Decision ID: b0a401c4-82a8-52d9-9483-7a3344cdd440
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen Heimat-
staat letztmals im Juni (...) und gelangte über verschiedene Länder am
1. Oktober 2014 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.
Am 6. Oktober 2014 fand die Befragung zur Person (BzP) im Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ statt. Unter anderem gab er dort
zu Protokoll, erstmals im Herbst (...) ausgereist zu sein und zunächst in
C._ und hernach in Grossbritannien Asylgesuche gestellt zu haben.
Im Jahr (...) sei er von Grossbritannien nach Afghanistan zurückgekehrt.
B.
Die Vorinstanz (damals Bundesamt für Migration [BFM]) ersuchte die (...)
Behörden um Informationen über den Beschwerdeführer. Diese antworte-
ten dahingehend, dass der Beschwerdeführer am (...) in D._ ein
Asylgesuch gestellt, das Land aber, ohne den Asylentscheid abzuwarten,
freiwillig verlassen habe und nach Afghanistan zurückgekehrt sei, wo er am
(...) angekommen sei.
C.
Das BFM teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 3. Dezember
2014 mit, das Dublin-Verfahren sei beendet und sein Asylgesuch werde in
der Schweiz geprüft.
D.
Am 2. April 2015 wurde der Beschwerdeführer vom SEM angehört. Zu sei-
ner Person gab er zusammengefasst an, afghanischer Staatsangehöriger
pastunischer Ethnie zu sein und aus dem Dorf E._ bei F._,
Distrikt G._, Provinz H._, zu stammen, wo er stets gelebt
habe. Er sei verheiratet und habe (...) Kinder. Aufgrund der dauernden
Kämpfe habe er keine Schule besucht. Beruflich sei er in der familieneige-
nen Landwirtschaft tätig gewesen und habe ab und zu Leute mit einem
Personenwagen transportiert. Zu seinen Asylgründen führte er im Wesent-
lichen aus, die Familie habe zunächst die Taliban in ihrer Gegend unter-
stützt. Seine Kontakte zu den Taliban hätten sich aufgrund seiner Taxi-
dienste intensiviert. Ab und zu habe er an deren Versammlungen teilge-
nommen. Auch hätten Angehörige der Organisation ihn für den örtlichen
(...) gewinnen wollen. Eines Tages sei ein von den Taliban organisierter
Selbstmordanschlag in seiner Gegend gegen die Regierung verübt wor-
den. Die Taliban hätten ihn zur (...) dorthin beordert. Aufgrund dieses
schlimmen Ereignisses habe er die Organisation nicht mehr gemocht und
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0fortan Angst vor ihr gehabt. Er habe einmal mit seinem Taxi im Auftrag der
Taliban bestimmte Personen an einen Ort bringen müssen. Aus ihren Ge-
sprächen auf der Fahrt sei ihm klargeworden, dass diese Leute einen An-
schlag auf den (...) beabsichtigt hätten. Von diesem Vorhaben habe er sei-
nem entfernten Verwandten E., der als (...) bei der (...) gearbeitet habe,
erzählt, worauf fünf Taliban festgenommen worden seien. Da E. bei der
Verhaftung zugegen gewesen und erkannt worden sei, habe man ihn (den
Beschwerdeführer) mit dem Verrat in Verbindung gebracht. In der Folge
habe er sich eine Zeit lang versteckt, ehe er mit seinem Bruder H. im Jahre
2007 in den I._ geflüchtet sei. E., der aufgrund der Verhaftung eine
höhere Position bei der (...) bekommen habe, sei später von den Taliban
erschossen worden, und sein Bruder H., der nach einein(...) Ausland-
aufenthalt nach Afghanistan zurückgekehrt sei, sei von Angehörigen der
Taliban ebenfalls erschossen worden. Während seines Aufenthalts in
D._ sei in seiner Gegend eine bewaffnete Einheit namens Arbaki,
eine Dorfmiliz, mit dem Ziel, die Taliban zu vertreiben, ins Leben gerufen
worden. Man habe ihm gesagt, dass die Taliban nicht mehr in der Gegend
seien. Er sei daraufhin freiwillig nach Afghanistan zurückgekehrt. Eine Per-
son namens M.O. sei Führer der Arbaki in seiner Gegend gewesen. Unter
dessen Führung habe er als Gruppenleiter sieben bis acht Personen be-
fehligt, die allesamt Verwandte von ihm gewesen seien. Seine Aufgabe
habe darin bestanden, das Dorf vor den Taliban zu verteidigen und die Ge-
gend von diesen Leuten zu säubern. Die Lage habe sich zusehends zuge-
spitzt und die Taliban hätten immer mehr Einfluss respektive Macht gewon-
nen. Ebenfalls sei die Gegend stark vermint gewesen, was immer wieder
zu Todesfällen geführt habe. Sein Bruder A. habe sodann am (...) nach der
Rückkehr von einer (...), als sein Auto auf eine (...) – welche einem eben-
falls an der Wahlveranstaltung teilnehmenden Kommandanten gegolten
habe – gefahren sei, sein Leben verloren. Er (der Beschwerdeführer) sei
wegen des Verrats im Jahre 2007 von einzelnen Taliban telefonisch be-
droht worden. Diverse Familienmitglieder aus dem Stamm seiner Ehefrau
würden auf der Seite der Taliban kämpfen. Ein Verwandter der Ehefrau
habe sogar gedroht, dem Sohn des Beschwerdeführers einen (...) anzu-
ziehen. Vor diesem Hintergrund sei er erneut ausgereist. Nach seiner Aus-
reise seien seine Familienmitglieder in die Stadt G._ umgezogen,
da die Taliban zwischenzeitlich das Heimatdorf eingenommen hätten.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen
afghanischen Identitätsausweis (Tazkira), zwei Familienfotos in Kopie so-
wie diverse Fotos in Kopie, worauf er bei seiner Tätigkeit für die Arbaki zu
sehen sei, ein.
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Seite 4
E.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 10. Mai 2016 fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab.
Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den
Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausge-
führt, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten weder den Anfor-
derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) noch
denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG. Es sei ihm
nicht gelungen, die geltend gemachte Bedrohung seitens der Taliban
glaubhaft darzulegen. Personen, die der afghanischen Regierung oder der
internationalen Gemeinschaft nahestünden, seien einem erhöhten Verfol-
gungsrisiko ausgesetzt. Indes sei es dem Beschwerdeführer nicht gelun-
gen, wegen seines Engagements in der Dorfmiliz (Arbaki) eine Verfol-
gungsgefahr seitens der Taliban glaubhaft zu machen. Seine Zugehörigkeit
zur genannten Risikogruppe sei rein hypothetischer Natur, weshalb eine
begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen zu verneinen sei. Der
Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich.
F.
Mit Eingabe vom 10. Juni 2016 liess der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde erheben.
G.
Mit Urteil vom 24. Oktober 2018 hiess das Bundesverwaltungsgericht die
Beschwerde gut, hob die Verfügung vom 10. Mai 2016 auf und wies die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. Zur Begründung
führte das Bundesverwaltungsgericht im Wesentlichen aus, die als unge-
nügend zu qualifizierende Begründung und Sachverhaltserstellung im an-
gefochtenen Entscheid stelle eine Verletzung des Anspruches auf rechtli-
ches Gehör dar.
Ergänzend wurde festgehalten, dass sich im Falle einer Bejahung der
Flüchtlingseigenschaft – was ausdrücklich offengelassen werde – die
Frage einer möglichen Asylunwürdigkeit des Beschwerdeführers gemäss
Art. 53 Bst. a AsylG stellen würde. Der Beschwerdeführer habe geltend
gemacht, sowohl für die Taliban tätig gewesen zu sein, als auch später an
Kampfhandlungen gegen dieselben teilgenommen zu haben, insbeson-
dere habe er unter anderem selber ausgeführt, die Arbaki seien sehr
schlimm gewesen und hätten sich gegenüber den Zivilisten sehr brutal ver-
halten.
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Seite 5
H.
Am 4. März 2019 führte das SEM eine weitere Anhörung des Beschwerde-
führers durch.
I.
Mit Verfügung vom 25. März 2019 – eröffnet am 26. März 2019 – stellte
das SEM erneut fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte das Asylgesuch vom 1. Oktober 2014 ab und ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz an. Wegen Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs wurde die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers
verfügt.
J.
Mit Eingabe vom 25. April 2019 reichte der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung der
Dispositiv-Ziffern 1 bis 3 der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung
der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung der Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbei-
ständin.
K.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 29. April
2019 den Eingang der Beschwerde.
L.
Mit Verfügung vom 2. Mai 2019 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses, setzte antragsgemäss lic. iur. Monika
Böckle als amtliche Rechtsbeiständin ein und lud die Vorinstanz zur Einrei-
chung einer Vernehmlassung ein.
M.
In seiner Vernehmlassung vom 6. Mai 2019 führte das SEM aus, die Be-
schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-
mittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten,
und verwies auf seine Erwägungen, an denen vollumfänglich festgehalten
werde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 10. Mai
2019 zur Kenntnis gebracht.
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Seite 6
N.
Mit Eingabe vom 26. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer ein Beweis-
mittel (Foto in Kopie) zu den Akten.
O.
Mit Eingabe vom 23. März 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Mittei-
lung des Verfahrensstands und teilte gleichzeitig mit, dass er mittlerweile
erwerbstätig sei. Dem Schreiben lagen zwei Beweismittel bei.
P.
Die Anfrage nach dem Verfahrensstand beantwortete das Bundesverwal-
tungsgericht mit Schreiben vom 25. März 2020.
Q.
Am 10. Juni 2020 informierte der Beschwerdeführer über den Tod seines
Vaters und ersuchte gleichzeitig um Zustellung der Tazkira. Die vorinstanz-
lichen Akten wurden dem SEM am 11. Juni 2020 zur entsprechenden Be-
arbeitung weitergeleitet.
R.
Am 14. September 2020 gelangte der Beschwerdeführer mit einem weite-
ren Schreiben ans Bundesverwaltungsgericht, in welchem er seine Sorge
um die im Heimatland verbliebenen Familienangehörigen zum Ausdruck
brachte.
S.
Mit Zwischenverfügung vom 13. November 2020 wurde der Beschwerde-
führer aufgefordert, dem Bundesverwaltungsgericht innert sieben Tagen ab
Erhalt der Verfügung eine Kopie seiner Aufenthaltsbewilligung B (Gültigkeit
ab 23. Oktober 2020) zuzustellen. Gleichzeitig wurde er – nachdem er in
seiner Eingabe vom 23. März 2020 unter anderem die Kopie eines Arbeits-
vertrages eingereicht hatte und sich deshalb eine erneute Beurteilung sei-
ner Bedürftigkeit im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG aufdrängte – aufgefor-
dert, seine aktuellen finanziellen Verhältnisse darzulegen und zu belegen,
ansonsten nicht mehr von seiner prozessualen Bedürftigkeit auszugehen
sei.
T.
Am 23. November 2020 reichte der Beschwerdeführer die einverlangten
Dokumente zu den Akten.
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Seite 7
U.
Mit Zwischenverfügung vom 13. November 2020 hielt die Instruktionsrich-
terin fest, aufgrund der veränderten finanziellen Situation des Beschwer-
deführers sei dieser nicht mehr als prozessual bedürftig im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG zu erachten. Die mit Verfügung vom 2. Mai 2019 ge-
währte unentgeltliche Prozessführung sei deshalb zu widerrufen. Gleich-
zeitig widerrief sie die mit gleicher Verfügung gewährte amtliche Rechts-
verbeiständung und entliess lic. iur. Monika Böckle mit Datum vom 4. De-
zember 2020 aus ihrem Amt als amtliche Rechtsbeiständin.
V.
Mit Eingabe vom 22. März 2021 erkundigte sich der Beschwerdeführer un-
ter Hinweis auf die prekäre Situation im Heimatland nach dem Verfahrens-
stand. Die Anfrage wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben
vom 31. März 2021 beantwortet.
W.
Am 29. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer vier Beweismittel (Fotos
der Stadt G._) zu den Akten. Am 18. August 2021 ging ein weiteres
Schreiben zu der Situation der Familie in Afghanistan ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101; SR 142.31); für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 8
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist somit einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1
In der Beschwerde wird die formelle Rüge der Verletzung des rechtlichen
Gehörs erhoben. Diese ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein
könnte, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl.
BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
3.2
3.2.1 Vom Beschwerdeführer wird gerügt, das SEM habe den Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt, indem es verschiedene entscheiderhebliche
Umstände nicht geprüft habe. Gemäss Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-3669/2016 hätte es die Vorbringen des Beschwerdeführers bezüg-
lich der Tötung des Bruders, des Selbstmordattentats, der Verknüpfung mit
den Taliban sowie der Teilnahme an den Kämpfen gegen die Taliban einer
Glaubhaftigkeitsprüfung unterziehen und sie in ihrer Gesamtheit beurteilen
müssen. Indessen habe es die Vorinstanz unterlassen, die Vorbringen be-
züglich der Tötung des Bruders und des Selbstmordattentats einer Glaub-
haftigkeitsprüfung zu unterziehen.
3.2.2 Die Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes
wegen festzustellen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Der Grundsatz des
rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG)
verlangt weiter, dass sich die Behörden mit den wesentlichen Vorbringen
der Rechtssuchenden zu befassen und den Entscheid zu begründen hat
(Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der
oder die Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten
kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen
sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt.
D-1965/2019
Seite 9
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt. Somit darf die Vorinstanz sich bei der Begründung der Ver-
fügung auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-
ken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Be-
hauptung auseinander zu setzen (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97
E. 2.b).
3.2.3 Die formelle Rüge erweist sich als unbegründet. Das SEM hat in der
angefochtenen Verfügung dargelegt, aufgrund welcher Überlegungen es
zum Schluss kam, die Tätigkeit des Beschwerdeführers für die Arbaki sei
als unglaubhaft zu erachten, ebenso die gegen ihn gerichteten Drohnach-
richten über Drohbriefe, Sprachnachrichten, Facebook-Posts und Videos.
Ob diese vorinstanzlichen Ausführungen einer Prüfung standhalten, wird
nachfolgend zu beurteilen sein. Im Übrigen war es dem Beschwerdeführer
ohne weiteres möglich, die vorinstanzliche Verfügung sachgerecht anzu-
fechten.
Der Vorinstanz ist sodann auch nicht vorzuwerfen, sie habe das Beschwer-
deurteil D-3669/2016 missachtet. Mit den dortigen Ausführungen zeigte
das Bundesverwaltungsgericht exemplarisch auf, unter welchen Bedingun-
gen – im vorgenannten Fall – die Begründungspflicht als erfüllt zu erachten
gewesen wäre. Im Übrigen fanden die entsprechenden Erwägungen in der
angefochtenen Verfügung Berücksichtigung (vgl. Ziff. II.1 S. 5 sowie II.2
S. 8; vgl. auch nachfolgend E. 5.1.3).
3.3 Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass in formeller Hinsicht
keine Gründe vorliegen, welche eine Rückweisung der Sache an das SEM
zur Neubeurteilung rechtfertigten.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
http://links.weblaw.ch/BGE-136-I-87 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97
D-1965/2019
Seite 10
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers hielten teilweise den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG und teilweise denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
5.1
5.1.1 Zur Begründung führte es zunächst aus, die Vorbringen des Be-
schwerdeführers, wonach er Mitglied einer regierungsnahen Gruppierung
(Arbaki) gewesen sei und an Kampfeinsätzen gegen die Taliban teilgenom-
men habe, seien als unglaubhaft zu werten. Seine Vorbringen würden nicht
den Substantiierungsgrad aufweisen, welcher von einer Person, die von
persönlichen Erlebnissen spreche, erwartet werden könne. Stattdessen
habe er über sein angebliches Engagement bei den Arbaki und die Kamp-
feinsätze gegen die Taliban wie von der Warte eines unbeteiligten Be-
obachters aus berichtet. Er habe regelmässig auf die ihm zu diesen Sach-
verhaltsvorbringen gestellten Fragen ausweichend geantwortet, indem er
entweder das Thema gewechselt oder von den angeblichen Erfahrungen
anderer berichtet habe, obwohl er bereits zu Beginn der ergänzenden An-
hörung explizit darauf aufmerksam gemacht worden sei, präzise und de-
tailliert von seinen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen zu sprechen.
Sodann seien seine Darstellungen bezüglich der geltend gemachten Teil-
nahme an Kämpfen gegen die Taliban vehement widersprüchlich ausgefal-
len. Obwohl er angeblich an zahlreichen Kampfeinsätzen teilgenommen
habe, habe er in beiden Anhörungen nur den Einsatz in J._, an dem
rund 200 bis 250 Kämpfer teilgenommen hätten, erwähnt, der offenbar ein
Einsatz der nationalen Armee gewesen sei. Seine Antworten auf die Fra-
gen nach seinen persönlichen Eindrücken und Ihre Ausführungen zu den
eigentlichen Kampfhandlungen seien weiterhin oberflächlich und sche-
menhaft ausgefallen, weshalb Zweifel bestünden, dass er dort tatsächlich
im Kampfeinsatz gewesen sei.
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Seite 11
Die Vorbringen bezüglich seines Engagements als Gruppenleiter einer Ar-
baki-Einheit hätten sich sodann im Wesentlichen auf allgemeine Angaben
beschränkt, die auch von einer unbeteiligten Person hätten nacherzählt
werden können. Er habe keine substantiierten Angaben über den spezifi-
schen Alltag in seiner Funktion als Arbaki, die Organisationsstruktur, über
die Akzeptanz der Arbaki im Dorf oder über die Zusammenarbeit mit den
Dorfältesten machen können.
Weder das geltend gemachte Engagement bei den Arbaki noch die Kamp-
feinsätze gegen die Taliban im Zeitraum seines letzten Aufenthalts in Af-
ghanistan (Dezember [...] bis Juni [...]) seien glaubhaft.
5.1.2 Weiter erwog die Vorinstanz, nebst der Unglaubhaftigkeit des Enga-
gements für die Arbaki sei es ihm auch nicht gelungen, eine konkrete Be-
drohung seitens der Taliban für diesen Zeitraum glaubhaft zu machen.
Diesbezüglich sei auf seine Aussagen an der ergänzenden Anhörung zu
verweisen, wonach er in diesem Zeitraum trotz der Taliban-Präsenz in sei-
ner Heimatregion nie eine persönliche Begegnung mit den Taliban gehabt
habe. Letzteres spreche klar dafür, dass im Zeitpunkt seiner letzten Aus-
reise kein konkretes bzw. zielgerichtetes Verfolgungsinteresse seitens der
Taliban an ihm bestanden habe. Angesichts dessen erscheine nicht nach-
vollziehbar, dass er mehr als zwei Jahre nach seiner letzten Ausreise aus
Afghanistan erstmals geltend gemacht habe, in der Schweiz von den af-
ghanischen Taliban in Form von Briefen, Sprachnachrichten, Facebook-
Posts und Videos bedroht worden zu sein. Diese Einschätzung vermöchten
auch die auf Beschwerdeebene nachgereichten Beweismittel nicht umzu-
stossen, zumal diese leicht gefälscht bzw. konstruiert werden könnten und
deshalb nicht beweiskräftig seien.
Der Beschwerdeführer habe sodann mehrmals erwähnt, dass auch seine
Familienangehörigen, insbesondere sein Vater und sein (...) Sohn, wegen
den Taliban in akuter Gefahr seien. In diesem Zusammenhang erscheine
es logisch nicht nachvollziehbar, dass sich seine Familie nach wie vor in
der Heimatregion aufhalte, wo die Taliban seinen Angaben zufolge seit dem
Jahr 2010 zunehmend an Macht gewonnen hätten. Diesen Umstand habe
er damit begründet, dass seine Familie in ihrer angestammten Region gut
vernetzt sei, was zwar grundsätzlich verständlich sei, aber in krassem Wi-
derspruch zu seinem Vorbringen stehe, wonach die Familie in akuter Ge-
fahr sei. Ein weiteres Unglaubhaftigkeitselement ergebe sich aus dem In-
halt der angeblichen Drohnachrichten, nämlich der indirekten Bezugnahme
auf seine Arbaki-Tätigkeit, indem er als «(...)» bezeichnet worden sei. Wie
D-1965/2019
Seite 12
vorgängig erwogen, sei sein Engagement bei den Arbaki nicht glaubhaft.
Dies spreche ebenfalls dafür, dass es sich bei den geltend gemachten
Drohnachrichten der Taliban um konstruierte Sachverhalte handle.
5.1.3 Abschliessend hielt das SEM unter Verweis auf die Ausführungen im
Beschwerdeurteil D-3669/2016 fest, die frühere Involvierung mit den Tali-
ban, die Ermordung des Bruders sowie die Abkehr von den Taliban und die
damit einhergehende Furcht sei als glaubhaft erachtet worden. Angesichts
der als unglaubhaft zu qualifizierenden Verfolgungssituation in den Jahren
2012 bis 2014, des fehlenden zeitlichen und sachlichen Kausalzusammen-
hangs zwischen den Ereignissen im Jahr 2006/2007 und der Situation nach
der Rückkehr, des Umstandes der freiwillig erfolgten Rückkehr sowie des
versuchten bewaffneten Schutzes des Dorfes und Landbesitzes sei ein Ge-
fährdungsprofil zu verneinen.
5.2 Auf Beschwerdeebene wird im Wesentlichen an der Glaubhaftigkeit der
gemachten Aussagen festgehalten. Entgegen der vorinstanzlichen Ein-
schätzung sei der Beschwerdeführer in der Lage gewesen, seine Gefähr-
dungssituation und die erlebte Bedrohung durch die Taliban glaubhaft und
detailliert darzulegen. Er habe erklärt, wie er von verschiedenen Mitglie-
dern der Taliban, teilweise entfernte Verwandte von ihm, telefonisch be-
droht worden sei, und habe den Inhalt der Drohungen sowie deren Namen
nennen können. Unter anderem sei er vom (...) bzw. (...) der Taliban mehr-
mals telefonisch bedroht worden. Der Beschwerdeführer sei in der Lage
gewesen, weitere Personen aufzuzählen, die ihn bedroht hätten. Die Tali-
ban hätten seinen Verwandten K._ festgenommen, verhört und ge-
tötet. Durch dieses Verhör hätten die Taliban auch Informationen über ihn
erhalten. Weiter habe er auch ausgesagt, schriftlich bedroht worden zu
sein. Von den Taliban sei er telefonisch bedroht worden, dass sein Sohn
getötet werde, indem man ihm einen (...) anlegen würde. Der Beschwer-
deführer habe sodann erklärt, dass ihn die am (...) erfolgte Tötung seines
Bruders durch eine (...) schlussendlich zum Verlassen seines Heimatlan-
des bewogen habe. Auf seinen Bruder habe er sich verlassen können und
bis zu dessen Tod habe er unter seinem Schutz gestanden. Nach dem Tod
seines Bruders habe er niemanden mehr gehabt, auf den er sich habe ver-
lassen können.
Sodann hielt er den vorinstanzlichen Erwägungen, wonach nicht nachvoll-
ziehbar sei, dass er mehr als zwei Jahre nach der letzten Ausreise aus
Afghanistan geltend gemacht habe, in der Schweiz von den afghanischen
Taliban in Form von (...) bedroht worden zu sein, entgegen, dass ihm sein
D-1965/2019
Seite 13
Vater lange Zeit verschwiegen habe, dass er Drohbriefe erhalten habe. Er
habe ihn damit nicht belasten wollen und ihn erst anfangs 2017 telefonisch
gebeten, keine talibankritischen (...) mehr zu veröffentlichen. Seine Ehe-
frau habe ihm sodann auf Nachfrage berichtet, dass sein Vater aufgrund
seines Verhaltens Drohbriefe erhalten habe. In der Folge habe er veran-
lasst, dass ihm sein Vater die zwei letzten Drohbriefe sowie ein Bestäti-
gungsschreiben betreffend die Situation seiner Familie in die Schweiz
schickt. Aus diesem Grund hätten die Beweismittel erst im März 2017 ein-
gereicht werden können. Seine Familie habe ihm die Existenz dieser
Schreiben aus dem vorgenannten Grund verschwiegen.
Der Einschätzung der Vorinstanz, wonach es logisch nicht nachvollziehbar
sei, dass sich die Familie weiterhin in der Heimatregion aufhalte, sei so-
dann entgegenzuhalten, dass sich das Heimatdorf des Beschwerdeführers
immer noch unter der Kontrolle der Taliban befinde, weshalb sich seine
Familie in der Stadt G._ aufhalte, wo viele ihrer Freunde und Be-
kannten leben würden. Gemeinsam mit ihnen könnten sie sich gegen die
Taliban wehren, sollten diese erneut in die Stadt vorrücken. Seinen Sohn,
gegen welchen die Taliban Drohungen ausgesprochen hätten, habe er
nach L._ geschickt.
Sodann sei es entgegen der abweichenden Einschätzung der Vorinstanz
zu Begegnungen mit den Taliban gekommen. Er habe die Frage, ob er zwi-
schen (...) und (...) persönliche Begegnungen mit den Taliban gehabt
hätte, deshalb verneint, weil er damit gemeint habe, dass sie ihm nicht na-
hegekommen seien. Er sei indessen ständig im Einsatz gegen die Taliban
gewesen und habe an Kampfhandlungen teilgenommen. Aufgrund seiner
Bewaffnung hätten sich die Taliban ihm aber nicht nähern können.
Unter Verweis auf die protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers
wird in der Beschwerde sodann ausgeführt, in sachlicher Hinsicht sei der
kausale Zusammenhang zwischen der Bedrohung durch die Taliban vor
der ersten und vor der zweiten Ausreise gegeben. Betreffend der freiwilli-
gen Rückkehr im Dezember (...) sei anzumerken, dass er nur deshalb zu-
rückgekehrt sei, weil die Taliban zu dieser Zeit aus seiner Heimatregion
zurückgedrängt worden seien und er erfahren habe, dass die Dorfmiliz die
Region kontrolliere. Zudem habe er mit einem negativen Asylentscheid der
(...) Behörden gerechnet.
Sodann habe er entgegen der vorinstanzlichen Einschätzung seine Tätig-
keit als Gruppenführer der bewaffneten Dorfmiliz (Arbaki) durchaus glaub-
haft dargetan. Diesbezüglich wird in der Rechtsmitteleingabe wiederholt
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Seite 14
auf die protokollierten Aussagen verwiesen und abschliessend festgehal-
ten, der Beschwerdeführer habe als Mitglied der Arbaki begründete Furcht
vor einer asylrelevanten Verfolgung, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft
erfülle und ihm Asyl zu gewähren sei.
5.3 Das SEM beschränkte sich in seiner Vernehmlassung auf den Verweis
auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfügung, an welchen voll-
umfänglich festgehalten werde. Entsprechend erübrigte sich die Ansetzung
einer Replikfrist.
6.
6.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-
nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-
macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie
aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die
Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-
nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-
krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung
plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei
wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen
Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung
die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be-
schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber
reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-
bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we-
sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1).
6.2 Entgegen der Argumentation der Vorinstanz beurteilt das Gericht die
Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner Tätigkeit als Mitglied der Ar-
baki als glaubhaft.
6.2.1 Für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ist zunächst ein Blick auf die
Institution der Arbaki zu werfen. Die Arbaki Milizen sind ein Sicherheitssys-
tem auf Gemeindeebene («A community-based security system», siehe
European Asylum Support Office [EASO], Afghanistan: Security Situation
– Update, Mai 2018, S. 8, www.refworld.org/-docid-/5b3be4ad4.html, be-
sucht am 11. August 2021). Das Europäische Unterstützungsbüro für Asyl-
http://www.refworld.org/-docid-/5b3be4ad4.html
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fragen (EASO) erläutert in seinem Bericht vom September 2016, dass Mi-
lizgruppen, die oftmals auf Seite der Regierung gegen Aufständische
kämpfen würden, als Arbakai (Plural: Arbaki) bezeichnet würden. Ur-
sprünglich beruhte das Konzept Arbakai auf dem Stammesrecht der
Paschtunen, dem Paschtunwali. Arbaki würden die Rolle der Polizei inner-
halb des Stammes, des Sub-Stammes oder in Gemeindegebieten über-
nehmen. Arbakai sei ein System zur Kontrolle der Gemeinschaft basierend
auf dem Stamm, das auf freiwilligen Basisinitiativen beruhe. Arbaki würden
sich von Milizmitgliedern oder Angestellten von privaten Sicherheitsfirmen
unterscheiden. Sie hätten grössere Unterstützung und seien in die Ge-
meinde eingebettet. EASO verweist insbesondere auf die Aussagen von
Mohammed Osman Tariq, der in seinem Bericht zum Konzept Arbakai ei-
nen Stammesältesten zitiert. Nach dessen Auskunft handle es sich bei den
Arbakai um eine Gruppe von freiwilligen Erwachsenen, die mittels eines
besonderen Verfahrens ausgewählt würden und die Verantwortung für die
Umsetzung der Entscheidungen der Dschirga (Stammesversammlung)
hätten. Sie sicherten das Territorium des Stammes oder der Gemeinde und
würden Massnahmen gegen jene ergreifen, die illegale Handlungen bege-
hen wollten. Die zeitgenössische Verwendung des Begriffs Arbakai leite
sich von ihrer ursprünglichen Bedeutung ab. Heute werde das Wort für alle
Arten der semi-offiziellen oder nicht-offiziellen Milizgruppen insbesondere
im Norden Afghanistans verwendet (vgl. EASO, Afghanistan; Recruitment
by armed groups, September 2016, S. 35, www.easo.europa.eu/si-
tes/default/files/publications/-Afghanistan_recruitment.pdf, besucht am
11. August 2021). Das US Department of State berichtete sodann in sei-
nem Länderbericht zur Menschenrechtslage vom März 2017, es gebe An-
zeichen von Machtmissbrauch seitens Kommandanten von "Arbakei", wel-
che als untrainierte örtliche Milizgruppen beschrieben wurden (vgl. AC-
CORD – Austrian Centre of Country of Origin & Asylum Research an Docu-
mentation, Anfragebeantwortung zu Afghanistan: Informationen zu Arbaki-
Milizen [Struktur, Aktivitäten in der Provinz Faryab im Jahr 2015, Übergriffe
auf Zivilbevölkerung], 22. Juni 2017, www.ecoi.net/de/doku-
ment/1408517.html, besucht am 11. August 2021).
6.2.2 Im Lichte der vorstehenden Informationen ist festzustellen, dass sich
die Angaben des Beschwerdeführers zu den Arbaki mit diesen Erkenntnis-
sen decken, was denn vom SEM auch nicht bestritten wurde. Gleichzeitig
ist anzumerken, dass es sich bei den Arbaki nicht um militärisch organi-
sierte, professionelle Kampftruppen handeln dürfte, was im Rahmen der
Glaubhaftigkeitsprüfung zu beachten sein wird.
http://www.easo.europa.eu/sites/default/files/publications/-Afghanistan_recruitment.pdf http://www.easo.europa.eu/sites/default/files/publications/-Afghanistan_recruitment.pdf http://www.ecoi.net/de/dokument/1408517.html http://www.ecoi.net/de/dokument/1408517.html
D-1965/2019
Seite 16
6.2.3 Das SEM erachtete die Darlegungen des Beschwerdeführers zur
Teilnahme an Kampfeinsätzen gegen die Taliban im Rahmen seiner Funk-
tion als Gruppenführer bei den Arbaki in Ermangelung eines genügenden
Substantiierungsgrades als unglaubhaft. Dieser Schlussfolgerung kann
nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer hat zunächst – darauf wurde
bereits im Urteil D-3669/2016 hingewiesen – nachvollziehbar dargelegt,
wie es schon vor seiner ersten Ausreise zur Abkehr von den Taliban kam.
Er hat sodann nachvollziehbar dargelegt, weshalb er sich zu einer freiwilli-
gen Rückkehr aus D._ entschieden hatte. Sodann erzählte er, wie
die Situation bei seiner Rückkehr war, er zu den Arbaki stiess und wie sich
die Situation zusehends verschlechterte (vgl. A16/20 S. 10 zu F43). Seine
diesbezüglichen Ausführungen vermitteln ein nachvollziehbares Bild, wo-
nach er sich nach dem Erlebten und der Rückkehr für den Schutz seines
Dorfes vor den Taliban einsetzte. Dabei unterliess er es nicht einzuräumen,
dass auch die Arbaki von der Bevölkerung nicht nur gemocht wurden und
diese ihre Dörfer nicht nur wegen der Taliban sondern teilweise auch we-
gen der Arbaki verlassen hätten, was für die Glaubhaftigkeit der Aussagen
einerseits sowie die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers anderseits
spricht (vgl. A33/23 S. 11). Seine Aussagen bezüglich der späteren Kamp-
feinsätzen als Gruppenleiter der Arbaki sind teilweise kurz, jedoch ohne
erkennbare Widersprüche ausgefallen. Der Einschätzung der Vorinstanz,
wonach er «wie von der Warte eines unbeteiligten Beobachters aus» be-
richtet habe, schliesst sich das Bundesverwaltungsgericht nicht an: So
schilderte er beispielsweise die Organisationsstruktur der Arbaki detailliert,
nannte den Namen und Wohnort des Kommandanten, erwähnte die vari-
able Gruppengrösse und äusserte sich sowohl zu Kampfeinsätzen als
auch zu Sicherheitseinsätzen für das deutsche Militär, wie beispielsweise
Strassenkontrollen und Minenräumungen (vgl. A 33/23 S. 3 ff). Diese Aus-
sagen passen in das unter E. 6.2.1 dargelegte Bild. Selbst wenn nicht aus-
zuschliessen ist, dass der Beschwerdeführer bei der Anzahl seiner Beteili-
gungen an Kampfeinsätzen eine zu hohe Zahl genannt hätte, so ändert
dies nichts daran, dass er zumindest einen Einsatz detailliert zu beschrei-
ben vermochte. Seine Angabe, die Arbaki hätten nicht an vorderster Front
gekämpft (vgl. A 33/23 S. 10 F51) ist denn angesichts deren fehlender Pro-
fessionalität nachvollziehbar. Sodann beantwortete er auch die Frage nach
den von ihm im Kampf verwendeten Waffen abschliessend, indem er er-
klärte, im Besitz einer (...) sowie drei (...) gewesen zu sein, und auf Nach-
frage ergänzend ausführte, dass es sich bei einer PK um eine mittelgrosse,
automatische Waffe mit einem Kettenmagazin handle (vgl. A 33/23 S. 5).
Als weiteren Widerspruch führte die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer
habe einerseits erklärt, nicht in der Lage zu sein, jemanden zu töten, jedoch
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auf Nachfrage angegeben, sehr wohl mit seiner Waffe auf die Taliban ge-
schossen zu haben. Diese Aussagen führen lediglich isoliert betrachtet zu
einem Widerspruch und sind deshalb im Zusammenhang mit den weiteren
Aussagen zu beurteilen. So gab er nämlich zu Protokoll «als ich von Eu-
ropa nach Afghanistan zurückkehrte, konnte ich keinen Menschen töten»,
womit er seine grundsätzliche Haltung zur Tötung von Menschen zu erken-
nen gab, indessen im Rahmen der übernächsten Frage erklärte «Wenn du
in den Krieg gehst, musst du auch schiessen. Wenn du ihn nicht tötest,
dann tötet er dich» womit er implizit zu erkennen gab, dass er im Rahmen
der Kampfeinsätze auf Menschen schoss, indessen auf keinen Menschen
aus nächster Nähe zielte: «...ich habe niemanden in Begegnung getötet»;
«Du bist mit 10, 12 Personen zusammen und du schiesst in eine Rich-
tung...» (vgl. A 33/23 S. 5). Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht,
dass die Beantwortung gewisser Fragen als ausweichend interpretiert wer-
den kann. Indessen ist in die Beurteilung einzubeziehen, dass für die asyl-
suchenden Personen nicht immer ohne weiteres verständlich und nach-
vollziehbar sein dürfte, weshalb sie die ihnen offensichtlich erscheinenden
Umstände detaillierter beschreiben sollten. Das Bundesverwaltungsgericht
gelangt bei einer Gesamtwürdigung zum Schluss, dass die Aussagen des
Beschwerdeführers zu seiner Tätigkeit als Mitglied der Arbaki ein derart
schlüssiges und substantiiertes Bild ergeben, als dass von ihrer Glaubhaf-
tigkeit auszugehen ist.
6.2.4 In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob das SEM zu Recht erwog,
der Beschwerdeführer habe (auch) die gegen ihn gerichteten konkreten
Drohungen nicht glaubhaft machen können.
Der Beschwerdeführer beschrieb anlässlich der ersten Anhörung, wie
seine Kinder als solche eines Verräters beschimpft worden sei. Er sei auch
telefonisch bedroht und beschimpft worden, zudem seien schriftliche Dro-
hungen auf dem Versammlungsplatz zurückgelassen worden. Er nannte
überdies verschiedene Namen der ihn bedrohenden Personen (vgl. A16/20
F50 ff.). Nachdem er bereits anlässlich der BzP ausgeführt hatte, dass Fa-
milienangehörige seiner Ehefrau Talibanmitglieder seien (vgl. A4/19 S. 11),
und er auch realitätsnah darlegte, im Dorf habe es Sympathisanten der
Taliban gegeben, die dies aber nicht offengelegt hätten, erscheinen die von
ihm geltend gemachten Bedrohungen naheliegend, auch wenn die be-
hauptete Häufigkeit (täglich) übertrieben scheint. Zweifel hegt das Bundes-
verwaltungsgericht indessen an den angeblich nach der Ausreise des Be-
schwerdeführers noch ergangenen Drohungen. Der Vorinstanz ist diesbe-
züglich zuzustimmen, dass die entsprechenden Beweismittel nur einen
D-1965/2019
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sehr beschränkten Beweiswert aufweisen. Eine derartige Exponiertheit,
welche zu den angeblich noch nach der Ausreise getätigten Drohungen
führen würde, lässt sich den Aktivitäten des Beschwerdeführers nicht ent-
nehmen.
6.3 Zusammenfassend hält das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die
Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf die Geschehnisse im Hei-
matland als glaubhaft zu erachten sind. Soweit er darlegte, er sei auch
nach der Ausreise weiterhin bedroht worden, vermögen diese Behauptun-
gen das Bundesverwaltungsgericht indessen nicht in für die Annahme der
Glaubhaftigkeit genügendem Ausmass zu überzeugen.
7.
7.1 Nicht jede Drohung durch die Taliban ist asylrelevant im Sinne des
Art. 3 AsylG. Deshalb ist nachfolgend zu prüfen, ob der als glaubhaft beur-
teilte Sachverhalt zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft führt und
dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren ist.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat mehrfach festgestellt, dass ge-
wisse Gruppen von Personen aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten
Verfolgungsrisiko ausgesetzt seien. Dazu gehören Personen, welche der
afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft inklusive
den internationalen Militärkräften nahestehen oder als Unterstützer dersel-
ben wahrgenommen werden sowie westlich orientierte oder der afghani-
schen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht entsprechende
Personen. Einem besonders hohen Risiko sind gemäss verschiedenen
Quellen Personen ausgesetzt, die regelmässig bei den Militärbasen gese-
hen werden und eng mit den Militärangehörigen zusammenarbeiten. Diese
sind besonders gefährdet, weil extremistisch oder fanatisch eingestellte
Gruppierungen – insbesondere die Taliban – Muslime, welche für die ihrer
Meinung nach ungläubigen Besetzer im Land arbeiten, als Verräter be-
trachten, die es hart zu bestrafen gelte (vgl. beispielsweise die Urteile des
BVGer E-4907/2019 vom 26. März 2020 E. 5.3.2 und E-2802/2014 vom
15. Januar 2015 E. 5.3.3,).
7.3 Der Beschwerdeführer hat sich – auch wenn bereits vor seiner ersten
Ausreise – explizit von den Taliban abgewandt, nachdem er sie zuvor noch
unterstützt hatte. Durch seine Tätigkeit für die Arbaki ist er einer Gruppe
zuzurechnen, welche einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt war
beziehungsweise ist. Dass die Taliban bis zur Ausreise gegen den Be-
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schwerdeführer keinen konkreten Angriff ausführten, vermag die Verfol-
gungsfurcht im Zeitpunkt der Ausreise nicht als unbegründet erscheinen zu
lassen. Auch aus heutiger Sicht beziehungsweise im heutigen Zeitpunkt
hat der Beschwerdeführer zu befürchten, im Fall einer Rückkehr asylbe-
achtlichen Massnahmen ausgesetzt zu sein. Die Machtübernahme durch
die Taliban nach dem Abzug der internationalen Truppen kann als allge-
mein bekannt vorausgesetzt werden. Anzeichen dafür, dass diese die Ein-
stellung gegenüber den in vorstehender E. 7.2 genannten Personengrup-
pen gemässigt hätten, sind nicht ersichtlich. So kam es weiterhin zu von
den Taliban ausgehenden Kampfhandlungen unter anderem gegen die Ar-
baki (vgl. EASO, Afghanistan Security situation, Country of Origin Informa-
tion Report, Juni 2021, https://coi.easo.europa.eu/administration/easo/
PLib/2021_06_EASO_ COI_Report_Afghanistan_Security_situation.pdf,
besucht am 11. August 2021). Auch wenn die nach der Ausreise angeblich
stattgefundenen Bedrohungen als nicht glaubhaft erachtet wurden, ergibt
sich, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers als beachtlich im Sinne
von Art. 3 AsylG zu bezeichnen sind. Ihm ist für den Zeitpunkt der Ausreise
als auch für den heutigen Zeitpunkt eine objektiv begründete Furcht vor
künftiger Verfolgung durch die Taliban zuzugestehen. Von einer staatlichen
Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit kann angesichts der derzeitigen Situ-
ation in der Heimatregion nicht ausgegangen werden. Dies gilt ebenso für
eine potenzielle innerstaatliche Flucht- beziehungsweise Schutzalternative
(die Städte Kabul, Herat oder Mazar-i-Sharif).
7.4 Zusammenfassend erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG.
7.5 Wie bereits im Urteil D-3669/2016 festgehalten wurde, stellt sich ange-
sichts der Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinen Tätigkeiten als
Arbaki aber auch zu deren Verhalten allgemein die Frage einer Asylunwür-
digkeit gemäss Art. 53 Bst. a AsylG. Das SEM musste sich angesichts der
von ihm angenommen Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen dazu nicht
äussern. Die Beschwerde enthält ebenfalls keine entsprechenden Ausfüh-
rungen. Damit ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zwar die Flüchtlings-
eigenschaft erfüllt, die Frage der Asylgewährung indessen noch nicht ent-
schieden werden kann. Diesbezüglich ist die Angelegenheit an die Vorin-
stanz zur Prüfung zurückzuweisen, ansonsten dem Beschwerdeführer eine
Prüfungsinstanz verloren ginge.
7.6 Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die angefochtene Verfü-
gung ist aufzuheben. Das SEM ist anzuweisen, die Flüchtlingseigenschaft
https://coi.easo.europa.eu/administration/easo/%20PLib/2021_06_EASO_ https://coi.easo.europa.eu/administration/easo/%20PLib/2021_06_EASO_
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des Beschwerdeführers anzuerkennen und die Frage der Asylgewährung
unter dem Blickwinkel einer allfälligen Asylunwürdigkeit zu prüfen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
9.
9.1 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
9.2 Die bei den Akten liegende Kostennote vom 25. April 2019 erscheint
als den Verfahrensumständen angemessen. Unter Berücksichtigung der
nachfolgenden Eingaben vom 26. Juli 2019, 14. September 2019, 23. No-
vember 2020 sowie 29. Juni 2021 ist der Rechtsvertretung eine von der
Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung in der Höhe von insge-
samt Fr. 1’900.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von
Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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