Decision ID: cc01ca10-5d94-470d-a2e8-b080733dab11
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache qualifizierte Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 18. Juni 2013 (DG130114)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 27. März
2013 (Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen qualifizierten Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 49 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
3 Jahre festgesetzt.
4. Für die Dauer der Probezeit wird der Beschuldigten die Weisung erteilt, sich
der bereits bestehenden psychotherapeutischen Behandlung zu
unterziehen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 8'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 11'272.70 Auslagen Untersuchung
Fr. 21'890.40 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-
lich diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten aufer-
legt, aber einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforde-
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rung sämtlicher Kosten erfolgt, sobald es die wirtschaftlichen Verhältnisse
der Beschuldigten erlauben.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 62 S. 1)
1. Es sei die Beschuldigte wegen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126
StGB mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestra-
fen, unter Gewährung des bedingten Vollzugs mit Ansetzung einer
Probezeit von zwei Jahren.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, wobei die Kosten auch im
Falle einer Auferlegung an die Beschuldigte zufolge offensichtlicher
Uneinbringlichkeit sogleich abzuschreiben seien und das Honorar der
amtlichen Verteidigung auf Fr. 5'468.05 (inkl. MWST) festzusetzen sei.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 59, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 18. Juni 2013 wurde die Beschul-
digte A._ der mehrfachen qualifizierten Körperverletzung im Sinne von
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Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB schuldig gesprochen und mit
einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten bestraft, wovon 49 Tage durch Haft erstan-
den waren. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde unter Ansetzung einer Probezeit
von drei Jahren aufgeschoben. Im Weiteren wurde der Beschuldigten für die
Dauer der Probezeit die Weisung erteilt, sich der bereits bestehenden psychothe-
rapeutischen Behandlung zu unterziehen. Die Kosten der Untersuchung und des
gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich diejenigen der amtlichen Verteidigung,
wurden der Beschuldigten auferlegt, jedoch einstweilen vollumfänglich unter dem
Nachforderungsvorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse ge-
nommen (Urk. 51).
2. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Zürich liess die Beschuldigte mit
Eingabe vom 28. Juni 2013 innert Frist die Berufung anmelden (Urk. 46). Am
29. August 2013 liess die Beschuldigte durch Eingabe ihrer Verteidigerin die Be-
rufungserklärung einreichen und oberwähnte Anträge stellen (Urk. 52). In der Fol-
ge wurde den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom
18. September 2013 Frist angesetzt, um zu erklären, ob sie Anschlussberufung
erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung beantragen würden (Urk. 54).
Innert Frist liessen sich weder die Privatkläger noch die Staatsanwaltschaft ver-
nehmen.
3. Das vorinstanzliche Urteil wurde vollumfänglich angefochten (Urk. 52).
II. Anklageprinzip
1. Wie bereits vor Vorinstanz rügt die Verteidigung eine Verletzung des Ankla-
geprinzips, da die der Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen nicht den bei
den Privatklägern festgestellten Verletzungen zugeordnet werden könnten und die
der Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen zu pauschal umschrieben seien
(Urk. 52; Urk. 62 S. 4 ff.).
2. Gemäss dem Anklagegrundsatz darf eine Straftat nur dann gerichtlich beur-
teilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen
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eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage er-
hoben hat (Art. 9 Abs. 1 StPO). Die Anklageschrift bezeichnet möglichst kurz,
aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung
von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung (Art. 325 Abs. 1 lit. f.
StPO). Funktion des Anklagegrundsatzes ist es somit, das Thema des Strafpro-
zesses klar zu umschreiben und sicherzustellen, dass die beschuldigte Person
weiss, was ihr vorgeworfen wird, damit sie sich verteidigen kann.
3. Vorliegend wirft die Anklage der Beschuldigten vor, sie habe ihren beiden
Söhnen in der Zeit von Juni 2011 bis 13. Februar 2012 an deren gemeinsamen
Wohnort an der B._-Strasse ... in Zürich wiederholt erhebliche Schlag- und
Brandverletzungen zugefügt, wobei sie teilweise verschiedene Gegenstände ver-
wendet habe. Die Anklage bestimmt somit den Tatort. Aufgrund der mehrfachen
Tatbegehung über einen längeren Zeitraum hinweg und der Natur des Delikts
konnten die Zeitpunkte der einzelnen Tathandlungen nicht genau eruiert werden.
Immerhin konnte der Tatzeitraum auf rund acht Monate eingegrenzt werden, was
genügend ist. Der Anklage kann jedoch nur begrenzt entnommen werden, durch
welche Tathandlungen welche Verletzungen entstanden sind. Die Staatsanwalt-
schaft ist sich dieses Mangels bewusst. Da sie sich jedoch ausser Stande sieht,
diesen Mangel zu beheben (Prot. I S. 10), würde eine allfällige Rückweisung der
Anklage keine präzisere Formulierung des Sachverhalts bringen. Mit der Vor-
instanz - und unter Verweisung auf deren zutreffenden Ausführungen (Urk. 51
S. 4 ff.) - ist daher davon auszugehen, dass aufgrund der Tatsache, dass vorlie-
gend Aussagen von relativ kleinen Kindern das Fundament für die Anklage liefer-
ten, keine zu hohen Anforderungen an das Anklageprinzip gestellt werden dürfen.
Dies gilt umso mehr, als die Beschuldigte im Rahmen des Untersuchungsverfah-
rens detailliert über die Vorwürfe informiert wurde und sie dazu auch Stellung be-
ziehen konnte. Auch sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass sich die Beschul-
digte nicht hätte genügend gegen die erhobenen Vorwürfe verteidigen können,
war sie doch auch seit Beginn des Strafverfahrens verteidigt. Der Anklagevorwurf
ist somit genügend klar umschrieben.
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III. Sachverhalt
1. Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe ihre Kinder C._ (geb.
tt.mm.2004) und D._ (geb. tt.mm.2005) seit ca. Juni 2011 bis am 13. Februar
2012 am gemeinsamen Wohnort an der B._-Strasse ... in Zürich regelmässig
körperlich misshandelt, indem sie die Kinder aus nichtigem Anlass mit der Hand
und der Faust, mit einem Teigroller, mit einem Staubsaugerrohr, mit einer Velo-
pumpe, mit Messern oder mit einem Gürtel gegen deren Beine, Oberkörper und
auch gegen deren Kopf geschlagen habe. Auch habe die Beschuldigte brennende
Streichhölzer auf die Zunge der Kinder sowie deren Rücken und Brust- und
Bauchbereich gedrückt. Zudem habe sie D._s Kopf gegen die Wand ge-
schlagen und in seinen linken Zeigefinger und Daumen gebissen. Am 13. Februar
2012 habe sie D._ mit einem Messer am Daumen verletzt. Durch diese von
der Beschuldigten vorgenommenen körperlichen Misshandlungen hätten die Kin-
der folgende Verletzungen erlitten:
C._: Schaftbruch fünfter Mittelhandknochen an der linken Hand, Ellenbruch
am rechten Arm, Bruch des Grundgliedes Zeigefinger an der linken Hand, zwei
ca. 0,5 x 0,2 cm grosse Läsionen auf der Zunge, Kruste an der rechten Schläfe,
streifenförmige Blutergüsse an den hinteren Unterschenkeln beidseits, Narben am
Rücken.
D._: Stumpfes Bauchtrauma mit Leberriss und Hirnerschütterung, multiple
Blutergüsse unterschiedlichen Alters an Oberarmen beidseits, frische Blutergüsse
am Brustbein (3 x je 2,2 cm), Blutergüsse an der Stirn (2 x 3 cm), Prellmarke
Schädel seitlich (1 x 1 cm), Prellmarke Hinterkopf (1 x 1 cm), weiche Schwellung
am rechten Hinterkopf, Prellung linke Stirn, multiple frische und ältere kleine Nar-
ben verschiedener Grösse und Form an Oberkörper und Armen beidseits, leichtes
Schädelhirntrauma mit Bluterguss und tastbarer Stufe Schädel seitlich beidseits,
Platzwunde Unterlippe, Rissquetschwunde am linken Daumen.
2. Die Vorinstanz sprach die Beschuldigte betreffend des stumpfen Bauch-
traumas mit Leberriss und Hirnerschütterung beim Privatkläger D._ und des
Bruchs des Grundgliedes am Zeigefinger an der linken Hand beim Privatkläger
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C._ frei (Urk. 51 S. 18). Aufgrund des Verschlechterungsverbotes darf darauf
nicht zurückgekommen werden.
3. Am 18. Januar 2012 erstattete das Kinderspital Zürich der Vormundschafts-
behörde der Stadt Zürich betreffend die Privatkläger eine Gefährdungsmeldung.
Dieser ist zu entnehmen, dass C._ wegen einer Handfraktur hospitalisiert
worden sei. Dabei sei ein kürzlich verheilter Bruch des Schlüsselbeins sowie ein
ebenfalls kürzlich verheilter Bruch der Elle festgestellt worden. Der Bruch der Elle
sei medizinisch nicht behandelt worden. Zudem habe C._ diverse alte Nar-
ben am Rücken, welche dafür sprechen würden, dass er in Somalia auf irgendei-
ne Weise misshandelt worden sei. Für die Brüche an Elle, Schlüsselbein und
Hand, die allesamt in den letzten vier Monaten passiert seien, gäbe es keine Er-
klärung. C._ habe sich an kein Trauma erinnern können. Es sei jedoch auf-
gefallen, dass C._ keinerlei Schmerzempfinden zeige. Obwohl er einen
Bruch an der Hand habe, habe er diese weiterhin zum Spielen gebraucht, als ob
nichts wäre. D._ sei im Jahre 2011 mit einem stumpfen Bauchtrauma hospi-
talisiert gewesen. Er habe diverse Narben von Verbrennungen an den Füssen.
Auch von ihm berichte die Mutter, dass er praktisch kein Schmerzempfinden zei-
ge. Es sei nicht klar, weshalb die Kinder kein Schmerzempfinden zeigten. Sie hät-
ten sich als freundliche, aufgeweckte, angstfreie Kinder präsentiert. Gegenüber
Erwachsenen (inkl. Mutter) hätten sie keine Angst oder auffallende Zurückhaltung
gezeigt, was gegen eine innerfamiliäre Misshandlung spreche (Urk. 6.1).
Der ärztliche Befund des Kinderspitals Zürich vom 29. März 2012 betreffend den
Privatkläger C._ erwähnt, dass C._ zweimal, einmal im Januar und ein-
mal im Februar 2012, hospitalisiert gewesen sei. Dabei seien ein verschobener
Schaftbruch des fünften Mittelhandknochens links, ein zusammengewachsener
verschobener Ellenbruch rechts, ein Zustand nach Bruch des Grundgliedes Zei-
gefinger links, zwei ca. 0,5 x 0,2 cm grosse Läsionen auf der Zunge, eine Kruste
an der Schläfe rechts, streifenförmige Blutergüsse an den Unterschenkeln beid-
seits, viele alte Narben am Rücken und einige Stellen am Kopf mit deutlich weni-
ger Haaren festgestellt worden. Die Brüche seien durch äussere Krafteinwirkung
entstanden. Ein Rückschluss auf den Unfallhergang sei nicht möglich. Eine
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Selbstbeibringung sei sehr unwahrscheinlich. Die Läsionen auf der Zunge könn-
ten im Rahmen einer Wärmeeinwirkung (glühendes Zündhölzchen) entstanden
sein. Eine Selbstbeibringung sei theoretisch möglich. Bezüglich der Kruste am
Kopf sei kein Rückschluss auf einen Unfallhergang möglich. Die Blutergüsse an
den Unterschenkeln beidseits hinten seien durch äussere Krafteinwirkung ent-
standen. Eine Selbstzuführung sei aufgrund der Lokalisation unwahrscheinlich.
Die Narben am Rücken hätten kaum selber zugefügt werden können. Zu den Ur-
sachen und Daten der Verletzungen führt der Bericht aus, betreffend dem Hand-
bruch bestehe kein erinnerliches Trauma, betreffend Ellenbruch würden keine
Angaben vorliegen, der Bruch des Zeigefingers datiere vom 6. Dezember 2011,
ein Schulkollege sei auf die Hand gestanden. Die am 13. Februar 2011 (recte:
2012) festgestellten Läsionen auf der Zunge seien entstanden, weil die Mutter mit
glühenden Streichhölzern die Zunge verbrannt habe. Zur Kruste an der Schläfe
rechts und zu den Blutergüssen an den Unterschenkeln würden keine Angaben
vorliegen. Die Narben am Rücken habe die Mutter zugefügt, indem sie mehrmals
mit Streichhölzern den Rücken verbrannt habe (Urk. 6.5).
Der ärztliche Befund des Kinderspitals Zürich betreffend D._ vom 29. März
2012 führt aus, dass dieser insgesamt fünfmal hospitalisiert gewesen sei.
D._ habe bei der Hospitalisation vom 18. bis 23. Juli 2011 ein stumpfes
Bauchtrauma mit Leberriss und Hirnerschütterung, multiple Blutergüsse unter-
schiedlichen Alters an den Oberarmen beidseits, frische Blutergüsse am Brust-
bein (3 x je 2,2 cm) und an der Stirn (2 x 3 cm), eine Prellmarke am Schädel seit-
lich (1 x 1 cm) und Hinterkopf (1 x 1 cm) gehabt. Der Leberriss, die Hirnerschütte-
rung und die Blutergüsse seien durch äussere Krafteinwirkung entstanden. Eine
Selbstbeibringung sei nicht möglich. Als Ursache dieser Verletzungen sei ein un-
klarer Sturz aus dem Stockbett am 17. Juli 2011 angegeben worden. Bei der
Hospitalisation vom 29. bis 30. Juli 2011 sei eine weiche Schwellung am Hinter-
kopf rechts festgestellt worden. Eine Selbstbeibringung dieser Verletzung sei
möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Es sei kein Trauma/Ursache erinnerlich. Die
dritte Hospitalisation sei vom 1. September bis zum 3. Oktober 2011 erfolgt.
D._ habe sich Verbrühungen zweiten Grades auf den Fussrücken beidseits
von ca. 3 % der Körperoberfläche mit Spalthauttransplantation von Kopf auf Fuss-
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rücken links zugezogen. Die Verbrühungen seien durch sehr heisse Flüssigkeit
entstanden. Eine Selbstbeibringung sei möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Als
Ursache sei angegeben worden, dass D._ bei einem grossen Fest einen
Topf mit heissem Wasser vom Herd gestossen und sich dabei die Füsse verbrüht
habe. Er sei sofort beim Kinderarzt gewesen (30.08.2011). Die nächste Hospitali-
sation sei vom 10. bis 13. Januar 2012 erfolgt. Dabei sei eine Prellung an der
Stirn links, multiple frische und ältere kleine Narben verschiedener Grösse und
Form an Oberkörper und Armen beidseits festgestellt worden. Die Kopfprellung
sei durch äussere Gewalteinwirkung entstanden wie auch die multiplen frischen
und älteren Narben im Bereich der Brust und des Rückens. Eine Selbstbeibrin-
gung der Kopfprellung sei sehr unwahrscheinlich, bei den Narben an der Brust
möglich. Eine Selbstbeibringung der Verletzungen am Rücken sei nicht möglich.
Gemäss Angaben des Stiefvaters habe sich D._ den Kopf an der Tramtüre
angeschlagen (10.01.2012). D._ habe jedoch von einem Sturz im Schlaf-
zimmer zu Hause berichtet. Im Verlauf habe der Stiefvater berichtet, dass die Ver-
letzung von einem Treppensturz herrühre. Die letzte Hospitalisation sei vom
13. bis 15. Februar 2012 erfolgt. An Verletzungen sei ein leichtes Schädelhirn-
trauma mit Bluterguss und tastbarer Stufe beidseits Schädel seitlich, eine Platz-
wunde an der Unterlippe und eine Rissquetschwunde am Daumen links festge-
stellt worden. Die Verletzungen seien durch äussere Krafteinwirkung entstanden.
Eine Selbstbeibringung sei möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Gemäss Anga-
ben des Bruders sei D._ von der Mutter mehrmals am Kopf mit dem Wallholz
geschlagen worden (13.02.2012) (Urk. 7.4).
4. E._, der Ehemann der Beschuldigten, wurde am 15. März 2012 polizei-
lich einvernommen. Dabei führte er aus, dass die Kinder lange Zeit nicht mit ihrer
Mutter, sondern beim noch minderjährigen Bruder der Mutter in Somalia gelebt
hätten. Das Leben, welches die Kinder vor der Ankunft in der Schweiz gehabt hät-
ten, sei ein völlig anderes. Die Kinder seien frei gewesen. Sie hätten keinen Ta-
gesablauf gehabt. Die meiste Zeit seien sie am Spielen gewesen. Und plötzlich
sei ihr Leben strukturiert gewesen. Daran seien sie nicht gewohnt gewesen, wes-
halb es zu Verständigungsproblemen mit ihrer Mutter gekommen sei. Die Le-
bensweisen in den beiden Ländern seien enorm unterschiedlich. Die Kinder in
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Somalia dürften von ihren Eltern aus in einer grossen Distanz spielen gehen, oh-
ne Begleitung von Erwachsenen. Hier dürften sie aber überhaupt nicht oder nur in
Begleitung der Eltern nach draussen gehen. Das sei für die Kinder eine gewöh-
nungsbedürftige Sache. Sie hätten das Gefühl gehabt, nicht mehr frei zu sein. Er
habe beobachtet, dass die Kinder sich eingeschränkt fühlten. Er habe einige Male
Gespräche mit der Lehrerin von C._ geführt. C._ sei während des Un-
terrichts geistig abwesend und mache in der Klasse nicht mit. Und das sei darauf
zurückzuführen, wie er sich selber fühle. Er habe oft die Aufgaben der Schule
nicht gemacht, was zu einem Konflikt geführt habe. Die Lehrerin habe ihm
(E._) auch gesagt, dass C._ auch andere Kinder schlage. All diese Sa-
chen würden weiterhin zu Konflikten führen. Wenn er andere Kinder schlage,
werde er gefragt, weshalb und dass er das nicht tun dürfe. Und all das habe dazu
geführt, dass sich vor allem C._ in einer schwierigen Lage befinde. E._
führt weiter aus, dass er nicht wisse, weshalb seine Partnerin verhaftet worden
sei. Er habe selber mitbekommen, dass die Kinder angeschrien worden seien,
wenn sie sich nicht an die Struktur gehalten hätten. Er habe nie Gewaltakte der
Mutter an den Kindern gesehen. Er könne allerdings keine Auskunft darüber ge-
ben, was während seiner Abwesenheit passiert sei. Er habe von den Kindern nie
erzählt bekommen, dass sie von ihrer Mutter geschlagen würden. Er selber habe
die Kinder nie geschlagen. Über die Narben der Kinder könne er nichts sagen. Er
habe selber gesehen, dass die Kinder viele Narben am Körper hätten. Betreffend
die Brüche könne die Lehrerin Auskunft erteilen. Er selber habe keine Brandnar-
ben/Brandwunden auf der Zunge gesehen. Die Kinder hätten einmal Hautaus-
schläge gehabt. Er wisse nicht, wie die Krankheit heisse. Sie hätten rote Punkte
auf dem Körper gehabt und wenn sie daran gekratzt hätten, hätten sich diese
verändert. Sie seien dann bleich geworden. Er habe die Kinder deswegen zum
Hausarzt gebracht, der ihnen eine Salbe gegeben habe. Als C._ im Spital
gewesen sei, habe er mit Ärzten und Krankenschwestern gesprochen und habe
ihnen die Hautausschläge gezeigt. Wenn er sich nicht gekratzt habe, seien die
Flecken dunkel, sonst seien sie heller geworden. Seit die Kinder in der Schweiz
seien, habe sich seine Partnerin zum Positiven verändert. Sie sei viel glücklicher
und aufgestellter geworden. Auf die Frage, wie er sich erklären könne, dass die
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Kinder von zu Hause weggegangen seien und über Misshandlungen berichten
würden, antwortete E._ wie folgt: Die Kinder könnten manchmal sehr schlau
sein. Diese Kinder hätten sich eingeschränkt gefühlt. Sie hätten das Gefühl ge-
habt, dass ihre Mutter sehr streng sei mit ihnen und dass sie gewisse Freiheiten
nicht mehr hätten. Sie hätten einfach diese Freiheit wieder erleben wollen, die sie
gehabt hätten. Er verstehe, woher der Konflikt komme. Die zwei Kulturen seien
sehr unterschiedlich. Die Schweizer würden denken, dass die Kinder etwas
Schlechtes erlebt hätten. Aber die Kinder hätten einfach wieder die Freiheit erle-
ben wollen. Und die Vorstellung der Kinder könnten die Schweizer hier nicht ver-
stehen, weil die Kinder ein völlig anderes Leben gehabt hätten. Der Fingerbruch
sei in der Schule passiert. Die Lehrerin habe gesagt, C._ habe einen Jungen
namens F._ geboxt, dann habe er Schmerzen gehabt. C._ sei in der
Nähe der Schule zu einem Arzt gebracht worden. Man habe festgestellt, dass der
Finger gebrochen sei und habe ihn gerufen. Er sei dann in die Schule gegangen
und habe C._ zum Arzt ins Triemlispital gebracht. Dort habe er C._ ge-
fragt, was wirklich passiert sei, weil er sich nicht habe vorstellen können, dass
C._ so stark geboxt habe, dass der Finger gebrochen sei. Die Hand von
C._ sei eingegipst worden. Der Arzt habe gesagt, dass der Hausarzt in zwei
Wochen den Gips entfernen könne. Der Hausarzt habe gesagt, dass es noch zu
früh sei und es noch eine Woche brauche. Nach drei Wochen habe der Hausarzt
ein Röntgenbild gemacht und gesagt, dass der Finger noch nicht geheilt sei. Sie
hätten C._ ins Kinderspital bringen müssen. Dort habe man bei einer Ge-
samtuntersuchung festgestellt, dass der Unterarm geschwollen sei. Es sei für alle
eine schockierende Sache gewesen, zu wissen, dass der Arm gebrochen gewe-
sen sei. Zuvor habe C._ nie dort Schmerzen gehabt, wo der Arm gebrochen
gewesen sei. Der Arzt habe gesagt, dass der Bruch mindestens fünf Wochen alt
sei. Speziell sei auch gewesen, dass C._ im Spital sehr aufgestellt gewesen
sei und nicht über Schmerzen geklagt habe. Die Ärzte hätten gesagt, dass man
dies darauf zurückführen könne, dass er zuwenig Kalzium habe. Er habe dann
C._ gefragt, wie es zu diesem Bruch gekommen sei. C._ habe gesagt,
er habe keinen Bruch. Er sei am Spielen, habe keine Schmerzen. Die Kinder sei-
en schwierig. Sie würden oft untereinander streiten. C._ schlage den Jünge-
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ren oft. Er habe mit ihnen oft darüber sprechen müssen, dass sie nicht handgreif-
lich werden dürften. Die Kinder hätten die Gewohnheit, wenn sie im Bad seien
und sich die Zähne putzen, über die Badewanne zu klettern, damit sie sich im
Spiegel über dem Lavabo anschauen könnten. Einige Male seien sie runtergefal-
len und hätten sich vor allem im Gesicht verletzt. Er habe viel mit C._ über
Gewalt gesprochen. Er habe oft gehört, dass er in der Schule Kinder schlägt und
er habe ihm erklären müssen, dass das hier verboten sei. Nach jeder Schlägerei
habe er gesagt, er habe nicht geschlagen. E._ könne sich vorstellen, dass er
eher zuerst geschlagen habe (Urk. 4.1).
Am 6. März 2013 wurde E._ als Zeuge einvernommen. Dabei führte er aus,
dass er nie erlebt habe, dass die Kinder von der Mutter geschlagen worden seien.
Die Kinder hätten ihm auch nie gesagt, dass sie von der Mutter geschlagen wor-
den seien. Die Kinder hätten ihm erzählt, dass sie mit dem Velo oder Trottinett
hingefallen seien. Der Kleine stehe manchmal im Badezimmer auf die Badewan-
ne, um sich beim Zähneputzen im Spiegel anzuschauen. Es gäbe auch einen
Spiegel, der auf dem Boden stehe. Er sei dorthin gestellt worden, um zu verhin-
dern, dass die Kinder von der Badewanne herunterfallen würden. Er könne nicht
sagen, wie die Brandverletzungen auf der Zunge entstanden seien und das sei
etwas, was er nicht glaube. Er habe das erstens nicht gesehen und zweitens
glaube er nicht, dass die Mutter zu so etwas fähig sei. Bezüglich des Fingerbru-
ches habe ihn die Lehrerin angerufen. Er sei dann in die Schule gegangen und
habe die Unterlagen des Arztes erhalten, zu dem C._ gebracht worden sei.
Die Lehrerin habe ihm gesagt, er solle mit dem Kind ins Triemlispital gehen. Dort
habe C._ einen Gips bekommen und nach drei Wochen habe er wieder zum
Hausarzt gehen müssen. Der Hausarzt habe gesagt, dass es noch nicht gut sei
und habe gesagt, er solle ins Kinderspital gehen. Im Kinderspital sei festgestellt
worden, dass neben dem Finger auch der Arm gebrochen gewesen sei. Sogar
C._ selber habe nicht bemerkt, dass er auch den Arm gebrochen habe. Er
wisse nicht, wie dieser Bruch entstanden sei. Wenn es eine Verletzung gegeben
habe, habe man ihm gesagt, sie stamme vom Velo oder vom Trottinett. Als er die
Nachricht vom Fingerbruch von C._ erhalten habe, sei die Beschuldigte bei
der Arbeit gewesen. Er habe ein paar Mal erlebt, dass die Kinder vom Badewan-
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nenrand gestürzt seien. Dabei hätten sich die Kinder keine gravierenden Verlet-
zungen zugezogen, sondern nur Kratzer und Hämatome. Einmal habe sich
D._ im Badezimmer versteckt und C._ habe ihn gesucht. D._ habe
die Badezimmertüre geöffnet, diese sei an den Kopf von C._ geprallt und es
habe eine kleine Verletzung gegeben. Er habe ein Pflaster drauf getan. Er habe
nicht selber gesehen, wie es zum Schlüsselbeinbruch von C._ gekommen
sei. C._ habe ihm erzählt, er sei mit dem Trottinett gestürzt. Er sei dann mit
C._ zum Hausarzt gegangen. Die Beschuldigte sei zu diesem Zeitpunkt bei
der Arbeit gewesen. Er habe an den Körpern der Kinder als sie von Somalia ge-
kommen seien schwarze Flecken festgestellt. Das Kinderspital habe ihn infor-
miert, dass sie mit Flecken von Somalia gekommen seien. Es habe auch allergi-
sche Reaktionen gegeben, bei welchen zuerst weisse und dann schwarze Fle-
cken entstanden seien. Bei den schwarzen Flecken habe es sich möglicherweise
um Spuren von wilden Blattern gehandelt (Urk. 4.2).
5. Am 29. März 2012 wurde G._, die Lehrerin von C._, polizeilich be-
fragt. Dabei führte sie aus, dass es zwischen Sommer- und Herbstferien zu einem
ersten Unfall gekommen sei. C._ habe sich das Schlüsselbein gebrochen.
Der "Vater" habe C._ in die Schule begleitet und erzählt, C._ sei mit
dem Fahrrad gestürzt. C._ habe diese Geschichte bestätigt. Am 21. Novem-
ber 2011 habe C._ zwei blaue Augen gehabt. Weiter habe er zwischen den
Augen am Stirnansatz eine Schnittwunde von ca. 1 cm Länge aufgewiesen.
C._ habe angegeben, dass er mit dem Velo gestürzt sei. Als sie nachgefragt
hätten, habe er gesagt, dass er mit dem Trottinett gestürzt sei. Das sei das einzi-
ge Mal gewesen, dass er sich widersprochen habe. Es sei den Lehrpersonen von
C._ klar gewesen, dass etwas Abnormales in der Familie vor sich gehe. Sie
hätten die Schulsozialarbeiterin informiert, welche den Schularzt informiert habe.
Dieser habe einen Schulbesuch gemacht und C._ auf ein Hämatom am Au-
ge angesprochen. C._ habe gesagt, dass sein jüngerer Bruder ihn mit einem
Schuh im Gesicht getroffen habe. Der Arzt habe gemeint, dass dies nicht auszu-
schliessen sei, der jüngere Bruder aber ziemlich massiv habe zuschlagen müs-
sen. C._ sei sehr lernbegierig gewesen, sein Sozialverhalten hingegen sehr
auffällig. Bei Konflikten habe er sehr schnell zugeschlagen und zwar sehr massiv.
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Nach einem Streit habe er einen verletzten Finger gehabt. Sie könne allerdings
nicht sagen, ob diese Verletzung vor oder während des Konfliktes entstanden sei.
Sie habe nach dem Konflikt den geschwollenen Finger von C._ gesehen und
ihn darauf angesprochen. Dieser habe gesagt, dass dies beim Streit mit dem an-
deren Jungen entstanden sei. Der "Vater" von C._ habe diesen dann ins Spi-
tal gebracht. C._ habe ab und zu eine Beule am Kopf gehabt. C._ habe
auch Verletzungen gehabt, über welche sie als Lehrpersonen gerätselt hätten. Er
habe jeweils auf den Handrücken, mehrheitlich links, kleinere oberflächliche
Hautverletzungen gehabt. Diese hätten wie feine Schnitte ausgesehen. Er habe
nie darüber gesprochen. Auch wenn man ihn gefragt habe, habe er keine Aus-
kunft gegeben. Die Schnittverletzungen habe er zwei- bis dreimal gehabt. Die
meisten Verletzungen habe er jeweils nach den Wochenenden gehabt. C._
habe äusserst selten geweint oder über Schmerzen geklagt. Er habe sich sehr
schmerzresistent gezeigt. Beim Sporttest der ETH habe C._ überdurch-
schnittlich gut abgeschnitten. Es falle ihr deshalb schwer zu glauben, dass er so
ungeschickt sei und sich dauernd Verletzungen von Stürzen zuziehe (Urk. 4.3).
Als Zeugin ergänzte die Lehrerin von C._ ihre bei der Polizei gemachten
Aussagen. C._ habe immer erzählt, dass er mit dem Velo oder dem Trottinett
gestürzt sei. Später habe dies der Partner der Beschuldigten bestätigt. Brandver-
letzungen auf der Zunge habe sie keine bemerkt. Beim Schlüsselbeinbruch sei
der Partner der Beschuldigten gekommen und habe gesagt, dass C._ mit
dem Trottinett gestürzt sei. C._ habe dies auch so erzählt. Bei den zwei
blauen Augen und der Schnittverletzung am Stirnansatz von Ende November
2011 habe C._ erzählt, dass er mit dem Velo gestürzt sei. Sie habe Zweifel
an dieser Geschichte gehabt, weil C._ beim ETH Test sehr gut abgeschnit-
ten habe. Es könne aber auch sein, dass er mit dem Velofahren noch nicht so gut
vertraut gewesen sei (Urk. 4.4).
6. H._ ist der Nachbar der Beschuldigten. Als Zeuge führte er aus, dass er
selber keine Beobachtungen gemacht habe, wonach die Beschuldigte die Privat-
kläger geschlagen oder gegen sie Gewalt angewendet habe. Auch habe er bei
den Privatklägern keine Verletzungen festgestellt (Urk. 4.5).
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7. I._, die Kindergärtnerin von D._, wurde am 6. März 2013 als Zeu-
gin einvernommen. Sie führte aus, dass sie von keinem Mal wisse, dass die Be-
schuldigte die Kinder geschlagen habe. Sie hätten nur die Verletzungen gesehen.
D._ sei bereits nach einer Woche Kindergarten wegen schweren Verbren-
nungen im Kinderspital gewesen. In den folgenden drei bis vier Monaten, in de-
nen er im Kindergarten gewesen sei, habe er öfters blaue Flecken und eine Ver-
letzung an der Stirn aufgewiesen. Die Aussagen der Kinder, wie es zu diesen Ver-
letzungen gekommen sei, hätten immer recht glaubhaft gewirkt. Zu denken habe
ihnen die Häufigkeit der Verletzungen gegeben. Bei den Verbrennungen von
D._ sei angegeben worden, dass D._ in der Küche einen Behälter mit
heisser Flüssigkeit zu sich hinuntergezogen habe, als die Mutter nicht in der Kü-
che gewesen sei. Sie hätten es erstaunlich gefunden, dass er nicht geschrien ha-
ben soll, sondern erst auf die Verbrennungen hingewiesen habe, nachdem ihn die
Mutter diesbezüglich gefragt habe. Dann sei die Geschichte mit der gebrochenen
Hand von C._ gewesen. Zur selben Zeit habe D._ ein blaues Auge auf-
gewiesen. Auf ihre Erkundigung hin habe D._ mitgeteilt, sie hätten miteinan-
der gekämpft. Wenn wieder etwas gewesen sei, hätten sie beispielsweise gesagt,
sie seien die Treppe hinuntergefallen oder hätten andere Kinder beschuldigt. Sie,
die Lehrpersonen, hätten immer etwas Zweifel gehabt. Einerseits habe die Häu-
figkeit sie misstrauisch gemacht. Andererseits hätten sie festgestellt, dass
D._ im Kindergarten oft Sachen gemacht habe, welche eine Gefährdung be-
inhalteten. Im Turnunterricht sei er von grosser Höhe heruntergesprungen. Er sei
überall hinaufgestiegen, habe alles unüberlegt in seine Hände genommen und mit
Messern und Scheren gespielt. Einmal habe C._ die Schuld des Hämatoms
auf sich genommen. Speziell sei ebenfalls gewesen, wie C._ D._ kon-
trolliert habe. Er sei häufig in den Kindergarten gekommen, um nach D._ zu
schauen. Er habe ihn so vereinnahmt, dass sie dies nicht optimal fanden. Hin-
sichtlich der Beschuldigten hätten sie nie ein schlechtes Gefühl gehabt. Die Be-
schuldigungen seien völlig überraschend gekommen (Urk. 4.6).
8. Die Zeugin J._, ebenfalls Kindergärtnerin von D._, erklärte anläss-
lich ihrer Zeugeneinvernahme vom 6. März 2013, dass die Kinder die Mutter nie
als Urheberin der Verletzungen bezeichnet hätten. D._ sei ein sehr aktiver,
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geschickter Junge gewesen, der alles in die Hand genommen habe. Die Gefahren
habe er nicht gesehen. Aus diesem Grund hätten sie gedacht, dass es schon sein
könne, dass er sich die Verletzungen so zugezogen habe. Trotzdem hätten sie je
länger je mehr daran gezweifelt. Später habe sie die Kinder im Kinderheim be-
sucht. D._ habe grosse Freude am Besuch gehabt, habe allerdings nicht
über das Vergangene sprechen wollen. C._ habe ein grosses Mitteilungsbe-
dürfnis gehabt. Er habe ihr persönlich die Details ihrer Flucht und dass sie wirklich
Angst zu Hause vor der Mutter gehabt hätten erzählt. Sie habe C._ auch da-
rauf angesprochen, dass D._ am letzten Tag vor den Sportferien den Schul-
sack voller Essen gehabt hätte, worauf ihr dieser erklärt habe, dass die Beschul-
digte D._ geschlagen habe, wenn dieser nicht fertig aufgegessen habe. Das
Bauchgefühl gegenüber der Mutter sei gut gewesen. Sie denke jedoch nicht, dass
die Kinder in der Lage seien, sich solche Geschichten auszudenken (Urk. 4.7).
9. C._ wurde am 22. Februar 2012 erstmals polizeilich befragt. Er führte
aus, sie würden immer jeden Abend von drei Uhr Nachmittags bis Mitternacht ge-
schlagen, wenn der Onkel nicht da sei. Die Schläge würden mit dem Staubsau-
gerrohr, dem Wallholz, den Händen und den Fäusten erfolgen. In Somalia seien
sie nie geschlagen worden. Wegen den Schlägen sei er schon im Spital gewesen.
Er habe schon zwei Knochenbrüche gehabt, an der linken Hand und am rechten
Ellenbogen. Das letzte Mal sei er geschlagen worden, als er das Haus verlassen
habe. An diesem Tag habe sie beide geschlagen. Sie habe auch die Finger nach
unten gedrückt, ihre Finger in sein Auge gedrückt und mit der Faust auf den
Brustbereich geschlagen. Zudem habe sie mit der Velopumpe geschlagen. Er ha-
be noch schwarze Flecken am rechten Bein und Flecken auf dem Bauch. Die Fle-
cken auf dem Bauch würden von Streichhölzern stammen. Er habe immer noch
starke Schmerzen an den Beinen, dem Rücken und den Oberarmen. Sie hätten
mit dem Onkel über die Schläge gesprochen. Er habe auch nichts gemacht. Er
habe nachher nur gesagt, die Mutter schlage die Kinder nicht mehr. Die Mutter
habe den Kindern gesagt, falls die Lehrerin nachfrage, sollten sie sagen, es sei
ein Unfall gewesen, dass sie irgendwohin gefallen seien oder so. Am letzten Tag
habe die Mutter auch Streichhölzer in ihre Zunge gedrückt. Das sei schmerzhaft
gewesen. Wenn sie geschlagen würden, würden sie immer weinen. Sie schlage
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beide gleichzeitig. Wenn sie einen schlage, schlage sie auch den anderen. Zum
Schlagen nehme sie immer verschiedene Gegenstände. Manchmal auch Messer
und so. Einmal habe ihn seine Mutter geschnitten, aber es sei kein Blut gekom-
men. Manchmal nehme die Mutter auch ein Messer und schlage sie mit der fla-
chen Klinge. Auch würde ihre Mutter auf ihren Bauch- und Brustbereich stehen,
wenn sie am Boden liegen. Auch würde sie Streichhölzer auf ihnen ausdrücken.
Zweimal habe er im Spital übernachtet. Er habe einen Arm- und einen Handbruch
gehabt. Beim Armbruch habe die Mutter mit dem Staubsaugerrohr zugeschlagen.
Beim anderen mit dem Holzbrett. In Somalia habe er bei einem Onkel mütterli-
cherseits gewohnt. Nachher hätten ihn die Al Shabaab Milizen entführen und ihn
als Soldat rekrutieren wollen. In Somalia gäbe es kein Leben. Es sei einfach un-
vorstellbar, dort zu leben. Er habe auch noch einen Schlüsselbeinbruch gehabt.
Seine Mutter habe seine Arme hinter seinem Rücken zusammengehalten und da-
zu eine Bewegung gemacht (Urk. 5.3.1).
Die Zweitbefragung von C._ fand am 31. Mai 2012 statt. Dabei führte er aus,
dass er und sein Bruder jeden Tag, wenn sie nach Hause kommen, geschlagen
würden. Dies geschehe mit der Gabel, dem Wallholz, dem Staubsaugerrohr. Sie
schlage mit allem, was es im Zimmer habe, egal was es sei; zum Beispiel mit dem
Kabel, dem Staubsaugerrohr, dem Wallholz und Metall. Der Vater würde sie nie
schlagen. Bei den Schlägen seiner Mutter fühle er sich schmerzhaft. Seine Nase
blute auch, manchmal auch der Kopf. Aus Somalia hätten sie keine Verletzungen.
Sie hätten dort keinen Krieg. Er habe seine Mutter gefragt, weshalb sie sie in die
Schweiz geholt habe. Sie habe ihnen gesagt, um euch zu schlagen. Auf die Fra-
ge, wie oft sie geschlagen würden, antwortet C._, dass wenn sie einen Tag
nicht geschlagen würden, dann würden sie am zweiten Tag geschlagen und wenn
sie am zweiten Tag nicht geschlagen würden, dann würden sie am dritten Tag
geschlagen. Seine Mutter habe ihn mit dem Staubsaugerrohr am linken Arm ver-
letzt. Er sei von der Schule gekommen und sie habe ihm gesagt, dass er im Haus
etwas machen müsse. Sie sei einfach rüber gekommen und habe ihn geschlagen.
Sie habe ihn auf den linken Arm und auch auf die Schulter geschlagen und dann
gesagt, sie würden dem Arzt besser erzählen, dass er vom Velo gefallen sei.
Auch habe sie ihnen Streichhölzer auf die Zunge und den Rücken geklebt. Mit ei-
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nem Kabel habe sie sie auf den Rücken geschlagen. Mit dem Streichholz brenne
sie sie manchmal am Körper. Manchmal nehme sie auch ein heisses Messer, um
Schmerzen zu bereiten. Er habe die linke Handkante, den Zeigefinger und das
Schlüsselbein gebrochen. Sie habe das Staubsaugerrohr, Holz und Metall ge-
nommen. Manchmal nehme sie die Bettstange, um sie zu schlagen. Das sei auch
beim Schlüsselbein so gewesen. Seine Mutter habe dem Arzt gesagt, dass der
Zeigefinger gebrochen sei, weil er sich mit jemand geschlagen habe. Beim
Schlüsselbeinbruch habe sie gesagt, dass er vom Velo gefallen sei. Sein Bruder
sei immer gleichzeitig mit ihm geschlagen worden. Was sie ihm gemacht habe,
habe sie auch seinem Bruder gemacht. Sein Bruder habe sich Verbrennungen an
den Füssen zugezogen. Sie habe ihm heisses Wasser über die Füsse gegossen.
Dies sei im Bad gewesen. Das Wasser habe geraucht. Es sei vom Hahnen ge-
kommen. Der Schlüsselbeinbruch sei vom Staubsaugerrohr verursacht worden.
Den Handbruch habe er erlitten, weil seine Mutter ihn mit dem Metall geschlagen
habe und er sich geschützt habe. Es sei das Staubsaugerrohr und auch das Bett-
gestell oder die Bettfüsse gewesen (Urk. 5.3.4).
10. Auch D._ wurde am 22. Februar 2012 polizeilich befragt. Dabei führte
er aus, dass immer wenn diese K._ zu seiner Mutter komme, werde er ge-
schlagen. Nachher werde sie bewusstlos. Sie würden jede Nacht geschlagen.
Egal was in der Nähe stehe. Sie nehme es und beginne zu schlagen. Dies sei das
Wallholz, das Staubsaugerrohr, die Velopumpe. Wenn er geschlagen werde, wei-
ne er. Es tue ihm weh. Er sei einmal im Spital gewesen, weil er sich verbrannt ha-
be. Er habe versucht einen Topf mit kochendem Wasser auf den Boden zu brin-
gen und dann habe er seine Füsse in das Wasser getan. Seine Mutter habe
nichts damit zu tun gehabt. Er und sein Bruder würden beide geschlagen. Dies sei
meistens am Abend. Sein Bruder und er hätten die gleiche Mutter aber verschie-
dene Väter. Sein Vater sei gestorben. Der Vater von C._ lebe noch. Wenn er
Schläge bekomme, schmerze dies stark. Er weine oft. Wenn sie schlage, schlage
sie mehrere Male. Vor zwei Wochen sei er das letzte Mal geschlagen worden.
Das sei der Tag gewesen, wo sie auf die Strasse gegangen seien. Er und sein
Bruder seien beide einmal bewusstlos gewesen, da ihre Mutter mit den Füssen
auf ihre Brust gestanden sei. Das mit den Streichhölzern habe sie 100 Mal ge-
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macht, auch an seinem Hals. Einmal habe ihn seine Mutter in den Zeigefinger und
den Daumen der linken Hand gebissen. Sein Bruder habe Schmerzen auf der
Brust, an der Hand und am Schlüsselbein. Das sei von der Mutter. Sie habe die
Finger gedrückt und beim Schlüsselbein habe sie mit einem Metall geschlagen.
Seiner Kindergärtnerin habe er nie gesagt, dass er geschlagen werde. Er habe
immer gedacht, dass er einmal zur Polizei gehe. Sein Bruder habe ihm gesagt, ob
es o.k. sei, dass sie zur Polizei gehen würden. Seine Mutter habe ihn auch an der
linken Augenbraue geschlagen. Sie habe ihn an die Wand geschlagen (Urk.
5.4.1)
Am 31. Mai 2012 wurde D._ ein zweites Mal einvernommen. Dabei führte er
zunächst mehrfach aus, dass er nicht wisse, wie er geschlagen werde. Erst da-
nach erwähnte er, dass er mit den Fäusten geschlagen werde. Mit dem Wallholz
habe sie ihm auf die Stirn und den Kopf geschlagen. Auch mit einem Gurt sei er
geschlagen worden. Zudem sei sie auf den Bauch gestanden. Weitere Gegen-
stände habe sie nicht benützt. Dessen sei er sich sicher. Wegen Verletzungen an
Bauch, Stirn und Füssen sei er im Spital oder bei einem Arzt gewesen. Er wisse
nicht, wie oft sie geschlagen worden seien. Es sei viel gewesen. Er wisse aller-
dings nicht, was viel bedeute. Die Mutter habe sie hierher gebracht, um sie zu tö-
ten, zu schlagen. In Somalia sei er nie geschlagen worden. Er und sein Bruder
hätten nicht den gleichen Vater. Sein Bruder musste zum Arzt, weil er hier (ge-
meint die Hand) einen Bruch gehabt habe. Sie hätten Metall hingetan. Dieser
Bruch sei entstanden, weil die Mutter seinen Zeigefinger nach hinten gebogen
habe. Auf die Frage, ob C._ nicht geschlagen worden sei, antwortete dieser,
dass die Mutter draussen einen Stein geholt habe, und damit geschlagen habe.
Er habe eine Verletzung am Fuss gehabt. Diese sei entstanden, weil die Mutter
den ganzen Tag das Feuerzeug darauf gelegt habe. Er habe eine Verletzung am
Bauch gehabt, weil sie darauf gesessen und gestanden sei. Er erinnere sich nicht,
wann er letztmals geschlagen worden sei. Er erinnere sich auch nicht daran, wie
oft er geschlagen worden sei. Er sei jeden Tag geschlagen worden. Mit dem
Staubsauger nehme seine Mutter den Schmutz auf. Sonst mache sie nichts da-
mit. Auf mehrfaches Nachfragen, ob sie nicht geschlagen werden, antwortet
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D._, er werde im Haus geschlagen. Mit Metall habe sie sie geschlagen. Nein,
er wisse es nicht mehr (Urk. 5.4.4).
11. Die Beschuldigte wurde erstmals am 2. März 2012 durch die Stadtpolizei Zü-
rich einvernommen. Dabei führte sie aus, dass sie ihre Kinder nicht schlage.
Manchmal sage sie ein Schimpfwort, dass C._ aufhöre, Blödsinn zu machen.
C._ habe einmal einen Arm gebrochen. Zudem habe er einige Narben, die
noch nicht gut verheilt seien. Den Arm habe er sich am 6. Dezember 2011 in der
Schule gebrochen. Seine Lehrerin habe angerufen und sein Stiefvater sei mit ihm
ins Triemlispital gegangen. C._ habe an seinem ganzen Körper Narben. Die-
se seien durch eine Krankheit entstanden, mit welcher sich auch D._ ange-
steckt habe. Im Spital habe man ihr eine Creme gegeben, um die Narben einzu-
cremen. Sie habe ihre Kinder nicht mit dem Wallholz, dem Staubsaugerrohr oder
der Velopumpe geschlagen. Sie habe allerdings schon einmal eine Ohrfeige ge-
geben. Sie habe ihre Kinder nicht gebissen, mit einem brennenden Streichholz
berührt oder mit einem Messer bedroht oder verletzt. Auch nicht mit den Füssen
getreten oder deren Kopf an die Wand geschlagen. Es sei richtig, dass sich
C._ die Schulter gebrochen habe. Sie sei jedoch nicht zu Hause, sondern mit
D._ im Spital gewesen. D._ sei, währenddem sie ins Zimmer gegangen
sei, um etwas zu holen, auf einen Stuhl gestiegen, auf dem zusätzlich eine Box
gestanden sei, damit er auf einem Schrank ein Spielzeug habe holen können.
Beim Heruntersteigen sei er versehentlich in den Topf mit heissem Wasser ge-
stiegen. Sie habe ihn zum Hausarzt gebracht, welcher sie ins Spital weitergeleitet
habe. In der Zeit vom 3. September bis 3. Oktober 2011 sei sie jeden Abend bei
D._ im Spital gewesen. Sie sei direkt von der Arbeit ins Spital und von dort
wieder zur Arbeit. Der Schulterbruch von C._ sei entstanden, weil er an die-
sem Tag mit dem Velo zur Schule gefahren sei. Sie habe dies nicht gewusst. Sein
Stiefvater habe ihn in den Spital gebracht. Die Verletzung am Daumen und Zeige-
finger von D._ sei entstanden, weil sich die Kinder wegen eines defekten
Fernsehers gestritten hätten. Die Narbe an der Stirn von D._ sei entstanden,
als die Kinder verstecken gespielt hätten. D._ sei irgendwie auf der Treppe
gefallen. Als sie zurückgekommen sei, sei er bereits am Boden gelegen. Die
blauen Flecken an den Beinen von C._ habe dieser von Somalia mitge-
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bracht. Sie habe auch solche. D._ und C._ hätten den gleichen Vater.
Dieser sei gestorben (Urk. 3.1).
Anlässlich der Hafteinvernahme vom 2. März 2012 bestreitet die Beschuldigte, die
Kinder geschlagen und ihnen diverse Verletzungen zugefügt zu haben. Es sei
richtig, dass ihre Kinder weisse Punkte - Wunden - am Rücken und Bauch hätten.
Diese würden von den Pocken stammen, welche die Kinder in der Schweiz ge-
habt hätten. Die dunklen Narben würden von Somalia stammen. Da sie nicht mit
den Kinder zusammen gewesen sei, wisse sie nicht, wie diese entstanden seien.
Sie habe ihre Kinder nach den Ursachen der Narben gefragt und diese hätten ihr
gesagt, dass sie vom Spielen und vom Hinfallen auf den Boden stammen würden.
Auch habe sie den Kindern keine Verbrennungen mit Streichhölzern zugefügt. Sie
sei den Kindern auch nicht auf den Brustkasten gestanden. Sie wiege 80 kg, ihre
Kinder 28 und 18 kg. Sie hätten nicht überlebt, wenn sie auf sie gestanden wäre.
Sie sei nicht dabei gewesen, als C._ das Schlüsselbein gebrochen habe.
C._ sei mit dem Velo gestürzt. Die Hand und den Arm habe er sich in der
Schule gebrochen. Dies sei am 6. Dezember 2011 gewesen. Es sei richtig, dass
D._ am 13. Februar eine Verletzung am Daumen und am Hals gehabt habe.
Am Sonntag hätten D._ und C._ miteinander gestritten. Sie habe dies
jedoch nicht gesehen, weil sie in der Waschküche gewesen sei. Sie hätten zwei
Fernseher. Einer sei kaputt gegangen. Es habe an diesem Abend afrikanischen
Fussball gegeben. Einer habe dies schauen wollen; der andere nicht. Es sei zum
Streit gekommen und dabei sei es passiert. C._ habe ihn geschlagen. Sie
habe auch den Schnitt gesehen und C._ scharf kritisiert. Sie habe ihm ge-
sagt, wenn er das noch einmal mache, würde sie das Gleiche mit ihm machen.
Am Montag, 13. Februar 2012, um 9 Uhr habe sie den Hausarzt angerufen und
einen Termin auf 17 Uhr am gleichen Tag vereinbart. Die Kinder seien in Somalia
aufgewachsen und hätten dort jegliche Freiheit gehabt; hätten tun und lassen
können, was sie gewollt hätten. Sie habe ihnen Grenzen setzen wollen. Es sei
schwierig zu Hause in der kleinen Wohnung gewesen. Überall habe es Regeln
gegeben. Die Kinder hätten noch nicht gut Velo oder Trottinett fahren können und
hätten sich immer verletzt. Am 13. Februar 2012 sei sie um 12.50 Uhr aus dem
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Haus gegangen. Sie habe C._ gesagt, pass auf, wenn du ihn noch einmal
schlägst, dann schlage ich dich auch. Dann sei sie gegangen (Urk. 3.2).
Am 14. März 2012 erfolgte eine delegierte Einvernahme durch die Stadtpolizei
Zürich. Dabei sagte die Beschuldigte aus, dass sie ihre Kinder nicht körperlich
misshandelt bzw. verletzt habe. Sie habe sie jedoch oft angeschrien (Urk. 3.3).
Am 13. April 2012 erfolgte eine Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft. Nach
Einsicht in die Befragungen der Kinder führte die Beschuldigte aus, dass das, was
die Kinder sagen, nicht stimme. Ihre Kinder hätten den gleichen Vater und nicht
verschiedene. Alles, was sie getan habe sei, dass sie laut gegenüber ihren Kin-
dern gewesen sei. Am Tag als die Kinder aus dem Haus gegangen seien, habe
sie sie angeschrien. Sie habe einen Arzttermin gehabt. Bevor sie zum Arzt ge-
gangen sei, habe sie sie angeschrien. Am Abend zuvor hätte C._ D._
geschlagen. C._ habe das Finale des Afrika-Cups schauen wollen, D._
einen Film. Deshalb hätten sie sich gestritten. Sie selber sei unten in der Wasch-
küche gewesen, als D._ weinend zu ihr gekommen sei. Sie habe ihn gefragt
was passiert sei. C._ habe ihn geschlagen. Sein Daumen habe geblutet. Sie
habe C._ angeschrien. Bevor sie am nächsten Tag zum Arzt gegangen sei,
habe sie C._ gesagt, wenn er D._ schlage, würde sie ihn auch schlagen
(Urk. 3.4).
Auch in der Einvernahme vom 27. März 2013 durch die Staatsanwaltschaft be-
streitet die Beschuldigte die gegen sie erhobenen Vorwürfe. C._ habe, seit er
nicht mehr mit ihr zusammen sei, zwei Brüche erlitten. Jedesmal wenn sie mit der
Beiständin der Kinder telefoniere, sage diese ihr, dass die Kinder immer mitei-
nander streiten. Auch mit anderen Kindern im Heim gäbe es Streit. C._ sei
getrennt worden. Wenn er keine Schule habe, soll er auf Tiere aufpassen, damit
er nicht mit anderen Kindern streite (Urk. 3.6).
Anlässlich der Verhandlung vor Vorinstanz vom 18. Juni 2013 führte die Beschul-
digte aus, dass sie ihren Kindern Velos und Trottinetts gekauft habe, als diese in
die Schweiz gekommen seien. Sie hätten nicht gewusst, wie sie diese fahren
mussten. Die meisten Verletzungen seien durch das Velo- oder Trottinettfahren
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entstanden. Sie habe die Kinder oft angeschrien. Auch habe sie sie leicht auf die
Fingerspitzen geschlagen. In der Untersuchung habe sie gesagt, dass sie den
Kindern Ohrfeigen gegeben habe. Sie habe gemeint, das sei das Schlagen auf
die Finger (Urk. 39).
IV. Aussagewürdigung
1. Bei der Abklärung des Wahrheitsgehalts von Partei- und Zeugenaussagen
hat sich in der Rechtsprechung die so genannte Aussageanalyse durchgesetzt
(vgl. BGE 129 I 49 E. 5 f.). Ausgangspunkt ist der Umstand, dass die wahre und
die falsche Schilderung eines Sachverhalts unterschiedliche geistige Leistungen
erfordern. Es liess sich nachweisen, dass Aussagen über selbst erlebte Ereignis-
se sich deshalb in ihrer Qualität von Aussagen unterscheiden, die auf nicht erleb-
ten Vorgängen beruhen. Wahre Aussagen über selbst Erlebtes weisen so ge-
nannte Realitätskriterien auf; umgekehrt zeigen sich bei Aussagen über nicht
selbst Erlebtes so genannte Phantasie- oder Lügensignale (vgl. die Hinweise in
den zitierten Bundesgerichtsentscheiden, insb. Volker Dittmann, in: Plädoyer
2/1997, S. 28 ff., m.w.H.; vgl. auch Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung
vor Gericht, 3. Auflage, München 2007, N 294 ff.). Realitätskriterien sind zum Bei-
spiel Detailreichtum, Originalität (im Sinne von Einzigartigkeit), Kohärenz und
Homogenität trotz einer natürlichen Sprunghaftigkeit. Phantasiesignale sind zum
Beispiel Kargheit der Schilderung, vor allem der Begleitumstände, andererseits
Übertreibungen und namentlich übertriebene Bestimmtheit (Dittmann, a.a.O.;
Bender/Nack/Treuer, a.a.O.; und Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurtei-
lung von Zeugenaussagen, in: SJZ 81 (1985), S. 56). Zu prüfen ist, ob die aussa-
gende Person unter Berücksichtigung aller Umstände, ihrer intellektuellen Leis-
tungsfähigkeit und ihrer Motive ihre Aussage auch machen könnte, ohne dass ein
realer Erlebnishintergrund besteht. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass die
Schilderung eines Ereignisses sich aus wirklich Erlebtem und aus Unwahrem zu-
sammensetzen kann. Eine besondere Bedeutung kommt schliesslich der Bewer-
tung der Entstehungsgeschichte der Aussagen ("Aussagegenese") zu (BGE 129 I
49 E. 6; Dittmann, a.a.O., S. 33). Dies gilt namentlich bei der Würdigung der Aus-
- 24 -
sagen von Kindern (vgl. Hug Markus, in ZStrR 118, 2000, S. 19 ff., insb. S. 22 f.).
Allgemein gilt es hierbei noch anzumerken, dass die Aussagen von Kindern
grundsätzlich juristisch verwertbar und dass Kinder keineswegs "schlechtere"
Zeugen als Erwachsene sind.
Entsprechend dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" verlangt das Bun-
desgericht, dass bei der Würdigung der Aussagen von der Hypothese
ausgegangen wird, "dass die Aussage nicht realitätsbegründet" sein könne (BGE
129 I 49 E. 5 f.). Es könne erst dann angenommen werden, die Aussage sei wahr,
wenn die Prüfung ergebe, "dass diese Unwahrheitshypothese (Nullhypothese) mit
den erhobenen Fakten nicht übereinstimmen kann". Das heisst: Die Hypothese,
die Aussagen seien unwahr, muss widerlegt werden. Solange sie nicht widerlegt
werden kann, muss – zugunsten des Beschuldigten – davon ausgegangen wer-
den, die Aussagen seien unwahr (vgl. auch Susanna Niehaus, Begutachtung der
Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen, FamPra.ch, 02/2010, S. 321 f.).
Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen von Beschuldigten ist so-
wohl auf ihren jeweiligen Inhalt als auch auf das Aussageverhalten in seiner Ge-
samtheit abzustellen. In Bezug auf seine generelle Glaubwürdigkeit ist zu berück-
sichtigen, dass der Beschuldigte – direkt in das vorliegende Strafverfahren invol-
viert und an seinem Ausgang naturgemäss am meisten interessiert – versucht
sein könnte, sich durch seine Aussagen in einem möglichst günstigen Licht er-
scheinen zu lassen. Entsprechend sind seine Aussagen mit der gebotenen Zu-
rückhaltung zu würdigen. Dies darf jedoch nicht zur Folge haben, dass der gene-
relle Schluss gezogen wird, die Aussagen eines Beschuldigten seien deshalb
stets mit grosser oder grösster Zurückhaltung zu würdigen. Dies liefe auf eine
rechtsstaatlich unhaltbare Benachteiligung des Beschuldigten hinaus, indem zu-
mindest der Anschein oder Eindruck erweckt würde, man glaube ihm von vornhe-
rein weniger als etwa einem Belastungszeugen. Die besondere Motivationslage
ist dennoch insofern von Belang, als der Beschuldigte bei einzelnen Sachver-
haltsbereichen ein zusätzliches und offenkundiges Interesse haben kann, nicht
die Wahrheit zu sagen, was bei einem blossen Zeugen in der Regel nicht der Fall
ist.
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2. Es sind vorliegend keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Zeuge H._
ein Interesse daran haben könnte, wahrheitswidrige Aussagen zu machen. Die
Zeugen G._, I._ und J._ könnten als Lehrpersonen der Privatkläger
theoretisch ein eigenes Interesse am Strafverfahren haben. Dies nämlich dann,
wenn sie als Lehrpersonen trotz Kenntnis von Misshandlungen nicht dagegen
einschritten bzw. die notwendigen Massnahmen eingeleitet hätten. Vorliegend
sind jedoch keinerlei Versäumnisse bzw. Eigeninteressen der Lehrpersonen aus-
zumachen. Offenbar haben sich die Lehrpersonen ausgetauscht und aufgrund der
Häufigkeit der Verletzungen der Privatkläger festgestellt, dass etwas Abnormales
in der Familie vor sich geht. Sie haben auch die Schulsozialarbeiterin informiert,
welche dann ihrerseits den Schularzt informierte. Der Schularzt seinerseits mach-
te einen Schulbesuch und sprach C._ auf eine Verletzung an. Zudem muss
aufgrund von übereinstimmenden Äusserungen der Beteiligten davon ausgegan-
gen werden, dass nie Misshandlungsvorwürfe an die Lehrpersonen herangetra-
gen wurden. Es ist daher von der Glaubhaftigkeit der gemachten Aussagen aus-
zugehen. Der Zeuge E._ könnte wohl aufgrund der Tatsache, dass er mit der
Beschuldigten verheiratet ist, versucht sein, diese zu schützen. Seine Aussagen
sind jedoch detailreich, schildern ganz offen auch die Probleme, welche mit den
Privatklägern bestanden und auch, dass die Beschuldigte wohl zeitweise mit den
Privatklägern an die Grenze der Überforderung gelangte und diese auch ange-
schrien hat. Obwohl er nicht der Vater der beiden Privatkläger ist, nahm er in der
Zeit der beruflichen Abwesenheit der Beschuldigen die Erziehungsaufgabe wahr
und beaufsichtigte die Privatkläger. Auch die Lehrpersonen nahmen ihn als ver-
wantwortungsbewussten Erziehungsberechtigten wahr, der sich für die Kinder
einsetzte, mit ihnen Arzt- und Spitaltermine wie auch Elterntermine in der Schule
wahrnahm. Seine während der Untersuchung gemachten Aussagen sind profund
und widerspruchsfrei. Es besteht daher kein Grund an der Glaubwürdigkeit von
E._ zu zweifeln.
3. Die Beschuldigte bestritt die inkriminierten Handlungen seit Beginn der Un-
tersuchung. Ihre Aussagen sind konstant und widerspruchsfrei. Sie schildert auch
die Schwierigkeiten mit den Privatklägern und belastet sich selbst, indem sie zu-
gibt, die Privatkläger angeschrien und ihnen Ohrfeigen bzw. Hiebe auf die Hän-
- 26 -
de/Finger verpasst zu haben. Dass die Beschuldigte zu den Verletzungen nur
sehr pauschal Stellung nimmt, hängt damit zusammen, dass sie gemäss ihren
Aussagen nicht dabei gewesen ist, als diese passiert sind. Bei der Fingerverlet-
zung von D._ schildert sie detailliert, was sie vorher und nachher gemacht
hat. Beim eigentlichen Tatgeschehen will sie offenbar nicht anwesend gewesen
sein. Insgesamt ist festzuhalten, dass nichts gegen den Wahrheitsgehalt ihrer
Aussagen spricht.
4.1 Was die Einvernahmen der Privatkläger anbelangt, ist mit der Vorinstanz
davon auszugehen, dass deren Aussagen aufgrund von Sprach- und Überset-
zungsproblemen teilweise eher schwer verständlich sind. Auch der von der Ver-
teidigung vorgebrachte Vorwurf, wonach die Einvernahmen suggestiv erfolgt sein
sollen (Urk. 62 S. 8), lässt sich nicht vollumfänglich von der Hand weisen. So
schildert C._ in seiner ersten Einvernahme ohne viel Detailreichtum von den
Schlägen der Beschuldigten und dass er wegen einem Hand- und einem Arm-
bruch im Spital war, ohne die Verbindung zwischen den Schlägen der Mutter und
den beiden Brüchen herzustellen. Dieser Zusammenhang wird erst durch den Be-
frager hergestellt, indem er C._ fragt, ob er sagen könne, wie die Mutter ihn
geschlagen habe, als er den Arm gebrochen habe (Urk. 5.3.1). In der zweiten
Einvernahme schildert C._ von sich aus von Schlägen seiner Mutter mit dem
Staubsaugerrohr und dass sie ihm dabei seinen linken Arm verletzt hat (Urk. 5.3.4
S. 8). Selbst wenn nun die erste Einvernahme in Bezug auf den Zusammenhang
zwischen den Schlägen der Mutter und dem Armbruch nicht verwertbar ist, hat
C._ diesen Zusammenhang in seiner zweiten Einvernahme verwertbar selbst
hergestellt. Den Zusammenhang zwischen den Flecken auf dem Bauch, welche
durch brennende Streichhölzer entstanden sind (Urk. 5.3.1 S. 6) und seiner Mut-
ter hat C._ selbst hergestellt (Urk. 5.3.1 S. 8).
4.2 Die Privatkläger wurden erstmals neun Tage nachdem sie die mit der Be-
schuldigten und dem Stiefvater bewohnte Wohnung verlassen haben einvernom-
men. In der Zwischenzeit waren diese zusammen und haben gegenüber der Poli-
zei, der KESB sowie im Kinderspital Aussagen gemacht. Dabei wurde festgehal-
ten, dass das ältere Kind Angaben machte (Urk. 1 S. 4). Der Kleinere sei dage-
- 27 -
sessen und habe teilnahmslos gewirkt (Urk. 1 S. 6). Vor allem C._ habe sich
geäussert. D._ habe dessen Ausführungen oft mit einem Kopfnicken bestä-
tigt (Urk. 25/16 S. 1). Der ärztliche Befund vom 29. März 2012 über D._ äus-
sert sich dahingehend, dass die anlässlich der letzten Hospitalisation festgestell-
ten Verletzungen gemäss Angaben des Bruders von D._ dadurch entstanden
seien, dass die Mutter mit dem Wallholz mehrmals gegen dessen Kopf geschla-
gen habe (Urk. 7.4 S. 3). Die Kindergärtnerin von D._, I._, äussert sich
dahingehend, dass C._ D._ kontrolliert hat. C._ sei häufig in den
Kindergarten gekommen, um nach D._ zu schauen. Er habe ihn so verein-
nahmt, dass sie dies nicht optimal gefunden hätten (Urk. 4.6 S. 3). Die andere
Kindergärtnerin von D._, J._, hat die Privatkläger im Heim besucht.
D._ habe grosse Freude am Besuch gehabt, habe allerdings nicht über das
Vergangene sprechen wollen. C._ habe demgegenüber ein grosses Mittei-
lungsbedürfnis gehabt. Er habe ihr persönlich die Details ihrer Flucht und die
Angst vor der Mutter erzählt. C._ habe gesagt, dass die Beschuldigte
D._ geschlagen habe, wenn dieser nicht fertig aufgegessen habe (Urk. 4.7
S. 4). Auch die Zeit bis zur zweiten Einvernahme verbrachten die Privatkläger zu-
sammen im Kinderheim.
Aufgrund dieser Feststellungen kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass
C._ D._ beeinflusst hat bzw. die beiden Privatkläger sich abgesprochen
haben könnten. Es wäre jedoch auch denkbar, dass C._, weil er der ältere
war, in Somalia auf seinen jüngeren Bruder aufpassen musste. Aufgrund der
schwierigen Situation in Somalia und der Tatsache, dass die Privatkläger dort
mehr oder weniger auf sich selbst gestellt waren, könnte C._ die Beschützer-
rolle für seinen jüngeren Bruder übernommen haben.
4.3 Die beiden Privatkläger sind in Somalia geboren und dort aufgewachsen. In-
folge von Kriegswirren wurden sie Ende 2007 - im Alter von zwei bzw. drei Jahren
- von ihrer Mutter, der Beschuldigten, getrennt. In der Folge kam die Beschuldigte
Anfang 2008 in die Schweiz, wo sich diese jahrelang für eine Wiedervereinigung
mit ihren Kindern einsetzte. Am 22. Mai 2011 trafen die Privatkläger in der
Schweiz ein, wo sie in der Folge mit der Beschuldigten und deren Ehemann zu-
- 28 -
sammenlebten. Bevor sie in die Schweiz kamen, wohnten die Privatkläger in So-
malia bei Verwandten, zuletzt beim selbst noch minderjährigen Bruder der Be-
schuldigten. Wie die Beschuldigte und deren Ehemann, E._, übereinstim-
mend schildern, hatten die Privatkläger in Somalia ein völlig anderes Leben. Sie
waren frei und hatten keinen Tagesablauf. Sie gingen auch nicht in eine Schule.
Die meiste Zeit haben sie wohl draussen verbracht, wo sie sich in einer grossen
Umgebung unbeaufsichtigt frei bewegen und spielen konnten. In der Schweiz ha-
ben sie jedoch in einer kleinen Wohnung zusammengelebt. Die Privatkläger konn-
ten sich nicht mehr so frei bewegen, mussten in die Schule und den Kindergarten.
Es gab viele Regeln zu befolgen. Von einem Tag auf den anderen war das Leben
für die Privatkläger nicht mehr das gleiche. Auch hat wohl von Seiten der Privat-
kläger - zumindest zu Beginn - keine enge Beziehung zu ihrer Mutter bestanden,
haben sie diese doch fast vier Jahre nicht mehr gesehen und waren sie doch bei
der Trennung von ihrer Mutter noch sehr jung. So erstaunt es auch nicht, dass
D._ bei seiner Ankunft in der Schweiz seine Mutter nicht wiedererkannte. In-
direkt bestätigt dies auch C._, indem er ausführt, er habe in Somalia bei ei-
nem Onkel mütterlicherseits gelebt. Nachher hätten die Milizen den Onkel ent-
führt, um ihn als Soldat zu rekrutieren. In Somalia gäbe es kein Leben. Es sei un-
vorstellbar, dort zu leben (Urk. 5.3.1).
Diese unterschiedlichen Lebensweisen haben dann zu Verständigungsproblemen
(wie dies der Zeuge E._ beschreibt) zwischen der Beschuldigten und den
Privatklägern geführt. Es ist daher auch gut nachvollziehbar, dass die Privatkläger
das Gefühl gehabt haben, nicht mehr frei zu sein und sich eingeschränkt zu füh-
len, wie dies E._ schildert (Urk. 4.1). Mit seiner Situation scheint hauptsäch-
lich C._ Probleme zu haben. Seine Lehrerin schildert ein sehr auffälliges So-
zialverhalten. Bei Konflikten hat er offenbar sehr schnell zugeschlagen und zwar
sehr massiv (Urk. 4.3 S. 5). Auch E._ bestätigt, dass die Lehrerin ihm gesagt
habe, dass C._ auch andere Kinder schlage (Urk. 4.1 S. 4). Weiter führt er
aus, dass die Kinder schwierig seien. Sie würden oft untereinander streiten.
C._ schlage den Jüngeren oft (Urk. 4.1 S. 6). I._, die Kindergärtnerin
von D._ erwähnt, dass D._ einmal ein blaues Auge gehabt habe.
D._ habe ihr gesagt, dass er und C._ miteinander gekämpft hätten.
- 29 -
C._ habe einmal die Schuld an einem Hämatom von D._ auf sich ge-
nommen (Urk. 4.6 S. 3 und 5). Gemäss E._ hat die Beschuldigte die Privat-
kläger angeschrien, wenn sie nicht folgsam gewesen sind (Urk. 4.1 S. 3). Auch
die Beschuldigte bestätigt mehrfach, dass sie ein Schimpfwort sage, damit
C._ aufhöre, Blödsinn zu machen (Urk. 3.1) bzw. dass sie die Privatkläger
anschreie. Sie habe auch schon einmal eine Ohrfeige gegeben, wobei sie unter
einer Ohrfeige ein Hieb auf die Finger versteht (Urk. 39 S. 11).
4.4 Auffällig ist, dass zumindest in der ersten Einvernahme beide Privatkläger
die Beschuldigte massiv belasten. Übereinstimmend schildern sie die täglichen
Schläge von der Beschuldigten mit diversen Gegenständen und die Verbrennun-
gen durch Streichhölzer. Ebenfalls übereinstimmend führen sie aus, dass dies
immer dann geschehen sei, wenn der Stiefvater nicht zu Hause sei. Ebenso, dass
in Somalia keine Schläge erfolgt seien und dass die Beschuldigte sie hierher ge-
bracht habe, um sie zu schlagen. Die Privatkläger schildern auch, dass die Be-
schuldigte auf ihren Bauch- bzw. Brustbereich gestanden sei und sie bewusstlos
geworden seien. Eine Verletzung am Bauch erwähnt lediglich D._, ohne die-
se jedoch zu konkretisieren. Selbst wenn die Beschuldigte zurecht ausführt, dass
dies ohne die Verursachung schwerwiegender Verletzungen nicht möglich wäre,
so ist die Schilderung der Privatkläger nicht als abwegig von der Hand zu weisen.
Es bestünde auf jeden Fall die Möglichkeit, dass die Beschuldigte nicht gleichzei-
tig mit beiden Füssen bzw. nicht mit ihrem vollen Gewicht auf sie gestanden wäre.
4.5 Die Aussagen der Privatkläger fallen dadurch auf, dass sie recht karg und
wenig detailreich sind. Sie sprechen von Schlägen oder Verbrennungen durch die
Beschuldigte, vor allem C._ ohne je von sich aus weiterzuerzählen, dass es
weh getan habe, dass ein Arzt oder das Spital aufgesucht worden sei, dass Hä-
matome oder dergleichen entstanden seien. Es finden somit keine Gedankenver-
knüpfungen statt, was gegen die subjektive Wahrheit spricht. Mehrere Male be-
antworten sie nicht die vom Befrager gestellten Fragen. Dies fällt vor allem bei der
zweiten Einvernahme von D._ auf. Trotz mehrmaligem Nachfragen beant-
wortet er die Frage nicht. Dies ist als Fluchtsignal zu werten. In dieser zweiten
Einvernahme von D._ verarmen seine Aussagen, was als Fantasiesignal an-
- 30 -
zusehen ist. Auch scheint es, dass D._ in der zweiten Einvernahme die Be-
schuldigte nicht mehr belastet. Zwar ist nachvollziehbar, dass je mehr Zeit zwi-
schen den Ereignissen und den Einvernahmen vergehen, die Erinnerungen ver-
blassen. Das Aussageverhalten von D._ ist jedoch mehr als das blosse Ver-
blassen von Erinnerungen.
Stereotyp und mit übertriebener Bestimmtheit schildern beide Privatkläger, dass
sie jeden Tag und immer beide gleich misshandelt würden, was als Fantasiesig-
nal anzusehen ist. Gegen die subjektive Wahrheit spricht auch die Übertreibung,
wonach sie jeden Tag von 15 Uhr bis 24 Uhr geschlagen würden. Ebenfalls mit
übertriebener Bestimmtheit schildern die Privatkläger, dass die Beschuldigte sie
nur deshalb in die Schweiz geholt habe, um sie zu schlagen. Oder wie es
D._ noch drastischer ausdrückt: um sie zu töten. Beides erscheint wenig
glaubhaft.
Ebenfalls fällt bei den Aussagen der Privatkläger auf, dass keine Selbstbelastun-
gen erfolgen, obwohl gegenüber Lehrpersonen solche erfolgt sind. Dort haben die
Privatkläger gegenseitig die Schuld für gewisse Hämatome übernommen. Auch
betreffend die Ursachen der Schläge führen die Privatkläger mehrfach aus, dass
sie selbst keinen Anlass dazu geboten hätten. Diese fehlenden Selbstbelastungen
sprechen gegen die subjektive Wahrheit. Mit keinem Wort nehmen die Privatklä-
ger die Beschuldigte in Schutz bzw. wollen ihr Handeln erklären. Dies stellt eine
Abwertung der Beschuldigten dar, um ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben.
C._ führt in der Einvernahme vom 22. Februar 2012 aus, sie würden jeden
Abend von drei Uhr Nachmittags bis Mitternacht geschlagen. Anlässlich der zwei-
ten Einvernahme vom 31. Mai 2012 antwortet er auf die Frage, wie oft sie ge-
schlagen würden, dass wenn sie an einem Tag nicht geschlagen würden, dann
würden sie am zweiten Tag geschlagen und wenn sie am zweiten Tag nicht ge-
schlagen würden, dann würden sie am dritten Tag geschlagen. Zu Beginn der
gleichen Einvernahme führte er noch aus, er und sein Bruder würden jeden Tag
geschlagen. Bezüglich der Häufigkeit der Schläge äussert sich C._ somit wi-
dersprüchlich.
- 31 -
Auch betreffend die Gegenstände, mit welchen die Schläge erfolgt sein sollen,
äussert sich C._ widersprüchlich. In der ersten Einvernahme führt C._
aus, die Schläge würden mit dem Staubsaugerrohr, dem Wallholz, den Händen
und den Fäusten erfolgen. Zudem würden sie mit der Velopumpe geschlagen. Im
späteren Verlauf der Einvernahme soll die Beschuldigte auch noch ein Messer
verwendet haben. Sie schlage mit der flachen Klinge (Urk. 5.3.1). Gemäss Aus-
sagen von C._ in der zweiten Einvernahme soll die Beschuldigte mit der Ga-
bel, dem Wallholz und dem Staubsaugerrohr schlagen. Mit allem, was es im
Zimmer habe, egal was; auch Kabel, Staubsaugerrohr, Wallholz und Metall; auch
das Bettgestell oder die Bettfüsse. Manchmal nehme sie auch ein heisses Mes-
ser, um Schmerzen zu bereiten. Neben den Widersprüchen fällt auf, dass
C._ einerseits im Verlauf der jeweiligen Einvernahme noch mit mehr Gegen-
ständen geschlagen worden sein soll. Und in der zweiten Einvernahme sollen
noch mehr Gegenstände verwendet worden sein, als in der ersten Einvernahme.
Auch das Messer ist nicht mehr flach geschlagen, sondern erhitzt worden. Diese
Steigerungen in den Aussagen von C._ deuten auf Fantasiesignale hin.
Divergierende Aussagen bestehen auch betreffend die Ursachen der Brüche. So
führt C._ zunächst aus, dass der Armbruch mit dem Staubsaugerrohr und
der Handbruch mit dem Holzbrett entstanden seien. Beim Schlüsselbeinbruch ha-
be seine Mutter seine Arme hinter dem Rücken zusammengehalten und habe da-
zu eine Bewegung gemacht. Von einem Fingerbruch erzählt er in der ersten Ein-
vernahme nichts (Urk. 5.3.1). Gemäss der zweiten Einvernahme ist die Verlet-
zung am linken Arm und der Schlüsselbeinbruch durch das Staubsaugerrohr ent-
standen. Der Bruch der linken Handkante sei entstanden, weil sie mit dem Metall
geschlagen und er sich geschützt habe. Das verwendete Metall sei jenes vom
Staubsaugerrohr und auch das Bettgestell oder die Bettfüsse gewesen (Urk. 5.3.4
S. 8 ff.). Abgesehen davon, dass sich C._ nicht mehr genau erinnert, mit
welchem Gegenstand welche Bruchverletzung entstanden ist, sind seine Aussa-
gen auch widersprüchlich. So soll der Bruch der Handkante einmal durch das
Holzbrett und einmal durch Metall entstanden sein. Der Schlüsselbeinbruch soll
ebenfalls auf unterschiedliche Weise entstanden sein. In der zweiten Einvernah-
me spricht C._ von einem Bruch des linken Armes (Elle). In der früheren Ein-
- 32 -
vernahme hat es sich um einen Bruch des rechten Armes gehandelt. Auch ge-
mäss dem ärztlichen Befund handelt es sich um den rechten Arm (Urk. 6.5). Wei-
tere Widersprüche bestehen darin, dass C._ in der ersten Einvernahme
nichts vom gebrochenen Zeigefinger erwähnt, obwohl er mehrmals auf erlittene
Verletzungen und Brüche angesprochen wird. Ebenfalls in der ersten Einvernah-
me führt C._ aus, wie sein Onkel in Somalia von den Milizen entführt und als
Soldat rekrutiert werden sollte. In Somalia gäbe es kein Leben. Es sei nicht vor-
stellbar, dort zu leben. Deshalb sei er hier (Urk. 5.3.1 S. 16). Später führt er aus,
dass es keine Gefahr in Somalia gäbe und dort auch noch nie etwas passiert sei.
Es gäbe dort keinen Krieg und er habe dort ein gutes Leben gehabt (Urk. 5.3.4
S. 7).
D._ äussert sich zu den Verletzungen von C._ einerseits in seinen Ein-
vernahmen in sich selbst widersprüchlich und andererseits stehen seine Aussa-
gen zumindest teilweise im Widerspruch zu jenen von C._. Zunächst führt
D._ aus, C._ habe einen Armbruch erlitten. Auch schmerze ihn die
Brust, die Hand und das Schlüsselbein. Die Verletzungen würden von der Mutter
stammen; diese habe die Finger gedrückt und mit einem Metall auf das Schlüs-
selbein geschlagen (Urk. 5.4.1 S. 9). In der späteren Einvernahme erwähnt
D._ den Handbruch von C._. Ursache dafür sei, dass die Mutter den
Zeigefinger nach hinten gebogen habe. Nachdem der Befrager D._ darauf
hinweist, dass die Handkante und nicht der Finger gebrochen war, bemerkt
D._, die Mutter habe ihn so gehoben und stark gemacht (was dies bedeutet
ist unklar). Daraufhin fragt der Befrager (wohl suggestiv), ob C._ nicht ge-
schlagen worden sei, worauf D._ eine wohl der Fantasie entsprungene Ge-
schichte von einem Stein erzählt, den die Mutter draussen geholt und C._
auf die Hand geschlagen habe (Urk. 5.4.4 S. 7 ff.).
4.6 Auf seine eigenen Verletzungen angesprochen, führt D._ zunächst die
durch einen Unfall durch ihn selbst verursachten Verbrennungen, mit denen die
Beschuldigte nichts zu tun habe, an (Urk. 5.4.1 S. 3 f.). Hundertmal habe die Be-
schuldigte das mit dem Streichholz gemacht; auch am Hals. Einmal habe die Be-
schuldigte in seinen Daumen und Zeigefinger gebissen. Auch habe sie ihn an die
- 33 -
Wand geschlagen. Davon stamme die Narbe auf der linken Augenbraue. Weitere
Verletzungen erwähnt D._ nicht. In der zweiten Einvernahme führt D._
Verletzungen am Bauch, an der Stirn und an den Füssen an. Von seinem Kopf sei
etwas genommen und auf seine Füsse operiert worden. Die Verletzungen an den
Füssen seien entstanden, weil die Beschuldigte den ganzen Tag das Feuerzeug
draufgelegt habe. Bei der Bauchverletzung sei die Beschuldigte auf seinen Bauch
gestanden (Urk. 5.4.4).
Betreffend die eigenen Verletzungen macht D._ unterschiedliche Angaben.
Es fällt auf, dass er in der zweiten Einvernahme kaum mehr in der Lage ist, aus-
zuführen, ob und wie die Beschuldigte die Privatkläger schlägt bzw. verletzt und
dass D._ bezüglich seiner Fussverletzungen eine unglaubliche Geschichte
schildert.
Nachdem D._ anfänglich verneint, je bei einem Arzt oder im Spital gewesen
zu sein, führt er dann aus, dass er einmal wegen der Fussverbrennungen im Spi-
tal war (Urk. 5.4.1 S. 3). Demgegenüber listet der ärztliche Befund fünf Hospitali-
sationen auf (Urk. 7.4).
4.7 C._ erwähnt in seiner ersten Einvernahme keinerlei Verletzungen bei
D._, obwohl er ausführt, dass beide geschlagen und auch beiden Streichhöl-
zer auf der Zunge ausgedrückt wurden (Urk. 5.3.1 S. 9). Jedenfalls weist D._
offenbar keine Läsionen von Verbrennungen auf der Zunge auf (vgl. ärztlicher Be-
richt; Urk. 7.4). Speziell nach Verletzungen seines Bruders wurde er nicht gefragt.
Dazu in der zweiten Einvernahme befragt, erwähnt C._ lediglich die Ver-
brennungen an den Füssen von D._, wobei er schildert, dass die Beschuldig-
te D._ im Badezimmer mit der Dusche mit heissem Wasser verbrannt habe
(Urk. 5.3.4 S. 13 f.). Diese Schilderung steht im Widerspruch zu den beiden von
D._ geschilderten Ursachen der Verbrennungen.
4.8 Die Privatkläger führen aus, dass sie die Lehrpersonen nicht über die Miss-
handlungen durch die Beschuldigte informiert hätten. D._ hat eigenen Anga-
ben zufolge einmal einen Nachbarn und C._ einen somalischen Mann über
die Schläge informiert. Einmal sei eine Frau L._ zu ihnen nach Hause ge-
- 34 -
kommen. Was diese Frau L._ machte, ist nicht verständlich (Urk. 5.4.1
S. 12). C._ will mit dem Stiefvater über die Schläge gesprochen haben (Urk.
5.3.1 S. 8). Übereinstimmend schildern die Lehrpersonen, dass die Privatkläger
ihnen gegenüber nie von Schlägen durch die Beschuldigte berichtet hätten.
E._ erklärt in Übereinstimmung mit den Privatklägern, dass er sie nicht ge-
schlagen und in seiner Gegenwart keine Schläge erfolgt seien. C._ habe mit
ihm jedoch auch nicht über die Schläge gesprochen (Urk. 4.1 S. 3 f.; Urk. 4.2
S. 3).
4.9 Die Gefährdungsmeldung des Kinderspitals Zürich vom 18. Januar 2012 hält
fest, dass die Brüche der Elle, Schlüsselbein und Hand in den letzten vier Mona-
ten passiert seien. C._ habe sich an keine Trauma erinnern können. Er zeige
keinerlei Schmerzempfinden (Urk. 6.1). Der ärztliche Befund betreffend C._
vom 29. März 2012 erwähnt, dass alle vier Brüche (Hand, Elle, Finger, Schlüssel-
bein) durch äussere Krafteinwirkung entstanden seien. Rückschlüsse auf den Un-
fallhergang seien nicht möglich. Betreffend Handbruch bestehe kein erinnerliches
Trauma. Beim Ellenbruch würden keine Angaben vorliegen. Der Bruch des Zeige-
fingers datiere vom 6. Dezember 2011. Ein Schulkollege sei auf die Hand gestan-
den (Urk. 6.5).
Gemäss E._ ist der Fingerbruch in der Schule passiert. Die Lehrerin habe
gesagt, C._ habe einen Jungen namens F._ geschlagen. Als der Fin-
gerbruch nicht gut verheilt habe, seien in einer Untersuchung weitere Brüche
festgestellt worden. C._ habe zuvor nie dort Schmerzen gehabt, wo der Arm
gebrochen gewesen sei. C._ habe ihm selbst gesagt, er habe keinen Bruch
und keine Schmerzen (Urk. 4.1 S. 6). Er habe selber nicht gesehen, wie es zum
Schlüsselbeinbruch gekommen sei. C._ habe ihm erzählt, er sei mit dem
Trottinett gestürzt. Er sei dann mit ihm zum Hausarzt. Die Beschuldigte sei zu
diesem Zeitpunkt bei der Arbeit gewesen (Urk. 4.2 S. 5).
G._ führte aus, dass C._ zwischen den Sommer- und den Herbstferien
einen Schlüsselbeinbruch erlitten habe. Der Stiefvater habe C._ in die Schu-
le begleitet und erzählt, dass er mit dem Fahrrad gestürzt sei. C._ habe dies
bestätigt. Nach einem Streit in der Schule habe C._ einen verletzten Finger
- 35 -
gehabt. C._ habe ihr gesagt, dies sei beim Streit mit einem anderen Jungen
entstanden. C._ sei sehr schmerzresistent gewesen (Urk. 4.3 S. 1 und 3).
Die Beschuldigte erwähnte, dass sie beim Schlüsselbeinbruch und beim Fin-
gerbruch von C._ nicht zuhause war. Beim Schlüsselbeinbruch habe sie sich
mit D._ von Anfang September bis Anfang Oktober nur im Spital und bei der
Arbeit aufgehalten. Dieser Zeitrahmen liegt im von der Lehrerin erwähnten Ereig-
niszeitraum sowie des im ärztlichen Befund erwähnten Zeitraums der Hospitalisa-
tion von D._. Zudem sagte der Zeuge E._ dies ebenfalls aus. Der Fin-
gerbruch ereignete sich offenbar in der Schule, dies gemäss den übereinstim-
menden Angaben der Lehrerin und E._. Als Ursache für den Schlüsselbein-
bruch ist wohl davon auszugehen, dass C._ mit dem Fahrrad oder dem Trot-
tinett gestürzt ist, wie dies E._, die Lehrerin und diesen gegenüber auch
C._ bestätigte. Dem steht nicht entgegen, dass C._ beim Sporttest ETH
überdurchschnittlich gut abgeschlossen hat. Die Privatkläger bekamen erstmals in
der Schweiz Velos und Trottinette und mussten deren Benützung erst erlernen
(Urk. 39 S. 7). So kann sich auch G._ erklären, dass sich die Stürze mit dem
Velo und dem Trottinett tatsächlich ereigneten.
Sowohl im ärztlichen Befund (Urk. 6.5) als auch von der Lehrerin und E._
werden als Ursache des Fingerbruchs ein Konflikt mit einem anderen Schüler an-
gegeben. C._ führte aus, die Beschuldigte habe dem Arzt gesagt, der Bruch
des Zeigefingers sei entstanden, weil er sich mit jemandem geschlagen habe.
Beim Schlüsselbeinbruch habe sie gesagt, er sei vom Velo gefallen (Urk. 5.3.4).
Damit will er der Beschuldigten unterstellen, sie habe gegenüber den Ärzten fal-
sche Angaben über die Ursachen seiner Verletzungen gemacht. Gemäss über-
einstimmenden Aussagen von E._, G._ und der Beschuldigten war es
E._, der mit C._ den Arzt bzw. das Spital aufsuchte. Demzufolge war es
auch E._, der gegenüber den Ärzten Angaben über die Ursachen der Verlet-
zungen machte. Mit seinen Äusserungen hat C._ die Glaubwürdigkeit der
Beschuldigten herabzusetzen versucht.
Die Brüche am Arm und an der Hand von C._ sind am 6. Januar 2012 im
Kinderspital festgestellt worden. Dorthin kam C._, nachdem der Fingerbruch
- 36 -
nicht gut verheilt ist. Gemäss dem ärztlichen Befund besteht kein erinnerliches
Trauma bzw. liegen keine Angaben vor (Urk. 6.5). Übereinstimmend schildern
G._ und das Kinderspital in der Gefährdungsmeldung vom 18. Januar 2012,
dass C._ keinerlei Schmerzempfinden zeige und der Gebrauch der Hand
nicht eingeschränkt war. Gleich hat sich C._ gegenüber E._ geäussert.
Nachdem keiner der Beteiligten die Brüche wahrnahm bzw. dadurch einge-
schränkt war, ist es schwer nachvollziehbar, dass die Brüche auf die von C._
in den Einvernahmen widersprüchlich geschilderte Art zustandegekommen sein
sollen.
4.10 Divergierende Angaben bestehen auch betreffend die Narben auf dem Rü-
cken von C._. Sowohl E._ als auch die Beschuldigte und das Kinderspi-
tal in der Gefährdungsmeldung erwähnen, dass die Privatkläger mit Narben in die
Schweiz kamen bzw. dass diverse alte Narben auf dem Rücken von C._ da-
für sprechen, dass er in Somalia auf irgendeine Weise misshandelt wurde (Urk.
6.1). Demgegenüber bestreitet C._ in Somalia erlittene Verletzungen (Urk.
5.3.4 S. 7).
4.11 Sowohl E._ als auch die Beschuldigte erwähnen, dass die Privatkläger
an einer Kinderkrankheit litten, welche Flecken bzw. Narben auf der Haut der Pri-
vatkläger zurückliessen. Bei dieser Krankheit handelte es sich wohl um die Wind-
pocken (auch: Wilde Blattern). Es ist bekannt, dass nach dieser Krankheit Narben
zurückbleiben können, vor allem wenn am Hautausschlag gekratzt wird.
4.12 D._ äussert sich in der ersten Einvernahme dahingehend, dass am
Tag, als sie auf die Strasse gegangen seien, die Beschuldigte zusammen mit dem
Stiefvater das Haus verlassen habe. Er, der Stiefvater, sei nachher zur Arbeit ge-
gangen, wo sie, die Beschuldigte hingegangen sei, wisse er nicht. Sie sei einfach
weggegangen (Urk. 5.4.1 S. 8). Diese Aussage steht einerseits im Widerspruch
zu den Aussagen beider Privatkläger, wonach sie letztmals am Tag, als sie auf
die Strasse gegangen seien, geschlagen wurden und der Stiefvater bei den
Schlägen nie anwesend war. Andererseits erwähnt E._, dass er und die Be-
schuldigte an diesem Tag zusammen weggegangen seien; er zur Arbeit und die
Beschuldigte zum Arzttermin (Urk. 25/18 S. 2). Die von D._ wiedergegebene
- 37 -
Äusserung erfolgte auf die Frage, aus welchem Grund die Privatkläger von zu-
hause weggegangen sind (Urk. 5.4.1 S. 8). Es wäre daher möglich, dass die Pri-
vatkläger nicht wegen Schlägen von zuhause weggegangen sind, sondern weil
die Beschuldigte die Wohnung verlassen hat und die Privatkläger nicht wussten,
wohin sie ging bzw. ob sie wieder zurückkommt.
4.13 Aufhorchen lassen auch die Schilderungen, wonach einerseits C._ in
der Schule und andererseits die Privatkläger untereinander sich häufig schlagen.
Zudem wird über D._ gesagt, er mache oft Sachen, die eine Gefährdung be-
inhalten, nehme alles unüberlegt in die Hände und spiele mit Messern und Sche-
ren. Gestützt werden diese Beobachtungen dadurch, dass beide Privatkläger
schon gegenüber den Lehrpersonen die Schuld für Hämatome des anderen über-
nommen haben bzw. gesagt haben, der andere habe ihm diese zugefügt.
4.14 Auch die Erwartungen, dass die Privatkläger keine Verletzungen mehr ha-
ben, wenn sie von der Beschuldigten getrennt leben, haben sich offenbar nicht
bewahrheitet. Frau M._, die Beiständin der Privatkläger, äussert in einem
Mail vom 5. Juni 2012, dass C._ in der Schulklasse negativ auffalle und zwar
durch Lügen, Schlagen von anderen Kindern und Stehlen von Geld (Urk. 42/3).
Bei einem Spassstreit nahm C._ ein Messer zur Hand. Zudem hat er erhebli-
che Schwierigkeiten, sich unseren Regeln unterzuordnen (Urk. 42/4). Auch ist er
offenbar schon vom Heim weggelaufen (Urk. 42/5 S. 2) und hat sich zwei Brüche
zugezogen sowie kleinere ältere Narben durch Velostürze aufgewiesen (Urk. 42/5
S. 4).
4.15 Zu erwähnen ist auch, dass G._ schilderte, die Beschuldigte habe sich
gegenüber den Privatklägern sehr liebevoll verhalten. Auch die Privatkläger hät-
ten ihre Nähe gesucht (Urk. 4.3 S. 3). I._ führte aus, dass sie hinsichtlich der
Beschuldigten nie ein schlechtes Gefühl gehabt hätten. Sie hätten die Beschuldig-
te auch im Kinderspital gesehen und es sei alles in Ordnung gewesen. Die Be-
schuldigungen seien völlig überraschend gekommen (Urk. 4.6 S. 4). Gemäss
J._ sei das Bauchgefühl gegenüber der Beschuldigten gut gewesen (Urk. 4.7
S. 5). Und auch die Ärzte im Kinderspital erwähnen, dass die Privatkläger gegen-
- 38 -
über Erwachsenen (inkl. Mutter) keine Angst oder auffallende Zurückhaltung ge-
zeigt hätten, was gegen eine innerfamiliäre Misshandlung spreche (Urk. 6.1).
4.16 In einer Gesamtwürdigung ist festzustellen, dass zwar über die Motivation
der beiden Privatkläger, gegenüber ihrer Mutter diese Beschuldigungen vorzu-
bringen, nur spekuliert werden kann. Klar ist, dass die traumatischen Erlebnisse in
Somalia und deren dortige Lebensweise zu berücksichtigen sind und es nicht er-
staunt, dass sich daraus Anpassungsschwierigkeiten in der Schweiz mit innerfa-
miliären Konflikten ergeben können. Jedoch sind die Aussagen der Privatkläger
aufgrund zahlreicher Widersprüche vor allem im Kerngeschehen und diversen
Fantasiesignalen als unglaubhaft anzusehen, während die Aussagen der Be-
schuldigten als eher glaubhaft anzusehen sind. Überdies werden die Aussagen
der Beschuldigen durch diverse Zeugen sowie ärztliche Befunde gestützt. Die Be-
schuldigte ist daher vom Vorwurf der mehrfachen qualifizierten Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB freizusprechen.
V. Tätlichkeiten
1. Da die Beschuldigte jedoch zugegeben hat, den Privatklägern Ohrfeigen
(Urk. 3.1 S. 3 und 5) bzw. Hiebe auf die Hände bzw. Finger (Urk. 39 S. 8 und 11;
Prot. II S. 11) gegeben zu haben, hat sie den objektiven und den subjektiven Tat-
bestand der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 in Verbindung
mit Abs. 2 lit. a StGB erfüllt. Die mehrfachen Tätlichkeiten sind von der Anklage-
schrift umfasst. Rechtfertigungsgründe liegen keine vor.
2. Die Verteidigerin brachte vor Vorinstanz sinngemäss vor, dass die Beschul-
digte nicht gewusst habe, dass das Verabreichen von Ohrfeigen in der Schweiz
verboten sei (Urk. 41 S. 23; vgl. auch Urk. 39 S. 5). Es ist somit das Vorliegen ei-
nes Rechtsirrtums zu prüfen.
Wer bei Begehung der Tat nicht weiss und nicht wissen kann, dass er sich
rechtswidrig verhält, handelt nicht schuldhaft (Art. 21 StGB). Unvermeidbar ist der
Rechtsirrtum gemäss Art. 21 StGB, wenn dem Täter daraus kein Vorwurf ge-
- 39 -
macht werden kann, weil er auf Tatsachen beruht, durch die sich auch ein gewis-
senhafter Mensch hätte in die Irre führen lassen. Auf den Rechtsirrtum kann sich
nur berufen, wer zureichende Gründe zur Annahme hatte, er tue überhaupt nichts
Unrechtes, und nicht schon, wer die Tat bloss für straflos hielt. Für den Aus-
schluss des Rechtsirrtums genügt schon das unbestimmte Empfinden, dass das
in Aussicht genommene Verhalten gegen das verstösst, was recht ist. Vom Täter
wird eine gewissenhafte Überlegung oder ein Erkundigen bei Behörden oder ver-
trauenswürdigen Personen verlangt (Donatsch, in: Schweizerisches Strafgesetz-
buch, Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, 19. A., 2013, Art. 21 N 3 ff.).
Vorliegend lebte die Beschuldigte bereits mehr als drei Jahre in der Schweiz be-
vor sie die Privatkläger hierher nachzog. Aufgrund dieser Aufenthaltsdauer muss-
te ihr bewusst sein, dass in der Schweiz vieles anders war als in Somalia. Sie hät-
te sich daher beim Eintreffen der Privatkläger in der Schweiz erkundigen müssen,
wie die Rechtslage hierzulande ist. Dies wäre ihr auch zumutbar gewesen, hat sie
sich bewusst dafür entschieden, ihre Kinder in die Schweiz zu holen und hat jah-
relang darauf hingearbeitet. Der Rechtsirrtum wäre vermeidbar gewesen, wenn
sie dies getan hätte. Somit hätte die Beschuldigte um die Rechtswidrigkeit ihres
Verhaltens wissen und den Rechtsirrtum auch vermeiden können. Es liegt kein
Rechtsirrtum vor, weshalb die Beschuldigte schuldhaft handelte.
VI. Strafzumessung
1. Gemäss Art. 126 StGB ist vorliegend eine Busse auszufällen. Der Höchstbe-
trag einer Busse beträgt bei einer Übertretung Fr. 10'000.– (Art. 106 Abs. 1
StGB). Der Strafrahmen beträgt somit Fr. 1.– bis Fr. 10'000.– Busse.
2. Die Busse ist nach den persönlichen Verhältnissen des Täters so zu bemes-
sen, dass dieser die Strafe erleidet, welche seinem Verschulden angemessen ist.
Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des be-
troffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen
und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inne-
ren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung
- 40 -
zu vermeiden (sog. Tatkomponente; Art. 106 Abs. 3 StGB sowie Art. 104 StGB in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 StGB).
Die Beschuldigte hat über einen Zeitraum von mehreren Monaten mehrfach Tät-
lichkeiten an ihren noch minderjährigen Kindern begangen. Dabei ist die schwieri-
ge Vorgeschichte der Herkunft der Familie aus einem Land mit Kriegswirren und
deren beschwerliche Zusammenführung zu berücksichtigen und dass es bei den
Kindern aufgrund dieser Geschehnisse um solche mit einem auffälligen Sozial-
verhalten handelte. Der Grund für die Tätlichkeiten ist wohl in der erzieherischen
Überforderung der Beschuldigten zu sehen. Es ist von eventualvorsätzlichem
Handeln auszugehen. Die im Gutachten festgestellte verminderte Schuldfähigkeit
kann vorliegend nicht berücksichtigt werden, da sich das Gutachten dazu lediglich
im Zusammenhang mit mehrfacher qualifizierter Körperverletzung äussert (Urk.
11.10 S. 31). Trotzdem dürfen die möglichen Folgen der Handlungen der Be-
schuldigten nicht verharmlost werden, auch wenn diese wohl die Hilflosigkeit der
Beschuldigten offenbaren. Das Verschulden ist insgesamt als nicht mehr leicht
einzustufen.
3. Gemäss Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB sind für die Festsetzung der verschul-
densangemessenen Strafe das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse und die
Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichtigen (sog. Täterkom-
ponente).
Die Beschuldigte stammt aus Somalia, wo sie ein Leben in Armut führte. Sie be-
suchte zehn Jahre lang eine Koranschule. Aufgrund des in Somalia herrschenden
Bürgerkrieges musste sie mehrmals fliehen und verlor fast sämtliche Verwandten
sowie ihren Ehemann. Zudem wurde sie Opfer einer Vergewaltigung und von Ge-
nitalverstümmelung. Im Januar 2008 kam sie als Flüchtling in die Schweiz. Teil-
weise ging sie hier einer Beschäftigung als Küchen- und Reinigungshilfe nach.
Zur Zeit ist sie ohne Arbeit, nachdem sie seit dem Weglaufen der Privatkläger
nicht mehr zur Arbeit ging und im Sommer 2012 zusammen mit ihrem Ehemann
Eltern einer Tochter wurden. Von ihrem Ehemann lebt die Beschuldigte seit kur-
zer Zeit getrennt. Die Beschuldigte erhält im Moment Arbeitslosengelder im Um-
- 41 -
fang von ca. Fr. 2'500.– monatlich und nimmt an einem Beschäftigungsprogramm
teil (vgl. Prot. II S. 6 ff.)
Das Strafverfahren hat auf die Beschuldigte einen bleibenden Eindruck gemacht,
wurden ihr doch die Obhut über die Privatkläger und die Obhut über ihre neuge-
borene Tochter entzogen. So musste sie getrennt von ihrem Ehemann in einer
betreuten Einrichtung leben, damit sie mit ihrer Tochter zusammen sein konnte.
Die gemeinsame Tochter lebt mittlerweile bei ihr. Die Privatkläger sieht sie zwei
Mal im Monat, einmal pro Woche hat sie telefonischen Kontakt (Prot. II S. 7 und
14). Betreffend die Tätlichkeiten zeigte sich die Beschuldigte von Beginn der Un-
tersuchung an geständig. Seit März 2013 unterzieht sie sich einer freiwilligen
Psychotherapie.
4. Unter Berücksichtigung dieser Umstände erscheint eine Bestrafung mit einer
Busse von Fr. 1'000.– als angemessen.
VII. Anrechnung der Haft
1. Grundsätzlich kann erstandene Untersuchungshaft an die Busse angerech-
net werden. Der Anrechnungsfaktor, mit welchem die Untersuchungshaft an eine
Busse anzurechnen ist, entspricht jenem Faktor, nach welchem der Richter die
Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse gemäss Art. 106
Abs. 3 StGB bestimmt (BGE 135 IV 126 E. 1.3.9). Art. 51 StGB sieht vor, dass ein
Tag Haft einem Tagessatz Geldstrafe entspricht. Es ist daher die Höhe des mut-
masslichen Tagessatzes zu bestimmen, welchen die Beschuldigte bei einer Geld-
strafe zu bezahlen hätte.
2. Die Höhe des Tagessatzes bestimmt sich nach den persönlichen und wirt-
schaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach
Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstüt-
zungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). Aus-
gangspunkt für die Bemessung bildet das Einkommen, das dem Täter durch-
schnittlich an einem Tag zufliesst. Was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter
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wirtschaftlich nicht zufliesst, ist abzuziehen, so laufende Steuern, die Beiträge an
die obligatorische Kranken- und Unfallversicherung, sowie die notwendigen Be-
rufsauslagen bzw. die branchenüblichen Geschäftsunkosten. Das so errechnete
Nettoeinkommen ist um die Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge zu reduzie-
ren, soweit der Täter diesen tatsächlich nachkommt. Anderweitige finanzielle Las-
ten können nur im Rahmen der persönlichen Verhältnisse berücksichtigt werden.
Grössere Zahlungsverpflichtungen des Täters, die schon unabhängig von der Tat
bestanden haben, fallen dabei grundsätzlich ausser Betracht. Insbesondere kön-
nen Abzahlungs- und Leasingverpflichtungen, aber auch Hypothekar- und Miet-
zinse in der Regel nicht in Abzug gebracht werden. Fehlendes oder vorhandenes
Vermögen wirkt sich in der Regel auf die Höhe des Tagessatzes ebenso wenig
aus wie der Lebensaufwand. Beide Kriterien dienen lediglich als Hilfsargumente
bei der Bemessung des strafrechtlich relevanten Nettoeinkommens, und zwar
dann, wenn der Lebensunterhalt nicht aus Einkommen finanziert wird bzw. die
Einkommensverhältnisse geschätzt werden müssen (BGE 134 IV 60 Erw. 6).
3. Die Beschuldigte erhält gemäss eigenen Angaben zur Zeit Arbeitslosengel-
der in der Höhe von Fr. 2'500.– pro Monat. In den Monaten Juli und August 2013
wurde von ihrem Lohn pro Monat rund Fr. 540.– dem Betreibungsamt abgeliefert
(Urk. 57/2). Die entsprechenden Schulden bestehen noch stets. Die Quellensteu-
er ist bereits abgezogen, weshalb kein weiterer Abzug für Steuern vorzunehmen
ist. Jedoch ist ein üblicher Betrag für die Kranken- und Unfallversicherung abzu-
ziehen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die im Jahr 2012 geborene Tochter bei
der Beschuldigten lebt, gegenüber welcher sie Unterstützungspflichten hat. Der
zu errechnende Tagessatz ist sodann auf die Hälfte zu reduzieren, da die Be-
schuldigte mit ihrer Tochter nahe oder unter dem Existenzminimum lebt.
Aufgrund der aktuellen finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten erscheint ein
Tagessatz von rund Fr. 20.– angemessen.
4. Die Beschuldigte verbrachte 49 Tage in der Untersuchungshaft. Gemäss
Art. 106 Abs. 3 StPO bemisst das Gericht die Busse und die Ersatzfreiheitsstrafe
je nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die sei-
nem Verschulden angemessen ist. Aufgrund der dargelegten finanziellen Verhält-
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nisse der Beschuldigten gilt die ausgesprochene Busse von Fr. 1'000.– als durch
Untersuchungshaft geleistet. Von der Festlegung einer Ersatzfreiheitsstrafe kann
deshalb abgesehen werden.
VIII. Kostenfolgen
1. Erstinstanzliche Kosten
Gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO auferlegte die Vorinstanz der Beschuldigten die
Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich dieje-
nigen der amtlichen Verteidigung, wobei angesichts der ungünstigen finanziellen
Verhältnisse der Beschuldigten sämtliche Kosten einstweilen auf die Gerichtskas-
se genommen wurden, unter dem Nachforderungsvorbehalt von Art. 135 Abs. 4
StPO.
Die von der Vorinstanz vorgenommene Kostenaufstellung (Ziffer 5) ist zu bestäti-
gen. Aufgrund des vorliegenden Freispruchs betreffend die qualifizierte einfache
Körperverletzung und des Schuldspruchs betreffend die mehrfachen Tätlichkeiten
rechtfertigt es sich, der Beschuldigten die vorinstanzlichen Verfahrenskosten zu
einem Zehntel aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der der Beschuldigten aufzuerlegende Zehntel der Kosten für die amtliche Vertei-
digung ist einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht
gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
Die Verteidigung beantragte, die Kosten im Falle einer Auferlegung an die Be-
schuldigte zufolge offensichtlicher Unerhältlichkeit sogleich abzuschreiben. Die
Beschuldigte ist soweit ersichtlich mittellos. Eine sofortige und definitive Abschrei-
bung der der Beschuldigten aufzuerlegenden Kosten ist jedoch grundsätzlich nur
mit Zurückhaltung vorzunehmen, denn die finanziellen Verhältnisse der Beschul-
digten können sich in Zukunft - allenfalls auch unerwartet - ändern. Überdies kön-
nen dem Schuldner auf Gesuch hin auch Zahlungserleichterungen in Form von
Ratenzahlungen, Stundungen, Herabsetzungen oder Erlass gewährt werden
(Art. 425 StPO). Von der sofortigen definitiven Abschreibung der Verfahrenskos-
ten ist daher abzusehen.
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2. Kosten des Rechtsmittelverfahrens
Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte obsiegt
vollständig. Es rechtfertigt sich daher, die Kosten des Berufungsverfahrens, ein-
schliesslich derjenigen für die amtliche Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 4'000.– anzusetzen
(Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit §16 Abs. 1 und § 14 Abs. 1 lit. b GebV
OG). Die amtliche Verteidigung ist mit Fr. 5'468.05 (inkl. MwSt.) zu veranschlagen
(Urk. 63/5).