Decision ID: 13222d92-82a3-588c-9068-a16687383e89
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der schwedische Staatsangehörige A._ (im Folgenden auch:
Beschwerdegegner oder Gesuchsteller) kam am 7. November 2013 im Spi-
tal D._ in (...) zur Welt (vgl. Akten der Vorinstanz [im Folgenden:
Dok.] 20). Bei A._ trat eine perinatale Asphyxie mit kardiopulmona-
ler Reanimation inkl. Herzdruckmassage in den ersten sieben Lebensmi-
nuten, eine hypoxisch ischämische Enzephalopathie, ein primäres Atem-
notsyndrom, eine fokale frontal-symmetrische periventrikuläre Leukomala-
zie und ein offener Ductus Botalli mit bidirektionalem Shunt auf (vgl. Dok.
15 S. 3 Ziff. 1.1 und S. 4 Ziff. 2.4 f.). Seine Mutter ist die schwedische
Staatsangehörige B._, welche am 19. August 2013 im letzten Tri-
mester ihrer Schwangerschaft in die Schweiz einreiste. Sie war bis zum 28.
Februar 2014 im Besitz eines Ausweises "L EU/EFTA" (Kurzaufenthaltsbe-
willigung) zum Zwecke des Verbleibs bei ihrem Lebenspartner bis zum
Ende von dessen Studium. In der Schweiz ging sie keiner Erwerbstätigkeit
nach (vgl. Dok. 19 und 25). Ihr 1980 geborener Partner C._, eben-
falls schwedischer Staatsangehöriger, hielt sich von August 2013 bis Feb-
ruar 2014 zu Studienzwecken im Kanton E._ auf und absolvierte im
Rahmen seines Studiums auch ein Praktikum (vgl. Dok. 27 und 35 f.).
B._ hat während ihres Aufenthalts in der Schweiz keine Beiträge an
die Alters-, Hinterlassenen und Invalidenversicherung (AHV/IV) bezahlt
(vgl. Dok. 29).
A.b Am 9. Dezember 2013 meldete die Kindsmutter A._ bei der IV-
Stelle E._ zum Bezug von Leistungen (medizinische Massnahmen)
an (vgl. Dok. 17 und 21). Mit zwei Kostengutsprachen vom 3. und 4. Feb-
ruar 2014 teilte die IV-Stelle E._ der Kindsmutter mit, dass die Kos-
ten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 497 GgV
(SR 831.232.21) ab 7. November 2013 bis 28. November 2013 (Dok. 12 1-
2) und die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 313
GgV ab 7. November 2013 bis 30. November 2016 (Dok. 12 S. 3-4) über-
nommen würden. Per 21. Februar 2014 meldeten sich die Kindsmutter und
der Beschwerdegegner nach Schweden ab (Dok. 23 und 25, vgl. auch Dok.
10 S. 2). Am 26. Mai 2014 leitete die IV-Stelle E._ die Akten betref-
fend den Beschwerdegegner zuständigkeitshalber an die Vorinstanz weiter
(Dok. 1).
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A.c Nach Erlass des Vorbescheids am 2. Oktober 2014 (Dok. 33) verfügte
die Vorinstanz am 11. Dezember 2014 die Wiedererwägung der Leistungs-
zusprachen der IV-Stelle E._ vom 3. und 4. Februar 2014 sowie die
rückwirkende Aufhebung der damit zugesprochenen Leistungen zur Be-
handlung der Geburtsgebrechen Ziff. 497 und Ziff. 313 GgV der IV-Stelle
E._ (Dok. 39). Die dagegen seitens der ehemaligen obligatorischen
Krankenversicherung des Gesuchstellers, X._, erhobene Be-
schwerde vom 27. Januar 2015 hiess das Bundesverwaltungsgericht nach
zweifach durchgeführtem Schriftenwechsel mit Urteil C-549/2015 vom
31. Januar 2017 insofern gut, als es die angefochtene Verfügung vom
11. Dezember 2014 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz mit der
Anweisung zurückgewiesen hat, vor Erlass einer allfälligen neuen Verfü-
gung in der Sache bei der kantonalen IV-Stelle E._ eine Stellung-
nahme zur beabsichtigten Wiedererwägung einzuholen. Dieses Urteil
wuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
In Nachachtung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts C-549/2015
vom 31. Januar 2017 ersuchte die Vorinstanz am 7. April 2017 die IV-Stelle
E._ um eine schriftliche Stellungnahme zur durch die IVSTA vorge-
sehenen Wiedererwägung (Dok. 61). Mit Stellungnahme vom 9. Mai 2017
teilte die IV-Stelle E._ der Vorinstanz mit, dass die versicherungs-
mässigen Voraussetzungen zum Zeitpunkt der Anmeldung sowie der Zu-
sprache der medizinischen Massnahmen nicht erfüllt gewesen seien und
es nicht zu einer Leistungszusprechung hätte kommen dürfen (Dok. 65). In
Kenntnis der Stellungnahme der IV-Stelle E._ vom 9. Mai 2017
stellte die Vorinstanz dem Gesuchsteller mit Vorbescheid vom 16. Mai
2017, den sie in Kopie auch dem ehemaligen obligatorischen Krankenver-
sicherer X._ eröffnete, erneut die wiedererwägungsweise Aufhe-
bung der Entscheide der IV-Stelle E._ vom 3. und 4. Februar 2014
sowie die rückwirkende Aufhebung der damit zugesprochenen Leistungen
in Aussicht. Dem Vorbescheid legte sie eine Kopie der Stellungnahme der
IV-Stelle E._ vom 9. Mai 2017 bei (vgl. Dok. 67). Nachdem
X._ am 14. Juni 2017 dagegen erneut Einwand erhoben hatte (vgl.
Dok. 69), erliess die IVSTA am 21. September 2017 eine dem Vorbescheid
vom 16. Mai 2017 entsprechende Verfügung (Dok. 72).
C.
C.a Gegen diese Verfügung erhob X._ (im Folgenden: Beschwer-
deführerin) mit Eingabe vom 24. Oktober 2017 beim Bundesverwaltungs-
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gericht Beschwerde und beantragte deren ersatzlose Aufhebung. Zur Be-
gründung wies sie zunächst darauf hin, dass der Beschwerdeführerin der
Weg ans Bundesgericht nicht offen gestanden habe, weil es sich beim Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts C-549/2015 vom 31. Januar 2017 um
einen Zwischenentscheid gehandelt habe. Deshalb werde die sachliche
Unzuständigkeit der Vorinstanz zur Wiedererwägung erneut geltend ge-
macht. Im Weiteren bestritt die Beschwerdeführerin erneut, dass in Wie-
derwägung gezogenen Entscheide der IV-Stelle E._ zweifellos un-
richtig gewesen sein sollen. Die IV-Stelle E._ habe über alle not-
wendigen Informationen verfügt und die Kostengutsprachen in korrekter
Anwendung der einschlägigen Bestimmungen erteilt. Die Vorinstanz berufe
sich zu Unrecht auf Art. 9 Abs. 1bis IVG (SR 831.20). Denn vorliegend seien
die Voraussetzungen gemäss Art. 9 Abs. 3 Bst. b IVG und Art. 13 ATSG
(SR 830.1) erfüllt. Schliesslich wies die Beschwerdeführerin darauf hin,
dass der Beschwerdegegner Angehöriger eines EU-Staates sei und daher
aufgrund von Art. 8 des FZA das Verbot einer Diskriminierung gegenüber
schweizerischen Staatsangehörigen zu beachten sei (vgl. Akten im Be-
schwerdeverfahren [im Folgenden: BVGer-act.] 1).
C.b Der mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom
30. Oktober 2017 eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-
wurde am 2. November 2017 bezahlt (BVGer-act. 2-4).
C.c Mit Vernehmlassung vom 5. Dezember 2017 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist. Zur Begrün-
dung führte sie aus, soweit die Beschwerdeführerin die Zuständigkeit der
IVSTA zur Wiedererwägung der Verfügungen der IV-Stelle E._ neu-
erlich in Frage stellen wolle, könne auf das Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts C-549/2015 vom 31. Januar 2017 verwiesen werden. Den Wei-
sungen dieses Urteils sei sie nachgekommen. Zur Begründung in der Sa-
che selbst verwies die Vorinstanz vollumfänglich auf die angefochtene Ver-
fügung, auf die dieser zugrundeliegenden rechtsdienstlichen Stellung-
nahme vom 5. September 2017, auf die Stellungnahme der IV-Stelle
E._ vom 09. Mai 2017 sowie auf die weiteren IV-Akten. Bezüglich
der Ausführungen der Beschwerdeführerin zum FZA wies sie im Weiteren
darauf hin, dass gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung es nicht
Sinn und Zweck des vom FZA übernommenen Gemeinschaftsrechts im
Bereich der sozialen Sicherheit sei, die Unterstellung unter eine bestimmte
Versicherung, ganz oder in Bezug auf bestimmte Leistungen, gleichsam zu
erzwingen. Es obliege grundsätzlich weiterhin den Mitgliedstaaten zu be-
C-6038/2017
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stimmen, unter welchen Voraussetzungen ein Recht auf Unterstellung un-
ter eine Versicherung oder eine Verpflichtung hierzu bestehe und Leistun-
gen gewährt würden. Da die Eltern des Gesuchstellers nach schweizeri-
schem Recht weder kraft Wohnsitzes noch Erwerbstätigkeit der Invaliden-
versicherung unterstellt gewesen seien, lasse sich folglich auch in Bezug
auf das Kind aus dem FZA nichts ableiten. Abschliessend wies die Vor-
instanz darauf hin, dass das Spital D._ der Invalidenversicherung
die Zahlungen in voller Höhe zurückerstattet habe, weshalb für sie eine
Rückforderung bei der Beschwerdeführerin nicht mehr im Raum stehe (vgl.
BVGer-act. 8).
C.d Dem durch seine Mutter vertretenen Beschwerdegegner wurde mit In-
struktionsverfügung vom 9. November 2017 ebenfalls Gelegenheit zur
Stellungnahme gegeben (BVGer-act. 5). Die Sendung wurde jedoch unter
dem Vermerk „unclaimed“ (nicht abgeholt) an das Bundesverwaltungsge-
richt zurückgeschickt (BVGer-act. 6). Am 5. Dezember 2017 wurde dem
Beschwerdegegner erneut die Möglichkeit eröffnet, eine Beschwerdeant-
wort einzureichen (BVGer-act. 7). Auch diese Sendung wurde mit dem Ver-
merk „unclaimed“ (nicht abgeholt) an das Bundesverwaltungsgericht re-
tourniert (BVGer-act. 12).
C.e Mit Replik vom 6. Februar 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem
Rechtsbegehren fest. Zur Begründung führte sie ergänzend aus, entgegen
der Ansicht der Vorinstanz gehe es bei der vorliegenden Streitsache nicht
um die Beurteilung der Rechtmässigkeit eines ursprünglichen Leistungs-
entscheides. Strittig sei vielmehr, ob sich ein in der Vergangenheit erlasse-
ner und in Rechtskraft erwachsener Leistungsentscheid als offensichtlich
unrichtig erweise und deshalb in Wiedererwägung gezogen werden dürfe.
Die mehr als nur komplizierten Regelungen im Bereich des FZA liessen für
versicherte Personen und andere Versicherungsträger keinen Entscheid
als sicher voraussehbar erscheinen. Für eine Wiedererwägung seien die
Hürden in diesem Bereich somit derart hoch, dass die Voraussetzungen
kaum je erfüllt sein dürften. Die von der Vorinstanz zitierten Bundesge-
richtsentscheide seien vorliegend nicht einschlägig. Nach Ansicht der Be-
schwerdeführerin sei im vorliegenden Fall massgebend, dass ausländi-
sche Staatsangehörige mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der
Schweiz (Art. 13 ATSG), die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet haben,
unter anderem dann Anspruch auf Eingliederungsmassen der IV haben,
wenn sie selbst in der Schweiz invalid geboren seien; dies sei vorliegend
erfüllt. Dass das Spital D._ offenbar die von der Invalidenversiche-
rung geleisteten Zahlungen im Umfang von Fr. 20'559.60 zurückerstattet
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Seite 6
habe, tue nichts Entscheidrelevantes zur Sache. Einerseits sei das frag-
würdige Vorgehen, während laufendem Rechtsmittelverfahren Leistun-
gungserbringer zur Rückzahlung aufzufordern, in letzter Zeit bei verschie-
denen IV-Stellen zu beobachten. Andererseits werde der Leistungserbrin-
ger, sollte ein Anspruch auf medizinische Massnahmen gegenüber der IV
wider Erwarten verneint werden, zweifellos die Beschwerdeführerin als da-
malige Krankenversicherung des Beschwerdegegners zur Bezahlung der
Rechnungen auffordern (vgl. BVGer-act. 15).
C.f Mit Duplik vom12. Februar 2018 teilte die Vorinstanz mit, die Replik der
Beschwerdeführerin enthalte keine relevanten neuen Aspekte, welche zu
einer geänderten Betrachtungsweise Anlass geben könnten, und verwies
im Weiteren vollumfänglich auf die in der angefochtenen Verfügung vom
21. September 2017 dargelegten Feststellungen sowie auf die in ihrer Ver-
nehmlassung vom 5. Dezember 2017 gestellten Anträge (vgl. BVGer-
act. 17).
C.g Da Nachforschungen betreffend die Adresse des bei seiner Mutter
wohnhaften Beschwerdegegners wie auch Nachforschungen betreffend
die Zustellung der Abholeinladung für die Verfügung vom 5. Dezember
2017 (BVGer-act.7), mit welcher dem Beschwerdegegner erneut Gelegen-
heit zur Einreichung einer Beschwerdeantwort eingeräumt worden war, zu
keinem verwertbaren Ergebnis führten (vgl. BVGer-act. 10, 13, 18, 19, 20
und 23), wurde ihm per im Bundesblatt am 13. März 2018 publizierter Ver-
fügung vom 7. März 2018 mitgeteilt, dass die Verfahrensakten am Sitz des
Bundesverwaltungsgerichts eingesehen werden könnten und die durch die
Post retournierten Verfügungen im Dossier für ihn bereitliegen würden.
Gleichzeitig wurde ihm Gelegenheit gegeben, zur Sache und zum ergan-
genen Schriftenwechsel innert 30 Tagen ab Publikation dieser Verfügung
im Bundesblatt Stellung zu nehmen (vgl. BVGer-act. 21 f. und 24). Der Be-
schwerdegegner liess sich nicht vernehmen.
C.h Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Un-
terlagen wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit nicht das VGG et-
was anderes bestimmt oder Bestimmungen des ATSG bzw. des IVG an-
wendbar sind (vgl. Art. 37 VGG; Art. 3 Bst. dbis VwVG; Art. 1 Abs. 1 IVG). In
formell-rechtlicher Hinsicht finden grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
Anwendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung ha-
ben (vgl. BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.2 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172. 021), sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Zu diesen gehört auch die IVSTA, die im Be-
reich der Invalidenversicherungen mit Verfügungen über IV-Leistungsge-
suche befindet (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG anpas-
sen).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als im betreffenden Zeitraum obligatori-
scher Krankenversicherer des Gesuchstellers von der angefochtenen Ver-
fügung berührt und zur Anfechtung legitimiert, da die angefochtene Verfü-
gung ihre Leistungspflicht tangiert (vgl. Art. 49 Abs. 4 i.V.m. Art. 59 ATSG;
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 59 Rz. 54 m.H.; Urteil
des BVGer C-553/2010 v. 25. August 2010 E. 1.3). Dabei spielt es keine
Rolle, dass das Spital D._ die gemäss Ansicht der Vorinstanz zu
Unrecht von der Invalidenversicherung geleisteten Zahlungen in der Höhe
von insgesamt Fr. 20'559.70 vollumfänglich an die Invalidenversicherung
zurückerstattet hat (vgl. dazu Dok. 74), muss doch die Beschwerdeführerin
damit rechnen, dass das Spital im Gegenzug seine Forderungen bei ihr als
dem ehemaligen obligatorischen Krankenversicherer geltend machen wird.
Nachdem auch der eingeforderte Kostenvorschuss geleistet wurde, ist auf
die frist- und formgerechte Beschwerde einzutreten (vgl. Art. 38 Abs. 4 Bst.
a und Art. 60 ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Der von seiner Mutter vertretene Gesuchsteller hat als Verfügungsad-
ressat gegen die Verfügung der Vorinstanz vom 21. September 2017 keine
Beschwerde erhoben. Als vom Ausgang des Prozesses Mitbetroffenem
wurde ihm indessen im Rahmen des Beschwerdeverfahrens Gelegenheit
http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-1
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gegeben, sich zu den Eingaben der Beschwerdeführerin und der Vor-
instanz zu äussern (vgl. Sachverhalt Bst. C.d. und C.g hiervor). Er liess
sich indes nicht vernehmen.
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 21. September 2017, mit der die Vorinstanz die von der IV-
Stelle E._ zugesprochenen Eingliederungsmassnahmen vom 3.
Februar 2014 (Kostengutsprache für medizinische Massnahmen zur Be-
handlung des Geburtsgebrechens Ziffer 497 GgV betreffend die Zeitperi-
ode vom 7. November 2013 bis zum 28. November 2013) und vom 4. Feb-
ruar 2014 (Kostengutsprache für medizinische Massnahmen zur Behand-
lung des Geburtsgebrechens Ziffer 313 GgV für die Zeit vom 7. November
2013 bis zum 30. November 2016) wiedererwägungsweise rückwirkend
aufgehoben hat. Streitig und zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für eine
Wiedererwägung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG erfüllt sind.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kogni-
tion (vgl. Art. 49 VwVG) kann es die Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder den angefochtenen Ent-
scheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die von jener der
Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege,
2. Auflage, Bern 1983, S. 212).
3.
3.1 Der minderjährige Gesuchsteller ist schwedischer Staatsangehöriger
und wohnt seit dem Wegzug am 21. Februar 2014 mit seinen Eltern in
Schweden. Unter diesen Umständen ist bei der Beurteilung des Anspruchs
des Gesuchstellers auf schweizerische IV-Leistungen das Abkommen vom
21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits
und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedern andererseits
über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681) zu beachten (siehe auch
Urteil des BGer 9C_1026/2010 E. 4). Das Freizügigkeitsabkommen setzt
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die verschiedenen bis dahin geltenden bilateralen Abkommen zwischen
der Schweizerischen Eidgenossenschaft und den einzelnen Mitgliedstaa-
ten der Europäischen Union – mithin auch das Abkommen vom 20. Okto-
ber 1978 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Kö-
nigreich Schweden über Soziale Sicherheit (SR 0.831.109.714.1; im Fol-
genden: Sozialversicherungsabkommen mit Schweden) – insoweit aus, als
darin derselbe Sachbereich geregelt wird (Art. 20 FZA). In zeitlicher Hin-
sicht ist das FZA anwendbar, weil hier IV-Leistungen für die Zeit nach des-
sen Inkrafttreten am 1. Juni 2002 zur Diskussion stehen und der angefoch-
tene Einspracheentscheid nach diesem Datum ergangen ist (vgl. BGE 133
V 137 E. 5).
3.1.1 Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage des Art. 8 FZA ausgearbei-
teten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II
("Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit") des FZA in Verbin-
dung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien unter-
einander insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der
Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.1; im Folgenden: VO
883/2004) und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Par-
laments und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der Mo-
dalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 (SR 0.831.109.268.11; im
Folgenden: VO 987/2009) oder gleichwertige Vorschriften an.
3.1.2 Die beiden genannten gemeinschaftsrechtlichen Verordnungen sind
für die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Aus-
schusses vom 31. März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkom-
mens über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit per
1. April 2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; vgl. auch Urteil des BGer
8C_455/2011 vom 4. Mai 2012 E. 2.1). Die VO 883/2004 hat die Verord-
nung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der
Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige so-
wie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und ab-
wandern (SR 0.831.109.268.1; im Folgenden: VO 1408/71), ersetzt und
begründet Anspruch für den Zeitraum ab dem Beginn ihrer Anwendung am
1. April 2012 (vgl. Art. 87 Abs. 1). Da vorliegend Leistungsansprüche für
den Zeitraum vom 7. November 2013 bis zum 21. Februar 2014 streitig
sind, werden die VO 883/2004 sowie auch die VO 987/2009, welche die
Verordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972 über die
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Durchführung der VO 1408/71 (SR 0.831.109.268.11) abgelöst hat, ange-
wendet. Art. 80a IVG verweist in Bst. a im Zusammenhang mit dem FZA
auf die beiden angepassten Koordinierungsverordnungen.
3.1.3 In sachlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass medizinische Massnah-
men gemäss Art. 12 ff. IVG als Leistungen bei Krankheit im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 Bst. a und von Kapitel 1 des Titels III der VO 883/2004 gelten
(BGE 133 V 320 E. 5.6 mit weiteren Hinweisen; Urteile des BGer I 601/06
vom 12. März 2008 E. 6.2.2 und 9C_1026/2010 vom 23. Dezember 2011
E. 4; Urteil des BVGer C-6261/2013 E. 3.4).
3.1.4 In persönlicher Hinsicht fällt der Beschwerdegegner, welcher selber
die schwedische Staatsangehörigkeit besitzt, unter den Anwendungsbe-
reich der VO 883/2004 (Art. 2 Abs. 1; vgl. BGE 133 V 320 E. 5.5; 133 V
624 E. 3.2 und 3.3; Urteil des BGer 9C_277/2007 vom 12. Februar 2008
E. 4.1).
3.1.5 Titel II der VO Nr. 883/2004 (Art. 11-16) enthält allgemeine Kollisions-
regeln zur Bestimmung der anzuwenden Rechtsvorschriften. Dabei legt
Art. 11 Abs. 1 VO Nr. 883/2004 den kollisionsrechtlichen Grundsatz der
Einheitlichkeit der anwendbaren Rechtsvorschriften in dem Sinne fest,
dass für jede betroffene Person die Rechtsvorschriften nur eines Mitglied-
staats massgebend sind. Bei Arbeitnehmenden und Selbstständigerwer-
benden gelten in der Regel die Rechtsvorschriften desjenigen Mitglied-
staats, in dem sie ihre Tätigkeit ausüben (Art. 11 Abs. 3 Bst. a VO Nr.
883/2004 [Beschäftigungsland- oder Erwerbsortprinzip]; BGE 143 V 52
E. 6.2.1; BGE 140 V 98 E. 6.3; Urteil des BGer 8C_273/2015 vom 12. Au-
gust 2015 E. 3.2). Nichterwerbstätige sind ebenfalls den Rechtsvorschrif-
ten (nur) eines Mitgliedstaats unterstellt. Nach Art. 11 Abs. 3 Bst. e VO
Nr. 883/2004 unterliegen sie den Rechtsvorschriften des Wohnmitglied-
staats, sofern nichts anderes bestimmt ist. Dabei handelt es sich um einen
eigenen Anspruch auf Grund des Wohnorts (BGE 143 V 52 E. 6.2.2; BGE
140 V 98 E. 8.1). Daraus folgt, dass auf die hier streitigen Leistungsansprü-
che des Beschwerdegegners – soweit keine abkommensrechtliche Best-
immungen entgegenstehen – grundsätzlich schweizerisches Recht anzu-
wenden ist.
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verfügung (hier: 21. September 2017) eingetretenen Sachverhalt ab (BGE
129 V 1 E. 1.2 mit Hinweisen). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
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Seite 11
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.3 Nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln finden in for-
mell-rechtlicher Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbestimmun-
gen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im Zeit-
punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
3.4
3.4.1 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen füh-
renden Sachverhalts Geltung hatten (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 329
E. 2.3). Massgebend ist somit der Eintritt des Versicherungsfalls. Die Inva-
lidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs
auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht (Art. 4
Abs. 2 IVG). Daraus folgt, dass im Rahmen jeder gesetzlichen Leistungs-
norm der Invaliditätseintritt autonom bestimmt werden muss
(MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3. Aufl. 2014, Art. 4 N. 140). Bei den medizinischen Eingliederungsmass-
nahmen gilt nach der Rechtsprechung die Invalidität in dem Zeitpunkt als
eingetreten, in dem das festgestellte Gebrechen eine medizinische Be-
handlung oder ständige Kontrolle objektiv erstmals notwendig macht, was
dann zutrifft, wenn die Behandlungs- oder Kontrollbedürftigkeit beginnt und
keine Gegenindikation besteht (BGE 111 V 110 E. 3d, 111 V 117 E. 1d, 105
V 58 E. 2a mit Hinweisen). Diese Grundsätze gelten auch zur Bestimmung
des Invaliditätseintritts bei minderjährigen Versicherten, die an einem Ge-
burtsgebrechen leiden (BGE 98 V 270 E. 2). Die Rechtsprechung stellt so-
mit den Invaliditätseintritt objektiv aufgrund des Gesundheitszustandes
fest, wobei zufällige externe Faktoren unerheblich sind (BGE 108 V 61
E. 2b mit Hinweis). Der Beginn des Anspruchs auf medizinische Massnah-
men fällt bei rechtzeitiger Anmeldung mit dem Beginn der objektiv notwen-
digen Behandlungs- oder Kontrollbedürftigkeit des festgestellten Geburts-
gebrechens zusammen (vgl. BGE 118 V 79 E. 3a). Die objektive Behand-
lungs- oder Kontrollbedürftigkeit ist rechtsprechungsgemäss erstmals dann
ausgewiesen, wenn Anzeichen des Beschwerdebildes vorhanden sind
oder Standarduntersuchungen auf das Bestehen des Leidens hinweisen
(Urteil des BGer I 671/03 vom 1. Dezember 2004 E. 2.2 mit weiteren Hin-
weisen).
3.4.2 Es ist unbestritten und erwiesen, dass die medizinischen Zusprache-
kriterien für die Geburtsgebrechen Ziff. 497 und GG 313 der Verordnung
C-6038/2017
Seite 12
über Geburtsgebrechen vom 9. Dezember 1985 (GgV, SR 831.232.21) ein-
deutig ausgewiesen waren und die objektive Behandlungs- bzw. Kontroll-
bedürftigkeit und damit der Anspruch auf medizinische Massnahmen seit
der Geburt vom 7. November 2013 bestanden (vgl. Dok. 12-14). Folglich
sind vorliegend jene Normen massgebend, die am 7. November 2013 in
Kraft standen.
4.
Streitig und zu prüfen ist im Folgenden, ob die Vorinstanz die Entscheide
der IV-Stelle E._ vom 3. und 4. Februar 2014 zu Recht wiedererwä-
gungsweise aufgehoben hat.
4.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet in diesem Zusammenhang weiterhin
die Zuständigkeit der Vorinstanz zur Wiedererwägung und Aufhebung der
Leistungszusprachen der IV-Stelle E._ vom 3. und 4. Februar 2014
betreffend die medizinischen Massnahmen. Da sich ihre Begründung in ei-
ner reinen Wiederholung des bereits im Beschwerdeverfahren C-549/2015
Vorgetragenen erschöpft (vgl. Beschwerdeschrift vom 27. Januar 2015 im
Verfahren C-549/2015 [Dok. 50 S. 5 Ziff. 1 und 2] und Beschwerdeschrift
vom 24. Oktober 2017 im vorliegenden Verfahren [BVGer-act. 1 S. 5 f Ziff.
1 und 2]), kann mangels neuer Vorbringen vollumfänglich auf das im Urteil
C-549/2015 vom 31. Januar 2017 Ausgeführte verwiesen werden. Darin
wurde ausgeführt, dass die Vorinstanz in analoger Anwendung des Bun-
desgerichtsentscheids BGE 122 V 169 im Bereich der Alters- und Hinter-
lassenenversicherung, und mithin in Abweichung von der Regel, dass die
Wiedererwägung von der die ursprüngliche Verfügung erlassenden Ver-
waltungsbehörde vorgenommen wird, als örtlich neu zuständige IV-Stelle
die von der IV-Stelle E._ erlassenen Entscheide in Wiedererwä-
gung ziehen kann, dazu aber vorgängig bei dieser eine Stellungnahme ein-
zuholen habe (vgl. E. 3.3 bis E. 3.5, insb. E. 3.4.2 des Urteils C-549/2015
vom 31. Januar 2017; in diesem Sinne lauten auch die Weisungen des
BSV [vgl. Rz. 4014 des Kreisschreibens über das Verfahren in der Invali-
denversicherung {KSVI}, gültig ab 1. Januar 2010 {Stand: 1. Januar
2018}]). Dieser Anweisung kam die Vorinstanz in der Folge nach und er-
suchte die IV-Stelle E._ mit Schreiben vom 7. April 2017 (Dok. 61)
um eine Stellungnahme zur beabsichtigten Wiedererwägung. Letztere ant-
wortete am 9. Mai 2017 (Dok. 65).
4.2 Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die Ausführungen der Be-
schwerdeführerin, wonach es sich bei der Wiedererwägung um ein nicht
C-6038/2017
Seite 13
devolutives Rechtsmittel handle und daher diejenige Instanz für die Wie-
dererwägung zuständig sei, welche den zu überprüfenden Entscheid erlas-
sen habe, vorab die Frage der funktionellen (Zulässigkeit eines Rechtswe-
ges oder Zuständigkeit eines Rechtspflegeorgans, vgl. BGE 138 III 558
E. 1.3 mit Hinweis) und nicht diejenige der örtlichen und der sachlichen
Zuständigkeit beschlägt. Letztere ergibt sich aus dem materiellen Recht.
Das IVG weist die Durchführung der Invalidenversicherung den IV-Stellen
(in Zusammenarbeit mit den Organen der Alter- und Hinterlassenenversi-
cherung und unter Aufsicht des Bundes) zu (Art. 53 IVG). Da die Invaliden-
versicherung jedoch dezentral organisiert ist (vgl. Art. 54 bis 56 IVG),
kommt der örtlichen Zuständigkeit im Bereich der Invalidenversicherung
grosse Bedeutung zu (vgl. UELI KIESER, a.a.O., Art. 35 Rz. 3 und 5). Dass
in casu infolge der Rückkehr des Gesuchstellers nach Schweden die örtli-
che Zuständigkeit – auf Stufe Verwaltung – aufgrund und entsprechend der
anwendbaren gesetzlichen Regelung (Art. 55 IVG und Art. 40 IV [bei Leis-
tungsgesuchen] sowie Art. 88 IVV [im Revisionsverfahren]) von Gesetzes
wegen neu auf die IVSTA übergangen ist, wurde bereits im Urteil
C-549/2015 vom 31. Januar 2017 festgestellt (vgl. E. 3.4.1 f. des zitierten
Urteils). Diese gegebenenfalls wechselnde örtliche Zuständigkeit auf Stufe
Verwaltung hat systembedingt zur Folge, dass die der Verwaltung vorbe-
haltene Befugnis zur Wiedererwägung (vgl. BGE 125 V 368 E. 3b) nicht
mehr von der erlassenden Behörde ausgeübt werden kann, weshalb die
neu zuständige Behörde, da sie die Verfügung ja nicht erlassen hatte, der
verfügenden Behörde vorgängig das rechtliche Gehör einzuräumen hat.
Vorliegend wurde die Verfügung der IVSTA vom 11. Dezember 2017 nicht
deshalb aufgehoben, weil die IVSTA zum Erlass der Verfügung (sachlich,
örtlich und funktionell) nicht zuständig war, sondern weil sie der IV-Stelle
E._, welche die in Wiedererwägung zu ziehenden bisher nie ge-
richtlich überprüften rechtskräftigen Entscheide (vgl. Urteil des BGer
9C_356/2011 vom 3. Februar 2012 E. 3.2 f.) erlassen hatte, nicht vorgängig
das rechtliche Gehör gewährte. Nachdem die Vorinstanz der Anweisung
des Bundesverwaltungsgerichts nachgekommen ist, vor erneutem Verfü-
gungserlass bei der IV-Stelle E._ eine Stellungnahme zur beabsich-
tigten Wiedererwägung einzuholen (vgl. Dok. 61 und 65), ist die vorliegend
angefochtene Verfügung in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden.
5.
Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob vorliegend die Voraussetzungen für
eine Wiedererwägung erfüllt sind. In diesem Zusammenhang ist insbeson-
dere streitig und nachfolgend zu prüfen, ob der Beschwerdegegner die ver-
C-6038/2017
Seite 14
sicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllte, um bei der schweizeri-
schen Invalidenversicherung im Zeitraum vom 7. November 2013 bis zum
21. Februar 2014 medizinische Massnahmen beanspruchen zu können.
5.1
5.1.1 Denn die Beschwerdeführerin bestreitet, dass die in Wiedererwä-
gung gezogenen Entscheide der IV-Stelle E._ zweifellos unrichtig
gewesen sein sollen. Sie begründet ihren Standpunkt im Wesentlichen da-
mit, dass die Vorinstanz sich zu Unrecht auf Art. 9 Abs. 1bis IVG berufe und
dabei übersehe, dass vorliegend die Voraussetzungen von Art. 9 Abs. 3
Bst. b IVG erfüllt seien. Denn der Gesuchsteller erfülle sowohl die Voraus-
setzungen des Wohnsitzes und dauernden Aufenthalts in der Schweiz ge-
mäss Art. 13 ATSG als auch die Voraussetzung, dass er in der Schweiz
invalid geboren worden sei.
5.1.2 Demgegenüber vertritt die Vorinstanz die Ansicht, dass es sich um
einen klaren Fall von anfänglicher Unrichtigkeit der Verfügungen handle.
Der Fehler habe darin bestanden, dass die IV-Stelle E._ die versi-
cherungsmässigen Anspruchsvoraussetzungen überhaupt nicht geprüft
habe. Hätte die kantonale IV-Stelle die Ansprüche in gesetzmässiger
Weise geprüft, hätte es gar nie zur Gewährung von Leistungen kommen
dürfen. Dies habe die IV-Stelle E._ selber eingeräumt. Da die Eltern
des Beschwerdegegners weder AHV/IV-Beiträge entrichtet noch einen zi-
vilrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz gehabt hätten und auch nicht dem
Schweizer Sozialversicherungssystem angeschlossen gewesen seien,
seien die versicherungsmässigen Voraussetzungen nie erfüllt gewesen. Es
habe somit auch nie ein Anspruch des Beschwerdegegners auf Eingliede-
rungsmassen bestanden.
5.2
5.2.1 Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berich-
tigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die Wiederer-
wägung dient der nachträglichen Korrektur einer ursprünglich unrichtigen
Rechtsanwendung oder Sachverhaltsfeststellung durch die Verwaltung
(BGE 117 V 8 E. 2c S. 17; SVR 2018 IV Nr. 33 S. 107 E. 5.3; Entscheid
des BGer vom 30. Oktober 2012, 9C_396/2012, E. 2.1).
5.2.2 Nach der Rechtsprechung kann die Wiedererwägung rechtskräftiger
Verfügungen nur in Betracht kommen, wenn es sich um die Korrektur gro-
ber Fehler der Verwaltung handelt (vgl. Urteil des BGer 9C_429/2012 vom
C-6038/2017
Seite 15
19. September 2012 E. 2.2 mit Hinweisen). Eine gesetzwidrige Leistungs-
zusprechung gilt regelmässig als zweifellos unrichtig (BGE 126 V 399 E. 2b
bb S. 401 ARV 2002 S. 181 E. 1a). Darunter fällt insbesondere eine auf
einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1
ATSG) beruhende unvollständige Sachverhaltsabklärung (vgl. Urteil des
BGer 9C_221/2018 vom 16. Oktober 2018 E. 3.1). Zweifellos ist die Un-
richtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Ver-
fügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss – derjenige auf die
Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig
ist eine Verfügung, wenn die notwendigen (fachärztlichen) Abklärungen
überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wur-
den, oder wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln bzw. ohne
oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zuge-
sprochen wurde. Zurückhaltung bei der Annahme zweifelloser Unrichtigkeit
ist stets dann geboten, wenn der Wiedererwägungsgrund eine materielle
Anspruchsvoraussetzung betrifft, deren Beurteilung massgeblich auf
Schätzungen oder Beweiswürdigungen und damit auf Elementen beruht,
die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen. Eine vor dem Hinter-
grund der seinerzeitigen Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechts-
praxis vertretbare Beurteilung der (invaliditätsmässigen) Anspruchsvoraus-
setzungen kann nicht zweifellos unrichtig sein (BGE 141 V 405 E. 5.2 S.
414; Urteil des BGer 8C_962/2010 vom 28. Juli 2011 E. 3.1; SVR 2017 UV
Nr. 8 S. 28 E. 3.2).
5.2.3 Bei der Beurteilung, ob eine Wiedererwägung wegen zweifelloser
Unrichtigkeit zulässig ist, muss von der Sach- und Rechtslage ausgegan-
gen werden, wie sie im Zeitpunkt des Verfügungserlasses bestanden hat,
wozu auch die seinerzeitige Rechtspraxis gehört; eine Praxisänderung ver-
mag kaum je die frühere Praxis als zweifellos unrichtig erscheinen zu las-
sen (BGE 144 I 103 E. 2.2 S. 106, 125 V 383 E. 3 S. 390). Bei der Wieder-
erwägung einer Verfügung wegen ursprünglicher Unrichtigkeit ist einzig auf
die Verhältnisse und den Wissensstand zum damaligen Zeitpunkt abzustel-
len. Führen erst spätere Beweismittel zu dieser Erkenntnis, kommt einzig
eine prozessuale Revision zum Tragen (Entscheid des BGer 8C_517/2007
vom 16. September 2008 E. 4.1). Lagen im Zeitpunkt der Verfügung oder
des Einspracheentscheides divergierende medizinische Meinungsäusse-
rungen vor, kann nicht Jahre später wiedererwägungsweise gesagt wer-
den, es sei zweifellos unrichtig gewesen, auf die eine und nicht auf die
andere abzustellen (Entscheid des BGer 8C_517/2007 vom 16. September
2008 E. 4.3). Hingegen ist eine Invaliditätsbemessung, die auf keiner nach-
vollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit
C-6038/2017
Seite 16
beruht, nicht rechtskonform und die entsprechende Verfügung ist zweifel-
los unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinn (Entscheid des BGer
8C_920/2009 vom 22. Juli 2010 E. 2.4; vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer
C-8902/2010 vom 14. März 2013 E. 4.1).
5.3
5.3.1 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsge-
richt bereits mit Urteil C-549/2015 vom 31. Januar 2017 festgestellt hat,
dass auch die in Form von formlosen Mitteilungen gekleideten Leistungs-
zusprachen, die – wie vorliegend – nach Ablauf einer gewissen Frist die
einer rechtskräftigen Verfügung entsprechende Rechtsbeständigkeit er-
langt haben, bei Vorliegen von Rückkommensgründen in Wiedererwägung
gezogen werden können. Darauf wird verwiesen (vgl. E. 3.2 bis E. 3.2.2
mit Hinweisen). Zudem bildeten die zur Diskussion stehenden Leistungs-
zusprachen bisher nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung
(vgl. etwa BGE 122 V 169 E. 4a).
5.3.2 Im Weiteren kann die für eine Wiedererwägung erforderliche kumu-
lativ zu erfüllende Voraussetzung der Erheblichkeit ohne Weiteres bejaht
werden, handelt es sich doch bei den von der Invalidenversicherung be-
zahlten Kosten nicht um einen Betrag von lediglich wenigen hundert Fran-
ken, sondern um einen solchen von insgesamt Fr. 20'559.70 (vgl. dazu
UELI KIESER, a.a.O., Art. 53 Rz. 65 ff. mit Hinweis auf Fallbeispiele in ZAK
1989 518).
5.4 Bleibt zu prüfen, ob die zweite kumulativ zu erfüllende Voraussetzung
der zweifellosen Unrichtigkeit erfüllt ist.
5.4.1 Die unbestrittenen Geburtsgebrechen Ziffer 497 GgV und Ziffer 313
GgV (betr. anerkannte Geburtsgebrechen vgl. Stellungnahme des regiona-
len ärztlichen Dienstes [RAD] vom 30. Januar 2014 [Dok. 14]) begründen
grundsätzlich einen Anspruch auf die zur Behandlung notwendigen medi-
zinischen Massnahmen (Art. 13 IVG). Der Beschwerdegegner ist jedoch
ausländischer Staatsangehöriger. Gemäss Art. 6 Abs. 2 IVG (in der seit
31. Dezember 2003 gültigen Fassung) sind ausländische Staatsangehö-
rige, vorbehältlich Art. 9 Abs. 3 IVG, nur anspruchsberechtigt, solange sie
ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und so-
fern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres
Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der
Schweiz aufgehalten haben. Für im Ausland wohnhafte Angehörige dieser
Personen werden keine Leistungen gewährt.
C-6038/2017
Seite 17
5.4.2 Gemäss Art. 9 Abs. 3 IVG haben ausländische Staatsangehörige mit
Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz, die
das 20. Altersjahr noch nicht vollendet haben, nur Anspruch auf Eingliede-
rungsmassnahmen, wenn sie selbst die Voraussetzungen nach Art. 6
Abs. 2 IVG erfüllen oder wenn (Bst. a) ihr Vater oder ihre Mutter, falls sie
ausländische Staatsangehörige sind, bei Eintritt der Invalidität während
mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbro-
chen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben und (Bst. b)
sie selbst in der Schweiz invalid geboren sind oder sich bei Eintritt der In-
validität seit mindestens einem Jahr oder seit der Geburt ununterbrochen
in der Schweiz aufgehalten haben. Den in der Schweiz invalid geborenen
Kindern gleichgestellt sind Kinder mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufent-
halt in der Schweiz, die im Ausland invalid geboren sind und deren Mutter
sich dort unmittelbar vor der Geburt während höchstens zwei Monaten auf-
gehalten hat.
5.4.3 Gemäss dem eindeutigen Wortlaut von Art. 9 Abs. 3 IVG müssen
nebst der vorliegend umstrittenen Bedingung «Wohnsitz und gewöhnlicher
Aufenthalt in der Schweiz» ebenso die in den Bst. a und b genannten Vo-
raussetzungen kumulativ erfüllt sein, sofern eine Person unter 20 Jahren
– wie in casu – die Voraussetzungen nach Art. 6 Abs. 2 IVG nicht selbst
erfüllt (vgl. implizit auch BGE 143 V 114 E. 2.1 f.; BGE 143 V 261 E. 5.1).
Unbestrittenermassen ist in casu zwar die Voraussetzung nach Art. 9
Abs. 3 Bst. b Satz 1 (erster Teilsatz) – Satz 2 regelt eine vorliegend nicht
einschlägige Konstellation – erfüllt, da der Gesuchsteller wie bereits er-
wähnt (vgl. 5.4.1 hiervor) mit den anerkannten Geburtsgebrechen Ziffer
497 GgV und Ziffer 313 GgV in der Schweiz zur Welt kam. Jedoch zeigen
die von der Vorinstanz getätigten Abklärungen, dass die Voraussetzungen
gemäss Art. 9 Abs. 3 Bst. a IVG offensichtlich nicht erfüllt sind. Denn ge-
mäss den vorinstanzlichen Abklärungen bei den zuständigen Ausgleichs-
kassen des Kantons E._ (betr. Kindsmutter) und F._ (betr.
Kindsvater), bei der Mutter des Gesuchstellers sowie bei der Ausbildungs-
stätte des Kindsvaters (G._) haben sich die Kindsmutter und der
Kindsvater weder bei einer Ausgleichskasse angemeldet, noch haben sie
entsprechende AHV/IV-Beiträge entrichtet (vgl. Dok. 25-32 und Dok. 35 f.).
Zudem haben sich die Eltern mit Blick auf den zeitlich beschränkten Auf-
enthalt in der Schweiz von lediglich einem halben Jahr auch nicht während
10 Jahren ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten. Somit ist keine der
beiden alternativen Bedingungen gemäss Bst. a kumulativ zu Bst. b Satz 1
von Art. 9 Abs. 3 IVG erfüllt.
C-6038/2017
Seite 18
5.4.4 Allerdings weist die Beschwerdeführerin zutreffend darauf hin, dass
sich der Gesuchsteller als schwedischer Staatsangehöriger und somit als
Angehöriger eines EU-Mitgliedsstaates auf das Diskriminierungsverbot ge-
mäss Art. 2 FZA respektive das Gleichbehandlungsgebot gemäss Art. 8
FZA und Art. 4 VO Nr. 883/2004 berufen kann. Im Urteil BGE 133 V 320
hatte das Bundesgericht einen ähnlich gelagerten Fall eines minderjähri-
gen Kindes mit Geburtsgebrechen, das die niederländische Staatsangehö-
rigkeit besass, zu beurteilen. In diesem Fall hatte das betroffene Kind – im
Unterschied zum vorliegend Fall – unbestritten Wohnsitz in der Schweiz,
hingegen erfüllte es die weiteren Voraussetzungen gemäss Art. 6 Abs. 2
IVG und Art. 9 Abs. 3 IVG ebenfalls nicht (vgl. E. 2). In diesem Urteil kam
das Bundesgericht nach ausführlicher Darlegung der Rechtsprechung des
EuGH (E. 5.2.1 bis E. 5.2.4) sowie ausführlicher Befassung mit der schwei-
zerischen und gemeinschaftsrechtlichen Lehre (E. 5.3 f.) zum Schluss,
dass das an einem Geburtsgebrechen leidende Kind als Familienangehö-
riger eines niederländischen Erwerbstätigen in Bezug auf die Leistungen
bei Geburtsgebrechen ungeachtet der Unterscheidung zwischen eigenen
und abgeleiteten Ansprüchen in den persönlichen Geltungsbereich der VO
Nr. 1408/71 falle und sich damit grundsätzlich auf das Verbot einer nach
Staatsangehörigkeit unterschiedlichen Behandlung berufen könne (E. 5);
im Weiteren hatte das Bundesgericht erkannt, dass Leistungen bei Ge-
burtsgebrechen als besondere Form von Krankheit (die in Art. 4 der VO Nr.
1408/71 enthaltenen Leistungsumschreibungen sind nach gemeinschafts-
rechtlichen Kriterien zu verstehen [vgl. BGE 132 V 46 E. 3.2.3]) zu den
«Leistungen bei Krankheit oder Mutterschaft» im Sinne von Art. 4 Abs. 1
Bst. a der VO Nr. 1408/71 gehörten und somit vom sachlichen Geltungs-
bereich dieser Verordnung erfasst seien (E. 5.6). Aufgrund dieser Schluss-
folgerungen erachtete das Bundesgericht eine auf die Staatsangehörigkeit
abstellende Ungleichbehandlung als unzulässig (E. 5.7). Da einerseits
Art. 3 der VO Nr. 883/2004 in Struktur und Inhalt weitgehend der Vorläufer-
vorschrift des Art. 4 der VO Nr. 1408/71 folgt (vgl. MAXIMILIAN FUCHS, in:
Europäisches Sozialrecht, Maximilian Fuchs [Hrsg.], 6. Aufl. 2013, N 1 zu
Art. 3) und andererseits der neu in Art. 4 VO Nr. 883/2004 verankerte
Grundsatz der Gleichbehandlung bzw. des Verbots von Diskriminierung in
der Substanz unverändert ist (vgl. BGE 143 V 1 E. 5.2.3), ist der soeben
dargelegte Entscheid des Bundesgerichts auch für den vorliegenden Fall
grundsätzlich beachtlich. Das heisst, der Beschwerdegegner hat als Ange-
höriger eines EU-Mitgliedstaates unter den gleichen Voraussetzungen wie
ein Schweizer Bürger Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen. Im Übri-
gen sah auch bereits das Sozialversicherungsabkommen mit Schweden
C-6038/2017
Seite 19
für in der Schweiz invalid geborene Minderjährige einen Anspruch auf Ein-
gliederungsmassnahmen vor, sofern sie in der Schweiz Wohnsitz hatten
(vgl. Art. 11 Abs. 2 des Sozialversicherungsabkommens mit Schweden).
5.4.5 Hierzu muss jedoch – worauf die Vorinstanz entgegen der Ansicht
der Beschwerdeführerin zu Recht hinweist – die Voraussetzung gemäss
Art. 9 Abs. 1bis IVG erfüllt sein. Denn das Bundesgericht hat klargestellt,
dass eine Person der Versicherung unterstellt sein muss, sobald und so-
lange sie Eingliederungsmassnahmen beansprucht. Diese (an sich selbst-
verständliche) Voraussetzung ergibt sich bereits aus der Gesetzessyste-
matik, gilt für alle Eingliederungsmassnahmen (vgl. BGE 145 V 266 E. 4.2
mit Hinweis auf BGE 143 V 261 E. 5.2.1 und ULRICH MEYER/MARCO REICH-
MUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 9
N 1 und 8) und gilt unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Eine Aus-
nahme davon ist lediglich für noch nicht 20 Jahre alte Personen – unge-
achtet ihrer Staatsangehörigkeit – in Art. 9 Abs. 2 IVG vorgesehen, welcher
vorliegend – wie die Beschwerdeführerin zutreffend festhält – indes nicht
einschlägig ist (zur Vereinbarkeit des Art. 9 Abs. 2 IVG mit dem FZA vgl.
BGE 143 V 1 mit Hinweisen). Im Weiteren weist die Vorinstanz zutreffend
darauf hin, dass das vom FZA übernommene Gemeinschaftsrecht im Be-
reich der sozialen Sicherheit koordinieren und nicht harmonisieren will.
Dementsprechend bestimmen die Mitgliedstaaten (unter Beachtung des
Gemeinschaftsrechts) selber, unter welchen Voraussetzungen ein Recht
auf Unterstellung unter eine Versicherung oder eine Verpflichtung hierzu
besteht und unter welchen Voraussetzungen Leistungen gewährt werden.
Mit anderen Worten bezweckt das Gemeinschaftsrecht nicht, die Unterstel-
lung unter eine bestimmte Versicherung ganz oder in Bezug auf bestimmte
Leistungen zu erzwingen. In diesem Sinne ist die Schweiz berechtigt, den
Anspruch auf Massnahmen der Wiedereingliederung auf die Personen, die
der schweizerischen AHV/IV unterstellt sind, zu beschränken, wie sie dies
in Art. 9 Abs. 1bis IVG getan hat (vgl. BGE 145 V 266 E. 6.3.1 mit weiteren
Hinweisen).
5.4.6 Um einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bejahen zu kön-
nen, müsste der Gesuchsteller demzufolge die Versicherteneigenschaft er-
füllen. Nach Massgabe der Invalidenversicherung sind diejenigen Perso-
nen versichert, die gemäss den Artikeln 1a und 2 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 19461 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(AHVG) obligatorisch oder freiwillig versichert sind (Art. 1b IVG). Nichter-
werbstätige sind demzufolge versichert, wenn sie Wohnsitz in der Schweiz
haben (Art. 1b IVG i.V.m. Art. 1a Abs.1 Bst. a AHVG). Für den Anspruch
C-6038/2017
Seite 20
auf Eingliederungsmassnahmen ist vorliegend somit in jedem Fall ent-
scheidend, ob der Gesuchsteller im betreffenden Zeitraum Wohnsitz in der
Schweiz im Sinne von Art. 13 Abs. 1 ATSG hatte.
6.
6.1 Der Begriff des Wohnsitzes bestimmt sich aufgrund von Art. 13 Abs. 1
ATSG (SR 830.1) nach den Art. 23 bis 26 des Zivilgesetzbuches (ZGB, SR
210; vgl. auch Art. 20 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 18. Dezember
1987 über das Internationale Privatrecht [IPRG, SR 291], der den Wohn-
sitzbegriff gleich umschreibt [vgl. BGE 119 II 167 E. 2]). Ihren gewöhnlichen
Aufenthalt hat eine Person an dem Ort, an dem sie während längerer Zeit
lebt, selbst wenn diese Zeit zum Vornherein befristet ist (Abs. 2). Als Wohn-
sitz eines minderjährigen Kindes gilt der Wohnsitz der Eltern oder, wenn
die Eltern keinen gemeinsamen Wohnsitz haben, der Wohnsitz des Eltern-
teils, unter dessen Obhut das Kind steht; in den übrigen Fällen gilt sein
Aufenthaltsort als Wohnsitz (Art. 25 Abs. ZGB).
6.1.1 Der zivilrechtliche Wohnsitz einer Person befindet sich an dem Ort,
wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1
erster Halbsatz ZGB) und den sie sich zum Mittelpunkt ihrer Lebensinte-
ressen gemacht hat. Für die Begründung des Wohnsitzes müssen somit
zwei Merkmale erfüllt sein: ein objektives äusseres, der Aufenthalt, sowie
ein subjektives inneres, die Absicht dauernden Verbleibens. Nach der
Rechtsprechung kommt es nicht auf den inneren Willen, sondern darauf
an, auf welche Absicht die erkennbaren Umstände objektiv schliessen las-
sen (vgl. zum Ganzen BGE 133 V 309 E. 3.1 S. 312; BGE 127 V 237 E. 1;
125 V 76 E. 2a je mit weiteren Hinweisen). Der Aufenthalt zum Zweck der
Ausbildung begründet für sich allein keinen Wohnsitz (Art. 23 Abs. 1 zwei-
ter Halbsatz ZGB; bis 31. Dezember 2012 Art. 26 ZGB). Dabei handelt es
sich lediglich um eine widerlegbare Vermutung, gemäss welcher der Auf-
enthalt am Studienort nicht bedeutet, dass auch der Lebensmittelpunkt an
den fraglichen Ort verlegt worden ist (BGE 137 II 122 E. 3.6).
6.1.2 Der Wohnsitz bleibt an diesem Ort bestehen, solange nicht anderswo
ein neuer begründet wird (Art. 24 Abs. 1 ZGB). Ist ein früher begründeter
Wohnsitz nicht nachweisbar oder ist ein im Ausland begründeter Wohnsitz
aufgegeben und in der Schweiz kein neuer begründet worden, so gilt der
Aufenthaltsort als Wohnsitz (Abs. 2). Im Rahmen von Art. 24 Abs. 2 ZGB
richtet sich die Frage, wann eine Person ihren ausländischen Wohnsitz
aufgegeben hat, nach Art. 20 Abs. 1 Bst. a IPRG (SR 291); dies ist der Fall,
C-6038/2017
Seite 21
wenn die Person den Ort des bisherigen Lebensmittelpunktes definitiv ver-
lassen hat, wobei unerheblich ist, ob nach dem ausländischen Recht der
ausländische Wohnsitz noch weiterbesteht (RKUV 2005 KV 344 S. 363 E.
3). Die Aufgabe des einmal begründeten Wohnsitzes ist im internationalen
Verhältnis wesentlich einfacher als im innerstaatlichen. Sie ist auch dann
anzunehmen, wenn die Person zwar weiterhin einen ausländischen Wohn-
sitz hat, die Beziehungen dazu jedoch stark gelockert erscheinen (SVR
2006 KV Nr. 12 S. 38, K 34/04 E. 3 mit zahlreichen Hinweisen; DANIEL
STAEHELIN, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch, Bd. I, 6. Aufl. 2018, N 8
zu Art. 24 ZGB).
6.1.3 Fremdenpolizeiliche Entscheide über Niederlassungs- und Aufent-
haltsbewilligungen sind allein aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht für
das Vorliegen oder Nichtvorliegen des Wohnsitzes in der Schweiz nicht
massgebend (vgl. BGE 138 V 533 E. 4.3 ff.); sie können indessen als Indiz
für die Beurteilung der Wohnsitzfrage dienen (vgl. Urteil des ehemaligen
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht]
I 275/02 vom 18. März 2005 E. 6.2 mit Hinweisen).
6.2 Die Parteien weisen zutreffend darauf hin, dass das Kind gemäss
Art. 13 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 25 Abs. 1 ZGB den Wohnsitz mit seinen El-
tern respektive vorliegend mit seiner Mutter teilt (E. 6.1 hiervor). Daher ist
im Folgenden zu prüfen, ob die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt des Be-
schwerdegegners Wohnsitz in der Schweiz hatte.
6.2.1 Aus den Akten ergibt sich, dass sich die Mutter des Versicherten im
letzten Trimester ihrer Schwangerschaft mit einer Kurzaufenthaltsbewilli-
gung «EU/EFTA L» während lediglich 6 Monaten in der Schweiz aufgehal-
ten hat. Als Aufenthaltszweck wurde der Verbleib bei ihrem Lebenspartner
bis zum Ende seines Studiums angegeben (vgl. Dok. 19). Auch wenn die
fremdenpolizeiliche Kurzaufenthaltsbewilligung «EU/EFTA L» allein nicht
massgebend ist, so weist die Vorinstanz in diesem Zusammenhang in ihrer
Verfügung vom 21. September 2017 zutreffend darauf hin, dass der Wohn-
sitz bei Kurzaufenthaltern – unabhängig davon, ob es sich dabei um Sai-
sonniers oder um andere Kurzaufenthalter handelt – von der Rechtspre-
chung seit jeher nur unter strengen Voraussetzungen bejaht wurde (vgl.
Urteil des BGer I 275/02 vom 18. März 2005 E. 6.2 mit Hinweis auf BGE
113 V 261 E. 2b). Jedenfalls ist die kurze Aufenthaltsdauer der Mutter in
der Schweiz von lediglich 6 Monaten ein starkes Indiz gegen die Absicht
der Mutter zum dauernden Verbleib in der Schweiz. Vorliegend sprechen
auch sämtliche Umstände für einen von vornherein beabsichtigten lediglich
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vorübergehenden Kurzaufenthalt in der Schweiz. Der einzige angegebene
Grund für ihren befristeten Aufenthalt in der Schweiz war der Verbleib bei
ihrem Lebenspartner bis zum Ende seines Studiums (Dok. 25 S. 1), ohne
dabei einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (Dok. 19). Dies ist mit Blick auf
die damals bevorstehende Geburt des Beschwerdegegners auch nachvoll-
ziehbar. Dieser Umstand genügt für sich alleine nicht, um der Ansicht der
Beschwerdeführerin folgen zu können, wonach sich der Lebensmittelpunkt
der Mutter während ihres Aufenthalts in der Schweiz befunden habe. Dies
umso weniger, als sich der Vater des Beschwerdegegners respektive der
Lebenspartner der Mutter ausschliesslich zum Zwecke des Studiums vo-
rübergehend (vgl. auch Dok. 36 und nachfolgend E. 6.2.2) in der Schweiz
aufgehalten hat, was gemäss Art. 23 Abs. 1 zweiter Halbsatz ZGB für sich
allein keinen Wohnsitz zu begründen vermag. In den Akten finden sich je-
denfalls keine Anhaltspunkte, die diese gesetzliche Vermutung zu widerle-
gen vermögen. Im Gegenteil. Die Tatsache, dass die Mutter und der Vater
– wie in der Kurzaufenthaltsbewilligung der Mutter vom 19. August 2013 im
Zusammenhang mit dem Aufenthaltszweck angegeben – planmässig im
Februar 2014 die Schweiz wieder verlassen haben und nach Schweden
zurückgekehrt sind, verdeutlicht vielmehr, dass die Eltern des Gesuchstel-
lers keine Absicht zum dauernden Verbleib in der Schweiz hatten respek-
tive keine Absicht hatten, ihren Lebensmittelpunkt von Schweden in die
Schweiz zu verlegen (vgl. Dok. 19 und 25). Dies ergibt sich nicht zuletzt
auch aus der Auskunft der vom Vater des Beschwerdegegners besuchten
Ausbildungsstätte, dass die Studenten jeweils nur für ein paar Monate in
die Schweiz kämen und auch für den Vater des Beschwerdegegners keine
weiteren Vorkehrungen getroffen worden seien (Dok. 36), sowie der IV-An-
meldung vom 12. November 2013, worin die Mutter des Beschwerdegeg-
ners explizit festgehalten hat, sie seien für sechs Monate in der Schweiz
(Dok. 21 S. 1 Ziff. 1.6; d.h. von August 2013 bis Februar 2014, vgl. ebd.
S. 2 Ziff. 2.5).
6.2.2 Ausserdem waren die Eltern des Gesuchstellers gemäss Abklärun-
gen der Vorinstanz bei keiner Ausgleichskasse gemeldet und haben auch
keine AHV/IV-Beiträge entrichtet (vgl. Dok. 26-32). Dies ist unbestritten und
wird von der Mutter im Rahmen des Telefongesprächs mit der Vorinstanz
vom 17. Oktober 2014, im Rahmen dessen ihr die Gründe für die vorlie-
gend umstrittene Wiedererwägung erläutert wurden, bestätigt. Sie führte
dabei aus, dass sich die Ausbildungsstätte ihres Lebenspartners um alles
gekümmert hätte. Ihr und Ihrem Lebenspartner sei von der Ausbildungs-
stätte mitgeteilt worden, dass während ihres Aufenthalts eine Anmeldung
bei einer Krankenkasse ausreichen würde (vgl. Dok. 35). Ein Mitarbeiter
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der Ausbildungsstätte bestätigte am 22. Oktober 2014 wiederum, dass für
ihre Studenten nebst der Meldung bei der Einwohnerkontrolle lediglich eine
Anmeldung bei einer Schweizer Krankenkasse erfolge, da diese jeweils
nur für ein paar Monate in die Schweiz kämen. Auch bezüglich des Vaters
seien keine weiteren Vorkehrungen getroffen worden. Ob die Mutter selb-
ständig weitere Vorkehrungen getroffen habe, wusste der Mitarbeiter nicht
(vgl. Dok. 36; vgl. auch Dok. 37). Wie indes soeben ausgeführt, hat die
Mutter keinerlei weiteren Vorkehrungen getroffen.
6.2.3 Schliesslich ist vorliegend auch zu berücksichtigen, dass die Mutter
in der IV-Anmeldung vom 12. November 2013 als telefonische Kontakt-
nummer eine schwedische Handynummer hinterlegt sowie als Zahlungs-
verbindung ein schwedisches Bankkonto angegeben hat (vgl. Dok. 21 S. 2
Ziff. 2.4 und S. 6 Ziff. 6). Dies verdeutlicht, dass die Mutter nicht die Absicht
hatte, ihren Lebensmittelpunkt in die Schweiz zu verlegen. Ihre Beziehung
zu Schweden können jedenfalls nicht als derart stark gelockert betrachten
werden (vgl. E. 6.1.2 hiervor), um einen zivilrechtlichen Wohnsitz in der
Schweiz im dargelegten Sinne zu bejahen. Vielmehr ist damit erstellt, dass
die Anwesenheit der Mutter in der Schweiz von Anfang an lediglich als vo-
rübergehender Aufenthalt ohne entsprechende Wohnsitzverlegung zu qua-
lifizieren ist.
6.2.4 Daran vermag auch der Einwand der Beschwerdeführerin nichts zu
ändern, wonach die Mutter, der Vater und der Gesuchsteller nach den Best-
immungen des KVG obligatorisch bei der Beschwerdeführerin versichert
waren. Denn das Versicherungsobligatorium des KVG besteht nicht nur für
Personen mit Wohnsitz in der Schweiz – diese müssen sich innert drei Mo-
naten nach der Wohnsitznahme oder der Geburt in der Schweiz versichern
respektive versichern lassen (vgl. Art. 3 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 1 Abs. 1
KVV) –, sondern gemäss Art. 3 Abs. 3 KVG i.V.m. Art. 1 Abs. 2 Bst. f KVV
gerade auch für Personen ohne Wohnsitz in der Schweiz, welche über eine
mindestens 3 Monate gültige Kurzaufenthalts- oder eine Aufenthaltsbewil-
ligung nach dem Freizügigkeitsabkommen oder dem EFTA-Abkommen
verfügen. Entsprechend waren die Mutter und der Vater des Beschwerde-
gegners wie dieser selbst während ihres Kurzaufenthalts in der Schweiz –
unbestritten obligatorisch (dass ein Gesuch um Befreiung von der Versi-
cherungspflicht gemäss Art. 2 Abs. 4 und 7 f. KVV gestellt wurde resp. ein
Ausnahmetatbestand i.S. von Art. 2 Abs. 1 lit. g KVV bestand, wird nicht
behauptet) – bei der Beschwerdeführerin krankenversichert (vgl. Dok. 50
S. 8 und BVGer act. 1 S. 9 unten f.).
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6.3 Im Lichte des Ausgeführten ist aufgrund aller erkennbaren objektiven
Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass weder die
Mutter noch der Vater des Beschwerdegegners Wohnsitz in der Schweiz
begründet haben. Da sich der Beschwerdeführer als Minderjähriger ge-
mäss Art. 25 Abs. 1 ZGB den Wohnsitz mit seiner Mutter teilt, hatte er eben-
falls keinen Wohnsitz in der Schweiz. Demzufolge war er auch nicht im
Sinne von Art. 1b IVG i.V.m. Art. 1a Abs. 1 Bst. a AHVG versichert. Eine
Versicherungsunterstellung ist jedoch nach Art. 9 Abs. 1bis IVG unabding-
bare Voraussetzung, um einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
geltend machen zu können. Die Vorinstanz hält in diesem Zusammenhang
zutreffend fest, dass die Prüfung der versicherungsrechtlichen Anspruchs-
voraussetzungen nicht im Ermessen der IV-Stelle steht. Vielmehr hat die
IV-Stelle diese in gesetzmässiger Umsetzung des Untersuchungsgrund-
satzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) abzuklären. Dass die IV-Stelle E._
ihre Abklärungspflicht überhaupt nicht wahrgenommen hat, räumt diese
– was die Beschwerdeführerin unerwähnt lässt – in ihrer Stellungnahme
vom 9. Mai 2017 selbst ein (vgl. Dok. 65). Wäre die IV-Stelle E._
ihrer Untersuchungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG rechtsgenüglich
nachgekommen, hätte sie ebenfalls festgestellt, dass vorliegend die versi-
cherungsmässigen Voraussetzungen für die Leistungszusprachen auf-
grund der fehlenden Versicherteneigenschaft respektive aufgrund des feh-
lenden Wohnsitzes in der Schweiz nicht erfüllt waren. Folglich beruhten die
Leistungszusprachen vom 3. und 4. Februar 2014 auf einer unvollständi-
gen Sachverhaltsabklärung. Eine auf einer klaren Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) beruhende unvollständige Sach-
verhaltsabklärung gilt – wie bereits erwähnt (E. 5.2.2 hiervor) – als eine ge-
setzwidrige Leistungszusprechung und somit regelmässig als zweifellos
unrichtig. Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Eltern des minderjährigen
Gesuchstellers keinen Wohnsitz in der Schweiz hatten. Da sich der min-
derjährige Gesuchsteller den Wohnsitz mit seinen Eltern teilt, hatte er
ebenfalls keinen Wohnsitz in der Schweiz. Demzufolge war er mangels ei-
nes Wohnsitzes in der Schweiz im betreffenden Zeitraum vom 7. Novem-
ber 2013 bis zum 21. Februar 2014 auch nicht bei der schweizerischen
Invalidenversicherung versichert. Da Eingliederungsmassnahmen gemäss
Art. 9 Abs. 1bis IVG jedoch die Versicherteneigenschaft voraussetzen, er-
weisen sich die Leistungszusprachen der IV-Stelle E._ vom 3. und
4. Februar 2014, welche zudem Folge eines in Verletzung der Untersu-
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chungspflicht unvollständig erhobenen Sachverhalts sind, als gesetzeswid-
rig und somit als zweifellos unrichtig. Im Weiteren erweisen sich die Be-
handlungskosten im Umfang von insgesamt Fr. 20'559.70 als erheblich.
Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG
sind somit erfüllt. Die Vorinstanz hat folglich die Leistungszusprachen der
IV-Stelle E._ vom 3. und 4. Februar 2014 zu Recht in Wiedererwä-
gung gezogen und aufgehoben. Die Beschwerde erweist sich somit als un-
begründet und ist deshalb abzuweisen.
8.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis in Verbindung mit Art. 69 Abs. 2 IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver-
weigerung von IV-Leistungen vor dem Bundesverwaltungsgericht kosten-
pflichtig. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden
Partei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu tragen.
Diese sind vorliegend auf Fr. 800.- festzusetzen und werden dem geleiste-
ten Kostenvorschuss in gleicher Höhe entnommen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
8.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbe-
hörde hat die obsiegende Vorinstanz keinen Anspruch auf eine Parteient-
schädigung (Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist entsprechend
dem Verfahrensausgang ebenfalls keine Parteientschädigung zuzuspre-
chen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario).
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