Decision ID: f0cd3b6d-9676-5f3e-822e-55a5b4288102
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden suchten am (...) in der Schweiz um Asyl
nach. Am 29. Dezember 2015 fanden die Befragungen zur Person (BzP)
statt. Am 7. September 2017 wurden sie vom SEM zu ihren Asylgründen
angehört.
A.b Der aus der Stadt C._ (Provinz D._) stammende und in
der Stadt E._ aufgewachsene Beschwerdeführer führte zur Begrün-
dung seines Asylgesuches an, er habe nach seinem Schulabschluss am
Flughafen von E._ die Ausbildung zum (Nennung Beruf) begonnen.
Für den Erhalt einer Lizenz habe er den Militärdienst absolvieren müssen.
Am (...) habe er in F._ geheiratet. Sieben Tage nach der Hochzeit
sei er zum Dienst zurückgekehrt. Er habe sich beim Ettelaat-Büro des Flug-
hafens melden müssen, wo G._ eine Leibesvisitation vorgenom-
men und ihn aufgefordert habe, alles aufzuschreiben, was er in (Nennung
Zeitraum) gemacht habe. G._ habe ihm vorgeworfen, in Kontakt mit
einer Person (...) zu stehen und (Nennung Vorwurf) zu haben. Er habe ge-
antwortet, dass er lediglich mit einem Kollegen, den er in der Ausbildung
kennengelernt habe und jetzt in H._ lebe, über das Internet gechat-
tet habe. Er habe die Adresse seines Freundes und dessen Tätigkeit (...)
angeben müssen. Auch sei er gefragt worden, zu welcher Gruppe sein
Freund gehöre, wer der Chef und was der Zweck dieser Gruppierung sei.
G._ habe ihm mitgeteilt, dass eine Untersuchung gegen ihn einge-
leitet werde. Er sei gefesselt, mit verbundenen Augen abgeführt und in der
Folge während (Nennung Dauer) in einer Einzelzelle festgehalten worden.
Während der Haft sei er zwei Mal verhört und dazu in ein anderes Zimmer
gebracht worden. Sie hätten ihm die gleichen Fragen wie G._ ge-
stellt und er habe dieselben Antworten gegeben, wie er dies bei G._
getan habe. Man habe ihn aufgefordert, ein Geständnis abzulegen und
nochmals alles aufzuschreiben. Sie hätten ihn auch geohrfeigt und er-
mahnt, jetzt die Wahrheit zu sagen, ansonsten alles noch schlimmer
werde. G._ und die übrigen Personen seien der festen Überzeu-
gung gewesen, dass er seinen Freund über (...) informiert habe. Am (...)
sei er zum Gericht gebracht worden. Sein (Nennung Verwandter) habe mit
der Hilfe eines Freundes, der bei den Ordnungskräften arbeite, einen An-
walt organisiert, der dann zusammen mit seinem (Nennung Verwandter)
ebenfalls im Gerichtssaal anwesend gewesen sei. Gegen die Hinterlegung
eines Pfandes hätten sie einen (...) Hafturlaub erwirken können. Sein (Nen-
nung Verwandter) habe ihn danach nach Hause mitgenommen, wo er am
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folgenden Tag an der Trauerfeier seiner verstorbenen (Nennung Ver-
wandte) teilgenommen habe. Danach habe er seine Frau bei deren (Nen-
nung Verwandte) in F._ besucht. Zwei Tage später habe er
E._ verlassen und sich während (Nennung Dauer) in einem (Nen-
nung Gebäude) in der Stadt I._ versteckt. Seine Frau und sein
(Nennung Verwandter) hätten ihn dann dort abgeholt und ins Grenzgebiet
zur Türkei gebracht, von wo aus er zusammen mit seiner Frau das Land
verlassen habe.
Ferner habe er sich in der Schweiz einer Gruppe namens J._ an-
geschlossen; diese proklamiere die Freiheit Irans, die Freilassung aller po-
litischen Gefangenen, die Gleichheit von Mann und Frau und den Schutz
der Kinder vor Kinderarbeit. Er habe einmal monatlich an deren Sitzungen
sowie an deren Kampagnen und vier oder fünf Mal an Demonstrationen
mitgemacht. Die Gruppe sei jedoch seit einigen Monaten aus ihm unbe-
kannten Gründen auseinandergebrochen. Zudem sei er auch mit seinem
Namen und seinem Bild auf (Nennung Nachrichten-Medium) aktiv und
habe einige Male einen Weblog über die Freiheit geschrieben, der zweimal
gefiltert worden sei. Auch schreibe er zuweilen kurze Artikel über aktuelle
Themen und teile interessante Artikel. Er habe jedoch keine politischen
Ambitionen. Er könne zudem wegen dem Tod seiner beiden (Nennung Ver-
wandte) nicht in den Iran zurückkehren. Es sei nicht bekannt, weshalb
diese getötet worden seien.
A.c Die aus der Stadt F._ (Provinz D._) stammende Be-
schwerdeführerin führte an, sie sei Schülerin und (Nennung Beruf) gewe-
sen und habe (Nennung Sportarten) gemacht. Ihre (Nennung Verwandte)
habe sie trainiert. Sie habe zudem auch Sportunterricht erteilt. Im (...) sei
sie einer Einladung der (Nennung Organisation) gefolgt, im K._ an
einem Wettkampf teilzunehmen. Sie habe dabei auch die Möglichkeit ge-
nutzt, an den freien Tagen mit einer Gruppe die Sehenswürdigkeiten des
Landes zu besichtigen. Beim Besuch eines touristischen Ortes habe sie
ihren Schal nicht um den Kopf gehüllt, sondern auf den Schultern getragen.
Sie habe ein, zwei Bilder machen lassen, auf welchen sie ohne Kopftuch
zu sehen gewesen sei. Sie habe diese Bilder in der Folge auf WhatsApp
geladen. Eine Aufpasserin habe sie in aggressiver Weise darauf hingewie-
sen, ihr Kopftuch zu tragen. Einige Tage später sei sie in einer gemischten
Gruppe auf einen Bootsausflug gegangen, wobei die Aufpasserin und der
Chef des (Nennung Team) dabei gewesen seien. Als sie auf das Schiff
habe steigen wollen, sei ihr Schal aufgrund eines Windstosses hinunter
respektive ins Wasser gefallen. Nach ihrer Rückkehr sei sie zum (Nennung
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Komitee) bestellt worden und habe sich erklären müssen, weshalb sie ihr
Kopftuch nicht getragen und das Ansehen des Iran aufs Spiel gesetzt habe.
Es seien ihr vor ihrer Reise die Kleidervorschriften in der Öffentlichkeit er-
klärt worden. Wegen ihres Fehlverhaltens sei ihr verboten worden, weiter-
hin an (...) Wettkämpfen teilzunehmen. Auch habe sie ein Bestätigungs-
schreiben unterschreiben müssen, ansonsten ihre (Nennung Verwandte)
ebenfalls aus dem (Nennung Geschäft) verbannt worden wäre. Sie habe
sich sehr gegrämt, dass dieses Stückchen Stoff, das ihren Kopf hätte be-
decken sollen, ihre Karriere abrupt beendet habe. Sodann sei ihr Mann
(Nennung Zeitpunkt) verschwunden. Sie habe vergeblich versucht, ihn te-
lefonisch zu erreichen und auch ihre (Nennung Verwandte) habe zunächst
keine Kenntnis über seinen Verbleib gehabt. Etwa (Nennung Dauer) nach
dessen Verschwinden habe sie von ihren (Nennung Verwandte) dann er-
fahren, dass ihr Mann in Untersuchungshaft sei. Am Tag seiner Entlassung
im (...) habe ihr Mann sie angerufen und am folgenden Tag bei ihren (Nen-
nung Verwandte) besucht. Er habe ihr gesagt, dass er zu Unrecht im Un-
tersuchungsgefängnis festgehalten worden sei. Ihr Mann sei danach zu
seinen (Nennung Verwandte) zurückgekehrt und sie hätten in den folgen-
den zwei Tagen miteinander telefoniert. Er habe ihr gesagt, dass er zurück
in die Untersuchungshaft müsse. Danach habe sie nur noch mit ihrer (Nen-
nung Verwandte) Kontakt gehabt, die ihr jeweils gesagt habe, dass es ih-
rem Mann gut gehe. Etwa (Nennung Zeitpunkt) vor ihrer Ausreise habe ihr
(Nennung Verwandter) ihr anlässlich eines Treffens mitgeteilt, dass ihr
Mann nicht im Gefängnis, sondern auf der Flucht sei und das Land verlas-
sen werde und sie mit ihm gehen könne, wenn sie das wolle. Da sie keinen
(Nennung Tätigkeit) mehr habe treiben und wegen fehlender Abschluss-
prüfung die Schule nicht habe weiter besuchen können, habe sie keinen
Sinn mehr darin gesehen, weiterhin im Iran zu bleiben und sich daher
ebenfalls zur Ausreise entschlossen.
A.d Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden (Auf-
zählung Beweismittel) zu den Akten.
B.
B.a Mit Verfügung vom 20. Oktober 2017 lehnte das SEM die Asylgesuche
ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführenden
aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
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B.b Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden am 16. November 2017
Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Im Rahmen des Be-
schwerdeverfahrens reichten sie unter anderem (Nennung Beweismittel)
ein.
B.c Mit Urteil D-6464/2017 vom 29. März 2019 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde hinsichtlich der beantragten Aufhebung der
angefochtenen Verfügung gut, hob die Verfügung des SEM vom 20. Okto-
ber 2017 auf und wies die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeur-
teilung an das SEM zurück. Zur Begründung führte es an, das SEM habe
seine Untersuchungs- und Begründungspflicht verletzt, indem es in der an-
gefochtenen Verfügung keinen Bezug auf die Aussagen in den Asylverfah-
ren der (Nennung Verwandte) und der (Nennung Verwandte) des Be-
schwerdeführers genommen habe. Es habe die Akten der erwähnten Fa-
milienangehörigen (N_) zwar beigezogen und in diesen würden
sich durchaus auch Hinweise auf die Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers finden lassen. Jedoch habe der vorerwähnte Beizug der Akten keinen
Niederschlag im Asylentscheid gefunden. Mithin sei der Verfügung nicht zu
entnehmen, welche Erkenntnisse das SEM aus der Konsultation dieses
Asyldossiers gewonnen habe, obwohl den Angaben der (Nennung Ver-
wandte) diverse mit dem Beschwerdeführer übereinstimmende Angaben
zu entnehmen seien und dies durchaus zu dessen Gunsten in eine Ge-
samtabwägung der Glaubhaftigkeitsprüfung miteinzubeziehen wäre. Das
SEM wäre gehalten gewesen, diese für den Entscheid wesentlichen As-
pekte in seinem Asylentscheid zu beachten und zu begründen, wie sich
diese auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers aus-
wirken würden.
C.
Mit Verfügung vom 30. August 2019 stellte das SEM erneut fest, die Be-
schwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte
ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Be-
schwerdeführenden aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2019 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten, es sei die ange-
fochtene Verfügung des SEM vom 30. August 2019 aufzuheben, es sei die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl
zu gewähren. Es sei die Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft
ihres Ehemannes einzubeziehen und es sei ihr Familienasyl zu gewähren.
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Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzu-
stellen und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die
Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes mitein-
zubeziehen und sie sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Subeventua-
liter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Weiter ersuchten sie in prozessualer Hinsicht, es sei das Beschwerdever-
fahren mit denjenigen der (Nennung Verwandte) des Beschwerdeführers
(...) sowie seiner (Nennung Verwandte) (...) zu koordinieren. Weiter sei die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, es sei auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten und ihnen ihre Rechtsvertreterin als amt-
liche Rechtsbeiständin zu bestellen.
Der Beschwerde lagen (Aufzählung Beweismittel) bei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2019 hiess die Instruktionsrichte-
rin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
der amtlichen Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses und ordnete den Beschwerdeführenden ihre
Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei. Ferner teilte sie den
Beschwerdeführenden mit, dass das vorliegende Verfahren mit den Be-
schwerdeverfahren der (Nennung Verwandte) (...) sowie der (Nennung
Verwandte) (...) in zeitlicher Hinsicht und soweit der Sache dienlich koordi-
niert behandelt werde. Weiter ersuchte die Instruktionsrichterin das SEM,
bis am 28. Oktober 2019 eine Vernehmlassung einzureichen.
F.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 7. November 2019 fest, die
Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-
weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes zu rechtfertigen
vermöchten, weshalb auf eine Stellungnahme verzichtet werde. Im Übrigen
verwies das SEM auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
und hielt an diesen vollumfänglich fest.
G.
Am 15. November 2019 brachte das Bundesverwaltungsgericht den Be-
schwerdeführenden die vorinstanzliche Vernehmlassung zur Kenntnis.
H.
Am 1. April 2020 teilten die Beschwerdeführenden mit, dass die Beschwer-
deführerin am (...) einen (Nennung Vorfall) habe. Die lange Wartezeit auf
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einen definitiven Entscheid und die damit verbundene Unsicherheit über
ihre Zukunft belaste sie sehr stark, weshalb sie sich in (...) Behandlung
befinde. Weiter ersuchten sie um Auskunft über den Stand des Verfahrens.
I.
Mit Schreiben vom 9. April 2020 beantwortete das Bundesverwaltungsge-
richt das Ersuchen der Beschwerdeführenden.
J.
Mit Eingabe vom 21. April 2020 legten die Beschwerdeführenden (Nen-
nung Beweismittel) ins Recht.
K.
Mit Eingabe vom 2. Juni 2020 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er auf
seinem Mobiltelefon eine Drohnachricht erhalten habe, welche sich auf
sein (Nennung Nachrichten-Medium)-Profil beziehe. Der Eingabe lagen di-
verse Beweismittel (Aufzählung Beweismittel) bei.
L.
Am 20. August 2020 reichten die Beschwerdeführenden weitere Unterla-
gen (Nennung Beweismittel) nach.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2).
4.
4.1 Die Vorinstanz wies die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab, da
deren Vorbringen den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftma-
chung sowie von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhal-
ten würden.
4.1.1 Zur Begründung führte sie bezüglich des Beschwerdeführers an,
seine Schilderungen zur erlittenen Einzelhaft seien selbst auf Nachfrage
oberflächlich geblieben, hätten sich auf stereotype Angaben beschränkt
und keinen persönlichen Bezug zum Vorgebrachten erkennen lassen, zu-
mal sie auch von einer am Geschehen unbeteiligten Person ohne Weiteres
hätten erzählt werden können. Auch die Angaben zu den beiden Verhören
während der Haft seien stereotyper und plakativer Natur gewesen, hätten
sich auf Allgemeinplätze beschränkt und es habe seinen Ausführungen,
wie er seine Freilassung erlebt habe, auch auf weitere Nachfrage an indi-
viduellen Besonderheiten und Merkmalen von tatsächlich persönlich Erleb-
tem gefehlt. Überdies würden sich seine Schilderungen in wesentlichen
Bereichen – so hinsichtlich der Chronologie der Ereignisse im Anschluss
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an seine Haftentlassung – mit denjenigen der Beschwerdeführerin nicht
vereinbaren lassen. Er habe diesbezüglich geschildert, dass er an diesem
Tag zu seinen (Nennung Verwandte) nach Hause gegangen sei und die
Beschwerdeführerin angerufen habe. Am folgenden Tag habe er an der
Trauerfeier für die verstorbenen (Nennung Verwandte) teilgenommen.
Nochmal einen Tag später habe er die Beschwerdeführerin und deren
(Nennung Verwandte) in F._ besucht, wo er vor dem Mittag einge-
troffen sei und wo sie gemeinsam zu Mittag gegessen hätten. Anschlies-
send sei er mit der Beschwerdeführerin in ein Zimmer gegangen, wo sie
ihn über die Geschehnisse bezüglich der Haft ausgefragt habe. Nachdem
er den weiteren Nachmittag wieder zusammen mit der Familie der Be-
schwerdeführerin verbracht habe, sei er am selben Abend alleine nach
E._ ins Haus der (Nennung Verwandte) zurückgekehrt. Die Be-
schwerdeführerin ihrerseits habe angegeben, dass er am Tag seiner Haft-
entlassung – was ein (Nennung Wochentag) gewesen sei – angerufen
habe. Am folgenden Tag habe er zunächst an den Trauerfeierlichkeiten sei-
ner (Nennung Verwandte) teilgenommen und sei dann bei Sonnenunter-
gang bei ihrem Haus der (Nennung Verwandte) in F._ eingetroffen.
Sie hätten erst miteinander geredet und dann zusammen mit der Familie
zu Abend gegessen. Nach dem Essen habe er der ganzen Familie erzählt,
was ihm widerfahren sei. Am Tag darauf sei er nachmittags zu seinen (Nen-
nung Verwandte) zurückgekehrt. Es sei davon auszugehen, dass er und
die Beschwerdeführerin die Umstände ihrer ersten Begegnung nach der
geltend gemachten Inhaftierung, welche in prägnanter Erinnerung geblie-
ben sein dürfte, hätten übereinstimmend schildern können.
Weiter habe er sich zu allfälligen Dokumenten bezüglich seiner Haft nicht
widerspruchsfrei geäussert. Zunächst habe er verneint, solche Dokumente
bei sich zu haben, um auf die Frage nach dem Verbleib dieser Dokumente
anzugeben, keine Belege für die Untersuchungshaft erhalten zu haben. Ein
Beleg bestehe lediglich darüber, dass das (Nennung Geschäft) der Familie
als Pfand hinterlegt worden sei. Auf Nachfrage, ob der Anwalt im Besitz
solcher Dokumente sei, habe er in ausweichender Weise die in der Folge
nicht weiter konkretisierte Befürchtung geäussert, dass dieser mit den Be-
hörden verstrickt sei. Schliesslich habe er ausgeführt, er habe seine (Nen-
nung Verwandte) nicht nach Dokumenten gefragt und wolle nicht mehr
über diese vergangenen Geschichten nachdenken. Im Weiteren sei es
nicht nachvollziehbar, dass er nicht einmal den Namen seines Anwaltes
kennen wolle. Weiter sei nicht plausibel, dass ihn die iranischen Behörden
mehrmals verhört und ihm jeweils die gleichen Fragen gestellt hätten, zu-
mal es den Behörden recht schnell klar geworden sein müsse, dass er über
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keine einschlägigen Informationen betreffend seinen Freund verfüge. Auch
die Vorbringen zum geltend gemachten Verfolgungsinteresse der irani-
schen Behörden wirkten plakativ, stereotyp und undifferenziert. Einerseits
wolle er nicht gewusst haben, was die iranischen Behörden tatsächlich von
ihm gewollt hätten und er sei überzeugt gewesen, dass er etwas hätte ge-
stehen sollen, was er nicht getan habe. Erst auf Nachfrage, was er denn
hätte gestehen sollen, führte er an, dass (Nennung Behörde) der festen
Überzeugung gewesen sei, er habe Informationen über (...) weitergegeben
beziehungsweise – nach weiterer Nachfrage – dieser sei sich darüber nicht
sicher gewesen, allenfalls habe (Nennung Behörde) auch Informationen
über (Nennung Person) gewollt. Die eingereichten Beweismittel vermöch-
ten an dieser Einschätzung nichts zu ändern, zumal sie keine Anhalts-
punkte für eine Verfolgung seiner Personen enthielten. Auch lasse sich
eine solche aufgrund der eingereichten (Nennung Beweismittel) nicht ab-
leiten. Die vagen Angaben zum Tod dieser Verwandten seien nicht geeig-
net, auf eine Verfolgung seiner Person zu schliessen. Auch die Aussagen
seiner (Nennung Verwandte) anlässlich deren Befragungen änderten
nichts an der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Insbesondere sei nicht
verständlich, dass sein (Nennung Verwandter) mit keinem Wort die von ihm
geltend gemachten Fluchtgründe erwähnt habe, obwohl seine (Nennung
Verwandte) angeblich für seinen Hafturlaub mit ihrem (Nennung Geschäft)
gebürgt hätten und sein (Nennung Verwandter) nach seinem Verschwin-
den zur Verantwortung hätte gezogen werden müssen, was offensichtlich
nicht der Fall gewesen sei. Auch aus den Ausführungen seiner (Nennung
Verwandte) gingen keine Hinweise hervor, dass sie infolge der hinterlegten
Kaution nach seinem Untertauchen Probleme mit den Behörden gehabt
hätte. Die Behörden hätten seine Familie nach seinem Verschwinden nicht
weiter behelligt und lediglich einmal das Haus der (Nennung Verwandte)
aufgesucht, was realitätsfern sei. Im Übrigen seien auch die geltend ge-
machten Fluchtgründe seiner (Nennung Verwandte) und seiner (Nennung
Verwandte) als unglaubhaft qualifiziert worden.
4.1.2 Bezüglich der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin sei festzustel-
len, dass das geltend gemachte von den iranischen Behörden auferlegte
Verbot, weiterhin einer (Nennung Laufbahn) nachzugehen, zweifelsohne
eine diskriminierende Einschränkung bedeute, aber noch keine asylrecht-
liche Verfolgung darstelle. So sei dieses Verbot nicht derart intensiv, als
dass ein weiterer Verbleib im Iran als unzumutbar erscheine. Die einge-
reichten Beweismittel (Nennung Beweismittel) vermöchten an dieser Ein-
schätzung nichts zu ändern.
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4.1.3 Der Beschwerdeführer habe sich in der Schweiz der mittlerweile aus-
einandergebrochenen Gruppe J._ angeschlossen, welche bei-
spielsweise die Freiheit Irans sowie die Freilassung aller politisch Inhaftier-
ten proklamiert habe. Er habe wiederholt an deren Demonstrationen und
zirka einmal im Monat an Sitzungen teilgenommen. Zudem teile er über
(Nennung Nachrichten-Medium) Beiträge mit anderen Leuten und habe ei-
nige Male auf einem Weblog über die Freiheit geschrieben. Weiter habe er
bezüglich exilpolitischer Tätigkeiten geltend gemacht, dass er zwei persön-
liche Blogs geführt habe, auf welchen er irankritische Beiträge gepostet
habe. Diese beiden Blogs seien wegen verbotener Inhalte gesperrt wor-
den. Es bestünden in seinem Fall keine Hinweise darauf, dass er sich –
wie in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
(BVGE 2009/28 E. 7.4.3) vorausgesetzt – in qualifizierter Weise exilpoli-
tisch betätigt hätte. Seine Angaben zum exilpolitischen Engagement seien
stereotyp und pauschal ausgefallen. Seine Tätigkeit für die J._ sei
lediglich niederschwelliger Natur gewesen und vermöge keine Furcht vor
flüchtlingsrelevanter Verfolgung bei einer Rückkehr in den Iran zu begrün-
den. Auch den im Internet publizierten Artikeln sei keine fundierte und ernst
zu nehmende Kritik am iranischen Regime zu entnehmen, weshalb nicht
anzunehmen sei, die Publikation derselben habe ihn in eine exponierte
Lage gebracht. Er gehöre offensichtlich nicht zur Zielgruppe des „harten
Kerns" von aktiven oppositionellen Iranern im Ausland, die das Interesse
der iranischen Behörden auf sich ziehen würden. Aus den diesbezüglichen
Beweismitteln lasse sich ein allfälliger Bezug zu seiner Person nicht ent-
nehmen, zumal eine Sperrung oder eine Löschung einer Webseite ver-
schiedenste Gründe haben könne respektive diese vermöchten – so hin-
sichtlich der Artikel in seinem Webblog – ein Interesse der iranischen Be-
hörden an seiner Person nicht zu begründen, da solche Beiträge und Kom-
mentierungen tagtäglich in ähnlicher Form massenhaft geschehen würden.
Eine systematische Identifizierung aller Verfasser durch die iranischen Be-
hörden sei deshalb höchst unwahrscheinlich. Im Übrigen würden sich die
Serverstandorte des Anbieters der Webseite L._ in H._ und
den M._ befinden. Es sei äusserst unwahrscheinlich, dass die ira-
nischen Behörden Zugriff auf diese Webseite hätten beziehungsweise ein-
zelne Seiten ausserhalb von Iran sperren lassen könnten. Zudem bestün-
den keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass gegen den Beschwerde-
führer im Iran aufgrund der geltend gemachten Aktivitäten behördliche
Massnahmen eingeleitet worden wären. Demnach könne nicht davon aus-
gegangen werden, dass er als konkrete Bedrohung für die iranischen Be-
hörden wahrgenommen und deshalb verfolgt würde.
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4.1.4 Sodann sei der Beschwerdeführer seit (...) Mitglied der N._-
Gemeinschaft. Hierzu sei festzustellen, dass er seinen angeblichen Glau-
benswechsel in seiner Anhörung nicht einmal ansatzweise erwähnt habe.
Daher sei von vornherein zweifelhaft, dass seine Registrierung bei der
N._-Gemeinschaft in der Schweiz aus einer tiefen inneren Glau-
bensüberzeugung geschehen sei. Seine Erklärungsversuche (Glaubens-
wechsel stehe nicht im Zusammenhang mit seinen Fluchtgründen, da es
sich dabei um seine religiöse Überzeugung und nicht um ein politisches
Problem handle) könnten nicht gehört werden. So sei er am Ende der An-
hörung explizit nach weiteren, noch nicht genannten Gründen, die gegen
eine Rückkehr in den Iran sprechen würden, gefragt worden. Die Nennung
seiner Mitgliedschaft bei den N._ wäre spätestens an dieser Stelle
zu erwarten gewesen. Dass er sich bewusst dazu entschieden habe, seine
N._-Mitgliedschaft zu verschweigen, sei deshalb nicht nachvoll-
ziehbar und lasse keinen anderen Schluss zu, als dass er seine Glaubens-
zugehörigkeit an der Anhörung vorsätzlich verschwiegen habe, um unan-
genehme Wissensfragen über den Inhalt dieses Glaubens und allfällige
persönliche Fragen zu seinem Glaubenswechsel zu vermeiden. Seine erst
in der Replik angeführte Behauptung, dass seine Nachbarn im Iran Ange-
hörige der Glaubensgemeinschaft der N._ seien und er wiederholt
mitbekommen habe, mit welchen Schwierigkeiten diese Personen konfron-
tiert gewesen seien, impliziere jedoch, dass ihm bereits zum Zeitpunkt der
Anhörung die Situation der N._ im Iran bekannt gewesen sei. Umso
unverständlicher sei der Umstand, dass er seinen Beitritt zur N._-
Gemeinschaft in der Anhörung vorsätzlich verschwiegen habe. Auch sei
nicht nachvollziehbar, dass er nicht bereits in der Anhörung, sondern erst
in der Beschwerdeschrift vom 16. November 2017, geltend gemacht habe,
dass er sich auf (Nennung Nachrichten-Medium) über die Probleme der
N._ geäussert habe. Seine späte Hinwendung zur Gemeinschaft
der N._ lasse ebenfalls Zweifel an dessen Ernsthaftigkeit aufkom-
men. Der Umstand, dass er an den Veranstaltungen der N._ teil-
nehme, stelle keinen Beleg für einen Beitritt aus tiefer Überzeugung dar.
Er behaupte zwar, dass er aus tiefer innerer Überzeugung zum Glauben
der N._ gekommen sei, äussere sich jedoch nicht, aufgrund wel-
cher persönlichen Umstände er sich der N._-Religion angeschlos-
sen habe beziehungsweise mit dieser in Berührung gekommen sei, was
sehr verwundere. Schliesslich erscheine es auffällig, dass ein nicht unwe-
sentlicher Prozentsatz sämtlicher Neumitglieder der N._-Gemeinde
Schweiz iranische Staatsbürger seien, die sich in einem laufenden Asylver-
fahren befänden. Zudem lasse sich bei offensichtlich opportunistischer Hin-
wendung zum Glauben der N._ auch die Logik ableiten, dass die
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innere Überzeugung nicht gegeben sei, weshalb der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr in den Iran den Glauben nicht ausleben und daher keine
Probleme bekommen werde. Überdies bestünden keine Hinweise darauf,
dass die iranischen Behörden Kenntnis von seiner Mitgliedschaft bei den
N._ erhalten hätten. Seine Teilnahme an diversen Gemeindeaktivi-
täten seien eher niederschwelliger Natur. Selbst wenn aber den iranischen
Behörden die nachträgliche Konversion in der Schweiz bekannt sein sollte,
sei davon auszugehen, dass die iranischen Behörden zwar Personen in
der Schweiz überwachen würden, aber sehr wohl unterscheiden könnten
zwischen ernsthaften Profilen und opportunistischen Verhaltensweisen. Es
werde zwar nicht in Frage gestellt, dass den N._ im Iran Kollektiv-
verfolgung drohe. Vorliegend gebe es jedoch keine Hinweise, wonach die
iranischen Behörden den Beschwerdeführer als Teil des Kollektivs sehen
würden. Ebenso wenig werde seine formelle Mitgliedschaft bei der
N._-Gemeinde in der Schweiz angezweifelt. Dennoch sei die Be-
weiskraft der (Nennung Beweismittel) insofern zu relativieren, als dass
diese als eine Parteiaussage und nicht als ein Bestätigungsschreiben ei-
nes neutralen Dritten, gemäss welchem sein Übertritt zum Glauben der
N._ aufgrund seiner religiösen Überzeugung geschehen sei, ge-
wertet werden könne. An dieser Erkenntnis vermöchten auch die einge-
reichten Fotoaufnahmen zu diversen Einladungen und Treffen sowie ein
Andenken an das Glaubensbekenntnis nichts zu ändern. Die geltend ge-
machten subjektiven Nachfluchtgründe hielten somit den Anforderungen
an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
4.2 In der Beschwerdeschrift wurde entgegnet, die Schilderungen des Be-
schwerdeführers enthielten mehrere Realkennzeichen. Die Erinnerung des
Beschwerdeführers setze sich aus mehreren Passagen direkter Rede zu-
sammen und er habe während des Berichtens emotionale Reaktionen ge-
zeigt. Er sei imstande gewesen, detailliert und substanziiert über den Her-
gang nach seiner Verhaftung zu berichten und sei zeitweise auch in Ne-
bensächlichkeiten abgeschweift. Auch die Erzählungen zu den Haftbedin-
gungen seien – entgegen der vorinstanzlichen Ansicht – genau ausgefal-
len; zudem habe er seine persönliche Gefühlslage in Haft beschrieben.
Dass er diese Empfindungen nicht ausschweifend und farbig beschrieben
habe, entspreche seinem Naturell und seinem eher nüchternen Erzählstil.
Auch habe er genau beschrieben, wo und wie die Verhöre stattgefunden
hätten und auch die Freilassung habe er mit dem gleichen Detailreichtum
geschildert. Da er bei der Freilassung Mühe gehabt habe, seine damalige
Gemütslage mit Worten zu beschreiben, resultiere eine eher deskriptiv an-
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mutende Beschreibung seiner intensiven Empfindungen. Die zurückhal-
tende Art des Beschwerdeführers, Gefühle und persönliche Beziehungen
zu beschreiben, habe zudem zu einem Widerspruch zwischen seinen Aus-
sagen und denjenigen der Beschwerdeführerin geführt. Er habe fälschli-
cherweise gesagt, er sei erst am dritten Tag nach seiner Freilassung zu
seiner Frau gegangen. Tatsächlich habe er eine Nacht bei ihr verbracht; da
man dies in seinem Kulturkreis nicht erwähne, habe er jedoch nichts ge-
sagt. Die Beschwerdeführerin habe die zeitlichen Angaben korrekt wieder-
gegeben. Abgesehen von diesem Widerspruch würden ihre Angaben je-
doch übereinstimmen. Ferner habe es auch keine widersprüchlichen Aus-
sagen bezüglich der Dokumente zur Untersuchungshaft gegeben. Der Be-
schwerdeführer habe mit seinen Aussagen gemeint, dass es Dokumente
gebe, er jedoch nicht im Besitz derselben sei. Es sei darauf hinzuweisen,
dass bei solchen zweideutigen Aussagen unklar sei, ob diese auf ihre Aus-
führungen oder auf eine missverständliche Übersetzung zurückzuführen
seien. Der Beschwerdeführer habe mittlerweile von seinen (Nennung Ver-
wandte) den Namen und die Adresse des Anwalts in E._ in Erfah-
rung bringen können. Er gehe davon aus, dass dieser eine Bestätigung
seines Hafturlaubs besitze. Seine (Nennung Verwandte) hätten jedoch kei-
nen Kontakt mehr mit dem Anwalt gehabt, dies wegen eigener Probleme
aber auch deshalb, weil nicht klar gewesen sei, ob dem Anwalt vollumfäng-
lich habe vertraut werden können. Soweit das SEM bemängle, es seien
dem Beschwerdeführer immer die gleichen Fragen bei den Verhören ge-
stellt worden, und bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit das Kriterium der
Plausibilität anführe, sei Folgendes entgegenzuhalten: Dieses Kriterium
werde gemäss Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2124/2014 vom
15. Januar 2016 von der Lehre seit längerer Zeit stark kritisiert. So sei dies-
bezüglich grosse Vorsicht angezeigt und es sollten grundsätzlich lediglich
naturwissenschaftliche Tatsachen unter dem Aspekt der Plausibilität be-
wertet werden oder zumindest Unplausibilität mit Country of Origin Infor-
mations (COI) oder anderen von den Beschwerdeführenden eingereichten
Beweismitteln abgeglichen werden. Vorliegend könne dem Beschwerde-
führer ein allfällig unlogisches oder inkohärentes Verhalten der iranischen
Behörden nicht negativ angelastet werden, zumal dieses nicht per se ver-
ständlich und nachvollziehbar erscheine und vom SEM nicht mit Herkunfts-
länderinformationen abgeglichen worden sei. Der Ettelaat habe ihm nicht
erklärt, welche Informationen er über seinen Freund und ihre gemeinsa-
men Kontakte gehabt habe und woher diese Kenntnisse stammten. Er
habe daher über die Motive des (Nennung Behörde), ihn zu verdächtigen,
vertrauliche Informationen weitergegeben zu haben, nur mutmassen kön-
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Seite 15
nen. Weiter sei der vorinstanzlichen Ansicht, die aus den Befragungen er-
sichtlichen Informationen der (Nennung Verwandte) vermöchten an der
Glaubhaftigkeit der Ausführungen des Beschwerdeführers nichts zu än-
dern, entschieden zu widersprechen. In der Anhörung des (Nennung Ver-
wandter), der bei der Schilderung seiner Gründe sehr bewegt gewesen sei
und Zeichen einer Traumatisierung gezeigt habe, sei vom SEM kein Hin-
weis gegeben worden, dass allenfalls offene Punkte bezüglich der Flucht-
gründe seines Sohnes beziehungsweise des Beschwerdeführers ange-
sprochen werden sollten, was aber in Anbetracht der Wahrung des Unter-
suchungsgrundsatzes hätte erwartet werden dürfen. Der (Nennung Ver-
wandter) habe ausschliesslich über seine persönlichen Fluchtgründe ge-
sprochen, weshalb die fehlende Nennung der Fluchtgründe des Sohnes in
dessen Anhörung keine Unstimmigkeit darstelle. Überdies sei die Eigen-
tumsurkunde des (Nennung Geschäft) nur auf den Namen der (Nennung
Verwandte) als Kaution hinterlegt worden. Ob es Versuche gegeben habe,
den Beschwerdeführer und/oder seine (Nennung Verwandte) nach der
Flucht aufzusuchen und zur Rechenschaft zu ziehen, bleibe unklar; die Fa-
milie stehe nicht mehr im Kontakt mit ihrem Anwalt. Es könne aber keines-
wegs – wie von der Vorinstanz behauptet – gesagt werden, dass dies of-
fensichtlich nicht der Fall gewesen sei. Ferner habe die Vorinstanz zu Un-
recht behauptet, dass sich aus den Aussagen der (Nennung Verwandte)
des Beschwerdeführers keine Anhaltspunkte für Probleme nach seinem
Untertauchen ergeben würden. Tatsächlich habe die (Nennung Verwandte)
in Angst gelebt, zumal nach dem Weggang des Beschwerdeführers zivile
Sicherheitskräfte das Haus zweimal durchsucht hätten und sie in der Folge
mehrere Anrufe der Behörden erhalten habe. Trotz Beizugs eines Rechts-
anwalts habe der Angstzustand weiter angehalten, habe dieser die (Nen-
nung Verwandte) doch informiert, dass sie für das Untertauchen des Soh-
nes verantwortlich gemacht würde. Im Wissen um die politischen Um-
stände im Iran habe die Beschwerdeführerin dem Anwalt letztlich nicht ver-
trauen können und diesen in den letzten Monaten vor der Ausreise auch
nicht mehr kontaktiert. Auch wenn der Rechtsanwalt die Sache für kurze
Zeit habe unter Kontrolle halten können, habe die Situation ein massives,
potenziell unkontrollierbares Risiko dargestellt. Im Übrigen sei bezüglich
des parallel laufenden Verfahrens der (Nennung Verwandte) des Be-
schwerdeführers festzustellen, dass die Aussagen der (Nennung Ver-
wandte) in ihrer Anhörung in hohem Masse detailreich und differenziert
ausgefallen seien. Zudem sei sie in der Lage gewesen, die Situation des
Beschwerdeführers kohärent zu schildern. Aus dem Erzählstil werde ihre
persönliche Betroffenheit spürbar. Insgesamt seien die Fluchtgründe des
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Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der Ausführungen seiner (Nen-
nung Verwandte) in deren Asylverfahren als glaubhaft zu bezeichnen.
Weiter habe sich der Beschwerdeführer durch seine exilpolitischen Aktivi-
täten besonders exponiert. So seien die beiden Blogs nur von ihm betrie-
ben worden, wo er mit Namen und Foto erkennbar gewesen sei. Nachdem
diese Blogs gesperrt worden seien, sei klar, dass er identifiziert, der Inhalt
der Blogs als verboten eingestuft und er mit der Sperrung gezielt zensiert
worden sei. Ferner würden mehrere Quellen belegen, dass sich die Über-
wachung der Nutzung sozialer Netzwerke durch im Ausland lebende irani-
sche Staatsangehörige nicht nur auf exponierte Kritiker beschränkt, son-
dern auch niederschwelliger Aktivismus verfolgt werde. Vor diesem Hinter-
grund sei von einer Überwachung des Beschwerdeführers auszugehen
und es könnten ihm bei einer allfälligen Rückkehr massive Sanktionen dro-
hen. Weiter sei den Nutzungsbedingungen von L._ durchaus ein
Bezug zum Iran und dessen politischen Interessen zu entnehmen. Hin-
sichtlich des Beitritts zur Glaubensgemeinschaft der N._ sei anzu-
führen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner kritischen Auseinan-
dersetzung mit dem Islam und seiner Suche nach einer Religion, auf wel-
che er vertrauen könne, bereits im Iran auf diesen Glauben aufmerksam
geworden sei. Seit seinem Übertritt im (...) lebe er seinen Glauben in tiefer
Überzeugung und trage seine religiöse Anschauung aktiv nach aussen,
was sich am mittlerweile seit Jahren andauernden Engagement und seiner
regelmässigen Teilnahme an Treffen, Weiterbildungen, Sitzungen und Fei-
ern manifestiere (S. 18 ff. Beschwerdeschrift). Da seine religiöse Gesin-
nung mit seinen Ausreisegründen nichts zu tun gehabt habe, habe er im
Rahmen der Anhörung weder darauf aufmerksam gemacht noch seinen
Ausweis der N._-Gemeinschaft gezeigt. Es wäre ihm ohne weiteres
möglich gewesen, allfällige Wissens- und persönliche Fragen zu seinem
Glaubenswechsel zu beantworten. Weiter habe er mit der Erläuterung der
Situation der Nachbarn, welche ihren N._-Glauben offen ausgelebt
hätten, seine bereits im Iran veranlagte kritische Haltung gegenüber dem
Islam unterstreichen wollen. Seine Hinwendung zum Glauben der
N._ sei nicht – wie von der Vorinstanz behauptet – spät geschehen,
sondern sei Resultat eines langwierigen Prozesses gewesen. Hätte er sich
diesem Glauben nur angeschlossen, um ein Bleiberecht in der Schweiz zu
erwirken, wäre es wahrscheinlicher gewesen, dass er darauf bei seiner An-
hörung hingewiesen hätte. Auch spreche die Tatsache, dass sich die Be-
schwerdeführerin – ebenfalls aus innerer Überzeugung – nicht als Mitglied
der N._-Gemeinschaft angeschlossen habe, gegen eine blosse op-
portunistische Hinwendung des Beschwerdeführers zum Glauben der
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Seite 17
N._. Der Beschwerdeführer könne sich von seiner inneren Über-
zeugung und seinem Glauben nicht einfach abwenden, weshalb es ihm
nicht zuzumuten sei, bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran von seinem
Glauben abzulassen oder diesen versteckt zu leben. Der Beschwerdefüh-
rer erfülle daher aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingsei-
genschaft.
5.
5.1 Zunächst sind die von den Beschwerdeführenden angeführten Vor-
fluchtgründe auf ihre Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz zu prüfen.
5.2
5.2.1 Zum vorinstanzlichen Vorhalt, es sei nicht plausibel, dass dem Be-
schwerdeführer während den verschiedenen Verhören immer die gleichen
Fragen gestellt worden seien, ist Folgendes festzuhalten: Da sich über die
Vorgehensweise der iranischen Sicherheitskräfte respektive des Ettelaat
im Zusammenhang mit der Befragung von inhaftierten Personen, welche
verdächtigt werden, geheime Informationen (...) weitergeleitet zu haben,
nur mutmassen lässt, bleiben die entsprechenden Einwände des SEM
ohne entscheidendes Gewicht (vgl. zur Zurückhaltung beim Kriterium der
Plausibilität von Verfolgungshandlungen Urteil des BVGer D-7912/2016
vom 12. Februar 2018 E. 5.1 m.w.H.).
5.2.2 Hingegen erweisen sich die Schilderungen des Beschwerdeführers
in verschiedenen Punkten als stereotyp und unsubstanziiert. So ist er sei-
nen Angaben zufolge während (Nennung Dauer) in einer Einzelzelle fest-
gehalten und während dieser Zeit zwei Mal verhört worden. Trotz wieder-
holter Nachfragen zu den genauen Umständen der Haft und den Verhören
entsteht aufgrund der Schilderungen des Beschwerdeführers nicht der Ein-
druck, dass er über einen tatsächlich erlebten Sachverhalt berichtet. Zwar
wendet er ein, seine Erzählungen seien detailliert ausgefallen und er habe
seine persönliche Gefühlslage in der Haft beschrieben, wobei sein eher
nüchterner Erzählstil seinem Naturell geschuldet sei. Jedoch vermag das
blosse Festhalten an einem ausführlichen Sachverhaltsvortrag den spärli-
chen Gehalt seiner Darlegungen und die fehlenden Ausführungen zu sei-
nen Gefühlen und Empfindungen hinsichtlich des in Frage stehenden
Sachverhaltselements nicht aufzuwiegen. Zwar vermochte er ein paar we-
nige Details und einige Sätze, welche zwischen ihm und den Behördenmit-
gliedern geführt worden seien, anzuführen. Dies alleine reicht jedoch vor-
liegend nicht, um glaubhaft darzulegen, dass seinen diesbezüglichen Asyl-
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vorbringen eine genügende inhaltliche Dichte und Erlebnisrelevanz zu-
komme, die auf einen tatsächlich erlebten Sachverhalt hindeuteten. So
könnten sie in ihrer Einfachheit auch von einem am Geschehen unbeteilig-
ten Dritten problemlos nacherzählt werden (vgl. act. A39, F27-40). Zudem
weisen seine Ausführungen kaum Realkennzeichen auf, so insbesondere
zu Interaktionen sowie inhaltlichen Besonderheiten bezüglich der emotio-
nalen Aspekte, zumal es sich um seine erste Festnahme und Inhaftierung
gehandelt haben soll. So vermochte er ausser dem Vorbringen, dass die
Zeit im Einzelzimmer unglaublich schwierig und er fast wahnsinnig gewor-
den sei, keine weiteren Gefühle zu artikulieren (vgl. act. A39, F30 und F33).
5.2.3 Zum gleichen Schluss gelangt das Gericht auch hinsichtlich der Aus-
führungen des Beschwerdeführers zu seiner Gefühlslage im Anschluss an
seine Freilassung nach (Nennung Dauer) Haft (vgl. act. A39, F51), zumal
er ausser dem Vorbringen, er sei "natürlich überglücklich" gewesen, keine
anderen respektive weiteren Emotionen äusserte. Dies wäre jedoch unter
den gegebenen Umständen auch in Berücksichtigung seines Arguments,
wonach er Mühe gehabt habe, seine damalige Gemütslage mit Worten zu
beschreiben, ohne Weiteres zu erwarten gewesen.
5.2.4 Ferner vermögen die Beschwerdeführenden mit ihren Entgegnungen
die vom SEM aufgezeigten Unstimmigkeiten zu den Umständen ihrer ers-
ten Begegnung nach der Inhaftierung des Beschwerdeführers nicht plausi-
bel aufzulösen. Der blosse Hinweis auf die zurückhaltende Art des Be-
schwerdeführers, Gefühle und persönliche Beziehungen zu beschreiben,
vermag als Erklärung nicht zu überzeugen, stehen dem doch die unter-
schriftlich bestätigten Anhörungsprotokolle gegenüber (vgl. act. A39, F70-
73; A40, F19-49), die sich in diesem Punkt nicht miteinander vereinbaren
lassen. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe in der Tat bei der
Familie der Beschwerdeführerin übernachtet, was er verschwiegen habe,
da man solches in seinem Kulturkreis nicht erwähne, ist angesichts des
Umstandes, dass es der aus dem gleichen Kulturkreis stammenden Be-
schwerdeführerin ohne Weiteres möglich war, die Übernachtung des Be-
schwerdeführers bei ihrer Familie im Rahmen ihrer Anhörung zu erwähnen
(vgl. act. A40, F47) und die Beschwerdeführenden bei den Befragungen im
Übrigen bereits verheiratet waren, als blosse Schutzbehauptung zu wer-
ten.
5.2.5 Sodann vermag auch der Einwand, die Aussagen des Beschwerde-
führers zu Dokumenten über die Untersuchungshaft seien nicht wider-
sprüchlich ausgefallen, zumal er mit seinen Äusserungen habe anführen
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wollen, dass es zwar Dokumente gebe, er jedoch nicht im Besitz derselben
sei, angesichts des unterschriftlich bestätigten Protokollwortlauts seiner
Anhörung nicht zu überzeugen. Einerseits gab er unmissverständlich an,
dass solche Dokumente existieren würden, um auf Nachfrage in auswei-
chender Weise anzugeben, er habe keine Belege erhalten und stehe nicht
im Kontakt mit dem Anwalt beziehungsweise dieser sei vielleicht mit den
Behörden verstrickt (vgl. act. A39, F83 ff.). Unter diesen Umständen bleibt
auch der Einwand, dass es sich um eine zweideutige Aussage handle, wel-
che allenfalls auf eine missverständliche Übersetzung zurückzuführen sei,
unbehelflich. Dies auch deshalb, weil der Beschwerdeführer anlässlich der
Anhörung nebst der vollständigen und korrekten Aufnahme seiner Asyl-
gründe bestätigte, die Übersetzerin sehr gut zu verstehen und dem Proto-
koll keine Hinweise zu entnehmen sind, welche seinen Einwand zu stützen
vermöchten (vgl. act. A39, S. 2 und 21). Weiter handelt es sich beim Vor-
bringen des Beschwerdeführers, er gehe davon aus, dass der Anwalt –
dessen Name und Adresse er von seinen (Nennung Verwandte) mittler-
weile habe in Erfahrung bringen können – eine Bestätigung seines Haftur-
laubs besitze, um eine unbelegt gebliebene Parteibehauptung, aus wel-
cher die Beschwerdeführenden nichts zu ihren Gunsten ableiten können.
5.2.6 Ferner sind die Erörterungen des SEM zu den im vorinstanzlichen
Verfahren eingereichten Beweismitteln und zu den Feststellungen hinsicht-
lich einer allfälligen Verfolgungsgefahr wegen der verstorbenen (Nennung
Verwandte) des Beschwerdeführers zu bestätigen. Da sich die Beschwer-
deführenden zu diesen Ausführungen in ihrer Beschwerdeschrift nicht wei-
ter äussern, kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf
jene vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden.
5.2.7 Weiter teilt das Gericht die Einschätzung der Vorinstanz, wonach es
befremdlich erscheint, dass der (Nennung Verwandter) des Beschwerde-
führers im Rahmen seiner eigenen Anhörung die Fluchtgründe des Be-
schwerdeführers nicht einmal am Rande kurz erwähnte, obschon der (Nen-
nung Verwandter) dem Beschwerdeführer nach dessen Inhaftierung einen
Anwalt organisiert habe, seine (Nennung Verwandte) respektive seine
(Nennung Verwandte) das (Nennung Geschäft) als Kaution hinterlegt hät-
ten, sein (Nennung Verwandter) zusammen mit dem Anwalt am Gericht
anwesend gewesen sei und dieser den Beschwerdeführer – da die (Nen-
nung Verwandte) beschlossen hätten, ihn nicht mehr in Einzelhaft zurück-
zuschicken – in der Folge während (Nennung Dauer) versteckt hätten (vgl.
act. A39, F46-49; Anhörungsprotokoll der [Nennung Verwandte]
[N_] vom 16. Juni 2017, F75). Auch wenn es bei der Anhörung des
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Seite 20
(Nennung Verwandter) im Wesentlichen um dessen Ausreisegründe ge-
gangen ist, hätte vor diesem Hintergrund zumindest eine kurze Nennung
der angeblich ungerechtfertigten Inhaftierung des Beschwerdeführers, wel-
che sich auf das weitere Verhalten der (Nennung Verwandte) sowie auf die
ganze Familie ausgewirkt haben soll, erwartet werden dürfen. Soweit die
Beschwerdeführenden bestreiten, dass die (Nennung Verwandte) des Be-
schwerdeführers aufgrund der hinterlegten Kaution und des Untertauchens
des Beschwerdeführers keine Probleme gehabt habe, ist Folgendes fest-
zuhalten: Gemäss den Ausführungen der (Nennung Verwandte) in deren
Anhörung haben die Behörden einmal nach dem Beschwerdeführer ge-
fragt, kurz nachdem dieser im (...) aus dem Hafturlaub nicht zurückgekehrt
sei. Dann habe der Rechtsanwalt mit den Behörden verhandelt. Die (Nen-
nung Verwandte) habe sich etwa bis (...) in der Wohnung der Familie in
E._ aufgehalten und in der Folge jeweils für (Nennung Dauer) in
verschiedenen Quartieren der Stadt gewohnt (vgl. Anhörungsprotokoll der
(Nennung Verwandte) [N_] vom 16. Juni 2017, F27-30, F97). Dass
sie in dieser Zeit respektive bis zu ihrer Ausreise im (...) von den Sicher-
heitskräften wegen des Beschwerdeführers behelligt worden wäre, geht –
entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – nicht aus den Akten
hervor. Wohl hätten zivile Sicherheitskräfte das Haus zweimal durchsucht
und die Behörden hätten die (Nennung Verwandte) mehrmals angerufen.
Diese Such- und Kontrollmassnahmen geschahen jedoch ihren Ausführun-
gen zufolge nicht wegen des Beschwerdeführers, sondern wegen seines
(Nennung Verwandter), der im (...) das Land verlassen hatte (vgl. Anhö-
rungsprotokoll der (Nennung Verwandte) [N_] vom 16. Juni 2017,
F79-87). Ausserdem ist es wenig glaubhaft, dass die (Nennung Verwandte)
des Beschwerdeführers einen Anwalt in seiner Sache beauftragt hätten –
der offensichtlich erfolgreich einen Hafturlaub habe erwirken können –, um
dann wegen angeblich fehlender Vertrauenswürdigkeit desselben den
Kontakt zu diesem abzubrechen und letztlich ihr Unwissen über den wei-
teren Fortgang des Verfahrens des Beschwerdeführers damit zu begrün-
den.
5.2.8 Ferner reichten die Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit
dem geltend gemachten Hafturlaub mit Eingabe vom 20. August 2020 ei-
nen (Nennung Beweismittel) ein. Der Beschwerdeführer habe diese Nach-
richt (...) von einer Verwandten erhalten, welche die Kopie des Dokuments
betreffend die gestellte Kaution bei den Behörden habe erhältlich machen
können. Dieser Mitteilung des (Nennung Behörde) respektive der (Nen-
nung Behörde) zufolge wird die (Nennung Verwandte) des Beschwerde-
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Seite 21
führers benachrichtigt und vorgeladen, an der Anhörung der verantwortli-
chen Person und der verbundenen Parteien teilzunehmen, um die Be-
schlagnahme und den Verkauf der hinterlegten Kaution gegebenenfalls
durch Einspruch zu verhindern. Zunächst ist anzumerken, dass dieses Do-
kument nicht im Original vorliegt, weshalb der eingereichten Kopie auf-
grund deren leichten Manipulierbarkeit grundsätzlich nur ein äusserst ge-
ringer Beweiswert beigemessen werden kann. Sodann geht aus dieser Be-
nachrichtigung insbesondere nicht hervor, aus welchem Grund seitens der
(Nennung Verwandte) Kaution gestellt worden sein soll. Der Umstand,
dass sich die ausstellende Stelle laut Mitteilung vom (...) mit (...) befasst,
lässt erheblich daran zweifeln, dass die fragliche Kaution für den geltend
gemachten Zweck (Hafturlaub des Beschwerdeführers) gestellt worden
sein soll, zumal die Beschwerdeführenden auch nie geltend gemacht ha-
ben, es sei in dieser Sache je ein Urteil gefällt worden. Diesem Beweismit-
tel ist aus diesen Gründen die Beweiskraft für die geltend gemachte Ver-
folgung des Beschwerdeführers abzusprechen. Anzumerken ist an dieser
Stelle ferner, dass gemäss den Bestimmungen des iranischen Strafpro-
zessrechts für Öffentliche und Revolutionsgerichte (Nennung Bestimmung)
im Rahmen von Vereinbarungen einer Kaution bei Säumnis des Angeklag-
ten oder des Kautionsstellers die einzige Folge die Verwertung der hinter-
legten Kaution darstellt (Nennung Bestimmung).
5.2.9 Das Gericht gelangt nach Abwägung der Argumente, die für die
Glaubhaftigkeit, und denjenigen, die dagegen sprechen, zum Schluss,
dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Verfolgungsgeschichte
des Beschwerdeführers entspreche – auch in Berücksichtigung der Asyl-
vorbringen seiner (Nennung Verwandte) – in den wesentlichen Punkten
nicht den Tatsachen, als höher zu erachten ist.
5.3 Sodann hat die Vorinstanz die Fluchtgründe der Beschwerdeführerin
zu Recht und mit zutreffender Begründung als asylirrelevant eingestuft. In
Ermangelung einer Entgegnung auf Beschwerdeebene ist diese Feststel-
lung ohne weiteren Begründungsaufwand zu bestätigen. Unter diesen Um-
ständen erübrigen sich weitere Erörterungen an dieser Stelle.
5.4 Bei dieser Sachlage ist insgesamt davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführenden im Zeitpunkt ihrer Ausreise nicht im Fokus der irani-
schen Behörden standen, sondern ihre Heimat als unbescholtene Bürger
verliessen. Das Vorliegen von Vorfluchtgründen ist daher zu verneinen,
weshalb die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt
ihrer Ausreise nicht erfüllten.
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Seite 22
6.
Sodann ist hinsichtlich der exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdefüh-
rers das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu
prüfen.
6.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil-
aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Begrün-
deter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann, wenn der
Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den
Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rück-
kehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. BVGE
2009/29 E. 5.1). Dabei muss hinreichend Anlass zur Annahme bestehen,
die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-
sehbarer Zukunft verwirklichen; eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger
Verfolgung genügt nicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). Die Anforderungen an
den Nachweis einer begründeten Furcht gemäss Art. 3 und 7 AsylG bleiben
dabei grundsätzlich massgeblich.
Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft
im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus-
schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche
subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können,
als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-
von aus, dass die iranischen Behörden politische Aktivitäten ihrer Staats-
bürger im Ausland überwachen und erfassen (vgl. dazu Referenzurteil
D-830/2016 vom 20. Juli 2016). Es bleibt jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob
die exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im asylrechtlichen
Sinn nach sich ziehen. Bei dieser Prüfung ist davon auszugehen, dass sich
die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrie-
ren, die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen
exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten
vorgenommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit
dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und ge-
fährlichen Regimegegner erscheinen lassen. Dabei darf davon ausgegan-
gen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden zu unterscheiden
D-5099/2019
Seite 23
vermögen zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und
Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein
Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3).
Der EGMR geht ebenfalls davon aus, dass eine möglicherweise drohende
Verletzung von Art. 3 EMRK jeweils aufgrund der persönlichen Situation
des Beschwerdeführers zu beurteilen ist. Die Berichte über schwerwiegen-
de Menschenrechtsverletzungen im Iran begründen für sich allein noch
keine Gefahr einer unmenschlichen Behandlung (vgl. Urteil des EGMR S.F.
und andere gegen Schweden vom 15. Mai 2012, 52077/10, §§ 63 f.).
6.3 Den eingereichten Beweismitteln und Ausführungen lässt sich entneh-
men, dass der Beschwerdeführer nach seiner Einreise zunächst an Sitzun-
gen und Demonstrationen der Gruppe J._ teilnahm. Diese Gruppe
führt jedoch seit dem Jahr (...) wegen interner Auseinandersetzungen keine
Aktionen mehr durch. Der Beschwerdeführer betrieb zwei Weblogs (...),
welche wegen verbotener Inhalte gesperrt wurden. Ein weiterer, vom Be-
schwerdeführer später erstellter Blog (...), auf dem er regimekritische Bei-
träge – von ihm wie auch von Drittpersonen – veröffentlichte, wurde im (...)
ebenfalls gesperrt. Aktuell betreibt der Beschwerdeführer eigenen Anga-
ben zufolge keine eigenen Blogs mehr, sondern postet nur noch Beiträge
auf (Nennung Nachrichten-Medium) gegen Menschenrechtsverletzungen
im Iran und gegen die Verfolgung der N._.
6.4 Zunächst ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden – wie vor-
stehend erwogen wurde (vgl. E. 5) – vor ihrer Ausreise nicht im Visier der
heimatlichen Behörden standen. Bei der Tätigkeit des Beschwerdeführers
im Rahmen der Gruppe J._ handelt es sich sodann um ein lediglich
niederschwelliges Engagement, weshalb diesbezüglich keine Anhalts-
punkte bestehen, dass er sich dadurch in qualifizierter Weise öffentlich ex-
poniert hätte. Im Weiteren veröffentlichte der Beschwerdeführer insgesamt
drei Blogs, welche mittlerweile alle geschlossen wurden, Artikel zu ver-
schiedenen Themen – so der Religionsfreiheit, der Freiheit politischer Ge-
fangener, der Rechte der Kinder, u.ä. –, welche er zusammengetragen, zu-
sammengefasst und teilweise auch selber geschrieben habe. Da weder
Angaben zu den Abonnenten noch zur Anzahl der Leser dieser Blogs vor-
liegen, lässt sich weder deren konkrete Reichweite abschätzen noch eru-
ieren, ob der Beschwerdeführer damit ein grosses Publikum erreichte. Das
blosse Verfassen respektive Publizieren von Artikeln, welche sich zum po-
litischen Geschehen im Iran äussern, lässt aber noch nicht auf ein expo-
niertes oppositionelles Engagement schliessen. Bei den eingereichten
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Seite 24
Blogbeiträgen handelt es sich um allgemein formulierte regimekritische
Äusserungen, welche sich nicht von jenen unterscheiden, welche durch
eine grosse Zahl von exilpolitisch tätigen Iranern im Internet publiziert wer-
den. Tagtäglich werden unzählige derartige Einträge veröffentlicht, so dass
eine systematische Identifizierung aller Verfasser seitens der iranischen
Behörden ausgesprochen unwahrscheinlich ist (vgl. in diesem Sinne auch
Urteil des BVGer E-1252/2015 vom 3. Mai 2016 E. 6.4). Zwar kann – wie
die Beschwerdeführenden in ihrer Rechtsmitteleingabe (S. 15) nicht zu Un-
recht ausführen – nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass im Zusam-
menhang mit Internetaktivitäten auch Personen mit einem wenig herausra-
genden Profil ins Visier des iranischen Staates geraten. Von einer syste-
matischen Verfolgung von im Internet aktiven oppositionellen Iranerinnen
und Iranern durch die heimatlichen Behörden im Ausland ist jedoch nicht
auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E-5508/2017 vom 26. Oktober 2017
E. 6.1.4; United Kingdom Upper Tribunal, AB and Others [internet activity
– state of evidence] [2015] UKUT 257 [IAC], 30. April 2015 S. 70 ff.; letzt-
mals abgerufen am 25.01.2021). Sodann bedeutet der Umstand, dass die
Blogs gesperrt wurden, nicht automatisch, dass der Beschwerdeführer
vom iranischen Regime überwacht wurde beziehungsweise wird (vgl. Ur-
teile des BVGer D-6271/2012 vom 15. Februar 2013 E. 8.6; D-6269/2012
vom 21. Januar 2013 E. 6.7). Die aktenkundigen (Nennung Nachrichten-
Medium)-Posts, soweit eigenen Angaben zufolge Beiträge gepostet wer-
den, die die schlechte Menschenrechtslage respektive Verletzungen der
Menschenrechte kritisieren, sind als massentypisch zu qualifizieren, zumal
die dabei vertretenen Ansichten nicht als besonders extrem, aggressiv
oder aufwieglerisch bezeichnet werden können. Der Beschwerdeführer
hebt sich durch diese Beiträge noch nicht von der grossen Masse unzufrie-
dener Exiliraner ab. Eine begründete Furcht vor einer flüchtlingsrechtlich
relevanten Verfolgung bei einer Rückkehr ist nur dann anzunehmen, wenn
der Beschwerdeführer von den iranischen Behörden als ernsthafter und
potentiell gefährlicher Regimegegner wahrgenommen würde. Davon ist
hinsichtlich der oben gewürdigten Veröffentlichungen, welche – soweit ab-
schätzbar – nicht auf eine besonders grosse Resonanz stiessen und sich
nicht von massentypischen Online-Posts zahlreicher Exiliraner unterschei-
den, noch nicht auszugehen.
6.5 Anders stellt sich die Situation bezüglich der geltend gemachten Hin-
wendung des Beschwerdeführers zur Religionsgemeinschaft der
N._, der in diesem Zusammenhang auf (Nennung Nachrichten-Me-
D-5099/2019
Seite 25
dium) veröffentlichten Kritik an der Verfolgung der N._ und der sol-
chermassen dargelegten exilpolitischen Aktivitäten für diese Gemeinschaft
dar.
6.5.1 (Ausführungen zur allgemeinen Situation der N._ im Iran)
6.5.2 Die Glaubhaftigkeit einer Konversion hängt insbesondere von der "in-
neren Überzeugung" ab, welche auch in diesem Sinne gelebt werden
muss. Die religiöse Zugehörigkeit kann – im Vergleich zu anderen Asylvor-
bringen – praktisch nur anhand der eigenen Aussagen der asylsuchenden
Person beurteilt werden. Gegebenenfalls können zwar gewisse Schlüsse
aus externen Anhaltspunkten wie Besuche von Gottesdiensten, Bescheini-
gungen und Aussagen privater Dritter gezogen werden. Solche Urkunden
sind im Gesamtkontext zusammen mit den Aussagen der asylsuchenden
Person zu berücksichtigen, vermögen in der Regel alleine jedoch die Kon-
version nicht glaubhaft zu machen. Die asylsuchende Person muss hinge-
gen in jedem Fall mit ihren Aussagen den Behörden glaubhaft machen kön-
nen, dass sie sich aufgrund ihrer inneren Überzeugung zum einen von ihrer
früheren Religion ab und – gegebenenfalls – zum anderen einer neuen
Religion zugewandt hat. Eine lediglich formelle Konversion (z.B. durch die
Taufe) ohne Hinweise auf innere Überzeugung reicht für die Glaubhaftma-
chung in der Regel nicht aus (vgl. Urteil des BVGer D-4952/2014 vom
23. August 2017 [als Referenzurteil publiziert], E. 6.2).
6.5.3 Den Ausführungen und eingereichten Belegen – so insbesondere
auch denjenigen des im vorangegangenen Beschwerdeverfahren
D-6464/2017 eingereichten – zufolge nahm der Beschwerdeführer im Jahr
(...) Kontakt mit der Glaubensgemeinschaft der N._ auf, legte im
(...) sein Glaubensbekenntnis ab und beteiligt sich seither – mithin seit
(Nennung Dauer) – an diversen Gemeindeaktivitäten. So engagiert sich
der Beschwerdeführer (Aufzählung Aktivitäten) und dient seit (...) als Mit-
glied im (Nennung Institution). Dabei war der Beschwerdeführer anlässlich
des (Nennung Feiertag und Jahr) im Rahmen einer interreligiösen Feier
auf einem öffentlichen Platz in O._ als Mitorganisator eines Work-
shops aktiv und überdies auf einem dort angebrachten Stehplakat in Le-
bensgrösse mit Foto und Namen abgebildet.
6.5.4 Das SEM vertritt in seinem Entscheid die Auffassung, dass der Be-
schwerdeführer vorliegend nicht aus tiefer innerer Überzeugung, sondern
vielmehr aus asyltaktischen Gründen zu den N._ übergetreten sei.
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Ausserdem bestünden keine Hinweise darauf, dass die iranischen Behör-
den Kenntnis von seiner Mitgliedschaft bei den N._ erhalten hätten,
zumal seine Teilnahme an diversen Gemeindeaktivitäten eher nieder-
schwelliger Natur sei. Der Beschwerdeführer entgegnete im Wesentlichen,
da seine religiöse Gesinnung mit seinen Ausreisegründen in keinem Zu-
sammenhang gestanden habe, habe er im Rahmen der Anhörung weder
darauf aufmerksam gemacht noch seinen Ausweis der N._-Ge-
meinschaft gezeigt. Es wäre ihm ohne weiteres möglich gewesen, allfällige
Wissens- und persönliche Fragen zu seinem Glaubenswechsel zu beant-
worten. Seine Hinwendung zum Glauben der N._ sei nicht – wie
von der Vorinstanz behauptet – spät geschehen, sondern stelle das Resul-
tat eines langwierigen Prozesses dar. Vor dem Hintergrund seiner zahlrei-
chen Aktivitäten innerhalb der Glaubensgemeinschaft der N._ und
seiner Funktion als Mitglied des (Nennung Institution) in O._ werde
ersichtlich, dass er sich aus innerer Überzeugung der Glaubensgemein-
schaft angeschlossen habe, sich intensiv mit seinem Glauben auseinan-
dersetze und seine religiöse Überzeugung aktiv lebe. Zudem wäre er kaum
in den (Nennung Institution) in O._ gewählt worden, wäre die Glau-
bensgemeinschaft der Meinung gewesen, dass er sich ihr nicht aus einer
tiefen inneren Überzeugung zugewandt habe.
Vorliegend hegt auch das Gericht Zweifel, dass sich der Beschwerdeführer
aufgrund einer inneren Überzeugung vom Islam abgewandt und den
N._ zugewandt hat. Zwar gab er bereits kurz nach seiner Einreise
in die Schweiz im Rahmen der BzP an, dass er vom Islam nicht so über-
zeugt und noch auf der Suche nach einer Religion sei, mit der er leben und
mit deren Gott er in Kontakt kommen könne (vgl. act. A7, S. 3, Ziff. 1.13).
Jedoch erstaunt in der Tat, dass er im Rahmen der Anhörung – zu deren
Zeitpunkt er bereits einige Monate Mitglied der N._-Gemeinschaft
war – mit keinem Wort seinen Glaubenswechsel kommunizierte, obwohl er
wiederholt Gelegenheit dazu gehabt hätte und am Schluss der Anhörung
nach weiteren, bislang nicht genannten Gründen, die gegen eine Rückkehr
in den Iran sprechen würden, gefragt wurde (vgl. act. A39, F159). Dies ist
auch deshalb erstaunlich, weil der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmit-
teleingabe im vorangegangenen Beschwerdeverfahren D-6464/2017 ge-
stützt auf diesen Glaubenswechsel eine flüchtlingsrechtlich relevante Ver-
folgung für seine Person erblickte und dies im vorliegenden Verfahren wei-
terhin tut. Seine oben erwähnte Äusserung in der BzP lässt denn auch da-
rauf schliessen, dass er sich mit dem Gedanken eines solchen Glaubens-
wechsels grundsätzlich beschäftigt haben und diese Frage denn auch eine
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nicht unwesentliche Bedeutung für ihn gehabt haben muss. Die angeführ-
ten Erklärungen für die unterlassene Nennung seines Glaubenswechsels
sind indes als nicht stichhaltig zu erachten, zumal er auch in diesen keine
persönlichen Angaben zu seinem inneren Konversionsprozess oder zu den
Glaubensinhalten der N._ oder auch dem Ablöseprozess vom Islam
anführt. Mithin sind den Akten keinerlei Aussagen des Beschwerdeführers
zu seinen Gründen, wie es zum Glaubenswechsel gekommen sei, und so-
mit auch keine Darlegung seiner "inneren Überzeugung" zu entnehmen.
Unbestrittenermassen liegen diverse externe Anhaltspunkte im Fall des
Beschwerdeführers vor. So hat er diverse Unterlagen, namentlich (Nen-
nung Beweismittel), welche teilweise in öffentlichkeitswirksamer Weise
sein Bekenntnis zu dieser Glaubensgemeinschaft manifestieren, einge-
reicht und seit dem Jahr (...) an verschiedenen Veranstaltungen der
N._ teilgenommen (vgl. dazu auch E. 6.5.5 ff. nachfolgend). Wohl
sind diese Anhaltspunkte im Gesamtkontext zusammen mit den Aussagen
der asylsuchenden Person zu berücksichtigen, vermögen aber vorliegend
alleine eine Konversion aufgrund einer "inneren Überzeugung" nicht glaub-
haft zu machen. Insgesamt mangelt es nach Ansicht des Gerichts daher
an der Glaubhaftigkeit seiner – nicht nur formellen – religiösen Zuwendung
zum Glauben der N._.
6.5.5 Auch wenn im Fall des Beschwerdeführers lediglich auf eine formelle
Zuwendung zur Glaubensgemeinschaft der N._ zu erkennen ist,
kommt das Gericht aufgrund der vom Beschwerdeführer auf (Nennung
Nachrichten-Medium) – wo sein Name, seine Herkunft und sein Foto er-
sichtlich sind – gestellten Beiträgen zur Verfolgung der N._ im Iran
und seiner in der Schweiz im öffentlichen Raum ausgeübten Aktivitäten für
diese Religionsgemeinschaft zu folgendem Schluss: Es ist mit hoher Wahr-
scheinlichkeit davon auszugehen, dass die iranischen Behörden vom reli-
giös oppositionellen Verhalten des Beschwerdeführers Kenntnis erlangt
haben und ihn identifizieren können. Gibt man seinen Namen, seinen letz-
ten Wohnort und den Begriff (Nennung Nachrichten-Medium) auf (Nen-
nung Suchmaschine) ein, erscheint der auch als Beschwerdebeilage Nr. 3
aufgeführte (Nennung Beweismittel) respektive sein (Nennung Nachrich-
ten-Medium) als zweiter Treffer auf der ersten Seite der Ergebnisliste. Auf-
grund seines deutlich erkennbaren Gesichts ist der Beschwerdeführer
ohne Weiteres identifizierbar. Auch wenn auf seinem (Nennung Nachrich-
ten-Medium)-Profil vergleichsweise wenige Kommentare enthalten sind,
muss dieser Account bezüglich seines – wenn auch nur formellen – Glau-
benswechsels und der Kritik am Islam bereits aufgefallen sein. So reichte
der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. Juni 2020 eine Drohnachricht,
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die er auf seinem Mobiltelefon erhalten habe und sich auf sein (Nennung
Nachrichten-Medium)-Profil beziehe, ein. In dieser Nachricht äussert sich
eine einzelne, dem Beschwerdeführer unbekannte Person in polemischer
Weise zu der im (Nennung Nachrichten-Medium)-Profil vermerkten Hal-
tung des Beschwerdeführers zu Diskriminierung und Belästigung von Men-
schen, insbesondere in religiöser Hinsicht, zum Religionswechsel des Be-
schwerdeführers und stellt eine allgemein gehaltene Drohung in den Raum
"dass du und deine Familie früher oder später dafür bezahlt oder bestraft
werden" (vgl. die mit Eingabe vom 8. Juni 2020 eingereichte Übersetzung
der Drohnachricht). Angesichts dieses Inhalts ist nicht auszuschliessen,
dass der Verfasser dieser Drohnachricht den auf (Nennung Nachrichten-
Medium) mit Namen und Foto erkennbaren Beschwerdeführer gegenüber
den iranischen Behörden denunzieren könnte oder dies bereits getan hat.
Sodann ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer anlässlich des (Nen-
nung Feier und Jahr) im Rahmen einer interreligiösen Feier auf einem öf-
fentlichen Platz in O._ als Mitorganisator eines Workshops aktiv
und überdies auf einem dort angebrachten Stehplakat in Lebensgrösse mit
Foto und Namen abgebildet sowie als Zugehöriger der N._ gekenn-
zeichnet wurde.
6.5.6 Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor
seinem muslimischen familiären Hintergrund aus Sicht der iranischen Be-
hörden als Anhänger der N._, mithin als (...) wahrgenommen wer-
den dürfte, da er sich vom islamischen Glauben abgekehrt zu haben
scheint, und mit hoher Wahrscheinlichkeit als solcher identifiziert wurde
oder befürchten muss, als solcher identifiziert zu werden. Angesichts (...)
dürften die ihm bevorstehenden Repressalien flüchtlingsrechtliche Rele-
vanz entfalten.
6.6 Aufgrund der vorangehenden Erwägungen ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei ei-
ner Rückkehr in den Iran flüchtlingsrechtlich relevante, ernsthafte Nachteile
im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte; es ist ihm diesbezüglich
eine begründete Furcht vor Verfolgung zuzusprechen. Ob die vorliegend
festgestellten subjektiven Nachfluchtgründe missbräuchlich herbeigeführt
wurden, ist im Sinne von Art. 3 AsylG unbeachtlich (vgl. BVGE 2009/28
E. 7.1 m.w.H.; bestätigt in den Urteilen des BVGer E-3473/2017 vom
18. Februar 2020, E. 3.3; D-5898/2016 vom 12. Februar 2020, E. 6.1).
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7.
7.1 Es liegen demnach im Fall des Beschwerdeführers subjektive Nach-
fluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vor, weshalb ihm die Flüchtlings-
eigenschaft zuzuerkennen ist. Hingegen schliesst Art. 54 AsylG die Ge-
währung von Asyl aus. Demnach ist er als Flüchtling vorläufig aufzuneh-
men.
7.2 Nach Art. 51 Abs. 1 AsylG wird unter anderem die Ehegattin eines
Flüchtlings ihrerseits als Flüchtling anerkannt und erhält in der Schweiz
Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Der Prüfung
eines solchen derivativen Anspruchs auf Anerkennung als Flüchtling ge-
mäss Art. 51 AsylG hat die Prüfung der originären Flüchtlingseigenschaft,
das heisst einer persönlichen Gefährdung nach Art. 3 AsylG, stets vorzu-
gehen, sofern ein eigenes Asylgesuch der einzubeziehenden Person vor-
liegt (Art. 37 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1,
SR 142.311] und BVGE 2007/19). Wie in E. 5.3 vorstehend erwähnt, erfüllt
die Beschwerdeführerin die originäre Flüchtlingseigenschaft nicht. Die Be-
schwerdeführerin ist demnach derivativ in die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers einzubeziehen und ebenfalls als Flüchtling vorläufig
aufzunehmen.
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreffend die Flüchtlingseigen-
schaft gutzuheissen, die Dispositivziffern 1, 4 und 5 der angefochtenen
Verfügung sind aufzuheben und die Beschwerdeführenden sind als Flücht-
linge vorläufig aufzunehmen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
9.
9.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen
(Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführenden sind
mit ihren Anträgen auf Asylgewährung unterlegen. Bezüglich der Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft und der Anordnung des Wegweisungsvoll-
zugs respektive Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft (Ziffn. 3 und 4 der
Rechtsbegehren) haben sie obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein Ob-
siegen zu zwei Dritteln. Entsprechend wären die Verfahrenskosten zu ei-
nem Drittel den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG)
und auf Fr. 250.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober
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Seite 30
2019 wurde jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gutgeheissen, weshalb auf die Erhebung von Verfahrenskos-
ten zu verzichten ist.
9.2 Mit Verfügung vom 11. Oktober 2019 wurde ausserdem das Gesuch
um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a Abs. 1 AsylG) und die
rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bestellt.
Die Beschwerdeführenden sind zu Lasten der Vorinstanz im Umfang ihres
Obsiegens – also zu zwei Dritteln – für die ihnen erwachsenen notwendi-
gen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). Soweit
die Beschwerdeführenden – zu einem Drittel – unterliegen, ist der unent-
geltlichen Rechtsbeiständin ein Honorar zu Lasten der Gerichtskasse aus-
zurichten, wobei diesbezüglich, wie in der Instruktionsverfügung vom
11. Oktober 2019 festgehalten, ein reduzierter Stundenansatz von
Fr. 150.– anzuwenden ist.
In der Kostennote vom 1. Oktober 2019 werden ein Aufwand von 11.5
Stunden und Auslagen von Fr. 20.– geltend gemacht. Der ausgewiesene
Aufwand erscheint vorliegend als angemessen. Der im Falle eines Obsie-
gens angeführte Stundenansatz von Fr. 200.– ist für die Bemessung der
Parteientschädigung reglementskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die
Auslagen sind zu zwei Dritteln zu Lasten des SEM beziehungsweise zu
einem Drittel der Gerichtskasse zu verlegen. Demgegenüber ist in der Kos-
tennote der für die Eingabe vom 1. April 2020 (Anfrage Verfahrensstand)
sowie der Beweismitteleingaben vom 21. April 2020, 2. Juni 2020, 8. Juni
2020 und 20. August 2020 benötigte Aufwand nicht enthalten und daher
von Amtes wegen auf zwei Stunden zu veranschlagen. Der Aufwand erhöht
sich demnach auf insgesamt 13.5 Stunden und die Auslagen um gerundet
Fr. 27.– auf insgesamt Fr. 47.–. Die Parteientschädigung ist gerundet dem-
nach auf Fr. 1832.– festzusetzen, und das SEM ist anzuweisen, den Be-
schwerdeführenden diesen Betrag zu entrichten. Das Honorar für die un-
entgeltliche Rechtsbeiständin zu Lasten der Gerichtskasse ist demgegen-
über auf Fr. 690.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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