Decision ID: 469385fd-3e03-42d9-970c-2100fa26b4a8
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 07.05.2009 Art. 17 ATSG und Art. 53 Abs. 2 ATSG. Revisionsgrund mangels erheblicher Veränderung des Sachverhalts nicht ausgewiesen. Jedoch ist die ursprüngliche Rentenverfügung mit substituierter Begründung zu Gunsten des Beschwerdeführers in Wiedererwägung zu ziehen und ex nunc et pro futuro ein rechtskonformer Zustand herzustellen, d.h. dem Beschwerdeführer ab Revisionsgesuch eine höhere Rente zuzusprechen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Mai 2009, IV 2007/270).
Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichterin Marie Löhrer,
Ver-sicherungsrichter Franz Schlauri; Gerichtsschreiber Jürg Schutzbach
Entscheid vom 7. Mai 2009
in Sachen
W._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Sozialamt der Stadt St. Gallen, Brühlgasse 1, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a W._ meldete sich am 2. Juni 2003 zum Bezug einer IV-Rente sowie von
Hilfsmitteln bei der IV-Stelle St. Gallen an, nachdem er am 21. Februar 2003 einen
Unfall erlitten hatte, der eine Amputation des linken Unterschenkels zur Folge hatte
(act. G 4.1/1). Aus dem eingeholten Bericht des Hausarztes, Dr. med. A._, Allgemeine
Medizin und Tropenmedizin FMH, vom 15. Juli 2003 ergab sich zudem, dass der
Versicherte einen jahrelangen Alkohol- und Drogenabusus betreibe und an einer
chronischen Hepatitis C leide. Wegen der eingeschränkten Mobilität und der langen
Suchtanamnese mit unregelmässiger Arbeit über viele Jahre attestierte Dr. A._ dem
Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (act. G 4.1/9.1 - 2). In seinem
Verlaufsbericht vom 28. November 2003 bezeichnete Dr. A._ den
Gesundheitszustand als stationär und attestierte dem Versicherten unter
Berücksichtigung sowohl der Prothese als auch der Suchtproblematik eine
Arbeitsfähigkeit von 50 %. Dabei ging er davon aus, dass der Versicherte auch schon
vor dem Unfall, also unter alleiniger Berücksichtigung des Suchtproblems, seit vielen
Jahren nur zu 50 % arbeitsfähig gewesen sei (act. G 4.1/25).
Mit Verfügungen vom 27. Mai 2004 wurde dem Versicherten - unter Zugrundelegung
eines Invaliditätsgrades von 60 % - zunächst eine halbe Rente, beginnend am 1. Juni
2002, und ab 1. Januar 2004 eine Dreiviertelrente zugesprochen (act. G 4.1/38 und 39).
Diese Verfügungen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft.
A.b Mit Eingabe vom 9. Mai 2005 beantragte der Versicherte sinngemäss die Revision
seiner Rente, da seine Hand eingeschränkt sei und bei Gebrauch stark schmerze.
Zudem habe sich seine psychische und geistige Belastbarkeit in letzter Zeit stark
abgebaut (act. G 4.1/40). Mit Zeugnis vom 4. Januar 2005 zu Handen des RAV St.
Gallen bestätigte Dr. A._, dass der Versicherte seiner Ansicht nach spätestens seit
dem Unfall auf Dauer zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei (act. G 4.1/41). In einem
erneuten Verlaufsbericht vom 26. August 2005 äusserte er sich dahingehend, dass er in
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seinem ursprünglichen Bericht vom November 2003 die Arbeitsfähigkeit wohl zu
optimistisch eingeschätzt habe. Insbesondere habe er die Wichtigkeit der Alkohol- und
Drogenabhängigkeit des Versicherten sowie einer Gelenkschädigung am rechten
Daumen unterschätzt (act. G 4.1/44). In der daraufhin angeordneten MEDAS-
Untersuchung vom 9. - 10. Januar 2007 diagnostizierten die Gutachter (mit
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) ein Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10: F
10.25), eine Gehbehinderung nach traumatischer Unterschenkelamputation links am
21. Februar 2003, belastungsabhängige lumbale Rückenschmerzen, eine leichte
Funktionsbehinderung des rechten Daumens sowie eine chronische Hepatitis C. Als
Diagnosen ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurden ein Status nach
Bursektomie am linken Ellbogen 4/2005, eine chronische Bronchitis sowie eine
euthyreote Struma nodosa rechts festgehalten. Die Arbeitsfähigkeit wurde sowohl in
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Bauschuttsortierer als auch in jeder anderen
Tätigkeit sowohl in der freien Wirtschaft als auch im geschützten Rahmen auf 0 %
veranschlagt. Weiter gingen die Gutachter davon aus, dass es keine sicheren Hinweise
auf eine Veränderung des körperlichen oder psychischen Gesundheitszustands seit
dem 28. Januar 2004 (Feststellungsblatt der IV) gegeben habe. Der psychische
Zustand werde aber jetzt negativer beurteilt als 2004 (Gutachten vom 5. März 2007,
act. G 4.1/56).
A.c In der Folge ging die IV-Stelle davon aus, dass keine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustands stattgefunden habe und lediglich eine andere Beurteilung eines
im Wesentlichen gleichen Sachverhalts vorliege. Dementsprechend stellte sie mit
Vorbescheid vom 10. Mai 2007 die Abweisung des Revisionsgesuchs in Aussicht (act.
G 4.1/62). Obwohl der Versicherte mit Einwand vom 1. Juni 2007 nochmals auf eine
Verschlechterung seines Gesundheitszustands verwiesen hatte, verfügte die IV-Stelle
am 5. Juni 2007 im angekündigten Sinn (act. G 4.1/63 und 65).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 23. Juli 2007
mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur
neuen Beurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ausserdem sei dem
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Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Zur Begründung wird
vorgebracht, dass die Voraussetzung der veränderten tatsächlichen Verhältnisse erfüllt
sei. So beurteile das MEDAS-Gutachten erstmals die für die volle Arbeitsunfähigkeit
massgebende psychische Beeinträchtigung. Erstmals im MEDAS-Gutachten beurteilt
worden seien sodann die Auswirkungen des Schadens am rechten Daumen sowie die
gesundheitlichen Auswirkungen der chronischen Hepatitis C. Zusätzlich habe die
MEDAS neu belastungsunabhängige lumbale Rückenschmerzen diagnostiziert. Selbst
der RAD gehe davon aus, dass die nun festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 100 %
nachvollziehbar sei (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. September 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Aus dem Gutachten ergebe sich,
dass sich der körperliche und psychische Gesundheitszustand seit dem 28. Januar
2004 nicht in grösserem Ausmass verändert habe. Dabei dürfe die vordergründige
diagnostische Diskrepanz zwischen dem Gutachten und den bisherigen Beurteilungen
nicht in eine Veränderung der Situation umgedeutet werden. Es sei normal, dass in
einem MEDAS-Gutachten eine detailliertere Diagnose erhoben werde als in normalen
Arztberichten (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 5. November 2007 macht der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers geltend, mit den belastungsabhängigen lumbalen
Rückenschmerzen und der Funktionsbehinderung des rechten Daumens seien neu
aufgetretene Beeinträchtigungen hinzugekommen, die vor Erstellung des Gutachtens
noch nicht thematisiert worden seien. Die psychische Beeinträchtigung durch das
Alkoholabhängigkeitssyndrom sowie die chronische Hepatitis C hätten jetzt zudem
rentenrelevante Auswirkungen. Dies gehe auch aus dem RAD-Bericht vom 23. März
2007 hervor, der von einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands
seit Januar 2004 ausgehe (act. G 7). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine
Duplik (act. G 9).
B.d Mit Verfügung vom 4. Oktober 2007 wurde dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) gewährt (act. G 5).

Erwägungen:
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1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Anlass zur Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG
massgeblichen Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen praxisgemäss keine
revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 E. 2b). Ob eine
revisionsbegründende Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten (der versicherten Person eröffneten)
rechtskräftigen Verfügung bestand, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in
den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108),
mit dem Sachverhalt zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Gesundheitszustand habe sich
verschlechtert. So habe er bereits in seinem Revisionsgesuch vom 9. Mai 2005 darauf
hingewiesen, dass er zunehmend Schmerzen in der rechten Hand verspüre. Die
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit sei sodann erstmals im MEDAS-
Gutachten vom 5. März 2007 beurteilt worden. Erstmals beurteilt worden seien im
Bericht auch die Auswirkungen des Schadens am rechten Daumen sowie die
gesundheitlichen Auswirkungen der chronischen Hepatitis C
(Müdigkeitserscheinungen). Zusätzlich habe die MEDAS belastungsabhängige lumbale
Rückenschmerzen diagnostiziert. Sämtliche neu festgestellten Gesundheitsschäden,
insbesondere die neuen psychiatrischen Befunde hätten gemäss MEDAS eine
erhebliche Auswirkung auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit. In der rentenzusprechenden
Verfügung vom 27. Mai 2004 sei der Invaliditätsgrad von 60 % ausschliesslich mit
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Bezug auf den damals bekannten Gesundheitsschaden am Unterschenkel geprüft
worden.
2.2 Die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 27. Mai 2004 stützte sich
auf die Berichte Dr. A._s vom 15. Juli 2003 und vom 28. November 2003. Darin
diagnostizierte er neben einer Unterschenkelprothese links einen langjährigen Drogen-
und Alkoholabusus sowie - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - eine chronische
Hepatitis C (act. G 4.1/9.1 - 9.2). Bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit stützte sich
Dr. A._ sowohl auf die unfallbedingt eingeschränkte Mobilität als auch auf die
langjährige Suchtanamnese mit unregelmässiger Arbeit und setzte die Arbeitsfähigkeit
auf 50 % fest, wobei er langfristig vor allem die Suchtanamnese als limitierend
erachtete (act. G 4.1/9.4). In seinem Verlaufsbericht vom 28. November 2003 geht Dr.
A._ sodann davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit auch vor dem Unfall allein unter
Berücksichtigung der Suchtproblematik ebenfalls bei 50 % gelegen habe. Die Prothese
habe die Situation lediglich dahingehend verändert, dass der Beschwerdeführer jetzt
keine Arbeiten mehr verrichten könne, die eine grosse Mobilität oder das Tragen von
grossen Lasten verlangten (act. G 4.1/25). Im Weiteren ging auch die Rehaklinik
Bellikon, wo der Beschwerdeführer vom 3. April 2003 bis zum 4. Juni 2003 stationiert
war, implizit davon aus, dass vor allem die Suchtproblematik für die Wiederaufnahme
einer Tätigkeit hinderlich sei. Aus medizinischer Sicht sei dem Beschwerdeführer
medizinisch-theoretisch eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit zumutbar, eventuell
mit verlängerten Pausen. "Auf Grund der uns vorliegenden Informationen sind wir
jedoch in Bezug auf eine Wiederaufnahme einer Tätigkeit sehr skeptisch eingestellt",
welche Formulierung sich wohl nur auf die langjährige Suchtanamnese ohne Ausübung
einer geregelten Arbeit beziehen kann (act. G 4.1/8.3). Somit ergibt sich aus den
ursprünglich vorliegenden ärztlichen Unterlagen, dass nicht in erster Linie die
Unfallfolgen für die Arbeitsfähigkeit limitierend waren, sondern der vorbestehende
Alkohol- und Drogenkonsum. In der Folge ging denn auch die Beschwerdegegnerin
davon aus, dass auf Grund der seit 1994 bestehenden (langdauernden) Krankheit
Anspruch auf eine halbe Rente bestehe (act. G 4.1/34).
2.3 Im Revisionsverfahren gab Dr. A._ am 15. August 2005 an, der Verlauf seit der
letzten Stellungnahme im November 2003 habe gezeigt, dass der Beschwerdeführer
entgegen den Erwartungen durch jede Art Arbeit psychisch und körperlich überfordert
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gewesen sei. Die Gründe dafür seien unter anderem die Beinprothese, eine Gelenk-
und Bandschädigung des Daumens rechts, die erst in neuerer Zeit bei mehr Aktivität
störe und das unverändert bestehende Drogenproblem. Eine Operation der Hand sei
vorgesehen (act. G 4.1/43). In seinem Verlaufsbericht vom 26. August 2005 gab Dr.
A._ sodann an, er habe die Wichtigkeit der Alkohol- und Drogenabhängigkeit und der
entsprechenden psychischen Veränderungen und die Wichtigkeit einer
Gelenkschädigung am rechten Daumen, die erst bei wieder vermehrter Aktivität an
Bedeutung gewonnen habe, unterschätzt (act. G 4.1/44). Die Ausführungen des
Hausarztes dürfen nicht einfach dahingehend interpretiert werden, dass im
Revisionszeitpunkt ein gleicher Zustand vorgelegen habe wie zum Zeitpunkt der
Erstbeurteilung und demzufolge die ursprüngliche Arbeitsfähigkeitsschätzung falsch
war. Vielmehr ging Dr. A._ davon aus, dass er auf Grund des sich damals positiv
präsentierenden Beschwerdeführers von einer zukünftigen Arbeitsfähigkeit von 50 %
ausgegangen sei. Nachdem sich aber diese positive Prognose nicht bewahrheitet hat,
und gemäss Gutachten (act. G 4.1/56.14) im Gegenteil sowohl im somatischen als
auch im psychischen Bereich neue Befunde hinzugekommen sind (IP-Gelenk des
rechten Daumens, grösseres Ausmass der Alkoholabhängigkeit, Hepatitis C, lumbale
Beschwerden), erscheint auch plausibel, dass der Hausarzt die Arbeitsfähigkeit
anlässlich der Revision neu einschätzte. Davon geht auch der RAD-Arzt aus. So führte
er gestützt auf das MEDAS-Gutachten in seiner Stellungnahme vom 23. März 2007
aus, dass an neuen invalidisierenden Folgeschäden im Gutachten eine leichte
Funktionsbehinderung des rechten Daumens bei Status nach wahrscheinlicher
Luxation und Bandverletzung im Interphalangealgelenk und Entwicklung einer
Sekundärarthrose mit Tendenz zur Spontanankylosierung sowie eine chronische
Hepatitis C hinzugekommen seien. Am gravierendsten erscheine jedoch die neu
berichtete Einschränkung im psychiatrischen Bereich. Da der Beschwerdeführer
krankheitsbedingt nicht mehr die nötige Willensanstrengung zur Einhaltung einer
Abstinenz aufbringen könne und krankheitsbedingt auch nicht mehr von
Therapieangeboten profitieren könne, sei die Annahme einer 100 %-igen
Arbeitsunfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten nachvollziehbar (act. G 4.1/57). Im Gutachten
selber wird zwar ausgeführt, dass wahrscheinlich eine unterschiedliche Beurteilung
eines zwischen dem 28. Januar 2004 und dem Zeitpunkt der Erstellung des
Gutachtens nicht erheblich veränderten Sachverhalts vorliege (act. G 4.1/56.15).
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Indessen ist mit dem Beschwerdeführer davon auszugehen, dass auf Grund der im
Gutachten erstmals erfolgten psychiatrischen Beurteilung sowie der erstmals
diagnostizierten somatischen Befunde von einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands auszugehen ist, und sich daraus eine neue
Arbeitsfähigkeitsschätzung ergibt. Wenn auch in der ursprünglichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung ein gewisser Optimismus mitgeschwungen haben mag, so
kann trotzdem nicht von einer ursprünglich falschen Schätzung ausgegangen werden.
Daran ändert auch nichts, wenn Dr. A._ selber im Nachhinein ausführt, die
Arbeitsfähigkeit habe schon immer 100 % betragen. Mithin ist nicht bloss von einer
unterschiedlichen Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes,
sondern von einer erheblichen Veränderung der erwerblichen Möglichkeiten und damit
des Invaliditätsgrades auszugehen. Die Voraussetzungen für eine Revision sind damit
erfüllt. Selbst wenn von einer (mindestens) seit der ursprünglichen Rentenzusprache
bestehenden vollen Arbeitsunfähigkeit - und damit von der offensichtlichen
Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenzusprache - auszugehen wäre, wäre zu
erwägen, ob darauf nicht wiedererwägungsweise zurückzukommen und ex nunc et pro
futuro ein rechtmässiger Zustand herzustellen wäre, nachdem auch die
Beschwerdegegnerin nicht bestreitet, dass nunmehr eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit vorliegt.
2.4 Als Beginn der vollen Arbeitsunfähigkeit wird im Gutachten der Zeitpunkt des
Revisionsgesuchs (9. Mai 2005; act. G 4.1/40) vorgeschlagen. Nachdem spätestens ab
diesem Datum von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten
auszugehen ist, ist darauf abzustellen. Der Anspruch auf eine ganze Rente besteht
somit ab 1. Mai 2005.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung vom 5. Juni 2007 aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat sodann ab dem 1.
Mai 2005 Anspruch auf eine ganze Rente. Die Sache ist zur Festsetzung der
Rentenhöhe an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Diese ist der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) vom
4. Oktober 2007 an den Beschwerdeführer ist obsolet geworden.
4.
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz
der Parteikosten. Dies gilt auch für den Fall, dass der Beschwerdeführer - wie
vorliegend - durch einen angestellten Anwalt einer Fürsorgebehörde vertreten ist
(Entscheid des Versicherungsgerichts vom 23. Mai 2008 [IV 2008/11] E. 3.3). Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht