Decision ID: 8f48803b-6b47-4205-8301-3113e3429c65
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1967 geborene
X._
,
Mutter eines im Februar 2006 geborenen Soh
nes
,
reiste am 6. Dezember 1995 in die Schweiz
ein. Ab November 2007 war sie als Kassierin bei der
Genossenschaft
Y._
im Stundenlohn angestellt (Urk.
7
/20). Am 26. Juli 2010 meldete sie sich unter Hinweis auf chronische
Nacken- und Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentratio
nsstörungen und Kreuzschmerzen
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
be
zug an (Urk.
7
/3).
Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Ver
hältnisse ab und liess die Versicherte polydisziplinär begut
achten (Urk.
7
/22,
7
/26). Die Begutachtungsstelle
Z._
erstattete das Gutachten am 31. Oktober 2011 (Urk.
7
/34).
Zudem beauf
tragte die IV-Stelle ihren Abklärungsdienst mit der Abklärung der beeinträchtig
ten Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt (Abklärungsbericht vom 8. Februar 2012, Urk.
7
/37).
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
holte die
IV-Stelle eine ergänzende Stellungnahme bei de
r Begut
achtungsstelle
Z._
(Stel
lungnahme vom 18. Juli 2012, Urk.
7
/58
)
sowie
weitere Berichte bei den behan
delnden Ärzten ein und
ordnete zur Klärung des Verlaufs des Gesundheitszustan
des seit der
Z._
-Begutachtung
eine
erneute
polydisziplinäre Begutachtung an (
Urk.
7
/75).
Die Abklärungsstelle
A._
erstattete
ihr
Gutachten am 18. September 2014 (Urk.
7
/91).
Mit Verfü
gung vom 7. September 2015 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine vom 1. Februar bis 31. August 2011 befristete
Viertelsrente
zu (
Urk.
7
/111).
1.2
Die dagegen am
1.
Oktober 2015 erhobene Beschwerde (
Urk.
7/113) wurde mit Urteil des hiesigen Sozialversicherungsgerichts IV.2015.01024 vom 2
9.
Novem
ber 2016 abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wurde (
Urk.
7/122).
Die dagegen beim Schweizerischen Bundesgericht erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtli
chen Angelegenheiten
(
Urk.
7/123)
wurd
e mit Urteil 8C_71/2017 vom 20.
April 2017 abgewiesen, soweit darauf einzutreten war (
Urk.
7/127).
1.3
Bereits vorgängig mit
Eingabe vom 2
7.
Juli 2016
hatte
sich die Versicherte – unter Hinweis auf einen verschlechterten psychischen Gesundheitszustand – erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
gemeldet
(
Urk.
7/120).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
2.
Juni 2017 [
Urk.
7/129], Einwand vom
3.
Juli 2017 [Urk
.
7/130]) trat die IV-Stelle
mit Ver
fügung vom 2
1.
Juli 2017
auf das neuerliche Leistungsbegehren nicht ein (
Urk.
7/132
=
Urk.
2
).
2.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte mit Eingabe vom
8.
September 2017 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, auf das Leistungsgesuch einzu
treten und der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zu gewähren. In
p
rozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Bewilligung der un
entgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
9.
Oktober 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6, unter Beilage ihrer Akten [
Urk.
7/1-133]), was der Beschwerdeführerin mitgeteilt wurde (
Urk.
8
).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert
so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(
ATSG
)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.3
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Gericht ausschliesslich zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation allein den formellen Gesichtspunkt des vorinstanzlichen Nichteintretens zum Gegenstand. Mit den materiellen Anträgen hat sich das Gericht dagegen nicht zu befassen (BGE 121 V 159 E. 2b, 116 V 266 E. 2a, SVR 1997 UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
seit der durch das Sozialversicherungsgericht sowie das Bundesge
richt bestätigten Verfügung vom
7.
September 2015 habe sich keine wesentliche Änderung der Sachlage ergeben. Aus d
en eingereichten Berichten der p
sychiat
rischen K
linik
B._
vom
5.
April und
9.
Mai 2016 lasse sich nichts
Anderes
ableiten. Die psychopathologischen Befunde sprächen gegen eine schwere depressive Symptomatik. Eine Persönlichkeitsstörung sei ausgeschlossen worden. Eine Somatisierungsstörung habe nicht bestätigt werden können (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor,
im Unterschied
zum
A._
-Gutachten, welches noch das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung verneint und die depressive Störung als leicht bezeichnet
habe
, liege laut den beiden
B._
-Berichten nunmehr eine klare Verschlechterung des Gesundheitszustands vor. Es sei
nun
eine
Persönlichkeitsstörung diagnostiziert und die depressive Störung als schwer beurteilt worden. Eine Verschlechterung ergebe sich nicht nur aufgrund der gestellten Diagnosen, sondern auch wegen der neuen gravierenden Befunde.
Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands sei dementsprechend nicht nur glaubhaft gemacht
,
sondern vielmehr ausgewiesen und es müsse auf das neue Leistungsbegehren eingetreten werden
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Neu
anmeldung vom 2
7.
Juli 2016 (Urk. 7/120) eingetreten ist, weil es der Beschwer
deführerin nicht gelungen ist, eine rentenrelevante Veränderung seit dem Erlass der Verfügung vom
7.
September 2015 (
Urk.
7/111) glaubhaft zu machen
(vgl.
E.
1.1
).
3.2
Die Verfügung vom
7.
September 2015
(
Urk.
7/111)
basierte in medizinischer Hinsicht auf folgender Aktenlage, welche
im Wesentlichen
bereits im Urteil IV.2015.01024
E. 3.1-3.2
des hiesigen Gerichts zusammengefasst wurde:
3.2.1
«
Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte polydisziplinäre Gutachten der
Z._
vom 31. Oktober 2011 beruht auf im Juni 2011 durchgeführten Untersu
chungen in den Fachgebieten Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie (
Urk.
7
/34/3).
Im Gutachten wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fä
higkeit festgehalten (Urk. 10/34/20):
-
m
ittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.00)
-
nach vorausgegangene
r Anpassungsstörung, zirka 2009
-
aktuell mit spezifischer Psychotherapie und
Psychopharmakotherapie
-
b
ei akzentuierter Persönlichkeit
-
bei negati
ven Erlebnissen in der Kindheit
-
a
nhaltende somatoforme
Schmerzstörung seit zirka 2008
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden die folgenden
Diagnosen
aufgeführt (
Urk.
7
/34/20)
:
-
z
ervikospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts
>
links
-
Fehlstreckhaltung,
mediorechtslaterale
bis
juxtaforaminal
reichende Dis
kushernie C4/5 mit Kompression des
Myelons
rechts und
breitba
sige
beidseits bis
juxtaforaminal
reichende Diskushernie mit relativer Spi
nalkanalstenose C5/6 und angedeuteter Diskushernie C6
/7 ohne Ner
venwurzelkompression
-
ausgeprä
gte
myotendinotische
Komponente
-
l
umbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts
-
MRI LWS vom 29. Oktober 2010:
i
ntraforaminale
flache Diskushernie L4/5 links ohne
Nervenwurzelkompromittierung
, median rechts, para
mediane flache Diskushernie L5/S1 mit Tangierung der Wurzel S1 rechts,
Anulusriss
L5/S1. Multisegmentale
Spondylarthr
ose
mit teil
wei
ser Aktivierung
-
ausgeprä
gte
myotendinotische
Komponente
-
Störungen durch Alkohol, gegenwärtig abstinent
-
Abhän
gigkeit bestehend 1989 bis 1995
-
Störung durch Tabak, Nikotinabhängigkeit
-
zirka 40-50 pack
years
-
seit 1981
-
ep
isodischer Spannungskopfschmerz
Die Gutachter führten aus
,
die Beschwerdeführerin habe berichtet, dass es bei ihrer letzten Arbeitsstelle zu einem Konflikt mit einer neuen Vorgesetzten gekom
men sei, welche als Serbin versucht habe, den Konflikt
zwischen ihren beiden Ethnien fortzuführen; schlussendlich sei es Ende Oktober 2010 zur Kündigung gekommen, wobei diese Kündigung aus gesund
heitlichen Gründen erfolgt sei.
Es sei
anfangs 2010 zu einer deutlichen Ver
schlechterung ihrer bis dahin mässigen Rückenschmerzen gekommen und sie
habe
deshalb erstmalig einen Arzt aufge
sucht und
sei
krankgeschrieben worden, da sich keine Besserung der Beschwerden ergeben hätte (
Urk.
7
/34/21).
Die Gut
achter hielten fest, g
emäss dem MRI-Bericht vom 12. März 2010 seien fortge
schrittene
osteochondrotische
Veränderungen im Bereich von C4 bis C7 sowie bis
intraforaminal
reichende Diskushernien in den Segmenten C4/5 und C5/6 diagnostiziert worden. Es
sei
eine mögliche, positions
abhängige Nervenwurzel
kompression beschrieben
worden,
im Bereich von C5/6 bestehe eine relative Spinalkanalstenose. Der Hausarzt habe der Beschwerdefüh
rerin ab dem 15. Februar 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Im Bericht des Stadtspitals
C._
vom 11. August 2010 sei die Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit als arbeitsfähig eingestuft worden. Gemäss Bericht des Haus
arztes vom 16. August 2010 sei es im weiteren Verlauf trotz multimodaler The
rapie ein
schliesslich Antidepressiva und psychischen Gesprächstherap
ien zu kei
ner gesundheitlichen Verb
esserung gekommen,
sondern im Gegenteil zu einer «
Symptomausweitung
»
; der Hausarzt der Beschwerdeführerin habe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert und die Aufnahme einer körperlich leichten Arbeit in ein bis zwei Monaten zu einem Pensum von 50 % prognosti
ziert. Im Bericht vom 8. September 2010 (Anmerkung: der
B._
,
vgl.
Urk.
7
/19)
seien
eine mittelgradige depressive
Epi
sode mit somatischem Syndrom, ein
Ver
dacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie
histrionische
Per
sönlichkeitszüge a
n
geführt
worden
. Au
sserdem seien
psychosoziale Belastungs
faktoren
beschrieben worden
(ange
spanntes Verhältnis zu Partner und Familie, Schwierigkeiten mit der Vorgeset
zen, Angst vor Stellenverlust;
Urk.
7
/34/21 f.).
I
n der
aktuell
erhobenen internistischen Anamnese seien für die Explorandin vor allem bei Wetterwechsel auftretende Schmerzen im Bereich der Halswirbel
säule und des Kopfes im Vordergrund gestanden, weiter habe sie über Schmer
zen im Bereich der Lendenwirbelsäule mit Parästhesien im Bereich des rechten Beines und Ziehen des rechten Fusses berichtet. Auf Nachfrage habe sie über gelegentlich auftretende Schwindelbeschwerden berichtet
und
über zwei S
uizid
versuche mit
tels Tabletten und habe angegeben, s
ie könne sich nicht mehr so gut konzentrie
ren wie früher und fühle sich depressiv. Eine deutliche
Verb
esse
rung könne sie durch ihre Medikamente nicht erzielen, es sei lediglich etwas Linderung möglich. Haushaltsarbeiten mache sie überhaupt keine, dafür käme die Spitex zwei Mal pro Woche. Diskrepant dazu habe die Explorandin in der psychiatrischen Anam
nese berichtet, dass die Schwester des Ex-Freundes Arbeiten im Haushalt gegen Geld
ausführe
. In der klinisch-internistischen Untersuchung
habe
sich eine mas
sive Adipositas gezeigt. Beim Besteigen der Waage hätten sich für den Untersu
chenden grotesk wirkende
Schwankbewegungen
des ganzen Körpers gezeigt, der Arm-Vorhalteversuch sei von der Beschwerdeführerin aufgrund eines starken Schwindelgefühls abgebrochen worden. Das Verhalten der Explorandin habe auf den Untersuchenden in dieser Situation nicht authentisch gewirkt. Aus internis
tischer Sicht habe keine Diag
nose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden können (
Urk.
7
/34/22).
Es sei eine Laboruntersuchung durchgeführt worden, welche keine pathologi
schen Werte gezeigt habe. Eine psychopharmakologisch suffiziente Behandlung könne auf Grund der Blutspiegelwerte der Medikamente nicht bestätigt werden (
Urk.
7
/34/22).
In der rheumatologischen Befunderhebung hätten sich inkonstante Befunde gezeigt, einige Untersuchungen seien aufgrund von Gegenspannen der Muskeln nicht möglich gewesen. Aus diesem Grund sei die Aussagekraft der
rheumatolo
gischen Untersuchung eingeschränkt. Dennoch sei das Ausmass der beklagten Beschwerden wie auch das Ausmass der subjektiven Behinderung aus rheuma
to
logischer Sicht nicht mit den erhobenen Befunden erklärbar. Es fänden sich Zei
chen für eine nicht-organische Schmerzursache. Aufgrund der vorhandenen degenerativen Veränderungen und
Diskopathien
, der
Haltungsinsuffizenz
und der muskulären
Dekonditionierung
seien aktuell schwere und mittelschwere körper
liche Tätigkeiten nicht geeignet, für körperlich leichte Arbeiten bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7
/34/22).
Neurologisch hätten sich ebenfalls deutliche Diskrepanzen gezeigt, beispiels
weise bei Bewegungen, welche in der Untersuchungssituation nicht, in unbeo
bachteten Momenten jedoch gut möglich gewesen
seien. Auch seien während der Untersu
chung gezeigte pathologische Auffälligkeiten im unbeobachteten Verhalten der Explorandin nicht festzustellen gewesen. Es sei
daher
insgesamt von somatischer Seite her von einer Beschwerdeverdeutlichung, möglicherweise auch von einer Beschwerdeaggravation auszugehen (
Urk.
7
/34/23).
Die Gutachter hielten dafür, s
owohl die Frage nach nicht-organischen Schmerz
faktoren wie auch die aktuelle psychiatrische Diagnose
sollte
durch
eine
psychi
atrische Begutachtung
geklärt werden.
Formell müsse aufgrund der Angaben der
Explorandin
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somati
schem Syndrom gestellt werden. Zusätzlich bestehe eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Auffällig seien auch in der psychiatrischen Begutachtung Dis
krepanzen. Beispielsweise habe die Explorandin während der Anamneseerhebung weniger depressiv gewirkt als bei der Befunderhebung. Auch
durchgeführte
Tests hätten zum Teil so schlechte Ergebnisse gezeigt, wie sie beispielsweise bei einem dementen Menschen zu erwarten wären. Dies stimme jedoch nicht mit anderen Befunden und auch nicht mit der Alltags
funktionalität der Explorandin überein. Insgesamt würden sie die Diagnose einer depressiven Störung aber nicht anzwei
feln und aufgrund der erhobenen Anamnese und den Testergebnissen von einer aktuell mittelgradigen Episode ausgehen. Bei entsprechender Therapie sei die Prognose günstig (
Urk.
7
/34/23). Es bestehe eine relevante psychosoziale Pr
oble
matik. Die Explorandin lebe
mit ihrem getrennten Partner und Vater ihres Sohnes weiterhin in einem Haushalt, wobei der Ex-Partner eine neue Partnerin habe. Die Beschwerdeführerin habe weiter hohe Schulden. Auch der Arbeitsplatzkonflikt mit der Vorgesetzten scheine im Rahmen der Krankheitsentwick
lung/Stellenkündigung relevant zu sein. Es sei davon auszugehen, dass den psy
chosozialen Faktoren ein hoher Stellenwert beizumessen sei.
Die Explorandin halte sich selber aktuell auch für angepasste Tätigkeiten nicht arbeitsfähig. Dieser Auffassung könnten sie sich gesamtgutachterlich auf Grundlage der erhobenen Befunde und der vorliegen
den Berichte nicht anschliessen (
Urk.
7
/34/23).
Zur Arbeitsfähigkeit
wiesen
die Gutachter
darauf hin, dass eine
Diskrepanz zwi
schen dem Arbeitgeberfragebogen und den Angaben der Explorandin hinsicht
lich der zuletzt ausgeübten Tätigkeit, speziell bezüglich der Frage, ob sie zu 100 % an der Kasse eingesetzt worden sei oder im Rahmen einer
«
Allrounderin
»
auch Lager- und Regalarbeiten unternommen habe
, bestehe
. Da es sich um unterschiedliche körperliche Belastungen handle, sei die Arbeitsfähigkeit allge
mein zu formulie
ren. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe
zurzeit bei mittel
schwerer depressiver Epi
sode mit verminderter Frustrationstoleranz, Einschrän
kungen der Konzentration und dem Gedächtnis sowie einer erhöhten Ermüd
barkeit eine 70%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit in der bisherigen
oder in einer vom psychischen Anfor
derung
sprofil her ähnlichen Tätigkeit
. Aus soma
tischer Sicht sei die Beschwerde
führerin aufgrund der vorhandenen degenerati
ven Veränderungen und
Diskopa
thien
in
körperlich mittelschwere
n
bis schwe
re
n
Arbeiten nicht arbeitsfähig. Für körperlich leichte Tätigkeiten bestehe aus somatischer Sicht aktuell eine volle Arbeitsfähigkeit, wobei das Arbeitsprofil wie folgt festzulegen sei: körperlich leicht, maximale Lastenhandhabung beid
händig bis 10 kg, keine wiederholte
n
oder langandauernde
n
Tätigkeiten in Zwangshaltungen, möglichst wechselbelas
tende Tätigkeit mit Möglichkeit zum regelmässigen Positionswechsel, keine Arbeit mit wiederholter
Reklination
der Halswirbelsäule. Haushaltstätigkeiten könne die Beschwerdeführerin bei freier Einteilbarkeit – abgesehen von schweren Arbeiten wie Möbel
rücken – selber bewältigen (
Urk.
7
/34/24). Aus somatischer Sicht würden sie sich dem Bericht von Dr. med.
D._
vom 11. August 2010 anschliessen; spätestens ab diesem Zeitpunkt bestehe eine entsprechende Arbeits
fähigkeit für körperlich leichte Arbeiten. Von psychiatrischer Seite her sei auf den Bericht von Dr. med.
E._
vom 8. September 2010 abzustellen, in welchem eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom seit 09/2010 beschrieben werde. Diese nehme eine leichte- bis mittelgradige Ausprägung an (beispielsweise Bericht der Privatklinik
F._
vom 23. Mai 2011, Ent
lassung mit aktuell leicht
gradiger Depression) bis hin zur Remission (Bericht der
B._
vom 14. Mai 2011). Die genaue Arbeitsunfähigkeit im zeitlichen Verlauf anzugeben sei nicht mög
lich, da diese Angabe in
zwei oder drei psychiatrischen Berichten fehle
. Insge
samt sei aber davon auszugehen, dass analog dem Bericht vom 8. September 2010 seit
September
2010 eine Einschränkung in der Höhe von 50 % und ab dem 12. Mai 2011 bei remittierter depressiver Episode eine psychi
atrische Einschrän
kung von maximal 30 %
bestanden
habe. Unter adäquater psy
chiatrischer The
rapie sei von einer Verbesserung im Verlauf auszugehen. Die Explorandin sei im Verlauf für eine adäquate psychiatrische Therapie noch nicht bereit gewesen. Auch aktuell seien keine
suffizienten Psychopharmaka bei der Blutentnahme zu objektivieren gewesen (
Urk.
7
/34/24). Die Prognose sei aus psy
chiatrischer Sicht günstig, so dass – bei einer regelmässigen Therapie
einschliess
lich Blutspiegel-
Serumkontrollen – eine psychiatrische Nachbegutachtung in einem Jahr vorgeschlagen werde (
Urk.
7
/34/25).
3.2.2
Das polydisziplinäre Gutachten der
A._
vom 18. September 2014 beruht auf im April 2014 durchgeführten Untersuchungen in den Fachgebieten Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie (
Urk.
7
/91).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (
Urk.
7
/91/41):
-
r
esiduelle
depressive Episode mit leichtgradiger Ausprägung (ICD-10 F33.0) bei rezidivierender depressiver Störung, bei möglicher posttrau
ma
tischer B
elastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Adipositas Grad I
-
Migräne
-
Polyneuropathie
-
Schallleitungsstörung rechts
-
Hypermobilität (
Brighton Score 5 von 9, Genua
recurvata
beidseits), ICD-10 M35.7, M99
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, die Explorandin habe eine Lustlosigkeit,
Dünnhäutigkeit
, ein aggressives Verhalten, kognitive Einschränkungen, Anspan
nungszustände, Abwesenheitszustände, selbstverletzendes Verhalten, paranoides Erleben, paroxysmale Angstzustände sowie
getriggertes
Wiedererle
ben traumati
scher Situationen aus der Kindheit in Form von Flashback-Erleben und Intrusio
nen geschildert. In der Untersuchung seien eine Anspannung mit motorischer Unruhe sowie ein depressiv-
dysphorischer
Affekt zu erkennen gewesen. Ausrei
chend detaillierte Informationen zu einem möglichen früheren traumatischen Erleben seien nicht verlässlich zu erlangen gewesen. Der Beschwerdevortrag habe insgesamt expansiv, demonstrativ bis gelernt impo
niert, so dass eine authentische gravierende Beeinträchtigung nicht ausreichend schlüssig
sei
. Die hier objekti
vierbare leichtgradige depressive Verstimmung lasse allenfalls die Diagnose einer
residuellen
depressiven Episode mit aktuell noch leichtgradiger Ausprägung zu, die weitere berichtete Symptomatik mit erhöhtem vegetativen
Arousal
, Anspan
nungszuständen und innerer Unruhe sowie Flashbackerleben und Intrusionen würden für eine mögliche posttrauma
tische Belastungsstörung als Hintergrund der aktenkundigen
rezidivierenden depressiven
Episoden
sprechen
(
Urk.
7
/91/37)
. Seit mehreren Jahren finde eine psychiatrische/psychotherapeutische Behandlung statt, inzwischen auch mit mehrfachen stationären Aufenthalten, wobei unter anderem über eine Somati
sierungsstörung, eine mittelgradige depressive Episode, eine
histrionische
Per
sönlichkeitsstörung sowie eine bipolare Störung berichtet worden sei. Im psychiatrischen Gutachten der Begutachtungsstelle
Z._
sei unter anderem eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden, wobei anzumerken sei, dass die ICD-10-Kodierung einer leichtgradigen depressiven Epi
sode entspreche. Die dort auch erwogene Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei nicht haltbar. Die Stellung dieser Diagnose erfordere, dass die Symptomatik bis in die Kindheit und Jugend der Betroffenen zurückzuverfolgen sei. Der Symp
tombeginn,
der
von der Beschwerdeführerin geschildert werde, spreche deutlich gegen das Vor
liegen einer Persönlichkeitsstörung. Anhand des erhobenen Befun
des sei im Vergleich zu den aktenkundigen Vorbewertungen eine Verbesserung anzuneh
men, da die jetzige Exploration nicht ausreichend wahrscheinlich
eine
über eine leichtgradige depressive Episode hinausgehe
nde Störung gezeigt habe
. Eine Minderung der Arbeitsfähigkeit, die auch seinerzeit nur mit 30 % geschätzt worden sei, könne aus gutachterlicher Sicht nicht mehr erkannt werden. In der Bewertung des psychiatrischen Bildes
könnten
die sich aus den somatischen Teil
gutachten ergebenden Aspekte einer bewusstseinsnahen demonstrativen Darbie
tung von Einschränkungen und Beschwerden nicht unberücksichtigt
blei
ben
, da dies auch in der Einschätzung der subjektiven psychiatrischen anam
nestischen Angaben zu beachten sei, namentlich sei auch hier eine zumindest anteilig wesentliche demonstrative Darstellung kritisch einzubeziehen (
Urk.
7
/91/37 f.
).
In der Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten sowie jeder körperlich leichten bis mittelschweren, wechselbelastend oder überwiegend sit
zend ausge
übten Tätigkeit per sofort 100 % betrage (
Urk.
7
/91/38 f.). Eine nam
hafte Ände
rung des somatischen Status im Vergleich zu 2011 sei nicht wahr
scheinlich, die jetzige Bewertung entspreche hinsichtlich der somatischen Aspekte
weitgehend der zitierten polydisziplinären Vorbegutachtung aus dem Jahr 2011; auch dort werde aus somatischer Sicht eine Arbeits
fähigkeit
von 100 %, zumindest in kör
perlich leichten Tätigkeiten,
bescheinigt
(
Urk.
7
/91/39). Die seinerzeitige Eingren
zung auf lediglich körperlich leichte Arbeiten sei jedoch nicht haltbar, da die Aspekte einer bewusstseinsnahen demonstrativen Darbietung von Einschränkun
gen und
Beschwerden nicht hinreichend diskutiert und berücksichtigt worden seien und bildmorphologische Befunde ohne eigen
ständigen Krankheitswert mit
einbezogen worden seien (
Urk.
7
/91/42). Aus psy
chiatrischer Sicht sei im
Z._
-Gutachten eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % attestiert worden. Der aktuelle hie
sige Befund lasse nunmehr lediglich noch die Attestierung einer leichtgradigen Depressivität zu. Es sei somit von einer
einge
tretenen
Verbesserung auszugehen und die bislang attestierte partielle Arbeits
fähigkeit entfalle (
Urk.
7
/91/39 f.).
Schliesslich wurde festgehalten, die
sich
aus allen
Teilgutachten
ergebenden deut
lichen Anhaltspunkte für eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden seien zu berücksichtigen, so dass der subjek
tive Beschwerdevortrag der Versicherten in besonderer Weise nicht ein
fach über
nommen werden könne und
eine
zumindest anteilig wesentliche bewusstseins
nahe demonstrative Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden nicht ausser Acht zu lassen sei (
Urk.
7
/91/40).
»
3.2.3
Zusätzlich zum vorstehend festge
stellten
medizinischen Sachverhalt erweisen sich im Zusammenhang mit der
medizinischen
Sachlage
zum
Vergleichszeitpunkt nachstehende Berichte als
erwähnenswert
:
Dem Bericht der
B._
vom 2
9.
Juni 2012 zu Händen des Zentrums
G._
(
Urk.
7/103) ist zu entnehmen, bei der Beschwerdeführerin seien folgende Diagnosen zu stellen:
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
histrionische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.4)
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
Status nach Suizidversuch April 2011
-
anamnestisch zweimal Diskusprolaps HWS, circa 2009
-
chr
o
n
i
sches LSS und CSS bei/mit
erosiven
Osteochondrosen
, DH C4/5 und C5/6 mit bilateraler Einengung und Irritation der Nervenwurzeln rechts
-
Hypercholesterinämie
-
unklare Leberwerterhöhung
Zum psychopathologischen Befund ist dem Bericht zu entnehmen, die Beschwer
deführerin sei wach, bewusstseinsklar und mit eingeschränkter zeitlicher Orien
tierung sowie mit vollständiger örtlicher, situativer und personeller Orientierung. Im Kontaktverhalten sei die Beschwerdeführerin
klagsam
und verzweifelt. Der affektive Rapport sei herstellbar. Die Aufmerksamkeit, Konzentration und das Gedächtnis sei
en
eingeschränkt. Die Stimmung sei bedrückt und traurig. Formal
gedanklich sei sie leicht verlangsamt. Es bestehe Grübeln, teilweise eine Leere im Kopf bei Fehlen inhaltlicher Denkstörungen. Sodann habe sie Verfolgungsgefühle auf der Strasse seit einem Einbruch in ihre Wohnung. Die Sinnestäuschungen bestünden aus Stimmenhören ihres Ex
-P
artners und ihres Sohnes. Störungen seien verneint worden. Affektiv sei die Beschwerdeführerin ratlos und verzweifelt. Sie habe keine Ängste oder Zwänge. Der Antrieb und die Psychomotorik sei
en
unauffällig (
Urk.
7/103/3).
3.2.4
Im Bericht der
B._
vom
5.
Juni 2013 (
Urk.
7/69) wurden im Wesentlichen dieselben Diagnosen wie im Bericht vom 2
9.
Juni 2012 (E. 3.2.
3
) festgehalten, mit dem Unterschied, dass von einer mittelgradigen depressiven Episode einer rezidi
vierenden depressiven Störung ausgegangen wurde (
Urk.
7/69/2).
3.2.5
Die Ärzte der Höhenklinik
H._
hielten mit Bericht vom 2
3.
März 2015 zu Händen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/101) fest, die Beschwerdeführerin leide an einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41), einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell
schwergradig
(ICD-10 F33.2), sowie einer chronischen Sinusitis (
Urk.
7/101/1)
.
3.3
Mit der
Neuanmeld
ung
wurden folgende Berichte aufgelegt
:
3.3.1
Dem zu Händen von
Dr.
med.
I._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
erlasse
nen Austrittsbericht der
B._
vom
5.
April 2016 (
Urk.
7/118
/1-6
) können folgende Diagnosen entnommen werden (
Urk.
7/118/1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen mit impulsiven und
his
trionischen
Anteilen (ICD-10 F61)
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45)
-
Status nach Suizidversuch 2011 (Medikamentenintoxikation)
-
chronische LSS und CSS bei/mit
erosiven
Osteochondrosen
, DH 4/5 und C5/6 mit bilateraler Einengung und Irritation der Nervenwurzel rechts
-
anamnestisch zweimaliger Diskusprolaps der Halswirbelsäule, circa 2009
-
Status nach operativer Versorgung des rechten Trommelfells
Dem Bericht ist zu entnehmen, der Eintritt sei vor dem Hintergrund einer bekann
ten rezidivierenden depressiven Störung und kombinierten Persönlichkeitsstö
rung mit impulsiven und
histrionischen
Anteilen freiwillig erfolgt (
Urk.
7/1
1
8/1).
Die Beschwerdeführerin leide seit mehreren Jahren an einer depressiven Störung mit
einhergehenden somatischen Beschwerden. Dies habe zu einem zunehmenden sozialen Rückzug unter Aufgabe von Freundschaften und auch der Beziehung zum Kindsvater geführt, verbunden mit längeren stationären und Reha-Aufent
halten in der Vergangenheit
, zuletzt vom 1
7.
März 2016 bis 2
3.
März 2016 im Zentrum
J._
(Urk.
7/11
8
/2).
Die Beschwerdeführerin habe sich mit einer schweren Episode ihrer rezidivieren
den depressiven Störung bei der J._
vorgestellt. Anamnestisch sei eine Abgrenzung zur Persönlichkeitsstörung schwierig gewesen, da die Beschwerde
führerin in Gesprächen die Phasen der Niedergeschlagenheit und Antriebslosig
keit oft infolge ihrer regelmässigen Impulsdurchbrüche und Konflikte mit Mitpa
tienten geschildert habe. Die Schilderungen erlittenen Unrechts und somatischer Beschwerden sei
en
mitunter
histrionisch
geschehen, es habe kein strukturierter Tagesplan mit regelmässiger Teilnahme an Therapien und daraus resultierender Verminderung d
es sozialen Rückzugs erarbeitet
werden kö
n
nen. Da die Beschwerdeführerin mit regelmässiger Ergotherapie sowie psychiatri
scher/psychotherapeutischer Behandlung im ambulanten Rahmen suffiziente Versorgungsstrukturen besessen habe und das stationäre Um
f
eld nach eigenem Bekunden belastend für sie sei – Probleme mit Mitpatienten, Distanz zu Sohn –, sei ein Ende der stationären Versorgung und eine Weiterführung der ambulanten Therapie als sinnvoll und zielführend erachtet worden (
Urk.
7/118/4-5).
3.3.2
Im Austrittsbericht der
J._
vom
9.
Mai 2016 (
Urk.
7/118/7-11) wurde von denselben
Diagnosen ausgegangen wie im Bericht vom
5.
April 2016 (E. 3.3.1)
.
Die Behandlung auf der Station habe sich aufgrund von starken Belastun
gen, Überforderung, mangelnder Kran
k
heitseinsicht und Compliance
wie auch aufgrund von zwischenmenschlichen Konflikten und Fremdaggressivität gegen das Behandlungsteam und Mitpatienten als problematisch gestaltet. Die Beschwerdeführerin habe Schwierigkeiten gehabt, das Behandlungskonzept der Station zu verstehen und auch umzusetzen, wenn sie damit konfrontiert worden sei, sei sie schnell laut und teilweise auch fremdaggressiv gegen das Behand
lungsteam geworden. Auch mit Mitpatienten habe es diverse Auseinandersetzun
gen gegeben, welche mit der Beschwerdeführerin leider nicht hätten besprochen werden können, da auch dies wieder zu Auseinandersetzungen geführt habe. Nach mehreren Standortgesprächen sei man zum Schluss gelangt, dass die Beschwerdeführerin auf der Station überfordert sei und noch nicht die Stabilität, Compliance und Krankheitseinsicht für eine psychotherapeutische Behandlung auf einer offenen Psychotherapiestation mitbringe
(
Urk.
7/118/10)
.
Zu den psychiatrischen Befunden
wurde folgendes festgehalten (
Urk.
7/117/9):
Die Beschwerdeführerin sei zu allen vier Qualitäten orientiert. Die Auffassung sei leicht gestört, die Aufmerksamkeit abschweifend.
Die Konzentration sei im Gesprächsverlauf nachlassend. Die Merkfähigkeit und das Gedächtnis sei
en
sub
jektiv gestört. Die Sprache sei abwechselnd laut und teilweise unverständlich. Formalgedanklich sei der Gedankengang teilweise abstrakt, weitschweifig und umständlich, teilweise vorbeirede
nd, mit häufigem Unterbrechen bzw. N
ichtzu
hören. Sie habe Ängste verfolgt zu werden und
Angst
vor Stimmen sowie Angst beobachtet zu werden. Es beständen keine Zwänge. Das Stimmenhören komme von Verstorbenen, von Kindern, gelegentlich würden dunkle Gestalten wahrge
nommen. Es bestünden auch Verfolgungsideen. Es sei kein systematischer Wahn
, jedoch psychotisch anmutend und möglicherweise im kulturellen Kontext oder mit
histrionischen
Anteilen der Persönlichkeitsstörung erklärbar. Es bestehe keine Ich-Störung, im Affekt sei die Beschwerdeführerin deprimiert, traurig, niederge
schlagen, verzweifelt, ängstlich, gereizt, hoffnungslos, innerlich unruhig. Die vor
herrschenden Affekte seien Scham, Schuld, Ins
u
ffizienzgefühle, Lustlosigkeit, Störung der Vitalgefühle, situative Varianz. Die Resonanz sei eingeschränkt, sie sei teilweise
affektinkontinent
, antriebsgehemmt
und
psychomotorisch leicht reduziert. Es bestehe ein sozialer Rückzug. Selb
st- oder Fremdgefährdung bestün
den
momentan nicht (
Urk.
7/118/9).
4.
4.1
Gemäss diesen z
ur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung des Gesundheits
zustandes
aufgelegten
zwei Berichte
n
leidet
die Beschwerdeführerin in psychiat
rischer Hinsicht an einer rezidivierenden depressiv
en Störung, gegenwärtig schwere
Episode, ohne psychotische Symptome
,
an kombinierten Persönlichkeits
störungen mit impulsiven und
histrionischen
Anteilen
und
einer Somatisierungs
störung
.
Demgegenüber diagnostizierten
die
A._
-Gutachter
eine
residuelle
depressive Episode mit leichtgradiger Ausprägung bei rezidivierender depressiver Störung, bei möglicher posttraumatischer Belastungsstörung
.
Die Beschwerde
führerin
führte aus, dass nicht nur aufgrund des veränderten Schwerebildes der depressiven Symptomatik von einer glaubhaft gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustands auszugehen sei, sondern auch aufgrund der neuen gravie
renden Befunde
(
Urk.
1 S. 8-10)
.
4.2
Vorab ist zu den im Neuanmeldungsverfahren aufgelegten Berichten der
B._
und
J._
festzuhalten, dass eine neu hinzugetretene
oder unterschied
lich bezeichnete
Diagnose nicht unbesehen eine höhere Arbeitsunfähigkeit bewirkt. Massgebend für den Grad der Arbeitsunfähigkeit ist nicht die Diagnose oder die Zahl der erhobenen Diagnosen, sondern die daraus resultierende Leis
tungseinschränkung, welche sich auch durch eine zusätzliche Beeinträchtigung nicht zwangsläufig erhöhen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_804/2015 vom 21. Juni 2016 E. 3.2). Insbesondere genügt in einem Neuanmeldeverfahren eine neu hinzugetretene Diagnose per se nicht, um eine erhebliche Verschlechte
rung glaubhaft zu machen, da damit über das quantitative Element einer rele
vanten, die Arbeitsfähigkeit schmälernde Veränderung des Gesundheitszustandes nicht zwingend etwas ausgesagt wird (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_244/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.5).
4.3
Mit den aufgelegten Berichten der
B._
und
J._
vermochte die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft zu machen, dass eine wesentliche Verände
rung des massgeblichen Sachverhalts eingetreten ist. Die dem
A._
-Gutachten
(E. 3.2.2)
sowie auch der weiteren früheren Beri
chte der
B._
(E. 3.2.3 f.)
und
der Höhenklinik
H._
zu entnehmenden Befunde
(E. 3.2.
5)
entsprechen
im Wesentlichen
den im Neuanmeldeverfahren aufgelegten Berichten der
B._
und
J._
(E. 3.3)
.
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin bestand bereits anlässlich der
A._
-Begutachtung eine A
ggressionsproblema
tik (vgl.
Urk.
7/91/31).
Auch berichtete die Beschwerdeführerin damals über Ängste, wobei die Gutachter
zum sozialen Rückzug zufolge vagen und auswei
chenden Angaben der Beschwerdeführ
erin
keine Angaben machen konnten
(Urk.
7/91/35).
Objektiv erhoben die
A._
-Gu
tachter
keine
Hinweise für eine
eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit (
Urk.
7/91/35), jedoch berichteten
bereits damals
die Ärzte der
B._
und
diejenigen der Höhenklinik
H._
von
ver
mindertem
Konzentrationsvermögen (vgl.
Urk.
7/69/3
,
Urk.
7/101/2
, Urk. 7/103/3
).
Bezüglich des formalen Denkens ist dem
A._
-Gutachten zu entnehmen, es sei zwar
ein im Wesentlichen noch geordnetes Denken fest
zustel
len
, dieses erschien jedoch sprunghaft und phasenweise drängend und fordernd. Die Ärzte der
B._
stellten
auch
bereits in den Jahren 2012 und 2013 ein leicht verlangsamtes respektive ein weitschweifiges und umständliches formales Denken fest
(Urk.
7/103/3,
Urk.
7/69/3).
Dies bestätigten sie auch mit dem im Neuanmeldeverfahren aufgelegten Ber
icht vom
9.
Mai 2016 (vgl. Urk.
7/118/9).
Die
A._
-Gutachter machten keine Feststellungen hinsichtlic
h Suizidgedanken (
Urk.
7/91/36), Todeswünsche
waren jedoch durch die behandelnden Ärzte der
B._
bereits
im Jahr
2012
berichtet worden (Urk.
7/103/3).
Auch das Hören von Stimmen war von der Beschwerdeführerin bereits vor der
A._
-Be
gutachtung beklagt worden (Urk.
7/103/3).
Eine wesentliche Veränderung des Psychostatus seit der
A._
-Begutachtung ist
in quantitativer Hinsicht
nicht ersichtlich. Ins
besondere ist zu beachten, dass die
von den Ärzten der
B._
im Jahr 2016 erho
benen Psychostat
us
denjenigen aus den Jahren 2012 und 2013 sowie demjenigen der
A._
-Gutachter
mehrheitlich
entsprechen
.
Vorliegend ist ausserdem
nicht glaubhaft
,
dass neu eine schwere depressive
Epi
sode
vorliegt
.
Die erhobenen Befunde deuten – wie vorstehend ausgeführt – nicht auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands
respektive
lassen die Diag
nose
einer schweren depressiven Episode
nicht schlüssig erscheinen.
Die
behan
delnden Ärzte, sowohl der
B._
als auch der Höhenklinik
H._
diagnostizierten
bereits vor der
A._
-Begutachtung im April 2014 eine
mittelgradige bzw. sogar
schwergradige
depressive Episode
(
Urk.
7/69/2,
Urk.
7/101/1, Urk.
7/103/1)
, was
nicht
darauf hindeutet, dass die
B._
-Ärzte von einem verschlechterten Zustandsbild ausgehen.
Nach Einschätzung der Psychiaterin vom Regionalen Ärztlichen Dienst spricht die eher niedrige
Dosierung der Antidepressiva
und die kurze Aufenthaltsdauer gegen eine schwere Episode
(
Urk.
7/128/2).
Auch das Bundesgericht wies in seinem
die Beschwerdeführerin betreffenden
Urteil 8C
_
71/2017 in E. 8.3 auf das erneute Vorliegen von Inkonsistenzen im Verhalten der Beschwerdeführerin hin
und zweifelte am Vorliegen einer schweren depres
siven Episode, da die Beschwerdeführer
in alleine auf dem Klinikareal
g
ing
und ein Schwächegefühl ang
ab
, obwohl die Überprüfung einen Kraftgrad von 5/
5
ergeben ha
tt
e
.
Hinsichtlich
der
laut Berichten der
B._
festgestellten
Persönlichkeitsstörung
en ist zu erwähnen, dass die
A._
-Gutachter überzeugend darlegten, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung unhaltbar
ist
, da die Symptomatik bis in die Kindheit und Jugend der Betroffenen zurückzuverfolgen sein m
uss
. Aufgrund des von der Beschwerdeführerin beschriebenen Symptombeginns sprach dies deutlich gegen das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung (
Urk.
7/91/37
-38
). Es liegt in der Natur der Sache, dass in der Zwischenzeit keine Persönlichkeitsstö
rung aufgetreten sein kann.
Auch das Vorliegen einer Somatisierungsstörung
durch die behandelnden Ärzte
wurde durch die
A._
-
Gutachter
nicht bestätigt
. Inwiefern sich daran etwas geändert haben soll, wird von den
B._
-Ärzten eben
falls nicht ausgeführt
und ist nicht ersichtlich
(
Urk.
7/91/37).
Auch der Hinweis der Ärzte der
B._
, der Eintritt
in die Klinik
sei freiwillig und vor dem Hintergrund einer bekannten rezidivierenden depressiven Störung
sowie
kombinierte
r
Persönlichkeitsstörung erfolgt, spricht gegen das Vorliegen eines veränderten Gesundheitszustands (vgl.
Urk.
7/118/1).
Aus diesen Gründen sind die beiden Berichte der
B._
nicht geeignet, eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft zu ma
chen.
4.4
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf die oben erwähnten Berichte davon ausging, die Beschwerdeführerin habe keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht.
Sie trat zu Recht nicht auf ihre Neuanmeldung
ein. Die Beschwerde ist daher abzu
weisen.
5.
5.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Beschwerdeführerin
ersuchte mit Beschwerde vom
8.
September 2017 um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege
(Urk. 1 S.
2
). Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und unentgeltlichen Rechts
vertretung gemäss § 16 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind erfüllt (vgl. Urk.
3
), weshalb dem Gesuch stattzugeben ist.
5.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.3
Nach § 34 Abs. 3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Rechtsanwalt Gehring reichte dem Gericht am 9. November 2017 eine Honorar
note für einen Aufwand in der Höhe von 12 Stunden (zzgl. Barauslagen von
Fr.
79.20) ein (Urk. 9).
E
ine Entschädigung in dieser Höhe
ist mit Blick auf ver
gleichbare Fälle jedoch
nicht angemessen. Die Beschwerdeschrift entspricht über weite Strecken den Ausführungen im Einwand vom 9. November 2017 (Urk. 7/130), was einen Arbeitsaufwand von 12
Stunden
,
wie er von Rechtsanwalt Gehring geltend gemacht wird
,
nicht rechtfertigt (Urk. 9). Insgesamt ist ein Gesamtarbeitsaufwand von
maximal
neun Stunden für Besprechungen mit dem Klienten, dem Studium der Akten und dem Ausarbeiten der Beschwerdeschrift sowie weiteren Arbeiten im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren
,
wie die Nachbesprechung des Urteils
,
anzurechnen, was unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.-- sowie der Barauslagen von Fr. 79.20 zuzüglich Mehrwertsteuer von 8 % eine Entschädigung von aufgerundet Fr. 2'300.-- ergibt. In dieser Höhe ist Rechtsanwalt Gehring aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5.4
Die Beschwerdeführerin ist zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4
GSVGer
).