Decision ID: 83cdcdfc-91ab-497d-b7bc-fda2b860cea3
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache sexuelle Nötigung etc.
Berufung gegen die Urteile des Bezirksgerichts Bülach, I. Abteilung, vom 9. Juli 2020 (DG190077, DG190079 und DG190080)
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Anklage: (Urk. 34)
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
12. Dezember 2019 ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz i.S. der Beschuldigten A._: (Urk. 151 S. 149 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen, gemeinsam begangenen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB;
− der Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB;
− der mehrfachen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB;
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB;
− der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB.
2. Vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird die Beschuldigte
freigesprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit 44 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 214 Tage durch Haft
und Ersatzmassnahme erstanden sind.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Die Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. g und h StGB für 5 Jahre des
Landes verwiesen.
6. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem an-
geordnet.
7. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 26. November 2019
beschlagnahmte Mobiltelefon Samsung Galaxy S9+ Duos, SM-G965F, Rufnummer 1, As-
servatennummer A012'425'499 wird eingezogen und der Kantonspolizei Zürich, EG-SK und
Asservatentriage, zur Vernichtung überlassen.
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8. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 26. November 2019,
beschlagnahmten Gegenstände werden der Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf
erstes Verlangen herausgegeben. Verlangt die Beschuldigte die Gegenstände nicht innert
30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils heraus, werden sie der zuständigen Lagerbehörde zur
Vernichtung überlassen:
− Mobiltelefon Samsung 4, IMEI-Nummer 2 (A012'439'928);
− Zubehör, externes CD/DVD-Laufwerk, enthaltend original Fahrschul CD
(A012'439'951);
− Mobiltelefon Samsung Galaxy 4 mini (A012'439'973);
− Notebook, Acer Aspire (Seriennummer 3) (A012'439'984);
− andere Datenträger, USB Memory Stick, SanDisk (A012'439'995);
− Mobiltelefon Wiko Jerry (A012'440'005);
− Mobiltelefon, Microsoft Lumis 535 (A012'449'005).
9. Der Schadenersatzanspruch in der Höhe von Fr. 320.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 11. März
2019 der Privatklägerin wird abgewiesen.
10. Der Schadenersatzanspruch der Privatklägerin in der Höhe von Fr. 480.– sowie im
Mehrbetrag zuzüglich Zins zu 5 % seit 11. März 2019 werden auf den Zivilweg verwiesen.
11. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 6'250.–,
solidarisch haftend für den Gesamtbetrag von Fr. 25'000.–, zuzüglich Zins zu 5 % seit
11. März 2019 zu bezahlen.
12. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 269.75 Auslagen (Gutachten)
Fr. 1'550.50 Auslagen
Fr. 420.– Auslagen Polizei
Fr. 7'190.025 Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand inkl. MWST (Privatklägerin), wovon Fr. 2'813.66 inkl. MWST bereits ausbezahlt wurden wurden
Fr. 46'827.75 Amtliche Verteidigungskosten inkl. MWST
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten
auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, einschliesslich
derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, welche einstweilen und
unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
14. (Mitteilungen)
15. (Rechtsmittel)"
Urteil der Vorinstanz i.S. der Beschuldigten B._: (Urk. 157/151 S. 143 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen, gemeinsam begangenen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB;
− der Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB;
− der mehrfachen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB;
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB;
− der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB.
2. Vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird die Beschuldigte
freigesprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit 28 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 101 Tage durch Haft
und Ersatzmassnahme erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate abzüglich die bereits erstandene
Haft und Ersatzmassnahmen) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 26. November 2019
beschlagnahmte Mobiltelefon Apple IPhone X Max (A012'417'902) wird der Beschuldigten
nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
6. Der Schadenersatzanspruch in der Höhe von Fr. 320.– zuzüglich Zins zu 5% seit 11. März
2019 der Privatklägerin wird abgewiesen.
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7. Der Schadenersatzanspruch der Privatklägerin in der Höhe von Fr. 480.– sowie im
Mehrbetrag zuzüglich Zins zu 5% seit 11. März 2019 werden auf den Zivilweg verwiesen.
8. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 6'250.–,
solidarisch haftend für den Gesamtbetrag von Fr. 25'000.–, zuzüglich Zins zu 5% seit
11. März 2019 zu bezahlen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 269.75 Auslagen (Gutachten)
Fr. 56.60 Auslagen
Fr. 420.– Auslagen Polizei
Fr. 7'190.025 Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand inkl. MWST (Privatklägerin), wovon Fr. 2'813.66 inkl. MWST bereits ausbezahlt wurden
Fr. 45'543.70 amtl. Verteidigungskosten inkl. MWST
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten
auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, einschliesslich
derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, welche einstweilen und
unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
11. (Mitteilungen)
12. (Rechtsmittel)"
Urteil der Vorinstanz i.S. der Beschuldigten C._: (Urk. 158/151 S. 138 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen, gemeinsam begangenen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB;
− der Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB;
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− der mehrfachen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB;
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB;
− der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB.
2. Vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird die Beschuldigte
freigesprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit 40 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 95 Tage durch Haft
und Ersatzmassnahmen erstanden sind.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 26. November 2019
beschlagnahmten Gegenstände werden der Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf
erstes Verlangen herausgegeben. Verlangt die Beschuldigte die Gegenstände nicht innert
30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils heraus, werden sie der zuständigen Lagerbehörde
zur Vernichtung überlassen:
− Mobiltelefon Apple IPhone 8 weiss, schwarze Hülle mit Logo ... Gang, defektes Display, Tel. Nr. 4 (A012'420'847);
− Tablet PC, Apple IPad 9.7, Seriennummer 5 (A012'437'160);
− Notebook, HP Pavillon weiss/silber, Seriennummer 6 (A012'437'182).
6. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
26. November 2020 beschlagnahmten Gegenstände, forensisch gesicherten Spuren und
Spurenträger bei der Kantonspolizei Zürich, EG-SK und Asservatentriage sowie z.H. des
FOR, werden nach Rechtskraft des Urteils zur Vernichtung freigegeben.
− Messer, 2 Besteckmesser, Griff weiss mit schwarzen Verzierungen (an einer  kleben noch Haare) (A012'427'962);
− Körperpflegemittel/Kosmetik, 4 Tampons (A012'427'984, A012'427'995, A012'428'001, A012'428'023);
− Sexartikel, 1 Kondom (A012'428'034);
− 7 Wattetupfer (A012'440'083);
− Datenträger für Computer, 1 Stick mit Fotos des untersuchten Autos (A012'440'094).
7. Die folgenden gesicherten Daten bei der Kantonspolizei Zürich werden nach Rechtskraft
des Urteils zur definitiven Löschung freigegeben:
− Tatort-Fotografie, Übersichts- und Detailsaufnahmen (A012'427'939);
− IRM-Fotografie, Übersichts- und Detailsaufnahmen aus Frauenklinik (A012'416'114);
− Videodatensicherung, Videoüberwachung AD._ Tankstelle (A012'418'892).
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8. Die folgenden bei der Kantonspolizei Zürich, ITO-DF, Ref. Nr. 7, gesicherten Daten (Fotos)
werden nach Rechtskraft des Urteils zur definitiven Löschung freigegeben.
9. Die folgenden bei der Kantonspolizei Zürich sichergestellten Gegenstände werden der
Privatklägerin nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben. Verlangt
die Privatklägerin die Gegenstände nicht innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils heraus,
werden sie der zuständigen Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:
− Haarpflegegerät, Haarbürste, Kunststoff, schwarz (A012'416'158);
− Damenbluse, schwarz, Marke H&M, Grösse 34 (A012'416'169);
− Gürtel, Handtaschengürtel braun, mit goldfarbenen Karabinerhaken (A012'416'170);
− Haarersatz, Kunsthaarverlängerungen blond (A012'416'125).
10. Die folgenden bei der Kantonspolizei Zürich sichergestellten Gegenstände, werden nach
Rechtskraft des Urteils zur Vernichtung freigegeben:
− Flasche, Petflasche, 5dl, FANTA, halbleer (A012'4160316);
− Gegenstand, Plastikdeckel einer Capri Sonne (Getränk) (A012'416'147).
11. Folgende forensisch sichergestellten Spurenträger bei der Kantonspolizei Zürich, EG-SK
und Asservatentriage bzw. beim Forensischen Institut (FOR) werden zur Vernichtung freige-
geben, sofern sie nicht bereits vernichtet wurden:
− DNA-Wattetupfer (A012'417'526);
− DNA-Wattetupfer (A012'417'537);
− DNA-Wattetupfer (A012'417'560).
12. Der Schadenersatzanspruch in der Höhe von Fr. 320.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 11. März
2019 der Privatklägerin wird abgewiesen.
13. Der Schadenersatzanspruch der Privatklägerin in der Höhe von Fr. 480.– sowie im
Mehrbetrag zuzüglich Zins zu 5 % seit 11. März 2019 werden auf den Zivilweg verwiesen.
14. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 6'250.–,
solidarisch haftend für den Gesamtbetrag von Fr. 25'000.–, zuzüglich Zins zu 5 % seit
11. März 2019 zu bezahlen.
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15. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 269.75 Auslagen (Gutachten)
Fr. 50.45 Auslagen
Fr. 420.– Auslagen Polizei
Fr. 7'190.025 Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand inkl. MWST (Privatklägerin), wovon Fr. 2'813.66 inkl. MWST bereits ausbezahlt wurden
Fr. 16'480.30 amtl. Verteidigungskosten inkl. MWST für RA lic. iur. Y1._ bereits ausbezahlt
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
16. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten
auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, einschliesslich
derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, welche einstweilen und
unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
17. (Mitteilungen)
18. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten A._:
(Urk. 212 S. 2 f.; Prot. II S. 17 sinngemäss)
1. Das Verfahren wegen mehrfacher, gemeinsam begangener sexueller
Nötigung i.S.v. Art. 189 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 200 StGB gegen die
Beschuldigte sei einzustellen;
2. Eventualiter sei die Beschuldigte vom Vorwurf der mehrfachen, ge-
meinsam begangenen sexuellen Nötigung i.S.v. Art. 189 Abs. 1 StGB
i.V.m. Art. 200 StGB freizusprechen;
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3. Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der schweren Entführung i.S.v.
Art. 183 Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m. 184 Abs. 3 StGB sowie vom Vorwurf der
einfachen Freiheitsberaubung und Entführung i.S.v. Art. 183 Ziff. 1
Abs. 1 und 2 StGB freizusprechen;
4. Das Verfahren wegen mehrfacher Verletzung des Geheim- oder Pri-
vatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1
StGB sei einzustellen;
5. Eventualiter sei die Beschuldigte vom Vorwurf der mehrfachen Ver-
letzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im
Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB freizusprechen;
6. Die Beschuldigte sei vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizusprechen;
7. Das Verfahren wegen Sachentziehung i.S.v. Art. 141 StGB sei einzu-
stellen;
8. Eventualiter sei die Beschuldigte vom Vorwurf der Sachentziehung
i.S.v. Art. 141 StGB freizusprechen;
9. Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der Sachbeschädigung freizuspre-
chen;
10. Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft inkl. Genugtuungsansprüche
seien vollumfänglich abzuweisen resp. auf den Zivilweg zu verweisen;
11. Die Kosten des gesamten Strafverfahrens, einschliesslich derjenigen
der amtlichen Verteidigung (inkl. MWST), seien vollständig und definitiv
von der Staatskasse zu tragen.
12. Die Ersatzmassnahmen seien aufzuheben.
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b) Der Verteidigung der Beschuldigten C._:
(Urk. 213 S. 1 f.; Prot. II S. 18)
1. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 1, erster Punkt, des Urteils des Be-
zirksgerichts Bülach, I. Abteilung, vom 9. Juli 2020 sei die Beschuldigte
vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Nötigung, begangen in Mittä-
terschaft, im Sinne von Art. 189 Abs. i.V.m. Art. 200 StGB freizuspre-
chen.
Im Übrigen sei Dispositiv-Ziffer 1 des angefochtenen Urteils hinsichtlich
der (nicht qualifizierten) Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne
von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB zu bestätigen.
2. Dispositiv-Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils sei ebenfalls zu bestäti-
gen.
3. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils sei
die Beschuldigte, unter Anrechnung der erstandenen Haft und der Er-
satzmassnahmen, mit einer Freiheitsstrafe von maximal 18 Monaten zu
bestrafen.
4. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 4 des vorinstanzlichen Urteils sei
der Vollzug der Freiheitsstrafe aufzuschieben, dies unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 2 Jahren.
5. Die Dispositiv-Ziffern 5 bis 13 des vorinstanzlichen Urteils seien zu
bestätigen.
6. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 14 des vorinstanzlichen Urteils sei
die Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtuung
von maximal CHF 2'000 nebst Zins seit dem 11. März 2019 zu bezah-
len.
7. Und schliesslich seien in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 16 des
vorinstanzlichen Entscheids die Verfahrenskosten der Beschuldigten
zu 50 Prozent aufzuerlegen und darüber hinaus auf die Staatskasse zu
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nehmen. Die Kosten des vorliegenden Berufungsverfahrens seien
vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
8. Die seit 1031 Tagen laufenden Ersatzmassnahmen seien aufzuheben.
c) Der Verteidigung der Beschuldigten B._:
(Urk. 217 S. 1 f., teilw. sinngemäss)
1. In Gutheissung der Berufung seien Dispositiv-Ziffern 3, 4, 8 und 10 des
vorinstanzlichen Urteils aufzuheben.
2. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei abzuweisen.
3. Die Beschuldigte sei mit einer bedingten Freiheitsstrafe (unter Anrech-
nung der erstandenen Haft und Ersatzmassnahmen) zu bestrafen. Die
Probezeit sei auf zwei Jahre festzusetzen.
4. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Beschuldigte das Genug-
tuungsbegehren der Privatklägerin im Umfange von CHF 5'000.--
anerkannt und bereits bezahlt hat. Im Übrigen sei das Genugtuungs-
begehren der Privatklägerin abzuweisen.
5. Es sei festzulegen, dass die Beschuldigten die vom Gericht festzu-
legende Genugtuung im Innenverhältnis nach folgenden Quoten zu
tragen haben:
- A._: 1/2
- C._: 1/4
- D._<: 5/8
- B._: 3/8
Es sei festzulegen, dass die Beschuldigte im den gesamten zugespro-
chenen Genugtuungsbetrag 3/8 übersteigenden Betrag ein Regress-
recht gegen A._, C._ und D._ zusteht.
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6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen
Rechtsbeistandes seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten
des Verfahrens seien der Beschuldigten teilweise aufzuerlegen und
teilweise auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die auferlegten Kosten
seien sofort und definitiv abzuschreiben.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
7. Die angeordneten Ersatzmassnahmen seien umgehend aufzuheben.
d) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 221 S. 2 f.; Prot. II S. 21)
1. Die Berufungsanträge der Beschuldigten A._, C._ und
B._ seien allesamt abzuweisen.
2. Die Urteile des Bezirksgerichtes Bülach vom 9.7.2020 seien mit fol-
genden Änderungen zu bestätigen:
a) A._:
1. Die Beschuldigte A._ sei nicht nur der einfachen, sondern
der schweren Freiheitsberaubung und Entführung (grausame Be-
handlung) im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB in Ver-
bindung mit Art. 184 al. 3 StGB schuldig zu sprechen.
2. Der Freispruch vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB sei aufzuheben.
3. Die Beschuldigte A._ sei nicht mit 44 Monaten, sondern mit
56 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen.
4. Die Beschuldigte A._ sei nicht für fünf, sondern für sieben
Jahre des Landes zu verweisen.
b) C._:
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1. Die Beschuldigte C._ sei nicht nur der einfachen, sondern
der schweren Freiheitsberaubung und Entführung (grausame
Behandlung) im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB in
Verbindung mit Art. 184 al. 3 StGB schuldig zu sprechen.
2. Der Freispruch vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB sei aufzuheben.
3. Die Beschuldigte C._ sei nicht mit 40 Monaten, sondern mit
49 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen.
c) B._:
1. Die Beschuldigte B._ sei nicht nur der einfachen, sondern
der schweren Freiheitsberaubung und Entführung (grausame
Behandlung) im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB in
Verbindung mit Art. 184 al. 3 StGB schuldig zu sprechen.
2. Der Freispruch vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB sei aufzuheben.
3. Die Beschuldigte B._ sei nicht mit 28 Monaten, sondern mit
33 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen.
3. Die Ersatzmassnahmen, das heisst die Schriftensperre bei C._
und B._ sowie das Electronic Monitoring bei A._ seien bis
zum Strafantritt zu verlängern. Allfällig pendente Kontaktsperren zur
Privatklägerin seien aufrecht zu erhalten.
e) Der Privatklägerin:
(Urk. 222 S. 2)
1. Die Beschuldigten A._, B._ sowie C._ seien für ihre
Straftaten zum Nachteil der Privatklägerin entsprechend den
Schuldsprüchen in den Urteilen der Vorinstanz vom 9. Juli 2020
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(DG190077, DG190079 und DG 190080) schuldig zu sprechen, soweit
noch nicht in Rechtskraft erwachsen, und angemessen zu bestrafen.
2. Weiterhin seien A._, B._ sowie C._ unter solidarischer
Haftung zu verpflichten, an E._ eine Genugtuung in der Höhe von
CHF 25'000.-- zzgl. Zinsen von 5% ab dem 11. März 2019 zu bezah-
len.
3. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass B._ an E._ auf die
vorerwähnte Genugtuungssumme bereits eine Zahlung von Fr. 5'000.--
geleistet hat.
4. Die Kosten des gesamten Strafverfahrens einschliesslich diejenigen
der unentgeltlichen Rechtsvertretung von E._ seien den Beschul-
digten aufzuerlegen.

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (vormals Staatsanwaltschaft
IV des Kantons Zürich, nachfolgend "Staatsanwaltschaft") führte gestützt auf die
Anzeige von E._ (Geschädigte und Privatklägerin, nachfolgend "Privat-
klägerin") vom 11. März 2019 (Urk. D1/1) eine Strafuntersuchung gegen A._
(nachfolgend "Beschuldigte A._"), B._ (nachfolgend "Beschuldigte
B._"), C._ (nachfolgend "Beschuldigte C._"), D._ (nachfolgend
"Beschuldigte D._") und F._ (nachfolgend "Beschuldigte F._")
durch. Am 12. Dezember 2019 erliess die Staatsanwaltschaft gegen die
Beschuldigte F._ einen – zwischenzeitlich rechtskräftigen – Strafbefehl
betreffend Gehilfenschaft zur Freiheitsberaubung und Entführung (Urk. 32).
Gegen die übrigen Beschuldigten erhob sie unter dem gleichen Datum Anklage
beim Bezirksgericht Bülach (nachfolgend "Vorinstanz") betreffend qualifizierte
Freiheitsberaubung etc. (Urk. 34), wobei der Vorinstanz in Sachen der
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Beschuldigten D._ noch eine "Neben-Anklage" zur Beurteilung unterbreitet
wurde (Urk. 35).
2. Die Vorinstanz führte die Verfahren unter vier separaten Prozessnum-
mern (DG190077, DG190078, DG190079, DG190080). Zum Verfahrensgang im
Einzelnen ist zur Vermeidung von Wiederholungen auf die Darstellung der Vo-
rinstanz zu verweisen (Urk. 151 S. 9 ff.; Urk. 157/151 S. 10 ff.; Urk. 158/151
S. 9 ff.). Am 9. Juli 2020 fällte die Vorinstanz die eingangs aufgeführten Urteile.
3. Gegen die am 9. Juli 2020 mündlich eröffneten Urteile meldeten die
Beschuldigten A._, B._ und C._ rechtzeitig Berufung an (Urk. 107;
Urk. 108; Urk. 110). Die Beschuldigte D._ akzeptierte den Entscheid der Vo-
rinstanz inklusive der Vorwürfe gemäss Nachtragsanklage u.a. zum Nachteil einer
weiteren Privatklägerin (Urk. 134/2; Urk. 35).
4. Die begründeten Urteile der Vorinstanz wurden am 17. Dezember 2020
versandt. Die Berufungserklärungen der amtlichen Verteidigungen gingen innert
der 20-tägigen Frist ein (Sammelbeilage Urk. 135 i.V.m. Urk. 152, Urk. 157/152
und Urk. 158/152).
5. Die Berufungsverfahren wurden auf der Kammer zunächst unter den
Geschäfts-Nrn. SB210087, SB210088 (Urk. 157/151-157) und SB210089
(Urk. 158/151/157) geführt, jedoch mit Beschluss vom 26. Februar 2021 vereinigt
und unter der Geschäfts-Nr. SB210087 weitergeführt. Die Verfahren SB210088
und SB210088 wurden als durch Vereinigung erledigt abgeschrieben (Urk. 155
und Urk. 156).
6. Mit Präsidialverfügung vom 16. März 2021 wurde der Privatklägerschaft
und der Staatsanwaltschaft Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum
Antrag auf Nichteintreten auf die Berufungen angesetzt. Den Beschuldigten und
der Staatsanwaltschaft wurde gleichzeitig die Möglichkeit eingeräumt, innert fünf
Arbeitstagen zu einer allfälligen Verlängerung der Ersatzmassnahmen Stellung zu
nehmen (Urk. 160). Die Staatsanwaltschaft reichte am 23. März 2021 ihre Ver-
nehmlassung betreffend Ersatzmassnahmen ein (Urk. 165). Die Beschuldigte
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B._ liess sich hierzu unter dem 25. März 2021 vernehmen (Urk. 166). Mit
Eingabe vom 31. März 2021 erklärte die Staatanwaltschaft Anschlussberufung mit
Bezug auf die Beschuldigten A._ und B._ (Urk. 170 und Urk. 172). In
Sachen der Beschuldigten C._ stellte sie Antrag auf Nichteintreten auf deren
Berufung. Eventualiter erklärte sie Anschlussberufung (Urk. 174).
7. Mit Präsidialverfügung vom 6. April 2021 wurden die für die Beschuldigten
angeordneten (und bereits verlängerten) Ersatzmassnahmen bis zum End-
entscheid der Berufungsinstanz verlängert (Urk. 176).
8. Am 13. April 2021 verfügte der Präsident, dass auf die Berufungen der
Beschuldigten einstweilen eingetreten werde. Zudem wurden den übrigen
Beschuldigten und der Privatklägerin die Anschlussberufungserklärungen der
Staatsanwaltschaft zugestellt (Urk. 178).
9. Am 1. Oktober 2021 wurden über die Beschuldigten neue Strafregister-
auszüge eingeholt (Urk. 190-192).
10. Da die DVD mit der aufgezeichneten Einvernahme der Privatklägerin
vom 14. Mai 2019 (Urk. D1/7/5) hier nicht abgespielt werden konnte (Urk. 185),
wurde die Staatsanwaltschaft am 6. September 2021 ersucht, einen lesbaren Da-
tenträger zu übermitteln (Urk. 187). Diesem Ersuchen kam sie am 7. September
2021 nach (Urk. 189).
11. Am 4. Januar 2022 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 23. und
24. März 2022 vorgeladen (Urk. 195). Die Verhandlung konnte ordnungsgemäss
durchgeführt werden. Zu dieser erschienen sind die drei Beschuldigten mit ihren
amtlichen Verteidigungen, der zuständige Staatsanwalt und der Vertreter der
Privatklägerin (Prot. II S. 9). Vorfragen waren anlässlich der Berufungsverhand-
lung keine zu entscheiden und – abgesehen von der Befragung der Beschuldigten
(Urk. 209-211) – auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 9 ff.).
II. Prozessuales
1. Bemerkungen zur Aktenanlage vor Vorinstanz
- 17 -
Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft wurde gegen alle fünf Beschul-
digten gemeinsam unter der Nummer STA A-4/2019/10009003 geführt. Gegen
die Beschuldigte F._ erging ein Strafbefehl (Urk. 32). Die an die übrigen
Beschuldigten adressierten Vorwürfe wurden der Vorinstanz in einer
gemeinsamen Anklage zur Beurteilung unterbreitet (Urk. 34). Die Vorinstanz
führte die Strafverfahren dann zwar getrennt (DG190077, DG190078, DG190079,
DG190080), verhandelte diese aber in einer gemeinsamen Hauptverhandlung
und erstellte auch nur ein gemeinsames Protokoll (Prot. I). Die Akten des
Gerichtsverfahrens wurden – trotz unterschiedlicher Verfahrensnummern und vier
separater Urteile – gar einzig im Verfahrensdossier betreffend die Beschuldigte
A._ akturiert.
2. Abweichungen im Dispositiv der mündlich eröffneten Urteile gegenüber
den Dispositiven der begründeten Urteile
2.1. Die Vorinstanz eröffnete die gegen die Beschuldigten gefällten Urteile
am 9. Juli 2020 mündlich (Prot. I S. 236). Die Urteilsdispositive wurden den Par-
teien nach der Eröffnung und mündlichen Begründung übergeben (Prot. I S. 251).
Diese weichen teilweise von den Dispositiven der begründeten Urteile ab. Es ist
auf die einzelnen "Korrekturen" nachfolgend einzugehen.
2.2.1. Betreffend die Beschuldigte A._ hielt die Vorinstanz im begründe-
ten Urteil unter dem Titel "Haftanrechnung" (Erw. VI) fest, dass das Gericht die
Dispositivziffer 3 des Urteils unvollständig aufgeführt habe. So fehle der Hinweis,
dass der Beschuldigten 214 Tage als durch Haft und Ersatzmassnahmen abge-
golten anzurechnen seien. Hierzu hält die Vorinstanz sodann fest: "Gemäss
Art. 83 Abs. 1 StPO nimmt das Gericht von Amtes wegen eine Erläuterung oder
Berichtigung des Entscheids vor, falls dessen Dispositiv unklar, widersprüchlich
oder unvollständig ist oder es mit der Begründung im Widerspruch steht. Eine Be-
richtigung ist dann vorzunehmen, wenn im Urteilsdispositiv ein offensichtlicher
Redaktions- oder Rechnungsfehler vorliegt. Offensichtlich ist ein Versehen, wenn
aus dem Dispositiv des Entscheids eindeutig hervorgeht, dass das, 'was das Ge-
richt aussprechen oder anordnen wollte, nicht mit dem übereinstimmt, was es tat-
sächlich ausgesprochen oder angeordnet hat' (BSK StPO-STOHNER, Art. 83 N
- 18 -
10). Vorliegend unterliess das Gericht – trotz entsprechender Beratung (vgl. Prot.
S. 218) die durch Haft und Ersatzmassnahmen als abgegolten geltenden Tage
der Strafe aufzuführen. Dies wird mit diesem begründeten Entscheid entspre-
chend nachgeholt." (Urk. 151 S. 131). Im Aktenexemplar des Urteilsdispositivs
vom 9. Juli 2020 fehlen in der Tat anrechenbare Ersatzmassnahmen (Urk. 102/1
S. 6, Dispositiv-Ziffer 6).
2.2.2. Weiter hielt die Vorinstanz betreffend Genugtuung fest: "Es ist sodann
anzumerken, dass das Gericht Dispositivziffer 14 des Urteils widersprüchlich zur
Urteilsberatung aufführte. Unter dieser Ziffer wurde – in Übereinstimmung mit der
Urteilsberatung – festgehalten, dass die Beschuldigte zu einer Genugtuungs-
zahlung von Fr. 6'250.– an die Privatklägerin verpflichtet wird. Indessen wurde –
im Widerspruch zur Urteilsberatung (vgl. Prot. S. 217 - 218) – festgehalten, dass
die Beschuldigte für den Betrag von Fr. 6'250.– solidarisch haftet. Korrekt lauten
müsste es, dass die Beschuldigte für den Gesamtbetrag von Fr. 25'000.– zuzüg-
lich Zins zu 5 % seit 11. März 2019 solidarisch haftet." (Urk. 151 S. 144). Auch
hier erachtete die Vorinstanz die Abweichung als offensichtlichen Redaktions- o-
der Rechnungsfehler und berichtigte die entsprechende Dispositiv-Ziffer direkt im
begründeten Entscheid (Urk. 151 S. 144).
2.2.3. Daraus ergibt sich, dass die Vorinstanz die Diskrepanzen zwar be-
merkt hat, diese aber nicht im Rahmen einer selbständigen Berichtigung im Sinne
von Art. 83 StPO angegangen ist. Die Korrekturen erfolgten auch ohne speziellen
vorgängigen Hinweis im Rahmen der schriftlichen Urteilsbegründung, sondern
erst im Verlaufstext. Dabei erweist es sich auch als problematisch, dass die "Be-
richtigung" faktisch nur verfahrensleitend und nicht durch den ganzen Spruchkör-
per erfolgte, welche im Rahmen einer separaten Berichtigung das tatsächliche
Ergebnis der Beratung in corpore hätte bestätigen können. Zudem sind auch die
Erwägungen zur "Berichtigung" teilweise noch falsch, da sich diese korrekter-
weise auf Dispositiv-Ziffer 11 zu beziehen hätte und nicht auf Dispositiv-Ziffer 14
(Mitteilungssatz).
2.2.4. Im konkreten Fall ist die Abweichung in Dispositiv-Ziffer 3 (zusätzliche
Anrechnung der erstandenen Ersatzmannahmen) zugunsten der Beschuldigten
- 19 -
A._. Die Änderung in Dispositiv-Ziffer 11 ist primär eine redaktionelle. Inhalt-
lich konnte die Regelung mit doppelter Nennung der solidarischen Haftung und
des Gesamtbetrages von Fr. 25'000.– vorher schon so verstanden werden, dass
der auf die Beschuldigte A._ fallende Anteil an der Gesamtgenugtuung (von
Fr. 25'000.–) Fr. 6'250.– betrug, sie aber grundsätzlich zufolge solidarischer
Haftung für die ganzen Fr. 25'000.– einzustehen hat.
Zu beachten ist, dass sich die Berufung der Beschuldigten A._ u.a.
gegen Dispositiv-Ziffern 3 und 11 richtet (Urk. 212 S. 2 f.). Damit bilden die
"korrigierten" Punkte ohnehin Berufungsthema. Obwohl die Vorinstanz hier nicht
lege artis vorgegangen ist und das Dispositiv in einem gewissen Umfang zu
interpretieren ist, erscheint es in der Gesamtbetrachtung aus
prozessökonomischen Gründen gerechtfertigt, von einer Rückweisung
abzusehen, da die Verteidigungsrechte im Rahmen des Berufungsverfahrens
wahrgenommen werden können.
2.3.1. Betreffend die Beschuldigte B._ präsentiert sich die gleiche
Problematik hinsichtlich der Anrechnung der Ersatzmassnahme und der Ver-
pflichtung zur Leistung einer Genugtuungsforderung. So wies die Vorinstanz im
begründeten Urteil darauf hin, "[...] dass das Gericht die Dispositivziffer 3 und 4
des Urteils unvollständig aufführte" (Urk. 157/151 S. 130 bzw. S. 138). Sie verfuhr
in gleicher Manier und "berichtigte" das "Versehen" im begründeten Urteil ohne
speziellen Hinweis im Verlaufstext.
2.3.2. Auch hier fällt die erste Anpassung zugunsten der Beschuldigten
B._ aus, indem nicht nur die Hafttage angerechnet werden, sondern auch die
Einschränkung durch die angeordneten Ersatzmassnahmen im begründeten
Urteil berücksichtigt wird. Betreffend die Regelung der Genugtuung gilt das
bezüglich der Beschuldigten A._ Gesagte (obige Ziff. 2.2.4.). Dispositiv-
Ziffern 3-4 und 8 wurden von der Beschuldigten B._ angefochten
(Urk. 157/152 S. 2 f.). Die Beschuldigte B._ konnte ihre Rechte innert Frist
wahrnehmen, so dass auch hier zugunsten der Verfahrensbeschleunigung auf
eine Rückweisung wegen des so nicht vorgesehenen Prozederes der Vorinstanz
zu verzichten ist.
- 20 -
2.4.1. Schliesslich unterliefen der Vorinstanz auch in Sachen der Beschul-
digten C._ Fehler. Sie wies im begründeten Urteil auf Versehen im Urteils-
dispositiv hin und "berichtigte" diese analog der oben erwähnten Vorgehensweise
(Urk. 158/151 S. 125 und 132). Betroffen waren unter dem Titel der Haftanrech-
nung die Ersatzmassnahmen sowie die Genugtuung. Dispositiv-Ziffern 3 und 14
wurden wie bei den Beschuldigten A._ und B._ "berichtigt". Diese Rege-
lungen wurden (u.a.) angefochten (Urk. 158/152 S. 2 ff. i.V.m. Urk. 84 S. 4, sinn-
gemäss). Von einer Rückweisung ist aus den oben dargelegten, gleichen Grün-
den abzusehen.
2.5. Im Rahmen der "Urteilsberichtigung" schlich sich in den Erwägungen
der Vorinstanz in allen Urteilen ein weiterer Fehler ein, indem die Genugtuung auf
insgesamt Fr. 25'000.00 inklusive Zins zu 5 % seit 11. März 2019 festgelegt wur-
de (Urk. 151 S. 143; Urk. 157/151 S. 137; Urk. 158/151 S. 131). In Abweichung
dazu sieht das Dispositiv der Urteile eine Genugtuung von Fr. 25'000.00 zuzüglich
Zins zu 5 % seit 19. März 2019 vor (a.a.O, Dispositiv-Ziffer 14; a.a.O., Dispositiv-
Ziffer 8; a.a.O., Dispositiv-Ziffer 11). Massgebend ist das Dispositiv.
3. Umfang der Berufung
3.1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur
in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
3.2.1. Die amtliche Verteidigung der Beschuldigten A._ beantragt eine
Aufhebung des Urteils und eine Neufassung hinsichtlich dessen Dispositiv-Ziffern
1-7, 9-11 sowie 13 (Prot. II S. 15; Urk. 212 S. 2 f.). In Bezug auf Dispositiv-Ziffer 9
(Abweisung des Schadenersatzanspruchs seitens der Privatklägerin) ist jedoch
von einem Versehen der amtlichen Verteidigung auszugehen, besteht
diesbezüglich doch kein Rechtsschutzinteresse der Beschuldigten und wurde dies
in der Berufungserklärung auch noch gegenteilig beantragt (Urk. 152 S. 2 ff.).
Dispositiv-Ziffer 9 wird daher als unangefochten und rechtskräftig erachtet.
- 21 -
3.2.2. Im Rahmen ihrer Anschlussberufung betreffend die Beschuldigte
A._ ficht die Staatsanwaltschaft Dispositiv-Ziffer 1 hinsichtlich Spiegelstrich 2
und weiter die Dispositiv-Ziffern 2, 3 und 5 an.
Ihr in Bezug auf alle drei Beschuldigten gestellter Antrag, es sei Dispositiv-
Ziffer 1, Spiegelstrich 2, aufzuheben, und es seien die Beschuldigten stattdessen
der schweren Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig zu
sprechen, erweist sich als unpräzise. Es ist anzunehmen, dass damit ein Schuld-
spruch im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 184 Abs. 3 StGB
gemeint ist, wie er denn auch mit der Anklage vom 12. Dezember 2019 beantragt
wurde (Urk. 34 S. 13).
Die Staatsanwaltschaft stellt wie erwähnt bezüglich sämtlicher
Beschuldigten den Antrag, es sei Dispositiv-Ziffer 2 der Urteile je ersatzlos
aufzuheben. In besagten Ziffern wurden alle Beschuldigten vom Vorwurf des
Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freigesprochen. Stattdessen
wurden sie der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB schuldig gesprochen
(Urk. 151 S. 110 f.). Die Staatsanwaltschaft hat die Sachentziehung nicht
angefochten. Insofern wäre ihr im Ergebnis Recht zu geben. Wird der
Lebensvorgang rechtlich anders gewürdigt, hier mangels Aneignungsabsicht als
Sachentziehung statt als Raub, wäre ein zusätzlicher Freispruch betreffend Raub
nicht nötig. Ein Rechtsschutzinteresse der Staatsanwaltschaft ist hier jedoch nicht
ersichtlich, so dass auf die Berufung in diesem Punkt nicht einzutreten ist.
3.2.3. Es ist damit davon Vormerk zu nehmen, dass in Bezug auf die
Beschuldigte A._ die Dispositiv-Ziffern 2 (Freispruch vom Vorwurf des
Raubes), 8 (Herausgabe beschlagnahmter Gegenstände), 9 (Abweisung der
Schadenersatzforderung der Privatklägerin über Fr. 320.–) und
12 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen sind, was vorab festzustellen ist
(Art. 399 Abs. 3 i.V.m. Art. 402 und 437 StPO).
3.3. Die Beschuldigte B._ lässt ihren ursprünglichen Antrag auf Neu-
beurteilung von Dispositiv-Ziffer 1 bezüglich der Schuldpunkte fallen und
beantragt lediglich noch, es seien die Dispositiv-Ziffern 3, 4, 8 und 10 des
- 22 -
vorinstanzlichen Urteils aufzuheben (Prot. II S. 15; Urk. 217 S. 1 f., vgl.
Urk. 157/152 S. 2). Im Rahmen ihrer Anschlussberufung ficht die
Staatsanwaltschaft Dispositiv-Ziffer 1 hinsichtlich Spiegelstrich 2, sodann
hinsichtlich Dispositiv-Ziffern 2, 3 und 4 an. Auch hier ist zu beachten – wie unter
Ziffer II./3.2.2. dargelegt –, dass auf den Antrag der Staatsanwaltschaft betreffend
Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 2 mangels Rechtsschutzinteressens nicht
einzutreten ist. In Rechtskraft erwachsen sind damit Dispositiv-Ziffern 1,
Spiegelstriche 1, 3, 4 und 5 (Schuldsprüche), 2 (Freispruch vom Vorwurf des
Raubes), 5 (Herausgabe Mobiltelefon), 6 (Abweisung der
Schadenersatzforderung der Privatklägerin über Fr. 320.–), 7 (Verweisung der
Schadenersatzforderung der Privatklägerin über Fr. 480.– auf den Zivilweg),
9 (Kostenfestsetzung). Dies ist ebenfalls im Sinne obiger Bestimmung vorweg
festzustellen.
3.4. Die Beschuldigte C._ lässt gegen die Dispositiv-Ziffern 1, 3, 4, 14
und 16 Berufung anmelden (Urk. 213 S. 1 f.; Prot. II S. 15). Für den Fall des
Eintretens auf die Berufung beantragte die Staatsanwaltschaft im Rahmen ihrer
Anschlussberufung die Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1 hinsichtlich Spiegelstrich
2, sodann hinsichtlich Dispositiv-Ziffern 2 und 3. Wie bereits bezüglich der beiden
Mitbeschuldigten erwähnt, ist auf den Antrag der Staatsanwaltschaft betreffend
Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 2 nicht einzutreten (vgl. vorstehend Ziffer II./3.2.2
und II./3.3.). In Rechtskraft erwachsen sind damit Dispositiv-Ziffern 5-11
(Beschlagnahmungen etc.), 12 (Abweisung der Schadenersatzforderung der
Privatklägerin über Fr. 320.–), 13 (Verweisung der Schadenersatzforderung der
Privatklägerin über Fr. 480.– auf den Zivilweg) und 15 (Kostenfestsetzung), was
vorab festzustellen ist (Art. 399 Abs. 3 i.V.m. Art. 402 und 437 StPO).
3.5. Im übrigen Umfang steht der angefochtene Entscheid im Rahmen des
Berufungsverfahrens unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes gesamthaft
zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO). Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzu-
weisen, dass sich die urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerle-
gen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E.
- 23 -
2.2, je mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Ent-
scheid wesentlichen Punkte beschränken. Soweit für die tatsächliche und die
rechtliche Würdigung des angeklagten Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vo-
rinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO,
auch ohne dass dies jeweils explizit Erwähnung findet.
4. Anklageprinzip
4.1.1. Die amtliche Verteidigerin der Beschuldigten B._ rügte vor
Vorinstanz eine Verletzung des Anklageprinzips (Urk. 90 S. 3). In weiten Teilen
beschreibe die Anklageschrift gar keine strafbaren Handlungen, so unter dem
Titel des subjektiven Tatbestands. Die Verteidigung der Beschuldigten B._
hat vor Vorinstanz mehrfach moniert, dass das Anklageprinzip verletzt sei bzw.
bisweilen kein rechtswidriges Verhalten umschrieben sei (Urk. 90 S. 20, 21, 27,
28). So machte sie in ihren Vorbemerkungen zu den Anklageziffern 10-13
geltend, unter dem Randtitel sexuelle Nötigung würden unter Ziffer 10 und 12 der
Anklageschrift diverse Handlungen umschrieben. Dabei würden weder die
nötigenden Mittel umschrieben noch werde in der Anklageschrift dargelegt, dass
die Privatklägerin mit den sexuellen Handlungen nicht einverstanden gewesen
sei. Schon deswegen sei eine Verurteilung nicht möglich (Urk. 90 S. 13). Weiter
sei in Anklageziffer 13 in Bezug auf die anale Einführung des Dildos der
Widerstand der Privatklägerin umschrieben. Allerdings fehle die Behauptung des
Widerstands und die Umschreibung der nötigenden Mittel erneut bezüglich der
restlichen in diesem Abschnitt angeklagten sexuellen Handlungen (Urk. 90 S. 16).
Die nötigenden Mittel seien unter Ziffer 10-13 nicht näher bzw. nur unvollständig
umschrieben. Es fehle insbesondere der Konnex zwischen nötigenden Mitteln und
sexuellen Handlungen bzw. den nötigenden Mitteln. In Ziffer 22 würden nun
einige nötigende Mittel genannt. Allerdings würden diese nur allgemein mit
körperlichen und psychischen Aggressionen und der Angst der Geschädigten vor
noch mehr Gewalt bis hin zur Todesangst umschrieben. In der Anklageschrift
werde dann ein spezifisches nötigendes Mittel umschrieben, dass sich die
Privatklägerin gefürchtet habe, durch die Veröffentlichung der Filmaufnahmen ihr
Ansehen zu verlieren. Diese Furcht sei offensichtlich nicht geeignet, um die
- 24 -
Privatklägerin zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Die Filmaufnahmen wären
veröffentlicht worden, wenn sie zur Polizei gegangen wäre und nicht, wenn sie
sich geweigert hätte, sexuelle Handlungen vorzunehmen. Es werde in der
Anklageschrift kein Nötigungsmittel für die sexuellen Handlungen umschrieben.
Die Privatklägerin habe sich ja auch nicht abhalten lassen, zur Polizei zu gehen,
und die Beschuldigten hätten keine Filmaufnahmen von ihr veröffentlicht. Aus
Sicht der Verteidigung sei es höchst problematisch, dass die nötigenden Mittel in
der Anklageschrift derart pauschal umschrieben würden und keinerlei Konnex zu
den jeweiligen konkreten Handlungen (die Wegnahme der Wertgegenstände oder
die vorgenommenen sexuellen Handlungen) behauptet werde. Ungenügend
erscheine ihr die Anklageschrift hier auch deswegen, weil die einzelnen
nötigenden Mittel nicht ausgeführt würden. Es sei unabdingbar, dass umschrieben
werde, welche konkreten nötigenden Mittel zu welchen konkreten strafbaren
Handlungen geführt hätten. Das habe die Anklage nicht gemacht. Es müsse
deswegen ein Freispruch bezüglich (Raub und) sexueller Nötigung ergehen (Urk.
90 S. 21). Ebenso wies die Verteidigung darauf hin, dass keine Begehung der
Taten durch Unterlassung angeklagt worden sei. Dafür wäre nämlich auch die
Umschreibung einer Garantenstellung notwendig gewesen. Eine Verurteilung
durch Unterlassung, nämlich dadurch, dass die Beschuldigte B._
möglicherweise nicht eingegriffen habe, komme deswegen nicht in Frage (Prot. I
S. 207).
4.1.2. An der Berufungsverhandlung beantragte die Verteidigung der
Beschuldigten A._ mit denselben Argumenten, die Strafuntersuchung sei
wegen fehlender Prozessvoraussetzungen einzustellen, wo nicht ohnehin bereits
ein Freispruch erfolge (Urk. 212 S. 50-64). Die Verteidigung der Beschuldigten
C._ monierte in ihrer Berufungsbegründung ebenfalls eine Verletzung des
Anklagegrundsatzes, insbesondere mit der Argumentation, die angeblichen
sexuellen Nötigungshandlungen würden im Anklagesachverhalt keiner einzigen
der Beschuldigten zugeordnet (Urk. 213 S. 5 ff.).
4.2.1. Die Vorinstanz hat sich zur Thematik des Anklageprinzips im Verfah-
ren gegen die Beschuldigte B._ ausführlich geäussert (Urk. 157/151 S. 16 f.).
- 25 -
Eine Verletzung dieses Grundsatzes hat sie aus den nachfolgenden Gründen im
Ergebnis zu Recht verneint (Urk. 157/151 S. 16 f.).
4.2.2. Zu betonen ist vorweg, dass den Beschuldigten A._, B._
und C._ sowie der Beschuldigten D._ mit gemeinsamer Anklageschrift
mittäterschaftliches Handeln vorgeworfen wird (Urk. 34 S. 4 f.). So besagt die
Anklage einleitend, die Beschuldigten hätten "gemeinsam, bei der Entschlies-
sung, Planung oder Ausführung der Straftaten vorsätzlich und in massgebender
Weise miteinander zusammenwirkend, so dass eine jede als Hauptbeteiligte da-
stand, wobei jede einen Tatbeitrag lieferte, der so wesentlich war, dass die Tat-
begehung mit ihm stand oder fiel, und eine jede mit den Tathandlungen der ande-
ren einverstanden war" (Urk. 34 S. 5). Die Randziffer (RZ) 21 des Anklagesach-
verhalts trägt sodann explizit den Titel "Mittäterschaft": "Die Beschuldigten [Be-
schuldigte 1-3 und Beschuldigte D._] waren alle von Beginn an zusammen
und gingen gemeinsam gegen die Geschädigte [Privatklägerin] vor, aufgrund des
gemeinsam getragenen Tatentschlusses. Sie alle wussten um die Handlungen
der anderen, oder dass es zumindest zu solchen kommen konnte, und waren
damit einverstanden. Sie machten sie sich alle zu eigen (mit Ausnahme vorste-
hend RZ 8)" (Urk. 34 RZ 21).
4.2.3. Aus der Anklageschrift geht unmissverständlich hervor, dass die
Staatsanwaltschaft den als Gruppe auftretenden, im Einzelnen konkret genannten
vier Mitbeschuldigten mit Bezug auf alle vorgeworfenen Tatbestände denselben
Sachverhalt vorwirft. Die Handlungen der Beschuldigten F._ wurden wie
erwähnt bereits mit Strafbefehl sanktioniert. Die einzige Relativierung macht die
Staatsanwaltschaft hinsichtlich RZ 8 (vgl. auch Prot. I S. 192). Das ist vor dem
Hintergrund der allgemein vorgeworfenen Mittäterschaft aus hiesiger Sicht zwar
nicht nachvollziehbar, aber gerade bei der Prämisse eines mittäterschaftlichen
Handelns auch nicht von Bedeutung.
4.2.4. Die von der Staatsanwaltschaft vorgenommene Nummerierung hätte
gemäss ihrer Erklärung der besseren Übersicht und der Zuordnung von Beweis-
erhebungen dienen sollen (Prot. I S. 208 f.). Allerdings erweist sich die konkrete
Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft als sehr unüblich und umständlich. So
- 26 -
wird im Sachverhalt zuerst der jeweilige Lebensvorgang im Sinne des
angerufenen Tatbestands in objektiver Hinsicht aufgelistet, ohne Bezeichnung der
konkreten Nötigungsmittel (RZ 3-20). Mittendrin werden die Mittäterschaft
(RZ 21), die eingesetzten Nötigungsmittel und deren Rechtswidrigkeit (RZ 22-23)
beschrieben. Erst danach erfolgt eine Umschreibung der jeweiligen Tatbestände
der angeklagten Delikte in subjektiver Hinsicht – notabene in umgekehrter
Reihenfolge als bei den objektiven Tatbestandselementen und damit auch
insgesamt nicht nach der Schwere der Delikte (RZ 24-30), Letzteres im Übrigen
auch nicht bei den Anträgen auf Schuldigsprechung (Urk. 34 S. 13).
4.2.5. Dass die Tatbestandselemente in objektiver und subjektiver Hinsicht
in der Anklageschrift völlig aufgesplittet wurden, erschwert die Beurteilung erheb-
lich. Aber wie bereits gesagt, ist die Anklage als Ganzes zu lesen und insofern
ergibt sich, was den Beschuldigten in objektiver und subjektiver Hinsicht vorge-
worfen wird, auch wenn die relevanten Aspekte des Sachverhalts teilweise zu-
sammengetragen werden müssen. Folglich konnten sich die Beschuldigten auch
genügend verteidigen. Auf einige verbleibende kritische Aspekte ist im Rahmen
der Sachverhaltserstellung einzugehen. Ob das konkret beschriebene Verhalten
den jeweiligen Tatbestand erfüllt, ist sodann im Rahmen der rechtlichen Würdi-
gung zu prüfen.
4.3. Nachdem festgestellt ist, dass das Anklageprinzip nicht verletzt wurde,
erübrigt sich auch der Antrag der Verteidigung der Beschuldigten A._ auf
Einstellung der Strafuntersuchung.
5. Antragsdelikte
5.1. Bei den vorgeworfenen und vorliegend im Berufungsverfahren zu be-
urteilenden Tatbeständen der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB und der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegerä-
te im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB handelt es sich um Antragsdelikte.
Weiter stellt auch die Sachentziehung ein Antragsdelikt dar. Seitens der Beschul-
digten A._ und B._ wird bestritten, dass für die angeklagte Sachbe-
schädigung ein gültiger Strafantrag vorliegt (Urk. 86 S. 40; Urk. 90 S. 1 und 3 f.).
- 27 -
5.2. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss aus einem Straf-
antrag hervorgehen, für welchen Sachverhalt die strafrechtliche Verfolgung be-
antragt wird, wobei eine Beschränkung auf einzelne (Tat-)Handlungen ohne
weiteres möglich ist (OFK/StGB-Donatsch, 20. Auflage 2018, N 3 zu Art. 30 StGB,
mit Hinweisen). Die Ermittlung des Inhalts eines Strafantrages erfolgt nach den
Grundsätzen, wie sie für die Auslegung rechtserheblicher Erklärungen allgemein
gelten. Die Prüfung des Strafantrags auf seine Gültigkeit hin hat sodann von
Amtes wegen zu erfolgen (BSK StGB-Riedo, Art. 30 N 93).
5.3. Gemäss Polizeirapport vom 27. März 2019 stellte die Privatklägerin
Strafantrag im Sinne von Art. 179quater StGB, Art. 126 StGB, Art. 173 StGB und
Art. 174 StGB und Art. 177 StGB (Urk. 1 S. 8). Im Rahmen der ersten Einvernah-
me bei der Polizei schilderte die Privatklägerin am 11. März 2019, wie "A._"
[A._] und B._ [B._] ihr die Haare abgeschnitten hätten (Urk. D1/7/1
S. 4). Der einvernehmende Polizist fragte die Privatklägerin im späteren Verlauf
der Einvernahme was folgt: "Wie Sie geschildert haben, wurden Ihnen noch Haa-
re abgeschnitten. Dies wird auf Antrag bestraft, möchten Sie diesbezüglich und
auch wegen den Beleidigungen und Tätlichkeiten Strafantrag stellen?" Die Privat-
klägerin antwortete darauf: "Ich möchte für alles Strafantrag stellen. Ich möchte,
dass dies bestraft wird" (Urk. D1/7/1 S. 6 f.). Damit hat die Privatklägerin klar zum
Ausdruck gebracht, dass sie auch die Sachbeschädigung verfolgt haben will, wie
dies ihr Vertreter in seiner Eingabe vom 7. Juni 2019 in allgemeiner Form noch
bestätigt hat (Urk. D1/17/9). Die erforderlichen Strafanträge liegen damit allesamt
vor.
5.4. Der Strafantrag wurde ursprünglich gegen Unbekannt gestellt (Urk. 1/1
S. 8). Dies ist zulässig (BGer 6B_65/2015, Urteil vom 25. März 2015, E. 3.2.): Der
Strafantrag kann auch gegen unbekannt und somit vor dem Beginn des Fristen-
laufs eingereicht werden. In diesem Fall ist eine Erneuerung des Strafantrags
nach dem Bekanntwerden des Täters nicht erforderlich (BGE 92 IV 75).
5.5. Stellt eine antragsberechtigte Person gegen einen an der Tat Beteiligten
Strafantrag, so sind alle Beteiligten zu verfolgen (Art. 32 StGB). Art. 32 und Art.
33 Abs. 3 StGB verankern den Grundsatz der Unteilbarkeit des Strafantrags und
- 28 -
des Rückzugs desselben (vgl. BGE 132 IV 97 E. 3.3.1 S. 99). Der Grundsatz der
Unteilbarkeit des Strafantrags soll verhindern, dass der Verletzte nach seinem
Belieben nur einen einzelnen am Antragsdelikt Beteiligten herausgreift und unter
Ausschluss der anderen bestrafen lässt (BGer 6B_ 527/2016, 6B_535/2016, Urteil
vom 23. Dezember 2016, E. 5.1., mit Verweisen). Der von der Privatklägerin am
11. März 2019 gültig gestellte Strafantrag betreffend Sachbeschädigung ist daher
gegenüber allen Beschuldigten zu beachten.
5.6. Die Staatsanwaltschaft beantragte mit der Anklageschrift vom 12. Dezember 2019 u.a., die Beschuldigten seien des Raubes schuldig zu
sprechen (Urk. 34). Die Vorinstanz verneinte eine Aneignungsabsicht der
Beschuldigten und erkannte bloss auf Sachentziehung (Urk. 151 S. 149).
Sachentziehung wird nur auf Antrag verfolgt (Art. 141 StGB). Ein solcher Antrag
wurde nicht explizit gestellt. Allerdings stand von Anfang an ein Diebstahl im
Raum (vgl. auch Urk. D1/1 S. 1). So hat denn auch die Privatklägerin in ihrer
ersten Einvernahme ausgesagt, dass sie bestohlen worden sei und erwähnte die
betroffenen Gegenstände, u.a. das iPhone und ihr Portemonnaie der Marke
"Louis Vuitton" (Urk. D1/7/1 S. 5). Im weiteren Verlauf der Einvernahme sagte sie,
sie möchte "für alles" Strafantrag stellen, sie möchte, dass dies bestraft werde
(Urk. D1/7/1 S. 6 f.). Zwar erfolgte diese Erklärung nach dem Thema der
abgeschnittenen Haare, der Beleidigungen und Tätlichkeiten. Im Sinne einer
laienfreundlichen Auslegung ist aber davon auszugehen, dass sich aus ihrer Sicht
"alles" auch auf den vorher beklagten Diebstahl bezog. In der Gesamtschau ist
daher von einem genügend zum Ausdruck gebrachten Strafverfolgungswillen mit
Bezug auf die entwendeten Sachen, konkret die Sachentziehung, auszugehen.
6. Strafenvergleich
6.1. Die Verteidigung der Beschuldigten C._ macht im
Berufungsverfahren geltend, die Vorinstanz habe auf die Strafen der jeweiligen
Mitbeschuldigten keinerlei Bezug genommen. Auch fehle die notwendige
Gesamtbetrachtung der Vorinstanz, womit es an einer gesetzmässigen Vornahme
der Strafzumessung mangle. Art. 47 StGB bzw. die vom Bundesgericht
entwickelten Regeln der Strafzumessung seien verletzt. Dieser gravierende
- 29 -
Mangel könne durch die Berufungsinstanz nicht geheilt werden, weshalb das
Verfahren an die Vorinstanz zurückzuweisen sei (Urk. 214).
6.2. Wenngleich die Kritik der Verteidigung der Beschuldigten C._ nicht
haltlos ist, liegt dadurch, dass die Vorinstanz auf die jeweiligen Strafen der Mitbe-
schuldigten nicht explizit Bezug nahm, kein unheilbarer Mangel vor. Die Verfahren
der Beschuldigten wurden auf zweiter Instanz vereinigt und das Berufungsgericht
hat vollumfängliche Kognition. Die Frage nach einer unrechtmässigen Strafzu-
messung der Vorinstanz erübrigt sich deshalb; der Mangel ist als "geheilt" zu er-
achten.
7. Verwertbarkeit der Beweismittel
7.1. Die Verteidigung der Beschuldigten A._ machte vor Vorinstanz
geltend, deren Teilnahmerechte seien teilweise verletzt worden (Urk. 86 S. 50 f.).
Lediglich die folgenden Einvernahmen seien mit Beteiligung der Beschuldigten
[A._] durchgeführt worden und damit als Beweis gegen die Beschuldigte
[A._] zuzulassen:
- polizeiliche Einvernahme der Beschuldigten [A._] vom 13.03.2019 (Urk. D1/5/1)
- Hafteinvernahme der STA [von A._] vom 14.03.2019 (Urk. D1/5/2) - Einvernahme der Beschuldigten [A._] vom 11.04.2019 (Urk.
D1/5/3) - Einvernahme der Geschädigten [Privatklägerin] vom 14.05.2019
(Urk. D1/7/3) - Konfrontationseinvernahme der Beschuldigten vom 22.05.2019
(Urk. D1/2/3) - Schlusseinvernahme der Beschuldigten vom 16.09.2019 (Urk. D1/4).
Alle anderen Einvernahmen der anderen Beschuldigten sowie der Geschädigten
seien ohne die Gewährung der strafprozessualen Teilnahmerechte der Beschul-
digten durchgeführt worden und unterlägen der Einschränkung von Art. 147 Ziff. 4
StPO. Sie könnten folglich nicht gegen die Beschuldigte verwendet werden
(Urk. 86 S. 50 f.).
7.2.1. Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei
Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu
sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Dieses spezifische
- 30 -
Teilnahme- und Mitwirkungsrecht fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör
(Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO). Es darf nur in den gesetzlich vorgesehenen Fällen
eingeschränkt werden (Art. 101 Abs. 1, Art. 108, Art. 146 Abs. 4 und Art. 149
Abs. 2 lit. b StPO; BGE 143 IV 397 E. 3.3.1; 141 IV 220 E. 4.4; 139 IV 25 E. 4.2
mit Hinweis). Nach Art. 147 Abs. 4 StPO dürfen Beweise, die in Verletzung der
Bestimmungen von Art. 147 StPO erhoben worden sind, nicht zulasten der Partei
verwendet werden, die nicht anwesend war (BGE 143 IV 397 E. 3.3.1, 457 E.
1.6.1; 139 IV 25 E. 4.2 und 5.4.1; Urteil 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 5.1).
Vor Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft besteht der
Anspruch auf Parteiöffentlichkeit nicht. Bei Beweiserhebungen durch die Polizei,
etwa bei polizeilichen Einvernahmen von Auskunftspersonen gestützt auf Art. 306
Abs. 2 lit. b StPO, sind die Parteien mit anderen Worten nicht zur Teilnahme
berechtigt (Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario; BGE 143 IV 397 E. 3.3.2; 139 IV 25
E. 5.4.3; Urteile 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 5.2; 6B_1385/2019 vom
27. Februar 2020 E. 1.1; 6B_128/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.2.2).
Soweit die Polizei nach Eröffnung der Untersuchung Einvernahmen im
Auftrag der Staatsanwaltschaft durchführt, stehen den Verfahrensbeteiligten die
Verfahrensrechte zu, die ihnen bei Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft
zukommen (Art. 312 Abs. 2 StPO; Urteile 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E.
5.5; 6B_886/2017 vom 26. März 2018 E. 2.3.1; 6B_217/2015 vom 5. November
2015 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 423; vgl. auch BGE 139 IV 25 E. 4.2 f.; je
mit Hinweisen). Daraus folgt, dass die Parteien das Recht haben, bei
Einvernahmen, welche die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft während
deren Untersuchung durchführt, anwesend zu sein und Fragen zu stellen (vgl.
hierzu Urteil 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.1.-1.3.2.; BGE 143 IV 397 E.
3.3.2; Urteile 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 5.5; 6B_128/2018 vom
8. Februar 2019 E. 2.2.2; je mit Hinweisen; 6B_217/2015 vom 5. November 2015
E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 423).
Die Durchführung einer Einvernahme ohne Teilnahme des Beschuldigten
steht einer Wiederholung der Beweiserhebung im Grundsatz zwar nicht entgegen.
Wird aber die Einvernahme wiederholt resp. zu einem späteren Zeitpunkt eine
- 31 -
Konfrontationseinvernahme durchgeführt, darf die Strafbehörde nicht auf die Er-
gebnisse der vorausgegangenen Einvernahmen zurückgreifen, soweit diese ei-
nem Beweisverwertungsverbot unterliegen (Urteil 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021
E. 1.3.3.).
7.2.2. Die Staatsanwaltschaft leitet das Vorverfahren (Art. 16 Abs. 2 StPO),
das aus dem Ermittlungsverfahren der Polizei und der Untersuchung der
Staatsanwaltschaft besteht (Art. 299 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 299 Abs. 2 StPO
werden im Vorverfahren, ausgehend vom Verdacht, es sei eine Straftat begangen
worden, Erhebungen getätigt und Beweise gesammelt, um festzustellen, ob
gegen eine beschuldigte Person ein Strafbefehl zu erlassen (lit. a), Anklage zu
erheben (lit. b) oder das Verfahren einzustellen ist (lit. c). Vorermittlungen dienen
der Verhinderung und Erkennung von Straftaten und bilden somit eine kriminal-
polizeiliche Aufgabe. Massgebendes Kriterium für die Abgrenzung zwischen
Vorermittlungen nach Polizeigesetz und Ermittlungen gemäss Strafprozess-
ordnung ist der Tatverdacht in Bezug auf ein begangenes oder im Gang
befindliches Delikt (Jaag/Zimmerlin, Die Polizei zwischen Gefahrenabwehr und
Ermittlung von Straftaten, in: Jositsch/Schwarzenegger/Wohlers [Hrsg.],
Festschrift für Andreas Donatsch zum 65. Geburtstag, Zürich 2017, S. 406 f.;
BSK StPO-Rhyner, 2. Auflage 2014, Art. 306 N 8).
7.2.3. Mit der Rapporterstattung und anschliessenden Untersuchungs-
eröffnung endet das selbstständige Ermittlungsverfahren der Polizei und die
Staatsanwaltschaft übernimmt auch die faktische Verfahrensherrschaft. Sie ent-
scheidet im Rahmen von Art. 312 Abs. 1 StPO, ob und in welchem Umfang die
Polizei noch weiter ermitteln muss und darf und hat ihr zu diesem Zweck konkrete
Ermittlungsaufträge zu erteilen. Gemäss Art. 307 Abs. 1 StPO informiert die
Polizei die Staatsanwaltschaft unverzüglich über schwere Straftaten sowie über
andere schwer wiegende Ereignisse. Die polizeiliche Orientierung der
Staatsanwaltschaft über schwere Straftaten und andere schwer wiegende
Ereignisse führt gestützt auf Art. 309 Abs. 1 lit. c zur Eröffnung eines
Untersuchungsverfahrens (BSK StPO- Rüegger, a.a.O., Art. 307 N 4).
- 32 -
7.2.4. Nach Art. 309 Abs. 3 StPO eröffnet die Staatsanwaltschaft die Unter-
suchung in einer Verfügung. Die Strafuntersuchung gilt in jedem Fall als eröffnet,
wenn die Staatsanwaltschaft Zwangsmassnahmen anordnet. Da die Vorladung
als Zwangsmassnahme gilt, genügt es in aller Regel für die Eröffnung, wenn die
Staatsanwaltschaft erste Untersuchungshandlungen selber vornimmt, namentlich
die beschuldigte Person einvernimmt oder eine Editionsverfügung erlässt
(BGE 141 IV 20 E. 1.1.4 S. 24 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
6B_256/2017 vom 13. September 2018 E. 2.1). Der Eröffnungsverfügung kommt
lediglich deklaratorische Wirkung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_84/2020
vom 22. Juni 2020 mit Hinweisen).
7.3. Gemäss Rapport der Kantonspolizei Zürich vom 12. März 2019 sei via
Drittperson Herr ... die Meldung eingegangen, dass er von einer weiblichen Per-
son angehalten worden sei auf seinem Motorrad, welche polizeiliche Hilfe verlan-
ge und welche keine Ausweise und kein Mobiltelefon auf sich tragen würde. In der
Folge sei eine Polizeipatrouille dorthin beordert worden, welche die Frau an-
schliessend in die Polizeistation Rümlang transportiert habe (Urk. D1/1 S. 3). Es
wurden sogleich verschiedene polizeiliche Ermittlungen aufgenommen (Urk. D1/1
S. 4), u.a. wurde die Privatklägerin als Auskunftsperson formell befragt (Urk.
D1/7/1). Ebenso wurde die Staatsanwaltschaft Winterthur-Unterland, STAin lic. i-
ur. B. Benz, über die im Raume stehenden Tathandlungen telefonisch orientiert
(Urk. D1/1 S. 4).
7.4. Eine formelle Eröffnungsverfügung der Staatsanwaltschaft im Sinne von
Art. 309 Abs. 3 StPO findet sich in den Akten nicht. Ebenso wenig ergibt sich aus
den Akten eine formelle Regelung der Zuständigkeit zwischen der Staats-
anwaltschaft Winterthur-Unterland und der später Anklage erhebenden
Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich. Zu beachten ist, dass die Staats-
anwaltschaft Winterthur/Unterland am 12. März 2019 Vorführungsbefehle für die
Beschuldigten C._ und D._ mit dem Zweck der Befragung durch
die Kantonspolizei Zürich und Zuführung an die Staatsanwaltschaft erliess
(Urk. D1/18/1 und Urk. D1/20/1; jeweils ohne Verfahrensnummer), für welche
dann die Staatsanwaltschaft I am 14. März 2019 unter der Untersuchungsnummer
- 33 -
A-4/2019/10009003 beim Zwangsmassnahmengericht des Bezirks Zürich Unter-
suchungshaft beantragte (Urk. D1/18/7 und Urk. D1/20/8). Am 13. März 2019
beantragte die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich für die Beschuldigte
B._ unter der gleichen Untersuchungsnummer Untersuchungshaft
(Urk. D1/19/7). Für die Beschuldigte A._ wurde am 13. März 2019 von der
Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich ein Vorführungsbefehl für die polizeiliche
Befragung erlassen (Urk. D1/21/1) und am 14. März 2019 von der gleichen
Amtsstelle beim Zwangsmassnahmengericht des Bezirks Zürich
Untersuchungshaft beantragt (Urk. D1/21/8). Aus dem Gesagten ergibt sich, dass
die Strafuntersuchung im vorliegenden Verfahren faktisch durch die am
12. März 2019 angeordneten Zwangsmassnahmen eröffnet wurde und die
Zuständigkeit – trotz zweier Vorführbefehle der Staatsanwaltschaft Winterthur-
Unterland effektiv von Beginn weg (wohl) bei der Staatsanwaltschaft I des
Kantons Zürich lag.
7.5. Eine eigentliche Delegation an die Polizei durch die Staatsanwaltschaft
erfolgte – entgegen der Vorinstanz (Urk. 151 S. 21) – ebenfalls nicht. Eine solche
kann auch in der blossen Zweckangabe in den Vorführbefehlen ("Befragung
durch die Kantonspolizei Zürich und Zuführung an die Staatsanwaltschaft") nicht
gesehen werden. Die von der Polizei durchgeführten Einvernahmen und anderen
Vorermittlungen stellen denn auch klassische kriminalpolizeiliche Aufgaben bei
Vorliegen eines Anfangsverdachts dar. Die Privatklägerin wurde wie gesagt gleich
am 11. März 2019 formell polizeilich befragt (Urk. D1/7/1). Auch die Beschuldigten
B._ (Urk. D1/3/1), C._ (Urk. D1/2/1), D._ (Urk. D1/4/1), A._
(Urk. D1/5/1) und F._ (Urk. D1/6/1) sowie die Auskunftsperson G._
(Urk. D1/8/1) wurden zwischen dem 12. März 2019 und dem 14. März 2019
jeweils einmal von der Polizei einvernommen. Bei der Befragung von Personen
durch die Polizei vor Eröffnung der Strafuntersuchung steht den Parteien wie
gesagt kein Teilnahmerecht zu (vgl. Art. 147 Abs. 1 StPO). Die bei der Polizei
deponierten Aussagen der Beschuldigten sind daher grundsätzlich verwertbar. In
Bezug auf die Beschuldigte B._ ist jedoch festzuhalten, dass diese als
einzige der Beschuldigten nicht schon bei ihrer ersten Befragung vom 12. März
2019 anwaltlich verteidigt war, obwohl eine notwendige Verteidigung bereits
- 34 -
damals erkennbar war. Mit Blick auf Art. 130 StPO sowie Art. 131 StPO ist diese
erste Befragung der Beschuldigten B._ zu deren Nachteil unverwertbar.
7.6. Dass der Beschuldigten A._ an den staatsanwaltschaftlichen Haft-
einvernahmen der Mitbeschuldigten kein Teilnahmerecht eingeräumt wurde, ist
ebenfalls nicht zu beanstanden. Dies gilt selbstredend auch vice versa für die
anderen Mitbeschuldigten. Diesbezüglich ist auf die Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zu verweisen, wonach die Staatsanwaltschaft – ähnlich wie bei der
Akteneinsicht nach Art. 101 Abs. 1 StPO – im Einzelfall prüfen kann, ob sachliche
Gründe für eine vorläufige Beschränkung der Parteiöffentlichkeit bestehen (Urteil
6B_256/2017 vom 13. September 2018 mit Verweis auf BGE 139 IV 25 E.
5.5.4.1). Solche Gründe liegen demnach insbesondere vor, wenn im Hinblick auf
noch nicht erfolgte Vorhalte eine konkrete Kollusionsgefahr gegeben ist. Falls die
Befragung des Mitbeschuldigten sich auf untersuchte Sachverhalte bezieht,
welche den (noch nicht einvernommenen) Beschuldigten persönlich betreffen und
zu denen ihm noch kein Vorhalt gemacht werden konnte, darf der Beschuldigte
von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Das Bundesgericht sieht die
Möglichkeit der Beschränkung von Teilnahmerechten vor allem im
Anfangsstadium einer Untersuchung vor, bis zum Zeitpunkt des Abschlusses der
ersten Einvernahme des Beschuldigten.
Bis zum Zeitpunkt ihrer erstmaligen, einlässlichen Befragung war es nötig,
die Beschuldigten einzeln und ohne Teilnahme der anderen Mitbeschuldigten zu
befragen. Dies bedeutet, dass auch die Hafteinvernahmen verwertbar sind
(Urk. D1/3/2; Urk. D1/2/2; Urk. D1/5/2), ebenso die staatsanwaltschaftliche Ein-
vernahme der Beschuldigten A._ vom 11. April 2019 (Urk. D1/5/3), zumal
sich die Beschuldigten in den nachfolgenden Konfrontationseinvernahmen äus-
sern konnten (Urk. D1/7/3; Urk. D1/2/4).
7.7. Die Konfrontationseinvernahmen wurden im Einklang mit der oben
erwähnten Rechtsprechung durchgeführt (Urteil 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021
mit Verweis auf BGE 143 IV 457 E. 1.6.2). Dass die Beschuldigte B._ in der
zweiten Konfrontationseinvernahme/Schlusseinvernahme fehlte, weil sie krank
war, und die Staatsanwaltschaft eine Verschiebung nicht zuliess (Urk. D1/2/4 S. 1
- 35 -
f.), vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Einerseits konnten sich alle
in der ersten Konfrontationseinvernahme äussern und sich gegenseitig Fragen
stellen. Andererseits bestand die von der Staatsanwaltschaft mit der Beschuldig-
ten B._ am 3. Oktober 2019 alleine nachgeholte Einvernahme im Wesentli-
chen aus dem Schlussvorhalt, der in einem Punkt von der Beschuldigten B._
relativiert wurde (Filmen der Privatklägerin beim Duschen). Im Übrigen erfolgte
die Befragung zur Person (Urk. D1/3/4). Daraus lässt sich nichts zu Ungunsten
der anderen Beschuldigten ableiten.
7.8. Die nur mit der Beschuldigten D._ am 26. September 2019 durch-
geführte staatsanwaltschaftliche Einvernahme betraf sodann nur die an diese se-
parat gerichteten Vorwürfe gemäss Dossier 2-6, welche in Einstellungen (Urk. 28-
29) und in der "Neben-Anklage" vom 12. Dezember 2019 mündeten (Urk. 35).
7.9. Die Auskunftsperson G._ wurde nur polizeilich einvernommen
(Urk. D/1/8/1). Mangels Konfrontation mit den Beschuldigten können dessen
Aussagen nur zu ihren Gunsten verwendet werden.
7.10. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Personalbeweise mit den
erwähnten Ausnahmen verwertbar sind. Die Verwertbarkeit der Sachbeweise
wurde zu Recht nicht in Frage gestellt. So liegen Hausdurchsuchungs- und
Durchsuchungsbefehle vor (Urk. D1/12/1-3; Urk. D1/12/4-5; Urk. D1/12/16-17).
Zudem haben die Betroffenen der Auswertung der Telefone zugestimmt
(Urk. D1/5/2 S. 5 [Beschuldigte A._, im Protokoll fälschlicherweise "D._"
statt A._ genannt]; Urk. D1/3/1 S. 2, Urk. D1/3/3 [Beschuldigte B._]).
8. Beweisanträge
8.1. In der Berufungserklärung hat die appellierende Partei die Beweisanträ-
ge zu stellen und zu begründen (vgl. Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO).
8.2. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten A._ verzichtete einst-
weilen auf Beweisanträge (Urk. 152 S. 8). Dem Beweisantrag der amtlichen
Verteidigerin der Beschuldigten B._, es seien die begründeten Urteile der
Beschuldigten A._ und C._ sowie der Beschuldigten D._ beizu-
- 36 -
ziehen (Urk. 157/152 S. 3), wurde mit der Vereinigung der Verfahren faktisch
entsprochen (Urk. 155-156). Seitens der Beschuldigten C._ wurde
einstweilen auf Beweisanträge verzichtet (Urk. 152).
8.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden – abgesehen von den
eingereichten Beilagen zu den Plädoyers – keine weiteren Beweisanträge gestellt
(Prot. II S. 16 ff.).
III. Sachverhalt
A Anklagevorwurf
1.1. Gemäss Anklageschrift vom 12. Dezember 2019 (Urk. 34) soll die
Privatklägerin ca. Mitte November 2017 die Beschuldigte C._ bei der KESB
des Bezirkes Pfäffikon denunziert haben. Die Beschuldigte C._ habe die
Privatklägerin dafür zur Rechenschaft ziehen wollen. Die Beschuldigte C._
habe sich deshalb am 10. März 2019 mit den Mitbeschuldigten B._, A._
und D._ getroffen. Dabei hätten sie sich entschlossen, die Privatklägerin in
ihre Gewalt zu bringen und sie zur Rede zu stellen. Die Beschuldigten seien alle
davon ausgegangen, dass sich die Privatklägerin aufgrund des Zwistes nicht mit
der Beschuldigten C._ oder mit den ihr nicht weiter bekannten Beschuldigten
D._ und A._ treffen oder mit ihnen mitgehen würde, hingegen mit der
Beschuldigten B._ schon, da sie mit dieser befreundet gewesen sei. Deshalb
hätten die Beschuldigten zusammen entschieden, dass die Beschuldigte B._
sich mit der Privatklägerin nach deren Arbeitsschluss verabreden sollte. Da die
Beschuldigte B._ über keinen Führerausweis verfügt habe, habe sie die
Mitbeschuldigte F._ zum Treffen begleiten sollen, damit die Privatklägerin
nicht misstrauisch würde.
1.2. Konkret wird den Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen, die
Beschuldigte B._ und die Beschuldigte F._ hätten die Privatklägerin am
10. März 2019, ca. 23.00 Uhr, vor deren Arbeitsort, dem Restaurant H._ an
der I._-strasse ... in J._, erwartet. Sie seien dann mit ihr zum an-
grenzenden Parkplatz gegangen, wo die anderen Beschuldigten hinzugetreten
- 37 -
seien. Obwohl die Privatklägerin protestiert und sie sich widersetzt habe, sei sie
auch unter Einsatz von Gewalt ins Fahrzeug verbracht worden. Dort sei sie
geschlagen worden und habe man ihr angedroht, dass ihr weitere Gewalt angetan
würde, sollte sie sich nicht fügen. Zumindest eine der Beschuldigten habe die
Privatklägerin am Arm oder den Haaren gepackt und sie auf die Rückbank des
dort abgestellten Personenwagens der Beschuldigten C._ gezogen oder
gestossen. Dann hätten sie die Privatklägerin weggeführt.
1.3. Auf der Fahrt mit Halt im Wald bei der K._ am L._-weg in
J._, an der Tankstelle M._ an der N._-strasse in J._ sowie im
Wald bei O._ sei die Privatklägerin auf diverse Weise eingeschüchtert, er-
niedrigt, beschimpft und geschlagen worden. Man habe ihr das Mobiltelefon und
die Tasche weggenommen und weitere Gewalt angedroht, aber auch eröffnet,
dass man sie nackt ausziehen wolle. Nachdem die Beschuldigten die Privatkläge-
rin zunächst im Wald bei O._ hätten zurücklassen wollen, hätten sie sich
entschieden, von der Privatklägerin Nacktaufnahmen zu machen, welche sie ver-
öffentlichen wollten, sollte die Privatklägerin die Beschuldigten bei der Polizei an-
zeigen. So hätten sie die Privatklägerin um ca. 02:00 Uhr in die Wohnung der Be-
schuldigten C._ in O._ gebracht.
1.4. In der Wohnung habe sich die Privatklägerin geduscht. Dabei sei sie
gegen ihren Willen gefilmt worden. Danach hätten die Beschuldigten von ihr ver-
langt, dass sie sich nackt hinstelle, sich vorstelle und diverse sexuelle
Handlungen an sich vornehme, teils mit einem Sexspielzeug und mit Vorspielen
bzw. Vorgabe eines pornografischen Films. Es seien auch sexuelle Handlungen
an ihr vorgenommen worden. Es seien von ihr diverse andere erniedrigende
Handlungen verlangt worden wie das Massieren, Ablecken und Küssen von
Füssen der Beschuldigten sowie das Schlucken von gläsernen
Dekorationssteinchen. Soweit sie sich gewehrt habe, sei sie geschlagen und
getreten worden, habe man ihr weiteres Übel oder weitere erniedrigende
Handlungen angedroht. Die Beschuldigten hätten ihr auch die künstlichen
Haarverlängerungen aus dem Haar gerissen und das Haar noch mit einem
Messer weiter abgeschnitten.
- 38 -
1.5. Schliesslich hätten die Beschuldigten die Privatklägerin um 07:35 Uhr
des 11. März 2019 auf einem Parkplatz in P._ abgesetzt. Sie hätten das
Mobiltelefon und das Portemonnaie behalten und daraus Fr. 350.00 entnommen
und unter sich aufgeteilt. Das Mobiltelefon und das Portemonnaie hätten die
Beschuldigten C._ und B._ um ca. 09:00 Uhr in der Eisenbahn von
Wohlen nach Bremgarten hinterlegt.
1.6. Sämtliche Handlungen – mit Ausnahme des Vorwurfs gemäss RZ 8 –
sollen die Beschuldigten in Mittäterschaft und gegen den Willen und Widerstand
der Privatklägerin begangen haben.
1.7. Für die Vorwürfe im Einzelnen und die präzisen Tathandlungen sei im
Übrigen auf die Anklageschrift vom 12. Dezember 2019 (Urk. 34) und auf die
nachfolgenden Ausführungen verwiesen.
B Standpunkt der Beschuldigten
Die Beschuldigten bestreiten nicht, dass sie in der genannten Zeit und an
den genannten Orten zusammen und mit der Privatklägerin unterwegs waren. Es
werden auch gewisse der oben beschriebenen Handlungen konzediert, wie nach-
folgend aufzuzeigen ist. Nachdem noch vor Vorinstanz die Unfreiwilligkeit der
Handlungen der Privatklägerin im Wesentlichen bestritten wurde, räumten zu-
mindest die Beschuldigten C._ und B._ an der Berufungsverhandlung
ein, dass die Privatklägerin weder freiwillig mitkam noch die verschiedenen
Handlungen aus freiem Willen vornahm (Urk. 210 S. 10, 14 ff., Urk. 211 S. 7 f.).
Nach vormaligem Bestreiten liess die Beschuldigte B._ die ihr im
erstinstanzlichen Urteil angelasteten Delikte nicht mehr anfechten. Die
Beschuldigten A._ und C._ weisen über weite Strecken die konkreten
Tatbeiträge und damit einhergehend die unterstellte Mittäterschaft von sich.
C Grundsätze der Beweiswürdigung
1.1. Angesichts der Bestreitungen ist zu prüfen, ob der Anklagesachverhalt
aufgrund der Untersuchungsakten und der vorgebrachten Argumente erstellt und
den Beschuldigten mit rechtsgenügender Sicherheit nachgewiesen werden kann.
- 39 -
2.1. Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Beweiswürdigung korrekt darge-
legt (Urk. 151 S. 15 ff.; Urk. 157/151 S. 19 ff.; Urk. 158/151 S. 15 ff.). Im Sinne ei-
ner teilweisen Ergänzung und Zusammenfassung ist mit Bezug auf die nachfol-
gend vorzunehmende Beweiswürdigung festzuhalten, dass gemäss der aus Art. 8
und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in
dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld eines Angeklagten zu
vermuten ist, dass dieser einer strafbaren Handlung unschuldig ist (Art. 10 Abs. 1
StPO).
2.2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind
diese frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände,
die sich aus dem gesamten Verfahren ergeben, zu untersuchen, welche Sach-
darstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der
Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen.
Bei der Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder
allgemeine Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist
vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen.
Dieser Ansatz wurde vom Bundesgericht vor kurzem im Urteil 6B_323/2021 vom
11. August 2021, E. 2.3.3., bestätigt: "Das Konzept einer 'allgemeinen Glaub-
würdigkeit' wird in der Aussagepsychologie als wenig brauchbar bewertet. Der
allgemeinen Glaubwürdigkeit eines Zeugen im Sinne einer dauerhaften
personalen Eigenschaft kommt nach heutiger Erkenntnis bei der Würdigung von
Zeugenaussagen daher kaum mehr relevante Bedeutung zu. Weitaus
bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die
Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage. Dabei wird die konkrete Aussage durch
methodische Analyse ihres Inhalts (Vorhandensein von Realitätskriterien, Fehlen
von Fantasiesignalen) darauf überprüft, ob die auf ein bestimmtes Geschehen
bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben der befragten Person
entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3; Urteile 6B_257/2020 vom 24. Juni 2021 E.
5.4.3; 5A_550/2019 vom 1. September 2020 E. 9.1.3.1; je mit Hinweisen).
Entscheidend für den Beweiswert einer Zeugenaussage ist daher die
Glaubhaftigkeit der konkreten Zeugenaussage und nicht die allgemeine
Glaubwürdigkeit des Zeugen als persönliche Eigenschaft." Das für die
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Zeugenaussage Gesagte kann auf die Aussagenwürdigung generell übertragen
werden, mithin auch für die Aussagen der Auskunftspersonen und Beschuldigten.
D Konkrete Beweiswürdigung
1. Die Anklagebehörde stützt sich zum Nachweis der eingeklagten Sach-
verhalte hauptsächlich auf die Aussagen der Privatklägerin, welche diese als
Auskunftsperson machte (Urk. D1/7/1-3), sodann jene der Beschuldigten A._
(Urk. D1/5/1-3; Prot. I S. 56 ff.), B._ (Urk. D1/3/2-3; Urk. D1/3/5; Prot. I S.
152 ff.), C._ (Urk. D1/2/1-2; Prot. I S. 15 ff.), D._ (Urk. D1/4/1-3; Prot. I
S. 116 ff.) und F._ (Urk. D1/6/1). Weiter liegen die Aussagen aus der Kon-
frontationseinvernahme aller fünf Beschuldigten (Urk. D/1/2/3) und jener mit
A._, C._, D._ und F._ vor (Urk. D1/2/4). Schliesslich liegt das
– nur zugunsten der Beschuldigten verwertbare – Protokoll der polizeilichen
Einvernahme der Auskunftsperson G._ in den Akten (Urk. D1/8/1). Die
Beschuldigten wurden an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nochmals
eingehend zu den einzelnen Vorwürfen befragt (Prot. I S. 15 ff.). Neu kommen die
Protokolle der Befragungen der Beschuldigten an der Berufungsverhandlung
hinzu (Urk. 109-111).
2. Sodann liegen diverse Sachbeweise vor, welche die Vorinstanz in den
angefochtenen Urteilen anführt, so insbesondere medizinische Abklärungsergeb-
nisse über die körperliche Untersuchung der Privatklägerin, Fotos und Auswer-
tungen von Chat-Verläufen, Bild- und Filmdateien sowie Aufnahmen diverser
Überwachungskameras, Einkaufsbelege und Gegenstände (Urk. 151 S. 18 f.;
Urk. 157/151 S. 22 f.; Urk. 158/151 S. 15 f.).
Filmaufnahmen mit Bezug auf die konkrete Nacht konnten auf den sicher-
gestellten Mobiltelefonen keine festgestellt werden (Urk. D/1/8 S. 8).
3. Die Vorwürfe gemäss Anklageschrift (Urk. 34) werden nachfolgend
thematisch und soweit möglich zusammengefasst abgehandelt. In einem ersten
Schritt ist zu prüfen, ob sich der Sachverhalt in objektiver Hinsicht erstellen lässt
- 41 -
(Ziff. 4.-21). Hernach ist auf die subjektiven Aspekte des vorgeworfenen Handelns
einzugehen (Ziff. 22).
4. Sachverhalt betreffend RZ 1-2 (Hintergrund, initiale Beschlussfassung
und Herauslocken der Privatklägerin aus dem Restaurant H._)
4.1. Hintergrund und Auslöser für das Verhalten der Beschuldigten soll
gemäss Staatsanwaltschaft eine Meldung der Privatklägerin bei der KESB des
Bezirkes Pfäffikon gewesen sein.
4.2. Die Vorinstanz hat den Sachverhalt diesbezüglich als erstellt erachtet.
Sie wies darauf hin, dass sämtliche Beschuldigten bestätigten, dass sich die Be-
schuldigte C._ an der Privatklägerin für die Anzeige bei der KESB habe rä-
chen wollen und sie sich dazu am 10. März 2019 getroffen hätten. Die Beschul-
digten hätten auch bestätigt, dass sie die Privatklägerin in ihre Gewalt nehmen
und sie wegen der Anzeige bei der KESB zur Rede hätten stellen wollen
(Urk. 151 S. 35; Urk. 157/151 S. 35; Urk. 158/151 S. 28).
4.3. Am 14. November 2017 übermittelte die KESB des Bezirks Pfäffikon der
KESB Kreis Bülach Nord eine Gefährdungsmeldung betreffend den Sohn der
Beschuldigten C._. Diese wurde von der Privatklägerin telefonisch übermit-
telt und weist gemäss Aktennotiz der KESB folgenden Inhalt auf (Urk. D1/27/3:):
"Aktennotiz P. R.
Betreffend: Q._, (Kv: R._, Km: C._)
Meldung von Frau E._, S._ ZH, (Tel. Nr.)
Q._ sei 2 Jahre alt. Die Eltern seien getrennt, die Km sei mit Q._ kurzfristig zu ihrer Mutter nach T._ gezogen, sei nun aber ohne festen Wohnsitz. Sie lebe bei verschiedenen Typen und teilweise bei Kolleginnen. Sie habe auch ein paarmal bei ihr mit dem Kind übernachtet. Der Kv lebe weiterhin in der Familienwohnung in U._. Es könne sein, dass sie bei Gericht seien für eine Trennung oder Scheidung, sie wisse dies aber nicht sicher.
Q._ werde von seiner Mutter massiv geschlagen. Zudem wechsle sie ihm nur einmal täglich die Windeln. Sie habe ihr mehrmals gesagt, sie dürfe das Kind nicht schlagen, die Km sei aber der Meinung, das gehöre zur Er-
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ziehung. Sie habe den Kontakt zu ihr deshalb abgebrochen. Die Km gehe zudem in den Ausgang und lasse das Kind währenddessen draussen im . Zudem sei die Km Epileptikerin. Sie habe das dem Strassenverkehrsamt aber nicht gemeldet und fahre deshalb Auto und dies ziemlich schnell. Sie habe schon mehrmals erlebt, wie die Km beim Autofahren Anfälle gehabt habe. Sie habe ins Steuer greifen müssen und sie hätten danach 40 Min. auf dem Pannenstreifen warten müssen, bis es der Km wieder besser ging.
Der KV sei ein guter Vater."
Der Wahrheitsgehalt dieser Meldung kann letztlich offen bleiben. Tatsache
ist, dass sich die Beschuldigte C._ als betroffene Mutter dadurch gemäss ih-
rem Verteidiger aufs Übelste – und böswillig – nachweislich wahrheitswidrig, aus-
ser dass sie Epileptikerin sei, angeschwärzt gefühlt habe (Urk. 84 S. 4). Dies sei
natürlich "Pulver im Fass" gewesen. Das Ganze sei über Monate dahingegärt und
von den Freundinnen/Kolleginnen "vorwärts und rückwärts ausdiskutiert" und zum
wiederkehrenden Thema unter ihnen geworden, wie man die "Verleumderin und
Petzerin" zur Rede stellen werde (Urk. 84 S. 4 f.). Der Auslöser für die Ereignisse
in der Nacht vom 10. auf den 11. März 2019 ist damit erstellt.
Ebenfalls ergibt sich aus den Aussagen der Beschuldigten F._, dass sie
die Beschuldigte B._ beim Abholen der Privatklägerin begleitet habe und
dass ihr klar gewesen sei, dass sie gebraucht werde (Urk. D1/2/4 S. 8). Die Be-
schuldigte A._ bestätigte, dass die Beschuldigte F._ mitgegangen sei,
weil die Beschuldigte B._ keinen Führerausweis gehabt habe. Die Privatklä-
gerin hätte nicht misstrauisch werden sollen. Die Beschuldigte A._ sagte
hierzu: "Bevor B._ aus dem Auto stieg um E._ zu holen, sagte C._
zu ihr, sie solle E._ raus locken und mit ihr eine Zigarette rauchen und ihr
sagen, ich sei mit F._ in deren Auto hier, also dass wir nur zu zweit seien.
B._ und F._ haben das gemacht" (Urk. D1/5/3 S. 3).
Die Verabredung für diesen Abend wird weiter durch Kurznachrichten
zwischen der Beschuldigten B._ und der Privatklägerin belegt (Urk. D1/1/11,
3.2.1., S. 4 ff.). Ebenfalls ergibt sich aus der elektronischen Kommunikation, dass
die Beschuldigte D._ von der Beschuldigten C._ mehrmals aufgefordert
wurde, die Beschuldigte B._ zu kontaktieren (Urk. D1/1/9, 1.3.1., S. 2 ff.).
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Spätestens auf dem Parkplatz der Arbeitsstelle der Privatklägerin wussten somit
alle Beschuldigten, dass die Privatklägerin von der Beschuldigten B._ und
F._ herausgelockt werden sollte, da sie unter den gegebenen Umständen
nicht mit der Beschuldigten C._ oder den ihr nicht weiter bekannten Beschul-
digten A._ und D._ mitgehen würde.
Auf die sodann umstrittene Frage, was die initiale Beschlussfassung weiter
umfasste, ist nachfolgend bei den eigentlichen Tatvorwürfen einzugehen.
5. Sachverhalt betreffend RZ 3 (Verbringen der Privatklägerin ins Auto
der Beschuldigten C._)
5.1. Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt auch in diesem Punkt als
erstellt (Urk. 151 S. 40-43). Sie hat dabei im Wesentlichen auf die Aussagen der
Privatklägerin abgestellt, die von verschiedenen Beschuldigten in diversen
Aspekten bestätigt würden. Der Beurteilung der Vorinstanz kann aus den nach-
folgenden Gründen zugestimmt werden.
5.2. Strittig und zentraler Punkt war hier zunächst, ob die Privatklägerin ge-
gen ihren Willen ins Auto der Beschuldigten C._ verbracht wurde oder die
Privatklägerin freiwillig ins Auto gestiegen ist.
5.3. Die Privatklägerin selber sagte bei der ersten polizeilichen Einvernahme
am Morgen des 11. März 2019 aus, sie habe am 10. März 2019 von 12 Uhr bis
ca. 23 Uhr im albanischen Restaurant J._ als Serviceangestellte gearbeitet.
Kurz vor Feierabend habe sie auf ihrem Mobiltelefon auf "WhatsApp"-Nachrichten
gesehen, dass die Beschuldigte B._ ihr geschrieben habe, ob sie ("wir") nach
ihrer Arbeit ins "V._" in J._ (Shishabar) gehen würden. Sie habe "OK"
zurückgeschrieben. Die Beschuldigte B._ habe geantwortet: "Wir warten
draussen auf dich" (B._/F._). Vor Ort sei sie von B._ und F._
empfangen worden. Sie sei mit ihnen zum Auto gelaufen. Die Privatklägerin be-
richtete dann: "F._ sagte noch vor dem Einsteigen, dass wir noch eine Ziga-
rette rauchen würden. Ich war am Auspacken von meiner Zigarette, als ich von
drei weiteren Frauen tätlich angegriffen wurde bzw. festgehalten. Sie sagten, ich
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solle ins Auto steigen. Ich antwortete ihnen, dass ich dies nicht möchte. In der
Folge packten sie mich an den Haaren usw. und stiessen mich mit Gewalt ins
Fahrzeug. Dabei nahmen sie mir meine persönlichen Sachen wie Mobiltelefon ab
und kontrollierten meine Handtasche. Die Handtasche konnte ich danach behal-
ten vorerst. Ich versuchte mich um mich zu schlagen und zu befreien. Dies
misslang aber, da sie in Überzahl waren." (Urk. D1/7/1 S. 2). Bei der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme vom 14. Mai 2019 hielt die Privatklägerin im We-
sentlichen an dieser Darstellung fest. Präzisierend führte sie aus, die anderen drei
seien von hinten gekommen (Urk. D1/7/3 S. 7). Die Beschuldigte A._ habe
sie an den Haaren gepackt und gesagt, "komm zum Auto!". Sie habe sich gewehrt
und gesagt, sie sollen sie loslassen, und A._ wegstossen wollen. Dazumal
habe diese mehr Kraft gehabt als sie, und "... sie hat mich an den Haaren hinten
ins Auto in die Mitte gezerrt. Ich bin mir nicht mehr 100% sicher, wer es war. Im
Auto frage ich, was sie wollten. C._ sagte, sie wolle reden." (Urk. D/1/3 S. 8).
5.4.1. Die Beschuldigten A._, D._ und C._ bestritten bis anhin
grundsätzlich, dass die Privatklägerin gegen ihren Willen und mit Gewalt ins Auto
verbracht worden sei (vgl. Urk. 151 S. 42; Urk. 157/151 S. 40 ff.; Urk. 158/151 S.
33 ff.).
5.4.2. Allerdings sagte die Beschuldigte C._ in Relativierung vor Vo-
rinstanz aus, sie glaube nicht, dass die Privatklägerin freiwillig mitgekommen wä-
re, "sie stand unter Druck, da die Schwestern sie umstellten. Sie konnte nichts
machen. Ich sah nicht, ob sie gezwungen wurde ins Auto zu steigen oder ob sie
selbständig einstieg". Auf den nochmaligen Vorhalt des Vorsitzenden, wonach die
Privatklägerin gegen ihren Willen ins Auto geholt worden sei, sagte sie, sie denke
schon, dass sie nicht habe mitkommen wollen. Sie habe nicht gesehen, ob sie die
Privatklägerin ins Auto und auf die Rückbank gestossen oder sie am Arm oder an
den Haaren gezogen hätten oder nicht, und auch nicht gehört, dass ihr Gewalt
angedroht worden sei, falls sie nicht mitkomme. Es sei dunkel gewesen und sie
sei auf der anderen Seite des Autos gestanden. Sie habe die Privatklägerin nicht
ins Auto nehmen wollen, sondern das vor Ort abschliessen wollen. Es sei sehr
schnell gegangen. Sie habe keine Gelegenheit gehabt mit der Privatklägerin zu
- 45 -
sprechen. Auf die Frage, wieso sie trotzdem ins Auto gestiegen sei, obwohl sie
gemerkt habe, dass sie die Situation nicht mehr unter Kontrolle habe, sagte die
Beschuldigte C._: "Ich stieg ins Auto, weil ich nicht wusste, ob sie gezwun-
gen wurde oder freiwillig mitkam. Ich wollte an einen anderen Ort hinfahren, um
mit der Privatklägerin zu sprechen. Das ging alles so schnell, da kam bereits der
erste Box. Ich konnte es nicht verhindern." (Prot. I S. 23 ff.).
An der Berufungsverhandlung sagte die Beschuldigte sodann klar aus, dass
die Privatklägerin nicht freiwillig ins Auto gestiegen respektive mitgekommen sei.
Die Beschuldigte A._ habe diese ins Auto gezerrt und ihr Gewalt angedroht,
wenn sie nicht ins Auto steigen würde. Auf entsprechende Frage gab die Be-
schuldigte C._ an, es sei gesagt worden, "Entweder kommst du freiwillig mit
oder wir boxen oder zerren dich ins Auto rein. Irgend so etwas." Dass die
Privatklägerin gegen ihren freien Willen an einen anderen Ort verfrachtet werden
sollte, bestritt die Beschuldigte C._ (Urk. 210 S. 10).
5.4.3. Die Beschuldigte A._ konzedierte vor Vorinstanz immerhin, dass
der Privatklägerin eine Falle gestellt worden sei. C._ habe gesagt, sie wolle
mit ihr sprechen. Man habe die Privatklägerin täuschen wollen, indem man
F._ vorgeschickt habe (Prot. I S. 68). C._ hätte die Möglichkeit gehabt,
dort mit ihr zu sprechen, aber "...wir entschlossen uns, das im Auto zu bespre-
chen. Die Privatklägerin war damit einverstanden. Sie wurde nicht gezwungen,
mitzukommen." Das Ziel des Abends sei gewesen, dass C._ der Privatkläge-
rin hätte Fragen stellen können, denn "wir alle, D._, B._ und ich hatten
keinen Grund mit ihr zu sprechen." (Prot. I S. 67 ff.). Dass die Privatklägerin am
Arm oder an den Haaren gezogen und auf die Rückbank des Autos gestossen
worden sei, stimme nicht. Sie habe die Privatklägerin auch nicht geschlagen
(Prot. S. I 69 f.).
5.4.4. Auch die Beschuldigte D._ räumte vor Vorinstanz ein, sie habe
gedacht, dass die Privatklägerin nicht mitkommen würde. Als diese die
Beschuldigte C._ gesehen habe, habe die Privatklägerin gesagt, sie wolle
nicht mit ihnen ins Auto kommen. Sie selber habe ihr dann einen Klaps auf den
Oberarm gegeben und gesagt, sie müsse kommen (Prot. I S. 125). Sie habe das
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nicht auf eine milde Art gesagt. Die Privatklägerin sei dann mitgekommen und
selbständig ins Auto gestiegen. Die Privatklägerin sei auch nicht gestossen wur-
den, nur von allen beschimpft. Sie hätten ihr gesagt, dass sie eine "Nutte" sei, und
sie gefragt, weshalb sie wegen C._s Sohn dort angerufen habe. Sie hätten
von dort schnell weg müssen, denn C._ habe Angst gehabt, dass andere
Mitarbeiter herauskommen und sehen würden, was dort passiere (Prot. I S. 126).
5.4.5. Die Beschuldigte B._ antwortete vor Vorinstanz auf die Frage, ob
sie davon ausgegangen sei, dass die Privatklägerin freiwillig mit ihnen vier bzw.
fünf ins Auto steigen würde: "Vom ins Auto steige, war keine Rede. F._ und
ich holten die Privatklägerin 1 ab und wir gingen zu den Parkplätzen. Dabei ka-
men A._ und D._ von hinten. A._ legte den Arm um den Hals der
Privatklägerin 1 und sagte, sie solle mitkomme". Danach sei es gegen ihren Wil-
len gewesen. Ob die Privatklägerin gezogen oder gestossen wurde, vermochte
die Beschuldigte B._ nicht zu sagen. Sie sei bereits im Auto gesessen und
habe die Privatklägerin nur hineinfallen sehen. Diese sei gestolpert oder
hineingeschlagen worden. Jedenfalls sei sie auf F._ und sie (B._) gefal-
len. Dass ihr jemand Gewalt angedroht habe, falls sie nicht mitkomme, bestätigte
B._ dem Grundsatz nach. Sie wisse nicht mehr, wer es gewesen sei. Das
habe sie gehört, inhaltlich so: "Wenn sie weiterhin weinen würde, dann würde sie
Schläge erhalten. Ich weiss es nicht mehr ganz genau." (Prot. I S. 159 ff.).
5.4.6. Die mit rechtskräftigem Strafbefehl betreffend Gehilfenschaft zur Ent-
führung (Urk. 32) sanktionierte F._ gab bei der Polizei zu Protokoll, sie und
B._ seien zum Restaurant gegangen und dann mit der Privatklägerin zum
Auto. Sie habe von ihrem Arbeitsalltag erzählt. Dann sei es sehr schnell
gegangen. Die drei anderen seien von hinten gekommen und hätten sie gepackt.
Wahrscheinlich hätten sie sich irgendwo versteckt. Dann hätten sie die
Privatklägerin ins Auto gedrückt, gezerrt (Urk. D1/6/1 S. 5 und S. 9) und zwar
"D._" [D._] und ihre Schwester [A._]. "C._ [C._] war
eigentlich nur hintendran und hat aufgepasst, dass sie nicht wegläuft". Die
Privatklägerin habe gesagt, sie steige da nicht ein, aber "irgendwann ist sie halt
von selber irgendwie rein, sie konnte ja nicht mehr weg. B._ und ich waren
- 47 -
bereits im Auto, wo sie reingedrückt wurde." (Urk. D1/6/1 S. 5). Die Privatklägerin
habe im Auto auch geweint. Die Schwester von D._ [D._/A._] habe
ihr auch eine "Backpfeife" (Ohrfeige) gegeben, und zwar auf diesem Parkplatz vor
der Aufnahme. Sie sei sich nicht mehr sicher. Zur Frage, wie fest die Ohrfeige
gewesen sei, meinte F._, die Privatklägerin habe sich danach schon an der
Wange gehalten. Also von daher denke sie, dass es ihr schon weh gemacht habe
(Urk. D1/6/1 S. 6 f.). Sie sei auch verbal beleidigt worden, am meisten von
D._ [D._] (Urk. D1/6/1 S. 7). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme
bestätigte F._, dass man der Privatklägerin habe eine Falle stellen wollen,
"um zu reden" (Urk. D1/2/3 S. 9), ebenso, dass die Privatklägerin ins Auto
gesteckt worden sei. Sie hätten sie am Arm gepackt und gesagt, sie solle ins Auto
steigen. Die Privatklägerin sei von da an nicht mehr freiwillig mitgekommen. Die
Schwester von D._ habe sie angefasst (Urk. D1/2/3 S. 10). Die anderen
Beschuldigten hätten die Privatklägerin ins Auto gesteckt. Die Privatklägerin sei
nicht freiwillig mitgekommen. Die Beschuldigte A._ habe die Privatklägerin
hierbei am Arm gepackt. Dass sie da an den Haaren gepackt worden sei,
vermochte F._ nicht zu bestätigen (Urk. D1/2/3 S. 11). Die Privatklägerin sei
ängstlich gewesen und habe nicht ins Auto einsteigen wollen (Urk. D1/2/3, S. 8 -
15).
5.5.1. Wie bereits oben dargelegt, ist die prozessuale Stellung ein kaum
taugliches Kriterium zur Unterscheidung von wahren und erfundenen Aussagen.
Eine allgemeine Glaubwürdigkeitsprüfung ist daher nicht angängig (Urteil
6B_323/2021 vom 11. August 2021, E. 2.3.3). Dies bedeutet im Sinne einer Aus-
gangslage, dass die Beschuldigten als gleich glaubwürdig einzustufen sind, wie
es die Privatklägerin ist. Von Bedeutung für die Motivlage sind indes die persönli-
chen Beziehungen der Beteiligten, auf die kurz einzugehen ist.
5.5.2. Die Privatklägerin und die Beschuldigte C._ lernten sich
2016/2017 bei der Arbeit kennen und waren hernach befreundet (Urk. D1/7/1
S. 5). Eine Gefährdungsmeldung der Privatklägerin bei der KESB betreffend das
Kind der Beschuldigten C._ führte ca. ein Jahr vor den heute zu beurteilen-
den Ereignissen zum definitiven Bruch der Freundschaft (Urk. 84 S. 4).
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Im Tatzeitpunkt war die Privatklägerin befreundet mit der Beschuldigten
B._, die ihrerseits eine Freundin der Beschuldigten F._ ist.
Die Beschuldigte D._ ("D._") wiederum ist mit der Beschuldigten
C._ befreundet. Die Beschuldigte A._ (W._, AA._, AB._,
AC._ [Spitznamen von A._]) ist die Schwester der Beschuldigten
D._.
Die Beschuldigte D._ spricht nur Albanisch, die Beschuldigte F._
nur Deutsch. Die übrigen Beteiligten sind diesbezüglich zweisprachig.
5.6.1. Die Privatklägerin wurde an der ersten polizeilichen Einvernahme
eingehend befragt (Urk. D1/7/1). Sie schilderte dabei das in der Nacht Erlebte im
Wesentlichen von sich aus und in einer zeitlichen und logischen Abfolge. Sie
lieferte ohne grosses Nachfragen durch den einvernehmenden Polizisten einen
zusammenhängenden Bericht über stundenlange und verschiedenartige
Vorgänge, die an unterschiedlichen Orten stattfanden und durch mehrere
differenziert auseinander gehaltene Personen begangen worden sein sollen. Die
beschriebenen Ereignisse bauen konsistent aufeinander auf und sind hinsichtlich
Raum und Zeit klar verknüpft. Die Aussagen der Privatklägerin sind gespickt mit
Details und aussergewöhnlichen Umständen. Sie beinhalten auch Interaktionen
und Handlungsweisen der Beschuldigten.
Die Aussagen der Privatklägerin fielen in der nachfolgenden, sehr ein-
lässlichen Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft, welche am 14. Mai 2019
stattfand und audiovisuell aufgezeichnet wurde (vgl. Urk. D1/7/3; Urk. D1/7/5), im
Kern deckungsgleich aus. Die Privatklägerin wurde einen ganzen Tag lang ein-
vernommen. Sie berichtete auch da in einem logischen Ablauf detailreich und
differenziert. Ihre Aussagen sind bei der Staatsanwaltschaft gleichsam gekenn-
zeichnet durch die Vielschichtigkeit im geschilderten Sachverhalt und bisweilen
geprägt von Emotionen. Die Komplexität im dargelegten Sachverhalt bei gleich-
lautenden Aussagen in mehreren langen Einvernahmen weist auf real Erlebtes
der Privatklägerin hin. Gegenteiliges – d.h. eine entsprechend erfundene
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Geschichte – würde eine kaum zu bewältigende Leistung eines Opfers über
mehrstündige Einvernahmen erfordern.
Dass sich die Privatklägerin selber durchaus nicht nur in einem günstigen
Licht darstellte, auch pauschale Antwort gab und bisweilen Dramatisierungsten-
denzen zeigte, spricht nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Sie sind im
Gegenteil Ausdruck von Authentizität, worauf später noch eingegangen wird.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Darstellung der Privatklägerin, wonach
sie gegen ihren Willen ins Auto verbracht und weggefahren wurde, ebenso glaub-
haft wie die Behauptung, sie sei tätlich angegriffen bzw. geschlagen und auch
beschimpft worden, dass ihr das Mobiltelefon und die Handtasche weggenommen
und diese Effekten durchsucht worden seien. Schliesslich erscheint auch glaub-
haft, dass ihr weitere Gewalt angedroht bzw. angedeutet wurde.
5.6.2. Die Darstellung der Privatklägerin findet, wie sich aus obigen Ausfüh-
rungen ergibt, im Kern zunächst Bestätigung in den Aussagen der Beschuldigten
F._. Zwar versuchte F._ ihren Beitrag und ihr Wissen um den Grund für
das Treffen stark zu relativieren, indem sie z.B. sagte: "Ich sass halt auch im Au-
to, aber weil die halt meistens Albanisch miteinander gesprochen haben, habe ich
gar nichts verstanden. Ich spreche kein Albanisch. Ich sass lediglich im Auto und
habe nichts gemacht. Bei der Badi in J._ wurde dieses Mädchen ausgefragt,
ihre Sachen wurden ihr weggenommen und ausgepackt. Ihr wurde auch eine ge-
klatscht und dann wurde halt nur mit ihr geredet." (Urk. D1/6/1 S. 1). Oder: "Als
wir zum Auto gingen, wurde sie von den Anderen gepackt. Daher kann ich nichts
über einen Plan sagen, aber ich hätte es auch nicht verstanden gehabt, weil sie ja
wie gesagt immer Albanisch sprachen miteinander." (Urk. D1/6/1 S. 4). Die Be-
schuldigte D._ sagte explizit, als F._ die Privatklägerin abgeholt habe,
habe diese vom Plan gewusst, "[...] sie wusste, dass wir sie abholen würden um
mit ihr zu sprechen. Sie spielt die Rolle der Unschuldigen" (Urk. D1/2/3 S. 20). Al-
lerdings konzedierte die Beschuldigte F._ dann in der Konfrontationseinver-
nahme insbesondere, dass sie vom Plan gewusst habe. Man habe der Privatklä-
gerin eine Falle stellen wollen um zu reden. Die Privatklägerin sei von hinten ge-
packt und ins Auto gezerrt bzw. reingedrückt bzw. gesteckt worden. Sie sei nicht
- 50 -
freiwillig mitgegangen, sie habe ängstlich reagiert bzw. Angst gehabt und nicht
einsteigen wollen und sich gewehrt (Urk. D1/2/3 S. 10 f.). Diese Zugeständnisse
mündeten für die Beschuldigte F._ im Strafbefehl vom 12. Dezember 2019,
den sie akzeptiert hat (Urk. 32).
Die Beschuldigte F._, die von Beginn an, aber nur bis etwa 01:00 Uhr
am Morgen des 11. März 2019 dabei war (Urk. D1/6/1 S. 1), schilderte individuali-
sierte Handlungen, was als Realkennzeichen zu werden ist. So bestätigte sie,
dass die Privatklägerin von A._ geschlagen worden sei, dass ihr das Mobilte-
lefon abgenommen worden sei. Die Beschuldigte A._ habe die Tasche ge-
nommen und durchsucht (Urk. D1/2/3 S. 13). Die Beschuldigten C._,
A._ und D._ hätten die Privatklägerin beschimpft, wobei es keine Wort-
führerin gegeben habe, es hätten alle drei geredet. Hingegen habe die Beschul-
digte B._ nicht viel geredet, also kaum (Urk. D1/2/3 S. 18).
Die Aussagen der Beschuldigten F._ erweisen sich im Kern als
konsistent und stimmig. Sie decken sich in wesentlichen Punkten mit den
Aussagen der Privatklägerin, die sie gar nicht kannte und an diesem Abend das
erste Mal sah. Hinweise auf Übertreibungen oder dass sie jemanden zu Unrecht
beschuldigen wollte, gibt es keine. Einzig ihre eigene Schonung ist diesbezüglich
auszumachen, aber diese wird durch das Akzeptieren des Strafbefehls wiederum
relativiert. Dass sie nicht nur sich selber, sondern auch ihre Freundin – die
Beschuldigte C._ – belastete, spricht gegenteils für authentische Aussagen.
Dadurch findet die Darstellung der Privatklägerin über das unfreiwillige Besteigen
des Autos, die Beschimpfungen, den Schlag und die Wegnahme von Mobiltelefon
und Handtasche Bestätigung.
5.6.3. Die Darstellung der Privatklägerin und der Beschuldigten F._
wurde letztlich mehrheitlich auch von der Beschuldigten B._ bestätigt, auch
wenn diese im Aussageverhalten gewisse Schwankungen zeigte. So gab sie an-
lässlich der Hafteinvernahme vom 13. März 2019 an, dass sie dabei gewesen sei,
dass sie die Privatklägerin aber weder berührt noch sexuell belästigt habe. Sie sei
einfach dabei gewesen (Urk. D1/3/2 S. 2). Andererseits beschrieb sie den ersten
Schlag, welcher die Beschuldigte A._ im Auto ausgeführt habe, sehr genau
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und konnte sich auch in die Privatklägerin hineinversetzen und deren emotionale
Lage gut beschreiben (Urk. 1/3/2 S. 4). Anlässlich der Schlusseinvernahme vom
3. Oktober 2019 gab die Beschuldigte B._ zu Protokoll, dass sie den vorge-
legten Sachverhalt, mit Ausnahme des Filmens in der Dusche anerkenne (Urk.
D1/3/4 S. 2).
5.6.4. Wie oben dargelegt, werden die Anschuldigungen von der Beschuldig-
ten A._ bestritten. Zu ihrem Aussageverhalten ist vorweg festzuhalten, dass
sie in der ersten polizeilichen Einvernahme am 13. März 2019 zunächst bestritt,
die Privatklägerin zu kennen (Urk. D1/5/1 S. 3). Sodann lieferte sie ein falsches
Alibi (Urk. D1/5/1 S. 8). An diesem Standpunkt hielt sie auch an der Hafteinver-
nahme vom 14. März 2019 bei der Staatsanwaltschaft fest (Urk. D1/5/2). An der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. April 2019 gab sie dann kund,
dass sie "die Wahrheit" sagen möchte (Urk. D1/5/3). Ihre angeblich wahrheitsge-
mässen Aussagen stehen aber in klarem Widerspruch nicht nur zur Privatkläge-
rin, sondern auch zu Mitbeschuldigten.
Die Beschuldigte A._ bestätigte im Wesentlichen die Vorgeschichte,
wonach C._ wütend auf die Privatklägerin gewesen sei, dass es um ihren
Sohn gegangen sei, und dass C._ zu B._ vor dem Verlassen des Autos
gesagt habe, sie solle die Privatklägerin rauslocken und mit ihr eine Zigarette
rauchen. Sie bestätigte implizit, dass die Privatklägerin reingelegt werden sollte
(Urk. D1/5/3 S. 3). Dass die Privatklägerin zu keiner Zeit zu erkennen gegeben
habe, dass sie nicht freiwillig im Auto sitzen würde oder dass sie aus dem Auto
aussteigen wolle, so die Verteidigung von A._ (Urk. 86 S. 5 f.), steht im
deutlichem Widerspruch zur Darstellung der oben erwähnten Beteiligten. Wenn
sie den Ausdruck eines Unbehagens der Privatklägerin bezüglich ihres
Aufenthalts im Auto nicht habe feststellen können, sondern sich die Privatklägerin
für die ihr von der Beschuldigten C._ vorgeworfenen schwerwiegenden
Falschaussagen und wegen der Affäre mit dem Ex-Mann der Beschuldigten
C._ geschämt und habe entschuldigen wollen, so erscheint dies als reine
Schutzbehauptung. Gleiches gilt für ihre Behauptung, der Privatklägerin sei keine
Gewalt angetan worden und sie sei auch sonst nicht erniedrigt oder schlecht
- 52 -
behandelt worden. Dass die Privatklägerin von A._ geschlagen wurde,
bestätigten mehrere Mitbeschuldigte.
Immerhin berichtete die Beschuldigte A._, dass sie gehört habe, dass
C._ gesagt habe, "sie wolle die Privatklägerin treffen, ihre Haare schneiden
und sie schlagen. Das war aber früher. Das war schon vor einem Jahr. Ich habe
das Gespräch zwischen C._ und meiner Schwester mitbekommen. Ich habe
meine Schwester davon überzeugt, nicht mitzumachen, da es nicht ihr Problem
sei." (Urk. D1/5 S. 4). Dies sei vor einem Jahr gewesen. Auf die Frage des Staats-
anwalts, ob das an jenem Abend nochmals besprochen worden sei, antwortete
A._: "Nein. C._ sagte einfach, sie wolle sie schlagen, wegen der Sache
mit ihrem Sohn. Sie wolle ihr auch Fragen stellen. Aber dann haben wir F._
zu einem Volg gebracht und sie raus gelassen, da es zu viele Personen im Fahr-
zeug waren, das ist verboten. Wir fuhren zu einer Tankstelle." (Urk. D1/5/1).
5.7. Aus obigen Erwägungen ergibt sich, dass der Sachverhalt gemäss RZ 3
in objektiver Hinsicht erstellt ist. Es ist klar von einem unfreiwilligen Verbringen ins
Fahrzeug und Wegführen unter Anwendung von Gewalt, Drohungen und Be-
schimpfungen auszugehen. Das ergibt sich nicht nur aus den mehrheitlich
übereinstimmenden Aussagen der Beschuldigten, sondern auch aus den Um-
ständen. Vor Ort waren zwei unverdächtige Lockvögel (B._ und F._),
die drei weiteren Beschuldigten griffen die Privatklägerin von hinten aus dem
Nichts aus und zerrten sie gegen ihren explizit geäusserten Willen und unter
Anwendung von Gewalt ins Auto. Die Beschuldigten waren zu Fünft und damit in
der absoluten Überzahl. Auf Geheiss der Beschuldigten – ohne F._ – musste
sie dann gemäss D._ gar im Fussraum des Autos sitzen (Prot. I S. 129).
5.8. Das für die einzelnen Beteiligten beschriebene und bewertete Aussage-
verhalten gilt grundsätzlich auch für die nachfolgend zu würdigenden Aussagen,
soweit nicht Abweichungen dargelegt werden.
6. Sachverhalt betreffend RZ 4 (Faustschlag gegen das Gesicht der
Privatklägerin)
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6.1. Die Vorinstanz erachtete diesen Sachverhalt als erstellt (Urk. 151
S. 42-46; Urk. 157/151 S. 43 ff.; Urk. 158/151 S. 36 ff.). Sie stellte wiederum auf
die Darstellung der Privatklägerin ab, welche im Wesentlichen von den
Beschuldigten F._ und B._ sowie teilweise von der Beschuldigten
D._ gestützt werde (Urk. 151 S. 46). Auf die entsprechenden Erwägungen
kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden. Die nachfolgenden
Erwägungen sind als Zusammenfassung und teilweise Ergänzung der
erstinstanzlichen Beurteilung zu verstehen.
6.2. Dass die Beschuldigten die Privatklägerin zuerst in den Wald bei der
K._, L._-weg ..., in J._ fuhren, ist unbestritten. Die Wegnahme des
Mobiltelefons und die Beschimpfungen sind durch die glaubhaften Ausführungen
der Privatklägerin und jene der Beschuldigten B._ und F._ gemäss obi-
gen Ausführungen erstellt. Bestritten wurde von der Beschuldigten A._, dass
sie die Privatklägerin mit der Faust kräftig ins Gesicht geschlagen habe.
6.3. Die Privatklägerin schilderte bei der Polizei, dass die Beschuldigte
C._ im Wald, als sie angehalten hätten, angefangen habe mit dem Thema
"KESB und Kind": "Sie machte mir den Vorwurf warum ich sie beim KESB
verpfiffen hätte. Das wo jetzt kommt ist die Rechnung für das Verpfeifen. W._
[A._] boxte mich mit der rechten Faust auf die linke Wange, da ich zu ihr
geschaut habe. Dabei sassen wir noch im Auto." (Urk. D1/7/1 S. 2). Diesen
Schlag bestätigte die Privatklägerin auch bei der Staatsanwaltschaft (Urk. D1/7/3
S. 8): "Sie beschimpften mich, fragten, wer ich sei, was ich das Gefühl hätte, etc.,
ich begann zu weinen. Dann schlug sie mich und sagte, ich solle nicht weinen"
(Urk. D1/7/3 S. 8 f.). Sie hätten ihr gesagt, sie würden sie nackt ausziehen. Das
habe ihr Angst gemacht. Sie habe geweint, und dann habe sie A._ auf die
linke Wange geschlagen. Sie habe sehr fest geschlagen, es habe lange weh
getan. Es sei ein "Box" gewesen (Urk. D1/7/3 S. 8 f.).
6.4.1. Die Beschuldigte A._ bestritt diesen Schlag, so letztmals vor
Vorinstanz (Prot. I S. 73). Via Verteidigung liess sie geltend machen, dass dies
auch aufgrund der Sitzordnung im Auto nicht stimmen könne (Urk. D1/86 S. 16 f.).
Der Schlag von A._ ins Gesicht der Privatklägerin wurde allerdings von der
- 54 -
Beschuldigten F._ bestätigt. Diese sprach von einer "Backpfeife" auf die linke
Wange, "[...] die Schwester von D._ [A._] muss mit der rechten Hand
geschlagen haben" (Urk. D1/6/1 S. 6 f.).
6.4.2. Die Beschuldigte C._ erklärte vor Vorinstanz, sie habe die selber
geplante Ohrfeige nicht mehr verpasst, denn "sie [die Privatklägerin] entschuldigte
sich und meinte das ernst. Sie erhielt bereits einen Boxschlag von A._. Das
war für mich bereits zu viel. Ich musste ihr nicht auch noch eine verpassen." (Prot.
I S. 30).
6.4.3. Schliesslich bestätigte auch die Beschuldigte B._ bei der Vo-
rinstanz, dass die Privatklägerin von der Beschuldigten A._ im Auto mit der
Faust ins Gesicht geschlagen worden sei, und ergänzte, dass diese sich nachher
die Wange gehalten habe. Sie habe das gesehen, weil die Privatklägerin mit dem
Kopf in ihre [unsere] Richtung gekommen sei (Prot. I S. 161).
6.5. Auch hier sind die Aussagen der Privatklägerin im Einklang mit den
meisten Beschuldigten. Nur die Beschuldigte A._ widersprach der Darstel-
lung. In den übrigen Aussagen wird nicht nur der Schlag bestätigt. Die entspre-
chenden Beschuldigten schilderten auch Begleitumstände, etwa dass sich die
Privatklägerin an die Wange hielt, dass ein Schlag nach einer Drehbewegung der
Privatklägerin erfolgte, dass nach diesem Schlag durch A._ kein Bedarf mehr
für eine (weitere) Ohrfeige von C._ bestand. Die Sitzordnung spricht nicht
gegen diesen Ablauf, hatte sich doch die Privatklägerin gemäss glaubhafter Dar-
stellung in Richtung der rechts neben ihr sitzenden Beschuldigten A._ ge-
dreht, was einen Faustschlag ins Gesicht durchaus möglich machte, auch auf die
linke Seite (die Anklageschrift lässt die Seite offen). Dass die körperliche Untersu-
chung der Privatklägerin keine entsprechenden Kopfverletzungen zu Tage förder-
te, spricht nicht gegen den beschriebenen Schlag ins Gesicht, zumal auch ver-
schiedene Stärkegrade beschrieben wurden. Damit erweist sich einmal mehr die
Behauptung der Beschuldigten A._ als nicht überzeugend. Der Sachverhalt
bezüglich RZ 4 ist vielmehr insgesamt erstellt.
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7. Sachverhalt betreffend RZ 5 (Drohung mit Messer bei der
AD._-Tankstelle)
7.1. Die Anklageschrift wirft den Beschuldigten vor, diese seien nach dem
Halt im Wald an die AE._-strasse ... in J._ gefahren und hätten dort
F._ aussteigen lassen. Sodann seien sie mit der Privatklägerin weiter zur
Tankstelle M._ an die N._-strasse ... in J._ gefahren. Als sie dort
am 11. März 2019 um ca. 00:40 Uhr angehalten hätten um noch einzukaufen, ha-
be die Beschuldigte A._ der Privatklägerin bedeutet, sie zu erstechen, sollte
sie sich nicht ruhig verhalten.
7.2. Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt auch in diesen Punkten als
erstellt (Urk. 151 S. 46-48; Urk. 157/151 S. 46 ff.; 158/151 S. 39 ff.). Die Einschät-
zung der Vorinstanz bedarf einiger Relativierungen.
7.3. Dass F._ die Gruppe verlassen hat und wie die Weiterfahrt lief, war
zwar nicht bestritten. Der Kernvorwurf betreffend den Messereinsatz wurde von
der Privatklägerin jedoch erst in der zweiten Einvernahme erhoben (Urk. D1/73 S.
13). Sie habe bei der Tankstelle gesagt, sie müsse aufs WC. Die Beschuldigte
A._ habe ihr etwas an die Flanke gehalten und gesagt, "[...]wenn ich mich
bewegen würde, würde sie mich stechen. Sie sagte, es sei ein Messer, ich habe
es aber nicht gesehen." Auf den Hinweis der Staatsanwaltschaft, dass sie das der
Polizei nicht erzählt habe, sagte die Privatklägerin: "Ja, ich war durchwühlt". Sie
sei unter Druck gewesen und habe versucht, das Wichtigste zu erzählen (Urk.
D1/7/3 S. 15).
7.4. Die Beschuldigte A._ hat konstant bestritten, ein Messer dabei ge-
habt und damit oder mit der Drohung eines Messers die Privatklägerin zum Ver-
bleib im Auto genötigt zu haben. Ein entsprechender Vorfall wurde von keiner der
anderen Beschuldigten bestätigt (vgl. Urk. 151 S. 47). Ebenso wenig wurde ein
Messer gesehen oder gefunden.
7.5. Die Anklage erweist sich in diesem Punkt als sehr vage. Obwohl hier
angeblich ein Messer Thema war, wurde dieses im Sachverhalt nicht explizit
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erwähnt. Worin das "bedeuten" bestanden haben soll, ob mit einem Gegenstand,
verbal, mit Gesten, entnimmt man der Anklageschrift nicht. Wäre das ent-
sprechende Verhalten von der Staatsanwaltschaft unter einem eigenständigen
Titel wie beispielsweise einer Nötigung zur Anklage gebracht worden, wäre hier
die Konsequenz eine Einstellung zufolge Verletzung des Anklageprinzips. Hier
bildet das Gebaren aber nur einen Teilaspekt der stundenlangen
Machtdemonstration der Beschuldigten, das aufgrund seiner offenen
Formulierung den Beschuldigten nicht zum Vorwurf gemacht werden kann.
8. Sachverhalt betreffend RZ 6 (Beschlussfassung Vorgehen
Nacktaufnahmen der Privatklägerin)
8.1. In der Folge hätten die Beschuldigten die Privatklägerin weiter in den
Wald bei O._ gefahren. Die Beschuldigten hätten zusammen besprochen,
die Privatklägerin dort zurückzulassen. Sie hätten sich dann aber entschieden,
von ihr Nacktaufnahmen zu erstellen, welche sie veröffentlichen wollten, sollte die
Privatklägerin die Beschuldigten bei der Polizei anzeigen. So hätten sie sie um ca.
02.00 Uhr in die Wohnung der Beschuldigten C._ in O._ gebracht.
8.2. Aus Sicht der Vorinstanz war der Sachverhalt in diesen Punkten im
rechtlich relevanten Umfang erstellt (Urk. 151 S. 48-50; Urk. 157/151 S. 48 ff.;
Urk. 158/151 S. 41 ff.). Es kann auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen
werden.
8.3. Dass die Beschuldigten mit der Privatklägerin nach dem Tankstellen-
besuch in den Wald bei O._ fuhren, ist unbestritten. Zum Inhalt der Gesprä-
che im Auto sagte die Privatklägerin bei der Polizei, sie hätten wieder über das
gleiche Thema geredet wie vorhin, also über die KESB und C._s Sohn. Nach
einiger Zeit habe A._ gesagt, sie wolle sie – die Privatklägerin – im Wald fes-
seln. Dies habe sie mit dem Bändel ihrer Handtasche machen wollen, aber ihre
Kolleginnen hätten gesagt, dies sei Strafe zuwenig. Und C._ habe dann ge-
sagt: "Wotsch 10 Boxschläge und im Wald übernachten oder du chunsch hei und
machsch Nacktvideo und bisch i de wärmi. W._ sagte aber folgend, die
Nacktvideo müsse ich sowieso machen. Ich sagte noch, lieber 10 Boxschläge und
- 57 -
da übernachten. Ohne dort auszusteigen, ausser C._, ging die Fahrt weiter
zur Wohnung." (Urk. D1/7/1 S. 2). Dies wurde von ihr bei der Staatsanwaltschaft
im Wesentlichen wiederholt. A._ habe gesagt, sie würde sie da, im Wald,
nackt ausziehen und filmen, alles wegen dem Sohn. Seit sie eingestiegen seien,
hätten sie gesagt, es sei alles, weil sie bei der KESB "das mit dem Sohn" gemel-
det habe. D._ habe auch im Auto noch aufgenommen, wie sie – die Privat-
klägerin – sich bei Q._ entschuldigt habe (Urk. D1/7/3 S. 10). Sie hätten ge-
sagt, dass wenn sie bei der Polizei aussagen würde, sie das Video online stellen
würden. Sie habe damals geantwortet, sie wolle lieber im Wald bleiben, aber sie
hätten gelacht und gefragt [gesagt], dass sie das wohl gerne hätte (Urk. D1/7/3
S. 15). Die Privatklägerin erklärte explizit, in O._ sei keine [physische] Gewalt
ausgeübt worden (Urk. D1/73 S. 14).
8.4.1. Die Beschuldigte C._ bestätigte vor Vorinstanz – und in den
Grundzügen auch an der Berufungsverhandlung (Urk. 210 S. 13) –, dass sie
darüber gesprochen hätten, die Privatklägerin im Wald zurückzulassen. Dies sei
von A._ vorgeschlagen worden, damit sie – die Privatklägerin – nach Hause
laufen müsse. Dies hätten B._ und sie keine so gute Idee gefunden und sie
hätten vorgeschlagen, zu ihr – C._ – nach Hause zu gehen. Dass sie sich
aber entschieden, von der Privatklägerin Nacktaufnahmen zu machen und diese
zu veröffentlichen, wenn die Privatklägerin zur Polizei gehen würde, stimme. Dies
sei A._ gewesen, die ihr das angedroht habe (Prot. I S. 29).
8.4.2. Die Beschuldigte D._ bestätigte ebenfalls, dass im Wald darüber
gesprochen worden sei, die Privatklägerin dort zurückzulassen (Prot. I S. 130).
C._ habe gesagt, sie habe eine bessere Idee, dass sie die Privatklägerin in
die Wohnung mitnehmen sollten. C._ habe dann zur Privatklägerin gesagt,
ob sie lieber geschlagen und dortbleiben oder ob sie lieber Videoaufnahme bevor-
zugen würde. Zusammen hätten sie dann entschieden, in die Wohnung von
C._ zu gehen und dort von der Privatklägerin Nacktaufnahmen zu machen
und diese zu veröffentlichen, falls die Privatklägerin zur Polizei gehen würde
(Prot. I S. 131).
- 58 -
8.4.3. Die Beschuldigte A._ behauptete, die Idee betreffend Nackt-
aufnahmen sei von C._ gekommen. Sie seien alle zusammen gewesen und
es sei spontan passiert. Die Privatklägerin habe nichts dagegen gehabt. Sie habe
ihnen erzählt, dass sie oft solche Videos gemacht hätte (Prot. I S. 77 f.). Die
Privatklägerin habe gesagt, sie habe nichts dagegen und würde es machen. Es
würde aber ein Problem geben, denn sie fühle sich nicht gut und sie würde sich
gerne rasieren und duschen. Sie selber habe nicht gehört, dass man das
Nacktvideo online stellen würde, falls die Privatklägerin zur Polizei gehen würde.
Am Montagmorgen hätten sie alle Videos gelöscht (Prot. I S. 78). Über eine
Fesselung im Wald sei nicht gesprochen worden (Prot. I S. 79). An der
Berufungsverhandlung gab die Beschuldigte A._ wiederum an, dass im Auto
im Wald von Seiten der Beschuldigten C._ davon gesprochen worden sei,
Nacktvideos von der Privatklägerin zu machen, wobei die Privatklägerin damit
einverstanden gewesen sei und gesagt habe, das sei nicht das erste Mal, das sie
das machen würde (Urk. 209 S. 12).
8.4.4. Die Aussagen der Privatklägerin waren in diesem Punkt sehr konsis-
tent und gespickt mit Details (z.B. betr. das Urinieren und dem Anbieten eines
Feuchttüchleins, um C._ auf ihre Seite zu bringen; Urk. D1/7/3 S. 15). Das
Thema des Zurücklassens der Privatklägerin im Wald wurde von allen ausser
A._ bestätigt, die Idee für Nacktaufnahmen dem Grundsatz nach von sämtli-
chen Beschuldigten. Von wem diese kam, wurde unterschiedlich beschrieben
(C._ oder A._), kann aber letztlich offen bleiben, da die Anklage auch
keine Urheberin nennt, sondern diese Handlungen allen mittäterschaftlich zuord-
net.
9. Sachverhalt betreffend RZ 7 (Erniedrigungen, Drohungen und Quälen
der Privatklägerin im Auto)
9.1. Gemäss Anklage hätten die Beschuldigten die Privatklägerin auf der
Fahrt vom Wald in O._ bis zur Wohnung der Beschuldigten C._
eingeschüchtert, erniedrigt und gequält. Namentlich die Beschuldigte A._
habe der Privatklägerin gesagt, dass sie ihr "Böses" antun werde, sollte sie sich
nicht "normal" aufführen. Die Beschuldigte A._ habe der Privatklägerin
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befohlen, sich die künstlichen Fingernägel abzunehmen, ansonsten ihr sie diese
wegreissen würde. Sie habe ihr klar gemacht, dass sie zukünftig nicht mehr
hübsch sein solle und sie für die Gefährdungsmeldung bei der KESB büssen
werde. Unter diesem Druck der Beschuldigten habe sich die Privatklägerin
entschuldigt, was die Beschuldigte D._ gefilmt habe.
9.2. Die Vorinstanz erachtete diesen Sachverhalt als erstellt (Urk. 151
S. 50-54; Urk. 157/151 S. 50 ff.; Urk. 158/151 S. 43). Es kann ihr in diesem Punkt
bezüglich der Entschuldigung und des Filmens derselben beigepflichtet werden:
Dass sich die Privatklägerin für die Gefährdungsmeldung bei der KESB entschul-
digt hat, ist unbestritten (Prot. I S. 32, S. 85 f., S. 132 f., S. 168 f.). Dass diese
Entschuldigung gefilmt wurde, bestätigten die Beschuldigten D._ und
B._ letztmals vor Vorinstanz (Prot. I S. 133 und S. 169). Betreffend die übri-
gen Sachverhaltselemente kann der Vorinstanz aus den nachfolgenden Gründen
nicht gefolgt werden.
9.3.1. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Anklage hier einen grossen
örtlichen, zeitlichen und inhaltlichen Rahmen liefert. Gemäss Anklage soll die Pri-
vatklägerin von den Beschuldigten "auf dieser gesamten Fahrt vom H._ in
J._ bis an den Wohnort der Beschuldigten C._ in O._" einge-
schüchtert, erniedrigt und gequält worden sein (RZ 7 und 8). Dies kann nur als
Einleitung für die hernach beschriebenen Handlungen verstanden werden, erwie-
se sich ein entsprechender Vorwurf isoliert betrachtet doch als zu ungenau, da
konkrete Handlungen fehlen, und dies in einem Zeitraum von drei Stunden (ca.
23:00 Uhr bis ca. 02:00 Uhr). Die Drohung, der Privatklägerin „Böses" anzutun,
sollte sie sich nicht "normal" verhalten, erwähnte die Privatklägerin selber nicht.
Keine der Beschuldigten bestätigte eine derartige Äusserung. Sie kann auch nicht
in der Aussage der Privatklägerin, A._ habe ihr gesagt, "[...] solange ich le-
be, dürfe ich nie wieder Gelnägel haben, auch nie wieder die Haare färben, Ex-
tensions anbringen, mit ihnen nur noch in Traineranzug ausgehen, einfach krank."
(Urk. D1/7/3 S. 16), gesehen werden.
9.3.2. Die Beschuldigte A._ bestritt betreffend die künstlichen Finger-
nägel, der Privatklägerin einen Befehl zum Abnehmen erteilt zu haben. Die Pri-
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vatklägerin habe sich immer an den Nägeln gebissen (Urk. D1/2/3 S.26). Diesbe-
züglich fällt auf, dass die Privatklägerin diese zwar bei der Polizei erwähnte, aber
vage blieb: "Wir haben dann weiter im Auto geredet. Ich weiss nicht mehr, ob dort
im Wald oder im zweiten Wald meine künstlichen Nägel abbrechen." (Urk. D1/7/1
S. 2). Bei der Staatsanwaltschaft sagte die Privatklägerin, A._ habe sie ge-
zwungen, ihre roten Gelnägel, "also so fake Nägel", wegzureissen. "Sie sagte mir,
ich könne diese entweder sanft wegnehmen oder sie nehme diese mit Gewalt
weg. Das war im Wald". Sie habe sie dann selber weggenommen.
9.3.3. Die Beschuldigte C._ gab in der Konfrontationseinvernahme zu
Protokoll, sie habe das mit den Nägeln nicht mitbekommen, sondern erst später
erfahren (Urk. D1/2/3 S. 27). Sie habe es weder selber beobachtet noch gehört,
dass sie [A._] jemand dazu aufgefordert hätte (Urk. D1/2/3 S. 27). In der
Hauptverhandlung sagte die Beschuldigte C._ in klarem Widerspruch dazu
auf die Frage, ob der Privatklägerin von A._ befohlen worden sei, die
künstlichen Fingernägel abzunehmen, ansonsten diese weggerissen würden:
"Das stimmt. Ja. Ich hielt A._ auf und sagte, dass dies sehr weh tue und man
das nicht machen solle." (Prot. S. 30). Sie habe sich für die Privatklägerin
eingesetzt und gesagt, dass sie [A._] das nicht machen solle (Prot. I S. 25 f.).
9.3.4. Die Beschuldigte B._ ihrerseits sagte vor Vorinstanz, dass
A._ der Privatklägerin viele Dinge in diesem Wald gesagt habe. C._ sei
urinieren gegangen. Danach habe sie [die Privatklägerin] aus dem nichts die Nä-
gel in der Hand gehabt, "obwohl ich nicht sah, wie sie sie wegnahm. Ich fragte
sie, was sie in der Hand halte. Die Privatklägerin sagte mir, dass sie dazu ge-
zwungen worden sei." (Prot. I S. 165).
9.3.5. Die Verteidigungen von C._ und B._ setzten sich in ihren
Plädoyers mit den verschiedenen Arten und Applikationen von künstlichen
Fingernägeln auseinander und wiesen auch darauf hin, dass die Privatklägerin die
Nägel letztlich selber und schmerzfrei habe entfernen können (Urk. 86 S. 23 f.;
Urk. 90 S. 11). Letzteres trifft zu, sagte die Privatklägerin doch, "ich habe es
wenigstens noch mit Liebe gemacht" (Urk. D1/73 S. 16). Ein gewaltsames Ent-
fernen der Nägel ergibt sich aus dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung
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der Privatklägerin nicht (Urk. D1/10/2 S. 2). Die Art der künstlichen Nägel kann
allerdings offen bleiben, geht es doch primär um den Befehl, diese zu entfernen.
Die Aussagen der Privatklägerin waren in diesem Punkt aber vage und stehen
auch mit ihrer früheren Aussage, wonach in O._ bzw. im Wald keine Gewalt
ausgeübt worden sei (Urk. D1/7/3 S. 14), in einem Widerspruch. Aus diesem
Grunde und weil niemand ausser C._ diesen Befehl mitgekriegt hat, C._
hier aber sehr widersprüchlich aussagte und sich im Verlauf des Verfahrens
offensichtlich immer mehr als Helferin der Privatklägerin zeigen wollte, lässt sich
dieser Befehl zum Abnehmen der künstlichen Fingernägel nicht rechtsgenügend
erstellen.
10. Sachverhalt betreffend RZ 8 (Ausstrecken der Hand zum Ausdrücken
der Zigarette)
10.1. Gemäss Anklage soll die Beschuldigte A._ der Privatklägerin
befohlen haben, die Hand auszustrecken, damit sie ihr darauf eine Zigarette aus-
drücken könne. Die Beschuldigte C._ habe der Beschuldigten A._
daraufhin Einhalt geboten.
10.2. Die Vorinstanz hatte keinen Zweifel daran, dass dieser Sachverhalt
wie angeklagt vorgefallen sei (Urk. 151 S. 54; Urk. 157/151 S. 53 ff.; Urk. 158/151
S. 45 ff.). Dieser Schlussfolgerung kann nicht zugestimmt werden.
10.3. Betreffend das Ausdrücken der Zigarette sagte die Privatklägerin bei
der Polizei, "W._ [A._] wollte ihre Zigarette auf meiner rechten Hand
ausdrücken. Ich machte aber eine Faust, weshalb sie davon abliess." (Urk. D1/7/1
S. 2). Dies bestätigte sie bei der Staatsanwaltschaft dem Grundsatz nach. Aller-
dings relativierte sie die Aussage insofern, als sie angab, "A._ nahm meine
Hand und hat schon angedeutet, dass sie die Zigarette auf meiner Hand ausdrü-
cken würde. C._ hat sie aber nicht zu gelassen." Sie glaube, es sei die
Handfläche gewesen. Das mit der Zigarette habe jedenfalls stattgefunden, sie ha-
be sie auf ihrer Hand auslöschen wollen. Sie habe immer wieder versucht sich zu
wehren, aber gegen vier Frauen keine Chance gehabt (Urk. D1/7/3 S. 17).
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10.4.1. Die Beschuldigte A._ bestritt diesen Vorwurf bis zuletzt voll-
umfänglich (Prot. I S. 88).
10.4.2. Die Beschuldigte B._ hatte vom Zigarettenausdrücken nichts
mitbekommen. Sie sei im Auto immer am gleichen Platz gewesen (Prot. I S. 169).
10.4.3. Die Beschuldigte C._ bestätigte anlässlich der Konfrontations-
einvernahme vom 22. Mai 2019, diesen Vorfall gesehen zu haben. A._ habe
gesagt, "streck die Hand aus, damit ich dir die Zigarette ausdrücken kann. Ich
sagte dann zu ihr, sie solle aufhören. Sie habe es gesehen und gehört, aber nicht
gewusst, ob A._ dies ernst gemeint habe oder nicht." Sie habe sich jeden-
falls schützend vor die Privatklägerin gestellt und der Beschuldigten untersagt, so
etwas zu tun. Allerdings sagte sie nicht widerspruchsfrei aus, indem sie einerseits
davon sprach, gesehen und gehört zu haben, wie die Privatklägerin die Hand hät-
te ausstrecken müssen wegen der Zigarette. Andererseits sagte sie hernach, sie
habe auch das mit den Nägeln nicht mitbekommen. Dies würde bedeuten, dass
sie beides (Nägel und Zigarette) erst im Nachhinein mitgekriegt hätte. Diesen Wi-
derspruch liess sie in der Konfrontationseinvernahme offen. In der Hauptverhand-
lung vor Vorinstanz war sie sich nun plötzlich wieder sicher, diesen Vorfall gese-
hen zu haben und zum Schutze der Privatklägerin eingeschritten zu sein (Prot. I
S. 25).
10.4.4. Die Beschuldigte D._ hatte davon nichts mitbekommen (Prot. I
S. 133).
10.5. Die Aussagen der Privatklägerin erweisen sich in diesem Punkt als
vage und mit einem Widerspruch behaftet. Sie bewegen sich in der Bandbreite
von Befehlen bis Andeutungen. Zudem soll einmal sie selber den Versuch
gestoppt haben, indem sie eine Faust gemacht habe. In der zweiten Version soll
das Vorhaben durch die Intervention von C._ verhindert worden sein, was
C._ zwar bestätigte, aber nicht konsistent. Die übrigen, im Auto auf engem
Raum sitzenden Beschuldigten bestritten diesen Vorfall bzw. bestätigten explizit,
davon nichts mitbekommen zu haben. Dieser Sachverhalt lässt sich damit nicht
rechtsgenügend erstellen.
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11. Sachverhalt gemäss RZ 9 (Nacktaufnahmen der Privatklägerin in der
Dusche)
11.1. In der Wohnung der Beschuldigten C._ angekommen, habe sich
die Privatklägerin geduscht. Die Beschuldigten C._ und B._ hätten sie
dabei gefilmt und ihr in Aussicht gestellt, die Aufnahmen zu veröffentlichen, sollte
sie eine Strafanzeige erstatten.
11.2. Gemäss Vorinstanz ist dieser Sachverhaltsabschnitt im rechtlich
relevanten Umfang erstellt (Urk. 151 S. 57; Urk. 157/151 S. 54 ff.; Urk. 158/151
S. 46 ff.). Dieser Einschätzung ist aus den nachfolgenden Gründen beizupflichten.
11.3. Die Privatklägerin erklärte in der Untersuchung, dass sie in der
Wohnung von C._ gefragt habe, ob sie duschen könne, weil sie geschwitzt
habe, weil es stressig gewesen sei bei der Arbeit und sie ihre Tage gehabt habe.
Dies sei ihr gewährt worden (Urk. D1/7/3 S. 18). Sie bestätigte auch, dass sie sich
im Intimbereich habe rasieren wollen (Urk. D1/7/3 S. 20). Dem ungläubig
nachfragenden Staatsanwalt, wie sie dazu komme, nach den bisherigen
Ereignissen und trotz der noch angedrohten Dinge (Nacktaufnahme, Porno etc.)
in dieser Wohnung mit den vier Frauen duschen zu gehen, erklärte sie, dass die
geduscht habe, weil sie gestunken habe, und rasiert für das Wohlbefinden und im
Hinblick auf die Videos. Auf nochmaliges Nachfragen des Staatsanwalts
betreffend Intimrasur sagte sie: "Weil sie sagte, dass es veröffentlicht wird, weil
ich zur Polizei gehen wollte. Also wenn es schon gepostet wird, dann möchte ich
wenigstens rasiert sein." (Urk. D1/7/3 S. 20). Dann seien C._ mit B._
unerwartet ins Badezimmer gekommen und C._ habe sie gefilmt, als sie
nackt gewesen sei (Urk. D1/7/1 S. 3). Sie habe noch nie Nacktaufnahmen
gemacht. Mit dem Aufnehmen sei sie nicht einverstanden gewesen, "definitiv
nicht. Sie haben mich ja geschlagen und ich hatte Angst, dass wenn ich es nicht
befolge, dass es noch schlimmer wird, dass sie mich nochmals schlagen oder auf
härtere Ideen kommen, ... dass sie mir einen Finger abschneiden oder so." (Urk.
D1/7/3 S. 21). Das hätte sie ihnen zugetraut, "ich hätte Ihnen sogar zugetraut,
dass sie mich umbringen. B._ hat am Abend in der Wohnung gesagt, sie
wollen mich eine Woche lang im Keller behalten. A._ hat gesagt, wenn ich
- 64 -
zur Polizei gehen werde, es gäbe Leute aus Italien, die mich nach Italien bringen
würden und mich dort in die Prostitution bringen würden oder umbringen würden."
(Urk. D1/7/3 S. 21).
11.4. Seitens der Beschuldigten wird allseits anerkannt, dass die Privatklä-
gerin (jedenfalls von C._) beim Duschen gefilmt wurde. Die Beschuldigte
C._ bestritt, dass die Privatklägerin protestiert habe, eher gelacht. Immerhin
meinte sie, es sei sehr unüberlegt gewesen, dieses Video zu machen (Urk. D1/2/3
S. 32). Die Beschuldigte C._ anerkannte an der Berufungsverhandlung, die
Privatklägerin beim Duschen gefilmt zu haben, um ein Druckmittel gegen sie zu
haben (Urk. 210 S. 15).
11.5. Im Anhang zu Urk. D1/7/4, S. 5 resp. Urk. D1/14, erkennt man auf zwei
Fotos die Privatklägerin, wie diese in einer Dusche hinter Glastüren duscht und
wie sie versucht ihren Schambereich zu verdecken, indem sie kniet. Der Sach-
verhalt ist damit in objektiver Hinsicht erstellt.
11.6. Die Verteidigung von B._ macht hier geltend, es sei nicht ange-
klagt, dass die Privatklägerin nicht einverstanden gewesen sei, dass sie gefilmt
werde (Urk. 90 S. 12). Dies betrifft die subjektive Seite, welche in RZ 26 um-
schrieben ist und wodurch u.a. das Filmen von Tatsachen aus dem Geheim- oder
Privatbereich ohne Zustimmung vorgeworfen ist. Darauf ist im Rahmen der Beur-
teilung des subjektiven Tatbestands bzw. der rechtlichen Würdigung einzugehen.
12. Sachverhalt gemäss RZ 10 (Befehl zur Vorstellung und zum Anfassen
der Geschlechtsteile der Privatklägerin)
12.1. Gemäss Anklage sollte die Beschuldigte A._ von der Privatklägerin
später verlangt haben, sich nackt hinzustellen, sich vorzustellen, und zu sagen,
dass sie "Schwänze möge und gerne gefickt werde". Die Privatklägerin habe dies
befolgt. Weiter habe sie sich auf Befehl zumindest einer der Beschuldigten an die
Brüste, die Vulva und in die Vagina gefasst. Auch davon habe zumindest eine der
Beschuldigten eine Videoaufnahme erstellt.
- 65 -
12.2. Die Vorinstanz erachtete diesen Vorwurf als erstellt (Urk. 151 S. 58;
Urk. 157/151 S. 57 ff.; Urk. 158/151 S. 50 ff.). Dieser Beurteilung ist aus nach-
folgenden Gründen beizupflichten.
12.3. Die Privatklägerin gab in der polizeilichen Einvernahme zu Protokoll,
dass sie nach dem Duschen nackt ins Wohnzimmer habe gehen müssen, die
Beschulidgte B._ habe Musik laufen lassen und die anderen Frauen hätten
sie mit ihren Mobiltelefonen per Video aufgenommen. Das weitere Vorgehen be-
schrieb sie wie folgt: "In der Folge musste ich mehrmals meinen Namen 'E._'
sagen in die Kamera und dass ich aus 'AF._' kommen würde und in Zürich
wohne und 20 Jahre alt sei. Auf Albanisch musste ich folgendes sagen: une e du
karin shum jam Kurv edne e qij pidnin shum (übersetzt heisst dies; Ich liebe den
Schwanz mega, ich bin eine Schlampe und ich schlafe mit jedem). Ich musste vor
der Videoaufnahme alles einüben. Ich musste meine Brüste anfassen und tanzen
und mich im Intimbereich mit Sexspielzeugen (Dildo) vaginal befriedigen. Bei der
Videoaufnahme musste ich wie gesagt, meine Brüste massieren bzw. streichen
und tanzen" (Urk. D1/7/1 S. 3). Bei der Staatsanwaltschaft bestätigte die Privat-
klägerin diese Darstellung. Die Beschuldigte A._ habe es vorgezeigt. Alle
hätten es mit ihrer eigenen Kamera gefilmt (Urk. D1/73 S. 23). Sie habe diese Vi-
deos nicht machen wollen. Die Beschuldigte A._ habe sie am Hemd gepackt.
Sie habe sich gefügt, weil sie Angst gehabt habe. Sie habe sich dann ausgezo-
gen. Sie habe dies nie aus freiem Willen gemacht, einfach aus Angst (Urk. D1/7/3
S. 23 f.).
12.4. Die Aussagen der Privatklägerin erweisen sich als konstant und
schlüssig. Alle Beschuldigten bestätigten den Kerngehalt ihrer Aussagen, ausser
bezüglich der Freiwilligkeit. Einzig die Beschuldigte A._ bestritt, dass sie der
Privatklägerin persönlich die entsprechenden Anweisungen gegeben habe. Dies
ist nicht glaubhaft. Sie wird von den übrigen Beschuldigten direkt belastet.
Dass sich die Privatklägerin für das Video "hübsch machen" wollte
(Urk. D1/84, S. 12), mag in der Situation, in welcher sich die Privatklägerin be-
fand, auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar erscheinen und für ein freiwilli-
ges Handeln sprechen. Die Privatklägerin, für die ein gutes Erscheinungsbild bei
- 66 -
einer unerwünschten Veröffentlichung von Bildern offenbar sehr wichtig war (vgl.
hierzu auch obige Ausführungen zum Duschen und zur Intimrasur), legte ihre
Gründe aber dar. Diese vermögen ihre behauptete Unfreiwilligkeit nicht zu wider-
legen.
Bezüglich der fehlenden Freiwilligkeit der Handlungen sind auch die aus-
gewerteten Fotos des Mobiltelefons der Beschuldigten A._ aussagekräftig
(Urk. D1/1/13). Sie zeigen die Privatklägerin, wie sie sich nackt präsentiert und
sich an die Vulva und die Brüste fasst (Urk. D1/1/14). Zwei Fotos zeigen zudem
die Beschuldigte C._, welche in einer machtbewussten Haltung (Hände in die
Hüfte stützend) gegenüber der Privatklägerin steht. Die Haltung der Privatklägerin
auf diesen Fotos lässt auf eine starke Einschüchterung seitens der Beschuldigten
gegenüber der zierlichen und zahlenmässig stark unterlegenen Privatklägerin
schliessen (vgl. dazu Urk. D1/1/14, S. 4, S. 15, S. 16, S. 31, S. 32). Von einer
Freiwilligkeit kann somit keine Rede sein; die Fotos (Kussmund, Lachen, etc.)
erweisen sich diesbezüglich als trügerisch. Die Gründe hierfür wurden eben
dargelegt. Der Sachverhalt ist damit soweit relevant erstellt.
13. Sachverhalt gemäss RZ 11 (Schläge und Haareziehen)
13.1. Nach obigem Vorfall sollen zumindest die Beschuldigten C._ und
A._ die Privatklägerin geschlagen und an den Haaren gezogen haben. Zu-
mindest eine der Beschuldigten habe der Privatklägerin gesagt, sie würde nach
Italien verschleppt und dort zu Prostitution gezwungen oder gar getötet werden,
sollte sie Meldung bei der Polizei erstatten.
13.2. Die Vorinstanz erachtete diesen Sachverhalt als erstellt (Urk. 151 S.
63; 157/151 S. 60 ff.; Urk. 158/151 S. 52 ff.). Es kann ihr aus nachfolgenden
Gründen beigepflichtet werden.
13.3. Die Privatklägerin stellte diese Schläge in den Zusammenhang des
verweigerten Dildos. So führte sie bei der Polizei aus, W._ (A._) habe
ihr gesagt, sie solle den Dildo in den Mund nehmen. "Ich ekelte mich, da ich mei-
ne Tage habe und sagte deshalb auch nein. Weil ich nein sagte, schlug mich
- 67 -
W._ mehrmals mit Faust und Fuss mehrmals gegen den Kopf. Da ich starke
Schmerzen hatte wegen den Schlägen, sagte ich danach, dass ich es machen
würde." (Urk. D1/7/3 S. 3). Sie erwähnte auch, dass C._ sie irgendwann an
den Haaren gerissen und sie von ihr eine Ohrfeige kassiert habe und sie ge-
schubst worden sei (Urk. D1/7/3 S. 3). Das Verschleppen nach Italien erwähnte
sie bei der Polizei nicht, sondern erst bei der Staatsanwaltschaft (Urk. D1/7/3
S. 48 ff.). Dort schilderte sie im Einzelnen auch die ihr von A._ und C._
verpassten Schläge: "Nachher hat C._ angefangen, mich zu schlagen, mit
der Ohrfeige. Ich begann mich zu schützen mit meinen Armen, vor mein Körper.
Dann begann sie mit Boxen. Dann trat sie mich, geschlagen, an den Haaren ge-
zogen von hinten. Dann kam A._. Sie ist wie ein Mann, nicht einmal ein Poli-
zist wäre so stark wie sie. Sie hat geboxt in meinen Kopf; wo sie nur konnte, sie
hat gekickt. Sie sagte, sie sei nicht in der Liga von Flättern, das sei zu wenig für
mich." Es seien Tritte in den Rücken und mit dem Knie an den Kopf erfolgt. Sie
erklärte, dass sie von A._ alleine – diese sei wie ein Mann – mit Tritten und
Boxen insgesamt 40-45 Mal geschlagen worden sei. C._ habe auch gekickt,
etwa 13 bis 15 Mal (Urk. D1/7/3 S. 16). Mehrmals erwähnte sie, dass sie das
Schlimmste befürchtet habe, dass sie sie umbringen oder, wie sie gesagt hätten,
sie nach Italien bringen und dort der Prostitution zuführen würden (Urk. D1/7 S.
21, S. 48, S. 49).
13.4.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Beschuldigten zusammenge-
fasst, worauf zu verweisen ist (Urk. 151 S. 61; Urk. 157/151 S. 61 f.; Urk. 158/151
S. 53 ff.). Die Schilderung der Privatklägerin wurde letztmals von der Beschuldig-
ten C._ vor Vorinstanz als richtig bestätigt: "Ja. Das stimmt. Damit drohte
A._ der Privatklägerin. Ich glaube, das meinte sie nicht ernst, sondern sie
sagte das eher spasseshalber. Ich weiss nicht, wie sie es meinte, es kam mir
nicht so vor, als ob sie das ernst gemeint habe. Sie sagte das, da stimme ich der
Privatklägerin zu." (Prot. I S. 35 f.). Zum Vorwurf der Schläge gab die Beschuldig-
te C._ an der Berufungsverhandlung zu, dass sie der Privatklägerin eine
Ohrfeige gegeben habe, als diese aus der Dusche gekommen sei. Die A._
D._-Schwestern hätten ihr gesagt, sie müsse die Privatklägerin bestrafen
und ohrfeigen. Sie sei von diesen auf die Privatklägerin gehetzt worden (Urk. 210
- 68 -
S. 16). Jedoch sei es die Beschuldigte A._ gewesen, die die Privatklägerin
an den Haaren gezogen und dieser gedroht habe, nach Italien verschleppt und
zur Prostitution gezwungen zu werden (ebd.).
13.4.2. A._ ihrerseits konzedierte vor Vorinstanz: "Ich habe sie schon
geschlagen, das gebe ich zu, eine Ohrfeige. Nicht beim Video." (Prot. I S. 88).
Das mit der Prostitution und dem Töten stimme nicht. Sie kenne niemanden von
Italien. Ihre Freunde seien von AG._ und nicht von Italien (Prot. I S. 93).
C._ habe die Privatklägerin an den Haaren gezogen, aber nicht fest. Sie ha-
be ihr auch eine Ohrfeige gegeben und sie eine "Schlampe" genannt (Prot. I S.
92).
13.4.3. Die Beschuldigte D._ erklärte vor Vorinstanz, man habe die Pri-
vatklägerin geschlagen, aber dass man ihr gedroht habe, sie nach Italien zu ver-
schleppen, stimme nicht. Das erste Mal, beim Videodreh, habe nur C._
geschlagen. Diese habe die Privatklägerin geschlagen, an den Haaren gepackt
und auf die Couch geworfen (Prot. I. S. 139).
13.4.4. Auf Vorhalt dieses Sachverhalts bestätigte schliesslich die Beschul-
digte B._ diesen als richtig. A._ habe der Privatklägerin angedroht, sie
nach Italien zu bringen und sie dort als Prostituierte verkaufen zu wollen. A._
habe dabei gelacht. Sie selber habe gedacht, sie mache Spass. In der Situation
der Privatklägerin hätte sie A._ ernst genommen, da die Privatklägerin bis zu
jenem Zeitpunkt geschlagen und beschimpft worden sei (Prot. I S. 174).
13.5. Das IRM untersuchte die Privatklägerin am Nachmittag des 11. März
2019 und damit kurz nach diesen Vorfällen. Es habe sich eine nach eigenen An-
gaben 153 cm grosse und 50 kg schwere Frau in gutem Allgemein- und norma-
lem Ernährungszustand präsentiert. Zum Kopf wurde festgehalten (Urk. D1/10/2
S. 2):
• An der Kopfhaut mehrere ca. 6 - 7 cm lange, in der Körperquerachse verlaufende, rote, oberflächliche Hautabtragungen ohne erkennbare Abtragungsrichtung.
• Kopfschleimhäute unverletzt, ohne punktförmige Einblutungen. • Zähne festsitzend, ohne Abbrüche oder Anhaltspunkte für Lockerungen
- 69 -
Die bei der rechtsmedizinischen Untersuchung festgestellten Hautabschür-
fungen der Kopfhaut könnten als Folge tangential-schürfender Gewalt interpretiert
werden. Sie würden frisch imponieren und könnten mit dem geltend gemachten
Ereigniszeitraum in Einklang gebracht werden (Urk. D1/10/2 S. 3).
13.6. Die Aussagen der Privatklägerin betreffend das Schlagen und Ziehen
an den Haaren finden damit mehrheitlich Bestätigung. Einzig A._ will ihren
Beitrag – abermals – relativiert haben, was in Anbetracht der ansonsten über-
einstimmenden Darstellungen nicht überzeugt. Obwohl die Drohung des Ver-
schleppens nach Italien und des Zuführens in die Prostitution von der
Privatklägerin erst in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme geltend gemacht
wurde, erscheint diese glaubhaft. Sie wurde wiederholt erwähnt und von der
Privatklägerin vor allem als ihre damals grösste Befürchtung bezeichnet. Diese
emotional geprägte Aussage spricht für wahrhaft Erlebtes. Zudem findet sie in
den Aussagen der Beschuldigten B._ Bestätigung. Der Sachverhalt ist damit
auch in diesem Punkt erstellt.
14. Sachverhalt gemäss RZ 12 (Befehl zur Selbstbefriedigung mit Dildo
und Nachstellen eines pornografischen Films)
14.1. Gemäss Anklage soll zumindest eine der Beschuldigten der Privat-
klägerin ein Sexspielzeug – einen Dildo – in die Hand gegeben und zumindest ei-
ne der Beschuldigten ihr befohlen haben, sich mit dem Dildo sexuell zu "befriedi-
gen" und den Dildo auch in ihre Vagina einzuführen. Dazu habe ihr zumindest ei-
ne der Beschuldigten einen pornografischen Film vorgespielt, und zumindest eine
der Beschuldigten habe sie aufgefordert, diesen nachzustellen. Die Privatklägerin
habe getan, wie ihr geheissen worden sei.
14.2. Aus Sicht der Vorinstanz war dieser Sachverhalt erstellt. Sie stellte
dabei auf die im Grundsatz bestätigenden Aussagen der Beschuldigten ab. Deren
teilweise sehr bestimmten Einschränkungen, wonach die Privatklägerin diese
sexuellen Handlungen freiwillig vorgenommen habe, erachtete sie als absolut
lebensfremd und die entsprechenden Aussagen als Schutzbehauptungen (Urk.
- 70 -
151 S. 66; Urk. 157/151 S. 63 ff.; Urk. 158/151 S. 56 ff.). Dieser Einschätzung ist
mit nachfolgenden Ergänzungen beizupflichten.
14.3. Die Privatklägerin berichtete bereits bei der Polizei davon, dass sie
sich im Intimbereich mit einem Dildo habe vaginal befriedigen müssen. Ebenso
erwähnte sie, dass – wahrscheinlich von W._ [C._] ein Lesben-Porno im
Fernseher eingeschaltet worden sei. Sie habe die Szenen nachmachen müssen
(Urk. D1/7/1 S. 3). Bei der Staatsanwaltschaft schilderte sie dann detailliert, wie
C._ auf die Idee gekommen sei, sie habe einen Dildo zu Hause. Er sei
rosarot gewesen. Sie hätten ein Kondom darüber gezogen, sie nicht. "Dann habe
ich mich selbst vor der Kamera vorne befriedigen müssen. Sie haben mich
natürlich gezwungen. Ein Porno..." (Urk. D1/73 S. 26). Sie habe von A._,
C._ und D._ Anweisungen erhalten, was sie machen soll. B._ habe
zwischendurch gesagt, sie höre ihre Stimme nicht, sie solle stöhnen für die
Kamera. B._ habe aufgenommen. Sie habe gleichzeitig Musik abgespielt und
auch gelacht, weil sie es so lustig gefunden habe. Auf die Frage des
Staatsanwalts, welchen Zwang sie verspürt habe, sagte die Privatklägerin: "Ich
war unter Angst. Sie waren zu allem fähig, sie sind krank im Kopf." A._ habe
gesagt, "sie wolle sehen, wie ich vor der Kamera abspritzen würden." (Urk. D1/7/3
S. 29 f.). Das könne sie sicher nicht, wenn sie gezwungen werde. Auf die Frage,
ob sie denn versucht habe, einen Orgasmus zu erreichen, erwidert sie: "Ja, ich
versuchte es." Sie habe gar keine Lust verspürt. Sie musste ja so tun, als ob. Den
Porno hätten sie auf dem Handy laufen lassen (Urk. D1/7/3 S. 27 f.). Das
Mobiltelefon habe hierbei auf dem Salontisch gelegen und sie sei auf einem Stuhl
gesessen (Urk. D1/7/3 S. 30). Auf Vorhalt des sichergestellten Bildmaterials (Urk.
D1/1/14) ergänzte sie, dass man dort sehe, wie sie auf dem Stuhl sitze und sich
befriedige. So habe sie den Dildo in der Hand und sei gezwungen worden, den
Dildo in ihren Mund zu nehmen. Sie sei gezwungen worden, den Porno zu
drehen. Sie habe sich sehr geschämt (Urk. D1/7/3 S. 55).
14.4.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Beschuldigten aus der Unter-
suchung und der Hauptverhandlung zusammengefasst dargelegt (Urk. 151
S. 64 ff.). Ergänzend sei vor allem auf die Aussagen in der Hauptverhandlung
- 71 -
eingegangen und dazu festgehalten, dass die Beschuldigte C._ vor
Vorinstanz den Vorwurf an sich bestätigte (Prot. I S. 37). Die Idee des Einbezugs
eines Dildos sei von D._ gewesen. Die Idee, einen pornografischen Film
nachzuspielen, sei von A._ gekommen, der Film sei vom Mobiltelefon von
B._ abgespielt worden. Dazu müsse sie sagen, dass sich die Privatklägerin
nicht gewehrt habe. Sie habe mitgemacht. Sie sei nicht unter Androhung von
Schlägen dazu aufgefordert worden. Man habe sie nicht bedroht. "Sie sagte zu
ihr, ob sie das mache und die Privatklägerin habe es bejaht.", und weiter:
"Gewehrt hatte sie sich nicht. Ob sie das wollte, weiss ich nicht." (Prot. I S. 37 f.).
Auf die Frage des Staatsanwalts, ob sie das in der umgekehrten Situation so
gemacht hätte, antwortete die Beschuldigte C._: "Nein. Ich hätte das nicht
gemacht. Ich hätte vieles anders als die Privatklägerin gemacht. Wenn man die
Fotos anschaut, merkt man, dass die Privatklägerin mitmachte. Sie weinte nicht
oder so. Sie machte einen Kussmund und war geschminkt. Das sieht für mich
nicht nach Zwang aus. Ich war dort, ich weiss es. Sie machte es vielleicht nicht
freiwillig, aber sie wehrte sich nicht. Man sagte es ihr und sie machte es." (Prot. I
S. 37 f.). Die Privatklägerin habe sich erst bei der Sache mit dem Anus gewehrt
(Prot. I S. 38). An der Berufungsverhandlung revidierte die Beschuldigte C._
ihre damaligen Aussagen und konstatierte, dass das Nachstellen eines
Pornovideos und Befriedigen mittels Dildo nicht auf Freiwilligkeit der
Privatklägerin beruht habe. Der Kuss und das Lachen der Privatklägerin seien ihr
damals so vorgekommen, aber die Privatklägerin habe das aus Angst getan (Urk.
210 S. 17).
14.4.2. Die Beschuldigte A._ glaubte, die Idee hierzu sei von C._
gekommen. Die Privatklägerin habe dies aus freiem Willen mitgemacht. Zur Be-
gründung machte die Beschuldigte A._ geltend, keine Frau der Welt
bekomme gegen ihren Willen einen Orgasmus. Dieser sei in ihren Augen echt
gewesen, "[...] Wir zwangen sie nicht." (Prot. I S. 94). Dabei blieb die
Beschuldigte A._ auch bei der Befragung an der Berufungsverhandlung. Die
Privatklägerin sei mit Nacktvideos einverstanden gewesen. Sie habe auch gesagt,
das sei nicht das erste Mal, dass sie das machen würde. Die Privatklägerin habe
- 72 -
das freiwillig gemacht, sie habe auch die Videos selber gewählt (Urk. 209 S. 12
f.).
14.4.3. Die Beschuldigte D._ bestätigte vor Vorinstanz ihre früheren
Aussagen, wonach der Dildo von C._ gekommen sei und die Privatklägerin
aus freiem Willen mitgemacht habe. Die Privatklägerin habe ihnen gesagt, dass
sie bereits ähnliche Videos gemacht habe, nicht nur dasjenige mit ihnen. Sie habe
es gemacht, weil sie es habe machen wollen. Sie hätten sie nicht dazu gezwun-
gen. Sie habe die ganze Zeit gelacht, und zwar normal (Prot. I S. 139 f.).
14.4.4. Gemäss der Beschuldigten B._ trifft dieser Sachverhalt hinge-
gen zu. A._ habe ihr das befohlen. Sie hätten ihr – B._s – Mobiltelefon
genommen und einen Pornofilm laufen lassen. Sie wisse nicht mehr, wer es ge-
wesen sei. Sie hätten es auf den Tisch gestellt. Auf die Frage, ob sie das Gefühl
gehabt habe, dass die Privatklägerin hier freiwillig mitmache, sagte die Beschul-
digte B._: "Nein. Das war ein Muss. Wenn ich mich in sie einfühlte, musste
sie das machen, weil sie Angst hatte." (Prot. I S. 175). Sie wisse nicht, wieso sie
nicht eingegriffen habe und mit ihr gegangen sei (Prot. I S. 176). An der Beru-
fungsverhandlung distanzierte sich die Beschuldigte B._ erneut von den
Aussagen anderer Beschuldigten, wonach sich die Privatklägerin aus freien Stü-
cken beim Masturbieren mit einem Dildo habe filmen lassen und Spass daran ge-
habt habe. Die Privatklägerin habe das aus Angst gemacht, wohl aus Angst vor
der Beschuldigten A._. Diese habe ihr ja auch das Meiste angetan (Urk. 211
S. 7).
14.5. Die Privatklägerin schilderte das Erlebte in den zwei Einvernahmen
übereinstimmend, versehen mit vielen Details und geprägt von Emotionen. Dass
sie Angst gehabt habe, allenfalls getötet zu werden, kann man als etwas gar
dramatisch bezeichnen. Allerdings ist die Aussage vor dem Hintergrund des
damals bereits stundenlang dauernden Drangsalierens, Schlagens, Erniedrigens
etc. zu sehen, womit diese Aussage die von der Privatklägerin wohl tatsächlich
durchgemachten Ängste wiedergibt.
- 73 -
Auf die Frage, wie sie sich verhalten habe, als sie aufgefordert worden sei,
sich selber zu penetrieren, sagte die Privatklägerin bei der Polizei denn auch: "Ich
sagte C._, sie solle aufhören, ich würde alles andere machen. Ich hatte so
viel Angst, dass ich wieder Schläge gegen den Kopf usw. erhalten würde, wes-
halb ich mich gegen diese Übermacht von 4 Frauen nicht gewehrt habe." (Urk.
D1/7/1 S. 6). Die Privatklägerin hatte in diesem Zusammenhang keine Schmerzen
beklagt, weshalb auch nicht erstaunt, dass die gynäkologische Untersuchung
durch das IRM keine Verletzungen zeitigte (Urk. D1/10/2 S. 3). Dieser Umstand
spricht aber nicht für Freiwilligkeit. Gegenteils ist eine solche mit diesem Hinter-
grund, den Zugaben der Beschuldigten B._ und der Aussage von C._,
die Privatklägerin habe es nicht freiwillig gemacht, aber sich nicht gewehrt, wider-
legt.
15. Sachverhalt gemäss RZ 13 (Anale Penetration mit dem Dildo und
Ablecken des Dildos)
15.1. Nach der Aufforderung zur manuellen und vaginalen Befriedigung mit
einem Dildo habe die Beschuldigte A._ den Dildo ergriffen, sei hinter die Pri-
vatklägerin getreten und habe ihr den Dildo mehrere Male in den Anus gestossen.
Dies habe der Privatklägerin derart grosse Schmerzen bereitet, dass sie erklärt
habe, zu allem bereit zu sein, wenn sie nur die analen Penetrationen vermeiden
könne. Da habe zumindest eine der Beschuldigten Mayonnaise auf den Dildo ge-
strichen, und die Beschuldigte A._ habe der Privatklägerin befohlen, den Dil-
do abzulecken und ihn in den Mund zu nehmen. Die Privatklägerin habe dies be-
folgt, wie auch die weiteren Anweisungen zumindest einer der Beschuldigten, mit
dem Dildo weiter an sich zu "spielen", bis hin, sich diesen erneut vaginal einzufüh-
ren.
15.2. Die Vorinstanz würdigte die ausführlich wiedergegebenen Aussagen
der Privatklägerin und der Beschuldigten und kam zum Schluss, dass der
Sachverhalt im Wesentlichen erstellt sei. Bei der Erstellung dieses
Sachverhaltsabschnitts stelle das Gericht praktisch vollumfänglich auf die
detaillierten und lebensnah geschilderten Aussagen der Privatklägerin – welche
zum grossen Teil eine Stütze und eine nachvollziehbare Ergänzung des
- 74 -
Sachverhaltsablaufs in den Aussagen der Beschuldigen C._ und B._
fänden – ab. Einzig die vehemente Behauptung der Privatklägerin, sich trotz
Vorhalt des Bildmaterials den Dildo nicht selber in den Anus gestossen zu haben,
könne das Gericht nicht als glaubhaft würdigen. Das Gericht führe diese
Schilderung der Privatklägerin auf deren Schamgefühl zurück (Urk. 151 S. 70 f.).
15.3. Die Privatklägerin schildert hierzu bei der Polizei am Morgen danach
was folgt: "W._ holte Mayonnaise und strich von der Mayonnaise auf den
Dildo. Ich musste die Mayonnaise vom Dildo ablecken bzw. schlucken. In der
Folge musste ich mich immer wieder selber befriedigen, wobei sie alle
zuschauten im Wohnzimmer. Später nahm W._ einen Stuhl vom Esstisch
und stellte ihn im Wohnzimmer auf. Ich musste vor dem Stuhl knien und meine
beiden Hände auf den Stuhl legen. D._ gab mir Olivenöl in die Hände und ich
musste mein 'Gesäss' Analbereich einölen. W._ sagte noch, 'Bisch am
Ufneh. Chan ich afangä...' ln der Folge nahm sie den gleichen Dildo wie ich
vorhin benutzen musste (Kondom war noch immer darauf) und führte ihn
mehrmals mir gegen meinen Willen anal ein. Dies für ca. 1-2 Minuten. Ich weinte
stark, da ich Schmerzen bekam, und alle anderen lachten und beleidigten mich
mit Schlampe usw. Während dem Aufenthalt in der Wohnung von C._, wurde
auch telefoniert und wie ich es mitbekommen habe, wurde ein Mann gesucht,
welcher mich 'ficken' würde und sie es aufnehmen könnten. Jedoch haben sie
keinen Mann gefunden. Nach der analen Penetration durfte ich mich anziehen.
Zwischendurch musste B._ ihre Nase putzen, wobei ich gegen Zwang ihre
'Nasenböög' lecken bzw. essen musste. Dies wurde von D._ gefilmt." (Urk.
D1/7/1 S. 3). Ca. zwei Stunden habe sie sich befriedigen müssen und ca. 1-2
Minuten sei sie gegen ihren Willen von W._ (A._) anal penetriert worden
(Urk. D1/7/1 S. 6). Auf die Frage, wie sie sich verhalten habe, als W._ mit
dem Dildo anal bei ihr eingedrungen sei, antwortete die Privatklägerin: "Ich sagte
ihr, mach es bitte nicht. Aus Angst habe ich mich auch nicht gewehrt. Ansonsten
wäre ich wieder abgeschlagen worden. Ich fing auch an zu weinen, da ich einen
Schmerz verspürte." So wie sie es erlebt habe, habe W._ in einem Stoss den
ganzen Dildo anal eingeführt. Offensichtlich habe sie sich nicht verletzt bzw. habe
es bis jetzt (in der Einvernahme) nicht geblutet (Urk. D1/7/1 S. 6). Bei der Staats-
- 75 -
anwaltschaft schilderte die Privatklägerin das Erlebte im Wesentlichen gleich,
präzisierte dieses aber noch. Sie gab zu Protokoll, den Beschuldigten sei es nach
der geforderten vaginalen Befriedigung langweilig geworden. So seien sie – alle
ausser B._ – auf die Idee gekommen, den Dildo "hinten reinzumachen". Sie
sei mit den Knien auf der Sitzfläche gesessen, so dass ihr Gesäss nach hinten
geschaut habe. "Jedenfalls hat A._ den Dildo mit Zwang in meinen
Analbereich gesteckt. Ich sprang auf, es hat mega wehgetan." A._ habe
vorgezeigt, wie sie was machen soll, also mündlich. "Ich musste es ja machen,
weil ich immer noch Angst hatte. Es hat mega wehgetan, ich sagte, ich mache
alles ausser das." A._ habe ihr gesagt, "ich solle den Dildo geben, sie würde
ihn mir in den Arsch stecken." (Urk. D1/7/3 S. 28 ff.). Die Frage, ob sie selber
versucht habe, sich den Dildo (anal) einzuführen, verneinte die Privatklägerin:
"Nein, das habe ich nicht versucht. Es wurde mir angetan." Beim Einführen sei
Olivenöl verwendet worden. Die Privatklägerin sprach mehrfach davon, dass ihr
diese Penetration "höllisch weh getan" habe. Sie sei aufgesprungen. Vom Gefühl
her habe A._ den Dildo schon zur Hälfte eingeführt, wobei sie zwei bis drei
Mal rein und raus gegangen sei. Dann habe sie geweint, "weil es mir höllisch weh
tat. Dann schlug mich A._ und sagte, ich solle aufhören zu weinen und mich
wieder vaginal penetrieren" (Urk. D1/7/3 S. 31). Auf die Frage, wie es weiter
gegangen sei, gab die Privatklägerin zu Protokoll: "Nachdem A._ den Dildo
wieder aus dem Arsch gezogen hatte, fragte A._ C._, ob sie
Mayonnaise oder Ketchup im Kühlschrank habe. C._ sagte, sie hätte
Mayonnaise im Kühlschrank, woraufhin A._ die Mayonnaise holte. ...
Danach deponierte sie den Dildo auf den Tisch beim Fernseher. Daraufhin tat sie
Mayonnaise auf den Dildo, aufs Kondom. Ich musste danach den Dildo in den
Mund nehmen und die Mayonnaise darauf ablecken, auch vor der Kamera." Auf
die Frage, ob sie das nicht geekelt habe, sagte die Privatklägerin: "Doch. Die
Kotze kam mir hoch und ich schluckte sie runter." (Urk. D1/7/3 S. 31).
15.4.1. Die Beschuldigte C._ bestätigte den Sachverhalt implizit vor Vo-
rinstanz. Es sei wohl A._s Idee gewesen. Sie habe zweimal gesagt, sie solle
aufhören. Sie hätte viel mehr machen müssen. "Das war der grösste Fehler – das
Ganze zuzulassen. Ich hielt sie auf. Auch B._ hielt sie auf, nicht nur ich. Sie
- 76 -
ging vielleicht einmal rein und dann liess sie davon ab. Sie hörte auf das, was wir
ihr sagten. Hätte sie weitergemacht, dann wäre ich wahrscheinlich dazwischen
gegangen und hätte ihr den Dildo weggenommen." Auf die Frage, ob sie das Ge-
fühl habe, dass die Privatklägerin das freiwillig zugelassen habe, erklärte sie:
"Nein. Das nicht. Sie hatte Schmerzen, sie hatte mich mehrfach um Hilfe gebeten.
Ich sagte zu A._, sie solle aufhören und nicht mehr weitermachen. Nicht nur
ich, auch B._ sagte dies." (Prot. I S. 38 f.; so auch an der Berufungs-
verhandlung, Urk. 210 S. 18).
15.4.2. Die Beschuldigte A._ konzedierte vor Vorinstanz auf Vorhalt
was folgt: "Ich gebe zu, ich habe das mit dem Dildo gemacht. Aber ich versuchte
das nur ein- bis zweimal und als es nicht funktionierte, hörte ich auf." (Prot. I S.
95). Die Privatklägerin habe es selbst versucht, aber es habe nicht funktioniert.
Sie – A._ – habe den Dildo aktiv in den Anus der Privatklägerin zu stossen
versucht, "Weil sie das wollte. Sie sagte, dass es nicht gehe. Ich bot ihr an, es zu
versuchen. Das gebe ich zu. Es funktionierte nicht. Sie sagte, sie habe
Schmerzen und ich hörte damit auf." (Prot. I S. 95). Das sei nicht gegen den
Willen der Privatklägerin gewesen. Ob sie gedacht habe, dass sie der
Privatklägerin damit eine Freude bereite, bejaht die Beschuldigte A._ dies
vor Vorinstanz (Prot. I S. 96). Dass die Privatklägerin dann noch die Mayonnaise
vom Dildo habe ablecken müssen, stimme. Allerdings sagte A._ auch hier,
dass dies die Idee der Privatklägerin gewesen sei und diese die Mayonnaise
selber draufgeschmiert habe (Prot. I S. 96). An der Berufungsverhandlung erklärte
die Beschuldigte A._ bezüglich der Aktion mit dem Dildo: "Im Pornovideo war
eine Frau, die das gleiche gemacht hat. Die Privatklägerin hat es dann versucht,
aber sie hatte, wie soll ich sagen, nicht so viel Erfahrung. Ich habe ihr geholfen,
das heisst ich habe es versucht, aber als sie sagte, sie habe Schmerzen, habe ich
nicht weitergemacht." (Urk. 209 S. 15 f.).
15.4.3. Die Beschuldigte D._ sagte vor Vorinstanz zu diesem Vorhalt,
soviel sie wisse, habe man versucht, ihr "das" zwei oder drei Mal in den Anus zu
stossen. Die Privatklägerin habe gesagt, sie habe Schmerzen, und man habe von
ihr abgelassen. Das habe sie selber gehört und gesehen. Auf die Bemerkung des
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Vorsitzenden, dass sie in der Untersuchung gesagt habe, sie habe dies nicht
wahrgenommen, erklärte die Beschuldigte D._: "In der Untersuchung sagte
ich viel, das nicht stimmte." (Prot. I S. 140). Als man "das" in den Anus gesteckt
habe, habe die Privatklägerin Schmerzen gehabt. Es sei ihre Schwester [A._]
gewesen, die versucht habe, ihr das reinzustecken. Es sei nicht gegangen. Wieso
sie das zugelassen habe und nicht eingeschritten sei, quittiert D._ mit "Das
weiss ich nicht. Ich weiss nicht, was ich in diesem Moment dachte." (Prot. I
S. 141).
15.4.4. Die Beschuldigte B._ erklärte in der
Konfrontationseinvernahme, die Privatklägerin habe es zuerst selbst gemacht, es
aber nicht geschafft. Erst danach habe A._ geholfen. Auf die Frage, ob die
Privatklägerin Schmerzen gehabt habe, sagte die Beschuldigte B._, diese sei
weggezuckt. Dann habe A._ ihre Hand in einen Plastiksack gepackt und den
Dildo in die Hand genommen und probiert, ihn einzuführen. Dies sei nicht brutal
gewesen, schon vorsichtig (Urk. D1/2/3 S. 37). Die Privatklägerin sei jedoch
weggezuckt, mehrere Male. Sie denke, die Privatklägerin sei weggezuckt, weil es
ihr weh getan habe. Sie selber sei immer dagegen gewesen, dass die
Privatklägerin den Dildo auch noch in den Mund habe nehmen müssen. Sie ekle
sich davor, es sei ihr übel geworden. Sie habe den Kopf unter das Kissen getan
(Urk. D1/2/3 S. 38). Die Privatklägerin habe das aus Angst oder Lust gemacht.
Sie habe das Gefühl gehabt, die Privatklägerin habe Lust verspürt, ausser bei der
Analversion. Sie habe es nicht verneint und gelacht (Urk. D1/2/3 S. 39). In der
Hauptverhandlung bestätigte die Beschuldigte B._ es als richtig, dass die
Beschuldigte A._ der Privatklägerin den Dildo unter Schmerzen mehrere
Male in deren Anus gestossen habe. Das mit der Mayonnaise sei schrecklich
gewesen. Erst bei der Mayonnaise sei es ihr – B._ – schlecht geworden. Sie
glaube, dass sich die Privatklägerin dabei schlimm gefühlt habe (Prot. I S. 177).
15.5. Die Privatklägerin schilderte diese Episode in den zwei Einvernahmen
im Kern gleich, detailreich und sehr betroffen. So begann sie beispielsweise in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme zu weinen und benötigte eine Pause
(Urk. D1/7/3 S. 29). Die facettenreiche Geschichte wird einmal mehr im Kern von
- 78 -
den Beschuldigten bestätigt. Aus den Aussagen von C._ und B._ ergibt
sich auch die Unfreiwilligkeit des Prozederes für die Privatklägerin. Selbst die Be-
schuldigte A._, die jegliche Unfreiwilligkeit von der Hand weist und sich gar
als Helferin betreffend das Einführen des Dildos darstellt, sagte in der
Untersuchung auf die Frage, wieso sie die ganze Nacht mitgemacht habe: "Ich
weiss es nicht. In dieser Nacht ist der Teufel in mir aufgekommen" (Urk. D1/5/3
S. 17). In der Hauptverhandlung darauf angesprochen, relativierte sie diese
Aussage mit einer widersprüchlichen Erklärung wie folgt: "Ich habe die Ohrfeige
gegeben und das mit dem Dildo hätte ich nicht machen sollen. Auch in 10 Jahren
werde ich mir die Frage stellen, weshalb ich das machte. Das ist nicht so zu
erklären. Ich machte das mit ihrem Einverständnis, aber am Schluss stehe ich als
die Böse da, obwohl sie das freiwillig machte." (Prot. I S. 108). Dass das
Vorgehen – aktives fremdes Einführen eines Dildos in den Anus, hernach
umgehendes Bestreichen des Dildos mit Mayonnaise und Ablecken der
Mayonnaise vom Dildo – vor dem Hintergrund der mehrstündigen vorherigen
Erniedrigungen und Befehlserteilungen im Sinne der Privatklägerin oder auf deren
Wunsch erfolgte, ist absolut unglaubhaft, lebensfremd und zynisch. Derartiges ist
auch mit den Aussagen von C._ und B._ widerlegt. Ob sich die
Privatklägerin den Dildo auch noch selber anal einzuführen versuchte, ergibt sich
aus dem Sachverhalt nicht. Entsprechendes wäre mit der Zwangssituation
erklärbar, kann aber letztlich offen bleiben. Im relevanten Umfang ist der
Sachverhalt erstellt.
16. Sachverhalt gemäss RZ 14-16 (Ohrfeige wegen Verweigerung der
Bekanntgabe des Zugangscodes des Mobiltelefons, Aufforderung zur
Massage von Füssen und Küssen derselben, Befehl zum Essen von
gläsernen Dekorationssteinchen)
16.1. Unter diesen Randziffern wird den Beschuldigten vorgeworfen, eine
von ihnen habe die Daten auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin einsehen wol-
len. Diese habe den Zugangscode aber nicht verraten wollen, und sie habe ihn
erst genannt, als die Beschuldigte A._ sie geohrfeigt habe. Weiter soll die
Beschuldigte A._ von der Privatklägerin verlangt haben, sie zu massieren
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und ihr die Füsse abzulecken sowie der Beschuldigten B._ die Füsse zu
küssen. Die Beschuldigte D._ habe die Privatklägerin sodann in den Rücken
getreten, als sie erfahren habe, dass die Privatklägerin in ihrem Mobiltelefon den
Kontakt zu einem ihrer Bekannten abgespeichert habe. Gemäss Anklage habe
die Beschuldigte C._ [recte: die Beschuldigte A._ (vgl. hierzu S. 31 f.)]
der Privatklägerin befohlen, mehrere gläserne Dekorationssteine zu schlucken, da
die Privatklägerin auch den Kontakt zu ihrem – C._s – vormaligen Ehemann
abgespeichert habe.
16.2. Die Vorinstanz stellte hier im Wesentlichen auf die Aussagen der
Privatklägerin und die sie teilweise stützenden Schilderungen der Beschuldigten
ab und erachtete den Sachverhalt mit wenigen Einschränkungen als erstellt
(Urk. 151 S. 72 ff.; Urk. 157/151 S. 71 ff; Urk. 1158/151 S. 14 ff.).
16.3. Die Privatklägerin führte hierzu zunächst bei der Polizei aus, dass sie
sich nach der analen Penetration mittels des Dildos wieder habe anziehen
können. Danach habe sie A._ massieren müssen, "also beide Füsse und
Beine und Rücken". Irgendwann sei sie von der Beschuldigten C._ an den
Haaren gerissen worden und habe von ihr eine Ohrfeige kassiert. Von ihr sei sie
auch geschubst worden. Während sie der Beschuldigten A._ die Füsse
massiert habe, hätten die Beschuldigte C._, D._ sowie B._ ihr
Mobiltelefon kontrolliert. Sie habe den Code bzw. ihr Passwort angeben müssen.
In der Folge hätten sie ihren Chatverlauf durchsucht und gesehen, dass sie mit
einer Kollegin, Saranda, über die Beschuldigte C._ gelästert habe. Daraufhin
seien unerwartet mehrere "Schläge mit den Füssen von unbekannt in meinen
Nacken bzw. Kopf " und darauf ein Schlag mit dem Ellenbogen von A._
gekommen. A._ und B._ hätten sie beschimpft und gesagt, dass sie ihr
wegen des Lästerns die Haare abschneiden würden (Urk. D1/7/1 S. 3 f.). An der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme gab die Privatklägerin an, dass sie nach
der analen Penetration irgendwann gefragt habe, "ob ich eine Pause machen
könne. Ich wolle auch eine Zigarette rauchen. Sie erlaubten es mir und
kontrollierten mein Handy." (Urk. D1/7/3 S. 35). Ihr Mobiltelefon hätten die
Beschuldigten A._, D._ und C._ gehabt. Sie hätten sie nach dem
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Passwort gefragt. Sie habe geantwortet, dass dies privat sei. Die Beschuldigte
A._ habe sie daraufhin geboxt und gesagt, sie solle es sagen. Sie habe es
[das Passwort] dann herausgegeben (Urk. D1/7/3 S. 34). B._ habe
aufgenommen, wie sie A._ die Füsse massiert und abgeleckt habe. Zum
Massieren von A._ sagte die Privatklägerin: "Sie zog die Socken aus und
wollte, dass ich ihre Füsse lecke. Sie sagte, ich müsse ihre Füsse massieren und
lecken. Ich fing an ihre Füsse zu massieren, dann ... Nein, B._ hatte keine
Socken. Ich musste ihr die Füsse küssen." (Urk. D1/7/3 S. 35). Den Befehl,
Dekosteine zu schlucken, erwähnte die Privatklägerin erst bei der
Staatsanwaltschaft. Diese hätten die Grösse von Kieselsteinen gehabt und aus
Glas bestanden. Sie habe die Steine kauen können. Sie habe diese zerkaut und
danach geschluckt. Sie vermute, dass A._ befohlen habe, diese zu kaufen,
"Ich bin mir aber nicht sicher ob sie mir das sagte, oder das von mir aus machte."
(Urk. D1/73 S. 36). Sie habe ungefähr drei Minuten lang Steine gegessen. Sie
schätze, es seien 13 bis 15 Steine gewesen. Sie glaube sogar, B._ habe ihr
noch gesagt, sie solle aufhören, "sonst würde man die noch finden, wenn ich ins
Spital müsste." (Urk. D1/7/3 S. 37).
16.4.1. Die Beschuldigte C._ sagte vor Vorinstanz, die Situation mit
dem Mobiltelefon sei vor der Sache mit dem Dildo gewesen. Sie habe die
Privatklägerin nach dem Zugangscode gefragt. Diese habe ihn eingegeben und
ihr das Mobiltelefon gegeben. Sie habe keine Gewalt angewendet, A._
schon. Sie habe einfach schauen wollen, was sie mit ihrem Ex-Mann geschrieben
habe. "Es gab Nachrichten wie, dass sie ihm helfe, mir das Kind wegzunehmen
und solche Sachen. Aus diesem Grund gab ich ihr danach die Ohrfeige." (Prot. I
S. 39). Das Massieren und Ablecken der Füsse vermochte sie nicht zu bestätigen.
Sie sei auf der Toilette gewesen, habe das nicht gesehen und auch keinen
entsprechenden Befehl gegeben (Prot. I S. 40). Den Vorgang – Befehl von
A._ – mit den Dekorationssteinen habe sie mitbekommen. Sie wisse nicht,
weshalb sie nichts dagegen unternommen habe (Prot. I S. 41).
16.4.2. Die Beschuldigte A._ sagte in der Untersuchung, C._ habe
auf dem Telefon etwas gefunden. "Ich war dann in meinem Kopf dumm und habe
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E._ geschlagen", nämlich "mit einer Ohrfeige" (Urk. D1/5/3 S. 17). In der
Konfrontationseinvernahme bestätigte A._, dass sie die Privatklägerin
geohrfeigt habe, nachdem C._ etwas im Mobiltelefon der Privatklägerin
gefunden gehabt habe, "ich glaube, ich habe etwas über den Freund meiner
Schwester herausgefunden" (Urk. D1/2/3 S. 57). Vor Vorinstanz behauptete sie,
die Privatklägerin habe den Code selbst eingegeben und das Mobiltelefon
freiwillig an C._ übergeben mit dem Bemerken, sie habe nichts zu verbergen.
Sie – A._ – habe ihr eine Ohrfeige geben, "aber nicht in diesem Abschnitt".
Sie habe ihr die Ohrfeige gegeben, als sie ihr die künstlichen Haare abgenommen
habe (Prot. I S. 98). An der Berufungsverhandlung wiederum erklärte die
Beschuldigte A._, die Privatklägerin geohrfeigt zu haben, als ihre Schwester
auf dem Handy der Privatklägerin eine SMS von ihrem Ex-Freund gesehen habe
(Urk. 209 S. 14). Betreffend Massieren sagte die Beschuldigte A._: "Als das
Video fertig war, zog sich die Privatklägerin an. Wir unterhielten uns normal. Die
Leute, die mich kennen, wissen, dass ich oft Rückenschmerzen habe. Ich sagte,
dass mir mein Rücken weh tue und sie antwortete, sie könne gut massieren. Die
Privatklägerin 1 massierte mich. Ich bedankte mich dafür." Zur Frage der
Freiwilligkeit des Massieren durch die Privatklägerin sagte sie, sie – A._ –
habe das so gesehen. Es sei doch nicht schlimm, wenn jemand den Rücken oder
die Füsse massiere (Prot. I S. 99 f.). Auf Vorhalt des Vorsitzenden, wie die
Beschuldigte auf die Idee komme, dass jemand freiwillig massiere, nachdem er
das mit den Schlägen, der Sache mit dem Dildo und den Beschimpfungen
durchgemacht habe, antwortete die Beschuldigte A._: "Ich war dabei. Es gab
keine Torturen oder so. Sie machte das freiwillig. Ich weiss nicht, was sie sich
dabei dachte. Vielleicht war das alles ein Spiel von ihr. Sie wollte vielleicht von
uns profitieren." (Prot. I S. 100). Sie bestritt, der Privatklägerin den Befehl zum
Schlucken von Dekorationssteinchen gegeben zu haben. Diese habe keine
solchen Steinchen geschluckt (Prot. I S. 101).
16.4.3. Die Beschuldigte D._ sagte hierzu bei der Vorinstanz, sie hätten
der Privatklägerin schon im Auto gesagt, sie solle den Code geben (Prot. I
S. 142). Betreffend Massieren der Füsse sagte sie: "A._ legte sich hin und
sagte, sie hätte Rückenschmerzen. Daraufhin sagte die Privatklägerin: 'Herzchen
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ich kann gut massieren, ich kann dir helfen'." Ein Ablecken der Füsse habe sie
nicht gesehen. Die Massage sei am Rücken gewesen (Prot. I S. 141 f.). Sie habe
nicht gesehen, dass die Privatklägerin Dekorationssteine geschluckt habe. Sie sei
die ganze Zeit mit deren Mobiltelefon beschäftigt gewesen (Prot. I S. 142).
16.4.4. Die Beschuldigte B._ sagte vor Vorinstanz, der Sachverhalt ha-
be sich so abgespielt, sie glaube aber, es sei vorher geschehen. Sie bestätigte
auch die Ohrfeige von A._. Sie sei daneben gesessen. Die Intensität sei
nicht so fest gewesen wie im Auto, "dort war es heftiger" (Prot. I S. 178). Ihr sei
von A._ befohlen worden, dass sie deren und ihre Füsse küsse, da sie keine
Socken angehabt habe. "Sie musste es tun. Ich zog meine Füsse immer weg, da
ich es nicht mag, wenn man meine Füsse berührt.", sagte die Beschuldigte
B._ hierzu (Prot. I S. 179). Zur Frage, wieso sie ihre Füsse hingehalten habe,
sagte B._: "Ich weiss es nicht, ob aus Angst vor A._ – man bekommt mit
der Zeit Angst vor A._.", und auf die Frage, weshalb das so sei: "Die Sachen,
die sie im Kopf hatte, welche die Privatklägerin machen musste, war unmensch-
lich. Auf so etwas würde ich nicht kommen." (Prot. I S. 179). Solches sei ihr am
Schluss auch angedroht worden, falls sie nicht mitmache: "Als wir bei A._ zu
Hause waren und ausschliefen und ich nach Hause wollte, sagt, A._, dass
wir nichts sagen dürfen, wir alles abstreiten müssen und wir nie zusammen gewe-
sen seien. Sie drohte mir, falls ich sprechen würde, würde ich dasselbe wie die
Privatklägerin erleben." (Prot. I S. 179). Sie bestätigte sodann den Tritt von
D._ in den Rücken der Privatklägerin, es seien mehrere Tritte gegen den
Rücken gewesen (Prot. I S. 180). Betreffend die Dekorationssteine bestritt die
Beschuldigte B._ einen entsprechenden Vorgang: "Ich weiss, dass Dekorati-
onssteinchen dort lagen, aber es sagte nie jemand, dass sie diese schlucken
müsse. Sie machte das nicht." (Prot. I S. 180).
16.5. Mit der Vorinstanz ist grundsätzlich auf die Aussagen der
Privatklägerin abzustellen. Sie werden insbesondere durch die Schilderungen von
B._ bestätigt. Selbst die Beschuldigte A._ konzediert eine Ohrfeige.
Betreffend die behauptete Freiwilligkeit des Handelns der Privatklägerin kann auf
das Bisherige verwiesen werden. Die Aussagen der Beschuldigten A._
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müssen diesbezüglich als Schutzbehauptungen qualifiziert werden. Gemäss
Gutachten des IRM vom 17. Mai 2019 waren die Zähne der Privatklägerin am
Nachmittag des 11. März 2019 festsitzend, ohne Abbrüche oder Anhaltspunkte für
Lockerungen (Urk. D1/10/2 S. 2). Mit der Vorinstanz ist daher und unter
Berücksichtigung der Aussagen der Beschuldigten nur ein Befehl zum Schlucken
der Steine, nicht auch zum Zerkauen der Glassteine erstellt, wie es die Anklage
denn auch "nur" vorwirft. Betreffend Zeitpunkt dieser Übergriffe und Forderungen
liegen verschiedene Angaben vor. Die Anklageschrift äussert sich hierzu nicht
genau. Allerdings kommt hier dem chronologischen Ablauf dieser Ereignisse in
einem mehrstündigen Drangsalieren und Erniedrigen keine zentrale Bedeutung
mehr zu. Dieser Sachverhalt ist im relevanten Umfang mit oben erwähntem
Vorbehalt erstellt.
17. Sachverhalt gemäss RZ 17 (Besprechen des Befehls zum Schlucken
von Kot und Abrasieren der Augenbrauen)
17.1. Gemäss Anklage hätten zumindest zwei der Beschuldigten weiter be-
sprochen, die Privatklägerin Kot schlucken zu lassen und dieser die Augenbrauen
zu rasieren. Beides sei nicht durchgesetzt worden.
17.2. Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt als im rechtlich relevanten
Umfang erstellt (Urk. 151 S. 78; Urk. 157/151 S. 77 ff.; Urk. 158/151 S. 70 f.).
17.3. Die Privatklägerin gab erst bei der Staatsanwaltschaft und im
Zusammenhang mit den Dekorationssteinchen zu Protokoll, A._ habe ihre
drei Kolleginnen gefragt, ob sie koten müssten, damit sie – die Privatklägerin –
das später essen müsste. B._ habe gesagt, das sei keine gute Idee, denn
wenn sie ins Spital müsste, würde man das sofort merken. Es hätten alle
Bedenken gehabt wegen den Steinen und dem Kot. "Sie wollten dann meine
Augenbrauen rasieren, doch sie hatten keine Rasierklingen mehr." (Urk. D1/7/3 S.
37).
17.4.1. Dieser Vorwurf wurde von den Beschuldigten C._, A._ und
D._ bis zum Schluss bestritten. C._ meinte hierzu vor Vorinstanz: "Das
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stimmt überhaupt nicht. Keiner sagte das. Da bin ich mir zu 100% sicher" (Prot. I
S. 41). Auch A._ behauptete, dass dies nicht stimme (Prot. I S. 101).
D._ sagte hierzu: "Das trifft nicht zu. Sie hatte ohnehin keine Augenbrauen.
Was sollte man da rasieren. Das Kotschlucken besprachen wir nicht einmal
miteinander." (Prot. I S. 143).
17.4.2. Die Beschuldigte B._ äusserte sich hierzu in der Konfrontations-
einvernahme und behauptete, das Kotschlucken sei nicht besprochen worden
(Urk. D1/2/3 S. 65). Hingegen sagte sie vor Vorinstanz aus, "das mit dem Kot
stimmt, das wurde ihr befohlen, aber nicht gemacht". A._ habe das befohlen.
Auf die Frage, wieso sie sich daran erinnere, gab sie zu Protokoll: "Wir sassen al-
le dort und sie sagte ihr das in dem Moment. Ich fand das extrem." Auf die Frage
nach dem Tonfall erklärte sie: "Sie lachte nicht und sagte es bestimmt." Es sei
psychisch krank, wenn man so etwas denke (Prot. I S. 181).
17.5. Die Privatklägerin erwähnte diesen Vorgang erst bei der Staatsanwalt-
schaft. Die Beschuldigte B._ bestätigte das Thema Kotschlucken, dies aller-
dings in Abweichung zu ihrer ersten Aussage. Sie schilderte aber noch die kon-
kreten Umstände und ihre persönliche Reaktion auf diesen Befehl. Insofern ist
davon auszugehen, dass er so ausgesprochen, aber nicht umgesetzt wurde. Kei-
ne Bestätigung fand hingegen das angedrohte Abrasieren der Augenbrauen, was
eine erhebliche Entstellung darstellen und daher wohl noch in Erinnerung der
Wahrnehmenden sein müsste.
18. Sachverhalt gemäss RZ 18 (Abreissen und Abschneiden von
Haar- und Haarverlängerungen)
18.1. Gemäss Anklage sollen die Beschuldigten B._ und A._ der
Privatklägerin in der Folge künstliche Haarverlängerungen von ihrem echten Haar
gerissen und die Verlängerungen weiter mit dem Messer abgetrennt haben. Sie
hätten der Privatklägerin dadurch nicht nur erhebliche Schmerzen, sondern auch
einen Schaden im Betrage von ca. CHF 800.00 zugefügt.
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18.2. Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt als im rechtlich relevanten
Umfang erstellt (Urk. 151 S. 82; Urk. 157/151 S. 79 ff.; Urk. 158/151 S. 71 ff.).
18.3. Die Privatklägerin führte bei der Polizei dazu aus, dass die
Beschuldigten A._ und B._ ihr gesagt hätten, dass sie ihr wegen des
Lästerns mit einer Kollegin über C._ die Haare vom Kopf schneiden würden.
Die Beschuldigte A._ habe auf der rechten Seite und die Beschuldigte
B._ auf der linken Seite ihre Haare mit einem Messer abgeschnitten. Sie
habe die Haare in einem Plastiksack bei sich (Urk. D1/7/1 S. 4). Es seien ihr die
echten Haare und die Extensions abgeschnitten worden. Diese habe sie vor ca.
zwei Wochen beim Coiffeur für genau Fr. 700.00 ansetzen lassen (Urk. D1/7/1
S. 7). An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme bestätigte die Privatklägerin
ihre bisherigen Aussagen und führte präzisierend aus, dass die Beschuldigte
A._ sie aufgefordert habe, sie solle die Haare öffnen. Sie hätten dann
begonnen ihr die Extensions abzureissen. Die Extensions seien aus echtem Haar
gewesen und seien von unten und oben an die Haarsträhne geklebt worden (Urk.
D1/7/3 S. 37). Sie hätten daran gerissen, dies habe geschmerzt. Sie habe sogar
ein Bild von einer dadurch entstandenen Kopfverletzung. Sie habe dann gesagt,
ob sie ein Messer bringen könnten, um damit das Tape auseinanderzuschneiden.
Dies hätten A._ und B._ getan. Die Haarentfernung habe sehr lange
gedauert. Die künstlichen Haarverlängerungen seien von guter Qualität gewesen
und hätten Fr. 800.– gekostet. Sie habe den Beschuldigten B._ und A._
gesagt, dass sie die Haare behalten wolle, da sie erst zwei Wochen alt seien und
dass ihre Mutter das gleich merken würde, weil sie ihr Freude an den Extensions
mitbekommen habe. Die Beschuldigte A._ habe ihr – da es sehr lange
gedauert habe – befohlen, dass sie diese nun selber rausnehme (Urk. D1/73 S.
38).
18.4.1. Die Beschuldigte C._ bestätigte den Sachverhalt vor Vorinstanz
als richtig. Sie wisse nicht mehr, wessen Idee es gewesen sei. Soweit sie sich er-
innere, sei die Privatklägerin mit den Extensions sehr unzufrieden gewesen und
habe sie nicht mehr gewollt. Sie selber habe nichts gemacht. Es könne sein, dass
sich der Schaden auf Fr. 700.00 bis Fr. 800.00 belaufe (Prot. I S. 42). An der
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Berufungsverhandlung betonte die Beschuldigte C._ erneut, mit der Entfer-
nung der Haar-Extensions, im Gegensatz zu den Beschuldigten A._ und
B._, nichts zu tun gehabt zu haben. Sie bestritt die ihr vorgehaltene Behaup-
tung der Beschuldigten D._, dass dies ihre (C._s) Idee gewesen sei. Sie
habe auch nicht verstanden, weshalb man das getan habe (Urk. 210 S. 18).
18.4.2. Die Beschuldigte A._ bestätige an der Hauptverhandlung, dass
sie der Privatklägerin die Haare weggenommen habe, aber nicht gewaltsam, son-
dern nur gelöst, "langsam und behutsam". Sie hätten das mit dem Messer ge-
macht. Die Privatklägerin habe gesagt, sie habe neue Extensions gemacht, sei
mit diesen nicht zufrieden, aber es würde kosten, diese herauszunehmen. Sie –
A._ – habe ihr von sich aus gesagt, dass sie das machen könne, weil sie es
bei ihrer Schwester auch schon gemacht habe (Prot. I S. 102 f.). Auch vor Beru-
fungsinstanz bestätigte die Beschuldigte A._, der Privatklägerin die Haarver-
längerungen entfernt zu haben (Urk. 209 S. 15 f.). "In meinen Augen wurde die
Frisur nicht zerstört. Sie wollte das. Ich hätte das sonst nicht gemacht. Ich habe
ihr erzählt, dass ich das bei meiner Schwester schon oft gemacht hätte. Ich wuss-
te, wie man damit umgeht. Ich habe ihr geholfen, weil sie sagte, das würde kos-
ten. Und das stimmt, das würde über Fr. 150.-- kosten." (Urk. 209 S. 16). Die Pri-
vatklägerin sei mit ihrer Frisur nicht zufrieden gewesen. Die Beschuldigte B._
und sie hätten daran eine Stunde lang gearbeitet. Man habe nicht geschnitten o-
der gerissen, sondern nur weggemacht. Sie (A._) habe die Klebestreifen ent-
fernt. Das Wegmachen sei im Einverständnis der Privatklägerin geschehen, sie
habe mitgemacht (Urk. 209 S. 15 f.).
18.4.3. Die Beschuldigte D._ bestätigte den Vorfall, indem sie aussag-
te, C._ habe B._ dazu angestiftet, der Privatklägerin die künstliche
Haarverlängerung wegzuziehen. Sie habe sie dann nicht davon abgehalten, weil
sie zu diesem Zeitpunkt die SMS, welche sie ihrem Freund geschrieben habe,
entdeckt habe und deswegen sehr aufgeregt gewesen sei. Sie habe sich nicht
weiter um sie gekümmert (Prot. I S. 143).
18.4.4. Die Beschuldigte B._ bestätigte vor Vorinstanz, dass sie und
A._ die Extensions entfernt hätten. Sie seien nicht mit Gewalt und nicht
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schmerzvoll herausgelöst worden. A._ habe gesagt, sie soll ihr helfen. Auf
entsprechende Frage erklärte B._, sie glaube eher nicht, dass die Privatklä-
gerin die Extensions entfernt haben wollte. Sie habe nichts dazu gesagt (Prot. I
S. 181 f.). Schliesslich erklärte die Beschuldigte B._ an der Berufungsver-
handlung, nicht mehr zu wissen, weshalb sie der Privatklägerin die Extensions
entfernt habe. Die Frage, ob die Privatklägerin darum ersucht habe, verneinte sie
jedoch und auf den Vorhalt der Behauptung, man habe der Privatklägerin einen
Gefallen gemacht, weil sie mit den Extensions nicht zufrieden gewesen sei, er-
klärte sie: "Das denke ich nicht." (Urk. 211 S. 8). Auf die Frage nach ihrem eige-
nen Empfinden im Falle einer ungewollten Haarentfernung meinte sie: "Das ist
wie die Weiblichkeit wegnehmen." Sie bestätigte, dass dies eine Erniedrigung für
sie wäre (ebd.).
18.5. In der körperlichen Untersuchung durch das IRM wurden bei der
Privatklägerin an der Kopfhaut mehrere ca. 6 - 7 cm lange, in der
Körperquerachse verlaufende, rote, oberflächliche Hautabtragungen ohne
erkennbare Abtragungsrichtung festgestellt. Die Kopfschleimhäute waren
unverletzt, ohne punktförmige Einblutungen. Gemäss IRM könnten die bei der
rechtsmedizinischen Untersuchung festgestellten Hautabschürfungen der
Kopfhaut als Folge tangential-schürfender Gewalt interpretiert werden. Sie
imponierten frisch und könnten mit dem geltend gemachten Ereigniszeitraum in
Einklang gebracht werden. Eine Entstehung durch Kratzen mit Fingernägeln, wie
auch das Ausreissen von künstlich angebrachten Haarverlängerungen, wie von
der Untersuchten angegeben, erscheine möglich. Geformte Anteile, die auf die
Einwirkung eines konkreten Gegenstandes schliessen liessen, seien nicht
abgrenzbar (Urk. D1/102 S. 2 f.).
18.6. Die Kunsthaarverlängerungen wurden polizeilich sichergestellt und
befinden sich in den Akten (Urk. D1/2/6). Der Vorgang selber wurde von allen
Beschuldigten bestätigt. Die Privatklägerin hat geschildert, wie wichtig ihr die
Haare seien. Von einer Freiwilligkeit der Entfernung der Haare kann keine Rede
sein. Die Privatklägerin liess in der Hauptverhandlung den Schaden auf
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Fr. 480.00 reduzieren (Urk. 82 S. 17) und reichte dazu eine Quittung ein (Urk.
78/6). Die genaue Schadenshöhe ist damit nicht erstellt.
19. Sachverhalt gemäss RZ 19 (Aufforderung zum Ablecken von
Nasenschleim ab einem Nasentuch)
19.1. Als die Beschuldigte B._ sich geschnäuzt habe, habe die Be-
schuldigte A._ der Privatklägerin befohlen, den Nasenschleim vom Taschen-
tuch zu lecken. Die Privatklägerin habe dies widerwillig befolgt.
19.2. Auch dieser Vorwurf ist nach Ansicht der Vorinstanz erstellt (Urk. 151
S. 83; Urk. 157/151 S. 82 f.; Urk. 158/151 S. 75 f.).
19.3. Die Privatklägerin erwähnte bei der Polizei nach dem Beschrieb der
analen Penetration, dass B._ zwischendurch ihre Nase habe putzen müssen,
"wobei ich gegen Zwang ihre 'Nasenböögs' lecken bzw. essen musste. Dies
wurde von D._ gefilmt." (Urk. D1/7/1 S. 3). Dies bestätige sie bei der
Staatsanwaltschaft (Urk. D1/7/3 S. 43 f.).
19.4.1. Die Beschuldigte C._ sagte auf diesen Vorwurf vor Vorinstanz,
sie habe das nicht gesehen, und: "Ich glaube, ich hätte mich übergeben, wenn ich
das gesehen hätte." Eine entsprechende Anweisung bestritt sie (Prot. I S. 43).
19.4.2. Die Beschuldigte A._ bestätigte den Vorgang an sich, machte
aber geltend bzw. glaubte, dass C._ hierzu die Anweisung gegeben habe.
Sie habe das gehört und gesehen (Prot. I S. 103 ff.).
19.4.3. Die Beschuldigte D._ vermochte sich bei der Vorinstanz nicht
mehr daran zu erinnern, dass sie in der Untersuchung gesagt habe, C._ ha-
be hierzu die Anweisung gegeben (Prot. I S. 143).
19.4.4. Die Beschuldigte B._ bestätigte diesen Vorwurf auch vor Vo-
rinstanz als richtig. Sie habe aber nicht gesehen, ob die Privatklägerin es gemacht
habe, "[...] ich war mit dem Rücken zu ihr und wollte nicht hinschauen" (Prot. I S.
183).
- 89 -
19.5. Die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin werden durch mehrere
Beschuldigte dem Grundsatz nach bestätigt. Wer nun den Befehl erteilt hatte,
lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen, was im Rahmen der angeklagten Mittäter-
schaft aber nicht von Bedeutung ist.
20. Sachverhalt gemäss RZ 20 (Absetzen auf einem Parkplatz und
Entwendung von Mobiltelefon und Portemonnaie)
20.1. Gemäss Anklage hätten die Beschuldigten die Privatklägerin ge-
meinsam auf den Parkplatz AH._ in P._ geführt und sie dort am
11. März 2019 um ca. 07.35 Uhr ausgesetzt. Das Mobiltelefon und das
Portemonnaie der Privatklägerin habe aber zumindest eine der Beschuldigten
einbehalten und daraus Bargeld im Betrag von ca. CHF 350.00 entnommen. Die
Beschuldigten hätten dies unter sich aufgeteilt. Die Beschuldigten C._ und
B._ hätten das Mobiltelefon und das Portemonnaie um ca. 09.00 Uhr in der
Eisenbahn von Wohlen nach Bremgarten hinterlegt.
20.2. Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt als teilweise erstellt (Urk.
151 S. 86; Urk. 157/151 S. 83 ff.; Urk. 158/151 S. 76 ff.). Nicht bewiesen war aus
ihrer Sicht die Entnahme des Bargeldes in der Höhe von Fr. 320.00 [recte: ca.
Fr. 350.00]. Der Vorinstanz kann auch hier aus den nachfolgenden Gründen
beigepflichtet werden.
20.3. Die Privatklägerin schilderte die letzte Phase der Ereignisse bei der
Polizei wie folgt: "Nach dem Haareschneiden durch W._ und B._
musste ich den Tisch im Wohnzimmer aufräumen. Ich musste den Tisch vom
Abfall nehmen und mit Glasreiniger reinigen. Nach der Reinigung haben alle ihre
Schuhe und Jacken usw. angezogen. Mir wurden die Augen von W._
verbunden und B._ hat den Abfallsack mit Abfall und dem benützten Dildo
zum Auto transportiert. Dabei musste ich mich bei W._ mit dem Arm
einhängen, ansonsten wäre ich umgefallen, da ich nichts gesehen habe. Dies
wurde gemacht, dass ich nicht sehen konnte, wo wir genau sind usw. Wir gingen
zum Auto, wo ich einsteigen musste. Während der Fahrt auf der Autobahn wurde
mir die Augenbinde abgenommen. Wir, C._, D._, W._, B._
- 90 -
und ich machten einen Zwischenhalt bei der AD._ Tankstelle in J._
beim N._. Für genau CHF 30.-- für Benzin und drei Redbull hat C._
höchstwahrscheinlich von meinem Geld genommen und dort die Sachen bezahlt.
B._ und D._ sind das Benzin und die Redbull bezahlen gegangen. Das
Fahrzeug war ein oranger BMW. Die Fahrt ging dann weiter bis dort wo ich
aufgefunden wurde beim N._. Der Ort war ich vorher noch nie. Ich wurde
dort einfach ohne Mobiltelefon und Portemonnaie zurückgelassen." (Urk. D1/7/1
S. 4). Daran hielt sie auch bei der Staatsanwaltschaft fest (Urk. D1/7/3 S. 14, S.
50 f.).
20.4. Die Beschuldigten anerkannten den Sachverhalt letztmals vor
Vor- resp. Berufungsinstanz, mit Ausnahme der Entnahme des Bargeldes (Prot. I
S. 44 ff., S. 105 ff., S. 144 ff., S. 183 ff., Urk. 210 S. 18 f., Urk. 211 S. 9).
20.5. Der Printscreen der Aufnahmen der Überwachungskamera M._
zeigt den Besuch der Beschuldigten A._ am 11. März 2019 in der Zeit
zwischen 00:43:03 Uhr und 00.43:16 Uhr sowie von den Beschuldigten D._
und B._ um 07:17:52 Uhr des gleichen Tages (Urk. D1/1/2). Dies wird
gestützt durch die dazugehörigen Kopien der Einkaufsbelege (Urk. D1/1/3-4).
Die Auswertung der Überwachungsaufnahmen der Bremgartner-Bahn vom
11. März 2019, 08.39 Uhr, zeigen sodann die Beschuldigten C._ und
B._ (Urk. D1/1/5 u. 6).
20.6. Das Mobiltelefon und Portemonnaie der Privatklägerin wurden in der
Tat von einem Lokführer im Fundbüro der SBB abgegeben. Als Fundzeit wurde
der 11. März 2019, 10:20 Uhr, angegeben. Der Vater der Privatklägerin erhielt
vom Bahnreisezentrum Bremgarten eine entsprechende Meldung zur Abholung
der Gegenstände (Urk. D1/1 S. 6).
20.7. Das Aussetzen der Privatklägerin an besagter Stelle und Zeit ist damit
klar erstellt, ebenso das Behändigen und spätere Zurücklassen von Portemonnaie
und Mobiltelefon in der Bahn. Da das Portemonnaie im Zug hinterlassen wurde,
ist betreffend Geldentnahme eine Dritttäterschaft nicht ganz auszuschliessen. Es
kann daher, da selbst die Privatklägerin nur Mutmassungen über die Entnahme
- 91 -
von Geld bei der Tankstelle anstellen konnte (Urk. D1/7/1 S. 4), die Geldentnah-
me nicht zweifelsfrei den Beschuldigten angelastet werden.
21. Sachverhalt in subjektiver Hinsicht
21.1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat den "inneren Sachverhalt" im Rahmen der rechtlichen
Würdigung abgehandelt (Urk. 151 S. 86 ff; Urk. 157/151 S. 86 ff.; Urk. 158/151
S. 78 ff.). Sie wies zur Begründung auf die bisweilen enge Verknüpfung von Tat-
und Rechtsfragen. Der Hinweis erfolgt zu Recht: Was der Täter wusste, wollte
und in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen und ist damit Tatfrage. Als
solche prüft sie denn auch das Bundesgericht nur unter dem Gesichtspunkt der
Willkür (Art. 9 BV; Art. 97 Abs. 1 BGG). Rechtsfrage ist hingegen, ob gestützt auf
die festgestellten Tatsachen bewusste Fahrlässigkeit, Eventualvorsatz oder
direkter Vorsatz gegeben ist (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 S. 4 mit Hinweisen). Da sich
der Sinngehalt des (Eventual-)Vorsatzes nur im Lichte der tatsächlichen
Umstände erschliessen lässt, besteht eine gewisse Überschneidung von Tat- und
Rechtsfragen. Das Bundesgericht kann daher in einem gewissen Ausmass die
richtige Bewertung dieser Umstände im Hinblick auf den Rechtsbegriff des
Eventualvorsatzes überprüfen, wenn auch mit einer gewissen Zurückhaltung (vgl.
BGer 6B_521/2020 Urteil vom 3. Dezember 2020, E. 2.3.2.). Soweit wie möglich
ist bereits an dieser Stelle zu prüfen, ob sich der Sachverhalt auch in subjektiver
Hinsicht erstellen lässt.
Dazu kann einerseits auf obige Erwägungen zur Sachverhaltsabklärung in
objektiver Hinsicht hingewiesen werden. Daraus ergeben sich auch relevante
Aspekte in subjektiver Hinsicht. Andererseits ist auf die Ausführungen der Vor-
instanz im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung zu vereisen (Urk. 151 S. 87 ff.;
Urk. 157/151 S. 87 ff.; Urk. 158/151 S. 80 ff.). Bereits daraus ergibt sich ein
deutliches Bild: Der Anklagevorwurf basiert primär auf den Aussagen der Privat-
klägerin. Diese werden durch die Beteiligten in unterschiedlichem Umfang und an
unterschiedlichen Stellen immer wieder bestätigt. Insbesondere die Beschuldigte
B._ hatte den Anklagevorwurf bereits in der Schlusseinvernahme pauschal
- 92 -
bestätigt, wovon sie auch vor Vorinstanz nicht wesentlich abgewichen ist (Prot. I
S. 157 ff.). Vor Berufungsinstanz anerkannte sie den Schuldpunkt (Urk. 211
S. 5 f.). Auch die Beschuldigte F._ hat zumindest für den Zeitraum, als sie
mit von der Partie war (d.h. ab dem Abholen der Privatklägerin um ca. 23:00 Uhr
des 10. März 2019 bis um ca. 01:00 Uhr des 11. März 2019) Aussagen gemacht,
die mit jenen der Privatklägerin weitgehend korrelieren (Urk. D1/2/3). Die
Chronologie der Ereignisse und die verschiedenen Standorte werden durch
objektive Beweismittel bestätigt (Kameraaufnahmen in der Nacht und am Morgen
im Tankstellenshop und in der Bahn, Kaufquittungen, Chat-Verläufe,
Fotoaufnahmen). Einzig die beschuldigten A._-Schwestern und die
Beschuldigte C._ bestreiten wesentliche Tatumstände. Die grösste
Abweichung liegt in den Aussagen der Beschuldigten A._, die – wie der
Vertreter der Privatklägerin zutreffend zusammenfasste – "hier vor Gericht
faktisch die Geschichte einer netten 'Girls Night' auftischen wollte, bei der man
sich mal kurz ausgesprochen hat und dann fix bei der Tanke vorbeigefahren ist
um Zigis und Energy-Drinks zu bunkern, um dann ein wenig vor dem Fernseher
zu chillen und Sexspielzeuge auszutesten" (Urk. 82 S. 6). Genau das Gegenteil
war der Fall. Von einer Freiwilligkeit des Mitmachens der Privatklägerin kann nicht
die Rede sein. Dass die Beschuldigten dies wussten und wollten, ergibt sich aus
den nachfolgenden Ausführungen zu den von der Staatsanwaltschaft
aufgeführten RZ betreffend den subjektiven Tatbestand.
21.2. Freiheitsberaubung und Entführung (insbesondere RZ 22, 23, 27)
Wie oben unter lit. E und F erstellt, diente das Treffen mit der Privatklägerin
einer Abrechnung. Die Beschuldigte C._ wollte sich für die Meldung der
Privatklägerin bei der KESB rächen. Sämtliche Beschuldigten waren über diesen
Hintergrund im Bilde, ebenso, dass die Beschuldigte F._ als Lockvogel mit-
wirkte. Dass die Privatklägerin geschlagen werden sollte, war auch schon bekannt
(What'sApp-chat: „E._ wird gshlage/Mir gänd jetzt det hereü“, versendet am
10. März 2019 um 22:33:15 Uhr; Urk. D1/1/13 S. 4). Die Privatklägerin wurde
gegen ihren klar bekundeten Widerstand, unter der wahrnehmbaren Angst und
unter Anwendung von körperlicher Gewalt und Drohungen ins Fahrzeug, in dem
- 93 -
sich mit ihr zunächst 6 Personen befanden, verfrachtet und weggefahren. Die
körperliche und psychische Gewalt setzte sich im Fahrzeug erstelltermassen fort.
Die Privatklägerin wurde im Auto ins Gesicht geschlagen (vgl. oben lit. G). Man
wollte sie zunächst in einem Wald aussetzen, beschloss dann aber, sie
mitzunehmen und von ihr Nacktaufnahmen zu machen (vgl. oben lit. I). Während
dieser Fahrt wurde die Privatklägerin auf diverse Weise erniedrigt, gequält und es
wurde ihr gedroht (vgl. oben lit. J). Auch während des mehrstündigen Aufenthalts
in der Wohnung der Beschuldigten C._ wurde die Privatklägerin –
abgesehen von den körperlichen Übergriffen – mannigfach immer wieder aufs
Neue erniedrigt, gedemütigt und körperlich traktiert (vgl. oben lit. N, Q, R, T). Eine
Freiwilligkeit des Mitgehens oder Mitmachens scheidet daher als widerlegt und
völlig lebensfremd aus – und wurde zuletzt an der Berufungsverhandlung von den
Beschuldigten C._ und B._ mehrheitlich auch verneint (Urk. 210
S. 10 ff., Urk. 211 S. 6 ff.). Der subjektive Tatbestand betreffend
Freiheitsberaubung und Entführung ist damit erstellt. Ob diese Umstände
ausreichen, um auch eine qualifizierte Freiheitsberaubung und Entführung zu
bejahen, ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen.
21.3. Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
und sexuelle Handlungen (insbesondere RZ 22, 26, 29)
Die Privatklägerin hat klar ausgesagt, dass sie mit den Aufnahmen nicht
einverstanden war (vgl. oben lit. L). Sie habe noch nie Aufnahmen gemacht.
Richtig ist, dass sie sich nach der Androhung von Nacktaufnahmen duschen und
im Intimbereich rasieren wollte. Die Gründe dafür hat sie dargelegt; sie muten
zwar ungewohnt an, können aber keinesfalls einer Freiwilligkeit gleichgesetzt
werden: Nach längerem Erniedrigen und Quälen ging es ihr in dieser Situation der
Unterlegenheit und Ausweglosigkeit offenbar darum, ein Stück Selbstachtung zu
erhalten, wenn sie dann schon in einer grösseren Öffentlichkeit blossgestellt
werden sollte. Die sichergestellten Bilder zeigen die Überlegenheit und Macht-
position der Beschuldigten einerseits. Die Beschuldigten agierten als Gruppe, in
grosser Überzahl und mit einem gemeinsam getragenen Racheplan. Soweit die
Privatklägerin darin andererseits lächelnd oder mit Kussmund zu sehen ist, hat sie
- 94 -
den Grund dafür angegeben – sie wurde entsprechend angewiesen. Zudem legte
sie plausibel dar, dass sie in ihrer ausweglosen Situation versuchte, ihre
Peinigerinnen – darunter ehemalige Freundinnen – auf ihre Seite zu bringen.
Dass sie nach dem Verfrachten ins Fahrzeug und den Erniedrigungen im Auto
kaum mehr Widerstand zu leisten wagte, erscheint naheliegend und wurde auch
seitens der Beschuldigten B._ und C._ bestätigt (Urk. 210 S. 15 f.,
Urk. 211 S. 6 f.). Die Beschuldigte C._ bestätigte an der
Berufungsverhandlung: "Es war kein Girls-Abend, sondern Erniedrigung." (Urk.
210 S. 16). Von einer Freiwilligkeit oder Einwilligung zu den Aufnahmen kann
daher ebenfalls keine Rede mehr sein. Dies hat umso mehr für die sexuellen
Handlungen zu gelten. Wie oben dargelegt (lit. M, N, O, P), bestätigten mit
Ausnahme von A._ alle Beschuldigten, mit verbalen Vorgaben beteiligt
gewesen zu sein. Die Beschuldigten mussten sich, nach all dem, was bereits auf
der Fahrt zur Wohnung inklusive Zwischenstopps passiert war, bewusst gewesen
sein, dass sich die Privatklägerin ausgeliefert fühlte und nur deswegen
mitgemacht hat und den Anweisungen gefolgt ist, weil sie Angst hatte und keinen
Ausweg sah. Der subjektive Tatbestand betreffend Verletzung des Geheim- und
Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und sexuelle Handlungen ist damit
ebenfalls erstellt.
21.4. Sachbeschädigung
Wie oben unter lit. N ausgeführt, hat die Privatklägerin der Behauptung von
A._ widersprochen, wonach sie "nicht so glücklich" mit den Haar-Extensions
gewesen sei. Sie hat klar gesagt, dass sie keinen Grund hatte, sich diese
entfernen zu lassen. Gegenteils hat sie geschildert, wie wichtig ihr die Haare
seien. Von einer Freiwilligkeit der Entfernung der Haare oder gar einem Wunsch
dazu kann auch hier – wie auch von der Beschuldigten B._ konzediert (Urk.
211 S. 8) – nicht gesprochen werden. Die Darstellung von A._ als freiwillige
Helferin bzw. Dienstleisterin ist nicht nur in Anbetracht der Umstände eine
zynische Schutzbehauptung, sondern auch durch das Resultat – eine mit einem
Messer zerstörte Frisur – widerlegt. Auch hier ist erstellt, dass die Handlungen
- 95 -
gegen den Willen der Privatklägerin erfolgten. Der subjektive Tatbestand ist damit
ebenfalls erstellt.
21.5. Sachentziehung
Die in objektiver Hinsicht erstellte Entwendung von Mobiltelefon und
Portemonnaie (vgl. lit. U) lässt sich ohne weiteres auch in subjektiver Hinsicht
erstellen. Den Beschuldigten musste es umständehalber klar sein, dass sie gegen
den Willen der Privatklägerin handelten.
22. Fazit
Im dargelegten Umfang ist der Sachverhalt erstellt. Auf die Aspekte der
Tatbestandsverwirklichung in subjektiver und objektiver Hinsicht ist im Rahmen
der rechtlichen Würdigung einzugehen.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Mittäterschaft
1. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten A._, B._,
C._ wie auch der nicht im Berufungsverfahren stehenden D._ – mit
Ausnahme eines Sachverhalts – mittäterschaftliches Handeln vor (Urk. 34; Urk.
81). Sie hätten den Tatentschluss für die Entführung gemeinsam gefasst, noch
bevor sie an den Arbeitsort der Privatklägerin aufgebrochen seien. Sie hätten sie
zur Rechenschaft, sie also bestrafen wollen, nämlich für die Diffamierung der
Beschuldigten C._ bei der KESB. Dies ergebe sich insbesondere aus der
Angabe der Beschuldigten A._ anlässlich der Konfrontationseinvernahme
vom 22. Mai 2019: Die Beschuldigte C._ habe diesen Plan bereits ein Jahr
zuvor das erste Mal geäussert. Dass dies der Plan gewesen sei, habe denn auch
die Beschuldigte D._ in derselben Vernehmung geäussert. Die Beschuldigte
B._ habe dem beigefügt, die Beschuldigten hätten am 10. März 2019 vor der
Tat besprochen, dass die Privatklägerin eigentlich alle Beschuldigten verleumdet
habe. Dass als Reaktion von Anfang an auch Gewalt in Betracht gezogen worden
sei, ergebe sich aus der Textnachricht der Beschuldigten B._ vom Tattag, ca.
- 96 -
18:30 Uhr: "E._ wird gshlage". Der Wortlaut erkläre den Plan. Die genaue
Tatausführung in den Stunden danach habe sodann auf einem stetig gemeinsam
fortentwickelten Plan beruht, welcher von den Beschuldigten ausdrücklich oder
konkludent gefasst worden sei. Es liege eine Mittäterschaft mit einem konkludent
und sukzessiv gefassten Tatentschluss vor. Wesentlich sei hier die
Austauschbarkeit der Rollen (Urk. 34; Urk. 81 S. 11 ff.; Prot. I S. 192 ff., S. 210
ff.).
2.1. Vor Vorinstanz bestritten die Beschuldigten eine Mittäterschaft. Die
Beschuldigte A._ liess im Wesentlichen ausführen, es sei einzig geplant ge-
wesen, dass die Beschuldigte C._ die Privatklägerin vor dem
H._Restaurant zur Rede stellen wolle wegen der Meldung bei der KESB. Ein
weiterer Plan habe nicht bestanden und der Ablauf des Abends habe sich ohne
gemeinsamen Plan oder Zusammenwirken abgespielt. Es seien Ad-hoc-
Entschlüsse der einzelnen Personen gewesen. Es könne von einem
gemeinsamen Entschluss, einer gemeinsamen Planung des Abends, einer
gemeinsamen Ausführung und einem sich gegenseitig zu Eigenmachen der
anderen Handlungen nicht die Rede sein (Urk. D1/86 S. 45). Auch die
Beschuldigte B._ bestritt einen gemeinsamen Tatentschluss. Sie machte
geltend, sie sei nur Mitläuferin gewesen und könne daher auch nur als Gehilfin
verurteilt werden. Es habe sich gezeigt, dass es sich vorliegend um einen
klassischen Exzess der Haupttäterin A._ gehandelt habe (Urk. 90 S. 4-6).
Der Verteidiger der Beschuldigten C._ ging davon aus, dass diese die
Handlung des Verfrachtens der Privatklägerin in das Auto bis zu deren
Freilassung in J._ in Mittäterschaft begangen habe. Die Exzesse der Be-
schuldigten A._ könnten der Beschuldigten C._ jedoch nicht angelastet
werden (Urk. 84 S. 41 ff.; Prot. I S. 196 ff.).
2.2. An der Berufungsverhandlung bestritt die Beschuldigte B._ den
Schuldpunkt und damit ihre Mittäterschaft nicht mehr. Die Beschuldigten A._
und C._ stellten abermals in Abrede, in Mittäterschaft gehandelt zu haben.
Die Beschuldigte A._ liess bestreiten, dass am 10. März 2019 ein
gemeinsamer Entschluss gefasst wurde, die Privatklägerin in ihre Gewalt zu
- 97 -
bringen. Zwischen ihr und den Mitbeschuldigten seien bezüglich der
Privatklägerin keinerlei Absprachen getroffen worden. Sie habe lediglich gewusst,
dass die Privatklägerin zur Rede gestellt werden solle und ansatzweise wieso.
Eine initiale Absprache der Beschuldigten, die Privatklägerin in ihre Gewalt zu
bringen, wäre nicht mit dem Vorhaben der Beschuldigten C._, deren Kind um
20 Uhr beim Vater abzuholen und nachhause zu fahren, verträglich gewesen
(Urk. 212 S. 6). Die Verteidigung der Beschuldigten C._ führt im
Wesentlichen an, es habe sich bei den Übergriffen um einzelne Exzesse
insbesondere der Beschuldigten A._ gehandelt, welche sachlogisch nicht
vom Willen der Beschuldigten C._ und vom ursprünglichen Plan, die
Privatklägerin zu bestrafen, gedeckt gewesen seien (Urk. 213 S. 12 ff.).
3. Die Vorinstanz hat die grundsätzlichen Aspekte der Mittäterschaft
ausführlich und korrekt dargelegt und diese vorliegend als gegeben erachtet
(Urk. 151 S. 88 ff.; Urk. 157/151 S. 87 ff.; Urk. 158/151 S. 80 ff.). Auf diese zu-
treffenden Ausführungen ist zu verweisen. Die nachfolgenden Erwägungen ver-
stehen sich als Zusammenfassung und teilweise Ergänzung.
4.1. Die Mittäterschaft ist gesetzlich nicht geregelt. Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts – so erst neulich bestätigt in BGer
6B_1437/2020 Urteil vom 22. September 2021 – ist Mittäter, wer bei der
Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Delikts vorsätzlich und in
massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, sodass er als
Hauptbeteiligter dasteht; dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den
Umständen des konkreten Falls und dem Tatplan für die Ausführung des Delikts
so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Das blosse Wollen der Tat, der
subjektive Wille allein genügt zur Begründung von Mittäterschaft nicht. Daraus
folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen Tatausführung
beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Tatbestandsmässige
Ausführungshandlungen sind keine notwendige Voraussetzung für die Annahme
von Mittäterschaft (BGE 143 IV 361 E. 4.10; 135 IV 152 E. 2.3.1; 120 IV 265 E.
2c/aa; BGer 6B_338/2020 vom 3. Februar 2021 E. 3.2.4; je mit Hinweisen).
- 98 -
4.2. Das mittäterschaftliche Zusammenwirken setzt einen gemeinsamen
Entschluss voraus, der jedoch nicht ausdrücklich bekundet werden muss; es
genügt, wenn er konkludent zum Ausdruck kommt. Dabei ist nicht erforderlich,
dass der Mittäter bei der Entschlussfassung mitwirkt, sondern es reicht aus, dass
er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht. Wenn die Rechtspre-
chung angenommen hat, Mittäterschaft könne auch darin liegen, dass einer der
Teilnehmer massgeblich bei der Entschliessung oder Planung des Deliktes mit-
gewirkt hat, so darf daraus nicht geschlossen werden, Mittäterschaft sei aus-
schliesslich möglich, wenn die Tat im Voraus geplant und aufgrund eines vorher
gefassten gemeinsamen Tatentschlusses ausgeführt wurde (vgl. BGE 130 IV 58
E. 9.2.1; 125 IV 134 E. 3a; 120 IV 265 E. 2c/aa; je mit Hinweisen). In Mittäter-
schaft begangene Tatbeiträge werden jedem Mittäter zugerechnet (BGE 143 IV
361 E. 4.10; Urteile 6B_338/2020 vom 3. Februar 2021 E. 3.2.4; 6B_371/2020
vom 10. September 2020 E. 2.3).
4.3. So kann denn eine sexuelle Nötigung in Mittäterschaft begangen wer-
den, auch wenn der Mittäter selbst keine sexuelle Handlung vornimmt. Wer sich
dem Entschluss des unmittelbaren Täters, das Opfer sexuell zu nötigen, vollum-
fänglich und in genauer Kenntnis der Sachlage anschliesst, und ihn unter ande-
rem durch sein Verhalten während der sexuellen Nötigung ermutigt, macht sich
dieser Delikte als Mittäter schuldig (vgl. BGer 6B_1437/2020 vom
22. September 2021 E. 1.2.2. mit Hinweisen).
5.1. Das hier zu Beginn vereinbarte allgemeine Ziel aller Beschuldigten war
es gemäss erstelltem Sachverhalt, die Privatklägerin abzustrafen für ihre Ge-
fährdungsmeldung bei der KESB betreffend die Beschuldigte C._ und deren
Kind. Dafür wurde sie abmachungsgemäss in eine Falle gelockt. Es bestand von
Anfang an der gemeinsam getragene Plan, dass die Privatklägerin geschlagen
werden sollte. Nach dem Verfrachten der Privatklägerin ins Auto waren die vier
angeklagten Beschuldigten – mit Ausnahme von Toilettengängen oder kurzem
Verlassen des Autos an der Tankstelle – immer zusammen mit der Privatklägerin,
zunächst auf engstem Raum im überfüllten Auto, hernach in der Wohnung von
C._. Bereits in der ersten Phase bis zur Wohnung leistete jede der
- 99 -
Beschuldigten einen Beitrag zur Umsetzung des ursprünglichen Plans. Sie hielten
die Privatklägerin mit dem Herauslocken, Packen, Verfrachten ins Auto,
Zurückhalten im Auto etc. unter ihrer Kontrolle, wie sich aus dem oben erstellten
Sachverhalt ergibt (vgl. auch Urk. 151 S. 90 ff.). Ein Entweichen war bereits beim
Abholen aufgrund der Überzahl der aufwartenden und aus dem Hinterhalt
auftauchenden Beschuldigten nicht möglich, wie selbst die Beschuldigten
teilweise konzedieren mussten.
5.2. Dieses Ziel der Abstrafung wurde im Laufe des Abends immer wieder
durch spontane, nicht geplante Aktionen eines Teils oder sämtlicher Mitbe-
schuldigter fortgesetzt und inhaltlich erweitert. Dass ursprünglich geplant
gewesen war, dass die Beschuldigte C._ ihren Sohn beim Vater abholen und
nachhause bringen würde, ändert nichts daran. Fakt ist, dass der Abend wie
erstellt verlief. Den Beschuldigten war dabei bewusst, dass ein Entwinden für die
Privatklägerin in Anbetracht der personellen Überzahl nicht möglich war. Die
Privatklägerin war ihnen gegenteils über Stunden ausgeliefert. Es kommt in dieser
Situation nicht darauf an, ob einzelne Beschuldigte sich tatsächlich an jeder
Tathandlung aktiv beteiligt haben, was erstelltermassen nicht der Fall war. Nur
schon die Anwesenheit von fünf anderen Personen im Auto und später von vier
Personen in der Wohnung, die sich als gemeinsam agierende und bezüglich
Bösartigkeit aufschaukelnde Gruppe verhielt, erzeugte eine massive
Drucksituation für die Privatklägerin. Jede der vier Beschuldigten trug dazu bei
und leistete damit einen wesentlichen Tatbeitrag. Das stellt auch eine konkludent
geäusserte Zustimmung zu allem dar, was die jeweils anderen Personen taten.
Ohne diesen Gruppenbeitrag und Gruppendruck der vier Beschuldigten – und zu
Beginn noch der Beschuldigten F._ – hätte die Privatklägerin nicht zu den
jeweiligen Handlungen veranlasst werden können, d.h. ohne dieses Agieren als
Tätergemeinschaft war es nicht denkbar, dass die Privatklägerin die Handlungen
einzelner Beschuldigter hingenommen hätte. Dies wusste und wollte jede der
Täterinnen bzw. sie nahmen es auf jeden Fall in Kauf. Es ist von einem
fortlaufend konkludent bekundeten und weiterentwickelten und gemeinsam
getragenen Tatentschluss, konkret einer immer weitergehenden
Bestrafungsaktion zum Nachteil der Privatklägerin auszugehen.
- 100 -
5.3. Es war daher schlussendlich egal, wer konkret der Beschuldigten die
Privatklägerin für welche auch immer gearteten erniedrigenden und sadistischen
Spiele missbrauchte. Die ursprüngliche Motivation und die konkreten Tatbeiträge
waren durchaus unterschiedlich. Jedes Gruppenmitglied konnte aber darauf
bauen, dass es in der Gruppe Unterstützung finden würde, sollte die
Privatklägerin sich wehren. Die Rollen der vier Beschuldigten waren damit
austauschbar und jede trug massgeblich dazu bei, dass die Taten verübt wurden
bzw. verübt werden konnten, indem sie diesen Druck und die Zwangssituation
über Stunden aufrechterhielten.
5.4. Jede der Mittäterinnen hatte es überdies in der Hand (bzw. hätte es in
der Hand gehabt), die Ereignisse zu stoppen. Zwar ist es richtig, dass die
Anklageschrift keine Begehung der Taten durch Unterlassung vorwirft, so die
Verteidigung der Beschuldigten B._ zutreffend (Prot. I S. 207). Aber es geht
hier darum, dass alle Beschuldigten die ganze Zeit über Tatherrschaft hatten und
diese bis zum Absetzen der Privatklägerin am frühen Morgen des 11. März 2019
auch nicht abgaben. Gegenteils zeigte sich im Verlauf der rund acht Stunden eine
Steigerung der Bösartigkeit der Beschuldigten, indem ihre Handlungen immer
fieser und massiver wurden und sie die Privatklägerin ständig noch grösserem
Spott und Hohn aussetzten und sie durch gröbste Verletzung des
Selbstbestimmungsrechts in körperlicher und sexueller Hinsicht verletzten und
erniedrigten. Zwar erwies sich nach erstelltem Sachverhalt allmählich die
Beschuldigte A._ als treibende Kraft, die von sich aus im Zusammenhang mit
dem Dildoeinführen bemerkenswerterweise sagte: "In dieser Nacht ist der Teufel
in mir aufgekommen" (Urk. D1/5/3 S. 17). Aber die Beschuldigten B._,
C._ und D._ waren während der gesamten Übergriffe an Ort und Stelle,
alle feuerten die Situation an und verfielen immer mehr in einen böswilligen
Erniedrigungsmodus, ohne dass sie dem Ganzen Einhalt geboten hätten. Sie
trugen mit ihrer Präsenz und personellen Übermacht zur Aufrechterhaltung der
Zwangssituation bei und ermutigten die jeweils handelnde Beschuldigte auch mit
Gelächter und Filmaufnahmen. Die Beschuldigten haben daher nicht nur bei der
initialen Beschlussfassung der Racheaktion, sondern auch im weiteren Verlauf bei
der Ausführung der Delikte vorsätzlich und in massgeblicher Weise mit den
- 101 -
anderen Beschuldigten zusammengewirkt, so dass jede als Hauptbeteiligte
dasteht. Von einem Exzess (geltend gemacht für die Beschuldigte A._), der
vom Vorsatz der anderen Beschuldigten nicht getragen worden wäre, kann in der
Gesamtbetrachtung nicht die Rede sein. Mit den von allen selbst ausgehenden
Beiträgen haben auch alle das Verhalten der anderen (und insbesondere von
A._) nicht etwa missbilligt, sondern vielmehr mitgetragen oder gar
angefeuert. Mittäterschaft ist damit zu bejahen.
2. Qualifizierte Freiheitsberaubung und Entführung
2.1. Die Staatsanwaltschaft hält dafür, dass sich die Beschuldigten der
schweren Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 184
Abs. 3 StGB schuldig gemacht haben (Urk. 34). Die Beschuldigten hätten ge-
meinsam das Opfer in ihre Gewalt bringen, verschleppen und ihr eine Lektion
erteilen wollen. Die Entführung sei damit Mittel zu anderen, anfänglich schon
angedachten und dann spontan entschlossenen Taten gewesen. Diese
Entführung konsumiere nun die dazu notwendigen Nötigungen und Drohungen
(Art. 180 f. StGB). Die sich aber aus der Entführung heraus ergebenden Taten
würden in echte Konkurrenz treten, sofern nicht ein qualifizierter Tatbestand
gegeben sei. In der grausamen Behandlung des Opfers sei ein solcher schwerer
Fall zu sehen. Es sei von Subsidiarität der Tatbestände der Tätlichkeiten,
Körperverletzung, Drohung, Nötigung und Beschimpfung auszugehen. Diese
träten nur in Konkurrenz zum Grundtatbestand der Entführung, würden aber hier
in der Qualifikation des Entführungstatbestands aufgehen. Bei anderen Delikten
gegen Leib und Leben sowie Sexualdelikten (Art. 187 ff. StGB) sei echte
Konkurrenz anzunehmen (Urk. 81 S. 13 ff.).
2.2. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten der Beschuldigten als
Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 und 2 StGB,
verneinte mithin eine grausame Behandlung der Privatklägerin im Sinne von
Art. 184 Abs. 1 und 3 StGB (Urk. 151 S. 98 ff.; Urk. 157/151 S. 96 ff.;
Urk. 158/151 S. 88 ff.). Sie wies darauf hin, dass in der Anklageschrift weitere
Übergriffe tatbeständlich aufgeführt seien. Rechtlich seien sie infolge der
Qualifikation der Entführung als einfache anstelle einer schweren Entführung nicht
- 102 -
mehr durch die Anklage gedeckt. Die Anklage hätte daher im Sinne von Art. 344
StPO zur Ergänzung zurückgewiesen werden müssen. Auf eine Rückweisung sei
indessen verzichtet worden, da die entsprechenden Tatbestände (Drohung,
Nötigung, [versuchte] Körperverletzung, Beschimpfung und Tätlichkeit) im
Vergleich zu den übrigen angeklagten Tatbeständen eine ungeordnete Rolle
gespielt und sich nur unerheblich auf das Strafmass ausgewirkt hätten (Urk. 151
S. 101). Der Beurteilung der Vorinstanz kann aus den nachfolgenden Gründen
nicht beigepflichtet werden.
2.3. Nach Art. 183 Ziff. 1 StGB wird bestraft, wer jemanden unrechtmässig
festnimmt oder gefangen hält oder jemandem in anderer Weise unrechtmässig
die Freiheit entzieht (Freiheitsberaubung; Abs. 1), oder wer jemanden durch
Gewalt, List oder Drohung entführt (Entführung; Abs. 2). Geschütztes Rechtsgut
ist die körperliche Fortbewegungsfreiheit (BGE 141 IV 10 E. 4.3). Bei der
Freiheitsberaubung wird das Opfer unrechtmässig festgesetzt. Es wird ihm die
Möglichkeit entzogen, sich selbständig vom Ort, an dem er sich befindet, an einen
anderen Ort zu begeben. Die Freiheitsberaubung kann durch unrechtmässige
Festnahme, Gefangenhalten oder unrechtmässige Freiheitsentziehung auf andere
Weise geschehen. Als Tatmittel ist insbesondere auch psychischer Druck, wie
beispielsweise eine Drohung, denkbar. Die völlige Aufhebung der
Bewegungsfreiheit ist nicht Tatbestandsvoraussetzung. Dem Opfer muss die
Überwindung der Freiheitsbeschränkung nicht gänzlich unmöglich sein. Es
genügt, wenn dies unverhältnismässig gefährlich oder schwierig ist (Urteil des
Bundesgerichts 6B_918/2014 vom 2. April 2015 E. 2.2.1 mit Hinweisen). Bei der
Entführung wird das Opfer von einem Ort an einen anderen verbracht. Als Folge
des Verbringens an einen anderen Ort ergibt sich eine Machtposition des Täters
über sein Opfer. Erforderlich ist zudem, dass die Ortsveränderung für eine
gewisse Dauer vorgesehen und das Opfer in seiner persönlichen Freiheit
tatsächlich beschränkt ist, es insbesondere nicht die Möglichkeit hat, unabhängig
vom Willen des Täters an seinen gewohnten Aufenthaltsort zurückzukehren (BGE
141 IV 10 E. 4.5.2). Als Tatmittel kommen Gewalt, List oder Drohung in Frage. In
subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (BSK
Strafrecht-Delnon/Rüdy, N 56 f. zu Art. 183).
- 103 -
2.4. Gemäss Art. 184 Abs. 1 und 3 StGB werden Freiheitsberaubung und
Entführung nicht unter einem Jahr bestraft, wenn der Täter das Opfer grausam
behandelt. Die grausame Behandlung nach Art. 184 Abs. 3 StGB setzt das
Zufügen besonderer Leiden, d.h. anderer oder mehr Leiden voraus, als
diejenigen, welche die betreffende Person allein schon deswegen erduldet, weil
sie ihrer Bewegungsfreiheit beraubt ist und keinen Kontakt zu weiteren Personen
mehr unterhalten kann (vgl. BGE 119 IV 49 E. 3d, 224 E. 3). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt Grausamkeit im Sinne von Art. 184
Abs. 3 StGB vor, wenn der Täter dem Opfer aus gefühlloser, unbarmherziger
Gesinnung besonders schwere Leiden aufgrund der Stärke, der Dauer oder der
Wiederholung zufügt. So ist eine zwecklose Bosheit, die zur Verwirklichung des
Plans des Täters ganz unnötig war und nur mit einem sadistischen Vergnügen
oder doch mindestens der ausdrücklichen Absicht, Schmerz zuzufügen, erklärt
werden kann, als grausam zu bezeichnen (BGE 106 IV 363 E. 4d; vgl. auch BGE
119 IV 49 E. 3d). Das Qualifikationsmerkmal der Grausamkeit muss sich
unmittelbar auf die Umstände der Tatbegehung beziehen, d.h. die
Freiheitsberaubung selber muss in besonderem Masse belastend, unerträglich
oder quälerisch ausgestaltet sein. Dass die dem Opfer zugefügten Leiden
Tatbestandselemente einer anderen strafbaren Handlung erfüllen, ist für die
Annahme von Grausamkeit nicht notwendig. Umgekehrt ist eine
Freiheitsberaubung nicht automatisch als grausam zu qualifizieren, wenn dabei
weitere schwere Gewaltdelikte begangen werden, ansonsten es unter dem
Gesichtspunkt der Konkurrenz fragwürdig wäre, qualifizierte Freiheitsberaubung
und beispielsweise schwere Körperverletzung oder Vergewaltigung zugleich
anzuwenden (BGer 6B_602/2008 vom 19. November 2008 E. 1.1. mit Hinweisen).
2.5. Wie sich aus oben erstelltem Sachverhalt in objektiver und subjektiver
Hinsicht ergibt, setzte sich die Privatklägerin weder freiwillig ins Auto der Be-
schuldigten, noch blieb sie freiwillig bei den Beschuldigten, als diese beschlossen,
in die Wohnung der Beschuldigten C._ zu gehen. Der mehrstündige
Aufenthalt in der Wohnung erfolgte ebenfalls nicht aus freien Stücken. Vielmehr
getraute sich die Privatklägerin nach den vorgängigen psychischen und
physischen Misshandlungen durch den Gruppenverband der Beschuldigten nicht
- 104 -
mehr, die Wohnung zu verlassen. Dieser Entzug der Selbstbestimmung des
Aufenthalts und der Fortbewegung dauerte bis zum Aussetzen der Privatklägerin
am Morgen des 11. März 2019. Freiheitsberaubung und Entführung weisen mit
den längeren Autofahrten und dem stundenlangen Aufenthalt in der Wohnung die
geforderte Erheblichkeit auf. Die Tatbestände der Freiheitsberaubung im Sinne
von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1
Abs. 2 StGB sind damit grundsätzlich erfüllt. Eine echte Konkurrenz zwischen
Freiheitsberaubung und Entführung ist allerdings nicht möglich, weil die beiden
Tatformen in einer einzigen Strafbestimmung zusammengefasst worden sind
(BSK StGB-Delnon/Rüdy, Art. 183 N 73). Entführung konsumiert
Freiheitsberaubung (PK StGB-Trechsel/Mona, Art. 183 N 13). Es ist daher im
Sinne der Staatsanwaltschaft jedenfalls der Grundtatbestand im Sinne von Art.
183 Ziff. 1 Abs. 2 StGB erfüllt und nachfolgend zu prüfen, ob auch erschwerende
Umstände im Sinne von Art. 184 StGB zu bejahen sind.
2.6. Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die grausame
Freiheitsberaubung nicht automatisch dadurch qualifiziert wird, dass in deren
Verlauf weitere Delikte begangen werden (Urk. 151 S. 97 mit Verweisen). Dies
bedeutet hier denn auch, dass die separat zu prüfenden und sanktionierenden
Verhaltensweisen nicht doppelt verwertet werden können. Es sind daher
diejenigen Umstände im Rahmen der Freiheitsberaubung und Entführung zu
prüfen, die nicht eigenständig angeklagt, sondern als Aspekte des qualifizierten
Tatbestands geltend gemacht werden.
2.7. Die Privatklägerin wurde um ca. 23:00 Uhr des 10. März 2019 an ihrem
Arbeitsort in eine Falle gelockt. Für das geplante Treffen wurde zunächst ihr Ver-
trauen in die Freundschaft mit B._ missbraucht. Dann wurde sie mit Drohun-
gen, Beschimpfungen und körperlichen Übergriffen gegen ihren klar bekundeten
Willen in das Auto verfrachtet, in welchem sie zu sechst während rund zwei Stun-
den bis zum Aussteigen der vormaligen Beschuldigten F._ um 01:00 Uhr auf
engstem Raum unter ständigen Beleidigungen und mit Androhung weiteren Übels
aushalten musste. Zweimal wurde ein Wald aufgesucht. Bereits diese erste Pha-
se im Auto führte für die Privatklägerin aufgrund der Übermacht und der gezeigten
- 105 -
Bösartigkeit der im Gruppenverbund auftretenden Beschuldigten zu einer schier
ausweglosen Situation.
Die zweite Phase zeichnete sich durch eine Zunahme von Erniedrigungen
aus. Insbesondere in der Wohnung der Beschuldigten C._ wurde der Privat-
klägerin über Stunden in sehr herabsetzender und immer quälender Art unnötiges
Leid angetan und wurde sie für abartige Handlungen missbraucht. Unnötig war
das Verhalten insbesondere, weil sich die Privatklägerin für ihre
Gefährdungsmeldung bei der KESB bereits zu Beginn des Abends entschuldigt
hatte und damit das ursprünglich geplante Vorhaben, dass die Privatklägerin hätte
zur Rede gestellt werden sollen, erfüllt war. Dies reichte den Beschuldigten
offenbar nicht, indem sie die Privatklägerin über mehrere Stunden grösster
Demütigung aussetzten und sie zur Projektionsfläche sadistischer Ideen und zur
reinen Unterhaltung missbrauchten (wie beispielswiese durch Tritt in den Rücken,
Schlagen, Ohrenfeigen und Haareziehen, Drohung zum Verschleppen nach
Italien zur Ausübung der Prostitution, Befehl zum Massieren und Küssen der
Füsse, Befehl zum Essen von gläsernen Dekorationssteinchen,
Besprechung/Androhung von Kotschlucken).
Ebenso bösartig und schmachvoll war es schliesslich, dass die Beschuldig-
ten die Privatklägerin am Morgen des 11. März 2019 um 07:35 Uhr nach Weg-
nahme von Mobiltelefon und Handtasche auf einem Parkplatz aussetzten.
In der Gesamtbetrachtung wurde der Privatklägerin in diesen rund acht
Stunden grosses und unnötiges Leid angetan. Die lange Zeit in der Gewalt der
Beschuldigten mit wiederholenden quälerischen Übergriffen war für die Privat-
klägerin in besonderem Masse belastend und unerträglich, was das Handeln der
Beschuldigten als grausam im Sinne von Art. 184 StGB qualifiziert. Da die
Freiheitsberaubung wie gesagt durch die Entführung konsumiert wird, sind die
Beschuldigten im Sinne von Art.183 Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 184 Abs. 1 und 3
StGB schuldig zu sprechen.
3. Mehrfache, gemeinsam begangene sexuelle Nötigung
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3.1. In Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft hat die Vorinstanz das
Vorliegen von mehrfacher sexueller Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB
i.V.m. Art. 200 StGB bejaht. Sie hat die Voraussetzungen in rechtlicher Hinsicht
ausführlich und korrekt dargetan, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen
vorab darauf zu verweisen ist (Urk. 151 S. 101 ff.; Urk. 157/151 S. 101 ff.;
Urk. 158/151 S. 94 ff.). Die nachfolgenden Erwägungen verstehen sich als Ergän-
zung unter Einbezug der Einwendungen der Verteidigungen.
3.2. Die Staatsanwaltschaft erblickte in den Handlungen gemäss RZ 10, 12,
und 13 der Anklageschrift eine sexuelle Nötigung (Urk. 34 und Urk. 81 S. 17).
Noch vor Vorinstanz führte die Verteidigerin der Beschuldigten B._ an, es
fehle bezüglich sexueller Nötigung in der Anklageschrift in subjektiver Hinsicht an
der Voraussetzung, dass die Privatklägerin die Handlungen abgelehnt habe. Zwar
werde dann der Vorsatz bezüglich der nötigenden Mittel durchaus umschrieben.
Wenn aber die Privatklägerin möglicherweise auch einverstanden gewesen sei
mit den autoerotischen Handlungen etc., sei kein strafbares Verhalten angeklagt
(Urk. 90 S. 20 und 27). Die Verteidigung der Beschuldigten A._ rügte wie
oben erwähnt, dass die nötigenden Mittel unter den RZ 10, 12 und13 nicht näher
bzw. unvollständig umschrieben seien und insbesondere ein "Unter-psychischen-
Druck-Setzen" nicht vorliege. Der Anklageschrift und dem vorinstanzlichen Urteil
sei diesbezüglich nicht zu entnehmen, inwiefern Selbstschutz und Widerstand der
Privatklägerin in der konkreten Situation nicht möglich gewesen sein sollten.
Mangels eines tatbestandsmässigen Nötigungsmittels liege keine strafbare
Handlung vor und es habe ein Freispruch zu erfolgen – wenn die
Strafuntersuchung nicht ohnehin wegen fehlender Prozessvoraussetzung
einzustellen sei (Urk. 212 S. 50-57). Die Verteidigung der Beschuldigten C._
macht geltend, dass Übergriffe zu Lasten der Privatklägerin mangels
entsprechender Umschreibung in der Anklageschrift nicht Gegenstand der
Sachverhaltserstellung sein könnten und somit dadurch auch keine
Zwangssituation habe geschaffen werden können, in welcher die Privatklägerin
an sich selbst habe sexuelle Handlungen vornehmen müssen (Urk. 213 S. 16 ff.).
- 107 -
3.3. Wie unter dem Anklageprinzip abgehandelt, ist die Anklageschrift als
Ganzes zu lesen. Das Auseinanderreisen des Sachverhalts in objektiver und
subjektiver Hinsicht erweist sich – wie unter prozessualen Aspekten abgehandelt
– als unüblich und umständlich. Es liegt aber ein hinreichender Konnex vor. In-
haltlich ist die Anklage unter Einbezug der RZ 10, 12-13, 21-23 und 29 so zu ver-
stehen, dass die Beschuldigten wussten, dass die Privatklägerin diese ablehnte
oder – in der Annahme der Ablehnung dieser autoerotischen, aktiven und passi-
ven sexuellen Handlungen – diese in Kauf nahmen.
3.4. Gemäss erstelltem Sachverhalt hatte sich die Privatklägerin vor allen
Beschuldigten nackt zu präsentieren, einen vorgegebenen und sie selbst
erniedrigenden Text vorzusprechen und sich dabei selbst an die eigenen
Geschlechtsteile zu fassen. Die Handlungen wurden gefilmt. Hernach musste sie
vor den Augen der Beschuldigten nackt einen "Lesben-Porno" nachspielen und
sich dabei mit einem Dildo befriedigen bzw. diesen in ihre Vagina einführen.
Schliesslich musste sich die Privatklägerin auf einen Stuhl setzen und einen Dildo
einführen bzw. den Dildo mehrfach unter Schmerzen von der Beschuldigten
A._ anal einführen lassen und den ungereinigten und mit Mayonnaise
bestrichenen Dildo ablecken und sich hernach erneut selbst in ihre Vagina
einführen. Unzweifelhaft handelt es sich bei sämtlichen unter diesem Abschnitt
aufgeführten Handlungen um durch die Privatklägerin ausgeführte körperliche
Betätigungen am eigenen Körper oder körperliche Betätigungen der
Beschuldigten A._ am Körper der Privatklägerin, welche der Erregung oder
Befriedigung geschlechtlicher Lust dienten. Sämtliche Handlungen weisen
äusserlich einen eindeutigen Sexualbezug auf.
3.5. Gewalt im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (wie auch nach Art. 190
Abs. 1 StGB) ist nach der Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter ein
grösseres Mass an körperlicher Kraft aufwendet, als zum blossen Vollzug des
Akts notwendig ist bzw. wenn sich der Täter mit körperlicher Kraftentfaltung über
die Gegenwehr des Opfers hinwegsetzt. Eine körperliche Misshandlung, rohe
Gewalt oder Brutalität etwa in Form von Schlägen und Würgen ist indes nicht
erforderlich. Die von der Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des Opfers
- 108 -
meint eine tatkräftige und manifeste Willensbezeugung, mit welcher dem Täter
unmissverständlich klargemacht wird, mit sexuellen Handlungen nicht
einverstanden zu sein (Urteile 6B_479/2020 vom 19. Januar 2021 E. 4.3.3;
6B_1149/2014 vom 16. Juli 2015 E. 5.1.3 mit Hinweisen). Der Tatbestand der
sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung ist auch erfüllt, wenn das Opfer unter
dem Druck des ausgeübten Zwangs zum Voraus auf Widerstand verzichtet oder
ihn nach anfänglicher Abwehr aufgibt (BGE 126 IV 124 E. 3c S. 130; 118 IV 52
E. 2b S. 54 mit Hinweisen; Urteile 6B_479/2020 vom 19. Januar 2021 E. 4.3.3;
6B_1260/2019 vom 12. November 2020 E. 2.2.2; 6B_145/2019 vom
28. August 2019 E. 3.2.3; 6B_95/2015 vom 25. Januar 2016 E. 5.1;
6B_1149/2014 vom 16. Juli 2015 E. 5.1.3). Die Tatbestandsvariante des Unter-
Druck-Setzens stellt klar, dass sich die Ausweglosigkeit der Situation auch
ergeben kann, ohne dass der Täter eigentliche Gewalt anwendet. Es kann
vielmehr genügen, dass dem Opfer eine Widersetzung unter den gegebenen
Umständen aus anderen Gründen nicht zuzumuten ist. Durch Art. 189 f. StGB
geschützt werden soll auch das Opfer, das durch Überraschungseffekt,
Erschrecken, Verblüffung oder aufgrund einer ausweglosen Lage keinen
Widerstand leistet. Eine Situation kann für das Opfer bereits aufgrund der
sozialen und körperlichen Dominanz des Täters aussichtslos im Sinne der
genannten Tatbestände sein. Diese Dominanz muss nicht notwendigerweise mit
der Furcht des Opfers vor körperlicher Gewalt verknüpft sein (BGE 128 IV 106
E. 3a/bb S. 110 f.; Urteil 6B_479/2020 vom 19. Januar 2021 E. 4.3.4). Der
psychische Druck, welchen der Täter durch die Schaffung einer Zwangslage
erzeugen muss, hat indes von besonderer Intensität zu sein (vgl. hierzu BGer
6B_1444/2020 Urteil vom 10. März 2021, E. 2.3.2.).
3.7. Vorliegend war zwar körperliche Gewalt im Zusammenhang mit dem
analen Einführen des Dildo durch die Beschuldigte A._ ein Thema,
verursachte dieser Vorgang der Privatklägerin doch grosse Schmerzen. Im
Vordergrund steht aber die Tatbestandsvariante des "Unter-psychischen-Druck-
Setzens". Die sexuellen Handlungen erfolgten wie dargelegt gegen den Willen der
Privatklägerin. Wenn man sich ihre Schilderungen vergegenwärtigt, dass sie
geweint hat, als man ihr bereits bei der Fahrt zur Wohnung sagte, dass man sie
- 109 -
nackt filmen wolle, dass sie bei den Aktionen mit dem Dildo weinte und sagte, sie
sollen aufhören, sie mache alles andere, dann war das eine klare
Willensbezeugung, die jedem unmissverständlich zeigte, dass die Privatklägerin
hier nicht aus freien Stücken handelte. Diese Übergriffe stellten die Fortsetzung
vorheriger erniedrigender Handlungen dar. In der Wohnung der Beschuldigten
C._ musste sie den Anweisungen der vier Beschuldigten folgen und diverse
Handlungen, und dann insbesondere die hier genannten sexuellen, vornehmen.
Die Privatklägerin war den Beschuldigen zahlenmässig völlig unterlegen. Die
vorhergehenden körperlichen Misshandlungen, die örtlichen und räumlichen
Verhältnisse, in der keine Hilfe von Dritten zu erwarten war, und die massive
körperliche Dominanz der Beschuldigten gegenüber der zierlichen Privatklägerin
machte es für sie vollkommen aussichtslos, irgendeinen Widerstand zu leisten.
Nur aufgrund dieser Umstände befolgte die Privatklägerin die Anweisungen, die
ihr vonseiten der Beschuldigten gegeben wurden. Damit ist der notwendige
Kausalzusammenhang zwischen dem eingesetzten Nötigungsmittel und den
sexuellen Handlungen gegeben. Der Tatbestand von Art. 189 Abs. 1 StGB ist
durch die verschiedenen Einzelhandlungen, die auf einem immer wieder neuen
Tatentschluss beruhten, mehrfach erfüllt. Das erstellte gemeinschaftliche Handeln
der vier Beschuldigten führt zur Anwendung von Art. 200 StGB.
3.8. Die sexuelle Nötigung steht zur Freiheitsberaubung und Entführung in
echter Konkurrenz, da der andauernde Freiheitsentzug der Privatklägerin der
Verübung der sexuellen Handlungen an der Privatklägerin diente. Die Beschuldig-
ten sind daher der mehrfachen, gemeinsam begangenen sexuellen Nötigung im
Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 200 StGB schuldig zu sprechen.
4. Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
4.1. Die Vorinstanz sprach die Beschuldigten im Sinne der Anklage der
mehrfachen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB schuldig. Auf die zutreffend dargelegten
rechtlichen Grundlagen ist zu verweisen (Urk. 151 S. 106 ff.; Urk. 157/151 S.
106 ff.; Urk. 158/151 S. 98 ff.).
- 110 -
4.2. Auch hier monierte die Verteidigerin von B._, dass in der Anklage-
schrift festgehalten werde, die Beschuldigten hätten gewusst, dass die Aufnah-
men zumindest möglicherweise ohne Einwilligung der Privatklägerin erfolgt seien.
Auch diese Formulierung lasse die Möglichkeit offen, dass die Aufnahmen im Ein-
verständnis der Privatklägerin erfolgt seien. In objektiver Hinsicht habe es der
Staatsanwalt unterlassen, die fehlende Einwilligung der Privatklägerin zu behaup-
ten. Eine Verurteilung sei deswegen unzulässig (Urk. 90 S. 24).
In Bezug auf die Frage, ob der subjektive Tatbestand als gegeben zu erach-
ten ist, kann hier auf die obigen Erwägungen zur sexuellen Nötigung verwiesen werden. Die Anklageschrift ist unglücklich formuliert, aber als Ganzes zu lesen
(RZ 10, 22, 23 und 26) und der Teilsatz, "dass sie möglicherweise ohne Einwilli-
gung der Geschädigten wiederholt mit einem Aufnahmegerät..." auf den dort
ebenfalls umschriebenen Eventualvorsatz zu beziehen.
4.3. Zum Geheimbereich im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB gehört
alles, was der höchstpersönlichen Sphäre angehört und was der Betroffene in der
Regel niemandem oder allenfalls ganz vertrauten Menschen zugänglich macht.
Geschützt sind das Eigenleben betreffende Tatsachen aus dem Privatbereich im
engeren Sinne, die faktisch also nicht jedermann ohne weiteres zugänglich sind.
Wichtig für die Abgrenzung der Privatsphäre im engeren Sinne von anderen
Bereichen ist, ob ohne weiteres, d.h. ohne körperliche oder rechtlich-moralische
Hindernisse durchbrechen zu müssen, von den betreffenden Lebensvorgängen
Kenntnis genommen werden kann. Zur Privatsphäre im engeren Sinne gehört
danach der gemäss dem Tatbestand des Hausfriedensbruchs in Art. 186 StGB
geschützte private Bereich, also ein Haus, eine Wohnung, ein abgeschlossener
Raum eines Hauses oder ein unmittelbar zu einem Haus gehörender umfriedeter
Platz, Hof oder Garten. Auch Gäste können sich auf den Schutz nicht öffentlich
zugänglicher Räume berufen (vgl. BGer 6B_569/2018 Urteil vom 20. März 2019,
E. 3.4.).
4.4. Gemäss erstelltem Sachverhalt wurde die Privatklägerin nackt beim
Duschen gefilmt. Es ist ebenfalls erstellt, dass die Privatklägerin gefilmt wurde, als
sie sich danach nackt vorstellen, sich berühren und sich mit den Fingern sexuell
- 111 -
befriedigen musste. Dabei handelt es sich um Aufnahmen aus der höchst-
persönlichen Sphäre. Sie erfolgten erstelltermassen gegen den Willen der Privat-
klägerin. Auch hier ist in Erinnerung zu rufen, dass diese Bildaufnahmen durch die
massiv aufgebaute Drucksituation der vier Beschuldigten, denen sich die Privat-
klägerin allein gegenüber und damit ausgeliefert sah und sich ihnen nicht
entziehen konnte, zustande kamen. Damit ist der Tatbestand von Art. 179quater
Abs. 1 StGB mehrfach erfüllt. Der Straftatbestand steht in echter Konkurrenz zur
Freiheitsberaubung und Entführung sowie zur sexuellen Nötigung. Die
Beschuldigten sind daher der mehrfachen Verletzung des Geheim- oder
Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
5. Sachentziehung
5.1. Bezüglich Raub erging ein unangefochtener Freispruch. Das Verhalten
wurde von der Vorinstanz als Sachentziehung gewürdigt. Die Wegnahme des
Bargeld-Betrags von ca. Fr. 350.00 konnte nicht erstellt werden. Mit Bezug auf
das Mobiltelefon sprach die Vorinstanz die Beschuldigten der Sachentziehung
schuldig (Urk. 151 S. 108 ff.; Urk. 157/151 S. 108 ff.; Urk. 158/151 S. 101 ff.).
5.2. Gemäss erstelltem Sachverhalt, wurde der Privatklägerin das
Portemonnaie auf der Fahrt in den Wald bei der K._ oder im Wald von den
Beschuldigten weggenommen. Das Mobiltelefon wurde ihr ebenfalls
abgenommen und in der Folge mehrere Male durch die Beschuldigten benutzt,
u.a. um Einsicht in ihre Kontakte zu erhalten. Letztendlich deponierten die
Beschuldigten C._ und B._ das Portemonnaie und das Mobiltelefon
nach dem Aussetzen der Privatklägerin im Zugsabteil auf der Fahrt nach Brugg,
wo die Gegenstände durch Drittpersonen aufgefunden und letztlich wieder der
Privatklägerin zurückgegeben werden konnten (vgl. Urk. D1/1/1 S. 6-7). Durch die
gewollte Deponierung der Gegenstände im Zugsabteil fehlte es den
Beschuldigten an einer Aneignungsabsicht betreffend diese Gegenstände. Der
Privatklägerin entstand durch den zeitweisen Entzug des Portemonnaies und des
Mobiltelefons aber ein erheblicher Nachteil. So konnte die Privatklägerin nach
ihrer Freilassung nicht umgehend die Polizei telefonisch über den Vorfall
- 112 -
informieren oder sich eine Fahrt organisieren. Über dieses Vorgehen der
Wegnahme und des Deponierens dieser Gegenstände waren alle Beschuldigten
im Bild, sie trugen daher auch diesen Tatentschluss mit (vgl. Prot. I. S. 45 f.,
S. 106 f., S. 145 f., S. 184 f.). Sie sind daher der Sachentziehung im Sinne von
Art. 141 StGB schuldig zu sprechen.
6. Sachbeschädigung
6.1. Die Vorinstanz sprach die Beschuldigten im Sinne der Anklageschrift
der Sachbeschädigung schuldig (Urk. 151 S. 113 ff.; Urk. 157/151 S. 111 ff.;
Urk. 158/151 S. 104 ff.). Es kann darauf und auf die rechtliche Grundlage verwie-
sen werden. Das Wichtigste sei hier kurz wiederholt und ergänzt.
6.2. Gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB wird unter anderem auf Antrag bestraft,
wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentumsrecht besteht, beschädigt, zerstört
oder unbrauchbar macht. Fremd ist die Sache, wenn sie nach den Regeln des
Zivilrechts im Eigentum einer anderen Person steht. Als Sache gilt ein
körperlicher Gegenstand, welcher eine feste, flüssiger oder gasförmige Form hat.
Nicht fest mit dem Körper verbundene Ersatzmittel wie Perücken, Prothesen etc.
haben durchaus auch Sachqualität (BSK StGB-Niggli/Riedo, N 40 zu Vor
Art. 137). Als Beschädigung im Sinne von Art. 144 StGB gilt auch, wenn die
Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes in zeitlicher, arbeitsmässiger
und finanzieller Hinsicht einen nicht unerheblichen Aufwand verursacht (BSK
StGB-Weissenberger, N 22 und N 41 zu Art. 144 StGB).
6.3 Die Haarverlängerungen waren mit Klebestreifen am eigenen Haar der
Privatklägerin befestigt (Urk. D1/7/3). Diese sogenannten "Extensions" werden
durch ihre Klebe-Befestigung nicht Teil des menschlichen Körpers. Durch das
Auftrennen der Klebestreifen können sie allerdings nicht mehr befestigt werden,
was sie unbrauchbar macht und unter diesem Aspekt eine Sachbeschädigung
darstellt. Eine Einwilligung der Privatklägerin lag erstelltermassen nicht vor. Das
wussten die Beschuldigten. Da die objektiven und subjektiven Tatbestands-
merkmale somit erfüllt sind und die Beschuldigten rechtswidrig und schuldhaft
- 113 -
handelten, sind sie der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
7. Fazit
Da weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vorliegen, sind
die Beschuldigten schuldig zu sprechen
− der schweren Entführung im Sinne von Art.183 Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m.
Art. 184 Abs. 1 und 3 StGB,
− der mehrfachen, gemeinsam begangenen sexuellen Nötigung im Sinne
von Art. 189 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 200 StGB,
− der mehrfachen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch
Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB,
− der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB sowie
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB.
V. Sanktion
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz sprach für die Beschuldigte A._ eine Freiheitsstrafe
von 44 Monaten aus, unter Anrechnung von 214 Tagen erstandener Haft und
Ersatzmassnahmen (Urk. 151 S. 149). Die Beschuldigte B._ belegte sie mit
einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wovon 101 Tage als durch Haft und Ersatz-
massnahme angerechnet wurden (Urk. 157/151 S. 143). Die Beschuldigte
C._ wurde schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten verurteilt,
unter Anrechnung von 95 Tagen Haft und Ersatzmassnahmen (Urk. 158/151 S.
138).
1.2. Wie bereits vor Vorinstanz beantragt die Staatsanwaltschaft auch im
Rahmen der Anschlussberufung Freiheitsstrafen für die Beschuldigte A._ in
der Höhe von 56 Monaten, für die Beschuldigte B._ in der Höhe von 33
- 114 -
Monaten und für die Beschuldigte C._ in der Höhe von 49 Monaten (Urk. 221
S. 2 f.).
1.3. Im Berufungsverfahren beantragt die Beschuldigte A._ einen
Freispruch, allenfalls teilweise die Verfahrenseinstellung (Urk. 152 S. 2 ff., Urk.
212 S. 2 f.). Die Beschuldigte B._ stellt den Antrag, sie sei mit einer
bedingten Freiheitsstrafe (unter Anrechnung der erstandenen Haft und
Ersatzmassnahmen) zu bestrafen (Urk. 217 S. 1). Die Beschuldigte C._
schliesslich beantragt, sie sei unter Anrechnung der erstandenen Haft und der
Ersatzmassnahmen mit einer Freiheitsstrafe von maximal 18 Monaten zu
belegen, unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs und Ansetzung einer
Probezeit von zwei Jahren (Urk. 213 S. 2).
2. Allgemeines zur Strafzumessung
2.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen der Strafzumessung in
den drei angefochtenen Urteilen korrekt und ausführlich aufgezeichnet, weshalb
zur Vermeidung von Wiederholungen darauf (Urk. 151 S. 114 ff.; Urk. 157/151
S. 114 ff.; Urk. 158/151 S. 107 ff.) und auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung
hierzu (u.a. BGE 144 IV 217) zu verweisen ist. In teilweiser Ergänzung sei das
Folgende gesagt:
2.2. Bei der Verschuldensbewertung ist mit zu berücksichtigen, in welchem
gegenseitigen Verhältnis die Tatbeiträge der Beschuldigten stehen: Der
Grundsatz der Gleichbehandlung und Gleichmässigkeit der Strafzumessung
gebietet, dass sich jeder für den ihm zukommenden Anteil an der
Unrechtmässigkeit der Tat zu verantworten hat. Ist der Tatbeitrag gleichwertig, so
führt das zunächst zu einer gleichen (objektiven) Schuldeinschätzung. Erst wenn
auch die subjektive Vorwerfbarkeit identisch ist und sich überdies namentlich die
individuellen Täterkomponenten gleichmässig auswirken, drängt sich die gleiche
Strafe für beide Mittäter auf. Häufig liegen jedoch ungleiche
Strafzumessungsfaktoren vor, weil sich die subjektive Verschuldensbewertung
oder die persönlichen Verhältnisse unterscheiden. In diesen Fällen kann es zu
unterschiedlichen Strafen kommen (BGE 135 IV 191 E. 3.2.).
- 115 -
2.3. Die Vorinstanz hat das Vorliegen einer qualifizierten Freiheitsberaubung
und Entführung im Sinne von Art. 183 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 184 Abs. 3 StGB
verneint und nur den Grundtatbestand als erfüllt erachtet. Auf dieser Grundlage
hat sie als schwerstes Delikt die mehrfachen, gemeinsam begangenen sexuellen
Nötigungen qualifiziert (Urk. 151 S. 115; Urk. 157/151 S. 115; Urk. 158/151 S.
109). Nach hiesiger Ansicht liegt hingegen eine qualifizierte Entführung vor. Der
Strafrahmen für die schwerste Straftat ist daher neu zu bestimmen.
2.4. Liegen bei einer Freiheitsberaubung oder Entführung erschwerende
Umstände vor, so lautet der Strafrahmen nicht bloss – wie in Art. 183 StGB für
den Grundtatbestand vorgesehen – auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
Geldstrafe, sondern auf Freiheitsstrafe von einem bis 20 Jahren (Art. 184 i. V. m.
Art. 40 Abs. 2; BSK Delnon/Rüdy, Art. 184 N 26). Der Straftatbestand der
sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB sieht einen Strafrahmen bis zu
zehn Jahren vor. Im Rahmen gemeinsamer Begehung dieses Delikts im Sinne
von Art. 200 StGB kann die Strafe erhöht werden, wobei diese das höchste Mass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte überschreiten darf und das
Gericht an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden ist. Damit wäre
eine Freiheitsstrafe bis zu 15 Jahren möglich. Es ist daher – mit der
Staatsanwaltschaft (Urk. 81 S. 17) – von der qualifizierten Entführung als
schwerstes Delikt auszugehen und deshalb zunächst für diese eine Einsatzstrafe
festzulegen.
2.5. Mit Blick auf den Strafrahmen ist festzuhalten, dass keine Straf-
milderungsgründe auszumachen sind. Strafschärfungsgründe (mehrfache Tatbe-
gehung) führen mangels aussergewöhnlicher Umstände nicht dazu, die Grenzen
des ordentlichen Strafrahmens zu verlassen (BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit
Hinweisen). Sie sind aber straferhöhend zu berücksichtigen.
2.6. Unter Verweis auf die bereits ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz
zur konkreten Strafzumessung (Urk. 151 S. 119 ff.; Urk. 157/151 S. 119 ff.;
Urk. 158/151 S. 113) wird nachfolgend zuerst das objektive Tatverschulden für al-
le Beschuldigten gemeinsam bestimmt, soweit nicht relevante Abweichungen un-
ter den Mittäterinnen auszumachen sind. Auf die individuellen Aspekte ist im
- 116 -
Rahmen der subjektiven Tatschwere einzugehen. Hernach sind die Täterkompo-
nenten zu gewichten.
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Einsatzstrafe qualifizierte Entführung
3.1.1. Objektives Tatverschulden
Geschütztes Rechtsgut ist die körperliche Fortbewegungsfreiheit, ein
Grundrecht der persönlichen Freiheit i.S.v. Art. 10 Abs. 2 BV und Art. 5 EMRK.
Dieses wurde von den Beschuldigten massiv verletzt. Sie missbrauchten das
Vertrauen der Privatklägerin in die Freundschaft mit der Beschuldigten B._,
um sie in eine Falle zu locken. Auf dem Parkplatz vor ihrem Arbeitsort wurde die
Privatklägerin nachts um 23 Uhr, in der Annahme, man verbringe noch eine
entspannte Zeit im Ausgang, vordergründig von den Beschuldigten B._ und
F._ in Empfang genommen, aber sogleich aus dem Hinterhalt von den
übrigen drei Beschuldigten überrumpelt und unter Anwendung von leichter
körperlicher Gewalt und Drohungen ins Auto verfrachtet. Dort sass die
Privatklägerin während über zwei Stunden Fahrt und Zwischenstopps in zwei
Wäldern und an der Tankstelle auf engstem Raum unter wiederkehrenden
Erniedrigungen und Beschimpfungen der Beschuldigten, denen sie sich in grosser
Überzahl von zunächst fünf und hernach vier Personen gegenüber sah, fest. Das
Vorgehen war hinterhältig und heimtückisch, die List allerdings
tatbestandsimmanent. Die weiteren Stunden in der Wohnung der Beschuldigten
C._ waren geprägt von fortlaufenden weiteren Erniedrigungen und
Beschimpfungen, wodurch die Privatklägerin auch in ihrer Persönlichkeit unnötig
und böswillig stark verletzt wurde. Die Beschuldigten erteilten der Privatklägerin
sodann immer wieder Anweisungen zu Verhaltensweisen und Handlungen, um
sie zu erniedrigen. Die Freiheitsberaubung dauerte mit rund 8.5 Stunden sehr
lange. Sie endete durch das Aussetzen der Privatklägerin auf einem öffentlichen
Parkplatz ohne Verständigungsmöglichkeiten. Über die langen Stunden der
Freiheitsbeschränkung steigerten sich die Beschuldigten in ihrer Bösartigkeit.
Allerdings kam es dabei nicht zu schweren körperlichen Übergriffen (welche nicht
- 117 -
separat beurteilt werden). Die Privatklägerin war in der Wohnung auch nicht ganz
der Fortbewegungsfreiheit beraubt, es wurden ihr auch gewisse (Rauch-)Pausen
gewährt. Im Vergleich zu allen denkbar möglichen Varianten einer qualifizierten
Freiheitsberaubung und Entführung ist das objektive Verschulden im untersten
Bereich des Strafrahmens (von bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe) anzusiedeln.
3.1.2.1. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten A._
Die Beschuldigte A._ erklärte in der Untersuchung, sie habe vor einem
Jahr gehört, dass die Beschuldigte C._ die Privatklägerin treffen, ihre Haare
schneiden und sie schlagen wolle. Sie habe das Gespräch zwischen ihrer
Schwester [der Beschuldigten D._] und der Beschuldigten C._
mitbekommen. Sie habe ihre Schwester davon überzeugen können, nicht mitzu-
machen, da es nicht ihr Problem sei (Urk. D1/5/3 S. 4). Entgegen dieser ersten
Einschätzung beteiligte sich die Beschuldigte A._ ein Jahr später im Rahmen
der heute zu beurteilenden Taten aktiv und mit Vorsatz. Sie zeigte sich im Verlauf
des Abends mit fortentwickelten Ideen zur Erniedrigung immer mehr als treibende
Kraft. Ohne erkennbaren Grund quälte und demütigte sie die Privatklägerin. Sie
hatte keinen Bezug zur Beschuldigten C._, die sich ihrerseits rächen wollte
für die Gefährdungsmeldung der Privatklägerin. Die Beschuldigte A._ wurde
nicht nur von der Privatklägerin, sondern auch von den Beschuldigten C._
und B._ als Anführerin erlebt. Sie kannte keine Hemmungen in der
Tatausführung und offenbarte eine hohe kriminelle Energie.
3.1.2.2. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten B._
Die Beschuldigte B._ stellte den Kontakt zur Privatklägerin her und
organisierte das Treffen, bei dem es zur Entführung kam. Sie missbrauchte die
Freundschaft zur Privatklägerin, indem sie deren Vertrauen ausnutzte und sie in
eine Falle lockte, im Wissen darum, dass diese geschlagen und zur Rede gestellt
würde. Sie handelte mit Vorsatz und trug die weiteren Handlungen mit, wenn
auch in einer nicht dominanten Rolle. Sie handelte wohl aus falsch verstandener
Solidarität mit der Beschuldigten C._, zeigte aber nicht die gleiche kriminelle
- 118 -
Energie wie diese oder die Beschuldigte A._. Die objektive Tatschwere
relativiert sich dadurch etwas.
3.1.2.3. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten C._
Die Beschuldigte C._ war quasi die geistige Urheberin dieser Tat,
welcher sich die übrigen Beschuldigten anschlossen. Aufgrund einer persönlich
erlittenen Schmähung und Verunglimpfung nahm sie nach einem Jahr in
Selbstjustiz Vergeltung an der Verleumderin – wie sie die Privatklägerin
bezeichnete. Sie plante diese Vergeltung mit fünf, letztlich vier Gefährtinnen, um
die Missetäterin zur Rede zu stellen. Dies war, wie die Verteidigung selber
einräumt, eine von langer Hand geplante Strafaktion (Urk. 84 S. 44). Es war – als
Direktbetroffene der Gefährdungsmeldung der Privatklägerin bei der KESB – ihre
Idee, sich an der Privatklägerin für deren Verpetzen bei der KESB zu rächen.
Diesen Plan mit einer Übermacht von Personen und langem Gefangenhalten
umzusetzen, erscheint damit äusserst niederträchtig. Die offenbarte kriminelle
Energie war beträchtlich. Sie handelte aus Rache und in Selbstjustiz und trug den
aus dem Ruder gelaufenen Vergeltungsplan mit. Dieses verwerfliche Motiv wirkt
sich straferhöhend aus, so dass ihr Verschulden subjektiv ähnlich wie jenes von
A._ zu gewichten ist.
3.1.3. Zwischenfazit Tatverschulden betreffend qualifizierte Entführung
Unter Berücksichtigung der dargelegten objektiven und subjektiven Tat-
elemente und in Nachachtung des Grundsatzes der Gleichbehandlung und
Gleichmässigkeit der Verschuldensgewichtung der Mittäterinnen, ist bei den
Beschuldigten A._ und C._ bei der qualifizierten Entführung von einem
eher leichten Verschulden auszugehen, was bei einem Strafrahmen von 1-
20 Jahren eine hypothetische Einsatzstrafe von drei Jahren bzw. 36 Monaten
rechtfertigt. Das Verschulden der Beschuldigten B._ ist im Rahmen dieses
schweren Falls als leicht zu qualifizieren. Die tatbezogene Einsatzstrafe ist bei der
Beschuldigten B._ auf zwei Jahre bzw. 24 Monate festzulegen.
- 119 -
3.2. Mehrfache, gemeinsam begangene sexuelle Nötigung
3.2.1. Objektives Tatverschulden
Geschütztes Rechtsgut ist hier die sexuelle Selbstbestimmung und sexuelle
Integrität. Mit den Anweisungen der Beschuldigten zur Vornahme von auto-
erotischen Handlungen der Privatklägerin unter Gelächter und mit Filmaufnahmen
bzw. mit der Unterstützung dazu wurde dieses Rechtsgut erheblich und mehrfach
verletzt, wobei sich eine Steigerung der Drucksituation durch immer abartigere
Befehle zeigte. Als schwerster Übergriff ist mit der Vorinstanz (Urk. 151 S. 120)
das Einführen des Dildos in den Anus der Privatklägerin zu gewichten. Die Art
und Weise des Vorgehens war für die Privatklägerin demütigend, schmerzhaft
und daher insgesamt skrupellos. Die Beschuldigten nahmen damit auch
weitergehende Gesundheitsschäden der Privatklägerin in Kauf. Das Verschulden
ist in objektiver Hinsicht isoliert betrachtet – im Vergleich mit Varianten in
zeitlicher Hinsicht, Häufigkeit und Intensität der Übergriffe und im Rahmen der
gemeinsamen Begehung, die bereits einen Strafschärfungsgrund darstellt –
allerdings noch im untersten Drittel einzureihen.
3.2.2.1. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten A._
In subjektiver Hinsicht ist zu beachten, dass die Beschuldigte A._ vor-
sätzlich handelte. Sie hatte auch hier die Hauptrolle inne. Sie war die treibende
Kraft und diejenige Beschuldigte, die der Privatklägerin den Dildo schmerzhaft in
den Anus rammte und mit dieser Handlung dem sexuellen Missbrauch eine neue
Dimension hinzufügte. Sie hatte selber keinen Grund zur Rache. Sie
missbrauchte die Privatklägerin aus egoistischem Motiv, nämlich für sadistisch
motivierte Sexspiele.
3.2.2.2. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten B._
Die Beschuldigte B._ legte zwar nicht selber Hand an, war aber zuge-
gen und unterstützte dadurch und mit Anweisungen die Tatumsetzung fortlaufend.
Dass es sich bei der Privatklägerin um eine Freundin von ihr handelte, macht die-
- 120 -
sen Missbrauch besonders verwerflich. Auch hier war wohl falsch verstandene
Solidarität gegenüber ihrer anderen Freundin C._ Antrieb fürs Mitmachen.
3.2.2.3. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten C._
Die Beschuldigte C._ legte ebenfalls nicht Hand an. Sie leistete aber
einen wesentlichen Beitrag für die Übergriffe, indem sie ihre Wohnung und ihren
Dildo für die Handlungen zur Verfügung stellte. Sie handelte mit Vorsatz und aus
rachsüchtiger Motivation. Sie gab Anweisungen und trug so zur Umsetzung des
immer weiter entwickelten und immer erniedrigenderen Vergeltungsplans bei.
3.2.3. Zwischenfazit betreffend Tatverschulden für die mehrfache, ge-
meinsam begangene sexuelle Nötigung
Die sexuelle Nötigung betreffend das Einführen des Dildos in den Anus der
Privatklägerin wiegt am schwersten, wohingegen die weiteren sexuellen Nöti-
gungen, namentlich die Präsentation der nackten Privatklägerin, die geforderte
Selbstbefriedigung der Privatklägerin mit den Händen und unter Zuhilfenahme
des Dildos und das Ablecken des mit Mayonnaise bestrichenen Dildos durch die
Privatklägerin als zwar ekelerregend und sehr demütigend, aber dennoch weniger
schwerwiegend zu gewichten sind. Im Rahmen der gemeinsamen Begehung, was
bereits eine Strafschärfung bis zu möglichen 15 Jahren Freiheitsstrafe impliziert,
ist das Verschulden tatbezogen bei der Beschuldigten A._ als noch leicht zu
gewichten. Der Vorinstanz kann diesbezüglich somit nicht gefolgt werden, wenn
sie insgesamt von einem erheblichen Tatverschulden spricht und dafür (nur)
36 Monate festlegt (Urk. 151 S. 121), korreliert die begriffliche Verschuldens-
gewichtung so doch nicht mit der Zahl der ermittelten Monate. Angemessen
erscheinen hier 24 Monate. Das im Vergleich der Mittäterinnen in der Gesamt-
betrachtung leichte Verschulden der Beschuldigten B._ führt zu einer
Freiheitsstrafe von 12 Monaten, das eher leichte Verschulden der Beschuldigten
C._ zu 18 Monaten Freiheitsstrafe.
- 121 -
3.3. Mehrfache Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch
Aufnahmegeräte
3.3.1. Objektives Tatverschulden
Mit den Videoaufnahmen der nackten Privatklägerin in der Dusche und beim
Präsentieren mit vulgären und selbsterniedrigenden Aussagen und Handlungen
missachteten die Beschuldigten die geschützte Privatsphäre der Privatklägerin
erheblich. Sie stellten die Privatklägerin bloss, nützten ihre Wehrlosigkeit aus und
machten sie zum Gespött. Die konkreten Aufnahmen waren schon fast porno-
grafischen Inhalts, was für die Privatklägerin besonders demütigend ist. Sie stand
auch unter ständiger Angst, dass diese Aufnahme veröffentlicht werden könnten.
Objektiv ist aber von einem noch leichten Tatverschulden auszugehen.
3.3.2.1. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten A._
Die Beschuldigte erteilte Anweisungen, wirkte dadurch an den Aufnahmen
mit und übte so ihre Machtposition gegenüber der unterlegenen Privatklägerin
weiter aus. Sie handelte vorsätzlich und aus egoistischen Motiven der Selbstbe-
lustigung.
3.3.2.2. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten B._
Auch die Beschuldigte B._ verfolgte das Ziel eines fiesen Umgangs mit
der Privatklägerin. Sie trug vorsätzlich dazu bei, dass die Aufnahmen im Gruppen-
verband eine Gegenwehr der Privatklägerin ausschloss.
3.3.2.3. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten C._
Betreffend die subjektive Tatschwere kann festgehalten werden, dass die
Beschuldigte C._ die Initiantin der Aufnahme der sich duschenden
Privatklägerin war. Sie war denn auch die Einzige, die die Privatklägerin in dieser
Situation filmte. Der Bewegrund und das Ziel der Aufnahme, ein Druckmittel
gegen die Privatklägerin zu haben, falls diese eine Strafanzeige gegen die
Beschuldigten aufgrund der nächtlichen Übergriffe erstatte, ist niederträchtig und
zeugt wiederum von einer bemerkenswerten kriminellen Energie. Betreffend die
- 122 -
Aufnahme der Präsentation der nackten Privatklägerin verfolgte die Beschuldigte
ebenfalls das Ziel, die Privatklägerin möglichst zu erniedrigen. Die Anweisungen
erfolgten spontan, aber die Beschuldigte C._ handelte wie ihre Kolleginnen
vorsätzlich, besonders rachelustig und in Selbstjustiz. Auch wenn sie als
Direktbetroffene durch das Verhalten der Privatklägerin bzw. die
Gefährdungsmeldung bei der KESB tief gekränkt worden war, rechtfertigt sich ihr
Vorgehen keinesfalls.
3.3.3. Zwischenfazit Tatverschulden Verletzung des Geheim- und Privat-
bereichs durch Aufnahmegeräte
Das tatbezogene Verschulden fällt hier insgesamt inetwa gleich aus.
Verschuldensrelativierende Aspekte in subjektiver Hinsicht sind nicht auszu-
machen. Insgesamt ist allseits von einem leichten Verschulden auszugehen und
die hypothetische Einsatzstrafe für alle drei Beschuldigten auf drei Monate bzw.
90 Tagessätze festzulegen.
3.4. Sachentziehung
3.4.1. Tatverschulden in objektiver Hinsicht
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass die Beschuldig-
ten der Privatklägerin das Portemonnaie und das Mobiltelefon wegnahmen und
letztendlich in einem Abteil eines Eisenbahnwagens deponierten. Die Entziehung
der Gegenstände erfolgte dabei wiederum in Ausnützung der wehrlosen Situation,
in der sich die Privatklägerin befand, und zur Kontrolle ihrer im Gerät gespeicher-
ten Kontakte und Konversationen. Dass sich die Dauer der Sachentziehung dabei
in Grenzen hielt, so die Vorinstanz, war nicht auf das Verhalten der Beschuldigten
zurückzuführen. Die objektive Tatschwere kann aber als insgesamt leicht ver-
anschlagt werden.
3.4.2. Tatverschulden in subjektiver Hinsicht
3.4.2.1. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten A._
- 123 -
Zur subjektiven Tatschwere ist auszuführen, dass die Beschuldigte A._
keine grossen Anstrengungen unternehmen musste, um der Privatklägerin die
Gegenstände zu entziehen. Letztere sah sich ja der Übermacht der Täterinnen
ausgesetzt. Betreffend die Entziehung des Portemonnaies sowie des Mobiltele-
fons ist kein persönliches Motiv der Beschuldigten ersichtlich, ausser die Beto-
nung bzw. das Ausnützen der dadurch ausgelieferten Privatklägerin, von der sie
wussten, dass sie auf einem Parkplatz ohne Kommunikationsmöglichkeit ausge-
setzt würde.
3.4.2.2. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten B._
Zur subjektiven Tatschwere kann auf das bei A._ Gesagte verwiesen
werden.
3.4.2.3. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten C._
Das Verschulden der Beschuldigten C._ ist unter diesem Titel gleich zu
gewichten.
3.4.3. Zwischenfazit Tatverschulden Sachentziehung
Das Verschulden ist hier insgesamt als leicht zu qualifizieren. Im Strafrah-
men von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe erweist sich für sämtli-
che Beschuldigten eine hypothetische Einsatzstrafe von einem Monat bzw. 30
Tagessätzen als angemessen.
3.5. Sachbeschädigung
3.5.1. Tatverschulden in objektiver Hinsicht
Die Beschuldigten entfernten durch Abreissen und Abtrennen mit dem
Messer die Haarverlängerungen der Privatklägerin. Dadurch wurden diese
Extensions beschädigt. Der Schaden hält sich in Grenzen. Das Verschulden ist in
objektiver Hinsicht im untersten Drittel anzusiedeln.
- 124 -
3.5.2. Tatverschulden in subjektiver Hinsicht
3.5.2.1. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten A._
Die Beschuldigte A._ war wiederum in einer Hauptrolle aktiv. Sie han-
delte vorsätzlich. Sie nahm die Haare selber ab. Die Aktion diente der Abstrafung
und Erniedrigung der Privatklägerin, ohne dass die Beschuldigte A._ dafür
ein Motiv hatte. Es bleibt das blosse sadistische Vergnügen und damit eine ver-
werfliche Gesinnung.
3.5.2.2. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten B._
Zur subjektiven Tatschwere ist auszuführen, dass die Beschuldigte B._
bei der Haarentfernung bei der Privatklägerin ebenfalls selber Hand anlegte. Auch
diese Handlung erfolgte unter dem Titel der "Abstrafung". Die Beschuldigte wollte
dies und wusste auch um die damit verbundenen Schmerzen, die Demütigung
und den materiellen Schaden der Privatklägerin.
3.5.2.3. Subjektives Tatverschulden der Beschuldigten C._
Gerade die Beschuldigte C._ wollte ja die Abstrafung der Privatklägerin
als Verpetzerin bei der KESB. Sie legte zwar nicht selber Hand an, aber sie un-
terstützte das Vorgehen durch ihre physische Präsenz und die dadurch verur-
sachte Drucksituation auf die Privatklägerin. Auch sie handelte vorsätzlich.
3.5.3. Zwischenfazit Tatverschulden Sachbeschädigung
Das Verschulden ist hier insgesamt als leicht zu qualifizieren. Im Strafrah-
men von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe erweist sich in der Ge-
samtbetrachtung für die Beschuldigte A._ mit einem etwas höheren Ver-
schulden eine hypothetische Einsatzstrafe von 4 Monaten bzw. 120 Tagessätzen
als angemessen, für die Beschuldigen B._ von 3 Monaten bzw. 90 Tagess-
ätzen und für die Beschuldigte C._ von 2 Monaten bzw. 60 Tagessätzen.
- 125 -
3.6. Fazit Tatkomponenten
3.6.1. Übersicht
Zusammengefasst ergeben sich aus den vorstehenden Ausführungen die
folgenden – vorerst isoliert betrachteten – Einsatzstrafen für die qualifizierte Ent-
führung und die hypothetischen Strafen für die weiteren Delikte (jeweils in Mona-
ten ausgedrückt; über die Strafart ist in einem späteren Schritt zu entscheiden).
Beschuldigte Person A._ B._ C._
Qualifizierte Entführung (Einsatzstrafe) 36 24 36
Mehrfache, gemeinsam begangene sexuelle
Nötigung
24 12 18
Mehrfache Verletzung des Geheim- und Pri-
vatbereichs durch Aufnahmen
3 3 3
Sachentziehung 1 1 1
Sachbeschädigung 4 3 2
3.7. Täterkomponenten
3.7.1. Beschuldigte A._
3.7.1.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse und den Werde-
gang der Beschuldigten korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden,
ebenso auf die daraus geschlossene leichte Strafempfindlichkeit (Urk. 151 S. 127
f.).
3.7.1.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden die folgenden aktuel-
len bzw. veränderten Verhältnisse geltend gemacht: Die Beschuldigte ist mittler-
weile wieder verheiratet. Der Ehemann lebt jedoch in Deutschland, weil ein Fami-
liennachzug in die Schweiz aufgrund des vorliegenden laufenden Verfahrens nicht
möglich sei (Urk. 209 S. 2 und 5). Die Beschuldigte A._ ist nach wie vor ar-
beitslos und von der Sozialhilfe abhängig. Die Kinderalimente werden von der
- 126 -
Gemeinde bevorschusst (Urk. 209 S. 5). Die Schulden in der Höhe von nach wie
vor ca. Fr. 20'000.– bezahle sie so gut es gehe in Raten ab (Urk. 209 S. 7).
3.7.1.3. Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben ergibt sich
nichts Neues, was für die Strafzumessung noch relevant wäre.
3.7.1.4. Die Beschuldigte zeigte sich auch im Berufungsverfahren nicht
geständig, was sich allerdings neutral auswirkt.
3.7.1.5. Die Beschuldigte ist vorbestraft, was sich leicht straferhöhend aus-
wirkt. So wurde sie von der Staatsanwaltschaft AI._ am 19. August 2016 we-
gen einfacher Körperverletzung, mehrfacher Beschimpfung und Drohung mit einer
bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.00 bei einer Probezeit von
zwei Jahren und einer Busse von Fr. 600.00 verurteilt (Urk. 190).
3.7.1.6. Das in Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 14 Ziff. 3 lit. c
UNO-Pakt II und Art. 5 StPO geregelte Beschleunigungsgebot war in Anbetracht
des Umfangs des Verfahrens mit ursprünglich fünf Beschuldigten bis zur erst-
instanzlichen Hauptverhandlung nicht verletzt, wie die Vorinstanz zutreffend
schloss (Urk. 151 S. 128). Jedoch ist festzuhalten, dass das ausgefertigte erst-
instanzliche Urteil vom 9. Juli 2020 erst am 11. Februar 2021 bei der Berufungs-
instanz einging (Urk. 151 S. 1) und die hiesige Berufungsverhandlung auf den
23./24. März 2022 angesetzt werden konnte. Trotz schwerer Tatvorwürfe,
mehrerer Beschuldigter und erheblichen Aktenumfangs ist aufgrund der doch
langen Zeitspanne seit dem erstinstanzlichen Urteil das Beschleunigungsverbot
als in gewissem Masse verletzt anzusehen, was gering strafmindernd zu
berücksichtigen ist.
3.7.1.7. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 151 S. 128 f.) kann die
intensive vorverurteilende Medienberichterstattung nicht ausser Acht gelassen
werden. Gerade im Artikel des AK._ vom 25. Mai 2020 (Urk. D1/58/2) wird
der den Beschuldigten vorgeworfene Sachverhalt reisserisch und teils in
unzutreffendem Kontext dargelegt. Die Unschuldsvermutung wird darin nicht
erwähnt. Die Beeinträchtigung der Beschuldigten A._ geht deshalb über die
- 127 -
normalerweise mit einem Strafverfahren verbundenen Unannehmlichkeiten durch
mediale Berichterstattungen hinaus, was ebenfalls gering strafmindernd zu
berücksichtigen ist.
3.7.1.8. Insgesamt rechtfertigen die Täterkomponenten bei der Beschuldig-
ten A._ eine leichte Strafminderung im Umfang von 5 Monaten.
3.7.2. Beschuldigte B._
3.7.2.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse und den Werde-
gang der Beschuldigten B._ korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen
werden, ebenso auf die daraus geschlossene sehr leichte Strafminderung
(Urk. 157/151 S. 127).
3.7.2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde bezüglich der persön-
lichen Verhältnisse ergänzt, dass die Beschuldigte B._ nach wie vor bei
AJ._ angestellt ist, neu in einer Filiale in .... Sie sei seit einem Jahr in einer
Beziehung und wohne mit ihrem Partner zusammen. Von ihren früheren Kollegen
und Kolleginnen habe sie sich distanziert. Sie habe nun ihren Freund, arbeite
gerne und mache eine Therapie, die ihr "recht viel" geholfen habe (Urk. 211 S. 3).
3.7.2.3. Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben ergibt sich
nichts Neues, das für die Strafzumessung noch relevant wäre.
3.7.2.4. Die Beschuldigte B._ weist keine Vorstrafen auf (Urk. 191), was
neutral ausfällt.
3.7.2.5. Bezüglich Nachtatverhalten ist zu bemerken, dass die Beschuldigte
B._ einerseits im Wesentlichen bereits von Anfang an geständig war. Zudem
zeigte sie ehrliche Einsicht und Reue. Dabei blieb es nicht nur bei einem Lippen-
bekenntnis. Sie entschuldigte sich bei der Privatklägerin. Ihrer Reue und Ent-
schuldigung sind auch Taten gefolgt. So hat sie mit der Privatklägerin eine Ver-
einbarung geschlossen und sich darin zur Leistung einer Geldzahlung von
Fr. 5'000.00 verpflichtet. Die Raten hat die Beschuldigte B._ inzwischen voll-
- 128 -
ständig abgezahlt (Urk. 91/9, Urk. 211 S. 10). Diese Aspekte wirken sich stark
strafmindernd aus.
3.7.2.6. Bezüglich Beschleunigungsgebot und Vorverurteilung durch die
mediale Berichterstattung kann auf obige Erwägungen verwiesen werden
(Ziff. V./3.7.1.6. f.). Der Beschuldigten B._ ist diesbezüglich somit ebenfalls je
eine geringe Strafminderung zuzubilligen.
3.7.2.7. Insgesamt rechtfertigen die Täterkomponenten bei der Beschuldig-
ten B._ eine Strafminderung im Umfang von 14 Monaten.
3.7.3. Beschuldigte C._
3.7.3.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse und den Werde-
gang der Beschuldigten C._ korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen
werden. Allerdings kann der Beschuldigten C._ gemäss hiesiger Ansicht eine
leichte Strafempfindlichkeit aufgrund ihrer Epilepsie-Erkrankung zugestanden
werden, auch wenn es ihr diesbezüglich offenbar momentan besser geht
(Urk. 158/151 S. 120 ff., Urk. 210 S. 3).
3.7.3.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden die folgenden
aktuellen Verhältnisse geltend gemacht: Die Beschuldigte C._ ist derzeit zu
einem
50 %-Pensum bei AJ._ angestellt und bezieht daneben eine 50 % IV-Rente
(Urk. 210 S. 2 f.). Sie hat einen Freund, mit dem sie jedoch nicht zusammenlebt
(Urk. 210 S. 2). Mit ihrem Ex-Mann teilt sie sich die Obhut und das Sorgerecht
über den gemeinsamen Sohn Q._ (Urk. 210 S. 4). Die Beschuldigte befindet
sich seit Anfang 2021 in regelmässiger psychiatrischer Behandlung (Urk. 215/2).
3.7.3.3. Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben ergibt sich
nichts Neues, was für die Strafzumessung noch relevant wäre.
3.7.3.4. Die Beschuldigte C._ weist keine Vorstrafen auf (Urk. 192),
was neutral ausfällt.
- 129 -
3.7.3.5. Bezüglich Nachtatverhalten ist zu bemerken, dass die Beschuldigte
C._ über weite Strecken geständig war, allerdings erst im späteren Verlauf
der Untersuchung und vor allem am Schluss vor Vorinstanz und schliesslich vor
Berufungsinstanz. Auch zeigte sie durchaus eine gewisse Einsicht in das Unrecht
ihrer Taten. Diese Aspekte wirken sich strafmindernd aus.
3.7.3.6. Bezüglich Beschleunigungsgebot kann grundsätzlich auf obige
Erwägungen verwiesen werden (Ziff. V./3.7.1.6.). Der Beschuldigten C._ ist
diesbezüglich somit ebenfalls eine geringe Strafminderung zuzubilligen.
3.7.3.7. Zum Argument einer Vorverurteilung durch die mediale Bericht-
erstattung ist bezüglich der Beschuldigten C._ anzumerken, dass diese sel-
ber an "AK._.ch" gelangte und sich interviewen liess (vgl. Urk. D1/58/3), wo-
mit eine Strafminderung aufgrund einer allfälligen Vorverurteilung in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz ausgeschlossen ist (Urk. 158/151 S. 123).
3.7.3.8. Insgesamt rechtfertigen die Täterkomponenten bei der Beschuldig-
ten C._ eine Strafminderung im Umfang von 9 Monaten.
3.8. Strafart
Wie die Vorinstanz richtig festhielt, weisen die Taten einen relativ engen
räumlichen und zeitlichen, aber auch sachlichen Zusammenhang auf (Urk. 151
S. 16; Urk. 157/151 S. 16; Urk. 158/151 S. 120). Daher drängt sich unter dem
Aspekt der Zweckmässigkeit für sämtliche Delikte eine Freiheitsstrafe auf, soweit
diese nicht bereits aufgrund der Strafhöhe vorgegeben ist.
3.9. Zwischenfazit
3.9.1. Sanktion für die Beschuldigte A._
In Nachachtung des Asperationsprinzips ist die (tatbezogene) Einsatzstrafe
von 36 Monaten angemessen zu erhöhen. Dabei rechtfertigt es sich, für die
isoliert errechneten Freiheitsstrafen von 24 Monaten (für die sexuellen
Nötigungen), von 3 Monaten (für die Verletzungen des Geheim- oder
Privatbereichs durch Aufnahmen), von einem Monat (für die Sachentziehung) und
- 130 -
von 4 Monaten (für die Sachbeschädigung) insgesamt 17 Monate
hinzuzuschlagen. Unter dem Titel der Täterkomponente ist ein Abzug von 5
Monaten vorzunehmen. Daraus resultiert eine Freiheitsstrafe von 48 Monaten.
3.9.2. Sanktion für die Beschuldigte B._
Die Einsatzstrafe liegt bei 24 Monaten. Es rechtfertigt sich, für die isoliert
errechneten Freiheitstrafen von 12 Monaten (für die sexuellen Nötigungen), von
3 Monaten (für die Verletzungen des Geheim- oder Privatbereichs durch Auf-
nahmen), von einem Monat (für die Sachentziehung) und von 3 Monaten (für die
Sachbeschädigung) insgesamt 10 Monate hinzuzuschlagen. Unter dem Titel der
Täterkomponente ist ein Abzug von 14 Monaten vorzunehmen. Daraus resultiert
eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten.
3.9.3. Sanktion für die Beschuldigte C._
Die Einsatzstrafe von 36 Monaten ist ebenfalls zu asperieren. Es rechtfertigt
sich, für die isoliert errechneten Freiheitstrafen von 18 Monaten (für die sexuellen
Nötigungen), von 3 Monaten (für die Verletzungen des Geheim- oder Privat-
bereichs durch Aufnahmen), von einem Monat (für die Sachentziehung) und von
2 Monaten (für die Sachbeschädigung) insgesamt 13 Monate hinzuzuschlagen.
Unter dem Titel der Täterkomponente ist ein Abzug von 9 Monaten vorzunehmen.
Daraus resultiert eine Freiheitsstrafe von 40 Monaten.
3.10. Anrechenbare Haft und Ersatzmassnahmen
3.10.1. Die Vorinstanz hat die Grundlagen für die Anrechnung von Haft und
Ersatzmassnahmen korrekt dargelegt. Es kann darauf verwiesen werden
(Urk. 151 S. 129; Urk. 157/151 S. 129 f.; Urk. 158/151 S. 124 f.).
3.10.2. Beschuldigte A._
Die Beschuldigte A._ befand sich vom 13. März 2019 bis 27. Mai 2019
in Polizei- bzw. Untersuchungshaft (vgl. Urk. D1/21/2 und Urk. D1/21/17). Die be-
reits erstandene Haft ist mit der Vorinstanz im Umfang von 78 Tagen an die Strafe
anzurechnen, was unbestritten blieb.
- 131 -
Bezüglich Ersatzmassnahmen (Kontaktverbot zur Privatklägerin und Rayon-
bzw. Hausarrest) ist festzuhalten, dass die am 29. Mai 2019 angeordneten und
letztmals mit Verfügung des Bezirksgerichts Bülach vom 27. Januar 2021
verlängerten Ersatzmassnahmen betreffend die Beschuldigte A._ (Kontakt-
verbot zur Privatklägerin E._, Rayon- und Hausarrest mit Überwachung per
Electronic Monitoring) mit Präsidialverfügung vom 6. April 2021 bis zum
Endentscheid der Berufungsinstanz verlängert wurden (Urk. 176). Die Ersatz-
massnahmen dauerten damit bis heute 1030 Tage.
Zur bisherigen Einschränkung machte die Beschuldigte an der Berufungs-
verhandlung geltend, es sei schlimm und sie sehe, wie ihre Tochter darunter lei-
de, dass sie mit ihrer Mutter wegen der Fussfesseln nicht wie andere Kinder ir-
gendwo hingehen könne (Urk. 209 S. 6). Die Beschuldigte gab an, in ihrer Freizeit
nicht viel machen zu können. Sie halte sich zuhause, im Freien zum Spazieren,
auf dem Spielplatz oder bei ihren Eltern auf (Urk. 209 S. 7).
Die Anrechnung von 1/2 erscheint vorliegend als angemessen, zumal insbe-
sondere die elektronische Überwachung des Rayon- und Hausarrestes und die
damit einhergehende Einschränkung der Bewegungsfreiheit doch erheblich, wenn
auch viel weniger gravierend als ein Freiheitsentzug in Untersuchungs- bzw.
Sicherheitshaft war (vgl. Urk. 151 S. 131). Damit sind heute 515 Tage zu berück-
sichtigen.
3.10.3. Beschuldigte B._
Die Beschuldigte befand sich vom 12. März 2019 bis 24. Mai 2019 in Polizei-
bzw. Untersuchungshaft (vgl. Urk. D1/19/1; Urk. D1/19/18). Die bereits erstande-
ne Haft ist im Umfang von 74 Tagen an die Strafe anzurechnen, wie die Vo-
rinstanz zu Recht erwog.
Für die Beschuldigte B._ wurden am 24. Mai 2019 Ersatzmassnahmen
angeordnet. Die letztmals mit Verfügung des Bezirksgerichts Bülach vom
27. Januar 2021 verlängerten Ersatzmassnahmen (Kontaktverbot zur Privat-
klägerin, Ausweis- und Schriftensperre, Beschlagnahme und Hinterlegung des
- 132 -
Schweizer Passes mit der Nr. 8) wurden am 6. April 2021 präsidialiter bis zum
Endentscheid der Berufungsinstanz verlängert (Urk. 176). Die Ersatz-
massnahmen dauerten damit bis heute 1035 Tage.
Zur bisherigen Einschränkung machte die Beschuldigte B._ an der
Berufungsverhandlung geltend, dass ihr besonders Mühe gemacht habe, dass sie
ihre Grossmutter nicht wie sonst zweimal pro Jahr im Kosovo habe besuchen
können (Urk. 211 S. 5).
Die Anrechnung im Umfang von 1/10 erscheint in Anbetracht der nicht sehr
einschneidenden Einschränkung angemessen und führt heute zu einer An-
rechnung von 104 Tagen.
3.10.4. Beschuldigte C._
Die Beschuldigte befand sich vom 12. März 2019 bis 24. Mai 2019 in Polizei-
bzw. Untersuchungshaft (vgl. Urk. D1/18/2; Urk. D1/18/4). Die bereits erstandene
Haft ist im Umfang von 74 Tagen an die Strafe anzurechnen, wie die Vorinstanz
zutreffend festhielt.
Auch für die Beschuldigte C._ wurden Ersatzmassnahmen angeordnet.
Diese liefen ab 24. Mai 2019. Die letztmals mit Verfügung des Bezirksgerichts
Bülach vom 27. Januar 2021 verlängerten Ersatzmassnahmen betreffend die Be-
schuldigte C._ (Kontaktverbot zur Privatklägerin, Ausweis- und Schriften-
sperre, Beschlagnahme und Hinterlegung des Schweizer Passes mit der Nr. 9
und der Schweizer Identitätskarte mit der Nr. 10) wurden mit Präsidialverfügung
vom 6. April 2021 bis zum Endentscheid der Berufungsinstanz verlängert (Urk.
176). Sie dauerten bis heute demnach 1035 Tage.
Der Anrechnung ist analog der Beschuldigten B._ vorzunehmen, d.h.
ebenfalls zu 1/10, somit im Umfang von 104 Tagen.
- 133 -
VI. Vollzug
1. Die Vorinstanz hat sich zu den Möglichkeiten des Vollzugs einer
Freiheitsstrafe geäussert. Es kann darauf verwiesen werden (Urk. 151 S. 131 f.;
Urk. 157/151 S. 130 f.; Urk. 158/151 S. 126).
2. Beschuldigte A._
Die heute auszufällende Freiheitsstrafe für die Beschuldigte A._ ist von
Gesetzes wegen zu vollziehen (Art. 42 Abs. 1 StGB).
3. Beschuldigte B._
3.1. Die Beschuldigte B._ ist Ersttäterin und hat ihre Taten ernsthaft be-
reut und auch eine Wiedergutmachung geleistet. Es kann ihr eine positive Prog-
nose gestellt werden. Aufgrund der auszusprechenden Sanktion von 20 Monaten
ist ein bedingter Strafvollzug möglich, der ihr zu gewähren ist.
3.2. Die Probezeit ist für die Ersttäterin auf 2 Jahre festzulegen.
4. Beschuldigte C._
Die heute auszufällende Freiheitsstrafe von 40 Monaten für die Beschuldigte
C._ ist von Gesetzes wegen zu vollziehen (Art. 42 Abs. 1 StGB).
VII. Landesverweisung
1. Die Vorinstanz hat für die Beschuldigte A._ eine Landesverweisung
von 5 Jahren angeordnet (Urk. 151 S. 133 ff.). Im Rahmen der Berufung verlangt
sie einen vollumfänglichen Freispruch, womit eine Landesverweisung entfallen
würde. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits stellt Antrag auf 7 Jahre Landesverwei-
sung und Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-
tem.
2. Hinsichtlich der Voraussetzungen zur Aussprechung einer Landes-
verweisung, die hier erfüllt sind, kann auf die Ausführungen im vorinstanzlichen
Urteil verwiesen werden (Urk. 151 S. 133).
- 134 -
3.1. Vor Vorinstanz machte der Verteidiger der Beschuldigten A._ für
diese – für den Eventualfall – einen persönlichen Härtefall geltend. Die Beschul-
digte sei seit dem Jahr 2008 in der Schweiz wohnhaft und habe eine Tochter, die
hier im Jahre 2012 geboren sei. Die Tochter wohne seit der Geburt in der
Schweiz und besuche zurzeit die erste Primarklasse. Sie sei in der Klasse gut in-
tegriert. Der Ex-Mann der Beschuldigten habe die Beschuldigte schwer misshan-
delt und sich auch nie um die gemeinsame Tochter gekümmert. Die Beschuldigte
habe sich in den vergangenen 12 Jahren in der Schweiz gut integriert. Sie habe
sich bezüglich der Versorgung und Unterstützung ihres Kindes in schulischen und
sozialen Belangen vorbildlich verhalten. Die Beschuldigte, welche derzeit arbeits-
suchend sei, beabsichtige eine Stelle in der Krankenpflege anzunehmen. In ihrem
Heimatland habe die Beschuldigte kein Umfeld, welches sie und ihr Kind bei einer
Rückweisung in irgendeiner Weise unterstützen könne. Die Beschuldigte würde in
ihrem Heimatland ohne finanzielle Rücklage dastehen und mit ihrer achtjährigen
Tochter alleine auf sich gestellt sein. Ein Landesverweis treffe deshalb auch ihre
Tochter mit einer besonderen Härte. Die Beschuldigte habe sich – so der Vertei-
diger weiter – auch mit einer einzigen Ausnahme unauffällig verhalten. Sie sei
keine Gewohnheitsverbrecherin. Sie werde sich in Zukunft nicht mehr strafbar
machen, weshalb ihr keine schlechte Legalprognose gestellt werden könne. Es
bestehe im Vergleich zum grossen privaten Interesse der Beschuldigten und de-
ren Tochter, in der Schweiz verbleiben zu können, kein besonderes grosses öf-
fentliches Interesse daran, sie aus dem Land zu verweisen (Urk. D1/8 S. 53 f.).
3.2. Im Rahmen der Berufungsverhandlung liess sie ergänzend ausführen,
die Tochter AL._, welche mittlerweile die 3. Klasse besuche, sei in der Schu-
le sehr gut integriert und beliebt. Sie habe dort einen Kreis an guten Freundinnen
und Freunden und gehe mit diesen neben der Schule auch ihren regen Freizeitak-
tivitäten und sportlichen Interessen, z.B. im Tanzverein des Sportvereins
AG._, nach. Die Beschuldigte sei ihrerseits mit den Eltern der Freunde ihrer
Tochter befreundet. Sie beabsichtige, baldmöglichst eine Stelle in der Kranken-
pflege anzunehmen, was bislang wegen des Hausarrests nicht möglich gewesen
sei (Urk. 212 S. 68). In ihrem Heimatland wäre die Beschuldigte ohne ein Dach
über dem Kopf, ohne ein soziales Netz und ohne finanzielle Rücklage oder Rü-
- 135 -
ckendeckung. Die Beschuldigte sei keine gefährliche Person. Sie bewege sich in
geordneten Verhältnissen, welche mit ihrem Lebensstil im Jahr 2019 nicht ver-
gleichbar sei (Urk. 212 S. 69).
4. Zum Thema Härtefall gilt es heute was folgt festzuhalten: Die Beschuldig-
te A._ ist in der Republik Kosovo aufgewachsen. Im Jahr 2008 – also erst im
Alter von 14 Jahren – reiste sie im Rahmen eines Familiennachzugs in die
Schweiz ein. Sie absolvierte als einzige Ausbildung den Kurs Pflegehelfer/-in
SRK, welchen sie aber als Folge der Schwangerschaft abbrach. Zurzeit lebt sie
von der Sozialhilfe (Urk. 209 S. 5). Eine Agentur unterstützt sie bei der Arbeitssu-
che, zumal sie über keine Arbeitserfahrung verfügt (Prot. I S. 58). Die Beschuldig-
te hat Schulden im fünfstelligen Betrag (Prot. I S. 59) und wird von einer Erzie-
hungs- und Besuchsbeiständin sowie einem Beistand für finanzielle und administ-
rative Belange unterstützt. Sie ist vorbestraft (vgl. Ziff. V. 6.3.).
Aufgrund der hohen Schulden, der Sozialhilfeabhängigkeit und Arbeitslosig-
keit, der wiederholten Straffälligkeit und der mangelnden beruflichen Integration
kann man die persönliche Integration der Beschuldigten nach 13 Jahren Aufent-
halt in der Schweiz – trotz allfälliger freundschaftlicher Kontakte zu Eltern der
Tochter – als gescheitert bezeichnen. Ihr Bruder sowie ihr Ex-Mann leben zurzeit
im Kosovo. Ihre Schwester – die Beschuldigte D._ –, zu der sie gemäss ei-
genen Aussagen, "schon immer eine sehr gute Beziehung" hatte (Prot. I S. 114,
vgl. auch Urk. 209 S. 4), lebt heute wieder im Kosovo. Entsprechend wird es der
Beschuldigten nach der Verbüssung der Freiheitsstrafe keine grössere Mühe be-
reiten, sich in der Republik Kosovo anstatt in der Schweiz zu integrieren bzw. zu
resozialisieren.
Die Tochter der Beschuldigten, AL._, ist Bürgerin der Republik Kosovo,
9 Jahre alt und besucht die 3. Primarklasse. AL._ ist in der Schweiz geboren
und spricht mit ihrer Mutter, ihren Grosseltern sowie ihrem Kindsvater – mit
welchem sie sporadisch telefonischen Kontakt pflegt – Albanisch. Sie besucht
zwar hier die Schule und geht mit ihren Freunden Freizeitaktivitäten nach. Jedoch
ist festzuhalten, dass sie in der Schweiz mit einem Grossteil der Familie aufge-
wachsen ist. Bei einem Kind, welches über kein Anwesenheitsrecht in der
- 136 -
Schweiz verfügt, kann so von keinem persönlichen schweren Härtefall
gesprochen werden.
Die gescheiterte Integration der Beschuldigten wiegt im Vergleich zum
Interesse ihrer Tochter, in der Schweiz zu bleiben und hier die Schule zu
besuchen, schwer. Der Umzug des minderjährigen Kindes – welches sich noch in
einem anpassungsfähigen Alter bzw. noch nicht am Ende der obligatorischen
Schulbildung befindet und im Heimatland der Mutter Familie hat – erscheint
zumutbar und es ist nicht ersichtlich, aus welchen Gründen das Kindeswohl durch
eine Ausreise in den Kosovo konkret gefährdet werden könnte. Ausländische
minderjährige Kinder teilen schon aus familienrechtlichen Gründen regelmässig
das ausländerrechtliche Schicksal der Eltern und haben das Land mit diesen zu
verlassen (Verwaltungsgericht des Kantons Zürich VB.2014.00438 vom
19. November 2014 E. 5.4).
Aufgrund der Gesamtumstände, insbesondere der gescheiterten Integration
der Beschuldigten, ist ein schwerer persönlicher Härtefall zu verneinen.
5. Selbst wenn vorliegend ein Härtefall vorliegen würde, überwiegt das öf-
fentliche Interesse auf Sicherheit und Ordnung durch Wegweisung der Beschul-
digten. Sie hat schwere Straftaten begangen und eine langjährige Freiheitsstrafe
zu verbüssen.
6. In Anbetracht des Verschuldens und damit einhergehend der auszufällen-
den Freiheitsstrafe erscheint eine Landesverweisung von 7 Jahren angemessen.
7. Da die Beschuldigte A._ Bürgerin der Republik Kosovo und somit
keine EU/EFTA-Bürgerin ist, hat im vorliegenden Fall die Ausschreibung im
Schengener Informationssystem (SIS) zu erfolgen.
VIII. Zivilforderungen
1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen für die Zusprechung
von Schadenersatz und Genugtuung dargelegt. Es kann darauf verwiesen werden
(Urk. 151 S. 138 ff.; Urk. 157/151 S. 133 ff.; Urk. 158/151 S. 127 ff.).
- 137 -
2.1. Die Vorinstanz wies die Schadenersatzforderung der Privatklägerin,
welche unter diesem Titel insgesamt Fr. 800.00 geltend gemacht hatte (Urk. 152
S. 3), in der Höhe von Fr. 320.00 zuzüglich Zins zu 5 % seit 11. März 2019 ab,
was unangefochten blieb. Im Umfang von Fr. 480.00 verwies sie die
Privatklägerin auf den Zivilweg, was nur noch Gegenstand der Berufung der
Beschuldigten A._ ist. Sie verlangt auch in diesem Punkt eine Abweisung
resp. eine Verweisung auf den Zivilweg (Urk. 152 S. 2 ff., Urk. 212 S. 3, 67).
2.2. Die Beschuldigte A._ hat sich – wie die übrigen Beschuldigten –
der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 StGB schuldig gemacht, indem sie
die Haarextensions der Privatklägerin entfernt und unbrauchbar gemacht hat
(vgl. Erw. III/22.4). Eine Schadenersatzpflicht ist damit ausgewiesen. Allerdings
erweist sich mit der Vorinstanz der Schaden mit der eingereichten Quittung
(Urk. 78/6) im Quantitativ als nicht liquid (Urk. 151 S. 141 f.). Die Privatklägerin ist
daher mit ihrer diesbezüglichen Schadenersatzforderung auf den Zivilweg zu
verweisen.
3.1. Die Vorinstanz hat die Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin eine
Genugtuung von je Fr. 6'250.–, solidarisch haftend für den Gesamtbetrag von
Fr. 25'000.–, zuzüglich Zins zu 5 % seit 11. März 2019 zu bezahlen (Urk. 151
S. 142 ff.; Urk. 157/151 S. 136 ff.; Urk. 158/151 S.130 ff.).
3.2. Die Privatklägerin, welche vor Vorinstanz eine Genugtuung von
Fr. 30'000.00 verlangt hatte (Urk. 82 S. 3), hat diese Regelung akzeptiert.
3.3. Die Beschuldigte A._ beantragt im Berufungsverfahren eine Ab-
weisung des Genugtuungsbegehrens der Privatklägerin resp. eine Verweisung
auf den Zivilweg (Urk. 212 S. 3). Im erstinstanzlichen Plädoyer äusserte sich der
Verteidiger hierzu vor dem Hintergrund des beantragten Freispruchs nicht und
beschränkte seine Ausführungen für den Eventualfall auf die Themen Anrechnung
erstandener Hafttage und Ersatzmassnahme (Urk. 86 S. 52). Im Berufungsverfah-
ren begründete er seine Anträge insofern, als diese die Folge seiner Anträge auf
Einstellung des Verfahrens resp. auf Freispruch der Beschuldigten seien (Urk.
212 S. 67).
- 138 -
3.4. Die Beschuldigte B._ beantragt, es sei Vormerk zu nehmen, dass
sie das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin im Umfange von CHF 5'000.--
anerkannt und diesen Betrag bereits bezahlt habe. Im Übrigen sei das
Genugtuungsbegehren der Privatklägerin abzuweisen. Sodann sei festzulegen,
dass die Beschuldigten die vom Gericht festgelegte Genugtuung im
Innenverhältnis nach folgenden Quoten zu tragen hätten: A._: 1/2;
C._: 1/4; D._: 5/8; B._: 3/8. Zudem sei festzulegen, dass ihr – der
Beschuldigten B._ – im den gesamten zugesprochenen Genugtuungsbetrag
3/8 übersteigenden Betrag ein Regressrecht gegen A._, C._ und
D._ zustehe (Urk. 217 S. 1).
Diesen Antrag stellte sie bereits vor Vorinstanz. Zur Begründung machte sie
damals wie heute geltend, die Regel der Solidarhaftung mache keinen
Unterschied zwischen den Rollen und dem Verschulden der einzelnen Beteiligten.
Daher könne die aus dem angeklagten Ereignis resultierende Genugtuung –
diese Basisgenugtuung ohne die vorher genannten exzessiven Handlungen –
auch nicht nach Quoten unter den einzelnen Beschuldigten verteilt werden.
Anders verhalte es sich bezüglich der exzessiven Handlungen der Beschuldigten
A._ und denjenigen Umständen, bei welchen der Kausalzusammenhang
fehle. Hier seien entsprechende Quoten vom Gericht festzulegen. Ebenfalls habe
das Gericht gestützt auf Art. 50 Abs. 2 OR festzulegen, in welchem Umfang die
Beschuldigten je Regress gegeneinander nehmen könnten. Angesichts des
Umstandes, dass sie – die Beschuldigte B._ – vorliegend
unbestrittenermassen das geringste Verschulden treffe, seien die jeweiligen
Anteile gemäss den gestellten Anträgen festzulegen (Urk. 90 S. 37 f., Urk. 217 S.
13).
3.5. Die Beschuldigte C._ liess vor Vorinstanz durch ihren damaligen
Verteidiger geltend machen, eine Entschädigung für erlittene immaterielle Unbill
sei dem Grundsatze nach nachvollziehbar, aber bestimmt nicht in der geforderten
Höhe von Fr. 30'000.00. Die konkrete Höhe stellte er unter Hinweis auf den
Grundsatz ex aequo et bono ins Ermessen des Gerichts (Urk. 84 S. 51). An der
Berufungsverhandlung monierte der neue Verteidiger ebenfalls, die von der
- 139 -
Vorinstanz festgesetzte Genugtuungssumme sei massiv übersetzt. Abgesehen
vom analen Einführen des Dildos seien der Privatklägerin keine körperlichen
Schmerzen zugefügt worden, die Entführung habe verhältnismässig kurz
gedauert und Sachbeschädigung sowie Sachentziehung rechtfertigten überhaupt
keine Genugtuung. Eine solche sei bei maximal Fr. 12'000.– anzusetzen, was für
die Beschuldigte C._ einen Anteil von Fr. 3'000.– zur Folge hätte (Urk. 213
S. 26 f.).
4.1. Dass vorliegend die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Ge-
nugtuung erfüllt sind, hat die Vorinstanz zu Recht bejaht. Es kann auf die entspre-
chenden Ausführungen verwiesen werden (Urk. 151 S. 142 ff.; Urk. 157/151 S.
136 ff.; Urk. 158/151 S. 130 ff.).
4.2. Die Vorinstanz hatte die Genugtuung an der mehrfachen, gemeinsam
begangenen sexuellen Nötigung als schwerstes Delikt ausgerichtet und eine
Basisgenugtuung von Fr. 20'000.00 angesetzt, diese aufgrund der weiteren
Übergriffe und der sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen der Privatklägerin
sodann auf Fr. 25'000.00 festgelegt. Im Mehrbetrag hat sie das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
4.3. Gemäss vorliegender Beurteilung haben sich die Beschuldigten nicht
nur der "einfachen", sondern der qualifizierten Entführung im Sinne von Art.183
Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 184 Abs. 1 und 3 StGB – als schwerstes Delikt – schuldig
gemacht. Die Beschuldigten trifft zwar "nur" ein eher leichtes bzw. leichtes Ver-
schulden, dies aber im Rahmen einer schweren Entführung bzw. Freiheits-
beraubung. Auch das Verschulden bei den mehrfachen sexuellen Nötigungen ist
noch leicht bzw. leicht, allerdings auch hier bei gemeinsamer Begehung der
Taten, welche besondere Verwerflichkeit und Belastung für das Opfer mit Art. 200
StGB besonders pönalisiert wird. Der Gesamtvorwurf wiegt daher schwerer, als
ihn die Vorinstanz gewichtet hat. Die Schwere der Taten der Beschuldigten drückt
sich auch in den langen Freiheitsstrafen aus. Im vorliegenden Fall stehen die
einlässlich geschilderte Intensität und lange Dauer der Tat und deren
Auswirkungen auf die Persönlichkeit der Privatklägerin klar im Vordergrund. Wie
der Rechtsvertreter der Privatklägerin zu Recht geltend gemacht hatte, liegt eine
- 140 -
Vielzahl von Handlungen vor, welche bereits allein schon
genugtuungsbegründend wären. So erfolgte die Entführung mittels Gewalt. Die
damit einhergehende Freiheitsberaubung über rund 8 Stunden war geprägt von
mannigfach ausgeübter körperlicher Gewalt wie Schlägen, Ohrfeigen, von
widerwärtigsten Erniedrigungen und Beleidigungen. Hinzu kamen die sexuellen
Übergriffe, die in der Einführung des Dildos in den Anus gipfelten. Auch musste
die Privatklägerin immer wieder Nacktaufnahmen ertragen, wobei sie sich
entsprechend den Anweisungen der Beschuldigten zu verhalten hatte. Auch
dadurch wurde die Privatklägerin schwer gedemütigt.
4.4. Dass die Vorinstanz es als ausgewiesen erachtete, dass die Beschul-
digten die Privatklägerin schwer und nachhaltig traumatisierten, überzeugt
(Urk. 151 S. 142 ff.; Urk. 157/151 S. 136 ff.; Urk. 158/151 S. 130 ff.). Anlässlich
der Berufungsverhandlung ergab sich diesbezüglich keine Relativierung.
Insgesamt besteht daher kein Anlass, die von der Vorinstanz festgelegte
und von der Privatklägerin akzeptierte Genugtuung von Fr. 25'000.00 inkl. Zins zu
5 % seit 11. März 2019 zu reduzieren.
4.5. Die Beschuldigten haben sich mittäterschaftliches Handeln vorwerfen zu
lassen. Sie sind daher gestützt auf Art. 50 Abs. 1 OR solidarisch zu verpflichten,
der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 25'000.00 zuzüglich Zins zu 5 % seit
11. März 2019 zu bezahlen.
5.1. Mit der Feststellung, dass der Geschädigte im Aussenverhältnis jeden
der Ersatzpflichtigen in Anspruch nehmen kann, ist noch nicht entschieden, wer
im Verhältnis der Ersatzpflichtigen untereinander den Schaden endgültig zu tra-
gen hat. Das Prinzip der Solidarität kann dazu führen, dass ein Solidarschuldner
gemessen an seinem Tatbeitrag und seinem Verschulden einen zu hohen Anteil
am Schaden ersetzen musste. Der vom Gesetz vorgesehene Regressanspruch
der Solidarschuldner untereinander dient dazu, dieses unerwünschte, weil unbilli-
ge Ergebnis zu korrigieren. Der in Anspruch genommene Ersatzpflichtige soll
deshalb berechtigt sein, den Schaden qua Rückgriff (Regress) ganz oder teilwei-
se auf einen oder mehrere andere Ersatzpflichtige abzuwälzen (BSK OR I-
- 141 -
Graber, Art. 50 N 22). Gemäss Art. 50 Abs. 2 OR obliegt es dem Richter, den
Rückgriff zu bestimmen. Dafür ist in erster Linie die Schwere des Verschuldens
massgebend (BSK OR I-Graber, Art. 50 N 25).
5.2. Dem Antrag der Beschuldigten B._ auf Festlegung von Quoten für
den internen Rückgriff hat die Vorinstanz insofern entsprochen, als sie die Be-
schuldigten zur Leistung einer Genugtuung von je Fr. 6'250.00 verpflichtet hat,
was je einem Viertel entspricht. Sie wies darauf hin, dass die Beschuldigten mit
sämtlichen Übergriffen einverstanden gewesen seien und jede einzelne damit im
Ergebnis den gleichen Anteil an verursachten Leids der Privatklägerin beigetra-
gen habe (Urk. 151 S. 144; Urk. 157/151 S. 138; Urk. 158/151 S. 132).
5.3. Wie bereits im Rahmen der Mittäterschaft thematisiert, war die Be-
schuldigte A._ immer mehr die treibende Kraft. Aber es waren alle Be-
schuldigten während der gesamten Übergriffe an Ort und Stelle. Sie trugen mit
ihrer Präsenz und personellen Übermacht zur Aufrechterhaltung der
Zwangssituation bei und ermutigten die jeweils handelnde Beschuldigte auch mit
Gelächter und Filmaufnahmen. Von einem eigentlichen Exzess der Beschuldigten
A._, der vom Vorsatz der anderen Beschuldigten nicht getragen worden
wäre, kann in der Gesamtbetrachtung nicht die Rede sein. Gemessen an ihren
Tatbeiträgen und ihrem Verschulden rechtfertigt sich allerdings eine leichte
Korrektur im Innenverhältnis. Während bei dem zugewiesenen Viertel für die
Beschuldigten C._ und D._ keine Modifikation angezeigt ist, erscheint
eine Verschiebung der im internen Verhältnis zu tragenden Anteile zwischen den
Beschuldigten A._ und B._ angemessen, und zwar im Verhältnis 3/8 zu
1/8 (entsprechend Fr. 9'375.00 bzw. Fr. 3'125.00).
6. Schliesslich ist vorzumerken, dass die Beschuldigte B._ bereits eine
Genugtuungssumme im Umfang von Fr. 5'000.00 an die Privatklägerin bezahlt
hat.
- 142 -
IX. Beschlagnahmte Gegenstände
Die Beschuldigte A._ ficht mit ihrer Berufung schliesslich die vorinstanz-
liche Dispositivziffer 7 an, gemäss welcher das Mobiltelefon Samsung Galaxy S9+
Duos, SM-G965F, Rufnummer 1, Asservatennummer A012'425'499, eingezogen
und vernichtet werden soll (Urk. 152 S. 2; Prot. II S. 15). Das genannte Mobiltele-
fon der Beschuldigten A._ weist einen klaren deliktischen Bezug auf, wes-
halb dieses in Bestätigung der Vorinstanz einzuziehen und zu vernichten ist.
X. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens
Bei sämtlichen Beschuldigten bleibt es bei einer Verurteilung. Sie haben
daher gemäss Art. 426 StPO die Verfahrenskosten zu tragen. Die vorinstanzli-
chen Kostenauflagen sind deshalb zu bestätigen.
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien gemäss
Art. 428 Abs. 1 StPO nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Zu
berücksichtigen ist bei der Kostenverteilung der Anteil des gerichtlichen Aufwan-
des aufgrund der Parteianträge.
2.1.2. Die Staatsanwaltshaft obsiegt mit ihrer Anschlussberufung hinsichtlich
der Qualifikation als schwere Entführung sowie mit ihrem Antrag auf 7 Jahre
Landesverweisung für die Beschuldigte A._. Hinsichtlich der Sanktionen
wurde ihr nur teilweise gefolgt.
2.1.3. Die Beschuldigte A._ unterliegt mit ihrem Antrag auf Freispruch
vollumfänglich. Ebenso wenig dringt sie mit ihren weiteren Anträgen durch.
2.1.4. Die Beschuldigte B._ dringt mit ihrem Antrag betreffend Sanktion
und interner Regressquotenregelung teilweise durch.
2.1.5. Die Beschuldigte C._ unterliegt im Schuldpunkt, betreffend die
Sanktion und Zivilforderungen.
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2.1.6. Insgesamt rechtfertigt sich deshalb, die Kosten des , mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigungen und der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, zu 8/20 der Beschuldigten A._,
zu 3/20 der Beschuldigten B._ und zu 6/20 der Beschuldigten C._
aufzuerlegen. Im Umfang von 3/20 sind die Kosten auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
2.2. Die Gerichtsgebühr ist in Anwendung von § 16 i.V.m. § 14 der Gebüh-
renverordnung des Obergerichts (GebV OG; LS 211.11) auf Fr. 15'000.– festzu-
legen.
2.3.1. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten A._, Rechtsanwalt
lic. iur. X1._, macht im Berufungsverfahren einen Aufwand von Fr. 23'526.25
geltend (Urk. 207). Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Dauer der Beru-
fungsverhandlung vom 24. März 2022 ist der amtliche Verteidiger mit pauschal
Fr. 21'700.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.
2.3.2. Die amtliche Verteidigerin der Beschuldigten B._, Rechtsanwältin
lic. iur. X2._, macht im Berufungsverfahren einen Aufwand von Fr. 14'694.60
geltend (Urk. 220). Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Dauer der Beru-
fungsverhandlung vom 24. März 2022 ist die amtliche Verteidigerin mit pauschal
Fr. 12'800.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.
2.3.3. Der vom amtlichen Verteidiger der Beschuldigten C._, Rechts-
anwalt Dr. iur. X3._, geltend gemachte Aufwand von Fr. 28'157.40 ist aus-
gewiesen (Urk. 216). Demgemäss ist der amtliche Verteidiger mit pauschal Fr.
28'200.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.
2.3.4. Der unentgeltliche Vertreter der Privatklägerin, Rechtsanwalt Dr. iur.
Y2._, macht einen Aufwand in der Höhe von Fr. 6'044.10 geltend (Urk. 223).
Unter Berücksichtigung des Aufwands für die Berufungsverhandlung vom
24. März 2022 (inkl. Weg und Nachbesprechung) ist der unentgeltliche Vertreter
der Privatklägerin mit pauschal Fr. 7'300.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu ent-
schädigen.
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2.3.5. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen bzgl. der Beschuldigten
A._ und der Beschuldigten C._ sind einstweilen auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht der beiden Beschuldigten bleibt bezüglich
ihrer jeweiligen Verteidigungskosten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung bzgl. der Beschuldigten B._ sind
zu 2/3 einstweilen und zu 1/3 definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Rückzahlungspflicht der Beschuldigten bleibt bezüglich ihrer Verteidigungskosten
im Umfang von 2/3 gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin sind definitiv
auf die Gerichtskasse zu nehmen.