Decision ID: c4aae5bc-5e20-41a4-83db-226aaa157811
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren am 8. September 2014, leidet
am
Geburts
gebrechen Nr. 423 (Missbildungen
und angeborene Erkrankungen des
Nervus
opticus mit einer
Visusverminderung
auf 0,2 oder weniger an einem Auge [mit Korrektur] oder
Visusverminderung
an beiden Augen auf 0,4 oder weniger [mit Korrektur]
) gemäss Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
-Anhang
in der bis 3
1.
Dezember 2021 gültigen Fassung
, Urk. 8/20
, 21). Am 13. Juli 2015 wurde sie deshalb von ihrer Mutter bei der Invalidenversicherung zur Gewährung medizinischer Massnahmen angemeldet (Urk. 8/11).
Nach Abklä
rung der medizinischen Situation
(Urk. 8/16, 20, 27, 37, 43
, 46
) sprach
ihr die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
wiederholt
Leis
tungen zu, unter anderem in Form von medizinischen Massnahmen (Urk. 8/22) sowie Kosten
gutsprachen für ambulante Phys
iotherapie (Urk. 8/29, 38, 45).
1.2
Im März 2021
ersuchte die Mutter der Versicherten um Gewährung einer Hilf
losenentschädigung für Minderjährige (Urk. 8/47).
Nach Einholung eines Arzt
berichts der Augenklinik des Universitätsspitals
Z._
(Urk. 8/50) und durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk. 8/52) bejahte die IV-Stelle mit Verfügung vom 7. Juni 2021 den Anspruch der Versicherten auf eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit im Sonderfall vom 1. März 2020 bis 30. September 2032 (Urk. 2 [=Urk. 8/53]).
2.
Dagegen erhob die Mutter der Versicherten am
30
. Juni 2021
(Poststempel)
Beschwerde bei der IV-Stelle (Urk.
8/60
), welche diese mit Schreiben vom 21. Juli 2021 an das hiesige Sozialversicherungsgericht weiterleitete (Urk. 5).
Die Mutter der Versicherten
beantragte sinngemäss die Erhöhung der Hilflosenentschä
di
gung
(Urk. 1)
und legte
weitere Berichte des Schulpsychologischen Dienstes
A._
, der Schule für Sehbehinderte der Stadt
B._
sowie des Low Vision Zentrum
s
C._
für sehbehinderte Kinder und Jugendliche auf (Urk. 3/1-3). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2021 die Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 7), was der Mutter der Versicherten am 14. September 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des
streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38 IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen mass
gebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.3
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV ange
wiesen ist.
1.4
Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (B
GE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E.
2).
1.
5
Gemäss Art. 42
bis
Abs. 5 IVG haben Minderjährige keinen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung, wenn sie lediglich auf lebenspraktische Begleitung ange
wiesen sind. Bei ihnen ist zudem
nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (Art. 37 Abs. 4 IVV).
Diese Sonderregelung trägt dem Umstand Rechnung, dass bei Kleinkindern eine gewisse Hilfs- und Über
wachungsbedürftigkeit auch bei voller Gesundheit besteht. Massgebend für die Bemessung der Hilflosigkeit bei diesen Versicherten ist daher der Mehrauf
wand an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu einem nicht invaliden Minderjährigen gleichen A
lters.
1.6
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Der rechts
er
heb
liche Sachverhalt ist von Amtes wegen unter Mitwirkung der Versicherten zu ermitteln, und zwar richtig und vollständig (Art. 42 Abs. 1 ATSG und Art. 61
lit
. c ATSG, BGE 136 V 376 E. 4.1.1, 133 V 196 E. 1.4).
Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltung erforder
lich. Ersterer hat anzugeben, inwiefern die versicherte Person in ihren körperli
chen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Ver
sicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen (Art. 69 Abs. 2 IVV) vornehmen.
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass die Voraussetzungen für eine Hilflosigkeit im Sonderfall aufgrund hochgradiger Sehschwäche erfüllt sind. Aufgrund verspäteter Anmeldung könne die Hilf
losen
entschädigung ein Jahr rückwirkend ab Anmeldedatum ausgerichtet werden. In ihrer Vernehmlassung verwies die Beschwerdegegnerin insbesondere auf ihr Schreiben vom 14. Juli 2021 (Urk. 4) sowie auf die Stellungnahme ihres Abklä
rungs
dienstes vom 4. August 2021 (Urk. 8/67).
Die von der Mutter der Ver
sicher
ten mit der Beschwerde neu aufgelegten Berichte hätten keine neuen Tat
sachen hervorgebracht. Bei einer
Hilflosigkeit im Sonderfall
hätten sodann
nur dann weitere Abklärungen zu erfolgen
, wenn wegen zusätzlicher Gebrechen eine höhere Hilflosigkeit möglich erscheine (Urk. 4). Gemäss dem am 23. Juli 2021 eingegangenen Arztbericht des Kinderspitals
D._
vom 16. April 2020 könn
e allenfalls
eine Hilflosigkeit im Bereich der Notdurft
ausgewiesen sein, wobei dies
falls aber weiterhin eine leichte Hilflosigkeit vorliegen würde. Weitere Hinweise auf
Hilfestellungen in den alltäglichen Lebensverrichtungen fänden sich im Arzt
bericht nicht. Das als schwierig beschriebene Essverhalten sei nicht rel
evant, da im Bereich des Essens
nur anrechenbar sei, ob ein Kind das Essen und Trinken selbständig zum Munde führen könne, wobei diesbezüglich im Arztbericht nichts erwähnt werde.
Insgesamt lägen keine konkreten Hinweise vor, welche auf eine mittlere Hilflosigkeit schliessen lassen würden (Urk. 8/67).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Mutter der Versicherten auf den Standpunkt, ihre Tochter
könne nur bestimmte Kleider selbst ausziehen. Beim Ankleiden benötige sie immer die Hilfe einer Drittperson. Zudem müsse sie 3-4 Mal am Tag gefüttert werden. In Bezug auf die Körperpflege könne ihre Tochter lediglich selbständig die Hände waschen. Schliesslich könne sie sich
ausserhalb ihr bekannter Bereiche nicht ohne Drittpersonen bewegen. Deshalb seien die Voraussetzungen einer
mitt
leren Hilflosigkeit erfüllt (
Urk.
1).
3.
3.1
Die Ärzte der Augenklinik des Universitätsspitals
Z._
nannten im Bericht vom 3. September 2015 als Diagnosen eine
Opticushypoplasie
beidseits sowie ein Strabismus
convergens
alternans
bis rechts, womit die
Geburtsge
brechen Ziff. 423 sowie Ziff. 427 gemäss
GgV
-Anhang
vorliegen würden
. Auf
grund der Sehbehinderung sei mit einer etwas verzögerten motorischen Entwick
lung zu rechnen und auch der Erwerb der Selbständigkeit des Kindes werde sich deutlich verzögern. Diesbezüglich sei mit einem behinderungsbedingten Mehr
aufwand im Verlauf zu rechnen (Urk. 8/20).
3.
2
In seinem undatierten Bericht nannte
med.
pract
.
E._
, Fach
arzt FMH für Kinder- und Jugendmedizin, die Diagnose
Opticushypoplasie
beid
seits mit starker Sehbehinderung
und bejahte das Vorliegen von Geburts
gebre
chen gemäss
GgV
ohne konkrete Angabe von Ziffern (Urk. 8/27).
3.3
Gemäss Bericht von
Dr.
med.
F._
, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendmedizin
, vom
13.
März 2019
lieg
t
bei der Versicherten eine angeborene Atrophie der Sehnerven vor,
womit
sie lediglich hell und dunkel unterscheiden könne
. Die Physiotherapie ermögliche
es
ihr
,
die Orientierung im bekannten und unbekannten Raum zu verbessern. Der Umgang mit dem Blinden
stock müsse spielerisch erlernt werden und werde gerade initiiert.
Die Aufnahme in den Kindergarten sei für nächstes Jahr geplant.
Aufgrund ihrer Behinderung müssten alltägliche Dinge intensiv eingeübt werden. Dies erfordere Training und Therapie sowohl im häuslichen als auch im fremden Umfeld
. Die bisherigen Therapieansätze würden
einen positiven Effekt auf
den
Aktivitätsradius und
i
nten
sität
der Versicherten
zeigen
(Urk. 8/37/4)
.
3.4
Dr.
med.
G._
, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugend
medizin, führte in ihrem Bericht vom 26. November 2020 zuhanden der IV-Stelle aus, bei der Versicherten liege eine beidseitige schwere Visusminderung vor auf
g
rund einer ebenfalls beidseits b
estehenden Anlagestörung der Sehnerven. Diese gehöre zum Spektrum der
septooptischen
Dysplasie. Häufig vergesellschaftet und auch bei der Versicherten vorliegend sei
en
ein Entwicklungsrückstand insbe
sondere der Sprache sowie auch motorische Stereotypien. Auch
autismusnahes
Verhalten sei nicht selten. In der Untersuchungssituation sei
O._
jeweils
sehr ängstlich und lasse sich nur zögerlich ein. Ihre Muskulatur wirke hypoton. Sie sei eher lax, habe aber einen guten Kraftaufbau und könne aus dem Sitzen ohne Zuhilfenahme der Hände aufstehen und auch laufen. Es gebe aber weiterhin viele Dinge, die in der Physiotherapie geübt werden sollten. So habe
O._
eine Bevorzugung des Zehenganges, brauche Unterstützung bei der Orientierung im Raum und sollte diesbezüglich auch die Benutzung von Hilfsmitteln wie einem Stock erlernen. Das Therapieziel der Physiotherapie sei das Erlangen einer gewissen Selbständigkeit, wobei dies aufgrund der kognitiven Einschränkung sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde (Urk.
8/
43/5).
3.5
Dr. med.
H._
, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendmedizin, führte in ihrem undatierten Bericht (Eingang bei der IV-Stelle am 6. Januar 2021) unter Diagnosen eine
Opticushypoplasie
beidseits (ED 04/2015) sowie einen
Zustand nach
Kernikterus bei AB
0
-Inkompabilität (09/2014) an. Sie berichtete über eine verzögerte Sprachentwicklung mit Tendenz auf Verbesserung sowie über stereotypische,
dyskinetische
Bewegungen (Urk. 8/46).
Die Frage, ob ein behin
derungsbedingter Mehraufwand an Hilfeleistungen oder persönlicher Über
wachung im Vergleich zu einem Nichtbehinderten gleichen Alters bestünden, bejahte die Ärztin ohne indessen Näheres auszuführen (Urk. 8/46/2).
3.
6
Die Ärzte der Augenklinik des
Universitätsspitals Zürich
nannten in ihrem Bericht vom 22. April 2021 zuhanden der IV-Stelle folgende Diagnosen:
-
Opticushypoplasie
beidseits mit/bei
-
Septo
-optischer Dysplasie
-
Hochgradiger Sehminderung (hell/dunkel-Wahrnehmung)
-
Allgemeiner Entwicklungsrückstand
Sie hielten fest, d
er
Visus
an sich sei nicht messbar,
betrage
aber weniger als 0,
2.
Beidseits
sei der Versicherten
seit der Geburt nur die Wahrnehmung von Licht
möglich
.
Bei nur bestehender Lichtwahrnehmung liege eine Einschränkung des Gesichtsfeldes vor (Urk. 8/50).
4.
4.1
Unbestritten und erwiesen ist, dass die Beschwerdeführerin
an einer angeborenen
schweren Sehbehinderung leidet (Urk. 8/20, 21, 5
1, E. 3
)
. Diese erfüllt
die Voraus
setzungen einer schweren Sinnesschädigung im Sinne von Art. 37 Abs. 3
lit
. d IVV (vgl. die R
andziffern 8064 f.
der hier anwendbaren Fassung des Kreisschrei
bens über die Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Stand
1.
Januar 2021) und
löst
bereits für sich allein einen Anspruch auf eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit leichten Grades im S
onderfall aus
.
4.2
Sind die Voraussetzungen für eine Hilflosigkeit im Sonderfall erfüllt, erfolgen gemäss Randziffer 8144 KSIH nur dann weitere Abklärungen, wenn wegen zusätz
licher Gebrechen eine höhere Hilflosigkeit möglich erscheint.
Vorliegend
prognostizierten
die behandelnden Ärzte
bereits im Jahr 2015 eine verzögerte motorische Entwicklung sowie einen deutlich verzögerten Erwerb der Selbstän
digkeit des Kindes und wiesen darauf hin, dass mit einem behinderungsbedingten Mehraufwand im Verlauf zu rechnen sei (vgl. E. 3.1). Im weiteren Verlauf berich
teten alsdann sowohl Dr.
G._
als auch Dr.
H._
über
einen Entwick
lungsrückstand insbesondere in der Sprache sowie auch über motorische Stereo
typien
der Versicherten
(vgl. E. 3.4 und 3.5)
.
Gemäss dem von der Mutter der Beschwerdeführerin im Juli 2021 bei der IV
Stelle eingereichten Bericht des Kinderspitals
D._
vom 16. April 2020
ist
die aktuelle Entwicklung von
X._
gemäss Entwicklungsfragebogen (
Vineland
Scales II)
als weit unterdurchschnittlich einzuschätzen
. So würden 40 bis 50 Punkte erreicht, wobei der Normbereich zwischen 85 und 115 Punkte liege
(Urk. 8/65/1).
A
uch d
ie Schulpsychologin
führte
mit Bericht vom 31. März 2020 aus, der Umstand
, dass
O._
seit ihrer Geburt blind sei,
habe
ihre gesamte früh
kindliche Entwicklung verzögert und beeinträchtigt. Daneben bestünden eine Reihe von weiteren Einschränkungen in der Bewältigung von Alltagsanforde
rungen und im sozial-emotionalen Bereich. Dazu komme die Fremdsprachigkeit und eine Verzögerung in der Sprachentwicklung. Inwieweit die einzelnen Fak
toren sich gegenseitig bedingen oder auch unabhängig voneinander bestehen würden, könne zum derzeitigen Stand nicht geklärt werden. Aufgrund der Schil
derungen der bisherigen Betreuung in der Kita und der behandelnden Heilpäda
gogin sei das Mädchen auf permanente Begleitung durch eine erwachsene Person angewiesen, die ihr helfe, Umweltreize einzuordnen, sich zu orientieren und am sozialen Geschehen teilzunehmen
(Urk.
8/58/3
).
Alsdann lässt sich
dem Bericht der Schulischen Heilpädagogin vom 24. Juni 2021 entnehmen, dass die Beschwer
deführerin draussen im Strassenverkehr, aber auch sonst bei alltäglichen Tätigkeiten auf permanente Begleitung durch eine erwachsene Person ange
wiesen sei (Urk.
8/58/8
).
4.3
Wenngleich im Bericht des Kinderspitals
D._
vom 16. April 2020 darauf hin
gewiesen wird, dass die Befunde aus den Fragebogen aufgrund der starken Seh
behinderung nicht direkt auf die kognitive Leistungsfähigkeit übertragen werden können (Urk. 8/65/1), lassen die vorstehenden Ausführungen
einen höheren Bedarf der Beschwerdeführerin an Unterstützung in den alltäglichen Lebensver
richtungen und damit
eine höhere Hilflosigkeit als möglich erscheinen.
Dass die Entwicklung der Versicherten durch die schwere Sehbehinderung auch in moto
rischer Hinsicht behindert sein würde, war bereits von
Dr.
I._
, Regionaler Ärzt
licher Dienst (RAD), prognostiziert worden (
Urk.
8/28) und äussert sich gemäss den Angaben der Eltern der Versicherten denn auch in weiten Bereichen der alltäglichen Lebensverrichtungen (
Urk.
8/47/5;
Urk.
1; vgl. auch
Urk.
8/65/2, wonach die bald Sechsjährige noch immer Windeln trägt sowie
Urk.
8/58/2, 5, wo die Aktivitäten des täglichen Lebens als unterhalb der Schwelle liegende bezeichnet wurden).
Die Beschwerdegegnerin wäre entsprechend gehalten gewe
sen, weitere Abklärungen
zu den Einschränkungen der Beschwerdeführerin in den alltäglichen Lebensverrichtungen
zu tätigen.
Dass es sich bei der Beschwerde
führerin um ein Kleinkind handelt, bei der altersgemäss ohnehin eine intensive Betreuung und Überwachung notwendig ist, vermag daran nichts zu ändern: Zwar ist bei Minderjährigen nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (vgl. E. 1.
5
). Dieser Vergleich kann jedoch erst vorgenommen werden, wenn die Behinderung und der dadurch bedingte Mehr
aufwand genü
gend abgeklärt sind.
4.4
Aus dem Gesagten folgt, dass der massgebende Sachverhalt, nämlich die behin
derungsbedingte Einschränkung der Beschwerdeführerin in ihren körperlichen und geistigen Funktionen sowie deren Auswirkung auf alltägliche Lebensverrich
tungen, insgesamt nicht genügend abgeklärt wurde.
Die angefochtene Verfügung ist demnach aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen, damit diese nach Vornahme weiterer Abklärungen neu über die Hilf
losenentschädigung verfügt.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), wes
halb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Der Beschwerdeführer
in
respektive ihrer Mutter
ist keine Prozessent
schädigung zuzusprechen, da
ihr Arbeitsaufwand und ihre Umtriebe im vorliegenden Verfah
ren nicht den Rahmen dessen überschritten, was der Einzelne
zumutbarerweise
nebenbei zur Besorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat.
6.
Es wurde eine
Minderheitmeinung
zu Protokoll gegeben (Begründung:
Urk.
10).