Decision ID: 7fa59390-ccd1-4a6d-ac4a-a08ff4d11fd1
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Nachdem der 1986
geborenen
X._
per
31. August 2021 seitens ihres bisherigen Arbeitgebers am 30. Juni 2021 gekündigt worden war (
Urk.
8/13,
8
/56
), meldete sich die Versicherte am 2. August 2021 beim Regionalen Arbeits
vermitt
lun
gszentrum Y._
zur Arbeitsvermittlung an
(
Urk.
8/55)
und bean
tragte
– nachdem die Kündigungsfrist aufgrund von Arbeits
unfähigkeit bis zum 30. November 2021 verlängert
worden war (
Urk.
8/14) –
am 17. Dezember 2021
Arbeitslosenentschädigung ab dem
1.
Dezember
2021 (
Urk.
8
/54
). Mit Verfügung vom
9.
Dezember
2021 stellte
das Amt für Wirt
schaft und Arbeit (AWA)
X._
wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen vor Anspruchsstellung per 1. Dezember 2021 für 6 Tage in der Anspruchsberechtigung ein (
Urk.
8/2). Die von ihr dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
8/3) wies das AWA mit Entscheid vom 10. Januar 2022 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob
X._
am
19. Januar 2022
Beschwerde und beantragte
eine
Reduktion der
Anzahl
Einstellungstage
(
Urk.
1).
Mit Verfügung vom 28. Januar 2022 wurde der Beschwerdeführerin Frist zur eigenhändigen Unter
zeichnung der Beschwerdeschrift angesetzt (
Urk.
3). Die verbesserte Beschwerde ging am 7. Februar
2022 ein (
Urk.
5).
Mit Beschwerdeantwort vom
9. März
2022 (
Urk.
7
) schloss der Beschwerdegegner auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde
führerin mit Verfügung vom
15. März
2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 3
0’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einz
elrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
, in der ab 1.
Juni 2020 geltenden Fassung
).
1.2
Nach Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühungen
nachweisen können. Gemäss Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genü
gend um zumutbare Arbeit bemüht. Dieser Einstellungsgrund ist schon dann gegeben, wenn die versicherte Person vor Eintritt der Arbeitslosigkeit ihren Obliegenheiten nicht nachgekommen ist. Sie hat sich daher bereits während der Kündigungsfrist oder bei einem im vornherein befristeten Arbeitsverhältnis vor dessen Beendigung von sich aus, das heisst ohne besondere Aufforderung durch eine Amtsstelle oder Abgabe eines Merkblattes um einen neuen Arbeitsplatz zu bewerben (BGE 141 V 365 E. 2.2, 139 V 524 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_209/2018 vom 14. November 2018 E. 3.2, 8C_44/2018 vom 4. Juli 2018 E. 3, 8C_21/2015 vom 3. März 2015 E. 3.5). Die Pflicht zur Stellensuche dauert auch bei einer vorübergehenden Orts- oder Landesabwesenheit fort (Urteil des Bundes
gerichts 8C_463/2016 vom 20. September 2016 E. 4.2 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 8C_21/2015 vom 3. März 2015 E. 3.4).
1.3
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versicherte Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ihrer Bewerbungen von Bedeutung (BGE 139 V 524 E. 2.1.4 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 8C_583/2009 vom 22. Dezember 2009 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_209/2018 vom 14. November 2018 E. 3.3).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern vielmehr auf die Tatsache und Intensität derselben (BGE 124 V 225 E. 6; Urteil des Bundesgerichts C 16/07 vom 22. Februar 2007 E. 3.1). Die Arbeitsbemühun
gen müssen zudem umso intensiver sein, je weniger Aussicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden (vgl. Kupfer Bucher, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2019, S. 132).
Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen können zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müssen aber mindes
tens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je Kontrollperiode nachge
wiesen werden (BGE 141 V 365 E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 139 V 524 E. 2.1.4).
Eine in qualitativer Hinsicht genügende Suchbemühung setzt voraus, dass mit dem möglichen Arbeitgeber tatsächlich ein Kontakt zustande kommt (Urteil des Bundesgerichts C 275/05 vom 6. November 2006 E. 3.2). Qualitativ nicht genügend ist die blosse Anmeldung bei einem Stellenvermittlungsbüro (Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2020 vom 27. Oktober 2020 E. 5.3 mit Hinweisen; vgl. auch Kupfer Bucher, a.a.O., S. 222 mit Hinweis). Qualifizierte Berufsleute dürfen zudem ihre Suchbemühungen nur zu Beginn der Arbeitslosigkeit auf den bishe
rigen Berufszweig beschränken (BGE 139 V 524 E. 2.1.3).
1.4
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittel
schwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3
der Verordnung über die obligato
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolven
zentschädigung,
AVIV).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner hielt im angefochtenen Entscheid fest,
dass die von der Be
schwerdeführerin getätigten Arbeitsbemühungen für den rele
vanten Zeitraum vom 27. September – zuvor
habe
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bestanden
– bis zum 30. November 2021 nicht
genügten. Zwar habe vom 27. September bis 31. Oktober
2021
lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Doch dürfe die Stellensuche aufgrund teilweiser gesundheitlicher Einschränkungen nicht vernachlässigt werden. Vielmehr werde auch bei einer Teilarbeitsunfähigkeit erwartet, dass sich die versicherte Person intensiv um eine Stelle bemühe (
Urk.
2).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, dass
sie für die Monate Oktober und November mit 18 anstatt 20 bis 24 Arbeitsbemühungen minim weniger Arbeits
bemühungen nachgewiesen habe als verlangt worden sei. Es sei ihr zwar bewusst, dass dies zu Einstellungstagen führe. Die RAV-Mitarbeiterin habe ihr jedoch versichert, dass es sich aufgrund eines sehr leichten Verschuldens lediglich um ein bis maximal zwei E
instellungstage handeln wü
rde. Z
udem habe
s
ie
per 1.
Feb
ruar 2022 eine neue Stelle gefunden, was ebenfalls zu berücksichtigen sei (
Urk.
1).
3.
3.1
Gemäss Arbeitgeberbescheinigung vom
14. Dezember
2021 (
Urk.
8/
5
6
) wurde das vor
malige Arbeitsverhältnis am
30. Juni
2021 durch den Arbeitgeber
per 31. August 2021
gekündigt
, wobei
die Kündigungsfrist aufgrund der
längeren Arbeitsunfähigkeit
auf den 30. November 2021 verlängert wurde (
Urk.
8/13-
14
). Folglich musste die Beschwerdeführerin ab diesem Zeit
punkt damit rechnen, sich am Ende der ge
kündigten Tätigkeit ohne neue Stelle wiederzufinden. Mithin hatte sie sich ab Kenntnis der drohenden Arbeitslosigkeit – ohne besondere Aufforde
rung – ge
nügend um zumutbare Arbeit zu bemühen (vgl. E. 1.2), wobei praxis
gemäss die drei Monate vor der Anmeldung zum Leistungsbezug geprüft werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_44/2018 vom 4. Juli 2018 E. 3).
Da die Beschwer
deführerin bis
zum 26
. September 2021 vollständig arbeitsunfähig war (
Urk.
8/
15-
16
), ist
vorliegend
aber
lediglich der Zeit
raum vom 27. September bis
zum 30. November 2021
(vgl. AVIG-Praxis ALE, B320)
massgebend
zur Prüfung, ob
sie
sich genügend um Arbeit bemüht hat, was von der Beschwerdeführerin denn zu Recht nicht in Frage gestellt wird.
3.2
Für
diesen
Zeitraum reichte die Beschwerdeführerin am
31. Oktober und 30. November
2021 insgesamt
18
Arbeitsbemühungen ein (
Urk.
8/11-12
)
.
Wie bereits ausgeführt, werden von (arbeitslosen) Versicherten im
Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht nach Art. 17 AVIG angemessene Arbeits
bemühungen sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht gefordert, wobei hinsichtlich Quantität in der Regel monatlich mindes
tens zehn bis zwölf Bewer
bungen zu leisten sind (E.
1.2 und
1.3)
, wovon die Beschwerdeführerin denn ausdrücklich Kenntnis hatte (vgl. prozessorientiertes Beratungsprotokoll, Urk. 8/42 S. 4)
. Somit hätte die Beschwerdeführerin
wäh
rend dem Zeitraum
vom 27. September bis 30. November 2021 grundsätzlich
total mindestens 21-25 Bewerbungen tätigen müssen
.
Folglich
erweisen sich insgesamt 18 Bewer
bungen während der
massgebenden
, etwas über zwei Monate dauernden
Frist
als quanti
tativ ungenügend.
Kommt hinzu, dass den Nachweisformularen zu entnehmen ist, dass von den 18 Bewerbungen lediglich 3 brieflich oder elektronisch erfolgten und der
grosse
Teil auf persönlichem oder telefonischem Weg
;
bei mindestens 5
Bewerbungen
scheint es sich
zudem
um Spontanbewerbungen ohne konkrete Stellenausschreibung
(Absagegrund: keine offene Stelle)
zu handeln
.
Blindbe
werbungen können zwar durchaus sinnvoll sein. Sie dienen der Abklärung, ob eine Stelle frei ist. Indessen hat sich
e
ine versicherte Person
in erster Linie gezielt, in Form einer ordentlichen Bewerbung, um ausgeschriebene und damit offene Arbeitsgelegenheiten zu bemühen, bei welchen die Erfolgsaussichten auf einen Vertragsabschluss erheblich grösser sind
(Art. 26 Abs. 1 AVIV; vgl.
Chopard
, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 141;
Kupfer Bucher, a.a.O.,
S.
133,
222; Urteil
e
des Bundesgerichts C 57/05 vom 1. März 2006 E. 3.2
, C 16/07 vom 22. Februar 2007 E. 3.1
), weshalb die
Arbeitsbemühungen
auch
in qualitativer Hinsicht
zu bemängeln
sind.
Schliesslich kann die Beschwer
deführerin auch aus ihrem Vorbringen, wonach die RAV-Beraterin sie darauf hingewiesen habe, dass
sie lediglich für 1 oder 2 Tage in
der Anspruchsberechtigung eingestellt würde
(
Urk.
1
), nichts zu ihren Gunsten ableiten. Selbst wenn d
ie RAV-Beraterin diese Aussage
so getätigt haben soll
te, was nicht erwiesen ist
, gilt Folgendes zu berücksichtigen: Die Pflicht zur Vornahme persönlicher Arbeitsbemühungen stellt nach der Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts C 50/06 vom 23. Mai 2006 E. 2.1) eine ele
mentare Verhaltensregel dar, die auch ohne vorgängige Aufklärung oder – im Falle ungenügender Arbeitsbemühungen – Verwarnung seitens der Verwaltung befolgt
werden muss, was sich schon daraus ergibt, dass die versicherte Person bereits vor Eintritt der Arbeitslosigkeit ihren diesbezüglichen Obliegenheiten nachkom
men und sich schon während der Kündigungsfrist um einen neuen Arbeitsplatz bewerben muss (Urteil des Bundes
gerichts C 144/05 vom 1. Dezem
ber 2005 E. 5.2.1 mit Hinweisen). Dabei ergibt sich die Pflicht der Versicherungsleistungen beanspruchenden Person zur persön
lichen Arbeitssuche für die Zeit vor der Anmeldung bei der zuständigen Amts
stelle direkt aus der in Art. 17 Abs. 1 AVIG verankerten allgemeinen Schaden
minderungspflicht (BGE 139 V 524 E. 4.2). Somit vermag selbstredend eine allfällige (falsche) Auskunft der RAV-Beraterin nach Ablauf der Kündigungsfrist
(6. Dezember 2021)
nicht die von der Beschwer
deführerin zu verantwortenden Versäumnisse während der
zwei/
drei Monate zuvor zu rechtfertigen.
Entschuldbare Gründe, welche im Zeitraum vom
27. September
bis zum 30.
November 2021
geringere Anforderungen an die Arbeitsbemühungen gerecht
fertigt hätten, sind nicht gegeben.
Daran
ändert
insbesondere
auch der Umstand der
teilweisen Arbeitsunfähigkeit bis zum 31. Oktober 2021 (vgl.
Urk.
8/
7-8
) nichts, hinderte dieser die Beschwerdeführerin aufgrund der dennoch bestehenden Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 % doch nicht an der Erfüllung der Kontrollvorschriften.
Ebenso wenig vermag die Beschwerdeführerin der Hinweis auf
die bereits per 1. Februar 2022 angetretene Arbeitsstelle (
Urk.
1
) zu entlasten,
hat die versicherte Person doch alles Zumutbare – in Form von Bewer
bungen auf konkrete, offenstehende Stellen – zu unternehmen, um die Arbeits
losigkeit möglichst zu vermeiden oder zu verkürzen.
3.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ihrer
Pflicht zur Arbeitssuche in der Zeit vom 27. September
bis
30.
November
2021 nur ungenü
gend nachge
kommen ist.
Dementsprechend ist der Einstellungsgrund der ungenügenden per
sönlichen Arbeitsbemühungen im Sinne von Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG gegeben. Der Beschwerdegegner hat damit zu Recht eine Einstellung in der Anspruchs
berechtigung verfügt, wobei die Einstellung mit
6
Tagen inner
halb des für leichtes Verschulden vorgeschriebenen Rahmens von 1 bis 15 Tagen liegt (E. 1.4). In Anbetracht der gesamten zuvor genannten Umstände und der Tatsache, dass das Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund anstelle desjenigen der Verwaltun
g setzen darf (BGE 123 V 150 E.
2), ist die Annahme eines leichten Verschuldens nicht zu beanstanden. Eine Einstellungsdauer von
6
Tagen
er
scheint dabei als gerechtfertigt (
vgl. auch Ziff. 1.A/3 des Einstellrasters
«KAST/RAV» des
SECO in
Rz
. D79 der AVIG-Praxis ALE, wo
nach bei ungenüg
en
den Arbeitsbemühungen bei zwei
monatiger Kündigungsfrist zwischen
sechs
und
acht
Einstelltage zu verfügen sind
).
4.
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
10. Januar 2022
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.