Decision ID: 0bbe886d-5c39-4e10-9545-143bbce2d45b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 08.03.2021 Umweltrecht (Eintrag in Altlastenkataster), 32c USG; Art. 6 AltlV Gegenstand war, ob der verfügte Eintrag in den Altlastenkataster eines Teils des beschwerdeführerischen Grundstücks in den Altlastenkataster zu Recht erfolgte. Strittig war, ob die Vorinstanz den massgeblichen Sachverhalt richtig feststellte, in antizipierter Beweiswürdigung zu Recht die beantragten Beweisvorkehren ablehnte und die Beweise richtig würdigte. Das Verwaltungsgericht kam zum Ergebnis, dass die Vorinstanz auf die beantragten Beweisvorkehren zu Recht verzichten durfte. Zwar habe sie den Sachverhalt teilweise falsch festgestellt, allerdings änderte dies im Ergebnis an der Beweiswürdigung nichts, zumal bei "wilden" Deponien (übrige Standorte) gleich wie bei Deponien für einen Eintrag in den Altlastenkataster eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass eine Belastung zu erwarten ist, genügt (Verwaltungsgericht, B 2020/204).
Entscheid vom 8. März 2021
Besetzung
Abteilungspräsident Zürn; Verwaltungsrichterin Zindel, Verwaltungsrichter Steiner;
Gerichtsschreiber Huber
Verfahrensbeteiligte
K._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Bettina Deillon, relevanz.legal,
Teufener Strasse 11, Postfach 1733, 9001 St. Gallen,
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gegen
Baudepartement des Kantons St. Gallen, Lämmlisbrunnenstrasse 54,
9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
Gegenstand
Eintrag in den Kataster der belasteten Standorte
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a.
K._, M._, ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 0001, Grundbuch A._. Das
Grundstück liegt im Gebiet B._. Nordöstlich des Grundstücks verläuft ein Ast der
B._strasse (GS Nr. 0005). Ein anderer Ast der B._strasse liegt südlich der Parzelle
Nr. 0001. Im Westen grenzt das Grundstück Nr. 0002 und im Osten das Grundstück
Nr. 0003 (Angaben gemäss Geoportal [GIS; www.geoportal.ch]) an das Grundstück von
K._. Das Grundstück ist mit einem am 21. März 1994 vom Gemeinderat E._
bewilligten Einfamilienhaus überbaut (act. 21 bis 23 der Akten des Amts für Umwelt
[nachfolgend act. AFU]).
b.
Der Gemeinderat E._ erteilte am 22. August 1990 auf einem Teil des damaligen
Grundstücks Nr. 0004 (heute Grundstücke Nrn. 0001, 0002) eine Bewilligung für eine
Terrain-Auffüllung und Begrünung (Bau- und Einspracheentscheid; act. AFU 24).
c.
Am 7. Januar 2019 erliess das Amt für Umwelt eine Feststellungsverfügung, wonach
das in einem beiliegenden Situationsplan bezeichnete Areal mit grosser
Wahrscheinlichkeit belastet sei und der Standort in den Kataster der belasteten
Standorte eingetragen werde (act. AFU 4). Im Rahmen eines von K._ dagegen
gerichteten Rekurses beim Baudepartement zog das Amt für Umwelt am 10. April 2019
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seine Verfügung vom 7. Januar 2019 in Wiedererwägung, hob dieselbe auf (act. AFU 1,
Ziffer 1 des Dispositivs) und stellte fest, dass das Areal gemäss Situationsplan mit
grosser Wahrscheinlichkeit belastet sei (act. AFU 1, Ziffer 2 des Dispositivs) und der
Standort mit den im beiliegenden Datenkatalog enthaltenen Angaben in den Kataster
der belasteten Standorte eingetragen werde (act. AFU 1, Ziffer 3 des Dispositivs).
d.
Gegen die Verfügung vom 10. April 2019 (act. AFU 1) erhob K._, vertreten durch Dr.
Bettina Deillon, Rekurs (act. 1 und 3 der Akten des Baudepartements [nachfolgend: vi-
act.]) beim Baudepartement. Im Verlauf des Rekursverfahrens liess K._ ein
Ausstandsbegehren gegen den zuständigen Rekurssachbearbeiter einreichen, welches
das Baudepartement mit Entscheid vom 2. April 2020 (act. 7 der Gerichtsakten
[nachfolgend act. G], Beilage act. 24) abwies. Dieser Entscheid blieb unangefochten. In
der Sache selbst wies das Baudepartement den Rekurs mit Entscheid vom
24. September 2020 (vi-act. 14) ab.
B.
a.
Gegen den Entscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 24. September 2020
(act. G 2) erhob K._ (Beschwerdeführerin) durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde
(act. G 1) beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, es sei der
Rekursentscheid Nr. 1000 vom 24. September 2020 betreffend Eintrag in den Kataster
der belasteten Standorte unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. Mehrwertsteuer
aufzuheben (act. G 1 Ziffern 1 und 2 S. 2]). Am 13 November 2020 ergänzte sie ihre
Beschwerde mit einer Begründung (act. G 6) und beantragte präzisierend (act. G 6
Ziffer 1 S. 1), es sei der Rekursentscheid Nr. 84/2020 vom 24. September 2020
betreffend Eintrag in den Kataster der belasteten Standorte sowie die
Feststellungsverfügung des Amts für Umwelt vom 10. April 2019 betreffend Eintrag in
den Kataster der belasteten Standorte von Grundstück Nr. 0001, M._, E._,
aufzuheben. Auf eine Aufnahme von Grundstück Nr. 0001 in den Kataster der
belasteten Standorte sei zu verzichten (act. G 6, Ziffer 2, S. 1), alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zzgl. Mehrwertsteuer (act. G 6, Ziffer 3, S. 1).
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b.
In der Vernehmlassung vom 8. Dezember 2020 (act. G 9) beantragte die Vorinstanz
unter Einreichung der Vorakten Abweisung der Beschwerde (Ziffer 1 der
Vernehmlassung, S. 1; act. G 9). Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen
Entscheid und äusserte sich ergänzend zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin
(act. G 9, S. 1 f).
c.
Mit Eingabe vom 4. Januar 2021 (act. G 12) liess sich die Beschwerdeführerin zur
Eingabe der Vorinstanz vernehmen. Die Vorinstanz verzichtete stillschweigend auf eine
weitere Stellungnahme.
d.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachstehenden

Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Sachentscheid zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist als Eigentümerin des vom Eintrag betroffenen Grundstücks und Adressatin des
angefochtenen Entscheids zur Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den der Beschwerdeführerin am 28. September
2020 zugestellten Entscheid vom 24. September 2020 wurde mit Eingabe vom
12. Oktober 2020 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom
13. November 2020 (act. G 6) in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 sowie Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf die
Beschwerde, soweit damit auch die Aufhebung der Verfügung des Amts für Umwelt
vom 10. April 2020 beantragt wird. Dieser wurde durch den angefochtenen
Rekursentscheid ersetzt und gilt als mitangefochten (Devolutiveffekt, vgl.
BGer 1C_560/2017 vom 17. Dezember 2018 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 134 II 142
E. 1.4).
bis
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2.
Die Beschwerdeführerin stellt im Verfahren vor Verwaltungsgericht verschiedene
prozessuale Anträge, nämlich die Durchführung eines Augenscheins und die
Einvernahme von C._ als Zeuge.
2.1.
2.2.
Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die
entscheidende Instanz. Er dient der unmittelbaren Wahrnehmung von in der Regel
streitigen Tatsachen und/oder dem besseren Verständnis des Sachverhalts. Ob ein
Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der urteilenden
Instanz (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt
an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 966; VerwGE 2018/42
vom 27. Februar 2019 E. 3). Es besteht nur dann eine Pflicht zur Durchführung eines
Augenscheins, wenn die tatsächlichen Verhältnisse auf andere Weise nicht abgeklärt
werden können (B. Märkli, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 50 zu
Art. 12-13). Ergibt sich eine Tatsache zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie nicht
durch einen Augenschein überprüft zu werden. Tatsachen aber, vor allem umstrittene,
deren umfassende Feststellung und Würdigung eine eigene Wahrnehmung erheischen,
sind in Augenschein zu nehmen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 966).
2.2.1.
Auf die Durchführung eines Augenscheins (Art. 12 Abs. 1 VRP) kann in antizipierter
Beweiswürdigung (vgl. zur antizipieren Beweiswürdigung auch unten E. 5.3) verzichtet
werden. Es ist nicht ersichtlich, was ein Augenschein an zusätzlichem
Erkenntnisgewinn bringen würde (vgl. dazu BGer 1C_435/2018 vom 15. Mai 2019, in
BGE 145 I 250 nicht publizierte E. 4.4 mit Hinweisen, VerwGE B 2019/35; B 2019/36
vom 29. August 2019 E. 3.5.1 mit Hinweis und Märkli, a.a.O., N 50 ff. zu
Art. 12-13 VRP). Wie noch darzulegen sein wird, ergeben sich die entscheidrelevanten
tatsächlichen Verhältnisse – unter Berücksichtigung des geforderten Beweismasses
(dazu unten E. 11.2) – mit hinreichender Klarheit aus den Verfahrensakten, namentlich
aus den Plänen, den von der Beschwerdeführerin in den vorinstanzlichen Verfahren
und im Beschwerdeverfahren eingereichten Fotografien, sowie aus dem
publikumsöffentlichen, im Internet abrufbaren Geoportal (www.geoportal.ch; vgl. dazu
BGer 1C_582/2018 vom 23. Dezember 2019 E. 2, insbesondere E. 2.4, und allgemein
2.2.2.
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3.
zu den nicht beweisbedürftigen notorischen Tatsachen E. 2.3 mit Hinweisen,
insbesondere auf BGE 143 IV 380 E. 1.2, in: Pra 2018 Nr. 61).
Die beantragte Zeugenbefragung steht in engem Zusammenhang mit der Frage, ob die
Vorinstanz den Sachverhalt richtig und vollständig ermittelte. Nur wenn sich erweisen
sollte, dass der Sachverhalt unvollständig erhoben wurde und sich auch nicht aus den
vorhandenen Beweismitteln und Akten rechtsgenüglich feststellen lässt, würde sich
eine Zeugenbefragung im Beschwerdeverfahren aufdrängen. Solches ist – wie sich
zeigt (s. unten E. 11.3) – jedoch nicht der Fall, weshalb der Antrag abzuweisen ist.
Soweit die Beschwerdeführerin ihre Befragung zur behaupteten Kündigung ihrer
Hypothek im Rahmen der Verhältnismässigkeit des Eintrags beantragt, erübrigt sich
eine solche, weil – wie noch darzulegen sein wird (unten E. 13) – selbst unter Annahme
der Richtigkeit ihrer Behauptung die Prüfung der Verhältnismässigkeit nicht anders
ausfiele. Der Antrag auf Parteibefragung zu diesem Punkt ist deshalb abzuweisen.
2.3.
Nach Art. 32c Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz
(Umweltschutzgesetz, SR 814.01, USG) sorgen die Kantone dafür, dass Deponien und
andere durch Abfälle belastete Standorte (belastete Standorte) saniert werden, wenn
sie zu schädlichen oder lästigen Einwirkungen führen oder die konkrete Gefahr besteht,
dass solche Einwirkungen entstehen. Der Bundesrat kann über die
Sanierungsbedürftigkeit sowie über die Ziele und die Dringlichkeit von Sanierungen
Vorschriften erlassen. Sie, die Kantone, erstellen einen öffentlich zugänglichen Kataster
der belasteten Standorte (vgl. Art. 32c Abs. 2 USG).
3.1.
Belastete Standorte sind gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Sanierung von
belasteten Standorten (SR 814.680, Altlasten-Verordnung, AltlV) Orte, deren Belastung
von Abfällen stammt und die eine beschränkte Ausdehnung umfassen. Sie umfassen
Ablagerungsstandorte, Betriebsstandorte und Unfallstandorte. Ablagerungsstandorte
sind stillgelegte oder noch in Betrieb stehende Abfallablagerungen; ausgenommen sind
Standorte, an die ausschliesslich unverschmutztes Aushub-, Abbruch- oder
Abraummaterial gelangt ist (vgl. Art. 2 Abs. 2 Bst. a AltlV).
3.2.
In Artikel 5 der Altlastenverordnung wird die Erstellung des Katasters geregelt. Danach
ermittelt die Behörde die belasteten Standorte, indem sie vorhandene Angaben wie
3.3.
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4.
Karten, Verzeichnisse und Meldungen auswertet; sie kann von den Inhabern oder
Inhaberinnen der Standorte oder von Dritten Auskünfte einholen (Art. 5 Abs. 1 AltlV).
Sie teilt den Inhabern oder den Inhaberinnen die zur Eintragung in den Kataster
vorgesehenen Angaben mit und gibt ihnen Gelegenheit, Stellung zu nehmen und
Abklärungen durchzuführen. Auf deren Verlangen trifft sie eine Feststellungsverfügung
(Art. 5 Abs. 2 AltlV). Die Behörde trägt diejenigen Standorte in den Kataster ein, bei
denen nach den Absätzen 1 und 2 feststeht oder mit grosser Wahrscheinlichkeit zu
erwarten ist, dass sie belastet sind (Art. 5 Abs. 3 AltlV). Soweit möglich enthalten
gemäss Art. 5 Abs. 3 AltlV die Einträge Angaben über Lage (Bst. a), Art und Menge der
an den Standort gelangten Abfälle (Bst. b), Ablagerungszeitraum, Betriebszeitraum
oder Unfallzeitpunkt (Bst. c), bereits durchgeführte Untersuchungen und Massnahmen
zum Schutz der Umwelt (Bst. d), bereits festgestellte Einwirkungen (Bst. e), gefährdete
Umweltbereiche (Bst. f), besondere Vorkommnisse wie Verbrennung von Abfällen,
Rutschungen, Überschwemmungen, Brände oder Störfälle (Bst. g). Die Behörde teilt
die belasteten Standorte nach den Angaben im Kataster, insbesondere über Art und
Menge der an die belasteten Standorte gelangten Abfälle, in zwei Kategorien ein: in
Standorte, bei denen keine schädlichen oder lästigen Einwirkungen zu erwarten sind
und in Standorte, bei denen untersucht werden muss, ob sie überwachungs- oder
sanierungsbedürftig sind (vgl. Art. 5 Abs. 4 AltlV). Das Bundesamt hat zum Kataster
belasteter Standorte eine Vollzugshilfe erlassen (BUWAL [heute: Bundesamt für
Umwelt, BAFU], Erstellung des Katasters der belasteten Standorte, 2001; nachfolgend
Vollzugshilfe BUWAL), und auch das kantonale Amt für Umweltschutz hat einzelne
Erläuterungen und Merkblätter dazu publiziert (vgl. www.sg.ch/umwelt-natur/umwelt/
altlasten-und-belastete-standorte.html).
Vorab und zum besseren Verständnis ist festzuhalten, dass dem Erlass der hier
angefochtenen Verfügung des Amts für Umwelt ein längeres Verfahren vorausging, das
von einer Einsprache der Beschwerdeführerin gegen ein Baugesuch auf der
Nachbarparzelle (Grundstück Nr. 0002) ausgelöst wurde. In ihrer dortigen
Einspracheergänzung vom 19. März 2018 (act. AFU 32) machte die
Beschwerdeführerin u.a. geltend, dass gemäss ihren Informationen auf dem
Baugrundstück diverse schädliche Substanzen (Schlacken, Altöl) wie auch grössere
Feststoffe, auch solche mit wassergefährdendem Inhalt (so alte Kühlschränke,
Maschinen und sogar ein Jeep) abgelagert und vergraben seien (act. AFU 32; s. auch
Schreiben an das Amt für Umwelt vom 19. März 2018, act. AFU 31).
4.1.
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Nach Konsultation der Baubewilligung vom 22. August 1990 (Terrainauffüllung und
Begrünung; act. AFU 24 und 25) teilte das Amt für Umwelt den Grundeigentümern von
Grundstück Nr. 0002 (act. AFU 27) und der Beschwerdeführerin als Grundeigentümerin
von Grundstück Nr. 0001 (act. AFU 26) über deren Rechtsvertreterin am 12. Juni 2018
mit, die beiden Grundstücke neu im Kataster der belasteten Standorte nach AltlV
aufzunehmen. Der diesen beiden Schreiben beigelegte Perimeter des belasteten
Standorts vom 11. Juni 2018 (act. AFU 26) umfasste dabei die nach Ansicht des Amts
für Umwelt von der Schüttung gemäss der Bewilligung vom 22. August 1990 betroffene
Fläche (act. AFU 27 und 28). Mit Schreiben vom 4. Juli 2018 (act. AFU 19) beantragte
die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin unter Beilage von Urkunden
(Bewilligungsunterlagen, Fotos) und Beweisangeboten (Augenschein, Parteibefragung),
auf den Eintrag zu verzichten. Aufgrund dieser Eingabe reduzierte das Amt für Umwelt
am 16. Juli 2018 den Umfang des belasteten Standorts (vgl. Situationsplan vom 16. Juli
2018 [act. AFU 18]). Mit Eingabe vom 27. August 2018 liess sich die
Beschwerdeführerin auch dazu vernehmen (act. AFU 14). Sie rügte insbesondere, das
Amt für Umwelt habe zwar die Baubewilligungsakten beigezogen, sei aber nicht auf die
weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin eingegangen, wonach rund um das
Wohnhaus Vers.-Nr. 0202 kein belastetes Material vorhanden sein könne, wofür sie
weitere Beweismittel (Fotos) einreichte und Beweisanträge (Partei- und
Zeugenaussagen) stellte.
4.2.
Zufolge dieser Eingabe führte das Amt für Umwelt am 24. September 2018 einen
Augenschein vor Ort unter Teilnahme der Eigentümerin von Grundstück Nr. 0001
durch. Über den Augenschein erstellte das Amt für Umwelt ein Beschlussprotokoll (act.
AFU 11), gegen das die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 23. Oktober 2018
verschiedene Einwände erhob (act. AFU 9).
4.3.
Im parallelen Einspracheverfahren das Baugesuch des Einfamilienhauses auf dem
Nachbargrundstück betreffend reichte die dortige Bauherrschaft eine
«Standortabklärung mit Aushub- und Entsorgungskonzept für die Überbauung EFH
Müller, Kat-Nr. 0002» der t._ ag (act. AFU 8; nachfolgend Bericht der t._ ag) ein,
welche die Bauverwaltung E._ der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (und
dortigen Einsprecherin) zusandte. Gemäss diesem Bericht, der auf Aufnahmen vor Ort
auf Grundstück Nr. 0002, Bodenentnahmen an drei Standorten (Baggerschlitze) und
chemischen Analysen der entnommenen Proben beruht, konnte ausser einem rund
4.4.
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sechs Meter breiten Streifen entlang der B._strasse kein verschmutztes Material auf
Grundstück Nr. 0002 festgestellt werden. Im erwähnten Streifen entlang der
B._strasse (Baggersondierung BS 3) konnten laut Bericht der t._ ag Fremdanteile (in
einer Tiefe bis 1,4 m hauptsächlich bestehend aus Ziegelresten, Backsteinresten,
Holzresten, Glassplittern sowie wenig Metallresten und in einer Tiefe zwischen 0,2 m
bis rund 1 m aus Strassenaufbruch) angetroffen werden (act. AFU 8 Ziffer 3.2).
Zusammenfassend hält der Bericht fest, dass die Aufschüttung im Bereich der
Bauparzelle aus den 1990er Jahren stamme. Es sei davon auszugehen, dass
hauptsächlich unverschmutzter Aushub abgelagert worden sei. Die Laborergebnisse
zeigten, dass geringe chemische Belastungen durch langkettige Kohlenwasserstoffe im
Bereich von schwach verschmutztem Aushub und PAK (Polycyclische aromatische
Kohlenwasserstoffe) nur im direkten Anschlussbereich der Ablagerung an die Strasse
angetroffen worden seien. Diese Belastungen seien auf die Reste von
Strassenaufbruch zurückzuführen, die nur dort angetroffen worden seien (act. 8, Ziffer
3.4, S. 5). Aufgrund des Fremdstoffanteils, des in der Feststoffanalyse ermittelten TOC-
Gehalts (total-organic-carbon [gesamter organischer Kohlenstoff]) und der
Kohlenwasserstoffe wird im Bericht das Material entlang der B._strasse auf
Grundstück Nr. 0002 als Typ B-Material und schwach verschmutzter Aushub gemäss
Anhang Ziffer 2 der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen
(SR 814.600, Abfallverordnung, VVEA) eingestuft (act. AFU 8, insbesondere Ziffer 5.1,
S. 6).
Weil die Beschwerdeführerin weiterhin den Erlass einer Feststellungsverfügung
verlangte, erliess das Amt für Umwelt mit Verfügung vom 7. Januar 2019 (act. AFU 4)
unter Beilage eines Situationsplans mit eingetragenem Perimeter (datiert vom 21.
November 2019 [vi-act. 3, Beilage act. 18]) eine solche. Nachdem gegen diese
Verfügung Rekurs erhoben worden war, hob das Amt für Umwelt seine Verfügung vom
7. Januar 2019 auf und verfügte am 10. April 2019 neu (vgl. act. AFU 1; vi-act. 1,
Beilage 1). Letztere Verfügung bildet Gegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens. Gemäss geändertem Situationsplan vom 3. April 2020 (act.
AFU 2) umfasst die belastete Fläche auf Grundstück Nr. 0001 nunmehr das nordöstlich
gelegene Gebiet zwischen der B._strasse und dem Wohnhaus Vers.-Nr. 0202,
während das belastete Areal auf Grundstück Nr. 0002 gegenüber der Verfügung vom
7. Januar 2019 unverändert beibehalten wurde, d.h. einen Streifen von rund 6 m
entlang der B._strasse beinhaltet (act. AFU 2; vi-act. 1). Dem der Verfügung
beiliegenden «Datenkatalog Ablagerung» (act. AFU 3; vi-act. 1) kann sodann u.a.
entnommen werden, dass unter der Registernummer «1010» der Standort in die Klasse
4.5.
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5.
C «(Weitere Massnahmen sind erst bei Vorliegen eines Bauvorhabens bzw. einer
Nutzungsänderung durchzuführen)» und inhaltlich (Stoffklasse) in die Klasse II
«(weitgehend inertes Material [Bauschutt und inerte Industrieabfälle])» eingeteilt wurde.
In der Rubrik «Inhalt» wird unter «Ergänzende Angaben» festgehalten: «Betreiber J._,
E._ / Art und Herkunft der Abfälle: Aushub, Abfall (Schlacken, Altöl, Kühlschrank,
Jeep)» (act. AFU 3; vi-act. 1 Beilage 1).
Die Beschwerdeführerin rügt in erster Linie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs,
indem die Vorinstanz den Sachverhalt falsch festgestellt (dazu unten E. 8 und 9), auf
einen beantragten Augenschein verzichtet (dazu unten E. 10), angebotene Beweise
nicht abgenommen bzw. in unzulässiger antizipierter Beweiswürdigung die
Beweisangebote abgelehnt und letztlich die Beweise falsch gewürdigt habe (dazu
unten E. 11).
5.1.
Die Rekursinstanz ermittelt den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen,
wobei vorbehältlich der Wahrung des öffentlichen Interesses nur die von den
Beteiligten angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche
Tatsachen aufzunehmen sind (Art. 58 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 12 VRP).
Unrichtig ist ein Sachverhalt festgestellt, wenn aus den vorhandenen Beweismaterialien
unrichtige Schlüsse gezogen werden, insbesondere indem der Sachverhalt falsch oder
aktenwidrig festgestellt wird oder indem Beweise unrichtig gewürdigt werden (vgl.
VerwGE B 2018/248 vom 14. März 2019 E. 3.1 mit Hinweisen). Unvollständig ist die
Sachverhaltsfestlegung, wenn entscheidrelevante Umstände nicht oder nicht
ausreichend abgeklärt wurden (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 587).
5.2.
Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 21 Abs. 3 VRP) bedeutet unter
anderem, dass die Behörde frei darüber befindet, ob anhand der vorhandenen
Beweismittel eine Tatsache nach dem gesetzlich geforderten Beweismass als
bewiesen gilt oder ob die Behörde weitere Beweise erheben muss (vgl. z.B. VerwGE B
2017/98 vom 9. Mai 2018 E. 3.1). Wenn eine Behörde zum Schluss kommt, dass eine
Tatsache bereits genügend bewiesen ist und die Abnahme zusätzlicher Beweismittel
nichts an der Überzeugung der Behörde ändern könnte, kann sie auf deren Abnahme
verzichten (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. z.B. BGE 134 I 140 E. 5.3; 131 I 153
E. 3), ohne den Untersuchungsgrundsatz zu unterlaufen oder das rechtliche Gehör der
5.3.
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6.
betroffenen Partei zu verletzen (VerwGE B 2019/123 vom 28. Mai 2020 E. 5.4.2 mit
Hinweisen auf VerwGE B 2017/98 vom 9. Mai 2018 E. 3.1 bezüglich freier
Beweiswürdigung und BGE 134 I 140 E. 5.3 sowie 131 I 153 E. 3 bezüglich antizipierter
Beweiswürdigung). Das Prinzip der freien Beweiswürdigung gilt auch im Rahmen der
Altlastenverordnung, soweit der Standortinhaber von seinem ihm gemäss Art. 5 Abs. 2
AltlV zustehenden Recht Gebrauch macht, eigene Abklärungen zu treffen und die
Ergebnisse der Abklärungen der Behörde zu unterbreiten, um den Belastungsverdacht
zu entkräften (vgl. P. Tschannen, in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl.
1998, N 48 letztes Lemma a.E. zu Art. 32c USG).
Die Vorinstanz verneinte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Verletzung der
Begründungspflicht und des Rechts auf Beweis) durch das Amt für Umwelt. Zur
Begründung führt sie im angefochtenen Entscheid (act. G 2, E. 4.3) an, dass laut Amt
für Umwelt keine Hinweise bestünden, dass das gesamte Material beim Bau des
Wohnhauses ausgetauscht worden sei. Auf die Befragung der offerierten Zeugen und
die Befragung der Beschwerdeführerin als Partei habe vom Amt für Umwelt im Rahmen
der antizipierten Beweiswürdigung verzichtet werden dürfen, weil deren Feststellungen,
wonach bei den Umgebungs- und Grabarbeiten (Pflanzungen von Sträuchern,
Erstellung eines Parkplatzes mit Verbundsteinen usw.) seit der Eigentumsdauer der
Beschwerdeführerin im nordöstlichen Bereich des Grundstücks Nr. 0001 kein
belastetes Material zum Vorschein gekommen sei, nicht tauglich gewesen sei, um das
Beweisergebnis zu erschüttern. So liessen die am 21. März 1994 genehmigten
Baupläne des Wohnhauses (Vers.-Nr. 0202) den Schluss zu, dass der nordöstliche
Bereich zwischen dem Wohnhaus und der B._strasse im Zug der Erstellung des
Wohnhauses (notabene nach der am 22. August 1990 bewilligten Aufschüttung)
zusätzlich um 70 Zentimeter aufgeschüttet worden seien und dies vermutungsweise
mit nicht verschmutztem Material, welches zuvor an einer nicht belasteten Stelle des
Grundstücks entnommen worden sei. Ungeachtet der Frage, ob die Zeugen oder die
Rekurrentin belastetes Material überhaupt hätten erkennen können, vermöge es
deshalb nicht zu verwundern, dass nach deren Feststellungen in der obersten Schicht
keine Belastungen bei Umgebungs- und Grabarbeiten zu Tage getreten seien. Weiter
habe sich das Amt für Umwelt nicht mit der genauen Ausdehnung der Baugrube
befassen müssen und habe sich mit der Feststellung begnügen dürfen, wonach diese
heute nicht mehr feststellbar sei. Wie gross die Baugrube tatsächlich gewesen sei und
welcher Böschungswinkel hierfür einst erforderlich gewesen sei, sei nicht von
6.1.
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Bedeutung, zumal selbst nach Darstellung der Rekurrentin (und jetzigen
Beschwerdeführerin) in deren Eingabe vom 17. April 2020 und dem damals
eingereichten Plan ein Bereich des Grundstücks Nr. 0001 für die Untersuchung
verbleiben würde. Weiter komme hinzu, dass bei der Erstellung eines unterkellerten
Hauses gezwungenermassen Aushub anfalle und dieser Aushub anschliessend
regelmässig für die Hinterfüllung des Untergeschosses wiederverwendet werde. Es sei
sehr unwahrscheinlich, dass der Aushub zunächst wegtransportiert und anschliessend
neues Erdmaterial herantransportiert worden sei, weil dies mit unnötigen Kosten
verbunden gewesen wäre. Es sei somit naheliegend, dass der bei der Erstellung des
Untergeschosses angefallene Aushub anschliessend für die Hinterfüllung und die in
den Bauplänen zum Wohnhaus (Vers.-Nr. 0202) aufscheinenden Auffüllungen in der
Umgebung auf Grundstück Nr. 0001 wiederverwendet worden sei. Für den
behaupteten Abtransport seien keine Anhaltspunkte vorhanden, geschweige denn
offeriere die betroffene Grundeigentümerin hierfür taugliche Beweismittel.
Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, die notwendigen Voraussetzungen für eine
antizipierte Beweiswürdigung durch die Vorinstanz(en) seien nicht gegeben gewesen.
Zunächst liege gar kein vorbestehendes Beweisergebnis vor, auf das sich die
Vorinstanz hätte stützen können. Die blossen Ausführungen des Amts für Umwelt in
seiner Verfügung vom 10. April 2019, auf welche sich die Vorinstanz berufe, wonach
keine Hinweise bestünden, dass das gesamte Material beim Bau des Wohnhauses
ausgetauscht worden sei, sei bloss eine unbewiesene Behauptung des Amts für
Umwelt, aber sicher kein vorbestehendes, vorläufiges Beweisergebnis. Weder das Amt
für Umwelt noch die Vorinstanz hätten sich je vertieft mit den Argumenten der
Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 23. Oktober 2018 auseinandergesetzt,
wonach aufgrund der Grösse der Baugrube beim Bau des Wohnhauses Vers.-Nr. 0202
auf Grundstück Nr. 0001 mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer
gesamthaften Entfernung der Auffüllung auszugehen sei (act. G 6, Rz. 41, erstes
Lemma). Im Übrigen sei dargelegt worden, dass das Amt für Umwelt über die als falsch
gerügten Feststellungen anlässlich des Augenscheins vom 21. September 2018 hinaus,
die überdies einen Bereich von Grundstück Nr. 0001 betroffen habe, der nicht mehr
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sei, keine weiteren Beweise abgenommen
habe (act. G 6, Rz. 41 zweites Lemma). Zur Begründung, warum das angeblich
vorbestehende «Beweisergebnis» nicht zu erschüttern sei, führe die Vorinstanz im
Wesentlichen an, dass fraglich sei, ob die Beschwerdeführerin sowie der offerierte
Zeuge überhaupt in der Lage gewesen seien, das belastete Material zu erkennen. Diese
Argumentation der Vorinstanz sei nicht nur fadenscheinig, sondern schlicht unhaltbar.
6.2.
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7.
Die Vorinstanz hat sich für die Feststellung des Sachverhalts auf die Akten gestützt und
begründet, weshalb sie einzelne Vorbringen der Beschwerdeführerin gegen die
Sachverhaltsfeststellungen für nicht stichhaltig hielt bzw. weshalb die angebotenen
Beweise ihrer Ansicht nach am Ergebnis nichts zu ändern vermöchten (vgl. act. G 2
E. 3, 4 und 5). Zu prüfen ist, ob sich die Vorinstanz auf einen korrekt festgestellten
Wenn es sich dabei um Ziegelreste, Backsteinreste, Holzreste, Glassplitter, Metallreste
und Belagsreste handle, dann dürfe und müsse ohne weiteres davon ausgegangen
werden, dass auch ein «normaler» Mensch ohne weitere Fachkenntnisse solches
erkenne, erst recht eine langjährig im Bereich Gartenbau tätige Fachkraft (vgl. act. G 6,
Rz. 41, drittes Lemma). Weiter lege die Vorinstanz ihren Ausführungen eine
unvollständige und im Wesentlichen falsche Feststellung zu Grunde, wenn sie
ausführe, dass der nordöstliche Bereich bei Erstellung des Wohnhauses im Jahr 1995
zusätzlich um 70 cm aufgeschüttet worden sei. Fakt sei, dass die bereits vor Erstellung
des Wohnhauses Vers.-Nr. 0202 bestehende B._strasse auf einer Höhe von 722.50
m.ü.M. verlaufe und dass das Erdgeschoss des Wohnhauses mit einer Höhe von
721.80 m.ü.M. um 0,7 m tiefer als die Strasse und damit auf dem ursprünglichen
Terrain liege. Daraus müsse der Schluss gezogen werden, dass Umgebungsarbeiten
zwischen dem Wohnhaus Vers.-Nr. 0202 und der B._strasse, die tiefer als 0,7 m
reichten, das ursprünglich gewachsene Terrain betreffen würden und von vornherein
nicht irgendeine Aufschüttung. Wenn die Vorinstanz in diesem Zusammenhang dann
noch ausführe, dass diese Aufschüttung «vermutungsweise mit nicht verschmutzten
Material, welches zuvor an einer nicht belasteten Stelle des Grundstücks entnommen»
worden sei, erstellt sei, sei es vollends nicht nachvollziehbar, warum die Vorinstanz die
angefochtene Verfügung schütze: Wenn die Aufschüttung von 0,7 m mit
unverschmutztem Material vorgenommen worden sein solle und alles, was tiefer als
0,7 m gehe, das gewachsene, nicht aufgeschüttete Terrain betreffe: Woher sollten im
Bereich zwischen Wohnhaus Vers.-Nr. 0202 und B._strasse denn die vermuteten
Belastungen stammen? (vgl. act. G 6, Rz. 41, viertes Lemma). Da das Amt für Umwelt
bezüglich des jetzt noch Verfahrensgegenstand bildenden Teils von Grundstück
Nr. 0001 nachweislich keine eigenen Sachverhaltsabklärungen vorgenommen habe,
stehe fest, dass sich die Vorinstanz ihre «Überzeugung», wonach im Bereich zwischen
Wohnhaus Vers.-Nr. 0202 und B._strasse Belastungen vorhanden sein müssten,
einzig auf Grundlage der dahingehend geäusserten Vermutung des Amts für Umwelt
gebildet habe, die allerdings ihrerseits auf einem Bericht beruhten, dessen darin
dokumentierte Untersuchungen aber gerade nicht Grundstück Nr. 0001, sondern das in
einiger Entfernung liegende Grundstück Nr. 0002 betreffen würden. Wie die Vorinstanz
zu einem «Beweisergebnis» komme, sei daher nicht verständlich (vgl. act. G 6, Rz. 42).
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Sachverhalt stützte und in rechtmässiger (antizipierter) Würdigung der Beweise zu einer
rechtlich hinreichenden Überzeugung kommen durfte, um die Beweisangebote der
Beschwerdeführerin abzulehnen und eine Belastung im strittigen nordöstlichen Bereich
zu bejahen. Bei dieser Prüfung ist jedoch eine scharfe Trennung zwischen vollständiger
und korrekter Sachverhaltsermittlung und (antizipierter) Beweiswürdigung kaum
möglich, da sachbedingt das eine auf das andere rückwirkt. Denn will die Behörde
beurteilen, ob der Sachverhalt genügend festgestellt ist, so muss sie das
Beweisergebnis vorläufig bewerten (M. Daum in: Kommentar zum Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Herzog/Daum [Hrsg.], 2. Erweiterte Auflage,
2020, N 27 zu Art. 18). Bei der Überprüfung des Sachverhalts, den die Vorinstanz
festgestellt hat, ist das Verwaltungsgericht grundsätzlich frei. Es ist somit weder an die
Art und den Umfang noch an die Beweiswürdigung gebunden (Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 631; vgl. auch M. E. Looser, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 9 zu
Art. 61 VRP).
8.
Die Beschwerdeführerin erblickt eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts zunächst
darin, dass im Datenkatalog (vgl. act. AFU 3), der Bestandteil der angefochtenen
Verfügung bilde, in dessen ergänzenden Angaben nach wie vor festgehalten werde:
«Art und Herkunft der Abfälle: Aushub, Abfall (Schlacken, Altöl, Kühlschrank,
Jeep)» (vgl. dazu act. G 6, Rz. 22 ff., S. 5 ff, insbesondere Rz. 27 f., S. 6). Laut Bericht
der t._ ag hätten jedoch keine grösseren Feststoffe im untersuchten Gebiet entlang
der B._strasse vorgefunden werden können; für die «Verklappung» solch grosser
Festkörper bestehe zwischen dem Wohnhaus Vers.-Nr. 0202 und der B._strasse
zudem auf Grundstück Nr. 0001 gar kein Platz (vgl. act. G 6, Rz. 27, S. 6). Obwohl die
Beschwerdeführerin dies schon im Rekursverfahren gerügt habe, sei die Vorinstanz
darauf mit keinem Wort eingegangen (act. G 6, Rz. 28, S. 6).
8.1.
Soweit die Beschwerdeführerin damit geltend machen will, die Vorinstanz sei ihrer
Begründungspflicht nicht nachgekommen, kann ihr nicht beigepflichtet werden. Die
Pflicht zur Begründung eines Entscheids stellt einen Ausfluss des Anspruchs auf
rechtliches Gehör dar (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft; SR 101, BV). An die Begründungspflicht werden allerdings insofern
nicht allzu hohe Anforderungen gestellt, als es nicht erforderlich ist, dass die
entscheidende Behörde auf jede vorgebrachte Einwendung im Detail eingeht; es
genügt vielmehr, dass sie kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess
8.2.
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und auf welche sich der Entscheid stützt (VerwGE B 2015/277, B 2015/280 vom 28.
März 2017 E. 3 mit Hinweis auf Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1053 f.; BGE 140 II 262
E. 6.2). Die Vorinstanz stützte sich für ihren Entscheid hauptsächlich auf den Umstand,
dass der Bericht der t._ ag entlang der B._strasse einen belasteten Bereich auf
Grundstück Nr. 0002 festgestellt hat (act. G 2, E. 2.3). Sie schloss zudem weiter aus
der im Jahr 1990 bewilligten Terrainauffüllung auf dem ehemaligen Grundstück
Nr. 0004, welches auch das Grundstück Nr. 0001 umfasste, dass dort ebenfalls
belastetes Material – wenn auch nicht zwingend in Form grösserer Festkörper –
abgelagert wurde (vgl. act. G 2, E. 5.3). Insofern mass sie dem Umstand, dass gemäss
dem Eintrag im Datenblatt (act. AFU 3) auch Abfall (Schlacke, Altöl, Jeep, Kühlschran
Jeep) abgelagert worden sei, offenbar keine entscheidrelevante Bedeutung (mehr) zu.
Entsprechend musste sie sich mit dem Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach
die Sachverhaltsfeststellung des Amtes für Umwelt und die darauf fussenden
ergänzenden Angaben unzutreffend seien, auch nicht mehr detailliert
auseinandersetzen. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt jedenfalls nicht vor.
Abgesehen davon ist nicht klar, was die Beschwerdeführerin aus der ihrer Ansicht nach
falschen Ergänzung im Datenblatt ableiten will. Sie bestreitet jedenfalls selbst nicht,
dass zumindest auf dem Nachbargrundstück Nr. 0002 Bodenbelastungen direkt
angrenzend zur B._strasse nach dem Bericht der t._ ag (vgl. dort Ziffern 3.2 ff. und
5.1 in Verbindung mit Beilage 1; act. AFU 8) festgestellt wurden. Dass dort oder
andernorts keine grösseren Feststoffe angetroffen wurden, ändert an der festgestellten
Bodenbelastung nichts. Das schliesst umgekehrt aber auch nicht aus, dass grössere
Festkörper tatsächlich ausserhalb der sondierten Standorte abgelagert wurden, wie die
Beschwerdeführerin gestützt auf Informationen langjähriger direkter Anwohner im
Einspracheverfahren selbst noch vermutete (act. AFU 32, Ziffer 7, S. 2). Im Übrigen
enthält das Datenblatt in erster Linie den Eintrag «Stoffklasse, Klasse II: weitgehend
inertes Material (Bauschutt und inerte Industrieabfälle)». Bei der Klasse II handelt es
sich um Ausbruchmaterial ohne wesentliche wasserbeeinträchtigende Abfälle (z.B.
Ziegel, Steine, Beton, Holzanteile), das für Deponien für weitgehend inertes Material
bestimmt ist (vgl. Erläuterungen zu Mengen und Stoffe des Amts für Umwelt des
Kantons St.Gallen, einsehbar unter: www.sg.ch/umwelt-natur/umwelt/altlasten-und-
belastete-standorte.html), was grundsätzlich Material des Deponietyps B laut VVEA
entspricht (vgl. Art. 35 Abs. 1 Bst. b VVEA in Verbindung mit Anhang 5 Ziffer 2 der
VVEA), das (jedenfalls nach heutiger Sicht) im öffentlichen Interesse als Abfall entsorgt
werden muss. Der Eintrag trifft – zumindest für das Grundstück Nr. 0002 – somit zu
und entspricht dem Ergebnis des Berichts der t._ ag (vgl. act. 8, Ziffern 3 und 5.1).
8.3.
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9.
Erst in zweiter Linie wird im Datenkatalog als ergänzende Angabe auf grössere
Feststoffe hingewiesen. Von einem offensichtlich falsch festgestellten Sachverhalt kann
in Anbetracht dieser Gegebenheiten keine Rede sein. Im Übrigen beinhalten – soweit
ersichtlich – die im Internet aufgeschalteten und somit öffentlich einsehbaren Einträge
belasteter Standorte solche ergänzenden Angaben ohnehin nicht. Umso weniger ist zu
erkennen, welchen Nachteil die Beschwerdeführerin aus dem ihrer Ansicht nach
falschen Eintrag befürchtet.
Zu Recht unbestritten ist in tatsächlicher Hinsicht, dass auf dem ehemaligen
Grundstück Nr. 0004 gemäss Bewilligung vom 22. August 1990 (act. AFU 24 f.) eine
Geländeauffüllung bewilligt wurde. Ferner wurde auf dem Grundstück Nr. 0001
unbestrittenermassen ein Bauvorhaben (Einfamilienhaus Vers.-Nr. 0202) verwirklicht,
dessen Umfang und Ausdehnung sich dem Grundsatz nach aus den Plänen (act.
AFU 21 ff.) und den in den Akten liegenden Fotos ergibt (act. AFU 10, 19 und act. G 7).
Weiter bestreitet die Beschwerdeführerin nicht, dass im Nahbereich zur B._strasse auf
Grundstück Nr. 0002 belastetes Material technisch nachgewiesen wurde (vgl. Bericht
der t._ ag, act. AFU 8).
Hingegen ist die Beschwerdeführerin im Ergebnis der Ansicht, dass im massgeblichen
Bereich im Nordosten gar keine wesentliche Auffüllung im Rahmen der im Jahr 1990
bewilligten Geländeauffüllung stattfand bzw. mit dem Aushub im Zusammenhang mit
der Erstellung des im Jahr 1994 bewilligten Einfamilienhauses allfällige vorgängige
(verschmutzte) Auffüllungen vollständig entfernt wurden. Entscheidend für die Klärung
dieser Fragen sind vorab einerseits die Feststellung des Umfangs der ursprünglichen
Schüttung und andererseits der mit dem Bau des Einfamilienhauses verbundenen
Bodeneingriffe.
9.1.
Die aktuelle Situation im fraglichen Areal ergibt sich aus den Akten (Foto Nr. 2 [act. AFU
10], Fotos Nrn. 6, 7 und 8 [act. AFU 19]; Foto Nr. 2 [act. AFU 10], Fotos Nrn. 8 und 9
[act. G 7); Foto Nrn.5, 6 und 7 [vi.-act. 15] und dem Geoportal (Orthofoto 2019).
Demnach befinden sich heute auf dem Niveau der B._strasse ein mit Verbundsteinen
befestigter Autoabstellplatz und eine Treppe sowie leicht tiefer liegend entlang der
Nordostfassade des Wohngebäudes ein befestigter Zugang. Im Übrigen ist der Bereich
zwischen der B._strasse und dem befestigen Weg als leicht abfallender, mit Steinen
und Geröll versetzter und mit Sträuchern und Bäumen bepflanzter Garten gestaltet.
9.2.
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Den in Kopie den Akten beiliegenden Bauplänen (act. AFU 25) zur Terrainauffüllung ist
zu entnehmen, dass gemäss Querprofilplänen vom November 1988 beim Profil 3-3
(act. AFU 25) anschliessend zur Strasse ab einer Höhenkote von 722.50 m.ü.M.
(Eintrag gemäss Bauplan, Querprofil 3-3 [gez. November 1988]; act. AFU 25) eine
anfangs gleichmässig abfallende Aufschüttung, die gegen Ende ab einer Höhe von
720.70 m.ü.M steil ausläuft, bewilligt wurde. Im Situationsplan vom November 1988
(act. AFU 25), der die Lage und flächenmässige Ausdehnung der bewilligten Schüttung
aufzeigt, sind weder die B._strasse in diesem Abschnitt noch die südwestliche Grenze
der heutigen Strassenparzelle (B._strasse; GS Nr. 0005) eingezeichnet, was die
genaue Situierung der bewilligten Terrain-Auffüllung erschwert. Laut Situationsplan
befindet sich die geschüttete Fläche aber beim Profil 3-3 in einem Abstand von rund
fünf Metern zur westlichen Parzellengrenze zu Grundstück Nr. 1625, welche zugleich
die heutige nordöstliche Grenze der aktuellen Strassenparzelle (GS Nr. 0005) bildet.
Nach den auf dem Geoportal einsehbaren Luftbildern aus den Jahren 1983 und 1989
(Luftbild Nrn. 01 und 02) des Bundesamts für Topografie bestand die B._strasse
schon im Zeitpunkt der Baueingabe für die Terrainauffüllung im Jahr 1990. Aus den
Orthofotos und Luftbildern der nachfolgenden Jahre (vgl. etwa Luftbild 1996 [Nr. 03]
und Orthofoto 2019) ist sodann zu schliessen, dass sich weder die Lage noch die
Ausdehnung dieses Abschnitts der B._strasse wesentlich änderte. Die im Vergleich
zum Plan Querprofil 3-3 unverändert gebliebene höhenmässige Lage der B._strasse
wird zudem bestätigt durch eine Überprüfung im Geoportal. Die im Geoportal
abrufbare Angabe der Geländehöhe für die Strasse ungefähr beim Querprofil 3-3
(Koordinaten [2]723159.672/[1]22809.663) beträgt nämlich – gleich wie im Profilplan
3-3 (act. AFU 25) angegeben – ebenfalls 722.50 m.ü.M. Die nordöstliche Grenze der
bewilligten Schüttung befindet sich demnach angrenzend zur heutigen, im
Situationsplan von 1988 nicht dargestellten Parzellengrenze der B._strasse. Das
bedeutet einerseits, dass die so bestimmte Lage nicht mit der vom Amt für Umwelt
angenommenen und anfänglich als Grundlage für die Festlegung des belasteten
Standorts dienenden Fläche übereinstimmt. Die in den Situationsplänen des Amts für
Umwelt (vgl. Situationspläne vom 11. Juni 2018 [act. AFU 26], vom 16. Juli 2018 (act.
AFU 18) und 21. November 2019 [vi.-act. 3, Beilage act. 18) zum beabsichtigten
Katastereintrag eingezeichnete Lage der Schüttungsfläche ist darin örtlich zu weit nach
Südwesten verschoben. Korrekterweise müsste sich die von der bewilligten Auffüllung
betroffene und als belasteter Standort bezeichnete Fläche näher zur heutigen
B._strasse befinden. Dies und der Umstand, dass erst im Bericht der t._ ag auf
Grundstück Nr. 0002 eine Belastung gleich anschliessend zur B._strasse
nachgewiesen wurde, dürfte auch erklären, weshalb das Amt für Umwelt anfänglich
9.3.
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keine Belastung des Bodens im Nordosten der Grundstücke Nrn. 0001 und 0002 für
wahrscheinlich erachtete und dementsprechend am Augenschein auch keine
Veranlassung für zusätzliche und detaillierte Abklärungen in diesem Bereich auf
Grundstück Nr. 0001 hatte. Andererseits ist aber auch davon auszugehen, dass das
Gelände bereits direkt anschliessend zur Strassenparzelle angeschüttet wurde und
nicht erst in einem Abstand dazu von rund einem Meter bis zwei Metern, wie der
Situationsplan vom November 1988 (act. AFU 25) vermuten lässt. Denn nach den
Profilplänen fällt das darin dargestellte gewachsene Gelände direkt anschliessend zur
Strasse ab und ist schon in diesem Bereich eine Auffüllung (vgl. Querprofile 1-1, 2-2
und 3-3; act. AFU 25) eingezeichnet. Damit ist erstellt, dass auf dem vormals
ungeteilten Grundstück Nr. 0004 (d.h. den heutigen Grundstücken Nrn. 0001 und 0002)
eine Geländeauffüllung bewilligt wurde, die im streitbetroffenen Bereich auf Grundstück
Nr. 0001 zwischen der B._strasse und der Nordostfassade des Wohnhauses Nr. 0202
eine Mächtigkeit zwischen 0,0 m (Niveau B._strasse) bis 1,6 m (Niveau Schnittpunkt
Nordostfassade) aufweist (Querprofil 3-3; act. AFU 25). Dabei umfasst die von der
Aufschüttung betroffene Fläche auf Grundstück Nr. 0001 das gesamte nördlich des
Wohngebäudes liegende Areal zwischen der Strasse und dem Wohngebäude bis
(mindestens) zur Flucht der Südostfassade des Gebäudes. Die von der
Beschwerdeführerin vertretene Auffassung, wonach im nordöstlichen Bereich des
Grundstücks in der pink und grün dargestellten Fläche (act. G 6, Rz. 68, Abbildung; vi-
act. 15, Beilage act.19) keine Geländeauffüllung stattgefunden haben soll, findet keine
Stütze in den Plänen.
Aus den Baugesuchsplänen (act. AFU 21, 22 und 23) zum Bau des Einfamilienhauses
folgt, dass das Einfamilienhaus mit seinem Untergeschoss unterhalb des in den Plänen
bezeichneten «bestehenden» Terrainverlaufs hineinragen und das Gelände zwischen
der B._strasse und der Nordostfassade über diesem Terrainverlauf aufgeschüttet
werden soll(te). Allerdings ist der vom Gemeinderat E._ erteilten Baubewilligung vom
21. März 1994 zugleich zu entnehmen, dass der in den Baugesuchsplänen angeführte
«bestehende» Terrainverlauf nicht dem gewachsenen Geländeverlauf entspricht,
sondern der damals bestehenden Aufschüttungshöhe (Baubewilligung des
Gemeinderates E._, Ziffer 9; act. AFU 21). Dementsprechend hielt die
Baubewilligungsbehörde fest, dass der Niveaupunkt ohne Berücksichtigung der
Aufschüttung richtigerweise auf einer Höhe von 719.75 m.ü.M. (= gewachsenes Terrain
vor der am 22. August 1990 bewilligten Schüttung) zu liegen käme (vgl. Baubewilligung
des Gemeinderates E._, Ziffer 9; act. AFU 21). Die Baubehörde korrigierte deshalb den
Niveaupunkt. Im Sinn eines Kompromisses legte sie den Niveaupunkt jedoch nicht auf
9.4.
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Höhe des tatsächlich gewachsenen Terrains, d.h. auf 719.75 m.ü.M., fest, sondern
gestand der Bauherrschaft die Festsetzung des Niveaupunkts zuzüglich der halben
Aufschüttungshöhe zu. Sie erhöhte deshalb den Niveaupunkt um 0,85 m auf eine Höhe
von 720.60 m.ü.M. und erklärte diesen für verbindlich (vgl. Baubewilligung des
Gemeinderates E._, Ziffer 9; act. AFU 21). Das bedeutet, der zeichnerisch dargestellte
Niveaupunkt gemäss Bauplänen (Schnitt A-A [act AFU 22] und Kanalisationsplan [vi-
act. 7 Beilage act. 7]) liegt auf dem gestalteten Terrain, und zwar auf einer Höhenkote
von 721.45 m.ü.M. (719.75 m.ü.M. + 0,85 m + 0,85 m). Daraus folgt, dass auch die
Darstellung der Umgebung in den Baugesuchsplänen vom 6. Oktober
1993/8. Dezember 1993 (act. AFU 22 und 23) nicht mit dem gemäss Bewilligung des
Gemeinderates E._ vom 21. März 1994 korrigierten Bauvorhaben übereinstimmen
kann. Vielmehr liegt der bewilligte Niveaupunkt, und damit auch das gesamte
Gebäude, um 0,85 m tiefer als in den Bauplänen dargestellt. Die Höhenkote (Oberkante
Boden EG) in der Mitte der Nordostfassade, d.h. etwa im Bereich des heutigen
Eingangs, liegt nach dem bewilligten Gesuch demzufolge, wie die Beschwerdeführerin
zu Recht geltend macht und was die Vorinstanz zu übersehen scheint, auf 721.80
m.ü.M. (720.60 m.ü.M. + 1,20 m; vgl. Plan «Schnitt A-A»; act. AFU 22). Es bestehen
keine Anhaltspunkte, dass das heute bestehende Einfamilienhaus nicht gemäss dem
bewilligten und korrigierten Niveaupunkt ausgeführt wurde. Dafür spricht, dass nach
den eingereichten Fotos der Beschwerdeführerin (vgl. Foto Nrn. 8 und 9 [act. G 7], Foto
Nrn. 6, 7 und 8 [act. AFU 15) und selbst nach dem im angefochtenen Entscheid
eingefügten Foto (angefochtener Entscheid, Bst. A.a, S. 2. Abbildung Wohnhaus
[Quelle Google Maps 2014]; act. G 3) der Eingangsbereich offenbar tiefer liegt als die
Strasse, die nach dem vorstehend Gesagten (siehe oben E. 9.3) eine Höhenkote von
722.50 m.ü.M. aufweist. Zudem stützt eine Überprüfung im Geoportal dieses Ergebnis,
weil die im GIS abrufbare Geländehöhe etwa mittig der Nordostfassade (Koordinaten:
[2]723154.464/ [1]228065.982) eine Kote von 721.70 m.ü.M. ausweist. Mit der
Beschwerdeführerin ist deshalb davon auszugehen, dass sich das heute gestaltete
Terrain direkt anschliessend an die Nordostfassade rund 0,70 m unterhalb der Strasse
befindet. Insofern trifft die Annahme der Vorinstanz, wonach das Areal zwischen der
Strassenparzelle und der Nordostfassade des Gebäudes Vers.-Nr. 0202 im
Zusammenhang mit der Realisierung des Bauvorhabens zusätzlich um 0,7 m
aufgeschüttet wurde, nicht zu, weil diesfalls das Gebäude und der Eingangsbereich
höher, d.h. etwa auf Höhe der B._strasse, liegen müssten. Gleichfalls als falsch
erweist sich hingegen auch die Auffassung der Beschwerdeführerin, dass das heutige
gestaltete Terrain dort dem gewachsenen Gelände vor der Schüttung entspricht. Denn
zwischen der B._strasse und der Nordostfassade fand offenbar eine Auffüllung statt,
deren Mächtigkeit sich nach dem Querprofil 3-3 (act. AFU 25) zwischen 0,0 m (Niveau
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10.
B._strasse) bis 1,6 m (Niveau Schnittpunkt Nordostfassade) bewegt(e). Das folgt aus
dem genannten Querprofil und dem Umstand, dass das «bestehende» Terrain in den
Baugesuchsplänen gerade nicht dem gewachsenen Terrain vor der Aufschüttung
gleichkommt, sondern die Situation nach der Auffüllung darstellt (vgl. Baubewilligung
vom 21. März 1994, Ziffer 9; act. 21), womit zugleich auch unzweifelhaft feststeht, dass
die bewilligte Geländeauffüllung im Zeitpunkt der Bewilligungserteilung für das
Einfamilienhaus offenkundig tatsächlich realisiert war. Entgegen der Meinung der
Beschwerdeführerin wurde deshalb vor dem Bau des Einfamilienhauses Vers.-Nr. 0202
der nordöstliche Bereich zwischen der B._strasse und der heutigen Nordostfassade
des Wohnhauses aufgefüllt.
In tatsächlicher Hinsicht ergibt sich somit, dass im Gegenstand bildenden
nordöstlichen Bereich des Grundstücks Nr. 0001 – entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin – anfangs der 1990er Jahren das Gelände mit einer Mächtigkeit
bis zu 1,6 m aufgeschüttet wurde. Weiter ist erstellt, dass die Erdgeschosskote des
aktuell bestehenden Wohnhauses Vers.-Nr. 0202 auf einer Kote von rund 721.7 m.ü.M.
und somit rund 0,7 m tiefer als der Strassenabschnitt der B._strasse liegt. Soweit die
Vorinstanz in ihrem Entscheid davon ausgeht, dass im nordöstlichen Bereich im Zug
der Bebauung mit dem Wohnhaus zusätzliche Schüttungen um 70 cm (und
vermutungsweise mit unverschmutztem Aushub) über das nach der Auffüllung
bestehende Terrain hinaus vorgenommen worden seien, trifft dies folglich nicht zu. Die
Rüge der Beschwerdeführerin ist insofern begründet. Das bedeutet aber noch nicht,
dass die Vorinstanz die beantragten Beweismassnahmen (Augenschein,
Zeugenaussage, Parteibefragung) auch im Ergebnis zu Unrecht ablehnte und
insgesamt zu Unrecht den vom Amt für Umwelt verfügten Eintrag eines belasteten
Standorts schützte.
9.5.
Die Vorinstanz verzichtete auf einen Augenschein mit der Begründung, das Amt für
Umwelt habe am 21. September 2018 einen Augenschein durchgeführt, wobei die
Vertreterin der Beschwerdeführerin diesem ferngeblieben sei. Die rechtserheblichen
Feststellungen seien im damaligen Beschlussprotokoll unter Ziffer 1 in Worte gefasst
worden. Nach diesen Feststellungen seien die am 22. August 1990 genehmigten
parzellenübergreifenden Aufschüttungen und im Besonderen der Böschungsfuss auf
der Nordwestseite immer noch klar erkennbar. Ferner sei die Situation vor Ort auch
seitens der Beschwerdeführerin mit zahlreichen Fotos dokumentiert. Die
10.1.
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Beschwerdeführerin lege nicht dar, was an dem beantragten (nochmaligen)
Augenschein vor Ort im Hinblick auf den rechtserheblichen Sachverhalt heute noch
zusätzlich festgestellt werden könnte. Gewissheit zur Frage, ob das für einen
Augenschein nicht zugängliche Erdreich belastet sei, werde nur durch eine
Standortabklärung mit technischen Hilfsmitteln möglich sein. Der rechtserhebliche
Sachverhalt ergebe sich aus den Akten.
Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, sie habe in Bezug auf das
Beschlussprotokoll des Amts für Umwelt detailliert begründet, weshalb die dortigen
Feststellungen falsch seien. Statt sich damit auseinanderzusetzen, wiederhole die
Vorinstanz die nachweislich falsche Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz, wonach
die parzellenübergreifenden Aufschüttungen und im Besonderen der Böschungsfuss
auf der Nordwestseite immer noch erkennbar seien, obwohl sich diese Feststellungen
auf Bereiche von Grundstück Nr. 0001 beziehen würden, die gerade nicht (mehr)
Gegenstand des in Aussicht genommenen Eintrags seien. Damit lasse sich jedenfalls
nicht die Vollständigkeit der Sachverhaltsfeststellung begründen. Das Amt für Umwelt
habe gerade keine eigenen Feststellungen zum vorliegend massgeblichen Bereich von
Grundstück Nr. 0001 entlang der B._strasse getroffen. Die Beschwerdeführerin habe
ausführlich dargelegt, dass der beantragte Augenschein durchzuführen sei, um Art und
Umfang der Gestaltung des nordöstlich entlang der B._strasse gelegenen Bereichs
von Grundstück Nr. 0001 sowie dessen Höhenlage festzustellen. Zusammen mit der
gleichzeitig beantragten Zeugenaussage von C._, dem für die Gartengestaltung
zuständigen Gärtner, hätte sich ohne weiteres der Nachweis erbringen lassen, dass in
diesem Grundstücksbereich gerade eben keine grosse Wahrscheinlichkeit für eine
Belastung durch Ziegelreste, Backsteinreste, Holzreste, Glassplitter usw. bestehe. Der
Hinweis der Vorinstanz auf die von der Beschwerdeführerin eingereichten Fotos ändere
nichts an der Erforderlichkeit eines Augenscheins, weil die Vorinstanz die Fotos nicht
berücksichtigt und sich nicht mit den damit belegten Argumenten auseinandergesetzt
habe. Sie habe sich in ihrem Entscheid nicht auf diese Fotos gestützt, sondern auf ein
veraltetes Foto aus «Google Map».
10.2.
Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin war die Vorinstanz nicht verpflichtet,
einen Augenschein vor Ort durchzuführen (zu den Voraussetzungen für einen
Augenschein s. vorne E.2.1). Es mag zwar zutreffen, dass das Amt für Umwelt am von
ihm durchgeführten Augenschein keine Feststellungen zum nordöstlichen Bereich
zwischen dem Wohnhaus und der B._strasse getroffen hat, jedenfalls solche weder
10.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/32
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11.
protokollierte noch mittels Fotos dokumentierte (vgl. act. AFU 11). Die Vorinstanz
verwies jedoch in ihrem Entscheid auch auf die eingereichten Fotos der
Beschwerdeführerin und stützte ihren Entscheid in der Hauptsache auf die in den
Akten liegenden Pläne und Unterlagen ab. Unbekümmert darum, ob sie den
Sachverhalt aufgrund dieser Beweismittel tatsächlich richtig feststellte und daraus die
richtigen Schlüsse zog (was nach vorstehender Erwägung zwar zu verneinen ist), durfte
die Vorinstanz in Ausübung ihres pflichtgemässen Ermessens auf einen formellen
Augenschein – eine unprotokollierte Besprechung vor Ort zwischen dem
Sachbearbeiter und Rechtsanwältin Deillon scheint ja stattgefunden zu haben (vgl. act.
G 2 Ziffer E.a S. 9; vi.-act. 9) – verzichten, auch wenn die Durchführung eines solchen
mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin gerügten Punkte nach Meinung des
Gerichts wohl nahegelegen wäre. Der massgebliche Sachverhalt ergab sich aber für die
Vorinstanz im Zeitpunkt des Entscheids aus den Akten (oder hätte sich zumindest
daraus ergeben). Soweit die Beschwerdeführerin die Feststellung der Vorinstanz zum
erkennbaren Böschungsfuss bemängelt, ist ihr entgegenzuhalten, dass damit der
Umstand angesprochen ist, dass im Bereich der Grundstücke Nr. 0001 und 0002
erkennbar Aufschüttungen stattfanden. Dieser Umstand folgt aber schon aus der
Bewilligung der Aufschüttung vom 22. August 1990 (act. AFU 24) und den
dazugehörigen Plänen (act. AFU 25). Ob es sich beim aktuellen Terrainverlauf auf
Grundstück Nr. 0001 um das ursprünglich gewachsene Terrain (so die
Beschwerdeführerin), den Verlauf nach der im Jahr 1990 bewilligten Auffüllung (so das
Amt für Umwelt) oder um zusätzliche nachträgliche Terrainveränderungen im
Zusammenhang mit dem Neubau des Gebäudes Vers.-Nr. 0202 (so die Vorinstanz)
handelt, hätte sich auch an einem Augenschein vor Ort nicht ohne Weiteres feststellen
lassen. Aus Sicht der Vorinstanz war deshalb eine Begehung vor Ort nicht erforderlich,
zumal sie zu Recht auch keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn erwarten konnte, ohne
dass mit technischen Hilfsmitteln das Erdreich im fraglichen Areal untersucht würde.
Gegenstand eines Eintrags sollen nur solche Standorte bilden, die tatsächlich durch
Abfälle belastet sind. Weil der Kataster aber allein auf der Grundlage bestehender
Informationen (ohne technische Untersuchungen) erstellt wird, lässt sich nicht
ausschliessen, dass in Einzelfällen auch nicht belastete Standorte erfasst werden.
Einträge über solche Standorte sind unverzüglich zu löschen, sobald die
Untersuchungen ergeben, dass der Standort nicht durch Abfälle belastet ist
(Tschannen, a.a.O., N 39 zu Art. 32c USG; vgl. auch Art. 6 Abs. 2 Bst. a AltlV). Mithin
11.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/32
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müssen wegen der methodischen Unschärfe der Ersterfassung – technische
Untersuchungen werden nicht durchgeführt – einzelne kurzzeitige Fehleinträge in Kauf
genommen werden (vgl. Tschannen, a.a.O., N 39 a.E. zu Art. 32c USG). Die in Art. 5
Abs. 2 Satz 1 und 2 AltlV vorgesehenen Mitwirkungsrechte sind u.a. gerade auch
deshalb geboten, weil die Ersterfassung methodisch bedingt mit gewissen
Unsicherheiten behaftet ist. Aus Sicht der Betroffenen dient dabei die Anhörung der
Interessenwahrung, aus Sicht der Behörde trägt sie zur weiteren Sachaufklärung bei
(Tschannen, a.a.O., N 48 zweites Lemma zu Art. 32c USG).
Der Eintrag in den Kataster setzt – wie erwähnt – voraus, dass feststeht oder mit
grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass der Standort belastet ist (vgl. Art. 5
Abs. 3 AltlV). Das Bundesgericht hielt in seinem Urteil 1C_291/2016 vom 20. Februar
2017 unter Wiedergabe des bundesgerichtlichen Urteils 1C_492/2008 vom 18. Mai
2009 fest, dass zwar die blosse Wahrscheinlichkeit («simple probabilité») einer
Belastung mit Abfällen nicht genüge, um einen Standort in den Kataster einzutragen;
dagegen sei es nicht notwendig, vor dem Eintrag eine effektive Belastung
nachzuweisen: Aus dem Vorsorgeprinzip (Art. 1 Abs. 2 USG) ergebe sich, dass die
Schädlichkeit vermutet werde, sobald die Schwelle der hinreichenden
Wahrscheinlichkeit überschritten werde. In diesem Fall gehe die objektive Beweislast,
d.h. das Risiko der Beweislosigkeit von der Behörde, welche eine Massnahme
anordnen wolle, auf die potenziellen Verfügungsadressaten über. Demnach habe der
Umstand, dass auf einem bestimmten Grundstück in der Vergangenheit eine
risikoreiche Aktivität ausgeübt wurde, faktisch eine Umkehr der Beweislast zur Folge.
Ganz generell sei die Schwelle für einen Eintrag in den Kataster bei Industrie- und
Gewerbestandorten relativ tief. Standorte, die nach der Vollzugshilfe des BUWAL einer
belastungsrelevanten Branche angehörten und bereits vor 1985 bestanden hätten,
seien grundsätzlich als belastet zu betrachten (BGer 1C_291/2016 vom 20. Februar
2017 E. 5.2). Gleich entschied das Bundesgericht in einem Entscheid im gleichen Jahr
(BGer 1C_537/2016, 1C_546/2016 vom 20. November 2017). Darin bestätigte das
Bundesgericht, dass bei Überschreitung der Schwelle der ausreichenden
Wahrscheinlichkeit eine Belastung angenommen werde, was zu einer Umkehr der
Beweislast führe. Diese Vermutung greife insbesondere bei Deponien. Bei einer
Deponie werde vermutet, dass eine Standortbelastung vorliege, weshalb eine Deponie
nach Art. 5 Abs. 3 AltlV in den Kataster der belasteten Standorte einzutragen sei. Die
Schwelle für die Annahme einer Belastung sei dabei tiefer als bei Industrie- und
Gewerbestandorten. Behauptet der Standortinhaber, dass kein belasteter
Ablagestandort vorliege, weil lediglich unverschmutzter Aushub-, Abbruch- oder
11.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/32
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Abraummaterial an den Standort gelangt sei, müsse er dies beweisen (C. Caluori, in:
URP 2020, S. 489 f. mit Hinweis auf BGer 1C_537/2016, 1C_546/2016 vom 20.
November 2017 E. 3.2.1). Dass für einen Katastereintrag eine «hinreichende»
Wahrscheinlichkeit einer Belastung genügt, muss auch dann gelten, wenn – wie hier –
nicht eine Deponie, sondern ein «übriger» Ablagerungsstandort («wilde» Deponie bzw.
Aufschüttung mit belastetem Material, vgl. Vollzugshilfe BUWAL, S. 14; vgl. auch Art. 2
Abs. 1 Bst. a AltlV) in Diskussion steht und behauptet wird, es habe gar keine
Schüttung mit verschmutztem Material stattgefunden bzw. das geschüttete Material sei
entfernt worden. Generell liegt ein belasteter Standort dann vor, wenn die zuständige
Behörde aufgrund eigener Ermittlungen (vgl. Art. 5 Abs. 1 AltlV) und unter
Berücksichtigung allfälliger Einwände der Betroffenen bzw. der von diesen
durchgeführten Abklärungen (vgl. Art. 5 Abs. 2 AltV) mit hinreichender
Wahrscheinlichkeit eine Belastung (bspw. infolge einer Ablagerung mit verschmutztem
Material) bejahen darf. Insoweit erweist sich der Vorwurf der Beschwerdeführerin, dass
die Vorinstanz in unzulässiger Weise das Beweismass zu Lasten der
Beschwerdeführerin von «gross» zu bloss «hinreichend» reduziert habe (vgl. act. G 6,
Rz. 58, erstes Aufzählungszeichen, S. 13), als unbegründet, zumal auch das
Bundesgericht eine hinreichende Wahrscheinlichkeit genügen lässt (ohne diesen Begriff
jedoch zu definieren). Im Übrigen hat die Vorinstanz dem Begriff der «hinreichenden»
Wahrscheinlichkeit in ihrem Entscheid ohnehin die Definition der «überwiegenden»
Wahrscheinlichkeit zu Grunde gelegt (vgl. act. G 2 E. 5.1 f.), was grundsätzlich dem
reduzierten Beweismass der «grossen» Wahrscheinlichkeit (im Sinn der
«überwiegenden» Wahrscheinlichkeit) wie es die Beschwerdeführerin fordert (act. G 3
Rz. 50), entspricht (vgl. zum reduzierten Beweismass der «überwiegenden»
Wahrscheinlichkeit Märkli, a.a.O., Art. 12-13 N 19). Auch aus letztgenanntem Grund
erweist sich der beschwerdeführerische Einwand als unbehelflich.
Die vorliegenden Akten – unter Berücksichtigung der präzisierten
Sachverhaltsfeststellungen – führen zum Schluss, dass in den Jahren nach 1990 auf
den Grundstücken Nrn. 0001 und 0002 (damals Grundstück Nr. 0004) eine bewilligte
Geländeauffüllung realisiert wurde, die im Nahbereich zum Ast der B._strasse auf
Grundstück Nr. 0001 eine Mächtigkeit zwischen 0,0 m und 1,60 m aufwies. Dies folgt
aus den Plänen (act. AFU 25) und dem heutigen Terrainverlauf auf Grundstück Nr. 0002
(vgl. Foto act. AFU 8 [Titelblatt Bericht t._ ag]). Dass im Nahbereich dieses
Strassenabschnitts (anfänglich) auch auf Grundstück Nr. 0001 verschmutzter Aushub
deponiert wurde, ergibt sich aus dem Bericht der t._ ag für das Grundstück Nr. 0002,
der auf diesem Nachbargrundstück bis hin zur Parzellengrenze zum Grundstück
11.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/32
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Nr. 0002 eine Bodenbelastung entlang der Strasse (technisch) nachweist (Bericht der
t._ ag, Ziffer 1.2, S. 2; act. AFU 8). Trotz der anderslautenden Auffassung der
Beschwerdeführerin lässt der Bericht der t._ ag für Grundstück Nr. 0002 auch
Rückschlüsse auf das Grundstück Nr. 0001 zu. Dass der Bericht sich auf Aussagen zu
Grundstück Nr. 0002 beschränkt, ist der Auftragsstellung geschuldet. Zielsetzung des
Berichts der t._ ag war es, für das Baugrundstück Nr. 0002 die Belastungssituation im
Bereich des Bauperimeters/Katastereintrags abzuklären und ein darauf abgestimmtes
Aushub- und Entsorgungskonzept zu erstellen (Bericht der t._ ag, Ziffer 1.2, S. 2; act.
AFU 8). Es ist aber äusserst unwahrscheinlich und bar jeder Lebenserfahrung, dass
sich in den 1990er Jahren das Deponieren von verschmutzten Aushub auf Grundstück
Nr. 0002 beschränkte und verschmutzter Aushub nicht auch auf Grundstück Nr. 0001,
das ja ebenfalls Bestandteil des damals ungeteilten und von der Bewilligung und der
Terrain-Auffüllung betroffenen Grundstücks Nr. 0004 war, im Nahbereich zur Strasse
abgelagert wurde. Diese tatsächlichen Feststellungen und Anhaltspunkte lassen es im
heutigen Zeitpunkt als sehr wahrscheinlich erscheinen, dass auf Grundstück Nr. 0001
im nordöstlichen Bereich zwischen dem Wohngebäude und der B._strasse
Bodenbelastungen zu erwarten sind. Der Beschwerdeführerin gelingt es mit ihren
weiteren Einwänden nicht, diese dem Eintrag zugrundeliegenden tatsächlichen
Annahmen zu widerlegen.
Gemäss den Baugesuchsplänen zum Einfamilienhaus (act. AFU 22 ff.) waren – selbst
wenn das Gebäude bewilligungskonform um 0,85 m tiefer gesetzt wurde – mit dem
Bauvorhaben Anpassungen des Geländes, insbesondere Schüttungen, und
Bodenumschichtungen verbunden. Es ist äusserst unwahrscheinlich, dass die gesamte
Auffüllung im Rahmen der Bauarbeiten für das Einfamilienhaus auf Grundstück
Nr. 0001 vollständig entfernt und stattdessen für die erforderliche Hinterfüllung und die
Garten- und Umgebungsgestaltung neues (unverschmutztes) Material vor Ort geführt
wurde. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, wird anfallender Aushub auf
Baugrundstücken regelmässig zwischengelagert und für die Hinterfüllung der
Bauwerke sowie die Terraingestaltung vor Ort wiederverwendet. Nur der nicht
benötigte Aushub wird in der Regel weggeführt (vgl. die zutreffende Begründung im
angefochtenen Entscheid E. 4.3, S. 14 [act. G 3]). Gründe, weshalb vorliegend von
diesem geschilderten und üblichen Vorgehen abgewichen worden sein sollte, sind
keine erkennbar und macht die Beschwerdeführerin auch nicht geltend. Sie unterstellt
in diesem Zusammenhang dem Amt für Umwelt bzw. der Vorinstanz bloss, ersteres
stelle nur unbewiesene Behauptungen auf und letztere stütze ihren Entscheid einzig auf
11.3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/32
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12.
diese Behauptungen ab. Die Beschwerdeführerin übersieht dabei, dass über
offenkundige oder allgemein bekannte Tatsachen kein Beweis geführt werden muss
(vgl. Märkli, a.a.O. Art. 12-13 N 17). Wenn das Amt für Umwelt bzw. die Vorinstanz aus
einer allgemein bekannten Tatsache unter Verweis darauf, dass auch keine
gegenteiligen Hinweise bestünden, ableitet, es sei nicht der gesamte Aushub entfernt
worden, ist das jedenfalls nicht zu beanstanden.
Der Umstand, dass bisher bei Grabarbeiten (Gartengestaltung) im nordöstlichen
Bereich kein belastetes Material zum Vorschein kam, schliesst das Vorliegen von
belastetem Aushub auf Grundstück Nr. 0001 nicht aus. Gerade auch wegen der
Aushubarbeiten und den Terrainanpassungen beim Bau des Wohngebäudes im Jahr
1995 besteht vielmehr eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das verschmutzte Material
tiefer oder örtlich an leicht versetzter Stelle nach wie vor anzutreffen ist. Entsprechend
konnte die Vorinstanz, wenn auch mit anderer Begründung, und kann nunmehr auch
das Verwaltungsgericht auf die beantragte Befragung des Zeugen verzichten. Dessen
Aussagen vermöchten am vorliegenden, im Rahmen des geforderten Beweismasses
als erstellt geltenden Ergebnis nichts zu ändern.
11.3.2.
Es besteht zusammenfassend eine grosse Wahrscheinlichkeit im Sinn von Art. 5 Abs. 3
AltlV, dass im nordöstlichen Bereich zwischen dem Wohngebäude und der B._strasse
Bodenbelastungen zu erwarten sind. Die Beschwerde ist folglich unbegründet, soweit
die Beschwerdeführerin eine grosse Wahrscheinlichkeit für eine Bodenbelastung in
Abrede stellt.
11.4.
Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht ferner eine Verletzung des auf
Art. 29 BV gestützten Anspruchs auf ein gerechtes Verfahren geltend, weil die
Vorinstanz bzw. der zuständige Sachbearbeiter die ihr bzw. ihm obliegende
Prüfungsbefugnis in unzulässiger Weise eingeschränkt habe (act. G6 Rz. 54, S. 12).
Dass keine unzulässige Beschränkung der Prüfungsbefugnis der Vorinstanz vorliegt,
wurde jedoch schon aufgezeigt (oben E. 11.2). Darauf kann verwiesen werden.
12.1.
Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang (act. G 6 Rz. 55 ff., S 12 f.)
Kritik am Entscheid des Baudepartements über das von ihr gestellte
Ausstandsbegehren gegen den zuständigen Sachbearbeiter übt, ist sie nicht zu hören.
12.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/32
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13.
Das Baudepartement hat mit Entscheid Nr. 24/2020 vom 2. April 2020 das
Ausstandsbegehren abgewiesen. Dieser Entscheid ist unangefochten in Rechtskraft
erwachsen. Im vorliegenden Verfahren ist deshalb darauf nicht mehr einzugehen. Das
gilt auch, soweit sie den Entscheid über das Ausstandsbegehren inhaltlich in Frage zu
stellen scheint, weil sich im Nachhinein ihrer Ansicht nach geradezu herausgestellt
habe, dass sich der Sachbearbeiter im Zeitpunkt seiner vorläufigen Beurteilung schon
in unzulässiger Weise festgelegt habe und der Entscheid damals schon festgestanden
haben müsse.
Die Beschwerdeführerin bringt zur Begründung der Verletzung des Fairnessgebots
weiter vor, aus dem vom Sachbearbeiter ausgefertigten Entscheid der Vorinstanz folge
im Vergleich zur vorläufigen Beurteilung einzig eine gesetzeswidrige Reduktion der für
eine Eintragung erforderlichen Wahrscheinlichkeit von «gross» zu «hinreichend», die
Behauptung eines für den verfahrensgegenständlichen Teil von Grundstück Nr. 0001
gar nicht vorhandenen «Beweisergebnisses», das in Tat und Wahrheit nur auf eine
Vermutung des Amtes für Umwelt, nicht aber auf eigene Abklärungen beruhe und das
gepaart mit fadenscheinigen und nicht nachvollziehbaren Ausführungen, warum
angeblich auch im Rekursverfahren eine antizipierte Beweiswürdigung zulässig sein
solle, obschon die dafür erforderlichen Voraussetzungen offensichtlich nicht erfüllt
seien (act. G 6 Rz. 58, S. 13). Die vom Amt für Umwelt aufgebaute, vom zuständigen
Rekurssachbearbeiter aufrechterhaltene und von der Vorinstanz bestätigte
Gummiwand aus Unwillen und Verweigerung widerspreche in eklatanter Weise dem
Gebot eines gerechten und fairen Verfahrens (act. G 6 Rz. 60, S. 13).
Allein aus der Wiederholung der gerügten fehlerhaften Sachverhaltsermittlung und der
sonstigen Verfahrensmängel an dieser Stelle folgt indes keine über diese Rügen
hinausgehende eigenständige Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren. Bloss
weil die Vorinstanz und der zuständige Sachbearbeiter der beschwerdeführerischen
Argumentation nicht folgten und der Entscheid gleich wie die vorläufige Prüfung
lautete, liegt noch keine Verletzung des Fairnessprinzips vor, zumal sich der
angefochtene Entscheid ausführlich mit den beschwerdeführerischen Einwänden, wenn
– wie sich zeigte – auch zum Teil fehlerhaft, auseinandersetzt. Die Beschwerde erweist
sich auch in diesem Punkt als unbegründet.
12.3.
Die Beschwerdeführerin rügt, der verfügte Eintrag sei unverhältnismässig. Sie führt
13.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 28/32
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dazu aus, dass mangels Erforderlichkeit die vom Amt für Umwelt als Voraussetzung für
die Nichtaufnahme in den Kataster geforderten Untersuchungsmassnahmen
unverhältnismässig seien, weil nicht nur die Kosten für die eigentlichen
Untersuchungsmassnahmen von CHF 5'000 anfallen würden, sondern auch die
realistische Gefahr bestehe, dass die im gegenständlichen Bereich mit einem
erheblichen finanziellen Aufwand (mehr als CHF 25'000) angelegte Bepflanzung, die
nicht nur zur Zierde, sondern auch als Schutz gegen allfällige Rutschungen diene,
irreversiblen Schaden nehme (act. G 6, Rz. 64). Die Vorinstanz verneine die geltend
gemachte Unverhältnismässigkeit im Wesentlichen mit der Begründung, es bestehe ein
erhebliches öffentliches Interesse an der Klärung des Verdachtsgrundes. Wenn schon
ein derart grosses Interesse an der Klärung einer allfälligen Belastung bestehe, sei es
umso widersprüchlicher, wenn die Vorinstanz die angebotene Zeugenaussage gerade
nicht abnehme. Wenn die Vorinstanz dann der Beschwerdeführerin im selben Atemzug
eine finanziell massiv teurere Untersuchung abverlange, die sich als überflüssig erweise
bzw. erwiesen hätte, wenn sich die Vorinstanz nicht derart hartnäckig in ihrem
Schützengraben einer unzulässigen Beweiswürdigung verschanzt hätte, lasse sie das
verfassungsrechtlich gebotene Kriterium der Erforderlichkeit unzulässigerweise ausser
Acht (act. G 6, Rz. 65 f.). Zudem sei der Eintrag wegen fehlenden öffentlichen
Interesses unzumutbar, weil lediglich eine kleine Fläche von rund 50 m
realistischerweise für eine Untersuchung in Frage kommen könne, was nicht einmal
einen Zehntel der Fläche des Grundstücks Nr. 0001 beschlage. Unter
Berücksichtigung, dass nach dem Bericht der t._ ag allfällige Aufschüttungen auf
Grundstück Nr. 0002 hauptsächlich mit unverschmutztem Abfall erfolgt seien und sich
Belastungen auf den direkt an die B._strasse angrenzenden Bereich beschränkten,
werde klar, dass es sich um einen Bagatellfall von minimem öffentlichem Interesse
handle (vgl. act. G 6, Rz. 68 f.). Demgegenüber wiege das private Interesse der
Beschwerdeführerin an einem Verzicht eines Eintrags ungleich schwerer. Ihr
Grundstück sei mit einer Hypothek belastet und mit Vorsorgegeldern finanziert. Sie
müsse mit einer Kündigung ihrer Hypothek rechnen, weil gemäss ihrem Bankberater
nach dem Geschäftsmodell ihrer Bank keine im Kataster eingetragenen Grundstücke
finanziert würden, unabhängig davon, in welche Massnahmenklasse das Grundstück
eingestuft werde, oder vom Umfang der betroffenen Fläche. Bei einer Kündigung der
Hypothek wäre es mehr als zweifelhaft, dass die Beschwerdeführerin eine neue
finanzierende Bank oder einen Käufer finden könnte. Es sei notorisch, dass viele
Banken sich weigerten, älteren Hausbesitzern eine Finanzierung mit einer Hypothek
zuzugestehen, und Banken regelmässig auch keine belasteten Grundstücke neu
finanzierten. Mit einer definitiven Bestätigung des Eintrags wäre nicht nur die
Finanzierbarkeit als Ganzes, sondern zudem auch die Werthaltigkeit der
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 29/32
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Vorsorgebeiträge und damit die Existenz der Beschwerdeführerin akut gefährdet (vgl.
act. G 6, Rz. 71 ff.).
Zunächst ist mit der Vorinstanz (vg. act. G 2, E. 6.2) festzuhalten, dass hier nicht
Überwachungs- oder Sanierungsmassnahmen in Frage stehen, sondern der Eintrag
eines Standorts in den Kataster. Allfällige Überwachungs- oder
Sanierungsmassnahmen – wie etwa die Entsorgung des belasteten Bodens – und
deren Verhältnismässigkeit wären erst (noch) zu prüfen und gegebenenfalls
anzuordnen, sollte sich zum Beispiel erweisen, dass es sich entgegen des Eintrags um
einen überwachungs- bzw. sanierungsbedürften Standort handelt oder sich wegen
eines beabsichtigen Bauvorhabens dessen Sanierungsbedürftigkeit ergibt (vgl. Art. 3
Abs. 1 Bst. a AltlV).
13.2.
13.3.
Nach Art. 32c USG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 3 AltlV sind Standorte, welche die
gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, von Gesetzes wegen in den Kataster
aufzunehmen. Der Kataster bezweckt, eine Planungs- und Entscheidungsgrundlage zu
Handen der Behörde zu schaffen, indem er mit dem Erfassen aller belasteter Standorte
den Umweltbehörden helfen soll, die Altlastenproblematik systematisch und einheitlich
zu bearbeiten sowie den Raumplanungs- und Bewilligungsbehörden erleichtern soll,
die Richt- und Nutzungspläne zu erstellen sowie Bauvorhaben auf belasteten
Standorten zu beurteilen (vgl. Tschannen, a.a.O. N 38 erstes Lemma zu Art. 32c USG;
Vollzugshilfe BUWAL, Ziffer 4.2). Im Weiteren stellt er ein öffentlich zugängliches
Informationsmittel von punktuellen Bodenbelastungen dar, und verhindert so, dass die
Belastung von Ablagerungen-, Betriebs- oder Unfallstandorten übersehen wird oder
vergessen geht (vgl. Tschannen, a.a.O., N 38 zweites Lemma zu Art. 32c USG;
Vollzugshilfe BUWAL, a.a.O.). Er kann damit bei Bauprojekten auch zur Kontrolle der
vorschriftsgemässen Entsorgung von verschmutztem Aushub dienen (Vollzugshilfe
BUWAL, a.a.O.). Der Kataster wirkt sich als «praktisch kaum widerlegbares
Beweismittel» auf den Verkehrswert der registrierten Grundstücke aus und beeinflusst
die Dispositionen privater Akteure auf dem Immobilienmarkt in massgeblicher Weise
(vgl. Tschannen, a.a.O, N 38 zweites Lemma a.E. zu Art. 32c USG mit Hinweisen).
13.3.1.
Der Eintrag kann sich auf ein Gesetz stützen. Das öffentliche Interesse am Eintrag
ergibt sich ohne weiteres daraus und aus dem mit den einschlägigen Bestimmungen
13.3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 30/32
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verfolgten Zweck. Insofern helfen die beschwerdeführerischen Hinweise auf einen
möglicherweise verminderten Verkehrswert, eine schwierigere bzw. unmögliche
zukünftige Finanzierbarkeit ihres Grundstücks und den Verlust der Werthaltigkeit ihrer
Vorsorge nicht weiter. Dies ist Folge der gesetzlichen Vorgaben. Erweist sich – wie
vorliegend – ein Standort als mit grosser Wahrscheinlichkeit belastet und der Eintrag
somit als gerechtfertigt, spielen deshalb die geltend gemachten privaten Interessen
keine entscheidende Rolle mehr. Es liegt – anders als die Beschwerdeführerin darlegt –
auch kein Bagatellfall vor, der einem Eintrag aus Gründen der Verhältnismässigkeit
entgegensteht. Namentlich handelt es sich nicht um einen Ablagerungsstandort, auf
dem ausschliesslich und nachweislich nur unverschmutztes Aushub-, Ausbruch- und
Abraummaterial gelangt ist, wie die Beschwerdeführerin unterstellt (vgl. act. G 6,
Rz. 70). Dagegen spricht schon der Bericht der t._ ag, der auf Grundstück Nr. 0002
verschmutzten Aushub nachweist und der Umstand, dass solcher auch mit grosser
Wahrscheinlichkeit auf dem Grundstück Nr. 0001 abgelagert wurde. Mithin liegt kein
von Gesetzes wegen vorgesehener Bagatellfall vor (vgl. Art. 5 Abs. 2 lit. a letzter
Satzteil AltlV, der ausdrücklich die Aufnahme von mit unverschmutztem Aushub
belasteten Standorten in den Kataster ausnimmt). Für die Annahme eines Bagatellfalls
werden – soweit ersichtlich – weder in der Praxis noch in der Rechtsprechung
Mindestmengen an belastetem Material vorgegeben, welche einen Eintrag in den
Kataster rechtfertigen (sog. Mengenschwellen; vgl. Vollzugshilfe BUWAL, Ziffer 6). Als
Bagatellfälle gelten nach der Vollzugshilfe demgegenüber etwa die früher beim Bau von
Einfamilienhäusern üblichen kleineren Hinterfüllungen mit Bauschutt, weil solche
Ablagerungen vom Volumen und vom Gefährdungspotenzial bescheiden sind
(Vollzugshilfe BUWAL, Ziffer 6). Solches liegt hier indes gerade nicht vor. Vielmehr ist
die gesamte Aufschüttung in Betracht zu ziehen und nicht nur die belastete Fläche auf
Grundstück Nr. 0001. Die nachweisbare bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit von
verschmutztem Aushub belastete Fläche umfasst laut Bericht der t._ ag 100 m (vgl.
act. AFU 8, Ziffer 5.1) auf Grundstück Nr. 0002 und mindestens 50 m (wie die
Beschwerdeführerin annimmt), gestützt auf den erhobenen Sachverhalt aber eher
mindestens zusätzliche 100 m (gesamte Fläche zwischen B._strasse im Abstand von
6 m ohne Gebäude) auf Grundstück Nr. 0001. Bei einem solchen Umfang ist das
Vorliegen eines Bagatellfalls zu verneinen.
2
2
2
Weil das Amt für Umwelt und die Vorinstanz eine Belastung als mit genügender
Wahrscheinlich nach dem Gesagten bejahen durften, ist wegen der damit verbundenen
faktischen Beweislastumkehr in solchen Fällen hinzunehmen, dass der Nachweis für
13.3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 31/32
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das Fehlen einer Bodenbelastung der Beschwerdeführerin überbunden wird. Das steht
in Einklang mit der in der Altlastenverordnung vorgegebenen Vorgehensweise, wonach
in einem ersten Schritt die belasteten Standorte von der Behörde ermittelt, einer
Kategorie zugeordnet und erfasst werden (vgl. Tschannen, a.a.O., N 32 zu Art. 32c
USG). Neben der Möglichkeit der Mitwirkung im Rahmen der Ermittlung der belasteten
Standorte (vgl. Art. 5 Abs. 2 AltlV) steht den betroffenen Standortinhabern nach dem
Eintrag offen, den Eintrag – bei gegebenen Voraussetzungen – nach Art. 6 Abs. 2 AltlV
gestützt auf eine Untersuchung oder nach Beseitigung der umweltgefährdeten Stoffe
löschen zu lassen. Das Einfordern einer technischen Untersuchung als Voraussetzung
für einen Verzicht auf einen Eintrag bzw. für eine Löschung ist auch nicht
unverhältnismässig. Die Kosten einer technischen Untersuchung sind nämlich nach
Art. 32d Abs. 5 USG vom Gemeinwesen zu tragen, sollte sich nach dem technischen
Untersuch herausstellen, dass wider Erwarten keine Belastung vorliegt und der Eintrag
zu Unrecht erfolgte (vgl. Griffel/Rausch, Kommentar zum Umweltschutzgesetz,
Ergänzungsband zur 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2011, N 25 f. zu Art. 32d USG; B.
Wagner Pfeiffer, Umweltrecht, Besondere Regelungsbereiche, Zürich/St.Gallen 2013,
Rz. 739). Insofern entstünden der Beschwerdeführerin in diesem Fall gar keine
finanziellen Aufwände, weshalb erstaunt, dass sie sich mit Blick darauf und auf die von
ihr befürchteten Auswirkungen auf die Belastbarkeit ihrer Liegenschaft und
Werthaltigkeit ihrer Vorsorgebeiträge einer Untersuchung widersetzt (vgl. act. G 6,
Rz. 65; act. AFU 9, Ziffer 2). Nur andernfalls, d.h. wenn die Untersuchung eine
Belastung mit umweltgefährdenden Stoffe bestätigt, sind die Kosten von der
Beschwerdeführerin zu tragen, was jedoch dem im Umweltrecht und auch im Bereich
der Altlastenregelung geltenden Verursacherprinzip (vgl. Art. 32d Abs. 1 USG)
entspricht. Nicht zu erwarten ist, dass neben der für die Untersuchung notwendigen
Kosten der Beschwerdeführerin zusätzliche, gegebenenfalls nicht anrechenbare und
deshalb nicht vom Gemeinwesen zu tragende Kosten (vgl. zu den nicht anrechenbaren
Kosten Griffel/Rausch, a.a.O., N 25 a.E. zu Art. 32d USG und N 28 zu Art. 32d USG)
entstehen. Die von der Beschwerdeführerin zusätzlich befürchteten, durch die
Untersuchung verursachten irreversiblen Schäden sind wenig überzeugend.
Diesbezüglich kann ohne weiteres auf die zutreffenden und nachvollziehbaren
Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (act. G 2, E. 6.2). Die
Beschwerdeführerin beschränkt sich in diesem Zusammenhang auf die Wiederholung
ihrer bereits vor der Vorinstanz gemachten Vorbringen, ohne sich diesbezüglich mit der
Begründung im angefochtenen Entscheid näher auseinanderzusetzen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 32/32
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St.Galler Gerichte
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