.2.2
mit Hinweis auf BGE 145 IV 329). Im Ergebnis legt das Bundesgericht den
Sportbegriff im SpoFöG extensiv aus, was auch der nahezu einhellig
vertretenen Auffassung in der Lehre und der verwaltungsrechtlichen Praxis
entspricht (vgl. CONTAT/STEINER, a.a.O., S. 369; KAISER/SCHNYDRIG,
iusNet StrafR-StrafPR 25. September 2019). Dem hat sich schliesslich
auch der Bundesrat angeschlossen, indem er in seinem Bericht in Erfüllung
des Postulats 19.4366 vom 27. September 2019 unter Verweis auf die
besagte Rechtsprechung ausführt, dass Art. 22 SpoFöG alle Formen des
Breiten- und Freizeitsports erfasse (vgl. Bericht des Bundesrats in Erfüllung
des Postulats 19.4366 vom 27. September 2019 S. 31).
- 23 -
Dem Beschuldigten ist zwar beizupflichten, dass sich aufgrund des vom
Bundesgericht vertretenen, auf dem allgemeinen Sprachgebrauch
basierenden Sportbegriff in Einzelfällen heikle Abgrenzungsproblematiken,
insbesondere auch im Hinblick auf den (aktuell noch) straffreien
Eigenkonsum ergeben könnten (vgl. Berufung des Beschuldigten Rz. 26 ff.;
Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats 19.4366 vom
27. September 2019 S. 48). Im vorliegend zur Beurteilung stehenden Fall
lässt die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Anwendungsbereich von
Art. 22 SpoFöG indessen keine Fragen offen: Es ist unbestritten bzw.
erstellt, dass der Beschuldigte seine Produkte im Umfeld von
Fitnesscentern bzw. im Bereich des Bodybuildings vertrieben hat (vgl.
Berufungsbegründung des Beschuldigten Rz. 63). So hat er anlässlich
seiner Befragung an der delegierten Einvernahme vom 22. Mai 2015 selbst
ausgeführt, er habe seinen späteren Abnehmer D. an einem Bodybuilding-
Wettkampf kennen gelernt, welchen er u.a. deshalb besucht habe, um
Produkte zu verkaufen und um potenzielle Kundenkontakte zu knüpfen
(U-act. 4.1/115 f.). Dass Bodybuilding bzw. die in den Fitnesscentern
ausgeübten Aktivitäten vom Dopingverbot gemäss Art. 22 SpoFöG erfasst
sind, hat das Bundesgericht – entgegen der vom Beschuldigten zuweilen
vertretenen Auffassung (vgl. die Stellungnahme des Beschuldigten vom
27. Oktober 2021 S. 6) – ebenfalls unzweideutig festgestellt (vgl. BGE
145 IV 329 E. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_734/2020 vom
7. September 2020 E. 4.2.2; Berufungsbegründung des Beschuldigten
Rz. 42). Schliesslich wird weder geltend gemacht bzw. ist bereits
angesichts der sichergestellten Mengen an Produkten widerlegt, dass die
vom Beschuldigten hergestellten Produkte (allein) für den straffreien
Eigenkonsum bestimmt waren.
Wie sich aus dem Vorstehenden ergibt, lässt sich aus der massgeblichen
höchstrichterlichen Rechtsprechung für den vorliegenden Fall ein klarer
Schluss ziehen. Insofern der Beschuldigte die besagte Rechtsprechung an
sich oder deren Konsequenzen für den vorliegenden Fall in Zweifel zieht,
ist einerseits auf deren breite Abstützung in der Lehre und der
verwaltungsrechtlichen Praxis hinzuweisen, wie sie sich unter anderem aus
den in den Akten befindlichen Fachmeinungen ergibt (vgl. E-Mail der EZV
an die kantonale Staatsanwaltschaft vom 15. März 2016 bzw. 5. April 2016;
Fachmeinung der Stiftung Antidoping Schweiz vom 7. April 2016;
Schreiben des BASPO an den Verteidiger des Beschuldigten vom
19. August 2021). Andererseits vermag der Beschuldigte nichts
vorzutragen, was eine Abweichung von der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung generell oder im vorliegenden Fall sachlich rechtfertigen
würde. Vielmehr hat sich bereits das Bundesgericht mit den meisten seiner
Einwände in den zitierten Urteilen bereits explizit auseinandergesetzt. Im
Ergebnis ist daher festzuhalten, dass das Sportförderungsgesetz
vorliegend anwendbar und eine Verletzung des Legalitätsprinzips gemäss
Art. 1 StGB bzw. Art. 7 EMRK entgegen den Vorbringen des Beschuldigten
- 24 -
von vornherein ausgeschlossen ist (vgl. Berufungsbegründung des
Beschuldigten Rz. 92 f.; vgl. dazu auch bereits das Bundesgericht im Urteil
6B_734/2020 vom 7. September 2020 E. 4.2.4). Die Berufung des
Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt folglich als unbegründet.
4.4.2.3.
4.4.2.3.1.
Der Beschuldigte hat mit Eingabe vom 27. Oktober 2021 erneut den
Aktenbeizug diverser Dokumente beantragt, um seine Auslegung von
Art. 22 SpoFöG zu belegen. Zudem verlangt er die Edition bzw. den
Aktenbeizug diverser Korrespondenzen zwischen der Staatsanwaltschaft,
dem BASPO sowie der Stiftung Antidoping Schweiz sowie jeweils die
Erteilung schriftlicher Auskünfte darüber, weshalb die Staatsanwaltschaft
bzw. die Stiftung Antidoping Schweiz ihren gesetzlichen Pflichten gemäss
Art. 78 SpoFöV bzw. Art. 32 lit. h des Bundesgesetzes über die
Informationssysteme des Bundes im Bereich Sport (SR 415.1, IBSG) nicht
nachgekommen seien. Für die Strafbarkeit des Beschuldigten sei dies
insofern von Relevanz, als dass deren Beurteilung von der Kenntnis der
konkreten Endkonsumenten abhänge (vgl. Eingabe des Beschuldigten
vom 27. Oktober 2021 S. 14 [oben]; Eingabe des Beschuldigten vom
27. Juli 2021 S. 2 [oben]; Eingabe des Beschuldigtem vom 11. März 2022
Rz. 4 und 43).
4.4.2.3.2.
Die Ausführungen des Beschuldigten zu den gesetzlichen
Informationspflichten der Strafbehörden gemäss Art. 78 SpoFöV sowie der
Stiftung Antidoping Schweiz gemäss Art. 32 IBSG sind unbehelflich. Der
Beschuldigte verkennt, dass das sportrechtliche Sanktionssystem zur
Durchsetzung der Anti-Dopingbestimmungen auf zwei voneinander
unabhängigen Säulen beruht, deren Anwendungsbereich sowie
Vollzugssystem unterschiedlich ausgestaltet sind.
Die erste Säule bildet das staatliche Strafrecht, wozu auch Art. 22 SpoFöG
zählt und für dessen Vollzug die staatlichen Strafverfolgungsbehörden
zuständig sind. Die zweite Säule verkörpert das privatrechtliche
Sanktionssystem des organisierten Sports und dessen Ahndung von
Verstössen gegen Verbandsrecht. Mit dem Vollzug und der Sanktionierung
ist die Stiftung Antidoping Schweiz als nationale Agentur zur Bekämpfung
von Doping gemäss Art. 19 Abs. 2 SpoFöG betraut. Wesentliche
Unterschiede des verbandsrechtlichen Sanktionssystems im Vergleich
zum staatlichen sind die Sanktionierung von Selbstdoping sowie die
verschuldensunabhängige Verantwortlichkeit (vgl. Bericht des Bundesrats
in Erfüllung des Postulats 19.4366 vom 27. September 2019 S. 21 und
29 f.). Der Anwendungsbereich der verbandsrechtlichen Anti-Doping-
Bestimmungen geht damit über denjenigen des staatlichen Strafrechts
hinaus.
- 25 -
Die vom Beschuldigten ins Feld geführten Informationsbestimmungen
sollen sicherstellen, dass Anti Doping Schweiz, die als privatrechtlich
organisierte Stiftung über keine strafprozessualen Zwangsmassnahmen-
befugnisse verfügt, die notwendigen Informationen zur effizienten
Bekämpfung des Dopings innerhalb ihres Aufgabenbereiches erhält (vgl.
BBl 2009 S. 8241 [Botschaft zur Revision des Sportförderungsgesetzes]).
Sie bilden die u.a. aus datenschutzrechtlichen Gründen notwendige
Grundlage für die Datenweitergabe und beschränkt diese gleichzeitig auf
die in Art. 78 Abs. 1 SpoFöV aufgeführten Informationen. Wie bereits die
Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat (vgl. vorinstanzliches Urteil E. VIII.2),
folgt daraus entgegen der Auffassung des Beschuldigten jedoch nicht, dass
in jedem Fall alle in Art. 78 Abs.1 lit. a-i SpoFöV erwähnten Angaben
übermittelt werden müssten. Auf der anderen Seite müssen Strafbehörden
und Gerichte der nationalen Agentur die vorhandenen Angaben auch dann
der nationalen Agentur übermitteln, wenn kein unter dem
Sportförderungsgesetz strafbares Verhalten festgestellt werden konnte
(vgl. Art. 23 Abs. 3 SpoFöG). Daraus sowie in Anbetracht der
unterschiedlichen Anwendungs- und Aufgabenbereiche im Bereich der
Dopingbekämpfung der Strafbehörden einerseits und Anti Doping Schweiz
andererseits folgt, dass die besagten Informationsbestimmungen keine
Rückschlüsse auf die allfällige Strafbarkeit eines Verhaltens nach Art. 22
SpoFöG erlauben.
Ob der Beschuldigte sich vorliegend strafbar gemacht hat, ohne dass die
Endabnehmer im Einzelnen bekannt sind, ist indessen eine Frage der
Beweiswürdigung, worauf an entsprechender Stelle (vgl. Ziffer 4.5 ff.
hernach) zurück zu kommen sein wird.
4.4.2.3.3.
Im Übrigen orientiert sich das Obergericht im Rahmen seiner Auslegung
der fraglichen Bestimmung in erster Linie an der Rechtsprechung des
Bundesgerichts, wie sie sich aus den vorstehenden Ausführungen ergibt
(vgl. Ziffer 4.4.2.2 hiervor). Eine Abweichung von dieser Praxis ist – wie
bereits dargelegt – aufgrund der Gegebenheiten des vorliegenden Falles
nicht angezeigt. Eine summarische Prüfung der angeführten Unterlagen
ergibt, dass diese an der obergerichtlichen Auslegung des Anwendungs-
bereichs von Art. 22 SpoFöG nichts zu ändern vermögen, zumal sich
bereits das Bundesgericht mit den einschlägigen Gesetzesmaterialien, der
Lehre und Praxis hinlänglich befasst hat. Nur am Rande sei erwähnt, dass
auch der Bericht des Bundesrats vom 27. September 2019 zum vom
Beschuldigten ins Feld geführten Postulat Nr. 19.4366 seine vorliegend
vertretene Rechtsauffassung nicht zu stützen vermag.
Aus diesen Gründen ist auf die besagten Unterlagen an dieser Stelle nicht
weiter einzugehen. Aus den gleichen Gründen kann auf die Edition der
- 26 -
Korrespondenz zwischen der Staatsanwaltschaft und Antidoping Schweiz
sowie dem BASPO verzichtet werden (vgl. Eingabe des Beschuldigtem
vom 27. Oktober 2021 Antrag Nr. 2). Es ist nicht ersichtlich und wird auch
vom Beschuldigten nicht geltend gemacht, was der Beschuldigte aus der
Edition der entsprechenden Dokumente zu seinen Gunsten ableiten
könnte, weshalb auch darauf nicht weiter einzugehen ist.
4.4.3.
4.4.3.1.
Der Beschuldigte begründet den in Bezug auf die qualifizierte
Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz beantragten Freispruch damit,
dass die vom ihm hergestellten, gelagerten und verkauften Produkte keine
Arzneimittel im Sinne der Heilmittelgesetzgebung seien, zumal diese nach
dem Empfinden des durchschnittlichen Konsumenten nicht zur
medizinischen Einwirkung bei Kranken bestimmt und damit kein
medizinischer Verwendungszweck gegeben sei. Dieser sei jedoch für die
Qualifikation als Arzneimittel entscheidend, wobei der Beschuldigte auf
E. 3.1.2 des bundesgerichtlichen Entscheids 6B_979/2009 vom
21. Oktober 2010 verweist (vgl. Berufungsbegründung des Beschuldigten
Rz. 60 ff.).
4.4.3.2.
Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. a HMG gelten als Arzneimittel Produkte chemi-
schen oder biologischen Ursprungs, die zur medizinischen Einwirkung auf
den menschlichen oder tierischen Organismus bestimmt sind oder ange-
priesen werden, insbesondere zur Erkennung, Verhütung oder Behandlung
von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen (...). Ob ein Produkt
zur medizinischen Einwirkung auf den Organismus bestimmt ist, beurteilt
sich nach objektiven Kriterien (Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom
7. September 2020 E. 4.3.3).
Unbestritten ist vorliegend der chemische Ursprung der fraglichen Produkte
(UA act. 1.1.6/19 ff.). Der Zweck eines Arzneimittels bestimmt sich
entweder durch die Eigenschaften seiner Inhaltsstoffe (Bestimmung) oder
leitet sich aus der Anpreisung des Herstellers ab. Ein Indiz für die
Bestimmung eines Produktes ist seine Aufnahme in die Stoffliste der
Swissmedic oder in die Pharmakopöe. Diese Einteilung stützt sich auf
objektive Kriterien, insbesondere die pharmakologischen Eigenschaften
gemäss dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse, wobei
die Indizien nicht in jedem Fall auf ein Arzneimittel hinweisen
(EGGENBERGER STÖCKLI/KESSELRING, in: Basler Kommentar, Heilmittel-
gesetz, 2. Aufl. 2021, N. 17 f. zu Art. 4 HMG). Bei der Zuordnung nach der
Anpreisung wird auf die subjektive Zweckbestimmung abgestellt, wie sie
durch die Präsentation, d.h. durch das Angebot, die Kennzeichnung und
die Bewerbung zum Ausdruck kommt. Die Darreichungsform ist i.d.R. kein
Indiz für die Einteilung eines Produktes als Arzneimittel. Hingegen deuten
- 27 -
Produkte zur invasiven oder parenteralen Applikation wie Ampullen,
Injektions- oder Infusionsflaschen oder Fertigspritzen meist auf Arzneimittel
hin. Weil das öffentliche Interesse am Schutz der Gesundheit der Patienten
und Konsumenten einen hohen Stellenwert hat, ist in erster Linie die
objektive Zweckbestimmung massgebend für die Rechtsnatur eines
Produktes (EGGENBERGER STÖCKLI/KESSELRING, in: Basler Kommentar,
Heilmittelgesetz, 2. Aufl. 2021, N. 18 f. zu Art. 4 HMG; vgl. auch BORIS
KREIT, Bekämpfung der Heilmittelkriminalität, Leitfaden für die Praxis,
2016, S. 24 f. m.w.H.).
4.4.3.3.
Der Einwand des Beschuldigten verfängt nicht. Wie bereits im
abgetrennten Verfahren bestreitet er die Qualifikation als Arzneimittel mit
dem Argument, dass kein medizinischer Verwendungszweck gegeben sei.
Wie er jedoch selbst ausführt, hat das Bundesgericht sein diesbezügliches
Vorbringen verworfen mit dem Hinweis, die medizinische Einwirkung
bestimme sich nicht nach der subjektiven Bestimmung des Produkts,
sondern nach objektiven Kriterien. Das Bundesgericht erwog in diesem
Zusammenhang unter Verweis auf das obergerichtliche Urteil, die vom
Beschuldigten hergestellten und vertriebenen Präparate hätten allesamt
den Zweck einer medizinischen Einwirkung und seien unter zusätzlicher
Berücksichtigung der angebrachten Warnhinweise, ihrer arzneimittel-
typischen Verpackung, Zusammensetzung, der Eigenschaften der
Inhaltsstoffe, ihrer Aufmachung und Darreichungsform als Arzneimittel zu
qualifizieren (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau
SST.2017.264 vom 3. März 2018 E. 4.4.2; Urteil des Bundesgerichts
6B_335/2020 vom 7. September 2020 E. 4.1 ff. in UA act. 1.1.4/108 ff.). Da
die Produkte im abgetrennten Verfahren dieselben wie im vorliegenden
sind (vgl. Anklageziffer 2.2 in GA act. 6; UA act. 1.1.4/110), ist darauf nicht
mehr im Detail zurückzukommen, sondern es kann grundsätzlich auf die
obgenannten Erwägungen verwiesen werden.
Insofern der Beschuldigte den bundesgerichtlichen Entscheid als falsch
kritisiert, ist dazu ergänzend Folgendes festzuhalten: Der Begriff der
medizinischen Einwirkung bezeichnet die Wechselwirkung mit dem
Organismus oder Stoffwechsel in der Form einer pharmakologischen
Wirkung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom 7. September
2020 E. 4.3.1). Dass die Einwirkung an einem kranken Menschen bzw. Tier
erfolgt, ist hingegen nicht vorausgesetzt, was sich bereits aus dem Wortlaut
der Arzneimitteldefinition in Art. 4 Abs. 1 lit. a HMG erschliesst.
Entsprechend lässt sich der medizinische Zweck nicht einfach deshalb in
Abrede stellen, dass die vorliegenden Produkte zur Anwendung an
gesunden Menschen angedacht waren. Ebenfalls unbehelflich ist das
Argument des Beschuldigten, dass aus Sicht des Konsumenten bereits
aufgrund des privaten Vertriebs nicht auf ein Arzneimittel zu schliessen sei.
Arzneimittel der Abgabekategorie E sind frei verkäuflich, können von
- 28 -
jedermann abgegeben werden und sind daher oftmals ausserhalb von
Apotheken und Drogerien im Einzelhandel erhältlich, was an deren
Arzneimittelqualität nichts ändert (vgl. Art. 44 der Verordnung über die
Arzneimittel [VAM] vom 21. September 2018 [SR 812.212.21]).
Entscheidend ist vielmehr die Gesamtbetrachtung der Umstände im
Einzelfall, wie sie das Bundesgericht im zitierten Entscheid zutreffend
vorgenommen hat. Die Bestreitungen des Beschuldigten vermögen diese
nicht in Frage zu stellen.
Im Ergebnis erfüllen damit sämtliche der in Anklageziffer 2.2 (GA act. 6)
aufgeführten Substanzen den Arzneimittelbegriff i.S.v. Art. 4 Abs. 1 lit. a
HMG.
4.5.
In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten und damit erstellt, dass der
Beschuldigte die in den Anklageziffern 1.2 und 2.2 aufgeführten
Substanzen grundsätzlich hergestellt, gelagert und verkauft hat (vgl.
Ziffer 4.4.1 hiervor). Umstritten ist indessen, ob der Beschuldigte auch nach
dem Stichtag vom 1. Oktober 2012 noch XY-Produkte hergestellt hat, ob
der Bezug von XY-Produkten durch D. am 29. Januar 2015 dem
Beschuldigten als Verkauf anzulasten ist, welche Mengen-, Umsatz- und
Gewinnzahlen den Verkäufen im fraglichen Zeitraum zugrunde zu legen
sind und wie der Anteil der nur unter das Heilmittelgesetz fallenden
Substanzen zu bestimmen ist.
4.5.1.
Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte auch nach
dem 1. Oktober 2012 noch XY-Produkte hergestellt hat (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. III.3.6.2).
Auf die Frage, wann er letztmals Dopingmittel hergestellt habe, sagte der
Beschuldigte erstmals aus, er habe im Frühling 2014 letztmals Tabletten
und flüssiges Testosteron hergestellt, danach sei ihm die grosse
Tablettiermaschine kaputtgegangen (UA act. 4.1/ 5 f.). Diese Aussage
korrigierte er an der Einvernahme vom 30. April 2015 dahingehend, dass
er damals lediglich vorproduzierte Wirkstoffe etikettiert (UA act. 4.1/56),
bzw. abgefüllt habe. Die letzte Produktion sei im September 2012 erfolgt,
da er ab April 2012 keine Wirkstoffe mehr erhalten habe (UA act. 4.1/61).
Letztere Aussage wiederholte er auch anlässlich der
Berufungsverhandlung (Protokoll Berufungsverhandlung S. 2 f.). Aus den
Akten geht sodann hervor, dass der Beschuldigte nach dem fraglichen
Stichtag diverse Vorkehrungen im Hinblick auf den weiteren Verkauf seiner
Produkte getätigt hat. Beginnend bei der Tatsache, dass der Beschuldigte
am 13. November 2014 Farbpatronen für den Etikettendrucker in S. (vgl.
UA act. 4.1/60) bzw. am 1. Dezember 2014 bei der Flaigg AG 5’400 Stück
Büchslein mit Deckel bestellt hat, um darin Tabletten abzufüllen (UA
- 29 -
act. 4.1/59). Ausserdem erstellt ist, dass der Beschuldigte am 7. November
2012 die letzte nachweisebare Zahlung an seine chinesische
Wirkstofflieferantin H. getätigt hat, wobei umstritten ist, ob es sich dabei um
eine Vorauszahlung für eine Bestellung oder eine Restschuld handelt (UA
act. 4.1/84). Schliesslich ist aufgrund übereinstimmender Aussagen des
Beschuldigten und D. erstellt, dass die beiden im Oktober 2013 ein Lager
in U. gemietet haben (UA act. 4.2/155).
Abgesehen von der Tatsache, dass die Angaben des Beschuldigten bereits
in sich widersprüchlich sind, erscheint seine Aussage, wonach er letztmals
im September 2012 Produkte hergestellt habe, vor dem Hintergrund der
vorstehend aufgeführten Dispositionen unglaubhaft. Allen voran liegt es
ausserhalb einer vernünftigen Betrachtungsweise, dass der Beschuldigte
Produkte, die einem Verfalldatum unterliegen, fast zwei Jahre nach deren
Produktion erst verpackt. Damit ist im Grundsatz erstellt, dass der
Beschuldigte auch nach dem relevanten Stichtag noch XY-Produkte
hergestellt hat, worunter im Übrigen auch das Abfüllen, Umverpacken oder
Etikettieren fällt (vgl. Art. 4 Abs. 1 lit. c HMG). Wie viele der verkauften und
sichergestellten Produkte effektiv nach dem Stichtag produziert worden
sind, kann an dieser Stelle offen bleiben, zumal für die Bestimmung der
massgeblichen Umsatz- und Gewinnzahlen zugunsten des Beschuldigten
sowie in Abgrenzung zum abgetrennten Verfahren einzig auf die Verkäufe
nach dem 1. Oktober 2012 abzustellen ist (vgl. Ziffer 4.2.2 hiervor).
4.5.2.
Das Obergericht erachtet es ferner als erstellt, dass dem Beschuldigten
auch der Verkauf vom 29. Januar 2015 zuzurechnen ist, mithin ihm daraus
ein Gewinn von Fr. 71'397 (für Doping- und Arzneimittel gemeinsam)
zugeflossen wäre, wäre er nicht vor der Übergabe des Geldes verhaftet
worden.
Der Beschuldigte macht in diesem Zusammenhang geltend, er sei zum
fraglichen Zeitpunkt in Thailand gewesen. Er habe zwar vom Vorhaben von
D. gewusst, einen Teil des Lagerbestandes auf E. zu übertragen, habe
jedoch weder daran mitgewirkt noch die Konditionen gekannt.
Entsprechend sei fraglich, ob ihm diese Übertragung als Verkauf
zugerechnet werden könne (Eingabe des Beschuldigten vom 11. März
2022 Rz. 99 ff.).
Die Ausführungen des Beschuldigten überzeugen nicht. Unbestritten ist,
dass der entsprechende Verkauf an E. mit dem Beschuldigten
abgesprochen war und D. die Übergabe der Ware und die Entgegennahme
von Fr. 85'000.00 abgewickelt hat. Ebenfalls nicht in Abrede gestellt ist
sodann, dass die im Lager (ab Ende 2013 in U., dann ab Ende 2014 in V.
bei D., vgl. UA act. 4.1/123 ff.) befindlichen Produkte dem Beschuldigten
gehörten (UA act. 4.1/124; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6).
- 30 -
Schliesslich sagte der Beschuldigte anlässlich seiner Einvernahme vom
22. Mai 2015 aus, dass E. ihn diesbezüglich kontaktiert habe, nachdem er
von D. über die Anfrage informiert worden sei. Den Betrag von
Fr. 85'000.00 habe er nicht erhalten, jedoch wäre es sein Geld gewesen.
Er schätze, dass D. daraus keinen Gewinn gemacht hätte (UA act. 4.1/135;
UA act. 4.2/159).
Damit steht fest, dass der Beschuldigte im fraglichen Zeitpunkt Eigentümer
und damit auch Verkäufer der fraglichen Produkte war. Entsprechend
waren sich sämtliche Beteiligten auch bewusst, dass ihm der Verkaufspreis
zukommen sollte. Dass er indessen nicht über sämtliche Details des
Verkaufs informiert und bei der Abwicklung nicht anwesend war, vermag
entgegen den Vorbringen des Beschuldigten nichts daran zu ändern, dass
ihm der fragliche Verkauf rechtlich als auch wirtschaftlich zuzurechnen ist.
Wenn der Beschuldigte zudem ausführt, D. habe die Produkte auf
Kommission bezogen, wird daraus deutlich, dass er implizit vom selben
Ergebnis ausgeht (Eingabe des Beschuldigten vom 11.März 2022 Rz. 71).
Ohnehin ist der fragliche Verkauf für die Strafbarkeit des Beschuldigten nur
von untergeordneter Bedeutung, zumal – wie zu zeigen sein wird – die
strafbarkeitsbegründenden Tatbestandsvoraussetzungen unabhängig von
dieser Transaktion erstellt sind und der Gewinn, den der Beschuldigte
daraus erzielt hätte, bei der Beurteilung des gewerbsmässigen Handelns
nicht miteingeflossen ist.
4.5.3.
Weiter ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der Beschuldigte im
fraglichen Zeitraum Dopingmittel zu einem Preis von Fr. 134'400.00 sowie
Arzneimittel zu einem Preis von Fr. 5'600.00 an D. verkauft und damit einen
Gewinn von Fr. 112'869.00 bzw. Fr. 4'704.00, d.h. von gesamthaft
Fr. 117'600.00, generiert hat (vgl. vorinstanzliches Urteil E. III.3.6.2.2).
Unbestritten ist, dass D. im fraglichen Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis
zur Verhaftung des Beschuldigten am 31. März 2015 einziger Abnehmer
des Beschuldigten war, nachdem er bereits zuvor gelegentlich XY-
Produkte von ihm bezogen hatte (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom
11. März 2022 Rz. 16 und 67; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5).
Wie im vorliegenden Verfahren bereits mehrfach ausgeführt wurde, ist zur
Ermittlung der umstrittenen Umsatz- und Gewinnzahlen vorab darauf
hinzuweisen, dass eine auf den Franken genaue Berechnung mangels
konkreter Angaben zu den verkauften Mengen nicht möglich ist. Angesichts
dieser Ausgangslage ist daher durch Annäherung eine Minimalberechnung
vorzunehmen, um dem Grundsatz in dubio pro reo sowie in Abgrenzung
zum abgetrennten Verfahren dem Grundsatz ne bis in idem Rechnung zu
tragen. Entsprechend haben auch die Untersuchungsbehörden ihren
Berechnungen der Herstellungskosten und der Gewinnzahlen, auf die sich
- 31 -
auch die Anklage stützt, jeweils zugunsten des Beschuldigten die jeweils
höchsten Produktionskosten bzw. tiefsten Verkaufszahlen zugrunde
gelegt. Für die genaue Berechnungsmethode kann auf die zutreffenden
vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden, welche ihrerseits
wiederum auf die Ausführungen des Obergerichts im abgetrennten
Verfahren verweisen, zumal bereits dort auf diese Berechnungen abgestellt
worden ist und der Beschuldigte diese an der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung im Grundsatz anerkannt hat. Es besteht kein Anlass,
darauf erneut zurück zu kommen (vgl. UA act.1.5/31 ff.; 4.2/165 und 176 ff.
und 266; GA act. 2 ff.; vorinstanzliches Urteil E. III.3.6.2.5; Urteil des
Obergerichts des Kantons Aarau SST.2019.97 vom 12. Februar 2020 E. 8).
Im Unterschied zum abgetrennten Verfahren konnten dem beim
Beschuldigten anlässlich seiner Verhaftung beschlagnahmten USB-Stick
für den vorliegend relevanten Zeitraum keine Verkaufsdaten entnommen
werden (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau SST.2019.97
vom 12. Februar 2020 E. 6.1.2; UA act. 3.6/127, Dateinummer 0538-
0182.xls). Ausgangspunkt für die Ermittlung der Umsatz- und
Gewinnzahlen bilden daher an dieser Stelle die Aussagen der Beteiligten,
zumal sich sowohl der Beschuldigte als auch sein Abnehmer D. dazu im
Laufe der Ermittlungen mehrfach geäussert haben.
4.5.3.1.
Erstmals wurde der Beschuldigte anlässlich seiner Hafteröffnung zum
Umfang seines illegalen Handels befragt. Damals gab er zu Protokoll, er
habe ungefähr Fr. 50'000.00 pro 3 Monate eingenommen, wobei die
Gewinnmarge je nach Produkt variiere (UA act. 3.4/70). An der zweiten
Einvernahme vom 17. April 2015 schätzte er seinen Gewinn für die
gesamte Dauer auf ca. Fr. 300'000.00 bis Fr. 330'000.00, wobei sich seine
vorherige Aussage lediglich auf einen einzelnen Zeitrahmen beziehen
würden, indem die ganzen Produkte auf dem Markt gewesen seien (UA
act. 4.1/9).
An einer weiteren Einvernahme vom 22. Mai 2015 sagte er aus, D. habe
erstmals im Jahr 2008 oder 2009 in kleinen Mengen und unregelmässig
Produkte bei ihm gekauft. Bis Mitte 2013 habe der entsprechende
Gegenwert ungefähr Fr. 5'000.00 bis Fr. 7'000.00 betragen. Nachdem E.
als Abnehmer weggefallen sei, habe der Verkauf an D. ab ungefähr Mitte
des Jahres 2013 sukzessive zugenommen, mutmasslich deshalb, weil zwei
ehemalige Abnehmer von E. neu bei D. bezogen hätten. So sei er zum
Hauptabnehmer geworden (UA act. 4.1/117 ff.). Ab Mitte 2013 bis zu seiner
Verhaftung habe er ungefähr im Gegenwert von Fr. 10'000.00 bis
Fr. 20'000.00 an D. verkauft (UA act. 4.1/124). Im weiteren Verlauf der
Einvernahme korrigierte er diese Angabe auf Fr. 200'000.00 für den
gesamten Zeitraum von 2007 bis 2015 (UA act. 135). Diesen
Gesamtumsatz bestätigte er auf Nachfrage anlässlich seiner Einvernahme
- 32 -
vom 1. Juni 2015 sowie an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (UA
act. 4.2/12; GA act. 229).
Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 11. Juni 2015 führte D.
aus, er habe anfangs vom Beschuldigten hauptsächlich für den
Eigenkonsum sowie zwei oder drei Freunde Substanzen bezogen. In der
ersten Phase bis Mitte 2013 habe er insgesamt für ungefähr Fr. 30'000.00
Ware bezogen. Ab dann habe der Bezug erheblich zugenommen, weil I.
und F. auf ihn zugekommen seien, die im grösseren Rahmen hätten
Produkte beziehen wollen. Ausgehend von seinen eigenen Verkäufen, bei
denen er jeweils eine Marge von 100 % aufgeschlagen habe, habe er ab
Mitte 2013 Produkte zum Einkaufspreis von Fr. 140'000.00 übernommen
(UA act. 4.2/153 ff.). Der Beschuldigte sagte dazu aus, dass ihm dieser
Umsatz etwas hoch gegriffen scheine, es jedoch sicher nicht mehr
gewesen sei. Der Grössenrahmen würde jedoch ungefähr stimmen (UA
act. 4.2/156). Nach dem Gesamtumsatz befragt, gab D. den Betrag von
Fr. 170'000.00 an, welchen der Beschuldigte als möglich bestätigte mit
dem Hinweis, dass der früher genannte Betrag von Fr. 200'000.00 wohl zu
viel sei (UA act. 4.2/160).
An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte der Beschuldigte nach
den Zahlen befragt aus, der habe darüber nie Buch geführt und kenne
daher die genauen Zahlen nicht. Den im Untersuchungsverfahren
thematisierten Umsatz von Fr. 200'000.00 bestätigte er auf Vorhalt zwar,
führte jedoch aus, dass dieser Betrag den gesamten Zeitraum erfasse,
wobei D. bereits im abgetrennten Verfahren ein bedeutender Abnehmer
gewesen sei. Aus den Daten auf dem USB-Stick würde sich ergeben, dass
er bereits vor dem 1. Oktober 2012 Produkte zum Preis von Fr. 150'000.00
an D. verkauft habe (GA act. 229).
An der Berufungsverhandlung schliesslich bestritt der Beschuldigte seine
vor Vorinstanz getätigten Aussagen und führte unter Verweis auf die Akten
aus, er habe ab Mitte 2013 bis zur Verhaftung einen Gewinn von
Fr. 10'000.00 bis Fr. 20'000.00 erwirtschaftet. Genaue Zahlen könne er
nicht angeben, weil er darüber nicht Buch geführt habe (Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 8).
4.5.3.2.
Der Beschuldigte verstrickt sich in Bezug auf die Umsatzzahlen wiederholt
in Widersprüchen. Damit konfrontiert, rechtfertigt er sich jeweils damit, dass
er keinen Überblick über die konkreten Zahlen habe, weil er nie Buch
geführt habe (vgl. GA act. 229; UA act. 4.1/124; Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 8). Diese Behauptung erscheint bereits deshalb
zweifelhaft, wenn man bedenkt, dass der Beschuldigte die Preise
anlässlich seiner Einvernahmen teilweise auswendig wiedergeben (vgl. UA
act. 4.2/153) und auch über seine übrigen Geschäftszweige zumindest
ungefähre Ertragszahlen angeben konnte (UA act. 4.1/13). In den Akten
- 33 -
befindet sich ausserdem eine Liste über den Lagerbestand per
27. Dezember 2014 mit den Verkaufspreisen an D. (UA act. 4.2/148),
welche ihm eigenen Aussagen zufolge als Referenz zur Abrechnung diente
(UA act. 4.2/123). Hinzu kommen die auf dem USB-Stick
wiederhergestellten Verkaufslisten, die belegen, dass der Beschuldigte
sehr wohl einen Überblick über die konkreten Zahlen hatte, selbst wenn in
Bezug auf das vorliegende Verfahren keine einschlägigen Daten gefunden
werden konnten (vgl. UA act. 3.6/127). Schliesslich scheint es schlicht
absurd, dass jemand, der von sich behauptet, jede Quittung penibel
abzulegen und aufzubewahren (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom
11. März 2022 Rz. 159; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9), vorgibt,
über seine eigentliche Haupteinkommensquelle nicht einmal ansatzweise
einen Überblick zu haben. Die gegenteilige Behauptung des Beschuldigten
ist daher als unbeachtliche Schutzbehauptung zu qualifizieren.
Gleiches gilt mit Bezug auf die Behauptung des Beschuldigten, wonach D.
bereits vor dem 1. Oktober 2012, d.h. im für das abgetrennte Verfahren
massgeblichen Zeitraum, für Fr. 150'000.00 bei ihm Produkte bezogen
habe. Diese Aussage steht nicht nur in Widerspruch zu seinen eigenen,
diesbezüglich bisher konstanten und auch im Berufungsverfahren
wiederholten Aussagen (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom 11. März
2022 Rz. 67, wonach dieser «gelegentlich» Kunde gewesen sei, sowie das
Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8) und denjenigen von D. selbst,
sondern erfolgt konträr zu dem, was er noch im abgetrennten Verfahren
vorgebracht hatte, in welchem er letztendlich sogar bestritt, D. vor dem
relevanten Stichtag überhaupt etwas verkauft zu haben (vgl. Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau SST.2017.264 vom 5. März 2018
E. 4.3.2). Allem Anschein nach richtet der Beschuldigte seine Aussagen in
beiden Verfahren ungeachtet allfälliger Widersprüche nach dem für ihn
jeweils günstigeren Ergebnis und nicht nach den tatsächlichen
Gegebenheiten aus.
Als konsistent erweist sich indessen die von beiden Beteiligten geäusserte
Angabe, wonach der Umsatz für die Verkäufe an D. für den
Gesamtzeitraum, beginnend ungefähr im Jahr 2008 bis zur Verhaftung des
Beschuldigten am 31. März 2015 Fr. 200'000.00 betragen habe. Sowohl D.
als auch der Beschuldigte haben diesen Betrag mehrfach als auch
unabhängig voneinander bestätigt. Insbesondere der Beschuldigte hat
bereits anlässlich seiner ersten Einvernahme von einem Umsatz von
Fr. 50'000.00 alle drei Monate gesprochen, was bereits einem
Jahresumsatz von Fr. 200'000.00 entspräche. Tatsache ist sodann, dass
sowohl der Beschuldigte als auch D. ihre Einnahmen in der Tendenz zu tief
abgegeben haben, wie ein Abgleich mit den im abgetrennten Verfahren
erhobenen Zahlen ergibt. Während beide Beteiligte ausgesagt haben, der
Umsatz habe bis Mitte 2013 maximal Fr. 30'000.00 betragen, wurde im
abgetrennten Verfahren gestützt auf die Verkaufsdaten auf dem USB-Stick
- 34 -
des Beschuldigten ein solcher von Fr. 46'840.40 bis zum Stichtag per
1. Oktober 2012 errechnet (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau SST.2017.264 vom 5. März 2018 E. 4.3.2).
Geht man gestützt darauf von einem Minimalumsatz von Fr. 200'000.00 für
den Gesamtzeitraum aus, ergibt sich für das vorliegende Verfahren
abzüglich des Umsatzes für das abgetrennten Verfahren ein solcher von
rund Fr. 153'000.00. Da die Anklage sich vorliegend jedoch auf einen
Umsatz von Fr. 140'000.00 beschränkt, hat es aufgrund des
Anklageprinzips (Art. 9 Abs. 1 StPO) bei den vorinstanzlich festgestellten
Fr. 140'000.00 an dieser Stelle sein Bewenden.
4.5.4.
Schliesslich ist mit der Vorinstanz der Anteil der nur unter das
Heilmittelgesetz fallenden Substanzen auf 4 % festzusetzen (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. III.3.6.2.6).
Wie bereits im Kontext der Bestimmung der Mengen- und Umsatzzahlen
(vgl. Ziffer 4.5.3 hiervor) ausgeführt, ist es mangels konkreter
Verkaufszahlen nicht möglich, den Anteil der Substanzen, welche nicht im
Anhang der SpoFöV aufgeführt sind, zu bestimmen (vgl. zum Verhältnis
des Sportförderungsgesetzes und des Heilmittelgesetzes Ziffer 4.2
hiervor). Entsprechend ist wiederum eine Annäherung unter Beachtung des
Doppelbestrafungsverbots sowie des Grundsatzes in dubio pro reo
vorzunehmen. In diesem Sinne ist auch die Vorinstanz vorgegangen,
indem sie den Anteil gestützt auf die beim Beschuldigten vorgefundenen
Präparate mit 4% veranschlagte, obwohl der Beschuldigte selbst diesen mit
Bezug auf die Verkäufe an D. auf 5% beziffert hatte (vgl. UA act. 1.5/17)
Entgegen den Vorbringen des Beschuldigten hat die Aufschlüsselung
jedenfalls nicht von den der Umsatzzahlen, sondern von der Anzahl
hergestellter und verkaufter Präparate bzw. den einzelnen Dosen
auszugehen (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022
Rz. 104 ff.). Zum einen setzt weder der Tatbestand von Art. 22 SpoFöG
noch jener von Art. 86 bzw. Art. 87 aHMG voraus, dass der Täter entgeltlich
handelt. Mithin ist auch die unentgeltliche Abgabe verbotener Dopingmittel
bzw. nicht zugelassener Arzneimittel ohne entsprechende Bewilligung
strafbar. Zum anderen ist in Bezug auf die Frage, ob der Beschuldigte
gewerbsmässig gehandelt hat, eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen
(vgl. dazu Ziffer 4.9 hernach). Was der Beschuldigte in Bezug auf die
polizeilichen Berechnungen vorbringt, ist entsprechend nicht weiter von
Relevanz.
- 35 -
4.6.
4.6.1.
Der Beschuldigte hat die Herstellung und den Verkauf der fraglichen
Substanzen im Grundsatz nicht bestritten. Er bestreitet hingegen die
Verwertbarkeit der der vorinstanzlichen Beweiswürdigung
zugrundeliegenden Beweismittel und hat mit Berufung erneut diverse
Beweisanträge betreffend die Edition zusätzlicher Dokumente, Gutachten
sowie die Erhebung zusätzlicher Daten gestellt (vgl. Berufungserklärung
des Beschuldigten S. 7 ff.). Er beantragt konkret die Edition der
Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehle für die Hausdurchsuchung
vom 19. August 2015 in S., der E-Mailkorrespondenzen zwischen der
Staatsanwaltschaft und dem früheren amtlichen Verteidiger Rechtsanwalt
Martin Leiser, zwischen der Staatsanwaltschaft und der
Oberstaatsanwaltschaft, der Staatsanwaltschaft und der EZV, sämtlicher
Akten der EZV im Zusammenhang mit den Aktionen PUMP und RAGE,
sämtlicher GPS-Daten der Aktion PUMP sowie die Zeugenbefragung von
C., dem Leiter der Zentralstelle Zollfahndung, und die Anordnung eines
graphologischen Gutachtens für die Empfangsbestätigungen der beiden
Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehle vom 16. März 2015 für die
Hausdurchsuchung vom 31. März 2015. Zur Begründung führt er
zusammengefasst aus, dass die entsprechenden Beweiserhebungen
erforderlich seien, um die Rechtmässigkeit des Verfahrens und der daraus
gewonnenen Erkenntnisse überprüfen zu können (vgl. Berufungserklärung
des Beschuldigten S. 4 ff.; Berufungsbegründung des Beschuldigten
Rz. 76 ff.).
4.6.2.
Beweis ist nur über erhebliche Tatsachen zu führen. Über Tatsachen, die
unerheblich, offenkundig, bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen
sind, wird nicht Beweis geführt (Art. 139 Abs. 2 StPO).
4.6.3.
Insofern der Beschuldigte wiederum die Rechtsmässigkeit des gegen ihn
geführten Strafverfahrens infolge fehlenden Tatverdachts sowie die
Verwertbarkeit der in diesem Kontext erfolgten Beweiserhebungen in Frage
stellt, kann grundsätzlich vollumfänglich auf die Ausführungen unter
Ziffer 2.2 ff. hiervor verwiesen werden. Die Beweisanträge Nr. 5-8 der
Berufungserklärung wurden in diesem Kontext bereits geprüft
(vgl. Ziffer 2.2.2 hiervor).
Im Übrigen ist auszuführen, dass sich das Ergebnis der vorinstanzlichen
und mit ihr übereinstimmend der vorliegenden Beweiswürdigung im
Wesentlichen auf die Aussagen des Beschuldigten sowie die Ergebnisse
der Hausdurchsuchungen in S. und Q. stützt. Insofern der Beschuldigte die
Rechtmässigkeit dieser Beweiserhebungen bzw. deren Verwertbarkeit in
Frage stellt, ist darauf nachfolgend im Einzelnen einzugehen
- 36 -
(Verfahrensantrag e) sowie Beweisanträge 1-4 der Berufungserklärung des
Beschuldigten).
Mangels Relevanz nicht weiter zu vertiefen sind indessen die weiteren
Verfahrens- und Beweisanträge des Beschuldigten. Dazu gehören
einerseits der Antrag, die Medienberichte im Zusammenhang mit Doping
aus den Akten zu verweisen (Verfahrensantrag c der Berufungserklärung
des Beschuldigten), andererseits sämtliche Beweisanträge im
Zusammenhang mit der Abklärung der Zuständigkeit der Stiftung
Antidoping Schweiz oder dem Umfang der aus Art. 78 SpoFöV
resultierenden Pflichten der Staatsanwaltschaft (Beweisanträge 1.19 und
3-5 der Eingabe des Beschuldigten vom 27. Oktober 2021). Die
Zuständigkeit der Stiftung Antidoping Schweiz bzw. die von ihr geführten
Verfahren und damit einhergehend die Informationspflichten der
Staatsanwaltschaft sind für das vorliegende Strafverfahren nicht von
Relevanz, da sie die zivilrechtlichen Folgen illegalen Dopinghandels und -
konsums betreffen (vgl. dazu Ziffer 4.4.2.3). Die entsprechenden
Beweisanträge sind somit in Bezug auf die Frage, ob sich der Beschuldigte
vorliegend nach Art. 22 SpoFöG strafbar gemacht hat, nicht weiter von
Belang und deshalb allesamt abzuweisen.
4.6.4.
Zu prüfen bleibt an dieser Stelle die Rechtmässigkeit und Verwertbarkeit
der Erkenntnisse aus den Hausdurchsuchungen in S. vom 31. März 2015
bzw. vom 19. August 2015 und vom 31. März 2015 in Q. sowie der
Einvernahmen des Beschuldigten.
4.6.4.1.
4.6.4.1.1.
Der Beschuldigte bestreitet, dass ihm die Durchsuchungs- und
Beschlagnahmebefehle der zeitlich ersten Hausdurchsuchungen vom
31. März 2015 in S. und Q. eröffnet worden seien. Die Unterschrift auf den
entsprechenden Dokumenten stimme nicht mit jener auf dem
Durchsuchungs- und Untersuchungsprotokoll sowie dem Verzeichnis der
beschlagnahmten Gegenstände, welche er im Anschluss an die
Hausdurchsuchung unterzeichnet habe, überein. Zu Beweiszwecken sei
deshalb ein graphologisches Gutachten einzuholen. Damit sei der Empfang
der entsprechenden Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehle
nachträglich fingiert worden, weshalb die aus der Hausdurchsuchung
gewonnenen Erkenntnisse nicht verwertbar seien (vgl. Berufungserklärung
des Beschuldigten Beweisantrag 2 sowie S. 5).
4.6.4.1.2.
Gemäss Art. 244 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StPO können Häuser, Wohnungen
und andere nicht allgemein zugängliche Räume nur mit Einwilligung der
berechtigten Person durchsucht werden. Ist zu vermuten, dass in diesen
- 37 -
Räumen Tatspuren, zu beschlagnahmende Gegenstände oder
Vermögenswerte vorhanden sind, ist keine Einwilligung erforderlich
(Art. 244 Abs. 2 lit. b StPO). Als strafprozessuale Zwangsmassnahme setzt
die Anordnung einer Hausdurchsuchung einen hinreichenden Tatverdacht
voraus (Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts
1B_480/2020 vom 17. November 2020 E. 3.2). Zudem muss die
Massnahme in Anbetracht der Bedeutung der Straftat verhältnismässig
sein (Art. 197 Abs. 1 lit. c und d StPO).
Die Anordnung von Durchsuchungen oder Untersuchungen hat
grundsätzlich in einem schriftlichen Befehl durch die Staatsanwaltschaft zu
erfolgen (Art. 241 Abs. 1 i.V.m. Art. 198 Abs. 1 lit. a StPO). Der Befehl
sowie ein allfälliges Vollzugsprotokoll sind den direkt betroffenen Personen
gegen Empfangsbestätigung in Kopie zu übergeben (Art. 199 StPO).
4.6.4.1.3.
Die fraglichen Hausdurchsuchungen vom 31. März 2015 wurden von der
Staatsanwaltschaft mit Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl vom
16. März 2015 angeordnet (UA act. 3.3.1/11 f. sowie UA act. 3.3.2/10 f.).
Unbestritten ist sodann, dass der Beschuldigte im Anschluss an die
Hausdurchsuchungen das Durchsuchungs- und Untersuchungsprotokoll
sowie das Verzeichnis der sichergestellten Gegenstände unterzeichnet hat
(UA act. 3.3.1/14 und 25; Berufungserklärung des Beschuldigten S. 5).
Nach Auffassung des Obergerichts handelt es sich dabei aufgrund des
Schriftbilds um dieselbe Unterschrift, mit der auch die Empfangs-
bestätigung der Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehle vom
16. März 2015 versehen sind. Dass Unterschriften nicht immer exakt gleich
aussehen, ist notorisch. Zudem ist bei vernünftiger Betrachtungsweise
nicht ersichtlich und wird auch vom Beschuldigten nicht geltend gemacht,
wer die Empfangsbestätigung an seiner Stelle unterzeichnet haben soll. In
Anbetracht der Situation reicht es indessen nicht aus, die Unterzeichnung
zu bestreiten, vielmehr wäre zu erwarten, dass er weitere konkrete
Umstände schildert, weshalb er am gleichen Tag das Vollzugsprotokoll,
nicht jedoch den Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl unterzeichnet
haben soll (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_302010 vom 1. Juni 2010
E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_781/2010 vom 13. Dezember 2010
E. 8.3). Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die fraglichen
Dokumente dem Beschuldigten korrekt eröffnet worden sind.
Selbst im gegenteiligen Fall könnte der Beschuldigte daraus nichts zu
seinen Gunsten ableiten. Die Ergebnisse aus den Hausdurchsuchungen
wären dennoch verwertbar, zumal diese Frage wiederum ausgehend von
Art. 140 f. StPO zu beantworten wäre. Da davon auszugehen ist, dass es
sich bei Art. 199 StPO um eine Ordnungsvorschrift handelt, ist das
Beweisergebnis der Hausdurchsuchungen in jedem Fall verwertbar
(vgl. Art. 141 Abs. 3 StPO).
- 38 -
Bei diesem Ergebnis erübrigt sich die Einholung eines graphologischen
Gutachtens, weshalb der entsprechende Beweisantrag des Beschuldigten
abzuweisen ist (vgl. Berufungserklärung des Beschuldigten Beweis-
antrag 2 S. 8).
4.6.4.1.4.
Der Beschuldigte macht weiter geltend, dass für die Hausdurchsuchung
vom 19. August 2015 in S. kein Durchsuchungsbefehl vorhanden sei,
weshalb die daraus gewonnenen Erkenntnisse nicht verwertbar seien
(Berufungserklärung des Beschuldigten S. 5).
Es ist zutreffend bzw. auch seitens der Staatsanwaltschaft unbestritten (vgl.
GA act. 99), dass für die Hausdurchsuchung am 19. August 2015 kein
separater schriftlicher Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl
existiert. Ein solcher kann daher auch nicht ediert werden, wie es der
Beschuldigte verlangt (vgl. Berufungserklärung des Beschuldigten
Beweisantrag 1). Mit der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil
E. II.2.6.4.2) geht jedoch auch das Obergericht davon aus, dass es sich bei
der Durchsuchung vom 19. August 2015 nicht um eine eigenständige,
sondern um die Fortsetzung jener vom 31. März 2015 handelt, weshalb der
Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl vom 16. März 2015 (UA
act. 3.3.1/11 ff.) als Grundlage ausreichend ist.
Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehle stellen Verfügungen dar und
unterliegen daher entsprechenden Form- und Inhaltsvorschriften,
insbesondere einem Begründungserfordernis (vgl. Art. 80 ff. StPO).
Dadurch soll der Rechtsschutz der betroffenen Person gewährleistet
werden. Diesem Erfordernis wurde im vorliegenden Verfahren mit den
Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl vom 16. März 2015
hinreichend Genüge getan. Wie sich aus dem Vollzugsbericht der
Kantonspolizei des Kantons Aargau ergibt, konnte die Hausdurchsuchung
aufgrund des Umfangs der Befunde nicht am ersten Termin abgeschlossen
werden. Entsprechend wurde in Absprache mit der Staatsanwaltschaft
beschlossen, den Schlosszylinder der Eingangstüre auszutauschen und
die Räumlichkeiten zu versiegeln (vgl. UA act. 3.3.1/9). Die Notwendigkeit
der Fortsetzung der ersten Hausdurchsuchung wurde dem Beschuldigten
sodann an der zweiten delegierten Einvernahme nochmals mitgeteilt (UA
act. 4.1/24). Angesichts dieser Umstände ist klar, dass die Gründe für die
zweite Hausdurchsuchung identisch waren mit jenen der ersten, welche
aus dem Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl vom 16. März 2015
eindeutig hervorgehen, und folglich keine eigenständige
Zwangsmassnahme vorliegt. Dies muss auch dem anwaltlich vertretenen
Beschuldigten bewusst gewesen sein.
- 39 -
4.6.4.1.5.
Hinsichtlich der übrigen Voraussetzungen der beiden
Hausdurchsuchungen, insbesondere bezüglich des hinreichenden
Tatverdachts kann auf die Ausführungen in Ziffer 2.2.2 hiervor sowie auf
die zutreffenden und mit Berufung unbestritten gebliebenen Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. vorinstanzliches Urteil E. II.2.6.4).
Hervorzuheben ist an dieser Stelle einzig, dass auch die sichergestellten
Potenzmittel und Appetitzügler gemäss Anklageziffer 2.1, welche lediglich
dem Heilmittel-, nicht aber auch dem Sportförderungsgesetz unterstehen,
als Zufallsfunde vollumfänglich verwertbar sind.
4.6.4.2.
4.6.4.2.1.
Der Beschuldigte verlangt sodann die Entfernung sämtlicher
Einvernahmen des Beschuldigten aus den Akten. Zur Begründung führt er
einerseits aus, dass die Einvernahme anlässlich der Hafteröffnung vom
31. März 2015 den Anforderungen nach Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO nicht
genügt habe, da dem Beschuldigten kein präziser Lebenssachverhalt bzw.
Deliktsvorwurf vorgehalten worden sei. Da der Beschuldigte seine
Verteidigungsrechte somit nicht habe wahrnehmen können, seien sein
Geständnis sowie als darauf gestützte Folgebeweise sämtliche weiteren
Einvernahmen des Beschuldigten unverwertbar (vgl. Berufungserklärung
des Beschuldigten S. 6; Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022
Rz. 50).
Exakt denselben Einwand des Beschuldigten hat das Bundesgericht
bereits im abgetrennten Verfahren für ebendiese Einvernahme bereits
verworfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom 7. September
2020 E. 3.4.3). Darauf ist grundsätzlich nicht erneut einzugehen. Dem
Beschuldigten wurde die Einleitung eines Vorverfahrens, die Gegenstand
des Verfahrens bildenden Straftatbestände sowie ein nach den konkreten
Umständen hinreichend präziser Lebenssachverhalt vorgehalten, und er
hat anschliessend Gelegenheit erhalten, sich dazu umfassend zu äussern.
Dass dem Beschuldigten in der ersten Einvernahme bereits eine
abschliessende rechtliche Würdigung präsentiert wird, wie er es
sinngemäss geltend macht (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom 11. März
2022 Rz. 50), ist weder gesetzlich verlangt, noch wäre solches mit der
Unschuldsvermutung vereinbar. Ebenfalls unzutreffend ist der (erneute)
Einwand des Beschuldigten, wonach das Geständnis vom 31. März 2015
auf einem unverwertbaren Primärbeweis beruhe, zumal ihm anlässlich der
Hafteröffnung – vorbehältlich der anlässlich der in S. und Q. durchgeführten
Hausdurchsuchungen gemachten Sicherstellungen – keine Erkenntnisse
aus (geheimen) Zwangsmassnahmen vorgehalten wurden (vgl. Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau SST.2019.97 vom 12. Februar 2020
E. 5.4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_335/2020 vom 7. September 2020
E. 3.4.3).
- 40 -
4.6.4.2.2.
Andererseits begründet der Beschuldigte die von ihm vertretene
Unverwertbarkeit der anlässlich seiner Einvernahmen gemachten
Aussagen damit, dass sein anlässlich der Hafteröffnung erfolgtes
Geständnis und die späteren Aussagen einzig auf Anraten des früheren
Verteidigers sowie im Hinblick auf ein geringeres Strafmass durch ein
abgekürztes Verfahren erfolgt seien (vgl. Berufungserklärung der
Beschuldigten S. 8; Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022
Rz. 33 ff.). Als Beweis verlangt er die Edition sämtlicher E-
Mailkorrespondenzen zwischen der Staatsanwaltschaft und seinem
früheren Verteidiger Rechtsanwalt Martin Leiser (vgl. Beweisantrag 3 der
Berufungserklärung des Beschuldigten).
Damit macht er sinngemäss – wie bereits im abgetrennten Verfahren – den
Widerruf seiner entsprechenden Aussagen geltend, wie er ihn mit
Schreiben vom 1. Juli 2016 (UA act. 1.1.2/10) hat mitteilen und begründen
lassen. Mit den Gründen dieses Widerrufs und der entsprechenden
rechtlichen Würdigung hat sich das Obergericht im abgetrennten Verfahren
bereits eingehend befasst (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau
SST.2017.264 vom 5. März 2018 E. 5; Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau SST.2019.97 vom 12. Februar 2020 E. 5.4). Darauf kann an dieser
Stelle grundsätzlich verwiesen werden, wobei ergänzend Folgendes
festzuhalten ist:
Der von Beginn an anwaltlich vertretene Beschuldigte hat die Herstellung,
Lagerung sowie den Verkauf der infrage stehenden Substanzen mehrfach,
sowohl im Ermittlungsverfahren als auch anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung und der Berufungsverhandlung im Grundsatz
eingestanden. Anlässlich seiner Befragung im Rahmen der Hafteröffnung
war er auf Vorhalt der Ergebnisse aus der ersten Hausdurchsuchung von
Beginn an geständig (vgl. UA act. 3.4/1 ff.). Ein Unterbruch zwecks
Überreden zur Aussage, wie vom Beschuldigten behauptet, wäre
entsprechend nicht nötig gewesen. Aus den vom Beschuldigten mit
Eingabe vom 31. August 2020 eingereichten E-Mails ergibt sich sodann,
dass in diesem Zeitpunkt noch kein Antrag für die Durchführung eines
abgekürzten Verfahrens gestellt worden war, obschon der anwaltlich
vertretene Beschuldigte die Möglichkeit dazu gehabt hätte (vgl. Beilagen
zur Eingabe des Beschuldigten vom 31. August 2020). Schliesslich leuchtet
ebenfalls nicht ein, weshalb der Beschuldigte seine Aussagen widerruft,
diese später jedoch anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
erneut im Grundsatz anerkennt und sich mit Berufung weitgehend nicht
mehr dazu äussert (vgl. GA act. 218 ff.). Vor diesem Hintergrund ist das
Argument des Beschuldigten, sein Geständnis sei einzig auf Anweisung
seines früheren Verteidigers erfolgt, mit der Vorinstanz (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. II.2.6.3 und III.3.6.2.1) als unbeachtliche
- 41 -
Schutzbehauptung zu qualifizieren. Entsprechend liegen trotz des
Widerrufs keine Gründe vor, weshalb auf das grundsätzliche Geständnis
nicht abgestellt bzw. die entsprechenden Aussagen in Zweifel zu ziehen
wären. Inwiefern an dieser Beurteilung die beantragte Edition weiterer E-
Mails etwas zu ändern vermöchte, ist nicht ersichtlich, weshalb der
entsprechende Beweisantrag abzuweisen ist.
4.6.4.2.3.
Gleiches hat in Bezug auf die vom Beschuldigten beantragte Edition der
Korrespondenz zwischen der Staatsanwaltschaft und der Oberstaats-
anwaltschaft zu gelten (vgl. Beweisantrag 4 der Berufungserklärung des
Beschuldigten). In Ergänzung zu den vorstehenden Ausführungen ist
anzufügen, dass Erklärungen der Parteien, die im Hinblick auf die
Durchführung eines abgekürzten Verfahrens abgegeben wurden, im
nachfolgenden ordentlichen Verfahren nicht verwertbar sind (Art. 362
Abs. 4 StPO). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist diese
Bestimmung analog anzuwenden, wenn das abgekürzte Verfahren – wie
vorliegend (vgl. UA act. 1.1.1/106) – bereits vor der Beurteilung durch ein
erstinstanzliches Gericht scheitert (BGE 144 IV 189 E. 5.2.2). Vom
Verwertungsverbot erfasst sind auch Erklärungen der Staatsanwaltschaft
betreffend das Strafmass, so dass diese daran nicht mehr gebunden ist.
Ob sich die Staatsanwaltschaft mit der Oberstaatsanwaltschaft über das
Strafmass ausgetauscht hat – wie es der Beschuldigte behauptet (vgl.
Berufungserklärung des Beschuldigten S. 9) – ist vor diesem Hintergrund
irrelevant, zumal die Festsetzung des Strafmasses ureigene Aufgabe des
Sachrichters und dieser an den Antrag der Staatsanwaltschaft nicht
gebunden ist.
4.6.5.
Gestützt auf das Vorstehende ergibt sich, dass sowohl die Ergebnisse aus
den Hausdurchsuchungen in S. und Q. als auch die Aussagen des
Beschuldigten, insbesondere sein Geständnis anlässlich der Hafteröffnung
vom 31. März 2015 (UA act. 3.4/69 ff.) und der Einvernahmen vom 17. April
2015 (UA act. 4.1/1 ff.), 23. April 2015 (UA act. 4.1/14 ff.), 30. April 2015
(UA act. 4.1/54 ff.) sowie 12. Mai 2015 (UA act. 4.1/77 ff.), 22. Mai 2015
(UA act 4.1/114 ff.) sowie der Konfrontationseinvernahme mit D. von
11. Juni 2015 (UA act. 4.2/150 ff.) vollumfänglich verwertbar sind. Mit der
Vorinstanz sind ausserdem keine Gründe ersichtlich, weshalb die
Aussagen des Beschuldigten zu Beginn des Verfahrens sowie anlässlich
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung angezweifelt werden sollten.
4.7.
Gestützt auf das Vorstehende ist mit der Vorinstanz in tatsächlicher
Hinsicht somit davon auszugehen (vgl. vorinstanzliches Urteil E. III.3.7),
dass der Beschuldigte im Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis zu seiner
Verhaftung am 31. März 2015 die in Anklageziffer 1.2 und 2.2 aufgeführten
- 42 -
Doping- und Arzneimittel in seinen Gewerberäumen in S. (AG) hergestellt,
gelagert und an D. verkauft hat, ohne dabei jemals über eine Einfuhr-,
Herstellungs- oder Grosshandelsbewilligung, eine Ausbildung als
Apotheker oder eine Arzneimittelzulassung verfügt zu haben. D. hat die
Produkte seinerseits wiederum an Zwischenhändler vertrieben; die
Endkonsumenten waren weitestgehend Personen aus der Bodybuilding-
Szene, was dem Beschuldigte bewusst gewesen ist. Von den dadurch
erzielten Einnahmen hat der Beschuldigte seinen Lebensunterhalt
finanziert.
Mengenmässig hat der Beschuldigte Dopingmittel im Verkehrswert von
Fr. 518'000.00 umgesetzt und dadurch einen Verkaufspreis bzw. Umsatz
von Fr. 134'400.00 erzielt. Abzüglich der Produktionskosten von
gesamthaft Fr. 21'504.00 hat er einen Reinerlös von Fr. 112'896.00
erwirtschaftet, was eine Gewinnmarge von durchschnittlich 890% ergibt.
Der Erlös des letzten Verkaufs vom 29. Januar 2015 in Höhe von
Fr. 68'544.00 konnte nicht mehr realisiert werden, da D. infolge seiner
Verhaftung den Kaufpreis für die übernommenen Substanzen nicht mehr
übergeben konnte.
Im Bereich der Arzneimittel (Potenzmittel und Appetitzügler) hat der
Beschuldigte Produkte im Verkehrswert von gesamthaft Fr. 21'600.00
verkauft und damit einem Verkaufspreis bzw. Umsatz von Fr. 5'600.00
erzielt. Abzüglich der Produktionskosten hat er daraus einen Gewinn von
Fr. 4'704.00 erwirtschaftet, was einer Gewinnmarge von wiederum
durchschnittlich 890% entspricht. Infolge seiner Verhaftung konnte der
Kaufpreis für den letzten Verkauf in Höhe von Fr. 3'400.00 nicht übergeben
und der daraus folgende Gewinn von Fr. 2'856.00 folglich nicht realisiert
werden.
4.8.
4.8.1.
Gestützt auf die Ausführungen unter Ziffer 4.4 ff. hiervor hat es als erstellt
zu gelten, dass der Beschuldigte die nachfolgenden Arznei- und
Dopingmittel hergestellt und vertrieben hat, um bei den Endkonsumenten
den Muskelaufbau zu fördern und die (allgemeine) (Leistungs-)Fähigkeit,
mithin die körperliche Fitness, zu verbessern:
Dopingmittel (Anklageziffer 1)
Anabole Steroide (Ziff. I.2 Anhang SpoFöG), injizierbar:
 Testosteron Propionat, genannt Propi
 Testosteron Cypionat, genannt Cypi
 Testosteron Enantat, genannt Ena
 Trenbolon Enantat, genannt Tren Ene
 Trenbolon Acetat, genannt Tren Ace
 Boldenon, genannt Bolde
- 43 -
 Nandrolon, genannt Deca
 Drostanolon, genannt Mesteron/Drosta
 Sustanon, genannt Sus
 Methenolon, genannt Primo
Anabole Steroide (Ziff. I.2. Anhang SpoFöG), oral:
 Methandrostenolone, genannt Dianabol oder Dia
 Oxadrolon, genannt Oxa
 Oral-Turinabol, genannte Turinoral
 Clenbuterol, genannt Glen/Clen (auch Diätmittel)
 Mesterolonoum, genannt Proviron/Prov
 Oxymetholon, genannt Oxy/Anapolon
Anabole Steroide (Ziff. I.2 Anhang SpoFöG), oral und injizierbar:
 Stanozolone, genannt Stano Tabs
Wachstumshormone (Ziff. I.4 Anhang SpoFöG), injizierbar:
 Wintropin, genannt Win-s
Aromatasehemmer (Ziff. I.8 Anhang SpoFöG):
 Anastrazol, genannt Arimi/Arimidex
Antiöstrogen wirkende Substanzen (Ziff. I.10 Anhang SpoFöG):
 Tamoxifen, genannt Tamox
 Clomifen Citrat, genannt Clomi/Clomid
Arzneimittel (Anklageziffer 2)
Potenzmittel
 Sildenafil (Viagra), Dosen à jeweils 100 Tabletten
 Tadalafil (Cialis), Dosen à jeweils 100 Tabletten
Appetitzügler/Schildrüsenhormone
 Reductil (Sibutraminum), Dosen à jeweils 100 Tabletten
 Liothyronin / T3, Dosen à jeweils 100 Tabletten
Sämtliche der aufgeführten Substanzen sind grundsätzlich als
zulassungspflichtige Arzneimittel gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. a HMG zu
qualifizieren. Erstere als Dopingmittel bezeichneten Produkte sind
zusätzlich im Anhang der SpoFöV als verbotene Mittel- und Substanzen
i.S.v. Art. 74 SpoFöV aufgeführt.
Der Beschuldigte hat die fraglichen Substanzen hergestellt und an D.
verkauft, ohne über eine Einfuhr-, Herstellungs- oder
Grosshandelsbewilligung noch über eine Arzneimittelzulassung zu
- 44 -
verfügen. Da vorliegend nicht davon auszugehen ist, dass er dadurch die
Gesundheit von Menschen gefährdet hat, hat er bezüglich der in
Anklageziffer 2.2 aufgeführten Substanzen den Tatbestand von Art. 87
Abs. 1 lit. f aHMG i.V.m. Art. 86 Abs. 1 lit. b und c aHMG erfüllt. Indem er
hinsichtlich der in Anklageziffer 1.2 aufgeführten Substanzen mit der
Intention der Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit, mithin zu
Dopingzwecken handelte, ist diesbezüglich auch der Tatbestand von
Art. 22 Abs. 1 SpoFöG erfüllt.
4.9.
Die Vorinstanz hat zu Recht eine Gesamtbetrachtung der
Widerhandlungen gegen das Heilmittelgesetz und das Sportförderungs-
gesetz vorgenommen und hat richtigerweise erkannt, dass der
Beschuldigte gewerbsmässig gehandelt hat (vgl. vorinstanzliches Urteil
E. III.4.6.2).
Gewerbsmässigkeit liegt dann vor, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln,
die der Täter für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der
Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den
angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische
Tätigkeit nach der Art eines Berufes ausübt. Die Einnahmequelle braucht
nicht den hauptsächlichen oder regelmässigen Erwerb zu bilden. Eine
nebenberufliche deliktische Tätigkeit kann als Voraussetzung für
Gewerbsmässigkeit genügen, weil auch in diesem Fall die erforderliche
soziale Gefährlichkeit gegeben sein kann. Wesentlich ist ausserdem, dass
der Täter sich darauf einrichtet, durch sein deliktisches Handeln relativ
regelmässige Einnahmen zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die
Kosten seiner Lebensgestaltung darstellen. Zudem muss er die Tat bereits
mehrfach begangen haben und es muss aus den gesamten Umständen
geschlossen werden, er sei zu einer Vielzahl unter den entsprechenden
Tatbestand fallender Handlungen bereit gewesen (BGE 147 IV 176 E. 2.2.1
mit Hinweisen).
Der Beschuldigte hat während des Zeitraums von Oktober 2012 bis zu
seiner Verhaftung am 31. März 2015, d.h. während gut 30 Monaten, einen
Gewinn von rund Fr. 117'600.00 und damit monatlich über Fr. 3'900.00
generiert. Dieser Betrag stellt bereits an sich einen namhaften Beitrag an
die Kosten der Lebensgestaltung dar, wäre vorliegend nicht bereits erstellt,
dass der Beschuldigte davon effektiv seinen Lebensunterhalt bestritten hat
(vgl. GA act. 227 und Ziffer 4.7 hiervor). Der Beschuldigte hat sodann einen
erheblichen Aufwand und Zeit in die Produktion und den Verkauf der
Dopingsubstanzen investiert, was sich bereits an der Menge und Vielfalt
der hergestellten Produkte, den eigens dafür angeschafften Gerätschaften,
der Organisation betreffend die Rohstoffbeschaffung und des Verkaufs
sowie an der Tatsache festmachen lässt, dass der Beschuldigte dafür
regelmässig in die Schweiz eingeflogen ist. Damit ist erstellt, dass der
- 45 -
Beschuldigte gewerbsmässig i.S.v. Art. 22 Abs. 3 lit. d SpoFöG gehandelt
hat.
4.10.
4.10.1.
In subjektiver Hinsicht macht der Beschuldigte wie bereits vor der
Vorinstanz geltend, dass aus den Verfahrensakten keine Informationen zu
den Endkonsumenten hervorgehen würden und die Bodybuilder-Szene
nicht definiert sei. Somit könne nicht nachgewiesen werden, dass die vom
Beschuldigten hergestellten Produkte zur Leistungssteigerung im Sport
verwendet worden seien, weshalb dem Beschuldigten auch kein
entsprechender Vorsatz angelastet werden könne. Die Abgabe der
fraglichen Produkte im Bereich von Fitnesscenters sei als Medikamenten-
missbrauch zu qualifizieren, weshalb sich der Vorsatz auch höchstens
darauf beziehen könne (vgl. Berufungsbegründung des Beschuldigten
Rz. 58 f.).
4.10.2.
Vorsätzlich handelt gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB, wer die Tat mit Wissen
und Willen ausführt, wobei es ausreicht, wenn er die Verwirklichung der Tat
für möglich hält und in Kauf nimmt. Der Tatbestandsvorsatz muss sich auf
sämtliche Elemente des objektiven Tatbestands beziehen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_734/2020 vom 7. September 2020 E. 4.3.5 f.).
Art. 22 SpoFöG verlangt, dass der Täter die dort umschriebenen
Handlungen «zu Dopingzwecken» vornimmt. Eine Person handelt «zu
Dopingzwecken» tatbestandsmässig, wenn sie eine der Tatvarianten
begeht, also Mittel im Sinne des Gesetzes «herstellt, einführt, ausführt,
durchführt, vermittelt, vertreibt, in Verkehr bringt, abgibt oder besitzt». Ist
eine dieser Handlungsvarianten begangen, ist die Tat vollendet. Da es sich
um ein schlichtes Tätigkeitsdelikt handelt, bedarf dessen Vollendung
keines darüberhinausgehenden Erfolges (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_734/2020 vom 7. September 2020 E. 4.2.3.).
4.10.3.
Mit der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. III.4.6.2) besteht für das
Obergericht kein Zweifel daran, dass der Beschuldigte vorliegend wissen-
und willentlich Dopingmittel hergestellt, gelagert und verkauft hat und damit
auch den subjektiven Tatbestand von Art. 22 SpoFöG erfüllt hat.
Bei den in den Gewerberäumen des Beschuldigten sichergestellten
Produkten handelt es sich grossmehrheitlich um anabole Steroide und
Wachstumshormone (vgl. UA act. 1.1.6/19 ff.). Dass diese Substanzen
klassischerweise im Bodybuilding zur Förderung des Muskelaufbaus zum
Einsatz kommen, erschliesst sich nicht nur aus dem heutigen
Allgemeinwissen, sondern war dem Beschuldigten aufgrund seiner
- 46 -
früheren Tätigkeit als Leiter des Leistungslabors am Sportwissen-
schaftlichen Institut in W. und später als Naturheilpraktiker bewusst. In
diesem Sinne führte er in der Beschreibung seines Lebenslaufs selbst aus,
dass er durch seine Praxis mit der Fitnessszene in Kontakt gekommen sei
und über Ernährungsoptimierung und Supplemente aufgrund seiner
sportlichen Vergangenheit bestens habe informieren können (vgl. UA
act. 4.1/11 ff.). Er gab zudem mehrfach an, jeweils ausschliesslich auf
Nachfrage sowie mit dem Anspruch produziert zu haben, eine bessere
Qualität als die übrigen auf dem Markt erhältlichen Produkte zu erreichen
(vgl. UA act. 4.1/11; GA act. 219). Daraus folgt, dass der Beschuldigte nicht
nur seine Produkte und die Herstellverfahren, sondern auch den Markt, die
Endabnehmer und deren Bedürfnisse sehr gut kannte. Er wusste demnach,
dass es sich dabei primär um Personen in der Bodybuilding- und
Fitnessszene handelte, was sich Übrigen bereits daraus erschliesst, dass
er sie unter anderem an D., einem ehemaligen Profi-Bodybuilder,
verkaufte, von dem er nach eigenen Aussagen wusste, dass er die
Produkte nach wie vor auch selbst konsumierte (UA act. 4.2/125 und 152;
Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5).
Darüber hinaus scheint der Beschuldigte die Abgabe zumindest im Umfeld
von Fitnesscentern nicht in Abrede zu stellen (vgl. Berufungsbegründung
des Beschuldigten Rz. 49 ff.). Insofern er jedoch argumentiert, dass es sich
dabei um einen vom Anwendungsbereich des Sportförderungsgesetzes
nicht umfassten «Medikamentenmissbrauch» handle und folglich auch kein
Vorsatz in Bezug auf ein Handeln «zu Dopingzwecken» vorliegen könne,
ist vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen unter Ziffer 4.4.2
hiervor zu verweisen. Das Argument, wonach auch legale
Verwendungszwecke für die von ihm hergestellten Substanzen denkbar
seien (vgl. Berufungsbegründung des Beschuldigten Rz. 49), bleibt
ebenfalls ein rein theoretisches, zumal der Beschuldigte nicht ansatzweise
aufzeigt, weshalb er von einer solchen Verwendung ausgegangen ist bzw.
hätte ausgehen dürfen und ein solcher bereits angesichts der beim
Beschuldigten aufgefundenen Mengen nicht anzunehmen ist.
Gestützt darauf ist erstellt, dass der Beschuldigte, selbst wenn er die
Endabnehmer abgesehen von D. nicht namentlich gekannt hat, dennoch
ein konkretes Bild vom Abnehmerkreis seiner Produkte hatte und damit
wusste, dass diese zur Verbesserung des Muskelaufbaus bzw. der
körperlichen Leistungsfähigkeit im Sport und damit zu Dopingzwecken
eingesetzt wurden. Das wiederholte Vorbringen des Beschuldigten,
wonach ein Handeln zu Dopingzwecken die namentliche Kenntnis der
konkreten Endverbraucher voraussetze (vgl. Berufungsbegründung des
Beschuldigten Rz. 39 f.; Eingabe des Beschuldigten vom 27. Juli 2021 S. 2
[oben]; Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 121 ff.), vermag
an diesem Ergebnis nichts zu ändern. Der Beschuldigte verkennt dabei die
Ausgestaltung von Art. 22 SpoFöG als schlichtes Tätigkeitsdelikt (vgl. Urteil
- 47 -
des Bundesgerichts 6B_734/2020 vom 7. September 2020 E. 4.3.6). Es
genügt demnach, dass der Beschuldigte wissen- und willentlich illegale
Dopingmittel zur Förderung des Muskelaufbaus bzw. zur
Leistungssteigerung im Sport herstellte, was – wie vorstehend aufgezeigt
– vorliegend der Fall war.
4.10.4.
Entgegen den Vorbringen des Beschuldigten war ihm zudem bewusst,
dass die Herstellung und der Verkauf sowohl der Doping- als auch der
Arzneimittel im konkreten Fall illegal waren (vgl. Eingabe des
Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 45 ff.).
Anlässlich der delegierten Einvernahme vom 17. April 2015 gab er zu
Protokoll, dass Anabolika bis 1980 offiziell eingesetzt wurden, danach
seien die Dopinggesetze gekommen. In der Folge habe man die Mittel nicht
mehr legal erwerben können, weshalb es zur Entstehung von
Untergrundlaboren gekommen sei (UA act. 4.1/4). Die Frage, ob er selbst
Wirkstoffe über die Grenze transportiert habe, verneinte er mit der
Begründung, dass dies «zu riskant» gewesen wäre (UA act. 4.1/82).
Gestützt darauf ist erstellt, dass der Beschuldigte Dopingmittel herstellte
und verkaufte, obschon ihm bewusst war, dass diese verboten sind.
Gleiches hat mit Bezug auf die hergestellten Potenzmittel und Appetitzügler
zu gelten. Inwiefern dafür eine andere als eine medizinische Verwendung
denkbar wäre, erschliesst sich dem Obergericht nicht. Damit hat er den
sozialen Gehalt des von ihm verwirklichten Sachverhalts im Sinne einer
Parallelwertung in der Laiensphäre korrekt erfasst. Dass er darüber hinaus
eine exakte juristische Subsumtion der entsprechenden Substanzen
vornimmt, d.h. ob und mit welchem Produkt er nun gegen das
Sportförderungsgesetz oder gegen das Heilmittelgesetz verstösst, ist
hingegen nicht erforderlich (vgl. BGE 129 IV 238 E. 3.2.2; vgl. Eingabe des
Beschuldigten vom 11. März 2021 Rz. 46). Von einem unzulässigen
Vorsatzwechsel, wie er ihm nach Auffassung des Beschuldigten von der
Staatsanwaltschaft unterstellt werde (vgl. Berufungsbegründung des
Beschuldigten Rz. 55 ff.), kann daher nicht die Rede sein. Ob eine
Bestrafung für mehrere Delikte in Frage kommt, wenn ein Sachverhalt
mehrere Straftatbestände erfüllt, ist indessen nicht auf Ebene der
Tatbestandsmässigkeit, sondern im Rahmen der Konkurrenz zu prüfen.
4.10.5.
Zusammenfassend ist damit erstellt, dass der Beschuldigte die fraglichen
Dopingmittel im Wissen darum hergestellt und verkauft hat, dass diese zur
Leistungssteigerung im Sport bzw. zur Förderung des Muskelaufbaus
verwendet würden. Sowohl hinsichtlich der Doping- als auch der
Arzneimittel war ihm bewusst, dass sein Handeln mangels entsprechender
Zulassung bzw. Bewilligung illegal war.
- 48 -
4.11.
Im Ergebnis sind sowohl der objektive als auch der subjektive Tatbestand
der Widerhandlung gegen das Sportförderungsgesetz gemäss Art. 22
Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 SpoFöG als auch der gewerbsmässigen
Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz gemäss Art. 87 Abs.2 i.V.m.
87 Abs. 1 lit. f und 86 Abs. 1 lit. b und c aHMG erfüllt. Die Berufung des
Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt als unbegründet.
5.
5.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die in Anklageziffer 3, Punkte 1
und 2 umschriebenen Verhaltensweisen wegen qualifizierter
Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 1 und 2 lit. c StGB schuldig
gesprochen (vgl. vorinstanzliches Urteil E. IV.4.4).
Der Beschuldigte beantragt auch für den Fall einer Verurteilung wegen
(qualifizierter) Widerhandlungen gegen das Sportförderungsgesetz und
gegen das Heilmittelgesetz einen Freispruch von Schuld und Strafe. Zur
Begründung führt er im Wesentlichen aus, es sei nicht erwiesen, dass die
in der Anklage umschriebenen Vermögenswerte aus einem Verbrechen
herrühren würden. Einerseits würden die im Ferienhaus in Q.
aufgefundenen Fr. 50'000.00 aus dem Verkauf von Goldnuggets und damit
aus legaler Tätigkeit stammen. Andererseits sei der Beschuldigte im
abgetrennten Verfahren wegen Widerhandlungen gegen das
Heilmittelgesetz und damit wegen eines Vergehens verurteilt worden. Da
der unter dem Gesichtspunkt der Geldwäscherei relevante Deliktserlös
nicht eindeutig dem vorliegend relevanten Verfahrenszeitraum zugeordnet
werden könne, sei dessen verbrecherische Herkunft nicht erstellt. Mit
Bezug auf die Barzahlungen für die Renovation des Ferienhauses im Q.,
der Zahlung der Rechnungen von Distrelec mittels Posteinzahlung sowie
die unter dem Lavabo versteckten Fr. 50'000.00 fehle es sodann an der
Geldwäschereihandlung, so dass der objektive Tatbestand von Art. 305bis
StGB nicht erfüllt sei (vgl. Berufungsbegründung des Beschuldigten
Rz. 65 ff.; Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 132 ff.).
5.2.
Der Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer
eine Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Ermittlung der Herkunft, die
Auffindung oder die Einziehung von Vermögenswerten zu vereiteln, die,
wie er weiss oder annehmen muss, aus einem Verbrechen oder aus einem
qualifizierten Steuervergehen herrühren.
Als Vereitelungshandlungen kommen etwa das Verstecken
(BGE 122 IV 211 E. 2b), das Anlegen (BGE 119 IV 242 E. 1d), der
Verbrauch (Urteil des Bundesgerichts 6B_209/2010 vom 2. Dezember
2010 E. 6.4) sowie das Wechseln von Bargeld (BGE 122 IV 211 E. 2c) in
- 49 -
Betracht, nicht jedoch dessen einfache Einzahlung auf das dem üblichen
privaten Zahlungsverkehr dienende persönliche Bankkonto am Wohnort
(BGE 124 IV 274 E. 4a f.) oder der blosse Besitz bzw. das Aufbewahren
von Geld (BGE 128 IV 117 E. 7a). Der Tatbestand der Geldwäscherei setzt
nicht zwingend komplizierte Finanztransaktionen oder erhebliche kriminelle
Energie voraus. Vielmehr können schon einfachste Handlungen genügen,
um eine Einziehung zu vereiteln (BGE 127 IV 20 E. 3a mit Hinweisen). Ob
Geldwäscherei vorliegt, ist in allen Fällen aufgrund der gesamten
Verhältnisse zu beurteilen. Dabei ist entscheidend, ob die vorgenommene
Handlung unter den jeweiligen Umständen darauf ausgelegt ist, den Zugriff
der Strafverfolgungsorgane auf die Vermögenswerte verbrecherischer
Herkunft zu vereiteln (Urteil des Bundesgerichts 6B_209/2010 vom
2. Dezember 2012 E. 6.3.1 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts
6S.702/2000 vom 14. August 2002 E. 2.1, publiziert in: Pra 2003 Nr. 76
S. 401 mit Hinweisen). Den Tatbestand der Geldwäscherei kann nach
ständiger Rechtsprechung auch erfüllen, wer Vermögenswerte wäscht, die
er selber durch ein Verbrechen erlangt hat. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts kann der Vortäter somit sein eigener Geldwäscher sein.
Das Bundesgericht hat diese Rechtsprechung trotz der von einem Teil der
Lehre geäusserten Kritik mehrfach bestätigt (Urteil des Bundesgerichts
6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 2.3.1. ff.; BGE 126 IV 255 E. 3a).
Tatobjekt der Geldwäscherei sind Vermögenswerte, die aus einer
qualifizierten Vortat herrühren, mit anderen Worten natürlich und adäquat
kausal mit der Straftat zusammenhängen (BGE 138 IV 1 E. 4.2.3.2). Sie
brauchen dabei nicht notwendigerweise die direkte und unmittelbare Folge
der Straftat zu sein (BGE 137 IV 79 E. 3). Es genügt die Gewissheit, dass
sie aus einem Verbrechen stammen. Dies kann namentlich aus den
Umständen und dem «modus operandi» abgeleitet werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6P.125/2005 vom 23. Januar 2006 E. 11.2.).
5.3.
In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten und damit erstellt, dass der
Beschuldigte im Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis zu seiner Verhaftung
am 31. März 2015 illegale Dopingmittel zu einem Preis von Fr. 134'400.00
an D. verkauft und damit abzüglich der Herstellungskosten einen
Reingewinn von Fr. 112'896.00 erzielt hat. Die Bezahlung ist jeweils in bar
erfolgt (vgl. Ziffer 4.7 hiervor).
Zu den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten im Tatzeitraum ist
erstellt, dass der Beschuldigte seinen Lebensunterhalt zu einem
wesentlichen Teil durch den Handel mit illegalen Dopingsubstanzen
finanziert hat (vgl. Ziffer 4.7 hiervor). Abgesehen davon ist nicht ersichtlich,
dass der Beschuldigte seit seiner erstmaligen Auswanderung im Jahr 2005
einer legalen Erwerbstätigkeit in der Schweiz nachgegangen wäre, zumal
gemäss Auszug aus seinem individuellen AHV-Konto seit seiner
- 50 -
erstmaligen Auswanderung im Jahr 2005 keine AHV-Beiträge mehr
abgerechnet worden sind (UA act. 2/1/4.6). Gestützt auf die Aussagen des
Beschuldigten ist er seither im Ausland unterschiedlichen Tätigkeiten
nachgegangen (vgl. UA act. 4.1/11 ff.; GA act. 226). Dass er daraus jedoch
Geld in die Schweiz überwiesen hätte, wird weder geltend gemacht, noch
bestehen entsprechende Hinweise aus den Akten.
Unbestritten und damit erstellt ist sodann, dass der Beschuldigte in seinem
Ferienhaus in Q. unter dem Lavabo einen Bargeldbetrag von Fr. 50'000.00
versteckt hat (UA act. 3.3.2/19 und 47; UA act. 4.1/17). Er hat ausserdem
anerkannt, diverse Rechnungen betreffend die Renovation desselben
Ferienhauses im Umfang von Fr. 670'000.00 in bar bezahlt zu haben (vgl.
UA act. 4.2/96 f.). Aus den Akten ergibt sich sodann, dass er eine
Rechnung von Kuoni im Umfang von Fr. 2'400.00 (UA act. 5.2/22),
ebenfalls bar bezahlt hat. Auf eine Barzahlung zu schliessen ist ausserdem
hinsichtlich der Rechnungen von Distrelec in Höhe von Fr. 991.70 (UA
act. 5.3.3/209-214) sowie derjenigen der Flaigg AG in Höhe von
Fr. 1'533.80 (UA act. 5.3.3/29), zumal die Rechnungen nach Angabe der
Aussteller zwar bezahlt wurden, sich dazu in den edierten Kontoauszügen
jedoch keine Überweisungen finden lassen.
Betreffend die Handänderungssteuer für das Grundstück in Q. hat die
Vorinstanz bereits zutreffend festgestellt, dass diese entgegen der Anklage
nicht in bar, sondern per Banküberweisung bezahlt wurde (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. IV.3.2.4). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
5.4.
5.4.1.
Der Beschuldigte hat sich der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Sportförderungsgesetz gemäss Art. 22 Abs. 2 und 3 lit. d SpoFöG i.V.m.
Art. 22 Abs. 1 SpoFöG schuldig gemacht, weshalb das Erfordernis der
Vortat im Sinne eines Verbrechens erfüllt ist (vgl. Art. 10 Abs. 2 StGB sowie
Ziffer 4.11 hiervor). Im Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis zum 31. März
2015 hat der Beschuldigte mit dem Verkauf der Dopingmittel an D. einen
Reinerlös in Höhe Fr. 112'896.00 erzielt, wobei die Zahlungen jeweils bar
abgewickelt wurden. Der Beschuldigte führte sodann aus, er habe den
Deliktserlös jeweils in bar versteckt oder für Zahlungen verwendet (UA
act. 1.1.3/88). Dass es sich bei den Fr. 50'000.00 folglich um Erlös aus dem
Verkauf von Goldnuggets handelt, erscheint vor diesem Hintergrund als
unbeachtliche Schutzbehauptung. Der Betrag von Fr. 112'896.00
entspricht damit dem unmittelbar aus der selbst verübten Vortat erlangten
Vorteil, weshalb diesbezüglich ein natürlicher und adäquater
Kausalzusammenhang im Sinne der Rechtsprechung besteht (vgl.
BGE 137 IV 79 E. 3.2). In diesem und damit auch im angeklagten Umfang
ist deren verbrecherische Herkunft daher – entgegen der Auffassung des
- 51 -
Beschuldigten (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022
Rz. 60 ff.) – zweifelsfrei erstellt.
Dass der Beschuldigte den Erlös aus dem illegalen Dopinghandel
anschliessend mit dem weiteren, aus anderen Straftaten und zuweilen
auch legal erwirtschafteten Vermögen vermischt hat, vermag daran nichts
zu ändern. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist kein strikter
Nachweis für die verbrecherische Herkunft des Tatobjekts erforderlich (vgl.
BGE 120 IV 323 E. 3d). Die Verbindung zwischen dem Verbrechen am
Ursprung der Vermögenswerte und der Geldwäscherei ist bewusst locker
(BGE 138 IV 1 E. 4.2.2). Entsprechend muss der Täter, der selbst nicht
Vortäter war, nicht wissen, welche Vortat begangen wurde, solange er
davon ausgeht, dass eine relevante Vortat vorliegt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_116/2013 vom 34. September 2013 E. 3.2). Daraus
folgt, dass die Voraussetzung der verbrecherischen Herkunft in
wesentlichen Teilen auch vom Wissen und Willen des Täters, namentlich
vom subjektiven Tatbestand, abhängt. Wie zu zeigen sein wird (vgl. Ziffer
5.6.2 hernach), hat der Beschuldigte einen Grossteil seines Geldes
bewusst in Bargeld aufbewahrt, um dieses dem Zugriff der Strafbehörden
zu entziehen (vgl. UA act. 1.1.3/88). Wenn die in diesem Zusammenhang
getroffenen Vereitelungshandlungen (dazu nachfolgend Ziffer 5.4.2
hernach) darüber hinaus weitere, lediglich aus Vergehen stammende
Vermögenswerte erfassen, ändert dies indessen nichts an der Tatsache,
dass der Beschuldigte wissen- und willentlich Verbrecherlohn gewaschen
hat. In Bezug auf die weiteren, über den Deliktserlös von Fr. 112'896.00
hinausgehenden Vermögenswerte käme sodann ein Schuldspruch wegen
untauglichen Versuchs der Geldwäscherei infolge untauglichen Tatobjekts
in Betracht. Mangels entsprechender Anklage in Bezug auf diese
Vermögenswerte muss es an dieser Stelle jedoch beim Deliktserlös aus
dem Dopinghandel in Höhe von Fr. 112'896.00 sein Bewenden haben. Im
Übrigen sei angemerkt, dass es mit der ratio legis von Art. 305bis StGB –
der die Vereitelung der Einziehung von Deliktserlös verhindern will –
unvereinbar wäre, könnte sich der Beschuldigte unter Berufung auf die
wohlgemerkt hausgemachte Vermischung seines Vermögens der
Strafbarkeit entziehen.
Fraglich und zu prüfen bleibt an dieser Stelle, ob der Beschuldigte die
Einziehung des Delikterlöses durch Vornahme einer Geldwäscherei-
handlung wissen- und willentlich vereitelt hat.
5.4.2.
Entgegen der Auffassung des Beschuldigten stellt das Verstecken von
Geld nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts eine
Vereitelungshandlung i.S.v. Art. 305bis StGB dar (BGE 127 IV 20 E. 3;
BGE 122 IV 211 E. 2b; BGE 119 IV 242 E. 1d). Der Einwand, bezüglich
der unter dem Lavabo im Ferienhaus in Q. aufgefundenen Fr. 50'000.00
- 52 -
sei wegen fehlender Alternativen von einer straffreien Aufbewahrung
auszugehen, verfängt ebenso wenig, zumal der Beschuldigte selbst
ausführt, er habe das Geld deshalb unter dem Lavabo versteckt, damit es
für einen Einbrecher nicht einfach auffindbar herumliege (vgl.
Berufungsbegründung des Beschuldigten Rz. 68; Eingabe des
Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 135; Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 9). Ist es jedoch vor einem Einbrecher versteckt,
muss dasselbe auch für die Strafverfolgungsbehörden gelten. Welchen
Zweck er damit verfolgte bzw. ob er mit dem Willen handelte, die
Einziehung zu vereiteln, ist eine Frage des subjektiven Tatbestands (vgl.
dazu Ziffer 5.6 hernach). Daran vermag schliesslich auch der Umstand
nichts zu ändern, dass der Beschuldigte die Polizei im Vorfeld der
Durchsuchung des Ferienhauses auf das Geld unter dem Lavabo
hingewiesen hat (vgl. UA act. 4.1/17). Beim Tatbestand der Geldwäscherei
handelt es sich um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, dass die Vereitelung
auch tatsächlich gelingt, ist daher für die Strafbarkeit des Verhaltens nicht
erforderlich (BGE 128 IV 117 E. 7a; BGE 127 IV 20 E. 3; BGE 126 IV 255
E. 3a). Entsprechend ist der Tatbestand mit dem Verstecken des Geldes
im Willen, es den Strafbehörden zu entziehen, (vgl. dazu Ziffer 5.6
hernach), bereits vollendet. Das Verstecken des Geldes unter dem Lavabo
stellt daher mit der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. IV.4.3.1) eine
Geldwäschereihandlung dar.
5.4.3.
Das Vorliegen einer Geldwäschereihandlung ist schliesslich mit der
Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. IV.4.3.2) auch mit Bezug auf die
Barzahlung bzw. Posteinzahlung diverser Rechnungen durch den
Beschuldigten zu bejahen.
Bei den fraglichen Rechnungen handelt es sich um Kosten für die
Renovation seines Ferienhauses in Q. im Umfang von rund Fr. 670'000.00
(vgl. gelber Ordner UA act. 5.3.2), eine Rechnung von Kuoni für Flugtickets
nach Chile, welche er im Umfang von Fr. 2'400.00 bar bezahlte (UA
act. 5.2/22) sechs Rechnungen von Distrelec in Höhe von total Fr. 991.70
für diverses Elektro- und Computerzubehör (UA act. 5.3.3/209-214) und
eine solche der Flaigg AG in Höhe von Fr. 1'533.80 für Pillendosen und -
deckel (UA act. 5.3.3/29). Mit Ausnahme der letzten Rechnung der Flaigg
AG, welche wohl im Zusammenhang mit der Herstellung der Dopingmittel
steht, betreffen sämtliche Rechnungen persönliche Ausgaben des
Beschuldigten. Die Barzahlung bzw. Posteinzahlung dieser Ausgaben ist
daher als Verbrauch der Vermögenswerte zu qualifizierten, wodurch der
Beschuldigte legales Geld einsparen konnte. Unter der Prämisse der
subjektiven Vereitelungsabsicht (vgl. Ziffer 5.6 hernach) sind diese
Ausgaben daher als Geldwäschereihandlung zu qualifizieren (Urteil des
Bundesgerichts 6B_209/2010 vom 2. Dezember 2012 E. 6.4 mit Hinweis
auf die in der Lehre teilweise vertretenen kritischen Auffassungen).
- 53 -
Insofern der Beschuldigte dagegen einwendet, dass er durch die
Aufbewahrung der Rechnungen für die Renovation bzw. die Einzahlung auf
der Post einen eigentlichen «paper trail» geschaffen habe, weshalb keine
Vereitelungshandlung vorliegen könne, kann ihm nicht gefolgt werden.
Erstens vermögen die Rechnungen an sich keinen «paper trail» zu
begründen, zumal ihnen keine Aussage über die Herkunft der Mittel
entnommen werden kann, was im Übrigen gerade der Zweck von
Barzahlungen darstellt. Zweitens ändert die Aufbewahrung der
Rechnungen nichts an der Tatsache, dass der Beschuldigte das Geld in
den Vermögenskreislauf eingespeist und durch die Übertragung an
gutgläubige Dritte die Einziehung faktisch verunmöglicht hat. Drittens war
auch der Ordner mit den Rechnungen im Ferienhaus in Q. versteckt und
damit nicht ohne Weiteres auffindbar, weshalb auch hinsichtlich des
vermeintlichen «paper trails» an sich eine Vereitelungshandlung vorliegt.
Das Argument des Beschuldigten, die zur Renovation des Hauses
verwendeten Mittel seien ohne Weiteres auffindbar und eine Vereitelung
daher ausgeschlossen, zielt damit an der Sache vorbei.
Auch das Vorbringen, wonach eine Überweisung des Kaufpreises für die
Flugtickets nach Chile aus zeitlogistischen Gründen nicht möglich gewesen
sei, weil ihm die Tickets ohne vorgängige Barzahlung in der Filiale nicht
ausgehändigt worden wären, ist als unbeachtliche Schutzbehauptung zu
qualifizieren (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom 11. März 2022 Rz. 152;
Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10). Aus dem vom Beschuldigten
eingereichten E-Mailverkehr ist nämlich ersichtlich, dass ihm die
Bestätigung und die Flugtickets ohnehin erst später als E-Tickets
ausgestellt worden sind (vgl. die Beilagen zur Eingabe des Beschuldigten
vom 11. März 2022, E-Mail vom 30. November 2012). Dass die Barzahlung
damit unumgänglich gewesen sei, ist damit widerlegt.
5.5.
Gemäss Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB ist von einem schweren Fall der
Geldwäscherei auszugehen, wenn der Täter gewerbsmässig handelt. Die
Definition des Begriffs der Gewerbsmässigkeit im Geldwäschereikontext ist
mit jenem im Sportförderungsgesetz identisch, weshalb auf die
diesbezüglichen Ausführungen verwiesen werden kann (vgl. Ziffer 4.9
hiervor).
Vorliegend wäre bereits aufgrund des gewaschenen Betrages im Umfang
von Fr. 112'896.00 von einem erheblichen Gewinn auszugehen und die
Schwelle zur Gewerbsmässigkeit damit überschritten. Hinzu kommt, dass
der Beschuldigte das Geld versteckte oder es für persönliche Ausgaben,
wie namentlich die Renovation seines Ferienhauses oder Flugtickets für
seine Familie verbrauchte. Durch die Waschung des Deliktserlöses und die
damit einhergehende Einsparung legalen Geldes konnte er daher einen
- 54 -
namhaften Anteil seiner Lebenshaltungskosten einsparen. Mit der
Vorinstanz ist daher das qualifizierende Merkmal der Gewerbsmässigkeit
erfüllt (vgl. vorinstanzliches Urteil E. IV.4.4).
5.6.
5.6.1.
Der subjektive Tatbestand der Geldwäscherei setzt (Eventual-)Vorsatz
hinsichtlich sämtlicher objektiver Tatbestandsmerkmale voraus. Der
Geldwäscher muss die verbrecherische Herkunft der Vermögenswerte und
die Verwirklichung des Vereitelungszusammenhangs, der ihm objektiv zur
Last gelegt wird, zumindest in Kauf nehmen, d.h. mit einer möglichen
Tatbestandsverwirklichung einverstanden sein. Er muss sich mindestens in
der üblicherweise geforderten «Parallelwertung in der Laiensphäre»
bewusst sein, dass die Vermögenswerte aus einer schwerwiegenden
Vortat stammen, die erhebliche Sanktionen nach sich zieht. Für das ihm
zurechenbare Wissen muss der Geldwäscher die juristische Abgrenzung
zwischen Verbrechen und Vergehen daher nicht kennen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_627/2012 vom 18. Juli 2013 E. 3; PIETH, in: Basler
Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 42 zu Art. 305bis StGB).
5.6.2.
Mit der Vorinstanz besteht für das Obergericht kein Zweifel daran, dass der
Beschuldigte das fragliche Bargeld versteckt und die erwähnten
Barzahlungen getätigt hat, um die verbrecherische Herkunft dieser
Vermögenswerte zu verschleiern und den staatlichen Einziehungs-
anspruch zu vereiteln (vgl. vorinstanzliches Urteil E. IV 3.2.9).
Der Beschuldigte begründete seinen generell hohen Bargeldbestand und
die angesichts der heutigen Gegebenheit im Zahlungsverkehr
aussergewöhnlich häufigen Barzahlungen von selbst hohen Beträgen
damit, dass er den Banken misstrauen und es ohnehin keine Zinsen mehr
geben würde (UA act. 4.2/93 und 357; Protokoll der Berufungsverhandlung
S. 9). Einzahlungen auf seine Konten habe er nur getätigt, um damit zu
arbeiten oder wenn er etwas nicht habe bar bezahlen können (UA
act. 4.1/124 und 365). Diese Ausführungen sind als unbeachtliche
Schutzbehauptungen zu qualifizieren: Einerseits hat der Beschuldigte
anlässlich der Einvernahme vom 21. Juli 2015 selbst ausgeführt, er habe
den Deliktserlös in bar versteckt (UA act. 1.1.3/88). Andererseits ergibt sich
aus den edierten Bankunterlagen des Beschuldigten, dass er sowohl in der
Schweiz als auch in Thailand diverse Bankkonten mit zeitweise Guthaben
im hohen fünfstelligen Bereich besessen hat. Zudem hat er immer wieder
namhafte Beträge darauf einbezahlt, alleine in den Jahren 2010 bis 2013
haben sich diese auf Fr. 715'500.00 aufsummiert (vgl. UA act. 4.2/102 und
116 f.; UA act. 5.1.1/33). Dass er den Banken misstraute, erscheint unter
diesen Umständen höchst unglaubhaft. Es mag zwar sein, dass die tiefen
Zinsen dem Beschuldigten mehr oder minder egal waren. Dieser fehlende
- 55 -
Anreiz vermag bei vernünftiger Betrachtungsweise jedoch nicht die Risiken
sowie den damit einhergehenden Mehraufwand aufzuwiegen, welcher mit
einem derart hohen Bargeldbestand bzw. stetigen Bareinzahlungen auf der
Post einhergeht. Damit ist auch für das Obergericht erstellt, dass der
Beschuldigte das Bargeld versteckte bzw. Barzahlungen tätigte, um es
dadurch dem Zugriff durch die Strafbehörden zu entziehen.
Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte der qualifizierten
Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 1 und Ziff. 2 lit. c StGB schuldig
gemacht.
6.
6.1.
6.1.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die qualifizierte Widerhandlung
gegen das Sportförderungsgesetz und das Heilmittelgesetz und für die
mehrfache qualifizierte Geldwäscherei als Zusatzstrafe zum Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau vom 12. Februar 2020 mit einer
Freiheitsstrafe von 3 Jahren sowie einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à
Fr. 30.00 bestraft. Den Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe hat sie
teilweise aufgeschoben und dabei den vollziehbaren Anteil auf 18 Monate
festgelegt. Den Vollzug der Geldstrafe hat sie vollumfänglich
aufgeschoben. Die Probezeit wurde für beide Strafen auf 3 Jahre
festgesetzt.
6.1.2.
Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, der Beschuldigte sei mit
einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren sowie einer unbedingten
Geldstrafe nach richterlichem Ermessen zu bestrafen.
Zur Berufung der Staatsanwaltschaft ist vorab festzuhalten, dass die
Berufungsanmeldung bei der Vorinstanz entgegen dem Einwand des
Beschuldigten rechtzeitig erfolgt ist (vgl. Eingabe des Beschuldigten vom
31. Mai 2021). Massgebend für den Beginn der 10-tägigen Frist für die
Anmeldung der Berufung ist gemäss Art. 384 lit. a StPO i.V.m. Art. 399
Abs. 1 StPO die Aushändigung oder Zustellung des schriftlichen
Dispositivs. Die Vorinstanz hat das Urteil den Parteien am 12. November
2020 mündlich eröffnet, gleichzeitig jedoch die schriftliche Zustellung des
Dispositivs in Aussicht gestellt (vgl. GA act. 239). Die Zustellung desselben
erfolgte am 24. November 2020, weshalb die gleichentags eingereichte
Berufungsanmeldung fristgerecht erfolgt ist (vgl. GA act. 239 und 332).
6.1.3.
Der Beschuldigte beantragt mit Berufung für den Fall seiner Verurteilung,
er sei lediglich zu einer bedingten Freiheitsstrafe zu verurteilen. Diese
Reduktion der vorinstanzlich ausgesprochenen Strafe begründet er im
- 56 -
Wesentlichen damit, dass der Umstand der fehlenden konkreten
Gesundheitsgefährdung nicht ausreichend strafmildernd berücksichtigt
worden sei (vgl. Berufungsantwort des Beschuldigten vom 5. Juli 2021
S. 9).
6.2.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV
217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen).
Darauf kann verwiesen werden.
6.3.
6.3.1.
Die vorliegend neu zu beurteilenden Straftaten haben sich im Zeitraum vom
1. Oktober 2012 bis zur Verhaftung des Beschuldigten am 31. März 2015
und damit vor der Verurteilung des Beschuldigten im abgetrennten
Verfahren ereignet. Sofern dafür gleichartige Strafen auszufällen sind, ist
in Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB eine Zusatzstrafe zum Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau vom 12. Februar 2020 auszufällen.
6.3.2.
Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter
Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die
Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre
Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre
Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen
(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).
Vorliegend kommt für das schwerste Delikt, die Widerhandlung gegen das
Sportförderungsgesetz gemäss Art. 22 Abs. 2 SpoFöG, nur die Ausfällung
einer Freiheitsstrafe in Betracht, mit welcher eine Geldstrafe zu verbinden
ist. Für die Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz ist unter Verweis auf
die einschlägigen Erwägungen im abgetrennten Verfahren eine Geldstrafe
auszufällen, was im Berufungsverfahren unbestritten geblieben ist (Art. 87
Abs. 2 aHMG und Art. 333 Abs. 2 lit. b Abs. 4 und Abs. 5 StGB; Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau SST.2017.264 vom 5. März 2018 E. 10;
Berufungsbegründung der Staatsanwaltschaft Ziffer 2.3.2; Berufungs-
antwort des Beschuldigten S. 8). Für die qualifizierte Geldwäscherei sieht
Art. 305bis Ziff. 2 StGB alternativ Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor, wobei
mit der Freiheitsstrafe eine Geldstrafe bis zu 500 Tagessätzen zu
verbinden ist.
Für die qualifizierte Geldwäscherei ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe
zu bestrafen. Vorliegend sind weder Gründe ersichtlich, noch wird geltend
gemacht, dass der Beschuldigte sich von einer Geldstrafe nicht
beeindrucken lassen würde und daher unter dem Gesichtspunkt der
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- 57 -
präventiven Effizienz und der Zweckmässigkeit für die begangene
qualifizierte Geldwäscherei stattdessen eine Freiheitsstrafe ausgefällt
werden müsste. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass der
Strafregisterauszug des Beschuldigten abgesehen von den im
vorliegenden sowie den im abgetrennten Verfahren beurteilten Delikten
keine Einträge ausweist und er folglich als nicht vorbestraft gilt. Entgegen
dem Dafürhalten der Staatsanwaltschaft (vgl. Berufungsbegründung der
Staatsanwaltschaft Ziffer 2.3.1) erweist sich die Geldstrafe auch in
Anbetracht des Verschuldens des Beschuldigten als die angemessene
Sanktion. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. V.3.2.1), sind die Geldwäschereihandlungen des
Beschuldigten darauf beschränkt, sich seinen Lebensunterhalt mit den
zuvor aus dem illegalen Dopinghandel generierten Geld zu finanzieren.
Sein Vorgehen war dabei weder von besonderen Machenschaften geprägt,
noch wies es eine besondere Raffinesse aus und ist daher nicht wesentlich
über die blosse Erfüllung des Tatbestandes hinausgegangen. Dem
Beschuldigten ist ausserdem zugute zu halten, dass er die Polizei im
Vorfeld der Durchsuchung seines Ferienhauses auf das unter dem Lavabo
versteckte Bargeld hingewiesen hat (vgl. UA act. 4.1/17). Da sich die
kriminelle Energie des Beschuldigte somit in Grenzen hielt und auch die
Gefährdung des von der Geldwäscherei geschützten Rechtsgut
vergleichsweise geringfügig ausfiel, ist das Verschulden des Beschuldigten
trotz des auch im Rahmen eines schweren Falles noch hohen
Deliktsbetrages gerade noch als vergleichsweise leicht einzustufen.
6.3.3.
Im Ergebnis ist somit für die Widerhandlung gegen das
Sportförderungsgesetz eine Freiheitsstrafe, verbunden mit einer Geldstrafe
auszufällen. Letztere ist, gemeinsam mit den übrigen Delikten des
vorliegenden Verfahrens, in die Zusatzstrafenbildung mit der im
abgetrennten Verfahren ausgesprochenen Geldstrafe einzubeziehen.
6.4.
6.4.1.
Der Strafrahmen für die qualifizierte Widerhandlung gegen das
Sportförderungsgesetz sieht gemäss Art. 22 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1
SpoFöG eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor. Geschütztes
Rechtsgut der Straftatbestände des SpoFöG ist wie an anderer Stelle
bereits festgehalten nicht nur Fairplay und Chancengleichheit im Sport,
sondern darüber hinaus die gesundheitsförderliche Aktivität im Breitensport
(vgl. Ziffer 4.2.1 hiervor).
Der Beschuldigte hat während rund 30 Monaten (1. Oktober 2012 bis
31. März 2015) und damit über einen relativ langen Zeitraum eine
erhebliche Menge an unter das Sportförderungsgesetz fallende, illegale
Dopingmittel hergestellt, gelagert und verkauft. Bereits aufgrund der Menge
- 58 -
der Substanzen sowie deren unkontrollierter Abgabe im Wissen um die
Verwendung zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit lässt sich
erschliessen, dass der Beschuldigte nicht nur die unerwünschten
Begleiterscheinungen von Doping im Breitensport gefördert, sondern
aufgrund der ihm bekannten Aus- und Nebenwirkungen der fraglichen
Mittel auch die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen in erheblichem
Masse gefährdet hat. Ein konkreter Nachweis einer Gesundheits-
gefährdung ist vor diesem Hintergrund für die Annahme einer erheblichen
Gefährdung der geschützten Rechtsgüter entgegen dem Dafürhalten des
Beschuldigten weder erforderlich, noch kann ein solcher verschuldens-
mindernd berücksichtigt werden, so dass der Beschuldigte daraus nichts
zu seinen Gunsten ableiten kann (vgl. Berufungsantwort des Beschuldigten
vom 5. Juli 2021 S. 9).
Das Vorgehen des Beschuldigten war dabei kontinuierlich und strukturiert,
reiste er doch alle paar Monate in die Schweiz ein, um Rohstofflieferungen
zu empfangen und Bestellungen auszuliefern. Nebst dem dafür
betriebenen Organisations- und Zeitaufwand investierte der Beschuldigte
auch erhebliche finanzielle Mittel in seine deliktische Tätigkeit, indem er
dafür Räumlichkeiten anmietete und Maschinen und Gerätschaften im Wert
von mehreren tausend Franken anschaffte. Entsprechend gross war die
kriminelle Energie, mit welcher der Beschuldigte seine deliktische Tätigkeit
verfolgte. Der Beschuldigte hat dabei mit rund Fr. 134'400.00 und
Fr. 112'896.00 sowohl einen grossen Umsatz als auch einen erheblichen
Gewinn erzielt und die deliktische Tätigkeit, in Ermangelung anderer
Einkommensquellen im Sinne einer Erwerbstätigkeit ausgeübt. Vor allem
beim Gewinn, jedoch auch in Anbetracht des dafür betriebenen Planungs-
und Organisationsaufwandes ist der Beschuldigte erheblich über die blosse
Erfüllung des qualifizierten Tatbestands hinausgegangen. Dass der
Beschuldigte dabei aus rein monetären Gründen gehandelt hat, ist der
Gewerbsmässigkeit inhärent und darf nicht zusätzlich
verschuldenserhöhend berücksichtigt werden. Festzuhalten ist allerdings,
dass sich der Beschuldigte in keiner finanziellen Notlage befunden hat –
verfügte er doch über eine abgeschlossene Ausbildung als Heilpraktiker mit
eigener Praxis – und es ist auch nicht ersichtlich, dass er aus anderen
Gründen in die Delinquenz gedrängt worden wäre. Da es damit für ihn leicht
gewesen wäre, die Normen des Sportförderungsgesetzes zu respektieren,
wiegt seine Entscheidung gegen sie umso schwerer (vgl. BGE 117 IV 112
E. 1 mit Hinweisen).
Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu 5 Jahren
Freiheitsstrafe in Gesamtwürdigung der Tatkomponenten das Verschulden
des Beschuldigten als mittelschwer bis schwer einzustufen, wofür eine
Freiheitsstrafe von 45 Monaten angemessen erscheint.
- 59 -
6.4.2.
In Bezug auf die Täterkomponenten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
nicht vorbestraft ist und auch im Laufe des vorliegenden Verfahrens nicht
weiter straffällig geworden ist. Mit der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches
Urteil E. V.3.2.1) ist dieser Umstand neutral zu würdigen (BGE 136 IV 1
E. 2.6).
Dem Beschuldigten ist indessen zugute zu halten, dass er in den ersten
Einvernahmen nach seiner Verhaftung weitgehend geständig war und sich
kooperativ verhielt, indem er beispielsweise die Polizei auf das unter dem
Lavabo versteckte Geld in seinem Ferienhaus hinwies. Die strafmindernde
Auswirkung dieses Aspekts muss jedoch relativiert werden, zumal die
Kooperationsbereitschaft des Beschuldigten nur anfänglich bestand und er
sich bereits zu diesem Zeitpunkt erheblich belastendem Beweismaterial
gegenübergestellt sah. Darüber hinaus scheint er sein Verhalten nach wie
vor zu bagatellisieren und das Ausmass der von seinen Produkten
ausgehenden Gefahr für die Gesundheit anderer herunterzuspielen (vgl.
GA act. 219; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3). Schliesslich kann
dem Beschuldigten auch deshalb keine nachhaltige Einsicht oder
aufrichtige Reue für das begangene Unrecht attestiert werden, weil er
sowohl im erstinstanzlichen als auch im Berufungsverfahren einen
vollumfänglichen Freispruch beantragt. Weitere Aspekte sind unter dem
Aspekt der Kooperationsbereitschaft und des Nachtatverhaltens nicht zu
berücksichtigen. Mit der Staatsanwaltschaft wirkt sich insbesondere der
Umstand, dass der Beschuldigte der Vorladung zur vorinstanzlichen
Hauptverhandlung Folge geleistet hat und dafür in die Schweiz eingereist
ist, nicht zu seinen Gunsten aus (vgl. Berufungsbegründung der
Staatsanwaltschaft Ziffer 2.2.2 S. 4).
Entgegen der Vorinstanz und mit der Staatsanwaltschaft ist vorliegend
auch nicht von einer besonderen Strafempfindlichkeit auszugehen, welche
strafmindernd zu berücksichtigen wäre (vgl. vorinstanzliches Urteil
E. V.3.2.1; Berufungsbegründung der Staatsanwaltschaft Ziffer 2.2.2 S. 5).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine besondere
Strafempfindlichkeit des Täters nur bei aussergewöhnlichen Umständen
anzunehmen. Alleine das fortgeschrittene Alter des inzwischen 63-jährigen
Beschuldigten sowie die Tatsache, dass er zwei jugendliche Kinder hat,
stellen keine ausserordentlichen Umstände im Sinne der Rechtsprechung
dar, weshalb gestützt darauf die Strafe nicht zu mindern ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_237/2018 vom 24. August 2018 E. 1.4.4; Urteil des
Bundesgerichts 6B_988/2017 vom 26. Februar 2018 E. 2.4).
Nach dem Gesagten wirkt sich die Täterkomponente insgesamt leicht
strafmindernd aus.
- 60 -
6.4.3.
Die zur Anklage erhobenen Sachverhalte haben sich im Zeitraum zwischen
dem 1. Oktober 2012 und dem 31. März 2015 ereignet. Von der Eröffnung
des Strafverfahrens am 3. Juni 2014 bis zum Abschluss des
erstinstanzlichen Verfahrens am 12. November 2020 vergingen insgesamt
mehr als sechs Jahre.
Das Gericht mildert nach Art. 48 lit. e StGB die Strafe, wenn das
Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat vergangenen Zeit deutlich
vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohlverhalten hat. Der
Strafminderungsgrund infolge langen Zeitablaufs in jedem Fall zu
berücksichtigen, wenn mehr als zwei Drittel der Verjährungsdauer
abgelaufen sind (BGE 140 IV145 E. 3.1). Zeitlich massgebend ist das
zweitinstanzliche kantonale Urteil (BGE 140 IV 145 E. 3.1). Diese
Zeitspanne kann jedoch auch kürzer bemessen werden, um der Art und
Schwere der Tat Rechnung zu tragen (BGE 132 IV 1 E. 6.2).
Das in Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 5 StPO verankerte
Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig
voranzutreiben, um den Beschuldigten nicht unnötig über die gegen ihn
erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Dieser soll nicht länger als
notwendig den Belastungen eines Strafverfahrens ausgesetzt sein. Welche
Verfahrensdauer angemessen ist, hängt von den konkreten Umständen ab,
die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Das Bundesgericht hat die
Grundsätze des Beschleunigungsgebots wiederholt dargelegt (statt vieler:
Urteile des Bundesgerichts 6B_1003/2020 vom 21. April 2021 E. 3.3.1
sowie 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373).
Darauf kann verwiesen werden.
Die Verfolgungsverjährung für die qualifizierte Widerhandlung gegen das
Sportförderungsgesetz gemäss Art. 22 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1
SpoFöG beträgt gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB 15 Jahre. Davon sind
seit Beginn der deliktischen Tätigkeit noch nicht zwei Drittel abgelaufen.
Die Voraussetzungen für eine zwingende Strafmilderung nach Art. 48 lit. e
StGB liegen demnach nicht vor. Gründe für eine kürzere Bemessung der
Zeitspanne liegen nicht vor; im Gegenteil kann von einem Wohlverhalten
des Beschuldigten selbstredend erst nach Beendigung der letzten
Tathandlung ausgegangen werden.
Auch eine Verletzung des Beschleunigungsgebots liegt nicht vor. Es
handelt sich vorliegend um ein komplexes, umfangreiches Strafverfahren
mit einer Vielzahl an Akten und Dokumenten. Der Beschuldigte hat über
Jahre hinweg ein eigentliches Vertriebsnetz aufgebaut und den illegalen
Dopinghandel durch Barzahlungen abgewickelt, was die Einziehung der
illegalen Gelder erschwerte. In Anbetracht des Umfangs des vorliegenden
Verfahrens, welches für die staatlichen Behörden zweifellos inhaltlich,
- 61 -
logistisch und personell eine Herausforderung darstellte, ist keine Verlet-
zung des Beschleunigungsgebots auszumachen. Daran ändert nichts,
dass gewisse behördliche Verfahrenshandlungen auch etwas zügiger
hätten erledigt werden können.
6.4.4.
Zusammengefasst erscheint dem Obergericht eine Strafe von 42 Monaten
dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
angemessen.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Beschuldigte aus dem
Argument, dass die Staatsanwaltschaft im Hinblick auf ein abgekürztes
Verfahren noch eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 3 Jahren
vorgeschlagen hatte, nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Wie bereits
im Kontext der Beweiswürdigung ausgeführt (vgl. Ziffer 4.6.4.2.3 hiervor),
sind Erklärungen der Parteien, die im Hinblick auf die Durchführung eines
abgekürzten Verfahrens abgegeben wurden, im nachfolgenden
ordentlichen Verfahren nicht verwertbar und zwar selbst dann, wenn das
abgekürzte Verfahren bereits vor der Beurteilung durch ein
erstinstanzliches Gericht scheitert (BGE 144 IV 189 E. 5.2.2). Vom
Verwertungsverbot erfasst sind auch Erklärungen der Staatsanwaltschaft
betreffend das Strafmass, so dass diese daran nicht mehr gebunden ist.
Entsprechend ist irrelevant, welches Strafmass die Staatsanwaltschaft
damals in Aussicht gestellt hat.
6.4.5.
Da der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe vom mehr als 3 Jahren
verurteilt wird, ist ein (teil-)bedingter Vollzug nicht möglich, so dass die
Freiheitsstrafe unbedingt auszusprechen ist (vgl. Art. 42 Abs. 1 und Art. 43
Abs. 1 StGB).
6.5.
6.5.1.
Für die übrigen Delikte ist eine Geldstrafe im Sinne einer Gesamtstrafe
auszufällen, wobei die im abgetrennten Verfahren rechtskräftig
ausgesprochene Geldstrafe als Grundstrafe im Rahmen von Art. 49 Abs. 2
StGB miteinzubeziehen ist.
6.5.2.
Sämtliche der zu sanktionierenden Delikte des Beschuldigten wurden vor
Inkrafttreten des neuen Sanktionsrechts per 1. Januar 2018 verübt. Es stellt
sich somit die Frage nach dem zeitlich anwendbaren Recht. Gemäss Art. 2
Abs. 2 StGB ist grundsätzlich jenes Gesetz anwendbar, das im Zeitpunkt
der Verübung der Tat anwendbar ist, es sei denn, das neue Gesetz sei das
mildere (sog. lex mitior). Beim Vergleich der Schwere der Strafnormen ist
nach der sogenannten konkreten Methode eine umfassende Beurteilung
- 62 -
des Sachverhalts nach altem und neuem Recht vorzunehmen, um
festzustellen, welches Recht insgesamt für den Beschuldigten das mildere
darstellt (vgl. BGE 147 IV 241 E. 4.2.2; 135 IV 113 E. 2.2; TRECHSEL/VEST,
in: Praxiskommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2021,
N. 11 zu Art. 2 StGB mit Hinweisen). Im Leitentscheid BGE 147 IV 241 hat
das Bundesgericht sodann klargestellt, dass nach dem Grundsatz der
Alternativität entweder das alte oder das neue Sanktionsrecht
anzuwenden, eine Kombination von zwei Gesetzen hingegen unzulässig
ist. Zudem hat das Bundesgericht den Grundsatz bekräftigt, wonach die
Geldstrafe im Vergleich zur Freiheitsstrafe stets die mildere Sanktion
darstellt (vgl. BGE 147 IV 241 E. 4.2.2; anders noch die Urteile des
Bundesgerichts 6B_86/2020 vom 31. März 2020 E. 2 und 6B_1280/2019
vom 5. Februar 2020 E. 6).
6.5.3.
Mit dem neuen Recht wird die Geldstrafe gemäss Art. 34 StGB auf
180 Tagessätze beschränkt, während aArt. 34 StGB Geldstrafen bis 360
Tagessätze zuliess. Diese Rechtsänderung kann sich sowohl zum Vor-, als
auch zum Nachteil eines Verurteilten auswirken.
In der vorliegenden Konstellation wurde der Beschuldigte im abgetrennten
Verfahren unter Anwendung des alten Sanktionsrechts zu einer Geldstrafe
von 320 Tagessätzen verurteilt. In Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB
wäre diese Strafe um die qualifizierte Widerhandlung gegen das
Sportförderungsgesetz, die qualifizierte Widerhandlung gegen das
Heilmittelgesetz sowie die qualifizierte Geldwäscherei zu erhöhen. Nach
altem Recht wäre die Erhöhung auf maximal 360 Tagessätze und somit
eine Zusatzstrafe von maximal 40 Tagessätzen beschränkt. Nach neuem
Recht wäre hingegen allein schon für den Schuldspruch im abgetrennten
Verfahren, welcher verschuldensbedingt 180 Tagessätze übersteigt, eine
Geldstrafe nicht mehr möglich und dafür – unter Bildung einer Zusatzstrafe
mit der Widerhandlung gegen das Sportförderungsgesetz – eine (höhere)
Freiheitsstrafe auszusprechen. Weil der damit einhergehende Eingriff in die
Rechte des Beschuldigten intensiver ausfällt (vgl. BGE 147 IV 241
E. 4.2.2), erweist sich das neue Recht vorliegend nicht als milder, weshalb
die Strafzumessung mit der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil
E. V.3.3.1) nach altem Recht vorzunehmen ist.
6.5.4.
In Anbetracht des Vorstehenden sowie unter Verweis auf die
vorinstanzlichen Ausführungen (vorinstanzliches Urteil E. V.3.3.4) ist
festzuhalten, dass bereits für die qualifizierte Widerhandlung gegen das
Sportförderungsgesetz als schwerstes Delikt eine (Einsatz-)Strafe von
deutlich mehr als 40 Tagessätzen auszufällen wäre. Aufgrund des
altrechtlich geltenden Höchststrafmasses der Geldstrafe von
360 Tagessätzen sowie abzüglich der rechtskräftigen Grundstrafe von 320
- 63 -
Tagessätzen im abgetrennten Verfahren muss es daher vorliegend mit der
Verhängung einer Zusatzstrafe von 40 Tagessätzen sein Bewenden
haben. Selbst wenn ausgehend von einer Einzelbetrachtung für die
weiteren Tatbestände, konkret die Widerhandlung gegen das
Heilmittelgesetz sowie die Geldwäscherei, das Strafmass höher
anzusetzen wäre, wiegt das Verschulden je für sich betrachtet nicht derart
schwer, als dass sich dafür die Ausfällung einer Freiheitsstrafe
rechtfertigen würde. Dies umso mehr, als dass zwischen den
unterschiedlichen Tatbeständen im vorliegenden als auch im abgetrennten
Verfahren ein enger sachlicher, zeitlicher und räumlicher Zusammenhang
besteht. Im Ergebnis bleibt es somit bei der vorinstanzlich ausgefällten
Geldstrafe von 40 Tagessätzen.
6.5.5.
Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach den Verhältnissen des Täters
im Urteilszeitpunkt (Art. 34 Abs. 2 StGB).
Massgebende Kriterien für die Bestimmung der Tagessatzhöhe sind das
Einkommen, das Vermögen und der Lebensaufwand des Beschuldigten,
seine Unterstützungspflichten und persönlichen Verhältnisse sowie sein
Existenzminimum (BGE 142 IV 315 E. 5 = Pra 2018 Nr. 52, Bestätigung
der bisherigen Rechtsprechung). Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen,
das der Täter im Zeitpunkt des Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geld-
werten Leistungen, die ihm zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1).
Der in Thailand wohnhafte Beschuldigte geht nach eigenen Angaben
aktuell keiner Erwerbstätigkeit nach. Seine einzigen Einkünfte seien derzeit
Mietzinseinnahmen aus der Vermietung seiner Liegenschaften in der
Schweiz in Höhe von monatlich Fr. 2'230.00. Damit könne er den
Lebensunterhalt in Thailand für sich, seine Frau und seine beiden Söhne
bestreiten. Als Beleg reichte er die per 29. März 2022 im Kanton Y.
eingereichte Steuererklärung ein. Unter diesen Umständen ist der
Tagessatz mit der Vorinstanz auf Fr. 30.00 festzusetzen.
6.5.6.
Die Geldstrafe ist bedingt auszusprechen (Art. 42 Abs. 1 StGB). Im
aktuellen Strafregister ist nur das Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau vom 12. Februar 2020, zu welchem eine Zusatzstrafe auszufällen
ist, verzeichnet. Aufgrund der Art und Weise der Tatbegehung und der vom
Beschuldigten gezeigten kriminellen Energie bestehen nicht unerhebliche
Bedenken an seiner Legalbewährung, zumal er weder nachhaltig einsichtig
noch reuig ist. Mit der Vorinstanz ist jedoch davon auszugehen, dass die
längere Freiheitsstrafe beim Beschuldigten einen genügenden Eindruck
hinterlassen wird. Deshalb sowie aufgrund des Umstands, dass der
Beschuldigte im Laufe des vorliegenden Verfahrens nicht mehr straffällig
geworden ist, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht von einer eigentlichen
- 64 -
Schlechtprognose auszugehen, so dass ihm für die Geldstrafe der bedingte
Strafvollzug gewährt werden kann. Den noch bestehenden Bedenken an
seiner Legalbewährung ist mit einer leicht erhöhten Probezeit von 3 Jahren
angemessen Rechnung zu tragen, was denn auch unbestritten geblieben
ist.
7.
7.1.
Die Vorinstanz hat gestützt auf Art. 71 StGB auf eine Ersatzforderung des
Staates in Höhe von Fr. 90'000.00 erkannt. Zur Begründung führte sie
zusammengefasst aus, dass der Beschuldigten durch die Straftaten des
vorliegenden Verfahrens einen Umsatz von Fr. 140'000.00 erwirtschaftet
habe. Davon sei der Betrag von Fr. 50'000.00 abzuziehen, zumal in diesem
Umfang anlässlich der Hausdurchsuchung in Q. Bargeld aufgefunden
worden sei, welches der Einziehung gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB
unterliege. Der so ermittelte Betrag von Fr. 90'000.00 erweise sich sowohl
im Vergleich zur Ersatzforderung aus dem abgetrennten Verfahren als
auch in Anbetracht der Einkommens- und Vermögensverhältnisse des
Beschuldigte als verhältnismässig, weshalb er in diesem Umfang zu einer
Ersatzforderung an den Kanton Aargau zu verpflichten sei (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. VI2.3). Weder die Staatsanwaltschaft noch der
Beschuldigte haben sich hierzu für den Fall einer Verurteilung geäussert.
7.2.
Ausgehend von den Schuldsprüchen im vorliegenden Verfahren ist der
Bemessung der Ersatzforderung ein Umsatz von Fr. 140'000.00 und ein
Gewinn von Fr. 117'600.00 zugrunde zu legen. Vor diesem Hintergrund
stellt sich die Frage, wie der unrechtmässige, durch die Ersatzforderung
auszugleichende Vorteil im vorliegenden Fall zu bemessen ist.
7.3.
Bei der Berechnung des einzuziehenden Vermögenswertes ist mit der
Vorinstanz davon auszugehen, dass das Bruttoprinzip zur Anwendung
gelangt, unter Beachtung des allgemeinen Grundsatzes der Verhältnis-
mässigkeit (vgl. BGE 141 IV 317 E. 5.8.2 m.H.). Damit ist auf eine
Ersatzforderung von gerundet Fr. 140'000.00 zu erkennen.
7.4.
Das Gericht kann von einer Ersatzforderung ganz oder teilweise absehen,
wenn diese voraussichtlich uneinbringlich wäre oder die Wiedereinglie-
derung des Betroffenen ernstlich behindern würde (Art. 71 Abs. 2 StGB).
Ein Verzicht auf die Einziehung oder deren Herabsetzung ist aber immer
dann möglich und geboten, wenn und soweit sich diese mit Blick auf die
Ziele dieser Massnahme nicht als notwendig erweist. Dem Gericht wird
damit ein weites Ermessen eingeräumt (vgl. BAUMANN, in: Basler
- 65 -
Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 62 zu Art. 70/71 StGB mit Hinweis
auf BGE 124 I 10 m.H.).
7.5.
In Bezug auf die persönliche und finanzielle Situation des Beschuldigten
kann einerseits auf die Ausführungen im Kontext der Strafzumessung
verwiesen werden (vgl. Ziffer 6.5.5 hiervor). Andererseits ist nach wie vor
davon auszugehen, dass der Beschuldigte nebst den im vorliegenden
Verfahren mit Beschlag belegten Vermögenswerten (vgl. vorinstanzliches
Urteil Dispo-Ziffer 7.1) über weiteres freies Vermögen im Ausland verfügt
(vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau SST.2017.264 vom
5. März 2018 E. 13.3 und Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau
SST.2019.97 vom 12. Februar 2020 E. 9.2). Der Beschuldigte gab auf
konkrete Nachfrage an der Berufungsverhandlung an, nebst den in der
eingereichten Steuererklärung deklarierten Liegenschaften über eine nicht
näher bestimmte Anzahl an Bitcoins sowie über Goldnuggets in Thailand
im Wert von Fr. 15’000-Fr. 20'000.00 zu verfügen. Beides ist in der
Steuererklärung nicht deklariert, wobei bereits der Steuerwert eines
Bitcoins per 31. Dezember 2021 einen Steuerwert von Fr. 43'071.02
auswies (vgl. https://www.ag.ch/de/verwaltung/dfr/steuern/natuerliche-
personen/steuererklaerung-easytax/kryptowaehrungen). Sodann habe er
die einst für Fr. 300'000.00 erworbene Farm in Chile, die er im Februar
2020 noch besass, an eine amerikanische Familie verkauft. Dass der
gesamte, in Gold bezahlte Kaufpreis bereits aufgebraucht ist, erscheint
angesichts der aktuellen Lebenshaltungskosten des Beschuldigten
zumindest fragwürdig (vgl. UA act. 4.2/97; Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 12).
Angesichts finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten sowie der
Tatsache, dass er um die Illegalität des von ihm betriebenen Heil- und
Dopingmittelhandels wusste (vgl. Ziffer 4.10.3 hiervor), drängt sich im
vorliegenden Fall keine Abkehr vom reinen Bruttoprinzip auf. Dem
Verhältnismässigkeitsgrundsatz ist unter diesen Aspekten vielmehr
Genüge getan, wenn die Ersatzforderung sich daran bemisst, was der
Beschuldigte durch den strafbaren Handel erwirtschaftet hat. Davon in
Abzug zu bringen sind lediglich die eingezogenen Barmittel in Höhe von
Fr. 50'000.00, so dass die Ersatzforderung mit der Vorinstanz auf
Fr. 90'000.00 festzusetzen ist (vgl. vorinstanzliches Urteil E. VI.2.3).
8.
Die Vorinstanz hat diverse Vermögenswerte des Beschuldigten, darunter
Bargeld, Bankguthaben bei der J., die Grundstücke in S. und Q. sowie den
Erlös aus der vorzeitigen Verwertung der beschlagnahmten Goldbestände,
eingezogen und deren Verwertungserlös primär zur Deckung der dem
Beschuldigten auferlegten Verfahrenskosten, dann der Kosten für dessen
amtliche Verteidigung und schliesslich auf Anrechnung an die
https://www.ag.ch/de/verwaltung/dfr/steuern/natuerliche-personen/steuererklaerung-easytax/kryptowaehrungen https://www.ag.ch/de/verwaltung/dfr/steuern/natuerliche-personen/steuererklaerung-easytax/kryptowaehrungen
- 66 -
Ersatzforderungen, jeweils des vorliegenden als auch des abgetrennten
Verfahrens, bestimmt. Im Übrigen hat sie die Beschlagnahme aufgehoben
und die Rückgabe der Gegenstände an den Beschuldigten angeordnet (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. VI.3 und 4).
Der Beschuldigte hat sich für den Fall seiner Verurteilung weder zur
Einziehung an sich noch zur Verwendung des Verwertungserlöses
geäussert, weshalb an dieser Stelle auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden kann (vgl. vorinstanzliches Urteil E. VI.3;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Entsprechend sind die einbehaltenen
Vermögenswerte gemäss Dispositiv-Ziffer 7 des vorinstanzlichen Urteils zu
verwerten und der Verwertungserlös nach Abzug der Verwertungskosten
dem Obergericht auszuhändigen.
Die Staatsanwaltschaft hat die sachgemässen Verfügungen zu treffen
(vgl. § 45 Abs. 2 EG StPO).
9.
9.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei
im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon
ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge
gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 10.
November 2017 E. 4.3). Haben mehrere Parteien ein Rechtmittel gegen
denselben Entscheid ergriffen, tragen sie die Verfahrenskosten
anteilsmässig nach Massgabe ihres Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 418
Abs. 1 StPO).
Die obergerichtlichen Verfahrenskosten sind auf Fr. 8'000.00 festzusetzen
(Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 18 VKD). Der Beschuldigte unterliegt mit
seinen Anträgen vollumfänglich, weil es im Strafpunkt im Strafmass,
betreffend die Ersatzforderung und Beschlagnahmungen beim
vorinstanzlichen Urteil bleibt. Die Staatsanwaltschaft ist mit ihren Anträgen
teilweise durchgedrungen, zumal die vorinstanzlich ausgesprochene
Freiheitsstrafe leicht erhöht werden musste. Bei diesem Ausgang
rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens zu 7/8 mit
Fr. 7'000.00 dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu 1/8 mit Fr. 1'000.00
auf die Staatskasse zu nehmen.
9.2.
Die amtliche Verteidigung ist für das Berufungsverfahren aus der
Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und
Abs. 3bis AnwT). Der Anspruch auf Entschädigung besteht indes nur, soweit
es zur Wahrung der Rechte notwendig ist. Nach diesem Massstab
bestimmt sich der Anspruch sowohl in qualitativer als auch in quantitativer
- 67 -
Hinsicht, d.h. in Bezug auf den Umfang der Aufwendungen.
Entschädigungspflichtig sind nur jene Bemühungen, die in einem kausalen
Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im Strafverfahren stehen und
die notwendig und verhältnismässig sind (BGE 141 I 124 E. 3.1). Als
Massstab bei der Beantwortung der Frage, welcher Aufwand für eine
angemessene Verteidigung im Strafverfahren nötig ist, hat der erfahrene
Anwalt zu gelten, der im Bereich des materiellen Strafrechts und des Straf-
prozessrechts über fundierte Kenntnisse verfügt. Ein solcher kann deshalb
seine Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effizient erbringen (Urteil
des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom 17. April 2017 E. 18.3.1 mit
Hinweis). Den Kantonen steht bei der Bemessung des Honorars des
amtlichen Anwalts ein weites Ermessen zu (BGE 141 I 124 E. 3.2).
Der amtliche Verteidiger war mit dem Sachverhalt und den sich in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht stellenden Fragen bereits aus dem
erstinstanzlichen Verfahren, für das ihm eine (gekürzte) Entschädigung von
Fr. 46'397.05 (exkl. Entschädigung des früheren amtlichen Verteidigers
Marin Leiser, vgl. dazu Ziffer 10.3.2 hernach) zugesprochen wurde und
welche vorliegend aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht weiter
reduziert werden kann, bestens vertraut. Das Berufungsverfahren hat sich
auf die erfolgten Schuldsprüche sowie die Ersatzforderung beschränkt. Es
stellten sich dabei weder in tatsächlicher noch rechtlicher Hinsicht
besonders schwierige Fragen und die zu studierenden Akten waren
weitgehend bekannt. Entsprechend geringer ist der dafür angemessene
Aufwand im Berufungsverfahren zu veranschlagen. Die Akten des
Untersuchungsverfahrens sind allerdings sehr umfangreich.
Mit an der Berufungsverhandlung eingereichter Kostennote machte der
Verteidiger einen Aufwand von 183 Stunden zu einem Stundenansatz von
Fr. 200.00 sowie Auslagen von Fr. 1'007.10 und die gesetzliche
Mehrwertsteuer, gesamthaft Fr. 40'502.58 geltend. Der rechtserhebliche
Sachverhalt war im Berufungsverfahren – abgesehen vom Zeitpunkt der
letztmaligen Herstellung von XY-Produkten und den aus dem Doping- und
Arzneimittelhandel generierten Umsatz- und Gewinnzahlen – bis auf
wenige untergeordnete Aspekte unbestritten und damit erstellt.
Entsprechend war der Aktenaufwand im Vergleich zum erstinstanzlichen
Verfahren erheblich verkürzt. In rechtlicher Hinsicht stellten sich einzig in
prozessualer Hinsicht komplexere Fragen. Diese waren indessen bereits
Gegenstand des abgetrennten Verfahrens, für welches der Instanzenzug
bis ans Bundesgericht ausgeschöpft wurde. Entsprechend konnte der
Verteidiger in vielerlei Hinsicht auf seine entsprechenden Vorarbeiten
Rückgriff nehmen. Gleiches gilt auch in Bezug auf die Frage nach den
Anwendungsbereichen des Sportförderungsgesetzes sowie des
Heilmittelgesetzes. Auch diesbezüglich konnte der Verteidiger in
massgeblicher Weise von Synergien profitieren, zumal beide Fragen sich
für die exakt gleichen Produkte bereits im Verfahren gegen D. gestellt
- 68 -
haben, dessen Wahlverteidiger er war (vgl. Urteil des Obergerichts des
Kantons Aargau SST.2019.114 vom 6. April 2020). Unter diesen
Gesichtspunkten erweist sich der geltend gemachte Aufwand als massiv
überhöht, weshalb nicht unbesehen auf die eingereichte Kostennote
abgestellt werden kann.
Bereits in Anbetracht der vorstehend erwähnten Synergien aus dem
abgetrennten und weiteren mit dem vorliegenden im Zusammenhang
stehenden Verfahren sowie der Tatsache, dass das vorliegende
Berufungsverfahren im Vergleich dazu keine wesentlich neuen Fragen
tatsächlicher oder rechtlicher Art aufgeworfen hat, erweist sich der für die
Ausarbeitung der Rechtschriften geltend gemachte Aufwand des amtlichen
Verteidigers (ohne Berücksichtigung der damit zusammenhängenden
Korrespondenz mit dem Beschuldigten) als massiv überhöht. Die
Untersuchungsakten des abgetrennten Verfahrens waren grösstenteils
identisch, rechtliche Abklärungen und Recherchen konnten verwertet
sowie auch Ausführungen und Argumentation übernommen werden,
wovon der amtliche Verteidiger auch in Bezug auf das vorinstanzliche
Verfahren rege Gebrauch gemacht hat. Entsprechend sind für die
Berufungserklärung statt der geltend gemachten 5.5 Stunden (inkl.
Studium des vorinstanzlichen Urteils) angemessene 3 Stunden (zumal die
Berufungserklärung der vorinstanzlichen Eingabe entspricht), für die
Berufungsbegründung statt 34.5 Stunden angemessene 7 Stunden, für die
Berufungsantwort auf die Berufungsbegründung der Staatsanwaltschaft
(von gerade einmal 6 Seiten) statt 11.5 Stunden (inkl. des versehentlich als
Berufungserklärung bezeichneten Eintrags vom 5.7.2021) angemessene
2 Stunden zu veranschlagen. Darin enthalten sind auch die notwendigen
und angemessenen Abklärungen rechtlicher Art, weshalb der vom
Verteidiger eigens dafür geltend gemachte Aufwand von 2 Stunden nicht
zu vergüten ist.
Der Verteidiger hat sodann ausgedehnt vom freigestellten Replikrecht
Gebrauch gemacht, ohne dass die Staatsanwaltschaft nach Einreichung
ihrer Berufung wesentliche neue Argumente oder Beweismittel vorgebracht
hätte. Die von Seiten der Staatsanwaltschaft eingereichten
Korrespondenzen stammten vielmehr vom Beschuldigten selbst und waren
ihm daher bereits bekannt. Es ist somit nicht ersichtlich, weshalb der
Verteidiger seine Argumente nicht bereits im vorangehenden
Schriftenwechsel hätte vorbringen können, sondern stattdessen erst später
seitenweise Eingaben und damit zusammenhängend einen Aufwand von
über 48 Stunden generieren musste (betrifft die Eingaben vom 27.Juli
2021, 26. November 2021, 16. Dezember 2021, 31. Dezember 2021,
11. März 2022, ohne Berücksichtigung der mit Eingabe vom 27. Oktober
2021 gestellten Beweisanträge, vgl. dazu nachfolgend). Ein derartiger
Aufwand liegt jenseits einer sorgfältigen und ökonomischen
Mandatsführung und lässt sich auch mit der vom Verteidiger angeführten
- 69 -
Bedeutung des Strafverfahrens für den Beschuldigten nicht rechtfertigen.
Der entsprechende Aufwand ist daher auf angemessene 3 Stunden für die
Wahrnehmung des Replikrechts und notwendige Korrespondenzen mit
dem Gericht im Hinblick auf die Organisation der elektronischen Befragung
des Beschuldigten zu reduzieren. Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar, was
der Verteidiger mit der Position «Zusammenstellung Argumentation,
Bestimmung weiteres Vorgehen» vom 5. Januar 2022 geltend macht,
zumal der vorangehende Schriftenwechsel zu diesem Zeitpunkt längst
abgeschlossen war. Der dafür geltend gemachte Aufwand von 90 Minuten
ist daher nicht zu berücksichtigen.
Der Beschuldigte hat im Berufungsverfahren sodann zahlreiche
Beweisanträge gestellt. Allein für die Ausarbeitung und Redaktion der mit
Eingabe vom 27. Oktober 2021 macht er einen Aufwand von über
13 Stunden geltend. Bei den eingereichten Dokumenten handelt es sich
grösstenteils um Materialien, um die eigene Auslegung des
Anwendungsbereichs des Sportförderungsgesetzes zu untermauern. Die
meisten davon lagen bereits dem Bundesgericht vor und wurden von
diesem im Rahmen des Leitentscheids BGE 145 V 329 bereits
berücksichtigt. Abgesehen davon hatte keiner der vom Beschuldigten
gestellten Beweisanträge letztlich einen Einfluss auf das Ergebnis des
vorliegenden Verfahrens. In Anbetracht dessen sowie der Tatsache, dass
dem amtlichen Verteidiger für die Ausarbeitung von Rechtsschriften und
die Wahrnehmung des Replikrechts bereits ein angemessener Aufwand
zugesprochen worden ist, ist an dieser Stelle kein weiterer Aufwand zu
vergüten.
Mit der eingereichten Kostennote wird zudem ein Aufwand von rund
20 Stunden für Korrespondenzen in Form von E-Mails, Mitteilungen oder
Besprechungen geltend gemacht. Es ist allein der notwendige Zeitaufwand
für das konkrete Strafverfahren zu vergüten, nicht hingegen z.B. Aufwand
für bloss soziale Betreuung (Urteil des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom
10. April 2017 E. 18.4.3, nicht publ. in BGE 143 IV 214). Der angemessene
Instruktionsaufwand für das vorliegende Verfahren ist daher auf 3 Stunden
zu reduzieren.
Der Verteidiger hat sodann zahlreiche Korrespondenzen mit weiteren
Behörden, namentlich dem BASPO, der Stiftung Antidoping Schweiz sowie
der EZV geführt und dafür einen Aufwand von gesamthaft 9.6 Stunden in
Rechnung gestellt. Dass solche Abklärungen bzw. Anfragen teilweise
notwendig und geboten sind, wird nicht generell in Abrede gestellt. Eine
einfache telefonische Anfrage oder eine E-Mail hätte im vorliegenden
Verfahren jedoch vollkommen ausgereicht, um das angestrebte Ziel zu
erreichen. Wie in den vorstehenden Erwägungen ebenfalls bereits
dargelegt, haben die entsprechenden Korrespondenzen und
Fachmeinungen sodann keinerlei Auswirkung zugunsten des
- 70 -
Beschuldigten im vorliegenden Verfahren gezeigt. Entsprechend ist der
angemessene Aufwand dafür auf eine Stunde zu reduzieren.
Für die Berufungsverhandlung schliesslich hat der Verteidiger einen
Aufwand von rund 21 Stunden geltend gemacht, davon entfallen 9 Stunden
auf das Plädoyer, eine Stunde auf die Ausarbeitung der Beweisanträge,
2 Stunden und 50 Minuten auf die Vorbereitung auf die Verhandlung,
6 Stunden auf die Verhandlung selbst und die Vor- und Nachbesprechung
sowie 3 Stunden für Abschlussarbeiten. Zunächst ist der Aufwand für die
Verhandlung selbst, welche knapp 2 Stunden gedauert hat, unter
Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für die
Anreisezeit aus Z. auf angemessenen 3 Stunden zu reduzieren (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 1B_385/2021 vom 25. Oktober 2021 E. 4.8).
Angesichts der Tatsache, dass der Verteidiger im Plädoyer nichts Neues
vorgebracht hat, sondern sich im Wesentlichen auf (teilweise wörtlich
übernommene) Wiederholungen des vorinstanzlichen Plädoyers sowie der
Berufungsbegründung beschränkte und der Beschuldigte auch abgesehen
von der Steuererklärung keine neuen Unterlagen einreichte, erweist sich
dafür inkl. Vor- und Nachbereitungszeit sowie den wiederum separat
verrechneten Beweisanträgen (1 Stunde) ein Aufwand von insgesamt drei
Stunden als angemessen.
Keine Vergütung geschuldet ist jeweils für die blosse Zustellung von
prozessleitenden Verfügungen oder Eingaben (Aufwand von insgesamt
45 Minuten) und für die «Aktenbearbeitung» (Aufwand von insgesamt
50 Minuten). Dabei handelt es sich um blosse Sekretariatsarbeiten, die
bereits im Stundensatz enthalten sind und daher nicht separat entschädigt
werden (vgl. Urteil SK.2017.58 des Bundesstrafgerichts vom 4. Dezember
2018 E. 5.4.2.3 i.V.m. E. 3.1.3). Ebenfalls nicht entschädigungsberechtigt
sind Positionen, die zum vorinstanzlichen Verfahren gehören, wie für die
Eingabe an die Vorinstanz vom 21. Dezember 2020, für die ein Aufwand
von 75 Minuten veranschlagt worden ist.
In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen sowie unter Berück-
sichtigung angemessener Honorarnoten in vergleichbaren Fällen – das
Obergericht verfügt bei rund 300 Berufungen pro Jahr über einen grossen
Erfahrungswert – ergibt dies gesamthaft einen um 158 Stunden
reduzierten, vergleichsweise noch immer hohen Aufwand von 25 Stunden.
Hinzu kommen die Auslagen von Fr. 1'007.10 sowie die gesetzliche
Mehrwertsteuer, woraus eine Entschädigung von gerundet Fr. 6'470.00
resultiert.
Diese Entschädigung ist ausgangsgemäss zu 7/8 mit Fr. 5'661.25 vom
Beschuldigten zurückzufordern bzw. aus dem Verwertungserlös zu
begleichen.
- 71 -
10.
10.1.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO).
10.2.
Der Beschuldigte wurde bereits erstinstanzlich vom Vorwurf der
Geldwäscherei betreffend die Anklageziffer 3, Punkte 3-6, freigesprochen.
Zudem ist eine Verfahrenseinstellung infolge Verjährungseintritts
hinsichtlich der gewerbsmässigen Widerhandlung gegen das
Heilmittelgesetz gemäss Anklageziffer 2 für den Zeitraum vor dem
12. November 2013 erfolgt.
Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Ver-
fahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie bei mehreren angeklagten
Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber
freigesprochen, sind die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen.
Dies gilt jedenfalls, soweit sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar
auseinanderhalten lassen. Die anteilsmässig auf die mit einem Freispruch
endenden Anklagepunkte entfallenden Kosten verbleiben beim Staat.
Vollumfänglich kostenpflichtig werden kann die beschuldigte Person bei
einem teilweisen Schuldspruch nur, wenn die ihr zur Last gelegten Hand-
lungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen und alle
Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunkts notwendig
waren (Urteil des Bundesgerichts 6B_993/2016 vom 24. April 2017 E. 5.3;
Urteil des Bundesgerichts 6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 E. 7.4 f.).
Die vorliegend zur Anklage erhobenen Sachverhalte stehen in einem
teilweisen engen und direkten Zusammenhang miteinander. Daraus folgt,
dass der auf die Teileinstellung betreffend Widerhandlung gegen das
Heilmittelgesetz sowie die Geldwäscherei entfallende Mehraufwand
entsprechend geringer ausfällt. Wie die Vorinstanz ausserdem zutreffend
festgehalten hat, waren die Untersuchungshandlungen bezüglich des
Geldwäschereitatbestandes ohnehin notwendig, um die vom
Beschuldigten durch die Vortaten erwirtschafteten Umsätze und Gewinne
zu ermitteln (vgl. vorinstanzliches Urteil E. VII.1.2). Dennoch ist zu
berücksichtigen, dass den Tatvorwürfen, für welche ein Freispruch erfolgt
ist, teilweise hohe Beträge zugrunde lagen, so dass sie im Gesamtkontext
ins Gewicht fallen. Gestützt darauf rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten
die vorinstanzlichen Verfahrenskosten zu 9/10 aufzuerlegen.
Dementsprechend sind die vorinstanzlichen Verfahrenskosten von
Fr. 135'294.50 dem Beschuldigten zu 9/10 mit gerundet Fr. 121'765.00
aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen.
- 72 -
10.3.
10.3.1.
Die Entschädigung des früheren amtlichen Verteidigers von Fr. 16'990.05
ist im Berufungsverfahren unangefochten geblieben und damit keiner
Überprüfung mehr zugänglich (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018
vom 28. Januar 2019 E. 2). Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten
ausgangsgemäss zu 9/10 mit Fr. 15'291.00 zurückzufordern bzw. aus dem
Verwertungserlös zu begleichen.
10.3.2.
Der Präsident des Bezirksgerichts Bremgarten hat dem amtlichen
Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren mit Verfügung vom
12. November 2020 eine Entschädigung in Höhe von Fr. 46'397.05 (inkl.
Mehrwertsteuer und Auslagen) zugesprochen (GA act. 323 ff.). Dagegen
reichte der amtliche Verteidiger des Beschuldigten Beschwerde bei der
Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau
ein, welches mit Entscheid vom 14. Januar 2021 von Amtes wegen die
Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung feststellte und das
Beschwerdeverfahren infolge Gegenstandslosigkeit von der
Geschäftskontrolle abschrieb (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau SBK.2020.360 vom 14. Januar 2021). Die dagegen erhobene
Beschwerde in Strafsachen hiess das Bundesgericht teilweise gut und wies
die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdekammer in Strafsachen
des Obergerichts zurück (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_92/2021 vom
31. Mai 2021). Das neu unter der Verfahrensnummer SBK.2021.184 bei
der Beschwerdekammer in Strafsachen hängige Verfahren wurde mit
Verfügung vom 1. Juli 2021 bis zum Entscheid des vorliegenden
Berufungsverfahrens sistiert.
10.3.3.
Der Entscheid über die Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Be-
schuldigten bildet nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung Gegenstand
des erstinstanzlichen Urteils und kann von den Parteien mit Berufung an-
gefochten werden, wohingegen der amtliche Verteidiger des Beschuldigten
sich gegen die Höhe der Entschädigung mit Beschwerde zur Wehr setzen
muss. Die Zuständigkeiten der beiden Rechtsmittelinstanzen können sich
folglich überschneiden, wenn eine Partei Berufung erhebt und der amtliche
Verteidiger des Beschuldigten die seines Erachtens zu tiefe Entschädigung
mit Beschwerde anficht. Dabei ist zu beachten, dass die Berufung ein
reformatorisches Rechtsmittel ist. Die Beschwerde ist im Vergleich zur
Berufung subsidiär. Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt
es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408
StPO). Diesfalls entfällt das Anfechtungsobjekt des parallelen Beschwerde-
verfahrens und die Einwände des amtlichen Verteidigers gegen die Höhe
seiner Entschädigung sind mit der Berufung zu behandeln (BGE 139 IV 199
E. 5.6).
- 73 -
10.3.4.
Für die Bemessung des Entschädigungsanspruchs für das erstinstanzliche
Verfahren gelten dieselben Grundsätze wie im Berufungsverfahren (vgl. § 8
Abs. 1 AnwT), so dass für die theoretischen Ausführungen an dieser Stelle
darauf verwiesen werden kann (vgl. Ziffer 9.2 hiervor).
Der amtliche Verteidiger macht mit anlässlich der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung eingereichten Kostennote vom 11. November 2020
einen Aufwand von insgesamt 275 Stunden zu einem Stundensatz von
Fr. 200.00 sowie Auslagen von Fr. 1'679.90 und die gesetzliche
Mehrwertsteuer, gesamthaft Fr. 61'044.25, geltend. Dabei ist nicht von der
Hand zu weisen, dass das vorliegende Verfahren angesichts der langen
Verfahrensdauer, des grossen Aktenumfangs sowie der verfahrens-
rechtlichen Aspekte komplex und anspruchsvoll erscheint. Die
vorinstanzlich eingereichte Kostennote erweist sich jedoch als deutlich
überhöht. Einerseits ist auf die bereits im Kontext mit der vor Obergericht
eingereichten Kostennote angesprochenen Synergien mit dem
abgetrennten Verfahren sowie demjenigen gegen D. zu verweisen (vgl.
Ziffer 9.2 hiervor). Andererseits ist anzufügen, dass Rechtsanwalt A. erst
im März 2018 als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten eingesetzt
wurde, d.h. fast vier Jahre nach Eröffnung des vorliegenden
Strafverfahrens und drei Jahre nach der Verhaftung des Beschuldigten,
mithin in einem Zeitpunkt, in dem das Untersuchungsverfahren zu einem
grossen Teil bereits abgeschlossen war.
Bereits unter diesen Gesichtspunkten wäre die geltend gemachte
Entschädigung des Verteidigers erheblich zu kürzen. Aufgrund des
Verschlechterungsverbots muss es jedoch an dieser Stelle mit den
vorinstanzlich zugesprochenen Fr. 46'397.05 sein Bewenden haben (vgl.
Art. 391 Abs. 2 StPO).
Diese Entschädigung ist ausgangsgemäss zu 9/10 mit Fr. 41'757.35 vom
Beschuldigten zurückzufordern bzw. aus dem Verwertungserlös zu
begleichen.
11.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Urteil des
Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 2018 E. 4 mit Hinweisen).