Decision ID: 2dd11fa3-8649-5e81-a911-9f35709eed81
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
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A.a S._ war bei der A._ tätig und dadurch bei der Suva versichert, als er dieser
am 23. Oktober 2007 meldete, er sei am 3. Oktober 2007 beim Volleyballspiel auf den
rechten Ellbogen gestürzt (UV-act. 1). Dr. med. B._, FMH Orthopädische Chirurgie,
stellte am 13. November 2007 die Diagnose einer Partialruptur der Bizepssehne am
Ellbogen rechts und bestätigte eine volle Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 3). Der Verlauf
nach einer am 29. November 2007 vorgenommenen Operation (offene Reinsertion der
Bizepssehne) gestaltete sich komplikationslos (UV-act. 9, 11, 12 unten, 13). Die Suva
anerkannte ihre Leistungspflicht.
A.b Am 31. Januar 2008 meldete der Versicherte der Suva, seit dem Unfall
funktioniere der Mittelfinger nicht mehr so, wie er sollte. Er sei häufig geschwollen und
lasse sich nicht mehr ganz strecken (UV-act. 11). Nach Durchführung von ärztlichen
Abklärungen lehnte die Suva mit Verfügung vom 17. Juni 2008 ihre Leistungspflicht für
die geklagten Fingerbeschwerden ab mit der Begründung, dass die Unfallkausalität
dieser Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
werden könne (UV-act. 31). Die gegen diese Verfügung vom Versicherten erhobene
Einsprache (UV-act. 35f) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 29. August 2008
ab.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom 5. September
2008 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die gesundheitlichen Probleme am
Mittelfinger seien als Unfallfolge anzuerkennen. Beim Sturz auf den rechten gestreckten
Arm habe er eine Reflexbewegung mit gestreckten Fingern gemacht, um den Sturz
abzudämpfen. Von der Fingerspitze bis zur Achsel sei alles stark überdehnt worden.
Nach dem Sturz habe er den ganzen rechten Arm nur unter grossen Schmerzen
bewegen können. Bei der Erstkonsultation bei Dr. med. C._, FMH Allgemeine
Medizin, habe er über Schmerzen im Ellbogen und Finger berichtet. Ein MRI sei nur für
den Ellbogen verordnet worden. Nach erfolgter Operation in diesem Gelenk habe er bis
Ende Januar 2008 eine Gipsschale getragen. Als nach der Genesung des Ellbogens,
der mit Priorität behandelt worden sei, die Beschwerden am Mittelfinger nicht
nachgelassen hätten, habe ihn Dr. B._ an Dr. med. D._, FMH Chirurgie und
Handchirurgie, überwiesen.
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B.b In der Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2008 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die
Erwägungen im angefochtenen Entscheid, welche sie zum integrierenden Bestandteil
der Beschwerdeantwort erklärte. Im Weiteren führte sie aus, die mit der
Beschwerdeschrift aufgelegte Bestätigung der G._-Praxis (act. G 1.4) erwecke in
mehrfacher Hinsicht einen dubiosen Eindruck und entbehre daher jeglicher
Beweistauglichkeit. Sodann sei die Unfallkausalität der Fingerbeschwerden
unwahrscheinlich. Ein Sturz auf den rechten Ellbogen bzw. den rechten Oberarm könne
unmöglich eine Verletzung des rechten Mittelfingers zur Folge haben. Viel
wahrscheinlicher und naheliegender sei, dass die Fingerbeschwerden auf eine andere,
unfallfremde Ursache zurückzuführen seien, welche innerhalb der langen Frist von vier
Monaten zwischen dem Unfall vom 3. Oktober 2007 und der erstmaligen Klage über
entsprechende Beschwerden eingetreten sei.
B.c Mit Replik vom 19. Oktober 2008 bestätigte der Beschwerdeführer seinen
Standpunkt.
B.d Auf eine Anfrage des Versicherungsgerichts vom 28. November 2008 betreffend
das Auftreten der Beschwerden im Mittelfinger der linken Hand nahm Dr. C._ mit
Schreiben vom 9. Dezember 2008 Stellung (act. G 10). Hierzu äusserte sich die
Beschwerdegegnerin am 17. Dezember 2008 (act. G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, ob die beim Beschwerdeführer bestehenden gesundheitlichen
Probleme am rechten Mittelfinger in einem adäquat-kausalen Zusammenhang zum
Unfall vom 3. Oktober 2007 stehen. Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen
Entscheid (Erwägung 1) die rechtlichen Voraussetzungen des Vorliegens eines
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und
gesundheitlichen Störungen zutreffend dar; darauf ist zu verweisen.
1.2 Inhalt der Unfallmeldung vom 23. Oktober 2007 war ausschliesslich der Sturz auf
den rechten Ellbogen beim Volleyballspiel vom 3. Oktober 2007 (UV-act. 1). Am 2.
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November 2007 gab der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin bekannt, der
Oberarmmuskel sei gerissen (UV-act. 2). Hierauf bestätigte Dr. B._ die Partialruptur
der Bizepssehne am Ellbogen rechts (UV-act. 3). Gegenstand des Berichts von Dr.
C._ vom 16. November 2007 sowie des Operationsberichts von Dr. B._ vom 6.
Dezember 2007 waren ebenfalls einzig die Befunde am rechten Ellbogen (UV-act. 4, 9).
Erstmals erwähnte der Beschwerdeführer die Mittelfingerbeschwerden in der
telefonischen Mitteilung an die Beschwerdegegnerin vom 31. Januar 2008 (UV-act. 11).
Dr. D._ bescheinigte im Bericht vom gleichen Datum eine posttraumatische
Beugesehnentenosynovitis D3 rechts. Sie legte dar, anlässlich des Traumas beim
Ballspiel habe sich der Beschwerdeführer auch eine Hyperextension der Langfinger
zugezogen. Im Vordergrund habe aber anschliessend der distale Bizepssehnenausriss
gestanden. Seit dem Unfall habe der Beschwerdeführer eine schmerzhafte Schwellung
des rechten Mittelfingers bei eingeschränkter Beweglichkeit bemerkt (UV-act. 16).
Kreisarzt Dr. med. E._ führte am 10. März 2008 aus, die im MRI gefundene
leichtgradige palmarseitige Kapselschwellung des MCP III könnte einem Reizzustand
nach Distorsion entsprechen. Es finde sich auch eine etwas geschwollene
Sehnenscheide mit Erguss als Tendovaginitis. Diese Befunde seien nicht spezifisch.
Sichere Unfallfolgen lägen nicht vor. Eine Ringbandpathologie sei als krankhafte
Genese häufig (UV-act. 18). Am 14. März 2008 nahm Dr. D._ eine Tenosynovektomie
inklusive Ringbandspaltung vor (UV-act. 20). Gegenüber dem Suva-
Aussendienstmitarbeiter erklärte der Beschwerdeführer am 25. März 2008, die
Fingerbeschwerden hätten bereits unmittelbar nach dem Sturz vom 3. Oktober 2007
vorgelegen. Allerdings habe er damals noch nicht genau sagen können, ob die
Schmerzen nun vom Oberarm oder vom Finger her kommen würden. Bei seiner ersten
Konsultation bei Dr. F._ habe er diesen auch auf die Fingerbeschwerden aufmerksam
gemacht. Aufgrund der dann durchgeführten Operation am Ellbogen und der
anschliessenden Gipsanpassung seien die Fingerbeschwerden dann nicht mehr so
spürbar gewesen, weil auch die Beweglichkeit durch das Eingipsen eingeschränkt
gewesen sei. Allerdings habe er festgestellt, dass der Finger im Verlauf der Zeit immer
dicker geworden sei. Nach der Gipsentfernung habe er erneut die Fingerbeschwerden
bemerkt, da er nun auch den Finger wieder habe bewegen können. Als Rechtshänder
habe er vor dem Unfall keinerlei Beschwerden mit den Fingern gehabt. Bezüglich der
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Ellbogenverletzung (volle Arbeitsfähigkeit ab 14. April 2008) könne der Fall
abgeschlossen werden (UV-act. 21).
Dr. F._ teilte der Beschwerdegegnerin auf die Frage, ob der Beschwerdeführer
bereits nach dem Unfall auch die Fingerbeschwerden erwähnt habe (UV-act. 22), am 7.
April 2008 mit, vor dem Unfall habe der Beschwerdeführer nie über Beschwerden im
Bereich seiner Finger geklagt. Das Trauma beim Volleyball könne von seiner Art her
durchaus verantwortlich sein für die Fingerbeschwerden. Die Schmerzen von Seiten
der partiellen Läsion der Bizepssehne hätten allerdings nach dem Trauma eindeutig im
Vordergrund gestanden (UV-act. 23). Kreisarzt Dr. E._ hielt hierauf am 14. April 2008
fest, die Feststellung des Beschwerdeführers und von Dr. C._, wonach vor dem
Unfall keine Fingerbeschwerden bestanden hätten bzw. diese nach dem Unfall
aufgetreten seien, genüge nicht, um eine Kausalität zu begründen (UV-act. 25). Im
Bericht vom 10. Juni 2008 bestätigte Dr. C._ eine unfallbedingte Überstreckung des
Mittelfingers und verneinte unfallfremde Faktoren im Heilverlauf (UV-act. 30).
2.
2.1 Wenn der Unfallversicherer den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem
Unfall und einer Gesundheitsschädigung einmal anerkannt hat und entsprechende
Leistungen erbringt, so trägt er die Beweislast für den Wegfall der Kausalität (RKUV
2000 Nr. U 363 S. 45, 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b). Dies gilt jedoch nur für
Verletzungen und Beschwerden, welche bei der ursprünglichen Anspruchsbeurteilung
zur Diskussion standen. Dagegen bedeutet diese Rechtsprechung nicht, dass der
Versicherer auch das Nichtbestehen einer Unfallkausalität von gesundheitlichen
Beeinträchtigungen zu beweisen hätte, welche ursprünglich nicht thematisiert worden
waren (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 15. März 2006 i/S P. [U 6/06],
Erw. 2.2). Der Unfallversicherer hat sodann nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen
zu erbringen, sondern nur darzutun, dass die unfallbedingten Ursachen des
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben (Urteil des EVG vom 27.
Februar 2004 i.S. A. [U 29/03]).
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2.2 Vorliegend enthalten die echtzeitlichen, nach dem streitigen Unfall erstellten
Akten keine Anhaltspunkte für eine Unfallbeteiligung des rechten Mittelfingers (UV-act.
1-4, 9, 10, 12). Der Beschwerdeführer meldete der Beschwerdegegnerin
Fingerbeschwerden erstmals am 31. Januar 2008 (UV-act. 11), d.h. knapp vier Monate
nach dem Unfall. Hingegen bestätigte Dr. C._ in einem mit der Beschwerde
eingereichten undatierten Schreiben, dass der Beschwerdeführer anlässlich der
Erstkonsultation am 8. Oktober 2007 über Schmerzen am Mittelfinger und im Ellbogen
berichtet habe (act. G 1.4). Die Beschwerdegegnerin hielt dazu fest, dieser Beleg sei
nicht auf dem offiziellen Briefpapier der G._-Praxis erfolgt. Im weiteren fehle eine
Datumsangabe. Ferner sei auf dem Beleg eine handschriftliche Ergänzung ("Die
Beschwerde entspricht den Tatsachen") unbekannten Ursprungs und unbekannten
Datums angebracht worden. Schliesslich falle auf, dass die Unterschrift nicht
derjenigen des erstbehandelnden Arztes entspreche (act. G 3). Aufgrund dieser
Einwände gelangte das Versicherungsgericht mit einer Anfrage an Dr. C._ (act. G 9).
In seiner Stellungnahme vom 9. Dezember 2008 zitierte der Arzt wie folgt aus der
Krankengeschichte: "Beim Volleyballsturz auf die rechte Hand, dabei Hyperextension
der ganzen Hand und Kontusion des Ellenbogens ...". Er legte im weiteren dar, der
Patient habe nicht explizit (Hand-)Beschwerden erwähnt; allerdings seien die
nachfolgend festgestellten Verletzungen an den Beugesehnen der Hand vereinbar mit
dem initial beschriebenen Unfallmechanismus. Die Beschwerden im Bereich des
Ellbogens hätten von der Intensität her initial klar im Vordergrund gestanden. Die
Beschwerden in der Hand seien primär eher bagatellisiert worden. Entsprechend seien
in diesem Zeitraum (nach dem Unfall) auch keine Behandlungsmassnahmen
durchgeführt worden. Relevant sei das Ganze (d.h. die Handproblematik) ja erst
geworden, nachdem mit der Wiederaufnahme körperlicher Tätigkeit nach Sanierung
des Ellbogens auch die Hand wieder habe belastet werden können (act. G 10).
2.3 Die von Dr. C._ grundsätzlich bestätigten Darlegungen des Beschwerdeführers,
wonach aufgrund der Operation am Ellbogen und der anschliessenden Gipsanpassung
die Fingerbeschwerden nicht mehr so spürbar gewesen seien und er erst nach der
Gipsentfernung erneut die Fingerbeschwerden bemerkt habe (UV-act. 21; act. G 10),
lassen eine Fingerbeteiligung am Unfall möglich erscheinen. Nachdem jedoch der
Kreisarzt Dr. E._ sowohl eine traumatische als auch eine krankheitsbedingte Ursache
der Ringbandpathologie als möglich erachtete (UV-act. 18 und 25), kann eine
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Unfallverursachung der Mittelfingerbeschwerden nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Dies umso weniger, als Dr. C._ die
Schmerzangabe im Mittelfinger unmittelbar nach dem Unfall vorerst zwar bestätigte
(act. G 1.4), dann jedoch in der Stellungnahme vom 9. Dezember 2008 festhielt, dass
der Beschwerdeführer nicht explizit Beschwerden erwähnt habe (act. G 10). Mit der
Beschwerdegegnerin (act. G 12 S. 2) ist festzuhalten, dass die Annahme von Dr. C._,
wonach die Verletzungen an den Beugesehnen der rechten Hand mit dem initial
beschriebenen Unfallmechanismus vereinbar seien (act. G 10), die blosse Möglichkeit
einer Unfallkausalität, nicht aber eine überwiegende Wahrscheinlichkeit der
Unfallverursachung zum Ausdruck bringt.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 29. August 2008 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG