Decision ID: fb0890f1-be52-40ee-a501-2bd90e5581ef
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.1
Die 1964 geborene
X._
, Mutter von zwei erwachsenen Kindern (gebo
ren 1988 und 1992), meldete sich am 13. September 2006 unter Hinweis auf Schulterschmerzen links bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und erwerbliche Situation
ab
und veranlasste eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt, über welche am
19. Dezember 2006 berichtet wurde (Urk. 6/27). Mit Verfügung vom 27. Novem
ber 2008 sprach die IV-Stelle der Versicherten schliesslich bei einem Invaliditäts
grad von 45 % eine
Viertelsrente
mit Wirkung ab dem 1. Se
ptember 2005 zu (Urk. 6/32-33).
1.2
Mit Mitteilung vom 17. Juni 2009 (Urk. 6/42) wurde der Anspruch auf die bishe
rige
Viertelsrente
bestätigt.
1.3
Im Rahmen eines erneuten Revisionsverfahrens holte die IV-Stelle unter ande
rem
eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt
ein
, über welche am
1. März 2012
berichtet wurde (
Urk.
6/
60
)
. Mit Verfügung vom 4. Dezember 2012 (Urk. 6/67-68) sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 67 % eine
Dreiviertelsrente
mit Wirkung ab 1. Juli 2011 zu.
1.4
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom
7. November 2013 (Urk. 6/72) ver
anlasste die IV-Stelle eine
polydisziplinäre Begutachtung durch das
I
nstitut
Z._
, über welche am 6. Dezember 2014 berichtet wurde (Urk. 6/87/2-30).
M
it Verfügung vom 21. April 2016 (Urk. 6/106) hob die IV-Stelle
die Rente auf.
Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht
mit Urteil
vom
6.
November 2017
im Verfahren
Nr. IV.
2016.00597
ab
Urk.
(
6/111
).
1.
5
Am 1
9.
Februar 2018 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
diverse Lei
den
erneut zum Leistungsbezug bei
der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/112
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6/119, Urk. 6/125
, Urk. 6/129-130
) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom
27.
Juni 2018
auf das erneute Le
is
tungsbegehren nicht ein (Urk.
6/132
= Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
1
3.
August 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
27.
Juni 2018
(Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und auf das Ver
schlechterungsgesuch sei einzutreten. Es seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen und eine Haushaltabklärung zu veranlassen (S. 2).
Am
1
8.
Septem
ber 2018 (Urk. 5
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
1
9.
September 2018
zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
1.2
Dabei
hat
sie unter anderem zu berücksichtigen, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaub
haftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respek
tieren hat.
1.3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete das Nichteintreten auf die erneute Anmel
dung in der Verfügung vom
27. Juni 2018
(
Urk.
2) damit, dass
keine wesentlichen Veränderungen der beruflichen oder medizinischen Situation hätten festgestellt werden können. Durch die erfolgte Operation sei die Beschwerdeführerin vorüber
gehend eingeschränkt. Eine dauerhafte Veränderung habe nicht festgestellt wer
den können (S. 1)
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (
Urk.
1),
sie sei
am 15. November 20
17 an der rechten Schulter operiert worden und habe sich in
folge
persistierenden Beschwerden erneut bei der IV angemeldet
(S. 4)
.
Die Schul
terbeschwerden hätten sich trotz Physiotherapie nicht verbessert.
Zudem habe
ein massiver Gewichtsverlust Auswirkungen auf ihre körperlichen Ressourcen und müsse
auch
berücksichtigt werden.
Sie leide zusätzlich zu ihren Schulterbe
schwerden links und den Fussbeschwerden links nun seit Juli 2017 an massiven Schulterbeschwerden rechts.
Unter Berücksichtigung, dass nun auch auf der do
minanten Seite Beschwerden aufgetreten seien und sie über einen grossen Garten und Tiere verfüge, hätten Beeinträchtigungen an der rechten Seite einschrän
kende Auswirkungen, welche rentenrelevant sein könnten
(S. 5
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist allein die Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf die erneute Anmeldung zu Recht nicht eingetreten sei. Prozessthema ist demnach, ob die Beschwerdeführerin im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 IVV glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr gesundheitlicher Zustand erheblich verschlechtert hat und zwar ver
glichen mit dem Zeitpunkt, in welchem der Rentenanspruch letztmals materiell geprüft wurde (BGE 133 V 108), mithin
April 2016
.
3.
3.1
Bei der Aufhebung der zugesprochenen Rente mit der - gerichtlich bestätigten - Verfügung vom
2
1.
April 2016 (Urk.
6/106)
stützte sich die Beschwerdegegnerin auf das am
6. Dezember 2014 erstattete
Z._
-Gutachten (Urk. 6/87/2-30).
Es wurden folgende
, hier gekürzt aufgeführte
Diagnosen mit Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit festgehalten
(S. 25 Ziff. 5.1):
-
chronische Schulterbeschwerden der
adominanten
linken Seite
-
chronische Fussbeschwerden links
Die Gutachter führten aus, die Beschwerdeführerin
klage
vor allem über Be
schwerden am Bewegungsapparat, weshalb diese Untersuchung im Vordergrund stehe. Es sei primär orthopädisch untersucht worden, ergänzend neurologisch. Die neurologische Untersuchung habe vollständig unauffällige Befunde ergeben, es hätte keine neurologische Diagnose gestellt werden können, ein CRPS sei nicht nachweisbar, das Schmerzsyndrom sei nicht neuropathischer Natur, eine Nerven
läsion sei nicht
dokumentierbar
. Aus orthopädischer Sicht seien im Vordergrund die chronischen Schulterbeschwerden der
adominanten
linken Seite zu erwähnen bei Status nach verschiedenen Voroperationen, zudem die chronischen Fussbe
schwerden links mit ebenfalls verschiedenen Voroperationen. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei das chronische
lumbovertebrale
Schmerzsyndrom zu er
wähnen. Die klinischen und radiologischen Befunde könnten die subjektiv be
klagten Beschwerden nicht ausreichend erklären. Nachvollziehbar sei die Symp
tomatik an der linken Schulter (S. 26 f.
Ziff.
6.2).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit resultiere eine verminderte Belastbarkeit der oberen,
adominanten
Extremität und der unteren Extremitäten, sodass keine körperlich schweren oder auch mittelschweren und nicht adaptierten Tätigkeiten zumutbar seien, was auch auf die angestammte Tätigkeit im bäuerlichen Betrieb zutreffe. Für körperlich
leichte, überwiegend sitzende Tätigkeiten unter Wechsel-belas
tung, ohne Treppensteigen, Gehen auf unebenem Grund, ohne Einnahme von knienden und hockenden Positionen und ohne Einsatz der linken oberen Extre
mität oberhalb des Schulterniveaus bestehe eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit mit einem erhöhten Pausenbedarf im Sinne einer 20%igen Leistungsreduktion.
Aus allgemeininternistischer Sicht bestünden keine zusätzlichen Befunde und Diagnosen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten.
Aus psychiatrischer Sicht seien die somatisch nicht ausreichend erklärbaren Befunde für die subjektiv angegebenen Beschwerden und die vor allem subjekti
ven Limitierungen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren zuzuordnen. Eine Komorbidität, insbesondere eine affektive Störung, liege aus psychiatrischer Sicht nicht vor. Aus psychiatrischer Sicht be
stehe bei Überwindbarkeit der subjektiven Schmerzsymptomatik, gemäss geprüf
ten Kriterien, keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Zusammenfassend resultiere aus polydisziplinärer Sicht, dass bei der Beschwer
deführerin in der angestammten Tätigkeit, allgemein in mittelschweren, schweren und nicht adaptierten Arbeiten bleibend keine Arbeitsfähigkeit bestehe. In kör
perlich leichten, überwiegend sitzenden, adaptierten Tätigkeiten bestehe hinge
gen eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Das Pensum könnte voll-schichtig umgesetzt werden mit erhöhtem Pausenbedarf (S. 27
Ziff.
6.2).
3.
2
Das
hiesige
Gericht hielt
mit
Urteil vom
6.
November 2017
(
Urk.
6/111
)
dazu zu
sammenfassend fest, dass
f
ür die
Entscheidfindung
auf das
Z._
-Gutachten
abge
stellt werden
könne
.
Die Gutachter
seien
nachvollziehbar zum Schluss
gekom
men
, dass bei der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit, allgemein in mittelschweren, schweren und nicht adaptierten Arbeiten bleibend keine Ar
beitsfähigkeit bestehe. In körperlich leichten,
überwiegend sitzenden, adaptierten Tätigkeiten bestehe hingegen eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Eine Verbesserung des Gesundheitszustands
sei
damit ausgewiesen
(S. 11 f. Ziff. 6.1 ff.).
4.
4.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, Spital
B._
, berichtete am 28.
Dezember 2017 (Urk. 6/115/5-6)
über eine ambulan
te Schmerz-Sprechstunde vom 20.
Dezember 2017
,
und nannte folgende, hier gekürzt aufge
führte Diagnosen (S. 1 f.):
-
chronisches Schmerzsyndrom Schulter beidseits, am ehesten nozizeptiv
-
chronisches Schmerzsyndrom
Fuss links, am ehesten nozizeptiv
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Migräne ohne Aura
-
massiver Gewichtsverlust
Seit der Operation im November 2017 gebe die Beschwerdeführerin deutlich mehr Schmerzen in der rechten Schulter an. Ebenso habe die nächtliche Insomnie schmerzbedingt zugenommen. Medikamentös blieben nicht mehr viele Optionen. Aufgrund des doch bedrohlichen und weiterhin progredienten Gewichtsverlustes von insgesamt 25 kg innert der letzten drei Jahre, werde die Beschwerdeführerin der Gastroenterologie zugewiesen, zum Ausschluss einer somatischen Ursache (S. 2).
4.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
,
Universitätsklinik
D._
, nannte mit Bericht vom
3.
Januar 2018 (Urk. 6/115/1-2)
folgende
, hier gekürzt aufgeführte
Diagno
se
n
(S. 1 f.)
:
-
Status nach Schulterarthroskopie Schulter rechts am 1
5.
November 2017
-
chronisches Schmerzsyndrom Schulter links
-
Status nach Revisions-
Schraubenarthrodese
subtalar
und
talonaviculär
am
5.
Dezember 2012 bei inkompletter Konsolidation
-
Kapsel- und Gelenksmobilisation am 2
6.
Januar 2007
-
u
nter Methadon,
gastrooesophagealer
Reflux
Bei der Beschwerdeführerin zeige sich eine postoperative Schultersteifigkeit, die allenfalls auf die Irritationen nach Kalkentfernung zurückzuführen sei. Während der Konsultation werde eine Infiltration subacromial durchgeführt, was die Schmerzen lindere. Zusätzlich werde mit einer Triple-Therapie mit
Miacalcic
,
Re
doxon
und
Celebrex
für sechs Wochen gestartet. Im bäuerlichen Betrieb sei die Beschwerdeführerin weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig für die nächsten sechs Wochen. Dann solle ein Arbeitsversuch gestartet werden. Die Beschwerdeführerin werde in 12 Wochen verlaufskontrolliert. Parallel solle Physiotherapie zur Mobi
lisierung unterhalb der Schmerzgrenze durchgeführt werden (S. 2).
Dr.
C._
berichtete am
14.
Februar 2018 (Urk. 6/129/3-4)
über eine Ver
laufskontrolle drei
Monate postoperativ
,
und führte aus, bei der Beschwerdefüh
rerin zeigten sich persistierende Schmerzen bei Status nach Schulterarthroskopie bei jedoch verbesserter Beweglichkeit im Vergleich zur letzten Untersuchung. Es werde ihr erklärt, dass die eingeschränkte Beweglichkeit und die Schmerzen auf Vernarbungen im Operationsgebiet subacromial zurückzuführen seien. Eine Be
wegungstherapie unterhalb des Schmerzniveaus sei empfehlenswert. Dement
sprechend werde eine Physiotherapie verordnet (S. 2).
4.
3
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.1)
berichtete am
2
8.
Februar 2018 (Urk. 6/129/10-11)
über eine
gleichentags durchgeführte
Schmerz-Sprechstunde
,
und
führte aus, der Verlauf sei weiterhin unbefriedigend. Die Beschwerdeführerin gebe an, nach der Operation ebenso viele Schmerzen wie vor der Operation zu haben, auch be
züglich der Beweglichkeit habe sich keine Besserung ergeben. Die Schlafqualität sei weiterhin sehr schlecht,
die Beschwerdeführerin wisse nicht mehr weiter. Langsam seien die konventionellen analgetischen und
co
-analgetischen Möglich
keiten ausgeschöpft. Auffällig sei, dass die Beschwerdeführerin auf kein einziges der versuchten Schmerzmedikamente nicht die geringste Schmerzmodulation ge
habt habe. Die
einzige
berichtete
Wirkung sei jeweils eine Nebenwirkung. Als letzte Alternative, die Schmerzen pharmakologisch zu beeinflussen, sehe er einen Therapieversuch mit einem medizinischen Cannabispräparat im Sinne von
Com
passionate
Use (S. 2).
4.
4
Die Ärzte des Spital
s
B._
, Gastroenterol
ogie/Hepatologie, berichteten am 6.
April 2018 (Urk. 6/129/7-8) über eine am
2
2.
März 2018
durchgeführte
Oesophago
-
Gastro
-Duodenosko
pie
. Es habe sich kein Ulkus und kein
malignomsuspekter
Be
fund als Ursache für einen Gewichtsverlust gefunden. Die Histologie habe zudem keinen Nachweis einer Helicobacter pylori-Besiedelung oder einer Sprue ergeben. Bei entsprechendem makroskopischem Befund seien zum Ausschluss eines Bar
rett-Oesophagus Biopsien entnommen worden mit negativem Resultat. Eine re
gelmässige Surveillance sei somit nicht notwendig.
Zur Therapie der (wahrschein
lich) chronischen
Refluxoesophagitis
trotz
Protonenpumpeninhibitoren
(
PPI
)
werde
empfohlen,
Esomeprazol vorübergehend für 6-8 Wochen auf eine Dosis von 2x40 mg/Tag zu steigern
(S. 2)
.
4.
5
Dr.
med.
E._
,
Fachärztin für
Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates
,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte mit Stellungnahme vom
12.
April 2018 (Urk. 6/117/2)
aus, chronische Schulter
beschwerden der linken Schulter seien seit Jahren bekann
t und seien im Gutach
ten vom 6.
Dezember 2014 berücksichtigt. Neu werde jetzt ein Status nach Schul
terarthroskopie rechts November 2017 ausgewiesen. Postoperativ sei es zu einer Schultersteife gekommen, die Beweglichkeit sei stark eingeschränkt. Die Rehabi
litation nach Schulter-Operation könne sechs Monate in Anspruch
nehmen, die Schultersteife sei meist selbstlimitierend. Derzeit bestehe ein instabiler Zustand. Es sei darauf hinzuweisen, dass der Zweck einer Operation in der Regel eine funk
tionelle Verbesserung sei. Daher sei der Umstand, dass operiert worden sei, nicht per se als Hinweis auf eine Verschlechterung zu sehen. Es sei keine dauerhafte Veränderung ausgewiesen.
4.
6
Dr.
A._
(vorstehend E.
4.
3
) berichtete am
3.
Mai 2018 (Urk. 6/129/5-6)
über eine Schmerz-Sprechstunde
vom
2.
Mai 2018
und führte aus,
der Verlauf sei wei
terhin unverändert. Auch die
Aufdosierung
von
Lyrica
und
Cymbalta
auf die Ma
ximal
-
Dosis von 600 mg, beziehungsweise 120 mg täglich, habe keinen spürba
ren Effekt aufgewiesen. Weder bezüglich der Schmerzen noch bezüglich der Schlafqualität. Weiterhin bestehe ein stark beeinträchtigter Schlaf mit erhöhter Tagesmüdigkeit. Zudem sei weiterhin eine Gewichtsabnahme erfolgt, das aktuelle Gewicht sei 41 kg, wobei zwischenzeitlich sowohl die
Gastro
- und die Koloskopie, das CT Thorax und Abdomen keine sekundäre Ursache für den Gewichtsverlust gezeigt habe (S. 2).
4.
7
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
Uni
versitäts
klinik
D._
, nannte mit Bericht vom 17
.
Mai 2018 (Urk. 6/129/1-2)
folgende Diagnosen (S. 1 f.):
-
postoperative
Frozen
Shoulder
-
chronisches Schmerzsyndrom Schulter links
-
Status nach Revisions-
Schraubenarthrodese
subtalar
und
talonaviculär
am
5.
Dezember 2012 bei inkompletter Konsolidation
-
Kapsel- und Gelenksmobilisation am 2
6.
Januar 2007
-
u
nter Methadon,
gastrooesophagealer
Reflux
Die Beschwerdeführerin berichte, dass die Triple-Therapie die Schmerzen nicht gelindert habe. Die Physiotherapie sei nun mit 36 Zyklen durchgeführt worden ohne Besserung. Aufgrund des fehlenden Ansprechens durch die Triple-Therapie werde eine glenohumerale Infiltration empfohlen.
Zusätzlich eine AC Infiltration bei Restbeschwerden dort während der Untersuchung
(S. 2)
.
4.
8
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.
5
), f
ührte mit Stellungnahme vom 19.
Juni 201
8 (Urk. 6/131/2-3) aus, aus dem Bericht der Uni
versitäts
klinik
D._
vom 1
7.
Mai 2018 werde deutlich, dass es sich um einen verzögerten Verlauf im Rahmen der Nachb
ehandlung der Operation vom 15.
November 2017 handle. Die Beweglich
keit sei gegenüber der Voruntersuchung vom 2
9.
Dezember 2017 (Bericht vom
3.
Januar 2018) bereits gebessert. Als weitere therapeutische Massnahme werde eine Infiltration empfohlen. Aus medizinischer Sicht sei eine Besserung wahr
scheinlich, die Schultersteife sei meist selbstlimitierend, wie es
s
ich auch im vor
liegenden Fall bereits abzeichne. Hinsichtlich der Schulter sei ein neuer dauer
hafter Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit somit nicht wahrscheinlich
(S. 1 f.)
.
Der berichtete Gewichtsverlust sei bisher ohne medizinische Erklärung geblieben: Die Koloskopie, die Gastroskopie, die CT-Untersuchungen des Thorax und des Abdomens hätten keine Erklärung liefern können (
Bericht des Spital
s
B._
vom 3.
Mai 2018).
Aus schmerz
t
herapeutischer Sicht sei ein Therapieversuch mit Can
nabinoiden geplant. Dies würde auch einen positiven Effekt auf den Appetit ha
ben können. Somit handle es sich um einen erheblichen Gewichtsverlust ohne (bisher) fassbare Ursache
(S. 2)
.
5.
5.1
Im Zeitpunkt der Rentenaufhebung (201
6
) war
en
die einzige
n
Diagnose
n
mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit
chronische Schulterbeschwerden der
adominanten
linken Seite und chronische Fussbeschwerden links (vorstehend E.
3.1).
Daraus folgte, dass
für die angestammte
Tätigkeit,
und
allgemein in mittelschwe
ren, schweren und nicht
adaptierten Arbeiten
, k
eine Arbeitsfähigkeit
mehr be
stand
. In körperlich leichten, überwiegend sitzenden, adaptierten Tätigkeiten
be
stand
hingegen eine 80%ige
Arbeits- und Leistungsfähigkeit, wobei das
Pensum
voll
schichtig umgesetzt werden
konnte
mit erhöhtem Pausenbedarf
(vorstehend E. 3.1).
5.2
Aus den
im Rahmen der Neuanmeldung vom 1
9.
Februar 2018 eingereichten me
dizinischen Beurteilungen
geht zwar hervor, dass die Beschwerdeführerin im No
vember 2017 an der rechten (dominanten) Schulter operiert wurde und in der Folge an
persistierende
n
Schmerzen
litt.
Zudem
berichtete
die Beschwerdeführe
rin
über einen
Gewichtsverlust
.
Auf eine zwischenzeitlich eingetretene Ver
schlimmerung des Gesundheitszustands, aus der
dauerhaft eine weitergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultier
en würde
, deutet indes keiner der zi
tierten Arztberichte hin.
So wurde für den berichteten Gewichtsverlust keine Erklärung gefunden.
Die Ko
loskopie, die Gastroskopie, die CT-Untersuchungen des Thorax und des Abdo
mens
zeigten keine sekundäre Ursache (vgl. vorstehend
E. 4.4,
E. 4.6).
Was die gemäss Beschwerdeschrift massiven Schulterbeschwerden rechts betrifft,
ist darauf hinzuweisen, dass
in Anbetracht der sich mit Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten subjektive Schmerzangaben der versicherten Person nicht für die Begründung einer Erwerbsunfähigkeit genügen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_94/2018 vom
2.
August 2018 E. 5.1.
1.
mit Hin
weisen). Zudem gibt es keine Hinweise darauf, dass die durchgeführte Schul
teroperation nicht
erfolgreich verlaufen wäre.
Dr.
C._
wies drei Monate nach der Schulteroperation darauf hin, dass die
eingeschränkte Beweglichkeit und die Schmerzen auf Vernarbungen im Operationsgebiet subacromial zurück
zuführen seien
(vorstehend E. 4.2)
.
Als weitere therapeutische Massnahme wurde im Mai 2018 eine glenohumerale Infiltration empfohlen (vorstehend E. 4.7).
Des Weiteren wurde
der
aus
den
Befunden
der oberen,
adominanten
Extremität und der unteren Extremitäten folgenden verminderten Belastbarkeit mit dem der Verfügung vom 2
1.
April 2016
zugrunde liegenden Anforderungsprofil angemes
sen Rechnung getrag
en.
B
ei der Beschwerdeführerin
bestand
in der angestamm
ten Tätigkeit, allgemein in mittelschweren, schweren und nicht adaptierten Ar
beiten bleibend keine Arbeitsfähigkeit. In körperlich leichten, überwiegend sit
zenden, adaptierten Tätigkeiten
bestand
hingegen eine 80%ige A
rbeits- und Leis
tungsfähigkeit (vorstehend E. 3.1
).
Eine
weitergehende Einschränkung des funk
tionellen Leistungsvermögens ist aufgrund der
neu
geltend gemachten
Schmer
zen an der rechten
Schulter
nicht
glaubhaft gemacht
.
5.
3
Zusammengefasst ist der Sachverhalt dahingehend erstellt, dass die der Be
schwerdegegnerin im Verfügungszeitpunkt vorliegenden ärztlichen Berichte nicht auf eine glaubhaft gemachte wesentliche Veränderung des Gesundheitszu
stands schliessen lassen und liessen. Demnach erweist sich das Nichteintreten auf die erneute Anmeldung als rechtens.
Die angefochtene Verfügung ist zu bestätigen und die dagegen erhobene Be
schwerde abzuweisen.
6
.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG) ist das Beschwerdeverfahren kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand festzulegen und vorliegend auf
Fr.
6
00.
--
anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwer
deführerin aufzuerlegen.