Decision ID: 90880b2e-0e5c-58ae-b4f5-f52aaaedeb8e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am 22. September 2015 um Asyl in
der Schweiz und machten im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer
A._ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) sei in eine Blutfehde in
seinem Heimatdorf G._ (Gemeinde H._) involviert gewesen,
nachdem er anlässlich einer Auseinandersetzung mit den Nachbarn eine
Person erschossen sowie zwei weitere verletzt habe. Nach Verbüssen sei-
ner Haftstrafe habe er es aufgrund der Blutfehde nicht mehr gewagt, aus
dem Haus zu gehen und habe aus diesem Grund keiner Arbeit mehr nach-
gehen können. Auch die anderen Beschwerdeführenden hätten ein Leben
in Isolation verbringen müssen.
B.
Mit Entscheid des SEM vom 25. August 2016 wurden die Asylgesuche ab-
gelehnt, gleichzeitig die Wegweisung aus der Schweiz verfügt sowie deren
Vollzug angeordnet. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil D-5872/2016 vom 7. Dezember 2017 ab-
gewiesen.
C.
Mit als Wiedererwägungsgesuch bezeichneter Eingabe vom 15. Februar
2018 wurde erneut das Vorhandensein einer bestehenden Blutfehde gel-
tend gemacht sowie neue Unterlagen und verschiedene Arztberichte ins
Recht gelegt. Das SEM lehnte das Gesuch mit Verfügung vom 9. April
2018 ab. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil D-2747/2018 vom 24. Juni 2019 abgewiesen.
D.
Mit Eingabe vom 16. September 2019 reichten die Beschwerdeführenden
– handelnd durch ihre damalige Rechtsvertreterin – erneut ein Wiederer-
wägungsgesuch ein und beantragten, der Asylentscheid vom 25. August
2016 sei im Wegweisungspunkt in Wiedererwägung zu ziehen und aufzu-
heben. Es sei ihnen die vorläufige Aufnahme aufgrund medizinischer
Gründe zu gewähren.
Dem Wiedererwägungsgesuch wurden folgende Beweismittel beigelegt:
ein Arztzeugnis der (...), die Beschwerdeführerin B._ (nachfolgend:
die Beschwerdeführerin) betreffend, vom 26. August 2019, eine Meldung
einer Kindeswohlgefährdung, ein Abklärungsauftrag der KESB vom
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22. August 2019 sowie ein Verlaufsbericht zu F._, D._ und
E._ vom 14. August 2019 (UPD I._ und KJP J._).
E.
Mit Eingabe vom 21. Dezember 2019 wurden bei der Vorinstanz weitere
Beweismittel eingereicht (Abklärungsbericht zuhanden der (...) vom
22. November 2019, Bericht der Psychiatrie K._ vom 9. Dezember
2019, eine Stellungnahme der Familie (...) vom 10. Dezember 2019, Aus-
trittbericht des (...) vom 13. Dezember 2019).
F.
Mit Schreiben vom 23. Dezember 2019 beantragten die Beschwerdefüh-
renden, dass im Fall einer Ablehnung ihres Wiedererwägungsgesuches
Abklärungen bei der zuständigen KESB bezüglich einer allfälligen Unzu-
lässigkeit bezugsweise Unzumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs in
den Kosovo getätigt werden sollen. Dem Schreiben wurden weitere Kran-
kenakten beigelegt.
G.
Mit Eingabe vom 7. Januar 2020 sowie vom 24. Januar 2020 reichten die
Beschwerdeführenden weitere Beweismittel ein.
H.
Mit Entscheid vom 28. Januar 2020 der KESB K._ wurde für
F._, E._ und D._ eine Beistandschaft im Sinne von
Art. 308 Abs. 1 ZGB (Schweizerisches Zivilgesetzbuch [SR210]) errichtet.
I.
Mit Verfügung vom 20. März 2020 – eröffnet am 22. März 2020 – wies die
Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführenden ab
und hielt fest, dass die Verfügung vom 25. August 2016 rechtskräftig sowie
vollstreckbar sei. Zudem wurde der Antrag auf eine Prüfung der Zulässig-
keit des Vollzugs der Wegweisung in Verbindung mit dem Kindeswohl
durch die KESB abgelehnt.
J.
Mit Eingabe vom 22. April 2020 erhoben die Beschwerdeführenden gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragten, der Vollzug der Wegweisung sei wiedererwägungsweise als unzu-
mutbar oder als unzulässig zu beurteilen, sie seien in der Schweiz vorläufig
aufzunehmen und die Vorinstanz sei anzuweisen, im Wegweisungspunkt
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die Verfügung vom 25. August 2016 aufzuheben. Als Eventualantrag stell-
ten sie das Begehren, die Sache sei zur Neubeurteilung unter Bezug sämt-
licher Vorbringen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hin-
sicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung,
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiord-
nung der rubrizierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeistän-
din. Weiter beantragten sie die Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung.
K.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 23. April 2020 wurde der Vollzug
der Wegweisung per sofort einstweilen ausgesetzt.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 30. April 2020 wurden die Beschwerdeführen-
den aufgefordert, ihre finanzielle Situation offenzulegen. Das Gesuch um
aufschiebende Wirkung wurde gutgeheissen.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2020 wurde das Gesuch um unent-
geltliche Prozessführung gutgeheissen und die Beschwerdeführenden auf-
gefordert, die in Aussicht gestellten Beweismittel einzureichen. Das Ge-
such um unentgeltliche Rechtsverbeiständung hingegen wurde abgewie-
sen.
N.
Mit Eingabe vom 17. Juli 2020 reichen die Beschwerdeführenden folgende
Unterlagen zu den Akten: Eine Anordnung der fürsorgerischen Unterbrin-
gung – datiert vom 17. April 2020 – und ein Behandlungsplan der (...) –
datiert vom 27. April 2020 – C._ betreffend (Beilagen 4 und 5), ein
aktueller Bericht des Spitals K._ vom 14. Juli 2020 (Beilage 6), ein
Schreiben von C._ vom 30. April 2020 inklusive deutscher Überset-
zung (Beilage 7), eine Anordnung der fürsorgerischen Unterbringung – da-
tiert vom 17. April 2020 – sowie ein Behandlungsplan der PZM – datiert
vom 23. April 2020 – die Beschwerdeführerin betreffend (Beilagen 8 und
9), ein Überweisungsbericht des Spital K._ vom 17. April 2020 und
ein Behandlungsplan des PZM vom 1. Mai 2020 den Beschwerdeführer
betreffend (Beilagen 10 und 11), ein Bericht der Universitären Psychiatri-
schen Dienste I._ UPD, Universitätsklinik für Kinder- und Jugend-
psychiatrie und Psychotherapie KJP, D._, E._ und
F._ betreffend vom 23. Juni 2020 (Beilage 12), ein psychologisches
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Gutachten der Kindepsychologin der Kinder die Familie (...) betreffend, da-
tiert vom 3. Juli 2020 (Beilage 13), ein Bericht von L._ – datiert vom
24. Juni 2020 – die Geschwister (...) betreffend (Beilage 14) sowie sieben
verschiedene Referenzschreiben (Beilage 15).
O.
Mit Eingabe vom 23. Juli 2020 wurde ein Spitalbericht – datiert vom 21. Juli
2020 – die Beschwerdeführerin betreffend, eingereicht (Beilage 16).
P.
Mit Vernehmlassung vom 19. Oktober 2020 nahm die Vorinstanz Stellung.
Q.
Die Beschwerdeführenden nahmen ihr Replikrecht mit Eingabe vom
25. November 2020 wahr und legten weitere Beweismittel bei (Beilagen 17
bis 19).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
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1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
2.
2.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde –, beziehungsweise nach
Abschluss des ordentlichen Verfahrens neue Beweismittel eingereicht wur-
den, die erst danach erstellt wurden und mit denen vorbestandene Tatsa-
chen belegt werden sollen, können auch Revisionsgründe einen Anspruch
auf Wiedererwägung begründen (zum sogenannten "qualifizierten Wieder-
erwägungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 und 13.1 m.w.H.).
3.
Vorliegend beschränkt sich die Beschwerde auf die Frage des Vollzugs der
Wegweisung. Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet
demnach lediglich die Frage des Vollzugs der Wegweisung. Es ist zu prü-
fen, ob sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Ent-
scheid der Vorinstanz vom 25. August 2016 respektive dem Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts D-5872/2016 vom 7. Dezember 2017 respektive
D-2747/2018 vom 24. Juni 2019 in wesentlicher Form verändert hat und
die ursprünglich fehlerfreie Verfügung an nachträglich eingetretene Verän-
derungen der Sachlage anzupassen ist.
4.
4.1 In der Beschwerde werden zunächst formelle Rügen erhoben, welche
vorab zu behandeln sind, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kas-
sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Nach Art. 61 Abs. 1
VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst oder
weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vor-
instanz zurück. Eine Rückweisung kommt insbesondere dann in Betracht,
wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes
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Beweisverfahren durchzuführen ist (WEISSENBERGER/HIRZEL, N 16 zu
Art. 61 VwVG, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016).
4.2 In der Beschwerde wurde moniert, es liege eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs vor, da die Vorinstanz sich nicht mit den eingereichten Arzt-
berichten und den darin gestellten Diagnosen auseinandergesetzt sowie
den Bericht des (...) vom 16. September 2019 gänzlich unerwähnt gelas-
sen habe. Zudem seien die von der Vorinstanz in Rechnung gestellten Ver-
fahrensgebühren für das vorliegende Wiedererwägungsgesuch aufzuhe-
ben, zumal das Gesuch nicht als aussichtslos hätte bezeichnet werden und
die Vorinstanz deshalb keine Gebühren hätte berechnen dürfen.
4.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-
spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff.
VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der
Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-
zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-
hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-
schlagen muss.
4.4 Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtliches
Gehör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Ent-
scheid so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sach-
gerecht anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmitte-
linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl.
BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf die
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die
Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf wel-
che sie ihren Entscheid stützt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2). Nicht erforder-
lich jedoch ist, dass sich die Begründung mit allen Parteipunkten einläss-
lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider-
legt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
4.5 Das Bundesverwaltungsgericht kommt hinsichtlich der bemängelten
Berücksichtigung der eingereichten Beweismittel zum Schluss, dass sich
die Vorinstanz sehr wohl mit den zahlreichen medizinischen sowie päda-
gogischen Berichten auseinandergesetzt hat. Dabei war sie nicht verpflich-
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tet, jedes einzelne Dokument in die Entscheidfindung einzubeziehen, ins-
besondere, wenn deren Inhalt sich nicht wesentlich von dem der anderen
eingereichten Beweismittel unterscheidet. Des Weiteren ist festzustellen,
dass sich die Vorinstanz sehr wohl mit den Beweismitteln auseinanderge-
setzt hat. Dass sie dabei zu einem anderen Schluss gelangt ist als wie von
den Beschwerdeführenden erhofft, stellt weder eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs, noch eine Verletzung der Abklärungs- und Begründungs-
pflicht dar.
4.6 Der Antrag, die in Rechnung gestellten Verfahrensgebühren für das
vorliegende Wiedererwägungsgesuch aufzuheben, erweist sich ange-
sichts des Ausgangs des Verfahrens als nicht gerechtfertigt.
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Dieser Artikel findet auch An-
wendung auf Personen, welche nach ihrer Rückkehr wegen der vorherr-
schenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit in völlige Armut ge-
raten würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung
des Gesundheitszustands, der Invalidität oder gar dem Tod ausgeliefert
wären (vgl. BVGE 2014/26, E. 7.5. und BVGE 2011/24, E.11.1; m.w.H.).
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
7.
7.1 Die Beschwerdeführenden machten in ihrem Wiedererwägungsgesuch
im Wesentlichen Vollzugshindernisse im Sinne einer medizinischen Not-
lage geltend und brachten vor, ein neuer Sachverhalt sei aufgetreten. Es
bestehe eine ernstzunehmende gesundheitliche Gefährdung aller Be-
schwerdeführenden. Dies werde anhand der eingereichten zahlreichen
Arztberichte belegt. Es wurde ausgeführt, dass nach der letzten negativen
Entscheidseröffnung vom 4. Juli 2019 des Bundesverwaltungsgerichts die
Eltern (die Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer) aufgrund
schwerer Dekompensation und akuter Suizidalität umgehend in den Notfall
der psychiatrischen Klinik ([...]) hätten eingeliefert werden müssen. Zeit-
gleich hätten D._ und C._ wegen suizidalen Äusserungen
desgleichen in einer Klinik platziert werden müssen, wobei die Selbstge-
fährdung als hoch eingeschätzt worden sei. Daneben würden die Be-
schwerdeführerin und der Beschwerdeführer unter einer posttraumati-
schen Belastungsstörung sowie einer schweren Depression leiden und
könnten ihre eigenen minderjährigen Kinder nicht selber betreuen. Die
KESB habe die Kinder deshalb fremdplazieren müssen. Des Weiteren sei
der elfjährige F._ seit Januar 2018 in psychiatrischer Behandlung.
Auch der vierzehnjährige D._ sei seit Oktober 2018 in jugendpsy-
chiatrischer Behandlung, wobei auch bei ihm eine erhöhte Suizidgefahr
festgestellt worden sei. Bei E._ seien neue Belastungssymptome
aufgetreten, weshalb sie seit Juli 2019 ebenfalls an den Therapiesitzungen
gemeinsam mit ihren beiden Brüdern teilnehme. Die gesamte gesundheit-
liche Situation sei auf die traumatischen Ereignisse im Heimatland, verbun-
den mit der Angst vor einer Rückkehr, sowie bei den Kindern auf die Über-
forderung der gesundheitlichen Situation der Eltern zurückzuführen. Das
Kindswohl sei gravierend gefährdet und es sei nicht absehbar, wann und
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in welchem Rahmen die Eltern (die Beschwerdeführerin und der Beschwer-
deführer) in der Lage sein würden, ihren Pflichten vollumfänglich nachzu-
kommen sowie ein stabiles familiäres Umfeld zu gewährleisten. Aus den
Akten gehe hervor, dass diese auf Grund deren psychischer Belastung
nicht mehr in der Lage seien, sich alleine um ihre Kinder zu kümmern. Da-
mit das Kindswohl in genügender Weise gewahrt werden könne, sei die
Familie auf intensive Unterstützung durch Fachpersonen sowie auf ein
stabiles Umfeld angewiesen. Eine umfassende Begleitung und Betreuung
der Familie sei im Heimatland nicht möglich.
Hinsichtlich der Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Vollzugs
der Wegweisung sei auf die entsprechenden Auszüge des Handbuchs des
SEM zu verweisen. Ein Wegweisungshindernis könne dann vorliegen,
wenn eine Person ein schweres körperliches oder psychisches Leiden auf-
weise und die Behandlungsmöglichkeiten im Heimatland unzulänglich
seien. Im Zusammenhang mit der Berücksichtigung des Kindswohls seien
weniger hohe Anforderungen an eine konkrete Gefährdung zu stellen. Ge-
mäss berichten der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH zufolge seien
psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten im Kosovo unzureichend. Zu-
dem seien insbesondere die Kinder bestens in der Schweiz integriert und
würden bei einer Rückkehr aus ihrem sozialen sowie stabilen Umfeld her-
ausgerissen.
7.2 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid dahingehend, als dass so-
wohl die eingereichten Arztberichte als auch der Bericht der UMA-Fach-
stelle der KESB seine Einschätzungen ausdrücklich darauf stützen wür-
den, dass die gesamte Familie wegen der anhaltenden Blutfehde bei einer
Rückkehr in den Kosovo an Leib und Leben gefährdet sei. Im ordentlichen
Asylverfahren wie auch auf Beschwerdeebene vor dem Bundesverwal-
tungsgericht sei dies jedoch ausdrücklich verneint worden. Es gebe keine
neuen Beweise, welche dies umstossen könnten. Zudem hätten Bot-
schaftsabklärungen vom 2. März 2016 ergeben, dass die geltend ge-
machte Blutfehde nicht aktiv von den Nachbarn vorangetrieben werde und
keine, wie von den Beschwerdeführenden behauptete, Isolation vorhanden
sei, zumal Versöhnungsversuche mit der verfeindeten Familie vom Be-
schwerdeführer ausgeschlagen worden seien. Auch gehe aus dem Bericht
hervor, dass die verfeindeten Familien an gemeinsamen Feiern teilgenom-
men hätten. Deshalb würden sich die eingereichten Arzt- und Behördenbe-
richte auf teilweise unzutreffende Annahmen stützen und somit die
Schlussfolgerungen in Hinblick auf die Gefährdung der Beschwerdeführen-
den relativieren.
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Dennoch erscheine es angebracht, vorliegend die individuelle Situation
hinsichtlich der medizinischen Probleme zu prüfen. Insbesondere seien die
Suizidgefährdung sowie die Suizidversuche unter dem Blickwinkel von
Art. 3 EMRK zu beleuchten. Praxisgemäss würde die Gefahr, dass dem
Vollzug ausgesetzte Personen ihrem Leben ein Ende setzen würden, ei-
nen Wegweisungsvollzug nicht bereits als unzulässig erscheinen lassen,
zumal allfälligen diesbezüglichen Risiken mit einer sorgfältigen Vorberei-
tung der Ausreise entgegengewirkt werden könne. Zudem sei es nicht un-
gewöhnlich, dass ein Wegweisungsentscheid zu psychischen Problemen
führe. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, eine Rückführung zu verhin-
dern. Diesen Umständen werde bei der Rückführung der Beschwerdefüh-
renden genügend Rechnung getragen.
Im Zusammenhang mit einer möglichen Gefährdung des Kindswohls habe
die bundesrechtliche Rechtsprechung festgestellt, dass der Vollzug einer
Wegweisung nur dann unzulässig sei, wenn dieser auf einer Bestimmung
des schweizerischen Rechts oder auf einer Behördenpraxis beruhe, wel-
che mit den allgemeinen Richtlinien der Kinderrechtskonvention, nament-
lich mit Art. 22, nicht vereinbar sei, wobei im Zivilgesetzbuch der Schutz
von ausländischen Kindern während ihres Aufenthaltes in der Schweiz be-
reits genügend geregelt sei und den internationalen Anforderungen ge-
nüge. Die Einschätzung im Bericht der UMA-Fachstelle zur Kindswohlge-
fährdung und einer akuten Gefahr für die ganze Familie an Leib und Leben
treffe jedoch nicht zu. Angesichts der vorliegenden Akten stelle sich die
Frage, ob sich die geltend gemachte Traumatisierung durch die vergange-
nen Erlebnisse im Kosovo nicht bereits früher, nämlich im Kosovo oder
gleich nach Ihrer Einreise in die Schweiz hätte manifestieren müssen,
wenn diese tatsächlich so schwerwiegend gewesen wären, wie es in den
vorgelegten Arztberichten geltend gemacht werde. Zudem hätten gemäss
Aktenlage die beiden Söhne schulische Probleme, wobei einiges darauf
hindeute, dass dies nicht nur auf psychische Probleme, sondern auch auf
kulturelle Verschiedenheiten zurückzuführen sei. Es stelle sich in diesem
Kontext die Frage, ob es dem Kindeswohl effektiv dienlich sei, wenn ihr
Leben und insbesondere auch die Schule in der Schweiz nur mit behördli-
chen Interventionen und einem grossen Aufgebot von Betreuern bewältigt
werden könne. Diese Umstände relativierten auch die behauptete fortge-
schrittene Integration der Kinder und der Eltern in der Schweiz. Eine Rück-
kehr in den Kosovo könne für die Kinder eine Reintegration in ein vertrau-
tes soziales und kulturelles Umfeld bedeuten, in welchem sich wohl auch
die Eltern heimischer fühlen würden und ihre Kinder dadurch besser unter-
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Seite 12
stützen könnten. Ausserdem gebe es im Kosovo vierzig Zentren für Sozi-
alarbeit, deren Mitarbeitende sich um soziale Probleme von Kindern küm-
mern würden, womit das Kindswohl auch bei einer Rückkehr ins Heimat-
land gewährleistet werden könne. Ferner sei davon auszugehen, dass die
Grossfamilie (...) ihnen bei allen Belangen einer Reintegration behilflich
sein würde. Sodann stehe der Grossfamilie ein Haus zur Verfügung, wo die
Beschwerdeführenden wohnen könnten. Überdies gehe aus den Arztbe-
richten hervor, dass sich trotz regelmässiger Therapien der Gesundheits-
zustand der Beschwerdeführenden nicht verbessert habe und es stelle sich
die Frage nach der unbedingten Notwendigkeit der Therapien.
7.3 In der Beschwerdeschrift wurde einleitend festgehalten, dass sich die
psychische Gesundheit der Beschwerdeführenden bei der Entscheidser-
öffnung erneut verschlechtert habe. Trotz eines Spezialsettings mit ver-
schiedenen Fachpersonen wie Ärzten, Psychologen sowie den Beiständen
der minderjährigen Kinder hätten C._ und die Beschwerdeführerin
wegen akuter Suizidalität notfallmässig fürsorgerisch untergebracht wer-
den müssen. Zudem sei erneut darauf hinzuweisen, dass trotz des von der
Vorinstanz bestrittenen Sachverhalts hinsichtlich der Blutfehde die Bewe-
gungsfreiheit im Heimatland der Beschwerdeführenden eingeschränkt ge-
wesen sei. Sollten weiterhin Zweifel daran bestehen, so sei zumindest die
älteste Tochter C._ erneut hierzu zu befragen.
Des Weiteren gehe aus den eingereichten Berichten der behandelnden
Ärzte und Therapeuten sowie aus dem Bericht der KESB hervor, dass die
Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer aufgrund der drohenden
Wegweisung in ihrer Erziehungskompetenz eingeschränkt seien und
dadurch ihre Kinder erneut destabilisiert würden, weshalb in diesem Fall
das Kindswohl nicht gewährleistet sei. Die Beurteilungen der jeweiligen
Fachpersonen würden sich auf fachlich ausgewiesene Diagnosen stützen
und es sei nachgewiesen, dass alle Beschwerdeführenden unter psychi-
schen Beeinträchtigungen leiden würden. Insbesondere sei hervorzuhe-
ben, dass die Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer bei einer
Ausschaffung erneut Suizidversuche angedroht hätten. Die ausgewiese-
nen langjährigen sowie schweren psychischen Beeinträchtigungen seien
in der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Die Argumentation der Vor-
instanz, es würden Zweifel an den geltend gemachten gesundheitlichen
Problemen bestehen, da diese bereits viel früher hätten auftreten müssen,
sei verfehlt, da aus den Arztberichten nachvollziehbar ihre Leidensge-
schichte hervorgehe. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass sich die Be-
schwerdeführerin bereits zehn Monate nach ihrer Einreise in die Schweiz
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in psychiatrische Behandlung habe begeben müssen (vgl. Arztbericht vom
16. Juni 2016) und der Beschwerdeführer seit Ende 2015 wiederkehrend
in therapeutischer Behandlung sei. Aus den verschiedenen Berichten gehe
eindeutig hervor, dass eine Stabilisierung des Krankheitsverlaufs nur mit
einem stabilen Aufenthalt erfolgreich sein könne. Der Vorwurf, die Leiden
der Beschwerdeführenden hätten sich erst in der Schweiz eingestellt, die
Kinder würden zu Aufenthaltszwecken instrumentalisiert und eine Verbes-
serung der Leiden habe sich trotz aufwändiger Therapien nicht eingestellt,
sei zurückzuweisen, zumal es keine Beweise hierfür gebe.
Die Suizidalität sei mehrmalig innerhalb von wenigen Monaten aufgetreten
und sei dementsprechend nicht nur vorübergehend, sondern latent vorhan-
den, wie dies aus den verschiedenen Berichten hervorgehe. Es müsse da-
von ausgegangen werden, dass bei einer Rückkehr in den Kosovo
C._ einen effektiven Suizidversuch begehen würde. Zudem be-
stehe bei ihr der Verdacht auf eine komplette Traumafolgestörung. Eine
Wegweisung unter diesem Gesichtspunkt sei unzulässig und verstosse ge-
gen Art. 3 EMRK. Ferner sei eine Wegweisung unzumutbar, zumal aus den
neu eingereichten Berichten hervorgehe, dass bei einem Vollzug der Weg-
weisung der Zustand aller Beschwerdeführenden zu einer klaren Ver-
schlechterung der Gesundheit führen würde.
Sodann wurde in der Beschwerde moniert, das Kindeswohl sei nicht vor-
rangig berücksichtigt worden. Bei zwei der minderjährigen Kinder sei der
Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung geäussert worden,
zudem seien alle drei Minderjährigen auf eine stabile Umgebung sowie
eine regelmässige Therapie angewiesen, welche jedoch im Kosovo fehlen
würden, wie dies aus den verschiedenen Berichten der SFH hervorgehe.
Psychische Erkrankungen könnten lediglich unzureichend behandelt wer-
den und nur aufgrund der Tatsache, dass im Kosovo neuropsychiatrische
Kliniken vorhanden seien, könne nicht auf die Behandelbarkeit von psychi-
schen Krankheiten geschlossen werden, zumal nicht genügend ausgebil-
detes Personal vorhanden sei und die entsprechenden Medikamente feh-
len würden. Zudem könnten die Beschwerdeführerin und der Beschwerde-
führer ihre Kinder nicht mehr adäquat betreuen, da gemäss dem betreffen-
den Abklärungsbericht auch bei einem positiven Krankheitsverlauf der El-
tern deren Gesundheitszustand dennoch fragil bleiben würde und diese
weiterhin auf Unterstützung sowie Hilfestellungen angewiesen wären. Die
betreuende Aufgabe würden zurzeit die eingesetzten Berufsbeistände
übernehmen. Aufgrund fehlender Behandlungsmöglichkeiten sowie des er-
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wiesenermassen ungenügenden Kindesschutzes wegen fehlender Ausbil-
dungen von Sozialarbeitenden im Kosovo sei die Gewährleistung des
Kindswohls erheblich in Frage zu stellen. Insgesamt sei festzustellen, dass
sämtliche Fachberichte zum Kinderschutz im Kosovo übereinstimmend
zum Schluss gekommen seien, dass dieser aufgrund fehlender finanzieller
und personeller Ressourcen sowie ungenügender fachlicher Ausbildung
des Personals mangelhaft sei. Schliesslich sei im Zusammenhang mit der
Schulbildung im Kosovo festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage davon
auszugehen sei, dass die minderjährigen Beschwerdeführenden weiterhin
ihr Haus im Heimatland nicht verlassen könnten und somit von einem re-
gelmässigen Schulbesuch ausgeschlossen wären. Auch sei eine Wegwei-
sung unzumutbar, da die Blutfehde weiterhin bestehe, womit die Wohnsi-
tuation und die beruflichen Aussichten im Heimatland nicht gewährleistet
seien. Die mangelnde Integration der Kinder und die schulischen Schwie-
rigkeiten würden nicht, wie von der Vorinstanz behauptet, an den kulturel-
len Unterschieden liegen, sondern seien vielmehr der schlechten psychi-
schen Verfassung der Beschwerdeführenden geschuldet.
7.4 Die Vorinstanz erklärte in ihrer Vernehmlassung, dass obwohl der Arzt-
bericht vom 19. September 2019 (recte: 16. September 2019) nicht er-
wähnt worden sei, dessen Inhalt im Wesentlichen mit den anderen, zahl-
reich beigelegten Berichten vergleichbar sei und auch bei Berücksichti-
gung desselben zu keiner anderen Einschätzung der Zumutbarkeit des
Vollzugs der Wegweisung führen würde.
7.5 In der Replik wurde bemängelt, die Vorinstanz habe sich in ihrer Ent-
scheidfindung nicht auf die Arztberichte gestützt, sondern vielmehr die da-
rin enthaltenen Diagnosen zu relativieren versucht. Auch wenn sie im All-
gemeinen den Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden gewürdigt
habe, bestehe die Pflicht, sich mit jedem einzelnen Beweismittel auseinan-
derzusetzen, zumal es sich dabei um sehr ausführliche Berichte handle.
Weiter sei festzuhalten, dass sich seit den letzten Arztberichten der Ge-
sundheitszustand der Eltern und derjenige von C._ nicht verändert
habe. Der Beschwerdeführer habe mehrmals täglich Suizidgedanken und
die minderjährigen Kinder würden gemäss den zuständigen Lehrkräften
unter einer enormen Belastung leiden. Eine erneute Verschlechterung sei
festzustellen (vgl. Beilagen 17 und 19). Sämtliche Fachpersonen hätten
darauf hingewiesen, dass nur eine stabile Lebenssituation die jeweiligen
Gesundheitszustände verbessern könne. Diese sei nur in der Schweiz
möglich. Schliesslich lebten die Beschwerdeführenden bereits seit fünf
Jahren in der Schweiz und die minderjährigen Kinder hätten ihre prägende
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Seite 15
Zeit in der Schweiz verbracht, womit sich eine Reintegration im Heimatland
für die Kinder als äusserst schwierig erweisen würde.
7.6 Vorliegend ist zu prüfen, ob das Wiedererwägungsgesuch vom
16. September 2019 neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel enthält,
welche geeignet sind darzulegen, dass eine wesentlich veränderte Sach-
lage eingetreten ist, welche die vorinstanzliche Verfügung vom 20. März
2020 aufheben könnte. Sofern sich die Beschwerdeführenden auf den
Standpunkt stellen, dass die Vorinstanz die geltend gemachte Blutfehde
nicht genügend gewürdigt habe, ist darauf hinzuweisen, dass dieses Sach-
verhaltselement nicht Gegenstand der vorliegenden Beschwerde bildet
(vgl. E. 3).
7.7 Im Zusammenhang mit einer medizinischen Notlage kann nur dann auf
Unzumutbarkeit geschlossen werden, wenn eine notwendige medizinische
Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu
einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-
heitszustandes der betroffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die
allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, welche zur
Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist.
Unzumutbarkeit liegt nicht bereits dann vor, wenn im Heimatstaat eine nicht
dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung
möglich ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 24, E. 5a und 5b; BVGE 2009/2, E.9.3.2;
BVGE 2011/50 E. 8.3).
Wie aus den verschiedenen eingereichten Berichten ersichtlich wird, wur-
den bei der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdeführer depressive
Episoden, eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine akute Be-
lastungsreaktion festgestellt (vgl. etwa Beilagen 9 bis 11). Diese Diagnosen
lagen bereits dem Sachverhalt im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-2747/2018 vom 24. Juni 2019 zugrunde. Es war festgestellt worden,
dass sowohl die gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin
und des Beschwerdeführers als auch diejenigen von D._ im Kosovo
behandelbar seien sowie die benötigte psychotherapeutische und medika-
mentöse Therapie dort erhältlich gemacht werden könnten. Insofern ist im
Zusammenhang mit den Krankheitsbildern der Beschwerdeführerin und
des Beschwerdeführers sowie des erwähnten Sohnes keine wesentlich
veränderte Sachlage aufgetreten. Sodann wurden die Beschwerdeführerin
und der Beschwerdeführer am 17. April 2020 aufgrund akuter Suizidalität
fürsorgerisch untergebracht, wobei deren Auslöser die Eröffnung des ne-
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gativen Entscheids gewesen (vgl. Beilagen 8 und 10) und die Verschlech-
terung ihrer Gesundheitszustände respektive die fürsorgerische Unterbrin-
gung einer Reaktion des negativen Asylentscheids geschuldet sei, wobei
ihre Gesundheit und Sicherheit mittels suizidaler Gedanken gefährdet sei.
Übereinstimmend wird in den verschiedenen Arztberichten festgehalten,
dass bei einer drohenden Ausschaffung erneute Suizidgefahr bestehe.
Ausserdem ist den Akten zu entnehmen, dass weitere, für die Familie ne-
gative Entscheide im Rahmen des Asylverfahrens erneut eine psychische
Krise auslösen und dadurch auch die Kinder weiter psychisch destabilisiert
würden. Die Familie gehe davon aus, dass sich ihre gesundheitliche Situ-
ation durch einen positiven Asylentscheid nachhaltig verbessern würde
und dadurch die nötige Kraft entstünde, um selbständig sowie ohne Hilfe
von dritter Seite wieder zu funktionieren. Dennoch wären auch bei einem
positiven Entscheid die Eltern längerfristig auf Unterstützung angewiesen.
Sodann wird in der Beschwerde geltend gemacht, dass die volljährige
Tochter C._ sowie die drei minderjährigen Kinder unter psychischen
Problemen und teilweise unter Dekompensation leiden würden (vgl. etwa
Beilagen 5, 6, 12, 13, 18, 19). Nach dem erneuten negativen Asylentscheid
sei C._ zeitgleich mit ihren beschwerdeführenden Eltern wegen
akuter Suizidalität notfallmässig per fürsorgerischer Unterbringung in den
psychiatrischen Notfall eingewiesen worden war (vgl. Beilage 4). Es wur-
den eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine schwere depres-
sive Episode festgestellt und gemäss Einschätzung der verfassenden
Oberärztin ist davon auszugehen, dass weitere negative Ereignisse zu ei-
ner erneuten akuten Belastungssituation führen würden, welche für ihr
Überleben hochgefährlich sein könnte (vgl. Beilage 6, S.2). Bei D._
und F._ seien Anpassungsstörungen sowie der Verdacht auf eine
posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. Seit 15. Ja-
nuar 2018 respektive 3. Oktober 2018 würden sie an wöchentlich respek-
tive zweiwöchentlichen therapeutischen Sitzungen teilnehmen. Seit dem
Ergehen des letzten negativen Entscheids nehme auch E._ an den
Therapiesitzungen teil, wobei festgestellt worden sei, dass sich der Zu-
stand der beiden Buben seit dem negativen Entscheid verschlechtert habe.
Weiter ist den Akten zu entnehmen, dass die minderjährigen Kinder verbei-
ständet wurden und teilweise einige Nachmittage bei einer Pflegefamilie
verbringen würden, da weder die Beschwerdeführerin noch der Beschwer-
deführer in der Lage seien, ihren erzieherischen Pflichten vollständig nach-
zukommen.
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Obwohl sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführenden ver-
schlechtert hat und die minderjährigen Kinder vermehrt depressive sowie
auffällige psychische Symptome aufweisen, werden diese und insbeson-
dere die akuten Suizidgedanken – wie in den verschiedenen Arztberichten
festgehalten wurde – hauptsächlich durch die jeweiligen negativen Ent-
scheidseröffnungen ausgelöst. Wie die Vorinstanz in ihrer Verfügung be-
reits zutreffend festhielt, stellt eine solche akute Verschlechterung des Ge-
sundheitszustandes von Asylsuchenden nach einem abweisenden Ent-
scheid noch keine relevante Veränderung des Sachverhalts dar, und es
erscheint nicht ungewöhnlich, wenn sich bei einer bevorstehenden Rück-
führung akut auftretende psychische Probleme manifestieren (vgl. auch Ur-
teil des BVGer D-1243/2017 vom 4. Mai 2017, E.4.3.2). Daran vermögen
auch die akuten sowie latenten Todeswünsche der Beschwerdeführenden
nichts zu ändern, zumal ein Konventionsstaat grundsätzlich nicht dazu ver-
pflichtet ist, bei einer Konfrontation mit einem allfälligen Suizid von einer zu
vollziehenden Weg- oder Ausweisung Abstand zu nehmen. Im konkreten
Fall besteht jedoch Gewähr dafür, dass nötigenfalls geeignete Massnah-
men ergriffen werden könnten mit dem Ziel, allfällige suizidale Tendenzen
im Zusammenhang mit der Ausschaffung zu verhindern (vgl. EMARK 2005
Nr. 23 E. 5.1. S. 212, mit einem Hinweis auf den Entscheid des EGMR
Dragan u.a. gegen Deutschland vom 7. Oktober 2004, 33743/03).
Auch wenn es äusserst bedauerlich ist, dass sowohl C._,
E._, F._ und D._ seit kürzerer Zeit unter psychologi-
schen Problemen leiden, sind die gesundheitlichen Probleme, wie auch
diejenigen ihrer Eltern (der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdefüh-
rer) im Kosovo behandelbar. Obwohl das kosovarische Gesundheitssys-
tem nicht dem schweizerischen Standard entspricht, ist die dreistufige me-
dizinische Versorgung im Kosovo grundsätzlich gewährleistet. Das Ge-
sundheitssystem ist auf drei Ebenen organisiert. Die grundlegende Primär-
versorgung wird von Familien-Gesundheitszentren in mehr als 30 Städten
in ganz Kosovo durchgeführt. Medikamente der Liste der unentbehrlichen
Arzneimittel sollten in jedem öffentlichen Gesundheitszentrum kostenlos
zur Verfügung stehen. Rückkehrende haben in allen Situationen einen gu-
ten Zugang zum Gesundheitswesen und sind von Behandlungskosten be-
freit. Eine etablierte Krankenversicherung hingegen gibt es im Kosovo
noch nicht (vgl. Urteil des BVGer D-2958/2018 vom 12. November 2018,
E.8.4.2 m.w.H.). Auch die psychiatrische Versorgung ist dreistufig organi-
siert: Die Primärversorgung der Familien-Gesundheitszentren umfasst
auch eine gewisse psychiatrische Versorgung. Die psychiatrische Sekun-
därversorgung besteht insbesondere aus den regionalen Krankenhäusern.
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Hinzu kommen sieben sogenannte Mental Health Centers, die ebenfalls
eine niederschwellige psychiatrische Versorgung anbieten. Die Tertiärver-
sorgung wird schliesslich wiederum durch die Universitätsklinik in Pristina
sichergestellt. Das Hauptproblem der psychiatrischen Versorgung ist der
Mangel an ausgebildeten Spezialisten, insbesondere Psychiatern und
Psychologen. Eigentliche Psychotherapien finden deshalb nur einge-
schränkt statt (vgl. Urteil des BVGer E-4677/2019 vom 27. Mai 2020
m.w.H.).
7.8 Sind von einem Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, bildet das Kin-
derwohl einen wichtigen Gesichtspunkt im Zusammenhang mit der Zumut-
barkeitsprüfung. Dies ergibt sich aus einer völkerrechtskonformen Ausle-
gung von Art. 83 Abs. 4 AIG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom
20. November 1989 über die Recht des Kindes (KRK). Vor diesem Hinter-
grund sind sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im
Hinblick auf den Vollzug der Wegweisung eines Kindes wesentlich erschei-
nen. Namentlich können dabei folgende Kriterien im Rahmen einer Ge-
samtbeurteilung von Bedeutung sein: Alter des Kindes, Reife, Abhängig-
keiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigen-
schaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereit-
schaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung bezie-
hungsweise Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem
längeren Aufenthalt in der Schweiz. Die Dauer des Aufenthaltes in der
Schweiz ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer
Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu wer-
ten. Kinder sollten nicht ohne triftigen Grund aus einem vertrauten Umfeld
herausgerissen werden. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht
nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (das heisst seine
Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern es sind auch seine weiteren so-
zialen Beziehungen in die Überlegungen miteinzubeziehen. Die Verwurze-
lung in der Schweiz kann – auch und insbesondere bei jungen Erwachse-
nen – eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs haben, indem eine starke Integration in der Schweiz eine
Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, die unter Umständen
die Rückkehr in den Heimatstaat unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE
2009/51 E. 5.6, BVGE 2009/28 E. 9.3.2 je mit weiteren Hinweisen).
In diesem Zusammenhang ist insbesondere dem Gesichtspunkt der In-
tegration der drei minderjährigen Kinder E._, D._ und
F._ Rechnung zu tragen. Einleitend ist festzustellen, dass die Be-
schwerdeführenden sich trotz der Abweisung ihrer Beschwerde mit Urteil
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des BVGer D-5872/2016 vom 7. Dezember 2017 und des abschlägigen
Urteils des BVGer D-2747/2018 vom 24. Juni 2019 in der Schweiz aufhiel-
ten und mit Eingabe vom 16. September 2019 ein weiteres Wiedererwä-
gungsgesuch einreichten. In den beiden Mehrfachgesuchen wurden vor-
wiegend medizinische Gründe respektive psychische Erkrankungen der
Familienmitglieder geltend gemacht. Obwohl die drei minderjährigen Kin-
der im Alter von ungefähr sieben, neun und zehn Jahren eingereist sind,
seither fünf Jahre in der Schweiz verbracht haben und somit einen gewis-
sen prägenden Teil ihres Lebens hier verbracht haben, erscheint ihre In-
tegration in der Schweiz nicht in besonderem Mass herausragend. So geht
aus den verschiedenen eingereichten Berichten hervor, dass sich
E._ zwar relativ gut in ihre Schulklasse integriert habe, sich sport-
lich betätige und auch Freundinnen gefunden habe. Jedoch sei trotz der
Verbesserung ihrer schulischen Leistungen noch ein deutliches Defizit ge-
genüber ihren Mitschülerinnen und Mitschülern vorhanden. D._ sei
motiviert, benötige jedoch aufgrund einer Lernschwäche ein Sondersetting
durch eine heilpädagogische individuelle Lernförderung und müsse in
schulischer Hinsicht engmaschig begleitet werden. F._ stehe in
schulischer Sicht weit hinter seinen Mitschülern und benötige eine Haus-
aufgabenhilfe. Zudem habe seine für ihn verantwortliche Lehrperson allge-
meine Anpassungsprobleme in der Schule und Autoritätsprobleme, insbe-
sondere Frauen gegenüber, festgestellt (vgl. Beilagen 13, 18 und 19). Trotz
Berücksichtigung der Gesamtumstände kann vorliegend nicht von einer
herausragenden Integration gesprochen werden. Eine Reintegration im
Heimatland, auch unter dem Aspekt der schulischen Wiedereingliederung,
erscheint zumutbar, zumal davon auszugehen ist, dass alle Kinder die Mut-
tersprache beherrschen und im Kosovo bereits eingeschult wurden. Ange-
sichts ihres jungen Alters ist davon auszugehen, dass sie fähig sind, sich
den Gegebenheiten und der Gesellschaft im Heimatland anzupassen und
sich somit erfolgreich in eine heimatliche Schule einzugliedern. Zufolge
(...), dem ehemaligen Klassenlehrer PBI (vgl. Schreiben vom 11. Mai 2020)
sei C._ sehr motiviert und äusserst sozial ausgerichtet. Sie enga-
giere sich zielgerichtet für ihre Berufswahl respektive eine Anschlusslösung
nach dem Schulabgang. Nach einer Schnupperlehre habe man ihr eine
Lehrstelle als Assistentin Gesundheit und Soziales angeboten. Aufgrund
ihrer persönlichen und sozialen Voraussetzungen kann davon ausgegan-
gen werden, dass sie im Kosovo eine geeignete Ausbildung finden wird.
7.9 Hinsichtlich der Kindswohlgefährdung im Zusammenhang mit der ver-
minderten Erziehungsfunktionen der Eltern ist anzunehmen, dass auch im
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Kosovo soziale Institutionen verfügbar sind, welche eine gewissen Hilfe-
stellung anbieten.
Gemäss einer breit angelegten Untersuchung von UNICEF zu medizini-
scher Versorgung und sozialen Einrichtungen Kinder und Frauen betref-
fend, werde im Kosovo hauptsächlich auf Verwandtschaftspflege, Pflege-
familien und Vormundschaftsdienste gesetzt, um bei Bedarf Kindern eine
alternative familienähnliche Unterbringung zu bieten. Ein weiteres Ziel sei
die Verhinderung des Verlustes der elterlichen Sorge. Gemäss kosovari-
scher Gesetzgebung würde Familien materielle, psychologische und prak-
tische Unterstützung gewährt, um eine Trennung von Eltern und Kindern
zu verhindern. Allerdings seien die Präventions- und Wiedereingliede-
rungsdienste aufgrund fehlender finanzieller Mittel jedoch schwach, weil
die Zentren für Sozialarbeit überlastet sind und nicht genügend Ressour-
cen zur Verfügung stehen, was bedeutet, dass sie sich auf Krisen konzent-
rieren und nur ungenügende Prävention betreiben. Der Schnitt von etwa
200 Sozialarbeitern auf kommunaler Ebene, welche individuell mit Kindern
im Sinne eines Fallmanagements arbeiten, sei niedrig
(https://www.unicef.org/kosovoprogramme/media/211/file/Raporti_unicef_
ENG.pdf, S. 96, 110, 126, 134).
Auch wenn das kosovarische Sozialsystem Mängel aufweist, welche sich
gemäss dem erwähnten Bericht hauptsächlich auf den Ressourcenmangel
bei der Prävention beziehen, stehen dennoch soziale Strukturen sowie So-
zialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zur Verfügung. Zudem verfügen die
Beschwerdeführenden über verschiedene Familienangehörige, welche sie
unterstützen können und bei Bedarf auch die Kinder betreuen könnten.
In der Botschaftsabklärung vom 2. März 2016 (vgl. act. A26/6) wurde fest-
gehalten, dass die Eltern des Beschwerdeführers vor ihrer Flucht aus dem
Heimatland in einem komfortabel eingerichteten Haus mit den Beschwer-
deführenden zusammengelebt hätten. Demnach steht auch bei einer
Rückkehr in den Kosovo eine adäquate Unterkunft zur Verfügung. Zudem
leben einige enge Familienangehörige der Beschwerdeführenden (vgl. act.
A9/15, F3.01; A10/11, F3.01) im Kosovo, auf welche die Beschwerdefüh-
renden bei einer Reintegration oder der persönlichen Unterstützung für die
Kinder aufbauen können.
7.10 Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich, dass weder im Wie-
dererwägungsgesuch noch in der Beschwerde aufgezeigt werden konnte,
inwiefern sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen
https://www.unicef.org/kosovoprogramme/media/211/file/Raporti_unicef_
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Entscheid in wesentlicher Weise verändert haben soll, um mithin die ur-
sprünglich fehlerfreie Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderun-
gen der Sachlage anzupassen wäre. Die Vorbringen der Beschwerdefüh-
renden sowie die von ihnen eingereichten Beweismittel und Beweismittel-
anträge sind wiedererwägungsrechtlich nicht relevant. Die Vorinstanz hat
das Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgewiesen. Die Beschwerde ist
demnach abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten (Art. 1-3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem mit Zwischen-
verfügung vom 11. Juni 2020 das Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh-
rung gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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