Decision ID: 73c57044-d525-4a24-9b8b-d783bccda951
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961, seit August 2003
Inhaberin des Einzelunter
nehmens Y._
(www.zefix.ch)
,
melde
te sich
am
3.
März 2018 wegen Herz- und Lungenbeschwerden bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zur Früherfassung (
Urk.
7/4)
. Am 1
4.
März 2018 fand bei der IV-Stelle ein Standortgespräch mit
der Ver
si
cherten statt (
Urk.
7/7
). Am
2
7.
März 2018 (Eingangsdatum)
meldete sich die Versicherte
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/
10).
Die IV-Stelle zog die Akten der
Krankentaggeldversicherung Allianz
Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
(nach
folgend: Allianz)
bei (
Urk.
7/18
und Urk.
7/39
)
und holte den Bericht des Spitals
Z._
vom 1
1.
Dezember 2018 (
Urk.
7/40) ein.
Am 1
5.
Februar 2
019 erstat
tete die IV-Stelle einen
Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende
(
Urk.
7/52).
In der Folge zog sie weitere Akten der Allianz (
Urk.
7/60
,
Urk.
7/67 und
Urk.
7/70
)
, insbesondere
die von der Allianz in Auftrag gegebenen Gutachten v
on
Dr.
med. A._
, FMH Kardiologie und Innere Medizi
n, vom 3
1.
Janu
ar 2019 (
Urk.
7/7
0/40-41), von
Dr.
med. B._
, FMH
Innere Medizin und Lungenkrankheiten, vo
m 1
7.
April 2019 (
Urk.
7/70/51-60
), der
Dres
. med. C._
, FMH Psychiatrie und Psycho
therapie, und D._
, FMH
Neurologie, vom 2
9.
Juli 2019 (
Urk.
7/70/25-39
) und von
Dr.
med. E._
, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation/Rheumatologie, von
der
F._
AG
(nachfolgend:
F._
)
vom 23
.
September 2019 (
Urk.
7/70/4-24
), bei.
Mit Vorbescheid vom 2
1.
Novem
ber 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten
die
Zusprache
einer vom
1.
Dezem
ber 2018 bis zum
3
1.
Dezember
2019
befristeten
ganzen R
ente
und
einer
unbe
fristeten
halben Rente
mit Wirkung ab dem
1.
Januar 2020
in Aussicht
(Urk
.
7/80). Dagegen erhob die Versicherte a
m 2
0.
Januar
2020 Einwand (Urk.
7
/89). Daraufhin zog die IV-Stelle weitere Akten der Allianz (Krankentag
geld- und Unf
allversicherung) bei (
Urk.
7/97 und
Urk.
7/100).
Hierzu liess sich die Versicherte am 3
0.
März 2020 vernehmen (
Urk.
7/108). In der Folge zog die IV-Stelle weitere Akten der Allianz bei (
Urk.
7/115 und
Urk.
7/118-119).
Wie angekündigt, sprach
sie
der Ver
sicherten mit Verfügung vom 30.
November 2020 vom
1.
Dezember 2018 bis zum 3
1.
Dezember 2019 bei einem ermittelten Inva
liditätsgrad von 100
%
eine ganze und ab dem
1.
Januar 2020 bei einem ermittel
ten Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Rente zu (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
9.
Januar 2021 Beschwerde mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
1.
Der Beschwerdeführerin seien in teilweiser Aufhebung der Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 3
0.
November 2020 die gesetzlichen Leistungen zu
erbringen und es sei ihr ab
1.
Dezember 201
8 eine unbefristete, ganze Invaliden-
rente
auszurichten.
2.
Eventualiter sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung und zur Einholung
eines polydisziplinären Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7.7
%
MwSt.) zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1.
März 2021 die Abweisung
der Beschwerde (
Urk.
6), was der
Beschwerdeführer
in
am 1
0.
März 2021 angezeigt wu
rde (
Urk.
8). Mit Eingabe vom 1
6.
März 2021 (
Urk.
9) reichte die
Beschwerdeführer
in
das ärztliche Zeugnis von
KD
Dr.
med. G._
, Leitender Arzt Kardiologie
des Spitals
Z._
, vom 2
5.
Februar 2021
(
Urk.
10)
ein
. Dies wurde der Beschwerdegegnerin am 2
4.
März 2021 zur Kenntnis ge
bracht (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass
der
Beschwerdeführer
in
ausweislich der Akten
mit der
angefochtenen Verfügung
ein
andere
r
Begründung
steil
zugestellt wurde
(
Urk.
2), als sich bei den Akten der Beschwerdegegnerin befindet (
Urk.
7/124/1-2).
In der Begründung
der Verfügung, welche der
Beschwerdeführer
in
zugestellt wurde
, fehlen die
Erwägungen zu der
en E
inwand vom 2
0.
Januar 2020
(U
rk.
7/89
). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, welche ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde
in der Sache selbst zu einer Aufhebung der angefochtenen Verfü
gung führen würde (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1),
ist indes unbestrittenermassen zu verneinen. Dies desh
alb, weil der
Beschwerdeführer
in
innert der laufenden
Be
schwerdeschrift sämtliche Verfahrensakten inkl. der vollständigen Verfü
gungs
beg
ründung zugestellt wurden und es ihr noch möglich war,
in der Be
schwerde dazu Stellung
zu nehmen
(vgl.
Urk.
1,
Urk.
7/129 und
Urk.
7/132-134).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
2.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
siche
rung (IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rung
s
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbseinkommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
2.2.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mens
vergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grund
sätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annä
he
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungs
werten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalidenein
kommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich;
Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bun
desgerichts
9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil
8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
2.2.3
Angesichts der in
Art.
25
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
vorgesehenen Gleichstellung der invalidenversicherungsrechtlich massge
benden hypothetischen Vergleichseinkommen mit den AHV-rechtlich beitrags
pflichtigen Erwerbseinkommen kann das
Valideneinkommen
von
Selbständiger
werbenden
zumeist auf Grund der Einträge im Individuellen Konto (IK) bestimmt werden. Weist das bis zum Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnitts
ver
dienst abzustellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_529/2017 vom 2
2.
November 2017 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.2.4
Nach der Rechtsprechung kann die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbs
tätigkeit als zumutbar erscheinen, wenn davon eine bessere erwerbliche Ver
wer
tung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
2.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2
.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d;
Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
11
zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE
131
V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.5
Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem
Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Mon
ate
gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird
(
Art.
88a Abs.
1 IVV).
Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(
Art.
88a
Abs.
2 IVV).
2.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
die Beschwerdeführerin vom 2
3.
Dezember 2017 (Beginn der einjährigen Wartezeit)
bis zum 2
3.
September 2019 weder die frühere Tätigkeit als Geschäftsführerin noch
eine angepasste Tätigkeit habe ausüben können.
Nach Ablauf des Wartejahres habe der
Invaliditätsgrad
daher
100
%
betragen
. Seit
dem 24.
September 2019 sei der Beschwerdeführerin eine leichte wech
selbelastende Tätigkeit mit
redu
zierter Leistungsfähigkeit un
d vermehrtem Pausenbedarf
wieder
zu 50
%
zumut
bar. Dieses Belastungsprofil entspreche der bisherigen Tätigkeit. Es entstehe eine Erwerbseinbusse, die z
u einem Invaliditätsgrad von 50
% führe (
Urk.
2).
3
.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend,
dass die
Krankentag
geld
versicherung
Allianz zwar Gutachten verschiedener Disziplinen eingeholt habe.
Eine gesamtheitliche Beurteilung der Beschwerden und deren Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit sei
aber nie
erfolgt.
Dies wäre jedoch er
forderlich gewesen, da
Dr.
A._
,
Dr.
B._
,
Dr.
C._
und Dr.
D._
deutliche Einschränkungen der Leistungsfähigkeit beschrieben und jeweils festgehalten hätten, dass zur Bestimm
ung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin noch weitere medizinische Faktoren zu berücksichtigen seien.
Die Beurteilung v
on
Dr.
E._
, auf welche sich die Beschwerdegegnerin stütze, basiere ausschliess
lich
auf den Ergebnissen einer
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL). Eine allfällige neuropsychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit sei von
Dr.
E._
nicht in die Beurteilung miteinbezogen worden.
Im Weiteren seien auch die neu aufgetretene Schilddrüsenüberfunktion und deren Auswirkungen
auf die Leistungsfähigkeit und
die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit bis Mitte Mai 2020 unberücksichtigt geblieben. Es liege daher in mehrfacher Hinsicht eine Verletzung de
s Untersuchung
sgrundsatzes vor (
Urk.
1
Rz
. 22 ff.
).
4.
4.1
Dr.
A._
diagnostizierte im Gutachten vom 3
1.
Januar 2019 zuhanden des
F._
(1) einen hochgradigen Verdacht auf eine
Sarkoidose
mit Befall des Myo
kards (Erstdiagnose Januar 2018) und (2) einen Statu
s nach Basalzellkarzinom 2013, R
ezidiv 2015, Status nach lokaler Immuntherapie mit
Aldara
. Er erklärte, dass bei der Beschwerdeführerin
aus kardiologischer Sicht
ein erfreulicher Ver
lauf dokumentiert werden könne. Unter der Therapie mit Steroiden (initial 75 mg,
aktuell 5 mg pro Tag),
Resynchronisations
-Therapie (ICD/CRT Implantation Januar
2018) und
ausgebauter Herzinsuffizienz-Therapie habe echokardiographisch eine Verbesserung der linksventrikulären systolischen Funktion erreicht werden können (initial schwer eingeschränkte EF um 35
%
, aktuell nur noch leicht einge
schränkt: EF
biplan
53
%
). Die nicht anhaltenden Kammertachykardien könnten unter
Amiodaron
nicht mehr nachgewiesen werden. Die
chronotrope
Kompetenz sei auch ohne Sensorprogrammierung adäquat. Trotz dieser objektiven Befunde berichte die Beschwerdeführerin über eine persistierende allgemeine Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ausgeprägte Le
istungsschwäche, was ergometrisch
auch objektiviert werden könne (64 Watt = 50
%
Soll). Die eingeschränkt
e Leistungs
fähigkeit sei
teilweise
auch
durch eine progrediente
Dekonditionierung
zu erklä
ren
.
Zudem bestehe m
öglicherweise auch eine pulmonale Komponente im Rah
men der Grunderkrankung (Diffusionsstörung: differentialdiagnostisch
[DD]
Sarkoi
dose
und
DD
Amiodaron
-NW). Aus
rein kardiologischer Sicht wären
der Be
schwer
deführerin
leichte wechselbelastende
Tätigkeiten zumutbar. Im Rahmen der Gesamtsituation sei dies aktuell jedoch kaum realistisch. Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei auch eine
pneumologische
Standortbestimmung n
otwendig
(
Urk.
7/70/40-41).
4.2
Dem Abklärungsbericht
über
Selbständigerwerbende
vom 1
5.
Febr
uar 2019 ist zu entnehmen, dass
es der Beschwerdeführerin nach
dem Rückfall im Jahr 2015 (Basa
lzellkarzinom) gesundheitlich zunehmend schlechter gegangen sei.
Im Jahr 2016 habe sie
die Räumlichkeiten, das Lager und die eige
ne Produktelinie
der im Bereich
des
Waffenhandel
s
tätigen Firma
Y._
, die sie im Jahr 2003 übernommen habe,
verkauft
. Den Firmennamen habe sie behalten. L
ängerfristig habe
sich
die Beschwerdeführerin
mit der Treuhandfirma H._
ein neues Standbein aufbauen wollen. In der eigenen Wohnung habe sie sich ein
grosses Büro eingerichtet.
Das
Treuhandbüro
habe sie
aber nicht aufbauen können
,
da sie nicht in der Lage sei, Kunden zu akquirieren und die entsprechenden Arbeiten auszuführen. Sie
könne keine Kundschaft
besuchen, weil
sie nicht in der L
age
sei, selber Auto zu fahren, Aktenordner zu transportieren oder sich über längere Zeit z
u konzentrieren. Für die Firma
Y._
habe die Beschwerde
führerin in der
Schweiz mit dem Shop den grössten Aufwand betrieben (60
%
). Die restliche Zeit habe sie für
die
Buchhaltung/Geschäftsführung (20
%
) und Reisen ins Ausland (20
%
) aufgewendet. Für alle Bereiche liege keine Arbeits
fähigkeit mehr vor (
Urk.
7/52/6-9).
4.3
Dr.
B._
erklärte im ans
F._
gerichteten
pneumologischen
Gutachten
vom 1
7.
April 2019, dass objektiv
eine andauernd mittelschwer eingeschränkte kör
perliche Belastbarkeit
bestehe
. Diese sei durch die eingeschränkte kardiale Re
ser
ve
bei Übergewicht und
Dekonditionierung
zu erklären
. Eine pulmonale Leistungs
be
grenzung könne nicht nachgewiesen werden. Die Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten beruflichen Tätigkeit als Kauffrau sei aus pulmonaler Sicht n
icht ein
geschränkt (
Urk.
7/70/54
).
4.4
Dr.
C._
und
Dr.
D._
stellten im Gutachten vom 2
9.
Juli 2019
zuhanden des
F._
neuropsychologisch-leistungspsychologisch (testdiagnostisch) mittel
schwere neurokognitive Funktionsdefizite mit Berufsrelevanz, assoziiert an die komplexe kardiale Situation und die
Sarkoidose
(DD zusätzlich pulmonal, DD auto
immun vermittelte Müdigkeit, DD vaskulär)
fest. Klinisch-deskriptiv sei im Rahmen der aktuellen Momentaufnahme eine subaffektive Phänomenologie ge
geben. Objek
tiv würden keine Hinweise
für Angststörungen bzw. Störungen der Handlungsenergie bei unauffälligen objektiven AMDP-Modalitäten vorliegen.
Aus psychiatrisch-psychotherapeu
tischer und neuropsychologisch-leistungspsy
chologischer
Sicht sei die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsführerin sowie für jede b
ildungsadäquate Tätigkeit zu 50
% arbeitsun
fähig (
Urk.
7/70/34).
4
.5
Dr.
E._
führte im an die Allianz gerichteten Gutachten
(Funktionsorientierte Medizinische Abklärung, FOMA)
vom 2
3.
September 2019
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
an
(
Urk.
7/70/5):
chronische multifaktorielle, teilweise organisch bedingte Müdigkeit und Leistungs
min
derung
-
Status nach akuter Dekompensation mit linksventrikulärer Herzinsuffizienz im
Rahmen einer
Sarkoidose
und eines AV-Blocks Typ II Januar 2018, hochgradiger
Verdacht
cytologisch
auf eine
Sarkoidose
Februar 2018
-
Implantation eines ICD-CR
T
und Status nach hochdosierter Steroidbehandlungen
-
positive Familienanamnese für kardiovaskuläre Ereignisse
-
aktuell leicht reduzierte
linksve
n
trikuläre Funktion bei medikamentös eingestellter
Linksherzinsuffiz
i
enz, aktuell ohne Hinweise auf pulmonale Beteiligung
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
E._
(
Urk.
7/70/5):
(1)
Status nach Basalzellkarzinom 2013 mit Rezidiv 2015
-
Status nach
Cor
Immuntherapie
(2)
Status nach
Spondylodese
Lendenwirbelkörper (LWK) 3/4 ca. 2008
-
ohne sensomotorische Ausfälle
-
Wirbelsäulenfehlform
(3)
Adipositas
Dr.
E._
erklärte, dass
aus somatischer Sicht
in der angestammten Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe.
Im
Weiteren sei
en
auch
andere
leichte wechselbelastende
Tätigkeit
en
zu 50
%
zumutbar. Unter Durchführung eines kardiovaskulären Aufbautrainings sei mit einer langsamen Verbesserung der Leistungsfähigkeit zu rechnen. Bei aktuell kompensierter kardialer Situation erscheine das Erreichen einer 75%igen Arbeitsfähigkeit nach sechs
Mo
naten realistisch (
Urk.
7/70/6-8
).
4
.6
Am 7. Oktober 2019 nahm
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Chirurgie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine Würdigung der medizinischen Akten vor. Gestützt auf die von ihm als nachvollziehbar und schlüssig erachteten Be
richte attestierte er der Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Waffenhändlerin und Treuhänderin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 23. Dezember 2017 bis zum 23. September 2019 sowie eine Arbeitsun
fähig
keit von 50 % ab 24. September 201
9.
Zu den funktionellen Einschränkungen
in Bezug auf die bisherige Tätigkeit hielt er fest, die Beschwerdeführerin sei rasch erschöpfbar und habe deutliche Konzentrationsstörungen. Für eine angepasste Tätigkeit (leichte wechselbelastende Tätigkeit mit noch reduzierter Leistungs
fähigkeit und vermehrtem Pausenbedarf) würden die gleichen Arbeitsunfähig
keiten gelten wie in der angestammten Tätigkeit (Urk. 7/78/8).
4.7
Dr.
G._
vom Spital
Z._
führte im an die damalige
Rechtsvertreter
in
der Beschwerdeführerin
gerichteten Bericht vo
m 2
1.
Oktober 2019 aus, dass er
mit dem Entscheid der Allianz, welcher der Beschwerdeführerin ab dem
1.
Oktober 2019 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiere, nicht einverstanden
sei
.
Es sei
nach wie vor von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, mit einer lediglich möglichen Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 10
%
bis maximal 20
%
ab dem
1.
Januar 202
0.
Aktuell sei die Beschwerdeführerin trotz verbesserter Linksherz
funk
tion immer noch deutlich leistungsintolerant, habe Schwierigkeit
en
sich zu konzentrieren und ermüde sehr rasch. Dies bei relevant eingeschränkter Schlaf
qualität.
Die oft therapie
re
fraktäre, generalisierte Müdigkeit und Leistungsinto
leranz sei
en
ein typisches Krankheitszeichen einer
S
arkoidose
, vor allem bei Vorliegen eines extrapulmonalen Befalls. Die
Sarkoidose
-assoziierte Müdigkeit
könne zu einer starken Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit führen. Mögli
cherweise spiele bei der eingeschränkten körperlichen Leistungsfähigkeit neben dem
Fatigue
-Syndrom auch die Gewi
chtszunahme (Folge der Kortison-T
herapie)
eine Rolle
. Die durchgeführte EFL könne – wie
Dr.
E._
darlege – ein
e
Fatigue
-Situation und
eine reduzierte Leistungsfähigkeit nur bedingt abbilden
(
Urk.
7/
75).
4.
8
Im ärztlichen Zeugnis vom 1
9.
März 2020 gab
Dr.
G._
vom Spital
Z._
an, dass die Beschwerdeführerin aufgrund eines Unfalls mit Fussfraktur links, den sie sich am
9.
Januar 2020 zugezogen habe, bis zum 1
8.
Mai 2020 zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
7/106
/1
)
.
4.
9
Dr.
me
d. J._
, Leitender Arzt des Spita
ls
Z._
, stellte im an Dr.
med. K._
gerichteten Bericht vom 1
8.
Mai 2020 – nebst den bereits
ge
nannten
–
folgende Diagnosen (
Urk.
7/115/4):
(
1)
Lisfranc
-Verletzung Fuss links am 1
0.
Januar 2020
-
Frakturen Os
metatarsale
I, II, III, IV
-
konservative Therapie
(2)
primäre Hyp
er
thyreose
(Erstdiagnose März 2020)
-
DD
silent
-Thyreoiditis, TRAK-positiver Morbus Basedow, Autonomie
-
Amiodaron
-assoziiert (sistiert April 2019)
-
TR
AK
negativ
-
keine eindeutige
endokrine
Orbitopathie
Dr.
J._
erklärte, dass sich gut fünf Monate posttraumatisch nach Zuzug der genannten Verletzung und konservativer Therapie ein insgesamt erfreuliches Re
sul
tat zeige. Die Beschwerdeführerin sei beschwerdearm und
habe
ihre Selb
stän
digkeit und Mobilität wie vor dem Unfall wieder erreicht. Entspreche
nd werde die Behandlung
diesbezüglich abgeschlossen (
Urk.
7/115/5).
4.
10
Dr.
med. L._
, Leitende Ärztin Endokrinologie/Diabetologie
des Spitals
Z._
, gab im ärztlichen Zeugnis vom 1
9.
Mai 2020 an, dass die Be
schwerdeführerin ab dem 2
9.
April 2020 bis auf Weiteres zu 100
%
arbeits
un
fähig sei (
Urk.
7/113/3).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom
30.
November 2020
(Urk. 2) in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das
F._
-
Gutachten von
Dr.
E._
vom 2
3.
September 2019
(Urk. 7/70/
4-24
)
und
die Stellungnahmen
des RAD-Arztes Dr.
I._
(Urk. 7/78, Urk. 7/123)
.
5.2
Dem
Gutachten
von
Dr.
E._
lagen seine
eigenen
fachärztlich
e
n
Untersu
chungen
(Physikalische Medizin und
Rehabilitation/
Rheumatologie
) sowie
die kardiologischen und
pneumatologischen
Untersuchungen von
Dr.
A._
vom
3
1.
Januar 2019 (
Urk.
7/70/40-41
) respektive
von
Dr.
B._
vo
m 1
7.
April 2
019 (
Urk.
7/70/51-60
) zugrunde.
Dr.
E._
erhob detaillierte Befunde, be
rück
sichtigte die geklagten Beschwerden und setzte sich mit diesen
auseinander. Zudem legte
er die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend
dar.
Das genannte Gutachten erfüllt demnach grundsätzlich die rechtspre
chungs
gemässen Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungsgrund
lage (vgl. E.
2.6
).
5.3
Dr.
E._
erklärte
in seinem Gutachten
,
dass sich
bezüglich der im Januar 2018 festgestellten
dilatativen
Kardiomyopathie mit starker linksventrikulärer
Herzinsuffizienz
anlässlich der Standortbestimmung bei
Dr.
A._
eine erfreu
liche Entwicklung mit
nur
noch leichter linksventrikulärer Insuffizienz unter Sc
hrittmacher, ausgebauter Insuffizienz-B
ehandlung und niedrigdosiertem Corti
son
gezeigt
habe
. Aus kardiologischer Sicht
wäre eine leichte wechselbelaste
nde Tätigkeit grundsätzlich zumutbar gewe
sen. Die durch Dr.
A._
angeregte
pneu
mologische
Standortbestimmung sei
im April 2019
erfolgt
und habe
im Rahmen der
Sarkoidose
keine
aktive Lungenbeteiligung
mehr
ergeben
,
sondern eine insgesamt
reduzierte kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit aufgrund d
er kar
dialen Situation und eines
Trainingsmangel
s
bei Bewegungsarmut
.
Im Rahme
n der Standortbestimmung beim
F._
habe die Beschwerdeführerin
bei einer guten Leistungsbereit
schaft und konsistenten Resultaten eine Belastbarkeit im l
eichten bis selten knapp mittel
schweren Bereich
gezeigt. Eine
all
gemeine
Dekondi
tio
nierung
und eingeschränkte kardio
vaskuläre Res
sourcen könnten bestätigt wer
de
n. Die
Fatigue
-
Problematik
sei multifaktoriell
zu erklären
. Eine solche sei
bei oder auch nach chronischen Systemkrankheiten, w
ie dies die
Sarkoidose
dar
stelle
, ni
cht ungewöhnlich. Die
Fatigue
sei
gemäss der
Beschwerdeführerin
bereits im Zusammenhang mit dem
Basaliom
und der lo
kalen Immuntherapie aufge
treten.
Die Resultate der neuropsychiat
rischen Untersuchung
seien dem
F._
leider trotz Nachfrage nicht zur Verfügung
gestanden.
Es sei allerdings
nicht davon aus
zu
gehen
, dass
aus rein psychiatrischer
oder neurokognitiver Sicht rele
vante Einschränkungen
bestünden.
Es dürfte letztlich wie
typischerweise b
ei
solchen Störungsbildern auf
das
«
Gesamtpaket
»
ankommen. Aus rein somatischer Sicht
(rheumatologisch-orthopädisch, kardiologisch und neurologisch)
sei davon auszugehen
, dass die angestammte Tätigkeit,
die
körperlich einer
wechsel
be
lastenden Tätigkeit entspreche
, medizinisch-theore
tisch zu
50
%
zumutbar
sei
(
Urk.
7/70/5-6
).
5.4
Diese Beurteilung von
Dr.
E._
ist angesichts der genannten Befunde und
der dazugehörigen Erläuterungen einleuchtend und
plausibel.
Entgegen dem Vor
bringen der Beschwerdeführerin
(vgl. E.
3.2) basierte die Beurteilun
g von Dr.
E._
nicht ausschliesslich
auf den Ergebnissen der
EFL, sondern
auch
auf
einer
klinischen Untersuchung
und einem strukturierten Interview
(Urk.
7/70/4-14
).
Dr.
I._
vom
RAD
legte
in der Stellungnahme vom
5.
November 2019
sodann
in nachvollziehbarer Weise
dar
, dass
Dr.
G._
i
m Bericht vom 21.
Okto
ber 2019 keine neuen medizinischen Fakten erwähne, die auf eine Verschlech
terung des Gesundheitszustands hinweisen würden (
Urk.
7/78/9).
5.5
Die von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
in ihrem Gutachten vom 2
9.
Juli 2019 (
Urk.
7/70/25-39) aus psychiatrisch-psychopathologischer und neuropsycholo
gisch-leistungspsychologischer Sicht attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit hat
Dr.
I._
in seiner Gesamtbeurtei
lung berücksichtigt (vgl. E. 4.
6).
Dr.
C._
und
Dr.
D._
stellten keine psychische Störung
(gestützt auf ein anerkanntes Klassifikationssystem)
fest, die Beschwerdeführerin steht auch nicht in psychia
trischer Behandlung und
gab im Rahmen der Untersuchung
bei
Dr.
C._
und
Dr.
D._
insbesondere an, dass sie nicht unter einer Depressivität leide (
Urk.
7/70/29 und
Urk.
7/70/31).
Die Einschätzung
, wonach
für die angestammte
Tätigkeit aus
psychiatrisch-psychopathologischer und neuropsychologisch
-
leis
tungs
psychologischer S
icht eine 50%ige Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
be
stehe
,
begründeten
Dr.
C._
und
Dr.
D._
in erster Linie
mit
der - unter Berücksichtigung eines prämorbid hohen Leistungsprofils -
mittelschwer ver
minderten kognitiven Belastbarkeit
der Beschwerdeführerin
.
Dass RAD-Arzt Dr.
I._
die Einschränkungen aus neuropsychologisch-leistungspsychologi
scher und aus somatischer Sicht
nicht kumulativ angerechnet hat,
ist
ohne Wei
teres nachvollziehbar
und schlüssig
.
5.6
Was den Verlauf der
Arbeitsfähigkeit nach der Begutachtung bei
Dr.
E._
im September 2019 betrifft,
wies RAD-Arzt Dr.
I._
in der Stellungnahme vom
1.
September 2020 darauf hin, dass
der Unfall, den die Beschwerdeführerin Anfang Januar 2020 erlitten habe, nur zu einer vorübergehenden vollen Arbeits
unfähigkeit in jeglicher Tätigkeit geführt habe. G
emäss dem Bericht des behan
delnden
Orthopäden
Dr.
J._
vom 18.
Mai 2020
sei
der Status quo sine (be
züglich des linken Fusses
) zwischenzeitlich erreicht.
Die weiteren, im Rahmen des
Einwandes ein
gegangen Arztberichte würden aus kardiologischer Sicht
eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit postulieren, ohne dies zu objektivieren oder plau
si
bel zu belegen. Eine Verschlechterung der kardiologischen Situation werde nicht beschrieben
(Urk.
7/123/6).
Diese Beurteilung von RAD-Arzt
Dr.
I._
ist bezüglich des Gesundheits
zu
stands aus kardiologischer Sicht nachvollziehbar. Dies vor dem Hintergrund, dass
Dr.
G._
in den ärztlichen
Zeugnissen vom 1
8.
Mai und 10.
August 2020 (
Urk.
7/113/1 und
Urk.
7/121/1)
– und im Übrigen auch im Zeugnis vom 2
5.
Februar 2021 (
Urk.
10) -
jeweils nicht begründete, weshalb die Arbeitsun
fähig
keit der Beschwerdeführerin
bis
a
uf Weiteres 100
%
betragen soll
.
Aus d
em Umstand, dass die Allianz
Unfallversicherung – and
ers als die Allianz
Kranken
taggeldversicherung – über den Ze
itpunkt der Begutachtung bei Dr.
E._
hinaus
von einer krankheitsbedingten 90%igen Arbeitsunfähigkeit ausging (
Urk.
7/118/6
; vgl. auch
Urk.
1
Rz
. 21), kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Bei der von
Dr.
J._
im Bericht vom 18.
Mai 2020
genannten Hy
p
er
thyr
e
ose
(vgl. E. 4.
9
)
handelt es sich ferner
um eine grund
sätz
lich behandelbare Krankheit
(vgl
.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hypo
thyre
ose
), welche keine
längerandauernde
n
erhebliche
n
Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit
zeitigt.
Die Fraktur am linken Fuss, aufgrund dere
r die Beschwerde
führerin vom
9.
Januar
bis zum 1
8.
Mai 2020 zu 100
%
arbeitsunfäh
ig war
(vgl. E. 4.8
f.
)
, beschlug allerdings
einen Zeitraum von knapp vier
einhalb Monaten.
Hierbei handelt es sich somit
– entgegen den Darlegungen von RAD-Arzt
Dr.
I._
– um eine rentenrelevante
Verschlechterung des G
esundheitszustands (vgl.
Art.
88a
Abs.
2 IVV).
5.7
Demgemäss kann davon ausgegangen werden, dass di
e Beschwerdeführerin
vom 2
3.
Dezember 2017
(vgl.
Urk.
7
/78/10)
bis zum 2
3.
September 2019 (Datum d
er
Gutachtens
erstellung durch
Dr.
E._
) in sämtlichen Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig war. Vom 2
4.
September 2019 bis zum
8.
Januar 2020 war sie in der bisherigen Tätigkeit als Geschäftsführerin/Treuhände
rin zu 50
%
arbeits
un
fähig. Ab dem
9.
Januar 2020 (Datum der Fraktur des linken Fuss
es
)
folgte erneut eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in
sämtlichen Tätigkeiten und seit dem 1
9.
Mai 2020
(Abschluss der Behandlung
bezüglich Fussfraktur, vgl. E. 4.
8
-
9
)
ist die Beschwerdeführerin
in der bisherigen Tätigkeit
wieder zu 50
%
arbeits
un
fähig.
Von weiteren medizinischen Abklärungen sind keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG) liegt nicht vor.
6.
6.1
Nachdem das am
2
3.
Dezember 2017
zu eröffnende Wartejahr am
2
2.
Dezember 2018
abgelaufen
war, bestand bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämt
lichen Tätigkeiten eine Erwerbsunfähigkeit von 100 % und damit ein Invalidi
tätsgrad
von 100 % (vgl. E. 2.2-3
). Demnach hat die Beschwerdeführerin, die sich mehr als sechs Monate vorher (am
2
7.
März 2018,
Urk.
7/10
) zum Leistungsbezug angemeldet hatte (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG), ab dem
1.
Dezember 2018
Anspruch auf eine ganze Rente.
6.2
Die Beschwerdegegnerin hat angesichts
einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50 % in der bisherigen Tätigkeit als Geschäft
sführerin/Treuhänderin ab dem 2
4.
September 2019
die
Bemessung des Invaliditätsgrades
aufgrund eines
Pro
zentvergleich
s
vorgenommen
und
ein
en
Invaliditätsgrad von 50
%
ermittelt
.
Für die Zeit ab dem
1.
Januar 2020 (
Verbesserung
des Gesundheitszustands
ab de
m 2
3.
September 2019 zuzüglich drei
Monate gemäss
Art.
88a
Abs.
1 IVV) besteh
e
daher ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
(vgl. Urk. 2, Urk. 7/78/10, Urk. 7/77/2)
.
Die Beschwerdegegnerin hat
somit
nicht geprüft, ob
der Beschwer
de
führerin die
Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstätigkeit zumutbar wäre, welche ihr trotz Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen einbringen könnte
, was bei einem
Valideneinkommen
von lediglich Fr. 9'333.-- (vgl. Urk. 7/52/9, Urk. 77/1) sehr wahrscheinlich erscheint
.
Angesichts
des fortgeschrittenen Alters der Beschwerdeführerin sowie der
Praxis
,
wonach
diesfalls
die
Eingliederungs
frage
zu prüfen gewesen
wäre
(vgl.
BGE 145 V 209 E. 5.4
), ist dies vorliegend nicht zu beanstanden.
6.3
Bei einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten
ab dem 9
.
Janu
ar 2020 bestand
erneut
eine Erwerbsunfähigkeit von 100 % und damit ein Inva
lidi
tätsgrad
von 100 %. Demzufolge
hat die Beschwerdeführerin
ab dem 1.
April 2020
(Zeitpunkt der
Verschlechterung
des Gesundheitszustands
zuzüglich drei Monate gemäss
Art.
88a
Abs.
2 IVV)
Anspruch auf eine ganze Rente, welche per
1.
September 2020 auf eine halbe Rente zu reduzieren
ist (
Verbesserung des Gesundheitszustands am 1
9.
Mai 2020 zuzüglich drei Monate g
emäss
Art.
88a
Abs.
1 IVV).
7.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung
deshalb dahingehend abzuändern, dass die Beschwerdeführerin
(auch)
vom
1.
April bis zum 3
1.
August 2020 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
8.
8.1
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), sind auf Fr. 600.
--
anzu
setzen. Ausgangsgemäss sind sie zu zwei Dritteln (Fr. 400.--) der Beschwerde
führerin und zu einem Drittel (Fr. 200.--) der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
füh
rerin eine reduzierte Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
700.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen ist.
Das Gericht
erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
3
0.
November 2020 dahinge
hend abgeändert,
dass die Beschwerdeführerin
(auch) vom
1.
April bis zum 31.
August 2020
Anspruch auf eine ganze Rente hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr. 600.-- werden der Beschwerdeführerin zu zwei
Dritteln
(Fr. 400.--) und der Beschwerdegegnerin zu einem Drittel (Fr. 200.--) auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden den Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine Pro
zessent
schädigung von Fr. 700.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Michael Grimmer
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.