Decision ID: d303e389-3ae3-42b0-8c10-c2889c4b23b8
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1957 geborene
X._
meldete sich am 5. Mai 2010 unter Hinweis auf die Folgen eines Motorradunfalls vom 10. Juli 2009 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
an (Urk.
7
/1). Diese
zog die Akten des
Unfallversi
cherers
(Urk.
7
/4, Urk.
7
/9, Urk.
7
/38
-
40
, Urk. 7/66
) sowie
einen Auszug aus dem individuellen
Konto (Urk.
7
/10)
bei und holte Berichte der
Arbeit
geberin (Urk.
7
/12) sowie
der
behandelnden Ärzte (Urk.
7
/6, Urk.
7
/7
, Urk. 7/26
)
ein. Sodann ordnete die IV-Stelle am 1. Oktober 2010 eine polydisziplinäre medizi
n
ische Abklärung durch die MEDAS
an (Urk.
7
/
15).
Mit Eingabe vom 12. Oktober 2010
(Urk.
7
/17)
er
klärte der Versicherte, er sei mit der vor
ge
sehenen
Ab
klärungs
stelle
nicht ein
verstanden, und ersuchte die IV-Stelle um Erlass einer Ver
fügung, falls an der Abklärung durch
die MEDAS
festgehalten werde
.
In der Folge erging keine Verfü
gung. Am 1. November 2010
(Urk.
7
/20)
wurde er von der
Ab
klärungsstelle
zu ambulanten Unter
suchungen am 13. und 14. Dezember 2010 aufgeboten
.
Die hierauf erhobene
Rechts
ver
weigerungs
be
schwerde
vom 12. Dezember 2010 des Versicherten wies das
Sozial
ver
sicherungs
gericht
des Kantons Zürich mit
Ent
scheid
IV.2010.01197
vom 3.
Februar 2011
ab (Urk.
7
/35).
Die dagegen erho
bene Beschwerde wurde vom
Bundesgericht mit Urteil 9C_194/2011 vom 15. September 2011 (Urk.
7
/44) ebenfalls abgewiesen.
1.2.
Am 12. Oktober 2011 (Urk. 7/45) ersuchte der Versicherte die IV-Stelle unter Hinweis auf den Entscheid des Bundesgerichts
9C_194/2011
vom 15. September 2011 (Urk. 7/44 E. 3) um Kontaktnahme, damit sie sich auf eine Gutachterstelle einigen könnten. In der Folge liess er der IV-Stelle mit Schreiben vom 24. November 2011 (Urk. 7/48) ein von ihm zuvor in Auftrag gegebenes inter
disziplinäres Gutachten der
Gutachtensstelle
Y._
vom 28. März 2011 (Urk. 7/47) zukommen und führte im nämlichen Schreiben aus, aufgrund des vorliegenden Gutachtens sei allenfalls von einer weiteren Be
gutachtung durch
die MEDAS
abzusehen. Am 8. Dezember
2011
(Urk. 7/51) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine medizinische Ab
klärung notwendig sei und die Untersuchung durch die Abklärungsstelle Rehaklinik
Z._
, namentlich durch Dr.
med.
A._
, durchgeführte werde
.
N
achdem der Versicherte dagegen wiederum verschiedene Einwände vorge
bracht hatte (vgl. dazu
Schreiben vom 12. D
ezember 2011,
Urk.
7
/55
; Schreiben vom 7. res
pektive vom 25. Februar 2012, Urk. 7/60 und Urk. 7/64; Schreiben der
Y._
vom 30. Januar 2012,
Urk. 7/61
)
,
hielt die IV-Stelle mit
Zwischen
verfügung
vom 20. August 2012 (Urk.
7/67
) an der Begutachtung durch die Reha
k
linik
Z._
, namentlich durch Dr.
A._
, fest. Das
Sozialversiche
rungsgericht
des
Kantons Zürich
wies die gegen diese Zwischenverfügung erho
bene Beschwerde
mit
Entscheid
IV.201
2
.01
005
vom
26. Juni 2013
ab (Urk.
7
/
72
).
Auf die dagegen vor Bundesgericht erhobene Beschwerde trat dieses mit Urteil 9C_601/2013 vom 1. Oktober 2013 nicht ein (
Urk.
7/74).
1.3
Am 28. November 2013 forderte die IV-Stelle
X._
auf, eine Bereitschaftserklärung betreffend die angeordnete Begutachtung in der Rehakli
nik
Z._
durch
Dr.
med.
A._
zu unterzeichnen (
Urk.
7/76). Die Parteien zogen in der Folge
Vergleichsgespräche
in Betracht (
Urk.
7/77), wovon die IV-Stelle mit Email vom 8. Januar 2014 wieder Abstand nahm (
Urk.
7/80). Die IV-Stelle zog die aktuellen Akten des Unfallversicherers bei (
Urk.
7/83 und
Urk.
7/105) und holte Verlaufsberichte bei den behandelnden Ärzten ein (
Urk.
7/92,
Urk.
7/93 und
Urk.
7/96). Mit Mitteilung vom 9. Oktober 2015
(
Urk.
7/108)
gab sie dem Versicherten bekannt, dass eine polydisziplinäre Un
tersuchung in den Fachrichtungen Allgemeine/Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie, Neuropsychologie und Psychiatrie notwendig sei. Ohne einen schriftlichen Gegenbericht werde
sie
eine
nach dem Zufallsprinzip (Art. 72
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV)
ausgewählte
Gutachterstelle mit der Untersuchung
beauftragen
. In der Beilage stellte
die IV-Stelle dem Ver
sicherten
die Fragen an die Gutachterstelle
zu
(
Urk.
7/106)
. Zudem
räumte sie
ihm
die
Möglichkeit
ein
, Zusatzfragen zu stellen (
Urk.
7/108).
Mit Eingabe vom 23. Oktober 2015 erklärte der Versicherte
, dass er sich einer polydisziplinären Begutachtung wider
setze, da die Zufallsplatt
form, so wie sie zur Zeit ausgestal
tet sei, nicht für eine unabhängige, objektive und wertneutrale Begutachtung garantieren könne. Gleichzeitig erscheine auch der Frage
n
katalog als inhaltlich nicht akzeptabel (
Urk.
7/111). Daraufhin bestätigte die IV-Stelle die Durchfüh
rung der Begutachtung mit Zwischenverfügung vom 5. November 2015 (
Urk.
2).
2.
Gegen die Zwischenverfügung
vom 5. November 2015 (
Urk.
2)
erhob der Versi
cherte am
3. Dezember 2015
beim hiesigen Gericht
Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, diese sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, von
der polydisziplinären Be
gutachtung abzusehen
und direkt die Berentung einzu
leiten
. Eventuell sei die
Zwischenverfügung vom 5. November 2015
aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen,
von der polydisziplinären Begutachtung abzu
sehen und berufliche Massnahmen durchzuführen. Subeventuell sei die
Zwi
schenverfügung
vom 5. November 2015 aufzuheben und die Vorinstanz anzu
weisen, für die polydisziplinäre Begutachtung einen Frage
n
katalog zu verwen
den, der den Prinzipien der Verfahrensfairness entspreche. Zudem beantragte er die vorfrageweise Feststellung der Verfassungs- und Konventionswidrigkeit des Art. 72
bis
IVV sowie die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels (S. 2)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2016
ersuchte
die IV-Stelle, die Be
schwerde sei abzuweisen (
Urk.
6), was dem Be
schwerdeführer
mit Verfügung vom 18. Januar 2016
(Urk.
8
) zur Kenntnis gebracht wurde.
In der nämlichen Verfügung wurde der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass das Gericht die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsel
s
als nicht
erforderlich erachte.
Mit Eingabe vom 27. Januar 2016 ersuchte der Beschwerdeführer um
Fristan
setzung
für einen neuen Verfahrensantrag (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Anfechtungsgegenstand ist vorliegend die Zwischenverfügung vom
5. Novem
ber 2015 (
Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin gemäss Dispositiv an der
Durchführung der
Begutachtung festgehal
ten hat. Hier
bei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bun
desgesetzes über das
Ver
waltungsverfahren
(
VwVG
), welche bei Bejahung eines nicht wieder gutzu
mach
enden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grund
sätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
2.
2.1
Strittig ist in diesem Verfahren die Notwendigkeit der Durchführung einer
poly
disziplinären
Begutachtung.
Der Beschwerdeführer macht
e
darüber hinaus
gel
tend, Art.
72
bis
IVV sei konventions-, gesetzes- und verfassungswidrig (
Urk.
1
Ziff.
22
ff.) und die Begutachtung nicht zumutbar (
Urk.
1
Ziff.
34 ff.)
. Zudem bemängelte er den Frage
n
katalog der IV-Stelle (
Urk.
1
Ziff.
47 ff.).
2.2
Nach der bis im Juni 2011 geltenden höchstrichterlichen Rechtsprechung stellte
die Anordnung einer Begutachtung keine anfechtbare Zwischenverfügung dar (BGE
132 V 93 E. 5). Diese Rechtsprechung
wurde mit BGE 137 V 210 aufgege
ben. Es wurde festgestellt, dass die nicht sach
gerechte Begutachtung in der Re
gel
einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken könne
(BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7; siehe auch
BGE 139 V 339 E. 4.4). Aus die
sem Grund
sei die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im
Rahmen einer verfassungs- und konventionskonformen Auslegung für das erstin
stanzliche Beschwerdeverfahren bei der Anfechtung einer umstrit
tenen
Gutach
tens
anordnung
zu bejahen.
2.3
Mit BGE 139 V 339 präzisierte das Bundesgericht, eine Zwischenverfügung, in welcher die Gutachterstelle noch nicht genannt, sondern lediglich die Bestim
mung einer solchen angekündigt werde, sei nicht anfechtbar. Es bestehe kein Nachteil, solange nicht auch die Gutachterstelle feststehe (Regeste und E. 4.5; bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 8C_12/2014 vom
3.
Juli 2014 E. 1.2
).
Gegenstand der genannten Verfahren war die Anordnung von polydisziplinären Gutachten.
2.4
Im Lichte dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung kann eine versicherte Per
son zwar nach erstmaliger Mitteilung der geplanten polydisziplinären Begut
achtung unmittelbar Einwendungen anbringen, damit allenfalls eine gütliche Einigung gefunden werden kann. Die gerichtliche Überprüfung bestehender Differenzen kann jedoch erst nach der endgültigen zwischenverfügungsweisen Festlegung der Gutachterstelle und der an der Begutachtung beteiligten
Fach
personen
erfolgen. Eine einmalige und gesamthafte Überprüfung sämtlicher im vorangegangenem Verfahren strittig gebliebener Aspekte unter allen
Gerichts
punkten
erst im Zeitpunkt nach der Bekanntgabe der mit der Begutachtung be
trauten Stelle sowie der mit der Begutachtung betrauten Personen trägt den Mitwirkungsrechten der versicherten Person genügend Rechnung.
2.
5
Im Einklang mit der erwähnten höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. E. 2.2 ff
.
hievor
) sieht
das
Kreis
schreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI)
in der für
die angefochtene Verfügung massgebenden Fassung vom 1. Januar 2015 vor, dass eine ei
nzige anfechtbare Zwischenverfü
gung erst nach der abschliessenden zweiten Phase vorgesehen ist (KSVI
Rz
2076
,
Rz
2081.3 und
Rz
2081.5). Dabei umfasst die erste Phase den Entscheid über die Notwendigkeit einer polydisziplinären Begutachtung, die
Festlegung der Fachdis
ziplinen sowie den Fragenkatalog
und die zweite Phase die Ermitt
lung des
Be
gutachtungs
instituts
durch Zufall sowie die Bekanntgabe der Namen und Fach
arzttitel der mit der Begutachtung betrauten Personen (KSVI
Rz
2076 ff.).
3.
3.1
Mit der angefochtenen Zwischenverfügung vom
5.
November 2015 (Urk. 2) wurde lediglich über die
Notwendigkeit der polydisziplinären Begutachtung
entschieden.
Zudem wird in den Erwägungen – unter Bezugnahme auf die Vor
halte des Beschwerdeführers im Schreiben vom 2
3.
Oktober 2015 (
Urk.
7/111) – auf die bundesgerichtlichen Vorgaben bei der Vergabe von polydisziplinären Gutachten hingewiesen und ausgeführt, dass eine Änderung der Standardfragen im Einzelfall nicht möglich sei.
Die Gutachterstelle und die Namen sowie die Facharzttitel der mit der Begutachtung zu betrauenden Personen wurden in
dessen weder
in der vorangegangenen Mitteilung vom
9
.
Oktober 2015
(
Urk.
7/108)
noch in der Zwischenverfügu
ng festgelegt. In der angefoch
tenen Verfügung wird vielmehr ausdrüc
klich angekündigt, dass die Gutachter
stelle erst nach Eintritt der Rechtskraft bekannt gegeben werde (Urk. 2 S. 2). Entspre
chend handelt es sich um eine Anordnung der Beschwerdegegnerin im Rahmen der ersten Phase gemäss KSVI (vgl. E. 2.
5
hievor
).
3.2
Damit bewirkt die Zwischenverfügung vom
5.
November 2015
(Urk. 2), welche sich nicht über sämtliche Modalitäten (Notwendigkei
t einer polydisziplinären Begut
achtung, beteiligte Fachdisziplinen, Fragenk
atalog und Zusatzfragen,
Gut
achter
stelle
, beteiligte Fachärzte) des zu erstellenden Gutachtens äusserte, kei
nen nicht
wieder gutzumachenden Nachteil, weshalb auf
die dagegen gerichtete Beschwer
de nicht eingetreten werden kann. Die Überprüfung der Differenzen kann erst nach
der endgültigen Festlegung der mit de
r Begutachtung betrauten Gutachter
stelle sowie der an der Begutachtung
beteiligten Fachpersonen erfol
gen. Folglich ist
die Anordnung in der Zwischenverfügung vom
5.
November 2015 (Urk. 2)
noch nicht
gerichtlich überprüfbar
.
4.
4.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung o
der Verweigerung von IV-Leistun
gen
geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (Art. 61
lit
. a ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]).
4.2
Ausnahmsweise entsteht der Anspruch auf Ersatz der Parteikosten auch dann,
wenn die Partei nicht obsiegt. Es gilt der Grun
dsatz, dass eine Partei unabhän
gi
g von ihrem allfälligen Prozesserfolg die von ihr unnötigerweise verursachten
oder verschuldeten Kosten zu tragen hat (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3
. Auflage, Zürich 20
15
,
Rz
206 zu Art. 61
).
Entgegen den Vorgaben der höchstrichterlichen Rechtsprechung sowie des KSVI (vgl. E. 2.3 ff.
hievor
)
erliess die Beschwerdegegner
in
noch bevor sämtliche As
pekte der Gutachtensvergabe feststanden
ihren ausdrücklich als „
Zwi
s
chen
verfü
gung
“
bezeichneten und mit einer Recht
smittelbelehrung versehenen Ent
scheid vom
5.
November 2015 (Urk. 2), wodur
ch sich der vertretene Beschwer
deführer zur Erhebung
seiner
Beschwerde veran
lasst sah. Den verfrühten
Verfü
gungser
lass
hat die Beschwerdegegnerin zu vertreten. Es rechtfertigt sich deshalb, sie zur Bezahlung einer Prozessent
schädigung an
den Beschwerdeführer
zu ver
pflichten
(§
6
Abs.
3 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht)
.
Gemäss § 34 Abs. 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) wird die Prozessentschädigung ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass
des Ob
siegens bemessen.
Unter Berücksichtigung der genannten Bemessungskriterien
und namentlich des Umstandes, dass sich bei diesem im Sinne der zitieren Rechtsprechung klaren Fall weitere Ausführungen gegen die Begutachtung an sich als verfrüht erweisen
, ist sie
ermessensweis
e
auf Fr.
1‘7
00
.-- (inklusive
Bar
au
slagen
und Mehrwertsteuer
)
fest
zulegen.