Decision ID: 204251d6-d8fd-4fa8-9ec7-4e45d00b8bcc
Year: 2022
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1962 geborene A. (nachfolgend: der Kläger) war seit dem Jahr 1996 bei der
E. GmbH angestellt. Hierdurch war er bei der Versicherung F. obligatorisch gegen die Folgen
von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Mit Arztzeugnis UVG meldete er der
Versicherung F. am 12. Juni 2006 einen Unfall. Demgemäss sei bei ihm am 16. April 2006
ein akuter Knieschmerz rechts aufgetreten, dies bei normalem Gehen (act. 2.5). Die
Versicherung F. übernahm den Fall gemäss der Einschätzung ihres kreisärztlichen Dienstes
als unfallähnliche Körperschädigung (act. 2.8). Am 16. September 2013 sprach sie dem
Kläger eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine Integritätseinbusse von 10 % zu (act.
2.14).
B. Mittels des Formulars Bagatellunfall-Meldung UVG meldete der Kläger der Versicherung F.
am 27. Juni 2014, er habe sich am 19. Juni 2014 beim Hantieren mit einer Aluplatte den Fuss
verdreht; der Meniskus am linken Knie sei leicht angerissen worden (act. 2.16). Die
Versicherung F. anerkannte wiederum ihre Leistungspflicht.
C. Am 10. April 2018 verfügte die Versicherung F. gegenüber dem Kläger die Zusprache einer
Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 49 % (mit Beginn auf den 1. Januar
2015) sowie einer Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von
20 %. Der Versicherungsträger erwog bezüglich seines Rentenentscheids im Einzelnen,
seine medizinischen und erwerblichen Abklärungen hätten ergeben, dass die angestammte
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Tätigkeit als Metallbauer aufgrund der erlittenen Unfallfolgen nicht mehr zumutbar sei. Eine
leidensadaptierte Tätigkeit könne der Versicherte hingegen vollzeitig und vollschichtig
ausüben. Unter Berücksichtigung der unfallbedingten Einschränkungen sei es gemäss
Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) weiterhin möglich, ein jährliches Einkommen von
Fr. 56'380.20 zu erzielen. Ohne Unfallfolgen hätte gleichzeitig in der angestammten Tätigkeit
als Metallbauer ein jährliches Einkommen von Fr. 110'942.20 erzielt werden können. Stelle
man das heute unter Berücksichtigung der Unfallfolgen noch erzielbare Invalideneinkommen
2015 von Fr. 56'380.20 dem gleichzeitig ohne Unfallfolgen möglichen Valideneinkommen
von Fr. 110'942.20 gegenüber, resultiere daraus eine unfallbedingte Einkommenseinbusse
von abgerundet 49 %. Was die Integritätsentschädigung angehe, ergebe sich für den Unfall
vom 16. April 2006 eine Integritätseinbusse von 10 %, entsprechend einem Betrag von
Fr. 10'680.--, und für jenen vom 19. Juni 2014 ebenfalls eine solche von 10 %, entsprechend
einem Betrag von Fr. 12'600.--. Die Integritätsentschädigung belaufe sich damit total auf
Fr. 23'280.-- (act. 2.23).
D. Im Januar 2017 hatte sich der Kläger ausserdem zum Bezug von Leistungen der Invaliden-
versicherung angemeldet (act. 2.19). Nach Durchführung der medizinischen und erwerbli-
chen Abklärungen sprach die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden ihm schliesslich mit Verfü-
gung vom 22. November 2018 unter Übernahme des von der Versicherung F. ermittelten IV-
Grades von 49 % eine Viertelsrente zu, beginnend am 1. Juli 2017 (act. 2.2).
E. Schliesslich stellte der Kläger ein Rentenbegehren aus beruflicher Vorsorge gegenüber der
Sammelstiftung B., c/o Versicherung D. (nachfolgend: die Beklagte), welcher seine
ehemalige Arbeitgeberin, die E. GmbH (die heute C. GmbH heisst), angeschlossen ist. Mit
Schreiben vom 14. Mai 2019 hielt die Beklagte gegenüber dem Kläger fest, gemäss den
reglementarischen Bestimmungen könnten die Leistungen aus dem Vorsorgevertrag gekürzt
werden, soweit diese zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 % des
mutmasslich entgangenen Verdienstes überstiegen. Vorliegend würde sich per 1. Januar
2015 bei einer Gegenüberstellung des massgebenden mutmasslich entgangenen
Verdienstes und der anrechenbaren Einkünfte eine Überversicherung ergeben, weshalb
keine Rente aus der beruflichen Vorsorge ausgerichtet werde (act. 2.38). In einem Schreiben
vom 10. August 2019 rügte der Kläger gegenüber der Beklagten die Ablehnung seines
Rentenbegehrens, konkret mit Verweis darauf, die Vorsorgeeinrichtung habe die
massgebenden anrechenbaren Einkünfte falsch ermittelt (act. 6.14). Mit Eingabe vom
3. September 2021 erhob er alsdann Klage beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden und
stellte das eingangs zitierte Rechtsbegehren (act. 1). Die Klageantwort der Beklagten mit
dem Antrag auf Klageabweisung wurde am 28. Oktober 2021 erstattet (act. 5). In seiner
Replik vom 24. Januar 2022 hielt der Kläger an seinem Rechtsbegehren fest (act. 9), des
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Gleichen die Beklagte in ihrer Duplik vom 15. Februar 2022 (act. 12). Am 4. März 2022 gab
der Kläger nochmals eine Stellungnahme ab (act. 14).

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Klageberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und Frister-
fordernisse an die Klageschrift erfüllt sind. Weil die ehemalige Arbeitgeberin des Klägers
ihren Sitz in G. hat, ist die Zuständigkeit des Obergerichts Appenzell Ausserrhoden gegeben
(Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes vom 13. September 2010 [bGS 145.31] i.V.m. Art. 73
Abs. 1 und 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG, SR 831.40]).
2. 2.1
Nach Art. 23 lit. a BVG haben Personen Anspruch auf Invalidenleistungen, die im Sinne der
Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit,
deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Die versicherte Person hat
Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn sie im Sinne der Invalidenversicherung zu
mindestens 70 % invalid ist (Art. 24 Abs. 1 lit. a BVG). Für den Beginn des Anspruchs auf
Invalidenleistungen gelten sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des IVG (Art. 26
Abs. 1 BVG).
2.2
Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von derjenigen Vor-
sorgeeinrichtung geschuldet, bei welcher die ansprechende Person bei Eintritt der Arbeits-
unfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert war (Art. 23 lit. a BVG; BGE
135 V 13 E. 2.6 S. 17 f.). Für die Bestimmung der Leistungszuständigkeit ist eine erhebliche
und dauerhafte Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich massgebend. Diese muss mindestens 20 % betragen (BGE 134 V
20 E. 3.2.2 S. 23; Urteil des Bundesgerichts 9C_66/2015 vom 9. Juni 2015 E. 1.1 mit
Hinweisen).
2.3
Die Vorsorgeeinrichtung kann die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen, soweit
diese zusammen mit anderen Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung sowie weiteren
anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des mutmasslich entgangenen Verdienstes
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übersteigen (Art. 34a Abs. 1 BVG; ebenso Art. 24 Abs. 1 der Verordnung vom 18. April 1984
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVV 2; SR 831.441.1]
i.V.m. Art. 34a Abs. 1 BVG, je in den bis Ende 2016 geltenden Fassungen).
2.4
Die Vorsorgeeinrichtung kann bei der Kürzung von Invalidenleistungen (vor Erreichen des
ordentlichen Rentenalters) insbesondere das weiterhin erzielte oder zumutbarerweise noch
erzielbare Erwerbs- oder Ersatzeinkommen anrechnen (Art. 24 Abs. 1 lit. d BVV 2 i.V.m.
Art. 34a Abs. 5 lit. a BVG; ebenso Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 i.V.m. Art. 34a Abs. 1 BVG,
je in den bis Ende 2016 geltenden Fassungen).
2.5
Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge ist von einer grundsätzlichen Kongruenz
von Valideneinkommen und mutmasslich entgangenem Verdienst im Sinne von Art. 34a
Abs. 1 BVG (resp. Art. 24 Abs. 1 BVV 2 in der bis Ende 2016 geltenden Fassung) aus-
zugehen. Dasselbe gilt für Invalideneinkommen und zumutbarerweise noch erzielbarem
Erwerbseinkommen nach Art. 24 Abs. 1 lit. d BVV 2 (resp. Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 in der
bis Ende 2016 geltenden Fassung), weshalb das von den IV-Organen festgelegte Inva-
lideneinkommen dem Grundsatz nach auch in der berufsvorsorgerechtlichen Überentschä-
digungsberechnung zu berücksichtigen ist (BGE 143 V 91 E. 4.2 S. 94; 141 V 351 E. 5.1
S. 354; 140 V 399 E. 5.2.1 S. 401; 137 V 20 E. 2.2 S. 23; 134 V 64 E. 4.1.3 S. 7).
Von der vermuteten Kongruenz des Invalideneinkommens mit dem zumutbarerweise noch
erzielbaren Erwerbseinkommen ist insbesondere dann abzuweichen, wenn – seitens der
versicherten Person nachzuweisende – persönliche Umstände und die tatsächliche Lage auf
dem im Einzelfall relevanten Arbeitsmarkt die Verwertung der (invalidenversicherungs-
rechtlich festgestellten) Restarbeitsfähigkeit erschweren resp. verunmöglichen (BGE 137 V
20 E. 2.2 S. 23; 134 V 64 E. 4.2 und 4.3 S. 70 ff.; Urteil des Bundesgerichts 9C_495/2017
vom 16. April 2018 E. 3.3.1).
2.6
Bezüglich des Vorsorgereglementes der Beklagten ist auf folgende Bestimmungen hinzu-
weisen:
Ziff. 4.4.4
Die Leistungen aus diesem Vorsorgereglement werden zusätzlich zu den Leistungen anderer
in- und ausländischer betrieblicher oder sozialer Versicherungen ausgerichtet. Aus dem
Zusammentreffen dieser Leistungen darf jedoch für die anspruchsberechtigte Person kein
ungerechtfertigter Vorteil entstehen. Ein ungerechtfertigter Vorteil entsteht dann, wenn die
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Leistungen aus diesem Vorsorgereglement an Hinterlassene oder Invalide zusammen mit
den übrigen anrechenbaren Einkünften (gem. Ziff. 4.4.2) 90 % des mutmasslich entgange-
nen Verdienstes der versicherten Person übersteigen. In diesem Falle kürzt die Stiftung ihre
Leistungen so weit, als diese zusammen mit den übrigen anrechenbaren Einkünften 90 %
des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen.
Ziff. 4.6.1
Abs. 3: Anspruch auf die vollen reglementarischen Leistungen besteht, wenn der Invalidi-
tätsgrad mindestens 70 % beträgt. Bei einem Invaliditätsgrad zwischen 60 % und 69 % wird
eine Dreiviertelsrente ausgerichtet. Bei einem Invaliditätsgrad von weniger als 60 % werden
die Leistungen entsprechend dem Invaliditätsgrad entrichtet. Eine Teilinvalidität von weniger
als 25 % begründet keinen Anspruch auf Leistungen.
Abs. 4: Der Anspruch auf die versicherten Leistungen entsteht, nachdem die versicherte
Person länger als die in Ziff. 4.6.2 festgelegte Wartefrist ganz oder teilweise erwerbsunfähig
gewesen ist. (...)
Ziff. 4.6.2
Abs. 3: Die Rente setzt nach 12 Monaten Erwerbsunfähigkeit ein. Der Anspruch wird auf-
geschoben, solange ein Anspruch auf Lohnfortzahlung oder entsprechende Ersatzleistungen
besteht. Als Ersatzleistungen gelten insbesondere Krankentaggelder oder – sofern
Leistungen gemäss Ziffer 4.4.2 erbracht werden – Taggelder der Unfall- oder Militärversi-
cherung.
3. 3.1
Vorliegend stand der Kläger bis Ende 2014 in einem Arbeitsverhältnis mit der E. GmbH und
war in dieser Eigenschaft der Beklagten angeschlossen. Zwischen den Parteien ist die
Zuständigkeit der Beklagten hinsichtlich der eingetretenen Invalidität (zurecht) nicht streitig.
Ebenfalls Einigkeit besteht zwischen den Parteien darüber, dass das von der IV-Stelle
ermittelte Valideneinkommen von Fr. 110'942.-- auch als mutmasslich entgangener
Verdienst im Sinne von Art. 34a Abs. 1 BVG zu gelten hat. Dem ist soweit wiederum zuzu-
stimmen. Streitig ist zwischen den Parteien hingegen die Höhe der anrechenbaren Einkünfte.
Gerügt wird hier vom Kläger, die Beklagte habe in Bezug auf das weiterhin erzielbare
Einkommen zu Unrecht auf jene Fr. 56'380.-- abgestellt, wie sie von der Versicherung F.
gestützt auf die DAP ermittelt worden waren und wie sie auch dem Rentenentscheid der
Invalidenversicherung zugrunde liegen. Laut dem Kläger sei hinsichtlich der Leistungen der
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Beklagten vielmehr jenes Einkommen massgebend, welches er im betreffenden Zeitraum,
das heisst im Jahr 2017, tatsächlich verdient habe, konkret ein Betrag von Fr. 16'387.50.
3.2
Für die Festlegung des zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommens besteht die
Vermutung, dass dieses mit dem von der IV-Stelle ermittelten Invalideneinkommen über-
einstimmt. Beabsichtigt jedoch die Vorsorgeeinrichtung eine Anrechnung des hypothetischen
Einkommens, verlangt der Zumutbarkeitsgrundsatz, dass sie der teilinvaliden versicherten
Person vorgängig das rechtliche Gehör hinsichtlich jener arbeitsmarktbezogenen und
persönlichen Umstände gewähren muss, die ihm die Erzielung eines Resterwerbsein-
kommens in der Höhe des Invalideneinkommens erschweren oder verunmöglichen. Solche
subjektiven Gegebenheiten, denen unter Zumutbarkeitsgesichtspunkten Rechnung zu tra-
gen ist, sind alle Umstände, welche – im Rahmen einer objektivierenden Prüfung – für die
effektiven Chancen des betreffenden Versicherten, auf dem jeweiligen tatsächlichen Arbeits-
markt eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zu finden, von wesentlicher Bedeutung
sind (BGE 134 V 64 E. 4.2.1). Das zumutbarerweise noch erzielbare Einkommen ist im
Zeitpunkt der Vornahme der Überentschädigungsberechnung zu bestimmen (MARC
HÜRZELER, in: Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, BVG und FZG,
2. Aufl. 2019, N. 59 zu Art. 34a BVG).
3.3
Ob die versicherte Person, die Invalidenleistungen bezieht, tatsächlich die Möglichkeit hätte,
noch erwerbsfähig zu sein, muss einzelfallweise geprüft werden. Wie diese Prüfung erfolgen
soll, ist nicht geklärt. Das Vorweisen von Absagen auf Stellenbewerbungen, möglicherweise
sogar auf dem Nachweisblatt für Arbeitsbemühungen der Arbeitslosenversicherung, reicht
nicht aus. Erst die Absagen auf eine grössere Zahl ernst gemeinter Arbeitsbemühungen über
einen längeren Zeitraum lassen die Vermutung zu, dass eine Verwertung der theoretischen
Resterwerbsfähigkeit nicht möglich ist (HANS-ULRICH STAUFFER, Berufliche Vorsorge, 3. Aufl.
2019, S. 396 Rz. 1223).
3.4
Bei der Anrechnung zumutbarerweise erzielbarer Resterwerbseinkommen nimmt das Bun-
desgericht eine Beweislastumkehr zulasten der versicherten Person vor. Diese hat konjunk-
turelle und persönliche Umstände, welche die Verwertung der verbliebenen Restarbeitsfä-
higkeit in wirtschaftlicher Hinsicht reduzieren, darzulegen und mit dem üblichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beweisen. Die diesbezügliche Beweislosigkeit
geht zulasten der versicherten Person (HÜRZELER, a.a.O., N. 61 zu Art. 34a BVG, mit Verweis
auf das Urteil des Bundesgerichts 9C_113/2016 vom 18. Juli 2016 E. 3.2.4).
Seite 8
3.5
Zur Beantwortung der Frage, ob dem Kläger im Zeitpunkt der Prüfung der Überentschädi-
gung, das heisst vorliegend im Mai 2019 (vgl. act. 2.38), die Erzielung eines Erwerbsein-
kommens zumutbar war, und falls dies zu bejahen ist, auf welchen Betrag sich dieses Ein-
kommen beläuft, ist dessen genaue Erwerbssituation zu betrachten. Der Kläger arbeitete von
Februar 1996 bis Dezember 2014 als Werkstattmitarbeiter/Allrounder bei der E. GmbH in G.
Ab Juli 2015 war er als Metallbauer bei der H. GmbH in I. angestellt, dies in einem
Teilzeitpensum (act. 2.37). Gemäss eigenen Angaben hat er diese Tätigkeit bis September
2018 ausgeübt. Im Übrigen ist dokumentiert, dass der Kläger im Zuge der von der E. GmbH
ausgesprochenen Kündigung eine Vielzahl an Bewerbungen getätigt hatte. Die betreffenden
Stellensuchbemühungen ergeben sich vornehmlich aus den vom Kläger replikweise
eingereichten Nachweisblättern für persönliche Arbeitsbemühungen der Arbeitslosenver-
sicherung. Aus den betreffenden Unterlagen ergeht, dass der Kläger von Oktober 2014 bis
Dezember 2015 monatlich 5 - 8 Bewerbungen getätigt hatte. Bezüglich des Jahres 2016
liegen die Nachweisblätter für die Monate Januar bis Oktober vor (wobei jene Blätter für die
Monate Januar, Mai und Juni 2016 offenbar fälschlicherweise mit "2015" betitelt wurden);
laut diesen Aktenstücken hatte der Kläger damals monatlich zwischen 5 und 9 Bewerbungen
lanciert. Nebst den Nachweisblättern der Arbeitslosenversicherung reichte der Kläger im
Rahmen seiner Replik ausserdem noch drei Bewerbungsschreiben aus dem Monat Oktober
2014 ein (act. 10.39-41).
3.6
Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.5), besteht grundsätzlich eine Vermutung, dass das von der
Invalidenversicherung ermittelte Invalideneinkommen und das zumutbarerweise noch erziel-
bare Erwerbseinkommen im Sinne von Art. 24 BVV 2 übereinstimmen. Streitig und zu prüfen
ist, ob arbeitsmarktbezogene und persönliche Umstände vorliegen, die dem Kläger die
Erzielung eines Resterwerbseinkommens in der Höhe des Invalideneinkommens erschwe-
ren oder verunmöglichen, mit der Folge, dass letzteres für die Belange der beruflichen
Vorsorge nicht für massgebend erklärt werden kann.
3.7
Gemäss den vorstehenden Erwägungen (E. 3.4) vermag der Kläger anhand der Nachweis-
blätter der Arbeitslosenversicherung zu dokumentieren, dass er sich nach erhaltener Kün-
digung seitens der E. GmbH während einer Zeitspanne von rund zwei Jahren (Oktober 2014
bis Oktober 2016) um eine neue Stelle bemüht hatte. Erfolgreich war dabei anscheinend nur
die Bewerbung als Metallbauer bei der H. GmbH. Laut eigenen Angaben hatte der Kläger die
betreffende Anstellung jedoch nur aufgrund persönlicher Beziehungen erhalten. Gestützt
wird diese Aussage durch das Nachweisblatt vom Juli 2015, wo bezüglich der Bewerbung
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bei der H. GmbH "persönlich" angekreuzt ist. Letztlich verstand der Kläger die Arbeitsstelle
bei diesem Unternehmen offensichtlich nur als Übergangslösung, da er sich ja eben
weiterbeworben hatte.
3.8
Der Kläger sieht den Umstand, dass er trotz zahlreicher Bewerbungen über einen Zeitraum
von zwei Jahren nur aufgrund persönlicher Beziehungen eine neue Anstellung (als Metall-
bauer im Stundenlohn) fand, als Beleg dafür an, dass er seine theoretisch verbliebene
Arbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten kann. Es ist allerdings fraglich, ob die Bewerbungen
auch wirklich auf jene Restarbeitsfähigkeit ausgerichtet waren, wie sie vom zuständigen
Versicherung F.-Kreisarzt am 22. Februar 2018 festgelegt wurde. Laut der Beurteilung dieses
Mediziners ist dem Kläger eine seinem Leiden adaptierte Tätigkeit grundsätzlich voll
zumutbar. Einschränkungen ergeben sich jedoch aufgrund des definierten Adaptionsprofils.
Konkret müsse es sich um eine wechselbelastende, zur Hälfte der Arbeitszeit sitzend zu
leistende Tätigkeit handeln. Tätigkeiten im Stehen und Gehen seien mehrmals täglich eine
bis zwei Stunden zumutbar, allerdings nur auf ebenem Gelände. Selten zumutbar sei das
Treppensteigen. Arbeiten in der Höhe mit Absturzgefahr (z. B. das Besteigen von Leitern
oder Tätigkeiten auf Dächern) seien zu vermeiden. Ebenfalls nicht mehr zumutbar seien
kniende und kauernde Arbeiten, Tätigkeiten mit repetitivem Kraftaufwand des rechten Beines
über längere Zeit sowie Erschütterungen und Vibrationen der Beine. Das Heben an Ort und
Stelle sei bis 15 kg, selten bis 20 kg und beim Tragen kurzstreckig bis 10 kg (aber ohne
Treppensteigen) möglich. Eine rein stehende Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (act. 6.5).
3.9
Der Kläger verrichtete seine ursprüngliche Arbeit als Metallbauer, die aus Schweissen,
Abkanten, Schleifen, Biegen usw. bestand, in erster Linie stehend (vgl. act. 2.9). Die
Versicherung F. war gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung davon ausgegangen, dass
dem Kläger seine angestammte Tätigkeit als Metallbauer nicht mehr zumutbar sei. Weniger
weit geht der Kläger selber, welcher seine Arbeit als Metallbauer bei der H. GmbH, im
Rahmen welcher ein Einkommen von Fr. 16'387.50 erzielte, als leidensangepasst ansieht.
Letzteres muss aber bezweifelt werden. Das Anforderungsprofil eines Metallbauers wird dem
vom Versicherung F.-Kreisarzt definierten Zumutbarkeitsprofil nicht gerecht. Nachdem seine
ehemalige Arbeitgeberin, die E. GmbH, für den Kläger nach 18-jähriger Zusammenarbeit im
Oktober 2014 keine Verwendungsmöglichkeit mehr sah, musste für ihn klar sein, dass seine
berufliche Zukunft nicht im Bereich des Metallbaus liegen konnte. Daran ändert nichts, dass
der Kläger im Juli 2015 von der H. GmbH als Metallbauer angestellt wurde. Der Kläger gibt
selber an, dass er diese Stelle nur aufgrund von persönlichen Beziehungen erhielt, und des
Weiteren macht das von ihm im Rahmen dieser Tätigkeit erzielte Einkommen von
Seite 10
Fr. 16'387.50 deutlich, dass er ein sehr tiefes Pensum ausübte – bei weitem nicht den
100 % entsprechend, die der Versicherung F.-Kreisarzt hinsichtlich einer adaptierten
Tätigkeit als zumutbar ansah. Es erscheint fraglich, weshalb sich der Kläger bei seinen
Bewerbungsbemühungen zu einem wesentlichen Teil auf Anstellungen als Metallbauer
konzentrierte. Wie gesehen macht der Versicherung F.-Kreisarzt eine zu 100 % zumutbare
Tätigkeit grundsätzlich davon abhängig, dass es sich um eine wechselbelastende, zur Hälfte
der Arbeitszeit sitzend zu leistende Tätigkeit handelt. Auf die Arbeit des Metallbauers treffen
diese Voraussetzungen – weil jene vorwiegend stehend ausgeübt wird – klarerweise nicht
zu. Dasselbe gilt hinsichtlich weiterer Stellen, für welche der Kläger sich beworben hat, etwa
jene eines Schweissers oder Abkanters. Wohl brachte der Kläger für solche Tätigkeiten die
entsprechenden Erfahrungen mit, doch waren sie eben nicht leidensadaptiert, weil auch sie
in erster Linie stehend verrichtet werden. Ebenso waren die diversen Bewerbungen als
Spengler und als in der Höhe arbeitender Monteur nicht am gesundheitlichen Potential des
Klägers orientiert, da der Kreisarzt Arbeiten auf Dächern oder Leitern gänzlich ausschloss.
Von vornherein ungeeignet waren schliesslich auch Bewerbungen als Hausabwart, da diese
Tätigkeit nicht zu 50 % sitzend ausgeübt werden kann. Angemerkt sei, dass die kreisärztliche
Stellungnahme zwar aus dem Jahr 2018 stammt, derweil der Kläger seine dokumentierten
Bewerbungsbemühungen vornehmlich in den Jahren 2015 und 2016 unternahm. Seitens des
Kreisarztes wurde jedoch darauf hingewiesen, dass sich beim Kläger seit dem Jahr 2015 im
Wesentlichen ein unveränderter Gesundheitszustand präsentiere. Somit ist das fragliche
Zumutbarkeitsprofil bereits ab dem Jahr 2015 – und damit auch für den Zeitraum der
dokumentierten Bewerbungsbemühungen – als massgebend zu betrachten. Im Ergebnis
muss bei der Beurteilung, ob der Kläger mit den Nachweisblättern den Beweis zu erbringen
vermag, dass er seine theoretische Arbeitsfähigkeit nicht verwerten kann, ein grosser Teil
der getätigten Bewerbungen ausgeklammert werden, da die betreffenden Tätigkeiten vom
medizinischen Zumutbarkeitsprofil deutlich abwichen. In gewissen Monaten hatte der Kläger
überhaupt keine Bewerbungen lanciert, die mit seinem Leiden in Einklang standen, in
anderen Monaten kamen höchstens 1 - 2 Bewerbungen grundsätzlich in Frage. Die
getätigten Bewerbungsbemühungen genügen offenkundig nicht für den Nachweis des
Vorliegens arbeitsmarktbezogener und persönlicher Umstände, die dem Kläger die Erzielung
eines Resterwerbseinkommens in der Höhe des Invalideneinkommens erschweren bzw.
verunmöglichen. Die Tatsache, dass die Arbeitslosenversicherung die Stellensuchbe-
mühungen offenbar als ausreichend erachtete und laut dem Kläger namentlich keine
Einstelltage bei der Arbeitslosenentschädigung verhängte, ändert am Gesagten nichts.
Zusammenfassend gelingt es dem Kläger nicht, die Vermutung umzustossen, er könne auf
dem tatsächlichen Arbeitsmarkt ein dem Invalidenlohn entsprechendes Resteinkommen
erzielen (BGE 134 V 64 E. 4.2.1). Ihm war folglich gestützt auf Art. 24 Abs. 2 BVV 2 ein
zumutbarerweise erzielbares Erwerbseinkommen anzurechnen, wie dies die Beklagte getan
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hat. Im Übrigen erweisen sich die Berechnungen der Beklagten im Schreiben vom 14. Mai
2019 (act. 6.12) als korrekt; deren Leistungsverweigerung aufgrund von Überversicherung
ist mithin zurecht erfolgt. Die Klage ist dementsprechend abzuweisen.
4. Das Verfahren vor dem kantonalen Gericht im Sinne von Art. 73 BVG ist in der Regel kos-
tenlos. Eine Ausnahme gilt bei mutwilliger Prozessführung (MEYER/UTTINGER, in: Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, BVG und FZG, 2. Aufl. 2019, N. 93 zu
Art. 73 BVG). Im vorliegenden Verfahren hat sich keine der Parteien mutwillig verhalten,
sodass im Ergebnis auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten ist.
5. Die vollständig obsiegende Beklagte hat einen Antrag auf Parteientschädigung gestellt. Ein
Entschädigungsanspruch bestünde letztlich aber (wiederum) nur, wenn sich die Gegenpartei
mutwillig verhalten hätte. Andernfalls würde die Kostenfreiheit des Verfahrens ihres Gehalts
entleert. Nachdem der Kläger nicht mutwillig prozessiert hat, schuldet er der Beklagten
deshalb keine Parteientschädigung (vgl. BGE 126 V 143 E. 4b; MEYER/UTTINGER, a.a.O.,
N. 94 zu Art. 73 BVG).
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