Decision ID: b1c04319-980b-4ff1-ab1b-d731dde53996
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Am 13. Juli 2020 reichte A._ bei der AHV-Ausgleichskasse des
Kantons Graubünden (nachfolgend: Ausgleichskasse) den neuen
Mietvertrag vom 10. Juli 2020 mit einer monatlichen Miete von CHF 1'250.-
- ein. Infolge der veränderten Wohnkosten berechnete die
Ausgleichskasse mit Verfügung vom 15. Juli 2020 die
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV neu und rechnete A._ ab Juli 2020
anstatt den von ihm geltend gemachten jährlichen Mietzins von
CHF 15'000.-- den maximalen Mietzins von total CHF 13'200.-- an.
2. Dagegen erhob A._ am 13. September 2020 Einsprache mit der
Begründung, dass die Berechnung zu korrigieren und als jährlicher
Mietbetrag CHF 15'000.-- zu berücksichtigen seien.
3. Mit Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2020 wies die Ausgleichskasse
die Einsprache ab.
4. Gegen diese Verfügung erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
am 15. Oktober 2020 (Poststempel 16. Oktober 2020) Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er beantragte, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass der
Abzug von monatlich CHF 50.-- für den Abstellplatz nicht rechtens und bei
der Berechnung der Ergänzungsleistungen auf die volle Miete von
monatlich CHF 1'250.-- abzustellen sei. Zur Begründung machte er im
Wesentlichen geltend, dass ein Abzug bei der Miete für einen Stellplatz
nicht zulässig sei, wenn dieser gemäss Mietvertrag zur unentgeltlichen
Nutzung überlassen werde. Ein Abzug würde vorliegendenfalls nicht mit
dem Entscheid des Verwaltungsgerichts im rechtskräftigen Verfahren S 18
38 übereinstimmen.
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5. In ihrer Vernehmlassung vom 3. November 2020 beantragte die
Ausgleichskasse (nachfolgend: Beschwerdegegnerin), es sei auf die
Beschwerde nicht einzutreten, eventualiter sei die Beschwerde
abzuweisen. Zur Begründung verwies sie auf den Einspracheentscheid
und ergänzte, dass zu prüfen sei, ob der Beschwerdeführer überhaupt ein
rechtlich geschütztes Interesse daran habe, feststellen zu lassen, ob der
ortsübliche Abzug für einen Stellplatz zu Unrecht erfolgt sei. Wie der
mitangefochtenen Verfügung entnommen werden könne, habe der
Beschwerdeführer aktuell unabhängig von der Beantwortung der hier
strittigen Frage lediglich Anspruch auf das gesetzliche Mietzinsmaximum
von CHF 13'200.-- jährlich. Damit habe der Beschwerdeführer kein
Rechtsschutzinteresse, so dass auf die Beschwerde nicht einzutreten sei.
Eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen. Der Ansicht des
Beschwerdeführers, wonach ein Abzug bei der Miete für einen Stellplatz
nicht zulässig sei, wenn dieser im Mietvertrag zur unentgeltlichen Nutzung
vereinbart sei, könne nicht gefolgt werden. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung sei es für die Berechnung der Ergänzungsleistungen
zulässig, vom Mietvertrag einen ortsüblichen Abzug vorzunehmen, wenn
eine Garage im Mietvertrag als Zusatzobjekt aufgeführt werde. Es sei von
der Entgeltlichkeit des Abstellplatzes auszugehen, so dass der monatliche
Abzug von CHF 50.-- rechtens sei.
6. Mit nicht fristgerecht ergangener Replik, datiert vom 16. November 2020
(Poststempel 17. November 2020), bat der Beschwerdeführer um
Fristerstreckung zur Replik und um Zustellung des Urteils im Verfahren S
18 38. Mit Schreiben vom 19. November 2020 wies die
Instruktionsrichterin den Beschwerdeführer darauf hin, dass er die Frist zur
Einreichung der Replik versäumt habe. Überdies wurde er auf die
Möglichkeit des Ersuchens um Fristwiederherstellung gemäss Art. 41
ATSG bis zum 17. Dezember 2020 hingewiesen.
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7. Mit Replik vom 16. Dezember 2020 (Poststempel 17. Dezember 2020)
hielt der Beschwerdeführer an seinem Rechtsbegehren fest und vertiefte
seinen Standpunkt.
8. Mit Schreiben vom 4. Januar 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin
auf eine Duplik.
Auf die Begründung im angefochtenen Einspracheentscheid und auf die
weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Angefochten ist der Einspracheentscheid der Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Graubünden, AHV-Ausgleichkasse, vom 1. Oktober 2020.
Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30)
in Verbindung mit Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen diesen Entscheid Beschwerde erhoben werden. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist aufgrund von Art. 58
Abs. 1 ATSG und Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zur Beurteilung der
Beschwerde sachlich und örtlich zuständig. Gemäss Art. 59 ATSG ist zur
Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den
Einsprachentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung hat. Der Beschwerdeführer ist formeller und
materieller Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids und damit
unmittelbar betroffen. Ein schutzwürdiges Interesse liegt vor, wenn die
tatsächliche oder rechtliche Situation des oder der Rechtsuchenden durch
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den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann, wobei verlangt
wird, dass die Beschwerde führende Person durch den angefochtenen
Entscheid stärker als jedermann betroffen ist und in einer besonderen,
beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht (BGE 138 V 292
E.3, 136 V 7 E.2.1). Zu prüfen ist nachfolgend, ob der Beschwerdeführer
ein schutzwürdiges Interesse an der gerichtlichen Überprüfung des
angefochtenen Einspracheentscheids hat.
1.2. Gemäss Art. 43 Abs. 3 lit. b VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in
einzelrichterlicher Kompetenz, wenn ein Rechtsmittel offensichtlich
unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet ist. Ob die
Beschwerde offensichtlich unbegründet ist, ist nachfolgend ebenfalls zu
prüfen.
2.1. Gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG (in der Fassung in Kraft bis
31. Dezember 2020) wurde bei alleinstehenden Personen als Ausgaben
für den Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden
Nebenkosten ein jährlicher Höchstbetrag von CHF 13'200.-- anerkannt. Im
Mietzins der neuen Wohnung des Beschwerdeführers in B._ ist
folgendes enthalten: die Mitbenützung einer ca. 15 m2 grossen Scheune
als Abstellfläche, die unentgeltliche Benützung eines Abstellplatzes sowie
die unentgeltliche Mitbenützung des Gartenbunkers für Gartengeräte
(Beschwerdeführerische Akte 2). Ob die Benützung der im Mietzins
enthaltenen genannten Flächen und Gebäude entgeltlich oder
unentgeltlich erfolgt, kann, wie im Folgenden dargelegt, offenbleiben.
2.2. Nach Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG gehören der Mietzins einer Wohnung und
die damit zusammenhängenden Nebenkosten zu den anerkannten
Ausgaben. Bei Entgeltlichkeit dienen die genannten drei Bestandteile des
Mietvertrags nicht dem existentiellen Wohnbedürfnis, so dass ein
angemessener Abzug zulässig wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_69/2013 vom 9. August 2013 E.7f.). Umfasst ein Mietverhältnis auch
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Objekte, welche nicht existenziellen Wohnbedürfnissen dienen, kann dafür
nach der Rechtsprechung bei der EL-Bemessung ein ortsüblicher Betrag
vom gesamten Mietzins abgezogen werden (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts P 17/05 vom 24. Oktober 2005 E.3.3). Bei einem
ortsüblichen Abzug in der Höhe von CHF 50.-- würde der monatliche
Mietzins noch CHF 1'200.-- betragen, d.h. jährlich CHF 14'400.--, was den
Maximalbetrag von CHF 13'200.-- übersteigt (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 in
der Fassung in Kraft bis 31. Dezember 2020). Damit besteht in casu kein
Rechtsschutzinteresse, ob der Beschwerdeführer obsiegt oder unterliegt,
da der maximal anrechenbare Mietzins von jährlich CHF 13'200.-- mit dem
geltend gemachten Mietzins ohnehin überschritten wird und die
Ergänzungsleistungen unverändert bleiben.
2.3. Aufgrund des Gesagten ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
3.1. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG (in der Fassung in Kraft bis 31. Dezember 2020
in Verbindung mit Art. 83 ATSG [Übergangsbestimmung zur Änderung
vom 21. Juni 2019]) ist das kantonale Beschwerdeverfahren in
Sozialversicherungssachen - ausser bei leichtsinniger oder mutwilliger
Prozessführung - kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten erhoben
werden. Nach Art. 61 lit. g ATSG e contrario steht der
Beschwerdegegnerin kein Parteikostenersatz zu.
3.2. Der Beschwerdeführer hat am 15. Oktober 2020 die unentgeltliche
Prozessführung beantragt. Da das vorliegende Verfahren kostenlos ist, ist
das Gesuch obsolet.
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